Nr.S79. HbonnementS'Bdiiflglfttft: MowiementZ< Preis dränumerand«! Vierteljährl. Z,R> UtU mfinofl. 1,10 2Rf., Ivöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pia, Sonniags- nummer mit illusirierttr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfa. PostAbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-geitungs- Preisliste, Ulster Kreuzband für Deulschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rnmänicn, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. die lirieifions-Gebilhi' beträgt für die sechsgespalicne Kolonef. geile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerlschastlichc Bereins- und Vcrsamnilungs-Anzeigen Zg Plg, „Meine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg, tzulässig 2 fcttgednickte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer inüssen bis k> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, vlchtM tSg»» suScl Blentast. Nevlinev Volksblnkk. Zentralorgan der fozialdemokratiPchen parte» Deutfcblands. Telegramm-Adresse: „SMiaidcmdKrat fkrlii". Redaktion: SM. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplat«, Nr. 1983. Freitag, den 39. November 1913. Expedition: SM. 68» binden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. oesterreichische Schande. Tos Manifest der Internationale in Oesterreich konfisziert. Man schreibt uns: Das Manifest der Internationale ist in Oesterreich kon fisziert worden.... Nun wird sich, wenigstens in der sozial- demokratischen Internationale, niemand mehr über die moralische Verfassung der schwarzgelben Monarchie täuschen, der in der reichsdeutschen bürgerlichen Presse so viel Weih- rauch gespendet wird, und von deren, daß Gott erbarm', Kultur der Schmock so nette Fabeln zu dichten weiß. Es gibt doch keinen politischen Menschen in Deutschland, der von dieser Kundgebung nicht Notiz genommen hätte, aber daß selbst dem verstocktesten Reaktionär der Gedanke gekommen wäre, man könnte gegen diese herrliche Kundgebung, gegen diesen Anruf zum sittlichen und menschlichen Tun die Büttel aufbieten, halten wir für ganz ausgeschlossen. Und in Oesterreich ist das Manifest von der ersten bis zur letzten Zeile konfisziert worden: und in den schwarzgelben Grenz- pfählen, diesen Grenzpfählen, die von Europa abschließen, darf es nicht veröffentlicht werden! Nun ist die österreichische Schande vor ganz Europa entlarvt! Wohlgemerkt, diese Konfiskation ist nicht etwa nur der freche Einfall eines besonderen Trottels von Staatsanwalt, sondern die Unterdrückung des Wortes der Internationale ist auf unmittelbaren Auftrag der Regierung erfolgt, wenn sie nicht noch ein Höherer veranlaßt hat. Sie fügt sich freilich der schuftigen Verfolgung, die seit Jahr und Tag gegen das österreichische Zentralorgan, gegen die„Arbeiter-Zeitung", geübt wird, würdig an. Seit einem Jahr hat die„Arbeiter Zeitung" mehr Konfiskationen erlitten, als vielleicht zehn Jahre vorher zusammen. Was in Oesterreich der Nieder- trächtigkeit der Negierenden möglich ist, sah män schon während des eucharistischen Schwindelkongresses, wo den Staatsanwälten in einem eigenen QSeHeimexlaß der Regierung die„besonders sorgfältige und nachdrückliche Beobachtung" der sozialdemokratischen Presse aufgetragen wurde. Jetzt ist es wieder die kraftvolle und mutige Verteidigung des Friedens, die energische Brandmarkung der Kriegshetze, die der„Arbeiter-Zeitung" die Wut der Machthaber einträgt. Von einer bürgerlichen Abwehr der nichtsnutzigen Pläne der eucharistischen Kriegspartei ist weit und breit nichts zu lesen; einen Vorgeschmack dieser bürgerlichen Knechtseligkeit be- kommen ja die reichsdeutschen Leser in den„Informationen" zu spüren, die alle ihren Herd in dem Preßbnreau des Ball- Platzes haben— dessen geheimer„Dispositionsfonds" ja nicht zufällig jetzt auf zwei Millionen Kronen erhöht worden ist— und die als Bericht aus Oesterreich nur das von sich geben, was ihnen von den Kulis des Berchtold eingegeben worden ist. Obwohl auch die deutsche Bevölkerung dem imperialistischen Getue nur mit der denkbar größten Kühle gegenübersteht. und es schon als ein großes Guthaben des„Patriotismus" gebucht wird, wenn in einem Variet6 eine säbelraßlerische Anspielung beklatscht wird, so steht doch, mit wenigen Aus- nahmen, die gesamte Wiener�Presse im Bann der Kriegs- hetze und konzentriert ihren Haß auf das sozialdemokratische Organ, dessen Wachsamkeit ihnen das zweifelhafte Handwerk stört. Und die Regierung bemüht sich natürlich nach Kräften, den latenten Scharsmacherhaß des Bürgertums nun „patriotisch" auszubeuten: die Konfiskation des Manifestes wurde aus der bewußten Absicht anbefohlen, um der Ver- leumdung der Kriegshetzer, die sich über den„Hochverrat" der Sozialdemokraten in„Entrüstung" nicht genug tun können, künstlich Nahrung zu schaffen. Besonders bewährt sich dabei die berüchtigte»„Reichspost", jene christlichsoziale Zeitung, die sich durch die an dem verunglückten Genossen Silberer begangene Leichenschändung die unvergängliche Be- zeichnung als Leichenschänderblatt erworben hat. Für die Verlumpung, der nun alles in Oesterreich entgegen geht, ist es bezeichnend, daß sich dieses Blatt, das ein reinlichkeits- liebender Mensch nicht mit der Zange angreifen würde, als das Leibblatt des Herrn Erzherzog Franz Ferdinand ge- bärden kann, zu dessen spezieller Delektierung die allerscham- losesten Schimpfereien auf die Sozialdemokratie wohl auch geschrieben sein wollen. Da haben die ausländischen Gc- nossen nun ein Beispiel der Freuden, die einem der Umstand verschafft, Oesterreich als Vaterland zu haben, von dem wirk- lich nur der Dichter meinen konnte, man habe Ursache es zu lieben. Auf welche Stufe politischer Freiheit sich Oesterreich be- findet, erfährt der Ausländer aus der Tatsache,' daß in Oesterreich die Presse noch immer der polizeilichen Konfiskation ausgesetzt ist. Es ist also, um Zeitungen zu konfiszieren, keineswegs eine gerichtliche Verfügung not- wendig, sondern es konfisziert der Staatsanwalt, dem man die Pflichtexemplare überreicht, und zwar kann er konfis- zieren, was er will: die richterliche„Ueberprüfung", die dann eintritt, ist eine pure Farce. Er konfisziert auch was er will, oder richtiger: was man oben konfisziert haben will: ohne Uebertreibung gesagt, kann inan wohl sagen, daß er auch, Ivenn man es verlangte, die Zehn Gebote konfiszieren würde. Tie Einrichtung, der die österreichische Presse nun seit vierzig Jahren unverändert ausgeliefert ist, und die nian objektives Verfahren nennt, weil darin keine Spur von Objektivität zu sehen ist, isteigentlichschlimmerundbösartiger w i e d i e Z e n s u r: bei der Zensur hat man wenigstens die Druckkosten erspart, im Effekt kommt das Verbot nach dem Drucke dem Verbot vor dem Drucke natürlich gleich. Trotz- dem erhält sich die Einrichtung: sie trifft nämlich jetzt nur noch die sozialdemokratische Presse. Und wie man es darauf abgesehen hat, die Arbeiterpresse unter ein ungeschriebenes Ausnahmegesetz zu stellen, sah man gestern im Abgeordneten- hause an der Behandlung der über die Konfiskation des Manifestes eingebrachten Interpellation. Die sozial- demokratische Fraktion suchte, wie es ja bei Konfiskationen ausnahmslos üblich ist, die Beschlagnahme dadurch unwirk- fam zu machen, daß sie den konfiszierton Inhalt in eine Jnter- pellation brachte, wodurch er, als ein Bestandteil der Ver- Handlungen des Hauses, die Immunität erlangt, den Fängen der Staatsanwaltschaft entrissen und wieder frei wird. Ueber Auftrag der Regierung ver weigert aber der Präsident Sylvester— überflüssig zu sagen: ein Nationalliberaler— d i e Verlesung der Interpellation in öffentlicher Sitzung, und da die knechtselige Majorität ihm recht gab, so wurde die Immunisierung tatsächlich vereitelt. Die Furcht der Re- gierung vor dem Anruf der Internationale, vor der Wirkung der seine ehernklare Sprache auf alle Kreise der Bevölkerung sicher wäre, ist so groß, daß der Ministerpräsident mit der fosortigen Schließung des Abgeordnetenhauses drohte, und sein Kollege, der Minister für Rechtsbeugung, der Justiz- minister Hochenburger, die. Unterdrückung des Manifestes, um die Pression noch stärker zu machen, als ein Interesse des deutschen Volkes hinstellte!. Ein charaktervoller Präsident wäre danach freilich erst re'cht der geschändeten Preßfreiheit zu Hilfe gekommen: aber wer wird in diesem entarteten deutschen Bürgertum in Oesterreich auf Charakter noch hoffen? Der Geist, von dem es beherrscht wird, ist der Geist der Denunziation und des S t i e f e l w i ch s p a t r i 0- t i s m u s, und alle Mannhaftigkeit und politische Anständig- keit ist ihm längst verloren gegangen. Jedoch wie es immer ist, rächt sich die politische Unan- ständigkeit an den Urhebern. Es wird die Unterdrückung des Manifestes nicht bloß die Wirkung haben, daß man in der ganzen europäischen Welt das schwarzgelbe unfreie Jesuiten- Oesterreich endlich nach seiner wahren Natur kennen lernen wird— die Konfiskation des Manifestes hat das Interesse der Bevölkerung auf die Bekämpfung des Krieges durch die Sozialdemokratie erst recht gelenkt, sonst wäre das Interesse, da die bürgerliche Wiener Presse alles Sozialdemokratische prinzipiell totschweigt, wohl nur auf die organisierte Arbeiter- schaft beschränkt geblieben. Nun spricht ganz Oesterreich von diesem Manifest, vor dem sich die Regierung so gräßlich fürchtet, und zu dessen Unterdrückung sie die gewalttätigsten Mittel nicht scheut. Wie lange noch? Es wird wirklich höchste Zeit, daß das Spiel mit dem Feuer ein Ende nimmt. Schließlich ist das deutsche Volk wirklich nicht dazu da, um die Folgen für eine unfähige Politik und des Machtwahns der österreichischen Regierung zu tragen. Als die Krise begann, standen wir inmitten einer glänzenden Konjunktur, die sich auch zunächst als sehr widerstandsfähig erwies. Allmählich ergreift aber die Beunruhigung immer weitere Kreise. Abgesehen von den direkten Schäden, die die Ausschaltung des Balkans aus dem Handelsverkehr verursacht hat, abgesehen von der Erschütterung der Börsen und der Geld teuerung, schränkt die Industrie ihre Neuinvestionen auf das geringste Maß ein und wenn auch noch kein Niedergang, so ist doch ein gewisser Stillstand unverkennbar, der bei der Fort dauer der Unsicherheit sehr rasch zum Nachlassen der Beschäf- tigung, zur Arbeitslosigkeit führen müßte. Wie stark die Unruhe schon geworden ist, zeigt auch, daß die Sparer anfangen, ihr Geld abzuheben und der R e i ch s k a n z l e v sich veranlaßt gesehen hat, zur Beruhigung der Bevölkerung eine Kundgebung an den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen zu erlassen, worüber folgendes be richtet wird: Königsberg, 28. November. Bei dem hiesigen Oberprösidium ist ein Telegramm des Reichskanzlers eingegangen, worin der Oberpräsident gebeten wird, der anscheinend in der Provinz herrschenden Kriegsaufregung. die durch nicht« gerechtfertigt sei. entgegenzutreten. Die alarmierenden N�vhrichten über angebliche Kriegsvorbereitungen diesseits und jenseits der preußisch-russischen Grenze entbehrten jeder Grundlage. Von deutscher Seite seien keinerlei besondere militärische Maßregeln ergriffen ' worden: auch seien bisher hier keine Nachrichten über russische militärische Matznahmen eingegangen, die deutsche Gegenmatzregeln veranlaßt hätten. Man sieht, die andauernde Unsicherheit wird nachgerade zu einer Störung sür unser ganzes Wirtschafts- leben und all das wegen der Frage, ob' Oesterreich dem kleinen Serbien einen Handelshafen an der Adria gönnen will oder nicht! Hörte man nur auf die Stimmen der Wiener Offiziösen, dann wäre freilich die Lage bedrohlich genug. Und als bodenlose Frivolität muß es bezeichnet werden, daß der klerikale Wiener Gemeinderat jetzt gerade(auf wessen Geheiß?) eine Kriegskundgebung inszeniert. Und die Re- gierung selbst fühlt sich ebenfalls gerade jetzt veranlaßt, Mo- bilisierungsgesetze dem Reichsrat zur dringlichen' Beratung vorzulegen. Was von den Schwarzgelben in den letzten Tagen ge- leistet worden ist, ist überhaupt unverantwortlich. Die Wiener Blätter haben die Note der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", die in ihrem entscheidenden Ab- satz erklärt, daß die albanische und adriatische Frage erst im Verein mit den anderen aus den Vorgängen im Balkan entstandenen Fragen diskutiert und ge- regelt werden, nur verstümmelt gebracht. Es handelt sich, sagt die„Frankfurter Zeitung" mit Recht, um eine grobe Fälschung dvr öffentlichen Meinung, und sie fügt hinzu: � „Während nian unter hoher obrigkeitlicher Förderung alles zusammenträgt, was zu einer Aufpeitschung der Oeffentlichkeit und zur Alarmierung Europas geeignet ist, unterbrückt man eine Kundgebung, die für die richtige Be- urteilung der allgemeinen Lage absolut unentbehrlich ist. Diese Art, die Oeffentlichkeit zu informieren, verrät einen b e d a u e r« lichen Mangel an Verantwortungsgefühl und steht mit den Pflichten einer gewissenhaften Publizistik in um so schrofferem Gegensatz, als ja die Lage an sich ernst genug ist." Man ist also in Wien mit der Haltung der deutschen Regierung nicht sehr zufrieden. Aber man wird sich hoffentlich gesagt haben, daß die Haltung der deutschen Regierung das M i n i m u m ist, das das deutsche Volk verlangt, und daß es keinen Menschen in Deutschland gibt, der es begreifen könnte, daß die adriatische oder albanische Frage zu einem Kriegsgrund gc- macht würde. Wenn man der deutschen Regierung etwas vorwerfen kann, so sicher nicht, daß sie die österreichische Politik zu wenig unterstützt habe,, sondern im Gegenteil, daß sie den Treibereien der österreichischen Kriegöpartei nicht schon früher und entschiedener entgegengetreten ist. Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt ganz richtig: „Wenn die Berliner Note ohne Fühlungnahme mit der Wiener Regierung veröffentlicht worden ist, so ist eö erklärlich, daß man in Wien nicht erfreut darüber ist. Die Auffassung aber, datz Wien zu einer solchen Dämpfung, wie sie durcb die Note erfolgt ist. keine Vercrn las's ung gc- gebeix habe, zeugt von einem bedauerlichen Mangel an Selb st- k r i t i k. Man beruft sich darauf, datz man keinen Tennin für die Geltendmachung der österreichischen Ansprüche bekannt gegeben habe. Aber man scheint sich nicht zu erinnern, datz ein paar Tage lang von Wien aus ein Lärm erhoben wurde, als stehe ein Einmarsch in Belgrad unmittelbar bevor. Es ist schwer zu glauben uikd die„unzeitgemäße Reise" des österreichischen GeiieralstabschefS spricht allein deutlich genug, datz dies nur von den schlechten Gewohnheiten mancher österreichischen Blätter komme. Mag man in Oesterreich die Note für„inopportun" halten, in Deutschland hält man sie für sehr angemessen und wird sich in der nüchternen Be- urteilung der internationalen Situation auch nicht durch große Sprüche, wie die von einer„Lebensfrage". an der Oesterreich nicht„verbluten" dürfe, irre machen lassen! Es ist also wirklich höchste Zelt, daß die Schwarzgelben einzulenken beginnen. Herr Pasitsch war so vernünftig zu erklären, daß Serbien nicht gerade Durazzo haben müsse, und in Wien wird man sich an den Gedanken zu gewöhnen haben, daß die übrige Welt sich nicht berufen fühlt, die Gc- schäfte des Herm Thronfolgers zu besorgen. Man darf, ohne ruhmredig zu sein, behaupten, daß die entschiedene Stellungnahme des Proletariats einen guten Anteil daran hat, daß trotz allem und. allem die Herrschenden doch Bedenken tragen, einen Krieg zu entfesseln, der den Massen des Volkes als Wahnsinn und Verbrechen erscheint. Die Kundgebung des Reichskanzlers. Die Anweisung des Reichskanzlers an den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, die heute den Königsberger Blättern übermittelt worden ist, hat folgenden Wortlaut: „Euer Exzellenz bitte ich in der dortigen Provinzial- und Kreis- presse und mit sonstigen Mitteln der dort auscheincud herrschende:» Kriegsaufregung, die durch nichts gerechtfertigt ist, e n t- gegenzutreten und die Presse dahin zu instruieren, datz alarmierende Nachrichten über angebliche Kriegsvorberei- tungen dies- und jenseits der preußisch-russischen Grenze jeder Grundlage entbehren. Deutscherseits sind keinerlei be- sondere militärische Maßnahmen ergriffen, auch sind bisher noch keine Nachrichten über russische militärische Maßnahmen eingegangen. die deutsche Gegenmaßregeln veranlaßt hätten." OestemicMfcKe Stimmungsmacke. Oesterreichische Mobilmachungsgesctze. Wien, 28. November. Abgeordnetenhaus. Um t2 Uhr mittags trat heute der Seniorenkonvent zu- fiumucn.� Bei dieser Gelegenheit teilte Ministerpräsident Graf Stürgkh mit, daß er iu den nächsten Tagen dem Hause drei Gesetze vorlegen werde, nämlich ein Gesetz über die P s c r d e g e st e l l u n g, ein Gesetz betreffend die Unter- st u tz u n g der Familienangehörigen im Mo- b i l m ach u n g s f a l l e und endlich ein Gesetz über die Leistungen von U n t e r k u n f t s- u n d T r u p p c n t r a n s- Port mitteln seitens der Privaten und Ge- ni e i n d e n im M o b i l m a ch u n g s f a l l e. Der Minister- Präsident betonte die Dringlichkeit der raschen und glatten Behandlung der genannten Vorlagen und ersuchte die anwesenden Senioren, mit ihren Parteien über die schlcu- nigste Verabschiedung dieser Vorlagen ein Einvernehmen herbeizuführen. Die nächste Sitzung des Seniorenkonvents findet heute abend um 7 Uhr statt. Das Abgeordnetenhaus hat mit der ersten Lesung des Budgetprovisoriums begonnen. Der Seniorenkonvent beschloß mit Rücksicht auf die Ankündigung des Minister- Präsidenten von der Beratung der Geschäftsordnungsreform, die ursprünglich nach Erledigung des Budgetprovisoriums auf die Tagesordnung gesetzt werden sollte, abzusehen. Die österreichische» Offiziösen über das Verhältnis zum Balkanbund. Wien, 29. November. Das„F r e m d e n b l a t t" schreibt: In der öffentlichen Meinung machen sich seit einiger Zeit Zeichen einer immer st e i g en d c n Bewegung bemerkbar. Die intransigenten Erklärungen des serbischen Ministerpräsidenten, die an aufregenden Zwischenfällen so reiche Angelegenheit des Konsuls Prochaska und die aufreizende und gehässige Sprache der nationalistischen Presse Serbiens gegen Oesterrcich-Ungarn haben es verursacht, daß ein Gefühl des lebhaften Unwillens in der Monarchie zutage tritt. So begreiflich, so verständlich dieser Unmut weiter Kreise der Bevölkerung ist, darf die Regierung eines Grohstaates sich nicht allein von den Impulsen der öffentlichen Meinung leiten lassen, sie darf sich nicht von den fest vor- gezeichneten Richtlinien ihrer Politik abdrängen lassen. Oester- rcich-Ungarn hat nirgends störend in die kriegerischen Operationen eingegriffett und wünscht ein gedeihliches Ende der Friedens- Verhandlungen. Das Blatt bezeichnet die Behauptung eines Teiles der ausländischen Presse von einer Ermunterung der Türkei zur Fortsetzung des Krieges seitens Oesterreich-Ungarns als leicht- fertige und böswillige Erfindung. Oesterreich-Ungarn bewies den Balkanstaaten ein wohlwollendes Entgegenkommen, welches gewiß auch vollauf anerkannt und gewürdigt wurde. Diese Haltung der Monarchie berechtigt zu der Annahme, daß die Bemühungen Oesterreich-Ungarns, mit den Balkanstaatcn in die freundschaft- lichsten, besten Beziehungen zu treten, nur dann von Erfolg be- gleitet sein können, wenn diese Bemühungen nicht einseitige bleiben, sondern auch von feiten der Balkanstaaten in demselben Sinne Oesterreich-Ungarn gegenüber gehandelt wird. Die UmWerbung Rumäniens. Wien, 28. November. Das Wiener k. k. Telegr. Eizrre- spondenzbureau meldet aus Bukarest: Der österreichisch- ungarische Armeeinspektor Freiherr Conrad von Hoetzendors wird hier morgen mittag eintreffen und ein Handschreiben des Kaisers Franz Josef an König Earol überbringen. Kein österreichisches Ultimatum an Serbien. Wien, 27. November. Gegenüber der vielfachen An- nähme, daß das Wiener Kabinett seine Auffassung gegenüber Ansprüchen Serbiens bezüglich der Neuregelung der territorialen Besitzstände am Balkan der serbischen Regierung mit der Aufforderung zu einer Antwort hätte nütteilen lassen, stellt die«Politische Korrespondenz" folgen- den Sachverhalt fest: Die serbische Regierung ergriff die Initiative und versuchte durch ihren Wiener Gesandten die Rechtmäßigkeit ihrer Ansprüche zu begründen. Das Wiener Kabinett sah sich dadurch veranlaßt, durch den österreichisch- ungarischen Gesandten in Belgrad seinen Standpunkt dar- legen zu lassen, ohne jedoch daran die Aufforderung zu einer Gegenäußerung. zu knüpfen. Bon einer kurzen Frist, die dein Belgrader Kabinett für die Beantwortung gestellt wor- den wäre, kann somit keine Rede sein. Daher ist auch die Ansicht unzutreffend, daß aus dem Ausbleiben der Ant- wort, welche bisher nicht verlangt wurde. Schlüsse auf den Stand dieses Teiles der Balkanfrage gezogen werden könnten. Optimismus in London. London, 27. November. Wie das Neutersch» Bureau erfährt, wind im« n g l i sche n amtlichen Kreisen die ständige und selbstlose Mitwirkung sehr gewüvdigt, die der englischen, Regierung von den Mächten in ihrem Bemühen zuteil wird, eine friedliche Lösung der verschiedenen Fragen zu finden, die sich aus dem gegenwärtigen Krieg ergeben. Die Ansichten, die man in amtlichen Kreisen hegt, zeigen k e i n e n P e s s i m i S m u S. Es herrscht im Gegenteil stark der Eindruck vor, daß unter den Großmächten keine so abweichendem Ansichten entstehen werden, die die Befürchtung rechtfertigen, daß es zu ernsten Schwierigkeiten unter ihnen kommen könnte. Die letzten Berichte bestätigen diesen Eindruck, und alle Gründe sprechen für die Annahme, daß bald ein Weg ge- sunden werden wird, um alle die Fragen zu regeln, die Anlaß zu Meinungsverschiedenheiten unter den am unmittelbarsten be- tcoffenen Mächten geben könnten. Bulgarien gegen eine europäische Konferenz. Sofia, 28. November. Angesichts der in der letzten Zeit vielfach bemerkbaren Tendenzen, die definitiv« Entscheidung des Balkan- irieges einer europäischen Konferenz zu unterbreiten, steht die bul- garische Regierung, wie persichert wird, entschieden auf dem Stand- punkte, daß die Lösung der Balkanfrage keiner Konferenz bedürfe. Die bulgarische Regierung würde der Konferenzidee nur dann zu- stimmen, wenn das KonferenzProgramm von vornherein festgesetzt werden würde und bloß die Sanktionierung oder Anerkennung der neuen Lage enthielte. Proklamierung der albanischen Autonomie. London, 28. November. In den großen Städten Albaniens wird allgemein d i e Autonomie proklamiert. Die albanesische Nationalflagge, ein schwarzer Adler auf rotem Grund, ist in Durazzo auf dem Rcgicrungsgebäude ohne Zeremonie gehißt worden. Die Beamten sind auf friedlichem Wege überredet worden, entweder das neue Regime anzuerkennen, oder die Stadt zu ver- lassen. Flüchtlinge drängen sich in die Stadt. Alle türkischen Flaggen im Hafen sind eingeholt worden. Eine provisorische Regierung. Lallona, 28. November. Ismail Kemal Bei ist hier ein- getroffen und hat die Konsuln Italiens und Oesterreich-Ungarns besucht. Man nimmt an, daß die Proklamierung der Unabhängig- keit und der Neutralität Albaniens sowie die Einsetzung einer provisorischen Negierung unmittelbar bevorstehen.'So- bald als möglich wird eine Kommission zu den europäischen Regie- rungen und zwar zuerst zu der italienischen, gesandt werden, um die Ä n e r k e n n u n g der Unabhängigkeit Albaniens zu er- bitten. Bisher sind 80 albanische Delegierte hier eingetroffen, weitere werden erwartet, darunter Jssa Boljetinaz mit be- ivaffneter Macht. Wie versichert wird, hob Ismail Kemal in seiner Unterredung mit den Konsuln Italiens und Oesterreich-Ungarns hervor, die Unabhäugigkeit Albaniens gründe sich auf die Prinzi- pien der territorialen Integrität und der Neutralitat. Albanien habe Vertrauen zu deM Wohlwollen sämtlicher Mächte und zu der Unterstützung Italiens und Oesterreich-Ungarns. Die Serben in Dnrazzo? Wie», 27. November. Man nimmt hier an, daß die Serben heute in Durazzo eingezogen sind, wenn auch heute authentische Meldungen über die Besetzung Du- razzos noch ausstehen. London, 28. November. Der„Daily Telegraph" meldet aus Durazzo vom 27. Noveniber: Die türkische Regierung in Durazzo hat tatsächlich aufgehört zu bestehen. Der Gouver- »cur rüstet sich zur Abreise. Das Gericht ist aufgelöst und das Bataillon der Reservisten ist entlassen. Kämpfe auf Chios. Konstantiiiopel, 28. November. Wie die Blätter er- fahren, sind seit drei Tagen erbitterteKämpfe zwischen türkischen und griechischen Truppen auf Chios im Gange. l>ie fineäensverkanctlungen. Sofia, 28. November.' Dir Friedensverhandlungen waren beinahe unterbrochen, da die Türken die Uebergabe von Adrianopel verweigerten und es ablehnten, Saloniki abzutreten. Die Bulgare» bestehen entschieden auf ihren Forde- rnngen. Verschleppungsversuche? Sofia, 27. November. Hier hat man den Eindruck, als ob die Türken die Verhandlungen über den Frie- densschluß möglichst zu verschleppen suchen. Man ist edoch auf bulgarischer Seite entschlossen, dies nicht zuzu» geben und nötigenfalls energisch eine Entscheidung zu fordern. Äonstantinvpcl, 28. November. Nach Mitteilungen aus amtlicher Quelle haben die Besprechungen der Bevollmächtig- ten der Türkei und Bulgariens gestern zu keinem Er- gebnis geführt und werden heute fortgesetzt werden. Wie verlautet, verharrten bei der gestrigen Sitzung die Bevollmächtigten bei ihrer Forderung nach einer Grenzlinie, die der Türkei das Gebiet hinter der Linie Sa» l o n i k i— K irkkrlisss, die beiden Städte inbegriffen, läßt. Die verbündeten Balkanstaaten bestanden auf der Grenzlinie E n o s— S ara j— M i d ia. Kein griechisch-türkischer Separatfrieden. Athen, 27. November. Die„Ngence d'AtheneS ist ermächtigt, die auswärts verbreitete Nachricht, zwischen Gtiechenland und der Türkei stehe der Friedensschluß nahe bevor, in der ent- 'chiedensten Weise für tendenziös zu erklären. Bulgarische Verstärkungen für die Tscha�ldschalinie. Saloniki, 27. November. Heute früh haben 317 griechische Transportdampfer mit 12 000 bulgarischen Soldaten an Bord in Begleitung des griechischen Kreuzers„Mykalt" den Hasen von Saloniki verlassen. Serbien stellt seine letzten Reserven ein. Belgrad, 27. November. Durch eine Kundmachung des sieben- ten- Belgrader ErgänzungsbezirkSkommandoS wurden die bisher zum Militärdienst nicht herangezogenen Reserveoffiziere und Militärbeamten ausgefordert, sich binnen 24 Stunden bei ihren Kommandos zu melden.« Wiedereinschiffnng der fremden Matrosen in Konstantinopel. Konstantinopel, 28. November. Da die Gründe, die zu einer Landung der f r e m d en Seeleute geführt haben, zu einem großen Teil hinfällig geworden sind, sind die Matrosen Oesterreich- Ungarns, Deutschlands und einiger anderer Mächte wieder einge- schifft worden._ Legen das stecht des Reichstages. Bekanntlich ist es in der lochten ReichStagssession ge- lungen, nach vielen Mühen den unwürdigen Zustand zu be- seitigen, daß der Reichstag zwar die Regierung interpellieren, seiner eigenen Meinung aber dabei keinen Ausdruck geben konnte. Er kann jetzt wenigstens aussprechen, od die Antwort des Reichskanzlers der Anschauung des Reichstages entspricht oder nicht. Zum ersten Male hat die sozialdemokratische Fraktion von diesem Rechte Gebrauch gemacht, als sie zu der zur Nerhandluug stehenden TeuerungSinterpellatton den An- trag stellte, daß die Behandlung der Teuerungsfrage durch den Reichskanzler nicht den Anschauungen des Reichstages entspräche, insoweit der Reichskanzler gegen die Oeffnung der Grenzen, gegen die Suspendierung der Zölle, gegen die Auf- Hebung des§ 12 des Fletschbeschaugesetzes und für die Beschränkung der verfügten Einfuhrerletchterungen auf bestimmte Gemeinden eintritt. Man weiß, daß die Konservativen als geschworene Feinde aller Volksrcchte von Anfang an gegen dieses Antragsrecht aufgetreten sind. Einige Verwunderung aber mußte es doch schon erregen, daß niemand aüders als Herr Basfermann dagegen Einspruch erhob, daß der Antrag ausdrücklich präzi- s i e r t e. in welchen Punkten diese Nichtübereinstimmung vor« Händen sei. Denn es ist klar, daß die Volksvertretung, wenn sie einen Beschluß in einer Angelegenheit fassen will, doch die Möglichkeit haben muß, ihre Meinung in ganz genauer�Weise zum Ausdruck zu bringen. Man kann zur Not den Stand- Punkt eines Konservativen begreifen, der als Anhänger des Regierungsabsolutismus die Meinungsäußerung des Reichstages möglichst unterbinden möchte. Unbegreifltck aber ist es. wie ein Liberaler— selbst einet von der nationalliberalen Sorte der Regierung zu Hilfe kommt und gegen das Reichstags- recht Stellung nimmt. Denn Herr Basserniann hat wirklich als freiwilliger Regierungskommissar gehandelt. Als in der Mitttvochssitzung unser Antrag vorlesen worden war. zeigte sich am Bundesratstisch sofort große Aufregung und Herr Delbrück konferierte nach Schluß der Sitzung mit den Führern der bürgerlichen Parteien. Er er» klärte ihnen, daß er sich dem Reichskanzler gegenüber un- möglich mache, wenn der sozialdemokratische Antrag nicht für unzulässig erklärt werde. Herr Delbrück konnte sich dabei, ivie man jetzt erfährt, auf gewisse Verhandlungen und Zusicherungen berufen, die ihm Mitglieder der Ge- schäftsordnungskommission von der nationalliberalen und Zentrumspartei gegeben hatten. Es ist charakteristisch für unsere Zustände, daß diese Ver» Handlungen überhaupt stattfinden konnten. Denn die Ge- staltung der Geschäftsordnung ist das autonome Recht des Reichstages und die Regierung hat dabei gar nichts dreinzureden. Es ist schmählich, daß sich Parlamentarier gefunden haben, die ohne weiteres dieses Recht preisgegeben haben, und um so schmählicher, als diese Verhandlungen hinter dem Rücken der sozialdemokratischen Mitglieder, ja selbst ohne Wisse» des Vorsiüenden, des Genossen H a a s e, geführt worden sind. In oiesen Verhandlungen soll der Regierung versprochen worden sein, dafür zu sorgen, daß nur ganz in» allgemeinen die Uebereinstimmung oder Nichtüberein- stiinmung ausgesprochen werden könne. Nun haben unsere Genossen schon in der gestrigen Geschäftsordnungsdebatte nachgewiesen, daß diese Einschränkung sinnlos und den öffentlich geführten Verhandlungen durchaus nicht ent- sprechend sei. In der Tat versteht man gar nicht, wie Parla- mentarier, die nicht direkt Feinde des Parlaments sind, sich solchen Einschränkungen fügen können. Kann es doch sehr leicht der Fall sein, daß eine Reichstagsmajorität nach der Antwort der Regierung aussprechen möchte, daß sie mit gewissen Maßregel» der Regierung übereinstimme, mit anderen aber nicht. Und das soll sie nicht ausdrücken dürfen? Man könnte zur Not noch den Standpunkt der Regierung begreifen, die mit der Zaghaftigkeit der bürgerlichen Parteien rechnet und meint, daß der Antrag, die Nichtübereinstimmung auszusprechen, nie angenommen werden würde. Will Herr Basser- mann diese Meinung sanktionieren? Dies scheint in der Tat der Fall zu sein und es zeigt wieder einmal, welche Heidenangst die bürgerlichen Parteien bei dem schrecklichen Gedanken empfinden, einmal zur Haltung der Regierung bestimmte, klare und konkrete Beschlüsse fassen zu sollen. Es ist dies auch zugleich ein neuer Beweis dafür, daß, wenn der deutsche Reichstag ohnmächtig ist, dies nur die Schuld der bürgerlichen Parteien ist, welche sich vor der Macht fürchte». Sie machen selbst die Waffen stumpf, mit denen sie den Regierungsabsolutismus einigermaßen bekämpfen könnten. Und Angst vor der eigenen Courage zu zeigen, dazu ist Herr Bassermann eigentlich doch der gegebene Mann. Einigermaßen neugierig kann man übrigens auf die Haltung der Fortschrittspartei sein. Hoffentlich ist sie verständiger als die. des„Berliner Tageblatts", das dem Abgeordneten Bassermann sekundiert. Das gescheite Blatt merkt gar nicht, daß diese Stellungnahme darauf hinausläuft, den Reichstag daran zu hindern, seinen Willen klar und deut» lich erkennen zu lassen._ polltifcbe debcrHcht Berlin, den 28. November 1912, Die Teueruugsdebatte. Herr Bassermann ist noch nicht dazu gekommen, die Entscheidung des Reichstags über seinen angekündigten Widerspruch gegen den sozialdemokratischen Mißbilligungs- antrag zu erlebe». Die Debatte über die Teuerungsinter» pellation wird erst morgen zu Ende gehen, und nach ihrem Abschluß soll die prinzipielle Frage gelöst werden, die von der Angst der Nationalliberalen, einmal klar und entschieden Stellung zu nehmen, gestellt worden ist. In der heutigen Sitzung sprach zuerst der Fortschrittler Dr. W e n d o r s f, der den unentwegten Agrariern als ein Abtrünniger erscheint, da er, selber Landwirt, ihre eigen- nützige Aushungerungspolitik nicht mitmacht. Seine Rede war daher der äußersten Rechten äußerst unangenehm, und sie bekundete ihr allerhöchstes Mißfallen durch zahlreiche ver» tegene Zwischenrufe. Wenn auch der fortschrittlick>e Redner nicht bis ans Ende das Problem der deutschen Wirtscklafts- Politik ausdenken wollte, und wenn auch Herr v. G a m p nicht ganz unrecht hatte, als er etwas von Pelzwaschen, ohne ihn naß zu machen, dazwischenrief— die Rede bot doch vorzügliche Mtomente. Herr Dr. Wendorff wandte sich vor allem gegen die Futtermittelzölle, deren Aushebung seine Fraktion ebenso wie unsere Vertreter in der beantragten Kommissionsbe» ratung vorschlagen will. Seine Kritik des heutigen Einfuhr» scheinsystems litt hingegen an jenem schon erwähnten Mangel: er mächte es nicht ganz aufgeben, und würde sich mit der Ein» schränkung begnügen, daß die Einfuhrscheine nicht für den Import anderer Waren Verwendung finden könnten. Nach ihm versuchte der preußische Landwirt- schaftsminister seinem Vorgesetzten beizuspringen, der ja tags zuvor nicht gerade geschickt gewesen war. Besser machte er es auch nicht, was in einer so klaren Situation auch überaus schwer gewesen wäre. Man sollte aber wenigstens glauben, daß die Regierung, die mit ihren früheren Prophe- zeinngen schon unglaublich viel Pech gehabt hat, gelernt haben müßte, ein bescheidenes Maß von Vorsicht zu üben. Herr v. Scklorlemer läßt sich indessen nicht durch die peinlichen Er- fahrungen einer jungen Vergangenheit schrecken, und stellte wiederum Behauptungen auf. die von einfältiger Naivität zeugen würden, wüßte man nicht, daß er einfach Gründe bei- zubringen hat, um eine zwar unhaltbare, aber von den Junkern befohlene Wirtschaftspolitik zu verteidigen. Keine Ermäßigung der Futtermittelzölle, keine Erweiterung der Vieheinfuhr, keine Einfuhr des argentinischen Gefrierfleisches: das ist die positive Arbeit der Regierung. Dabei mußte der Herr Minister zugeben— und er brachte das merkwürdiger- weise als ein Argument gegen die sozialdemokratischen Forde- rungen vor— daß nicht nur tjie Arbeiter, sondern auch die kleinen Beamten. Handwerker und mittleren Bürger unter der Teuerung erheblich zu leiden haben! Es scheint ihn tat- sächlich zu trösten, daß, wie er sich ausgedrückt hat, die V o r- liebefllr Pferdefleisch wächst! Ob er wohl den Rat befolgt, der ihm gegeben wurde, es selber zu essen? Aus dem folgenden Intermezzo des Reichsparteilers Löscher ist zunächst die Klage festzuhalten, daß in der Teuerungskommission kein Bauer sitzr. Unvergessen wird dem Reichsparteiler aber die von ihm beliebte Variante des bekannten Arnimschen Wortes sein: Der Vater wird alles versoffen haben. Herr Löscher brachte es fertig, zu er» klären, daß von unserer herrlichen Wirtschaftspolitik alle Er- werbskreise Vorteile hätten. Nur den Arbeitern ginge es schlecht, die ihren Verdienst in Me« t h y l a l k o h o l anlegen. �Itoile Molke nbuhr zerstörte in der ruhigen und klaren Art. die seine Beweisführung auszeichnet, die müh- seligen Ausreden der Regierung und zeigte an der Hand der offiziellen statistischen Aufnahmen, wie jämmerlich es in Deutschland um die Volksernährung bestellt ist. Man hatte im Laufe der ganzen Debatte fast vergessen können, daß doch eigentlich gesetzgeberische Maßnahmen getroffen wären, die aus veterinärpolizeilichcn Gründen angeblich notwendig waren. Genosse Molkenbuhr machte die Feststellung, daß diesmal weder von der Rechten noch auch von der Regierung dieses alte Spiel weitergetriebcn worden ist. daß man heute nicht mehr den alten Schein wahrt, und glatt zugiebt: auf jede Weise soll die agrarische Schutzzollpolitik gestützt und gestärkt werden. Seine Hinweise auf die amtliche Statistik und auf die für die Politik der Regierung so überaus peinlick�en Kund- gedungen des Reichsgesundheitsaiilts zwangen dessen Direktor — nach einer von niemandem angehörten Rede des Zentrum- lers Dr. M a tz i n g e r—, an dem Rettungsversuch des Agrariertums teilzunehmen. Gegen die Tatsachen aber kann keine Redekunst aufkommen, auch wenn sie vollendeter wäre als diejenige, über die man am Bundesratstisch verfügt. Hinterlegungsordnung und Wagenmangel die ZwiespSltigleit unserer ganzen— man verzeihe daS harte Wort— Rechlszustände zeigt sich i» der Teilung in Landes- und Reichsrecht, wobei die neudentsche Rechtseniwickelung im Falle Borchardt ja fich schon zu dem Grundsatz revidiert hat: LandlagSrecht bricht Reichs- shafgesetz. Eine Folge dieses Rechtswirrwarrs ist auch, daß im Reich bei gleichem Ttraf« und Zivilrecht und gleicher Strafprozeß- ordnung verschiedene Neben-esetze bestehen. So erläßt jetzt Greußen eine neue tzinterlegungsordnung über das Verfahren bei der Hinterlegung und Aufbewahrung von Geld, Urkunden und Wertsachen bei den Amtsgerichten. Diese« Gesetz beschäftigte ain gestrigen Donnerstag das Herrenhaus. Die Borlage war von der Aommission dahin abgeändert worden, daß das HinterlegungSweien zur freiwilligen Gerichtsbarkeit statt zur Justizverwaltung gehören solle. Herr Beseler, Justizminister und Großsiegelbewahrer, sträubte sich vergeblich gegen diesen Beschluß, für den sich auch das HauS entschied. Ueber die Bedeutung de« Gesetzes wird zu reden fein, wenn es ins LbgeordnetenhauI gelangt. Dann kam man zum rheinisch-westfälischen Wagenmangel und zur mehrtägigen BerkehrSsperre. Alles, was zu dieser Angelegenheil zu sagen ist, tst bereits auS den weitschlchtigen Debatten des Ab- geordnetenhauseS und seiner Kommission für da« Schleppmonopol« gesetz bekannt. Herr b. B r e t t e n b a ch schilderte, was man schon getan hat und was man an Gleis» und Bahuhofsbauten noch tun werde, wie man die kolossale Decketatssteigerung nicht habe voraus- gesehen und wie da« Personal seine volle Pflicht getan hübe und dafür auch belohnt worden sei. Interessant war eine Bemerkung des Essener Oberbürgenneister» Holle. Man erfuhr, daß die Städte de? JndustricrevierS eine Städtcbahn bauen wollten, daß der Minister die» aber als Konkurrenz gegen die Staatsbahn verboten habe. DaS ist eigent- lich eine ganz nette Illustration zu dem Loblied Bethmann Hollwegs aus die Initiative d e r K o in m u n e n zur Abhilfe allgemeiner Kalamitäten l Einige Redner stellten fest, baß die von den Zechen wegen deS Wageumangels verhängten Feierschichten durch den Lohn- auSfall die Arbeiter gegen den Staat erbittern und auch den Mittelstand schädigen. Na. die Bergarbeiter haben ja den preu'üschen Staat auch sonst bisher»ichl von der angenehmen Seite kennen gelernt! Schließlich überwies man die Resolution auf Vermehrung des Wagenparks der Regierung als Material und beschloß statt der von den Ruhrbergwerken erbetenen Entsendung einer Untersnchungs- lommission eine Resolution, die da« bisher Geleistet« anerkennt und Abhilfe für die Zukunft fordert. Ter Seniorcnkonvent des Reichstages verständigte sich über die nächsten Arbeite» des Reichstages. Die Debatte über die Teuerungsinterpellation soll, wenn möglich, Freitag zu Ende gebracht werden. Am Sonnabend soll der Entwurf eines Gesetzes über den Zusammenstoß von Schiffen, sowie über die Bergung und Hilfeleistnng in Seenot, ferner der Gesetz- entwurf über Kindersaugflaschen beraten werden. Mit der Etats« b e r a t u n g soll in der nächsten Woche und zwar schon am Man« tag begonnen werden. Der Reichskanzler soll ersucht werden, am Montag über die auswärtige Politik Darlegungen zu niochen. Geht der Reichskanzler darauf ein, dann wird die aus- wältige Politik gekondert von der Etatsberatung behandelt. Für die E'atsberatnng sind vier Tage in Aussicht genommen. Danach soll am Freitag das P e t r o l e u m- M o n o p o l g e s e tz be- sprochen werden, und in der darauf folgenden Woche wird die Interpellation über da« Koalitionsrecht der Beamten verhandelt. Falls diese Dispositionen nicht eingehalten werden können, soll der Seniorenkonvent noch einmal zusammenberufen werden. Die Weihnachtiferien sollen am Ig. Dezember beginnen und bis 8. Januar dauern. Nach den WeihnachlSferien wird sofort mit der zweiten Lesung des Etats begonnen. Wahlrechtsverschlechterung. Nach bekanntem Rezept versucht jetzt auch die hohe Regierung de» thüringischen NaubstaateS Neuß j. L. das Wahlrecht der arbeitenden Klaffen zu beschränken, um das teure reußische Vater- land vor der„Vergewaltigung- durch die Sozialdemokratie zu retten. Dein Landtage dieses Zwergstaates tst soeben eine WahlentrechtungS« Vorlage zugegangen. Der Landtag zählt 16 Mitglieder, von denen drei durch die Höchstbesteucrten gewählt werden und ein Mitglied ihm kraft besonderen Privilegiums angehört. 12 Abgeordnete er- halten ihre Mandat« durch allgemeine Wahlen. Unter den durch allgemeine Wahlen Gewählten befinden sich vier Sozialdemokraten. Nunmehr soll an Stelle dieser Wahlordnung ein Wahlrecht treten, das auf dem Pluralsystem aufgebaut ist. Die Abstufung ist so gedacht, daß «ine Stimme«ehalten Staatsangehörige mit einem Einkomme» bis zu 1800 M. Zwei Stimmen sollen erhalten Staatsangehörige mit Einkommen von 1800—2400 M.— Grundbesitzer, die«inen Grundbesitz von über 5 Hektar, aber ein Ein- koinmen unter 1800 M. haben— setbständige Gewerbetreibende, die zwei und mehr Gehilfen beschäftigen, und unter 1800 M. Ein- koinmen haben. Drei S t i ni m e n erhalten Staatsangehörige mit Einkommen über 2400 M. und vier Stimmen erhalten Staatsangehörige mit Einkommen über 8000 M. Eine Zusatz st imme erhalten ganz allgemein Wähler, die das Einjährigeuzeugnis besitzen und Wähler, die über HO Jahre alt sind. Die Häufung der Stimmen geht bei den einzelnen Wählern also bis zu fünf. Neben dieser Pluralwählerklasse steht eine Wählerklasse der Höchftbestruerten, die, wie bisher, drei Abgeordnete wählen soll. In diese Klasse zählen alle Staatsangehörige» mit Einkommen von mehr als 7Sl)0 M. Wahlberechtigt sind nur diejenigen, die zwei Jahre die Staats- angehörigkeit besitzen und mindestens ein Jahr im Orte wohnen. Die Wahlperiode soll sechs Jahre dauern. Die Zahl der Landtags- Mitglieder wird um fünf vermehrt. Man hat sich also das sächsische Wahlrecht zum Muster genommen, aber diese« noch durch einige besondere Zutaten verschlechtert. Nicht nur. daß die Arbeiter samt und sonders durch die Pluralstimmen erdrückt werden, auch die StaatsangehörigkeitSlarenzzeit und die GemeindeansässigleitSllausel richten sich gegen die Ar- bester. Offenbar denlt die fürstlich-reußische Regierung, wenn schon einmal der Versuch gemacht werden soll, die Arbeiter um ihr Wahlrecht zu prellen, daß eS dann auch gründlich besorgt, werden muß. Nach dem neuen Wahlrecht ist es nicht nur ausgeschlossen, daß die Arbeiter einen Vertreter im Landtage erlangen, auch der kleinere Mittelstand würde mit positiver Sicherheit leer ausgehen und der Landtag zu einem Jntereffenklüiigel der Handvoll Besitzenden werden. Selbstverständlich wird die reußische Arbeiterschaft alles daran setzen, mn dieses Monstrum nicht Gesetz werden zu lassen. Pulver! DaS Morden und Verwüsten auf dem Balkan gibt den Pa- triotiSmuSheuchlern manche Gelegenheit zu chauvinistischen AuS- schreilungen. Den Kriegshetzern erscheint eS wünschenswert, der Oeffentirchkeit ihre GeslyaftSinteressen zu vertuschen. Die Tatsache, daß die Türken trotz der Ausrüstung mit Kruppschen Kanonen nicht am besten schössen, lenkte wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die Tatsachen, daß die gefeiertsten Patrioten nicht nur das eigene Bater- land. sondern alle Welt mi«' Kanonen, Panzertürmen und Pulver versorgen, unbelümmert darum, ob nicht eine« Tage» die lieben Bolksgenossen mit den nationalen Waffen ins Jenseits befördert werden, unbekümmert auch darum, ob nicht eines Tages die Lieferung an den Feind eine Niederlage des Vaterlandes herbeiführt. Nur eine Sorge hat man, daß nämlich„Unglücksfälle-, wie sie die Türken erlitten, dem Geschäfte der deutschen Patrioten im Auslände Abbruch tun könnten und ihr nationaler Ruhm erblasse. Die«Tägl. Rund- schau-— Nr. 558— fühlt sich berufen, das doppelt gefährdete Prestige zu retten. Sie erzählt, Frankreich habe ein saumäßig schlechtes Pulver. Unter der Hand hätte man versucht, sich mit dem vorzüglichen deutschen Pulver zu versorgen.„S e l b st v e r st ä n d» lich wurde das französische Kaufangebot von den deutschen Firmen rundweg abgelehnt.- Wer staunt da nicht über uneigennützigen Patriotismus? Die„Rundschau- erzählt natürlich Märchen l Selbstverständlich kann Frankreich deutsches Pulver bekommen, wenn es will. Die Mordwerkzeugfabrikanten sind radikal international. Deutsche Waffen und deutsches Pulver werden in großen Mengen ein- und ausgeführt. Wer bezahlt, kann über die besten Kanonen verfügen. Ueber Deutschlands Außenhandel in dergleichen Artikeln unterrichtet folgende Ueberflcht. Es wurden .ausgeführt: Feuerwaffen Oktober 1011 1912 Jan. /Okt. 1011 .. 1918 Sprengstoffe und Schicßbedarf Oktober 1011 1012 Jan./Okt. 1011 .. 1913 882 Dz. 1194„ 7 687„ 15176<„ 11161„ 18 259„ 1 18 058„ 169 218 ,. Wert 647 000 M. . 1 098 000„ „ 10 969 000„ , 12 408 000„ ff 2 764000 . 5 325 000, „ 30 870 000„ . 50 543 000„ Di« Ausfuhr von Pulver hat, wie sich zeigt, im laufenden Jahre erheblich zugenommen. Ganz ungewöhnlich stark war die Ausfuhr- steigerung im letzten Monat. Auch die Ausfuhr von Feuerwaffen brachte erhöhten Gewinn. Unter dem Getöse der Feuerschlünde am Balkan sind die Preise am Weltmarkt augenscheinlich stark hinauf- gelietlert. Im Oktober 1911 ergab sich ein Durchschnittspreis von 247 M. pro Doppelzentner ausgeführten Pulver«, im Monat Oktober dieses Jahres jedoch ist er um 44 M. höher. Da merkt man doch: Der Krieg tst ein feine« Geschäft für die KriegSmateriallieferanten. Deshalb aber macht e« den Proletariern noch lange kein Vergnügen, als Kanonenfutter zu dienen I_ Zcchenherren und Kommis. WaS ist so ein Minister mit seinen lumpigen 50 000 M. Ge- halt gegen die Stimie», Thyssen und Konsorten, die ihre Ein- nahmen nach Millionen beziffern? Die Zechenherren lassen sich den Minister gefallen, ivenn er shnen zu Willen ist. Sie behandeln ihn, als Ivenn er ihr Untergebener wäre, wenn er nicht so tanzt, wie sie pfeifen. Das l)aben die Minister Sydow und Breitenbach dieser Tage wiederum am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Herr Sydow war von Herrn Etinnes bezichtigt worden, daß er lediglich aus Popularitätshascherei die Erhöhung der Kohlenpreise nicht mitgemacht habe. Auf eine lendenlahme Gegenbemerkung des Handelsministers wiederholt StiirneS seine Behauptung, und nun läßt der Minister wehleidig die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung- erklären: „Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß der Handels- minister diese Preßpolemik nicht fortzusetzen beabsichtigt, sondern sich vorbehält, bei geeigneter Gelegenheit, soweit erforderlich, im Landtag darauf zurückzukommen.- Noch schlimmer wird Herrn v. Breitenbach mitgespielt. In der Sitzung, die er in Essen mit den Industriellen wegen des Wagenmangels abhielt, soll eS zu turbulenten Szenen gekommen sein. Der Vorsitzende, Obcrpräsident V. Rheinbaben, soll schließlich erklärt haben:„So kann nicht mehr weiter verhandelt werden." Der Minister erklärte diese Schilderung für unzutreffend; man sei mit seinen Darlegungen einverstanden gewesen. Dazu sagt die »Rheinisch-Westfälische Zeitung": „Ter Bericht, gegen den man sich hier wendet, stammt von einem Teilnehmer an der Konferenz, dessen Ansehen in der In- dnstrie das des Herrn Hirsch überragt, und dessen Urteils- fähigkeit hinter der des Ministers und des Herrn Hirsch in keister Weise zurück st eht. Im übrigen können wir nur nochmals betonen, dgß im Gegensatz zu den heutigen Aus- führungen der Herren Breitenbach und Hirsch, wie uns ausdrücklich versichert wird, die meisten Jndustrievertreter auf jener Konferenz mit dem Ergebnis absolut unzufrieden sind." Genau der Ton. den die Zechenbesider im geschäftlichen Verkehr gegen ihre Kommis anschlagen. 0' Deutsche Säbelrafsler. In diesem Moment, wo die Erhaltung des Friedens auf des Messers Schneide steht, sollten Personen in verantwort- licher Stellung doppelt vorsichtig in ihren Auslassungen sein. Dieses einfachste Gebot der Klugheit hat der Armee-Jn- spckteur, General v. Eichhorn in Saarbrücken, völlig außer acht gelassen. Nicht nur das, die Rede, die er dort auf einem von der Stadt Saarbrücken gegebenen Bierabend hielt. trägt unverkennbar provokatorischen Charakter. Der Gene- ral führte nach den übereinstimmenden Berichten scharfmache- rischer Blätter aus: «Wir leben in ernster Zeit, wir hören förmlich den dröhnenden Schritt der Zeit. Er wird manchen im deutschen Volte zum Nachdenken angeregt haben, und er wird ihm die Wahrheit und Richtigkeit des Wortes haben aufleuchten lassen: Bereit sein, ist alles! Ich glaube, im Namen der Armee die Versicherung aus- sprechen zu dürfen, daß, soweit menschliche UnVollkommenheit das zuläßt, in der Armee mit allen Kräften gearbeitet wird, um der Forderung gerecht zu Iverden, bereit zu sein! Meine sehr geehrten Herren! Mich will in der letzten Zeit aber manchmal bc- dünken, als ob in manchen Schichten unseres Volkes die innere, die physische Bereitschaft ins Wanken gekommen wäre, dic; Bereit- schaft, auch die Schrecken eines Krieges auf sich zu nehmen, Ivenn es sich um'Ehre, Wohlstand und Zukunft unseres Vaterlandes handelt.... Gefährlicher erscheinen mir die immer lauter tverdendcn Bestrebungen und die Agitation von gewiß sehr wohl- meinenden Leuten, die an dem SckKrzenband einer bekannten Dame hängen, die den ewigen Frieden predigen, wo doch das ganze Leben ein Kampf ist. und wo die Natur selbst, außer der unorganischen, sich ständig im Kampfe befindet,— die mit großer Unduldsamkeit jeden als von niederer Kultur betrachten, der dem Jkarusfluge ihrer Gedanken und Wünsche nicht zu folgen vermag, und die uns glauben machen wollen, daß eS nur an uns liegt, wenn nicht im ewigen Völterfrühling die Menschen sich gegen- festig umarmen. Sie haben ja freilich nicht den Frieden auf Erden geschaffen; seitdem sie tätig sind, gibt es mehr Krieg als zuvor. Aber sie täuschen unser Volk, sie nehmen ihm die Mannlmftig- kcit, unseres Volkes Stärke und üben einen effeminierenden Ein- fluß aus. Es mögen ja sehr wohlmeinende Persönlichkeiten fein, die viele Ideen vertreten, aber objektiv gesprochen kann ich nur sagen: Sie begehen ein Verbrechen an unserem deutschen Volke! In Saarbrücken ist es, Gott sei Dank. anders! Hier sprechen Berg und Tal, Gräber und Steine eine laute Sprache. Hier weht ein anderer Wind! Hier erinnert jeder Schritt durch die Stadt, die Namen der Straßen an große Zeiten, an eine höhere Gesinnung, an edlere Auffassung. Hier steckt noch der alte, echte deutsche Geist! Hier lebt noch die feste. mannhafte Bürgerschaft, die bei Beginn des letzten Krieges durch ihre Haltung die Bewunderung des ganzen deutschen Voltes er- regte. In solcher Stadt lebt der Soldat gern." Daß die Bestrebungen auf Vermcidiing eines Krieges den Offizieren nicht gerade angenehm sind, ist nicht zweisel- Haft, aber es ist doch geradezu unerhört, von einem Ver- brechen am deutschen Volke zu reden. Diese Rede gießt Ströme von Wasser auf die Mühlen der Kriegstreiber, schon jubelt z. B. die rcchtsnationalliberale„Magdeburger Zeitung": „Es tut ordentlich wohl, wenn gerade von solcher Stelle ein- mal der Ruf erschallt, daß wir uns unseren Volkscharalter nicht durch solche Weltbeglückcr verweichlichen lassen sollen- Gewiß ist es eine schöne Sache um den Frieden, aber es hat auch noch gute Woge, bis die„Fahnen still sich senken und der Kricgslärm auSgcgällt in dem Parlament der Menschheit, in dem Bruderbund der Welt." Solange aber wollen wir doch lieber die Alten bleiben und nicht vergessen, daß das eigene starke Schwert immer noch die beste und festeste FriedenSbürgschaft ist." Der Kriegsminister wird im Reichstage zu dieser Leistung des Generals v. Eichhorn zur Rede gestellt werden müssen. Ein bezeichnender Ministcrwechscl. soll sich am 1. Januar nächsten Jahres in dem Kleinstaate Lipssc vollziehen. Der bisherige Staatsministcr Frhr. v. Gevekot tritt dann aus Gesundheitsrücksichten zurück; als sein Nachfolge ist bereits der vreußische Geh. Oberfinanzrat B i e d e n w e g aus dem preußischen F i n a n z m i n i st e r i u m ernannt worden. Der Bezug des neuen Ministers aus dem preußischen Finanz- Ministerium bedeutet in dem aegemvärtigen Augenblick nichts anderes als eine Verbcitgung vor Preußen, als eine Festigung des ohnehin schon bestehenden preußischen Einflusses, der sich ja in stärkerem oder sckyvächerem Grade in fast allen anderen Bundes- staatcn, namentlich aber in den Kleinstaaten, fühlbar macht. In- folge der mannigfachen wirtschaftlichen Verbindungen, besonders durch die preußische Eisenbahnpolitik, sind die kleineren Bundes- staaten in mehr als einer Beziehung auf Preußen angewiesen, und es ist schon öfter vorgekommen, daß diese Staaten sich wohl oder übel mit den Forderungen Preußens einverstanden erklären mußten, wenn sie Pläne verwirklicht haben wollten, wobei Preußen nicht zu umgehen war. Gehen nun erst die verschiedenen Fürstlich- testen der Bundesstaaten dazu über, ihre Minister aus preußischen Regierungskreisen zu beziehen, dann ist leicht einzusehen, wie sehr dadurch die Möglichkeit abnimmt, diese Staaten jemals« in eine Oppositionsstellung zu Preußen zu bringen. Die liberale Presse feiert natürlich den abgehenden Minister als einen außergewöhnlichen Mann, der namentlich in der Zeit des �lhronstreits Wunderdinge vollbracht haben soll. In Wirklich- teit steht es damit so. wie es in der Regel um liberale Lobpreisun- gen eines Ministers steht. Herr v. Gevekot haste seinerzeit den lippischen Grafregenten zu vertreten, als Wilhelm II. diesem seine unfreundlichen Telegramme sandte, die bekanntlich damals in der ganzen Welt Aufsehen machten. Statt aber, nachdem er einmal A gesagt hatte, auch B zu sagen und die entschiedene Rolle gegen- über Wilhelm II. durchzuführen, gab der Minister klein bei, als Bülow lächelnd seine authentische Interpretation des Kaisertele- gramms an den Mann brachte. Die Monarchen besannen sich, wie es damals hieß, noch rechtzeitig auf die Gemeinsamkeit der monar» chischen Interessen._ Ungarn. LiikacS uizd Tisza vor de» Budapester Geschworenen. Das Budapester Geschworenengericht sprach da« Organ der sozial- demokratischen Partei, da« in einem energischen Artikel die Staats- streichhelden Lukacs und Tisza für Bestien erklärte, von. der Anklage der Beleidigung frei. Unser Parteiblatt forderte die Arbeiterschaft ans, sich vorläufig den Bajonetten und Gewehren nicht gegenüber- zustellen und zu warten, bis ruhige Zeiten kämen und dann diesen Parlamentsverrätern auf russische Art zu antworten. Die bürgerlichen Oppositionsblätter erklären, dieser Artikel sei die Meinung der Budapester Bürgerschaft. Nach dem Urteil der Geschworenen sei es nun kein Verbrechen mehr, den Minister- Präsidenten und den ReichStagSPräsidenten für Verräter und Bestien zu erklären. Am 16. Dezember findet vor dem Budapester Schwurgericht der Prozeß gegen den Abg. K o v a c s. der das Altentat auf den Reichs- lagSpräsideitten begangen hat, statt. Druckfehlerberichtigung. In dem gestrigen Leitartikel über die Teuerungsdebatte im Reichstag ist durch ein technisches Versehen ein Satz verstümmelt worden. ES muhte heißen:„Mit vielem Pathos, aber keinem einzigen Argument wandte sich der Kanzler auch gegen die Feststellung, daß mir einigen Junkern die ganze Zollpolitik zugute komme. Solche Auffassung ist nach Herrn von Bethmann kleinlich und oberflächlich. Aber was konnte er ihr an Tatsächlichem entgegenhalten? Nichts I Denn landwirtschaftliche Krisen haben auch Jreihandelsländer überstanden." An einer anderen Stelle muß es heißen:„Nicht glücklicher war Herr v. Bethmann, als er seine Freude über die Artikel der Schippe! und Artur Schulz in den„Soz. Monatsh." aussprach und die Schriftsteller als die wahren Sachverständigen anpries.- Gewerftfchaftlfcbea. CQer übt Cerroriatnus? Bei allen nur möglichen Gelegenheiten sprechen die Unter- nehmer vom Terrorismus der Arbeiter. Ist die Organisation der Arbeiter genötigt, gegen einen Unternehmer vorzugehen, welcher die tariflichen Abmachungen im Gewerbe mißachtet, so reden die Unternehmer von Terrorismus und sind bestrebt, den Tarifbrecher zu schützen und zu unterstützen, indem die Unternehmerorganisation die Arbeiter auf die schwarze Liste setzt und ihnen hierdurch die Möglichkeit nimmt, Arbeit zu erlangen. Auch die Gesellen und Arbeiter im Dachdeckergewerbe haben in der letzten Zeit die Diktatur der Unternehmer zu spüren bekommen. Noch niemals aber ist das Treiben der Herren so schamlos zutage getreten, wie nach dem erfolglos abgebrochenen Kampfe im Dach deckergewerbc zu Berlin. Durch Zufall ist ein Zirkular des Arbeit- geberverbandes für das Dachdeckergewerbe zu Berlin in die Hände der Arbeiter gelangt. Es zeigt aufs neue, wie die Unternehmer vermittelst der schwarzen Listen ihnen mißliebige Arbeiter der Not und dem Elend überliefern. Es hat diesen Wortlaut: ' Arbeitgeberverbanh für das Dachdeckergewerbe zu Berlin und Umgegend. Berlin, den 2t. November 1S12. Sehr geehrter Herr Kollege! Der Vorstand und die Tarifkommission haben beschlossen, die Arbeitnehmer, die in der letzten Versammlung für Annahme des Tarifs stimmten, nach Bedarf einzustellen und haben die Herren Kollegen folgendes zu beachten und genau danach zu handeln: Hat ein Arbeitnehmer sich während des Streikes nichts Un gehöriges zuschulden kommen lassen und wollen Sie, Kollege, einen früher bei Ihnen arbeitenden Gesellen oder Arbeiter wieder einstellen, so nehmen Sie einen weißen Zettel, schreiben den Namen des Arbeitsuchenden hierauf und drücken ihren Stein pel hierunter. Mit diesem Zettel schicken Sie den Mann mor- genS zwischen 8— 9 oder zwischen 7—8 Uhr abends zu unserein Kollegen Herrn Fritz Gregor, Berlin, Culmstraße 24, dort ist der Mann gehalten, ein Formular zu unterschreiben. Hat er dieses getan und liegt auch sonst gegen ihn nichts vor, so drückt Herr Gregor seinen Stempel auf Ihren Zettel und schickt Ihnen den Mann wieder zu. Erst nach Erledigung dieser Formalitäten dürfen Sie den Mann einstellen. Fremde Leute, d. h. solche Arbeitsuchende, die Sie nicht persönlich kennen und auch solche, von welchen Sie nicht genau wissen, daß diese für Annahme des Tarifs gestimmt haben, dür- fen Sie unter keinen Umständen einstellen und dieselben auch nicht er st zu Herrn Gregor sende>u Gebrauchen Sie Gesellen oder Arbeiter, so wenden Sie sich schriftlich an Herrn Gregor, woraufhin Ihnen derselbe ent- sprechende Leute zusendet. Diese �Hnen zugewiesenen Leute legitimieren sich— wie vorher bereits erwähnt— mit einem weißen Zettel, auf welchem, von Herrn Gregor geschrieben, der Name des Arbeitsuchenden und der Stempel des Herrn Gregor steht. Hierauf können Sie den Mann einstellen. Haben Sie in den letzten 8 Tagen ohne vor- genannte Anordnung Leute eingestellt, so haben Sie dieselben unbedingt sofort wieder zu entlassen oder Sie schicken dieselben zu Kollegen Gregor jr. zur Leistung der Unter- schr ift.� Es wird den Kollegen hiermit bekannt gegeben, daß vor- läufig noch der alte Tarif gehandhabt wird. Die Arbeitnehmer irgendeine Formel unterschreiben zu lassen, ist zurzeit für den Arbeitgeber zwecklos— dieses muh beim Kollegen Gregör vollzogen werden. Vor Erledigung der hier ausgeführten For- malitäten darf unter keinen Umständen ein Arbeitnehmer eingestellt werden. Mit kollegialem Gruß Max Jungk, Borfitzender. Bon Anfang an war es für jeden Einsichtigen klar, daß der neu geschaffene Arbeitsnachweis der Unternehmer weiter nichts werden konnte, als ein MahregelungSbureau für die Arbeiter. DaS Zirkular beweist deutlich, daß die Arbeiter mit ihrer Auffassung recht hatten. Zwingt auch die Not die Arbeiter vielleiZht dazu, den Nachweis der Unternehmer gegenwärtig in Anspruch zu nehmen und dort zu unterschreiben, aus dem Zentralverband der Dachdecker austreten zu wollen, so kann dieses doch nur vorüber- gehend sein. Auf die Dauer werden sich die Dachdecker und HilfS- arbeiter von den Unternehmern das Koalitionsrecht nicht rauben lassen und werden den Weg zur Organisation zurückfinden in der sicheren Erkenntnis, daß sie ohne Organisation vollständig den Machtgelüsten der Unternehmer preisgegeben find. Mit diesem Zirkular wurde gleichzeitig ein zweites Zirknlar Versendet, welches folgenden Wortlaut hatte: Arbeitgebcrverband für das Dachdeckrrgewerbe zu Berlin und Umgegend. Berlin, den 21 November 1912. Sehr geehrter Herr Kollegel Der augenblickliche Stand des Streiks steht genau auf dem- selben Punkte und scheitert genau an derselben Ursache, wie er Vor 12 Wochen angefangen hat. Der Streik bezw. die Aussperrung wurde in Wirklichkeit dadurch veranlaßt, weil vom Zentralverband der Dachdecker viele Gesellen und Arbeiter mit oder ohne ihre eigene Schuld arbeits- los waren und auch die Konjunktur voraussichtlich erkennen ließ, daß in nächster Zeit doch keine Leute eingestellt werden. Aus diesen Gründen hielten es die Arbeitslosen ffur angebracht. den Streik unter allen Umständen zu provozieren, um auf diese Weise sich durch ihre Spargroschen(Streikfonds) über die stille ���Gese�"und� Arbeiter, die bei Ausbruch des Streiks noch in Arbeit standen, dachten gar nicht daran, in den Streik emzu- treten bezw. dafür zu stimmen. Stets sind die Urheber von Streitigkeiten diejenigen Leute, die nicht arbeiten Wüllen oder zur Arbeit überhaupt nicht zu gebrauchen sind. Aus angeführten Gründen wäre der Streik unter allen Umständen auch dann provoziert worden, wenn auch die �Arbeit- geber den Arbeitnehmern goldene Berge versprochen hätten. Die letzte Versammlung der Arbeitnehmer bestätigt wiederum genau obige Darstellung. Obwohl die Unterstützung aus der Streikkasse an ihrem Ende angelangt ist, obwohl der Vorstand der Organisation zur Einigung mit den Arbeitgebern mahnt, sträuben sich doch immer wieder diejenigen gegen eine Einigung, die genau wissen, daß eS für sie doch keine Arbeit gibt, und mit der Streikauf- Hebung würden ja auch ihre Geldunterstützungen aufhören. Diese Sorte Leute scheuen auch davor nicht zurück, womög- lichst ihre Kollegen nunmehr zur Arbeit anzuspornen, damit wieder Geld in die Streikkasse kommt und somit der Streik dann weiter in die Länge gezogen werden kann. Richtiger gesagt, die arbeitenden Kollegen sollen ihre nichtarbeitenwollenden Kollegen unterstützen bezw. unterhalten. Nach 12wöchigcm Streik, der viel, viel Kummer, Sorgen und Entbehrungen den Streikenden auserlegte, sind die Arbeits- willigen nunmehr endlich zur Einsicht gekommen, daß sie cigcut- lich nur das Werkzeug und die inelkenden Kühe für die organi- sierteü arbeitsscheuen Kollegen sind Die LrLeikSwivigen hatte» ffiij aufgerafft und filuimlen da- für, daß Friede geschlossen werden sollte, aber wie nicht anders zu erwarten, wurden sie infolgedessen von den Gegnern mit den gröbsten Redensarten überschüttet— und auf Anregung der be- währten Redensführer(nicht mit dem Vorstande zu verwechseln niedergestimmt.' Dieser Machinationen endlich satt, entschlossen sich nunmehr die Arbeitswilligen, aus ihrem Zentralverbande auszutreten, was auch zum großen Teile bereits geschehen ist. Der Vorstand vom Arbeitgeberverband bezw. die Tarif kommission bringt nunmehr zur Anregung, daß von jeder Werk stelle ein zurzeit dort beschäftigter Geselle und ein Hilfsarbeiter als Vertrauensmann zu einer gemeinnützigen Besprechung über den Statusquo an einem noch näher zu bestimmenden Tage ein- berufen werden sollen. Sie, Herr Kollege, wollen dies nunmehr in ihrem Betriebs bekanntgeben und werden gehalten, wenn eine diesbezügliche Nachricht(voraussichtlich nächste Woche) an Sie ergeht, einen Gesellen und einen Hilfsarbeiter an Ort und Stelle zu senden. Der Vorstand und die Tarifkommission ist sich den Tat- fachen dieser Angaben voll bewußt und ist jeder Kollege gehalten diese Mitteilung in seiner Werkstätte zirkulieren zu lassen. Mit kollegialem Gruß Max Jungk, Vorfitzender. Höchst eigenartig nimmt es sich aus, wenn die Unternehmer erneut versuchen, die Schuld von sich und auf die Arbeiter zu wälzen. Die Herren wissen ganz genau, daß der Kampf unver- mcidlich war, weil die Verschlechterungen, welche die Unternehmer den Arbeitern zu bieten wagten, zurückgewiesen werden mußten. Die Arbeiter hatten gar nichts gefordert, nur was bereits jähre- lang in Berlin bestanden hatte, sollte auch weiter bestehen bleiben. Ebenso wissen die Herren ganz genau, daß der Kampf nicht wegen Mangel an Geldmitteln aufgehoben wurde. Er wurde abgebrochen aus taktischen Gründen. Einen anderen als wie diesen beleidigen- den Ton sind die Arbeiter von den Unternehmern allerdings nicht gewöhnt. t Den Schluß des Zirkulars bildet nun die Aufforderung an die Unternehmer zur Schaffung»uier gelben Organisation. Hoffentlich wird der größte Teil der Dachdecker und Hilfsarbeiter aber soviel Manneszucht besitzen, daß sie sich nicht zu den Plänen der Unternehmer hergeben. Serlin und Qmgegcnck. Die Tarifbewegung der Holzarbeiter wurde eingeleitet durch fünf große Versammlungen, die dar Holzarbeiterverband am Mittwoch veranstaltete. Referenten waren die Gauvorsteher Ahlemever- Bremen, Schulz- Lübeck, P a c z h n a- Breslau, Tornau- Frankfurt a. M., Schefflet Schönheide. Die Redner schilderten die allgemeine Lage und der wiesen darauf, daß die Unternehmer zu einem großen Kampf rüsten. Die Erfahrungen früherer Bewegungen haben den Unter- nehmern gezeigt, daß sie nicht imstande sind, die Widerstandskrast des Holzareiterverbandes zu brechen. Sie haben sich deshalb nach Bundesgenossen umgesehen und sich den Unternehmerorganisationen im Baugewerbe angeschlossen. Doch das kann den Holzarbeiter- verband nicht schrecken. Er ist in der Lage, auch den vereinigten Gegnern die Stirn zu bieten. Wenn man auch noch nichts Be- itimmteS über die Absichten der Unternehmer weiß, so ist doch an- zunehmen, daß sie es an Versuchen, die Position der Arbeiter zu schwächen, nicht fehlen lassen werden. Auf der anderen Seite find die Arbeiter natürlich bestrebt, nicht nur die bisherigen Errungen- chaften festzuhalten, sondern weitere Verbesserungen des Arbeits- Verhältnisses durchzusetzen, Verbesserungen, wie sie namentlich im Hinblick auf die allgemeine Teuerung geboten erscheinen. Mit ge- wohnter-Entschlossenheit und Zielsicherheit wird der Holzarbeiter- verband bei den bevorstehenden Tarifberatungen in diesem Sinne die Interessen, der Kollegen wahrnehmen. Sollte es zum Kampf kommen, dann werden die Unternehmer ebenso wie bei früheren Gelegenheiten auch diesmal den Holzarbeiterverband als eine Macht kennen lernen, die sich von keinem Gegner niederringen läßt. Die Darlegungen der Redner klangen aus in einen Mahnruf, die Or- lzanisation zu stärken und dafür zu sorgen, daß auch der letzte Mann in ihre Reihen eintritt.� Wenn die 39 900 in Berlin organisierten Holzarbeiter, von diesem Gedanken beseelt, die Agitationsarbeit betreiben, dann muß eS ihnen gelingen, die 7999 Berufsangehöri- gen, welche noch nicht organisiert find, für die Organisaston zu ge- Winnen. Auf Berlin kommt es in erster Linie an. Hier werden die Unternehmer ihre Macht erproben und der Ausgang der Be- wcgung in Berlin wird maßgebend sein für die Bewegung und die Kämpfe im ganzen Reiche. Es gilt deshalb, alle Kräfte anzu- Pannen, sich für den Kamps zu rüsten und alles daran zu setzen, daß die Pläne der Scharfmacher zuschanden werden und der Holzarbeiterverband als Sieger aus dem Kampfe hervorgeht. So ungefähr waren die Ausführungen der Referenten. Was die Diskussionsredner noch hinzuzufügen hatten, das waren ledig- lich Aeuherungen der Zustimmung und das Bekenntnis zu der Parole: Wenn es zum Kampf kommt, dann mutz der Sieg unser werden. Herr Obermeister I. Bernard schreibt uns: .In der zweiten Beilage Nr. 277 Ihrer Zeitung ist erst« Spalte unter der Ueberschrist„Die Bäckermeister und der Ruhetag", fünfte Zeile von unten an gesagt: .DaS kann niemand glauben, namentlich, wenn man sich der- geyenwättigt, daß Obermeister Bernard seinerzeit als gerichtlicher Sachverständiger in mehreren Fällen bekundet hat, daß das Bäcker- gewerbe eyien Reingewinn von 33K Proz. abwirft." Ich erkläre, daß ich diese Bekundung nie gemacht habe und nie machen konnte, wesl es nicht zutreffend sein�würde. Aus Grund§ 11 des Preßgesctzes ersuche ich Sie, obige Berichst- gung in der nächsten Nummer des„Vorwärts" aufnehmen zu wollen. I. Bernard, NW., Crefelder Straß« 29, Gerichtlicher Sachverständiger." Deutfebes Reich. Streik in der Glashütte in Lünen. In Lünen bei Dortmund haben sämtliche Glasarbeiter die Kündigung wegen fortgesetzter Maßregelung der Vertrauensleute und wegen angekündigter Lohnherabsetzungen eingereicht. Die Firma hat drei Vertrauensleute der Organisaston in ganz kurzer Zeit entlassen und kündigt« jetzt drei Mitglieder des Arbeiteraus- schusses. Eingeleitete Verhandlungen, scheiterten, weil die Firma erklärte, daß sie die Maßregelungen erst dann zurücknehmen würde, wenn die Arbeiter zum Abschluß eines neuen Tarifs bertit wären, der ober Lohnherchbsetzungen enthalten grüßte. Dies wurde abge- lehnt. Da die Firma verlangte, daß die noch in Arbeit stehenden Arbeiter die Plätze der bereits entlassenen Arbeiter einnehmen sollen und dies verweigert wurde, so griff die Firma zu weiteren plötzlichen Entlassungen. Es werden alle Glasarbeiter ersucht, die Glashüttenwerke in Lünen zu meiden. Die Redaktion des„Deutsck>en Metallarbeiter" schreib? uns: Die in Nr. 277 des„Vorwärts" vom 27. November 1912 unter der Ueberschrist„Die Christen kriechen vor den Gelben zu Kreuze" veröffentlichte Nostz beruht aus falschen Voraussetzungen. 1. Unwahr ist die Behauptung:„Während man in M.-Gladbach versuchte, die Geliben zur Strecke zu bringen, wählte man in Duis- bürg der Tapferkeit„besseren" Teil." 2. Unwahr ist die weitere Behauptung:„Der angeklagte christ- liche Redakteur ließ gleich zu Beginn der'Verhandlung durch seinen Rechtsbeistand erklären, daß er zu einem Vergleich bereit sei." 3. Unwahr sind auch sämtliche, an die vorstehenden Behauptun- gen geknüpften Schlußfolgerungen Wahr ist hingegen, daß der beklagte Redakteur des.Deutsche« Metallarbeiter" sich weder durch seinen Rcchtsbeistand noch persön- lich zu einem Vergleich bereit erklärt hat, sondern den neun Vor» standsmitgliedern des Bundes deutscher Werkvereine die Aktiv» legitimation abstritt, weil er diese Leute nicht als„die gelben Häuptlinge" anerkennen kann, gegen die sich ausdrücklich der unter Anklage gestellte Artikel richtete. Der Balhankrkg. England regt eine Botschasterkonfcrenz an. Köln, 28. November. kW. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Es bestätigt sich, daß England die Absicht hat. den diplomatischen Meinungsaustausch unter den Großmächten über einzelne Punkte der Oricntfrage, statt wie bisher von Kabinett zu Kabinett, in der Form einer Botschafterkonferenz weiterführen zu lassen. Der Vorteil einer solchen Botschafterkonfc- renz, deren Arbeiten natürlich zunächst nur vorbereitender Natur sein würden, könnte darin bestehen, daß für die einzelnen Fragen eine gemeinsame Auffassung der Großmächte festgestellt würde. England hat auch seinerseits die Punkte bezeichnet, die es auf der Botschafterkonferenz erörtert sehen möchte. Es steht natürlich den anderen Großmächten ftei, wenn sie noch andere Punkte auf dieser' Konferenz erörtert sehen wollen, dafür Vorschläge zu machen. Heber die Stellung der übrigen Mächte zu der englischen Anregung ist zurzeit näheres noch nicht bekannt, da den Kabinetlen der eng- lische Vorschlag erst heute früh zugegangen ist. Auch der Ort, wo die Konferenz eventuell zusammenkommen würde, steht noch nicht fest. Kriegsdcbatte im Reichsrat. Wien, 28. November.(W.T.B.) Abgeordnetenhaus. Der Sozialdemokrat Dr. Adler wandte sich gegen den Vorwurf, daß die Sozialdemokraten mit ihrer Agitation für den Frieden Vaterlandsverrat begingen und die Posiston Oesterreich-Ungarns schwächen wollten. Das internationale Proletariat, das alle Opfer des Krieges zu tragen habe, habe das Recht, gegen den Krieg und die Kriegshetze zu protestieren. Die Sozialdemokraten hielten daran fest, daß das, was heute die Welt beschäftige, ohne Krieg geordnet werden könne und müsse. Der Christlich-Soziale Schoiswohl trat in einer Polemik gegen Dr. Adler der Anschuldigung entgegen, als ob die Christlich-Sozialen und die Ädrigen bürgerlichen Parteien Kriegshetzer wären. Sie wollten keinen Krieg, aber sie wünschten auch um keinen Preis einen Frieden, der demütigender und bc- schämender Natur wäre. Trotz allen inneren Haders würden alle Nationalitäten im Ernstfalle fest zusammensteh«»(Lebhafter Bei- fall.) Der Ruthcne Budzhnowskyi hielt eine dreieinhalb- stündige Rede, in der er die Beschwerden der Ruthenen vorbrachte und die er mit einem Appell an die Regierung schloß, die Forde- rungn der Ruthenen zu erfüllen. Hierauf wurde die Sitzung um %9 Uhr auf morgen vertagt. Adrianopel in Flammen. Sofia, 28. November.(Privaktelegramm de?„BorwilrtS".) Das alte Stadtviertel Adrianopels steht in Flamme«. Mau hält die ganze Stadt für bedroht. Da»«ntere Stadtviertel ist über- flutet. Die Eisenbahndirekston bekam Befehl, für die Regulierun» der Adrianopelbah» bereit zu sei«, weil vermutet wird, daß Adria- uopel morgen»der übermorgen fällt. Der Kampf um Skutari. Rjeka, 28. November.(W. T. B.) Die Türke« in Skutari f etzen in längeren Zwischenräumen da? Geschützfeuer gegen die montenegrinischen Stellungen fort, ohne. jedoch Schaden anzn- richten. Vom See war heute kein Kanonendonner hörbar. Rumänische Maßnahmen gegen die Cholera. vnkarest, 28. November.(W. T. B.) Die Flußschiffahrt»- behörde hat als Vorsichtsmaßnahme gegen die Cholera den Verkehr zwischen Calafat und Widdin unterbrochen J*ctzU Nachncbtcn. Glänzende Kommunalwahlerfolge. Kiel, 28. November.(Privattelegramm des„Bor- wärt?".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl wurden sechs Sozialdemokraten und sechs Bürgerliche gewählt. Das Gesamt- resultat der gestrigen und heustgen Wahl ergibt, daß 19 Sozial- demokraten und 9 Bürgerliche gewählt find. DaS Bürgertum hat bei dieser Wahl vier Mandate seines alten Besitzstandes eingebüßt. Die sozialdemokratische Fraktion und das Bürgertum stehen sich jetzt in der Stadtverordnetenversammlung gleich stark gegenüber; jede Gruppe zählt 24 Vertreter. Di« Sozialdemokraten konnten ihre Stimmenzahlen gegenüber den gestrigen Wahlen noch etwas erhöhen; sie brachten es-ms 11999 Stimmen, während die bürger- lichen Stimmen von 9169 auf 3759 zurückgingen. In einem Wahl- bezirk siegte der bürgerliche Kandidat mir mit einer geringen Majorität. Dadurch ist diesmal noch eine sozialdemokratische Stadtverordnetenmehrheit verhindert worden. Mühlhause« i. Th., 23. November.(Privattelegramm des„vor- wärts'.) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl wurden acht Sozialdemokraten in das bisher sozialistenreine Stadtparlament gewählt. Zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht auf sozialdemo- kratischen Antrag sechs bürgerliche Mandate ftir ungültig erklärt. Diese bürgerlichen Stadtverordneten waren an Stelle von sechs Sozialdemokraten, deren Wahl kassiert worden war, als gewählt erklärt worden. Direktor Brahm gestorben. Berlin. 28. November.(W. T. B.) Der Direktor deS Lessing- theaters, Otto Brqhm, sst heute abend lOV* llhr gestorben. Verhaftung internationaler Einbrecher. Erfurt, 28. November.(W. T. B.) Die hiesige«kriminal- Polizei hat zwei internationale Einbrecher unter großen Schwierig- leiten' verhaftet, da diese mit Revolvern bewaffnet waren. In einem hiesigen Hotel, wo sie übernachtet hatten, wurde ein großes Lager gestohlener Gold- und Silbersachen. Juwelen, seidene Kleider, zusammengeschmolzenes Gold und andere kostbare Gegen- tände gefunden. Ein Einbrecher will Detlefs heißen und aus Berlin stammen. Der andere-verweigert jede Auskunft. Schwere Eisenbahnkatastrophe in Rußland. Charbin, 28. November.(W. T. B.) Auf der Ausweichstation Horcho ist ein Militärzug, in dem sich in die Heimat zurückkehrende Reservisten befanden, mit einem Arbeitcrzug zusammengestoßen. Elf Personen wurden getötet, 32 schwer und 29 leicht verletzt. Ein verhängnisvoller Zwischenfall, Paris, 28. November.(W. T. B.) Als heute nachmittag eine Kompagnie Infanterie in Vinccnncs mit Platzpatronen exerzierte, wurde von einem Soldaten ein scharfer Schuß abge- eben, durch den zwei Soldaten getötet und ein r i t t e r schwer v c r w u n d e t wurde. Berantw. Rehäkt.: Blsrep Wielepp. Heutölln. Inseratenteil verantw.: rtz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlaß: Vorwärts Buchdr-v.«erlagsanftalt xausSingertEo.,BerlinS>V. Hierzu 3 Beitage««.UnterhattungSbt. Nr. 279. 29. Iahrgattg. 1. Ktilqe ilts Lmiirts" Krlim MM Freitag, 29. Novenlker l9!2. k�eickstag. 72. Sitzung. Donnerstag, den 28. November 1V12, vormittags 11 Uhr. Am BundeZratStisch: v. Schorler. Kühn, Vie Neuerung. Die Besprechung der Interpellation S l b r e ch t u. Gen.(Soj.) über die Teuerung mit der ersten Beratung des Gesetzentwurfs betr. vorübergehende Zollerleichterung bei der Fleisch- einfuhr wird fortgesetzt. Abg. Wendorff(Vp.): Angesichts der Teuerungsverhältnisse hätte der Reichstag läng st einberufen werden müssen, um sich damit zu beschäftigen, und es ist zu erwägen, ob die Verfassung nicht dahin abzuändern ist, daß der Reichs- tag aus eigener Jnitrative zusammentreten kann. Am 21. Februar dieses Jahres glaubte der Staatssekretär Dr. Delbrück noch, die Fleischteuerung werde bald vorübergehen; heute hat er diese Hoffnung wohl nicht mehr. Die Regierung und der Reichskanzler erkennen jetzt an, wie schwer weite Kreise des Volkes unter der Teuerung leiden. Betrachten wir die Ursachen der Teuerung, so ist zuzugeben, datz sie zum Teil international ist) veranlatzt durch die Mißernte des vorigen Jahres; in Deutsch- land ist sie noch verstärkt worden durch die Maul« und Klauenseuche. Diese allgemeinen Ursachen äußern sich durch Verringerung des Angebotes. die preissteigernd wirkt. Aber das preußische Landesökonomie-Kollegium und der preußische Landwirtschaftsminister scheinen ganz anderer Meinung zu sein; dieser führte am S. Februar unter dem Beifall des Kollegiums aus, die deutsche Landwirtschaft wird weiter im Stande sein, den wachsenden Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung zu tragen, weder die. Dürre noch die Maul» und Klauenseuche hat Einfluß auf die Fleischversor« gung gehabten Grund- und Bodenpreiscn. Die erhebliche Steigerung dieser Preise in den letzten Jahrzehnten beweist, daß die Rentabilität eine s e h r g u t e sein muß. Für Guter, die vor zehn Jahren 10 0 0 0 0 M a r k kosteten, muß jetzt 1 M l l l i o n gegeben werden. Um diese hohen Bodenprcise herauszuwirtschaften, müssen allerdings von �n""0l'L Wucherpreise für Lebensmittel genommen werden.— Herr v. Schorlemer meinte, er habe mit seiner Aeußerung übcc den Fleischgenuß.keineswegs die Arbeiter verhöhnen wollen. Aber wie steht es denn mit seiner Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse?! Bei dem Fleischverbrauch in Deutschland kommen auf den Kopf pro Tag 143 Gramm. Das ist eine Menge, wie sie jeder Säugling an Eiweiß bra uch tz(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Würde jeder Arbeiter täglich soviel Fleisch genießen, wie ein gutes bürgcr- liches Kochbuch vorschreibt, so würde das Fleisch von ganz Europa nicht ausreichen für die Arbeiter Deutsch- lands. Dazu kommt, daß die Arbeiter bei ihrer schweren Arbeit einen stärkeren Eiweißbedarf haben. Zerstören wir die Gesundheit der Arbeiter, so zerstören wir die Wettbewerbs- f ä h i g k c i t unserer Industrie, die auf unseren Arbeitern beruht. Das Zentrum hat gestern keinen Agrarier vorgeschickt, sondern Herrn Gicsberts. Aber die Herren vom Zentrum waren bei allen agrarischen Maßnahmen dabei; sie waren ja auch geneigt, den armen Arbeitern, die sich keine Butter kaufen können, die Bka rga- rine zu verekeln. Jetzt wird freilich sogar schon von der Zentrum spresse verlangt, daß argentinisches Ge- f r i c r f l e i s ch zugelassen wird. Der Landwirtschastsminister meinte, die Presse, die das vor- langt, sei vom Ausland beeinflußt. Dafür hätte er doch wohl den Beweis liefern müssen.(Sehr richtigl links.) Die Gemeinden werden jetzt aufgefordert,'für eine billige Ernährung der Bevölkc- rung zu sorgen. Die Ausdehnung der Aufgaben der Gemeinde- Politik begrüßen wir; aber genau genommer. wollen die Herren doch nur die Großstädte an hohen Fleischpreisen interessieren. Für Großstädte wäre das ci::e sehr eige i'tige Politik, denn ihre Armenetats würden dadurch heb'ich o.!. eigen. ebenso die Summen, die sie als Löhne a» die i ichcn Arbeiter zu zahlen hätten. An dem Schutzzollsystem will die Regierung und wollen die Agrarier trotz der vorhandenen Notlage festhalten. Aber schon sind Anzeichen von dem Zuslimmenbruch des Schulizollsystems vorhanden, und wenn es fällt, muß auch das'fallen, was von ihm geschaffen worden ist, in erster Reihe die hohen Grund- und Boden- preise. Diejenigen, die sich jetzt als Freunde der Landwirtschaft bc- zeichnen, werden dann die Schuld haben an der allgemeinen Notlage.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Die Maßnahmen der Regierung haben als einzige Folge teiliveise eine Vcrbilliguug des Fleisches um ein paar Pfennige mit sich gebracht. Aber selbst da schreien die Agrarier bereits, die Regierung habe sich an der Allgemeinheit versündigt, in flammenden Protesten geht die „Deutsche Tageszeitung" gegen die Regierung vor. Ein form- l ich er Aufruhr entsteht, weil das Fleisch nun einig» Pfennige billiger geworden ist. Das soll verhindert werden, hungern soll das Volk solange �es irgend geht. Das ist die Politik der Herren von jener Seite, gegen �die wir mit aller Ent- schiedenheit ankämpfen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Matzingcr(Z.): Wir haben keineswegs den Arbeitern die Margarine verekeln wollen, sondern verlangten nur ihre Blaufärbung, um jeden Betrug zu verhindern. Wir sehen in der ganzen Frage der Fleischleuerung keine rein agrarische Frage, sondern eine Frage, die das ganze Volk interessiert. � Die Teuerung selbst wird allgemein zugegeben, nur ist man verschie- dener Meinung über ihre Ursachen, ihren Umfang und darüber. ob sie dauernd oder vorübergehend ist. Licht und Wasser sind ebenso notwendig, wie Nahrungsmittel; trotzdem betrachten die Städte Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke als angenehme Finanzquellen. Ich habe dagegen nichts; wer aber dies billigt, darf auch nichts dagegen haben, daß der Staat Zölle erhebt, zumal bei diesen Zöllen nicht nur das Finanzintcresse in Frage kommt, son- dern es sich darum handelt, die deutsche Landwirtschast Reistungs- sähig zu erhalten.(Sehr richtig! im Zentrum.)— Einer der Gründe für die vorhandene Kalamität ist auch der immer inehr verfeinerte Geschmack des Publikums, das die gc- ringeren Fleischsorten ablehnt. Dadurch ist auch die Jungvieh- züchtung zurückgegangen. In manchen Industriebczirken ist die Fleischvcrsorgung ein Monopol gewisser Großfirmen geworden; das ist auch ein wunder Punkt. Wir beobachten in München, daß die Viehpreise aus dem Markt selbst zurückgegangen sind, aber die Fleischpreise lassen im allgemeinen noch keinen be- sonderen Druck erfahren. Ja, die besten Stücke sind sogar rm Preise erhöht worden.— Dem Antrag auf Ueberweisung der Vorlage über die vorübergehenden Zollermäßigungen an eine Kommission stimmen wir zu, nur beantragen wir eine solche von 28 Mitgliedern. Redner tritt zum Schluß für die Schaffung von Mastanstalten ein. Direktor des Kaiserl. Gesundheitsamtes Bumm: Das Gesundheitsamt bedauert die Fleischteuerung außerordentlich. Ein Fleischminimum für das Volk hat das Amt nie aufgestellt, denn die Physiologen sind sich darüber klar, daß der Eiweißbedarf ganz verschieden ist, je nach der Lebensweise. Auch wird das Eiweiß nicht nur in der Form von Fleisch zugeführt. Wohl aber hat das Amt geprüft, wie ein Arbeiter Lch seine Mahlzeit zu- sammensetzen kann und hat dabei sestgeflcllt, daß ein Arbeiter mit 150 Gramm Fleisch notdürftig auskommen kann.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Notdürftig!) Daraus folgt aber nicht, daß jeder Arbeiter täglich mindestens 150 Gramm Fleisch genießen muß, er kann die betreffende Eiweißmenge auch in anderer Form durch Gemüse, Milch, Fische usw. aufnehmen. Ich gebe gern zu, daß derartige Rezepte für die Praxis w e n i g B e d e u t u n g haben, weil, wenn einmal die Bevölkerung an eine be st immte Fleisch menge gewöhnt ist, man ihr nicht zu- muten kann, plötzlich zu einer anderen Ernährungsweise übcrzu- gehen. Ich glaube allerdings, daß ebenso wie man heute nicht mehr den früheren Alkoholgenuß für notwendig hält, auch die Zeit kommen wird, wo man einsehen wird, daß das nicht die ge- s ü n d e st e Ernährungsweise i st, die am in e i st e n Fleisch gibt.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Anzeichen, daß das gesamte deutsche Volk an Unterernährung leidet, liegen nicht vor.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das gesamte nicht.) In manchen Gegenden ist zu Zeiten der Arbeitslosigkeit eine Unterernährung vorhanden; das liegt jedoch keinesfalls an einer zu geringen Fleischnahrung. In bezug auf den Fleischkonsum steht Deutschland keineswegs an letzter Stelle.— Die Tatsache, daß die Maul- und Klauenseuche auch nach der Grenzsperre noch aufge- treten ist, kann man doch nicht gegen die Nützlichkeit der Sperre anführen; die chronische Einschleppung der Seuche ist durch die Sperre jedenfalls verhindert worden. Für Pferde ist die Sperre nicht eingeführt worden, weil die Pferdeeinfuhr für die Ein- schleppung der Seuche ganz bedeutungslos ist. Tie Aufrecht- erhaltung des K 12 des Flcischbeschaugesetzes ist aus sanitären Gründen geboten.(Zuruf: Warum haben Sie sich denn seiner- zeit gegen den 8 12 gewandt?) Weil wir nicht wollten, daß alle diese Bestimmungen gesetzlich festgelegt würden, sondern dem Bun- desrat die Befugnis zuerkennen wollten, gelegentliche Ausnahmen zuzulassen.(Zuruf: Na also!) Das scheiterte damals an dem leider häufig vorhandenen Mißtrauen gegen den Bundesrat. Hierauf vertagt sich das Haus. Präsident Kaempf teilt mit. daß eine Interpellation A l b r e ch t und Genossen(Soz.) eingegangen ist: Was der Reichs- kanzler als verantwortlicher Leiter des Reichseisenbahn- a in t s zu tun gedenke, um dafür Sorge zu tragen, daß die p r e u- tzischen Eisenbahnen ausreichend mit Betriebs- Material versorgt werden, wie es das Verkehrsbedürfnis verlangt. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr.(Kleine Anfragen; Fort- setzung der Besprechung der Interpellation über die Teuerung; Interpellation Albrecht über die Ausrüstung der preußischen Eisenbahnen mit Betriebsmaterial; Nechnungssachen.) Schluß SVi Uhr.___ Hus der Partei. Zu den preußischen Landtagswahlen. Eine Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins ln R e m j ch e i d'nahm zum preußischen Parteitage und zu den Landtagswahlen Stellung. Nach einem Referat des Genossen Bühler wurde folgende Resolution einstimmig ange- nommen: „Die heutige Mitgliederversammlung des Sozialdemotratischen Vereins Remscheid sieht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß bei der kommeriden Landtagswahl die Sozialdemokratische Partei sich durch Aufstellung eigener Wahlmünner beteiligt und die neue Taktik, die von den Genossen Eisner und Bernstein cmp- fohlen wird, entschieden zurückweist. Eventuelle Abkommen mit anderen Parteien können erst nach den W a h l m ä»i n e r w a h l e n getroffen werden Die Versammlung verpflichtet sich, die Organisation auszu» bauen und in eine intensive Agitation für die bevorstehenden Landtagswahlen einzutreten." Als Kandidat für die Wahl zum preußischen Parteitaae wurde Genosse Bühler aufgestellt.__ Protestversammliiiigeii im Saalkreisc. Im Monat November wurde eine größere Anzahl von stark besuchten Protestversamm- lungen gegen Volksentrcchtung, Teuerung und Kriegshetze abgehal- ten. So referierte in Löbejün Genossin Sperling und in Ämmeudorf Genosse Paul H e n n i g. Genosse Fritz K u n e r t sprach über die gleichen Themata außer in Halle noch in Diemitz, Dölau, Lettin, Nietleben. Seeben. Teicha und Wörmlitz. Auch die Umgegend der genannten Ortschaften auf dem platten Lande war in den Versammlungen gut vertreten, so daß die Parteigeno'icn aus mehr als 36 Landgemeinden in dieser Zeit einmütig Proiest erhoben haben. Das Begräbnis des Genossen Hermann Förster. Unter zahlreicher Beteiligung der Hamburger Parteigenossen wurde am Donnerstag Genosse Hermann F ö r st e r zu Grabe ge- tragen. In der Kapelle des Ohlsdorser Friedhofes fand eine schlichte Feier statt, an der unter anderen teilnahmen der Partei- vorstand, vertreten durch den Genossen Hermann Müller, die Reichs- tagssraktion, vertreten durch die Abgg. Stadthagcn, Wurm, Baudcrt, Lautert, Käpplcr und Giebel. Auch aus Försters Reichs- tagswählkrcis Reuß ä. L. war eine Deputation erschienen. Sämt- uche Fraktioncli der Hamburger Bürgerschaft, der Förster augehö hatte, waren gleichfalls durch Mitglieder vertreten, ebenso Vorstand der Bürgerschaft. In der Kapelle riefen die Reichstag«.- abgeordneten F r o h m e. Stadthagen und Ba ude rt dem dahingeschiedenen Freunde Worte der Anerkennung und des Dankes nach. Am ofsenen Grabe hielten Genosse Hermann Müller- Berlin und Genosse Paul H o f f m a n n- Hamburg Trauerreden. Von den Gcwerksck�aftcn war der Tabakarbeiterverb�M dessen erster Vorsitzender unter dem Sozialistengesetz Genoss�Mrster gc- wejen, durch zahlreiche Mitglieder vertreten. Fortschritte der holländischen Arbeiterbewegung. Nach den Mitteilungen des Arbeits-Iahrbuchs stieg die Zahl der Zweigvercine der Sozialdemokratischen Partei von Ende Juni 1911 bis dahin 1912 von 253 auf 272, die der Miigliedcr von 11 238 auf 14 154, d. i. um 26 Proz. Das Tageblatt„Het Volk" vermehrte seine Abonnenten um rund 5000 und erscheint jetzt in einer Auflage von 25 000. Die Frauen-Wochenzeitung hat eine Auflage von 5200. Der Kammer gehören 7, den Gcineindever- tretungcn 180 Genossen an. Von den nächstjährigen Kammer- wählen erwartet man, entsprechend dem Wachstum der Bewegung, eine Zunahme.• Auch die G e w e r k s ch a f t s bcwcgung erfreut sich kräftigen Wachstums. Die Mitgliederzahl der dem Niederländischen Gcwerk- schastSverband arlgcschlosscnen Organisationen stieg vom 1. Oktober 1911— 1912 von 48 861 auf 56 313. Dazu kommen eine Reihe Or» ganisationen, die nur gelegentlich init den anderen zusammen- wirken. Die stärkste und bestorganifierte Gewerkschaft ist die' der Diamantarbeiter, die mit ihren 9865 Mitgliedern an der Spitze der angeschlossenen steht. Das syndikalistische Nationale Arbeiter- sekretariat mustert noch 6180 Anhänger, während in katholischen Arbeitervereinen 38 848 Arbeiter„organisiert" sind. Insgesamt zählte man 169 144 mehr oder minder gewerkschaftlich Organisierte, ein Viertel davon allein in Amsterdam.— Gemeindewahlen. Im Wahlkreise Dortmund-Hörde erzielten w!r in den letzten Tagen noch eine Anzahl günstiger Resultate. In Hohen- s y b u r g— weiter bekannt durch den Kaiserbesuch— siegten wir in l�r 3. Abteilung.— In Sölde siegte unser Kandidat mit 177 gegen zwei Stimmen.— In Aplerbeck siegten wir eben- falls. Unsere Liste erhielt 324, die der Nationalliberalen 191 und die des Zentrums 103 Stimmen.— In der Gemeinde Rahm er- oberten wir ein zweites Mandat.— In Kemminghausen siegten wir ohne Gegnerschaft._ polizeiliches, Gerichtliches ukw. Eine Polizeiaktion. Am 1. April 1910 wurden in Magdeburg einige Vororte ein- gemeindet, die zum Kreise Wanzleben gehörten. Da mit der Ein- gemeindung der Orte an ihrer Zugehörigkeit zum Reichstags- Wahlkreise Wanzleben nichts geändert wurde, so änderte die sozialdemokratische Partei in organisatorischer Beziehung nichts, lliid der Sozialdemokratische Verein des Kreises Wanzleben ließ seine in den Vororten— es handelt sich um vier: Fermersleben, Salbke, Westerhüsen und Lemsdorf— eingerichteten Ortsgruppen bestehen. Vor turzem hat nun der Magdeburger Polizeipräsident von jedem Porsitzende» der Ortsgruppen die Einreichung der Vcr- einssatzungen und eines Verzeichnisses der Vorstandsmitglieder verlangt unter der Begründung, daß„der Verein eine eigene Tätig- keit entfalte und eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke", also unter die Bestimmungen des§ 3 des Reichsver- einsgesetzes falle. Der Kreis Vorstand hat hierauf die Ortsver» waltungen veranlaßt� dem Polizeipräsidenten ein Vereinsstatut, das selbstverständlich für alle Ortsgruppen Gültigkeit hat, einzu» reichen und ihm obendrein auch noch ein Verzeichnis der Mitglieder des Kreisvorstandes zu übermitteln. Dabei wurde darauf hinge- wiesen, daß die Ortsgruppen keine selbständigen Vereine seien, wie aus dem Z 2 des Statuts hervorginge, in welchem der entscheidende Satz lautet: „Die örtlichen Organisationsleiter sind Bevollmäch» tigte des Vor st an des. in dessen Auftrag sie die Ver, einsgeschäfte zu führen haben.� Dessenungeachtet ivandte sich ver Polizeipräsident wiederum an die Ortsgruppcnvorsitzenden mit dem Ersuchen, binnen zehn Tagen auch ein Verzeichnis der Ortsgruppenvorstandsmitglieder einzu- reichen, widrigenfalls Bestrafung erfolge. Dies Ersuchen wird nun allerdings nicht erfüllt Iverden. denn der Kreisvorstand hat— von der Bestimmung des§ 2 des Statuts Gebrauch gemacht und den in Betracht kommenden Ortsgruppenleitern den Auf- trag, die örtlichen Vereinsgeschäfte zu führen. entzogen, so daß sie also auch namens der Ortsgruppen- leitung keinen Briefwechsel, selbst nicht mit dem Polizeipräsidium. führen dürfen, womit gleichzeitig dokumentiert ist, daß die Orts» gruppen tatsächlich keine selbständigen Vereine sind. WaS wird nun der Polizeipräsident beginnen? Der Kleru» in Elsaß-Lothringen vor Gericht. Vor der Strafkammer in Straßburg im Elsaß wurde am Mättwoch gegen den Genossen Fischer als Verantwortlichen der Straßburger„Freie Presse", ferner gegen den Priester Charles Thilmont aus Oberginingcn und gegen den Redakteur des„Journal d'AIsace Lorraine" verhandelt. Bischof Benzler und der bisherige bischöfliche Generalvikar in Metz hatten Stüifantrag gestellt. Die Verhandlung war mehrfach vertagt worden. Der Fall Thilmont- Bischof Benzler beschäftigt seit Jahr und Tag die Ocffentlichkeit. Es handelt sich um zwei selbständige Strafverfahren der Staats- anlvaltschaft. Tie eine Beleidigungsklage richtete sich gegen Abbe Thilmont und den Redakteur Äarl Eugen Lutz vom„Journal d'Alsace-Lorraine" wegen der Veröffentlichung des Artikels„Eveque pamphletier"(Ein Bischof als Pamphlelschreiber), die zweite Klage gegen den Redakteur Emil Fischer wegen des Artikels„Priester und Bischof" in der„Freien Presse", durch den neben Bischof Benzler töencralvikar Dr. Pelt und Superior Dr. Dorvcaux sich beleidigt fühlen. Tie Vorgeschichte des Konfliktes des Abbe Zchilmont mit Bischof Benzler liegt in den zivilrechtlichen Streitigkeiten um das Eigen- tum und die Verwaltung der von Abbe Thilmont im Jahre 1891 gegründeten Anstalt zur Zwangserziehung verwahrloster Kinder in Lberginingen. Diese Anstalt trat Abbe Thilmont im Jahre 1902 durch Verkauf an die Brüder der christlichen Schulen ab, nachdem sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Vor dem Ver- kauf und späterhin noch kam es über die Verwaltung und das Eigentumsrecht zwischen dem Bischof und dem Pfarrer zu leb- haften Meinungsverschiedenheiten, in deren Verlauf Bischof Benzlcr über den Abbe die Kirchenstrafe der„Suspensiv a divinis" ver- hängte. Ter vor dein Richterstuhl der Kongregation in Rom ge- führte Prozeß führte zu keiner Einigung, ebensowenig ein geistliches Schiedsgericht in Metz, dessen Mitglieder— unter ihnen Bischof Koruin von Trier— vielmehr von Abbe Thilmont später wegen Beleidigung verllagt wurden. Ein anderer Beleidigungsprozeß, den Adbe Thilmont gegen Bischof Benzler selbst führte, endete nach an den damalige, Landesausschuß von Elsaß-Lothringen gerichteten Eingabe, die er auch in den Buchhandel brachte. Die„Freie Presse" in Strasburg brachte in dem inkriminierten Artikel Auszüge aus dicchr Eingabe. Unter anderem wird dem Bischof vorgeworfen, daß wan jetzt nur noch als guter Priester gelten könne, wenn man auf- gehört habe, ein ehrlicher Mensch zu sein, und daß der Bischof die Gewissen vergewaltige, um den Leuten Geständnisse und Eide zu entreißen, die ihnen zuwider sind.— Der als Zeuge vernommene Abbe Thilmont, der in der nachfolgenden Verhandlung Angeklagter ist. verweigerte seine Aussage. Durch Gerichtsbeschluß wurde aber die eidliche Vernehmung beschlossen. Thilmont gab unter Eid an, daß der Bischof mehreren Priestern nahegelegt habe, mit ihm(dem Zeugen) nicht mehr zu verkehren. 3iiß ein direktes Verbot des Bischofs existiert, weiß er aber nicht, �ecr Zeuge Priester Lück, dem vom Bischof das Messelescn verboten wurde, sagte aus, daß er. diese Maßnahme auf einen Artikel des„Lothringer", einer Zeitung des lothringischen Bfoch�S, die auf dem Kriegsfuß mit der deutschen Zcntrunispartei steht und deren Freund der Bischof Benzler sei, zurückführe. Dieser Artikel ironisiere die Zenlrumspartei und behaupte, daß man ein guter Katholik nur dann sein könne, wenn man Zcntrümler sei, und daß zu den 10 Geboten noch eins hinzu- kommen müsse: Du mußt Zentrumsanhänger sein! Diese Ange- legcnhcit mit dem Artikel, den er widerrufen sollte, unterbreitete er seinem französisdhen Erzbischof(zu dessen Diözese der Abbe Lutz jetzt gehört). Der Erzbischof erklärte ihm, er verstünde das Vor- gehen des Bischof Benzler gegen Lück nicht.— Das Urteil lautete gegen Fischer auf 300 M. Geldstrafe. Dann folgte die Verhandlung gegen Abbe Thilmont und gegen Lutz._ Gerichts- Zeitung. Sind der Fabrikarbeiterverband, der Zimmcrerverband und der Teulschc Metallarbcitervcrband politische Bereine? Lie Aufwerfung dieser Frage in entsprechenden Beweis- beschlüsscn ist das vorläufige Ergebnis der Verhandlung in drei Prozessen, die am 20. November das preußische Oberverwaltungs- gericht beschäftigten. Tie Prozesse-Waren-angestrengt worden vom Geschäflsfiihrec der Verwaltungsstelle Bttierfeld des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands gegen den Oberprästdenten der Pro- tchnz. Sachsen, v..sizerwinski. dem Vertreter der Ortsgruppe E.wlm- fee des Zentralverbandes der Zimmerer gegen den Oberpräsidentcn der Provinz Weftpreußen und vom Former Welze! als Ver- trauensmann der Ortsgruppe Kotzenau des Deutschen Metall- arbeitcrvcrbandes gegen den Regierungspräsidenten zu Liegnitz. In allen Fällen handelte es sich um von der höheren Behörde ge- billigte ortspoljzeiliche Verfügungen, welche die Einreichung der Statuten eines Verzeichnisses der Vorstandsmitglieder der Zweig- vereine bczw. Ortsgruppen verlangten. Die Behörden gingen da- von ans, daß es sich um politische Vereine im Sinne des Reichs- dcreinsgesctzcs handele. In den drei Fällen war Klage erhoben worden mit der Be- gründung, daß politische Vereine hier nicht in Frage kämen. Die Vertreter der Kläger iRechtsanwalt Wolffltmg Heine in den Sachen aus Bittcrfeld und Kotzenau und Rechtsanwalt Dr. Herz-Hamburg in der Sache auS Cukmsee) legten eingehend dar. daß weder die Ortsvereine politische Vereine seien, noch die in Frage kommenden Zentralverbändc. Das Oberverwaltungsgericht will nun augenscheinlich gleich „ganze Arbeit" machen. Es beschloß Beweiserhebung, nicht aber über das Bcreinsleben der einzelnen hier in Betracht kommenden Zweigstellen bezw. Ortsgruppen, sondern über den Charakter der genannten drei Zentralverbände. Es soll darüber erstens der Polizeipräsident von Berlin bezüglich aller drei Verbände und außerdem in jedem Einzelfalle die Polizeibehörde des Orts gehört werden, wo der Sitz jedes der Verbände sich befindet(Hamburg be- züglich des Zimmerervcrbandes, Hannover bezüglich des Fabrik- arbeiterverbandcs, Stuttgart bezüglich des Metallarbciterver- bandes). Das Beweisthema(in das immer der Name des frag- lichen Zentralverbandes einzusetzen ist) lautet in allen drei Fällen übereinstimmend: Was ist bisher(den genannten Behörden) bekannt geworden darüber, ob, wodurch und inwiefern der Ber- band auf politische Angelegenheiten einzuwirken bezweckt? Es ist klar, worauf diese Beweisbeschlüsse abzielen. Man will, wenn es gelingt, die Verbände als solche zu politischen zu stem- peln, damit gleich auf einen Schlag alle Ortsvereine der Ver- bände treffen. Denn nach dem Standpunkt des Oberverwaltungs- gerichts teilt ein Zweigvcrein, der zu einem politischen großen Ver- bände gehört, den politischen Charakter des Verbandes, ohne daß es in diesem Falle auf eine Betätigung des Zweigvereins ankommt. Auf den endgültigen Ausgang der obigen drei Prozesse kann man gespannt sein. Der politische Arbeiter-Radfahrerverein. Der Vorsitzende des Arbeiter-Radsahrervcrcins„Edelweiß" in Heidersbach bei Suhl, Ernst Weiß, hatte vom Amtsvorsteher eine polizeiliche Verfügung erhalten, die Statuten und ein Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes einzureichen, weil der Verein ein politischer sei. Weiß beschwerte sich vergeblich beim Landrat und beim Regie- rungspräsidenten zu Erfurt. Der Regierungspräsident bemerkte, der politische Charakter des Vereins ergebe sich schon aus seiner Zugehörigkeit zum Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität". Auch werde im Verein das Bundesorgan„Der Arbeiter-Radfahrcr" ge- lesen. Weiß klagte nunmehr beim Oberverwaltungsgericht auf Auf- Hebung der Beschwerdebescheide und der polizeilichen Verfügung. Er machte geltend, der Verein gehöre allerdings zum Bunde„Soli- darität". Damit sei doch aber nicht gesagt, daß der Verein sich mit Politik beschäftige. Dem Oberverwaltungsgericht, lagen eine Reihe Strafakten vor, die dem Bunde angehörende Slrbeitcr-Radsahrervcrcine be- treffen und mit dem politischen Charakter des Bundes„Solidari- tät" rechnen. Ferner war ein Urteil zur Stelle, in dem im Jahre 1905 das Obcrverwaltungsgericht den Bund„Solidarität" für einen politischen erklärt hat. Tie Klage vertrat Rechtsanwalt Theodor Liebknecht. Er machte u. a. geltend: Der Verein„Edelweiß" habe sich selber in leiner Weise politisch betätigt. Es könne sich deshalb nur fragen, ob die bloße Zugehörigkeit zum Bunde„Solidarität" ihn zu einem politischen Verein mache. Das müßte verneint werden, selbst wenn der Bund politisch wäre, was bestritten werden müsse. Der Verein „Edelweiß" habe sich lediglich der wirtschaftlichen Vorteile wegen angeschlossen, die der Bund biete. Und der„Arbeiter-Radfahrer" werde nur als Publikationsorgan gelesen. Das Oberverwaltungsgericht wies aber die Klage ab und führte aus: Das Gericht stehe auf dem Standpunkt, daß Einzelvereine, die sich großen Verbänden anschließen, welche ihrerseits politisch wären, auch ohne weiteres den politischen Charakter des Ver- bandes annehmen. Das Oberverwaltungsgericht habe nun im Jahre 190S den Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität" für einen politischen Verein erklärt. Die tatsächliche Entwickelung der Folge- zeit gebe ckeinen Anlaß, von der Auffassung abzugehen. Im Gegen- jeil sei auf Grund der vorliegenden Materialien auch nach dem Inkrafttreten� des Reichsvereinsgesctzes keine andere Möglichkeit gegeben als die, erneut festzustellen, daß der Bund„Solidarität" eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke. Ver- schiedene Strafgerichtsurteile aus der neueren Zeit hätten den politischen Charakter des Bundes ausgesprochen. Lluch sei auf dem Bundestage im Jahre 1910 eine Begrüßungsansprache gehalten worden, welche unzweideutig ergibt, daß der Bund sich die Förde- rung der Ziele der Sozialdemokratie zur Aufgabe mache. Sei aber der Bund politisch, dann sei es auch der zu ihm gehörende Verein„Edelweiß", ganz gleichgültig, aus welchem Anlaß er dem Bunde beigetreten sei. Das polizeiliche Verlangen sei somit ge- rechtfertigt._ Ein kleiner Anarchistenprozeß beschäftigte gestern die 1. Straf- kammer des Landgerichts I. Am 22. Juli war der Redakteur des Anarchistenblattes„Freier Arbeiter", Verthold Cohn, wegen Auf- forderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und Aufforderung zum Klassenhaß angeklagt. Zur Erhebung der Anklage hatte ein Artikel des„Fr. Arb." unter der Ueberschrift„Die Revolution lebt" Anlaß gegeben. In dem Llrtikel war u. a. indirekt zum Ge- neralstreik aufgefordert worden. Der damals Angeklagte hatte er- klärt, daß er nicht der Verfasser des Artikels sei, diesen auch nicht nennen»volle, aber die Verantwortung übernehme. Der Ange- klagte wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Run wurde eines Tages in den Räumen des„Freien Arbeiter" plötzlich eine Haussuchung abgehalten, und bei dieser Gelegenheit wurde ein Brief eines gewissen Johannes Leskien aus Holland vorgefunden. aus welchem sich ergab, daß er den strafbaren Artikel verfaßt hatte. Leskien hielt sich in Holland auf; als er dort keine Arbeit fand, kam er nach Berlin, wo seine Eltern wohnen. Hier wurde er ver- haftet und wegen Vergehens gegen die Z§ 110 und 130 StGB. An- klage gegen ihn erhoben. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn 0 Monate Gefängnis, der Gerichtshof erkannte auf 2 Monate Ge- fängnis unter Anrechnung vo�6 Wochen Untersuchungshaft. Ein Streit um das große Los ist zwischen dem Inhaber eines Bank- und LotterieloSgeschäftS Franke in Köln und dem Direktor der Losevertriebsgesellschaft preußischer Lotterißiollekteure Jacobi in Berlin vor Gericht geführt worden. Jacobi ist der glückliche Inhaber des 75 000 M. betragen- den Hauptgewinnes einer zur Errichtung eines Jnnungshauses in Metz veranstalteten Lotterie. Franke, der behauptet, das betreffende Los sei am Ziehungstage aus einer Filiale seines Geschäfts ent» wendet worden, erhob gleichfalls Anspruch auf den Gewinn. Ein Zivilprozeß, der wegen dieser Angelegenheit geführt wurde, ist zu- Ungunsten Frankes entschieden. Dann hat die Frau des Bankiers Franke die-Angelegenheit wieder aufgerollt, indem sie aus Anlaß einer Unregelmäßigkeit bei einer Elberfelder Lotterie ein Schreiben an die Direktion der Losevertriebsgesellschaft richtete, worin die Schreiberin mitteilt, sie habe im Hinblick auf den Elberfelder Fall die Absicht, den Fall Jacobi in einem Zeitungsartikel zu be- sprechen, sie gebe aber der Direktion Gelegenheit, den Artikel— der im Manuskript dem Schreiben beilag— vor der Veröffentlichung kennem zu lernen, damit die Direktion den Fall Jacobi eingehend untersuche.— Wegen dieses Schreibens bzw. des Artikelmanu- skripts hat Jaaobi, der jetzt nicht mehr Direktor der Losevertriebs- gesellschaft ist, gegen Frau Franke Beleidigungsklage erhöhen. Die Klage wurde gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte ver- handelt. Der Anwalt der Beklagten berief sich darauf, daß daS Schreiben seiner Mandantin an die Direktion der Losevertriebs- gesellschaft sich nur auf folgende Tatsachen beziehe: Am 5. April sei das Los Nr. 51 272 mit dem Hauptgewinn von 75 000 M. ge- zogen worden. Am Morgen des 5. April habe Franke dies LoS noch in seiner Filiale gesehen. Als ihm am Wittag bekannt wurde, daß der Hauptgewinn auf diese Nummer gefallen sei, habe er bei seinem Filialleiter sich nach dem Lose erkundigt und die Antivort erhalten, das Los sei nicht mehr vorhanden. Jacobi sei als Leiter der Lotterie bei der Ziehung in Metz anwesend gewesen und habe sich dort sogleich als den Inhaber des Loies, auf das der Haupt- treffer gefallen war, gemeldet. Franke habe angenommen, das be» treffende Los sei ihm gestohlen worden. Er habe das Los als ab- banden gekommen bei der TirsWvn der Losevertriebsgesellschaft angemeldet und ein vom 8. April datiertes Antwortschreiben er- halten, worin die bezüglich des abhanden gekommenen Loses zu erledigenden Formalitäten dargelegt werden aber nichts davon er- wähnt wurde, daß Direktor Jacobi im Besitz des Loses sei. Durch gerichtliche Verfügung sei die Auszahlung des Gewinnes gesperrt worden, als aber der Gerichtsvollzieher erschien, um das Geld in das gerichtliche Depot zu überführen, habe sich herausgestellt, daß sich Jacobi schon drei Tage vorher die 75 000 M. habe auszahlen lassen. Der Kläger Jacobi behauptet demgegenüber, er habe das LoS durch Kauf rechtmäßig erworben. Wenn ihm die Direktion Herrn Franke gegenüber nickst als den Gewinner angab, so sei das ledig- lich geschehen, weil die Lotteriegeschäfte ebenso wie die Verwaltung der preußischen Lotterie alle auf die Lotterie bezüglichen Ange- legeiihcitcn als' diskret betrachten und keine Mitteilungen darüßer machen. Er selber hätte gegen die Angab« seines Namens nichts einzuwenden gehabt, er habe auch die Erörterung der ganzen An» gelegenheit vor Gericht nicht zu fürchten. Ehe das Gericht in die Beweisaufnahme eintrat, verglichen sich die Parteien. Fron Franke erklärte, sie habe nicht die Absicht gehabt, den Kläger zu beleidigen, sondern sie habe nur eine er. neute Prüfung des Sachverhalts durch die Direktion herbeiführen wollen. Sie habe auch dem Kläger nicht den Vorwurf machen wollen, daß er an der angeblichen Entwendung des Loses irgendwie beteiligt sei oder daß er durch die Leitung der Ziehung irgendeinen unberechtigten Einfluß auf das Zufallen des Gewinnes an ihn ausgeübt habe. Nach dieser Erklärung nahm der Kläger die Klage zurück. «v W Vi m Hl Unserem Wenosscn u. Wenosstn StKriliowsld zur Silbcrlio-tizcit die herzlichsten Mückivll wünsche! Oer Bezirltsführer und Kommission 78*3. Todes-Anzeigen Am 2t>. November starb»ach langem Leiden mein geliebter Gatte und Vater, der Schneider- meijler lisvb ksnl l'sppvni im 6i. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags'1,4 Uhr, aus dem Fried bist der Freireligiösen Gemeinde, Vappel-Allee 12— 17, statt Ulli stilles Beileid bittet Anua Dappcrt geb. Gennert. Georg Tappert. SozialäernokratiscliefWahlvErel!! Id. 2.ßEii. RElctistagswatilkPEis,| Am Dienstag, den LK.Rovember, verstarb unser Mitglied, der Schneidermeister KaH Tappert im 61. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet ain Sonnabend, den 3(5. November. nachmittags i/,4 Uhr. auf dem Friedhof der Freireligiösen Ge- meinde, Pappelallee, statt. Um rege Betelllgung ersucht 209/5 Der Vortttand. Danksagung. Für die rege Teilnahme und Kranzspenden bei der Bcerdiauag meines lieben ManneS sage ich allen Be- lelltgten mcn herzlichsten Dank. 42a Witwe Paullne Koßmann. VErtiand dEFScfinEidEPiindSehnEldErinnEn Den Mitgliedern'zur Nachricht, daß der Kollege Karl Tapperi am 26. November im Alter von 63 Jahren verstorben ist. Ehre scinew Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3(5. November, nachmittags'1,4 Uhr, auf dem Friedhof der Freireligiösen Ge- meinde, Pappclallcc 15/17, statt. 165/5 vi« Ortsverwaltung. SozialdfimokratischErWatilvfirEinl Bolmsdor!(Rrels TbIIow), Am Montag, den 25. November, verschied plötzlich und unerwartet aus dcnl Heimwege von der Ar- bell unser Genosse, der Tischler kernkai-d Langhop im 52. Lebensjahre. 203/11 Sein treuer Fleiß und guter Charakter wird unS allen unvcr- geßlich bleibe». Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde. FrieddoseS aus in Bohnsdorj- bei Grünau statt, Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachiicht, daß mein üebei Manu und unser guter Vater Kari HlUllep nach schweren Leiden gestorben ist, Wilholmine Müller nebst Kinder. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 30. November, nachmittags 1 Uhr, von der Leichen- Halle dc-Z Zioiis-jtirchhoscS in Nordend aus statt. rillen Freunden und Bekannten ! die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, Bater,€ chwieger- oater und Großvater, der Gastwirt ! kränz: Richter nach kurzem Leiden am Dienstag im 68. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigt dicsbetrübl an Oie trauernde Aitwe Marie Richter, Fianzltraße 1. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des Georgen- Friedhoses, Landsberger Allee, auS statt. 144gb Ganz unerwartet starb plötzlich ! unser langjähriger Abteilungs- j sührer, der Tischler Bernhard Langhop. Wir verlieren in ihm einen treuen, opscrioilllgen und zu- ocrlässigcn Genosse». Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonnt ig, den 1. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, in Bohnsdorf, aus dem Gemeindesnedhos statt. Die Genossen der sechsten Abteilung des vierten Kreises. Slm 28. November verstarb in- folge eines Schlagaiisalls meine liebe Frau, unsere liebe Mutter Fuchs gcb, Plata im Alter von 36 Jahren. Um stille» Beileid bitten ISraHt Facha nebst Kindern, Holzmarktflr. 37a. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gcorgcn- Kirchhofes, Landsberger Allee. aus statt. 3A langjährigen 42A Nachruf. Unserer lieben guten Kollegin �.nna Klopsch die letzten Schcldegrütze. Ehre ihrem Audcuken! Di« ZeitmigsnuSirngerinne» der Spedition Moabit. lln.Simms! Zpeml-�nit für Haut- und Harnleiden. Prinzeustr. 41, 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Allen Freunden und Bekannlcn l die traurige Nachricht, daß unsere liebe Mutter 42A> �nns Klopsch nach langen, schweren Leiden am 27. d. M. saust entschlafen ist. Dies zeigen licsbctrübt an vis trauernden Kinder. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 2 Uhr. von der Halle des Zentral-Fricd- �ofeS�il�riedrnhsseid�i�st�b Z« Slkiki SMeii Li- Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung. Herausgegeben 218/ IS*| von Klax Grimwald. Heft 6 s und, die Von Conrad Haenisch. PreiS 40 Pf. Heines Werke . 3 Bände 1 Matt. Buchhandlung vorwärts Lillisss�kiKsbOls#� htltbarer, btwührter and gutsitzender Berufs-Kleidung Manchester- Anzüge 11 on q fin 7S Marke Gambrlnu». Slraparterteat. Warm Relüttert. Aia-7" Westc�/.VV/ HoaotzJ,/ J Herkules- Ledpf-Hosfr» Allein- Verkauf. Gestreift oder. O:. u einfarbig. Kernig und stark.>1 Cfk Jieste Arbeit. Bund ans einem btüok. Bchweie Taschen........ AI. 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Feiner alter Tarragona& 1.00 Douro-Portwein I. v, Fu.che 1.50 Aller Douro-Portwein Ä* 1.85 Insel Samosv.fiuoh« 85 pl. i.oo 1907 Castiilonnais. n 87 pt 1907 Chat. Lague, rXTi 95 pr. 1908 Haut Mcdoc..•/. fl 1.05 1907 Chat. Terrcfort>/. fl 1.25 1 907 Chat. Duhart Milonv. fl 1.45 Kognak Kognak-Verschnitt v. Fi»,«he 1.30 Fein. Kognak- Verschnitt& 1.85 Deutscher Kognak �ifTat fi.2-35 Feiner deutscher Kognak 'Weindestillat.,,, V, Fluch« 2.80 Fettgänse pfund 75 pr. GcfttXffCt Tilsiter Enten..... Pfund 73 pr. Schneehühner.... stock 1.00 Junge Hähnestl. 40, 1.75,2.25 Puten....... Pfund 75, 85 pt Suppenhühner st 1.50 bis 3.00 Gänserümpfe....... Pfd. 95 pr. pfulid Sv, 60» 7Spt, Fische Kabeljau ftÄ? 15 pr. Schellfische.... Pfund 18, 22 pr. Zander 70. Eachs �,?L°W.70 pt. Stockfische....... prund 68 pt Lebende Hechte bnr6a"e" n,, 85 pr. Spiegelkarpfen knÄ™ 80 pt über l>/z Pfd. y g Pf. Leb. Schuppenkarpfen 65, schw� m Obst and Gemüse Kochäpfei......• prund 25 pr. Ananas..... prund 65, 85 pt. 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Hierbei versuchte die konservativ-klerikale Mehrheit— leider mit Erfolg— für die Grundbesitzer einen Vorteil zu erzielen. Räch § 31 der Vorlage sind nach dem Tode eines Steuerpflichtigen hie Erben verpflichtet, auf Aufforderung ein Verzeichnis über das von dem Verstorbenen hinterlassen« Kapitalvermögen cinzSreichcn. Ein fortschrittlicher Antrag, der diese Bestimmung auf das gesamte steuerbare Vermögen ausgedehnt wissen wollte, stieß nicht nur bei den beiden konservativen Parteien und dem Zentrum, sondern auch bei der Regierung auf lebhaften Widerspruch. Die Vertreter der Rdehrhcitsparteien bekämpften ihn mit ähnlichen Argumenten, wie sie sie gegen die Erbschaftssteuer im Reichstage vorgebracht haben, und der Minister fügte hinzu, daß es der Regierung in der Haupt- fache darauf ankomme, das Kapitalvermögen zu erfassen, das jähre- lang im Verborgenen bleiben könne, während es bei allem übrigen Vermögen für die Steuerbehörde viel leichter sei, zu erfahren, was vererbt ist und was der Betreffende besitzt. Der Antrag wurde hierauf gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Gleichfalls ab- gelehnt wurde ein Antrag des Zentrums, wonach eine Nachzahlung der zu wenig gezahlten Steuern nicht stattfindet, wenn sich aus der Anzeige der Erben ergibt, daß der Erblasser zu niedrig eingeschätzt gewesen ist. Ter Generalsteuerdirektor bezeichnete es als ungerecht- fertigt, hier eine Milde einzuführen, da es darauf ankomme, die- jenigen Prsonen zu treffen, die bei Lebzeiten ihr Vermögen zu gering angegeben haben. Die Nachmittagssitzung wurde durch eine angeregte Debatte über dicFinanzlagedesStaates ausgefüllt. Anlaß hierzu gaben eine Reihe von Anträgen. Die Fortschrittler beantragten in erster Linie die Einführung einer Quotisierung der Steuern. In zweiter Linie verlangten die Fortschrittlcr, daß die Erhebung der Stcucrzuschlägc vom 1. April 1915 fortzufallen habe. Nicht ganz so weit ging ein nationalliberalcr Antrag, der einen allmäh- lichen Abbau der Steuerzuschläge fordert, und zwar sollen sie im Jahre 1913 in voller Höhe, im Jahre 1914 zu 79 Proz� im Jahre 1915 zu 35 Proz. der festgesetzten Höhe fortcrhobcn werden und mit dem LApril 1916 überhaupt in Fortfall kommen. Ergänzt wurden diese Anträge durch einen sozialdemokratischen Antrag auf sofortigen Fortfall der Zuschläge für alle Einkommen von nicht mehr als 1509 Mark. Zur Begründung erhielt zunächst ein nationalliberaler Redner das Wort, der die Frage, ob die Zuschläge überhaupt noch notwendig sind, verneinte. Er wies darauf hin, daß der Etat erheb- liche Ueberschüsse zu verzeichnen habe, daß der Ausgleichsfonds be- reits auf 376 Millionen Mark angewachsen sei, und kritisierte das Tesaurierungsbestreben der Regierung. Als weiteren Grund gegen die Erhebung der Zuschläge führte er das Verhältnis zu den Reichsfinanzcn an. Man müsse wie in anderen Ländern endlich auch in Preußen einmal dahin kommen, daß die Steuern ermäßigt werden, wenn ihre Erhebung nicht nötig sei. Diesen Ausführungen trat der F i n a nz m i n i st e r entgegen, der die Erklärung abgab, daß die Regierung zurzeit außerstande sei, auf die Zuschläge zu verzichten, wenn ihr nicht nftie Einnahmequellen eröffnet würden. Wolle man nicht wieder in die Defizit- Wirtschaft �hineinkommen, dann dürfe man der Verwaltung nicht eine Einnahme von 63 Millionen nehmen. Män dürfe auch nicht vergessen, daß der Ausglcichfonds durch die zu erwartenden Nach- fordcrungen aus Zlnlatz des Wagenmangels um etwa 59 Millionen geschwächt werde. Aus den Eisenbahnen könnten mehr Mittel, als zurzeit vorhanden sind, nicht herausgewirtfchaftet werden. Auf den Vorschlag einer Quotisierung. der sich in der Theorie recht schön ausnähme, könne sich die Regieung in der Praxis auf keinen Fall einlassen, denn die Erfahrungen in den Gemeinden beweisen, daß die Quotisierung nur ein Anreiz zu höheren Ausgaben bedeute. Nachdem ein Vertreter des Eisenbahnministers zugestanden hatte, daß die Eisenbahnüberschüsse über Erwarten ge- stiegen sind, ergriff ein frei konservatives Mitglied das Wort, um seiner Meinung dahin Ausdruck zu geben, daß die Eisen- bahnüberschüsse in erster Linie im Interesse von Verkehrserleichte- rungcn und-verbilligungen verwendet werden müßten. Di« Hoch- konjunktur wurde voraussichtlich bald abflauen. Man könne heute um so weniger auf Zuschläge verzichten, weil die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei. daß'den Einzelstaaten durch das Reich Steuer- quellen entzogen werden. Redner warnt« davor, Beschlüsse zu fassen, die das Zustandekommen des Gesetzes gefährden. Aus politischer Klugheit dürfe das Dreiklassenparlament nicht das Odium auf sich laden, daß es ein Gesetz zu Fall gebracht habe, durch das die Be- sitzenden schärfer erfaßt werden sollen. Diesen Ausführungen schloß sich ein konservativer Redner, der im übrigen auch die Ouoti- sierung bekämpfte, im wesentlichen an. Ter nationalliberale Redner erwiderte, wenn man überzeugt sei, daß es nicht angebracht sei. der Bevölkerung neue Lasten in Form höherer Zuschläge auf- zuerlegen, dann dürft man sich auch durch Drohungen nicht beein- flusscn lassen, gegen seine Ileberzeugung zu handeln. Die Zu- schlüge müßten zeitlich begrenzt und provisorisch sein, zumal da ja auch die Ordnung der Eisenbahnfinanzen nur eine provisorische sei. Namens des Zentrums erklärte ein Mitglied in erster Linie die Zustimmung zu dem nationalliberalen Antrag. Der Vertreter der Fortschrittlichen Bolkspartei gab seiner Uebcrzeugung dqhin Ausdruck, daß durch die stärkere Handhabung des Veranlagungsgrschäftes jährlich etwa 39 Millionen Mark mehr an Sieuern aufkommen würden. JDamit sei bereit« die Hälfte der fortfallenden Zuschläge gedeckt. Sollte das Gesetz nicht zustande kommen, so trügen diejenigen die Verantwortung, die sich allen Aenderungen auf Erleichterungen widersetzt. hätten und die Zu- schlüge verewigen wollten. Ein Pole machte darauf aufmerksam. daß die Zuschläge als äußerster Ztotbehelf gedacht ftien und narnent- sich vom Mittelstände schwer empfunden würden. DaS sozialdemokratische Mitglied befürwortet« in erster Linie d-e Quotisierung, die keineswegs in allen Gemeinden eine Steigerung der Ausgaben zur Folge gehabt habe. Im Gegen- teil, eine Groß-Berliner Gemeinde habe sogar, lediglich um mit den Steuern nicht hinaufzugehen, auf den Bau eines eigenen Krankenhauses verzichtet und» versucht, diq Gemeindeschulbauten möglichst aus Slnleihe zu übernehmen. Achnlich sei es auch in anderen Gemeinden. Nach dem Beschluß erster Lesung könne die Regierung die Zuschläge erheben, so lange sie wolle, sie sei an keine gesetzlichc Frist gebunden. Das sei ein unleidlicher Zustand. Wenn man schon die Zuschläge nicht sofort beseitigen wolle, so möge man wenigstens auf die Zuschläge für Einkommen van weniger elß 1509 M. verzichten. Der finanzielle Efftkt einer solchen Maßnahme betrage nur 1 Million Mark. Ein weiteres konservatives Mitglied erklärte, daß einige seiner Freunde der Meinung seien, daß nicht mit einem so raschen Herabgehen der Eisenbahnüberschüsse zu rechnen sei, und daß andererseits dem Staate aus dem neuen Gesetz erhebliche Ein- nahmen erwachsen. Deshalb seien sie dem Grundgedanken des nationalliberalen Antrages nicht abgeneigt, nur dürft man der Regierung nicht ohne weiteres Einnahmen entziehen. Die Zuschläge dürsten nur dann herabgesetzt werden, wenn unter Berücksichtigung des zu erwartenden Wachstums von 5 Proz. noch mehr einkomme. Redner stellt einen entsprechenden Antrag und bekämpft den sozial- demokratischen Antrag. Interessant waren die Ausführungen eines Vertreters des Zentrums, der die Regierung darauf aufinerksam machte. daß es, ebenso wenig wie es praktisch gewesen sei, vor den Reichstagswahlen die Finanzreform im Reiche zu machen, praktisch sei, jetzt vor den Land- tagswahlen eine Steuerreform in Preußen zu machen. Da nach dem Verlauft der Debatte die Annahme des national- liberalen Antrages keinem Zweifel unterliegen konnte, suchte der M in i st e r zu retten, was zu retten war, indem er der Kommission die Unterbreitung eines Vermittelungsvorschlages in Aussicht stellte. Die Mehrheit wollte jedoch für den Augenblick nichts davon wissen; sie stellte sich auf den Standpunkt, daß die Regierung mit einem solchen Vorschlage frühestens bei der zweiten Beratung im Plenum hervorkommen solle. Ein konservatives Mitglied erklärte noch, daß ein Teil seiner Freunde, trotz schwerer Bedenken für den natio- nalliberalcn Antrag stimmen werde, sich aber die endgültige Eni- scheidung vorbehalte. Hierauf wurde zunächst gegen die Stimmen der gesamten Linken und Polen der Antrag auf Einführung der Quotisierung und sodann gegen dir Stimmen des Sozialdemokraten, des Polen, der Fortschrittler und eines Zentrumsabgeordneten der sozial-demo- kratische Antrag abgelehnt. Der fortschrittliche Antrag war zurück- gezogen. Der naionallibcrale Antrag gelangte gegen die Stimmen der Freikonservativcn und eines Teiles der Kotzservativen zur An- nähme. Gejjen die Stimmen der Konservativen und des Zentrums wurde sodann noch ein freikonserativcr Antrag abgelehnt, der etwaige Steuerüberschüsse zum Ausgleich der Volksschul- und anderer Kom- munallasten verwendet wissen wollte. Das so abgeänderte Gesetz wurde gegen zwei Stimmen an- genommen. Stadtverordneten-Verfanimlung. 30. Sitzung vom Donnerstag, den 26. November, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach öM Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen Kollegen Vaurat Herz- berg(Fr. Fr.). Die Bereitstellung der Mittel für automobile Lösch- züge der Feuerwehr im Etat für 1913 und die sofortige Bestellung der Gefährte wird von dem Referenten des eingesetzten Ausschusses, Stadtv. Bamberg(A. L.), warm empfohlen. Stadtv. Ewald(Soz.): Ich bin durchaus mit dem Ausschuß- antrag einverstanden. Ich möchte hier nur feststellen, daß derjenige Kollege, der den Ausschuß beantragt hat. die Rücksichtslosigkeit ge- habt hat, in dem Auchchuß nicht zu erscheinen. Wir anderen waren durchaus mit der Vorlage einverstanden und der Ausschuß hat überhaupt nur fünf Minuten getagt. Referent Stadtv. Bamberg: Der Antragsteller hatte mich ge- beten, an die Magistratsvertreter einige Fragen zu richten. Er war durch eine Reise nach Rußland verhindert und ist auch heute nicht hier. Die Vorlage wird angenommen. Bei der nochmaligen Ausschußberatung der abgeänderten Dienstanweisung der Schulkommissionen ist daran festgehalten worden, daß es einer Bestätigung der gewählten Schul- kommissionsmitglieder durch den Magistrat nicht bedürfe, und der Magistrat soll abermals ersucht werden, die Bestätigungsklausel zu beseitigen. Der Ausschuß hat sich mit allen gegen 1 Stimme in diesem Sinne entschieden. Ohne Diskussion wird entsprechend beschlossen. t Für den verstorbenen Stadtv. L e n tz(A. L.) wird in acht Aus- schussen und Deputationen durch Zuruf Ersatz gewählt. Der Vorentwurf für die Um- und Neubauten in der Erziehungsanft alt Lichtenberg zwecks Durchführung von Reformen auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung wird ge- nehmigt und die Stellenzulage für den Erziehungs- i n s p e k t o r in Lichtenberg bewilligt. Zum 1. April 1913 soll die Uebernahme des hauS- wirtschaftlichen Unterrichts in den Gemeinde- Mädchenschulen durch die Gemeindeschulverwal- t u n g erfolgen. Stadtv. BrunS(Soz.): Wir werden selbstverständlich für die Vorlage stimmen, haben aber einen Wunsch zu äußern. Es sollen anscheinend nur die Mädchen aus der 1. und 2. Klasse an diesem Unterrichte teilnehmen. Wir möchten, daß auch die Mädchen, die aus der 3. Klasse entlassen werden, daran teilnehmen dürfen. Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten organisatorischer Art, die sich daraus ergeben können, halten aber auch dafür, daß gerade diesen Mädchen ein Vorteil daraus erwachsen wstid. Stadtschulrat Dr. Fischer: Diese Anregung deckt sich durchaus mit den Zielen, die sich die Schulverwaltung gesetzt hat. Die Vorlage wird angenommen. Vor dem Bahnhof Friedrichstraße auf der Schutzinsel in der Georgenstraße will der Frauenverein gegen den Alkoholismus eine Erfrischungshalle aufstellen. Die Errichtung soll widerruflich ge- stattet werden. Stadtv. WengelS(Soz.): Wir haben gegen die Vorlage an sich nichts einzuwenden. Wenn wir Ausschußberatung beantragen, so geschieht das darum, weil wir die Bestrebungen des Vereins för- dern wollen und wünschen, daß noch viel mehr in dieser Richtung geschieht. Ich darf da auf unsere Parteitagsbeschlüsse von Leipzig und Magdeburg verweisen. Das Geschäftsgebaren der betreffenden � Gesellschaft aber können wir nicht gutheißen. Eine Gesellschaft für Wohlfahrt und Wohltätigkeit müßte doch zuerst in ihren eigenen Reihen die Wohlfahrt fördern, nicht aber, wie ich schon früher in einem ähnlichen Falle kritisiert habe, ihren Angestellten 15V6 Stunden Tagesarbeit bei 79 M. monatlich auferlegen. Wir sind der Ausfassung, daß der Verein, der hier eingekommen ist. ein Schwesterverein ftnes„gemeinnützigen Vereins für Milchausschank" ist, dessen Angestellte unter solchen miserablen Bedingungen ar- beiten müssen. Das dürfen wir nicht billigen. Wenn wir der Gesellschaft das Stückchen Land unentgeltlich hergeben, müssen wir verlangen, daß die Angestellten angemessene Arbeitszeit und angemessenen Lohn erhalten. Stadtv. Reimann(A. L.): Wir wollten ursprünglich die Vor- läge ablehnen, und zwar aus Gründen des Verkehrs, da wir nicht ersehen'können, wo eigentlich diese Halle hinkommen soll. Wir haben alle Ursache, unsere Partanlagen, und wenn sie noch so klein sind, zu erhalten. Gegen die Bestrebungen des Vereins haben wir absolut nichts einzuwenden. Nunmehr stimmen wir für die be- antragte Ausschußbcratung. Die Vorlage geht qo eine» Ausschuß von 15 Mitgliedern. Am Spreeuferwege im Plänterwalde hinter den Eier- Häusern soll ein Milchhäuschen ausgestellt werden. Die Ver- mietung des Standplatzes an den Mieter der städtischen Er- frischungshalle im Treptower Park am Karpfenteich, Ernst Bauer, auf 6 Jahre für 249 M. jährliche Miete wird ohne Debatte beschlossen., Demselben Herrn soll oie Etrsirisschungshalltz»in Treptower Park, die ihm seit 1991 immer aus drei Jahre vermietet war, vom 1. April 1913 auf sechs Jahre für eine Jahres- Pacht von. 8599 M.(jetzt 8999 M.) vermietet werden. Herr Bauer hat sich auch bereit erklärt, 499 Schülern und Schülerinnen hiesiger Gemeindeschulen wochentags freien Eislauf auf dem Karpfenteich zu gewähren. Stadtv. Gottfried Schulz II(Soz.) beantragt Ausschuß- beratung. Man hätte doch eigentlich der Neuverpachtung eine Aus- schreibung vorangehen lassen sollen. Unter anderem müßte auch für das Eislaufen aiff dem Karpfenteich ein Tarif festgefetzt werden. Die Versammlung beschließt nach dem Antrage Schulz II. Nachdem die Errichtung der Stellen eines besoldeten Stadtmedizinalrats und eines neuen unbesoldc- ten Stadtrats genehmigt worden sind, wird für die Vorbc- reitung der Wahlen ein Ausschuß eingesetzt. Zur Verhandlung gelangt nunmehr der folgende Antrag Arons und Genossen(Soz.ji „Den Magistrat zu ersuchen, mit ihr in gemischter Depu- tation über eine Abänderung des Gemcindebc- s ch l u s s e s vom 9. Mai 1919, betreffend die Bewilligung von Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung für die ohne Pensionsberechtigung im Dien st e der Stadt dauernd beschäftigten Pers-onen, ins- besondere nach der Richtung zu beraten, daß den in den§8 1 und 2 dieses Beschlusses bezeichneten Personen durch Ortsstatut ein Rechtsanspruch auf Ruhegeld und Hinterbliebcnenvcr- sorgung gewährt wird, und die Beratungen so zu beschleunigen, daß dieses Ortsstatut noch vor dem 1. Januar 1913, dem Tage des Inkrafttretens des Versicherungsgesetzes für Angestellte, Geltung erlangt." Von den Stadtvv. Cassel, Rosenow, Ullstein ist ganz allgemein beantragt, den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung über die Aenderung des Gemeindebeschlusses von 1991 in gemischter Deputation zu beraten. Stadtv. Koblenzer(Soz.): Es liegen nunmehr also zwei An- träge gleicher Tendenz vor. Unser Antrag geht nicht dahin, die Stadt irgendwie zu belasten, er betrifft auch keine neue Materie; wir meinen im Gegenteil, der Antrag würde, wenn er zu einem Ergebnis führt, die Stadt dauernd entlasten und überdies den Betreffenden einen Rechtsanspruch gewähren. Heute haben sie diesen nicht, sondern sind auf ein gewisses Wohlwollen angewiesen. Schon 1991 wurd die Auffassung vertreten, daß jeder, der längere Jahre im Dienst der Stadt gearbeitet hat, ein Recht auf dauernde Beschäftigung unitz Versorgung im Falle der Arbeitsunfähigkeit er? werben solle. Strittig war, ob man alle Angestellten und Ar- beiter einbeziehen sollte, und angesichts der Neuheit der Materie hat man damals die heute gültige Regelung beschlossen. Ober- bürgermeister Kirschner befürchtete damals u. a., daß aus der Ein- räumung eines Rechtes eine Menge von Prozessen entstehen würde. Seine damaligen Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Wir mußten uns aber damals auf die Zukunft vertrösten lassen, und wir glauben, daß heute der Zeitpunkt gekommen ist, Ihnen diesen Wechsel zu präsentieren. Mit dem 1. Januar 1913 tritt das Ver- sicherungsgesetz für Angestellte in Kraft, welche? die Angc- stellten nach Einkommensklassen unterscheidet und die Bei- träge danach abstuft. Eine ganz gewaltige Summe wird die Stadt, die die Hälfte dieftr Beiträge tragen muß, zu über- nehmen haben, denn sie wird diese Summe nicht auf die Angestellten abwälzen können, denn deren Gehälter sind nicht so hoch; bezw. würde dann sofort eine neue Bewegung für Gehalts- erhöhung einsetzen. Am letzten Ende würde die Stadt also immer zahlen müssen. Die Stadt hat aber nicht nötig, diese Beiträge zu zahlen, weil sie ja nur den Rechtsanspruch zu gewähren braucht für das, was sie faktisch schon seit 19 Jahren gewährt, um die An- gestellten von der Versicherungspflicht zu befreien. Wir haben auch schon ähnliche Vorgänge in unserer städtischen Verwaltung gehabt. z. B. betreffs der technischen Lehrerinnen. Die zu leistenden Bei- träge sind nach dem Gesetze ungeheuer hoch, und die Leistungen. die gegenüberstehen, recht gering; als Rückversicherung kommt die reichsgesetzliche Neuregelung für Berlin also nicht in Betracht. Es wäre geradezu verfehlt, wenn die Stadt sich dieser hohen Belastung aussetzen wollte, zumal erst 19 Jahre lang Beiträge ge- zahlt werden müssen, ehe eine Leistung erfolgt. Außerdem läßt kein Gesetz an Klarheit darüber, wer unter das Gesetz fällt, so viel zu wünschen übrig, wie dieses. Die Masse von Prozessen, die Oberbürgermeister Kirschner fürchtete, wird hier tat- sächlich geführt werden müssen, und es wird Jahre dauern, bis die Judikatur hier Ordnung geschaffen hat. Jedenfalls ist der Kreis der in Frage kommenden Personen sehr ausgedehnt. In der gemischten Deputation wird sich Gelegenheit bieten, alle diese Fragen weiter zu verfolgen. � Gelingt es uns, den Rechtsanspruch durchzusetzen. so werden wir viel Geld und noch mehr Arbeit sparen, anderer- seitS aber diejenigen, die im Dienste der Stadt noch ohne diesen Anspruch arbeiten, anspornen, ihre Dienste der Stadt mit noch größerem Eifer als bisher zu weihen.(Beifall.) Stadtrat Fischbeck: Sie dürfen versichert sein, daß eS auch dem Magistrat nicht entgangen ist, daß auf diesem Wege eventuell die Möglichkeit der Befreiung von dieser Versicherungspflicht ge- geben ist. Wir haben das Für und Wider erwogen. Es steht aber absolut nicht fest, was die Gewährleistung eines Rechtes auf Ruhegehalt und Reliktenversorgung bedeutet. ES entscheidet dar- über nach dem Gesetz die Landeszentralbehörde, und wir haben demgemäß schon am 4. September uns an den Oberpräsidenten um Auskunft gewendet. Wir haben bis heute noch keine Antwort von der Regierung.(Hört! hört!) Sie hätten sonst vielleicht schon eine Vorlage. Ob die Sache so einfach zu regeln ist, wie der Vorredner ineint, indem man nämlich ganz allgemein das Recht klagbar macht ohne Rücksicht darauf, ob die Betreffenden dem Gesetze über die Privatangestellten unterliegen oder der Invalidenversicherung, das muß doch auseinandergehalten werden. Das Jnvalidengesetz hat eine ganz analoge Bestünmung. Machen wir das Recht ganz allgemein klagbar, so fallen unsere Arbeiter sämtlich aus der Jnvalidenversicherun, heraus. Die Stadt hat bisher 19 Jahre lang das Ruhegehalt mit Ausnahme zweier Fälle gewährt und andererseits den Jnvalidenbeitrag bezahlt. Ist es aber vom Standpunkt des Arbeiters aus gerechtfertigt, ihn auf diesem Wege der Invalidenversicherung zu entziehen? Namen t- lich für die Saisonbetriebe, Gaswerke usw. erscheint das doch be- dcnklich. Die Invalidenversicherung gewährt u. a. auch das Heil- Verfahren.— Nach einer vorläufigen Zählung würden wir für 3999 Angestellte die hohen Beiträge nach dem Gesetz vom 29. De- zember 1911 zu zahlen haben. Der Magistrat ist also seit Monaten mit der Sache beschäftigt; ob eine neue gemischte Deputation die Sache beschleunigen würde, muß ich dahingestellt sein lassen.(Beifall.) Stadtv. Goldschniidt(N. L.): Wenn wir den Rechtsanspruch für die Gewährung von Ruhegeld usw. einführten, könnten wir die 129 999 M. für die Reichsversicherung der städtischen Angestellten jährlich sparen. Der Antrag der Sozialdemokraten läuft darauf hinaus, auch für die Arbeiter einen solchen Rechtsanspruch zu sichern. Hinsichtlich der Invalidenversicherung ist die Sachlage für die Arbeiter allerdings sehr verwickelt und die vom Magistrats- Vertreter hervorgehobenen Bedenken müssen sehr ins Gewicht fallen. Es ist aufs äußerte zu heiauero« daß die Auskunft vom Ober- präsidcnlen Vezw. bom Ministerium noch immto nicht eingegangen ist; es würde sich aber der Ausweg bieten, die gemischte Deputation erst zusammenzuberufcn, nachdem die Verhandlungen mit dem Obcrpräsidentcn zu Ende geführt worden sind. Stadtv. Ullstein(Fr. Fr.): Wir sind in der eigentümlichen Lage, auf die Erklärung des Oberpräsidentcn warten zu müssen, od der � 9 des Gesetzes vom 29. Dezember 1911 auch auf unsere Angestellten Anwendung findet; es fragt sich nun, ob der Antrag auf Einsetzung der gemischten Deputation noch einen Zweck hat. Lautet der Bescheid des Oberpräsidentcn bejahend, so ist die Depu- tation überflüssig; lautet er negativ, dann ist es wünschenswert, wenn sofort eine Stelle zur Beratung der Angelegenheit vorhanden ist. Weiter entsteht dann die Frage, ob alle Arbeiter dasselbe Recht haben oder ob eine Differenzierung eintreten soll. Stadtv. Dave(A. L.): Das einstimmig angenommene Reichs- Versicherungsgesetz für die Angestellten hat den Erfolg, daß jetzt jeder da herauszukommen sucht.(Heiterkeit.) Wir müssen die Entscheidung ablvarten, müssen aber auf alle Eventualitäten ge- rüstet sein, wenn sie negativ ausfällt. Ob der Anspruch der Ar- bciter auf Invalidenversicherung verloren gehen wird, ist fraglich; die Arbeiter werden sich durch Fortsetzung der Selbstversicherung ihren Anspruch zu erhalten wissen. Wir müssen jedenfalls einen Apparat besitzen, der sofort eine Neuregelung des Ortsstatuts in die Wege leiten kann, wenn der Bescheid des Oberpräsidcnten negativ ausfällt. Stadtv. Koblenzer: Die gemischte Deputation muß heute be- schloffen werden, damit sie jeden Augenblick funktionieren kann. Ich bin der Ansicht, daß der Beschluß von 1991 keine Gewährung eines Rechts bedeutet. Wir nehmen an, daß die Stadt die Ver- sicherungsbeiträge voll tragen würde, nicht nur die Hälfte; das würde damit nicht nur 129 999, sondern 249 999 M. bedeuten. Wenn uns der Magistrat mit einer Vorlage kommt, die nichts zu wünschen übrig läßt, so ist es uns um so angenehmer. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Cassel gelangt zur Annahme. Es folgt die Beratung der Vorlage betr. die Begründung einer gewerblichen und kaufmännischen Pflichtfortbildungsschule für Mädchen und die Abänderung des Ortöstatuts betr. die Pflichtfortbildungs- schule für Jünglinge. Stadtv. Cassel(A. L.) spricht dein Magistrat seine Freude und den Tank seiner Freunde dafür aus, daß er der Anregung der Ver- sainmlung so rasch gefolgt ist und so gute Arbeit geleistet hat. Diesen Dank dehnt er unter dem Beifall der Versammlung auf ddn Stadt- schulrat Michaelis und lden Leiter des städtischen FortbildungSschul- ivescilS Dr. Grundscheid aus. Im großen ganzen sei die Vorlage schon jetzt zur Annahme reif; der Abschluß der Vorbereitung der neuen Einrichtung müsse tunlichst gesörderl werden. Daß die Vor- läge keine absolute Gleichmacherei treibe, sondern auch die haus- wirtschaftliche Ausbildung der Mädchen berücksichtige, könne er nur billigen. Ter Unterricht in den obersten Klassen der Gemrindeschule könne diese Ausbildung nicht ersetzen. Man solle die Vorlage ohne AuSfchußberatuiig annehmen.(Beifall.) Stadtv. Roscuow(N. L.): Es ist eine sehr erfreuliche Tatsache, daß heute alles Mißtrauen gegen die Pflicht fortbildungsichulc gründ- lich geschwunden ist, daß wir heute endlich auch, wen» schon reich- l.ch spät, vor der Einführung dieser Schule auch für das weibliche Geschlecht stehen. Tie Vorlage ist aufs gründlichste durchgearbeitet und �verdient ungeteilte Anerkennung. Ttadtv. Direktor Dr. Glatzel(Fr. Fr.): Auch wir freuen uns der Vorlage und hoffen, daß der Widerstand der Arbeitgeber wie auch der Frauen gegenüber dieser neuen städtischen Institution sehr bald sich verflüchtigen wird. Besonders zu begrüßen ist die innige Verknüpfung, in welche die WahlfvrtbildungSjchule hier mit der-stflichtfortbildu ngsschule gebracht wird. Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Wir haben uns nur schwer«nt. schlössen, von einer Ausschußberatung Abstand zu nehmen. Nicht als ob wir besondere Einwendungen zu machen hätten, sondern wir wollten die Gelegenheit benutzen, eine Reihe von Fragen, die Fortbildungsschule" überhaupt betreffend, zu erörtern. So die Frage, ob sich nicht überhaupt die Fortbildungsschulpflicht weiter ausdehnen ließe. Mit Freuden haben, wir begrüßt, daß nach dem Statut für die Mädchenschule die Unterrichtszeit zwitchen 7 Uhr morgens und 7 Uhr abends liegt; wir beklagen, daß bei den Knaben die Stunde von 7— 8 Uhr nicht freigelassen worden ist; denn sehr bedauerlicherweise wird in den verschiedensten Gewerben der gesamte Unterricht an einem einzigen Nachmittag von 2—8 Uhr erteilt. Der Magistrat hat seinerzeit zugesagt, diese Stunde nach Möglichkeit von 7—8 Uhr zu beschränken; auch die Regierung hat den Unterricht in dieser Stunde nicht als zulässig erachtet. Der Fortschritt in diesezn Punkte geht uns aber zu lang- sam. Weiter sollen Schülerinncm die bestraft sind oder sonst durch ihr Verhallen eine Gefahr für die übrigen bilden, von der Schule entfernt werden können. Hier liegt gewiß eine große Schwierig. . kcit vor; aber wir wissen doch nicht, ob das im Statut zulässig sein soll, nämlich die Ausschließung, ohne daß anderweit was für diese unglücklichen, der Fürsorge doch eigentlich am meisten bedürftigen Geschöpfe geschieht. Endlich wollten wir Auskunft erhalten über die wichtige Frage der Jugendpflege. Wir wünschen eine aus-. führliche Auskunft und bitten den Mlagistrat, uns vielleicht einen besonderen Bericht darüber zu erstatten. Wir behalten uns vor, eventuell beim Etat auf die Sache zurückzukommen. Unter diesen Voraussetzungen haben wir beschlossen, auch unsererseits der Vo«. läge en bloc zuzustimmen.(Beifall.) Hierauf wird die Vorlage en dloo einstimmig ange» Kommen. Schluß gegen 8 Uhr. Hus Induftm und Handel. Siemens u. Halöke. Die Heiden großen Muttergesellschaflen des Siemens u. Halske« Kanzems weisen in ihren Geschäftsabschlüssen für 1911/12 keine wesent- liche Erhöhung des Reingewinns aus. Die Abschlußziffern gleichen fast ganz denen de« Vorjahres. Daraus nun etwa zu schließen, daß nicht auch ihnen das letzte Hochkonjunkturjahr reicheren Ertrag gebracht hätte, wäre verfehlt. Wie die Abschlußztffern im einzelnen zusammen« gestellt worden sind, können erst die noch nicht veröffentlichten Ge» schäftSberichte ergeben. Siemens u. Halske A.-G. schließt mit einem Reingewinn von 12,499 Millionen Mark(im Vorjahre 12,829 Millionen Mark) ab, aus dem wieder eine Dividende von 12 Proz. ausgeschüttet werden soll. 2,gö Millionen werden Reserven zu- gewiesen, 1,287 Millionen auf Rechnung des nächsten JahreS vor« getragen. 999 090 M. sollen zu Gratifikationen für Angestellte und Arbeiter verwandt werden. Die Siemens u. Schuckert- Werke G.m.b.H. weisen einen Neingewinn von 13,483 Millionen (i. V. 13,489 Millionen) auf. An Dividende sollen wiederum 19 Proz. verteilt werden. 2.85 Millionen werden als Reserven. 313 999 M. auf neue Rechnung überwiesen. 1.3 Millionen sollen als Gratifi- kationen verteilt werden. �_ flus der Frauenbewegung. Die Triebfeder der Prostitution. DflS englische Unterhaus hat vor kurzem eine Gesetzcsborlage angenommen, mit der man den Mädchenhändlern zuleide gehen will. Die Vorlage, dw der Annahme im Obcrhause sicher ist, ent- hält manche höchst bedenkliche Bestimmungen, wie die Erweiterung der Macht der Polizei, die die der Zuhälterei oder des Mädchen- Handels verdächtigen Personen ohne Arrestbcfchl verhaften kann, und die körperliche Züchtigung, zu der diese Verbrecher im Wieder- holungsfall verurteilt werden können. Gerade diese Bestimmungen lind von den Reaktionären aller Schattierungen mit wahrhaft fre- »ctijchem Jubel aufgenommen worden. Man hat dtese Verschär- fung des Gesetzes gegen dM Midchenhandel auf den wachsenden politischen Einfluß der englischen Frauen zurückzuführen versucht. Tie Behauptung klingt sehr plausibel. Aber wie so manche an der Oberfläche liegende Erklärung entbehrt sie der Wahrheit. Es war nicht der Einfluß der Krauen, sondern der Einfluß eine? jener schwer erklärlichen moralischen Entrüstungsstürme, die die englische öffentliche Meinung von Zeit zu Zeit gedankenlos fortreißen(man denke nur an den Fall Byron, OStar Wilde I), der der Vorlage, die lange Jahre in der Gesetzgebung umhergeirrt war, plötzlich An- nähme verschafft. Wie immer war es die Geistlichkeit, die den Sturm leitete, der leider Mitglieder al l e r Parteien zu unbedach- tcm Handeln mit sich riß. In der Zeitschrift»The Aivakener"(Der Wecker) behandelt Bernhard Shaw das Problem des Mädchenhandels in seiner charakteristischen Weise. Er behauptet, daß wir da« unsaubere Geschäft nicht eher los werden, bis wir die bestehende GesellschaftL-> ordnung verändert und jeder anständigen Frau die Möglichkeit, an- ständig zu leben, gesichert haben, und fährt dann fort: „Ihr mögt Euch nicht überzeugen lasse» Ivollen und sagen, daß wir schon bald sehen würden, ob wir uns der Schurken, die von dem Gewinn der Prostitution leben, nicht entledigen können, indem wir sie nach dem neuen Gesetz ordentlich verprügeln. Täuscht Euch nicht; die meisten von denen, die von den Gewinnen der Prosti- tution leben, werden nicht geprügelt werden; sie befinden sich im Gegenteil schon unter den entrüsicsten Befürwortern der Prügel- strafe. ES sind Damen und Herren, Geistliche, Bischöfe. Richter, Par- lamentsmitgliedcr, Damen mit hohen Verbindungen, die Führer der hohen Gesellschaft in Bischofssitzen, adlige Herren und Damen und die Stützen des soliden bourgcoisen PuritaniSmuö. Diese Leute besitzen Anteilscheine von industriellen Unternehmungen, Ivo Frauen und Mädchen beschäftigt werden. Taufende dieser Frauen und Mädchen erhalten Löhne, von denen sie sich nicht ernähren können, und werden mit geringerem persönlichen Respekt behandelt als irgendeine Prostituierte. Wenn sich eine arbeitsuchende Frau über den niedrigen Lohn beklagt und mehr verlangt, sagt man ihr, daß ander« den Lohn annehmen würden, wenn sie nicht wolle. Wenn sie fragt, wie sie davon lebe» soll, wird ihr bedeutet, daß andere es zustande bräch- ten. Sie hört, daß diese den Lohn auf irgendeine Weise aufzu- bessern verstünden. Einige Frauen werden durch die Löhne ihrer Männer oder Väter vor der Straße bewahrt; aber es'gibt immer Waisenkinder. Witwen und Mädchen vom Lande und Auslande, die keine Familien und Gatten haben, die sie unterstützen könnten. So wird denn die Kraft und Energie der Frau erhalten durch das, was sie auf der Straße verdient, und diese Kraft und Energie wird dazu be- nützt, um Dioidenden für reiche Akticnbcsitzcr zu schaffen, die die öffentliche Aufmcrksamlcit von ihrer Mitschuld ablenken wollen, indem sie laut nach oer Prügelstrafe für ein paar Zuhälter schreien. Aber Ivenn diese Zuhälter für ihre Zwecke ein Haus mieten und einen hohen Zins cAibicte», finden sie dann eine Schwierigkeit, eS zu bekommen? Und hat je einer vorgeschlagen, den Hauswirt zu verprügeln? Und Du, einfacher Leser, der Du weder ein Altienbesitzer noch Hauswirt bist,'dankest Du Gott, daß Du i» dieser Sache schuldlos bist? Nimm Dich in acht l Der erste nach diesem Gesetz verprügelte Mensch mag sich gegen Dich wenden und sagen Gott schlage Dich nieder, Du übertünchtes Grab! Der Lohn der Prostitution ist tu Deine Knopflöcher genäht und in Deine Bluse, ist auf Deine Streichholzschachtel und Nadelbüchse geleimt, in Deine Matratze gestopft, mit der Farbe an Deinen Wänden gemischt und steckt zwischen den Verbindungsgliedern Deiner Wasserröhren. Selbst die Glasur an Deinem Napf und Deiner Kaffeetasse enthält das Bleiaift, das man der anständigen gra» als Belohnung für ehrliche Arbeit bietet, während ihr die Kupplerin gebratene Hühner und Champagner anbietet. Prügelt andere Leute, bis Ihr schwarz im Gesicht seid und sie rot auf dem Rücken sind; Ihr werdet es nicht zustande bringen, den Eure Daten verzeichnenden Engel zu betrügen, damit d>«>«r Eure Schulden auf der falschen Seite bucht. Und beachtet' bitte, daß jede weitere Machtbefugnis, die Ihr dem Polizisten gebt, uni diese Eure Opfer zu peinigen, die Gewalt des Organisators und Ausbeuters der Prostitution über die Prosti- tuierte vermehrt. Wenn Ihr beraubt uich geschlagen und tyvannj- siert werdet, ruft Ihr die Polizei und sie beschützt Euch. Aber der Polizist selbst kann die Prostituierte drangsalieren und schlagen; er kann ihr die schönen Kleider in Fetzen reißen und sie durch den Kot ziehen und ibr die Arme fast aus den Gelenken renken und sie dann wegen Unfug oder Belästigung Vorübergehender einsperren lassen, wenn sie ihn mit der Bitte um Schutz belästigt oder wenn sie sich weigert, ihren Gewinn mit ihm zu teilen. In jeder Polizei der Welt gibt es Leute, die dag systematisch tun; der Polizist mag kein schlechterer Mensch sein als wir übri- gen, aber man kann in London nicht 18 999 Engel für 24 Schilling die Woche finden, die eine Gewalt ausüben sollen, für die wir einem König lieber den Kopf abschlagen, als daß wir sie ihm an» vertrauten! Und was bietet man den Mädchen dafür an. daß sie die Straße verlassen? Ein fromme-- Asyl für Gefallene; einen Ort. wo unter einem Dach womöglich dt» Habgier der Schwitzhöhle mit der Grau- samkeit des Gefängnisses und der moralischen Verdammnis, die die Selbstachiung unmöglich macht, vereint ist. Vom Regen in die Tranfe hat nicht viel von Rettung an sich. Es gibt nur ein. nur et» einziges Heilmittel für den Mädchen. Handel. Macht es durch die Erlassung eines Mtnimallohngesctzcs und durch gehörige Fürsorge für die Arbeitslosen unmöglich, daß eine Frau gezwungen ist, zwischen der Prostitution und der bitteren Not zu wählen; dann wird der Mädchenhändler nicht mehr Macht über die Tochter der Arbeiter, Handwerker und Angestellten haben, als er(oder auch— nach dem neuen Gesetze— sie) über die Frauen von Bischöfen hat."_' Versammlungen. Die Steliuirbeiter versammelten sich am Mittwochabend in den „Arminhallen", um einen Vortrag de« RetchStagSabgeordncten Karl Giebel über die politische Lage zu hören. Als zweiter Punkt stand auf der TageSvkdnung das Ergebnis der vorgenommenen Büchcrkontrolle. die sich aber nur auf 751 Personen oder 88 Proz. der Mitgliedschaft erstreckt hatte. Ucbcr 4 Wochen mit ihren Bei- trägen rückständig waren 83 Mitglieder, über 8 Wochen 48 und über 8 Wochen 25 Mitglieder. 519 oder 89 Proz. der Kontrollierten waren Abonnenten des„Vorwärts". 388 oder 51 Proz. gehörten dem Wahlveretn an. 83 oder 11 Proz. waren arbeitslos, 39 oder 4 Proz. waren krank. � Hue aller Melt. Qnd wieder fpracb Schorlcmcr. Die Sozialdemokratie hat unseren Mtnissern bitter unrecht getan, als sie ihnen vorwarf, sie seien weltfremde Naturen ohne Sinn für die Bedürfnisse de» Volke». Mit der ihm eigenen Grazie hat am Mittwoch bereits des Reiches oberster verantwort- ltcher Leiter im Reichstage den Vorwurf zurückgewiesen. Aber Herr v. Bethmann ist bekanntlich ein Philosoph;«r be- schränkte sich daher auf die theoretische Betonung auch seiner Zu- geHörigkeit zum Volke. Anders Herr v. Schorlemer. Als Minister des Bundes der Landwirte— pardon! der Landwirtschaft — ist er in eminenterem Maße Praktiker, aufs innigste vertraut mit den Leiden und Sorgen der«olksmassen. Wie glänzend und überzeugend hat er beispielsweise in seiner nculichen Rede in» Abgcordnetenhause nachgewiesen, daß unsere Arbeiterfrauen nichts anderes als Fletsch kochen können'und die Arbeiter daher an U e b« r e r n ä h r u n g durch zu viel Jleischgenutz leidem Diese für da» VolkSwohl sehr bedenkliche Talsache ist Herrn v. Schorlemer. wie er in seiner gestrigen Red« im Reichstage betottte, von» medt» zintsKeg A u t p r j j ä t e n beMigt worden— unter ander«» von einem Dr. Eiscnbark.'Aber auch sonst bewies der Minister seine innige Vertrautheit mit der Volkspsyche. Ter Pferdefleisch. konsum hat zugenommen. Schorlemer weiß warum:sWcll die Vorliebe für Pferdcflei sch wächst! Das ist nicht einmal alles, was er weiß. Er weiß auch, daß unter den hohen Preisen nicht nur die Arbeiter leiden, sondern namentlich auch die kleinen Beamten, Handwerker und mittleren Bürger. Nun sind aber nach Ansicht des Ministers v. Schorlemer die Flcischpreise in Berlin ganz normal und so erübrigt sich natürlich jede Maßnahme gegen die Fleischlcuerung. Man sieht: Schorlemer ist kein Theoretiker; er packt frisch hinein in« volle Menschenleben. Da er es natürlich mit dem Volte wirklich gut meint, muß die Landwirtschaft geschützt werden, die gar kein Interesse an niedrigen Futtermittel» zollen hat— eher, so sagt Schorlemer, ist das Gegenteil wahr. Man sieht: Schorlemer ilt kein Theoretiker, kein Logiker, aber ein Praktiker. Und so kommt er zu dem Schluß: TaS beste wäre c», der ganze Rummel mit ausländischein Fleisch nähme ein Ende, die Kommunen setzten sich mit unseren Agrariern in Verbindung und übernähmen den Vertrieb des Fleisches. Vorbedingung sind langjährige Lieferungöverträgc nach den jetzigen Fleischprcisen, um die Preise auf gleichmäßiger Höhe zu stabilisieren. Und da glauben die Sozialdemokraten noch, unsere Minister seien weltfremde Naturen. Im Gegenteil: die wissen, was sie wollen> Die Geheimnisse der Tchlüsselbnrg. Bekanntlich sind in diesen Tagen zwei Gefangene au» der alten russischen Schlüsselburg geflohen, indem sie den Wärier erichlugen und dann dessen Kleider anlegten. Allem Anschein»ach haben sie schwimmend da» iensetlige Ufer erreicht. Diese Nachricht hat in aan, Rußland großes Aufsehen hervorgernse»; denn sehr selten gelingt eS einem Gefangene», ans dem einsam gelegenen, äußerst scharf bewachten«laatSgefängniö zu entfliehen. Denjenigen G-ffangenen, hinter denen sich die Tore der Schlüsselburg geschlossen haben, ist so gut wie jede Möglichkeit zur Flucht genommen, und da ihre Strafe gewöhnlich auf Lebenszeit lautet, wenigstens aber auf einige Jahrzehnte, so sind sie au» der Liste der Lebenden gestrichen. Bor ungefähr 39 Jahre» flohen unter ähnlichen Ilmständen einige Ge» sangene. Seitdem hört» man nicht wieder, daß eS einein Gefangenen geglückt wäre, zu entweichen. Die Schlüsselburg liegt auf der kleinen, einsamen Insel Orechow am Ausflusse d«r Newa aus dem Ladogasee. Sie ivurde im Jahre 1323 von den Nowgocodern während ihres Krieges gegen die Schweden erbaut Sie gehörte dann einigemale den Schwede», die die mächtige, graue Festung„Nöteiborg" nannte». Erst Peter der Große eroberte sie im Jahre 1792 wieder und gab ihr den Namen Schllisselburg. Bon der Schlüsselburg gehen im russischen Volke die seltsamste» und traurigste» Geschichte» um. Zahlreiche Männer, die sich p o» litt sch mißliebig gemacht halten, wurden in sie hinüber» gebracht, und mau hat n t ch t s wieder von i h n e n a e h ö r t. Es heißt, daß sich unter der Schlüsselburg ei» 39 Meier tiefer Keller befindet, in den, sich die G e r i p p e der v e r s ch w u n d« u e�r G e» sangene» befinden. Di« Fama erzählt sogar von einen, Gang, der unter dem Wasser nach einer benachbarte» Insel führe» soll. Auf der Schlüsselburg wurde auch der Zar Iwan lll. von 1759—84 gefangen gehalten, bis er grausam ermordet Ivurde. In de» letzte» Jahren haben Gefangene wiederholt den Versuch gemacht, aus dem ichreck» lrchcn Gefängnisse zu entfliehe». So kühn ibre Pläne auch waren, sie scheiterten, und die Folge davon war. daß manche Gefangene hingerichtet wurden. Auch im Jahre 1893 wäre» zwei Äe» fangen« ausgebrochen. In einer stockfinsteren Nacht war cö ihnen ocUmgen, den Wärter zu überrumpeln und unbemerkt„ach dem Sirande zu gelangen. Dort versnibten sie, mit Hilfe eine» Balken« nach dem ieuieitigen Ufer z» schiffen. Inzwischen war aber ihre Flucht entdeckt worden. Dauivser fuhren kontrollierend auf dem Waffer hin und her, und so wurden die Flüchtiinge bemerkt. Einer von ihnen zog den T o d i n d e n F l u t e n der Neiva dem qual» vollen Lebe» in der Schlüsselburg vor. während man seine» Ge» fährten zurttcktransportterte._ Einsturz eines österreichischen Militärdepots. Am Mitttoochabrnd 9 Uhr ist infolge eines festige« Sturmes das in R e t ch e n a n bei Innsbruck gelegene M a» t e r i a l d e p o t der Haubitze ndtvtflon bis aus die Grund» mauern e t n g e st ü r z t. Ueber die Hälfte de» eine Fläche von 790 Ouadratweter bedeckenden zweistöckigen Gebäude» fiel zusammen. In dem Depot war Kriegsmaterial, dessen Wert mehr als ein« MtlltonKronen betrug, aufgespeichert. Menschen sind nicht verunglückt._____ Zeiche» der Zeit. Von dem Leven und Treiben in Donaueschingen(Baden) anläßlich der Hochzeit im Schlosse des F ü r st e n b s r g c r s werden in der bürgerlichen Presse während dieser Woche zaubervoll« Bilder de» Luxus und der v et s ch iv e» d e r i s ch e>, Pracht entworfen. ES kommt durch dies« Heirat ein unermeßlicher Sieichtnm zusammen. Das Volk, das dem Haus« Färstenberg so manches Stück Privaleigentum an Wald und Feld hat hingeben müssen, durfte prozessionSartig in da» Schloß ziehen, um die dort ausgestellte Braut» auSstattung anzustaunen. Di««„Wesenheit des deutschen Kaiser» und anderer Fürstlichkeiten erfordert« einen kolossalen Geldaufwand. Gleichzeitig veröffentlicht dieselbe bürgerliche Press« den JahreS» bericht über die Hell« und Pflegeanstalt für Spilep» tische, die seit 29 Jahren in Kork(Baden) ihrer Tätigkeit zum Wohle der Hilfsbedürftigen obliegt. Obschon zu», eist unbemittelte Leute in der Anstalt sind, deren Verpflegung also nicht so hoch be» messen ist, mußte die«»stolt Schulden machen» die nicht durch die Staats» und Kreisbeiträge verhütet werden können. 499999 M. ist die Schuldenhöhe und es sind 149 999 Mark nötig für«in besonderes Pflegehau», das die geistig frischen Kranken von den verblödeten trennen könnte. Dafür ist aber kein Geld vorhanden I Kleine Notizen. Im Name» des Königs l Das Schwurgericht in Duisburg verurteilte den 28 Jahre alten Fuhrmann Franz Schmtts au« Bruckhausen zum Tode. Er wurde schuldig befunden, den «rbetter Wilhelm Günther ,u Walsum in der Nacht zum 1. August d. I. mittels«ine« Beile« voriätzltch erschlagen zu haben. — Bom Schivurgerichi in W ll r z b u r g wurde der 23 Jahre alte Bäckergeselle Hermann Weber au» Nörtingen zun, Tode verurteilt. Weber hatte vor einiger Zeit ein 21 Jahre alte« Mädchen ermordet Unwetter aus den Philippinen. Ueber die Inseln S a m a r. L e h t r und den nördlichen teil von P a n a y ist«in schwerer Zyklon hingegangen. Biete Menschen sind um» Leben gekommen In Tactoban find zwei Dampfer ge« scheitert. Der angerichtete Schaden wird auf mehrere Millionen Peso» geschätzt. In der Trunkenheit znm rotschläger geworden. In Karttrnhe t ö t e t e am Mittwochabend der 21 jährige Schlosser Engen M a s s e t a»S Hagendach den 25 jährigen Hausdiener Ludioig U h r i g durch cinen Revolverschuß i" den Kopf. Masset, der be. trunken war. beging die Tat au« Erregung darüber, daß Uhrig ihn aus dem Hause zu schaffe» suchte, in dem er s e i n e B r a n t besuchen wollte. Gin deutscher Dampfer gestrandet. Der Bremer Dampfer »Matador', der auf d«r Reise von Swansea nach Kopenhagen war. ist an der Südküst« Schwede«» gestrandet. Für dl« Besatzung besteht keine Gefahr. Schultheiß'BrauereiAkt.Ges., Berlin Bilanz am 31* August 1912. Aktiva. Grundstücke................ Gebäude und Kellereien........... Wege- und Eisenbabn-Anlagen........ Brunnen-Anlagen.............. Kanalisatbvns- Anlagen............ I.agerfässer und Bottiche.......... Maschinen und Utensilien.......... Inventar................. Inventar und Einrichtung der Ausschanklokale. Lokal..Zum Schultheiß" am Wannsee.... Eisenbahnwagen und Dampfer........ Pferde, Wagen und Motorwagen........ Absatztonnen............... Inventar U.Einrichtung der auswärtigen Niederlagen Kasse................... Wechsel.................. Effekten.................. Bankguthaben............... Hypotheken und Darlehen.......... Sonstige Debitoren............,. Fällige Zinsen............... Vorausbezahlte Mieten........... Vorausbezahlte Steuern........... Warenbestände in den Hauptbetrieben..... Warenbestände in den auswärtigen Niederlagen, Verschiedene Vorräte(Abgänge, Futter etc.)., Ausstehende Forderungen.......... Sa... Passiva. Aktien-Kapital............... Prioritäts-Obligationen........... Hypotheken............... i Nicht abgehobene Prioritätszinsen und Dividende Prioritätszinsen per Juli/August Wohlfahrtsfonds......_........ Kiohard-Koesioke-Beamten-Pensionsfcasse.... Sparkasse der Angestellten und Arbeitnehmer.. Depositen-Guthaben der Kunden und Angestellten Kautionen................. Kreditoren................ Gestundete Brausteuer und Gemeinde-Bierstouer Delkredere................ Reservefonds............... Gewinn.................. M. 7 220802 18 163 283 100 100 100 992 975 1 242 179 1 441 420 515 872 373 319 46 454 795 401 237 949 235 886 252 860 2 834 3 566 381 3 503 576 3012016 792 793 29 916 61 006 109 380 2 784 OOS 153 979 35164 627 636 PI. 51 79 92 43 13 35 43 Ol 05 22 26 41 80 48 13 62 33 Ol 71 94 85 24 59 46 197 399 21 M. 14 000 000 1327 000 4 125 331 1791 8 838 456 849 835 055 4 179 686 6 135 166 118 989 1 804 270 3 502 681 192 289 7 003 000 2 506 548 Pf. Sa... 46 197 899 21 Berlin, den' 5. November 1913. Geprüft und richtig befunden. Oer Yerdantf; Die Rechnungarefiioren: Boehme. Ssheibel. Sautner. G. Kraner. Alexander Jacoby. Punke. Qerdum. Die Auszahlung der Dividende von 15 Proz. für das Geschäftsjahr 1911/12 erfolgt vom 3 0. No v e m b e r d. J. ab in den fewöhnlichen Geschäftsstunden an der Conponskasse der Deutschen ank in Berlin W., Kanonierstraße 29/30. Berlin, den 28. November 1912. Schultheiß' Brauerei Aktlen-QeselUchad L. Boehme. Bohsibel. Zeitung» AiisgabesteUen und Jnseraten-Annichm». Zentfiin,: 2lI6tvl H a b n i s ch. fWerftr. 174, am Kappenhlatz. *. Wahlkreis, W.:®ufl. Schmidt. Kirchbachstt. 14, Hochparterre. S. und SW.! Hermann Werner,«neisenaustr. 72. ». W'alilkrels: St. Srltz..»ttn»»nsU.«I. So» recht« part. 4. Wahlkreis: Dil« n: gleSivl«8 e n g e 1 8, Gr. gianffurterftr. 120. Richard Hackelbusch. Peiertburaerplatz 4(Laden). .. nhlkreis, Südosten! Paul« 8 tz m, Lausttzerplatz 14/15. 6. W ahlkreis: Leo g u ch t. ymmaiiueltlrchstr. L2(Hos). 4. W ahlkreis. 6. W ahlkreis: �......- ,-M 6. Wahlkreis(IKoabUl: Karl«71 5 er 8, Sal»wedilirstr. 8, Wcdd In*: I. HSntich. Razarelhlirchsttab- 4». � Pasenthal««'>»id ttranlenhnr*«? knestiadt. Wilhelm Gaumann Rheinideraerstr. 67, Laden. Vesnadkrnnnen: g I i ch er, Vastlanstr. 6, Laden. NehUnhnnser Vorstadt: Illnvl Mar«, GreiltnhageNtr 8ft. 27 Adlersliof: Karl Tchwarzlal«. BiSmarckstr SO. Alt-<4IIealekQ: Wilhelm Dürr», Köpenickerlh. 6. »annisehnlenae*: H Hornig, Marienihalerstr. 18, 1. Wernau,«Oatgeatal, Zepernick, Mehunow, SoIHtn- brück und II nch; Heinrich« r s 1 1, Mühlenstr. b, Laden. Bohnsdorf, PülkenbnrK und Falkcnhorsti»Hol« Laus, «obnsdoi'.«'enostenichastshau«.Parodie»'..... � l Charlottenbnr* s ikniiav Schnrnbirg, selinheimerilraii« 1 Flcbaalde, kohinbekalt«! Dakar Mahle. Stubenruuchstr.»9. Wrk» er, Itzc- zlttu«:«>nst Hossmann, Srl,drich«hag»:i«r PredersdorK-PctershsUen, ZUUci-sdoet: T. Hüseltzarltz, Prlrdenan"»te»Ilt», Südendc,«reü- Qlebferfbldc, I, ank, vlts: H. 10( v II 1 1 1, Mlftnftc. 6 in Sieglitz. Frtpdi lrh,. hnsen. Flehten»«. Rahnsdorf,»chttnclche, KI. Hehttnebeck: Srnst Oetlmann,«Spenicker«tratza 18. «rhaa«: stran» Klein, griebrtchstr. 10..... Johannlst li»l, Rndovr: P t« 1 1(f i, Kailer-Wilhelm-PIatz«. Karlsharst: Richard»» t»». ftdRtftr V.». Ru»l*s- W»sterhansen, Wild»«« griedrich«aumann, «apnbolstr. I» Rüpenlck: Emil« t tz l« r. Kietzetstr, 8. Laden. K-Ichtonber*. Frledrlchsfolde. Rohensck»nh»«se«: Di>» Seilei, WorleiibtraNrnke 1(Laden). � Wnhls�,»p5,(ianUdorfi Biesdorf t P. Hetzberg, Raul». dors. fttvbiitattDfiwBe 17. Barlendorf:«»gust L->P. CHau'seestr.»96, Hos. Marleneeiii«. gfmil Weiner»,«erliner Slr. 114 H. kenenlmsen, HoppeK»r(on; Gustav Ley. Wostersttatz». A e nhvlln: M. H?> n r i ch. Reckarstr.», im LadiN; ReuMn. Britz: Rodt. Sieglriedstrape 28/29. � Älcder-Lehme- Karl Freit Aleder-" Ol, an ��WWIWWWWW� tlbcr-�cbOaeiveliio-«stred B a d« r, Wührlminenholstr. 11 8'ankoii, Medepseliimhauscn, Nordend, Frs.-Bnch hol«, Binnkenbar*: Stift Wann. Miihienstr. 80. Reinickendorf• Ost, nllhclMlsrilh und Bchttnb»!«: .. P. G u r! ch. Provintftr. 56. Laden..„.. Roniincisbiirg,«oxboRcn,»tr«l«n s H. R o s« n 1 1 a n j,«lt. . Vortragen 06, �. fechonkendorf d. KonIga.Wusttrhausen- Uhr. Hanls cht», Vors. strage 10. Seht»„vim�z.x Wilhelm B S u m l e r. Martin Lulherstr. 69. im Laden. vpeoxiao. chonncndanini, Utaaken,«ee*efeld und R alkenhasc« t» öp P t n. Breiteitr. 64. leget. Ii«,, sign aide. W ittenau. W aidniannslnst, i.crnisiiurl, Hohen- Neuendorf, Hirkenwerder, Freie Scholle u ilclnlckendorr. West: Paul RUttaft. Borsigwalde,«üu.chstrafte lö. m Tellbw: Wilhelm Bonow. Teltow. Berliner Str. 16. -reiiipelhoe:(loh KroH».«oriilsiastk. 62 F'reotoii: Rod. Wiomenj, ilieihoijnrag» 412, Laden. W cuScnscc, Reinersdorf: K. F U d r m a>1«, Sedanflr. lüo, part. W iinicrsdorf. Ualeuseu, hchuiardcdorf l Paul Schubert, Wibclni8au« 27. Reuthen, Siersdorf,«ruft H ü 1 1 i e. Zeuthen. Miertdvrs« Str. 14. «Sümiüch» Parieilii-ruiur jvwte all» wistenschastüch«« Werte witdin»«iieserl. ier-I,ehnie i Karl Frei t-tp, ier-Schn neu elde: WIlH-lm Unruh, Brückenstr. 1». Ii. „e es: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. � >>.hch«neiveiu«- Alfred B a d« r, WilHelmInentzosstr. 17. ll. z-rn Arbeiter. XanAwerker der sür seine Zlrbeit. sür seinen Beruf, 9 besonders oorteilhast geeignete Kleiduni jeder praktisch arbeitend« nötig hat, Ilaust diese bei Msrni Kolinen& Jöring, Größtes SpezialHans für Arbeits- u. Serufskleibung tzauptgeschäst: Alexanderstr. IS. Zweiggeschäste: Roseuthaler Str. 53— Landsberger Allee US— Sienkölln: Bergstr. 66 Nähe Aleranderplatz, Ecke Wcinmeijiersirafte. am FriedrichShain.(Rixdors) am Ringbahnh. Reelle billige Preise, erprobte solide Qualitäten, guterS— 20— 24—«.«« n,»,ttge 18— 22— LS— 32— M.»c j en 3— 5— 6— Dt.«. «INchafttzaniSgeu. Kr. Franklnrler Str. 116, tt 0oMHn: •e dar Andre. MtraBa. Chausseeslr 89, r.�'.«u,'tr. 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Swrt: Lausitzer Platz 12. Miiiwoch, den 4. Dezember: Wichtige AbleilungSsitzung. 4.«ftt.: l'/i Uhr: Wilhelmsruh (Millbiot). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 6 Uhr abendS: Start: Barschauer Strafte 61.• 6. Abt.- 1 Uhn(Frische Burst und Schlachtctour) nach WaidmannSIust (SchweizerhäuSchen). Start: Oder- berger Strafte 28.(Pet schlechtem Wetter per Bahn). 7. Abt.: 12'/, Uhr Schönwalde (Schulz). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: 2 Uhr: Baumschulenweg. Start: Lcvetzvwstr. 21. 9. Abt.: 1'/, Uhr. Tour whd am Start belannt gegeben. Start: SchiAngstr. 15/16. Heule: Zeutralfahrwartsitznng. Charlotte» bnrg. Von jetzt an bis aus r Sonntage Start: 1 Uhr lveitcres alle VoltshauS. Ttoiis filr elegant» MeftentUg«, Ulster, paistets, Mir..8.— M. eto. Velour du Nord, Persianer,(mit Seal- Plüsch. Seiden-Seal Mir. S 50, 6.50 9 50, IS.— M. Plfisohlutter, bell imit. für»leg. Damen-Paletots Mts> 4.50 M. Oamenkostüm- und Ulster Stoffs, Mtr. 3.—, 4.—, S— M. eto. Tuchlager Koch& Seeland G. m. b. H. 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ES wird bestimmter und Pünktlicher Besuch erwartet. Sonntag, den I. Dezember, vormittags 10 Uhr: Uersammlnng aller im 18. und 19. Ststrk sowie in sämtlichen Werken der A. E.-G. beschäftigten Eisen-, Metall- u. Revolver- dreher sowie Rnndschleifer im Stvinemiinder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Tagesordnung: I. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Dreher in den Berliner Betrieben«nd welche Massnahmen müssen zu einer Besserung ergriffen werden. Referent Kollege MtUIcr. 2. Dis- lussion. 3. Wahl des Bezirksobmannes. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung erwarten wir ein un- bedingt Pünktliches Erscheinen. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 Uhr: Hranchen-Uersammlung der Drahfarbciter Berlins n. Umgegend im Lokal von Merkowski, Andreasstraße 26. Tagesordnung: t. ffortsehnng der Diskussion von der letzten Versammlung. 2. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 Uhr: Dranchen-Uersammiung aller in der Metallindustrie beschäftigten Maschinenarbeiter und Arbeiterinnen in den Sophien-Sälen, Sophienstratze 18(Weißer Saal). Tagesordnung: 1. Bortrag des Reichstagsabgeordneten Genosse» Davldsohn. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind alle in der Metallindustrie beschäftigten Hobler, Bohrer, Fräser. Sloher, serner die in den Betrieben der Melb- Metallindustrie beschästigten Schnittarbeiter, an Ziehpressen und Stohwerken Beschäftigten, ferner alle an Maschinen lättgen Arbeiterinnen freundlich ein- geladen und wird reger Besuch erwartet. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 Uhr: Kranchen-Versammlung der in den Eisenkonstruktions- Werkstätten beschäftigten Arbeiter in den Mufiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m(Großer Saal). Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission iiber die Bereindarung von ISIS. ». Diskussion. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichttgen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollege», in dieser Versammlung zu erscheinen.. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung für Blildan, Königswusterliauien, Zeuthen und Umgegend im Lokal von Kodan� Wildau(Restaurant„Wtldauer Hof"). SC Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Ohne mtgliedsbncb kein Zutritt. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung für Mershof, fllt-Glienlche u. Umgegend im Lokal von Richard Kanl, Adlershof, Bismarckftr. 16. UW Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Ohne mtglicdsbnch kein Zntrltt. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung für BanmlcHnlenweg in Speers Festsäle»(Jnh. Sauer), Baumschulenstraße. DW�Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Ohne Mitgliedsbuch kein Zntrltt. w» Zahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den 2. Dezember 1912: Ißeziii»- Versammlungen für die getarnte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden: Phamssale, Miillerstr. 14«, abends 8'/. Uhr. Norden' g?bt!|IOB I',e8tsö,e» Schwedter Strafte SS, abends Norden: Pranke« Fest süle, Badstr. 16, abends 81/, Uhr Tegel: Trapp« le«t«äle, Bahnhofftr. 1, abends 6 Uhr. Mnohil* Moabiter«esellschaftshau», Wiclefstr. 24, InüaOH. abends S'/j Uhr. Westen und Sehöneberg: Hanptftr. 30/31, abends ö>/, Uhr. QSleN: Comenlnasäle, Memeler Str. 67, abends 81/, Uhr. Liehlenberg:""""'"f 7«- Stralau und Bumuielsbupj: ÄJÄmI'iÄ" UfaiRoncaa* Penkert« Festsäle, Berliner Allee 251, n viuvllarv. abends»'/, Uhr. Slldebbeilrke: NeilkÖllD*- P««t«äle, Bergstr. 151/152, abends cdorlollendurg: Tolk«ban». Rosinensir. s. abends S'/, Uhr. 8legllll' l�c'�''ha'-?-es Pe8t8Ule, Ahornstrafte 16, abends S'/i Uhr. Frledriclisliagen u. löpenick: �ÄrÄuVÄ Hägen, Friedrich str. 72, abendS 81/, Uhr. SpandaU: Dort« Bestanrant, Kurstr. 23, abends S'/i Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Kmäft vou der Generalversammlnug vom 34. November und Stellungnahme zu der Außerordeutlilheu General Versammlung am 8. Aezember 1912. fftr Ohne Mitglledsbncb kein Zntrltt.'W Zahlreichen Besuch erwartet Bio Ortsverwaltung. ttr W« Verwaltung Berlin. Bezirk Weißensee. Heute Freitag,»S. November ISIS, abends 6 Uhr, im Prälaten' Lehderstrafte 122: Große Hohürbkitkr-Nnsümmlang. Tagesordnung: „Die Kriegsvorbereitttngen der Unter- nehmerverbände für das Kampfjahr 1913" Referent Joseph Ahlemeyer-Bremen.' Kein Holzarbeiter Weiftensees darf tu dieser Versammlung fehlen. W/l#__ Di© Ortoverwaltang. Bautischler. So«««««' den 1. Dezember 1912, vormittags 10 Uhr, Branchen»Versammlung für Groß-Kttlm o. die Uorotte Groß-Fichterfelde n. Steglitz bei Boeker. Weberstraße 17: Tagesordnung: 1. Stellungnahwe zur Bertragstündtgung«nd welche Forderungen stellen wir. 2. Der.lrbeitsnachweis und die Arbeitsoermittelung. 3. Diskussion.... »M?» Die arbeitslosen Kollegen werden dringend ersucht, an dieserBersammlnng teilzunehmen."WA 91/9 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Branchenkommisffon. I. A.: llorl lloied«. lleiitselies Aflikilkf-Sängksdiiiill. /z Uhr. Zentfalverband der Handlungsgehilfen. Bezirk Groß-Berlin. — Bureau; Miinzstr. 20, Kgst. 1622.= Sonnabend, den 30. Biovember 1912: WlntersFest im großen �aale des Gewerkschaftshanses, Engelufer 15. Festrede: Dr. Bruno Breitscheid. Während der Kaffeetafel: Vorträge. Mitwirkende: Tllly Schöning j Albert Kttbne| vom Biedermeier- Kabarett Peter Pfeiffer) Tanz, aaaaaaaa Verlosung. Anfang 9 Uhr. Eintrittspreis 60 Pf. einschl. Tanz. Einladungskarten sind durch das Bureau, Miinzstr. 20)11, zu haben. Der Eintrittspreis ist am Eingang des Saales zu entrichten. 299/7 Um regen Besuch bittet Der FestansschnQ. Weihnachts Preisausschreiben! Schnell zugreifen, da garüntierl 100 Kudtmimue«nisoilst! In Ihrem ganzen Leben kommen Tie nicht wieder so billig zu einer solchen Pracht-LSanne t Wer diese Punkte in obenstehendem Kreis richtig auszählt lblS 10 Punkte aus und ab Differenz gilt als richtig) und als Anzahlung M. 3,— in bar oder Marken einsendet, erhält meine Paradies- Wanne (D. R.®. M.), die auf der, Hvgtene-tveltausstcllung Dresden ISll mit der.Silbernen Medaille« ausgezeichnet wurde, zu 11,25 M. franko zugeschickt. Verpackung wird nicht berechnet. Die Paradics-Bade- wanne hat folgende Vorzüge: 1. Die Wanne ist verzinkt. 2. darum roftsichrr, 3. mit durch Bandeisen verstärkter Wulst und Füßen versehen. 4. sehr stabil und unverwüstlich, 5. trotzdem leicht transportabel, ö. ist billiger als Im Vollbade veriinlte Wannen. Größe ea. 170 cm lang, 70 cm breit, Nonnalgröße. Taglich begeisterte Anerkennungen. Taujende im Gebrauch. Die Wanne wird deshalb so billig abgegeben, well ich durch Empfehlung stets weitere Geschälte mache So schreibt z. B. Herr Karl Ps-ifter, Schristsetzer: Memel, den 13. Oktober 1910. Mit Gegenwärtigem teile Ihnen mit, daß ich die von Ihnen bestellten zwei Wannen erhalten habe. Meine Frau sowie Kollege Schwanitz, tür den ich die zweite Wanne bestellt hatte, waren beim Anblick derselben ganz entzückt. Ich sür meinen Tell tonnte es nicht unterlaffen. die Wanne gleich praltilch zu verlachen und kann nur sagen, daß ich sämtliche Vorteile, die Ihrer Wanne„Paradies* nachgerühmt werden, voll uns ganz erfüllt fand. Am meisten srente ich mich über den wenigen Wafferverbrauch und die bequeme Lage. Mit 4 Eimern Waffer kann man-in Vollbad nehmen, welches selbst dem Unbemsttelsten nicht zu teuer kommen dürfte. Mit einem Wort gesagt, die Badewanne ist gerade für den wenig Bemittelten die prakttichfte. billigste, danerhastefte und bequemste Wanne, die man fich denke» kann, hauptsächlich, da sie aufgestellt sehr wenig Platz einnimmt. Von je 10 aus dies« Anzeige bestelllen Wannen wird je eine Wanne wollftändig gratis verschickt(aber nicht mehr als 100 Gratiswannen). Diese hundert«rattswanuen erhalten die Einsender der ersten 160 richtigen Lösungen. Es kommt also darauf an. die Lösung aus untenstehendem Schein mit 3 Mark in bar oder Marken so schnell al« möglich abzusenden. Maßgebend ist der Postabgangsstempel ans dem Briese,«ein Risiko, da selbst bel salschen Lösungen die 3 Mark nicht verloren sind, da diese dann zurückgeschickt werden, Streng reell!!! 100 Mark Belohnung dem, der nachweist, daß nicht genug Gratiswannen verteilt werden. Die Empsänger der GrattSwannen werden in dieser Zeitung veröffentlicht resp. den Ansenwh, mitgeteilt. Aus Wunsch wird die Wanne auch erst kurz vor Veibnachten verschickt, also event. ein WeihnachtS- geschenk umsonst. Bolz- und �letallwerk Oederan(Sa«) Nach meiner Zählung enthält der Kreis im.Vorwärts" Punkte. ,�av �-.—.•**-- xv. kjo, iLCUCjUUtfC». OCUCll O St. Of ÄÄölteMtt Attrejk SBt&W« Keuiöüß. gür bei) Inseratenteil verantw.: tt.Gi»cks.Beclm. Druck u. Verlaa�vorwarth»uchdrutteret � Sollte ich richtig gezählt haben, senden Sie mir franko(Verpackung frei) 1 Paradies-Wanne(D R G M.) zu M. 11,25 Nachnahme. Anbei M. 3,—, die ich zurückerhalte, wenn die Löiung nicht richtig ist. Falls ich unter den erste» gewinn- berechtigten Einsendern der richtigen Lösungen bin, erhalte ich Di. 14,25 später in bar zurück, also die Wanne ganz umsonst. Name:..................................... Stand:.................................... Ort:...................................... Straße oder Station:'.......................... Die Wanne soll am............... zum Versand kommen. Nur diejenigen Lösungen werden berücksichtigt, die unabgeändert auf diesen Schein geschrieben(ohne Extrabedingungen) eingehen und denen 3 M. beigefügt sind. taBMnfMl leui Singer u. Ca, Berlin SW. Nr. 279. 39. Iahrgaag. I KtilU des ,|otiüirto" ßtiünct WlksdlR ltdfit!). 39. i>ttk«kt)9)3. Die Stadt ISerlin und die B.€. S. Nach dem Vertrage der Stadt Berlin mit den Berliner Elektrizitätswerken geht im Jahre 1915 das Werk in den Besitz der Stadt über, wenn bis Oktober 1913 die Stadt diese Ab- ficht zu erkennen gegeben hat, im anderen Falle würde es sich um Verlängerung des Vertrages handeln. Es werden jetzt von den verschiedensten Seiten die Möglichkeiten einer Ueber- nähme der Werke durch die Stadt Berlin erörtert. In der Donnerstagsnummer der„Vossischen Zeitung" ist eine von fachmännischer Seite herrührende Zuschrift veröffentlicht, w der die Angelegenheit vom technisch-wirtschaftlichen Stand- Punkt behandelt ist. In dieser Zuschrift heißt es: Was würde zunätttst die Stadl Berlin für das Geschäftsjahr 1S11/12 etwa verdient haben, wenn sie die B. E. W. selbst betrieben hätte, und was hat sie verdient? Wer die sehr einfache und übersichtliche Bilanz im Geschäftsbericht der B.<8. W.(siehe die Anzeige in Nr. 690 der.Boss. Ztg.") zur fand nimm«, ist sofort in der Lage, die Richtigkeit der nachstehenden ahlen nachtuprüfen. Zunächst das Anlagekapital: in der Bilanz stehen zu Buch: Anlagen innerhalb de» Weichbildes.. 99 012 588,73 „ außerhalb.., 23 238 673,63 Summa 122 251 212,26 ES empfiehlt sich jedenfalls, bei einem Uebernahmeplan auch da? Elektrizitätswerk Oberspree usw. zu berücksichtigen, schon weil für Elektrizitätswerke im allgemeinen eine möglichst breite Grundlage vorteilhaft ist. Demnach beträgt daS von der Stadt aufzuwendende Kapital, wenn der Buchwert zugrunde gelegt wird, da der Er- Neuerungsfonds in den Besitz der Stadt übergeht: 122,51 Millionen, abzüglich 3,86, Erneuerungsfonds 118,65 Millionen Es soll davon abgesehen werden, daß der Taxwert möglicher- weis« für die Stadl günstiger auffallen würde. Ganz außer An» sah bleiben die nicht zu übernehmenden Aktien, Papiere usw., welche die B. E. W besitzen, z. B. die der Elektrizitäts-LieferungS-Gesell- schaft. Der Bruttogewinn beträgt laut Gewinn- und Verlustkonto auS dem Betriebe....... 18,21 Millionen , Grundstückserträgen..... 1,29, . vermieteten Anlagen..... 0,25. Sa. 19,75 Millionen Hierzu kommt die Bruttoabgabe an die Stadt Berlin, die vorweg in Abzug gebracht ist, mit 3,03 Millionen, also beträgt der Bruttogewinn......... 22,78 Millionen Nicht berücksichtigt durften hier wieder werden: die Zinsen aus Papieren, Aktien usw., die mit 1,86 Millionen aufgeführt sind. Die Unkosten ergeben sich aus der Debet-Seite des Gewinn» und Berlust-Kontos wie folgt: Handlungsunkosten... 1.76 Millionen Steuern...... 0,63 Sa. 2,39 Millionen Die Unkosten enthalten den sehr erheblichen Beitrag der V. E. W. an die A. E. G., den wir aber vorerst nicht in Betracht ziehen wollen. Die Abschreibungen werden eingesetzt: Für Anlagen innerhalb des Weichbildes mit 3,70 Millionen „. außerhalb,. 1.08, Sa. 4,78 Millionen Hierzu soll noch die Ueberweisung an den Er- neuerungSfondS hinzugerechnet werden mit 0,57 Millionen Sa. 5,35 Millionen Für Abschreibung und Erneuerung kommen daher 6,35 Millionen in Abzug- Die Verzinsung des Anlagekapitals von 118,65 Millionen mit 4 Proz. ergibt 4,75 Millionen. Die Tilgung ist bereits in obigen 3,35 Millionen für Abschreibungen und EcneuerungsfondS berück- sichtigt. Zum Vergleich seien die Berliner Gaswerke herangezogen, die für 1912 bei 139 Millionen Buchwert sdarunter rund 98 Millionen Schulden) 3,9 Millionen für Tilgung und Abschreibung in Abzug brachten. Nu» haben wir bereits die genügend genauen Grundlagen für Ml Schlußrechnung. Bruttogewinn 22,78 Millionen Davon ab Unkosten(einschl. Ab- gäbe an die A.E.G.) 2.39 Tilgung und Abschreibungen 5,35 Berzinsiing des Anlagekapitals 4,78 12,52 12,52 Millionen 10,26 Millionen Die Einnahmen der Stadt Berlin aus der Eleklritätscrzeugung hätten daher bei städtischem Beirieb etwa 10'� Millionen betrogen, während laut Vertrag 6,78 Millionen vergütet sind. Die Mrhreinnahme hätte mithin für 19ll/I2 rund 60 Proz. oder g'/z Millionen beiragen. wen» die Abgabe der B. E. W. an die A. E. G. «ich! berücksichtigt wiid. Die vorstehende Rechnung ist für die Stadt eher zu ungünsttg als zu günstig. Hält die Steigerung des ElektrizitätSabsayes an, so ist naiürlich für 1915 und spätere �sahre noch ein günstigeres Ergebnis zu e> warten, als nach den wetteren Ausführungen anzu- nehmen ist. Der Vorteil für die Stadt steigt aber nicht nur mitzunehmender Stromabgabe, sondern auch mit jeder Betriebsverbillignng. Da ist nun darauf aufmerksam zu machen, daß die B. E. W. es für zweckmäßig erachten, ihren Haupikonsum vom Braunkohlenrevier bei Bitterfeld aus zu speisen und die Berliner Zentralen im wefeni- lichen nur für die sogenannte Spitzenleistung sowie als Reterve heronzu ziehen Sollte die Stadt bei Nachprüfung— vorzügliches Ntoterial für diese Krage findet sich in der Literatur(vergl. Kluigen- berg E. T. Z.. Hest 31/32 1912)— diese Maßnahme ebenfalls für zweckmäßig hallen, so bekäme sie nicht nur diese ziemlich teure An- löge in frkier Konkurrenz billiger erstellt als die privaten B. E. W., sondern genösse auch den vollen Borleil der Betriebsverbilligung. Diese kann mit etwa 1 Pf. pro außerhalb erzeugte Kilowattstunde eingesetzt werden. Rechnet man etwa Vs�'/z der Energteabgabe auf die Spitzen- leistung ab. so ergibt sich hierdurch für später ein weiterer Vorteil für die Stadt von lVs�-2 Millionen Mark, wenn man mit gOO Millionen Kw.-Stnnden Energieabgabe für jenen Zeirpunki rechnet. Dieser Vorteil würde in vollem Umfange nur für die Siadt als Besitzerin eintreten, anderenfalls wäre sie nur entsprechend daran beteiligt. Ich habe vorstehend die von mir gestellte Kardinalfrage— und zwar zunächst ohne Berücksichtigung der Abgabe an die A. E. G. zahlenmäßig behandelt.,„.... Dabei habe ich noch außer Ansatz gelassen, daß die Stadt als jetzige Grotzkonsumentin der B. E. W— man denke auch an die spätere Nord-Südbahn— erhebliche Beträge spart, wenn sie für die von ihr benötigte Energie nur die Selbstkosten zu vergüten hat. Bemerkt muß aber noch werden, daß sie auch an Anlagekosten sparen wird, da sie in fast ihren gesamten Betrieben zweckmäßig an Stelle eigener Zentralen und Kraftmaschinen später einfach elektrischen An- schluß vorsehen wird." Wenn wir auch nicht gerade der Meinung sind, daß bei der Uebernahme der B. E. W. in den Besitz und Betrieb der Stadt nicht lediglich materielle Gründe maßgebend sein sollten, so zeigt doch die obige Darlegung, daß die Gemeinde auch in diesem Falle kein schlechtes Geschäft machen dürfte. Maß- gebend muß aber der Gesichtspunkt sein, daß die Lieferung von elektrischem L'cht und elektrischer Kraft nicht Monopol einer Privatgesellschaft sein dürfen. Partei- Angelegenheiten. Bohnsdorf und Umgegend. Der fünfte Vortrag des Genossen Eichhorn über: Die historischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus(der Zukunftsstaal) findet am Montag, den 2. Dezember, abends pünktlich 87z Uhr, in der Villa Kahl statt. Borsigwalde-Wittenan. Heute Freitag, abends 8'/, Uhr: Mit- gliederveriainmlung des Wohlvereiiis. Tagesordnung u. a.: Vortrag des Genossen Dr. Julius Moses: Die Kulturmisfion des Kriege». Bernau. Sonntag, den 1. Dezember, findet nachmittags ll$ Uhr bei Salzmann. Basdorferstraße, Mitgliederversammlung statt. Außer einem Bortrag des Genossen Kurt Heinig stehen noch sehr wichtige Punkte auf der Tagesordnung. LerUner Nachrichten. Die Stadtverordnetenversammlung hat dem ihr vom Magistrat vorgelegten Ortsstatut über die Gründung einer Pflicht-Fortbildungsschule für Mädchen sowie den Abänderungen des Ortsstatuts über die schon bestehende Pflicht-Fortbildungsschule für Jünglinge gestern ohne weiteres und einmütig z u g e st i m m t. Auch die freisinnigen Fraktionen schienen das mit Freudigkeit zu tun, so daß recht anschaulich zum Ausdruck kam. wie sehr in neuerer Zeit die Meinungen über die Pflicht-Fortbildungs- schule sich gewandelt haben. Stadtverordneter Cassel suchte die dem Berliner Stadtfreisinn abgerungene Bekehrung zu besserer Einsicht dadurch zu verdecken, daß er seiner Zu- stimmungserklärung wieder noch das alte Loblied auf die Wahl-Fortbildungsschule einfügte, das wir ehedem in den Kämpfen um die Pflicht-Fortbildungsschule so oft gehört haben. Offener war Stadtverordneter R 0 s e n 0 w, der rück- haltlos von der Pflicht-Fortbildungsschule rühmte, daß sie durch ihre Erfolge das frühere Mißtrauen be° feitigt und alle Bedenken widerlegt habe. Eine aus den Reihen unserer Genossen kommende Zwischen- bemerkung ergänzte hier:„Da haben also die Sozial- demokraten wieder mal recht gehabt!" Für die sozialdemokratische Fraktion erklärte Genosse Ar ons, daß auch sie— dem Beispiel der sämtlichen Fraktionen des Frei- sinns folgend— auf Ausschußberatung verzichten wolle. Die gesamte Vorlage wurde dann, ohne daß noch eine Special- debatte stattfand, en dloe angenommen.„Einstimmig!" riefen mit Stolz die Freisinnigen. Es ist noch nicht gar so lange her, daß Debatten über die Pflicht-Fortbildungsschule ganz anders endeten. So ändern sich die Zeiten I Einigkeit herrschte gestern auch in einer anderen Frage, mit der infolge eines Antrages der sozialdemo- kra tischen Fraktion die Stadtverordnetenversamm» lung sich zu beschäftigen hatte. Im Hinblick auf die demnächst in Kraft tretende Angestelltenversicherung forderten unsere Genossen, daß für die im Dien st der Stadt ohne Pensionsberechtigung dauernd beschäftig» ten Personen durch Aenderung des seit 1991 geltenden Gemeindebeschlusses über die Gewährung von Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung nunmehr ein Rechtsanspruch gewährt werde. Genosse Koblenzer legte dar, daß dann viele dieser Personen davor bewahrt bleiben, in die viel kostende und wenig ge- währende Angestelltenversicherung hineinzu- geraten. Selbst wenn man die ganze Sache nur von der finanziellen Seite betrachten wolle, so müsse man der Forde- rung eines Rechtsanspruches zustimmen, weil gegenüber den Mängeln der Angestelltenversicherung eine solche Regelung ebenso sehr im Interesse der Stadt wie der in ihrem Dienst Beschäftigten liege. Ernstliche Bedenken konnten weder vom Magistratsvertreter noch von den Rednern des Freisinns vor- gebracht werden. Stadtrat F i s ch b e ck teilte mit, daß auch der Magistrat dieser Angelegenheit bereits näher getreten ist. Sobald Klarheit darüber geschaffen sei, werde zu ihr Stellung genommen werden. Der Antrag unserer Genossen empfahl, die Frage der Gewährung eines Rechtsanspruches in ge» mischter Deputation zu beraten. Beratung in ge- mischter Deputation wünschte auch ein von Freisinnigen hierzu eingebrachter Antrag, doch stellte er ihr keine so bestimmt ge- haltene Aufgabe. Dieser Antrag wurde dann ange- no m m e n. Im ersten Teil der Sitzung wurden mehrere kleine Vor- lagen erledigt. Zugestimmt wurde dem Magistratsantrag, den in den Gemeindeschulen bisher durch Vermittlung eines Vereins gegebenen hauswirtschaftlichen Unter- r i ch t vom April nächsten Jahres ab auf die Gemeinde- schulder waltung zu übernehmen. In dem Lehrplan für die Volksschulen Groß-Berlins, der zum April in Kraft treten soll, wird der hauswirtschaftliche Unterricht fakulta- tiver Lehrgegenstand sein. Genosse Bruns regte an. nicht nur die Mädchen der ersten und zweiten Klasse, sondern auch die der dritten Klasse daran teilnehmen zu lassen, wenn sie in dieser Klasse bereits im letzten Schuljahr stehen. Stadt- schulrat Fischer versicherte, das entspreche auch den Ab- sichten der Schulverwaltung. Ein Verein will eine Erfrischungshalle für alkoholfreie Getränke am Bahnhof Friedrichstraße aufstellen. Genosse Wen gel. s erklärte das volle Einver- ständnis der sozialdemokratischen Fraktion mit der Be- kämpfung des Alkohol ismus, forderte aber— wie schon früher bei einer ähnlichen Gelegenheit— Prüfung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Angestellten derjenigen Vereine, denen die Stadt zu solchen Zwecken ihre Straßen und Plätze überläßt. Der Antrag auf Ausschuß- b e r a t u n g wurde angenommen. Auch die Magistratsvorlage wegen Verpachtung der Er- frisch 11 ugshalle im Treptower Park wurde einem Ausschuß überwiesen. Genosse Schulz empfahl. nicht ohne weiteres wieder mit dem bisherigen Pächter abzu- schließen, sondern die Verpachtung öffentlich auszuschreiben und für die mit zu verpachtende Eisbahn den Pächter zu mäßigen Eintrittspreisen zu verpflichten. Eine neue Brücke. Gestern vormittag wurde die im Zuge der Schönfließer und Sonnenburger Straße über die Ringeisenbahn führende Brücke dem Verkehr übergeben. Diese neue Brücke bildet ein weiteres Verbindungsglied zwischen �dem Bezirke nördlich der Ringeisenbahn und dem Innern der Stadt. Sie schneidet die Eisenbahnlinie unter einem Winkel von 73 Grad 30 Zoll. Bei einer mit den überführten Straßen übereinstimmenden Damm- breite von 15 Meter haben die beiderseitigen Bürgersteige cme Breite von je 5 Meter erhalten. Es handelt sich hier um ein Bauwerk, für das in erster Linie Nützlichkcitsrücksichtrn bestimmend waren. Seine eigenartige Gestaltung erklärt sich aus den Ver- Hältnissen der Oertlichkeit.und aus den Bedingungen, welche mit Rücüicht auf den Eisenbahnbetrieb innegehalten werden mußten. Aestyetische Gesichtspunkte konnten erst in zweiter Linie Berück- sichtigung finden. Von der Eisenbahndirektion wurde ein möglichst breiter und hoher Raum für die durchfahrenden Züge gefordert. Dadurch entstand eine Mittelöffnung von 31,5 Meter Weite, welche durch eine Rahmenkonstruktion überspannt wurde, deren Ausleger die Abstände bis zu den Endauflegern so weit verminderten, daß bei äußerster Ausnutzung der Bauhdhe der Anschluß an die Sonnen- burger Straße hergestellt werden konnte, ohne eine Anfhöhung des Straßenkörpers vornehmen zu brauchen. Um auch ohne erhebliche Aenderungen an den Kreuzdamm der Schönsließer und der Dänen- straße anschließen zu können, mußte der Wechselpunkt des Gefälles leider seitlich der Brückenmitte in etwa 12 Meter Abstand von dem südlichen Ende angeordnet werden. Die nördlichen Fußstreben der Portalträger liegen bereits auf städtischem Grund und Boden, so daß nur für den südlichen Zwischenpseiler Eisenbahngelände in Anspruch genommen wird. Die Ausbildung als Blechträger wurde gewählt, um den Lokomotivgasen möglichst wenig Angriffsflächen zu bieten, die besonders auch durch Verwendung von Eisenbeton für die Fahrbahntafel und durch Ummantelung der Gurtungen mit diesem Material vermindert worden sind. Die Bürgersteige, unter denen die Straßenleitungen ihren Platz gefunden haben, sind mit Eisenbetonplatten abgedeckt und darüber mit einem Belage von Hartgußasphält verschen. Die hochwandigen Träger der Mittel- öffnung begünstigten die Ausbildung des Brückengeländers im Sinne der Eisenbahndirektion, welche immer von neuem die Forde- rung möglichst hoher, dichter Uwwehrnngen stellt. ES ist durch Verwendung eines Drahtgeflechtes für die Füllungen darauf Be» dacht genommen, diesen Wünschen zu entsprechen, ohne den Fuß» gängern beim Ueberschreiten der Brücke den freien Ausblick zu nehmen. Die Ausführung des Bauwerks erfolgte nach langwieriger Ver- Handlung mit der Eisenbahnverwaltnng bezüglich ihrer Verpflich- hing zu einer Beitragsletstung im August vorigen Jahres. Die Kosten der Ausführung betragen rund 280 000 M. Lichtbilder-Vortrag für Kinder im Gewerkschaftshaus. Am Dienstag, den 19. Dezember, nachmittags 5 Uhr, findet im großen Saale des GewerkschastsHauses ein Lichtbildervortrag für Kinder statt. Der erste Teil bringt die bekannten Sachen von Wilh. Busch:„Max und Moritz" und„Hans Huckebein, der Unglücksrabe", der zweite Teil eine sorgfältige Auswahl von Märchenbildern und sonstigen farbigen Bildern. Vortragender ist Herr Rex. Zutritt haben nur schulpflichtige Kinder. Der Saal wird um 4'/, Uhr geöffnet. Da nur so viel Karten ausgegeben werden, als Sitzplätze vorhanden sind, kann jedes Gedränge vermieden werden. Eintrittskarten a 19 Pf. sind im Verein der Frauen und Mädchen der arbeitenden Klaffen und im Zigarrengeschäft von Paul Harsch, Engelufer 15, zu haben. Die Karten werden nur an solche Personen ausgegeben, die sich über ihre Zu- geHörigkeit zur gewerkschaftlichen oder politischen Organisation ausweisen. Zum Stand des Baues der FleischengroShalle wird aus dem Rathause geicbrieben: Die Hochbaudeputation stimmte gestern dem Vorentwurs für die Fleischgroßmartthalle nebst den nolwendigen Kühlräumen an der Kniprodestraße zu. Die Kosten stellen sich nach dem lieberschlag auf 2 700 000 M. Die Markthallendepntation in Uebereinstiminung mit dem Kuratorium des städrischen Vieh- und Schlachthoss und einer größeren Anzahl von Vertretern der Vereine der Großschlächtcr hält eine Vereinigung der EngroSverkaufsstelle für Fleisch mit dem Schlacht« Hof für dringend wiinichenswert. Der Magistrat ist dem beigetreten und hat deshalb die Hochbaudeputatton mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Projektes beauftragt. Jetzt mutz daS Fleisch vom S-Vlachthos nach der Zentralmarkthalle und. soweit es dort nicht gleich verkauft wird, wieder nach dem Schlachthof verbracht werden. Durch den Transport leidet naturgemäß die Beschaffenheit des Fleisches, und außerdem verursacht der Transport nicht unerheb- liche Kosten. Durch eine Verlegung der Engroshalle sür Fleisch nach dem Schlachthof wird es möglich gemacht werden können, daß daS Fleisch durch geeignete Vorrichtungen direkt in die Kühlhallen ver- bracht wird, wo es bis zum Verkauf verbleibt und direkt nach den Verkaufsstellen verbracht wird. Durch das ununteibrochene Lagern de» Fleisches in den Kühlräumen gewinnt es an Qualität. Außerdem werden die Kosten für den Transport erspart. Der jetzt zum Transport nach der Zentralmarkthalle erforderliche Fuhrpark(rund 900 Wagen) würde sich dann nach Meinung des Sachverständigen um 25 Proz. verringern. Die Verlegung der Fleischgroßhalle hätte ferner den Vorreu, daß der jetzt hierfür in der Zentralmarkthalle beanspruchte Raum frei würde und sür Gemüse und Obst Verwendung finden könnte. Auch würden die Straßen bei der Zentralmarklhalle, welche jeyt die Schlächterwagen belagern und dadurch den Verkehr in sehr nachteiliger Weise behindern, in ganz erheblichem Maße entlastet werden. Ueber die Verlegung der Grohmarlthalle für Gemüse und Obst sind Beschlüsse noch nicht gefaßt. Die Markthallendeputatton steht auf dem Standpunkt, daß deren Verlegung an schiffbaren Master- laus zweckmäßig ist, weil ein großer Teil dieser sür die Versorgung Berlin« notwettdnngen LebenSmiitel von weit herkommt und auf dem Wasserwege billiger als auf dem Schienenwege herangebracht werden kann. Ein geeigneter Platz für diesen Zweck ist aber bisher noch nicht gefunden worden. Ein ehrengerichtliches Verfahre» gegen die Rechtsanivälte Dr. Jaffö und Dr. Alsberg ist von der Staatsanwaltschaft beantragt worden. Dem Antrage lagen Vorgänge im Prozeß Metternich und Aeußerungen im Prozeß Glaser zugrunde. Das Ehrengericht hat folgendes Urteil gefällt: Rechtsanwalt Dr. Jaffö ist der Verletzung der anwaltlichen Standespflichten in drei Fällen schuldig und wird deshalb zu einem Verweise und 1000 M. Geldstrafe verurteilt. Rechtsanwalt Dr. Alsberg ist des gleichen Vergehens in einem Fallt schuldig und wird deshalb zu einem Verweise verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen zu Dreiviertel dem Rechtsanwalt Dr. Jaffö und zu einem Viertel dem Rechtsanwalt Dr. Alsberg zur Last. Die Nepper mit dem Finderlohn sind wieder an der„Arbeit". Jetzt machen sie besonders Charlottenburg unsicher. Ihr Kniff ist der: Einer von ihnen„findet" auf der Straße eine„goldene" Kette m dem Augenblick, in dem ein Mann, auf den er eS abgesehen hat, hinter ihm hergeht. Er tut verwundert und erfreut zugleich und veranlaßt dadurch auch den zum Opfer ausersehenen Mann sich die Kette anzusehen. Dann kommt„zufällig" ein Dritter dazu. der Spießgeselle des ersten, der„zufällig" Goldarbeiter und Sach- verständiger ist. Donnerwetter, sagt er nach genauer Prüfung, da haben Sie ja einen wertvollen Fund gemacht. Die schwere Kette ist massives Gold, schon dev Finderlohn beträgt ein schönes Stück Geld. Der Finder bedauert, keine Zeit zu haben, die Kette auf dem Fundbureau abzugeben, weil ex verreisen mutz. Das Ende ist, datz er sein Finderrecht mit dem Anspruch auf den Lohn für M. oder mehr dem Opfer abtritt, weil der Sachverständige zu fevnem Bedauern kein Geld bei sich hat. Noch lieber ist den Gaunern, wenn ihr Opfer andeutet, datz man ja den Fund nicht oera.de unter allen Umständen abgeben müsse. Dann verkaufen sie d>! Kette und der Geneppte wird nun um so mehr Geld los. Die NSPvketten find keine S0 Pf. wert. Die Spezialisten benutzen mit Vorliebe etwas dunklere Strotzen, weil sie dort die Kette auf den Bürgevsteig können fallen lassen, ohne datz jemand etwas merkt. Im städtischen Obdach vom Tode überrascht wurde ein unbe- kannter Mann von ungefähr SS Jahren. Kurz nach der Aufnahme brach er plötzlich besinnungslos zusammen und starb, wahrscheinlich am Herzschlag. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der unbekannte Tote, der Papiere auf den Namen eines Dach- deckers Gustav Stäge bei sich führte, ist mittelgrotz und hat dunkles Kopfhaar und einen dünnen, rötlichen, weih melierten Bollbart. Die Ortsgruppe Groß-Berlin des Arbeiter-Abstinenteu-Bundes deranstoltct am Sonntag, den 1. Dezember, mittags>2 Uhr, in den Armin- hallen, Kommaudantenstr. 58, eine Matinee mit Herrn Einanuel Reicher vom Lessing-Dbeater. Edllatzkarten zum Preise von 30 Pf. sind in der GeschäslSstelle SO. 16, Engelufer 19, und bei den Mit- gliedern zu haben. Getränke werden nicht ausgeschenkt. Feuer in einem Bankgebäudr. Gestern abend gegen 8 Uhr wurden zwei Löschzüge der Berliner Feuerwehr nach dem Gebäude des Schaaffhausenschen Bankvereins in der Französischen Strasse 56 gerufen. Dort war auf bisher nicht ermittelte Weise im Keller des Hauses ein kleiner Braald entstanden, der einen Posten Lumpen ersaht hatte. Die Gefahr konnte in wenigen Minuten beseitigt werden.— Vorher hatte die Wehr in der Adolfftratze 2 einen grötzeren WohnungSbrand abzulöschen. Fcuernachrichten. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr nach der Köpenicker Straße 21 gerufen, wo in einer Kistenfabrik Feuer ausgebrochen war. Bei Ankunft der Wehr brannten Bretter, Kisten und Teile der Schaldecke, so datz längere Zeit mit einer Schlauchleitung Wasser gegeben werden muhte, um die Gefahr zu beseitigen.— In der Friedenstr. 74 hatte sich ein größerer Posten Teer auf dem Dach des Hauses entzündet. Auch hier bedurfte es längeren Wassergebens, um die Flammen zu ersticken. In der Scharrenstr. 21/22 brannte es autzerdem in einer Juwelierwerkstatt und in der Lübbener Strohe 22 in einer Wohnung. An der letzten Stelle schwebte ein Kind in Erstickungsgefahr, konnte aber Noch rechtzeitig von Hausbewohnern in Sicherheit gebracht werden. Vorort- f�a cd richten. WilmerSdorf-Halenfee. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Am S. Juni 1912 hatte die Stadtverordnetenversammlung die Aufnabine einer Anleihe von 2S Millionen Mark beschlossen. Die staatliche Genehmigung zur Ausgabe von Schuldverschreibungen konnte von den in derartigen An- gelegcnheilcn zuständigen Ministern de« Innern und der Finanzen aber nicht erlangt werden. Vielmehr haben die Minister die Erteilung der Genehmiguitg davon abhängig gemacht, datz die in dem Anleihe- plan enthaltenen Grunderwerbskosten für die Volksschulen und die Fortbildungsschulen abgesetzt werden, so datz eine Er- mätzigung der Anleihe auf 23 Millionen Mark eintritt, und datz der TilgungSsatz sowie die JohreSrücklage für den neu zu gründenden SammelfondS zur Bestreitung autzerordentlicher Bedürfnisse von je l,7ö Proz. aus 2 Proz. erhöht werden. In der Erkenntnis, datz weitere Borstellungen in den Ministerien zwecklos sind, blieb b« Stadlverordiielenversainmlung nichts übrig als sich dem Wille» der Regierung zu fügen. Bemerkt sei noch, datz die Anleihe sich um Slrin» weitere Million Marl crmätzigen wird, wenn die Stadt- verordiietenveriainnilung entgegen den Bedürfnissen der Bevölkerung Von der Bewilligung der Mittel für die in Aussicht genommene Badeanstalt abschen sollte. Der Bund der Haus- und Grundbesitzervereine Groh-Berlin war an die Stadiverordnelenversainrnlniig mir dem Meinch heran- gegangen, bei Prüfungen der Wohnungsfrage de» Nolstäiiden des Griindbesitzes Rechnung zu tragen und Matznahmen zur Besserung des RealkreditS zu treffen. Stadtv. Schröder sSoz.) sprach bei der Erörterung dieser Angelegenheit die Ansicht aus, datz bei anderen Bevötkerungsklassen wohl eher von einem Notstand die Rede iein könne als gerade bei den Grundbesivern; immerhin sei es interessant, datz auch diese Meuschengatlung, die bisher das individtinlistische Prinzip vertreten Hube, von, KominitnaliozialiSntuS Heil erhoffe. In der Sache selbst hielt Schröder es für besser, wenn die Petmon nicht dem Antrage des AliSschiisseS gen, ätz der Deputation für Errichliiilg eines Psanobriet- iiistiinis, sondern der D putatioil zur PrüNlng der Wohnungsfrage üoerivieien würde. Es haue dann auch die Frage der Errichtung eines W o h n» n g s a m l e s und einer W o h n u n g S i n f p e k t i o» mit beraten werden köiiiten Es wurde jedoch dem Antrage des PetitionSauSschusseS gemätz beschlossen. Eine Betition der Gesellschaft für soziale Rfform. den AilSban der Ich>i l speis»» g betressend, wurde in Rücksicht da> ans, datz die Schiitipeisnug in die Wege geleitet ist, dem Magistrat als Material überwicie». Bei der Beratung der Magistratsvorlage betr. die Bewilligung von Mitteln für neue Lehi stellen an den Volksschulen rügte Stadrv. Riedel die zu starke Belegung verschiedener Volksschnl- Hassen. Einzetiie Sladtveroidnete entgegneten, datz es sich bei den von Riedel angeiüh' ten Zfffern hm wahrscheinliche Belegungen handle, die eintrete» würden, wen» die Stadl keine neuen Leh>k>ätle anstelle. Mit gutem Grunde ivieS Riedel darauf hin, datz die i» der MagisirntSvoilage angeführten Zahlen nicht anders als positiv zu deuten seien. Uebrigens komme» i» den PolkSichulklassett tatjäch- lich Frequenzen bis zn'echzig Schülern, vor. Eine längere Erörterung enppann sich über den Bericht des RechnungSanSichusseS. Einige Beamte halten sich den Mitgliedern deS AuSkchusseS gegenüber unzieinliche Bemerlungen erlaubt, und mit Recht verlangte die Versammlung, datz den Beamten derartige Ungebörigkeiten untersagt werden. Eine Magistralsvorlage, die die Eiiuichililtg kaufmännischer Klassen in der Fortbildungsschule fordert, fand die Billigung der Ber- fammtung. Bei der Beratung der Borlage tvnrde ein von Riedel(Soz.) gestellter Anrrag, wonach von der Veibängung der Karzerstrase über FonbildungSschüler abgesehen werden toll, abgelehnt. Jevoch fand ein Antrag Annahme, wonach das Höchstmatz der Strafe nickt, wie das OrtSstatut festsetzt, sechs Slunoen, sondern nur zwei Stunden betragen soll. Riedel rügte weiter, datz ein Vortrag über Harmonie zwischen Kapital und Arbeit, der das Gebiet der Politik berührt habe, vor den Schülern gehalten worden sei. Schröder(Soz.) wies darauf hin, datz der vom Stadtv. Dr. Helmke geforderte staatswisseitschastliche Unterricht sehr leicht einen tendenziösen Inhalt erlangen könne. Diese Bemerkung gab Stadw. Leidig zu der Behauptung Anlatz, datz bei den Lehren der Sozialdemokratie von Wissenschaft keine Rede sein könne. Schröder erwiderte diesem Bolkswirtschaftler, datz er mit dieser Behauptung unter seinesgleichen wohl ollein dastehe: hätten doch die bedeutendsten Nationalökonomen rückhaltlos die wissenschaftliche Bedeutung der von den sozialistischen Denkern verkündeten Lehren anerkannr. In geheimer Sitzung wählte die Versammlung den Aus- schütz zur Prüfung des Antrages auf Einführung von Kunstgrantoid- platten und den Ausschuß zur Borberatung de» OrtSstaruts über Erhebung von Beiträgen zu den Kosten der> Untergrundbahn. Dem elfteren Ausschutz gehört Riedel, dem letzteren S ch r ö d e r an. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst lag«in Antrag des Ge meindevorstawdes vor, wonach das zwischen-der Fehler- und Offen- bacherstratze hinter dem Gemeindefriedhof gelegene Gelände, das laut Beschlutz der Gemeindevertretung bereits zur Vergrößerung des Friedhofs bestimnrt war, als Spiel- und Sportplatz einzurichten sei. Büvgevmeister Walger sowie Schösse Lichtheim gaben der Vorlage eine vortreffliche Begründung. Leider haben sich beide Herren erst etwas sehr spät davon überzeugen lassen, datz Friedenau— wie der Gemeindcverovdnete Ott an der Hand einer Anzahl interessanter Berechnungen hervorhob— seiner Seelenzahl eirtsprechend und auch feiner bebauten Grundfläche nach lange nicht über die«rfovder- lichen Spiel- und Erholungsplätze verfügt, die heute'die modernen Städtebauer ihren Berechnungen zugrunde legen. Ein Antrag Berger verlangt«, datz auch die Schule nicht an der vorgeschlagenen Stelle zu errichtem sondern datz das ganze Terrain für alle Zeiten der Bebauung zu entziehen und es der Jugend und den Erholungs- bedürftigen zur Verfügung zu stellen sei. Dieser Antrag, dem. auch unser Genosse zustimmte, wurde nach vierstündiger Redeschlacht ab- gelehnt, der Antrag des Gemeindevorstandes hingegen.mit 15 gegen 11 Stimmen angenommen. Nach demselben soll der mit einem 15 Meter breiten Schmuckstreifen umgebene Spiel- und Sportplatz zugleich als Schulhof für die neue Gemeindeschule benutzt werden, wozu natürlich erst oi« Genehmigung der Regierung eingeholt werden mutz. Mit dem vorhin erwähnten Antrage legte.der Ge- meindievorstand zugleich eine Vorlag« betr. Errichtung einer dritten Gemeindeschule an der Oftenbacherstratze zur Beschlutzfassung vor. Dieselbe ist mit zirka 650 000 M. projektiert und soll 28 Klassen- zimmer, 1 Aula. 1 Zeichen saal, 1 zweigeschossige Turnhalle. 1 Physik- zimmer. Räume für Schulzahnpflege, Jugendpflege, Maschinen- nähen, Schulküche und Handfertigkeitsunterricht enthalten. Ausser- dem sollen verschiedene Wohnungen für Schuld iener und Heizer in dem Gebäude untergebracht werden. Die Vorlage fand nach ein- gehender Begründung durch den Baurat Altman» mit einigen un- wesentlichen Aenderungen Annahme. Die Schule soll so angelegt werden, daß die in kurzer Zeit notwendig werdende katholische Volksschule daran anschliessend errichtet wenden kamt. Für Aus- arbeitung des Bauprojekts sowi« Aufstellung des Kostenanschlags für den Rat Hausbau wurden vom Baurat 5000 M. verlangt. DieS gab Veranlassung, den schon hundertmal durchgekauten Rathaus- streit in einstündiger Debatte nochmals ausleben zu lassen, mit d»m Erfolg, datz der Antrag des Baurats abgelehnt wurde. Für den kirchlichen Frauenverein wurden zur Unterstützung bedürftiger Armen zum WeihnachtS feste, durch den Dezernenten.deS Armen- Wesens Herrn Schössen Wossidlo 300 M. verlangt. Genosse Huhn wjes bei dieser Gelegenheit darauf hin, datz unter den von dem ge- nannten Verein bisher Unterstü�ten eine ganz« Anzahl Gemeinde. arbeiter seien. Es sei dies beschämend für die Gemeindevertretung, die ihre Angestellten lieber zu Almosenempfänger degradiere, ehe sie dieselben anständig entlohne. Marienfelde. Der Gcmeindcfleischvrrkauf findet heute nachmittag von 3—8 Uhr in der Kurfürsteiistratze statt. Karlshorst. lieber die politische Lag« referierte in der Mitgliederveriamm- lnng des Wahlvereins Gen. Reese. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bortrage wurde eine von der Gruppe II gestellte Reioluiiot, gegen 13 Stimmen abgelehnt, in welcher der Preutzentag ersucht wird. Beschlutz zu fassen darüber, datz bereits vor der Haupt- wabt ein Wahlabkominen mit dem Freisinn getroffen werde, damit durch dieses Zusammengehen die Majorität des wahlrechtsfeindlichen Blocks im Landtage beseitigt werde. Lichtenderg. Lichtenbcrq. Am Sonnabend, den 30. November, abends 8'/, Uhr, findet ein Schauturnen aller Abteilungen des Turn- Vereins„Freie Turnerichast R immelsbiirgs" im Turnlokal. MackS Vürgertafino. Lichtenberg. Lückstr. 70, statt. Freunde deS Vereins und Gäste sind willkonimen. Nieder- Schönhansen. Durch ein eigenartiges Vorkommnis hätte im Laufe de? gestrigen VornnuagS ein kleines Kind bald seinen Tod gefunden. Der >4 Monate alte Knabe Heinz der Müllerschen Eheleute hatte sich, während die Mutter auf kurze Zeit nach dem Wäscheboden gegangen und das andere drei Jahre alte Mädchen beim Spiel beschäftigt war, an der Nähmaschine zu schaffen gemacht. Plötzlich hatte sich der Riem von dem Rade gelöst, in den der Kleine so uitglücklich ge- fallen war. datz er mit dem HalS darin zu hängen kam. DaS drei Jahre alte Mädchen wußte sich keine» Rat und fing an zu schreien. Als die Müller in die Wohnung zurückkehrte, fand sie den Kleinen beieits wie leblos mit dein Kopf in dem Riemen hängen. Sofort weckte sie ihren Mann, der sich kurz vorher, von der Nachtschicht helinkehreiid, schlafen gelegt und das Schreien des Mädchens nicht gehört hatte und dieser suchte durch Streichen das Kind wieder ins Leben zurückzurufen. Inzwischen wurde schnell ein Arzt herbeigerufen, dessen Anstrengung es gelang, den kleinen Knaben wieder ausser Lebensgefahr zu bringen Adlershof. DaS„Jngrndhei«" bot am vergangenen Mittwoch für jeden Kinderirennd ein herzerqn'ckendeS Bild. Als Ersatz für die Sominer- ausflüge war zum ersten Male die Einrichtung getroffen, datz die .Kinder tick hier versammeln konnten, um im geheizten Zniimer Märchenvarleinngen m hören oder auch kletiiere Handarbeiten zn ver- richten. Der Eisolg war ein überaus guter: wobl mehr als 200 Kinder hatten sich im.Jiigendbeim* eingesunden. Da der Raum für eine so grotze Zahl von Besuchern nicht ausreichte, mutzte der geräumige Hof mit zu Hilfe genommen werden und hier tummelten sich die älteren Knaben und Mädchen im fröhlichen Spiel, während die kleineren im Zimmer Märchenerzählungen lauschten. Um den ge- stellten Anforderungen gerecht zu werden, sollen jetzt die Schulpflich- tigen sich des Mittwochs und die Kleineren deS Freitags mittags 2 Uhr im.Jugendheim" einfinden. Des Mittwochs erfolgt auch die Ausgabe der Bücher aus der Jugendbibliothek.— Bei dem grotzen Trubel am Mittwoch ist einer der aufsichtführenden Frauen ein Porte« monnaie mit Inhalt verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dasselbe bei Frau Kronewald, Hoffmannstr. 17, oder bei Zabel, BiS- marckstr. 11, abzugeben. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Erkner. Heute, Freitag, den 29. November, nachmittags 3 Uhr. bch Mattbes. Diese Sitzungen find Sffentlich. Jeder Gemeindeangehsrigr ist be. rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltunge». Nenköll«. Sonntag, den 1. Dezember: Wanderung durch den Grüne- wald. Fahrgeld 40 Pf Abfahrt: Kaiser-Friedrich-Str. 7.26, Bergstr. 7.28. Hermannstratze 7.39 bis Grunewald. Arbeiter- Wanderderein.Berlin«. Sonntag, den t. Dezember? Besuch deS Kunstgcwerbe-Museums. Pnnz-AIbrecht-Str. 7. Tresspuntt am Eingang des Museums'1, 12—12 Ubr mittags. Deutscher Arbeiter> Abstinentenbunv. Ortsgruppe Grotz-B-rlitt. Freitag, 29. November, abends L'/, Uhr: Oeffentliche Versammlung im GewerkschastShause, Engeluser lS. Vortrag deS Genossen I. E. Engelberg über:.Finnische Abstincntenbewegung". Diskussion. Allgemetne« ranken, und Sterbetasie der Metallarbeiter sE. H. Sg>, Hamburg. Filiole Saumschulcmveg. Sonnabend, 30. No> oember, abends L'/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Paul Boche, Baum» schulenftiahe 67. Landsmannschaft Ueckermünde-Nsedom-Wolliu. Sonntag, den t. Dezember, nachniitt.igS 4 Ubr: Versammlung bei Rodrigo. Borflgstr. 24. Aus dem Wahltreis Ueckermündc-Usedom-Wollin stammende Patteigenossen und Genossinnen als Käste willlominen. Freireltgtötr me»iei»de. Sonntag, den 1. Dezember, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17, Neukölln:.Jdealpassage" und Tegel: Schlieper- ftraße 30: Freireligiöse Vorlesung. Bot mittags tl Uhr. Kleine Franks.irter Strasse 6: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie: Gerhart Hauptmann.— Damen und Herten als Gäste sehr willkommen. Eingegangene vruckfcdviften. Bon der.Neuen Zett« ist soeben da« 9. Heft de» 31. Jahrgang» erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS beben wir hervor: Reichs- oder Bankmonopol? Bon Emanuel Wurm.— Fürstenbund oder Balkanrepublik? Von Christo Kabaktschiess(Sofia)— Zur Prästdentenwahl in den Ver- einigten Staaten. Von Hermann Schlüter. II.— Der GewerkschastSkongreh von Havr«. Bon Josef Steiner(Paris).— Literarische Rundschau. Die.Reue Zeit- ericheiot wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« Handlungen, Poltanstalten und Jolporieure zum Preise von S.SY M. pro Ouattal zu beziehen; jedoch kann dielelbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft tostet 25 Pf. Von der..Eletchbeit«. Zettschrist sür die Interessen der Arbettertnnm, ist uns soeben Nr. S de« 23. Jahrgang» zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Krieg dem Kriege.— Roms.Segen". Von W. v.— Schwankungen der A> beitsmlensität pon TextUarbeiterinnen. 1. Von j. H.— Gegen die Frauen Verblödung Im Kino. Bon P. Max Grempe. — Betrogene Witwen und Waisen. Bon Rudols Vogler.--- Das Bürger- recht der Frau in der Gemeinde. Bon Paul Hirsch. Di«.GleichheU" erscheint all« l4 Tage einmal. Brei» der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 R. Vom.Wahren Jacob« ist loeben die Nr. 25 deS 29. Jahrganges im Umsaiig van 20 Seiten erschienen.'' Der Preis der Nummer ist l0 Pf. Probenummcin find jederzeit durch den Verlag von I. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von allen Luchhaudtuuge» und Kolporteuren zu beziehen. Kühn Archiv. Ld 2. Arbeiten aus dem Landwirtschastlichen Institut der Univerflttt Halles Herausgegeben von Prof. Dr. F. Lohltmana. 6 9). P. Parey. Berlin SV. lt. Lehrbuch der Paläozoologie von Prof. Dr. E. Freiherr Stromer v. Rcichenbach. II. Teil. Wirbeltiere. Geb. 10 M. B. G. Teubner, Leipzig.__ Marktbericht von Berlin am 27. November lttl2. nach Ermitteluna de» köingt. PottzeivräiidiumS. Marktbalkenvreise.(Kleinhandel) t00 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. svciiebobnen, weihe, 36.00—80.00i Linien 35,00-60.00. Kartosseln(Kleinhbl.) 6, 00-7,00. t Kilogramm Rindfleisch, von der Keule l, 70— 2,40. Rindfleisch, Bauchsleilch 1.40—1,80. Schweiiieileisch 1,60—2.20. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1.40—2.40. Butter 2,40— 3,00.• 60 Stück Eier 4.20—6.80. 1 Kilogramm .Karsten 1.20-2.40. Aale 1,80—3,20. Zander 1,40-8,60. Hechte 1,40—2,80. Barich« 0.80-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs» 3,00—30,00._ WitternngSübersicht vom 28. November 1912. «tattonen €;«e c Swlnemde. Hamburg Bcilln Franks. a.M München Wien 751. gSW 75112» 752® 755|Sa 757IS« 756! SSO H-«etta 2wolkig 3bedcckt 2 bedeckt 2 halb bd. 3bedeckt lsNebel cid a'• s? w« Etattonen Haparanda Petersburg Scilly Aberdee» Pari» kSeva 8, Regen 4 bedeckt l wältig 4wolkeiil wotkenl ** M 2 3 7 —2 t Wetterprognose für Freitag, be» 29. November 1912. Zunächst etwas kühler, arossenleils nebelig, sonst ziemlich heiter bei leb« haften südlichen Wüiden: spater wieder zunehmende Erwärmung und gering» Niederschläge. Berliner Wetterbureau. der LandeSanstalt sür WasierftandS-Nachrichte« Gewässerkunde. mUgeteitl vom Berliner«eUerbureaa Wasserstand M e m« l, Tilstt P r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Tboru Oder. Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Stbrintm Landsberg Netze, Bordannu Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bartn, » Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.*) Untervegel. Sunlichf Seife bildet einen vollkommenen Crjatz für die Rasenbleiche und macht schädliche Zutaten und scharfe Waschmittel überflussig. Blüten weisse Reinheit und köstliche Frische der Wäsche entzücken die Merzen aller Hausfrauen, welche nur allein Sunlicht Seife verwenden. Man weise Nachahmungen zurück! Voranzeige. UnsÄf alljährlicher Inventur-Ausverkauf findet dieses Mal nicht nach Weihnachten, sondern bereits vor Weihnachten statt und beginnt morgen Sonnabend, den 30. November. Wir haben uns aus dem Grunde hierzu entschlossen, weil naturgemäss der Hauptbedarf zum Feste ist und nicht erst nach dem Fest.— Dadurch ist unserer geehrten Kundschaft Gelegenheit geboten, ihre Weihnachtseinkäufe ganz aussergewohnlich gunstig zu besorgen. 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Ziehung 5. Kl. I Preuss.-Süddeulsche ¥27. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung rem 28. November 1913 naebmitfage. laf J*d* gei«gne Nsnaw»lad airel gleich hohe Gewinne gefUlea, and«war Je einer auf die toee gleicher Nnmaier in den beiden AMetlanren I nnd II Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) b 65 77 113[1000] 64 208 35[6001 62 358 451 685 *11 71 79 847 978 97 1043 91 117 19 287 83 340 64 die 19 26[1000] ES 638 938 2045 104 339 84 67 669 978 83 6087 254 81 686 827 84 4179 82 243 358 400 »0 38 92 629 30[800] 647 707 43 842 989 6040 193 »20 60 11000] 4TB 810 7« 651 71 873 980 6188 04 110001 289[600] 310 422 681 701 23 58 845 98 99 074 7168 85 411 637 824[800] 880 912 8027[1000] 76 293 308 66 90 405 671 783 832 920 41»051 70 131 304 94 428 77 738 10123[1000] 267 84 343 429 07 847 76 715 36 033 11161 28 66 848 403 879[1000] 688 775[5001 688[1000] 918 12178 81 283 328 63 447 98 873[5001 794 826 69 02 93 1 3018[1000] 123 227 57 374 83 BS 476 643 680 88 83 710 34 81 882 950 74 14031 07 193 231 95 710 886 86 1 6984 183[500] 243 348 84 412 680 788 830 901 22 38 42 16080 248 SO 318 439 97 603«74 703 813 87 17191 366 303 37 46 437 85 762 632 1 8379 896 99«30 69 78 80 733 07 815 32 69 998 16008[500] 140 78 534 36 42 710 346 973 . 26019 28 78 188 297 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