Nr.S7S. HbonnementS'ßedingungen: WonnementS- Preis vränumerandai Bterteljährl. 3P0 Mk� monatl. UV Stt, wöchemlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- luimntet mit iDuftiiettct Sonntags. Peilage.Die Neue Well" lv Pfa. Poft» WonnemenU 1,10 Mark pro Monat. Eingetrogen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesierreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemeiuz nehmen an: Belgien. Dänemark, Hol-and. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, ClMjclnt tigll» außer Dlontaa«. *■' G. Berliner Volksblnkk. 39. Jahrg. Vit Inlertlons-LebUhf beträgt für die sechsgefpaliene Kolonel« zeile oder deren Raum«0 Psg., für politische r-""----------------'* und Per „Kleine._ Wort 20. Psg.(zulässig 2 setigedruäte Worte), fedes weitere Wort l0 Psg. Stellengesuche und Schlassiellenan- zeigen das erste Wort lv Psg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Such. zwei Warte. Inserate stoben zählen für zr für die nächste N 5 Uhr nachmittag —.....tummer müssen bis j Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedinon ist bis 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm- Adresse: „S»alaltltw»ßraf sserll»". 2�entralovgan der foztaldemokratifchcn Partei Deutfchlands. Redahtlon: 8 Öd. 68, Liiidcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 24. November 1912. Sxpedition: 8 öd. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Dem sniernationalev liongress? Der Chemnitzer Parteitag hatte beschlossen, auf dem nächsten Kongreß der Internationale als besonderen Puntt der Tagesordnung das Problem des Imperialismus vorzuschlagen. So stürmisch geht jetzt die Entlvickelung, daß bereits einen Monat später der Beschlutz über- holt war und die Internationale sofort zusammentreten mußte, nicht um theoretisch Stellung zu nehmen, sondern um praktisch einzugreifen. Als das Internationale Bureau in Brüssel zusammentrat und in seinem Manifest die Arbeiterarmeen Europas zum Kampfe gegen die Kriegsgefahr aufrief, konnte es zugleich darauf hinweisen, daß die Sozialdemokratie aller Länder bereits mobil gemacht hatte, vor allem die kleine, aber tapfere Schar unserer Genossen auf dem Balkan selbst. Wie einst Bebel und Liebknecht in der vielleicht stolzesten Tat ihres Lebens gegen den Krieg von 1870 protestiert. wie die alte Internationale flammenden Protest erhoben hatte, als der Kampf, der unter der Losung der nationalen Einigung unternommen, zu einem Eroberungskriege geworden war. so ließen sich auch unsere Genossen dort unten trotz aller Erregung von der Erfüllung ihrer hohen Pflicht nicht abhalten. v, Sie haben recht daran getan. Nichts törichter, als der Einwand, dieser Balkankrieg sei notwendig gewesen, also ein Protest, weil der Erfolg vergeblich, deshalb überflüssig. Welch kindliches Verkennen der sozialdemokratischen Aufgaben! Alles, was geschieht, ist natürlich notwendig. Aber diese Notwendigkeit ist nicht die unsere, sondern die des Kapitalismus. Die sozialen Kräfte, die zu dem Kriege führten, sind nicht Kräfte des Proletariats, sondern die seiner Gegner. Gerade in unablässigem Kampfe gegen diese Kräfte wechselt und entwickelt sich die Kraft des Proletariats, bis schließlich feine Kraft die andere überwiegt und für die Gestaltung des geschichtlichen Geschehens die bestimmende wird. Daß wir ein Ereignis als Notwendigkeit des Kapitalismus erkennen, entbindet uns nicht von dessen Bekämpfung. Denn wir haben daS proletarische Interesse nicht erst für die Zukunft zu vertreten, sondern wir erkämpfen diese Zukunft durch unseren Kampf in der Gegenwart und in jedem Einzelfall. Gerade indem wir den kapitalistischen Forderungen und Interessen die proletarischen rück- sichtslos gegenüberstellen, unbekümmert um den momentanen Erfolg, lenken wir die Diagonale des sozialen Kräfteprogramms, die die Richtung der Geschichte weist, zugunsten proletarischer Interessen jeweils so weit ab, als die Stärke des Proletariats es möglich macht, und stärken uns für künftige Kämpfe. Nur in diesen und durch diese Kämpfe können wir das Bewußtsein des Proletariats für seine geschichtliche Aufgabe erwecken. Nichts leichter gerade für uns Deutsche, denen das unvollständige Stück nationaler Ein- heit, das wir besitzen, auch erst in den großen Kriegen gegen Oesterreich und Frankreich ge- worden ist, als den nationalen Einigungskampf der Balkanstaaten zu begreifen, den historischen Fortschritt zu erkennen, der sich auf den Schlachtfeldern von Kirkkilisse, Lüle Burgas und Kumanowo vollzogen hat. Den historischen Fortschritt, der die Befreiung von der türkischen Feudal- und Militärherrschaft bedeutet, die zugleich den slawischen Nationen als Abwerfung des Joches nationaler Fremdherrschaft erscheinen mußte, den wollten auch und in erster Reihe gerade unsere Genossen. Aber der kapitalistisch-dhnastischen Losung des Krieges gegen die Türkei setzten sie die sozialistisch-revolutionäre der vereinigten Balkanrcpublik entgegen. Und wie sich das Auftreten Bebels und Liebknechts in der Folge als segensreich erwiesen hat, wie es Verhindert hat, daß das chauvinistische Gift die Gehirne der Arbeiter Deutschlands und Frank- reichs vergiftet, wie es den schweren Kampf unserer Genossen jenseits des Rheins gegen den Nationalismus erleichtert und so in der brüderlichen Solidarität der Arbeiter beider Länder den wichtigsten Friedensfaktor vorbereitet hat, ebenso wird die Haltung der Sozialdemokratie des Balkans in der sich anbahnenden Neugestaltung aller Verhältnisse von größter Bedeutung sein. Denn die ungeheueren Schwierigkeiten, die bei der Mischung der Nationalitäten und Konfessionen, bei der verschiedenen Entwickelungsstufe der sozialen Verhältnisse der Lösung durch den Balkanbund harren, sie können nur überwunden werden durch eine Demokratie und SelbstveNvaltung. die den einzelnen Nationalitäten ihr Recht auf Selbstbestimmung gibt und den Boden ebnet für die Austragung der sozialen Kämpfe. Und die Losung der freien und geeinten Balkanrepublik, die unsere Genossen vor der Katastrophe aufgestellt, die sie mit folchem Mute, während die Katastrophe hereinbrach, verteidigt haben, sie wird ihre volle Bedeutung erst nach der Katastrophe erlangen, und der Beweis wird erbracht werden, daß durch sie unsere Genossen zu Trägern des nationalen wie des sozialen Fortschritts auf dem Balkan werden. Deshalb hat auch die Haltung unserer Genossen mit Recht die begeisterte Zustimmung und den Dank der Internationale gefunden. Aber der Balkankrieg ist nicht nur eine Frage der Balkanvölker, leider nicht. Er bedeutet die Niederwerfung der Türkei, er ist zugleich wie jeder Krieg auch für den Sieger eine Schwächung. Und im Zeitalter der imperialistischen Gegensätze ist jeder Punkt einer ver- minderten Widerstandskraft zugleich ein möglicher Angriffspunkt für die großen kapitalistischen Staaten. Der europäische Kapitalismus hat nicht nur die Revolution in der Türkei, in Persien und China erzeugt, er ist auch die Ursache, daß diese Revolutionen ihr Werk der Neuordnung und Neugestaltung nicht vollenden können, daß die revolutionären Staaten zu Kriseuherden werden, die revolutionären Wirren zu Gelegenheiten für Angriffskriege und Eroberungszüge. Deshalb hat das Internationale Bureau die internationale Aktion gegen den Krieg eingeleitet. Und was die bedeutungsvollen internationalen Massenversammlungen begonnen, soll als die stärkste und wirkungsvollste Manifestation des Friedenswillens der Welt der Zusammentritt eines außerordentlichen Kongresses der sozialistischen Parteien vollenden. Und in der Tat, die außerordentliche Situation verlangte das außerordentliche Mittel. Nur Toren können wähnen, daß der Abschluß eines Waffenstillstandes und des Friedens zwischen den Balkanstaaten und der Türkei die Krise beenden könnte. Wir wissen, gerade jetzt, nach Beendigung des südslawischen Nationalkricges, beginnt erst recht die Gefahr des imperialistischen Machtkampfes. Die Gier Oesterreichs und Italiens nach der albanischen Küste will die end- gültige Erledigung der Balkanfrage verhindern, Serbien den Ausweg an die Adria sperren, und in einem autonomen Albanien einen neuen Krisenherd schaffen. Wir Sozialdemokraten haben von Anfang an uns gegen die eigennützige und gefährliche Einmischung der Großmächte gerichtet und gefordert, den Balkanvölkern ihren Balkan zu lassen. Wir sind Feinde jeder Unterdrückung und wünschen, daß auch die Albaner in ihrer nationalen Verwaltung Autonomie erhalten mögen, wie die anderen Balkannationalitäten auch. Aber für Wahnwitz halten wir es, daß die Völker Europas in den Krieg geführt werden sollen, nur um Albanien für den künftigen Raub Oesterreichs oder Italiens als Beutestück zu erhalten. Denn nur deshalb soll Albanien aus dem künftigen Balkanbund ausgeschieden werden. Deshalb halten wir auch für eine törichte Verblendung die deutsche Politik, die dieses Verlangen unterstützt und damit die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Italien und Oesterreich um den Besitz der von beiden heiß begehrten albanischen Küste näher rückt. Aber diese Gefahren aus dem europäischen Wetterwinkel werden noch übertroffen durch die. welche den Frieden Westeuropas durch das Problem der asiatischen Türkei bedrohen. Denn der Zusammenbruch der Türkei in Europa wird auch in Vorderasien nicht ahne Rück- Wirkung bleiben. Auch dort sind die stärksten nationalen und sozialen Gegensätze vorhanden. bilden die Türken eine Minorität, deren Herrschast von je schwer ertragen worden ist. Da sind die Armenier, deren Stammesgenossen zum Teil bereits unter russischer Herrschaft stehen. Die armenischen Bauern leiden sehr unter der Bedrückung der türkischen Willkürherrschaft, die sie mit ihren Steuererpressungen drangsaliert und doch nicht stark genug und oft auch nicht willens ist, sie vor den blutigen Ueberfällen der wilden Kurdenstämme zu schützen. Russischer Einfluß wühlt schon lange unter ihnen und schon während der mazedonischen und albanischen Kämpfe stand Armenien vor dem Aufstand. Wird jetzt der Zarismus das türkische Armenien nicht als reife Frucht ansehen und seine„Befreierrolle" an den Armeniern erproben? Und noch gefährlicher für die türkische Herrschaft sind die Araber, die alten Gegner, deren die Türkei nie ganz Herr geworden sind, die das türkische Kalifat stets als freche Usurpation ihres eigenen Rechts betrachtet haben. Ist nicht jetzt ihre Zeit endlich gekommen? Ein Aufstand der Araber aber, welche Gelegenheit für den englischen Imperialismus, sein letztes großes Ziel zu verwirklichen, den Landweg von Aegypten bis Indien englischem Einfluß zu sichern. das Kalifat für seinen Vasallen, den ägyptischen Khedive zu erlangen und damit für seine Herrschaft über die 100 Millionen britischer mohammedanischer Untertanen die stärkste moralische Stütze zu gewinnen! Frankreich und Deutschland aber haben Hunderte von Millionen im asiatischen Gebiet angelegt. Werden sie ruhig zusehen, wenn innere Kämpfe und äußere Angriffe den Bestand der asiatischen Türkei bedrohen? Großes steht für die kapitalistischen Mächte auf dem Spiel und mit feindseligem Miß- trauen stehen die Herrschenden einander gegenüber. Der Ring, dessen Anfangsglieder die Annexion Bosniens, die Eroberung von Marokko und Tripolis, der Balkankrieg bilden, ist noch lange nicht geschlossen. Die Kriegsgefahr, die einst im fernsten Osten und Westen begonnen hat, ist immer näher gerückt, seit Jahren erneuert sie sich für uns in stets steigender Schärfe. Und nur eine Kraft gibt es, die den Frieden unbedingt will, die Kraft des international geeinten, zu gemeinsamem Kampf zusammengeschlossenen Proletariats. , Diese Kraft zu demonstrieren, das ist die Aufgabe der Tagung von Basel. An sich ein imponierendes Schauspiel, dieses Weltparlament der Arbeit, das gemeinsam in brüderlicher Solidarität berät zu einer Zeit, wo die Herrscher der kapitalistischen Staaten Europa in waffenstarrende Heerlager zerteilt haben, wird gerade jetzt die gewaltige Manifestation des Willens zum Frieden aller Völker nicht unbeachtet bleiben können. Denn wenn der Balkan- krieg eines gelehrt hat, so dies: In einem modernen Krieg hängt fast alles von der Be- geisterung, von dem Kampfeswillen des einfachen Soldaten ab. Ohne die innerliche Zu- stimmung der Massen, ohne ihre Aufopferungsfreudigkeit ist die moderne Schlacht verloren. Deshalb haben die Balkanvölker gesiegt, weil sie glaubten, für die Freiheit zu kämpfen. Deshalb wurde die Türkei geschlagen, weil der arme, ausgebeutete anatolische Bauer nicht wußte, wofür er kämpfte, weil er für die Erhaltung türkischer Zustände nicht das Leben ein- setzen konnte. Wir Proletarier aller Länder aber wollen keinen Krieg um kapitalistischer Zwecke willen, keinen Krieg, der uns nicht die Freiheit brächte, sondern nur ungeheure Opfer und ungeheure Lasten, der ein fürchterliches Verhängnis wäre, eine gräßliche Unterbrechung unserer Kulturarbeit und unseres Befreiungskampfes. Diese Ueberzeugung der Arbeiterklasse aller Länder wird die Tagung in Basel klar zum Ausdruck bringen. Eine Mahnung für die Herrschenden, die von den Trägern der Bajonette kommt, von denen, die in den Schlachten sterben sollen. Aber nicht zum Sterben Bereite grüßen Herrscher, die sie in den Tod schicken; sondern Lebensfreudige, die leben wollen für ihren Kampf, für ihre Ziele, erheben Einspruch, daß über dieses Leben verfügen sollen die. denen es nicht gehört. Wir wollen leben und wollen kämpfen I Aber leben und kämpfen unser eigenes Leben, unseren eigenen Kampf! Der Internationale Kongreß wird warnen und wir hoffen, daß diese Warnung nicht überhört werden, daß diese Friedensarbeit vom Erfolg gekrönt sein wird. In diesem Sinne grüßen wir im Namen des Proletariats Deutschlands das Weltparlament der Arbeit l Das Spiel mit dem feuer. An der Tschntaldschalinie donnern wieder die Kanonen, aber zu umfassenden und ernsten Kämpfen ist es noch nicht gekommen. Die offiziellen Kundgebungen der Türkei wie der Balkanstaaten atmen zwar Kampfesmut und Zuversicht, daneben sind aber sicher Bestrebungen im Gange, die den Abschluß eines Waffenstillstandes auf Grund gemilderter Be- dingungen heibeisühren sollen. Der Hinweis der Türkei auf ihre neuen Verstärkungen kann ebenso wie die Meldung, daß serbische und griechische Hilfstruppen die Bulgaren an der Tschataldschakinie verstärken sollen, als ein Manöver gedeutet werden, das beiden Parteien bei den Verhandlungen möglichst viel Trümpfe in die Hand geben soll. Wenn somit das Kriegsfeuer auf dem eigentlichen Balkan sich allmählich dem Verlöschen zuneigt, glimint und schwelt die Gefahr eines europäischen Krieges drohender denn je. Dabei tritt die Verlogenheit und Unehrlichkeit der privilegierten Diplomatie Europas so recht handgreiflich in Erscheinung. In den offiziellen Noten Oesterreichs, Rußlands usw. klingt es friedlich und versöhnlich. Die mit Informationen gespeiste und je nach Bedarf inspirierte Presse der einzelnen Länder aber schlägt andere Töne an. Und neben dem Treiben der offiziösen Preßmeute machen die Mobilisierungsmaßnahmen Nußlands und Oesterreichs die Situation erst recht ernst und bedrohlich. Die unehrliche und von allen möglichen um kontrollierbaren Einflüssen abhängige Haltung der russischen Regierung gibt Oesterreich Anlaß, auch seinerseits mit dem Säbel zu rasseln, vor allem aber auch mit Deutschlands Waffenbrüderschaft zu renommieren, denn auf etwas anderes läuft der Besuch des österreichischen Thronfolgers und dessen Generalstabschefs in Berlin nicht hinaus. Jetzt dreht sich der Streit nicht mehr allein um den österreichisch-serbischen Konflikt, sondern auch Rumänien sucht im Trüben zu fischen und aus dem allgemeinen Wirrwarr Vorteile zu erhaschen, so die strategisch wichtige Donaufestung Silistria. Dabei pendelt es zwischen Dreibund und Tripelallianz hin und her und er- höht dadurch die allgemeine Unsicherheit. In dieser gewitterschwülen Zeit, in der die herrschenden Schichten der einzelnen Länder land-, macht- und profithungrig einander gegenüber stehen, muß die Arbeiterschaft doppelt auf ihrem Posten sein und ihren eigenen Weg gehen. Mögen Fürsten, Diplomaten und Generalstäbler die Köpfe zusanimen- stecken und konspirieren und demonstrieren. Mögen sie sich dem Glauben hingeben, daß die Arbeiter sich um des elenden Hafennestes Durazzo willen zur Schlachtbank schleppen lassen. W i r wiffen, daß in Millionen Köpfen und Herzen der Abscheu gegen einen Massenmord, dessen Endziel nur Sonderinteressen, nicht aber großen Kulturfragen gilt, Wurzel geschlagen hat, und Menschen mit solchen Köpfen und Herzen sind kein willen- loses Kanonenfutter. Die Waffenstillstandsverhandlungen. Sofia, 23. November.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Burcaus.) An kompetenter Stelle wird ver- sichert, daß die Verhandlungen über den Waffenstillstand fort- dauern. Für den Fall, daß ste ergebnislos verlaufen, besteht die Absicht, mit allen verfügbaren Truppen der mazedonischen, griechischen und serbischen Armee die Tschatalschalinie zu forcieren. Nach erfolgter Vereinigung würden die drei Armeen eventuell doch in Konstantinopel einziehen. Verhandlungen zwischen Bulgarien und Rumänien. Bukarest, 23. November. Gestern traf im hiesigen Ministerium des Aeußern die amtliche Mitteilung aus Sofia ein, daß der Präsident der Sobranje D a n e w nach Bukarest kommen werde. Seine Ankunft verzögert sich, da er an den Waffenstillstandsverhandlungen in Tschataldscha teilnimmt; man erwartet ihn für die nächste W o ch c. Der Entschluß der bulgarischen Regierung, den Präsidenten Danew nach Bukarest zu entsenden, ruft hier allgemeine Befriedigung hervor. Man hofft von den bevorstehenden rumänisch-bulgari- schen Verhandlungen eine Festigung des guten Verhältnisses beider Staaten, auf das man hier stets Wert legte, ins- besondere aber, seit Take Jonescu dem Ministerium angehört, da dieser zu jenen rumänischen Staatsmännern zählt, die möglichst freundschaftliche Beziehungen zu Bulgarien zur Grundlage ihrer Politik gemacht haben. Die alte Internationale in Bafel. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Nach 43 Jahren wird die alte schweizerische Rheinstadt Basel zum zweitenmal Kongreßstadt der sozialdemokratischen Jnternatw- nale. Aber welcher gewaltige Unterschied zwischen damals und heute! Damals noch die ersten Kindheitstage der internationalen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung mit nur wenigen und meist unbedeutenden politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen; mit einer unbedeutenden Presse von wenigew meist unansehnlich kleinen Blättern und vielfach noch unklarem sozialistischem Inhalt; mit nur geringem Einfluß im politischen Leben und bloß wenigen Vertretern in den Parlamenten. Dieser bescheidene Stand der Arbeiterbewegung hatte seine Hauptursache in dem damals auch noch schioachen Stande der Industrie in den meisten Ländern, deren wirtschaftliche EntWickelung noch rück- ständig war. Heute dagegen blickt die sozialistische Internationale mit Stolz und Machtbewutztsein auf ein vielmillionenköpfiges Heer vor» polt- tisch, gewerkschaftlich und genossenschaftlich organisierten Prvle- tariern; auf eine bedeutende in Millionen von Exemplaren ver- breitete Presse; auf eine zum Teil starke parlamentarische und einflußreiche Vertretung; auf eine das ganze Kulturleben der Gegenwart beherrschende, anregende und belebende Stellung und hat sie einen reichen Kranz von wirtschaftlichen und ideellen Ein- richtungen aller Art, die eine solide Grundlage und innere Be- Festigung bilden und den steten weiteren Fortschritt der Bewegung garantieren und fordern.... Der Kongreß der alten Internationale von 18Sg in Bafel— der vierte, den sie veranstaltete— fand von Sonntag, den 5. bis Samstag abend, den 12. September 1869, im„Cafe National" statt und war von 78 Delegierten aus 9 Landern nämlich der Schweiz. �eutickland, Frankreich, Belgien, Oesterreich. Italien, Spanien, Enaland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika besucht. Unseres Wissens ist nur noch einer der damaligen Kongretzdele- aierten am Leben, nämlich Genosse Hermann Greulich in Zürich, dessen 70. Geburtstag wir vor einigen Monaten feierten. BcmerkevSwert ist, baß ist bw beiden Kantones Ba s el- Asqmth über die Lage. London, 23. November. Einem ausführlicheren Berichte zufolge sagte Premierminister A S q u i t h gestern auf dem liberalen Partei. tage in Nottingham über die auswärtige Lage unter an- devem: Ich versuchte vor vierzehn Tagen in der Guildhall die Hal- tung Englands und, wie ich damals glaubte und auch heute glaube, die Haltung der übrigen Mächte angesichts des Krieges klar und genau zu bezeichnen. Diese Haltung hat sich, soviel ich weiß, in keiner Weise verändert. Wir alle wünschen dringend, weiteres Blutvergießen zwischen den kriegführenden Parteien zu verhindern. Wir wünschen noch dringender, daS Gebiet möglicher Konflikte zu beschränken und zu umgrenzen. Die Mächte arbeiten zu diesem Zwecke zusammen, und ich wiederhole heute und freue mich. eS tun zu können, daß während wir und die anderen an unseren Freund- schaften und Verständigungen mit unverminderter Beständigkeit festhalten, wir alle überzeugt sind, daß in dieser gemeinsamen Poli, tik aller keine Uneinigkeit besteht und daß es im besten Interesse des Friedens und eines friedlichen dauerhaften Zustandes liegt, daß spezielle Einzelfragen nach Möglichkeit zurückgestellt und, wenn die Zeit kommt, alle Teile der allgemeinen und endgültigen Ab- rechnung vorbehalten werden. Oeltemicb, Serbien und Rußland. Die österreichischen Rüstungen. Wien, 23. November.(Privattelegramm ves „V o r w ä r t s".) Die Mobilisierung der Armee nimmt ihren Fortgang. Es sind gegen 200 000 Mann von drei Jahrgängen aus sechs Armeekorps einberufen. Die Börse verzeichnet große Kursverluste. Schanmschlägerei der österreichischen Offiziösen. Wien, 23. November. Das heutige.Fremdenblatt" schreibt: Jahrzehntelang hat die österreichisch-ungarische Monarchie gegen, das Mißtrauen anzukämpfen gehabt, das man aus dem Balkan ihren politischen Zukunftsplänen entgegenbrachte. Eine systematisch betriebene Kampagne in einem Teile der ausländischen Presse trug dazu bei, in den Balkanvölkern den Glauben wach zu erhalten, daß die Endabsichten der Monarchie darauf gerichtet seien, im Falle des Außerkrafttretens des durch den Berliner Kongreß etablierten Statusquo mit einer aggressiven territorialen Politik auf dem Balkan vorzugehen. Der.Vormarsch nach Saloniki" wurde mit der Zeit der Sammelname für all diese Verdächtigungen. Der Aus- bruch der jüngsten Valkankrise erst gab der Monarchie die er- wünschte Gelegenheit, den Tatsachenbeweis für das Gegenteil der ihr bisher zugeschriebenen Politik zu erbringen. Ist es uns nnn hoffentlich gelungen, das gegen uns bestehende Mißtrauen der Valkanvölker betreffs unserer angeblichen Wünsche nach territorialer Expansion zu besiegen, so sehen wir uns heute vor die Erscheinung einer neuen Art von Mißtrauen gestellt, das sich diesmal Haupt- sächlich gegen die von unserer Oeffentlichkeit diskutierte Notwendig- keit der Wahrung unserer wirtschaftlichen Interessen auf dem Balkan richtet.... Um solchen Auffvssumyen endgülvig den Boden zu entziehen, wollen wir neuerlich betonen: Oesterreich-Ungarn hat auch in dem sich am meisten exponiert fühlenden Serbien durchaus keine wirtschaftliche Sonderbegünstigung angestrebt, sondern ledig- lich das zu erreichen gewünscht, was seine berechtigten Interessen erheischen. ES muß ihm die Sicherheit gegeben werden, die durch die geographische Lage und die althergebrachten kommerziellen Ver- bindungen gegebenen Vorteile für seinen Handel auszunutzen und eine weitere Ausgestaltung der handelspolitischen Verbindungen unter Berücksichtigung der beiderseitigen Interessen im Wege von Vereinbarungen anbahnen zu können, welche weder die Wirtschaft- liche Selbständigkeit Serbiens noch den Mitgenuß durch andere aus- schließen. Unter allen Umständen wird Oesterreich-Ungarn dafür Sorge tragen müssen, daß sein Handel nicht nur innerhalb der bis- herigen Grenzen der Ballanstaaten, sondern auch in ihrem nach dem Friedensschlüsse eventuell erweiterten Gebiete seine Stellung behaupten und sich entwickeln könne, sowie daß seinem Levantehandcl der freie Weg nach und über Saloniki gesichert bleibe. Hierin kann von keiner Seite eine gegen die freie wirtschaftliche Entwicke- lung der Balkanstaaten gerichtete aggressive Tendenz erblickt werden, und die von Oesterreich-Ungarn diesbezüglich gewünschten Ga- rantien können von den Balkanstaaten, auch von dem zunächst in Betracht kommenden Serbien, ohne die geringste Einbuße an ihrer politischen oder wirtschaftlichen Selbständigkeit um so eher gegeben werden, als sich Oesterreich-Ungarn gegen die Eröffnung eines Zu gangeS für Serbien zum Adriatischen Meere nur insoweit ab- lehnend verhält, als dieser Zugang im Wege territorialer Erwer- bungen an der Ostküste der Adrta angestrebt wird. Ein österreichisches Dementi. Wien, 23. November. DaS„Neue Wiener Abendblatt" schreibt: Von mehreren Seiten wird gemeldet, daß österreichisch-ungarische Kriegsschiffe vor Durazzo liegen und daß unter deren Schutz die Proklamation der Unabhängigkeit Albaniens erfolgen soll. Diese stadt und Baselland die Arbeiterbewegung schon erhebliche Bedeutung besaß. Im Jahre 1868 zählten die der Internationale angeschlossenen Organisationen der beiden Kantone 1283 Mitglieder. Die stärksten Sektionen hatten die Mechaniker mit 399, die Bandweber mit 259, die Färber mit 169 und die Zimmerer mit 113 Mitgliedern. Eine Aussperrung in einer Basler Bandfabrik brachte große Erregung in die Arbeiter« kreise und kräftige Förderung in den Organisationen, deren ge- samte Mitgliederzahl auf 3999 stieg. Um diese Zeit wurde auch der erste Arbeitcrvertreter in der Person des Fabrikarbeiters Frey in den Basler Großen Rat gewählt. Ende 1863 traten 499 Färber in einen Streik, den die herrschenden Klassen mit der Verhängung des Belagerungszustandes beantworteten, der aber dennoch nach zweimonatiger Dauer mit dem Siege der Streikenden endete. Die Zucht von Gelben und den Import von Streikbrechern kannte man damals offenbar weniger als heute. Unter den zwölf Kongreßdelegierten aus Teutschland be- fanden sich u. a. Liebknecht. Becker>Genf, Rittinghausen. Spier und Mose» Heß. Unter den 26 Delegierten aus Frankreich befantben sich Varlin. der als Teilnehmer an der Pariser Kommune von den Versailler Ordnungsbanditen in bestialischer Weise ermordet wurde, ferner der Russe Bakunin, der die unheilvolle Spaltung in die Internationale hineintrug. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung des Basier Kongresses war die Grund- und Bodenfrage, zu der folgender Be- schluß gefaßt wurde: 1. der Kongreß erklärt, daß die Gesellschaft das Reckt hat. das individuelle Eigentum an Grund und Byden abzuschaffen und in Gemeineigentum zu verwandeln. 2. Der Kon- greß erklärt, daß es im Interesse der Gesellschaft notwendig ist, den Grund und Boden in Gemeineigentum zu verwandeln. Be- kanntlich behandelte Liebknecht die Frage eingehend in einer um- fangreichen Broschüre. Auch das Erbrecht wurde auf Veranlassung Bakuninz und einiger anderen franzosischen Vertreter diskutiert. Indes kam es in dieser Frage zu keiner Beschlußfassung, da sich die Berichte der Kommission und des Generalrates der Internationale gegenüber- standen und weder für den einen noch für den anderen eine Mehr- heit zustande kam, so daß die Frage in der Schwebe blieb. Erwähnenswert ist noch die Resolution für die„Wider- sta nds gese ll s cha f t e n"— die Gewerkschaften—, die alle Arbeiter zum Beitritt zu den Gewerkschaften verpflichtet,»die durch Nachricht entbehrt, wie von informierter Seite versichert wird, voll- ständig der Begründung, denn in Durazzo liegt nur das Lloydschiff Wurmbrandt, das die Aufgabe hat, österreichisch-ungarische Staats- angehörige im Falle ihrer Bedrohung aufzunehmen,. Der Maulkorb für die Presse. B u d a p e st, 81. November. kW. T. B.) Da in den Blättern Mitteilungen über angebliche(?l) Truppenbewegungen erscheinen, wird das Amtsblatt morgen das feit dem 29. März 1903 bestehende Verbot wiederholen, wonach Veröffentlichungen über Truppeu- bewegungen, über den Zustand von Festungen und befestigten Orten, über die Borräte von Waffen und Munition, über Kricgsrüstungea und über den Bestand an Lebensmitteln im Sinne des Gesetzes von 1878 mit Gefängnis oder Geldstrafe geahndet werden. OestlicKer Knegslcbauplatz. Scharmützel an der Tschataldschalinic. Konstantinopel, 23. November. Der Generalissimus telegraphiert unter dem 22. d. Mts., 3 Uhr 20 Minuten nach- mittags: Ein geringfügiges Geschützfeuer fand gestern auf dem rechten Flügel statt. Eine feindliche Batterie, die bei Jzzedinköj stand, beschoß einen Augenblick lang die Ver» schanzungen bei Mektzebir Harbie. Die türkischen Batterien antworteten. Aufklärungsabteilungen, die vom rechten Flügel abgeschickt worden waren, erbeuteten eine Menge von Waffen und Ausrüstungsgegenständen, die vom Feind zurück- gelassen worden waren. Tie Bulgaren bombardierten Büjük Tschekmedsche und feuerten etwa 80 Granaten ab. Die Flotte erwiderte das Feuer und brachte die feindlichen Batterien zum Schweigen. Gestern nacht rückten vom Zentrum ab- gesandte kleine Erkundungsabteilungen bis Jzzedinköj vor. Es gelang ihnen, den Feind zurückzuwerfen, ihm starke Ver- luste zuzufügen und auch seine Artillerie, die auf den Höhen im Süden dieser Stadt aufgestellt war, zur Feuereinstellung zu bringen. Die Verluste der türkischen Abteilungen sind unbedeutend. Eine zweite Depesche des Generalissimus vom 22. d. Mts.. 9 Uhr abends, meldet: Auch heute fand ein schwacher Ge» schützkampf auf einigen Punkten der Kampflinie statt. Ein Jnfanteriekampf von geringer Bedeutung vollzog sich im Zentrum. Rekognoszierungen, die sich auf vier bis fünf Kilonieter erstreckten, ließen erkennen, daß das Terrain mit mehreren tausend Leichen bulgarischer Soldaten bedeckt ist. Verstärkte Beschießung von Adrianopel. Mnstapha Pascha, 23. November. Die lebhafte und an- haltende Beschießung von Adrianopel nimmt mit un- veriniiiderter Heftigkeit ihren Fortgang. Gestern morgen um 2 Uhr war die Kanonade besonders stark. Die Türken er- widerten eine Zeitlang Schuß auf Schuß und versuchten mehrere Ausfälle; sie wurden jedoch immer mit großen Ver- lusten zurückgeschlagen. Das Vordringen der Bulgaren war dagegen von besserem Erfolg gekrönt. Es gelang ihnen, ver- schiedene neue Stellungen und neue Forts einzunehmen. Seit Beginn der Belagerung ist das Bombardement noch nie so heftig gewesen wie gestern. Sofia, 23. November. Das Blatt„Mir" veröffentlicht folgende Depesche: Gestern um 5 Uhr früh versuchte die Garrison von Adrianopel einen allgemeinen Ausfall, wurde jedoch nach einem Kampfe, der den ganzen Tag an- dauerte, in die Festung zurückgeworfen. Die Türken erlitten bedeutende Verluste. Dieser allgemeine Ausfall, der erste seiner Art, wird als Versuch der Besatzung ausgefaßt, sich wieder Proviant zu verschaffen, da die Lebensmittelvorräte erschöpft sein sollen. Meltlieker Kmgöfchauplatz. Türkische Bestätigung der Niederlage von Monastir. Konstantinopel, 23. November. Ein amtliches, auf einer Depesche des Kommandeurs der Westarmee beruhendes Tele- gramm des Generalissimus besagt: Nach dreitägigen Kämpfen in dem Gürtel von Monastir zeigte es sich, daß der Platz keine Verteidigungsstellung bot und daß die Belassung der Armee in Monastir nicht ohne Schwierigkeiten wäre. Darauf zog sich ein Teil der Armee nach Resna, ein anderer nach Florina zurück. Nach einem 24stündigen Kampf mit 6000 Serben, die in das Gebiet der Mirditen übergetreten waren, wurden die Serben zerstrent und bis zuin Dorfe Pischan(Kaza Liuma) verfolgt. Es wurden zahlreiche Serben getötet und 1000 Gü' wehre erbeutet. Vom monteneAnmlchen Knegsfchauplatzc. Abzug der Montenegriner aus San Giovanni di Medna. Rjeka, 23. November. Auf die Meldimg, daß die türki- schen Truppen von Skutari beabsichtigten, eine Ver- Vermittlung der förderalen Gruppen und Zentralräte zu inter- nationaler Einigung gebracht werden sollen. Die zeniralisierten Verbände sollen beauftragt werden,„im Interesse ihrer Industrie alle Auskünfte einzuziehen, ein gemeinsames Vorgehen zu beraten und zu leiten, die Streiks zu regeln und für ihren Erfolg bemüht zu sein, bis die Lohnarbeit durch einen Bund freier Produzenten ersetzt sein werde." Der Generalrat sollte nötigenfalls die inter- nationale Verbindung der Gewerkschaften aller Länder herbeiführen und diese gewerkschafflnbe Internationale ist unter der Herrschast der neuen Internationale zur Tatsache geworden. Der Basier Kongreß stand, ohne daß man es ahnte, am Bor- abend eines großen, des deutsch-sranzösischen Krieges. Aber nicht deshalb konnte der Beschluß des Basler Kongresses, im Jahre 1879 den 5. Kongreß in Paris abzuhalten, nicht ausgeführt werden. Der Generalrat der Internationale in London hatte den Kongreß schon auf den 18. Mai 1879 angesetzt, als in Paris ein von der Polizei angestiftetes„Attentat" auf Napoleon stattfand und dadurch der gewünschte Vorwand für die Verhaftung von Mitgliedern der französischen Gruppe der Jnteriwtionale als auch dic"forderliche Stimmungsmache für das Napoleonsch« Plebiszit Svscben. die Ab. Haltung des internationalen Kongresses.vereitelt worden war. Dann sollte der Kongreß am S. September ,n Mai n z Itattfinden, dessen Abhaltung dann der Krieg unmöglich machte. Der letzte Kongreß der alten Internationale von>872.m Haag bereitete mit der Verlegung des Generalrats nach New Fori ihr " Erst'' 1889 erstand die neue sozialistische Jnternationale wieder. und zwar auf dem Kongreß in P°.v'S d-r zugle.�er Jahrhundert- feier der großen Revolution gewidmet war. sah Paris den zweiten internationalen Sozialistenkongreß. In Basel beging die sozialdemokratische Arbeiterschaft am 5 September 1999 eine große Erinnerungsfeier � k von 1 86 9 und nun erlebt es den zweite« Internationalen Sozialistenkongreß, ein Kongreß des internatio- n�len Prol�wrwts gegen den blutigen Völkerkri-g.-in Friedens kongreß zur Verbrüderung der arbeitenden Klassen aller Kultur- IanbKSoe diesem proletarischem Weltfriedenskongreß in Basel ei» voller Erfolg beschieden seml Es lebe der jrledegbtzt«, gende Sozialismus. bmdung nach der Mirdlta herzustellen, zog General Martina- witsch seine Truppen von San Giovanni di Medua zurück und sammelte seine Streitkräfte vor Skutari. »« * Literatur über den ßalhanhrieg. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts. Berlin SW. 08, ist soeben eine BroschKre erschienen, die überaus wertvolles Material zum Verständnis des Balkankrieges und der aus diesem resultierenden politischen Situation enthält. Das Wcrkchen ist betitelt:„Der Balkankrieg und die deutsche Wcltpolitik". Sein Verfasser, Genosse Otto Bauer, schildert darin in ungemein klarer und umfassender Weise die ökonomischen, nationalen und poli- tischen Ursachen des Krieges. Die nationale Mannigfaltigkeit Maze- doniens und die hier wirkenden wirtschaftlichen Tendenzen sind ebenso anschaulich dargestellt wie die mittelalterliche Eigenart Albaniens. Daneben werden aber auch die Beziehungen der weltpolitischen Strömungen zum Balkan, so der deutsch- englische und der öfter- reichisch-russische Gegensatz eingehend geschildert. Das Werk gibt ferner einen grostzügigen Ausblick auf die gefahrenschwangere weit« politische Situation, wie sie sich nach den Siegen des BalkanbundeS entwickelt hat. Wer in diesen bewegten und verworrenen Zeitläuften ein klare« Bild der Balkankrise und ihrer Begleiterscheinungen haben will, wird in der empfehlenswerten Schrift reiche Belehrung finden. Der Preis der Broschüre beträgt 40 Pf. »« * Der Internationale Kongreß in BafeL Lasel, 23. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Das alte Basel rüstet sich zum Empfang des Internationalen Kon- gresseS und die Baseler Parteigenossen wenden ihr ganzes Interesse dem Kongreß zu. obgleich am heutigen Sonnabend und morgen Sonntag zugleich eine Bürgerratsersatzwahl für Basel stattfindet. Die Lokalbeschaffung für den Kongreß hat erhebliche Schwierig- ketten gemacht, weil der ursprünglich in Aussicht genommene Saal, der bereits für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr zur Abhaltung des Internationalen Kongresses gemietet worden war, für jetzt nicht zur Verfügung steht. Der Kongreß wird daher in dem Baseler GesellschaftShauS„Burgvogteihalle" stattfinden, in- dessen wird dieses Lokal der großen Anzahl der erschienenen Dele- gierten kaum genügend Raum bieten. Man rechnet mit der Teil- nähme von mehr alS 500 Delegierten. Deutschland hat 80 Ver- treter angemeldet. Frankreich 80, die Schweiz 60, Oesterreich 00. aus Italien kommen 10 Delegierte, aus England 40, und weitere Delegationen aus Belgien, Holland, Rußland und Polen siwd angemeldet. Die„Burgvogteihalle" ist zum Empfang des Kongresse» bereits geschmückt und trägt an ihrem Eingang ein großes Schild, das das Stattfinden des Internationalen Sozialistenkongresses anzeigt. Im Innern sind die Borbereitungen indessen noch weit zurück, weil heute noch der Daslerische Kriegervereinsverband dort feine Haupt- Versammlung abhält. Die Resolutionskommission ist bereits heute um II Uhr bor- mittag« zusammengetreten und hat den ganzen Tag über beraten. Sie besteht aus Bebel für Deutschland, I a u r ä s für Frankreich, Keir Hardie für England, Adler für Oesterreich und Rubanowitsch für Rußland. Der Vorsitzende de? Jntcrnatio- nahen Bureaus, Emile Vandervelde- Brüssel, wird tvahrschcin- lich durch Krankheit am Erscheinen verhindert sein. Am heutigen Abend findet im„Bären" eine Begrüßungsfeier für die auswärtigen Delegierten statt. Morgen ftüh S Uhr tritt die deutsche Delegation in einer hiesigen Schule zusammen, um die Rrdner für Deutschland zu bestimmen und die MandatprüfungS- kommission zu wählen. Die Beratung deS ManifestentwurfeS. Bafel, 23. November.(Privattelegramm des „L o r w ä r tS".) Die Kommission, die vom Internationalen Bureau beauftragt war, die Borbervitungen für de« Kongreß zu treffen, hat sich Sonnabend vormittag in Basel versammelt. Die Kommission bestand ans Adler, Bebel, JaureS, Baillaat. Keir Hardie und Rubanowitsch. Als Uebersetzer fungierte K a o t S k y. DaS Brüsseler Bureau war durch HuySmanS ver- treten, da Bandervelde durch plStzliche Erkrankung verhindert war, nach Bafel zu kommen. Nach einer eingehenden Beratung hat sich die Kommission über einen Entwurf für ein ausführliches Manifest vollständig geeinigt. DaS Manifest wird zunächst dem Jnter. nationalen Bureau und nach neuerlicher Beratung durch die Kom- Mission Montag dem Kongresse vorgelegt werden. Berichterstatter in den drei Kongreßsprachrn sind dir Genossen Adler, JauräS und Keir Hardie. ES sind bis jetzt 450 Delegierte angemeldet, von denen ein großer Teil schon eingetroffen ist. Für das Massenmeeting im Münster werden 15 000 Teilnehmer erwartet, die zum Teil mit Extrazügen aus Bern, Zürich, aus dem Elsaß, auS Baden und Württemberg eintreffen werden. Im Münster werden sprechen der Baseler Regierungspräsident Blocher, Greulich, Haase, JaureS, Adler, DaszynSki und Keir Hardie. Bor dem Münster sind sechs Tribünen errichtet, für die je sechs Redner vorgesehen sind. Die LsnÄlsgZnachwzhien in Blürttemberg Für den zweiten Wahlgang am Freitag, den 29. November, haben Sozialdemokratie und Volkspartei ein Wahlabkommen auf folgender Grundlage geschlossen: Der Wahlkampf wird in 13 Wahl- kreisen, nämlich in Besigheim, Böblingen, Göppingen, Geislingen, Heidenheim. Kirckcheim u. T.. Neuenbürg, Reutti nHen-A int. Schorn. darf, Sulz, Tübingen-Amt, Tuttlingen und Urach, ohne jede Einschränkung mit allen Kräften weitergeführt. Zu- rückgezogen werden me lozimdemokratischen Kandidaturen unter Einstellung des K a m p f«» in den Oberämtern Braäenhcim. Calw. Gerabromr, Kunzelsau, Ludwigsburg-Stadt und Neckorsulm. Wie bekannt, kennt das wurttembergische Wahlsystem keine Stichwahlen. Im zweiten Wahlgang können alle Kandida- turen aufrechterhalten, sogar neue hinzu aufgestellt werden. ES entscheidet dann die relative Mehrheit, während im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen zur Wahl erforderlich ist. In den letztgenannten Oberämtcrn stehen wir an dritter bezw. vierter Stelle. Die Fortsetzung des Kampfes würde eine nutzlose Kräfteverschwendung bedeuten.— Um die Wahl weiterer bauernbündlerischer bezw. zentrümlicher Ab- geordneter zu verhindern hat der LandeSvorsland der Sozialdemo. kraten Württembergs unter Zustimmung der zustandigen Organi- sationen weiter beschlossen daß in den Oberämtern Backnang, Oberndorf und Vaihingen unsere Organisationen� die sozialdemokratischen Kandidaturen zurückziehen und die Wähler auffordern, bei der Nachwahl gegen die Kandidaten des Bauern- bundes bezw. des Zentrums zu stimmen. Die Stärke der Parteien ist in Backnang: Bausrnbund 2080 Sozialdemokratie 1296. Volks- Partei 1126? in Oberndorf: Zentrum 2058. Volksparte, 1940. So. zialdemokratie 1028; in Vaihingen a E' Bauernbund 1410, Sozial- demokratie 1125 Volkspartei 1049 Backnang und Vaihingen waren Besitz der Volkspartei. Obcrndorf in Zentrumsbesitz.— In den Oberojnicrn Leonberg und Waiblingen Kieht die Vol?s» Partei ihre Kandidaten zurück und fordert ihre Wähler zur Wahl des Sozialdemokraien auf. SemiBerg wurde bisher vom Bauern- bund vertreten, Waiblingen durch einen Volksparteiler. Die Stimmenzahlen der Wahl vom 16. November sind: Leonberg: Bauernbund 2574, Sozialdemokratie 2322, Volkspartei 1080; Warb- lingen Bauernbund 2007, Sozialdemokratie 1328, Volkspartei 1385. Das Wahlabkommen ist die Frucht der Hauptwahlen vom 10. November. Die Hauptwahl brachte eine Stimmenzunahme der Sozialdemokratie von 91 718 im Jahre 1906 auf 119 785. Zehn Mandate im ersten Wahlgang gegen fünf im Jahre 1906 fielen uns zu. Aber auch die gemeinsam operierende Rechte(Bauernbund und Zentrum) kountie einen namhaften Stimmenzuwachs buchen, von 138 272 auf 155 729. Das ist ein Mehr von 17 457 Stimmen. Die Folge war eine Zunahme der bündlerischen Mandate von 3 auf 11, während das Zentrum, daS einen Teil seiner Wähler zum Bauernbund abkommandiert hatte. seine 19 Mandate wie im ersten Wahlgang 1906 be- hauptete. Sehr schlecht schnitt jedoch der„liberale Block" ab. Er hatte den Verlust von 5918 Stimmen zu beklagen. Die Stimmen- zahl der verbündeten Nationalliberalen und der Bolkspartei sank von 138 055 auf 133 239, während gleichzeitig die Zahl der Ab- stimmenden um 40 523 emporschnellte. Zwar renommiert die na- tionalliberale Partei mit einem Stimmenzuwachs von rund 6000, während der volksparteiliche Bundesbruder einen Verlust von 11 533 zu beklagen hat. Die Renommage der Nationalliberalen ist aber übel angebracht. Während nämlich die volksparteilichen Wäh- ler der Parteiparole folgend zum größten Teil dem gemeinsamen nationalliberalen Kandidaten ihre Stimme zuwendeten, läßt sich das gleiche den Nationalliberalen nicht nachrühmen. Sie gingen in hellen Haufen zum Bauernbund über. Die Folge war, daß die Volkspartei 1 Mandat von ihren 8 einbüßte, die Nationalliberalen nur 4 von ihren 8 behaupten konnten. Den 30 Mandaten, des Zen» trums und des Bauernbundes stehen nunmehr 10 sozialdemokra- tische. 7 volksparteiliche und 4 nationalliberale gegenüber. Nach Beendigung der Bezirkswahlen sind noch 17 LandeSproporz-Ab- geordnete zu wählen. 1906 fielen dem Zentrum 4, dem Bauern- bund 3 zu. Diesmal dürften es zusammen 8 werden. Di« würt- tembergische.Kammer zählt 92 Abgeordnete. Gelingt eS der Rech- ten, in den 24 Nachtvahlen noch 7 Mandate zu erobern, so verfügt sie über die absolute Mehrheit. AuS dieser Situation ist das Wahlabkommen zwischen Sozialdemokratie und Volkspartei erwach'cn. Die VolkSportei hatte nur noch die Wahl zwischen einer Schwächung bis zur Bedeutungslosig- keit öder Anschluß an die Sozialdemokratie. Und so fand sie den Weg zur Sozialdeinokratie. Der nationalliberale Bundcsbruder hingegen rückt mit fliegenden Fahnen in das Lager der Reaktion ein, nachdem bei der Hauptwahl am 16. November bereits ein nicht geringer Teil seiner Truppen den Uebertritt vollzogen hat. Es hat keinen Sinn, die Nationalliberalen dieserhalb zu schel- ten. Sie folgen ihres Herzens Drang. Die wirtschaftliche Eni-' Wickelung duldet keine Halbheiten mehr. Der sellsstöndige Mittel- stand in Württemberg verschwindet mit unheimlicher Schnellig- keit. Die Mittelparteien folgen ihm. Im Jahre 1889 konnten Nationalliberale und Volkspartei 234 900 Wähler mustern, jetzt sind eS noch 133 000. In der gleichen Zeit schnellte die Stimmenzahl der Sozialdemokratie von 10 000 auf 119 009 empor. Zugleich ver- schärft sich der Gegensatz zwischen der lohnarbeitenden Bevölkerung uwd dem Agrariertum, das im Bauernbund und Zentrum seine Vertretung sieht. Jndustriekapitalismus und reaktionäres Agra- riertum verbünden sich zum Kamps gegen die arbeitende Industrie- bevölkerung. Eine Periode schwerster Kämpfe beginnt. Die Nationalliberalen Württembergs, bisher schon mehr konser» bativ als liberal, sind gleich dem Bauermbrwd nunmehr vollständig unter das Kommando Gröbers geraten. Die neue Kammer wird reaktionär sein, dank einem Wahlsystem und einer WahlkreiSein- tcilung, die die Mehrheit der Bevölkerung der reaktionären Minder- heit ausliefern. Die Regierung wird sich dem..neuen Herrn" bald anpassen. Der ZentrtimSführer Gröber ist nicht der Mann, der Widerspruch duldet. Der Sozialdemokratie fällt die schwere Auf- gäbe zu. die. Rechte des Volkes gegen einen skrupellosen Gegner zu verteidigen. Sie kann diese Aufgabe nur lösen, wenn sie stets m innigster Verbindung mit den Massen außerhalb des Parlaments bleibt. Sie hat das ungenügende Gewicht der Zahl ihrer Mandate zu verstärken durch den Druck der Massen von außen. Eine klare einfache und konsequente Politik, die den Klassengegensatz stetS scharf in die Erscheinung treten läßt, kann allein Schlimmes ver- hüten und unfern künftigen Sieg vorbereiten. politifebe CUberHcbt. Berlin, den 23. November 1912. Eine fürchterliche Verantwortung! Die„Berliner Neueste Nachrichten" veröffentlichen folgende Zu- schrift eineS Arztes: „DaS Austreten der Cholera in Konstantin opel und der türkischen Armee wird in seiner Bedeutung noch nicht genügend gewürdigt. Es ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ein rapides Fortschreiten de» Epidemie über die ganze Balkanhalbinsel voraus- zusetzen. Ein europäischer Krieg würde eine Verschleppung der Cholera über ganz Europa zur Folge haben. Schutz- maßregeln, die in Friedenszeiten eine Einschränkung der Epidemie ermöglichen, würden in Kriegszeiten nicht durch- zuführen sein. Ein Staat, der jetzt Veranlassung zu einem europäischen Krieg gibt, würde eine fürchterliche Verantwortung übernehme». Für die nächsten Tage nnd Wochen ist eine schwere Epidemie in Konstantinopel zu erwarten. Unsere Kriegsschiff« liegen mit denen anderer Staaten dort zum S»utz der Europäer. ES ist zu ver« langen, daß Schulschiffe wie unsere.Bineta", mit ihren Hunderten von Kadetten und Schiffsjungen an Bord, sofort ab- berufen werden und den Mannschaften der Schiffe, die dort bleiben müssen, wie unsere.Göben", jeder Landurlaub, wie ein Berkehr mit den Besatzungen anderer Schiffe versagt wird. Daß Nahrungsmittel und Wasser nur aus cholerafreieu Gegenden bezogen werden dürfen, ist selbst- verständlich."_ Klerikale Rabulist». Zur Beschwichtigung der aufgeregten Mitglieder der christlichen Gewerkschaften hatte die Kölner ZentrumSlettung zu Freitagabend -ine öffentliche Versammlung einberufen, in welcher der Reichs- und Landtagsabgcordnete Trimborn an der antigewerkschaft- liehen Enzyklika des PapsteS allerlei gute Seiten zu entdecken suchte und zu folgendem höchst kuriosen Ergebnis gelangte: „Die Enzyklika hat ein allgemeines politisches und sozial- politisches Interesse, vor allen Dingen ein sozialpolitisches. Das erste Wort zu dieser Enzyklika haben naturgemäß die christlichen Gewerkschaften, denn ste sind am direktesten beteiligt. Die En- zyklika wird von den verschiedensten Seiten benutzt, um den christ. lichen Gewerkschaften Schwierigkeiten zu machen. Die Gegner Suchen Geschäft« damit zu machen und das mutz für einen Augen Zolitiker stvts eine Mahnung sein, ruhig Blut zu bewah- reu, die EntWickelung der Dinge abzuwarten.— Im übrigen kann eines schon heut« gesagt werden, und daS will ich auch nicht unausgesprochen lassen(mit erhobener Stimme): Von einer Auf- gäbe und einer Preisgabe der christlichen Gewerkschaften kann absolut keine Rede sein.(Stürmischer Beifall.) Heute erst recht nicht, weil heute zwei Tatsachen vorliegen: 1. ste h t h e u t e f c st die Zulässigkeit des Beitritts der katholischen Arbeiter zu den christlichen Gewerkschaften; diese Zulässigkeit ist in der Enzyklika ausdrücklich festgelegt; 2. spricht die Enzyflika in der allerbestimmtesten Weise aus. daß niemand das Recht hat. katholische Arbeiter, die den christlichen Gewerkschaften beitreten, zu ver» ketzern, wie es leider Gottes in Keitem Umfange geschehen ist. Wir alle wünschen den christlichen Gewerkschaften wie bisher auch fürderhin den besten Erfolg. In unseren Kreisen ist die Sym- pathie für die christlichen Gewerkschaften u«gemindert, die Sympathie, die auf dem Aachener Katholikentag einen so überwältigen- den Ausdruck gefunden hat. So rufe ich den christlichen Gewerk- schaften eine frohgemutes„Glückauf!", ein„Vorwärts auf der bisherigen Bahn!" zu.(Lcmganhaltender, stürmischer Beifall.) Herr Trimborn beweist mit dieser Leistung, daß er die fesui- tische Dialektik mit Erfolg studiert hat. Nächstens wird er vielleicht gar noch feierlichst in einer Zentrumsversammlung erklären, die Enzyklika beweise lediglich das enorme Wohlwollen des Papstes für die christlichen Gewerkschaften, da die Enzyklika diese alS kirchlich berechtigte Institutionen anerkenne und sie daher auf eine feste. unanfechtbare Grundlage stell«. Daß Herr Trimborn, wenn es sein muß, eine solche Leistung fertigbringt, daran zweifeln wir nicht, wenn er auch in der Kunst der Rabulistik noch nicht ganz die Genialität des Herrn Erzbetgcr erreicht. Pius X. nnd die christlichen Gewerkschaskea. Die„Kölnische Zeitung" schreibt zu dem Kapitel„Der Papst und die christlichen Gewerkschaften" in ihrer MittagSausgabe vom Freitag: „Nachdem im Gewerkschaftsstreit schon wieder allerlei Be- schwichtiguiigsdiplomaten an der Arbeit sind, mag folgende Aeuße- rung des Papstes, die uns von einem hervorragenden Vertreter katholischer Gelehrlenkreise berichtet wird, endgültige Klarheit zu bringen. Die Erklärung lautet:„Ich erfahre zuverlässig, daß Uditore Heiner, obwohl er selbst die christlichen Gewerkschaften als eine Brulstätte von Mftchehen hält, mit dem Heiligen Bater ein- gehend über die GewerkschafiSstage verhandelt, aber nicht mehr an Zugeständnissen erreichte, als die Antwort:»Approbiere ir? Niel Nie! Dulden? Ja l' Danach braucht das Borgehen des Kardinals Kopp gegen Dr. Sonnenschein von München-Glad- dach bei den bekannten Berliner Borgängen nicht mehr Wunder zu nehmen."_ Die„Historisch-politischen Blätter" über die päpstliche Enzyklika. Die bedeutendste politisch-soziale Zeitschrift des Zentrums, die „Historisch.-Politischen Blätter", urteilt in ihrem neuesten 10. Heft des 150. Bandes über die Folgen der Gewe rkschaftse nzy kl i ka wie folgt: ..Aus all dem ergibt sich, daß zwar gegen den bisherigen Besitzstand der christlichen Gewerkschaften mchts geschehen soll, diese vielmehr als zulässig geduldet werden sollen�, daß sie auch für Katholiken nach wie vor in solchen Gegendrn in denen für die rein katholischen Organisationen kein Platz ist, in Betracht kommen. Dagegen hat jede Weite rverbrei tung der christlichen Gewerkschaften in katholischen Gegenden usw. zuwngunfteni der katholischen Organisationen unter allen Umständen zu unter- bleiben. Ueberdies sind auch in jenen Gebieten, wo die christ- lichen Gewerkschaften bereits besahen, für die aber im übrigen nach der Enzyklika rein katholische Arbeitervereine in Betracht kommen können» solche rein katholischen Orgamisattonen ins Leben zu rufen, auch ohne Rücksicht darauf, daß dadurch m einer Diözese die einheitliche Organisattonsform durchbrochen wird. Zweifellos wird die Enzyklika Wachstum und Entfaltung der rem konfessio- nellen Avbeiterorgantsationen bedeutend slärirn" Abg. Dr. Schädler mandatsmüde? Der zweite Vorsitzende der Zenlrumssraktion, Abg. Dr. Schädler, soll, nach übereinstimmenden Meldungen bürgerlicher Blätter, die Absicht haben, in de» nächsten Tagen«ein ReichSlagsmandat nieder- zulegen. Abg. Schädler ist seit längerer Zeit schwer krank. Er ver- »ritt seit 1890 den Wahlkreis Bamberg, wo er bei den letzten Wahlen mit 14 724 Stimmen gewählt wurde. Auf die Sozialdemokratie entfielen 5026, auf die Liberalen 4439 Stimmen. Sern Bamberger LandragSmandat verlor Dr. Schädler bei den letzten Landtag«- wählen._ Luftflottengesetz. ■ffiie die„Tag!. Rundschau" erfährt, tragen sich große Parteien des Reichstags mit der Absicht, gemeinsam einen Antrag einzubringen, der die schleunige Lorlage eines Lust- flottengesetzes verlangt. Die Verhandlungen darüber sind erledigt. Der Antrag ist von hervorragenden Abgeordneten verschiedener Parteien unterschrieben. In Bundesratskreisen steht man der Absicht, aus der Mitte des Reichstages heraus die Mittel zum Bau großer Luftschiffe zu verlangen, sehr sympathisch gegenüber. Unter einem Luftflottengesetz ist die Schaffung einer großen Luftflotte gemeint. Hinter diesem angeblichen Antrag steckt der Luftflottenverein, dessen festeste Stütze wiederum die an der Herstellung von Luftschiffen beteiligten Kapitalisten sind. Wenn sich die Meldung der„Tägl. Rundschau" bewahrheiten sollte, dann heißt das. den Reichstag zu einer Animierstube machen, nur daß es das Geld der Steuerzahler ist, das hier vergeudet wird._ Polizeiliche Mobilmachung gegen eine Friedens» demonstratio«. Wir veröffentlichten vor längerer Zeit schon einmal einen Polizei- lichen Mobilmachungsbefehl au« Braunschweig gegen eine Arbeiter- prorestversammlung. Am vergangenen Sonntag fand wieder in Braunschweig eine Friedensdemonstration statt, und die Polizei erließ abermals eine umfassende Mobilmachungsorder, um dieser Friedensdemonstration mit bewaffneter Macht Einhalt bieten zu können. Unserem Braunschweiger Parteiorgan ging dieser Mobil- machungSbefehl zu. Er lautet: „Befehl der Abteilung V vom 10. November 1912. Am Sonntag, den 17. November d. I., vormittag« 11 Uhr. findet im Konzerthause eine öffentliche Protestversammlung statt. Alle Beamten, einschließlich die der Spezial- abteilung. versammeln sich llftz Uhr vormittag« in Herzogl. Polizeidireklion. die Beamten der berittenen Abteilung zur selben Zeit im Feuerwehrgebäude. Die BezirkSbureau« bleiben mit einem Beanrien besetzt. Di« Wäckter(Nachtpolizisten) der Bezirk 3 und 4 versammeln sich 11'/, Uhr im Bureau de« 4. Polizeibezirl«, die der Bezirke 8 und S in Herzogl. Polizeidirektion. Außerdem komm.mdieren die Bezirke 1. 2, 5. 0. 7 je vier Wächter, die sich ebenfalls 11'/, Uhr in Herzogl. Polizeidireklion zu melden haben. Dem Polrzeioberwackitmeister Schultz«(überwachenden Beamten) stehen vier vom Kriminaloberwachtmeister Gericke näher zu be- zeichnende Kriminalpolizeisergeanten zur Verfügung. Polizei- sergeant Conrad benachrichtigt bei einem eventuellen Ausrücken die Schloßwache(Milrtär) in üblicher Weise. Die Besetzung der Straßen w i e i m m e r. In der Herzogl. Polizei- direklion bleibt zur Entgegennahme von Anzeigen Kriminalober- Wachtmeister Gericke. Bei einem Ausrücken vertritt der Poli, erWachtmeister Müller den beurlaubten Polizeiwachtmeister Stein. Polizeiwachtnreister Bode übernimmt die Reserveabteilung am Herzog-W'lhelm-Denkrnal. Die Radfahrer der Bezirke 1 und 2 halten sich abwechselnd von 10'/» Uhr vormittags in der Nähe des Konzerthauses auf und melden neben ihren anderweiten Wahrnehmungen die Teilnehmerzahl der Versammlung. Die Radfahrer der Bezirke 8 und 9 stehen in der Herzogl. Polizeidirektion zur weiteren Verfügung bereit. Der Radfahrer de« S. PolizeibezirkS befährt Me Bezirke S und 4, der deZ?. PoNzsidezirks die Bezirke 6 und 5, der des 7. Polizeibezirls den 7. Polizeibezirk. Polizeioberwachtmeister Erdmann bleibt im Bureau seines Bezirks und regelt den Dienst der ihm zugeteilten Wächter dort wie üblich. Alle Polizeibeamten, welche 11% Uhr vormittags nicht in Herzoglicher Polizeidirektion versammelt sind, empfangen 10l/4 U h r vormittags ihre Revolver. Die Revolver sind am Montag, den 18. 11. d. Js., nachmittags 31'4 Uhr bezirksweise in Herzoglicher Polizeidirektion entladen wieder abzugeben. Abteilung V." Die Polizei hatte also alles recht gut für eine Strastenschlacht am Friedenssonntag vorbereitet. Daß der Befehl mir dem Vermerk .Streng geheim" versehen war, hat nur bewirkt, daß er prompt der Oeffentlichkeit übergeben werden konnte. Die Struktur der deutsche« Landwirtschaft. Zu einem vernichtenden Urteil über die Agrarpolitik der Re- gierung gestalten sich die amtlichen Ergebnisse der landwirtschaft- lichen Betriebszählung vom 12. Juni 1907, die erst jetzt vom kaiser- lichen Statistischen Amt veröffentlicht werden. Während die Agrar- Politik der deutschen Regierung fast ausschließlich auf den Vorteil des Großgrundbesitzes zugeschnitten ist, muß die Statistik zugeben, daß diese Großbetriebe nur 0,4 Proz. aller landwirb- schafllichen Betriebe ausmachen. Im einzelnen berichtet die amtliche„Berliner Korrespondenz" über die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Bctriebszählung: „Durch die land- und forstwirtschaftliche Betriebszählung von 1907 sind 5 762 509 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von 43 106 486 Hektar und einer landwirt- schaftlich benutzten Fläche von 31 834 874 Hektar erhoben worden. In dieser Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sind aber die Betriebe mit nur forstwirtschaftlicher Fläche nicht ent- halten. Im Vergleich zu derselben Erhebung von 1895 haben die Betriebe um 177 765— 3,2 v. H. zugenommen, die landwirtschaft- liche Fläche um 683 067 Hektar— 2,1 v. H. abgenommen. Nach der Größe ihrer land- und forstwirtschaftlichen Fläche berechnet, gehörten 3378 509 oder 58,9 v. H. Betriebe zu den Zwerg- und Parzellenbetrieben lunter 2 Hektar landwirtschaft- licher Fläche). Diese Betriebe kleinsten Umfanges hatten nur 5,4 v. H.(— 1 731 311 Hektar) landwirtschaftlicher Fläche und 5,7 v. H.(— 2 492 002 Hektar) der Gesamtfläche inne. Als Großbetriebe flOO Hektar und darüber) sind 23 566— 0,4 v. H. ermittelt, mit einer landwirtschaftlichen Fläche von 7 055 018 Hektar— 22,2 v. H. und einer Gesamtfläche von 9 916 531 Hektar— 23,0 v. H. Der Rest an Betrieben wie an landwirtschaftlicher Fläche entfällt auf die bäuerlichen Betriebe (2 bis 100 Hektar), und zwar betragen diese an Zahl 2 334 007-- 40,7 v. H.> an landwirtschaftlicher Fläche nahezu drei Viertel — 23 048 545 Hektar— 72 4 v. H. und an Gesamtfläche ebenfalls fast drei Viertel— 30 697 953 Hektar— 71,3 v. H. Da jedoch auch von den Betrieben Mit über 100 Hektar namentlich in Nord- deutschland eine große Anzahl ein ausgesprochen bäuerliches Gepräge hat, andererseits viele Betriebe unter 2 Hektar in den fruchibaren Gegenden des Obst-, Wein-, Tabak- und Hopfenbaues bäuerlichen Betrieben gleichzustellen sind, ist der bäuerliche Besitz in Wirklichkeit noch stärker vertreten, als diese Zahlen erkennen lassen. Der bäuerliche Betrieb in seinen verschiedenen Ab- stufungen bildet demnach den Schwerpunkt der deutschen Land- »irtichaft." Hungernde Schulkinder. In den Dortmunder Volksschulen wurden Nachforschungen an- gestellt über die Zahl der Schulkinder, die morgens zur Schule kommen, ohne zu Hause ein warmes Frühstück erhalten zu haben. Dabei �wurden 1250 Kinder ermittelt, die morgens nüchtery zur Schule gehen. In 672 Fällen wurde Mittellosigkeit der Eltern als Grund angegeben; in den anderen Fällen wie es heißt. Nachlässig- keit, oder der Gruitfr war nicht zu ermitteln. In manchen dieser Fälle spielt wahrscheinlich die Not der Eltern ebenfalls eine Rolle. Private Kreise wollen in Verbindung mit der Stadtgemeinde für die armen Kinder„nach Möglichkeit" sorgen. Wir meinen denn doch, daß auf jeden Fall für die hungernden Schulkinder gesorgt werden muß, und zwar ist es vor allem Sache der Stadt, die nötigen Mittel herzugeben. Die Xnvaliditäts- und Hlter9vcrficherung9= vorläge in Schweden. Die vor mehreren Jahren von der konservativen Regierung eingesetzte Kommission zur Vorbereitung einer Invalidität s- und Altersversicherung hat nunmehr endlich eine vier- bändige Denkschrift ausgearbeitet, die Vorschläge zur Einführung der genannten Versicherung in Schweden enthält. Aus den Aeuße- rungen der Kommission und einzelner Preßorgane leuchtet eine gewisse Zufriedenheit mit dem Ergebnis der Arbeit hervor. Es ist zuzugeben, daß es sich im Prinzip um ein großes Werk han- delt, aber es scheint doch, als ob rein sachlich nur wenig für die breiten Massen bei diesem Kommissionsentwurf herausgekommen ist. Eine kurze Darstellung der Leistungen dieser vorgeschlagenen Versicherung mag diese Ansicht begründen. Die Versicherung soll die ganze Bevölkerung vom 16. Lebensjahre an umfassen. Ausgenommen sind nur Staats- bedienstete und deren Ehefrauen, weil für diese andere Pensions- berechtigung besteht, sowie Personen mit einem Mindestvermögen von 6000 Kronen. Im übrigen soll die Gesamtbevölkerung, Männer und Frauen, von der Versicherung erfaßt werden. Dieses Prinzip ist richtig und enthält gegenüber dem in Deutschland durchge- führten System einen kleinen Fortschritt. Leider ist das der einzige Fortschritt. Die weitere Durch- sührung des Prinzips bedeutet nichts anderes als die Uebernahme der bisherigen Armenkosten auf Staat, Gemeinden und Ver- sicherten. Die Versicherten werden nach ihrem Jahreseinkommen in drei Klassen eingeteilt. Bis zu 800.Kronen Jahresveidienst zahlen sie einen Jahresbeitrag von 2 Kronen, von 800 bis 1199 Kronen Jahreseinkommen beträgt der Beitrag 7 Kronen und bei 1200 Kronen Jahreseinkommen und darüber 12 Kronen. Diese Beiträge sollen der Versicherung jährlich 8V3 Millionen Kronen zuführen; die Gesamtzahl der Versicherten beträgt 2,6 Millionen Personen, davon 1 314 200 Frauen. Die weit überwiegende Mehrheit der Versicherten gehören der Ein- ko m mensklasse unter 800 Kronen an, nämlich 881 600 Männer und 642 300 Frauen, wozu noch 604 400 Ehefrauen kom- nien, die in dieser Klasse beitragspflichtig sind. Bei eintretender dauernder Invalidität oder bei einem Alter von 67 Jahren soll die Pensionsberechtigung beginnen. Die Jahresrente beträgt dann 30 Proz. des eingezahlten Beitrages, bei Frauen 23 Proz. Dazu kommt ein Zuschlag aus öffentlichen Mitteln, der für Männer(ohne eigenes Einkommen) auf 150 Kro- neu und für Frauen auf 125 Kronen festgesetzt ist. Der Zuschlag verringert sich in beiden Fällen uni 50 Kronen, wenn das Jahres- einkommen des Rentenbeziehers 100 Kronen beträgt, er verringert sich um 100 Kronen, wenn das Jahreseinkommen 200 Kronen be- trägt. Bei 300 Kronen Jahreseinkonimen und darüber fällt der J-jUjcfylClQ fOtt. � Xer cinkommenslose„Pensionär" wird also im günstigsten Falle, d. h. wenn er 50 Jahre Beiträge geleistet hat, folgende Pension beziehen Bei einem Jahresbeitrag von 2 Kr. 7 Kr. 12 Kr. beträgt die Jahresrente nach 50 Jahresbeiträgen a) Männer........ 180 Kr. 355 Kr. 430 Kr. b) Frauen........ 148 Kr. 289 Kr. 347 Kr. c) Mann u. Ehefrau zusammen 328 Kr. 503 Kr. 578 Kr. Das sind die Höchstleistungen nach fünfzigjähriger Beitragskeistung unter Voraussetzung, daß die Rentenbezieher keinerlei Einkommen haben. Bei kürzerer Beitragsleistung verrin- gert sich naturgemäß die Rente; nur bleibt der Zuschuß aus öffent- lichen Mitteln sich gleich, was bei den geringen Leistungen im übrigen sich von selbst ergibt. Von den Gesamtkosten des Zu- schlags soll der Staat zwei Drittel und die Gemeinden ein Drittel tragen. Da die Kommission die bisherigen Armenlasten der Ge- meinden in Rechnung stellt,- werden die Bedürftigen unter der Ver- sicherung vollständig auf diese angewiesen. Weitere Armenleistun- gen an die Bezieher dürften demnach ausscheiden, soweit aus den vorliegenden Veröffentlichungen ersichtlich ist. Obgleich nun die große Masse der Versicherten der niedrigsten Einkommensklasse angehört, im Bezugsfalle also sich mit einer Höchst- rente von 180 Kronen für Männer resp. 148 Kronen für Frauen begnügen muß, hat man den höheren Beitragsklassen eine sowohl absolut als relativ erhöhte Rente zugebilligt. Außer der Rente von 30 Proz. der Beiträge wird eine Rentenerhöhung um IZZ Proz. für jeden in den höheren Klassen geleisteten Beitrag gewährt. Das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben, kommt also auch hier zur Geltung; die Mass« begnügt sich mit 180 Kron«n Jahvesrente im günstigsten Falle. Der Staatszuschuß soll, wenn der Ruhepunkt der Versicherung eingetreten ist, den Höchstbetrag von 20,6 Millionen Kronen, der Gemeindezuschuß einen solchen von 11,1 Millionen Kronen er- reichen. Die Beiträge werden mit den Steuern erhoben. Von der Versicherung ausgeschlossen werden alle, die bei dem Inkrafttreten des Gesetzes 67 Jahre alt oder über 15 Jahre alt und invalid sind. Im übrigen sollen die Leistungen zugleich mit der Versicherung beginnen. Für die Feststellung der Bezugsberechtigung sollen in den Gemeinden Pensionsausschüsse von den Wirsicherten gewählt werden. Soweit der wesentlichere Inhalt der Vorlage, wie sie in der Presse auszugsweise veröffentlicht worden ist. Das sozialdemo- kratische Mitglied der Kommission, Genosse B r a n t i n g, unter- stützt die Vorlage, beantragt aber, eine Witwen- und Waisenrente, die etwa 3 Millionen Kronen jährlich kosten soll; ferner fordert er für alle jetzt invalide Personen, die keine anderweitige volle Unterstützung genießen, die Aufnahme in der Versicherung, was nach den Berechnungen der Kommission etwa 4,2 Millionen Kronen gleich im ersten Jahre kosten soll. Im übrigen wünscht Bran- ting, daß man endlich„vom Wort zur Tat" schreiten möge. Das ist gewiß zu beherzigen. Aber was vorliegt, ist noch keine Tat. Es ist nur eine, mag sein, verbesserte Armen- Unterstützung, zu der aber die Versicherten selbst durch 1. ihre ordentlichen Beiträge, 2. durch die indirekten und direkten Staatssteuern das ganze Fundament liefern. Da das schwedische Staatsbudget ganz wesentlich durch indirekte Steuern finanziert wird, müssen die Aermsten der Bevölkerung in relativ größerem Maße zur Fundierung der verbesserten Armenpflege beitragen, als die besser situierten Schichten, werden aber schlechter behandelt bei der Bemessung der Rente. Was aber der vorgeschlagenen Versicherung den Charakter einer organisierten Armenunterstützung gibt, ist das Fehlen jeglich-er w e i t« r g e st eck t e n sozialen Ziele. Es ist lediglich eine Rente beabsichtigt, in den weitaus meisten Fällen zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, aber man findet keiner- lei Gedanken über die Wiederher st ellung der Arbeits- kraft des Jnvalidenrentners. Es mag gewiß spezifisch schwedisch sein, den Hausbau beim Dach anzufangen, und so erklärt es sich auch, daß man in Schweden mit der obligatorischen Jnvaliditäts- und Altersversicherung beginnt, während die weit wichtigere Krankenversicherung und die Unfallversicherung noch nicht das Sta- dium der Freiwilligkeit bezw. der Haftpflicht verlassen haben. Unter diesen Umständen hätte man aber erwarten können, daß die Jnvaliditäts- und Altersversicherung bestimmte Aufgaben auf' dem Gebiete der Rekonvaleszenz bekommen hätte, getreu dem Grundsatze, daß es sowohl für die Gesamtheit als für das Individuum wichtiger ist, die Arbeits- kraft zu erhalten und die Invalidität zu verhüten, als dem Arbeitsunfähigen eine ungenügende Reute zu sichern. Aber zu diesem Gedanken scheint man sich nicht auf- raffen zu wollen. Italien. Protestdemonstration gegen Giolittis Politik. Rom, den 21. November.(Eig. Ber.) Durch die Ausweisung Gustav Hervcs hat Giolitti der sozialistischen Partei einen Fehde- Handschuh hingeworfen, den diese ohne Zögern ausgehoben hat. Der Parteworstand hat in ganz Italien Volksversamm- l u n g e n gegen die Regierung angesagt, die am 2 4. November, dem Tage des Zusammentritts des internatio- nalen Kongresses von Basc�t stattfinden werden. Daß-s sich bei der Ausweisung Herdes nicht um eine momentane Kopf- losigkett, sondern um ein System handelt, wird auch durch die gleich daraus erfolgte Ausweisung des polnischen Journalisten Nackt be- stätigt, gegen den nichts anderes vorliegt, als die Unterhaltung freundschaftlicher Beziehung mit Malatesto und andern ausländt- schen Anarchisten. Als Vorwand der Maßregel muß die Ausrede dienen, daß der Journalist Nackt ohne Subsistengmittel war, weil er augenblicklich ohne feto Anstellung arbeitete. Schreilier dieses kennt aus eigener Erfahrung das warme Interesse, das die ttalie- nische Polizei an den Einnahmequellen einiger auswärtigen Journa- listen nimmt, die innige Besorgnis, mit der sie die 31 Möglichkeit eines Versagens der Subsistenzmittel stets im Auge behält. Das zeugt gewiß für ein gutes und vorsorgliches Herz, aber es bleibt doch wunderbar, daß sich die italienische Polizei noch nie hat graue Haare wachsen lassen über die Subsistenzmittel der bürgerlichen und konservativen Journalisten. Von wieviel Selbstlosigkeit spricht nicht diese ausschließliche Besorgnis für die räudigen Schafe. Mit Erbitterung erfüllt auch die aus Paris kommende Nachricht. daß dem Genossen Herve zugemutet wurde, sich der anthropometri- scheu Untersuchung zu unterziehen, welche Maßnahme bekanntlich den praktischen Zweck hat. die Wiedererkennung der gemeinen Ver- brecher zu erleichtern, und theoretisch den Studien über die körperliche Beschaffenheit des Delinquenten dient. Als Herve sich mit dem Bemerken weigerte, daß diese Untersuchung für den polittschen Ver- brecher keinen Sinn habe, wurde der Direktor des anthropometri- schen Instituts, Prof. Ottolenghi. gerufen, der den klassischen Aus- spruch getan haben soll: die Gleichstellung der politischen und ge- meinen Verbrecher sei eine Frucht der französischen Revolution! Wo der Herr Professor wohl diese Weisheit her haben mag? Auf alle Fälle entging Herve der Untersuchung, die vor allem deshalb nicht zugemutet werden durfte, weil er kein Justizgefangener, son- dern ein aus Polizeimaßregeln Verhafteter war. Huö der Frauenbewegung. Äinderarbcit und Äinderschutz. Ueber die Frage des Kinderschutzes orientiert eine Broschüre der Genossin Luise Zietz(Kinderarbeit, Kinderschutz und die Kinder schutzkommissionen, Verlag: Buch- Handlung Vorwärts. 50 Pf.) Eindringlich werden dort die Schä» digungen geschildert, welche das in kapitalistischer Erwerbsfron aus» � gedeutete Kind in seiner Gesundheit und körperlichen Entwickelnng, ! in seinem Fortkommen in der Schule und damit im späteren Leben � sowie nicht zuletzt auf sittlichem Gebiet treffen, Schädigungen und Gefahren, die nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Lande zu finden sind. Aber auch die Arbeiterklasse als solche ist an einer Aufhebung der Kinderarbeit unmittelbar interessiert. Bedeutet doch die billige Kinderarbeit eine Schmutzkonkurrenz schlimmster Art für die erwachsenen Arbeiter. Die einzelne, von Not und Elend bedrängte Familie vermag Wohl durch den Miwerdicnst ihrer Kin- der ihre schlimme Lage in etwas zu erleichtern. Sie wird vorüber- gehend leider unter einem allgemeinen Verbot der Kinderarbeit leiden. Allein die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit kann dabei nur gewinnen. Unterstützt durch eine kräftige gewerkschaftliche Or- ganisation werden die Erwachsenen eher höhere Löhne erzielen, als wenn mit dem Nebenverdienst durch Kinderarbeit gerechnet wird. Mit Recht legt die Verfasserin Wert darauf, diesen oft nicht ge- nügend gewürdigten Standpunkt ganz besonders hervorzuheben. Bleibt die zarte Jugend unseres Volkes von der Kinderarbeit ver- schont, so kann sie sich körperlich und geistig besser entwickeln, ihre Leistungsfähigkeit, die sonst gehemmt und vor der Zeit entwertet wird, steigt und erleichtert ihr den späteren harten Kampf ums Da- sein. Der Aufstieg der Arbeiterklasse zu den Höben der Kultur in einer neuen Gesellschaft hängt nicht zuletzt davon ab, daß der Trä- ger ihrer Hossnunpen, ihr Nachwuchs, vor körperlicher Degeneration und geistiger Verkümmerung bewahrt bleibt. Ein Fortfall der Kinderarbeit würde auch ein neuer An'porn werden zur Vervoll- kommnung�der Technik, die heute in vielen Berufszweigen, beson- dcrs der Heimarbeit, aufgehalten wird durch das Massenangebot billiger Kinderhände. Kurz, es gibt keinen Grund zur Ausrecht- erhaltung der als gemein'chädlich erkannten Kinderarbeit außer dem Profitbedürsnis der ländlichen und industriellen Arbeitgeber. Dennoch ist die Arbeit berufen, ein Wicktiger Faktor in der Er- ziehunq des Kindes zu werden. Moderne Pädagogen, darunter auch sozialistische, haben die Einrichtung des Arbeitsunterrichts verlangt, der das Kind spielend zur Arbeit anleitet, seinem Gestal- tungstrieb Richtung und Nahrung gibt, leine Kenntnisse und Fähigkeiten mannigfach erweitert und gleichzeitig das Verständnis anbahnt für die Ehre und Würde der Arbeit, die�das Fundament aller Kultur ist. Jenen Anregungen folgt die Sozialdemokratie, wenn sie als Grundlage eines einheitlichen Schul- und Erziehungs- orgonismus, als unerläßlichen Bestandteil deS sozialistischen Schul- ideals, die Arbeitsschule fordert, d. h. die Arbeit, die nur pädagogi- schen Zwecken dient und so in direktem Gegensatz zur kindlichen Erwerbsarbeit steht, die lähmend und zerstörend auf Körper. Geist und Charakter wirkt. Ein Staat, der es nicht vermag, die Kinder der kapitalistischen AuSwucherung zu entziehen, verdient den Namen eines Kultur« staates nicht. Von dieser Erkenntnis ausgehend, ist die deutsche Sozialdemokratie frühzeitig für einen gesetzlichen Kinderschutz ein» getreten. Einen Abriß der Geschichte dieses Kampfes finden wir in der Zietzschen Broschüre. Die an zahlreichen Beispielen erläu- ierte Unzulänglichkeit des am 30. März 1903 endlich zustande geiom- menen Kinderschutzgesetzes hat dann die organisierte Arbeiterschaft zur Selbsthilfe veranlaßt, indem sie zur Ueberwachung der neuen Bestimmungen Kinder schutzkommissionen ins Leben ge- rufen. Diese auf freiwilliger Arbeit der sozialdemokratischen Frauen beruhenden Organisationen haben in der kurzen Zeit ihre? Bestehens Besseres geleistet als die staatlichen Organe der Gewerbe« inspektion. Sie nähmen sich nicht nur der gesetzwidrig besckäftigten Kinder an. sondern auch der mißhandelten, der verwahrlosten und der sittlich gefährdeten. In Flugblättern, Zeitungsartikeln und Versammlungen wurden die Gefahren der Kinderarbeit behandelt und ein Ausbau des in kläglicher Halbheit steckengebliebenen Ge» setzes gefordert. Tatsächliche, weit öfter aber noch vorgeschützte Un» kenntpis der bestehenden Bestimmungen machen den mühsam er- rungcnen dürftigen Äinderschutz in zahllosen Fällen illusorisch. Dem entgegen zu wirken, mutz alles getan werden, was in unserer Macht steht. Als notwendige Ergänzungen eines radikalen Verbots der Kinderarbeit müssen von der Gemeinden Schulspeisungen, Schul- ärzte in größerer Zahl als bisher, Schulbäder, kommunale Kinder- gärten und Kinderhorte gefordert werden. Die Tätigkeit der Kinderschutzkommssionen wird um so segenS- reicher sein, je mehr sie Verständnis und tatkräftige Unterstützung in der Arbeiterschaft, in erster Linie unter den Frauen findet. Dieses Verständnis zu wecken ist die Bestimmung der Zietzschen Broschüre, die wir allen Genossinnen, die der Sache des proleta- riscken Kinderschutzes noch fernstehen, zu« Studium empfehlen. Die im Anhang der Broschüre mitgeteilten gesetzlichen Kinderschutz- bestimmungen zeigen auf das deutlichste, daß es noch langer, zäher Arbeit bedarf, um dem Raubbau an der Volkskraft in der Kinder- arbeit ein Ende zu machen. (Siehe auch 1. Beilage.) ver ßalhankrleg.. Albanien proklamiert die Unabhängigkeit. Paris, 23. November.(P. C.) AuS Durazzo wird hierher gemeldet, daß der Albanesenführer JsmailKomalBei namen» aller in Albanien ansässigen Familien die Unabhängigkeit Albanien? proklamiert hat. Tie Äriegsentschädigung. Belgrad, 23. November.(P. C.) Wie die„Tribuna" ersShrt. wird der Balkanbund von der Türkei eine Entschädigungvon einer Milliarde verlangen, wovon 350 Millionen«ms Serbien entfallen sollen. gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Peräntw�Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln! Inseratenteil verantw.: rd- Glocke. Berk'«.Druck u. Verlag: V2ra)äctsBuchdr.u. Verlag-Zanstalt I*ctztc Nachrichten. Ein Proteststreik in Paris. Paris, 23. November.(W. T. B.) Anläßlich des über- morgen vor dem Pariftr Schwurgericht beginnenden Pro- zesses gegew 19 Ausschußmitglieder der Bereinigung„Le sou du soldat" beschlossen mehrere dem Baugewerke cmge- hörende Arbeitersyndikate, am nächsten Montag erneu vier« undzwanzigstündigen Streik zu veranstalten. Unterschlagungen bei einer Reichsbanknebenstelle. Soest, 23. November.(P. E.) Bei der h-esige.. Reichsbauk- festgestellt. Der Bankvorsteher Caesar sich gestern von einem � Bankstell7begang-n haben soll, zurückzuführen seim__ Schiffsexplosion. 9q November. Auf dem österreichischen Dampfer Immaculata" fand eine Kesselexplofion statt, bei der :?T-.????»-°°°»<».-» iS-__ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilage«. Nr. 275. 29. Ichrgang. 1. KW im„Kriüiirlö" Ktlintt Klblilntt Smiutoü, 24. itcufitikt 1912. franzöiikbcr Parteitag. Paris, 21. November.(Eig. Ber.) Im Saal der Genossenschafl„La Bellevilloise" fand heute der außerordentliche Parteitag statt, der die Stellung der französischen Sektion der Internationale in der Kriegsfrage auf dem Basler Kongreß vorbereitend festlegen sollte. Vertreten sind 80 Föderationen— von 84— mit 2ö0 Mandaten. Dubreuilh eröffnet den Kongreß und begrüßt den anivesenden Genossen P e r n e r st o r f e r. Zum Vorsitzenden wird Genoffe De la Porte gewählt. Er erteilt zunächst das Wort dem Genossen Perner st orfer: Ich schätze mich glücklich, daß mein Aufenthalt in Paris mir gestattet, Ihren Beratungen bei- zuwohnen. Wenn ich auch heute keinen speziellen Auftrag habe, so darf ich Sie dennoch im Namen der österreichischen Genossen be- grüßen und Sie besonders zu Ihrer herrlichen Demonstration am Sonntag, deren Zeuge ich war, beglückwünschen. Ich komme aus einem Land, das als Nachbar der Balkanländer am jetzigen Kriegs- konflikt besonders interessiert ist. Aber Oesterreich selbst hat auch mit dem Säbel gerasselt und Europa beunruhigt, denn ein Krieg Oesterreichs würde leicht zum europäischen Krieg erweitert werden. Wir haben alles getan, um unsere Regierung zur Vernunft zu bringen. Regierung aber heißt bei uns Dynastie und Dynastie heißt Franz Ferdinand. Es wäre leicht möglich, daß man bei uns Lust bekommen könnte, die Tradition der Eroberungspolitik fortzusetzen, obzwar wir zweifeln, ob der nötige militärische Scharfblick vorhanden ist. Der politische fehlt jedensalls. Wir österreichischen Sozialdemokraten haben von Anfang an das Programm:„Der Balkan den Balkan- völlern I" vertreten und die Autonomie der Nationen verteidigt. Wir, die wir in einem Reiche wohnen, wo acht Nationen zusammenleben müssen, verstehen, daß eine Vereinigung der Völker nur aus ihrer vollkommenen Selbständigkeit hervorgehen kann. Jedes Volk muß sich frei, nach seinem eigenen Genie entwickeln. Wir haben immer die falsche Politik unserer Regierung bekämpft, die uns alle Sym- pathien aus dem Balkan verscherzt und bewirkt hat. daß wir dort zu den Gehaßiesten gehören. Wenn der Name Oesterreichs dort Haß begegnet, so nehmen wir unsere sozialistischen Freunde aus, mit denen wir uns eins fühlen in der Förderung des Friedens zwischen den Völkern. In diesem Gedenken aber sind wir eins mit dem ganzen Proletariat und besonders mit den Arbeitern Frank- reichs, des Landes, aus dessen glorreicher revolutionärer Geschichte wir alle gelernt haben.(Lebhafter Beifall.) Es kommt nun der einzige Gegenstand der Tagesordnung zur Verhandlung: Die Stellung ches Proletariats zum Kriege. Es sind 15 Resolutionen der verschiedenen Föderationen eingebracht worden. Die ganze Debatte aber dreht sich um die am Sonntag vom Kongreß der«eine-Föderation beschlossene Resolution, die auch auf dem großen FriedenSmeeting vorgelegt und akklamiert worden ist. Die von der Scine-Föderation mit 313 gegen 26 Stimmen der GusSdisien(diese hatten mit Hinweis auf die Notwendigkeit der Einigkeit der Internationale beantragt, daß die französischen Dele- gierten in Basel dem Wortlaut und dem Geist der Resolutionen von Stuttgart und Kopenhagen entsprechend nur solche Beschlüsse unter- stützen sollten, die die Einigkeit der Internationale gegenüber dem Krieg sichern und es den nationalen Sektionen überlassen würden, ihre Aktion gegen den Krieg gemäß den erreichbaren Grenzen und ihren geschichilichen Traditionen voranzutreiben) angenommene Re- solution erklärt: „Es gibt keine Abmachungen, Klauseln und Geheimverträge, die das republikanische Frankreich an den russischen Zarismus binden könnten. Aus keinem Beweggrund, unter keinem Vorwand darf Frank '• reich, das keine anderen Interessen als die des Friedens hat, auf dem Balkan und im Konflikt des österreichischen und russischen Imperialismus intervenieren. Wenn unsere Regierungen uns durch eine verbrecherische Politik in diese Konflikte verwickeln und die Gefahr des Krieges heraufbeschwören sollten, erinnert der Kongreß alle Mitglieder der Partei an die Beschlüsse der internationalen Kongresse von Stutt- gart und Kopenhagen. Er erinnert sie an den Beschluß der nalio- nalen Kongresse von Limoges und Nancy: In diesem Falle müssen sie die ganze Energie und das ganze Bemühen der Arbenerklasse und der sozialistischen Partei daran- setzen, uin den Krieg durch alle Mittel, von der parlamen- tarischen Intervention, der öffentlichen Agitation, den VolkSkund- gedungen bis zum Generalstreik und der Jnsur» r e k l i o n vorzubeugen und ihn z» verhindern. Er zählt auf sie. auf die Föderationen und Sektionen der Partei, um diese Beschlüsse der Internationale und der Partei auszuführen. In der Erkenntnis, daß die Aktion der Internationale um so wirkungsvoller sein wird, je einstimmiger sie ist, gibt der Kongreß seinen Delegicrien in Basel dasJTOandat, eine gegenseitige und gemeinsame Aktion der nationalen Sektionen kleines feuilleton. Kunsthandel und Kunstorganisatiin. Aus Künstlerkreisen wird uns geschrieben: „Die Leser des„Vorwärts" werden mit Befremden von eine:» Vorgang Kenntnis erhalten fyrben, der in der Entwicklung der Kunst ohne Beispiel dasteht. Eine größere Anzahl von Künstlern der hiesigen Sezession, beileibe nicht alle von Bedeutung, hat beschlossen, dem Kunsthändler Paul E a s s i r e r das Präsidium ihrer Vereinigung anzutragen. Welche Einflüsse, die sich der Oefsentlichkeit entziehen, müssen am Werke gewesen sein, ehe es hierzu kam. Herrn Cassirer trieb sicher kein geringer Ehrgeiz, sich auf den Stuhl niederzulassen, den Meister wie Liebermann und Corinth vordem eingenommen haben. Man weiß, daß Herr Cassirer die geschäftlichen Angelegenhei- ten bereits seit Gründung der Sezession in den Händen gehalten und nie abgegeben hat. Ein pekuniärer Niedergang der Sezession würde ihm zur Last fallen. Seine Wähler behaupten allerdings, er wäre der einzige Mann, sie zu sanieren. Man lvciß ferner, daß er schon bis heute einen Einfluß auf die künstlerische Leitung ausgeübt hat, mchr als der Sezession dien- l'ch gewesen war. Er hat durch Geltendmachung seiner persönlichen wie seiner aeschäftlichen Beziehungen zu emem Teil der Künstler- schoft dio Zusammensetzung des Vorstandes stark beeinflußt.— Nun will Herr(5. nicht mehr bloß Pragdentenmacher. sondern selber Präsident sein� Merkwürdig- wir haben im Laufe der EntWickelung der Se- zesswn Bewegungen gegen Herrn E. entstehen sehen. Sie endeten rcgeluiäßig �„.it daß die oppositionellen Elemente aus der Vcr� eimgung gedrängt oder durch andere M'�l entl�w-t wurden. Wie wird es diesmal werden? Wird der Handler siegen oder wird sich die Kunst gegenüber dem Kapital einen Rest von Unabhängig- ikeit bewahren tonnen»„ �« Die Sezession als Hort der Kunst, die sich gegen osnz'elle staat. liche Bevormundung gewehrt hat. müßte umere Sympathien er- wecken. War das nicht Phrase, wenn man Hort, daß dieie unab- hängige Künstlergruppe nichts Besseres zu tun weiß, als sich m die gefährlichste Unabhängigkeit, die vom Kapitalismus, zu begeben. Dafür hat man in der deutschen Sprache das Wort„Geschäft, »Unternehmung" oder wie immer, und die Künstler wüvden damit zu Lohnsklaven. Und die Gründer und Spitzen der Sezession? Unmöglich kann «wen die Tragweite der umwälzenden Beschlüsse verborgen sein. Auf sie fällt die Verantwortung." zu suchen, die die größmöglichste Wirksamkeit der Internationale gegen den Krieg verbürgt." Compere-Morel schlägt vor, alle eingebrachten Resolutionen einer Kommission zuzuweisen und vorläufig von einer Debatte ab- zusehen. Wir wollen nach Basel eine einmütige Resolution bringen— es wäre gefährlich, hier das, tvas uns trennt, zu vis- kutieren. Vaillant will, daß zuvor diskutiert werde. Die Debattte werde der Kommission die Richtung weisen. Auch I a u r« s hält eine Diskussion, die'in guter Kameradschaft geführt werde, für nütz- lich. Wir haben genug Verantwortlichkeitsaefühl, um mit der Jnter- nationale Einmütigkeit zu erstreben. Dem Genossen Compöre-Morel, der eine methodische Sichtung der Resolution wünscht, erwidert er, daß gerade eine solche Gruppierung der Resoluttonen die Gegensätze verschärfen würde. Es wird die sofortige Diskussion beschlossen. Eröffnet wird sie von Vaillant: In der Sitzung des Internationalen Bureaus waren wir darüber einig, daß es von großem Wert wäre, nach Basel mit einer der einstimmigen Annahme möglichen Resolution zu kommen. Die Seine-Resolution ist demgemäß redigiert worden. Sie erklärt, daß wir um keinen Preis in einen Krieg verwickelt werden wollen. Weiter sagt sie, daß wir uns, wenn die Bedingungen gegeben sind, der Beschlüsie von Sruttgart und Kopenhagen und der nationalen Beschlüsse von LimogeS und Nancy erinnern wollen und zitiert deren letzten Satz, der vollständig im Einklang mit dem Beschluß der Internationale über die Massenbewegungen ist. Limoges und Nancy sind keineswegs ein Widerspruch zu Stuttgart und Kopenhagen, vielmebr sind die einen Beschlüsse die Wiederholung der anderen. Wir können nicht das, was wir in einer friedlichen Situation über unseren Kampf gegen den Krieg gesagt haben, verleugnen und uns von unserer Verpflichtung drücken. Im zweiten Teil der Seine-Resolution! konstatteren wir aber, daß die beste Arbeit gegen den Krieg in einer einheitlichen Aktion der der- schiedene» nationalen Sekttonen besteht. Wir wollen der Jnter- nationale nicht eine separate Resolution vorlegen, sondern mit ihr das Maximum der Aktion zur Verhinderung des Kriegs suchen. Wir können der Internationale gegenüber nicht entgegenkommender sein, ohne die von unsere» nationalen Parteitagen kundgegebenen Auf- fassungen zu verleugnen. L e b u s(Nordfödcration): Ich hatte geglaubt, man würde uns auf diesem Kongreß eine Resolution der Einmütigkeit vorlegen. Wir haben hier nicht eine doktrinäre, sondern eine unmittelbar die Aktion bewirkende Resolution zu finden. Jeder Antrag, der Frank- reich von der Gesamtheit der Internationale trennen könnte, muß urtbarmherzig verworfen werden. Die Seine-Resolution hat diese Beschaffenheit. Sie wird bewirken, daß 4ich die ganze Debatte um die Formel„Generalstreik und Jnsurrektwn" drehen wird. Darum ist sie unannehmbar. Selbst, wenn sie hier einstimmig angenommen werden würde, in welcher Situation würden wir uns in Basel be- finden? Kann eine solche Formel von den Vertretern Deutschlands und Englands angenommen werden?(Vaillant ruft: Ich schlage sie nicht vor!) Ja, welchen Wert hat sie dann? Betrachten Sie doch die Aeußerungen der Internationale.. Im September vorigen Jahres hat der skandinavische Kongreß die Formel Keir-Hardic- Väillant mit großer Mehrheit verworfen. In Basel wird sie wieder verworfen werden.(Vaillant: Sie kommt erst 1914 zur Verhand- lung!) Ich glaube, tatsächlich kommt sie schon vor dem Wiener Kongreß dazu. Es ist auch keine Täuschung darüber möglich, daß das deutsche Proletariat diese Formel verwirft. Redner verweist auf die Jenaer Resolution, die von allen möglichen Mitteln spricht. Es handelt sich vor allem darum, gegenüber den herrschen- den Klassen die Einstimmigkeit des Proletariats zu finden— die Einstimmigkeit stellt den ganzen Wert der Resolution dar. Aber Deutschland, die wichtigste Sektion, wird Ihre Formel ber- werfen, ebenso O e st e r r e i ch. In der Resolution des letzten Wiener Parteitages steht nichts von Insurrektion. Und Italien? Die italienischen Genossen sind auf die Probe gestellt worden und haben zu«hrem Leidwesen feststellen müssen, daß in einem Teil des Proletariats nicht etwa Patriotismus, sondern Chauvinismus zutage trat. Wo werden Sie also Zustimmungen finden außer bei uns— und ist sie selbst bei uns sicher? Ich zweifle, daß hier in dieser verantwortungsvollen Stunde eine Mehrheit für diese Formel zu finden ist. Sogar die Verwaltungskommission der Par- tei, deren Mehrheit aus Anhängern der Formel besteht, hat sie in das von ihr verfaßte, ausgezeichnete Manifest nicht aufgenommen. Die Genossen der Kommission haben gesucht, was uns eint— warum tun wir hier nicht dasselbe? Aus Eigenliebe will man die in Stutt- gart und Kopenhagen verworfene Formel aufrechterhalten. Man sagt, daß man die Resolution der Internationale nicht aufzwingen wolle, aber beweisen Sie diesen Geist der Einigkeit schon hier? Opfern Sie hier schon, was in Basel zu opfern Sie entschlossen sind.(Beifall.) Delory: In Basel handelt es sich nicht darum, Wünsche aus- zusprechen, sondern die Aktionsmittel zu prüfen. Wenn wir die Formel der Seine aufrechterhalten, schlagen wir eine Aktion vor, Diese Zuschrift eines Künstlers beleuchtet eine Phase der mo- derncn Kunstentwickelung, die momentan in der Berliner Sezession akut wird: die Beherrschung oder Kontrollierung der Kunst durch das Kunstkapital. Die Umwandlungen, die das Kapital auf dem Gebiete der Industrie und des Handels vollzogen hat, sind bor aller Augen. Weniger hat die Oefsentlichkeit erfahren von dem gleichen Prozesse, der sich in den angeblich idealen Gefilden der Kunst und Literatur enttvickclt hat und weiter entwickelt. Das Theater ameri- kanisiert sich immer stärker bei uns, es kommt immer mehr in die Hände von Finanzmächten, ober wird direkt von Bühnenverlegern vertrustet. Der Bühnenschriffftellerverband ist eben erst von den Filmfabrikanten in Bausch und Bogen in Amt und Pflicht genom- men worden. Wie die Literatur immer mehr vom Kapital abhän- gig wird, hat Genosse Sperber hier des öfteren belegt.> Daß die bildende Kunst von den Mächten des Kunsthandels dirigiert wird, ist freilich dem Eingeweihten auch lange kein Ge- heimnis mehr. Das Kunstkapital macht heute die Kunstgeschichte. Die beweglichen Klagen deutscher Künstler über die Bevorzugung des Auslandes, die in den letzten Jahren an analoge frühere Ep- scheinungen auf gewerblichem Gebiet erinnerten, richteten sich na- türlich gegen den internationalen Kunsthandel, der die qualitativ allerdings hochstehende französische Ware zu seinem bevorzugten Spekulationsobjekt erkoren hat. Die Fabel vom freien Wettbewerb ist in der Kunst eine Fabel geworden. Das Kunstkapital schafft heute die Werte.(Welcher Sohn!) Die Künstler, die es kapitalisiert, auskauft, ausbeutet, wer- den gemenaget und— die andern hungern. Daß dem Schaffen. das das freieste sein sollte, vom Kapital Ketten angelegt werden, die durchaus nicht immer goldene sind, ist sein Schicksal im kapitalisti- sehen Getriebe. Vielleicht kann die genossenschaftliche Organisation den Prozeß verlangsamen oder mildern. Die führenden Leute der Sezession scheinen so weit nicht zu denken— oder kapitulieren, da sie selber dabei nichts zu verlieren hoffen. Die Person des Herrn Cassirer kommt bei all dem für uns nicht in Frag«. Ob er diesen Künstlern genehm ist und jenen nicht. ob seine Verdienste um die Sezession und die moderne Äunit größer ist als der an ihr, bleibt hier außer Spiel. Uns interessiert die Tendenz der Kunstkapitalisierung, die in dem Se- zessionskonflikt zutage tritt und hoffentlich manchen Künstler der- anlassen wird, über gesellschaftliche Fragen nachzudenken. Der Bildhauer Max Kruse, der früher Vorstandsmitglied der Sezession lvar, hat seinen Austritt aus der Sezession erklärt, weil er in dem jüngsten Plan eine Bankrotterklärung er- blicke, die das schon untergrabene Ansehen der Sezession völlig ver- Nichte. zu der wir nicht imstande sind— wir, die am wenigsten orga- nisierte Sektion der Internationale. Wir werden alles, was mög- lich ist, gegen den Krieg tun, aber zur Insurrektion sind wir nicht fähig— sonst könnten wir sie auch machen, wenn kein Krieg ist. (Lauter Widerspruch.) Tenouvcau(Seine) meint, wenn Generalstreiks für ver- gleichsweise geringere Gegenstände möglich seien, so müßten sie auch um des Friedens willen möglich sein. Hamon ruft den GueSdisten zu:„Was verstehen Sie unter„allen möglichen Mit- teln?" Delory repliziert:„Sagen Sie mir, wie die Organisa- tion im Augenblick der Kriegserkläruna beschaffen sein wirb!" Ein anderer Guesdist ruft:„Werden Sie in Ihrem Departement den Generalstreik machen können?" H c r v« verliest im Namen der Föderation der Nonne eine Resolution, die, wie er sagt, die Resolution von Nancy präzisiert und ergänzt, und die, Ivie er sagt, den Vorzug hat, nicht doktrinär zu sein. Sie beauftragt vor allem die Fraktion, im Parlament einen Gesetzentwurf über obligatorische Schiedsgerichte in allen internationalen Fragen— auch solchen der„nationalen Ehre"— einzubringen und in diesen Entwurf die Bestimmung einzufügen, daß Bündnisse nur mit Regierungen geschlossen werden dürfen, die sich auf Schiedsgerichte verpflichten. Weiter setzt Herde ausein- ander, daß eine Generalstreikbewegung nur vor der Mobilisation möglich sei und stimmt Bebels Argument gegen den Generalstreik nach der Mobilisierung zu. Endlich beantragt er die Wahl einer sü n sg l i c d r i g e n g eh e i m e n Kommission zur Borbe- reitung von Dingen, über die man öffentlich nicht sprechen könne. Dieser Vorschlag ruft Gelächter und ironische Zwischenrufe hervor. Herve führt zu diesen Anträgen auS: Ich habe nie geglaubt, daß die Insurrektion leicht sei. Ich glaubte immer, daß sie am Ende des Krieges leichter sei als am Anfang, nach einer Niederlage lcich- ter als nach einem Siege. Aber ich meine, daß es immer noch besser ist, eine Insurrektion zu versuchen, als 290 999 unserer Brüder töten zu lassen. Ich glaube nicht, daß der Krieg kommt, ich glaube auch nicht, daß er ein unvermeidliches Produkt der kapitalistischen Gegensätze ist, ich meine vielmehr, daß diese einen friedlichen Aus- gleich finden können. Was mir die größte Gefahr scheint ist die Tatsache, daß das Natioimlitätenproblcm geschichtlich noch nicht ganz gelöst ist. In ganz Europa sind nationale Schwären, die noch nicht geheilt sind, zum Beispiel die polnische Frage.— Wir müssen unseren organisierten Genossen in den Gewerkschaften, in der C. G. T. den Weg weisen.(Zwischenrufe: Wir brauchen Ihre Ratschläge und Wcgweise nicht!) Eine Insurrektion kann nicht öffentlich vor- bereitet werden. Deshalb beantrage ich geheime Wahl der Kam- Mission.(Heiterkeit.) Wir dürfen von unseren Freunden in der Internationale nichts verlangen, was ihnen unmöglich ist, aber wir können unsere persönliche Note geben. Vaillants Resolution ist nicht präzis genug.(Vereinzelter Beifall.! Schluß der Vormittagssitzung. Nach mittagssitzung, Die Diskussion wird fortgesetzt. Das Wort ergreift Vaillant: Ucber den Generalstreik haben wir hier nicht theoretisch zu sprechen. Die Tatsachen sind da: In Frankreich und England haben wir Transport- und Bergarbeiter in den Gc- neralstreik treten sehen für wirtschaftliche Forderungen, in Belgien bereitet sich jetzt oer Generalstreik für das gleiche Wahlrecht vor und für einen so gewaltigen Gegenstand wie den Frieden sollte es unmöglich sein? Man hat den Sinn der Seine-Resolution ver- kannt.(Redner verliest sie.) Wir wollen die Aktion gegen den Krieg bis zu ihrem Maximum treiben. Die Kongreßbcschlüsse von Limoges und Nancy zitieren wir, weil sie die aufzählende Aus- führung der internationalen Beschlüsse sind. Wir beauftragen unsere Delegierten in Basel, eine Formel zu finden, die allen Set- tionen vorgelegt werden kann und eine gegenseitige, gemeinsame Aktion gegen den Krieg ergibt. Vielleicht werden wir hier nicht einig, aber wir sind alle entschlossen, in Basel zu einem einstimmi- gen Beschluß zu kommen. Wir sind uns bewußt, daß das an sich schwächere Mittel, wenn wir einig sind, mehr wirkt, als das stär- kere, wofern wir uneinig sind.— Gegen Herbe bemerkt Redner: Für die Präzificrung der Mittel ist jetzt nicht der Augenblick, für vertrauliche Beschlüsse der Kongreß nicht der richtige Ort.* Compere-Morel gibt seiner Enttäuschung Ausdruck, daß die Seine-Föderation den einstimmigen Beschluß der französischen Sektion erschwert hat. Wenn Vaillant der Einstimmig in Basel Opfer bringen will. Ivarum nicht schon hier? Man spricht immer von der revolutionären französischen Tradition, wir sind aber nicht mehr in der heroischen Periode, wie sie hier in Herves Vorschlag wieder aufgetaucht ist. Unsere Tradition in allen Ehren— aber in bezug auf die Organisation sind wir nichck auf der Höhe. Unsere ausländischen Genossen sagen:„alle Mittel". ohne wie Vaillant zu spezifizieren. Wenn wir uns auf unsere Formel versteifen, so arbeiten wir gerade den Gegnern in die Hände, die ein« Meinungsverschiedenheit zwischen den Genossen des Auslandes und uns ausspielen wollen. Ich glaube nicht, daß eini! Insurrektion vor dem Kriege möglich ist— während des Kric- Bom Luftkrieg vor Zldrianopel. Zum erstenmal trifft jetzt ein zensurfreier Bericht vom Balkankricge ein, der sich speziell mit den Leistungen und den Plänen der Flieger vor Adrianopel beschäftigt. Der englische Kriegskorrespondcnt Pcrcival Phillips weist darauf hin, daß bereits in nächster Zeit Bombenangriffe durch Flieger bei der Fortführung der Belagerung ihre Rolle spielen dürften. Wenn auch diese Einschüchterungsmittel fruchtlos vorübergehen, wird den Belagerern nichts anderes übrig bleiben, als ein Sturm mit dem Bajonett, da die Belagerungsartillerie nicht ausreicht, um dem Feinde wirklich Schaden zuzufügen.„Amtliche Aufklärungen sind überhaupt nicht zu erhalten, die Behörden bestätigen keine Meldung. Besonders geheimnisvoll ist man in bezug auf die Verwendung von Flugzeugen, obgleich man zur Zeit meiner Abfahrt in den bulga- rischen Linien vor Adranopel ganz offen diese Frage erörterte. Die letzten Versuche mit Flugzeugen waren so erfolgreich, daß in der vergangenen Woche trotz aller Gerüchte von einem Waffenstillstand die bulgarische Heeresleitung eifrig bemüht war. eine große Flug- z e u g s s l o t t e zusammenzubringen. Auf meiner Reise von der Front nach Philippopel, die ich in einem Zug mit Verwundeten zurücklegte, begegnete ich einer besonderen Fliegxrkolonne, die der Grenze zueilte. Ich sah fünf Militärflugzeuge, Eindecker und Zweidecker, die in offenen Güterwagen verladen waren und von Posten bewacht wurden, während in den hinteren Wagen sieben neu engagierte russische Flieger folgten. Und eine ganze Reihe von Flugzeugen ist bereits in Mustapha Pascha stationiert, wo gleich- zeitig wohl ein Dutzend erfahrener Flieger aller Nationalitäten weilen. Die Teilnahme der Flieger an der Belagerung Adria- nopels ist von einer Anzahl von Unglücksfällen begleitet gewesen, über die wir nicht telegraphieren durften. Trotzdem haben ver- schiedene Piloten außerordentlich wertvolle Dienste geleistet. Von einem tödlichen Unglück kann ich bestimmt berichten. Während eines heftigen Bombardements flog ein Pilot zu tief hinab und wurde eine Zielscheibe für Jnfanteriefeuer. Es wurde auch eingeräumt, daß ein anderes Flugzeug von acht Schüssen getroffen worden gefallene Flieger wurde mit militärischen Ehren in Mustapoa Pascha bestartet." Phillips berichtet dann von den Versuchen der bulgarischen Heeresleitung, die Bevölkerung von Adrianopcl durch Zettel und Broschüren gegen die Türken aufzuwiegeln.„Die Versuche des Stabes, mit den Bewohnern Adrianopels in Verbindung zu treten, unter Benutzung von Flugzeugen, sind im Lager bekannt, aber trotz mehrmaligen Ersuchens wurde es mir streng verboten, darüber zu berichten. Man hatte erfahren, daß die türkischen Beamten die Be- völkerung durch falsche Siegesnachrichten ermutigten. Nun gab man einem Sergeanten, der türkisch sprach, eine kurze SKilderunz flcB ia. Wenn die ganze International.: irrte, dürsten tvlr mit ihr irren— aber allein nicht. Wenn die Regierungen die Arbe'ter skirt wissen, so zögern sie, den Krieg heraufzubeschwören. Das hat zum Beispiel B ü l o w eingestanden. Politische und getverk jchaftliche Organisationsarbcit ist das wirksamste Mittel gegen die Kriegspolitik der Regierungen. Der Generalstreik? Denken Sie an den Ma ro k k o kr i eg! Er hat 500 Millionen verschlungen� 100 000 Mann hat man nach Afrika geschickt— und nicht nur Frei- willige. Ist da aber von Generalstreik die Rede gewesen? Wenn Sie gegen einen Kolonialkrieg nicht ein wenig Aktion bewirken konnten, wie wollen Sie da den Generalstreik inachen?(Beifall. Berauschen wir uns nicht an Worten! Sie wollen auf das Volk wirken, indem sie ihm die Schrecken des Schlachtfeldes zeigen. Aber glauben Sie, es durch die sichere Aussicht auf den Tod durchs Stand- recht zu gewinnen?(Beifall und Lärm.) In der Seinc-Resolution spricht man von der Aktion vor dem Krieg, aber nicht von der während des Krieges. Ich glaube, daß es möglich ist. während des Krieges die soziale Revolution zu machen. Das wird in der Stuttgarter Resolution ausgesprochen. Wenn wir die Einstimmig tut erhalten wollen, sagen wir nichts, was einen Teil des franzö- sischen Proletariats verletzt. Ich glaube nicht, daß die Beschlüsse der internationale die Sektionen Hinbern können, ihre eigenen Lösun- gen zu suchen. Aber ich bin gegen alles, was unsere Propaganda schädigen kann— und damit bleibe ich in der revolutionären Tradi- tion. Sie wollen von Ihrem früheren Beschluß nicht abgehen, aber muten Sie auch uns nicht zu, uns zu widersprechen.(Beifall.) JauröS: Niemand wünscht mehr als ich die Einstimmigkeit, aber diese hat die volle Klarheit der Diskussion zur Voraussetzung. Nach den Ausführungen mancher Genossen könnte man glauben daß wir die Beschlüsse von Limoges und Nancy zu revidieren hätten Aber wir haben weder von der Mehrheit noch von der Minderheit zu verlangen, daß sie sich desavouiert. Es wäre gegen die Würde der Partei, in Sturmzcitcn kühne Formeln, die sie in Friedens- zeiten verkündet hat, zurückzunehmen. Aber es handelt sich nicht nm automatische Mittel zur Verhinderung des Krieges. Alle frühe- ren Resolutionen sind aus den Ereignissen selbst geboren worden. Wenn bisher die Revolution aus dem endenden Krieg, aus der Niederlage hervorgegangen ist. so ist noch nicht bewiesen, daß ange sichts des gräßlichen Schauspiels des Orients xevolutionäre Bowc- gungen nicht schon vor dem Kriegsausbruch emporschlagcn. Die Stuttgarter Resolution gibt schon einigen von Ihnen kritisierten Anschauungen Raum, indem sie auf die Massenbewegungen hinweist. Niemals hat die europäische Lage so wie jetzt eine vielfache Aktion geboten und ermöglicht. Im Parlament müssen wir vor allem kraftvoll verkünden, daß Verträge, die von der Nation nicht bestätigt worden sind, null und nichtig sind. Eompere-Morels Hin- weis auf die Marokko-Expedition ist nicht stichhaltig. Man kann den schrecklichen Wirbelsturm eines europäischen Kriege? mit einem Kolonialkrieg, der ein paar Tausend junger Leute wegführt, nicht vergleichen.(Compere-Morcl ruft: Sie vergessen die chauvinistische Stimmung, die die kapitalistische Presse erzeugt!) Wir sind doch gerade dazu hier, die Macht dieser Strömungen zu brechen. Wenn wir schon im voraus sagen, daß wir uns vor dem Sturm beugen. (Starker Beifall. Eomperc-Morcl ruft: Das sagen wir nicht!) Ich übertreibe nicht unsere Macht, aber wir stehen nicht allein. Der Kapitalismus birgt zugleich den Frieden wie den Krieg in sich. Und wenn in ihm einander widerstrebende Kräfte vorhanden sind, so sind wir einig— eine allgemeine, in derselben Richtung wirkende .Kraft. So müssen wir ohne Großsprecherei doch optimistisch sein. Dies ist die Voraussehung jeder Aktion. Unsere Gegner aber sind tief gespalten. Rußland fürchtet seine Arbeiter und seine Polen. Oesterreich seine 24 Millionen Slawen. Unsere ausländischen Ge- nassen sind vorsichtig, aber sie haben das Bewußtsein ihrer Kraft. Vor ein paar Tagen hat die deutsche Parteipresse aus- gesprochen, daß der Balkankrieg dem Proletariat beweise, daß ein Krieg ihm mehr Blut kosten würde als die soziale Revolution. Und Genosse Dr. Adler hat in Wien auf die Lehren der Vergangenheit hingewiesen, die Revolutionen als Folgen von Kriegen zeigen. Wir haben kein Datum für die Revolution festzusetzen, aber den Regie- rungen zu erklären, daß sie an einem oder dem anderen Tag, in der einen oder anderen Form, aber möglichst bald, damit zu rechnen haben, daß das Proletariat unwiderstehlich seinen Willen, mit dem blutigen Greuel des Krieges ein Ende zu machen, geltend machen wird.(Starker Beifall.) Bracke: Es handelt sich nicht darum, ob und wann eine In- surrektion oder ein Generalstreik möglich ist. Dabei läßt sich nichts beweisen. Sondern wir haben uns nur darüber klar zu werden, welches das Maximum der Kmftleistung ist, das das Proletariat heute gegen den Krieg aufbringen kann. Lassen wir die Diskussion über die Wirksamkeit dieses oder jenes Mittels und suchen wir einen Beschlutz, aus dem alles, was uns brennen könnte, entfernt ist. Die Stuttgarter Resolution ist gegen die von Limoges und Nancy angenommen worden.(Jaures: Das ist nicht richtig. Meine Resolution hat in Stuttgart in der Kommission als Basis gedient. Lesen Sie die Stuttgarter Resolution nach und Sie werben finden, wie weit man dort Rücksicht auf die Beschlüsse der französischen Sektion genommen hat.) Aber Sie haben doch die Einstimmigkeit erstrebt. Ich habe nicht erwartet, daß hier der Kampf um die Seine- Resolution gehen wird. der wirklichen Situation. Der Mann arbeitete die ganze Nacht hindurch an der Uebcrsetzung und dem Druck von Tausenden von kleinen Bogen, mit denen dann die Flieger aufstiegen und die sie früh am Morgen über der Stadt niederfallen ließen. Die Eni- fernung und die Stärke des Windes wurde dabei wohl unterschätzt. denn es scheint, daß der größte Teil dieser Zettel außerhalb der Stadt auf frsier Ebene niederfiel." Ter englische Korrespondent weist dann darauf hin, daß die auf bulgarischer Seite fortwährend ausgestreuten Gerüchte von dem unmittelbar bevorstehenden Fall Adrianopels mit der Sprache der Tatsachen nicht übereinstimmen. Die Belagerungsarmee hat zu wenig schweres Geschütz und zu wenig Infanterie, um einen erfolg- reichen Angriff ohne furchtbare Verluste zu wagen. Theater. TheateramNollendorfplah: Kisme't, ein Traum auS„Tausend und einer Nacht". Der wirksam zubereitete Text zu diesem Ausstattungsstück stammt von einem sonst unbekannten Eng- länder E. Knoblauch her. KiSmct— mit diesem Wort wird die blinde Ergebung der Anhänger des Islam in das Schicksal bezeich- net— stellt den Traum eines jener Bettler„aus Religion"(I) dar, wie sie scharenweise vor den Moscheen herumlungern.„Hadschi"— so heißt er— wurde einst von einem Räuber sein Knabe ermordet und sein Weib gestohlen. Das konnte er nie verschmerzen. Aus zwei- ter Ehe ist ihm dann ein wundersam schönes Mädchen„Marsinah" erblüht. Zärtlich hängt der Alt« an seiner Tochter; ihr möchte er den goldenen Teppich des Glücks unter die Füße breiten. Zufällig trifft eS sich nun, daß der Kalif heiratet. Alles dies verdichtet sich in der Phantasie Habschis zu einem ebenso lieblichen wie furcht- baren Traum, in dem aller Rachedurst gegen den Sckeik Dschawan, als den vermutlichen Urheber seiner Leiden, aber auch alle Liebe des Vaters für seine Tochter offenbar wird. Wundersam verweben sich Phantasie und Wirklichkeit in dem an Abenteuern reichen Traum, der voller scheinbarer Widersprüche seinen eigenen Gesetzen folgt. Am Schlüsse sehen wir Hadschi wieder als Bettler auf seinem Stein sitzen— er hat eben nur geträumt... Zu diesen Traum- bildern hat-er-unge böhmische Opernkomponist Josef Gustav M r a c z e k vie Musik geschrieben Sie fällt auf durch ihre origi. nclle Färbung; daS Kolorit spricht orientalisch an. ES wird noch gehoben durch die Bevorzugung orientalischer Holz- wie Saiten- iiistrumente. Dm Instrumentierung erinnert allerdings zuweilen an Wagnersche Klangmischungen, indessen, wie im Text immer daö tragische Element als Farce endigt, so wirkt auch bei dieser Musik das Abgeriiiene,s bas Recht haben, laut, im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit, zu ver- künden, daß für die Völker, die man in einen Kampf zu treiben versucht, niemals die Anwendung revolutionärer Mittel, des General st reiks und der Insurrektion zur Verhütung und Einstellung des Konflikts und zur Entreißung oer Macht aus den Händen der herrschenden Klassen, die den Krieg entfesselten, besser gerechtfertigt wäre. Der Kongreß sieht die beste Friedensbürgschaft darin, daß alle Regierungen wissen, daß sie das Unheil eines allgemeinen Konflikts nicht ohne Gefahr für sich selbst heraufbeschwören können. Er hofft, daß die gemeinsame Propaganda und' Aktion der Proletarier aller Länder daS Ausbrechen des allgemeinen Krieges, der die Welt periodisch bedroht, verhüten wird. Er beauftragt seine Delegierten zu dem Baseler Kongreß, in vollem Ein- vernehmen mit der Internationale und durch einen einstimmt- gen Beschluß überall die Propaganda und die Aktion gegen den Krieg zu verstärken." Nach einer schwungvollen Ansprache Jaures' wird diese Reso- lution e i n st i m m i g angenommen und der Kongreß mit Hochrufen auf die Internationale und mit dem Ruf: Nieder mit dem Krieg! geschlossen._ parlamentanrchee* Haftung deS Staates für Amrspflichtverletzungen von Lehrern. Mt der Frage der Hastung des Staates und anderer Ver- bände für Ämtspflichtverlrtzungen von Lehrern bei Ausübung der öffentlichen Gewalt hat sich die verstärkte Justiz! om- Mission des Abgeordnetenhauses beschäftigt. Bekanntlich ist am l. August 190S ein Gesetz in Kraft getreten, das für Amtspflicht- Verletzungen von Beamten den Staat und andere Verbände lxiftbar macht, sich dagegen nicht auf die Lehrer bezieht. Infolgedessen be- steht über das geltende Recht keine Klarheit. Fest steht nur, daß Lehrpersonen an Privatschulen nur persönlich haften, daß dagegen Lehrpersonen an staatlichen Anstalten jeder Art als unmittelbare Staatsbeamte gelten, für die der Staat haftet. Für die Lehr- Personen an den öffentlichen Volksschulen haftet im Gebiete des rheinischen Rechtes der Staat, im übrigen haften sie nach wie vor selber. Vollends zweifelhaft ist die Rechtslage in bezug auf die Lehrpersonen an allen kommunalen Unterrichtsanstalten, die nicht der Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht dienen. Um diesen unbefriedigenden Rechtszustand zu beseitigen, hatten die Freikon- servativen die Ausdehnung des Haftvflichtgesetzes auf die Lehrer und Lehrerinnen eines SchulverbanbeS sowie auf Lehrpersonen der Schulsozietäten und der sonstigen zur Unterhaltung von ösfent- lichen Unterrichtsanstalten verpflichteten Verbänden und Stiftungen des öffentlichen Rechts beantragt. In der Justizkommission erhoben die Vertreter der Regierung lebhafte Bedenken gegen den Antrag. Der Vertreter des Unter- richtsministers wandte sich grundsätzlich dagegen, eine prinzipielle Haftung deS Staates für die AmtSpflichtverletzungen der Lehrer festzusetzen, weil nach den Gründsätzen der Verfassung und des Schulunterhaltungsgesetzes die Gemeinden in erster Linie verpflich- tet seien, die gesamten VolkSschuluntcrhaltungskosten zu tragen und der Staat nur ergänzungSweiie mit Zuschüssen einzutreten habe. Aehnlich der Vertreter des Justizministers, der hinzufügte, daß die- finanzielle Tragweite der Haftung nicht sehr erheblich sei und die Regierung niemals zu ihrer Haltung bestimmt habe. Maßgebend sei vielmehr lediglich das grundsätzliche Bedenken gewesen, daß hier für die Behandlung der BolkSschulunterhaltungsfrage ein Präjudiz geschaffen werde, daS für die Zukunft einmal von Erheblichkeit wer- ben könne. Trotz dieser Bedenken ber Regierungsvertreter hat die Kommission den LRitrag einstimmig angenommen. Es des jauchzenden, feilschenden, auch miteinander streitenden Gesin- dels kommt der Wirklichkeit ziemlich nah. Javanische und siame- fische Tänzerinnen treten auf. Aber die gliederverrenkenden Pro- duktionen der indischen Schlangcntänzerin Tortola Valencia be- zeichnen doch den Gipfel aller Leistungen. Unter den tüchtig ge- schulten Darstellungen ragen Emil Lind als Hadschi sowie Ellen Richter als Marsinah, Karl M a ch o l d und Karl P fa n n her- vor. Man wird sich ja erst hineinleben müssen in diese orientalische Traumwelt; aber dann, glauben wir, dürfte„Kismet" Zugkraft ausüben. le. Notizen. — Der Bildhauer Otto Lessing ist\n Grunewald am Freitag gestorben. Sein belanntestcs Werl ist das Lessingdenkmal in Berlin. — Kunstchronik. Fan Gauguin, der Sohn von Paul Gakguin. wird Bronzen und Gravuren in einer Sturm-AuSstellung, die Montag 12 Uhr eröffnet wird(Känigin-Augustastr. 51). zeigen. Gleichzeitig werden Gemälde kollektiv von Artur Segal und Egon Adler ausgestellt. — Vorträge im Institut für Meereskunde(Geor- gen Straße 34— 36): Montag, Dr. A. Merz: Die Wärmeverteilung in den Ozeanen: Dienstag, Dr. Th. Krumbach: Das Tier und die Welle; Freitag, Dr. L. Wecking: Von Singapur bis Uokohama. — Robert Blums G r ab st ein. DaS Grab Robert Blums, das seit dem Jahre 1848 als unauffindbar galt, ist jetzt auf dem allgemeinen Währinger Friedhofe festgestellt und mit einem Denkstein bezeichnet worden. Der Grabstein trägt folgende Inschrift: Robert Blum, erschossen am v. November 1848 und hier beerdigt. Seine letzten Worte: »Ich sterbe für die Freiheit, möge das Vaterland meiner eingedenk sein!" — Die größten Geschäftsstraßen der Welt. Eine Statistik über die größten Geschäftsstraßen der Welt enthält da» neue Jahrbuch der„Dai h Mail m London. Danach ist die Straße vor der Bank von England»n der City von London mit 500 000 Passanten und 50 000 Fuhrtverken aller Art wohl die belebteste Straße der Welt. Danach folgt der Opernplatz in Paris mit etwa 450 000 Passanten und 63 000 Fuhrwerke», während die Friedrich. t ratze in Berlin am Tage ungefähr 300 000 Futzgänger zählt und der Graben in Wien nahezu dieselbe Zahl erreicht. Der Broadway in New Jork hat ztvar weniger als 500000 Fußgänger täglich auf- zuweisen, dafür fahren aber mehr als 700 000 Menschen alle vier- undzwanzia Stunden über diese Straße in Mowromnibuffen und Straßenbahnen. tvird sich bei der Beratung im Plenum herausstellen, ob die Reale« rung auf ihrer grundsätzlichen Haltung beharrt oder ob sie sich de« Beschlüssen des Hauses, die sich übrigens auch mit früheren Be« schlüsscn des Herrenhauses decken, fügen wird. Eue der parteL Der Parteitag der englischen Arbeiterpartei. Zum Parieitag der Arbeiterpartei, der Ende Januar in London statifindet, liegen eine Reihe beachtenSwerier Anträge vor. Zur Kriegsfrage fordert die Arbeiterinnenliga die Vorbereituiig der Organisationen aller Länder zur Verhinderung der Kriege durch Anwendung des Generalstreiks gegen jeden Staat, der sich nickt schiedSgerichllicker Enlscheidung unterwirft. Die Frauen sollen zur Erziehung der Kinder im Sinne der Ersetzung der Krieas- freude durch Bekämpfung der Armut aufgerufen werden.— Äluck die Unabhängige Arbeiterpartei beanlrogt. vie gesamte oder teilweise Einstellung der Arbeit als Mittel gegen Kriege zu empfeblen.— In der W a h lr e ck l s f r a g e fordern dieselben Organisationen und die F a b i e r- Gesellschaft, die Fraktion solle, falls eS nicht gelingt, das Fraue»wahlre»t zu sichern, die ganze Reformvorlage ablebnen,— Wenere Aniräge wollen: Verstaatlichung der Bergwerke(Bergarbeiterverband), der Eisenbahnen und Kanäle(Eisenbahnangestellte), des ärztlichen Dienstes— Ausbau der Arbeiterversicherung durch Ein» sührung der Beilragsfreibeit und der Wahl aller Organe— Er- hallung des Rechts zu st reiten— bessere Arbeitsteilung zwischen dem Partei- und dem Gewerkschaftskongreß— Zusammenschluß sämtlicher Gewerkschaften— Konferenz sämtlicher Arbeiter- partei-n des britischen Reiches zur Feststellung einer Arbeiter» p o tili k in R e i ch s a n g e l e a e n h e i t e n— Verbot der Ver- bindung eines leitenden Gewcrkschastsamts mit einem Parlaments- Mandat— Verbot der Annohme eines Amtes einer bürgerlichen Partei(jedenfalls auch der Regierung) bei Strafe des Ausschlusses aus der Partei.— An Anregungen und schwerwiegendm Per- Handlungsfragen wird es also nicht fehlen. Gegen den Krieg. Am Bußtage fanden indem ländlichen Kreise Breslau(Land)» Neumarkt 20 Versammlungen statt, in denen gegen Krieg und Kriegsgefahr demonstriert wurde. Die Veriaminlungeii er- steuten sich sämtlich, trotz des schlechten Weilers, eines guten Be- s u ch e S, Ersreulicherweiie hatten sich nicht nur unsere ständigen Versammlungsbesucher, sondern auch Kleinbauern, Gutsarbeiler und Frauen in reicher Zahl ciiigesunden. In allen Versammlungen wurde unter lebhaftem Beifall eine Resolution angenominen, in der sich die Versammelten dagegen verwahren, ihr Blut für die Pläne ehrgeiziger und herrschsüchtiger Cliquen zu opfern. Ein sozialdemokratischer Kreistagsoerordneter. In Fürstenwalde a. Spree ist es unseren Genossen in der Stadtverordnetenversammlung gelungen, bei der Wahl von neun Kreistagsverordneten für den Lebuser Kreis auch unserer Partei eine Vertretung zu sichern. Gewählt wurde in der Stichwahl der Ge» nosse Felder mit 15 gegen 14 Stimmen; allerdings auch nur dadurch, daß außerdem 14 weiße Zettel abgegeben wurden. Gcmcindcwahlen. In der ZentrumSdomäne NevigeS-TönneSheibe wurden vier soztatdemokrallsche Stadtverordnete mit erheblicher Mehrheit gewählt. In Suhl in Thüringen behaupteten bei der Stadtrat«- wähl in der dritten Wählerklasse unsere Genossen ihre drei Sitze mit erheblichemStimmenzuwachS. � Jugendbewegung. Arbeiter-Jugend. Die soeben erschienene Nr. 24 des 4. Jahrgang? hat unter anderem folgenden Inhalt: Fortbildungsschulen für junge Arbeite- rinnen. Von Luise Zietz.— Die soziale Revolution. Von Gustav Eckstein.— Der Kakao und seine Gewinnung(mit Abbildungen). Von Hermann Krafft.— Vom Würger Krieg.— Der kleine Kölner. Von Paul Böttcher.— AnS der Jugendbewegung (Württemberg. Oberfrankcn, AuSbildungSkursuS).— Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Warum? Erzählung von Ilse Frapan.— Gudrun. Von Otto Koenig.— Wie Horant sang.(AuS Gudrun). — Rembrandt(mit Abbildungen). Von Adolf Bruno.—»Mit Blitzlicht und Büchse im Zauber deS Elelöscho." Von Jürgen Brand. — Wissenswertes von der Sprache.— Gold. Erzählung von Paul Cupid._ Em Industrie und Rande!. Der Fiskus als Urheber der Kohlenpreiserhöhung. Auf der Generalversammlung der Deutsch- Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten» Aktiengesellschaft äußerte sich Hugo Stinnes u. o. über die Ursachen des Rücktritts des preußischen Bergfiskus vom Kohlensyndikat. Aus diesen Mitteilungen geht un« zweifelhaft hervor, daß der Bergfiskus von vornherein für eine Er- höhung der Kohlenpreise eingetreten ist. Bereits im September beziehungsweise Oktober hatte sich das Syndikat mit den Ver- treiern des FiSkuS an der Saar und Ruhr über die Preis- erhöhung verständigt, Nur über die Art der Erhöhung de- standen Meinungsverschiedenheiten. Die privaten Zechen und der bayerische F'Slus sind für eine offene Preiserhöhung, der preußische BergfiskuS dagegen für eine in verschleierter Form durch Rabattverkürziing gewesen. Schon bei dieser Gelegenheit ist gerade der FiS'uS für eine Verteuerung von Hausbrand- kohle eingetreten, gegen den antänglichen Widerspruch von anderen Interessenten. Erst nachdem ein Einverständnis zwischen Syndikat und Fiskus bereits erzielt war„ hat der Minister seine Zilstinimung zu den Preiserhöhungen für Hausbrandkohle versagt und das Ab. kommen mit dem Syndikat gelöst. Tatsächlich hat auch der Fiskus eine starke Preiserhöhung durch Rabattermäßigung vorgenommen. Stinnes äußerte in diesem Zusammenhang, daß er zwar den von einigen Ruhrzechen vertretenen Standpunkt verstehen könne, überhaupt leine Preiserhöhungen vorzunehmen, die P o p u» larität aber in erster Linie auö fremden Taschen bezahlen zu laffen, sei auch für den BergfiskuS un» schön. Der HandelSminister bestätigt diese Darstellung im allgcineinen. Nur schiebt er die Anregung zur Preiserhöhung einem Veiweier der Bergwerksdirektion Saarbrücken zu, der»auf eigene Haud" ge» handelt habe. Nicht PopulariiätSbcdürsiiiS, iondern billige Rücksicht auf das Konsuiiienteiliiitercsie habe die Haltung des Ministers be» stimmt. Da scheint der Mmisier Herrn Stinnes mißzuvec stehen: billige Popularität erstrebte der Minister, als er zwar nicht offiziell. aber in versteckter Form die Preiserhöhungen mitmachte. Em der frauenbewegung. Die Umbildung des Fraucntypus durch die Berufsarbeit. Ueber dieses Thema sprach Wally Zepler im Verein fü« Frauen und Mädchen:er Arbeiterklaffe. Das Problem, so fährte die Refcrentin auS, geHort zu denen, die anscheinend keinerlei praktische Bedeutung haben. Bei näherer Betrachtung erweist sich dies indessen vielleicht als Irrtum. Um eine Umbildung des Frauentypus festzustellen, mutz man sich zu- nächst darüber klar sein, worin der weibliche GeschlcchtZcharakter eigentlich besteht. Tas ist zwar in den äußeren sexuellen Zügen deullich, nicht aber in den feineren Wesensunterschieden. Die Be- bauptungen der gelehrten Frauenrechtsaegner aus den ersten Zeiten der Frauenbewegung in diesem Punkt haben sich gegenüber wirklich wissenschaftlichen Untersuchungen als durchaus nicht haltbar er- wiesen. Wissenschaftlich babcn sich scharf markierte Unterschiede in der Veranlagung des Mannes und der Frau nicht nachweisen lassen. Tatsächlich ist es freilich unbestreitbar, datz Frauen weit geringere Produktivität gezeigt haben, wie datz sie z. B. unter allen zivilisierten Völkern geringere physische Kraft besitzen. Indessen bleibt stets die Grundfrage unentschieden: Wie weit beruht dies auf unabänderlicher sexueller Anlage und wie wetl auf jahrtaufende lang bestehenden Unterschieden in der gesamten Lebensführung? Zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte hat sich in dem letzten halben Jahrhundert für Millionen von Frauen die ganze Art dieser Lebensführung gewandelt. Auf Grund wirtschaftlicher Veränderungen sind zum crstenmale Millionen Frauen unter Da- seinsbedingungen gestellt, die sich denen der Männer stark annähern. Die Frauen sind in die Berufsarbeit hineingezogen worden, die sich vor der von der Masse des weiblichen Geschlechts stets geleisteten Arbeit im engeren und weiteren Haushalt dadurch auszeichnet, datz sie die Frau materiell selbständig macht. Können wir nun gegen- tvärtig schon irgendwelche Umbildungen des weiblichen Typus in- kolge dieser Massenberufsarbeit konstatieren? Die Berufsarbeit hat in der Frau auf Grund gerade auch der wirtschaftlichen Selbständigkeit ein stärkeres Persönlichkeits- und UnabhängigkeitSgefühl geweckt; sie hat sie aus einem entsagenden, passiv leidenden Geschöpf zu einem kräftigeren, lebensvolleren, mehr begehrenden, aber auch seiner Arbeits- und Leistungkpflicht bewußteren Menschen umge- bildet. Sie hat— besonders durch die Schulung in den höher oder hochqualifizierten Berufen— ihre Intelligenz bis zu einer noch vor kurzem ungeahnten Höhe entfaltet, ihr Konzentration und Ar- beitSenergie anerzogen, durch die weiteren Berufsinteressen wie durch den Umgang mit Genossen med die vielseitigere Anregung im Auhenleben ihre geistige Sphäre unendlich verbreitert, in ihr den Blick für allgemeine Fragen erschlossen, sie zum Weltbürgertum geweckt und damit die von jeher verrufenen Tigentümlichkeiten der Frau: Unlogik, Kleinlichkeit, Enge, Mangel an Gemeinsinn in den Hintergrund treten lassen. Schon an der äußeren Erscheinung der Frau ist eine starke Umbildung bemerkbar. Die moderne Berufs- fvau hebt sich in Wesen. Kleidung und Auftreten bereits scharf von dem älteren ThpuS ab. Welche Wirkungen für die Zukunftsentwickelung müssen wir uns von diesen Umbildungen versprechen? Ein Teil der Soziologen auck» in der Partei glaubt bekanntlich, datz die Masscnbcrufsarbeit der Frauen, besonders der Ehefrauen und Mütter nur eine Folge der traurigen wirtschaftlichen Zustände in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sei und mit der fort- schreitenden Hebung der Lebensverhältnisse im Proletariat allmäh- lich wieder zurückgehen werde. Ein anderer Teil neigt zu der ent- gegengesetzten Ansicht. Aus rein wirtschaftlichen Betrachtungen heraus ist dieses Problem vorläufig nicht zu entscheiden. Dagegen müssen wir annehmen, datz die geschilderten seelischen und geistigen Veränderungen im iveiblichen Typus bei der Entscheidung dieser Frage ebenfalls ausschlaggebend mitwirken werden. In dem neuen FrauentypuS sind nun Eigenschaften entwickelt worden, die selbst wieder eine Neigung zu autzerhäuslicher, streng konzentrierter Be- rufsarbeit wecken durften. Der einmal erstarkte Selbständigkeits- sinn wird sich nicht mehr zurückdämmen lassen; er sucht materielle Unabhängigkeit; die höhere Intelligenz, die erweiterten Interessen wollen sich in der Außenwelt in vielseitiger Betätigung, in energisch konzentrierter Arbeit ausleben. So wird nun die seelische Wand- lung. die ursprünglich auf Grund wirtschaftlicher Veränderungen eintrat, selbst wieder zur treibenden Kraft ftir weitere Wirtschaft- liche Entwickclungen. Damit ist die Notwendigkeit der Herausbil- dung neuer Formen des häuslichen Lebens, der Erziehung, der Familienbeziehungen gegeben. Diese weittragenden Wirkungen mögen uns wohl heute als Zerstörer des ruhigen Familienglücks er- scheinen, doch wandeln sich die Glücksideale der Menschen mit den veränderten Verhältnissen und wir können erwarten, datz auch aus dieser EntWickelung neue reichere Daseinsmöglichkciten für die Menschen der Zukunft erstehen werden. Frauenkonferenz des Bezirks„Nordwest". Im Parkhause in Bremen wurde am Mittwoch eine Frauen- konferciq abgehalten, zu der Sö Delegierte(darunter 21 männliche) sich eingefunden hatten. Genossin Louis« Zietz vom Parteivorstand sprach über da» Thema:„Wie gewinnen und schulen wir die Frauen für di« politische Tätigkeit?" Der zweistündige, mit großem Beifall aufgenommene Vortrag zeitigte eine rege Diskussion, in der eben- falls viele erfolgversprechende Fingerzeige für die Fvaüenagidation gegeben wurden. In Bremen. Harburg, Bremerhaven und Um- gegend. Vegesack und auch auf dem Lande sind die Genossinnen eifrig am Werke. Tie Organisationen sollen noch mehr wie bisher an- gehalten werden, Frauenversammlungen, Leseabende und Fort- bildungÄurs« zu veranstalten. Tann wies noch Genossin Zietz auf den Jugendschutz hin, dem mehr wie bisher die Aufmerksamkeit ge- widmet werden müsse. Auf der nächsten Konferenz soll der Jugend- schütz als besonderer Tagesordnungspunkt behandelt werden. Leseabende. Soweit nicht anders angegeben, am Montag. Erster Kreis. 1. bis i. Abteilung bei Weihnacht, Grllustratze 21; 6. Abteilung bei Rothe. Flensburger Straße 2s: Vortrag des Genossen Täterow:.Etwa» über die Wissenschast'. Dritter Kreis. 1., 2., 3. Abteilung bei Schramm. Ritterstr. 123; 3., 4., 6., 7. Abteilung bei Baum, Slallschreiberstr. 47; 8., 9., 10. Abteilung in der Spreehofkantine, Wusterhausener Straß« 13. Fünfter Kreis. Für die 4. bis 7. Abteilung findet der Leseabend ständig bei Thiel, Rückerstr. 7 statt. Französisch-Buchholz. Vortrag bei CliemaS, Rosenthaler Straße 13. Köpenick. Der Leseabend für November fällt aus. Er findet am 3. Dezember bei Wollner, Bahnhofstr. 1 statt. Vortrag der Genossin Juckiacz. Friedenau. 8l/a Ubr im Lokal von K l a w e, Handjerhstr. 60/81, über.Körperpflege speziell der Frauen'. Dr. Grumach. Lichtenberg. 1. Viertel: bei Heine, Friedrich-Karl-Str. 14. Ge- nosse John über.Volksbildung". 2. Viertel: bei Schulz. Kronprinzenstr. 47. Vortrag über:.Im Zeichen des Verkehrs'. 3. Viertel: bei Simon, Wilhelmstr. 36. Genosse Gäbel„Die sozialistische Erziehung des Kinde»'. 4. Viertel: bei Hoff- mann, Möllendorfstr. B4/B5. Vorlesung. B. Viertel: Genosse Zimmermann über.Das Erfurter Programm'. 6. Viertel: Genosse Richter über dasselbe Thema wie im 8. Viertel. Niederschöncweide. Dienstag, den 26. Nobemver,»Vi Uhr, bei Bengsch. Pankow. Im Restaurant»Zum Kurfürsten', Berliner Str. 102. Vortrag der Genossin Regina Rüben. Reinickeudorf-West. 8'/, Uhr bei Halmann, Scharnweberstr. 55. Referent: Genosse Schütte. Tegel, Schlieperstr. 30, parterre. Hausarbeitungsgesetz. Refercntin: Genossin Hammer. Treptow-Vaumschulrnweg. Baumschulen weg, vErnststratze 22. Genosse Ruß über:„Religion, Kirchentum und Sozinldemo- kratie". Treptow. Kiefholzsw. 22. Genossin Siedel über: „Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung'. Versammlungen— Veranstaltung«». Grünau. Dienstag, den 23., SUHr, im Lokal Köpenicker Str. 83. Frauenversammlung. Vortrag der Genossin Siedel« Neukölln, über das Thema:„Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung'. Freie Aussprache. ßneffcartcn der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstötten. Diejenige» unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen bei Ueberweisung von Frei- exempiaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Rummern des neuen Monats von der Post nicht geltesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden, Marktbericht von Berlin aw LS. November ISIS, nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. Marlthalienpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weitze, 86,00—60,00. Linsen 36,00—60,00. Kartoffeln(KleinhdI.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40—1,80. Achweinefleisch 1,50—2,30. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2.40—3,00. 60 Stück Eier 4,20—6,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,40. Aale 1,20-3,20. Zander 1,40-3,60. Hecht- 1,40—2,80. Barsche 0.80-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00-30,00._ WasserstaudS-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Dclierbureau, >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpcgel. Berlin C. . N. , NW . W.: BW.: ( Pöltic F reres u.(s cxmi>.u Rltterffr.TS.«S�OS-JoCrlln Wa.FW«dr;chflrl87-188 Trtaflr Adf.?.ftWphooB«r»i Offizielle Verkaufsstellen: Path�phon, Friedrichstraße 187/188. Berlin SO.t Emil Pottlen, Reichenberger Str. 127 Wilhelm Reutchel, Kottbusor Damm 22 n S.: Thalia-Theater-Verlag, Dresdener Str. 72 n 0.: Paul Seholz, Franklurter Allee 73b Juhre 4 König, Warschauer Str. 68 Cherlottenburg; w. Beeker, Wilmersdorker Str. 127 Seh6neberg: Artur Kühn, Kolonnensto1. 7 Petidam: Anton Sauer, Waiaeaate. 15. Georg Möhler, Neue Promenade 7 Max Juhre, ßrunnonstr. 177, Iteinickea- dorfer Str. 107 Herrnann Rageneteln, Bmnnenstr. 136 Bohwelzer Mu.lkhaue, Schönbaus. Allee 130 Karl Sraoew Jonasstr. 1(Ecke Xunustr.) Juhre A König, Bülowatr. 46 A. Eeeer, BeUe-AlUaace-PUt« 11» Artur He/er, Bergetr. 142 und 163 N. 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Verlag: Borwärt» vuchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u-Eo, Berlin SVi. Dr. 275. 29. Jahrgang. 2, ßfilnnt Ks Joraitls" ßtrliiict WIKM Sunntiiä, 24 Jiratrttt 1DI2. Die flellchpreik steigen! Ende Sevtember veröffentlichte die..Nordd. Mgem. Ztg." die Teuerungsmaßnahmen der Negierung. Mehr als IV2 Monate sind inzwischen verflossen und wohl alle Srädte, die für jene Vergünstigungen in Betracht kommen, sind zum Bezug ausländischen Fleisches übergegangen. Noch mehr, viele Städte, denen die Regierung die Einfuhrerlaubnis und Zollermätzigung verweigert hat, haben dennoch die Fleisch- Versorgung in die Hand zu nehmen begonnen. Und die Wirkung dieser Maßnahmen? Während in der zweiten Hälfte des Oktober allgemein die Fleischpreise(mit Ausnahme von Schweinefleisch und-Speck) etwas gefallen sind, sind sie in der ersten Hälfte des November zu einem Teil wieder ge- st i e g e n. Nach den Ausweisen der amtlichen Preisberichte der Statistischen Korrespondenz zahlte man(pro Kilo in Pfennigen); II. Hälfte Okrober Kalbfleisch(Schulter. Blatt) 130 Schweinefleisch,„ 188,7 Rückenfeil(vom Schwein) 188,2 Schweineschiiiken... 385.4 Schweinespeck.... 212,0 mehr 1,8 1,2 0,2 0,2 0,5 dabei I. Hälfte November 191,8 189,9 188.4 386,6 212,5 Die Preissteigerungen sind zwar gering. Aber dabei ist zu berücksichtigen, daß sie den Durchschnitt für 50 Orte angeben. In einzelnen Städten ist also die Steigerung ganz be> deutend gewesen. Es kommt hinzu, daß die 50 Orte die größten Städte Preußens umfassen. Gerade den Großstädten waren die Regierungsmaßnahmen vorbehalten, dennoch sind wiederum Preiserhöhungen eingetreten. Das weitere Steigen von Schweinefleisch und Schweinespeck zeigt deutlich, daß die breiten Massen heute noch ebenso unter der außergewöhnlichen Teuerung leiden, wie in den Sommermonaten. Gegen den November des Vorjahres stehen Rind-, Kalb- und Hammel» fleisch ebenfalls noch immer um 18 bis 20 Pfennige höher und für Schweinefleisch zahlt man heute 40 Pfennige pro Kilo mehr als im ver- gangenen November. Diese Situation ist unerträg- lich. Die Maßregeln der Regierung haben sich als völlig un- genügend herausgestellt. Der am Dienstag zusammentretende Reichstag muß endlich gründliche und dauernde Abhilfe schaffen. Der Komödie I. Akt. Zwei Tage lang hat die Verschleierungskommission, der die Regierung die Untersuchung der eigentlichen TeuerungSursachen verboten hat, gelagt. Aber schon hält es die Regierung für an- gezeigt, diese Kommission zu vertagen. Erst am 3. Januar nächsten JahreS werden— voraussichtlich— die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Der Grund der Vertagung?»Um der Regierung Zeit zur Klärung einiger statistischen und anderen Fragen zu geben und die Vorberatungen für die Vernehmung der einhundertundsünfzig Sachverständigen zu treffen." Jahre lang hindurch beschäftigt sich die Oeffeutlichkeit mit der Teue- rung und ihren Ursachen. Mehrsach hat der Reichstag die Regierung gezwungen, sich über Maßnahmen zur Bekämpfung zu äußern. Und noch immer ist das statistische Material nicht einmal so umiaffeiid und so zuverlässig, daß eS al« Grundlage für Kommissions- Verbandlungen dienen kann I Wann wird die Regierung endlich genau Wiste», daß das Voll hungert und warum es hungert? Diele absichtliche Verzögerung kann auf die Masten nur wie blutiger Hohn wirken. Der Regierung ist eS nicht ernst mit wirklicher Abhilfe. Jetzt sucht sie gleich ihren agrarischen Auftraggebern alle Schuld auf den Zwischenhandel zu schieben und fte wird sich wahrscheinlich darauf beschränken, den Städten von neuen, die Lebensmittelversorgung als Ausgabe zuzuweisen. Auch wir sind der Ansicht, daß die Kommunen mehr und dauernde Hilfe schaffen inüsteit. Aber Aufgabe der Regierung ist eS, ihnen diesen Weg durch Oeffnung der Grenzen und Beseitigung der Zollschranken zu erleichtern. Die Fleiswpreise steigen weiter und bi» zum nächsten Frühjahr können und wollen die Hungernden nicht warten. Die dauernde Versorgung Berlins mit Lebensmitteln. Der Powmersche ViehverwertumgAverband hat sich zum zweiten Male an die Stadl Berlin gewandt, um mit ihr einen längeren Ver- trag über Schweineliefertmigen abzuschließen. Ein erstes Angebot des Verbandes wurde von der Stadt abgelehnt, weil der geforderte Preis(66 M.) wesentlich höher als der in den letzten zehn Jahren gezahlte Durchschnittspreis war. Wenn auch augenblicklich die Schweinepreise bedeutend höher ständen;, cUi der Vichverwcrtuings- verband sie fordert, so könne doch auf dieser Grundlage ein fünf- jähriger Vertrag nicht cbgeschlossen werden. Ueber die Be- dingungen des neuen Angebots des Verbandes ist bisher nichts be- Sannt. Ein« gleiche schnell« Mitteilung durch da» Magistrats�Nach- richtcnamt oder die als offiziöses Organ erkorene»Vossische Ztg." ist aber dringend erwünscht. Auch ehe das geschehen, tonnen wir einige Bemerkungen zu der ganzen Frage nicht unterdrücken. Es darf für die Stadt Berlin durchaus kein grundfätz- liches Bedenken vorliegen, mit einer agrarischen Genossen- schaff des Inlandes ein« langfristigen LieffrungSvertrag für Vieh ober Fleisch abzuschließen. Die Versorgung der Einwohner mit Nahrungsmitteln gehört mit zu den Aufgaben der Kommunen. Die Schuld des Staates an der Fleischnot kann für die Städte keinen MilderungSgrund bilden u n tätig dem Hunger der eigenen Bürger zuzuschauen. Der erfreuliche Versuch mit russischem Fleisch »eigt, daß trotz einiger Hinderniste die Kommune sehr wohl imstande ist. die schädlichen Wirkungen unserer agrarischen, Zollpolitik in allerdings beschränktem Ausmaße zu lindern. So haben mehrere Städte neben dem Bezug ausländischen Meisches auch die Versorgung mit einheimischem Vieh in die Wege geleitet und dazu Verträge mit Mastanstalten, landwirtschaftlichen Genossenschaften oder Kreisen abgeschlosten. Ein. gewisser Einfluß auf die Versorgung und ten Preismarkt ist damit gegeben. Ein derartiges Vorgehen wird um so notwendiger, wem, dadurch äugen- blicklich Preisermäßigungen erzielt oder»veiter« Preissteigerungen vermieden, werden, tönnen. Sollte daher für die Stadt Berlin bei der Ablehnung des ponnncrschere Angebots der Grund entscheidend sein oder auch nur mitsprechen, daß sie nicht für längere Zeit an der Lebensmittelversorgung mitarbeiten tvolke. so verdient diese Er- wägung schärfsten Widerspruch. Was ander« Städte unternourmen haben, sollte die größte SWdd Deutschlands nicht als ihre Aufgabe betrachten? Wenn die Stadt als billigen Grund! für ihre Ablehnung wicht »übermäßige agrarisch« Forderungen" vorschieben will, muß es ihr auch möglich fein, einen, Lieferungsvertrag zun, Abschluß zu ftrtnirn. Auch unS scheinen allerdings die Forderungen des Pom-, Meeschen Verbandes unaitgeinesteu. Aber für Berlin bestehen noch eine große Reihe anderer Möglichkeiten» einen Teil der Versorgung sicherzustellen. Auch wird die Siadt nicht abwarten dürfen, bis irgendwelche Interessenten sich zufällig an sie wenbe«� sondern die Stadt selbst wird die Initiative ergreifen uiü> ihr billiger scheinend» Wege aussuchen müstem Bei der Ablehnung des pommerschen Angebotes wies die Ver- waltung vornehmlich darauf hin, daß die Preisgestaltung für die nächsten fünf Jahre noch gar nicht abzusehen sei. Es werden sich aber wohl auch Lieferanten finden, die nicht die teuersten, sondern die Durchschnittsjahre zur Basis der Preisvereinbarung machen. Lang- fristige Verträge würden dann gerade einen Schutz vor teueren Jahren bieten, selbst wenn in einigen die Stadt über dem Markt- preise bezahlte. Soweit aber eine Aenderung der Zoll- und Veteri- närgesetzgebung bezw. ihrer Ausführungsbestimmungen und ent- sprechende Verwaltungsmaßnahmen in Frage kommen, wird eS möglich sein, solche Dinge in den Lieferungsverträgen vorzusehen. Wenn die Stadt Berlin sich nicht den Vorwurf zuziehen will, daß sie die Furcht vor einer Uebertölpelung durch agrarische Profit- sucht zum V 0 r w a n d für eine Ablehnung jeglicher dauernder Be- kämpfung der Teuerung sucht, wird sie in irgend einer Form die Lebensmittelversorgung ernsthaft in den Kreis ihrer Aufgaben ziehen müssen. DaS fordern gerade die Konsumenten kreise, denen man beim besten Willen nicht eine Unterstützung agrarischer Tendenzen nachsagen kann. Die Hundcschlächterei blanker Schwindel? Die bürgerlichen Blätter meldeten dieser Tage, daß die Nachricht von der Errichtung einer Hundeschlächierei in Halle a. S. von der dortigen Stadlverwaltung als grober Unfug und blanker Schwindel festgestellt worden fei. Jetzt teilt man uns dazu aus Halle a. S. mit. daß die Hundeschlächterei nichtsdestoweniger besteht und floriert. Auf die Anfrage eines bürgerlichen Stadtverordneten hin hat der Oberbürgermeister seibst in der Stadtverordnetensttzung erklärt: Um die Gerüchte auf ihren wahren Wert zurückzuführen, stelle er fest, daß der Geschäftsmann Zimmermann eine Hundefleisch- Verkaufsstelle eingerichtet habe. Er wolle Hunde auf den Dörfern auskaufen, auf dem Schlachthof schlachten lassen und das Fleisch hier verkaufen. Gegen diesen Betrieb sei durch die Behörde nichts zumachen, so bedauerlich seine Eröffnung wäre... Als Beweis dafür, daß das Geschäft existenzfähig ist, sei noch mitgeteilt, daß der Hundefchlächter in voriger Woche in Halleschen Blättern wie folgt annoncierte: Kein Laden I Kein Laden l Alle Tage frisches Hundefleisch & Pfund 40 Pfennig, Fett 4 Pfund 1,00 Mark, Leber 4 Pfund 50 Pfennigs JW Gerberstraße 10, ES bleibt also dabei: Hundefleisch ist durch unsere preußische VerteuerungSpolitik auf die proletarische Speisekarte gesetzt worden. Sleuerltommlislolt des Abgeordneten» Hanfes. Auch am Sonnlabend haben die Verhandlungen der©teuer« kourmission im Abgeordnetenhaus wieder bewiesen, daß auf irgendwelche wirklich wertvolle Reformen nicht zurechnenist. Zunächst unterhielt sich die Kommission nochmals einige Stunden darüber, ob, wie e» bisher der Fall ist, der Land rat der geborene Vorsitzende der VeranlagungS» kommission seines Bezirkes fein soll. Ein nationalliberaler Antrag auf Streichung dieser Bestimilnilitg wurde von den die Mehr- heil bildenden Konservativen, Freikmfervativen und dem Zentrum abgelehnt, nachdem besonders energisch der FmanWtinister für die Beibehaltung des jetzigen Znftandes eingetreten war. Der Fuianzminister wandte sich fast noch schärfer als gegen den natio- nalliberalen Antrag gegen eine freikonfervatit» Resolution, die an die Regierung die Aufforderung richtet, durch besondere Kam- missar« periodische Revisionen der Geschäftsführung der Vorsitzauiden der VeranlagungSkommissionen vornehmen zu lasten. Er sprach dem Landtage überhaupt daS Recht ab, derartige Revisionen zu verlangen nnd meinte, der Landtag habe lediglich daS Recht der Kontrolle darüber, ob die Gesetze richtig gehandhabt und der Staat richtig verwaltet werde. Alles andere fei Sache der Exekutive. Mit dieser Anschauung konnten sich nicht einmal die Konservativen einverstanden er- k l ä r e n. die die Resolution ausdrücklich als verfassungsmäßig nicht unzulässig bezeichneten. Erst nachdem ein nationalliberaler Redner dem Minister«in staatsrechtliches Kolleg gehalten hatte, gab dieser klein bei und erklärte, daß die Grenze, inwieweit dem Landtage das Recht zusteht, in bezuy auf die Exekutive das eine oder andere zu veranlassen, zwar f l ü s s i g sei. daß aber in diesem speziellen Falle die Regierung bereits getan habe,»ras die Resolution verlange. Er bat deshalb nochmals um Ablehnung, damit nicht nach außen der Anschein erweckt wird, als ob die Regierung ihre Pflicht nicht er- füllt habe. Die Resolution wurde hierauf zurückgezogen aber von fortschrittlicher Seite wieder aufgenommen nnd von den über die Mehrheit verfügenden Konscr« vativen und dem Zentrum abgelehnt. Bei§ 40 zeigte eS sich, wie wenig der Mehrheit der Kommission an kiner gerechten, Einschätzung aller Zensiten gelegen ist. Hierzu hatten einig« konservative Mitglieder einen Antrag eingereicht, wo nach das Ergebnis von Schätzuivgen, welche die Berufungskommission vorgenommen hat. weil für die ziffernmäßige Berechnung deS Einkommens ausreichende Unterlagen nicht vorgelegen haben, nicht der Anfechtung durch die Beschwerde unterliegen soll. Der Arttwag richtet sich gegen diejenigen Stsnevzahber, welche grundsätzlich den Behörden die Angaben über ihr Einkommen vorenthalten, eS auf eine Schätzung ankommen lassen, und wenn die Schätzung ihnen zu hoch erscheint, an das OberveiwaltungSgericht gehene Für den An- trag, um dessen Annahme die Vertreter der Regierung boten,, trat auch daS sozialdemokratische Mitglied der Kommission ein. einmal, damit man diejenigen treffen könne, die sich ihrer Pflicht gegen die Steuerbehörde zu entziehen suchen, und zweitens aus Gründen der Gerechtigkeit. Er wies daraus hin. daß»»an die Arbeiter und alle Angestellten bis zum letzten Pfennig zur Steuer heranziehe, und ferner, daß man den Zensiten mit einem Ein- konmnen unter 3000 M. das Mittel der Berufung an das Ober- verlvaltungSgericht genmnmen habe. Ta solle man konsequent sein und dem Antrage zustimmen. Wolle man das aber nicht, dann möge man wenigstens füv a I l e Zensiten� gleichviel, ob unter oder über 3000 aW„ das Rechtsmittel der Beschwerde an dos Oberverwaltungs- gericht einführen. Der Vertreter der Sozialdenrokrvtie stellte auch einen entsprechenden Antrag, der aber gegen seine Stfanme und gegen die Sttninisn, des Zentrums abgelehnt wunde. Auch der kon- servative Antrag wurde abgelehnt, da neben einigen Konservativen nur der Sozialdemokrat und der Kol? dafür stimmten� Nach Erledigung einiger weiterer Paragraphen� die in der Fassung der ersten Lesung zur Annahme gelangten, vertagte sich die Kommission auf Mittwoch. Arbeiter-Samariterbund.«reis Brandenburg. Lebrabend haben in dieser Woche: Berlin 1. Ableümig am Monlaa in den Riltersälen. Ritterstratze 75. abends Sst, Uhr: Vortrag über Kurpfuschettum, wozu sämtliche Kolonnen eingeladen sind. Berlin. Am Freitag Diensttuende Abteilung abends 8 Uhr. Mariendors. Am Montag bei Löwenhagen, Chausseestt. 27, abends 8'/, Ubr. Schöneweibe. Am Montag bei Schulz, SiemenZstr. IL, abendS 8>-, Uhr. Wilhelmsruh. Am Montag bei Bienwald, Reinickendorf- Ost, Provinzstratze 92, abends 8 Uhr. Spandau. 2lm Mittwoch bei PeezileS, Pichelsdorser Siratze 5, abends 8'/, Uhr. Schöneberg. Am Donnerstag bei Saendel, Vorbergstr. 9, abcndZ 8',, Uhr. N 0 w a w e S. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abends 3'/, Uhr. Witterungsübersicht vom 23. November 1912. Stationen Ii! 2=1 c a B—! � i Ii- B?| e) Swinemde.ff7stSW Hamburg>771 WSW Berlin 1773;® Franks. a.M! 775 Still München 1 776:0 Wien! 775 NW Setter 4 bedeckt 4'Dunst 1 wolkig |3le6el Swollig Scheiter um ciS» all i? 3 6 1 -1 2 0 «lattonen baparanda 71? SW Petersburg 762! SSW Scllly Aberdeen Paris Wetterprognose für Sonntag, den 24. November 1912. Ziemlich mild und zeitweise heiter, aber veränderlich mit etwas Regen und mätzigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «»»»sssss�. Öi Unserem lieben Freund und Genossen l�eml Mazanke »J«in dreisach donnerndes Hoch 58 zu seinem beuligen Wiegenfest. 5Jv Oer Parteistamm vom..(idelen � Wiener FranzT'. m Paul merkst Du was I «»sssssss «T Unserem lieben Genossen Alexander Kattlewski zu seinem 60.(«eburtslage die herzlichsten Glückwünsche. Ol« Genossen des 363. Bezirks (4. Kreis). 5621 dSSSSSSAHHEESEEeS. ztztzOHH«» Unserem lieben Genossen% Oskar Ledig| n c b st Frau herzlichsten Glückwünsche% zur Siwerbochzeit. 75a � Die Genossen des 766. Bezirke. f& 8®# Immilgs-Kmikenkasse der Clfcßler-irnnung. Ordentliche General-Yersammlang der Vertreter der Kassenmitgiicder und der JnnungSmitglieder am Montag, den 2. Dezember 1312, abend» 8 Uhr, im»GcwerkschaftShause", Engeiuser IS. Tagesordnung! 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Er» gänzungSwahl zum Vorstande. Zu wählen sind: Zwei Arbeitnehmer und ei» Arbeitgeber für die Jadre 1313 bi» 1915. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prüsung der JahreSrechnung 1312. v. Verschiedene». 283.-8 Um pünktliche» Erscheinen wird er- sucht Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Schlosser und verwandter Gewerbe. Die Mitglieder obiger Kasse werden aus Grund de» S 43 des Kassen- statut» vom LS. Juli 1306 ausge- fordert, am Dtensra«. den S. Dezember, abend» 8 Uhr, im GcwertschaftS- hau«, Saal 4, Engeiuser 15, behus» Wahl von 320 Delegierten sich etnzuftnden. Wahlberechligl find nur diejenigen Mitglieder, ivelche da» 21. Lebensjahr zurückgelegt haben und im Besitz der bürgerlichen Ehren» rechte sind. Die Wähler haben sich durch da» Kranten-Legittmattons- und Ouittungsbuch zu lcgittmleren. — Die Wahl ist eine geheim«. Di« Herren Arbeltgeber, welche au« ihren eigenen Mitlein ei» Drittel zu den Beitragen der bei ihnen be- ichästtgten Mitglieder der Ort»- krankenkasse der Schlosser und ver- Wandler Gewerbe zahlen, werden er- suibt, am Dienstag, den it. Dezember. abends 8 Uhr, im GrwerkschaftS» haus, Saal 2, Engeiuser 15, behus» Wahl von 155 Delegierton zu er- scheine».— Als Legitlmatio» dient die zuletzt gezahlte Beltiagsquittung. — Die Wahl ist eine geheime. Bor der Wahl findet im Saal 4 in gemeinschastlichcr Versammlung der Arbeitgeber und der Mitglieder ein Vortrag statt, welcher pünltlich um 8 Uhr beginnt. Berlin, im November 1312. Der Vorstand. 282/13 Ousl Lubilsch, Borfitzender. Kmilttn- und Sterbklinsse der Fnhrhmn, Kntslhcr M!d«IN». Knufigenossr» „««wchtt(«. fi. M. 80) zu Berlin. Bureau: Mulacksttatze 13. Montag, den 23. Dezember 1912, abends 8'/, Uhr, in Schulz'Feftsäle», KönigSgrabeu L jlnverordentllche General-Versammlung Tagesordnung: 1. Umänderung der Hilsskafse in einen kleinen Versicherungsverein gemätz dem Gesetz üoer die privaten Ver- sichcningeii vom 20. Dezcmberl3ll. 2. Vorregung und Beschlutzsassung der neuen Satzungen. 3. Verschledrne». IZööd »»ee Torstand. A. Moser, H. Duhr, Boi sitzender._ 2. Rendant. Orts-Krankenkasse der Weber und verwandten Gewerbe. Tonntag. de» 1. Dezember 1912. vormittags iO'l, Uhr, in Schmidts grotzem Saal, Fruchtstratze 36 a, (Freischütz): Gr. Versammlung sämtlicher Arbeitgeber sowie der grofliährigen Mitglieder obiger Kasse. Tagesordnung vormittags 10>(, Uhr: Wahl von 38 Delegierten der Ar» bcitgeber für da» Jahr 1313. AI» Legitimation dient Beitrags« quitiung. Tagesordnung vormittags 11'/, Uhr: 1. Wahl von 32 Delegierten der Kassenmitglteder sür das Jahr 1313. 2. Verschiedenes. 1358b Wahlberechtigt und wählbar sind nur Kassenmiiglieder über 21 Jahre alt, nach§ 48, Absatz 2, deS StainI». Da» OuinungSbuch dient al» Leglti- matton am Eingang des SaalcS. DaS Wahllokal wird um 12 Uhr ac- schlössen, da um diese Zelt der Wahl- alt beginnt. Berlin, den 24. November 1312. Iber Vorstand 0. Veimann, Vors. H. Postler, Schttjis. Hpezlaiarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in Gl. Homeyer»s't Untersuchung., Fäden t. Harn usw. Filelilchslt. 81,«Ä, S»t. 10—2, 5—3, Sonnt. 11—2. Honorar mähig. auch Teilzahl. Separates Damcnzimmer. Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut« und Harnleideo. Prinzenslr. 41,„tÜÄ 10— 2. 6— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 ILombard-Haiisi H. Graf, Leipziger Str. TS. Brlllantenl Uhren Goldwaren| «5-60°/0 unter Ladenprell, i Unsere Kleider-Werke liefern die tonangebenden Moden und die besten Erzeugnisse Modernste Ulster Modernste Paletots ü? Nr. 18. Mittelgrauer Cheviot mit 4 O feinen Mustern............■® Nr. 30. Marengo- Cheviot, glatt u. 04 gerauht, sehr solide......... fc4*" Nr. 22. Schwarzer Eskimo Plaid-Serge gearbeitet.,.. auf 30 m. Nr. 24. Eskimo oder marengo Che- Oß ÄS viot, glatt und fein gemustert... vt? M. Nr. 25. Hefschwarzer Eskimo, sehr JA solide verarbeitet........... Nr. 27« Marengo- Che viot. ganz vor» C»A zugl. Ware, gutes Sergc-Plaidfutter wü M Nr. 29. Sehr fein gerippter Diago- CA nal-Cheviot, in Dunkel-u. Mittelgrau öü M. Nr. 30/32. M-lton-Chcriot, glatt u. 7«, fein gestr., auf Seide gearbeitet,»On.* U 1 Hochmoderne (D'ollueloun-HDte in Teller- oder Kniff-Form beige, resede, grau und grün 4.90 3.75 2.90 Baer Sohn Kleider-Werke. Deutschlands größte Fabrik dieser Art. Chausseestraße 29-30-Berlin- Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 Schöneberg, Hauptstr. 10 Jünglings- n. Knaben- ULSTER In Hervorragend schönen Ausführungen zu sehr miilgen Preisen. Dos neue Preisbuch(Hauptkatalog Nr. 46) enthaltend die neuesten Moden. ist soeben erschienen und wird auf Wunsch kostenlos und portofrei zugesandt Todes-Anzeigen SHonemBtr, früh 3 Uhr, schwerem Kranken» Am 23. oerstarb 1101 lag er m geblicher Mann und lieber Vater, der Schriftsetzer Brimo Weise im 58. Lebensjahre. Die» zeige» tiesbetrübt an WIttv« Berta Welse nebst Sohn. Die Beerdigung findet am DienStag, den 26. November, nachmittags'Iß Uhr, von der Leichenhalle des Zentralsriedhoses in Friedrichsselde aus statt. Gestern starb nach längeren Leiden unser lieber Mitarbeiter, der Schrtstsetzer Brimo Weise Der Verstorbene hat seit dem 1. April 1884, dem ErscheinungZ- taze der ersten Nummer des „Berliner VolkSblattS- ummter- brache» an der technischen Herstellung deS BerlinerParteiorganS mitgewirkt, bis ihn die tödliche Er- lrankung aus unserer Mitte riß. Wir werden dem treuen Käme- raden ein dauerndes Andenken bewahren. Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Heute früh 8 Uhr verstarb nach längerem schmerzhaften Leiden unser lieber Mitarbeiter, der Schriftsetzer Bruno Weise im 58. Lebensjahre. Sein biederer Charakter, sein echt kollegialer Sinn sichern ihm dauernd ein ehrendes Angedenken bei un» allen. Berlin den 23. November 1S12. Das Gesamtpersonal der„Vorwärts"-Buchdrnckerei Paul Singer& Co. Die Beerdigung findet am DienStag, den 26. November, nachmittags'/ß Uhr," von der Leichenhalle des Zentralfnedhoses m Friedrichsselde auS statt. SozialiieniokratisciierWaiilierein k. d. K. Kerl. Reiehstagswahlkreis. Am 23. d. M.. früh 2'/, Uhr. verstarb unser Genosse, der Buch- drucker Bruno Weise Dcmminer Str. 25, Bezirk 590. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. November, nach- mittags'/ß Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes in Fried- richsselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht SozialdemokratisciierWaiilvereln IJ.6.NJeleiistapvalilkreis. Am 23. d. M. verstarb unser Genosse, der Töpfer 234/5 Emil Koßmann Stromstr. 37. Bez. 719. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Heilands-Kirchhoses in Plötzensee aus statt. Um rege BeteUigung ersucht Her Vorstand. Zentral-Verband der Töpler d. Benifsgenossen Deutschlands. Filiale Oroß-Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis, dab am 23. November, unser Mitglied, der Kollege Emil Koßmann (Bezirk Moabit) im Aller von 66 Jahren an Speise« röhrenverengung verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. November, nach- mittags 4 llhr, von der Leichen- Halle des Heilands-Kirchhoses in Plötzensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 193/15»er Verstand. Nach schwerem Leiden verschied mein lieber Mann, unser guter Vater, der Töpfer Emii Koßmann im Alter von 66 Jahren. DieS zeigen an Fanllne Koßmann und Kinder. Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. d. MtS., nachm. 4 Uhr, von der Halle des Heilands» Friedhofs in Plötzensee aus statt. SozialdemoMclierWalilm Kreis Kieder-Barnim. Bezirk Reinickendorf-West Nachruf! Den Mitglied ern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Kastwirt Wilhelm Otto am 21. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung hat am Sonn- abend stattgefunden. 24S/3 Der Vorstand. Deatscher Uetallarheiter-Verhaad Verwaltungsetelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Büchsen- macher Rudolf Schneider (Spandau, Lutherstraße 5) am 17. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Todesanzeigen. De» Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Joseph Bninciwick am 20. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 25. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- ,alle des alten ThomaS-Kirch- ojes in Neukölln ans statt. Ferner starb unser Mitglied, der Anschläger Fmsnuel Bsrtsix (Charlottenburg, Brauhosftraße 2. am 22. d. Mts. an Magenleiden. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Staakener Gemeinde. Friedhofs w Staaken bei Spandau aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ehre ihrem Andenken! 133/13 Bio Ortsverwattung. Nach langem, schwerem Leiden verschied am 22. November mein lieber Sohn, der Modelltischler Max Flemming im 23. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Montag um 3*/. Uhr, vom Neuen Gemeinde- Friedhof, Neukölln, Mariendorser Weg, auS statt. Um stilles Beileid bittet 62A Familie Flemmlnc- Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer �uxust Simon am 21. November im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig-Kreuz- Kirchhofes in Mariendors, Eisenacher Straße, aus statt._ Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Straßen- bahner Paul beaader am 20. November im Alter von 3S Jahren verstorben ist. Ehre seine« Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. November, nach- mittags 3*/, Uhr, von der Leichen- balle des Sebasttan-Kirchhofes in Reinickendorf, Humboldtstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 68/19 Bio Bezirksverwaltung. Deutscher Baoarbeiterrerband. Zweisverein Berlin. Tektio» der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer hiernrit zur Nachricht, daß unser Mitglied August höher (Bezirk Osten I) verstorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 25. November, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle deSZentral-FriedhosSinFriedrichs- selbe aus statt. Am 22. November starb unser Mitglied, der Spanner Emil ööbel (Bezirk Südost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den 26. November, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Halle deSZentral-'Friedhoss in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 147,10 Der Borstand. Nachruf. Den Kollegen die traurige Nachricht, daß am Montag, den 18. d. Mts., unser Mitglied und Sportskollege 7A hermairn Eggert zurzeit Infanterie-Regt. Nr. 150 in Slllenstem, an Blinddarment- zündung verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Ringsport-Berei» „Deutsche Kraft", AdlerZhof. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS und Baters. des Drehers 51A Fritz Olschewski sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere den Kollegen der Firma Knorr- Bremse, den Ge- nossen des Neuköllner Wahlvereins, dem Metallarbeiterverband und den Sängern für den barmonischen Ge- sang unseren herzlichsten Dank. Frau Witwe Elisabeth Olschewski nebst Sohn. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Be- weise liebevoller Teilnahme an dem Hinscheiden meines lieben und unvergeßlichen Mannes und guten Vaters 42A Vildelm Zedmidt agen wir allen Freunden, Bcr- wandten und Bekannten, insbesondere der Direttion, dem Brauerverband und der Magdeburger Sterbekasse, dem Personal der Brauerei Patzen- hofer NW. Moabit unseren herzlichsten Dank. Hie trauernde Gattin Anna Schmidt nebst Tochter. Extra- Abteil ans, Ii. Gesch.: Berlin W., Mohren- Stra6e37a(2. Haus van der Jerusalemer StraSe). II, Gesch.: Berlin NO., Grolle Frankfurt. Str.115(2. Haus] von der Andreasstralle). I Sehrgr. Aus w. fort. Kleider,, J Hüte, Handschuhe, Schleier ■etc. v. einfachsten bis zum( 1 hochelegant. Genre z.äulJerst> niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: Haßanrertlganc in 10 bis 12 Stunden. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines inniggeliebten ManneS, meines im- vergeßlichen Vaters Karl Rotermuadt sage ich allen Freunde«, dem freie« Gastwirteverein, der freien HUfSkaffe und dem Wahloerein Lichtenberg meinen ttefgefühtten Dank. ö6A Witwe Rotermandt nebst Tochter. Bekanntmachung. Kttnedsdrankelldaffe der StadtgkMkiudt Serlill. Elnladnngk zur Ordentlichen General-VersammluDg der Betriebs krantenkaffe der Stadtgemeinde Berlin am Mittwoch, den 4. Dezember 1912, abends 6 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses, Berlin, Königstr. 15/18. Tagesordnung: 1. Krankenkontrolle durch die Kon- troll eure der Betriebe. 2. Verschiedenes. 283/11 3. Wahl des RevifionsauSschusseS zur Prüfung der Jahresrcchnung für 1912. 4. Neuwahlen für die drei auSschei- denden Vorstandsmitglieder Herreu Glatt, Hentschke und MohS. Berlin, den 18. November 1912. Der Borstand der Betriebskrankentasse der Stadt- gemeinde Berlin. v. Schulz. MM Uli Fertig am Lasen 1 Gebrotk-Agzige»;S:36u MMzOgeKMu frati- Anzöge IS: Sl: 40 m | Beinkleider II- il; 8m. Fertis« schwarze Kleidung{ für Knaben und Jünglince ;s in gröEtcr Auswahl!, [Feine Hafi- Anfenlgtus| | ü in ea. 10 Stunden:: Baer Sohn Kleider- Werk«. CbausssestiaSe 29—80. 11. BrOckenslrete 11. Gr. Franklurter»fr 20. Sohtaeber� Hauplstr. 10. Sozialdemokratischer Wahiverem im 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 26. November, abends 8 Uhr: 6 Uiertels Uerjamnlwngen in folgenden Lokalen: i. GSrlitzer Viertel t. GrallMKüll, stamchnftr. 27. Referent: Genosse K. Melle. 2. Vöpellicller Viertel wd-r„Aratljknbnrg", Referent: Landtagsabg. Genosse H. Ströbel. rrMsurter Viertel b« Sllkder, Wederstrasse 17. Referent: Reichstagsabg. Genosse O.Bnchner. 4. Stralauer Viertel in den„Eomkninslalen" M-meler Str. 67. Referent: Landtagsabg. Genosse 21. Hoffmann. Petersburger Viertel in der Krailttti Riebe ck. Referent: Landtagsabg. Genosse I. Borchardt. Landsberger Viertel Landsberger Allee 10. 5. 6. Referent: Stadtv. Genosse E. Brückner. Tagesordnung: 221/l* 1. Stellungnahme zum preußischen Parteitag und Anträge dazu. 2. Vorschläge zur Delegation zum preußischen Parteitag._ SW Mitgliedsbuch legitimiert. IM Der Vorstand. Montag, den 2. Dezember, abends 8 Uhr» in dem Lokale»»Neue Welt"» Hasenheide 108/114: k�ortsetiuax der (ZenersI- Versammliinx. Tagesordnung: 1. Schlußwort des Referenten zum Geschästsbencht. L. a) Wahl von 6 ZlussichtsratSmitgliedern, b) Wahl von 5 Ersatzpersonen für den Ausfichtsrat. 3. Anträge. Der Eintritt kann nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Legttimations- karte gestattet werden. Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftung. Der Torstand. Der Anfslchtsrat. R. Junger. O. S ch u I tz e._ Fr. Schulze, Vorsitzender. Vorjährige keinste �nrüze, Paletots, sclnclie visier, Eedrocltanriige, Smokings ani Seilte 30—70 M. Yersantlliaos Germania LI. Unter den(.Inden 21. Sozialdemokratischer f ahlverein für den ¥1. Berliner Reichstagsw ahlkreis. 22 Mitglieder Uerjammlungen Schmidts Festfälen» Priuzenallee LZ. in folgenden Lokalen: Montag, den 25. Novembtr, abends �\2 Uhr: 19- Stellung w Aus Anlaß der Abteilungs-Versammlung fällt der Leseabend aus. MitMj, den 27. Uanember, abends 8% Uhr: 16- Abteilung w Dienstag, Hen 26. November, abends 8� Uhr: 11. Abt.: OranienburgerFeftsäle,Chausseestr. 16 12.„ Artushof» Perleberger Str. 26. 13.„ Moabiter Bürgersäie» Beusselstr. 9. 14... Gesellschaftsh. Moabit, Wicleffstr. 24. lveißer Saal. 15...„„ Wicleffstr. 24, kleiner Saal. 17.„ Feibels Festsäle» Kolberger Str. 23. 18.„ Frankes Festsäle, Badstr. 19. 20.„ Ewalds Festsäle, Schulstr. 29. 21.„ Pharussäle, Müllerstr. 142, Part.-Saal 22... Sachon, Müllerstr. 136. 1. Abt.: Obiglo, Schwedter Str. 23. kl. Saal. 2. ff ff gr. Saal. 3.„ Berolina Säle, Schönhauser Allee 28, kleiner Saal. 4.„ Puhlmanns Theater, Schönh. Allee 147 5.„ Gliesche» Kopenhagener Str. 74. 6.„ Süßmilch, Bornholmer Str. 7. 7.„ R. Strack» Schönhauser Allee 134b. 8.„ Biktoria-Garten» Badstr. 12. 9.„ Dase, Brunnenstr. 154. 10. ,» Albert Bürger, Gerichtstr. 1, Ecke Grenzstr. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Stellungnahme zur Tagesordnung der Generalversammlung ain 3. Dezember. Antrag des Vorstandes und der Kreiskonferenz: Den tz 5 des StaintS der LandeSorganifatton für Preußen gemäß dem% 7 deS OrganifationSfiatniZ der Sozialdemolraiischen Partei Deutschlands zu ändern. Referenten: Oswald Aysche. Max Barth» Ri6>ard Barth, Dr. Alfred Bernstein. Dr. Benno Chajes, Georg Tavidsohn. Emil Dittmer. Wilhelm Düwell, Regina Friedländcr. Dr. W. Grumach, Kurt Hcinig. Paul John, Hellm. Lehman», Albert Regge, Regina Rüben. Max Schütte. Georg Ucko, Emil ttnger, Haus Weber, Dr. S. Weinberg. Hermann Weife» Dr. S. Wollhetm. 231/1* _ Mitgliedsbuch legitimiert»_ Der Vorstand. Allsm. GltskraiilltiiW füt JlciiUlln. Bekanntmachung. Wir setzen die Kassenmitglieder hierdurch in Kenntnis, daß nach erfolgtem Umbau die ärztlicherseits verordneten Bäder in unserer eigenen Badeanstalt(Jdeal-Passage) verabreicht werden. Die Badezeiten sür männliche und weibliche Mitglieder sind aus dem Vcrordnungssormnlar ersichtlich. Neukölln, den 22. November 1912. 283/16 _ Der Ltafsenvorstand: Fiedler, Borsitzender. Deutscher Holzarbeiter■ Verband. Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 27. November 1612, abends 6 Uhr: Fünf große Holzarbeiter Uersammlungen. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Kriegsvorbereitungen der Unternehmerverbände für das Kampfjahr 1S13. Versammlungslokale: IBoeker, Weberstraße 17. I Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151. Kliems Festsäle, Hasenheide 14—15. Obiglo, Schwedter Straße 23—24. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Referenten: Josef Ahlemeyer-Bremen. August Schulz-Lübeck, Sylv. Paczyna-Breslau, Heinrich Tornau-Frankfurt a. M. und Hermann Scheffler-Schönhcide. Mitglieder-Bersammlnngen. Bautischler. von Groß-Kerlin tiuschiitßlttii der Vororte Kroß-Fithter- felde und Steglitz. Heute Sonntag, den S4. November, vormittags 10 Uhr, bei Boeker» Weberstraße 17: Tagesordnung: t. Bericht der Kommission und wie stellen wir uns zur Vertragskündigung? 2. Diskussion. ygT' Die arbeitslosen Kollegen werden dringend ersnchk, an dieser Versammlung teilzunehmen."WS 01/9 Dltgllediübnch legitimiert. Modell- und Fabriktischler. Montag, den SS. November, abends 8 Uhr im Rosenthaler Hof, Roscnthaler Strafte ii/.2. Tagesordnung: 1. Bericht von der General-Veisamnilung. 2. Stcllnngnahme zum vertrag. 3. Verbands- und Branchenanzeicgenheitcn. Tischler, KeurK Nordosten. Montag, den'45. November, nachmittags 5'/:»hr, bei Boehe*> Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Bericht von der General-Versammlung. 2. Stellungnahme zum «tuen Vert?»z. 3. Diskussioi,. Maschinenarbeiter. Montag, den Ski. November, abends 8 Uhr, bei Boeker. Weberstr. 17: lagetordnuug: Stellungnahme zum Vertrag. giahmenmacher. Montag, den SS. November 1912, abends 6 Uhr, im GcwerkHchnftsliaaM, Engelufer 15. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Tischler, Bezirk Neukölln. Montag» den 2S. November 1912, abends S'/g Uhr, bei Kutzner, Weichselstr. 8. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Vertrag. 2. Verbandsangelegen- heiten._ Korbmacher. Dienstag, den 2«. November 1912, abends 8 Uhr, im Getverkschaftshaus, Engelufer 14, Saal 4, Arbeitsloseusaal. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Nnträgm zur Konserenz. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Stellmacher. Donnerstag, de» 28. November 1912, abends 81/, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12: Tagesordnung: 1. Das Koalitionsrecht und die deutsche Arbeiterklasse. Rcferenl: Stadtverordneter Genosse Adöls Ritter. 2. Bericht von der letzten Generalversammlung._ Schirmmacher. Tonnerstag, den ii8. November 1912, abends 7 Uhr, bei Hermel, Holzmarktstraße 21. Bezirk Obersdiöneweide. Ais Kassierer sungiert der Kollege rrledrleN Förster, Edisonstrafte 62 II.— Die Zahlung der Beiträge und Abhebung der Unlerstütznng hat dort zu erfolgen. Die Ortsverwaltung. ZeillrlilmbWd der Mlislljiliillkli°nd Scher sowie Vernfsgenoffetl Deutschlands. Zahlstelle Grost-Berlin.--- Heute Sonntag, de» 21. November, nachmittags 1'/, Uhr: Generalversammlung in den Arminhallen, Kommaudantenstr. 58/5». Tag esordnung: 1. Vortrag. Referent: Kollege Schlichting.— 2. Kassenbericht.- 3. Ortsangelegenhcit. ===== Mitglledsbach legitimiert.== Zahlreichen Besuch erwartet zu dieser Versammlung 146/16 Die Ortsverwaltnng. r ii Sebastianstrafte 37-38. Filiale Berlin I. Telephon: Amt Mortiiplaü.»737« Kostiimslhiicider«ttd-Schnridttilme»! Dienstag, den 26. November ISIS, abends 8 Uhr, in de» „Arminhallen�, Kommaudantenstr. 58/5»: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1.„Sind die Löhne in der Berliner Koftttmbranche untcr de« heutigen Verhältnissen noch zeitgemäft?" Referent: Kollege Kunm. 2. Bericht von der Damenschnciderkonscreiiz zu Berlin. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen! In Anbetracht der sehr wichtigen Eni» scheidung, die in dieser Versammlung gefällt werden soll, ist es Pflicht eines jeden, zu erscheinen. Nur Mtglieder, die nicht länger als 8 Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, haben Zutritt. Die OrtsvcrwaUnng, Herren-Konrektion! Am Montag, den 25. November, abends 8'/, Uhr» Extrasitzung sür A. Stier, Adolf Stern, Max Liesser, Mililer n. lieo- Jiold, Deopold Pinn, Ph. Ucko und Cohn n. Gerschon itx Bei Schulz, Königsgrabcn 2; für Stern Gebrüder und Hugo licnnann bei Rcgul, Bischosstr. 12: sür Hopp n. Kurzweg, Dann u. Schönland und Paul Cngcr bei Boft, Klostcrstr. 161: für denn Popper bei Scharknies, Neue Köiiigstr. 36; sür S. Belehmann und Pohl n. Sehinldt bei WciHnacht,Grü>lstr.2I; sür Peek n. Cloppenburg und P. Schröder bei Siegel, Große Frankfurter Str. 30; für S. Adam bei Zimmermann, Kürzeste. 17; für Bender n. Gattinann bei Rietz, Hoher Steinweg 15; sür Machol u. l.ewän bei Fischer. Eiergasse 2(Am Moikenmarki); sür Fablsch n. Co.. M. Schnlnielster und H.-K.-Vertrleba- gesellschaft bei Schulz, KönigSgrabcn 2; sür Cohn n. Sohn abends 6'i2 tthr bei Otto, MarkuSstr. 47. Tagesordnung: Stellungnahme zur Tarifknndignng und zu de» zu stellenden Forderunge». Sämtliche Sitzungen sind gemcinschastlich sür Heim- und Werkstattarbeiter. Vollzähliges Erscheinen erwartet Die Kommission. ss Herren-Stapelkonfektion!= Montag, de» 25. November, abends 8'/, Uhr, tu den„KönigS« fnleit", Köiiigstr. 26(Eiiigaug Wadzeckstrafte) i Geanemschaftliche Bersamlnlung derA!0lslhtumeijier,Gtstijen«.Arbeitklittne» dieser Branche. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Position IL, Absatz L des Tarif, Vertrages. 2. Bortrag über:„Kann das Kohlenrisen durch Gas- eiiirichtung ersetzt werden?" 3. VeriMedenes. 165/3 Sollzähiiges Ersazeinen erwartet Die Kommission. Königsbank-Festsäle 117, Große Frankfurter Straße 117. Sonnabende 1013 unter bekannter Kulanz noch zu vergeben. Bestellungen erbittet Kllfl BFOUEJC Amt Königstad, iSli.. Oeffentliehe polilisek Versamwlnngen. Schöneberg. Yolks-Versammlung Dienstag, den Ä6. November, abends 8 Uhr, in dem„Gesellschastshans des Westens", Hanptstr. 30/31. Thema: Pfttrwtismus nitt) Sozialdemokratie. Referent: Genosse Vr» NT'SitSvliSlÄ« Freie Diskussion. Männer und Frauen l Es gilt gemeinsam energischen Protest zu erheben gegen die Willkür des Kapitals, das Volk in Elend und Krieg hineinzustürzen. Darum erscheint alle pünktlich und zahlreich. Der Einberufer: 16/10 SR. Küter, Berlin-Schönederg, EbirSstr. 70. Sozialisten! Anarchisten! Morgen Montag, den SS. November 1912. abends 8:/t Uhr. im •• rkischen Hof«. Admiralftrafte 18«: Öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Sozialdemokratie and Anarchinraa«. SRefd'cnl: Genosse Berthold Cahn.— Hieraus: Freie DiSkuision. Zluioll auarthikischkr Nerkine Kerlins u. d. Zlmg. I. A.: Crnst Osekse, P a n 1 o w, Wollankstrase 126. EE SteinarbeHer. Mittwoch, den S7. November, abends 8 Uhr, in den „Armiuhallen", Kommandantenstr. 58/59: Ailgtm. Mitgliedtlversaiiti»l»itg Wtf Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. MO 172,3' Tagesordnung: 1. Bortrag des ReichsiagSabgeordneien Genossen Karl Giebel über: Die politische Lage. 2. DaS Ergebnis der Bäche: kontrolle. Die Kollegen aller Branchen sind zum Besuch dieser Versammlung verpflichtet. Um vünIUiche» Erscheinen ersucht Ble Ortnvcrwaltans. für Potsdam und Umgegend. (E. G. m. b. H.) Sonntag, den 24. Nov-ncher 1312. mittags 1 Udr, im Restaurant Vi. prusedinslil, Kaiser Wilbclmstr.iiS: Lnfterordentliche LölisrsI-VLfSiimmIallS. Tagesordnung: 1. Statutenänderung. K 8 u H 22. 2. Griuidstücksanlaus und Bau» bewilligung. lOL/6' 3. Genossenschastliche Angelegen- Helten. Der AnlsichtSrat der Konsumgenosseilschast Hossnunz sur Potsdam u. Umg.<5.®. m 6. H. M. Hausmann, Vorsitzender. Ortskrattkenkasse der Möbelpolierer. Laut BdchluK der ordentl cheu Geneialoersammlung vom 2l> No« vember er. ist die Kasse von Mou- tag. den LS. November 1912 täglich, auster Zolin, und �eier- tag», von 1S-1 iz Uhr geösfnet. 283/13 Oer Vorstand. Theater und Vergnügungen tSiehe Wocheu-Spielplau.) Neue Freie BolkSbLhne. k o n n t a g, 24. November, Abends 8 Ubr: Neues BollS-Theater: Michael Kramer. «bendS 8'/, Uhr: Neue» Bolls.Tbeater: Montag: Liebelei.— Der Kammersänger. Dienstag, Donnerstag: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Mittwoch: Michael Kramer. Frcnag. Sonnabend: Mutter Land- straße. Ledüler-fdeslero.�� Sonntag, abends 8 Uhr: liSnle I.ear. Montag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellens. DienStag. abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Hedda Gabler. Schiller-Theater"VuT" Sonntag, mittag« 12 Uhr: Kawinermustt. Sonnlag. abend» 8 Ubr: Plarrer* Tochter von Streladorf. Montag, abend» 8 Uhr: Im wclBcn Ittfitl. Dienstag, abend« 8 Ubr: Die Geschwister. Elga. Berliner Tbeater. 8 Uhr: Der Aktienbudiker. Theater In der KijoiggrützerStraiSe vi, Uhr: HerodeS und Mariamne. Deatsehes Schansplelhaas 8 Uhr: Kameraden. Theater am Nolleotlorlplalz S. 8 Uhr. Kismet. S Uhr. Jeden Mtttwoch o. Sonnabend 4 Uhr: _ Schneewittchen. Montls Operetten-Theater Qr. Neues Theater). Amt Norden 1141. AbendS 8 Ubr: Der fidele Bauer. Resitienz-Theater. Anfang 8 Uhr. Franeillon. Morgen und folgende Tage: Prlnzenerziehung._ Luisen-Theater. Sonntag abend« 8 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Die Jnngfrar» von Orleans. Dienstag: De» andern Ehre. Mittwoch: Rasflcö._ OSE=THEATEI Srotz« grantturle» Str. 182. Abend» 8 Uhr: Die größte Sünde. Drama in S Allen von Otto Ernst. Montag: Die Sünden der oberen Zehntausend._ Ab 8 Uhr: Oa»«randlose Programm l Robins der Ürkomisohe. Kosey« Wonderhunde. Nebe• Quartett. Amely de l'Emüos. Bendlx-Schnabel uad 0 weitere gr. Attraktianeo. Urania TaabenstraOo 48/49. Sonntag 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Montag'/aS Uhr: Professor Dr. H. Braus: ZDchtung von Organen auf natürlichen und künttliohen Nährboden. iocischer GARTEN Heate Sonn tau:: Eintritt SO Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: GroBes Militär-Konzert. glich 4 Uhr; Gr. Militär-Konzert Donnerstags; Joh. Strauß. Du grSSte Naturwunder! Die HEILIGE WEISSE NEGERIN und Ihre schwarze Priester- Schwester. Beide lebend ohne Extra- Entroe xn sehen. Passage-Theater Unter den Linden 22/23. Ki-Ko Lichtspiele. Rente TotenMonntag Extra-l'rogramm. Anlang ö Uhr. Trianon-THeater. Heute Totensonntag, abends 8 Uhr: Da» Ende der Liebe. Montag: LiebeSbarometer. iu— � uue u. uu.■—m. �Ltrantwortlicher Nepalteur: Alfreh Wiesepp, Neulölln. Für den Zikhus kusch, Heute Sonntag, 24. November, abends v'/, Uhr: Zorn«weiten Rate die groBe Pnink-Pantomime Sevilla in 6 glänzenden Akten. Vorher: Dan gesainte«roBc Gafa-Proarramm. Metropol-Theater. Heute abend 8 Ubr: Einmalige Ausführung: Schuldig! Drama in 3 Ausz. von Richard Boß. Morgen und solgende Tage: ehllusjeur- tos Mropol! MM« Heute Sonntag 8 Uhr: Kausiererdockele. Die letzte Ehre. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld In den Hauptrollen. Morgen Montag: Zum 50. Male; Die Alpenbrttder. Dan Scheldungn-Souper. Billett- Vorverk. 11—2(Tfaeaterk.). Folies Caprice. Komiker Hchnltnel Der Dorrmuslkant. Morgen and folgende Tage: aflr» Der feulche Joseph.-MM -■�T' Der Rehbock.■■ 1 Der Einbrecher Zirkus Merl Schümann. Heute Sonntag, 24. November, abends 71/, Uhr: mit extra aaserwähltem Programm. gc Em O'f« Ehr:-Wv Der unsiebt- bare Henseh. Vier Bilder aus Indien. BtT Oai unübertrefiliche Aue- ctattungsstück sowie die Hauptattraktion von Berlin. Casino-Theater Lolvringer Str. 37. Abend« 8 Uhr: Einmalige Aufführung Die erkaufte Frau. Ab morgen bi« Donnerstag: Der Großförnt. Freitag Premieren-Abend. Theater Königstadt-Casino. Holzmartistratze 72, tfflte. o. Bahnd. Ianno�itzbrüSe. Täglich abends'/� lldr: iiazgr.ZMiiültkWgiiW und„äine von der Wasserkant". Lebensbild in einem Akt. Volks-Theater Nentöll», Hermannttr. 20. Sonntag VI, Ubr: Der Glöckner von Rotre-Dame. Schausp. in 6 Alt. v. Ed- Birch.Psetsfer. Montag 8'/, Uhr: Da» Glück im Winket. Schausvicl In 4 Att. v H. Sudermann. ehsrlottendurger FesisAs i EbarIotteab«i>U, Kalnor-Erledrlobnti'. S4. Dmp kehle 2 grolle Säle 1. Versammlung-, Familien- u. Vereinsleste. i Sonntag: 6p. Ball i rrrf Jeden Dienetogr, Donnerstoa: sowie Ü:: Berliner Konzerthaus MaueretraBe 82.— Zlmmerstrala 90/91. Heute Auserwflhltes Programm u. |GesangsbegIeitong| der Mme. Derrot.[ Anfang 0 Ehr. 1 Kinder haben keinen Zutritt I Voigt-Theater. Äelnndbnmiicn Badltraße 68. Sonnlag, dm 24. November 1312: Nachmittags:«eine Borstellung. Abend» 8 Uhr: Was Oott zusammenfügt.•• Schauspiel in 6 Alt. von E. Ritterseid. Nach d. gleichn. Rom. i. d..Morgenp.'. Kassen-E> ösfn. 10—2 Uhr u. ab. 7 Uhr. Heute: Doppel-Konzert! Mnaiko. Halsep-Pranw-Heclmonte, virig. Oberm. Becker Musiho. 1. Gardo-Drugonor-Regts., Ding. Oberm. Baara. Anfang 4 Ehr. Eintritt 60 Pf. Anfang 4 Ehr. Gr. mclmUllais-lonierl'■•ygr Eieelsior-Liehtspieihaus ReekOIlD!a./!r"l Passage »»»W»»»»»««»<, ,————* Vom 22. bis 28. November inkl.: Sklaven der Schönlieit. Ennstfilm in 3 Akten mit Ferdinand Bonn, Robert Olneatee and Frau FrShllck : iwmmwmmmmmmmm m\ wmwmmwwwwwwwmwwmwvwww Kindern unter 14 Jahren, auch in Begleitung Erwachsener, ist der Eintritt nicht gestattet. Gewerkschaftshaas, Engeluler 15. Sonntag, den 1. Dezember 1912, abends 7'/, Ubr pünfllich: Aus höchsten Befehl seiner hoch« fürstlichen Durchlaucht Serenlnnlmne"; iaer Abend Seine hochsurftllche Durchlaucht werden mit Gefolge In der Hos- löge erscheinen. LeitungHans Freiherr v.Wolzogen. Mit wirfende: Margarete Walkotte— Hans v. Wol- zopen— Albert Arlnquen— Theo Fredy— Richard Kaiser— Bernhard Nitzache— Traute Garisen. Entree 50 Ps. Abendkasse 60 Pf. Vorverkauj bei P. Harsch, Engeluser 15. 238/13' KtUtknevsaat. Konzert des Kliithuer-Ordj. Vi?.: Kv. Äleyersberg. 5»!.: E Reinere IGes) A. Schütz(Org.) Hnfang 7� Ohr. Entree 75 pf. Zirkus Barum nebst großer SMeMMeiM WeMensee, Strcnetr. Heute Tanntag 2 Galavorstellungen nachmittags 4 Ubr u. abends 8 Uhr. Auch m 4 Uhr-Borstellung Vorktthrnng«Amtlicher kanbtferdressnren. Folgende Tage abends 8'/, Uhr VorMtellnng. — Zirkus wirb gehetzt.— Reichshallen-Theater Stettiner Sanger. Elite-Propk Anfang 7?, Uhr. . Nächste Nachmitt.» Bestellung ddlTl Sonntag. 1. De, emb. 'VOwl Senat. Son. AiX-U nenttlch. W An zoo. Sonntag, den 24. November, 8 Ubr: Kreuzberg-Ballett Rosen-Ballett •na: So bummeln wir! vorher: Konzerl-Teil: Edy Smeraldlna Hedwig DOring u. a. ?aFlet6-TeiI: Henry de\ry (Balkan-Bilder) Sistera Bekefy u. a. gM- Rauchen überall gestattet. Slliönkbkrger Stadtthtüter. GesellschaftshauS des WeslriiS, Hauptstrabe. Ab DonnerSiag. den 28. November, jeden DienStag u. Donnerstag 8 Uhr: «roste Theater-Borstelliliig. Das vierte Gebot. Preise der Plätze: Im Vorverlaus in den Z'garrenhandlungen vo.i R. Hanta, Hauplstr. t3; E Heise, Sedanstr. 1; Richter u. Franke, Grunewaldstr. 78, Ecke Akazienstrabe: Theoterbureau, GesellschaslShaus Res. Platz 1.25. 1. Parkett 0,75. 2. Parkett 3,50. Abendkasse: Reservierter Platz t.5G. 1. Parkett I.-. 2. Parkett 0.60. �.dmirstspÄtast Eis- Arena. Heute X Vorstellungen X Nachmittags(1. Vorstellung um 6 Uhr) und abends das sensationelle Gi's-BaUett Yvonne. Das relehh. Kunstlaufprogramm. Bis 6 Uhr und von lO3� Uhr abends halbe Kassenprcise. Rceitaiirant 1. Range«! Wein- und Bier-Abteilung. Markgrafen-Säle 34. Barkgrafen-Damm 34. == An der slralauer Allee.--> Täglich: Gr. Kino-Norltrliuug. gm Restaurant läglich musikalische Uu»erdal»u»g. I----| Rermania-Prachtsäle N., Chausseestr. 110. Karl Richter. Heate Totensonntag: PauIHsntheys luslige Sänger unter Mitwirkung d. Qesangv-. „Weddinger Harmonie'1. Anfang«>/, Uhr. < Jeden Mittwoch: Paul Hantheys lustige Sänger mit Freilanz. Jeden Donnerstag; GroBes yilllthr- hti'efclikunzei't i m. ansch}. Familien- Kränrchon. Vonugdkarton gelten. Alhambra Lallner.Tveaierstrabe 15. xz. Großer Ball GroheS Orchester. Anfang Sonntag» 5 Uhr. A. ZuincUut. Karl Kissle's Festsäie Dennewitzstr. 13. Sonntag, den 24. November: teert o. Lichttiilderyorlrag: Fritz Reuters leben und Werke.] Garderobe tnll. Eintritt 50 Pf. Ansang 6 Uhr. 13S16| H*** w. Berliner ü. umot-ftunrtell Gg. Frenei'Ci önjeratenteil verantw.: Td.u. Druck ii.>veclag: LorivarlS söugidruckeret u. LertagSanitalt KuiunegsJlasO JTnt Ben Snhfttt ver Omctatt Ain-niimmt die Sievaktio» de« viidlitum grgenitder teinerlet Aerantworrunq.________ Paul Singer u. Co., Berlin SW. 8.275. N.?.w°s. 3. peilte kö„Pormrulö" Jcilinct Polliölilntt. s«««»«!,. 2t.>»12. Gcwerhrchaftlicbea. Sine neue Hrt der„JMateriaUenramnilung" für ein Zudrtbausgeretz. Der XLe.i pziger Polizei gebührt die Ehre, eine neue Methoi-� entdeckt zu r�en,„Materl�'" für eine Zucht- hausvorlage zu sammeln. Der gegenwärtige Streik der Leipziger Bnchhandlungsmarkthelfer gab ihr die erwünschte Gelegenheit, diese neue Methode auszuprobieren. Sie be- gnügt sich nämlich nicht mehr damit, nach altem Rezept die Streikposten wegzuweisen, ihnen Flugblätter wegzunehmen usw., sie liefert jetzt vielm.ehr den aussperrungskollerigen Unternehmern amtliche Arbeitswillige, Poli» z i st e n in A r b e i t s k l u f t, die die ausfahrenden Streik- brecher auf den Geschirren begleiten. Die also zum Streik- bruch abkommandierten Polizisten unterscheiden sich in ihrem äußeren Auftreten in keiner Weise von den Arbeitswilligen, sitzen auf dem Wagen, legen mit Hand an und sind— sofort zur Stelle, sobald-es jemand wagt, ein nützliches Element auch nur scheel anzusehen. So rief vor einigen Tagen der Kutscher eines Speditionsgeschäftes einem vor- überfahrenden Streikbrechcrtrupp einige Worte zu. Sofort sprang einer aus dem Trupp der Streikbrecher vom Wagen, eilte auf den Kutscher zu, zog aus einer Tasche eine Marke und legitimierte sich als— Kriminalbeamter. Da hätte dann also die Staatsanwaltschaft für ihren Prozeß einen „amtlichen" Zeugen, der sich für diese staatsretterische Tätig- keit in einen Streikbrecher verwandeln mußte. Eine er- hebende Tätigkeit. Und zwar geschieht diese echte Polizisten- tätigkeit im vollen Einverständnis init dem Leipziger Polizei- amt. Denn auf eine Beschwerde des Transportarbeiter- Verbandes antwortete das Polizeiamt, daß diese Art Polizei- licher Betätigung notwendig sei. Die Scharfmacher werden an diesem Vorgehen der Leip- ziger Polizei natürlich ihre helle Freude haben. Bekanntlich kommen in deutschen Landen drei Eide eines Zivilisten nicht gegen einen einzigen Polizistencid auf. In den Parlamenten aber wird man dann auf das„einwandfreie Material" der „amtlichen Arbeitswilligen" hinweisen. l Berlin und Umgegend. Ein Gewaltstreich der„Viktoria". Drei Angestellte, die 13 bezw. 15 Jahre im Dienste der Ver- sicherungsgesellschaft„Viktoria" gefrondet hatten, wurden wegen ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit kurzerhand gemahregelt. Dieser Gewaltakt hat weit über die Kreise der direkt Beteiligten helle Empörung und große Erbitterung hervorgerufen. Daß auch die Angestellten nicht mehr gewillt sind, sich derartige Eingriffe in ihre persönlichen Verhaltnisse gefallen zu lassen, bewiesen Besuch sowie Verlauf einer vom Zentralverband der Handlungsgehilfen auf Freitag abend nach dem„Deutschen Hof" einberufenen Protest- Versammlung. Saal und Galerie waren, �um Brechen, gefüllt. Schulter an Schulter gedrängt, lauschten die Erschienenen den Aus- .Führungen der Referenten, erhoben sie. flammenden Protest gegen den Herrenstandpunkt in der„Viktoria". Wie der Vorsitzende Rogon bei Eröffnung der Versammlung mitteilte, waren alle Reichstagsfraktionen schriftlich eingeladen. Erschienen seien jedoch nur die Vertreter der sozialdemokra- tischen Fraktion. Erster Redner war Rechtsanwalt Hugo Heine mann. In einem feinpointierten Referat behandelte er die Frage des Koa- tionsrechts vom prinzipiellen Standpunkt aus. Er erntete stürmi- schen Beifall. Als zweiter Redner beschäftigte sich Rudolf Breitscheid eingehend mit dem Musterbetrieb« der„Viktoria". Redner be- sprach dann unter großer Empörung der Versammlung den neuesten Gewaltakt: die Maßregelung der drei Angestellten, die lange Jahre ihre ganze Arbeitskraft der Gesellschaft geopfert hatten. Es wäre das alte Lied in neuen infamen Variationen, das Lied:„W e s Brot ich esse, des Lied ich singe." Dadurch erziehe man kerne Männer, sondern so erziehe man Lumpen. Jetzt müsse nun vor allem der dringende ernste Appell an die Arbeiterschaft gerichtet werden, nicht länger ein« Gesellschaft zu unterstützen, die die elemen- tarsten Rechte der Arbeiter mit den Füßen trete. Dem Konsu- mentenstandpunkt müsse Geltung verschafft werden. Hinweg mit dem Vcrsichcrungsvorschlag der„Viktoria". Sorge jeder mit dafür, daß das neue Unternehmen— die„V o l k s f ü r s o r ge"—, welches sich die Arbeiter selbst schaffen, zu einem blühenden werde. Organisieren und agitieren sei ferner die Losung, mit der Gleich- gültigkeit und dem Standesdünkel müsse jetzt endlich aufgeräumt >o«rden. Der Kampf werde nicht nur für höhere Löhne geführt, sondern vor allem um die Persönlichkeitswürde, für Menschenrechte. Diese Ausführungen wurden von lebhafter Zustimmung begleitet und am Schlüsse durchbrauste nicht endenwollendcr Beifall den Saal. In der nunmehr folgenden Diskussion übermittelte Herr Band vom Bund der kaufmännischen Angestellten dem Zentralverband seine Sympathie im Kampfe um Anerkennung des Koalitionsrechts. Er bezeichnete es als sehr bedauerlich, daß die Angestellten in vielen Fällen schlechtergestellt seien als die Arbeiter. Nach ihm ergriff Reichstagsabgeordneter Philipp Scheidemann. von stürmischem Beifall begrüßt, das Wort: Die„Viktoria" vertrete ganz den Standpunkt des Bisstofs Heule, der sagte:„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben." Demgegenüber berufe er sich einmal auf das Wort des Dichters, der sagte:„Der Gott, der Eisen wachsen ließ. der wollte keine 51nechte." Die Angestellten müßten sich aber auch politisch betätigen. Als Staatsbürger müßten sie mitreden, damit sich die Dinge so gestafteten, wie es notwendig sei. Redner wies noch auf den Rat des Zusammenschlusses hin und rief den Indifferenten zu. sich zu organisieren. Serr Reckes erklärte im Namen des Vereins der Deutschen Kaufleute, daß sie immer dort zu finden seien, wo es sich darum Handel«, das Koalitionsrecht zu verteidigen. Herr Geiser vom Bund der technisck>-industriellen Beamten wies auf die Maßregelungen hin. unter denen die Techniker zu leiden haben. Notwendig wäre ein fester Zusammenschluß aller, damit die Gewaltstreiche der Unternehmer zuschanden würden. Reichstapsabgeordneter Silberschmidt(als Vertreter der Gencralkommission der Gewerkschaften Deutschlands) teilte unter lebhaftem Beifall mit. daß die organisierte Arbeiterschaft die Hand- lungsgchilfen auf ihren serneren Wegen mit der größten Sympa- thie begleite,«edner schilder'- seine Eindrücke, die er vor zw'�-zig Jahren und geute in den Versammlungen der Handlungsgehilfen gewonnen habe. Wenn man das Wachstum der Gewerkschaften allgemein betrachte, so sei die Organisation der Handlungsgehilfen in der EnHvickelung um einen Schritt zurückgeblieben. Die Folgen machten sich nun jetzt bemerkbar. Viejleicht habe es erst der Bru- talität des Kapitalismus bedurft, um Tausende aus die Organisation hinzuweisen. Die„Vittoria" konnte der Bewegung der Handlungsgehilfen wohl kaum einen besseren Dienst erweisen. Jetzt heiße es: Vorwärts, durch zu besseren Verhältnissen. „Die am Freitag, den 22. November 1912, im„Deutschen Hof" zu Berlin versammelten Versicherungsangestellten prote- stieren auf das entschiedenste gegen die Maßregelung einiger Angestellten durch die„Viktoria", Lersicherungs-Miengesell- schaft zu Berlin. Die oetroffenen Angestellten waren 13 bezw. 15 Jahre in Diensten der Firma und sind lediglich wegen ihrer Tätig- keit für die gewerkschaftliche Organisation, den Zentra�rband der Handlungsgehilfen, aekündigt worden. Die Versammelten sehen in dieser Handlungsweise der „Viktoria" einen unzulässigen Angriff auf das gesetzlich gewähr- leistete Koalitionsrecht der Angestellten, und beauftragen den Zebtralverband der Handlungsgebilfen, alle erforderlichen Schritte zu tun, um die Direktion der„Viktoria" zur Zurücknahme der Maßregelungen zu veranlassen. Tie Versammelten verpflichten sich, ihr Koalitionsrecht bis aufs äußerste zu verteidigen und werden mit aller Kraft für den Ausbau und die Stärkung ihrer Organisation, den Zentralverband der Handlungsgehilfen, tätig sein.' Achtung, Tapezierer! Wegen Tarifdifferenzen ist die Firma N e u m a n n, Lederniöbelfabrik, Königsberger Str. 23, für Polsterer gesperrt. Die Schlichtuugskommission. veutkeftes Reich. . Wahlen zur Angestelltenvcrsicherung. In Bremen erbielt von 3748 gültigen Stimmen die Liste der Freien Vereinigung 871 Stimmen, die anderen untereinander ver bundenen Listen(Hauptausschuß) 2877 Stimmen. Die Freie Ver- einigung erhält einen Vertrauensmann und einen zweiten Ersatz- mann. Der Deutscki-nationale Handlungsgehilfenvervand, der eine riesige Agitation entfaltet hatte, erlitt eine fühlbare Niederlage: er brachte es nnr auf 318 Stimmen und muß sich mit einem ersten Ersotzmaim begnügen. Am besten hat die Frauenliste abgeschnitten; sie erhält bei 847 Stimmen 2 Vertrauenspersonen und 2 zweite Ersotzpersonen. In Osterholz-Scharmbeck erbielt die Freie Vereinigung den zweiten Vertrauensmann und den fünften Ersatzmann und in Stade zwei Ersatzmänner. In R u d o l st a d t- S t a d t erhielt die Liste der Freien Ver- einigung 35 von 116 abgegeben gültigen Slimmen. Gewählt wurde als Vertrauensmann Arbeilersekretär E. Olio, ferner ein erster und zwei zweite Ersatzmänner.— In Rudolstadt-Land entsieten von 137 gültigen Stimmen auf die Liste der Freien Vereinigung 25. Gewählt ist ein erster Vertrauensmann; die übrigen Vertreter entz fielen auf die Liste des Hauptausschusses. Eine zweite Wahl zur Angestelltenversicherung in Braun- schweig fand erst jetzt statt. Am 39. Oktober hatte der Magistrat eine Wahl angesetzt, die jedoch infolge der schlechten Organisierung durch den Stadtmagistrat von wüstem Tumult begleitet war und deshalb nach zweistündiger Dauer abgebrochen werden mußte. Bei der jetzigen Wahl wurden bei über 4009 Wahlberechtigten 2463 Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Frei« Vereinigung 759 Stimmen. Der Hauptausschuß erhält 3 Vertrauensmänner und 6 Ersatzmänner, die Freie Vereinigung einen Vertrauensmann und 2 Ersatzmänner. Ein organisierter Anariff auf das Koalitionsrecht der Ängcstesiten. Der Verband hannoverscher Metallindustrieller hat an seine Mitgliedssirmen ein Rundichreiben gerichtet, in dem er sie auffordert, durch Fragebogen festzustellen, welche ihrer Angestellten dem Bund der rcchnlich-industriellen Beamten angehören. Auf Grund dieser Feststellungen soll im Zentratbureau beS Verbandes eine schwarze Liste zu dem ausdrücklichen Zwecke hergestellt werden. Mit glieder des Bundes der technisch-industriellen Beamten, wenn nicht überhaupt, so-doch von„gehobenen" Stellungen fernzuhalten. Die Fragebogen(die auch Angaben über Familienstand und Familiengröße, sowie über die etwaige Zugehörigkeil zu einer anderen Organisation fordern, also von allen Technikern als völlig unberechtigtes Eindringen in ihre Privatverhältnisse empfunden werden müssen) sind den An gestellten vielfach bereits vorgelegt worden. Im Werke des Herrn Gördens2 Proz.). für die Maichineusetzer Typograph und Monolype von 6.79 auf 7,25, für Linotype von 7,89 aus 8,49 Proz.), für die Drucker, je nach den Maschinen, von 4,39 auf 4 99 bis 6,39 auf 6,89(Er- höhung von 8—15 Proz.). Die Stereolypeure verbessern sich um 7 Proz.. die Lichldrucker um ebenso viel, das Hilfspersonal um 'Proz., vre Lichldrucker um Die Stimmung der Versammelten kam schließlich durch die! 29 Proz. Die Arbeit wird am 19. oder 29. wieder aufgenommen; Annahme folgender Rejolution zum Ausdruck: 1 Maßregelungen finden natürlich nicht statt. fliraliMMn und lücdizin. Das Reichsgericht- hat eine für die Krankenkassen außerordenk» lich wßÄige Entscheiduicce gefällt. Zelchenirechttüch geschützte Medizinen scnd sehr lener. Ost kosten Chemikalien, die einen realen Wert von 19 bis 20 Pfennig haben, nach der Zwsainmenisetznng in der chemischen Fabrik zu einem zeichen- rechtlich geschützten Präparat 19 Mark mtd mehr. In Wirtschaft» licher Beziehung ist für die Krankenkassen der Umstand dem großer Bedeutung, ob sie eine Arznei van gleicher Wirkung mit Pfennigen oder mit Markstücken bezahlen. Aus diesem Jnkeressenkonflikt zwischen Chemikern und Patienten, Apothekern und Krankenkassen ist die Rechtsfrage hervorgegangen, ob die Einwirkung der Kranken- kassen auf die Aerzte zum Zwecke der Vermeidung der zeichenrecht- lich geschützten teuren, medizinischen Waren erlaubt ist oder untersagt lverden kann. Anläßlich des Rechtsstreits des Chemikers Dr. H. in Berlin gegen den Württembergischen Krankenkassenverband und den Esslingcr Dclcgiertenverband hat das Reichsgericht am Freitag die von den Verbänden betätigte Art der Bekämpfung eines teuren chemischen Präparates mchd gebilligt und deshalb die genannten Verbände in entsprechender Weise verurteilt. Dem Rechtsstreit liegt folgender Tatsachenvcrhalt zugrunde: Dem Kläger ist das schweißt, reibende Mittel Pyrenol. das aus Benzoesäure, Salizylsäure und Thtzmol besteht, zcichenrechtlich ge- schützt. Der Württembergische Krankenkassenverband in Stuttgart behauptet, daß das Nüttel mit dem hundertfachen Betrage der Selbst- kosten berechnet werde. Er hat das Pyrenol deshalb in das von ihm herausgegebene Buch über Arzneivcrordnungrn aufgenommen, in dem neben den teuren Mitteln Hinweise auf billigere gleichartig wirkende Mittel zu finden sind. Damit diese Aufstellungen ihren praktischen Wert nicht verfehlen, läßt der Krankenkassen. verband alle Aerzte die er anstellt, einen Revers unker- schreiben, in dem die Aerzte sich damit einverstanden erklären, daß sie in den Fällen, wo sie Pyrenol verschreiben, damit einverstanden sinb, wenn in den Apatheken gleichwertige Arzneimittel abgegeben werden. Nur in den Fällen, wlo sie die Hin- gäbe der Arzneimittel mit ihrer wissenschaftlichen Ueberzeugung nicht vereinbaren können� sollen sie hinter das Pyrenol den Vermerk „kl. B." setzen; dann soll von den Apothekern Pyrenol abgegeben werden. Die Apotheker sind in entsprechender Weise verpflichtet worden, Arzneimittel zu verabfolgen. Bei Verstößen gegen diese ökonomischen Vorschriften soll der Krankenkassenverband das Recht haben, Aerzte und Apotheker zum Teil schadenersatzpflichtig zu machen. Der Kläger, der das Präparat Pyrenol in einer chemischen Fabrik in Leipzig herstellen läßt, hat wegen dieser Matznahmen des Württembergischen Krankenkass enverbandes Klage erhoben und Per- stöße gegen das Warenzeichenrecht,, das Wettbewerbsgesetz, das Straf- gesetzbuch und das Bürgerliche Gesetzbuch gerügt. Das Landesgericht und Oberlandesgericht Stuttgart hatten die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht führte zur Begründung seines Urteils aus, daß überhaupt lein Gesetz verletzt wende, wenn die Beklagten die Ueberzeugung erlangt haben, daß ein anderes Mittel genau so gut helfe und wenn sie mit erlaubten Mitteln ihre Aerzte veranlassen zur Anwendung einer gleichartigen Arznei ihre Einwilligung zu gcbmu Das Reichsgericht hat aber das Urteil des Obcrlandcsgerichts Stuttgart aufgehoben und die Beklagten verurteilt, es zu unterlassen, aus den ausgestellten Reversen, soweit dadurch das Heilmittel „Pyrenol" betroffen wird, Rechte herzuleiten. Fernerhin sind die Beklagten verurteilt worden, es zu unterlassen, sich von den Kassen- ärzten die bezeichneten Reverse ausstellen zu lassen/auch sollen sie in Zuckunft kein Recht haben, den Apothekern die Abgabe von Pyrenol dort zu versagen, wo es der Arzt verordnet.(Aktenzeichen: II 293/12.) ■——f.* * Man wird das schriftliche Urteil abzuwarten haben. Hat daS Reichsgericht nur aus dem Wortlaut des württembergischen Reverses heraus geurteili, so dürfte gegen seine Entscheidung, nichts einzu» wenden sein. Es ist ein hart an Betrug streifendes Vergehen gegen das Warenzeichengefetz, auf dem Rezept das Wort Pyrenol zu ge- brauchen, den Pattenten in den Glauben zu versetzen, er erhalte Pyrenol, während er nur ein allerdings vielleicht gleichartiges Ge- misch der Grundstosfe des Präparats erhält. Es scheint hier eine Jahrlässigkeit bei Ausstellung des Reverses ebgowallet zu haben, für die die Verbände nun mehr an Gerichtakostcn zu zahlen haben, als sie durch ihre Anordnung der Kasse ersparen konnten. Ganz anders ist die Frage zu beantworten, ob Kassen berechtigt sind zu verlangen, daß statt teuerer, weil zeichenrecht lich geschützter Präparate billig-ve gleichwertige Berschreibungen stattfinden. Dazu sind die Kassen aus finanziellen Gründen gezwungen, weil die zcichenrechtlich geschützten Präparate einen ungeheuer hohen Preis haben. Den Aerzten vorzuschreiben, daß sie solche geschützten Prä- parate überhaupt nicht verwenden, geht aber viel zu weit. Es darf dem Gewissen und der Ueberzeugun-g des einzelnen Arztes keine Schranke gezogen werden. Es ist denkbar und komint nicht selten vor. daß ein Arzt ein Präparat verschreibt, weil er der Ueber- zeugung ist. daß die Herstellung gerade durch die begünstigte Fabrik eine einwandfreie ist, während er dieselbe Ueberzeugung von ande- ren Fabriken vielleicht auf Grund gsmachter Erfahrungen nicht hat. Die Herstellung der Präparate geschieht meist nicht durch einfache Mischung seiner Bestandteile. Wosentlich ist vielmehr oft der Hitze- grad, die Tauer der angewendeten Erhitzung oder Abkühlung und dergleichen. Die Kasse darf den Arzt nicht in einen Gewissenskonflikt bringen. Deshalb haben mit Recht die württembergschen Verbände die Klausel in ihrem Revers, das? der Arzt berechtigt ist, das Präpa- rat statt der Urbestandteile zu verschreiben, wenn die andere Slrt der Verschreibung seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung widerspricht. Nicht die Kassenperwaltung, sondern der Avzt trägt die moralische Verantwortung für die Art der Behandlung des Kranken. Ein Kassenpatient soll vom Arzt genau so behandelt werden, als ob er ein Privatpatient wäre. Die Kassen werden durch die ungeheuer hohen Preise der Michenrechtlich geschützten Präparade zu Abmachungen mit den Aerzten über die Art der Verschreibung gezwungen. Ohne eingehende Beratung mit Aerzten kommen solche Abmachungen wohl nicht zustande. Die oft exorbitant hohen Preise für Präparate be- ruhen aus den Widerspruch unserer Gesetzgebung, daß Arzneien zwar nicht patentiert, der Allgemeinheit nicht vorenthalten, aber zeichcnrechtlich geschützt werden dürfen. Diesen zeichen-rechtlichen Schutz haben die kapitalistischen Interessen großer chemischer Fabri- ken leider durchgesetzt. Die Beseitigung dieses Schutzes, zum minde- sten eine Begrenzung der Höhe des Preises der geschützten Präparate liegt im Interesse der Allgemeinheit, sie ist eigentlich eine Konsequenz des verständigen Verbots, Arzneien zu patentieren, Sozialee» Aus dem Gewerbegericht i» Tempelhof. 1. Gerechtfertigte Ablehnung eines Beisitzers. In einem Rechtsstreit, den ein Arbeiter vor de« Gewerbe- geeicht Trmpclhos gegen die Firma Lerm u. Ludwig anhängig gemacht hatte, stellte der Vertreter der Beklagten vor Eintritt in die Verhandlung den Antrag, den Arbeit, ichmerbeisitzer Graul wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Herr Graul habe, so wurde zur Begründung des Antrages angeführt, die Klage- schrift des Klägers verfaßt. Dadurch sei die Unparteilichkeit eines Beisitzers nicht mehr gewahrt. Er habe in der Klageschrift bean- tragt, das Gericht möge die Beklagte verurteilen. Mithin habe er sein Urteil bereits vor der Verhandlung fertig gehabt. Dieser, halb müsse er als befangen abgelehnt werden. Das Gericht gab«ach kurzer Beratung dem Antrage statt. Daraufhin lehnte der Äliiger öen Borfttzeuden, Syndikus Wiescner, wegen Besorgnis der Befangenheit und Parteilichkeit ab. In dem Sühnetermin habe der Vorsitzende die Beklagte ziem- lich deutlich darauf hingewiesen, Herrn Graul als Beisitzer abzu- lehnen. Dies überschreite nach Ansicht des Klägers die Befug- nisse des Vorsitzenden. Deshalb muhte er ihn als befangen ab- lehnen. Unter Hinzuziehung eines anderen Vorsitzenden wurde nunmehr über den Ablehnungsantrag beraten. Syndikus Wiesener erklärte, daß er sich nicht für befangen halte. In dem Sühne- tcrmin habe er den Kläger gefragt, wer die Klageschrift ge- schrieben habe. Dieser habe ihm dann gesagt� Herr Graul. Dem Vertreter der Beklagten habe er deshalb gesagt, er könne im Termin ja Anträge stellen. TaS Gericht lehnte den Antrag des Klägers ab. Da dieser auf das ihm zustehende Rechtsmittel der Beschwerde verzichtete, wurde unter Vorsitz des Syndikus Wiesener in die Verhandlung selbst eingetreten. Das Klageobjekt betrug 12 M. Diese Summe war deur Kläger nach seinen Angäben bei der Entlassung vom Lohne abge- zogen worden. Die Beklagte beantragte Abweisung der Klage und erhob Widerklage in Höhe des vom Kläger geforderten Betrages. Der Rechtsstreit war die Folge von Disferenzen. die nach Fest- setzung der Akkordpreise entstanden waren. Der Kläger gab an. die geforderte Summe setze sich aus einem Akkordüberschutz und einigen Lohnstunden zusammen. Die Beklagte behauptete, der Kläger habe bei einem früheren Akkord 12 M. zuviel bezahlt erhalten. Diese Summe fordere sie durch die Widerklage. Nach längerem Verhandeln wurde die Beklagte verurteilt, an den Kläger 12 M. zu zahlen. Der Widerklage wurde insoweit stattgegeben, datz Widerbeklagter verurteilt wurde, an die Firma 4,4S M. zurückzuzahlen. Dem Ablehnungsantrag ist mit Recht stattgegeben: wer als Vertreter oder als Helfer einer Partei zwecks Durchsetzung des Klageanspruchs tätig war, kann als unbefangen bei der Urteils- findung nicht erachtet werden. In der Sache selbst ist Beklagte mit Recht verurteilt: eine Aufrechnung gegen den Lohn ist nach § 384 B. G.-B. unzulässig. Hatte die Beklagte zu viel für eine andere Arbeit gezahlt, so kann sie nur aus Rückzahlung wegen ungerechtfertigter Bereicherung klagen, nicht aber gegenrechnen. Auch in der ExekutwnSinstanz ist eine Aufrechnung unzulässig. 2. Borzeitige Entlassung. Gegen den Restaurateur Winkelmann in Tempelhof klagte der Koch R. auf Zahlung von 2S0 M. wegen vorzeitiger Entlassung. Der Kläger war als Koch bei dem Beklagten durch Vertrag bis 1. April 1913 verpflichtet. Am 31. Oktober sei er. führte er auS. ohne gesetzlichen Grund entlassen worden. Deshalb fordere er zu- nächst für Monat November 2S0 M. Weitere Ansprüche behalte er sich vor. Der Beklagte wendete ein. der Kläger habe seine Pflicht nicht getan. Die Gäste seines Lokales hätten sich wiederholt über das Essen beschwert. Als das Essen trotz wiederholter Verwarnung deS Klägers nicht besser geworden fei. habe er ihn entlassen.— Das Gericht konnte nicht die Ueberzeugung gewinnen, datz der Beklagte einen Grund hatte, den Kläger ohne Einhaltung der Kündigung zu entlassen. Es verurteilte den Beklagten daher, an den Kläger 250 M. zu zahlen. Ein kommunalagrarisches Experiment. In Frankfurt a. M. ist es den wiederholten Bemühungen der sozialdemokratischen Stadtverordneten gelungen, die Gemeinde zu einem Versuch zu bewegen, durch eigene Viehzucht der Fleischnot entgegenzuwirken. Man will zunächst Rinder schlachtreif machen, und zwar im Weidebetrieb. Mit dem Kreise Westerburg wurde ein Vertrag geschlossen wegen Ueberlassung einer Fettviehweide auf zunächst sechs Jahre, mit dem Recht der VertragSverlängerung auf weitere 14 Jahre unter den gleichen Bedingungen, wenn Frankfurt Lust dazu hat. Die Weide wird erst mit 40. dann 70. von 1915 ab mit 100 Rindern besetzt. Weideperiode mindestens 160 Tage. Die angegebene Biehzahl im Lebendgewicht von mindestens 8 Zentner das Stück, mutz auf der Weide völlige Ernährung finden und in der angegebenen Zeit schlachtreif werden. Die Stadt zahlt 50 M. Weidegeld für jedes Stück Vieh, dafür hat der Kreis Westerburg den ganzen Weidebetrieb zu leiten, das Personal, einschlietzlich Tierarzt zu besolden. Schutzhütten für das Vieh zu stellen usw. Richtet der Kreis weitere Fettviehweiden ein, so hat die Stadt darauf das Vorrecht. Das Experiment ist kommunalpolitisch und agrarwirtschaftlich interessant. Der Westerwald enthält riesige Flächen Oedland und niagerer Weide, aus denen sich Fettweiden schaffen lietzen. sofern Gemeinden und Kreise zusammenarbeiten und der Staat Hilfe leistet. Jetzt sind die Flächen meist mit Ginster und Wachholder bestanden und von schmalen Waldstreifen eingefatzt, ihr Ertrag ist gleich null. Im preutzischen Teil des VogelsbergS waren von ähn- lichen, Gelände bis zum Vorjahr 1300 preutzische Morgen mit rund 60 000 M. Kosten melioriert worden, Gemeinden, Regierungsbezirk und Staat und trugen je ein Drittel der Kosten. Es wurden z. B. in einer Gemeinde auf 23 Morgen für Heu 700 M. im ersten Jahr gelöst. Günstiger noch waren die Ergebnisse des Weidebetriebs und dasselbe hat man auch auf Hof Kleeberg bei Hachenburg im Westerwald erfahren, dessen Gelände erst meist Unland in trostlosem Zustande war. Der Staat hat den Hof 1902 erworben und dem Landwirtschaftsinspektor Schneider zur Bewirtschaftung überlassen. Wo erst nur Ginster und Dorngestrüpp wucherte, gibt es jetzt üppigen Graswuchs. Die Milchviehweiden bringen auf den Morgen durchschnittlich 1050 Liter Milch, auf den Jungviehweiden findet auf dem Morgen eine Lebendgewichtzunahme von 250 bis 300 Pfund statt, bei älteren Tieren auf Fettviehweide 375 bis 400 Pfund. Die Rinder tummeln sich auch im strengsten Winter jeden Tag im Freien. Auch die Schweinezucht ist auf Weideernährung eingerichtet. Auf gleiche Weise lietzen sich im Sieger- und teilweise im Sauerland eine Menge Viehfarmen einrichten. Aber überall mützten die Selbstverwaltungs- und Staatsorgane energisch Hand in Hand arbeiten, die Gemeinden armer GebirgSbauern können sich nicht allein helfen. Die Millionen, die der Staat hier auftvenden würde, trügen der Volkswirtschaft reiche Zinsen und brächten ein Stück Hilfe zur Lösung der Fleischnot. Südwestafrika liegt in der deutschen Heimat! Serickts- Deining. Sexuelles Messerattentat. Das mysteriöse Messerattentat. welches am 16. März auf einen itt den Grunewald verschleppten jungen Mann verübt worden ist, kam gestern zur Verhandlung vor der 2. Strafkammer des Land- gerichts Hl- Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Mihhand- lung mittels eines Messers hatte sich der Bureaudieaer Ernst August Hütwohl aus Köln» ein 35jähriger Mann, zu verantworten. Da es sich um die Tat eines Sadisten(das ist ein Mensch, der in der Be- tätigung von Grausamkeiten sexuelle Wollust empfindet, während inan mit Masochisten jene unglücklich veranlagten Menschen be- Zeichnet» denen das Erleiden von Grausamkeiten ein wollüstiger Genutz ist) handelte, fand die Verhandlung unter Ausschluß der Oeikentlichkeit statt. Der Angeklagte traf am 16. Marz nachmittags den 17 Jahre alten Frist Przytek Unter den Linden in der Passage. Er forderte rbn auf mit ihm nach dem Grunewald zu fahren und P. erklärte tick, dalu bereit Beide fuhren nach der Station Grunewald und ÄÄtoSfca. D-rt 1°-»°-'- t-n jungen Menschen auf, seine Brust zu entblößen und als dies geschehen war, versetzte er ihm plötzlich einen Stich in den Leib und entfloh. Der Knabe, der stark blutete, würde sich wahrscheinlich der- blutet haben, wenn ihn nicht der Wirt des Restaurants„Wald- schlöhchen", der ausgebildeter Krankenpfleger ist. gefunden und kunstgerecht verbunden hätte. Der Angeklagte wurde später als der Unhold ermittelt. Bei seiner Verhaftung gab er an, datz er seit langem von einem Traumbild verfolgt werde, in welchem ein Mann einen Knaben mit einem Messer steche. Er behauptete, datz er nicht wisse, wie er zu der Tat gekommen. Es sei ihm plötzlich schwarz vor den Augen geworden, er habe den inneren Drang ge- fühlt, zuzuswtzen und so sei die Tat geschehen- Danach sei er ohne Bewuhtsein umhergeirrt. Erst durch die Mitteilung deS Vorfalles in den Zeitungen habe er fein Bewußtsein wiedererlangt und habe daraus feiner Wirtin erzählt, daß er selbst das Schreckliche voll- bracht habe. Der Angeklagte behauptete, datz er Sadist sei. Auf Antrag des Medizinalrats Dr. Hoffmann war der Ange- klagte zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Anstalt Buch überwiesen, wo er sechs Wochen lang verblieb. Das Gutachten der medizinischen Sachverständigen ging dahin, datz der Angeklagte ein erblich schwer belasteter Mensch sei, mit krankhaftem Sexual- empfinden, jedoch liege ein AuSschlutz der freien Willensbestimmung nicht vor, wenn auch die Tat in einem Zustande der Erregung be� gangen sei, die ihm die Besinnung nahezu geraubt habe. Der ver- letzte junge Mann ist inzwischen wieder völlig hergestellt. Sach- verständiger Dr. Hirschfeld gab sein Gutachten dahin ab, datz es sich um einen gemeingefährlichen Geisteskranken handle, der nicht in das Gefängnis, sondern in das Irrenhaus gehöre. Der Staatsanwalt beantragte wegen Vergehens gegen Z 175 u.§ 223a 3 Jahre Gefängnis.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 6 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft. — Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Ter Gerichtshof nahm an. datz der Angeklagte bei dem Vergehen gegen Z 175 noch bei klarem Bewußtsein gewesen, aber schließlich die Körperverletzung in einem unter K 51 fallenden Zustand verübt hat. Leute wie der Angeklagte gehören in Heilbehandlung oder in ein Irrenhaus._ Einen umfangreichen Ad-ptionSschwindel betrieben zu haben, wird dem Kaufmann Alexander Knöflcr zur Last gelegt, der gestern aus der Untersuchungshast der 4. Straf- kammer des Landgerichts I vorgeführt wurde, um sich wegen ver- suchten und vollendeten Betruges in über 50 Fällen zu derant- Worten.— Der Angeklagte, der früher ein Detektiv- und Inkasso- bureau betrieben hatte, unterhielt seit dem Jahre 1909 in der Dan- ziger Straße 40 unter der Firma„Zentralnachweis für Adoptions- und Kinderpflegestellen- ein sog. Adoptionsbureau, welches, wie die Auflage behauptet, auf schwiudelhafter Basis gegründet und be- trieben wurde. Er erließ in mehreren bürgerlichen Zeitungen Inserat« des Inhalts, datz durch seine Vermittlung ein„Kind dis- kreier Geburt" gegen einen einmaligen Erziehungsbeitrag von 4000 M. zu vergeben sei. Die sich meldenden Personen mutzten dann für„Auskünfte, Porti und sonstige Spesen" den Betrag von 5 bis 6 50 M. einsenden. Hiermit war für den Angeklagten ge- wöhnlich die Sache erledigt. Da der vom Rechtsanwalt Dr. Joffe angetretene Beweis, datz der Angeklagte talsächlich viele Adoptionen vermittelt habe, einen recht breiten Raum in der Berhand- lung einnimmt und außerdem etwa 40 kommissarische Vernehmun? gen auswärts wohnhafter Zeugen verlesen werden müssen, sind für die Verhandlung drei Sitzungstage in Aussicht genommen. Wir werden das Urteil mitteilen. Mißhandlungen von Gefangenen im Strafgefängnis Plötzensee kamen in einer Verhandlung zur Sprache, die die 5. Strafkammer des Landgerichts II! längere Zeit beschäftigte. Der Kutscher Friedrich Thon, der eine Strafe in Plötzensee zu verbüßen hatte, war beschuldigt worden, den Gefäng- niSaufseheru sich widersetzt und Anord-nungeu nicht befolgt zu haben. Er hatte schon beim Schöfsengericht die Behauptung ausgestellt, bei dem in Frage stehenden Vorfall von Gefangenenaufseher» miß- handelt worden zu sein. Das Schöffengericht hielt ihm jedoch des Widerstandes für überführt und verurteilte ihn unter Berücksichti- (jung der Erregung, in der er sich befunden, zu 60 M. Geldstrafe. Hiergegen hatte sowohl der Angeklagt« als auch der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Der Konflikt, in den der Angeklagte mit Auf- sehern gekommen war. spielte sich so ab: Thon hatte am Tage vor der Abbützung seiner Strafe im Gefängnis etwas schmutzige Arbeit zu verrichten gehabt und glaubte ein Anrecht darauf zu haben, ein Bad nehmen zu dürfen. Er ersuchte den Aufseher Äiesow, dem In- spektor dieses Ersuchen vorzutragen. Kiesow soll aber der Ansicht gewesen sein, datz der Angeklagte ja am nächsten Tage in der Frei- beit sein Bad nehmen könne und er verwies Thon wieder in seine Baracke. Thon blieb aber vor der Baracke auf dem Hofe stehen, um den Inspektor bei dessen Rundgang abzupassen. Darüber kam es zu Auseinandersetzungen und der Angeklagte behauptet unter Be- rufung auf das Zeugnis von Mitgefangenen, daß er nun mit Ge- walt in die Arbeitsbaracke hineingeschleudert worden sei. Als er dann doch wieder aus den Hof hinausgekommen, kam es abermals zu einem erregten Auftritt, der damit endete, datz Thon von meh- reren Aufsehern gewaltsam in die Baracke getragen werden mutzte. Er behauptet, daß ihn Kiesow bei dieser Gelegenheit mit dem Schlüsselbund direkt ins Gesicht geschlagen, so datz das Blut, welches er verlor, noch einige Zeit nachher auf dem Hof« bemerkbar gewesen, umd datz der Aufseher Schaefer ihn mit dem Gewehrkolben mehrere Male in de» Rücken gestoßen habe. Seine Behaupt-nnaen wurden von mehreren Ge- fangcnen, die als Zeugen aus PEtzensee vorgeführt wurden, im großen und ganzen bestätigt. Sie bekundetien zum Teil, datz sie ge- sehen hätten, wie der Aufsoher Kiefow den Angeklagten mit dem Schlüsselbund ins Gesicht geschlagen habe. Zum Beweise dafür, datz dein Kiesow so etwas auch zuzutrauer» fei, hatte sich R.-A. Dr. Rosen- feld auch noch auf einige Strafgefangene berufen, die nun über allerlei Vorgänge berichteten, bei denen eS„gehörige Dresche", „Reinigung nach Noten" usw. gesetzt haben solle. Diesen Zeugnissen standen die Aussagen der vernommenen Gefängnisaufseher diame» trat gegenüber. Diese erklärten die allgemeinen Beschuldigungen für gänzlich umzutreffend umd sagten ferner aus, daß der Ange- klagte den Aufseher Äiesow bei dem unter Anklage stehenden Vor- fall bei der Brust gepackt und der Anwvisumg, vom Hofe zu gehen. sich widersetzt habe, so datz er mit Gewalt habe entfernt werden müssen. Der Verteidiger mochte auf die unvereinbaren Gegensätze in den beeideten Aussagen aufmerksam, glaubte, datz die Aussagen der Beamten, die doch ihr eigenes Interesse bei dieser ganzen Sache wahrzunehmen hätten, nicht das Ilebergewicht haben können und hielt den vom Angeklagten geleisteten Widersland nicht für erwieseiu Das Gericht folgte aber der Darstellung der Gefangenenaufseher über den Vo-rfoll und erkannte auf zwei Wochen Gefängnis. Nehmt Euch in acht vor Winkelkonsulenten! In der Rolle eines..Gerichtsinspektors" hatte der Drechsler- geselle Paul Dietrich zahlreiche«chwindeleien begangen, wegen der er sich, wie wir am 17. d. M. mitteilten, seit einigen Tagen vor der 2. Strafkammer deS Landgerichts II zu verantworten hatte. Nach mehrtägiger Verhandlung wurde gestern das Urteil verkündet. Der Staatsanwalt beantragte unter Einrechnung einer vorher gegen T. erkannten Strafe von 0 Dionaten eine Gesamtstrafe von IX Jahren Gefängnis. Tos Gericht ging: da es sich um recht gemein- gefährliche Schwindeleien handele, über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten der Untersuchungshaft. I Schmutzereken. Nächtliche Vorgänge in dem„Bülow-Kasino" bildeten den Gegenstand einer Anklage, welche gestern das Schöffengericht Schöneberg unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Bennewitz beschäf- tigte. Angeklagt wegen Erregung öffentlichen Aergernisses, Kuppelei, unerlaubter Veranstaltung öffentlicher Lustbarkeiten und Uebertretung ist die frühere Inhaberin deS„Bülow-KasinoS", Helene Dillcr und der Geschäftsführer Walter Siemens. Nach der Anklage soll die Angeklagte Diller in dem Hause Aülowstratze 27 ein Lokal eröffnet haben, welches lediglich einen Sammelpunkt abnorm veranlagter Menschen bildete. Mehrere der- artig veranlagte Männlein und auch zahlreiche Weiblein aus Berlin W. taten sich seinerzeit zusammen und gründeten mit Hilfe eines Kapitals von 20 000 M. eine G. m. b. H., welche dann den Betrieb jenes Lokals übernahm. In dem„Kasino" soll es mitunter toll zugegangen sein. In der Verhandlung bestritten die Ange- klagten mit aller Entschiedenheit, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. ES habe sich keinesfalls um ein öffentliches Lokal gehandelt. sondern das ganze Unternehmen sei eine Gründung von Personen einer bestimmten Sinnerichtung gewesen. Der Eintritt sei auch nur durch besondere Einlatzkarten möglich gewesen, fremde Personen seien stets abgewiesen worden. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gefängnisstrafe von je 1 Monat. Rechtsanwalt Selten hielt bezüglich der den Ange- klagten zur Last gelegten Vergehen die Freisprechung für geboten, da nicht erwiesen sei. datz sie von dem Treiben in ihrem Lokal Kenntnis gehabt hatten. Das Gericht nahm als festgestellt an. datz in dem Lokal tatsächlich allerlei schmutzige Dinge vorgekommen seien, hielt es jedoch nicht für ausreichend festgestellt, datz die Ange- klagten davon soweit Kenntnis hatten, daß sie sich durch die Dul- dung selbst strafbar machten. Der Angeklagte Siemens wurde frei- gesprochen, die Angeklagte Diller nur wegen Uebertretung der Polizeistunde zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Zins aller Gleit* Kapttaliftircher Raubbau. In einem in der Womens Potitical League. SanFraneiSeo, gehaltenen Vortrage wurden die Praktiken dargelegt, die es heute möglich machen, auf Kosten hungernder Arbeiter und bewucherter Bauern Riesengewinne zu erzielen. So hat der B u t t e r t r u st in New Jork im vorigen Jahre mebrere hunderttausend Pfund bester Butter vernichtet, um den Preis zu treiben. Bei San Francisco werden täglich ganze Schiffsladungen der besten Trauben und anderer Früchte ins Meer ge- warfen. All« kalifornischen Früchte werden im Osten billiger und besser verkauft als in San Francisco selbst, wo der Abfall aus den Markt komme. Ungeheuer sind die Preistreibereien. Wein- trauben würden zu 5— 7 Doli, die Tonne beim Farmer gekaust. Im Laden kosteten sie 5—10 Cents das Pfund, das find 100—200 Dollars die Tonne I Für Wassermelonen erhalte der Farmer 7 Dollars die Tonne; am Ende kosteten sie 108 1 So kann der Bauer sich kaum mehr ernähren und lleiden, von Kulturansprüchen gar nicht zu reden. Noch übler ergebt eS denen, die das System zur Arbeits« l o f i g k e i t verdammt. Deren gab es im letzten Winter nur in San Francisco 50000, denen alles abging. Ein Mann berichtete von 600 Mann, die alle Nächte in einem engen Berichlag ohne Betten auf dem Boden schliefen und morgens hinauSgetrieben würden, um ihre Nahrung zu suchen. Meist fanden sie sie in den Asch Haufen! Solche Arbeitslosen gibt eS in der Union sech� Millionen— dafür aber sechs Millionen Kinder unter vier- zehn Jahren, die als Fa b r i k s k ta v e n fronden dürfen, weil sie billiger albeiren als Erwachsene. Und in Kalifornien und in Südamerika liegen ungeheure Strecken besten Landes brach. Die Arbeitslosen dürfen sie nicht bebauen, weit sie im Privateigentum stehen. Und die Menschen müssen hungern und stieren. Ihre Kinder müssen hungern und in Schmutz und Elend verkommen, weil die Arbeiter einer Handvoll Kapilalisten erlauben zu sagen:.Wir haben das Geld, das Land, die Maschinen. Alles gehört uns. B-ir haben dafür bezahlt. Ihr Arbeiter dürft nur essen, wenn wir eS Euch erlauben. Das ist Gesetz. Und Ihr Arbeiter wählt jafürunS. JhrwollteSsohaben." Ein römisches Panama. ÄuS Rom wird uns geschrieben: Der Bau deS römischen Jnstiz- palasteS, der lange Jahre hindurch wie ein Abgrund erschien, den die italienischen Staatsfinanzen nicht zu füllen vermochten, scheint das Publikum jetzt für diese Eigenschaft entschädigen zu wollen, indem er zu einem unerschöpflichen Quell skandalöser Eni» büllungen wird! DaS von dem Genossen Marvafi in Neapel redigierte Wochenblatt, die„Scinlilla", hat Gelegenheit gehabt, die Dokumente einzusehen, die auf Veranlassung der parlamentarischen Enquetekommission bei den verschiedenen SubmissionSfirmen beschlag- nahmt worden find. Die Dokumente, die seinerzeit in verschiedenen Gefangenenwagen transportiert werden mutzten, sind erst in letzter Zeit einer Durchficht unterzogen worden. Bekanntlich war der Bau. der anfangs acht Millionen kosten sollte und jetzt bereit? 43 Millionen gekostet hat, vor allem dadurch so verhängnisvoll für die Staatsfinanzen. datz alle schiedsgerichtlichen Enlscheldnngen bei den Konflikten zwischen dem Staate und den SubmissionS- nntenrehmern zu Ungunsten des Staates ausfielen, der für Gerichtskosten und Entschädigungssummen über 10 Millionen zahlen mutzte. Es scheint nun auS den Dokumenten hervorzugehen, datz einer der Schiedsrichter, der Abgeordnete Brunialti da? Material für den Bau feiner Villa in Rom von derselben Firma be- zogen hat, in deren Angelegenheiten er als unparteiischer Schiedsrichter fungieren sollte. Weiter hätte ein anderer SchiedSrichier. der Abgeordnete Toinmaio MoSca der Submosions- firma ein Darlehn gegeben, hätte sich also in beständiger Ge- ichäflsverbindung mit ihr befunden. Der Abgeordnete Guara- cino, der während der Zeit des BaueS auch eine Zeitlang Unter st aatSfekretär der Justiz war. ist als Rechts- Vertreter der Baufirma gegen den Staat tälig gewesen und hat diesem zu Aderlassen von einigen Millioiten verHolsen. Es wurden auch geheimnisvolle Dokumente beschlagnahmt, so eine Notiz. nach der ein„Präsident G. S." im ganzen 30 000 Lire von der Firma erhalten hätte, ferner ein Brief mit unleserlicher Unterschrift, in dem zu lesen war, datz„der Bei- sitzende mit seinen Ansprüchen gar nicht zufrieden- zustellen ist". Datz die ganze Sache der Enquetekommission sehr unsauber vorkommt, geht schon daraus hervor, datz st. die römische Polizei mit Nachforschungen betraut bat. Diese soll unter anderm feststellen, ob der Abgeordnete und KassatiouSrat MoSca Geld auf Wucher leiht, und mit welchen Mitteln er unlängst ein Hau« in Rom gekauft hat, ob der Abgeordnete Brunialti die Banmalerialien für feine Villa von der SubmissionSfirma bezog, während er seine Tätigkeit als Schiedsrichter zwischen Firma und Staat entfalten mutzte usw. ES heitzt, datz bei der bevorstehenden Wieder- aufnähme der Kammerarbeiten ein Abgeordneter die Regierung darüber zur Rede stellen werde, datz die parlamentarische Enqueie- kommission die Polizei mit Beibringung von Mbterial über Ab- geordnete beauftragt hat. Wahrscheinlich scheint dem Interpellant« dies m Widerspruch zur Würde der Kammer zu stehen; dem lln- beteiligten kommt es aber so vor, als ob daS Material über die Beziehungen der Abgeordneten mit der SubmisstonSfirma als solches dazu angetan wäre, der Würde der Kammer Abbruch, und zwar in recht beträchtlichem Mähe, zu tun. Merkwürdig ist, dah außer dem »Avanti� keine einzige italienische Zeitung sich mit den neuen Enthüllungen über den Justizpalast beschäftigt hat. Folgenschwere Kefselexplostou. Eine furchtbare Dampfkesselexplosion erfolgte am Sonn- abendvormittag in dem in Schwerte a. d. Rhr. gelegenen Stahlwerk der Aktiengesellschaft für Einsenindustrie zu Menden und Schwerte. Durch die Explosion wurden zwei Ar- beiter getötet, einer schwer und drei leichter verletzt. Das Gebäude, in dem sich die Kesselanlagen be- fanden, wurde vollständig zerstört. Vorläufig mußte der Betrieb eingestellt werden, doch hofft die Ver- waltung des Werks, mit den Aufräumungsarbeiten bis Montag zu Ende zu sein._ Ein moderner Robinson. Vor einigen Tagen lief in Liverpool da§ englische Handels- schiff.Miß Mary* an, das einen seltsamen Paffagier mit sich brachte. ES handelt sich um einen Mann, der sich im Jahre 1384 bei einem Schiffbruch in der Südsee mittels eines R e t t u n g S b a l le S in Sicherheit bringen konnte, nachdem er lange aus dem weiten Ozean umher- getrieben worden war, endlich auf eine kleine, weltverlorene Insel geriet. Die Insel ist auf den Schiffskarlen nicht verzeichnet, und so kam es. daß der Gerettete beinahe drei Jahrzehnte auf seinem Eiland zubringen muhte, ohne einen Menschen zu Gesicht zu bekommen. Der Kapitän der.Miß Mary* erzählt über die Auffindung dieses modernen Robinson:.Unier Dampfer war in« folge heftiger Stürme vom Kurs abgeirrt und wir sichteten eines Morgens zu unserer Ueberraschung Land. Da an Bord Mangel an Trrnkwaffer war, sendete ich zwei Boote aus und fuhr selbst mit meinen Leuten mit. Wir fanden eine kleine Insel, deren Ober- fläche von üppiger Vegetation bedeckt war. Während wir in das Innere vorzudringen versuchten, erblickten wir plötzlich, wie aus dem Boden gewachien, ein seltsames M e n s ch e n w e s e n vor uns. das Miene machte, davonzueilen. Erstaunt und entsetzt er- kannten wir, doh ein Mann vor uns stand— aber wie sah er aus I Das lange Haar fiel ihm auf die Schultern, ein wilder, ungepflegter Bart wallte bis zur Brust herab; er war fast völlig unbekleidet. Wir näherten uns vorsichtig dem Fremden, der unartikulierte Laute auSstieh, als er aber die ersten englischen Worte vernahm, weinend vor seelischer Erschütterung in die Kmc sank. Allmählich gewann er seine Fassung, und langsam, mühsam nach Worten suchend, berichtete er seine Leidensgeschichte. Der Bedauernswerte war ein schottischer Matrose namens Mac Kenedy und hauste hier seit 23 Jahren, von aller Welt abgeschnitten, beinahe wie ein wildes Tier. Während der ganzen Zeit hatte er sich nur von Fischen, Muscheln und Früchten genährt. Die Fähigkeit des Sprechens war ihm beinahe abhanden ge- kommen. Er war überglücklich, als er erfuhr, daß wir ihn nun mit heim nach England nehmen wollten. Mac Kenedy hatte längst alle Hoffnung ausgegeben, jemals von seiner Insel erlöst zu werden. Als er auf dem Schiffe zum erstenmal wiederum gebratenes Fleisch zu essen bekam, verzehrte er es mit wahrem Heihhunger. Er will jetzt nach seinem schottischen Geburtsort zurückkehren, um Nach- forschungen zu hallen, ob von seinen Angehörigen noch jemand am Leben ist. �TyphuSepidemie.; ep i d e m l e ausgebroc Kleine Rotize«. > Rheydt(Rheinland) ist eine T tzpch-us n. Bisher sind 30 Erkrankungen zu entweichen. Die sefängniS verzeichnen. Als Ursache der Erkrankungen vermutet man den Gr- nutz von Milch, die von auswärts eingeführt wurde. AuS der Schlüssclburg ausgebrochen. Zum zweiten Male seit Menschengedanken ist es zwei Gefangenen gelungen, aus der be> rüchtigten Scklüsselburg-Festung zu Schlüffelburg-Festung ist als d a§ f u r ch t b a r st e in ganz Rußland bekannt, sie liegt auf einer einsamen Insel in der Nähe von Petersburg. Die beiden Gefangenen töteten ihren Wärter, nahmen ihm die Kleider und Waffen ab und sprangen dann in das Meer. Jedenfalls haben sie schwimmend das Ufer erreicht. Bisher fehlt von ihnen jede Spur. Schwerer Straßendahnuiifall. In Halber st adt wollten am Sonnabend nachmittag drei dem Arbeiterstand angehörige Leute den Fahrdamm überschreiten, kurz bevor ein in voller Fahrt befindlicher überfüllter Straßenbahnwagen daherkam. Sie kamen zu Fall und wurden alle drei von dem Wagen erfaßt und niedergeworfen. Ein Mann wurde vollständig zerrissen und ver- st ü m m e l t. Er blieb sofort tot. Die beiden anderen wurden schwer verletzt. Auf dem Transport nach dein Krankenhause starb noch der eine von ihnen. Mord im Eiscnbahnzuge. Wie aus Clermont-Ferrand berichtet wird, wurde auf dem dortigen Bahnhof in einem Abteil erster Klaff« die Leiche eines Oberbeamten einer Per- sicherungsgesellschaft namens Uliffe G o u g o n auf- gefunden. Die Untersuchung ergab, daß Gougon während des Schlafes von einem Reisegefährten durch mehrere Revolver- schüsse getötet und beraubt worden war. Mehrere Stunden später gelang es. den Mörder in St. Etienne fsstzu- nehmen. ES ist ein kürzlich wegen Wahnsinns aus dem Militärdienst entlassener junger Mann namens B o b i 1 1 e r» C h a r t t e r._ Morien-Spielplan der BerUner Cbeater. KSuigl. LvernhnuS. Sonntag: Tristan und Isolde.(Ans 7 Uhr.) Montag: Madama Butterflh. Dienstag: Sinsoniekonzert. Mittwoch: Tann- Häuser. Donnerstag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Mignon. Sonn- abend: Ein Maskenball. Sonntag: Der Rosenravalier. Montag: Rigoletto. (Ansang TU Uhr.) Köaigl. Schauspielhaus. Sonntag: Der große König. Montag: Die Hermannsschlacht. Dienstag: Ein Waffengang. Mittwoch: Die Journalisten. Donnerstag: Ei» Waffengang. Freitag: Die Hermann«. schlacht. Sonnabend: Der grobe Konig. Sonntag: Ei» Wassengang. Montag: Die Rabenstewerin.(Ansang sst�Uhr). Neues Opern-Dheater«Kroll). Montag geschloffen. Täglich: Russisches Ballett.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus, sonntag: FIdelio. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Figaro« Hochzeit. Freitag und Sonnabend: Kar und Zimmermann. Sonntag: Figaros Hochzeit. Montag: Zar und Zimmermann.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Dheater. Sonnlag: Hamlet. Montag: König Heinrich I?., 1. Teil. Dienstag: �König Heinrich IV, 2. Teil. Mittwoch: König Heinrich Vi, Uhr ■'/, Uhr). Kammerspiele. Sonntag: Maria Magdalene. Teddy. Dienstag: Maria Magdalene. Montag: Mein Freund Mittwoch: Mein Freund Teddy. Donnerstag: Maria Magdalene. Freitag: Mein Freund Teddy. Sonn- abend: Maria Magdalene. Sonntag und Montag: Mein Freund Teddy. (Ansang 8 Uhr.) Lessing- Dbcater. Sonntag: Gabriel Schilling« Flucht. Montag: Die Weber. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Gabriel Schillings Flucht. Freitag: Tantris der Narr. Sonnabend: Sommer.(Ansang VL Uhr.) Sonntag: Sommer. Montag: Gabriel Schillings Flucht.(Ansang 8 Uhr.) Bcrtiuer Tyeatcr. Sonntag: Der Altienbndiler. Allabendlich: Filmzauber.(An'ang 8 Uhr.) Kleines Tbeater. Sonntag: Michael Kramer.(Anfang 71/, Uhr.) Montag. Dienstag und Mittwoch: Michael Kramer. Donnerstag: Professor Bernhardt.«Ansang 7>/, Uhr.) Freitag bis Montag: Professor Bernhardt. (Ansang 8 Uhr.) Dheater in der Käniggrätier Straffe. Sonntag: Herode» und Mariamne.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Die süns Frankfurter. DienStag: Königin Christine. Mittwoch und Donnerstag: Di« süns Franksurter. Freitag; Hedda Gabler.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend: Die süns Frank- furter. Sonntag: Hedda Gabler. Wontag: Die fünf Frankfurter. tAnfana 8 lilftt') Drtanon-Dveater. Sonntag: DaS Ende der Liebe. Montag, Dien«. tag und Mittwoch: LiebeSbarometer. Donnerstag: DaS Ende der Liebe. Freitag bis Montag: Liebesbarometer.(Ansang o Uhr.). Schtller-Theater O. sonntag: König Lear. Montag: Die Kmd« der Exzellenz. DienStag: Hedda Gabler. Mittwoch: König Lear. Donnerstag: Hedda Gabler. Freitag: Die Jüdin von Toledo. Sonnabend: Hedda Gabler. Sonntag: Die Kinder der Exzellenz. Montag: Im weißen Röhl. (Anfana 8 Schiller- Dheater Charlottenburg. Sonntag: DeS Psarrers Tochter von Streladorf. Montag: Im weißen Rößl. Dienstag: Die Geschwister. Elga. Mittwochnachmittag 3 Uhr: WallensteinS Lager. Abends: Des PsarrerS Tochter von Streladorf. Donnerstag: Die Geschwister. Elga. Freitag: Im weißen Rößl. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Wallensteint Tod Abends: Die Geschwister. Elga. Sonntag: Im weißen Rogl. Montag: Die Kinder der Exzellenz.«Anfang 8 Uhr.) Friedrich-Wilhelmstiidt. Schauspielhaus. Sonntag: Em Falisie- wem.(Ans. 8 Uhr.) Montag bis DenncrStag: Grigri. Freitag: Ein Fallissement. Sonnabend: Grigri. Sonntag: Grigri.(Ansang 3 Uhr.) Montag: Grigri.(Ansang 8>/4 Uhr) Neues Bolls. Dheater. Sonntag: Michael Krämer.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Liebelei. Der Kammersänger. � DienStag:_ Lore. Die Thalia-Theater. Sonntag: Der Milltoncnbauer. Montag und all. abendlich: Autoiiebchen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Frau Holle. Lustlpieldaus. Sonntag: Das große Geheimnis. Allabendlich: Mein alter Herr.(Ansang 8>/, Ubr.) � Komödienhaus. Sonntag: Der rote Leutnant. Allabendlich: Die GeneralSecke.(Ansang 8 Uhr.)_ Residenz-Theater. Sonntag: Francillon. Allabendlich: Prinzen- erziehung.(Ansang 8 Ubr). Deutsches Schauspielhaus. Sonntag und Montag: Kameraden. Dienstag bis Sonntag: Der gutsitzende Frack. Montag: Kameraden. (Anfang 8 Uhr.)_ Dheater am Nollendorfplaff. Sonntag und Montag: KiSract. Dienstag: Orpheus in der Unterwelt. Mittwochnachmlttag 3 Uhr: Schnee- wtttchen. Abends und Donnerstag: Kismet. Freitag! Orpheus in der Unterwelt. Sonnabend, Sonntag und Montag: Kismet.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabendnachmiltag 3 Uhr: Schneewittchen. Casino- Theater. Sonntag: Die crlauste Frau. Allabendlich: Der Großsürst.(Ansang 8 Uhr.) Moutis Operetten- Theater. Sonntag: Der ffdele Bauer. All- abendlich: Der Frauensrcffer.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürsteii-Opcr. Mittwoch- und Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Dorn- röschen. Allabendlich: Der Kubreigen.(Ansang 8 Uhr.) Rose- Theater. Sonntag: Die größte Sünde. Montag: Die Sünden der oberen Zehntausend. Dienstag: Die größte Sünde. Mittwoch bis Montag: Die Sünden der oberen Zehntausend.(Ansang 8 Uhr.) Luiseu-Theater. Sonntag und Montag: Die Jnngsrau von Orleans. Donnerstag und Freitag: Sonntag und Montag: DienStag: Des andern Ehre. Mittwoch: Raffle». DeS andern Ehre. Sonnabend: FigaroS Hochzeit. Raffle«.(Anfang 8 Uhr.) Herrufeld- Theater. Sonntag: Hausierer Jockel«. Die letzt« Ehre. Das ScheidungS- Souper. Allabendlich: Die Alpenbrüder. Endlich allein. (Ansang 8 Uhr.) Urania- Theater. Sonntag: Auss Matterhoru. Montag: Züchtung von Organen.(Ansang 7'/, Uhr.) DienStag und Mttwoch: Am Golf von Neapel. Donnerstag bis'Sonntag: Aufs Mattcrhorn. Montag: Un- bestnnmt.(Anfang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Avonne. Rcichshatten-Thcater. Allabendlich: sang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr.) ZirknS Busch. Sonntagnachmtttag 3'/, und allabendlich VI, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7% Uhr: Galavorstellung. Metropol-Theaicr. Sonntag: Schuldig. WS Metropoll(Anfang 8 Uhr.) Falles Caprice. Sonntag: Komiker Allabendlich: Der keusche Joseph. Der Rchbock.'(Ächs. 8'J, UEyc.) Apollo-Tliearer. Allabendlich 8 Uhr: Spezialmilcil. Rönigstadt-Kastuo. Täglich: Spezialitäten, fflnsang& Ubr.) Paisage, Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. ang 10 Uhr.) ic Macht der Töne.(An« Allhbendlich: Thanffatr— ächnitzel? Der Dqcfmuslkant. © 9 IM Tausende Sprech-Apparate HunderttausendePlaften ver Kauften wir Im Jahre 1911 liefern aufTP© II SB 3 Kl I U Fl„ Unsere Original Goldora-Sprech- Apparate u. 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No- vcmber, abends S'A Uhr: Abteilungsvcrsammlung in den„Unions- Festsälen", Greifswalder Str. 222. Vortrag des Genossen We r- muth über:„Das Erfurter Programm". Eharlottenburg. Die öffentliche Versammlung am Dienstag, den 26. November, mit der Tagesordnung:„Das Volkshaus wie es ist und wie es sein soll", findet an einem späteren Tage, der noch bekannt gegeben wird, statt. Neukölln. Dienstag, den 26. November, abends 8 Uhr, in Bartschs Festsälen. Hcrmannstr. 49. beginnt der Vortragskursus (mit Lichtbildern) des Genossen Dr. med. S. Drucker über: „Menschenkunde". Die nächsten Vorträge finden am 3., 10. und 17. Dezember statt. Da eine gröstere Anzahl von Billetts a 40 Pf. noch vorhanden ist, bitten wir, dieselben im Restaurant des Gen. Pfeiffer, Hermannstr. 49, oder bei den Funktionären entnehmen zu wollen. Der Bildungsausschuß. Steglitz. Dienstag, den 26. November,• abends 8%. Uhr, bei Echellhase, Ahornstr. 15a: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Reorganisation der Zahlabende. 2. Antrag des 3. Bezirks. 3. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. 4. Verschiedenes. ES wird gebet m sämtliche ausgeliehenen Bücher zurückzubringen. Lichterfelde. Dienstag, den 26. November, abends SA Uhr. bei Fr. Wahrendorf, Bäkestr. 7: Mitgliederversammlung des Wahb Vereins. Köpenick. Dienstag, den 26. November, findet der zweite dies- jährige Theatc abend des Bildungsausschusses statt. Aufgeführt wird:„Kabale und Liebe". Mariendorf. Dienstag, den 26. November, abends 7 Uhr: Jlugblattverbrcitung von den Bezirkslokalen aus. Wcißcnsec. Am Dienstag, den 26. November, abends pünktlich 8 Uhr, beginnt im Lokale von Peuiert, Berliner Allee 251, der Vortragszyklus des Genossen Alwin Körsten über:„Die Rechte aus dem Arbeitsverträge". Alle Gruppenführer des Wahlvercins müssen daran teilnehmen. Die Eintrittskarten werden ihnen von den Bezirksleitcrn rechtzeitig zugestellt werden. Alles Nähere ist aus den Karten zu ersehen. Schmargendorf. Am Dienstag, den 26. November, abends 8 Uhr, im„Waldkater", Warnemünder Str. 15/l6: Mitgliederver- sammlung des Wahlvereins. Genosse August Neu mann, Vor- sitzender des Deutschen Arbeitcr-AbstinentenbundeS, spricht über: »Ter Schnapsboykott". Gäste willkommen. Pankow. Am Dienstag, den 26. November, abends 8Z� Uhr, im Restaurant„Zum Kurfürsten": Außerordentliche Mitgliederver- sammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Moses über:„Ter allzu reiche Kindersegen im Arbeiterhaushalt". 2. Wahlen. 3. Ortsangelcgenheitcn. 4. Verschiedenes. Mitglieds- buch legitimiert! Wer länger wie 3 Monate im Rückstand ist, hat leinen Zutritt. Reinickendorf-Ost. Dienstag, den 26. November, abends 8 Uhr, findet im„Seebad", Residenzstr. 49,«ine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: I.„Jugendliteratur und Wandschmuck im proletarischen Heim'(Referent Genosse Jakobson). 2. Wahl eines Zeitungskommissionsmitgliedes. Mit der Versammlung ver- Kunden ist im selben Lokal eine Jugendschriften- und Wandschmuck- ausstellung. Sie ist geöffnet vom 26. bis 29. November täglich abends von bis 9 Uhr. Grünau. Heute Sonntag, den 24. November, veranstaltet der Bildungsausschuß im„Jägerhaus" einen Lichtbildervortrag, Gen. Roth spricht über:„Die deutsche Revolution 1848/49". Mit vielen farbigen Lichtbildern. Beginn 7 Uhr. Eintritt 30 Pf. berliner JVacbricbtem Totensonntag. Nur ein Gewisses gibt es im Leben— das ist der Tod. Den pietätvollsten Ausdruck fiildet die Erkenntnis des Todes- Problems, daß der ewige Kreislauf des Sterbens zugleich ein unaufhaltsames Werden bedeutet, an jenem Novembersonntag, der seit gerade einem Jahrhundert den seltsainen Namen „Totenfest" führt. Wohl das ergreifendste Bild bietet die stumme Totenklage Lebender alljährlich am Gedenktag für die Verstorbenen auf dem inächtigen Leichcnfelde, wo„der Menschheit ganzer Jammer" in Zehntausenden, die aus- gerungen haben, unter der Erde ruht, auf dem städtischen Zenträlfriedhofe in Friedrichsfelde. Jede schmale, kaum fuß- hohe Grasnarbe, unter der ein verfehltes, in Armut ge- demütigtes Menschenleben schlummert, birgt ein Meer von Erdenelend. Wie Ankläger hocken die lebenden Armen auf den niedrigen, dürftigen, gerade deni geringsten Pietätsgefühl der Allgemeinheit gerecht werdenden Massenhügeln, schmücken sie mit kärglichen Zeichen der Liebe und sehen es im An- gesicht des Todes vor Augen, daß auch sie dereinst wohl das gleiche Los des Verscharrtwerdens im märkischen Sande zwischen sechs dünnen Brettern treffen wird. Und ungetüm treibt es die lebende Arinut. am Totensonntag auch jenen Volkshclden unvergängliche Verehrung zu zollen, die der Tod ganz in der Nähe bettete, allen den großen Proletarier- führern, die zu früh von der Sense des Knochenmannes hin- gemäht wurden, die Früchte ihrer Arbeit ain Volke nicht mehr reifen sahen..' Schaut zurück auf dem Totenfclde in das volle Menschen- leben! Wird mit den Toten heutzutage von den Lebenden nicht fast zuviel Kult getrieben? Ohne Frage hat der Be- erdigungsprunk, der Gräberschniuck gegen frühere Zeiten, vielleicht unter dem Einfluß unseres anspruchsvolleren modernen Lebens, gewaltig zugenommen. Menschen, die etwas vorstellen im Leben und doch herzlich wenig bedeuteten, werden mit ungeheurem Pomp zu Grabe getragen, und über Menschen, die nur Geltung hatten durch kalten Reichtum, wölben sich Grüfte und Kapellenbauten, deren starrer, kost- barer Glanz den Tod nicht leichter macht. Die goldene In- schrift, die den reichen und doch so armen Toten feiert, steht oft wenig im Einklang mit seinen eigenen Taten, und auch an manchem nicht so prunkvoll geschmückten Hügel, wo man den Toten mit allen Fingern unter dem grünen Rosen hervor- graben möchte, mahnt des Dichters Freiligrath ernstes Wort: „Die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und klagst!" Weniger Totenkult, dessen Schaugepräge so oft unecht ist— mehr Tatkraft für die Lebenden! Das ehrt die Menschen besser als hohe, äußerliche Trauer, der das Verinnerlichte fehlt. Der Totensonntag wird von der Kirche auch benutzt, um Proselyten zu machen. Ter wahre Charakter der christlichen Kirche kann nicht treffender illustriert werden als durch die vielen kahlen, dem Erdboden gleichgemachten Grabstellen, wo es unsichtbar geschrieben steht: Du bist im Totenregister nur noch eine Nummer, dein Grab wird nicht gehegt und ge- pflegt, weil niemand Geld für dich in unseren Beutel tut! Wo bleibt da die Pietät, die unsere Frommen von allen Kanzeln predigen? Pietät dieser unwahren Seelen ist Schall und Rauch. Jämmerlich wird sie verleugnet um ein paar Silberlinge. Wer seiner verstorbenen Lieben gedenken will, bedarf nicht besonderer festgesetzter Tage und Stunden. Er kann das jederzeit tun: sollte aber nicht vergessen, daß er den Lebenden gegenüber Verpflichtungen hat, die darin bestehen, im Leben Zustände und Verhältnisse herbeiführen zu Helsen, unter denen die große Masse der Ausgebeuteten nicht einem frühzeitigen Siechtum und dem frühen Tode entgegengeht. Der städtische Fleischvcrkauf. Der Verkauf von russischem Fleisch, der besonders in den letzten Tagen sehr flott war, hat seit dem letzten Dienstag eine Erweiterung erfahren. Der Verkauf, der bisher nur in den Markthallen stattfand, ist se» diesem Tage nach und nach noch in folgenden 22 von der Arbeiterkonsumgenossenschaft eingerichteten Verkaufsstellen eröffnet worden: Pankstr. 71, Wolliner Str. 33, Torfstr. 28a, Mirbachstr. 26, Lychener Straße 31, Rodenbergstr. 39, Goßlerstr. 33, Cuvryftr. 47, Berlichingenstr. 6, Dirschauer Str. 2, Antwerpener Str. 48, Sonnenburger Str. 23. Jnsterburger Str. 16, Stralsunder Straße 31. Weddingstr. 5, Brandenburgstr. 23, Kochhann- straße 12. Naugarder Str. 7, Liebigstr. 8, Utrechter Str. 25, Wriezener Str. 32, Weinstr. 13. Der Verkauf findet in diesen Verkaufsstellen an allen Wochentagen von 81� Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags und von 4 bis 8 Uhr nachmittags statt. Außer in den vorgenannten Verkaufsstellen gelangt noch in folgenden Privatläden russisches Fleisch zum Verkauf: Rigaer Str. 11, Lietzmannstr. 22, Stralauer Platz 1, Beller- mannstraße 12. Revaler Str. 15. Weidenweg 4, Korsörer Straße 22. Marienburger Str. 29, Oderberger Str. 46, Hufe- landstraße 49, Pillauer Str. 4, Exerzierstr.?. Stralsunder Straße 14. Stolpische Str. 3. Rheinsberger Str. 10, Cothenius- straße 15, Gubener Str. 37. Es ist für genügende Zufuhr an Rind- wie an Schweine- fleisch gesorgt, um eine ausreichende Versorgung sämtlicher Verkaufsstellen ständig bewirken zu können. Am letzten Donnerstag und Freitag sind insgesamt 644 Rinderviertel und 300 ganze Schweine zum Verkauf an das Publikum an die Verkäufer zum Absatz gelangt. Hierbei ist der an die Vororte abgegebene Teil nicht mit eingerechnet. Die Ausstellung empfehlenswerter Jugendbücher im Ge- werkschastshause ist heute von 4 bis 8 Uhr geöffnet. In einem Nebenraum der Ausstellung befindet sich eine Ausgabe- stelle von Büchern zur Bekämpfung der Schundliteratur: diese Bücher werden bekanirtlich leihweise an jeden Interessenten ausgeliefert. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß Kinder nur in Begleitung Erwachsener Zutritt haben. Feuerwehrleute und Stadtverordnete. Am Freitagabend tagte im Berliner Rathaus der StadrverordnetenauSschuß zur Borberatung des sozialdemokratüchen Antrages über das Vereinigungsrecht der Berliner Feuerwehrmänner und die Uebernahme der Berliner Feuer- wehr bezw. der Feuerpolizei in städtische Verwaltung. Der Magistrat war durch den Stadtrat Hamburger vertreten. Der Ausschuß be- schloß, den ersten Teil des Antrages bis zum Eingang de? in Aus- ficht gestellten neuen Materials zu vertagen. Zu Punkt st des An- irags wurde folgender Antrag angenommen:„Die Stadlvei ordneten- Versammlung geht über den Antrag, die Staatsregierung durch den Magistrat zu ersuchen, die Verwaltung des Berliner Feuerlö'chivesenS der Stadt Berlin zu übertragen, in der Erwägung zur Tagesordnung über, daß dieser Antrag, trotz seiner Berechtigung, gegenwärtig eine AilSsicht auf Erfolg nicht hat" Der Eissport auf dem Müggelsee geht einer erfreulichen Rege- lung entgegen. Das ist um so mehr zu begrüßen, als die bis- herigen Zustände immer unleidlicher wurden. Seit 5 Jahren ist der westliche Teil der Eisfläche bei Friedrichshagen, gut ein Drittel der ganzen Fläche, an einen Privatunternehmer verpachtet, der jährlich, je nach dem die Eisbahn schon vor dem 1. Januar benutzt werden kann Äer nicht 1000 oder 1500 Mark dem Fiskus zahlt. Dieser Pächter ist natürlich darauf bedacht, möglichst gute Geschäfte zu machen. Das ist ihm auch durch Erhebung eines hohen Eintritts- gelbes durchaus gelungen. Der Gewinn steht in gar keinem Ver- hältnis zu seinen Leistungen und seinem Risika. Unter diesen Verhältnissen litt der Eissport, besonders auch der großen Massen aus Berlin, all die Jahre hindurch. Wenn auch zuletzt wenigstens eine Ermäßigung des Eintrittsgeldes für Kinder eintrat, so war doch kinderreichen Familien die dauernde Benutzung der schönen Sportfläche trotzdem unmöglich Jetzt hat nun der Bürgermeister von Rahnsdorf in diese Dinge mit Erfolg eingegriffen. Nach schriftlichen und mündlichen Verhandlungen mit den zuständigen Stellen konnte er in der Sitzung der Gemeindevertretung am Frei- tag mitteilen, daß nunmehr bei den Behörden die Neigung besteht, die ganze Eisfläche an die angrenzenden Gemeinden Friedrichshagen und Rahnsdorf zu verpackten. Der Vertrag mit dem bis- herigen Friedrichshagener Privatpächter läuft nock) bis Ende 1913. Bis dahin hat nun der Bürgermeister vorgeschlagen, die Ostfläche des Sees, das ist die Fläche östlich der Linie Wasserwerke— Rübezahl, an die Gemeinde Rahnsdorf zu verpachten. Unterdessen hat sich nun Friedrichshagen um die Pachtung der ganzen Fläche beworben. Möglich ist es, daß es bis zum Ablauf des JahreS 1913 zu einem Zweckvcrband zwischen den beiden Gemeinden kommt; wahrschein- licher aber, daß vom Jahre 1914 an jede Gemeinde etwa die Hälfte der Fläche in Pacht bekommt. Jedenfalls hört für die Osthälfte schon jetzt die Ausbeutung des Sports für die Interessen einer Privatperson auf. Die Gemeindevertretung von Rahnsdorf beschloß einstimmig nach dem Vorschlage des Bürgermeisters, dem Fiskus eine jährliche Pacht von 300 Mark zu bieten, und es ist alle Aus- ficht vorhanden, daß der Vertrag auf dieser Grundlage zustande kommt. Die Gemeinde Rahnsdorf kann aus zwei Gründen eine höhere Pacht nicht zahlen. Sie will vor allem, nach einmütiger Anschauung der Vertretung, mit der Pachtung unter keinen Um- ständen ein Geschäft machen, sondern alles durchaus auf eine ge- meinnützige GruMage stellen. Was sie an sehr mäßigen Zutritts- geldern erhebt, soll bor allen Dingen der Sicherung der Eisbahn dienen. Ein Teil der Fläche am Rahnsdorfer Sprcegemünde ist besonders gefährlich. Unfälle, auch mit tödlichem Ausgang, ereig- neten sich dort bisher jedes Jahr. Das kam daher, daß der Privat- Pächter von Fricdrichshagen sich um diesen Teil, der in seine Pach- tung ja nicht eingeschlossen ist, gar nicht zu kümmern brauchte, obwohl viele Sportlustige, die ihm sein Eintrittsgeld bezahlt hatten, auch nach Rahnsdorf hinüberliefcn. Dort waren sie dann schutzlos allen Gefahren ausgesetzt. Das soll nun aufhören. Die Gemeinde Rahnsdorf wird mit einem erheblichen Kostenaufwand für eine absolut sichere Abgrenzung der gefährlichen Stellen sorgen und außerdem noch die wohlausgcbildete Samariterkolonne ihrer Frei- willigen Feuerwehr in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Daß sie für diese Leistungen und die Herstellung guter Zugänge von der Rahnsdorfer Seite her ein kleines Eintrittsgeld erheben muß, ist nicht zu vermeiden. Aber es soll so gering als möglich sein. Das Kuratorium des städtischen Obdaches und ArdritshauseS hielt am Sonnabend eine Sitzung zur Beratung der Etats für daS Jahr 1913 ab. Bei der Position Beköstigung im ArbeitShaufc- Etat wurde von mehreren Seiten energisch Einspruch erhoben da» gegen, daß heute noch für die Beköstigung eines Korrigenden der unglaublich niedrige Satz von 44,5 Pfennig pro Tag eingesetzt werden sollte. Es entspann sich eine sebr lebhafte Debatte über diesen Punkt. Im Verlauf derselben mußte auf Herausforderung der Herr Direktor der Anstalt selbst zugeben, daß der Fettzusatz zur Abendsuppe nur 5 Gramm Margarine pro Person beträgt, für die Mitlagralion höchstens 20 Gramm. Der Vorsitzende der Depuiation war sofort bereit, wen» die Dinge so ständen, eine Ausbesserung als selbstverständlich vorzunehmen und bedauerte nur. daß der Herr Direktor nicht längst dazu eine Anregung ge- geben habe. Es wurde beschlossen, diese Position„Beköstigung" im Etat offen zu lassen und eine Subkommission einzusetzen, welche diese Frage schleunigst untersuchen und dem Kuratorium Bericht er« statten soll., Zu bemerken ist noch, daß für das Obdach(Hospitaliten- Abtei» lung) der Satz aus 73 Pf. festgesetzt ist, für das Familien-Obdach auf 67 Pf., dagegen z. B für das Hospital im Arbeitshaus und in Reinickendorf nur auf 57� Pf. Auch dieser Posten wurde aufgebessert und der gewählten Kommission mit überwiesen. Bei dem Etat des Obdachs erhielten— wenn auch nur eine ganz kleine Ausbesserung ihres Einkommens: die Oberpflegerin, Pflege- rinnen, Nachlaßarbeiter, Desinfektoren und Schlosser, da- gegen war für die Hausdiener nichts zu erlangen, sie fange» auch ferner mit einem Monatsgehalt von 40 M. an, der allerdings nach einem halben Jahre auf 45 und nach einem weiteren Jahr auf 50 M. steigt. Schließlich wurde noch der Betrag für einen neuen Desinfektionsapparat in den Etat eingesetzt, welcher dringend notwendig ist für die täglich zu reinigenden Schlafdecken, die unter der Reinigung mit den alten Apparaten bald wie Zunder zerfallen. Es soll ferner geprüft werden, ob es möglich sein wird, einen solchen neuen Apparat auch zum Desinfizieren der Wäsche und Garderoben- stücke der Obdachlosen zu verwenden. „Handschellen im Kampf gegen die Arbeiterjugend." In Nr. 271 und Nr. 272 berichteten wir, daß am letzten Sonn» tag(17. November) nach einer in Neukölln(Hohenstanfensäle.: Kottbuser Damm) abgehaltenen Jugendversammlung die Polizei einige Jugendliche sistiert und mit Handschellen gefesselt zur Wache geschleppt habe. Hierzu schreibt uns jetzt der Berliu4v> Polizeipräsident: Berlin, den 22. November 1912. Auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes ersuche ich, in die nächste Nummer Ihres Blatte« folgende Berichtigung aufzunehmen: „Laut Nr. 271, 272 Ihres Blattes vom 19. /20. November dieses Jahres sollen bei Gelegenheit einer öffentlichen Jugend» Versammlung in Neukölln Jugendliche unter Anwendung von Hdndschellen zur Wache gebracht worden sein. Die Angabe wider- spricht den Tatsachen, weil Handschellen bei dieser Gelegenheit nicht zur Anwendung gekommen sind. Jagow." Gleichzeitig verbreitet eine der Polizei dienende und von ihr bediente Zeitungstorrespondenz folgende Meldung: Es ist festgestellt worden, daß die Beamten die jungen Leute lediglich am untersten Zipfel des Aermels angefaßt und so zur Wache gebracht haben. Das geschah, weil eine Menge von etwa 500 Personen den Beamten nachrückte und weil einer der Sistierten zu entweichen versuchte. Dieses Verfahren, daS ja unter solchen Umständen üblich ist, konnte wohl den Schein erwecken, als ob die Beamten Handschellen oder Knebel angewendet hätten. Es ist aber eben weiter nichts als Schein gewesen. Unsere Darstellung stützte sich auf Angaben von Augenzeugen. Da der Polizeipräsident um sofortige Veröffentlichung seiner Zuschrift ersuchte, so haben wir unseren Gewährsmann jetzt nicht noch einmal befragen können. Wenn dieser sich durch den Augenschein hat täuschen lassen, so erklärt sich das wohl aus der Häufigkeit der Beobachtung, daß Polizisten bei Sistierungen sehr zum Gebrauch der Handfesseln neigen. Man durfte eS der Polizei zutrauen, daß sie auch gegenüber den Jugendlichen zu den Handfesseln gegriffen babe. Merkiviirdig ist übrigens der Eifer, mit dem der Polizeipräsident diesen Verdacht zurückweist. ES ist schon schlimmeres über Polizisten gesagt worden, was er auf ihnen sitzen lassen mußte. Die Allgemeinen Bestimmungen für das Bolksschulwesen, die nun schon volle 40 Jahre in Geltung sind, bedürfen einer zeit» gemäßen Reform. Der Berliner Lehrervercin formulierte seine Wünsche zu dieser Reform in einer Versammlung, die Freitag im großen Festsaale des Lehrervercinshauses staltfand. An der Ver- sammlung nahm als Vertreter der Behörde der Vizepräsident dcS Provinzialschujlollegiuius Dr. Lüdeke teil. Voran stellte er die allgemeine Forderung, daß die Bcstimmuu- gen über Einrichtung, Aufgabe und Ziele der Volksschule nicht von der Auffassung ausgehen dürften, als ob die Volksschule eine Sonderschule für die Kinder der niederen Volksklassen sei, sondern daß sie von dem Gesichtspunkt aus zu treffen seien, daß die Volks- schule die Grundlage für alle weiterführenidcn Bildungsanstalten ist.— In bezug auf die S ch u l o r g a n i s a t i o n wurde gefordert: Auf einen Lehrer dürfen nicht mehr als 40 Schüler kommen. Als normale Schuleinrichtungen können nur solche gelten, in denen mindestens so viele Lehrer als 5Uassen vorhanden sind. Ueberall, wo die Schülerzahl es ermöglickst, ist die Schule so zu organisieren, daß jeder Jahrgang eine Klasse mit einem eigenen Lehrer bildet. Die Trennung der Geschlechter darf nur eintreten, wenn dl« Zahl der aufsteigenden Klassen dadurch nicht vermindert wird. Um die Zahl unvollkommen organisierter Schulen zu beschrän- kcn, sind nach Möglichkeit benachbarte Gemeinden zu einem Schutz- verbände mit gemeinsamer Schule zu vereinigen. Für schwachbefähigte Kinder ist ebenso wie für nicht vollsinnige überall besondere untcrrichtliche Fürsorge zu treffen. Die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden darf für das erste Schuljahr nicht mehr als 18 betragen, nimmt allmählich, dem. Wachstum der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit der Kinder entsprechend zu. darf aber im Höchstfalle für die Pflicht. facher 32— einschließlich der Swnden für wahlfreie Fächer•» 36 nicht überschreiten» $5(m den Forderungen in dezug auf die N'aSstaikung der Cchulcn sind folgende bemerkenswert: Die Gräfte der Schulzimmer ist so zu bemessen, daß für fedes Kind eine Bodenflcichc von 1 Quadratmeter vorhanden tst und die Zimmerhohe nicht unter 2'/ir Bieter beträgt. Für alle Schulen müssen Trinikgelegenheiten, Kleiderablagen, Wascheinrichtungen und Aborte vorhanden sein, die den Forderungen der Gcsundhcitslehre entsprechen. Alle Schule» müssen über Turn- und Spielplätze sowie über die notwendigsten Turn- und Spielgeräte verfügen können. Jede größere Schule muß außerdem eine Turnhalle haben. Für alle Schulen muß eine Schülerbücherei vorhanden sein. Für alle Schulen sind auf Kosten der Schulunterhaltungspflich- tigen Lehrerbibliotheken einzurichten. In bezug auf die F e st s e tz u n g der L e h r a u f g a b e wurde gefordert: Für die Gestaltung der Lehrpläne im einzelnen ist möglichste Freiheit zu gewähren. Soweit allgemeine Forderungen aufgestellt werden, müssen sie dahin gerichtet sein, daß alles äußerlich Ein- und Anlernen ver- mieden werden kann, und daß aller Unterricht sich auf die Selbst- tätigkcit der Kinder gründet, von der Heimat, der unmittelbaren Umwelt der Kinder, ausgeht und in ihr immer aufs neue seine anschauliche Grundlage sucht. Zum Schluß wurden Forderungen in bezug auf die Lehr- ziele einzelner Unterrichtsfächer erhoben. „Die Mängel der Fleischvrrsorgung!" tvar das Thema, das der Fleischermeister F. F r i t s ch in einer öffentlichen Versammlung am Freitag behandelte. Der Redner versuchte in unbeholfener Weise den Anwesenden klarzumachen, daß die Fleischermeister die unschuldigsten Menschen seien. Er schimpfte auf die Stadtverwal- tung, die mit dem Geld der Steuerzahler ihren Bürgern billiges Fleisch besorgt, hielt es scdoch für in der Ordnung, daß dieselbe Stadtverwaltung Tausende für Fürstenempfänge aus dem Steuer- säckel nimmt. Das kaufende Publikum soll nach Herrn Fritsch von der Fleischeinfuhr keinen Nutzen haben, da es nicht ausgeschlossen sei, daß die Einfuhr bald aufgehoben werde. Das Berkausssystein der Stadt bemängelte er, da die Fleischermeister nicht alle mit dem Verkauf betraut seien: es gehe denselben dadurch viel verloren. Tic in der Halle das Fleisch der Stadt verkaufen, sparten 200 M. Unkosten, machten also ein sehr gutes Geschäft. Ferner erklärte er: die Fleischcrmeister brauchten niemand, sie seien kräftig genug, um sich mit den Ihrigen durchs Leben zu schlagen; was Herrn Fritsch jedoch nichr abhielt, im selben Atemzuge vom Staat und der Ge- nwinde Hilfe zu verlangen. Die Arbeitslosigkeit der Gesellen streifte er ebenfalls, meinte jedoch, als er auf die lange Arbeitszeit aufmerksam gemacht wurde, das gehöre nicht hierher. Zum Schluß bemerkte er, der Zweck der Versammlung sei, das Publikum über das russische Fleisch aufzuklären. In der Diskussion widerlegte Genosse Bergmann vom Verband der Fleischer die Ausführungen des Referenten. Er verwies auf die wirtlichen Ursachen der Vieh- und Fleischnot, an der die Fleischer- meister nickst ganz unschuldig seien. Bei den Wahlen treten die Herren stets für die Parteien ein, die für Wucherzölle und Liebes- gaben sind. Von allen Parteien seien nur die Sozialdemokraten für die Oesfnung der Grenzen rücksichtslos eingetreten. Wenn die Herren Fleischcrineister jetzt das Volk, das sie sonst nicht beachten, vor ihren Karren zu spannen gedenken, so werden sie sich wohl täuschen. iLebhaftcS Bravo l) Eine Frau schilderte ihre Erfahrungen mit dem russischen Fleisch unk betonte, daß dasselbe ebenfalls so gut sei wie das hiesige, was sie früher für bedeutend höheren Preis gekauft. Einige Fleischcrineister versuchten die Ausführungen Bergmanns zu wider- legen, erwiesen ihrem Handwerk aber einen sehr schlechten Dienst. Eine von Bergmann vorgeschlagene Resolution wurde, obgleich der Referent auch«ine vorgeschlagen, einstimmig angenommen. Zu der geplanten Bereinsgründung kam es nicht. Der Ein- beruser und Referent war froh, als er die Versammlung schließen konnte. Ev harte sich alleö anders gedacht. Ucbcr den Selbstmord der Handlungsgehilfin Marta Kiclblock, den> wir am Montag meldeten, ist eine gerichtliche Untersuchung ein- geleitet worden. Die erst Fünfzehnjährige machte am Sonntag- nwrgen durch einen Sprung aus dem Fenster der elterlichen Woh- iwuig ihrem Leben ein Ende, nachdem sie von einem Fest heim- gekehrt tvar, das für die Angestellten und Arbeiter der Schreibcrschen Kunstfärberei und Waschanstalt, in Schmargendorf von der Firma veranstaltet worden war. Ein an die Eltern gerichteter Brief, �den die Lebensmüde hinterließ, enithieit gegen den erst seit wenigen Wochen verheirateten, Schwiegersohn des Firmen! nhabcrs, einen in dem Geschäft mittätigen, Dr. Streubelt den schweren Borwurf, daß während des Festes er ihr gegenüber zu sehr weitgehenden Jnti- mitäten geschritten sei. lieber den Inhalt des Briefes erfahren wir jetzt einiges Nähere. Dr. S. habe, als Marta den Tanzsaal ver- lassen hatte, draußen sie in eine Ecke gezogen und sie geküßt, und habe verlangt, daß sie ihn wtederküsse.„Ich war schwach," heißt es dann in dem Brief,„und sagte ja und ließ es geschehen:" Da sei Frau Dr. S. dazugekommen und habe wie tvll aus, sie eingeschlagen, so daß der Gatte sie habe losreißen müssen: Nachher habe Frau Dr. S. sie gefragt, was er mit ihr gemacht habe, und habe, als Maria es sagte, sie nochmals ins Gesicht geschlagen. Der Brief fährt fort:„Ich habe niicht den Mut, das auszufecksten. Drumt lebt wohl auf ewig Ade, ade. ade!" Diesen Brief haben die Eltern dem Staatsanwalt übergeben, und ingtoischen ist der Herr Doktor bereits vernommen worden. Das beklagenswerte Opfer wurde am gestrigen Sonnabend von den bekümmerten Eltern zu Grabe ge- leitet. An der Beerdigung nahmen mehrere hundert Personen, teil. neben den Verwandten und näheren Freunden der Faniilie auch viele Fernerftehende, Bewohner de» Hauses und der Nachbarschaft. Die Leichenhalle war zu klein, alle Leidtragenden aufzunehmen: Am jitrabe wurden zahlreiche Kränz« niedergelegt. Einen alten Genossen ans der Zeit des Sozialistengesetzes, aus den Schar jener Kämpfer, die auch unter schweren Verhältnissen treu ihr« Pflicht erfüllten, hat der Nllbezwinger Tod abberufen- Der Schriftsetzer BrunoWeise verstarb in der Nacht zum Sonnabend im 58. Lebensjahre. Seit der ersten Nummer des„Berliner Volks- dlatteS" bis jetzt war er ununterbrochen bei der Herstellung unseres Blattes beschäftigt. In den achtziger Jahren war er im vierten Wahlkreise tätig und bekleidete im BezirtSverein für den Osten den Posten eines Schrvstsührers. W. war auch an, der denkwürdigen Eni- larvumg des Spitzels Jhring-Mahlow beteiligt. Mit ihm ist ein braver, bescheidener und opferwilliger Genosse von uns gegangen;, der sich im Kreise seiner Kollegen- großer Beliebtheit erfreute. Das Verfahren eingestellt. Wie erinnerlich, hat am 4. Oktober der Schutzmann Hartmann den 32 Jahre alten Kutscher Johann Thiele erschossen, der auf Verlangen eines Gastwirts in der Zwingli- straße wegen Zechprellerei sestgestellt werden sollte. Das einge- leitete Ermittelungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Schutzmann Hartmann ist jetzt beendet worden. Die Staatsanwalt- schast ist der Meinung, daß der Beamte in der Notwehr ge- handelt hat. Neue Lichtspieltheoter entstehen trotz ihrer erheblichen Anzahl noch hier und dort. Am Freitaq wurde in Schöneberg das Licht- spieliheater.Wittelsbach" der Oeffentlichleit übergeben. Unweit des Bayerischen Platzes gelegen, repräienliert sich der lediglich zur Ver- anstaltung von Lichtspielen hergerichteie Bau in recht geschmackvoller Art. Besonders die Jnneiiemrichlung trägt einen sehr iiitimen ifbrt.v.kler. In lila sind Gestelbezüge. Fußbelag und Borhang ge- halten, während die Wände mit gninem Tuch überzogen sind. Keine farbenklererei ist sichtbar. Hübsche Figuren, die den Humor, da» ,rama usw. versinnbildlichen und auf die Darstellungen hinweisen, sind in das grüne Wandluch eingestickt. Das ganze Unternehmen macht einen recht vornehmen Eindruck. In der Müllerstraße hat sich in den P h a r u S s ä l e n ein neues größeres Lichtspieltheater oufgetan, das natürlich erheblich schlichter und einfacher gehalten ist. Unsere Genossen verlieren hier einen Versanimlungssaal. der bei größeren Versammlungen als zweiter Versammluiigsraum gern benutzt wurde. Atisstelluilg neuer Schriftgiessercierzengnisse. Im Berliner Bnchgcwerbesaal. Dessauer Str. 2, sind zahlreiche Probenblätter von Erzeugnissen Berliner und anderer deutscher Schriftgießereien zur Schau gestellt. Die Ausstellung, die auch das Interesse weiterer Kreise beanspruchen darf, ist täglich(auch Sonntags) von 11— 2 Uhr mittags unentgeltlich zu besichtigen. In dem Saale sind auch die neuesten Nummern der namhaftesten! buchgctoerblichen Fachzeit- schristen zur Einsicht ausgelegt. Der Gesnngvcrd» ,�niscnstädtischer Männerchor" veranstaltet am Sonntag, den 24. November(Totensonntag), in Kellers Philharmonie, Köpenickcr Str. 96/97, sein Herbstkonzert. Milwirkende: Kammer- mustkvereinignng, Potsdamer Trio, Königl. Hoforganist Professor Becker, Frau Bianka Becker- Samolewska Violine. Waller Schmidt Violincello. Konzerlsänger Engen Söhnlin, vaßbariton. Anfang 6 Uhr. Eintritt 60 Pf. Der Sängerchor„Vorwärts Südost"(M. d. D. A.-S.-B), Chor- meister Herr Otto Kowalsli, veranstaltet am Sonntag, den 24. No- vember(Totensonntag), im Marinehaus, Brandenburger Ufer(ander Jannowitzbrücke), ein Konzert unter Mitwirkung des gesamten Orchesters des Kapellmeisters Herrn Fritz Honiamann. Eröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Karten inkl. Tanz 60 Pf. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der GeschlechtSkrank- hriten(Ortsgruppe Berlin) veranstaltet am 29. November, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Raihauses einen Vortragsabend, an welchem Herr Senatspräsident S ch m ö l d e r aus Hamm über„D i e Prostitution einst und jetzt" sprechen wird. Die Gesell- schast hat diesen Vortrag zu einem öffentlichen gestaltet, der Eintritt ist frei. Gäste willkommen. Wer ist die Tote? Unter freiem Himmel gestorben ist eine Frau, deren Leiche Freitag abend auf der Weberwiese an der Ecke der Frankfurter Allee und Memelcr Straße aufgefunden und nach dem Sckauhanse gebracht wurde. Die Tote, die etwa 65—60 Jahre alt, mittelgroß und schmächtig jjt, trug eine schwarzbraune gestreifte Bluse, einen schwarzen Rock, schwarze Halbschuhe, ein schwarzes Kopftuch und ein dunkelkariertes Umschlagetuch. In der Hand hielt sie eine braune Ledertasche. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von BH— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 599 Zeitungen Und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Zeugen gesucht. Am Dienstagmittag wurde in der Liebauer Straße durch die Elektrische ein 2>/zjährigeS Mädchen überfahren und getötet. Der Vater bittet die Augenzeugen um freundliche Angabe ihrer Adressen. Otto Nitz, Lüderitzstr. 57, Sifl. L Vorort-]Sacb riebtem Ne«?öNn. Die Stichwahle« in der zweiten Abteilung, deren Ergebnis wir in der gestrigen Nummer bereits kurz mitgeteilt, haben den Gegnern mit zum Teil erheblichen Mehrbeilen den Sieg gebracht. Daß sie dieses Resultat erzielen konnten, verdanken sie nicht zum mindesten dem Umstände, daß ihnen ein überwiegender Teil de« Beamtentums eine rege Wahl- und Schlepparbeit leistete. Nicht allein, daß die aus allgemeinen Steuermitteln bezahlten Beamten schon vorher umfang- reiche Arbeiten zur Wahl in den Amtsbureaus fllr die Bürgerlichen ausführte», schritten dieselben am Wahltage auch vollzählig an den Wahltisch, um den bürgerlichen Kandidaten ihre Stimme zu geben; alsdann stellten sie sich den ganzen Tag als Schlepper zur Verfügung. Unter solchen Umständen, über die an anderer Stelle noch ein Wörtchen zu sprechen sein wird, haben die Bürgerlichen keine Ursache, sich ihres Sieges besonders zu freuen. Das dem Herrn Glasemann gehörige.Neuköllner Tageblatt" ist natürlich über die Wahl seiner Geistesverwandten höchst entzückt Es schreibt: „Die vereinigten bürgerlichen Parteien haben gestern einen glänzenden Sieg errungen, was in erster Linie der unermüdlichen Tätigkeit all derjenigen Herren zu verdanken ist, welche sich den Wahlkomitees in dankenswertester Weise zur Verfügung gestellt hatten und eine große Zahl säumiger Wähler zur Wahl heran- holten. Auch die vorhergegangene persönliche Agitation war eine weit intensivere als bei der Hauptwahl, wodurch vielen Wählern die Wichtigkeil der Wahlbeteiligung vor Äugen geführt worden war. Jedenfalls ist im Interesse unserer Stavt das gestrige Stich» wahlrqßiltat mit Freuden zu begrüßen." Vielleicht setzt das Blatt seinen Lesern einmal de? näheren an«- einander, wieso das Stichwahlresiiltat.im Interesse der Stadt" mit Fre.rden zu begrüßen ist. Eine solche Belehrung wäre namentlich für die Acheiterleser, die auf das Blatt leider immer noch in be- trächtlrchevZahl abonnieren, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wir befürchten jedoch, daß das Blatt aus wohlverstandenem GeichSfts- Interesse hiervon Abstand nehmen wird. Der Aufrnf d»S Magistrats zur AbonnemeiitSbeteiligung an dem geplanten Schiller-Theater vor kaum 2 Woche» dar bereits bis zu», 23. November den Einlanf von 1663 Neuköllner Bestellern mit insgesamt 2705 Aboiinementsbestellungen ergeben. Seitens der Freien Volksbühne in Berlin ist bereits jetzt der Direktion des Srchiller-TheateiS bindende Offerte gemacht worden, 30 NachnittiagSvorstellnngen an dem Schiller-Theater der Stadt Neukölln für die Arbeiterichast zu einem festen Preise zu übernehmen. Es besteht, da serner die Sonnabend- und Soniiiagabendvorstelluitgen des Schiller-TheaterS in allen seinen bisherigen Kunststätten stets gänzlich oder wenigstens nahezu ausverkanft sind, an einen, vollen Erfolg des Unternehmens in uitserer Stadt, die bei der Eröffnung des Theaters voraussichtlich an 390000 Einwohner zählen wird, kein Zweifel mehr. Neukölln. Am heutigen Totensonntag veranstaltet der Männerchor „Neukölln" im neuen Konzertsaal der.Reuen Welt" ein Vokal- konzert. Als Mitwirkende sind Frau Hilde Fordan-ElgerS(Viotin- virtuosin) und Frl. Lisa Meyrowitz(Konzertsängerin) gewonnen. Da auch der Verein sein Bestes bieten will, so stehen jedem Teilnehmer einige genußreiche Stunden bevor. Schöneberg. Die mit rrheblichcu Härten behaftete Kinosteuer soll nunmehr eine Abänderung erfahre» insofern, als nebenbei die Eiinübrnng einer Kartensteuer geplant wird, welche letzlere von den Besuchern zu zahlen wäre. Aus den Eintrittskarten soll der Eintrittspreis und ferner der zu zahlende Betrag der Steuer vermerkt iein. Es sollen erhoben werden bei einem Eintrittspreis bis zu 10 Pf.— 1 Pf., von mehr als 10-20 Pf.— 2 Pf., 20-30 Pf.= 3 Pf.. 30- 40 Pf.= 4 Pf., 40-50 Pf.= 5 Pf.. 50-75 Pf= 10 Pf.. 75-100 Pf.= 15 Pf.. 100— 150 Pf.— 20 Pf., 150—200 Pf-- 25 Pf.. 200-250 Pf.--30 Pf., 250-300 Pf.-- 40 Pf.. 300-350 Pf. 50 Pf. und für jede weiteren 50 Pf. sollen 10 Pf. mehr Steuern erhoben werden. Für Abonnements, Blocks, Dutzendkart«», sowie TageS-, Mouats-, Saison- und Jahreskarten wird eine Steuer von 10 Prozent de» Gesamtpreises erhoben. Eintrittskarten, die ui, entgeltlich abgegeben iverde», unlerliegen einer Steuer nicht. Damit nun bei der Kartensteuer einzelne kinobesitzer nicht auf den Gedanken kommen könnten, ohne Ausgabe von Billetts oder Karten die Besucher gegen Entgelt eintreten zu lassen, so wird in diesen Fällen eine Pauschal- Neuer erhoben, die erheblich höhere Sätze hat als die bisherige. ES sollen erhoben werden bei einer Gesamtzahl von Plätzen für jeden Tag der Veranstaltung: bis zu 100 Plätzen 6 M., bei mehr als 100—150--- 10 M.. 150— 200= 15 M. 200-250= 20 M.. 250 biS 300= 25 M.. 800—350= 30 M.. 350—400= 40 M.. 400- 450= 50 M.. 450—500= 60 M.. 500—550= 70 M und über 550 Plätze für je 1—50 wettere Plätze ein Zuschlag von je 15 M. Für die Steuer haftet der Unternehmer. Neben ihm haften bei den Karten gesamtschuldnerisch auch die Besucher der Vorstellungen für den auf ihre Eintrittskarte entfallenden Steuerbetrag. Die Zahlung der Pauschalsteuer erfolgt bei der Anmeldung innerhalb der Geschäfts« stunden in der Stadrhauptkasse, während die Kartensteuer von dem Unternehmer an dem der Veranstaltung folgenden Werktage zu ent- richten ist, doch kann der Magistrat bei ständig wiederkehrenden Veranstaltungen die Zahlungsfrist bis auf zehn Tage verlängern. Die Besucher der Kinos haben jedoch sofort zu zahlen. Jede Zu» widerHandlung gegen die Vorschriften der Steuerordnung unterliegt einer Ordnungsstrafe bis zu 30 M. Dadurch, daß der Magistrat nunmehr außer den Kinobesitzern auch noch die Besucher zu dieser Steuer heranzieht, ist dieselbe für unsere Genoffen nur noch unannehmbarer geworden. Neben dem Charakter der Sondersteuer für einzelne Gewerbe hat jetzt die Kino- steuer den einer indirekten Steuerart für das Publilnin erhalten. Der Arbeitergesangverein Schöneberger Männerchor. M.d.A.-S.-B., veranstaltet am Heuligen Totensonntag, abends 6'/z Uhr, in dem Gesellschaftshaus des Westens, Hauptstr. 30/31, ein Jnstrumental- und Vokalkonzert unter der Leitung des Dirigenten Fritz Stempel. Ferner haben ihre Mitwirkung zugesagt: Berliner Sinfonie-Orchester, Dirigent Willi Rosenthal, Frl. Erna Hascheck, Cello, und Frau Lange- Linden, Sopran. Billett« zum Preise von SO Pf. sind bei den Mit- gliedern sowie in den bekannten Stellen zu haben. Den Partei- genossen empsiehlt der Wahlvereinsvorstand diesen Verein, der bei allen Parteifestlichkeiten mitwirkt und auch bei anderen Ver- anstaltungen stet« seine Schuldigkeit getan hat, Unterstützung zuteil werden zu lassen.> Steglitz. Eine Preisermäßigung für russisches Rindfleisch hat der Gemeinde» vorstand eintreten lassen. Es kosten jetzt: Herz 40 Ps., Kamm und Bug 70 Pf., Suppenfleisch 40 Pf., Brust und Ouenippe 65 Pf.. Hesse 50 Pf., Fehlrippe 80 Pf. pro Pfund. Als neue Verkaufsstelle ist hinzugekommen: Schlächtermeister Schulze, Marksteinstr. 2. Am Montag, den 25. November, ist Verkaufszeit von 9—12 Uhr. Britz-Bnlkow. Endlich hat auch die hiesige Gemeinde den Verkauf russischen Rind- und Schweinefleische» in die Wege geleitet. Der erste Ver- kauf hat bereits am Sonnabend, den 23. d. M., in dem an der tzannemann», Ecke RunginSstraße, gelegenen Laden, der von der Baugenossenschaft„Ideal" für diesen Zweck zur Verfügung gestellt worden ist. stattgefunden. Die Preise sind an den Anschlagsäulen bekanntgegeben. Für den am Montag, den 18. November, infolge Sti omschwierig» eiten unterbrochenen PcojektionSvortrag findet am Dienstag, den 26. November, abends 8 Uhr, in Beckers GesellschaftShauS, Chauffeestr. 97, ein Vortrag über„Die Entwickelung des Menschen- geschlechtS' statt. Vortragender ist Herr Kurt Bigienz. Die Billetts vom Montag behalten Gültigkeit. Ober-Schöneiveide. Der zweite Experimcntalvortrag de« Genoffen R. W i s s e l findet am Montag, den 25. d. Mts. statt. Behandelt wird das Thema: «Vierhundert Jahre Entwickelung." Da auch dieser Vortrag sehr lehrreich für die Besucher sein wird, wollen die Partei- und GewertichastSgenossen sich rege daran beteiligen. Eintrittskarten find zu haben bei den Gewerkschastsvorständen am Orte und bei den Bezirksführern des Wahlvereins, sowie bei dem Obmann des Gewerkschaftskartells. dem Genossen Behrenbeck, Wilhelminenhofftr. 45. Die Vorträge finden im Ober»Schöneweider BereinShanse(Prochowski), RathanSstr. 13, statt. ftfriedrichSfelde. Ein Freund der Akkordmaurcrei ist der jetzige Gemeinde» baunieister. Das Verbot der Akkordmauerei bei Gemeindebauten, so betont der Herr, legt dem Unternehmer unerhörte Fesseln an. Unterstützung in seiner Ausfass'ung findet der Leiter deS BauamteS beim�Bllrgermeister Ungewitter. Beim Bau der Gemeindeschule in der Augusta-Viktoria-Siraße entstand bekanntlich wegen der Akkord- maueret ei» großer Krach. Die Baukommiss'ion hatte damals fast einstimmig beschlossen, daß in Akkord nicht gemauert werden dürfe. Einstiininig war man auch der Meinung, daß dieser Beschluß für alle Gemeindebauten Geltung habe, bis eine Aufhebung erfolgt. Der Bürgermeister sowie der Baunieister der Gemeinde dachten anders und ließen beim Bau der höheren Schule dem Unternedmer durch Außerachtlassung dieser Bestimmung freie Hand. Erst später, als die Oeffentlichleit darauf aufmerksam wurde, daß ans dem Bau in Akkord gearbeitet wird, tourde zur Lohnmauerei übergegangen. Der Genicindeboumeister bestreitet auch jetzt»och die Minderwertig- keit der Akkordmauerei und will noch eine Rundsrage bei anderen Gemeindebauänitern veranstalten. Hoffentlich wird dem Herrn die nötige Belehrung zuteil. Wenn mcht, so wird es Aufgabe der Geincindevertretling fein müssen, ihm unzweideutig das nötige zu sagen. Nebenbei bemerkt, steht dieser Balibeamte auch auf dem seit- samen Standpunkt, daß eine eigene Gasanstalt für die Gemeinde nicht so vorteilhast sei, wie die Gaslieferung durch eine Privatanstalt. Glücklicherweise ist � die Gemeindevertretung diesem Gut- achten deS Gemeindesachverständigen auch hierin nicht gefolgt. Wittenau. In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde bei nichtöffent- licher Berhandlung beschlossen, vier Grundstück« am nördlichsten Zipfel der Gemeinde, an der Oranienburger Chaussee am Bahnhof Wittenau der N 0 r d b a h n zum 1. Januar 1913 zu erwerben. Wie verlautet, beträgt der Preis 168 000 M.; es soll dort ein Bahnhofs- Vorplatz angelegt und eine Wartehalle für die Große Berliner Straßenbahn nebst Erfrischungshalle errichtet werden. Eine Warte- Halle 0» anderer Stelle ist bekanntlich vor kurzem in der Vertreter» sttzung abgelehnt worden. Bruchmühle. Der letzten Grmeindevcrtrcterfitzung lag wieder einmal der Be« bamrngSplan vor, der diesmal nach einigen Senderungen genehmigt wurde. Aus dem Bericht, den der Gememdevorsteher von der Ober- poftdueklion gab, ist zu entnehmen, daß unser Ort zum 1. April eine Postagentur erhall. Um den OmnibuSverkebr halten zu können. wurden 100 M. Zuschuß bewilligt. DaS Angebot des ForstfiskuS, 25 Morgen der Gemeinde zum Preise von 2 M. pro Luadralmeter zu überlassen, fand keine Zustimmung, dagegen soll das Gelände steuerfrei bis zum Verlauf oder der eventuellen Bebauung ein» gemeindet werden. Ein Gesuch an den FiSkuS, der Gemeinde ein Stück Land zum Müllabladeplatz bezw. eine KieSgnibe zur Ver» fügung zu stellen, ist abgelehnt worden. Da der OrtSsteuererheber für leine Arbeit ein Entgelt bezieht, verlangte unier Vertreter, daß er das Amt als Gemeindevertreter niederlegen müsse. Dem wider- sprach der Genieindevorsteher mit der Bemerkung, daß es sich hier nur um eine Tienstauiwandenlschädigung handele, nach einer AuS- kirnst des LandratS wäre derselbe als Steuercrheber kein Beamter im Sinne der Landaemeindeordnuitg. Der Seefifchverkauf findet infolge geringer?iachfrage vo» jetzt ab nur noch alle 14 Tage statt. alllgemeine»amiliensterbekafle. Heut« Zahl- und Aufnahmetag von 3—6 Uhr im Restaurant Ackerstr. 122 und Sebastianstr. 36. Erofihun� Besfchfi�un� ohne Kauf- zvdnä erbeten* Jeder Käufer crhäJf ein CbchenR unserer W Verkaufsffdle* Moabif.Turm �50 Donner§fa�, den 2$.. Najchn: 4 ühr. Lassen Sie sich Kiesen Apparat sofort kommen! 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Einmütig erhob die Versammlung Protest gegen die gerügten Mißstände. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die am 22. November 1912 in den„Konkordia-Festsälen� versammelten Mitglieder der städtischen Betriebskrankenkassen geben ihrer Empörung Ausdruck über die schikanösen und wider- rechtlichen Maßnahmen städtischer Betriebsverwaltungen gegen erkrankte Kollegen und Kolleginnen. Die Versammelten kennzeichnen die Ausschaltung der durch die BetriebSkrankenkaffe der Stadtgemeinde Berlin gewähr- leisteten freien Arztwahl in den städtischen Pflegeanstalten als einen Verstoß gegen das Krankenversicherungsgesetz und erheben dagegen entschieden Protest. Ebenso protestieren die Mitglieder aller drei Betriebskrankenkassen gegen die von unsinniger Simu- lantenschnüffelei diktierte beleidigende Art der Krankenkontrolle durch Beauftragte der Betriebsleitungen. Die Einberuferin der Versammlung, die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeinde- und. Staatsarbeiter, wird beauf- tragt, das in der Diskussion vorgetragene Material dem Ma- gistrat zu übermitteln und zur Abstellung der Mißstände die not. wendigen Schritte zu unternehmen. In Würdigung und Anerkennung der Ausführungen des Referenten, Stadtverordneten Eugen Brückner, sprechen die Verfammelten sich rückhaltlos für die Zentralisierung der Krankenversicherung in großen leistungsfähigen Krankenkassen aus und fordern alle Kollegen und Kolleginnen auf, energisch die Zusammenlegung der stabtischen Betriebskrankenkassen anzustreben.'_ BHefhaften der Redaktion. Die turistischr SpreSsiundc findet Ltndenftrnife 89, dorn dicr Derdpe» — Fadrftnhl—, woaentägliiii von 4� bis 7V* Uijt adends, konnavead», von t-,z bis v Uhr abends statt. Jeder fstr den vrietlaften deftimmtra«»frage ist ein Bnaftabe und eine Zahl als Mertzeicheo dnzufiigen. briefliche«atwort wird nicht erteilt Anfragen, denen leine AdouncmentSqutttung beigefügt ist, -»erden nicht beantwortet. SUtge Fragen trage man in der«prechstunde vor. Streitfrage Treptow. Nein.— H. W. 86. 1. Das ist zulässig. ES besteht kew Anspruch, wenn die Strafgelder zugunsten der Arbeiter verwendet sind.— B. P. 22. 1. Wenn da« Statut eine Karenzzeit vorschreibt, so ist da« maßgebend. Der.nsallzuschuß ist vom Beginn der 5. Woche bis zum Abiaus der 13. Woche so weit zu gewähren, als das Krankengelv>/, deS Grundlohnes ausmacht.— O. Z. 27. 1. Zunächst muß beun Zioiioorfltzendcn der Trsatztommisston ein Meldeschein beschafft werden. Die Meldung erfolgt dann bei dem betreffenden Truppenteil, wo der Eintritt erfolgen soll. Besondere Schuitennwisse werden nicht gefordert, jedoch wird gute Führung im Zivilleben gesordert— G. N. H. 20. Die Berpflichlung beucht nur dann, wenn, wie allerdings üblich, im Miets« vertrag vorgesehen.— R. M. 5. 1. Läßt sich nur»ach Einsichtnahme in den Mietsvertrag beantworten. L. Die EutsagungSerklärung muß vor Ab- laus von sechs Wochen zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll erklärt und dem Nachlaßgericht eingereicht werden.— R. 24 und A. Z. 33. Es besteht keine Gefahr.- E. 5t. 42. Stellen Sie den Antrag, maß. gebend wird ärztliche» Gutachten sein.— H. O. 27. l. Polizeiliche Er. laubniS ist erforderlich. 2. DaS Gesuch ist bei dem Polizeirevier oder beim Präsidium anzubringen. 3. Kostenlos. 4. 1— 30 Mark. — 100. B. M. Nachteiliges ist in finanzieller Richtung nicht bekannt.— P. Sch. 26. Sie müssen cmßer dem Heimatschein noch eine Erlaubnis der Eriahkommisfian haben. Eine Verpflichtung letzterer Behörde zur Er- teilung besteht nicht, immerhin kann der Bcrluch gemacht weiden. Fall« Ihnen der Etlaubnisschein erielll wird, erhalten sie weitere Instruktion beim Konsulat.— 47. P. P. Eine Gesahr bestände nur sür den Fall des Staaisbankrotls.— B. ffl. 21. Zur Beschaffung der notwendigen Aussteuer kann mit Genehmigung deS VormundschastSgerichtS das Per- mögen oder ein Teil desselben abgehoben werden. Im übrigen tritt das Recht, über da» Vermögen selbst zu veisügen, erst mit der Großfährigkett ein.- E. Eh. 240. 1b',, Proz.— G. K. 421. Ein derarttg-S Recht Hai der Unternehmer nicht. Stell! derselbe ein Zeugnis mst einem solchen Vermerk au«, so kann aus Ausstellung eine« anderen Zeugnisses Klage er» hoben werden. Eine strafbare Handlung stellt es nicht dar.— 100 Rubel. Die Abmachung ist rechiswirksam. Eine Zahlungspflicht besteht seitens des VaterS nicht.—<9. VI. 50. Ja. sofern das Vermögen SOOO M. übersteigt. ES bleibt jedoch ein Bclraz bis zu 20 000 M. steuerfrei, sosern der Beiitzer nicht mehr als 000 M. jährliches steuerpflichtiges Einkommen bot.— M. P. 100. Der Verlrag muß dem Willen der Parteien ent- SS sprechend formuliert werden. Notarielle Beglaubigung ist nicht notwendig. — H. K. N. 18. 1. Sosein sich Ihre Darstellung beweise» läßt, ist Ihre Tochter zur Herausgabe nicht verpflichtet, kann aber die von ihr gemachten Geichenke zurückverlangen. 2. Falls Ernstlichkeit anzunehmen ist, ja. 3. Auch diese Aufwendungen können Sie erstattet verlangen.— F. O. 32. Die Klage ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Schneiderin wohnt, au- hängig zu machen.— Hclmhagc». Zurzeit nicht. Der Mann kann aber Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschast verlangen, eventuell aus Wieder- Herstellung klagen. Falls die Frau einem dahingehenden Urteil nicht bwne» Jahresfrist Folge lcistel, bekommt der Mann einen ScheidungSgruitd und kann die Scheidungsklage erbeben. Wird die Frau sür schuldig erklärt mid ist der Mann außerstande, seinen Unterhalt zu bestreiten, so wird die Frau unterhaltspflichtig.— F. S. 100. Schwerte- Ruhr. Das Versahren der Steuerbehörde ist nach ß 10 des Einkommensteuergesetze» begründet.— G. R. 65. 1. Nein. 2. Es taun Strafantrag wegen Verletzung deS bei der Siaatsanwaltschaft gestellt werden. 3. Ja, so- oder vereinbarte Kündigungssrist eingehalten wird.-- Die Frage läßt sich erst nach Kenntnis de» Inhalts des ScheidungSurteilS beantworten. Nur soweit der Lohn 28,85 M. die Woche üdersteiot.— Paul E. 7. 1. Ja, bei dem Gemeindevorstand. 2. Dafür ist das Statut der Bcrufsgenossenschast maßgebend. 3. Nur dann, wenn sür den Bezirk eine ZwangSinrning besteht. — D. S. 14. Wir halten Sie zur Instandsetzung der Decke und der Wand sür verpflichtet. Wenn sich der Fleck und die Stressen beseitigen lassen, ohne daß dadurch der übrige Teil der Decke bezw. der Wand uu- ansehnlich wird, so genügt da», andernsalls müßten Sie die ganze Decke und die Wand streichen lassen.— F. D. 260. 1. Die Aeußerung enl- hält eine Beleidigung, wegen der Sie, sallS sich der Beweis führen läßt, mit Aussicht auf Erfolg klagen können. 2. Als EntwertungStag soll derjenige Tag des leylen Zeilraumes angegeben werden, sür welche» die Marie gilt. Bei den sogenannten Vierteljahresmarlen, deren Verwertung zulässig ist für den Fall, daß der Dienstoertrag sür mindestens'/, Jahr geschlossen ist, würde also die Marke am letzten Tage des BiertessahreS entwertet werden können.— F. D. 100. Nur dann, wenn Sie vorher den Psandleiber von dem Erwerbe des Psandscheins in Kenntnis gesetzt haben. <£. K. 13. 1. Sie haben Anspruch aus sechswöchentliche Kündigung, die nur vor jedem Ersten eine» itaienderquartai» zulässig ist. 2. Fall» Sie sreiwilliges Mitglied der Krankenkasse sind, brauchen Sie sich da« Krankengeld nicht anrechnen lassen, habe» vielmehr sür die Dauer von 0 Wochen Anspruch auf Zahlung des volle» Gehalts. — R. S. Wir hatten Sie zur Zahlung der Vollstreckungskosten ntchi sür verpflichtet.— 30 A. L. Richten Sie eine Anfrage an daS Polizeipräsidium.— S. Ä. 5. Ist, wie wir annehmen, der Miel»- zins nach Monalen bemessen, so ist die Kündigung spätestens am Ib. mit Wirtimg zum darauffolgenden Ersten zulässig.— Z. Z. Nein. — N. B. 16. Erinnern Sie nochmals, eventuell beschweren Sie sich bei dem zuständigen Bezirksamt.— Z. 50. Ein Recht, sosort ans- zuziehen, haben Sie nicht, Sie können aber aus Beteiligung der Mängel klagen oder nach vorheriger Androhung die Mängel selber besciligen lassen und die dadurch ausgewendeten Kosten, falls der Vermieter diese nicht in Güte erstaltet,«wliagen. — K. 165. Der Betreffende bleibt versicherungspflichtig, soscrn er zu den gewerblichen Arbeitern gehört. Ist cS ein Angestellter oder Handlungs- gehiise, erlischt die Versicherungspflicht, er kann aber innerhalb einer Woche nach Aushören der Ve» sicherungspflicht bei der Kasse die Erllärung abgeben, daß er sreiwilliges Mitglied bleibt.— H. 8. 15. Sie haben Anspruch auf Herausgabe des KindeS, sind aber andererseits verpflichtet, bis zur lieber- Falls Ihnen daS Kind nicht Se aus Herausgabe erheben. dem Vormundschaftsgericht zu bestimmen.— O. P. Nein. ES besteht nur Anspruch aus Uiisalliente und, fall« Sie einer Krankenkasse angehören, Anspruch aus die Leistungen der Krankenkasse.— Wtnkler, Reukölln. Berlin ist zur Einsorderung der Gemetndeeinkommensteuer sür Oktober noch berechtigt, salls Ihre Annicidiing oder Abmeldung nicht schon vor dem 1. Oktober erfolgt ist. ES empfiehlt sich in iolchen Fällen immer, daß der Steuerpflichtige sich bei der Steuer» behörde direkt vor Ablaus des Umzugsmonats abmeldet.— G. P. 5000. 1. bis 3. Falls Ihr Schuldner unsachgemäße Arbeit nachweisen kann, find Sie sür den Schaden verantwortlich. Die Zurückbehaltung der 13 M. sür anderweit geleistete Arbeiten ist unzulässig, deswegen können Sie beim Gcwerbegcrtcht klagen.-vi —-■« 'loh ßüä ,0r Kina, Br. ip.'i 3 Dinge die zusamrnn gehören! Weihnachten das Fest der Gaben ond Ueber- raschangen das vor der Tür steht, ond zo dem man schon jetzt allentha.ben mit den Einkfioten und Vorbereitongen beginnt, % Ein schöner Ulster oder ein schickes Kostüm, ein eleganter Samtmantel, eine praktische Bluse etc., die noch immer als eins der schönsten und praktischsten Geschenke gelten Königstrasse 33 a. Bahnh. Alesanderplatz C&A BRENNINKMEYERGMBrt Chausseestr. 113 Ecke inralidenstrafle Das bekannte Spezialhaos für Damen-, Backfisch- und Kinder- Konfektion, wo Sie nicht nur eine unvergleichliche Auswahl finden sondern auch, infolge der zo Weihnachten«an« bedeutend erm&ssigten Preise, Ihre Einkaole ganz unvergleichlich billig und mit ganz bedeutenden Ersparnissen vornehmen können | Bitte aasinsefanelden und aufzubewahren! SpreciHiMisclilnen zu konkurrenzlosen reellen Preisen linden Sie nur bei H. 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Auf Jede gezogene lfammer lind swel gleich hohe Ge- wlnne gefallen, nnd zwar Je einer auf dl« Loee gleicher Hammer In de» beides Aktellongen 1 nnd II Kur die Gewinne Uber 310 Mark sind den betreffenden Hummern in Klammern beigefügt (Ohne Gewähr.)(Nncbdruck verholen.) 104 30 52 289 420 604 8 77 710 33 34 50 66 808 10 67 t500J 930 46 1065 317 420 72 539 861 84 723 2300 23 60 459 536 669 830 59 984 3079 220 51 367 88 U000] 426 59 69 647 71[600] 76 87 851 984 9288 360 475 91 813 5057[1000] 88 370 640 723 48 96 8000 159 321 27 36 78 647 742 52 840[1000] 903 24 7028 34 195 226 356 532 65 79[500] 693 719 67 872 938 8033 93 138 270 424 72 778 841[1000] 97 964 9044 47 310 27 451 84 98 605 21 93 683 96 801 64 IO079 100 337 624 79[3000] 11075 143 78 262 T12 53 901[500] 12261 450 630 70 013 13317 87 666 14035 167 205 15 24[500] 66[1000] 356[1000] 405 (3000] 698 720 1500] 976 15538 604 21 79 744 48 826 16021 177[500] 330 36 586 727 56 83 803 OOS 24 45 47 74 17178 294 323 54 511 53 83 643 65 92[500] 800 61 910 18139 338 675 79 741 992 19034 88 119 45 1500] 313[3000] 568 85 87 787 805 31 947 95 20051 70 113 313 49 515 83 98 788 93 814 947 57 21201 483 529 46 696 758 804[600] 15 22077 85 127 390 564[500] 728 33 854[1000] 23030 50 110 45 238 87 98 326 41 462 683 805 24190 93 652 740 [500] 848 995 25065 146 345 72[1000] 418 39 623 36 821 982 26133 66 211 22[500] 360 88 449 74 674 601 59 69 82 730 976 27191[3000] 243 380 413 45 617 708[3000] 27 79 834 42 28013 19 112 238 323 83 470 511 708 69 880 941 29109.38 94 95 679 870 900 30012 117 78 244 424 13000] 565 835 62[6000] 018 40 65 31018[3000] 88 183 86 229 67[500] 386 482 555 69 753 32210 54 325 478 671 717 88 832 84 025 28 78.£(3003 44 88 176[3000] 88 434 705' 79 ■[500] 811 36 3 4031 67 137[500] 68 232 99 410 738 35116 264 67 610 14 21[500] 605 60 62 780 835 924 (3000] 36004 125 42 56[30000] 295 423 26 615[500] «08 16 37048 61 121 83 236 82 348 493 609 63 628 41[1000] 63 796 922 44 38485 565[500] 943 74[600] 39015[30001 107 307 74 603 40111 235 96 408 822 51 712 907[500] 88 41027 •riOOO] 35[3000] 102 45 228 348 714 327 60 42093 255 373 432 551 642 749 67 870 904 43062 77 164 512 64 951 81 44074 731[1000] 819 986 4 5064 171[600] '98 206[600] 600 644 725[600] 26 31 933 39 46004 61 87 360 473 698 797 901[500] 47031 145 395 777 803 65 937 48077 94 163 325 34 420 74 639 657 741 852 989 92 49109 397 448 90 60« 714 40 813 91 50293 382 483 526 98 611 759 991 61128 30 214 22 81 306 703 47 946 52003 189 324 413[1000] 745 903 63015[1000] 173 280 391 607 34 66 720 977 54024 76 457 13000] 80[500] 747 51 835 940 65068 187 238 60 304 19 465 548 828 35 81 753 816 49 944 56152 230 58 393[1000] 414 31 64 636 711 844 80 5 7027 40 81[3000] 488 713 801 984 58127 206 67 330 521 655 751[500] 830 34 59 99 948 69101 224 «8 441 637 77 BB 883 949 55 33 66103 238 63 70 99 331 76 92 495 684 827 982 61048 185 260 303 406 32 658 73 92 882 926 62087 .177 83 213[600] 50 71 405 621 835 60 935 83095 107 37 85 310 63 690 744 881 945 64172 201 9 34 389 627 94 608 94 793 813 19 50 919 64 65088 268 672 «39 57 930[1000] 66 83 66058 126[3000] 48 490 ![600] 753[600] 71 852 82 89 916 67003[1000] 94 282 374 90 462 70 633 68 671 913 15 86 99 66123 218, 76 364 472 34 653 761 864 927 31 58 69012 53 85 104 «1 58[500] 211 43 75[1000] 96 364 464 686 770 911 13 70196 260 659 738 80 870 7 1 086 244 316 474 769 72380 97 424 85 764 868[1000] 928 73015 35 83 127 282 349 402 34 762 860 68 982 74082 100 212 ■352 94 575 94.'- 7 5 008 61, 80 248[3000! 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Ziehung 5. Kl. 1. Preuss.-Süddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 28. Kovembcr 1913 nachmittags. Anf Jede gezogene Hammer zlnd zwei gl»leb koke Ge- wlnne gefnllen, nnd zwar Ja eines aal die Loee gleleher Hammer In den beiden Abteilnngea I and II Kur die Gewinne über 340 Mark sind den betreffenden Kümmern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 74 233 319 66[1000] 442 89 741 73 910[1000] 60 1033 70 123[600] 224 76 493 608 43[1000] 65 82 696 811 914[500] 2033 112 42 277 347 659[500) 3062[500] 234 403[500] 20 514 633 722 80 926 4099 160 245 357 469 508 5220 338 97[1000] 563 643 727 [600] 959 6130 77 216[3000] 60 405 53 794 888 7012 31[500] 94 333 72[500] 84[500] 438 767 95 826 911 19 8016 181 80 218 384 465 620 30 808 9000 20 166 [3000] 429 581 612 26[500] 30 87 873 19067 208 60 422[1000] 545 95 640 712 988 11220 415[500] 69 607[500] 95 719 38 84 851 12106 17 631 813 49 81 13165 73 220 404 638 791 928 14170 [3000] 221 386 92 630 39 74 869 72 920[500] 15090 110 60[1000] 83 261 425 611 760 854 947 71 94 [500] 16189 212 640 722 74 94 820 43 934[3000] 70 17106 259 409 54 736 822 18128 299!500] 414 613 702 93 844 19107 243 318 29 449 62 644[1000] 68 612 72 77[500] 752 653[3000] 948 76 2O010 30 116 68[500] 233 311 676 609 90 744 [500] 88[1000] 825 29 937 92 21018 135 202 389 880 817[500] 94 2 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