Nr. 380. ki bon ncmen ts-Bedingu ngcn: •ificrtmpmeniä. Preis vränumermrdo: LlerteljShrl. 3,30 SRI., monatL wöchenUick 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. SomuagK- nummer mit illustrierter SoimtagS- Beilaae.Die Neue Weit' lv Pfg. Post- SibonnemenU 1,10 Mar! vro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mar!, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonncments nebmen am Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. SS. Jahrg. Sie Insertion!-eebllhr beträgt für die sechSgefpallene Kolonc» zeile oder deren Raum SO Pfg. für politische und oewerlschaftliche BereinS und Berfammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Mnreigen", das settgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort s Pfg. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. 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Eine uns ganz unverständliche Selbst- täuschungi denn ängstlich haben alle Redner die Kritik der in der päpstlichen Enzyklika enthaltenen Bestimmungen vermieden und lediglich betont, daß schon bisher von den christlichen Ge- Werkschaftsleitungen die päpstlichen Forderungen im ganzen erfüllt worden seien, weshalb auch die Selbständigkeit und Arbeitstätiykeit der Gewerkschaften in keiner Weise durch die Enzyklika eingeschränkt würde. Was aber die Interpretation oder vielmehr die Paraphrasierung der Enzyklika durch die Bischöfe betrifft, so ist nirgends auch nur die geringste Forderung des Vatikans zurückgenommen, nur die Ausdrucks- weise ist unter schlauer Anpassung an die besondere Termine- logie der katholischen Kirchenlehre etwas gemildert worden. Gerade die Tatsache, daß Herr Stegerwald von den Bischöfen eine solche Interpretation erhalten hatte, mußte jeden, der die Verhältnisse im katholischen Lager auch nur einigermaßen kannte, stutzig machen; hat doch die Fuldaer Bischofskonferenz noch vor drei Wochen die päpstliche Enzyklika für so klar und deutlich erklärt, daß sie eines Kommentars nicht bedürfe, und ist ferner doch gerade Herr Stegerwald, der Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften, beim Episkopat wegen seines Auftretens gegen den Bischof Korum und die Männer der Osterkonferenz am allerwenigsten beliebt. Wie kam speziell Fürstbischof Kopp, der bisher in Steger- wald gewissermaßen den Typus der aufsässigen, obstinaten Elemente des„verseuchten Westens" sah, dazu, mit dom Bischof Schulte von Paderborn zugunsten der von ihm früher aufs schärfste bekämpften christlichen Gewerkschaften eine Paraphrasierung der Enzyklika vorzunehmen und diese aus- gerechnet dem verhaßten Herrn Stegerwald zum Vorlesen auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß zu übersenden? Woher mit einem Male dieses Entgegenkommen? Wenn die christ- lichen Gewerkschaften sich tatsächlich gegen die Beaufsichtigung durch den Episkopat auflehnten, welchen Grund hatte dann dieser, den Gewerkschaftsführern goldene Brücken zu bauen? Die ganzen eigenartigen Vorgänge auf dem Kongreß in Essen weisen also darauf hin, daß der Tagung eine Techtelniechtelei vorausgegangen war, das heißt, daß die Leiter der chri st lichen Gewerkschaften sich löblich unter- worfen und dem Episkopat dafür Garantien geboten hatten, daß sie künftig seinen Wei- sungen unbedingt Folge leisten wollten. Tat- sächlich haben denn auch, wie die über die Intrigen im bache- mitischen Lager stets wohlunterrichtete„Köln. Korresp." bc- richtet, in den letzten Tagen vor dem Kongreß die Gewerkschaften den Bischöfen„bindende Ver- stchcrungen" abgegeben, besonders versprachen sie, stets in Uebereinstimmung mit den katholischen Lehren zu handeln. Erst nachdem diese Zusicherungen abgegeben waren, erfolgte die Anfertigung der bekannten bischöflichen Interpretation; denn nun, nachdem die Gewerkschaftsführer sich unter die Fuchtel der Bischöfe gebeugt hatten, bestand für diese kein An- laß niehr, die christlichen Gewerkschaften und damit zugleich auch die politische Stellung des Zentrums zu schwächen. In einem„Die katholisierten christlichen Gewerkschaften" überschriebenen Artikel erklärt denn auch in ihrer neuesten Nummer die„Köln. Korresp.", daß, nachdem die christlichen Gewerkschaften sich unterworfen hat- ten und sich„katholisieren" wollten, kein Anlaß mehr be- stünde, sie zu befehden und man ihrem Führer sogar das Bramarbasieren und das Wichtigtun gestatten könne. Wörtlich beißt es in diesem Artikel: Was vorauszusehen war und in der„Kölner Korrespondenz" gleich nach Erscheinen der Gewerkschaftsenzyklika wiederholt vor- ausgesagt wurde, ist auf dem Essener Gewerkschaftskongreß am 23. November 1912 durch den Hauptreferenten Adam Stegerwald öffentlich und offiziell ausgesprochen worden: Was der Papst von den christlichen Gewerkschaften verlange, das sei ja schon läng st in den Gewerkschaften ver- w i r k I j ch t! Tatsächlich hat sich in den christlichen Gewerkschaften eine bedeutsame Reform von größter prinzipieller Tragweite voll- zogen, auf die die„Kölner Korrespondenz" bereits im März d. I. austncrksam machte. Die christlichen Gewerkschaften, die Ursprung- lich mit Händen und Füßen sich gegen die konfessioncll-katholischc Basis wehrten sind immer von ihrer allgemein christlichen Grund- läge redeten, haben sich tatsächlich bereits vor Monaten programmatisch auf konfessionell. katholischen Boden gestellt. Sie taten dies nicht aus freien Stücken, sondern der Not gehorchend. Sie haben sich also in ihrer Basis katholifiert. Zuerst suchten sie Rom mit der Er- klärung zu beruhigen, daß sie rein wirtschaftliche Gebilde seien. die sich mit rein wirtschaftlichen Fragen abgäben. Es wurde ihnen geantwortet, daß nach katholischer Auffassung die soziale Frage keine rein wirtschaftliche, sondern auch und zwar vornehmlich eine religiöse Frage fei. Darauf versuchten sie Rom damit zu beschwichtigen, daß sie. ihre katholischen Mitglieder aufforderten, den konfessionell-katho- lischen Arbeitervereinen beizutreten. Rom bestand aber auf die. Behebung der grundsätzlichen Schwierigkeit, die in dem rein Wirt- schaftlichen Prinzip und der überkonfessionellen christlichen Basis erblickt wurde. Nun ließ der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften durch den Generalsekretär Stegerwald am 2. März 1912 in 5töln die sehr wichtige und von uns stark unterstrichene Erklärung abgeben, �wonach die christlichen Gewerkschaften grund- .sätzlich im Einklang ulit der katholischen Welt- Anschauung bleiben würden. Damit begaben sie sich, wie ! wir wiederholt darlegten, auf konfessionell-katholischen Boden. Diese Vorgänge waren im Vatikan natürlich bekannt. Trotzdem hielt es der Papst für angebracht, die Forderung eines vollen Ein- . klanges der christlichen Gewerkschaften mit dem Katholizismus in � seiner jüngsten Enzyklika noch einmal zu erheben. Pius X. ver- langt, daß die Gewerkschaften alles meiden,„was grundsätz- lich oder tatsächlich(ratione vel re) mit den �Lehren mnd Geboten der Kirche oder deren legi- itmen geistlichen Gewalt nicht im Einklang stände". Noch mehr: der Papst fordert, daß„weder ihre(der Gewerkschaften) Schriften, noch ihre Reden oder ihre Tathand- i lungcn etwas darbieten, was diesem(katholischen) Gesichtspunkte | w c n i g e r entspräche". Dieser volle Einklang mit dem Katholizis- ; mus, den Pius X. als Voraussetzung für die Erlaubtheit des Bei- s iritts katholischer Mitglieder verlangt, ist der springende Punkt im ' ganzen Gewerkschaftsstreit. Nun hat der Generalsekretär der christ- ! lichen Gewerkschaften Adam Stegerwald seine bereits am 2. März , d. I. in Köln öffentlich und namens des Vorstandes deS Gesamt- Verbandes der christlichen Gewerlschaften abgegebene Erklärung in Essen am 2 6. November wiederholt und sie als „programmatisch und bindend" bezeichnet. Der Gesamt- j vorstand der christlichen Gewerkschaften erklärt also offiziell, der Einklang der christlichen Gewerkschaften mit dem Katholizismus sei für diese Gewerkschaften ein programmatischer und bindender | Grundsatz. Wir stellen noch einmal mit Genugtuung fest, daß � die Gewerkschaften sich damit programmatisch und bindend auf den , konfefsionell-Iatholischen Standpunkt stellen. Denn wer in Welt- � anschauungSfragen programmatstch und bindend, also not- wendig und immer, im(Anklang mit dem KatholiSzismus bleiben will, der muß auch selbst auf dem Boden der katholischen Weltanschauung fußen. Die christlichen Gewerkschaften sind also. wenn man den feierlichen, offiziellen und im Namen'ihres Ge- samtvorstandes abgegebenen Erklärungen Stegerwalds vom 2. März und vom 26. November d. I. glauben darf, keine nichtkonfessio- nellen Gewerkschaften mehr, welche auf dem Boden eines nicht- konfessionellen„Christentums" ständen, sondern sie sind ein- fach katholische Gewerkschaften mit konfessionell-katholischer Basis. Mit vollem Recht konnte daher ein deutscher Bischof Herrn Sieger- wald auf Grund der Kölner Erklärung sagen:„Mehr verlangt auch keine kirchliche Behörd e." Mehr verlangen wir auch nicht! Die Osterkonferenz hat den Einklang mit der katholischen Weltanschauung ausdrücklich nur für das Zentrum verlangt; die Gewerkschaftsfrage hat sie von ihrer Bc- schlußfassung bisher ausgeschlossen. Es ist für sie eine Befrirdi- gung und ein neuer Triumph, daß trotzdem die Gewerkschaften sich unaufgefordert der Idee der Osterkonferenz angeschlossen haben I Die Geschichte wird einst die Siege der so arg verketzerten Öfter- konferenz registrieren und ihr volle Genugtuung geben. Die»Kölner Korrespondenz" hat bereits am 9. März auf die inhaltsschwere Kölner Erklärung Stegerwalds vom 2. März 1912 besonders hin- gewiesen. In der Theorie haben sich also die christlichen Gewerkschaften dem Papst gefügt. Darum wird die Kirche sie biSauf weiteres tolerieren. Werden sie sich aber auch praktisch fügen? Im modernistischen„Neuen Jahrhundert" sprach„ColoniensiS", ein, wie wir wissen, guter Kenner seiner llKölner" Freunde, die Vermutung aus, daß die Köln-Gladbacher trotz aller Versicherungen und Ver- beugungen nach Röm hin, ruhig und unentwegt an der Entklcri- kalisierung weiterarbeiten. Diese Tatsache ist in Rom genau bc- kannt. Eben darum hat der Papst in seiner Enzyklika den Bischöfen eingeschärft und den katholischen Gewerkschaftlern vorgeschrieben, sie sollten die Gewerkschaften kontrollieren und beobachten, ob diese Gebilde als solche den programatisch fest- gelegten Einklang mit der katholischen Lehre auch tatsächlich inne- halten. Auch wir werden uns gestatten, den christlichen Gewcrk- schaften unsere liebevolle Aufmerksamkeit fernerhin zu widmen. Nach diesem grundsätzlichen Sieg der katholischen Idee über das M.-Gladbacher System könnten wir die Entgleisungen Stegerwalds und anderer Redner auf dem Essener Kongreß übergehen. Die M.- Gladbachcr wenden und krümmen sich, um die Encyclica Singulari quadam als ihren Triumph auszulegen, oder wenigstens so zu tun. als könne auch Rom ihnen nicht bekommen. Wir lassen ihnen dieses Pläsierchen. Wenn jetzt die Kölner Richtung des Zentrum? an die Rqihe kommt, dann wird die„Kölnische Volkszeitung" mitsamt" ihren Nachbetern ebenfalls erklären:„WaS Rom sagt, das haben wir ja schon immer gesagt!" Die christlichen Gewerkschaften haben sich unterworfen— und deshalb duldet der Episkopat sie nicht nur, sondern nimmt sich auch ihrer väterlich an, baut ihnen schöne Rückzugsbrücken und läßt sie deklamieren. Mögen die Stegerwald u. Co. sich immerhin selbst ihre Selbständigkeit bescheinigen und sich als die„Unentwegten" aufspielen, der Episkopat und die römische Kurie lassen ihnen lächelnd das schöne Vergnügen. Es genügt, daß sich die Herren fügen. Das karnevalistisch- politische Gaukelspiel stellt Rom ihnen in seiner Toleranz frei.> Dlplomateriarbeit Die Situation ist heute unverändert. Die V e r h a n d- lungcn zwischen den B a l k a n st a a f e n und der T ü r k c i haben bisher zu keinem Ergebnisse geführt, aber die Tatsache ihrer Fortdauer kann als günstiges Zeichen betrachtet werden. Ueber den österreichisch-serbischen Konflikt liegt eine be- achtenswerte offiziöse Aeußerung der„Kölnischen Zeitung" vor, die unter dem Titel„Klärung" schreibt: „Aus der nunmehr festgestellten grundsätzlichen Haltung aller Beteiligten ist der G e w i n n a n Z e i t zu buchen, der allein die gewisse Bürgschaft für die Auffindung einer friedlichen Lösung darstellt, ferner die innere E i n m ü t i g k e i t, die den Gedankenaustausch der Mächte leitet, und deren Grundsatz ist, daß keine von ihnen durch Eingängerei das einheitliche Be- mühen stört. Kein Vernünftiger wird jetzt den Prowheten spielen und behaupten wollen, daß nun alle und jede Gefahr gebannt sei.- Aber so töricht, wie eS anfangs manchem schien, war eS doch nicht, an der Hoffnung festzuhalten, daß bei der großen Balkanregelung die europäische Vernunftdur ch- dringen wende. Sind die üppigsten Wünsche ihrer Gegner zurückgedrängt, so muß sich zwischen den Adriainter- essen Oesterreichs-Ungarns und den Sieges- Märschen Serbiens eine mittlere Linie finden lassen, ohne daß über eine Aufgabe, deren Lösung möglich ist, ein Krieg ausbricht, den niemand wollen kann, am wenig- sten aber, wie die Dinge jetzt liegen, der Balkanbund.' Man muß hoffen, daß diese Auffassung, die einen Krieg wegen der Adriahäfen für eine Unvernunft erklärt, von der deutschen Regierung mit allem Nachdruck auch in Wien zur Geltung gebracht worden ist. Die Friedensverhandlungeu. Konstantinopel, 28. November. Die Bevollmächtig- ten der beiden kriegführenden Teile haben eine neue Zu« sammenkunft gehabt. In offiziellen Kreisen wird über die Verhandlungen das strengste Stillschweigen bewahrt. Es verlautet, daß die Pforte jetzt eine Grenze vorschlagen soll, die von einem Punkt der gegenwärtigen türkisch-bulgarischen Grenze in der Kaza Irdjali ausgeht, dann fast senkrecht zur Küste des Aegäischen Meeres abfällt und der Türkei Dede- agatsch beläßt. Türkische Kreise zeigen sich optimistisch und glauben, daß die Verhandlungen bis Montaa werden zum Ziele kommen können. Der türkische Standpunkt. Konstantinoprl, 2?. November. Ein maßgebender türkischer Staatsmann erklärte dem Vertreter des Wolffschen Telegraphen- Bureaus, daß bisher von Friedensverhandlungen nicht die Rede sein könne.(?) Die bulgarischen und tür- kischen Unterhändler in Bagtschcköj hätten nur den Auftrag, über die Bedingungen für einen Waffenstillstand zu ver- handeln. Türkischerseits werde dabei der Standpunkt vertreten, daß der Wasfenstillstand auf dem gesamten Kriegsschauplatz ein- treten müsse, währenddessen alle Truppennachschübe und Munitions- transporte zu unterbleiben hätten, die Verpflegungszufuhr und der Abtransport der Kranken und Verwundeten aber erlaubt sein solle. Dahin gehöre auch die Erlaubnis des Eintritts des Rotcn Kreuzes in A d r i a n 0 p e l. Erst wenn der Waffenstillstand effektiv sei, könne man über die Borschläge zu FriedenSvcrhand- lungen beraten. Bis mittag waren die Verhandlungen in Bagtscheköj anfchci- nend noch zu keinem Ergebnis gelangt, doch sollen die Bulgaren entgegenkommender geworden sein. Die Ratschläge der Tripelentente Konstantinopel, 29. November. Wie der„Jkdam" erfährt, haben die türkischen Botschafter in London, Paris und Petersburg der Pforte die Ratschläge des englischen, französischen und russischen Ministers des Aeußeren übermittelt. Diese Ratschläge besagen, das Interesse der Pforte erfordere einen schnellen Ab- schlutz des Friedens. Wenn der Krieg fortgesetzt würde und unter den Mächten Konflikte entständen, würden diese nicht zum Vor- teil der Türkei auslaufen. Die Mächte der Tripelentente hätten auch den Balkanländern geraten, Frieden zu schließen, ohne auf über- tricbene Forderungen zu bestehen, da die Türkei den Frieden nur unter Wahrung ihres militärischen Prestiges und der nationalen Interessen wünsche. Die Unabhängigkeitserklärung Albaniens. Rom, 29. November. Der Präsident der provisorischen Regierung Albaniens Ismail Kemal Bey hat an den italienischen Minister des Aeußern Marchese di San Giuliano folgende Depesche gerichtet: Die Nationalversamm- l u n g, die sich aus Delegierten aus allen Teilen Albaniens ohne Unterschied der Religion zusammensetzt, hat heute in der Stadt Vallona die politische Unabhängigkeit Albaniens proklamiert und eine provisorische Regierung eingesetzt, die die Exisienzl echte des albancsi- scheu Volkes,' welches durch die serbische« Armeen rgit Ausrottung bedroht wird, verteidigen und den nationalen Boden, der von deir verbündeten Armeen iiberschwt'rnmt ist, befreien soll. Indem ich das Vorstehende zur Kenntnis Eurer Exzellenz bringe, bitte ich die Negierung Seiner KöniglJAien Majestät, diesen Wechsel im politischen Leben der albanes�schen Nation gütigst anerkennen zu wollen. Die Albanesen, die in die Familie der Völker Osteuropas eingetreten find,«n si\* sich schmeicheln, die ältesten zu sein, verfolgen nur ein einziges Ziel, nämlich init allen Balkanstaaten in Frieden zu leben und ein Element des Gleichgewichts unter ihnen zu werden. Sie sind überzeugt, daß die Regierung Seiner Königlichen Majestät sowie die ganze zivilisierte Welt ihnen, einen wohl- wollenden Empfang bereiten und sie gegen jede Antastung ihrer nationalen Existenz und jede Verstümmelung ihres Territoriums schützen wird. An den Grafen Berchtold sandte Ismail Kemal Bs�' eine gleichlautende Depesche wie an den Marquis di San Giulfoiw. Der Konfereuzvorschlag. Die„Köln. Ztg." schreibt offiziös: Sir Edward Grey soll als Angelegenheiten der von London vorgeschlagenen Botschafts- konferenz bezeichnet haben: 1. Albanien, 2. die Inseln des Aegäischen Meeres, 3. die Meerengenfrage. Man sieht sofort, daß England damit auf Punkte hinweist, die für seine Marinepolitik in vorderster Linie stehen. Durch gemeinsame Tätig- koit und Beschlüsse soll der Weg gefunden werden, bei der Ver- schiebung der Machtverhältnisse im nahen Osten den Ansprüchen der Großstaaten gerecht zu werden. Wie der Gedanke des briti- schen Kabinetts von den übrigen ausgenommen werden wird, läßt sich noch nicht sagen. Soweit er Keime beseitigen will, die einen Zusammenstoß der Mächtegruppen Europas herbeiführen könnte, wird er überall willkommen geheißen werden. Ge- schehen kann dies allerdings nur, wenn von vornherein alles aus- geschlossen wird, was berechtigte und offen kundgetane Interessen irgendeiner Macht schädigen kann. Ein Staat will und darf sich ollen Beschlüssen fügen, wenn sie den Zielen seiner nationalen Würde und Unabhängigkeit nicht widersprechen. Dadurch wird der erste von England zur Erörterung gestellte Punkt von Anfang an eingeschränkt. Oesterreich-Ungarn wie Italien haben sich dahin ge- einigt, weder selbst auf der O st k ü st e d e r A d r i a einen Gebiet- zuwachs zu erlangen, noch zu dulden, daß hier ein dritter Staat sich festsetze. Sie wollen ein unabhängiges Albanien, weil es nicht imstande ist, in den adriatischen Gewässern ein entscheidendes Gewicht in die Wagschale zu werfen und weil es ferner durch keine geschichtlichen, religiösen und ethnographischen Momente mit einer der Großmächte so verknüpft ist, daß el von ihr vorgeschoben und zu eigennützigen Zwecken verwendet wird. Auf diese in ihrer Not- wendigkeit anerkannten Forderungen können die' beiden Staaten sich verpflichten; ihre Erörterungen scheiden daher aus. Andere Seiten der albanischen Frage vertragen dagegen sehr wohl einen Meinungsaustausch. Man würde sich ohne Schaden über die nationale Erklärung des neuen Staates unterhalten können, über eine allgemeine Gelvähr für seinen Bestand, über die Wahl eines Fürsteo, oder die sonstige Gestaltung der Regierungsform. Die beiden anderen Fragen, die angeführt werden, gehen die Gesamt- hcit oder Gruppen der Mächte insofern an, als sie durch inter- nationale Abmachungen bisher geregelt waren. Für verschiedene Inseln des Aogärschen Meeres bestehen Abkommen, die ihre Stel- lung zur Türkei betreffen. Für Samos bis Kreta sind Aende- rungen ihrer staats- und völkerrechtlichen Berhältnisse ohne Be- teiligung der Mächte, welche die Verträge unterzeichnet haben, nicht stbgäAtzig, denn es machen sich dann die maritimen Interessen der verschiedenen Staaten fühlbar. Alle Mächte haben den Berliner Frioden unterschrieben der die Durchfahrt durch die Meerenge auss neüt regelte und müssen also einer Aenderung dieser Bestimmungen ihre Zustinrmung geben. Bisher nicht erwähnt, aber doch sehr be- merkenswert ist ferner die künftige Gestaltung der internationalen Verwaltung der türkischen Staatsschuld, deren gemein- same Behandlung eine gute Vorarbeit für ein einheitliches Vor- gehen ausmachen würde. Man wird abwarten müssen, mit welchen Zufatzvorschlägen die einzelnen Mächte noch hervortreten werden. Die Auffassung in Paris. Paris, 29. November. In Erörterung der Balkan- schwrerigkeiten stellt die Presse heute mit Befriedi- gung fest, daß die Lage eine bemerkenswerte Ent- f st a n n u n g aufweise und daß alle Großmächte einig an iker Erhaltung des Friedens mitwirken. Der Plan einer Botschafterkonferenz wird von mehreren Blättern freudig aufgenommen, da aus diesem Wege die Hoffnung quf ein Einvernehmen zwischen den Großmächten erleichtert und beschleunigt werden könnte. Die Völker gegen die Diplomaten. London» 27. November.(Eig. Ber.) Die Nachrichten über die Mobilisierung von Truppen in Rußland und Oesterreich hat das englische Volk jäh aus der Gemütsruhe, mit der es die Ereignisse im nahenOsten betrachtete, aufgeschreckt. Die Gefahr, in den Kriegs- Irubel hineingezogen zu werden, die bisher die Gemüter nur wenig beunruhigt hatte, zeigte sich auf einmal mit erschreckender Klarheit. Zwar hat England, keine Bündnisse in Europa, die es zu einem kriegerischen Eingreifen verpflichteten; aber d'e Präzedenzfälle der Ententepolitik haben bewiesen, wohi.i auch die lediglich diplomatische Unterstützung notwendigerweise führt. Die diplomatische Unter- ■stichung Frankreichs hätte auf ein Haar zu einem Weltkriege geführt. Was nun, wenn es die Hal.e.ng der russischen Regierung ist, die den kecken Worten des Herrn Pasitsch Sinn und Verstand verleiht? fragen sich die Engländer. Müssen dann auch wir mit- marschieren, wie wir im letzten Herbste hätten marschieren müssen? Und alles das um ein paar dreckige Häfen an der Adria, die uns gestohlen sein können? Man brauchte dem englischen Volke diese Fragen nur klar vorzulegen, um ein entschiedenes und entrüstetes Nein als Antwort zu bekommen. Die Verrücktheit der Situation leuchtete selbst den„Times", die man als das Blatt der englischen T-iPlomatie par exellence anzusehen gewohnt ist, ein. Das Blatt sah schließlich keinen anderen Ausweg mehr, als a n die Massen gegen die diplomatischen„Ränkeschmiede" und „Träumer" zu appellieren, wie bereits ausführlich be- richtet wurde. Das Vorgehen des führenden englischen Blattes hat nun auch anderen englischen bürgerlichen Blättern den Mut gegeben, den gesunden Menschenverstand ohne diplomatische Flausen zu Worte tommen zu lassen. So schreibt die„West m inst er Gazette": „Wir haben unsere Verpflichtungen in Europa stets sehr loyal erfüllt und haben mehr als den Buchstaben des Gesetzes beachtet bei der Unterstützung unserer Freunde wenn diese einen gerechten Anspruch darauf hatten. Aber wir haben keine Ver- pflichtung. uns in die Rasscnrivalitäten des nahen Ostens zu stürzen oder der einen oder der anderen Gruppe unsere Unter- stützung zu verbürgen, wenn diese Gruppen töricht genug sein sollten, den österreichisch-serbischen Streit sich ausbreiten zu lassen Unsere Pflicht ist. ehrlichen und uneigennützigen Rat- schlag' auf Grund der Tatsachen zu geben und durchweg dabei zu bleiben, was auch folgen mag Wenn Se r bi e n trotzdem auf seine Forderungen besteht und das Risiko eines Streites mit Oesterteich auf sich nimmt, wird es sicherlich kem Recht haben. unsere Unterstützung zu erwarten; und was sich auf Serbien bezieht, wird sich auf seine Hintermänner beziehen, falls es welche haben sollte." Der in auswärtigen Angelegenheiten stets sehr gut unterrichtete Daily Graphic" schreibt zu der jetzt allgemein realisierten Gefahr eines Krieges: „Bis jetzt ist das Resultat ein Ausbruch der Ent- rüstung und der Ueberraschung, der nur eine gesunoe Wirkung ausüben kann. Wir hoffen, daß diese Entrüstung noch größere Kraft und Ausdehnung gewinnen wird, denn sie ist das einzige wirksame Gegengift für die kolossale Geißel, die uns bedroht. Heute kann kein Krieg, der nicht volkstümlich ist, geführt werden, und wenn sich die öffentliche Meinung in überwältigender Weise dagegen äußert, müssen die Kanonen automatisch vernagelt werden.. Woher diese Krise? Beide Teile, die sich gewisser Unterstützungen sicher wähnen, weigern sich, ihre Forderungen zu erklären. Es scheint uns, daß, wenn die öffentliche Meinung in den Ländern, von denen Unterstützung erwartet wird, bestimmt sagte, daß sie nicht in diesen Krieg gezogen werden wolle. eine friedliche Lösung bald erreicht werden würde," Die scharfe Anklage der„Times" gegen die Diplomaten hat natürlich die weiteste Beachtung gefunden. In demokratischen Kreisen freut man sich natürlich, daß aus dem Saulus über Nacht ein Paulus geworden ist, und weist auf die dringende Notwendigkeit einer Reform des bestehenden Systems, unter dem selbst in England die Volksvertretung, die die innere Politik voll- ständig beherrscht, nicht den geringsten Einfluß auf die Richtung der. auswärtigen Politik besitzt. Die serbische Regierung mahnt zur Ruhe. Belgrad, 2g. November. Sa m o u p r a v a fordert die serbische Press« auf, di« serbischen Interessen nicht durch eine heraus- fordernde Schreibweif« zu schädigen. Die Balkan- skaaten hätten unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine Ursache, .die- auf der Tagesordnung stehenden Fragen zu komplizieren. Die Interessen der Balkanvölker erforderten, daß ihre Bestrebungen durch sachliche Argumente unterstützt würden. Dazu gehörten indessen keineswegs unsinnige Drohungen und HerauSforde. rungen. OcftHcher Knegöfchauplatz. Zwei türkische Divisionen von den Bulgaren gesangen. Sofia, 29. November. Zwei türkische R e d i f d i v i- s i o n e n haben sich den bulgarischen Truppen bei dem Dorfe Merhumli zwischen Dedeagatfch und Dimotika ergeben. Sie wurden von Daver Pascha kommandiert und bestanden aus zwei Paschas. 252 Offizieren und 8879 Soldaten. Außer den Gefangenen fielen den Bulgaren acht Gebirgsgeschütze, zwei Maschinengewehre, über tausend Pferde und eine Menge Kriegsmaterial in die Hände. Die Gefangenen wurden nach Dimotika gebracht. (Es handelt sich jedenfalls um Flügeldivisionen der früheren türkischen Ostarmee, die bei deren Zusammenbruch in das untere Maritzatal abgedrängt und von der Rückzugs- linie abgeschnitten wurden. Daß sie sich mehrere Wochen lang unbehelligt halten konnten, beweist, daß die Bulgaren vor Adrianopel und an der Tschataldschalinie so stark engagiert waren, daß ihnen die militärische Beherrschung des ganzen Maritzagebietes bis jetzt unmöglich war.) Mestlicker kniegslckauplatz. Erfolge der Serben auf dem Wege zum Adriatischen Meer. Belgrad, 29. November. Gestern früh ist die serbische Armee nach erbittertem Kampfe gegen einige türkische De- tachements, die nach der Schlacht bei Monastir zersprengt worden waren, in D i b r a eingerückt. Gegen das Meer hin war keinerlei Widerstand mehr anzutreffen. In Monastir wurden 66 Kanonen, große Mengen Munition für Gewehre und Kanonen und Magazine mit Lebensmitteln und Kleidung erbeutet. Gestern baben sich in Resna und Ochrida 2 BataU- lone mit ihren Offizieren ergeben. In Monastir find gestern 169 Verwundete angekommen. Die Belagerung von Skutari. Rjeka, 29. November. Nach einer mehrtägigen Pause wurde im Lause der letzten Nacht ein heftiges Geschütz- feuer gegen die Stellungen der türkischen Truppen auf dem T a r a b o s ch und auf die Vorwerke von Skutari eröffnet. das am Morgen wieder eingestellt wurde. Es herrscht regne- risches Wetter._ Das konfiszierte Manifest. Wien, 29. November.(Privattelegramm d e S„Vor- wärls".) Heute gab die Sozialdemokratie der bürgerlichen Mehr- heit, die sich dam erniedrigte, die Diskussion über die Konfiskaüvn des Baseler Manifestes durch den Staatsanwalt zu verhindern, im Abgeotductenhause durch den Mund Viktor Adlers die gebührende Antwort. Nachdem Adler die innere Lag« besprochen hatte, kommt er aus dos Wtederausleben des längst totgeglaublen Verbots der freien Kolportage und der unsinnigen Konsislationen unter der Aera des Juftizmiuijters H o ch e n b n r g e r zu sprechen, deren letzter Slreich die vollständige Konfiskation des Manifestes der Jnlernqüonale in Basel gewesen ist. Adler führt dann Weiler ans: Wenn der Justizminister einen UkaS an die Staalsaiuvälte hinnusgibt, das Mtirnfest zu konfiszieren, so ist das beschämend. Auch daß die Staatsanwälle kreuz und quer konfiszieren, ist be- schämend. Die einen konfiszieren die erste Hälfte, die anderen die zweite Hälfte, die dritten— das sind die Erleuchtetsten, die ihren Hochenburger kennen— denken, sicher ist sicher und kvn- siszieren alle«. Man kann über die sozmldemolratiiche Welt- bewegung denken wie man will. Daß man Gegner der Sostal- demokralie ist, ist erlaubt— was aber unter vernünsligen europäi- schen Menschen nicht erlaubt sein sollte, ist zu verkennen, daß eS sich hier um eine ernst«, wichtige Sache handelt, zu verkenne», daß in Basel die Vertreter von vielen Millionen Menschen aus allen Läufern und Nationen zusammenkamen. Nennen wir sie sogar irregeführte Menschen und durch ihre Vertrauensmänner irre- geführte beschränkte Leute, eS sind doch die Vertrauensmänner vieler Millionen Menschen, die es zu Wege bringen, über die schivierigste» europäischen Fragen ein einheitliches, detailliert in Einzelheiteneingehendes Bot um zustande zu bringen.daS in alle» Sprachen herausgegeben und in Millionen Exemplaren in allen Ländern gelesen ivird. Da steht nun der kleine österreichische StaatSamvalt auf und hält die Hand vor den Uriprung der Donau und sagt: Das Wasser lasse ich nicht hinaus I Das ist der Staatsanwalt, der ist dazu da, daß er konfisziert. Aber Sie sind doch keine Staats- qnwälte. Sie könnte» sich von, Hochenburger emanzipieren. Da» Manifest, das aus dem Leben von Millionen hervorgegangen ist. wird wirken auf da- Denken und Tun von zehnfachen Millionen trotz der Staatsanwälte und Büttel I Warum müssen Sie sich also so blamieren, so kompromittieren, so bis auf die Knochen bloß- stellen, so daß ich Sie von Herzen wegen dieser Blamage b e- dauere, wodurch Sie sich dem jüngsten unserer Staat«» anwälte gleichstellen. Es wird Ihnen nichts nützen. Die Pub Ii- zita t, die wir brauchen, werden wir uns aus- suchen. DaS laffenwirunS nichtbonJhnenvor« schreiben. In Basel gab es keinen, der sich nicht der Wichtigkeit und des Ernstes des Momentes und der Verantwortung so bewußt gewesen wäre. Was sollen niedrige Angriffe auf einzelne Personen, die unter dem Niveau der dort geführten Diskusston stehen. Den Ernst der Männer, die dort waren, auch nur einen Teil davon, wünschte ich diesem Hauie und den Abgeordneten. Denn auch Sie sollten die Empfindung haben, die wir dort gehabt haben. W i r standen dort für Menschen, die mit ihrem B l u t e, mi t i h r en L e i b e r n, m i t i h r e r Z u l u n f t, mit ihrer Familie und ihrer ganzen Existenz für das eintreten müssen, was Sre tun. Sie mllten das auk� im Kopfe und im Herzen tragen, statt, wie sie in der Kriegshetze gegen uns tun, an dem großen drohenden Wellbrand ihre elende Parteisuppe zu kochen. Bilden Sie sich ein, uns Sozialdemokraten einzuschüchtern? Wir wissen genau, daß S i e Männer sind, die absolut nicht zu marschieren brauchen und zweitens, daß die Hurrastimmung in den Massen zugenommen hat. als sich zum Glück die Kriegsaussichten vermindert haben. Es wird, so hoffen wir ernstlich, nicht zu einem Kriege mit Serbien oder Rußland kommen. Der äußere Feind wird hoffentlich aus dem Spiel bleiben. Aber das Spiel muß doch ein Objekt haben. So ist es der innere Feind. Wenn man nicht das Militär auf die Serben loslassen kann, dann wenig st ens die Polizisten auf die Sozial- dcmokraten. Wenn Sie uns der Bevölkerung als Verräter hinstellen wollen, so müssen Sie über das. waS wir sagen und prc- digen, lügen und es verhindern, daß die Bevölkerung die Wahr- heit erfährt. Sie müssen also lügen, daß der Koiggreß in Basel nicht nur eine große feindselige Demonstration gegen Oesterreich, sondern insbesondere gegen den Monarchen gewesen wäre. Dann müssen Sie unterschlagen und verhindern, daß der Beschluß unter die Leute kommt, weil dann die Leute erkennen würden, daß das nicht wahr ist. Wenn ich über die auswärtige Politik spreche, so ist es mir wie jedem meiner Parteigenossen bc- wüßt, mit welcher Reserve und Zurückhaltung das geschehen muß; wir alle fühlen die Pflicht, in diesem Moment nur eines zu wollen, den Frieden— und kein Wort auszusprechen, das den Frieden schädigen Knute. Die aufregenden Zwischenfälle in der Angelegen- heit des Kowsuls ProchaSka sind nicht von den Serben hervor- gerufen worden, sondern durch die Lügen, unserer Sen- sationspresse. Und waS ist es mit der aufreizenden unO gehässigen Sprache der serbischen nationalistischen Presse gegen Oesterreich-Ungarn? Die Serben haben am Ende gar kein solches Preßgesetz wie wir. Oder vielleicht sind ihre Staatsanwälte ein- gerückt und können nicht konfiszieren. Das sind Gründe, über die man vielleicht verärgert sein kann. Man kann gegen einen frechen Artikel auch einen frechen Artikel schreiben, aber solche Dinge mit. Blut abzuwaschen, das hat es in der ganzen Welt noch nicht ge- geben. Ich glaube nicht, daß die Stelle, die in Oesterreich— sehr zu meinem Bedauern— allein das Recht hat, den Krieg zu er- klären, den Krieg will. Ich will die Folgen eines Krieges nicht ausmalen. Aber ein Krieg wäre eine Katastrophe, wie sie seit hundert Jahren nicht über die Welt gekommen ist. Es muß deshalb gefragt werden, warum die Sozialdemokraten, die in fest er Pflichterfüllung für den Frieden wirken. als Vaterlandsverräter hingestellt werden. Sie sprechen von der Autonomie Albaniens und dem Recht deS albanischen Volkes auf Selbständigkeit, uyd auf dem Balkan gibt es außer den Albanern selbst keinen Menschxn, der für diese Forderung, die mit Recht erhoben wird, eingetreten wäre, als wie die Sozial, demokraten Serbiens, Bulgarien? und die sozialdemokratische Organisation der Türkei. Die„Rcichspost" spricht in einem Anfall von Irrwahn aus. daß die Sozialdemokraten den Russen helfen. Wir Rußland? Wir. die wir in dem russischen Zarismus den größten, gefährlich st en und giftig st en Feind der Menschheit und jeden Fortschritts sehen? Wir, die in Basel wieder eine feierliche Erklärung gegen den russischen Zarismus ausgesprochen haben? Die Spieher. die sich da aufregen, werden dem russischen Zarismus nicht weh tun. Aber sie revo- lutionären, Proletarier Rußlands und Polens, die heute schon den Kampf gegen den Zarismus führen, das sind die Bundesgenossen für die Menschheit und den Frieden. Der einzige MilderungSgrund für Ihre Haltung ist Oer, daß Sie glauben, es handele sich um einen Kampf zwischen einer Partei und der anderen; und vielleicht kann man bei der Gelegenheit den verdammten Sozialdemokraten ein Mandatcrl wegnehmen. Wir fürchren uns nicht vor Ihnen. Mögen Sie in oer Erregung des KirrgSeauscheS heute einige zweifelhafte Schich» ten dieser Stadt mit sich reißen können— uns wird das nichts an- tun. Wir kennen nur einen Feind, der heute stärker ist als wir: Der Feind, den wir am stärksten hassen, der uns umnebelt schwarz und dicht, das ist der U n v e r st a n d d e r Messen! Aber wir wissen, daß es täglich lichter und lichter wirs, und daß unsere Tätigkeit. Licht und Wahrheit zu verbreiten, obgleich wir in der Minorität sind, nicht ohne Erfolg ist. Oesterreich hätte eine sehr gute Politik machen können, wenn eS verstanden hätte, die östliche Vormacht zu sein, die Lage ver Südslawen im Süd- osten der Monarchie hüben und drüben zu ordnen und Bosnien und die Herzegowina so zu entwickeln, daß die Dauern dort heute, wenn nicht besser, so doch nicht schlechter daran wären als die Serben. Man wird uns nicht nachsagen können, daß wir Oesterreichs Position in diesem Augenblick zu schwächen oder schwach erscheinen zu lassen wünschen. Ja. Oesterreich hat vortreffliche Kanonen, vortreffliche Geivehre, wahrscheinlich auch vorzügliche Pferde und kräftige und gesunde Menschen. Oesterreich hat die Macht dazu. ein Unglück, in das nicht nur seine Völker, sondern die ganze Welt hincingerissen werden kann, anzurichten, aber wenn eS auch die Macht dazu hat, muß es das auch tun? Und müssen nicht, wenn schon kein anderer spricht, diejenigen, die das Kanonen- futter abgeben sollen, dafür wenigstens das Recht haben, zu sagen, wir wünschen nicht zur Schlachtbank geführt zu werden? Wir halten den Krieg nicht für eine gute Sache, nicht für das österreichische allein, nein, für das ganze vereinigte internationale Kanonen- futter! WaS heute die Völker beschäftigt, kann und muß ohne Krieg geordnet werden. Den Kric�g anzetteln ist ein Verbrechen. Die österreichischen Sozialdemokraten sind für den Frieden. Sie sind gegen die Kriegshetzer und ver- achten die Verleumdungen, die gegen die Sozialdemokraten ge» schleudert werde«;. poUtifche GcberHcbt» Berlin, den 29. November 1912. Nicht reden, sondern handeln! Aus dem Reichstag. 29. November. Es war eine Situation, die nach der persönlichen wie nach der sachlichen Seite hin des Spaßes nicht entbehrte, als Herr Delbrück, der Staatssekretär des Innern, am Freitag dem Reichstage mit ernster Miene die Mahnung zurief: man solle mit den unfruchtbaren Reden über die Teuerung endlich Schluß machen und zum Handeln ubergehen. Gerade Herr Delbrück, der Sprechnünister. der Mann, dem die Worte in so uner- schöpflichem, friedlich näselndem Flusse vom Munde gehen, daß man denken möchte: wenn es allein auf das Reden an- käme, hätte Herr Delbrück die Menschheit schon längst in eine Paradiesische Zukunft hineingeredet, dieser Mann erhebt den sanften Tonfall seiner Stimme zu einen: zürnenden Worte gegen das Reden I Und gerade die Regierung, die sich noch niemals zum Handeln entschließen konnte, wenn es sich um ernsthafte Maßnahmen gegen die unerhörte Lebensmittel- teuerung handelte, predigt die Nützlichkeit und Notwendig- feit des Handelns! Genosse Südekum, der erst nach sechs Uhr vor dem ermüdeten Hause zum Sprechen kam. und dem es trotz der dreitägigen Debatte gelang, die gespanmeste Aufmerksamkeit des Hauses und der vollbesetzten Regierungsbänke zu wecken, erwiderte dem Minister Delbrück zutreffend, daß das bißchen. das die Regierung sich jetzt endlich angeschickt habe, in un- zulänglicher Weise und widerwillig zur Linderung der Teue- rung zu tun, auch' noch nicht geschehen sein würde, wenn die Sozialdemokratie nicht seit Jahren im Reichstag und draußen im Lande geredet hätte. Im übrigen wären wir es natürlich sehr zufrieden, wenn die Regierung sich endlich zum Handeln entschließen würde. Aber das kleine Windei, das sie endlich nach langem Brüten zuwege gebracht hat, lohnt nicht das Gegacker, das nunmehr drei Regierungshennen darüber angestniimt haben. Vor ernstlichen Taten schreckt die Regierung ängstlich zurück. An der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik, die die Hauptursache der Preistreiberei in Teutschland bildet, will sie nichts ändern, immer kehrt das faule Argument wieder, daß dieser Wirt- schaftspolitik der wirtschaftliche Ausschwung Deutschlands zu danken sei, ein Argument, das unser Redner mit einigen kräftigen Sätzen in sein Nichts auflöste. Es ist den Herren von der Negierung auch gar nicht ernst mit diesem Argument. Es ist ihnen nur ein bequemer Vorwa.id, um das heiße Eisen eines etwaigen Abbaues unserer Schutzzöllnerei nicht anzu- fassen, sie fürchten den Zorn der Agrarier. Man braucht auch nur zu beobachten, wie Herrn Oertel die Augen in edlem Manneszorne rollen, wenn ein unbequemer Redner den Agrariern einige Freundlichkeiten sagt, um zu begreisen, daß die Regierung mit solchen Necken nicht gern anbindet. Außer unserem Redner war es heute nur Herr Got- Hein von der Fortschrittlichen Volkspartei, der der agrari- schen Regierungspolitik niit guten Gründen, aber mit zu vielen Worten entgegentrat. Der Nationalliberale Sieg ist im wesentlichen mit der Regierung einverstanden. Diese nicht eben überraschende Haltung des nationalliberalen Agrariers gab sich aber in so amüsanter Form, daß es nicht langweilig war ihm zuzuhören. So wird es nicht nur den zukünftigen Biographen des Herrn Sieg interessieren, daß dieser Herr 33 Jahre lan(j praktischer Landwirt ist, und daß er während dieser Zeit, wie er mit glaubhafter Freundlichkeit versicherte, dreimal die Maul- und Klauenseuche gehabt habe. Selbst durch wohlwollende Zurufe war Herrn Sieg nicht klar zu machen, daß er wohl sein Rindvieh und nicht sich selbst gemeint habe. Herr Sieg gebrauch! e auch, um sich„parlamentarisch" auszudrücken, den deutlichen Ausdruck Schweinerei. Vielleicht schlagen die Nationalliberalen Hern Sieg später einmal als Präsidenten vor, wir dürfen dann sicher einer Fortentwick- lung,der parlamentarischen Sitten ins Derbe und Volkstüin- liche entgeaenseben. Der Pole Seyda benutzte die Debatte, um der preußi- schen Regierung einen wohlgezielten Hieb wegen ihrer Ent- eignungSmaßnahmen zu versetzen. Ter Elsässer R ii k l i n wollte zwar von der Äenderung der Wirtschaftspolitik nichts wissen, wies aber nach, daß für die kleinen und inittleren landwirtschaftlichen Betriebe in Elsaß-Lothringen, die es dort fast ausschließlich gebe, die Aufhebung der Futtermittelzölle eine Notwendigkeit sei. Ter süddeutsche Bündler Gebhardt behauptete gerade das Gegenteil. Seine mangelhafte agra- rische Weisheit suchte er mit albernen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie aufzuputzen, wofür er sich hinterher von Südekum eine kurze, aber kräftige Abfuhr gefallen lassen mußte. , Ten Schluß der Debatte bildete ein Rückzugsgefecht des Präsidenten des kaiserlichen Gesundheitsamts. B u m m, in dem er sich gegen scharfe und wohlverdiente Angriffe Süde- kums unzureichend zu schützen suchte. Die Abstiinmung über den sozialdemokratischen Antrag erfolgt Sonnabend zu Beginn der Sitzung: sie ist auf sozialdemokratischen Antrag eine namentliche. Unsere Fraktion hat infolge der bescksämenden Schwäche aller büroer- lichen Parteien ihren spezialisierten Antrag zurückziehen müssen: er ist auf ihren Antrag der verstärkten Geschästsord- nungskommission überwiesen worden, bannt dort zunächst über die Frage beraten wird, ob Jnterpellationsanträge in der von uns gewünschcn Form zulässig sind oder nicht. Unser jetziger Antrag spricht nur in kurzen Worten aus, daß die Haltung der Regierung der Meinung des Reichstags nicht entspricht. Ueber das Ergebnis der namentlichen Abstiinmung geben wir uns natürlich keinen Illusionen, hin: aber »vichtig ist doch der Fortschritt, daß endlich im Gegensatz zu früher eine togelange JnterpellationSdcbatte nicht mehr ohne jeden Beschluß des Reichstags ausgeht wie das Hornberger Schießen. Einen niunteren Auftakt zur Freitagsitzung des Reichs- tags bildeten unsere Kurzen Anfragen. Während die ersten Anfragen im Frühjahr dieses Jahres noch unter der Neuheit dieser Einrichtung und unter dem offenbaren Wider- streben der Regierung litten, hat sich jetzt augenscheinlich ein Umsckiwung vollzogen. Die drei Anfragen wurden, wenn sach- lich auch nicht zu unserer Zufriedenheit, so doch in einer Weise beantwortet, daß sich die Oeffentlichkeit über die Gegenstände der Anfrage und ihre Beurteilung durch die Re- gierung ein Bild machen kann. Die Anfrage des National- liberalen Junck über die Maschinengewehrabtei- l u n g e n wurde sogar vom Kriegsminister in höchst eigener Person beantwortet, und zwar mit solch deutlichem Rasseln des Säbelz. daß man sich leicht seinen Vers darauf machen konnte. Die Regierung scheint schon selbst Interesse an den Kurzen Anfragen genommen zu haben und sich dieses In- stnmrmks bereits nach Bedarf mit Hilfe willfähriger Freunde zu bedienen.—__ Aus der sozialdemokratische» Reichstagsfraktton. Am Montag beginnt im Reichstag« die erste Leiung des Etats. Der Reickislanzler hat die Absicht, zunächst ein Expasä liber auswärtige Politik zu geben. Die anschließende Debatte soll sich dann nur mit der auswärtigen Politik belassen. Wenn diese Debatte erledigt ist. dann soll die Diskussion über die inner« Politik folgen. Diese neuen Dispositionen veranlaßten die Fraktion, eine andere Verteilung der Redner vorzunehmen. Es werden sprechen: z» der auswärtigen Polltik Ledebour, David und Haasez zu der inneren Politik Dr. Frank, Dr. L e n s ch und event. noch Dr. Liebknecht. Zum Postscheckgefetz spricht Südekum: zum Gesetz betreffend das Verbot von Kuidersaugflaschen Genosse Rühle. Amnestie. Wie die„Braunschweigische LandeSzeitung" zu melden weiß. erfolgt anläßlich des bevorstehenden Regierungsjubiläums des Kaisers zum ersten Male seil dem Regierungsantritt Wilhelms II. in Preußen eine umfaffende Amnestie für Bergehen und Ueber- tretungen._ Ter Entscheid in der Jesuitenfrage. Der Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung über den von Bayern gestellten Antrag bezüglich des Vollzuges de« Jesuiten- geietzeS beraten. Er hat über die Ausführung dieses Gesetzes folgenden Beschluß gesaßt: Da Ziveifel über die Bedeutung des Begriffs der verbotenen Ordeneläligkeit im Sinne der Belanntmachung de« Reichskanzlers vom S. Juli 1872 lReichsgeietzblalt Seite 2St> entstanden sind, und die königlich bayerische Regierung eine authentische Aus- legung dieses Begriffs beantragt hat,«hat der Bundesrat be- schlössen: Verbotene Ordenstätigkeit ist jede vriesterliche oder sonstige religiöse Täligleit gegenüber anderen sowie die Erteilung von Unterricht. Unter die verbotene religiöse Tätigkeit fallen nicht, sofern nicht. landesherrliche Bestimmungen eulgegenstehen, das Lesen stiller Messen, die im Rahmen eines FamilicufesteS sich hallende Primiz- feier und das Spenden der Sterbeiakrnmenre. Nicht unteriogt sind wiffemchaftliche Vorträge, die das religiöse Gebiet nicht berüdien. Die schriftstellerische Tätigkeit wird durch das Verbot nicht betroffen. Es bleibt also bei der bisherigen Praxis. Der einzige in Be- tracht touimende Unierschied besteht darin, daß die Beranstaltung von Konferenzen und sogen,„profanen"(nichtreligiösen) Vorträgen, die bisher nur im Stillen geduldet wurden, jetzt ausdrücklich als gesetzlich zulässig erklärt werden, und zwar dürfen solche Vorträge auch in Kirchen gehalten werden. Dagegen bleibt den Jesuiten auch ferner da« verboten, worum ei ihnen ganz besonders zu tun ist: die öffentliche Betätigung in der Seelsorge. Die Zentrumspresse ist denn auch mit dieser Interpretation de« Bundesrates durchaus nicht zufrieden. Die„Germania" schreibt dazu: „Jede priesterliche Betätigung in der Seelsorge aber, und auch aushilisweise, ist verboten. Wie unS berichtet wird, verlangten Vertreter kleinerer Bundesstaaten— je kleiner, um so undutd- samer, wie man das ja längst gewöhnt istl— ein noch loeiter» gehende« Verbot, und hier mag immerhin daö Bestreben Preußens nicht verkannt werden, gegenüber solchen weitergehenden, verschlechternde» Bestrebungen im Bundesrat dem bayerischen Re- gierungserlaß eine Brücke deS KompronilffeS zu schlagen und nicht rein negatlv zu beschließen. Aber dns Verbot jeder, selbst der auShiisStveilen priesterlichen Tätigkeit ist eine so ungeheuer- liche Maßnahme, daß der Bundesrat sich nicht wundern darf,, wenn man— nicht etwa nur in allen zivilisierten, sondern auch in h a i b z i v i l i> i e r t e n Ländern nur ein G e f ü b l d e s M i t l e i d s hat für ein Re>ch. in dem heute, und unter V>'rdnlriiissen. wie den augenblicktichen. ein derartiger Beschluß noch möglich ist." Aehnlich äußert sich die„Köln. VolkSztg.": „Die Enlscheidung deS Bundesrates wird nirgends Be- friedigung erregen. Den von Jeinilenfurcht und Jesuitenhaß ge- leiteten kultiirkänipferischen Fanatiker» enthält der Erlaß deS Bundesrates sicherlich noch zu viel Entgegenkommen! Diele Fanatiker werden schon darüber erbost sein, daß der Bundesrat die Loyalität Bayerns auerkenirt. Was haben sie nicht alle« ans dem bayeriichen Jesuitenerlaß gemacht! Mißachtung des Reiches, RücksichiSlosigkeit gegtiiüber Berlin, so etwas wie Reichs- und Landesverrat I Manche Blätter haben sich ja wie tobsüchtig ge» Härder. Run. solch- Scherze wenigstens konnte der Bunderat be- grristicherweiie nicht mitmachen." Der Wagenmangel im Ruhrgebiet. Der Abg. Behrens hat an den Reichskanzler die Anfrage ge- richtet, was er zu tun gedenke, um dem Wagenmangel im Ruhr- revier abzuhelsen. und damit die nachteiligen Folgen für die Ar- beiler zu beseitigen. Diese Anfrage wurde nicht, wie sonst üblich. im Reichstage beontworiel. vielmehr erfolgie die Beantwortung ichtistlich. Diese A»>wort hat folgenden Wortlaut: Di« wirischasliichen Schäden, die durch den Wagenmangel im Ruhrbezirt hervorgerufen werden, insbe'ondere die durch eine an vielen Stellen veranloßte Einlegung von Feierschichten für die beteiligten Arbeiter sind dem Reichs- kauzler bekannt. Die Ursachen der Störungen in der Wagen- geslellling ist in der Hanpl'ache in Betriebsschwierigkeilen zu suchen, die sich bei der Bcivälnguug des ganz außerordentlich gestiegenen GüternertehrS in dicieui Herbst auf einem Teil des Netzes der preudlslb-heisischeu StoatSbahn— im Weste» gezeigt habe». Die Slöriingen haben den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten veranlaßt, das betroffene Gebiet selbst zu bereisen und «ine Auslprame mit den Vertretern deS Handels und der Industrie herbeizuiührcn, nachdem bereits vorher der zu- ständige betriebstechnische Reiereut de« Ministeriuni« der öffentlichen Arbeiten zur Unterstützung der Eisenbahu- direklione» bei den betrieblichen Maßnahmen zur Wahrung der Eiiiheitlichkeit der zu treffenden Anordnungen abgeordnet worden war Wie die Prüfung an Ort und Stelle ergeben hat, sind die Schwierigkeiten in der Abnahme begriffen und es ist. falls nicht unvorhergesehene Umstände eintreten, ans eine baldige Gei'u»du»g der Verhältnisse zu hoffen. Insbesondere ist auch das Lahn-. Dill- und Sieggebier wieder in ausreichender Weise mit Brenn- stoffen versorgt worden. Um der Wiederlehr ähnlicher Zustände vorzubeugen. ist eine beichlennigte bauliche Ausgestaltung de« West- liche» Eisenbahnnetzes sowie die verstärkte Beichaffenheit von Be- triebSm iteln in die Wege geleitet." Eine weitere Frag«, ldie die Ueberlalbung deS Giscnbahnpcrso- nals betraf, wurde dahin beantwortet: „Zu der allseitig als dringend airerkannten Beseitigung der Verkehrsstockungen im rheinisch-westfälischen Jnduftriegebiei hat sich die Heranziehung des Eisewbahlipersonals zu außergewöhn. lichen Dienstleistungen nicht vermeiden lassen. Zu dieser Eni. lastung ist«in« große Anzahl von Kräften auS allen Landes- gebieten herangezogen worden. Auch werden dem hauptsächlich betroffenem Personal genügend« RuhkKeiten— nötigenfalls nach- trag.' ich— gewährt, und außerdem für außergewöhnliche Dienst- lerftu ngen besondere Belohnung bewilligt." Konservativer WahlterrorismnS auS„edlen Motiven". In L h ck stand der konservative Rektor Dotzeck aus Wielitzken (Kreis Oletzko) vor der Strafkammer. Ihm wurde zur Last gelegt, am 12. Januar einem Wähler mit Gewalt einen Stimmzettel ent- rissen zu haben. Schon bei früheren Wahlen hatte er c« als seine staalSerhaltende Aufgabe angesehen, vor dem Wahllokal sich von den Wählern die Stimmzettel zeigen zu lassen und ihnen dann den „falschen" fortzunehmen, de»„richtigen" einzuhändigen. Und nie- mand hatte ihm früher deswegen Vorhaltungen gemacht, da eine ernstliche Agitation gegen die Konservativen in diesem Kreis« nicht geführt wurde. Das letzte Mal waren aber die Nationalliberalen rührig, und so wurde denn dem Herrn Rektor etwas schärfer auf die Finger gesehen. Am 12. Januar kam der Altjitzer Hermann zur Wahl, und der Rektor fragt« ihn, ob er denn auch den„richtigen" Stimmzettel habe. Der Wähler bejaht« die Frage und zog seinen Stimmzettel aus der Tasche. AIS der Rektor den Zettel erblickte, riß er ihn dem Wähler weg und reichte ihm mit den Worten:.Du dummes Kalb,. nimm diescn Zeikel!" einen konfervatiben Stnnmzekick. feit der Mischer jedoch nicht annahm. Der Wähler machte unter seinem Eide diese Angaben vor Gericht. Den Vorgang hatten außerdem noch der konservative und der nationalluberale �tiumizettel Verteiler beobachtet. Beide waren als Zeugen geladen und wurden auch vernommen. Festgestellt wurde, daß der Angeklagte die den national- liberalen Wählern abgenommenen Zettel dem ionservativen Zettel- Verteiler mit den Worten gegeben hatte:.„Verwahren.Sie nur gut diese-Zettel, für jeden bekommen Sie des Abends Bier, Schnaps und Zigarren.".. � � Der Vertreter der Anklage trat für milde Bestrafung«rn. da der Angeklagte nur aus„edlen Motiven" gehandelt hätte. Er vevdiene keine entehrende Strafe und daher genüge eine Woche Fe st u n g s h a f t. Das Gericht sprach jedoch den Angeklagten völlig frei. Es erklärte, die Aussagen der beiden Zetteloer- teiler seien nicht als einwandsfrei anzusehen, und das Zeugnis des Hermann allein reiche zur Verurteilung des Angeklagten nicht aus. Ostelbische Rechtsprechung. Natürlich werden die konservativen Staatsstützen bei der nächsten Wahl nun erst recht zu ungesetzlichen Mitteln greifen, um den Sieg zu erringen. Wilhelm II. und der badtsche Minister v. Bodman. In dem kleinen badischen Städtchen Bretten wird demnächst ein interessanter Prozeß stattfinden. Wilhelm II. soll sich bei selnern- letzten Frühjahrsaufenthalt in Donaueschingen über Bodman wegen seiner Stellung zur Sozialdemokratie und seines bekannten Ausspruchs: „Die Arbeiterbewegung ist eine großartige Bewegung des vierten Standes l" ziemlich drastisch geäußert haben. In der badischen Kammer fragte nun der konservative Landtagsabgeordnete, Rechts- anwalt Schinidt-Bcetten. einen sozialdemokratischen Abgeordneten. ob er von dieser kaiserlichen Aeußerung etwas wüßte. Später be- stritt Schmidt, solche Aeußerung getan zu haben. Das Bretten« nationalliberale Blättchen polemisierte deswegen gegen Schmidt, und er hat es nun verklagt. Der beklagte Redakteur will aber nui» durch seinen Rechtsanwalt den Nachweis führen, daß die obige Aeußerung Wilhelms II. tatsächlich in der badischen Kammer kolportiert worden beziehungsweise daß sie in Donaueschingen ge- fallen ist. Wird der Nachweis wirklich erbracht, dann kann e» zu einer kleinen Kabinettskrise— natürlich nur für den badischen Minister-- führen._ 80 Proz. der Znchthausinsasfen geistig nicht uormal. In Königsberg i. P. tagt zurzeit die sogenannte„kirchliche Fest" wache", wo vor allem die Geistlichkeit das Wort führt. Pfarrer Lenkerl-Jnsterburg, der als Seelsorger am Jnsterburger Zuchthause tätig ist, hat seine Erfahrungen in der Gefangcnenseelsorge erzählt und dabei erschütternde Bilder auS dem Seelenteben der Zuchthäusler entworfen. Er sei überzeugt, daß die meisten dieser Unglücklichen geistig oder seelisch krank und vielleicht 80 P r o z. von ihnen nicht normal seien II Dieser Geistliche hat da auf einen überaus wunden Punkt unserer Strafrechtspflege hingewiesen.' Es ist ja bekannt, daß ein großer Teil der Insassen unserer Ge- fängiiisse und Zuchthäuser geistig oder körperlich nicht gesund ist. Hier wird das aber von einem Kenner der Verhältuisse bestätigt, und man kann gewiß diesem Mann nicht den Borwurf machen. daß er gegen die SlrafrechtSpflege unseres Staates vorein» genommen ist._ Die Einheitsschule im sächsischen Landtage. Bei der weitere» Beratung der Volksichulgesetzvorlage kam am Freitag der KoinmissioiiSai, trag gut Einführung der Einheitsschule für die ersten drei Schulsahre zur' Verhandlung. Nach diesein An- trage tollen die Vorickmlklasse» der höheren Schulen in Forlkall kontmen. Im drillen Schuljahre tollen die Scbüler, welche eine höhere Schule besuchen sollen, einer Prü-üng unterworfen weiden. Trotz der Eiiiweiidungen der Konservativen wurde der Kommiisions» anlrag angenoinmen. Dann wurde beschlöffen, daß die Schülerzahl einer Volksschnlllasse vü nicht übersteigen darf. Der Antrag der So stal- demokraten, die Schülcrzahl auf 40 festzusetzen, wurde abgelehnt. Die Konservativen wollten die Vorlage, die 80 Kinder bei den zwei» klassigen Landschulen vorsah, noch verschlechtern, und sie beantragten. hundert Kinder zuzulassen.— Ein heftiger Streit hat sich in der Oeffentlichkeit über die Leitung der Schulen entsponnen An- genommen wurde ein Antrag, nach welchem die Aufsicht über die Schulen den, Direktor zusteht, doch wird das kollegiale Verhältnis zwischen Direktor und Lehrern gewahrt. Der Landtag stimmte auch den Paragraphen zu, durch ivelche eine schulärztliche ileber- wachung vorgesehen ist. Die Verpflichtung der Gemeinden zur Verabreichung von Essen an arme Schulkinder wurde abgelehnt, nach- dem allerdings die Vertreter der verichiedeuen Parteien Sympathie- erklärunge» abgegeben hatte». Sie meinten, das gehöre nur nicht in das Bolksschulgesetz.— Bei der Beratung über die Fortbildungs» schule nahmen nuiere Vertreter Veranlassung, vor allen Dinge» die Verwendung der FortbildungSichule zu nationaler Hetze' gegen die Jugendorgamsatloiien zu brandmarke». Die Veralung geht Weiler. franhreieb. Der Kampf um die Hecresorganifatlon. Paris, 20. November. Die Deputiertentammer bc» riet heute das Gesetz über die Reorganisation der Kader für die Infanterie. Der Vorsitzende der Armeckommission Joseph Reinach begründete hierbei unter großem Betfall die Notwendigkeit, starke Kader für die Reserven zu schaffen und bekämpfte den Gcgenvor- schlag I a u r e S. der eine Milizorganisation und defensive Haltung und eine Konzentration an der Loire und in der Auvergne, u,u den Gegner zu erwarten, empfiehlt. ZtriegSminister Millerand drückte dem Redner die Hand. Die Beratung wird in � nächster Woche fortgesetzt werden. In der heutigen Debatte über das Kadergesetz wies der Depu- tierte Reinach eingehend auf die Abnahme der Geburtenzahl Frankreichs und die Folgen hin, welche diese Tatsache für die Armee nach sich ziehe. Die Zahl der männlichen Geburten, welche vor 40 Jahren 404 000 gewesen fei, betrage jetzt nür 400 000 und nehme täglich ab. Die Zahl der Gestellungspflichtigen sei im Jahre 1803 343 000 gewesen und belaufe sich gegenwärtig auf 301 000. Die Zahl der eingestellten Rekruten, welche 1004 238 000 betrug, sei auf 21S000 zurückgegangen und nehme noch ab. Man könne voraussehen, daß die Zahl der eingestellten Rekruten im Jahre 1027 auf 105 000 zurückgehen werde, mit anderen Worten: Frankreich habe 1908: 48 Bataillone, 1912: 04 Bataillone ver- loren und werde im Jahre 1012: 110 Bataillone und im Jahre 1028: 154 Bataillone verlieren. Angesichts dieser Lage gäbe eS nur eine Abhilfe: die Einrahmung(enendrement) der Reservetruppen. sonst würde man die Truppen, wie groß auch ihre Tapferkeit uyd ihr KampfeSmut wäre, nicht zum Siege, sondern zur Schlachtbant führen.(Lebhafte Bewegung) China. Fklndselige Stimmung gegen Rußland. Hankau» 20. November.(Meldung der Petersburger Tele- graphcnagentur.) Hier hat sich eine„Gesellschaft zur Rettung der Mongolei" gebildet. Diese schlägt vor. die Bellölkerung solle, falls das russisch-mongolische Abkommen in Kraft bleibe, die russischen Waren boykottieren, russisches Geld nicht annehmen und dies bei der chinesisch-russischen Bank eingezahlten Depositen zurückverlangen. Die Handelskammer agitiert in dieser Richtung und die Obrigkeit verhält sich vollständig untätig. GewcrhrcbaftUchcs. Vie franzöTifchcri Gewcrhfcbaften und der Krieg. Paris, 26. November,(©ig. Ber.) Der Kongreß,«ruf dem gleichzeitig mit der Baseler Tagung die französischen Syndikalisten ihre„glänzende Isolierung" demonstrieren wollten, hat drei Be- s ch I ü s s e gefaßt, die Beachtung forüern. Der erste betrifft die Organisation eines 2 4 st ü n d i g e n Generalstreiks. Als Datum wurde auf Antrag der Kom- Mission der 16. Dezember, ein Montag, bestimmt, doch ist dem Konföderationsvorstand das Recht gelassen worden, es den Um- ständen angemessen zu verrücken. Man sollte glauben, daß die gegen dieses Datum vorgebrachten Einwendungen aus oer Er. wägung hervorgegangen wären, daß eine Frist von drei Wochen in der jetzigen internationalen Lage zu lang sei. Indes fanden gerade revolutionär-syndikalistische Kritiker sie zu kurz, mit Rücksicht auf die notwendige Propagandaarbcit. Zeigt sich hierin die zunehmende Erkenntnis, daß es mit dem bloßen„Elan", den man ehedem so gern der methodischen Organisationsarbeit nach deutschem oder englischem Muster entgegenstellte, nicht getan ist, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß für einen Proteststreik sust ein„Elan" Vorbedingung ist, und die lange Vorbereitung keine Bürgschaft des Gelingens gibt, wenn unterdes die vor- handenc Erregung abflaut, sei es, daß ihre Ursachen nicht mehr so stark wirken oder daß eine Gegenströmung erzeugt wird. Was nun den gegebenen Fall anlangt, so läßt sich in oiesem Augenblick zweifellos sagen, daß in allen Klassen der Bevölkerung der Gedanke herrscht, daß ein Krieg um eines serbischen Hafens willen eine Ungeheuerlichkeit träpe. Es ist sicher bezeichnend, daß auch gerade die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses von der Scharf- macherpresse nicht in der üblichen demagogischen Weise ausgeschrotet worden sind. Für eine patriotische Hetze ist jetzt nicht die Stunde da. Aber wir wissen nicht, was die kommenden Wochen bringen. Und wenn die Jnformationspresse den Auftrag bekommt, „patriotische Stimmung' zu erzeugen, wird die Gegenarbeit bei dem wenig erfreulichen Stand der Arbeiterpresse erheblich er- schwert sein. Die organisatorische Vorbereitung zum Proteststreik soll staffel- förmig erfolgen. Den Versammlungen der Gewerkschaften und Lokalverbände sollen am 14. Dezember regionale Meetings folgen. Ihre Zahl— 22— wie ihre Orte wurden von der Kongreß- kommission bestimmt— eine merkwürdige Illustration des Zen- tralismuS, den die C. G. T. trotz ihres als Grunoprinzip verkün- detcn Föderalismus zeigt. Verzeichnet sei auch, daß GriffuelheS nachdrücklich davor warnte, über die Zahl der beschlossenen Meetings hinauszugehen. Er berief sich hierbei auf besondere ge- schichtliche Eigentümlichkeiten der ftanzösischen Volksbewegungen. Der zweite Beschluß hat das Verhalten im Kriegs- fall zum Gegenstand. Er bestimmt, daß die Arbeiter dem Mobilisierungsfall nicht Folge leisten und den revolutionären General st reik ins Werk setzen sollen. (DaS Wort„Insurrektion" wird, vermutlich um den Schein einer Anleihe bei der Formel der Mehrheit der Partei zu vermeiden, nicht gebraucht.) Den Arbeitern wird die Anweisung gegeben, sofort ihre Arbeitsstätten zu verlassen und sich in ihren Organi- sationSzentren zu versammeln, um die geeigneten Maßnahmen zur Durchführung des Kampfes zu beschließen. Was geschehen soll, wenn die derart genau informierte Regierung die Versamm- lungslokale besetzt und den noch nicht oder jedenfalls nicht ge- nügenv bewaffneten Arbeitern bewaffnete Mannschaften entgegen- stellt, wird in diesem, noch' vom Geist des alten Putschismus, be« . herrschten Programm nicht gesagt. Wie die erste, so wurde auch diese zweite Resolution mit Akklamation angenommen. Gegen sie erhoben sich nur zwei Hände. Damit ist nicht gesagt, daß nur so wenig Kongreßteilnehmer be- griffen hätten, wie werllos ein solches taktisches Rezept in den unberechenbaren Situationen der Praxis ist. Aber die reformisti- schen, zumeist der geeinigten Partei angehörenden Delegierten, wollten den Einoruck der energischen Kampfansage des Proletariats gegen die Kriegstreiber, in der sie den wesentlichen Inhalt der Resolution sahen, nicht verringern. Und darum schluckten sie auch die Spitzen gegen die sozialistische Partei hinunter, die die M e r r- heim und Jouhaux, einer Revanche für die Niederlage be. dürftig, die ihnen die Massen des Pariser Proletariats zugefügt haben, als sie über den Abstinenzbeschluß der Konföderation zur Tagesordnung übergingen und die Teilnahme an der Demon- stration in Pre-Saint-Gervais beschlossen, in die Resolution ein- gewickelt haben. Diese erklärt namentlich, die Kongretzresolution von AmienS wiederholend, daß die C. G. T. der natürliche Repräsentant des Proletariats sei— was natürlich bedeuten soll, daß die Partei kein solcher Repräsentant sei. Die Sozialisten auf dem. Kongreß hatten sich darein gefügt. ihre Kritiken gegen die syndikalistische Taktik nach der Erledigung der zwei, auf die Aktion gegen den Krieg bezüglichen Resolutionen vorzubringen. Es lagen zu diesem Punkt verschiedene Beschluß- antrage vor, über die sich eine lange, sehr bewegte Debatte ent- spann. Die meisten dieser Anträge erklärten, daß die Autonomie der Gewerkschaftsbewegung durch ein Einvernehmen bei der Be« kämpfung des Krieges nicht geschmälert werde. Nicht alle sozia- listischen Redner vermochten sich Gehör zu verschaffen. Am besten gelang dies den Genossen Chaille lMechaniker, Paris) und Klemczynski sSt. Claude), die sich dem Bedauern über die bekannte Antwort der deutschen und österreichischen Gcwerkschafts- zentralen anschlössen und erklärten, weder einen Tadel noch ein Bedauern über die Ablehnung des Konföderationsvorstandes, sondern nur einen Wunsch für die Zukunft auszusprechen. Viel weniger höflich waren die Entgegnungen. Ein Redner leistete sich sogar die Behauptung, daß die Arbeiter am Tage der Rcvolu« tion die Leute, mit denen zusammenzugehen man ihnen zumute — d. h. die Sozialisten—„auf der anderen Seite der Barrikade sehen würde". Zum Schluß gab Jouhaux eine Darstellung des Konflikt?, deren diplomatische Zurechtstutzung einen aktenmäßigen Bericht zur Verhinderung der Legenden, die schon im Entstehen sind, wünschenswert erscheinen läßt. Er erklärte u. a., daß die Deutschen im vorigen Jahre unter ganz gleichen Bedingungen an einer Manifestation teilgenommen hätten, daß eben jetzt erst das internationale Sekretariat zur Teilnahme an einer ebensolchen Kundgebung in Manchester aufgefordert habe, daß nur aus Deutschland und Oesterreich eine Absage gekommen sei und das ganze nur den Zweck gehabt hätte, die französischen Gewerkschaften zu erniedrigen und ihnen mit„brutaler Diplomatie" die deutschen und österreichischen Methoden aufzuzwingen.— Jouhaux' Rede klang erfreulicherweise doch in die Verkündung der inter- nationalen Solidarität aus. Ihr folgte die Gntheißung der Tak- tik des Kvnföderationsvorstandes. Drei Delegierte stimmten da- gegen. Dem Kongreß folgten am Abend zwei Riesenversammlungen, deren revolutionäre Kampfbegeisterung wieder einmal die unzer- störbare, von sicherem Klasseninstinkt beseelte Kraft des Pariser Proletariats kundgab, die in entscheidungsvollen Stunden so manchesmal den engen Sektengeist, der so viel kostbare Energien vergeudet, überwunden hat.___ Verantw. Redakt7: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Berlin und Umgegend. 331/» Proz. Bäckerverdienst. Im gestrigen„Vorwärts" erklärt Herr Obermeister B e r n a r d. er habe nie als gerichtlicher Sachverständiger bekundet, daß das Bäckergewerbe einen Reingewinn von S8ll3 Proz. abwirft, er habe das mchl bekunden können, weil es nicht zutreffend sein würde. Hierzu macht unser Gewährsmann folgende Angaben: Im Jahre 1904 leiteten secbs Berliner Bäckermeister Schaden- ersatzttagen gegen den Verband der Bäcker und Konditoren ein. Der Syndikus der Bäckerinnung, Rechtsanwalt Fritz L o e w e, ver- trat die Kläger vor Gericht. Bei der Berechnung des Schadens, den der Bäckerverband den Klägern durch Streik und Boykott an- geblickt verui sackt haben soll, ging der Anwalt davon aus, daß sich der Reingewinn der Bäckereien auf 331� Proz. des Umsatzes beläuft. Zum Beweise für die Richtigkeit dieser Angabe berief sich der Anwalt auf den gerichtlichen Sachverständigen, Obermeister Bernard. Ob Herr Bernard vom Gcrickt als Sachverständiger vernommen wurde, kann im Augenblick nickt mit Sicherheit festgestellt werden. Unser Ge- Währsinann glaubt es, er gibt aber ouck, da es sich um ackt Jahre zurückliegende Vorgänge handelt, die Möglichkeit eines Irrtums be- züglich der Person des Herrn Bernard zu. Doch darauf kommt eS gar nicht an. Die strittige Frage ist vielmehr die. ob unsere Behauptung, das BäckKgewerbe werfe einen Reingewinn von 33Vz Proz. des Umsatzes ab, als erwiesen angesehen werden kann. Diese Frage muß bejaht werden, denn das Gericht hat den Bäckerverband in zwei Fälle» zum Schadenersatz verurtestt und es hat in beiden Fällen, gestützt auf sachverständige Gutachte» von Bäckermeistern, die Angabe des klägerifchen Anwalts, daß 33'/, Proz. des Umsatzes als Reingewinn erzielt werden, als zutreffend bezeichnet. Es ist also gerichtlich festgestellt, daß die Bäckermeister in Berlin 33'/� Proz. verdienen. Und zu dieser Feststellung hat der Syndikus der Bäckerinnung Veranlassung gegeben. Man darf hiernach doch annehmen, daß es mit den 33'/, Proz. seine Richtigkeit hat, daß aber die Be- bauptung der Jnnungsmeister. sie könnten die finanzielle Belastung durck den Ruhetag der Gesellen nicht tragen, unrutreffend ist. Herr B e r n a r d sagt nun, er habe den Gewinn der Bäcker- meister schon deshalb nicht auf 33'/, Proz. angeben können, weil das nicht zutreffen würde.— Hat Herr B e r n a r d recht, dann müßte ja das Gericht in den erwähnten beiden Fällen— das eine Urteil ist 1904, das andere 1910 gefällt worden— durch die An- gaben des Syndikus der Bäckerinnung und der betreffenden Sack- verständigen zum Nachteil des Bäckerverbandes hinters Licht geführt worden sein I Das aber wird doch wohl Herr B e r n o r d nickt an- nehmen. Es bleibt also bei der gerichtlichen Feststellung, daß die Bäckermeister 33'/, Proz. verdienen. Die Betriebsleitung des Patzenhofer-Ausschanks, Friedrichstr. 71, gibt sich die erdenklichste Mühe, den Streik der Kellner und Zapfer als unberechtigt darzustellen. Wie berechtigt aber das Vorgehen der Angestellten war, beweist wohl allein schon die Tatsache, daß der Monatslohn der Kellner, welcher nach tariflicher Abmachung bis vor kurzem einschließlich der Kostentfchädigung 53 M. betrug, durch Ab- gaben und Neuerungen bis auf 27 M. reduziert wurde. Dazu kam, daß man die Kellner zwang, Hausdienerarbeiten zu verrrchten. Ter wöchentliche Ruhetag, der in allen übrigen derartigen Betrieben eingeführt ist, wurde den Angestellten ebenfalls verweigert. Gleich- falls nicht beachtet wurde das Verlangen der Bierzapfer nach fauberer Wäsche. Es besteht nämlich bei dem Ockonom der-eigen- tümliche Brauch, daß die Bierzapfer bei ihrer Tätigkeit die bereits von den Kellnern abgelegten Jacken tragen müffen. Dasselbe wird auch dem Hausdiener zugemutet, welcher die Speisen zwischen der Küche und den Kellnern zu expedieren hat. Dick Ueberlaffung der Jacken hängt obendrein noch von der Gnade der Kellner ab, die, da sie 60 Pf. für jede Jacke zu zahlen haben, diese natürlich auch so lange wie möglich selbst tragen. Der Oekonom erklärt, daß er all seine Mahnahmen dem Personal gegenüber im Einverständnis mit der Brauereidirektion treffe. Der Patzenhofer Betrieb ist für organisierte Gehilfen bis a-uf weiteres gesperrt. � Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. Achtung, Zigarrenarbeiter! Der Zigarrenfirma Hamacher. SO.. Köpenicker Straße 1S5/1S6. sind, da dieselbe die Abmachungen mit der'Drganisation des Deutschen Tabakarbeiterverbandes durch- brachen hat, die grünen Plakate für sich sowie ihre Abnehmer ent- zogen worden. Arbeiter, Raucher! Kaust nur dort Euren Bedarf an Zigarren für das Weihnachtsfest, wo die grünen Plakate, unterschrieben. Alwin Schulze, gefuhrt werden..... Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Deutfehes Reich. lieber einen neuen Fall von sozialdemokratischem Terror in Frankfurt a. M. berichten die Scharfmacherblätter. Ein Auf- seher R u p p soll im städtischen Ofthafen auf Verlangen des Zimmererverbandes von einer städtische Arbeiten ausführenden Firma entlassen worden sein, weil er sich weigerte, dem Verband beizutreten. Wie uns vom Zimmererverbande mitgeteilt wird, ist an der Geschichte kein wahres Wort. Richtig ist nur. daß bei der Firma einige Arbeiter ihre Entlassung forderten, weck sie�von einem Men'chen, der gerichtsnotorisch„moralisch minderwertig" ist, nicht beauffichtigt fein wollten. Der Aufseher hat seine Familie im Stich gelassen und ist mit der Frau eines„Untergebenen" durch- gebrannt, außerdem ist er aui allen Bauplätzen als Rausbold und Störenfried bekannt; hätte er sich wirklich zum Zimmererverband angemeldet, er wäre nicht einmal aufgenommen worden!—„Mit dem förmlichen System von Druck und Zwang gegen Familienväter", wie der Freisinnige B a l z e r in der Frankfurter«tadtvcr- ordnetenver'ammlung sagte und mit dem Fall von„Lergewalligung schlimmster Art", wie der freisinnige Stadwerordnete Wedel meinte, war es also wieder einmal nichts. Das Reichsmarineamt und die Forderung der Werft- arbeiter auf Einführunz der ungeteilten Llrbeitszeit. Die für den Arbeiter ungünstigen Wohnungsverhältnisse in Wilhelmshaven und in der Schwesterstadt Rüstringen drängen auch dort den Wohnsitz der Arbeiter immer mehr an die Peripherie der Stadt. Der Weg zur Arbeitsstätte ist deshalb mit großem Zeit- Verlust verknüpft; bei größeren Entfernungen reicht die Mittags- pause nicht dazu, um zu Hause das Mittagessen einnehmen zu können. In Rücksicht auf diesen durch die Entwickelung der Groß- städte bedingten Umstand haben viele Privatunternehmer auf Wunsch der Arbeiter die durchgehende Arbeitszeit eingeführt und beide, Unternehmer und Arbeiter, stehen sich dabei nicht schlecht. Der ArbeiterauSschuß der kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven beantragte auf Wunsch der Arbeiter die Einführung der ungeteilten stündigen Arbeitszeit. Aus eine diesen Wunsch ausführlich be- gründende Eingabe ist ihm jetzt folgende Antwort zuteil geworden: Der Staatssekretär des Rcichsmarineamtes. Berlin, den 17. November 1912. Dem Arbeiterausschuß ist zu eröffnen, daß ich seine Anträge auf Verkürzung der Arbeitszeit auf Stunde und Einführung einer halbstündigen Mittagspause ablehne. Eine Herabsetzung der neunstündigen effektiven Arbeitszeit ist nicht beabsichtigt und die kurze Mittagspause liegt weder im Interesse der Werft noch der Arbeiter. Praktische Erwägungen, die von der Wissenschaft unterstützt werden, lassen bei körperlicher Arbeit und angesichts der klimatischen Verhältnisse die Unter- brechung der Arbeit zur Mittagszeit durch eine längere Pause. die dem Gros der Arbeiter Gelegenheit gibt, ihre Mahlzeit zu Hause einzunehmen und sich genügend auszuruhen, unbedingt als das Zweckmäßigste erscheinen. Ganz allgemein wird auch in den gleichartigen Betrieben der Privatindustrie so verfahren. I. V.: gez. Dick. Die Fürsorge für die Arbeiter ist recht löblich, wenn sie nur nicht von falschen Voraussetzungen ausginge. Die Mahlzeiten zu Hause einnehmen und sich genügend auszuruhen ist unbedingt das ' xh/Glocke, Beri-N. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstaft Zweckmäßigste, wenn dieses Zweckmäßige eben durchgeführt werde» konnte. Weil das nicht möglich ist, läuft die Arbeitszeit mit einer längeren aber doch unzureichenden Mittagspause faktisch auf eine Verlängerung der Arbeitszeit hinaus. Was in der Privat- industric sich bewährt hat. dürfte für staatliche Musterbetriebe auch nicht schädlich sein. Die weise Arbeitersürsorge einer hohen Staats- behörde wäre aber in anderen Fällen sicher besser angebracht. Lohnbewegung der Handzwicker in Pirmasens. Das große Schuhgewerbe in Pirmasens steht wiederum vor einem partiellen Streik. Die Zwicker hatten Forderungen ein- gereicht, die Unternehmer mackten jedoch so minimale Zligeständnisse, daß die Zwicker sich genötigt sahen, die Kündigung einzureichen. Am Sonnabend läuft die Kündigungszeit ab. In 30 Betrieben, von denen 22 dem Unternehmerverband angehören, haben 311 Zwicker im Betriebe und 148 Heimzwicker Forderungen eingereicht. Durch Unterhandlungen wurde in 13 Betrieben mit 133 Fabrik- und 80 Heimzwickern eine Einigung erzielt. In 13 Betrieben mit 176 Fabrik- und 68 Heimzwickern wird der Streik zur Tat werden, weil eine Einigung nicht erzielt werden konnte. In Betrackt kommen nur nock Verbandsbetriebe. Soweit festgestellt werden konnte, haben 12 von diesen Firmen am Sonnabend ihren sämtlicken Masckinen- arbeitern und Fertigmachern gekündigt; es kommen zirka 230 Ar- beiter in Betracht. Vielleicht kommt es im Laufe der nächsten Wocke auch in diesen Betrieben noch zu einer Einigung. Zuzug ist fernzuhalten.__ Der ßalkankrleg. Tie Botschafterkonferenz. London. 29. November.(W. T. B.) Nach Informationen des Reuterfchen Bureaus wird der Meinungsaustausch fortgesetzt, der seit einiger Zeit zwischen den Mächten zum Zwecke der Berufung einer Botschafterkonferenz im Gange ist. Optimistische Aufsaffung in London. London, 29. November. Wie das„Reutersche Bureau" erfährt, geht die Ansicht, die offizielle britische Kreise bezüglich der euro- päischen Situation hegen, dahin, daß man nichts zu be- fürchten braucht, ob schon man auf Schwankungen vorbereitet sein mutz. Die Situation ist nicht in ein alarmierendes Stadium getreten oder nähert sich irgendwie einem solchen, und bei den verschiedenen Fragen, die gegenwärtig bestehen, ist eine friedliche Regelung durchaus möglich K-etztc Nachrkbten. Die Landtagswahlen in Württemberg. Stuttgart, 29. November.(W. T. B.) Bei dem heutigen zwei» ten Wahlgang zu den Landtagswahlen standen 24 Mandate zur Entscheidung. Es erhielten die Volkspavtei 8, Konservative und Bund der Landwirte 6, die Nationalliberalen 3, die Sozial- demokraten 3 und da» Zentrum 2 Mandate. Insgesamt sind bis jetzt gewählt: 21 Zentrum, 17 Konservative und Bund der Land» wirte. 13 Volkspartei, 13 Sozialdemokraten und 9 Nationalliberale. Imposante Protestaktion der Wiener Arbeiter. Wien, 29. November.(Privattelegramm des „V o r w ä r t§".) Heute abend fand im„Arbeiterheim" eine Versammlung mit der Tagesordnung„Kriegsgefahr. Preß- freiheit und Parlament" statt, in der die Genossen Adler und A u st c r l i tz die Ereignisse der letzten Tage besprachen. Die Ausführungen der beiden Redner fanden stürmischen Beifall. Der große Saal vermochte die Anwesenden nicht zu fassen; es wurde deshalb in einem Nebensaale eine zweite Versammlung arrangiert, in der zwei sozialdemokratische Rcichsratsabgeordnete sprachen. Hunderte von Personen mußten wegen Platzmangel wieder nach Hause gehen. Die Polizei hatte große Vorbereitungen getroffen. Die Provo- kationen der Polizei blieben jedoch angesichts der besonnenen � Haltung der Versammlungsteilnehmer ohne Wirkung. Antimilitaristischer Geist im ftanzösischen Volke. Paris, 29. November.(W. T. B.) Kammer. Der frühere Kriegsminister Messimy griff gelegentlich einer Interpellation über tue Lehrer den„Sau du Soldat" und die verbrecherische Pro» paganda des Allgemeinen Arbeiterverbandes an. Unter lebhafter Bewegung der Kammer erklärte er, die Regierung habe im Jnli und August des letzten Jahres die Eventualität einer Mobilisscrung ohne Schwäche ins Auge fassen und damals Maßregeln zur Ausrechterhaltung der Ordnung im. Innern nicht gegen Spione, son- dern gegen Saboteure des Arbeiterverbandes verstärken müssen, da diese Borbereitungen trafen, die Mobilisierung zu lähmen. Anti- militärische Herde habe es bereits 1911 gegeben. Damals feien in etwa 13 Regimentern die gefährlichsten Soldaten in Straf» kompagnien gesteckt worden. Gegenwärtig sei der Geist im Heere gut. aber man suche 86 006 Soldaten, die sich nicht gestellt hätte«. (Bewegung.) Ein vereitelter Anschlag auf Lloyd George. Abcrdecn, 29. November.(P.-C.) Die Polizei verhaftete heute in einem öffentlichen Saale vor Beginn einer sehr zahlreich be- suchten Versammlung, in der Lloyd George sprechen wollte, eine Suffragette, die sich durch ih: scheues und unruhiges Wesen ver- dächtig gemacht hatte. Allemjknschein nach hatte die Frauenrecht» lerin ein Attentat auf den«chatzkanzler geplant, denn bei einer Leibesvisitation wurde bei ihr. wie ein Abendblatt berichtet, eine Bombe vorgefunden. Die Bombe bestand aus einem mit Pulver gefüllten Stahlzylinder, doch dürfte sie kaum erplosivfähig gewesen sein, da die Menge des Pulvers nur äußerst gering war. London, 29. November.(W. T. B.) In Aberdeen wurden außer dem Mädchen, das eine Bombe bei sich hatte, noch zwei andere Frauen verhaftet. Der Prozeß gegen den Abbs Thilmont. Strasburg, 29. November.(W. T. B.) Abbe Thilmont gab heute eine Erklärung ab, daß er bereue, den Artikel geschrieben zu baben. Generalvikar Pelt glaubt, daß der Bischof ge» neigt sei, die Klage zurückzuziehen. Zu diesem Zwecke wurde ihm eine Frist von drei Tagen gestellt. Sollte ein Vergleich nicht zustande kommen, wird eine weitere Verhandlung stattfinden._ Aufseljenerrcgender Selbstmord. Braunschweig, 29. November. iP.-C.i Selbstmord im Konzert» saal verübte heute vormittag die 20 jährige Tochter Else deS Ingenieur» Keitel, Sie erschien in einem hiesigen Konzertsaal, trat dort vor das Orchester, zog einen Revolver aus der Tasche und jagte sich eine Kugel in das Herz. Sie war auf der Stelle tot. Die Gründe zu der Tat sind noch nicht aufgeklärt. Beraubung einer überseeischen Post. Bombay, 2g. November.(W. T. B.) Auf dem Postdampf«: „Eghpt", der heute hier angekommen ist, hat man einen größeren Postdiebjtahl entdeckt; vierzehn Postbeutel fand man aufgeschnitten und ihres Inhaltes teilweise beraubt. Gleich nach der Ankunft des Dampfers gingen Polizisten an Bord, um den Diebstahl zu untersuchen. Bisher ist jedoch niemand verhaftet worven. PaulSinger& Co., Berlin SW. Hierzu S Beilage««. UnterhaltungSvt. Kr. 280. 29. Jahrgang. l. Irilmt ilrs Jütuitls" fnlintt üolWliilt Sonnabend, 30. November 19!2. R.eickstag. 73. Sitzung. Freitag, den 29. November 1912, vormittags 11 Uhr. Am Bundesraistisch: Frhr. v. Schorlemer, Delbrück, v. Hceringen. Kurze Anfrage». Stuf der Tagesordnung stehen zunächst kurze Anfragen der Mit- glicder des Reichstages. Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.) fragt an: Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, ob Schritte getan sind, um die am 5. Februar 1912 vertagte Brüsseler Konferenz zur Revision des afrikanischen Spirituosenhandels zu neuem Zu- sammentreten zu veranlassen? Ein Regierungsvertrcter erklärt: Ich bin beauftragt, zu erklären, dah derartige Schritte seitens der Reichsregierung bisher nicht eingeleitet worden sind, da die Wiederaufnahme der Ver- Handlungen der vertagten Konferenz zurzeit aussichtslos erscheint. Abg. Frhr. v. Richthofcn fnatl.) stellt folgende Anfrage: Ist der Herr Reichskanzler in der Lage, darüber Auskunft zu geben, in toelcher Weife in Ermangelung der An Wesenheit eines deutschen Kriegsschiffes für den Schutz der Deutschen in Saloniki gesorgt worden ist? Geheimer Oberlegationsrat Lehmann: Ich bin beauftragt worden, folgendes zu erklären: Bei den Ereignissen in Saloniki sind bisher Leben und Eigentum von Deutschen nicht zu Schaden ge- kommen. Nach der Versicherung, die auf unsere Anfrage den kaiserlichen Gesandten in Sofia und Athen erteilt worden ist, haben die dortigen Regierungen Mahnahmen getroffen, durch die auch für die Zukunft die Gefahren beseitigt werden sollen. Der kaiserliche Konsul in Saloniki hat sich in ständiger F ü h l u n g mit den Befehlshabern der dortigen Truppen zu halten, soweit es für die Sicherheit der Deutschen erforderlich ist. Sollte sich die Lage wider Erwarten zuspitzen, so sind die auf das östliche MUtelmeer verteilten deutschen Kriegsschiffe imstande, in kurzer Zeit vor Saloniki zu erscheinen. Auch die Schiffe der v e r b ü n- beten Mächte stehen, wenn Gefahr im Verzuge ist, für den Schutz der deutschen Interessen zur Verfügung. sLebhafter Beifall.) Abg. Dr. Junck fnall.) fragt an: Ist der Herr Reichskanzler in der Lage, Auskunft zu erteilen, ob dafür gesorgt ist, daß die ge- setzlich vorgesehene Errichtung von Maschinengewehr- Kompagnien sofort und mit der größten Schnelligkeit durch- geführt werden kann? Kriegsminister v. Hceringen: Die nach dem Gesetz für 1912 vorgesehenen 114 Maschinengewehr-Koinpagnien sind am 1. Oktober 1912 errichtet worden. Wie die weitere Verstärkung der gesetzlich genehmigten Kompagnien fortgeführt werden soll, zeigt der vor- liegende Etatsentwurf für 1913. Im übrigen gebe ich, da darüber öffentlich naturgemäß nichts gesagt werden darf, die pflichtgemäße Versicherung, daß für den Kriegsfall das Erforderliche in die Wege geleitet worden ist. �Lebhafter Beifall.) Abg. Gohre fSoz.) fragt an: Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunst darüber zu geben, ob die Verbündeten Regierungen be- reitS Stellung zu den Resolutionen über WohnungS- r e f o r m genommen haben, die der Reichstag in seiner Sitzung vom 22. Mai dieses Lahres einstimmig beschlossen hat, und wenn ja, mit welchem Ergebnis? Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern Dr. Richter: Die Resolutionen des Reichstags über die Wohnungsreform sind vom Bundesrat dem Herrn Reichskanzler überwiesen worden. Der Herr Reichskanzler ist sofort mit den zuständigen Behörden in eine Er- örterung eingetreten, die nach manchen Richtungen Schwierigkeiten bietet. Es wird sich darum handeln, die Grenzen der Zuständigkeit zwischen dem Reich und den Einzelstaaten festzustellen. Darüber finden eingehende kommissarische Beratungen statt, die nach Mög- lichkeit gefördert werden. Ich vermag nicht mit Bestimmtheit zu sagen, ob es möglich sein wird, dem Hohen Hause noch in dieser Tagung den Gesetzentwurf vorzulegen. Damit sind, die kurzen Anfragen erledigt. Die Teuerung. Es folgt die Fortsetzung der Besprechung der Interpellation A l b r e ch t(Soz.) über die Teuerungsverhältnisse in Verbindung kleines feuiUeron Otto Brahm f. Ibsen und Hauptmann und der Naturalismus, wie er ihn verstand, waren die Götier, für die er als Kritiker und Theaterleiter gekämpft hat, der kleine schwächliche Mann, der jetzt einem Krebsleiden erlegen ist. Der Vorkämpfer und Organisator des naturalistischen Feldzuges hat de» vollen Sieg seiner Fahne erlebt und ausgewertet. Aber er hat auch noch den Niedergang seiner Sache mit ansehen müssen. Nächstes Jahr wollte er von seinem Posten, der längst kein Kampf- und auch kein Siegesposten mehr war, zurücktreten. Der Tod hat ihn überholt. Als Ende der achtziger Jahre der neue deutsche Sturm und Drang einsetzte gegen die matte, konventionelle und spießbürger« li che Literatur, schien es eine literarische Revolution werden zu sollen. Die Kunst sollte aus den Fesseln lebensfremden Epigonentums ge- rettet und wieder einmal zu einer Sache der Menschheit erhoben werden. Die Literatur wollte aus dem vollen, modernen Leben schöpfen, sie sollte dem Leben dienen in ihrer ganzen Intensität und Tiefe... Die große Welle, die damals über das Land brauste, hob auch Otto Brahm auf die Höhe, gab ihm ein Ziel und seine Bedeutung. Der Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmannes lgeb. 4. Februar 18ö6 in Hamburg), hatte der zukünftige Theaterdirektor zunächst die Welt deS Bankkontors durchmessen und dann als ge- treuer Schüler Scherers, des großen Talglichtes der bürgerlichen Literaturwffsenschaft, sich germanistischen Studien gewidmet.(Aus dieser Beschäftigung ging eine etwas trockene Kleist-Biographie, ein Ibsen- und ein Schiller-Buch hervor.) 1889 wurde das entscheidende Jahr für ihn. Die„Freie Bühne", die er mit begründete, wurde die Kampforganisation für den zunächst aus dem Auslande impor- tierten und dann bald auw in Deutscbland bodenwüchfig gewordenen Naturalismus. Ohne Rücksicht auf„Theaterzensur und Geld- erwerb" wurde das moderne Drama gepflegt. Ibsen, Tolstoi, Goncourt, Strindberg wurden auf den Schild erhoben und dann kam der„Sonnenaufgang" des deutschen Naturalismus mit Hauptmanns Drama. Als Kritiker der Tagespreffe, als Herausgeber der Zeitschrift„Freie Bühne" hat Brahm den ganzen Entwicklungsgang mitgemacht. 1894 war das erste Theater bereits erobert: Brahm wurde der Direktor des„Deutschen Theaters", das er 1994 mit dem Lessing-Tbeater vertauschte. Er wurde der unbestrittene Beherrscher des naturalistischen Theaters. Er gab die Sanktion: neben Hauptmann und Ibsen traten Halbe, Schnitzler und die kleineren Götter. Er gab dem Zeitdrama die Theater- form, er entwickelte die klassische Schule der naturalistischen Dar- stellung. Als der Naturalismus erschöpft schien und Hauptmann versagte, hat Brahnr immer noch die Fahne hoch gehalten, bis er schließlich Konzessionen machen mußte an das Kassenstück, das einschlug, und an die Modernen von heute(Euleuberg), die bei ihm versagten. Auch von den bedeutenden Schauspielern, die unter seiner Regie den wunderbar intimen und lebenswahren Stil zum Siege geführt hatten, starb ein Teil, andere gingen weg. Die Phase des natura- liftischen Drama? und seiner Interpretation hatte schnell ihren Kreis« I mit der ersten Beratung des Gesetzentwurfes betreffend vorüber- �gehende Zollerleichterung bei der Fleischeinfuhr. Abg. Sieg(natl.): Man hat viel vom Zwischenhandel ge- sprochen. Aber der Weg, der vom Viehstall zum Konsumenten führt, ist ein dornenvoller; der wirkliche Verdienst des Zwischen- Handels ist g e r i n g, die Produktionskosten der Grundbesitzer sind in letzter Zeit ganz erheblich gestiegen, vor allem auch die Löhne. Der Luxus auf dem Lande ist ein ganz enormer, die Töchter der Knechte wollen nur»och in Seide zur Hochzeit gehen und die Knechte fahren zur Kirche in sehr feinem Gehrock und in Lacksticfeln.(Heiterkeit.) Der Maul- und Klauenseuche wurde ftüher ohne das Gesetz viel besser entgegengetreten. Ich habe in dreiunddreißig Jahren nur d r e i m a l die Maul- undKIauenseuche gehabt.(Große Heiterkeit.) Die Gesetze werden manchmal am grünen Tisch und niauchmal auch an der allergrünsten Stelle doch nicht mit der nötigen Sachkenntnis gemacht. Ich erinnere nur an die Wirkungen der Ge- Höftssperre. Viehlose Wirtschaften gibt es in der Tat in immer vermehrtem Umfange; darauf sollte der Landwirtschaftsminister doch sein Augenmerk richten. Die erste Ankündigung, daß die Grenzen geöffnet werden sollten, rief einen Sturm von Sorge bei den Landwirten hervor. Die Nachricht, daß man sich an die Kommunen wenden wolle, nahm ich zunächst skeptisch auf, da ich nicht glaubte, daß ein Oberbürgermeister sich findet, der sich auf solch riskante Geschäfte einläßt. Wenn man aber Erleichterungen zuläßt, so sollte man nicht schematisch die Städte einteilen und einigen die Erleichterungen gewähren, anderen nicht, sondern dann sollte man sie gleichmäßig allen zuteil werden lassen.— Mit der Ueberweisung des Gesetzentwurfs an eine Kommisston sind wir einverstanden, doch halten meine politischen Freunde an der gegen- wärtigen Wirtschaftspolitik fest; durch sie ist unsere glänzende Lage erreicht worden, so daß auch in dieser ernsten kriegsdrohenden Zeit unsere Landwirtschaft in der Lage ist, uns mit eigenem Vieh zu versorgen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Graf v. Schwerin-Löwitz(k.): Die ungewöhnlich hohen Fleischpreise in den Großstädten werden auch von den Landwirten bedauert; die Landwirtschaft braucht gleichmäßige mittlere Preise. In der Wirtschaftspolitik muß man vor allem wissen, was man will, ob man eine nationale Fleischversorgung will oder Fleischversorgung durch internationalen Austausch. Will man das letztere, so stecke man wie England Hunderte von Millionen in den Bau von Gefrierhäusern und schaffe eine Flotte, die die Fleisch- zufuhr in jeder Weltlage sicherstellt. Will man aber die nationale Fleischversorgung, so unterlasse man die andauernde Be- unruhigung unserer Viehzucht treibenden Bevölkerung.(Leb- hafte Zustimmung rechts.) Wegen dieser Beunruhigung bedauern wir auch die neuen Maßnahmen der Regierung, nicht wegen ihres doch nur geringfügigen Einflusses.(Sehr richtig! rechts.) Nun sagt man, unsere Landwirtschaft ist nicht imstande, den nötigen Fleischbedarf zu liefern. Diesen Einwand hat man bereits vor 39 Jahren erhoben, und seitdem ist der Fleischkonsum in Deutsch- land trotz der ungeheuer gestiegenen Bevölkerung pro Kopf auf fast das Doppelte gestiegen.(Hört! hört! rechts.) Auch das ständige Verlangen nach Einführung des argentinischen Gefrierfleisches und Aufhebung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes beunruhigt unsere landwirtschaftliche Bevölkerung. Schwächt man die Kontrolle für ausländisches Fleisch noch mehr, so ist das ganze Fleischbeschau- gesetz nicht mehr haltbar. Für 49 Millionen Mark inländisches Fleisch wird durch die Fleischbeschau jährlich verworfen, und min- destens% davon ist noch brauchbar und jedenfalls besser als das argentinische Gefrierfleisch. Ehe man dieses zuläßt, erlasse man lieber der deutschen Landwirtschaft das Opfer von 49 Millionen Mark für das bei der Kontrolle verworfene Fleisch, wozu noch 29 Millionen direkter Kosten für die Fleischbeschau kommen. Sluch sollte man sich klar werden, daß die Zulassung des argentinischen Gefrierfleisches zu einer Vertrustung nicht nur des Fleisch- Handels, sondern auch des Viehhandels führen würde, wie in Eng- land und Amerika. Die Kommunen sollten auf das Angebot der landwirtschaftlichen Organisationen eingehen, Lieferun gs- verträgeauf fünf Jahre zu schließen; dadurch würde die Schweinezucht, die heute vielfach geradezu Hazardspiel ist, auf eine solide Basis gestellt werden. Aber die Stadt Berlin hat auf das letzte Angebot der pommerschen Genossenschaften bis heute noch gar nicht geantwortet.(Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Sollte das Schreiben etwa auf der Post verloren gegangen sein? (Heiterkeit rechts.) Der Redner sucht in längeren Llusführungen darzulegen, daß das Angebot für Berlin sehr vorteilhaft lauf beendet: die Mission BrahmS war erfüllt. Hatte Brahm ein Spezialtheater geführt, so griff sein Konkurrent und(teilweiser) Erbe Reinhardt zum vielseitigsten warenbausmäßigen Betriebe. Hatte jener ein Programm gehabt, so erhob dieser die Programmlosigkeit zum Prinzip. Zugleich kam eine neue Jnszenierungs- und Aus- stattungskunst hoch, die in farbigen Effekten schwelgte und statt der Dürftigkeit Brahms ein Slugeuwunder über das andere bot. So war der konsequente Naturalist als Bühnenleiter überholt, sein Tod hat dort den Punkt gesetzt, wo seine erfolgreiche Lebensarbeit be- endet war. Theater. Kleines Theater: Professor Bernhardi, Komödie von Artur Schnitzler.(Die Buchausgabe erschien bei S. Fischer, Berlin.) Ein recht wenig Schnitzlersches Stück. Auf dem Theater- zcttel zählt man über ein Dutzend Medizinprosefforen, während das schönere Geschlecht, um das der Dichter seine männlichen Geschöpfe sonst kreisen ließ, nur durch ein einziges Exemplar, die Episoden- figur einer simplen Krankenschwester, vertreten ist. Nicht mal ge- sprochen wird von den Frauen. Indem Schnitzler dem weiten und doch so engen Land der flirtenden und sentimentalen Liebeleien den Rücken wandte, ließ er leider auch das Feinste und Intimste seiner künstlerischen Eigenart dort zurück. In Wien, wo eine mit dem Klerikalismus liierte Zensur die Komödie verbot, hätte die Ausführung bei der satirischen Zuspitzung der Komödie auf öfter- reichische Verhältnisse gewiß ein starkes aktuelles Interesse gehabt. Wo diese Art von Interesse fehlt, �ist die Bühnenwirkung nur gering. Die Breite der Aussührung ermüdet.� Der Beifall, den die aus- gezeichnete Darstellung fand, galt weniger dem Werk als der Tendenz und der Person des Dichters, den das Publikum durch vielfache Hervorrufe ehrte. Professor Bernhardt, der Held des Stückes, ist ein aufrecht wackerer Mann, der. den offenen und verkappten Antisemiten von vornherein als Jude verhaßt, Gegenstand eines reaktionären, mit christlichen Redensarten heuchlerisch verbrämten Kesseltreibens wird. Sein Verbrechen besteht darin, daß er, um einer Sterbenden, die zuversichtlich an Genesung glaubt, ihre tröstende Hoffnung zu erhalten, dem zur Erteilung der Sterbesakramente herbeigerufenen Priester den Einlaß in das Krankenzimmer ver- weigert hat. Er fühlte sich als Arzt dazu berechtigt und verpflichtet. Der Gedanke an irgend eine Art Demonstration lag ihm völlig fern. Brühwarm wird die Geschickte dem hohen Kuratorium des Kranken- hauseS übermittelt, und die Antisemiten bereiten auf der Stelle eine Interpellation im Parlamente vor. Ein Amtsgenosse des Professors nutzt die Gelegenheit zu dem Versuche, ihm unsaubere Kon- Zessionen abzupressen. Da er gründlich abgewiesen wird, macht er mit der Majorität der Kollegen den Entrüstungsrummel in desto lauterem Brustton der Ueberzeugung mit. Der die stürmische Sitzung des Prosessorenkollegiums, das Aufeinanderprallen der Streberclique und BernhardiS treuer Gefolgschaft schildernde dritte Akt ist der verhältnismäßig wirksamste. Besonders drastisch tritt in der Partei der Mantelträger der Typus eines getauften, mit seinem neugebackenen Nationalismus protzenden Juden, in der Opposition die Figur eines biederen kraftmeiernden Alldeutschen hervor. Nach der gerichtlichen Verurteilung BernhardiS zu zwei Monaten bemüht gewesen ist. Seine Ablehnung ist nur verständlich aus dem poli- tischen Grunde,' die Einfuhr des argentinischen Gefrierfleisches und die Aufhebung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes durchzusetzen. Bei Annahme des Angebotes hätte der Berliner Magistrat das Fleisch um 17— 18 M. pro Zentner billiger verkaufen können, und noch 6— 7 M. billiger als das inzwischen eingetroffene russische Fleisch.(Hört! hört! rechts.) Die Berliner können also einsehen, wem sie es in Wahrheit zu verdanken haben, wenn das Fleisch nicht billiger wird.(Sehr wahr! rechts, Lachen links.) Die ge- meinsame Arbeit der großstädtischen Verwaltungen mit den land- wirtschaftlichen Organisationen würde den sozialen Frieden för- dern. Aber dem vom Abg. Wendorff verkündeten Wahlspruch: „Stadt und Land Hand in Hand" entspricht das Verhalten des Berliner Magistrats nicht.— Zu dem sozialdemokratischen Slntrag habe ich zu erklären: Unsere verfassungsrechtlichen Be« denken gegen den 8 133a der Geschäftsordnung bestehen fort; aber auch abgesehen davon erscheint er uns nicht zulässig.(Zuruf: Er ist zurückgezogen!) Im übrigen sind wir zwar nicht mit allen Maßnahmen der Regierung einverstanden, stimmen aber der von ihr vertretenen Auffassung zu und lehnen daher den sozialdcino- lratischen Slntrag ab.— Dem Antrag auf Ueberweisung des Ge- setzentwurfs an eine Kommission stimmen wir zu.(Beifall rechts.) Präsident Kaempf: Der Antrag Sllbrccht u. Gen. ist zurück» gezogen und statt dessen folgender Slntrag Albrecht eingegangen: „Ter Reichstag wolle beschließen: Die Behandlung der den Gegenstand der Interpellation bildenden Angelegenheit durch den Reichskanzler entspricht nicht der Anschauung des Reichstags." Ferner ist von den Abgg. Alb recht u. Gen. der Antrag ein- gegangen, die Frage, ob bei Anträgen im Anschluß von Jnter- pellationen Spezialisierungen zulässig sind oder nicht, der ver- stärkten Gefchä'ftsordnungskom Mission zu über- weisen. Staatssekretär Dr. Delbrück: Das Resümee der diesjährigen wie der früheren Teuerungsdebatten ist, daß die Verhandlungen' uns der Lösung des Problems nicht wesentlich näher ge- bracht haben. Der Grund dafür liegt darin, daß die Erörtc- rungen über das Problem auf einer falschen Basis aufgebaut werden. Die Verhandlungen laufen nänilich immer hinaus auf einen Kampf um unsere Wirtschaftspolitik. Man sagt, unsere ganze Zollpolitik geht darauf aus, die Preise zu erhöhen. Gewiß, das ist richtig.(Hört! hört! links.) Aber drs ist doch nur selbstverständlich, es soll eben der einheimischen Pro- duktion ein Vorzug gegeben werden gegenüber der auswärtigen. Die Ergebniffe dieser Wirtschaftspolitik sind auch sehr günstige ge- Wesen, sie haben uns unter anderem in die Lage versetzt, eine großzügige Sozialpolitik zu treiben. Uno diese Zollpolitik, diese mäßigen Zölle(Zuruf links: mäßig?)— ja, andere Länder haben weit höhere Zölle— sollen nun die Teuerung verschuldet haben. In der Tat liegen die Ursachen der Teuerung in ganz anderen Dingen. Das Preisniveau ist überhaupt geringen periodischen Schwankungen unterworfen. Schippe! hat in seiner vortrefflichen Arbeit in den„Sozialistischen Monats- heften"(Lachen bei den Sozialdemokraten) nachgewiesen, daß die Getreidepreise heute noch nicht die Höhe erreicht haben, die sie zeitweise noch vor der Schutzzollpolitik angenommen hatten.(Hört! hört! rechts.) Das beweist, ßaß auch ganz andere Momente als die jetzige Wirtschaftspolitik die hohen Preise beeinflussen können. Auch Großbritannien, das klassische Land des Freihandels, hat wiederholt Preissteigerungen zu verzeichnen gehabt. Dasselbe trifft für Belgien zu, das Cerealien zollfrei einläßt und Nah- rungsmittel nur sehr gering besteuert. Ebenso finden Sie in Schweden eine enorme Teuerung der Lebensmittel, wie anch die Schweiz und Italien davon nicht verschont geblieben sind�, Sllle diese Länder hat die Teuerungswelle nicht verschont. Daraus folgt, daß doch internationale Ursachen für die Teuerung vor- handen sein müssen. Die Verquickung dieser Frage mit der Wirt, schaftspolitik macht diese Debatten so unfruchtbar, denn es ist ja gar nicht daran zu denken, das; dieser Reichstag auch nur ein Stück der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik, die uns groß gemacht hat, aufgibt. Auch die rechte Seite des Hauses würde viel ruhiger daran gehen, an der Bekämpfung der Teuerung mitzuarbeiten(Gelächter links), wenn sie wüßten, es handelt sich nicht um einen Abbruch unserer bewährten Wirtschaftsordnung, sondern um eine Korrektur augenblicklicher Schwankungen.— Was den Umfang der Fleischteuerung anlangt. sich Schnitzler das sinkende Interesse durch die Kontrastierung des Priesters, der das Prinzip katholischen Kirchentums in Reinheit repräsentieren soll, mit seinem Helden als Vertreter weltlich wissen» schaftlicher Denkart wieder zu beleben. Der Geistliche sucht den Verurteilten auf, um ihm privatim zu versichern, daß er an die böse Absicht, die die Anklage unterstellte, selbst nicht glaube. Die Rücksicht auf das Heil der Kirche bat ihn in der Oeffentlichkeit schweigen lassen. Ein nachdenklicher Parallelismns. Slber darüber hinaus bringt es das Gespräch zu keiner dramatischen Steigerung; der Dialog verflüchtigt sich ins Unbestimmte, Nebulose. Wie dieser Szene fehlt auch dem ganzen Stück die Pointe. Bernhardi, dem sich nach seiner Haft die beste Aussicht bietet, mit der reaktionären Sippe gründlich abzurechnen, hat die Geschichte bereits satt bekommen. Er will einzig an seine Arbeit denken und scheint beinahe dem skeptisch anarchistelnden Hofrat— emem in seiner liebenswürdig ironischen Gesinnungslumperei gewiß recht gut getroffenen Wiener Typ— beizustimmen: daß es sich kaum lohne, mit dem Rechttun anzufangen. Denn dies in allen seinen Kon« sequenzen durchzuführen, sei ja, wie die Dinge liegen, doch un- möglich. Eine ganz äußerlich dem Stücke aufgeklebte, zu seiner Wesensart im Widerspruch stehende Schlußwendung I Von dem Ensemble, das seine Sache vortrefflich machte, wären in erster Reihe Herr D e c a r l i(Bernhardi), Klein-Rohden, Herzfeld und Salfner(Prosefforen) zu erwähnen. clt. Notizen. — T h e a t e r ch r o n i k. Im L e s s i n g t h e a t e r fiel wegen des Ablebens seines Direktors die Vorstellung am Freitag aus. Die Premiere von Rittners„S omni er", die auf Sonnabend au- gesetzt war, wird auf nächste Woche verschoben, dafür wird„Tantris der Narr" gegeben.— Auch im Theater an der König- grätzerstraße fiel Freitag die Neueinstudierung von„ H e d d a Gabler" aus; sie wurde auf Dienstag verlegt. — Die Krisis in der Sezession. Eine außerordcnt- liche Generalversammlung der Sezession beschloß, die Zahl der Borstandsmitglieder auf 15 zu erhöhen. Es wurde dann eine Vor- wähl zu der Vorstandswahl vorgenommen, wobei die Liste des Vorstandes siegte(jedoch zum Teil gegen sehr erhebliche Minori- täten). Die entscheidende Generalversammlung findet in acht Tagen statt. — Städtische Freiluftkonzerte. New gork schickt sich an, den Kommunalverwaltungen der alten Welt ein Beispiel dafür zu geben, daß die Stadtbehörden auch dafür sorgen sollen, den Bürgern kostenlos die Erhebungen der Mustl zugänglich zu macheu. Unter städtischer Kontrolle sollen im Jahre 1913 im Freien regelmäßig große Konzerte stattfinden, und man hat zu diesem Zwecke für 1913 zunächst 299 999 M. bewilligt. — Ein 93 jähriger Puppenspieler. Papa Schmidt, der ganze Kindergenerationen in seinem Münchener(jetzt städtischen) Puppentheater erfreut hat. tritt jetzt— 93 Jahre alt— von seinem Posten zurück. Sein vorbildliches, wahrhaft künstlerisches Werk wird von seiner Tochter sortgesetzt. so ist festzustellen, das; wir heute allerdings weniger Fleisch haben als in der letzten Zeit, aber doch mehr als etwa vor zehn Jahren und als man damals für ausreichend ansah. lZuruf des Abg. C ü d c k u m.) Gewiß, das hängt zusammen mit der Zunahme der industriellen Bevölkerung in den großen Städten und damit, daß die Anforderungen an die Fleischnahrung größer geworden sind. ES ist aber falsch, mit der Doktorfragc zu operieren, wieviel der einzelne Mensch an Fleisch braucht. Worauf es ankommt festzu- stellen ist lediglich, daß bestimmte Bcvölkcrungskreise nach Lage der Verhältnisse nicht in der Lage sind, daS üb» liche Quantum Fleisch, was sie gewöhnt sind, zu verzehren, zu annehmbaren Preisen zu bekommen. Daß nach dieser Richtung zurzeit die Grenze überschritter» ist, ist nicht zu bestreiten, aber nicht für die ganze Bevölkerung, sondern für die Kreise, die infolge ihrer ganzen Lohnverhält- nisse an sich nur in der Lage sind, sich einen be- s ch c i d e n c n, aber liiizurcichciidcii Flcischgcnnß z u g c w ä h r e n. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir bestreiten ja gar nicht, daß das Fleisch zu knapp ist, wenn man sich aber darüber klar ist, daß die etwas besser gestellten Kreise der Bc- völkerung nicht Not leiden, daß die Fleischnot aber be- steht für die großstädtische Jndustriebcvölke»' r u n g, so ergibt sich daraus, daß man versuck�en muß, an dieser Stelle anzufangen. Das ist die Absicht der von der Regierung getroffenen Maßnahmen. Ich möchte dringend wünschen, daß wir endlich aus den theoretischen Erörterungen herauskommen vnd zu praktischen Taten übergehen, die wirklich zum Ziele führe». Es handelt sich um das Problem, ein Mittel zu finden, den Preis des Fleisches zu stabilisieren. Es muß versucht werden, die Schlächter zu Genossenschaften zusammenzuschließen, an denen die Kommunen, auch finanziell, beteiligt sein können. Hoffentlich gelingt es der ein- gesetzten Enquetekommission, recht bald zu einem praktischen Er- gcbnis zu kommen.(Bravo!) Abg. Qwthein lVp.): Der Herr Staatssekretär hat uns nachgc- wiesen, daß die Teuerung fast in allen Ländern vorhanden ist. Es tut mir bloß leid, daß er das nicht früher gewußt hat. Als ich das lllOL vorhersagte, wurde ich ausgelacht, das seien Phantasien. Wenn man das wußte, brauchte man doch keine Zölle. Jetzt sagt Herr Delbrück, man wollte mit den Zöllen höhere Preise. Vor Tische las maws anders. Als die Zolltafel auf- getischt wurde, hieß es. man wolle durchaus keine Erhöhung der Preise, sondern nur eine Stabilisierung der Preise. (Sehr richtig! links.) Dr. Delbrück sagt, unser Fleischkonsum ist nock) immer größer als vor kl) Jahren. Aber Tatsache ist, daß der Fleischbcdarf heute nicht gedeckt wird. Beweis: die Zunahme der Pfcrdeschlachtungen. Der Landwirtschaftsministcr hat freilich dem Pferdefleisch ein großes Loblied gesungen. Hoffentlich setzt er uns nicht beim nächsten parlamentarischen Diner auch heimlich Pferdefleisch bor.(Heiterkeit.) ES ist nur gut, daß das A e p p e l- k o m p o t t nicht auch von Pferden stammen kann.(Heiterkeit.) Die Vorwürfe des Grafen Schwerin-Löwitz gegen den Magistrat von Berlin und den Oberbürgermeister Mermuth sind ganz un- berechtigt. Wenn man von den Städten verlangt, sie sollen den Fleischvcrkäufern Konkurrenz machen, so könnte man auch, wenn die Korsettpreise hoch sind, verlangen, die Stadt solle einen be- sonderen Korsettbeamten anstellen.(Heiterkeit bei den Freisinnigen.) Gerade die Schweinezucht überlassen die großen Grundbesitzer ivegen des großen Risikos den kleinen Bauern. Alle die schönen Ratschläge an die großen Städte sind ihnen ja nur gegeben, damit sie schlechte Erfahrungen machen. Der Landwirt- schaftsminister erklärte mit Emphase, die deutsche Landwirtschaft ist sich ihrer Pflicht bewußt, das deutsche Volk mit Fleisch zu versorgen. Nun, ich kenne viele Landwirte, die es für ihre selbstverständliche Pflicht lfaltcn, möglichst rentabel zu wirtschaften und die gar nicht daran denken. Vieh zu züchten, weil die Getreide» preise noch günstiger für sie sind, als die Fleisch- preise. Wir kommen doch um die Tatsache nicht herum, daß wir seit lSM. seit die hohen Getreidezölle in Kraft getreten sind, einen ständigen Rückgang der Schlachtungen und der Viehhaltung tiaben. Der Landwirtschaftsminister erklärte die Behauptung, die kleinen Landwirte haben an den Getreidezollen kein Interesse, für objektiv unwahr. Nun, der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat hier im Reichstag zugegeben, daß die Besitzer von weniger als(3 Hektar an den Zöllen nicht interessiert sind. In Dänemark, Hol- land, Belgien, wo Gctreidezölle nicht bestehen, hat die Land- Wirtschaft sich geradezu glänzend entwickelt; die Getreide- fläche ist freilich zurückgegangen, aber Futtermittel sind in stärkerem Maße angebaut worden. Auch bei uns würden die kleinen Land- Wirte gerne die Viehhaltung verstärken, wenn sie es nur auffüttern könnten. Der Landwirtschaftsminister meinte, eine Zollsuspension würde nichts nützen. Dies könnte doch höchstens für eine ganz vor- übergebende Herabsetzung der Zölle zutreffen, nicht für eine dauernde. Die Einfuhr von Futtermitteln ist für unsere Landwirtschaft ein Lebensbedürfnis. Vor allem müßte man im Jnter- esse unserer Landwirtschaft, um sie mit der ausländischen kon- kurrenzsähig zu machen, mit dem gegenwärtigen System der Ein- fuhrscheine brechen, die jetzt lediglich eine AuSfuhrprümie darstellen. Aber auf unsere praftischen Vorschläge will die Re- gierung und die Mehrheit nicht eingehen, und dann klagt der Stnaresckrctär Delbrück über die Unfruchtbarkeit unserer Ver- Handfungen. Wäre unser Antrag auf Aufhebung der Futtermittel!- Zölle vor einem Jahre angenommen werden, so wären so viel Futtermittel hereingekommen, daß nicht entfernt solche Fleischnot hätte entstehen können. Aber �damals meinten die Propheten am BundesratStisch, es bestehe gar keine Flcischnot. Wir verlangen eine wirksame Förderung des 5AeingrundbesitzeS. Erfolgt diese nicht, so wird die Flcischnot immer schlimmer werden. Die Regierung und die Mehrheitsparteien tragen die Schuld an den jetzigen Zuständen, mögen sie auch die Verantwor- tung dafür übernehmen.(Bravo! links.) Abg. Scyda(Pole): Wir sind stets für die Interessen der Armen und Enterbten eingetreten. Der Regierung müssen wir zum Vorwurf machen, daß sie viel zu spät der Fleischnot gesteuert hat. Aber das nimmt uns nicht wunder von dieser Regierung, die Hunderte polnischer Arbeiterfamilien im Wege der Enteignung von Haus und Hof jagt.(Sehr wahr! bei den Polen.) Der Reichskanzler hat offenbar gar kein Gefühl dafür. welch barbarisches Unrecht er durch die Unterzeichnung des Eni- eignungsgesctzes begangen hat-(Bravo! bei den Polen.) Abg. Dr. Ricklin(Elf.) erklärt, daß seine Freunde im großen und ganzen mit der Behandlung der Interpellation durch den Reichskanzler einverstanden sind. Abg. Gebhardt(Wirtsch. Vg.): Auch meine Parteifreunde sind von der Erklärung des Reichskanzlers, daß er an unserer bewährten Wirtschaftspolitik festhalten werde, befriedigt. Billiges Brot nützt auch'dem Arbeiter gar nichts, wenn er keine Beschäftigung hat und es nicht kaufen kann.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Dr. Slldrkum(Soz.): Ich muß auf das schärfste die in der Debatte aufgestellte Be- ljauptung zurückweisen, mein Kollege Schei-demann hätte den Bauernstand beschimpft. Die Sozialdemokratie hat stets die be- rcchtigten Interessen der Bauernschaft nachdrücklich vertreten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten; Lachen rechts.) Es ist nur tief bedauerlich, daß� die Interessen der Bauernschaft dauernd kompromittiert werden durch die Verwechselung mit den Interessen der Großgrundbesitzer, von denen sie ganz ver- schieden sind.(Sehr wahr, bei den Sozialdemokraten.)— Herr Delbrück hat offen zugestanden, was wir zuerst gesagt haben, der Zweck der Zölle sei die P r e, s e rh ö h u n g. Früher sagte man immer, insbesondere auch aus Seite des Zentrums, das Ausland traac den Zoll. Wieviel Schweiß wird eS den Agitatoren des Zentrums lösten, diese Aeutzerung des Herrn Staatssekretärs aus der Welt_ saaen wir mal zu lancieren.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Absicht der Zollpolitik ist die Prcissteiaeruna. Die Teuerung kann daher nur im Zusammen- lhqng mit der Wirtschaftspolitik erörtert werdetb Der Staatssekre- tär� Delbrück wiederholte die alte, unbeweisbare Behauptung, die Blüte Deutschlands hänge von der Hochschutzzollpolitik ab. Für die Unternehmer ist die Entwickclung in der Tat sehr blühend. Aber diese Blüte ist aufgebaut auf einer Unsumme von Not, Entbehrung und Verwahrlosung bei den eigentlichen Produzenten.(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokraten. Widerspruch rechts.) Graf Schwerin-Löwitz sagte, in der Wirtschaftspolitik muß man wissen, was man will. Man muß aber auch wissen, was man kann, und diese Erkenntnis fehlt den Herren, die meinen, die deutsche Land- Wirtschaft sei in der Lage, das NahrungsbedürfniS des deutschen Volkes zu befriedigen.(Scbr richtig! links.) Daß wir eine Aus- fuhr von Getreide haben, beweist nicht, daß das Volk genug zu cfsen hat, sondern daß es unter dem heutigen, gar nicht zu qualifi- zierenden Einfuhrscheinsy st em für einzelne Agrarier profitabler ist, das Getreide nach dem Ausland zu verkaufen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) v. d. Goltz hat schon vor zehn Jahren gesagt, daß Deutschland zu viel Boden mit Getreide bebaue.(Zuruf rechts: Er war Schutzzöllner!) Dadurch bekommen diese seine Darlegungen höchstens noch mehr Gewicht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Uebrigens ist die Sozialdemokratie in keiner Weise etwa auf den Freihandel«ingeschworen.(Hört! hört! rechts.) Im Wesen der sozialistischen Wirtschaftsordnung liegt vielmehr, organisch in die Produktion und die Verteilung der Güter einzugreifen. In welcher Weise da» im einzelnen zu ge- schehen hat, wird immer eine Frage des Tatbestandes sein. Für die Fleischversorgung trifft dasselbe zu, wie für die Getreidever- sorgung: Unsere Landwirtschaft ist durch das Hochschutzzollsystcm abgehalten worden, sich den Verhältnissen anzupassen, und zwar ist i», Interesse der Großgrundbesitzer im Osten der extensive Körnerbau gepflegt worden. Die Grundrente ustd die Bodenprcisc sollten gesteigert werden, und das ist auch ge- lungen. Daß die Teuerung international ist, geben auch wir zu; aber wir. schließen daraus, daß, was dem Freihandel und Schutz- zoll nicht gelungen ist, nämlich das Volk so zu ernähren, wie zu einem zivilisierten Leben notwendig ist, daß es durch ein anderes Mittel erreicht werden kann und erreicht werden muß, nämlich durch organisches Eingreifen in die Produktion und Verteilung. Wenn Dr. Delbrück das will, so verfolgt er also sozio- l i st i s ch e Gedankengänge. Er meinte, Reden nütze nichts, es müsse gehandelt werden. Gewiß, aber wenn wir hier nicht so energisch geredet hätten, wäre sicher von der Regierung und der Mehrheit in dieser Frage noch nichts geschehen.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Praktisch wirksam wäre vor allem ein systematisches Zusammenarbeiten der Produzenten mit den Kon- sumorganisationcn, die in allen industriellen Orten, nainentlich den Großstädten, machtvoll emporblühen.— Jetzt wendet sich die Reichsregierung an die Städte. Aber die einzelnen Ministerien verhalten sich ganz anders, als diese programmatischen Erklärungen es erfordern würben; sie haben im vorigen Jahre auf Wünsche der Städte vielfach nicht einmal geantwortet. Tief bedauerlich bleibt, daß der Vorstand des deutschen Städtetages sich dagegen auSgc- sprachen hat, dauernd für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu sorgen. Wir sehen das vielmehr als eine Hauptaufgabe der Städte an. Die von der Regierung er» griffencn Maßnahmen refi chtc n nicht an die Wurzel des UebelS und mit Recht hat der Berliner Ober- bürgermcister Mermuth und der deutsche Städtetag ihre Mangel- haftigkeit und Unzulänglichkeit getadelt. Dauernde Maß- nahmen sind unbedingt notwendig.(Sehr richtig! links.) Und wie sieht es mit der Ausführung der Maßnahmen aus? ES genügt, sagte der Staatssekretär, den Großstädten eine Erleichte- rung des FleischbezugeS zu gewähren. Das ist eine Täuschung. In den K l e i n st a d t e n und den industrialisierten Land- gemeinden sind die Verhältnisse genau so verzweifelt, wie »n den Großstädten.(Lebhafte Zustimmung links.) Und e» ist geradezu empörend, daß man z. B. einer Stadt wie Hanau den Bezug von Fleisch über Frankfurt nicht gestatten wollte. Freilich, das preußische LandwirtschaftSministerium ist daS unsozialste aller Ministerien. Einem Ministerium, das einer privaten Gesellschaft das Recht, das Grundwasser der Grnnewaldseen aufzusaugen, bis zum Jahre 2000 überliefert(Hört! hört!), diesem städtefcindlichsten Ministerium überträgt man daS Recht, die Maßnahmen der Städte zu überwachen. Das heißt, der Geduld des Volkes viel zumuten. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die erste Sorge der Rc- gicrung ist offenbar nicht die Stillung des Hungers des Volkes, sondern die Aufrechterhaltung der„bewährten" Wirtschafts- ordnung. Herr v. Sch o r l e m e r sagte, er stehe und falle mit dem§ l2 des Fleischbeschaugesetzes. Mini st er anderer Staaten denken anders; der württembergische Minister v. Pischek sagte, er sei überzeugt, der§ 12 des Flcischbeschaugesetzeß müsse fallen; doch könne er diese Ueberzeugung im Bundesrat nicht zum Durch- bruch bringen. Natürlich, denn die unter agrarischem Kommando stehende preußische Regierung leistet dem Wider- stand. Die fadenscheinigsten Gründe führt man zur Aufrecht- erhaltung des§ 12 bei. DaS Volk solle nicht so viel Fleisch esse», sagt man. Herr v. Schorlemer preist das Pferdefleisch an. Mit Recht rief man ihm zu. warum nicht auch H u n d e f l e i s ch. Das nennen Sie die Blüte der deutschen Volkswirtschaft, wenn Teile des Volke? genötigt sind, ihren Fleischbedarf durch Hunde zu decken.(Lebhafte Unruhe rechts.) Die Tatsache können Sie doch nicht bestreiten.(Sehr richtig I links.) Man sagt, es sei nur eine Selbsttäuschung der Arbeiter, wenn sie glaubten, sie brauchten so viel Fleisch. Auch das ReichsgesundheitSamt behauptet, gestützt auf eine ihm als falsch nachgewiesene Statistik, von einer Unter- ernährung sei keine Rede. Es wäre die Pflicht des Amtes gewesen, sich gestern gegen die in den Conradschen Jahrbüchern erhobenen Vorwürfe auf seine Statistik zu wehren. Wenn einer in einem Zimmer einen Fasan ißt und der andere trägt ihn auf, so hat nach der Durchschnittsberechnung des ReichSgesundheitsamts jeder einen halben Fasan gegessen.(Heiterkeit.) Tatsache ist, daß die Preisteuerung gerade die großen Massen der Industrie- arbeitcrschaft am schärfsten trifft. Gerade deshalb ist es so fürchterlich, daß das ReichsgesundheitSamt die erheblichen Schäden, die aus dieser dauernden Unterernährung erwachsen, in dieser Weise aus der Welt herauszumaiiöverieren gesucht hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Schulärzte haben z. Ä. in Nürnberg festgestellt, daß Schulkinder Fleisch nicht vertragen, weil sie es überhaupt noch nicht genossen hatten. lHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wer wagt zu behaupten, daß in der Mehrzahl dieser Fälle ein schuldhaftes Verhalten der Eltern vorliege. Nein, in gg von IRI Fällen können diese Arbeiter- mütter ihren Kindern kein Fleisch geben, weil sie eS einfach nicht bezahlen können. Der Staatssekretär Delbrück wollte einen Beweis für die Trefflichkeit unserer Wirtschaftspolitik darin sehen, daß Deutschland eine Arbeiterversicherung früher eingefübrt hat als alle anderen Staaten. Aber keine Versicherung kann die Schäden beseitigen, die durch die Wohnungsvcrbältnisse den Arbeitern zu- gefügt werden.(Sehr richtigl) Die Umsetzung unserer Bevölkerung aus einer ackerbauenden in eine gewerbliche bedingt auch eine Umsetzung der Ernährungsweise, und da das nötige Fleisch im Jnlande nicht hergestellt werden kann, muß es aus dem Auslande bezogen werden. Es ist ein Unding, daß jeder Arbeiter sein Scherf- lein beitragen muß. nicht um die Landwirtschast aufrecht zu halten. sondern um die Großgrundbesitzer aufrecht zu erhalten. (Lebhafter Widerspruch rechts, lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Unser Fleischbezug muß auf eine andere Basis gestellt werden. Wie stellen Sie sich die Stimmung in den großen Massen eigentlich vor? Die Gegenwart bedeutet für die Arbeiter ein hartes Leben unausgesetzten Kampfes, ohne die Möglichkeit des Aufstieges, mit dem Bewußtsein, daß viel mächtigere Kreise über sie herrschen und ihre Arbeitskraft ausnutzen. Und womit ver- knüpft sich die Zukunftshoffnung dieser Massen? Doch nicht mit dem Vaterland erhöhter Kornzölle, das Sie wünschen, sondern selbstverständlich mit dem Ausblick darauf, daß es ihnen aus eigener Kraft gelingen werde, einmal eine ander» Ljesellsgaft. eine bessere Wirtschastsorbnung zu schassen, trot? Ihnen und gegen Sie.(Leb» Haftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Direktor des Reichsgesundheitsamts Bumm: Ich muß das Neichsgesundheitsamt dagegen verwahren, daß es falsche Zahlen angegeben hat. Die Differenz zwischen dem Reichsgesundheitsamt und den Angaben in den„Preußischen Jahrbüchern" berulsen oar- auf, daß die Herren nach zu»iieorigen Durchschnittsgewichtcn für Ochsen, Kühe usw. gerechnet haben. In keiner Weise ist das Reichs- gcsundheitsamt leichtfertig vorgegangen. Bezüglich der Schweine haben sich die Zahlen des Reichsgesundheitscnnts bereits als richtig erwiesen.(Hört! hört!) Man kann eben kein Normalgewicht an- geben. Uebrigens ist es mir nicht in den Sinn gekommen, zu be» haupten, der gegenwärtige Fleischvorrat reiche aus. Es kommt auch gar nicht darauf an. wie viel Fleisch vorhanden ist, sondern wie teuer es ist.— Daß die Schulkinder krank aussehen, ist richtig; das trifft aber für die Kinder oer Reichen ebenso zu wie für die Kinder der Armen. Das liegt an allgemeinen Verhältnissen; sehr oft liegt es nicht an cincr Unterernährung, sondern an einer fal- sehen Ernährung. Die Lebensführung in allen Klassen des dcut- schen Volkes ist nicht schlechter, sondern besser geworden. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Abg. Dr. Siidetüm(Soz.): Ich habe dem Reichsgesundheits- amt nicht Fälschung von Zahlen vorgeworfen, sonoern nur gesagt, daß seine Zahlengowinnung»lit Erfolg angegriffen sei. Abg. Graf Posadowsk»(wild): Herr Scheidcmann hat wiederholt Acnßerungen zitiert, die ich bei Vertretung des Fleischbeschau- gesetzes seinerzeit gemacht habe. Ich erkläre, daß ich von diesen Aeußerungcn mcht ein Jota zurücknehme. Pizepräsident Tovc: Herr Abgeordneter, ich glaube, daß diese Acußcrungen bereits vorgestern gefallen sind.(Heiterkeit.) lieber den Antrag A l b r e ch t(Soz.) soll morgen namentlich abgestimmt werden. Die Frage, ob bei Antrögen zu Jnterpclla- tionen Spezialisierungen zulässig sind, geht an die Geschäfts- ordnungSkommission. Das Gesetz über die vorübergehenden Zollcrleich- terungen geht an eine Kommission von 28 Mitgliederni. Es folgt oie Interpellation A l b r c ch t u. Gen.(Soz.) betr. die Ausrüstung der preußischen Eisenbahnen mit Betriebsmitteln. Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt sich zur Beantwortung der Interpellation in der zweiten Hälfte der nächsten Woche bereit. Nach Erledigung einiger Rcchnungssachcn vertagt sich das Haus auf Sonnabend, 1l Uhr.(Namentliche Abstimmung über den Antrag Albrecht. Gesetzentwurf über Hilfeleistung in Seenot, Gesetzentwurf über Kindersaiigflaschen, Postscheckgesetz.) Schluß 7% Uhr. Hub der Partei. Gin bulgarischer Protest gegen den Krieg. Die bulgarische Sozialdcinolratischc Arbeiterpartei(die söge- nannten„Engherzigen") hatte an den internationalen Kongreß in Basel eine Adresse gerichtet, in der es u. a. heißt: „Wir protestieren nachdrücklichst gegen den furchtbar blutigen und für die Balkanvölkcr vernichtenden Kjcicjj— gegen diesen Krieg, den die herrschenden Klassen und Dynastien um territoriale Eroberungen und um Erziclung kapitalistischer und monarchischer Vorteile führen. Dieser Krieg, der Hunderte Millionen außer- ordentlicher Kredite und noch mehr Millionen aus den Volksmassen requisitionswcise herausgepreßt, kostete schon jetzt das Leben u»d die Gesundheit von vielen Zehntausenden Arbeitern und Söhnen des Volkes. Die barbarische Ausrottung und die Vernichtung der Arbeiter und Volksinassen— das ist die erste und wichtigste Folge des heute wütenden schrecklichen Krieges. Wir protestieren energisch gegen die finstere Reaktion, die un» aufhörlich mit der Kriegszustandserklärung wütet und die Preß- freiheit sowie das Vereins- und Versammlungsrecht vollständig ver- nichtct. Der Zweck dieses vollkommen despotischen Regimes, unter dem alle VcrfassungSfrciheilcn mit der Bolizeifauft zerstört werden, ist die Erstickung aller Aeußerungen beer Unzufriedenheit deS arbei- tcirden Volkes darüber, daß eS in die Schlächterei geführt und ihm seine Habe geraubt wird. Angesichts dessen fordert das klassenbewußte bulgarische Prole- tariat die sofortige Beendigung des Krieges, die Aufhebung des Kriegszustandes und die Wiederherstellung der zertretenen politi- schen Freiheiten. Indem wir den Krieg energisch verurteilen und dessen sofortige Beendigung verlangen, erklären»vir, daß das klassenbewußte bul- garische Proletariat für die nationale Einigung und für die Unab- hängigkeit der Balkanvölker kämpft und kämpfen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir die Verwirklichung der födeiativen Balkanrepublik. Weil eben das der Weg zur wahren und dauernde» Einigung der Balkanvölker ist. nicht aber der Krieg, nicht die soziale Vernichtung, nicht die territorialen Plünderungen und künst- lichen Staatsgrenzen, die die herrschenden Klassen und Dynastien auf dem Balkan herbeiführen. Es ist wahr, daß die bürgerlichen Nationalisten und Patrioten von„nationalen Idealen" und„Autonomie Mazedoniens" sprachen; was aber heute geschieht, das ist der stärkste Beweis, daß diese schönen Worte die Eroberungswünsche der Bourgeoisie und die »lonarchistischen Interessen der Dynastien verdeckten. Die bulgarischen Patrioten geben heute die Schwärmerei von dem„Großbulgarien" auf. indem sie einen großen Teil von Maze- donien ihren Verbündeten geben, trotzdem sie es ausschließlich als die historische Erbschaft Bulgariens betrachten. Damit rechtfertigt sich vollständig unser Standpunkt, daß die„Autonomie" Mazedoniens nur ein Popanz ist und daß deswegen das Ziel des bulgarischen Proletariats nicht diese, sondern die föderative Balkanrepublik sein muß, die gleichzeitig mit der Einigung der Balkanvölker die erstrebten weiteren Freiheiten bringen wird. Da» klassenbewußte bulgarische-Proletariat erklärt weiter, daß eine wahre und dauernde Einigung der Balkanvölker durch den heutigen Bund zwischen den vier Balkanstaaten und durch die Teilung der europäischen Türkei unter ihnen noch nicht erzielt wird. Dieser Bund, der zur Erzielung kapitalistischer und dynastischer Eroberungen geschaffen wurde, kann aufgelöst und eine Quelle neuer nationaler Eifersüchteleien und Zusammenstöße werden, wenn einmal dessen allgemeiner Zweck— die Besiegung der Türkei und die Plünderung ihrer europäischen Gebiete— erzielt worden ist. Wir verlangen daher die Erweiterung und die Um- Wandlung de? militärisch-dhiiastischen Bundes in einen polltischen und ökonomischen Bund mit gemeinsamem Parlament, gemeinsamer Zollunion usw. Nur in dieser Weise kann der heutige Balkanbund der sozialen EntWickelung der Balkanvölker neuen Anstoß geben und diese zur vollen Einigung in eine föderative Republik annähern." Konimunalwcihlcr-olge. In Werder a.H. siegte bei den Stadtverordnetenwahlen die Sozialdemokratie, indem- sie ihre drei Kandidaten durchbrachte. ES wurden zwei Mandate neuerodert und eins in der Ersatzwahl be- hauptet. Die ganze dritte Abteilung wird jetzt sozialdemokratsch vertreten. In Solingen endete die Wahl der Stadtverordneten in der dritten Abteilung mit einem Siege unserer Genossen. Trotzdem gegen sie die Vorkommnisse in der Ortskrankcnkasse von dem bürger- lichen Wahlklüngel in nicht zu übertreffender gehässiger Weise aus- genutzt wunden, vereinigten sich nuf unsere drei Kandidaten 1953 bis 1972 Stimmen, während für die bürgerlichen Mischmaschkandi- baten nur 742 bis 7ö1 Stimmen abgegeben wurden. Ter dritte Krcistagsabgcordnctc. Bei de» in H ö h s ch c i d(Kreis Solingen) vorgenommenen- Wahl eines KreiStagsabgcordnetcn wunde unser Genosse Albert Freund. Scherenschleifer, mit 12 gegen 10 Stimmen gewählt. Mit ihm zieht der dritte Sozialdemokral ass Abgeordneten den Kreistag für den Kreis Solingen. Aus der belgischen Partei. Man meldet unS aus Brüssel: Die Brüsseler Föderation beruft für Wettmachten einen K o n g r e b ein, der sich mit der durch ministerielle Erklärungen geschaffenen Sachlage befassen wird. Die Beratungen werden den weiteren Borbereitungen für den Generalstreik insbesondere der Verstärkung und Ausdehnung des kollektiven Sparen? gewidmet sein. In dem Zirkular der Föderation heiht eS, daß die ministerielle Er- klärung der Borwoche den Arbeitern kaum einen andern Weg als den des Generalstreiks für die Erkämpfung ihres Rechts übrig lätzt. Auf der Tagesordnung steht der Generalstreik und daS kollektive Sparen._ Bon der rumänischen Sozialdemokratie. Man schreibt uns aus Bukarest: Bei den soeben beendeten Wahlen fiel auf die sozialdemokrati« schen Kandidaturen eine größere Stimmenzahl als bei den letzten Wahlen. In B u k a r e st erhielten unsere Genossen bei den Wahlen von ISIO: 102 resp. 203 Stimmen; 1912: 442 resp. 751 Stimmen bei einer Gesamtstimmenzahl von 8000, in P l o e st i 1910: 84, 1912: 177 Stimmen. In Braila 1910: 38, 1912: 112 Stimmen, Tulcea 1912: 173 Stimmen, Consta Iltza 143, Galati 1912: 232 Stimmen.— In den letzten drei Städten kandidierte Genosse Dr. RakovSki. Zu bemerken ist, daß die Wahlen an einem Sonnabend(Arbeits- und Zahltag) stattfanden und daß in Bukarest die Wahlurnen trotz heftigen Protestes um 5 Uhr nachmittag« geschlossen wurden, so daß viele Genofien ihr Wahlrecht nicht auSuben konnten. Die Gewerkschaften umfassen heute zirka 13 000 Mitglieder. Für die Zukunft werden sie eine doppelte Tätigkeit entfalten, nämlich Mitglieder für die Partei zu gewinnen und sie in die Wahllisten einzuschreiben._ Soziales. Schiedsgericht für Angestelltenversicherung. Der gestern abend erschienene„Rcichsanzeiger" veröffentlicht eine Verordnung, durch die der Kaiser nach erfolgter Zustimmung des Bundesrats auf Grund des§ 138 des Ver- sicherungsgesetzes für Angestellte bestimmt: „Für die Angcstelltenversicherung wird ein Schiedsgericht in Berlin, und zivar für das Reichsgebiet, errichtet. Diesem Schiedsgerichte wird die Entscheidung auch in solchen Fällen zugewiesen, in welchen es sich um Versicherte oder deren Angehörige handelt, die auherhalb des Gebiets des Deutschen Reichs wohnen oder beschäftigt sind." Darmmilzbraud als Betriebsunfall anerkannt. T-a Gewcrbekrankhcitcn bei uns immer noch nicht als Betriebs- Unfälle gelten, versuchen die Berufsgenossenschaften sich in der Regel bei Infektionskrankheiten vor der Rentenzahlung mit der Be- hauptung zu drücken, daß kein plötzliches Ereignis, sondern nur eine allmählich entstandene Geiverbekrankheit vorliege. Deshalb ist eine zugunsten des Verunglückten getroffene Entscheidung von Wichtigkeit, die das Neichsversicherungsamt kürzlich gefällt hat. Ein Rotgerbcr, der in einer Lederfabrik beschäftigt war, war eine» Tages mit dem Abwaschen verschimmelter Chinahäute be- schäftigt. Weil die Häute sehr mit Staub bedeckt waren, wurde er von der Frau des Fabrikbesitzers aufgefordert, seinen Lappen öfter auszustauben. Am Tage darauf erkrankte er. Nach 82 Tagen gualvollen Leiden» verstarb er und hinterließ eine Witwe und neun Kinder. Es stand fest, daß der Tod infolge von Darmmilzbrand eingetreten Ivar. Die BerufSgenosienschaft lehnte die Renten- zahlung an die Hinterbliebenen ab, weil nur eine Gcwerbekrankheit vorgelegen habe. Sie stützte sich dabei auf das Gutachten eines Arztes. Ztvei andere Aerzte lvaren jedoch der Ansicht, daß die erste Infektion durch Milzbrandbazillen als Betriebsunfall aufzu- fassen sei. Der Verstorbene sei also auch einer llnfallfolge er- legen. Nach umfangreichen Erhebungen verurteilte da» Schirds- gcricht die Berufsgenossenschaft zur Rentenzahlung. Das genügte jedoch der Berufsgenossenschaft nicht. Sie legte daher Rekurs beim Ncichsvrrfichrrungsamt ein. Aber auch daS half ihr nichts. DaS Neichsversicherungsamt holte ein Obergut- achten von Professor Lcwin-Berlin ein. Auch letzterer sprach sich für die Anerkennung eines Betriebsunfalles aus. Darauf ver- urteilte auch da« Neichsversicherungsamt die Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Hinterbliebenenrente. In der Begründung heißt es: „ES ist eine Erfahrungstatsache, daß nnter Chmahäuten nicht selten milzbrandbehaftete Häute vorkommen und die Milzbrand- sparen auch nicht durch das Gerbeverfahren untergehen. An dem Arbeitsorte des Verstorbenen treten die Fälle der Vergiftung der Menschen durch Milzbrand häufig auf. Ter Verstorbene war daher durch seine Arbeit und a» seiner Arbeitsstelle der Gefahr der Milzbrandvcrgiftung in hohem Maße ausgesetzt. Für die Ver- wirklichung dieser Gefahr lag ein besonderer, begünstigender Ilm- stand darin, daß die zu reinigenden Ghina-Vacheleder schimmelig waren und deshalb großen Staub entwickelten, so daß der Staub beim Atmen durch die Luftröhre in den Magen und von da in den Darm eindrang. Auch die Art und der Verlauf der Krankheit bei dem Verstorbenen zeigen das Bild des Darmmilzbrandes; es zeigte sich ziemlich früh�eine Schwellung an den Fingern beider Hände und eine hohe Schmerzhaftigkeit, dann Durchfall, Durst- gefühl und Milzschwellung, Ficberlosigkeit mit Fieber wechselnd, Rasselgeräusche an der Lunge und schließlich blutig-wässerige Blasen an der Haut. Der Zeitraum, in dem die Vergiftung zustande gekommen ist, ist ein sehr kurzer gewesen, da bei JnfertionSgiften schon nach kurzer Arbeit mit einem derartigen Material die Pilze in den Körper eindringen können und nach ihrem Eindringen auch nach Einstellung der Arbeit im Körper sich mehren und verbreiten. So müssen auch bei dem Verstorbenen schon während der ersten TageS- beschäftigung die Milzbrandbazillen, die vielleicht nur in einem Augenblick eingedrungen sind, ihre gefährliche Wirkung zu cnt- falten begonnen und nach ihrer Vermehrung innerhalb dcS Kör- pers die Zerstörung der Gesundheit allmählich fortgesetzt haben." (Aktenzeichen la 9783/11.)_ Versammlungen. Die wirtschaftliche Lage der Kinooperatrure und ihre Forderungen lautete das Thema einer öffentlichen Rachtversammlung der im Deutschen Metallarbeiterverbandc organisierten Kinoopcratcure Groß-BerlinS, über das I o h a n s e n referierte. Der Besuch war ein erfreulich guter und bewies, daß auch unter dieser Kategorie von Arbeitern der Gedanke der Organisationsnotwendigkeit bereits festen Fuß gefaßt hat. Redner gab einen Ucberblick von der Eni- Wickelung des Kmogcwerbes und ging im weiteren Verlauf seiner Ausführungen auf die Tätigkeit des Kinooperateurs ein. die nach außen hin so gut wie gar nicht in direkte Erscheinung trete und deren Schwierigkeit und Verantwortung weiten Kreisen des Publi- kums bisher gänzlich unbekannt geblieben sei. Einer kritischen Be- trachtung unterzog der Referent auch die polizeilichen Schutzmaß- nahmen, die völlig unzureichend seien und bei denen ein Paragraph immer wieder den andren aufhebe. Was die Sonntagsruhe anbe- lange, so möge man den Einwand, daß der Sonntag den Kino- besitzcrn die meisten Erträgnisse bringe, gelten lassen; verlangen könne man aber ganz entschieden einen Ruhetag auch für die Kinoangestcllten. Nach sechs Arbeitstagen müsse ein Ruhetag folgen, diese Forderung sei nur recht und billig und müsse, wenn nicht auf anderem Wege, durch eine festgefügte Organisation ver- wirklicht werden. Als solche komme für vic Kinoopcrateure einzig und allein der Deutsche Metallarbeitervcrband in Betracht. Scharf wandte sich der Redner gegen jede Zersplitterung in kleine Ver- einchen, die nimmermehr wirksam und erfolgreich die Wirtschaft- lichen Interessen der betreffenden Arbeiter vertreten können. DcS weiteren verurteilte er den zum Teil noch vorkommenden Berufs- dünkel und Künstlerstolz, wofür im heutigen Wirtschaftsgetricbe kein Boden mxhr vorhanden sei. Solle die Lage der Kinoangestellten eine bessere werden, so gebe es nur eine Losung: Hinein in den Deutschen Metallarbciterverband. Lebhafter Beifall folgte dem Referate. Im weiteren Verlauf der Versammlung machte der Bor- sitzende noch auf die Forderung auf Freihaltung des Heiligen Abends aufmerksam und beauftragte die Anwesenden, sich dieserhalb an ihre Arbeitgeber zu wenden. Diese Forderung wäre um so leichter durchzufübren, al» an diesem Abend mit einem nennenS- werten Besuch doch nicht zu rechnen sei. Ein Redner der„Freien Vereinigung" forderte die Operateure auf, am WeihnachtSvorabende gar nicht erst in den Betrieb zu gehen. Dieser Weg wurde jedoch vom Vorstande der Versammlung als nicht zweckmäßig bezeichnet, da man erst das Resultat der einzuleitenden Verhandlungen mit den Unternehmern abwarten möge. Ein Mitglied der„Freien Vereinigung" ließ bei seinen Aeuße- rungen durchblicken, daß der Uebertritt dieses Vereins zum Deut- schen Metallarbeiterverband nur noch eine Frage der Zeit ist. Folgende Resolution wurde e i n st i m m i g(einschließlich der Ver- einigung) angenommen: „Die am 27. November in den„Musikersälen' versammelten Kinooperateure Groß-Bcrlins sind entschieden der Meinung, daß am Heiligabend nicht gearbeitet werden darf. Die Versammelten verpflichten sich, mit den Theaterbesitzern Rück- spräche zu nehmen, damit die Arbcitsruhe eine einheitliche ist. Sollte sich ein Teil der Theaterbesitzer hiergegen sträuben, so wird in einer weiteren Versammlung Beschluß gefaßt." Die Arbeiter im HandelSgewerbe hätten sich, einer Einladung des Deutschen TranSportarbcitervcrbandeS folgend, am Donnerstag in sehr großer Zahl im Saale des Marinehauses versammelt. Der Referent, Reichstagsabgcordneter Jockel schilderte in anschaulicher Weise die kapitalistisch« Entwickelung, die Stellung der Arbeiter im modernen WirftchaftSgetriebc. er legte die Ursachen der gegenwärti- gen Teuerung dar und zeigte an einigen Beispielen, daß die Löhne der ln den HaüdelÄbetriehen beschäftigten Arbeiter nicht ausreichen für eine menschenwürdige Lebensbaliui»g. Um eine Verbesserung ihrer Lage zu erreichen, müssen die Handelsarbeiter dafür sorgen, daß sich alle Berufsangehörigen der Organisation anschließen. All« Kräfte müßten zusammengefaßt werden im Deutschen Transport- arbciterverband. Nach einer regen Diskussion, die demselben Gedanken Ausdruck gab, wuvde die nachstehend« Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung erklärt, daß die Löhne, welche den Han» delsarbeitern zurzeit gezahlt werden, in keiner Weise den gegen- wärtigen Teuerungsverhältnissen entsprechen. Den durch die all- gemeine Teuerung verursachten Notstand der arbeitenden Klassen empfinden die Handelsarbeiter besonders schwer, da ihre ge- ringen Anfangslöhne in den meisten kaufmännischen Betrieben nicht erhöht und auch für jährelang beschäftigte Berufskollegen Lohnaufbesserungen in der Zeit der tTeucrung fast gänzlich ausgeblieben sind. Gerade die in Berlin zahlreich vorhandenen Großhandelsbetriebe, Kauf- und Warenhäuser. Spezialgeschäfte usw. sind es, welche in keiner Weise den ungünstigen Lohnver- Hältnissen ihrer HandelSavbciter Beachtung schenken oder den Wünschen nach Aufbesserung der Löhne gerecht werden.— Da die Arbeitgeber im HandelSgewerbe ganz besonders von den in ihren Betrieben beschäftigten Hilfsarbeiter ein« recht vielseitige Tätig- kcit und unerinüdtichcs Geschäftsinteresse, sowie pflichtgetrcuc Erfüllung aller übertragenen Arbeiten verlangen, so erwarten die Versammelten, daß die Arbeitgeber im Berliner Handels- gewerbc die heutigen teuren Zeitverhältnissc berücksichtigen und hinsichtlich der berechtigten Forderungen ihrer HaiUwlShllj». arbeiter um Aufbesserung d?r Löhne von selbst ein Entgegen,, kommen zeigen. Die Versammelten erhoben einmütig Protest gegen die in letzterer Zeit seitens einer Anzahl von Groß-Bcrliner Detaillisten- vereinen eingeleiteten Agitation gegen den weiteren Ausbau der gesetzlichen Sonntagsruhe im Haiidelsgewcrbe. Im Gegensatz zu diesen Bestrebungen erklären die Versamnrelten, daß sie nach wie vor von der Reichsregieruug die uneingeschränkte SoimtagSruhe für alle Harndelsbetriebe im Deutschen Reiche fordern und uner- in üblich für diese Forderung im Kreise der Berufskollegen agi- ticrcn wollen. Ferner sind sich die Versammelten darüber einig, daß zur Erreichung und Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage eine ein- heitliche Organisation der gesamten Berufskollegen im Handels- gewevbe notwendig ist und verpflichten sich deSbalb die der Or- ganisation noch fernstehenden Kollegen dem Deutschen Transport- ärbeitcrvcrband als Mitglieder zuzuführen." Di« Versammlung nahm noch eine ztvei ie Resolution an, welche den streikenden Buchhandlungsinarkthelsern in Leipzig volle Shm- pathie erklärt und die Arbeiterschaft ersucht, Zeitschriften nur von sreigewerkschaftlich organisierten Kolporteuren zu beziehen. Schließlich wurde uoch auf den Konflikt bei der Firma Gerold hingewiesen.______ WttterungSüberstcht vom SS. November ISIS. Ewinemdc. 7Z8iSW Hamburg l756j®D Berlin 7563 Frank?. a.M 757 SO München"60;D> JW....... Wien steiWNW, 2,wolkenli 0 Wetterprognose für Sonnabend, den 30. November ISIS. Ein wenig wärmer, vielfach nebelig oder wolkig mit geringen Nieder- schlügen und ziemlich lebhaften fiidlichen Winden. Berliner W etterburea». WasserftandS-Nachrichte« ')+ bedcuict Wuchs,— Fall.•) Unierpcgel. Gewerkschaftshaus, _ Cngclufer 15. «onntag.dcnl. Dezember 1912, abend» 7'/, Uhr pünktlich: Auf höchsten Belchl seiner hoch- sürstlichen Durchlaucht „SeronlaalniaH"; iger Abend Seine hochssirstliche Durchlaucht werden mit(Scsolge in der Hos. löge erscheinen. Leitung itansfi-oiiisri-v.vto�gzn Mitwirkende: Margarete Walkotie— Han«*. Wol- zogen— Albert Arinquen— theo Fredy— Richard Kaiser— Bernhard NItzsche— Traute Carlsen. Entree 50 Ps. Abendkasse 60 Pst Vorvcrtauf bei P. 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Sffiek I.75, 2.2s Frisches Fleisch Gute Qualitäten zu billigen Preisen Stangenspargel.... Stangenspargei.... Bruchspargel k«;*.. Bruchspargei Kopf.. Gem. Gemüse Iii Gem. Gemüse II Suppenschoten Junge Schoten..... Feine ig. Schoten Spinat................. Kohlrabi in Scheiben.. Brecti- od. Schnittbohnen '/, Dose 1.25 1.45 88» 1.00 48» 70» 38» 45» 55» 40» 30» 35» 1/2 Dose 68» 78» 49» 55» 29» 40» 24» 28» 33» 26» . f O�'t/�äfUlSG........... Pfund 68y 70 Pt "Suppenhühner I.45, 1.95, 2.45 Bratenschmalz........ pM68p,. Zucker gemahlen..................... 5 Pfund 1.00 Käse Schweizer Käse............ Pfand 85» Holländer Käse—........ Pfand 85» Tilsiter Käse Pfand 85» Limburger Käse............ Pfand 58pi Brie-Käse.....................»and 55» Kakao............ � 68, 95» Haushaltschokolade M....Ftand 68» Splttelmarkt ßelle-Alliancestra»»# ßr.Frankfurterstrasso in vielen Karben, mit Hohl «anm................. 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Waklkrel»,©üb o ft e n: Paul Böhm, Lausitzerplatz I4/1S. k. Walilkrel«: Leo Zucht, Jmmauuelkirchstr. 12(Hos). S. Walilkrel,(Sioabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Weckttlnx: I. H ö n i l ch, Nazarethfirchstrase 49. Ilvseatlialer und Cranlendarxer Toratadt: Wilhelm B a u m a n», Rheinsberaerstr. 87, Laden. Cletiaadkraaaea: Fi s ch e r, Bastianstr. 6, Laden. Mchönhanser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener Sit. 27. .AdlerskoC: Karl Schwarzlose. Bismarckstr. 50. �lt> Uhr und um 10 Minuten vor 9 Uhr vergeblich versucht, eine telephonische Verbindung mit der Redaktion des„Hamburger Echo" zu erhalten. Das mag darauf zurückzuführen sein, daß von den Redakteuren noch niemand an- wesend war- In der Zeit, in der ich von meinem Bureau aus auf Anschluß mit der Redaktion des„Hamburger Echo" wartete, traf der Berichterstatter des„Hamburger Echo" im Verhandlungs- lokal ein, und er wurde allerdings von den beiden an der Tür postierten Kontrolleuren zurückgewiesen. Die Kontrolleure waren schon am Sonnabend instruiert worden, niemand zuzulassen, der sich nicht im Besitz einer Legitimation befände. Besondere Jnstruk- tion für die Zulassung von Pressevertretern war ihnen nicht erteilt worden. Meine Absicht, rechtzeitig anzuordnen, daß diese Bestim- mung auf legitimierte Vertreter des„Hamburger Echo" keine An- Wendung finde, ist nur dadurch verhindert worden, daß ich ver- geblich versucht hatte, die Redaktion des„Hamburger Echo" tele- phonisch zu erreichen. Ich habe dann vom Tagungslokal aus schließ- lich telephonische Verbindung mit der Redaktion des„Hamburger Echo" erhalten und dabei erfahren, daß sein Berichterstatter bereits zurückgewiesen Ivar. Dem„Hamburger Echo" habe ich wahrheitsgemäß berichtet, daß ein Berichterstatter des„Vorwärts" nicht zurückgewiesen fei, son- dern nur zwei Korrcspondenzbureaus, von denen sich keines als Vertreter des„Vorwärts" bezeichnet habe. Die Schlußfolgerungen, die Sie an das telephonische Gespräch knüpfen, sind also in jeder Hinsicht unrichtig, insbesondere habe ich weder dem„Echo" falsche Angaben gemacht, noch habe ich erst daran gedacht, an die Redaktion des„Hamburger Echo" zu telephoniercn, als ich Kenntnis genommen hatte von den Ausfuhrungen der Redner auf dem Genosseuschafts- tage. Sie haben die Möglichkeit, sich bei einem sehr unverdächtigen Zeugen über die Wahrheit oder Unwahrheit meiner Ausführungen zu orientieren, nämlich bei dem Vorsitzendem des brandenburgischcn Revisionsverbandes, Herrn Paul Müller, der in Ihrer Buchhandlung angestellt ist. Er wird Ihnen zweifellos bestätigen, daß ich bereits am Sonntag in der erwähnten Sitzung erklärt habe, ich wtivde dafür Sorge tragen, daß einem Berichterstatter des„Hamburger Ech»" keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt würden." Diese Zuschrift geht an den Tatsachen vorbei, daß 1. das Sc- kretariat des Zentralverbandes am 18. November unserem Bericht- erstatter schriftlich eröffnet hat,„dennoch wird zu diese» Tagungen die Oeffentlichkei tNi i cht zugel a sse u", 2. ldaß von dem Beschluß des Vorstandes und Ausschusses vom 24. November den die abgedruckte Zuschrift mitteilt, dem„Vor- wärts" keine Kenntnis gegeben ist, wiewohl der Vorstand und Ausschuß spätestens aus unserer Nummer vom 23. November wußten, daß unser Berichterstatter zurückgewiesen ist. Die Zuschrift bestätigt im übrigen die Tatsache, daß selbst am 2S. November der Berichterstatter des„Echo" zurückgewiesen ist. Sie weicht von unserer Sachdarstellung insofern ab, als sie bestreiten zu»vollen scheint, Dr. August Müller habe an die„Echo"redaktion telephoniert,„der„BorwärtS"artikel fei unrichtig. Der Empfänger des Telephongesprächs Ikit die von uns wieder- gegebene Darstellung für die richtige geMtcn. Wollte Dr. Au'gust Müller sich nicht so. wie wir wiedergegeben, ausdrücken, so hätte er eben seinen Gedanken einen klareren und unztveideutigeten Ausdruck geben sollen. Hat er das nicht ausdrücken wollen, tvas der Genosse, für den das Telephongespräch bestimmt war. verstanden hat, so entfielen natürlich auch unsere Schlußfolgerungen, daß eine. Verdächtigung durch wissentlich unwahre Mitteilungen vorliege. Wiewohl in dem Wesentlichen der Sache selbst lediglich unsere Sachdarstellung vollinhaltlich durch die lange Zuschrift bestätigt wird, haben wir ihr in entgegenkommendster Weise Raum gegeben, weil sie nahelegt, daß die von uns niedriger gehängte Verdächtigung, des „Vorwärts" ohne Absicht des Dr. August Müller und durch Miß- Verständnis seines Telephongesprächs erfolgt ist. 2. Unser Berichterstatter für Genossenschaftstagungen ersucht um Abdruck einer längeren Zuschrift, in der er die Richtigkeit un° serer Darstellung bestätigt und hervorhebt, daß er nur für so- zialdemokratische Zeitungen berichtet. Wir glauben von einem Ab- druck Abstand nehmen zu dürfen, da die von uns Iviedergegebenen Briefe darüber keinen Zweifel lassen. Zuerst ist danach die Oeffent- lichkeit generell ausgeschlossen worden. Nachher, und zwar nach dem Artikel im„Vorwärts", kam man auf die seltsame Aus- flucht,„keine Korrespondenzbureaus zuzulassen" und dann zu dem Entschluß auf Herstellung der Oeffentlichkeit. 3. In welcher Weise von Genossen der Raum des„Vorwärts" in Anspruch genommen wird, zeigt eine Zuschrift des Genossen S t ü h m e r. Er verlangt eine„Berichtigung" seiner Ausführun> gen, ohne anzugeben,„was er denn„berichtigt" haben ivill- Er übersendet uns einen Abdruck unseres Berichts und des Berichts der„Konsumgenoßenschaftlichon Rundschau" über seine Rede. Der Bericht des„Vorwärts" ging dahin: „Von keinem Debatteredner wurden die Beschönigungen v. Elms über die Zugehörigkeit zum A n t i st r e i k v e r e i n ge- billigt. Sie werden wohl in allen gewerkschaftlichen Kreisen mit Kopfschütteln und Bedauern aufgenommen werden. Auch der Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde von keinem dem Vorstand oder Ausschutz nicht zugehörigen Mitglied verteidigt. Nur Stühmcr von der Berliner Verwaltung gab einer entgogcngesetzten Ansicht Ausdruck. Nach dem uns zur Verfügung gestellten Bericht wendete er sich scharf gegen den„Vorwärts". Der hätte pch leicht beim Zentralvorstand telcphonisch über die Angr legenheit orientieren können. Man könne nicht unbedingt ein Recht der Presse, an den Tagungen teilzunehmen, anerkennen. Auch die Gewerkschaften tagten oftmals bei bestimmten Fragen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Der„Vorwärts" hätte die Sache „wieder einmal gehässig ausgenutzt".� Auch in der Frage der Mit- gliedschaft beim Buchdruckerverein sei dies der Fall. Die Konsum- vereine würden leider für all das verantwortlich gemacht, was Kaufmann in Hamburg tue. Die Verlagsanstalt gehöre nicht in den Unternehmerverein. Sie könne dort bei Streiks und Aus- sperrungen an die arbeiterfeindlichen Beschlüsse gebunden werden. Wenn es gelte, unter den gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeitern zu agitieren, könne die Zugehörigkeit zu diesem Verein den Genossenschaften viel schaden."„ Der Bericht der„K o n s u m g e n o ss e n s ch a f t l i ch en Rundschau" lautet: „S t ü h m e r- Berlin: Uns. Berliner Genossenschafter berührt der Artikel des„Vorwärts". natü �ich noch schärfer als die Genossen im übrigen Reiche. Sie wissen, welche Auseinandcrsetznngen bei uns gegenwärtig stattfinden, und wie gerade ähnliche Vorwürfe gegen uns erhoben werden. Wenn da noch, ehe unsere General- Versammlung beendet ist, solche die Mitglieder ganz unnützcrweise aufregende Artikel erscheinen, darin leiden wir darunter natürlich noch mchr als andere Genossenschafter..Zu dem Artikel ist zu sagen, daß man wohl kritisieren lann, das Entscheidende aber ist, wie kritisiert wird und ob man einer Sache wohlwollend gegen- übersteht, die man tadeln zu müssen glaubt. Das ist aber in der Form durch den„Vorwärts" nicht geschehen. Sein Artikel ist un- zweifelhaft gehässig. Der„Vorwärts" hätte, ehe er ihn geschrieben, beim Zentarlverbande telephonisch anfragen können, wie die Sache stehe. Was die Sache an sich betrifft, so fragt es sich, ob der Aus- schluß der Presse unbedingt nötig war. Die Frage ist umstritten Auch die Gewerkschaften tagen nicht in voller Oeffentlichkeit.(Zu- ruf: Auch die sozialdemokratische Partei nicht!) Wir alle werden nicht wollen, daß seitens übelgesinnter Gegner mit der Zulassung vollster Oeffentlichkeit eventuell Mißbrauch getrieben wird. Aber mit der uns wohlgesinnten Presse ist eine Verständigung leicht zu erzielen, und ihre Berichterstatter werden nichts tun, was uns schaden könnte. Ein objektiver Bericht kann nur nützen. Man ivirft uns Knüppel zwischen die Beine, wenn die Presse abgewiesen wird. Freilich ist ein Unterschied zwischen Korrespondcuzburcaus und Pressevertretern. Bei ersteren kann man nicht wissen, all wen sie berichten. Es lag also meines Erachtens kein Grund für den„Vorwärts" vor, die Sache so zu behandeln; andererseits war auch der Ausschluß der Presse nicht unbedingt erforderlich. Auch die andere vom„Vorwärts" noch weit gehässiger behandelte An- gelegenheit kann ich nicht unerörtert lassen. Mir ist bekannt, daß in der Sache bereits scharfe Korrespondenzen stattgefunden, die böses Blut erzeugt haben. Man macht uns in Berlin ja leider für alles mitverantwortlich, was Kaufmann tut. Ich sehe nicht ein, daß die Zugehörigkeit zum Buchdruckervercin nötig ist, wo doch ein Fonds existiert, der eventuell als Streikfonds� dienen� kann. Ich halte die Zugehörigkeit auch für geschäftlich nicht ratsam für die Verlaasanstalt, die doch an die Beschlüsse des Vereins gebunden ist und nicht austreten kanrt, wenn Streiks und Aussperrungen ein- treten. Aus alle Fälle gerät die Verlagsanstalt in ein schiefes Licht und in den Verdacht, daß sie gegen die Buchdrucker als Arbeiter auftrete. Beim Kampfe mutz sie freie Hand haben. Die Dinge schaden bei uns. Wenn wir Mitglieder zu werben suchen, sind wir meistens auf die gewerkschaftlich organisierten und sozialdemokra- tischen Arbeiter angewiesen; das sollte man beherzigen und nicht unsere Arbeit hemmen, indem man unnötige Aufregung Verur- sacht."* Worin unterscheiiket sich Inhaltlich unser Bericht von dem der „Rundschau"? In nichts. Aber er hat den Vorzug, kürzer zu sein. Charakteristisch für den Einsender ist es, daß ihm dieser Vorzug unseres Berichtes entgangen ist. Oder hat er geglaubt, wir hätten statt sofort einen uns von zuverlässiger Seite zur Verfügung ge- stellten eigenen, objektiven Bericht zu bringen, einige Tage später den von uns nicht kontrollierbaren Bericht geben sollen, wie ilm die „Konsumgenossenschaftlichc Rundschau" enthält? Was er«berich- tigt" habew will, ist ein schwer lösbares Rätsel. 4. In der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" hat Ge- nosse August Kosch die Liebenswürdigkeit, im Anschluß au unseren Artikel vom 23. November über den„Vorwärts" herzu- fallen. Seine langatmigen Ausführungen schließt der Verfasser mit einem äußerst albfälligen Urteil über einen mit ihm nicht übereinstimmenden Redner auf dem Genoffenschaststage. Er prognosti- ziert diesem„Mann""das Unglück, nicht ernst genommen zu iver- den" und fährt dann fori:„Vielleicht tröstet er sich mit— dem „Vorwärts", den selbst die Eigenschaft als offizielles Organ ei-rcr großen Partei nicht davor schützt, der Lächerlichkeit zu verfallen, solange er genossenschaftliche Fragen nach einer Methode erledigt, in der sich Ignoranz und B o fc h e i t paarem" Daß ein Organ, das Genossenschaftsfreunde, wie KautSky, Göhre und andere in der sozialdemokratischen Partei tätige Ge- Nossen angeifert, uns in gleicher Weise behandelt, ist für unS ehrenvoll. Ehrenvoll von der Dummheit, beneidenswert von der Bosheit gehaßt zu werden. Im Parteiiutcresse und-im Interesse der Arbeiterklasse liegt es aber, gegen dies shstematische Hetzen gegen die Sozialdemokratie, ihre Vertreter und ihre Organe Front zu machen. Nach wie vor werden wir— unbeirrt um das Gebelfer der sich getroffen Fühlenden— unsere Pflicht tun, die Genossen- schaftSbewegung zu einem wirksamen Mittel im politischen und ge- werkschaftlichen Kampf der Arbeiterklasse zu gestalten und jener antidemokratischen, die Arbeiterklasse schwer schädigenden Richtung entgegenzutreten. Wirft uns die„Rundschau" dann„Ignoranz" und„Bosheit" vor— wir trösten uns. so tote sich die Berliner Generalversammlung über ähnliche Anwürfe der„Rundschau" ge- tröstet hat. Hoffentlich folgt dem Erfolg, den unser Artikel gehabt hat und der in der Aufhebung des die Oeffentlichkeit ausschließenden Beschlusses besteht, der weitere Erfolg, daß der Vorstand des Zentral- Verbandes seine Beziehungen zum Prinzipalsverein der Buchdrucker endlich löst und die Beisteuer zum Antistreikverein einstellt. Mag hernach die„Rundschau" wieder gegen uns loszetcrn— das Recht, sich so gut zu blamieren, Ivie sie kann, lassen wir ihr. Buq der Frauenbewegung. Für das Frauenstimmrecht in der Schweiz. Im Großen Rat des KantonS St. Gallen hat die sozialdemo- kratische Fraktion folgenden Antrag eingebracht:„Der Regierungs- rat wird eingeladen, die Frage zu prüfen und dem Großen Rat Bericht und Antrag darüber vorzubringen, ob uicht das Stimm- und Wahlrecht der Niedergelassene» und Aufenthalter zu erweitern und auf die Fauen auszudehnen und ob nicht zu diesem Zweck die Artikel 39 bis 41 der kantonalen Verfassung einer Revision zu unterziehen seien." Der Antrag besitzt insofern besondere Bedeutung, als er ohne jede Einschränkung die volle Gleichberechtigung der ,jrmi mit dem Manne verlangt, während sich die bisherigen Aktionen unserer Genossen in den Parlamenten immer nur auf daS Wahlrecht der Frauen für die Schul- und Armenbehörden beschränkte», um so schrittweise zur vollen politischen Gleichberechtigung der beiden Ge- schlechter zu kommen. Unsere schweizerische Parteipresse bemerkt zu dem erfreulichen Vorgehen der St. Gallcr Genossen:„Indem die sozialdemokratische Fraktion des Große» Rates von St. Gallen darüber hinaus zur formellen Forderung des unbeschränkten polt- tischen Fraucnstimmrechts geschritten ist, hat sie der Frage eine auf alle Fälle propagandistisch wertvolle Förderung angedcihen lassen. Es ist zu hoffen, daß das Beispiel der Genossen in St. Gallen in den anderen Kantonen Nachahmung finden möge." Der Geburtenrückgang in Englands In dem soeben erschienenen Jahrbuch der„Daiky Mail" (London) über das Jahr 1912 wird festgestellt, daß der Geburten- rückgang in England noch immer zunimmt. Das Generalregister sagt in seinem letzten Bericht, daß die Geburtenzah? in England und Wales im Jahre 1919 geringer war als je vorher. Der Pro- zentsatz der Geburtenzahl geht noch rückwärts. Man darf an- nehmen, daß cr in den Jahren 1911 und 1912 wieder niedriger fein wird! Die Zahl der Geburten in 1912 betrug 896 992, van diesen waren 866 327 legitim und 36 636 illegitim. Im Verhältnis ur Gesamtbevölkerung beider Geschlechter»nd aller Allersklasscn etrug die Geburtenzahl ungefähr 25 auf 1000 Lebende? diese Rate war 6,7 Promille niedriger als die im Jahre 1969, und nicht ivenlgcr als 2,6 Promille mederiger als der Durchschnitt in den 16 Jahren von 1966 bis 1966. Im Jahre 1876 stand die Geburtenrate in England höher als je, sie betrug nämlich 36,3 Promille, seit diesem Zeitpunkt jedoch ist der Prozentsatz im allgemeinen von Jahr zw Jahr gefallen._ Die Frauenkleidung in der Produktion. Die kapitalistische Produktionsweise macht die Frau zur Er- tverbsarbeiterin, entlastet sie aber nicht in gleichem Maße von der häuslichen Arbeit. Auch die Schneiderei ist eine hauswirtschaftlich« 9Irki_t geblieben, obwohl die Technik in unserer Industrie- soweit vorgeschritten ist, daß die gesamte Kleider- und Mäntelsabritation mit elektrischem Betrieb vor sich gehen und die Produktion dadurch bedeutend gesteigert werden und eine Vervilligung der Produkte eintreten könnte. Aber trotz der technischen Errungenschaften mutz Sie Frau heute noch wie Anno dazumal zur Schere und Nadel greifen, um den Bedarf an Kleidungsstücken selbst herzurichten oder, im Künftigsten Falle, von der Schneiderin anfertigen zu lassen. Denn nur ein geringer Bruchteil wird im Fabrikbetrieb hergestellt. Das Gros der Unternehmer kauft die Stoffe und die Zutaten, die dann in das enge dürftige Heini der Proletarieißnneii wandern. Diese stellen, durch die Not getrieben, mühsam und für wahre Hunger- löhne Mäntel, Jacketts, Kostüme, Blusen, Kinderkleider usw. her. Obwohl wir im Zeitalter der Elektrizität unl� der wunderbarsten Erfindungen leben, wird dieser enorme Produktionszweig, der in die weiten hohen Hallen der modernen Betricbswerkstätten gehört, in die enge ärmliche Proletarierbehausung verlegt, um hier von den armen Frauen des Werktätigen Volkes, allem kulturellen und technischen Fortschritt hohnsprechend, neben vielerlei anderen häus- lichen Verrichtungen, als gewerbliche Hausarbeit bewältigt zu werden. Es ist doch klar, datz elektrische Näh- und Zuschneide- Maschinen ungemein schneller arbeiten und daher in kürzester Zeit unvergleichlich mehr herstellen können, als die Nähmaschine und die Schere es vermag. In allen anderen Branchen ist das Handwerk überholt und wenigen Menschen fällt es ein, ihr Schuhwerk beim Handarbeiter, d. b. beim Schuhmacher, zu bestellen. Man geht hin und kauft diese Dinge fertig, weil sie durch die Herstellung mit elektrischer Kraft bedeutend billiger geliefert werden können. Das ist die EntWickelung, die bekanntlich nickst stillsteht und die'in tech- nischer Beziehung Wunderdinge vollbracht hat. Nur auf dem Kon- fektionsgebtet scheint sie auf einem toten Fleck zu stehen. Das liegt am Kapitalismus selbst, der, wie ein unbeholfener Äglotz, einer glatten EntWickelung oft hindernd im Wege steht, oder sie auf eine falsche Bahn drängt, wie es bei der Kleider- und Mäntelfabrikation der Fall ist. Beim kapitalistischen Wirtschaftssystem spielt der Profit die Hauptrolle. Frauenarbeit ist für den profitgicrigen Unternehmer billiger als die Anschaffung elektrischer Nähmaschinen und die Anlagen von Betriebswerkstätten. Daher lassen diese Unter- nehmer durch Zwischenmeister— die obendrein noch das Fett des mageren Vcrdiccnstcs abschöpfen— diese Arbeit in die Proletarier- Wohnung verschleppen. Wieviel Zeitverlust und unnötiger Arbeits- aufwand die Verschleppung der Arbeit im Gefolge hat, danach fragt kein Unternehmer. Er hält sich schadlos, indem er das Abholen und das Hinbringen der Arbeit nicht mitbezahlt, obwohl er reichen Profit aus dieser Heimarbeit zieht und sich Verkaufspaläst« dafür errichten lassen kann. Durch dieses Ausbeulungssystem wird die Kultur, das ist die organische Fortentwickelung und die Interessen des Volkes zugunsten des Unternehmers zurückgedrängt. Zur Diknstbotcnfrage. Die Klagen über Mangel an Arbeitskräften für häuslich« Dienste ertönen immer lauter. Die Gründe für die besagte Kala- mität sind bekannt genug. An erster Stelle steht die Abwände- rung der ivelblichcn' Arbeitskräfte in di: Fabrik, ws Unpcr- sönlichkeit des Arbeitsverhältnisses und Regelmätzigkeit der Arbeit die„Bequemlichkeiten des�Familieiianschlusses" mehr als aufwiegen. Neuerdings hat es die Stadt M ü n che n auf Veranlassung der bayrischen Abgeordnetenkammer uniernomnren, durch eine Enquete die Lage der weiblichen Dienstboten in München zu erfassen. Uin die Schwierigkeiten der statistischen Erhebung zu überwinden, er- suchte man gleichzeitig Dienstherrschaft und Dienstboten, jeden für sich, um Ausfüllung des Fragebogens. Das entscheidende Ergebnis der Untersuchung ist darin zu sehen, datz selbst die einigermatzen befriedigend entlohnten Dienstboten unter gang autzerordentlich un- günstigen Bedingungeil zu arbeiten haben. So ist sowohl nach-den Angaben der Herrschaft wie der«Bediensteten der Prozentsatz derer, die sich länger als IS Stunden arbeitsbereit halten müssen, bei den Dienstboten mit besserem Lohn ganz erheblich grötzer als bei den geringer Entlohnten. Nach den Angaben der befragten Ar- beitnehmer ging dieser Prozentsatz schon bei denen, die mehr als 20 Mk. Monatsgehalt empfingen, über 30 v. H. hinaus. Die Entlohnung geht im allgemeinen nicht über 23 M. monatlich hinaus; in erheblick, nichr als einem Drittel der Fälle aber bleibt sie sogar unter 20 M. zurück. Fast die Hälfte der von der Statistik Berück- sichtigtcn hatte höchstens an jedem zweiten Sonntag Ausgang. So lange die einzelnen Familien nicht dazu übergehen, in den ge- nannten Dingen srciunlltg Aenderungen zugunsten des Hausperso- nals eintreten zu lassen, so lang« wird die Dienstbotennot vor aus« sichtlich von Jahr zu Jahr dringender werden. Alle Naturalbezüge, Weihnachtsgeschenke und Trinkgelder' werden diese Entwicklung nicht aufhalten können._ Singeganffene Druchrcbriftcn. Das Neueste von gestern. Von G. Buchner. Kulturgeschichtliche Dokumente aus alten deutschen Zeitungen. Zweiter und drilter Band. Jeder Band 4,50 M.. geb. 6 M.— Martin Ehuzzlcwit. Roman in drei Bänden von Gh. Dickens. Deutsch von G. Meyrink. 0 M., in 3 Pappbänden 12 M. A. Langen, München. Seine Majestät der Reisende. Von M. Locb. 2 Teile. 1 Band 1 M. Franckb, Stutigart. Carlos und Nicolas. Kinderjahre in Argentinien von R. I. Schmied Geb 3.00 M. G. Reist Berlin W. 62. Tie Frauen der Eäsareu. Von Guglielmo Ferrero. Ucberfetzt von G. Kapff. 4 M.. in Leinwand 5 M. I. Hofsmann, Stuttgart. Die staatsrechtliche Bedeutung des Reichshaushaltsgesetzes. Von F. Ghlert. 1,20 M. O. Hapke, Göttingen. Goldener. Märchenspiel in 6 Bildern von Klara Siegen-Schenk. 52 S. H. Hassel, Leipzig. Die deutschen Bolkstrachten. Von Rose Julien. 4,80 M., geb. 6 M. F. Bruckmann, München. Karl Marx. Sein Leben und Werk. Bon John Spargo. S M., geb. 10 53. F. Meiner, Leipzig. Stimmen der Freiheit. Lieferung 3—10. Die besten Schöpfungen unserer Zlrbeiter- und BoltSdichler. Herausgegeben von K. Beistvangcr. 50 Lieferungen a 10 Pf. Verlag K. Beitzwanger, Nürnberg. Fromme Sünder. Gin Buch der Zlbwehr von G. Amort. 75 Pf. M. Grast Augsburg. Das Problem der Demokratie. Von G. F. Steffen. 1,80 M.— Die Kultur der Demokratie. Von D. Koigen. 5 M., geb. 6 M.— Das Leid. Eine Auseinandcrsctzung mit der Religion von M. Mauren- brccher. 3 M., geb. 4 M.— Das Problem �>er Armut. Von Sdncy und Bcatrice Wcbb, Uebertragung von Helene Simon. 6 M., geb. 7,20 M. G. DiederichS, Jena. Meine Reise»ach den Strafkolonien. Von Dr. R. Hcmdl. 470 S. .Ullstein ii. Co.. Berlin S\V. 68. GinigungSamt und Bautarife in München 1S04— ISIS. Von I. Heller. 148 S. G. Reinhardt, München. Die Himmelsvacher. Roman von H. Stegemann. 3,50 M.— Im bitteren Menschenland. Nachgelassene Gedichte von G. Göll. Herausgegeben von I. Franz Schütz. Fleischet u. Co., Berlin W. 9. 3 M. Unserem lieben Genossen ttemnck I�ssck | nebst Braut die herzlichsten Glückwünsche zur Hochzeit. ! vis Genossen des 756. Bezirks. J «»»sssssH. 10 vl> <0 i» « -K Unserem Genossen Heinrich Leutel nebst Frau die herzlichstenGIück- wünsche zur Silberhochzeit. Die Genossen vom 10. Bez. Treptow Baumschulcnweg % VW VO «/ VI/ VI/ vo VI/ i Todes-Anzeigen'! k.>!. 4. Berl. Reichstagswaltreis Frankfurter Viertel. Bez. 288. MtN Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossin, Frau prMa k�ucks Holzmarktstr. 37 a, gestorben ist. Ghrc ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 2st, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirch- hoscs, LandsbergerZlllee, aus statt. 221/3 Ter Borftand. 'Allen freunden. Verwandten, Genossinnen und Genossen die traurige, Nachricht, datz meine liebe Frau Frida Brüsch' geb.-Veuinanii nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 28 Jahre» plötzlich vcr- starben ist.••,. Die Beerdigung' sindet ani Sonntag, den 1. Dezember, nach- mittags' 3'/a Uhr, von der Halle des Riimniclsburger Gemeinde- sriedhoses, Lückstratze aus statt. Uni stille Teilnahme bitten Der trauernde Gatte 7351 I«»«! Brtluch nebst Tochter. Soziaidemokrat. Wahlverein für d.lieiehst.-Wahlkr. Niederharnim. Itezirk I,ichtcnberg. lGruPpc alte Nummer 17). Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossiu krieäs Brüsck Seumcstr. 10 plötzlich im Alter von 28.Jahren verstorb«! ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung sindet am Sanntag, den t. Dezember, nach- mittags 3>/�UHr von der Salle des Runimclsburger Geiiicindc- Friedhofes, Lückstratze aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 10/5 Die Bezirksleitung. DeiitseherMetaiiarheiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Franz Makrutzki (Putbuser Str. 48) am 27. November an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Sebastian- Kirch- hos-s in Reinickendorf, Berliner «tratze 26, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 134/1 Die Ortsverwaltung. yerhand der Schneider, Schneiderinnen ii. Wasehearheiter Deutschlands. Allen Kollegen und Kolleginnen die traurige Nachricht, datz unser langjähriges Mttglied, der Kra- wattenzuschiielder Franz lentenkadn verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabgnd, den 30. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle aus ans dem Sophien- Friedhof statt.. 165/7 Die Drtsverwaltung Berlin III. Am 27. November verschied meine liebe Frau, gute Mutter und Tochter 1461b Jim ieiligenwald„ig nach langen schweren Kämpsen. Die Beerdigung sindet am sonn- tag, den 1. Dezember, nachmittags 3'/. Uhr, vom Parochial-Kirchhof, Boxhagencr Weg, aus ftqtt._ Jolhsbrot" Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Botenjrau Anna. Klopsch am 26. November im Alter von 50,Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. November, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zcntral-Friedhoss in Friwrichsselde aus statt. - Um rege Beteiligung ersucht 60/4 Die Bezirksverwattung. Lim 38. November 1912 verstarb nach langen, schweren Leiden meine liebe Frau, gute Mutter, Tochter und Schwester «eleve»eilllilte Ä-. im 25. Lebensjahre. Dies zeigen ticsbetrübt an Die trauernden Hinlerblirbencn Gustav Beindke nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Sonkitag, den 1. Dezember, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde- Friedhofes in Treptow- Baumschulenweg, Kiesholzstratze, aus statt. 1463b Tanksaguni,. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, unvergetzlichen Sohnes und Bruders Wllbeli» Clcnzow sagen mir allen Bereiigten unseren herzlichsten Dank. 1468b Die trauernde Kutter u. Geschwister. Gingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Einladung zur Zwölften ordentl. General-Versammlung am 8. Dezember 1913, morgens 9 Uhr, im Genossenschastswirtshaus, Nocdufer 10. Tagcsordnut�: 1.'Jahresrechnung und Mschästsbe- bericht 1011/12. 2. Revisionsbericht deS gerichtlich be- stellten Revisors. 3. Beschlutzsassung über Bilanz, Ge- winn- und Verlustrechnung Igt t/12 und Enttastung. 108/10 4. Ergänzung des AusfichtSrates. 3. Festsetzung deS Gesamtbetrages, den die Anleihen der Genossen- schast nicht überschreiten sollen. Bilanz und Gewinn- und Verlust- rechnung können in unserer Geschäfts- stelle, Fehmarnstratze 10, eingesehen weiden. Bäckereigenossenschaft„Yolksbrot" Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. I>ep VorMtand. Behnke. Heinrich. C. Kosmehl. Kollahn. Mölzner. Ortskrankenkasse der Handschuhmacher ünd verwandten Gewerbe. Sonnabend, den 7. Dezember, abends 9 Uhr: tersl-Verssminlimg der Delegierten im Lokale von Haberland, Linicnftr. 73. 1. Antrag aus Zulassung der Kasse als besondere Ortskrankenkafie gemätz Artikel 18 des G. G. zur R. 53. O. Die Vertreter der Arbeitgeber so- wie Arbeitnehmer werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. 283/20 Der Borstand. G Schmidt 5 0/o Rabatt Für Damen! A<" Engroslagcr: Einzelverkauf nur von IJk— 8 Ehr. Wegen vorgerückter Engros-Saisan enorm billige Preise! 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Bpandauerbtr.3| allo Systeme ohne Anzahlung.! Mähmaschinen Läden in allen Stadtteilen. llllaj]er,Verlr.iilke,!i*,u-Bs. Partei-)Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Da tn I?tztsr Zeit in Arbeite» kreise» viel Reklame für den Be- such des Restaurant„Neu-Heringsdorf" bei Köpenick betrieben wird, erklären wir, daß obiges Lokal der organisierien Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht»nd nach wie vor geiperrt ist. folgende Lokale stehen der Arbeiterschaft zu den üblichen Be- dingnngen zur Verfügung: In Obcr-Schöncwcide daS Saalrestaurant„Hubertus", (Sbisonstr. 34. In Potsdam das Lokal.striedrichsgarten"(früher Nikolaigarten), am vahndof Charloltcnbof, Jnh. Emil Schubert. Alte Luiienstr. 37. In Alt Lundsberg Restaurant von Beator, Berliner Allee, und Restaurnnl Funke, Kloslerstrake. In Tcgelort das Lokal„SporthmtS*, Jnh. E. Mothes, Scharfen- berger Str. 20 22(neu eröffnet). I» Gosen hat das Lokal.Lindenhof", Eichwalder Str. 14, den Besitzer gewechselt; der jetzige Inhaber Herr Rob. Rochwitz stellt dasselbe nach wie vor zur Verfügung. Die Lokalkommission. 5. Kreis, Abt. Ib. Heute Sonnabend, den 30. November: Heiterer Familienabend in den Festsälen zum Prälaten. Greifsivalder» strasze. Ecke Lehderstrahe. Humoristische Vorträge. Theateraufführung und Verlosung. Anfang 8 Uhr. Eintritt 20 Pf.(inkl. Tanz.) Lichtenberg. Morgen, Sonnlag früh. FlugblattverbrertunZ. Zchleudorf(Wannseebahn). Sonntag, den 1. Dezember, morgens 3 Uhr. Flugblanverbreitung von den Bezirkslokalen ans. Mahlsdorf(Ostbahn). Heute Sonnabend, den 30. November. abends L' z Uhr. öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Anders, Bahnboislratze. Die Tagesordnung ivird in der Verianiinlnng be- kaum gegeben. Am Sonntag, den 1. Dezember, findet in demselben Lokale von I2-ö Uhr nachmittags eine Jugendschriften- und Wand- schniuck- Wanderansstellung statt. Der Eintritt ist für jeden frei. Um regen Besuch ersucht Die Bezirksleitung. Fricdrichshagen Am Sonntag, den 1. Dezember, abends 6 Uhr, firidet im Mnggelsee-Kasino Seestr. 4S. ein Unterhaltungsabend statt. Vortrag des Genossen Martin Kahle über: „Dichtkunst und Klassenkampf." Nachher: Gemütliches Beisammen- sein mit Tanz. Eintritt frei. Zernsdorf Am Sountagnachmittag 5 Uhr findet im Lokal von Käbe in Kablow die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung wird in der Veriammlung bekannt gegeben. Rcinickcndorf-Weft. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den Zahlabendlokalen. Dienstag, de» 3. Dezember, abends 8 Uhr: Oeffentliche Ver- sammlung in Hartmanns Brauerei, Scharnweberslr. 101/104. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben der Kommune. Referent: Genosse Dr. Moses. 2. Die Mißstände beim Verkauf des russischen Fleisches und wie ist Abhilfe zu schaffen? Nicderschöirhausen- Nordend. Eine öffentliche Versammlung findet am DienSlag. den 3. Dezember, abends 8>/z Uhr, im Lokale von Liedemit, Jnh. A. Perichke, an der Kirche, statt. Genosse Dr. Rnd. Brenscheid wird über daS Thema: Friede, Freiheit, Volks- wohl referieren. Arbeiter. Parteigenoffen l Sorgt für Maffenbesuch dieser wichtigen Bfisammlung. Hierzu am Sonntag früh 8 Uhr: Haudzettelver- breuung von den bekannten Stellen aus. LerUner Nacbncbten. Am„Licsenkrüz". Vom Stettiner Hauptbahnhos, wo wir eine Sonntags- karte nach Eberswatde lösen(dritter Klasse 1,95 M.; in vierter Klasse ist die Fahrt kaum billiger), fahren wir mit dem Fernzug um 8,36 ab. passieren Gesundbrunnen, Bernau, Rüd- nitz, Biesenthal und steigen in Melchow, dem letzten Halte- Punkt vor Eberswalde, aus. Hier überschreiten wir die Gleise und wandern neben ihnen im Walde unter Birken in der Nichlung, die der davoneilende Zug uns weist. Ueber den Weg von Melchow nach Steinfurth, der die Bahn unter- führt, hinweg und weiter bis zum Wärterhaus. Bei diesem wieder über das Gleis und nun in östlicher Richtung durch den Wald auf die bald erreichte schöne Chaussee nach Ebers- walde. Wir verfolgen sie nach links etwa 16 Minuten in schnurgeradem Verlauf, bis in scharf spitzem Winkel nach rechts(Osten) ein Gestell abspringt, das uns jetzt weiter leitet. Wir erreichen bald ein Idyll im Walde, die Försterei Schön- holz. Das Galter lassen wir zur'rechten Hand und wandern parallel mit ihm weiter, immer nach Osten. Wieder wird ein Fahrweg gekreuzt, und ein Schild am Baume„Liesen- kriiz" zeigt uns unser Ziel, das wir, weiterhin noch eine Chaussee schneidend, nicht mehr fehlen können. Aus dem Kieseristvald wird mehr und mehr Mischwald. Buchen treten aus und Unterholz. Der Wege werden viele und sie be- ginnen sich zu schlängeln. Wir gehen unfern Weg. den noch weitere Tafeln in Abständen als den.,Liesenkruz"-Weg sichern. Er wendet sich mählich nach links, die Kiefern treten noch mehr zurück und wir merken, oast wir eine neue Landschaft betreten. Vor uns macht sich im Hintergrunde eine Senkung kenntlich. Ein Hohlweg nimmt uns auf, der uns bergab führt und plötzlich stehen wir am„Liesenkrüz". Der Name tut wenig zur Sache. Was ist uns heute die halb sagenbafte Tat jenes Försters, der seine ungetreue Liese hier erschossen haben soll? Auch das Kreuz, das früher zur Erinnerung en die Tat hier stand, ist längst verschwunden. Aber immerhin, der Name ist geblieben mit seinem ronianti- scheu Klang, und dieser 5llang wird noch vermehrt durch den Namen des Tales, in dem wir stehen: Nonnenfließtal. Wer solche Klänge hört, denkt sicher hundertmal eher an ein deutsches Mittelgebirge, als an die Umgebung der„Streu- sandbüchse des heiligen römischen Reiches deutscher Nation". die aber doch ungleich besser ist als ihr Ruf. Tos sehen wir auch hier. Man besucht das Nonnenfließtal in der Regel von Eberswnlde aus(die meisten Berliner kennen es überhauvt nicht, weil sie schon im Schützenhaus stecken bleiben), und auch dieser Zugang ist schön. Er bereitet allmählich auf die Herrlichkeiten des Tales vor. Kommt man aber von Melchow aut unserem Wege, so erreicht man es unvermutet, und mit Erstaunen sieht man sich plötzlich in eine Landschaft vMetzt, die dem Unterharze alle Ehre machen würde. Im engen Tale eine alte verwitterte Schutzhütte. Daneben eine Brücke über einem Bach, dem Nonnenfließ, der mit reichlichem Gefälle murmelnd seines Weges zieht, der aber nichts weniger als gerade ist. Die Windungen seines Laufes sind jäh, und der Wanderer muß darauf achten, daß das Wasser gen Ebers- Walde fließt, wenn er nicht gelegentlich, von den Windungen getäuscht, die Wegrichtung verwechseln soll. Um uns herum prächtiger Baumbestand, alte Buchen, hohe Kiefern, Unter- holz. Braun liegt das Laub am Boden, aber eben dadurch bringt das Auge besser in die herrlichen Hänge des Tales, die im Sommer von Blättermassen dem Auge entzogen werden. Und gern vermissen wir auch die Hitze, die in der warmen Jahreszeit die Aufnahmefähigkeit für landschaft- liche Schönheit lähmt. Ehe wir das Tal bergab wandern, können wir bei der Brücke bergauf dem Wegweiser nach Bornemannspfuhl folgen und dort, nach kaum einer halben Stunde, beim Förster Kaffee trinken. Es lohnt sich aber, ins Tat zurückzukehren. Fließabwärts, erst am linken, dann am rechten Ufer, führt der Waldweg neben steilen Hängen. Einsam ist's hier um diese Zeit, doch ab und zu taucht ein Wandertrupp auf. Wo das Tal sich verflacht, erreichen wir die Chaussee. Auf dieser rechts zum hübsch gelegenen, schwanenweihergeschmllckten Dorf Spechthausen. Eine Esse kennzeichnet jene beliebte Fabrik, die das Papier für Tausend- markscheine und ähnliches Kleingeld herstellt. Aber hinter Spechthaufen, wo wir dem Wegweiser nach„Bahnhof Ebers- Walde" folgen, kommen wir aus der Prosa nochmals zur Poesie. Der schöne, breite Waldweg führt zu den Anlagen am Wasserfall, von hier neben Teichen und Bächen am Forst- garten und Zainhammer vorbei auf der waldigen Straße zu den Parkvillen von Eberswalde. Wo links die Viktoria- straße abzweigt, folgen wir dieser bis zur Eisenbahnstraße, die uns, wiederum links, bald zum Bahnhof bringt. Etwa mit dem Zuge 3,56 Uhr eilen'wir heimwärts, von schönen Eindrücken erfüllt. Die Suvkommisfion des städtischen Obdach- und Arbeitshaus- Kuratoriums beschlotz in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig, dem Knralorium vorzuschlagen, die Ernährungssätze für die Insassen des Arbeilsbauies von 44>/.z Pf pro Tag auf 54 Pf. zu erhöhen: die Sätze für die Hospitaliten der Stadt Berlin in Lichtenberg(frütjer in RuinmelSburg) und Reinickendorf wurden von 57� Pf. auf 68 Pf. pro Tag erhöht. ES wurde ,war besonders von sozial- demokraiischer Seite die Ansicht vertreten, daß die Sätze für die Häuslinge nicht einmal die Höhe ganz erreichen, die der Staat für die Gegangenen ausgebe, und die Jnsaffen des Arbeitshauses doch wieder zur Arbeit erzogen werden sollen, damit sie. nach ihrer Entlastung sich selbst ernähren können; dazu gehört aber eine köperliche Beschaffenheit, die sich bei so mangelhafter Ernährung nicht erzielen lasse. Auch wurde von derselben Seite darauf hingewiesen, daß für die Hoipitaliien deS Obdachs 73 Pf. gezahlt würden und diese Summe vor Jahren schon als mindeste Leistung angesetzt sei. Da aber keine Aussicht war, höhere Säge zu erzielen, weder im Knralorium. noch im Magistrat, und eine Einstimmigkeit notwendig war, um selbst diese unzureichende Aufbesserung zu erreichen, wurde den vorliegenden Borschlägen all- seitig zugestimmt._ Wie für Notleidende gesorgt wird! In den Wochen vor Weihnachten häufe» sich die WohltätigkeitS- Veranstaltungen, die für die verschiedensten Zwecke arrangiert werden. Vor allem find eS die Damen unserer besten Ecsellschaslskreise. für welcde solche Arrangements eine willkommene Gelkgenheir bilden, sich wohltäng zu betätigen. Man ißt, mau trinkt: und man tanzt: alles nur aus lauter Liebe für die arme Bevölkeiung. Wer tiefer sieht, erkennt sofort, daß eS sich in Wirklichkeit nur daium handelt, entweder besonderen Ehrgeiz zu befriedigen oder aber sich ein be- solideres Vergnügen zu verschaffen. Man kann die neuesten Toiletten zur Schau tragen, man wird gesehen und schließlich sogar bewundert. Dieser Tage hatte der Verein verschämter Armen zugunsten der Notleidenden gebildeter Stände im Zoologischen Garten einen iogenannten Wohlfahrtstee veranstaltet, dem auch die Krön- Prinzessin beiwohnte. Es war ein Wettstreit emstanden über die Frage, wer wohl den schönsten Teetisch einrichten werde.— Alles nur für die Notleidenden. Ueber den Charakter der Vernnstaliung gibt eine Schilderung Auskunft, die wir in der „Täglichen Rundschau" finden und die wir hier wiedergeben möchten. Es heißt da u. a.: „Im Bankettsaal war der Blumenschmuck in Weiß und Rot gehalten, im Mainiormale die Mmellinie weiß, nach den Seiten in Gelb nbergedend. und in der Veranda zierien rosa Bluiiien die Tische. Kostbarstes, altes Silber, feinstes Porzellan, sellene Spitzen und Stickereien schmückten die einzelnen Teelische, an denen die jeweils leitenden Damen in liebenswürdigster Weile ihre Gäne empfingen und mit duftendem Tee und allerlei feinem Gebäck beiviitelen. Eigenarlig mid überaus ansprecheiid war es, daß in den Sälen uuter der Galerie und an den Seile» lauschige, kleine Salons einstauden waren, die dem Zusanimensein eine ge- wisse Ungezwuiigeuheil verliehen. Als die Krviiprinzeisin. die ein dunkelroteS Samtkleid mit Hermelinbeiatz und einen Pelzhut mit Reiherschmuck trug, und Prinz Aug, ist Wilhelm mit Gefolge erschienen, nahmen die Herr» schaften, einpfaiigeii von den Borsitzeuden, in einem dieser Rmmie, den Fia Wille in Dunkelgrün niil rotem und weißem Roseiischmnck geholten halte, Platz, um dann später im Marinorsaal, in dein Raum von Frau Admiral v. Ptitlwitz und Gaffron und Frau Adniiral Trnvpel(den Frau Ciicnel-Teuschner in Blau und Rol eniworfen halle), sich eine Reihe von Damen vorstellen zu lasse» und den Vorlrag einiger Lieder durch den Konzerlsänger Peter V. d. Osten- Tacke» emgegeiizuiiehmen. In den plaudernden Gruppen bemerkte man die Prinzeisin Wilhelm zu Wied, die Obeihosmeisterin der Kaiserin, Gräfin v. Brockdorf. Frau v. Bethmann Holllveg, Minister Dallivigk, Frau Hedwig Hey! und eine große Zahl hoher Osfiziere der Marine und der Armee mit ihren Damen. Aber auch die Jugend fehlte nicht, in lichten, frohen Kleidern wirkie» die jungen Töchter an den Teetischen der Frau Mainas. Em Tanz,»ach Schluß des oifi- ziellen Teiles der Veranstaltung, sollte der Lohn der fieundliche» Helsen»»?» sein. Aus der Reihe der besonders künstlerisch und reich gedeckten Tische �seien genannt: der von Frau Vizeadmiral v. Capelle und Frau Scheer, ennvorfen von Frau v. Siephani- Hahn. Alte be- malte Tassen standen hier auf runden Tischen, auS dessen Mille sich, aus niatigiünem Grunde, altes, weißes Beiliner Porzellan. gefüllt mit weiße» Nelken, erhob. Auf einein Kissen von Goldlack stand ans dem Tisch von Frau Dr. Eysler ein weißer Piau aus Nyniphenbnrger Porzellan, allblaue Bänder und reiche Spitzen zierten das sst bei beschwerte Taleltiich, Entwurf Friedmann u. Weber. Frau Paul v. Mendelssohn-Bantioldy Halle einen runden polierien Tisch, ohne Tafelined. mit allen, Silber. Delfter Schüssel». Mniglöckche» und weißen Cinnianihenien. Die Tiiche von Gräfin Matuichka. Frau Viklor Körting, Frau A Reich zeichnelen sich gleichfalls durch besondere Schönheit auS. Dank der trefflichen Leitung des Ganzen„klappte" alles, so daß nur eine Stimme der Bewunderung und An- e r k e n n u n g herrlchle." Die vorstehende Schilderung erweist, daß es den Teilnehmern dieser Wohliätigkeitsveranstnlluiig vornehmlich darauf ankam, sich gegenseitig den Rang abzulaufen und sich zu übertreffen. Wer Armen aus seinen reichen Mitteln etwas geben will, braucht das nicht vor aller Welt zu tun. Wenn nur ein kleiner Teil der Kosten, die für die obige Veranstaltung aufgewendet wurden, den Not- leidenden direkt gegeben worden wäre, wäre erheblich mehr erreicht, als durch eine mit großem Pomp aufgemachte WohlläiigkeitS- veranstallung. Aber dann hätten doch die Teilnehmer sich nicht öffentlich zeigen können und hätten auch ans das Amüsement ver- zichlen müssen. Und das ist doch der eigentliche Zweck der Uebung l Zur Feuerbestattung. Das städtische Krematorium in der Gerichtstraße 37/38 ist der öffentlichen Benutzung übergeben worden. Me Hinter- bliebenen, welche eine Leiche einäschern lassen wollen, müssen sich vorerst an die Polizeibehörde wenden(in Berlin an das zuständige Polizeirevier). Sie erteilt die Erlaubnis zur Ein- äscherung und stellt darüber einen Schein aus. Zu diesem Zweck sind der Polizeibehörde vorzulegen: 1. Die amtliche Sterbeurkunde: 2. die amtsärztliche Bescheinigung über die Todes- Ursache. Als Amtsärzte kommen die vier Gerichtsärzte von Berlin, über welches jedes Revier Auskunft erteilt, in Betracht. 3. die amtsärztliche Bescheinigung über die vorschrifts- mäßige Einsargung: 4. der Nachweis, daß der Verstorbene die Einäscherung angeordnet hat. Dieser Nachweis kann erbracht werden: a.) durch eine rechtsgültige letztwillige Verfügung des Ver» storbenen: d) durch eine mündliche Erklärung des Ver» storbenen, die vor einer zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigten Person abgegeben ist. Anträge auf Einäscherung sind demnächst zu richten an das obengenannte Krematorium oder an das Friedhofs» bureauimRathaus, Berlin C., Königstr., Zimmer 164. Dem Antrage muß beigefügt werden: 1. der oben erwähnte polizeiliche Erlaubnisschein zur Einäscherung: 2. die amtliche Bescheinigung über die vorschrifts- mäßige Einsargung: Zur Ausstellung derselben ist in Berlin der Gerichts- arzt, in anderen Orten dieser oder der amtlich bestellte Leichenschauer zuständig. 3. eine Sterbeurkunde, Erst wenn diesen Erfordernissen bei der Anmeldung ge- nügt ist. dürfen die Leichen im Krematorium angenommen werden. Die Kosten für die Einäscherung betragen 56 M., welche vor der Einäscherung im Friedhofsbureau oder im Krem- torium zu entrichten sind. Ueber Nebenkosten, welche über den Nahmen einer einfachen Feierlichkeit hinausgehen, gibt das Fricdhofsbureau oder Krematorium Auskunft. In Kürze werden ausführliche Prospekte über das ge- samte Versahren zum Zwecke der Einäschs Ü�ing den Interessen� ten im Friedhofsbureau oder im Krematorium kostenlos aus- gehändigt werden können. In die 56 M. für Einäscherung ist die Lieferung einer Aschenürne und Harmoniumspiel in der Kapelle mit eivbe- griffen. Es erwachsen aber außer den Kosten für die Aus- stellung ärztlicher Bescheinigungen auch noch solche für Auf- stellung der Aschenurne, je nachdem dieselbe in der Urnenhalle aufgestellt oder ob für sie ein Aschenbcisetzungsplatz be- gehrt wird. Diese Kosten sind nicht unerheblich. Es ist also Sorge getragen dafür,' daß zunächst nur Personen einge- äschert werden können, deren Angehörige über die nötigen Mittel verfügen. Die erste Einäscherung im städtischen Krematorium ist am Donuerstagnachmittag erfolgt. Es wurde die Leiche der 58jährigen Frau Arendt, geb. Kutuewsky. den Flammen über- geben, nachdem in der Kapelle des Friedhofs in der Schön- hanser Allee eine Trauerseier abgehalten war. Das Be- erdigungsinstitut Gustav Robert hatte die Anordnung der stiminungsvollen Feier übernommen. Bcschiiftigung für stelluiigkose Familienväter verspricht ein Unternebnien, das sich„G r u n d m a n n f ch e Ha it S« Mission" nennt. In Hamburg, Ivo es.von einem Kaufmann Max Grundmann gegriindel wnrde, befindet sick die„Zentrale"(im Hauie Rilterstraße 32). Vor einiger Zeit ist Berlin mit einer Filiale beglückt worden, die als„Bezirlsstation" bezeichnet wird (im Hanse Lange straße 42). Ein Sielliingsloser, der ficb an die Berliner Filiale gewendet hatte, teilt uns mit, wie es ihm dabei ergangen ist. Kenntnis von der Existenz dieser„HauSmiision" halte er durcb ein im„Lokal- anzciger" gemiideneS Inserat erlangt, das so lautete:„Steünngs- lose Faniilienväier sofort Be'chästigung. Langestraße 42, Hof." Hier wird mancher sieb wundern, daß die hinirr der.Hausimsston" stehenden Personen noch Geld ausgeben, um erst durch Inserat die st e l l u n g l o i e n Familienväter z u s a in in e n» zutrommeln. Jener Stellimglose, der uns über seine Er- fahrmigen berichiet, klammerte sich an das Inserat, wie ein Er- trinkender an einen Sirohbalm. Als er zum Bureau der„Hans- niiiston" kam, empfing ibn ein Mann, der sich eiwa wie ein Pastor trug. Der Beschästiglingnichende wurde belehrt, daß die„Haus- niiisivn" stellunglosen Familienvätern so lange Arbeit geben»volle, bis sie Besseres finden. Angeboten wurde idm ein Notbehelf, auf den auch ohne die Vermittlung der«HauSmiision" viele Stellmiglose verfa llen, nänilich H a u i i e r i> a n d e l in i r B r i e fp a p i e r und Ansichtskarten. Aber vielleicht würde die hilfreiche„Hausinissioii", damit der Stellmiglose nicht seine letzten paar Groschen hergeben muß, ihm die nötige» Waren zunächst leibweise überlassen? Der freund- liche Mann im Bureau ließ keinen Ziveifel darüber, daß er lieber sogleich b a r G e l d zu sehen wünschte. Auf die Frage, was denn da ein ganz Mittelloser tu» solle, ainwortcte er. hiermit dürfe keiner mehr kommen, die„Hansiiiissioii" sei schon durch Betrüger ge- schädigt worden. Der Stelllinglose erklärte jetzt, für den ihm hier abgeforderten Preis könne er die Ware auch anderswo kaufen, er könne sie da sogar noch billiger kailfen, und er brauche d.iiin nichr für die„Hmtsniiifio»" handeln zu gehen. Er behielt sein Geld in der Tasche und empfahl sich. Wir werden nicht febl geben mit der Annahme, daß die„HauS- misston" schon bei manchem anderen Sielltinglosen mehr Glück ge- habt baben dürste. Der Betrieb muß sogar ziemlich viel Ertrag abwerfen, sonst föiinteij sie doch nicht die Ausgaben für Blirea» und Inserate machen. Die„Gi undmniin'che HauSmiision"� ist offen- bar weiter nichls als ein privates Unternehmen. daS seinen Mann nährt. Als„HauSinission" wird e>-ivohl deshalb bezeichnet, weil auch ein von Grundmami herausgegebenes„Hansmissioirsblatt" koipoitiert wird. In einem dieser Blätichen sagt die„Zentral- verwallimg" in einer„Bekanntmachniig" wörtlich:„Die Grund- manniche Haiisinissionslätigkeit besteht in der Verbreitnng unseres MiisionSblattes und dabei in den Häusern über GotteS Wort zu sprechen, event. Andachten halten". In der Stkemtzsee-Angelegenheit hat sich, wie die„Voss. Zeitung" berichtet, der Niederbarnimer Kreisausschuß unter Führung des Landrats Dr. Busch nach Frankfurt a. M.. Bonn, Köln, Düsseldorf und Münster begeben, um dort Kalk- fabriken und Drehofenanlagen zu besichtigen. Hiervon soll die Entscheidung, ob nach dem Willen des Großindustriellen Thyssen das Stienitzseeufer verschandelt wird, abhängen. Nach unserer Meinung verunstaltet schon eine so mächtige Anlage an sich, die notgedrungen immer Staüb entwickeln muß, die Seelandschatt. Wäre der Antragsteller nicht der einflußreiche Thyssen, so hätte mau eine so ausgedehnte und kostspielige Jnspektionsrelse vielleicht doch nicht unternonimen. Die in der 41. Gcmcindcschule in der Wiclcsstraße durch Ein- atmen von Leuchtgas erkrankten drei Kinder sind auhcr Gefahr und wieder wohlauf. Die Erkrankung ist durch einen Rückschlag des Gnies vom Erdgeschoß nach dem Erfrischungsraum im Keller der Schule erfolgt. Der Selbstmord einer Siebzehnjährigen wird aus der Winterleldt- straße gemeldet. Das Dienstniädchen Emma Rosewski, das bis zuni 1. Ziovember bei einer Herrschaft in der Pallasstraße in Stellung war, hatte sich mit seinem Bräutigam überworsen und machte schon im August den Versuch, sich vor der Tür des Geliebten mit Lysol zu vergiften. Die Verzweifelte wurde damals von Vorübergehenden gleich aufgefunden, nach der Hilfsioache gebracht und gerettet. Seit 'vier Wochen wohnte sie bei Privatleuten. In den nächsten Tagen sollte sie in Scvöneberg eine neue Stellung antreten. Sie konnte jedoch ihren Liebesgram nicht verwinden. Vorgestern trank sie wieder Lysol. Ihre WirtSleute fanden sie besinnungslos auf. Ein Arzt. der zufällig im Hause war, wandte Gegenmittel an und ließ das Mädchen nach dem Elisabeth-Kcankenhause bringen, wo eö gestern gestorben ist. Zu einer Geburtshilfe sFehlgeburts wurden am Donnerstagabend Samariter der Feuerwehr nach der Friedrichstr. 36 gerufen. Leider ohne Erfolg. Der Frau G. konnte kein Beistand mehr geleistet werden. Warnung. In den Zeitungen erscheinen seit längerer Zeit An- kündigungen, in denen ein Kropfmittel deS Dr. L. Bertram Hawley oder der New Dort Medical Co. mit marktschreierischer Reklame an- gepriesen wird. Die amtlichen Ermittelungen baben ergeben, daß Dr. L. B. Hawley der Leiter des in Paris, Rue de l'Jsly Nr. 9, befindlichen Zweiggeschäfts der New Dort Medical Compagnie in Rochester/zg Uhr. Vorort- Nacbrichtern Lichkenverg. Eine städtische Hypothekenanstalt für 2. Hypotheken soll nun auch in Lichtenberg errichtet werden. Die Vorschußbanlgruppe hat es sehr eilig, noch kurz vor Toresschluß die Hilfsaktion für den»notleiden- den Hausbesitz" unter-Dach und Fach zai bringen. Eine gemischte Kornmiflion hat bereits ain Donnerstagabend die Vorlage inner- halb 3 Stunden durchgepeitscht und schon am nächsten Donnerstag soll in der voraussichtlich letzten Sitzung der alten Stadtverordneten- Versammlung, in der diese Interessengruppe nochmals die Diktatur übt, die Vorlag« zur Verabschiedung kommen. Di« gemischte Kom- inrssion, an deren Verhandlungen außer dem 2. Bürgermeister aller- dingS nur Hausbesitzer teilnahmen, beschränkte im wesentlichen ihre Arbeit aus die Entgegennahme eines Diktats des Rechtsanwalts und Notars, Syndikus der Vorschußlbank, Herrn Jakob Schachtel, das der Herr Bürgermeister diensteifrig als Beschlüsse der Kommission protokollieren ließ. Danach wird unter anderem der GeschästSkreiS erweitert auch-auf nicht in Lichtenberg wohnende Hausbesitzer und das Grundkapital der Anstalt auf 3 Millionen(gegen 1 Million in der Vorlage) erhöht. Herr Schachtel gestattete dem Herrn Bürgermeister freundlichst» im Z 1 der Vorlage folgenden trivialen Satz stehen zu lassen: Die Anstalt hat den gemeinnützigen Zweck, den Grundbesitz innerhalb deS Stadtgebietes und die Pflege des Wohnungswefens durch Gewährung von Hypotheken zur 2. Stell« auf Lichtenberger Hausgrundstücke zu jövdern. Der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion zwang die selbstlosen Helfer zu dem Eingeständnis, daß mit dieser Einrichtung keine Einflußnahme aus das Wohnungswesen im sozialpolitischen Sinne durch ein städtisches Wohnungsamt oder gar eine WohnungS- Politik verbunden sei. Im Gegenteil, an der Förderung des Klein- Wohnungsbaues habe die Gemeinde lein Interesse; eS müßten viel- mehr große, potent« Steuerzahler herangezogen und um dieses Ziel zu erreichen, müsse der HaiiSbesitzerstand„gefund" gemacht werden. Die angezogenen Sätze passen ja wohl nicht in die Leitsätze eines rein gefchäftiichen Unternehmens, bei dem die Gemeinde doch ,,ver- dienen" werde, aber sie genieren ja auch niemand und können darum ruhig stehen bleiben. Daß unter diesen Umständen, der Vertreter unserer Fraktion bei der Gesamtabstimmung gegen diese»gemein- nützige" Vorlage stimmte, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Schöneberg. Die Rechtsanskunftsstelle der Gewerkschaftskommlssi-u befindet fich setzt bei dem Genossen Paul Gollmick, Wartburgstr. 51. Ouergeb. II. Sprechstunden jeden Freitag von 7—9 Uhr abends. Charlottenburg. Ein tödlicher Automobilunfall hat fich vorgestern nachmittag er- »ianet Als die vierjährige Gerda Schneider, die Tochter eine« RestanrateurS aus der Waitzstr. 12 vor dem elterlichen Hause spielte und dabei über den Fahrdamm laufen wollte genet sie gegen eine herannahende Kraftdroschke. D'r Kl-me wurde umgerissen und kam unter das Gefährt zu liegen, dessen Rader über den Korper des KindeZ hinweggingen. Der Vater, der Augenzeuge des Unfalles ge- wesen war. brachte seine Tochter in einem Automobil sofort noch dem Krankenhause Westend; dort konnten die Aerzte aber nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Steglitz-Friedenau. Eine Ausstellung von guten Jugendschriften und künstlerischem Wandschmuck veranstaltet der BildungSausschuß am Sonntag, den 1. Dezember, im Lokal von Schellhase, Steglitz, Äbornstr. Iba. Die Ausstellung ist geöffnet von nachmittags 3 bis 10 Uhr. Der Besuch ist kostenlos. Die Arbeitereltern werden ersucht, die Aiisstellung zu besuchen. Sie bietet eine vorzügliche Gelegenheit, guie und billige Jngend. schriflen und künstleriicheii Wandschmuck.anzuschauen und das Beste für den WeiHnachlslisch auszusuchen. Neukölln. Am Totensonntag ist in Bartsch' Festsälen.eine Boa liegen ge- blieben und kann dort abgeholt werden. Ober-Schönctveide. Der Fleischverkauf her Gemeinde hat sich jetzt für daS Publikum besser gestaltet, indem hie Gemeindeverwaltung den vielfachen Be- schwerden, welche an sie gelangten, wenigsten« in etwas Rechnung getragen hat. Zum guten Teil mag dazu auch die große öffentliche Versammlung beigetragen haben, welche fich mit dieser Angelegen- heit beschäftigte und deren Beschlüsse der Gemeindeverwaltung vor- getragen worden sind. Ter Verkauf des Fleisches beginnt jetzt schon um II Uhr vormittags, dadurch hat es sich gezeigt, daß das frühere Gedränge der Käufer vermieden und ein geregelter Verlaus der Ab- gäbe des Fleisches erzielt wurde. Die Behandlung des Publikums durch die von der Gemeinde direkt angestellten Verkäufer gibt zu Klagen keinen Anlaß. Der Seefischvcrkauf, welcher vordem in zwei Privatläden statt- fand, sich dort aber nicht rentierte, ist jetzt ebenfalls in die Räume verlegt worden, in denen der Fleischverkauf stattfindet; er wird dort an jedem Donnerstag von der Nordseefischereigesellschaft ausgeführt. „Religion, Krieg und Frieden" war das Thema einer äußerst stark besuchten Volksversammlung, welche am Dienstag im Nestau- rant„Blumengarten" tagte. Der Referent Adolf Hofsmann geißelte mit treffenden Ausführungen den Gegensatz zwischen den Lehren der Kirch« und den Taten-derer, die dem Volk« diese Religion predigen. Angesichts der Greuel der entfesselten KriegSfurie m-üsse sich die Menschheit frei machen von allen Vorurteilen und energisch die Beseitigung unserer widerwärtigen Zustände anstaeben. Ter Erfolg der Versammlung waren 110 Kirchenaustrittserklärungen und mehrere Neuaufnahmen für die Partei. Hohen- Schönhnusen. Aus der Gemeindevertretung. Die Abrechnung über den Bau deS Feuerwehrdienstgebäudes weist ein« Ueberschreitung von 12 140 Mark auf. Für Arbeiten, die nicht im Kostenanschlag vorgesehen waren, wurden 17 859 M. verausgabt. Nach einigen Monierungen seitens unserer Genossen wurden die Summen bewilligt. Das Gebäude kostet somit 150 000 M. Di« Anlegung eines Parkes am Obersee zeitigte eine äußerst rege Debatte. DaS Gelände an der Westseite de? SeeS ist her der Eingemeindung des Gutsbezirks der Kommune von der Grundevwerbsgesellschast übereignet worden. ES ist im Bebauungsplan als Freifläche vor- gesehen, bis auf zwei geringe Zugänge aber ringsum von Grund- stücken im Privatbesitz umgeben. Die Gemeinde ist nun gezwungen. um einen ordentlichen Zugang zu schassen, Grundstücke auszukaufen. In Betracht kamen die Grundstück« an-der Waldowstraße und Liudenweg. Unsere Genossen kennzeichneten hierbei die Schädlich- keil der Grundstücksspekulation. Ist doch das betrefsende Grundstück im Juni d. I. pro Quadratr-ute rgit 225 M. von der Grunderweibs- aesellschaft verkaust worden. Der Äqüser verlangt setzt nach einem halben Jahr 275 M. pro Ouadrätrule. Um daS Prosekt nicht scheitern zu-lassen, stimmten unsere Genossen für den Ankauf, der eine Summe von fast 100 000 M. erfordert. Die Anlegung d«S Oberseeparls ist mit 16 000 M. veranschlagt. Die Abnahme der Jahresabrechnung ließ«inen Ueberschuß von 103 291,30 M. erkennen. Die Teueru-ngSinaßnaHmen, die in der Sitzung vom 24. Oktober für die Dauer von 14 Tagen beschlossen waren, sollten auf Antrag-deS Gemeindevorstandes weiter bestehen bleiben. Die Genossen Obermeyer. Thiele und Reyher wandten sich ganz ent- schieden dagegen und beantragten die Einführung russischen Fleisches, das von der Kommune selbst vertrieben wird. Weil die hiesigen Fleischermeister angeblich geschädigt würden, lehnten die Bürger- lichen gegen die 5 Stimmen unserer Genossen den Antrag ab. ES soll statt-dessen innerhalb der nächsten 14 Tage mit den Fleischer- meistern zwecks Verkaufes russischen Fleisches durch dieselben unter- handelt werden und erst wenn diese ablehnen, will die Gemeinde den Vertrieb in eigene Regie übernehmen. Unter Verschiedenes rügte Genosse Reyher die während der Umpslasterung der Berliner Straße entstandenen unhaltbaren Zustände. Morgen, Gonntag, den 1. Dezember, findet im Lokal von Reyher. Berliner Str. 93. eine Jugendichriften- und Wandschmuck- anSstellung, geöffnet von. 1 Uhr mittag« bis abend« 7 Ubr. statt. Um'/j8 Uhr wird im Saale desselben Lokals eine öffentliche Jugendversammlung abgehalten. Jugendliche Personen und deren Eltern sind hierzu eingeladen. Herzfelde. Aus der Gemeindevertretersitzung. Zunächst wurden die neu- gewählten Gemeindeverordneten Hermann Wehmeyer und Otto Bredereck in ihr Amt eingeführt. Ein« erregte längere Debatte rief-der Antrag der Wegebaukommission, betr. Pflasterung der Möllerstraß« bis zum Eingange der Hauptstraße, hervor. Bcr-' schieden« Vertreter waren gegen diese Verbesserung, die-doch nur mit geringen Mehrkosten verbunden ist und schützten»Sparsamkeits» rücksichten" vor. Der Antrag wurde jedoch mit 7 gegen 6 Stimmen angenommen. Sodann kam der von unseren Genossen eingereichte Dringlichkeitsantrag auf Ergreifung von Maßnahmen zur Linde- rung der Lebensmittelteuerung zur Beratung und Beschlußfassung. Der Antrag wurde vom Genossen Stoff begründet, der die enorme Steigerung- der Pretsd für die Lebensmittel, insbesondere der Fleischwaren, hervorhob. Die Notlag« wurde auch von der Vertretung anerkannt, doch wurde ausgeführt, daß die Teuerung nur schwer zu lindern sei, da der Landwirtschaftsminister die Abgabe russischen Fleisches seitens der Stadt Berlin an die weiter entfernt liegenden Vororte nicht.genehmige. TaSdorf-Schulzenhöhe. Kalk- berge und Rüdersdorf hätten bereits auf solche Antrage abschlägige Bescheide erhalten. Gemäß dem sozialdemokratischen Antrage wurde jadoch beschlossen, einen Seefischverkauf einzuführen. Zunächst sollen geringere Ouanlitäten von Seefischen beschafft werden, da nian erst sehen will, ob genügend Wsatz erzielt wird. Dem Antrage der Freiwilligen Feuerwehr um Bewilligung eines Ext razuschu fies von 200 M. gab die Gemeindevertretung statt. In der KreiSwaffer- Werksangelegenheit teilte der Vorsitzende. Gemeindevorsteher Jglew mit. daß die LeitungSlegung etwa 50 000 M. kosten würde. Der Preis für de» Kubikmeter Wasser würde 20 bis 23 Pf. betragen. Außerdem wurde noch bekanntgegeben, daß die Regierung eS abgelehnt habe, ein Drittel der Kosten zum Schulhausbau zu tragen. Von der Angelegenheit betr. Protest gegen die Errichtung einer Drehofenanlage zur Kalkbrennerei am Stienitzsee seitens der Rüdersdorf G. m. b. H. wurde in eingehender Weise Kenntnis ge- geben. Sonntag, den 1. D«cmber. von 12-8 Uhr. findet im Restaurant »Zum goldenen Stern", Hauptstx. 57, eine Jugendschriften- und Wandschmuckaüsstellung statt. Nachmittags 3 Uhr: Oefsentlich« Jugendversammlung. Thema:»Jugendschriften- und Wandschmuck- Ausstellung un' proletarischen Heim". Tne werltälige Jugend bo» Herzfelde ünd Umgogend wird gebeten, an der Veranfiallung voll- zähl igen Anteil zu nehmen. Spandau. Fahrpreiserhöhunge» für Arbeiterwochenkarten? Bereits am 1. Januar 1911 wurde von der hiesigen Straßenbahn der Preis für di« einfache Arbeiterwochenkarte von 60 Pf. auf 80 Pf. erhöht. Jetzt befaßt sich die Straßenbahndeputation auf Vorschlag der Straßen- bahndirektion-bereits wieder mit der Erhöhung der Arbeiterkarten. Es wird beantragt, daß eine Arbeiterkarte für eine Zehnpsennig- strecke für 6 Hin- und 6 Rückfahrten I M.(bisher 80 Pf.) un.d für eine Fünfzehnpsennigstrecke IIS M.(bisher 1 M.) kosten soll. Tiefs beantragte Verteuerung der Verkehrsmittel wird natürlich bei der Arboiterschaft den schärf-'en Protest hervorrufen, kann dann doch vorc einer Ermäßigung de- Fahrpreises bei der Arbeiterwochenkarte gegenüber der einfachen Fahrkarte kaum noch gesprochen werden. Aber auch für die einfache Fahrt find Verschlechterungen geplant. Für 10 Pf. kann man bisher drei Teilstrecken befahren, während das Fahrgeld für die weitesten Umsteigestrecken IS Pf. beirägt. Nach dem Vorschlag-des Straßenbahndirektors soll der Tarif wie folgt geändert werden: 1. Tos Fahrgeld beträgt 10 Pf. bis zur 3. Zahl- grenze, 15 Pf. über die 3. Zahlgrenze b-naus bis zur 5.. 20 Pf. über die 5. Zahlgrenze hinaus. 2. Hafenplatz und Hamu�rger Straße werden neue Zahkgrenzen. 3. Die Sirecke Hafenplatz— Johannis- stist wird in zwei Strecken geteilt; Hafenplatz— Düppelplatz und Düvpelplatz— Johannisstift. 4. Die Zahlgrenze Wilbelmstraße wird nach Weißenburgerstraße, Nonnendamm wird nach Nohrdamm Ecke Reisstratzc verschoben. 5. Pl-antage und Hauplbahnhof wird als ein Punkt betrachtet. Ein schwerer Unglücksfall hat sich vorgestern in der Wilhelmstäbt zugetragen. Die techesährige Tochter des ArbeilerS Berger hatte mit anderen Kinder» bei Bekannten gespielt. Als sich die Kleinen für kurze Zeit allein befanden, wollten sie auf einem Spiriinskocher Kakao kochen. Dabei wurde der Apparat uiiigeiioßen, und der brennende Spiritus ergoß sich über die Kleider der kleinen B., die im Nu in hellen Flammen standen. Erschreckt liefen die übrigen Kinder davon und überließen das bedauernswerte Mädchen seinem Schicksal. Als kurze Zeil darauf Hausbewohner auf die Schmerzeiisschieie de« un- glücklichen Kindes zu Hilte eilten und die Flammen durch Auf« ioersen von Decken und Bellen erstickten, halte daS Kind bereits furchtbare Brandwunden am ganzen Körper davongetragen. Es wurde in hoffnuiigslosem Zustande nach dem städtischen Kranken- Hause geschafft. Serickts- Leitung. Ein GrllndungSprozeß. Um die GeschäftSpraktiten der„Comiuerclak and Financial Bank" in London, einer Gründung des Bankiers Loewy, handelt es sich in einem zurzeit bei dem Landgericht I schluckenden Prozeß, in welchem augenblicklich zahlreiche Vernehmungen vor dem Unter- suchungsrichjer, Landrichter Lindner, stattfinden. Gegyn Hugo Loewy schwebt seit dem Jahre 1904 ein Strafvcr- fahren ipegen Unterschlagung, in welchem eS sich um folgendes handelt: Loewy gründelc, nachdem er den Staub Teutschlands von seinen Füßen geschüttelt hatte, in London unter der Firma:»Com- mercial and Financial Bank" ein Bankgeschäft, welches sich Haupt- sächlich mit Minenpapiercn beschäftigte. Diese Grün-...ng reüssierte sehr gut, so daß das Geschäft in kurzer Zeil in Englai.d und Frank. reich je 1000 Kunden und in Deutschland etwa 500 Kunden auf- weisen konnte. Für das Geschäft waren als Agenten ein gewisser Schiff in Brüssel und ein Agent Törowski in Berlin tätig. Durch Vermittelung des ersteren trat ein Fabrikant Wagne-, n Greiz mit der Bank in Verbindung, bei der er für 40 000 M. Effekten hinter- legte. Als W. in Konkurs geriet, stellte der Konkursverwalter fest, daß sich bei der Londoner Bank noch die 40 000 M. befinden müßten. Da diese ihm antwortete, daß diese? Kapital durch die Spekulationen deS W. verloren worden sei, erstattete er Anzeige mit der Behaup- tung, daß das Geld unterschlagen sei. Loewy bestritt ganz ent- schieden irgendeine strafbare Handlung und erklärte, daß er als ..Managing-Direcior" der Bank lediglich dieselben Funktionen aus- zuüben habe, wie in Deutschland der Vorsitzende des Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft. Bei den hiesigen Gerichten wurde der Antrag gestellt. Loewy freies Geleit zu gewähren. Diesem Antrage wurde von der Strafkammer stattgegeben. Loewy kau. vor einigen Tagen nach Berlin und wurde mehrere Tage lang von dcw Unter- suchungSrichter Lindner vernommen. In dieser Vernehmung er- klärte er, daß er auf die Geschäfte der Bank selbst gar keinen Einfluß habe. Die Bank selbst sei von englischen Kapitalisten mit einem Kapital von 300 000 Pfund Sterling— 6 Millionen Mark gegründet worden, so daß sie im Gegensatz zu den deutschen bulcet- stiopz-Bcmken ä la Sattler, mit einer so geringen Summe von 40 000.SR. gar nicht habe rechnen brauchen, zumal sie mit einem täglichen Umsatz von zirka I Million arbeite.— Die Verhandlung gegen Loewy wird erst im Frühjahr nächsten JahreS stattfinden, da der StaatSonwaltSschaft-Rat Dr. Gysan, der auch diese Sache bearbeitet, einen mehrwöchigen Urlaub zur Vorbereitung des Prozesses gegen Kwiet u. GanS erhallen hat. ReichSgraf und Rechtsanwalt. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte trat aestern unter Vorsitz des AmtSgerichtsratS Wollner als Kläger der ReichSgraf Bernhard von Schmcttow gegen den Rechtsanwalt Dr. Schwenk auf. Der Klage, die schon einmal daS Gericht beschäftigt hatte. liegt folgender Sachverhalt zugrunde. Vor einiger Zeit schwebte gegen den jetzigen Kläger Graf Schmettow ein Zivilprozeß, in welchem der Gegner von dem jetzigen Beklagten Dr. Schwenk vertreten wurde. Der Graf sollte über bestimmte Punkte einen ihm vom Gericht a-uferlegten Eid leisten. Von Dr. Schwenk wurde gegen die Eidesleistung protestiert. Dieser Protest führte zu einer recht heftigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Dr.«?ch- dem Grafen zugerufen haben soll: Herr Reichsgraf. Sie sind ein Schwindler!" Diese von dem Beklagten jetzt bestrittene Aeußerung bildet den Gegenstand der jetzigen Privatklage. In der ersten Ver- Handlung bot der Beklagte einen recht interessanten Beweis dafür an. daß et nach seiner innersten Ueberzeugung jenen Ausdruck, wenn er gefallen wäre, mit einer gewissen Berechtigung habe gebrauchen können. Der Graf Schmettow. der früher mit einer Gräsin vvn AZachtmeister verheiratet gewesen sei. habe sich bald. nachdem die Ehe geschieden sei. mit der Prinzessin Sulkowska, der Erbin eines mehrere Millionen betragenden Vermögens, verlobt. trotzdem diele wegen angeborener Geistesschwäche in ihrem Hei- matöstoate Ungarn entmündigt worden sei. Um die Ehe mit der Prinzessin eingehen zu können, habe er die Genehmigung der Vor- mundschaftsbchorde. des WaifenstuhleS in Arad bzw. deS Vor- nnrndes, des Güterdirektors Arpad von Haliczki in Feistritz erlangen müssen. Diese Genehmigung sei jedoch verweigert worden, da eS sich herausstellte, daß der Graf völlig verschuldet war und ,chon den OffenbarungSeid vor dem Amtsgericht Charlottenburg geleistet hatte. Der Graf habe sich dann ovne Wissen de« Vormundes eine Generalvollmacht von der entmündigten Prinzessin p.ben lassen. auf Grund deren er. obwohl er wußte, daß sie unwirksam war. Automobile. Brillanten ulw� erwarb, die er sofort wieder versetzte. Bei der Leistung des OffenbarungScide« habe er selbst angegeben. daß er von seinen Gläubigern unterhalten wen.«, d� ihm kleine Darlehen gewährten. Schließlich habe es der Graf unter falsche» Angaben möglich gemacht, daß die Ehe mit der Prinzessin Sulkowska im September v. I. vor dem Standesbeamten Butz in Pommerzig. dem Rentmeister seines Baters. geschlossen wurde. In der gestrigen Verhandlung wurde dieser Beweis vom Gericht abgelehnt, da lediglich eine rein formale Beleidigung Zur Anklage stehe. Auf Anraten deS Vorsitzenden erklärte sich Graf Schmettow wie aucy der Beklagte zu einem Verglo-He bereit, der folgenden Wortlaut hatte: Der Beklagte erklärt: Ich habe den Privatkläaer nicht mit dem inkriminierten Ausdruck belegt, bedaüre, daß meine Aeußerungen so verstanden worden sind. Die gerichtlichen Kosten ttägt der Beklagte, die außergerichtlichen werden -nicht erstattet. Prügelnde„Schutzleute� Vor der Duisburger Strafkammer wurde wieder einmal eines jetter Geheimnisse entrollt, an denen die Polizeiwachtstuben so reich sind. Der Polizeisergeant Sesecki hatte in einer Mülheimer Wirt» schast mit zwei Arbeitern, dem Schlosser Mäge und dem Kellner Meißner, allerlei Unfug getrieben, sie exerzieren lassen und derlei Kindereien mehr. Als schliesslich dem Mäge die Sache zu dumm wurde, fragte er den Polizisten,„ob er eigentlich im Dienst sei"? Das brachte nun diesen sofort in Harnisch, die„Autorität" wurde hervorgekehrt und schon war der„Krach" fertig. Mäge bat darauf tclephonisch di» Polizeiwache um einen Beamten. Darüber erbost, wurde Kosecki handgreiflich. Er mißhandelte den Mäge schwer, warf ihn die Treppe hinunter und bearbeitete den am Boden Liegenden mit Säbel und Fußtritten. In seiner Wut zog nun Mäge das Messer und versetzte damit dem Beamten einen leichten Stich in die Schulter, entriss ihm auch den Säbel. In diesem Augenblicke kamen die Polizeisergeanten Brühl und Bleck hinzu und nun wurden Mäge und auch Meissner, der sich an der Rauferei nicht im geringsten beteiligt hatte, gefesselt zur Wache geführt. Auf der Wache angekommen, stieß und schlug nun der Polizeisergeant Brühl den Mäge unter allerlei Beschimpfuneg« inS Gesicht, so dass schliesslich die Polizeisergeanten Rautcnberg und Kornfeld sich ins Mittel legten und den Misshandelten vor weiteren Brutalitäten des Brühl dadurch schützten, dass sie ihn in die Arrestzelle steckten. In der Zelle ist Mäge dann später noch mit einem Gummischlauch verhauen worden. Die Sache nahm nun diesmal nicht den üblichen Verlauf, d. h. es wurde nicht der Mitzhandelte, sondern di« beiden prügelnden Schutzleute unter Anklage gestellt. Als die Sache brenzlich wurfce, verschwand Kosecki angeblich ins Ausland. Gegen Brühl kam die Loklage wegen Mißhandlung im Amte vor die Duisburger Straf» lammer. Er wurde zu acht Wochen Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ihm das Zeugnis ausgestellt, dass er sich absolut nicht für den Polizeidicnst eigne. Diese Erkenntnis kommt reichlich spät, denn es wurde auS den Akten festgestellt, dass Brühl erst am 4. März d. I. mit 1 Monat Gefängnis ebenfalls wegen Mißhandlung im Amte bestraft ist. In diesem Falle hatte er einen Arrestanten, der ohnehin noch grundlos verhaftet war, als Dressur. objekt für seinen noch unauSgebildeten Hund benutzt. Der Mann war durch Bisswunden des Hundes schrecklich zugerichtet worden. Der„Schutzmann" hatte den Hund auf Kommando:„rechts— linkS"— dem armen Kerl bald auf die eine, bald auf die andere Seite gehetzt. Das Charakteristische an der Sache ist, dass Brühl trotz dieser Vergangenheit noch im Amte sein konnte. Ob er denn nun wohl jetzt den Polizeirock ausziehen muss? Derartige Polizeimisshandlungen sind AmtSverbrechen, die wegen ihrer Gemeingefährlichkeit und der erbärmlichen Feigheit, die ihre Anwender auszeichnet, mit Zuchthaus bedroht sind. In solchen Fällen mildernde Umstände anzurechnen und eine geringe Gefängnisstrafe auszuwerfen, ist nicht am Platze. Hus aller Melt. Grostfeuer auf der Wilhelmshavener Werft. Auf der WilbelmShavener Werft entstand am Donnerstag kurz vor Mitternacht Grotzfeuer, das am Südlai grossen Schaden an« gerichtet hat. Unter anderem geriet das A r t i l l e r i e- R e f f o r t- magazin I.'. an der Königstrasse in Brand, dessen werlvoller In- halt teils den Flammen zum Opfer fiel, teils beschädigt wurde. DaS davor liegende AefchüylagerbauS und die angrenzende Artillerie-Mechamkerwerckstätte wurden nicht in Mitleidenschast ge» zogen. Bon dem ausgebrannten Gebäude blieben nur die Um» faffungSmanern stehen._ Verrückte Weiber. Die englischen Suffragetten, die beileibe nicht etwa für da« Wahlrecht aller wahlfähigen Frauen eintreten, diskreditieren sich immer mehr. Am Donnerstag haben sie durch einen geradezu blöden Akt des VandaliSmuS wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gestern nachmittag eröffneten sie nämlich einen Feldzug gegen die— Briefkästen Londons. Die fanatischen Suffragetten schütteten in zirka 28 Briefkästen Petroleum. Benzin, Schwefelsäure und andere Säuren hinein und vernichteten dadurch tausende von Postsendungen, zum Teil von hohem Werte._ Kleine Notizen. Die Cholera im türkischen Lager. Die amtlichen Listen verzeichneten am Freitag St Cholerafälle in Konstantinopel, von denen fast die Hälfte tödlich verlief. Die Epidemie wütet noch immer unter den türkischen Truppen der Tschataldschalinie und in dem Cholera- lager von San Stefano, wo die Lage trostlos fein soll. Die Re- gierung hat beschlossen, ausser in San Stefano auch in Hademköi Cholerabaracken zu errichten. Der oberste internationale Gesund- heilSrat hat die Flüssigmachung eines neuen Kredits beschlossen. Cholerafälle auf einem englischen Dampfer. Auf dem zurzeit im Schwarzen Meer sich befindlichen englischen Dampfer„Bosnian", wo bereits ein Cholerofall festgestellt wurde, ist eine zweite Cholera- erkrankung konstatiert worden. Tödlicher Unfall an Bord eines Schulschiffes. Als das Schul- ichiff.Württemberg' Donnerstag nachmittag im Flensburger Hafen vor Anker gehen wollte, brach die Backbord-Ankerkette. Dabei wurde der Matrose Schwede« aus Kassel schwer verletzt. Er starb bald nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus. Folgenschwere Gasexplosion. In der neuangelegten Napbthazeche bei Wienise in Russtsch-Polen, deren Inhaber Graf Gorayski ist, erfolgte aus unbekannter Ursache eine Gasexplosion. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle getötet, viele andere sind tödlich verwundet. Grubeneinsturz. Durch Einsturz einer Kalkgrube bei Tournah in Belgien wurden sieben Personen getöret. Ein Racheakt. Im Bureau eines Pariser Warenhauses erschoss am Donnerslagnachmittag ein Kassenbote den Buchhalter Muzet durch fünf Revolverschüsse. Der Täter, der sich widerstandslos ver- haften liess, erklärte, er habe die Tat aus Rache begangen, weil Muzet ihn seit Jahren in jeder möglichen Weise gequält habe. Man glaubt, dass der Täter in einem Anfall von Verfolgungswahn ge- handelt hat. Typhusepidemie. In Aachen haben sich ungefähr 50 Fälle von Typbusanfällen ereignet. Die Verseuchung ist durch an hiesige Milch- Häuschen von einer auswärtigen Molkerei gelieferte infizierte Milch hervorgerufen worden. D'ie Stadt hat alle Maßnahmen ergriffen, um einer Verbreitung der Seuche zu steuern. Duellmord. In der Klinik in Gießen starb ein Franzose mit Namen Fighiera aus Frankfurt a. M. an einer Wunde, die er am 15. November bei einem Pistolenduell erhalten hatte. Sein Gegner war ein Leutnant vom 3. Fussarlillerie-Regiinent. Jugrndvcranstaltunge«. Für die Arbeiterjugend Berlin-Wedding wird am 1. Dezember, nachmiltag» 2 Uhr. tn den Pharussälen, Müllerstr. 142, eine große öffent- liehe AgitattonSoersaminiung oeranstai.1, tn welcher über das Thema: Der Kamps um die Arbeiterjugend rescriert wird. Arbeitertouristenverein.Tie Naturfreunde». Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den l. Dezember: Wanderung von Strausberg nach dem Bötz. see, Spitzmühle, südlichen Gamcngrund. Tiesensee. Abjahrt nach Straus- berg vom Schleichen Bahnhos früh 6,30 ßneffeaften der Redaktion. 3t. 231., Köpenick. 1. Ja, sosern Ihnen nicht ein ScheidungSarmid zur Seite steht. 2. Sie können aus Ecsntz des Wertes der veräußerten Gegenstände klagen, nachdem Sie vorher Zahlung gesordert haben. 3. Es genügt die Anwesenheit Ihres Anwalts.— O. E. v. I. 1. An die Tochter zu Händen des Vaters. 2. Ja. 3. U. E. nicht. 4. Die Tochter gesetzlich vertreten durch den Vater.— B. 3t. 131. ES muß erst Klage erhoben werden. Der Termin wäre in 14 Tagen bis 4 Wochen zu erwarten.— — H. I. 8K. Ja.— E. I. 1., 2. und 3. Der Antrag kann auch ohne Beisügung eines ärzlichen Attestes gestellt werden. Es ers-4zt dann wahr- schcinlich die Untersuchung durch einen Vertrauensarzt der Landcs- versicherungsanstalt. 4. Ja.—■». 7, Weißensee. Die Privalklage er» scheint durchsührbar. Vor Erhebung der Klage muß zum Sühnetcrmin geladen werden.— O. M. 31, Vuchholz. Sie haben lediglich Anspruch aus eine Freipolicc. Für, das iauseudc Versicherungsjahr bleiben Sie noch hastbar.— Tcdloffer 100. Der Anspruch ist verjährt. Die Behauptung im Schristsatz erscheint nicht strasbar, da der Schutz deS§ 193— Wahrnehmung berechtigter Interessen— in Frage lammt.— O. F. 100. 1. und 2. Es besteht keine Geiahr. 3. 1,44 M. pro Tag.— A. W. 10. Stein.— Abonnent O. S.. Wiener Ttr. 1/6. Nein.— 50, F. 1. Nichi• zuiäsfig. 2. und 3. Sie können den Antrag stellen, Sie als Nebenkläger zuzulassen und dann die Anerkennung einer Buße beanspruchen, in welcher dir Kosten mit eingegriffen sind.— F. M. 2K. sie sind erstattungspflichtig bis zum Betrage von etwa 5 M. monatlich.— P. B. 20787. Iii. — H. 3. 77. Sie müssen ebenfalls ausscheiden, falls Sie von der Steuer besreit sein wollen.— Norden 113. Stellen Sie bei dem Vorsitzenden der Veranlagungskommissioi! dcn Antrag aus Erlaß der Sleuer für die in Frage kommende Zeit. Äleichzeilig beantragen Sie Stundung. Falls Sic dies unterlassen, ist Pfändung zu besürchten.— Lottrrieverein„Mehr Schwein 1000. Nein.— I. H. Wir halten Sie sowohl, wie Ihre Frau verpflichtet, den Austrag auszusüvren.— Ellendorss-Westend. Die Forde- > ung ist verjährt.— H. W. 42. 1. In 10 Jahren. 2. Salzsäure.— G. E. 21. 1. Voraussiwtlich ja, da Sie eine gesetzliche Untcrhaltungs- Pflicht gegenüber dcn Kindern erster Ehe nicht haben. 2. Leider gehören unebelich« Kinder nicht zu den.Angehörigen» im Sinne deS Kranken- versicherungsgesetzcS und der von Ihnen erwähnten statutarischen Bc- slimmungen.— Lebensgefahr. 1. Eine dahingehende Vorschrift bc steht nicht. 2. und 3. Wir halten die Sache nicht sür durchsührbar. P. W. 33. Mit Genehmigung der Ortspolizeibebörde zulässig. Kosten etwa 150 M.— M. 00. Ihre Verpflichtung zur Zahlung ist wahrscheinlich aus dem VerficherungSantrag zu solgern. Wir raten, den Betrag zu zahlen.— C. 73. 1. Krankheiten, Verletzungen und deren Foigezuslönde an den unteren Gliedmaßen. 2. BiS 1914.— C, R. Ja. Marktbericht von Berlin am 38. November 1013, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. Markldallenpreisc.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weitze, 86,00— 60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1.40— 2,40, Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,40—6,80. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1,80— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechle 1,40—2,80. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,00—30,00. Buchhandlung Vorwärts, ündenstr. 69 (Laden)——————— J. B. von Schweitzer Politische iufsätze und Reden. Mit Einleitnng und Anmerkimg herausgegeben v. Fr. lHehrlng. Soziallstische Neudrucke V» fflclluiflclils-VerM bei der IL IL 0. Um unseren ersten Weihnachts-Verkauf zu einem Ereignis zu gestalten, stellen wir große Warenposten zu enorm billigen Preisen zum Verkauf. In allen Abteilungen befinden sich viele Gelegenheitskäufe weit unter regulären Preisen. Bei Gelegenheitskäufen genießen alle Vorteile lediglich unsere Kunden, da wir auf Grund unseres Verkaufssystems: Selbstkostenpreis + 10% nie mehr wie 10% Umsatzgebflhr als einzigsten Gewinn berechnen dürfen. Fertig am Lager zum Selbstkostenpreis+ 10%: Herren-Hleider-Vertriebs-Ges. Neue Schönhauser Str. 1 1 b.-.»| Moabit, Turmstraße 73 Ecke Weinmeister- und Münzstraße.| Sonntags 12-2 Uhr geöffnet[ vis-a-vis der Emdener Straße. Wir bitten unsere Firma nicht mit ähnlichen Geschäften zu verwechseln."SZ Millionen gebrauchen gegen 's Bru3t�„.,' gegen tts>ssi'ksif. MZ MMMWIW MMMWMW fhit den„3Tannen 6100 notariell beglaubigte Zeugnisse von Äerzten und Privaten verbürgen den sicheren Erfolg. Köstliche«, feinscbmeckendes Hustenmittel. Paket 30 Pf. Dose 60 Pf Zu haben ausschließliiHi in Apotheken und Drogerien und zwar nur in vernieteten Paketen, niemals lose ausgewogen. Brust- Katarrh; ■ Nur8 für Monatsgarderobe: T otal-Aus vor kauf wegen Aufgabe des Geschäfts Ein Posten Ulster, ein Posten Paletots, ein Posten An slige, femer ein Posten IS, 16. 18 M usw. von lO M. an von 8.50 M an Bursclien-Anztige, Hosen, Winter-Lodenjoppen, Gebrocb-Anztige usw. I* Neue Garderobe: I8. 15. 18Musw. vonlOM. an von 8.50 M an Große Posten Ulster, von 0 M. an große Posten Paletots, von 6 AI. an große Posten Anzüge usw. von 8 AI an. Monatsgarderoben-Verkaufs-Gesellschaft, Dresdener Str. I!, am ITottbaser Tor. 18. Zlebung 5. KI. 1. Preuss.-Süddeutscbe (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 18. November 1918 vormlltagi. iuf Jede tttagtn» Naarn.r«lad ewel gleich bah««a» wlaaa gefallcB, U»d«war Je«laer auf dl« La.a jlelehar Hammer U da» brlda» AbtallnaraB I and[1 die Gewinne Uber 110 Mark sind den belreOeuden Nummern in Klammern beigefugt. KOhne Gewahr.)(Nachdruck verboten.) SO 201 3 45 525 71 85 06 880 71(30001 94 850 «0 1834 35 84 109 201 12 48 15001 68 334 435 84 688 PS9 918(18881 2199 235 518 80 953(6001 3004 63 i 942 85 823 41 999 8265 370 515 1500] 739 73 75 820 »808 56 64 148 322(8001 423 44 652 94 818 945 ' 10138(18881 290 339 41 48 614 748 55 11047 11000) 322 95 98 445 696 813 729 878 81 12145 898 442 540 735 805 22 44 13009 137 243 323 62 487 644 650 838 14679 643 60 99 808 9X8 15105(6001 219 879 616 49 83(3000) 762 16003 88 224 30 81 325 83 11000) 543 721 65 989 17054 184 228 325 28 429 686 615 831 915 37 18228 661 717 19032 105 375 87 627 663 74 749 20231 417 617 31 730 904 34 2 1 074 607 tlOOOl 83 138 91 748 22076 185 216 66 489 604 68 625(600) 88 762 74 824 935(1000) 64 23240(38001 96 302 61 (757 800 951 78 24031 375 403 28 601 88 810 981 74 23054 244 348(1000) 63 418 40 66 608 746 88 942 (20026 140 288 88 661 616 760 822 47 71 27022 71 128881 147 284 83 481(1800) 99(1600) 610(60001 23 710 854 903 36 28193 264 340 453! 30001 685 845 1500] 764 840 88(600) 920 99 29178 208 65 441 603 25 88 634 69 60 818 78 b 30139 315 402 13 87 608 715 830 974 31123 95 B30 624 23[1000] 76 799(1000) 899[1000] 935 32180 ■19 357 457 654 86 90 789 862 83 937(600) 94 33255 (1000) 70 418 33 64 88 879 072 34140 53 363 67 478 658 808 35085[500] 128 316(3000) 453 582 731 61 808 947 64 38266(1086) 96 318(560) 29 92 450 644 «71 760 90 890 37248 339[500] 632 69 601 12 15001 [69 834 38029 140 375 409 31 667 630 57 705 79 1�40000] 883 30020 171 336 61 76 425 ,v�., 4O095 459 80 94 700 863 83[500] 41042 85(500) 416 39 68 628 417 37 802 760 ______________ 99 282 87 92 313 413 60 584 754 908(3000) 45013 203(500) 82 83 88 320 611 50 847 709 48072[500] 110 37 57 72 75 429 815 67 72 826[1000] 79 967 47156 215 96(600) 1429 619 616 714 17 38 65 812 912 48066 340 87 721 638 73 tlOOO] 907 48171 26t 413 81 688 09 623 679 g*(608) g: jOUVJJ V,> SO068 121 250 421 44(Mo) 680 69 84 t590) 708 B6 84V 65 026 23 41148 88 234 457 641 719 848 BIO BS 551095 114 242 671 56044 65 208 94 338 68 468 1512 023 V2G 821 975 54166 237 41 42 77 304 19 68 21 572 655 740 55 36 998 5 5006 209 624 811 948 81 13 96 55109 76 238 427 98 691 97 778 829(500) 926 02 5 7333 467 83 834 741 890 964 58153 85 270 84 «40 11000) 945 76 5 9040 140 44 13008) 99 262 612 22 31 723 851 076,. p«0235 338 523 683 748 MO 72(80001 907(809) 61118 220 67 85 4S0 45 84 607 74 738 878 6 2012 49 810 41(3000) 417(500) 35 36 617 817 62130 232 64041 49 1.37 427 83(10001 088 85148(lOOO) 68 231 388 403 533 42 71: 989(500) 68015 183 99 442 614 40 710 69 828 96 2 67 276 84(10QO) 332 42 68 488 623 610 78 Sil 68085 176 tlÖOO) 278 491 787 808 89 69208 388 476 99 806(1000) 22 603 77 717 845 fc 70022 24 31 87 228 67 335 478(500) 729 67 928 171065 174 32(1000) 211 499 676 744(560) 923 33 34 f600] 72178 489 706 862 993 7 3098(500) 307 554 «12(1000) 25 786 917 37 74153 216 26 508 52 698 aas 926 85 7 5236 74(1000) 90 445 68 82 87 607 95 62t(600) 763 803 T 68 920 7 8041 82 253 311 44» 72 71000) 555 67 341 939(1000) 98 77114 87 60 448 630 B3 647(500) 787 85» 78052 282 321 420 631 683 85 13000) 941 87 7 0(jc3 136 69 436 675 716 89 822[60uJ V SO055 180001 76(500) 202 392 590 608 18 876 «1037 110 68 27? 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Zlebung S. KI. I. Preuss.-Süddeutschd (227. Königlich Preuss.) Klasseo-Lotterie Ziehung vom 29. November 1912 naebmittaga. Inf Jada gercrena Naaam.r alad awal glrleh haha Ua- »l»»a gofalla», ad anar Ja«laer aa( dla I/Oa. (laiebar Vnmmar la daa baidaa Aktall.«v-a I aad II Nor die Gewinne über 2ro Mark alnd den betreffenden Nummern in Klammern beigetilgt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 24 43 226 81 331 439 798 943 1002 174[500] 91 352 630 708 15 2050 123 411 616 26 62 717 31 844 957 3011 78 417 80 653 4025 34 82 155 84 206 76'S» 930 5028 203 65 653 799 810 942 6042 91 93 145 338 68 13000) 87(10001 412 567 89 615 708(1006) 836 89 7098 144 69 93 293 523 747(500) 801 8123 234 312 [10001 96 408 669 733 923 44 9213[500] 335 465 502 32 605 887 10137 42(1000) 354 564 772 75 61(600) 854 94 908 9[10001 42 11138 264 491 682(1000] 651 786 94 838(1000) 12027(1000) 39 III 84 62 320 485 717 67 847 956 13218 87 373 643 87 033 64 855 04 600 6 73 81 14022 184 326 463 629 814 BS(3600) 603 15016 72 80 214 456 99 583 694 884 16145 80 218 476 77 604 40 937 17016(30001 329 739 49 91 858 904 43 1 8016 194 207 337 635 84 712 633 82 19166 304 93 490 94 691 600 TIS 54 850 20145 298(500) 464 65 77 674 86(500) 728 35 811 21051 65 165 85 11000) 292 474 622 820 796 800 41 913 22201 76 301 403 605 80 618 738 835 76 837 91 23085 100 16 338 418(1000) 602 23 619 20 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III 42 z HZ, 683 702 661 55 953 „Vorwärts"»Le8ep erhalten I00/o Rabatt. � Kaufen Sie von Kavalieren getrag. 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Aus Ailgestelltenkreisen bestehender Pctrolcumgesellschaften wird uns geschrieben: Nach 8 11 des vorgelegten Petroleum-Gesetzent- Wurfes /oll jeder Angestellte der jetzigen Petroleumgesell- schaften, der durch das angekündigte Monopol seine Beschäftigung verliert, mlt Geld entschädigt werden, und zwar je nach Lebens- alter und Dauer der Anstellung bei seiner jetzigen Firma. Wenn die vorgeschlagenen A b f i n d u n g s g e l d e r— für Angestellte über 4ö Jahre für 3 Dienstjahre ein volles Jahresgehalt, für jedes weitere Dienstjahr die Hälfte, insgesamt aber im Höchstfälle das fünffache des letzten Jahresvcrdicnstes— im ersten Augenblick annehmbar erscheinen, so ist doch schon die vorgesehene Staffe- lung der Abfindungssumme— für Angestellte über 3S Jahre bis 45 Jahre drei Viertel, für solche im Lebensalter von 25— 35 Jahr die Hälfte und für Angestellte unter 25 Jahren keine weitere Entschädigung als V* Jahresgehalt— nicht billig, da dadurch nämlich für diejenigen Angestellten, deren Lebensalter in der Nähe einer der festgesetzten Grenzen liegt, sich große Härten ergeben.— Sollte also die Entschädigung der älteren Angestellten als Norm angenommen werden, so wäre es zur Vermeidung von Härten nicht mehr als billig, wenn weitere Stufen gar nicht gebildet und ein- fach für jedes Lebensalter unter 45 ein gewisser Abzug, z. B. 1lu der Entschädigungssumme gemacht würde, so daß auch für die Angestellten unter 25 Jahren, wenn sie im Petrolcumgeschäft ge- lernt und sich eingearbeitet haben, wenigstens etwas bleibt. Das Schlimmste für die durch den Gesetzentwurf in ihren sicheren und größtenteils als Lebensstellungen anzusehenden Post- tionen bedrohten Angestellten ist aber, daß die geistigen Väter des Entwurfes gar nicht daran zu denken scheinen, die angekündigten Entschädigungsgelder überhaupt zu zahlen. Vielmehr scheinen die in den ersten drei Absätzen des Z 11 vorgeschlagenen Abfin- dungsgelder nur pro lorm� und zur Beruhigung aufgenommen zu sein, da die Entschädigung durch den Absatz 4 ganz gewaltig beschnitten und zum Teil sogar illusorisch gemacht wird. Nach der Begründung des tz 11 will nämlich die Monopol- Vcrtriebs-Gesellschaft„diejenigen Angestellten, die im eigentlichen kaufmännischen oder technischen Betriebe des Großhandels usw. bisher tätig waren, zunächst in der Regel weiter beschäftigen, bis sich vielleicht im Laufe der ijeit durch zweckentsprechende Organisation eine Verminderung der Beamten möglich macht." Dann wird den auf diese Weise entbehrlich gewordenen Beamten nicht der nach den drei ersten Absätzen des Z 11 zukommende Eni- schädigungsanspruch ausgezahlt, sondern die Abfindungssumme wird um das während der Dienstzeit bei der Vertriebsgesellschaft verdiente Gehalt gekürzt und nicht etwa, wie jeder logisch denken sollte, mindestens der Rest, sondern nur die Hälfte der sich dadurch ergebenden Summe ausgezahlt. Die Angestellten, namentlich die älteren, die auf eine große Reihe von Dienstjahren im Petroleumhandel und auf eine ent- sprechende Erfahrung zurückblicken, dürfen also in der Einrich- tungs- und Uebergangszeit der neuen Vertriebsgesellschaft noch diese Erfahrungen zur Verfügung stellen, um dann mit einem Eselstritt belohnt zu werden, wobei die Vertriebsgesellschaft noch ein„glänzendes" Geschäft macht. Ein 46jähriger Beamter mit 11 Dienstjahren hätte nämlich nach dem ersten Teil des§ 11 30 000 M. Entschädigung zu beanspruchen, während ihm, wenn er beispielsweise in den beiden Einrichtungsjahren redlich mitgearbeitet hat, die Organisation der Vertriebsgesellschaft zweckent- sprechend zu gestalten, an Stelle der 30 000 M. nur die Hälfte des Restes, also 0000 M., ausgezahlt wird, wodurch sich seine Aus- sichten, weil er mittlerweile noch älter und einseitiger geworden ist, entsprechend verschlechtert haben. Die Entschädigungsansprüche, die also von der Willkür und von der„Geschäftstüchtigkeit" der Leiter der geplanten Vertriebsgesell- schaft in jeder Höhe regulierbar sind, muß sich der Angestellte noch dazu im öffentlichen Rechtsweg erkämpfen und erhält die Summe dann in Viertcljahresraten, abzüglich der Entschädigung, die er infolge einer neuen Anstellung erwirkt, ausgezahlt. Jedem Angestellten müßte es vielmehr freigestellt sein, ob er sich zu den Bedingungen, die ihm die Vertriebsgesellschaft an- bietet, übernehmen lassen will oder nicht, ohne durch eine Zlblehnung des UebertrittS seiner Entschädigungsansprüche verlustig zu gehen. Wird er übernommen und erfolgt später seine Entlassung, ohne daß ein Verschulden seinerseits, d. h. ein Grund, vorliegt, der nach den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches zur sofortigen Entlassung berechtigt, so müßte der Entschädigungs- berechnung die ganze Zeit seiner Tätigkeit im Petroleum- geschäft(sowohl die bei der Vertriebsgesellschaft als auch bei der vorhergehenden in privaten Gesellschaften) zugrunde gelegt werden. Die Auszahlung der Entschädigung müßte unter allen Umständen sofort in voller Höhe erfolgen, damit erst die Möglichkeit zur Schaffung einer eigenen bescheidenen Existenz geboten wird. Warum soll dieser Punkt anders behandelt werden als seinerzeit im Postgesctz?_ Brnfkaftcn der Redaktion. Die Jutlftifdit e»r-«stunde findet Linden st raße KS, vor» vier Trepven — Fahrftnvl—, wochentäglich von«id bis IVft Uhr-bendS, Eonnadends, von t>z> vis K Uhr adcnd» ftatt. Jeder siir den Brirflasten defttmmtcn Anfrage ist ein Buchs, ade und eine zahl als Merlzeichen detzufirgen. Briefliche Aotwor» wird nicht ert-Ut. Anfragen, denen leine AdonnemcntSguittung beigefügt ist, verde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. R. 43. Charito, Schumannstrahe.— A. L. 3H. Es gibt eine Reihe von Hospitälern, die unter der Verwaltung des Magistrats stehen. Sie wollen sich mit einem Gesuch an diesen wenden.— R. St. W. Äv. Ueber private Geschäfte erteilen wir keine Auskunft. Wir haben ein solches Ge> nicht nicht gehört.— Paul Geffers. Im Fachgeschäft ansragen.— Rosa Ivv. StistungSdeputation des Magistrats Postftr. 16. oder Flott- wellstrahe 4, Zentrale für private Fürsorge.— B. D. OOO. Ohne Instrument werden Sie es nicht erlernen. Die Lehrzeit hängt doch ganz von der Begabung ab— Z. 00. Wenden Sie sich direkt an das Theater.— M. H. 1O0. Sie müssen sich an die Beschwerdestelle des Bahnhofs wenden.— F. P. 16. Im Nahmen des BrieskastenS nicht möglich. Die Gehälter finden Sie im Etat.— Drama 26. 1. Die Adressen finden Sie im Adreßbuch IL Teil. 2. Die Lohnhöhe und der Zahlungstermin unterliegt der Vereinbarung. Ihre Frau ist invalidenversichcrungspflichtig. — W. W., Lichterfelde. Beantragen Sic beim Gericht die Erteilung eine Urteilsausserfi'gung mit Tatbestand und Entschcidungsgründen der» sehen. Nach Eingang des Urteils senden Sie uns dasselbe ein oder kommen Sie in die Sprechstunde. Die eingesordcrten Kosten müssen Sie bezahlen, da sonst Zwangsvollstreckung ersolgt.— L. W. 200. Es besteht keine Gefahr.— F. 7. Eine Entziehung der Rente ist aus dem Grunde nicht zu befürchten.— F. 0. Ja.— R. X. 20. Warten Sie den Eingang des Entscheides der Berusungskommission ab, unseres Erachtens besteht keine Ausficht auf Erfolg.— W. M. 35. Wiederholen Sie die Anfrage und geben sie noch an, wo der erste Ehewohnsitz Ihrer Eltern gewesen ist. — 3000 Prcsikohlcn. Fordern Sie unter Setzung emer Frist Nach- lieserung oder Rückzahlung des Kaufpreises bei Androhung der Klage. Die Klage ist beim Amtsgericht Berlin-Mitte anhängig zu machen. Der Gerichts- kostenvoischuh würde 1:50 M. betragen.— H.ne- bcrg. Nein.— W. T. 55. Der Gläubiger ist nicht verpflichtet, Raten- Zahlungen anzunehmen. Er kann klagen.— H. St. A. B. III. und /, Uhr Tegel: Trappu»>»««»1«. vahuhofstr. 1, abend» 6 Uhr. Ifnahid* Moabiter CieHellscbaftshana, Wiclefftr. 24. MudUll, abends»>/, Uhr. Veslen nnd Schöneberg: Hauptstr. 30/31, abend»»>/, Uhr. listen:M größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden J. Stock A Co. verkauft seine Monats-Garderobe direkt an Private. Anzöge und Paletot« von 10 M. an. Fried richstr. 108, Elng. Johannisstr., vis-a-vis der Karlstr. Keller5 Testsäle, tetEJ z Säle, 100-2000 Personen lassend, äSSSÄ. Uepsammlungen, auch Sonnabende und Sonntage noch frei! A. Nusch, Tel.: Kg-�t- 4314, Kulanteste Bedingungen. 10000 M. 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Mit einem Porträt Schweitzers.——— Aus dem Inhalt; Einleitung— Die Anfänge— Der Bruch mit Marx und Engel«— Taktische Probleme— Der Kampf um das Vereinsrecht— Die nationale Frage— Bürgerliche und soziale Demokratie— Vor dem Kriege— Nach dem Kriege— Die ersten Reichstagswahlen— Die Diktatur Schweitzers— Im Norddeutschen Reichstage— Johann Jacoby und die radikale Bourgeoisie— Die Gewerkschaftsfrage— Das �Parlamente In" Schweitzers— Schweitzers letztes Wort. Unterm Brenngrlas. Seht euch vor, ihr Bockeldacker, Zaracker, Mucker, Acbselzucker, Zinsenschiocker, Ebespacker, Polizeldracker und Kniehncker! Berliner politische Katire, Revolutioneoeist u. menschliche KomBdle von Adolf GlaBorenner. Ausgewählt und eingeleitet von Franz Oiederieb. Mit 117 Bfldem von Theodor Hosemann, Ad. Sehroedter, Wilhelm Scholz, C. Roinhardt, Gustav Heil und anderen. Preis 8 M», gut gebunden 4 M. 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Nach dem Ergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebs- statistik vom Jahre 1907,'deren letzter zusammenfassender Band soeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegeben worden ist, betrug: geworden, es hat sich auch hier gebessert, aber immerhin hält der Großbetrieb rund um die Hälfte an Rindvieh zu wenig, an Schweinen ! müßte er mindestens das Vierfache halten, würde aber in der Lage sein, auch noch ein Mehrfaches zu leisten. Ganz besonders ist es der o st deutsche und s ü d w e st deutsche Großgrundbesitz, der in der Rind- Viehhaltung am stärksten versagt, während der nordwestdeutsche und rheinische Großgrundbesitz besser dasteht. Ueberhaupt ist die Bestockung der landwirtschaftlich benutzten Fläche mit Groß- Vieh im mittleren Westdeutschland am besten, gut in Süddeutschland und Südwestdeutschland, ziemlich gut in Nordwestdeutschland, mittel- gut in Mitteldeutschland und am geringsten in O st deutsch. land. Bei den Schweinen liegt das günstigste Verhältnis zur landwirtschaftlich benutzten Fläche in Nordwestdeutschland vor, dann folgen Mittel- und Westdeutschland, während Südwestdeutschland nur knapp genügend, Süd- und Ostdeutschland ungenügend zu zensieren Wie hieraus ersichtlich, ist die landwirtschaftlich benutzte Fläche seit dem Jahre 1895 um 683 067 Hektar zurückgegangen; ja sie war 1907 noch 34000 Hektar kleiner als 1882! Dagegen ist das landwirt- schaftliche H o l z l a n d(nicht die reinen Forsten, die 13,9 Millionen Hektar umfassen) um 97 478, das Oedland um 275 836 Hektar angewachsen. Es b e st ä t i g t sich mit- hin die Klage, daß die Aufforstung statt abzunehmen, z u n i mm t und die Anbaufläche kleiner wird, was eine absolute Herabsetzung der Leistungsfähigkeit der Land- Wirtschaft bedeuten würde, wenn nicht eine Verbesserung der Bodentechnik dies ausgleichen würde. Viehlose Laudwirtschaftsbetriebe. Nach den zusammenfassenden Ergebnissen der landwirtschaft- lichen Belriebsstalistik besteht eine rapide Abnahme der rindviehhaltenden Betriebe. Von den 5 736 082 im Jahre 1907 ermittelten landwirtschaftlichen Betrieben hatten 4 662 t62 81,3 Proz. Vieh, dagegen 1073920 oder 18,7 Proz. kein Vieh. Der Prozentsatz betrug im Jahre 189S für die viehhaltenden Wirtschaften noch 84,4 Proz., für die viehlosen Wirt- schaflen 15,6 Proz. Die v i e h l o s e n Wirtschaften sind innerhalb dieser kurzen Zeit mithin um 3,lProz. gestiegen. Noch stärker aber ist der Rückgang der r i n d v i e h haltenden Betriebe. Rindvieh hielten im Jahre 1907 nur noch 3 058 446 Landwirte oder 63,3 Proz. gegen 60,9 Proz. im Jahre 1882 und 66,6 Proz. im Jahre 1896. In Millionen Stück wurden in den einzelnen Betriebsgrößen bei den drei landwirtschaftlichen Erhebungen gezählt: Rinder Schweine Schafe 1907 1836 1882 1907 1836 1382 1907 1898 1882 2,0 2.4 3.1 6,3 3.7 1.4 l/z Hektar 0.2 Vi 2. 2—5 5—20 20-100 über 100 1,1 32 7,9 5,3 2,3 0,9 1,3 2,8, 6,3 4.6 2,0 1.6 1,6 2,8 6,5 4,2 1,5 1,5 2,0 2,3 4,2 2,7 0,9 2,1 2,1 1.5 2,6 1.7 0,5 0,2 0,2 0,4 1.4 2,3 4.4 0,2 0,3 0,5 1,9 8,5 6,2 0,7 0,7 0,7 2,7 6,5 11,5 Auf die einzelnen Betriebsgrößen entfielen 1907: Anbaufläche Rinder Schweine Zwergbetrieb.. Parzcllenbetrieb. Kleinbäuerl. Betr. Mittelbäuerl., Großdäuerl., Großbetrieb.. 1,1 4,3 10,4 32,7 29,3 22,2 1,0 5,6 16,9 33,4 26,5 11,6 10,5 13,7 16,0 33,5 19,4 7,4 Auf je 100 Hektar Anbaufläche kamen: Rinder Schweine Schafe 2,0 Proz. 2,7. 4.0. 16.2, 26,1. 49.0. Schafe Zwergbetriebe. Parzellenbelriebe. KleinbäuerlichcBe- triebe.... Mittelbäuerliche Betriebe... GroßbäuerlicheBe- lriebc.... Großbetriebe.. 1907 1895 1883 1907 1895 1882 1907 1895 1882 Im Durchschnitt Würden wir das Verhältnis der Kühe zu den einzelnen Betriebs. großen in Vergleich stellen, so würde sich ein noch viel ungünstigeres Bild hinsichtlich der Viehhaltung in den Großbetrieben ergeben. Allerdings ist das Verhältnis seit dem Jahre 1882 nicht schlechter sind. Wie groß die Unterschiede in der Schweinehaltung sind, möge daraus noch besonders hervorgehen, daß in Schaumburg'Lippe nicht weniger wie 125 Schweine auf 100 Hektar kommen, dagegen bringt es Württemberg auf nur 37, Bayern auf nur 40 Stück. Transportkosten für Gefrierfleisch. Ueber die Kosten des Transports von Gefrierfleisch hat die „Sansinene-Gesellschaft" mitgeteilt, daß die Fracht von Argentinien nach Deutschland Pf. pro Kilogramm betrage. Beim Mitversand der. Eingeweide würden ungefähr 25 Proz. 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