Nr.SSS. Bbonncmcnts-Bcdingütigjn: Nionncmcnts, Preis vränmnerando: Wcrteljährl. Z.30 Mk.. monaU> l.IV Dil.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- »uinmer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband lur Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat, PostabonnemeMS nehmen an: Belgien, Däncmarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. GlM)(int täglich außer montags. Berliner Volltsblnkt. 39. Jahrg. Sie Mertlons-Gebüftr bekrägt für die scchSgespaltcne Koloncl« zcile oder deren Raum W Pfg„ für V\ rtTi st f n ttt.S s* k.ll o . scttgedruckti, Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), icdcS tveitcre Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozialdemoKrat Berlin" Zentralorgan der rozialdemokrattfcben parte» Deutfchlands. Redahtiom 8M. 68, Ltndcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Dienstag, den 3. Dezember 1913* Sxpedttlon: 8M. 68, Lindenstrassc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Der gefügige Reichstag. Der Tag, an dem das deutsche Volk über die Politik seiner Regierung Aufklärung erwarten durfte, ist vorüber- gegangen. Aufklärung hat er uns allerdings gebracht über die uneingeschränkte Herrschaft nämlich, die die Regierung in der auswärtigen Politik ausübt; über die schwere Krise, die den Frieden Europas bedroht, hat die Zehnminutenrede, mit der den Reichstag abzuspeisen es dem Kanzler beliebt hat, kaum ein Wort gebracht, das nicht schon längst Bekanntes wiederholt hätte. Herr v. Bethntann brauchte auch nicht mehr zu spreckfen, denn die Vertreter der bürgerlichen Parteien, die heute zu Worte kamen, s'nd vollauf zufrieden; sie kennen zwar nicht die Absichten der Regierung, aber sie billigen sie. Der Vertreter der Sozialdemokratie blieb mit seiner Forderung, daß der Volksvertretung die Möglichkeit gegeben werde, bei der Entscheidung dieser Lebensfragen mitzuwirken, bevor vollendete Tatsachen geschaffen seien, allein. Trotzdem verdient diese Erklärung alle Aufmerksamkeit. Denn der. der sie abgab, sprach im Namen derjenigen, die heute noch Macht haben über das Schicksal der Völker. Und klar und bestimmt sprach der Kanzler von der Möglichkeit, daß diese Schicksalsfrage auch an das deutsche Volk heran- treten könne. Sollten sich, sagte Herr v. Bethmann, bei Ab- schluß des Balkanfriedens unlösbare Gegensätze er- geben, was wir nicht hoffen, so„wird es i�ache der im einzelnen Fall direkt interessierten Mächte sein, ihre Ansprüche zur Geltung zu bringen. Das gilt auch für unsere Bundesg'enossen. Wenn sie aber bei der Geltendmachung ihrer Interessen wider alles Erwarten von dritter Seite angegriffen und da- mit in ihrer E x,i st e n z bedroht werden sollten, dann würden wir unserer BundesPfNcht getreu, fest und entschlossen a n ihre Seite zu treten haben.(Lebhafter Beifall.) Und dann würden wir zur Wahrung unserer eigenen Stellung in Europa, zur Verteidi- gung unserer eigenen Zukunft und Sicherheit fechte n." Nimmt man diese Worte wörtlich, dann bedeuten sie, wie Genosse Ledebour sehr richtig sagte, in der Tat eine Blankovollmacht für die Politik uniserer Bundes- genossen. Die deutsche Politik würde in Abhängigkeit ge- raten von der anderer Staaten. Oesterreich brauchte etwa einem anderen Staate gegenüber nur Forderungen aufzu- stellen, die dann einen Tritten auf den Kampfplatz zögen, und Deutschland wäre verpflichtet, Gut und Blut für die österreichische Politik einzusetzen. Tie deutsche Arbeiterklasse würde dann damit rechnen müssen, daß sie für die Politik einer f r e in d e n Regierung auf die Schlachtfelder geschickt werdeit könnte. Das wäre eine unmögliche Politik, eine Politik, die uns in die Periode der dynastischen und Kabinettskriege zurückversetzen müßte. Eine solche Politik ist aber wohl selbst dem Absolutismus, der unsere auswärtige Politik beherrscht, heute nicht mehr möglich. In den letzten Tagen war viel von einer Entspannung die Rede gewesen und die bekannte Erklärung der„Nordd. Allgemeinen Ztg." hat ausdrücklich hiervon gesprochen, daß die albanesische und adriatische Frage einer späteren gemeinsamen Regelung durch die Mächte überlassen bleiben sollte. Auch Herr v. Bethmann H 0 l l w e g hat heute von Gen günsti- gen Ergebnissen, die die Verhandlungen unter den Mächten bis jetzt gehabt hätten, gesprochen und die Erwartung auf eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten ausgesprochen. Dieser günstige Ausfall hängt aber nicht zuletzt ab von der Haltung der deutschen Regierung gegenüber Oesterreich, der > französischen und englischen gegeniibckr Rußland. Herr v. K i d e r l e n hat heute sehr nachdrücklich betont, daß die englische und deutsche Politik bei diesen Verhandlungen sich in Uebereinstimmung befunden haben. Wenn dem aber so ist, dann darf es sich nicht um Blankovollmachten für die Verbündeten handeln, sondern darum, allen Ansprüchen kommen sie. woher sie wollen, entgegenzutreten, die den Frieden Europas bedrohen. Denn die Erhaltung des Friedens und nicht die Frage eines serbischen Hafens an der � Adria ist die wahre Lebensfrage des deutschen Volkes, ebenso wie des österreichischen oder russischen und allen anderen. Diese Ueberzengung brachte dann der sozialdemokratische Sprecher, Genosse Ledebour, energisch zum Ausdruck. Er konnte sich dabei auf die imposante Bekundung des proletari- scheu Friedenswillens in Basel berufen. Ten frechen Zuruf. daß wir Sozialdemokraten ausländische Interessen durch unsere Friedenspolitik vertreten, wies Ledebour mit der Fest- stellung zurück, daß die bürgerlichen Politiker, die so gern mit dieser Verleumdung arbeiten, nicht die Interessen des deutschen Volkes, sondern die des kapitalistischen Ausbeuter- kums vertreten und daß gerade die widerstreitenden Interessen der Ausbeuter der verschiedenen Länder die Kriegsgefahr erzeuge. Wir aber, die wir die proletarischen Weltiuteressen vertreten, vertreten gerade dadurch zugleich die entscheiden- den Interessen des deutschen Volkes. Ledebour gab dann eine eingehende Darstellung des völligen Versagens der Diplomatie, ging dann auf die be- sonderen Ursachen des Balkankrieges näher ein. kennzeichnete die Gefährlichkeit der imperialistischen Beutegier, die ins- besondere auch den deutsch-englischen Gegensatz erzeugt hat, und stellte der Rüstungspolitik der Herrschenden unsere Forde- rungen nach Begrenzung der Seerüstungen und Abschaffung des Seebeuterechts entgegen, um zum Schlüsse der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß trotz aller Gefahr, die den Frieden be- droht, es der Tatbereitschaft des klassenbewußten, inter- national zusammengeschlossenen sozialistischen Proletariats gelingen möge, das Schreckliche zu verhüten und den Frieden zu erhalten, bis die Beseitigung der Kapitalsherrschaft schließlich die Kriegsgefahr dauernd beseitigen werde. Nach Ledebour sprachen noch die Vertreter der Rechten und der Nationalliberalen. Sie beschränkten sich auf kurze Erklärungen und sagten mit verschiedenen Worten alle das- selbe. Sie verzichteten auf jede Kritik und stellten ohne Uebevlegung der Regierung eine Blankovollmacht aus, nach ihrem Ermessen zu tun und zu lassen, was ihr beliebt. Denn sie sind mit der Regierung einverstanden und bereit, für Moloch Militarismus neue Opfer— auf Kosten der ar- beitenden Massen natürlich zu bewilligen. Herr B a s s e r- mann wies darüber hinaus auf die Interessen des deutschen Kapitals in der kleinasiatischen Türkei hin. Er scheint der Versicherung des Kanzlers, daß die kapitalistischen Mächte in Kleinasien keine bösen Absichten haben, einige Skepsis ent- gegenzubringen und kann es gar nicht mehr erwarten, die Ansprüche der deutschen Kapitalisten anzumelden. Auch des „Vorwärts" wurde mit ehrender Anerkennung gedacht, und das„Verl. Tagebl." brachte es sogar zu der großen Ehre, daß seine Anwürfe von dem Vertreter der Reichspartei beifällig reproduziert wurden. Die Debatte hinterließ einen niederdrückenden Eindruck. Die bürgerlichen Parteien lassen der Regierung völlig freie Hand, sie verlangen nicht einmal den Weg genauer zu kennen. den das deutsche Volk geführt werden soll. Um so mehr hat die deutsche Arbeiterklasse allen Grund, sich daran zu erinnern, daß die großen historischen Entscheidungen nicht nur in den Parlamenten fallen. Als heute unser Redner von dein Einfluß sprach, den die Friedenskundgebungen des Pro- letariats auf die Entscheidungen der Herrschenden ausüben, da erhob die Rechte höhnisches Gelächter. Es war das Lachen des parlantentarischen Kretinismus, der nicht begreift, daß es außerhalb des Saales, in dem geredet und gestimmt wird. reale Kräfte gibt, die sich nicht darum kümmern, was die Herren von ihrem Wirken begreifen können. Es sind Kräfte, die heute schon stark sind und immer stärker werden, Kräfte, die die Mittel der Zerstörung und Verwüstung umschaffcn werden in Mittel der Arbeit und der Kultur, trotz allen Widerstandes und Unverstandes, der sich ihnen entgegenstellt. Sie verhanälungen über den Menftillftand. Tie Nachricht, die Sonntag verbreitet worden war, daß zwischen der Türkei und den Balkanstaaten ein vierzehn- tägiger Waffenstillstand unterzeichnet worden sei, hat sich nicht bestätigt. Es scheinen noch einige Schwicrigkeiteu zu überwinden zu sein. Während die Bulgaren starke Friedens- bereitschaft zeigen, sind die Griechen und Serben mit den Be- diiigungen offenbar weniger einverstanden. Die Erwartung, daß der Waffenstillstand in kurzer Frist zustande kommt und dann sich daran die eigentlichen Friedensverhandlungen an- schließen werden, begegnet wieder Zweifeln. Denn von ver- schiedenen Seiten kommen heute auch Nachrichten über andere Zwistigkeiten zwischen den Balkanstaaten selbst. Danach würde der griechische Anspruch auf Saloniki von Bulgarien bip stritten werden. Würden diese Nachrichten der Wahrheit ent- sprechen, dann würde sich die Stellung des Balkanbundes sowohl der Türkei, als den Großmächten gegenüber erheblich verschlechten). Abschluß des Waffenstillstandes. 5k 0 n st a u t i n 0 p e l, 1. Dezember.(Meldung des Wiener k. k. Tclegr.-Korrcsp.-Burcaiis.) Die Meldung, daß der Ministerrat in seiner gestrigen Sitzung dem Protokoll über einen Waffenstillstand zugestimmt hat, bestätigt sich. Das Protokoll enthält folgende B e d i n- g u n g e n: 1. Ter Wasfenstillstand wird für vierzehn Tage ge- schlosicn. 2. Die türkische Armee und die Armeen der Verbündeten verbleiben in ihren gegenwärtigen Stellungen. 3. Keine der beiden Parteien darf in den Befestigungs- arbeiten fortfahren oder Truppen- und Munitionstransporte vornehmen. 4. Die belagerten Plätze Adrianopel und Skutari werden während der vierzehn Tage in der Weise mit Lebensmitteln versorgt, daß die Zufuhr der nötigen Lebensrnittel von Tag zu Tag erfolgt. Die türkischen Unterhändler, unter ihnen der Handels- minister und der Minister des Innern, begeben sich heute zur Unterzeichnung des Protokolls nach Tschataldscha. Verzögerung der Unterzeichnung. K 0 n st a n t i n 0 p e l, 2. Dezember. Offiziell wird er- klärt, daß sich die U n t e r z c i ch n u n g des Waffenstillstands- Protokolls infolge einer noch hinzugefügten Aendernng ver- zögert. Außer den bereits gemeldeten Bedingungen setzt das Protokoll die Blockade der Häfen und Inseln fest. Falls die Friedensverhandlungen, die un mittel- bar beginnen werden, scheitern sollten, sollen die Feind- scligkcitcn erst 48 Stunden später wieder beginnen. Keine Rüstungen Serbiens gegen Oesterreich. Belgrad, 1. Dezember. Das Preßbureau verbreitet fol- gende Note: In der letzten Zeit erschienen wiederholt Nach- richten, besonders in der Presse der Nachbarmonarchie, daß S e r b i e n an seiner Nordgrenze T r u p p-e n zusammen- ziehe, Belgrad und andere Städte befestige und Vorberei- tungen für eine gewisse Aktion träfe. Wir sind ermächtigt, diese Nachrichten, die in Wirklichkeit jeder Begründung ent- behren, in der bündigsten Form zu dementieren. Tic Regierung hat keinen einzigen Soldaten zur Nordgrenze ge- sch-ckt, noch hat sie Belgrad oder andere Städte an der Donau und Save befestigt. Sie tut dies auch gegenwärtig nicht, wie jeder sich durch den Augenschein überzeugen kann. Im Gegen- teil tut die Regierung ihr Möglichstes, um einen überflüssigen Konflikt zu vermeiden. Wir übernehmen die volle und un- beschränkte Verantwortung für unsere Erklärungen. Paßzwang gegen Serbien. Budapest, 2. Dezember.(W. T. B.) Die Negierung hat im Verkehr mit Serbien aus polizeilichen Gründen den Paßzwang angeordnet. Die Serben in Durazzo. Durazzo, L.'Dezcmber. Eine Abteilung serbischer Truppen hat vor einigen Tagen die italienische Schule besetzt und befindet sich immer noch dort. Infolgedessen hat der italienische Konsul bei dem Kommandeur die erfordcr» lichen Sck.rrtte unternomm".'' Weitere Eroberungen der Serben in Albanien. � Belgrad, 1. Dezember. Amtlich wird gemeldet, daß die Serben E I b a s a n ohne Kampf eingenommen haben. Die Griechen gegen Albanien. Valona, 2. Dezember. Ein g r i e chi s ch e s Kanonen- b 0 0 t ist heute früh hier angekommen und hat sofort ein Bombardement gegen die Schutzhütte für das Unterseekabel eröffnet. Die Beschießung war jedoch unwirksam. Es gelang dem Kanonenboot nicht, das Kabel zu unterbrechen. Die Bevölkerung betrachtet die Be- schießung übereinstimmend als einen Protest gegen die Er- klärung der Unabhängigkeit und Neutralität Albaniens; sie verhält sich ruhig, obwohl sie erregt ist. Die Konsuln Italiens und O e st e r r e i ch- U n- garns versicherten Jsmael Kemal, daß ihre Regie- rungen immer die t i e f st e S y ni p a t h i e für das a l b a n e s i s ch e Volk gehegt hätten, der EntWickelung Albaniens in Unabhängigkeit das größte Interesse entgegenbrächten und ihm ihre moralische Unter- st ü tz u n g gewähren würden. Jsmael Kemal drückte in seiner Antwort den beiden Regierungen die Dankbarkeit des albanesischen Volkes aus. Differenzen zwischen den Balkanstaaten. Paris, 2. Dezember.(W. T. B.) Ter„Agence Havas" wird aus Saloniki gemeldet: Die Meldung, daß die serbische Armee, einem serbisch-bulgarischen Abkommen entsprechend, M 0 n a st i r geräumt und den Bulgaren übergeben habe, rief in den griechischen Kreisen großen Ein» druck hervor. Der Kronprinz sei nach Saloniki gekommen. um diese Angelegenheit mit dem König Georg zu besprechen. Gerüchtweise verlautet, daß der König von Griechenland An» stalten getroffen habe, mit der königlichen Familie den ganzen Winter in Saloniki zu verbleiben. Eine amtliche Mitteilung erklärt die Behauptung, Griechen- land habe entsprechend einem griechisch-bulgarischen Ab- kommen zugegeben, daß. Saloniki außerhalb seiner Zone bleibe, als unrichtig. Kampf zwischen Bulgaren und Griechen? Frankfurt a. M.» 1. Dezember. Die„Frankfurter Zei- tung"� bringt folgende Meldung aus Konstantinopel: Die Lage in Mazedonien erhält durch folgenden absolut authenti- schen Zwischenfall eine charakteristische Beleuchtung. Bei Serres kam es zwischen Griechen und Bulgaren wegen der Besetzung dieser Stadt zu einem heftigen Gefecht. Die Griechen mußten sich aus Serres nach Verlust von 200 Toten zurückziehen. Der 5iainpf um Skutari. Njeka, 2. Dezember. Nach Mitteilungen von Reisenden wurde gestern und heute am Stutarisce Kanoiiendoncker ge- hört. Die Belagcrungsgcschiitzc scheinen ausschließlich gegen die vollständig eingeschlossene Stadt gerichtet zu sein. Die Angriffe gegen den T a r a b 0 s ch lassen merllich nach. Die Meldung vom Waffenstillstand hat keinen besonderen Eindruck gemacht. Verttmudimss des montenegr-mischen Kronprinzen. Paris, 2. Dezember. Nach einer Meldung des Sonderbericht- crstatteiS des„Malin" ans R j e k a wurde KronprinzDanilo von Montenegro vorgestern bei einem Sturm auf die türkische Stellung bei S k u t a r i schwer verwundet. Der Prinz sei nach der Ambulanz gebracht worden, wo eine Unterleibsoperation hatte vorgenommen werden«Wen. Bulgarische Verstimmung gegen Griechenland. Sofia, 2. Dezember. Um der Auffassung entgegenzutreten, dofz die Griechen zuerst in Saloniki eingezogen seien, wird folgender amtlicher Bericht des Armeekommandenrs Theodoroff verössenrlicht: Am 26. Oktober a. St., 4 Uhr morgens, befand ich mich an der Spitze meiner Armee zwischen den Dörfern Jnvczna und Aiwatovo. Während einer Rekognos- zierung wurde unsere Kavallerie von einer feindlichen Batterie beschossen und erwiderte das Feuer. In diesem Moment ver- ftändigte mich der Kommandeur der griechischen Kavalleriebrigade. dag die Griechen am nächsten Tage angreifen. Wir be« stimmtrn gemeinsam eine Stunde für den Angriff am nächsten Tage. Der griechische Kommandeur versprach, unseren Bcschluf; sofort dem griechischen Kronprinzen, seinem Höchst- kommandierenden, mitzuteilen. Meine Armee trat den Vor- marsch gegen die feindliche Stellung an. Der Gegner eröffnete gegen unsere Infanterie ein heftiges Feuer, unsere Geschütze brachten aber die feindlichen zum Schweigen, und unsere Infanterie vertrieb die feindliche Infanterie. Ich leitete die Verfolgung deS Gegners ein und näherte mich der Stadt Saloniki. Ja diesem Augenblick verständigte mich der Kronprinz, daß sich die Türken ihm ergeben hätten. Obgleich ich mit den Türken keinen Kapitulationsvcrtraz unterzeichnet hatte und mir die Be- dingimgen der Kapitulation unbekannt waren, ordnete ich mich doch der Mitteilung deS Kronprinzen, unseres Verbündeten, unter lind hielt meine Armee drei Kilometer vor Saloniki auf. Die Griechen befanden sich 17 Kilometer entfernt am Wardar hinter meiner Armee. Eine meiner EskadronS ritr in Saloniki ein. Von meinem Standpunkte eins konnte ich sehen, wie die Türken mit ans Soloniki kommenden Bahnzügen in der Richtung auf den Wardar entsandt wurden, um zwei Bataillons Griechen in die Stadt zu führen. Während meine Armee allein vor Saloniki kämpfte, hatten die Griechen 17 Kilomeier von Saloniki entfernt mit den Türken unter- handelt, und so ergaben fich diese, von unseren Waffen bezwungen, den Griechen, da die Griechen günstige Bedingungen gestellt hatten. So rückte ein Teil der bulgarischen Armee zuerst in Saloniki ein, ivährend der andere Teil am 28. Oktober gemeinsam mit den Griechen einzog. Die Prinzen Boris und Kyrill rückten an der Spitze zweier Bataillone und einer Eskadron am 29. Okiober feierlich in Saloniki ein. also einen Tag später als der griechische Kronprinz, ans Achtung vor dem Kronprinzen, der älter als unser Kronprinz ist. Wir marschierten mit den Waffen ein, die Griechen ohne Schwertstreich, indem sie die Erfolge unseres Kampfes ans- nützten. Das ist die Wahrheit über die Einnahme Salonikis. Demonstration iu Bukarest. Bukarest, 2. Dezember. Gestern fand eine bon 19099 Per- soncn besuchte Versammlung statt, die von der rumänischen Kulturliga und der mazedonisch-rumänischen Gesellschaft einbe- rufen worden war. Es wurde eine Resolution angenommen, daß das politische und wirtschaftliche Gleichgewicht des Bal- kons nicht durch eine bulgarische Vorherrschaft ge- stört werden, dürfe. Nach der Versammlung wurde ein Umzug durch die Straffen veranstaltet. Unruhen kamen nicht vor. Englisch-franzöfische Eifersüchteleien wegen Kleinasien. Paris, 1. Dezember. Dem„Tcmps" wird aus B e i r u t gemeldet, daß die Muselmanen in Syrien, namentlich die zahlreichen algerischen Einwanderer, eine eifrige Propaganda zugunsten der Besetzung Syriens dlirchdie En g> l ä n d e r entfalten. Ter Kommandant des englischen Kreu- zers„Barhain" habe am 19. November dem Gouverneur von Syrisch-Tripolis erklärt, daß englische Mannschaften, falls sie zur Herstellung der Ordnung an Land geschickt würden, end- gültig dort bleiben würden. Vor kurzem sei der Sekretär des Lord Kikchener in Beirut, Damaskus, Jaffa und Haiffa in nmselmanischen Versammlungen erschienen. Ueberall sei das- selbe Ziel ins Auge gefaßt worden. Hjenliergelewe In Oesterreich und stngnr». Aus Wien wird uns vom 1. Dezember geschrieben: Tic Proletarier Oesterreichs und Ungarns bekommen den Krieg, der noch nicht erklärt ist und auch wahrscheinlich nicht ge- führt werden wind, schon grünidlich zu verspüren. Nicht nur. daß schon ungezählte Reservisten einberufen wurden und sofort Familie und Arbeit verlassen Mufften, meist, um an eine Grenze des Reiches zu ziehen, nicht nur. daff das Wirtschaftsleben durch die Besorgnis, es könne der Krieg ausbrechen, gelähmt ist. Die kriege- rische Stimmung derer, die in Ocsterrcich-Ungarn den Ton an- geben, hat eine noch viel ärgere Folge gehabt. Die österreichische Regierung hat am Freitag dem Abgcordnetenhause ein Gesetz vor- gelegt, daff nichts anderes bedeutet, als daß im Falle der Mobil!- sierung— der Krieg muff gar nicht ausgebrochen sein der täenker an die Stelle aller Gesetze tritt. Jeder männliche Bewohner Oesterreichs, der noch nicht fünfzig Jahre alt ist, soll militarisiert werden können— mit einem Federstrich des Landesverteidigungsininisters. Dieser Minister soll anordnen können, daff der Staatsbürger alle Rechte verliere, die politischen und die wirtschaftlichen, und nur ein Gebot für ihn gelte: den militärischen Anordnungen zu folgen oder kriegsgerichtlich be- handelt zu werden, also auch mit Galgen oder, wenn man„Gnade" eintreten läfft, mit Pulver und Blei. Die Einbringung dieses Gesetzes ist das unverschämteste An- sinnen, das man an ein Parlament stellen kann, und nur in einer Zeit, in der man die Phrase vom„bedrohten Vaterland" gebraucht, konnte sich die Regierung trauen, das Parlament zur Regelung solcher Gewalttaten aufzufordern.' Dabei hat man die Ocffent- lichkeit absichtlich irregeführt. Am Donnerstag kündigte in einer Sitzung des SeniorenkonvcntS des Abgeordnetenhauses der Ministerpräsident Graf St ü r g k h die Einbringung mehrerer Ge- setze an, darunter eines„über Ubikationen und Transportmittel im Kriegsfall". Natürlich dachte man dabei an ein Gesetz über die Einquartierung bon Soldaten und Entnahme bon Automobi- len. Als man das Gesetz sah, entpuppte es sich als eines über die „Kriegsleistungcn". Aber nicht die sachlichen' Leistungen, die im Falle des Krieges beizustellen sind, bilden den Kern des Gesetzes, sondern die Beistellung des Menschen, die Aufopferung der ganzen Persönlichkeit, die Unterwerfung fast aller in Oesterreich wohnenden Männer unter das Krie g.s- �Der erste der entscheidenden Paragraphen des Gesetzes be- sagt:~Jeder männliche Arbeitsfähige, der nicht über fünfzig Jahre alt ist--- sö er jemals Soldat war oder nicht« kann im Falle der Mobilisierung oder der Ergänzung des Heeres auf den Kriegs- stand zu„persönlichen Dienstleistungen für Kriegs- zwecke" herangezogen werden. Welcher Art diese Dienstleistungen sind, wird nicht gesagt. Damit wird die Militärpflicht für alle Männer bis zu fünfzig Jahren ausgesprochen. Daß man dabei nur daran denkt, die Arbeiter zu militarisieren, geht daraus hervor, daß von der„Leistung länger dauernder Arbeiten und Leistungen außerhalb der Aufcnthaltsgemeinde" selbständige Landwirte, Fabrik- und Gewerbeinhaber be- freit sind. Also, die Arbeiter sollen herangezogen werden kön- nen. Wenn man auch die Menschen zu gar nichts brauchen wird. kann man sie irgendwohin auf ein Feld schicken, man kann sagen. sie sollen Erdhaufen aufwerfen— und sie haben alle Rechte ver- wirkt. Es existiert dann für sie kein Vereinsrecht, kein Versamm- lungsrecht mehr, sie können keine Zeitung lesen, keinen Brief schreiben— sie unterstehen der Militärdisziplin und dem militä- rischen Strafrecht und dem Militärgericht, was in Oesterreich im Kriege bedeutet, daß der„Ungehorsame" gehängt oder erschossen werden kann. Man merkt, was man mit dieser Militarisierung bezwecken will. So viel Männer, daff man nicht einmal mit dem Landsturm, zu dem jeder vom 19. bis zum 42. Lebensjahr verpflichtet ist, aus- kommen könnte, kann kein Krieg erfordern. Es kann sich also nur darum handeln, alle Leute, die an einem Streik teilnehmen könnten, durch die Militarisierung davon abzuhalten. Noch deutlicher wird das in einem zweiten Paragraphen aus- gedrückt. Er knüpft an die Bestimmung an, daß die Militär- kommandanten im Falle der Mobilisierung oder der Ergänzung des Heeres auf den Kriegszustand jedes Unternehmen— Trans- port- und Verkchrsunternehmen, Industrie- und alle anderen An- lagen— verhalten können, den Betrieb weiterzuführen oder sein Personal zu überlassen. Das Militär kann die Leitung des Betriebes übernehmen, es kann diese aber auch dem Unter- nehmcr belassen. Aber in jedem Falle haben alle männlichen Arbeiter bis zu fünfzig Jahren, so lange der Aus- nahmezustand dauert, die Pflicht, in dem Arbeitsvcr- hältniszuver bleiben. Es gibt keinen Grund, der sie nach diesem Henkergesctze berechtigen würde, die Arbeit zu verlassen. Der Unternehmer kann ihnen Lohn zahlen, so wenig er will, er kann den Arbeitsvertrag in jedem Punkte brechen, er kann sie be- schimpfen, ja halbtot schlagen: sie müssen trotzdem bleiben und den von den Militärorganen erteilten Befehlen unbedingt Folge leisten, sonst werden sie nach Kriegsrecht behandelt— auch mit Galgen und Blei. Was anderes ist also der Zweck dieses Gesetzes als die Arbeiter ihres Willens zu berauben, sie mit der Androhung des Todes da- von abzuhalten, zu tun, was sie für«ut befinden? Der Blutrausch der Verfasser des Gesetzes war so stark, daff sie— ganz übcrflüssigerweisc, denn die allgemeine Bestimmung würde dem edlen Zweck schon genügen— auch noch ausdrücklich sagen, daß, wer im Gefolge von Soldaten oder auf einem von der Kriegsmarine benutzten Fahrzeuge irgendeine strafbare Handlung begeht, sei sie welche immer, der Kriegsgcrichtsbarkeit untersteht, und daff die Bediensteten der zu Besorgungen für den Krieg heran- gezogenen Verkehrsunternehmungen wegen jeder-Ver- lctzung der Dienstpflicht mit der militärischen Strenge vom Kriegsgericht zu behandeln seien! Die Sozialdemokratie hat dem Henkergesetz aber die schärfste Fehde angekündigt. Bisher zeigen nur die Christlichsozialen, die immer als die Ersten joder Schandtat zujubeln, brennend« Gier, das Gesetz anzunehmen. Die übrigen bürgerlichen Parteien sind zurückhaltend. Man wird aber bald sehen, ob sie schon rechte Eunuchen sind, auch dieses �-fttz, das allen Rechten der Staats- bürger den Garaus macht, dem Moloch zu apportieren. In Ungarn benutzt die Regierung, die den Völkern die Wahlreform schuldig ist, die günstige Situation dazu, ein Gesetz vorzulegen, das im Kriege der Prefffreiheit, dem Vereins- und Ver- sammlungsrccht, der Freiheit des Aufenthalts, den Schwurgerichten ein Ende machen kann. In Oesterreich besteht das Gesetz, daff im Kriege die staatsgrundgesctzlich gewährleisteten Rechte suspendiert werden können, schon seit dem Jahre 1869. Dieses Gesetz ermöglicht selbst im Frieden den Ausnahmezustand zu verhängen, und war doch der Wiener Ausnahmezustand von 1884 bis 1891 ohne besonderes Gesetz möglich. Natürlich ist die ungarische Schandtat noch um einige Neuigkeiten bereichert. Jenseits der Leitha geniert man sich auch nicht, gerade herauszusagen, daff man in Kriegszeiten den Streik m i t den allergrausamsten ZNitteln verhindern will. Das österreichische Gesetz will dasselbe, erwähnt aber das Wort Streik nicht. In dem ungarischen Gesetz heißt es aber:„Wer in Kriegszeiten, zum Zwecke der Erschwerung oder Ver- eitelung der Kriegsführung Arbeiter zu gemeinsamer Ar- beitseinstellung, oder Arbeitgeber zur Aussperrung der Ar- beiter, oder Arbeiter zu Aussperrung der Arbeitgeber veranlaßt, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren und mit Geld- strafe bis zu 8999 Kronen bestraft. Derselben Strafe unter- liegt, wer zu dem bezeichneten Zwecke durch Zusammenrottung den Beginn oder die Fortsetzung der Arbeit verhin- dert. Wer in Kenntnis, daff die Arbeitseinstellung oder die Aus- sperrung die Kriegführung erschwert oder vereitelt, an solchen A r- beitseinstellungen oder Aussperrungen teilnimmt, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bis zu 4999 Kronen bestraft." Die Regierungen nützen also die' patriotischen Wallungen der bürgerlichen Parlamentarier gründlich dazu aus, aller Freiheit ein Ende zu machen. poUtilcke(JcberUcht* Berlin, den 2. Dezember 1912. Der Wuhlrechtsraub in Renß j. L. Am Sonntagnüttag protestierte die Arbeiterschaft Geras in süns von vielen Tausenden besuchten Versammlungen, zu denen auch viele Hunderte von Arbeitern auS den Orten des reuffischen Unter- landes herbeigeströmt waren, gegen die geplante- WahlrcchtS- verichlechterung. In de» Versammlungen sprachen der Reichstags- abgeordnete des Kreises, Wurm, und die Genossen Leber, Vetterlein, Knauf und Leven. Die Redner enthüllten die fein ausgeklügelten„Reformpläne", durch welche die Regierung im Bunde mit den bürgerlichen Parteien die Arbeiterklasse zu entrechten sucht. Sie charakterisierten den Raub als einen Umsturz von oben, durch den die herrschenden Klassen das unaufhaltsame Eindringen der Sozialdemokratie in den Landtag und in die Gemeindevertretungen zu verhindern trachtet, um sich für den ReichStagSwahlsieg von 19 l2 zu rächen. Sie brandmarkten das Verhalten der bürgerlichen, vor allem der freisinnigen Presse, die den Plan, von dem das Parteiblatt, die„Renffische Tribüne", vorzeitig Kenntnis erhielt und den es veröffentlichte, bis zur letzten Stunde dreist ableugnete. DaSVerhalten des reuffischenFreisinns in diesem Wahlrechtskanrpfc lverde sicherlich nicht ohne Wir- kung auf daS Verhältnis der Sozialdemokratie zum deutssch enFreisinn bleiben: eineWirjkung, die sich schon bei den bevorstehenden preußischen LandtagSwahlen zeigen könne: denn das Verhalten deS Freisinns in diesem Kanrpfe müsse als entscheidend dafür gelten, ob der Freisinn für immer in daS Lager der volksfeindlichen Reaktion abzuschwen- ken gedenke, oder ob er noch Anspruch darauf erhebe, als fort- schrittlich zu gelten. In allen Versammlungen wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die Versammelten schärfsten Protest gegen den Wablrechtsraub erheben und erklären, als Antwort auf diese Bor- läge für die Slärkung der Organisation und für die Verbreitung der Parteipresse unermüdlich täng sein zu wollen. Nach dem Schlüsse der Versammlungen zogen die Teilnehmer zu Tausenden und Abertausenden nach dem Innern der Stadt und demonstrierten unter sozialistischen Gesängen aus dem Marktplatz vor dem Rathause. Die Polizei war nur in geringer Zahl aufgeboten, sie hielt sich abseits. Auch die Bersainmlnnge» blieben unüberwacht. Doch hielt nian das Militär in der Kaserne bereit und sorgte so dafür. daff die Proletarier im bunten Rock, aus denen sich die Geraer Garnison fast ausschließlich znsaminensetzt, ans die Vorgänge„draußen" aufmerksam gemacht wurden. Am Sonntagnachmittag demonstrierte auch die Arbeiterschaft von Triebes. Einst und jetzt. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" leisten sich das Ver- gnügen, die bayerischen ultrainonen Blätter, die vor Wut über die Auslegung des Jesuitengesetzes durch den Bundesrat kreische», init einer niedlichen Reminiszenz aus dem Jahre 184ö zu ärgern. Das liberale Blatt erzählt: „Am 7. Dezcniber 184? hat Fürst Wrcde in der Kammer der Reickisrätc den Antrag eingebracht, der sich gegen die beabsichtigte Zurückbcrufuug der Jesuiten nach Bayern aussprach. Und die ReichsratSkanuner? Sie nahm den Antrag mit 39 gegen 6 Stimmen an und unter dieser Majorität befanden sich nicht nur vier königliche Prinzen, von denen einer heute noch lebt, sondern auch der Erz- bischof Urban von B a in b e r g und der Bischof Richarz von AilgSburg. So haben wir zweimal mitgeteilt! Warum blieb man so still und so stumm? Wegen der Erzbischvfe? Nein! „Der königliche Prinz, der heute noch lebt�»» ist Prinz Luitpold von Bayer n." „Wir führen den Wahlkampf nur mit anständigen Waffen l" So behauptete bekanntlich auf dein BrcSlauer konservativen Parteitag kurz vor der ReichstagSwahl Herr v. Hcydebrand, der Führer der Junkerpartei. Wie diese„anständige" Kampfcsweise beschaffen ist, dafür lieferte dieser Tage eine Verhandlung vor dem Schöffengericht in Wittenberg wieder einen neuen Beweis. Im Wahlkreise Wittenberg-Schweinitz, wo der jetzige freisinnige Vizepräsident Dove gegen den agrärkonservativen Millionär Major Letträ in der Stichwahl nur gewählt werden konnte, wenn er die Stimmen des ausgeschiedenen sozialdemokralischen Kau- didaten Hildebrandt erhielt, wurden am Morgen des Stichwahl- tages zehntansende von Flugblättern verbreitet, die folgende Auf- forderung enthielten: „Arbeiter, Handwerker! Enthaltet Euch der Stimme i— Hildcbrandt."— Durch diesen Wahlschwindel sollten die Wähler des sozialdemo- kratischen Kandidaten veranlaßt werden, entgegen der Stichwahl- parole durch ihre Wahlenthaltung den Schwarzblauen die Er- gatternng eines Mandats zu erleichtern. Die fortschrittliche„Witten- berger Allgemeine Zeitung" und das Hallesche„Volksblatt" geißelten in mehreren Artikeln diese perfiden Machenschaften. In einer Arnkcl- serie meinte das fortschrittliche Blatt, das gemeine Wahlmanöver könne nur von der konservativen Partei oder dem Bunde der Landwirle ausgegangen sein, und so lange die Herren Konservativen nicht daS Gegemeil bewiesen, würden sie sich gefallen lassen müssen, daß man sie mit der unsauberen Geschichte in Verbindung bringe. Jedenfalls um zu verhüten, daß bei künftigen Wahlen dieses Betrugsmanövcr den Konservativen vorgehalten werden konnte, unternahm der Bor- stand des konscrvaiiveu Vereins ein großes Reinigungswerk und stellte gegen den Redakteur des freisinnigen Blattes Strafantrag wegen Beleidigung. Wie nicht anders zu erwarte» war, lehnte der Staatsanwalt aus leicht begreiflichen Gründen ein Einschreiten ab, so daß die Herren Landrat v. Trotha. Kammerherr v. Leipzig, Winterschuldirektor v. Spillner. Amlsgcrichtsrat Herr und Amtsral Hartwig den Privatklageweg betreten mußten. Die Kläger waren eifrig bemüht, in den Verhandlungen den Angeklagten zur Abgabe einer Erklärung zu veranlassen, daß er sie persönlich mit den Angriffen nicht treffen wollte, und waren sogar bereit, die Hälfte der Kosten zu zahlen. Der Angeklagte ließ sich jedoch auf diese durchsichtigen Vorschläge nicht ein, sondern bot einen umfang- reichen Wahrheitsbeweis daiiir an, daß der W a h l s ch w i n d e l von einem Anhänger der Konservativen verübt ivorden sei, und daß insbesondere der Landrat V.Trotha W a h l b e e i n f l u s s u n g e n gegenüber Beamten verübt habe. Dieser Verslßh, Licht in die dunklen Machenschaften zu bringen. wurde vom Gerichtsoorsitzenden, der in einer früheren Verhandlung mitsamt den Schöffen als befangen abgelehnt worden war, vereitelt mit dem Bemerken, daß das Gericht nicht dazu da sei, jenes Wahl- manöver völlig anfzuklären. In der Zwischenzeit ist nämlich der Urheber des Schwindels in der Person des Maschinenhändlers D o e r r aus dem Kreise Schweinitz entdeckt worden. An der- Verbreitung der Schwindelfluzblättcr sind mindestens 69 Personen beteiligt gewesen, ferner mehrere Automobile aus Berlin. Docrr und der Druckereibesitzer wurden durch amtsrichterlichen Strafbefehl s!) wegen Vergehens gegen da»— Preßgesetz sauf dem Flugblatt fehlte die Angabe deS Drückers) zu je?9 Mark Geld- strafe verurteilt. Die beiden können sich jedenfalls nicht über eine zu harte Strafe beschweren, wie die Arbeiter im ManSfeldischcn, die wegen versuchten Schüttclns der Wahlurne zu 3 Monaten Ge- sängnis verurteilt wurden. Dem Gesetz ist Genüge geschehen, wenn das Volksbewußtsein auch in diesem Falle etwas anderes erwartet hättte, vor allem eine öffentliche Gerichtsverhandlung. n der festgestellt werden konnte, wer dem Händler mit landwirt- chaftlichen Maschinen das Geld zur Ausführung des frechen Schwindels gegeben hat. Denn es wird doch kein Mensch glauben wollen, daß jemand, der in so dürftigen Verhältnissen lebt, daß er nur mit 21 M. zur Steuer veranlagt ist, aus purer Begeisterung für die Konservativen über 1999 M. hinauswirft? Be, ftincr Ber- »chmuiig gab der Wahlmogler auch z». Anhänger der konservative» Partei gewesen zu sei». Alle Versuche, die Hintermänner dieses Menschen und die sonstigen Machenschaften des Bundes der Land- Wirte und der Konicrvativsn gerichtlich klarzulegen, wurden durch die eigenartige Stellungnahme des Gerichts vereitelt, indem eS diese Behauptungen größtenteils als wahr unterstellte. Beinerkenswerl ist noch die Tatsache, daß daS Geschäft deS von den Konservativen „abgeschüttelten" Maschinenlieferanzen seit der Wahl einen solchen Umfang angenommen hat, daß er sich ein Automobil anschaffen konnte und daff viele ländliche Abonnenten des freisinnigen BlatfcA, deren Namen durch Indiskretion eines Postbeamten zur Kenntnis der Bnndler gelangte», von diesen systematisch boykottiert werden. Wegen Beleidigung durch zwei Artikel wurde der ehemalige Blockbruder der Junker zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt. Zur württembergischen Proporzwahl, die am t8. Dezember stattfindet, nahm eine am Sonntag in Stutt- gart abgebalteue Konferenz, bestehend aus den Mitgliedern des Landcsvorstandes, des Landesausschusses, den Kreisvorsitzenden und den bei den Bezirlsivahlen gewählten Abgeordneten Stellung. Es wurde einstimmig beschlossen, bei der Ausstellung der Proporzzcttel von jeder Kumulierung abzusehen. Danach waren für den nördlichen Landeswahlkreis neun, für den südlichen acht Kandidaten aufzustellen. Das Ergebnis der Ab- stimmuug ist, dast auf oen Zettel den nördlichen Kreises gesetzt iverden: die bisherigen Abgeordnelen Feuerstein. Heimann, Reichel, sodann die Genossen Erlenbusch-Backnang. Ernst-Efilinge», Pfliiger-Stutt- gart, Behr-Stuttgart, Rostmann-Ulin und Seemanu-Slnitgart. Dr Zettel für den südlichen Kreis enthält die Namen der bisherigen Abgg. Mattutat und Wagner, ferner die der Gen. Presmar-Geitzlingen, Hill- Reutlingen. Göriug-Nlni, Flaig-Schwenningen, Herpich-Stuttgart und Massalsch-Stuttgart._ Tie Bergwerksindustrie und Bergverwaltung Preustcns im Jahre 1911. Nach dem auf amtlichen Quellen beruhenden, in der„Zeit- schrift für das Berg-, Hütten- und Salincnwesen" erschienenen Bericht hat die Bergwerksindustrie im Jahre 1911 einen weiteren Aufschwung erfahren. Die Kohlenförderung ist gegen das Vorjahr um nicht weniger als 6,17 Proz. gestiegen. Wie der Bericht angibt, sind auch die Löhne in die Höhe gegangen, von Vierteljahr zu Vierteljahr soll der auf den Kopf der Belegschaft entfallende Durch- schnittslohn gestiegen sein. Ueber die Höhe der Löhne im ein- zelnen jedoch schweigt der Bericht, der sonst über alles sehr detaillierte Angaben macht, sich völlig aus, er begnügt sich mit der kurzen Bemerkung, daß die Jahresdurchschnitte von 1909 und 1910 überall erheblich überschritten sind, sagt aber nicht, wieviel die Löhne betragen, und vor allem sagt er nichts darüber, in welchem Maße die angebliche Lohnsteigerung durch die Steigerung der Preise der Lebensmittel wieder wettgemacht sist. Ilcberhaupt merkt man dem Bericht seine tendenziöse Färbung auf den ersten Blick an. Er klagt lebhaft über willkürliche Feier- schichten der Arbeiter, über Lohnbewegungen und dergleichen und bemüht sich überall, die Arbeiter als diejenigen hinzustellen, die den geordneten Gang des Betriebes stören. So gibt er als Gründe für den starken Bclegschaftswechsel im Oberbergamtsbezirk Dortmund die Wanderlust, Aussicht auf bessere und neuzeitlichere Wohn- gelegenheit, nachbarliche Uneinigkeit und Verfeindung, Steuer- und Kreditfragcn sowie Bctriebscinschränkungen an. Daß dies nicht allein die Gründe sind, ist zwischen den Zeilen zu lesen. Muß doch der offiziöse Berichterstatter selbst zugeben, daß bei einem erheb- lichen Teile der Arbeiterschaft auch wirtschaftliche Erwägungen zum Zwecke der Erreichung besserer Arbeits- und Lohnbedingungen maßgebend gewesen sein mögen, und daß sich viele Arbeiter zum Wechsel ihrer Arbeitsstätte dadurch haben locken lassen, daß die in der EntWickelung stehenden nördlichen Zechen, entsprechend ihrem größeren Arbeiterbedürknis, höhere Löhne zahlten. Geklagt wird über die Zunahme der Fälle, in denen die Arbeit unter Kontrakt- bruch verlassen wurde. Diese Fälle haben insgesamt im Berichts- jahcc die Höhe von 10138 erreicht. Wenn der Bericht hinzufügt. dies auffallende Anwachsen dürfte hauptsächlich auf die seit dem 1. Januar 1910 festgesetzte Kürzung der Aussperrungszeit nach Kontraktbruch von sechs Monaten auf einen halben Monat zurück- zuführen sein, da diese verhältnismäßig kurze unfreiwillige Warte- zeit die Leute weniger abschrecke, so ist das ein Zeichen für die arbeiterfeindlichen Gefühle, die den Berichterstatter beseelen. Von den gleichen antisozialen Bestrebungen diktiert ist sein Urteil über die Ursachen der willkürlich gefeierten Schichten, aus deren Zu- nähme er den Schluß zieht, daß auch die durch die Dürre des Sommers hervorgerufene Verteuerung der Lebensmittel und die dadurch ungünstig beeinflußte wirtschaftliche Lage eine Einschrän- kung des„Bummelns" an den Montagen und den Tagen nach Lohn- und Abschlagszahlungen nicht herbeizuführen vermocht hat. Im einzelnen sei aus dem Bericht noch hervorgehoben, daß die Gesamtzahl der im Jahre 1911 beschäftigten jugendlichen Arbeiter im Oberbergamtsbezirk Dortmund um ein geringes, nämlich um 43, abgenommen hat. Die Ueberschichten und die Nebenschichten haben eine weitere Zunahme erfahren. Die Zahl der Ver- unglückungen mit tödlichem Ausgange ist gegen * das Vorjahr wieder gestiegen. Im ganzen verunglückten tödlich 1417 lgegen 1364) Personen, und zwar 1176(1140) beim Steinkohlenbergbau, 93(73) beim Braunkohlenbergbau, 70(31) beim Erzbergbau und 78(00) bei anderen Mineralgewinnungen. Auf 1000 beschäftigte Personen kommen 1,929 tödlich Verunglückte gegenüber 1,906 im Durchschnitt der Jahre 1901 bis 1910 und 2,186 im Durchschnitt der Jahre 1891 bis 1900. Erwähnt sei noch das wertvolle Zugeständnis, daß die auf die Dürre des Sommers zurückzuführenden teilweisen Mißernten des Jahres 1911 eine erhebliche Preissteigerung der wichtigsten Lebens- mittel verursacht und so eine Hebung der wirtschaftlchen Lage der Bergarbeiter trotz der im Laufe des Jahres durchweg gestiegenen Löhne verhindert haben. Unter solchen Umständen dürften die Lohnbewegungen der Bergarbeiter denn doch nicht so unbegründet sein, wie der Berichterstatter es hinzustellen beliebt, zumal da durch die von den Zechenbesitzern getroffenen Wohlfahrtseinrichtungcn trotz aller Loblieder, die die Verwaltungen auf sie singen, nicht allzuviel zur Linderung des Notstandes der Arbeiter anzufangen ist. Sokdntenfreude». Ein bemerkenswerter Prozeß, der geradezu aufreizend wirken muß, gelangte vor dem Dresdener Kriegsgericht zur Verhandlung. Wegen angeblicher Achtungsverletzung und Gehorsam sve r w e i g e r u n g vor versammelter Mann- schaft war der bisher völlig unbestrafte und gut beurteilte Ge- freite der 3. Eskadron des Gardcrciterregimcnts Albert Robert M i t t r c u t e r angeklagt. Ter Angeklagte war am 26. Oktober zum Berittführer bestellt und hatte Vorbereitungen für den ange- setzten Pferdeappcll zu treffen. Im letzten Augenblick bemerkte er, dag ihm zur Vorführung der, Pferde einige Soldaten fehlte». Er begab sich zum Unteroffizier Bommlig und erbat sich von diesem in angeblich unmilitärischer Form drei Mann. Der Unteroffizier fuhr ihn aber mit den Worten an:„Ein paar in die Schnauze können Sie kriegen, scheren Sie sich weg!" Mittreuter erwiderte darauf:„Herr Unteroffizier, ich muß die Leute haben!" Jetzt versetzte der Unteroffizier dem Angeklagten mehrere Stöße gegen die Brust, daß der Mißhandelte einige Schritte zurücktaumelte. Die Mißhandlung brachte den Ge- freiten in Erregung und er äußerte:„Vergreifen darf sich der Herr Unteroffizier nicht an mir, fassen Sie mich nicht noch mal an!" Nach Aussage des Unteroffiziers soll Mittrcuter dabei eine unmilitärischc Haltung eingenommen und eine drobcnde Handbcwcgung gemacht haben. In der Verhandlung stellte sich aber heraus, daß Mittreutcr die Hand nur erhoben hatte, um weitere Mißhandlungen abzuwehren. Als sich der Gefreite dann entfernen wollte, überschüttete ihn der Unteroffizier mit Schimpfnamen, wie Rindvieh, Mistvieh, Schwein u. s. f. und befahl dem Angeklagten noch, zu ihm zu kommen und sich anständig hinzustelleir. Da Mittreuler aber mit seinem lieben Vorgesetzten nichts mehr zu tun haben wollte und überdies auch seinen Beritt fertig zu machen hatte, erklärte er: „Ich habe keine Zeit!" Der Unteroffizier erteilte darauf dem An- geklagten einige Befehle, die Mittreuter aber in seiner bcgriflichcn Erregung unbefolgt ließ. Als der Unteroffizier die Befehle wieder- holte, sagte Mittreuter:„Wenn der Herr Unteroffizier noch was von mir will, dann kann er ja gleich mitgehen, ich gehe zum Ober- leutnant." Darauf äußerte der Unteroffizier:„Ich weiß nicht, ob ich das Schwein gleich arretiere oder zum Oberleutnant schaffe!" Der Vorfall kam zur Meldung und nicht der Unteroffizier, sondern der mißhandelte Soldat kam unter Anklage— weil er die Quälereien nicht widerspruchslos hatte über sich ergehen lassen! Mittreuler gab bor Gericht an, daß er dem Unteroffizier angemessen entgegengetreten, aber erst durch dessen rohes Auftreten gereizt worden sei. Der Unteroffizier sei schon sehr oft so zu ihm ge- Wesen. Die Zleußerungen habe er nur getan, um den Unteroffizier von weiteren strafbaren Handlungen abzuhalten. Die Befehle habe er um deswillen nicht befolgt, weil er sehr erregt. war und den Befehl erhalten hatte, den Beritt fertig zu machen. Die Miß- Handlung und Beleidigungen wurden durch Zeugen bestätigt. Der Unteroffizier gab die strafbaren Handlungen als möglich zu, charak- terisiertc sich aber selbst treffend durch die Worte:„Es k a n n f e i n, daß ich zu Mittreutcr roher war als sonst." Der Eindruck, daß das Gericht auf feiten des Angeklagten stand, war unverkennbar. An sich hatte Mittreuter mit wenigstens 43 Tagen Gefängnis bestrast werden müssen. Das Gericht nahm aber an, daß er durch Mißhandlung und Beleidigung zur Tat gereizt worden ist und ihm der§ 98 des M.-Str.-G.-B. zu- gebilligt, der eine Herabsetzung der Strafe bis auf die Hälfte zuläßt. Das Urteil lautete auf die zulässig mildeste Strafe von 3 Wochen und 1 Tag mittleren Arrest!! In den zi- tierten Aeußerungen, die im Anschluß an die Beschimpfung unö Mißhandlung gefallen sind, hat das Gericht«ine-- A ch t u n g s- Verletzung erblickt! Auch Gehorsamsverweigerung wurde für vorliegend erachtet. Zugleich wurde aber in der Begründung aus- gesprochen, daß der Unteroffizier den ganzen Bor- gang verschuldet hat._ Italien. Der Friedensvertrag und seine Anhängsel. Rom, den 30. November.(Eig. Ber.) Daß die italienische Kammer nicht daran denken konnte, dem Friedensvertrag von Lau- sänne die Ratifizierung zu verweigern, war von vornherein klar. Es handelt sich hierbei um eine Formalität. Das Ministerium hat es aber sik gut befunden, gleichzeitig mit dieser Formalität eine wesentliche Entscheidung von der Kammer zu fordern: Giolitti hat gewissermaßen in den obligatorischen Trunk eine recht bittere Me- dizin einrühren wollen', damit das Parlament alles zusammen gut- willig herunterschlucke. Der Gesetzentwurf über den Friedensver- trag besteht ohne irgendwelche logische und praktische Berechtigung aus zwei Teilen, der erste gibt dem Vertrag Exekutivkraft, der zweite bewilligt die Eröffnung eines Kontokorrents von 60 Millio- nen zugunsten des neuen Kolonialministeriums für öffentliche Ar- betten in Lydien. Als ob es damit noch nicht genng des Bittern wäre, enthält der zweite Artikel noch zwei weitere Bestimmungen: von diesen 60 Millionen soll auch das Defizit gedeckt werden, das sich etwa in der Einrichtung des neuen Ministeriums über die vom Parlament bewilligten 200 000 Lire hinaus, ergeben sollte; weiter sollen die Kolonialausgabcn nicht, wie alle anderen, im Budget- Voranschlag der Kammer vorgelegt, sondern einfach als Allegat des KonsumptivbuidgetS der nachträglichen parlamentarffchen Gcneh- migung unterbreitet werden. Wohl selten hat man einem Parka- ment so ungeheuerliche Zumutungen gestellt! Den Friedensver- trag muß es ratifizieren, das ist eine reine Formalität: daß es aber gleichzeitig Gelder bewilligen und auf sein Recht, über diese Verwendung dieser Gelder zu wachen, verzichten soll, ist unerhört. Es gehört schon Giolittis tiefe Verachtung seiner Mehrheit dazu, um einen derartigen Versuck zu wagen. Freilich wird der Aus- gang zeigen, daß man diese Mehrheit gar nicht unterschätzen kann. Sie Ivird den Entwurf annehmen, wie sie noch ganz anderes an- nehmen würde. Die sozialistische Parlamentsfraktion hat den Abgeordneten T r e v e S beaustragt, als FrakiionSredner bei der bevorstehenden Diskussion die Eimoände der Partei zu begründen, die in einer von der Fraktion angenommeucn Tagesordnung niedergelegt sind. An dem Friedensvertrag selbst wird moniert werden, daß er einmal die friedliche Ausübung der italienischen Souveränität nicht gc- währlcistct und dann den aus der Türkei ausgewiesenen Italienern keine Entschädigung gewährt. Weiter wird sich der Fraktionsrcdncr gegen die Verquickung der Ratifizierung mit der Bewilligung der Kolonialausgaben wenden, diese selbst als für die kulturelle Ent- Wickelung Italiens hemmend und schädlich bezeichnen, um schließlich gegen die Verkürzung der Rechte dcö Parlaments, die die präventive Bewilligung der Ausgaben einschlichen, energisch Einspruch zu er- heben. Diese Kritik der Sozialisten wird natürlich die Mehrheit nicht hindern, Giolitti freudig soviel an parlamentarischen Rechten zu Füßen zu legen, als ihm niederzutreten irgend genehm sein kann. Marokko. Knltnrarbeit mit dem Schnellfenergeschütz. Poris, 2, Dezember. Die„Agence HavaS' meldet aus Mozagan vom 30. November: Die Kolonne Mungin stieß auf die Rückkehr von Dcmnat auf aufständische Marokkaner, die von der Artillerie auf den Höhen, wo sie sick in Sicherheit glaubte», beschossen wurden. Dabei wurden etwa 00 M a r o k k a n e r c r s ch o s s e n, die Fran- zosen hatten keine Verluste._ Hus der Partei» Die sozialistische Aktion gegen den Krieg. Paris, 30. November(Eigener Bericht). Die BcrlvaltungS- kommiffion der geeinigten Partei und die Fraktion haben beschlossen, den Baseler Beschlüfien gemäß die Propaganda gegen den Krieg zu verstärke». Zu diesem Zweck werden die Parteiabteilungen auf- gefordert, in Resolutionen ihre Zustimmung zum Manifest der Jiiter- nationale zu erklären. Es sollen überall, wo dies angeht, die Baseler Delegierten Rechenschaftsberichte erstatten. In Paris wird dies in einer Versammlung geschehen, wo die Genossen B a i l l a n t, I a u r d s und P r e s s e n s ö sprechen werden. Die VerwaltungS- kommission hat auch beschlossen, das Manifest als Flugblatt zu ver- breiten, endlich soll auch eine besondere Propagaudabroschüre heraus- gegeben werden, die die Berichte über die großen Kundgebungen in Paris und Basel und die Beschlüsse deS Pariser Parteitags und des internationalen Kongresses vereinigt. Ein Nachwort des„Avant»" zum Internationalen Kongreß. Rom, den 30. November.(Eig. Ber) Die Genossin Angclica Balabanoff behandelt in einen» Leitartikel deS„Avanti" den Kongreß von Basel und konstatiert mit stolzer Genugtuung, daß seine Eutscheiduugen bestimmt sind, nicht nur in der Geschichte der sozialistischen Internationale, sondern auch in der der herrschenden Klassen tiefe Spuren zu hinterlasse». In Basel hätten die sozia- listiickcn Parteien aller Länder gezeigt, daß sie in der Bewertung der Ereignisse der TageSgeickichie auf die tiefen wirtschaftlichen fflnmdlagen zurückzugeben versieben. Deshalb hat sich einer neuen Situation gegenüber nickt das Bedürfnis»ach einer Aendcriuig dcrTaklik gezeigt: wie mau iin Kriege eine Aeußcrung des Kapitalismus sieht, so siebt man im Klassenkampfe dcö Proletariats das Mittel zu seiner Bekämpfung. Keine besondere Taktik, kein Spezifikum für die Er- baltung des europäischen Frieden?: alles, was die Mackt des Proletariats und sein Klassenbewußtsein stärkt, dient diesem Zwecks. Zum Schluß weist der Artikel auf die großen Fortschritte hin, die daZ internationale Bewußtsein seit dem Jahre 1870 gemacht hat, als noch Liebknecht und Bebel mit Freiheitsstrafen die Betonung internationaler Solidarität büßen»nußten und dabei noch den großen Teil der Massen gegen sich hatten. Heute bleiben dieselben Massen unberührt von der Hetze der nationalistischen Demagogie, heute sei die proletarische Internationale zu einer Macht geworden, die bereit ist, sich mit alle» Mitteln den Kriegsgelüsten der herrschenden Klassen enlgegenzustelleii.__ Fricdensdeuioiistratiou in Rumänien. Bukarest, 1. Dezember.(Privattcscgramm des „Vorwärts".) Die organisierte Arbeiterschaft protestierte heute in zwei Versammlungen, davon eine unter freiein Himmel, gegen die Kriegshetze. Nach den Versammlungen erfolgte eine machtvolle Straßcndemonstratioil. Die schwarzgclbe Polizei gegen FnedenSdemoilstrationen. Wie ein Depeschenbureau aus Prag meldet, hatten die sozial- demokratische»md die nationalsoziale Partei für Sonntag Versamm« lungen angekündigt, in denen für den Frieden demonstriert werden sollte. Alle diese Versammlungen wurden von der Polizei ver- boten._ Ei» Sozialdemokrat als Mitglied des StaatsgerichtshofeS. Als Mitglied des StaatsgerichtShofcs, das von de», öfter- r e i ch i s ch e n Parlament zu ivählen ist, wurde Genosse Friedrich A u st e r l i tz, der Chefredakteur der Wiener„Arbeiter-Zeitung" gewählt._ polizeiliches, Gerichtliches ulw. Haussuchungen und kein Ende. Wie schon berichtet, fand Freitag morgen im Düsseldorfer Pressebureau für'Rheinland-Westfalen eine Haussuchung nach der Agitationsbroichüre„Der Militarismus— ein Segen oder ein Unglück für das Volk" statt. Wenige Stunden darauf haussuchte die Polizei im Düsseldorfer Parleisekrclariat nach derselben Broschüre, fand aber nicht ein einziges Stück. Damit nicht genug, wurde am Nachmittag bei einein jüngeren Genossen— während dieser sich auf seiner Arbeitsstelle befand— Haussuchung nach der Broschüre gehalten, aber ebenfalls kein Exemplar gefunden. Statt dessen nahm man eine Broschüre, betitelt„Imperialismus oder S o z i a l i s in il s", mit. Das Bezeichnende dabei ist, daß der betreffende Genosse in der Partei keinerlei Funktionen bekleidet: er hat früher einmal die„Arbeiter-Jugend"� ausgetragen, was auch der Polizei bekannt war. Man nimmt also offenbar an, daß die kleine Broschüre für die— Jugend bestimmt war I Doch noch immer war die Polizei nicht zufrieden. Sonnabend vormittag erschien sie im Düsseldorfer VolkShatise und wollte eine Durchsuchung deS ganzen Gebäudes mit seinen zahlreichen Gcwerkschaftsbureaus vornehmen. Schließlich aber begnügte man sich»nit einer Haussuchung im Druckereibeiriebe unseres PartciblattcS nach den Platte n zu der Broschüre. Gefunden wurde natürlich nichts, da die„staatSgefähr- lichen Dinger" längst wieder eingeschmolzen waren. Soziales. DaS Existenzminimum vor dem Reichsgericht. In konstanter Judikatur hat das Reichsgericht daran fesb- gehalten, daß 1. feai Lohnbeschlagnahmegesetz klar«inen JahrcS- betrag von 1600 M.(nicht Monatsbetrag von 126 M.) jeder Pfän- dung entzieht; 2. ein Arbeitsvertrag unanfechtbar ist, durch den dem Angestellten 1600 M., seiner Frau 2000, 3000 M. oder noch mehr zugesagt wird. Untere Instanzen laufen gegen diese Rechtsprechung immer noch Sturm; freilich vergeblich. Die meisten Urteile in dieser Frage sind vom 7. Zivilsenat gefällt. Am Freitag stellte sich der dritte Zivilsenat auf denselben Standpuirkt. Eine Berliner Firma B. u. Co. hat«ine vollstreckbare Forde- rung gegen den Kaufmann D. in Köln, der bei einer Kölner G. in. b. H. als Geschäftsführer tätig ist. In dem Engagements- vertrag ist bestimmt, daß D. 1300 M. Gehalt erhält, daß aber die G. m. b. H. an die Frau des Geschäftsführers, solange dieser in ihren Diensten steht» jährlich 2700 M. in Monatsraten auszuzahlen verpflichtet ist. Die Berliner Firma lieh nun die Gehaltsansprüche des D., soweit sie 1600 M. übersteigen, durch Beschluß des Amts- gerichts Köln pfänden und sich zur Einziehung überweisen. Sie klagte dann gegen die Kölner G. m. b. H. den Betrag von 3000 M. ein. Die Beklagte erhob Widerklage auf Feststellung, daß der Klägerin Ansprüche gegen sie nicht zustehen, Das Landgericht und Oberlandcsgericht Köln haben unter Abweisung der Widerklage nach dem Klagenntrngc erkannt. Das Oberlandcsgericht ist der Meinung, daß der Vertrag nur zum Schein abgeschlossen worden sei, daß der Vertrag aber auch gegen die guten Sitten verstoße. Das Reichsgericht hat auf die Revision der Beklagten das Urteil deS Oberlandesgerichts aufgehoben und in Abänderung des land- gerichtlichen Urteils die Klage abgewiesen, auf die Widerklage aber festgestellt, daß der Klägerin aus den Pfändungsbeschlüssen des Amtsgerichts ein Anspruch gegen die Beklagte nicht zusteht. Zur Begründung führte der erkennende Senat des höchsten Gerichtshofs aus: Von einem Scheinvertrag kann keine llirdc sein. Der Wille der Parteien ist dahin gegangen, daß der Angestellte D. einmal 1800 M. Gehalt und zweitens einen Anspruch dahin haben sollte, daß der Prinzipal seiner Fran einen gewissen Betrag gewährt. Auf den Inhalt dieses Anspruchs kommt es gar nicht an. Es ist un- richtig, wenn das Berufungsgericht annimmt, daß dem Angestellten ein Anspruch dahin erwachsen sei, daß er für seine Tätigkeit 4200 M. erhält und daß dabo» nur 2700 M. an seine Frau gezahlt werden sollten. Er hat nur einen Anspruch darauf, daß seiner Frau irgend etwas Bestimmtes zugewiesen wird. Ein Vertrag dieses Inhalts aber verstößt durchaus nicht gegen die guten Sitte». Der Senat pflichtet in'dieser Hinsicht der vom 7. Zivilsenat des Reichsgcrichls ausgesprochenen RechtSansicht bei. Durch den Vertrag sollte ledig- lich für den notwendigen Unterhalt des Angestellten D. und seiner Frau gesorgt werden; darin liegt nicht etwas irgendwie gegen die guten Sitten Verstoßendes. Die Anfechtung des Vertrages konnte die Klägerin höchstens gegenüber der Ehefrau, nicht aber gegenüber der Beklagten als Prinzipalin erklären.(Aktenzeichen: III. 247/12.) Arbcitskäinpfe in Oesterreich. Nach der soeben erschienenen Statistik des K. K. Arbcitsstatisti» schon Amts im Handelsministerium ist 1911 in Oesterreich eine Vermehrung der Streiks zu verzeichucn gewesen,. Ihre Zahl stieg auf 700(1910: 037) mit 122 001(65 474) Beteiligten in 3607(2888) Betrieben, in denen 193 390(108 404) Arbeiter beschäftigt waren, von denen 03,9 Proz.(61,1 Proz.) die Arbeit niederlegten. 2733 f1s43) der Streikenden wurden nicht wieder eingestellt. Die meisten Streits kamen auf das Baugewerbe, dann folgt die Metallvcrarbci- tung, die Beklcidungs- und Puhwarenindustric usw. Die durch- schnittlichc Strcikdaucr war 13(20,1) Tage, die längste währia 234(480) Tage. 666(608) Arbeitseinstellungen waren AngriffsstrcikS. 90 i'81) AbwchrstrcikS. Tie häufigste Veranlassung war llnzufr cden- heit mit den Löhnen: in 422(410) Streiks oder 69,8(06,3) Proz. Dann folgen Forderungen hinsichtlich der Organisation und der Arbeitszeit. Mit vollem Erfolg endeten 127(114) Ausstände, mit teilweisem 373(339) und ohne Erfolg 200(209). Der Lohncnlgang der Streikenden wird auf bVi Millionen Kronen geschätzt. A u s- sperrungcn gab es 22(19) in 408(140) Betrieben und sie betrafen 0376(19 292) Arbeiter. Alles in allem: auffteigende Kon» junltur mit zurückhaltendem Angriffseiftr der Unternehmer, Gewerkrchaftlicbea. Der Kampf um den wöcbentUcben Rubctag im Käcker- und Konditorengewerbe. Tie in der ersten Hälfte des November im Reiche abge- baltenen Versammlungen, in denen die Bäcker zur gesetzlichen Regelung der sechstägigen Arbeitswoche Stellung nahmen, zeitigten als Resultat, daß in 230 Orten rund 18lX) Gehilfen für die Petition votierten. 144 meistertreue Gesellen fühlten das Bedürfnis in sich, für die Beibehaltung der sieben Ar beitstage in der Woche zu stimmen. Die Unternehmer sind sich im Zentralverband deutscher Bäckerinnungen dahin übereingekommen, ihren Syndikus mit der Ausarbeitung einer Gcgcnpetition an den Reichstag zu beauftragen. Auf die Gründe, die hier gegen die Forde- rung der Arbeiter zusammengetragen werden, darf man neu- gierig sein. Die Unternehmer werden nicht abstreiten können, daß die Regelung der sechstägigen Arbeitswoche durch Gesetz in Oesterreich-Ungarn, Italien, Frankreich, Finnland, einigen Kantonen in' der Schweiz und den Vereinigten Staaten Nord- amerikas schon cr'folgt ist. Ebenso werden sie nicht in der tlage sein, die in der Petition der Gehilfen angeführten Gut- achten von Männern der Wissenschaft zn entkräften. Und mit der banalen Phrase, daß die Einführung der sechstägigen Ar- beitswoche dem vollständigen Ruin des Gewerbes gleich- käme, werden sie sicher beim Reichstag vergebens ans ein Entgegenkommen warten dürfen. Tie Tatsache, daß mehr als 20 000 iin Berufe beschäftigte Personen heute schon im Genuß der sechstägigen Arbeitswoche sind, kann nicht mit beweis- losen Behauptungen bestritten werden. Auch die üblichen mittelständlerischen Lamentos können den Reichstag nicht gegen die Forderungen der Arbeiter einnehmen, weil anderen Uleinhandwerkern die Beschäftigung der Arbeiter an den Sonntagen schon längst durch die Reichsgewcrbeordnung untersagt ist. Soll denn der Kleinmeister im Bäcker- und Konditorgcwerbe nicht mehr existenzfähig sein, während doch in anderen Berufen die Existenzmöglichkeit trotz der sechs Arbeitswochentage besteht? Es werden also recht faden- scheinige Gründe den Inhalt der Unternehmerpetition zieren. Abgesehen davon, daß die Unternehnierorganisation sich mit aller Kraft gegen zeitgemäße Reformen zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Gehilfen stemmt, will sie in ihrer sozialen Rückständigkeit auch die Konsumenten schädigen. Das preußische Ministerium bemerkte in einem Rundschreiben 1000 an die ihm unterstellten Behörden u. a.„... Daneben bestehen auch hinsichtlich der Unterbringung der Gehilfen und Lehrlinge bei den Arbeitgebern nach den vorliegenden Er- Mittelungen an zahlreichen Orten äußerst bedenkliche Miß- stände in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung." Daß diese Mißstände heute noch bestehen, haben die Gewerbe- inspektoren in den Jahresberichten fiir 1911 nachgewiesen. Weiter wird von Aerzten, Gelehrten und Sozialpolitikern uneingeschränkt zugegeben, daß auch das konsumierende Publikum durch die infolge der langen Arbeitszeit verursachten Gesundheitsschädigungen der Gehilfen und Lehrlinge in be- denklicher Weise in Mitleidenschaft gezogen werden kann, und daß diese Gesundheitsschädigungen der Gehilfen zn einer großen Gefahr für die Volksgesundheit werden könne. Es ist doch nicht abzustreiten, daß der m übermäßig langer Arbeitszeit aus- gemergelte Körper sehr leicht Infektionskrankheiten zugang- lich ist. Bei der Herstellung von Nahrungsmitteln ist das nicht allein unappetitlich, es besteht obendrein die naheliegende Ge- fahr der Uebertragnng auf die Konsumenten. Wenn weite Volkskreise wüßten, welchen hohen direkten Wert die Ver- kiirzung der Arbeitszeit dieser Arbeiterkategorie für i h r gesundheitliches Wohl hat, so- würden sie in ihrem wohlver- siandenen Interesse selbst entschieden die Regierung zur gesetz- lichen Einführung der sechstägigen Arbeitswoche in diesem Gewerbe veranlaßt haben. Nun hat der Reichstag zu entscheiden, und von ihm er- warten die Bäcker und Konditoreil, daß er ihrer Forderung stattgeben wird.__ Berlin und Umgegend. Tarifbewegung in der Herrenkonfektion. Nachdem die letzte Mitgliederversammlung des Verbandes der Schneider einstimmig beschlossen hatte, die für die Herrenkonfektion geltenden Tarife zu kündigen, wurde den in Frage kommenden Ar- beitgcbern bereits am Sonnabend von dem Beschlutz Kenntnis ge- geben und ihnen neue Tarifvorlagen unterbreitet. Am Sonntag nahm eine von Konfektionsschneidern und-Schneiderinnen forgani- siert im Verbände der Schneider sowie im Gewerkverein) zahlreich besuchte Versammlung nochmals Stellung zn den von der Koinmission ausgearbeiteten neuen Tarifvorlagen. Der Referent Kunze erörterte in längeren Ausführungen zunächst das Zustandekommen der für die Herrenkonfektion geltenden Tarife. Er wies dakin darauf hin, wie einige Arbeitgeber durch eine ungesunde Schmutzkonkurrenz die Löhne der Arbeiter zu drücken suchen. � Auch_ wollten sie dem Arbeiter jedes Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung des Arbeits- Vertrages streitig machen. Die gegenwärtig gezahlten Löhne ent- sprächen nicht im mindesten den an die Konfektionsschneider gestellten Anforderungen. Bei den Löhnen, die heute in Deutschland gezahlt würden, erwächst der englischen Konfektion eine grotze Konkurrenz. Der neu ausgearbeitete Tarif ist von der Kommission in drei Klassen geteilt worden. Der Hauptwcrt wird neben einer all- gemeinen L o h n e r h ö h un g auf die Verkürzung der Arbeitszeit gelegt. Diese soll für Werkstattarbeiter neun und für Heimarbeiter zehn Stunden betragen. An Sonnabenden und den Tggen vor ge- setzlichen Feiertagen soll die Arbeitszeit um 4 llhr enden, an den Tagen vor Ostern. Pfingsten und Weihnachten um 1 llhr. Für die Lohnarbeiter soll weiter die Bezahlung der gesetzlichen und der von den Arbeitgebern angeordneten Feiertage verlangt werden. Auch soll für alle Werkstattarbeiter ein Sommerurlaub bis zu acht Arbeits- tagen eingeführt werden. Heim- und Werkstattarbcitern sollen ferner sämtliche Nähzutaten geliefert werden. ..Kunze ging dann des näheren auf die einzelnen Tarif- Positionen ein und forderte auf, die kommenden Tage mit der Agitation für den Verband der Schneider auszunützen. Heute lasse sich noch nicht sagen, ob es zu einem Kampf komme oder im Wege friedlicher. Verhandlungen ein die Arbeiter befriedigender Tarifvertrag abgeschlossen werde. Die Arbeiter wollten keinen Kampf provoziere», aber auch keinen Frieden um jeden Preis. Daher sei es schon am besten, sich auf einen Kampf einzurichten. Krinke erläuterte die einzelnen Tarifklassen und gab die Firmen bekannt, denen die neuen Vorlagen unterbreitet wurden.— Nach einer kurzen Diskussion, die sich im Sinne der Ausführungen des Referenten bewegte, erklärte man sich einstimmig mit den neiien Tarifvorschlägen und den Matznahmen der Ortsverwaltung einver- standen.__ Tie Handwerker und Arbeiter der Hoch- und llutergrundbah»- Gesellschaft hatten am 30. September eine Kommission eingesetzt, welche gleich darauf bei der Tircktion Verhandlungen wegen per- schicdener Wünsche der Arbeiter nachsuchte. Erst jetzt, nach elf Wochen, hat sich die Direktion zu Verhandlungen mit der Kom- Lerantw. Redakt.: AlfredWielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.? Mission bereit erklärt. Aber das Ergebnis der Verhandlungen, über das die Kommission am Sonntag einer Betriebsversanimlung Be licht erstattete, befriedigt die Arbeiter durchaus nicht. Der Haupk Punkt der Forderungen war eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde für alle Handwerker med Arbeiter. Die Direktion hat diesen bescheidenen Wunsch rundweg abgelehnt und erklärt, daß in achseh- barer Zeit an eine Lohnerhöhung, und wenn sie noch so niedrig wäre, nicht zu denken sei.— Wie berechtigt die Fooderung der Ar- beiter und wie rücksichtslos ihre strikte Ablehnung ist, das zeigt ein Blick aus die Löhne, welche die Hoch- und Untergrundbahn gegen- wärtig zahlt. Die Handwerker in der Hauptwerkstatt erhalten einen Anfangslohn von 48 Pf., der von Jahr zu Jahr uni 2 Pf. bis zur Höchstgrenze von 60 Pf. steigt. Die Handwerker der Bahn- und Brückenmcisterci werden mit 43 Pf. eingestellt, nach einem Jahre erhalten sie 30 Pf. und dann von Jahr zu Jahr 2 Pf. mehr, bis sie die Höchstgrenze von 38 Pf. erreicht haben. Die ungelernten Arbeiter in der Hauptwerkstatt fangen mit 42)4 Pf. an, bekommen nach einem halben Jahre 44 Pf. und dann von Jahr zu Jahr 2 Pf. mehr bis zum- Höchstbctrage von 48 Pf. Die ungelernten Arbeiter der Bahn- und Brückenmeistcrci erhalten einen Anfangslohn von 40 Ps., der von Jahr zu Jahr um 2 Pf. bis zur Höchstgrenze von 48 Ps. steigt.— Diese Löhne sollen also angesichts der Teuerung in absehbarer Zeit nicht erhöht werden. Das ist der Standpunkt der Direktion eines Unternehmens, welches 614 Proz. Dividende abwirsi!— Ein anderer Wunsch der Arbeiter, die Löhne für alle im Betriebe Beschäftigten gleichzustellen, wurde ebenfalls abgelehnt. Nachdem eine Lohnerhöhung nicht zu erlangen war, versuchte die Kommission, die Direktion zur Bewilligung einer Teuerungszulage zu bewegen. Auch das gelang nicht. Die Direktion versprach aber, die Wcihnachtsgratisikationcn zu erhöhen und sie allen Arbeitern zu gewähren, die mindestens ein halbes Jahr im Betriebe bcschäf- tigt sind.— Dem Wunsche, einen Arbeiterausschutz einzusetzen, kam die Direktion entgegen, indem sie sich einverstanden erklärte init der Einsetzung einer Kommission, die gemeinsam mit der Direktion das Reglement für den Arbciterausschuß ausarbeiten soll. Der Arbcitcrausschutz soll auch die Beschwerden über das Kantinenwcscn, die sehr zahlreich sind, erledigen. Hinsichtlich der von den Arbeitern gewünschten Abänderung in der Einteilung der Arbeitszeit sowie Regelung der Fahrgelegenheit nach der Belricbswerkstatt Grüne- Wald wird die Direktion die Vorschläge der Arbeiter enigcgcn- nehmen. Die Versammlung war von dem sehr mageren Ergebnis der Verhandlungen arg enttäuscht. Man hatte hinsichtlich der Lohn- forderung wenigstens einiges Entgegenkommen der Direktion er- Wartet. Die strikte Ablehnung jeder Lohnaufbesserung wurde ab- fällig kritisiert. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche besagt: Nach Anhörung des Berichts ihrer Kommission erklären die Versammelten ausdrücklich, datz sie mehr Entgegcnkoinmen von der Direktion erwartet hätten, Weil die im Betriebe der Hoch- und Untergrundbahn bestehenden Löhne bei der gegenwärtigen Teue- rung nicht ausreichend sind.— Die Versammelten beauftragen ihre Organisationen, zu geeigneter Zeit erneut Lohnforderungen für'alle Beschäftigten zu stellen und mit allem Nachdruck zu ver- treten.— Die Versammelten verpflichten sich, inzwischen alle noch nicht organisierten Kollegen den Organisationen zuzuführen, damit ihre Forderungen in Zukunft mehr Anerkennung bei der Direktion finden. Zum Äellncrstreik im Patzeuhofer Ausschank sei mitgeteilt, datz zurzeit Verhandlungen im Gange sind. Allerdings konnte bisher ein befriedigendes Resultat nicht erzielt iverden. Wegen der Arbeits- willigen und der Anerkennung des kostenlosen Gehilfennachweiscs lvar eine Verständigung noch nicht möglich. Bis auf weiteres ist der Betrieb für organisierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsvcrwaltung Berlin. Gaswerk Oberspree. Die Arbeiter der Jinperial Continental Gas Association, GaS- Werk Obcrspree,»ahmen in einer sehr gut besuchten Versammlung am 29. November Stellung zu der Antwort der Direktion betreffend die Wiedereinführung der Arbeiterausschüsse. Dieser Streit zieht sich nun schon annähernd zwei Jahre hin. Damals forderten die Ar- beiter sänitlicher Betriebe der J. C.(9. A. die Ausschutzmitglieder auf, zum Protest gegen die Behandlung, die den von den Arbeitern eingereichten Anträgen seitens der einzelnen Be- triebsleitungen zuteil wurde, ihre Aemter niederzulegen. Das geschah denn auch. Siatt datz � nun die Direktion auf Grund ihrer eigenen Bestimmungen über die Errichtung von Arbeiterausschüssen sofort eine Neuwahl anordnete, tat sie absolut nichts. Auch die von den Arbeitern mehrfach unternontmenen Ver- suche, den Ausschutz wieder zu bekommen, scheiterten an dem Ver- hallen der Generaldirekiion. Die Orlsverwaltung des Verbandes der Gemeindearbeiter wurde dann von den Arbeitern beauftragt, ein neues Regulativ für die Tätigkeit der Arbeiterausschüsse auszu- arbeiten und der Direktion mit dem Ersuchen zuzustellen, nunmehr die Neuwahl der Ausschüsse anzuordnen. Die Antwort der Direktion lautete. Wenn man die Schminke davon abnimmt: Wir werden der Wiedereinführung der Ausschüsse näher treten, sofern die Arbeiter selber sich mit einem diesbezüglichen Ersuchen an uns wenden". Daraufhin wurde von den Ar- beitern eine Kommission gewählt, welche mit der Direktion in dieser Angelegenheit verhandeln sollte. Die Kommission versatzte eine Eingabe und lictz dieselbe dann von den Arbeitern unterzeichnen. Diese Eingabe gelangte am 2. November in die Hände der Direktion. Schon ant 1. November brachte es aber der Ingenieur E. von der Ammoniakfabrik in Ober-Schöneweide fertig, die am 2. November in Händen der Direktion besindliche Eingabe im Namen der letzteren zn beantworten. Am 16. November wurde dann die Eingabe der Arbeiter von der Direktion dahin beantwortet, datz dieselbe die einzelnen Betriebsverwaliuitgcn beauftragt habe, die Frage der Errichtung von Ausschüssen nach Lage der Verhältnisse auf den einzelnen Betrieben zu er- ledigen. Das ist in der Form geschehen, datz allenthalben verschiedene Kommissionsmitglieder zu der Betriebsverwaltung beordert ivurden. Hier wurde denselben dann seitens der Verwnlrung ein Speech über die Zweck- und Unzweckmätzigkeit der Ausschüsse ge- halten. Ein Ansschntz ist nach Ansicht des Herrn Betriebsdirektors Rudolph schon deswegen nicht notwendig, weil in den Betrieben der I. C. G. A. gar keine Mitzstände bestehen und die Wünsche der einzelnen Arbeiter gleichfalls stets von der Verwaltung berücksichtigt ivorden wären. Nur im Gaswerk Oberspree hat sich der Direktor Rudolph dazu aufgeschwungen, einfach eine Kominission, bestehend aus vier Arbeitern zu ernennen. In der Versammlung wurden nun diese Vorgänge zur Sprache gebracht und von allen Seilen wurde ausgesprochen, datz die Arbeiter nicht gewillt sind, sich eine Kommission von der Direktion aufoktroyieren zu lassen. Der Referent Genosse N. S t a nt e r vom Gemeindearbeiierverband zcr- pflückte eingehend die vom Betricbsdireltor R. angeführten Gründe, ivelche gegen die Wiedereinführung der Ausschüsse sprechen sollen. Wenn der Herr R. meine, bei der I. C. G. A. beständen keine Mitz- stände, so könnte Redner ihm ein ganzes Arsenal von solchen auf- zählen. Redner wies dann noch darauf hin, datz die Direktion die Errichtung einer Betriebskrankenkasse plane und führte dazu aus, datz die Arbeiter dann wentgstettS in der angenehmen Lage wären, ganz einwandfreie Zahlen über die Krankheits- und llnfallziffern der I. E. G. A. zu erhalten. In der Diskussion wurden noch verschiedene Mitzstände aus dem Gaswerk Obersprce vorgebracht. Von der Annahme einer Resolution wurde allgemein Abstand genommen, dafür verpflichteten sich die Anwesenden, in Zukunft mehr als bisher den Organisatioiisgedanken zu propagieren und damit zugleich der Direktion die gebührende Antwort zu erteilen. Zum Schlutz wurde noch darauf aufmerksam gemacht, datz in der nächsten Woche die übrigen Betriebe gleichfalls in einer Versammlung zusammenkommen werden. TlpGlocke, n. Druck r.. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstall DeutTcsies Reich. Ein Nachspiel zum Kampfe der Ascherslebener Papierwarenarbeiter. Nachträglich nehmen sogar die Fabrikanten gegen die Firma Bestehorn und für den Buchbinderverband Stellung. Das kam so: Die Firma Bestehorn bemühte sich nämlich in der ange- sehenen und weitverbreiteten Fachzeitschrift„Papier-Zeitung", ihre schroffe Haltung gegen die Forderungen der Streikenden damit zu rechtfertigen, datz sie die Forderungen der Arbeiter als viel zu hoch bezeichnete, die ohne Rücksicht auf die Konkurrenz gestellt worden seien: die Lohnbewegung sei überhaupt auf das' Bestreben des Buchbiuderverbandes zurückzuführen. Für diese Behauptung könnte die Firma natürlich auch nicht den Schatten eines Beweises beibringeii. Der Borsitzende des Buchbinderverbandes, Genosse Kloth, wies die vorstehenden Behauptungen in zwei Berichti- gütigen an die„Papier-Zeitung" zurück, so datz sich die Firma B e st e h o r n zuletzt mit einer lendenlahmen Erwiderung aus der für sie unangenehmen Affäre zu ziehen versuchte. Darauf erhielt Kloth aus den Kreisen der Papierwarenfabrikanten Zuschriften, worin betont wurde, datz die Firma Bestehorn nur versuche, den Tatbestand zu verdunkeln. Denn es sei notorisch, datz die Firma Bestehorn infolge ihrer„unwürdigen Löhne" eine Art Monopol für die riesigen Massen gefütterter Bodcnbcutel erworben habe, datz sie für dieselben Bodenbeutel, die tu anderen Orten pro 1060 mit 1,56 bis 1,76 M. bezahlt würden, ihren Arbeiterinnen nur 86—96 Pf. zahle, datz es inDeut schland überhaupt keine Firma gebe, die mit ä h n l i ch e n L ö h n e n rechne, datz es unwahr sei, wenn die Firma erkläre, sie hättd aus Rücksicht auf die Hand- kleberinnen von der Einführung von Bodenbeutelmaschiuen abgesehen, datz es solche Maschinen für die in Betracht kommenden Arbeiten noch gar nicht gebe, die Firma aber sicher die erste sein würde, solche einzuführen, wenn sie vorhanden resp. rentabel seien. Wörtlich wird in einer Zuschrift ausgeführt: „Ein Monopol, daS sich auf so unwürdige Löhne aufbaut, ist aber sowohl nationalökoitomisch als auch industriell unberechtigt, weil es zu ganz ungesunden Verhältnissen führt und in der Hauptsache nur Nachteile schafft, im Grunde genommen sogar statt zum Lebensunterhalt der betreffenden Arbeiter beizutragen, zur Verarmung dieser Leute führt." W/iter wird zugegeben, datz der Ersatz der schlechtbezahlten Heimarbeiter durch techniscb vollkommene Maschinen nur ein Segen ür die Arbeiter und Arbeiterinnen sein würde. Und endlich wird erklärt: „Bisher ist die Firma Bestehorn tatsächlich infolge der niedrigen Klebelöhne in der Lage, jode mit normalen Löhnen rechnende Firma zu unterbieten, und wenn hieran Wandel ge- schaffen würde, dann wäre es ganz bestimmt nicht zum Schaden des Gewerbes!" Wie wir ausdrücklich betonen wollen, sind diese Briefe nicht von Genosscitschaftsbetrieben. sondern von Fabrikanten, die dem Genossen Kloth das Recht gaben, von ihren Briefen Gebrauch zu machen: und ihni erklärten,„datz er die Richtigkeit dieser Angaben überall würde mit Leichtigkeit feststellen können". Fürwahr ein harter Schlag für die„Könige von Aschersleben", wie man die Herren Kommerzien« räte Bestehorn in Aschersleben nennt, so von ihren eigenen Klassengenossen der Unwahrheit überführt zu werden! Lohnbewegung in einem Zentrumsblatte. In der„Neutz- Grevenbroicher Zeitung"— einem Zentrums- blatte— ist es zu Differenzen zwischen den Botenfrauen und dem Verlage gekommen. Der Verlag will zum 1. Dezember eine Neu- einteilung seiner Bestcllbezirle vornehmen. Das hat bei den älteren Botenfraucit besonders böses Blut erregt, da sie mit der allgemein üblichen Neujahrsgratifikation rechnen müssen, die ihnen in den meisten Fällen entgeht, wenn sie einen neuen Bezirk zugeteilt be- kommen. In einer Versammlung der Botenfrauen zeigten diese grotze Lust, das Austragen cinzustelleit: doch wollen sie vorher nochmals mit dem Verlage verhandeln. Es handelt sich hier um völlig in- differente Frauen, die in dem schwarzen Neutz nie etwas von Or-� qanisation gehört haben. Husland. Drohender Sctzcrstrcik in Paris. Wie jius Paris gemeldet wird, beschlossen am Sonntag mehrere tausend Schriftsetzer, eine Lohnerhöhung und den Neunstundentag zu verlangen und in allen Druckereien, die diese Forderungen ablehnen sollten, am 3. Dezember die Arbeit niederzulegen. Versammlungen. Eine Schifferversamwluug fand am Sonntagnachmittag in Kellers„Neue Philhaxinottic" statt. Schiffseigner, Boots- und Steuerleute, Heizer und Maschinisten waren eingeladen, um einen Vortrag von Adolf Ritter zu hören über das Thema:„Der Balkankrieg, die Fleischnot und ihr,, wirtschaftlichen Folgen auf die Binnenschiffahrt". Ter Referent zeigte, wie die arbeitenden Schichten des Volkes unter der Politik ider herrschenden Klaffe leiden und wie die Sozialdemokratie bestrebt ist, die Volksintcressen jeder- zeit wahrzunehmen. Er forderte zur Unterstützung der Sozial- Demokratie auf und betonte die Wichtigkeit der politischen und ge- werkschafilichen Organisation auch unter den Schiffern, die ebenso wie die anderen Erwerbssiände unter den bestehenden Verhältnissen leiden.— Viele Rufe aus der Versammlung zeigten dem Redner, datz er sich in voller Uebercinstimmung mit den Anwesenden befand, was auch der lebhafte Beifall am Schlüsse des Vortrags bewies. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Mit Hochrufen auf unsere Partei wurde die Versammlung geschlossen. letzte Nachrfchtcn. Wassersnot in Hamburg. Hamburg, 2. Dezember. fW. T. B.) Das unter der Bank- straße hinwegführende Hauptziel der Stadtlvasserkunst ist heute abend zusamengcbrochen. Durch die hervorbrechenden Wassermassen wurden die u m l i c ge n d e n Keller unter Wasser g e- setzt. Durch die Gewalt des hervorquellenden Wassers wurde das Erdreich fortgeschtvemmt, so daß dort der Fuhrwerks- und S t r a tz c n b a h n v e r k e h r vollkommen e i n g e st e l l t werden mutzte. Etwa eine Stunde lang war ganz Hamburg ohne Wasser, bis man eine Umleitung des Wasserzuslupes vorgenommen hatte. Die Feuerwehr ist mit dem Auspumpen der überfluteten Keller beschäftigt. Schwere Antomobilunfälle. Braunschweig, 2. Dezember.(W. T- �CU-j,"�chutittag ereignete sich auf der Stratze Stiege-Breiteustein ein schwerS Auto- mobilunglück. Vor dem Albrcchthause geriet das.lutomobil des Tierarztes Schmidt aus Hasselfelde auf„sii1!.!>~niUc sf, 2anb= straße ins Rutschen und tipple um. �.cr Echa ff Schmidts war aus der Stelle tot. während Schmidt selbst lowwen anderer Insasse schwer perletzt wurden. Sic lagen Mt Stunden aus der Land- straße. ehe sie gesunden und in das Albrcchthaus gebracht wurden, wo sie noch bewußtlos danieder liegen. Giesicn, 2. Dezember.>P. C.) Auf der abschüssigen Chaussee in der Nähe Gießen trug sich gess°rn nach etn schweres Atttomobtl- unalück au Das Automobil des.Ncchamkeis Moebus von h'rr überscktlua sich in einer scharfen Kurve und stürzte in den Stragen- graben. Der Chauffeur und der 28jähr.ge Wilhelm Moebus waren sc fort tot. der Vater des Moebus wurde ichwer verletzt, die beiden anderen Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon Paul Singer sc Eo�Berltn�W. H.erzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl. it. 282. LS.IahrgW. 1. Keilize des Jotiitfs" letlinn UxllisM. Diettstag, 3. DtjtAbtt M2. vie Nettlsge im Keichstage. 79. Sitzung. Montags den 2. Dezember 1912, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bethmann Hollweg. Kühn, d. Tirpitz, Delbrück, Kraetkc, Lisco, v. Heeringen, Solf, v. Kiederlen-Wächter. Erste Lesung des Etats. Präsident Dr. ttacmpf: Der Reichskanzler wird sofort beim Beginn die Erklärungen abgeben, die er abzugeben gedenkt. Ich schlage dem Hause vor, daran sogleich die Beratung der aus- wältigen Angelegenheiten zu knüpfen. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Bei einer Besprechung der auswärtigen Lage sind es die Er- ei g nisse aus dem Balkan, die zurzeit so ziemlich unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Allerdings haben die Verhältnisse auf der Balkanhalbinscl schon seit Jahrzehnten die Auf- merksamkeit der europäischen Großmächte in besonderem Maße be° schäftigt. Wiederholte Versuche sind gemacht worden, die Zustände da- selbst zu bessern und zu ordnen, wobei die Hauptschwierigkeil in der V er- schiedenveit der Rassen und der Religion beruhte. Bei dem Sckeitern aller dieser Versuche mußte immer wieder mit einem ge- wallsamen Ausbruch der Leidenschaften gerechnet werden. Das Bestreben der Regierungen der Großmächte war darauf gerichtet, diesen Ausbruch möglichst lange hinantzuhalten und toenigstens solange zu verschieben, daß er nicht zu einem Kampfe aller gegen alle auf dem Balkan selbst, und vor allem nicht zu Verwickelungen unter den Groß- mächten führte. Nun hatte sich aber im Laufe dieses Jahres die Stimmung zwischen der Türkei und den Balkanstaaten so zugespitzt. daß der Ausbruch des Konfliktes nicht mehr zu verhindern war, trotz des eifrigen Bestrebens der Mächte, den Flieden zu erhalten, insbesondere mußten wir auf eine gewaltsame Lösung gefaßt sein, seit uns zu Beginn dieses Sommers bekannt geworden war, daß sich die B a l k a n st a a t e n zu einem Bunde zu s am menge schlössen hatten. Als wir den Kampf als unvermeidlich ansahen, haben wir vor allem darauf hingewirkt, ihn zu lokalisieren. Dies ist bisher gelungen, und ich kann wohl die bestimmte Hoffnung aussprechen, daß das auch weiter ge- lingen wird.(Bravo!) Von den Borgängen auf dem Balkan werden wir zwar nicht unmittelbar berührt, und in manche il Punkten steht unser Interesse hinter dem anderer Mächte zurück. Immerhin sind wir berechtigt, gleich den anderen Mächten an der Neuregelung der Dinge mitzuwirken, denn an der künftigen Ge- stallung der ökonomischen Dinge auf dem Balkan sind wir sehr wesentlich und direkt interessiert. Ich erinnere nur an die Er- Haltung der den türkischen Staatsgläubigern gewährten Sicherheiten. Außerdem werden wir bei der Regelung mancher Frage unser Wort zugunsten unserer Verbündeten niit in die Wagschale ?u legen haben.(Schwaches Bravo! rechts.) Von den Krieg- ührenden wird nicht bestritten, daß bei der endgiliigen Regelung der künftigen Grenzen die Großmächte ihre Interessen zur Geltung bringen müssen und auf Grund dieser Interessen zur Mitwirkung berufen sind. Wenn über das Maß der Mitwirkung den einzelnen Groß- mächten und einzelnen der Kriegführenden Meinungsver- schiedenheiten bestehen oder entstehen, so wird den Groß- mächten die Durchsetzung ihrer Forderungen wesentlich erleichtert, wenn sie sie gemeinsam vertreten. Um dies zu erreichen, schwebt ein lebhafter Gedankenaustausch unter den Mächten, über den ich heute nichts Näheres sagen kann, da er noch an- dauert. Ich kann aber sagen, daß er bisher in entgegenkommendem Geiste geführt wurde und alle Aussichten auf Erfolg bietet. Natürlich werden die Ansprüche der Mächte im einzelnen erst dann festgestellt werden können, wenn die Stipulationen vorliegen, die die Kriegführenden unter sich getroffen haben werden. Dann wird zu übersehen sein, inwieweit sie in die Interessensphäre anderer Mächte eingreifen. Sollten sich bi§ dahin— was wir nicht hoffen— unlösbare Gegensätze ergeben, so wird es Sache der im einzelnen Fall direkt interessierten Mächte sein, ihre Ansprüche zur Geltung zu bringen. Das gilt auch für unsere Bundes- genossen; wenn sie aber bei der Geltendmachung ihrer Interessen wider alles Erwarten von dritter Seite angegriffen und damit in ihrer Existenz bedroht werden sollten, dann wurden wir unserer BundcSpflicht getreu fest und entschlossen an ihre Seite zu treten haben. (Bravo I rechts und bei den Nationalliberalen.) Und dann würden wir zur Wahrung unserer eigenen Stellung in Europa zur V e r- teidigung unserer eigenen Zukunft und Sicher- heit fechten!(Bravo! bei denselben Parteien.) Ich bin fest überzeugt, daß wir bei einer solchen Politik das ganze Volk hinter uns haben werden.(Zustimmung rechtö.) Wir haben große Interessen bei der Lösung des Streites zwischen der Türkei und den Balkanstaaten zu vertreten. Seit langen Jahren war unsere Politik darauf gerichtet, bei guten wirischaft- lichen und poliiischen Beziehungen zu. den Balkanstaaten die Türkei in wirtschaftlicher Hinsicht zu erhalten und zu stärken. Wir glauben, dadurch der Türkei manchen Dienst erwiesen zu haben, ohne daß wir dabei unsere guten Beziehungen zu anderen Mächten gestört hätten. Dieser Politik, die allerdings bei Ausbruch des türlischcitalienischen Krieges gerade bei uns heftig angegriffen wurde, möchte ich es als einen Erfolg vindizieren, daß wir uns während eines Krieges zwischen einem Freunde und einem Bundes- genoffen, die Sympathien beider zu erhalten gewußt haben. Diese Politik werden wir auch weiter fortsetzen. Wir hoffen, daß unsere bisherigen freundschafilichen rege» Beziehungen zu den Balkanstaaten durch deren zweifelloses Erstarken, namentlich in wirtschaftlicher Hinsicht, einen neuen Aufschwung nehmen werden. Dabei wird unser Streben auch ferner dahin gehen, die Türkei nach dem Friedensschluß als wichtigen ökonomiscben und politischen Faktor zu erhalten. In diesem Wunsche und Bestreben begegnen wir uns nicht nur mit unseren Bundesgenossen, sondern auch mir anderen Mächten, die sich mit ans die Erhaltung einer wirtschaftlich gesunden Türkei angelegen sein tasten Dieses Bestreben widerspricht schon an sich dem von der Preste. den Großmächten oder einzelnen derselben vielfach unler- gestelllen Absichten von Landerwerb auf Kosten der Türkei aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges. Ich kann diese Unter steNang nacb den bisherigen Besprechungen unter den Mächten als» n r i ch r i g bezeichnen. Der rege Gedankenaustausch unler den Mächten bauen an und wenn ich auch noch nicht sagen kann, in welchen Formen er sortgesetzt werden wird, so wird er fortgesetzt werden nach den günftiaen Ergebnissen, die er schon jetzt gehabt hat, und die eine allsei, ig« befriedigende Lösung unter den Großmächten erwarten lassen.(Vereinzelter Beifall rechts.) Abg. Ledebour(Soz.): Ich glaube nicht zu irren, wenn ich aus dem e r st a u n t e n Stillschweigen, das auf die Rede des Reichskanzlers folgte und das nur durch schwaches Beifallsgemurmel rechts unterbrochen wurde, den Schluß ziehe, daß alle Parteien dieses Deutschen Reichs- tages eine etwas ausgiebigere Auskunft von dem Reichskanzler in dieser so außerordentlich kri- tischenLage fürEuropa„nd unser Vaterland er« wartet haben, ausgiebigere Auskünfte vor allem deshalb, weil den ganzen Sommer über, als wir, als Europa wiederholt dicht vor dem Ausbruch eines großen, allgemeinen Krieges gestanden haben, die Reichsregierung es trotz der an sie ergangenen Aufforderungen nicht für nötig gehalten hat, den Reichstag zu- fammenzuberufen und sich mit dem Vertreter des Volkes darüber zu verständigen, welche Haltung in den Balkanwirren und allem was daraus entstehen kann, denn eigentlich das Deutsche Reich einzunehmen hat. Was wir heute zu hören bekommen haben, waren Allgemeinheiten, waren Platitüden, das hätte jederzeit ge- sagt werden können, sowohl bei Beginn des Krieges, als auch ein paar Jahre nachher.(Heiterkeit.) lieber die Absichten der Reichsregierung, über die Pläne ihrer Bundesgenossen, die zu verteidigen sie sich bereit erklärt hat, haben wir nichts vernommen. Die ganz allgemeine Versicherung von Bundestreue ist etwas sehr schönes, ist moralisch, hört sich sehr schön an, es handelt sich aber immer darum, um was für Ob- j e k t e es sich dreht, wenn die Betätigung dieser Bundestreue in Aussicht gestellt wird. Ich möchte wirklich wissen, ob diejenigen, die die Rede mit Beifall aufgenommen haben, aus den Ausführungen des Reichs- kanzlers irgend eine positive Tatsache herausziehen können, aus der man schließen kann, wann denn, um welche Frage, um welche Kampfobjekte die Bundesgenossen Deutschlands und gleichzeitig auch das Deutsche Reich nach der Auffassung des Reichskanzlers bereit sein müßten, mit den Waffen in der Hand An- sprüche dieser Bundesgenossen zu vertreten. Auch nicht mit einer Silbe ist der Reichskanzler darauf eingegangen und weil in dieser gegenwärtigen Situation davon doch die ganze Frage abhängt, ob wir den Frieden bewahren können, ob Deutschland seinen Einfluß zur Bewahrung des Friedens in die Wagschale werfen könnte, deshalb haben diese Ausführungen des Reichskanzlers sehr geringen Wert zur Aufklärung über die gegenwärtige Lage. Der Reichskanzler hat nicht von den Dingen geredet, sondern er hat um die Dinge herumgeredet, und daS sind wir leider feit Jahren gewohnt.(Zuruf rechts.) Der Unterschied zwischen Ihnen und uns ist nur der, daß Sie mit dieser Nichtachtung des Reichstages zufrieden sind, während wir darin eine gröbliche Verletzung der Interessen unseres Vaterlandes erblicken.(Sehr nchtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wäre um so mehr notwendig gewesen, daß wir eine vollkommen ausgiebige Aussprache über die gegenwärtige Lage erhalten, als die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, daß seit Jahrzehnten die Reichsregierung und ihre Vertreter in allen großen und wichtigen Fragen, die die Welt bewegt haben, einen unbegreiflichen Mangel an der rechtzeitigen Er- kenntnis der Weltlage zeigten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich darf Sie bielleicht an einige solche Situationen erinnern. Fürst B ü l o w konnte die ostasiatischen Ver- Hältnisse nicht beurteilen, er wollte uns nur einen Platz an der Sonne sichern; es hat sich aber gezeigt, daß die Besetzung von Kiautschou ein Mißgriff gewesen ist(Widerspruch rechts und bei den Nationalliberalen), vor allem auch, weil die deutsche Reichs- regierung die EntWickelung der ostasiatischen Mächte nicht zu be- greifen versteht. Kurz darauf erging das Telegramm Kaiser Wilhelm II., in dem er als Admiral des Atlantischen OzeanS den Admiral des Stillen Ozeans be- grüßte.(Zuruf rechts: Alte Geschichten!) Ja, es ist uralt, aber es zeigt, wie verkehrt die Leiter der deutschen Politik die Verhältnisse seit undenflicher Zeit beurteilen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Kurze Zeit darauf sank die Flotte des AdmiralS des Stillen Ozeans bei Tsushima. Es folgte die Begönnern ng des Sultans von Marokko, über dessen Schicksal ich kein Wort zu verlieren brauche. Am 8. No- vember 1898 haben wir eine Rede Wilhelms II. in Da m a sk u S gehabt, an deren Schluß er sagte: Möge der Sultan nnd mögen die 399 Millionen Mohammedaner, die auf der Erde verstreut sind, dessen versichert sein, daß zu allen Zeiten der deutscheKaiser ihr Freund sei. Das war eine Versicherung dauernder und tat- kräftiger Freundschaft, die nicht �als Höflichkeitsfloskel abgetan werden kann. Das mußte bei den Türken und bei dem Sultan den Glauben erwecken, daß sie unter allen Umständen gegenüber den Angriffen fremder Mächte auf die Unter st ützung Deutschlands rechnen können und deshalb durfte die deutsche Reichsregierung nicht im Unklaren darüber sein, daß die tatsächliche Durchführung dieser Freundschaftsversicherung absolut unmöglich sei. Das war eine leichtfertige Festlegung Deutschlands auf eine werktätige Bundesgenossenschaft, die nicht durchgeführt werden konnte.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Dieses Versprechen hat den Sultan, die Türkei und die 390 Millionen Mohammedaner nicht davor behütet, daß nachher Marokko französisch, Lydien italienisch geworden ist und daß die Türken jetzt aus Europa so ziemlich restlos, hinaus müssen. Solch leichtherzige Versprechungen unserer Hilfsbereitschaft konnten allerdings nur in vollkommener Berken nung der in der wirtschaftlichen EntWickelung begründeten Kräfte und des Kräfteverhältnisses zwischen der Türkei und ihren Nachbarn abgegeben werden. Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir aber das dringendste Bedürfnis, daß die Reichsregierung uns über ihre Pläne und Absichten klaren A u f s ch l u ß' gibt. Sehr wahr! beiden Sozialdemokraten.) Was man mit jenen Versicherungen erreicht hat, war zum Beispiel, daß in der Türkei das reaktionäre Regiment Abdul Hamids gestärkt, und ge- kräftigt wurde. Der frühere Sultan Abdul Hamid glaubte, sich auf den ihm so eindringlich versprochenen deutschen Schutz verlassen zu können und hat deshalb alle Versuche bekämpft, in seinem Reiche rechtzeitig Reformen zur Ver- besserung der Lage der Türken und insbesondere der Frcmdvölker einzuführen. Die deutsche Reichsregierung und gerade ihre verant- wortlichen Leiter tragen deshalb einen großen Teil der Mitschuld an den verrotteten Zuständen, die sich in der Türkei herausgebildet haben.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Sie haben durch ihre Freundschaftsversicherungen die Reaktion in der Türkei gestärkt und dem Sultan ermöglicht, jahrzehntelang ungestraft und un- gestört diese Mißwirtschaft fortzuführen und die Metzeleien anden Armeniern zu veranstalten; aus Angst vor der eigenen Mannschaft, die sich gegen ihn empören könnte. bat der Sultan sogar jede Verbesserung der militärischen Ein- ricbtungen unterlassen. Als aber die türkische Armee vollkommen zerrüttet war, sind allerdings ein preußischer General und preußische Offiziere nach der Türkei gegangen und haben dort versucht, soweit dazu ein einzelner imstande lst. den preußischen Drill im türkischen Heere einzuführen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Sie mußten aber notwendigerweise damit scheitern, weil die gesamten Zustände im türkischen Reiche infolge des despoti- scheu, von der deutschen Reichsregierung gebilligten Regiments einer langsamen, aber sicheren Fäulnis entgegen gingen. Als dann später die sogenannte jungtürkische Revo- lution ein Ende machte mit den hamidischen Verbrechen und die Reichsregierung nachher darauf hingewiesen wurde, daß sie also unter Umständen auch mit einer siegreichen revolutionären Partei sich verständige, da erflärte der damalige Reichskanzler Fürst als B ü l o w:»Ja, daS ist etwas ganz anderes, als waS sonst Revolution gilt, daS in der Türkei sind Leute, die u n- blutige Revolutionen machen." Kurze Zeit darauf kämpften die Jungtürken die hamidische Reaktion durch die Belagerung und Erstürmung von Konstantinopel mit Waffengewalt nieder und drückten ihrer unblutigen Revolution den blutigen Stempel auf. Auch davon hatte der gute Bülow keine Ahnung!(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten, laute Unruhe rechts.) Diese Tatsachen begründen Wohl zur Genüge, daß unser Vertrauen zu den Leitern unserer auswärtigen Politik so gering ist und daß wir sagen: wenn wir uns darauf verlassen müßten, daß der Friede Europas gesichert wäre durch die Aktion der europäischen, insbesondere der deutschen Diplomatie, dann würden ivir unbedingt vollkommen verlassen sei» von aller Hoffnung!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn jetzt— was wir alle freudig begrüßen— in dem Balkankricg eine Wendung eingetreten ist, die so ziemlich die Aussicht auf die Herstellung des Friedens eröffnet, so bin ich fest überzeugt davon, daß sehr viel, wenn nicht in der Hauptsache, der Umstand darauf eingewirkt hat, daß daS internationale Proletariat (Unruhe, Lachen und Lärm rechts und im Zentrum), das inter- nationale klassenbewußte Proletariat, das eine Gesamtheit von zehn Millionen aufgeklärter Männer und Frauen in Europa umfaßt(Erneutes Lachen und Lärmen rechts und im Zentrum, in dem die Schlußworte dieses Satzes untergehen. Der Redner apostrophiert die Lärmenden): Ja, wissen Sie das nicht, ist Ihnen denn das etwas Neues, daß in Europa 19 Millionen sozialistischer Männer und Frauen leben!(Zuruf rechts: Aber aufgeklärte 1 1— Zuruf bei den Sozialdemokraten: 19 Millionen ist noch zu wenig I) Gewiß, das ist noch sehr gering geschätzt. Aber vielleicht kommen auch Sie(nach rechts) noch einmal zur Einsicht, andere Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft sind Ihnen darin vorausgegangen. Als Beweis dafür will ich nur auf eine Aeußerung des Hauptorgans der englischen Bourgeoisie, der„Times", hin- weisen, die in einer Betrachtung über die mögliche Entwickelung des Balkankrieges zu einem allgemeinen Weltkrieg u. a. sagt:„Der gesunde Menschenverstand der Völker Europas begreift sehr wohl, daß ein Streit zwischen Staaten durch friedliche Diskussionen erledigt werden kann. In England wird man mit Entsetzen und Unglauben erfahren, daß ein Krieg möglich sein soll wegen der Frage eines serbischen Adriahafens oder wegen der größeren Fragen, die dahinter stehen, und doch treiben die Nationen dem blind entgegen. Nun, welche Mächte wünschen denn den Krieg? Die Antwort ist zu finden in den Staatskanzleien Europas(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), unter den Männern, die schon zu lange nicht unter der Masse der Menschen leben, die stets mit ihnen wie mit Figuren auf dem Schachbrett gespielt haben und die sich in den Maschen ihrer diplomatischen Netze so sehr ver- strickt haben, daß sie aufgehört haben, sich der bitteren Realität be- wüßt zu sein, mit der sie gespielt haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und so werden die Kriege noch weiter gemacht werden, bis die große Masse, die bisher der Spielball der diplomatischen Intrigen war, daS Wort spricht, das nicht den ewigen Frieden— denn er ist unmöglich, aber die Entschlossenheit findet, daß Kriege nur une große und gerechte Lebensfragen gekäinpft werden sollen. Soll dieses Wort jemals gesprochen werden, dann hat es nie eine geeignetere Zeit dafür gegeben als heute, und wir vertrauen darauf, daß es gesprochen werden wird, so lange es noch Zeit ist I" (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten. Das Lärmen auf der Rechten und im Zentrum ist-v c r st u m m t.) Dieses Wort, meine Herren, ist in Basel gesprochen ivorden (Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten) und Sie können sich verlassön, daß es Eindruck gemacht hat an den Stellen in Europa, siir die diese Sprache etwas mehr verständlich war als für Sie!(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Der russischen Regierung, die ja von altershcr unter allen europäischen Regierungen der gefährlichste Friedensstörer gewesen ist. haben die Petersburger Arbeiter durch einen eintägigen Demon- strationSstreik in dem Augenblick, wo Rußland im Begriffe war, den Balkankrieg zn einem allgemeinen europäischen Krieg aus- zuputschen, klar zu verstehen gegeben, waS sie z» er lv arten hat, wenn sie abermals es wagen sollte, das Verbrechen eines großen europäischen Krieges zu begehen.(Bravo I bei den Sozial« demokraten.) Wenn ich hier spreche über die Fragen der auswärtigen Politik wie jeder andere Parteigenosse hier sprechen würde, so weiß ich mich nicht nur im Einklang mit der deutschen Sozialdemokratie, ich weiß mich im Einklang mit den sozialistischen Parteien aller Kulturländer der ganzen Welt.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Das ist aber der fundamentale Unter« schied zwischen unserer Stellung zu den Fragen der auswärtigen Politik und der Ihren. Sie, meine Herren, wie Sie auch sonst in Parteien zerklüftet sind, vertreten doch in Ihren hier und da von einander abweichenden Auffassungen(Graf W e st a r p: niemals aus« ländische Interessen!— Große Heiterkeit rechts. Gelächter bei den Sozialdemokraten.)— Sie vertreten(Abg. Südekum: meist persönliche Interessen I) immer die Interessen des kapitalistischen Ausbeutcrtums(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.), einer kleinen, allerdings heute noch sehr einflußreichen Clique in Deutschland. Aber ebenso wie Sie vertreten die Vertreter der englischen nnd französischen bürgerlichen Parteien auch nur die Interessen deS kapitalistischen Ausbeutcrtums ihrer Länder und durch diese einander widerstreitende Jntcressenpolitik der AiiSbentungseliquen der verschiedenen Länder entsteht die Krieg«- gefahr.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie vertreten keine großen allgemeinen Weltinteressen, Sie vertreten nicht ein- mal die deutschen Interessen, dieJnteressen des deutschen Volkes, das in seiner ganzen überwiegenden Mehrheit mit seinen Interessen identisch ist— mit den Interessen des Proletariats. Und die Interessen des Proletariats Deutschland sind mit den Interessen deS Proletariats der ganzen Welt identisch. Die Worte, die ich hier spreche und sprechen werde, könnten genau so dem Sinue nach, dem Zwecke nach, der Wirkung nach, wenn auch nicht in allen Einzel- heiten identisch, ein französischer, ein englischer, ein italienischer, ein serbischer oder bulgarischer Sozialdemokrat sagen.(Lachen rechts. Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie in Ihrer vollkommenen Verblendung behaupten, das seien ausländische Interessen— nein, das sind nicht ausländische, das sind proletarische Wcltintercssen» die das Proletariat der ganzen Welt in Gegensatz bringen zu allen kapitalistischen- Jnteressencliquen. Und weil wir die Interessen des gesamten Weltproletariats, die auf den Weltfrieden hinzielen, ver- treten, deshalb sind wir auch die besten Vertreter, die auf die Dauer entscheidenden Vertreter des deutschen Volkes.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Nun scheint es mir notwendig, mit einigen Worten auf die Ankündigung der unbedingten Bundesgenossen- schaft einzugehen, die der Herr Reichskanzler hier namens Deutschlands erklärt hat. Er hat— ich kann nicht wörtlich zitic- ren, aber ich glaube, meine Erinnerung täuscht mich nicht— gesagt: wir werden bei den weiteren Verhandlungen, die jetzt inr "!»«efiHrt werden� zunächst dgiflit zu pechMn hgbFü« dgß die kriegführenden Machte untereinander zu irgendeiner Verständigung kommen, und wenn diese Verständigung erzielt wird, dann werden die europäischen Großmächte sich zu fragen haben, ob dies Resul- tat der Verständigung in irgendeiner Weife mit ihren eigenen Interessen kollidiert. Und sollten dann unsere Bundesgenossen zu der Ueberzeugung kommen, daß die Regelung, die da zwischen den Kriegführenden vorgesehen wird, ihren eigenen Interessen zuwiderläuft und sollte es unter Umständen deshalb, weil wir aus friedlichem Wege eine Anerkennung ihrer Interessen nicht erreichen können, zu einem Kriege kommen, dann werden wir iZurufe: Wenn ein Bundesgenosse angegriffen wird!), also wenn sie von dritter Seite angegriffen werden, dann werden wir un- bedi u gta u fdieSeitederBundcsge nossentreten. Das Entscheidende liegt darin, daß in die Hand unserer Bundes- genossen, also in erster Linie O e st e r r e i ch s, die Entscheidung darüber gelegt wird, wo ihre Lebensiuteressen liegen. Der Reichskanzler hat in keiner Weise in Aussicht gestellt, daß das Deutsche Reich auch nur eine Nachprüfung der Berechtigung dieser Forderung vornehmen und davon seine Unterstützung abhängig machen würde Damit ist unseren Bundesgenossen eine B l a n k o v o I l m a ch gegeben für die Fortfühmmg derjenigen Politik, die Oesterreich in seinem Interesse für notwendig hält.(Widerspruch.) Ich habe selbst sehr genau zugehört, aber ebensowenig, wie Sie irgendeine sachliche Präzisierung der Differenzen vernommen, um die es sich unter Umständen bei Ausbruch eines Krieges drehen würde. Die Form, ob der oder jener als der Angegriffene erscheint, ist Neben fache, das Entscheidende sind die sachlichen Interessen, der Punkt wo nach Auffassung der österreichischen Regierung der Kriegsfall eintritt. Gine sachliche Qualifizierung dieser Stellungnahme Oester- reichs ist in keiner Weise aus den Ausführungen des Reichskanz lers zu hören gewesen. Deshalb halten wir es für dringend not wendig, gerade über diese Frage Auskunft zu erhalten. Es kann den Mitgliedern aller Parteien nicht gleichgültig sein, ob dem Erz- herzog Fran� Ferdinand Blankovollmacht gege ben worden ist, mit den magyarisöhen und österreichischen Ma gnatcn irgendwo einen Krieg vom Zaune zu brechen. Wir haben leider im Laufe der letzten Zeit derart bedenkliche Erscheinungen in der österreickischen Politik zu verzeichnen gehabt, dah das deutsche Volk genötigt ist. mit der gröbten Vorsicht an diese Bündnismöglich kcit heranzugehen. Das deutsche Volk hat ein Recht zu verlangen, daß die öfter- rcichische Regierung nicht ungerechtsertigterweise einen Krieg her vorruft. Und aus diesem Grunde sind wir im Reichstag genötigt, ans die Einzelsragen, um die es sich handelt, einzugehen. Wie wenig sowohl die österreichische Regierung wie die deutsche die Si- tuation vor und nach Ausbruch des Krieges richtig beurteilt haben, geht daraus hervor, daß sie und die übrigen Grohmächte eine Wiederher st ellung des Statusquo verlangen kann. Es bat sich dann sofort herausgestellt, daß dies absolut unmöglich war. Das war die erste Gencralblamagc der europäischen Diplomatie. Bei uns gilt es ja noch immer als Hauptsache, daß die jungen Leute, die in den diplomatischen Dienst eintreten angenehme Schwerenöter sind, die es verstehen, mit gut sitzendem Frack und goldenem Armband um das Handgelenk eine angenehme Figur zu machen. Unseren Diplomaten fehlt jedes gründliche Verständnis für tni weltbewegenden Kräfte des Wirtschaftslebens. Deshalb täte es sehr not, daß die Diplomatie mit einem Tropfen demokratischen und sozialistischen OelS gesalbt würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus diesem mangelhaften Verständnis für die wirtschaftliche EntWickelung und die nationalen Bedürfnisse kommt es, daß unsere Diplomaten überall auch in fremden Ländern die Reaktion unterstützen; wie sie in der Türkei die reaktionären Mächte un- kerstützt haben, so tun sie es auch in O e st e r r e i ch- Un ga r n. Das ist auch sehr begreiflich, denn von einer Regierung, die sich im Inland auf allen Lebensgebieten als reaktionär erweist, kann man auch in der Vertretung der auswärtigen Politik nur reaktionäre Beeinflussung erwarten. Deshalb werden wir nicht eher eine Besse rang unseres diplomatischen Dienstes, ein besseres Verständnis unserer Diplomaten für die weltbewegenden Kräfte erwarten können, als bis auch im Jnlande gründlich Auskehr gehalten ist mit den reaktionären'Persönlichkei- ten und den reaktionären Regierungen, die gegen- wärtig noch das Heft in Händen haben und die> Aufrechterhaltung des von Gott gegebenen Etatusqno «ls ihr Lebensziel ansehen. Stach den neuesten Nachrichten gewinnt es sehr den Anschein, daß die österreichische Regierung von ihren anfänglichen imperia- listischen Gelüsten mehr und mehr zurückkommt. Als der Krieg ausbrach, wurde von reaktionärer Seite in Oesterreich ver- langt, Oesterreich solle den Sandschak Novibazar nehmen und dürste sich auch den Zugang nach Saloniki von den Serben nicht vor der Nase wegschnappen lassen. Es wurdo eine direkte aggressive Aus- laudSPolitik Oesterreichs von Oesterreich selbst verlängt. Aber auch de» sonstigen Bestrebungen der Serben, sich wirtschaftlich unab- hängig zu. machen, hat Oesterreich Widerstand geleistet. Wie sind denn die Serben dazu gekommen, die Notwendigkeit eines Hafens am Adriatischen Meer und den Zugana zum Meere zu verlangen? Sie sind durch die verkehrten Maßregeln der öfter- reichischen Politik auf diesen für sie nicht dankbaren Weg geradezu getrieben worden... � Die österreichische Regierung hat nn Interesse der agrarischen Ausbeuter Ungarns und auch Zisleithaniens Serbien ökonomisch geradezu erdrosselt. Serbien ist ein Ackerbau- iland, das auf die Ausfuhr angewiesen ist. und gerade diese hat Oesterreich in den verschiedenen Handelsverträgen zu unterbinden versucht, es hat ihm die Verwertung seiner Landesprodukte nach Oesterreich unmöglich gemacht und auch gleichzeitig den Zugang zum Adriatischen Meere durch eine Eisenbahn verhindert. Die internationale Sozialdemokratie würde die Notwendigkeit dieses Zu- ganges für Serbien unbedingt anerkennen, wenn dem nicht die Notwendigkeit der Autonomie der Albanier im Wege stände. Mit der Anerkennung des Rechts jedes Volkes auf volle Selbstver- tvaltung macht die Sozialdemokratie selbstverständlich vor Alba- n i e n nicht Halt. Das hat der Internationale Kongreß in Basel ausdrücklich anerkannt. Damit verträgt es sich aber nicht, daß Serbien einen Streifen bis zum Adriatischen Meere erhält, weil dieser von Albanien losgerissen werden müßte. Wenn die neuesten Nachrichten sich bewahrheiten, so ist es ja im Werke, einen Balkanbund zu schaffen, dem Albanien und Mazedonien als unabhängige Glieder angehören, während gleichzeitig die albani- schen Häfen zu Freihäfen erklärt werden. Wenn ferner den Serben durch den Bau von Eisenbahnen der volle Zugang nach diesen Gegenden gesichert wird, würden ihre gerechten Ansprüche erfüllt sein, ohne daß die der Albaner darunter leiden. Man spricht aber auch von einem Versuche, den Albanern einen deutschen Prinzen aufzudrängen. Mit Befremden habe ich gelesen, daß Korr Erzberger nach Wien gereist ist. um dort für einen stellenlosen deutschen Prinzen zu wirken.(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten. Widerspruch Erzbergcrs.) Sie sind also nicht nach Wien gereist.(Heiterkeit.) Es ist nur bedauerlich, daß es so lange unwidersprochen in den Zeitungen gestanden hat. Ich kann�nicht emphatisch ge-mg davor warnen: möge die deutsche Reichsregierung alles aufbieten, daß deutsche Prinzen nicht in diese Pösition gebracht werden und Deutschland kompromittieren. Man soff es den Albanern überlassen, welche Regierungsform sie sich geben wollen. Wie im übrigen die Ballanstaaien sich über die Grenzregulie- rung einigen werden, darüber brauchen wir uns hier nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich warne nur davor, daß irgend ein Versuch Oesterreichs, nachträglich territoriale Sondervorteile für sich heraus- zuschlagen, von der deutschen Rcichsreg,erung unterstützt wird, wo- durch Oesterreich nur in seiner verkehrten Politik gegenüber den südslawischen Staaten bestärkt würde. Im Interesse{einer magyarischen Großgrundbesitzer hat Lesterreich I die serbische Volkswirtschaft zu erd'rosselir versucht, und ebenso hat Oesterreich es aus demselben, Interesse nicht dazu kommen lassen, daß der serbo-slawische Volksstamm mit seinen 5% Millionen Seelen in Ungarn sich zu einem dritten Staats- gebilde innerhalb der Monarchie zusammenschließe. Das wirkt auf seine Auslanospolitik zurück und gefährdet Oesterreich bei einem europäischen Konflikt auf das alleräußerste. Die einzige Recht- fertigung für die Annexion von Bosnien und der Herzegowina wäre es gewesen, diese Landesteile mit Slawonien und D a l m a- t i e n zu einem neuen dritten Bestandteil der Monarchie zusammen zuschließen. Das ist eine geschichtliche Notwendigkeit, der sich Oester- reich nicht entziehen kann; das wird früher oder später kommen. Entgegen steht ihm nur die Gewaltpolitik der Magya- r e n, die Ungarn, in dem sie nicht einmal selbst die Mehrheit haben, wirtschaftlich und politisch durch Mißregierung zugrunde richten. Wenn Oesterreich nicht die Kraft besitzt, sich von dieser Herrschaft der magyarischen Machthaber, die in Ungarn selbst das Volk drang- salieren, zu emanzipieren und die Forderung der Südslawen zu erfüllen, so wird das über kurz oder lang zur Absprengung der Südslawen führen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraien.) Gerade die deutsche Reichsregierung hat den dringendsten Anlaß, ihren Einfluß auf die innere Politik Oesterreichs auszuüben und Oesterreich von der Weiterführung seiner unglückseligen Politik abzumahnen. In Oesterreich vollzieht sich ein sehr interessanter wirtschaftlicher und politischer Prozeß; die Gleichberechtigung aller Nationalitäten breitet sich dort immer mehr aus. Nahezu durchgeführt ist dieser Grundsatz in Zisleithamen, völlig mißachtet wird er durch die magyarischen Machthaber. Wenn sich aber dort nicht ein Nationalt iätenstaat mit Gleichberechtigung aller Nationalitäten herausbildet, wird Oesterreich unfehlbar zugrunde gehen. Wir haben es aber noch mit einer anderen Gefahr zu tun. Gegen die Ausführungen des Reichskanzlers in bezug auf die Selbständigkeit der Türkei sind in ihrer Allgemeinheit keine Ein Wendungen zu machen. Wie wir'Sozialdemokraten das Recht aller Völker auf Unabhängigkeit und Selbstregierung anerkennen, so auch das der Türkei. Die Schwierigkeiten entstehen erst, wenn man in die Einzelheiten der Frage eintritt. Es handelt sich darum, ob die Türkei, wenn man ihr weitere europäische Teile mit Adrianopel amputiert, in Asien aufrechterhalten bleibt. Das wird sich nur durchsetzen lassen, wenn in der asiatischen Türkei künftig die Fehler vermieden werden, die in der europäischen Türkei zur Zerrüttung des Türkenregiments und zur Amputierung des Reiches geführt haben. Denn auch in der asiatischen Türkei gibt es neben den 7 Millionen Türken mindestens ebenso viel Araber, Syrer und Armenier, die seit Jahren gegen die Despotcnwirtschaft des bisherigen türkischen Regiments revoltierten, und diese Revolten werden von neuem ausbrechen, wenn die türkische Regierung nicht die Notwendigkeit gründlicher Reformen einsieht, die auch diesen Völkern das Recht der Selbstverwaltung innerhalb des ge- samten Rahmens des Staates geben, und da ist es genau so Aufgabe des Deutschen Reiches, als Freund der Türkei, mit aller Macht auf Reformen in der asiatischen Türkei hinzuwirken. Die deutsche Regierung hat die Möglichkeit dazu und kann bei diesem Bestreben auch Frankreich und England als Bundesgenossen finden. Alle diese Völker können sich dazu zusammenschließen, wenn nur die Sicherheit gegeben wird, daß bei der deutschen Regierung derartige Pläne eine wohlwollende Aufnahme finden. Alldeutsche freilich treten ja schon mit dem Verlangen hervor, Deutschland solle Leichenfledderei treiben und der daniederliegenden Türkei Kleinasien rauben. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir können nicht ent- schieden genug den deutschen Reichstag und ich hoffe, auch die deutsche Reichsregierung dagegen verwahren, daß derartige unge- heuerlichen Pläne irgendwie vorliegen können, selbst wenn sie durchführbar wären.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der asiatischen Türkei liegt noch eine sehr gefährliche Stelle. das ist A r m e n i e n. Dort werden bereits von Rußland aus Aufstände herbeigeführt. Das sind nicht bloß Vermutungen. Die armenischen Bauern werden bereits von geheimnisvollen Personen zum Aufstande aufgereizt. Das würde zu Niedermctzelungen von Armeniern führen und Rußland den An- laß zur Einmischung geben. Wenn der Zar und seine Schergen als Befreier auftreten gegenüber fremden Völkern, so ist das eine der bedauerlich st en Verhöhnungen der Menschheit, denn der Zar und seine Schergen üben in Ruß- land selbst ein derartig nichtswürdiges Despotenregiment, wie es schlimmer auch in der Türlei nicht geübt werden kann.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Polen, Littauer, Esthen, alle die Völker werden von der russischen Regierung als Aus- beutungsobjekte für ihre Gewaltherrschaft betrachtet, und wenn eine solche Regierung als Befreier eines fremden Volkes auf- treten will, so versteckt sich dahinter immer eine neue Aus- beutungsabsicht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Diese Pläne Rußlands können nur durchkreuzt werden, wenn durch Einflußnahme der europäischen Mächte den Fremdvölkcrn der asiatischen Türkei und der andern an Rußland angrenzenden Länder eine möglichst weitgehende Selbstverwaltung gewährt wird. Die phantastische Vorstellung, daß Rußland einen Eroberungskrieg in Europa führen könnte, ist ja fast vollkommen zerstört worden durch den rusjisch-japanischen Krieg und die ihm folgende russische Revolution. Heute würde Rußland in derselben isolierten Lage ein, wie damals gegenüber Japan, wenn nicht die europäischen Regierungen den Zwist zwischen den drei großen Kulturnationen Europas immer wieder fort- ühren und anfachen würden. Dadurch wird es der ruf- ischen Regierung erst möglich gemacht, ihre friedensstörende Rolle in Europa zu spielen, und sie wird dieses unheilvolle Spiel so lange fortsetzen können, bis in erster Reihe der englisch- deutsche Konflikt endgültig beigelegt ist; deshalb ist es eine Hauptaufgabe der Reichsregierung, eine Verständigung über diese wichtige Lebensfrage der beiden Nationen zu suchen, und es ist eine Hauptaufgabe des Reichstags, hierzu durch Einflußnahme auf die Negierung beizutragen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Natürlich wäre es ebenso verfehlt, den deutschen und englischen Kriegsinteressenten eine Suttnersche Friedensrede mit moralischen Grundsätzen zu halten, als den Haifischen die Moral einpauken zu wollen, daß es nicht gut ist. Menschenfleisch zu fressen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dergleichen zu tun, fällt uns Sozial- demokraien gar nicht ein. Wir wissen, daß es ebenso wie bei uns Kruppinteressenten in England Armstrong- Patrioten und in Frankreich ebenfalls Panzerplatten- Patrioten gibt, genau so, wie in England Lord Roberts und in Deutschland ein General in Saarbrücken Kriegsreden halten. Diese Kriegsinteresse nten, Panzerplatten- Patrioten, das sind die Feinde des Vaterlandes! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die, die Deutschland und England in den Krieg treiben wollen, sind die gefährlichsten Feinde dieser beiden Länder und würden beide Länder in unabsehbares Unglück stürzen, wenn ihr Treiben irgendwie Erfolg haben würde.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die industriellen und handelspolitischen Gegensätze, die sich zwischen England und Deutschland heraus- gebildet haben, lassen sich sämtlich auf dem Weg friedlicher Verständigung aus der Welt schaffen. Ebensowenig, wie deutsche Industrielle nötig haben, sich gegenseitig umzubringen, um ihre industriellen Produkte anzubringen, ebensowenig brauchen sich deutsche und englische Industrie, deutscher und englischer Handel umzubringen, die vielmehr nebeneinander und miteinander in der Welt bestehen können zu gegenseitigem Borteil und Nutzen!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist doch Tatsache, daß die deutsche Industrie gar keinen besseren Abnehmer hat. als den englischen Handel. Jährlich wird von Deutschland nach England für mehr als 330 Millionen� 1 Mark Ware exportiert, als wir vo» England einführen. Deutsch- land kann deshalb England, das sein größter Abnehmer ist, als seinen werktätigsten Helfer ansehen. Wenn der Grundsatz der offenen Tür in beiden Ländern und ihren Kolonien durch- geführt, wenn ein wirtschaftliches Jndigenat für die Angehörigen dieser beiden Staaten eingeführt wird, so daß jeder Deutsche in Großbritanien und seinen Kolonien und jeder Engländer bei uns völlig frei wirtschaftliche Unternehmungen betreiben könne, wenn schließlich beide Länder darauf hinwirken, daß dieser Grundsatz in der ganzen Welt durchgeführt werden wird, so entfällt damit aller Anlaß zu kriegerischen Verwickelungen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Selbstverständlich muß diese Ver- siändigung vervollständigt werden durch die von uns im Reichstag und auch von der internationalen Sozialdemokratie auf dem Kon- greß in Basel erhobenen Forderung, daß zwischen Deutschland und England eine gegenseitige Abrüstung oder— um sie praktisch zu gestalten— eine Begrenzung der Seerüftungen durchgeführt wird. Diese ließe sich durchführen, wenn beide Staaten darüber übereinkonimen, zunächst nicht mehr als im letzten Jahre für Marinerüstungen in jedem Land ausgewendet wurde auch in den kommenden Jahren aufzuwenden, so daß also der Steigerung der Marinebudgets in beiden Ländern ein Ende gemacht würde. Jeder der beiden Staaten hätte dann immer noch die volle Freiheit der Verteilung dieses Geldes für Neubauten, Wiederausrüstungen, für die Armierung der Flotte, aber es würde über diese Grenze nicht hinausgegangen werden. Denn das Friedensstörende und Kriegherbeiführende ist die beständige Steigerung!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Unserem Vorgehen auf Abschaffung des Seebeuterechts ist be- reits insofern Erfolg zuteil geworden, als die britische Regierung nunmehr ihre Bereitwilligkeit dazu erklärt hat. Der Internationale Sozialistenkongreß hat der deutschen So- zialdemokratie besonders ans Herz gelegt, der englischen diese Forderungen zu unterbreiten. Ich habe eingangs darauf hinge- wiesen, daß der Schritt, den wir in Basel getan haben, zweifellos eine nachhaltige Wirkung in Europa ausüben muß, wenn er sie nicht schon ausgeübt hat. Als wir in Basel uns aus dem Kasernenhof versammelt hatten, um dann unter Glockenklang in die Kathedrale zu marschieren, wo die internationale Sozialdemo- kratie ihre große Friedenskundgebung unter Zustimmung und unter Begrüßung der Baseler Regierungsbehörden und unter Billigung der Geistlichkeit des Münsters abhielt, da ist uns so recht zum Be- wußtsein» gekommen, wie außerordentlich kulturell vorgeschritten die kleine Schweiz doch ist gegenüber dem großen Deutschen Reich. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das wäre bei uns nicht möglich gewesen. Haben wir es doch bei diesem Kriege wieder wahrgenommen, daß die Vertreter der christlichen "irche aller Konfessionen zu den Kriegshetzern gehört haben..Hat doch auch in Italien, wo früher die katholische Geistlichkeit mit dem Papst an der Spitze in ausge- sprochencr Feindschaft zu dem modernen italienischen Staat stand. der Papst die Waffen der in den Krieg gegen Tri- polis Ziehenden gesegnet. Wenn es sich um einen Krieg zwischen zwei christlichen Völkern handelt, behauptet die Geistlichkeit eines jeden Voltes immer, daß der Christen- gott auf ihrer Seite steht. Chamisso hat das einmal sehr glücklich persifliert, indem er in einem Kriege zwischen den Niederlanden und England die niederländischen Pfaffen auch ans der Kanzel sagen läßt, Herr, glaub den Engländern nicht, die Eng- länder sind ein böses Gezücht, glaub ihnen nicht, wenn sie Dich an- rufen, segne unsere Waffen. Da ist es nun sehr erfreulich, zu schen, daß eS doch noch Geistliche gibt, die von dieser unchristlicken Auffassung zurückgekommen sind zu einer wahrhaft christlichen Beurteilung des Krieges. Am Morgen des Tages, an dem die inter- nationale Sozialdemokratie in Basel ihre große Friedenskund- gcbung im Münster veranstaltete, hat der protestantische Pfarrer T ä s ch l e r dort sich ausführlich über die Friedenskundgebung ausgesprochen. Er hat sich gegen den Krieg erklärt, und hat dar- gelegt, daß der Krieg entsteht aus Selbstsucht, aus falschen Ehr. begriffen, Ländergier und Goldhunger und Großmannssucht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Krieg, sagt er, ist die Entfesselung der niedrig st en Triebe und Ge- l ü st e. Die Behandlung der Verwundeten ist menschlicher gewor- den, aber die Kriege selbst werden unmenschlicher, roher, grausamer, raffinierter,(ßehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Denken Sie an die Scheußlichkeiten des Balkankrieges, die gräßlichen Metze- leien, die die Cholera als Schlußstein hatten. Darin hoffe ich. üimmen wir alle überein, daß wir diese Riedermetzlung friedlicher Landbewohner, von welcher Seite sie auch ausgegangen sein mag, auf das schärfste verurteilen, und wir hoffen, daß die Reichsregierung bei den Ver-� Handlungen, die stattfinden werden, darauf dringen wird, daß für' olche Scheußlichkeiten, wo sie nachweisbar sind, eine Sühne, eine Entschädigung wenigstens an die überlebenden Geschädigten gezahlt wird. Die Mordwerkzeuge sind immer vollkommener geworden, der ganze moderne Krieg ist ein Maschinenmord im großen ge- worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Schluß dieser Rede des protestantischen Geistlichen ist für uns besonders wertvoll. Er weist darauf hin, daß auch die Di- p l o m a t e n für die Herstellung des Friedens in der Welt nichts tun. Jetzt aber, sagt er, sind die großen internatio» nalen Arbeitermassen von der Friedensströ» mung erfaßt, und darauf beruht unsere zuversichtliche Hofsi nung, daß von unten herauf die Menschheit ein gutes Stück weiter- kommt auf dem Wege zum Friedensteinpel.— Das sind wahrhaft christliche Worte. Alle, die wirklich ergriffen sind von dem hohen Ideal deS allgemeinen Weltfriedens, kommen mehr und mehr zu der Ueberzeugung, daß nur von dem internationalen Proletariat. nur von dem Siege des Sozialismus endgültig der Welt- frieden herbeigeführt werden kann. Die Geschichte schreitet so schnell vorwärts, dah ich es nicht für unmöglich halte, dah auch einmal der unfehlbare Papst zu dieser Erkenntnis kommt, und daß dann vielleicht einmal in der Pcterskirche in Rom eine große sozialistische Friedensdemonstration stattfindet. � Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende liegt im immer wachsenden Maße in der Opferwilligkeit, der Tatbereitschaft des klassenbewußten inter- nationalen soziali st ischen Proletariats. Wenn wirklich die kapitalistischen Regierungen von Europa und der ganzen Welt nicht ihre Aufgabe, den Frieden zu sichern�, durchzuführen verstehen, wenn sie das Verbrechen eines Weltkrieges herbeiführen, ich bin fest überzeugt, die internationale Sozialdemokratie wird, solange es irgendmöglich ist. ben Ausbruch des Krieges verhindern durch Demonstrationen, durch Kundgebungen, durch Ausnutzung aller Mittel, die ihr dafür zu Gebote stehen. Sollte aber wider unseren Willen, gegen unseren Widerstand ein großer Krieg von den Regierungen in irgendwelchen dynastischen oder kapitalistischen Ausbeutungsinteressen angebettelt werden, sollten wir den Ausbruch eines solchen Krieges nicht verhindern können, so werden während des Verlaufes des Krieges die Sozialisten aller Länder einmütig auf einen baldigen Friedensschluß hinzuwirken versuchen (Lachen rechts), mit all den Mitteln, die dem Proletariat zu Göbote stehen inl Kampf gegen die herrschenden Klassen. Darauf können Sie sich verlassen: wenn ein europäischer Krieg ausgebrochen sein sollte und eine unvermeidliche Zerrütung des WlirtschaftSgeiriebeS in all diesen Ländern herbeigeführt haben wird, dann wird es die anerkannte und erfaßte Aufgabe der Sozialisten sein, all die Maß» regeln zu ergreifen, die durch Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und durch Einführung der sozialistischen Ordnung ein für allemal einen Krieg zwischen diesen Nationen unmöglich niachen. Das sind keine leeren Worte. Wir haben es an dem Schicksal Rußlands nach dem mandschurischen Kriege gesehen. wie dort trotz der außerordentlich mangelhaften wirtschaftlichen Entwickelung zu jener Zeit das klassenbewußte Proletariat Ruß- lapds in der Lage gewesen ist, die Klassenherrschast vnd da» Zarckregimeni in t�rcn Grundfesten zu erfchüttern. Dies Kar- «ende Beispiel sollte sich nicht nur der russische Zar. sondern sollten sich alle Machthaber in der Welt, auch in Deutsch- Inn d. merken. Glauben Sie nicht, daß noch lanpe das Prole- tariat sich willenlos zur Schlachtbank führen lassen wird für irgend- welche Ausbeutcrinteressen, um die es sich bei einem Kriege zwischen England und Dutschland oder Frankreich und Deutschland, über- Haupt nur noch handeln kann. Die Zeit wird kommen, wo das Proletariat so stark ist. daß es ein für allemal mit solchen Zustän- den, die solche �Scheußlichkeiten herbeiführen können, ein Ende machen wird, uttd Machthaber, die zu solchen Scheußlichkeiten bereit sind, d i e Macht aus der Hand nehmen wird. Nichr>mtz wir irgendwie zu Gewaltmatzrcgeln greifen wollen. Wir sehen die Aufgabe der Verwirklichung der sozialistischen Gesell- schaftsordnung darin, daß wir innerhalb des Rahmens der heutigen Zustände Schritt für Schritt auf die Umgestaltung der Verhältnisse in der Richtung zum Sozialismus hinwirken. Wir wollen eine friedliche Rcvolutionierung unserer Verhältnisse. Aber wir verschließen uns der Einsicht nicht, daß, wie bei früheren Gelegenheiten, die herrschenden Klassen eines jeden kapitalistischen Landes, wenn sie sehen, daß die Macht aus ihren Händen gleitet, in ihrer Verzweiflung zu Gewaltmaßregeln und zur Unterdrückung der sozialistischen Bewegung greifen können und mit Sicherheit greifen werden, und wenn zur Unterdrückung einer mit friedlichen Mitteln arbeitenden schrittweise fortgehenden sozialistischen Bewe- gung die herrschenden Klassen zur Gewalt greifen, dann zwingen sie dadurch auch uns Sozialdemokraten die Ge- walt in die Hände, dann wird Gewalt mit Gewalt bekämpft und mit Gewalt überwunden. So steht heute der Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus aller Länder, wie jener römische Prokonsul, der in Aegypten Krieg und Frieden in den Falten seiner Toga hielt. Wir wünschen die friedliche Ent wicke- l u n g. Wir treten mit aller Wucht, mit allem Eiser für friedliche Reformen auf allen Lebcnsgebieten ein. An der kapitalistischen Ge- scllschaft lie�t es, ob die Entwickolung sich in friedlichen Bahnen vollziehen wird. Sie können natürlich Ihrerseits uns mit friedlichen Mitteln bekämpfen, aber ich warne Sie, greifen Sie nicht zur Gewalt, Sie würden dadurch nur ein Strafgericht über sich selbst und über die ganze kapitalistische Gesellschaft heraufbeschwören. Denn darüber sind sich alle Sozialdemokraten in der ganzen Welt klar, daß der Sozialismus kommen m u tz als das llichultat geschichtlicher Notwendigkeiten, als das notwendige Ergebnis der wirtschaftlichen Entwickelung, und alle Sozialdemokraten der ganzen W>elt sind fest entschlossen, alles auf- zubieten, um diese Entwickelung zu fördern und zu einem guten Ende zu bringen. So wissen wir in der opferwilligen Tatbereit- schaft der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Europas und der Kul- turwelt nicht nur die Sicherung des Weltfriedens, sondern das Glück der oanzen Menschheit begründet.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär des Aeußern v. Kidcrlen-Waechtcr: Gegen zwei Stellen in der Rode des Abg. Ledebour muß ich Verwahrung einlegen. Ter Herr Abgeordnete hat Angriffe gegen den uns befreundeten Herrscher eines großen Nach- barreiches gerichtet, mit dem wir in Frieden und Frenndschaft leben und zu leben wünschen.(Sehr richtig! rechts.) Diese Angriffe hat der Herr Abgeordnete durch nichts motiviert. Sie lassen sich nuch nicht motivieren.(Widerspruch bei den Sozialidemokraterr.— Zustimmung rechts.) Diese Angrisfe stachen eigentümlich ab gegen di« Friodensideen, die der Herr Abgeordnete für sich als Privileg in Anspruch nehmen will. Ach weise diese Angrisfe hier zurück und bin überzeugt von der Znstimmung der überwiegenden Mehrheit dieses Hauses.(Lebhafter Beifall recht?.) Der Herr Abgeordnete hat sodann die kaiserliche Regierung ermahnt, ihre Beziehungen zu anderen Staaten zu bessern, und hat ihr dabei den Vorwurf ge- macht, einen Zwist mit England zu nähren. Diese Aeuße- ranzen sind mir ein willkommener Anlaß, auszusprechen, daß während der letzten großen Krise unsere Beziehungen speziell zu Eng- land besonders vertrauensvoll waren.(Ledhaftes Hört! hört! und Bravo!) Die ofsene, von vollem Vertrauen getragene Aussprache zwischen London und uns während aller Phasen dieser Krise hat nicht mir eine erfreulich« Intimität unserer Beziehungen hervorgerufen, sondern sie hat auch einer Verständigung aller Mächte gute Dienste geleistet. Ich möchte die bestimmt« Erwartung anchprechen. daß sie das auch weiter tun wird.(Lebhafter Beifall. — Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und die Seerüstungen?) Abg. Spahn(Z.)— wie immer kaum versländlich— meint, daß der Baseler Kongreß kaum eine wirksamere Friedens- bctätigung gewesen sei als die sonstigen Veranstaltungen der Sozial- demokratic. ES handelt sich hier nur um die M ögl ichkest eines Defensivkrieges Oesterreich-Ungarns, und darin sind wir doch wohl einig, daß nichtswürdig die Nation ist, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre. Wir haben ein unbedingtes Interesse daran, daß unS der Weg über Oesterreich-Ungarn und dem Balkan durch Kleinasien und zur Bagdadbahn offen bleibt. Die politischen Jnter- essen Oesterreichs auf dem Ballan find unleugbar, auif territoriale Ansprüche aber l)at es durch seinen Minister deS Aeuße ren ausdrück- lich verzichtet. Die sozialdemokratischen Angrisfe auf die Politik d-eS Grafen Bcrchtold sind ganz unberechtigt, nur hätte er vielleicht von Anfang an seine Ziele bekennen sollen. Nicht unsere Bündnisireue hat Oesterreich zu seiner Haltung gegen Serbien ern-utigt. Denn zur Vertretung seines Standpunkts in der Zldria- und Albanienfrage war Oesterreich stark genug! Selbstverständlich ist es der Bündnisfall, wenn Rußland Oesterreich angreift wegen einer Balkansrage, so daß wir dann Oesterreich beizu- stehen haben.(Abg. David: Nein! Das steht so nicht im Vertrag! Lesen Sie ihn!) Wenn Oesterreich ein« Rückwirkung unserer Polenpolitik aus daS Bündnis oder seine inneren Verhält- nisse besürchiet. so darf es sehr wohl bei uns anfragen. Da» ist kein« Einmischung in unsere innere Politik. Der Redner begrüßt unter Hinweis auf die gestrige Rede des Botschafters Lich- nowsky in London die Verbesserung der dwisch-englischen Beziehungen und sondert, daß bei der Neugestaltung der Verhältnisse auf dem Balkan auch die Verschiedenheit'der Konfessionen wohl berücksichtigt wende. Die religiös« Freiheit des einzelnen, an der es bisher gefehlt l)at. was zu bösen Folgen geführt hat, muß müg- lichst gesichert werden.(Beisall im Zentrum.) Abg. Graf Kamt,(f.): Tie beste Friedensgarantie ist die Einmütigkeit eines Volke«, das geschlossen hinter seiner Regierung steht.(Sehr richtig! recht».) Ter Abg. Ledebour ist mit der Rede des Reichskanzlers nicht sehr zufrieden. Er hätte ja etwas mehr sagen könn-'n. da» wäre sicherlich interessant gewesen! aber der Reichskanzler war in einer sckMierigen Lage i denn bei der gegenwärtig gespannten Situation kann eS nicht ratsam sein, zuviel zu reden. Zu wünschen, aber auch zu hoffen ist, daß der auf unserem Volle durch die Weltlage lastende Wirtschaft- liche Druck bald weiche. Wir haben ein Interesse an der ruhigen Fortentwickestmg der Türkei. Die türkische Staatsschuld auf die von der Türkei abzutreienden Gebiete gerecht zu verteilen. wird ein sckwicrigcs Rechenerempel sein; hoffentlich werden die deutschen Interessen dabei nicht zu kurz kounnen. Aus dem Balkan gibt es außer den Serben. Griechen und Bulgaren noch die Albaner. die«ine ruhmvoll« Geschichte haben und gar nicht daran denken, serbisch oder bulgarisch zu werden. Auch wir haben kein Interesse an einer Aufteilung Albaniens, die nötig wäre, wenn Serbien einen Hafen am Adriatikckven Meer bekommen soll. Oesterreich und Italien sind einig, dies nickt zuzulassen. Herrn Avg. Ledebour kann ich versickzern, daß von einer willenlosen Gefolgschaft unserer Regierung gegenüber Oesterreich kein« Rad« sein kann, aber die Bundes- gcnosscnschaft mit Oesterreich ist auch für uns ein« Lebensfrage, es Hemdelt sich hier nicht um den Wortlaut des Bündnisvertrages. sondern um unsere vitalsten Lebensinteressen. Wir sind unschuldig daran, daß Rußland Anlehnung an ein« andere Macht gesucht hat; wirhabenesan Freundschaftfür Rußland nie sehlen lassen und wünschen, daß das alt« freundschaftlich« Ber» hältnis sich wiederherstellen möchte, das wäre die beste Friedens- büvgschafk. HoffeiMich bleibt der Friede erhalten. Sollte es aber rächt möglich sein, so wird unsere Regierung alles tun, um unsereWehrmachtaufderHöhezuhalten. Ich habe deshalb zum Schluß eine Erklärung meiner Partei abzugeben. „Wir sind überzeugt, daß unser Heer vollkommen kriegsbereit ist. Wir sind in dieser Ueberzeugung durch die vor ein paar Tagen abgegebene Erklärung des Kriegs- in i n i st e r s b e st ä r k t worden. Sollte sich aber die Notwendigkeit der Ausfüllung von Lücken in unserem Heere herausstellen, so würde es selbstverständkiche Pflicht der HeereSver- waltun� sein, die Konse quenz zu ziehen. Sollte es möglich sein, die bereits bewilligten Heeresvevstärkungen früher durchzuführen, so wüvdc der Reichstag Grund haben, Nachtrag- l ich seine Zusi inunung zu geben."(Zustimmung rechts.) Kann der Friede erhalten bleiben, so ist das erfreulich, es darf aber nur ein Friede in Ehren sein.(Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Abg. Bassermann(natl.): Der Abg. Ledebour meinte, die Haltung der internationalen Sozialdemokratie verbürge den Frie- den.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich meine im Gegenteil, das Verantwortlichkeitsgefühl der Ka- b i n e t t e hat uns den Frieden erhalten.(Zustimmung bei den Nationalliberaleu.) Sie alle wissen, was auf dem Spiele steht, wenn ein Krieg unter Großmächten ausbricht. Jedenfalls waren die italienischen Sozialdemokraten in jeder Phase des Tripolis- krieges mit den Maßnahmen ihrer Regierung einverstanden.(Leb- haftes Sehr richtig! bei den Rationalliberalen.) Also so ganz einig ist die internationale Sozialdemokratie nicht.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Die auf die Verfolgung unserer Wirtschaft- lick>en Interessen gerichtete deutsche Orientpolitik war durchaus erfolgreich und sie hat auch die Billigung des Parlaments gefunden. Die deutsche Regierung und die deutschen Ratgeber in der Türkei sind stets für vernünftige Reformen eingetreten, nament- lich hat Marschall immer betont, daß solche Reformen die Zu- kunftsbürgschaft der Türkei seien. Den Statu» guc> ante kann heute niemand fordern, aber wir müssen eine in ihrem nach dem Krieg festzusetzenden Umfang bestehende Türkei lebensfähig erhalten zu sehen wünsche». Unsere wirtschaftlichen Interessen wollen wir auch in den vergrößerten Balkanstaaten gesichert haben. Die Besorg- nisse, daß Frankreich ein allgemeines Katholitenprvtektovat im Orient erlangen könnte, sind wohl durch des Reichskanzlers allge- meine Erklärung gegen alle Protektorate über türkische Gebiete be- seitigt. Dem würden auch unsere großen Bagdadbahninteressen entgegenstehen.— Gegen Spahn bemerkt der Redner, daß er gegen jede Einmischung des Auslands in die Polenfrage pro- testieren müsse, die eine innerdeutsche, vor allem preußische Frage sei(Bravo I rechts und bei den Nationalliberalen), er be- grüßt dann die energische Stellungnahme Deutschlands für den österreichischen Bundesgenossen im Fall, daß dieser angegriffen würde. DaS deutsche Volk steht hier auch hinter der Reichs- ecgierung.(Beifall recht«, Zentrum und bei den Nationallide- ralen.) Auch wir wünschen ein besseres Verhältnis zu England, aber zu JubeINcdern ist es noch zu früh und die Vor- ficht fordert eine abwartende Politik. �Zustimmung.) O e st e r- reich muß selbst beurteilen, was seine vitalen Interessen sind, und von einer extravaganten Eroberungspolitik Oesterreichs kann nicht gesprochen werden. Es hat im Gegensatz zu seiner früher sehr scharfen Stellungnahme in der Sandschakfrage für den Weltfrieden gearbeitet: es begnügt sich, das selbständige Albanien zu fordern. damit das unruhige Serbien nicht sein Nachbar wird. Lassen wir. wie die Sozialdemokratie fordert, Oesterreich im Stich, so treiben wir eS in den Krieg um seine Ehre oder in die Arme der Tripel» entente. Der Redner polemisiert dann gegen einen Artikel deS „Vorwärts", dem er unter dem Beifall der nationalen Parteien wegen der Kennzeichnung des deutschnationalen Bürgertums und seiner Presse in Oesterreich„maßlose Uncrzogenheit" nachsagt. Solche Behandlung internationaler Fragen dient auch nicht dem rieden. Er schließt mit der Betonung der Notwendigkeit starker üstungen. Ter Balkankrieg hat die Bedeutung der schonungslosen Offensive gezeigt. Wir müssen für den Ernstfall die Garantie einer raschen Mobilisierung haben. Auch für meine Fraktion möchte ich erklären, daß wir volles Vertrauen zu unserer Heeres- und Marinevcrwaltung und zur Kriegsbereitschaft unserer Armee haben. DaS hindert uns aber nicht, auf unseren schon öfter vorgebrachten Wünschen zu bestehen. Dazu gehört auch die Schaffung einer deutschen Luftflotte, die uns den Vorsprung vor dem Auslande, den wir vor allem dem Grafen Zeppelin danken(Bravo! bei den Nationalliberalen), sichert. Fer- ner hat meine Fvaktion Wünsche in bezug auf die Diplomatie. Wir erkennen an. daß wir hervorragende Diplomaten haben, die auck Hervorragendes leisten. Wir sind aber überzeugt, daß wir nickt überall gut, geschweige glänzend vertreten sind, und wir führen diese Tatsache darauf zurück, daß die Auswahl für die Diplo- maten zu gering ist. Wir verlangen nicht, daß der Adel aus der Diplomatie entkernt wird. Der Zugang zur Diplomatie soll der» b r e i t e r t werden und weiteren Schichten des deutschen Bürger- tums durck bessere Bezahlung der Anfangsstellen und Erschließung auch der höheren Stellen öffnen. Die ungenügende Jnfor- mation unserer Balkandiplomatie ist doch nicht zlvei- felhaft! Wir sehen die Erwerbungen Oesterreichs, Italiens, Ruß- lands. Englands, bei denen wir leer ansgchen; wir meinen, daß zu- meist die wirtschaftliche Macht der politischen Besitzergreifung folgt. Die zugesagte offene Tür wird oft ein wertloses Stück Papier.«An- dere erhalten M a cht z u wa ch s, für uns geht die Sache aus mit einer neuen Militärvorlage hat ein österreichisches Blatt geschrieben. (Sehr gutk auf verschiedenen Seiten.) Die Hauptsache ist. daß die Regierung das Volk hinter sich weiß. Dazu ist notwendig, wie das seinerzeit auch Freiherr v. H e r t l i n g gefordert hat, daß die Re- gierung die Volksvertretung häufiger über die auswärtige Politik orientiert. Wir lind mit der Behandlung der Balkanfragen durch die Regierung, wie sie der Reichskanzler dargelegt hat, e i n v e r- standen. Ein gutes Verhältnis mit England wün» scheu auch wir, aber ein Rüstungsabkommen lehnen wir nach wie vor ab. denn sie kann leicht die Quelle von Streitig- testen werden. Zum Sckstuß fordert der Redner eine Politik des zroßen und klare» Ziels. Wir hoffen, daß Frieden wird, wir rechnen aber auch mit einer Verschärfung des latenten Konflikts zwischen Dreibund und Tripelentente. Unser Volk wünscht eine Politik unter der Devise: friedliebend und kriegsbereit!(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Schnitz(Rp.): Der oft totgesagte Dreibund hat sich wieder glänzend bewährt. Unser Volk sehnt sich nach Initiative, nach Tat: damit wird der Mißmut gebannt werden.— Die ausivärtige Politik der Sozialdemokratie hat sich bei diesem Krieg sehr schlecht bewährt. Der„Vorwärts" hat die serbischen Aroßmachtsz«. lüste unterstützt. DaS hat ielbst das„Berliner Tageblatt" betont, das über die„kindliche Ahnungslosigkeit" des betreffenden VorwärtSredatteurs spotte: und es bedauert, daß da» Zentralorgan der Sozialdemokratie die Behandlung der Auslandspolitik unklaren Wirrköpfen überläßt. Ich hoffe, daß ich mit dieser Bemerkung niemand in diesem Hause zu nahe getreten bin.(Heiterkeit rechts.) Wo die Phrase aufhört, hört Ihr politisches Können auf.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Und das sagt der Mann!) Ihre Friedensdemonstrationen können nur schädigend wirken. Denn sie erwecken im Ausland ein fol'cheS Bild von den Absichten unserer Politik, die seit jeher eine friedliche gewesen ist. Rufen Sie doch einmal ein Parlament von Vertretern all der beteiligten Länder ein und inachen Sie da wirklich praktische Vorschläge zur Lösung der Balkanfragen! ich bin überzeugt, in drei Tagen hätten sie die schönste allgemeine Prügelei.(Heiterkeit rechts.) Ein Bertagungsantrag wird angenommen. Abg. Erzbergrr(persönlich): Herr Ledebour sagte, ich hätte im Herbst eine Reste nach Wien gemacht wegen der Frage der Be- setzung des albanischen Thrones.(Heiterkeit.) Ich hatte schon im August zugesagt, in Wien einen Vortrag im katholischen MstsionS- verein zu halten. Wenn sich aber Herr Ledebour für die Frage der Stellenbesetzung am albaniiche» Hof interessiert, so kann ich ilgn mitteilen: frei ist die Sielle des Hofnarren.(Große Heilei fest.) Abg. Ledebour(Soz.): Ich entnehme.au» diesen Worten, daß Herr E r z b e r g e r sich um die allein für ihn passende Stelle b e» warben hat.(Große Heiterkeit.) Nächste Sitzung: DkenZkag, 1 Uhr. ffiffze AnfräZekk, Follfj setzung der heutigen Debatte.) Schluß: ö'/o Uhr._ parlamentanfches« Jugendgerichte. Die Regierung hat aus der Strafprozeßresorm, die im vorigen Jahre gescheitert ist, die Bestimmungen über das Verfahren gegen Jugendliche herausgenommen und sie dem Reichstage in Form einer besonderen Vorlage zugchen lassen. Nach dieser Vorlage werden für Strafsachen gegen Jugendliche bei den Amtsgerichten besondere Abteilungen gebildet. Zu Schössen sind in der Hauptsache Per- sonen heranzuziehen, die in der Jugenderziehung besondere Er- fahrnngcn haben. Auch Volksschullchrer, die sonst nicht zu Schöffen berufen werden sollen, dürfen zu Jugendschöffen berufen werden. Gegen einen Jugendlichen soll eine öffentliche Klage dann nicht erhoben werden, wenn Erziehungs- und Bcsserungsmatzregeln einer Bestrafung vorzuziehen sind. Wenn letzteres zutrifft, dann kann das Gericht auch ein Verfahren, das gegen einen Jugendlichen schwebt, einstellen. Wenn die Eröffnung des Haupwerfahrens gegen einen Jugendlichen vor der Strafkammer beantragt ist, oder sobald eine Voruntersuchung eröffnet ist, muß dem Jugendlichen von Amts wegen ein Verteidiger gestellt werden. Für Jugendliche, die keinen Verteidiger haben, soll ein Beistand zur Hauptvcrhand- lung zugezogen werden, und zwar können hierzu auch Frauen gewählt werden. Von der Verhängung der Unter- tuchungshaft gegen Jugendliche soll abgesehen werden� für den Fall, daß eine � Festnahme notwendig ist, soll die vorläufige Unterbringung in eine Erziehungsanstalt erfolgen. Haupt- Verhandlungen gegen Jugendliche sollen von anderen derart ge- sondert werden, daß eine Berührung mit erwachsenen Angeklagten vermieden wird. Außerdem hat das Gericht die Befugnis, für die Verhandlung gegen einen Jugendlichen die Oeffentlichkeit ganz oder teilweise auszuschließen. Der Entwurf deckt sich niit den Bestimmungen, die bereits in der gescheiterten Strafprozehnovelle enthalten sind und dürfte etwas abgeändert auch im Reichstage eine Mehrheit finden, Serickts- Leitung. „OeffentlicheS Interesse". Ein eigenarstger Beleidigungsprozeß beschäftigte am Sonn- abend die sechste Strafkammer des Landgerichts Berlin l in der Berufungswstanz. In einer größeren Berliner Kartonsabrik war aus Anlaß von Lohndifferenzen ein Streik ausgebrochen. Der: Verein der Heimarbeiterinnen verhängte infolgedessen über dis Fabrik die Sperre. Frau Annn Rabe stellte dementsprechend für diese Fabrik die Arbeit ein. Nach einigen Tagen wurde Frau' Rabe von einer Frau gefragt, ob sie'denn für die Fabrik weiterarbeite, da der Geschäftswagen der Firma vor ihrem Hause gehalten habe. Ich mache grundsätzlich keine Streikarbeit, versetzte Frau Rabe: es ist ober möglich, dafj die in meinem Hanse wohnende Frau Pätzold Streitarbeit macht. Diese Aeußenmg wurde der Frau Pätzold! hinterbracht. Letztere stellte Strasantrag wegen Beleidigung. Die Staatsanwaltschaft am Landgericht Berlin- I hielt in dem vor- liegenden Falle ein„öffentliches Interesse" für vorliegend und er- hob gegen Frau Rabe öffentliche Anklage wegen Beleidiguny. DaS Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte Frau Rabe zu der gefetz- lich niedrigsten Strafe von drei Mark Gelilstrafe. Die eingelegt« Berufung wurde am Sonnabend verworfen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt The»d-r Liebknecht, wird gegen da» Urteil Revision einlegen. Merkwürdig, worin ein« Beleidigung liegen, noch merk- würdiger, weshalb öffentliches Interesse t ZtMdll 1913. Iflauf' und KlauenlcuclK als Grund eines veriawmlungsverdots. Unsere Leker entsinnen iick� daß in dem Verwaltungsstreitver- fahren, das Genosse Kaltschmidt in Finstcrwalde wegen des Verbots einer Versammlung unter freiem Himmel gegen den Regierungs- Präsidenten angestrengt hatte,-das OberverwaltungSgericht die Eni» scheidung in dem Verhandlungstermin am t. Oktober ausgesetzt hatte. Das Urteil ist jetzt den Parteien zugestellt. Es lautet zugunsten deS Klägers, seht den Bescheid des Re- girrungSpräsidrnten vom 20. September 1911 und die darin aufrecht erhaltene Berfiigung des Amtsvorstehers zu Fürstlich Drehna außer Kraft und legt die Kosten unter Ansatz des Wertes des Strcitgegen- standes auf 299 M. dem beklagten Regierungspräsidenten zur Last. Das Oberverwaltungsgericht verneint a»-sdrücklich die Frage, ob überhaupt auf Grund deS Reichsvereinsgesetzes eine Versamm- lung wegen Dtanl- und Klauenseuche verboten werden dürfe und erörtert eingehend, wann etwa auf Grund anderer Reichsgesetze solches Verbot erfolgen dürfe. Bei der Häufigkeit, mit der eine Maul- und Klauenseuche misi- bräuchlich als Grund für ein Versammluwzsverbot angeführt ist, rechtfertigt sich ein ausführliches Eingehen auf den Prozeß, und das Urteil. Genosse Kaltschmidt au-s Finsterwalde wollte in Fürstlich Drehna auf einem Ackergrundstück am 19. September 1911 eine Versammluirg unter freiem Himmel abhalten. Der Amtsvorsteher versagte-aber auf Grund des§ 7.des VereinSgesetzcs die Genehmi- gung. weil wegen-der herrschenden Maul, u-nd Klauenseuche aus der Abhaltung--der Versammlung eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit z-u befürchten sei. Vergeblich beschwerte sich K. beim Landrat und beim Regierungspräsidenten zu Frankfurt a. O. Der Regierungspräsident meinte, das Verbot läge im Veterinärpolizei- lichen Interesse. Das Zufamnwrftrömen der Leute in einem Orte, wo die Ma"l- und Klauenseuche herrsche, könne leicht dazu bei- tragen, die Seuche zu verbreiten. Daß die Ansteckungsgefahr sehr groß sei gehe auch daraus hervor, daß die Oberpostdirektion ihren Brief-boten das Betreten aller, nicht nur der verseuchten. Gehöfte im Sperrbezirt verboten habe. K. klag»? nun beim OberverwaltungSgericht. Sein Anwalt, Dr. Heinemann, machte geltend: Erstens könne die Seuche, die von Tier auf Tier übertragen werde, nicht durch ein Zusammenströmen von Menschen verbreitet werden. Wie man aber auch darüber denke: auf jeden Fall würde eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht vorliegen. Nur eine solche aber könne nach Z 7 des Reichs- vercinSgefctzcZ das Verbot einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel rechtfertigen. In seiner Klageerwiderung führte der Regiernngspräsident aus: Es sei allgemein anerkannt, daß«ine Verschleppung der Maul. -und Klauenseuche auch durch Menschen möglich sei. In dem Um- sichgreifcn der Seuche lieg« aber auch ein« Gefährdung der öffent- licht- u Sicherheit. Denn bei zunehmender Seuche wachse die Gefahr, daß das verfügbare Vieh abnehme und die Milchproduition geringer Werd«. Das habe ein« Steigerung der Preise und damit eine Erschwerung der Bolksernährung zur Folge. Bei mangelhafter Er. nährung werde auch die Gesundheit gefährdet, da die öffentliche Sicherheit den Schutz vor Erkrankungen umfasse, so werde mit einer Verringerung dieses Schutze» der gewöhnliche Umfang der öffentlichen Sicherheit verringert, also im Sinne des§ 7 des Reichsvereinsgesetzes die öffentliche Sicherheit gefährdet! Das Grundstück, auf-dem die Versammlung abgehalten werde» sollte, sei freilich nicht verseucht gewesen, es liege aber an einer Straße, in der verseucht« GeHöste lagen. Die Entfcheidungsgründe des Oberverwaltungsgerichts legen zunächst dar, daß nach-der vom Gesetzgeber betätigten Anschauung allerdings die Maul, und Klauenseuche durch Personen, die den Seuchenstoff in ihrer Kleidung aufgenommen haben, verschleppt werden könne. Aber zu den Gefahren für die öfientlichc Sicherheit, welche nach Z 7 des Vercinsgesetzes die Polizeibehörde bei Versamm- lungen unter freiem Himmel und öffentlichen Aufzügen zur Ver. kleines feuilleton Nachtarbeit. Silbern blüht der Mond in die fchlafschlvere Nacht hinein. Die neugierigen Tore der Häuser sind jetzt versperrt. Wie die Augenhöhlen toter Riesen starren die Fenster der aber- tausend Gebäude in die nächtliche Ruhe. Da und dort glotzt noch die geöffnete Tür eines Gast- oder Kaffecdaiiies schlaslruukeu und inißnimig aus die Straße. Diese ist ruhig und lärmfrei geworden. Nichts läßt ihr Pflaster erbeben. Alles Gelöse des TageS ist wie von einem Schwamm ans- gesogen. Mir ist, als hätte der schwere Schatten der Häuser alles Lebendige erdrückt. Jetzt aber dröhnen massige Tritte auf den granitenen Schritt- Leinen. Und Klang von Eisen a»f Eilen läßt ein fernes Echo aufhallen. Aus dem schwarzen Miindiingsloch einer engen Gaste treten viele Männer aus die breite, mächtige Hauptstraße hervor. Sie»ragen Schaufeln. Krampen, Hebestangen und verteilen sich auf Befebl eines Aufsehers in einer langen Reihe entlang dem Schienenstrange der Straßenbahn. Windlichter flammen auf und greifen mit brennenden Tatzen m die lane Luft. � x a Krampen heben sich in hohem, festem Schwünge und treffen funkensprühend den Boden. Schauselflächen sunkelin im Halblicht der Gasflammen. Brechstangen zwängen sich gierig zwischen die Granitrippen der steinernen Brust der Straße. Diese hustet vor Schmerz blaue Funken. Stählerne Finger umipaunen das eine Schienenglied, daß eS «ufziitm in klirrender, ohnmächtiger Wut. «chweißtriesende Männer haben ihre Röcke ausgezogen, auf die Pfähle erloichener Laiernen gehängt, wo sie, sinnreichste Fahnen der Arbcii, i» der Nachtlust schaukeln. Hinter den Fenstern des ersten Stockwerkes eines prächtigen Gebäudes ist ej» Bürger waw geworden. Verdrossen horcht er auf die Nachimelodie der Arbeit und grunzt: .Gesindel!» A. P. Die Opiumesser in Indien. Die indische Negierung will jetzt angeblich den Opiumgenuß in Indien bekämpfen. Die Nachricht ist verdächtig, da Indien selbst so viel Opium erzeugt, daß die Herren deö Landes und seines Handels nach wie vor das größte Interesse am Absatz dieses Stoffes haben, so daß trotz aller Verträge und Vorsätze auch die Ausfuhr nach China bisher durchaus nicht ge- ringcr geworden ist. To wird denn auch der Zusatz gemacht, man wolle in Indien nicht zu streng oorgehen. dainit sich die Bewohner nicht gefährlicheren Stoffen als dem Opium zuwenden. Das, sagung-der Genehmigung berechtigen, könnten unter keinen Um- ständen die Gefahren verstanden werden, welche-die Maul- und Klauenseuche für Viehbestän-de usw. mit sich bringt. Denn zur Bc- seitignn-g dieser Gefahr hat-die Sondergesetzgebung für Seuchen die statthaften Beschränkungen bezeichnet. Zu solchen- Beschränkungen gehören Beschränkungen der-Versammlungsfreiheit bei Ausbruch der Mau-l- und Klauenseuche an einein Orte nicht. Es wäre ja a-uch eine eigenartige unab-weisbare Folge-der Anschauung des Regie- rungSpräsidenten, daß-danach Versamml-ungen unter freiem Himmel, nicht aber solche in geschlossenen Räumen- wegen Seuchen- gefahr verboten werden könnten. Die angef-ochtene Verfügung habe deshalb weder im Reichsver- «insgesetz noch in einem ReichSseuchengesetz eine Stütze und unter- liege deshalb der Aufhebung. Durch diese Darlegung des Urteils sei selbstverstäMich nicht ausgeschlossen, daß die Polizeibehörde doch unter Umständen nach Ausbruch der Mau-I--und Klauenseuche den Anlaß und die Be- fugnis haben kann, in einer verseuchten- Ortschaft Versammlungen zu verbieten oder die zu ihnen ersorderliche Genehmigung zu ver- sagen. Ties wird vielmehr stets der Fall sein, wenn die Durch- fiihrung einer seuchengesetzlich zulässigen Maßnahme die Be- schränkung der Versam-in lungssrei hc i t zur notwendigen Folge hat. Hierher gehört es z. B.. wenn etwa eine Versammlung auf einem Seuchengehöft abgehalten werden» soll, weil dieser Veranstaltung mit einem Verbot aus 8 192 Nr. 5 der Bun-desratsvorschristen vom 7. Dezember 1911 en-tgegenzutreien wäre. Ferner zählt hierzu der Fall, wen-n der einzige zum Bersa-imn-lungsorte führende Wey gemäß § 47 Ms. 2 ds Reichs-gcsetzes vom 29. Juni 1999 gesperrt ist oder der Versamm-lungsort zu-den Räumlichkeiten im Sinne des§ 47 Abs. 1 a. a. O. zu rechnen ist. für welche der Berkehr von Personen be- schränkt»der ausgeschlossen werden kann. In- allen derartigen Fällen, für welche die erwähnten- nur Beispiele darstellen, findet die polizeiliche Maßnahme ihre rechtlich« Grundlage in Bestimmun- gen der ReichSviehscuchcngesetze; n-ur ihre Wirkungen- äußern sich auch auf dem Gebiete deS Versammlungsrechts. Die Versagung der Genehmigung der Versammlung auf dem Acker-des Gottlieb Kalt- schmidt ist indessen mit einer seuchenpolizeilichen Vorschrift nicht be- gründet worden; znr Anwendung einer solchen war auch kein Raum, da weder das Grundstück, auf dem man sich versammeln wollte, verseucht war, noch der dahin führende öffentliche Weg einer Sperre unterlag. Statt-dessen ist lediglich darauf hingewiesen worden, daß in der Ortschaft die Maul- und Klauenseuche herrschte, dies reichte weder nach den anzuwendenden Rechtsvorschriften- aus, noch genügte es in tatsächlicher Beziehung nach den örtlichen Verhältnissen. Em Induftric und Handel. Kosten des Schutzzolles in den Bereinigte» Staaten. Der Tarisresormklub hat kürzlich eine Darlegung veröffentlicht, in welcher auseinandergesetzt wird, was der Schutzzoll den Ameri- kaner» kostet. Er rechnet 2 599 522 499 Dollar für daö letzte Jahr Heraus, und zwar sind in diese Summe einbegriffen: der Zoll, die Verteuerung der Herstellungskosten für die amerikanischen Fabri- kanten und der Gewinn der Zwischenhändler. Der Klub hebt hervor, daß die Landbevölkerung einen sehr großen Beitrag zu den Kosten des Zollschutzes liefere. Sie betiägt 32,7 Proz. von der gesamten Bewolnierichaft des Landes, und es entfallen auf sie etwa 849 233 824 Dollar._ Gegen den Petroleumtrust. In der Begründung deS Petroleumgesetzentwurfes unterrichtet die Regierung auch kurz über die verschiedenen in Deutschland unter- nommenen Abwehrverinche gegen die übermächtige Stellung der Trusts(der Standard Oil Co.). Der von der Deutschen Bank unternommene Versuch, gestützt auf die Oelgewinnung der Steana Romana in Rumänien, durch den Ausbau zunächst der Petroleum- Produkte A.-G. in Hamburg, später der Deutschen Petroleum- Aktiengesellschaft in Berlin, und durch Verbindung mit den großen russischen Unternehmungen von Nobel und von Rothschild in der Europäischen Petroleuni-Union(Epu) auf dem deutsche» Markte in den Wettbewerb einzutreten, hat infolge über- mäßiger Verluste, welche insbesondere auch die beteiligten ausländischen Opiumrauchcn soll völlig unterdrückt werden, das Opiumcssen da- gegen nicht. Man sieht, wie vorsichtig die Engländer mit der Er- ziehung ihrer ischutzbefohle>/bn vorgehen, wenn ihr Geschäftsinteresse dabei mitspricht. Theater. Triano it- Theater:„Die Erste— die Beste", Lustspiel von Paul Gavault. Die Bezeichnung deS Stückes als.Lustspiel» war gründlich irreführend. Des Verfassers Ehrgeiz halte sich von vornherein lein höheres Ziel gesetzt als die Herstellung eines jener Pariser Schwankfabrikate, in denen die bekannten Schürzenjäger- und Halbweltdamenschemen zu irgend welchen neuen Konfigurationen kaleidoskopisch durcheinander gewürfelt werden. Aber auch dazu gehört, wen» das Geschäft mit Aussicht auf Erfolg be- trieben werden soll, außer erlernbarer Routine immerhin etwelcher lamiig-inuiitcrer Elan, Witz und Erfindungskraft. Herzhast ver- gnügtem Ueberinut sieht man Frivolitäten gerne nach. Indes von lolcheni Geist verlassen, erstarren sie zur tristen und verletzenden Grimaffe; die Zumutiiiig, zu lachen, der man nicht folgen kann, bringt ein Gefühl genierter Langeweile hervor. Vergebens setzte Hans Junkermanu lein drastisch- karikaturistisches Talent für den von Herrn Gavault zur Haupt- figur erkorenen wackligen Marquis ein. Dieser iil Aus- schweifungen verblödete TappergreiS, der, wenn ihm eine bezahlte Maitresse den Laufpaß gibt, das Seelcnleid unter Tränen seiner Tochter klagt, ist, wie die Tochter selbst, die um die Kündigung rückgängig zu machen, ihren Bräutigam als Mittelsmann zu der Dame sendet— von einer verzerrten Fratzenhaftigkeit. Mit den anderen Einfällen steht'S nicht viel besser. Nach vielfachen Versuchen, die PlaeementS zu ändern, kehren die ehrenwerten männlichen und weiblichen Herrschaften samt und sonders zu ihren früheren„Ver- Hältnissen» zurück. Auch das gewiß nicht anspruchsvolle Publikum schien trotz des flotten Spiels ziemlich enttällscht. Der Beifall er- reichte kaum das offizielle Preniierenmaß. dt. Mufft. Der.Fidelio» für die Freie Volksbühne(im Deutschen Opernhause zu Cbarlottenburg). lieber Beethovens einzige Oper, dieses„Hohe Lied der Gatteuliebe», ivurde ja anläßlich ihrer Erstauffübrnng bereits hier gesprochen. Gleichwohl sind einige Bemerkungen am Plötze. Zunächst hinsichtlich der Besetzung. Sie war teilivetse eine andere, als bei der Giöffnmtg des Hauses. DaS kann weiter nicht aussollen. Die Beietzüng solistischer Hauptpartien bei Nachmittagsvorstellungen ist abhängig von jener der jeweiligen Abendopern. Zivciinal am selben Tage stundenlang schwere Rollen durchzuführen, ist eine physische Kraftleistmig, die man Theater- sängcrn billigerweise nicht zunuiten kann. Wir haben nach dieser SpezialVorstellung zu der Direktion da? Vertrauen, daß sie bestrebt sein wird, der Freien Volksbühne immer und unter allen Umständen Oualitätsleistunge» darzubieten. Diesmal wurde die Titelpartie von Felicitas Hallama gesungen, einer Sängerin, die vermöge pastoser Stimmittel und wohl angemessener Firmen nicht weiter zu tragen gewillt waren, aufgegeben werden müssen. Während es der Europäischen Petroleuin-Union gelungen ist, in England der Standard Oil Co. die Wage zu halten und dort jährlich etwa 299 999 Tonnen Leuchtöl abzusetzen, sah sie sich in Deutschland zu einer Vereinbarung mit der Standard Oil Co. ge- nötigt, durch welche sie hinsichtlich der Versorgung des Marktes aus ein bestimmtes Kontingent beschränkt wurde und der Standard Oil Co. die Leitung des Verkauf» allein überlassen mußte. Jir jüngster Zeit hat die Deutsche Petroleum-Verkauss-Gesellschafi (die deutsche Tochtergesellschaft der Epu) ihr Vertragsverhältnis zur Deutsch- Amerikanischen Petroleum- Gesellschaft gelöst; es ist jedoch nicht wahrscheinlich, daß ein erneuter Konkurrenzkampf gegenwärtig mit mehr Erfolg als früher durchgeführt werden könnte. Als einzige unabhängige Verkaufsorganisation hatte sich bis vor kurzem die Vereinigung galizischer Raffinerien, die A. G. für Oesterreichische und Ungarische Mineralölprodukte in Berlin und Wien(Olex), die jetzt unter der Kontrolle der Deutschen Erdöl-Aktien-Gesellschaft steht, trotz des geg�n sie aus- geübten heftigen Wettbewerbes auf dem deutschen Markte gerade noch behaupten können. Die Mengen Lenchtöl, mit denen sie in den Wettbewerb einzutreten vermochte, waren jedoch zu gering, um den Tochtergesellschaften der Standard Oil Co. das Gleichgewicht halten zu können; sie hat im Durchschnitt der letzten Jahre nur etwa ein Achtel deS deutschen Gesamtverbrauches geliefert und war zudem durch die Höhe der Frachtkosten in der Ausdehnung ihres Absatzes über die der österreichischen Grenze benachbarten Ge» biete hinaus wesentlich beschränkt. Die Schwierigkeiten, die sich in den letzten Jahre» durch die Wassereinbrüche in dem Bezirke von Tustanowicze für die galizische Rohölerzeugung ergeben haben, be- deuteten ein weiteres Hindernis für die Durchführung des Weit- bewerbes seitens der österreichischen Ausfuhrvereinigung. Man wird daher dainit rechnen müssen, daß die Deutsch? Erdöl-Aktien- gesellichaft für ihr eigene« deutsches Oel und für die Olex eine Ver- abredung mit der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft trifft und sich mit der Zusicherung eines Anteils am deutschen Markte be- gnügt; dahingehende vorläufige Abmachungen sind bereits bekannt geworden.__ Hus aller Melt. 69 ist der Krieg ein rob', gewaltlam Randwerk. Ein Parteigenosse, der als Offizier den Feldzitg bei der serbischen Hauptarnwe mitniachcn mußte, schreibt unö auf einer Feldpostkarte vom 24. November aus F l o r i n a(süd- lich von Monastir): „Für uns sind die Kriegsoperationen geschlossen. Nach einem furchtbaren viertägigen Kampfe(bei Monastir. D. Red.), der wegen der natürlichen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, einzig dasteht, wurden die Türken vollständig ge- schlagen. Der letzte Nest ihrer Artillerie, 28 Kanonen, ivurde uns überlassen. Da die Türken von allen Seiten umzingelt waren, brach eine Pamk bei' ihnen aus. Sie warfen alles von sich und flüchteten, nur mit Hosen und Hemden bekleidet, in die niit hohem Schnee bedeckten Berge. Sie ließen ein» große Masse von Bagage zurück. Es war schauderhaft, diese Menschenschlächtcrei mit anzusehen, �ch habe alles, was in meiner Macht stand, für diese Unglücklichen getan. Aber am nächsten Tage Hab« ich viele halbverkohlte türkische Soldaten liegen sehen. Noch viel gräßlicher war aber das Elend de? Familien mit Kindern. Meine Stimmung ist zurzeit so aufgeregt und überreizt, daß ich oft weinen r/mß. In Florina trafen wir mit Griechen zusammen und henta geht meine Division nach Uesküb zurück." -t»» * Alle bösen Leidenschaften und niedrigen Instinkte hat die Menschenschlächterei bei den Kriegführenden entfesselt. ES kann auch gar nicht anders sei». Wer tagtäglich durch ein Meer von Menschen» blut watet, muß das Gefühl für seine Menschenwürde Verlierern darstellerischen Fähigkeiten als Lconore gut bestand. Manches aller- dingS, wie nameullich die wunderbar beseelte Kadenz„Die Liebs ivird's erreichen» ließ an gesanglicher Klarbeit und leidenschaftlicher Hingabe zu wünschen übrig. Desgleichen drangen Mizzi Fink als Marzelline und Theo Bachen hei in er(Jaquino) nicht imincr durch, während Egon Fuchs mit gultragendem Baß den Kerkermeister im großen und ganzen sympathisch vertrat. Alfred Haßler zeigt künstlerische Intelligenz; stiimnlich gelang ihm der Part deS Pizzaro nicht durchweg. Julius Roether(Minister) schien diesmal indisponiert. Alexander Kirchner hingegen hielt sich als Florestan gesanglich wie darstellerisch auf respektabler Höhe. Der herrliche Gefangenenchor verpuffte zun» Teil. Es würde sich sehr empfehlen, die Gefangenen, statt sie im Gänsemarsch treppab koinuien zu sehen, von mehreren Seiten zu gleicher Zeit in den Gefängnishof treten zu lassen. Außerdem sollte der Auftritt zwischen Marzelline und Jaquino, doch auch zwischen Rocco und Leonora mehr nach vorne gerückt werden, damit das Onartett und Terzett nicht Einbuße erleiden. Prachtvoll, dekorativ wie szenisch, ist das Bild vor dem Gesängnisportal im Finale. Die Bewegung de» Volkes könnte freilich noch lebendiger sein. Herrlich spielte das Orchester die Ouvertüre Nr. 3, die während der Verwandlungspause zwischen dem Duett und Finale so recht Wunder wirkt. Dem gewaltigen Eindruck des Beelhovenschen Werkes entzog sich lvohl niemand in dein dichtbeietzten großen HauS. Schließlich möchten wir den Besuchern statt deS im Theater auSgebolenen„Text»-bucheS, das nur die Gesangstexte bietet, die vollständige Reclamsche Ausgabe empfehlen.'_ o. k. Notizen. — M u s i k ch r o n i k. Bronislaw Hubermann veranstaltet sein einziges Konzert dieser Saison am 5. Dezember in der Philharmonie zu„volkstümlichen" Preisen(Bach, Brobus, Beethoveu). — Theaterchronik. Die Nene Freie Bühne führt am 7. Dezember nachmittags im Komödienhanse als erste Premiere den„Kammerdiener" auf. — Das Schicksal des Lessing-ThoaterS. Das Lcssing-Theater wird durch ein Kollegium in Brahms Sinne bis zum Ablauf des Kontraktes(31. Juli 1914) weitergesührt werden. — Leoncavalloö neue Oper«Die Zigeuner" wurde zum ersten Male im Mailänder lyrischen Theater mit Erfolg aufgeführt. — Brahm und Hauptmann. Bei der Abschiedsfeier für Otto Brahm, dessen Leiche dann nach Hamburg zur Einäscherung übergeführt wurde, sprach auch Gerhart Hauptmann. Er feierte Brabni als deutschen Jdcalistc», rühmte die Verbindung nou prallischer und ideeller Kraft in ihm und prieS seine deutsche Treue.„DaS Werk dieses Mannes war zum Teil mein Werk, und mein Werk lvar zum Teil das Werk dieses Mannes." — Ein Hauptmann-Porträt L i e b e r m a n n S. Für die Hamburger Kunfthalle hat Max Liebermann Gcrhart Hauptmann in Halbfigur gemalt. Unferc Kriegshetze begründen ihr verbrecherisches Treiben u. a. auch damit, daß Kriege notwendig seien, weil sie die Menschen zu ernster Pflichterfüllung erziehen. daS sittliche Niveau der Völker heben usw. Wie es damit bestellt ist. zeigt ein Bericht deS KriegZkorrespondenten der.Times" aus Saloniki. Es heißt darin: „Mazedonien ist getränkt mit dem Blute unZ- schuldiger Opfer. Es ist notorisch, daß die Bulgaren sich in weitem Maße der Hilfe der Konntatfchis bedienten, und da sie selbst alle verfügbaren Truppen nach Thrazien schicken mußten, so überließen sie das eroberte Mazedonien der Gnade ihrer blulbefleckten Hilfs- truppen. Das Ergebnis zeigt sich in den Ereignissen von Seres und in der e n o r nr e n Menge unterschiedsloser S ch l ä ch- tereien, die vor sich gingen, besonders in dem Bezirk von Avret Hissar, wo kau in einem einzigen Mohammedaner das Leben gelassen wurde. Auch Dedeagatsch ist der Schau- Platz scheußlicher Szenen gewesen. Mohammedanische Banden haben ihrerseits zur allgemeinen Verwilderung beigetragen, und ganze Dörfer sind durch ihre Graniamkeiten zerstört worden. Die Metzeleien in Kawala sind durch A r ni e n i e r verübt worden, die sich der bulgarischen Armee als Freiwillige angeschlossen hatten. Das Motiv war offenbar, die Metzeleien von Adana zu räche n." Und der Korrespondent des„Berl. Tagebl." schreibt über die Grausamkeiten der Sieger in Saloniki: „...�Ein türkischer Soldat will an einer verbotenen Stelle die Straße überschreiten und versteht die Warnung des* griechischen Postens nicht, der ihm darauf kurzweg das Bajonett durch den Unterleib st ö ß t und ihn— sagen die Griechen—„zu feinen Vätern im Paradiese Mohammeds versammelt". Der Posten kann sich nicht damit entschuldigen, daß der arme Türke bewaffnet gewesen sei. Denn jeder Tücke„und jeder Jude wird den Tag über hunderte Male auf Waffen untersucht. Weshalb viele arme Teufel kleine Fähnchen in griechischen, zumeist aber in bulgarischen Farben in der Hand tragen, um damit der Vendetta der Sieger zu entgehen. Eine fürchterliche Szene spielte sich in dem höher gelegenen Teile von Saloniki— in Tsauset Monastir— ab. Eine bulgarische Komitatschibande spürt dort äinen aus Kratowo geflohenen tür- tischen Bei ans und will ihn hängen. Da er sich zur Wehr setzt, werden außer ihm noch zweiundzwanzig Türken jj Todes-Anzeigen| Soziaita WscIierWahlverein f. tl. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am 29. November verstarb unser Genosse, der Arbeiter Xarl Zfcux Soldmer Str. 11. Bezirk 815a. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Dezember, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Sophien-Kirchhoses in der Freien- walder Straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/11 l>vi> Vorstund. Verhanil der Fabrikariieiter Deutschlands. Zahlstelle Ciroß-Berlln. Am Freitag, den 29. November, verstarb unser Mitglied Ktanl Roux Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 4. Dezember, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des Sophien-Friedhoses, Freienwalder Straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 58/12 vis Ortevorveallung. AmSonntag, den 1. Dezember, verstarb unser Mitglied Villielm Dierseh. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Dezember, nach- mittags Uhr, von der Halle des Ober-Schöneweider Friedhofes aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortevenvaltimg. Schöneberg. 0�8). Am Sonnabend, den 30. November verstarb nach langem Leiden unser Mitglied, der Steinmetz Paul Reiche. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Scdanstr. 26, nach dem 2. Schöne- berger Friedhof, Blanke Hölle, statt. Für die Mitglieder des Ges.»V. „Schöneberger Männerchor' Treff- punlt'/,3 Uhr beim Gastwirt Fintel. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. verband derSteinarheitep. »1, Istelle Berlin. SO. November starb unser , der Sandsteinmetz Paul Reiche ihrelangem Siechtu m an cusskrankheit. 172/11 ce seinem Andenken k Beerdigung findet heute [(ag 2'/, Uhr von der Halle des Schöneberger ises, Blanke Hölle, aus rege Beteiligung ersucht Die Ortsvcrwaltuug.> Beutscbep Transpoptarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Wilhelm Moides am 30. November im Alter von 64 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittlvoch, den 4. Dezember, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Kreuz- Kirchhofes in Mariendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/7 Die Bezirksverwaltung. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Holz- kutschcr Paul lenke am 29. November im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Bie Dezirksverwaltung.| Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Bruder, Schwager und Onkel, der Schankwirt 1512b Rae! Howe am 1. Dezember verstorben ist. Die trauermien Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 4 Uhr, von der falle des Luisen- Kirchhofes in harlottcnburg, Fürstenbrunncr Weg, aus statt. Verband der Ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uu�r Kollege Karl Howe Reuchlinstraße 6, im Alter von| 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 4. Dezember, nach- mitiags 3'/. Uhr, von der Leichen- Halle Fürftenbrnnerwcg aus statt. Treffpunkt 3 Uhr beim Kollegen Papcnjuhr, Spandauerberg 22. Um rege Beteiligung ersucht 74/10 v Die OrtSvcrwaltung. Am 1. Dezember, morgens >/.3 Uhr, starb nach langem Leiden an Herzschwäche unsere liebe Mutter, Groftmuitcr, Schwiegcr- muttcr und Schwester pauliue Grottke geb. Waffenberg. Um stilles Beileid bitten Faniilio Pilz,!» iiiler. Tcuerkuuf, Grottke. Die Leichenfeier findet Mittwoch, den 4. Dezember, mittags UA/, Uhr, im Trauerhause, Nostocker Str. 27, die Beerdigung um 1'/, Uhr, aus dem städtischen Friedhos, See- straße, statt. 42A Danksagung. Heimgekehrt vom Grabe meiner unvergeßlichen Frau IMda Fuchs geb. Platz sage ich hiermit allen Teilnehmern meinen aufrichtigsten Dank. Frnst Fuchs 3»«ebjt Kindern. der Umgegend niedergemetzelt. Der Herr, der mir diese Greueltat berichtet, ist eine der hervorragendsten Persönlich- leiten der italienischen Kolonie, die bei allen Konsulaten Salonikis sich des höchsten Ansehens erfreut und auch in Wiener Gelehrtenkreisen wohlbekannt ist. Was mir endlich österreichische Notabelu, was mir eine Europäerin, die den Marsch nach Saloniki begleitete, erzählen, das klingt so entsetzlich, daß ich es nur andeute. Der erstere, ein Ingenieur, der außerhalb Salonikis zu tun hatte, teilt mir mit, daß die bulgarischen Komitatschis dort auS rcineni Türkenhaß zwei türkische Beis einsingen, ihnen g e- salzenes Fleisch zu essen, aber nichts zu trinken gaben und sie langsam verschmachten ließe n. Im Namen d?S Christentums! Und die Krankenschwester sagte mir, daß eine der alliierten Armeen, die ich nicht nenne(so furchtbar ist die Tat!) vierzig türkische Gefangene, die nicht mehr marschieren konnten, füsiliert...„Aber die Türken haben ja auch ihrerseits Greueltaten verübt," fügt die Dame entschuldigend hinzu. Im Deutschen Klub erfahre ich von der angeschwemmten Leiche eines eleganten türkischen Seeoffiziers, der mit dem„Fethi Bulent" ums Leben gekommen. Die Leiche, die beim Landen Ringe, Lackschuhe usw. trug, wurde sofort von brutalen Händen ausgeplündert Ein abscheuliches Schauspiel bot ein griechischer Pfaffe, der, eine große weißblaue Fahne schwingend, einem. Menschenhaufen voranzog. Die kleinen boshaften Augen in dem feisten Popengesicht blitzten bor Freude, denn hinter ihm wurden zwei gefesielte Unglückliche in brauner türkischer Telegraphisteu- uniform gestoßen und gepufft. Und so zog der edle Priester mit den zwei armseligen Menschen immer und immer wieder triumphierend den Kai auf und ab, und eine heulende und johlende Menge folgte und mißhandelte die Aermsten. Was sie verbrochen? Gott weiß! Es heißt, sie hätten die griechische Flagge verhöhnt. Aber ist das wahr? Hieß es nicht letzthin in der ganzen Stadt, die Juden hätten die griechischen Soldaten zu vergiften gesucht!... Und der infame Schwindel wurde allgemein geglaubt I Den gräßlichsten Ein- druck aber hinterließ mir die Metzelei im Vardarhafen, wo Soldaten und Volk Dutzende harmloser Türken niederknallten, weil der Mob sie für die Urheber der Dhnamitkatastrophe hielt, die jetzt allgemein den bulgarischen Komitatschis zugeschrieben wird. Und wieviel anders Schreckens- taten, die kein Mensch kennt, kein Mensch kennen wird, sirrd w dieser unglücklichen Stadt roh begangen worden am hellichten Tage, wo jeder Räuber tat, was. ihm paßte, ungestört vom-�uge des Gesetzes I Und erst in der Nacht, wo seit dem Falle der Stadt jede Straßenbeleuchtung aufgehört hat' Und wer trug die Schuld an diesen Greueln? Griechen oder Bulgaren? Der Vorwurf kann Griechen und Bulgaren nicht er- spart werden, daß sie Tage und Nächte lang das uniforn werte und nichluniformierte Gesindel fast ungestört schalten und walten ließen- Grohfener in(Glasgow. Eine riesige Feuersbrunst richtete am Sonntag in Glasgow im Stadtviertel Candlorik großen Schaden an. Drei Straßen» z ü g e fielen dem verheerenden Element zum Opfer. Mehrere Ge« schäftshäuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Trotz des mutigen Eingreifens der Wehr gelang es nicht, des Brandes Herr zn werden, so daß zahlreiche Familien ihr Hab und Gut verloren haben. Mehrere hundert Familien sind ob- d a ch l o s und mußten in den verschiedenen Polizeibureaus ein- quartiert werden. Die Enistehungsursache des Ltiesenseuers tonnts bisher nicht ermittelt werden. Der Schaden beläuft sich auf über 100 000 Pfund._ Das Ende eines Lunche». Das Breslauer Schwurgericht verurteilte am Freitag den Polizeispitzel Joseph Pufke wegen Raubes, verbunden mit Tömng eines Menschen, zu lebenslänglichem Zuchthaus, Ehr- Verlust und— o Ironie— zur Stellung unter Polizeiaufsicht. Nach seinen eigenen Angaben hat der Verurteilte durch seine Polizeispitzeleien durchschnittlich 5 M. pro Woche verdient. Kleine Notizen. Absturz rine-Z französischen Fliegers. Auf dem Flugfelde von Juvil'y ist der Flieger Arundet mit seinem Flugapparate abgestürzt und erlitt so schwere Verletzungen, daß er tot vom Platze gelragen wurde. Schwiiidclbankcn. Die Pariser Polizei verhaftete die beiden Leiter einer Winkelbank namens De M v n t i g n y und D u p i s die beschuldigt sind, Einlagen im Betrage von einer Million veruntreut zu haben. BeÄcutetiÄe Ersparnisse erzielt jeder, der seinen Bedarf an Herren- und Knaben-Bekleidung jeder Art, fertig oder nach Maß, bei der H. K. G. deckt.— Wir geben unsere Waren nur an Private zum Selbstkostenpreis ab, und erheben als einzigsten Gewinn eine Umsatzprovision von 10 Prozent. fertig vom Lager: Spezia!=Abteilung für schwarze Konfektion« Gehrock-AnzUge Smoking-Anzttge Frack-Anzüge Versand nach auswärts gegen Nachnahme. Verkaufspreis M. 383o Deutschlands größtes Spezialgeschäft dieser Art. Herren-KIeider-Yertriebs-Gesellsehaft DamISm• Neue Schönhauser Straße 1, Ecke Weinmeister- u. Münz-Straße. A-Jd J11I• Turm-Straße 73, Moabit, vis-a-vis der Emdener Straße._ 5050 57-20 Versand nach auswärts' gegen Nachnahme. m. d. H. Verband d. Brauerei- u. Ihlen- arbeiter u. verw.BeruIsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 30. November der Kollege, Mühlenarbeitcr 8lkmistall5 Nowak nach schwerem Leiden an Magen- krebs verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Pius-KirchhoseS in Wilhclmsberg, Berliner Straße, statt. 44/3 Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. 11 1 1_____« Verband der Lithographen, Steindpuekeru-verwandteii Berufe (Deutscher Sencfelder-Bundj. Am 30. November verstarb plötzlich und unerwartet der Kupserdrucker «III! ketteln an einem Blutsturz bei der Arbeit im Alter von 26 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Elisabeth-Kirch- hoseö in Pankow, Wollankstraße, aus statt. 101/1 Die Verwaltung der Filiale V. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser ködert öialkowski Userstraße 12 am 30. November an stirnhochlen- eiterung gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags 1-/2 Uhr, vom Trauer- banse. Userslr. 12, auS nach dem Städtischen Fricdhos m der Müller- straße. Ecke Seestraße, statt. Rege Beteiligung erwartet 134/4 Die Ortsverwaltung. Deutseber Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bodenlegcr Georg Üuirich Lübecker Str. 44, im Alter von 57 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Johannis-Kirchhoses, Plötzen- see, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/19 Die Ortsverwaltung. Verband der Kuiiierschmiede DeUtSChiandS. Filiale Berlin. Am 1. Dezember verstarb unser Mitglied, der Kollege ttermann �lVinklef im Alter von 60 Jahren an Gehirnverblutung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 4. Dezember, nach- mittags llhz Uhr, von der Salle des Neuen Nazareth-Kirch Hofes in Reinickendorj-West, Kögelstraße 8, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Ter talvorstand. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Kollege Eugsn Lenge nach längerem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr, ans dem St. Thomas-Kirchhos in Neukölln, Hermannstraße 179, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 26/9 Die Lrtsverwaltung. Krati28peiiLlen sowie sämtliche• Blumenarrangeinentö liefert schnell und billig Birnl Gross, Lin*«n»tr,68, Set, SKpl. 7203. Zentral- Kranken- Unterstützungs- — verein der Schmiede.— Zahlstelle Berlin i>. Am 29. 11. verstarb plötzlich unser Mitglied, der Schlosser Roluhold I. tilge. Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 3. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Elisabeth- Kirchhoses, Prinzen-Allee, aus statt. 171/8 Ehre seinem Andenken! Tauksaguttg. Für die rege Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sage ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. Wwe. Hulda Mendel nebst Tochter und Schwiegersohn.. Hi*. Siirsme!! Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PriiizenstF. 4!, m*» 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 1 '4° Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, HDte etc. Anfertigung nach MaS In 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Vaters, Schwiegervaters und Großvaters 22A Karl Müller sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Herrn VI. Baumann und den Botenfrauen der Spedition Rhetnsbergerstr. 67, dem Gesangverein und den Kolonisten der Kolonie Sandkrug unseren hei�sichslen Dank. VÜVfö Müller nebst Kindern, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben, unvergeßlichen Frau und Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante I>I,la Brlisch'geb. Ren- mann, sagen wir allen Verwandten Freunden und Bekannten sowie dem Mannerchor Boxhagen-Nummelsburg. den Genossen und Genossinnen des Wahlvereins und den Kollegen und ------, trostreichen am Sarge der Enlschlasenen unseren tiesgefühltesten Dan!. 73A Die Hinterbliebenen: Paul Brüsch nebst Töchterche». K«»pe«ialar�t |f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, ! nerv. Schwäche. Beintranke jeder Art. Ehrlich Hata> Kuren in u.Co. konz. Laborat. s. Blut- 1 Untersuchung., Fade» i. Harn usw. Friedrichstr. 81, ÄÄrm. Zpr. 10—2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. j Honorar m listig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. ZlLi, s»•»♦/»»»» Dr. Honisyer Klmuell- und KrambindkM von Roüerl Meyer,• Jnh.: P. Gollctz mit Mstnammi-Sttliße Z. Telephon: Mortstplati aik. Künstliche Zähne mit und ohne Gauraonpl. in naturgetreuer Ausführung. Reparat, u. Umarbeitung sof. u. billigst. Fast schmerzloses Zahnziehen.— Teilzahlung. Bei fast sämtlichen Berliner Krankenkassen zugelassen. KngoSchnlzeÄtt'Ä6 Achtung! Brasil= Ersatz, Vorstenland.Yoilblattj dritte I-ttnge, p l»fd. I.Sv.s Hamburger Rohtabak-Haus Filiale: Berlin N., Brunnen straße 85. ZU Stelen Slumu -- Die___ Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. frahtWeihnactitsgesctienk Stoffreste zu wirklichen� Spottpreisen ä zu Anzug, l'aletot. Hose W und Damen- Kostümen A Deutsch-Knsllsche Tnch-Agentnr, — YorckslraBe 75, nahe BellealliancestraBe.—-—— W Besuch ohne Kaatzwnuw erbeten.' Immer größer wird die Zahl der Hausfrauen, die bei den teuren Fleischpreisen regelmäßig Fvnorr-Suppenwürfel verwenden, aber noch mehr Hausfrauen gibt es, die diese für jeden Haushalt nützlichen und praktischen foiotr-Suppen noch nicht kennen. Warum? Weil viele glauben, der Fabrikant könne unmöglich für 10 Pf. 3 Teller gute Suppe liefern. Warum kann foiorr für wenige Pfennige soviel bieten? Weil in dem großen Fabrikbetrieb alle Vorteile des Einkaufes, der Herstellungsweise und des Vertriebes sich vereinigen. Jeder, der für 10 Pf. einen l�notr-Suppen- Würfel kaust, zieht aus all diesen Vorteilen Nutzen. Probieren Sie einen I�norr-Sirppenwürfel, er ist besser als andere! Wie bereitet man RornfrancK?.. Wie Raffee und MalzKalleel Bei besonderen Gescbmacksricbtungen entweder: Mit einer Kleinen Beimiscliung von Aecht FrancK-Kaffeezusatz oder 2/3„RornfrancK" mit%„Aecht FrancK" oder"/a..RornfrancK", Va BohnenKaffee und Va„Aecht FrancK". Wer diese verschiedenen Arten ausprobiert» findet leicbt Heraus, welches Getränk seinem Geschmack am meisten zusagt. Milch und Zucker nimmt man nach Gewohnheit* 69 Beachten Sie! Die in diesem Berjeichnis enthalteneu, im Preise licraligesettten Werke sind sämtlich zweiter Hand. jedoch wie neu vollständig und ungebraucht. Preise ab Berlin. Busch, W.. Perlen d. Humors. Gesam. Dichtungen mit ca. 400 Lriginalbildern, gr. 4°. Prachtband v M., einlach geb. 3,50 M. Elegante Relief-Bände. Jeder Band ca. 250 Seilen starl(srüher 2 M.) jetzt nur a 1,25 M.(Porto 20 Pf.) Degrner,<£.. Frithjoss Sage, überfetzt von Modnicke. Titelbild, eli- gant- gebunden(statt 2,50) nur 1,25 M. Eichcudorfss Gedichte. Goethes Gedichte. Faust. Heines Buch der Lieder. Lenaus Gedichte. RüetertS Gedichte. Schillers Gedichte. Skat-'Album. 12 Originalzeichnungcn von Otto An dres. Mit Dichtungen v. Richard Schmidt-Cabanis. Orig.-Einb.(Porto 50 Pf.)(statt 5 M.) nur 1,75. 1001 Geda» kenblibe. Bon Sirius.(Meist zum besten hält die Welt, was man für sein Bestes halt.) 181 Seilen. Elcg, geb.(statt 3 M.) nur 1 M. Kürschner» Universal- Konscrvations. Lexikon. Mit 2733 schwarzen u. 420 farbigen Illustrationen. 3. Auflage. 925 S. Porto 50 Pf. Geb.(statt 5 M.) nur 2.55 M. — 4. Auflage(statt 5 M.) nur 3,50 M. Debc» Groster Hand-Atlaö. 122 Haupt- und 124 Ncbcnlarten. Ausgabe 1905, mit vouständ. Namen- register. Geb.(statt Ladenpreis 20 M.) nur 13 M. Uuivcrsal-Atla» und illustriertes geographisches Handbuch 100«, in Grog-Quarlform., 50 Karten enthaltend. Kart, nur 3 M, geb. 3,50 M. Jede Karte gebrochen auf Falz, ölegant geb. 4 M. Tie Teehäfen des Weltverkehrs. Dargestellt von J. Ritter, v. Lehuert. K. Zehden, E. Becher, Ad. Schwarz u. a. unter Redaktion v. Alexander Dorn. 2 Bd. Grogoltov. CSuf. 2000 Seit.) Mit ca. 400 Ab- bildungen. Lcincnbändc(statt 42 M.) nur 0 M. Album von Berlin mit 26 loloricrtcn Ansichten, Klcinfolio(statt 3 M.) 00 Pf. — Die Weltstadt in 52 Bildern, geb 2 M — Mit 14 ganz> eiligen kolorierten Ansichten und 142 Textilluftrationen sowie kunstgefchichtlichem Führer, 114 Seit, auf Kunstdruckpapier. Geb. nur 3 M Berlin in Wort und Bild. Bon Paul Lindenbeu. Mit 244 Illustrationen von Holbcin, Knötel, Menzel Alb. Richter ufw. 612 Seiten, cleg gebunden(statt 7,50 M.) nur 2,50 M.(Porto 50 Pf.). Cdinn. sein Reich. D. Götterwelt d. Germanen. Bon Werner Hahn. 7. Taufend. Mst kolor. Bildern. Geb. 2 50 M.. unilluftr. nur 1,75 M. P earp, R.<4. Tic Entdeckung de» Nordpols. Mit über 100 Jlluflr. Geb.(statt 15 M.) nur 5,50 M. Jugend-viarteulaubc. Mifca. 50 bunten u. vielen ichvarzen Originalbildern erster Künstler. Per- fchiedcne Bände(Jeder Band für fich abgeschlossen.) a Band(statt 3 M.) nur 1,50 M. „ Wer herzhaft lachen will, der lr>e: Adolf Brenngia». Humor im BerlinerBolks- leben. Mit zahlreichen farbigen Bildern nach Th. Hosemaim sowie 24 Autotypien. 3 Bde., ca. 1000 «Seiten stark, elegant gebunden k M.f broschiert 3 Bde. a 1 M.(nicht illustriert). � Leder Band nur 2.50 M.�WS(Porto 30 Ps.) dlersseld-Balleftrem. Tos Heidcröslein Reich illuflriert. Gebunden.(Früher 5 M.) Jensen, W., Tie Kinder vomOcdacker. Roman. 362 selten. Gebunden.(Früher 10 M.) Grillparzer. Meisterwerke. Elcg. geb. illustr. Ausg. 270 seit, i flatt 5 M.) nur 3 M. Porto extra. Xstslx xratis, über 20 000 Werke enthaltend. J- M-Spaeth e�enüber dem Rathaus� seit iSöi Billige 1913 Berlin C.2. Köni�strasse 52.. Fernjpr Zentrum 5179. Postiwechconw 3665 Zur Ial)rl)undcrtfcicr. Sohnrey, H., Robinson in der Lindeuhiitte. Ge- Kunden(statt 4 M.) nur 2,25 M. Tieck, 8., Die Reise ins Blaue hinein romantische Novellen. 372 Seiten. Gebunden(statt 6 M.) nur 3 M. Jensen, W., Nach Sonnenuntergang. 2 Bde. 500 Seiten. Start gebunden(statt 12 M.) mm 4 M In einem Bande geb. nur 3,50 M. Wolfs, I., Der wilde Jäger. Illustr. Jubiläums- Ausg.(Hunderttausend.) Geb.(statt 10 M.) nur 7.50 M. Frenssen, H., Klans Hinrich Baas. Geb.(statt 6 M.) nur 4,50 M. S/F" Preisgekrönter Roman König, E. A.. Durch Kampf zum Frieden. 2 Bde. geb.(statt 14 M.) nur 3 M. — Roderich, Reinhardt. 2 Bde. geb.(statt S M.) nur 3 M. — Entfesselte Elemente. 2 Bde. geb.(statt 9 M.) nur 3 M. — Ilm Ehre uud Leben. 1 Bd. geb. 1,50 M. — Der Findling. 2. Aufl. 1 Bd. geb. 1.50 M. Schniher, Käthe und ich.(Allberühmter Humorist. Roman.) Hierzu als Fortsetzung l Käthe, ich und die anderen. Jeder Band früher 4 M., jetzt nur a 2,75 M. Trinius, A., Thüringer Geschichten. Mit Buch- schmuck von Statzen. Geb.(statt 3 M.) nur 2 M. Ostwald, Die Vagabunden. 355 Seiten. Brosch. (statt 3 M.) nur 1,50 M. Gautier, Xh6ophile, Eine Nacht der Kleopatra. — Fortunio.— Die Goldene Kette der Bakchis. — Da» Hündchen der Marquise.— Jeder Band dieser ersten und einzigen deutschen Ausgabe kostete gebunden früher 4 M., nur st 1,50 M. Ludwig Richters Lebenöerinncrungen eines deutschen MalerS. 20 Taufend Aufl. 750 Seilen. Geb.(statt 3 M.) nur 1,75 M., hochelegant(statt 4 M.) nur 2,50 M. Ichlicht, Osfiziersrhen. 6.— 10. Taufend. Geh. (statt 5 M.) nur 1.50 M. Bcherlcin, Jena oder Sedan. 737 S. Geb.(statt 3 M.t nur 1.50 M. Th. Storms sämtliche Werke in 8 elegant. Bänden. Gebunden(statt 28 M.) nur 22 M., einzeln ä 3 M.; in 4 Bde. geb.(statt 26 M.) nur 10 M., einzeln ä 5 M. May, Karl, Dorfgeschichten. 550 S. Gebunden. (Früher 5 M.) nur 2.50 M. Eine Sammlung von 204 der schönsten Gratu- lationsverschen in kindlicher. Auffassun g sür Weih nachten, Neujahr, Geburtstag, Polterabend und Hoch- ---—"! Aufl. sirciZ 1 M. zeit an Eltern und alle Verwandten. Fünfte Friedrich der Grostc. Von Oc. Ed. Vehse. Reich illustriert. Gebunden(statt 5 M.) nur 2,50 M. — Von W. Uhde. 72 Seiten mit 12 Vollbildern und einem Vierfarbendruck(statt 2 M.) nur S5 Pf. Moderne Künsller-Monograpftien. Jeder Band enthält 50—60 Illustrationen, darunter Vierfarben- tafeln u. Gravüren(29: 36). Slltenglische Meister, Text von Fl Stahl f F. Boehle, Text von R. Klein; Louis Corinth, Text von Klein; ö. Dcgas, Text von Erappe; E.Delacroix,Textv.Mauclair: H.Frogonand, Text von Kahn i C. Guys, Text von GräpPe; Hodler und die Schweizer, Text von Klein: W. Hogarth,, Text v. Hutton: Japanische Kunst, Text vouBinyon: Künstler des Montmartre, Text von Grappe; Ober- laender u. Schwind, Text von Klein: Felician Rops Text v. Klein; D. G. Rosetti, Text von Shmons. Jeder Band in Bütten istatt 5 M.) nur a 1,75 M. Alle 14 Bände(statt 70 M.) nur 22 M.(Porto extra.) Sprechsystem Schidlos, weltberühmt, zum Selbststudium. Je 10 Lekttonen über 350 Seiten stark. a) sranzöfiiche Briese in Mappe(statt 6 M.) nur 3,50 M.(Porto 30 Pf.), b) englische Briese in Mappe (statt 6 M.) nur 3,50 M.(Porto 30 Ps.). Schidloss 1000-Wortfhstem vermeidet den Fehler der Ermüdung gegenüber anderen Systemen. Suttner, B. v� Die Waffen nieder. Dieser hoch- bedeutende Roman, der früher 8 M. kostete, erscheint jetzt in einer billigen Ausgabe. Geb. für nur 1 M. VV»»»»»»»«»»»»»»»«»»»»»»»»»»»»» Je 4 starke Bände, ca. 2500 Seiten stark, Leinen geb. neu, nur 4,50 M. Schöner, klarer Druck, gutes Papier.(Porto 50 Pf.): Goethe.... 4 Bde. Heine.... 4 Bde. Grillparzer.. 4 Bde. Reuter.... 4 Bde. Hebbel.... 4 Bde. Schiller... 4 Bde. Shakespeare... 4 Bde. Jeder Band nur 4,25 M. Leinen geb., schöner Druck, gutes Papier: Chamisso. Grillparzer tauft'.. leift 1 Bd. 2 Bde. 2 Bde. 1 Bd. Lenau. Lessing. Saphir Uhland Lesfingö Meislerdramen. Zoozmann, Zitaten- und Scntenzeuschatz der Welt- literatur. 371 S. 1910. Geb.(statt 3 M.) nur 2 M. Meistcrnovcllen deutscher Frauen. Geb. 2 M. (früher 7,50 M.)(Porto 30 Ps.) Nordische Meifternovelleu. 500 S. Geb. 2 M.(früh. 7,50 M.)(Porto 30 Ps.) Goethe, Aus meinem Leben, Dichtung und Wahr- heit. 768 S. Mit Silhouetten u. Autotypien. Elegant gebunden(statt 3 M.) nur.2 M. Westermaniis Monatshefte. Diverse abgeschlossene HalbjahrSbändc. Eleg. kart.(statt 10 M.) nur 1,05 M. Knigge, Umgang mit Menschen. Geb. 0,75 M. u. 1 M.. besser 1,35 M.. Leder geb. 1,75. Bücherabschlust und Btlanzverfahren mit einer ge- schlich geschützten Illustration und erläuterndem Text, enthaltend: Ätonalsbilanz, Inventur und Probebilanz von Buchhalter O. Kerkow. Für jeden Kenner der dopp. Buchsühr. leicht erlernbar. 7.— 10. Taus. 1,50 M. Die doppelt-italienische Buchführung in der denk- bar einfachsten Vollendung verkörpert sich in Langes einfachster Buchführung der Welt, vom Bücher- reoisor A. Lange. 3. Aufl., kart. 1 M. Mit voll. ständigem Monatsjournal für mehrere Monate. Petri, Handbuch der Fremdwörter. 1400 S. Geb. nur 1,05 M.(Ausgabe in neuer Rechtschreibung.) .. 1 Bd .. 3 Bde. .. 1 Bd. .. 1 Bd. Sd. »»MMMGM Weichers Naturbildcr l Zirka 400 Ausnahmen aus dem Reiche der Natur. 12 Lies, im Form. 25: 32 cm, in hocheleg. Künstlerleinenmappe(statt 12, nur 0,75 M. Viktoria-Lehrbuch der 1. Weistuäherci m. 8 Modell- taseln— 2. Puhmacherei mit 6 Modelltaf. 10. Aufl. Jeder Band(statt 2 M.) nur a 0,50 M.(Pto. 5 Ps.) Lenz, Naturgeschichte der Säugetiere. 717 S. mit 12 färb. Tos. Geb.(statt 8,40 M.) nur 2,75 M. Der Schönsten die Rose. Lieder deutscher Dichter. Ges. v. Clara Brau». Mit 8 bunt. Vollbild. Hoch- elegant geb. Seidensatinband(statt 5,50 M.) nur 3 At. E. Polko, Dichtcrgrüste. Neuercdeutsche Lyrik. Mit 24 Vollbildern. 18. Aufl. Geb.(statt 6 M.) nur 4 M. Berlins und Umgegend. Dirnstag, den 3. Dezember 1913, abends 8'/- Uhr: General-Uersammlnngen S. Wahlkreis der sechs Keriiner Wahlkreise. in den Corona-Prachtsälen, Kommandantenstraße 72. Tagesordnung: 1. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. 2. Diskussion. 8. Wahl der Delegierten. 2. Wahlkreis im Hofjäger-Palast, Hasenheide 52—53. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Preußen. Referent: Genosse Emil Eichhorn. 2. Anträge und Aufstellung der Delegierten. 3. Kreissachen. 3. Wahlkreis in den Armin-Hallen, Kommandantenstraße 53/59. Tagesordnung: 1. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse Dr. Karl Liebknecht. 2. Wahl der Delegierten. 3. Vereinsangelegenheiten. 4m Wahlkreis in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: l. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse PaulHirsch. 2. Beratung und Beschlußfassung über die dazu gestellten Anträge. 3. Nominierung der Kandidaten zur Delegation zum preußischen Parteitag. 5. Wahlkreis in den Königs-Tälen, Königstr. 26(Eingang Wadzeckstraße). Tagesordnung: 1.„Borussisches." Referent: Genosse Max Groger. 2. Der preußische Parteitag. 3. Wahl der Delegierten. 4. Vereinsangelegenheiten. 6. Wahlkreis in den Germania- Prachtsälen, Chausseestraße 116: Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum preußischen Parteitag und Wahl der Delegierten. 2. Anträge. 3. Vortrag des Genossen Heinrich Ströbel. 205,6« Die Besetzung der General-Versammlung im vierten und sechsten Wahlkreise erfolgt durch Delegierte. BIF" Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. WW Mitgliedsbuch respektive Delegiertenkarte legitimieren, ohne dieselben kein Eintritt. Die Vorstände. Dienstag, g. Dezember 1912. Ansang?>/, Ubr. Kgl. Opernhaus. Bohsme. ttgl. Dchaulpielhaus. Der Kauf- niann uo» Venedig. Deutsches. König Heinrich IV. 2. Teil. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. ZirknS Vilich. Gala-Borstellung. «ö»igftra«srr Ttraste. Hedda Gabler. üiniang 8 Ubr. Urania. Neber den Brenner nach Venedig. Kaininersplele. Maria Magdalen«. Lrts>»a. Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus. Fidelis. Schiller O. Hedda Gabler. Schiller-Sharlotienburg. Die Ee- schwister. Elga. Berliner. Filmzauber. Kleines. Professor Bernhardt. Residenz. Prinzencrztehung. Komödienhans. Die Gcneralsecke. Deutsches Schauspielhaus. Der gnisitzcnde Frack. Dbalia. Autoliebchen,* Driano». Die Erste— die Beste. Kurfürsten. Over. Der Kubretgen. Montis Operetten. Der Frauen« srester. NeucS Opern(Kroll). Russische» Ballett. Theater am Nollendorfplatz. Orpheus in der Unterwelt. Suise». Rassles. Rose. Die goldene Eva. Metropol. Chauffeur— inS Metropol. Herrnseld. Die Alpenbrüder. Endlich allein. Grost-Berlin. So bummeln wir. Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten.' Passage. Spezialitäten. Reichshallen. Bosco. Aniaiig 8';. llbr. Schau, pirlhanS. Mein aller Herr. Friedr.- BSilh Grigri. SuftspiclhauS. Folies(Saprice. Der keusche Joseph Der Aehbock. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Kü»Igstadt- Kasino. Spezialitäten. «asino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8'/, Ubr. Neues Volkoiheater. Lore.— Die Spieler.— Der Kammer« sänger. Ansang 10 Mr. «dmiralSpalas». EiSballett: Fvonne. »,« Sternwarte. Jnoalidenstr. 57—62. Vcatsclic», Abends 8 Uhr: Der gutsitzende Frack Schiller-TliealerO.lS: Dienstag, abends 8 Uhr: HeöMa Oabler. Mittwoch, abends 8 Uhr: Im wcifien HttBI. Donnerstag, abends ö Ubr: Flachsmann al» Eraieher, Sehiller-Thealer"VC Dienstag, abends 8 Ubr: Die GeschtvlMtor. Elga. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Wllbelm Toll. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Kinder der F.xxellenz. Donneistag, abends 8 Ubr: Elga. Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Hedda Gab[er. Theater am hölleiiilarlplätz 8. Abends 8 Ubr: OrPheuS in der Nnterwelt. Jeden Mittwoch».Sonnabend 4 Uhr: Schneewittchen. Montis Operetten-Theater (sc. Neuvv Theater). Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Der Frauenfreffer. Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. GaCtTpiet Conftanze von Linden vom Thöiitre Rogal duPare in Brüssel: Prinzenerziehung Uljzeii-TIlellter. Abends 8 Uhr: kaßßles. Mittwock u. solgende Tage: Raffles. MM» ööispiöllozss l-gehesfolg! llie Klpendsüllks. klomääi« in 2 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Hierzu: Das Scheidungs-Souper. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Urania Wissenschaftliches Theater. Taubcnstraße 48/40. Abends 8 Ubr: lieber den Brenner oad) Venedig. Sahary-Djeü ______ Spi_ Burleske v. Camillo u. K.Schwarz, Aft lilplnakys An 8r" Koniddienhnnde jgST Gastspiel IJg Max Linder der weltberühmte Film-Schauspieler in seinem Sketch: H&bneraugenoperateur aus Liebe (Pedreuxo par amoun. Max, der Liebhaber.. Max Linder • sowie die sensationellen Dozcmbur- Attraktionen. Passage-Panoptikum W I L 0 El IGORROIENi |FRAÜEH,K: 1 Leben u. Treiben in dem eigens aufgebauten IGORBOTEK-Dorfe.| i LeiMi! IOSE=THEATE| (SroRe Franlliirtei Str. 132. Die goldne Eva. Lustsp. in 3 Akt. v Schönthan u. Koppel-Ellse. Ansang 8 Uhr. Mittwoch: Tie Sünden der oberen Zehntausend. Trianon-Thestcr. Täglich abends 8 Uhr: Die Erste— Die Beate t Alt ZOO. Täglich 8 Uhr; So bummeln wir! Bunte Bilder mit Gesang und Tanz v. Gustav Kadelburg, Leo Leipziger und Jean Gilbert mit: Fritzi Massary, Max Pallenberg, Karl Bacbmann. Vorher: Die neuen Variete-Attraktionen. Denshon in allen Räumen des naucueil Theaters gestattet. Der Vorverkauf findet statt an der Theaterkasse 10—2 Uhr, im Warenhaus Tiotz und im Invaliden dank. Keine Vorverkaufsgebühr. „Clou" :: Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Berliner Kon*crthan«opchestcr, Dir. F. v. Glon, Komponist. Musikc. Kaiscr-Franzi-Ucglmcnt», Dirig. Oberra. Becker. Anfang 8 L'hr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 ülir. An allen W oclientagen: GFOßes Nacbmittags-Konzert freiem Eintritt. Zirkus Wert Schumann. Heute Dienstag, den 3. Dezember, Abends 7'/, Uhr: Große Sport-Vorstelluog. Auterwählte« Programm! Neue Nummern! VfSIgnor Haxlmo f t Das grölite kubanische Wund. The& Lloyds (2 Herren, 3 Damen) in ihren Darstellungen d. alten indianischen Wild-West-Lebens 8chulpferd|u. Bullerina, geritten von Herrn Alb. Carrt. Tommy u.Boy: Die Wunderbaren. --- Um 91/, Uhr: Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien Metropol-ThealeF. Chauffeur- ins JÄetropol! Groge Jadresrenue mit Gelang unb Tanz in 10 Bilder» von I. Freund. Musik v. Rud.«eljon. Tänze arrang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direflor R. Schultz. Abends 3 Uhr: Rauchen gestattet. Ab 8 Uhr. 8 für Berlin neue Debüts. Starmlscber Eachcrfolg! 9 Uhr: Berlins neueste Sensation t Dario Paini Das Wunder hypnotischer Kartenkunet Passage- Theater. Unter den Linden 22-23 Lichtspiele. Diese Woche u. a. Menseben unter Menseben. GroS. Drama nach _________ Viktor Hugo. Anfang 4 Uhr,' Sonntags 8 Uhr. Voigt-Tlieater. Dienstag, den 3. Dezember: Gastspiel in d Neaen Welt, Hasenheide 108—114: Krone nnd Fessel. Militär-'llusst.-K om. in 4 Afi-n von S. V. Lutz. Kasseneröffnung. 7 Uhr. Ms. 8'/, Uhr. Zirillls Busch. Heute Dienstag, 3. Dezember, Abends 7-/, Uhr: Karzes Gastspiel Neu Der sprechende Neu Kater Peter vorgeführt v. seiner Besitzerin Frau Dr. Sutoris. Xeu! Der kleine Indische 9fea! Däumling Smaun in seiner großart. Kraftarbeit. Zum Schluß: 99 die groBe Prunk-Pantomime Sevilla" in 6 glänzenden Akten. Folies Caprice. Täglich 81/. Uhr! Der keusche Joseph. - Der Rehboct. Der Einbrecher.__ reltag. den 6. DezemberT Premiere. sJTi Freita Theater Königstadt-Casino. Ecke Holzmarft, u. Alezanderstrasie. l Mlniile v. Bahnh. Jannowitzbrücke ? 0 8 l i c h nußer dem großen Spezialitälen-Teil: Fesche Mädel. Gesangs-BurleSf» in 1 Akt. Casino-Theater Lothringer Sir. 87. Täglich 8 UHkt Die neue Fokalpoffe „Am grünen Strand der Spree". keiedsiisiien-Theater Stettiner Sänger. „Bosco" Meyeel und Britton. Anf 8 Uhr. Sanntag» nachmittag 8 Uhr: 0 Tanne- boom von Moysel. jtzrtt den Inhalt Ott I» er.re dbeenimmt die Reoattion dem Publikum gegenüber keinerlei Beraneworrung. Der gu, sitzende Fracks Voi-vericaul n— 2(Theaterkasse). Ul UMCJ Htu«ummwa>««av..«vi>—---------- Kanenerognung. v Ubr. zu».° i,............ verantwortlichcr'Nedätteur: Älstth Wielrpp, Reukölln. Für den Lnjeratenteil verantw.: Th Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» vuchdruckerei u. Berlageanstalt Paul Singer u. Cp, Berlin SW. Bt.282. 29. Z Partei- 5Zngelegenkeiten. Zur Lvkalliste. Die Kammersäle, Teltower Straße 1— �, Ecke der Bellealliancestraße. sind siir organisierte Arbeiter nach wie vor gesperrt. Im dritten Kreise steht uns das Lokal„Oranienhans", Oranienstraße 70, zu allen Beranstaltungeu zur Verfügung. In Mahlsdorf an der Ostbahn stellt uns der Gast- Wirt E. Anders sein Saallokal zu den üblichen Bedingungen zur Verfügung._ Die Lokalkomiiiission. Charlottenburg. Heute Dienstag, abends S'/.z Uhr, findet im Volkshause. Nosinenstr. 3, die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genossen Mermuth über: Jmpenalismus und Sozialdemokratie. Neukölln. Morgen Mittwoch, den 4. Dezember, hält die Jugend- scklion des Wahlvereins Neukölln bei Weigelt, Steinmetzstr. 93, abends 8Vz llhr, ihren Mitgliederzahlabend ab. Genosse Redakteur I o h n spricht über:„Die Internationale und der Militarismus." Die über 18—22 Jahre alten Genossen und Genossinnen und sylche, die gewillt sind Parteimitglied zu werden, ersuchen wir, recht pünkt- lich und zahlreich zu erscheinen. berliner I�acdricdten. Die Bevölkerungszahl Berlins hat alljährlich ihren Hauptzuwachs im Monat Oktober, dereinen beträchllichen Ueberschuß der Zuzüge über die Wegzüge zu bringen pflegt. In diesem Jahre ist der Zuwachs aus dem Oktober sehr viel geringer als im vorigen Jahre gewesen, weil diesmal der Zuzugs Überschutz sich auf mätziger Höhe ge- halten hat. Nach den eingegangenen Meldungen waren in Rech- nüng zu stellen: Zugezogene im diesjährigen Oktober 54 570. im vorigen nur 45 003, aber Weggezogene(cinschlietzlich Zu- schlag für unterbliebene Wegzugsmeldungen) im dies- jährigen Oktober 50 709, im vorjährigen nur 35 915. Hier- »ach berechnete sich der Zuzugsüberschutz aus Oktober in diesem Jahre auf nur 3801, dagegen im Vorjahre auf 9143. Der lieber- schütz der Geburten über die Sterbcfälle war im Oktober beider Jahre ungefähr gleich, diesmal 887. im vorigen Jahre 870. Der gesamte Bevölkerungszuivachs aus Oktober stellte sich mithin in diesem Jahre auf rund 4743, gegenüber einem Zuwachs von 10 018 ans dem vorjährigen Oktober. In den Sommermonaten zei0'/« Uhr an der Loitimlstraße den Fahr- da»»» der«chönhauier Allee überschreiten wollte, wurde sie von einer Krosrdroichke gefaßl und beiseite geschleudert, so daß sie mit oeni Kopfe heftig aus das Straßeiipflaster anfschlllg. Die Verunglückte blieb besiimuugsloS liegen und wurde mit dem Wagen nach der Hilssivache in der Gaudystraße und von dort nach dem Virchow- krankeiihause gebrocht, wo sie an einem Schädelbruch und einer schweren Gehirnerschlllternng belvnßtlos daniederliegt. Eine würdige Traucrfeicr wurde dem verstorbenen Genossen Bernhard Langbop znicil, ivelcher ain Sonntag auf dem Friedhof in Bohnsdorf zur letzten Ruhe bestattet wurde. Wohl an 1000 Partei- und Gewerkschaftsäiigehörige waren erschienen, um ihrem verstorbenen Freund die letzte Ehre zu erweisen. Die Feier in der Halle wurde eingeleitel durch den Gesangverein„SangeslusG-Grüiiau. Dann rrai Genosse Melle an den Sarg, um dem Verstorbenen in warm enipsuiidcnen Worten einen Nachruf zu widmen. Seine Worte klangen dahin ans:„Nicht seine Länge gibt dem Leben Werl und Weihe, sondern sein Inhalt. Der Inhalt seines Lebens ist für uns köstlich und von Werl gewesen, weil sein Herz lind sein Geist dem lämpfende» Proletariat, der Arbeiterbewegung geHörle" An der Gruft widineien die Vertreter der Korporalionen dem Verstorbenen den letzten Scheidegruß und legien ihre Kränze nieder: Der Wahlverein deS 4. Berliner Reichstagswahlkreises. Wahl- 0lkSM. Nnttkllg. z 1912. verein Bohnsdorf, die Funktionäre des Görlitzer Viertels, die 0. Ab- teilung, der Deutsche Holzarbeiterverband und die Werkstattkollegen. Mit dem Gesang des Liedes:„Da unten ist Frieden" fand die würdige Feier ihren Abschluß. Mit Beruhard Langhop ist ein jeder- zeit pflichteifriger und opferwilliger Genosse dahingegangen. Wenn man in der Nacht ärztliche Hilfe braucht, kann man bei der Suche nach einem Privatarzt, ivie schon öfter ge- zeigt wurde, die trübsten Erfahrungen machen. Zwar sind in man- che» Stadtteilen die Aerzte so dicht gesät, daß es fast wunderbar er- scheint, wie sie nebeneinander überhaupt zu bestehen vermögen. Aber immer wieder passiert es, daß zur Nachtzeit ein Hilfesuchender bei allen in der Nachbarschaft lv ahnenden Aerz- ten umherlaufen muß und erst nach stundenlanger Hetzjagd endlich die ersehnte Hilfe findet. Bei drei, vier, fünf Aerzten hin- tereinander wird, wenn man sie herauszuklingeln versucht, die Aus- kunft gegeben, der Herr Doktor fei nicht zu haben. Und der unten auf der Straße Wartende muß manchmal sich durch das Personal des Arztes noch unnötig aufhalten lassen, weil zunächst nach Name, Wohnung, etwaiger Kassenzugehörigkcit usw. gefragt und erst dann festgestellt wird, daß der Herr Doktor leider gar nicht zu Hause ist. In der Schönhauser Vorstadt hat kürzlich wieder eine Mutter, die für ihr schwerkrankes Kind ärztlichen Beistand suchte, eine solche Hetzjagd durchmachen müssen. Sie lief zu einem benach- borten Arzt, den sie wegen des seit Jahren bestehenden Nieren- leidens des Kindes schon einmal um seinen Rat gebeten hatte. Er hatte damals der Mutter ohne Umschweife gesagt, daß das Kind rettungslos dem Tode verfallen sei und in nicht ferner Zeit sterben werde. Bei ihm wurde ihr jetzt auf ihr Klingeln— es war in der Nacht etwa um 1 Uhr— nicht geöffnet, so daß sie«mnahm, die Klingel sei abgestellt worden. Vier andere Aerzte, die sie dann aufsuchte, waren nicht zu Hause. Zwischendurch klingelte sie in ihrer Sorge und Angst immer mal wieder bei dem ersten Arzt, doch stets ohne Erfolg. Schließlich griff sie auf den Rat, zweier vorübergehenden Mädchen zu einem verzweifelten Mittel: sie ließ bei diesem Arzt durch einen herbeigeholten Wächter das Haus auf- schließen und klingelte an der Wohnungstür. Hier wurde sofort von einem Mädchen geöffnet, aber der Arzt, der bald darauf sich zeigte, erklärte jetzt der Mutter, er könne ja doch nicht mehr helfen, das Kind sei eben im Sterben. Als sie ihn bat, wenigstens Linderung zu schaffen, verstand sie seine Antwort dahin, er könne das Kind doch nicht vergiften. Er gab ihr den blak, kalte Umschläge zu machen, und enließ sie— es war inzwischen etwa 3 Uhr geworden— mit einem„Guten, Morgen". Am Tage rief dann die Mutter einen entfernter wohnenden Arzt herbei, der das Kind wegen des Nierenleidens seit Jahren behandelt hatte. Es starb schon in der nächsten Nacht. Aus Anlaß dieser Hetzjagd nach einem helfenden Arzt wollen wir in Erinnerung bringen, daß die Rettungswachen auch bei inneren Leiden ihre Hilfe gewähren und nötigenfalls einen Arzt in die Wohnung schicken. Wir glauben, daß auch in dem hier geschilderten Fall ein Arzt von der Rettungswache mitgekommen, wäre. Ständige Hinweise auf die nächstgelcgene Rettungswache findet man auf jeder Anschlagsäule am oberen Rand des Sockels. Allerdings sind die Rettungswachen so lvenig zahlreich, daß bei weiter Entfernung viele Hilfesuchende es immer wieder vorziehen. zunächst in der Nachbarschaft nach einem Arzt zu suchen. DaS ist durchaus begreiflich, aber oft erfordert das Nennen von Arzt zu Arzt mehr Zeit als der Weg nach der entfernten Rettungswache. Der Tresorbeamte Schürmann von der Diskontogesellschaft, der kürzlich nach Uiiterschlagung von 20 000 M. flüchtete, ist am Sonn- tag in Hamm in Westfalen ergriffen worden. Das veruntreute Geld ist bis auf 500 M. wiedergesunden worden. Beim Tanzen vom Tode überrascht wurde in der bergangenen Nacht die 39 Jahre alte Postschaffnersfrau Biastroch aus der Prenz- lauer Allee 2l9. Frau Biastroch nahm uiit ihrer Familie au einer Festlichkeit teil, die ein Postbeamtenverein, dem ihr Mann angehört, in den Milasälen in der Schönhauser Allee veranstaltete. Au die Vorstellungen schloß sich um 11 Uhr ein Tanzkränzchen an. Frau Biastroch tanzte sehr gern, mußte aber sehr vorsichtig sein, weil sie an Aleninot litt. Gegen lll/s Uhr meinte ihr Mann, ein Tänzchen könne sie doch wohl wagen. Sie tanzte denn auch mit einer Haus- genoisin, mußte aber nach einer Runde schon aufhören, weil ihr un- wohl wurde. Bald darauf verlor sie das Bewußtsein und starb bereits auf dem Wege nach der Hilfswache in der Gaudystraße. An einer Scheibe Blutwurst erstickt ist am Sonnabendabeud der 07 Jahre alte Tischler Wilhelm Eichelbaum, ein Witwer, der in der Rüdersdorfer Straße 50 in Schlafstelle wohnte. Eichelbaum suchte abends eine Schankwirlschaft in der Lübbener Straße 18 aus. in der er viel zu verkehren pflegte. Als er den Schankwirt und seine Frau beim Essen von frischer Blutivurst sah, ließ er sich eine kleine Scheibe abschueideu, um sie zu kosten. Kauni hatte er aber das Stückchen Wurst in den Mund gesteckt, als er plötzlich nach hinten umfiel. Sei» Gesicht lief zugleich ganz rot und blau au. Die Wirtsleute und Gäste, die jetzt sahen, daß dem alten Maime die Wurstscheibe in die Luftröhre gekommen war und ihn so am Atmen hinderte, vernichten sie noch zu entfernen. Ehe ihnen dies aber gelang, war der Mann bereits gestorben. AnS der Selbstmordchronik. Im Beisein seiner zwölfjährigen Tochter die Kehle durchschnitten hat sich der 41 Jahre alte Arbeiter Ernst Linke aus der Siciiiensstr. 6. Der Mann, der verheirate: und Vater eines Kindes war, litt seit einiger Zeit an hochgradiger Nervosität. Infolge des großen Blutverlustes starb L. gleich nach der schrecklichen Tat.— Hochgradige Nervosität hat auch die 58 Jahre alte Wiiwe Belz aus der Gractzstr. 8 zu Treptow in de» Tod getrieben. Ani Soiiiiabend früh eiitsernte sich die Frau heimlich aus der Wohnung. Abends landete man bereits ihre Leiche vor dem Grundstück Kottbufer Ufer 01 aus dem Lniidwehrkanal.— Schlechter Geschäftsgang hat den 57 Jahre alten Tischlermeister Louis Albrecht aus der Rheins- berger Str. 41 zum Selbstmord veranlaßt. Der Mann, der ver- heiratet und Vater von sieben Kindern war, betrieb seit 30 Jahren eine gutgehende Tischlerei. In der letzte» Zeit ging sein Geschäft aber soweit zurück, daß er in Schulden geriet. Aus Gram hierüber erhängte er sich in der Nacht zu gesieru in seiner Werkstatt. Als seine Frau ihn hier auffand, lvar er bereits tot. Zeugen gesucht. Personell, die der Festnahme eines Main, es durch zwei radelnde Schutzleute am Denionstratioilssomltag, den 29. September, mittags 2 Uhr, am Orauieuburger Tor beigewohnt haben, werden um Angabe ihre; Adressen an Otto Schivemnier, Ruppiner Str. 13, Hof 1 gebeten. Vorort- ZNadrnditen« Marieudorf. Einen lebhaften Widerhall fand daS Friedensnianifest der Jnter- nationale in einer am letzten Donuerstag im großen Saale von Graßl's GesellschaftshanS stattgehabten, sehr gut besuchten öffent- lichen Versammlung, in der Genosse Fritz Zubeil über:„Kriegs- gesahr, Reichstag und Arbeiterklasse" referierte. Nach Verlesung der leitenden Grundsätze der Jnlcrnaiionale für den Kampf gegen den Krieg durch den Borsitzenden ging der Referent zunächst auf die Behaudlung der TeuerungSfrage durch OieichStag uud Regierung ein. Unter lebhafter Zustimmung der Versammlung bemerkte er, daß selbst die gegenwärtigen Kriegswirren das Volk die Teuerung nicht vergessen lasse, wie es die Regierung vielleich: wünsche, denn läglich werde es ja durch sein Portemonnaie daran erinnert. Zur Kriegs- frage übergehend, wies Redner darauf hin, daß eine Ein- Mischung der europäischen Großmächte in den Balkankouflikt und ein daraus sich ergebender Weltkrieg ein Wahnsinn wäre, dessen traurige Folgen insbesondere daZ Proletariat zu tragen habe. Der Redner stellte weiter die Frage, wie es wohl mit der Geistesverfassung der Herrschenden stehen müsse, die einer- seits daS Volk wie eine Hammelherde zur Schlachtbank treiben wollen, während sie ihm gleichzeitig politische Gleichberechtigung ver- weigern. Am Schlüsse seines Vortrages liesz der Redner in lebendiger Weise das grokarlige Sctianspicl des internationalen Kon- gresses in Basel vor Augen der Ver snnimclten erstehen, wo der inter- nationalen Vcrlreier des Proletariats ihre Einigkeit bekundet hätten im entschlossenen Friedenswillen. Folgende Resolution fand«in- stimmige Annahme:„Die in Mariendorf tagende zahlreich besuchte Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Genossen jjubeil einverstanden. Sic erklärt jeden Krieg für eine Schande des Jahrhunderts, für ein Verbrechen am Volke und der ganzen Mensch- heit. Insbesondere erklärt die Versammlung, daß die jetzige Kriegs- gefahr nur durch den Ehrgeiz von Diplomaten und Dynastien, die dem VolkSempfinden fern stehen, nnd an dem gemeinen Profil- iiiteresse eines lleinen Kapitalistenklüngels entstanden ist. In der Erkenntnis, datz VolkStvohl und Kultursortfchritt nur bei dauerndem Frieden möglich sind, erklären die Bersannnelten jeder Stimmungsmache für den Krieg ihren Friedenswille» e,.tgegenztlsetzen und sie geloben, in allen ihren Freundes- und Bekanntenkreisen in diesen» Sinne zu wirken." Lichtenberg. Sladtverordiitten-ErgiiilzliiigSwahl. Da die Genossen Eisenstädt, Grauer und Heckert die ihnen bei der Wahl in der zweiten Abteilung zugefallenen Mandate angenommen haben, ist in der dritten Ab- teilung, in der sie ebenfalls gewählt worden waren, eine Nachwahl erforderlich geworden. Diese hat der Magistrat auf Sonntag, den 13. Dezeniber, angesetzt. Gewählt wird wieder in der Zeit von niittagS 12 bis abends 7 Uhr. Die erforderlichen Wahlen betreffen den 2., 7. und 20. Bezirk. Friedrichsfelde. Aus der Gcmriudcvcrtretuiig. Aus Anlast der Forderung mehrerer Lehrerstellen für die Knaben- und Mädcheiischiile im Ortsteil Friedrichsfelde ersuchte wiederum Genosse Pinseler mit der Teilung der Klassen nicht so lange zu warten, bis die Zahl 60 über- schritten sei, denn man könne schon bei 36 Schülern in einer Klasse nicht mehr von einem erspriestliche» Unterricht sprechen. Freilich. wenn man der Erwiderung des Sckuldezernenten Glanben schenken durfte, dann ist alles zum besten bestellt, denn nach Ansicht der Re- giernng wären siebzig Schüler pro Klasse nicht zu viel. Warum man nur für die höheren Schulen dann andere Grundsätze auf- stellt? Nachdem kürzlich die„Kaninchenzüchter" 30 M. zu Preisen bewilligt erhielten, entdeckten sofort auch die„Geflügelfreunde" ihre „volkswirtschaftliche Bedeutung", die gleichfalls durch Bewilligung von 80 M. anerkannt wurde. Ein anderer Tagesordinliigspuiikt betraf den Beitritt unserer Gemeinde zur Deutsche» Kommunal» dank. Dieses Institut soll bekanntlich ins Leben gerufen werden, um namentlich im Geldverkehr der kleineren Gemeinden Erleichterungen zu schaffen durch Gewährung vom Komniunaldarlehen mittels Ausgabe von Koinnnnialobligalionetl und soll unter staatliche Aussicht gestellt werde». Die finaiizielle Grundlage wird durch Ausgabe von Aktien, die höchstens mit 6 Proz. verzinst werden dürfen, geschaffen. Untere Gemeinde ivird sich zunächst mit 10 000 M. beteilige». Der Platz am Rennbahnhof Karlshorst ist seinerzeit dem EisenbahnstSkuS übereignet worden, während die gärtnerischen Anlagen von genanntem Verein und dem HauS- nnd Grundbesitzerverein unterhalten wurden. Letzterer tritt jetzt zurück und nun toll die Gemeinde einspringen, die ja auch ein Interesse an der Erhaltung dieses Schmuckplatzes hat. Die Gemeindevertretung wünscht jedoch, dah der Geineinde auch das Eigentumsrecht übertragen werde, nach welcher Richtung sofort Ver- Handlungen eingeleitet' werden sollen, ehe eine definitive Bindung erfolgt. Mnhlödorf an der Ostbahn. Erschösse» hat sich in der gestrigen Nacht der in der Hönower Strasse wohnhakle 18 Jahre alte Negii'trator K. An seine Mntter sowie seinen» Bruder halte K. einen Abschiedsbrief gerichtet. Was den K. in den Tod gcnieben hat, konnte bisher nicht mit Bestimmtheil ermittelt werden. Fichtenau. Eine» großen, bittcrcriislcu Kampf führt setzt der Gemeindebor- sieher Willstock. Bitterernst darum, weil cS sich um Sein oder Nichtsein der Gcmeindcverivaltmig handelt, bitterernst auch, weil er ii» unerhörter Weise dazu provoziert worden ist. Man denke, ivird da im Auftrage der Mitglieder des hiesigen sozialdemokratischen Wahlvercinö an den Gemeindevorsteher das höfliche Ersuchen gestellt, für die Morgeiistuiiden eine bessere Beleuchtung z» ver- anlassen. Diese»»»glaubliche Tat, diesen Angriff auf die beiligsteii Gefühle eines VerwaltmigSwescnS komile und durfte sich der Herr Genieiiidevorsteher unter keinen Umstanden gefallen lassen. Und da die beste Abivehr der Hieb ist, ging er sofort zum Angriff über. Zuerst nnlerstrich er in dem Gesuch kräftig die Worte„Auftrag" und„sozialdemokratischen Wahlvereins". Das war also die feind- liebe Position, die ernürmt werden mustte. Dan» erteilte er den, „beauftragten" Antragllcller eine ganz entschiedene Belehrung, dast der Herr Geincindevoisleher„insbesondere" von politischen Vereinen keine Anträge zu erhalten wüniche. Und als der Antragsteller sich darauf berief, dost der Herr Gemeindevorsteher lnirgerlichen Ge» meindepolilik treibenden Vereinen nicht so wütig cittgegentrele, ihren Anträgen vielmehr grosse Beachtung schenke, und sich auch noch zu bemerken erlauble, dass der sozialdemokratüche Wahl verein auch in Znlunkt Anträge stellen werde, wenn er es für nötig halte, da wurde tum noch eine entschiedenere Antwort zuteil. Es bedarf ein- für aUemal„nicht des Apparates eines Vereins, am allerwenigsten eines Vereins, der staatspoli- tische Tendenzen verfolgt, da diese nichtin d i e Gemeindeverwaltung hinein gehören", diktierte daS Getneindeoberdalipt. Jetzt erst erkannte der„beauftragte" Antragsteller, waS er angerichtet hatte. Also der Antrag um bessere B e I e u ch l u» g trug st a a t s p o l i t i i ch e Tendenzen in die Gemeindeverwaltung, an die'e umstürzlerischen Hintergedanken seiner Parleigeiioise» hatte er bisher nicht gedacht. Und doch war es io klar. Bel nichtnna nnd Erleuchluiig ist das Gegenteil von Füist ruis, UNS Chi nnser heutiger Staat die Arbeiter gern im Fiiistern läppen lassen mochte, ist ein Antrag um Beleuchtung von Wegen, lvelche die Arbeiter beschreiten, von vornherein eine Aus- gevurt„siaalSpolilischer Tendenz". Man siebt auch hier wieder, dass llciiie Ursache» grosse Wirkungen haben können, wenn eilt Gemeinde» oberhaupi nicht gehörig auspaffen würde. Lranienbulg. Die ordentliche Gciicralvcrsamiiilimg des KoiisiirnZvereinS Oranienburg be'chloss nach Anbörnng des Jahresberichtes durch de» Ge- schäsiSsilhrers Gnrlipp, sowie des Berichtes den der AnfsichtSrat er- staltete, ausser einen, icsten Rabatt von 3 Proz. noch 2 Proz. Rück- Vergütung zu verteilen. Ein Referat des Genosse» Papke über Rechte und Pflichten im Genosienichasisivesen und die am I.Januar in Kraft tretende Noistandskasse fand allgemeinen Beisall. Potsdam. In der kellten Sladtvcrordnctcnsitziitig wurde die Errichtung eines Krematorium? mit 46 gegen 3 Stimmen bei einer Siimnt- enihaltinig beschlossen. Bei der Piiisiing der Bedürfiiisfrage ist be- rücksichtigl woldcn, dass dasselbe von einem Teil der westlichen Bcr- liner Vororte iowie von de» übrigen benachbarten Städten wie Brandenburg a, H.»»il bcmitzt wird. Vor allen Dingen wird NowawcS etilen grossen Teil der Verbrennungen stellen, da sich dieser Ort bereits wegen der schwierigen Friedhofsverbältnisse mit dem Bau enies Krematoriums bcfasst bar. Als Bauplatz kommt der 18 000 Quadratmeter grosse Waldsti eisen zwischen der Gaarmunder Strasse und dem neuen Friedhof»n Betracht. Die Bankosten ein- schliesslich der Kosten für gärtnerische Anlagen belaufen sich auf 100 000 M., welche Summe mit 43 000 M. aus den Beständen der FriedhofSverwaltimg entnomnten werden soll, während der Rest vo» der Stadt vorgeschossen und von der Fnedhofsverwaltikng mit 3% Proz. verzinst wird. Da die Kapelle auf dem neuen Friedhöfe den beuligen Verhältnisscii nicht mehr genügt, soll mit dem Krematorium gleich- zeitig eine Kapelle für Erdbestattung verbunden tverdcn. Jede Eilt äicherilllg soll 60 M, kosten.— Der nächstjährige Strasscnpflastcrungs- plan sieht die Pflasterungen der Lemivftrasse von Waldemarstrahe bis Charlottenhof mit einem Aufwände von 67 420 M., der Ebräer- slrasse mit 19 000 M. und der Wollnerstrasse mit 43 200 M. vor. Beschlossen wurde, die Wollnerstrasse, falle» z» lassen und dasiir die Uorckstrahe mit Schlackensteine» mit 15 000 M. zu pflastern und die Differenz zwischen Wollner- und Uorckstrasse kür diePriesterstrasse zu ver wenden. Diese Vorlage brachte eine ausgiebige Debatte, aus der hervor ging, dass in Potsdam noch recht viel Slrassenpflasterungsarbeit zu leisten ist, eS aber vorläufig an de» nötigen Mitteln hierzu fehlt. Die Gebührenordnung für die Müllabfuhr und Kanaliialiänsbenutzung, eine Folge der seinerzeil eingegangenen Fleischsteuer, war von der Aufsichtsbehörde nur bis zum 31. März 1913 genehmigt worden. Während die Müllabfuhr 62 000 M. bringt, erzielt die Stadt ans der Kanalisationsbenutzungsgebühr 92 000 M. Diese Beträge kann die Stadt vorläufig ohne eine Erhöhung der Einkommclisteuer nicht fallen lassen und die Stadtverordneten beschlossen entsprechend der Mngistratsvorlage das Weiterbestehen dieser beiden Gebühren- ordnilngen. Der Raummangel im alten Ralhanse macht sich immer mehr fühlbar. Jetzt sind es die Sparkussenränme, die nicht mehr ausreichen. Sie sollen insofern erweitert werden, als man das Kaufmanns- und Gewerbegericht mit hinzunimmt und letzteres in den Palast Barbarins verlegt. Zu einer iliiposaiiten Friedensdemonstration unter freiem Himmel gestaltete sich die am Sonntag nach dem sozialdemokratischen Ver- sammliingSplatz in der Behlerstrasse einberufene öffentliche Ver- sammlung. Trotz dcS ungüilstigen Wetters hatten sich über 1000 Männer und Frauen eingefiindeii, um daS Referat des Abgeordneten ihres Kreises Genossen Dr. Karl Liebknecht zu hören. Nach dem Vortrage eineS stimmungsvollen Liedes des Arbeitergesangvereins behandelte der Referent in grosszügiger Weise das Tbema:„Das deutsche Volk will Frieden". In lebendiger Weise beleuchtete der Redner die Situation auf dem Balkan, dabei besonders das durch den Krieg heraufbeschworene Elend der wirlsaniftlich ausgebeuteten Balkanvölker hervorhebend. Wenn jetzt die Grossmächte, insbesondere Oesterreich, auf der Lauer lägen, um gleich einen, hungrigen Löwen Beute machen zu wollen, so bedeute das eine europäische Kriegs- gefahr, die verhängnisvoll für das gesamte Knlturlebeit zu werden drohe. Sache des internationalen Proletariats sei es, alles aufzu- bieten, damit der in wenigen Wochen wiederum von allen Kanzeln verkündete Ausspruch:„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" zur Wahrheit werde. DaS Referat wurde mit stür mischen» Beifall aufgenommen. Hierauf schloss der Vorsitzende Ge- nosse Zimmer unter begeisternden Hochrufen auf die Sozialdemokratie die Versammlung. Die hiesigen Schlächter haben sich in das Unvermeidliche gefügt, nachdem sie geiebe» haben, dass der Fleilchverkans des Magistrats auch ohne sie sehr gut floriert. Von gestern(Montag» ab ist der slädtiiche Fleischladen geschlossen und eS gibt jetzt in 33 Schlächter- läden in allen Teilen Potsdams täglich ausländiicheS Schweine- lind Rindfleisch zu den vom Magistrat sestgesktzlen Preisen zu kaufen In jedem Laden muß ein Schild angebracht sein, das die Preise deS Fleisches enthält. Eine Volksversammlung, die hauplsächlich im Jniereffe der Konslimgeiiossenkchastsbewegung veranstaltet wird, findet heute DienS- tag. abends 8 Uhr. im Friedrichsgarten zu Potsdam und morgen Mittwoch, abends 8 Uhr, in den Deutschen Festiälen in N o w n w e S statt, in der Prof. Dr. S ta u diu ge r- Darmstadt über das Thema ,Die Gewerkschaft und die Frau im Kapitalkampfe" referieren wird. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Charlottenburg. Mittwoch, abends S Uhr. im Ratbause. Unter anderem stehen Neubau einer Gemeindedovpeljchule in der Orangenstratze. Einrichtung einer Badeanstalt an der Nürnbeuzer Strasse, Arbeitslose n- versicherung un» die Vorbereitung der Wahl cincs SladtsyiidlkuS aus der Tagesordnung, Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Ecmeindcangchörige ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hus der Frauenbewegung. Für die SängkingSsterblichkeit im Auslände. Von einzelnen Parteien wird das Gesetz über daS Verbot von Kinderiaugflaichen mit Rohr oder Schlauch als ein nennenswertes Mittel zur Bekämpfung der SäugliitgSsterblichkeit angesehen. ES gibt aber unter diesen Parteien Gemütsmenschen, die nur im In- lande die Säuglinge vor dem Tode bewahre» loollen, dem Auslände dagegen gern die unhygienischen Flaschen weiter gönnen— ans Profitrückiichten. Während nach dem Gesetzentwurf die Herstellung solcher Flaschen rundweg verboten sein soll, befürwortet die Handels- kantmer zu Nürnberg in einem Schreiben an den Deutschen Handels- tag die Herstellungserlaubnis für Exportztvecke. Für einige Prozente höheren Prosit stampft der Kapitalismus junge Menschenleiber ein I In Frankreick werden neuerdings bereits diese Saugflaschen in der ganzen Presse unter Titeln, wie: ,.Les tötines allemandes soat poisou"(die deutschen Sauger sind Gift) usw. als neues Bei- spiel der„oomsloto sllsmanäs"(deutsche Schundware) bezeichnet, mit der wir das Ausland überschwemmten. Was wird die franzvitiche Presse dazu sagen: wenn sie jetzt liest, dass die gemütvollen deutschen Fabrikanten diese Ware, deren Gefährlichkeit zugegeben wird, nach Frankreich und anderen Ländern ruhig weiter verkaufen wollen! Gerade für den Nürnberger Bezirk, der am Export nach Frankreich so ausserordentlich stark beteiligt ist, erscheint es auch vom Standpunkt des Kapitalisten frivol, dem schlechten Ruf der deutschen Ware dort neue Nahrung zu geben._ Ein sozialtwmokratischr Frauentonfercitz für Oldenburg-Ost- friesland fand Sonntag in Oldenburg im GlAvertschaftshanse stakt. Vertreten waren sämtliche fünf Wahlkreise durch 16 weibliche und 7 männliche Delegierte. Genossin Zietz vom Parteivorstand sprach über die Themen„Wie gewinnen und schulen wir die Frauen für die politische Tätigkeit" und„Unsere Kindcrschutzbcstrebungen". Die vorzüglichen Ausführungen waren sehr instruktiv gehalten, ent- hiekien eine Fülle von wertvollem Material und riefen eine leb� organisation einsetzt. Sericdts- Leitung. Der Verein„Arbeiter-Jugenbhcim" vor der Strafkammer. Der Berliner Polizeipräsideni hatte behauptet, der Verein „Arbeiter-Jugendheim" sei ein politischer Verein. Rechtsanwalt Dr. Rosenfcld als Vorsitzender des Vereins hatte es trotzdem unter- lassen, die Satzungen sowie eine Liste der Vorstandsmitglieder dem Polizeipräsidium einzureichen. Das ObcrvcrwaltungSgericht, das Rosenfcld zur Entscheidung darüber anrief, ob der Polizeipräsident eine Berechtigung habe, die Satzungen und eine Liste der Vorstands- Mitglieder von einem nichtpoliiischen Verein« einzufordern, stellte sich auf die Seite des Polizeipräsidenten. Rosenfeld erhielt dann ein polizeiliches Strafmandat in Höhe von 20 Mark wegen Ucbertretung des Vereinsgesetzes. Das Amts- gcricht Berlin-Mitte hatte in der Bcrhandluiig vom 1. Oktober � das polizeiliche Strafmandat bestätigt und im lkrseik ausgesprochen, dah der Verein„Arbeiter-Jugendheim" einen politischen Charakter habe.— Gestern hatte sich nun die 8. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgcrichtsdirekiors Ulbrich mit der Rachprüfung des erstinstanzlichen Urteils zu beschäftigen. Der Angeklagte gab auf Befragen an, dass er Vorsitzender VeS Vorstandes des Ende 1909 gegründeten Vereins„Arbeiter-Jugend- heim Berlin" sei. Der Vorstand bestehe aus mehreren Personen, auch seien schriftliche Satzungen vorhanden. Rosenfcld überreichte die Satzungen zum Zwecke der Beweisaufnahme, ohne dadurch jedoch die Verpflichtung zu übernähmen, die Satzungen der Polizei zuzu- stellen. Nach Verlesung der Satzungen beantragte der Staatsanwalt» die Verhandlungen zu vertagen. Er beantragte, Beweise darüber zu erheben, ob die Tätigkeit des Vereins sich innerhalb der Grenzen bewege, die durch die Satzungen gezogen sind. Der Angeklagte unterstützte den Antrag des Staatsanwalts. Da? Gericht lehnte jedoch den Antrag auf Vertagung ab. Aus Befragen gab der Angeklagte weiter an, dass der Verein„Arbeiter- Jugendheim" lediglich zu dem Zwecke gegründet wurde, Mittel aufzubringen, um Heime zu schaffen, in denen sich die schulentlassene Jugend in ihrer freier Zeit aufhalte. Vorträge würden in den Heimen nicht gehalten, auch würde kein Alkohol verabfolgt. In jedem Heim stehe ein Leiter den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. Durch die Lieferung guter Jugendliteratur werde die Schundliteratur nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch bekämpft. Der Verein vermeide jede Einwirkung auf politische Angelegen- hesten.— Zum„Beweise" dafür, daß der Verein einen Einfluß auf politische Angelegenheiten ausübe, wurden eine Reihe Schriftstücke, Flugblätter, Zeitungsartikel und ein Teil des Protokolls über den Nürnberger Parteitag verlesen. Als einziger Zeuge wurde Genosse Engen Ernst vernommen. Er bekundete, daß der Zweck des Vereins „Arbeiter-Jugendheim" lediglich der sei, den Jugendlichen Räume zur Verfügung zu stellen, in denen sie sich aufhalten könnten. In den Heimen könnten die Besucher Kunst und Literatur kennen lernen, könnten sie sich Wissen und Bildung aneignen. In irgend einem Zusammenhang mit der politischen Partei, der Sozialdemo- kratie, stehe der Verein nicht. Er sei nicht an die Beschlüsse der Partei gebunden, sondern ein vollständig selbständiger Verein. Gelder erhalte der Verein von den sozialdemokratischen Wahl- vereinen nicht. Sollte ein Wahlvcrein Gelder gegeben haben, so widerspreche dies den gefaßten Beschlüssen. Der Staatsanwalt zog aus den zur Verlesung gebrachten Druckschriften den Schluß: der Verein bezwecke eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten. Er beantragte Verwerfung der Berufung. Der Angeklagte wies in längeren Ausführungen nach, daß ein Zusammenhang zwischen der sozialdemokratischen Partei und dem Verein„Arbeiter-Jugendheim" nicht besiehe und daher auch nicht nachgewiesen werden könne. Die Jugendheime würden allerdings in erster Linie für die jugendlichen Arbeiter geschaffen. Denn die Kinder der besitzenden Kreise hätten ja in ihren Wohnungen alles, was sie brauchten. Die Gelder zur Erhallung der Räume würden durch die Mitglieder des Vereins— deren Zahl bereits 10 000 betrage— aufgebracht. Man habe sich auf die Verhandlungen auf dem Nürnberger Parteitag berufen. Dort Hab« Herr Haas« in bezug auf die Jugendheime nur gesagt, daß die Jugend in freundlichen, behaglichen Räumen edle Geselligkeit pflegen soll. Als die„neue Waffe", die dort gegründet wurd«. wären, nur die Jugendausschüsse und-kommissionen gemeint gewesen. Diese hätten jedoch nicht das geringste mit dem Verein„Arbeiter-Jugendheim" zu tun. In Berlin habe man gerade deshalb den Verein gegründet, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Dem Verein sei nicht das geringste nachzuweisen, dah er irgendwie«inen Einfluß auf politische Angelegenheiten ausübe. Dem Verein suche man zu unter- schieben, was Dritte getan hätten. Wenn man den Verein für politisch erkläre, so würde man die ganze Kulturarbeit, die er ver- richte, vernichten. Er beantrage daher seine Freisprechung. Die Berufung deS Angeklagten wurde verworfen. Die Beweis- aufnähme habe» wurde begründend kurz angeführt, wie in erster Instanz ergeben, daß der Verein ein politischer sei. In den Heime», würden hauptsächlich Ideen polltscher Natur ausgetauscht. Diese Jugendheim« seien miihin ein Mittel zum Zweck, die jungen Leute zu Sozialdemokraten zu erziehen. Der Verein sei also als ein politischer anzusehen. Ter Vorsitzende sei nach dem Vereinsgesetz verpflichtet gewesen, die Satzungen sowie eine Liste der Vorstands- Mitglieder dem Polizeipräsidenlen einzureichen. Dies habe er unterlassen und mußte deshalb verurteilt werden. Auf die schriftlichen Entschuldigungsgründe dieses Fehlurteils darf man gespannt sein. Was sagen die mündlichen Gründe anders als: der Verein bezweckt Verbreitung von Wissen und Bildung, deshalb ist er ein politischer! (Siehe auch 1. Beilage.) Berliner Ardeiier-Tchachklnv. Osten I: jeden DonnerSIag'y) llbr bei Hoftinann, Könlgsberger Slr. 28- . II: icden Donnerstag llbr bei Rodde. Gr. Franljurter Str. 52. Süden: jeden Donnerstag'/,? Uhr bei Pätzold, Sebastianstr. l. Westen: jeden Freitag'/,'9 Uhr bei Pässler. Karlsbad 17, Ecke Flottwellslr. Nordwest I: jeden Freitag, abends'1.9 Uhr bei Lamprccht, Putlitzstr. 10. „ II: ieden Donncr-tng'Iß Uhr bei Schulz, Oldenburaer Sw. IS. Norden I: jeden Freitag'Iß Mr bei Nebel, Maxstr. tZb. II: jeden Dienstag'Iß Uhr bei Fritsch, Drontdeimer Str. 4. . III: jeden Donnerstag'Iß Uhr bei Stoll. Nordulcr 5, Ecke Torsftrassc. IV: jeden Mittwoch»wegen Zablabcnd Donnerstag)'1,9 Uhr bei Mahnkot'!. Greijcndagcner Str. 34. Boxhagen: jeden Freitag'Iß Uhr bei Möz, Soimlaastr 32. Lichtenberg: jeden Freitag'Iß Uhr bei Simon. Wilbelinftr. 80. «harloitenbnrg: ,cdeii Donnerstag-,,9 Uhr be! Wemicke. BiSmarckllr. 38. Demvelhof: jeden Freitag-,-S Ub. h-k Hennlg. Friedrich-Wilbelmstr. 7. Neukölln l- I-dcii Freitag'Iß Udr bei Brandt. Pflllqerstr. lg. ' J°n..Miasse'lß � 6tl �"ip. Hermannstr. 174. Ecke » jeden Freitag'Iß Uhr bei Ran, Wildenbruch str. 56. Over-Schöiieweidc: zedeii Sonntagrormiltag 9 Uhr bei Prochoivsky, ~ �. RatbauSür. 10. Meter Schachverkehr und Lehrmittel lür jedermann unentgeltlich jeden Tonnt-g vormittags 10-1 Uhr in den„Konlgsälen". Nene Königsir. 20. Ecke Wadzcckftrasse.» o,. Kiitdcrschutzkommisslon deS Krelseö Teltow- BeeSkow- Char- lottenburg. Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8Y, Uhr, bei Borg- in a n n, A n d r e a s il r a ss e 2 1: Sissmig der Kontrollemlnnen. TageS- ordnung: 1. Vortrag des Genossen Schenk. 2. Diskussion. 3. Per- schledenes. Im Arbeiter-Wanderbnnd„Tie Ratursreunde- spricht der Momit Genosse Olto v. Tschock über Moderne Weltanschauung. Der Vor- nag findet am Freitag, den 6. Dezember, abends SlJt Ubr, in den Königs- laien. Neue Königstrasse 26 statt. Eintritt jrci. Gäste willkommen. Äliarktverich, von Berlin am 30. November lttus, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. M a r t t b a l l e n p r e j s e. kKleinbandel) lOO Kilogramm Erbsen gelbe, zum Kochen 30.00— ssozx). Epeiiebohnen, weine. 36.00- 00,00. Ans«» 35,00—60,00. Kartofteln(Klcinhdt.) 5.00—7,00. 1 Kilogramm Ruidfleisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindsleisch, Bauchsie, ich 1,40— 1.80. Schweincsleisch 1,60—2,20. Kalbsleilch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Builci 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,40—6.80. 1 Kilogramm Karvten 1,20-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechle 1,40—2.80. Barsche 0.80-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00-30,00. Achtung! Achtung! Blumarbeilerinnen, Federnarbeiterinnen! Donnerstag, den S. Dezember 1912, abends 8 Ohr, im Lokal von Kuörrig tZum Patzcnhofer), An der Stralaner Brücke 3: . Oeffentliche Versammlung.- Resrrcntin: Frau Zlartli» SSS/S Tie Agitationskommission. ir Kn'tiisvercin Bertin. Sektion der Gips- und Zementbranehe. Gipsbuttbranche,-mt Gruppe Ntabitzspanner. Mittwoch, den 4. Dezember abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. Gruppe Rabitzputzer u. Träger. Freitag, den v. Dezember tittÄ, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. 10: Mitglieder-Versanunlungen. Tagesordnung: Beratung und Beschlußfassung über die Borlage des Akkordtarifs. Pflichl aller im lÄiPsbaugrwerbe beschäsliglen Kollegen ist es, die Versammlung seiner Gruppe zu besuchen. Ullis*__ Der Vorstand. Sektion der Putzer. Mittwoch, den 4. Dezember, abends 6 Uhr: Gr. Mitglieder-Versammlung in Karl Haverlands Festsälcn(fr.Dräsel),Neue Friedrichstr.35 Tagesordnung: 1. Beratung der neuen Statuteuvorlage. 2. Verschiedene». Werte Kollegen! Bei der hoben Wichtigkeit, welche die neue Statuten- vorläge des Verbandsvorstandes in sich birgt, Ist es Pflicht jede» einzelnen Kollegen, pünktlich in dieser Versammlung zu erscheinen. , Mit Gruß _ Die Zektionsleitung. I. A.: H. N e u m a n n. Eentralverbanii der Dachdecker Vorwaltuiiffsstollc Berlin. Mittwoch, den 4. Dezember 1912, abends 8 Uhr, im „Twinemünder Gescllschaftshans", Swineinünder Straße i2: Versammlung= der Dachdecker und Hilfsarbeiter. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom Zt. O>uartal 1N1Ä. 2. Berbandoaugrlegrnhcitcn. Unter VerbandSangciegenbeilcn sind sehr wichtige Punkte zu erledigen. Das Besch einen aller Kollege» und L-russgenossen ist dishalb dringend notwendig. VerbandSbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. 12/13'_ Der Borstand. Alllt Wenn nicht 6) frf|iinc I a p. Nach»./ C retour I W«««• RiosenpollmSpso, Lachthtringe, Dose 32 Heringe Milchsauce, Geleeaal, Dose TA norm. CarH Braiher.. ca. DcW'*' Gcleelier., Sliilc 40 SP-Bülkig. oder Kiste große Büc'lg. ö Sorte» zusammen 2. tili M. Mi. Kopp, Zlltoua Oitens. 105. Sonderangebot für Gastwirte und Wtcdcrvertiiufer t Gute billige Zigarren! darunter die bck. Fraiiz-Fosef'Zig.. öö M. per Mille, so lange Vorrat reicht. Probczehntel. Lombardspeicher Emil Meyer& Co. Reue Griiustr. ä7 lUntergrundbabnbosSpittclmarkt). General-Veisanrmiung der Jtonsam-Qenossensehalto. jldlershofu.Urag.(EQ i» Liquidation am Dienstag, de» 17. Dez. 1912, abends>'/. tthr, im Lokale des Hcrin lliclmrtl Kau!,'Adlershof, Bismarctitr. 10. Tagesordnung: 1. Vorlegung und Gknebmigung der Liquidatioiis-Schlußbilanz. 2. ilnlrag bedesss Deckung de» Ver- lustca. Die Liquidatoren. Wih. Kohl. KnrIJagnow. Wllh. Zabel. Für den Aufsichtsrat. l 08/12' Mlbeim Cllrre. Knseilisrlli esrame! vier allloliolsrm srztlick emufokleu viätetjzcties Kezunäkeitzbier W» Verwaltung' Derlln. Morgen Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8% Uhr: NertmenglllöllaklNkchminlaagta der ötiirllt nnb örnncheii. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt- Vertrauensleute. 3. Verbandöangelegenheiten. Jede Wertstatt mutz vertreten sein. Islitzliecksbuck unci Vertrauensmänner-Karte lexitimiert. Versammlungslokale: V OlcMer. Südwesten n. Westen: in Habels Brauerei, Bergmannstr, 5/7. BNden: bei Gliesing, Wassertorstr. 08. Sttdo»ten I u. II: im Lokal Südost, Waldemarstr. 75. Osten I; bei Kluge, Langeftr. 53.� Osten II; bei Hnth, Warschauer Sir. 01. Osten III: bei Bergmann, Boxhagener skr. 20. Oestliclic Vororte: bei W Schulz, Lichtenberg, Kronprinzen- strage 47, Ecke Scharnweberstraße. Vordosten: bei Merkmann, Gr. Frankfurter Sir. 10. Jede Sarglischlcrci muß einen Vertrauensmann nach dieser Ver- sainmlung senden. Itosentlinler nnd dOeliOnlrnnser Vorstadt: bei Obigl», Schwedier Strasie 23. Weddlnpx nnd Ittonklt: bei Kaczarowski, Ravensstr. 0. Welllensee: im Prülaten, Lehderslr.>22. Abends 0'/. Uhr. XenköIIn: im Jdcal-Kastno, Weichselsir. 8. BeliOnelierx: um 5'/, Uhr bei Kuschte, Meininger Str. g. Clsnrlottenknrz:: bei Friedrich Schulze» Wallstr. 90. �.adeneumebtnngs- und Kontormöbcl-ßrancbc in Hermels Bereinshaus. Holzmarttstr. 21. ßiicbenmöbeibrancde bei Kuörig, An der Stralauer Brücke 3 ßautiiebler. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei Grasihoss, Admiralstratze 18 a. Bezirk L: Osten bei BraMer, Weidenweg 85. Bezirk 3: Vörden nnd nördliche Vororte bei Gliesche, Kopenhagener Str. 74. Bezirk d: Öesnndkrnnnen, Weddlnx nnd IHoablt bei Sachse» Liudowcr Strnsie 20. Bezirk 2: S/enküIln: bei Schenk, Roscnslr. 24. )Wöbel- u. 8tuhlpoUcrer sowie JMagazinarbcitcr Osten: bei Borker, Wcbcrstr. 17. Südosten: im Vkärkiichcn Hof. Admiralstr. 18o. Vörden: bei Giiniher, Brunnenstr. 90. IWaschimnarbeiter in den Prachtiäleu Alt-Berlin, Blummstr. 10. Vrecdsler, Treppengeländer- und I�uxuomöbel- brandie. Vörden bei Diihling, Brunnenstr. 7S. Osten bei Rostn, Gubener Sir. 19. Südosten nnd Südsvesten bei Pcrsikc, Riiierstr. 123. Cinfetzer im Gewerkschaftshause, Engeluscr 14/15, Saal 11. IWodelltiseKler abend» 8 Uhr bei Waldt, Pflugstr. b. 8teUmacber bei Hummel. Sophienstr. 5. JalouNearbeiter bei Walter. AdalSertstr. 02. MNen- UN-I Nokkermachee Korbmacher. Die Versammlung fällt aus. Bürftentnacber Bei Preust, Holzmarkiftr. 05. Kammacher. Die Versammlung fällt au». Perlmutt-, Dorn- u. ötcinnußarbeiter um s Uhr bei Ernst Thomas. Melchiorstr. S. Kl»vierTrbeltev abends 8 Uhr im Gewerkschaftshause. Engel. U[et Ui Zjmmer 4(ArbeilSlosensaal). Bilderrahmenrnacher»m s uhr bei WShiisch. Skaiitzerstr. 22. Bodenleger im GewerkschaftShansc. Engeluscr 14/15, Saal 2, 8 Uhr. Vergolder im Gewerkschaftshause, Engeluscr 14/15. Saal 5. Öchlrmmacher abends s Uhr bei Hermel. Holzmarttstr. 21. iTIaScK« lO Pf. Überall Käuflich. E.« n> b. H. SO. 16, Köpenicker Straße 98 b (r.wisohen Neandor- und Neue Jakobstraßo).» Gegründet am I. Juli 1907 von organisierten Bandagisten. Empfiohlt sich allen Arbeitern und Parteigenossen zur Anfertigung von allen Arten ßruohbandngcn, Leibbinden, Gernde- hnltern, künstl. Gliedern, Orthopäd. Apparaten, Stützkorsetts, Suspensorien sowie Lagervon sämtlichen Artikeln zur Krankenpflege. Alle Arbeiten werden in eigener Werkstatt ausgeftihrt. yST" FUr Oamcn weibliche Bedienung.*96 107/15 Lieferant der Krankonkassen Berlins und Vororte und der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend(E. G. m. b. H.). tHutikinftrumcntcnarbclter! Mittwoch, den 4. Dezember, abends 8 tthr. in den Slrminhallen, Kouiniandautcnstr.&HI59: Branchen- �crfammlung (an Stelle d. fällige» Vertranensmänner-Bersammlnng) Tagesordnung: 1. Der Verlauf und das Ergebnis uuserer diesjährigen Herbst- bewegung. 2. Die Konferenz der dcutichen Musikinstrumentenarbelier. 3. Bericht von der Generoloersainnilung. 4. Sonstige Branchen- und Verbaiidsangelegenheiten. Bei der Wichliglcit bandSmiigllcdcr aus der Btf Mitgliedsbuch legitimiert.— Die Präsenzliste ________ Die Brancheulcitung. Herren- IIBster imh elegante Neuheiten. Einzelverkauf 52.5.00, 35.00, 45,00, 55.00 In der Fabrik, Vene Künlgstr. 81 II. der Tagesordnung ist das Erscheinen sSmillcher Ver- er Musikiiistrumentenindustrie erforderlich.___ cgitimictt.— Die Präsenzliste w>rd verlesen.-7WW 'Ux ; 4") Icamenelletel/ i sehr» «et, Ick ü.m.-biuw.y bekannt grösstes für Gelegenheits-Klufe hat drei Verkaufsstellen, y. [ramenstlefel%% hoch-• eleg,«' ♦»»» � i" 1 �HurrmlieW streng J fmotfarr/ � j\, Berlin 0 1 I Ber in C| i Berlin Wi Grosse trank-!! Rosenthaler:) Charlottenbarg| furter Strasse«» Strasse: J Nehrlngstrasse] 110 I! 40-41: 1 34 x t x: Enorme Auswahl In sämtlichen Schuhwaren zu orsiaunllch billigen Preisen. BorussiasFestsäle � Inhaber Georg Woingi-umni, Ackerstr v/7. Teleph.: Norden 2574 empsiehlt den geehrten Vereinen und Gewerkschaslen seine 4 Säle z»| Versammlungen und Vcrcinsfcstlichkeilen.— Kuianie Bedingungen, i Zu Silvester und Sonnabende und Sonntage ün Januar ist noch i |_____________ der grobe gnfllsrd 1_______________{ Aufruf an die Arbeiter Serlins! Die anhaltende Teuerung zwingt einen jeden, sich vor Uebervortellung zu schätzen. Kaufen Sie nur beim Fachmann. IMark wüchenti. Teilzahlungen liefere elegante fertige Herren« ASöstM : Ersatz für Mau! Aflleiilgung n. Mau Tadalloi.AuifUhrung Sohncidermaliter lir.Ffankf.Slr.37" Eingang Strausberger Platz. .UulBfinsfr.lB nur I. Etaga, I! haln Latitn. i, I Gelegenheitskauf! Schwere Slhlliftrllitii jlPferdededten! S(.n3s",4M,8sllM. Isrileisedeehen |si.4",6's,9,tw,96B. ),_ für dicke ' t? l C V Portieren alle Farben > Meter 1.75. 8.50 bis 4.50. Abgep Frlesmäntkl 8.85-8 M. Versand unter Nachnahme. ! Zivil Lestvre Derün S., Oranlenstp. 158. 1 9er neue Katalog mit bunten Teppichmustern Gesundheits- u. Krankenpflege, 7ät0tUlfit?tlVtfii Verbandstoffe, Gummiwaren etc. V» Berlin kV., Lothringer Str. 00. Uefepant für Krankenkassen Eigene Werkstatt. entfenit Dr. Scliüncmnnii Spezialarzt für Hautkrankheiten Berlin 18., Oranienstralle 189. 209/1 Große Firma hergibt auf Teilzahlung! Ohne Anzahlung! Keine Kalsierer! Tcppiche, Portieren, Gardinen, Stores und alle Arten Decken. Offerte erbeten unter IC 100, .VorwärtS-spedition, Ackerstr. 174.» für elegante MaüanzPge, Ulster, Palotois, Mtr. 4,—, 6.—. 8,— dl. etc. Velour du Nord, Persianer,!m!t. Seal- Plüsch. Seiden-Seal Mtr. 5.50, 0.50 9 50, 15.— M Plüschlutter, Fell imit für eleg. Damen-Paletots Mtr. 4.50 M. Oamenkasiiim- und Ulster- Stoffe, Mtr. 3.—, 4.—, 5.— M. etc. Tuchlager Koch& Seeland G. m. b. H. Gertraiitltensti'. 20/21 ÄtSr m ml'"'■•»•■«mm«»■•..i»■»..«■••»•■«•■•»•i.vd"••••.im Miu.iin»:'-'" a.-«".|,|j,ll'nlNtrVi;i|,|1,..un"liluin„, Cigeareiies Specialmarken Abbas Dandy Gibsoo GM e II, �-1.» /.i*"'!' i—.�i-'�""».|.i!,uickl>"' /»Illlil'......| Glas- Christbaumschmuck kauft man direkt aus erster am vorteilhaftesten bei der Glasiiliistr-Gknoffettschlist des Meininger Oberlandes j e. G. m. b. H.. Lauscha(S.-M.). Sortiment I mit zirka'200 Stück der vrachtvollsten versilberten und I bcsponnenen Neuheiten, wie: Blumen, Sterne. Vögel, Glocken, Geigen. Segelschiffe, Zeppelintustschiffe, Tiere,(Slasschnee, Edelobst, Strang- kugeln usw. 5,25 M. franko gegen Nachnahme.— Doppelsortimente| 9,70 M. Bei Voreinsendung des Betrages 25 bczw. 35 Ps billiger. Sortiment Nr. In enthaltend 10t Stück lauter ganz grosie, feinste, nur weifte Brillant-Glassacho» zum selben Preise. In Berlin findet ab 8. Dezember täglich von nachmittags 8 Uhr I an im Austrage der KlaSbläser-Gciioffcnschast, der nur organisierte j Arbeiter als Mitglieder angehören, ein Verkauf v°n Glas-Chriftbaumschmuck z statt im. Gciverkschaftshaus, Engelufcr 15, Saalgebäude. I Sngeli Restaurant Tchmalowski, Lorftingstrafte I. Weltes\Nori 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. V mit mehr als 19 Buchstaben zählen doppelt Ü) Kleine Anzeigen ANZEIGEN för die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. LeibhauS Morinplat; öS a! lauien Sie spottbillig von Kavalieren wenig getragene Jackettanzüge, Rock- auzüge, PalctotS, grögtenleils aus Seide, 9— 18 Mark. Gclegenbcits- käuse in Damen• Plüsch- Mänteln, Kostümen, Kleidern(hochelegant). Grefte Posten Pelzstolas, Pelzgarni- turen, früher bis 200, jetzt 20—75 Mark. Gelegenbeilskäuse in Uhren, Ketten, Ringen, Wäsche, Betten, enorm billig. nur Moritzplatz 58a I. 2289K Gardinen! Steppdecken! Portiere»! Tischdecken I auftergcwöbnlich billig I Borwärtsleser 5 Prozent Rabatt ertra! Gardinenhaus Brünn, Hacke» scher Markt 4(Bahnhoj Börse). Sonntags geöffnet.- Bronzegaskronen. GaSzug- lampe», Hängegaspcndcl, Gaswand- arme. Moderne Hängegaskronen, (äaskocher. Allerbilligste Bezugsquelle. Aurückgesetzle Muster spottbillig. Echroeder, Hochstrafte 43. 2689K Borjührige eleganteHerrenanzüge Und Paletots aus jeinsten Magitoffen 20— 10 Mark, Hosen 6—14 Mar!. BeriandbauS Gennania, Unter den Linden 21.* Teppiche. Prachtstücke(Farbeu- febler). für halben Preis. Vorwärts- leser 10 Prozent I Mauerboff, Gräfte ssranksurlerjrrafte 9, parterre. Kein Laden!______ 1896H* Gardinen. Fabrikreste, Grog c Frankfurterslraße 9 parterre._ Steppdecken, billig. Fabrik Grofte Franksurterstraftc 9 parterre. 189751* Herniannpiau 6 PsandleibbauS. Jedermanns Kaufgelegenheit. Extra- billige Jackettanzuge.«bedrockanzüge. Winterpaletots. Herrcnulster. Herren- holen. RicsenauSwahl Pelzstolas. Allerbilligstcr Bettenvcrkaus. Ver- niietungSbett. Aussteucrbetten. AuS» steuerwnsche. Reichhaltiges Portieren- lagcr. GardnienauSwahl. Teppich- auswahl. Plüickttilbdecken. Stepp- deckenlager. Geldsachen. Taschenubren. Wandudren. Wandbilder. Waren- verkaus ebcnsalls Sonntags. unbedeutende Teppiche, unbedeutende Farben- fehler, für die Hälste dcS Wertes. Portieren, Gardinen, Steppdecken, Tischdecken zu Schleuderpreisen. Teppichhaus Adler. Königstraftc 50, gegenüber Rathaus. 1957K' Gaskronen ohne Anzahlung, Woche 1,00. Riesenlagert Louis Böttcher Iselbst!), Krouleuchler-Spezialhäuser. Betriebsleitung: Boxhagenerftrafte 32 (kein Laden).(Fahrverdindung War- schuuerstrafte.) Filiale: Neukölln, Kottbuser Damm 41. Eingang Her- mannplatz. Teppiche!(jeblerhaste) m allen Grüften, jast für die Hülste des Wertes Teppichlager Brünn, Hackeichcr Markt 4, Bahnboj Börse.(Leier des »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!' Betten, Stand 9.—. Brunnen« strafte 70, im Keller._ 120051' Puppenwagen, Restvcrkmis, jeden Preis, Tische 2,50, Stühle 0,50, ver- stell bare 2,00 an, Kursürftenstraftc 24. :)iaPsahrerkartenr~Wir empschlen Rad- und Auto-Fahrern StraubcS Karte 1200 Quadrat- Meilen nm Berlin. 2 Teile a 1,50 Mark. Nörd- liche Halste der Provinz Branden- bürg reicht bis Stcttin-Ueckcrmünde, südliche Halste bis Halle-Lcipzig- Dresden- Görlitz. Buchhandlnna Vorwärts, Lindenstrafte 69(Laden).* Littauer Nähmaschinen ohne An- zahlnng, gebrauchte, spottbillig, Skalitzerstrafte 99. Warschanerftr. 65.' Glaschristbaumschmuck, ff. Ren- beitcn, nur bessere Sachen als Glocken, Früchte, Engel. Weihnachtsmann, ff. be- jponnene Sachen usw. versendet in Postlisten per Nachahme 5,35 M., bei Vorauszahlung 5,00 M. Max Sech» warnt, Steinheid«.-M. Besonders empsehle mich den werten Genoffen' �Gelegenheitskäufe. Paletots, Anzüge, Hosen. Koffer. Revolver. TeschingS, Kessel, Goldsachen. Uhren, .Kette», Ringe. Brillanten, passende Weihnachtsgeschenke usw., äulpch- billigen Preisen. G. Lücke, Oianien- strafte 130.___ Grundbegriffe der Politik, von Friedrich Stampser. Gebnnden 3 Buchhandlung Vorwärts,«.luden» ftrage 69(Laden). Strumpfe werden neu- und an- gestrickt. Verkaus von Wolle, speziell Schweiftwolle, Stricken aus Maschine lehrt gründlich. Verkaus von Strickmaschinen ersttlassig. Element, Ramlcr- strafte 27._ 253811« Rcisegläser. Operngläser, Reift zeuge, Musikinstrumente, Geigen, .-silbern, Mandolincn, Harmonikas, Schirme, Stöcke, paffende Weihnachts- geschenke usw. spottbillig. G. Lücke, Oranicnstraße 130._ 2492K* �DkonatS-Garderoben-HauS verfällst spottbillig erstklassige, wenig getragene Iackettanzüge. Gebrock- änzüge, Smokinganzüge, Frackanzüge, Winterpaletots, Ulster, Winterjoppcn, Beinfteider, auch für korpulente Herren passend, stets aus Lager. Prinzen- strafte 28, erste Etage.(Eckhaus Ritterftraftc). L480K GaSkronen, dreiflammtg, komplett 7,50, GaSzuglampen 6,00, Gaslyren 2,40, Gaswandarme 1,50, staunend billig.— Vier Gcschäste— Gräfte Frantsurterstrafte 92— Ravenestr. 6 (Wedding)— Schönhauser Allee 121 (Glcimstrahe)— Neukölln, Berliner» strafte 102.___ 2008«* Steppdecken! Spottbilliger Wcih- nachtSverkanf I Prachtvolle Simili- seidene: 3,85, 4,75, 6,00 bis 15,00, Tüubettdeckcn 2,50. Wolss Teppich- hauS, Dresdenerstr. 8(Kottbuicrtor). Abonnenten 10 Prozent Rabalst_' Geld! Geld! Sparen Sie, wenn Sie im Leihhaus.Rosentbaler Tor*, Linienstratze 203/4, Ecke Rosentbaler. strafte kausen. Anzüge 9,00, Ulster, Paletots 5.00, Joppen 4,00, Silber- uhren 3,00, goldene Damenuhren 8,00, Goldwaren, Pelzstolas, Bellen, Wäsche, Gardinen. Teppiche. Tisch- decken. Divandecken, Freischwinger, Bilder, Fahrräder. Alle? enorm billig. Sonntags geöffnet. 2467K Wundervolle Plüschtischdeckcn jetzt 6,73, Plüschportieren 8,50, Teppiche 200/300 12,50, herrliche Künstler- gardinen 6,50, ErbStüllstores 3,95, Beitdecken 2,50. Prachtvolle Weihnachtsgeschenke. �VorwärtS'leser noch süns Prozent Extrarabatt. Georg Lange Nachfolger, Chauffecstrabe73j74.* Zinfnmschfäffer. Zober, Sitzwannen. Badewannen. Spezialsabrit Rcichenbergerftrafte 47. Lesern 5 Proz. �Pferdedecken, zurückgeletzte, große reinwollene 3,00 und 4,30. Wasser- dicht bezogene 10,00 und 12.00. Gebrüder Pflaume, Friedrichstr. 205, Ecke Zimmdrstraftc. 2591K Sommerfelds Monatsgardcrobcn- Haus und Pfandleihe, früher 25 Jahre Heinrichsplatz, jetzt Prinzcnstrafte 34 1, neben Bauzaiin Wertheim, kleiner Eingang, bietet jedem Käufer grofte GelderlparniS sür Winterulsler 6,50 an, WinterpaletotS 8,25 an, Jackettanzüge, Gehrockanzüge, Hosen, Joppen, sür jede Figur Passend. Ferner Pelz- stolas, Damenulftcr, Blusen, Aus- steuerwäsche, Steppdecken. 2681K« Zehn Prozent Rabatt Vorwärts- lesern. Federbetten, Stand 11,00, 16,00, hochfeine 21,00, WinterpaletotS, Wintcrjoppen, Pelzkragen, Herren- ubren, Damenuhren, silberne 4,00, goldene 9,00 Mark. Leihhaus Osten. KönigSbergerstrafte 19. 2528K' �Znm WcihnachtSfeft. Herrenuhren 3,10, Damenuhren von 4,50 an. Goldsachen, wie Ketten, Ringe, Armbänder, Kolliers, Operngläser, im Versatz versallcn. Prinzen-Psand- leihe, Prinzenstrafte 34, eine Treppe, neben Banzalin Wertheim, kleiner Eingang._ 2682K* Ohne Anzahlung, Woche 0,50, Bilder, Möbel, Spiegel, Polsterwaren. Gardinen, Steppdecken, Tischdecken. Portieren, Teppiche, Gaskronen, Bezüge, Herrengarderobe, Uhren liefert Weber, Neue Königstraftc 34. S684K* Nähmaschine, Gelegenheit, nen. Garantieschein, verkaust spottbillig Kirschstein, Charlottenburg, Goethe- strafte 76, 7.>-65' Teilzahlungen 0,50 wöchentlich: Gardinen. Portieren, Teppiche, Decken, Uhren, Bilder, Möbel, Polsterwaren, Betten, Wäsche, Kinderwagen, Kinder- bettstellen,.Herrengarderobe. Pelz- stolaS. Sende Vertreter. Meiseis Nachfolger, Warschauerftrafte 80.* Ttoribärtsleler süm Prozeitt Exlraraball. ielbü bei Gelegenhcits- käuse». Teppich-Thomas Deppiche, sarbschlcrhast, spottbillig Äardinen. Stores, Künstlersenster. angeschmutzte, sabelhast billig. 2469K* Teppich-ThomaS, PrachtbauOra nienfttafte 126, Roienthaleritraye 54. Ztbfall, fehlerhafte Teppiche 4,25, 5,75, 7.85, 9,50, 11,85, 15. 19. 23,27, 31 usw. Fabriklagcr Gräfte Frank- surterstrafte 125, im Hause der Möbel fabrik. Gardinen. Fabritreste, Fenster 1.65. 2.35. 2,85. 3,50, 4,50, 6,75, 8,25 usw. Angeschmutzte Gardinen. Stores, Tülldeckcen, Rouleaus, sabelhast billig. Grofte Frantsurterstrafte 125. Künftlergardincn 3,85, 4,75, 5,95, 6,65, 7,85, 9,50, 11,75, 13,50 usw. Leinen- und Tuchportteren 3,25, 3,65, 6,75, 7,85, 8,50 usw. Blüschporticren 5,85, 6,75, 7,65, 8,50, 9,85. 10,50, 11,65, 14,25 nsw. Fabriklagcr Grofte Franksurterstr. 125. Plüschdecken mit Ileincn Fehlem 4,25, 5,75, 6,50, 7,95, 8,35, 21,50 uslv. Tuch-, Leinendecken 1,65, 2,25, 2,95, 4,35, 5,50, 6,85, 7,50 usw. S te p Pdcck e nTWtmi li-Sci d e 3,75, 4,50, 5,65, 7,50, 8,35, 9,75, 11,25, 13,50 usw. Diwandecken 3,95, 4,ö0, 5.65. 7,50 bis 30 usw. Schlaf- und Reisedrckcn 95, 1,35, 1,95, 2,85, 3.45 bis 45 Mark. Möbelstpff. Länjcr und Linoleum- reste zu Spottpreisen. E. WeiftenbergS Gardinen- und TeppichhauS, Grofte Franksurkerstrafte 125, im Hauke der Möbelsabrik. 2698K' Singermaschine, 9,—, Schützen- strafte 11/12 I. 281/4» QescliZktsverkZuke. Restauration verkäuflich, Miete 600,—, Preis 1000,—, Grenzstr. 21. Zigarrrngeschäft aus dem Gesiiiid- Brunnen, gutgehend, mit Wohnung, preiswert sofort verkäuflich,»dl. 100" Postamt 60. f97 Kleines Z i garreii gesch äff, krankheitshalber billig verkäuflich Stettiner- strafte 61.(-97» Gckrestauration, Parteiverkehr, 21 bis 25 T-'Nncn, preiswert zu ver- kausen. Näheres Ramlcrstrafte.29, Scisengeschäst. 78! Restaurant, passend für Metall- arbciter, Zahlabend, Vereine, gutes Geschäft, große Branereihitse, zu ver- kausen. Vermittler zwecklos. Offerten unter„E. B. 1721" Rudolf Moffe, Prinzenstrafte 41._ 199/ 18 Eckrestaurant wegen Krankheit der Frau billig zu verkaufen. Zahl- abend und Bereine vorhanden. Zu erfragen Spedstion Nazarethkirch- strafte 49. j-94 Möbel. Plüschsofa 40,00, 55,00, Chaiselongue 18,00, Ausziehtisch, Trumeau, englische Bettstellen 22,00. Tapezierer Waller. Stargarderstraftc 18.(88- Teilzahlung. Reelles Möbel'- geschäst liefert Möbel sür Stube und Küche mit 20 M. Anzahlung, kleinste Raten. Auch einzelne Möbel. Acltere Möbel werden in Zahlung genommen und gegen moderne nnlgetauscht. Zum Weihnachtssest Teppiche, Por- tteren, Läufer usw. ohne Anzahlung. Offerten Postlagerkarte 12. Post. amt 22._ 2399K» Möbel-GelegenheitS-Ääuse spott- billig, neue gediegene Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, Schlaf- zimmer(eiche) 283,—, komvlette Wohnzimmer 132,— bis 240,—, Chaise- longne 24,—, Sofa 33.—, Trumeau 33,—. Schreibttsche 40,—, Bettstellen 25,—. RieienauSwahl. Möbellpeicher Neue Königstrafte 89, 4 Etagen. Teiizahlung gestaltet. Auch Sonn- 249/1 Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleinster Anznblnng gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deullichcr Preis. Uebervorteilung daber auSgcschloffeil. Bei ZdrankbeitS- fällen und Arbeitslosigkeit anerkannt größte Rückfichl. Mobelgeschäst M Goldstaub. Zossenerstrage 38. Ecke Gneisenauftrafte._"901 K* Möbel ebne Geld! Bei kleiner Anzabstlilg geben Wivtichastcn und einzelne Stücke ant Kredit unicr äufterner PreiSnolierung, auch Waren aller Art. Der ganze Osten kauft bei uns. Kretichmann u. Co.. Koppen- strafte 4.(Schlesischer Babnbos.) Zentrale für Arbeitermöbcl liefert Nesormeinrilittungen in gediegener Arbeit an Reclldenkcndc auch ans Teilzahlung und bittet Partciiiiilglie der um Besuch der großen Lügcr. Niedrige Nnzablung. Zinsvergütung. GelegenlieitSkäuse in gebrauchten Mä bcln. BerkausSstelle Schatz, Brunnen. strafte 160, Eingang Anllamerstrafte. Wirtschaftömöbel. Zu ganz spottbilligen Preisen als Gelegcnhciis kauf sind wieder prachtvolle, sehr wert volle Herrenzimmer. Salons, Shcisc- zimmer, moderne Küchen, Wohnzim- mer, Schlaszimmcr in allen Holz- arten, einzelne Büsctte, Schreibtische, Bücherschränke 40, Sviegclschränke Kleiderschränke. Vertikos. Wasch- toiketten. Klubsessel. Lederslühle. Sosas, Chaiselongue mit schöner Decke 22,50, Plüschgarnituren, Ausziehtische, Tru- mcauS 30.00 an, Bettstellen, Rohr- stähle, Sosiitische, Nähtische, Flurgarderoben, über 500 Prachlleppiche extra billig. Tischdecken, Steppdecken. Plüsch- Portieren 7,50 an, GaSkronen, Gardinen, ErbStüllstores 3,50 an. Tüll. bettdccken, Chaiselonguedecken, Stand uhren, Freischwingcr 12,00, eine Partie Bilder mit Prachlrahmcn sowie an- dere Gelegenheitskäuse in meinem bekannten großen Möbelspeicher, An- dalier Babnspcicher, Eingang nur Möckcrnslrafte 25. Hochbahnstation Möckernbrücke. Gekauste Möbel kön- nen unentgeltlich lagern. Otto Lideke, Warcnspcicher sür Gelegenheitskäufe. Für Biautleute, Pensionate, Hotels extra billige Preise._ 2580K' Ärbeirer-Lstu f ternTo tznuii g e u TTt 5 r jedcrmunn leicht erwerbbar, sehr billig, auch gebrauchte Möbel, gut erhalten, grofte Auswahl, Tcllzablimg gern gestattet. KaffenpleiS Zinsvergütung, kleine Llnzalilung, bequeme Abzah- lung nach Wunsch der Käuser. Gabbcrt Tischlermeister, Ackerstrafte 54. Kein Abzahlungsgeschäft Eiurichtuiig, Stube und Küche, 195,—, Einzelmöbel spottbillig. Schneider, Prinzenstrafte 98. 8 Möbelhandtung Mariannen. strafte 25, billige Preise. Tellzabliing gestaltet.»Borwärts'leser 3 Prozent Rabatt. 39K' Ä)toevel- Boebel, Oranien- sk-afte(Montzvlatz) 58, Fabrikgebäude, liefert als Svczialiläl: Ein- und Zweizimmer-Einrichtungen. Gröftle Auswahl. 9 Etagen in 2 Fabrik- gebäuden. Billigste Preise. Ein Zimmer und Küche 234,—, 336,—. 409.—. 496,—, 566—, 655,— bis 1000,—. 2 Zimmer und Küche 448, 501,—, 571,—, 660,—. 773.—, 867,—, 991,— biS 2000,—. S-blas- , immer 194,—, 270,—, echt Eiche 299,—, 350,—. 401,—, Wohnzimmer, modern, 266,—, 318,—, 343.—, 403,—, Speisezimmer, echt Elche, z«,—, 373,— 462,—, 571,—, Herrenzimnier, englische Bettstelle mit Matratze 42,—, Trumeau. ge. schlissen 36,—, Plülchsoja 58,—, Umbau 50,—. �Besichtigung ohne Kauf- zwang erbeten. 5 Jahre Garantie. Evciiluell ZahliingSerlcichlerunacn. Geöffnet 8—8. Kein Laden. Per- kaut im Fabrikgebäude. 2057S18 Berlin stannt über meine kmt- kurr enzlos billigen Angebote, 100 Trumeaus mit Stufen 29,50, Schreibtische 55,—, Büchcrspmden 59,—. Spiegelschränke 54.—, 75,—, dreitürig 90,—, komplettes Schlaf- zimmer, eiche mit Patentmatratzen 340,—, Aiirichteküchc. achtteilig, mit Blitzenschciben 85,—. Möbclspciqer des Südostens. Skalitzerstrafte 25, an der Hochbahn! 2571.51' Möbel, ältere Muster, verlause nach Inventur bis 50 Prozent er- mäftigt; unter anderem komplette Speise-, Herren., Schlaszimmcr und SalonS, Vertikos, Kleiderschränke, Trumeaus, Tische, Umbauten, Plüsch- sosas sowie einige elegante Karnl- turen, komplette Küchen mit An- richte usw. Julius Apelt, Tischler- meister, Adalbertstraße 6(Kottbiiscr- tor).«712* Stuben- Einrichtung vertäust so- sort, alles wie neu, 185 ersorderllch, Prinzcn-Allce 19, vorn III rechts. ffRusikinstruinente. Zlnffbaumpianinos, 200 Mark. wenig gebraucht, Gelegenheit. War- schauersiraftc 58, vorn T. Menzel. Jrmlcrpiantno. feit 100 Jahren weltberühmt. Grofte Auswahl neuer, gebrauchter Instrumente. Kulante Bedingungen. Alleinvertreter: F. Man- thehu. Co.. Po.Sdamerstrafte 31.> PiauinoS, Harmoiiiums. Flügel jeder Preislage, gebrauchte 120.00 an. Teilzahlung. Scherer, Ebauisee- strafte 105._ 53451*. Pianino, 140,—, Schlegelslrafte 30, Overholthaus. 281/2' Nuffbaninpiaiiinp, moderne, aparte Ausstattung, Elsenbcintasten. billig verkäuflich. Garantie. Wagner. Schönlcinslrafte 16. 1511b Konzert-Graminophoit, Pracht- stück, neu 50 Mark. Jchirn, Woldeu- bergei strafte 5 III. 2685K' Mandoline, cchlitalienisch, 9,, Violine, komplett, 12,—, Gitarre- zithcr 7,—. Franzke, Brunnen- strafte 148. 1-81' Bilder. Bilder. Sie kausen Bilder nirgends billiger als direkt Fabrik bei Bilder- Bogdan, Weinmeistei strafte 2. 2248K Bilder, billigste Bezugsquelle, solide Preise sür Einrahmungen. Grofte Frantsurterstrafte 64.-f2' Fahrräder. .f>ctrciifnhrrnh. Dameniabrrad, Mädchensahrrad, Kiiabcnsahrrad. wie neu. 35.—. Holz. Bliimen-tratzc 44 Ztzaftrräder, Teilzahlungen, gröftte Auswahl, billigste Preise. Lothringer» strafte 40. Filialen: Steglitz, Schlaft- strafte tt6. WilmcrSdori, Uhland- strafte 100. Charlottcnburg, Kant- strafte 57._ 120.m* Brcnnaborrad. neue Ber-isung, 15.00, sofort. Schräder, Weber- strafte 42. 199/15' Kaui�esucke. Höchstzahlcnd, Metalle, Zahn- gebisse. Platinabsall, Gold, Silber, Quecksilber. Metallschmelze Ehristionat, Köpcnickcrstrafte 20a(gegenüber Maiilcusielstrafte). Zahngebisse, Stannlol. Spczial- gefchäst, Elfasserstrafte 66. 260851' Bineinabfälle- alte Gatdsachen, Bruchgold, Silber, Gebisse, alrtz Uhren, Kebrgold, Goldwallen, Ouecknlbcr, Stanniol sowie sämtliche Gold-, Sllbcr-, platinbattigcn Zlückständc kauft Broh, Edclmctallschnielzc, Berlin 8., Kövcnickerstrafte 29. Tele- Vbon Moritzplatz 6958. 255551' Plalinabfällc, Gramm 5,70. Gold, Silber, Zabngebisse, Stanniol. Queck- sllbcr 3,65 kaust Blümel, August- strafte 19. Znhngebiffe. Zahn bis 1.00, Pia- tiiiabsällc, Goldankaus, höchstzahlend. „Gcldkonlor", Hollmannstrafte 30.' �Platin 5,70, Zahngebisse, Altgold, Silber, Quecksilber, Staniliol höchst- zahlend Müller, Tcllowcrstrafte 10. ♦ Kaufe Frauenhaare, ausgekämmte. Zahle höchste Preise. Kaska, Zöpsesabrit, Rixdorf, Erkstrafte 3.' Zahugebine in Kautschuk, Gold, Silber und Platina kaust pro Zahn bis 50 Pfennig und für Platin zahl! (den höchsten Preis Blumenreich Bluiilienstrafte 3, amRosenlhaler Tor (Telephon.)___ 76351' Za bngrbiffe, Zahn bis eine Mark, Goldsachen. Silbersachen, taust-stau- kiewiez. Kirchstrafte 14, Berlin. 199/13 Münzen, Briesmalken kaust Groftmann, Spandauerbrücke 2.* Stannioleinkanf, Quecksilber, Zahn- gebisse, Platina, Goldsachen, Silber, böchslzahiend. Edelschmclze, Dresdener- strafte 132._ 199/19 Staiinioleinkauf. Quecksilber, Zahn- oebiffe, Platina. Sllbcr, höchstzahlcnd. L.ch>nclzcrci, striedrichstrafte 130. Zahngebisse. Bruchgold, Stanniol kaust KoHn. Reue Königstraftc 76.' sc, Zabn bis 1,25, Plalin- abfällc 5,75, Goldsachen, Silbersachcn, Kehrgold< Goldwatten, Quecksilber 3.80, Stanniolp apier. Zinn 3,75, Kupser 1,30, alle„Metalle" höchst- zahlend. Edelmetall-Eintaussburcau Weberstr. 31. 269151* Briefmarken- Sammlung sucht Groftmann, Spandauerbrücke 2.(Auch Sonntags.) 199/16' Verschiedenes. Kunsiltlipferet von Frau Kokoskh Schlachtensec. Kurstrafte 8 III. Balriltanlvali Müller, Gitichincr- strafte 81.____ 21395',* Pfandleihe Heinersdorserstraftc 14. nahe der Greisswalderslrafte. l09�b' Paientaliwalt Weisel. Gittchiner» strag- 94a. Festdlchtilngeil. surterstrafte 67. Grofte Frank- 197351' Rähmaschineureparaturen jach» gcmäft schnell und billig, auch aiifter dem Hause. Bellmaint, Gollnow» strafte 26._ 205651* Kliiiststopferei Grofte Frantiurtor- strafte 67.___ 239951« .Handwäscherei Wäsche wird fchvncndst gewaschen, im Freien ge« trocknet. Lalen, Leibwäsche, vier Hand- tücher, süns Taschentücher 0.10/ Ab- bolulig Donnerstags. Lehmann, Köpenick. Kaiserin- Auguste- Biktoria- strafte 18.___ 15156 Haiidiväscherei Frau Kubasch, Köpenick. Flclnmiligstraftc 9. wäscht schoncndst, sauber Laien, Leibwäsche, 4 Handtücher 0,10. Stein Vertauschen. Abholung Donnerstags. I5l6b Teilzahlung. Anscrttgung cle- gantcr iHerrengarderobe. Marcus, Dragoncrstrafte 27. 238/9 Kind wird tagsüber in gute Pflege genominen. O. Huste, Gottsched- strafte 9, Seitenflügel IV. i94 Unterricht. Unterrieht in der englischen Sprackie. Für Anfänger und Forl- geichrittene, einzeln oder im Zirkel, wird cnglilcher Unterricht erteilt. Auch werden Uebersetzungen an- gefertigt. G. Swicnty- Liebknecht Cbarlotlenburg.«tuttgarterplatz 9 Gatlciihails III. 44K' Vermietungen. �Vohnunxen. Schöne und billige Wohnungen Zechlinerstrafte 2. f07 Zimmer. Möbliertes Balkonzimmer zu vermieten, mit Kaffee 15,00, vorn I, Herr oder Dome, sofort bei Rösener. Nculölln, Emserslraftc 126.____ fGO Möbliertes Zimmer für zwei Herren, sofort bei Schwanke, Holl- mannstraftc 0 II._ 15096 Möbliertes Zimmer, sosortl Murchau, Pappclallce 12/13, vorn IV. Lchlakstellen. Schlafstelle Norden sindel Herr, cvcninell auch Kost. O. Huste, Gollschcdstrafte 9, Scilcasiügel IV. Möblierte Schlasftelle, Herrn sofort oder später, RüdcrSdorscr- strafte 7, vorn I links, Ostbabnhos. Möblierte Schlafstelle, zwei Herren oder Damen, sofort ver- mietbar. Rcichciibergcrstrafte 84, III links, Witwe Franke.__+11 Schlafstelle sür Fräulein billig. Lderbcrgerstraftc 21, vorn 4 Treppen. �rheitsmarkt! Stellenangebote. (khristbaumschmilck sür Wicder- vkl käuser billigst Köpenickerstraftc 115. ?? t otorens chlosser verlangt Tor- pedo, Georgenlirchstraftc 40. 28l/l �lltilllg! llckssdsilsl. Wegen Streik oder Lohn- differeiize» sind gesperrt: leUi-KlKtcnniacIicr die Firma Conlnick dt Co., Reichen- bcrger Str.lSS, sowie sämtliche Betriebe in Hamburg. DaS Berliner?lrbcitswilligeu- vermittelungsbiirea» d. gelbe» „HaiidwerkerschiihverbanveS". Nrbcitsnnchweis Stellmacher- inimng und der Wagcufabri- kanten. Kaijcr-Fraiiz-Grenadier» Platz. Zuzug ist streng sertizuhalte». Die vrisvervealiung öerlin des Deutschen ikolrardeiterverdatides. IljL Dil+»CUUi;ii;.____________■----------------------—-------_''------- �...�,.�0-....-...................________—-—- Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnferatenteil verantw.: TH. Glocke Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei v. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., fdewnöW»