Mr. 284. HbonnemcntS'BedingQiigtft: Abonnements- Preis dränumerand»! Bierteljährl. 3.3V Mt, monatl. t.lv Mt, Inöchcntlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags. nunimcr mit illustrierter Tonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post« Abonnement: 1,10 Marl pro Monat Eingetragen in die Post-ZeitungS« Preisliste. Unter 5lreuzband ,ür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis, 29. Jahrg. Ctldtönt tiglld) iitScr lilontagj. Vevlinev Volksblntk. Die McrtionS'Gebüfir beträgt für die lechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Rouin KV Pfg. für Politische und gcwerlschastliche Berciiis. und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Mnseigen", das fettgedrullte Wort 20 Pig.(zuläfstg 2 jeltgedriiate Worte), fcdes weitere Wort 10 Pia. Stellengesuche und Schlafstellenan- geigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buch. slaben zählen für zwei Worte. Aiiscrale sür die nächste Nummer müsse» bis B Uhr nachmillags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcostiicl. Telegramm-Adresse: ..SttlSliliMSll»» kis»»-. ZcntvzXorqun der fozialdcmolerat» fehen Partei Deutfcblands. Redaktion; 8Rl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1983. Donnerstag, den 3. Dezember 19�2. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Der Kulturkampf als Retter. Wenn es nach dem Willen des Zentrums ginge, so würde die E t a t s d e b a t t e im Reichstage sich zu einer ganz gewöhnlichen Kulturkampfrauferei iiber das Jesuiten- g e s e tz entwickeln. Herr Spahn hat in der Mittwochsitzung des Reichstages als Etatredner des Zentrums über nichts anderes gesprochen als über die angebliche Verschärfung des Jesuitengesetzes durch den Beschluß des Bundesrats, den dieser jüngst als Antwort auf die bayerische Sonderbündelei gefaßt hat. Tie Drahtzieher des Zentrums verstehen sich auf Regiekünste. Sie hatten durch ihre Presse, durch Äeuße- rungen verantwortlicher und unverantwortlicher Zentrums- Politiker, großer und kleiner Geister die Oeffentlichkeit und die Männer der Regierung rechtzeitig und zielbewußt auf die große Aktion vorbereitet. Alle waren sie vertreten, die großen Staatsmänner, in deren Händen das Schicksal des Deutschen Reiches ruht, vom Reichskanzler bis zum letzten Regierungsassessor, mnd alle lauschten sie andachtsvoll den kirchenpolitischen, religiösen und juristischen Offenbarungen, die Herr Spahn mit friedlichem Gesicht vor sich hin murmelte. Und als der große Mann mit einer unverblümten Kriegs- Erklärung an den Reichskanzler unter stür- mischem Beifall seiner Fraktion schloß, durfte ein naiver Neu- ling anehmen, ein Lüftchen von Sturmesbrausen der Ge- schichte habe sich in das„hohe Haus" verirrt. Und prompt erhob sich auf sein Stichwort der Herr- Reichskanzler und— nahm den Fehdehandschuh nicht auf. Er machte einige bescheidene Umblicke in die weiten Gebiete der Geschichte und Philosophie, redete dem zornigen Zentrum begütigend zu, strich besänftigend dem kleinen Zentrums- gernegroß in München über den Scheitel, erhob seine warnende Kassandrastimme, auf daß Deutschland vor religiösen Kämpfen früherer Zeiten bewahrt bleiben möge, und setzte sich schließlich. Und damit hatte die historische An- gelegenheit für Mittwoch ihr Ende erreicht. Dem konscr- vativen Graf W e st a r p. der dem Zentruin gut zuredete und es der Freundschaft der Konservativen versicherte, auch wenn diese die Jesuitenwiinsche des Zentrums nicht erfüllen könnten, hörte niemand mehr zu. Die weitere Politik des Tages wurde in der Wandelhalle gemacht. Warum diese Haupt- und Staatsaktion des Zentrums? Ist die Jesuitenfrage an sich so wichtig? Die Frage stellen, heißt sie beantworten und verneinen. Die Jesuiten werden durch ein kleinliches politisches Ausnahmegesetz an der vollen Entfaltung ihrer jesuitischen Künste in Deutschland gehindert. Obwohl diese Künste nach authentischer Versicherung des Zentrums in erster Linie gegen die Sozialdemokratie spielen würden, ist die Sozialdemokratie die einzige Partei außer dem Zentrum, die ohne weiteres die Aufhebung dieses Aus- nahmcgesetzes aus grundsätzlicher Gegnerschaft gegen politische Ausnahmegesetze verlangt. Im übrigen hat die ganze Jesuitenfrage keine Bedeutung. Ob zu den vielen echten und verkappten Jesuiten geschorener und gescheitelter Observanz, im priesterlichen Gewände und im Smoking des Staats- mannes, noch einige waschechte Jesuiten mehr nach Deutsch- land kommen, ist eine ganz gleichgültige Frage und lohnt nicht den hundertsten Teil der Aufregung, in die das Zentrum sich und seine Gegner in dieser Frage künstlich hineingetrieben hat. Es ist dem Zentrum auch gar nicht so ernst mit der An- gelegenheit. wie es sich nach außen deswegen geberdet. Das Zentrum braucht nur wieder einmal eine kochende Volks- seele, es muß Differenzen verschleiern, die ihm nach innen und nach außen viele Schwierigkeiten verursachen. Es muß vqr allen Dingen die Augen der Welt von der fatalen Enzyklika des Papstes ablenken, die danach angetan ist. den Keim der Zwietracht in die katholischen Arbeitermassen hineinzutragen, llnd sür solche Zwecke eignet sich immer noch am besten ein srischsröblicher Krieg nach außen, ein lärmen- des Kanipfaetöse zugunsten der lieben Jesuiten. Es ist die alte Methode schlauer Fürsten. Zwiespalt im Innern durch Gelckrei über den Feind vor den Toren zu ersticken. Und die bürgerlichen Parteien scheinen geneigt, auf diesen Leim des Zentrums zu kriechen! Tie Sozialdemokratie dagegen denkt natürlich nicht daran, sich zu den politischen Geschäften des Zentrums mißbrauchen zu lassen. Unser Etatsredner am Mittwoch. Ge- nosse Frank, hat in einer geschickten Rede, in der er die sackiliche Erörterung und Kritik am gegebenen Orte je nach- dem durch zornvolle Entrüstung oder durch überlegene Satire belebte, die Zentrumsangelegenheit so behandelt, wie sie es verdient: spöttisch fragte er die Herren Spahn und Konsorten, wann sie endlich mit ihrem Antrage auf Aushebung des Jesuitengesetzes herauszurücken gedächten, oder ob sie wieder wie in der Duellfrage nach einer lächerlichen Entrüstungs- komödie schnell ihren Frieden mit der Regiermig zu machen oedächten?.„ Aber das war eine beiläufige Schlußbcmerkung Franks. Seine eigentliche Rede galt. wie. es sich gebührt, dem Etat und der Erörterung der inneren politischen Lage Deutschlands. Für diese spielen nicht religiöse Querelen die entscheidende Rolle, für die große Masse des Volkes stehen andere und wichtigere Fragen im Mittelpunkte des öffentlichen Interesses. Aus welchen Quellen stammen die Milliarden, die das Reich alljährlich vereinnahmt, und wofür werden sie ausgegeben? Wieder ergibt sich auch in diesem Jahre, daß der Anteil, den die breiten Massen an den Lasten des Reiches zu tragen haben, sich vergrößert, ohne daß die Ausgaben des Reiches den Massen in vermehrtem Maße zugute kommen. Wann kommt die legendenhafte Besitz- steuer? Warum behandelt die Regierung diese Angelegenheit so geheimnisvoll wie Kinder ihre Weihnachtsarbeiten? Und dann wandte sich Genosse Frank den Fragen zu, die die deutsche Arbeiterklasse im besonderen inter- essieren. Er wies die kulturelle Notwendigkeit der G e- Werkschaftsbewegung nach und stellte dieser be- deutungsvollen Kulturerrungenschast die kleinliche und feind- liche Haltung der Regierung gegenüber. Noch ist das Koalitionsrecht nicht ein unangetastetes Recht des deutschen Arbeiters, die Regierung schützt es aber nicht vor der Brutalität der Untcrnehnier, sondern mißachtet es selbst, soweit ihre Beamten und Arbeiter in Frage kommen. Wenn sich die Arbeiter m materiellen Fragen selbst helfen wollen, wie durch die geplante Gründung der V 0 l k s f ii r s 0 r g e, unterstützt die Regierung nicht dieses wertvolle Streben, sondern sie sucht ihm entgegenzuarbeiten. Die Freien Volksbühnen, diese wichtigen Stätten der Volksbildung, sind den kleinlichen Verfolgungen von Polizei und Zensur ausgesetzt. Die Arbeitswilligen werden vor dem an- geblichen Terrorismus der organisierten Arbeiter geschützt, die großen Schnapsbrenncr dürfen aber ohne Gefahr sür Leib und Seele die ärgste Vergewaltigung kleinerer und mittlerer Kollegen ausüben. Die Sozialpolitik rückt nicht vom Flecke, in der Wohnungsfrage, deren Förderung der Reichstag durch ein einstimmiges Votum wünscht, geht es im Tempo des Krähwinkeler Landsturmes vorwärts, die Wahlrechte werden verschlechtert statt verbessert, aber wenn ein hohenzollernschcr Prinz als oberste Tugend des Bürgers den Gehorsam preist, so nimmt das Bürgertum diesen staatsbürgerlichen Unterricht gehorsam und wider- spruchslos entgegen. Frank hatte den für einen Sozialdemokraten seltenen Vorzug, während des größten Teiles seiner Rede den Reichs- kanzler unter seinen Zuhörern zu haben. Frank unterließ es daher nicht, bei den meisten Fragen, die er erörterte, den Reichskanzler zur Aktivität aufzufordern. Aber was kümmert Herrn Bethmann das Wohl und Wehe der Arbeiterl Er war erschienen, um dem Zentrum Rede und Antwort zu stehen. Das hat er getan, und damit war seine staatsmännische Auf- gäbe am Mittwoch erfüllt. Wir beklagen uns selbstverständlich nicht weinerlich iiber diese Mißachtung der Arbciterinteresscn durch den Kanzler des Deutschen Reiches. Wir sind diese Verständnislosigkeit der regierenden 5�aste den Wünschen des Volkes und des Kulturfortschritts gegenüber gewöhnt. Aber wir nehmen sie natürlich auch nicht gleichmütig hin, wir ziehen daraus unsere Folgerungen sür unfern Kampf. Der Kampf der Sozialdemokratie gegen die Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien ist aber kein anfge- donnerter Theaterspektakel wie die gelegentlichen Entrüstungs- komödien des Zentrums. Er ist die stete, unerschöpfliche Quelle unserer Kraft und unserer zunehmenden Macht im deutschen Volke.— (Menftillftand ohne Griechenland« Bulgarien. Serbien und Montenegro haben den Waffen- stillstand mit der Türkei unterzeichnet. Griechenland hat eine Frist von 24 Stunden verlangt, um zu entscheiden, ob es sich der Unterzeichnung anschließen werde oder nicht. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß Griechenland in seiner Isolierung verharren werde, um so weniger, als es bereits ankündigen läßt, es werde sich jedcns falls an den Fri e d en s- Verhandlungen beteiligen, die am 13. Dezember in London beginnen werden. Trotzdem zeigt der Vorfall, wie groß die Unstimmigkeiten zwischen den Siegern geworden sind, die sich über die Verteilung der Beute nicht einigen können. Jnsbesonders scheint zwischen Bulgarien und Griechenland die alte Feindschaft wieder aufzulodern und in dem Streit, wem Saloniki zufallen soll, neue Nahrung zu finden. Die Bedingungen des Waffenstillstandes sind für die Türkei ziemlich ungünstig; namentlich in der viel umstrittenen Frage der Festungsverproviantierung sind die Bulgaren fest geblieben, und die Türkei darf ihren eingeschlossenen Plätzen keine Lebensmittel zuführen. Dies muß dazu beitragen, das Zustandekommen des endgültigen Friedensschlusses zu be- schleunigen. Bis zum Friedcnschlusse scheint auch Oesterreich- Ungarn seine Auseinandersetzung mit Serbien vertagen zu wollen, da ja erst dann feststehen wird, welches Gebiet die Serben eigentlich beanspruchen. Das englische Regierungs- blatt, die„Westminster-Gazette". schreibt heute zu dieser Frage: „Wenn die Mächte gut beraten sind, so werden sie alles tun. um den Balkanbund zusammen halten und Serbien warnend darauf aufmerksam zu machen, daß es durch Demonstrationen und Agitation in diesem Stadium nichts ge- Winnen wird, während sie ihr Bestes tun würden, seine Wirt- schaftlichen Bedürfnisse nach Beendigung de? Krieges zu berück- sichtigen. Oesterreich-Ungar» wird hoffentlich definitiv zu dem Scklufie kommen, daß es sich leisten kann, zu warten- Denn eS ist ganz klar, daß, wenn die Frage durch friedliche Diplomatie gelost wird, eS nichts zu fürchten hat. Wenn die Vertreter der Mächte um den Kouferenztisch sitzen, werden sie mit dem, waS im serbischen Anspruch exzessiv ist, kurzen Prozeß macken." In der Tat werden die Schwarzgelben schließlich sich dazu bequemen müssen, eine Frage friedlich zu bereinigen, um derentwillen Krieg zu führen überall in Europq für Wahnsinn und Verbrechen angesehen wird. Und auch Herr Prochaska, den sich die Wiener Kricgspartei noch immer in Reserve hält, wird wohl nicht als ausreichende Veranlassung sür die Entfesselung eines Weltkrieges angeschen werden. Nach- ! dem sich die Erzählungen von seiner Verwundung oder gar von : seiner Ermordung als dreister Schwindel herausgestellt habcu, gefallen sich die Wiener Offiziösen jetzt in dunklen Anden- tungen über das Schreckliche, das die Berichte des Konsuls enthalten werden; die Serben hätten in Herrn ProchaLka das Völkerrecht und die Ehre Oesterreichs mit Füßen getreten und das werde sofortige Genugtuung fordern. Verweigere König Peter demütige Abbstte, dann müsse der Schimpf nnt Blut abgewaschen werden. Man wird gut tun. auch dieser so lange voraus angekündigten Entrüstung gegenüber ruhig Blut zu bewahren. Man wird sich vielleicht daran erinnern, daß Ucbersetzungen aus dem Serbischen ins Oestcrreichische nicht immer genau sind und daß 1909 in einem sensationellen Prozeß gegen Dr. Friedjung der Nachweis geführt worden ist, daß die offiziellen Dokumente, deren sich dieser Herr be- diente. Fälschungen waren, die aus der österreichischen Ge- sandtschaft in Belgrad stammten. Aber selbst angenommen, daß Serbien sich wiederholt Verletzungen des Völkerrechts oder sonst der Rechte des Herrn Prochaska habe zuschulden kommen lassen, so wäre das sicher noch kein Grund zu einer Massenschlächtcrei. Wenn vielmehr irgend ein Vorkommnis geeignet wäre, vor dem H a a g c r Schiedsgerichtshof zum Austrag gebracht werden zu können, so sicher diese Affäre, die durchaus nach sicheren Grundsätzen des internationalen Rechts entschieden werden könnte. Käme es anders, so läge die Schuld nicht daran, daß der Weg, sondern daran, daß der Wille fehlte. Unterzeichnung des Waffenstillstandes. K 0 n st a n t i n 0 p c l. 3. Dezember. Der Waffen. stillstand zwischen der Türkei und Bulgarien. Serbien und Montenegro ist unterzeichnet worden. Die Bedingungen. Sofia. 4. Dezember.(Meldung der Agence Bulgare.) Der Waffenstillstand wurde gestern abend 8 Uhr in Tschataldscha unterzeichnet, und zwar nach dem von Danew vorgeschlagenen Text, der folgende Bedingungen festsetzt: 1. Die kriegführenden Heere bleiben in ihren Stellungen: 2. die belagerten Festungen werden nicht neu vrr- proviantiert; 3. die Zufuhr von Lebensmitteln für die bulgarische Armee wird über das Schwarze Meer und Adrianopcl ge« schehcn, und zwar vom zehnten Tage nach Abschluß des Waffenstillstandes ab: 4. die Friedensverhandlungen werden am 13. Dezember in London beginnen. Griechenland hat eine Frist von 24 Stunden ver- langt, um sich der Unterzeichnung anzuschließen. Im Faste des Nichtanschlusses wird die griechische Regierung gleichwohl an den Friedensverhandlungen sich beteiligen. Nähere Bestimmungen. Konstantinopel, 4. Dezember. In dem unterzeichneten Waffenstillstandsprotokoll heißt es: Um die Feststellung der Friedenspräliminarien zu ermöglichen, haben die Negierungen der Türkei, Bulgariens, Serbiens und Mon- tenegros einkm Waffenstillstand auf unbestimmte Dauer abgeschlossen. Wenn die beiden Parteien sich iiber die Friedensbedingungelr nicht einigen und die Fortsetzung des Krieges notwendig werden sollte, so müssen sich die Kriegführenden gegenseitig 48 Stunden vorher von der Wiederaufnahme der Feind» seligkeiten in Kenntnis setzen. Die den Kontakt ver- hindernden neutralen Zonen werden von den General- stöben der beiden Parteien festgesetzt. Zur Festsetzung der .Boitcit werden die Montcnögriner Sondergesandte ita'ch Skutari. die Bulgaren solche nach Adrianopel und die Serben solche zur Westarmee entsenden. Diese Delegierten werden sich mit den türkischen Delegierten auseinandersetzen. Die türkische Meldung. Während die amtliche bulgarische Meldung besagk, Jjajj die Teilungen nicht mit Lebensmitteln versorgt werden dürfen, heißt es in einem Telegramm auZ Konstantinopel, die Regierung treffe bereits Verfügungen, um Lebensmittel nach Adria- nopet und Skutari zu senden. Die Bevölkerung der be- lagorten Plätze wird die Freiheit haben, z>u gehen, wohin sie will. Gegenüber der bulgarischen Nachricht erscheint die türkische wenig vertrauenerweckend. Di« Haltung Griechenlands wird natürlich von der türkischen Presse als Beweis für das mangelnde Zu- sammen halten des Balkanbundes angeschen. Die Türkei werde den Krieg gegen Griechenland fortsetzen, bis dieses den Standpunkt der Türkei anerkenne. Griechenland forderte für die Zustimmung zum Waffenstillstand die Uebergabe von Janina und ChioS, wo di« Feindseligkeiten noch fortdauern. Di« Aufhobung der Blockade ließ Griechenland nicht zu. In der T sch a ta ld s ch ali n i e ist mit dem Bau von Baracken «für die Ueborwinterung der türkischen Truppen be- gönnen worden, Letzte Kämpfe. RjeCn, 4, Dezember. Nach Berichten des Generals Mar- tinowitsch haben die Türken gestern auf der langgestreckten Linie vom Flusse Kirr bis Vraka einen scharfen Ausfall gegen die montenegrinischen Stellungen unter- nommen mit der Absicht, die feindlichen Linien zu durch- brechen. Auf beiden Seiten entwickelte sich ein heftiges G e w e h r f e u e r, in das auch eine Maschinengewehr- abtcilung eingriff. Nach mehrstündigem Kampfe gelang es den Montenegrinern, die Türken unter starken Verlusten znrückzuwerfen, eine den T a r a b o s ch beherrschende Höhe unterhalb des Schiroka Gora zu besetzen und dort Batterien aufzustellen. Dadurch erscheint die Stellung der Montenegriner erheblich vorteilhafter für das weitere Vor- gehen gegen Skutars. Die Montenegriner verloren gestern sechs Mann und einen Offizier sowie mehrere Verwundete. Die Verluste der Türken sollen bedeutend sein. Die Lage in Adrianopel. Konstantinopel, 4. Dezember. Nachdem die funkenielegraphische Verbindung mit Adrianopel lange Zeit unterbrochen war, ist sie nunmehr wiederhergestellt worden. Der Kriegsminister hat vor- gestern eine Funksprechmeldung vom Platzkommandanten erhalten, die ankündigte, daß er genügend Lebensmittel und Munition besäße, und daß ein Widerstand noch für einen Monat möglich wäre. In der vergangenen Nacht habe im Wvsten ein unbedeutender Gewehrkampf stattgefunden; um Mitternacht erfolgte ein schwaches Bombardement, das keine Wirkung aufwies. Um 2 Uhr nachmittags dauerte ein ulibcdechendes A r- iilleriefeuer aus der südlichen Seite an. Der Konferenzvorschlag. Wien, 4. Dezember. Der österreichisch-iingarischen Nc- gicrung liegt heute der f o r m e l l e V o r s ch l a g der eng- tischen Regierung für eine Zusammenkunft der in einer Hauptstadt beglaubigten Botschafter zur Besprechung der aus dem Balkankrieg entstandenen Fragen vor. Die Lsterreichisch-ungurische Regierung wird zu dem Vorschlag, der hier eine sympathische Ausnahme und wohl- wollende Beurteilung findet, im Verein mit ihren Verbünde- tcn Stellung nehmen. Wie verlautet, handelt es sich nicht um eine Konferenz, die bindende Beschlüsse fassen soll, sondern um eine Zusammenkunft der Botschafter, durch deren Besprechungen die späteren Verhandlungen der Groß- mächte vorbereitet und beschleunigt werden sollen. Die österreichischen Krirgsgesetze. Wien, 4. Dezember. Der Justizausschuß beS Wgeord- nctenhauscS lehnt« bei der Beratung über das Kriegs- l eist ungS g esc tz mit 14 gegen 9 Stimmen> ben Antrag des Sozialdemokraten! Wityk betvesfewd die Einholung eines Gutachtens dreier Unwersitätsprofessoren ab, nachdem Mimsterpräsident Graf S t ü rgkh sich gegen den Antrag aus- gesprochen hatte, den er als ein durchsichtiges VerschleppuugS- Manöver bezeichnete. I m ungarischen Reichstag« wurden di« Ausnahme»- gesetz« für den Kriegszustand pach einer kurzen Ansprache des Landesverteidigungsministers ohne Debatte ein st immig an- genommen. Im Reichstage war die Opposition natürlich nicht vertreten, und von der Regierungspartei waren insgesamt kaum 79 Abgeordnete anwesend. Eine Borsammlung der vereinigten« OppositionS- Parteien erklärte,«daß Ungarn wohl geneigt fei, in einem etwaigen Kriege di« größten Opfer zu bringen, daß aber die V o l l- machten, welche der Regierung und den Militärbehörden ein- geräumt würden, a llzuwe i tgehe nd seien. Namentlich wuvde beanstandet, daß der Ausnahmezustand nicht nur während eines Krieges, sondern schon angesichtseinerdrohen- den Kriegsgefahr verhängt werden könne. Serbien lenkt ein. Belgrad. 4. Dezember. Die offiziöse„Samouprawa" veröffentlicht eine Note, in der es heißt, daß Serbien eilt- schlössen sei, sich der Entscheidung der Mächte über die Unabhängigkeit Alba mens und in der Adrjghafenfrage zu Ujnlterwerfen. politilcbe Uchcvficht. Berlin, den 4. Dezember 1912. DaS rebellische Junkerparlament. In kleinen Dingen groß hat sich daS preußische Abgeordnetenhaus, das in großen Dingen so klein zu sein pflegt, am Mittwoch erwiesen. In den Räumen in der Prinz-Albrecht-Straße. wo sonst selten ein Mißton die Harmonie zwischen der reaktionären Landtags- Mehrheit und der ebenso reaktionären Regierung zu stören pflegt, zog man m einer Weise vom Leder, daß ein Uneingeweihter glauben konnte, die vitalsten Interessen des preußischen Volkes ständen auf dem Spiele. Um was aber handelte es sich in Wirklichkeit? Die preußischen.Volksvertreter' haben schon lange den Wunsch, sich von ihrer anstrengenden Tätigkeit ab und zu im Freien zu erholen. Nun befindet sich zwar ans dem LandtagSgrundstück ein wuuder- schöner Garten, aber den Erwählten der Zweiten Kammer ist der Eintritt bei Strafe verboten; nur wer die hohe Ehre hat. Mitglied der Ersten Kammer zu sein, darf dort lustivandeln. Voller Neid blicken die Ausgeschlossenen auf ihre Oberkollegen, und der Traum ihrer schlaflosen Nächte bildet«in mindestens ebenso schöner, wo möglich»och schönerer Garten. Geeignet hierfür erscheint ihnen das Nachbargrundstück in der Prinz-Albrecht-Straße, das sie nur allzu gern erwerben möchten. Aber sie haben ihre Rechnung ohne den Eigentümer, die Heeresverwaltung, gemacht. Die Hoffnungen, doch noch in den Besitz des gewünschten Gartens zu gelangen, sind jäh zu schänden geworden durch daS Vorgehen de? Reichskanzlers, neben dessen Palais sich ein Park befindet, der ehemals dem Fürsten Pleß gehört, später jedoch in das Eigentum von Spekulanten übergegangen ist. Diese wieder haben ihn einer Berliner Möbelfirma verkauft, die ein Geschäftshaus durauf errichten will. Das muß verhindert werden, denn darunter leiden nicht nur „militärische' Interessen, wie die Regierung früher einmal erklärte, sondern in noch höherem Maße die Ruhe des Reichskanzlers, der dann nicht mehr ungestört für das Wohl des deutschen Volles sorgen könnte. So ist denn Herr v. Belhinann Hollweg auf den genialen Gedanken gekommen, mit der Möbelfirma ein Tauschgeschäft zu machen; sie tritt ihm das ehemals Fürst Pleßsche Grundstück ab und erhält dafür das Grundstück neben dem Abgeordnetenhanse. Schön ist daS von dem Reichskanzler gerade nicht, aber war dies Verhalten wirklich geeignet, die Dreillaffenuiänner so rebellisch zu machen, daß sie nichts mehr und nichts weniger als die sofortige zwangsweise Vorführung Bethmannö verlangten? Gewiß hatten die Herren S t r o s s e r sk.), L i p p m a n n(Vp.) und Dr. Friedberg(natl.) völlig recht, als sie die Nichtachtung der Regierung gegenüber de» Wünschen des Abgeordnetenhauses aufS schärfste mißbilligten, eine Nichtachtimg, der die Regierung die Krone dadurch aufsetzte, daß sie an Stelle der verantwortlichen Minister einige Kommissare zu der Verhandlung entsandte, die durch ihr un- geschicklcs Auftreten die Erbitterung nur noch steigerten. Wir sind auch die letzten, die etwas gegen den Antrag der Fortschrittler ein- zuwenden haben, auf Grund der Verfassung die Anwesenheit des Ministerpräsidenten und des Kriegsininisters zu verlangen und bis dahin die Verhandlungen auszusetzen. Aber daran muß bei dieser Gelegenheit denn sdoch erinnert werden, daß die Mehrheit des Ab- geordnetenhauses, die diesem Antrage zustimmte, vor einigen Monaten einen sozialdemokratischen Antrag auf Zuziehung der Minister abgelehnt hat. Damals waren weder daS Zentrum, noch die Nattonalliberalcn dafür zu haben. Allerdings handelte es sich damals ja auch nur um die Frage des— Wahlrechts. Immerhin ist es erfreulich, daß das Abgeordnetenhaus sich zu diesem Schritte entschlossen hat. Hoffen wir, daß es sich auch in Zukunft bei wichtigeren Anlässe» auf seine verfassungsmäßigen Rechte besinnt I Das kann seinem Ansehen nur förderlich sein. Vorher hatte das Haus die Interpellation Wallenborn(Z.) und Genossen betr. den Notstand in den rheinischen Winzerkreisen besprochen. Die Debatte, in der Liebknecht warm für die not- leidenden Winzer eingetreten ist, wird auch diese Schichten der Be- völkerung darüber aufklären, daß ihre Interessen am wirksamsten von der Sozialdemokratie wahrgenommen werden. In vorgerückter Stunde erhielt der Fortschrittler Kopp daS Wort zur Begründung der Interpellation über daS Vorgehen des Berliner Polizeipräsidenten gegen den Verein Berliner Feuerwehrleute. Was er sagte, war ebenso wenig neu, wie die Erwiderung des Pölizeiministers v. Dallwitz, der das Borgehen des Berliner Polizeipräsidenten rechtfertigte und in allen Ton- arten sein bekanntes Lied mit dem Refrain sang: Die Beamten haben wohl das Koalitionsrecht, aber wehe, wenn sie davon Gebrauch macheu l Die Beratung der Interpellation soll erst nach Beendigung der dritten Lesung des Wassergesetzentwurfs erfolgen, die am Donnerstag beginnt._ Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bestimmte Mittwoch abend für eine Reihe kleinerer Gesetzentwürfe die Redner. Zu den Jugendgerichten werden sprechen Rühle und Stadthagen. Zum Gesetz über die Konkurreuzklausel Giebel und Dr. Ouarck. Zur interliatioualen Vereinbarung über das Patentrecht wird Genosse H a a s e eine Erklärung abgeben. Die Fraktion behandelte dann in eingehender Weise den Gesetz- entwurf über das Petroleummonopol. Als Redner bestimmte die Fraktion die Genossen Wurm, Frank und Henke. Der Papst ist mit den deutschen Bischöfe» znfrieden. Die„Acta Apostolicae Scdis" veröffentlichen einen Brief des Papstes an den Kardinal Kopp, worin er den deutschen Bischöfen seine Genugtuung ausdrückt über die Ergebenheit, mit der sie die Enzyklika über die christlichen Gewerkschaften aufgenommen haben. Gleichzeitig spricht der Papst den Wunsch aus, daß am Konstantinfeste alle Katholiken ermuntert werden möchten, die Freiheit der Kirche eifrig anzustreben. Konservative Verlogenheit. Die„Kreuzzeitung' gibt in ihrer Morgenausgabe vom Mitt- wach, den 4. Dezember,(Nr. 568) einen neuerlichen Beweis ihrer Verlogenheit. Genosse Dr. David hatte am Dienstag im Reichstag festgestellt, daß die Rede, die Gen. Scheidemann in Paris gehalten hat, gefälscht worden ist, und Herr Dr. Oertel, der darauf noch einmal aus diese Angelegenheit eingegangen lvar, mußte nach einer persönlichen Bemerkung Scheidemanns den Rückzug antreten, den er sich mit �der Versicherung etwas zu erleichtern suchte, daß er an dieser Fälschung unschuldig sei. Was leistet sich nun aber die „Kreuzzeitung"? In ihrem Entrcfilet über«die Reichstagssitzung sagt sie: „Völlig mißlang dem Abg�Dr. David aber die M o h r e n- Wäsche, die er an dem Abg. Scheidemanu wegen seiner Rede in Paris vornahm." Das steht auf der ersten Seit« i>er Beilage der Nr. 568 des ehrenwerten Blattes. Auf der dritten Seite der gleichen Beilage aber ist im Bericht über die Verhandlungen des Reichstags zu lesen: „Abg. Scheidemann(Soz.) konstatiert, daß das Referat über seine Pariser'Rede auf einer Fälschung beruhe. Er habe nichts derartiges gesagt,>vas ihm in den Mund gelegt sei. Abg. Dr. Oertel: Der Abg. Scheidemann hat mein persöw- lichcs Verhalten nicht angegriffen. Ich bin an der Fäl- s ch u n g nicht beteiligt. Ich habe nach französischen Blättern und Telegraphenbureaus zitiert uttd den Irrtum sofort richtiggestellt." Die„Kreuzzeitung" straft sich also selber Lügen. Genosse Scheidemann hat am Dienstag im Reichstag ziemlich unverblümt erklärt, daß er jeden, der nach erfolgter Klarstellung die Fälschung noch weiter verbreite, als Verleumder betrachten müsse. Das „vornehme" Organ glaubte wahrscheinlich alz erstes sich diese Be- Zeichnung verdienen zu sollen. Zu einem groflen Krach ist eZ im Lager der Fortschrittlichen Volkspartci in Königsberg i. Pr. aus Anlaß der Besetzung der durch den Tod des Landtagsabgeord« neteu Gyßling erledigten Landtagskandidatur gekommen. Am 10. Dezember sollen bereits die Wahlmännerwahlen, und am 20. Dezember die Wahl des Abgeordneten stattfinden, und noch ist keilte Einigung im Lager der Fortschrittspartei über den Kandidaten erzielt. Wohl hat der Wahlvere!» der Fortschrittlichen Volkspartei. Justizrat Dr. Lichtenstein zum Kandidaten aufgestellt, doch einflußreiche Mitglieder der Partei erklären öffentlich, daß diese Aufstellung als eine endgültige nicht zu betrachten sei. Die Wahlmänner sollten auf keine Verpflichtungen ein- gehen. Und auch der Vorstand der nationalliberalen Partei, mit dem die Diszipliubrecher Hand in Hand gehen, erläßt ähnliche Bekanntmachungen. Der Wirrwarr ist groß, ebenso die Entrüstung im Lager derjenigen, die zu Lichtenstei» halten. Man spricht öffentlich von einer Spaltung der Partei, von einem„Dis- ziplinbruch"; andere wiederum versuchen der Gegenpartei durch„ver- söhnliche" Reden eine goldene Brücke zu bauen und ihre» Sünden- fall mit Milde und Nachsicht zu behandeln. Eingebrockt hat sich diese ganze Suppe der Freisinn selber. Er hat seit Jahren ein Bündnis mit den Nationalliberalen unterhalten. Diese haben schon von den drei Landtagsmaildaten, die in Königsberg Stadt-, Land- und Kreis Fischhansen zu besetzen sind, eins in Besitz; die anderen beiden gehören dem Freisinn. Jetzt, wo eine Ersatzwahl stattfinden soll für ein erledigtes freisinniges Mandat, sind die Nationalliberalen dagegen, daß die Fortschrittliche Volkspartei einen ihrer Führer als Kandidaten aufstellt. Sie wünschen, daß jemand kandidiert, der zu ihrer Richtung hält. Und doch haben die Nationalliberalen wohl annähernd ein Dutzend Führer, aber fast gar keine Massen hinter sich. Das schönste ist, daß zu ihnen noch eine Reihe angesehener und einflußreicher Fortschrittler hält. Das sind die Früchte jahrelanger„unentwegter' Kompromisselei. Herr Stresemann als Sammelkandidat. Wie die„Nationalliberalc Korrespondenz" mitteilt, ist�im erledigten Wahlkreis Reuh ä. L. von den Nationalliberalen Syn- dikus Dr. Stresemann als Kandidat für die Ersatzwahl aufgestellt worden. Die Unterstützung der Fortschrittichen Aolkspartei steht in sicherer Aussicht. Auch mit der Rechten sind Verhandlungen angeknüpft, um das gesamte Bürgertum unter einer Fahne gegen die Sozialdemokratie zu sammeln. Vorerst ist die Sammlung noch keine lückenlose, denn der Bund der Landwirte hat natürlich wenig Lust, Herrn Stresemann zu unterstützen, der bei der Nachwahl in Oletzko-Lyck kein gutes Haar am Bunde ließ. Seit 1887 Hill es im Wahlkreis Rcuß ä. L. keine Stichlvahl mehr gegeben. Die bürgerlichen Parteien haben dort abwechselnd unter der Flagge der Neichspartei, der Konservativen oder der Na» tivnalliberalen gekämpft. Wir eroberten den Kreis zum erstenmal 1877 mit dem Genossen Bios; 1378 unterlagen wir; 1831 und 1884 siegte ivieder Blas, der 1884 wegen Toppclwahl ablehnte, worauf Genosse Wiemer gewählt wurde. 1887 ging der Kreis au di« Reichspartei verloren, von 18V9 bis 1693 wurde Genosse Förster stets im ersten Wahlgang gewählt. Bei den Blockwahlen 1697 unterlagen«vir im ersten Wahlgang den Konservativen; 1612 sieg- ten wir aber wieder mit 8542 gegen 3894 nationalliberale und 3316 fortschrittliche Stimmen. Die Ersatzwahl ist auf den 19. Dezember festgesetzt. Königlich preußische Beamtenfürsorge. In dem Reiche des preußischen Landwirtschaftsministers, Frhrn. von Schorlemer-Lieser, herrscht bekanntlich ein äußerst realtionärer, beamten- und arbeiterfeindlicher Geist. Trotz alledem dürste eine „Anregung", die in diesen Tafjen von einer dem Minister unter- stellten Regierungsbehörde erging, allgemeines Erstaunen auslösen. Die erzkatholische Provinzialhauptstadt Münster, in deren Mauern Herr von Schorlemer vor vierzehn Tagen an wohlgedeckter Tasel beim Jubiläumsfest des Westfälischen Bauernvereins über angebliche Unterernahrung spöttelte, ist Sitz einer sogenannten General- kommission. Und eben von dieser Generalkommission ist. wie jctzr bekannt wird, vor etwa drei Wochen ein sehr befremdliches Schreiben an die untergeordneten Spezialtommisiare gesandt worden. Dieses echt preußische Kulturdokument verdient der Mitwelt im Wortlaut überliefert zu werden. Es lautet: Münster, den 11. November 1612. Königl. Generalkommission. Aus Anordnung des Herrn Ministers machen wir die Herren Spezialkommistare darauf aufmerksam, daß bei Bemessung der Bureaukostenenlschädigung keine Rücksicht darauf genommen werden kann, wenn die Herren Kommissare Gehälter zablen, die in ihrem Gesamtbeträge für alle aus dem Bureau beschäftigten Privat- gehilfen zusammen über daS normale Maß hinausgehen. E S empfiehlt sich, nur jüngere Kräfte anzunehmen und diese durch andere jüngere Kräfte zu ersetzen, wen» jene sich verheiraten sollten. gez. Ascher. An sämtlichen Herren Spezialkommissare. Ob die in dem Schlußsatz ausgesprochene„Empfehlung" auch von Herrn Schorlemer-Lieser herrührt, geht mit Sicherheit nicht aus der Fassung des empörenden Schreibens hervor. Andererseits sieht einer solchen Schlußfolgerung aber auch nichts entgegen. Die Beamten, um die es sich handelt, sind mit die am schlechtesten be- soldeten. Gehälter von 60 und 79 M. sind keine Seltenheit. Erst nach langjähriger Tätigkeit erreicht daS Gehalt die schwindelhaste Höhe von 100 M. im Monat. Klerikale Schmutzliteratur. Gelegentlich der Beratung eines liberalen Antrages im bayeri- scheu Landtag, die Regierung möge Mittel zur wirksamen Bekämpfung der Schmutz- und Schundlitertur zur Verfügung stellen, kam es zwischen dem Zentrum und unseren Genossen, die de» liberalen An- trag unterstützten, zu einem heftigen Zusammenstoß. Der Zentrums- abgeordnete Freiherr v. Francken st ein machte in seiner an- geborenen Aufgeblasenheit die Bemerkung, er nehme für sich und seine Fraktion in Anspruch, daß über Fragen der Sittlichkeit mit den Sozialdemokraten überhaupt nicht verhandelt werden könne. Auf diese provokatorische Anrempeluiig hin beschäftigte sich Genosse Ed. S ch m i d mit der von dem ultrainontauen Nuditätenschnüffler Dr. Kausen zusammengetragenen Sammlung aus dein Gebiete der Schmutzliteratur und erteilte dabei den Klerikalen eine derbelLeklio», indem er ein Gedicht auf den Tisch des Hauses niederlegte, daS in der Eisenbahndireltion München hergestellt, auf gestohlenein staat- lichen Papier vervielfältigt und unter dem Kanzleipersonal verteilt worden war. Schmid führte hierzu aus, das Produkt sei so roh, gemein und dumm, daß man in der Oeffentlichkeit nicht einmal zwei Zeilen davon vorlesen könne, ohne einen Ordnungsruf des Präsidenten zu riskieren und ohne die Sittlichkeit zu verletzen. Dieses Produkt sei in einer christlichen Organisation, nämlich unter führenden Männern deö hier so viel gerühmten, staatserhaltenden christlichen bayerischen Eisenbahner- Verbandes verbreitet worden. Auf Aufforderung der Borstandschaft dieses Verbandes wiederholte Genosse Schmid seine Vorwürfe außerhalb des Hauses und zwar in der„Münchener Post" init seinem Namen unterzeichnet. Auch die„Münchener Post" nahm in einem Stimmungsbild über die LandtagSvorhandlungen zu der Sache Stellung. Die Borstandschaft reichte darauf sowohl gegen Genoffen Ed. Schmid als auch gegen den verantwortlichen Redakteur der „Münchener Post", Genossen M. G r u b e r, die Klage wegen Be- leidigung ein. In der am Dienstag durchgeführten Verhandlung mußten die christlichen, dem ultramontanen Eisenbahnerverbande angehörenden Zeugen auf Eid zugeben, daß solch« Schweinereien nicht vereinzelt in der Kanzlei der Eisenbahndireltion München von Hand zu Hand gingen. Der Verfasser dieser schweinischen Verse. der«christliche" Kanzleigehilfe G r o h k o p f. ein Schwager des entrüsteten Vorstandsmitgliedes Sedelmayer, ebenfalls als Zeuge der- nommen. machte vergebens den Versuch, die Vaterschaft dieses schmutzigen Machwerkes abzuleugnen. Das Gericht billigte dem Genossen Ed. Schmid den Schutz deS § 193 in vollem Umfange zu und sprach ihn unter Uebernahme der Kosten auf die Kläger frei. Dem beklagten Redakteur Martin Gruber wurde der Schutz des§ 193 versagt und er zu 190 M. Geld� strafe verurteilt._ Eine ungiltige Wahl. Im ReichötagSwahlkreis Schwetzder„Agence bExtreme- Orient".) Sunhatscn hat den Präsidenten telegraphisch auf- gefordert, gegen die Haltung Ruhlonb» zu protestieren und ener- gischen Widerstand zu leisten, und sei es selbst mit Gewalt. Wenn Ruhland die Hand nach der Mongolei ausstreckt, so sei damit der Anfang zu einer Teilung Chinas gemocht. Auch der Vizegouver- neur Lihnouhong, Chef des GeneralstabS und und Tptu der Provinz Hupoh, hat im Namen der TutuS der 12 Provinzen eine lange Depesche an die Regierung gesandt, um sie zum Widerstande gegen Rußland zu ermuntern. Die Rusteu marschieren. Urga, 4. Dezember. Infolge de» Gerüchte» bon einem Heranrücken chinesischer Truppen nach Kobdo und Aljassu- tat, sowie von einer Plünderung russischer Händler im Kobdo- gebiet, ist aus TroizkossawSk in Urga ein Detachement ringe- troffen, das nach der We st Mongolei marschieren soll. Die erste Staffel dieses DetachementS ist heute nach Aljassutai auSmar- schiert. Nach einem Uebereinkommen der mongolischen Regierung mit dem russischen Generalkonsul sind längs der Marschwege Schutzzelte und Transportmittel vorbereitet worden. ?apan. Ministerwechsel. Tokio, 4. Dezember. In einer außerordentlichen Kabinettssitzung übergaben heute nachmittag die Minister dem Ministerpräsidenten Marquis S a i o n j i ihre E n t- l a s s u n g s g e su ch e. sie werden ohne Zweifel vom Kaiser angenommen werden. Mit der Bildung eines neuen Kabinetts wird entweder Fürst K a t s u r q oder Graf To raucht beauftragt werden. genügte dieser Ausweis nicht dem Wahlvorstand'. Reboll wurde aufgefordert, das Lokal zu verlassen, sonst würde er mit Gewalt entfernt; nach einigen. Zögern ging Reboll ober von selbst. Als nachmittags Genosse Srowig aus Krietern in das Wahl- lokal kam und den Wahlvorsteher um Aufschluß ersuchte, sollte auch er sich erst als Reichstagswählcr ausweisen. Dieser hatte ebenfalls nur eine Karte und den Militärpaß und wurde auch aus dem Lokal gewiesen, ebenso erging es noch drei anderen Genossen, die im Laufe der Zeit in das Wamlokal kamen. Alle Genossen weigerten sich, und nun ließ der Wahlvorsteher, Rittergutsbesitzer und Amts- Vorsteher v. Naehrich, über zwanzig Arbeiter und Knechte holen und unsere Genossen gingen dann von selbst hinaus. Auf Betreiben des Landrats Dr. Wichelhaus erfolgte ge�en die Genossen eine Anzeige'wegen Hausfriedensbruchs und Beleldi- gung. Sie erhielten zusammen acht Monate Gefängnis und 29 M. Geldstrafe, und zwar Srowig vier Monate. Langfeldt, Teubert. Pauer und Reboll je einen Monat Gefängnis, letzterer aber noch außerdem 29 M. Geldstrafe. Am Freitag war in der Sache Termin bor dem Reichsgericht in Leipzig. Die gegen das Urteil eingelegte Revision wurde ver- warfen. In Zukunft aber haben die Junker und ihre Traban- ten das Recht, jeden ihnen unbequemen Aufpasser aus dem Wahl- lokal entfernen zu lassen. Das eröffnet ja die schönsten Aussichten füp den nächsten Wahlkampf. Aber wo bleibt das gesetzlich gewährleistete Recht, daß jeder wahlfähige Deutsche sich so lange im Wahl- lokal aufhalten kann, wie es ihin beliebt, vorausgesetzt, dah er die Wahlhandlung nicht stört oder sich lästig macht. Die Justiz gegen die Parteipreffe. Zahlreiche Preßprozesse gab es im verflossenen Monat Novem- ber. Es wurden nicht weniger als siebzehn Gerichtsurteile gegen unsere verantwortlichen Redakteure gefällt. Daraus ent- sprangen 5 Monate 3 Wochen Gefängnis- und 415 5 M. Geldstrafen, ohne die übrigen Kosten. In den letzten acht Monaten des Jahres ergeben sich III solcher Prozesse, 13 599 M. Geld- und 29 Monate Gefängnisstrafen. fliis der parte!« Di« Stodtverordnctenwahlen in Bre'sla». Bei den am Mittwoch vollzogenen Stadtverordnetenstlchwahlen gelang«S unseren Genossen, noch«in Mandat zu erobern. Die sozialdemokratisch« Fraktion steigt somit von 12 auf 1 6 M t t- g l i e d e r. Trotzdem die Konservativen in der Stichwahl noch drei Mandate eroberten, sinkt ihre Bertreterzahl von 33 auf 69. Das vierte uns zugefallene Mandat wurde der Liberalen Fraktion ab- genommen. Parteiliteratur. Die Partelen der grotzen französischen Revolution und ihre Presse. Von Heinrich Cunow. Zweite erweiterte Auflage des in erster Auflag« unter dem Titel:„Die revolutionäre Zcitungs- literatur Frankreichs während der Jahre 178g bis 1734" erschiene- nen Werkes. Verlag Buchhandlung Vorwärt«, Berlin LlV.bS. Preis broschiert 6,— M.. gebunden 7,59 M. PollztiUcheo, Oerichtltches uto« Das Reichsgericht für den Junkerterror. Bei der Rcichstagswabl 1912 im Wahlkreise BreSlau-sLand). Neumarkt hat der Wahlkommissar an seine Wahlvorsteher ein Rundschreiben gerichtet, wonach fich jeder Wahlkontrolleur über seine Eigenschaft als Reichstagswähler genau ausweisen soll. Die- jenigen, welche die» nicht einwandsfrei beweisen können, sollen au» dem Wahllokal verwiesen werden, wenn notwendig mit Gewalt. Zu welchen Folgen diese Anweisung führte, beweist der Vor- fall im Wahllokal Puschkowa. In diesem sollte der Genosse Paul Reboll aus Koberwttz bei Breslau die Kontrolle ausüben; daselbst wurden die amtlichen WahlkouvertS zugleich mit den Stimmzetteln des konservativen Grafen Carmer von Ztcserwitz durch einen Gutsinspcktor vor dem Wahllokal ausgegeben, ja dieser ließ sogar die Hofkncchte und Arbeiter antreten, nahm einen Stoß Wahlkouvcrts und Stimm- zettcl und verteilte sie tm gabrikhofe. Als sich dies unser Genosse verbat und den Wohlvorstand auf- forderte, den Uebelstand zu beseitigen, machte dieser von der Aus- Weisung Gebrauch, und da Reboll nur eine von unserem Vorstand ausgestellte Legitimationskarte, sowie seinen Militärpaß mithatte, Klus der Frauenbewegung. NationalUberale Rückständigkeit. Die so überaus bescheidenen nationatli'bcralcn Frauen können einem wirklich von Herzen leid tun. Trotz ihres auf dem ersten nationalliberalen Frauentag«mv 1. Oktober in Weimar feierlichst gegebenen Versprechens, daß sie immer ganz hübsch artig sein und sogar der bösen Sozialdemokratie gegenüber geistige und sittliche Güter des deutschen Volkes verteidigen wollten, und trotzdem der Generalsekretär der nationalliberalen Partei in Weimar für die Parteileitung erklärt hatte, daß die Mitarbeit der Frauen der Partei unentbehrlich geworden und die Frauen daher gern und freudig aufgenommen würden, mußten die liebwerten nationallibe- ralen Damen neuerdings in Altona-Ottensen bitterlichx Er- fahrungen sammeln, ähnlich den betrüblichen Ereignissen, wie sie die freisinnigen Schwefterseelen auf der Mannheimer Tagung zu machen genötigt waren. Auf der Mitgliederversammlung in Altona-Ottensen hielt Dr. Rode aus Hamburg einen Vortrag über die„Mitarbeit der Frau in'der nationalliberalen Partei". Er führte ungefähr aus: Auch nationalliberale Frauen wünschten heute, sich in der Politik zu betätigen. Ein Interesse und eine gewisse segensreich« Tätigkeit sei ihnen nicht abzusprechen, z.B. in wirtschaftlicher Hinsicht auf dem Gebiet der Wohnungspflege, der Fürsorge für Wöchnerinnen usw.. im Idealen Interesse auf dem Gebiete der Schule und Erzjiehung, des Eherechts, der Waisen, und Jugendpflog«. Die Nationallibe- ralen ständen der radikalen Frauenbewegung völlig ablehnend gegenüber, ebenso der Einführung des Frauenstimmrechts. Die Frau möge ihre Betätigung zunächst einmal in kommunaler Hin- ficht zeigen. In diesem Sinne hätten fich auch der Nationalliberale Parteitag und der Parteitag der Freisinnigen in Mannheim aus- gesprochen. Anders stehe es um die Frage, ob nmn die Frauen in die nationallibcralen Vereine aufnehmen solle. Hier teile er die geäußerten Bedenken nicht. Er schloß mit«den Worten:„Die Frauen stehen vor der Tür; öffnen wir ihnen nicht, so gehen sie ein Haus weiter zu den Freisinnigen!" Nach kurzer Beratung beschloß die Versammlung indessen:„Frauen werden in den nationallibe- ralen Verein nicht aufgenommen!" Begründung:„Da die Befürchtung bestehe, daß«dann zahlreiche männliche Mitglieder aus- treten würden!" Die nationalliberalen grauen werden dennoch bescheiden ausharren!_ Kein Witwengeld, kein allgemeines Fra'uenwahlrecht. Am 14. November beriet die Zweit« holländisch« Kammer die Amendements zum Jnvaliditätsgcsetz, die sich in ider Hauptsach« darum drehten. dagauchiderWittv«, die nach'dein holländischen neuen JnvaliditätSgefetzeniwurf beim Tode des Ernährer» ganz leer aus- gehen soll,«in« Stent« zuerkannt werde. Di«se Forderung vertrat selbstverständlich nach allen Kräften der sozialdemokratische Ver- tr«t«r Hel.dingen. Von sreisinniger Seit« kam der Vorschlag, diese Forderung aus ihr« Durchführbarkeit hin zu prüfen. Nur 21 Stimmen«rklärten sich für die Witwenrente, und so wurld« die Forderung, die holländischen Arbeitcrwitwen vor der schwersten Not zu schützen, verworfen. Im nächsten Jahr«, 1913, werden die Neuwahlen für die Zweite Kammer in Holland vorgenommen.„Genossinnen, gedenkt »er Tat, seid auf dem Posten für die neue Wahl, seid gernstet für den Kamps!" so schreibt die„Proletarische Vrouw". Holland soufzt bekanntlich unter einer sogenannten„christlichen" RegierungSmehr- heit. die nach Klassen gewählt wird, nach dem Besitz, und welche Hunderttausende von Arbeitern fast ganz rechtlos läßt. Diese schwarzblaue Majorität zu stürzen, ist der innigste Wunsch des holländischen Proletariats. Auch die Liberalen, die sich aus drei Gruppen, ähnlich wie in Deutschland, zusammensetzen(die„Libe- ralc Union", die„Freien Liberalen" und der„Freisinn ig-de-uio- kratische Bund") erstreben das gleiche Ziel. Amüsant ist«s, wie diese Liberalen sich in ihrem sogenannten„KonzentrationS- Srogramm" zum Frau«nstim'mrccht verhalten. AI» grundlegende ovdernng stellen diese Liberalen zunächst dt« Einführung deS allge- mvinen Wahlrechts für Männer. Aber weil das Frauenwahl recht schon lang« von ihnen bei ihren Wahlen versprochen wo-rden(st und fie die Hilfe der bürgerlichen Frauen immer gern akzeptiert haben und besonder» in dem schweren Jahr 1913 nicht entbehren möchten. heißt eS auch in ihrem Programm:„Die Gelegenheit, der Frau das Wahlrecht zu verschaffen, muß gesucht werden, aber ohne daß des- halb Forderungen des gesellschaftlichen Wohle» zurückgestellt würden. Die dem Frauenwahlrecht im Wege stehenden Hindernisse sollen weggeräumt werden." Um diese Gelegenheit zu schaffen, wollen sie bei Aenderung der Verfassung, denn bei Einführung des allgemeinen Wahlrechts müßte ja die Verfassung geändert werden, das Wort„männlich"(männlicher Wähler!) gestrichen haben. Dem allgemeinen Wahlrecht für Männer wagen sich die Liberalen der aufstrebenden holländischen Arbeiterschaft wegen nicht öffentlich zn wiidersetzen, aber dem„allgemeinen Frauenwohlrecht" stehen sie weniger sympathisch gegenüber. Der Großindustrielle Stork möchte nur der„selbständigen" Frau das Wahlrecht zuer- kannt wissen, und'der„Freiliberale" Plenip van Dniveland äußerte sich dahin, daß ein„befchränkteS Frauenwahlrecht" die revolutio- nären Folgen des allgemeinen M änne rirah I recht S einzuschränken geeignet sein dürfte. Di« holländischen Genossinnen wissen genau, welch eine Gefahr ein„beschränkte? Frauenwahlrecht" für den So- zialismuS bedeutet, und sie werden Seite an Seite mit den männ- lichen Genossen in den Wahlkampf d«S Jahre» 1913 ziehen, um für das wirkliche allgemeine Wahlrecht für Männer«tifc Frauen ihre Kräfte einzusetzen. (Siehe auch 1. Beilage.) Gewerhrchaftlicbee. Oer Canfablauf im Baugewerbe und das Reichsamt des Innern. Giu Privattelegramm meldet uns aus München: Das Reichsamt des Inner» hat Herrn Gewerbegerichts- dircktor Dr. Prcnner in einem Schreiben ersucht, bei deni großen öffentlichen Interesse, das durch den Ablauf des Tarifes für das deutsche Baugewerbe erweckt wird, sofort Einigungs- Verhandlungen einzuleiten. Herr Dr. Prcnner ist deshalb mit den bisherigen Bertragskontrahenten in Verbindung ge- treten. Der Ablauf des Tarifes trifft diesmal das Baugeiverbe in einer Zeit schwerster Krise, unter der linternehmer sowohl wie Arbeiter außerordentlich zu leiden haben. Große Bau- firmen mit geachteten Nanien haben unter diesen Verhältnissen ihre Tätigkeit einschränken oder ganz aufgeben müssen. Die Ungewißheit über die nächste Zukunft, die durch den Verlauf der Vertragsverhandlungen stark beeinflußt wird, hindert viele Unternehmer an den Abschluß von neuen Bauverträgen und schiebt eine Gesundung auf dem Baumarkte noch weiter hin- aus. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, wenn das Reichsamt des Innern die sonst übliche Passivität aufgibt und nicht erst eingreift, nachdem es zu einem Kampfe zwischen den Parteien gekommen ist. Lerlin uncl llmgegenck. Die Forderungen der Strastenbahner. Am 7. Oktober hatten die Vertrauensleute der im Verband der Straßenbahner organisierten Fahrer und Schaffner eine Ein- gäbe an die Betriebsleitung der Großen Berliner Straßenbahn gerichtet, den gewählte» Vertretern des Perso- »als baldigst Gelegenheit zu geben, Wünsche wegen Neuregelung der Lohnverhältnisse vorzubringen. Erst am 13. November kamen die Vertrauensmänner in der alljährlich stattfindenden Herbst- tonferenz zum Wort. Räch dem der Direktion zur Bcrücksichtigmig unterbreiteten Antrag wurde ein A n f a n g s g e h a l t von mo- natlich Iis M. gefordert, das im zweiten Dienstjahr aus 113, dann alljährlich um je 2,50 M. bis zu 150 M. im Monat steigt. Das Höchstgehalt würde demnach im 16. Dienstjahr erreicht werden. Weiter wurde für alle Fahrer eine Erhöhung des Kilo- m e t e rg e l d e s' aus 80 Pf. verlangt sowie die Bezahlung der drei freien Tage im Monat für das Ersatzpersonal. Die Begrün- duug dieser minimalen Forderungen fiel den Vertrauensmännern nicht schwer. Durch umfangreiches einwandfreies Material wiesen sie nach, daß die Lohnverhaltnisse für die Straßenbahner inner- halb der letzten zehn Jahre um etwa 13 bis 23 Proz. gestiegen seien, während die Ausgaben für die notwendigsten Lebensbedürfnisse nlindcstens eine Steigerung von 30 bis 10 Prozent erfahren bättcn. Tie Lebenslage der Straßenbahner habe sich demnach um 13 Proz. verschlechtert. Trotzdem fanden die nur zu berechtigten Forderungen auf Erhöhung der Löhne nicht das geringste Eni- gcgenkommen. Man renommierte wieder mit den IVi Millionen Mark, die durch Erhöhung der Löhne im vergangenen Jahre mehr verausgabt Werden mußten. Tie bestehende Teuerung konnte man nicht bestreiten, aber— so sagte Regierungsrat a. D. Micke im Jargon eines Bethmann Holl weg— der augenblicklicke Zustand sei doch schließlich ein vorübergehender. Die Di- rektion habe ein Herz für die Lage ihrer Beamten und Arbeiter, sie sei stets bestrebt, deren Verhältnisse zu verbessern. Der Di- rektor Otto sagte in der Konferenz, die Direktion sei„bis an die Grenze des Möglichen gegangen", sie tue wirklich, was sie könne. Das wohlwollende Herz sprudelte schließlich doch noch über, und nachdem die Vertrauensmänner die Konferenz verlassen hatten, beschloß man, die Weihnachtsgratifikation für verhei- ratete Bedienstete um 13 M. zu erhöhen. Dienstagabend waren die Straßenbahner zahlreich in den Tophiensälen versammelt, um zu der ablehnenden Antwort der Be- tricbsleitung Stellung zu nehmen. Der Referent Otto Ort- m a n n teilte zunächst mit, daß neben der Großen Berliner Straßenbahn auch die Betriebsleitungen der Berliner elektrischen Straßenbahn sowie der Hoch- und Untergrundbahn-Gesellschaft eine ablehnende Antwort auf die Forderungen der Arbeiter und An- gestellten gegeben haben. Die Betriebsleitungen im Verkehrsge- werbe seien eben besser organisiert als ihre Arbeiter und Angestell- ten, weshalb sie sich auf den Standpunkt stellen könnten, die Lohn- erhöhungen nicht zu bewilligen. Redner ging ausführlich auf die gestellten Forderungen ein und behandelte das negative Ergebnis der Herbstkonfcrcnz. Als man die allgemeine Lohnerhöhung ab- gelehnt hatte, hätte man annehmen sollen, die Betriebsleitung würde wenigstens eine einmalige Teuerungszulage in Höhe eines Monatslohnes bewilligen. Auch hierin habe man sich getäuscht. Der Straßenbahner habe doch ganz besonders untep der Teuerung zu leiden, durch seine eigenartige Dienstzeit müsse doch die Frau viel- fach zweimal kochen, wodurch im Haushalt enorme Mehrtosten eni- stünden. Auch müßten vielfach 30 bis 40 Proz. des Einkommens für Wohnungsmiete aufgebracht werden. Als humane Gesellschaft hätte die Direktion einsehen müssen, daß ihre Angestellten unbe- dingt einer Lohnerhöhung bedürftig seien. Was man in Berlin fordere, würde in einer ganzen Reihe anderer Städte, besonders in Süddeutschland, schon lange bezahlt. Auch in Neukölln beständen Verkehrsbetriebe, in denen weit mehr bezahlt würde als bei der Großen Berliner. Erhalte doch zum Beispiel in Neukölln ein städtischer Omnibuskutscher einen Anfangslohn von 123 M. im Monat und nach 8 Jahren bereits 143 M. Ter Omnibusschafs- ner beginne mit 103 M. und habe nach 8 Jahren 125 M. An den Zahlen auZ dem Geschäftsjahr 1011 wies Redner nach, daß die Gesellschaft sehr wohl in der Lage sei, höhere Löhne, zu zahlen. Im laufenden Jahre sei aber auch mit ganz erheblichen Mehreinnah- men zu rechnen. Zur Zahlung erhöhter Tantieme für Direk- tor, Beamte und Auffichtsrat seien ja auck Gelder vorhanden.— Die größte Schuld an den unleidlichen Verhältnissen treffe die Straßenbahner selbst. Pen Versprechungen der..Großen" werde viel zu viel Glauben geschenkt, man lasse sich von einem Jahre zum anderen vertrösten. Die eigenen Interessen würden nicht genü- gend vertreten. Die Gelben müßten vor Willem die bisher gegan- gelten Wege verlassen und sich der freien Organisation anschließen. Nachdem Redner das im Betriebe der„Großen" bestehende Spitzel- und Tenunziantenwesen gebührend gekennzeichnet hatte, warf er die Frage auf, was auf Grund der ablehn e�n- den Antwort zu unternehmen sei. Vor allem müsse jetzt versucht werden, was die Straßenbahner bisher � versäumt hätten, mit doppeltem Eifer nachzuholen. In aller Oefsentlichkeit müsse dokumentiert werden, daß die Straßenbahner gewillt seien, alles daran zu setze», die Organisation zu stärken und dann mit neuen Forderungen an die Direktion heranzutreten. Die jetzt ge- zahlten Löhne reichten nicht im entferntesten dazu, anständig und menschenwürdig leben zu können. Wenn die Frauen, vielfach selbst Kinder ini zartesten Alter, nicht mitarbeiten, reicht es nicht zum notdürftigsten Lebensunterhalt. Mit doppelter Kraft, mit doppel- ter Energie müsse jetzt für die Organisation auf dem erlaubten Wege agitiert werden. Dann werde auch die Direktion den Wün- schen ihrer Angestellten Gehör schenken müssen und ihnen geben, was sie fordern. In einer sehr anregend verlaufenen Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten durch eine Reihe Redner treffend ergänzt Wenn die Hoffnungen der Angestellten diesmal ins Besser gefallen seien, so müßte dies das letztemal gewesen sein. Jeder" Redn-'r verpflichtete sich, sein möglichstes mit dazu beizu- traaen daß die Straßenbahner in einer Organisation— dem Verband der Straßenbahner— zusammengeschlossen seien. Die gelbe Seuche, die die Straßenbahner ,o empfindlich schädige, muffe ausgerottet werden._________—__-----__ Beiantto. Redakt.: Alfred Wielevp, Neukölln. Jnseratentell verantw.: Rathmann zerpflückte die Begründung, mit der die Di- rektion der„Großen" die Forderungen der Straßenbahner abge- tan hatte. Er bedauert«, daß an den Konferenzen kein Gewerk- schaftsangestellter teilnehmen darf, denn dieser könnte den Herren mit noch ganz anderem Material über die famose Wirtschaftsord- nung aufwarten. Die Organisation müsse jetzt in erster Linie auch in die Tiefe, nach innen, ausgebaut werden. Vorsitzender Riedel faßte das Ergebnis der Debatte zusam- men und betonte, daß alle Anwesenden mit dem ablehnenden Stand- Punkt der Direktion nicht einverstanden seien. Die Direktion habe die Zwietracht, die die gelbe Organisation unter den Straßenbah- nern gesät, zum Schaden der Angestellten ausgenutzt. In einem kurzen Tätigkeitsbericht vom dritten Quartal teilte Ort mann noch mit, daß, obgleich das dritte Quartal das ungünstigste sei, in diesem 103 Neuaufnahmen und 114 Uebertritte zu buchen waren. Achtung, Tapezierer! Die Sperre über die Firma N e u m a n n, Ledermöbelfabrik, Königsberger Str. 23, ist ausgehoben. Die Schlichtungskommisfion. Deutsches Reich. Die Bewegung in der Binnenschiffahrt. In einer Besprechung zwischen den Vertretern des Arbeitgeber- Verbandes für Binnenschiffahrt und verwandte� Gewerbe e. V. und des Deutschen Transporlarbeilerverbandes, sowie des Zentral- Verbandes der Maschinisten und Heizer ist seitens des Arbeitgeber- Verbandes folgende Erklärung abgegeben worden: .Der Arbeitgeberverband für Binnenschiffahrt und verwandte Gewerbe ist trotz der andauernd mißlichen wirtschaftlichen Lage der in ihm vereinigten Betriebe bereit, eine mäßige Lohnerhöhung mit Beginn des nächsten Jahres eintreten zu lassen. Es ist bekannt, daß die Reichsregierung beabsichtigt, dem Reichs- tage binnen kurzem Vorschläge zur gesetzlichen Regelung der Arbeits- zeit in der gesamten Binnenschiffahrt zu machen. Deshalb erscheint es untunlich, gerade jetzt durch private Vereinbarungen über Nacht- und Sonntagsruhe sür einzelne Teile der Schiffahrt Bestimmungen zu treffen. Eine Lohnbewegungskomödie der christlichen Berg- arbeiterorganisation in Oberschlesien. Eine Lohnbewegung im oberschlesischen Bergrevier versuchte der Vorstand des christlichen Gewerkvereins der Bergarbeiter ein- zuleiten. Man bedenke: derselbe Gewerkvereinsvorstand, der im März d. I. im Ruhrrevier den Streik gebrochen, mit dessen Hilfe die Bergarbeiter, auch die im Gewerkverein organisierten, besiegt wurden. Am 13. Oktober d. I. wurde dem Bczirksleiter des Berg- arbciterverbandes für Oberschlesien durch den Bezirksleitcr des christlichen Gewerkvereins ein Schreiben übermittelt, in welchem mitgeteilt wurde, daß eine Konferenz der Vertrauensleute des christlichen Gcwerkvereins in Oberschlcsien eine allgemeine Lohn- bowegung für wünschenswert gehalten habe. Es wurde darum an- gefragt, wie sich der Bergarbeiterverband dazu stelle. In dem Antwortschreiben des Bergarbeitervcrbandcs wurde zunächst die Frage gestellt, ob der Gewerivereinsbezirksleiter im Einverständnis mit seinem Vorstand handele und wie er sich die EntWickelung der Lohnbewegung denke. Es sei doch sehr stark damit zu rechnen, daß, wenn Forderungen eingereicht, diese von den Unternehmern glatt abgelehnt würden. Ob dann der Gewerkverein unter diesen Um- ständen auch bereit sei. die äußersten Mittel zur Anwendung zu bringen.— Die erste Frage wurde direkt mit Ja beantwortet. Dann hieß es weiter in dem Brief: „Bezüglich der Frage, ob der Gewcrkverein christlicher Berg- arbeiter Deutschlands bereit wäre, im Falle einer ablehnenden Haltung der oberschlesischen Bergbauuntcrnehmer die äußersten Mittel in Anwendung zu bringen, sei Ihnen folgendes mitge- teilt: Nicht alle Lohnbewegungen führen zum Streik, es gab schon viele Lohnbewegungen, die ohne Streit siegreich für die Arbeiter geendet haben. Ter Gewerlverei» christlicher Bergarbeiter ist auch gewillt, jede Lohnbewegung bis zur letzten Konsequenz durch- zuführen, wenn die Vorbedingungen dafür geschaffen worden sind, wenn der Streitgegenstand einen Streik berechtigt, oder der Streik mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden kann." Man traut seinen Augen nicht: der Vorstand des christlichen Gewerkvereins erkennt die Notwendigkeit einer gemeinsamen Lohnbewegung an und ladet den Bergarbeiterverband hierzu ein.— Woher dieser Mut? Das Rätsel ist schnell gelöst. In Oberschlesien sind 120 000 Steinkohlenbergarbeiter beschäftigt, davon sind 13 0 im Gewerkverein christlicher Bergarbeiter organisiert! Das besagt alles. Während also zugestanden wird, daß der Bezirksleitcr im Auf- trage des Gewerkvereinsvorstandes handelt, bleibt die Frage un- beantwortet, ob der Gewerksvercin bereit sei, bei Ablehnung der Lohnforderungen einen Streik zu empfehlen. An einer klaren Antivort drückt er sich vorbei. Ausdrücklich wird das auch in einem weiteren Schreiben des Bergarbeiterverbandes festgestellt. Es fei. so wird in diesem Schreiben ausgeführt, angesichts des Verhaltens des christlichen Gewerkvereins beim Ruhrbergarbeiterstreik not- wendig, bevor man zu einer gemeinsamen Aktion irgendwelche Maßnahmen trifft, Klarheit über diefe Frage zu schaffen. An einer Scheinlohnbewegung könne und werde sich der Bergarbeiter- verband nicht beteiligen, weil sie die Arbeiterintcressen und das Ansehen der Organisation nicht fördere. Weiter vermisse man in dem Schreiben des Gewerkvereins ein Eingehen auf die Vor- bedingungen zur �Durchführung einer erfolgreichen Lohnbewegung, auf welche die christliche Organisationsleitung so großes Gewicht beim Ruhrbergarbeiterstreik gelegt habe. Im Ruhrrevier seien 60 Proz., in Oberschlesien nur höchstens 20 Proz. der Bergarbeiter organisiert. Dann hieß es in dem Schreiben des Bergarbeiter- Verbandes an den christlichen Bezirksleiter wörtlich weiter: „Wir stimmen Ihnen darin bei, daß die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der oberschlesischen Bergarbeiter die traurigsten sind und dringend der Verbesserung bedürfen. Wir sind auch stets nach Kräften bestrebt geivesen, diese Verhältnisse zu bessern. Wir sind auch bereit, trotz allem, was vorgekommen ist, mit den an- deren Berufsorganisationen gemeinsam für die Verbesserung der oberschlesischen Bergarbeitervcrhältnisse zu wirken. Wir müssen aber Garantien haben, daß die anderen Organisationen und speziell Ihre Organisation es ernst meinen mit den hierzu zu ergreifenden Maßnahmen; und wir müssen auch Garantien haben, daß wir im entscheidenden Augenblicke von unseren Bun- desgenossen nicht im Stich gelassen werden.... Falls Ihre Or- ganisation ernste Absichten bezüglich einer einzuleitenden Lohn- bewcgung hat und Ernst machen sollte, dann werden wir auf keinen Fall den Streikbruch organisieren, sondern unsere Mit- glieder zur Solidaritätsübung anhalten. Daß wir dieses Per- sprechen halten werden, dafür bürgt unsere Vergangenheit." In diesem Schreiben wird also ausdrücklich die Bereitschaft festgestellt, daß der Bergarbeiterverband trotz alledem, was vor- gekommen, mit den anderen Organisationen für die Verbesserung der oberschlesischen Bergarbeiterverhältnisse zu wirken bereit sei. Was antwortete auf dieses Schreiben der christliche Gewerk- verein? Man höre: „Bis zum Einkauf Ihres Schreibens vom 20. Oktober d. I. war ich der Ansicht, daß die Borbedingungen für einen Streik der oberschlesischen Bergarbeiter gegeben seien oder in kurzer Zeit geschaffen werden könnten. Ihr Schreiben nimmt mir diese Ansicht vollständig. Sic teilen mir mit, daß in Obcrschlcsicn im höchsten Falle 20 Proz. der in Frage kommenden Bergarbeiter organisiert sind." Dieser Brief ist zwar auf der Zentrale des christlichen Ge- IhlGlocke. Bert'». Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u Verlagsanstalt I werkvercins geschrieben, aber von dem Bezirksleiter, der jahrelang in Oberschlesien tätig ist, unterzeichnet. Dieser Mann unter- zeichnet einen Brief, in dem er bestätigt, über die Stärke der Bergarbeiterorganisationcn in feinem Bezirk nicht die gering st e Ahnung zu haben, obgleich die Abrechnungen allmonatlich in den Vcrbandsorganen veröffentlicht werden! Das kennzeichnet seine Einfalt. An einer anderen Stelle des Briefes heißt es dann noch: „Aus Ihrem Schreiben lese ich auch noch etwas anderes her- aus. Sie würden, auch wenn Sie eine entsprechende große Mit- gliederziffer hätten, doch nicht die Lust und den Mut haben, eine Lohnbewegung im Ernste hier durchzuführen." Wirkt das nicht komisch von der Leitung des Gewerkvereins, die im Frühjahr im Ruhrrevier zum Streikbruch aufgefordert hat? Die weiteren Maßnahmen in der Gewerbvereinsleitung be- standen nun in der Veröffentlichung eines Artikels im„Gornik Polski"(polnische Ausgabe des„Bergknappen"), in dem auch wieder behauptet wird, der Bergarbeiterverband habe eine gemein- same Lohnbewegung abgelehnt. Um die Verlogenheit dieser Be- hauptung festzustellen, veröffentlicht die„Bergarbeiter-Zeitung" den ganzen Briefwechsel, den wir vorstehend referierend wieder- gegeben haben. Jeder Leser wird, daraus entnehmen, daß der Berg- arbeiterverband durchaus korrekt gehandelt hat. Die Gewerkvereiusleitung aber hat nur einen Agitationsbluff, nur eine Scheinlohnbewegung beabsichtigt. Nun ihr dieser Trick dadurch, daß der Bergarbeiterverband Klarheit verlangt, mißlungen ist, sucht sie den Bergarbeiterverband hinter derselben Hecke, hinter welcher sie schon lange sitzt. Das Strafwesen auf den Gruben. Zu den Ursachen, die zum Ausbruch des Bergarbeitcrstreiks vom Jahre 1005 gesührt haben, nahm das Strafwesen auf den Gruben eine der ersten Stellen ein. Es sollte denn auch durch den Erlaß des neuen Berggesetzes eine Regelung vorgenommen werden. Dabei hat sich nun gezeigt, daß das vom Zentrum, von den Konservativen und von den Nationalliberalen zur Annahme gebrachte neue Gesetz auch in diesem Punkte eine wahre Zuchtrute für die Bergleute ge- worden ist. Auf Zeche Becker-Mulde(Stinnes) wurden z. B. im ver» gangenen Jahre bei einer Belegschaft von 2136 Mann an Kohlen- strafe» 6 620,30 M. und an sonstigen Strafen 10 484,64 M. ver- hängt, mackit pro Kopf der Belegschaft 10,28 pro Jahr. Zeche Bismarck, Schacht 3 und 4, verzeichnet bei einer Beleg- schast von 2006 Mann 3434 M. Kohlen- und 1160 sonstige Strafen. Achnlich ist eS auf den meisten Gruben. Keine tariflichen Löhne bei Staatsbauten. lieber die Frage, ob bei städtischen oder staatlichen Arbeiten die von den bremischen Behörden an Privatumernehmer vergeben werden, tarifliche Löhne gezahlt und die tarifliche Arbeitszeit inne- gehalten werden solle, hat die bremische Handelskammer ein Gut- achten erstattet. Sie wendet sich entschieden gegen derartige Fest- legungen. Man dürfe die organisierte Arbeiterschaft nicht stärken! Und Gewerbekammer wie Senat haben sich dieser Ansicht vollinhaltlich angeschlossen. Die Bürgerschaft in ihrer großen Mehr- heit wird dasselbe tun. In dem liberalen Bremen ist nicht so viel sozialpolitische Erleuchtung vorhanden, wie in so manchen preutzi- schen Kommunen, wo die Vergebung von Gemeindearbeiten von der Verpflichtung tarifmäßiger Arbeitsbedingungen abhängig ist. Bei der Ortskranicnkassenwahl i» Osnabrück am 1. Dezember errang das GewerkschafrSkartell bei einer ungemein starken Wahlbeteiligung einen glänzengen Sieg über den„Ausschuß sür soziale Wahlen"(Christ- liche Gewerkschaften, kaufmännische Verein« beider Konfessionen und sonstige bürgerliche Gruppen) Die Liste des Gewerkschaftskartells erhielt 1176, die des Ausschusses für soziale Wahlen 797 Stimmen. Der Kamps wurde auf beiden Seiten mit der größten Anstrengung geführt und der Ausschuß rechnete bestimmt mit einem Siege seiner- seits. Dieser Ausfall ist um so höber zu bewerten, weil die frei- organisierte Arbeiterschaft fast ausschließlich den Betriebs- und Jnnungskrankenkassen angehört. Eine derbe Quittung über die viel- gepriesene Reichsversicherungsordnung für das Zentrum. Der Balkanhrieg. Bulgariens Wünsche. Sofia, 4. Dezember.(W. T. B.) Das RcgierungSorgan„Mir" bespricht die Rede des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg und hebt den Wunsch Deutschlands hervor, gute Beziehungen, insbc- sondere wirtschaftliche, mit den Bakkanstaaten zu unterhalten, die, auf demselben Wege schreitend wie die kleinen deutschen Staaten vor ihrer Einigung, nicht umhin könnten, sich am Deutschen Reiche ein Beispiel zu nehmen. Wenn Deutschland mit den anderen Großmächten darin Hilfe leistete, ein für allemal nach dem gegen- wältigen Kriege die Frage der Nationalitäten und deren Ansprüche auf dem Balkan zu regeln, indem es jedem der Balkanvölker eine friedliche und regel- mätzige Wirtschaftsentwicklung sicherte, dann könnte es erwarten, in ihnen neue Freunde und Bundesgenossen zu finden. Ter letzte Kampf bei Skutari. Cetinjc, 4. Dezember. lMeldung des Wiener k. k. Tel.-Korr.- Bureaus.) Ueber den Kampf bei Skutari am Montag wird nach- träglich gemeldet: Das Gefecht gestaltete sich sehr erbittert. Nur durch das Eingreifen der Zetabrigade gelang e» den Montenegri- nern, ihren Rückzug zu decken. Auch König Nikolaus befand sich in der Gefechtslinie und kehrte abends über Rjeka nach Cetinje zurück. Die Verluste der Montenegriner sollen viel größer sein, als die Montenegriner angeben. Die Zensur wird jetzt schärfer gehandhabt. Der König verteilte unter den Truppen Geld und Medaillen, um die Kampfeslust der Soldaten zu heben. Der rufst- sche Gesandte von Giers erschien kürzlich beim König mit der amt- lichen Mitteilung, daß sich die Großmächte dahin geeinigt hätten, den Frieden der Türkei mit den Balkan st aaten nach dessen Abschluß einer Revision zu unter- ziehen. Dieselbe Mitteilung machte der Gesandte auch der montenegrinischen Regierung. letzte INacbncHtcn. Bürgermcisterwabl in Lübeck. Lübeck. 4. Dezember. iW. T. B.) In der heutigen Sitzung des Senats wurde Senator Dr. Eschcnburg für die Jahre 1913 und 1914 zum Bürgermeister und zum Präsidenten des Senats gewählt. Bergmannslos. Bochum, 4. Dezember.(P. C.) Auf der Zeche„Friedrich Nach- bar" verunglückten heute infolge zu frühen Losgehens eines Schusses zwei Bergleute. Einer war auf dex Stelle tot. Der zweite wurde schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus Bergmannsheil überführt werden. Beide sind Familienväter. iaulSinger LEo.. Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 284. 29. IahrgW. t KtilM des.lotmiitls" Sttliiitt Jlolliefeldtt. Dsttttetstag, 5. DeMbttl912 Reichstag. 1912, ?7. Sitzung. Mittwoch, den 4. Dezember nachmittags 1 Uhr. Am BundesratZtisch: Kühn. v. Tirpitz. Auf der Tagesordnung steht die Erste Lesung des Etats. Innere Politik. ReichSschatzselretär Kühn gibt die übliche Uebersicht über die Finanzlage der letzten Jahre. Sehr günstig war das finanzielle Ergebnis von 1911. An diesen Ueberflufi reicht das Jahr 1912 nicht heran. Es ist auch nicht unsere Hauptaufgabe, Ueber- schüsse herauszuwirtschaften. Einen bestimmten Ueberschuh kann ich für dies Jahr nicht in Aussicht stellen und enthalte mich jeder Prophezeiung. Ein Abflauen der Hochkonjunktur ist noch nicht zu verzeichnen, im Gegenteil sie ist zu einer internationalen geworden. Die Einnahmen zeigen fast überall eine erfreuliche Tendenz des Ansteigens. Mindereinnahmen von etwa 6 Millionen werden z. B. zu verzeichnen sein bei der Branntwein- steuer. Das Vorgehen der Regierung bei der Finanzierung der Wehrvorlageen in diesem Frühjahr ist viel angegriffen worden. Ich brauche darauf nicht näher einzugehen, weil jedenfalls Einigkeit darin besteht, daß eine Besitz st euer kommen wird. Welche Besitz st euer, kann ich noch nicht sagen.(Heiterkeit.) Auf keinen Fall kommt eine Sondersteuer irgend welcher Art in Betracht, sondern nur eine allgemeine Steuer auf dem Gebiete der Vermögens- oder der Erbschaftsbesteuerung. Eine Denkschrift über die Lösung der Besitzsteuerfrage liegt bereits den Regierungen vor; das Ergebnis wird jedenfalls vorgelegt werden können, bevor die Herren aus den Weihnachtsferien zurückkommen. Der neue Dreimilliardenetat kann sich an Solidität mit ffe i n e n Vorgängern messen.(Zuruf bei den Sozialdemo- kraten: Das will nicht viel sagen.) Ich hoffe, es wird mit Zu- stimmuug des ganzen Reichstages gelingen, an den Grundsätzen unserer Finanzpolitik festzuhalten. Der Redner erläutert eine Reihe von Etatsposilionen und betont, daß der A n l e i h e b e d a r f mit 33 oder bei etwas andersr Berechnung mit 40 Millionen hinter dem des Vorjahres zurückbleibt, und tritt der Anschauung entgegen, als ob von einer wirklichen Schuldentilgung nicht gesprochen werden könne, wenn neue Anleihen aufgenommen werden. Das könnte nur dann mit einem Schein von Recht gesagt werden, wenn die Anleihen zu nicht werbenden Zwecken aufgenommen würden. Redner geht dann auf die Etats der einzelnen Ressorts ein. Für die Veteranenfürsorge sind erhöhte Mittel eingesetzt lvorden.(Bravo!) Der Grundsatz, daß die Schutzgebiete die Kosten ihrer Zivilverwaltung selbst aufbringen, hat sich in dem bis- herigen Umfang aufrecht erhalten lassen.— Es ist möglich gewesen, die feste Grundlage unseres Finanzwesens aufrecht zu' halten. Die geldliche Lage des Reiches zeigt alle Zeichen der Gesundung. Sorg- same Abwägung der Einnahmen, Zurückcrstattung aller Ausgaben, für die leine Deckung vorhanden ist, das muß für alle Zeiten unser Ziel sein. Das Jahr 1913 bringt unS eine trübe Erinnerung; es ist gerade ein Jahrzehnt her, daß die Periode der Zuschußanleihen be- gann, womit zugestanden wurde, daß der Ausgleich zwischen Ein- , whmen und Ausgaben auf regelrechtem Wege nicht möglich sei. Helfen Sie dazu, daß derartige Zustände in Zukunft nur noch der Geschichte angehören.(Beifall.) Abg. Dr. Frank(Soz.): Wenn es bloß auf die hohe Zahl ankäme, dann hätte der Reichs- schatzsekretär allen Grund, auf seinen Dreimilliardenetat stolz zu sein. Aber so liegen die Dinge nicht. Wir fragen vor allem, aus welchen Quellen die Gelder kommen und zu welchen Zwecken sie verwandt werden. Wenn wir diesen Maßstab anlegen, dann lautet die Zensur, die wir dem Herrn Reichsschatz- sekretär ausstellen können, viel weniger freundlich, als er sie vielleicht erwartet, dann lautet sie: Fleiß recht gut, Leistungen ganz ungenügend. (Heiterkeit.) Oder wenn er Wert darauf legt, daß sein Etat so gup sei, wie die Etats der Vorjahre, so wollen wir das dahingestellt sein lassen, vielleicht ist er gerade so schlecht wie die Etats der Vorjahre.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir zunächst die Einnahmen betrachten, so finden wir, daß 1642 Millionen, 28 Millionen mehr als im Vorjahr, aus den Zöllen und Steuern fließen. Die Steigerung bei den einzelnen Erträgnissen finden wir gerade bei den Posten, die die breiten Massen des Volkes belasten, z. B. bei der Z u ck e r st e u e r, der Brau- steuer usw., und wir sehen andererseits Rückgang oder Stillstand bei solchen Abgaben, die hauptsächlich die wohlhabenden Schichten belasten.(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) So ist die Schaumweinsteuer mit 644 000 M. weniger veranschlagt, die Stempelabgabe mit 1 440 000 M. weniger, die Zuwachs- steuer zeigt mit 18 Millionen einen Stillstand, die Erbschafts- steuer mit 44 Millionen eine Erhöhung um nur 600 000 M. Also das Gesamtergebnis ist: der verhättinsmäßige Anteil, den die besitzlosen Massen an den Leistungen des Reiches zu tragen haben, hat sich noch weiter erhöht.(Hört! hörtl bei den Sozial- demokraten.) Nun ist uns in Aussicht gestellt worden, daß sich dieses Miß- Verhältnis verbessern soll dadurch> daß wir endlich, endlich die B e i i tz st e u e r bekommen. Der Reichsschatzsekretär hat sie uns als Weihnachtsgeschenk in Aussicht gestellt. Ich weiß nicht, warum die Reichsregierung so geheimnisvoll tut mit dieser Besitzsteuer, warum sie nicht endlich einmal sagt, wenn sie es selber schon weiß, wie denn das Ding aussehen soll. Warum wird das Ei nicht endlich einmal gelegt und nur immer gegackert?(Heiterkeit.) Wir haben große Bedenken und berechtigtes Mißtrauen, ob der Charakter dieser erwarteten Besitzsteuer wirk- lich die Erwartungen, die darauf gesetzt sind, rechtfertigen wird. Wir sind gewarnt durch viele Erfahrungen und wir fürchten, daß vielleicht auch diesmal wieder unter der Flagge einer Befitzsteuer Abgaben eingeschmuggelt werden, die von den breiten Massen getragen werden müssen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen hat der Reichsschatzsekretär einen recht hoffnungsvollen Ton angeschlagen und hat zum Schluß eine Art Jubiläumsrede gehalten. Er sprach vom Jahre 1903 und erwähnte, daß wir jetzt eine Art zehnjähriges Jubiläum der denkbar schlimmsten deutschen Schulden- Wirtschaft feiern. Wenn er dies Jubiläum, wie ich annehme, mit guten Vor- sähen für die Zukunft begehen will und sich vorgenommen hat, ähnlichen Krankheiten unserer Finanzen vorzubeugen, dann sprechen die Talen gegen die Worte des Herrn Schatzsekretärs. Die Tatsache bleibt bestehen, daß wir zur Feier dieses Jubiläums in die sechste Milliarde der Reichsschulden hinein- marschieren(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten), und daß auch der vorgelegte Etat wieder eine Erhöhung der Reichsschuld bringt. Nun sagt der Schatzsekretär ztoar, es liege nur ein Fehlbetrag von 33,4 Millionen vor, in Anbetracht des Drei- milliardenetats ein verhältnismäßig kleiner, durch Anleihe zu decken- der Fehlbetrag. Betrachtet man dieses Defizit von 33,4 Millionen aber genauer, so zeigt sich ein eigentümliches Bild. Mich er- innert dieses Defizit an eine Sage aus meiner Heimat, an das D orsgespenst, das nur einmal im Jahre kommt, ebenso wie der Etat, in einer ganz bestimmten Nacht des Jahres. Wenn man diesem Dorfgespenst begegnet, sieht eL zuerst ganz klein aus, wie ein K ä tz l e i n, betrachtet man es aber genau, so wächst eS und wächst es und nimmt bald die ganze Straße ein, wie ein großer Elefant. Betrachtet man dieses Defizit von 33.4 Millionen genauer, so fängt es auch an zu wachsen. Zunächst haben wir 81,7 Millionen für angebliche Schuldentilgungen, wofür wir vergeblich im Etat Deckung suchen. Diese muß man also dem Defizit zuzählen, und dann wächst es bereits aus 105 Millionen an. Dann aber hat der Reichsschatzsekretär schon selbst davon geredet, daß von den vielgerühmten und viel besprochenen Ueberschüssen des Jahres 1911 183 Millionen Mark verwendet werden, um die An- forderungen dieses Etats zudecken. Auch diese sind natürlich dem Defizit hinzuzuzählen. Das Ergebnis ist also, daß mehr als 300 Millionen Mark Ausgaben dieses Etats ungedeckt sind. Wenn die Dinge so liegen, wird man den Jubel, der bor den letzten Wahlen über die Herrlichkeit der Reichsfinanzreform er- hoben worden ist, doch erheblich dämpfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Drei Jahre nach der Reichsfinanzreform von 1909 stehen wir mitten drin in der schön st en Schulden- Wirtschaft und Aussichten, daß es besser wird, sind nicht vor- handen. Auch in den nächsten Jahren werden wir die Abwechselung erleben, daß einmal eine Militärvorlage und einmal eine Steuervorlage kommt. Heute wurde uns ja schon ein Nach- tragsetat in Aussicht gestellt, der eine Lustflotte bringen soll. Da kann man doch nicht davon reden, daß der Etat balanziert.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Reichsschatzsekretär hat offenbar selbst das Bedürfnis gefühlt, ein paar freundliche Lichter aufzusetzen. Nachdem er von den vielen Ausgaben für das Heer und die Marine geredet hat, hat er das Herzensbedürfnis gehabt, zu sagen, daß wir auch erheblich gesteigerte Ausgaben für sanitäre Zwecke haben und was kam dann heraus? Die Ausgaben für die Ausbildung der Schiffsjungen sind auf 1 000 000 M. erhöht.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Für Militär- und Marinezwecke werden im ganzen, wenn ich die Kolonialverwaltnng ausnehme, 1830 Millionen Mark gefordert, mit Einschluß der Kolonialausgaben 1861 Millionen. Die Nettoeinnahmen des Reiches betragen 1820 Millionen. Also in diesem Jubiläumsjahre haben wir das glorreiche Ergebnis, daß aus den Einnahmen des Reiches nicht einmal die Militärausgaben gedeckt werden können. (Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Steigerung der Heeresausgaben beträgt etwa 67 Millionen Mark, genau so viel, wie die sozialpolitischen Ausgaben auf Grund der Reichsversicherungs- ordnung ausmachen.(Lebhaftes Hörtl hörtl bei den Sozialdemo- kraten.) Von diesen Ausgaben betragen die für die Hinter- bliebenenversicherung 1950 000 Mark. Diese bescheidene Ziffer bitte ich zu vergleichen mit dem gewaltigen Getöse, das bei den letzten Wahlen von der Hinterbliebenenversicherung gemacht worden ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich will damit nicht die Idee der Hinterbliebenen- Versicherung herabsetzen. Im Gegenteil, es ist etwas Großes, daß das Reich die Verpflichtung anerkennt,-auch für die Witwen und Kinder der Arbeiter zu sorgen, während früher nur für die der Be- amten gesorgt wurde. Heißt eS aber nicht, die Not verspotten und der deutschen Sprache Gewalt antun, wenn man hier von einer Hinterbliebenenversicherung spricht.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Unsere Sache wird es sein, die Hinterbliebenen- Versicherung nicht zu bekämpfen, sondern durch ihren Ausbau dafür zu sorgen, daß sie aus einen, Schein zur Wahrheit wird.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Die Mittel, die aufgebracht werden müssen, könnten ja, wie zu den Zeiten der Finanzreform so vielfach gesagt wurde, auch durch Ersparnisse aufgebracht werden. Mit dem Etat ist uns eine Denk- schrift über Ersparnisse auf dem Gebiete der Heeresverwaltung vorgelegt worden. Der Reichstag hatte eine Denkschrift über die Zulagen verlangt. Es gab eine entsetzliche Menge von Zulagen: Funktionszulagen, Stellenzulagen, Ortszulagen, Ehrenzulagen, Dicnstalterszulagen usw. Der Reichstag ver- langte aber Einheitlichkeit. Nach der Denkschrift sind 1912 1 026 866 M. erspart worden. Vergleichen wir diesen Posten mit den vielen Millionen, die für das Heer ausgegeben werden, so ist es e i n Tropfen auf den heißen Stein. Wir würden ganz andere, gewaltigere Ziffern bekommen, wenn wir uns mal eine Denkschrift über die Posten herstellen lassen würden, die seit Jahrzehnten auf dem falschen Platz gespart wurden, durch die Ausgaben, die nicht gemacht wurden für Volkswohlfahrt, für Volksbildung, für Mutterschutz, für Säuglingsschutz, für Veteranen des Feldzuges und-für Veteranen der Arbeit, das würde einen wahren Milliardenetat geben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Aus den toten Zahlen des Etats spricht für den, der lesen will, daß die Masse, die Mehrheit des deutschen Volkes, die Leute, die von eigener Arbeit leben müssen, zwar die Hauptlasten des Reiches zu tragen haben, daß sie die Riesensummen aufbringen müssen, daß aber zu ihrem Besten nur ein verschwindend kleiner Teil dieser Milliarden verwendet wird.(Sehr wahr I bei den Sozialdemo- traten.) Soweit die Besitzlosen ihre Lage verbessern wollen, bleiben sie angewiesen im wesentlichen auf die eigene Kraft, vor allem auf ihre eigenen Organisationen. Das wird von vielen Leuten nicht gern zugegeben, man sagt nicht gern, daß die Massen der Arbeiter, der A n g e st e l l t e n, die Mittel aufbringen, man spricht lieber von der In- dustrie und dem Gewerbe. Wenn wir aber fragen, wäre die Entwicklung der deutschen Industrie ohne die Organi« sationen der Arbeiter denkbar, so kann die Antwort nicht schwer fallen. Könnten die Erfolge der Industrie erzielt werden, wenn nicht Millionen organisierter Arbeiter in der Industrie wären, sondern Millionen stumpfsinniger Unorganisierter, wenn nicht selbständige Gewerkschaftler hinter den Unternehmern ständen, sondern einHeer von gelben Knechten?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auch bürger- liche Sozialpolitiker, die etwas von den Dingen verstehen, müssen das anerkennen. So schreibt Professor F r a n ck e in der Nummer 9 der „Sozialen Praxis" über die Gewerkschaften und Genossenschaften: „Sie haben eine besonders wertvolleKulturarbert gc- l e i st e t; wir können nur fragen, was wäre aus dem deutschen Volke geworden, wenn die Arbeiter nicht gegen die Elendstendenzen des Jndustrialismus sich kraftvoll zur Wehr gesetzt hätten." Er renommiert dann, daß den deutschen Arbeiter uns niemand nach- machen könne. Ich will das nicht weiter untersuchen, aber das weiß ich, daß die deutschen Arbeiterorganisationen von allen Arbeitern der Welt als M u st e r angesehen werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In dem Zusammenhang kann ich sagen: wir renommieren ja nicht gern mit dem Wort„national", aber wir dürfen doch behaupten: für die Zukunft, für die Entwickclung der Nation ist die kleinste Gewerkschaft wichtiger und bedeutungsvoller als alle Wehr- und Kricgervereine zusammen. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) WaS tut denn nun aber die Reichsregierung, um diese Selbsthilfe der deutschen Arbeiterschaft zu fördern? Ich habe schon konstatiert, daß sie nichts dafür aus- gibt, aber eS gibt doch auch Hilfeleistungen, die nichts kosten. Was tut die Reichsregierung? Der Reichskanzler sieht ruhig zu, wie die Scharsmacher, die Großindustriellen ganz offen und schamlos durch schwarzeListen, durch ei n s ei t i g e A r b e i t s- nachweise Jahr für Jahr Hunderttausende von Arbeitern brotlos machen,(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Huuderttausenden von Arbeitern ihre Freizügigkeit nehmen. Das beschränkt sich nicht mehr auf die Arbeiter im engeren Siune, bei den Angestellten wird schon die gleiche Praxis angewandt, Der Verband hannoverscher Industrieller hat sich eine Kartothek angelegt, um die Mitglieder des Bundes technisch-industrieller Beamten zu maßregeln. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) lind die große V e r s i ch e- r u n g s- G e s e l l s ch a f t Viktoria, die von Arbeiterpfennigen lebt, hat Mitglieder des Zentralverbaudes der Handlungsgehilfen aufs Pflaster geworfen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler rührt keinen Finger, um hier einzugreifen, und es wäre doch möglich, von Reichs wegen das Köalitionsrccht zu schützen. Heute denkt die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes über das Koalitionsrecht so, daß man es für eine Unanständigkeit, ja für eine Ehrlosigkeit ansieht, wenn' ein Unternehmer seine wirtschaftliche Ueberlegenheit dazu mißbraucht, den Arbeitern ihr Vereinigungsrecht zu nehmen.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Aber eS wäre zu viel verlangt, wenn wir von der Reichsregierung erwarten sollten, daß sie vielleicht hier im Wege der Reichsgesetzgebung»Hilfe schafft, von der gleichen Reichsregierimg, die es bisher noch nicht einmal fertig gebracht hat, das Reichsbereinsgesetz durch- zuführen in Deutschland. Alle Jahre müssen wir hier mit einer Interpellation kommen, um die Regierung an ihre Pflicht zn mahnen. Es existiert namentlich in P r e u ß e n auch noch auf anderen Ge- bieten eine förmliche Polizeiwissenschaft mit dem Ziele, das alte Unrecht der früheren Vereinszustände her- einzuschmuggeln an Stelle des neuen Reichsvereinsrcchts. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich will heute nur einen besonders drastischen Fall anführen. Bei der Be- ratung des Reichsseuchengesetzes wurde von einem meiner Freunde in der Kommission behauptet, die Bestimmungen über die Seuchen würden sicher dazu mißbraucht werden, um das Ver- einigungsrecht der Arbeiter zu verkümmern. Da gab es ein großes Gelächter, man hat gemeint: diese Sozialdemokraten �sind doch zu mißtrauische Gesellen, die suchen hinter jeder noch so wohl gemeinten Maßregel eine Falle für die Arbeiter. Und was kam? Bald darauf kam irgend eine Polizeiseele richtig auf die Idee, wegen der Maul- und Klauenseuche eine Versammlung von Arbeitern zu verbieten.(Hört? hört! bei den Sozialdemokraten.) Nun hoffe ich allerdings, daß gestern oder vorgestern das Oberverwaltungsgericht diese Verfügung auf- gehoben hat. Aber ich weiß auch aus zahlreichen Fällen, daß die Polizei sich um die gerichtliche Vorentscheidungen überhaupt nicht kümmert(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und zwar vielfach, weil ihre Vorgesetzten sie direkt auffordern, die Entscheidungen der Gerichte zu mißachten und die alte Verwaltungspraxis beizubehalten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Reichskanzler so schwach ist, daß er nicht einmal das Neichsvereinsgesetz durchführen kann, dann kann ich natürlich gesetzgeberische Taten von ihm nicht erwarten. In dasselbe Kapitel gehört die Tatsache, daß wir auch heute noch, nachdem wir Milliarden ausgeben für das Militär, noch immer die ungeheuerliche Tatsache des Militärboykotts haben, über den nicht von Sozialdemokraten, nein von dem Mittel- stand, den die Herren auf der Rechten schützen wollen, in den aller- schärfsten Ausdrücken gesprochen ist. Man könnte es, wenn auch nicht billigen, so doch verstehen, daß für die Dauer einer Versamm- lung für Militärpcrsonen der Besuch eines Wirtshauses unter» sagt wird, aber woher die Reichsbehörde, die vom Geld der Arbeiter lebt, das Recht hernimmt, die Lokale förmlich für verpestet zu erklären, in denen sozialdemokratische Versammlungen stattfinden, das ist eine ganz unerhörte Gewalttätigkeit, die das deutsche Volk sich nicht gefallen läßt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Herren auf der Rechten treiben ein gefährliches Spiel, wenn sie den KaMff dagegen uns überlassen, sie billigen dadurch stillschweigend das, was von jener Seite wider Recht und Gesetz geschieht. Wenn wir solche Dinge hören, wundert es uns nicht, eS ist vielmehr ganz folgerichtig, daß die Sieichsregierung auch für den neuesten Akt der Selbsthilfe der deutschen Arbeiter nichts übrig hat an Förderung. Ich spreche von dem Versuch der deutschen Gewerkschaften und der deutschen Genossenschaften, durch eine Aktiengesellschaft BolkSfürsorge der Ausbeutung ein Ende zu machen, die seit Jahren die sogenannten Volksversicherungen betreiben. Ich will Sie mit Zahlen nicht langweilen, aber doch an folgendes erinnern. Die Volksverstcherungen„Viktoria" und„Friedrich Wilhelm" haben in drei Jahren mehr als 600 000 Verfallpolicen gehabt. Das heißt, irgend ein Arbeiter, der für seine Familie sorgen will, tritt in diese Volksversicherung ein. Sie wissen ja, wie wenig gesichert das Leben der Arbeiter auch in guten Jahren ist, wie wird eS erst in der Krise sein? Nach ein paar Monaten wird der Mann krank; er verliert seine Arbeit, er ist ein- fach unfähig, die Prämie weiter zu bezahlen. Dann verfällt das, was er gezahlt hat, der Versicherungsgesellschaft. Ich sagte, in drei Jahren hätten zwei Gesellschaften 660000 solcher Policen gehabt, und von diesem Blutgeld ärmster Arbeiter zahlt eine dieser Gesellschaften, die„Viktoria", an ihren Direktor 780 000 M. Jahreseinkommen.(Hört I hört! b. d. Soz.) Derartige Dinge sind doch einfach empörend, und wenn Sie weiter hören, daß diese Ver- sicheruna das Kapital zu 39 bis 40 Prozent verzinst, dann meine ich. das Geld deutscher Arbeiter ist zu gut, als daß es für solche Zwecke verwendet wird.(Sehr wahr I bei den Sozialdemo- kraten.) Nun sollte doch die Reichsregierung es mit Freuden be« grüßen, wenn die Organisationen der Arbeiter die Pflichten erfüllen, die die Regierung erfüllen müßte.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Seit Jahrzehnten bestehen diese Mißstände, es hat sich niemand darum gekümmert, was aus den Arbeiterpfennigen wird. Jetzt, in dem Augen- blick, wo die Selbsthilfe einsetzt, da erwacht endlich die Reichs- regierung aus ihrem langen, langen Schlaf, nicht etwa zu dem Zweck. den Arbeitern ihre Sympathie auszusprechen, sie moralisch zu unterstützen, nein, eS iverdcn die großen LcbenSversicherungsgesell- schasten, die für ihren Profit zittern, mobil gemacht, und dann versammeln sich 33 Vertreter deutscher Landesversicherungen— ich weiß nicht, ob direkt auf Einladung des Reichskanzlers—, um nicht für, sondern gegen die Selbsthilfe der Arbeiter Stellung zu nehmen.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Das paßt in das Bild hinein. Wir können ja eigentlich stolz sei» auf die Wirkung unseres Vorgehens, denn es wird doch auch für den Blindesten klar, daß seit Jahrzehnten, was auch immer in Deutschland an Fürsorge für die Massen geschah, der Arbeit unserer Organisationen entsprang. Wer hat sich darum gekümmert, was aus der Großstadt- jugend wird, aus den Hunderttausenden armer Lehrlinge und jugendlicher Arbeiter, die das Wirtschaftsleben in die großen Städte hineinwirft und dort vollkommen aufsichtslos, schutzlos und freudlos läßt? Da kamen erst die Sozialdemokraten mit ihren Jugendorganisationen, und erst viel später kam hinten nach der Krähwinkler Landsturm der Regierung und der preußischen Beamten. ES ist noch eine traurige Sache, wenn die Arbeiter sehen, wie man ihren Selbsthilsc- bestrebungen entgegentritt. In den Jugendjahren des Sozialismus kamen die Vertreter der Regierung und der bürgerlichen Parteien und sagten den Arbeitern, sie sollten nicht nach Staatshilfo rufen, sondern Selbsthilfe üben. Wenn die Arbeiter aber jetzt Ernst machen mit der Selbsthilfe, dann tritt man ihnen ent- gegen. Das ist nicht bloß so auf wirtschaftlichem Gebiete. Die deutschen Gewerkschaftler zeichnen sich dadurch aus, daß sie neben* ihren Kämpfen um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen auch bestrebt sind, sich geistig fortzubilden. Die beiden großen Volksbühnen in Berlin, die gewaltigen Kunst- Konsumvereine der Arbeiter sind eine Leistung, die mgn den Fremden mit mehr Stolz zeigen kann, als die SitgeSaNee.(Sehr richtig Z Kei den Sozialdemokraten.) Wie werden diese Kunstorganisationen der Arbeiter nun behandelt? Zu« nächst hat man einige Scheu gezeigt, hier anzupacken. Dann kam eines Tages ein vielgenannter Polizergewaltiger und stellte die Freie Volksbühne unter Aufsicht und Zensur, zunächst angeblich nur im Interesse der Arbeiter, um sie vor Feuersgefahr zu schützen. Nach einiger Zeit aber wurde er deutlicher und verbot im letzten Jahre die Aufführung des Werkes von R o se n o w«Die im Schatten leben". Ich würde hier darüber nicht reden, wenn nicht die Beschwerde gegen dieses Verbot vom Potsdamer Oberpräsidenten am 12. August zurück- gewiesen worden wäre mit einer Begründung, die ein �Zeitdokument ist, aber kein Dokument von unserer Zeitenehre. Der Oberpräsident rechtfertigt das Verbot damit, daß die Schilderung des Bergarbeiter- loses in dem Drama aufreizend sei, denn sie beruhe auf einer Verfälschung des bestehenden gesetzlichen Zustandes. Der Ober- Präsident weist nach, dag der Dichter bei der Schilderung des Loses eines armen Invaliden nicht berücksichtigt habe die Bestimmungen im allgemeinen Berggesetz vom 19. Juni 19(36, wonach der arme Invalide berichtigt war. Knapp schafts- Unterstützung zu beziehen.(Heiterkeit.) Nun hätte Rosenow dieses Gesetz ja gern Berücksichtigt, wenn er nicht das Unglück gehabt hätte, schon 1994 zu sterben.(Grosse Heiterkeit.) Weiter meint der Oberpräsident. eS sei auch das llnfal Ige setz von 1990 bei dem Schicksal einer armen Witwe nicht berücksichtigt worden. Rosenow hat das alles nicht berücksichtigen können, weil ja nach dem Willen des Dichters das Stück in den achtziger Jahren zu einer Zeit spielt, woeö weder die Arbeiterversicherungsgesetze, noch die Arbeiterbewegung gab. Nach der Logik des Potsdamer Oberpräsidenten müßten wir auch ein Verbot der„Weber" bekommen. weil Gerhart Hauptmann verabsnuint hat, die verschiedenen Arbeiterschutzgesetze in seinem Drama gebührend zu berücksichtigen. (Erneute Heiterkeit.) Es eröffnet sich hier st rebsamen Ober« Präsidenten ein weites Feld der Tätigkeit. Mit diesen kleinen und kleinlichen Maßnahmen gegen die Arbeiterbewegung sind die Unternehmer aber noch nicht zufrieden. Ihr Ehrgeiz �zeht weiter. Sie zielen darauf ab, durch einen einzigen großen vernichtenden Schlag die Arbeiterorganisationen zu treffen und das K o a I i- tionSrecht zu ruinieren. Diesen Plan maskieren sie mit dem Wort:„Schutz der Arbeitswilligen". Ich weiss wohl. daß der Reichstag im letzten Frühjahr mit großer Mehrheit den Antrag der Konservativen abgelehnt hat, der ein solches Gesetz verlangt. Für den Antrag stimmten nur die Konservativen und ein paar All- oder Falschnationalliberale.(Heiterkeit.) Wir lassen uns aber nicht in Sicherheit wiegen, denn die planmäßige Agitation geht weiter, vor allem mit dem Ziel, das Streik- postenstehen unmöglich zu machen und damit dem Koalitions« recht seinen Inhalt zu nehmen. Angesichts dieser Agitation ist es notwendig, daß wir hier nochmals mit aller Ruhe, aber auch mit allem Ernste und Nachdruck erklären: Die Behauptung, daß in Deutschland die Arbeitswilligen nicht genügend geschützt feien, ist eine ganz frivole Entstellung der Wahrheit. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn Ihnen der Einfall käme, ausserhalb des Hauses irgend einen mächtigen ?.(taim, den Reichskanzler, Herrn v. Heydebrand, Herrn Erz berger(Heiterkeit) zu beleidigen, so kann der Richter, wenn er will, Sie mit einer Geldstrafe von drei Mark bedenken. Wenn aber ein Arbeiter in einer Lohnbewegung einen Streikbrecher mit dem Namen nennt, der ihm zukommt, dann muß der Richter den Mann ins Gefängnis werfen. Sie sehen, heute besteht ein Atls nahmegesetz nicht gegen, sondern für die Streikbrecher.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß diese Bestimmungen nicht bloss auf dem Papier stehen, sondern mit voller Schärfe angewandt werden, dafür sorgen schon die Be- Hörden, die damit betraut sind. Wir haben ja vor einigen Jahren ein Beispiel größten Stieles erlebt bei der großen Bergarbeiterbewegung. Mehr als 3909 Anklage» wurden dort erhoben und Arbeiter wurden, weil sie„Pfui I" oder „Streitbrecherl" gerufen hatten, mit Gefängnisstrafen von vier bis acht Wochen oder mehr belegt.(Hört! hört l bei den Sozialdemo- kcaten.) Im Berggebiet begnügte man sich nicht damit. Männer zu verfolgen, sondern man führte auch den Kampf gegen Frauen u n d Kinder. Im Klassenkampf gibt es kein Rotes Kreuz, und niemand Ivird ohne Scham und ohne Ergriffenheit die Schilderung lesen, die eine Bergarbeiterfrau von ihrem Aufenthalt im Gefängnis gibt, wo sie zusammen mit ihrem fünf Monate alten Säugling sitzen mußte(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.), wie das Kind in der engen Zelle mit der schlechten Luft immer blasser Ivurde und erkrankte, und wie sich noch Wochen- lang nachher die Folgen der Haft bei dem Säugling zeigten. Solchen gesetzlichen Bestimmungen unter einer solchen Praxis gegenüber noch nach Verschärfungen rufen, dazu gehört eine Stirn und ein Herz von Eisen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Selbst der fromm- konservative«Reichsbote" sagt bei der Besprechung der Urteile im Bergrevier:„Auf jeden Fall muß an- gesichts dieser Urteile der Ruf nach einer Verschärfung der Strafen für Streikvergehen verstummen."(Hört I hört!) Was sagen Sie aber dazu, wenn ich Ihnen den Satz verlese,„der deuls-he Arbeiter, der den Beitriitt versagt, dem gebührt ein Pfui I" Das ist doch gewiß eine scharfe Beleidigung der Arbeits- willigen. Ich habe aber an einer Stelle falsch gelesen. Es heißt nicht„der deutsche Arbeiter", sondern«der deutsch-Brenne r", und der Artikel stammt aus der den Herren von der Rechten nicht unbekannten„Agrarkorrespondenz" und richtet sich gegen dieAutzen- s e i t e r, die dem SpirituSring nicht beitreten wollten.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Ist es nicht eine bodenlose innere UnWahrhaftigkeit, wenn Leute von der Rechten außer- halb de? Hauses(Heiterkeit) Ausnahmebestimmungen verlangen zum Schutze der Leute, die ihren Berufsgenossen in den Rücken fallen. Während hier von einem akademisch gebildeten Manne in aller Ruhe ein Zeitungsartikel geschrieben worden ist im Interesse des erhöhten Profits der Brenne- r e i e n, handelt es sich bei den Arbeitern, die in der Hitze des Ge- fechis einen ähnlich scharfen Ausdruck gegen die Streilbrecher brauchei«, um einen Kanipf für ihre Existenz. Der Reichskanzler sollte die Erklärung abgeben, daß er nicht blas ein Ausnahmegesetz zum Schutze der Arbeitswilligen ablehnt, sondern daß er Be- stimmungen mit dieser Tendenz auch nicht in die neue Strafgesetznovelle hineinarbeiten will. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler sollte sein Augenmerk darauf richten, wie gewaltig die Macht des Kapitals ans chwillt, waS für Fortschritte die Konzentration der Banken macht und wie sich das � auf allen Gebieten zeigt: Auf einem Gebiet scheint eS ja d-r Regierung zu dämmern, als ob die bisherige Praxis nicht weitergeführt werden kann, auf dem Gebiet der Kohlenver- f o r g u n g. Da haben wir gehört, daß ein ganz leiser Anfang eines Versuchs gemacht worden ist, sich gegen die liebermacht des KohlenstindikatS zu wehren. Es ist der Regierung aber dieser erste V-rsuöh nicht gut bekommen. Herr Hugo StinneS und andere feiner Kollegen sind mit dem Handelsminister recht gröblich um- gegangen, und auch der Minister B r e i t e n b a ch ist so schlecht be- handelt worden, daß ich die Gründung eines SchuhvcrbandeZ von Ministern gegen solche Angriffe nur für eine Frage der Zeit halte.(Heiterkeit.) Ich habe diese Behandlung derMimstcr bedauert, wie eS mir immer leid tut, wenn jemand gekränkt wird. Aber ein gutes hat sie gehabt, * vielleicht lernt der Reichskanzler daraus, wie diese Leute erst mit A ii g e st e l l t e n und Arbeitern umgehe n müssen. (Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Ich weiss nickt, wie die Entwickelung auf diesem Gebiete lein wird, lieber den Versuch, das Monopol einer anderen Kapitalsmacht zu brechen, wird ja demnächst bei dem Gesetz über das Petroleummonopol geredet werden. Wenn die Regierung ernstlich gegen die Uebermacht der großen Herren etwas tun wollte, so gibt es nur eine Antwort, die Eindruck machen und würdig sein würde: Der Uebergang zu einer entschlossenen, energischen Sozialpolitik.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Würde die Regierung es wagen, für die vier Millionen Arbeiter der Eisenindustrie ernstlich zu sorgen, so wäre das eine viel bessere Antwort, als wie sie in der„Nordd. Allg. Ztg." vom Handels- minister S t> d o w nicht gegeben worden ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Eine energische Weiterfiihrung der Sozialpolitik müssen wir namentlich auf dem Gebiet fordern, wo der Reichstag seltener und seltsamerweise sich einig zeigte, auf dem Gebiet der W o h n u n g s f ü r s o r g c. Da hat der neue Reichstag in den Flitter- Wochen seines Eifers den Beschluß gefaßt, die Regierung vorwärts zu treiben. Auf die Anfrage meines Freundes G ö h r e haben wir aber eine Antwort bekommen, die keineswegs große Hoffnungen weckt. Es besteht die Gefahr, daß die Regierung die alte Kompetenzfrage wieder hervorholt, und daß die Einzelstaaten und die Reichs- regierimg Ball niiteinander spielen. Ich frage, wer ist schuld daran? Hier im Hause haben erfreulicherweise auch die Konser- vativen aller Schattierungen dafür gestimmt. Aber im Abgeordneten- hause"hat am 2. März der freikonservative Abgeordnete Herr v. Zedlitz-Neukirch gegen ein ReichSwohnungsgesetz gesprochen und ein Landesgesetz mit der Beschränkung auf die Großstädte ver- langt. Nun bitte ich, dazu zu halten, daß das Herrenhaus aus dem Zweckverbaudsgesetz die Bestimmung gestrichen hat, daß der Zweck- verband das Recht haben soll, Grundstücke zum Wohnungsbau zu erwerben. Also auch hier wieder der Zweck, die Landbezirke von der Wohuungsfürsorge, überhaupt von der sozialen Fürsorge auszunehmen I Ebenso war es beim Mutter- und Säuglingöschutz. Immer zeigen die Herren rechts ihre Fürsorge für die Landarbeiter darin, daß sie ihnen jeden staatlichen und Rechtsschutz fernhalten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Wider- spruch rechts.) Sie wollen doch nicht bestreite», daß Herr v. Zedlitz die Wohnungsfürsorge auf die Großstädte beschränken wollte und deshalb ein Landesgesetz verlangte. Die Behauptung, daß etwa nur die Großstädte an Wohnungsnot leiden, ist unhaltbar, hierfür kann ich mich als Zeugen auf die preußische Regierung berufen, sie hat 1994 in der Begründung eines Entwurfes zu einem Wohnungs- gesetz geschrieben: es kann nicht bezweifelt werden, daß in dem Wohnungswesen weiter Bevölkerungskreise, und zwar nicht nur in den Großstädten und Jndustriebezirken, sondern auch in kleineren Gemeinden wesentliche Mißstände herrschen, die dauernder Natur sind.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Und schon im Jahre 199l hat die preußische Thronrede erklärt, daß ein Eingreifen staatlicher Fürsorge in die Wohnungsverhältnisse not- wendig sei. Aber bei der Einlösung von Versprechen� die in Thron- reden gegeben sind, sind wir an lange Fristen gewöhnt. Auch bei der Frage des Wohnungswesens sehen wir wieder, daß alle kleinen Einzel- fragen in die große Frage des Preußische» Wahlrechts münden.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Warum will denn Herr v. Zedlitz, daß ein Landesgesetz gemacht werde. Weil er weiß, daß er im Landtag eher die Aussicht hat, durchzusetzen, daß keine Fürsorge für die Arbeiter Platz greift.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.). Neben der preußischen besteht die kleinere reußische Wahlrechtsfrage. Das kleine Land Reuß, das froh sein sollte, wenn nicht von ihm gesprochen wird, hat den großen Ehrgeiz, in bezug auf Schlechtigkeit des Wahlrechts es seinen großen Brüdern im Bundesrat gleich zu tun, und will durch die Einführung eines Fünfklassen-WahlrechteS die Arbeiter entrechten. Wir haben gehört, daß in den letzten Tagen die Arbeiter in großen Versammlungen ihrer Entrüstung darüber Aus- druck gegeben haben, und wir haben weiter gehört, daß die bürgerlichen Parteien entschlossen seien, dieser Bttschlechterung des Wahlrechts zuzustimmen. Interessant ist es, daß zu dieser bürgerlichen Mehr- heit, die den Verfassungsraub vollführen will, auch zwei oder drei Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei gehören sollen.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ich kann mir nicht denken, daß die Fortschrittliche Volkspartei ihren Wahlrechtskampf in Preußen damit beginnen will, daß sie dort, wo sie Einfluß hat. zu einer Beschränkung des Wahlrechts die Hand bietet.(Zuruf bei der Fortschrittlichen Volkspartei.) Es wird mich sehr freuen, wenn die Zeitungen darüber falsch berichtet haben und der Sprecher der Volkspartei mich hier widerlegen kann. Sie sehen, auf den verschiedensten Gebieten haben wir große und wichtige Aufgaben zu erfüllen, für den Aufstieg der Arbeiter- mästen müssen wir Schritt für Schritt uns den Boden erst er- kämpfen. Und da gibt eS eine große Partei, die den Versuch macht, die Massen abzulenken von den dringlichsten Aufgaben des Tages. und ihre Aufmerksamkeit zu lenken auf ein Gebiet, dessen große Wichtigkeit ich nicht anerkennen kann. Ich spreche natürlich vom Zentrüm. In der gleichen Zeit, wo Millionen von Arbeitern gegen die Teuerung und den Krieg demonstrieren, ruft das Zentrum Massenversaritmlungeu in der Jesuitenfrage ein. Gewiß, sein gutes Recht. Aber ich erinnere Sie(zum Zentrum) daran, in den letzten Tagen erst haben Ihre Redner sich beteitigt an der allgemeinen bürgerlichen Verurteilung unserer Demonstrationsvcrsammlungen. Aber hier, wo eS sich um die Jesuiten handelt, da wäblen Sie genau so, wie wir Soztaldemo- kraten, den Weg der Massendemonstrationen, vielleicht kommen die Straßendemon st ratio» e'n auch noch, um auf die Gesetz- gebung, vor allem den'Bundesrat, einzuwirken. Nun ist ja eine Ent- scheidung des Bundesrats über die Auslegung des Jesuiiengesetzes gefallen, und ich stehe nicht an, zu erklären, daß. da nun einmal das Jesuitengesetz besteht, ich unter dieser' Boraussetzung die Entschei- dung des Bundesrats für sehr erfreulich halte(Hört, hörtl im Zentrum), weil ich meine, es geht nicht an, daß durch eine bayerische Verordnung ein Reichsgesetz einfach aus der Welt geschafft wird.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Was heute beim Jesuitengesetz geschieht, kann morgen beim Koalitionsrecht geschehen. Zu der religiösen Seite der Frage will ich kein Wort sagen, zu ihrer politischen Bedeutung nur noch folgendes: Wir halten diesen Ausgang der Sache für ein« schwere moralische und politische Niederlage des Ministeriums Hertling. Dies Ministerium wurde berufen zu dem ausschließlichen Zweck, Herr v. Hertling sollte wie ein Ritter Georg gegen den Drachen des Umsturzes vorgehen, er wunde berufen, die Gesetzlichkeit zu verteidigen gegen den Umsturz» Und seine erste Tat als Minister war: er beging den Umsturz gegen die Gesetzlichkeit.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nun ist allerdings in der Presse gesagt worden, der Bundesrat habe als Pflaster auf die Wunde des bayerischen Ministeriums ihm zugebilli'gt, daß er im guten Glauben gehandelt habe. Der gute Glaube>bei einem bayerischen Minister ist nicht zu bezweifeln.(Heiterkeit.) Aber darum dreht es sich nicht. Bei einem Politiker ist das Entscheidende die Tat. Trotz dieses Zwischenspiels Hertling und trotz des Urteils, das wir darüber fällen, habe ich namens meiner Fraktion zu erklären, daß wir selbstverständlich nach wie vor immer noch kein« Aug st haben vor Jesuiten, daß wir nach wie vor bereit sind, für die Aufhebung des noch be- stehenden Gesetzesrestes zu stimmen, obwohl auf dem Katholikentag die Jesuiten empfohlen worden sind als bestes Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Ich kann Ihnen sogar sagen, meine Herren vom Zentrum, wir sind fürchterlich unge- duldig: wann kommt denn Ihre Interpellation in der Jesuiten- srage?(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich freue mich auf den Augenblick, wo Sie aus unseren, aus den Händen der Sozialdemokraten die Aufhebung des Ausnahmegesetzes empfangen werden in dem Augenblick, wo Sie in Bayern gegen uns Ausnahmegesetze und AuS- nahmepraxis machen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In der Zentrumspress« hat man davon geredet, daß infolge dieser Vorgänge für das Zentrum eine Zeit der Opposition gekommen sei, ein Teil der Presse hat recht kräftige Töne gefunden. So hat die„ÄugSburgor Post" geschrieben, in Deutschland ragiert nicht dt« Vernunst, nicht die staatsmännischc Klugheit, bei uns in Deutsch- land regiert der Evangelische Bund unter dem Pro» tektorat einer hohen Dame, die als Gattin und Mutter als leuchtendes Beispiel dasteht, aber die ihren Unterricht im Katholizismus in Mecklenburg genommen hat und keine Gelegenheit hatte, nach ihrer Uebersiedelung in die Reichshauptstadt ihre Äuffassmigen über katholisches Wesen zu korrigieren." Ich muß schon sagen: wo inan so viele verantwortliche Männer hat, warum man sich gerade eine nichlverantwortliche Frau heraussucht? Aber das ist so südliche Gewohnheit: in M ü n ch e n und in W i e n. da haben eben die Frauen, Prinzessinnen und Erzherzo« ginnen politischen Einfluß. Ich glaube, so scharst An- griffe gegen eine Dame auS dem Hohenzollernhause sind nicht mehr gerichtet seit Bismarcks Zeiten. Allerdings, Bismarck sprach nicht bloß von den Frauen, er sprach von den Politikern in langen Kleidern und meinte damit Politiker beiderlei Geschlechts.(Heiterkeit.) Also für das Zentrum steigt die Morgenröte der Opposition auf. Herr Erzberger lacht mir verständnisvoll zu, er weiß, luas ich sagen will— er weiß ja alles.(Große Heiterkeit.) Meine Herren vom Zentrum, Sie haben seit 1999 drei Jahre lang als R e g i e r u n g s trup p e exerziert, Sic sind gar nicht mehr fähig, auch wenn Sie wollen, als Freischärler in der Opposition zu stehen.(Zurufe im Zentrum: Abwarten.) Daö ist nicht eine Unter- schätzung Ihrer Fähigkeil, sondern ich schließe daö aus Vorgängen im vorigen Jahr. Als damals Herr v. Heeringen Sie durch ein vielleicht aus Versehen' scharf gewordenes Wort verletzte, da trat Dr. Spahn hier auf, und gab eine kurze Kriegserklärung ab, daß den Neulingen im Hause, vielleicht auch am Bundesratstische eine Gänsehaut über den Rücken lief.(Heiterkeit.) Aber wie ist es dann gelommen? Es kam so. wie Herr B a s s e r m a n n vor«in paar Tagen von der Kriegserklärung sagte, auch hier ist nichts anderes heraus- gekonimen als eine neue Militärvorlage des Zentrums.(Heiterkeit.) Und dem gleichen Kriegsminister, der das Zentrum in so scharfer Weise damals angriff, und der nachher in der Frage der jüdischen Reserveoffiziere auch das höchste Mißfallen der Fortschrittlichen Volkspartei erregte, haben nachher das Zentrum und die Herren Liberalen ohne weiteres das Gehalt und den Etat bewilligt, und ebenso dem Reichs- kanzler, der für die ganze Wirtschaft verailtworllich/ist. Wir Sozial- deinokralen waren die einzigen, die nicht bloß durch Worte, sondern auch durch die Tat den Willen zur Opposition zum Ausdruck brachten. Also wir werden für die Aufhebung de» Jesuiten- gesetzeS st im in en, wahrscheinlich werden nur die National- liberalen dagegen stimmen. Waruni, verstehe ich offen gestanden nicht. Wie kann man gegen die Jesuiten stimmen, ivenn»lau draußen die Politik der Jesuiten macht?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wie liegen denu die Dinge? Die Gefahr für die politische Ent- Wickelung Deutschlands sind doch nicht die Jesuitc»— wir haben' jetzt schon genug davon im Lande(Heilerkeit)—, sondern die Gefahr ist der Klerikalismus als politische Erscheinung. Der Plan liegt offen vor aller Augen: Norddeutschland soll von Konservativen regiert werden mit klerikaler Hilfe, und der Süden vom Zentrum mit konservativer Hilfe. Die politische Karte Deutschlands soll im Norden blau sein init schwarzen Tupfen, und im Süden schwarz mit blauen Tupfen. (Heiterkeit und Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Es ist in dieser Richtung schon viel geschehen: Bayern ist soweit, Elsaß- Lothringen hat eine klerikale Mehrheit, und vor wenigen Tagen waren eS die Nationalliberalen, die in W ü r t t e in b e r g Zentrum und Konservative hart an den Rand der Mehrheit gebracht haben. (Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine iiikonsegnente Politik, wenn man hier die paar Jesuiten nicht ins Land lassen will, aber gerade dort, wo sie politi- scheu Einfluß gewinnen, wo sie herrschen, ihnen hilft auS Angst vor den Arbeitern, aus Aug st vor der Sozialdemo» lratie. Wir nehmen für uns in Anspruch, daß wir den Klerika- liSmus wirklich bekämpfen. Man bekämpft ihn nickt mit Polizeigesetzen, sondern nur durch eine ehrliche konsequente demo- kratischePolittk.(Sehr richtig! links.) Der Reichsichatzsekretär schloß mit der Erinnerung an ein Jubiläum, ich will dasselbe tun. In diesem Jahre wurde das S9jährige Jubiläum des großen natio- nalen Schützenfestes in Frankfurt a. M. gefeiert. Vor 59 Jahren hielt die Hauptrede ein Mann, der bei der Linken dieses Hauses einen guten Klang hat: S ch u l z e- D e l i tz sch sprach über die oenlsche Frage und sagte: diese Frage wird niemals den besiehenden Gewalten gegenüber zu bestehen aufhören, als bis ein Volks- Heer, das bewaffnete Volk selbst, hinter dem Parlament steht, alle politische Wiedergeburt mutz aus dem Schöße des Volkes selbst hervorgehen."(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Und wer kam jetzt nach 59 Jahren als Sprecher des fortgeschrittenen deutschen Bürgertums? DakamPrinzHeinrich von Hoben- z o l l e r n(Heiterkeit links) und sagte:„Jeder deutsche Stamm sei treu seinem Herrn und wir alle seien treu unserem Oberherrn. Trumpf siir unser Bürgertum sei heute der Gehorsam". Da hat sich kein Mann gefunden, der daran erinnerte, daß es früher hieß: Nicht Gehorsam soll Trumpf sein für den Bürger, sondern Frei- heit.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokralen.) Wenn wir so sehen, wie breite Massen des Bürgertums in Altersweisheit erstarrt sind, müde sind, ist es unsere Aufgabe, die junge Kraft, die in der Arbeiterklasse ruht, zu organisieren und zum Siege zu führen. Wir wollen nicht Gehorsam, wir wollen Rebellentrotz, wir wollen' die Arbeiterklasse weiter führen auf ihrem Wege zum Siege gegen Klerikalismus. gegen Kon- servative, gegen Ausbeutung, für Freiheit, für Demokratie und für Sozialismus.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Wenn Herr Frank für Aufhebung deS Jesuitengesetzes stimmen ivird, dann bin ich ihm dankbar und ver- zeihe ihm alle seine Bosheiten.(Heiterkeit.) Was unser Nenkontcr mit dem Kriegsminister im vorigen Jahre wegen der Duellsrage anlangt und unsere nachherige Bewilligung des Gehalts deS Kriegs« Ministers, so sind wir von der Ansicht ausgegangen, daß wenn eS gelänge mit Hilfe des Kriegsministers. wie er andeutete, eine Aenderung zum Besseren in der D u e l l f r a g e herbeizuführen, daß wir dadurch mehr erreichen würden als durch eine unfruchtbare Demonstration, Ob wir etwas erreicht haben, wird uns ja demnächst der Kriegsminister sagen. Die Definition des Bundesrats über die religiöse Tätigkeit, die unter das Jesuiteng-setz fällt, bilden einen Rückschritt auck gegenüber den Verhältnissen in Preußen. Religiöse Tätigkeit ist keineswegs gleichbedeutend mit scelsorgerischer Tätigkeit. Daß Preußen bei der Vorbereitung der Maigesetze auch die seelsorgerische Täligkeit treffen wollte, hatte seinen guten Grund: wollte man die Katholiken auf die Knie zwingen, fo mutzte man ihnen die Geistlichen nehmen und sagen: Zuzug fernhalten. WaS ober hat es jetzt nock für»inen Zweck. den Jesuiten die seelsorgerische Tätigkeit zu verwehren- Was geht es beispielsweise die Oeffentlichkeit an, wenn ein Dienstmädchen in einem Hause, in dem ein Jesuit verkehrt, die Gelegenheit benutzt, bei ihm zu beichten. Und wie will man denn die Maß» regeln durchführen? DaS würde ja zur schlimmsten Denunziation führen. Will man vielleicht, wenn ein Jesuit bei mir zu Tisch ist, nachforschen, ob er etwa daS Tsichgebet ge- sprocken hat. Was ist denn in Deutschland vorgekommen, um derartige Bestimmungen gegen die Jesuiten zu. rechtfertigen? Tat« sächlich nichts, gar nichts. Gehen wir doch ins Ausland, nach Eng- land. Dänemark. Schweden. Holland, überall hören wir das L o b der Jesuiten. Und würden denn wir so andauernd für die Jesuiten eintreten, wenn wir nicht von ihrer Makellosig« keit überzeugt wären.(Lebhafte Zustimmung im Zentrums Die Jesuiten werden ihren Leidensweg weitergehen, sie werden auch im Ausland ihr Deutschtum bewahren und deutsche Interessen ver- treten. Aber das Reich lädt eine schwere Schuld aus sich(Lebhafte Zustimmung im Zentrum), und wir werden diese Schuld abzuwälzen stich en und die Aufhebung deS Jesuitengesetzes verlangen.(Erneute lebhafte Zustimmniig im Zentrum.) Die Zeit wird kommen, wo auch die Mitglieder der anderen Parteien, auch die der national- liberalen Partei sich sagen werden, es war unverständlich, wie man den Katholiken das Reckt nehmen konnte, das wir für uns selbst in Anspruch nahmen. Ich habe daher folgende Erklärung abzugeben: „DaS Gesetz vom 4. Juli 1872 betreffend den Orden der Ge- sellschaft Jesu enthält einen Angriff gegen die katho- tische Kirche und die staatsbürgerlichen Rechte der Katholiken im Deutschen Reiche. DaS klösterliche Leben und die Wirksamkeit der Orden liegen im Wesen der katholischen Kirche. Der Orden der Gesellschaft Jesu, die Kongregationen der Lazaristen und Sacrö- Coeur-Schwestern sind von der katholischen Kirche anerkannt. Des- halb ist das Verbot der religiösen Tätigkeit für die Angehörigen dieser Orden eine Beschränkuug des Lebens der katholischen Kirche und eine Beeinträchtigung der freien Religionsübung der Katholiken, die im Reiche voll- und gleich- berechtigt sind. Die gegen die Jesuiten früher und jetzt erhobenen Borwürfe der Jmmoralitat, der Deutsch- und Kulturfeind' l i ch k e i t, sowie der Störung des religiösen Friedens sind unwahr. Der zur Beurteilung der Jesuiten zuständige deutsche Episkopat hat ihnen wie 1871 so auch jetzt bezeugt, daß sie sich durch Unantastbarkeit ihres Lebenswandels und ihre Wissenschast sowie nicht minder durch ihre eifrige und gesegnete Tätigkeit in der Hilfsseelsorge auszeichneten. Die Bekanntmachung des Bundesrats vom 23. November 1312 verletzt durch das Verbot der priesterlichen Tätigkeit der Ordens- Personen die Gewissenssreiheit aller Katholiken, welche die Spendung der Sakramente ihrer Kirche nach, ihrer Wahl von denjenigen Priestern empfangen müssen dürfen, denen sie ihr Vertrauen schenken. Der Bundesrat hat die in den Ausnahmegesetzen gegen den Orden der Gesellschaft Jesu liegenden Eingriffe in die bürgerliche und kirchliche Freiheit verschärft. Unter diesen Umständen können wir zu Reichskanzler�tzrnd Bundesrat das Ver- trauen nicht haben, daß die Bedürfnisse der Katholiken im Deutschen Reiche bei ihnen eine gerechte Behandlung finden. Wir werden unser Verhalten dement- sprechend einrichten."(Anhaltender Beifall im Zentrum.) Reichskanzler Dr. v. Bcthmann Hollweg: Der Herr Abgeordnete Spahn hat von der tiefen Erregung gesprochen, in die das katholische Volk durch den letzten Bundesrats- beschluß versetzt worden sei. Gewiß greifen die Streitigkeiten, die dos religiöse Gebiet berühren, uns Deutschen viel tiefer a» das Leben, als anderen Nationen. Seit Jahrhunderten sind solche Streitigkeiten verhängnisvolle und vielsache blutige Kapitel verdeutschen Geschichte gewesen. Das vergltzt ein Volk wie das deutsche nicht. Darum gehen die Wogen der Erregung heute wieder hoch. Aber aus beiden Seiten; denn den zahlreichen Stimmen aus katholischen Kreisen, welche die Zurück- bernsung der Jesuiten verlangen, stehen zum mindesten ebenso zahl- reiche Aeußerungen von evangelischer Seite gegenüber, welche der ernsten Besorgnis vor der Zurückkunfl des Ordens Jesu Ausdruck geben. Ich halte es für notwendig, daß wir bei einer Beurteilung besten, was geschehen ist, uns von der Erregung der Gemüter möglichst freihalten. Der Hergang ist doch folgender gewesen: Da« Gesetz vom 4. Juli 1872 schließt den Jesuitenorden vom Deutschen Reich auS und erteilt dem Bundesrat den Austrag und die Ermächtigung, die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, damit die Ausführung des Gesetzes verwirklicht wird. Das hat der Bundesrat in dem bekannten Beschluß vom S. Juli 1872 getan. Auf Grund dieses Beschlusses ist 43 Jahre lang daS Gesetz ausgeführt worden. Der Beschluß hat verschiedentlich den Entscheidungen höchster Gerichte zu Grunde gelegen. Obwohl der Bundesrat eine Definition des Be- griffeS OrdenStäligkeit nicht gegeben hatte, hat sich— ich habe darüber im Frühjahr dieses Jahres hier gesprochen— im Reiche eine Praxis gebildet für die Handhabung des Gesetzes, welche in allen Hauptpunkten in den einzelnen Bundesstaaten die gleiche gewesen ist. Diese Praxis hat rm Laufe der Zeiten die Tendenz gehabt, nicht sich zu verschärfen, sondern sich zu mildern. Und wenn die Katholiken auch während der ganzen Zeit mit Nachdruck bestrebt ge- wesen sind, das ganze Gesetz anfzrtheben, so werden sie doch, wenn sie einmal das Jesuitengesetz als eine lox lata und nicht als eine lex ferenda behandeln, sich klar sein darüber, daß schikanöse Praktiken bei der Handhabung des Gesetzes nicht angewendet wurden. Und daS war im Interesse des konfessionellen Friedens nur zu begrüßen. Der Reickskanzler und der Bundesrat harten keinerlei-Anlaß, an diesem Zustande zu rütteln. Da ist der bayerische Erlaß gekommen. Dieser Erlaß hat mich und den Bundesrat genötigt, uns neuerdings mit der AuS- führung des JesuitengesetzeS zu befassen. Ich muß dies gegen- über den erregten Klagen in katholischen Kreisen ausdrücklich vor dem Lande feststellen.(Sehr richtig!) Bei uns hat die Initiative nicht gelegen(Lebhaste Zuftimnuing rechts), aber indem ich dies feststelle, will ich mich tn keiner Weise mit den Vorwürfen identifizieren, die in der Oeffenllichkeit gegen die bayerische Regierung und vor allem gegen den bayerischen Herrn Mmisterpräsidenten erhoben worden sind, als hätten sie sich gegen das Reich auflehnen wollen. Die Art und Weise, wie Bayern die Angelegenheit vor daS Forum gebracht hat, sollte die bayrische Regierung jedes Vorwurfs des Versuches, das Reicksrecht zu beugen, entheben. Auch in den Lugen derjenigen, die nickt in jahrelanger Geschäftstätigkeit erfahren haben. mit welcher Peinlichkeit und mit welcher über allen kleinen Souder- interesten erhabenen BundeStreue Bayern zum Reiche steht.(Beifall.) Was hat denn nun der Bundesrat auf den Antrag Bayerns be- schlössen? Doch nicht daS Jesuitengesetz I DaS besteht seit 43 Jahren. Ja. ich würde die Erregung in katholischen Kreisen verstehen, ich würde selbst gewisse über alles Maß hinausgehende Aeußerungen, die wir in diesen Tagen in der katholischen Presse gelesen haben, begreifen, wenn wir zetzt neuerdings den Orden der Gesellschaft Jeiu vom Deutschen Reiche ausgeschlossen hätten. Das ist aber nicht der Fall. Der BundeSratsbeschluß vom 23. November kodifiziert lediglich die Praxis, nach der ein bestehendes Reichsgesetz ausgeführt worden ist. Der Herr Abgeordnete Spahn hat das b e st r i t t e n. Er sieht in dein BundesratSbeschlutz eine Verschlimmerung des bestehenden ZustandeS(Sehr richtig! im Zentrum) und er hat zum Beweise dessen eine Reihe von Details hier vorgeführt. Ich muß es einem meiner Herren Mitarbeiter überlassen, auf diese Details zu antworten. Für mich kommt es darauf an, das Grundsätzliche festzuhalten. Der BundeSratsbeschluß ist entstanden aus der Absicht. diejenigen Auslegungen zu kodifizieren, welche die Bundesregierungen bei Handhabung des Gesetzes dem Bundesrats- beichlutz vom 5. Juli 1872 gegeben haben. Bei der eigenartigen Struktur des Gesetze«, das eine Strafandrohung nicht kennt, und nach Aufhebung de«§ 2 des Gesetzes ist es sehr wohl möglich, ja, ich möchte es als sicher bezeichnen, daß die Jesuiten vielfach über jene Auslegungen hinaus unbehelligt eine Tätigkeit ausgeübt haben.(Sehr richtig I) Bei der Handhabung des Gesetzes hat man sich eben, namentlich in der letzten Zeit, von jeder Nachschnüffelei, von jeder Schikane fern gehalten. Die bestehende Praxis, die bestehende Handhabung deS Gesetzes zu ändern, ist nicht Zweck und Absicht des jetzigen BundcSratSbcschlusses. Für den Bundesrat und den Reichstag lag keinerlei Veranlassung vor, einen Gegenstand materiell neu zu ordnen, mit dem er sich ohne das Vorgeben Bayerns, ohne einen Antrag an den Bundesrat keine Veranlassung gehabt hätte, über- Haupt zu beschäfligen.... DaS ist der Hergang, und diesen Hergang sollte man sich bei einer Kritik des Bundesratsbeschlustes auf alldn Seiten gegenwärtig halten. Das ist zu meinem Bedauern in der Er- klärung nichtgeschehen. die der Herr Abgeordnete Spahn am Schlüsse seiner Rede verlesen hat. Wenn Sie, meine Herren vom Zentrum, auS der Behandlung der Jesuitenfrage durch den Bundesrat, die, wie ich wiederhole, eine Neuerung nicht gebracht hat. den Schluß ziehen— so lautet Ihre Erklärung— daß die Bedürfniste der katholischen Bevölkerung vom Bundesrat nicht gerecht behandelt werden sollen, wenn Sie deshalb, wie Sie es tun, dem Bundes- rat und mir das Vertrauen kündigen und wenn Sie danach Ihr gesamtes politisches Verhalten einrichten wollen, das heißt des anderen, daß Sie die Jesuitenfrage zum Eck st ein Ihres poli- tischen Programms machen.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Meine Herren, daß Sie als Glieder Ihrer Kirche die Beseitigung des Jesuitengesetzes herbeisehnen, wer wollte Ihnen das verdenken? Aber neben den 24 Millionen Katholiken leben 43 M i l l i- onen Evangelische in Deutschland, beide Söhne eines Volkes und in allen Schickungen des nationalen Lebens auf Gedeih und Verderben zusammengeschmiedet.(Sehr richtig I) Es ist eine ge- sckichiliche Tatsache, daß sich das evangelische Volksempfinden von jeher gegen die Tätigkeit der Jesuiten heftig gekehrt hat(Sehr richtig l rechts). Das ist eine Tatsache, die Sie weder durch Gründe, noch durch Dialektik weg- leugnen können. Sie können in dieser Tatsache auch nicht ein Phantom oder eine Idiosynkrasie der Evangelischen erblicken. Die streitbare Tätigkeit, die die Jesuiten in vergangenen Zeiten aus allen Gebieten, in der K i r ch e, in der Politik, in der Schule entfaltet haben, ihr internationaler Charakter, ihr Wider st reben gegen die Bildung des modernen Staatsgedankens haben den Orden wiederholt nicht nur in den protestantischen, sondern auch in rein kalholischen Ländern m i t den Staatsregierungen in Widerspruch gebracht. (Lebhaftes Sehr richtig!) Ich brauche Ihnen nicht die Ge- schichte zu rekapitulieren. Und da können Sie sich nicht wundern, meine Herren, wenn in evangelischen Kreisen bei der Frage der Zulastung oder Nichtzulassung der Jesuiten vielleicht unbewußt, aber doch immer wieder die Erinnerung an die Zeiten nachzittert, in denen fanatischerGlaubenshaß unser Vaterland zerriß. Möge uns das Geschick vor der Wiederkehr von Zuständen bewahren, in denen um des Glaubens willen die Glieder des Volkes einander entfremdet wurden. Deshalb— und damit darf ich schließen— muß ich meine warnende Stimme er- heben, wenn jetzt dem katholischen Teile Deutschlands der Bundesrats- beschluß als die Wiedereröffnung des Kulturkampfes dargestellt wird. Diejenigen, die das tun, laden eine schwere und verhängnisvolle Verantwortung aus sich(Leb- hafte« Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen), die sie weder mit dem Inhalt des Bundesratsbeschlusses, noch mit dem Hergange, der zu seiner Fassung geführt hat, vertreten können. (Beifall.) Abg. Graf Westarp(k.): Wir können uns der. Kritik Spahns gegen den BundeSratsbeschluß nicht anschließen und seine Schlußfolgerungen nicht anerkennen. Der Reichskanzler betonte, daß man sich rn der bisherigen Praxis bei der Ausführung des Jesuiten- gesetzes von Nachschnüffeleien ferngehalten habe und daß es nicht Absicht deS Bundesratsbeschlustes sei, hierin eine Aenderung ein- treten zu laste». Das betrachten wir als erfreulich. Auch wir wünschen keine Verschärfung der bestehenden Praxis, am allerwenigsten im Sinne einer kleinlichen Nachschnüffelei. — Der Etat gibt uns ein gute« Bild einer geordneten Finanzwirlschaft, die eine Folge der im Jahre 1333 von uns beschlossenen Finanzreform ist.(Sehr richtig I rechts.) Die freisinnige Preste will das freilich nickt zugeben, sie führt die Gesundung der Finanzverhältnisse auf die Besserung der wirtschaftlichen Lage zurück. Jedoch völlig mit Unrecht. Ich muß Herrn G o t h e i n aber die Zensur ausstellen: Kopf- rechnen schwach. Ich möchte gern hinzufügen: Religion gut. Doch wage ich das nicht. Als Prophet hat er sich jedenfalls nicht erwiesen.(Heiterkeit rechts.) Die freisinnige Presse hat die Finanzreform in leder Weise bekämpft, namentlich auch wegen ihrer angeblich schlechten Einwirkung auf die wirtschaftliche EntWickelung, und jetzt müssen die Freisinnigen zugeben, daß die wirtschaftliche Entwickelung glänzend ist. Besondere Freude empfinde ich, daß eS gelungen ist, die Mannschaftslöbne seit dem 1. Oktober zu erhöhen; ferner darüber, daß die Schulden stärker getilgt werden konnten als ursprünglich angenommen war. Die Finanzresorm hat sich auch durch die Marokkokrise und die gegenwärtige Krise als notwendig erwiesen; wären wir in diese mit der schlechten Finanzlage von 1333 hineingegangen, so wäre unsere Stellung in der Welt zweifellos eine minder günsUge.(Sehr richtig! rechts.)— Die Börsen haben sich ihren Aufgaben in bezug aus die Kriegsbereitschaft nicht gewachsen gezeigt, trotzdem ihnen durch das Börsengesetz volle Bewegungsfreiheit gegeben worden ist.(Sehr richtig! rechts.) Ueber dies Thema werden wir im Laufe des WinterS noch ausführlich zu sprechen haben. Die Wiedereinsetzung der O stma r k e n z u l a g e n begrüßen wir; hoffentlich werden sie diesmal angenommen. Unsere Stellung zu der angekündigten Besitz st euer behalten wir uns vollständig vor, vor allem auch darüber, ob überhaupt eine neue steuerliche Belastung des Volke» notWndig ist. Im übrigen sind auch wir mit dem Schatzsekretär der Meinung, daß der Etat aus derselben soliden Grundlage aufgebaut ist. wie seine Vorgänger. Wir legen dieser Talsache jetzt besondere Bedeutung bei: der Ernst der Stunde verlangt Ruhe und Besonnenheit. Nervöse Unruhe, wie sie in weiten Kreisen des Wirtschaftslebens sich leider gezeigt hat, bessert nichts, sondern verschlechtert nur die Lage. Mit klarem Blick den Verhältnissen ins Auge sehen und ruhig und entschlosten das nötige tun, das ist unsere Aufgabe.(Bravo! rechts.) Die Weiterberatung wird hierauf vertagt auf Donnerstag 1 Uhr. Schluß 6»/« Uhr._ Mgeorcinetenbaus. 29. Sitzung, Mittwoch, den 4. Dezember 1912, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Frhr. v. Schorlemer. Die Winzernot. Abg. Wallenborn(Z.) begründet eine Interpellation, die nach dem Umfang der jüngsten Frostschäden im Weinbau und nach den geplanten Abhilfcmatzregeln fragt. Landwirtschaftsminister Dr. Frhr. v. Schorleaner antwortet, daß nach den kommissarischen Ermittelungen die Untermosel am günstigsten weggekommen ist, die Saar am schlechtesten. Bedauerlich ist der Mangel einer genauen Weinstatistik. Aber die öffentlich verbreiteten Schadcnszahlen sind viel zu hoch. Wir haben statt 23 Millionen nur l'A Millionen Schaden und falls das Fuder über 433 M. gilt, sogar noch ein PluS herausgerechnet. Also von einem allgemeinen Notstand kann nicht gesprochen werden. Zum Erlaß eines Notgesctzes liegt auch kein Anlaß vor. Eine Aenderung des Weingesetzes von 1338 lehnen wir ab. Die Winzer werden über dieses Jahr hoffentlich aus eigener Kraft hinwegkommen, und sich damit trösten, daß der Hcvbstfrost auch andere Ernten geschädigt hat. ohne daß gleich Entschädigung verlangt wird.(Sehr richtig! rechts.) Also: Energie und Standhaftigkeit! In der Besprechung teilt Abg. Heckenroth(kons.) die Hoffnung des Ministers. Abg. Engelsmann(uatl.) ist für ein Notgesctz. Abg. Crtigcr-Hagcn(Vp.): Man mutz die Verschuldung der Winzer prüfen. Die diesjährige Traubencrnte lvar doch besonders groß, viele Trauben sind auch noch nachgereift, also der diesjährige Notstand ist nicht so sehr schlimm. Freilich war noch Notstand vom vorigen Jahre da. Abg. v. Clöden(b. k. Fr.) wünscht Zollabschluß gegen das Aus- land zum Schutz des deutschen' Weinbaues. Der Wein ist ein Ge- nußmittcl und kann schon einen Zoll vertragen! Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Jch'bin erstaunt darüber, daß man mit den Worten des Land- Wirtschaftsministers so sehr zufrieden ist. Er vergleicht den Ver- hist durch den Frost mit dem allerschlechtesten Jahr 1333 und sagt: also ist gar lein besonderer Notstand vorhanden! Wichtig ist hier die gesamtwirtschaftliche Lage der Winzer. Gewiß handelt es sich um keine Einzelerscheinung, fondern die Winzernot ist aus ver- schiedcncu allgemeineren Ursachen hervorgegangen und hat den Stand so geschwächt, daß er bei jeder Ungunst der Witterung sofort in eine außerordentlich ungünstige Lage gerät. Früher hat der Minister eine freundlichere Haltung zu den Ansprüchen der Winzer' eingenommen. Heute empfiehlt er ihnen den Trost der Hoffnung, und daß ja auch die ganze Landwirtschaft den Frost habe aushalten müssen. Er ruft den Winzern zu: Hilf Dir selbst, so hilft Dir Goti! Aber wenn es sich um d i e handelt, die es am wenigsten nötig haben, um die Großgrundbesitzer, dann ist gerade das Landwirtschafismini- sterium nicht so wenig hilfsbereit. Gewiß braucht den kapitalkräf- tigen Winzern nicht geholfen zu werden, wohl aber den wirtschaftlich Schlvachen, und das fordern wir um so mehr, als es sich um sehr bedürftige Existenzen handelt. Aber wie ist der Not großzügig abzuhelfen? Durch die Ge- staituug der Verzuckerung, deutsch Verfälschung des Weines, nicht. Ueberdies fordert man auf der anderen Seite eine Verschärfung des§ 7(Deklarationszwang) des Weingesetzes. Gewiß, für eine Verbesserung der Nahrungsmittelkontrolle sind wir immer und würden im Reichstag dafür eintreten. Sicher liegt trotz manchen Fehlschlages, der die Sache diskreditiert hat, eine Zukunftsbürg- schaft in der G e n o s s e n s ch a f t s organisation des Weinbaues, deren Vorzüge uns süddeutsche Weinbaugebiete zeigen. Die Re- gierung sollte eine genaue statistische Aufnahme der gesamten Lage der Winzer und der genossenschastlichen Bewegung auf diesem Ge- biet ausnehmen. Dadurch würde sich zeigen, wo und wie zu helfen ist. Wir können die Jnterpellationsbeantwortung nicht als eine ausreichende ansehen und sind überzeugt, daß genaue Erhebungen ihn selbst zu der Erkenntnis von dem Recht der Interpellanten, gründliche Abhilfe zu fordern, bringen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Minister Frhr. v. Schorlemer: Bei den Ausführungen des Abg. Liebknecht hätten mir die Haare zu Berge gestanden, wenn ich noch so viel Haare auf dem Kopfe haben würde. Was an meinen statistischen Darlegungen unlogisch sein soll, verstehe ich nicht. Im übrigen ist den Winzern zu meiner und der Mehrheit dieses Hauses Freude das Gottvertrauen noch nicht abhanden gekommen, und mögen noch so viele schlechte Jahre über sie kommen— Sozialdemokraten werden sie darum nicht werden.(Heiterkeit und Beifall bei der Mehrheit.— Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) antwortet in persönlicher Bemerkung dem Minister, daß es sich hier nicht um Gottvertrauen handelt, sondern um eine Ressortaugelegenheit des Landwirtschaftsministers. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich kann auch nicht an- nehmen, daß der Minister sich mit diesen Warten eine Gottähnlich- keil beilegen wollte.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts und im Zentrum.) Es folgt die Beratung eines Antrages Strosser(k.) auf Ankauf eines militärfiskaleschrn Nachbargnrtengrundstücks für das Abgeordnetenhaus. Die Budgetkommission beantragt Ueberweisung des Antrags als Material an die Regierung. Dagegen beantragt Abg. S t r o s s e r(k.) mit Unterstützung von Abgeordneten aller bürger- lichen Parteien die Annahme seines Antrages und die Annahme einer Resolution: die Regierung zu ersuchen, daß sie dafür Sorge trägt, daß bei allen Aenderungen in den Eigentums-, Besitz- und Benutzungsverhältnissen der die Landtagsgrundstücke umgebenden Reichs- und Staatsgrundstücke auf die Bedürfnisse des Abgoord- netenhauses die gebotene Rücksicht genommen wird. Ein Schreiben des Ministerpräsidenten, gez. v. Steinmeister, teilt mit. daß ein endgültiger Vertrag über den Grundstückstausch noch nicht abgeschlossen ist. Wenn es aber dazu kommen werde, würde auf die Interessen des Abgeordnetenhauses volle Rücksicht genommen werden. Abg. Strosser(k.) begründet seinen Antrag und seine Reso- lution. Er trägt Beispiele dafür vor. daß die Regierung auch in früheren Fällen schon auf das Abgeordnetenhaus nicht die g e- boten e Rücksicht genommen hat. Von der Nachbarschaft einer Möbelfabrik befürchtet jetzt der Reichs- kanzler ernstliche Störungen. Aber was dem Reichskanzler recht ist, muß dem Abgeordnetenhaus billig sein.(Lebhafte Zustimmung.) Dabei weiß ich nicht einmal, ob der Reichskanzler wirklich eine Möbelfabrik als Nachbar erhalten wird. Andere sagen nämlich, es werde dort ein Hotel gebaut. Angenehm wäre zwar auch das nicht. Aber bei einem jeden Tauschvertrag muß auf unZ Rücksicht genommen werden.(Beifall.) Ein Kommissar des Finanzministeriums: Die Finanzverwal- tung hat die Gartenbeschaffung als durchaus erwünscht bezeichnet. wenn sie nicht übermäßige finanzielle Opfer fordere. (Heiterkeit.) Wir haben uns an das Kriegsministerium gewendet und die Antwort bekommen: es könne weder eine voll- ständige noch eine teilweise Wiederveräußerung des betreffenden Grund st ücks in Betracht kommen. da militärdiänstliche Interessen eine andere Verwen- dung nötig machen.(Stürmisches Gelächter.) Die Finanzverwal- tung ist loyal vorgegangen.(Lebhafter Widerspruch.) Ein zweiter RegierungSkommissar: Ueber die Art der Be- bauung des Nachbargrundstücks haben eingehende Verhandlungen stattgefunden, bei denen der Kriegsminister vollkommen loyal vor-� gegangen ist.(Lebhafter Widerspruch.) Man darf die Militärver-'" waltung nicht angreifen, die nur getan hat. was von ihr verlangt .wurde.(Unruhe.) Abg. Lippmann(Vp.): Wir sind einmütig für den Antrag Strosser. Der Mut der Verzweiflung, mit der die Regie- rungsvertreter für ihre Vewaltung eingeteten sind, ivar bewun- dxrnSwevt.(Heiterkeit und Sehr gut!) Weshalb soll das Interesse des Abgeordnetenhauses zurücktreten gegenüber dem Interesse des Kanzler Palastes? Die Ruhe des Kanzlers soll durch eine Möbel- Handlung gestört werden, die neben seinem Palais angeblich entsteht. Sie wird doch nicht dazu dienen, daß der Kanzler vermöbelt wird, oder daß er sich zwischen zwei Stühle setzt?(Stürmische Heiterkeit.) Wir sehen nicht mit Neid auf den Herrenhausgarten, gönnen ihn unseren Brüdern in der anderen Kammer sehr gern und hätten nur brüderlich gern daran teilgenommen.(Erneute Heiterkeit.) Aber der Ministerpräsident hätte auf sein Abgeordnetenhaus mehr Rücksicht nehmen sollen. Ich beantrage die RückVerweisung der Sache an die Budgrtkommission.(Beifall.) Abg. Dr. Friedberg(natl.): Wir haben manches schon erlebt, aber so etwas noch nicht.(Heiterkeit und Zustimmung.) Aber die Rücksichtslosigkeit dieses Falles war noch nicht da.(Sehr wahr!) Wir haben wiederholt den Wunsch ge- äußert, den Garten des Nachbargrundstücks erhalten zu sehen. Jetzt aber geht der Kanzler hin, ohne daß jemand etwas davon erfährt, und verkauft das Grundstück an Private. Die Negierung ist nur durch Kommissare vertreten. Es hätte nichts geschadet, wenn die Minister selbst gekommen wären.(Lebhafte Zustimmung.) Der Kanzler befürchtet eine Belästigung durch eine Möbelfirma und schiebt nun die Sache auf uns ab.(Lebhafte Zustimmung.) Ist denn die Nachbarschaft einer Möbelfirma wirklich eine so erhebliche Störung? Von einer großen Dekorationsfirma könnte Her Kanzler lernen, daß es bessere Dekoraiionen gibt, als er heute hier gewählt hat.(Heiterkeit.) Wenn ich Optimist wäre, würde ich beantragen, bei der Behandlung dieser Angelegenheit die Anwesenheit.des Ministerpräsidenten zu verlangen.(Lebhafte Zustimmung.) Abg. Lippmann(Vp.) beantragt Vertagung der Sache, und die Anwesenheit des M i n i st e r p r ä s i- deuten zu verlangen. Abg. v. Heydebrand(k.): Dazu ist die Sache noch nicht genug beraten. Es genügt Zurückverweisung an die Kommission. Der Antrag L i p p m a n n wird von einer Mehrheit der Linken und des Zentrums angenommen.(Großer Beifall.) Die Angelegenheit ist vertagt. Es folgt die Beratung der fortschrittlichen I n t e r p e l l a- tion über die Zertrümmerung des Berliner Feuerwehrvereins durch den Polizeipräsidenten, die lautet:..Ist der Regierung das Vorgehen des Berliner Polizei- Präsidenten gegen den Verein Berliner Feuerwehrmänner bekannt • UhS UaZ gedenkt sie zu tun, um die berechtigten Interessen der be teiligtcn Feuerwehrleute zu schützen und den Bestimmungen des Reichsvereinsgesetzes Geltung zu verschaffen?" Abg. Kopsch»(Vp.) begründet die Interpellation unter ausfuhr� Itchet Darlegung.der Verfolgung des Vereins, der sich die Pflege der Treue zu König und Vaterland, des kameradschaftlichen Geistes und die Unterstützung der Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder zum Zweck gesetzt hat. Schon im April hat der nationalliberale Abg. Schröder-Cassel die Regierung gefragt, ob das damals ein- setzende Vorgehen des Polizeipräsidenten gegen den Verein mit dem Reichsvereinsgesetz vereinbar sei. Wir warten heute noch auf die Antwort. Zuerst hat man die Chargierten gezwungen, aus dem Verein auszutreten, dann erzwang man, daß Pensionäre nicht zu Vorsitzenoen, Schriftführern oder Kassierern gewählt werden durften, schließlich hat man die wahrheitsgemäßen Mitteilungen des Vorsitzenden an die Presse zum Anlaß genommen, von den Mannschaften eine Mißbilligung des Vorsitzenden zu erzwingen, und endlich hat man den Austritt der Mitglieder aus dem Verein erzwungen. Aber die Mannschaften haben trotzdem erklärt, daß sie dem Verein treu bleiben werden.(Lebhaftes Bravo! links/ Die Bitte des Vereins um Angabe der Gründe für seine Ver solgung blieb ohne Antwort(Hört! hört! links), und als Gründe werden in einem Schreiben des Polizeipräsidenten an den Berliner Magistrat angegeben, daß der Anschluß des Vereins an den Ver- band deutscher Berufsfeuerwehrmänner angestrebt worden sei. Aber dieser Verband ist durchaus patriotisch und wenn er auch die materielle Lage seiner Mitglieder fördern will, so wird man doch nicht in jedem, der für weniger Arbeit mehr Lohn haben will, gleich einen Sozialdemokraten sehen! Bei der Beratung des Reichs- Vereinsgesetzes hat der Staatssekretär des Innern ausdrücklich er- klärt, daß das Vereinsrecht der Beamten seine Grenzen nur an Vereinszwecken finde, die dem Staat oder dem Dienst entgegen- gesetzt sind. Im Reichstag haben Zentrum und Nationalliberale selbst im Frühjahr Anträge auf Sicherung des Vereinsrechts der Beamten gestellt. Glaubt der Minister, sich willenlose Werkzeuge schaffen zu können? Der Koalitionsgedanke liegt in unserer Zeit, er wird sich durchsetzen. Auch dem Verein Berliner Feuerwehr- männer muß sein Recht werden.(Beifall links.) Minister des Innern v. Dallwitz: Auch ich bedauere den ernsten Konflikt zwischen dem Polizeipräsidenten und dem Verein, aber die Schuld liegt bei jenen Vereinsmitgliedern, die den Bogen über spannt hatten. Der Beitritt zu dem Dortmunder Verband deub scher Feuerwehrleute, der die Förderung der beruflichen und mate- riellen Interessen seiner Mitglieder bezweckt, wurde von dem Polizeipräsidenten für mit der Disziplin unvereinbar gehalten. Trotz dieser Verfügung wurde der Anschluß an den Dortmunder Verband weiter erörtert, und es bildeten sich in dem Berliner Ver- ein zwei Parteien. Der Polizeipräsident hätte nichts dagegen ge- habt, wenn die mit dem Anschluß an den Dortmunder Verband nicht einverstandenen Vereinsmitglieder ausgetreten und einen neuen Verein gegründet hätten. In der R e i ch s t a g s k o m- Mission für das Reichsvereinsgesetz ist ausdrück l i ch festgestellt worden, daß die Behörden das Recht haben müssen, ihre Beamten von Vereinen und Versammlungen fernzuhalten, die dem Wesen des Beamtentums widersprechen. Das Reichsvereins- gesetz kann sich niemals über die besonderen Beziehungen hinweg- setzen, die zwischen Beamten und Behörden bestehen.(Sehr richtig! rechts.) Das Vereins- und Versammlungsrecht der Beamten unter- liegt denjenigen Beschränkungen, die sich aus den dienstlichen Interessen heraus als erforderlich erweisen.(Unruhe links.— Zuruf: Was ist dienstlich?) Der Polizeipräsident war berechtigt und verpflichtet, den Verein zu kontrollieren und aus Gründen des Dienstes gegen ihn vorzugehen. Außerdem erklärte sich der Verein bereit, dem Wunsch des Polizeipräsidenten gemäß seinen Vorstand nur aus aktiven Mannschaften zusammenzusetzen, wenn der Polizeipräsident schriftlich verspreche, einer gesunden Weiter- cntwickelung des Vereins künftig nicht mehr hinderlich im Wege zu stehen. Hierdurch sollte der Polizeipräsident genötigt werden, den von ihm bekämpften Anschluß an den Dortmunder Verband . gutzuheißen.(Hört! hört! rechts.) Das war durchaus ungehörig und in hohem Maße unzulässig.(Sehr richtig! rechts.— Unruhe links.) Nachdem nun noch die Vereinsleitung die Angelegenheit unter Zuhilfenahme eines Rechtsanwalts der Presse übergeben hatte, um durch den Druck der öffentlichen Meinung ihre Forde- ruiijj durchzusetzen, konnte von einem Entgegenkommen beim Pollzeipräsidenten nicht mehr gesprochen werden. Der Dortmunder Verband ist gewiß keine sozialdemokratische Organisation.(Abg. Hofkmann(Soz.): Sie werden ihn noch dazu machen!) Er hat ausdrücklich sozialdemokratische Tendenzen abge- lehnt und sich auf nationalen Boden gestellt, auch den Be- strebungen auf Anschluß an den sozialdemokratischen Gemeinde- arbeiterverband bisher Widerstand geleistet. Aber der Verband untergräbt geflissentlich und in der bedenklich- sten Weise das Vertrauensverhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren.(Hört! hört! rechts.) Der Polizeipräsident hat mit dem durch die beharrlich wieder- kehrenden Verunglimpfungen der Offiziere notwendig gewordenen Verbot des Beitritts zum Verbände eine Bewegung im Keim er- stickt, die das bisherige gute Verhältnis zwischen Mannschaften und Offiziere zerstören wollte. Da das Verhalten der Mannschaften der Disziplin nicht entsprach, die in einer militärischen Organisa- tion unentbehrlich ist, bin ich nicht in der Lage, der Interpellation Rechnung zu tragen. Durch das Vorgehen des Polizeipräsidenten ist das Reichsvereinsgesetz nicht verletzt worden.(Beifall rechts.— Zischen links.) Die Besprechung der Interpellation wird beschlossen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag, 11 Uhr: Dritte Lesung des Wassergesetzes. Besprechung der Feuerwehrinterpellation. Ein Antrag Kopsch(Vp.). diese Besprechung voranzustellen, wird gegen die Linke abgelehnt. Schluß 5% Uhr._ Aer verschuldet die Hngliidtsfälle im Bergbau? Zu den von uns am 26. November über dieseÄ Thema von fach- vevständiger Seite gemachten Ausführungen übersendet uns die „Gewerkschaft Deutscher Kaiser Glückauf!" folgende Behauptungen als„Berichtigung": � „Es ist unwahr,'daß von einem Fahrsteiger H. im �wm d. I. verlangt wurde, er solle die Verantwortung für den Abbau eines Flözes übernehmen, in dem vorschriftswidriger Abbau betrieben wunde, und daß dieser Fahrsteiger sich hierzu geweigert hätte mit dem Bemerken, daß der Abbau in grober Weise gegen die Vor- schriften der Bergpolizei verstoße. Wahr ist,'daß der Fahrsteiger ohne jeden Austrag des Betriebsführers eine Unregelmäßigkeit der Arbeiter bei Ausführung des Versatzes duldete, ohne einzu- greifen. Erst als der Betriebsführer die Unregelmäßigkeit fest- stellte und den Fahrsteiger zur Rechenschast ziehen wollte, kehrte letzterer den Spieß um und behauptete, er habe das vorschrists- widrige Einb-'ngen des Versatzes nur geduldet, weil ein anderer Beamter rym„erzählt" habe, der Betriebsführer hätte dies früher einmal so angeordnet. Es ist auch nicht zutreffend, daß der Fahrsteiger entlassen wurde„infolge der daraus resultierenden Differenzen". Er wurde vielmehr nach§ 886 und 89 des Allgemeinen Berggesetzes entlassen, weil er im Dienste untreu gewesen und das Veriraucn mißbraucht hat, und weil er durch längere Krankheid dem Dienst fern blieb. Seine sofortige Entlassung verwirkte er dadurch, daß er unter An- drohuug von Anzeige bei der Bergbehörde Zugeständnisse zu er- zwingen suchte. Als ihm dies nicht gelang, hat der Fahrsteiger dann eine Beschwerde an die Bergbehörde eingereicht, in welcher er unter Verdrehung und Entstellung des wahren Sachverhalts Vorkommnisse schildert«, welche nicht den Tatsache!» entsprachen, und zwar schon deshalb nicht, weil er sie MM größten Teil nicht aus eigener " Kxrantwortlicher Redakteur: Alfred Wiesepp, Neukölln. Zur den Wahrnehmung kannte, fondertt MS den Erzählungen btiiki P«b fönen. Selbst Borkommnifs«, welche zirka 16 Jahre zurückliegen, hat er vorgebracht, um feine Vorgesetzten zu schädigen. Die Schilderung über die Luftprobennahme sowie über die Zerstörung eines Ventilators können wir nur als-im tendenziöser Absicht ausgestreute Erfindungen bezeichnen. Weiter aus diese An- gelegenheit einzugehen, erübrigt sich für uns, da einem gerichtlichen Verfahren nicht vorgegriffen werden soll. Die Angaben über die Schlagwetterexplosion, welche sich am 28. Januar 1911 in Flöz 17 ereignete, sind unwahr.-ES ist nicht zutreffend, daß die Wetterstrecke, welche die Lust aus den Bauen abführen sollte, zulag, so daß die verbrauchte Lust zum Teil durch andere Steigerreviere abzog-. Diese Angabe ist auch freie, bös- willige Erfindung. Sie deckt sich selbst nicht einmal mit den ört- lichen Verhältnissen. Es ist demnach nicht zutreffend, daß Leute anderer Steigerreviere außerordentlich gefährdet waren, und daß sie es nur ihrer schleunigen- Flucht zu verdanken haben, daß sie mit dem Leben davonkamen. Es ist weiterhin eine grobe Unwahrheit, -daß man Sonntags durch 2 Fahrsteiger und eine große Anzahl von Steigern- die Wetterwege in Ordnung bringen ließ,-damit-die Berg- behörde bei Prüfung der Ursachen alles in Ordnung finden! sollte. Wahr ist, daß die Bergbehörde sofort im Anschluß an- die -Explosion noch am Samstag die Unfallstelle umd die anderen Betriebe des Reviers befahren hat und sich von dem- ovdnungsmvßi-gen Zustand des Reviers überzeugte. Es sind auch nicht die gsrin-gsten Wänderungen getroffen worden,-um die Behörde zu täuschen. Es erübrigt sich für uns, auf weitere Einzelheiten dieser Sache einzugehen, da auf gerichtlichem Wege die falschen Angaben beruh- tigt werden sollen.„Glückaus! Gewerkschaft Deutscher Kaiser." Unser Gewährsmann hält diesen Auslassungen gegenüber seine Darlegungen in vollem Umfange ausrecht. Er schreibt uns: „Die in dem Artikel enthaltenen Angaben halte ich mit einer Abänderung voll und ganz aufrecht. Die Wänderung betrifft den Befehl, den Ventilator tillzusetzen. Dieser Vorgang hat sich nicht in Flöz 17, sondern in Zlöz 12 Norden zugetragen. Den Befehl hat nicht der Betriebs- ührer K., sondern derDirektorKleemann gegeben. Gleich- zeittg ist auch dem Wettersteiger B. dieser Auftrag erteilt worden. Zur Klarstellung sei betreffs des unvorschristsmäßigen Berge- Versatzes folgendes bemerkt: Die Gewerkschaft„Deutscher Kaiser", Schacht 3, baut die Flöze unter der Mündung der alten Emscher in den Rhein. Da der Grundwasserstand so hoch ist, daß öfters große Flächen überschwemmt werden, ist von der Bergbehörde voll- tändiger Bergeversatz vorgeschrieben worden. Denn nur dieser kann es verhüten, daß sich die Tagesoberfläche weiter setzt und das Grundwasser dos Land überschwemmt, was in dieser dicht bebauten Gegend große gesundheitliche Gefahren für die ganze Bevölkerung nach sich ziehen würde. Dieser Bestimmung ist nicht entsprochen worden. Dies beweist ohne Angabe einzelner Flöze schon die eine Tatsache, daß die Zeche bei einer Förderung von über 3990 Tonnen pro Tag nicht nur nicht ihre eigenen Berge versetzte, sondern sogar 5— 799 Wagen Steine förderte. Der Bergeversatz hält die Kohlen- gewinnung auf und deshalb ließ man fünf gerade sein. Der in 1. Artikel erwähnte Fall hat sich wie folgt zugetragen: � Ein Fahrsteiger Sp. wurde zum Nachtsteiger degradiert und der Fahrsteiger«H. sollte seine Inspektion(mehrere Steigerreviere) übernehmen. Sp. sagte zu H., in dem Revier des Steigers W. können die Streben nicht voll Berge gepackt werden, da es unmög- lich ist, fremde Steine hinzubringen. Der Betriebsführer hat be- tellt, im Bergeversatz Fahrschächte und Rollöcher auszusparren. >amit weniger Steine gebraucht werden. Das ist verboten. H. 'agte darauf, dafür übernehme er keine Verantwortung. Dieses ägte er auch bei-der 1. Befahrung des Reviers zu dem Revier- -teiger W. Der Betriebsführer ließ sich in dem Reviere nicht sehen und H. schwieg, sodaß«ine Auseinandersetzung nicht erfolgte. Nach zirka einer Woche wurde der Reviersteiger W. ganz plötzlich beul- laubt und der Betriebsführer schrieb ins Zechenbuch Seite 319: „Während der Beurlaubung des Reviersteigers W. übernimmt der Fahrsteiger T. H. die Führung und Leitung des Reviers 13 mit alker Verantwortung. Herr Hupperts fährt in der Früh- 'chicht, Herr Fahrsteiger H. fährt als Leiter des Reviers mittags und bleibt bis Ende der Schicht in der Grube." Schacht 3/7, 8. 6. 12. gez. KrauS. Dies hatte den Zweck, den Fahrsteiger H. zu zwingen, die Ver- antwortung zu übernehmen und sich mitschuldig zu machen, damit er t>ann nichts mehr sagen konnte. Während der Beurlaubung des Steigers W. ließ sich der Betriebsführer auch nicht im Revier sehen. Aber kurz zuvor, ehe W. zurück kam. befuhr er das Revier und schrieb darauf folgenden Brief: „Herrn Fahrsteiger H.! Im Laufe der letzten Tage sind im Revier 13 verschiedene Brüche gefallen, welche Sie entgegen der eitens unserer Inspektion 3 gegebenen Anordnung nicht gemeldet haben.(Siehe Buch bgß Beamten.) Weshalb ist das Ihrerseits unterlassen? Schacht 3/7, 19. 6. 12. gez. Kraus." Gegen Rückgabe. Dieses Schreiben wurde H. abends gegen i411 Uhr übergeben, nachdem er kurz vorher mit dem Betriebsführer gesprochen und dieser kein Wort über die Brüche gesagt hatte. Als verlangte Aeußerung gab H. an: „Als verlangte Aeußerung auf beiliegendes Schreiben vom IS. 6. 1912 kann ich nur«folgendes angeben: Von gefallenen Brüchen, die nach Ihrer Meinung in den letzten Tagen im Rev. 13 gefallen und Ihnen nicht gemeldet seien, könnten in Frage kommen: 1. ein Bruch im Wettersohlenquerschlag und 2. einige Brüche in den Streben in Flöz 13°. Zu Punkt 1 ist zu bemerken, daß an dieser Stelle im Wetter- sohlenquerschlag schon seit langer Zeit ein großer Bruch vorhanden ist von 19 Meter Länge und bis 5 Meter senkrechter Höhe über der Zimmerung. Dasselbe ist Ihnen längst bekannt und braucht meiner Ansicht nach nicht erst gemeldet werden. Da bei demselben damals nur ganz einfach die Steine fortgeladen und die Zimmerung mit Verzug dahin gestellt wurde, ohne den riesigen Hohlraum darüber von 79— 89 Kubikmeter mit Schanzen oder altem Holz auszu- füllen, so brachen später bei dem Niederstürzen weiterer Gesteins- Massen die sämtlichen Zimmerungen zum zweiten Male zu- sammen. Es wurden dann wieder große Massen Steine weg- geladen und die Zimmerungen mit Verzug wieder hingestellt, ohne auch jetzt an eine Ausfüllung des Hohlraumes zu schreiten. So hat das Holz wieder eine Zeit lang gestanden, bis in der vorigen Woche sich wieder größere Gesteinsmassen in dem Hohlraum lösten und die Zimmerung zum dritten Male zusammen schlugen. Ich möchte diesesmal nun dringend raten, den Bruchraum mit Schanzen usw. auffüllen zu lassen zu genehmigen, um ein nochmaliges Zu- sammenstürzen zu verhindern; denn abgesehen von der großen Ge- fahr für die Belegschaft und die Beamten, die diese Stelle täglich nichtsahnend passieren, muß man auch die großen Kosten berück- sichtigen, die das jedesmalige Zusamnienstürzen dieser Stelle ver- ursacht. Zu Punkt 2 sind es einige kleinere Brüche, die täglich in den Streben passieren und deren Ursachen Ihnen sogar längst bekannt, ja sogar von Ihnen augeordnet sind. In den sämtlichen Streben in Flöz 1S° ist Mangel an Versatzmaterial schon lange ein großer Uebelstand, da hier die Einrichtungen fehlen, bezw. nicht in der Verfassung sind, um jeden Betrieb mit Versatzmaterial zu ver- sorgen. Als dann durch das scharfe Vorgehen des Herrn Assessors Schillings in den anderen Revieren bei gefundenen Hohlräumen auch der Fahrsteiger Spr. und der Steiger W. beim Abbau in Flöz 15° eingeschüchtert wurden, da wurde Ihnen dieser Uebelstand bei einer gemeinsamen Sitzung auch nahegelegt. Sie haben den Uebelstand auch eingesehen und anerkannt und dann bestimmt, daß in diesen Pfeilern nun Bergeversatz mit dazwischen ausgesparrten Rollöchcrn und Fahrübcrhauen(Zeichnung anbei) gemacht ivcrden solle. Ferner hatten Sie noch gesagt, der Steiger habe doch noch einen zuverlässigen Schießmeister, der eintritt, wenn solch ein Pfeiler ohne Versatz und zu weit offen stehe. Es wurde darauf hingedeutet, daß der Schießmeister den Pfeiler zu Bruck) schießen solle, was auch sowohl vom Fahrsteiger als auch vom Rcvicrsteiger richtig aufgefaßt wurde._' Lnferatenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Mit diesen von Ihnen ergangenen Anordnungen habe ich vaS Revier übernommen und soll dasselbe nach Zechenbuch 4, Seite 61�, mit voller Verantwortung übernehmen. Wenn nun auch bei mir noch kein Pfeiler zu Bruch geschossen worden ,st. so muß ich doch zugeben. Saß ich den bereits eingeführten Gftterversatz nur nach den von Ihnen ergangenen Anordnungen habe vetter gehen '�©s liegt mir fern, über Anordnungen meiner Vorgesetzten Kritik zu üben, aber binweisen muß ich doch hierbei auf den Um- stand, daß diese Anordnungen gegen die Bergpolizei und den Be- triebsplan verstoßen und unter Umständen auch für andere Vc- amte sehr verhängnisvoll werden können, und daß ich memals eme Veranwortung für größere oder kleinere Brüche und für solchen Beraeversatz übernehmen kann, wie er verlangt wird. � Ich möchte Sie nochmals bitten, das Vorgehen, wie es mir seit mehreren Wochen gezeigt wird, und wie man es biv:etzt noch keinem Beamten gezeigt hat. einzustellen, denn hier liegt zweifellos keine Ursache dazu vor. Es ist mir sehr unangenehm, mich zu diesen Sachen äußern zu müssen, die Sie selbst kennen und sogar selbst angeordnet haben... Der.?>err Betriebsführer können nochmals versichert sein, daß ich meine Pflicht tue und die Interessen der Gewerkschaft vertrete. so. wie ich es bisher getan habe, wo man mir noch nie eine Pflicht- Vergessenheit oder Interesselosigkeit hat nachweisen können. � i 0e3' Mit diesem Briefwechsel vergleiche man die Berichtigung. Wer hat Recht? Ein gerichtliches Vorgehest wegen des Artikels brauche ich nicht zu scheuen, ja er liegt im allerweitesten Interesse, daß es geschieht. Die Zeche Deutscher Kaiser, Schacht 3. bezw. der Direktor Klee- manns, sowie der Betriebsführer Kraus sind diejenigen, die dm Jagd nach Kohlen mit der größten Rücksichtslosigkeit ausüben. Einen Steiger hat man auf dieser Anlage mit Polizeihunden suchen müssen, weil er sich gefürchtet hat, wegen schlechter Förde- runa zutage zu kommen. Die Frau eines andern, die Mutter von sechs Kindern, hat sich nach einer Unterredung mit dem Direktor Kleemanns, der ihren Mann aus der Stellung geworfen, mtt Petroleum übergössen, sich angezündet und auf diese Weise Selbst- mord verübt. Brutalität in höchster Potenz herrscht auf dieser Zeche gegen Beamte und Arbeiter. In der Grube herrschen Zu- stände, die der Bergpolizei Hohn sprechen. Drum geklagt. Die Oeffentlichkeit soll es wissen,' wer Recht hat. Aber schon in den allernächsten Tagen sollen weitere Mißstände aufgedeckt werden, damit in einer Verhandlung mal der Oeffentlichkeit gezeigt werden kann, was Arbeiter und Beamte leiden müssen, wie der so viel gepriesene Bergarbeiterschutz aussieht." Eine gerichtliche Feststellung des Sachverhalts ßst unserem Gewährsmann nicht minder wie uns erwünscht. Ans der frauenbewegung. Die Arbeiterin in der Organisation. Das Novernfeerheft des„Reichsarbeitsbla-tts" brrnvk in einer Uebersicht über-die Arbeitslosigkeit in Deutschland die Mitglieder- zahlen der freien und der christlichen Gewerkschaften für Oktober 1912. Wenn man die Fachverdände zusammenstellt, ergeben sich folgende Zahlen:_ Fachverbände Porzellanarbeiter... Metallarbeiter.».. Textilarbeiter..... Lederarbeiter..... tolzarbeiter..... abakarbeiter.... Buch- und Steindruckerei- Hilfsarbeiter.... Gemeinde- und Staats- arbeiter...... Ein Blick auf diese Zahlen zeigt sofort die erfreuliche Tatsache, da-h unter den verschiedenen Verbänden die freien Gewerkschaften nicht nur auf die männlichen, sondern auch aus-die weiblichen Ar- bester die größte Anziehungskraft ausüben. Auch die Arbeiterinnen fangen allmählich an. die Notwendigkeft der Organisation zu be- greisen; sie wissen, daß die freien Gewerkschaften ihre Rechte am- nachdrücklichsten vertreten,-und daher tritt die größte Zahl der Arbeiterinnen in diese, nicht in- die christlichen Verbände«in. Das Ueberwiegen der weiblichen Mitgliedschaft in-den freien Gewerkschaften- gegenüber den christlichen wird noch deutlicher, wenn man nicht die absoluten Zahlen, sondern den prozentualen- Bestand der Verbände an weiblichen Mitgliedern betrachtet. Ganz besonders auiffallend zeigt sich der Unterschied-bei-den Porzellanarbeitern, wo die freien Verbände über 2 9 P r o z., die christlichen nur 1,92 Proz. und bei den DruckereihilfSarbeitern, wo die freien Gewerkschaften über£>S Proz., die christlichen aber nur 14 Proz. weibliche Mitglieder haben. Dieselbe Differenz, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt, ist in den anderen Gewerkschaften vorhanden. Der Be- stand an weiblichen Mitgliedern beträgt bei den Metallarbeitern in der-freien- Gewerkschaft 5 Proz., in der christlichen III Proz.. -bei den Textilarbeitern 3 7,98 Proz. gegenüber 32,03 Proz., bei den Holzarbeitern 3,6 3 Proz gegenüber ILS Proz. und bei den Tabakaribeitern 48,16 Proz. gegenüber 40,26 Proz. Nur bei! den Leder- und bei den Gemeinde- und Staatsarbeitern ist der Prozentsatz in den christlichen Gewerkschaften etwas höher als in den freien. Zieht man die Zahlen der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins zum Vergleich heran, so gestaltet sich-das Bild für die freien Ge- werkschaften noch günstiger. Die Hirsch-Dunckerschen Vereine hatten bei den Metallarbeitern 283 weibliche Mitglied�:, gleich 9.63 Proz. der Gesamtmitglieder, bei den Textilarbeitern 1876 weibliche Mit- gli-eder gleich 30,24 Proz., bei den Lederarbeitern 42ö weibliche Mitglieder gleich 8,33 Proz. und bei den Holzarbeitern 49 weibliche! Mitglieder gleich 9,9 Proz. Die angeführten Prozentzahlen, die durchgängig bei den freien Gewerkschaften am höchsten sind, be- weisen, daß diese Verbände den größten Wert aus die Organisierung auch-der weiblichen Arbeiier legen, daß ihre Arbeit in dieser Hin- ficht- nicht ohne Erfolg geblieben ist und daß gleichzeitig mit der Einsicht, die Notwendigkeit der Organisation überhaupt und das Verständnis der Arbeiterinnen für den Wert der freien Gcwerk- schaften, verglichen mit dem der anderen Verbände,-wächst. Der bisher gewonnene Erfolg, der ja immerhin von dem Höchsten, was auf diesem Gebiete zu erreichen ist, nur einen kleinen Teil bedeutet, muß ein Ansporn für die freien Gewerk» schaften sein, die Organisierung-der Arbeiterinnen mit allen Kräften und allen Mitteln fortzusetzen. Und Pflicht jeder Ar- befterin ist es, nicht untättg daneben zu stehen, sondern in die Gc- iverkschast einzutreten und hier Seite an Seite mit den mänm, lichen- Arbeitskollegen für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Leseabende. Dritter Kreis. Freitag, den 6. Dezember, im Gewerkschaftshause. Saal 5: Gemeinschaftlicher Leseabend. Dritter Bortrag des Genossen ReicbStagsabgeordneten Fritz Zubeil:„Ueber Verfassungsfragen"..___ Marktbericht von Berlin am».Dezember ISIS, nach Ermittelung deS konigl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise. sKleinbandcl) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.09—50.90. Epeilebobnen. weihe, 36,00—50,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln sKIcinbdl) 5.00—7,00 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch,«auchild'ch 1,19— 1,30. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,60-6,80. 1 Kilogramm Karpseii 1.20—2.40. Aale 1,60-3.20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—2 80 Barsche 0,80-2,10. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 3,00—30.00.' tSuchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW, »..m».zch-m- 2. Keilllge Iles LWiirts" Kerliller MlllsIllR seM»« Seneral-Verlammllivgen der Aahlvereine. Erster Wahlkreis. Die Versammlung des Wahlvereins für den ersten Reichstags- Wahlkreis fand in den„Corona-Prachtsälen", Kommandanten- ftraße, statt. Das Referat über den preußischen Parteitag hatte Dr. Kurt Rosenfeld übernommen, der den bevorstehenden Landtagswahlen und dem Wahlrechtskampf in Preußen die grüßte Bedeutung beimaß und die Hauptaufgabe des Parteitags darin er- blickte, in diesem Kampfe die rechten Wege zu weisen. Gegen die Vorschläge von Kurt E i s n e r und Eduard Bernstein nahm der Redner entschieden Stellung und sprach sein Mißtrauen gegen- über den Liberalen aus. Man werde bei den Wahlen eine ahn- Itche Taktik wie 1908 einschlagen müssen und könne sich darüber nicht täuschen, daß unter dem bestehenden Wahlunrecht eine wesent- liche Aenderung in der Zusammensetzung des Landtages nicht zu er- zielen sei. Die Hauptsache sei, die Massen draußen zu gewinnen, aufzuklären und zu veranlassen, durch Massenaktionen den Wahl- kämpf zu unterstützen und zu einem Kampf ums Wahlrecht zu machen. Zu den übrigen Punkten der Tagesordnung des Partei- tages übergehend, hob der Redner die Wichtigkeit der Landarbeiter- frage in Preußen hervor und bemerkte zu Punkt b, die Sozial- polrtik im preußischen Landtage, daß es sich hier nur darum handeln könne, unsere sozialpolitischen Forderungen geltend zu machen, denn der Landtag sei der Feind jeder Sozialpolitik Ein sehr wichtiger Punkt fehle leider auf der Tagesordnung des Parteitages, nämlich die preußische Jugendpflege, die eine sehr interessante und notwendige Beleuchtung erfahren könnte. Bei dieser sogenannten Jugendpflege handelt es sich nur um die Bekämpfung der aufblühenden proletarischen Jugend- bewcgung und dagegen müßte der Parteitag seine Stimme erheben. Mit den besten Wünschen für eine recht erfolgreiche Tätigkeit des Parteitages schloß der Referent seinen sehr beifällig auf- genommenen Vortrag. In der Diskussion stellt Genosse Samuel den Antrag, die Organisation der Jugend auf die Tagesordnung des preußischen Parteitages zu stellen. Der Antrag des Genossen Samuel wird angenommen.— Die Wahl des Delegierten zum preußischen Parteitag fällt auf den Genossen Schwabedal, der nach einem kurzen Hinweis auf die großen Aufgaben des bevorstehenden Parteitages die Persammlung schließt. Zweiter Wahlkreis. Eichhorn referierte über das Thema:»Der Parteitag in Preußen". Es handle sich bei den kommenden Wahlen nicht darum, ob wir einige Vertreter mehr in den Landtag bekommen und ob die Bresche, die wir hineingeschlagen, etwas breiter wird, sondern daß wir zu einem wuchtigen Vorstoß ausholen, der seine Wirkung auf die gesamte Reichspolitik überträgt. Unter diesem Gesichts- Winkel gewinnt der preußische Parteitag eine ungewöhnliche Be- deutung. An der Tätigkeit der Landtagsfraktion selbst habe er, Redner, keinerlei Kritik zu üben. Ihre Stellung sei eine sehr schwere und aufreibende, wie kaum in einem anderen Parlament. wenn man bedenke, daß 6 gegen 443 stehen. Man müsse zum Lobe unserer Fraktion sagen, daß sie es immer verstanden hat. sich Geltung zu verschaffen und unsere Prinzipien zum Ausdruck zu bringen. Auch der preußische Parteitag werde ihr seine Aner- kennung nicht versagen. Redner bespricht des weiteren die Tages- ordnung des Parteitages, aus der besonders die Punkte: preußische Sozialpolitik und die Landarbeiterfrage hervorgehoben werden müssen. Zwar sei die Sozialpolitik Reichsangelegenheit, aber ihre Handhabung unterliegt den einzelnen Bundesstaaten. Ein Gesetz kann noch so gut sein, wenn eS in die Hände einer schlechten Ber- waltung komme, könne es zu jedweder Schikanierung benutzt werden. Und in Preußen haben Wir Kreise, die alles tun. um die Sozialpolitik illusorisch zu machen. Wenn es gelte, die Interessen der Arbeiter zu pertreten, stehe die Sozialdemokratie allein. Das sei auch der Fall in der Landarbeiterfrage, deren jammervolle Lage und rechtlose Stellung als Staatsbürger der Redner in wirk- samer Weise zeichnet. Nun zu den Landtagswahlen. Die Regierung will dem alten Landtag keine neue Wahlrechtsvorlage mehr unterbreiten. Beth- mann Hollweg verbleibe somit noch eine kurze Gnadenfrist. Die Frage laute nun: Wie werden wir uns taktisch stellen bei dem Wahlkampfe. Für die Vorschläge E isners und Bernsteins sei er, Redner, nicht zu haben und sie würden auch sonst wohl kaum viele Anhänger finden. Fortschrittler und Nationalliberale seien nicht besser wie die andern. Diese Taktik hätten wir abzulehnen. kleines feiiiUeton. Wie in«erlin Theater gegründet werden. Zwischen Bußtag und Totensonntag ist die Reichshauptstadt mit einem neuen Theater beglückt worden, dem Theater. G r o ß- B e r l i n Bei der Ent- Wicklung, die das Berliner Theaterfinanzwese» in letzter Zeit ge- »ommen hat der Zusammenbruch des Komödienhauses ist noch in allzu frischer Erinnerung— ist es nicht ohne Interesse, zu sehen. wie in Berlin neue Theaterunternehmungen zustande kommen. In der demnächst erscheinenden Nummer der„Schaubühne" macht der Berliner Theatersachmann Maj; Epstein vielsagende Mitteilungen- Wer sind die Mäcene. die hier»in reichshaupistädtisches Thealer gründen? Die Konstituierung der Gesellschaft, die das Theater führt, erfolgt im Hause eines belamnen inzwischen verstorbenen Berliner Rechtsanwaltes: und als die Gründungsakle unterzeichnet ist, gehört ein Drittel des Unternehmens bereits Brauerei- b e i i tz e r n. Es war beschlossen, ein Kapital von 799 999 M- zu zeichnen, wovon 699 999 M- bar bezahlt werden sollten. Hiervon übernehmen die Schloßbrauerei 60999, die Spatenbrauerei in München 49 999 und die Altiengesellschaft für Biervertrieb ebenfalls 49 999 M. Und zu diesen drei Gesellschasten tritt als vierter der Besitzer des Warenhauses Tietz, der gleich 75 999 M- zeichnete und dafür da» Privileg hat. für dieses Thealer am Bormittage Billetts verlaufen zu können. Als fünfter Teil- haber zeichnet die Schokoladenstrma Sarotti 19 999 M.. so daß etwa ein Drittel de« gesamten Kapital« ausschließlich von Lieferanten aufgebracht ist. Wester übernimmt die An»- stellungshallen-Gesellschaft. der da» Theaterlokal gehört, 69 099 M-, und ein Privatmann, der dieser Gesellschaft anscheinend nahesteht, LS ooo M. Der künftige Direktor des Unternehmens verpflichtet sich auf 69 009 M- und zahlt wie auch alle anderen ein Viertel sofort bar«i». Dann aber lammt der Gründer des ganzen Unternehmens, der Vermittler zwischen dem Direktor und dem Theaterbesitzer. der Urheber des Planes. Er übernimmt nominell 349 999 M. Aber nur nominell, in Wirklichkeit bringt er geleistete Bor« arbeit ein, er hat den Mietsvertrag mit den Ausstellungshallen und den EngagemenlSvertrag mit dem Direktor geschlossen. Und für diese Leistungen werden ihm 299 999 M. in Anteilen vergütet, in der Tat ein Betrag, der in Anbetracht der Leistungen und des ge- lragenen Risikos, wie Epstein bemerkt,„reichlich hoch bemessen" er- scheint..Der Mietsvertrag u»d der Anstellungsvertrag sind nämlich vom selben Tage datiert, wie die Gründung selbst", so daß der he- treffende Herr kein lange dauerndes Risiko übernommen zu haben fctjeint. Die praktische Folge dieser Art von Berliner Theatergrgndung ist natürlich, daß sich der Direktor in leicht zu erdrückender Minder- heit befindet und in praktischen Dingen immer einflußloser werden (Sehr richtigl) Die Partei sei noch immer am besten gefahren, wenn sie sich auf ihre eigene Kraft verlassen habe.(Sehr richtig!) Unsere Erfolge verdankten wir auch nicht der Zahl der Vertreter im Parlament, sondern dem machtvollen Drängen von unten her- auf. Wenn eine bessere Wahlrechtsvorlage mal käme, dann nur, weil man dem ungestümen Drängen des Volkes nicht mehr wider- stehen konnte. Die Hauptsache sei, daß wir eine gewaltige Stimmen- zahl aufbringen, damit wir das schreiende Unrecht vor aller Welt zeigen können. Wie nun der Wahlkampf weiter zu führen ist, dar- über werde der Parteitag verhandeln. Wie die Wege gingen, dies werden wir nicht vor aller Augen vorher ausbreiten. Nur das eine könne man mit Bestimmtheit aussprechen: Wo ein Wille ist. da ist auch ein Weg. Zeigen aber wollen wir, daß wir einig sind im Wollen und Handeln, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben. (Starker Beifall.) Eine Diskussion folgte nicht. Der Vorsitzende verliest nunmehr einen Antrag, der von Fritz begründet wird unter Bezugnahme auf die Verhältnisse im 2. Kreis bei den Landtags n a ch wählen. Der Antrag lautet: «Der preußische Parteitag wolle beschließen: „Bei Nachwahlen zum preußischen Landtag in solchen Wahl- kreisen, wo keine Aussicht auf Erfolg besteht, ist den Wahlkreisen in Verbindung mit dem Bezirksvorstand in bezug auf BeteUi» gung oder Nichtbeteiligung freie Hand zu lassen." Redner vertritt die Ansicht, daß dieser Antrag gegen keinen Parteitagsbeschlutz verstoße, da ein solcher nicht bestehe. D i t t m e r wendet sich dagegen. Man möge bedenken, zu welchen Konsequenzen das führen könne. Wir hätten bei den Nach- wählen dieselbe Arbeit zu leisten, wie bei den Hauptwahlen. Das agitatorische Moment müsse jedenfalls berücksichtigt werden. Nach- wählen seien im Prinzip dasselbe wie Hauptwahlen. Eichhorn äußert sich dahin: Daß der Antrag so wenig Sympathie gefunden habe, liege wohl an der nicht ganz glücklichcck Begründung durch Fritz. Wir haben uns eben an allen Wahlen zu beteiligen, mag die Situation sein wie sie wolle. Darum ist der Antrag jedoch nicht überflüssig. Es handle sich nur um Ausnahmen. Keine Regel ohne Ausnahmen. Er schlage aber vor. in den Antrag einzuschalten:„in Verbindurng mit dem Bezirksvorstand". C l a j u s wendet sich gegen Dittmer und tritt für den Antrag ein. Man möge ihn doch wenigstens vor den Parteitag bringen, was der mit mache, sei dessen Sache. Der Antrag wird hierauf mit dem Amendement Eichhorn an- genommen. Als Delegierte zum Parteitag werden gewählt: Schröder. Werner, Fritz. Siemer, I. Meyer, Frau Wurm, Dittmer und B e st. Eine längere Debatte löste noch eine vom Vorstande ausge- arbeitete Borlage aus, die die Diäten und Mankogeldfrage neu regelt. Dittmer stellt den Antrag, die Vorlage an Groß-Berlin zu verweisen, damit die Sätze einheitlich für alle Kreise geregelt wer- den könnten. Der Antrag wird abgelehnt. Angenommen wird die Entschädigung der Funktionäre für Sitzungen, desgleichen das Mankogeld für Bezirksführer und Abteilungskassierer. Dritter Wahlkreis. Die Generalversammlung des dritten Wahlkreises tagte in den „Arminhallen". Genosse Dr. Karl Liebknecht hatte das Referat. Nach Hinweisen auf die Kritik, die die kleine Fraktion im Abgeord- netenhause an der preutzischeni Politik Hab« fällen müssen, betonte der Redner, daß das wichtigste, was in den letzten Jahren das Drei- klassenparlamenit beschäftigt habe, die Verhandlung über die Wahl- rechtsvorlage gewesen sei, jenes Monstrum, das einen Schlag ins Gesicht der entrechteten preußischen Wähler bedeutete. Noch weiter verschandelt und dann verscharrt: das sei ihr Schicksal gewesen. Die Fraktion im Landtag habe, soweit eS möglich gewesen sei, den Kampf um ein besseres Wahlrecht weiter geführt. Den Hauptwert habe ihr Streben aber erst erlangt durch die Wirksamkeit unserer Parteigenossen außerhalb des Parlaments. Die Möglichkeit, einen großen Kampf im großen Umfange zu führen, sei in der Zwischenzeit nicht gegeben gewesen. Die Wahlrechtsfrage aber lebe, so wahr die Sozialdemokratie lebt. Und sie sei um so dringender geworden, je stärker die Partei geworden sei. Der Wahlkampf, den wir den Winter und das Frühlahr durchzuführen haben werden und zu dem insbesondere vom Preußischen Parteitag ein starker Impuls aus- gehen werde, dieser Wahlkampf werde ein Wahlrechtskampf im ausgeprägtesten Sinne sein. DaS„Berliner Tageblatt" spreche heute von dem Schwäbischen Denkzettel und empfehle den Großblock. Aber in Preußen einen Großblock mit den Nationalilberalen— diese Frage auszuwerfen, heiße den ganzen grotesken Charakter dieses Gedankens zeigen.(Zustimmung.) Und die freisinnige Partei in Preuße»? Man denke an Reuh, Neukölln und Kiel und die Wahlrechtsverschlechterungen. Das sei die Praxis der Fort- muß. Er hat nickt den zehnten Teil des Kapitals übernommen. Nun hat aber die Polizei in der letzten Zeit stets daraus bestanden. daß ein Berliner Thealerdirektor in seiner Gesellschaft unbedingt die Mehrheit haben müsse. Bei dem Fall der Gründung des Theaterö Groß-Berlin scheint diese Bestimmung aufgehoben zu sein. Kunst ist Geschäft wie alles andere, und das Kapital ist Trumpf. Vielen Zeitgenossen sind diese Zusammenhänge immer noch nicht klar. Darum ist es gut. wenn gelegentlich solche GründungSgeschichten an« Licht kommen. Und man meine nicht, daß das Ausnahmen sind. Der Kunsthändler beherrsckt die Sezession und das Brauereikapital das Theater„Groß-Berlin". Die Künstler haben nur noch Daseins- berechtigung. soweit sie daö Kapital in Funktion setzen. Und das Kapital bestimmt dann eines TageS souverän, waS für Kunst dem Volke geboten werden darf. Du Kuliurinteressen sind bei uns aufs best« aufgehoben. Die Brauereien sorgen für sie. Die Organisation der Klasse, die allein noch Zukunftsideale und wahr« Kultursehnsucht erfüllen, die wachsende Anteilnahme des Proletariats an den Kulturgütern, die eS i„ freier Selbstverwaltung pflegt, sind die einzigen Lichtblicke und Verheißungen in dieser fürchter- lichen Uebergangszeit. Der sprechend« Film. Die Kinematographie als reine Technik betrachtet steht heute bereits auf einer erstaunlichen Höhe. Alles waS das Auge als Bewegung erfaßt, vermag der Film aufzunehmen. Ja weit über das menschliche Sehvermögen hinaus leistet uns die beflügelte Photographie ihre Dienste: sie belauscht den Blitz und bildet eine Kugel ab. die eine Seifenblase durchdringt, sie ist der höchsten Geschwindigkeit gewacksen, die ein fester irdischer Körper erreicht. Ueberlegen ist die Lichtbildtechnik der menschlichen Dar- stellnngskunst auch in der Kombination ihrer Elemente: ihre Tricks schaffen eine Welt des Ueberraschenden und Wunderbaren. Was daö Lichtbildlheater heute zu leisten vermag und was ihm verschlossen ist, das zeigte sehr charatteiistisch eine Lorstellung, zu der die Internationale Filmzeitung die Presse in den Mozartsaal ge- laden hatte. Natureindrücke aller Art übermittelt der Film heute vollendet. Man sah da eine Reise durchs Normannenland, da« alle Reize etwa einer Spreewaldfahrt auf ruhigem Kahn zwischen Wald und Busch bereitet. Das leise Almen de« Wassers und die windbewegten Blätter— alles wird vor uns lebendig. Oder man schaut dem grandiosen Brauen und Ziehen de? Wolkenmceres vom Montblanc zu und hat einen Naturgenuß, der nur einer verschwindenden Zahl in Wirklichkeit zuteil wird.— Bilder von Scotts Südpolexpedition sagen uns unendlich mehr von der Art. wie die Polarfahrer reisen, das gelt ausschlagen und darin essen und übernachten, als lange Beschreibungen. Hier ist ein unermeßliche« danlbares Gebiet für die Lichtlunst. Seeanemonen zu beobachten, die ihren prachtvollen Schopf von Fäden(die Empfindung«- und Greiforgane zugleich sind) schrittler. Also nicht über den Weg trauen. Aber immerhin sei unter Blinden der Einäugige König. Auch seien die Fortschrittlcr immerhin das kleinere Hebel und sie hätten auch ein wirkliches Interesse an einer Aenderung. So sehr wir auch bezüglich ihrer im Zweifel seien, so könne man doch in gewissem Umfange mit ihnen zusammen arbeiten, zumal sie aus der Schmollbank säßen und zurzeit gezwungen seien, eine etwas schärfere Politik zu treiben. Nun habe Kurt E i S n e r empfohlen, von ihnen nichts zu verlangen, aber ihnen selbstlos Hilfe zu leisten, damit möglichst viel National- liberale und Liberale in den Landtag hineinkämen, die wir als Sturmböcke benutzen sollten. Ach— diese Sturmböcke seien ja wattiert!(Heiterkeit.) Redner sei im Gegensatz zu Eisner der Ansicht, daß wir allerdings über den Kampf für eigene Mandate hinaus natürlich auch unseren Einfluß aufbieten sollten für eine andere Zusammensetzung des Landtags, daß wir aber eine P o l i t i k der Gegenleistung treiben sollten. Der Fortschritt sei zu nötigen, für unsere Hilfe Gegenhilfe zu bieten. Und wenn er sich auf seine bisher üblichen Wahlmänner nicht verlassen könne, dann solle er eben solche aufstellen, die sich nicht fürchteten, auch einem Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben. Gab« um Gab?: so solle es gehalten sei». Redner behandelte noch dir anderen Aufgaben des Preußischen Partciiages und sprach die Zuversicht aus, daß er neue Waffen gegen die preußische Reaktion uns in die Hand geben werde. Sein Vortrag fand großen Beifall. Als Delegierte zum Preußischen Parteitag wurden die Genossen Adolf Harndt und.Gustav Müller gewählt, als Ersatzmann Genosse Koop. Die Versammlung nahm einen Antrag an, der Generalver- sammlung für Groß-Berlin den Antrag zu unterbreiten, daß den Delegierten zur Groß-Berliner Generalversammlung eine Ent- schädigung von je einer Mark zu zahlen sei. Biertcr Kreis. Die gutbesuchte Versammlung des vierten Kreises tagte i»r großen Saal von Keller, Koppenstraße. In seinem einstündigen Referat beleuchtete Genosse Hirsch die Aufgaben, welche der kom- mende preußische Parteitag zu lösen hat. Nach dem Organtsations- statut hätte der Parteitag schon im Januar 1912 stattfinden müssen. aber die um diese Zeit fallenden Reichstagswahlen veranlahten die Verlegung um ein Jahr und bildet nunmehr der Parteitag den Auftakt zu den bevorstehenden Wahlen zum Äbgeordnetenhaufe. Stand der letzte preußische Parteitag unter der Frage der Wahl- rechtsvorlage, so sind wir jetzt über diese Frage hinaus und führen wir nunmehr den Kampf um die Einführung de? Reichs- tagswahlrechts für die Wahlen zum Abgeordnetenhause.— Neben dem Geschäftsbericht deS Landesausschusses steht noch als wichtigster Punkt die Frage der Taktik hei den bevorstehenden Wahlen auf der Tagesordnung. Bei der Beratung des Geschäftsbericht« wäre die Frage aufzuwerfen, ob wir auf die Dauer mit der jetzigen Organi- sation des Landesausschusses auskommen werden. Ans dem letzten Preutzentag wurde diese Frage schon ventiliert, jedoch von einer Aenderung vorläufig Abstand genommen. Beim Bericht der Landtagsfraktion können Vorwürfe erhoben werden, daß nicht alle Wünsche und Hofsnungen in Erfüllung gegangen seien; aber mehr zu leisten, als geschehen, war die kleine Fraktion eben nicht imstande. Redner bespricht die einzelnen Vorlagen, welche das Abgeordnetenhaus demnächst beschäftigen werden. Auf dem Par- teitag wird auch die Landarbeiterfrage eingehend erörtert werden müssen. Besitzen doch diese Aermsten»och nicht einmal das Recht, sich zu koalieren; auch müssen wir Mittel und Wege suchen, diese Bevölkerungsschicht für uns zu gewinnen. Zum Schluß seiner Ausführungen erörtert Genosse Hirsch die Frage der Taktik und unsere Stellungnahme den Frei- sinnigen gegenüber. Sind doch schon Ansichten ausgetaucht, daß da� wo wir keine Aussicht haben, aus eigener Kraft etwas zu erreichen, wir gleich für die Freisinnigen und Nationallibcralen stimmen sollen. Der Befürworter dieser Anregung verkennt den agiia- torischen Wert unserer Wahlkämpse. Redner bezeichnet es als reinen Selbstmord, wenn Ivir die Möglichkeit aufgeben, bei Wahl- kämpfen an die Massen heranzukommen. Scharf wendet er sich gegen den Vorschlag, auch die Nationalliberalen zu unterstützen. Letztere seien nicht nur Gegner des Rcichstagswahlrechts� sondern haben bei den letzten Beratungen der Wahlrechtsvorlage für ein Fünfklassenwahlrecht votiert. Weiter haben die Nationalliberalcn die Aufhebung der Drittelung in den Urwahlbezirken beantragt. Wenn diese Anträge angenommen wären, hätten wir in Berlin keinen einzigen Sozialdemokraten durchgcbracht.(Hört! hört!) Redner betont, wir dürfen nicht einmal in der Stichwahl für diese Anhänger des Mehrstimmenrechts eintreten. Wie liegen denn nun die Dinge bei den Freisinnigen? Tic Freisinnigen stimmten für den Spitzelfonds, für höhere Belastung der Arbeiter durch Anziehen der Steuerschraube, für die 3'ch Milli- aus Ihrer Körperhöhle ziehen und mit der Beute wieder hinein ver- senken, ist jedenfalls auch für die meisten etwas Neues und Wissens- wertes. Eine lange sentimentale LiebeSgeschichte dagegen, die nie Kosten bei der Herstellung gemacht hat, zeigte nur zu deutlich, waS der Film nicht kann: das Drama ersetzen. Der dramatische Film ist eine Mißgeburt, die plump und wertlos ist, weil sie der höchsten und tiefsten AiisdruckSniöglichkeit: der Sprache entbehren muß. Daß der Film freilich nicht auf die Dauer dazu verurteilt ist, nur die Welt der Augen wiederzuipiegeln, bewies da« Ereignis dieser Vorführung— der sprechende Film. Was das Kino für das Auge, das leistet ja das Grammophon für das Ohr. Aber diese beiden Eindrücke sich so abspielen zu lassen, daß sie in gleichem Rhythmus(synchron) sich abspielten, das war die Schwierigkeit. Der von der Firma Gaumont gestellte Apparat führte nun in ver- blüffender Weise beides zugleich vor: Ton und Bewegung. Man sah und hörte zugleich den krähenden Hahn, eine Dressurszene im Löwenkäfig— deutlich und exakt und gleichzeitig. Die menschliche Stimme, die etwa bei einem Telephoitgespräch belauscht war, klang nur wenig verändert. Der Fortschritt, ber ja längst angebahnt war, ist geeignet, dem Lichtspieltheater neue Gebiete zu erschließen. Hoffentlich befreit eS uns daiür von dem vielen Krassen und Unkünstlerische», da« heute noch viefach überwiegt. Rottze«. — DaS Theaterin der Königgratzer Straßeist erfreulicherweise genötigt, die Ausführung der Schwänke und Lust- spiele gelegentlich zu unterbrechen, um Frau T r i e s ch in ihrem Repertoire zu zeigen. Die vollendete Verkörperung der H e d d a Gabler durch die Künstlerin ist vom Lessingthealer her in Er- innerung; ihr hier wieder zu begegnen, ist ein Erlebnis, für das man dankbar ist.(Obwohl eS nordisch-rassigere. mehr kapriziöse und generalstochiermäßige Gestaltungen gibt.) Die Mitspieler hielten sich auf sehr erfreulicher Höhe; ganz vortrefflich war Otto Gebühr, der den Tesmann nicht als Karikatur, sondern als glaubwürdigen Gelehrten darstellte. Harlans Löwborg fehlte der Stich ins Geniale, ohne den er zur reinen Bohcmefignr herabsinkt. — B o r t r ä g e. Im Auftrage der Humboldt-Akademie spricht am Sonnabend im Dorotheensiädtischen Realgymnasium, Georgen- straße 39/31, Dr. Aua. Eichhorn über„Telephonie ohne Draht bei den„Wilden". Der Eintritt ist frei. — Theaterchronik. Im Theater am Nollendorfplatz finde» an den näcksten beiden Sonntagnachmittagen Schausvielvorstellungcn zu kleinen Preisen statt, und zwar i» I u g e n d'(am S.),.Der Hüttenbesitzer'(am IS.j. efleS Zulage iffi Sefi A?n?g tßm Preußen uffij, AuH für tue Erringung des freien Wahlrechts haben die Freisinnigen sehr wenig «ctan; erst durch Eintritt der Sozialdemokraten in den Landtag sind sie auch hier vorwärtsgeschoben worden. Es sei ferner daran erinnert, dafj gerade die Freisinnigen die Antragsteller waren, als seinerzeit die vier Berliner Mandate kassiert wurden. Und wie haben sich denn die Freisinnigen bisher verhalten; als wir im Jahre 1L03 ihnen das Anerbieten machten, in den Wahlkreisen, wo mehrere Abgeordneten zu wählen waren, uns zu unterstützen, so daß ein Freisinniger und ein Sozialdemokrat gewählt worden wäre, lehnten sie dieses Anerbieten rundweg ab und wurden dadurch zwei Kon- servative gewählt. Ebenso lagen die Dinge 1908. Aus diesen Gründen ergibt sich für uns ganz von selbst der Zwang, keine falschen Freunde zu unterstützen, sondern überall, wo angängig, eigene Wahlmänner aufzustellen, unsere Anhänger zu zählen und mit aller Schärfe und Energie den Kamps zur Eroberung des gleichen Wahlrechts in Preußen weiterzuführen.(Lebhafter Beifall.) In der nunmehr einsetzenden Diskussion spricht als erster Redner Genosse G l a ß zu dem Antrage,„Die Polenfrage" mit auf die Tagesordnung zu setzen. Redner bezeichnet es als die heiligste Pflicht der Partei, die vier Millionen Polen, welche doch in Preußen wohnen, für die Ideen der Sozialdemokratie zu gewinnen. Des weiteren bringt Redner einen Antrag ein. welcher besagt, daß die jeweiligen Sprecher unserer Fraktion zur Polenfrage vorher eine Studienfahrt durch die Ostmarksn unternehmen sollten, um hier an Ort und Stelle Land und Leute kennen zu lernen, auch verspricht sich Redner«inen großen agitatorischen Erfolg durch der- artige Reisen unserer Abgeordneten. Zum Schluß befürwortet er die Aufstellung eines Abgeordneten polnischer Nationalität, um unserer Fraktion einen Sachverständigen in diesen Fragen bei- zugeben. Genosse Littauer begründet den Antrag:„Doppelkandi- daturen zum Landtag und Reichstag sind nicht zulässig." Dieser Antrag ist durchaus nicht neu. Schon der letzte Parteitag habe in diesem Sinne entschieden. Um nun die Arbeitskraft unserer Ge- nassen im Landtage völlig für diese Arbeiten freizubekommen, ist es notwendig, diesen Antrag zu erneuern. Neben dem Genossen Liebknecht kandidieren noch die Genossen Hoffmann und Lei- n e r t zum Reichstage. An befähigten Genossen haben wir durch- aus keinen Mangel. Genosse Melle spricht seine Verwunderung aus über die heute vom Genossen Hirsch geäußerten Ansichten bezüglich des Zusammengehens mit den Freisinnigen. In vorher veröffentlichten Artikeln habe gerade Genosse Hirsch zu einem Kompromiß mit den Freisinnigen geraten, und nun vergleiche man damit die heute gehörten Ansichten. Redner verliest einige Stellen aus den Ar- tikeln des Genossen Hirsch. Genosse Melle lehnt zedes Zu- fammengehen mit den Freisinnigen rundweg ab, warnt vor einem faulen Kompromiß und empfiehlt zum Schluß, überall mit eigenen Wahlmännern vorzugehen.____ � Genosse B a r t l i n g beantragt:„Der preußische Parteitag wolle veranlassen, daß der vom Parteivovstand den einzelnen Be- zirks- und Landesvorständen zur Durchführung überwiesene An- trag 12 von Berlin 4(Landagitation betreffend) in Preußen schleu- nigst durchgeführt wird, um eventuell schon zu den bevorstehenden Landtagswahlen danach arbeiten zu können." Genosse Hirsch erklärt gegenüber den Ausführungen des Ge- nossen Melle, daß die zitierten Artikel polemischer Natur waren. Wohl hat Genosse Melle recht, wenn er sagt, er finde einen Widerspruch zwischen den Artikeln und meinen heutigen Aus- führungen, aber die Artikel waren geschrieben, lediglich um den Freisinn zu hören. Dieser habe aber geschwiegen und aus diesem Grunde kann Redner jetzt einem Wahlbündnis mit den Freisinnigen nicht mehr das Wort reden. Zu dem Antrag G l a ß wäre zu bemerken, daß schon jetzt, wenn erforderlich, Studien gesammelt werden. Wer aber die Ostmavken bereisen will, der müßte doch mindestens die Landessprache beherrschen, sonst wäre doch das ganze Unternehmen zwecklos. Nachdem Genosse Glaß ken Ausführungen des Vorredners widersprochen, gibt Genosse Borchardt seiner Meinung dahin Ausdruck, daß die Art und Weise, wie der Genosse Glaß feine Anträge und Ansichten vertritt, wohl viel dazu beitragt, daß diese durchaus ernsten und Wichtigen Fragen der Polenagitation nicht immer die Erfolge zeitigen, die sie wohl beanspruchen konnten. Zur Frage der Studienreisen möchte er von diesem Experiment bringend abraten. Wenn Genosse Glaß glaubt, in acht Tagen könne man Land und Leute kennen lernen, dann irrt er sich sehr. Lehnen Sie diesen Antrag ab. da er absolut keinen Nutzen hat. In der Abstimmung werden folgende Anträge angenommen: . Die Polenfrage auf die Tagesordnung zu setzen;. die Doppelkandidaturen sind unzulässig und der Antrag betreffend..Landagitation". Als Delegierte werden vorgeschlagen: H. Barenthrn, P. Böhm, Agnes Fahrenwald. Förster, P. Sange, O. Langnitschke. I. Lefeber, M. Mix. H-Parrzot. Dr. Pleßner. H. Poetzsch. W. Schenk, K. Scholz, G. Stoboy. H. Werner und K. W ü ck e. Die Urwahlen finden am 15. Dezember statt.. ' Zur Landtagswahl Wird eine fiebengliedr,ge Ientralwahlkom- inlssion gewöb unwichtigen Angelegenheit teilt der Borsitzende Hoffmann mit, daß die Generalversammlung durch 1218 Delesierte und sonstige Berechtigte besucht war Fünfter Wahlkreis. Nachdem die Generalversammlung das Andenken der seit der letzten Versammlung verstorbenen Mitglieder in der üblichen Weise g�hrt hatte, hielt Genosse Groger fernen Vortrag über das Thema:„Bor ussisch es"... Obwohl heute in Preußen Handel und Industrie zu großer Bedeutung gelangt seien, dominiere in der Politik. Gesetzgebung und Verwaltung das Junkertum. Seit Jahrhunderten habe dieses die Macht in Händen und zu seinem Vorteil ausgenützt; es sei daher nicht zu erwarten, daß es nun freiwillig auf feine Macht- stelluno verzichte. Doch wenn sich die Feudalen auch noch so sehr festgesetzt haben, müsse das erst recht ein Ansporn für die Arbeiterklaffe sein, alles aufzubieten, die Junker zu verdrangen. Das ist in den letzten Jahren versucht worden seien die Erfolge «der noch gering, dann ist daran die in:eustlsche Bourgeoiste mit schuld. Das Bürgertum in Preußen macht das Vorwartsdrangen des Proletariats eben wicht mit, aus Angst vor letzterem selbst. In längeren Ausführungen zeigte Redner, wie es die Junker seit jeher und bis heute verstanden haben, sich um die Lasten für den Staat zu drücken, jede freiheitliche EntWickelung aufzuhalten, dafür aber alle Vorteile zu genießen. Die Weltanschauung der Junker gipfele darin, daß sie die einzige Aufgabe des Staates darin erblicken, ihren alleinigen Interessen zu dienen. Die Macht des Junkertums wurzele in dessen dominierender Vorherrschaft in der preußischen Verwaltung, hier habe es seine Organisation; von den Keis- und Provinziallandtagen aus wirke es bestimmend auf die Politik nicht nur des Landes, sondern auch auf die Reichspolitik. Mancher unserer Parteigenossen zweifle noch daran, daß die Macht der Arbeiterklasse nur in der Organisation zu suchen sei. Aber diese Zweifler sollten sich einmal fragen, woher das Junkertum feine Machte habe, und sie werden dann sehen, daß es auch hier dieOrgani- fation ist. Wenn wir auch auf unsere Organisationen stolz sein können, unS in dieser Hinsicht mit dem preußischen Junkertum zu messen, seien wir doch nicht in der Lage. Oftmals höre man von Arbeitern kleinmütige Aeußerungen, zaghaft stehen sie vor ihren Aufgaben und Forderungen, aber auch da sollten wir uns die Annkcr mit ihrem Drängen und Draufgehen zum Vorbild nehmen. �9ir dürfen uns keineswegs über die Macht unserer Gegner täu- sehen wenn wir diese überwinden wollen. Unser Kampf ist erst lünaeren Datums, hat aber doch schon Erfolge aufzuweisen So Lei nur erinnert, welche Schwierigkeiten vor gar nicht zu langer "äpit imieren Demonstrationen bereitet worden sind, und heute machen wir von denftlben trotz des Geschreies der reaktionären Presse in vollem Umfange Gebrauch. Die Arberter Preußens haben sich eben das Recht der öffentlichen Demonstration erobert, sie verdanken dies ihrem unablässigen Vorkvärtsdrängen. Mit her Frage, Nie wir und mit welchen Mitteln wir unsere Rechtsgleichheit, ins- besondere die Beseitigung des Dreiktassenunrechtes erobern können, wird sich der kommende Preußische Parteitag ganz besonders zu beschäftigen haben. Der Wille, die Macht der Junker zu brechen, ist im Proletariat stark und lebendig; es rückt die Zeit heran, daß die Arbeiterklasse die Schmach der Ungerechtigkeit allgemein empfindet. Wir müssen trachten, unsere Macht umzusetzen in der Richtung: für ein freies Preußen freie Bahn!(Lebhafter Beifall.) Eine Diskussion erfolgte weder hierzu noch zum nächsten Punkt der Tagesordnung: der Stellungnahme zum Preußischen Parteitag. Inzwischen ist das Resultat der Delegiertenwahl zum Preußi- scheu Parteitag festgestellt. Gewählt sind die Genossen Rose- mann und Gregor Wolfs. Die auch seitens der Genossinnen ziemlich gut besuchte Generalversammlung erreichte scbon kurz nach 10 Uhr ihr Ende. Sechster Wahlkreis. Der Wahlvevein des 6. Kreises hielt seine Generalversammlung in den Gcrmania-P rächt sälen, Chausseestraße 110, ab. Es waren anwesend 081 Delegierte, 105 fehlten. Der Vorsitzende, Genosse He nfche l, leitete die Versammlung mit einer Uebersicht über die wichtigsten politischen Vorgänge seit Januar 1910 ein. Die uns noch bevorstehenden harten Kämpfe, so schloß er, werden wir unbe- kümmert um die Drohungen der Scharfmacher mit aller Energie führen und erfolgreich sein, wenn die Masse der Arbeiterschaft hinter uns steht. Die Generalversammlung nahm dann ohne Debatte folgenden, an den preußischen Parteitag zw stellenden Antrag an: Den§ 5 Abs. a des Statuts der Landesorganisation Preußens gemäß dem§ 7 Ziffer 1 des Organisationsstatuts der Sozialdemokratischen Parte« Deutschlands wie folgt zu ändern: Zur Teilnahme an dem Parteitag sind berechtigt: ia) Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichs- tagswahlkreisen. Die Wahl der Delegierten erfolgt nach Maßgabe der Mitgliederzahl. Es können gewählt werden: In Wahlkreisen bis 1500 Mitgliedern ein Delegierter, bis 3000 zwei, bis 0000 drei, bis 12 000 vier, bis 18 000 fünf, und für jede weiteren 0000 Mitglieder ein Delegierier mehr. Die Vertretung richtet sich nach der vom Deutschen Parteivorstand auf Grund der abgeführten Beiträge festgestellten Mitgliederzahl. Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. Es entspann sich hierauf eine kurze Geschäftsordnungsdebatte, in der gewünscht wivd, daß die gesamten Borschläge der General- Versammlung unterbreitet werden sollen. Die Genossen H e nfche l und Staffier erklärten, daß der Borstand bereit ist, der nächsten ordentlichen_ Generalversammlung dahingehende Vorschläge zu machen. Auf Antrag R ü ck e r t erklärt sich die Versammlung damit einverstanden. Als Delegierte werden gewählt die Genossen Henschel, Joseph, Laukant, Ob st, Paersch und die Genossin Lohse. Nachdem die Generalversammlung ihre Zustimmung zur Ein- leitung des Ausschlußverfahrens gegen den Genossen Wald Helm gegeben hat, erhält das Wort zu seinem Vortrage'der Genosse S t r ö b e l. Er behandelt in Ilistiindiger Rede die letzten Vor- gänge innerhalb des preußischen Dreiklassenparlaments und kriti- siert in eindrucksvoller Weise das Verhalten der Regierung. Speziell der preußische Eisenbahnminister trägt die Schuld, daß in- folge Wagenmangels eine umfangreiche Verkehrsstockung im West- deutschen Kohlenrevier«ingetreten ist, wodurch für die Bergarbeiter ein Lohnausfall von 12 Millionen Mark entstanden ist, der sich durch das herannahende Weihnachtsfest um so härter fühlbar macht. Nach- dem Genosse Ströbel noch eingehend die Arbeiten der Steuer- kommifsicm'des Landtages sowie die reaktionäre Haltung des Zentrums in Steuerfragen erörtert hat, bespricht er unsere For- derung eines Berggesetzes zum Schutze der Arbeiter gegen Grüben- katastrophen. Die Debatte Wer die Fleischnot und die Aus- fuhrungen ds Ministers von Schorlemer sowie die Anwendung des Hausknechtparagraphen geben ihm Anlaß zu längeren Aus- fuhrungen. Zum Schluß ersucht Redner, den kommenden Wahl- kämpf mit aller Energie zu führen und alles daranAusetzen, damit im neuen Landtag eine'bedeutend verstärkte sozialdemokratische !rraktwn den Kampf um eine für die Arbeiterschaft nutzbringende Wahlreform erfolgreich durchführen kann. Dem Referenten wurde starker Beifall gespendet. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung.__ v Sozialee. Gegen die„Deutsche Tageszeitung" war ein!« Klage gerichtet, die gestern vor der Kammer 8 iieS Ge- Werbegerichts zur Verhandlung kam. Der Arbeiter V. forderte durch Klage den Betrag von 20 M. für Arbeiten, die nicht zu feinen Obliegenheiten gehörten. Kläger war nebst feiner Ehefrau durch Vertrag als Portier für die«Deutsche Tageszeitung" engagiert. Wie er in der gestrigen Verhandlung angab, hatte er im Fe- bruar die Stelle gekündigt, weil ihm die Anstrengungen zu groß -und der Lohn zu niedrig gewesen wären. Er habe sich jedoch über- reden lassen und sei Wieder geblieben, nachdem ihm der Monatslohn -um 20 M. auf 135 M. erhöht wurde. Der Vertreter der Beklagten, Herr Wi-Nkler, bekundete,-daß der Kläger sich durch Vertrag ver- pflichtet habe, sämtliche Betriebsräume der„Deutschen Tagesztg." auf dem Grundstück Dessauer Straße 0/7 zu reinigen und zu heizen. Die 20 M. Zulage sollte der Kläger nur für die Monate erhalten, in denen geheizt werden mußte. Der Kläger erwiderte, daß am 1. April vier neue Räume hinzugekommen feien, wodurch ihm eine ganz erhebliche Mehrarbeit entstanden fei. Die Arbeit sei die reine Schinderei gewesen, oft habe et täglich 18 Stunden arbeiten müssen. Für das Heizen und Reinigen der neu hinzu- gekommenen Räume fordere er für die Monate April und Mai je 10 M. Der Bertrag könne nur maßgebend fein für die Räume, die beim Abschluß desselben vorhanden waren. Das Gericht erkannte den Klageanspruch als berechtigt an und verurteilte die Beklagte zur Zahlung der geforderten 20 M. In der Begründung des Urteils-wurde angeführt, daß dem Kläger durch die unstreitig neu hinzugekommenen Räume eine erhebliche Mehr- arbeit entstanden sei. Es könne nicht verlangt werden, daß der Arbeiter eine große Mehrarbeit, die er bei Wschluh des Vertrages nicht übersehen konnte, ohne Entschädigung übernehme. Bei der Klarheit der Rechtslage konnte ein Verlag«S wohl nur dann auf einen Prozeß ankommen lassen, wenn er an/nahm, nach deutschem Recht könne man mit Erfolg wie Shylock auf feinem Schein selbst dann bestehen, wenn dadurch offensichtlich gegen Treu und Glauben verstoßen würde._ Hofrat und Hauspascha. Das Hauspaschatum-hat in München zwar schon viele eigen- artige Blüten gezeitigt, aber den Gipfel erreicht doch ein hiesiger— Hofrat, ein Herr Dr. Map er in der Giselastratze zu Schwabing. Dieser, mehrfacher Hausbesttzer, kündigte einem seiner Mieter zum 1. April 1913 die Wohnung unter Hinweis auf die„persönlichen Verhältnisse", die in letzter Zeit bei ihm, dem Mieter, eingetreten seien.. „Sie sind"— so fajteiM im Auftrage des Herrn Hofrates dessen Rechtsanwalt an den Mieter—„als Brmenpflegschaftsrat und Waisenrat tätig und haben Sie für den Verkehr mit dem oft nicht einwandfreien Publikum ein förmliches Bureau er- richtet. So anerkennenswert es auch ist, daß Sie sich dieser mühe- vollen Arbeit unterzogen hgbep. qher die Inwohner des Hauses und meine Partei selbst nehmen Anstand an dem dadurch herbei« geführten unhaltbaren Zustand im Hause. Sollten weitere Un- annehmlichkeiten aus diesem Umstände entstehen, so mutz sich meine Partei das außerordentliche Kündigungsrecht schon vor dem 1. April 1913 vorbehalten." In München wird man künftig, bevor man ein städtisches Ehrenamt annimmt, erst von seinem Herrn Hauswirt dessen aller- höchste Genehmigung erbitten müssen, sonst kann es einem passieren, daß man wegen Ausübung werktätiger Nächstenliebe mir nichts dir nichts aus seiner Wohnung auf die Straße gesetzt wird. (Sericbts- Zeitung 45 Jahre Zuchthaus- und Gefängnisstrafen hat der 57jährige Schuhmacher Hermann Quarsdorf hinter sie�, der aus der Untersuchungshaft der 5. Strafkammer des Landgerichts III vorgeführt wurde, um sich wegen Diebstahls im Rückfalle zu ver- antworten.— Der Angeklagte hat sich, trotzdem er schon 57 Jahre alt ist, nur 12 Jahre seines Lebens der goldenen Freiheit erfreuen können. Seine erste Strafe wegen Diebstahls in Höhe von vier Wochen Gefängnis erhielt er im Jahre 1803 als achtjähriger Junge, da damals noch das alte Landrecht in Kraft war, welches die Straf- m-ündigkeitSgrenze von 12 Jahren noch nicht kannte. Bald darauf wurde er wegen anderer Diebstähle, die er als Anführer einer jugend- lichen Diebesbande begangen hatte, zum zweiten Male mit einer härteren Strafe bedacht. Von nun an reihte sich Strafe an Strafe. Kaum aus der Strafanstalt entlassen, verübte er eine räuberische Erpressung, die ihn zum erstenmal, und zwar gleich auf 0 Jahre, ins Zuchthaus brachte. Nach Verbüßung dieser Strafe organisierte er eine Einbrecher- und Räuberbande, mit der er so schwere Ver- brechen beging, daß er zu der höchsten gesetzlich zulässigen Strafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Sobald er eine Strafe verbüßt hatte, beging er sofort neue Straftaten, so daß er tatsächlich immer nur einige Tage auf freiem Fuße war. Am Abend des 10. Oktober d. I. drang er in den- Lagerkeller des Prodnktenhändlers Briesenick in Pankow ein und raffte hier Kleidungsstücke und andere Sachen zusammen und stopfte damit einen großen Sack voll. Als er mit dem Sack nicht durch die Haustür hindurch kam, wurde ihm von dem Bestohlenen selbst, der noch keine Ahnung von dem bei ihm verWten Diebstahl hatte, der Türflügel geöffnet. Gleich darauf bemerkte er jedoch den Diebstahl, er lief schleunigst hinter dem Diebe her und erwischte ihn auch noch einige Straßenzüge weiter. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, daß diese Straftat daS „letzte Ding sei. daß er gedreht habe", er wolle lieber ins Irrenhaus. — Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Zuchthaus. Das Gericht billigte dem„Zuchthausveteran" noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Der Lebens- und Leidensgang des Verurteilten zeigt die Wider- sinigkeit unserer Gesellschaftsordnung und die völlige Untauglichkeit unseres Strafsystems. Ein achtjähriges Kind kommt ins Gefängnis — heißt das nicht: ihn zum Verbrecher zu erziehen? Der weitere Lebensgang des Verurteilten bejaht diese Frage. Wieviel Tausende Jugendlicher werden noch heute infolge der Verkehrtheit. Jugendliche zu strafen oder sie dem System unserer Fürsorgeerziehung zu überantworten, zu Verbrechen geradezu genötigt! Die Zigeunerschlacht auf dem Wedding, welche schon mehrfach die Strafgerichte beschäftigt hatte, beschäftigte wieder einmal den Strafrichter. Wegen Landsrirdensbruchs war der Zigeuner Josef Schubert bor der 2. Strafkammer des Land- gerichts III angeklagt.— In dem Hofgebäude des Grundstücks Koloniestraße 119 wohnen seit längerer Zeit etwa 70 Zigeuner, die sich zumeist als Musiker ernähren. Zwischen diesem Stamm und einem anderem, der im Osten Berlins sein Domizil aufge- schlagen hatte, bestand seit langer Zeit eine grimmige Feindschaft. Diese Feindschaft steigerte sich noch mehr, als sich eine zu den ..Oesterreichern" gehörende Musikergesellschaft von den„Deutschen", wie sich der andere Teil der Zigeuner nannte, aus einem Lokal verdrängt glaubte. Nachdem vorher schon verschiedene„Zweikämpfe" zum Austrag gebracht worden waren, kam es eines schönen Tages zu einer regelrechten Schlacht. Etwa 30 Zigeuner aus dem Osten fuhren in Automobilen nach der Soldiner Straße, wo bei einem ehemaligen Stammesgenossen erst„Kriegsrat" gehalten wurde. Von hier aus zogen sie mit Revolbern, Dolchen, Gummiknüppeln und den unglaublichsten altmodischen Schietzprügeln und Donnerbüchsen bewaffnet, nach der Koloniestraße, um einen regelrechten Ueberfall auf die Feinde zu verüben. Sie traten auf dem Hofe in Reih und Glied an und auf das Kommando„Feuer" gaben sie in die Fenster des Feindes eine Salbe ab. Der überrumpelte Feind hatte sich bald ebenfalls bewaffnet und im Nu war ein Feuergefecht im Gange, durch welches auch die unbeteiligten Hausbewohner in Mitleidenschaft gezogen wurden, da die Kugeln nur so herumsaüsten und in den Wohnungen großen Schaden anrichteten. Als die Schlacht gerade im besten Gange war, ereignete sich eine überaus komische Szene. Der im Nebenhause wohnhafte Sch»!! man« Miincheberg, der gerade vom Dienst gekommen war und sich schlafen gelegt hatte, ergriff seinen Säbel und stürzte sich nur mit Hemd und Hose bekleidet auf die„Belagerer". Kaum waren diese seiner ansichtig geworden, als sie blitzschnell Kehrt machten und davon- rannten, so schnell sie die Beine tragen konnten, um nur nicht mit dem gefürchteten Schutzmannssäbel Bekanntschaft machen zu müssen. Mehrere der„Kombattanten" wurden festgenommen, später aber auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Oskar Cohn gegen Stellung von Kautionen von 60—100 M. wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Sie ließen sämtlich die Kautionen im Stich und zer- streuten sich in alle Mndrichtungen, so daß der Polizeibehörde un- endliche Schwierigkeiten erwuchsen, der Ausreißer wieder habhaft zu werden. Drei der Exzedenten, die im Elsaß verhaftet worden waren, wurden kürzlich von der Strafkammer zu je Jahren Gefängnis verurteilt. Der jetzige Angeklagte Sdjubert, der in Reinbeck bei Hamburg verhaftet worden war, wurde von der Straf, kammer zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Uns aller Gleit. Tie Sturmverheerungen auf Madagaskar. Ueber den am 24. und 25. November über Nordivest-Madagaskar hingegangenen Z y k 1 o n wird weiter gemeldet: Jn Nossy Bö wurden viele Schiffe und die Hafenanlagen schwer beschädigt. 20 Eingeborene sind in Nossy Bs ums Leben gekommen. Die Umgebung von Noffy Bü hat besonders stark gelitten. Zahl- reiche Dörfer find zerstört, die Ernten verloren. In Ambilo BS und Umgebung wurden über tausend Hütten zerstört, die öffentlichen Gebäude find eingestürzt. Die Ortschaft Sessy mit 400 Hütten ist vollständig vom Erdboden ver. s ch w u n d e n. Dieselben Verheerungen hat der Zyklon in Diego und AntsiranS angerichtet, wo 80 Eingeborene um- gekommen sind. Der gesamte Schaden wird auf zehn Millionen geschätzt. �_ Auch auf der zum deutschen Südseebesitz gehörenden Insel B a b e l t a r b ist durch einen Taifun großeVerwüstung angerichtet worden. Wie das Bezirksamt in Jap meldet, ist die Regierungsstation selbst nur wenig beschädigt worden. Mit den Mobilmachungsplänen verschwunden. In Freiburg i.B. verschwand der Divisionsschreiber der N. Division,-in Sergeant. Seme Spur geht nach Paris. Ihm wird zur Last gelegt, er habe MobllmachungZPIZne sich angeeignet. um sie an die französische Regierung auszuliefern. Auch soll er ein Monatsgehalt des Divisionskommandeurs d. Deimling mitgenommen haben._ Moderne Kreuzritter. Wie die italienische Zeitung„Giornale d'Jtalia' berichtet, haben �ich in der G a r i b a l d i- L e g i o n. die nach Athen gezogen war, ganz skandalöse Dinge zugetragen. Ein gewisser Marinelli stahl dem „General" Riciotti Garibaldi das wertvolle Leibpferd und flüchtete mit dem Erlös, ferner mit den Waffen, die er erhalten hatte. Ein anderer Garibaldianer, dessen Name nicht genannt wird. gab sich als Militärarzt aus und ließ sich für die Beschaffung von Sanitätsmaterialen 7000 Lire Vorschub geben, unterschlug sie und entpuppte sich als ein Kuppler, der FrauenS- Personen auf den Kriegsschauplatz verschacherte. Die heimgekehrten Garibaldianer erklären, zu ihrer Legion seien von den Griechen vierzig Personen eingereiht worden, die wegen gemeiner Verbrechen mit mehr als zehn Jahren Zuchthaus bestraft waren. Wieder eine Eisenbahnkatastrophe in Nordamerika. Fast keine Woche vergeht, ohne daß aus den Vereinigten Staaten eine oder mehrere Eisenbahnkatastrophen gemeldet werden. Am Dienstagabend hat sich wieder in der Nähe der im Staate Ohio gelegenen Station Dresden auf der Pennsylvania-Eisenbahnein Zugzusammenstoß zugetragen. Es wurden dabei acht Personen getötet und ebenso- viele lebensgefährlich verletzt. Ein grandioses Kultnrwerk. Ein Riesenbahnhof, der nicht weniger als 700 Millionen Mark gekostet hat, ist jüngst in New Dork dem Betriebe über- geben worden. Es ist der Endbahnhof der Zentralbahn, der sich mit seinen Gebäude- und Gleisanlagen über 20 Blocks erstreckt. Der neue Wartesaal bietet S000 Reisenden Platz. Außerdem gehört zu dem Unternehmen das 20 Stock hohe Baltimore-Hotel, ein sechsstöckiges Bureaugebäude für die Bahnverwaltung, ein weiteres sechsstöckiges Gebäude, welches der Verein für Eisen- bahner benutzt, und ein zwölfstöckiges Gebäude, das den Iale-Klub beherbergt._ Die Flucht aus dem Harem. Wie aus Genf gemeldet wird, scheint es, daß die Frauen der ersten türkischen Kreise die in Konstantinopel herrschende Verwirrung dazu benutzen, um aus dem Harem ihrer Gebieter zu flüchten. Sie hoffen in Europa ein besseres und würdigeres Dasein führen zu können. Von den zahlreichen in Zürich, Lausanne und Genf eingetroffenen türkischen Frauen haben viele ihre Flucht so überstürzt ausgeführt, daß sie fast aller Barmittel entblößt sind. Alle aber tragen überaus wertvolle Juwelen, deren Erlös ihnen sicher ein sorgenfreies Leben verschaffen dürfte._ Kleine Notizen. Gruvenopfer. Auf der Grube A u m e tz in Lothringen find am Dienstag ein Hauer und zwei Schlepper von den stürzenden Ge» steinsmassen verschüttet worden. Der Hauer wurde getötet, die beiden Schlepper erheblich verletzt.— Wie die Frank- furter.Oderzeitung" aus Finkenheerd meldet, sind am Dienstag in einer Grube der Frankfurt-Finkenheerder Braunkohlen A.-G. zwei Bergleute verschüttet worden. Ihre Leichen wurden Mittwoch morgen geborgen. Ein ietrkgerischer GeMch«. Der Stadtkaplan Stich. Kempf Kl Augsburg wurde von dem dortigen Landgericht wegen Privat- Urkundenfälschung, Betrug und Betrugsversuch zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Seine sofortige Verhaftung wurde an- geordnet. Kempf hatte sich viele Taufende von Mark aus allen Kreisen der Bevölkerung erschlvindelt und in lustiger Gesellschaft verpraßt. Ein Mord. In Tanger münde wurde der frühere Land- briefträger S t o r b e ck in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. Als des Mordes verdächtig wurde seine von ihm getrennt lebende Frau und deren Sohn verhaftet. Ein Opfer der Berge. Eine Viertelstunde vom Staufener Haus am Hochgrat geriet am Sonnabend der Sohn des RentamtsekretärS N e b e r aus I in m e n st a d t auf einer Skifahrt in eine Mulde und wurde von einer Lawine verschüttet. Die ununter- brachen betriebenen Bergungsarbeiten waren bisher erfolglos. Tödlicher Sturz eines französischen Fliegers. Auf dem Flugplatz Villa Coublay stürzte Dienstag nachmittag der Mechaniker Jmmenbach auf einem Probeflug mit einem Flugzeug neuer Konstruktion ab. Er wurde sterbend ins Krankenhaus gebracht. Im Steinbruch verschüttet. In der Nähe des Irrenhauses von N o g e n t bei Limoges wurden mehrere Pfleglinge dieser An- stalt, die in einem Steinbruch beschäftigt waren, durch einen Fels- stürz verschüttet. Zwei von ihnen wurden getötet, mehrere verwundet. Lese- und Diskutierklub»Paul Singer». Sitzung jeden 1. und 3. Freitag im Monat, abends 8'/, Uhr, im Lokal deS Genossen Karl Beck, Samariterstraße 17. Nächste Sitzung: Freitag, den 6. Dezember, Bortrag. Gäste willkommen. Arbeiter- Wanderbnnd»Die Natnrsrennde». Wanderfahrten am_ 8. Dezember: I. Rund um Berlin. 2. Hoppcgartcn— Heidcmühle— Grünau, vlbfahrt Schlcsischer Bahnhos 7.24 Uhr vorm. II. Mclchow— Nüd- nitz. Absahrt Stettiner Fernbahnhos 5.59 Uhr vorm. III. Jungsernheide— Tegel. Treffpunkt 2 Uhr nachm. Bahnhos Jungsernheide. Gäste willkommen. | Todes-Anzeigen| Sozialdemokratischer Wahlverein l.d. 6. fierl. Reichsiagswahikreis. Am 2. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Arbeiter Lllusrö Renner Prinzenallee 52. Ehre feinem Andenren! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittag» 3 Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhofes in Britz, Triststraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Sozialdemokratischer VaiMo Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Villi Reefschläger stzelbigstr. 15), am Montag, den 2. Dezember tödlich verunglückt ist. Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 5. d. Mts., nachmittags 31/. Uhr, von der Halle des hiesigen Gemeinde- sriedhoses aus statt. 203/13 Die Mitglieder treffen fich um 3 Uhr im Jugendheim, Bismarck- straffe lt. Rege Beteiligung erwartet Der Borstand. Helliseherlilelaliarheitcr-Vcrhaiid Vsewellungistslls Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- sormer Villi Künlger an den Folgen eines Unglücksfalls gestorben ist. Die Beerdigung findet Heute Donnerstag, den 5. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichen. Halle des Gemelnde-Friedhoses in Ober-Schöneweide aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Gusla? Reimann durch Unglückssall. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den b. Dezember, nachm. 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoses in Lder-Schöiieweide aus statt. Femer starb der Dreher unser Mitglied, Villi Rufschlager an den Folgen eines Ungluckssalls. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 5. Dezember. nachm. 31/, Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-Friedhoses in Adlershos aus statt. Ferner starb unser Milglied, der Mechaniker Erich Slier Liegnitzer Str. 41, am 3. d. M!s. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 6. Dezember, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des St. ThomaS-Kirchhoses in Neu. lölln, Hermannstrage, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung wird ersucht. 134/7 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnabmo und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Vaters und Groffvaters sprechen wir allen «erwandten. Bekannten, dem Wahl. verein, dem Hofzarbeiterverband unseren herzlichste" Dank aus. xilwv �2A nebst Kindern. Verband der Rot- und Fiizwaren- arlieiteru.Arheiterinnen Deutschi. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mit- glied Karl Mohle am 2. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags S>/, Uhr, vom SimeonS-Kirchhof, Britz, Tempelhoser Weg aus statt Zahlreiche Beteiligung erwartet 76/18 Der Vorstand. Deutscher Dauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Am 2. Dezember starb unser Mitglied, der Bauarbeiter Franz Neumann. (Bezirk Reinickendorf.) Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Reinickendorfer Gemewde-FriedhoseS, Humboldt- straße, aus statt. 147/1« Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Zentral-Kranken-Dnterstiitznngs- Verein der Sehmiede Zahlstelle IV. Am 3. Dember verstarb unser Mitglied, der Drücker Gusia? Nachtvey. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet Sonntag, den 8. Dezember, nachm. 2 Uhr von der Holle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 153lb Die Ortsverwaltung. schied nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onlel Karl Har�sanl im 42. Lebensjahre. | Um stilles Beileid bitten Die trauernilen Hinterbliebenen Frau Luise Hartseil geb. Tesch und Kinder. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Dezember, 3'/, Uhr, von der Halle des alten Luisenstadt-Kirchhoses, Bergmann- straße, ans statt._ 15326 Verband der DureauangesteUten Deutschlands. Ortsgruppe Grost-Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Richard Velier (O.-K.-K. der Maurer) verstorben ist. 47/19 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, aus dem Heilandskirchhoi statt. Die Ortsverivaltung. Danksagung. Für/, Uhr.-MW im Brandenburger Ufer 1, »» Ecke Am KSllnischen Park: Offentl. Versammlung aller in den Drauereien, Miilzeveien u. Kievmederlagett beschäftigte» Arbeitnehmer. Tagesordnung: 1. Vortrag des ReichStagsabgeordneten«enosfen Haberland- Dilsieldorf über:»Die allgemein« politische Lage."* Das Ericheinen aller Brauereiardeiier und Arbelterinnen wird erwartet. Der Einbernfer t Fritz Schwedler, Kreuzbergstr. 49. zierwaltungsstelle Kerlin. C. 54, Fimenstr. 83—85. Verwaltung t Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9714. Freitag, den«. Dezember ISIS, abends« Uhr: Versammlung= oller im 1. Kezlrli Weißensee beschiistigteu Elsen-, Metall- u. Ktoolvkrdrehtr sowie Rundschltlftr im Prälaten, Lehderstraße, Ecke Greifswalder Straße. Tagesordnung: 134/K 1. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Dreher in den Berliner Betrieben und welche Massnahmen müsse» zu einer Besserung ergriffen werden? Referent: Kollege«lUIloi-. 2. Dislussio». 3. Wahl des Bezirksobmannes. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der sebr wichtigen Tagesordnung erwarten wir, dah alle Kollegen der in Betracht kommenden Branche unbedingt pünktlich erscheinen. pro Stiilk 80 Pf. find im Bureau und bei den Bezirkskalsierern zu »1« OrtaverwaUnng. Metallarbkittt-UoDolendtr haben. » UM in Verwaltung Kerlin. Freitag, den 6. Dezember, abends 7'/» Uhr. in den Andreas-Festsäle«, Andreasstraße 31: Kombinierte Versammlung der Ortsverwaltullg mit der gesamten Kovtrollliommisfiov. Berlin* 1 bekannt grösstes Schnh-Haus dim,• %:/ ...WSel •9\ Damenetlefel/ ••hr J «chlok» »r Gelegeoheits-Käufe hat drei Verkaufsstellen. y - 5"• r«-/ iJPiinBMtletel,* J A. ÜU hoch-• •••« ••••«eeeeeeaeaaeeM** eeeseeee* •••••••••«eeeaeeeeeaeeeeaee» Berlin O]\ Ber Grosse Frank- 1{ Rosenthaler j Z Charlottenburg| furter Strasse J• Strasse inC| 1 Berlin W |< .»..v.-___.... J> Nehrlngstrasse L 110|« 40-41|| 34 .MMHMMMHMMM•.••...»•••■•«MMMn MMMMMMMMMM-I Inorma Auswahl In sümtllchcn Schuhwaran su erstaunlich billigen Preisen. iehtungl Bewilligte Bäckerei. iehtUDQ! Teile dem verehrten Publikum und Nachbarschaft mit. das, ich unten genannte Bäckerei käuflich übernommen und zugleich die Forderungen des Bäcker» und Konditoren-BerbandeS anerkannt habe. Es wird mein Bestreben sein, dem Publikum in jeder Weise entgegenzukommen und gut Ware zu liesern. Achtungsvoll 4942$ Ludwig Walteni Hufelandstr. 37. Ortskrankenkasse Friedenau. AnBerordentllcbe General-Versammlung am Montag, den i«. Dezember er.. abend« 8 Uhr, im Restaurant Kaiser-Wilheimgarten, Rheinilr. rfb. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn. Dr. Helnecker über»Die Tuberuilos« und Ihre Be- känlpsung". 284/S 2. Beschlußsaslung über den ,u stellenden Zulassung«» resp. Aus, geftaltungsantrao nach den Beslim- münzen der R.-V.-L, 3. Verschiedenes, Der Vorfitzend»: Der SchrislsUhrer z vtto Henoel. Fritz Bauer. Orts Krankenkass e - Maler «. verwandt. Gewerbe zuBcrlin. Die Wahlen der Delkgierteu für dae Jahr 1913/14 finden an dem nachstehend bezeichneten Ort undTagen a) für Arbeitgeber: im Kassenlokal, Schlcklerstrabo 5, am Montag, den st. Dezember 19 12, vor» mittags 11 Uhr z est sind zu«ätzlen 83 Versreter i b) für Arbeitnehmer: im Eewerkschaslhau«. Engeluser IS, Saal 11, am Montag, den 9. De. zeniber 19l2, abends 8'/, bis 9 Uhr; es find zu wählen ISS Berti eter. l52öb Der Voretnnd. Wiederverkänfex! Beachten Sie sosgende Preise: Schon bei Käufen von 12 Stck. Hochs. tlaeiorapporato S5 Ps. Eleaante tiat- vasolv, modeni, Sick. IS Pf., S Sick. Iieedonudroa, 1 I.(starant, 24 Eid. gehend. Stck. 1,35. RasiormMtor, MSierkiingen ebenfalls sehr billig. 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Zentrale: liichtenberg, Rittergutstr. 19/26. gw Donnerstag verkaufen wir Seefische zu nsehfolgenden Preigeu: Schellfisch... pm 28 pi KabliaU(ohne Kopf)..„ 25> Schollen........ pm 25 pj Knurrhahn..... 26» Phänomen Clut? 5� German• life: OclCLli6ka.. 5� Seelachs... mo Pku°s 25 pi. im Sonnt Dezember trelTcn wettere Fizchsendnngcn nicht mehr ein. Oer Vorkanf wird anrangs Januar wieder nn»genommen nnd rechtzeitig bekannt gemacht« �«antmottlicher Rebakteur:«lfr»d Wielepp�euköliln. Für den' vnseratenteil ver'antw.: rh Gl'cke.Berlm. Druä u. Verlag! Borwärtß»üchdruckerei ü. Vsrlagstanstalt Gaul Ging» n.Sfc.»crltnSW. Der Vorstand. ürt-Ffii für die Abonnenten des„Vorwärts44 Robert E. Peary Die Entdeckung des Nordpols MK einent Geleitwort von Theodor Roosevelt Hit aber 100 Bildern nach pboto graphischen Aufnahmen 350 ' flot lebunden Preist nur%} Mk. Ein schönes Weihnachts-Geschenk Zu beziehen durch Buohhandlum TorwirU, Linäimtr. SO, sowie alle Agieabaitillsn das„Varwgrlo". r..284. 8. Ktililge des„Vomürts" Kerlllltr Nolksbilltt. s Partei- Angelegenheiten. Br'ch-Buckow. Freitag, den 6. Dezember, abends 8 Uhr: Flug» olattverbreitnng von den bekannten Stellen aus. Berliner I�acKricKten. Naubliberfall auf einen Geldbriefträger. Ein planmäßig vorbereiteter Raubmordversuch wurde gestern im Hause Alt-Moabit 54 verübt. Dort überfiel ein junger Bursche, der in der im vierten Stock des Seitenflügels belegenen Wohnung eines Arbeiters Wtolff seit einiger Zeit unangemeldet wohnte, den 53 Jahre alten Geldbriefträger Hoffmann vom Postamt 87, Brcdowstr. 43 wohnhaft, und suchte ihn zu erwürgen und zu be- rauben. Der Ueberfallene wehrte sich aber so gut, daß der Räuber schließlich ohne Beute flüchten mutzte. Es wird hierüber folgendes berichtet: Kurz nach 8 Uhr erschien der Geldbriefträger Hoffmann im Hause Alt-Moabit 54, um eine an einen Arbeiter Adolf Werner adressierte Postanweisung über eine Mark zu bestellen. Aus der Adresse war ersichtlich, daß dieser Mann im vierten Stockwerk des Seitenflügels bei einem dort schon längere Zeit wohnenden Arbeiter Wolfs wohnte. Als der Beamte nach dem Adressaten fragte, wurde er von dem die Tür öffnenden jungen Menschen gebeten, näherzu- -reten. Kaum befand sich der Briefträger im Korridor der kleinen Wohnung, als auch schon der junge Bursche über ihn herfiel, ihn zu Boden warf und mit voller Kraft würgte. Der alte Mann wehrt« sich mit allen Kräften und es gelang ihm auch, einen Hilfe- ruf auszustoßen. Als nun der Räuber seinem am Boden liegenden Opfer die Hand auf den Mund zu pressen suchte, geriet er mit einem Finger in die Mundöffnung. Der Ucberfallene biß nun sofort mit solcher Gewalt in den Finger, daß der Bursche vor Schmerz laut aufschrie. Er suchte sich.' nun selbst zu befreien und machte so gewaltsame Anstrengungen, den Finger herauszu- bekommen, daß er hierbei dem Briefträger einen starken gesunden Zahn mit herausriß. Als der Briefträger jetzt neueHilfcrufe ausstieß, ergriff der Räuber die Flucht. Hausbewohner eilten herbei und sahen auch den ohne Kopsbedeckung aus die Straße eilenden Menschen. Sie nahmen aber leider die Verfolgung nicht auf. weil sie nicht wußten, um was es sich handelte. Der Räuber muß durch den Biß eine schwere Verletzung erlitten haben, denn die Blutspuren waren bis zur Gotzkowskystratze deutlich zu verfolgen. Die Er- Mittelungen der Kriminalpolizei ergaben, daß der angebliche Werner seit einiger Zeit bei dem ihm bekannten Wolfs unangemeldet ge- wohnt hat. Schon vor zwei Wochen hat Werner eine gleiche Post- anwcisung über eine Mark unter derselben Adresse an sich gerichtet. Da er aber am Tage vorher sich initJWolsf überwarfen hatte, und von diesem hinausgeworfen worden war, konnte die Postanweisung nicht bestellt werden. Er muß also schon damals den Raubanfall geplant babcn. Die Gelegenheit für einen solchen Ue verfall war in der Wohnung des Wolff außerordentlich günstig. Die beiden angrenzenden Wohnungen sind zurzeit unvermietet, so daß Hilfe- rufe nur von den in den unteren Etagen wohnenden Mietern hätten gehört werden können. Ter Fabrikarbeiter Wolfs hatte die Wohnung schon verlassen. In dieser wurde auch ein schwerer Hammer vorgefunden, der jedenfalls wohl als Mordwerkzeug dienen sollte. Der' Briefträger, der vorsichtig genug war, die Wohnstube nicht zu beteten, sondern an der Korridortür stehen geblieben war, trug bei dem Kampfe Verletzungen im Gesicht und am Halse davon. Ter flüchtige Räuber war ohne Kopfbedeckung und trug Filzpaw- toffeln. Er ist ein junger Mensch von etwa 20 Jahren, blond. bartlos und soll etwa t,7S Meter groß sein. Zweifellos wird er wegen der Bißwunde irgendwo ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. „Nebenverdienst". Immer noch recht gut zu gehen scheint das Geschäft jener Leute, die durch Zeitungen(„Morgenpost", Lokal-Anzeiger" usw.) einen „Nebenverdienst" anbieten. Auch ein„Adressenverlag E. Schmedes", dessen„Nebenverdienst"- Geschäft wir vor »nehreren Monaten beleuchteten, annonciert flott weiter. Durch eine seiner neuesten Annoncen in der„Morgenpost" er- suchte er, Offerten nach einem Postamt in Friedenau zu senden. Einem Bewerber ging dann auch von Friedenau die Antwort zu, aber in ihr nannte sich ein„Adressenverlag C. Schmedes. Fichtenau, Kreis Mederbarnim". Darf man daraus schließen, daß C. Schmedes früher das Geschäft von Fichtenau aus betrieb und feine auf Vorrat an- gefertigten Antworten noch nicht aufgebraucht hat? C. Schmedes empfahl dem Bewerber eine Nebenbeschäftigung mit„Adressen- arbeiten wobei für 1000 Adressen 8— 40 M. zu verdienen seien. Gegen E i n s e n d u n g V o n l, 45 M., die er nach Liefe- rung der ersten 1000 Adressen zurückzahlen werde, wollte er das er- forderliche Anfangsmaterial und die»äheren Informationen senden. Der Bewerber ging auf das verlockende Angebot ein, schickte seine 1,45 M. und erhielt dafür das Ansangsmaterial nebst Informationen. Aus ihnen ersah er, um was es sich handelte. Der Nebcnverdienstsuchende sollte von C. Schmedes gegen Be- zahlung sich Adressen anderer Nebenverdien st-«nd Erwerb suchenden liefern lassen und sollte dann Listen dieser Adressen gegen Bezahlung den nach Personal verlangen- den Firmen anbieten, deren Adressen er sich aus Zeilungs- inseraten heraussuchen müsse. Einen Prospekt mit Offerte, der diesen Firmen zu übersenden sei, schlug C. Schmedes im Wortlaute vor; Vervielfältigungen wollte er gegen Bezahlung liefern. Zur Vcr- Wendung bei einem ersten Versuch mit Firmen, die aus eine solche Osserte eingehen würden, hatte E. Sltmiedeö eine Probeliste von 100 Erwcrbsiichcnden beigefügt. Für die Lieferung tveiterer Adressenlisten— denn natürlich könne man nicht dauernd denselben Firmen dieselben Adressen schicken— empfahl sich C. Schmedes unter Angabe seines TariieS. Trotz Nukosteu für Adressenliste, Prospetiverscudung usw. habe der Nebenverdienst- suchende einen hohen Gewinn zu erwarten. Wenn C. Schmedes ihm die ersten 1000 Adressen— nebenbei bemerkt: zum Preise von sieben Mark— geliefert habe, wollte er. wie gesagt, die für Anfangs- Material und Informationen gezahlten 1,45 M. zurückerstatten. Wir haben dieses Angebot schon vor mehreren Monate» besprochen und gewürdigt. Näher eingehen wollen wir heute noch aus eine zweite„Adrcssenarbeit", die C. SwmedeS den Nebenverdienst- suchender. wie unser Gewährsniann u»S mitteilt. gleichfalls vorschlägt. Es handelt sich dabei um die Aufgabe, für S. Schmedes die Adressen anderer Nebenverdien st- suchender zu beschaffen. Das sei, schreibt er in der über- sandten Anleitung, ebenso leicht wie einfach. Man brauche nur in geeigneten größeren Zeitungen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, der Schweiz, Frankreichs. Belgiens usw.— ein Verzeichnis solcher Zeitungen bietet er für 0.25 M. an— folgendermaßen zu annoncieren:„Wer schriftlichen Nebenverdienst usw. sucht, sende sofort seine Adresse unter..... an die Expedition dieser Zeitung." Der Nebenverdienstsuchende muß das Inserat, durch das er andere Rebenverdienstsuchende sucht, um»hre Adressen an C. Schmedes ab- zuliefern, selbstverständlich selber bezahlen._ Für die eingehenden Osserten will ihm C. Schmedes pro 100 Stück 6 M. geben, »och bemerkt er ausdrücklich, daß er nur ganz neue Adressen brauchen kann. Berliner Adressen sind von der Sammlung aus- geschlossen. Warum? Fassen wir die beiden„Adressenarbeiten" noch einmal zusammen. C. Schmedes osseriert Ncbeuvcrdienstsuchenden die Adressen anderer Nebenverdienstinchender zur Versendung an Firmen, die Beschäftigung zu vergeben haben. Und C. Schmedes will sich von Nebenverdienst- suchenden durch Inserat die Adressen anderer Nebenverdienstsuchender besorgen iasieu.„Ebenso leicht wie einfach" nennt er diese Arbeit. Jawohl, für ihn! Nebenverdienstsuchenden kann man gegenüber derartigen Anerbietungen immer wieder nur raten: „Taschen zul"_ Die Verschandelung der Stienivseelandschaft beschäftigte gestern vormittag wieder den Krcisausschuß Niederbarnim unter Vorsitz des Landrats Geheimrat Busch. Es handelt, sich, wie wiederholt mitgeteilt, um die von, dem Rittergut Rüdersdorf G. m. b. H. beabsichtigte Drehofenanlage, gegen die sowohl von den Bewohnern der Umgegend wie von Touristcnkreiscn und Vcrkehrsinteressenten Einspruch erhoben wurde. Als Sachverständige wurden die Herren Bernoulli— der die Informationsreise des Kreisausschusses nach Rhcinland-Westfalen mitmachte— und Ingenieur Haberland- Braunschweig vernommen. Um die ästhetische Seite der ganzen Frage, ob die Landschaft erhalten werden soll und kanu, handelte es sich nicht mehr; es wurde nur geprüft, ob eine Staubentwickelung stattfinde und wie groß diese sei. Die Sachverständigen stehen auf dem Standpunkte, daß noch zu geringe Erfahrungen vorliegen, daß eine starke Staubgefahr unbedingt bestehe, und daß bei etwaiger Konzcssionierung Kautelen borgeschrieben werden müßten, wie z. B. eine sehr große Staubkammer. Der Gewcrberat will eine sogen. Vorbehaltsklausel in die Genehmigungsurkunde eingeschoben wissen. Der Vertreter der Anlieger, Justizrat v. Gordon, trat besonders für eine klare Präzisierung der Sicherheitsmaßnahmen im Interesse der Bewohner von Hennickendorf ein. Der Krcisausschuß vertritt die ÜBeinung, daß eine Staubentwickelung nicht von dem Drehofen, wohl aber von einer zu errichtenden Kalkmühle zu erwarten sei. Diese ist jedoch nicht konzcssionspflichtig. Nach eingehender Be- ratung des Kreisausschusscs wurde die Anlage genehmigt und die sofortige BauerlaubikiS erteilt unter der Bedingung, daß 25 000 M. hinterlegt würden. Es wurden jedoch eine Reihe von Einschrän- kungen der Rittergut Rüdersdorf G. m. b. H. auferlegt, so die Vorschrift� eine große Siaubkammer anzulegen. Ferner hat sich der Krcisausschuß vorbehalten, alle vier Wochen die Anlage zu besichtigen. Die Rüdersdorfer Sprudclgesellschast wird sich bei diesem Urteil nicht beruhigen, sondern Berufung bei der Ministerial- instanz einlegen. Beschäftigung für stellunglose Familienväter wird, wie wir in Nr. 280 berichteten, von einem Unternehmen an- geboten, daß als„G r u n d m a n n s ch e HauSmisston" in Hamburg gegründet worden ist und seit einiger Zeit in Berlin eine Filiale hat. Als„Hausmission" wurde dieses völlig private Unternehmen»och in einer-Annonce bezeichnet, die am 14. Novem- der im„Lokalanzciger" unter der Rubrik„Offene Stellen" zu lesen stand. Die„Hausmission" verkaufte den um Be- schäftigung bittenden Personen Ansichtskarten oder Briefbogen und Kuverts, die sie im Hau- sierhandel mit Preisaufschlag weiterverkaufen sollten. Daß Stellunglose zu diesem Notbehelf auch ohne die Vermittelung des Grundmannschen Unternehmens greifen können und anderswo die erforderliche Ware nicht teurer einkaufen, haben wir bereits in Nr. 280 gesagt. Wir kommen heute auf die An- gelegenheit zurück, weil uns inzwischen Mitteilungen zugegangen sind, die vermuten lasse», daß entweder das Unternehmen die Firma geändert hat oder daneben noch ein anderes Grundmann- sches Unternehmen zu demselben Zweck besteht. Uns liegen An- sichtskarten vor, wie sie in letzter Zeit die Berliner Filiale des Grundmannschen Unternehmens den Stellunglosen verkauft hat. Der rote Umschlag, in dem sie stecken, ist mit folgender Ansprache bedruckt:„Wir Stell» ngloscn bitten herzlichst, uns durch Kauf von Ansichtskarte» für den Preis von 10 Ps. zu unter- stützen: damit ist uns geholfen. Wir sagen unseren herzlichsten Dank für Ihre liebe Mithilfe. Grundmann sches Jnsti- tut für Stellungslos e." Darunter stehen in Druckschrift die Worte„Stempel der Station" und unter ihnen ein Blaustempel „Berlin O.. Langestr. 42, C. Mehcr". Herr C. Meyer ist der Lei- ter der Berliner„Station". Ein dem Umschlag aufgedrucktes Wappen zeigt ein Kreuz, eine Königökrone, zwei Engel, eine strah- lende Sonne, eine Mauerkrone, die Zahl„1007", das Wort„Ewig", den Wahlspruch„Kämpfe treu" und die Buchstaben ,.J. G. I.— V. Eh. L.". deren Bedeutung nicht klar ist. Uns liegt noch ein an- derer Umschlag vor, der früher beim Vertrieb der Ansichtskarten benutzt wurde. Er ist gelb und trägt folgende Ansprache:„Wir bitten herzlichst, uns doch zu helfen, indem Sie uns stellungslosen Familienvätern durch Kauf von Postkarten für den Preis von 10 Pf. unterstützen; damit ist uns geholfen und unsere Familie braucht keine Not zu leiden. Bestellung auf Kleinholz a Sack 1,30 M. nehmen wir gern entgegen. Bitte bei Kauf dieser Karten nicht das Kuvert zurückzugeben. Wir sagen unseren herz- lichsten Tank für ihre liebe Mithilfe. Die Sozial-Abtei- l u n g." Der„Stempel der Station" lautet hier nur„Berlin O.. Langestr. 42". Auf dem Wappen seht der Wahlspruch„Kämpfe treu", dafür steht an Stelle der rätselhaften Buchstaben das Wort „H a u s m i s s i o n". Außerdem trägt das Kuvert noch einen be- sonderen Stempel, einen die Kinder um sich sammelnden Christus, der umrahmt ist von der Inschrift„Bezirksstation der Grundmann- schen Hausmission. Berlin." Kann uns jemand sagen, bis wann das gelbe Kuvert mit diesem Stempel und Wappen benutzt worden und wann das rote Kuvert, auf dem die„Hausmission" fehlt, ein- geführt worden ist? Es scheint, daß die Firma„Grundmannschcs Institut für Stellungslose" schon vor Veröffentlichung des„Vor- >värts"-Artikels aufgekommen ist. Besteht etwa daneben die„Haus- Mission" noch weiter?_ Schreckenstat eines Wahnsinnigen. Ein Mord- und Selbstmordversuch rief gestern morgen gegen 7 Uhr in der Kochhannstraße großes Anfschen hervor. In dem Hause Nr. 11 wohnt mit seiner Familie der Kürschner Mattern. der in einem großen Betriebe Werkführer ist. Aus seiner Stellung her ist Mattern mit einem Kürschner Kolk aus der Schönhauser Allee bekannt, einem Manne, der geistig nicht gang intakt ist. Kolk war bereits seit Wochen ohne Beschäftigung. Er glaubte, daß der Werkführer ihm helfen könne und erschien vorgestern abend in seiner Wohnung, um ihm sein Anliegen vorzutragen. Weil Mattern nicht zu Hause war. so bat ihn seine Frau, gestern morgen wieder- zukommen. Um 614 Uhr erschien er dann auch wieder. Während die Familie in Nebenräumei* war, unterhielten sich die beiden Männer im Wohnzimmer. Kolk wurde immer dringender und verlangte kurzerhand, daß der Wcrkführer ihm Arbeit verschaffe. Dieser erklärte, dazu beim besten Willen nicht in der Lage zu sein. Plötzlich gegen 7 Uhr zog Kolk einen Revolver aus der Tasche und feuerte vier Schüsse auf Matter» ab. Er traf ihn dreimal in den Kopf und einmal in den Hals. Während der Getroffene zusammenbrach, richtete er dann die Wusse auf sich selbst und schoß sich eine Kugel in die rechte Schläfe. Entsetzt eilte Frau Mattern herbei und fand ihren Manu und Kolk besinnungslos am Fußboden liegen. Ein Arzt, den Hausgenossen riefen, und die Polizei ließen die beiden Verwundeten, nachdem sie die erste Hilfe hatten, nach dem Krankenhause bringen, Mattern nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, Kolk als Polizeigefangcner nach der Eharite. Beide vcrstarbcn jedoch schon bald nach der Ein- liefcrung. Bei Kolk fand man einen Brief, in dem er schrieb, er wolle die ganze Familie Mattern umbringen, wenn er von dem 'Werkführer keine Arbeit bekomme. Bald darauf wurde auch die 54 Jahre alte Ehefrau Anna dcS Kürschners Gustav Kolk, die ebenfalls geisteskrank war. in ihrer Wohnung in der Schönhauser Allee tot aufgefunden. Sie jst allem Anschein nach von ihrem Manne erwürgt worden. Das Ehepaar Kolk wohnte mit dem seit einem halben Jahre verheirateten Sohne, einem Schlosser, zusammen. Es hatte für sich eine Stube, während die andere Stube und die Küche das junge Ehepaar bewohnte. Als Kolk vorgestern abend um 10 Uhr nach Hause kam, fiel seinem Sohne auf. daß er sich den Vollbart hatte abnehmen lassen und nur noch Schnurrbart und Fliege trug. Seine Mutter hatte der Sohn den Abend über nicht gesehen und er hatte geglaubt, daß sie mit dem Vater ausgegangen sei. Auf seine Frage, wo die Mutter geblieben sei und weshalb sie nicht mit ihm zurückgekommen sei, antwortete der alte Kolk, Mutter sei bei Bekannten und bleibe auch über Nacht dort. Dem Sohn kam das nicht recht geheuer vor. Als er aber im Zimmer nachsehen wollte, stieß ihn der Vater kurz an- gebunden zurück, ging in die Stube hinein und schloß hinter sich ab. Gestern morgen um 4% Uhr ging der alte Kolk schon wieder weg und verschloß die Tür wieder hinter sich. Als später der junge Mann zur Arbeit ging, sagte er seiner Frau, sie möge ihn sofort benachrichtigen, wenn etwas geschehen sollte. Es komme ihm so vor. als wenn doch etwas nicht in Ordnung sei. Zunächst nahm er jedoch noch an, daß der Vater früh weggegangen sei. um die Mutter abzuholen. Um 9 Uhr kam ein Schutzmann und teilte mit. daß der alte Kolk den Werkführer Mattern erschossen und sich selbst schwer verletzt habe. Die junge Frau ging zu ihrem Manne und begab sich mit ihm nach dem Polizeirevier. Unterdessen kam mittags ein anderer Schutzmann, um den Tod Kolks mitzuteilen. Jetzt war niemand zu Hause. Hausbewohner sagten nun dem Be- amten, Frau Kolk müsse in der Wohnung sein, weil sie nicht aus- gegangen sei. Daraufhin ließ der Schutzmann von einem Schlosser öffnen und fand nun die Frau tot im Bette liegen. Ihr Mann hatte sie. wie Merkmale am Halse zeigten, erwürgt. Die ermordete Frau war längere Zeit in der Irrenanstalt. Erst kürzlich hatte ihr Mann sie auf ihre Bitte wieder zu sich genommen. 14 Tage tot in ihrer Wohnung gelegen hat die 36 Jahre aste Privatlehrerin Margarete F. aus der Müllerstr. 120. Fräulein F. bewohnte seit einem halben Jahr für sich allein eine Stube im vierten des Quergebäudes. Sie ernährte sich durch Erteilen von Nachhilfeunterricht an Schulkindern. Ihr Verdienst war aber so gering, daß sie davon ihren Unterhalt nicht fristen konnte. Ein in Schlesien wohnender Bruder sandte ihr deshalb monatlich eine Unterstützung. Als dieser jetzt starb, blieb die Zuwendung aus. Seitdem kämpfte die Lehrerin mit Nahrungssorgen.. Vorgestern wunderte sich der Hausverwalter, daß sie ihre Miete nicht bezahlen kam. Da er sie auch längere Zeit nicht gesehen hatte, ging er zu ihr hinauf, um nach ihr zu sehen. Schon auf den Treppen kam ihm ein starker Verw�'ungsgeruch entgegen. Als er jetzt die Tür zu ihrer Stube össnetc, fand er die Mietrin an einem Nagel ober- lialb des Bettes hängen. Die Leiche war schon völlig in Verwesung übergegangen. Jetzt erinnerten sich auch Nachbarn, daß sie die Lehrerin seit Bußtag nicht mehr gesehen hatten. An diesem Tage scheint sie aus Verzweiflung über ihre schlechte Lage Hand an sich gelegt zu haben. Der Deutsche Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin und Umgegend. hielt am Montag in der„Brauerei Fricdrichshain" eine öffentliche Sängerversammlung ab, in welcher der Rcichstagsabgeordnete Davidsohn einen Vortrag über:„Die Kulturbestrebungen des Deutschen Arbeiter-Sänyerbundes" hielt. Der Redner erläuterte die Ziele des Arbciter-Sängerbundes und seine Bbdeutung für die Kunstbestrebungen der Arbeiterschaft. Wie im Altertum und Mittel- alter der Gesang die Verfolgten stärkte und über ihre Gegner emporhob, so werde auch in Zukunft das Kampflied die Arbeiter zum Ziele leiten. Es sei daher Pflicht der organisierten Arbeiter, sich diesen Bestrebungen anzuschließen und nicht länger den bürger- lichen Vereinen anzugehören. Die bürgerliche Kunst wirke konser- vativ und wolle die Arbeiter von ihren Bestrebungen abziehen. Wie überall, so müsse auch bei den Arbeitersängern der Zentrali- sationsgedanke sich durchringen, denn nur so könnten sie ihre Auf- gäbe erfüllen, als moderne Kulturkämpfer mit an der Spitze zn stehen, wenn es gelte, dem kulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse die Wege zu ebnen.— Nach kurzer Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:„Im Interesse des Gesanges an sich wie auch im Interesse des Deutschen Arbciter-Sängerbundes ist es un- bedingt notwendig, daß die Arbeiterschaft Groß-Bcrlins den Be- strebungen des Bundes, der es als seine vornehmste Aufgabe er- achtet, die Kunst im Volke zu wecken und zu verbreiten, mehr Interesse entgegenbringt. Die am 1. Dezember 1912 in der „Brauerei Fricdrichshain" tagenden Sänger verpflichten sich, über- all da, wo sich ihnen Gelegenheit bietet, für die Ziele des Arbeiter- Sängerbundes einzutreten und neue Mitglieder für denselben zu werben. Insbesondere erachten sie es als ihre Pflicht als Arbeiter- sänger, soweit es noch nicht geschehen ist, dem Bunde beizutreten. sowie auch die Sänger, die als Arbeiter sogenannten bürgerlichen Vereinen angehören, auf das unwürdige ihrer Handlungsweise hinzuweisen und sie zum Beitritt zum Arbeiter-Sängerbund zu ermahnen." Der Wassereinbrnch in die Baugrube der Untergrundbahn hat jetzt eine Erklärung gefunden. Ans der„Spree-Jnsel" ist— ein Quell entsprungen und, wie die nähere Untersuchung ergeben hat, ist dieser die Ursache des jüngsten Wassercinbrnches in die Baugrube gewesen. Die Spundwände und Fangedämme sind unbc- schädigt geblieben. Die Matznahme, in die durch den emporspru- delnden Quell berohte Baugrube Sprcewasscr einzulassen, hat sich als erfolgreich erwiesen; nur durch den Gegendruck des letzteren konnte der Austrieb des Grundwassers paralysiert und verhindert werden, daß die von unten eindringenden Wassermassen das um- gebende Erdreich mit sich rissen und die Fangedämme unterspülten. Eine Verstopfung dcS Quells unter Wasser war natürlich nicht ausführbar. Es wird nun eifrig an den neuen Rohrbrunncn ge- arbeitet; sobald diese erst in Tätigkeit treten, versiegt der unter- irdische Quell von selbst, und danach kann mit Erfolg an die Trockenlegung der Baugrube herangetreten werden. Im städtischen Familicnobdach befanden sich am 1. Dezember 155 Personen, und zwar 28 Familien mit zusammen 84 Köpfen (darunter 38 Kinder und 12 Säuglinge) und 71 Einzelpersonen. Der Gesamtbcstand betrug am 1. November 55 Personen weniger. Das nächtliche Obdach wurde während des Novembers von 93 450 Männern und 668 Frauen besucht. Der Tag des gc- ringsten Besuches war der 1. November mit 2566 Personen, der des stärksten der 26. November mit 3552 Personen. Gebadet l?abcn in den Brausebädern täglich durchschnittlich 618 Personen. Wannen- bäder wurden während des ganzen Monats an 588 Männer und 538 Frauen verabreicht. f Das Dczembcrprogramm deS Wintergartens zeichnet sich durch eine ganze Reihe vorzüglicher Darbietungen aus. An erster Stelle sei genannt die wohl einzig dastehende Hundedressur des Herrn L i p i u s k?. Eine Meule don. 40 Hunden aller Rassen tritt in einer sehr drolligen Kmnödie auf, die ihren Gipfelpunkt in einem regelrechten Fcucrlöschakt findet. Die vierbeinigen Akteure mimen ihre verschiedenen Rollen mjt einer so verblüffenden Sicherheit, daß lauter Jubel des Publikums die Programinnummer belohnte. Den Sprung vom Kino auf die Spezialitätenbühne unternimmt mit gutem Erfolge der bekannte Filmschauspieler Max Linder in seiner Groteske„Aus Liebe Hühncraugenoperateur". Reichen Beifall errangen für ihre neuartigen Darbietungen die Equili- bristen The Zanfrellas. Lobend erwähnt seien auch der komische Jongleur Weiland, die Parterreakrobaten S h e l V e y Boys und die Geschwister Schwarz in ihrer Burleske„Der zer- brochene Spiegel". Selbstverständlich hat die Direktion auch durch Vorführung verschiedener sehr„dürftig" gekleideter Tänzerinnen, für die Augenweide der alten und jungen Lebewelt gesorgt. Eine Ausstellung sowie ein Berkauf von Christbaumschmuck findet auch in diesem Jahre im Vestibül des Gewcrkschaftshauses statt. An die Arbeiterschaft wird das Ersuchen gerichtet, ihren Bedarf dort zu decken, um so mit beizutragen, dast den unter ärmlichen Verhältnissen lebenden Glasbläsern in Thüringen, die stets ihre Pflicht gegenüber der Partei und der Gewerkschaft tun, zum Weihnachtsfeste ein etwas höherer Verdienst zuteil wird.— Für den Norden ist der Verkauf: Lortzingstr. 4 bei Schmalowssi. — Die Ausstellung beginnt Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 3 Nhr, der Verkauf am Montag, den st, Dezember, täglich von nachmitwgS 3 Uhr bis abends 8 Uhr. Zeugen gesucht! Die Personen, welche gesehen haben, wie am Lst. September, nachmittags 4!4 Uhr, ein junger Radfahrer, vom Luisenufer kommend, auf der Oranienbrücke von einem Auto um- gefahren wurde; ferner diejenigen, die den Autoführer zum Halten veranlagten, sotvie der Mann, welcher den verunglückten Radfahrer und sein Rad mit dem Auto nach der Unfallstation begleitete, werden gebeten, ihre Adresse aij Karl Fechner, Schoneberg, giotenftr. 38, abzugehen, Vorort- Nadmebtem Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Als erster Gegenstand der ziem- lich umfangreichen Tagesordnung der lehten Sitzung kamen die Einsprüche gegen die Wahl des Genossen Wenzel zum Gemeinde- verordneten am 25. Oktober zur Verhandlung. Alle diese Ein- sprüche stützen sich darauf, dag der Wahlvorstand, dem jede Kon- trolle über die Echtheit der Unterschriften auf den Forensen-Voll- machisformularen fehlte, sie wegen mangelnder Beglaubigung zurückwies; ferner sei aus dem Protokoll des Wahlvorstandes nicht zu ersehe», ob jede Vollmacht einzeln einer Prüfung unterzogen worden fei. Die Gemeindevertretung mutzte zu diesen Einsprüchen Stellung nehmen und sie hatte es mit ihrer Entscheidung offenbar sehr eilig. Kaum war der Gemeindevorsteher mit dem eigentlichen Bericht über die Angelegenheit zu Ende und wollte sie eben zur Diskussion stellen, da flogen schon wie auf Kommando die Hände mit Blitzesschnelle in die Höhe zur Abstimmung— die noch gar nicht in Frage kam. Diese stürmische Eile erweckte nicht geringe Heiter- keit am Pressetisch und auch die Herren Gemeindeperordneten lächelten verlegen, schienen aber sonst sehr befriedigt über diesen spontanen Ausbruch gleicher brüderlicher Gesinnung. Der Ge- meindcvorsteher konstatierte denn auch nach diesem einmütigen Händeurteil die Ungültigkeit der Wahl. Der Erlag einer Polizeiverordnung, nach welcher jugendlichen Personen bis zum vollendeten 1ö. Lebensjahre, auch wenn sie die Schule nicht mehr besuchen, der Zutritt zu öffentlichen Lustbarkeiten und der Aufent- halt in den Räumen, von denen aus ein Zuschauen zu der Tanz- lustbarteit möglich ist, untersagt wird, findet teilweise starke Gegner- schaft. Der Urheber dieser geplanten Polizeiverordnung ist der Re- gierungspräsident, der Verfasser der Landrat deg Kreises Teltow. Gemcindevertreter Jäger bezeichnete die Vorlage als ein elendes Machwerk, das offenbar zeige, dag es dem Gemeindevorstanb bei der Bearbeitung an der nötigen Ruhe und Ueberlegung gesehlt habe. Er beantrage die Ueberweisung der Angelegenheit an eine Kommission. Schöffe Lange erklärte kurz und bündig, dag den Gcmeindeborstand der Vorwurf der Unüberlegtheit nicht treffe; Ge- mciitdeverordneter Jäger müsse sich in dieser Beziehung an den Land rat wenden, von dem die Polizeiverordnung versaht sei; im übrigen erklärt er sich mit dem materiellen Inhalt des Erlasses einverstanden. Auf demselben Standpunkt steht Gemeindeverord- neter Blell, der eine solche Polizeiverordnung besonders in Orten mit Arbeiterbepölkerung(I> für durchaus nötig hält. Die Feststellung des Alters solch jugendlicher Per- sonen mache seiner�Ansicht nach keine Schwierigkeitezi. Die Ge- lueindeverocdneten S ch i r m e r und Lehmann halten eine solche Polizeiverordnung überhaupt für überflüssig. Es wurde Zurück- Verweisung an den Gemeindevorstand beschlossen.— Eine Anzahl Klassen der Gemeindeschulen sind derart überfüllt(73 Schüler und darüber!), dag endlich eine Teilung herbeigeführt werden mutz. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Anstellung weiterer Lehr- kräfte. Hierzu wurde» die nötigen Mittel mit 6570 M. bewilligt. Augexdem soll die Einführung von Hauswirtschaft lich ein Unterricht bei den Gemeindeschulen erfolgen. Zu diesem Zwecke werden in der Gemeindeschule V die erforderlichen Räume ausgebaut, die einen Kostenauswand vpn 10000 M. verursachen. Es sind in Aussicht genommen fünf Kurse mit je 25 Mädchen zu wöchentlich vier Stunden. Für Anstellung einer technischen Lehrerin werden 3000 M. in Ansatz gebracht.— Für den Ausbau und die Ausstattung einer sogenannten Kombinat ionsklassa im Erweite- rnngsbau der Gemeindeschule III wurden 6000 M, und für Errich- tung von Toiletten noch 4000 M. nachbewilligt, Für Förderung des Eislaufs wurden 300 M. zur Verfügung gestellt. Auf An- regung des Gemeindcverordneten Blelj wird dem Schutzverband zur Erhaltung der Grunewaldseen pro 1613 ein Beitrag von 10 0 M. überwiesen.... In der darauffolgenden nicht öffentlichen Sitzung wurden über den Neubau des Bahnhofes Ost wichtige Be- Müsse gefaht. Charlottenburg. Die Mitgliederversammlung des Wahlherem« an, Dienstag war leider nur mägig besucht. Genosse Mermuth hielt einen mit grogein Beifall aufgenommenen Vortrag über„Imperialismus''. Der Redner knüpfte an die aktuellen Vorgänge auläwich der Marokko- und Balkankrise an. Alsdann behandelte er in grogen Zuge,, die Stellung der Sozialdemokratie zur Kolonial» und Weltmachtspolitik der herrschenden Klassen. Der Redner schlog: Je weiter sich der Gedanke des Sozialismus Bahn bricht, um so eher wird es gelingen, menschenvernichtende Kriege zu verhüten und der friedlichen, wahren Kulturentwickelung freie Bahn zu schaffen. Eine Diskussion fand nicht statt. Beim Punkte Vereinsangelegenheiten wurden einige An» regungen diskutiert, di« di« Ausgestaltung der inneren Organisation bezwecken. Heute Donnerstag, abends S'/a Uhr, findet im»Volkshause" der fünfte Vortrag des Herrn Dr. Drucker statt. Es behandelt»Die Abstammung des Menschen", mit Vorführung von Lichtbildern, und ist für Personen, die die übrigen Vorträge nicht gehört haben, be- sonders zu empfehlen. Eintritt 2ö Pf. Der BildungSauSschutz. In der vergangenen Woche wurden in Charlottenburg von dem von der Stadt Berlin empfangenen russischen Fleisch rund 300 Zentner, und zwar ungefähr zu gleichen Teilen Rind- und Schweinefleisch, an diejenigen Fleischer, welche sich zur Einhaltung der von der Stadt vorgeschriebenen Bedingungen verpflichtet hatten. abgegeben. Das Fleisch fand bei der Güte seiner Beschaffenheit sehr schiiellen Absatz. Die genaue Beachtung der Bedingungen durch die Fleischer wird durch städtische Beamte und Tierärzte überwacht und alle von Käufern eingehenden Beschwerden sorgfältig geprüft. Bei der beträchtlichen Zahl der Fleischer, welche von der Stadt Ware beziehen, ist der auf den einzelnen entfallende Anteil nicht groß und infolge der starken Nachfrage schnell vergriffen. Schöneberg. Der nächste BolkSunterhaltuiigSabend findet am Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 4'/, Uhr. in der Aula der Hohenzollerm schule, Belziger Str. 48—52, statt. Diesmal stehen Nonzertgesang und Rezitation auf der Tagesordnung Ihre Mitwirkung haben zu gesagt: Frl. Sophie Heffemer, Rezilatorin. Frl. Charlotte Rvsen, Violmistin, sowie das Berliner Damenvokalauartett a cappella Frl. Emmy Colli», Elisabeth Schulz, Margarete Heilborn und Frl. Sonja Beeg. Der Eintrittspreis ist aus 30 Pf. festgesetzt. Billetts sind in den Konsumläden und in der Spedition, Martin-Luther- Straße 60, zu haben. Vritz-Bnckow. Sonntag, den 8. Dezember, nachmittags 5 Uhr, veranstaltet der hiesige BildnngSanSschub einen Märchenabend für Kinder im Lokal von Zilz, Werderstrage, Ecke Rnn�iusstraße. Eintritt frei. Im selbigen Lokale findet auch die diesjährige Jugendschriftenausstellung vom 8. bis 15. Dezember statt. Bestellungen werden dort jederzeit entgegengenommen. Die Auswahl der Bücher ist eine reichhaltige. Für beide Veranstaltungen wird eine rege Beteiligung erwartet. Gosen. Trotz aller Schikanen der alteingeseffenen Ortsgewaltigen und derjenigen, die sich für solche halten, ist eS unseren Gesinnungsfreunden gelungen, ihren Mandatbestand in der Gemeindevertretung nicht unwesentlich zu erhöhen. Nicht weniger als dreimal mugten die Wäbler zur Wahl gehen. Bei der ersten ordentlichen Ersatzwahl ließen sich die beiden Gemeindeschöffen von der ortSangessenen Bevölkerung Vollmachten ausstellen. Mit Hilfe dieser unzu- lässigen Vollmachten konnten dann die bürgerlichen Kandidaten siegen. Die Freude war von kurzer Dauer. Der KreiSausschuß erklärte auf den Einspruch unserer Genossen die Wahl sür ungültig. Bei der erforderlichen Neuwahl konnten unsere Genossen ihren Kandidaten zum Siege verhelfen. Diese? Wahlergebnis wurde von den um ihre Herrschaft fürchtenden Alt» eingesessenen eines Formfehlers wegen mit Erfolg angefochten. Bei der dritten Wahl hatten unsere Genossen eine so starke Mehrheit auf ihre Kandidaten zu vereinigen vermocht, daß auch die Gegner. an deren Spitze der Gemeindevorsteher steht, daraus lernen können, welche wichtige Aufklärungsarbeit sie für uns getan haben. Gegen >en Gemeindevorsteher war seitens der Bürgerschaft vor längerer Zeit ein Verfahre» bei der zuständigen Behörde wegen Unterschla- gung im Amte eingeleitet worden. Wenn auch diesem Antrage nicht in vollem Umfange stattgegeben wurde, so mußte dieser Herr doch die Gemeindekasse abgeben. Durch die dreimalige Wahl blieb die Agitation und auch hie Erinnerung an die Taten deS Gemeindevorstehers lebendig und bewirkte damit den endgültige» Sieg unserer Parteigenossen. �riedrichsfelde. Am Sonnabend, den 7. Dezember, abends 8 Uhr, veranstaltet der Wahlverein im Lokal von Bürger, Prinzenallee 80, einen Eltern» abend. Das Programm wird bis auf die Ansprache des Herrn S. Katzenstein aus Darbietungen der Arbeiterjugend bestehen; ein Tanz bildet den Abschluß. Wir dürfen wohl eine» regen Zuspruch erwarten. Die gleiche Erwartung hegen wir bei der Veranstaltung einer Jugendschristen- und Wandschmuck-Ans» st e l l u n g im gleichen Lokal am 8. Dezember von mittags 12 Uhr bis abends 6 Uhr. Ein« Versammlung, die um 12 Uhr statt- findet und in der Herr W. Zimmermann über:»Jugendlileratnr und Wandschmuck im proletarischen Heim" sprechen wird, leitet die Ausstellung ein. Zutritt für jedermann unentgeltlich. Am Freilag. den 6. Dezember, soll durch eine Handzettelverbreitung auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht werden. Die Genoffen wollen sich zu diesem Zweck recht zahlreich in den Zahlstellen ein- finden. Storkow. Urber daS Thema„Krieg dem Kriege" sprach Genosse Gehrke bor einer von zirka 200 Personen besuchten Bersammlung in Kummers- borf. Sein vortrefflicher Vortrag wurde mit reichem Beifall belohnt. Herzfelde. In der Mitgliederversammlung des WahlvereinS wurde zu- nächst vom Genoffen Emil Rausch Bericht von der letzten Konfe- renz sowie von der Gelieratversqmmlung des Kreiswahlvereins erstattet, Danach hielt Genosse M. Jakabsen einen Portrag über die Jugendfrage. Er wies darauf hin, daß die Literatur ein nicht zu unterschätzender Erziehungsfattor sei. Eine fleißige Benutzung guter Bücher sei unserer Jugend nachdrücklichst zu empfehlen. Die trefflichen Ausführungen wurden mit Beifall aufgenommen. Zum Schluß wurde noch der Kassenbericht erstattet, Der von der Gemeinde eingeführte Seefischverkauf. der bereit« am Sonilabend eröffnet worden war, hat sich gut bewährt. Am nächsten Sonnabend wird eine neue Ladung Seefische eintreffen, dse bei dem Kaufmann Emil Reichelt, Rüdersdorfer tztr. SS, zum Verkauf gelangen. Rüdersdorf. Feuer brach hier in den späte» Abendstunden am Dienstag auf dem Gehöft des Kossäten Hinze aus. Es brannte dortselbst eine massiv gebaute Scheune mit sämtlichem Inhalt bis auf die Um- fasiuiigSmauern nieder. Die zur Hilfe herbeigeeilten Feuerwehren hatten zu tun, den Brand aus seinem Herd zu beschranke». Die EittstehuiigSursache des FeuerS konnte noch nicht festgestellt werden. Nieder- Schönhaufe«. In be» letzte» Gemeindev-rtreterfitzmig wurde die Beratung über hie Errichtung eines Hhpotheleiiainles fortgesetzt. Die Vertretung stimmte mit großer Mehrheit der Errichtung zu, vorher hatten unsere Genossen eine Erklärung abzugeben versucht, was jedoch vom Bürgermeister nicht zugelassen wurde. Nach der Abstimmung er« klärten unsere Vertreter, daß sie, obwohl alle Anträge der sozial» demokratischen Vertreter abgelehnt worden seien, trotzdem für die Vorlage gestimmt hätten und zwar in der Hoffnung, daß durch die Gewährung zweiter Hypotheken daS solide Bauuntentehmertum zur lebhafteren Tätigkeit in der Herstellung von gesunden und billigen Wohnungen veranlaßt werden soll. Hierauf wurde die Neueinteilung einiger Abteilungen des Friedhofes in der Buchholzer Straße vor- genommen. Die Straße Ist soll Lindenberger Straße heißen. Da die Straße an das Grundstück des bekannten Fabrikanten Heinrich Freese grenzt, so wurde der Vorschlag gemacht, dieselbe zur Ehrung Freeses nach dessen Namen zu nennen. Dieser Vorschlag wurde je- doch nicht gutgeheißen, weil die Straße nicht schön genug sei. Hier- auf fand eine längere mchtöffentlickie Sitzung statt. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Tempelhof. Heute Donnerstag, den 8. Dezember, nachmittags 8 Uhr» im Sitzungszimmer des Gemeindeamts. Porsstr. 42. Steglitz. Freitag, den ö. Dezember, abends 6 Uhr. im Rathause. Bernau. Freitag, den 6. Dezember, abends 6 Uhr, im Stadt- verordnetenlitzungslaale. Lankwitz. Heule Donnerstag, abends 6 Uhr, im Rathanssitzungssaale. Rofenthal. Heute Donnerstag, abends ö Uhr, in der Aula der Gemeindeschulc, Schillerstraße. Diese Sitzungen sind össcntlich. Jeder Gcmeindenngehörigc ist he- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltunge«. Neukölln. Freitag, den 6. Dezember, pünltlich 8 Uhr, im Jugend- heim, Fuldasiratze 55/50, Handarbeitsabend mit Bortrag der Frau Böhl über„Gesundheitliche jtteidung". Die Elten, der arbeitenden Jugend werden ersucht, ihre Töchter zu dieser Beransiallung zu schicke». Arbeiterjugend von Nowawes. Am«onntag, den 8. Dezember, findet ein« Besichtigung der Ausstellung für Arbeiterwohlsahrt in Char- lettenburg statt. Der Fahrpreis beträgt 1 M. Weitere Unlosten entstehen nicht. Treffpunkt 1 Uhr am Bahnhos NowaweS. Absähet 1 Uhr 27 Win. Die Eltern wolle» ihre erwachsenen Söhne und Töchter auf diese Ber- anstaltung ganz besonders ausmertsam machen. Krlefkakten der Redaktion. Die(tttlftifdic eprtaifinnu findet Lindenftrave V9. vorn vier Treppe» Fahrstuhl—, wocheirtä glich von eist bis«V, Uhr avends, Lonnedeuds, von i',b bis 6 Uhr abendö statt. Jeder für den Brleltasten tcitimmten Anfrage ist ein Buchftahe und eint Zahl als Merkzeichen betznsügen. Briefltchr Antwort wird nicht erteilt. Ansrigen, denen keine ASonnemcutögnitwng Beigefügt ist, Beeden nicht veantwortet. Eilige Aragea trage man tn der EOrechstunde Nor. Fr. Sch., Zeuthen 10. Ein Jahr.— F. M 11. Falls Sie den Anzug oder soustige Nachlaffgcgenstände veräußern, sind Sie jür die Schuld hastbar. Met». Soweit Ihre Darslellung erkennen läßt, liegt ein Kaus- -cschösl vor, so datz der Wübelhändler im Recht ist.— P. Ä. 90. Die öliwe hätte Anspruch aus Invalidenrente, falls der Mann nicht schon vor dem 1. Januar 1212 im Sinne des Gesetzes Jnpalrde«circsen ist.— — G. S- 1. Soweit Ihre Darstellung erkennen iäfft, hqndclt es sich um eine HandlungSgehilftn im Sinne des Gesetzes. Die Kürzung des Krauken- geldeS war somit nicht zulässig.—,. udr. gsriedr., SLtlh. Schauspielhaus. Grigri. Folies Eaprice. Der keusche Joseph. D.r lltehbock. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Casino. Am grünen Strand der Spree. Ansang S'l, Ubr. Neues Bolls hcater. Die Doppel- gäugerlomödie. Anja»«, lst Uhr. AdmiralSpalast. Eisdallett! zsonn». Sternwarte. Lnvalidei,str. 57—«2. Schlller-TheaierOÄ: Dopnerslag. abends 8 Uhri ri»<-l.-.n.»nn»lit Frcisag. abend» 8 Uhr! «»dlpr? Sonnabend, abends 8 Uhr, '«Iflk Im Weisen Sonniag. nachmitiai Zopf und Sei i« 3 Uhr- »werl. Sehlller-Tlieiiter"'C" Donnerstag, abend? 3 Ubr: Die tieachwlntor. Elga. Freitag, abend» 8 Uhr: gm» ersten Maitz: Ueiuijj'funden Sonnabend, nachmittag� 3.1Q Uhr: Wallensteins Lager. Die Piecolomini. Eonnabend, abends 8 Uhr: VI» Lsbildadn.— vis Keilallle. Berliiier Theater. 8 Uhr: Filmzauber. 8 Uhr: Hedtla Gabler. Dcntschea Scliannpielhaas Abends 8 Uhr: Der gntsttzende Fracks_ s. 8 Uhr: Kisniet. Jeden Mitlwoch u. Sonnabend 4 Uhr: _ Schneewittchen. Montis Operetten-Theater (jt. Neues Theater). Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Dyr Aruuenfrcffer. kesllieni-Theater, Ansang 8 Uhr. Sastfpiel Lsn stanze von Linden Vom Thüüil e Rohal duPare in Brüssel: Prinzenerziehnng. l-uisen-sdesier. Donnerstag u folgende Tage: R äff les. Sonnabendnachmittag 4 Uhr, AinderVorstelluiig:«oldener. OSE«THEATE (Ärohe iVvänh'iirtc: str 132. Gewönne»? Herze«. VollSstück in. GcsanginSA p. H. Mülles. Mulis o. Biai. 1 1 Ansang it Uhr. Freiing: Die goldene«da. onnab.-tllhr: D. gestiefelte Kater. Uhr: Die Sünde» der oberen Zehntausend._ Sahary-Djeli Der zerbrochene Spiegel, Burleske v. Caniillo u. K. Schwaw. 40 KoÄÄde 40 Gastspiel ...ax Undes* der weltberphmte Film-Schauspieler ia seinem Sketch: Hübneraugenoperateur aus Liebe (PÄdrauxe par araour). Max, der Liebhaber.. Max Linder bowio die sensationellen Deaembcir-AttrttkUoHcn. % GeieiishaHeti-Theater Ststtiner Sänger. M Vater'n" Weibnachttbiid , von Meysel. Anf. 8 Uhr. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: 0 Tanne- boom. 3 Uhr: k244/8 Residenz-Theater: Franciiion. Die QesohäftasteU« t O. Winklor. Urania WissonechaftUohea TTieetar. Xanbenatrafie 43/40. Abends 8 Uhr: Aufs Matterhorn! mm Die Alpenbriider. Komödie in 2 Akten vpn Anton und Dohat Harrnfeld. Hierzu: Gas Seheidungs-Souper. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Trianon-Tlieater. Täglich abends« Uhr: vi« Erste— Dle||ps|o f Metropol-Theater. ßhau|leur-ins Metropol! Grohe JahreSrevue mit Gelang und Tanz in sv Bildern von I. Freund. Musit v. Rud. Nelson. Tänze auang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direktor R. Schultz. Abends 8 Uhr: Rauchen gestaltet. ?«««»£«- Theater. Unter den Linnen 22-23 liielitsplcle. Diese Wache u. a. Menschen unter Menschen, Grog. Orama nach _ ViMer Hugo. Anfang 4 Uhr,' Sonntage 3 Uhr. CasSno-Theater Lothringer Sir. 87. Täglich 8 Uhr: Die iiriif Mlilposse «Am grünen Strand der Spree". Sonntag 4 Uhr: PapnS Seifen- sprung._ ..Co«" '* ft... MauerstraPe 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstrage 82.— ZlmmerslraBe SO/91. Heute: Doppel-Konzert I Berliner Konaerthnn»orchester, vir. F. v. Glon, Komponist. Musikc. Kaiscr-Alexandcr-ltcg., Ding. Kgl Musikdir. Brase. Anfang 8 Ehr. Eintritt 50 Pf, Anfang 8 Ehr. An allen Wochentagen: Großes Nachmittags-Konzert Zirkus jUbertSelniittann.! Heute Donnerstag, 5. Dezember, abends 9"/a Uhr: Große Gck-wtellW. U. a.: The& Eloyd» Wild-West-Akt. f? Siguor Maxinto? 2 Das größte kubanische Wund. Schulpferd u. Ballerina, geritten von Herrn Alb Darre. Tommy u.Boy: Die Wunderhären. W?- Um g>,. Uhr:-Mg Oer unsichtbare Mensch. Vier Bilckcr aus Indien. Sonntagnachmitiag SV, Uhr: Der unsichtbare Mensch. Mr Ohne Kürzung.-MW Voigt-Theater. Donnerstag, den 5. Dezember: chtastspiel in Puhlniannx Theater, Schönhauser Allee 148. Krone nnd Fessel. Militär-AuZst.-Kom. in 4 Alten von S. V. Lutz. Kassenerössuuiig. 7 Uhr. Ans. S1/? Uhr. am Zoo, Täglich 8 Uhr: So bummeln wirl Bunte Bilder mit Gesang und Tanz v. Gustav Kadelhurg, Leo leipziger und Jean Gilberl mit Fritzi Massary, Max Rallen- herg, Karl Bachmann. Vorher: Die neuen Varleie-ittraktionen. Danphon'» allen Käuinen des naUbncU Theaters gestattet. Der Vorvarkaul findet statt an der Theaterkasse 10—2 Uhr, im Warenhaus Trotz und im Invalidondank. Keine Vorverkaufsgebuhr. Ab S Uhr. 8 für Berlin neue Debüts. BtUrminctaer I-acherf olg! 0 Uhr: Berlins neueste Sensation I Dario Paini Das Wunder hypnotischer Kartenkunst. Theater Königstadt-Gasino, EckeHolzmarll-:>. illezanderstrahe. l Minulev. Bahnh. Jannowitzbrücke Täglich auller dem grollen Spezialitäten-Teil! Fesche MSdel. GesangS-BurleSke in 1 Sltt. Zirkus Buseh. Heute Donnerstag, 5. Dezember, abend» VI, Ehr: iVar kni-xci. tl astspiel! Als einzig dastehende Dressur auf der Welt: Der sprechende Kater„Peter" 1 vorgeführt v. seiner Besitzerin I Frau Dr. Thea Sutoris. I Ferner die groBe Prunkpantomime j Sevilla"! in 6 glänzenden Akten. Besonders hervorzuheben: Die boriimie Btlergefechts-Arena I in Sevilla— Die märchenhaften| neuen Wasserspiele. n Folies Caprice. Täglich S'u Uhr I 5W- Der keusche Joseph.-HftE Der Rehbock.-V» . 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