UrSSI. Hbonncments-Bcdingutiö««: Abonnements- Preis vränumerandoi Bierteljährl. SP0 m.. monotL 1,10 Mk,. wöchentlich 28 Pfg, frei in« Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Nene Welt" 10 Psa Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingewogen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabomicmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, ' nänien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die TnferflonS'GeMfyr ketriigt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg., für Crfditliit tZzII» außer M»nlag,. Vevlinev VolksblAkk. fettgedrink.. Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). iedcs weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenall. zeigen das erste Wort 10 Psg., iedeS weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate sur die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iil bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: „Sozialdcmskrat Berlin", Zentralorgan der rozialdemokrati feben Partei DeutfcMande. Rcdahtiont SRI. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 1. Dezember 1913. Expedition: SM. 68» I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. löbl Millionen Militäi'auzgaben. Vor einigen Tagen schrieben wir bereits, baß die Aus- gaben, die im Etat für 1913 allein für Zwecke des Militarismus, nämlich für Heer, Marine, Verzinsung der nnlitärischen Schulden, Kolonialpolitik und Invaliden- fonds enthalten seien, wahrscheinlich höher seien, als die gesamten Reichseinnahmen! Nachdem wir den Etat einer genaueren Durchsicht unterzogen haben, können wir in der Tat das ungeheuerliche Faktum feststellen, daß die oben genannten militaristischen Ausgaben nicht nur alle wirk- lichcn"Nettoeinnahmen des Reiches verschlingen, sondern auch noch einen Teil des Zuschusses, der aus dem Ueberschutz des Jahres 1911 und der Anleihe für 1913 stammt I Nicht auf 95 Proz. der sämtlichen Reichscrträgnisse belaufen sich also 1913 die militärischen Ausgaben, sondern auf mehr als 199 Proz. I Handelt es sich doch um eine Ausgabe von nicht weniger als 1861 Millionen, während die ganze Netto- einnähme des Reiches nur 1829 Millionen beträgt, wie wir in unserem Leitartikel in Nummer 277 deS„Vorwärts" nachgewiesen haben. Die militärischen Ausgaben stecken allerdings keineswegs lediglich in den Spezialetats für Heer, Marine und Kolonien. Sie sind in den verschiedensten Etats verstreut, so datz ihr Auffinden einige Schwierigkeiten macht. Wir wollen deshalb auch keineswegs behaupten, datz wir nicht doch noch den einen oder anderen Posten übersehen hätten. Aber wir glauben, datz das, was wir an militärischen Ausgaben ermittelt haben, schon mehr als hinreichend ist,, um zu beweisen, datz unser Militarismus wie ein Vampyr dem Reiche alle Lebenssäfte aussaugt. Die Ausgaben stellen sich in folgenden Posten dar: Auswärtige« Amt: AuSlaiidsziilagen für Militärbevollmächtigte usw. 212 229 M. Geheime Ausgaben........... 1000 000„ Reichsamt deS Innern: Unlersiiitzung von Familien der zu Uebungen eingezogenen Mannschaften....... 8 900 000 Verwaltung d e S ReichSheereS... 637 761 687 ReichSmilitärgericht........ 536 247 Marineverwaltung......... 197 061 989 Reichsschatzamt: Dispositionsfonds des Kaisers....... 1 500 000 Unterstützungen. Erziehungsbeiträge, PensionS- zuschiisse............-- 1 556 000 Royonscntschädigungsraten für Beschränkung deS Grundeigentums i. d. Umgebung von Festungen 1 013 674 Lagerung von Baumaterialien zu Militär. Zwecken 60 000 Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer. 31 000 000 Einmalige Rayonenlschädigungen usw..... 3 343 825 Reichskolonialamt......... 2 918 767 Reichsschuldverzinsung....... 150 000 000 «lllgem. PensionSfonds....... 138000 000 A l l g e m. Finanzverwaltung: Luvten an Bayckrn........... 102 803 282 R e i ib s a m t des Innern: 7. Rate für den Kaiser-Wilhelm-Kanal.... 66 000 000 Reichsheer, einmalige Ausgaben..... 138 546 232 Garnisonbauten, Festungen........ 22 286 006 Marineverwaltung, einmalige Ausgaben. 219 239 971 RcichSkolonialamt, einmalige Ausgaben. 24 608 718 S l l g e m. Finanzverwaltung: Einmalige Ausgabe: Onote an Bayern... 17 340 748 Bervollnändigung des Eisenbahnnetzes zu Zwecken der Landesverteidigung........ 2 838 270 Abbürdung der Vorausbeschaffungen der Heeres« Verwaltung............. 106 10(1878 Äuherordeatl. Etat: Festungsbauten............ 12 700 000 Marineverwaliuiig..........• 51 150 000 Summa 1 910 672 514 M. Diesen Ausgaben für militaristische Zwecke stehen folgende Einnahmen aus militaristischen Quellen gegenüber: Berioaltung des Reichs Heeres: Einnahmen aus den Militäreisenbahnen, Grund« stückverkänfen usw........... 29 826 403 M. Reichsmilitärgericht........ 394, Marineverwaltung......... 1 103 822„ Reichskolonialamt......... 1 668 757. Reicvsschuld: Zinsen von der Reichsanleibe an Togo.... 24g 330, „.„ Südwestafrika 1413 239. Verzinsung d. chines. Kriegsentschädigung.... 10 564 197„ „„„ autzerord.Etat 1688 334 ,, Srlvö vom Verkauf von FettunaSgrundstücken. 3 176 352„ Ausgaben. Einnahmen Summa 49 689 878 M. .... 1910 672 514 M. .... 49 539 878. Endsumme der Ausgaben 1 861 082 636 M. Zur Erkläning der einzelnen Ausgabe- und Einnahmeposten sei bemerkt: Datz die geheimen Ausgaben in Höhe von l 999 999 auf das Konto der Militärausgaben zu buchen sind, bedarf wohl kaum der Begründung, handelt es sich doch offenbar um Beträge, die'für Spionagezwecke verausgabt werden.— Von dem Dispositionsfonds des Kaisers zu Gnadenbcwilligungen in Höhe von 3 Millionen haben wir m« IV, Millionen-- 50 Prozent für militärische Ausgaben in Ansatz gebracht, sicherlich eher zu wenig, als zuviel.— Selbstverständlich mütztcn wir auch die 56 Millionen für den Kaiser- Wilhelm-Kanal unter die militaristischen Ausgaben buchen, da die Erweiterungsbauten, denen die Ausgabe dient, lediglich der Kriegsmarine wegen erforderlich sind. Denn für den Verkehr der Handelsschiffe war der Kanal in seinen alten Ab- Messungen m e h r als ausreichend I— Datz die„Abbür- dung" der Vorausbeschaffungen zu Kriegs- bereitschaftszwecken in Höhe von 196 Millionen, die jetzt die„Nordd. Allg. Ztg." possierlicherweise eine„Schulden- tilgung" nennt, zu den hier anzusetzenden Militärausgaben gehört, wird ebensowenig zu bezweifeln sein. Gibt doch das offiziöse Blatt zu, datz die Vorausbeschaffungen, die ehedem nur dazu dienten,„vorübergehende Schwankungen zwischen den Ankäufen zweier aufeinanderfolgender Rechnungsjahre aus- zugleichen", nunmehr dazu benutzt wurden,„entsprechend dem erwachsenen Bedürfnisgrößere Bestände von Körnern, Mundverpflegung usw. dauernd vorrätig zu halten". Nun ja, entsprechend dem wachsen- den Bedürfnis der Kriegsbereitschaft I Nichts anderes hat ja der „Vorwärts" ausgeführt. Und datz diese wachsenden Bedürfnisse bereits in möglichst unauffälliger Form durch den Etat für 1912 sichergestellt worden waren, haben wir ja selbst in der Nr. 277 konstatiert. Gerade läppisch ist aber die Behauptung, die ctatsmätzige Deckuiig dieser„Vorausbeschaffungen" sei eine— Schuldentilgung. Wenn wir noch mehr solcher Schuldentilgungen erleben, können wir recht nett in die Tinte, d. h. die uferloseste Schuldenmacherei hineingeraten l— Die Verzinsung der Reichsschuld beträgt 1913 mehr als 177 Millionen. Nur 159 Millionen davon haben wir als Verzinsung solcher Schulden in Anschlag gebracht, die für militaristische Zwecke gemacht wurden. Auch hier haben wir dem Militarismus eher zu wenig, als zu viel angekreidet. Mit derselben Sorgfalt, mit der wir die Ausgaben deS Militarismus zusammengestellt haben, haben wir auch dessen Einnahmen zusammengestellt. Wir haben dem Milita- rismus alle für ihn irgend in Betracht kommenden Aktiva gut geschrieben. So befinden sich beispielsweise unter den 29,8 Mill. Einnahmen der Verwaltung des Reichsheeres auch die Ein- nahmen aus dem Verkauf des Tempelhoser Feldes und anderer militärfiskalischer Grundstücke inner- halb Berlins. Trotz Abzugs dieser Einnahmen in Höhe von 49,5 Millionen gelangen wir also zu dem ungeheuerlichen Endresultat, datz die militärischen und weltpolitischen Ausgabe» des Etatsjahres 1913 nicht weniger als 1861 Millionen be- trugen, während die gestunten Einnahmen des Etatsjahrcs 1913 sich nur auf 1820 Millionen beziffern. Wir geben also für unseren Militarismus in seinen verschiedensten Erscheinungs- formen noch 41 Millionen mehr aus, als sämtliche Netto- einnahmen aus den Zöllen, Steuern, Gebühren und Betriebs- überfchüffen des Deutschen Reiches ausmachen! Haben wir also zuviel gesagt, wenn wir stets behaup» teten, datz das Deutsche Reich im Grunde nichts sei als eine Mastkuranstalt für unseren Militarismus? Haben wir über- trieben, wenn wir darlegten, daß bei einem solchen An- wachsen der Ausgaben des Militarismus natürlich keinerlei Mittel für kulturelle, in Sonderheit sozialpolitische Aufgaben übrig bleiben könnten?! Datz das Deutsche Reich 1913 überhaupt noch Mittel für andere als militaristische Zwecke übrig hat, dankt es erstens seiner Anleihe von 33 Millionen und zweitens dem Zuschuß von 187 Millionen, der von dem Ncberschuß des JahreS 1911 auf das Jahr 1913 verrechnet wird. Fehlten diese 229 Millionen Zuschuß, so würde das Deutsche Reich auS seinen Einnahmen, aus den Erträgnissen des Jahres 1913 nicht einmal seine Militärausgaben decken können! Wir gestatten uns, angesichts solcher Tatsachen von einer deutschen Kultnrschande zu sprechen, auch wenn der frei» sinnige Reichstagspräsident dies Wort noch so eifrtg zu verfemen sucht! sliedensaiizsichten und Friedensstörungen. Die Verhandlungen zwischen der Türkei und den Balkan- staaten nehmen ihren Fortgang, und mit großer Bestimmtheit tritt die Nachricht auf, datz ein günstiger Abschluß bis Montag zu erwarten sei. Es heitzt, datz die Bulgaren auf Adrianopel Verzicht leisten würden und datz damit die Hauptschwierigkeit für den Friodensabschlutz aus dem Wege geräumt wäre. Auch die Nachrichten aus Belgrad lauten heute günstiger und gegen die Autonomie Albaniens scheinen die Serben ihren Widerstand endgültig aufgegeben zu haben. Unklar bleibt aber die Haltung Oesterreichs. Trotz der Red- seligkeit der Wiener Offiziösen bleibt es schwer zu sagen, was Oesterreich eigentlich will. Sicher ist nur, datz in Wien s�hr viel in Kriegsstimmung gemacht wird und mit einer gewissen demonstrativen Absicht Kriegsvorbereitungen getroffen werden. Im ungarischen Reichstag sind Mobilisierungsgesetze ebenso wie in Oesterreich eingebracht worden und in Wien berät man die Ausgabe einer halben Milliarde 47/2prozentiger Schatzscheine, um auch finanziell gerüstet zu sein. Es sind Vorbereitungen, die eigentlich über den Zweck einer Demon- stration bereits hinausgehen und die immer wieder bedenk- lich stimmen müssen, so optimistisch auch in allen anderen politischen Zentren in den letzten Tagen die Situation dar- zustellen versucht wird. Morgen wird nun im Deutschen Reichstag über auswärtige Politik gesprochen werden. Das deutsche Volk hat ein Recht darauf, von der Regierung völlige Klarheit über ihre Politik in dieser Krise zu erhalten, und man mutz hoffen, daß die Erklärungen der Regierung in Ueberein- stimmung sein werden mit dem überwältigenden Willen des deutschen Volkes, das einen Krieg um der österreichisch- serbischen Streitfrage willen für einen Wahnsinn hält. Die Friedensverhandlungen. Sofia, 30. November.(Privattelegramm de«„Vor» wärt«".) Die Abreise des bulgarischen Finanzministers T e 0> 0- r 0 w nach Tschataldscha wird als ein Zeichen für den günstigen Abschluß der Friedensverhandlungen betrachtet. Die unmittel- bare Aufgabe des Ministers besteht in der Regelung des von deiz Balkanstaaten zu übernehmenden Beitrags für die türkische Staats- schuld nach Maßgabe der Bevölkerungszahl der von den einzelnen Staaten erworbenen Gebiete. Einlenken Serbiens. Belgrad, 30. November.(Meldung des Wiener k. k. T. B.) In maßgebenden serbischen Kreisen beginnt sich die Auffassung durchzuringen, daß mit Rücksicht auf die Stellungnahme der Großmächte zur albanesischen Frage der in derselben von Serbien ursprünglich einge- nommene Standpunkt nicht m e'h r opportun erscheine, daß demnach das Interesse Serbiens ei» wesentliches E i n l e v k e n i» dieser Frage erforderv werde. MobilisiernngSgesetze in Ungarn. Budapest, 30. November. Die Regierung hat folgende drei Gesetzentwürfe vorgelegt: 1. Einen Gesetzent- Wurf betreffend Verhiingung des Ausnahmeznstandes im Falle einer Mobilisierung; 2. einen Entwurf betreffend Re» quisition von Pferden, Fuhrwerken und Automo- bilen; 3. einen Entwurf betreffend Requisition von Gebäuden und Wohnungsräumlichkeiten im Falle einer Mobilisierung. Herr Prochaska. Wien, 30. November. Dem Vertreter von Wolfss Telegraphi» schem Bureau wirb m-iigeteilt: Ueber die Berichte der Kons ul« Prochaska und EM bezüglich der Ereignisse in Prizrend und Monastir sind vielfach Nachrichten verbreitet, die anscheinend auf Kombinationen beruhen. Bisher liegt hier nur ein tele» graphischer, teilweise verstümmelt eingetroffener Bericht Prochaska? vor, über den noch keinerlei Mitteilung gemacht wird. ES ist be- absichtigt, erst nach mündlichem Bericht deS Konsuls Edl, der bekanntlich mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragt ist. eine Schilderung der Vorgänge der Ocffentlichkeit zu über» geben. Falls Willkürlichieiten auf serbischer Seite bei der Ueber» Mittelung der Chisfredepeschen ProchaÄas nachgewiesen werde» sollten, dürste auch dies der Oeffcntlichkeit nicht verschwiege« werden. Konsul Ed l hat bisher die Rückreise nach Wien nicht angetreten; er hat auch noch keinen Aufftrag dazu. Die Regierung Albaniens. Valona, 39. November.(Meldung der„Agenzia. Stefani".) Nachdem in der Versammlung der albanesischen Delegierten die Unabhängigkeit Albaniens pro- klamiert worden war. schritt man zur Bildung der provi» sorischen Regierung. Es wurden gewählt: Zum Präsidenten der Muselmane Ismail Kemal Bey; zum Vizepräsidenten der Vertreter des katholischen Klerus Niko- laus Cacciero aus Durazzo; zum Sekretär der Katholik Louis Guracusci. Auf dem Konak und den öffentlichen Gebäuden wurde die albancsische Flagge gehißt. Infolge der Nachricht von der serbischen Besetzung Durazzos und Elassonas, die bereits ihre Unabhängigkeit proklamiert haben, gab Ismail Kemal Bey telegraphisch den Befehl, keinen Widerstand zu leisten, da Albanien sich von nun an als neutrales Gebiet betrachte, dessen Verteidigung die Mächte übernehmen würden, und dessen Grundlage die Anwendung des Nationalitätenprinzips auf die Balkan» frage bilde. Italienische Drohungen gegen Griechenland. Rom, 39. November. Die„Tribuna" veröffentlicht eine Depesche aus Athen mit der Nachricht, datz die Griechen die kleine Insel Saseno am Eingang der Bucht von Ballons be- fetzt hätten und datz die griechische Regierung noch immer nicht gewillt zu sein scheine, den internationalen Erniahnungen hinsichtlich Albaniens Rechnung zu tragen, sondern in ihrer Absicht verharre, sich einer sehr wichtigen Gebietszone in Süd- albanien, besonders Vallonas. zu bemächtigen. Die„Tribuna" erklärt in Besprechung dieser Depesche, datz, falls die der griechischen Regierung zugeschriebene Wsicht. Vallona end- gültig zu besetzen, wahr wäre, dies etwas sehr Ernstes wäre. Abgesehen von Italien würde Oesterreich-Ungarn dieS niemals zulassen können. Heber diesen Punkt sei keine Diskussion wöglich. Italien und Oesterreich-Ungarn seien vollkommen einig in dem Willen, daß Vallona nicht Griechenland, sondern dem neutralisierten Llbanlen gehören solle und niemals ein militärischer Flottenstützpunkt werden könne. Serbische Drohungen. Jvrlirsb, 30. November. Die offiziös« ,.S a m o u p ra va' schreibt, daß. während die Türkei die Waffenstillstand»' und Jriedensverhandlungen hinauszieht und die europäische Presse die Nachricht verbreitet, daß die Moral der türlisch, n Armee sich gebessert habe, daß die Türken Verstärkungen erhalten hätten, und daß di« verbündeten Heere ermüdet seien, in Wirklichkeit die s e r- bisch, und diegriechischeArmee, die ihre Aufgabe in Raze- donien und Albanien beendet haben, daran denken, an den mili, tärischen Operationen vor Konstantinopel teil- zunehmen und in Konstant inopel einzuziehen. Beide Armeen müßten sich zur Vermeidung von Jett- und Geldverlust und von der Türkei gezwungen, beveit machen, die Orientfrage end- gültigzulösen. Die Ballanarmeen würden in K o n st a n t i- nopel einziehen, olskonn werde der Friede untersiegelt und die Türken würden nach Asien zurückgeworfen werden. Ferner stellt das Blatt fest, daß der russische Gesandte in Belgrad. Hertwig, seit dem Namenstage des Königs nicht mehr in Audienz empfangen wurde und im Ministerium des Aeußern stets nur zur Erledigung der laufenden Geschäfte erschienen ist. Der russische Gesandte arbeite stets ausschließlich im Geiste der Instruktionen seiner Regierung. Serbien verteidige seine vitalen Interessen deshalb, weile» vitaleInteressen seien, und nicht deshalb, weil es Ratschläge von Rußland erhalten habe. Luch werde Serbien niemals den Einfluß eines fremden Gesandten auf sein« inneren Angelegenheiten dulden. England und Deutschland. London, 80. November. Lord Curzon sagte gestern in einer konservativen Versammlung in Plymouth: Es ist lange keine bessere Nachricht durchgekommen als die, daß England und Deutschlandzusammenarbeiten. um am Balkan die Sache des Friedens zu fördern: viele Leute würden gerne diese Kooperation auf ein weiteres Gebiet ausgedehnt sehen. Tljr„Daily Telegraph" schreibt: Niemand hätte geglaubt, daß die Spannung in den Beziehungen zwischen Berlin und London, die den Kontinent solange aufge- regt und alarmiert hat, wesentlich verringert und ge» mtldert werden würde, nicht durch diplomatische Be- sprechungen, sondern durch die wechselnden Glücksfälle eines befürchteten Ballankrieges, und doch ist es die einzigartige und paradoxe Tatsache, die sich vor unseren Auaen abspielt. Plötzlich kommt die Entdeckung, die in den beiden Haupt- städren zugleich gemacht wird, daß die nämlichen Ziele loyal, wenn auch unabhängig von einander, verfolgt werden. Wir haben daS erfreuliche Schauspiel, daß die Wtlhelmstraße die Politik DowningstreetS herzlich und generös unterstützt. KriegSgreuel. London. 80. November. Die..TimeS" meldet aus Saloniki vom 27. November authentische Einzelheiten über die Ereignisse von K a w a l a. Die Ortschaft wurde von einer gemischten Truppe bulgarischer Regulärer und Komi- "'tvtschis besetzt. Die ersteren wurden zurückgezogen. Die Komitatschis behaupteten, daß die Muselmanen ein Massaker unter den Christen geplant hätten, und verhasteten etwa 1SV Türken und machten sie nieder. Eine Anzahl angesehener �suden wurde festgenommen. ES herrscht ernste Besorgnis wegen ihrer Sicherheit. Als die Bulgaren in Serres einrückten, erschossen die Türken einen Offizier und zwei Soldaten, worauf die Bulgaren etwa 100 Türken niedermachten. Brutalitäten der Grieche» i« Saloniki. Dem Hilfsverein der deutschen Juden werden Einzelheiten über Ausschreitungen mtigetetlt, deren Opfer die Juden Saloniki» nach der Einnahme der Stadt durch die Grieckie» geworden sind. In allen Teilen Saloniki», da» ja über die Hälfte Juden zählt, namentlich ober in den speziell jüdischen vierteln, haben sich schwere Exzesse ereignet. An denselben haben sich Soldaten in erster Reibe, dann ober auch einbeimische griechische Bürger Saloniki», seit« allein, sei eS im Bunde mit den Soldaten, beteiligt. Unter dem Borwand, nach Waffen resp. Sprengstoffen— in». besondere nach der Explosion des Pulverturms in Saloniki— zu suchen, wuoden die schutzlosen jüdischen Bewohner beraubt. Dabei kam«S zu schweren Mißhandlungen, wvbei weder Frauen, noch Kinder und Greis« geschont wurden. Privatwohnungen, Läden wircden geplündert, Synagogen entweiht. Da» Gerücht, daß einig« Evzonen(griechische Soldaten) durch Juden pergiftet worden seien, wurde von den griechischen Zeitungen der Stadt, namentlich dem Journal„EmbroS" zur Hetze gegen die ZMche« Kreuz und hulbmoud. Von allen Seiten kommen Mitteilungen über Grausamkeiten der verbündeten Armeen, die ausgezogen waren, um im Namen de»(Christentums und der Zivilisation die Völker des Balkans vom türkischen Joche zu befreien. Der Krieg hat die Bestie im Men- schen entfesselt. Aber das allein ist es nicht. Von vornherein bv- ruhte das Ganze auf Lug und Trug. Die Völkerschaften der eroberten Gebiete, diese angeblich be° freiten Christen, sie sind ja in der Mehrzahl gar keine Christen, sie sind Muselmanen. ES werden in Mazeoonien rund drei Millionen Einwohner gezählt, darunter 1807 000 Muselmanen. Daß die Albaner in erdrückender Mehrheit Muselmanen sind, ist allgemein bekannt, desgleichen, daß im Wilajet Adrtanopel die Türken das Gros der Bevölkerung ausmachen. Seht man auf kleinere admin.strative Gliederungen ein, so erhält man noch überraschendere Resultate. Im Wtlajet Ko ssovo z. B., auf das die Serben ein historische» Recht zu haben glauben, wohnen nach der letzten Zählung 1814 449 Personen, darunter SS9 7S0 Musel- manen, 240 028 Serben. 204 021 Bulgaren. Die Muselmanen bilden über 04 Proz. der Bevölkerung, di, Serben kaum 19 Proz. Die Vertreter der christlichen Zivilisation möchten nun diese muselmanische Bevölkerung am liebsten überhaupt los werden. Wenn e» ginge, so würden sie die Muselmanen einfach mit Stumpf und Stiel ausrotten. Aber dieser Massenmord erfordert denn doch zuviel Zeit, um angesichts der Völler Europas gründlich ausgeführt werden zu tonnen. Dezimiert wird die Bevölkerung durch Dolch, Flinte und Brandfackel, durch Seuchen und andere Krankheiten sicher. Den Rest aber möchte man au» dem Lande hinausdrängen. Man hofft, daß di« blutig« Arbeit, die an dem einen Zehntel der» richtet wird« die anderen mit Schrecken erfüllen werde, so daß sie Juden Salonikis ausgenutzt. Obwohl eine sofort eingeleitete Unkek- suchung di« völlige Grundlosigkeit dieser Beschuldigung ergab, so wunden doch die Leidenschaften der durch hie Kriegsvorgänge schon erregten Massen, sowohl der Zlvilbevölkeruns als auch unter den niederen Soldaten dadurch stark gegen di« Juden aufgestachelt, denen man vorwarf— gleichfalls unberechtigt daß st««in« unfreuwd- lichs Haltung heim Einzug der Griechen«ingenommen hätten. fgrlleuerung und Ssugiingziterblichlieit! AnS dem Reichstage. 80. November. Als der Präsident beut« das Ergebnis der namentlichen Abstimmung über den sozial- demokratischen Aulrag auf Mißbilligung der Hallung der Regierung in der TeuerungSfrag« verkündete, herrschte allgemeine Spannung. Die Spannung löst« ficki aber nicht in irgendwelchen lauten Kundgebungen der Sieger. Die Rechstparteien, die sonst so leicht keiner Demonstration au« dem Wege gehen, wenn sie ihnen in den Kram paßt, hätten zwar Grund zum Triumph gehabt, denn�e« war ihnen gelungen, den sozialdemokratischen Antrag, dank der Hilfeleistung der Rationalliberalen, niederzustimmen. Aber sie triumphierte» vorstchtigerweis» nicht, da» AbstimmungSergebni» war ihnen doch Mi mager. Der Regierungsmehrheit von 174 Stimmen stand eine starke Minorität von l49 Stimmen gegenüber, und neun Bolk«vertreier wagten weder ja noch nein zu jagen. Mit den Sozialdemokraten halten die Fortschrittliche Volkspartei und die Pole» gestimmt. Graf PosadowSky halt« sich der Stimme enthalten, der sogenannte Fortschrittler Siegfried Heckicher halt« für dt» Sgrarierregierung gestimmt. Auf sein» Mehrheit braucht fich der Reichskanzler fürwahr nicht» einzubilden. Er wird eS auch wohl nicht, er wird vielmehr ärgerlich darüber sein, daß durch di« neu« GeichäftSordnung nunmehr solche fatal« zahl«nmSbige Ergebnisse von JnterpellatipnSdebalten fest, gestellt werden können. Um so zufriedener darf der Reichsiag sein. Durch den neuen Modus wird auch, wie sich schon dieses Mal gezeigt hat, da» Interesse an den Interpellationen bi« zum letzten Augen- blick wach erhalten, während bisher solche Debatten nach den ersten bewegten Stunden langsam unter wachsender Langeweile einem unrühmlichen Ende enlgegenwankten. Beide Neuerungen der Geschäftsordnung, die der neue Reichstag gewagt hat, beginnen also schon ihr« Vorteil« zu entwickeln. Jeyi hängt e« vom Reichstage selbst ab, ob er mit diesen neuen Werk- zeugen wertvolle Arbeit im Interesse de» Volke« tun will, oder ob er sie nur zum Spaße geschaffen bat. Die sozialdemokratisch« Fraktion wird dafür sorgen, daß hierüber bald volle Klarheit herbei- geführt wird. Sl« da« Resultat der namentlichen Abstimmung bekannt gegeben war, leerten sich die vollen Bänke des HauieS mit beängstigender Schnelligkeit. ES dauerte nicht lange, da hockte nur noch ein kleine« Häuflein von Abgeordneten unten im Saale, da« dafür aber um so rascher« und gründlicher« Arbeit verrichtete. In knapp drei Stunden wurden die ersten Lesungen von drei Gesetzent» würfen erledigt, bei einem der Entwürfe wurde sogar auch noch gleich die zweite Lesung mit abgetan. Zwei dieser Gesetzentwürse wurden von der sozialdemokratischen Fraktion ohne erhebliche Veanstandungen der wetteren parlamentarischen Erledigung überlassen. Mit der internationalen gesetz- lichen Regelung der Matznahmen bei g u s a m m e n st ä ß e n von Schissen und der Bergung und Hilfeleistung in See« not sind wir Sozialdemokraten natürlich einverstanden. Wir be- trachten solch« iulernationale Vereinbarungen nur al» bescheiden« Anfänge aus diesem wichtigen Gebiete. Unser Redner. Genoffe Dr. Herzfeld, hielt mit Recht dem nationalliberalen Redner, der gleichfall» die Weiterentwickelung der internationalen Vereinbarungen befürwortet hatte--- natürlich nur zugunsten der kapitalistischen Interessen— vor, daß gerade die Nationalliberalen un« stet« ent« gegenarbeiteten, so oft wir internationale Vereinbarungen über die Abrüstung und die Abschaffung de» Geebeuterecht« angeregt hätten. Auch aus dt» Notwendigkelt. di« schlechten Bestimmungen über die Vertrag»- und Arbeitsverhältnisse der seemännischen Arbeiter zu regeln, und zwar inurnaiional, soweit daS nötig und möglich ist, wie» Herzfeld nachdrücklich hin. Auch daSPostscheckgesetz führte zu keiner größeren Debatte. DaS Postscheckwesen ist durch die Postscheckordnung bereit» geregelt, seit drei Jahren besteht diese wertvolle Nenenmg und sie hat sich in dieser Zeit in erfreulicher Weise entwickelt. Der vorliegende G-ietz- «ntwurs soll die grundsätzliche» Vorschriften über den Post-Ueber- Weisung»- und Scheckverkehr, die bisher nur durch ein« Verordnung de» Reichskanzler» gestützt wurden, endgültig regeln. Es kann bei der fiskalischen Art und Wrise. die die Leitung unsere» Postwesen« auszeichnet, nicht wundernehmen, daß bei dieser Gelegenheit einige Aenderungen und Bestimmungen in den Gesetzentwurf hinein- gearbeitet worden sind, di» der Kasie der Reichspost ganz zuträglich sein mögen, die aber für da« Publikum weniger angenehm sind. Genoffe S ü d e k u m wie» auf diese Berschlechterungei, hin. Eine unerwartete Ueberraschung wurde dem Hause aber bei der Beratung de» Gesetzentwurf» über Kindersaugflaschen zu- teil. Die anderen beiden Gesetzentwürfe hatte die sozialdemokratische Fraktion ohne erheblich« Einwendungen pasfleren lassen können Durch den Gesetzentwurf über die Saugflaschen wurde aber«in da» Land verlassen werden. Man will sie vom Lande verjagen, um sich selbst in den Besitz de» Landes zu setzen. DaS ist eS, wa» in der Brust jedes christlichen Bauern schlummert, der in diesen Krieg auszog, in seinem Gehirn zuckt, wenn seine Hand Frauen und Kinder mordet. Da» ist der„BolkScharakter" dieses Kriege». Und doch werden di« Bauern betrogen werden: sie arbeiten nicht für sich, sie arbeiten für die Hypothekenbanken; nicht zu einem neuen Bauernwohlstand führt dieser Krieg, er führt zu neuen Steuern, zum Ruin des Bauerntums, zum Triumph de» Kapita- lismus. WaS aber die blutige Arbeit des Krieges anbetrifft, so zeigen die muselmanischen Bauernslüchtlinge. di« Muhadschire, die bereit» noch Hunderttausenden zählen, wie richtig die Rechnung ist. Ich fragte die Leute au», ob sie nicht, wenn der Krieg zu Ende sein wird, zurückzukehren gedenken, selbst wenn daS Land bulgarisch werden sollte. Einige schwankten, die meisten aber sagten: nein, daS sei unmöglich.«DaS können wir nicht. Wir fürchten nicht die Soldaten, wir fürchten unsere eigenen Nachbarn, die bulgari- schen Bauern. Sie werken uns daS Leben unmöglich machen." Diese bulgarischen Nachbarn müssen schon jetzt eine hübsche Beute gemacht haben. Denn die Flüchtlinge konnten nur das Wenigste mitnehmen.„Die Reichen— so erzählt einer— nahmen ihr Geld und fuhren mit der Eisenbahn weg. verließen ihr Vieh und ihr Vermögen. Denn dt« reichen Leute können nicht zwgnzig Tage unterwegs mit dem Vieh sein. Ich und mein Bruder, wir brauch. ten 22 Tage bis Konstantinopel. Mein Bruder nahm die Schafe, 890 Stück, ich nahm die Ochsen und ging mit der Familie. Unter« wegS verloren wir uns, und erst hier in Konstantinopel trafen wir uns wieder. Von 800 Schafen hat mein Bruder bloß 00 mit- gebracht."—„Wo sind denn die anderen geblieben?"—„Ein Teil verlor sich unterwegs, die anderen wurden geraubt, von anderen Muhadschir» oder von den Soldaten mit Gewalt weg- soziales Problem berührt, über das wir nicht mit«inigen Worten hinweggehen können. Der Säuglingssterblichkeit soll mit diesem Gesetzenlwurf entgegengearbeitet werden. Die Absicht an sich ist gut. Das Mittel aber, das die Regierung dafür vorschlägt, ist untauglich, lächerlich, wirkt wie blutiger Hohn, Die stark« soziakdemokralische Frakiion hat in ihren Reihen««» freulicherweise so viele versckiedenartig« Kräfte, daß sie mit de» mannigfaltigen Sonderausgaben, die der Parlamentarismus Tag für Tag stellt, auch stets geeignete Fachleute betrauen kann. Für den reichen Komplex von Fragen, die die soziale tzage de» prole, tariichen KindeS auswirft, ist Genosse Rühle in besonderem Maß« zuständig, Er beherrscht daS Material, die wsssenswafllichen Forschungsergebnisse, die stalisliichen Zahlen und die pädagogischen Forderungen in vortrefflicher Weise, wie auch sein« bekannte MonS' grapdie über daS proletarische Kind beweist. Genoffe Rühle wählte aus der reichen Fülle be» Materials die beweiskräfligsten Zahlen und Argumente, um zunächst zu zeigen, daß die Säuglingssterblichkeit nicht, wie der Gesetzenlwurf es dar« stellen möchte, in erster Linie eine Frage der Ernährung des Säugling« sei, sonder» daß sie eng zusammenhänge mit all de» Ursachen, die die soziale Frage überhaupt ausmachen, mit der WohnungS» frage, mit der Ernädrungssrage der Erwachsene», besonder« der Mütter, mit der TeuerungSpolisik der bürgerlichen Parteien und der Regierung, mir der mangelhafle» Sozialgesetzgebung und den vielen anderen Ursachen und Wirkungen der kapitalistische,, Gesellschafr«» ordnung. Wen» aber die Säuglingssterblichkeit so fest und tief mit der Heuligen Geiellschastsordnuug verwachsen ist, wirkt eS um so aufreizender, wenn die Regierung keine anderen Matzregeln kennt al«»» Kindersaugflaichen mit Gummi und Rohr zu der» bieten! Der Redner verglich diese Soztalrefprm der Re» gierung zutreffend mit der Anordnung«Ine» Arztes, der einem Schwindsüchtigen«inen Spucknaps verschreibt. Da» ganze Gesetz lauf« wieder einmal auf das bewährt» Rezept der weißen Salbe hinaus. Der Redner hatte in temperamentvoller Weise begonnen, aber dabei durchaus die parlamenlariichen Grenze» eingehalten. Das brachte Herrn K a e m p f sofort wieder aus dem bescheidenen Gleichgewicht semer alten Tag«. Er rief unseren Genossen zweimal zur Ordnung. Vielleicht leuchtet Herr» Kaemps aber nachlräglich selbst ein. be- sonders wenn er sich dabei der Hilk« einiger älterer Parlameutari« und Juristen seiner K-aktion bedient, daß er wieder einmal zu unrecht den starken Mann gespielt hat. Die bürgerlichen Redner waren auf den unerwarteten Vorstoß des Genossen Rühle ganz aus dem Konzept gebracht. Der ZenlrumS» redner Stuart bezeichnete die Zahlen und Totsacheiiangabe» Rühles in seiner Verwirrung als„Wolken der Phantasie". So stellen die Herren vom Zentrum die Dinge auf den Kops l Ihre eigenen religiösen Phaniasien halten sie für unumstößliche Wirklichkeit und die bittere, nackte Wirklichkeit ist für sie Phantasie. Der Nationalliberale Schulen bürg suchte sich mit einem schlechten Witz au« der Affäre zu ziehen: Rühle hätte bewiesen, daß den Sozialdemokraten sogar jede Saugflasche recht sei, um sich mit Haß gegen die bürgerliche Gesellschaft vollzuiaugen. Das B>ld ist falsch. Richtig aber ist, daß der Sozialdemokratie alle Dinge zum besten dienen müssen, daß sie eS für ihre Pflicht hält, alle Einzelerscheinungen de» gesellschaftlichen Lebens bis an die Wurzel de« Nebels, bis an die kapitalistisch» GesellschaslSorduung, zurückzuführen und dorguS immer erneut wieder die Richtigkeit ihiee Grundanschaliung zu erweisen: daß diese Nr jache aller gesellschaft» lieyen Nebel beseiligt werden muß.— Kstilliugeu im jlueland. Die Fleischnot und thrs Folgen haben nicht nur bist grdeitetiden Massen Deutschlands aufs tiefste erregt. Auch im Auslande beachtet man die Aushurmerungtzpolittk der deutschen Negierung sehr. Die politische Presse und die Witzblättex unterrichten ihre Leser über das seltsame westeuropäische Kulturvolk, in deni der Konsum von Pferden und Hunden sich immer mehr einbürgert. Welche Rückivirkungen geschSft- licher und gesellschaftlicher Art daS für die im Ausland lebenden Deutschen hat. zeigen zwei Briefe aus Argentinien und Australien an unS. Redbauk bei Brisbane fAustralien), den Z0. 10. löll Erlaube mir höflichst ei»« Frag« an Sie zu stellen. Beiliegend werden Sie einen Ausschnitt aus der hiesigen Zeiiung finden, di« den Nomen führt„Die Wahrhelt". Ich betreibe hier nämlich ein kleine» Delikatessengeschäft, hauptsächlich Straßburger und Frank- surier Würste, Käse und dergleichen, aus Deutschland imponiert. Seit voriger Woche nun sind die Leute durch di« Zeitungen aus« gefordert worden, deutsche Würste zu boykottieren, wa« ich leider seit den letzten Tagen schon sehr gespürt Hab», da behauptet wird, daß Pferde und Hunde in Würste verarbeitet und dann nach dem Auslände verschickt würden. Ich selbst bin ein Berliner und ickon lange Jahr« in Australien. Ist eS tn Deutschland so weit gekommen, daß Leute von Hundefleisch leben müssen. so denke ich, daß es da» best« ist, von Deutschland fernzubleiben. Möchte bemerken, daß hier Rindfleisch 25 Pf. und Hammelfleisch genommen, eS litten ja alle Hunger unterwegs."—„Wie ist es denn mit dem anderen Vieh?"„Vier Ochsen habe ich mit, die Kühe und überhaupt alles Vieh, das auf der Weide war, konnte nicht mitgenommen werden. Die Speicher voll Getreide sind ge- blieben. Wir konnten ja kaum so viel mitnehmen, als wir zum Lebensunterhalt brauchten." Das alles wurde offenbar Beute der christlichen! Bauern, womit nicht gesagt werden soll, daß nicht andere Leute aus dem Eigentum und dem Elend der Muhadschire Kapital für sich zu schlagen wußten- Hier in Konstantinopel z. B- werden die Muhadschire schon meilenweit vor der Stadt von Händ- lern, musclmanischen wie christlichen und jüdischen, abgefangen. „Sie erzählen uns— klagen die. Muhadschire■— furchtbare Ding« von Dtambul, daß hier die Futterpreise unerschwinglich geworden sind, daß«S kein Stroh mehr gibt, und da viele überhaupt kein Geld mit haben, so kauft man ihnen da» Bieh zum halben Preise ab." So wird Ordnung gemacht. So wird von allen Seiten ge- arbeitet zum Schutz der Nation, der Religion und nicht minder des Eigentums. Da wir schon einmal beim Kapitel vom Bauernpatriotismus und Bauernreligiösität angelangt sind, so möge noch ein andere? bezeichnende» Dokument angeführt werden. Im armenischen Wan gab eS eine Demonstration gegen die Kurdenbedrückung. 2990 armenische Bauern kamen zusammen. Sie faßten Beschlüsse, in denen Abhilfe verlangt wird, und schickten an die armenische hohe Priesterschaft eine Adresse ab. In der letzteren erklärten sie: wenn e« nicht anders werde, so wollen wir di« Untertanenschast eine» anderen Staates annehmen(gemeint ist Rußland) und wir wollen auch unsere Religion wechseln! Nun komme man noch und sage, es seien die religiösen Ge» fühle, die die Welt dirigieren! Konstantinopel. End« Nodembev Parvus, so Pf. vas Pfund kostet und daher nfemand nötig hat, Pferde- und Hundefleisch zu essen. Hochachtungsvoll stlnterschrift) Rosario. Santa Fe(Argentinien), den 2. November 1S1Z. In der hiesigen Tageszeitung, genannt dt«„Reaecion*, fand ich unter anderm beiliegenden Anitel. Ich frage nun, Herr Redakteur. ist dieses Geschreibsel wahr oder nicht? Wir hier in Rosario ivobnenden Deutschen halte» e« für eine Gehässigkeit. Wir können es nicht glauben, daß dt« dortige Regierung es zuläbt, daß ihre Untertanen mit Hundefleisch gefüttert werden; od«r da? betreffende Land ist als B o r b a r» n l a n d gekennzeichnet, und ein« solche Regierung hätte ihren Unterga»'g verdient. Em« Schmach und Schande ist«S für uns Ausländsdeutsche, wenn uns von den Hiesigen vorgehalten wird, datz bei uns in unserem Pater« lande Hunde und Kotzen den Menschen al» Nahrungsmittel gereicht werden. Do schickt man grohe Panzerkreuzer her nach Argentinien, um hier Deutschland» Macht und Größe zu zeigen und hier be- lächelt man die Barbarel. Au« Wollust oder wenn andere» Fleisch zu mäßigem Preise vorhanden, würde sicher kein Mensch auf die Idee klunmen, daß Hunde eßbar wären, und lediglich die Not zivingt die Menschen dazu. Daß Pferdefleisch in Deutschand ge- gessen wird und zwar hauptsächlich von kleineren und mittleren Beamten, da« habe ich trüber schon gewußt, al« ich noch drüben war. Konnte ich eS damals nicht begreifen, wie ein neben mir wohnender Zollaufseher abend« ein Stück Pferdewurst verzehrte, finde ich da» heute noch natürlich, aber Hundebraten...I Immer wird den Ausländsdeutschen zugerufen: Hallet fest an Eurem Deutschtum Z Da« ist wunderschön gesagt. Halt« so lange fest an Deinem Deutschtum, al« Du Dick seiner nicht zu IchSmen brauchst. Wenn Sie diese meine Zeilen in Ihrem werten Blatte verösfentlichen wollen, so habe ich nicht« dagegen und schtieße im Namen vieler, welche gleichen Sinnes mit mir sind. Hochachtungsvoll (Unterschrift.) DaS sind die moralischen Eroberungen, die unsere be- währte«nationale" Wirtschaftspolitik im Auslände verursacht! Läßt die Teuerung nach? Aus der fortlaufenden Beobachtung der Lebensmittelpreise an ca. 200 deutschen Plätzen ergibt sich, daß von September auf Ottober 1912 eine Senkung der Kosten de« NahruiigSmittelauswando««in- getreten ist. Daraus ist nicht ohne weitere« zu entnehmen, daß die Teuerung ihre» Höhepunkt überschritten habe. ES ist vielmehr zu berücksichtigen, daß in fast allen Teilen des Reiches künstlich auf die Preisbildung— besonder» durch die verstärkte Zufuhr von Fleisch au« dem Auslande und teilweise Ausschaltung de« Zwischenhandels— eingewirkt wurde. Die Bewegung der Fleischpreise ist dementsprechend zu bewerten. ES ist sehr wahrscheinlich, daß ohne das Eingreisen der großstädtischen Magistrate eine weitere Steigerung der Fleisch- preise eingetreten wäre. Einen ziemlich sicheren Gradmesser für den Verlaus der Teuerung erhält man, wenn man die Kosten de« wöchentlichen NahrungSmittelauf wände« einer vier- köpfigen Arbcitttfamilie, Eltern und zwei Kinder, in der Weise be- rechnet, daß man die dreifach« Verpflegungsration des deutschen Marinesoldaten zu Grunde legt. Alsdann ergibt sich im Durchschnitt der genannten 200 Städte für dl« Höhe der wöchentlichen HauShaltS- kosten solgende Indexziffer in Mark: Januar September Oktober iSU.... 23,50 24.77 24,88 1012.... 24,69 26,63 26 26 Demnach find die Kosten de« wöchentlichen Nahrungsmittel» aufwandeS einer vierköpfigen Arbeiterfamilie von September auf Oktober 1912 um 0.37 M. gefallen. Geil Januar 1912 ist ein« Steigerung der HauShaltSkosten um 1.S7 M. pro Woche eingetreten. Im vergleich zum Januar 1911 ergibt sich sogar«ine Per« teuerung um 2.76 M. pro Woche. Im Monat Oktober war der verlauf der Preisbewegung in den einzelnen Landesstellen durch« au« kein gleichmäßiger. Am stärksten sind die Kosten de« Nahrung«- mittel«, ifivandel im BerichlSmonat zurückgegangen in Thüringen, im Königreich Sachsen sowie in Broh-Berlin. Gerade in diesen Gebieten wurden größere Mengen ausländischen Fleische« verkauft. Ein vergleich mit dem Vorjahre fällt noch immer in allen Landes- teilen sehr zuu.rgunst.'n des lausenden Jahres aus. In einigen Ge- bieten ist von September aus Oktober 1912 noch eine Steige- run g der Kosten des Nahrungsmittelaufwandes eingetreten, so in Ostpreußen, Pommern, Schleswig-Holstein, Bayern, Oldenburg. Es ist recht auffallend, daß gerade die LandeSteile, in denen die Land- Wirtschaft vorherrscht, eine ungünstige Bewegung der Haushalts- kosten aufweisen. DaS Angebot deS Pommerschen BiehwertungSverbaudeS auf Lieferung von Schweinen hat der Magistrat Bertin erneut ab- gelehnt. Der verband hatte sich bereit«rllärt,»dem Magistrat von Berlin für die Dauer von b Jahren vom 1. Januar 19l3 bi» 8t. Dezember 1917 wöchentlich 1299 Schweine im Gewicht von 100 bi« 120 Kilogramm lebend frei Viehbofsrampe Zentralviehhof zu demselben Durchschnittspreis pro 60 Kilogramm Lebendgewicht abzüglich 20 v. H. Tara(SchlachtgewichtSpreiS) zu liefern, wie er für die gleich« Qualität Schweine in den der Vertragszeit vorher- gehenden 6 Jahren am Berliner Markt gezahlt worden ist." Da die Preise in den Jahren 1903 bis 1911 sehr hohe waren und da« laufende Jahr, da« die außerordentliche Teuerung brachte, für die Preisberechnung mit zu Grunde gelegt werden soll, ist die Forderung der pommerschen Landwirte in der Tat ungebührlich hoch. Außerdem stellt sich der Marktpreis noch teurer als der frei Bahnhof. Der Verband will also Marktpreis«, ohne die Uulosten vom Bahnhof bis zum Markt für Susbieten durch die Biehtreiber, VerficherungSgebühren, Futter und Streu, eventuell Provision an den Kommissionär, der da« Vieh im Auftrage der Stadt an die Mrtzger verkauft, zu übernehmen. Der Magistrat hat daher unsere« ErachtenS recht mit feinem Urteil. daß die Annahme des Angebot« keine Verbilligung der Fleiichpreiie im Gefolge haben, sondern nur dazu dienen würde, diese jahrelang hochzuhalten. Denn der vertrag sollte ohne Aeuderung des einmal festgesetzten Preise« fünf Jahre in Geltung bleibe». poUtilcke deberficbt. Berlin, den 80. November 1912. Da? Zentrum in der Opposition. Die Wut der Zentrumspresse über die Interpretation des Jesuitengesetzes durch den Bundesrat äußert sich in den wildesten Angriffen auf die Regierung— und die kaiserliche Familie. Dieselbe Presse, die sonst in Entrüstung über- floß, wenn sozialdemokratische Blätter öffentliche Reden WUHelms II. kritisierten, stellt nun, da sie sich in ihren Er- Wartungen getäuscht sieht, den heiligen„Kampf für den Thron" verächtlich in die Ecke und greift ohne Bedenken sogar die Kaiserin an, in der sie eine Widersacherin der Jesuiten vermutet. So schreibt die klerikale„Augsburger Postztg.": In Deutschland regiert nicht die Vernunft, die staats- männische Klugheit, die Toleranz, die den im Glauben ge- tftiwien katholischen Volksgenossen achten und in Frieden seine Wege wandeln läßt, wo da'« volle Verstehen für katholisch« Ein« richtungen fehlt. In Deutschland regiert der Evan« gelische Bund, unter dem Protektorat einer hohen Dame, die alS Gattin und Mutter als leuchtendes Beispiel dasteht, aber ihren Un- terricht über Katholizismus in Mecklenburg(?) genossen hat und kein« Gelegenheit hatte, nach ihrer Heber- siedelung in die Reichshauptstadt ihr« Auffassungen über Katho- liziSmus und katholische« Wesen zu korrigieren...... Man bedenke das Satirische der Situation: Umsturz. Anarchismus. Atheismus. Freimaurerei, sie all« dürfen gegen die Religion sprechen, gegen daS Christentum, gegen das Fun- dament, auf dem die Throne stehen. Aber der Herr Gendarm, die Hauptperson im Kulturstaate Deutschland, darf dem Jesuiten ein Schloß anlegen, wenn er für die Religion, für da« Christentum, für da» Fundament, auf dem die Throne stehen, sprechen will. Noch xabiater geberdet sich der Ableger der„Germania". die„Mark. Volksztg.". die vielfach von Herrn Erzberger be- dient wird. Sie verkündet, daß durch die Entscheidung deS Bundesrats sich die politische Lage in Deutschland völlig ge- ändert habe, und die Ehre der Zentrumspartei erfordert, daß diese sich künftig auf dre Seite der Opposition schlägt. Sie erklärt kurzweg: „Es handelt sich heute nicht mehr um die Jesuiten allein. sondern um die Mißachtung d er ganzen Zentrums« Partei; allen anderen Parteien kommt die Regierung ent- gegen; das Zentrum brüskiert man. Der Reichskanzler hat gar kein Hehl daraus gemacht, daß e« ihm gleichgültig sei, wie die ZentrumSfrattion sich zu der Sache stelle. Witter ist der Be- schluß eine Mißachtung aller deutschen Bischöfe. die einmütig für die Jesuiten eingetreten sind. Der Aachener Katholikentag fand kein Gehör. Di« Tausende von Kai höhten» Versammlungen mit ihren Petitionen, scheint der Bundesrat nicht gehört zu haben— es waren ja nur Katholiken— keine Juden und keine Sozialdemokraten. Gehört wurde nur einer: der Evangelische Bund. Er bestimmt das Matz der Freiheit für die Katholiken; er und sein Bannerträger Graf HoenSbroech haben diese Auslegung gefordert und sie nun er- halten. Man fasse all dies klar in« Auge, um zu erkennen» was der Bundesrat getan hat. Im Bundesrat aber fällt die ganze Verantwortung dem Reichskanzler zu: er hätte mit den 17 preu- ßlschen Stimmen eine andere Entscheidung herbeiführen können. Er hat eS nicht gewollt. Gut— so mag er auch die Folgen tragen. Und diese sind nicht geringer Natur. Unsere ganze innerpelitische Lage hat sich seit dem lebten Donnerstag geändert. DaS Zentrum wird die parlamentarischen Konsequenzen auf der ganzen Linie ziehen und ziehen müssen; den» die Ehre der Partei ist engagiert. Man kann sich derartiges einfach nicht bieten lassen, ohne politischen Selbstmord zu begehen. Das Zentrum hat und wird diese Entscheidung so lange in den Vordergrund aller Politik stellen, bis der Bundesrat der Freiheit und dem Rechte eine Gasse bereiten wird. Weiter haben wir heute nichts zu sagen: Alle» Reden Hilst jetzt nicht»; e» muß gehandelt werden!" Man vergleiche mit diesem Verhalten daS feige Kriechen der„interkonfessionellen" Zentrumspresse vor der päpstlichen Enzyklika und dem EpiskopaL_ Tie preußische Regierung und die römische Karte. Ter Reichskanzler v. Bethmann Hollwea hat, wie die „Frankfurter Zeitung" aus guter Quelle erfährt, am 27. No- vember einen bekannten Führer des ReichttagSzentrumZ zu sich gebeten und ihm mit voller Bestimmtheit erklärt, daß die lüngste päpstliche Enzyklika über die Arbeiterorgani- sationen daS Letzte sei. waS sich die preußische Regierung von der Kurie an Eingriffen in die Rechte des Staates und in die Selbständigkest der nichtkonfessionellen Arbeiter— und sonstigen Verbänden habe bieten lassen. Sollte wieder der- artiges vorkommen, werde sie unbedingt die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan einstellen. Ein christlich-gewerkschaftlicheS Manifest. Die Delegierten zu dem christlichen Gewerkschaftskongreß in Essen erlassen an die Mitglieder der christlichen GeWerk- fchaften einen längeren phrascngespickten Aufruf, in dem es heißt: ..Vorbei ist die Beunruhigung, die durch die jüngsten Er- cignisse in unstrer Bewegung hervorgerufen wurde. Ver- gebenS war da» Bemühen der Gegner, Zersplitterung in unsere Reihen zu tragen. Zuschanden sind die Hoffnungen jener, die den Zerfall und daS Ende der christlichen Gewerkschaften her- beisehnen. Einmütig zurückgewiesen ist der Versuch, durch hämische Anzweifelung unserer religiösen Ueberzeugung und kirchlichen Gesinnung die gewerkschaftliche Arbeit zu erschweren. Mochten auch Feinde ringsum stehen: sie haben wieder einmal vorbei spekuliert. Nachdem der außerordentliche Kongreß erneut die uner- schütterliche und feste Haltung der christlichen Gewerkschaften zu ihren alten bewährten Grundsätzen öffentlich präzisiert hat, nachdem durch die Kundgebung maßgebender kirchlicher Instanzen festgelegt ist, daß den katholischen Arbeitern die Mitgliedschaft und Mitarbeit in den, christlichen Gewerkschaften ausdrücklich ge- stattet ist, und alle Befürchtungen wegen der zentralen Organi- sationssorm und der Selbständigkeit der christ- lichen Gewerkschaften ausgeräumt sind, richten die auf dem außerordentlichen Gewerkschaftskongreß versam- melien Delegierten an euch die dringende, herzliche Mahnung: Setzt nunmehr alle Bitterkeit und allen Mißmut beiseite; tretet mit der festen Entschlossenheit und begeisterten Arbeitsfreudig- keit. die vosi jeher unsere christliche Gewerkschaftsbewegung aus- zeichnete, unverzüglich in eine umfangreiche, nachdrückliche Werbetätigkeit ein!" Nachdem bekannt geworden ist, daß die christlichen Ge° Werkschaftsführer die Enzyklika-Jnterpretation der Bischöfe nur durch„löbliche" Unterwerfung unter die bischöfliche Auf» sicht erreicht haben, wirkt das ganze Gerede geradezu er- heiternd._ Die Aktion der Scharfmacher. Am 14. Dezember werden die vereinigten Scharfmacherverbände des Reiches in Berlin eine Konferenz abhalten, in der der Arbeitswilligen schütz das Hauptthema bildet. Der hier erstattete GeschäflSbertcht wird sich namentlich auf die großen Ar- beiterbewegungen beziehen, und Justizrat Dr. F u l d- Mainz referiert über da« Tbema«Streikposten und Bürgerliches Gesetzbuch'. Diese Tagung wird der Auftakt sein zu den Allionen, die man binsichllich der Lohnbewegungen im Baugewerbe für das näckiste Frühjahr in Aussicht genommen bat. Die Vorbereitungen scheinen so weit beendet zu fein, daß sie eine Uebersicht gestatten. Der Schleier, der noch über dem Material liegt, wird bereits von den Scharfmacherorganen ein wenig gelüstet. So wird der sreikonservativen„Post' von industrieller Seite ge- schrieben: „Auf die Umfrage de? deutschen HandelStage» darüber, ob besondere gesetzliche Maßnahmen zum Schutz« der Arbeitswilligen notwendig seien, haben sich bisher einige 60 Handelskammern geäußert. Nur wenige von diesen empfinden keine Ver- onlassung, über einen Mangel de« gesetzlichen Schutzes per Arbeitswilligen zu klage«. ES sind dies fast aus- nahmdloS kleinere. entlegener« und wenig industrielle Aammem. Die übrigen dagegen sind übereinstimmend der Meinung, daßeinstärkererSchutz der Arbeitswilligen nötig t e i. Ein Drittel von idnen glaubt zwar, daß man mit den bestehenden gesetzlichen Vorschriilcn zum Schutz der Arbeits- willigen auskommen könne, wenn diese Bestimmungen mit ge« »lügender Entschiedenheit gehandhabt würben. Die übrigen zwei Driltel aber sind der Ueberzeugung, daß weiter- gehende strafgesetzliche Bestimmungen durchaus geboien seien und sprechen sich namentlich, gleich vielen freien wirtschafllichen Körper- fchaften, meistens für ein Verbot des Streikposten- st e h e n s aus. Diese Talsache ist besonders dem Hansabund gegenüber zu erwähnen und dessen Freunden zur Beachtung zu empfehlen; denn der Hansabund... hält neue Gesetzesbestimmungen zum Schutze der Arbeitswilligen nicht für nolwenoig." In weiterem polemisiert die„Post" gegen den Hansabund und gegen die nationalliberalen Abgeordneten im Reichstage, die bis auf sechs nichts von gesetzlichen Schutzmaßnahmen für die Arbeitswilligen Wissen wollten. Die Scharfmacher werden nun wieder starke Geschütze auffahren zum angeblichen Schutze der Arbeitswilligen; in Wirklichkeit aber zur Lahmlegung der Arbeiterbewegung und zum Schutze des Geld« facks. Sie werden jedoch die Arbeiterorganisationen gerüstet finden, und nichts könnte die Indifferenten mehr aufrütteln als der Versuch. ein ArbeitSwilligenschutzgesetz durchzusetzen. Zur Nachwahl in R«uh S. L. Die Nationalliberalen beabsichtigen für den durch den Tod de» Genossen Förster erledigten Wahlkreis Reuß ä. L.(Greiz) den früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Slrefemann aufzustellen. Streienlann ist von unseren Parteigenossen im Januar 1912 aus dem sächsischen Wahlkreise Annaberg hinauSgcwählt worden. Wie schon mitgeteilt, letzen die Nationalliberalen ihre ganze Hoffnung auf die Anwendung der alten Wählerlisten. Die Regierung wird ihnen natürlich den Gefallen tun. den Wahltermin so frühzeitig wie möglich anzusetzen. Der Wahlkreis ist ei» rein industrieller und seine geringe Größe sowie seine geoZ graphische Lage bringen es mit sich, dai, Arbeiter, die ihr« Stellung wechseln und noch einem benachbarten Orte ziehen, damit bereits den Wahlkreis verlassen haben. Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter— in der Hauptsache Textilarbeiter— ist die deutbar schlechteste. Gegenwärtig sind wieder Tausends von Färbereiarbeitern ausgesperrt. Die starke Fluktuation der Arbeiter- schaft in diesem Kreise ist in der Tat nicht ganz unbedenklich für den Wahlausfall. Auch da« religiöse Sellenweien ist in dieiem Kreise ziemlich stark verbreitet und hat ihren Grund in der erbärmlichen Lage der Weberbevölkerung.— In den nächsten Tagen werden un>sre Genossen ihren Kandidaten proklamieren und dann sofort mit aller Kraft in den Wahllanipf eintreten. Das Volksschulgesetz im sächsischen Landtage. Bei der weiteren Beratung des VolksichulgesetzeS wurden die Bestimmungen über die Einführung des FortbildungS- ichulzwangeS für Mädchen angenommen. Der Versuch der Konservativen, die Mädchen-FortbildungSschnle nur für Orte über 6000 Einwohner obligatorisch anzuordnen wurde abgeschlagen. Ge- strichen wurde in der Vorlage trotz der Einwendungen des Kultus« minister« die Bestimmung, noch der die Lehrer da« Gelöbnis der BekenntmStreue abzulegen haben. Abgelehnt wurde da» Verbot der Prügelstrafe. Dann begründete Genosse Lange einen Antrag, nach dem Beschränkungen der Lehrer in ihren staalS» bllrgerlichen Rechten unzulässig seien und Dienststrafen gegen sie wegen Anwendung dieser Rechte nicht ergehen dürien. Der Antrag wurde aber von den Nationalliberalen und den Konservativen ab- gelehnt._ Der schwarzblaue Block in Württemberg Tiegerl Die Nackwahlen zum Landtag in Württemberg am Freitag, de« 29. November, haben den Sieg des Zentrums gesichert. Dank dem Verrat der liberalen Wähler. Die Sozialdemokratie errang noch drei Mandüte, in Schorndorf. Reutlin gen- Amt und Heidenheim. Gewählt wurden die Genossen Hofchka, Kurz und Dietrich. Alle drei Wahlkreise wurden aus eigener Kraft geholt. Im ersten Wohlgange erhielt Genosse Hoschka in Schorndorf 1368 Stimmen, die Volkspartei, die sich den Luxu» zweier Kandidaten erlaubte, bra-tite es auf 1831 Stimmen, der Bauernbund erhielt 1215 Stimmen. Zum zweiten Wahlgang trat die VollSpartei noch mit einem Kandidaten an. Er erhielt 1637 Stimmen, der Bauernbündler ebenfalls 1637, Genosse Hosckka 1726. Da im 2. Wahlgang die relative Mehrheit genügt, ist Hoschka gewählt. In Reutlingen- Amt stand unser Genosse Kurz in schwerem Kampf mit dem von Vollspartet und Bauernbund direkt und indirekt unterstützten Nationalliberalen. Die Sozialdemokratie behauptete den Wahlkreis mit 2666 Stimmen gegen 2632, die auf den Nationalliberalen fielen. Wir konnten noch 700 Mann Reserven heranziehen, während die Stimmenzahl der Nationalliberalen dank der Unterstütznug durch sämtliche bllrgerlichen Parteien von 1696 auf 2632. fast um 1000 emporschnellte. Heidenheim holten wir zum ersten Male im Kampfe gegen Volkspartei und Bauernbund. In sämtlichen Kreisen, in denen un» Wahlunterstlltzimg durch die Liberalen zugesichert war, unterlagen wir. I« Waiblingen war uns Wahlunterstützung von Volkspartei und N a ti o n a lli berale n zugesichert worden. Wie dies« beiden Parteien ihr Wort hielten, lehren folgende Zahlen: Hauptwahl: Pflüger(Soz.) 1826, Volkspartei und Nationalliberale 1336. Bauern- bund 2067. Nachwahl: Sozialdemokratie 2331, Bauern» bund: 83031 In Leonberg erhielt Genosse Schumacher im 1. Wahlgang 2322 Stimmen, der von den Nationalliberalen unter- stützte Voltsparteiler 1070, der Bauernbündler 2674. Die Volks- parrei war verpflichtet, die Sozialdemokratie zu unterstützen, die Nationalliberalen schlugen sich zum Bauernbündler. DaS Resultat der Nachwahl ist: Sozialdemokratie 2927, Bauernbund 3731 Stimmen! So ist eS durchgängig im ganzen Lande. Da« Gesamtresultat der 24 Nachwahlen ist: Sozialdemokratie 8, Volkspartei 8, National« liberale 6, Bauernbund 6, Zentrum 2. Die 76 Bezirk«» Mandate verteilen sich auf die Parteien folgendermaßen: Sozial- demokratie 13, Volkspartei 16, Nationalliberole 9, Bauernbund 17. Zentrum 21. Die Rechte(Zentrum und Bauernbund) verfügen über 38 Mandate, die„Linke" einschließlich der Nationalliberalen über 37. Dabei ist zu beachten, daß die Nationalliberalen in sehr vielen Fragen mit der Rechten gehen, einzelne Mitglieder der national» liberalen Fraktion fast regelmäßig mit dem Bauern- bund und dem Zentrum stimmen. Die LandeSproporzwahlen werden an dem Resultat der Bezirkswahlen wenig ändern. Im Jahre 1906 fielen von den 17 Proporzmandaten dem Bauernbund 3. dem Zentrum 4 zu. Sozialdemokratie und Volkspartei erhielten je 4, die National« liberalen 2 Mandate. Die bei den Hanptwahlen am 16. November von den Parteien aufgebrachten Stimmenzahlen lassen als sicher erscheinen, bah die Rechte diesmal acht Mandate holen wird. Wenn die Sozialdemolratie lässig ist, können eS auch neun werden. Von den 92 Mandaten dürften also 46 der Rechten sicher sein. Die eine Stimme zur Mehrheitsbildung wird die nationalliberale Partei der Rechten stets zur Verfügung stellen. Gröber hat gesiegt! Dank dem schmählichen Versagen des „liberalen" Bürgertums. Eine Periode schwerster Kämpfe zwischen der Sozialdemokratie und der Reaktion beginnt, Kämpfe, in denen die Liberalen vollends zerrieben werden. Denn diesen„Kämpen" nochmals auf die Beine zu helfen, dazu wird die klassenbewußte Arbeiterschaft kaum noch zu bewegen sein. Es ist eine derbe Lektion, die dieser Wahlkampf und sein End- resultat uns erteilen. Sie wird aber nicht vergebens sein. Bemerkt sei noch, daß in B r a ck e n h e i m der nationalliberale Fraktionschef Geheimrat v. Balz trotz intensiver Unterstützung durch die Sozialdemokratie dem Baucrnbündler unterlag. In Obern- darf, das die Volkspartei mit sozialdemokratischer Hilfe dem Zentrum streitig machte, behauptete der Zentrums-Renommierarbeiter Andre den Kreis. Ocftermcb-Clngani. Die Konfiskation des Manifests der Internationale. Wien, 30. November.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Für die„Freiheit wie in Oesterreich" sind die Konfiskationen der letzten Tage ein drastischer Beleg. Das Friedensmanifest des Baseler Kongresses wurde, bis auf die einleitenden Zeilen, außer in der„Arbeiter-Zeitung" in der Jnnsbrucker„Volkszeitung" und im neuen Organ der Prager Zentralisten, dem„Dennik", konfisziert. Während der Wiener Staatsanwalt noch den ersten der aus der Stuttgarter Reso- lution zitierten Absätze unbeanstandet ließ, vergriff sich der Jnnsbrucker auch an dieser Stelle, die seit dem Jahre 1907, wo sie das erstemal beschlossen wurde, Hundertemal nachge- druckt worden ist. Wie boshaft und unmotiviert die Konfis- kation in Wien gewesen, zeigt am besten die Konfiskation des Ueichenberger„Vorwärts", in dessen Mittwochnummer inehr als zwei Drittel des Manifests nachgelesen werden können und nur der Schluß dem Rotstift verfiel. Dieser Schluß wurde auch in unserem vierzehntägigen Agitationsblatt„Das Volk" konfisziert. Der größte Teil unserer Provinzpresse, die erst am Nachmittag in die Preffe geht, war bereits vorher in Kenntnis von dem Attentat gegen die Preßfreiheit und tat Herrn v. Hochenburger nicht den Gefallen, sich konfiszieren zu lassen. Wenn man den ganzen Abgrund, in den uns der deutsche Polizeiverband mit seinem Hochenburger an der Spitze führt, ermessen will, so muß man sich unsere ungarische Parteipresse ansehen. Sowohl der magyarische„Nepszava" als auch die deuftche„Volksshimme" in Budapest haben den gesamten Wortlaut des Manifests unbeanstandet veröffentlicht. Was im Lande der Tisza und Lukacs möglich ist, wird diesseits der Leitha der Kenntnis des Volkes entzogen. Belgien. Generalstreik und Alkoholkonsum. Man schreibt un? aus Brüssel: Seit Monaten treffen die belgischen Arbeiter ihre Vorbereitungen, um sich, wenn eS sein muß, mit dem Generalstreik das gleiche polinsche Recht zu erkämpfen. Zur siegreichen Durchführung eines Generalstreikes gehört aber nicht allein die Ueberzeugung für die Sache und Begeisterung, nicht allein eine unermüdliche agitatorische und propagandistische Vorarbeit— Dinge, an denen es die belgische Arbeiterschaft wahrhaftig nicht fehlen läßt— sondern wie zum Krieg- führen Geld, Geld und immer wieder Geld.— So wird denn seit dem Generalstreikbeschluß nach einem bestimmten, von der Partei zu diesem Zweck eigens inaugurierten S p ar s y st e m Sou um Sou von den Arbeitern zurückgelegt, damit, wenn der Generalstreik unvermeidlich wird, die Arbeiterschaft vor Hunger geschützt ist und ein paar Woche« hauS- halten kann. Kein bewußter, kein organisierter Arbeiter, der nicht heute seine„Bons" hat, um im Falle des Generalstreiks sich in den Verkaufsläden der Volkshäuser dafür Brot und Kartoffeln einzu- lösen....„Arbeiter, raucht eine» Pfeife weniger, trinkt ein GlaS Bier weniger und legt den Sou für den Generalstreik beiseite"— so mahnt seit dem Generalstreikbeschluß die'sozialistische Presse Belgiens. Wie eS mit dem Rückgang des TabakgenusseS steht, darüber wissen wir zur Stunde wenigstens keinen Bescheid; daß aber d a S belgische industrielle Proletariat weniger trinkt, seit eS für den Generalstreik spart, das ist ziffern- mäßig nachgewiesen. Wir stützen uns im nachfolgenden auf die Ergebnisse einer von einem bürgerlichen Blatte, der Brüsseler liberalen„Chronigue", unternommenen Enquete wie auf Ziffern des „Moniteur", dem amtlichen Anzeiger der Hauptstadt, so daß z. B. ein eingefleischter Alkoholfreund uns niemals schönfärberisch- len- denziösen Vorgehens beschuldigen kann. Daß der Rückgang des Alkohollonsums übrigens durchaus auf das Sparen der Arbeiter für den General st reik zurückzuführen ist— eine in mehrfacher Beziehung wichtige Konstatiernng— und nicht etwa an irgend eine andere Erscheinung, ergibt sich daraus, daß die En- quete ausschließlich in industriellen Arbeitergegenden, also Orten mit sozialistischer Bevölkerung, vorgenommen wurde. Die„Chrouique" teilt mit. daß z. B. in La Loumsre und Peronne(Provinz Hennegaus die Bicrfabrikation der dortigen Brauereien in den Monate» August. Sepiember und Oktober ISl2 im Vergleich zu denselben Monaten des Vorjahres beträchtlich zurückgegangen ist. Die Untersuchung über den Bier- verkauf fjat ergeben, daß der Bierkonium in den genannten Monaten, wieder im Vergleich zu derselben Periode von 19l1 um 13 Proz. zurückgegangen ist. Der Monat Oktober zeigte sogar noch eher eine weitere Abnahme an. In der Gegend von MonS, also mitten im Vergarbeiterland. sank der Bierkonsum bis z ul 8 Proz. In den Orten Houdeng, Goegnies, Aimeries usw., gleichfalls im Hennegau, ist das Brauquantum der dortigen 11 Brauereien un» gefähr im selben, wenn nicht»och größerem Ausmaß und nach der- selben Berechnungsform gemessen, zurückgegangen Was die offiziellen Ziffern des amllicbe»„Moniteur" betrifft, so läßt sich an ihnen in folgender Weise der Rückgang des Bierkouiums feststellen: Der„Moniteur" zeigte an Verbrauch von Malz für die Bierfabrikation im er st e n�n n d zweiten Trimester des JahreS 1912 eine Steigerung von 1933 473 Kilogramm gegen denselben Zeitraum des Vorjahres. Das dritte Trimester von 1912, also die Monate Juli, August. September— wo das Sparen begonnen hat, zeigt einen Rückgang von 7 267 573 Kilogramm Malz an.. In der Provinz Henuegau. wo die Arbeiter am fleißigsten an der Sireikvorbereitung arbeite», also am tapferste» spare», ist der Malzverbrauch im dritten Trimester dieses Jahres gegen das dritte Trimester von 1911 um eine Million 529 556 Kilogramm z u r ü ck q e g a u g e n.— Kann man so aus dieser Statistik erieden, bar die Arbeiter für den Kampf ums Wahlrecht tüchtig vorschaffen und eS an den größten persönlichen Opfern nicht fehlen lassen, fo darf man sich des moralischen und kulturellen Effektes dieser Kamps. Verantw, RedäkstlAlfred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.: Vorbereitungen, der fich tm Rückgang des Bierkonsum» ausspricht, nicht minder freuen. Was wäre da» für ein segensvoller Wahlrecht»- kämpf, der den belgischen Arbeitern nicht nur ihr politische» Recht, sondern auf diesem Umwege auch die dauernde Erkenntnis von der Schädlichkeit des Erzfeindes Alkohol vermittelte. Möge e» so sein! Spanien. Der franzSfisch-spanische Marokkovertrag. Madrid, 39. November. Der franzöfisch-spanische Marokkoverttag enthält 39 Artikel, die sich in drei Teile zusammenfaffen lassen. Der erste Teil behandelt besonders die Berichtigung der Grenzen der spanischen Zone und der Enklave von Jfni. Der zweite Teil be- handelt ausschließlich finanzielle Fragen, besonders die Garantien für die Inhaber der Anleihen von 1994 und 1919, die Staatsbank nnb das Tabaksmonpol. Der dritte Teil sieht für die Zukunft eine Abänderung der Bestimmungen über die Schutzgenossen und die Schaffung von Justizorganen vor. Der Bertrag wird allen Signatar« mächten des Algecirasvertrages mitgeteilt und sobald als möglich in Madrid ratifiziert werden. Paris, 39. November.(Meldung der Agence HavaS.) Im Ver- trage erhält Frankreich unter anderen territorialen Vorteilen das weite und erzreiche Gebiet zwischen dem Ueddraa und dem Sus, wodurch dem sahanschen Hinterland ein neuer Zugang zum Atlan- tischen Ozean gegeben wird. Spanien behält die Enklave von Jfni. Frankreich bekommt im Norden einen Teil des sehr fruchtbaren und bevölkerten Tales von Uergha und außerdem strategisch und wirtschaftlich bedeutende Grenz- berichtigungen am Muluja und Lukkas. Der Vertrag erklärt noch einmal den Grundsatz der Einheit der Zolltarife. Die ad- ministrative und finanzielle Autonomie der beiden Zonen ist erreicht, ohne der Souveränität deS Sultans oder den Rechten dritter oder der wirtschaftlichen Gleichberechtigung zu nahe zu treten. Es bleibt nun noch über die Sonderverwaltung von Tanger im Einklänge mit der allgemeinen Verwaltung des Reichs zu entscheiden. Clrina. Kampfstimmung gegen Rußland. Klein, 3si, November. Die politischen Parteien haben be« schlössen, eine Subskription für einen Fonds zum Kriege gegen Rußland zu eröffnen. Die Schüler der höheren Schulen haben eine Kampfliga gegen die Nordmongolei gebildet und militärische Hebungen begonnen. Es wurden Flinten an sie verteilt. Zur Genossen lckaftsbexvegung. Stellung der Verlagsanstalt zum„Fonds für besondere Zwecke". Genosie Legten ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: In der Nummer vom Sonnabend, 23. November, richtet der„Vorwärts" in dem Artikel„Ein Genossenschafts- tag unter Ausschluß der Oeffentlichkeit" heftige Angriffe gegen die„Verlagsanstalt des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine von Heinrich Kaufmann u. Co." wegen deren Zugehörigkeit zum„Deutschen Buchdruckerverein" und der Leistung von Beiträgen zu dem„Fonds für be- sondere Zwecke". Am Freftag, 29. d. M., fand in Hamburg eine schon seit längerer Zeit bestimmte Sitzung von Mitgliedern des Vorstandes des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, des Vorstandes des Verbandes deutscher Buchdrucker und der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands statt, die zu der vom„Vorwärts" nunmehr öffentlich be- handelten Angelegenheit Stellung nahm. In der Sitzung wurde Material vorgelegt, das der „Verlagsanstalt des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine" bisher nicht bekannt war, aus dem sich aber un- zweifelhaft ergab, daß der„Fonds fiir besondere Zwecke" des„Deutschen Buchdruckervereins" in erster Linie ein Kampffonds gegen die Arbeiter ist und nur nebenbei Wohltätigkeitszwecken dienen soll. Es wurde ferner festge- stellt, daß eine größere Anzahl Unternehmer, besonders im Kreise Rheinland, die Beiträge für den Fonds nicht be- zahlt. Diesen Untersiehmern ist, falls sie sich bis zum 1. Juli 1913 nicht für die Beitragsleistung entscheiden, der Ausschluß aus dem Verein angedroht. Nach diesen Feststellungen erklärte die Verlagsanstalt unter Zustimmung des Vorstandes des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine die Beiträge für den„Fonds für besondere Zwecke" nicht weiter zu bezahlen und es eventuell auf einen Ausschluß aus dem„Deutschen Buchdruckerverein" ankommen zu lassen. Damit dürfte die Angelegenheit wohl erledigt sein. Hamburg, 30. November 1912. C. L e g i e n. Hiermit ist die Angelegenheit in der von uns in Ueberein- stimmung mit den Bestrebungen der gewerkschaftlich und poli- tisch organisierten Arbeiterklasse gewünschten Richtung erledigt. An uns ist eine Reihe von Artikeln gerichtet, die durchweg die UnHaltbarkeit einer Steuer seitens der Verlagsanstalt an den„Fonds für besondere Zwecke" darlegen. Von einem Abdruck dieser Artikel sehen wir mit Rücksicht auf das er- freuliche Ergebnis der Aussprache zwischen der Generalkom- Mission und dem Vorstand des Verbandes deutscher Buch- drucke? mit dem Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ab. Erklärung des„Hamburger Echo". Das„Hamburger Echo" enthält folgende Erklärung: Um zu verhüten, daß eine irrtümliche Aeuherung, welche Ge- nosse v. Elm auf dem außerordentlichen Genossenschaftstag machte, Glauben und weitere Verbreitung findet, sehen wir uns zu nach- stehender Erklärung veranlaßt: Es ist unrichtig, wenn Genosse v. Elm sagte, das „Hamburger Echo habe früher dem Prinzipalverein angehört und Leitung und Prcßkommi sion seien heute noch der Meinung, daß es richtiger gewesen wäre, darin zu bleiben. Diese Darstellung ist durchaus unrichtig und beruht, wie uns Genosse v. Elm mitteilt, auf ihm gewordenen falschen Informationen, ist deshalb ja auch entschuldbar. Die Druckerei des„Hamburger Echo" oder richtiger die Ham- burger Buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Auer u. Co. war nie- mals Mitglied des Prinzipalvereins. Die Leiter un'.wes Geschäftes waren bisher und find auch heute noch Mit- glieder des Verbandes der Deutschen Buchdrucker(Gehilfenvereinj und können als so'che keinem Perein angehören, der entgegengesetzte Jntcrcsscn zu vertreten hat. Zum Ueberfluß teilen wir noch mit, daß die Konferenz der Geschäftsführer der s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n D r u ck e r e i e n auSdrück- lich beschlossen hat, dem Prinzipalverein fern- zubleiben. Die Geichäftsleitung der Kamburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer u. Co. I. A.: R. Berard. "xh. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr-u, Verlagsanstalj Generalversammlung der Konsumgenosseaschast Berlin und Umgegend. Morgen wird sich eine dritte Generalversammlung mit dem Ge- schäfts-bericht befassen. Ein seltsamer Borgang. Er legt Zeugnis davon ab, welch reges Interesse an der Entwicklung der Genossen- schaft und an ihrer Durchdringung mit sozialistischem Geist die Mit- glieder nehmen. Die Berliner Konfumvereinsbewegung konnte sich ohne innere Kämpfe nicht entwickeln. Uebertreibungen eS gut- meinender Nur-Gowerifchaftler, die' da glauben machen wollten, die Konfumgenossenfchaftsbewegung könne die bürgerliche GesellschaftS- ordnung ummodeln, den Klassenkampf beseitigen, führten nahir- gemäß auf der anderen Seite vielfach zu Unterschätzungen der großen wirtschaftlichen und kulturellen Vorteile, die eine in sozialistischem Sinne geleitete Genossenschaftsbewegung den einzelnen Arbeitern und der Arbeiterklasse zu bringen vermag. Von dem Augenblick an, wo die Gedanken über die Möglichkeit des Erfolges der Genossen- schaften aus dem Himmel phantastischer Illusionen auf den Boden der harten Wirklichkeit gestellt wurden, wuchs die Genossenschaft»- bewegung kräftig. Im Jahre 1992/93 wiesen die Berliner Konsumverein« 4437 Mitglieder mit 855 999 M. Umsatz auf. Von gewerkschaftlicher und politischer Seite wurde als dringendste Voraussetzung für eine ge- deihliche Entwicklung die Aufhebung der Organisationszersplitterung in Berlin bezeichnet. Am 1. Juli 1993 erfolgte endlich die Ver- schmelzung. Von da an suchte Berlin den Orten mit älteren Kon- sumvereinsbewegungen nachzueilen. Innerhalb eines Jahres, bis zum 39. Juni 1999 stieg die Mitgliederzahl von 19 221 auf fast das Doppelte, nämlich auf 19 172. Heute gehören dem Berliner Kon» sumverem über 69 999 Mitglieder bei einem Umsatz von über 19 Millionen Mark an. Nicht zuletzt ist dieser gewaltige Aufschwung den Beschlüssen auf dem internationalen Kongreß zu Kopenhagen und auf dem Partei- tag zu Magdeburg sowie der rastlosen Arbeit der gewerkschaftlich und politisch organisierten Genossen im Sinne dieser Beschlüsse zu danken. „Die genossenschaftliche Tätigkeit ist eine wirksame Ergänzung des Politischen und gewerkschaftlichen Kampfes für die Hebung der Lagejwr Arbeiterklasse", sagt der Magdeburger ParteitagSbeschlutz. Im Sinne dieses Beschlusses gilt es zu handeln, die Genossenschafts- bewegung mit sozialistischem Geiste zu erfüllen. Auf der Generalversammlung kam der Unwillen über eine Reihe unerfreulicher Erscheinungen zum Ausdruck. Das Kleid sei der Genossenschaft zu eng geworden, die' schon längst notwendige Statutenänderung müsse bald erfolgen. Der Demokratie müsse tn reichlicherem Maße Rechnung getragen werden. Die Nichteinladung der sozialdemokratischen Propagandakommission zum Genossen- schaftstag und die Einladung des konservativen Arbeiterfeindes Prof. Dave und anderes wurden als deutliche Symptome dafür an- geführt, daß leider einflußreiche Kreise den gerechtfertigten Be- mllhungen entgegenarbeiten, die Genossenschaften mit genossenfchaft- lichem, mit sozialistischem Geiste zu erfüllen. Die Leistungen der Genossenschaft könnten, wurde ausgeführt, iveit größere sein, wenn die Verwaltung großzügiger wäre. Eine Genossenschaft mit über 69 999 Mitgliedern und der Zcntralverband mit über einer Million von Mitgliedern könnten, mit mehr Umsicht geleitet, gedeihlicheres insbesondere zur Teuerungszeit leisten. Notwendig sei frisches Blut in die Verwaltung hineinzubringen und einen innigen Zu- sammenhang zwischen den verschiedene� Organisationen der Ar- beiterbewegung herzustellen. Man wird dieser Richtung, die auch durch die aus der Gewerkschaft und der Partei in die Propaganda. kommission entsendeten Mitglieder vertreten wird, insbesondere im Hinblick auf die letzten Vorgänge in Hamburg nicht vorwerfen können, sie sehe zu schwarz. Von ihrer Seite wurden zum Teil andere Personen als Mit- glieder zum Aufsichtsrat vorgeschlagen als die vom Genossenschafts- rat empfohlenen. Sehr mit Unrecht wurde ihnen von einigen Rednern daraus ein Vorwurf gemacht. Die Mitglieder der Gene- ralversammlung. haben fteies Wahlrecht, sind keineswegs zur Wahl der vom Gcnossenschaftsrat vorgeschlagenen Personen verpflichtet. Auf der Liste der Mitglieder, die insbesondere eine stärkere Durch- dringung der Genosscnschafisbe'wcguiig mit sozialistischem Geist ver- langten, stand an erster Stelle der Genosse Ritter. Dieser hat mit Rücksicht auf eine Fülle anderer neuen Arbeiten, die er im Interesse der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung übernehmen muß, verzichten müssen. An seiner Stelle wird der Bevollmächttgte des Fabrikarbeiterverbandes, Genosse C. Bruns, vorgeschlagen werden, so daß auf dieser Liste die Geuossen 6. Bruns, Lamme, KSnig», Glltler, Finde, Moentz stehen. Die Genossen haben es in der Hand, durch Ausübung ihres Rechtes für Anbahnung einer Besse- rung, auch eines gedeihlicheren Hand-w-Hand-ArbeitenS der Partei, der Gewerkschaften und der Genossenschaftsbewegung zu sorgen. Möge es erreicht werden, daß bald Berlin über 199 999 Genossen- schaftsmitglicder zählt. Der kslksitkrieg. Noch keine Entscheidung. Konstantinopel, 39. November.(W. T. 50.) Die Bevollmächtig. ten beider Parteien sind heute in Tschataldscha nicht zusam. m e n g e k o m m c n. Der Handelsminister R e s ch i d Pascha ist in der Nacht zurückgekehrt und hat heute am Ministerrat teilge- nommen, der über die letzte Phase der Verhandlungen beraten und neue Weisungen vorbereitet haben soll. Diefürmorgenan- gesetzte Sitzung scheint die Entscheidung zu sein. Inzwischen treffen fortgesetzt anatolische Truppen ein. Torghut Schewket Pascha ist von Gallipoli hier eingetroffen. Eine bedenkliche Antwort. Rom, 39. November.(W. T. 50.) Am Schluß der heutigen Sitzung der Teputiettenkammer ftagte der Deputierte C a l a- janni an, wann die Interpellation über die äußere Politik verhandelt werden könnten. Mi- nisterpräsident G i o l i t t i erwiderte, es seien noch Ereignisse im Gange, deren Folgen man unmöglich vorher- sehen könne. Das Parlament würde jetzt verhandeln müssen. ohne die Tatsachen zu kennen, die auf die Lösung der noch im Gange befindlichen Ereignisse Einfluß haben könnten. Er bitte deS- halb Colajanni, der Vertagung dieser Interpellationen zuzu- stimmen. Sobald diese Besprechung ohne Bedenken würde statt- finden können, werde er sie gern mit der notwendigen Ausführlich- keit vornehmen lassen.(Zustimmung.) Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage. Letzte Nachrichten. Der Bombenanschlag gegen Lloyd George. London, 39. November.(P.-C.) Der angebliche Bombenanschlag gegen Lloyd George erscheint jetzt sehr Harmlos.� Es handelt sich um Munition für Kinberpistolen. Jon übri- gen setzen die Suffragetten ihre Unternehmungen gegen die lvrief- kästen fort. Einäscherung eines Elektrizitätswerkes. Prag, 39. November.(P.-C.) Das Gas. und Elektrizität». werk in Chrudim, Eigentum der vereinigten Gaswerke in Augs. bürg, ist Heute nacht vollständig niedergebrannt. Sämtliche Ma- schinen im Werte von 399 999 Kronen fielen den Flammen zum Opfer. Der Maschinenmeister Josef Zahradka, der den Nachtdienst versah, kam in den Flammen um.____ Paul Singer& Co.TBerlin SW. Hierzu 7 Beilagen. lt. 281. 29. ZahkMg. 1 KcilU des„Umiick" Lnlim DslKsM 5ollntag. 1. Dtzetttber 19l2. KeicKstag. 74 Sitzung. Sonnabend, den 30. November 1912, vormittags 11 Uhr. Hm Bundesratstisch: Dr. Delbrück, Dr. L i S c o. Die Abstimmung über die Teuerungsinterpellatkon. Zunächst wird über den Antrag A l b r e ch t und Genossen(Soz�) zu beschlieben, die Behandlung der Teuerungsinterpellation durch den Reichskanzler entspreche nicht der Anschauung des Reichstages, namentlich abgestimmt. Der Antrag wird mit 171 gegen 119 Stimmen, bei 9 Stimm- enthaltungen abgelebnt. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über den Zusammenstoß von Schiffen und über dir Bergung und Hilfeleistung in Seenot. Staatssekretär im Reichsjustizamt Dr. Lisco: Nachdem die internationalen Uebereinkommen über den Zusammenstob von Schiffen und über die Hilfsleistung und Bergung in Seenot vom 31. Mai 1911 vom Reichstag angenommen sind, ist e§ notwendig, die Vorschriften der inneren deutschen Gesetzgebung mit den Be- stimmungen für den internationalen Verkehr in Einklang zu bringen. Diesem Bedürfnis soll der vorliegende Entwurf genügen. Abg. v. Böhlendorff-Kölpin sk.) empfiehlt den Entwurf, der Wesentlich nur formale Bedeutung habe, ohne Kommisfionsberatung zu erledigen. Abg. Dr. Semler(natl.) wünscht, daß auch für den Eisenbahn- Verkehr internationale Abkommen getroffen werden. Des weiteren wünscht der Redner zu wissen, weshalb die T ü r l e i und China tn das Uebereinkommen nicht einbezogen sind. Abg. Dr. Herzfeld(Soz.): Auch wir stimmen dem Gesetzentwurs zu; wir freuen uns, daß Wir auf dem Gebiet des Seerechts zu einem einheitlichen Recht kommen. Wir bedauern nur, daß das Gebiet der internationalen Verträge nicht weiter ausgedehnt ist, nicht auch auf die A b- r ü st u n g und die Abschaffung des Seebeuterechtes. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Das Gesetz ist eine Wirkung des wachsenden Warenaustausches zwischen den Nationen; wir begrüben es als eine neue Kette des dadurch hervorgerufenen Gemeinschaftsgefühls der Nationen. Wir bedauern nur, daß die internationalen Verträge sich nicht auf ein gröberes Gebiet erstrecken, insbesondere hätten wir es gern gesehen, daß sie auf allgemeine Schutzmabregeln in bezug auf die A u s r ü st u n g d e r S ch i f f e zur Verhütung von Unglücksfällen ausgedehnt wären. Weiter bedauern wir auch, daß gar keine Anregung gegeben ist, das Recht der seemännischen Arbeiter international zu regeln. DaS deutsche Recht steht in dieser Beziehung weit hinter dem engli- schen� zurück. Unsere wiederholten Anträge auf Erweiterung des seemännischen Arbeiterrechts, auf Abänderung der SeemannSordnung find leider stets abgelebnt worden. Wir wünschen, daß die Re> gierung sie im Auge behält.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ein Regierungskommissar: Auf die Anfrage des Abg. Dr. Semler bemerke ich, daß die Türkei und China zu den Verhandlungen ein- geladen waren, aber nicht an ihnen teilgenommen haben. Es steht diesen Staaten jedoch der Zutritt zu dem Ueber- einkommen frei. Abg. Dr. Heckscher(Freis. Vpt.): Meine Freunde haben im Mai 1911 dem internationalen Uebereinkommen stillschweigend zugestimmt. Aber dieses Stillschweigen war ein begeistertes.(Heiterkeit.) Das inter- nationale Uebereinkommen bedeutet einen Kulturfortschritt. Der vorliegende Entwurf ist nur die Erfüllung des internationalen Uebereinkommens, wir stimmen ihm daher selbstverständlich zu. Damit s ch l i e b t die Debatte. Es wird sofort in die z w e i t e Beratung eingetreten und in dieser der Entwurf debattelos angenommen. ES folgt die erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über Kindersaugflafchen. Der Entwurf verbietet das Herstellen, Verkaufen und in den Berkehr bringen von Kindersaugflafchen mit.Rohr oder Schlauch. Abg. Rühle(Soz.): Die Teuerungsdebatten und die heute über unseren Antrag er- folgte Abstimmung haben den Massen erneut die Erkenntnis ver- mittelt, daß die Regierung und die Mehrheit des Hauses über die Not und das Elend der breiten Schichten der Bevölkerung zwar orientiert sind, daß sie aber nicht den Willen haben, ihnen zu helfen, ihre Lage erträglicher zu gestalten.(Lebhaftes Oho I rechts kleines feiaUeton Monistische Kannegießerei. Nachdem der„graste" Straust das allgemeine Wahlrecht im Namen der Kunst niedergeritten hat, cnt- steht ihm in der Person einer Monistenleuchie, I. Unold, ein Helfer im Streite, der zur Ehre der„monistischen" Denkweise das klotze Zählen der Stimmen beseitigt wissen will. Dieser Herr, der vor kurzem ein dickes Buch über„organische Staatsauffassung" vom Stapel gelassen hat, unterbreitet nunmehr in dem offiziellen Organ des Deutschen Monistenbundes der aufhorchenden Mitwelt folgenden Vorschlag zur künftigen Gestaltung des preustischen Abgeordneten- Hauses. Auf Grund der Berufszählung von 1997 will er den Preustischen Landtag zu„einam wirklichen Abbild des preustischen Volkes" machen und ihn„durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechts, aber ausgeübt nach Berufsgruppen, vor einer Klassen- wie vor einer Massenherrschaft" bewahren. Nach der Duchführung dieses sinnigen Programms würde sich der Landtag zusammen- setzen: 1. aus etwa 35 Vertretern der Staats- und Kulturinieressen, erwählt durch die akademisch und seminaristisch Gebildeten in staat- lichen, städtischen und freien Berufen(ein Sechstel der Abgeordneten); L. aus 129 Vertretern der Landwirtschaft, von welchen etwa 99 durch die selbständigen, mittleren und kleineren Grundbesitzer und leiten- den Beamten, etwa 39 durch die in der Landwirtschaft Beschäftigten zu wählen wären; 3. aus 135 Vertretern der Industrie, von denen etwa 79 durch die Techniker und Handwerker, 35 durch die Lohn- arbeitcr zu wählen sind, und 4. aus 89 Vertretern von Handel und Verfehr, von denen etwa 45 durch Kaufleute und höhere An- gestellte, 35 durch die in Handel und Verkehr Beschäftigten zu wählen sind. Soweit Herr Unold. Zwar trauen wir selbst einem Bethmann nicht zu, datz er sich zu dieser famosen Wahlrechtsreform, die lebhaft an das russische Dumawahlrecht erinnert, bekennen würde. Ebenso wenig brauchen wir auch nur ein Sterbenswörtchen der Kritik an das Elaborat des Herrn Unold zu verlieren. Aber recht schade ist eS, daß der Deutsche Monistenbund, der in der letzten Zeit immerhin einige demokratische Anwandlungen durchgemacht hat. so gar nicht merkt, dast er mit derartigen Führern an der Spitze seinen eigenen Bestrebungen, Aufklärung in die Masse zu tragen, aufs ärgste schadet. Der„reine Tor" in Monte-Carlo. Ist's ein Symbol? Parfifal wird vom heiligen Hügel Bayreuths direkt nach dem Monsalvat de? kapitalistischen Graals fahren. Herr G ü n z b u r g— oder wie er will: GunSbourg— Direktor des theatralischen Annexes des Spielsaales von Monte-Carlo verlündet eS der Parzifal-brünstigen Gemeinde: Am 23. Januar unwiderruflich erste Aufführung! So zerhaut der kühne Impresario den gordischen Knoten des um das Bavreuther StammgeschSft gruppierten Mystagogentums.„Verlange- «ng der Schutzfrist 1" hat's von dort getönt. Zehn Jahre Zuschust und in der Mitte.) WaS sie zu tun gewillt find, sind ganz wirkungslose Matznahmen, die mehr auf Verschleierung und Vertuschung berechnet sind als auf wirkliche Abhilfe, es sind Mahnahmen, die nach dem alten Rezept der weihen Salbe bereitet sind, und nach diesem selben Rezept ist auch dieser Gesetzentwurf gearbeitet. Zwischen dem Inhalt und dem Umfang dieses Entwurfs und dem Umfang und der Wucht des Elends, das er bekämpfen oder mildern soll, klafft ein ungeheurer Gegensatz. Die Säuglingssterblichkeit ge- hört zu den beschämend st en Blättern in dem grohen Buch der deutschen Kulturschande.(Entrüstete Zurufe rechts und in der Mitte. Präsident Kaempf ruft den Redner wegen des Ausdrucks„deutsche Kulturschande' zur Ordnung.) Die Säuglingssterblichkeit ist eine Erscheinung so autzerordentlicher Natur, dast man mit dem Zungenschlage des Herrn Giesberts sagen möchte, man muh sich schämen, ein Deutscher zu sein.(Erneute grohe Unruhe rechts und in der Mitte, Zuruf: Sie sind gar kein Deuticherl) Es ist geradezu blamabel, mit welchem Zartgefühl in dem Entwurf dieser Ericheinung gegenübergetreten wird, wie er um die schlimmsten Tatsachen herumgeht; er verschleiert mehr, als er enthüllt, und er verschweigt viel mehr, als er aus- sprechen mühte, wenn es darauf ankäme, über den Stand der Säuglingssterblichkeit sich wirklich zu orientieren. In der Begründung wird gesagt, die Säuglingssterblichkeit ist immer noch sehr groh, sie beträgt im Jahre 1919 noch 16,2 Prozent der Lebendgeborenen. Diese Zahl hätte aber in Vergleich gesetzt werden müssen mit der Gesamt st erblichkeit, die nur 7 Prozent beträgt. Ebenso hätten die Ziffern des Auslandes daneben gesetzt werden müssen. In Deutschland übertrifft die Säuglingssterblichkeit die fast aller Kultur st aaten. Um die Aushungerungspolitik der Regierung und der agrarischen Mehrheit zu rechtfertigen, hat der Präsident des Reichsgesundheitsamts darauf verwiesen, dah die Säuglingssterblichkeit zurückgegangen sei. Ich bestreite das nicht, aber der Präsident des Reichsgeiundheitsamts hätte die Pflicht gehabt, zu sagen, dah trotz dem Deutschland in der Säuglinassterblichkeit noch an der Spitze marschiert, mit R u h l a n o zusammen und mit einigen Ländern, mit denen in Vergleich gestellt zu werden wir entschieden ablehnen müssen. In diesem Hause ist einmal das Wort gefallen: Deutsch- land in der Welt voran. Wir haben uns aber daran gewöhnen müssen, dah Deutschland immer nur dann voranmarschiert, wenn eS eS sich um Dinge der Unkultur handelt.(Grohe Unruhe und lebhafte Unterbrechungen rechts und in der Mitte. Präsident Kaempf ruft den Redner zum zweitenmal zur Ordnung.) Immer sind es die Proletarier, immer find eS die Kinder der A e r m st e n und M i n d e r b e m i t t e bt e n, die der Säuglings- sterblichkeit zum Opfer fallen. Die Regierung sagt das in der Begründung nicht, sie weist nicht auf den Unterschied der Säuglingssterblichkeit bei den bemittelten und bei den minderbemittelten Schichten hin. Sie weih, dah sie, wenn sie das täte, gegen das System, dem sie dient, eine un- geheuere Anklage richten würde. Die Vernachlässigung der Säuglinge ist eine Sünde, die sich gegen die Zukunft des Volkes kehrt.(Unruhe rechts und in der Mitte, Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In der Begründung des Gesetzes wird gesagt, dah unter den Todesursachen Krankheiten der Verdauungsorgane bei den Säug- äugen an erster Stelle stehen. Es ist zuzugeben, dah der dritte Teil aller Säuglinge an Verdauungskrankheiten stirbt, aber dieser Prozentsatz ist nicht im ganzen Jahre gleichmähig, sondern in der sommerlichen Hälfte am gröhten. Dieser Umstand kom- pliziert das Problem und gewinnt der Frage eine neue Seite ab. Man behauptet, dah die Säuglingssterbltchkeit lediglich eine Frage der Ernährung sei, und hat nach diesem Gesichtspunkt die ganze Ab- Wehrorganisation eingerichtet. Auch die Tätigkeit des Kaiserin- Auguste-Viktoria-Hauses in Berlin geht von dieser Meinung aus. und ebenso das vorliegende Gesetz. Mindestens in demselben Mahe ist aber die Säuglingssterblichkeit auch eine Wohnungsfrage und eine Frage der gesamten sozialen Verhältnisse, in denen die Menschen leben.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Aus dem ganzen Komplex der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, unter denen Millionen von Menschen leben, ist die Erscheinung der Säuglings« sterblichkeit zu verstehen. Der Hitzeeinfluh ist in kleinen Räumen und in Häusern, die an engen Ströhen liegen, wo die Licht- und Luftzufuhr von auherhalb gering ist, natürlich weitaus gröher als in den Räumen und Häusern in offener Bauweise. Deshalb ist auch die Säuglingssterblichkeit in jenen Häusern weit gröher. Sckon 1888 ist für F r a n k f u r t a. M. nachgewiesen, dah im Villenviertel 15 Proz. der Säuglinge starben, aber in derselben Zeit in dem alten Stadtteil Frankfurts mit seinen engen Strasten 37 bis wurden gefordert. Dreißig und vierzig l tönte es. Herr Günzburg — nein, Monsieur GunSbourg— antwortet: Drsnts et quarante! Den deutschen Direktoren sollte eine Schranke über die Profilstrahe gelegt werden. Der Mann in Monte-Carlo aber schreit seinen Künstlern energisch zu: hlsssieurs, faites votre jeul— Am 23. Januar werden sie alle beisammen sein, die nach den musikali- schen Erlösungswonnen Dürstenden— und, ein paar Kokotten ab- gerechnet, wird's dieselbe Gesellschaft sein, wie in Bayreuth. Wenn aber die Vorhänge zufallen, werden die Erlösten einander zuflüstern: Ein Bllhnenweihfestspielchen gefällig? Lebende Fische im Eis. Die Fische können sich, da sie zu den wechselwarmen Tieren gehören und die Temperatur ihrer Umgebung annehmen, im Eis lange Zeit lebendig erhalten. Sie geraten bei gröhter Kälte in einen Starrzustand, in dem lchliehlich alle Lebens- funktionen stillestehen, ohne dah doch das Leben erlischt. Das lassen schon die während einiger Winlermonate bis auf den Grund ge- srorenen grohen Flüsse Sibiriens erkennen, in denen die Fische ruhig weiterleben. Wisseuschaftlich beobachtet wurde diese Tatsache in neuesten Untersuchungen, über die die„Umschau' nach der„Fischerei- zeitung" berichtet. Der bekannte Genfer Physiker Piciet setzte Sühwasser- fische in Wasser, das er zunächst 24 Std. lang bei 0 Grad hielt und dann gefrieren lieh, bis es mit den Fischen einen festen Block bildete. Lieh man den Block einen bis zwei Monate später schmelzen, so schwammen die Fische ebenso munter umher wie früher. Für den Transport hat man diese Tatsache in Frankreich nutzbar gemacht. Man umgibt die Fische mit einer einige Zentimeter dicken Scheibe Eis und versendet sie so. Wird dann dieser EiSumichlag langsam aufgetaut und erhält man die Fische mehrere Stunden bei annähernd 9 Grad im Wasser, so erwachen sie wieder zum Leben; aber auch wenn einige tot sind, hat man es doch auf diese Weise im allerbesten Konservierungszustande bewahrt. Das Atmen— eine verlorene Kunst. Der englische Hygieniker George Newman veröffentlicht einen Bericht über die Untersuchimg von sechs Millionen Kindern in den englischen Gemeinde- schulen, die das traurige Ergebnis hatte, dah 3 789 999 Kinder als irgendwie krank bezeichnet werden muhten; dabei sind die Geistes- kranken nicht mitgerechnet. Als Hauptgrund dieses auherordentlich schlechten Gesundheitszustandes wird Mangelhaftigkeit der Atmung angegeben. Aus diesem Anlah macht Dr. Albert Visetti darauf auf- merstam, dah richtiges und vernünftiges Almen eine der wichtigsten Schutzmahregeln gegen Krankheit darstellt. Aber das richtige Atmen ist heute eine verlorene Kunst, während es im Altertum gelehrt und geübt wurde. Wie trefflich Griechen und Römer die Atmung aus- führten, das ahnen wir noch aus der Schönheit und Symmetrie ihrer Statuen. Buddhistische Priester lehrte» diese Kunst und be- reits lange vor Christi heilten Chinesen und Inder Kranke, indem sie ihnen eine gesunde Art des Atmens beibrachten. Auch bei uns muh Atmen wieder als eine sehr wichtige Kunst betrachtet werden, die der Mensch erst lemen muh, und der erste Unterricht, den die 13 Proz.(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Für München ist festgestellt, dah 89 Proz. der verstorbenenSäuglinge aus Wohnungen herstammten, die aus einem bis zwei Räumen bestanden. Ich verweise auch auf die Erfahrungen in H e l l e r a u bei Dresden, wo die Säuglingssterblichkeit ö Proz. in einem Jahre betrug, in dem sie in Dresden 14,8, in Leipzig 17,1, in Chemnitz 22.3 Prozent betrug.(Hörtl Hört! bei den Sozial« demokraten.) Daraus ergibt sich schon, dah die Säuglingsfrage nicht nur eine Ernährungsfrage ist. und diejenigen in diesem Hause, die nichts getan haben zur Beseitigung des himmelschreienden WohnungSelends, obwohl sie die Möglichkeit dazu hatten, sind Mitschuld an diesem Zustand.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es hätte sehr nahe gelegen, dah auch die Regierung in ihrer Begründung zu diesem Gesetz von diesen Tatsachen Notiz genommen hätte. Aber sie geht mit keinem Sterbenswörtchen darauf ein, während gerade diese Fragen für die Beurteilung des Wertes der gesetzlichen Mahnahmen zur Bekämpfung der Säuglingssterblich- keit von großer Bedeutung sind. Es genügt ihr, festgestellt zu haben, dah unter den Todesursachen die Verdauungskrankheiten an erster Stelle stehen, was noch nicht einmal ganz zutrifft in dieser All« gemeinheit. Wir sind uns darüber einig, datz die Muttermilch die beste Ernährung für den Säugling ist. Slillprämien allein tun es hier nicht, es hat sich herausgestellt, dah man nahezu alle Frauen stillfähig machen kann unter der Voraussetzung. dah sie in bezug auf Ernährung, Pflege, Ruhe und Er» h o l u n g unter die denkbar günstigsten Verhältnisse gestellt werden. Diese Verhältnisse sind aber für Millionen von Müttern gerade aus dem Arbeiterstande nicht vorhanden.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Die Mehrheit dieses Hauses muß angeklagt werden, dah sie nicht das getan hat, was sie tun konnte, um diesen Müttern solche denkbar günstigsten Verhältnisse zu verschaffen. Sie hat im Gegenteil die Zoll- und Wucherpolitik, den ungeheuren Steuer- druck auf die Masse» gelegt und hat es an einer wirklich ausreichen- den Sozialpolitik fehlen lassen. So ist sie mitverantwortlich an dem Rückgange der Stillfähigkeit der Mütter. Die Hälfte aller geborenen Kinder ist heute auf Ersatzmilch angewiesen. Da hätte eS nahegelegen, daß die Regierung auch auf die Minderwertigkeit, ja unter Umständen Gefährlichkeit der künst- lichen Ernährung ihr Augenmerk gerichtet hätte. Uebrigens ist die künstliche Ernährung nicht gleich schlecht für alle Kinder, denn nach einer Statistik starben von künstlich ernährten Kindern reicher Eltern 9,27 P r o z., des Mittelstandes 52 Proz. und des Proletariats 94 Proz.(Hörtl hörtl bei den Sozial- demokraten.) Das beweist wieder, wie ausschlaggebend die sozialen Verhältnisse sind, was auch hervorgeht aus der größeren Sterblichkeit der unehelichen als der ehelichen Kinder. Die Not und das Elend, die ganze Summe der traurigen, teilweise furchtbaren Lebensverhältnisse, unter denen die proletarischen Kreise leben, ist schuld an der grohen Säuglingssterblichkeit. Man hätte also erwarten sollen, datz die Re- gierung, wenn es ihr ernst war mit einer gründlichen Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, eine energische Wohnungs« r e f o r m in die Wege geleitet und durchgreifend sozialpolitische Maßnahmen ergriffen hätte. An Anregungen dazu hat eS wahrlich nicht gefehlt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Das Verlangen, das wir auf Schaffung eines Reichswohnungsgesetzes ge- stellt haben, hat aber stets den hartnäckigsten Widerstand ge- sunden. Aus der Mitte dieses Hauses hätte ein viel stärkerer Druck ausgeübt werden müssen, um die Regierung recht bald zu einer gründlichen Reform dcr Wohnungsverhälttnsse imMeich zu drängen. Vor allem mache ich den Mehrheitsparteien dieses Hauses den Vorivurf, dah sie es z.B. bei der Reichs ver- sicherungSordnung trotz aller unserer Hinweise an' tinchn gründlichen Säuglingsschutz haben fehlen lassen. Alle unsere Anträge auf Mutterschutz, Schutz der Wöchnerinnen hat man nieder- gestimmt, teilweise mit Hohnlachen empfangen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere nur an die Behandlung, die die ländlichen Proletarierinnen in diesem Hause erfahren haben, diese geplagtesten und hilss« bedürftigsten weiblichen Wesen. Ihnen hat man den Hebammen« d i e n st und die ärztliche Geburtshilfe verweigert und hat sich dabei hinter dem Unannehmbar der Regierung versteckt. Hier hatte man Gelegenheit, der Säuglingssterblichkeil an die Wurzel zu gehen. Hier hatten Sie das Odium, von dem Sie meinen, dah es parlamentarisch nicht be- zeichnet werden kann, von dem deutschen Namen und der deutschen Ehre herunternehmen können. Da Sie es nicht getan haben, sind Sie mitschuldig an dem Elend, vor dem wir stehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Jetzt end- Kinder erhalten sollten, mühte das Atmen sein. Da es unmöglich ist, Atmen ohne Singen zu lehren, sollten die Hebungen mit der Ge« sangsstunde verbunden werden. Musik. Zar Peter I. von Ruhland war ein schaffenskräftiger Derbling. Als Hauptfigur von A. Lortzings„Zar und Zimmer» mann" bringt er davon nicht eben viel mit, läßt aber seinem Darsteller noch genug Gelegenheit zum Naturburschen. Die Neueinstudierung der genannten Oper im Deutschen Opernhaus am Freitag hatte ihre Vorzüge anderswo, vor allem in einer Majorität von Sängern, die auf der Höhe der gegenwrätigen musik- dramatischen Kunst stehen. Daneben gab es eine Minorität von Sängern des alten Opernstiles, und zu ihr gehört« gerade der Zardarsteller E. Schüller. Er besitzt eine gute Stimme und sang das Kindheitslied nicht ohne Wörme. Kann denn aber weder der Dirigent noch der Regisseur dafür sorgen, dah das Lied nicht zu einer Konzerarie wird, und dah bei dem musikalisch so hoch- stehenden Sextett im 2. Akt nicht die eine der beiden Gruppen sich ans Publikum wendet, während die andere bei der Situation bleibt? Das waren allerdings Meister vom Gesang, Wort und Spiel: bor allem wieder das dreifache Vorbild I. Lieba-n(Peter Iwanow), sodann P. Lord mann(Bürgermeister) und C. B r a u n (englischer Gesandter). Ein Duett zwischen den beiden Erstgenannt» ten konnte als ein Muster von dramatischer Durcharbeitung gelten. Elfriede Dorp kommt anscheinend geradeswegs vom fleihigev Ein- studieren her und dürfte trotz ihrer für das Riesenhaus nicht grohen Mittel noch eine hervorragende Künstlerin werden. Vermöchte aber doch der Referent von irgend etwas Eigen- artigem in der Gesamtanlage der Vorstellung zu berichten, und sei es auch nur davon, dah nicht hinter den an die Namen Gregor und Moris geknüpften Fortschritten zurückgeblieben würde! Ausstat- tung: vortrefflich. Endcrfolg: Zufriedenheit des Publikums. Die Abonnenten des Hauses scheinen allerdings mit„zweiten Garnituren" abgefertigt zu werden und darob auch schon zu murren._*«r. Notizen. — Bühnenchronik. NijinSky, der erste Tänzer des zurzeit bei Kroll gastierenden Russischen Balletts, tritt von Soimtag an wieder an allen Gastspielabenden auf. �»DaS dritte Gewerkschaftshauskonzert findet Freitag, abends S'/j Uhr, statt. DaS Programm enthält Werke moderner Komponisten(Saint-SasnS, Richard Strauß und Tschai- kowsky).* — Vorträge im Institut für Meereskunde. Montag, Dr. A. Merz: Das Salz des MeereS; Dienstag, Prof. W. Ule: Bilder und Beobachtungen aus den Haupthäfen Brasiliens; Freitag, Prof. E. Lehmann: Von den dänischen Faröer. lich, nachdem nunmehr der Geburtenrückgang immer gefahrdrohender in die Erscheinung triti, kommt die Negierung mit einem Gesetz, das nach den ersten Zeitungsnachrichten anmutete wie ein verspäteter Witz aus der Fastnachtszeit. Tin Gesetz, das so lächerlich geringfügige Maßnahmen bringt, daß man kaum glaubt, daß es der Regierung ernst ist mit der Behauptung, daß durch ein solches Gesetz die Säuglingssterblichkeit auch nur einigermaßen berührt, geschweige denn gemindert wird. Nach der Begründung, daß man allen Schäden, die aus der Ernährung der Säuglinge entstehen, begegnen wolle, mußte man auf eine große Aktion gefaßt fein, aber die Berge kreiseten und ein armseliges Mäuslei», ein Saugflaschcngesetz, sprang aus dem ganzen Brimborium hervor. Man will offenbar das böse Gewissen beschwichtigen, es mutet mich so an, als wenn ein armer Sünder wenige Stunden vor seinem Tode in seiner Angst vor der ewigen Verdammnis rasch noch ein Kirchen- fenster stiftet. sHeiterkeit und Sehr gutl bei den Sozial- demokraten.) Oder als ivenn ein Mensch die Schwindsucht init der Stiftung von Spucknäpfen radikal bekämpfen oder das Bolksschul- Wesen mit der Anschaffung neuer Tintenfäffer gründlich reformieren will. sHeiterkeit.) TrcS Gesetz steht inhaltlich auf derselbe» Höhe wie die Fleischet n f u hr e r l a u b n i s aus dem Balkan in dem Augenblick, wo der Balkankricg ausbrach. Man will den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen, und tut so, als ob man zu etwas bereit wäre, es ist das alte berüchtigte Rezept von der weißen Salbe.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es hätte wenig- stens nahegelegen, daß die Regierung, ehe sie ein Säuglingsflaschen- gesctz schuf, daran gedacht hätte, was in die Säuglingsflaschen h i n e i n g e h ü r t.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gute billige Milch, für die Allcrärmsten unentgeltliche M i l ch, ist für Millionen unendlich viel wichtiger, als die Frage der Milchflaschen. Aber die Agrarier gehen darauf aus, die Milch zu verteuern. Festgestellt ist, daß die als Säuglinasmilch verkaufte bis zu einem Fünftel nlit Eiter durchsetzt war. Was aber hat der Bundesrat getan, um dafür zu sorgen, daß nur Milch gesunder Tiere auf den Markt kommt, was hat die Regierung getan, um für billige Milch zu sorgen, um den Aermsten unentgeltlich Milch für Säuglinge abzugeben? Gar nichts bat sie getan!(Abg. Ledebour(Soz.): S ch o r l e in e r wird Pferde- milch empfehlen! Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sie begnügt sich mit einem Saugslaschengesetz. �Man weist darauf hin, daß die Milch in den Saugflaschen leicht säuern, und daß die Saugflaschen mit Rohr schwer gereinigt werden können, wozu die Frauen nicht die Zeit haben. Aber allen unseren Versuchen, den Frauen mehr Zeit zu schaffen, alle unsere Anträge auf Herabsetzung der Arbeitszeit sind hier stttS nieder- gestimmt worden. Man sagt, die Flaschen ohne Rohr können fo lange gehalten werden, bis der Säugling befriedigt ist. Aber die Frau, die nicht genügend Zeit hat, die Flasche mit Rohr zu reinigen, hat auch nicht die Zeit, die Flasche ohne Rohr so- lange zu halten. Man wird daher wohl zu längst überwundenen Dingen zurück- kommen, der Schnuller und G u m m i s a u a e r werden wieder auferstehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber nicht nur Zeit, sondern vor allem Kenntnis und Verständnis für die hygienischen Bedingungen muß die Mutter haben. Diese zu erlangen, ist die Schule der geeignete Ort. Man beseitig« den Religionsunterricht in der Schule(Widerspruch recht»), und man wird Zeit für den not- wendigen Unterricht in der Hygiene gewinnen. In Frankreich hat man den Religionsunterricht aus der Schule verbannt, und Frankreich ist deshalb nicht zu Grunde gegangen, das moralische Niveau der französischen Jugend ist keineswegs schlechter als das unserer Jugend.(Widerspruch recht».) Die Kriminal- statistik spricht zugunsten Frankreichs. Vizepräsident Dr. Paasch« ruft den Redner zur Sache.(Abg. Ledebour(Soz.): Das gehört zur Sache I) Sie werden mir zu- geben, daß die Kriminalstatistik nur sehr lose mit den Saugslaschen zusammenhängt.(Heiterkeit.) Abg. Rühle(fortfahrend): Sehr bewährt haben sich auch die an manchen Orten angestellten Säuglingspflege- sch Western. Universitätsprofcssor H aaö- Tübingen, ein maß- gebender Sachkenner, hat festgestellt, daß die Erfolge deS französischen Gesetzes äußerst gering sind. Wenn es aber so steht, erscheint eö uns doch recht bedenklich, eine Industrie und die in ihr tätigen Arbeiter zu ruinieren, was die Folge des vorgeschlagenen generellen Fabrikationsverbots solcher Flaschen sein würde. Damit würde ja auch der Absatz durch den Export unmöglich werden. Und das Verbot der Herstellung der einzelnen, zu Rohrsaugflaschen vcrwend- baren Bestandteile würde auch eine Menge zu ganz anderen Haus- Haltszwecken, zum Füllen von Füllfederhaltern usw. bestimmten Artikel treffen. Wir beantragen Ueberweisung der Vorlage an eine vier- z e h n g l i e d r i g e Kommission, in der alle diese Fragen zu prüfen sind. Aber wir geben uns keinen Illusionen über die Wirkungen deS Gesetzes hin. Die Säuglingssterblichkeit kann nur bekämpft werden durch gründliche sozialreformato- r i s ch e Maßnahmen, durch gründlichen Mutterschutz, W o h n u n g S r e f o r in usw. Hierin aber haben Sie sich stets am Volk versündigt und dafür wird das Volk einst Vergeltung üben.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor v. Jonquierrs: Wir haben hier kein Gesetz zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, sondern eine Teil- und HilfSmaßrcgel dazu. Die Bekämpfung der Säuglingssterblichkit mutz das gcminsame Werk aller Faktoren, auch der christlichen Liebcstätigkeit sein.(Beifall recht» und im Zentrum. Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich danke von dieser Stelle allen diesen Faktoren, denen der tatsächliche Rückgang der Säug- lingSsterblichkeit zu danken ist. ES ist nur zu prüfen, ob diese eine hier vorgeschlagene Matznahme geeignet ist, als eine der praktischen Speztalmatznahmcn der Einschränkung der Säuglingssterblichkeit zu dienen. Dies bitte ich im Auge zu behalten.(Beifall.) Mg. Sittart(Z.): Die Ausführungen i>eS RegierungSvertreterS haben unS aus den Wolken der Phantasie auf den realen Boden der Wirklichkeit zurückgeführt. ES handelt sich um eine praktische Matznahme zur Verringerung der Klnderiterb- lichkeit, und eine solche praktische Maßnahme ist bester, alS der Trost, daß nach Einführung des ZukunftSstaateS die Kinder nicht mehr st e ribe n werden.(Sehr gut! und Heiterkeit im Zentrum.) Was baben denn die sozialistisch verwalteten Gemeinden bisher zur Be» kämpfung der Säuglingssterblichkeit getan. F a st g a r n i cht ö im Vergleich mit der christlichen Charitas.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Der Vorredner fordert die Schule ohne Religion. Die» Programm der Sozialdemokratie kennen wir. Daß der Vorredner diese Forderung aber bei dieser Gelegenheit erhoben hat,'dafür danke ichihmidaSdeutschcVolkwirdeShören. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Vorredner sagte» wir haben mit Absich tu nd wissentlich die Gelegenheit verp-i-ht, den Säuglingen gu helfen.(Sehr richtig! der den Sozialdemokraten, Entrüstungsrufe im Zentrum.) Er sprach von der Düngung der Friedhöfe mit Kinderleichen. Für solche Sprache hat das deutsche Volk, vor allem das Mutterherz kein Verständnis.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.)— Bedenklich ist das Verbot der Herstellung auch von Teilen von Saugslaschen; deshalb sind wir mit der Ueberweisung des Entwurfs an eine Kam- Mission einverstanden. Mg. Schulenburg(natl.): Der erste Redner hat gezeigt, daß die Saugflaschen dazu geeignet sind. sichmitHaßgcgendie heutige Gesellschaftsordnung voll zu saugen. (Heiterkeit und Sehr gut.) Wie er aber den Religionsunterricht damit verknüpfen konnte, ist mir unverständlich. Ich erkläre ihm gegenüber, die Religion gehöht indieSchule und soll in ihr bleiben.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Jen- trun? und bei den Nationallrberalen.) Ueber den Gesetzentwurf selbst kann man fich heute noch nicht entscheiden; die Nach. teile, die da« Verbot der Herstellung von Teilen der Industrie der- Ursachen, müssen in der Kommission noch näher geprüft werden. Abg. Dr. Müller. Meiniligen(Vp.): Die christliche Liebestäiig- keit erkenne ich vollständig an; doch handelt es sich bei der Bekamp- fung'der Säuglingssterblichkeit nicht um»ine Betätigung christlicher Gesinnung, sondern allgemeinmenschlicherGesinnung. Besonders erfolgreich war die in vielen Gemeinden erfolgte Ein- richtung von Fürsorgeschwestern. Das ist auch ein Beweis dafür, wie wichtig die Belehrung auf diesem Gebiete ist. In den baue r- lichen Bezirken Bayerns ist die Säuglingssterblichkeit er- heblich größer als in den G r o tz st ä d t e n. Eine Reichsanstalt zur Erforschung der Säuglingssterblichkeit könnte zur Ausklärung und damit zur Herabminderung der Säuglingssterblichkeit in den bäuer- lichen Bezirken sehr viel beitragen.— Die Einzelheiten des Eni- wurfs inüssen noch näher geprüft werden, was nur in einer Kom- Mission geschehen kann. Abg. Dr. Burckhardt(Wirtsch. Vg.) erklärt sich mit einer Kom- missionsberatung des Entwurfs einverstanden. Damit sch l i e ß t die Debatte. Der Entwurf geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern� ES folgt die erste Beratung des Entwurfs eines Postscheckgesetzes. Staatssekretär im Reichspostamt Kraetke: Der Postscheckver- kehr hat sich in erfreulicher Weise entwickelt, die Zahl der Konto- inhaber betrug im ersten Jahre 36 000 und ist in den drei Fahren seit Bestehen der Einrichtung auf 72 000 gestiegen. Die Zahl der Buchungen betrug im Jahre 1012 nicht weniger als 101 Millionen, und zwar wurden Beträge bon im ganzen 3 0 Milliarden Mark verbucht. Nicht so erfreulich waren die Tarife;-deshalb sieht -der neue Entwurf ihre Herabsetzung vor, sowie die Verminderung der Stammeinlagen von 100 auf 20 M. Dadurch wird die Be- nutzung der Einrichtung auch den kleinen und mittleren Geschäften möglich. Abg. Dr. Slldckum(Soz.) i Die bisherige Entwicklung des bargeldlosen Geldverkehrs ist durchaus nicht so z u f r i e d e n st c l l e n d, wie das der Staats- sekretär meint. Wenn heute nach 3 Jahren ganze 72 000 Postscheck. lonti bestehen, so ist das ein Mißerfolg. Erst durch eine massenhafte Verbreitung>deS Postscheckverkchr», wenn er so verbreitet ist, wie etwa das Telephon, kann der angestrebte Zweck erreicht werden. Mit der im Gesetz vorgesehenen Gebühr von 10 Ps. für jede Einzahlung können wir uns nicht einverstanden er- klären. In der heutigen Gebührenfreiheit der Einzahlungen lag ein starker Anreiz, sich zu Geldsendungen statt einer Postanweisung einer Zahlkarte zu bedienen und wenn man es mit einem Geschäfls- mani? zu tun hatte, darauf zu dringen, daß dieser sich ein Post« scheckkonto einrichtete. Insofern war die Gebührenircihcit ein wich. tigeS Propagandamittel für die Ausbreitung des Postscheckverkehrs. Gegen diese Neuerung des Gesetzes richtet sich daher unser Haupt- Widerspruch. Zur Prüsung der Einzelheiten beantragen wir die Ueberweisung der Vorlage an die Budgettommission. Abg. Irl(Z.) ist mit der Herabsetzung der Stammeinlag« von 100 aus 20 M. einverstanden und kritisiert ebenfalls die neu geplante Gebühr von 10 Pf. für Einzahlungen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Frommer(kons.), Bcckh- Heidelberg, Dove(Bp.) wird der Entwurf der Budgetkommission überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt Nächste Sitzung: Montag 2 Uhr.(Etat.)i Schluß 2% Uhr. AirtichMIcher iöochenberlcht. Krieg, Sparkasse» und Kursverluste. DaS dauernde Spielen mit der Kriegsgefahr in der bürger- lichen Presse, die mehr oder weniger eine Unterstützung Oester» reich-UngarnS für eine selbstverständliche Pflicht des Deutschen Reiches hält, hat jetzt die weitesten Kreise in Erregung versetzt. Im Beginn des Krieges begann nur das Börsenpublikum ängstlich zu werden. Die Großbanken warfen die kleinen Spekulanten durch Baissekurse, und die bürgerliche Presse spendete dazu Beifall: es ist ganz recht, wenn die ungesunde und übertriebene Spekulation durch Verluste gestraft wird. Die stete Kriegsgefahr hat inzwischen auch die kleinen Sparer aufgeschreckt. Am frühesten wurde von starken Abhebungen in Frank- reich berichtet. Die Ausweise über den Geschäftsgang' der beut- schen Sparkassen im Oktober zeigen nun ein ähnliche» Bild. Im November ist die Beunruhigung gewachsen. So berichtete der Oberbürgermeister ReimaruS aus Magdeburg auf dem gestrigen VerbandStag deutscher Sparkassen, baß auf der Sparkasse seiner Stadt in den letzten vier Wochen gegen drei Millionen Mark abgehoben worden sind. Ganz ähnlich ist eS in allen Städten gewesen. Die Runs auf die städtischen Sparkassen in Ostpreußen, insbesondere in Königsberg i. Pr., verawlaßten sogar den Kanzler in der vergangenen Woche zu seinem BeruhigungS- te leg ramm an den ostpreußischen Oberpräsioenten. Viel wirk- samer als solch«ine nachträgliche Erklärung, daß kein Grund für Befürchtungen vorliegt und daß die Gerüchte über Mobilisierungen falsch seien, wäre eine von vornherein klare und entschiedene Demcnticrung jeder Unterstützung österreichischer Expansion�- gelüste gewesen. So muß es natürlich bei halber Wirkung der- artiger Beschwichtigungen bleiben. Die ganze übrige Haltung der Negierung. man denke nur an die Antwort deS Kriegsministers auf die Anfrage über Maschinengewehre im Reichstag, ist nicht dazu angetan, dem Publikum irgendwie die Gewißheit zu geben, daß der Friede ungestört bleiben wird. Es ist deshalb auch ganz unangebracht, daß die unter der Unruhe leidenden kommunaleni Sparkassen das Publikum mit Vor- würfen über /eine allzuaroße Aengstlichkeit traktieren. Im Be- ginn der verstärkten Abhebungen wahrten die Sparkassen allerdings vollkommenes Stillschweigen. Jede Warnung hätte damals nur weitere Sparer auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Man zahlte lieber, in der Hosfnuna. daß die Abhebungen wieder aufhören würden. Man wollte zeigen, daß man ohne weiteres solchem An. stürm gewachsen ist. Inzwischen sind die Abhebungen nach Zahl und Höhe so gestiegen, daß in der vergangenen Woche mehrere Sparkassen Beruhigungsnotizen verbreiteten, um den Abfluß ein- züdämmen. Auf dem gestrigen Verbandstage deutscher Sparkassen in Charlottenburg haben sich diese freundlichen Ermahnun- gen zu regelrechten Vorwürfen gegen die allzu ängstlichen Sparer verdichtet. So appellierte der Geschäfteführer des Verbandes an das.Ehrgefühl der Nation": „Droht der Krieg wirklich, so muß das Volk Ruh« bewahren- im Bewußtsein seiner Kraft. Als Feigheit aber muß es bezeichnet werden. wenn manche Kreise der Bevölkerung beim Auftauchen von KriegSgerüchten an weiter nicht« denken, als ihr bischen Bargeld in vermeintliche Sicherheit zu bringen. Und Dummheit ist der Glaube. daß die Anlage des Geldes bei den Sparkassen irgendwie unsicher werden könnte." Und Oberbürgermeister ReimaruS kanzelte die Furchtsamen also ab: „Leider müssen wir konstatieren, daß diese unsinnigen Gerüchte zu einem ganz unsinnigen Gebaren«incS Teiles der Bevölkerung geführt haben. Wie soll da» Verhalten ander« bezeickmet werden? Ich nehme natürlich die Sparer aus, die auf Grund des gewöhn- lichen Geschäftsgänge» auch in dieser Zeit ihr Geld abheben mußten. weil sie e» brauchten; aber ich meine die Sparer über dies« Kreise hinaus, die lediglich in der Furcht vor dem Kriege ihr bißchen Geld retten wollten und nun in geradezu törichter Weife die Sparkassen bestürmten. In der Tat muß dieses Schauspiel als direkt beschämend bezeichnet werden. Wir sehen, daß«deutsche Männer plötzlich deswegen. weil an unverantwortlichen Stellen der Krieg als nahe be- vorstehend gepredigt wird, auf die Sparkasse ren-nen und da«, was fi« sich gespart haben, blindlings, abholen, zum Teil, um«S nach wenigen Tagen oder Stunden schon wiederzubringen. Ein solches Verhalten kann nur als gänzlich unbesonnen und töricht bezeichnet wsrden." Bargeld sieht eben auch bei den guten Patrioten höher rm Kurse als die Kriegsbegeisterung! Wohl weisen die Kassen mit Recht darauf hin, daß ihre Bestände in Hypotheken und mündelsicheren Wert- papieren angelegt sind, und daß der Garantieverband der Kasse (Kreis oder Gemeinde) mit seinem gesamten Vermögen und seiner Stcuerkraft-dafür haftet. Aber die Sparer fragen indessen, wird die Kasse auch so schnell ihre Mittel flüssig machen können, um allen Ansprüchen im Falle eines Kriegsausbruches zu genügen? Und wird nicht der Staat durch Ausgabe von Zwangsscheinen dem Bargeld ein Agio verschaffen? Wenn auch die Sparkassen jetzt auf beide Fragen eine im Sinne der Sparer befriedigende Antwort geben, ist die tat» sächliche Gestaltung der Verhältnisse nicht absolut sicher vorauszu- sehen. Es gibt nur eine vollkommene Beruhigung und-das ist die Gewißheit, daß der Staat jeden Krieg unter allen Umständen ver- meiden wird. Solange diese Versicherung nicht abgegeben ist, wird und muß die Unruhe bleiben. Die plötzlichen und zahlreichen Abhebungen bedeuten für die Kassen eine erhebliche Belastung. Die Gelder sind fest angelegt. Ihrer plötzlichen- Uniwandlung in Bargeld stehen Hindernisse ent- gegen. Jode Verpfändung und Veräußerung ist aber vor allem mit Verlusten verbunden. Wohl iverdcn in Kriegszeiten Hypotheken, die ja eine Hauptanlage von Sparkassengeldern bilden, gern gelaust. Ihre reale Unterlage(Grund und Boden, Gebäude) bildet größere Sicherheit als Anleihepapiere und Aktien, die durch Kursverluste und Ecträgiüsrückgänge der Fabriken leichter entwertet werden können. Aber Verluste sind beim Verkauf nicht zu vermeiden. Das trifft noch viel mehr für die Veräußerung von Wertpapieren zu, bon denen die Kassen fast ausschließlich Kommunal- und Staatsanleihen besitzen. Die Kurse der Staatspapiere zeigen infolge der schlechten Finanzwirtschaft und der Uebersättigung des Marktes mit Anleihen eine stetig wachsende Tendenz nach unten. Kein Ternrin ist un- gülistiger zum Verkauf als Zeiten der Kriegsgefahr, in denen die Kurse besonders tief stehen. Jahr für Jahr müssen die Sparkassen Abschreibu-ngen für Kursverluste in ihren Bilanzen einstellen. Dies« rein buchmäßigen Verluste werden aber in dem Augenblick bittere Wirklichkeit, wo die Kassen diese Papiere verpfänden oder verkaufen müssen. Welche Summen dabei in Frage stehen, mögen folgende Zahlen zeigen: Charlottenburg hatte im vergangenen Rechnungsjahr einen Ku-rsverlust von 42 000 M., im Jahre 1010 von 80000 M„ 1000 einen solchen von 66 000 M. Schöneberg berechnet für seine Sparkasse einen Verlust von 1,164 Millionen im Laufe der Jahre 1809 bis 1011. Berlin buchte einen Verlust von 22 Millionen bis zum März d. I. Ter Zwang, jetzt größere Bestände an Papieren zu verkaufen oder auch nur bei der Rcichsbank zu verpfänden, wüvde für die Kassen eine erhebliche Einbuße bedeuten. Da die Einzahinn» gen für gewöhnlich die Abhebungen übersteigen, kommen die Kassen nie in die Lage, Anleihen zu verkaufen. Sie müssen vielmehr ständig solche Werte neu erwerben und das wird in verstärktem Maße geschehen, da durch da? neue Sparkassengesctz die Anlage der Spargelder bis zu 30 Proz. des Gesamtvermögens in mündelsicheren Papieren erzwungen wird. Mit um so größerer Besorgnis werden daher die Kassen in Zukunft Zeiten der Kriegsgefahr entgegensehen. JBiis der Partei. Sozialistenverfolgunge» auf dem Balkan. Aon der„Qroupo d'ötudos sociales"(Gesellschaft für soziale Studien) und ver GeiverkschaftSunion in Konstanttnopel ging uns vom 27. November ein Schreiben zu, das in der Ucbersetzung lautet: „Werte Genossen I Unser Protest gegen den Krieg hat bei Ihnen ein laute« Echo gefunden. Leider tonnte er den Krieg, dessen Zeugen und Opfer wir sind, nicht verhindern. Die Arbeiterklasse der Batkanhalbinsel und besonders der Türkei hat jetzt schwere und schlimme Zeiteil auszuhalten. Sie bringt die größte» Opfer; gegen sie richtet die Bourgeoisie ihre Verfolgungen. Sie hat die gelegene Zeit benutzt, die Opfer, die sie nicht zur Schlachtbank schicken konnte, in die Verbannung und ins Zuchthaus zu senden. Unsere Freunde w Griechenland da« sind selbstverständlich nicht jene Kreaturen des Kapitalismus, die de» Krieg als eine Art Freiheitskampf darzustellen suchten, sondern jene Handvoll wirklich revolutionärer Genossen, teile» un« mit, daß unser Genosse ZachoS in Balos ohne Grund verhaftet wurde uud er- schössen werden soll. Seit langem verlangt der.ulerus da« Haupt deS Genossen ZachoS, dessen Aufklätungsarbeit(Laienichule und Gründung von Gewerkichaslen) ihnen ein Dorn im Auge ist. Wir protestieren mit aller Kraft gegen diese« neue Verbrechen der griechischen Regierung. Wir bitten Sie, werte Genossen, erheben Sie Ihre Stimme in Ihren Versammlungen jind Kongressen zu- aunstcn dieses grirchischen Ferrer. geißeln Sie die Schandtat, so scharf Sie können, um einen Genossen zu befreien, der sich in den Dienst unserer großen Sache gestellt hat." Sozialdemokratische Wahlrrfolge in der Schweiz. Während am Sonntag in Basel der sozialistische Friedens- kongreß tagte, fanden die Wahlen in den Bllrgerrat. einer städtischen Verwaltungsbehörde, nach dem Proporz statt, wobei unsere Partei 7 Vertreter stall den bisherigen 4 erhielt; die Freisiimigrii bekamen 8 statt den bisherigen 14, die Konservativen IL statt 13. Bürger- Partei 7 statt 1 und die Katholiken 0 statt 2. Die beiden alten Parteien, die den Bürgerrat früher ausschließlich beherrschten. habe» also von ihren brsherigen 32 Mandaten 12 verloren. Das Alte stürzt, Iii der Stadt Schaffhausen wollten die Freisinnigen unseren Genossen Schlatter vci der Neuwahl deS Stadtrates beseitigen. Cr wurde indes mit 1360 Stimmen wiedergewählt, ebenso in Neu- Hausen unser Genosse Moser als Bürgermeister. SmpfehlenSwcrte Jugcndschriften. Um der Arbeiterschaft die Anschaffung ivirkltch guter WeihuachtS- bücher für jung und alt zu erinöglicheu, hat der B i l d u n g s» auSschuß der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ein Per- zeichnis empfehlenswerter Bücher ziisammengestellt, die für die ver» schiedenen Altersstufen der Kinder geeignet sind. Aber auch Er» wachsene finden beachtenswerte Fingerzeige. Die Abteilung de» Verzeichnisses„Für die reifere Jugend" enthält viele Bücher, die auch Erwachseue mit Gewinn lesen können. Da da» große Verzeichnis über tausend Nummern enthält, hat der BildungSauSfchuß noch einen kleineren Auszug hergestellt, der eine Reihe der besten und billigsten Jugendschrtfien enthält. Dieser «uSzug kann jedem Arbeiter als Ratgeber beim Bücherkauf dienen. Die örtlichen Bildimgsausschllsse haben Bücherverzeichnis und Aus- zug erhalten und werden sie Interessenten stet« zur Verfügung stellen, die Auswahl auch durch Bücherausstellungen erleichtern. pollrettlcbes, verlcbtlicbes uftv» Im Zeichen der Zeit. Freitag morgen wurde im sozialdemokratischen Bureau für Rheinland-Westfalen zu D ü s s e l d o r f und im Düsseldorfer Pnr- tcisekretariat die Flugschrift„Der moderne Militari«- muS— ein Segen oder ein Unglück für das Volk" beschlagnahmt. Die Maßnahme erfolgte auf Grund de» s 03 ff- der Strafprozeßordnung, das Flugblatt soll also als Bewcismatcrial in einem Strafverfahren dienen. Beschlagnahmt wurde der Rest der Auflage. 18 200 Stück. Wie gewöhnlich, ist auch hier der Staatsanwalt zu spät aufge- standen, da viele Hunderttausende der Broschüre in den dunkelsten Winkeln ihre aufklärende Wirkung schon geübt haben. Da die Broschüre eise durchaus sachliche Kritik am Militarismus übt. ist zudem nicht einzusehen, wie die Staatsanwaltschaft ihre Maßregel zu begründen gedenkt. Es dürfte ihr schwer fallen, einen straf- baren Inhalt nachzuweisen._ Soziales. Freches, falsches Frauenzimmer. > In der Norddeutschen Kamm- und Zelluloidwarenfabrik von Kubisch n. Redlich war das Frl. W. als Expedientin und Lageristen beschäftigt. Sie bezog ein Monatsgehalt von 8l) M., die Dauer der Kündigung betrug einen Monat. Am 1. Oktober hatte sie die Kündigung eingereicht und wollte ain 1. November den Betrieb der- lassen. Zur Lösung des Arbeitsverhältnisses kam es jedoch schon am 16. Oktober infolge eines Streites. Da Frl. W. das Gehalt nur bis zum Entlasjungstage erhielt, klagte sie vor dem Gewerbe- gericht auf Zahlung des Restgehalts für den Monat' Oktober. In der gestrigen Berhandlung vor der Kammer 4 gab die Klägerin an, daß sie am 16. Oktober mit ihrem ehemaligen Chef Herrn Redlich eine sehr erregte Auseinandersetzung gehabt habe, weil sie Urlaub forderte, um sich nach einer anderen Beschäftigung umzusehen. Diesen Urlaub habe ihr der Beklagte anfänglich verweigert. Im Laufe der Unterredung habe er sie als freches, falsches Frauen- zimmcr bezeichnet. Auch habe Herr R. gesagt, er werde sie hinaus- werfen. Vom Tage der eingereichten Kimdigung an sei sie vom Beklagten schikaniert worden. Sie habe Arbeiten verrichten müssen, die sonst einem Lehrmädchen übertragen wurden.— Der Beklagte beantragte Abweisung der Klage. Die Klägerin habe die Ver- anlassung zu dem Streit gegeben. Er habe Grund gehabt, sich über das Verhalten der Klägerin zu beschweren. Als er ihr sagte, sie solle nicht so frech sein, habe ihm diese geantwortet: genau so ww er. Daraufhin habe er gesagt, sie sei ein ganz freches Frauenzimn«r. Das Gericht verurteilte den Beklagten, an die Klägerin 35 M. Restgehalt für den Monat Oktober zu zahlen. Die Klägerin sei gröblich beleidigt worden und konnte daher zur Fortsetzung ihrer Tätigkeit nicht gezwungen werden. Es kam daher auf die Frage nicht an. ob nicht auch die schikanöse Behandlung der Klägerin nach ihrer Kündigung ihr das Recht zum sofortigen Austritt gebe. Seriedts- Reitling. Hochstapeleien eines ehemaligen Seekadetten beschäftigten gestern den Strafrichtcr. Vor der 16. Strafkammer des Landgerichts I hatte sich der frühere Seckadett HanZ Scharenberg wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung zu verant- Worten. Der aus guter Familie stammende Angeklagte, der nach Absolvierung eines Gymnasiums die Seeoffizierkarriere einge- schlagen hatte, war schon vor längerer Zeit auf die schiefe Ebene geraten. Er wurde in Hamburg und Göttingen wegen verschiedener hochstaplerischcr Betrügereien zu erhebliche» Gefängnisstrafen der- urteilt, nach deren Verbüßung er nach Berlin kam. Hier lernte er in einem Kellnerinnenlokal in der Friedrichstraße den Gold- warenhändlcr und Geldvcrleihcr N. kennen, dem er sich als„Hans Freiherr von Sparenberg" vorstellte und angab, er sei Oberleutnant bei den Wandsbecker Husaren. Er erzählte dann weiter, daß er in Höckershausen bei Meiningen ein Rittergut besitze, welches vor- läufig noch von seiner Mutter verwaltet würde. Bei einer anderen Gelegenheit zeigte er dem N. auch ein mit dem Namen des Generals von Löwcnberg unterzeichnetes Offizierspatent vor, welches, wie die Anklage behauptet, gefälscht sein soll. Nachdem er in dieser Weise das Terrain genügend vorgearbeitet hatte, kaufte er, natür» lich aus Pump, von N. Goldsachcn und Juwelen, die er angeblich seiner Braut, einer reichen Erbin, zur Hochzeit schenken wolle. Die Hochzeit selbst werde in dein Hotel Aolon gefeiert. Nachdem der angebliche Freiherr nach und nach Schmucksachen und Bargeld in Höhe von zirka 1060 M. erhalten hatte, schöpfte N. endlich Verdacht. Er erkundigte sich bei dem Husarenregiment in Wandsbek und erfuhr, daß ein„Oberleutnant von Sparenberg" überhaupt nicht existierte. Auf die Anzeige des Hereingefallenen hin wurde Scharenbcrg verhaftet. In der ersteh Verhandlung wurde von Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs der Antrag gestellt, den Angeklagten, der offenbar erblich schwer belastet sei und an einer Art Größenwahn leide, auf seinen Geisteszustand zu untersuchen. Der Gerichtsarzt Dr. Marx bekundete in der gestrigen Verhandlung, daß der Angeklagte ein geistig minderwertiger Mensch sei, der tatsächlich von einer Art Größenwahn befallen sei. Staatsanwalt Dr. Scherner be- antragte eine Gefängnisstrafe von ein Jahr. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis unter Freisprechung von der Anklage der Urkundenfälschung.___ Sechshundert Zeugen! Die Niesenbctrugssache gegen Kubcrnnf, und Genossen, die seinerzeit die Strafkammer des Landgerichts ll an vielen Sitzungs- tagen beschäftigte, erlebt jetzt ihre letzte Auflage vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Zimmermann. Nachdem die übrigen Angeklagten in jenem Prozeß abgeurteilt worden sind, kommen jetzt nur noch die Geldverleiher August Antrop und Alfons Markus in Frage. Es wird den Angeklagten fortgesetzter Betrug gegenüber Dar- lehnssuchcrn vorgeworfen, und zwar sollen sie in folgender Weise vorgegangen sein: Sie inserierten in Berliner und sehr zahlreichen Provinzblättcrn und kündigten an, daß gegen Sicherheit bezw. Bürgschaft Darlehen gegeben werden. Wenn sich Darlchnssucher meldeten, so erhielten sie die Aufforderung, für Einziehung einer Auskunft einen bestimmten Betrag einzusenden. Die mit den Angeklagten in Verbindung stehenden Auskunfteien sollen dann bei einer Person, die am Domizile des Darlchnssuchcrs ansässig war, oder bei dem Gcmeindcvorstchcr. mitunter sogar bei dem betreffen- den Darlehnssucher selbst nach ihren Verhältnissen angefragt haben. Die Auskünfte sollen in der Regel ohne jede Berechtigung angeblich ungünstig gelautet haben, insbesondere soll empfohlen worden sein, die Gewährung von Darlehen von Sicherheit oder Bürgschaft ab- hängig zu machen. Die Angeklagten sollen daraufhin dann oft die Hingabe von Darlehen abgelehnt und ein Protest der Darlehns- sucher gegen die falsche Auskunft soll nichts genutzt und auch nicht zur Gewährung eines Darlehns geführt haben. Wenn Sicherheiten eingesandt wurden, sollen diese ohne Grund bemängelt und die Darlehnssucher durch allerlei Ausflüchte dann häufig lange hin- gehalten worden sein. Den Angeklagten wird ferner vorgeworfen, daß sie die Rückzahlung des eingesandten Vorschusses stets abgelehnt haben. Tie Anklage behauptet, daß schon aus der geringen Summe der wirklich ausgeliehene» Gelder die Unreellität des Geschäfts» gebarcns der Angeklagten hervorgehe. Beide Angeklagte bestreiten ihre Schuld auf das entschiedenste. Die Verhandlung wird vier bis sechs Tage in Anspruch nehmen. Der Polizeiagent als Raubmörder! Vom Breslaucr Schwurgericht wurde nach zweitägiger Ver- Handlung der Bootsmann Josef Pufkc wegen eines Raubes mit tödlichem Ausgange zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Pufke hat in Gemeinschaft mit einem anderen, jetzt für gcistes- krank erklärten Komplizen, einen Handelsmann in dessen Laden überfallen und ausgeplündert. An den Verletzungen starb der Ueberfallene wenige Stunden später. In der Verhandlung gegen Pufkc kam nun zur Kenntnis der Allgemeinheit, daß Pufke im Dienst der Polizei stand und für diese ehrenvolle Tätigkeit im Durchschnitt wöchentlich 5 M. erhielt. Ja, für die Mitteilung von dem geplanten Verbrechen, wegen dessen Pufke jetzt mit lebensläng- lichem Zuchthaus bestraft wurde, das aber angeblich sein Komplize allein ausführen wollte, erhielt er wenige Tage vor der schrecklichen Mordtat von der Polizei sogar noch eine Entschädigung von 2 M. Ein Kriminalkommissar, der über die Spitzeltätigkeit Pufkes als Zeuge vernommen werden sollte, verweigerte hierauf unter Bezug- nähme auf seinen Diensteid die Aussage. Dabei ist e? bekannt, daß Pufke im Polizeipräsidium ein- und ausging. Einen stärkeren Stoß und eine grellere Beleuchtung konnte das unmoralische System der Bespitzelung wahrlich nicht erleben. Und trotzdem hütet sich unsere Polizei, ei abzuschaffen, ganz gleich, ob man es mit gemeinen Verbrechern oder anderen sehr fragwürdigen Elementen zu tun hat oder nicht. Schülermißhandlung. Wegen Mißhandlung eines Schülers ist am 25. Juni vom Landgericht Frankfurt a. O. der Lehrer Alfred Höde zu 30 M. Geldstrafe verurteilt worden. Weil der Schüler Sch. nichts von der Schlacht bei Weißenburg wußte, sollte er vorkommen. Sch. sich und sagte, sein V weigerte Vater habe gesagt, er brauche sich nicht in die Hand schlage» zu lassen, er müsse mit den Händen sei« tägliches Vrot verdienen. Der Lehrer zog ihn nun vor und züchtigte ihn mit einem dünnen Flicdcrstocke, wobei er ihn mit der linken Hand vorn an der Joppe festhielt. Infolge des Widerstandes er- hielt der Knabe einige Stöße vor die Brust, die später blaue Flecke und Schwellungen erkennen ließen. Auch einige Ohrfeigen gab der Angeklagte nachher noch dem Knaben, wodurch das linke Augen- lid anschwoll.— Gegen das milde Urteil legte der Angeklagte Revision ein. Er behauptete, er habe die Vorschriften über das Züchtigungsrecht nicht bewußt überschritten. Die Revision wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Es ist ausdrücklich fest- gestellt, hieß es den Gründen, daß der Angeklagte nicht um der Schuldisziplin zu genügen, den Knaben geschlagen hat, sondern um seinen persönlichen Zorn an ihm auszulassen. Christliche Duldsamkeit. In Basel, einer Stadt des„wilden" Schweizer Landes, tagten unsere Genossen neulich in einer Kirche. In Preußen, dem Lande der„Gottesfurcht und frommen Sitte", macht man das so: Vor der Strafkammer in Halle a. S., so berichtet man uns von dort, stand der Baptistcnprediger Hugo Lipke von Bittcrfeld wegen— Hausfriedensbruchs unter Anklage, weil er am 24. April d. I. auf dem Friedhofe in Bittcrfeld eine Leichenrede halten wollte, ohne die Genehmigung des Superintendenten, als Vorsitzenden des Gcmeindckirchcnrats, nachgesucht zu haben. Am betreffenden Tage wurde ein Mitglied der Baptistengcmeinde beerdigt und Lipke hatte von seinen Gcmciiidemitglicdcrn den Auftrag erhalten, am Grabe einige Worte zu reden. Der Fricdhofswürtcr forderte ihn auf, die Rede zu unterlassen, und als der Prediger sich daraus nicht einließ, wurde er aufgefordert, de» Friedhof zu verlassen. Das Gericht kam zu der Ansicht, objektiv liege wohl Hausfriedens- bruch vor, aber ein subjektives Verschulden sei nicht nachweisbar gewesen, weshalb der Angeklagte freigesprochen worden sei. Wird man nun künstig auch die Subjektivität der sozialdcmo- kratischen Grabredncr respektieren? Ein kleiner Anarchistcnprozcß. Zu dem Gerichtsbericht in Nr. 276 des„Vorwärts" teilt uns Johannes Liskien mit, daß ein Brief, der feine Verfasserschaft des inkriminierten Artikels ergeben hätte, von der Behörde in den Redaktionsräumen der Zeitung„Der freie Arbeiter" nicht vorgefunden worden ist. Freikarten �®in|oni-e-' Kammermusik, Solistcnkonzertc werden Jntcressentcn aus Ansuchen(Freikouvcrt beiziisäzen) zugesandt. Könzrrtdir. W. 50. Regcnsburger Straße 33a. 1473b Schallplatten Verleih-Institut. 1 Auch nach auswärts. Prospekt gratis. 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Und zwar hatte die Maßregelung folgenden Grund: B. hatte auf einem Elternabend, den die Rüstringer Lehrer veranstalteten und auf dem ein Hauptlehrer über das Thema„Eltern und Lehrer beim Werke der Jugenderziehung" referierte, in der Dis- kussion die Zustände der Volksschulen kritisiert und schließlich einige Forderungen an die Schule im sozialdemokratischen Sinne gestellt. B. lvar, wie bemerkt, aus der Kaiserlichen Werft beschäftigt und auch Mitglied des Arbeiterausschusses. Am anderen Tage wurde er zum Oberwerftdirektor geladen, über seine Stellungnahme aus dem Elternabend zur Rede ge- stellt und zum Schluß durch folgendes Schreiben gekündigt: „Sie haben gegen die Bestinimungen der Arbeitsordnung dadurch verstoßen, daß Sie in Ihren Ausführungen zu dem am 8. d. M. von Herrn Hauptlehrer Stührenberg gehaltenen vortrage über die Schule und Elternhaus auf die Rüstringer Lehrerschaft im Sinne soziakdemolratischcr Bestrebungen cinzu- »oirken versucht habem Die Werft kündigt Ihnen Ihr Arbeits- Verhältnis demgemäß auf Grund des§ 1 Ziffer 1 und 8 und S kl der Arbeitsordnung mit vierzchntägiger Frist." Die Werftarbeiter unterstehen nun genau so wie jeder ander Arbeiter der Gewerbeordnung, und um die Vorschriften der Gewerbeordnung in ihren Maßnahmen zu beachten, bc- sitzt die Werft sogar einen leibhaftigen Gewerberat, von dem eigentlich angenommen werden müßte, daß er wenigstens die hauptsächlichsten Bestiinmungen der Gewerbeordnung beherrscht. Doch scheint das nicht der Fall zu sein, denn der Entlassene erhielt ein Zeugnis ausgestellt, das einfach einen Skandal darstellt. Es schloß mit dem Satz:„Dagegen war seine lB's. D. Red.) Führung im öffentlichen Leben nicht ein- wandsfrei." Jeder mit den Bestimniungen der Gewerbe- ordnung Vertraute weiß, daß solche Bemerkungen in Zeug- nissen, da sie darauf hinauslaufen, den Inhaber des Zeug- uisscs zu kennzeichnen und ihm sein Fortkommen zu er- schweren, zu unterbleiben haben. Nur die Verwaltung der Kaiserlichen Werst glaubte, auf die Gewerbeordnung pfeifen zu können und lehnte ein Ersuchen um Neuausstellung des Zeugnisses unter Weglassung des zitierten Satzes in einem lakoniichen Schreiben des Oberwerftdirektors Konteradmirals v. Eckermann ab. Alle weiteren Bemühungen, ein eintvands- freies Zeugnis zu erhalten, blieben erfolglos. Auch eine kräftige Kritik von der Reichstagstribüne herab blieb unbe- achtet. Nunmehr klagte B. vor dem Amtsgericht Wilhelmshaven auf Ausstellung cines neuen Zeugnisses. Das Amtsgericht wies den Kläger ab. Am Freitag fand die Berusungsver- Handlung vor dem Landgericht in Aurich statt. Dieses kam zu einer anderen Beurteilung des Falles. Das amtsgericht- lidhc� Urteil wurde aufgehoben, und die Kaiserliche Werft ver- urteilt, dem Kläger ein neues Zeugnis ohne den beanstande- ten Passus auszustellen. Auch trägt die Beklagte die Kosten. Als vogelfrei kann also ein Sozialdemokrat selbst von der Verwaltung einer Staatswerft noch nicht behandelt werden. Die Blamage, erst durch Gerichtsentscheidung sich belehren zu lassen, daß dem Unternehmer kein Recht zusteht, über das Privatleben eines Entlassenen Eintragungen im Zeugnis zu machen, hätte sich die Kaiserliche Werft bei clemen- tarer Gesetzeskenntnis ersparen können. Berlin und Umgegend. Die Diffc.rcnzcn bei der Firma Johannes Gerold dauern noch fort. Die Firma soll auf Anfragen, welche von Arbeiterkreisen aus größeren gewerblichen Betrieben, die bisher Waren von der Firma bezogen l>atten. die Auskunft erteilen, daß die Differenzen erledigt seien. Dem ist aber nicht so. Die Firma hat sich z» einer Eini- gung mit ihrer alten Arbeiterschaft nicht herbeigelassen.— im Gegenteil, die von dem Transportarbeiterverband nachgesuchten Verhandlungen unter ganz nichtigen Ausflüchten abgelehnt. Daraus geht hervor, daß es der Firma nicht um eine Einigung zu tun ist. Zu den neu angeworbenen Arbeitskräften, die alle dem gelben Be- triebsverein beitreten mußten, scheint sie aber wenig Vertrauen zu kwbcn. Einige Tage nach dem Ausbruch des Streits stellte die Firma einen Mann als Lagerarbeiter ein, dessen Name Fritz c r s e l e ist. Derselbe wohnt in der Schwcrinstr. 10 bei seinen Eltern. In der Nachbarichast ist dieser Mann als Privat- detektiv bekannt; auch brüstet er sich selbst damit, daß er am S Honeberger Ufer bei der Firma Schulze u. Holtz(Detektiv- bnrcau) beschäftigt sei. Dimer„Auch-Lagerarbeiter" hat schon im vergangenen Jahre auf drei Wochen eine Gastrolle in dem Bc- triebe gegeben. Auch damals wurde er als Lagerarbeiter im Pack- räum eingestellt. Bei den übrigen Arbeitern rief es Bekremdcn hebcn ieinem Lohn als Lagerarbeiter soll Perseke von der Firma G e r o l d noch bü M. Extravergütung für seine Aufpasserdienste erhalten haben. Die Firma wird zweisel- los durch die Beschäftigung des P e r s e t e in Gemeinschaft mit den Gelben das harmonische Verhältnis in ihrem Betriebe herbeigeführt Haben. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Das Warenhaus Tietz und der Arbeitsnachweis des Zentralverbandes der Filcischergesellen. In der Protestversammlung vom 26. Oktobet in Kellers Fest- sälen gegen sie Manipulationen der in den städtischen Markthallen mit russischem Fleische handelnden Fleischermeisier wurde von einem Redner sestgestellt, daß im Warenhaus T i e tz am Alexander- platz Fleischergcscllen, die von obigem Arbeitsnachweis verlangt worden waren, mit der Bemerkung:..sozialdemokratische Gesellen beschäftige man nicht" zurückgewiesen wurden. Ter Zcntralverbarrd der Flcischergesellen teilt uns jetzt mit, baß. als der Geschäftslcitung des Warenhauses Tictz diese Be- schwerde zur Kenntnis gekommen sei, die Leitung, die bei Anstel- jungen nur die Fähigkeiten des Betreffenden als ausschlaggebend anzusehen sich bestrebt, die Sache untersucht und gestellt bape, daß ein Angestellter allerdings diese Acußerung getan habe, daß dieser aber rektisiziert worden sei, sowie Vorsorge getroffen ist, daß derartiges nicht wieder vorkommt. Daß es der Firma mit dieser grundsätzlichen Stellungnahme ernst ist, geht am besten daraus hervor, daß dieselbe bereits wieder den ArbeitSnach- weis des Zentralvcrbandcs benutzt hat. Ter Verband der Fleischer hielt sich für verpflichtet, dies der Wahrheit gemäß bekanntzugeben. veutlcbes Keicb. Landarbeiterorganisation! Bisher bekundeten, die Agrarier eine heilige Scheu vor jeder Organisation der Landarbeiter. Sie aus ihrer idyllischen Ruhe nicht zu stören, hielten sie als unerläßliche Voraussetzung des Wohl- crgehens der Landwirtschaft. Nun aber sind sie anderer An- ficht geworden. Die Landarbeiter sollen mit dem Segen einer Or- ganisation beglückt werden. SelbstverstäMich hat man sich die Liebe für eine Landarbeiterorganisation bei den freien Gcwerk- schaften geholt. Es ist die alte Geschichte! Fangen die Gowerk- schaften auf irgend einem Gebiete mit der sozialen Arbeit an, dann stürmen auch die Gegner auf dos bisher unbeackerte Land. Natür- lich nicht, um arbeiterfreundlich zu wirken, soirdern um die sozial aufwärts führend« Tätigkeit der Gewerl schaften zu stören. Als die Gewerkschaften sich mit- der Frage der Arbeitsvermittlung beschäs- tigten, richteten die Gegner Arbeitsnachweise ein. Die Errichtung von Arbeitersekretariaten und Rechtsauskunftsstellen war für die Gegner im Bunde mit'bec Klassen regt erung das Signal, auf dem beschrittenen Wege zu folgen. Der Plan der Volksversicherung mobilisierte alle Gruppen der Arbeiterfeinde; mit der Gründung einer nationalen Volksversicherung wollen sie der gewerkschaftlichen Voltsversicherung das Wasser abgraben. Wie gesagt: solche Planchen tauchen immer auf, wenn die freien Gewerkschaften auf dem Gc- biete ihrer Tätigkeit an die Ausrottung eines sozialen Uebels herangehen. lind so sollen nun auch die Landarbeiter„national" or- ganisiert werden. Seitdem die freien Gewerkschaften mit der Organisation der Landarbeiter erfreuliche Resultate erzielen, haben die Junker die Freud« an der organisatorischen Unberührtheit des Landprolcta- riateS verloren. Der Bund der Landwirt« trommelte daher eine erlesene Gesellschaft unzweideutiger Gegner der freien Gewerk- schaften zwecks Gründung einer Gcgenorganisation zusammen. Der berüchtigte Reichsverband, der fäbelrasselnde Wehrbereiir, der Generalstob der Gelblinge, der hetzerische Kyffhäuserbund, auch die Deutsche Arbeiterzentralc, sogen. Wohlsahrtsvereine, ein östlicher Bauherrenverband und dergleichen durch ihre Firma genügend gekennzeichnete Korporationen waren dabei. Selbstverständlich gaben sich auch verschiedene Minister sowie das agrarische Landesölonomie- kollcaium und dito Genossenschaften unter der Führung deS Bundes der Landwirte die besondere Ehre, nicht zu fehlen. Wie die Arbeiterorganisation ausschauen soll, die solcher Ge- sellschaft ihr Dasein verdankt, kann man sich vorstellen. Trotz aller Angst vor einer Störung des FriodenS in der ländlichen Kinderstube überwand man doch nicht den Widerwillen gegen eine besondere Landarbeiterorganisation. Aus dieser könnte man schließlich die Erörterung beruslicher und sozialer Fragen doch wohl nicht aus- schalten und darum darf ein solches teuflisches Werk nicht geschaffen werde». Man will sich damit begnügen, die Landarbeiter den be- stehenden ländlichen Organisationen als Anhängsel anzugliedern. Freiherr von Wangcnheim legte eine nett gedrechselte Resolution vor, die natürlich einstimmig angenommen wurde. Sie betont die Harmonie zwischen Großgrundbesitzern und den ländlichen Habe- nichtsen. Wörtlich heißt cS darin:„Der Stärkung der Interessengemeinschaft dienen am besten die Teilnahme der Arbeiter am Ertrage des Grund und Bodens, sowohl durch Landnutzung und Natura klöhnung als auch durch Er- möglichung des Auffteigens zu selbständigem Besitz, ferner das Zu- sammenarbeiten und der gesellige Anschluß in den allgemeinen läud- lichen Organisationen... Die Konferenz richtet an alle ländlichen Organisationen und die selbständigen Landwirte die Aufforderung, nach Möglichkeit sich der wirtschaftlichen Interessen der Landarbeikcr anzunehmen und auch»n sozialer Hinsicht möglichst enge Fühlung mit ihnen zu halten. Die Königliche Staatsregierung wird gebeten, alle diese Bestrebungen tatkräftig zu u» t e rst ü tz e n." Nachdem noch diverse Freiherren, Landräte, Regierungsräte usw. ihr warmes Herz für die Landarbeiter be- kündet, und schließlich auch noch eine zweite Resolution angenommen hatten, die«ine Zentralisation der feudalen OrganisationSbestre- bungen für die Arbeiter befürwortet, zog man vergnügt ins Kasino. Man wird in Zukunft für die Landarbeiter einig« Bierabende mit Tanzvergnügen und hurrapatriotischem Klimbim arrangieren. Auf ein Mehr wird sich ,/der Anschluß' der Landarbeiter an die Grund- besitzervereine nicht erstrecken. Man gibt ihnen etwas mehr Zucker, um sie desto sicherer unter der Peitsche gu halten. Und damit das Werk gelinge, ruft man auch die Königliche Staatsregierung zu tatkräftiger Unter st ützung auf! Das heißt,'der Gendarm soll die Landarbeiter schärfer beaufsichtigen. Die gewerkschaftliche Organisation hat von dieser Art Land- arbeitcrfürsorge nichts zu fürchten. Sie wird das Projekt der hohen und höchsten Herrschaften zur Einseifung der Landarbeiter als er- folgrcichcS Propagandamittel für sich selbst benutzen. Kanipfvorbereitnngcn der Banunternehmer. Die Unternehmer im Baugewerbe treffen für den evtl. bc- vorstehenden Kampf im nächsten Frühjahr weitere Vorbereitungen. Nicht nur ihr Wehrschatz soll auf alle mögliche Weise und mit Hilse der Lieferanten gestärkt werden, sondern ihr Bestreben geht be- sonders darauf hin, die Lieferung von Materialien zu unterbinden. Auf den Geheimversammlungen deS Arbeilgebcrbundes für das Baugewerbe wurde wiederholt Klage geführt, daß der Bund im Jahre ISIO wohl 180 000 Arbeiter ausgesperrt, habe, baß aber trotzdem ein großer Teil der Arbeiter ruhig weiter arbeiten konnte. Das war nur dadurch möglich— so meinte der Königliche Baurat Ente aus Leipzig—, daß die Materialzufuhr ungehindert weiter ging. Es müsse eine Politik des Bundes werden, die Material- zufuhr abzuschneiden. Die Baumaterialienhändlcr müßten den Bauunternehmern im Kampfe helfen. Die Unternehmerorganisation im Baugewerbe hat sich deshalb zunächst an die Zementsyndikate gewandt. Diesen Zementsyndi- katen ist der Vorschlag gemacht worden,„einen verständigen Preis zu vereinbaren, den die Bauunternehmer alle zahlen aber ab- wälzen können auf die Arbeiter und die Kundschaft". Weiter for- lern die Bauunternehmer die Streik- und Sperrklausel, das heißt. die Zementfabriken müssen sich verpflichten, in die Gebiete, die der Unternehmerverbaird im Baugewerbe bezeichnet, im Falle eines Streiks oder einer Aussperrung keinen Zement mehr zu liefern. Der Wirtschaftliche Ausschuß der Bereinigten Portland-Zement. sabriken ist diesem Ansuchen der Bauunternehmer nachgekommen, indem cr seinen Mitgliedern empfiehlt, in den Verkaussbedingungen einen Passus aufzunehmen, wonach während der Dauer eines Streiks oder einer Aussperrung alle Lieferungsverpflichtungen und ebenso die Abnahmeverpflichtungen der Abnehmer ohne Anspruch auf Schadenersatz ruhen, und daß während des Ruhens der Ab- nahnieverpslichtungen für die bezeichneten Gebiete und Baustellen lein anderer Zement gekauft, bezogen oder verarbeitet werden dürfe. Eine gleiche Verniibariing ist mit dem Verband der Vereinigten Baumaterialicnhändler getroffen worden Die Lohnrevision in der westfälischen Tabakindustrie. Eine der Hauptbedingungen der westfälischen Tabakarbeiter bei Beendigung der großen Aussperrung war die, daß die Fabrikanten durch den Vorstand des Westfälischen Zigarrenfabrikantenvereins das Versprechen abgaben, im Frühjahr d. I. eine freiwillige Lohn- rcbision, und zwar im Sinne einer freiwilligen Lohnckufbesserung, vorzunehmen. Von freiwillig vorgenommenen Lohnerhöhungen haben allerdings die Tabakarbeiter nicht viel wahrnehmen können. Erst nachdem die Tabakarbeiter, soweit sie im Deutschen Tabak- arbeitcrverband organisiert sind, entweder selbst oder durch die Gauleitung des Deutschen Tabakarbeiterverbandes sich an die ein- zelnen Firmen gewandt hatten, um diese an ihr Versprechen zu erinnern, sahen sich die Unternehmer veranlaßt, Lohnerhöhungen vorzunehnien. Freiwillig sind nur in ganz vereinzelten Fällen von Fabrikanten Lohnvcrbesscrungen borgenommen werden. Jetzt ist es darum auch erst möglich, ein einigermaßen abschließendes Bild von den Lohnrevidierungen zu geben. Aach einer vom Tabakarbeiterverband gemachten Aufstellung haben 76 Firmen in 188 Betrieben Lohnaufbesserungen vorge- nommen. Eine größere Anzahl Mitglieder des Westfälischen Zigarrenfabrikantcnvcrbaiides Hut also noch keine Lohnrevisioiicn vorgenommen, trotz des seinerzeit bei Beendigung der Aussperrung gegebenen Versprechens, freiwillig Lohnaufbesserungen schon im Frühjahr d. I. vorzunehmen. Durch die Einigkeit der frei organi- sierten Tabakarbeiter ist es aber gelungen, für Tausende Tabak- arbeiter Lohnerhöhungen zu erzielen. Ferner gelang es dem Ver- band, mit 14 Firmen in Westfalen Tarifverträge im laufenden Jahre abzuschließen. Als ein wichtiges Merkmal dieser Lohnbewegung muß aber auch hier.noch einmal festgestellt werden, daß der Christliche Tabakarbeiterverband es abgelehnt hat, gemeinsam mit dem Deutschen Tabakarbeiterverband die berechtigten Forderungen der Tabakarbeiter auf Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeilsvcr- Hältnisse zu vertreten. Damit hat sich der Christliche Tabakarbeitcr- verband selbst gerichtet. Verkannt darf nicht werden, daß die Lohnaufbesserungen in Westfalen bei weitem nicht einen Ausgleich zu schaffen vermögen für die durch die verteuerte Lebenshaltung gestiegenen Ausgaben. Eine allgemeine Lohnerhöhung werden sich die Tabakarbeiter Westfalens erst noch erkämpfen müssen, um diesen Ausgleich zu schaffen und um ihre eigene Lebenshaltung zu verbessern. Der Stukkateurstreik in H a m m i. W. dauert nun schon acht Wochen und noch ist kein Ende abzusehen. Die Unternehmer geben sich die größte Mühe, Streikbrecher heranzuziehen. Glück haben sie damit bisher wenig gehabt. Nur in den letzten Tagen haben sich einige Arbeitswillige eingefunden, deren Zuzug hauptsächlich ver» anlaßt wurde durch die unwahren Behauptungen der Unternehmer, der Streik sei beendet. Die Behörden unterstützen auch hier, wie gewöhnlich, die Unternehmer in jeder Bezichung. Die Streikbrecher werden unter polizeilichem Schutz von und zur Arbeit gebracht, so daß jeder Versuch, sie über den Stand der Dinge zu unterrichten, unmöglich gemacht wird. Auch andere Behörden kommen dem Unternehmer Kuhn in jeder Weile entgegen. So hat der Ge- Werbeinspektor dem Unternehmer für Büß- und Bettag die Ge» nehmigung zur Arbeit erteilt, weil die Stukkateure streiken. Die Polizei hatte die Genehmigung versagt. Ter Rektor der Fort- bildungsschule hat die beiden Lehrlinge desselben Herrn sechs Wochen lang vom Schulbesuch dispensiert, damit sie die Arbeit der Stukkateure verrichten können. Auch mit der Ueberstunden- und mit der Nachtarbeit der Lehrlinge wird cs jetzt nicht so genau gc- iiommen. Im Streikgebiet sind augenblicklich 108 Bauten zum Putzen fertig. Die Situation ist also für die Streikenden sehr günstig. Die Unternehmer und mit ihnen der Untcrnehmerverband werden wohl oder übel bald'Frieden schließen müssen, wenn nur der Zuzug strengstens ferngehalten wird und sich kein Stukkateur durch die unwahren Behauptungen der Unternehmer verleiten läßt, nach Hamm zu gehen. Von den streikenden Meister» und Gehilfen der Fltrther Metallschlägerindustrie hat der größte Teil die Arbeit wieder aufgenom- mcn, nachdem die meisten Fabrikanten des Rohmaterials und die Exporteure den erhöhten Preis für das Rohprodukt wieder redu- zierten oder höheren Lohn für das fertige Schlagmetall bezahlen. An Abnehmer, die sich dazu noch nicht verstanden, wird nicht ge- liefert. Tarifbewegung der Münchener Theaterarbeiter. DaS technische Personal der vereinigten M ü n ch e n e r Theater, die zu 100 Proz. im Gemeinde- und Staatöarbeiterverband organisiert sind, haben den im Jahre 1908 mit den Direkloren abgeschlossenen Tarifvertrag gelüiidigt und den Direktoren eine neue zeitentsprechende Tarifvor« läge zugehen lassen. Die vor dem Einigungsamt angesetzten Ver« Handlungen scheiterten, da sich die Direktoren weigerten, mit der Organisation zu VerHandel». Der Gemeinde- und Staatsarbeiter» verband hat über die vereinigten Münchener Theater für sämtliche Berufsgruppen des technische» Personals die Sperre verhängt. Zu- zug von Theaterarbeitern nach München ist fernzuhalten. Hustend. Die italienischen Syndikalisten für die gewerkschaftliche Sonderdündelei. Auf ihrem Kongreß von Modena, der sich der Kongreß der direkten Aktion nannte, haben die syndikalistischen Gewerkschaften Italiens den Anschluß an die Konföderation der Arbeit abgelehnt und die Gründung einer eigenen gewerkschaftlichen Zentrale, die sich das„Landcssyndikat"»cnnt, beschlossen. Dieser Beschluß wurde mit 42114 Stimmen gegen 28 856 bei 2200 Stimmenthaltungen gefaßt. Zugunsten des Anschlusses an die Klonföderation referierte Frau Ines Bitclli, die die Notwendigkeit betonte, die reformistische Taktik der Konföderation durch Eintritt in die Konföderation zu bekämpfen. Der Gegenreferent De AmbriS war dagegen der Met- nung, oaß sich die Konsödcraiion zu weit von der Taktik deS Klassenkampfes entfernt habe, um ein Werkzeug der proletarischen Befreiung sein zu können; sie sei im Begriff, eine parlamentarische Partei zu werden, die sich der großen Masse der Arbeiterschaft der- schließt. Die Syndikalisten haben schon wiederholt versucht, der Konföderation eine Gcgenorganisation entgegenzustellen, aber sie haben, trotzdem sie stets mit großen Zahlen aufzuwarten bereit sind, damit keine Erfolge erzielt. Trotzdem ist cs tief zu beklagen, daß die italienische Gewerkschaftsbewegung durch diese Spaltung ihre Kräfte verzettelt. Der Parteisekretär Lazzari hatte dem Kon- greß ein Schreiben übersandt, daß die Delegierten beschwor, die Notwendigkeit der proletarischen Einheit und Geschlossenheit allen anderen Bedenken überzuordnen. Genützt hat diese Ermahnung leider nichts.____ itStneriingStiberltch» vom 80. November 1913. Stationen II Swinemde BZ s § Welle» 8 751 SSO 51 1® Franks. a.M! 751 ZW München(756 LZO Wie» 1 759:0 t-K s" i? mS> •latlonen ...»S Z eJ LZ te so! �21 C 7Degen gRcgcn L! bedeckt gjRebel 4 heiter 1 Neil et 1 2 1 4 -4 -4 Haparanda Petersburg Scilla Aberdeen Paris ä 760 76t ZW ZO 749NO 751 W 746 3 Welle» heiter Schnee Gmolfig Änolkenl ARcgcn *9 C» s» S? £& -3 0 4 —3 7 Wetterprognose für Sonntag, den 1. Dezember 1913. Zunächst etwas wärmer, vorherrschend wollig mit geruigen Nieder- schlagen und ziemlich lebhaften lvcstltchen Winden, später langjamere Auj- heiterung und neue Abkühlung. Berliner W ctkerburtau. Theater und Vergnügungen nun 000 □na Freie. Bolköbühne. Sonntag, den 1. Dezember, Ansang 2'/, Uhr: Deutsches Zchauspielhaus� ll.SIBttilung (Gruppe 45—50): E g»l o n t. Ansang 3 Uhr: Deutsches Opernhaus in Charlotten- bürg. l. u. 2. Abt.(Gruppe 1— A: F i d e I i o. Thalia-Thcater. S./S. Abteilung. (Gruppe 21— 25): DcS Psarrers Tochter von Streladors. Herrnscld-Thcater. 4'5. Llbteilung. (Gruppe 17—20): Der Vater. Residenz- Theater. 3. Ii. Abteilung. (Gruppe 12—14): F r a n c i 1 1 o n. Abend- Zlbtcilung: Montag, den 2. Dezember, « Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 1K.(III.) Abeudabteil.: Kameraden. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 1. Dezember. nachm. 2>/z Uhr: Deutsches Theater: Penthcsilea. KammerspiclhauS: Erdgeist. Stachln. 3 Uhr: Neues Volts-Thcater: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Schiller-Theater 0.: Zopj und Schwert. Schiller-Theatcr Charl.: Die Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Straße: Die Ahnsrau. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Theater: Und das Licht scheint in der Fillstcrnis. Triaiion-Theatcr: Der selige Toupinel. Mctropol-Thcater: Tata Toto. Komödienhaus: Der rote Leutnant. Nachm. 4 Uhr: Blüthnersaal: Sinsonic-Konzert. Abends 8 Uhr: Neues Volks-Theater: Michael Kramer. Abends 8'/, Uhr: Neues Volks- Theater: Montag und Donnerstag: Doppelgängerlomödie. Dienstag: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Miliwoch und Sonnabend: Mutter Landstraße. Freitag: Michael Kramer. Sehiller-ThealerO.IS: Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Montag, abcuds 8 Uhr: Im weißen Rttßl. Dienstag, abends 8 Uhr: Iledda tinbler. Scliiller-Thealer ChVü;r Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. « Sonntag, abends 8 Ubr: Im weißen Rüßl. Montag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Dienstag, abends 8 Ubr: Die Cegchwlater. Elga. Grüner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Mer in der KöDiggrätzer Straße s Uhr: Die fünf Frankfurter. Theater am Nollendortplatz S. Abends 8 Ubr: Orpheus in der Unterwelt. Jeden Mittwoch u. Sonnabend 4 Uhr: Schneewittchen. DentselieN Mohanciplclhang Nachm. S'/j Uhr: Gginon». 8 Ubr: Der gulsitiende Frack. Eesideiiz-Theater. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Constanze von Linden vom Thöütre Nogal du Pore in Brüssel: Prinzenerziehultg. Montis Operetten-Theater (ft. Neues Theater). Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Der Fraueufreffer. Sonntagnachm. 3 Uhr:«isner glut. l.uizeii-IIieslei'. Sonntag, nachin. S Uhr, zum lebten Male: Ich lasse Dich nicht. Abends 8 Uhr: Nasfleö. Montag«, solgcndc Tage: RassleS. Große Frantsurlei Str.>32. Nachmittags 3 Uhr: Tie Zünden der oberen Zehntausend. Abend» 8 Uhr: Tie Sünde» der oberen Zehn. tanscnd. Montag: Die Sünden der oberen Zehntausend. UJi'»«!» Wissenschaftliches Theater. Taubenstruße 48/49. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! Montagabend 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig:. CISCHER�l iocischer CARTEN Heute am 1. Sonntag im Monat Eintritt I die Person; Ab nachm. 4 Uhr: GroSes Militär-Konzert »lieh 4 Uhr; Gr. Militär-Konzert Donnerstags: Joh. Strauß. VereinfiirFrauen».Mädchen derArbeiterklasse Montag, den 3. Dezember, abeuds S'/ä Uhr, = im„Marine-If aus",— Brandenburger User 1(alt der Jannowitz-Brücke): Fichtbiiäer-Vortrsx: Max XlinKer. R e s e r e n t: Dr. Zlnx Osborn. 53/17 Gäste, Männer und Frauen, willkommen._ Der Vorstand. 25 Pf. Passage-Pamptitaim WILD El IGORROTEN (FRAUEN, SI' (Leben u. Treiben in dem] eigens aufgebauten I IGORROTEV-Dorre.l I Lebend! ExtrÄree. Anfang Passage- Theater. Unter den Linden 22-23 Eichtspiele. Diese Woche u. a. Menschen unter Menseben. GroB. Drama nach Viktor Hugo. Sonntags 3 Uhr. Voigt-Theater. Gelundbrntineu Badktraße 58. Sonntag, 1. Dezember, nachmittags 3 Ubr: Was Gott zusammenfügt..». Abends 7 Ubr: Lnftschlöffer. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Mannstaedt und Wellcr. Kasseiierösfnung.lDUHr.Ans. 3u. 7 Uhr Hsirtos Premiere! Sahary-Djeli sowie 12 hochinteressante Dehuts 12 Morgen Montag, 2. Dezember: Debüt Max Linder der weltberühmte Film-Schauspieler. Arbeiter-Bildungsschule. »nntag, den 1. Dezember, abends 6 Uta ßerharf-Kaupttnann- Abend im KUnlsstsdt• Kasino, Hoizmarktstr. 78. 'Rezitationen: Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater. Eintritt 30 Pf. Garderobe frei. Vortrag"? Geniütl. Beisammensein und Tanz. Die Vorträge beginnen spätestens um 6V3 Uhr. Casino-Theater Lcthringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Die neue Lokntpnsse »Am grünen Strand der Spree�. Sonntag 4 Uhr: O diese Männer. Bllrgei'I.Zelisllspleüisus (Rerilner Prnter-Tbenterj Kastanien-Allee 7—9. Per Pfarrer van Kirchfeld. VoUsstück in o Akten u. Anzengruber. Ansang 8 Uhr. Montag, den 3. Dezember ISIS: Erster Dpcrn- Abend: Martha. Romant.-lom Op. 1. 4Aiisz. v. Flotow. Ansang 8'/. Uhr. Vorverkaus täglich. M?Mid Beispielloser Lactierfolg! Die Alpenbrüder. Komödie in 2 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Hierzu: Das Scheidungs-Souper. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse). Gewerkschaftshaus, Engcluser 15. Sonntag, den 1. Dezember 1912, abends P/z Uhr pünktlich: Aus höchsten Befehl seiner hoch- sürstlichen Durchlaucht „Nerenissimus"; Lustiger Abend Seine hochsurstliche Durchlaucht werden mit Gcjolge in der Hos- löge erscheinen. Leitung HansFroibeir».Wolzogen. Mitwirkende: Margarete Walkolte— Hans*. Wolzogen— Alberl Arinquen— Theo Fredy— Richard Kaiser— Bernhard Hitzsche— Traute Carlsen. Entree 50 Ps. Abendlasse 60 Ps. Vorverkaus bei P. Harsch. Engeluser 15. 238/19' Germania-?raehtsäle kl., Chausseestr. 110 » » Karl Richter.) Rente Sonntag:[ PaulMantlieys' lustige Sänger; Anf. ß'/s Uhr. Eintritt 50 Pf. t Anschließ. Familien- Kränzchen.> Im weißen Saale von 5 Uhr ab[ ä/NJT" ttroßer Ball."W| Jeden Mittwoch: Paul Mantheys> lustige Sänger. Jeden Donners-» tag: Gr. nilitßrkonzert.> Jf-Clon" mm Mauerstpaße 82.— 2 :: Berliner Konzerthaus MauerslraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91 Doppel-Konzert! Dirig. Heute: Musikc. 1. Gardc-Dragoner-Begts., Wusikc. Kaiser Franz Regiments, Diri Anfang 4 Ehr. Eintritt 5« PI. Volkstüml. Konzert des Morgen Montag... Suartetts(Chorraeister Fritz Steineck) erliner Konzerthausorchesters. Oberm. Baarz. Oberm. Becker. Anfang 4 Uhr. Berliner Lieder- unter Mitwirkung des Dir. F. v. Blon, Komponist. Exeelsior- Lichtspielhaus Neukölln EÄU'VS Passage Ab 8 Uhr. Premiere des Programms. Nachm. 3'/. Uhr: Halhe Preis« Abeuds ab 8 Uhr: l» beiden Vorstellungen: Die gesamt, neuen großen Attraktionen I ----—--- Vom 29. November bis 5. Dezember inkl.: politisches Intrigen-Spiel. In 3 Akten. ß Zirkus Busch. Heute Sonntag, I.Dezember; 2 große Gala-Vorstellungen Nachm. 3'/, Uhr, abds. 7'/, Uhr. Nachm. zahl. Kinder unter 10 Jahr. auf allen Sitzplätzen die Haltte. In beiden Vorstellungen: Nur kurzes Gastspiel! Zum 1. Male als einzig dastehende Dressur auf der Welt der sprechende Kater Peter vorgeführt v. seiner Besitzerin Frau Dr. Sutoris. In beiden Vorstellungen Neu! Oer kleine indische Xeu! Däumling Smaun in seiner großart. Kraftarbeit. Ferner auf erneute vielfache Wünsche ans Kinderkreisen: Kachmittags S'/a Ehr: Die gr. Pantomimen-Burleske Unter Gorillas ungekürzt, sowie das groBe Galaprogramm. Abend«« 71/. Ehr: die groBe Prunk-Pantomime „Sevilla" Metropol-Theater. Nachmittag 3 Uhr: Tata Toto. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Chauffeur- ins JCetropol! Große Zahresrevue mit Gesang und Tanz in lv Bildern von I. Freund. Musik v. Nud. Nelson. Tänze arrnng. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. t VzuSer//n' Morg. Mont. Brauerei Friedrichshain. Freit.: Happoidts Brauerei, Hasenh. 4.: Sink. Mozart; 7.: Link. Beethoven. Parzifal, Hollaender, Rienzi, Onvedl v.Wagner. Gesang, Instr.-Solisten. Reiehsbailen-Theater Stettiner Sänger. Heute nachm. 3 Uhr, zu ermaß. Preis.: Sanatorium Sonnenstich. Loge 1 M., Baik. 75 Pi., Park. 50 Pj. Abds.?>/,: „ Voeco". Meysel und Britton. Foiies Caprice. Täglich 8'/. Ubr! Me5a!son Schlager: gy Der keusche Joseph."MS ZM- Der Nehhock. ZW- Ter(Einbrecher. Wrbiseber M Admiraistr. R8e Tel. Moritzplatz 4594. UMU- Jeden Sonntag: Großer Rall.__ Umständehalber der obere Saal srei geworden: Weihnachtsjeierlage und einige Sonmbende im Januar und Februar. ?0t8cksM. kesebätkerigiiuliii. Den verehrlen Parieigeiiossen zur geiälligen KenniniS, daß ich das Lokal„Friedriehsgarten"(srüher„Viktoriagarten") in Potsdam (nnt Bahnboj Eharlottenhos) übernommen habe. Für reelle Bedienung und ft. Speisen sowie dem Ausschank von vorzüglichen Bieren aus der Deutschen Lierb-.auer A.-G. Berlin-Pichelsdors ist bestens Sorge getragen. Am Sonntag, den 1. Dezember, von nachmittags 5 Uhr ab: Große Einveihungsfeier Trianon-Theater. Irnglich abends 8 Uhr: IMc Irrste— l>lc Beste! Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der eeeUge Tonpinel. wozu ich herzlichst einlade. 49092* Hochschlungsooll Bmll Schubert. An zoo. Täglich 8 Uhr: So bummeln wir! Bunte Bilder mit Gesang und Tanz v. Gustav Kadelburg, Leo leipziger und Jean Gilbert mit: Fritzi Massary, Max Pallenberg, Karl Bachmann. Vorher: Die neDcn Variete-Atlraktioneii, Paiiphpn in 011611 Räumen des HaUtUCU Theaters gestattet. Der Vorverkauf findet statt an der Theaterkasse 10-2 Uhr, im Warenhaus Tietz und im Invalidendank. Keine Vorverkaufsgebühr. 8er!. Volks-Orehester f50 Kü?sllec), ganz oder geteilt, für Weibiiachten u. tpätere Daten frei. Kapellm. Hirsoh. Steglitz, Alrhoftslr. 19. Theater Königstadt-Gasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderftraße. Heute Sonnlag auß. d. Spezialität.- Progr.., Sine von der Wasserkant", Lebensbild in 1 Akt n...Bajazzo", Bollsstück in 1 Akt. An.»'/- Uhr. Ab Montag: Lienen Frograrnrn._ Zirkus Albert Schumann.! Heute Sonntag, den I. Dezember: 2 Große Jfovitüten- Q ■Vorstellungen Nachm. 31/, u. abends 7J/, Uhr. In beiden Vorstellungen ohne Kürzung Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. Außerdem: Debüt! Neu für Berlin! ?? SIgnor Raximo?? Das größte kubanische Wund. Debüt! Neu für Berlin! 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Frau| JJj die herzlichsten Glückwünsche P � zur Silberhochzeit. 1488b Jg Genossinnen u. Genossen«s ■= Bei. 125a. II. Kreis../L SSSSSSSHHSe»' «»»ssss�. den bekannten Gästen des � Lokals Wilhelm Steinacker.

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Die von den beiden Verfassern glänzend gehandhabte Reichs- verbaudstaktik, den sozialdemokratischen Gegner' unmitlelbar zu be- sudeln, sonstige Gegner aber der Gesinnungsverwandtschaft mit der Sozialdemokratie zu zeihen und sie dadurch in den Augen aller richtig gehenden Patrioten erst recht herabzusetzen, daneben die ge- schickte Regiekunst, den eigenen hochgestelzten Patriotismus überall mit strahlendem bengalischen Licht zu überschütten, haben bereits be- wirkt, daß die ganze rechtsstehende Presse mit wahrem Indianer- geheul der Fährte nachjagt, die ihnen die Schmähschrift denunziert hat, und nach den Skalpen der angeschuldigten Männer verlangt. Die Herren Wilhelm Kotzde, Lehrer in Rathenow, und J�sef Scholz, Berlagsbuchhäudler in Mainz, sind die Berfasier und Herausgeber der Schmähschrift. Kotzoe ist im Nebenamte Jugendscbriftsteller und Herausgeber der. Mainzer Volks» und Jugendbücher". Josef Scholz ist der Verleger der Kotzdeschen Jugendliteratur. Es soll vorausgeschickt werden, daß im Verlage von Josef Scholz eine große Reihe wertvoller Jugendbücher erschienen sind: das Jugendschriflenverzeichnis des BildungsauSschusseS der Sozial- demokratischen Partei verzeichnet allein ungefähr 50 Bücher des Scholzschen Verlages. Auch die besondere Sammlung, die der Herr Kotzde herausgibt, ist mit einigen Nummern vertreten. Allerdings keines der von Herrn Kotzde selbst verfaßten Bücher befindet sich im Jugendschriftenverzeichnis. Wie wir erfahren, sind diese Bücher von den Prüfungsinstanzen des BildungSauSschufieS stets abgelehnt worden, weil sie eine.völkische' Tendenz bewußt und berauSfordernd zur Schau tragen. Auch die anderen Bücher der von Kotzde heraus- gegebenen Serie tragen vaterländischen Charakter. Aber bei ihnen ergibt sich dieser Charakter ungezwungen aus dem Kunstwerk und wirkt deshalb künstlerisch nicht aufdringlich oder abstoßend. Bei Kotzde dagegen fühlt selbst der Blinde mit dem Krückstock, daß es dieiem Herrn in erster Linie auf die tendenziöse Beeinflusiung seiner Leser ankommt, und daß.ihm für dieses edle Handwerk die Kunst Handlangerdienste tun muß. Kein Wunder, daß unter diesen Um- ständen die Priifungsinstanzen des BildungsauSschusseS die Kotzdeschen Bücher solchen Kreisen überlasten, die schon die Schulkinder für politische Geschäfte zu mißbrauchen sich nicht scheuen. Aber auch die Prüfungsausschüsse der Deutschen Lehrerschaft nehmen die Kotzdeschen Schriften nicht ohne Widerspruch auf. Be- sonders ein Buch KotzdeS..Stabstrompeter Kostmann', wurde von einem Berliner Lehrer scharf unter die Lupe genommen, wobei sich herausstellte, daß Herr Kotzde im Interesse seiner.vaterländischen' Tendenzen die Kunst und die Psychologie in gleichem Maße ver- gewaliigt hatte. So weit, so gut! Herr Kotzde kann nicht verlangen, daß alle Leute seine einseitige Jugendschriftstellerei anerkennen und hochleben lasten. Wer bauet an der Straßen, der muß sich meistern lassen I Umgekehrt haben die Kritiker des Herrn Kotzde keinen Anspruch darauf, daß Herr Kotzde ihre AuSstelluirgen als der Weisheit letzten Schluß anerkennt._ Aber Herr Kotzde ist mit dieser selbstverständlichen Erledigung einer einfachen und gleichgültigen Angelegenheit nicht zufrieden. Herr Kotzde suhlt sich im Gegenteil tief verletzt. Und nicht nur sich selbst: in ihm ist nach seiner bescheidenen Selbsteinschätzung der ganze Patriotismus aufs tödlichste beleidigt. Wer nicht mit dem patriotischen Geschreibsel des Herrn Kotzde einverstanden ist, ist nicht etwa ein Mann von feinerem Geschmack und geläuterterer Vater- landsliebe, sondern ein ganz gewöhnlicher„vaterlandsloser Geselle'. Und da die Sozialdemokraten schlechthin als solche vaterlandSloscn Gesellen gelten, so sind auch die Lehrer, deren literarisches Urteil mit dem uierarischen Urteil deS Herrn Kotzve nicht übereinstimmt, Sozialdemokraten oder doch Schrittmacher der Sozialdemokratie Die Palme ist ein Baum, der Schlagbaum ist ein Baum— folglich ist die Palme ein Schlagbaum! So ungefähr argumentiert die.Streit- und Wehrschrist' des edlen BrüderpaareS Kotzde- Scholz. Ganz unverhüllt werden Ham- burger. Bremer und Berliner Lehrer, die zum Teil mit Namen ge- nannt werden, sozialdemokratischer Gesinnung oder doch der Be- günstigung der Sozialdemokratie angeschuldigt. Vielleicht gibt es in Hamburg. Bremen und Berlin und hoffentlich noch an recht vielen anderen Orlen Lehrer mit sozialdemokratischer Ueberzeugung im Herzen. ES wäre ja geradezu eine geistige Bankrotterklärung des deutschen VollSschullehrerstandes, wenn man annehmen müßte, sie wären zu beschränkt, die befreienden Gedanken des Sozialismus zu begreifen. Daß Lehrer mit sozialdemokratischer Gesinnung diese Gesinnung für sich behalten oder doch nur im trautesten Freundes- kreise darüber reden, ist bei den knechtischen Beamlengesetzen in Deutschland und dem knechtischen Denunziantenpack� das eS überall in Deutschland, besonders aber bei strebsamen Beamten gibt, selbst- verständlich. Aber wo sucht und findet man in der„plumpen deutschen Sprak" die ausreichenden Worte, wenn Lehrer, die schon den Strick des BeamtendiSziplinargesetzeS um den Hals tragen, von liebwerten Kollegen nicht etwa wegen offenkundiger sozialdemokratischer Gesinnung und Betätigung, sondern wegen unbequemer literarischer und pädagogischer Kritik und Tätigkeit den Behörden liebevoll als Sozialdemokraten verdächtigt werden? Und wo findet man— auch unter Zuhilfenahme fremder Sprachen— die nötigen Worte, um dieses edle Gebaren zu kennzeichnen, wenn es zu allem übrigen noch den Pferdefuß niederer kapitalistischer Geschäflsspekulatiou kaum zu verbergen für nötig hält? Wie einfach und überzeugend die Herren Kotzde und Scholz den Zusammenhang zwischen der literarischen Tätigkeit der Prüfungs- ausschüsie und der Sozialdemokratie herstellen, dafür nur zwei Beispiele. � Ein Lehrer Hübnst hat KotzdeS„Stabstrompeter Kostmann' literarisch kritisiert. Nach einer breiten Widerlegung dieser Kritik, die Herrn Kotzde als dem Verfaffer besonders schön und bescheiden zu Gesicht steht, heißt eS dann ganz unvermittelt:.Neben die An- gnffe HübnerS auf den Stabstrompeter Kostmann halte man folgende Worte Liebknechts aus seiner Schrift: Militarismus u»d Antimilitarismus.' Wie einfach und wie nett, dies„halte man' I Das zweite Beispiel: Ein bekannter Hamburger Lehrer, der ein halbes Menschenalter im Dienste der Jugendschriftensache wirkt, hat in irgend einem Pädagogischen Jahresbericht eine wohlwollende Be merkung über da? JugendschriftenverzxtchniS deS BildungsauSschusseS. der sozialdemokratischen Partei geschrieben, nicht ohne dabei zugleich einige Vorbehalte zu erheben. Sofort erkennt Herr Kotzde.die Zw sammenhänge'i----—■------——~_ Und wie? Heinrich Schulz, der in dem Jahresbericht als der verantwortliche Herausgeber des JugendschriftenverzeichuisseS ge nannt war. ist ehemaliger bremischer Lehrer! Der patriotische Leser darf angesichts dieser Tatsache bereits die erste Gänsehaut bekommen. Aber er ist auch ein„Führer der sozialdemokratischen Jugenb bewegung'. Die zweite Gänsehaut ist fällig!„Die hat ein in 100 000 Exemplaren verbreitetes Liederbuch herausgegegeben.' Dritte Gänsehaut!..Darin befindet sich neben anderen schlimmen Dingen das Lied von der deutschen Treue,' wovon Herr Kotzde dann ztvei Strophen zitiert. Nachdem sich der brave Spießbürger von den hundert Gänse» häuten, die ihi» dieses Gedicht sicherlich über den geängstigten Leib, jagt, knapp erholt hat, stürzen ihn die Herren Kotzde und Scholz in neue Aengste. Heinrich Schulz hat ein Buch für die jugendlichen Arbeiter geschrieben:„Gehörst Du zu uns?', aus dem einige Sätze- willkürlich herausgeriüen werden, und quS dem.sich vach manches Arge' anführen ließe.«Das ist Heinrich Schulz, den Köster so» warm empfiehlt�... Wir verwahren uns dagegen, daß Lehrer» von einem Lehrer das Wirken dieses ManneS auf dem Jugend- schriftengebiet empfohlen wird.' Haben wir nötig, unseren Lesern diesen GallimatthiaS von falschen, schiefen, verleumderischen und denunzialorischen Bemerkungen, Zitaten und Schlußfolgerungen auseinanderzulegen? Nur ein Wort I Was hat das sehr derbe Lied von der deutschen Treue mit der Jugendschriftenprüfung des BildungsauSschusseS zu. tun? ES steht natürlich nicht im Jugendliederbuch. Aber wenn eS� auch darin stände, was hätte wiederum ein Liederbuch der proletari» schen Jugendbewegung mit dem Jugendschristenverzeichnis des Bildungsausschusses zu tun? WaS hat aber vor alle» Dingen das Lied von der deutschen Treue mit der Sozialdemokratie, mit dem. Jugendschriflenverzeichnis und mit den Lehrern zu tun? Es ist gar i kein proletarisches Gedicht, es stammt von einem bekannten deutschen Dichter, von Ludwig Pfau, ist also bürgerlichen und uicht prolc- tarischen Ursprungs. Wie das schöne Spiel aber fortgesetzt wird, zeigt ein Artikel der„Berliner Neuesten Nachrichten'. Das Blatt zitiert einen Teil' des Liedes von der deutschen Treue und fährt dann fort:.Solche Bücher empfiehlt»ein deutscher Lehrer der nationalen Jugendbeioegung." Kann man die Ver- drehung und Verleumdung noch weiter treiben? Und ob den Herren Kotzde und Scholz ob solcher Folgen ihrer Schmähschrift all« mählich graust? Die deutschen Arbeiter und Arbeiterfrauen gehen st: de» nächsten Wochen wieder in Buchläden und Jugendschristenausstellungen. Wenn Herrn Jos. Scholz das Wirken der Sozialdemokratie aus dem Jugendschriftengebiet so verhaßt ist, so wird der BilduugSauSschuß sicherlich dafür sorgen, daß die Bücher des Scholzschen Verlages in' Zukunft nicht mehr in seinen Jugendschriftenverzeichniffen geführt werden. Jedenfalls sollten die Arbeiter schon von jetzt an den Kauf Scholzscher Bücher Nichtsozialdenlvkrate» überlassen.— rSasserstandS-Nachrlchten J der LandeSanstalt für Gewässerkunde, milgctcill vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder. Ratibor , Kroisen •„ Frankiurt Warthe. Schrimm Lanvsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Scanbau , Ratdenow') Spree, Soremberaft • VecMorn"' Weser, Münde» „ Minden R h e in, MaximiliallSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel, Trier am! seit BUt. 28.11. cm 158 ■68 60 1$ 281 87.7 388 225 274 112 325 ISS cnift _ 2 ——4 —6 iiTic* +8 �1 +8 —7 -4 +»- —8 -a ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.') Unterpegel. BetM kr IWkMMM MMK Berlins und Umgegend. Dienstag, den 3. Dezember 191S, abends 87- Uhr: General Versammlungen der sechs Derliner Wahlkreise. I. Wahlkreis in den Corona Prachtsälen, Kommandantenstratze 72. Tagesordnung: I. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. S. Diskussion. Z. Wahi der Delegierten. 2m Wahlkreis in» Hofjäger-Palast, Hasenheide 52—53. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Preußen. Referent: Genosse Emil Eickhorn. �. 2. AnWge und Aufstellung der Delegierten. 3. Krejssachen. L. Mahlkreis in den Armin-HaNen, Kommandantenstraße 58/59. Tagesordnung: 1. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse Dr. Karl Liebknecht. 2. Wahl der Delegierten. 3. Vereinsangelegenheitcn. 4m Wahlkreis in Kellers �estsäle», Koppcnstraße 29. Tagesordnung: i. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse PaulHirsch. 2. Beratung und Beschlußfassung über die dazu gestellten Anträge. 3. Nomiinerung der Kandidaten zur Delegatwn zum preußischen Parteitag. 5. Wahlkreis in den Königs-Talen. Königstr. 26(Eingang Wadzeckstmßc). Tagesordnung: I.„BorussischeS." Referent: Genosse Max Groger. 2. Der preußische Parteitag. 3. Wahl der Delegierten. 4. Vereinsangelegenheiten. 6. Wahlkreis in den Germania- Prachtsälen» Chausseejtraße 119: Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum preußischen Parteitag und Wahl der Delegierten. 8. Anträge. 3. Vortrag deS Genossen Heinrich Ströbel« a06]6* Die Besetzung der General-Versammlung im vierten und sechsten Wahlkreise erfolgt durch Delegierte. WM" Die Bersammlungen werden pünktlich eröffnet.-WW Mitgliedsbuch respektive Delegiertenkarte legitimieren, ohne dieselben kein Eintritt. Die Vorstände. Anarchisten! Achtung! Sozialisten! Montag, den S. Dezember, abends 8% llftr. in den Andreas- Feftflileu, Audreasstraste 21: Gr. öftentliche politische Volksversammlung. Tageberdnung: ■mmmbm Krieg dem Kriege! Der europäische kkrieg und das deutsche Proletariat! Reserenten: fi-ilr Xniesleöt und Berlbollt Cahn. Freie Aussprache. gu zahlreiche,.! Besuche ladet ein Gruppe Folgend und Anarchistische Bereinigung, Berlin. Der Emberuser: I. A. Lugen Pente«, NO. 48, Mehnerstr. 5. Zentralverband der Hausangestellten. Heute Sonntag, den 1. Tczemder, in dcn.Corona-Prachtsälen", Kommandantenstr. 7'Z I: -- Versammlung. Vortrag von Herrn Ncdakleur Paul lokn:»Dienftbotengcscheuke�. Nachdem: kemtitl. Ikvl«»ii>ii>el»«eli» u. Tans. Saalöfsnung 6 Uhr.[48/12] Beginn 7 Uhr. nr Zlttmltttugsstejle Kerliu. C. Limenstr. 83—85. Berwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1387. Amt Norde» 135. Amt Norden lÄg, 3714. Montag, dm 2. Dezember 1912: ßezirks- Versammlungen für üie gesamte Verwaltungsstelle Berlin in svlgende» Lokalen: llnröen i Müllerstr. 142, abends 8'/, Uhr. UeitleN' keatsLIe, Schwcdter Strafte 23, abends Uerüen i �'ranlivs FcslsUIc, Badstr. 16, abends S'/u Uhr TßgCll Trappa FcstaHle, Bahnhofstr. 1, abends 6 Uhr. Mnahif* Moabiter Oeaellscliaftahana, Wiclefstr. 24, muauil. abends 81/, Uhr. Westen und Sehöneberg: �:"nshaftH2w°n.brr7 Hauptstr. 30/31, abends 8'/, Uhr. OSteil I CoiucniassOle, Memeler Str. 67, abends 8'/, Uhr. jedlenderg: ZRM Ä � E""'- ,i- »lau und Rnmuielsburg: S'Sf».'Sf' 1 oiRaneoo* Peukert« Fcestsiile, Berliner Allee 231, ClUcUaCC. abends 51/, Uhr. SUdenbezirke: L.MA.'T"""""'' ,5' N6llkÖiin* 1*aKsaSc"*'ests�'e' Bergstr. 151/132, abends Charlottenburg: Volkslians, Rofinenstr. 3, abends 8'|, Uhr. CtoniitT* Hchellliaaea Festsäle, Ahornstrafte 15, dlcyilU. abends 8'/2 Uhr. Friedriehshageu u. Köpenick: Pagen, Friedrichstr. 72, abends S'/a Uhr. SpandaU: Hertz' Restaurant, Kurftr. 23, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Kericht von der Gkneratvkrsamtnluus vom 21. November und StebuttgttlilMe\\\ der Ankerordentlichen Generat- versammtvvg nm 8. Ketember 1912. Kericht der Kommisfion fiir Urüfting der gansbnsßeruug. MF* Ohne Mitglietlsbuch kein Zutritt.'98 Zahlreicher Besuch wird erwariei. Mang! Baimnschlager. Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8 Uhr: Anßtrerdtntl. Miiglitder- vcrsnniinlnns in den Zlndreas-Festsäteu, Andreasstr. ÄI. Tagesordnung: 1. Nochmalige Beratung und Beichluftfaft'ung über den in der November- Versammlung angenommenen Zlntrag betreffend Einstellung der Kollege» nur durch den Arbeitsnachweis. 2. BranchenangelcgcnheiteN und Verschiedenes.- 1 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt, Es ist Psticht ewcs jede» Kollegen, zu erscheinen. Ille Ortsverwaltung. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsvcrwaltnns- Berlin» im � Brancheu-VersamIttlttngen (5ffd|irr--|Srail(ijf: Donnerstag, den 5. Dezember, abends 8'/» Uhr, i GrwerkschaftShause, Engcluser 15. Vorteferiitles- tt»d Ntiscartititlbruttche: maA 8>," iV?e3" Bei Granman«, Skaunhnstrasje 27. itiilitäl�taud)?: Mittwoch, den 4. Dezember, abends s Uhr, in de» Prachtsäleu All-Bcrliii. Blumenstr. 10. Linoleumlcgtr u. Teppichliäher: u�m6et' Bei Weihnacht, Grünstr. 21. Wkgen-Nrottdjt: Mittivoch. den 4. Dezember, abends 8-/, Uhr. Gewerkschastshause, Engeluser 15. kile-aiädel- a. tederdahlpachm: im Graphischen BercinShause, Sllexandzinenslr. 44., Zahlreiche» Besuch dieser Bersammluiigew erwarten 158/8 ttic BrauchcnlcitnngCU. im Sozialdcmohratifcher Nahlverein Charlottenburg. Dienstag, den 3. Dezenibcr er., abends'/2g Uhr, im großen Saale des Bolkshauseö, Rosinenstraße 3: Mitglieder-Versamyilung Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Mermuth:„Imperialismus und Sozial- demokratie." 251/4 2. Dislussion. 3. VereinSangelegenheiten.». Verschiedenes. Um regen Besuch bittet Oer Verstau«!. Dkiltslher Trniispertnrhcittr- Ukrlinnd. Oezla-ksveraaltung GroS-ncrlin. Sektion II. nntglieder d. DeutScl). transportarbeiter- Verbandes aus iämtl. Brauereien und lilederlagen Berlins und Ilmgegend! Dienstag, den 3. Dezember 1912, abends Y'/s Uhr, im Gewerkschastshans, Engeluser 15, Saal 1: Mitglieder- Versammlung mit Frauelt. Tagesordnung: 1.„Das Proletariat im Kampfe mit den politischen und Wirt- schaftlicheii ÄAächtrn." Reserent: Neichötagsabg. Ficrd. Bender. 2. Diskussion. 3. Mitteilungen. 63/3 Einen Massenbesuch der Kollegen erwartet Die Branchenlcitung. Generalversammlung Donnerstag, den 13. Dezember 19 12, abends 8Vz Uhr, im Volkshause zu Charlottenbnrg. Tagesordnung: Vorlegung und Genehmigung der Liquidationsschlußbilanz. Konsum-Verein für Charlottenburg u. Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränller Haftung zu Cbarlotteabua'K - i ii Liquidation.- Oer Anfslchtsrat. I. A.: Otto Storch. Die Iitqnldatoren. F. Dieter. F. Busse. H. Bollentin. M Ui Ortsgruppe GroQ-Berlin. Bureau: C. 25, Kalser-Wilhclm-Str. 18 a II) Versichernngs- Angestellte. Am Montag, de» 2. Dezember, 8 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: GeMllche Milglieder-Versammlung, Tagesordnung:> Teuerungszulage, Koalitionsrccht und die Versicherungs- gescllschaften. Referent: Reichstagsabgeordneter Kollege Giebel. 2. Diskussion. Jeder Versicherungsangestellte ist zu dieser Bersanimlung eingeladen. Weibliche Angestellte. Am Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8'/z Uhr, im Rosen- thaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: Versammlung alier Stenotypistinnen, Maschinenschreiberinnen, Bureaugehilfinnen usw. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. R e st r i e p k e über: Das alte deutsche Volkslied und seine modernen parodistischeu Ausläufer in der Kabaretkunst. »Lieder zur Laute", vorgetragen von den Herren Kunstmaler Richard D ä h m l e und Erich Alex K u t t n e r. Nachher: Gemütliches Beisammensein. Städtische Angestellte. Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8V2 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: VcrfatntnUmg aller in städtischen Betrieben beschäftigten Angesteilten. Tagesordnung: Bortrag des Herrn Ingenieur G r c m P c über: Modernes Berkehrs- Wesen. 2. Neuwahl der Branchenlcitung. 3. Verschiedenes. tabriU-AngestelUe. Donnerstag, de» 5. Dezember, abends 7 �lhr, bei Döhling, Brunnenstr. 79: Vertrauensmännev-Sit�ung. Das Erscheinen aller Vertrauensleute ist unbedingt erforderlich. AnutaUs-AngesteUte. Donnerstag, den 5. Dezember, abends 8Vz Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: � 3 Versammlung.■ T a g e s o.r d n u n g: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreiche» Besuch erwartet bei alle» Veranstaltungen" 47/18 Die Ortsverwalinng. kl düfl MMM Mittwoch, de» 4. Dezember 1912, abends S'/z Uhr, bei Boeker, Meberstr. 17: Mitglieder- Uersammlung. Tagesordnung: I„Wir und der Balkan". Neferent: senoffe Or. Broitscheid. 2. Vcrbandsangelegeiihciten. 3. Verschiedenes. In Anbetracht deS wichsigen Themas erwartet vollzähliges Erscheinen 109/1« Die OrtsverwaltuDg. Bitter BwAier-VeM Zwelgs'creln Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. m- Gipsbaubrnnche. Gruppe Rabitzspanner. Mittwoch» de» 4. Dezember 191S, abends 8 Uhr, bei Iaunaschk, Jnselstr. 19. Gruppe Rabitzpntzer u. Träger. Freitag, den 9. Dezember 191Ä, abends bi Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. 19: MitglLeder-Versanttttluttgen. Tagesordnung: Beratung und Beschlnstfaffnlig über dic Vorlage des Akkordtarifs. Pflicht aller im tnipsbaugeivcrbc beschästigten Kollegen ist es, die Versammlung seiner Gruppe zu besuchen. 147/13*__ Der Vorstand. Sektion der Putzer. Mittwoch, de» 4. Dezember, abends 6 Uhr: Gr. Mitglieder-Versammlnug in Karl Haverlands Jestsälcn(fr. Dräsel), Neue Friedrichstr. Tagesordnung: 1. Beratung der ncue» Ztaluteuvorlage. 2. Verschiedenes. Werte Kollegen! Bei der hohen Wichtigkeit, welche die neue Statuten. vorläge des Verbandsoorstandes in sich birgt, ist es Psticht jedes einzelnen Kollegen, pünlllich in dieser Versammlung zu erscheinen. Mit Gruß Die Scktiousleitung. I.A.: H. Neu mann. I» Ii Verwaltung Berlin. vie anf f to the ntiidif(ßf netnlDf tldininlnng findet nicht am Freitag, den 6. Dezember, sondern am Tonnerstag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr, in den Concordia-Festsälcn. Andreasstraße 6-1, statt. Mittwoch, den 4..Dezember: NtckmitilSsiiäililkrversmnmtuilgt« der Kezirke und Kranchen. Die Versammlungslokale werden am Dienstag bekannt gemacht. Jreitag, den 9. Dezember, abends 7'/z Uhr, in de« Audreas-Jestsäleu, Andreasstraße 21: Kombinierte Persammlnng der Ortsvenvcltung mit der gesamtell tivntroiikvmmisjlou. Stock- und Ze!luloid--MeitcrI Dienstag, den 3. Dezember, abends 6 llftr, in HermclS Bereinsliaus, Holzmarllstr. 21: Vertranensmänner- Versammlnng. Mitsiitbkr-Nkchsimiiullgkil: Bautischler von Groß-Serli», tiiisltiiitjjlilti der Vororte Groß-Lldjirrftide und Zteglitz heute Sonntag, de» 1. Dezember, vormittags 19 Uhr, bei Bockcr, Woberstraße 17. Tagesordnung: 1. Stellungnahme ziir BcltragSküiidigung und welche Forde. ruugen stellen wir. 2. Der Arbeitsnachweis und die Arbeitsvermittelung. 3. Diskussion. Stf Die arbeitslosen Kollegen werden dringend eysucht. an dieser Bersammlnug teilzunehmen.-Mgl Alltxlledsbueb legitimiert. Kamm-, Haarschninck-Arbeiter und -Arbeiterinnen Montag, den 3. Dezember, abends pünktlich 8 Ehr, bei MerkowSki, AndreaSslrahe 26. Tagesordnung: 1.„Rcichsversichernng-. Reserent: Arbeitersekrctär Adolf Ritter« 2. Verbands- und Branchct.angclcgcnhciten. Laden- und Kontormöbelbranche Dienstag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr, in den Andreas-Feftfälen, Andreasstraße 21. Tagesordnung:. Stellungnahme zum Vertrag und Ausgabe der Delegierlenlarten. Die arbeitslosen Kollegen sind besonders eingeladen. IW Mitgliedsbuch legitimiert.-»Q Stork- und Zellnloid-Älrbeiter Mittwoch, ven 4. Dezember, abends 6 Uhr. in Wilteö Festsiite». Sebastianstraße 39. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu unserer Lohnbewegung. 2. Branchenangelegen» heiten und Wahl zur Ergänzung der Brancheiilonnnission. verleih Institut i ril Iii A.Borchardt.�1 ic&richfU 1 1 J, ® Dranb.Tor. Tel. Nrd. 10654, vcrleihtFrack-.Smoling-.Gehrockanzüge in verschied. Preising, bis z.'elcgantest. Genre. Sehr große Ausw. Maß. Preise. fZake Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 u. 1 5, Bier, hell. u. bunt. tOPf. ca. 50 Zeitungen; Billard Sld.Mjjj Zahlstelle der Freien VollieUiliBe, f r Bit Mitglied im T. T.-V. tVrrwaltung Berlin) Burea'.l: Engeluscr 14/15, Zimmerstr. 42> Geöfinet von g— 4 Uhr. Slmt Moritzplatz 4747� Müs Rollegen Straßenbahner! Müs! Dienstag, de» 3. Dezember 19l5i, abends S'/a Uhr: Qroße Witglieder-Vevsammlung in den Sophiensälen, Svvhienstr. 17/18(großer Saal). Tagesordnung: 1. VI«»klvlinv-»«!««ier» Bctrlebsleitans fcnf der letzten Konferenz nnd unsere fernere SMellnn�nishme. 2. Dislusfion. 3. Tätigkeitsbericht vom 3. Quartal. < VerichiedencS. VtW" In Anbetracht der äicherst wichtigen Tagesordnung wird ersucht, dag jeder bestimmt und pünktlich in dieser Versammlung erscheint und für einen guten Besuch derselben mit Sorge trägt.— Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang des Saales vorzuzeigen.— Ohne Buch kein Zutritt. 69/6 Mit kollegialem Gruß Die Verwaltung. I. A.: O. Ortmann. Mittwoch, den 4. Dezember lStÄ, abends 8>/z Uhr, in den Armilihalleu, Kommalidantenstr. 58/59: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom IU, Quartal ISIS. 2. Vorlegung des AustelluitgS- derlruzes der Angestellten nach den Beschlüssen der diesjährigen General- Versammlung. 3. Wahl der gesamten Ort�verwaltung. 4. Verschiedene Kasseuangeleacnheiten. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt! Zu zahlreichem Besuch dieser Versammlung ladet ein Mö/V Die Ortsverwaltang. NB. Wir machen nochmals daraus ausmcrksam, dag die Zahlstelle VI von der Charitöstr. 3 nach Luiscnstr. 2(i verlegt worden ist. ♦♦♦♦♦♦!(ö. B. S. unterhält keine Filialen! ♦♦♦♦♦♦ : Gardinenhaus ♦ ♦ i Bernhard Sehwartz I i Berlin, Wallstr. 13(Spindlershof) zwischen Spittelmarkt«ud Grünstraße. Weihnachtsgeschenke: Shawl-Gardinen Kiinstler-Gardinen Scheibcn-Gardincn Uebergardinen Slores Halbstorcs Tull Läuserstoffe Einzel- Teppiche «erkauf Se,|°|('ef0fr Malten Eltgros- Gobelins � Jbeit decken Preisen! Slcprdeckea Lauser Kissen Sämtliche Fabrikate vom einfachsten bis zum elegantesten in vorzüglicher Ausführung. Ganz besonders vorteilhafte Gelege nheitspoften in Gardinen, Portieren u. Teppichen niittlercn bis hocheleganten Genres. Wirtschaftsbücher für 1913 gratis. ♦♦»♦♦♦• Orts-Krankenkasse für de» Amtsbezirk ZerUn-Tegel mit Ausschluß von Plöbcnsee. Die Htrbfl-GenerlllversMmlnng wird anberaumt aus Dienstag, den ia. Dezember litis, um S"/-«hr abends, nach dem Dravvschen Saale sssnh. Mar Gamm), Berlin- Tegel, Bahnhosstr. 1—2. Tagesordnung: 1. Dahl eines Ausschusses von drei Mitgliedern zur Prüfung der Jahres- rechnimg 1912. 2. Vorlegung der vom Vorstand mit den Herren a) Dr. von Haselberg(Spezial- augenarzt, Beriin-Tegel, Haupt- strage 13); b) Dr. med. Mönnich(Spezial- arzt kür Beinleiden, Haut- und Geschlechts- Krankheiten. Bcrlin-Tcgel, Berliner Str. 4. 3. Nochmalige Beschlutzsassung über Zulassung unserer Kasse als Allge- meine Orts-Krankenkasse, nach den Bestimmungen der Reichsversiche- rungsordnung. 4. Verschiedenes. Anschließend hieran findet um S'/a Uhr eine AnBerordentliche General-Versammlung statt mit folgender Tagesordnung: 1. Neu- bezw. Ersatzwahl für auS- geschiedene Vorstandsmitglieder g.) Neuwahl für l' s-»°»S der Kasscn- IS&T'i»«»'«<■• b) Neuwahl für Max Späth, seitens der Arbeilgeber. Hierzu werden die gewählten Bei- treter ergebenst eingeladen, jedoch haben a» der Herbst- Generalvcr- sammlung nur die 1910 gewählten Vertreter Zutritt. Dagegen können an der auher- ordentlichen General-Bersammlung nur diejenigen Vertreter teilnehmen. die am 25. bezw. 2S. November 1912 gewählt worden-sind. 284/13 Berlin-Tegel, den 30. November 1912. Der Vorstand. Oswald Arlt, Karl Müller, Vorsitzender. Stellv. Schnstsührer. Ortskrankenkasfe • der Schlosser zu Dcrlln. In der gemeinschaftlicheu Bcrsammlung der Arbeitgeber, und der Mitglieder unserer Kasse am Dienstag, de» 3. Dezember, abends 8 Ulir, im G ewcrkschastShaiise(Saal IV), Tngeluser15 wird vor dem Beginn des Wahlaktes Herr Prof. Dr. Grabower einen Vorlrag über Hals-, Nasen- und Ohreukrank- heiten halten. Um zahlreiches Erscheinen ersticht Der Vorstand. 284/1 G u st. L u b a t s ch, Vorsitzender. Bekanntmachung. Ortskrankenkasse der Uhrmacher zu Berlin. Die in der Eeneralnersamnilung vom 24. Juli er. beschlosiene Ab- äiiderung des§ 40 des Statuts ist durch Beschluß des Vezirts-Aus< schusses, Abteilung ll, zu Berlin vom 30. Ollober 1912- II C. 77 y- genehmigt worden. Der Vorstand. 283/19 Luzia» Laetsch, Robert DreBler, Vorsitzender. Allgemeine Orts-Krankenkasse zu Berlin. Am Montag, den S. Dezember ISIS, abends 7-/., Uhr bezw. 8 Uhr. findet im Geiverkschaftshanse, Engclufer 15, Saal l, die Ord. Gtneral-zjkrsammlung statt, zu der die für 1912/19t3 gc- wählten Vertreter hiermit ergebenst eingeladen werden. Um 7-/a Uhr: Bersammluna der Vertreter der Arbeitgeber. Tagesordnung: Wahl zweier Vorstandsmitglieder für 1913/1914 an Stelle der ausschei- denden Herren Rosenow und Ruß. Um 8 Uhr: Bersammlung sämtlicher «crtretcr. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. S. Elkan über:„Hygiene und Diätetik der Luiigentubeilulose". 2. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Jahresrcchnung. 3. Pensionierung einesKassenbeamten. 4.'Mitteilungen dcS Vorstandes. Bersammlung dcr Bertretcr der Kassenmitglieder. Tagesordnung: Wahl von vier Vorstandsniitgliedern für 1913/1914 an Stelle der aus- scheidenden Herren Raaich. Griechen. Reimann und Lorenz. 284/2 Berlin, den l. Dezember 1912. Der Borstand. Wilhelm Piehl, Vorsitzender. jVeMWfi'zuekßisgäkiiiz Extra- Abte Illing jl. Gesch.: Berlin W.. Höh, en- StraBe37a(2. Haus von der| Jorusalomer Straüe). s II. Gesetz: Berlin H0.,GroBeI ssranlcturt. Str. 115(2. Haus j von der AndreasstraBe). 1 Sehrgr. Ausw. fert. Kleider, j I Hüte, Handschuhe, Schleier! letc. v. einfachsten bis anm I ] hochelegant Genre z.äulleist| niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: AaNanfertlgnng in 10 bis 12 Stunden. 10 IHark monatliche Teilzahlung liesei t elegante Hertengarderobe nach Mag l. Tompiirowslii, (BilligePreise.)PerKassePrciSerinäjjig. F. gut. Sitzw.garant., eigenes Slofflag. Ukter, 5s!stok mul Anzüge kallfen Sie infolge eigener Fabrikation am billigsten und am reellsten bei 8. 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November verstarb unser Genosse, der Bodcnleger Georg Guiricli Lübecker Str. 44. Bezirk 717. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. Dezember, itodjm! 2I/S Uhr, von der Halle des JohanneS-Kirch- hoses in Plötzcnsec aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/9 Dor Vorstand. SozialdemokratiseherWahlverefn U 6. ßerl. Reichslagswahlkreis. Am 30. November verstarb unser Genosse, der Schlosser koberl Bialkowski Uferstr. 12, Bezirk 824a. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung. sindet am Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags V/, Uhr, com Trauer- Hause aus nach dem. Städtischen Friedhof in der Müllerstrasze Ecke Sccstrasic statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. Alle» Freunden, Verwendlen und Genossen die traurige Nach- richt, dag meift heißgclicbicr Mann und Vater ködert Bioikovski nach lurzcm, schwerem Leiden im Alter von 32 Jahren plötzlich per- itorbcn i't. Die Beerdigung sindet am 1 Dienstag, den 3. Dezember, nachmittags 1'/, Uhr. vom Trauer- haus». Uferstr. 12, au» nach dein nädlijchen Friedhos in der Müller- I strage Ecke Seestrage statt. lZio trauernde Gattin nebst Sohn. Verhand der Schneider u. Schneiderinnen. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dag unser Kollege Wiltielm Schulz ■ am 28. November 1912 im Aller von 55 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Attdeiiten! Die Beerdigung sindet am Montag, den 2. Dezember, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichenhalle des Philippus-Apostel- Kirchhoscs, Müllcrslr. 44/45, ans stati. l 65/7 Oie Ortsverwaltung. Deulseher Holzarheiler-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Kttrl Quitzsch Lübecker Str. 44, im Alter von| 24 Jahre» gestorben ist. Ehre seinem A»de»te»: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags 3'/» Uhr, von der Halle des Johannis-KirchhoseS, Plötzen- sce, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/17 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transporiarheiter- Verband. Bezirksverwaltung GroB Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Arbeiter BFrivifoickKtaM am 28. November im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag. den 2. Dezember, nachmittags 2'lt Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Genie indc-FrwdhojcS, Mariendorscr Weg, aus statt. 69/5 Die Bozirksverwaltung. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, vor allen Dingen dem Buchbinderocrbaiid u. de» Kolleginnen auS der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitinig' für die beim Heimgänge unserer lieben Tochicr und Schwester Linciu gezeigie Teilnahme u. Kranz. spenden herzlichen Da>,k. 1470h •Johann JabczynMkl nebst Frau und Kindern. SoziaidemokratischerWahiverein Scböneherg. Am Sonnabend, den 30. November 1912, verstarb nach langem Leiden unser Genosse Reiche. Ehre seinem Andenke»! * Die Beerdigung wird noch de- kamit gemacht. Ter Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser psuß Tauen Charlottenburg. Osnabrückerstr. 22, am 27. November an Herzleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Dezember, nach- mittags l'/j Uhr, von der Leichen- halle des Luisen-Mrchhoses am Fürstenbrunner Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Oita Reez gestorben ist. Die Beerdigung findet am DienStag. den 3. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle des Friedhofes I,' Groß- Lichlerfelder-Ost, Langestraße, aus statt.- Ehre ihrem Andenke»: Rege Beteiligung erwartet 134/3_ Die Ortsverwallung. I Sozialdemokratischer Wahlverein Lankwitz(Kreis Teltow), Am Freitag, den 29. November, I oerstarb nach kurzem, aber schwerem ] Leiden unser lieber Genosse Otto Reez im 3l. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen treuen, opserwilligen und zu- vcrlässigen Genossen. Ehrc feinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Gemeinde- Fri.edhoscS Groß- Lichtcisclde, Langestraße,'ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 203/ l2 Der Borstand. IAm Freitag früh 4 Uhr verstarb nach kurzen aber schivcren Leiden unser Kollege, der Dreher Ottv Reez» u Wir verliere» in ihm einen ehr- lichc» und ausrichtigen Kollegen- Ehre ihrem Sludeute»'''»v Die Beerdigung findet DienS- tag, den 3. Dezember, nachmittags I 3 Uhr, von der Leichenhalle des FriodboseS Groß-Ltchterselde Ost, i Kirchhof I, Langestraße, aus statt. Die Kollegen der Firma C. P. Oocrz. Friedenau. Abteilung Apparatebau, Dreherei. Am 28. November verstarb nach kurzeiii schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grovvatcr und Urgroßvglcr, der Maurer KeH Weedeip im 66. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. auj dem Luisen- Kirchhof am Fürstenbrunner Weg statt. 45A Marie Werder nebst Kindern. Für die vielen Beweise' herzlicher Teunabni« beim Hinscheiden meines lieben Wamics sage allen Beteiligten herzlichen Dank. 148lb Ww. iüobiiiiplzo nebst Kindern, . Danksagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben, unvergeßlichen Frau, Mutier und Schwiegermutter tkugusie Linde geb. Schrttdci* sagen wir allen Verwandten. Freun» den und Bekannten, insbesondere den Kernmachern-der Firma Ludwig Locwe u. Eo. unseren herzlichsten Dank. Der trauernde Gatte u. Kinder. Dattksagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher aufrichtiger Teilnahme beim Be» gräbuis meines lieben ManniS, dcS Verbandskassierers Lrnst /Netssch sage ich allen Verwandlen, Freunden, Belaimien, sowie allen seinen Kollegen »nd Genossen meinen herzlichsten Dank. Dank auch dem sozialdemo- kratiichen Wahlverein, sowie dem Zeniralverband der Maschinisten und Heizer und den VertrauenSleulen vom Steltiner Hasen, Dank dem Deutschen TranSvortarbeiterverband für die herrlichen Kranzspenden. JnSbe« sondere aber innigen Dank Herrn Schlienz und Herrn Krebs vom Zeniralverband der Maschinisten und Heizer für die schönen trostreichen Worte am Grabe. 146 20 Spandau, den 30. November 1912. Frau vcriv. Meiasch und Kind«. Samt-Bluse büccb garniert, M. 4.90 In reinseid. Pailette e Ol C M. J.IJ Preiswerte Tüll-Bluse mit Spaditel- und Cluni-Einsät- 0 aa zen M. J.VU Solide Samt-Bluse in modernen Streifen Seiden-Gar- fj e nierung M./»t D Fesche Voile-Bluse in modernen Farben, apart verar-*7(if beitet.. M./»Zj Aparte Seiden-Bluse pr ma Messaline m. eleg. Tüllpaire, in allen a«7? modernen Farbenö./ J Elegante, schwane Tüll-Bluse auf Seide«a mm gefüttert, M 1 v Elegante Seiden-Bluse prima Pailette mit hübsch. Spachtel- � a passe.... M iL»' Kinder-Konfektion Baby-Mantel Morgenrock„Doris" aus Flausch-Stoff mit breitem | fegr1." 8.50 Katalog kostenlos! 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Genosse ParvuS schreibt uns aus Konstantinopel: Die Türkei ivar nie in der Lage, ohne fremdes Geld auskommen ju können. Als sie 1877 anläßlich des Krieges mit Rußland eine »eue Anleihe aufnehmen mußte, haben sich diese Situation die griechischen Bankiers von Galata und die Ottomanische Bank zu- nutze gemacht. Sie haben der Regierung die Anleihe gewährt, sich aber als Pfand die wichtigsten Einnahmen des Reiches in Berwal- tung geben lassen. Von ihnen und den europäischen Gläubigern der Türkei wurde eine internationale Finanzkontrolle angestrebt, die in dem berühmten Dekret Muharrem 1881 geregelt wurde. Eine weitere wichtige Aenderung in den Grundlagen der Schuldenwirt- schast geschah nur noch 1903 durch die Vereinheitlichung der tür- kischen Staatsanleihen. Die internationale Verwaltung der unifizierten türkischen Staatsschuld ist nicht etwa eine politische Körperschaft. Sie ist nicht eine Vertretung der Großmächte, hat formell mit diesen nichts zu tun. Sie ist vielmehr ein kapitalistisches Privatinstitut, das nur unter einer sehr bedingten und einflußlosen Aufsicht der türkischen Regierung steht. Diese kapitalistische Privatgesellschaft erhebt Steuern, verwaltet Staatsmonopole, nimmt an den Zollerträgnissen teil usw. Nachdem diese Institution bestand, wurden auch die meisten späteren türkischen Anleihen und Eisenbahngarantien unter ihre Verwaltung oder Kontrolle gestellt, so daß gegenwärtig starke 39 Proz. der türkischen Staatseinnahmen zunächst in die Kassen des internationalen Verwaltungsrates fließen, um an die Gläubiger verteilt und zur Schuldentilgung verwandt zu werden, worauf dann der Rest dem Staate zurückerstattet wird. Der Verwaltungsrat besteht aus sieben Personen, Vertretern der Gläubiger(daruntex auch der Ottomanischen Bank), denen ein Personal von über 8990 Mann zur Verfügung stand. Die Kosten die'cr Schuldenverwaltung betrugen im abgelaufenen Jahre rund 10 999 999 Frank, die der Staat zu tragen hatte. Dabei muß der Staat noch umsonst Polizei, Militär und Steuereinheber zur Ver- fügung stellen. Din Einnahmen eines Mitgliedes des Verwaltungsrates stellen sich nach einer mir vorliegenden Rechnung auf 283 Lira im Monat. das sind rund 6999 Frank. Dabei finden diese Herren noch Zeit zur politi'cben Beschäftigung, zu einer ausgiebigen privaten Ge- schäftstätig,. � und bleiben monatelang von Konstantinopel fort. Für die unifizierte türkische Schuld werden 4 Proz. jährlich nach dem nominellen Werte gezahlt, in Wirklichkeit durchschnittlich 4V2 Proz., außerdem eine Amortisation(Rückzahlung), die im abgelaufenen Jahre die Höhe von fast Ich Proz. erreichte. Die Amor- tisationsquote steigt automatisch mit den enorm anschwellenden Einnahmen der Schuldenverwaltung. Sie wird, wenn dieser Zu- stand nicht geändert wird, in weiteren 5 oder 6 Jahren nach gelinder Rechnung 4 Proz. betragen. Die Einnahmen der Schuldenver- waltung betragen das Doppelte dessen, was an Zinsen zu be- zahlen ist. Die Türkei bezahlt jährlich über 39 Millionen Frank zur Amor- tisation ihrer Schulden, währenddem sie ein chronisches Defizit hat und jährlich neue Schulden aufnehmen muß. Auf diese Weise, durch obligatorische exorbitante Schuldentilgungen wird die Geldnot der Türkei künstlich gesteigert. Auf dem also vorbereiteten Boden greift die Otwmanische Bank ein, die der Regierung Vor- schüsse gewährt, für die sie sich 7 Proz. Zinsen und% Proz. Kommission, also zusammen 7% Proz., bezahlen läßt! So wird der türkische Staat shstematisch ausgewuchert. Wie sich der Staat auch wendet und windet, er kommt aus den Klauen seiner zum internationalen Vcrwaltungsrat organisierten Gläubiger nicht heraus. So hat z. B. der türkische Staat, um der durch den italienischen Krieg geschaffenen Geldnot abzuhelfen, die Salzsteuer erhöht bzw., da es sich um ein Monopol handelt, den Salzpreis auf dos Doppelte gesteigert. Das ist eine Notsteuer in des Wortes furchtbarster Bedeutung. Aber sieh da! Ein Viertel dieses Steuerertrages wird von dem Schuldenvcrwaltungsrat in Anspruch genommen, da er laut Dekret Muharrem zu außerordent- licher Schuldentilgung verwendet werden soll. Dasselbe bezieht sich auf die Erhöhung der Spiritussteuer. Dasselbe auf die soeben durchgeführte Erhöhung der Schutzzölle. Wie ein Bandwurm wird diese Schuldenverwaltung dick und fett, immer größer und stärker und raubt dem Staatsorganismus den Säftezufluß. Daneben bereichert sich die Ottomanische Bank. Mit diesen Finanzinstitutcn innig verbunden ist die Tabak- regie, die das Tabakmonopol in Pacht hat. Denn einerseits sind die Erträge der Tabakregie der Staatsschuldenverwaltung ver- pfändet, woraus sich eine Kontrolle der letzteren über die Tabakregie ergibt, andererseits gehört die Ottomanische Bank mit zu den Gründern der Tabakregie. Diele drei größten Finanzinstitute des Reiches bezeichnet man gewöhnlich als die französische oder französisch-englische Finanz- gruppe. Ihr Einfluß ist enorm. Sie bilden einen förmlichen Staat im Staate. Zunächst schon wegen ihrer finanziellen Macht und der außerordentlichen Privilegien, über die sie verfügen. So- dann wegen des gewaltigen Personals, das ihnen zu Gebote steht. Ich habe schon erwähnt, daß allein die Schuldenverwaltung über 6999 Angestellte hat, die über das ganze Reich verteilt sind. Alles nun, waS von diesen Instituten lebt, verteidigt ihre Interessen. Es ist wie eine gewaltige Armee, die sich im Zentrum des Landes und in der Provinz installiert hat und einem Oberkommando folgt, das von der europäi'chen Hochfinanz kommt. Petrolcumproduktion Rußlands. Seit dem Jahr« 1993 ist die Einfuhr von Petroleum aus Ruß- land nach Deutschland von 142 999 Tonnen auf 17 999 Tonnen ge- funken. Zu einem Teil ist an diesem Rückgang der Konkurrenzsieg des amerikanischen Trusts über die Wsatzorganisation der ver- einigten russischen, rumänischen und galizischen Produktionsgesell- schaften schuld; zum anderen die absolute Abnahme der Naphhta- gewinnung in Rußland. Nun spricht in der Begründung zum P e- troleummonopolgcsetzentwurf die Regierung die Er- Wartung aus, daß die russische Rohölgewinnung in absehbarer Zeit wieder den hohen Stand des Jahres 1994 erreichen werde und daß Deutschland größere Mengen aus Rußland beziehen könne. Wie wenig begründet diese Hoffnung ist, geht aus einem Be- richt des kaiserlich deutschen Generalkonsuls in Petersburg über die Petroleumprodukiion Rußlands im Jahre 1911 und ihre wahrschein- liche Entwicklung hervor. Die Ausbeute an Naphtha im alten Bakuer Naphtha- bezirk ist, allen Anzeichen nach, in einem Niedergang begriffen, so daß mit einer Erschöpfung der Felder in absehbarer Zeit zu rechnen ist. Sie ist innerhalb 19 Jahre von 671 Mill. Pud im Jahre 1991, das hiermit den Rekord der Ausbeut« erreichte, auf 423 Mill. Pud im Jahre 1911 gesunken, hat sich somit um fast 37 Proz. in diesem Zeitraum verringert. Die Ausbeute der einzelnen Jahre betrug: 1991 1992 1993 1994 Mll. Pud . 671,2 . 636,5 . 596,6 . 615,9 1995 1906 1997 1998 Mill. Pud . 499,9 448,3 476,4 467,3 1999 1910 1911 Mill. Pud . 499,4 . 478,2 . 425,3 Die Gründe für diese Abnahme liegen sowohl in der allmähli- chcn Erschöpfung der Springquellcn, wie auch im Versiegen der Bohrlöcher. Die von Fahr zu Jahr zurückgehende Ergiebigkeit be- dingt immer tiefere Bohrungen/ die mit erheblichen Kosten cherbun- den sind und die Gewinnung bereits so teuer erscheinen läßt, daß die hier geförderte Naphtha kaum noch konkurrenzfähig mit festem Heizmaterial ist. Demgegenüber läßt sich zwar in den neuen Naphtha- rahons eine ständige Zunahme der Ausbeute feststellen, dock, ist diese bei weitem nicht so erheblich, daß sie den Ausfall auf den alten Feldern wieder weit machen könnte. Unter den neuen Feldern kommt insbsondere Grosnyi in Betracht. Wenn dieses auch im ver- gangenen Jahre die Ausbeute des Jahres 1391 um mehr als 199 Prozent übertrofsen hat, so zeigt sich doch auch hier schon seit den letzten Monaten des vergangenen Jahres ein Rückschritt in dem Ertrage an Springnaphtha. Und vollends das Maikopgcbict, das seinerzeit ein wahres Gründungsfieber hervorbrachte, hat bisher nur der Spekulation ansehnliche Gewinne gebracht, während die ver- heißene Riesenausbeute nocb Zukunftsmusik ist. Von den in die Maikopunternehmungcn hineingesteckten großenteils englischen Kapitalien dürfte der größte Teil endgültig verloren, der Rest ziem- lich gefährdet sein. Angesichts des unaufhaltsamen Rückganges der Naphthaaus- beute auf den alten Feldern hat es sich als notwendig erwiesen, neue naphthahaltige Ländereien in Bearbeitung zu nehmen. ES kommt hier zunächst der Rest naphthahaltigen Landes im Bakuer�Gc- biet in Betracht. Ein Projekt, das die Ausbeutung dieser Lände- reien einer aus allen Naphthaindustriellen des Bakuer Gebietes zu bildenden Genossenschaft zwecks gemeinsamer Gewinnung überlassen' will, ist in Vorhereitung. An dieser Genossenschaft sind außer den bekannten vier großen Naphthagcsellschaften Gebrüder Nobel, Kaspi- Schwarzmeer-Gcsellschaft, Gesellschaft Mantaschew und Kaspische Gesellschaft 176 kleinere Naphthaindustrielle beteiligt. Sodann verspricht man sich eine günstige Entwicklung der un- längst entdeckten naphthahaltigen Ländcreien am Flusse Emba im Uralgebiet. Di« daselbst bisher gefundene Naphtha ist die söge- nannte schwere Naphtha, die sich hauptsächlich für industrielle Zwecke eignet. Dagegen sind die im U ch t a g e b i e t e bisher gewonnenen Mengen nur gering, und Fachkreise sind der Ansicht,'daß auch in Zukunft keine genügend große Ausbeute zu erreichen sein wird. Der Export von Naphtha und Naphthaprodukten ist in den Jahren 1919 und 1911 gegen 1999 etwas gestiegen. Er betrug 1909; 46 Mill. Pud gegen 59,2 Mill. Pud 1911. Der Wert der Ausfuhr betrug 1911: 29 Mill. Rubel. Der Versand auS Baku belief sich im Jahre 1911 auf 393 Mill. Pud. Die steigende Zufuhr auf den inneren Markt war die Folge des Aufschwunges der russischen Industrie, ohne daß dabei jedoch allen Ansprüchen deS inneren Be- darfs entsprochen werden konnte. Jnfolgodessen trat eine erhebliche Preis steigerung ein._ Wagenmangel und kein Ende. Gegenüber den amtlichen Aeußerunqen über den Wagenmangel, der angeblich beseitigt sein soll, besteht die Tatsache, daß am Freitag wieder 11 389 Wagen fehlten. % PraKtische Geschenke! Die Freude alier Ehemänner u. Junggesellen Ulster fein gemusterter Cheviot oder Flausch 33. u. iT-Jroff An�ii/r besteh nd ans mnrengo Jackett und OdC— �CmKCLL'/AllZU�J Wüste und tetngeetreifter Hose.. JU.M. Cutaway-Anzug marengo Cheviot, gestr. Hose 45sU. CleH'Pelz Seal-Lapln-Fulter, Seal-Eieetric-Eragen U5.M. W mter- Jop« a n nfeUgeT Loaen. warm gefüttert. 12. M. 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Seine leidenschaftlichen Ideen von der Befreiung der Menschheit au» Abhängigkeit und Heines werke N.rÄ leidenfchaftlt Abbäuglgkeit Knechtschaft haben in den Herzen der Arbeiterklasse nie verllegende Begeisterung gefunden.— Z Bände, gut geb. 4.— M. TRoufora VXerfc Herausgegeben von Emil Krause- 4u?bUttlN JUUVllK Hambarg. Der Herausgeber ist ein guter Senner Reuters und de» mecklenburgischen Milieus, die den Dichtungen ihr besonderes Kolorit geben. Die Einleitung sowohl wie die Zusammenstellung der werke ist daher fllr jeden Areund von Reuters werken besonders beachtenswert. Ueber die werke de» vichters selbst etwa» zu sagen erscheint uns im Rahmen einer Ankündigung nicht erforderlich.— 3 Bände, gut gebunden, 4,— M. W«MS W Sei Wl! Bon Unten aal Sft-.TS■IM'Ö'SÄ L deutenden sozialen revolutionären Bildern und Bildwerken. Da» werk ist von der Presse glänzend besprochen worden. Eine Parteizeitung verglich es mit einer.Arbeilerbibel", die in reiner Familie fehlen sollte. Aber auch in der angesehenen bürgerlichen Presse fand das werk begeisterte Anerkennung, wie aus einer grohen Anzahl überaus lobender Besprechungen hervorgeht. Rur dem Berliner Staatsanwalt gefiel es nicht— gewiß ein Beweis für die Güte des Buches—, denn er beschlagnahmte e». wenige Monate später sah er sich jedoch gezwungen, dasselbe wieder freizugeben. Inhalt und Ausstattung lasten e» besonder» al» l Leu inenband 6, Weihnachtsgeschenk geeignet erscheinen. M-. in 2 Leinenbanden S,— M. - In Qchkglaube und Zukunftssonnen Robert Seidel.— Der Verfasser ist dem arbeitenden Volke ein alter Freund, wer Stärkung, Trost, Hoffnung und Zuversicht aus schwerem Tageskampfe sucht, der nehme sich Robert Seidels Gedichte zur Hand.— preis gebunden 2, SV M Aus Tag und Tiefe �'.»VL'Ä gibt interessante Bilder au» dem Arbeiterleben. begeisternde Sampfesrnfe. visionäre Zeichnnogen voll von einem frohen Zukunflsglauben.— preis 1,50 M. /ftoMrfifo von Clara Müller-Zahnke. Herausgegeben UkCviUJU;„od reich illustriert von Oskar Zahuke. Mit einem Vorwort von Julius Hart. Da» Buch gibt eine aus- erlesene Sammlung der besten Gedichte an» der Feder der leider zu früh verstorbenen Schriftstellerin. Die reichhaltige Zllustrieruna und vornehme Ausstattung läßt das vortreffliche Werk besonder» al» Weihnachtsgeschenk geeignet fein__ preis 3,50 M.. gut gebunden 4,50 M. Herzliche Grüße«�'2 empfundener Erzählungen au» dem sozialen Alltagsleben, in denen der bekannte Autor die kleinen Freuden und Leiden de» täglichen Lebens mit inniger Teilnahme zu schildern weiß. preis broschiert 2 M., gebunden 2, SO M. Sonntage eines großstädtischen Arbei- ferti in hw irnftll*®0D �vrt Grottewih. Mit lers U» Otx«fiaiuc dneni Vorwort von Wilhelm Bölsche. Dritte unveränderte Auflage. Mit Buchschmuck und dem Porträt de» Verfassers. Das kleine werkchen fand all- feitige Anerkennung und hat sich bereit» viele Freunde er- worve«. preis broschiert SO Pfennig, gebunden 1 M. 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In iuterestanler Weise schildert der Verfasser da» uralte Eisland de« Rordeu», lehrt uns seine Geographie und Geschichte kennen und macht uns mit den Sitten und Gebräuchen seiner Einwohner bekannt. Zahlreiche Illustrationen tragen zur Erläuterung und zum Schmuck»es Luche» bei E» ist daher für Sinder und Erwach- sene besten» zu empfehlen.- preis gebunden 2,50 M. UntermBrennglas-��Al»"� mödle von Adolf Glahbrenuer. wusgewählt u. eingeleitet von Franz Diederich. Mit 117 Bildern von Theodor Hose- mann. Ab. Schroedter, wilh. Scholz. E. Reinhardt. Gust. Heil und anderem Preis 3.— M. gebunden 4._ jjj_ Das Luch. da» den volitifcheu Witz Adolf Glahbrenuer» in großem Umfang wieder lebendig machen will, wird der Arbeiterschaft sicher willkommen sein. ind er- � Kulturbilder ISU™ Serie Wider die Vfaffenherrschafl"SÄS.™ kämpfen de» 16. und 17. Jahrhunderts, von E. Rosenow und ?. Ströb el. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten. In Bänden gut gebunden Leinen 14.— M., Halbfranz 16,— M. Die hohenzollern' Legende?°''°p!Äscheu Geschichte vom 12. bis 20. Jahrhundert, von Dr. M. Maurenbrecher. Reich illustr. mit Bildern und Dokumenten au» der Zeit. In 2 Bänden gut gebunden Leinen 14,— M„ Halbsranz IS,— M. TRUif imh tirWctx Krieg und Sriegertum in alter und OllU UHU«-Istll„euer Zeil, von Hugo Schulz Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit, darunter viele ganzseitige Jllustrolionen sowie zweifarbige Kunstbeilagen. In 2 Bänden gut gebunden Leinen 14,— M.. Halbfranz IS.— M. Geschichte der Revokationen bi» zum Vorabend der franzSsischen Revolution. Von Dr A. Conrady. Reich illustrier« ml« Bildern und Dokumenten. Zu 2 Bänden gut gebunden Leinen 14,— M., Halbfranz 16,— M. Zeder Band der.Kulturbilder" ist ein für sich abgeschlostenes Ganze» und kann daher einzeln bezogen werden. 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Anmerkungen von Franz Mehring. Ent- haltend ein Porträt Schweiher».— preis 3 M., gut geb. 4 M. Geschichte der Gesellschaftsklassen in 000 Paul Sampssmeyer. Zweite vdllig £/CUislt)uUlv„en bearbeitete u erweiterte Auflage, preis geb. 2 AL— Do» wert gibt nicht nur ein anschauliches Bild unserer neueren gesellschaftlichen Entwicklung, sondern e» eignet sich auch infolge setner knappen Darstellungsweise vortrefflich zur Einführung in das Studium der deutschen Kulturgeschichte. Verfassungswesen und Verfassung»- kämpfe in Deutschland- CÄ von der bereil» im Jahre 1SSZ zuerst veröffentlichten Arbeil von Lassalle über da» Verfassungswesen gab es bisher keine Schrift, die da» Verfassungswesen und die verfassungskämpfe der heutigen Zeit in demokratischem Sinne behandelte. Untergang der Sklaverei im Altertum von E. Cicrolti. preis drosch. 4,50 m., gebunden S.SO m Eirrotli, bekannt als ein kenntnisreicher und scharffinniger Gelehrter. gibt in diesem Werk eine ganze Geschichte der Sklaverei in Griechenland und Rom von �-n ältesten Zeiten bi» zum jähen Untergang de» Römischen Reiche». Deutsche Geschichte "'' Zwei Teile brosch. ü 1.2S DL gut gebunden 2,50 Dl.— Die Schrift ist au» oen Bortrageu über deutsche Geschichte ent- f landen, die der Verfasser an der sozialdemokratischen Partei- chule gehalten hat. Hochverratsprozetz wider Liebknecht, Bebel und Hepner r»!? einer Einleitung von Wilhelm Liebknecht und ewem Anhang. Räch der 2. Auflage unveränderter Reudruck. 944 Seiten, preis gut gebenden 4,— DL Vorwärtsbibliothek Sammlung volkstümlicher Romane und Erzählungen. Die Vorwärtsbibliolhek ist die geeignetste Unterhaltuugsiektüre für jede Arbettersamiiie. (Crrtto/tf Roman aus dem proletori erleben von iL Ger. wl iUcllI ptgig gaf geb. 1,25 DL— Der Roman führt uns hinein in die sozialen und politischen Kämpfe der Gegenwart. Ofliampn Erzählung von Ernst preczang. Eine ■nu&wcy spannende Erzählung, die geeignet ist. nhänqer für die sozialistische Gedankenwelt zu werben. die v. neue Anhänger für die sozialistische preis gut gebunden 1 M. Das Land der Zukunft MlttA»f. Leo Koltfch. Mit einer Einleitung von Paul Söhre. E-ne außerordentlich intereffante Reisebeschreibung au» Argentinien. Preis gut gebunden 1 AL verschrobenes Volk Sammlung ausgezeichneter Satiren, die sicher allgemeinen Bei- fall finden wird.— preis gut gebunden 1 AL Der Prinzipienreiter Wilhelm Blo».— preis gut gebunden 1 M. GMiA kl MM MM- Ein Kapitel zur Geschichte der deulschen Sozialdemokratie. Herausgeg. von Eduard �_ Bernstein—I.Band- von 1646 bis zum Erlaß des Sozialistengesetzes 1S7S— 2. Band: Dnler dem Sozialistengesetz in den Jahren 187S bis 1690— 3. Band: von 1890 bis zur Gründung des Zentralo.rbande» von Groß-Berlin 1906— Zeder Band ist auch einzeln zu beziehen, preis pro Band In Lehren S.SO M., in Halbfranz 7,50 DL Gates Hausbuch für die Arbeiterfamilie Arbeiter-Gesundheits-Vibliothek N i Der erste Band umfaßt die ersten 20 Hefte der mit so großem Beifall aufgenommenen Bibliothek. Das Buch ist auf gutem Papier gedruckt, enthält viele Illustrafionen und präsentiert sich in einem schmucken Einband.— Behandelt werden folgende Ge- biete: Die erste Hilfe bei Unglücksfällen— Da» erste Lebensjahr — Gesundheitspflege de» Rervensystrm»— Der Achlstundentag — Alkoholsroge u. Arbeiterklasse— Da» Schulkind— Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrankheiten— Rahrung und Ernährung — wie sollen wir uns kleiden?- Der Arbellerschuh— Fraueuleiden und deren Verhütung(Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft)— Vom medizinischen Aberglauben— 2a» wasserheilversahren in der Gesundheitspflege oe» Arbeiter» Lebenskäflgkeit — Die Krankenpflege im Hause— Die proletarierkraukheiL Mit dem Tornister Feldzug 1870. von Carl Ehr. Rückert.— Die Zola, Garschin, Lemounier, wereschffchagiu haben als Künstler die Greuel des Kriege» dargestellt, d. h. aus Absichten heraus, die eine SKli- flerung, eine Zurechtmachung de» Stoffe» bedingen, und von einem Standpunkt, der außerhalb der Geschehnisse llegL hier aber erhebt die Stimme einer, der in Reih' und Glied dabei Preußischer Kommiß SÄÄÄ»? von z. Dornberger.— Au» dem Inhal« ve» Boche» seien folgende Kapitel erwähnt: Zwei Beschwerden— Der Saiserprel» — Guten Morgen. Herr Hauptmann t— Der pfiugswrlaub— Jenseits der Menschlichkeit— Auf Festung— Da» Reseroebild — Grenadier Gimm— Finale.— Diese» Buch ist von der preffe lobend besprochen worden und dürfte ein besonders ge- eigneles Weihnachtsgeschenk für die arbeilende Jugend und für alle, die Soldat waren, sein.— Broschiert 1,50, gebunden 2 DL Der kleine Stadt-Baumeister AM)fz Jugend, Eltern und Erzieher von Heinrich pralle. Mit 15 Abbildungen im Text und 17 Tafeln.— Da» Büchelcheu wird an be-U?st- und Winterabenden vielen Kindern große Freude bere? e«!" Das Spie buch eignet sich auch sehr al, Geschenk zum tzcrvauahrnden weihnachtssesL— preis 1,50 DL Die Entrvicklungs- Geschichte der Erde von Georg Engelbert Graf.— Mit 47 Abbildungen und einem Anhang: Geologische Profile und Erklärung geologischer Fachausdrücke, preis geb. 1.— M. Gute Zugendbücher zu Herabgesetzken Preisen! Eine Reise ins Märchenland ionnentag in bunten Reimen von Franz Mäding. Buch- schmuck von S. Tusar. Gut ausgestattet! 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Der Referent, Genosse Dr. Drucker, spricht über das Thema:„Die Abstammung des Menichen." Billetts sind noch in größerer Anzahl am Eingang des Saales zu haben. Der Bildungsausschuß. Weißensce. Am Dienstag, den 3. Dezember 1312, abends pünktlich 8 Uhr, findet bei Pcukert, Berliner Allee 251, der zweite Vortragsabend des Genossen Alwin Körsten über:„Die Rechte aus dem gewerblichen Arbeitsvertrage" statt. Die beteiligten Ge- Nossen wollen vollzählig zur Stelle fem. Tegel. Heute Sonntag, den 1. Dezember, abends 6 Uhr, findet im Lokal GesellschaflshauS, Schloßstr. 7, ein Vortrag statt. Thema: .Die Klassiker und der Sozialismus." Referent: Genosse Schütte. Nach Schluß: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Der Bildungsausschuß veranstaltet vom 3. bis 6. Dezember im Restaurant Müller, Berliner Straße und Veitstraßen Ecke eine Bücher- und Wandschmuck-Ausstellung. Dieselbe wird am Dienstag, wbends 7 Uhr. mit einem Vortrage über:.Jugendschriften und Wandichmuck im Arbeiterheim" eröffnet. Die Ausstellung ist vor- mittags von 10—12 und nachmittags von 7—10 Uhr geöffnet. Eintritt frei. VerUner]Vachnchtcn. Tie Krüppelfürsorge lvird, wie so viele andere soziale Aufgaben, noih immer im wesentlichen der freien Liebestätigkeit überlassen. In Berlin besteht seit 1905 ein ,K r ü p p e l h e i l> und Fürsorge- verein für Berlin-Brandenbur g", der Heilung, Ausbildung und Ueberwachung jugendlicher Krüppel aus Berlin, den Vororten und der Provinz Brandenburg bezweckt. Er will die in seiner Anstalt untergebrachten Krüppelkinder durch orthopädische Behandlung und erziehliche Einwirkung und später durch fürsorgenden Beistand soweit fördern, daß sie zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft sich entwickeln. Die Heil- und Erziehungsanstalt des Vereins hat bisher ein von lhm gemietetes altes Anstaltsgebäude be- nutzt, das früher dem„Erziehungsheim am Urban" gehörte und dann in den Besitz der Stadt Berlin überging. Der Verein baut sich aber jetzt eine eigene Anstalt auf einem 16 Morgen großen Waldgrundstück, das vom Grunewald ab- getrennt worden ist und gegenüber der Oberförsterei„Grüne- wald" liegt. Das Terrain soll unter so ungewöhnlich gün- stigen Bedingungen erworben worden sein, daß in der außer- ordentlichen Generalversammlung des Vereins erklärt wurde, man wage gar nicht, das öffentlich zu sagen. Sonst könnte, wurde hinzugefügte an der zuständigen Verwaltungsstelle vielleicht die Meinung entstehen, daß das dem Verein er- wiesene Entgegenkommen doch zu weitgehend gewesen sei. Das soll Wohl heißen: man will nicht dem Fiskus das Entgegen- komnien, zu dem er sich mal hat bereit finden lassen, dadurch vergelten, daß nian ihm für seinen Grunewaldausverkauf die Preise verdirbt. Der Bau der für 250 bis 300 Krüppel kinder berechneten Anstalt, in der alle Forderungen der Krüppelheilkunde berücksichtigt werden sollen, wird bedeutende Kosten verursachen. Die Aufbringung der Mittel soll dadurch erleichtert werden, daß die auf Mitbenutzung der Anstalt an gewiesenen großen Gemeinden— Berlin und einige Vor orte— für eine Amortisationshypothek die Verzinsung garan tivren. Infolgedessen hat jetzt das Statut des Vereins dahin geändert werden müssen, daß in seinem Verwaltungsrat die beteiligten Gemeinden Sitz und Stimme erhalten. Ueber die Einrichtung der neuen Anstalt wurden in der Generalver sammlung einige Angaben gemacht. Eine Rampe ohne Stufen wird es den Krüppeln erleichtern, aus dem Anstaltsgebäude ins Freie Hinauszugelangen. Auf dem in den Grunewald hineingreifenden Teil des Anstaltsgrundstückes, dessen Baum- bestand möglichst erhalten bleiben soll, werden Spielplätze und Sonnenbäder angelegt. Nach Schluß der Versammlung besichtigten die Teil nehmer unter Führung der Aerzte die alte Anstalt auf einem Rundgang, der aus dem Turnsaal, durch die Kranken- säle in den Operationssaal führte. Dem Besucher bot sich manches erschütternde Bild unglücklicher Kinder, die teils schon von Geburt an verkrüppelt waren, teil in früher Kind- heit durch Lähmung, Rhachitis, Knochentuberkulose usw. die Verkrüppelung erworben hatten. Aber die Erläuterungen der Aerzte gaben die Gewißheit, daß durch eine zweckmäßige Be- Handlung, wie sie allerdings bei schwereren Fällen nur in einer solchen Anstalt möglich ist, zahlreiche Verkrüppelun- gen geheilt oder wenigstens weit gebessert werden können. Die moderne Orthopädie, die in schwereren Fällen durch Operationen,„unblutige" oder auch „blutige" unterstützt wird, hat längst den alten Volksglauben widerlegt, daß Krüppelleiden unheilbar seien. Die Arbeit an verkrüppelten Kindern ist auch sehr lohnend, weil die aller meisten von ihnen durchaus normal sind und brauchbare Men scheu werden können, wenn ihr Krüppelleiden geheilt oder gemildert wird. Manche der Kinder, die wir in der Anstalt sahen, waren übrigens trotz ihrem Leiden von einer Heiter- keit und Fröhlichkeit, wie man sie sonst nur bei gesündesten Kindern findet. Die Glücklichen wissen noch nicht, wie un- glücklich sie werden, wenn es der Kunst der Aerzte nicht gelingt, ihnen zum notdürftigsten Gebrauch ihrer Glieder zu verhelfen. Erschütternd wirkte die unbefangene Fröhlichkeit eines Mäd- chens, das ohne Hände zur Welt gekommen ist. An dem Stumpf des einen Armes haben die Aerzte aus einem knor- peligen Fleischklumpen, zu dem die unausgebildete Hand verkrümmt war, ein paar plumpe Finger herausmodelliert. Das Kind kann mit diesen Fingern greifen und— so wurde angegeben— sogar ein wenig schreiben. Die Anstalt hat auch Werkstätten für Schneiderei, Schuhmacherei. Korbflechterei, Näharbeit, in denen die Kinder nach Vollendung der Schul- Pflicht ausgebildet werden, so daß sie möglichst e r w e r b s- fähig ins Leben hinaustreten können. Bis in die Werkstätten führte der Rundgang leider nicht. Sie sind im obersten Geschoß untergebracht und ihre Einrichtung läßt erkennen, daß es in der Tat höchste Zeit ist, das alte und ver- altete Anstaltsgebäude aufzugeben und sich ein neues Heim »u schaffen. Philharmonisches Orchester. Die fünf Winterkonzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters finden an folgenden Abenden statt: 27. Dezember 1912, Bockbrauerei, 2. Januar 1913, Brauerei Königstadt, 17. März 1913, Concordia-Säle, 20. März 1913, Brauerei Königstadt, 22. März 1913, Brauerei Friedrichshain. Billetts sind zu haben bei der Berliner Gewerkschafts- kommission, Engeluser 15, in der Zeit von 11—1 Uhr und 6—8 Uhr, im Zigarrengeschäst von Harsch, Engelufer 15, im Bureau des vierten und sechsten Wahlkreises und in der Zeitungsausgabestelle Kirchbachstraße 14. Bus dem neuen Etat des städtischen Schlacht- und Viehhofes egibt sich, daß der Auftrieb nach dem Viehmarkt im ersten Halbjahr 1912 gegen das erste Halbjahr 1311 sich bedeutend verringert hat, und zwar um 215 Fresser, 1034 Schafe, 10691 Kälber und 16 555 Rinder. Nur Schweine haben um 3226 zugenommen. Bedenkt man, daß in den letzten Jahren ein ständiger Rückgang des Auftriebs zu verzeichnen war, so kann man die genannten Zahlen erst richtig würdigen. Wenn wir nur bis zum Jahre 1309 zurückgehen, so ergibt sich ein Rückgang im ersten Halbjahr von 278 Fresser, 37 457 Schafen, 16 619 Kälbern und 24 140 Rindern in vier Jahren. Zieht man dazu in Betracht, um wieviel die Einwohnerzahl in Berlin in der genannten Zeit zugenommen hat, dann ersieht man erst, um welches Quantum die Fleischnahrung des einzelnen zurück- gegangen sein muß. Der Rückgang tritt aber noch krasser in die Erscheinung, wenn inan bedenkt, daß die besitzende Klasse ihre Fleisch- nahrung sicher nicht eingeschränkt hat. Dazu kommt noch folgender Umstand: Viehmarkt und Schlachthof ist etwas sehr Verschiedenes. Eine ganze Menge Vieh geht wieder nach auswärts. Betrachten wir die Zahl der wirklichen Schlachtungen, so ergibt sich, daß im ersten Halbjahr 1912 die Schlachtungen sich gegen dieselbe Zeit im Jahre 1911 um 1831 Fresser, 9898 Kälber. 12 366 Rinder. 13 059 Schweine und 18 953 Schafe verringert haben. Diese Zahlen bei fortwährend steigender Bevölkerung sprechen Bände, aber— „unsere Wirtschaftspolitik ist eine gesunde", sagt der Philosoph von Hohenfinow, der leider auch Reichskanzler ist. Reue Fahrpreise beim Omnibus. Auf der Luxustorwagen- Linie Zeughaus— Halenfee verlängert die Allgemeine Omnibus- gesellschaft auf den Wunsch der Fahrgäste die jetzige Teilstrecke Ring- bahnhof Halensee— Corneliusbrücke bis zum Lützowplatz. Die Teil- strecke Zeughaus— Corneliusbrücke bleibt bestehen. Beide Strecken kosten 25 Pf. Auf der geänderten Automobillinie 24 Görlitzer Bahnhof— Brunnenstraße sind Teilstrecken zu 10 Pf.: Görlitzer Bahnhof— Aleranderplatz, Oranienplatz— Kaiser-Wlhclm-Strahe, Moritzplatz— Wemmeister- und Rosenthaler Straße, Köpenicker Straße— Jnva- lidenftaße und Holzmarktstraße— Demminer Straße. Die Wagen gehen werktags vom Görlitzer Bahnhof von 5.15 bis 12.55, von der Demminer Straße von 5.21 bis 1.01 Uhr. Di« Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften im Gewerk- schaftshauS ist heute von 4—8 Uhr geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. Eine Bande von Fuhrwcrksdicben treibt es. in der letzten Zeit so arg, wie nie zuvor. Obwohl die Kriminalpolizei besondere Maß- regeln gegen die„Spezialisten" getroffen hat, so ist es ihr doch noch nicht gelungen, ihrer habhast zu werden. Nur ein Beteiligter Verletzungen, daß sie noch'aiif dem Trastsport nach dem Kranken- konnte bisher ermittelt werden. Es ist ein Arbeiter Hermann! ��s� Westend verstarb. Die Persönlichkeit der Toten ließ sich Blutsturz befallen und brach besinnungslos zusammen. Kollegen riefen sofort telephonisch einen in der Nähe wohnenden Arzt herbei/ vor dessen Eintreffen P. jedoch bereits verstarb. Ein Aeroplan i» den Wannsce gestürzt. Ein Unfall, wie er aus dem Gebiete der Aeronautik nur vereinzelt dasteht, hat fich gestern nachmittag auf dem Wannsee ereignet. Gestern inittag war auf dem Döberitzer llebungsplatz der Leutnant Ladewig mit zwei Passagieren zu einer Fernfahrt nach dem Flugplatz Johannisthal aufgestiegen. Er fuhr auf einer Rumplertaube und hatte zwei Herren als Pasta- giere bei sich. In der Nähe von Wannsee bewegte sich der Flug- apparat in einer Höhe von etwa 550 Metern, als L. die un- angenehme Entdeckung machen mußte, daß der Motor plötzlich defekt geworden war. Er war nun zu einer �Notlandung ge- zwungen. Als der Apparat zu einem Gleitflug abwärts ge- richtet wurde, glaubte der Führer, er könne den Aeroplan. der über dem Wannsee schwebte, noch sicher am Ufer zum Landen be- kommen. Er hatte sich jedoch in seiner Abschätzung verrechnet. Als die Taube noch etwa 60 Meter vom Ufer entfernt war. stürzte sie fast senkrecht in den Wannsee. Die drei Insassen waren zum Glück vorzügliche Schwimmer. Sie machten sich so schnell als möglich frei und schwammen ans Ufer. Der Aeroplan, der auf dem Wasier schwamm und dann unterzugehen drohte, wurde mit Hilfe eines Schleppdampfers dem Lande zugeführt und in Sicherheit gebracht. Er hat bei dem Unglücksfall nicht allzusehr gelitten, so daß er bald wieder flott sein wird. Im Straßengetricbe lebensgefährlich verunglückt ist gestern abend ein Mann von etwa 40 Jahren, der noch nicht bekannt ist. Als er vor dem Hause Friedrichstr. 76 den Fahrdamm überschreiten wollte, geriet er vor eine besetzte Kraftdroschke und wurde überfahren. Der Verunglückte erlitt schwere innere Verletzungen und liegt in der Charite, wohin er sofort gebracht wurde, noch besinnungslos danieder. Papiere, die man bei ihm fand, lauten auf den Namen eines Arbeiters Hermann Liedloff. Ein schwerer Unglücksfall hat sich Freitag abend 7 Uhr im Hause Dilcksenstr. 31 zugetragen. Dort stürzte der verheiratete 35jährige Hausverwalter Stelter von einem oberen Stockwerk in den Fahistuhlschach: und blieb im Keller schwer verletzt liegen. Ein in dem Hause angestellter Hausdiener hatte den Vorfall sofort bemerkt und konnte der Schwerverletzte, der sich einen doppelten schweren Bein- bruch zugezogen hatte, alsbald nach dem Krankenhaus geschafft werden. Ei» Raubanfall, den ein ungefähr 20 Jahre alter Radfahrer mit großer Frechheit ausführte, bedarf noch der Aufklärung. Als am Freitagmittag ein Bote der Union-Lernmittel-Gesellschaft den Belle- Allianceplatz überschritt, um 2100 M., die er in einer Aktentasche bei sich trug, nach der Bank zu bringen, wurde er von einem Radfahrer, der in schneller Fahrt ankam, absichtlich umgeworfen. Dabei griff der Radler nach der Tasche, schwang sich wieder auf das Rad und fuhr damit davon. Er entkam auch, ehe der Ueberkallene an die Verfolgung dachte. Der Räuber trug einen blauen Anzug und ein grünes Liefertuch über den Rücken. Daraus geht herver. daß er Be- fchästigung hat. Geschäftsleute oder sonstige Personen, die über diesen Menschen etwas Näheres mitteilen können, wollen dies schrist» lich oder telephonisch im Zimmer 62 des Polizeipräsidiums run. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern abend gegen 7 Uhr in Charlottenburg. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes vor dem Hause Wilmersdorfer Str. 67 wurde eine ältere Frau von einem Straßenbahnwagen, dessen Nahen sie übersehen hatte. angefahren und zu Boden geschleudert. Hierbei erlitt sie so schwere Krumholz aus der Zellcstraße, der unter dem dringenden Verdacht der gewerbsmäßigen Hehlerei dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Die Bande unterscheidet sich von anderen Fuhrwerksdieben dadurch, daß ihr an den Wagen und Pferden selbst nichts liegt. Sie hat es vielmehr lediglich auf die Ladungen abgesehen, bringt diese rasch irgendwo unter und läßt dann das bespannte Fuhrwerk an irgend einer Straßenecke kurzerhand stehen. Eine besondere Vor liebe scheinen diese„Spezialisten" für Wäsche zu Haben. In den letzten Wochen allein sind ihnen nicht weniger als 7 ganz« Wagen- ladungcn Wäsche in die Hände gefallen. Wagen und Pferde wurden auch in allen diesen Fällen wiedergefunden, die große Beute dagegen ist bis auf einen ganz geringen Teil spurlos verschwunden. Dieser kleine Teil wurde bei Krumholz in der Wohnung gefunden und beschlagnahmt. Er behauptet, wie all« Hehler, die Sachen von einem unbekannten Manne gekauft zu haben. Bei ihm auf dem Flur fand man außerdem noch eine große Lttste mit Zuckerwaren, über deren Herkunft er überhaupt nichts wissen will. Daß die Bande, wenn sie auch am liebsten Wäsche nimmt, doch nicht wähle risch ist, beweisen andere große Diebstähle. So erbeutete sie in der Alexandrinenstraße 1500 Liter Sprit, in der Kaiser-Wilhelm Straße eine Wagenladung Kohl und Birnen, an der Ecke der Romintener und Simon-Dach-Straße eine Ladung Butter, in der Bcllevuestraße einen Wagenballen im Werte von 1000 M. und in der Fennstraße sogar eine Ladung Mauersteine. Das Gespann, auf dem sie diese entführte, wurde iw der Nähe am Virchow Krankenhause leer wiedergefunden. Der Verbleib der Steine aber ist noch ebenso wenig aufgeklärt, wie der der anderen Sachen. Die Fuhrwcrksdicbe verschmähen aber auch Handwagen nicht. Nur muß ihnen auch hier die Ladung wertvoll genug erscheinen. Schon seit einigen Wochen bringt jeder Tag durchschnittlich ein halbes Dutzend solcher Handwagendiebstähle, bei denen es auf die Ladung abgesehen ist. Erst vorgestern wieder erbeuteten die Diebe vor dem Hause Brüderstr. 16 eine Handwagenladung. Taschentücher. die 800 M.>v«rt ist, und gestern gar vor dem Hause Neue Grün straße 30 für 3000 M. Haarbänder und Schmucksachen. Es ist anzunehmen, daß die Bande ein Versteck hat�in dem sie ihre Beute zunächst verbirgt, um sie bei Gelegenheit in kleineren Posten abzu- setzen. Zur Aufklärung des ganzen Treibens wäre es dringend erwünscht, daß ein Mann, der am 1. November nachmittags in der Eldenaerstraße mit einem uniformierten Schutzmann über Hand- wagen- und Fuhrwerksdicbsiähle sprach, sich bei der Kriminal- Polizei im Zimmer 47 des Polizeipräsidiums meldet«. Unter dem Fallhammer zerschmettert. Ein entsetzlicher Be- triebsunfall hat sich in der Gaßmannschen Fabrik in Borsigwalde ereignet. An dem großen Fallhammer, der durch einen Motor an- getrieben wird, war eine Reparatur auszuführen und Freitag abend war der Motor abgestellt worden, damit der 20jährig« Schlosser Wilhelm Nicksch, Weberstr. 9 wohnhast, die Reparatur ausführen konnte. Der junge Mann war mitten bei der Arbeit, als durch ein verhängnisvolles Versehen der Motor plötzlich wieder angetrieben wurde. Im nächsten Augenblick sauste der ungewöhnlich schwere Hammer nieder und schmetterte den Arbeiter, der gerade darunter gestanden hatte, zu Boden. Dem Aermsten wurden die Arme und Beine furchtbar zugerichtet. Auch der Brustkasten geriet unter dem Hammer und wurde teilweise eingedrückt. Auf die Schmerzens- schreie des Verunglückten wurde der Biotor schleunigst wieder ab- gestellt, der Hammer hochgezogen und N. aus seiner qualvollen Lage befreit. Er wurde nach dem Paul-Gerhard-Stift gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. noch nicht feststellen. Ihre Leiche wurde nach dem Schauhauseigch- bracht. Die Unbekannte, eine Frau von etwa 65 Jahren, befand sich auf dem Heimwege vom Einkaufen, denn sie hatte eine schwarze Tasche mit Fleischwaren bei sich. Bekleidet war sie mit einem dunkelgrünen Umhang. Im städtischen Obdach wurde gestern wieder ein Mann vom Tode überrascht. Er starb gegen 7 Uhr abends, kurz nach der Auf- nähme, ganz plötzlich, wahrscheinlich am Herzschlag. Der Ver- storbene, dessen Leiche nach dem Schauhause gebracht wurde, ist etwa 49 bis 60 Jahre alt und besaß Papiere auf den Namen eines Arbeiters Ferdinand Krüger. Der sprechende Kater. Im ZirkuS Busch soll von heute a» dem Publikum ein Kater vorgeführt werden, dem nachgerühmt wird, sprechen zu können. Man hat schon von dem sprechenden Hund, dem singende» Esel, dem rechnenden Pferd gehört, aber ein Kater, der sprechen kann, ist doch etwas Neues. Und darum begaben wir unS auch gestern mittag einer Einladung folgend, nach dem Zirkus Busch, Ivo Peter Alupka— das ist der Name deS Katers— einem geladenen Publikum vorgeführt werden sollte. Es war zwar nicht viel, was Peter uns da vorsprach und man muß schon recht Obacht geben, um zu erkennen, daß Peter seiner Herrin die Laute„Helene". „Anna",„Hurra", Hurra",„Tralala tralala",„Nein",„haben" nachsprach: immerhin aber ist dieser Karer. der sich das Miauen schon abgewöhnt hat, ein recht gelehriges Tier, dem seine Herrin, eine Hamburger Zahnärztin, mit vieler Mühe die einzelnen Laute und Worte beigebracht hat. Arbeiter-Bildungsschule. Aus den Gerhart Hauptmann» Abend heute abend 6 Uhr im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 78, machen wir auch an dieser Stelle aufmerksam. Die Vorträge be« ginnen spätestens C'/g Uhr. Die Generalversammlung der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend findet morgen Montagabend 8 Uhr in der Neuen Welt in der Hasenheide statt. Bei der Bedeutung der Generalversammlung für die fernere Gestaltung des Berliner Genossenschaftswesens ist der Besuch der Mitglieder dringend erwünscht. Das Kasino-Theater wartete am Freitagabend mit einem neuen Programm auf. Die Direktion hat diesmal zu einer Neuauflage einer alten Berliner Lokalposse gegriffen:„Am grünen Strand der Spree" betitelt, die von L. Ely und A. Berg für das Kasino- Theater zurechtgezimmert worden ist. Dank des vorzüglichen Spiels, bei dem wieder Herr Hcinr. Berg die Hauptrolle hatte, unterhielt sich das Publikum in der vortrefflichsten Weise. Der Spezialitätcnteil bringt einige recht gute Nummern, von denen der musikalische Akt der Tely Poly-Compagnie besonders erwähnt sei. Der Zoologische Garten hat dieser Tage eine Weißgesichteule erhalten, die ihrer Kleinheit wegen im Neuen Vogelhause unter- gebracht ist. Diese seltene afrikanische Zwergohreule ist durch ihre lebhafte Färbung besonders auffallend und zeigt namentlich i» Gesicht eine abgesetzt schwarz und weiße Zeickwung, aus der die gelben Augen leuchtend herausschauen. Das noch etwas ängstliche Tier nimmt bei der Annäherung von Menschen noch regelmäßig eine Abwehrstellung an. Am heutigen toonniag, dem ersten im Monat Dezember, kostet der Eintritt während des ganzen Tages für Erwachsene und Kinder 26 Pf. pro Person. Ans der Treptow-Sternwarte spricht Dir. Dr. F. S. ArchenhoÜ» am Sonntag, den 1. Dezember, nachmittags 6 Uhr, über:„Die Bewohnbarkeit der Welten" und Montag, abends 7 Uhr, über:„Die ! beiden Grenzwächter im Planetensystem Uranus und Neptun" ' Ivm nrnfcm �rrtriVfir hiirh nm Ktp NpnnL itnh /rftpnha 6 Mit _» c..._... dem großen Fernrohr wird am Tage die Venus und abends Satur» Be: der Arbeit vom Tode überrascht wurde am Sonnabend der � Neptun gezeigt. 27jährige Buchdrucker Willi Petzold aus der Grünthaler Str. 16. i'■~ Als P., der seit einigen Jahren bei der Kunstanstalt Meisenbach. � 5J" VV«* m�-nrnfin«„«nÜfSS T TVZ �"SV", � jTlS fetner Arbeitsstelle erschienen war und gleich darauf seine Arbeit ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Schleuß. Schönhauser ifi ängriff genommen hatte, wurde er j-lojzlich von einem heftigen Allee 42, rechter Seitenflügel IV rechts, abzugeben. Vorort- Nadmchtem Charlotteuburg. Fiirsorge fttr dir Kleinkinder, d. h. für die Kinder vom!. bis 6. Lebensjahre hat neben der Sauglingsfursorge die Stadt Chor- lottenburg seit dem 1. April 1911 eingerichtet. Grade für diese Altersstufe, in der die Grundlagen für die körperliche und geistige Entwicklung gelegt und der Kern für manche spätere Erkrankung aufgenommen wird, ist eine sorgfältige ärztliche Ueberwachung dringend geboten. In jeder der Charlottenburger Sänglingssürsorge- stellen werden besondere Wochensprechstunden für Kinder vom 1. bis zum vollendeten 6. Lebensjahre abgehalten. In diesen Sprech- stunden werden in regelmäßigen Zwischenräumen zunächst solche Kinder, die bis zum vollenderen 1. Lebensjahre bereits die Säuglings- sürsorgestelle besucht habe», weiter vorgestellt. Zugelassen werden zu diesen Sprechstunden jedoch alle Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren, auch wenn fie vorher die Säuglingssürsorgestelle nicht besucht haben. Mütter und Pflegemütter erhalten in diesen Sprechstunden unent- gelilich spezial-ärztlichen Rat über die für das Gedeihen des Kindes gebotenen Maßnahmen und die Vermeidung von Schädlichkeiten. Diese Kleiulindersprechstunden werden an folgenden Tagen ab- gehalten t�l. Säuglingssürsorgestelle I, Berliner Str. 137: Mittwoch, 2—3 Uhr; 2. Säuglingssürsorgestelle II, Wilmersdorser Str. III: Dienstag, 2—3 Uhr; 3. SäuglingSfüriorgestelle III. Scharrenstr. 82: Freitag. 1—2 Uhr; 4. SäuglingSfürsorgestelle IV. Nehringstr. 11: Dienstag. 2,/s— S'/a Uhr; 5. Säuglingssürsorgestelle V, Kaiserin« Augusta-Allee 102: Dienstag, 2—8 Uhr; 6, Säuglingssürsorgestelle VI, Kaserin-Anguste-Viktoria-HauS. Mollwitzstratze: Mittwoch. 2-3 Uhr. Die Mütter und Pflegemütter, die zugleich«inen Säugling und ein größeres Kind in der Fürsorgestelle vorstellen wollen, könne» ausnahmsweise auch die größeren Kinder in der Säuglingsiprech- stunde mitvorstellen. Die Einrichtung der Fürsorge für die Klein- kiuder hat sich bisher sehr gut bewährt und kann den Müttern und Pflegemüttern der Kinder zum eifrigen Besuch nicht dringend genug empfohlen werden. Friedenau. Zn einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich eine am Donnerstag im Kaifer-Wilhelmgarten" einberufene öffentliche Ver- saminlung, in der die Genossen Dr. B r e i t s ch e i d und Adolf Hoff- man» über:..Volk, Christentum und Krieg" und über:..Miß- brauch der Religion zur Unterdrückung des Volkes" sprachen. Zum ersten Male wurde in Friedenau eine öffentliche Versammlung wegen Ueberfüllung des Saales polizeilich gesperrt. Eine Maß- nähme, die allerdings mehr dem Uebereifer nnseres erst vor kurzem aus Halle importierten Polizeikommissars, als einem wirklichen Bedürf- nis entsprang. Eine große Anzahl von VersammlungSbeinchern mutzte aus diesem Grunde umkehren, andere besetzten den Garten, um durch die Fenster den trefflichen AnSführungen der Vortragen- den zu lauschen. Die denselben gezollten stürmischen Beifallskund- aebungen setzten sich bis in den Garten fort, was bei unserem satten friedlichen Pfahlbürgcrtum Entsetzen auslöste. Von den Einbe- rufern waren an neun Geistliche aus Steglitz und Friedenau Ein- ladungsschreiben geschickt worden. Drei der Herren, und zwar die OrtSaeistlichen von Friedenau, waren dieser Einladung, in der volle Redefreiheit zugesichert wurde, gefolgt, um— wie ein jeder Versammlungsteilnehmer annehmen mutzte, ihr von den Referenten stark kritisiertes Kirchen-Christentum zu verteidigen. Dies mag tvohl auch zuerst die Absicht der Herren gewesen sein, denn man sah sie eifrig Notizen machen. Als jedoch die Hiebe immer hageldichter auf das offizielle Staatschristentum hcrniedersausten, als durch den Genossen Breitscheid die Heuchelei der Staatschristen in der Kriegs- frage in das rechte Licht gerückt wurde, und als Adolf Hoffmann mit erdrückendem Material nachwies, dah die christliche Kirche feit Konstantin dem Großen stets auf der Seite der VollSbedrücker und Volksausbeuter gestanden habe, da wurde den Herren denn doch etwas bänglich zumute. Der Bleistift, der zuerst so flink über den Notizblock glitt, stellte nach und nach seine Tätigkeit ganz ein, und — was niemand für möglich gehalten hätte— die sonst unter Freunden so streitbaren Gotteömänner schlugen sich stillschweigend seitwärts in die Büsche. So blieb eS denn dem Versammlungs- klown der westlichen Vororte, dem auf der Reichsverbandsfchnle dressierten nationalen Arbeiter Hennig, vorbehalten, die Mohren- Wäsche am Christentum vorzunehmen. Der Aermste wird für die Art, wie er sich seiner Aufgabe erledigte, bei den geflüchteten Seel- sorgern wenig Dank ernten. Nachdem er zur Entleerung seines Neichsverbandszitatensackes die Zeit der Versammlung gut drei- viertel Stunden in Anspruch genommen hatte, verfiel er ganz von selbst der Lächerlichkeit. Die Vortragenden brauchten nur die direkten Unwahrheiten, die er vorgetragen, festzunageln. Bemer- kenswert sind noch zwei Schreiben, die von den Pastoren Schröder und Bagan aus Steglitz an den Genossen Hagen als Einberufer geschickt sind. Herr Schröder schreibt kurz und bündig, daß die Unterschiede zwischen seiner Weltanschauung und der der Ver- sammelten so groß seien, daß eS zwecklos sei, eine Diskussion in einer öffentlichen Versammlung herbeizuführen. Herr Bogan hielt es fiir ratsamer, einen Brief an den Einberufer zu schreioen. den wir seines besonderen Inhalts wegen hier wiedergeben möchten: Sehr geehrter Herr! Für Ihre Einladung für die öffentliche Versammlung danke ich ihnen bestens. Teilnehmen kann ich an derselben nicht, da ich nicht gerne meine Zeit und Worte zwecklos verwende. Leider sind die Sozialdemokraten bei uns noch nicht so weit, daß man mit Ihnen in öffentlicher Versammlung über dies Thema reden kann. Die großen und kleinen Führer wollen, die anderen aber dürfen die Worte eines Predigers nicht würdigen. Es ist tief bedauerlich, daß ehrliche deutsche Männer sich von Juden, und noch dazu von den unsympatischsten Vertretern ihrer Rasse, ihr Vater- land verhaßt machen und ihre Religion— die jüdische natürlich ausgeschlossen— verekeln lassen. In England, in der Schweiz, in Schweden, in Dänemark hätte es einen Zweck, mit Sozialdemokraten über diese Fragen zu diskutieren. Ergcbcnst Pastor Bogan. Wenn Hcrr Bogan in dem Brief nichts anderes zu sagen wußte, als sich in Antisemitenmanier über die Juden aufzuhalten, so hat er damit seiner Kirche gerade nicht den besten Dienst erwiesen. Neukölln. Die BetrieiSeröffnung ver städtischen Bode- und Schwimm- «nstalt soll einem Beschluß der hierfür eingesetzten Deputation zufolge am 1. Oktober 1913 erfolgen. Die voraussichtlichen Ausgaben und Einnahmen der Badeanstalt im ersten Halb- jähr Oktober 1918 /März 1914 werden nach der vorgelegten Uebersicht auf je 53000 Mark festgesetzt.— Bezüglich der BauauS- fllhrung wurde beschlossen, die Älühlichtbäder für männliche und weibliche Personen gesondert, ferner römisch-irische Bäder für beide Geschlechter bei getrennten Badezeiten einzurichien. den russisch- römischen Bädern möglichst direkten Zugang zum Schwimmbassin zu geben und die Einnchiung eines Sonnenbades in Erwägung zu ziehen.— Die Stelle des Badeanstaltsinspektors soll sofort ans- geschrieben werden. Gehalt 3200—3200 Marl, steigend zweimal mn 400 Mark, viermal um 800 Mark, abzüglich 700 Marl für freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung. Dienst- antritt zum 1.'. 1018,— Die Frage der Warmwasser- Versorgung der Anstalt, für die eine Fernheizung vom Elektrizitäts- werk in Aussicht genommen ist, soll in gemeinschaftlicher Sitzung der Hochbau« und der Badeanstalts-Deputation beraten werden. Der Andrang zu der am 17. November stattgefundenen Märchen- aufführung„Die Zwergenpost" war so stark, daß viele Eltern mit ibren Kindern keinen Entlaß erhalten konnten. Es findet daher am 15. Dezember, nachmittags 3 Uhr. bei Hopp«, Hermannstraße, eine Zweite Aussührunz statt Billetts für Erwachsene a 30 Pf.. Kinder a 15 Pf. sind zu haben bei Hoppe, Restaurant, Hermannstr. 40. Restaurant Richter, Weisestr. 5, Gemmecker, Restaurant, Kaiser-Fnedrich-Str. 232/883. Petri. Restaurant, Knesebeckstr. 113, und bei den Mitgliedern. Pankow. Die Gemeindevertreinng beschlost in ihrer letzten Sitzung zu- nächst die Errichtung neuer Lehrerstellcn an den Gemcindeschulen zum t. April 1913. Des weiteren hatte sich die Vertretung mit dem Inkrafttreten des neuen Angestelltenversichernngsgcsetzcs am 1. Januar 1913 zu beschäftigen, da ein erheblicher Teil der bei der Gemeinde Beschäftigten unter dieses Gesetz fällt. Es galt die Frage zu entscheiden, ob eine dem Gesetz genügende eigene Pen- sionskasse gegründet werden sollte oder ob sich die betreffenden Be- amten der vom Gesetz vorgesehenen Versicherung anschließen sollen. Tie anteiligen Beitrage betrage» etwa 4000 M. Die Verwaltung sowie die Finanzlomnuisio» schlugen, da durch eine c-gene Pen- sionskasse für die Angestellten nicht unerhebliche Nachteile e»t- stehen, außerdem die ganze Materie„och sehr wenig geklärt sei. vor. bei dem gesetzlichen Zustand zu verbleiben, d. h. daß jeder Teil den halben Beitrag zahlen soll. Unser Redner erklärte sich mit der einstweiligen Aussetzung der Beschlußfassung einverstanden, bat je- doch, die ganzen Beitrage auf die Gemeinde zu übernehmen, ya doch die Gehälter eines Teiles dieser Äaiegone von Angestellten nach eigener Angabe des Herrn Bürgermeisters sehr geringe seien. Die Versammlung stimmte dem oben angegebenen Beschluß der Finanzkommission gegen eine Minderheit zu. Mit der Einführung der Krankenversicherung durch die Reichs- versichcrungSorduung fällt dem Eemeindcverbande die Aufgabe zu. festzustelleii. ob eine eigene Landkrankenkasse gegründet oder diese der schon bestehenden Ortskrankenkasse angegliedert werden soll. Auf eine Anfrage unserer Genossen erklärte Bürgermeister Kühr, daß das Bersicheningsamt bereits eine Vorlage ausgearbeitet habe, dieselbe soll iiächstens vorgelegt werden.— Das gewaltige An- wachsen der Einwohnerzahl des Ortes auf 55 000 macht endlich die Unilvandlung deS veralteten Meldesystems notwendig. Es soll daher zu diesem Ziveck-ine moderne Kartotek eingeführt werden. Die Rieten betragen 5000 M. Schon einmal hatte die Bertretnng sich mit der Erhebung von Fremdenschulgeld für Reichsansländer zu beschäftigen. Damals war die Vorlage durch einen neckischen Zu- fall abgelehnt worden. Jetzt sollen 38 M. von allen ohne Berück- sichtigung des Einkommens erhoben werde». Unsere Genossen forderten Unentgeltlichkeit der Schule. Dieses Schulgeld bedeute ein Ausnahmegesetz für dieselbe» Ausländer, die unsere Unter- nehmer vom Auslande hereinlocken, um den Lohn der einheimischen Arbeiter zu drücken. Es sei nur recht und billig, diesen Betörten möglichst viel Bildungsmöglichkeit zu geben. Mit der Begründung, daß die 4000 M. Schulkosten wieder etwas gedeckt werden müßten. stimmte die Persammlung der Borlage zu.— Hierauf wurde noch der Anschluß des Pfarrhauses und des FeuerwehrgebäudeS an das Elektrizitätswerk beschlossen. Nieder- Schönhausen. Mit der Errichtung eines Hypothekenamte» hatte sich die letzte Gemeüidevertretersitzung zu beschäftigen. Bürgermeister Abraham bemerkt« hierzu, daß gegen das von der Kommission vorgelegte Statut keine Bedenken erhoben werden können, er empfehle daher. dasselbe en bloc anzunehmen. Hiergegen wandte sich Genosse H iege, der zunächst darauf hinwies, daß die Kommission sich seit Monaten damit beschäftigt habe; nun könne doch von den übrigen Vertretern nicht verlangt Werden, daß sie in drei Tagen mit der überaus schwierigen Materie vertraut seien. ES sm bedauerlich, daß kein Vertreter der dritten Klasse in der Kommission gesessen habe; die Kommission habe ein Tempo in dieser Angelegenheit«in- geschlagen, wie es bei der Frage der Arbeitslosenfürsorge nicht zu bemerken gewesen sei. Um sich besser über die finanzielle Trag- weite deS Statuts informieren zu können, ersuchte unser B-rtreter. die Angelegenheit zu vertagen, andernfalls werde er und seine Freunde gegen die ganze Vorlage stimmen. Ueber den VcrtagungS- an trag wurde erst gar nicht abgestimmt, sondern gleich in die Einzel- beratung eingetreten. Der Bürgermeister wandte gegen unseren Genossen ein. daß bei der Frage der ArbeitSlosensürsorge sich gezeigt habe,>daß nur der Staat helfe» könne. Uöb«rdi«L bestehe zwischen der Arbeitslosenfürsorge und dem Hypothekenamt der Unterschied, daß bei der ersten die Gemeinde mit Unkosten zu rechnen habe, während dies bei dem Hypothekenamt nicht der Fall sei. Bei der Beratung des ß 1 handelte es sich um die Festsetzung des Prozent- satzes, bis zu»velchem die Grundstücke beliehen werden dürfen. Die bürgerlichen Vertreter nahmen die Interessen der geldbedürftiaen Auch-Hausbesitzcr mit großem Eifer wahr, sie verlangten die Be- leihung der Grundstücke bis zu 80 Proz. Diese Forderung hielt Bürgermeister Abraham für zu hoch, da bei einem so hohen Prozent- satz die Genehmigung versagt werde. Nach längerer Debatte wurden 70 Proz. mit 9 gegen 5 Stimmen angeiiommen. Unsere Genossen stimmten dagegen, nachdem der formelle Antrag deS Genossen Hiege auf Vertagung vorher abgelehnt worden war. Ter§ 2 lautet: Be- liehen werden in der Regel nur solche im Gemeindebezirk gelegene Grundstücke, die entweder innerhalb der letzten 15 Jahre vor Stellung deS Antrage» auf Beleihung mit Wohnhäuser»' bebaut worden sind oder deren Bebauung begonnen ist. Hierzu hatte Ge- nosse Hellrich folgende fünf Aufatzanträge mit«iner kurzen Begründung gestellt: 1. Di« Eigentümer müssen am Orte wohnen; 2. Grundstücke, die ausschließlich oder zum überwiegenden Teil« ge- werblichen Zwecken dienen, dürfen nicht beliehen werben; 3,-s sollen niemals mehr als 5 Häuser an«in und demselben Besitzer be- liehen werden; 4. beliehen werden nur solche Häuser, die kleinere Wohnungen von höchstens 4 Zimmern enthalten; 5. Familien mit mehr al» fünf Kindern müssen als Mieter aüfgenommen werden. All« dies« Anträge wunden gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Ein ebenso wichtiger Punkt war die Festsetzung der Grundstückstaxe. Dies« bildet die Hauptgrundlag« sowohl zur Be- leihrnig wie auch zur Sicherheit der Gemeinde. Der Wert der Grundstück« soll durch Einholung einer Tax« von zwei vereideten Sachverständigen und eines Gutachtens des Gemeindebaumeisters ermittelt werden. Hierzu erklärt« der Bürgermeister, daß diese Forde- rung unter allen Umständen aufrecht erhalten werden müsse, dem wurde zugestimmt. Hierauf wurde mit Rücksicht auf die vorge- schritten« Zeit die wettere Beratung vertagt. Unter„Mitteilungen" gab der Bürgermeister bekannt, daß er bezüglich der Durch! egung der Straßenbahn durch die Bismarckstraß« sich an den Zweckverband gewendet und den Bescheid erhalten habe, daß die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gekommen seien. Die Einwohnerzahl be- trägt 17 707. Reinickendorf- West. Ein« Gemeiudevertretcr-Ersatzwahl für den Genossen Ohl findet am Sonntag, den 8. Dezember, für den Rest der Wahlperiode (81. März 1918) statt. Gewählt wird im 1. Bezirk der 8. Abteilung, bestehend an» dem westlichen Ortsteil ssogenannter Tegeler und Eichbornplan), der Humboldtstrabe, ausschließlich Nr. 1—25 und 77 bis Ende, und der Veltener Straße, ausschließlich Nr. 1—3. Die Wahl beginnt nachmittag? 1 Uhr und wird nach- mittags 5 Uhr gelchlossen. Der zu Wählende darf ein Nichtangesessener sNichlhauSbesitzer) sein. Als Wahllegitimation dient � die den Wählern zngeiändte amtliche Legitimationökart«, der letzte Sleuerzettel. Militärpapiere usw Für die Sozialdemokral,« kandidiert der Genosse Frauz Vahr, Berliner Straße 4. Weihensee. Eine schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern in der Brauerei der vereinigten Gastwirte des Nordens. Ter Arbeiter § ermann George, wohnhaft in der Gcneralstraße, der mit dem ahrstuhl Waren befördern wollte, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte in den offenen Schacht. Er zerschmettert« sich den Schädel und mußte in hoffnungslosem Zustande m da» Kranken- Haus gebracht werden. Friedrkchshagett. Nach achtwvchciitlicher Wartezeit ist endlich die Genehmigung zum Verkauf von russischem Fleisch vom Landwirtschaftsministerium eingegangen. Der Fleischverkauf findet voraussichllich schon in nächster Woche i», allen Spritzenhause i„ der Kirchstraße statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Wildau-Hoherlehme. Aus der Gemeindevertretung. Die Jahresabrechnung für käs abgelaufene Geschäftsjahr 1911/12 schließt in Einnahme und Aus- gäbe mit 198 984,69 M. bei einem Gewinnvortrag(für das Jahr 1912/13) von 27 922,32 M. ab. Im Vorjahre betrug ver 180 742 M. Einnahme und Ausgabe der Gewinn 38 4SI M. Die Aenderung des OrtsstatntS für die Fortbildungsschule wurde nach längerer TW u ist oi, an das beireffende Kuraiorium zur nochmaligen Be- ratung zurückverwiesen. Di« von unseren Genossen in einer der letzten Sitzungen beantragt« Regulierung der Maffei-Straßc, von den»euerbauten Beamtenhäusern bis Hoherlehme, wurde, nachdem sich die Straßeilbaukommission nochinals damit beschäftigt hat, de- schlössen. Hiernach wird das bergig« Gelände in zirka 7 Meter Breite abgetragen und der so gewomwne Weg für Fußgänger und leichte Gespanne durch Kies- und Schlackenschüttungen befcingt. Die Koste» hierfür betragen zirka 2800 M. In den neugevildcten Amtsausschuß deS AlntSoezirfs Deutsch-Wusterhausen hat die Ge- meinde 5 Ausschußmitglioter von 13, auf die Dauer von 6 Jahren zu wählen; neben dem Gemeindevorsteher und den jeweiligen Schöffen wurden noch Dir. Dr. Jhloher und Genosse Scholz gewählt. Bei ver hierauf folgenden Wahl eines unbesoldeten Gcmeindevor» sichers wurde der bisherig« Lorsteher Herr Haselsf mif die Tauer von 8 Jahren einstimmig wiedergewählt. Vor sechs Jahren wurde diese Wahl � Giimmengleichheit durch das LyoS entschieden. Gegenkandidai war seinerzeit der von der Firma Echwartzkopsf auf- gestellt« Regierungsbaumeister Witihäft. Ferner wurde noch als jiellvertretender«chofse der Landwirt Paul Mertens gewühlt. Oranienburg. Eine Weihnachtsbeschernng für zirka 600 Arbcitcrtinder veranstaltet in diesem Jahre am 22. Dezember in den Räumen„Wald- ftnus Sandhausen", Schützenstraß« 34, der Sozialdemokratische Wahlverein. Teils durch üiusivendungen eigener Mittel, teils da- durch, daß ein großer Teil der hiesigen Geschäftsleute zu diesem edlen Werl durch reichliche Gaben beigetragen hat, ist eine solche Bescherung in Gestalt von nützlichen, zur Winterszeit besonders ge- eigneten Gegenständen für die Kinder der hiesigen Arbeiterschaft zustand« gekommen. Bei der großen Anzahl der Kinder und deren Eltern, wie auch dadurch, dah ein erheblicher Teil der Spender er- scheinen werden, um dieser Feier beizuwohnen, hat es sich not- wendig gemacht, die Bescherung der Kinder zu verschiedenen Zeiten vorzunehmen, sodaß die Neuistadi und Alts ladt getrennt beschert werden. Als Trewnungslinie gilt die Havel. Das vorläufige Pro- gramm ist wie folgt festgelegt: Für die Kinder jenseits der Havel beginnt die Feier pünktlich nachmittag» 2 Uhr; diesseits der Havel abends 6 Uhr. Jede Feier wird durch ein Konzert eins«>eitet, hierauf folgt ein« von Kinder» veransbaltei« WeihnachtSauffuhrung betitelt:..Der Proletarierkinder WeihnachtStraum". Darauf Weih- nachtegesäng« der Kinder und Verteilung der Geschenke. Zum Schluß findet für die Kinder gemeinsam« Kaffeetafel statt. Bemerkt sei. daß auch alle sich an diesen Tagen hier aufhaltenden Durch- reisenden(sogenannte HanbtverkSburfchen) an der Bescherung teil- nehmen, für die in notdürftigen Fällen getragen« Kleidungsstücke aufgebracht werden sollen. Di« Anmeldung der Kinder hat spätestens bis zum Mittivoch. den 4. Dezember d. I». im Lokal„DaldhauS Dandhausen". Schützenstraß« 84, zu erfolgen, a» welchem Tage eigen» zu diesem Zweck«ine Zusammenkunft abend» 8 Uhr stattfindet._ Sitzungstage von Stadt« und«Semelndevertretungen. Lichierfelve. Mviflin Montau, abend» 0 Uhr. im RathauSiaal.«c. mewdmrlreUilWung. Ruj der Taa«»ordiiung steht unter anderem: Befchluhfasiung über dieElnlprüche gegen bteWahl im Bezirk Osten. Diese Siyunnm find SfleniNch. Jeder«emeindeenhehlrtge«ß»«. rechtigt, ihnen»lS Zuhörer beizuwohnen. Euq aller Älelt. Der Siegessug der Cholera. Unter der Ueberfchrift«Der furchtbarste Feind" wird in de« .Franks. Ztg." von einem alten preußischen Offizier aus San Stefano eine Darstellung des furchtbaren Wittens der Cholera im türkischen Heere gegeben. Wir entnehmen der Schilderung die folgenden Einzelheiten: Bei unserer Ankunft in San Stefano packte uns das Bild des Choleraclends mit ganzer Gewalt. ES waren Züge mit Kranken eingetroffen, und diese unglücklichen Menschen lagen auf dem Eifenbahndamm, auf der Böschung, auf den Straßen, ja selbst aus Misthaufen, weil diese weich waren. Hier und da rollten Verscheidende wie Holzblöcke in Zuckungen von der Bahnböschung auf die Straße. Kein Mensch nahm Notiz von ihnen. Ihr winselndes und klagendes..Allahl" blieb ungehört. Alle und auch wir selbst waren abgehärtet gegen das große Sterben. Den Weg in unser Hotel mußten wir un» durch Sterbend« bahnen, deren blaugraue Gesichter keinen Aus- druck mehr zeigten. In den meisten Fällen hielten si« eine Zitrone umklammert, das einzige Mittel, welches man gegen dies« Krankheit anzuwenden scheint. Di« ganze Luft schien mit Krank- heitsstoff angefüllt zu sein; sie roch weichlich muffig. zum Erbrechen reizend. Unser Hotel hatte, abgesehen von einigen Jntendanturofftzieren. nur noch türkische Aerzte als Gäft«. Ein junger türkischer Arzt, der etwas deutsch sprach, näherte sich mir und bat. an meinem Tische Platz nehmen zu dürfen. Ich vermochte dl« Bitte nicht abzulehnen, obgleich mir der Arzt erzählte, daß er mit einem Transport Cholerakrankr an» Hademköi gekommen sei. Es war die» der Transport, den wir am Bahndamm liegen sahen. Von dem Sterben in Hademköi. fo sagte er. könneman sichkeinenBegriffmachen. Die Regierung habe den Fehler gemacht. Bataillone aus verseuchten Dörfern Astens einzuziehen, und diese hätten die Cholera in die Armee eingeschleppt. Der junge Mann sah selbst sehr schlecht auS, trotzdem er alle nur denkbaren Vorsichtsmaßnahmen gebrauchte. Während des Essens desinfizierte er Löffel. Messer und Gabel mit Zitronenschale, aß nichts ohne Zitronensaft und goß Milchsäure in sein Getränk. A,» nächsten Tage wollten wir wieder zusammen speisen, ober der Doktor kam nicht und einen Tag später hört« ich. dah auch ihn der große Würger hinweggerafft hatte. An demselben Tage sprach ich mit einem jungen, frischen Offizier, der mir strahlend erzählte, nun werde er auch noch an den Feind kommen, denn morgen reise er nach Hademköi. Jawohl, er kam an den ssftind. und zwar ohne lanae Reise. Die Türen de» CholcraKospital» haben sich hinter ihm geschlossen. Mich hie»«S nicht länger in dem verpesteten San Stefano. Mit zwei Korrespondenten, die ernS Konstantin opel gekommen tvaren, ritt ich zurück nach unserem gesunden Quartier in S k S m o S. Aber wir hatte sich da» Bild de» WegcS geändert I Wo vor wenigen Tagen gesundes Lagerleben herrschte, war der Lagerplatz vollständig besät mit Kleidungsstücken aller Art. Die merk. würdige Luft, die über dieser Stätte lagert«, sagte un» nur zu deutlich, welcher Feind an diesem Bilde tzi« Schuld trug. Mit bangen Vorahnungen näherten wir uns unserem Ort«. Wir sohen bor ihm eine Abteilung des roten Halbmondes im Lager. Neu» gierig und erstaunt sah man unS an, und wir sollten das Staunen bald verstehen. Der ganze Ort, den wir bor wenigen Tagen gesund zurückgelassen hatten, war aus- g e st o r b e n. Die Häuser hatte man, nach Ausheben der Fenster, um Luft zuzulassen, verschlossen. Auf dem Friedhof gruben Sani- tätSsoldatcn Massengräber. Sollten wir, die wir als die ersten Gast« vom Kriegsschauplatz den freundlichen Ort betreten hatten, den Kranlheitskcim eingeschleppt haben? Wer vermag das zu sagen. Stumm und in trüben Gedanken ritten wir den langen Weg nach San Stefano wieder zurück. «- q. Ht Wie ein Telegramm aus Konstant inopcl meldet, nimmt die Cholera in der türkischen Armee fortgesetzt ab, dagegen wütet sie in den Konstantionopeler Moscheen desto stärker. Aus der Hagia Sofia wurde» in den letzten Tagen täglich 200 Leichen herausgefördert. In entsprechendem Verhältnis werden sich die Todesfälle in den kleineren Moscheen häufen. Jetzt erhalten die Kranken wenigstens warme Suppen. Auf dem Hhpodromfelde sind drei riesig« Zelte mit Feldküchen aufgestellt. Sie versorgen die Moscheen in der Umgebung mit Nahrung. Bei San Stefano und Malriekcui sind nunmehr grosse Baracken zur Aufnahme für Cholera- kranke errichtet worden. Beide Orte erwecken den Eindruck einer vollständigen Winterlandschaft durch den kilo» meterweit dick gestreuten Chlorkalk. Der Internationale Gesundheitsrat warf den Betrag von 10 000 Pfund zur Bekämpfung der Epidemie aus. Die Unwetterkatastrophe auf den Philippinen. Die Stürme der letzten Tage haben auf den Philippinen nach den neueren Meldungen weit furchtbarere Verheerungen angerichtet, als zuerst angenommen tvurde. Nach einem in Washington eingetroffenen Telegramm sollen 15 000 Men- s ch e n der elementaren Getvalt des Wirbel» fturms zum Opfer gefallen sein. Die Städte T a c l c b a n aus der Insel Leyte und C a p i z auf der Insel Panay sind durch den Orkan vollständig zerstört worden. Ein Festtag der Erben. Ein trauriges Ende hat in N e lv Kork eine geizige Millionär!» gefunden. In einem elenden Raum, in dem sie seil vielen Jahren in Gemeinschaft mit 15 Katzen hauste, wurde die 70 jährige Octave Friedrich, die üver ein Vermögen von S Millionen Dollars(21 Millionen Mark) verfügte, tot aufgefunden. Frau Friedrich war durch ihren Geiz berüchtigt und führte ein k ä r g- l i ch e s Dasein. Sie war stet« nur von ihren Katzen um- geben. Der Tod ist durch Kohlengasvergiftung ein- getreten. Kleine Notizen. Schweres Brandunglück. Bei einem Scheunenbrande in Buch- holz(Provinz Hannover) fanden gestern in Abwesenheit der Eltern zwei Kinder den Tod in den Flammen, ein drittes Kind, ein Mädchen, wurde so schwer verletzt, dass es in« Krankenhaus übergeführt werden mutzte, während ein viertes Kind, das jedenfalls auch den Tod gefunden hat. noch vermisst wird. Mord und Seltstmord im Automobil. Der in Karlsruhe wohnhaste 20jährige Zigarrenmachcr Karl Sommer hat in der vergangenen Nacht in einer Automobildroschke seine 18jShrige Geliebte Gretchen Scherer au» Biel in der Schweiz und sich selbst erschossen. Die beiden hatten zuvor eine Automobilfahrt in die Pfalz unternommen. Festlicher Empfang. Der aus dem Spielerprozess Wolff-Metter- nich bekannte Leutnant Niemela, der von England ausgeliefert wurde, traf Sonnabendvormittag in Hamburg ein und wurde nach- mittag nach Berlin transportiert. Opiumhöhlen in Frankreich. Die Polizei hat in L o rient zwei berüchtigte Opium höhlen ausgehoben. Die eine wurde von einer Halbweltlerin namens Sallo unterhalten. In dieser Opiumhvhle verkehrten hauptsächlich Marineoffiziere und die Offiziere der Kolonialtruppen. Mocben-Spielplan der ßerllner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Der Rosenkavalier. Montag-RIgolelto. Dienstag: Boheme. Mittwoch: Lobengrin.(Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Pioletta. Freitag: Sinsonickonzert. Sonnabend: Carmen. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Montag: FtgaroS Hochzeit.(Anfang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Ein Wassengang. Montag: Die Rabcnsteinerin. Dienstag: Der Kausmann von Venedig. Mittwoch: Der große König. Donncrstagt Die Hermannsschlacht. Freitag: Ein Waffeiigaiig. Sonnabend: Dr. Klaus. Sonntag: Der grosse König. Montag: Ein Wassengang.(Ansang i'l, Uhr). Neues Oper» Theater(Kroll). Montag geschlossen. Täglich: Russisches Ballelt.(Ansang V Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelio. AbendS: Figaros Hochzeit, lviontag: Zar und Zimmermann. Dienstag! gidelio. Mittwoch: Zar und Zimmermann. Donnerstag: Fidelis. Freitag: Zar und Zimmermann. Soiinabeiid: Figaros Hochzeil. Sonntag und Montag: Zar und Zimmermann.(Ansang 8 Uhr.). Deutsches Theater. Sonntag: König Heinrich IV., 1. Teil. Montag und Dienstag: König Heinrich IV., 2. Teil. Mittwoch: König Heinrich IV., 1. Teil. Donnerstag: König Heinrich IV, 2� Teil. Frettaa: Fallit, l. Teil. Sonnabend! König Heinrich lV., I.Teil. Sonntag! König Heinrich IV., L. Teil. Montag: König Heinrich IV., 1. Teil.(Ans. 7'/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag und Montag: Mein Freund Teddy. Dietislag: Maria Magdalene. Mittwoch: Mein Freund Teddy. Donnerstag: Maria Magdalene. Freitag und Sonnabend: Mein Freund Teddy. Soniilag: Maria Magdalene. Montag: Mein Freund Teddy.(An, sang 8 Uhr.) Lessing. Theater. Sonniagnachmitiag 3 Uhr» Glaube und Heimat. Abends und Montag: Gabriel Schillings Flucht. Dienstag: Der Biderpclz. Mittwoch! Hedda Gabier. Donnerstag: Gabriel Schillings Flucht. Freitag! Sommer.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend: Gabriel Schillings Flucht. Sonntag: Sommer. Montag: Einsame Menschen.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Grosse Rosinen Allabendlich! Fiimzauber. Sonntag, den 7., nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends und Montag: Filmzauber.(Aniang 8 Uhr.) Kleines Theater. Soimtagnachmiltag 8 Uhr: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Abends: Prosessor Bemhardi. Montag: Der Unver- schämte. LoltchenS Geburtstag. Der Arzt seiner Ehre. Dienstag und Mittwoch: Prosessor Bernhardt. Donnerstag: Der Unverschämte. Loitchens Geburlstag. Der Arzt seiner Ehre. Bon Freitag bi» Montag: Prosessor Bernhardt.(Ansang 8 Uhr.) Theater i» der Koniggriiher Strafte. Heute Sonntag und Montag! Die sünj Franljurter. Dienstag: Hedda Gabler.(Aniang 7'/, Uhr.) Mittwoch: Die süns Franlsurter. Donnerstag: Hedda Gabler. Freitag: Die jüns Franlsurter. Sonnabend! jjedda Gabler. Sonntag: Die fünf Franlsurter.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Herode» und Marwmne. (Ansang 7'/, Uhr.) Trianvu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selig« Touptnel. Allabendlich: Die Erste— die Beste.(Ansang 3 Uhr.) Schiller-Tbeatcr«. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends: Die Kinder der Exzellenz. Montag: Im weihen Mssl. Dienstag: Hedda Gabler. Mittwoch: Im weissen Rossl. Donnerstag: FlachSmann als Erzieher. Freitag: Hedda Gabler. Sonnabend und Sonntag» Im weissen Röhl. Montag: Hedda töabler.(Ansang 8 Uhr). Schiller» Theater Gharlottenburg. Sonnlagnachmittag S Uhr: Die Jüdin von Toledo. AbendS: Im weissen Röhl. Montag: Die Kinder der Exzellenz. Dienstag: Die Geichwister. Elga. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Die Kinder der Exzellenz. Donnerstag: Tie Geschwister. Elga. Freitag: Heimgssunden. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Wallensleitts Lager. Die Piccolomini. Abends: Die Lokalbahn. Die Medaille. Sonntag und Montag: Hcimgsiunden.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich> Wilhclmstädt. SchaulPieihnuS. Soimtagiiachmittag 8 Uhr: Weh dem, der liigi. Mittwoch und Sonnabend, nachmittag» 3 Uhr! Chriswachtszauber. Allabendlich: Grigri.(Ansang S1/, Uhr) Neues Volts< Theater. Sonnlagittichmittag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. AbendS: Michael Kramer. Montag: Die Doppelgängerkomödie. Dienstag! Lore. Die Spieler. Der Kammer- länger. Mittwoch: Mutter Landstrasse. Donnerstag: Die Doppelgänger- tomüdie. Freitag: Michael Kramer. Eonnabend: Mittler xandstrasse. Sonntag: Das Urteil des Salomo.(Ansang 8'/, Uhr.) Thalia-Theater. Mittwoch- und Sonnabendnachmittag» Uhr: Frau Holle. Abends: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Lustspirlhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mein alter Herr. All- abendlich: Mein alter Herr.('Ansang 61/« Uhr.),.,, KomiidteiihauS. Sonnlagnachmittag 3 Uhr:.rer rot« Leulnani. Allabeitdltch: Die Generalüecfe.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Allabendlich: Prinzenerziehlmg. Gins. 8 Uhr». Tcutschcs Schauspielhaus. Sonntag: Der gutsitzende Frack. Moniag: Kameraden. Dienstag bis Donnerstag: Der gllstitzende Frack. 'reitag: Kameraden. Soiinabeiid und Sonntag: Der gutsitzeude Fiack. Montag: Gläubiger.. Mit dem Feuer spielen.('Aniang 8 Uhr.) � Theater an» Rollendorfplaft. Sonntag: Orpfteuh tn der untttwelt. Montag: Kismet. Dienstag: Orpheus in der Unlerwelt. Mittwoch- »achmiitag 3 Uhr: Schneewittchen. AbendS: Orpheus in der�Uitterwett. Donnerstag: Kismet. Freitag: Orpheus in der Unterwelt, habend. nachmittag 3 Uhr: Schncciviltchen. AbendS blS Montag. Orpheu» in der Unterwelt.(Ansang 8 Uhr.),-... m,, Easino Theater. Sonntagnachmtttag t Uhr: O diese Männer. Allabendlich: Am grünen Strand der Spree.(Ansang 3 Uhr) Ätontis Operette» Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr. Wiener Blut. Allabendlich: Der Frauenftesser.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürsten. Oper. Heute Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Mittwoch- und Gozyiabendnachmittag 3 Uhr: Dornröschen. 4llnbendllch. Der Kuvreigcii.(Ansang 8 Uhr.)....™. Rose. Tbeatee. Soiiniagllachmiltag 3 Uhr, abends und Montag. Die Sünden der oberen Zehtttausend. Dienstag: Die goldene Lwa. Mittwoch: Die Sünden der oberen Zehntausend. DoniicrStag: Gewönne»:« Herzen. Freitag: Die goldene Eva. �onnabcud und Sonntag- Die illndni der oberen Zehntausend. Montag: Dle goldene Eva.(-ttis. 8 Uln) Luisen-Theater. Sonntagnachmtttag 3 llhr: Ich lasse dtch nicht. Allabendlich: Rafilcs.(Ansang 8 Uhr.) Hrrrufcld-Thrater. Allabendlich: Die Alpenbruder. Endlich allein. ��t�Uranta�Tbcaier. Sonntag! Auss Matterhorn. Von Montag bis Mittwoch: lieber de» Brenner nach Venedig. Von Donnerstag bis Sonntag: AnsS Matterhorn. Montag: Unbestlmml.(An,ang 8 Uhr.) Admiralspalaft. Eisballett- Avonne.(Ansang 10 Ar.) Steichsballen-Theater. Allabendlich: Bosco.(Ansang« Uhr, Sonntags�? /�ühr) Z>/, und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorsteyung..„.vljr Zirkus Schuinauu. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr»md allabendlich 7>/, Uhr t Galavorstellung., o-, arrr Bietropol-Theaier. Sonniagnachmitiag 3 Uhr: Tata Tot». Allabendlich! Ehausseur- ii'S Metropol!(Ansang 8 Uhr.),. Theater Grost Berlin, Allabendlich: So bummeln»vir. Speziau- täten.(Ansang 8 Uhr.) � Wintergarken. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Speziaiiläten._________ Iugcndveranstaltunge«. Freie Jugendorganisation Lichterfelde. Am Sonntag, de» 1. Dc< zember: Besuch des Bau- und Verkehrsmuseums. Tresspuukt um'1,9 Uhr Händelplatz. Teuiprlhof-Maricudorf. Am beutigen Sonntag besucht dt« ar- beitende Jugend da» Museum stir Meereskunde in Berlin, Georgen- strafte 34)38. Die Jugendlichen trcssen sich zu diesem Zweck um IL Uhr mittags im Jilgcndhetiii, Tenipelhos, Kaiser-Wilhelm-Strasse.78. Köpenick. Heule Sonntag, den 1. Dezember: Besichtigung des Museums sür Meereskunde in Berlin. Tresspunkt IL Uhr mittag« am Bahnhos SpmdierSseld. Rege Beteiligung erwartet der JugendauSschuss. Marktbericht von Verls« am SS. November 1V1S. nach Ermittelung de» königl. Polizeipräsidium». Warkthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00-�0.00. Spsisebohnen, iveisse, 36, 00— 50,00. Linien 35,00—60,00. Kartosseln(Kleiiihdl.) 5,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.40-1,80. Schweine, leiich 1,60-2,20. Kalbfleisch 1,40—8,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,40—6,80. 1 Kilogramm Karpten 1,20-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40-2,80. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,60—8,20. Bleie 6,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00—80.00. I... AI.............. IUI i.J__ U____ I--------!--- J« VS ® I a Tausende Sprech-Apparafe HunderttausendePlatten ____' r verKauften wirlmJahreigii Wir liefern auf ü 9 S_ Unsere 0ri g i n a I Goldora . a h I u n prech-Apparate u. Schallffatten blidon d«j EattAeKon»öe» HiuiKfrciiadM. Nicht»roll ocbraload. hahca«i« Eocd•>«• hervarrkfioad« Taa»iflrk«. U/1«. InlctAtt f*a*-an»4n btl allen vorkommondan Sdriden,»elvi»»Or Federbruch. 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Für den Jnjeratentett oerantw.: Th. Glocke. Brrlin. Druck». Verlag;«orwärig Luchoruckerei». VerlagSanstalt Paul Singer u.Eo� Berlin SW. Nr. 28! 29. Zadtgang. 6. StilM des Joraiütte" Kerl« itollistilutt. Soiintilg. 1. Dtjmbtt 1912. Hub der frauenbewegung* Zunahme der Frauenarbeit. Tas stäudigc Ansteigen der Zahl weiblicher Erwerbs- tätiger sowohl absolut als auch im Verhältnis zum Wachsen der männlichen Arbeiterzahl ist eine Tatsache, die durch die Statistik wiederholt festgestellt wurde. Einen neuen Beweis für die weit stärkere Zunahme der Frauenarbeit gegenüber dem Steigen der Männerarbeit gibt das„Reichsarbeitsblatt" für November 1912 in den Nachweisungen der Krankenkassen. Insgesamt haben 3188 Kassen aus 258 Orten für die Zeit vom 1. Oktober bis 1. November 1912 berichtet. Diese 3488 Kassen umfassen fast die Hälfte sämtlicher deutschen Kranken- versicherten. Von der Gesamtzahl der Mitglieder waren ver- sicherungspflichtig. abzüglich der erwerbsunfähig Kranken, am 1. Oktober 3 715 386 männliche und 1699 574 weibliche, am 1. November 3 695193 männliche und 1635 934 weibliche Arbeiter. Es ergab sich demnach für die Kassen im Monat Oktober eine Gesamtzunahme von 13 877 Mitgliedern, die sich aus einer A b n a h>n e von 29 583 männlichen und einer Z u- u a h m e von 34 469 weiblichen Mitgliedern zusammensetzt. Dieses starke Anwachsen der Berufsarbeit von Frauen zeigt sich nicht erst in diesem Monat, sondern läßt sich seit viel längerer Zeit beobachten. Allein im letzten Jahre, vom 1. November 1911 bis 1. November 1912 stieg die Zahl der weiblichen Versicherten von 1 543 927 auf 1 639 969, also um 5,58 Proz., die Zahl der männlitfym Versicherten von 3 569 635 auf 3 683 877. Tie Zunahme betrug hier nur 3,46 Proz. Tasselbe Bild, nänilich das lieberwiegen der Zunahme der weiblichen Arbeiter iibck die der männlichen Arbeiter, ergibt sich auch, wenn man einen längeren Zeitraum in Betracht zieht, z. B. die letz- ten 5 Jahre. Denn setzt man den Bestand an versicherungs- Pflichtigen Mitgliedern, abzüglich der erwerbsunfähigen Kran- kcn, am 1. Januar 1995 gleich 199 und bringt man bei den Zahlen für die. folgenden Jahre eine dem Bevölkcrungszu- wachs entsprechende Personenzahl in Abzug, so bewegt sich der Stand der Versicherungspflichtigen im Monat Noveniber in den letzten 5 Jahren in folgender Weise männliche Bersicherle Januar tvöä..... 100 November 1908..... III 1909..... 114 1910..... 119 1911..... 124 1912..... 127 weibliche Versicherte 100 120 125 182 138 145 Demnach hat der Bestand der versicherungspflichtigen Mitglieder seit dem 1. Januar 1995 bis zum 1. November 1912 bei den männlichen Arbeitern um 27 Proz., bei den weiblichen hingegen um 45 Proz., also fast um die Hälfte der ab- soluten Zahl am 1. Januar zugenommen. Unter den oben erwähnten 3488 Krankenkassen waren 733 Orts-, 479 In- nungs-, 2229 Betriebs-, 59 Gemeinde- und 6 andere Kranken- kassen. Von diesen hatten die Orts- und Jnnungskranken- kassen eine Abnahme von männlichen und eine Zunahme von weiblielsen Mitgliedern. Bei den Betriebskrankenkassen stieg die Zahl iowohl der männlichen wie der weiblichen Arbeiter. In B e r l i n nahm die Mitgliederzahl der Krankenkassen im Oktober 1912 um 14 945 zu, und zwar um 6362 männliche und 8583 weibliche Arbeiter. Tie Ortskrankenkassen hatten eine Zunahme von 3368 männlichen und 6196 weiblichen Mitgliedern. Besonders gestiegen ist die Zahl der weiblichen Versicherten in der Krankenkasse der Kaufleute, in der der Mechaniker und in der der Schneider. Bei den Betriebs- krankenkassen uahnicn die männliche? Mitglieder um 1461, die weiblichen um 2396 zu. Also auch für Berlin die starke Zunahme der weiblichen Arbeitskraft, die für Oktober 1912 nicht nur relativ, sondern auch absolut größer ist als die Zu- nahnie der männlichen Arbeiter. Und die Zahlen für die Krankenkassen in anderen Städten zeigen dieselbe Tendenz; so in Hamburg. Köln. Magdeburg. Es gibt verschiedene Ursachen für diese starke Heranziehung weiblicher Arbeitskräfte. Der Haupt- grund liegt darin, daß die bitterste Not die Frau zur Erwerbsarbeit zwingt. Die Kaufkraft des Geldes hat durch die en'ornie Verteuerung der Mahrungsmittel, die durch eine volksfeindliche Steuer- und Zollgesetzgebung herbeigeführt worden ist. erheblich eingebüßt. So ist der Verdienst des Mannes relativ durch den verminderten Wert des Geldes oft selbst da zurückgegangen, wo durch Wirtschaft- liche Kämpfe Lohnerhöhungen durchgesetzt worden sind. In den seltensten Fällen konnte der Verdienst der Arbeiter in gleicher Weise erhöht werden, wie die Lebensmittel, die Woh- nungsmieten usw. gestiegen sind. Aber wenn schon jetzt, in den Jahren der Hochkonjunktur, die Teuerung die Frauen in so großem Maße in die Reihen der Erwerbstätigen zwingt, wie wird es erst sein, wenn auf diese Zeit wirtschaftlicher Prosperität der Niedergang folgt, wenn eine Krise entsteht und damit die Arbeitslosigkeit enorm steigt? Zuerst werden die männlichen Arbeiter entlassen werden, da man die Weib- lichcn, als die billigeren, höher schätzt und länger behält. Eine Zeit großen Elends und unsagbarer Not wird dann hereinbrechen. Um gegen diese genügend geschützt zu sein, ergibt sich für die Arbeiterinnen die Pflicht, sich den zuständigen gewerk- schaftlichen Organisationen anzuschließen. Erst wenn dies geschehe� ist, wenn die Gewerkschaften die Organisierung der Arbeiterinnen so energisch betreiben, daß alle bis zur letzten für die Gewerkschaft gewonnen sind, erst dann wird es möglich sein, die Lohn- und Arbeitsbedingungen auch für die Ar- beitcrinnen günstiger zu gestalten und ihnen durch höheren Lohn und kürzere Arbeitszeit Gelegenheit zur Teilnahme an den Kulturerrungenschaften zu geben. Keine Geschenke— Lohn! Die Herren der Berliner Damenkonfektion haben den Entschluß gefaßt, bei Gelegenheit dcS 25jährigeii Dienstjubiläums deS Kaiser? einen Fonds zu gründen, ans dem alte, kranke, hilfsbedürftige Heimarbeiter llntersiützung erhalten sollen. Schon vor zirka 27 Jahren hatte Herr Meyer, noch heute Mit- inhaber der Firma William Herz u. M. I. Meyer bei Gelegenheit eines Streiks öffentlich erklärt, daß das LoS der Heimarveitcr der KonfektionSbranche trostlos sei und eine Lohnaufbesserung von mindestens 25 Proz. not täte. Seit jener Zeit hat sich das LoS nicht gebessert— eher der» schlechtert. Die allgemeine Teuerung in allem zum Lebensunterhalt Nötigen, von der Kartoffel bis zur Miete, hätte die Herren längst zu Wohlfahrtseinrichtungen in Form besserer Arbeitsbedingungen be< stimmen müssen— wenn sie überhaupt ein Herz für ihre Arbeiter besäßen. Dazu wären nicht 25 Jahre Not und Entbehrung ihrer Hilfskräfte und— ein Kaiser» Dienstjubiläum nötig gewesen. Gewiß: DeS Himmels Segen wird ja wohl nicht ausbleiben und in Gestalt von Orden und ähnlichen Anerkennungen für rühmliche Taten auf dem Gebiete der Sozialpolitik in Knopflöcher nieder» fallen. Aber die Almosenempfänger? Sie rufen den»hochherzigen Spendern" zu: Sorget nur dafür, daß wir nicht weiter darben und gebt uns ausreichende Entlohnung. Wir fürchten Euch und Euer Geschenk zwar nicht,— aber Ihr macht uns auch nicht will» fährig. Wir werden den von uns eingeschlagenen Weg, bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erlangen, nicht verlassen und im geeigneten Moment alle für einen eintreten, auf Almosen verzichten und ausreichende und rechtlich zustehende Entlohnung fordern.— Leseabende. Borsigwalde. Dienstag, den 3. Dezember, 8l/z Uhr in den Borstg- walder Festfälen: Vortrag der Genossin Fiedländer. FriedrichShagen. Montag, den 2. Dezember 8lL Uhr im Jugendheim, Friedrichstr. 00: Vortrag der Genossin Emma Döltz: »Die Stellung der Frau im Altertum." Lankwitz. Montag, den 2. Dezember 8lti bei Schulz, Mühlenstr. 21: Vortrag des Genossen Zimmermann über Sozialismus. Slrbeiter-Samaritcrbund, Kreis Brandenburg. Lehrnbend haben in dieser Woche: Berlin. 2. Abteilung am Montag bei Tase, Bnlrninnürafce 154, abendS 8'/, Uhr. � Lichtenberg. Am Donnerstag bei Pickenhagen, Echaniweber- straße 60, abends 8'l, Uhr. Neukölln. Am Freitag in der Jdealpasfage, Deichsclstraße S, abend» 8'/, Uhr. Spandau. Am Mittwoch bei Peezile», PichelSdorfer Straße s. abends 8'/. Uhr. Martendorf. Am Montag bei Löwenhagen, Chausseestr. 27, abend» 8'/, Uhr. S ch ö n e w e i d c. Am Montag bei Schulz, DtemenSsir. 12, aiend» 8'/, Uhr. N o w a w e s. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abendS 8 Uhr. Berlin. Heute SonderkursuS von 7— V Uhr abends. _ Die Kreisleitung. Paul Hackelbusch, Berlin O. 112. Weihnachts-Wünsclie! Auf allen Gesichtern lösen sie Freude und Erwartung aus, aber Vater und Mutter blicken angesichts so vieler Wünsche voller Sorge in die Zukunft Doch zu Unrecht! Denn wir haben dafür gesorgt, um allen, die schenken wollen, das Leben zu erleichtern, mit Preisen weit unter dem Niveau der sonst üblichen. 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Ziehung 5. Kl. 1. Preuss.-Siiddeutsche (227. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung rem 30. XoTembcr 1913 nnrhmiitags. Anf Jede gonogene Kammer elnd swel gleich hohe Gewinne gefbllen, nnd twnr Je einer nnf die Lose gleicher Kummer In den beiden Abtellanre. I nnd II Nur die Gewinne Uber 340 Mark Bind deu lietreSendeu Nummern in Klammern beigetiigu (Ohne Gewähr.)(Nichdruck verboten.) 67 159 221 27 41 326 480 539 837 919 1053 104 22[600] 37 65 325 428 90 506 91 610 53 788[600] 90 809 2064 82 170 208 86 369 406 95 608 24 750 55 91 879 92 968 3128 308 454 923 37 92 4009 121 13000] 470 82.735[600] 617 33 8072 232 43 86 323 52 431 90 633 825 939 8104 60 95 270 309 52 85 427 37 41 532 94 902 20 61 7202 28 77 311 32 64 65 11000] 461 731 92 831 66 8100 43 56.201[500] 368 73 403 22 600 51 74[500] 93 734 95 9076 454 630[1000] 64 1500) 10127 216 431 78 562 11065 86 208 10 38[5001 345 54 660 644 822 959 12213[600] 74 366 68 83 [500] 623 76 13268 70 82 88 487[600] 89 656 1 4019 43 104 707 85 950 67 18023 78 127 70 72 565 615 23 34 812 20 59 905 8 16073 109 18 268 78 90 327 [6001 471(1000) 631 38(30001 041 810 932 17007 63 218 25 29 63 70 544 621 841 18149 316 54 629 67 750 825 45 19018 28[3000] 155 270 317 615 27 883 28095 199 217 314 19 84 511 733 95 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