Nr.S86. fl donnements-keäingUNgeNi SlöumieinciU»- Preis vränmneranda! Bierteljährl. S,Z0 Mk.. monat!. l.lv Mii, wöchentlich W Pfo frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. EonnlagS- Nummer mit Muitrierier Sonntags» BcUagc„Die Neue Welt" 10 Pia. Posi« Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. ll Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, PostabonnemcntS nehmen am Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, vlchckit täglich anfitr inontiat. Ifcn Verlinev VolKsblatk. 39. Jahrg. vie TnMionS'6ebüf)f ItKägi für die fcchSgcfpallene Kolontt« zeilc oder deren Raum so Pfg„ fhr polltische und gewerlschaftllchc PcreinK- und Versnmnilungs-Anzeigen 30 „Kleine Hnreigen", das'fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort b Pfg, Worte über lSBnch- flaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer»lüsfcn bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die ZrveoUion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: nS»zlaM(in«lint Rcrfla" M S Zentralorgan der fozialdcmokrati rehen parte» Deutfchlands. Rcdahtion: Svll. 68» Lindenstraaae 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 1983. Sonnabend, d�n 7. Dezember 19 tÄ. Expedition: SM. 68» I.indenstrasge 69» Fernsprecher: Amt MoriPPlatz, Rr. 1984. Las Lüde der Zentrumskomödie. Aus der peinlichen Situntion, in die das Zentrum durch seinen dauernden Verrat von Volksinteressen in der Teuerungs- und Wahlrechtsfrage und durch die Gewerkschastsenzhklika des Papstes geraten ist. sollte es gestern durch die Rede Gröbers über das angeblich einzige Ausnahmegesetz, nämlich gegen die Jesuiten, befreit werden. Aber diese Ver- wirrungs- und Verdnmmungstaktik. die ja von vorn- herein nicht für die Wissenden auf den Minister- und Abgeordnetenbänken, sondern für die frnmben Leser der Zentrumspresse berechnet war, wurde sofort scharf und schneidend von dem Redner der Sozialdemokratie gekenn- zeichnet und damit untauglich gemacht. Das Zentrum, das sich in der Rolle des Anklägers gefiel, um von seinen eigenen Sünden abzulenken, fand sich selbst plötzlich wegen viel besser bezeugter Schuld auf der Anklagebank, und mit dem Gefühl des Schuldigen, der aller seiner Vergehen überführt worden ist, mutzten seine Mannen gestem den Reichstagssaal ver- lassen. Das Zentrum suchte sich am Freitag dadurch schadlos zu halten, daß es am Donnerstag nicht zu Wort gekommen ist. und daß ihm die übrigen Parteien nicht den G/sallen getan haben, mehr als einige beiläufige Worte über die Jesuiterei zu sagen. Wir hatten gestern die Matcrialmappe des Herrn Gröber ganz richtig eingeschätzt, wir hatten sie vielleicht noch unterschätzt. Sie gab Herrn Gröber Stoff für eine drei Stunden lange Rede. Das Kennzeichen auch dieser Etatsrede des Zentrums war wie bei der Spahnschen Rede das völlige Verzichtleisten auf jede noch so harmlose Bemerkung zum Etat selbst. Herr Gröber fühlte zwar zu Anfang die Verpflichtung, die Vor- würfe zu entkräften, die gegen die sonderbare Etatsrede Spahns erhoben worden waren, und die er von vorherein auch für seine Rede fürchtete: das Zentrum betrachte die Jesuitenfrage niäit als den Eckstein seiner Politik, es habe doch auch bei per Debatte über die auswärtigen Angelegenheiten und über die Valkanfrage nicht über die Jesuiten gesprochen. Gewiß! Das hatte er wirklich nicht getan. Auch bei den Debatten über die Fleischteuernng hatte er nicht über die Jesuiten gesprochen. Sogar bei der Beratung über die Petition auf reichsgesetzliche Regelung des Jrrenwesens und bei dem Gesetzentwurf über die Kindersangflaschcn hatte es, wenn uns unsere-Erinnerung nicht im Stiche lätzt, nicht über die Jesuiten gesprochen. Wir glauben auch, datz er am Sonnabend nicht einmal bei der Beratung des Petroleumgcsetzes über die Jesuiten reden wird.> Was ist mit der faulen Ausrede des Herrn Gröber bc-I wiesen? Gar nichts! Es steht fest— und das hat Genosse Liebknecht den Herren vom Zentrum unter stürmischer Znstinimung unserer Fraktion und vieler nichtsozialdemokratischer Abgeordneter kräftig und derbe unter die Nase gerieben—, datz für das Zentrum alle anderen Interessen des Volkes, die wichtigsten politischen, sozialen und kulturellen Aufgaben des Deutschen Reiches, kühl beiseite geschoben und über die Achsel angesehen»ocrden. sobald es sich um die besonderen klerikalen Interessen des Zentrums handelt. Dieser angeblichen Volks- parte! bedeuten die Nöte des deutschen Volkes, das Elend der deutschen Arbeiterklasse einen Pfifferling, sobald es sich um die Interessen Roms handelt. Und lediglich darum handelt es sich! In Rom ist man nie zufrieden mit dem deutschen Zentrum, in Rom runzelt man die Stirn, von Rom schickt man Enzykliken über Enzy- klikcn, des katholischen Volkes bemächtigt sich Verwirrung und Unruhe, die politischen Geschästchen des Zentrums geraten in Gefahr— da erinnert man sich des alten, lieben, nnbezahl- baren Popanzes, mit dem man noch zu allen Zeiten die rebel- lierenden, oder richtiger gesprochen: die verirrten Zentrums- schaie auf den einzig richtigen Weg zurückgeführt hat. Lobt die Jesuiten! Hier geschieht ihnen nichts in Deutschland, kein Härchen wird ihnen gekrümmt, der oberste Beamte des Deutschen Reiches sagt es unverblümt, datz die Gesetze gegen die Jesuiten so gut wie gar nicht angewendet werden— ein Geständnis, an das»vir diesen Herrn bei anderer Gelegenheit erinnern werden— trotzdem erhebt die Zentrumspartei ein fürchterliches Zetermordio über die Unbill des Gesetzes, über die Ungercchtig- keit, die den Jesuiten widerfährt, über die Grausamkeit mit der die liebe», unschuldigen, barmherzigen, sanftmütigen Jesuiten behandelt werden. Freilich! Nicht immer erschallen diese Klagelieder. Nur, »«o Onvit-vitrit ivt V-inT tf timtM» ßlpfrfvrtffp Bartes, hinter dem sich irgendwo der Mund verbirgt. Bald hebt er beschwörend den Finger hoch in dieLust, bald wendet er sich so wild an seinen zufälligen Nachbarn, den Unterstaats- sekretär Wahnschafte, datz dieser ängstlich das Feld räumt. Und was Herr Gröber sagt, ist vom Standpunkte des Zentrums aus nicht von schlechten Eltern. Ein gewandter Jurist, beherrscht er die klerikale Dialektik wie kein zweiter, und nebenbei heiligt ihm der Zweck die Mittel. So macht es ihm gar nichts aus, datz er den gottlosen� alten Fritzen und den nicht weniger gottlosen Heinrich Heine als 5tron° zeugen für die Jesuiten heranzieht, datz er intime Vorgänge vom Sterbelager des früheren Staatssekretärs für das Justiz-- amt ausplaudert, und ohne irgendwelche Skrupel setzt er schlietzlich unserem lammfrommen Bundesrat wegen seinel lämmfrommen Interpretation der Jcsuitenverordnung dem Konvent der französischen Revolution gleich. Man denke sich Herrn Bethmann, den Mann der gottgewollten Abhängig- keiten, als Robespierre, den redegewandten Lisco als Danton und den glatten Herrn Delbrück als Marat! Aber dem Zentrum passen diese Vergleiche für seine gegenwärtige Kirchenpolitik, und da schont es nicht den Bundesrat und nicht das Dulderhaupt des Philosophen zu Hohenfinow. Und dabei ist doch alles nur Theaterdonner, nur Kolo- phoniumgeblitze! Während noch Herr Gröber wild auf den Bundesrat losschlägt, findet schon Herr Spahn den Weg auf die Bundesratsestrade, und eilfertig scharen sich vier Staats- sekretäre um den großen Mann. Ein Zwischenruf aus unserer Fraktion, datz die Waffenstillstandsverhandlungen wohl schon beginnen, scheucht das Konzil freilich schnell wieder auseinander. Wofür hat man denn Kulissen! Trotz alles seines Tobens war in der entscheidenden Frage Herr Gröber schon viel weniger kriegslustig und resolut als Herr Spahn am Mittwoch. Schlietzlich braucht das Zentrum die Regie- rung für seine politischen Geschäfte, und die Regierung braucht das Zentrum für ihre schwarzblaue Politik. Vorläufig zieren sich beide noch ein wenig. Aber wie lange wirds dauern:„und dann kützt sie ihren Hans, und es ist alles wieder gut"!...... Bezeichnend ist da s Verhalten der b ärger- l i ch e n Parteien. Nachdem Herr Gröber geendet hatte, stamnielte der Staatssekretär des' Neichsjüstizamtes einige juristische Verwahrungen gegen die Ausführungen Gröbers, und dann— nahm kein Vertreter irgendeiner bürgerlichen Partei das Wort! Es ist diese Schweigsamkeit nur durch einen geheimen Pakt aller bürgerlichen Parteien von Kanitz bis Wiemer mit Ausnahme der Zentrumspartei zu erklären. Um so verwunderlicher ist diese Haltung, als Gröber es für- wahr nicht an Heransforderungen der bürgerlichen Parteien hatte fehlen lassen. So blieb es denn wiederum der Sozialdemokratie vorbehalten, noch im Schlußwort zu der elenden Zentrums» komödie zu sprechen. Und diese dankbare Aufgabe besorgte unser Genosse Liebknecht in einer kernigen Rede so gründlich, datz die Herren Gröber und Spahn mit offenem Munde dasaßen und ihren verdutzten Gesichtern nach im ge- Heimen darüber nachdachten, ob sie mit ihrer überschlauen Taktik wohl das Richtige getroffen hatten. Natürlich be- kämpft die Sozialdemokratie das Jesuitengesetz wie alle Aus- nahmegefetze. In dieser Beziehung rennt das Zentrum offene Türen ein, zumal es die parlamentarischen Zwangsmittel gegen die Regieriing nicht anzuwenden wagt. Aber wie groß und erbärmlich ist die Heuchelei des Zentrums, das alle Aus- nahmegefetze und ausnahmegesetzlichen Matznahmen, die in Deutschland und besonders in Preußen gegen die Arbeiter- bewegnng angewandt werden, ohne Widerstreben geschehen lätzt und nirgendwo seine Macht einsetzt, uni die Rechte und Freiheiten des Volkes zu erweitern! Herr Gröber nennt die Denunzianten Halunken. Wohlan! Aber diese scharfe Kenn» zeichnung gilt nicht nur für Denunzianten der Jesuiten, sondern auch für alle Denunzianten im politischen Leben, auch für die zahlreichen Zentrumsleute, die in Wahlkämpfen und bei anderen Gelegenheiten ungezählte Male anständige Männer wegen ihrer Gesinniing denunziert haben! Den Schluß bildete ein Ltleinkrieg fast aller Parteien im Anschluß an einige Aeutzerungen Liebknechts, der die Ver» schleppungstaktik der Zollwuchermehrheit in der Frage der Matznahmen gegen die Fleischteuerung an den Pranger und in anderem Zusammenhange Herrn Giesberts vom Zentrum eine unvorsichtige Zornesäutzerung gegen die gewerkschafts« feindlichen Kirchenpoli�iker vorgehalten hatte. Vergeblich suchte Giesberts zu leugnen, daß er die Agitatoren der Berliner Richtung, zu denen ja gerade einzelne Mitglieder des höheren Klerus zählen, als„Wegelagerer" bezeichnet hatte. Gemildert wurde die Heftigkeit dieser gegenseitigen Kanonade durch einige geradezu unübertrefflich komisckje- Hrdnungsrnfe und Zwischenbemerkungen des Präsidenten Kaempf. So ist es auch bei dem zweiten Teil der Etatsberatung» bei der Erörterung der inneren Politik, wiederum die Sozial» demokratie gewesen, die energisch � und unbeirrt durch Zentrumsntanöver und durch das staatsmännische Getue der übrigen bürgerlichen Parteien die Interessen des deutsche» Volkes vertreten hat. Hochkonjunktur für Diplomatcnintrigcn. a. fü»,■ «OWtzv« wenn es dem Zentrum in seine politischen Geschäfte paß wird dieses Register gezogen. Und darin gerade steckt die bodenlose Heuchelei des Zentrums und seiner gegenwärtigen Jejuitenpolitik. In der Freitagsitzung des Reichstags stellte sich der geschickteste der geschickten Zentrumsregisseure, zwciscl- los der eigentliche Oberregisseur des Zentrums, soweit es sich um politische Aktionen handelt, vor. Was für Stümper sind die Herren Spahn und Erzberger gegen Herrn Gröber! Herr Spahn murmelt» Herr Erzberger schnarrt immer denselben Ton. Herr Gröber dagegen beherrscht souverän alle dynamischen Schattierungen", alle Nuancen des Tones, und alle Mittel der Mimik und der Geste sind ihm recht. Bald blitzt ihm der pfiffige Schalk aus den unibuschten Augen, wenn er eine besonders gesalzene Bosheit vorbereitet, bald grollt ein Donnerwetter aus dem uncroründlichen Dickicht seines Die Vorbereitungen auf die Londoner Friedenskonferenz setzen die internationale Diplomatenzunft wieder in geschäftige Betriebsamkeit. Denn nicht allein in den Kabinetten der Staaten des Balkanbundcs und der Türkei wird jetzt eifrig vor- gearbeitet, bei dem Fricdenshandel in London möglichst viel herauszuschlagen, auch die Grotzstaaten sind hinter den Kulissen eifrig am Werke, aus der neuen Situation möglichst viel für ihre eigene Machtstellung und für die Expansionsbedürfnisse ihres 5tapitals zu ergattern. Diese Absicht klang auch aus der kühlen Rede des französischen Ministerpräsidenten Poincarö heraus, die sich nur insofern vorteilhaft von der Rede Beth- mann Hollwegs unterschied, als sie die Phraseologie des Pauk- bodens vermied. Aber von einer beruhigenden Friedens- zuversicht war, wenn man die staatsmännischen Redewendungen auf ihren wirklichen Kern untersucht, nichts in Poincarös Rede zu finden. Auch die friedenssicheren Kommentare, die Poincarös Worte in der offiziösen und halboffiziösen inter- nationalen Presse finden, klingen viel zu gedreht und erkünstelt, um den Eindruck ehrlicher Ueberzeugung zu hinterlassen. Am meisten gilt das von der Haltung der österreichischen Blätter, die gehorsam die Brocken aufschnappen, die ihnen ihre RegierungSmacher zuzuwerfen für gut halten, um von ihnen entsprechende Lügenknnste zu verlangen. Während jetzt ein Teil dieser Blätter mit heuchlerischem Augenaufschlag versichert daß Frankreichs Friedenswille noch von dem Oester- reichs- übertroffen werde, peitscht man in den Parlamenten die Mobilisiernngsgesetze durch. Daneben droht man mit finsterer Miene nach Belgrad hinüber und stellt wegen des mysteriösen Falls Prochaska„sehr ernste Schritte" in Aussicht. Die versprochene Aufklärung über den Fall Prochaska ist immer noch nicht erfolgt. Offenbar sind die zur Täuschung der Oeffentlichkeit notwendigen FälschnngSmanöver noch nicht recht geraten. In der deutschen klerikalen, konservativen und auch zum Teil der liberalen Presse findet das Treiben der österreichischen Offiziösen vollste Zustimmung. In der„Deutschen Tages- zeitniig" wird haarscharf bewiesen, daß Bethmann Hollweg .vollständig im Rechte sei, wenn er sagte, daß wir für Oester- ' reich„fechten" müßten. Und gerade der Fall Prochaska er- scheint diesem Blatte unter Umständen als Kriegsfall. Es meint, Teutschland müßte handeln, ehe es zu spät sei und müsse auch für die letzten möglichen Konsequenzen de? öfter» reichischcn Bündnisses eintreten. Aus alle dem geht hervor, datz die diplomatischen Jntri» ganten und die plumpen Kriegshetzer das Spiel noch nicht- aufgeben. Dem internationalen Proletariat bleibt nach wie vor die Pflicht, dieses Treiben mit gespannter Aufmerksamkeit zu beobachten und, wenn es not tut, mit aller Energie zu durchkreuzen. Vie I�riegsket2e in Oesterreich. Offiziöses Geschwätz. Wien, 6. Dezember. In der Besprechung der Rede Poincarss stellt das„Fremdenblatt" mit Genugtuung fest, datz Frankreich seinerseits denselben Standpunkt ein» nimmt, wie Oesterreich-Ungarn. Man könne von der Rede des französischen Ministerpräsidenten eine willkommene Klä- rung der Ansichten über die Balkankrise und die Stellung der Mächte erwarten. Tie„Verbündete Macht" im österreichische» Kriegsleistu»! gesctze. Wien, 5. Dezember. Im Justizausschuß legte Sektions- chcf Reuter als Vertreter der Regierung dar, daß die Regie- rung bereit sei, in das Kriegsleistungsgesetz den Passus ein- zuschalten, daß Kriegslcistungen nur für die Dauer der kriegerischen Bedrohung oder eines ausgcbrochenen Krieges angefordert werden können, und datz die eingezogenen Zi- vilistcn nur außerhalb der Fenerlistie zu verwenden sind. Ferner sollen in die Durchführniigsverordnung Bestim- muiigen aufgenommen werden, datz man grundsätzlich nicht unter das 17. Lebensjahr herniitergeheu darf und daß, falls an dein betreffenden Orte keine österreichische Truppe an- wesend ist, die verbündete Macht im Wege der politi- scheu Behörde requirieren kann. Tic kochende schwarzgelbe Volksseele. Brünn, 5. Dezember. Heute abend veranstaltete der Verein ehemaliger Angehöriger des 40. Infanterieregiments unter Teilnahme von mehreren Mitgliedern des Gemeindcrats und von ISO deutschen Hochschülerir eine Loyalitätstundgebung, lvorauf sie vor das deutsche Konsulat zogen und die„Wacht am Rhein" und die Bolkshhmns sangen, Die Habsburgische Justiz gegen slawische Demonstrantett. Wie», 5. Dezember. In der Verhandlung gegen, die 14 Hoch- s ch ü l e r wegen der Demonstration am 24. November wurde der Angellagte Luftnc wegen Niajestätsbeleidigung und Aufreizung zu V Monaten schwerem Äcrler verurteilt. 12 Angeklagte wurden teils wegen Aufreizung, teils wegen Widersetzlichkeit zu Freiheitsstrafen von einer Woche bis zu 14 Tagen verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Mit Ausnahme des Bukvic wurden sämtliche Ver- urteilten auf freien Fuß gesetzt. Du Londoner fmdenöhonferenz. Die Vertreter der Türkei. Koustantiuopel, 6. Dezember. Als türkische Bevallnräch- tigte bei den Friedensverhandlungen sind ausersehen: der Minister des Aeirßeren Noradunghian, Handelsminister Reschid Pascha, der türkische Botschafter in London Tewfik Pascha und der Rechtsbeirat Reschid Bey. Die Bevollmäästigtcu Montenegros. Cetinie, 6. Dezember. Die drei Delegierten Montenegros für die Londoner Friedensverhandlungen, Lazac Miusko- witsch, Jovo Popowitsch und Lujo Wojnowitsch, haben heute dix Reise nach England angetreten. «- ♦ t-* Die Verproviantierungsfrage. Koilstantinopel, Z. Dezember. Die Blättermeldung, daß bereits ein Läbensmitteltransport nach Adrianopel abgegangen sei, ist falsch, lieber die Frage der Lebensmittelzufuhr erfuhr das Waffen- Itillstandsprotokoll im letzten Augenblick noch eine Wanderung, die die Entsendung von Lebensmitteln in Frage stellt. In amtlichen Kreise« verlautet, daß Lebensmittel vielleicht niemals nach Adria- nopel gesandt werden. Die Negierung glaubt, daß die Festung ge- uügend Lebensmittel bis zum eventuellen Abschluß der Friedens- Verhandlungen besitzt. Ztonstautinopel, 6. Dezember. Man glaubt hier, daß die Türkei wahrend der Waffenstillstandsverhandlungen den bulgarischen Truppen vor Tschataldscha unt Proviant aushelfen werde. Dafür mühte sich Bulgarien allerdings verpflichten, für die Verprovian- tierung Adrianopels zu sorgen... «• » Das Ministerium des autonomen Albaniens. Baloma, 6. Dezember.(Meldung der„Agenzia Stefani"). Die provisorische Regierung hat das neue Kabinett ge- bildet, daß sich folgendermaßen zusammensetzt: Präsidium und Aeußeres Jsmael Kenia! Bey: Vizepräsident ohne Porte- fcuille Monsignore Baccioni; Krieg Mehmed Pascha Der- halla: Inneres Mufid Bey: Finanzen Abdi Bey Toptani; Justiz Pietro Poga: Unterricht Guracucchi: öffentliche Ar- beiten Midhat Bey Frasheri: Post und Telegraphen Lefnosi: Äckerbau und Handel Pandelitzali. Es wurde ein Senat ein- gesetzt, der bis jetzt aus achtzehn Mitgliedern besteht. Prä- sident ist Zeynel Bey aus Jpek. Zu Kommandanten der nationalen Miliz wurden ernannt: Jssa Boljetinatz und Riza Bey. Sämtliche Wahlen erfolgten in der Ztationalversamm- lung. Das Kabinett setzt sich zusammen aus zwei Katholiken, drei Orthodoxen und fünf Muselmanen. Sämtliche Ge- lhLAte sind einflußreiche Persönlichketten. Ganz Albanien ist durch sie im Kabinett vertreten. tyr.'f'. ♦ ♦ « Verdächtige Tementierwut. Bukarest, 6. Dezember. Die Meldungen auswärtiger Blätter, baß nach der am letzten Sonntag statt gefundenen Protestversamm- lung zugunsten der Kutzowalachen die Volksmenge griechische Kauf- laden zerstört habe, daß Rumänien eine Anleihe von BOO Millionen suche, daß der Ministerrat kürzlich viele Millionen für den Aus- bau des Eisenbahnnetzes und der Tonauflattille bewilligte und daß der mierreichisch' ungarische Armceinspekteur Freiherr von Conrad nach dem Tiner beim Ministerpräsidenten mit rumänischen Person- lichleiten die Pkäiie Rumäniens besprochen oder revidiert habe, sind, wl« von zuständiger Seite festgestellt wird, unrichtig oder über- trieben. Ter Straßenumzug am Sonntag verlief ohne Zwischenfall. rer Plan eines Ausbaues des Eisenbahnnetzes ist alten Datums. Angesicht» der Läge der Geldmärkte denkt man heut« nicht daran, ewe-Anleihe aufzunehmen. Der Ausbau der Schwarzen Meerflotte siM�seit langem auf dem Programm: der Ausbau der Donau- slockille jedoch wird, da er nicht, notwendig ist, nicht beabsichtigt. Die Meldungen, die mit der Person des Freiherrn v. ConrÄ» zusammen- Hangen, sind vollständig unbegründet. *» * Eine bulgarische Stimme über die Neuordnung auf dem Balkau. ' Aus Sofia wird uns geschrieben: Ich sprach dieser Tage mit dem ehemaligen bulgarischen Ministerpräsidenten Malinoff und fragte ihn u. a. über das Schicksal Salonikis. Er erwiderte: »Saloniki mutz nach ethnographischen, ökonomischen und poli- tischen Erwägungen Bulgarien gehören. Man sagt, Saloniki könne zur Jreijtadt gemacht werden. Aber wie? Kann man denn nur die Stadt in ihren engen Grenzen, ohne Territorium, ohne den Landstreifen, der sie von drei Seiten umgürtet, frei machen? Aeben wir aber dem freien Saloniki auch ein entsprechendes Ter- ntonum, so verwirren wir nur die ethnographischen Grenzen Bulgariens, da rings um Saloniki eine kompakte bulgarische Masse wohnt. Wir treten im Westen mehr ab, als uns sogar der Bertrag von San Stefano gab. Wir schaffen künstlich Gren- zepA verderben sozusagen unsere Ethnographie, um alle möglichen lstcihungcn zu vermeiden. Aber Saloniki behalten wir." „Und wie wird nach Ihrer Meinung die östliche Grenze Buk- gariens bestimmt?" „In bezug auf diese Frage existieren zwei Versionen. Nach einer wird die Grenzlinie bei Midia am Schwarzen Meere be- ginnen und über Tschorlu bei Rodosto enden. Und nach der anderen endet sie nicht bei Rodosto, sondern bei dem Golf von SaroS oder bei der Marizamündung. Die erste Version scheint unzuverlässig zu sein, da sie die Dardanellen unter die Herrschaft Bulgariens siellt, was jedoch wegen der internationalen Bedeutung dieser Meerenge kaum möglich ist. Daher ist die letzte Version wahr- scheinlicher, und meiner Meinung nach ist das Minimum, welches Bulgarien bekommt, das Territorium bis Saros." „Wie schätzen Sie bulgarisch-rumänische Beziehungen ein?" ,„Ich halte die Frage über die� Ratifikation der bulgarisch- rumänischen Grenze vorläufig nur für einen Zeitungsstreit. Und diejenigen, die voll einer territorialen Verständigung unter den Regierungen der beide« Staaten wissen wollen, vergessen sicher- lich. daß unsere»» Grundgesetze gemäß kein Vertrag über eine territoriale Abtretung ohne die»Große Nationalversainmlung" geschlossen werden darf. Daraus folgt, daß ein solcher Pertrag auch» vor dem Kriege nicht geschlossen werden konnje," »Ist die Kampffähigkeit Bulgariens während der fünf Kriegs- Wochen nicht zu schwach geworden?" „Das, was ich meine, ist vielleicht ein wenig paraduxal, aber in der Tat ist unsere Kampffähigkeit ebenso groß, wie vor dem Beginne der Kriegsoperationen. Bisher hat unsere Armee höch- stenS 50 000 Mann verloren, aber wir haben sie wieder komplettiert. ES ist wahr, daß die Armee ein wenig ermattet ist, dabei aber hat sie sich Kriegserfahrung erworben. In ausländischen Zeitungen lese ich in letzter Zeit, daß wir völlig erschöpft seien und nicht mehr imstande seien, den Krieg lange auszuhalten und besonders einen neuen Krieg anzufangen. Wir haben freilich keinen neuen Krieg vor, aber ich muß Ihnen sagen, daß diejenigen, die von unserer Erschöpfung sprechen, unsere wahren Verhältnisse eßenso schlecht kennen, wie vor den» Kriege. Unsere Munition haben wir noch nicht verschossen, Brot haben wir genug und unsere Regierung hat sich sicherlich bemüht. Vorschüsse auf Rechnung künftiger Anleihen zu bekommen. Das einzige, was uns noch verblüffen könnte, wäre die Zahlung der Prozent« für unsere Staatsschuld. DaS kann uns aber auch keine Schwierigkeiten machen, da die notwendigen Summen in ausländischen Banken deponiert worden sind. Der beste Beweis, daß wir moralisch und materiell in gutem Kredit stehen, sind unsere Wertpapiere, die momentan ebenso gut stehen wie früher. Auf diese Weise sind wir ganz ruhig. Die Lage bei Tschataldscha beunruhigt uns gar nicht. Man sagt, wir blieben dort auf einmal stecken. Eigentlich hofften wir selbst auch nicht. daß wir in so kurzer Zeit an der Schwelle Konstantinopels sein würden; außerdem vergessen die Leute, daß die Türken in der Tat nicht eine nichtige Macht sind, die man in drei Wochen vollständig zerquetschen könnte." »Welches ist Ihr« Meinung über die öfterreichisch-ungarisch- serbischen Verhältnisse?" „Ich hoffe, daß es nicht zu einem offenen Konflikt kommt. Die Sache wird wahrscheinlich dadurch erledigt werden, daß Serbien mindestens Alessio bekommt." «Albanien?" „Die Ztutonomie Albaniens hat keine Berechtigung— weder historische, noch politische, noch ethnographische. Das autononnsche Albanien ist die Erfindung einer dritten Person, die unter der Maske des Altruismus ihre eigenen Geschäfte machen will. Und wenn Albanien überhaupt nicht existiert«, so hätte sie es einfach auSgegriibelt." „05 die Gerüchte über die bevorstehende Teilung Kleinasiens irgendeinen Grund haben?" „Ich möchte das nicht glauben. Ich halt««S für unwahrscheinlich, daß die Mächte diese Frage so auf einmal entscheiden würde»». Sie muß allmählich bearbeitet werden. Und eh«'das einst so mäch- tige türkisch« Reich vom Erdboden vertilgt wird, werden die Mächte ihm die Möglichkeit geben, wenigstens in Asien seine Lebensfähigkeit zu beweisen. Außerdem hat Europa selbst bei sich zu Hause und draußen noch viele unaufgeklärt« Fragen." „Glauben Sie an«die weitere Entwickelung des Balkanbundes und an die Möglichkeit der Balkanföderation mit der Türkei oder ohne sie?" „Es ist unrichtig, die Frage so zu stellen. Die Konföderation ist nicht«der Ansang, sondern der Schluß«der Frage. In nächster Zeit aber werden die Balkanstaaten, nicht zu reden von der Türkei, eine ganze Reihe von strittigen Fragen zu lösen haben, die mit der Bestimmung der neuen Grenzen in Zusammenhang stehen. Und augenblicklich ist es schwer zu sagen,«was das für«in Ende nehmen känn.� y? politifche deberHcht Berlin, den 6. Dezember 1912. Herr v. Jägow bor dem Dreiklasseoparlainent. DaS Abgeordnetenhaus trat am Freitag, nachdem es das Wassergesetz in dritter Lesung angenommen hatte, in die Bespreihung der bereits vor einigen Tagen begrüi»deten und auch beantworteten JnteiPellation der Fortschrittlichen Volkspartei über das Vorgehen des Berliner Polizeipräsidiums gegen den Verein Berliner Feuerwehrleute. Es kamen»»ur zioci Redner zu Worte, als erster der Konservative Kreth, der in seiner bekannten Auf- geblasenheit sich als Zensor über die Berliner Stadtverordneten- Versammlung aufspielt« und der Regierung den Rat gab, von ihrem Auflösungsrecht Gebrauch zu machen. Das fehlte gerade noch, daß die Regierung eine Stadtverordneterwcrsammlung, in der ihr nicht genehme Reden gehalten werden, einfach auflöst. Denn die Be- sugnis, zu den Maßnahmen des Polizeipräsidenten Stellung zu nehmen, lvird doch wohl selbst Herr Kreth der Vertretung der Berliner Bürgerschaft nicht absprechen wollen. Oder glaubt Herr jlreth. daß die Berliner«Steuerzahler lediglich die Pflicht haben. die Kosten für die Feuerwehr aufz»lbringen, daß sie sich aber im übrigen jeder Kritik enthalten müssen? Daß der konservative Redner das Vorgehen des Herrn v. Jagow billigt»nd bei der Berliner Feuerwehr militärischen Kadavergehorsam u!»d den Drill des Kasernenhofs einführen möchte, versteht sich bei seinen ce- aktionären Anschauungen eigentlich von selbst. Einen wesentlich anderen Ton schlug der Nationalliberale Just, der frühere Direktor im ReichSamt des Innern, an, der zwar die militärische Organisation der Feuerwehr als zweckmäßig bezeichnete, aber ausdrücklich hinzufügte, daß die Feuerwehrmänner dadurch noch keine Militärpersonen werden, und vor einer Ueber- treibung der Disziplin warnte. Daß selbst dieser Herr, der bei anderen Gelegenheiten nicht scharf genug den Beamten das Recht, sich sozialdemokratisch zu betätigen, abgesprochen hat, die Unter- lassung eines Drucks auf die D!eil»ung der Mannschaften forderte und das Verhalten des Herrn v. Jagow mißbilligte, sollte auch der Regierung zu denken gebe»». Bei der Fortsetzung der Besprechung am Sonnabend wird als erster Genosse H o f f m a n n das Wort ergreifen. Frage- und Antwortspicl. Den Anfang der FreitagSsitzung des Reichs- tag es bildeten kleine Anfragen. Es war etwas viel des Gute»», was die Regierung alles beantworten sollte. Sechs Fragen standen auf der Tagesordnung, von denen einige noch in mehreren Untcrfragen zerfielen. Auf drei sozialdemokratische Anfragen antwortete der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück. Eine Frage nach reichsgesetzlicher Regelung der Uebelstände in bezug auf die Verunreinigung der Wasserläufe beantwortete er mit einer Vertröstung auf die Zukunft. Die Uebelstände in dieser Sache erkennt die Regierung an. Verhandlungen sind eingeleitet, das Resultat ist noch nicht zu übersehen. Eine Anfrage, ob der Reichskanzler bereit sei, aus den Etats der verschiedenen Staaten Europas die für die Weiter- Versicherung angesehenen Summen zusammenzustellen, be- trachtet Herr Delbrück als eine Anregung, die er prüfen will. Dagegen lehnt der Reichskanzler eine dritte sozial- demokratische Anregnng. die rückständigen Verfassungs- zustände Mecklenburgs durch Reichsgesetz zu ordnen. ab. Im Deutschen Reich darf jeder Bundesstaat so reaktionär sein wie er will. Was sollte sonst aus Preußen werden! Auch eine Anfrage aus Zentrumskreisen nach rcichsgesetz» licher Regelung des Bergrechts beantivortete Herr Delbrück schroff ablehnend. Für sozialpolitische Fort» schritte ist zurzeit in Deutschland kein Boden vorhanden! Von nationalliberaler Seite Wurden einige Fragen über nebensächliche marokkanische Angelegenheiten gestellt. Ein Regierungsrat mit Namen Lehmann antwortete nach dem biblischen Rezept: Eure Rede sei ja, ja. nein, nein. und was darüber ist, das ist vom Uebel!— Ter klerikale Entrüstnngsrummel. Während die größeren klerikalen Blätter, wenn sie auch tiefste Erbitterung über die bundesrätliche Auslegung des Jesuitengesetzes heucheln, doch in ihren wilden Deklamationen gegen die Bethmannsche Regierung eine gewisse Grenze ein- halten, um sich, das Wiedereinschwenken in ihre bisherige Position offen zu halten, ruft die kleine beständig nach Rom schielende Zentrumspresse teilweise offen zur Rache auf. So schreibt die Korumsche„Trierische Landeszeitung" in einein Artikel über das parlanlentarische Duell Spahn-Bethmann: „Im nächsten Jahre steht die Erneuerung der Handelsverträge bevor, zu«denen die Hilfe des Z e n- t r u m s unbedingt noUverrdig ist. Ohne das Zentrum»st die Schutzzollpolitik der Regierung unmöglich aufrechtzuerhalten, da Sozialdemokraten. Freisinnige und ein Teil der Nationalliberalen dafür nicht zu haben si»ch. Auch in vielen anderen Fragen ist das Zentrum unentbehrlich. Aber immer nur arbeiten, wie bei der Reichsfinanzreform, und dann nachher mit unerhörter Rücksichtslosigkeit behandelt zu wer- den, kann das Zentrum sich nicht gefallen lassen. Mag der Reichstag aufgelöst werden, wir Katholiken sind gerüstet. Eine bessere Parole können wir nicht wieder bekomme»». Tie Kultur- kampfsluft und-lust der Regierungen haben im katholischen Volke eine furchtbare Gärui»g ausgelöst. Dazu kommt die ganze politische Lage»in Innern und im Auslcmde. Das Ansehen des deutschen Volkes hat schon stark gelitten. Ueberall herrscht eine grenzenlose Verwirrung. Unbegreiflich, wie eine Regierung solche Lage für geeignet hält, auch noch die Fackel religiöser Eni- zweiung ir»s eigene Volk zu schleuderr». Wir Katholiken werden uns zu verteidigen wissen; der Staat wird erfahren, daßwir unsnichtalsHeloten behandeln lassen. Dem Zentrum aber rufen wir zu:„Zentrum werde hart!" In der gleiche,» Tonart schreibt die„Deutsche R e i ch s z e, t u n g" in Bonn: „Es darf nicht der Anschein erweckt werden, als ob wir je bereit sein würden, in absoluten Staatsnotwendigkeiten Oppoji- tion zu treiben; in vaterläirdischen Aufgaben werden wir nicht versagen. Wir sehen aber andererseits keinen Grund, i n a n d c- ren Fragen einer Regierung den Rücken zu steifen, die uns im Stiche läßt, wo unsere Ehre auf«dem Spiele steht, wo wir nur Gerechtigkeit für unsere Kirche ver- langen. Die Zukunft wird zeigen, ob es einer Regierung mög- lich sein wird, dem Willen von über 20 Millionen deutscher Katholiken erfolgreich sich entgegenzustemmen und die Rechte der Kirche zu schmälern." Die Zentrumsfraktion des Reichstages, wird schwerlich diesem Rat folgen, wenn sie es auch an kleinen Schikanen nicht fehlen lassen wird; interessant ist es aber immerhin, daß das Trierer Zentrumsblatt offen eingesteht, das Zentrum habe seit Jahren keine grundsätzliche Politik getrieben. sondern der Ikegiernng bei ihrer volksfeindlichen Zoll- und Steuerpolitik Handlangerdienste geleistet, um mit ihr Schachergeschäfte zu machen. Wahldemonstratione« in Gera. Aus Anlaß der Wahlrechtsverschlechterung haben am Freitag- mittag in Gera imposante Demonstrationen stattgefunden. Von 10 Uhr vormittags ab wurden alle Geschäfte und Fabriken still- gelegt. Ter Generalstreik ist ausnahmslos ui»d überall eingetreten. In vier großen Lokalen versammelten sich die Arbeiter und zogen in die innere Stadt. Die Masse der demonstrierenden.Arbeiter wird auf 10 000 bis 12 000 geschätzt. Die Demonstranten zogen dann vor das Landtagsyebäude. Sie sangen Arbeiterlieder und brachten Hochs auf das allgemeine gleiche Wahlrecht aus. Erst nach 12 Uhr zerstreute sich die Menge allmählich. Die Polizei hielt sich zurück; eS kam nirgends zu Unruhen. Aus der Landtagssitzung wird uns folgendes berichtet: Der Minister begründete die Vorlage damit, daß durch die Zunahme der Industrie die Arbeiterschaft überwiege, daß diese sozialdemokratffch wähle und damit die Gefahr drohe, daß die Sozialdemokratie im Landtage die Herrschaft an sich reiße. Um dies zu verhüten, sei es notwendig» ein neues Wahlrecht zu schaffen. Als bestes Mittel erscheine der Regierung das Pluralwahlrccht. das sich in«Sachsen bewährt habe. Aber die Verhaltnisse im Lande erforderten noch eine weitere Zusatzsiimm«. Darauf sprachen einige bürgerliche Redner, die in demselben Sinne den Faden weiter- spönnen. Von unserer Seite sprach Genosse Leven, der die Vorlage und das ganze Vorhaben der Regierung und der bürger- lichen Mehrheit von unserem Gesichtspunkt aus prinzipiell' be- leuchtete und die Wahlrechtsverschlechterung energisch bekämpfte. Er verteidigte auch die Dmnonstration als den Ausdruck flammendster Emipörung über diesen unerhörten Angriff aus das gleiche Wahl- recht. Ferner sprach von unserer Seite noch Genosse V e t t e r l e i n. der die Ausführungen des Vorredners ergänzte und feststellte, daß mit diesem Gesetz weniger die Sozialdemokratie als Partei ge- troffen werde, sondern das gesamte arbeitende Volk, daß man also das Volk als soziale Klasse entrechten wolle. Die Verhandlungen wurden schließlich auf Sonnabend vertagt. Aus dem sächsischen Landtage. Der Bericht der Zwischendeputation der Ersten Kammer über das Gemeindesteuergesetz ist am Freitag erschienen. Alle Berbesse» rungen, die die Zweite Kammer eingefügt hat. so vor allem die Herabsetzung der fingierten Einkommensteuer(Tbemnitzer Umsatzsteuer) von 10 auf 6 Proz.. das Verbot der Umsatzsteuer usw. sind wieder beseitigt worden. Nach den bisherigen Erfahrungen hat sich die Erste Kammer stets den Beschlüssen ihrer Deputation ailge- schloffen. Es wird das Vereiiiigungsverfahren notwendig werden, wenn noch etwa« zustande kommen soll. Freisinnige Arbeiterfürsorge. In den gesehgebenden Körperschaften, wo der Freisinn nicht die Macht hat. ist er stets sehr arbciterfreundlich. besonders wenn er weiß, daß seine Stimmen nicht entscheidend sind. Anders verhält er sich in den Kommunen, die er beherrscht. Da legt er den Ar- vettern gegenüber eine Knauserigkeit an den Tag. die gar nicht zu überbieten ist. In Königsberg i. Pr. hatten zum Beispiel die städtischen Arbeiter den Antrag auf Bewilligung Teuerungszulage von drei Mark pro Woche gestellt. Ter Magistrat beantwortete die Petition ablehnend, wobei er auf die Eisenbahn und das Telegraphenamt verwies, die nur 2.75 M. dczw. 2.M M. Mindestlohn pro Tag bezahlen, wahrend die Stadt Königsberg 3.20 M. gibt. Die sozialdemolratische Stadtverord- nctenfraktion beantragte, die Forderung der Arbeiter zu bewilligen, im Falle der Ablehnung des Antrages aber wenigstens allen Ar- beitern und Handwerkern(es kommen 1400 Arbeiter in Betracht) «ine einmalige Teuerungszulage von 40 M. zu bewilligen. Tiefer Antrag wurde jedoch von den liberalen Herren abgelehnt. Eine der freisinnigen Leuchten, Grotzkaufmann Orlopp, empfahl, sich doch etwas mehr einzurichten, und statt ein Pfund Fleisch nur ein Hai beb Pfund zu kaufen! Schließlich nahm man den Antrag an, allen verheirateten Arbeitern der unter- st e n Lohnklasse eine einmalige Zulage von 40 M. zu gewähren. Wenn der Magistrat diesem Antrage beitritt, so erhalten nur die Arbeiter Zulage, die verheiratet sind und einen Tagelohn von 3,20 bis einschließlich 3,75 M. haben. Alle übrigen Arbeiter gehen leer aus. Tie Fleischnotkommisfion« begann ihre Nichttätigkeit am Freitagvormittag mit einem Akte widerlichster Bolrsvcrhöhnung durch die Vertreter der alten Zoll- Mehrheit. Bekanntlich liegt zur Beratung die Regierungsvorlage vor, deren einziger Paragraph den großen Gemeinden den Zoll- betrag für eingeführtes Fleisch zurückerstatten will, soweit er den Betrag von 18 M. pro Doppelzentner übersteigt._ Diese Vergünstigung soll aber am 31. März 1014 wieder aufhören. Mit dieser kläglichen Hilfe können sich die Sozialdemokraten selbstverständ- lich nicht einverstanden erklären, deshalb beantragten ihre Vertre- tcr in der Äommission, daß für die Dauer der Gültigkeit der Han- delsverträge, allso bis 1vl7. der ganze Zollbetrag zurückvergütet werden solle. Weiter beantragten sie. daß die den Gemeinden und gemeinnützigen Körperschaften zugebilligten Vergütungen auch den Konsumgenossenschaften eingeräumt werden. Außerdem wollen� sie durch eine Resolution der Kommission den Reichskanzler auffor- dern, iveitere Vorlagen zu machen, durch die der§ 12 des Gesetzes, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, aufgehoben wird, daß noch bestehende Ausnahmebestimmungen für die Einfuhr von lebendem Rindvieh und Schweinen beseitigt werden usw. Sofort nach Eröffnung der Sitzung begannen die Obstruktions- reden der„Zöllner" aus den Reihen der Konservativen, National- liberalen und des Zentrums. Wenn man eine Debatte haben wolle über die Regierungsvorlage hinaus, dann werde man vor Weihnachten nicht fertig, deshalb solle man gar nicht erst anfangen. Diese volksfeindliche Stellung nahmen die Abgg. Arnstadt. Trim- born, Giesberts und Böttger, der Exjungliberale, ein. In ent- schiedcner Weise traten diesem Verschleppungsmanöver die Abgg. Hoch, Molkenbuhr, Quarck und Scheidemann entgegen. Die An- regungcn der Zöllner wurden aber schließlich mit 1b gegen 13 Stim- I men zum Beschluß erhoben. Die Mehrheit setzte sich zusammen aus den Vertretern der alten Zollmehrheit, war also schwarz- blau plus National miserabel. Ein neues Mittel zur Sesthaftmachung der Landarbeiter. Die Agrarier sind fortgesetzt bestrebt, Einrichtungen zu schaffen, die den Landarbeiter an die Scholle fesseln. Früher ver- suchten sie auf dem Wege der Ausnahmegesetzgebung zu ihrem Ziel zu kommen. Jetzt sollen es die innere Kolonisation, die WohlfahrtS- und HeimatLpflege und neuerdings die Rindvieh- versicherungsvereinc machen. In Königsberg ist dieser Tage von der ostpreußischen. Landwirtschaftskammer ein Verband ostpreußischer RinddiehversicherungSvereine begründet worden, und der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer, Landrat a. D. Bewcki- Bledau, erklärte offenherzig, daß die Landwirtschaftskammer mit der Gründung den Zweck verfolge, die Hauptträger der Flei'chver- sorgung, den kleinen Landwirt und den Landarbeiter auf diesem so wichtigen Gebiete zu fördern, sie dadurch in ihrem Besitz zo befestigen, seßhaft zu macheu und an die Scholle zu fesseln! Eiu Ichreckensurteil. Die Mannheimer Strafkammer beschäftigte sich am b. M. mit dem Streikkrawall in Friedrichsfeld. In der Deutschen Steinzeugwarenfabrik daselbst tobte im Juni und Juli ein mehrwöchentlicher Streik. Die Fabrik holte sich von Ham. bürg berufsmäßige Streikbrecher. Zwischen diesen und einer An- zahl Streikender kam es am 13. Juli abends zu einem Zusammen- swß, in dessen Verlauf der Arbeitswillige Joh. K u ß n i ck c von Hamburg durch Messerstiche schwer verletzt wurde. Die Arbeits- willigen waren kurz vor dem Zusammenstoß aus Hamburg an- gekommen. Einige Streikende versuchten sie vom Streikbruch ab- zuhalten. Dabei fielen einige Schüsse, worauf es zu einer Schlägerei kam. Die Arbeitswilligen gaben vor dem Richter an, nur einige.Schreckschüsse" abgegeben zu haben. . Die Verhandlung gestaltete sich sehr erregt.'Den Angeklagten konnte eine direkte Beteiligung an dem Streit nicht nachgewiesen wenden. Nur einer der Beteiligten gab zu„nach den Arbeitswilligen, nachdem geschossen worden sei, geschlagen zu haben. Tie Hauptangeklagten waren an dem Streik nicht beteiligt. Dessen- ungeachtet verhängte daS Gericht die höchst zulässigen Strafen. Die drei Arbeiter Sattler. Weber und Heibel erhielten wegen Körperverletzung und Streikvergehen 5 I a h r e und 2 Monate Gefängnis; der nicht am Streik beteiligte Arbeiter Mehl 5 Jahre Gefängnis.- Der Ar- heiter Schlipf kam wegen einfachen'Streitvergehxns mit L Monaten Gefängnis davon. Ferner erhielt wegen Begünstigung der Arbeiitr Spitzenberg er 3 Monate Gefängnis. Die weiteren Angeklagten wurden freigesprochen. Erschwerend für die Strafausmessung fiel ins Gewicht, daß der Arbeitswillige Kutznicke heute noch erwerbsunfähig ist. In der Urteilsbegründung bemerkte der Gerichtsvorsitzende H u n n e l, der als sirenger Richter betannl ist, daß das Urteil deshalb so hart ausgefallen sei. weil die Angeklagten wie die Zeugen derart hart- nackig gelogen hätten, daß nur ein geringer Teil der Schuldigen hätte aussindig gemacht werden können. Diese Begründung läßt ohne weiteres den Schluß zu, daß die Angeklagten mit großer Voreingenommenheit behandelt worden sind. G-meindewahlen in Württemberg. Alljährlich im Monat Dezember finden in Württemberg Gemeindewahlen statt. daS eine Jahr Gemeinderatswahlen, da« andere Jahr Bürgerausichutzwahien. Die Mitglieder des Gemeiuderats— mit Ausnahme der besoldeten— werden aus sechs Jahre gewählt, alle zwei Jahre scheidet ein Drittel aus. Die Amts- dauer der Bürg erausschußmitglieder ist nur vier Jahre, es scheidet jeweilig die Hälfte der Milglieder aus. Die Wählerschaft setzt sich beide Male aus denselben Personen zusammen, aus den Gemeinde- bürgern. Voraussetzung zur Erwecbimg des Gemeindebürger- recht» ist die Siaalsangehörigkeit. dreijährige Lrtsonwesenheil und Zahlung der Gemeindesteuer.(Einkommen- und Wohnsteuer,) Die Aufnahmegebühr betragt 2 M. Dieses Jahr ist die Hälfte der BürgerauSschußmitglieder neu zu Wählen. Dem BürgerauSschutz stehen sehr weitgehende Rechte zu. In allen wichtigeren Fragen hat er ein entscheidendes Wort mit-, zureden. Der Bürgerausschuß zählt gleichdiel Mitglieder wie der Gemeinderat einschließlich der besoldeten Gemeinderäte und deS Schultheißen(Bürgermeister). In Städten niit über 10 000 Ein- wohnern werden die Mitglieder der Gemeindelollegien durch Proporz- wähl gewählt. Die Zahl miserer BürgerauSschußmitglieder war bis jetzt 443 in 16S iLZrten. Die diesjährigen Wahlen werden unS wohl eine namhaste Verstärkung bringen. In Eßlingen fielen unS von neun Mandaten vier zu. in Nellingen wurden 3 Sozialdemokraten gewählt, in Allbach 3, in Äleineislingen 3, in Gmünd 3, in Ludwigsburg 3 usw. In Stuttgart sind diesmal 21 Mandate neu zu besetzen. Die Sozialdemokralie kann auf 0 bis 10 Mandate rechnen. 14 Kandt- daten sind nominiert worden; die 7 mit den höchsten Stimmzahlen aufgestellten Kandidaten erhallen auf dem Parteizettel je 2 Stimmen, Die Partei hat offiziell auf die Stimmenhäufung zurückgegriffen. um solchen Quertreibereien, wie bei der LandtagSwahl, nach Möglichkeit entgegen zu wirken. Die Gemeindewahlen zeigen schärfer noch als in früheren Jahren den Zusammenschluß aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozial- demokratie. Das Vordringen der Sozialdemokratie auch in den kleineren Gemeinden mit einer Einwohnerzahl bis zu 10 000 wird die Regierung und die bürgerlichen Parteien Wohl bald reif machen für die sozialdemokratische Forderung deS Proporzes auch in diesen Gemeinden, andernfalls die bürgerlichen Parteien von manchem Rathaus überhaupt verschwinden dürften. Die Schlafkrankheit in Deutschostafrika. Nach einer Meldung der„Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung" ist am Mteka-Flutz, einen Tagemarsch südwestlich von Tunduru an der Straße nach Sassawara, durch den Regierung sarzt Dr. Beck ein neuer Herd endemischer Schlaflranlheit mit bisher 10 Kran- kcn festgestellt worden. Die Arbeiteranwcrbung in dem infizierten Gebiet ist untersagt, der Verkehr auf der Straße Sassawara-Tun- duru einstweilen verboten worden. Warum legt er nicht nieder? Die Wahl des Landrats in Schwetz. von H a l e>n. zum Mit- glied des Reichstages ist bekanntlich von der Wahlprüfungstom- Mission einstimmig für ungültig erklärt. Trotzdem hat von Halem das Mandat noch nicht niedergelegt. Wartet er darauf, daß das Plenum die Wahl kaffiert und den tatsächlich gewählten Ab- geordneten von Saß-Jaworski auffordert, seinen Sitz als Abgeord- neter einzunehmen? Oder glaubt der mit Unrecht als Abgeord- neter proilamierte Landrat, der Reichstag werde die Prüfung der Wahl im Plenum erst nach Weihnachten vornehmen, damit dem zu Unrecht als Abgeordneten Proklamierten noch weiter Diäten ge- zahlt werden?_ In der Privatklagesache des Generalleutnants a. D. v. Liebert in Berlin, Olivaer Platz 9, Privatklägers, gegen den Redakteur Albert Wachs in Berlin. Lindenstraße 00, geboren am l4. Septem- der 1859 in Memel, Dissident, nicht vorbestraft. Angeklagten, wegen Beleidigung durch die Presse, hat das Königliche Schöffengericht Berlin-Mitte, Abteilung 145, in der Sitzung am 27. September 1912 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung kostenpflichtig mit 100— einhundert—. Marl Geldstrafe, im UnvermögenSfallc 10— zehn— Tagen Gefängnis de- straft. Dem Privatkläger wird die Befugnis zugesprochen, den Ur- teilstcnor binnen 4 Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen Urteils einmal auf Kosten des Angeklagten im»Vorwärts" gn ficht- barer Stelle zu veröffentlichen. Ein Heldenstück. Genosse Dadidsohn ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zuschrift: Wer die Allüren und Methoden der privatkapitalistischen Zeitungs- Verleger mit einiger Aufmerksamkeit beobachtet, der findet nicht selten Gelegenheit zu ganz erstaunlichen Entdeckungen, die schließlich in die Ueberzeugung münden: daß die Bezeichnung Preß-Kuli, die sich in unserem Sprachschatze eingebürgert hat, den Nagel mitten auf den Kopf trifft. ES soll nicht die Ausgabe dieses kurzen Artikels sein, jene Be- hauptung im einzelnen zu belegen, sondern ich möchte mich darauf beschränken, einen der allerneuesten Falle so kurz wie möglich dar- zustellen: ein Vorkommnis, dessen letzte Wellen zwar in den»Vor- wäris" hineingeschlagen haben, daS im übrigen aber ganz unbeachtet vorübergegangen zu sein scheint. «->» » Im„Kleinen Journal" vom 22. November d. I. war ein Ge- richtSbericht zu finden, betitelt:.Der KriegSminister gegen daS.Kl. Journal" und unrerbetitelt:„Die Kunst der Interpretation". Aus dem Bericht ging folgendes hervor: In dem Blatte hat vor einigen Monaten ein Artikel gestanden, der die I n st i t u t i o n der militärischen Ehrengerichte abfällig kritisierte. Mit dem bekannten Trick wurde aus dem Angriff wieder eine Straftat, die Personen kränkung. herausinterpretiert und der Kriegsminister stellte Strafantrag„wegen Beleidigung der Offiziere des deutschen HeereS". Der verantwortliche Redakteur, Herr Noack, kam vor die Schranken. Er lehnte es ab, den Berfasier deS inkriminierten Artikels zu nennen, und wurde— gemäß dem Anttoge deS Staatsanwalts— zu 300 M. verurteilt. Politischer Leiter des„KI. Journals" war zu fener Zeit Oberst a. D, Gädke. Nun lnS man plötzlich in der.Welt am Montag" vom 25, November 1012, daß Herr Gädle seine Stelle zum 1. April 1013 gekündigt habe,„weil die redaktionelle Ausgestaltung des Blatte» ihm nicht zusagt". Am folgenden Tage(20. November) reagierte das„Kl. Journal" auf diese Dreizeilennotiz mit einem Artikel(„In eigener Sache I") von mehr als einer Spalte— einem Artikel, auf dessen p e r s ö n- lichen Teil ich wegen seiner Ekelhaftigkeit, und weil er die Allgemeinheit nichts angeht, nicht zu sprechen kommen mag. Dagegen dürfte der.sachliche" Teil jenes Artikels die breiteste Oeffentlichkeit inter- essieren, soweit sie Anlaß hat, sich um die Ge- pflogenhe iten der ZeitungS- Verleger, deren Auffassung von menschlichem und journali- stischem Anstand und um die preßgesetzlichen Garantien zu kümmern, an deren Schutz und Verteidigung nicht nur den Journalisten, sou- der» auch dem»Publikum" durchaus gelegen fein muß. Als Verfasser des Artikels„In eigener Sache!" kann kaum jemand anders angesehen werden als der Besitzer und Verleger des „Kl, Journ." selber: Herr Lehmann; denn eS heißt in dem Pamphlet: „Wir engagierten Herrn Gädke.. usw. Was imn ist zu halten von einem ZeitungSverkeger, der eS fertig bekommt, einen Redakteur, der in llnfrieden von ihm geschieden ist, vor Ablauf der sechsmonatigen Verjährungsfrist öffentlich in der Zeitung dem Staatsanwalt als den V c r f a f f e r eines Artikel» zu denunzieren, wegen dessen der Verantwortliche be- reit» abgeurteilt wurde!?(Siehe oben: 300 N. Geldstrafe). Dieses„Heldenstück" durfte sich das„Kl. Journal' leisten, ohne daß der bürgerliche Journalismus bisher von dem beispiellosen Verhalten des Verlegers Lehmann etwas auszusetzen fand! Die Ge- schichte der bürgerlichen Journalistik Deutschlands hat manches Blatt der Schande auszuweisen. Aber das hier gelennzeichnete Verhalten des„Kleinen Journal"-BerlegerS steht denn doch wohl beispiel« loS da, und man sollte meine», daß jeder Redalteur, der nicht vogelfrei sein will, sich's sehr reiflich überlegen müßte, ehe er in einen ZeitungSbetrieb eintritt, in dem er gewärtig sein muß, vom Verleger selber aus purer Rachsucht des RedaktionSgeheimniSschutzeS beraubt und den Fängen de« Staatsanwalts ausgeliefert zu werden- Im„Vorwärts" vom 37. November hat Herr Gädke sich mit dem lieblichen Artikel des„Kl. Journals" und mit dem biederen Herrn Lehmaun beschäftigt, aber gerade das hier Betonte Verhältnis- mäßig kurz und beiläufig abgetan. Wenn es nötig schien, daS Ber- säumte nachzuholen, so nicht aus persönlichen Gründen irgend welcher Act(denn Herr Lehmann und auch Herr Gädke sind UNS gleichgültig) sondern einzig und allein zur Charakterisierung jener bürgerlichen Presse, die schon um deswillen den Untergang verdient, weil sie in jeder Richtung den Anstand vermissen läßt und die öffentliche Moral vergiftet. _ Georg D a v i d s o h n. Ocftcrrdcb-Cliigani. Die Aera der ZeitungSkoufiskatio«eo. Nicht nur zum Schutze des österreichischen Baterlandes gegen die serbische Gefahr, auch zur Erhaltung der heiligsten Güter im Lande selbst muß die Beschlagnahmepraxis der Staatsanwälte dienen.„Der Abstinent", das treffliche Organ der sozial- demokratischen Abstinenzbewegung Oesterreichs, hatte in seiner August- nummer einen Artikel über die Ablehnung des Antrages des Ge- nassen D i a m a n d gebracht, der der Regierung das Recht geben wollte, in Jahren der Mißernte die Alloholfabrikation einzu- schränken oder zu verbieten. Der Artikel mit dem Titel: Lieber Schnaps als Brot wurde konfisziert. Jetzt ist durch eine In- terpellation der Artikel.immunisiert", sodaß die gefährlichen Stellen abgedruckt werden können. Sie lauten:.(... so entschied das Parlament, das auch in Jahren der Hungersnot den reichen Grund- besitzer»). Erzherzögen und Fürsten, Bistümern. Orden und Kirchen, die sich dem anrüchigen aber profitreichen Geschäfte des Schnapsbrennens widmen,(ihre Prämien zu bezahlen feien). Mitglieder des Kaiserhauses. Angehörige der ältestenAdclS« familien, weltliche und gei st liche Würdenträger, alle sind am Werke. SchnapS zu brennen. Alle st ehe» mit offener Tasche da, um von dem staat« lichen Goldregen ihren Teil einzuheimsen." Belgien. Hervö darf nicht gegen den Krieg reden. Man ineldet uns aus Brüssel: Belgien darf als ein Land gelten, in dem für gewöhnlich die Freiheit zu reden und zu demonstrieren nicht durch kleinliche Schikanen beeinträch- tigt wird. Diese Regel erfuhr kürzlich eine Ausnahme. H e r v 6 sollte diese Woche im B o r i n a g e und im„Maison du Peuple" in Brüssel sprechen. Die Regierung ließ ihm bedeuten, daß er sich nicht nach Belgien bemühen möge, da sie sonst gezwungen wäre, ihn unverrichteter Sache über die Grenze zu befördern. In � der„Guerre Sociale" macht sich Hervs tn seiner beißend-fpöttrschen Art über die belgische Re- gierung lustig, der man wenigstens im Gegensatz zur italienischen— Höflichkeit nachrühmen müsse, indem sie ihm schon vorher, um ihm Verhaftung und Ausweisung zu ersparen, wissen ließ, was ihm bevorstände. � Hervs hatte das Kriegsthema behandeln sollen.— Nun, da sich Belgien allmählich zu einem Militärstaat auswächst, muß es sich auch entsprechend aufführen... England. Kanadas Beihilfe beim Wettrüsten. Ottawa. 5. Dezember. Der kanadisch« Premierminister Borden legte dem Parlament heute ein Gesetz vor. daß die verwendbaren Seestreitkräfte des britischen Reiches vermehren soll. Er hob dabei hervor, daß bei dem jetzigen Stande der Seemacht am meisten die Tatsache hervortrete, daß die britische Marine vor 12 Jahren auf allen Ozeanen die Ueber» macht besessen habe, während sie heute außer in der Nordsee nir- gends in der Uebermacht sei. Er erklärte, er halte die Lage für e r n st genug, daß Kanada dem Muterlande sofortige Unterstützung gewähren müsse. Er schlage deshalb vor. daß Kanada dem König siebenMillionenPfundSterlingfürdreiDread- n o u g h t s gebe, welche die größten und stärksten Schiffe werden sollten, die man für Geld haben und mit Hilfe der Technik bauen könne. Sie sollten in England gebaut und der Admiralität für die allgemeine Verteidigung des Reiches zur Verfügung gestellt werden, Borden führte weiter auS: Di« augenblicklich oberste Pflicht, die Sicherheit in den heimischen Gewässern zu verbürgen, lst durch Zurückziehung oder Beschränkung der Geschwader in allen Teilen der Welt erfüllt worden. Trotzdem sind die Kosten beinahe um 50 Proz. gestiegen, einfach deshalb, weil die fremden Macht« ihre Flotten vergrößern, besonders Deutschland. Die britische Flagge wird nicht länger die vorherrschende im Mittelmeer sein. Oesterreich-Ungarn mit nur 140 Meilen Meeresküste und überhaupt keinen Kolonien baut eine furchbare Flotte von Dreadnoughts, und die italienische Flotte wird noch furchtbarer sein. Borden verlas dann ein langes Memorandum des englischen MarineministerS Churchill. in dem die Seemacht Deutschland» und Großbritanniens, sowie diejenige anderer Nationen aufgeführt wird und genaue Vergleiche gezogen werden. Wie Churchill hinzufügte, würde jedes Vorgehen Kanadas, die Stärke und Beweglichkeit der Marine und damit den gemeinsamen Sicherheitsfaktor zu erhöhen, überall als bedeutsamer Beweis für die geeinte Kraft des Reiches und den erneuten Ent- schluß der Dominien angesehen werden, ihr Teil zur Erhaltung her Unverletzlichkeit des Reiches beizutragen, Amerika. Eine Erklärung des Präsideuteu Taft- Washington, 6. November.(W. T. B.) In einer General- botschaft an den Kongreß gibt Präsident Taft der Absicht Ausdruck. die gesamte Tarifrevision der kommenden de- mokratischen Regierung zu überlassen. Er betont die Dringlichkeit der Währungsrefo wn aus den von der Währungskommission empfohlenen Grundlinien und empfiehlt, den Plan, jährlich zwei Schlachtschiffe zu bauen, wieder aufzunehmen, mit dem Vorschlag, im Jahre 1013 drei zu bauen, um das Manko dieses Jahres wieder auszugleichen. Taft erklärt weiter, daß der P rote st Englands gegen die Pan a m ak a n al-G e setz ge b un g gebührend Be- achtnng fände, und daß man bemüht fei� eine befriedigende Schlichtung zu erzielen, Gcwerkrcbaftlicbee. Sind die Gewerhrcbaftcn politifcbe Vereine? Von drei Ortsverwaltungen unserer Zentralverbände wird das preußische Oberverwaltungsgericht zur Entscheidung angerusen. Die Prozesse wurden angestrengt vom Geschästs- führer der Verwaltungsstelle Bieleseld des Verbandes der Fabrikarbeiter gegen den Oberpräsideirten der Provinz Sachsen, vom Vertreter der Ortsgruppe Culmsee des Zentral- Verbandes der Zimnierer gegen den Oberpräsidenten der Pro- vinz Westpreußeu und vom Former W c l z e I als Vertrauensmann der Ortsgruppe Kotzenau des Metallarbeiterverbandes gegen den Regierungspräsidenten zu Liegnitz. In allen Fällen handelte es sich um von der höheren Behörde gebilligte ortspolizeiliche Versügungen, die die Einreichung der Sta- tuten, eines Verzeichnisses der Vorstandsmitglieder der Zweigvereine bezw. Ortsgruppen verlangten. Die Behörden gingen davon aus, daß es sich um politische Vereine im Sinne des Reichsvereinsgesetzes handele. In den drei Fällen war Klage erhoben worden mit der Begründung, daß politische Vereine hier nicht in Frage kämen. Die Vertreter der Kläger, Rechtsanwalt Wolsgaug Heine mrd Rechtsanwalt Dr. Herz- Hamburg, legten ein- gehend dar, daß weder die Ortsvereine politische Vereine seien noch die in Frage kommenden Zentralverbände. Das Oberverwaltungsgericht beschloß Beweiserhebung, nicht über das Vereinsleben der einzelnen, hier in Betracht kommenden Zweigstellen bezw. Ortsgruppen, sondern über den Charakter der genannten drei Zentral- verbände. Es soll darüber erstens der Polizeipräsident von Berlin bezüglich aller drei Verbände und außerdem in in jedem Einzelfalle die Polizeibehörde des Orts gehört werden, wo der Sitz jedes der Verbände sich befindet(Hain- bürg beziiglich des Zimmererverbandes, Hannover bezüglich des Fabrikarbeiterverbandes, Stuttgart bezüglich des Metall- arbeiterverbandes). Das Beweisthema(in das immer der Rame des fraglichen Zentralverbandes einzusetzen ist) lautet in allen drei Fällen übereinstimmend: Was ist bisher(den genannten Behörden) bekannt geworden darüber, ob, wodurch und inwiefern der Verband'auf politische Angelegenheiten einzuwirken bezweckt?_ Berlin und Clmgegend. J» dem Bericht über die Lohnbewegung der Klavierarbeiter in der FreitagSnummer des„Vorwärts" muß es heißen, daß in 28 Betrieben eine Verkürzung der Arbeitszeit in den letzten drei Iabren durchgesetzt worden ist. Durch einen Druckfehler ist nur von 2 Betrieben die Rede. Die Arbeitsvermittelung im Bauanschlägerberuf. Tie Bauanschläger beschäftigten sich am' Mittwoch in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung noch einmal mit dem im November d. I. angenommenen Antrage, der besagte, daß die Einstellung der Mitglieder nur durch den Arbeitsnachweis er-- folgen darf. Die neuerliche Versammlung wurde einberufen, weil aus der Mitgliedschaft Protest gegen den Beschluß eingelaufen war, von dem man eine schädigende Wirkung für die Branche befürchtet. Im Prinzip hätten die Protestler gegen diesen Be- fchsuß nichts einzuwenden, doch sei es im Hinblick auf die Organi- sationsverhältnisse zurzeit nicht rätlich, eine so folgenschwere Snt- scheidung zu treffen. Von anderer Seite wurden die Besürch- tungen als unbegründet bezeichnet. Gerade die Aufhebung des Beschlusses werde die Branche schädigen. Die Versammlung be- schloß mit übergroßer Mehrheit, den in der Novemberversammlung angenommenen Antrag aufzuheben. Tagegen stimmte die Versammlung folgendem Antrage zu: Das Anfragen nach Arbeit auf Bauten und bei Arbeit- gebern, besonders wo Verbandsmitglieder beschäftigt sind, ist untersagt. Die in Arbeit stehenden Mitglieder haben bei Be- darf an Arbeitskräften unbedingt, darauf zu achten, daß nur Verbandsmitglieder eingestellt, resp. solche vom Arbeitsnachweis in der Nückerstraße der Reihe nach bezogen werden. Achtung. Frleseurgehilfen! In die Liste der Betriebe mit ge- regelten Lohn- und Arbeitsbedingungen ist nachzutragen: O t t e, Stet- tiner Straße 23, Müller. Kuglerstraße 44. Neugebauer, Schönholzer Straße 12, B o r m a n n. Beusselstraße La, Bock, Neukölln, Richardstraße 18. Für Verbandsmitglieder gesperrt ist Simon. Weißensee, Uckermarkstroße 10. Verband der Friseurgehilfen. veutfedes Reich. Abkehrscheine in der Metallindustrie. Unter dieser Spitzmarke veröffentlichte der„Vorwärts" kürzlich eine Notiz über die Firmen der Metallindustrie in Eßlingen/N., die die„Kllndigungsscheine" eingeführt hatten und keinen Arbeiter einstellten, der nicht im Besitze eines solchen war. Auf Grund der Notiz fanden Verhandlungen mit dem Verband Württembergischer Metallindustrieller statt,_ und es wurde festgestellt, „daß der Beschluß des Jndustrieverbandes von Eßlingen und Umgebung bei einigen Metallwaren- fabriOen eine mißverständliche Auslegung ge- funden hat", indem diese die Scheine von den Arbeitern„ st a t t beim Eintritt in das Geschäft, schon bei Nachsuchen um Arbeit verlangten". Die Firmen des Verbandes Metall- industrieller in Württemberg haben von dem Beschluß des Industrie- Verbandes überhaupt keinen Gebrauch gemacht. Die Sperre über Eßlingen ist deshalb wieder aufgehoben, und ersuchen wir die Arbeiterpresse, hiervon Notiz zu nehmen. Die Bezirksleitung des Deutschen Meiallarbeiterverbandes. Saarbergmanns Erwachen. Zwanzig Jahre sind seit der letzten großen Bergarbeiterbewe- gung an der Saar verflossen. Sie endigte mit der Zertrümmerung des Rechtsschutzvereins und mit der Maßregelung von 4�00 Bergleuten durch den damaligen Minister V. Berlepsch. Tas berüchtigte system, das dann eingeführt wurde, erhielt durch den bekannten Prozeß Hilger-5lrämer, der durch das Herausgeben von zwei Flug- blättern des Bergarbeiterverbandes entstanden war, den Todesstoß. Der Saar-„Bismarck" Hilger verschwand. Tie Bewegungsfreiheit, die der Bergarbeiterverband geschaffen, nutzte zunächst dem christlichen Gewerkverein. Tie Sekretäre des Gewerkvereins hielten radikale Reden. und brachten es zu einem ansehnlichen Mitgliederstand. Doch seit Anfang dieses Jahres ist, weil der christliche Gewerkverein den Streik im Ruhrrevier ge- vrochen, die Mitgliederzahl fast um zwei Drittel geringer geworden. Die Miigliederzahl des Bergarbeiterverbandes war bisher an der Saar noch gering. Doch es besteht die größte Aussicht, daß hier eine Wendung zum Besseren eintritt. Augenblicklich befinden sich die Saarbergleute in großer Er- regung. Versuch der Bergverwaltung, eine verschlechterte Ar- beitsordnung einzuführen und ungenügendes Entgegenkommen in der Lohnsrage haben die Erregung bis zur höchsten Spitze getrieben. 'Vroteitreden wurden von Bergleuten auf einer Tele- giertentonferenz am 1. Dezember gehalten. Hier wird der christ- liche Gewerlverein, will et nicht ganz eingehen, in den saueren Aosel beißen und vorwärts müssen Rur wenige Beispiele von der Beurteilung der Arbeitsordnung durch die Bergleute. Ein Berg- mann aus dem Köllertal sagte, wir zitteren mach der..Saarpost" Pentrumsblatt, pom 3. Dezember d. p.:„Tie neue ArbeitSord- Vcrantw. Redalt.: Alfred Wielepy, Neukölln. Inseratenteil derantw.: � nung sei nicht wert, das Tageslicht zu erblicken. Sie müsse mit allen Mitteln bekämpft werden. Die Kollegen im Köllertal seien zu dem entschiedensten Kampfe bereit, trotzdem der Arbeitersekretär Hans die Arbeitsordnung in ein günstiges Licht zu stellen versucht habe." Ein Bergmann aus Neunkirchen sagte:„Die Zeit ist günstig, die Arbeiter sind bereit, den letzten Schritt zu machen. Wenn wir diese günstige Zeit verstreichen laffen, ohne bessere Löhne durchzu- setzen und uns nicht gegen eine verschlechterte Arbeitsordnung weh- ren, dann müssen wir uns unser ganzes Leben lang schämen wie Verbrecher." Ein Bergmann aus der bayerischen Pfalz meinte: „Wir haben lange genug gebettelt, wir sind des Bettelns endlich müde. Die Zeit ist günstig, nutzen wir sie so bald als möglich aus. Jetzt oder nie komnien wir zum Ziel." Ein Redne�aus Dudweiler führte aus:„Die Belegschaft der Grube Dudweilcr möchte am lieb- sten schon morgen die Brocken hinwerfen und scheu mit Spannung den Beschlüssen der Konferenz entgegen. Es müsse auch für die Saarbergleute Frühling werden. Dies dürfte aber nicht dauern, bis es auch in der Natur Frühling iverde. Jetzt sei es Zeit. Wenn man morgen das Einverständnis der Belegschaft zur neuen Arbeits- ordliuiig haben wolle, dann würde die Belegschaft der Grube Dud- weiter sich weigern, dies zu geben, und von keinem Menschen iverde sie sich zur Annahme der Arbeitsordnung zwingen lassen." In gleichem Sinne sprachen sich noch eine Anzahl Bergleute aus. Alle bergmännischen Redner bekundeten einen enischiedenen Willen zur Tat.— In der Konferenz wurde dann eine Resolution vorgelegt und angenommen, in der gesagt wird, keine Redner des Berg- arbeiterverbandes zu Worte kommen zu lassen Der Bergarbeiter- verband soll ausgeschaltet werden, um ihn zu veranlassen, daß er sich gegen die Bewegung wendet und um den Zorn der Saarberg- leute gegen ihn heraufzubeschwören. Doch das ist vergebliche Mühe. Der Bcrgarbeiterverband wird Solidarität üben. Für ihn bedeutet Streitbruch das größte Verbrechen, was eine Oganisation begehen kann.— Auch möchte die Gewerkvereinsleitung, wie wir dem neue- sten„Bergknapven" entnehmen, dem Bergarbeiterverband die Schuld für die neue Arbeitsordnung ausbürden. Man verdanke, so heißt es dort u. a., das Vorgehen des Fiskus zum allergrößten Teil der Hetze der roten Volksbettüger gegen den Gewerkverein. Die Saar- bergleute haben, wie aus den zitierten Reden hervorgeht, schon den Schuldigen erkannt.— Das Bemühen der Gewerkvereinsführer, den Bcrgarbeiterverband als den Schuldigen hinzustellen, um so die Saarbergleute von einem Kampf abzuhalten, wird vergeblich sein. Der Bcrgarbeiterverband wird, wenn es zum Kampfe kommt, den Saarbergleuten nickt hinderlich sein, sondern ihnen mit ehrlichem Rat und Tat zur Seite stehen, trotz aller Beschimpfungen der Ge- Werkvereinsführer._ Staatliche Arbeite» zu tarifmäßigen Löhnen in Bremen. In der Bremer Bürgerschaft wurde, allerdings gegen eine starke Minderheit, der frühere Standpunkt behauptet, daß die für die Stadt und den Staat Bremen arbeitenden Unernehmer auf tarif- mäßige Arbeitsbedingungen festgelegt werden müssen. Der Be- schlug wurde allerdings aus Antrag des früheren fortschrittlichen Reichstagsabgeordneten Hormann dadurch abgeschwächt, daß die besagte Feststellung tunlichst geschehen soll. Immerhin haben Senat und Handelskammern durch diesen Beschluß eine Niederlage er- litten. Die Gewerbetreibenden in der Bürgerschaft stimmten selbsh für diesen Beschluß. Eine Niederlage der Gelben. Die Geweroegerichtswahl in Augsburg bedeutet für die frei- organisierten Arbeiter einen glänzenden'sieg. Von 10 321 ab- gegebenen Stimmen erhielr die Liste der freien Gewerkschaften 6510 Stimmen, aus die EHnstlichen entfielen 1450, auf die Hirsch- Duncker 042 und auf die Gelben 1413 Stimmen. Die freien Ge- werkschasten erzielten eine Stimmenzunabme gegenüber der letzten Wahl von 1504 Stimmen, die Gelben sind u m 884 zurück- gegangen. Die freien Gewerkschaften gewinnen vier Sitze. die sämtlich den Gelben abgenommen wurden. Es erhalten: Freie Gewerkschaften 17 Beisitzer nnd 10 Ersatzmänner, die Hirsch-Dunckcr 2 Beisitzer, 1 Ersatzmann, die Christlichen 4 Beisitzer, 2 Ersatzmänner und die Gelben drei Beisitzer und 2 Ersatzmänner. Der Ausfall der Wahl bedeutet eine voll- st ä il o i g e N i e d e r l a g e d e s g e l b e n Systems. Die Mitglieder der gelben Vereine haben zum weitaus größten Teil für die Liste der freien Geiverkschaften gestimmt. In der Maschinen- fabrik Augsburg, der Zuchtsiätte der Gelben, deren Verein dort 2600 Mitglieder zählen soll, stimmten von 2487 Wählern 14 i2 für die freien Gewerkschaften und nur 489 für die gelbe Liste! Bei der Wahl der Beisitzer aus dem Arbeitgeberjtande ent- sielen auf die sozialdemokratische Liste vier Beisitzer und zwei Ersatzmänner._ Ter Lohnkampf der Handzwickcr in der Pirmasenser Schuhindustrie scheint schärfere Formen anzunehmen. Die Lohnkommission und die Leitung des Zentralverbandes der Schuhmacher haben alles getan, soweit es sich mit den Interessen der Arbeiter vereinbaren ließ, um auf dem Wege gütlicher Verhandlungen in allen Be- trieben eine Einigung zu erzielen. Auch von mehreren Unter- nehmen, muß gesagt werden, daß sie sich zu Bewilligungen be- reit erklärten, so daß bis zum 30. November, an welchen! Tage die Kündigungsfrist abgelausen war, von den 30 in Betrackt kommenden Betrieben in 24 Betrieben eine Einigung erzielt werden konnte. Die Bewilligungen sollten am Montag in Kraft treten und die Zwicker sollten ihre Kündigung zurücknehmen. In 6 Betrieben konnts wegen der geringen Zugeständnisse keine Einigung erzielt werden. In diesen Betrieben legten am Montag sämtliche Zwicker die Arbeit nieder. Die Arbeiter glaubten, daß in 24 Betrieben die Dissercuzen endgültig erledigt seien, ar- beiteten dort weiter und hoben die Sperre über diese Betriebe aus. Anders entschied der Fabrikantenverband. Er erklärte in einem Schreiben an die Organisationsleitung der Schuhmacher in Pirmasens, daß, weil nicht in allen Betrieben eine Einigung er- zielt worden sei, er auch die unter Vorbehalt einer allgemeinen Einigung gemachten Zugeständnisse wieder zurückziehe. Inwieweit oie in Frage kommenden Fabrikanten dem Be- schlusse ihres Verbandsausschusses nachzukommen gewillt sind, wird sich in den nächsten Tagen erst zeigen. Die Lohnkommissionen der Arbeiter werden, wenn in den einzelnen Betrieben erst Klarheit über die Absicht der Fabrikanten geschaffen ist. zu dem eigen- artigen Beschluß des Fabrikantenausschusses Stellung nehmen. Die Firma König hat bereits ihre Ausputzer ausgesperrt, am Sonnabend werden weitere drei Betriebe aussperren, wenn in- zwischen keine Einigung erzielt wird. Es besteht so die Gefahr einer größeren Aussperrung. Die Zwicker haben durch die Zurück- ziehung eines großen Teils ihrer ursprünglichen Forderungen ge- zeigt, daß sie den Kampf zu vermeiden suchten. Hoffentlich scheitert der Plan der scharfmacherischen Unter- nehmer an der Einsicht der in Betracht kommenden Unternehmer. Sollten die Schuhmacher in Pirmasens mit Gewalt in den Kampf getrieben werden, so werden sie dieser von den Unternehmern heraufbeschworenen Machtprobe nicht ausweichen, sie werden den Kampf dann mit aller Scharfe fuhren; die Veranttvortung für einen etivaigen größeren Kampf trifft dann die Unternehmer. Kuslsnd. Ein hartnäckiger Mctallarbeiterstreik. Rom. 2. Dezember.(Eig. Per.) Seit dem 2g. August dieses Jahres stehen die Metallarbeiter der Eisenwerke Vesuvio von Torre Annunziata(Neapel) im Ausstand. Die Fabrikleitung hatte einen Arbeiter unter der Anschuldigung eiitlassen, einen Ausseher außerhalb der Fabrik überfallen zu haben. Die Arbeiter, die von der Unschuld des Beschuldigten überzeugt waren, hatten nichts anderes beantragt, als die Suspendierung des Verdächtigten und______________ Td-Glocke, Berlin. Druck a. Verlag: Vorwärts Buckdr. o, flerlagsanftakl- Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 V eilagttl v. Unter holttmgebl. ' sich verpflichtet, in kürzester Zeit den Beweis von seiner Eckuld- losigkeit zu erbringen. Obwohl diese Forderung durckaus billig war, wies die Fabrikleitung sie brutal zurück, woraus der Streit proklamiert wurde. Während des Ausstandes gab das Gericht den Streikenden recht: der beschuldigte und ungerechterweise ent- lassene Arbeiter wurde freigesprochen. Anstandshalber hätte die Fabrik nun sofort ihre Türen wieder öffnen sollen. S.att dessen stellte sie geradezu phantastische Bedingungen für die Wieder- aufnähme des Betriebes aui: zunächst wollte sie 25 Arbeiter maß- regeln, dann die vereinbarten Tarife ausheben, den durch Berufs- Unfälle verletzten Arbeitern die Akkordlöhne(!) im Verhältnis zur erhaltenen Unfallentschädigung kürzen und schließlich, was am rührendsten ist, den Arbeitern aus mehrere Monate 10 Proz� ihres Lohnes abziehen, um damit den Schaden zu decken, den die Streik- brecher während des Ausstandcs den Maschinen zugefügt haben. Obwohl nur wenige an Zahl, hatten es nämlich die Herren Streik- brecher fertig gebracht, zwei Maschinen, einen Elcva or und mehrere Waggons unbrauchbar zu machen!! Tic englischen Eisenbahner. Loildo», 4. Dezember.(Eig. Ber.) Der große englische Eisen- bahnerstreik vom Jahre 1911 brackte den Arbeitern die teilweise An« erkennung ihrer Gewerkschaften und auch beträcktliche Lohnerhöhungen. Die meisten Gesellschaften haben den Vorschlägen der damals ein- gesetzten kgl. Kommission Folge geleistet und die Beziehungen zwischen ihnen und den Arbeiterorganisationen sind normal. Andere Gesell- schafien jedoch nehmen den Gewerkschaften gegenüber eine provozierende Haltung ein. Vielleicht gedenken diese in dem trüben Wasset der Uneinigkeit der Eisenbahner fischen zu können. Die Verschmelzung von dreien der vier Eisenbahnergewerkschaften ist so gut wie perfekt: aber eine wichtige Organisation, die Gewerkschait der Lokomotivführer und Heizer, die etwa die Hälfte der Organisierten dieser Berufs- klassen umfaßt, hält sich abseits. Die Gesellschaft, die sich fortwährend � Verstöße gegen die Abmachungen vom Jahre- 1011 zuschulden kommen läßt, ist die mächtige „Midland Raillvay Companh", deren Haupldirektor in dem großen Kampfe vom vorigen Jahre die Führung der Kapitalisten übernahm. Diese Gesellschaft maßregelt und ent- läßt fortwährend Angestellte, die sich in dem Kampse hervorgetan, entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen der getroffenen Ab- machungen. Das hat auf diesem System zu großer Erbitterung unter den Arbeitern geführt. Große Unzusriedenheit erregt auch die Praxis einiger Gesellschaften, ihren Angestellten eine Lohnerhöhung von einem Schilling die Woche zu gewähren und zu gleicher Zeit die Miete für das der Gesellschaft gehörende Arbeiterhaus um VI. 2 Schilling die Woche zu erhöhen. Ferner haben sich die irischen Bahnen geweigert, die von den britischen Bohnen akzeptierten Re- sonnen durchzuführen. Alles dies hat eine Stimmung unter den Arbeitern erzeugt, die die Leiter der Organisation fürchten läßt, daß die Arbeiter bald einen neuen Kampf wagen müssen. Ein weiterer Umstand, der für die Möglichkeit eines neuen Eisenbahnerstreiks svricht, ist die Schwierigkeit der Regierung in bezug auf die Eisenbakmbill. Wie erinnerlich sein wird, mußte die Regierung den Eisenbahngesellschaften nach dem Streik versprechen, eine Vorlage in der nächsten(d. h. der laufenden) Parlaments- session einzubringen, die den Gesellschaften die Erhöhung der Frachtsätze erlauben würde. Ohne diese Zusage hätten die Gesell- schafien die Vorschläge der Kommission nicht angenommen. Die Regierung brachte denn auch eine entsprechende Vorlage in dieser Session ein, mußte sie aber fallen lassen und behielt nur die Klausel 2, die von den Frachtsätzen handelt. Der Premierminister und der Handelsminister haben nun diese Klausel zur Zufrieden- heit der Gesellschaften ausgearbeitet. Jetzt aber bietet sich ihnen eine neue Schwierigkeit in Gestalt des entschlossenen Widerstände? der Industriellen gegen die Erhöhung und Veränderung der Fracht- sähe und Frachtbedingungen. Ter Generalsekretär der Eisenbahn» bureauangcstelltcn erllärte vor etlichen Tagen in einer Versamm- lung in Glasgow, daß die Gesellschaften der Regierung vor kurzem bedeutet hätten, daß sie die ihren Angestellten seit dem Streik ge- machten Konzessionen wieder rückgängig machen würden, wenn ihnen die Regierung es nicht ermögliche, durch ein Gesetz die Fracht- sätze zu erhöhen. Es ist somit mit der Möglichkeit eines neuen Generalstreiks der englischen Eisenbahner zu rechnen. Hetzte Nachrichten.' Beteiligung der Sozialdemokratic an der Kieler Bürger- meistermahl. Kiel, 6. Dezember.(P r i v a t t e l e g r a m m d e S „P o r w ä r t s".) Eine stark besuchte Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins hat heute abend die Be- teiligung an der Wahl eines zweiten Bürgermeisters, die am 12. Dezember stattfindet, beschlossen. Es wurde ferner beschlossen. daß die Sozialdemokraten für den Stadtrat Dr. Graden Witz- Stettin eintreten, weil dieser von den drei präsentierten Kandidaten derjenige ist, der den Forderungen der Sozialdemokratie am nieisten entgegenkommt.— Der Bürgermeister wird von säintltchen wahlberechtigten Bürgern unter demselben Wahlrecht wie bei der Stadtverordneten- Wahl gewählt. Es ist das erste Mal, daß die Kieler Sozial- demokraten sich offiziell an den Magistratswahlen beteiligen. Anwendung dcs Jesuitengesetzes. Freiburg i. Br., 6. Dezember.(W. T. B.) Dem Jesuitenpater Eohauß. der seit Anfang dieser Woche allabendlich vor 3000 bis 4000 Zuhörern in der Städtischen Kunst- und Festhalle religiös- wissenschaftliche Vorträge hielt, tourde heute nachmittag bezirksamtlich eine Verfügung des Kultus mini st ers eröffnet, daß seine Vorträge im Widerspruch zu der bundeSrät- lichxn Bestimmung zum Jesuitengesetz vom 30. November ständen. Mit Rückcht daraus, daß geltend gemacht worden sei. daß Bundesratsbeschlüsse erst 14 Tage nach ihrer Veröffeni- lichung in Kraft treten, sei die Abhaltung des heutigen Vortrages noch erlaubt worden. Tagegen würden in Zukunft derartige Vor- träge in Baden nicht mehr gestattet werden. Annahme des ungarischen Kricgsgcsetzcs. Budapest, 6. Dezember.(W. T. B.) Die Regierungs- parte, hat in ihrer heiltigen Konferenz den Gesetzentwurf über die Ausnahmeverfügungen im Kriegsfälle mit der Ab- änderung angenommen,'daß, falls vier Monate nach der ersten Verfügung kein Krieg ausbricht, eine Verlängerung der Geltung des Gesetzes durch dm Reichstag eingeholt werden muß._ Eine Millionenunterschlagung. Helsingfors, 6. Dezember.»e Taschenschreiblnaschinc. ciuc andere..einen mustergültigen Hosen- boden mit beweglichen,(»eilen sür Tamen-Sportbeinlicider" patentieren. All diese Patente gehören aber dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderls an. Die Fraucnpatcntc aus den Jahren 1900 bi» 1909 zeigen die wacksende Intelligenz der Erfinderin in ihren immer wichtiger werdenden Apparaten. f. Auf eine weitere Anfrage desselben Abgeordneten, ob der Reichskanzler der Aufhebung der deutschen Post in Marokko zuzustintmen gedenkt, antwortet derselbe Regierungsvertreter verneinend. Weiter fragt derselbe Abgeordnete an: Ist dem Reichskanzler bekannt, daß die französische Regiernng nicht gewillt ist, in Marokko die öffentlichen Arbeiten, die strategischen und Verteidigungs- interessen oder der inilitärischen Sicherheit zu dienen bestimmt sind, der öffentlichen Submission zu unterwerfen. Was versteht die fran- zösische Regierung unter Arbeiten der genannten Act? Legationsrat Lelnnan»: Die erste Anfrage kann mit I a bc- aiitworiet werden. Ob gegcbeneilfalls eine Vergebung der öffent- lichen Arbeiten durch Subiiiission erfolgen wird, ist eine Tatsache, die nur in jedem Einzelfall geprüft und entschieden werden laim. Hierauf wird die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Abg. Gröber(Z.): Wir haben diesmal statt einer Generaldebatte zum Etat eine ganze Reihe von Generaldebatten eingeführt. Da- durch werden gewiß einzelne Fragen gründlicher erörtert, aber die Debatte dehnt sich sehr aus und vor allein geht der einheitliche Zu- snmmenhang verloren, während doch alle Fragen ineinander greifen. lins ist vorgeworfen worden, daß wir bei der Beratung der inneren Politik nur die I e s u i t e n f r a g e erörtert hätten. Dieser Vor- wurf ist unberechligt. Es wird dabei übersehen, daß wir zur ans- wältigen Politik sehr eingehend und ohne jede Bezugnahme auf den Jesuileiierlaß gesprochen haben. In, übrigen handelt es sich für uns bei der Jefuitenfrage nicht„iiur" um eine konfefsioiielle Frage, sondern um eine Frage der GewisfenSfreiheit und der Gleichberechtigung der Konfessioiien(Lebhafte Zustimmung.) Auch ist es ziveitellos die aktuellste Frage der inneren Politik.(Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Auch Ihr Redner konnte es ja gar nicht erwarten, zuerst zu dieser Frage zu sprechen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ein erfreulicher Erfolg der bisherigen Erörterungen ist, daß wir jetzt Klarheit über die Stellung der einzelnen Parteien zur eventuelle» Aufhebung des Jesuitengesetzes haben. Außerdem liegt vor bezüglich des Bundes- ratSbeschlusseS eine Erklärung des Reichskanzlers, der sich die Redner aus den anderen Parteien angeschlossen haben. Niemand aber hat die Frage geprüft, ans welchen Gründen zur Zeit das Reich gegen den Orden der Gesellschaft Jesu eingeschritten ist. Der Reichskanzler sagt einfach: Wir haben ein Gesetz. Aber so einfach liegt die Sache nicht. Neben de», Antrag der bayerischen Regierung lagen dem Reichskanzler auch eine Masse Petitionen gegen das Jesuitengcsetz vor, u. a. auch von den bayerischen und preußischen Bischöfen, die entweder Aufhebung deS Jesiiitengefstzes oder Abichwächung der bestehenden scharfen Bestimmungen forderten. Derartige Eingaben waren nach unserer lleberzcugnng wohl einer Prüfung wert, mir die Frage zu untersuchen, ob das, was man in der Hetze deS Kultur» lampfes der 70cr Jahre unter ganz anderen politischen Konstellationen getan hat. jetzt nach 40 Jahren noch aufrecht erhallen werden kann.(Sehr ricklig! im Zentrum.) Nach der Erklärung des Reichskanzlers müssen wir annehmen, daß der Bundesrat sich gar nicht veranlaßt geiehen hat, diese Frage irgendwie zu prüfen, sondern sich beschränkt hat auf die Auslegung des Begriffs der Ordenstätigkeit. Für uns aber ist die Frage die Hauptsache: i st das Gesetz gerecht?(Sehr wahr! im Zentrum.) Der Reichs- kanzler stellt sich auf den rein formalen Standpunkt des Juristen: wir haben das Gesetz, eS muß ausgeführt werden. Diesen Stand- Punkt können wir nicht teilen. Es ist damals bei Schaffung des Gesetzes nicht behauptet worden, daß ein einziger Jesuit sich gegen Staalsgeietze oder die Ordnung vergangen habe.(Hört! hört! im Zentruni.) Man sagte, wir haben es nicht mit einzelnen, wir haben es mit Institutionen zu tun. Die Jesuiten sind in Deutschland ver- folgt worden ohne Untersuchung lind ohne Urteil, sie sind verfolgt nicht wegen bestimmter Handlungen, sondern wegen ihrer Gesinnung.(Lebhaftes Sehr wahr! im Zentrum.) In den Jesuiten wollte man die katholische Kirche treffen, das beweisen die Ausführungen der damaligen Redner der Parteien, die das Kultur- kampfgesetz zustaiide gebracht baben. Redner zitiert einige solcher Aeuße- rungen. Das Jesuitengesetz hätte falle n müssen in dem Moment, als man sich zuin Abbauen der Kulturkampfgesctze entschloß. Vollkommen unhaltbar wurde das Jesuitengesetz, als das Deutsche Reich zur Kolonialpolitik überging und 1885 in der Kongo-Akte die Zulassung der Missions- und Ordenstätigkeit jeder Art im Kongo-Gebiet sicherte. Diese Bestimmung der Kongo-Akte ist auch in das Schutz gebietsgesetz übernommen. Im Reichsgebiet sind also die Tic slubisten vor dem Parlament. Bei der Beratung des Budgets der schönen Künste in der französischen Kannncr forderte der Ex-Sozialist Breton, daß künftig dem„Skandal" des Herbst- salons vorgebeugt werde. Dieser Skandal soll darin bestehen, daß die Leitung dieser Ausstellung in ihrem Bestreben, neuen Be- strebungen auf künstlerischem Gebiet die volle Freiheit zu gönnen, auch gegen Absurditäten, wie sie die Knbisten, Futuristen usw. darbieten. nicht mit Abspcrrungsmaßregcli, vorgehen will. In der Diskussion fertigte Genosse Marcel Sembat den nach Polizei schreienden Breton sehr geistreich ab. Er sagte u. a.: Es gibt Leute, die von dieser Kampagne eine Wiedergeburt der Bcwunde- rung für ihre Bilder erwarten. Sie meinen: Wenn man die Ge- mälde der einen lächerlich finden wird, wird man die der anderen weniger langweilig finden. Ich will die 5lubisten nicht verteidigen. Ich bin nicht Maler und spreche nicht vor Malern. Lassen Sie mich an das Wort Karls X. erinnern, von dem sich der Herr Staats- sekretär der schönen Künste sicher inspirieren läßt:„In Theater- angelegenheiten habe ich kein anderes Recht als»iciiien Platz im Parterre." Der Staatssekretär Berard erwiderte, er sei glücklich, hierin Karl X. zu gleichen. Er bleibe Anhänger der Richt-Jnter- vention in Kunstdingcn. Darum werde das dem Staat gehörende Grand-Palais auch weiter dem Hcrbstsalon zur Verfügung ge- stellt bleiben.— Immerhin wird man die Zahl der a u s l ä n d i- scheu Aussteller einschränken. Ter nationale Kubus bekommt den Vorzug. Das Optopho». Der cnglischc Gelehrte Fournicr d'Albc bat einen Lichthörer erfunden, den er Optopho» nennt. Vollkommen Blinde vermögen mit diesem Apparat Lichl nickt nur ivadpzu- nehmen, sie können auch vemchiedene Lichtstärken unterscheiden, �le Konstruktion eines derartigen Apparates bietet ansich nichts Wunderbares, denn wir besitzen ja bereits eine ganze Reihe kunst- licher Sinne für Energien, die wir nicht direkt wahrnehmen können. Wir erinnern nur an die Empfänger elektrischer Wellen.>r.as Prinzip der künstlichen Sinne besteht in der Umwandlung der Energien, für die wir kein Organ haben, in solche, die wir mit irgendeinem unserer Sinne wahrnehmen können. Das Optophon verwandelt Licht in Schall. Der Blinke, i-ew. das Organ für direkte Lichtempsindung fehlt, wird dadurch in dcn Stand gesetzt, Licht mit dcn Ohren zu erkennen. Es gibt einen merkwürdigen Stoff, der dem Schwefel ver- wandt ist. das Selen, dessen Widerstand für elektrische ströme sich im Licht verändert. Starkes Licht hat naturgemäß einen stär- kcrcn Einfluß als schwaches. Helligkeitsschwankungen rufen also Stromschwankungen hervor. Elektrische Ströme aber lassen sich in einem Telephon hörbar machen. TaS sind die wesentlichsten Phhsi- lnlischcn Gesetze, von bcncn bei der 51onstruliion des Optophons Gebrauch gemacht Ivurdc. Ein clcltrischcr Strom, den eine kleine Taschcnbattcric liefert, fließt durch einen Selenwidcritond. In einer sinnreichen Weise ist mit diesem Stromkreis ein Telephon derart verbunden, daß es im Dunkeln von keinem Strom erregt wird. Fällt aber Licht aus den Selenwiderjtand, so wird das Stromgleichgewicht gestört, und das Telephon spricht an. Da im Telephon sich nur plötzlich« Clromveränderungen bemerkbar machen, Jesuiten als staatsgefährlich vertreten, im Schutzgebiet werden sie nicht nur geduldet, sondern gefördert. DaS verstehe wer kann. Viern,al hat der Reichstag die Aufhebung des Jesuiten» gesetzes beschlossen; aber der Bundesrat hält an� dem noch besteheiiden Recht mit einer Zähigkeit und Ausdauer fest, die einer besseren Sache wert wäre, und sucht ihm jetzt noch eine möglichst intensive Auslegung zu geben. Vom Anfang an hat man in das Jesuitengesetz, besonders in den K 1, mehr hineingelegt als darin steht.(Sehr richtig I im Zentruni.) Nach Aushebung des§ 1 darf es sich nicht mehr um Maßnahmen gegen einzelne Jesuiten handeln, sondern nur noch um solche gegen den Orden, dessen Niederlassungen verboten sind. In keiner Weise ist die Ordenstätigkeit des einzelnen Jesuiten verboten, wie die Auslegung des Bundesrats es will. Ganz ungeheuerlich ist ferner, daß unter Ordenstätigkeit priesterliche und seelsorgerische Tätigkeit angesehen wird; man sieht, zur Versolgung der Jesuiten braucht man keine Kenntnisi e, sondern n u r d i e n a ck t e G e w a I t.(Lebhaftes Sehr richtig I im Zentrum.) Ordenstätigkeit ist doch nur eine für den Orden oder im Auftrage des Ordens ausgeübte Tätigkeit. In Bayern wurde das Gesetz von Anfang an milder ausgelegt als in Preußen; das Lesen einer Messe ist dort niemals als Ordenstätigkeit angesehen worden, auch nicht unter dem Kulturlampfministerium Lutz.«nd der damalige Reichskanzler Fürst Bismarck hat sich nicht veranlaßt gesehen dagegen einzuschreiten. Freilich ist allmählich die Hand- habung des Jesuitengesetzes auch in P r e u ß e n milder geworden. darin hat der Reichskanzler recht; zu einer Zeit, als die politische Wetterfahne auf Sonnenschein stand, hat Fürst V ü l o w in einem Geheimerlaß an das preußische Ministerium gewünscht, die Missionen der Jesuiten sollten nickt i n h, b se r t werden. Das hätte mal ein bayrischer Minister lim sollen!(Sehr wahr! imZ.) Durch die neue Auslegung des Bundesrats wird aber jede mildere Praxis unmöglich gemacht, es tritt eine erhebliche Verschärfung der gegenwärtigen Praxis ein. Wenn Sie sagen, das wird nicht geschehen, so trauen Sie dem Bundesrat zu Beschlüsse zu fassen, die nicht ausgeführt werden sollen. Eine Verschärfung des gegenwärtigen RechtSzustandeS liegt in dein Verbot jeder priesterlichen Tätigkeit; mir eine stille Messe wird gestattet, sobald sie gesungen wird, soll sie staatsgefährlich sein. Fürchten etwa die Herren vom Bundesrat, durch de» Gesang eines Jesuiten könnten die Mauern der Vorurteile um dcn Bundesrat fortgeblasen werden, ivie die Mauern von Jerichow durch die Posaunen der Juden?(Lebhaftes Sehr gut I im Zentrum.) Eine Verschärsung des bestehenden Rechtszustandes ist weiter das Verbot auch der nicht priestertlchen religiösen Tätigkeit. Verboten ist die Ratserteilung in religiösen Fragen. Warum, wissen nur die Gölter und der hohe Bundesrat. In ganz Deutschland ist niemand so dumm, daß er sich einer solchen Be» stimmung unterordnen würde, und es gibt keinen Jesuiten, der sich abhalten ließe, eine aus Geivissensbedenken an ihn gestellte Frage zu beantworten.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Ein Jesuit darf kein Tischgebet vorbeten. Bilden Sie sich denn ein. wenn ivir ein paar Jesuiten zu Tisch laden, werden wir beim hohen Reichs- jnstizamt anfragen, ob lvir einen von'ihnen ersuchen dürfen, das Tischgebet vorzusprechen.(Heiterkeit im Zentrum.) Das Verbot jeder priesterlicken Tätigkeit der Jesuiten stellt sich dar nicht nur als überaus schlechtes Ausnahmegesetz gegen die katholische Kirche, sondern auch als ungeheuerlicher Eingriff in die Gewissensfreiheit aller derjenigen, die einen Jesuiten in Gewissensfragen um Rat fragen. Wir sind die Verletzten.(Lebhafte Zuslimiming im Zentrum.) Woher nimmt der Bundesrat das Recht, sich so in die Gewissensangelegen- heiten einzumischen. So hat höchstens der französische Kotwcnt gehandelt.(Stürmische Zustimmung im Zentrum. Lachen bei den Nationalliberalen und der Volkspartei.) Das Spenden der Sterbe» salramcnte soll dem Usuiten gestattet sein, nicht aber die Vor» bereitlingen dazu, die Beichte ist ja verboten. Oh, welche Weisheit des hohen Bundesrats I(Heiterkeit im Zentrum.) Wir werden c« uns niemals bieten' lassen, daß zwischen das Gewisse» eines gott- suchenden Menschen und Gott sich die Polizei und der Bundesrat stellen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Nur ein Beispiel, aber ein deutliches. Der sterbende Staatssekretär Dr. N i e b e r d i n g, ge- miß kein Zentrumsmann, ließ zwei Jesuiten z» sich rufen, nicht»in zu beichten— das hatte er bereits getan—, sonder» sich mit ihnen über Gewissensfragen auszusprechen. Der Bundesrat wird doch nicht so barbarisch sein, diese Tröstung einem sterbenden Staatssekretär zu versagen.(Sehr gutl im Zentrum.) Man soll lein Gesetz machen, das nur in AuSnahinefällen durchgeführt werde» könne und dann um so gehässiger wirken müsse. Es gibt ja immer Hallunken svird der dasselbe durchfließende Strom durch ein Uhrtverk etwa lOinal in der Sekunde iiiitcrbrochcn. So nimmt man das Licht als ein geheimnisvolles Summen tvahr, je heller da» Licht, desto stärker das Summen.. � So kunstvoll dieser Apparat erdacht ist. so viel er dem Blmdcn gibt, so armselig erscheint er im Vergleich zu unseren Augen. Das Optophon gestattet nur die Wahrnehmung von hell und dunkel; es läßt nur die Richtung des Lichtes erkemici,. Wir aber sehen die Welt in ihrer Weite und Tiefe, wir genießen die Schönheit von Formen und Linien, die vielfältige Pracht der Farbe jubelt uns entgegen; denn das Auge ist unser vornehmster Sinn. Notizen. — Der Kunsthändler— S e zc s s i o n S p r ä s i d c n t. Woran ja nach dem bisherigen Verlauf der Dinge nicht mehr zu zivefietn war. ist eingetreten: die Generalversammlung der Se- zession wählte Donnerstag ihren Vorstand, der nunmehr aus fünf- zehn Personen besteht, und dieser jelnen Präsidenten: Herrn P. Easjirer. Zum Porsitzenden der Jurykommission wurde Max Slevogt erwählt.— Da» Reich der Herrlichkeit kann also nun" beginnen, denn Eassircr— sagen seine Freunde— kennt wie kein ziveiter den ganzen Markt und niemand kann wie er Bilder aushängen. Von dem baren Geld« und ähnlichen guten Sacken gar nicht zu reden. Nur ein so altmodischer Mensch wie Karl Schesslcr kann in diesem Zusammenklänge noch schreiben(in der Voss. Ztg.):„Was in der Sezelsion vor sich geht, wird symbolisch; der Entschluß, der jetzt acfiißt tvird. kann historisch genannt werden. Es ist Sache icdes Deutschen, wie die besten Künstler im Lande sich selbst re- gieren, und wen sie zu ihrem Repräsentanten mache». Künstler sind Exponenten der Nation und Träger des allgemeinen Jdcalis- mus. lind der, dcn sie zu ihrem Vertreter und Wortführer wählen, wirkt obne weiteres repräsentativ, er ist wie eine Flagge." Tie Idealisten der Sezession verstehen sicher das Leben in der kapitalistischen Gesellschaft besser als ihr Kritiker: sie wollen Ge- sckäite machen und als Exponent des Geschäft» erscheint ihnen _ Künstlerorganisation schaft. Herrschaften. Iveitcr nichts. — Die hineingeschmuggelt« Reklame. Der Schriftsteller Alfred W. Fred beklagt sich, daß die„Elegante Wc!i' :n einem von ihm gelieferten Artikel(„Auto und Gesellschaft") ohne sein Wissen statt Auto— Opelwagcn cingesetzt habe.— Aber wie denn? Gibt Auto oder Opel Reklamen auf? Und tun das nicht viele bürgerliche sehr anständige Blätter, daß sie bei lohnciiden Annoncen im Text einen kleinen Hinweis bringen? Oder An- noncen so placieren, daß sie wie Tc'rt wirken? Ja. ist schließlich nicht der ganze Text bielfach nur wegen der Annoncen da? Also nach der Konstitution der bürgerlichen Presse hat Herr Fred hoch- stcns das Recht, für die Rcllamezcilcn sich»ach dem Reilamctarif bezahlen zu lassen. bfl« Venunzianten, ixt d?s Univcndun.i fn AuZ» imhmcfällen herbeiführen.(«ehr richtig! im Zeiitrum.) Noch in diesen Tagen hat der Munchener Berichterstatter der „Täglichen Rundschau" eine solche Denunziation verübt. Welchen Inhalt mutz ein Vortrag haben, wen» er unter das Icsuitengcsetz fallen soll? Das OberverwaltuiigSgericht hat entschieden: daS Verbot cincS solchen Vortrags ist berechtigt, wenn der Vortrag den»»well bat, GlanbenSlchrcii der katholischen Kirche darzulegen. Würde also der Jesuit Glaubenslehre darlegen, die nicht niit denen der katholischen Kirche übereinstimmen, dann Iväre das gestattet. iHciterkcit im Zentrum) Verschärfungen dürfen nach dem Bunde-ZratSbcschlutz eintreten, Milderungen nicht. sHvrtl hörtl im Zentrnm.) DaS Resultat des Beschlusses ist: die Be- kämpfung der Religion ist in Deutschland erlaubt sLebhastcr Widerspruch bei den Sozialdemokraten), die Forderung der Religion ist verboten. sSehr gut! im Zentrum). Die Abneigung der einen .Konfession gegen die andere kann nicht in Betracht kommen. Wenn der Reichskanzler sich auf das evangelische Klassenempflnden berufen hat, so erinnere ich ihn daran, das; Bismarrk seinerzeit gesagt hat:.es komnit nicht darauf an, ob etwas dem Einzelnen in feinem Innern unangenehm ist, sondern daraus, den Frieden in der Ge- samtheit herzustellen. Ich kann mir nicht denken, datz die Mehrzahl meiner Glaubensgenossen so reizbar sein sollte, datz sie den Anblick einer schwarzen Kulte nicht vertragen. Wir können bei der Gesetz- gebung ans solche Gefühle nicht Rücksicht nehmen". DaS sind wahr- Haft slaatsmännische Worte, die sich der hohe Bundesrat merken sollte.— Ein weiterer Einwand des Reichskanzlers war dann der HinioeiS aus die Massen, wir hätten 24 Millionen Katholiken und 4U Millionen Evangelische. Die Beweisführung ist sehr lapidar, aber bei solchen Fragen enstcheiden nicht die Massen, sondern die G e r e ch t i g- k e i t.(Bravo! im Zentrum.) Die Regierung sollte doch ctivaS vor- sichtiger sein mit der Bern f u na a n f v i e M a s s e il, sie sollte sich hüten, den Wechsel zn nntcrschreibei?, den d i e Herren t i- scheu und wirtschaftlichen Nöte des deutschen Volkes gesprochen, kein Wort über die Wablrecktöfrage in Preutzen, kein Wort über die Bedrängnisse, unter denen das deutsche und preutzische Volk leidet. Nur bon den Jesuiten sprachen sie. Das kemizeichuet sie schon als eine volksfeindliche Partei im ausgeprägtesten Sinne des Wortes. Die wichtig st en Lebenölntcressen deS Volkes lassen sie zurücktreten hinter denen des römischen Kleruö.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir»ehinen ihnen das nicht übel, gerade das bringt ihnen bei uns noch Sympathie ein, datz sie »och Ideale besitzen, wenn cä auch die engbegrenztcu Ideale des KlcrikaliSmuS sind. Aber daS mutz laut ins Land hinanögerufen werden, wo das Zentrum leider noch viele Anhänger unter den Arbeiter» hat. Die Herrenchom Zentrum haben im Deutschen Reich gegenwärtig eine Macht, wie nie zuvor. Schon die blotze, nicht ernstgemeinte Androhung mit der Verweigerung des Etats hat die Nationalliberaleit in Angst geraten lasten, als sei das Ende des Reiche» nahe. Aber „Herr Gröber war ein Egoist, und tut nicht gleich mn GotleS Willen, IvaS ciiicm anderen nützlich ist."(Heiterkeit.) Die Herren werden bei Gelegenheit schon ihren Wechsel prüfen- ticren. WaS soll man von den Deklamationen deS Zentrums über daS GelviffeiiSreckit halten, wenn man sich vergegenwärtigt, wie sie da. wo sie die Macht haben, keine politische Gewissensfreiheit gewähren wollen. E« gibt auch eine politische Ge- wissensfreiheit(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) und diese treten die Herren vom Zentrum mit Fützen. Soll ich von dem Wahlrecht in den verschiedenen kleineren Staate» und in Preutzen sprechen? Haben die Herren vom Zentrum jemals mit solcher leidenschaftlichen fanatischen Energie losgeschlagen, wenn es sich um daS allgemeine gleiche, geheime Wahlrecht in Preuße» handelte.(Lebhafte Zustimmung link».) Da haben sie vielmehr mit all der Geschicklichkeit, die eine jahrtausendelange Erfahrung den An- Hangern des Katholizismus verschafft hat, Fallstricke gelegt, mn das allgemeine, gleiche Wahlrecht abzuwürgen. lim die gentrmnSarbeiter davon abzulenken, versuchen sie den Kulturkampf zu inszenieren. Sie(zum Zentrum) brauche» den Kulturkampf, Sie leben von ihm.(Sehr richtig! link«.) Ihre Lage ist schwierig wegen der Mitschuld des Zentrums an der Teuerung und den Er- scheiinmgen der wirtschaftlichen Not in Deutschland und schlietz- lich wegen Ihrer Stellung in der G e lv e r k s ch a s t ö- frage. Wir könnten christliches Mitleid mit Ihnen haben (Heiterkeit), lveim wir sehen, datz wie sie sich im Schweitze ihres An- gesichts abmühen, die katholischen Arbeiter von den wirklichen Lebenöintercssen abzulenken und ihre Blicke aus ein Phuntom hinzulenken. Man könnte dem Zentrum kein schlechteres Geschenk machen, als die Aufhebung des Jesuitrngesctzeö; da? ist ja die Monstranz, die Sie(zum Zentrum) immer wieder der Bevölkeruiig vorzeigen. um Ihre Verdummungspolitik zu erleichtern. Freilich wolle» Sie eine möglichst legere Handhabung in der Praxis, aber Sie wollen die Monstranz herausholen können, um den heiligen Krieg der katholischen Kirche zu predigen. Wie die Stimmung der katholischen Arbeiter- schast zn der GeivcrkschnftSenzyllika ist, dafür ist ein treffendes Bei- spiel unser Kollege G i e s b e r t S, der in einer Generalversammlung deS christlichen' Metallarbeilerverbandcs im Juli in Dortmund die Bischöfe und Geistlichen als Wegelagerer bezeichnet hat.(Lachen im Zentrum. Abgeordneter Erzbergcr ruft: Da existierte die Enzyklika noch gar nicht!) Wissen Sie nicht, Herr Erzl'erger. datz diese Enzyklika eine lange Bor- geschichte hat? Die Matadoren der Berliner Richtung sind eS, die Herr GieSberts damals so gebrandmarkt hat, und da« sind die- selben Herren, die hinter der Eiizhklvka stehen.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Ich hoffe. Herr GieSberts hat noch dieselbe Meinung. Allerdings heitzt eS auch von ihm: Inndabilitsr se subjecit, er hat sich löblich unterworfen, genau so, wie auch Herr Gröber sich unterworfen hat, der ja auch der weltlichen Gewalt untersteht.(Sehr gut! link».) Diese Enzyklika hat den christlichen Gewerkschafien die seidene Schnur mngelegt, sie fordert von ihnen den päpstlichen Fahneneid. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dadurch ist das Schicksal der christliche» Geiver'schasten erledigt.(Na I na! im Zentrum. Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Negierung hat natürlich ein Interesse daran, die Gewerkschaftsbewealmg zn zersplittern und sie unterstützt die christlichen Gewerkschaften vor allem auch aus Dank für ihre Judasleistung beim letzten Bergarbeiter st re i k.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) DaS Zentrum hat in diefer ganzen Debatte wieder bewiesen, datz seine Devise: Freiheit, Wahrheit und Recht nur zutrifft, wenn man vor jede» dieser Worte em„ Il n" setzt. ES wird sich mit der Rechten wieder einigen in dem Programm des„Kampfes gegen den Unglauben". Wenn(zum Zentrum) durch Verbreitung der heutigen Rede des Herrn Gröber das Volk genügend hinters Licht geführt haben werden, wird hier längst wieder Ruhe eingetreten sein. Der Reichskanzler hat ihre Opposition viel zu ernst genommen, ihm könnte man zurufen: »Sei nihig, bleibe nibig, mein Kind, In dürren Blättern säuselt der Wind." Ihm wird sicher kein Haar gekrümmt werden. Gestern ist er nun vor das Abgeordnetenhaus zitiert worden. In dev Wahlrechtservrterung wurde ein solcher Antrag von uns mit Ge-> lächtcr überschüttet, jetzt ist durch die Frage des Erholungsgarteiis für das Abgeordnetenhaus scheinbar eine n e u e K o n f l i k t S- Periode im Anzug. Freilich ist auch sie nicht sehr ernst zu nehme». Der Reichskanzler wird sicher dort sehr freundlich empfangen werden. DaS Volk wird das Verhalten des Abgeordnetenhauses erneut als einen Schlag ins Gesicht empfinden.(Sehr wahr l bei den Sozialdeinol-aten.) Datz in Reutz die Forlschrittlcr für die Wahlrechtsberschlechteruiig eintreten, ist bestritten worden, trifft nhcr doch zu.(Hört! hört!) Der Kämpf hat in Reutz schon eine solche Erbitterung angenommen, datz die Arbeiter jetzt einen Generalsireir beschlossen haben, an dem 15 000 Menschen teilnehmen. Wir wünschen den Kämpfern für Freiheit und Reckt in Reutz. datz ihr Kampf nicht der- geblich sein möge.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Das sind alles politische T o t s Ii n d e n der Regierungen, über die die Herren vom Zentrum einfach mit S t i l l s ch w e, g e n hinweg-- gehen. Nach unserer Meinung hat der Reichstag die Pflicht, auf solche Zustände im Reiche hinzuweisen. All die Sünden, die die herrschenden Klassen in der inneren Politik ans sich geladen haben, kommen zutage bei Stluationen in der auS- wärligcn Politik, wie der jetzigen. Aber Sie können diese Sünden nicht wieder gut machen dadurch, datz Sie das Volk in antzer-- volitische Konflikte stürzen. Wir werden dafür sorgen, datz Ihre Sünden in der inneren Politik nicht vergessen Iverden, dieses bewirket: werden, datz die Bevölkerung sich i» immer grötzcrcn Scharen der Sozialdemokratie anschlietzt, damit sie sich befreien kann von dem Joch, das mit verschärfter Wucht gegenwärtig ans ihr liegt. Sic sagen: si vis paccm para bellum. Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg. Wir sagen: Wenn Du den Frieiden willst, bereitenden Sozialismus.(Lachen rechts. Sehr wahr I bei de» Sozigldemolraten.) Rur er wird eine Lösung der inncrpolitischcn Konflikte bringen und auch den einzigen Weg zeigen, um auswärtige Konflikte aus der Welt zn schaffen. Die Etatdebatte in diesem Jahre hat eine innere politische U n- fruchtbarkeit der grotzen Parteien gezeigt, die ihresgleichen in der Vergangenheit sticht. Nicht ein einziger neuer Gedanke zn irgend einer Neformtätigkeit im Interesse der grotzen Massen des Volkes ist aufgetaucht. Damit haben Sie sick selbst das Urteil gesprochen über Ihre Unfähigkeit zur Leitung eines Sechzig», illioitenvolleS. Aber ob Sie wollen oder nickt, ivir iverden nach ivie vor unsere ganze Kraft ein- setzen, um die Massen de» Volkes aufzupeitschen, damit Sie voran- getrieben werden zu Ihrer Pflicht.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Graf Kanitz(k.): Unser zweiter Redner wie auch die der andere» Parteien haben sich st r e i ck e n lassen, weil daS ganze Interesse der Debatte sich ans den Jesuitcnerlatz zugespitzt hatte. lLachen bei den Sozialdemokraten.) Was den Vorwurf der Ber- schleppimgStaltik gegen die TeuernngSkommission anbetrifft, so wären wir für sofortigen Eintritt in die Beratung geioesen, wenn nicht von den Sozialdemokraten Anträge unterbreitet loorden wären. die darauf abzielten, die Fleischcinfuhr vom Ausland nicht nur in dem Matze zu erleichtern, wie es die Regierungen vorschlugen. sondern in einer Weise, die geeignet Ivar. die einheimische Viehzucht: aufs schwerste zu schädigen, wodurch vielleicht eine vorüber- gehende Ermätzigung der Flcischpreise aber für die Tauer ciue erhebliche Verteuerung der Biehpreisc erreicht worden wäre. Infolge dieser Anträge war eine nochmalige Aufrollung der ganzen Fleischnotsrage zu erwarten, deshalb haben wir e» vorgezogen, die Beratung des Gesetzes bis nach Neujahr zu verschieben. Abg. Gieobert»(Z.): Herr Liebknecht hat mir untergeschoben, ich hätte lathotischc Bischöfe als Wegelagerer bezeichnet. Ich halte es an sich für unter meiner Würde, mich gegen eine solche Ber« dächtigung zu wehren, im übrigen aber ist Herr Liebknecht falich berichtet. Meine Bemerkung gegen„Gegner, die im Geheimen schleichen, die mit ans dem Zusamnienbang geriffenen Zitaten und'anderen unlauteren Mitteln, wie Wegelagerer zu Werke gehen", Ivar nicht im geringsten gegen irgend welche katholische Geistliche genckket.(Lachen bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Paasche inatl.): ES ist richtig, datz Jesuiten in Tokio eine grotz angelegte BildungSanstalt gegründet haben, um deutsche Kultur zu verbreiten. Ich habe aber nicht etwa gesagt, ich wünschte, datz Jesuiten auch in Deutschland solche Anstalten gründen, so un« geschickt bin ich denn doch nicht, sondern ich habe gesagt: Können wir nicht etwas AchnlichcS für die studierenden Japaner in Deutsch« laud tun? . Abg. H«ch(Soz.): Der Verlauf der Verhandlungeil in der FleischtencrungS« kommission war ganz anders, als Graf Kunitz das darstellte. Zunächst beantragte Herr Herold voin Zentrum die Vertagung nur mit der Begründung, datz bestimmtes Material beichafft werden«nützte. Darauf erklärte der RegierungSverlreter, dies Material könne bis zum Dienstag beschafft werden. Run waren die Herren ratlos. Erst nachher wurde auf unsere Anträge hingewiesen«nit dem Bemerken, sie wurden eine längere Aussprache veranlassen. Darauf erklärte sofort mein Freund Scheidemann. datz wir gar nicht diese Ab- ficht hätten, datz es von uns aus durchaus«nöglich sei, in wenigen Sitzungen vor Weihnachten die Verhandlungen zu beenden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ergibt sich auch aus dem Inhalt unserer Anträge, die nichts Neues bringen, sondern die Forderungen enthalten, die wir seit jeher in dieser Frage erhoben haben, und zu denen alle Parteien längst Stellung ge- nommen haben. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die„Bergarbeiter-Zeitung" hat ohne datz Widerspruch erfolgt wäre, Nack Berichten der Zentrumspresse geschrieben, datz Herr GieSberts auf der Generalversammlung'der christlichen Metall- arbeiter folgendes gesagt hat:„Die christlichen Gewerkschaften kämpfen gegen grundsäyiich politische Gegner«nit dem Ziele der Verbesserung dcS Loses der Arbeiter. Schwerer ist der Kampf gegen den Gegner, der seine Pfeile meuchlings aus d e in Hinter- halt abschleudert. Wir können heute feststellen, datz diese Angriffe au« dein Hinterhalt abgeschlagen sind." E4 ist zweifellos, datz diese Ausführungen sich beziehen auf den Zentrums- gewerlschaftslampf und sich richten gegen die Personen, die die Rufer im Streit gewesen sind, gegen die christlichen Gewerkschaften. Dazu gehören auch die Bischöfe. Wer kann denn mit dieser Bcincrkung anders gemeint sein?(Lachen im Zentrum.) Sie wollen daö nur nicht wahr haben. Sie mochten auS dem Hintergrund Ihre ber- gifteten Pfeile abschleudern und wagen eS nicht, zu Ihrem Wort z» Präsident Kacmpf: Sie dürfen nicht einem Mtglied des Hause« vorwerfe», datz eS mit vergifteten Pfeilen schietzt.(GroneHcltcrkeit.) Abg. Liebknecht: Die Tatsachen liegen so klar, datz alle Ab- schwächnngsversuche nur als Verwirr» ngS'nanover auf- gefatzt werden können. � Abg. Sieg(»all.): Als Vorsitzender der Teucruiigukommission mutz ich eS auch entschieden zurückweisen, versucht worden sei, die Beratung deS Gesetze? hinauszutchu.bcn. Der Grund lag allein in den Anträge«, die»ich««n zwel Sitzungen erledigt werden konnten und es war nur noch der Dienstag frei. Da» Volk hat durch die Vertagung nichts verloren. S»e(zu den«aozialdemo- traten) hätten ja einfach da« Gesetz annehinen können.(Lachen bn den Sozialdemokraten.«. � Abg. Gicsderts: Bisher hat man auch auf iozialdemokratlicher Seite immer de» Takt gehabt, wenn ei» Abgeordneter von dicier Tribüne eine Erklärung abgab, sie gelten zu lassen. Herr Lieb- kn echt tut da» nicht. Meine Ausführungen haben sich.mSlchlwtzlich auf die Keunzeichnuna einer bestimmten Agitationönrethode beschränkt.(Gelächter bc, den Sozialdemokraten.) Ich verwahre mich nochmals entschieden dagegen, dag meine Ausführungen gegen irgend eine kirchliche katholische Instanz gerichtet waren. sZuruf bei den Sozialdemokraten: Gegen wen denn?) Ich hatte die Agitations- Methoden g e in e i n t, Sie nicht ausgenommen. (Stürmisches Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hoch(Soz.): Tie Anträge in der Teuerungskommission einzubringen, war unser gutes Recht. Es war auch nicht nur der Dienstag frei, sondern die g a n z e n ä ch st c Woche. Wenn Herr Sieg nicht Zeit hatte, so gibt cS doch noch andere Abgeordnete im Reichstag. Unsere Anträge konnten Sie ja ablehnen, das ist ja a lt e G e w o h n- heit der Zollwucher in ehrheit.(Präsident Kaempf rügt diesen Ausdruck.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Tie letzten Ausführungen des Abg. GiesbertS haben b e- st ü t i g t. Iva? ich gesagt habe. Sie bewiesen seine vollkommene Hilflosigkeit gegenüber unserem dringenden Verlangen, endlich mit einem klaren Wort, ein Wort, ein Mann, herauszukommen.«Abg. Behrcnds: Das geht Sie j a n i ch t S a n I Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdeinolraten.) Er redet sich heraus, er hätte Agitations- Methoden gemeint, kommt aber dabei nur mit der Logik in Konflikt: Seit wann ist eine A g i t a t i o n S in e�t h o d e ein Wege» lagerer? �Grosie Heilerkeit bei den Sozialdemokraten.) Der Gewerkschaftssireit liegt ihm eben ganz verflucht im Magen. Auf Herrn GiesbertS trifft das Wort zu: „Er dreht sich links, er dreht sich rechiS, Er tut nichts Guts, er tut nichts Schlecht», Der Zopf, der hängt ihm hinten." Zöpfe wird man eben nicht los. wenn man sich um sich selbst dreht, sondern indem man sie abschneidet. Jetzt hatte Herr GiesbertS Gelegenheit zu zeigen, dag ihm die Interessen der Ar- beiterschaft näher lagen, als die der Kurie und all derer, die die Gewerkschaftsbewegung zersplittern wollen. Es ist sehr gut, daß wir heute diese W ö l f e i n Schafskleidern kennzeichnen konnten.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Kacitlpf: Es ist unstatthaft, Abgeordnete als Wölfe in Schafskleidern zu bezeichnen.(Schallende Heiterkeit.) Abg. Sieg(natl.): Es hat mir absolut fern gelegen, die Beratungen der Kommission zu verschleppen. Abg. Gisberts(Z.): Ich habe Bischöfe und katholische Geistliche nicht als Wegelagerer bezeichnet, Herr Liebknecht hat dafür keinen Beweis erbringen können. Ich habe auch die Agitations- Methode nicht als Wegelagerei bezeichnet, sondern gesagt, man geht zu Werke wie Wegelagerer.(Ra also! bei den Sozialdemokraten.) Es ist Ihnen unangenehm, daß Sie uns nicht auseinanderbringeri können. Ich sage niit dem Abg. Gröber: „Der grösits Lump im ganzen Land, da? ist und bleibt der Denunziant." Wer denunziert, das wissen Sie.(Beifall im Zentrum. Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Damit schlietzt�die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Frank(Soz.) zum Abg. Gröber: Ich habe vorgestern Zweifel geäustert, ob die vom Zentrum angekündigte Opposition ernst gemeint sei. Was wir heute gehört haben, bestätigt, dag ich recht hatte. Sine Reihe von EtatStcilen wird der Budgetkommission über- lviezfen. Hierauf vertagt sich das HaizS. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Petrolcummonopol.) Schluß 58/4 Uhr. Versammlungen. Zentralvcrband der Dachdecker. Der Atitgliederversammlung am Mittwoch lag der Kassenbericht bom dritten Quartal vor. Die Gesamteinnahme betrug einschließlich eines Bestandes vom zweiten Quartal in Höhe von WM, 60 M. 14 321,80 M. An Ausgaben waren 11 116,36 M. zu verzeichne», so daß am 1. Oktober ein Kassen- bestand von 3205,44 M. vorhanden war.— Unter Verbanbs- angelegenheiten wurde der für die Dachdecker ungünstig verlaufene Kampf im Gcwcrve einer eingehenden Erörterung unterzogen. Deck Vcrbandsleitung wurden wegen der eingeschlagenen Taktik von mehreren Rodnern heftige Vorwürfe gemacht, von anderer Seilg wurden aber die vom Vorstand getroffenen Maßnahmen als voll- ständig korrekt bezeichnet. Vorsitzender Gornitz setzte ausein-- ander, weshalb der Vorstand den Mitgliedern die eingeschlagene Taktik empfohlen habe. Ter Vorstand habe aber nichts unter- nommen, ohne die Zustimmung der Mitglieder. Um einen Kampf auf der ganzen Linie zu führen, habe es a» den nötigen Vor- bedingungen gefehlt. An der befolgte» Taktik habe der Ausgang des Kampfes nicht gelegen, sondern an den äußerst ungünstigen Verhältnissen. Tie Arbeitswilligen, die sich in großer Zahl den Unternehmern zur Verfügung stellten, träfe die Hauptschuld an dem ungünstigen Ausgang des Kampfes.' Im Jahre 1007 hätte man niit ganz anderen Verhältnissen zu rechnen gehabt. Beide Teile Mitglieder sowie der Vorstand— hätten auch bei dem diesjährigen Kampf ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan. Jetzt sei es Pflicht jedes einzelnen, die Scharte, welche die Organisation davongetragen habe, wieder auszuwetzen.— Nachdem sich noch mehrere Redner mit dem Ausbau der Organisation beschäftigt hatten, behandelte Görnitz die gegenwärtige Situation. Er erörterte die Kampfes- weise der Unternehmer und ihre scharfmacherischen Bestrebungen» die aus eine Zertrümmerung der, Arbeiteror�lnisation gerichtet seien. Um sich einen Stamm williger und geftigiger Arbeiter zu schassen, sei man auch bestrebt, eine gelbe Organisation zu gründen. Aus diesen und einigen anderen Ursachen heraus wäre eS jetzt dringend notwendig, mit den Unternehmern doch noch in Vcr- Handlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages einzutreten. Redner crmahnte eindringlich, den drei Hauptfragen im Tarisent- Wurf der Unternehmer zuzustimmen, damit der Vorstand mit diesen verhandeln könne.— Die Erbitterung unter den Dachdeckern u»d Hilfsarbeitern über das anmaßende Verhalten der Unternehmer ist jedoch zu groß, als daß sie ihre Zustimmung zu Verhandlungen aus der angcbotcucn Grundlage gaben. Durch Annahme eine» An- träges auf Uebcrgang zur Tagesordnung erklärte man den Vor- schlag des Vorstandes für erledigt._■ paS größte Abonnenientshaus feinster Herren-Moden J. Stuck 4: Co. verkaolt seine Monats-Garderobe direkt an Private. Anzüge und Paletots von 10 M. an. Friedrichsfr. 108, Bing. Johannisstr., vis-a-vis der Karlstr. .■ a v.- ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder, beim Alten Freund. Gänse" Artikel x? in großer Auswahl 282(7 Ganseklein, Gänsekeulen, frisch u. gepitkeit, Gänseliesen, Gänselebern u. Gänseschmalz, Gänsekeulenfieisch, Gänseknochen- fleisch, große geräucherte Gänsekeulen usw. 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Kakao ist dem Körper zuträglich, Kaffee schädigt ihn. �iiinpll-ÜLakao ist anerkannt gut* maif hat ilm deshalb in vielen Kreisen als Hausgetränk eingeführt. �Inipli-lCakao wird nur in Originalpackung zu;2 und lJ1 Pfund verkauft, in garantierter Original-Fubrikfüllung. Die Simpli-Fabrikato(auch Schokoladen, Pralinen, Katzenzungen usw.) werden in vollendeter Weise hergestellt von der Firma„Sarotti64 A.-G., Berlin. Man frage überall nach Simpli= Kakao! Kerantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärtß ivuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer».So, ÄerlmSVf. stK«, 29. 2. Ktilllge des Fsmürls" Kerliner NslllsblÄ Ubgeoränetenkaus. II Uhr. Ge- 10 l. Sitzu-ng, Freitag. 6. Dezember, vor Am Mimstertisch: Dr. Frhr. v. Schorle m er. Tritte Lesung des Wasiergesetzcs. Nach unwesentlicher Debatte- wirb'daS Gesetz in der sa m t abst i mm u ng einstimmig angenommen. Angenommen wird eine Resolution Eck er-Winsen(natl.), die die Regierung um schleunige Vorlegung eines Gesetzentwurfs ersucht,'der das Verfahren bei Erteilung gewerbepolizeUicher Ver- ileihung regelt. Besprechung der Interpellation über die Bernichtung des Ber- einsrechts der Berliner Feuerwehr. Abg. Kreth(f.) spricht zunächst von der Sympathie für die Feuerwehr und der Krrtiklpsl der Berliner. Die Berliner Stadt- verordnetenversammlung spieltgern Parlament, aber dast sie den Polizeipräsidenten-derart kritisiert, wie das geschehen ist, sollt« die Staatsregierung nickt dulden. Sie kann ja die Berliner Stadtverordnetenversammlung auflösen.(Lachen links; Beifall rechts.) Dort hat Dr. Rosen- seid von'dem Terrorismus des Polizeipräsidenten gesprochen. Na. das wird ja dann Herr Hoff mann wiederholen.(Abg. Hosfmann(Soz.): Sie sind ja Spiritist!— Stürmische Heiterkeit.) Der dort verhandelte Antrag„Arons und Genossen" war wirklich von den Genossen.(Sehr gut! rechts.) Die fort- schrittliche Interpellation ist der Anregung Dr. Rosenselds zu verdanken. Wir werden ja sehen, ob der Dortmunder Verband stubenrein ist.(Große Unruhe links.) Der Berliner Verein hat sich nicht an die Statuten geholten, die bestimmten, daß ein Drittel des Vorstandes aus Chargierten bestehen müßte; daß die Chargierten dies durch ihren Austritt unmöglich mach- ten, ist eine Sache für sich. Wie kann Herr Kopsch die militärisch organisierte Feuerwehr mit einem Lehrerverein ver- gleichen. Verlangt er, daß der Lehrer vor dem Rektor mit zu- s ammenges chlagenen Hacken Stellung nimmt?(Heiter- keit.) Der Vorsitzende, Pensionär He ine mann, hat sich miß-- Zäuchen lassen. Das Verlangen einer Erklärung für dauerndes �lohlverhalten von der vorgesetzten Behörde warein demütigendes, und Herr Kopsch hat sogar die telephonische Drohung des Vorsitzenden ge- billigt.(Abg. K o p s ch. der dies bestreitet und von Unverschämtheit spricht, wivd, nachdem der Redner dies laut wisderholt hat, vom Vizepräsidenten Dr. Kran je zur Ordi-.'Ng gerufen. Beifall rechts.) Der Polizeipräsident hat das Reichsvereinsgesetz nicht ver- letzt. Der Staat ist nicht bloß Arbeitgeber der Beamten, sondern sie stehen atA«n einem Treue- und Gehorsam keitsver- h ä l t n i s des Beamten, das dessen ganzes Leben umsaßt. Der Redner bekämpft das Verlangen, die Feuerwehr zu verstadtlichen. Auch der sortschriitlich« Oberbürgermeister von Breslau hat die Zu» geHörigkeit zum Dortmunder Verband für mit-der Dienstipflicht un- vereinbar erklärt(Hört! hört! rechts), andere radikal« Stndtver- waltungen sind gefolgt. Wir freuen uns, daß der Polizeipräsident von Berlin, unbekümmert um die demokratische Presse, als auf- rechter Mann'dos tut, was er für recht hält. Die Anerkennung des Berliner Volks, um, das er sich höchst verdient macht, wird schon kom-men. Er mag sich sagen: Willst du nicht, daß dich Dohlen umschreien, mußt du nicht Knopf auf dem Kirchturm sein!(Lebhafter Beifall recktS.) Abg. Inst(natl.) verweist darauf, daß seine Partei schon im Frühjahr das Vorgehen des Polizeipräsidenten mißbilligt hat, so die llebernachung geschlossener Versammlungen durch Beamte der politischen Polizei u. a.»u Wir können das Borgehen des Polizei- Präsidenten gegen diese notorisch zuverlässigen Leute nicht billigen. Allerdings scheint auch der Vorsitzend« des Vereins in seinen scharfen Worten gegen die Behörden zu weit gegongen zu sein.— Zweckmäßig ist gewiß die militärisch« Organisation der Feuerwehr, da die Leistungsfähigkeit gehoben wind; aber dadurch werden die Feuerwehrmänner noch keineswegs Militärpersonen (Sehr richtig!), und deshalb darf die Disziplin auch n i cht ü b e r- trieben werden. Im Dienst mögen die Vorgesetzten die Allüren und die Autorität von Offizieren in Anspruch nehmen— außerhalb des Dienstes dürscn sie das im Gegensatz zum Militär nicht. Die Ausfassung des Ministers ist eine Uevecspannung des D i s z i P I i n b e g r i f s s, die überhaupt geübt und einigermaßen .mißbraucht worden zu sein scheint. Der Drill allein macht eS nicht, es muß auch di« wertvollere freiwillige Unterwerfung die im Vertrauen ruht, unter den Befehl des Vorgesetzten dazukommen, um im Krieg wie im Beamtentum da! hiklsste zu leisten Ein- gegriffen liegt.( soll nur werden, wenn eine disziplinare Veranlassung vor- liegt.(Lebhaft« Zustimmung links.) In Berlin hat man loyale M a n n f ch.a ften verbittert und in uns den schwersten Zweifel an der loyalen Handhabung des Vc r e in sgef e tzeS durch preußische Behörden wachgerufen, was daS wichtigste ist.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Bloße Befürchtungen und Möglichkeiten dürfen kein Grund zu DiSziplinormaßregeln sein, sondern nur Tatsachen. Nach de? Obigen Reichskanzler» Wart sind nur..Bestrebungen, die dem Wesen des'Beamtentums zuwiderlaufen", solch«, von denen die Behörden ihre Beamten fernhalien dürfen. Wir würden dem Rcichsvereins- gesetz unler anderen Voraussetzungen nicht zugestimmt haben. (Sehr richtig! links.) Das Vertrauen und die Achtung, die Herr- schen sollten, sind nicht ohne Schuld auch der Vorgesetzten erschüttert worden. Soviel Angst brauchte man nicht zu haben vor dem Dort- munder Verband nach einzelnen aus dem Zusammenhang gerissenen Aeußerungen, denen wieder ganz anderslautende ans den Ver- bandsverhairtlungen gegenüberstehen, die die volle Loyalität be- weisen. Ter Redner verliest Protokollstellen und schließt mit einer Mißbilligung des angewendeten Vorgehens und der Forde- rung der Unterlassimg eines Drucks auf die Meinung der Mann- schatien. Man folirt nicht Chargierte und Nichichargierte gegenein- aiiderhctzcn, sonst findet man eines Tages die Mannschaft i n einem' ganz anderen Lager.(Lebhafter Beifall links.) Vizepräsident Borsch schlägt Vertagung der Weiterberatung vor, da nach S Redner gemeldet sind. DaS HniiS schließt sich diesem Borschlag an und. nimmt dedatt«. loS einige kleiner« Vorlagen über Amtsgericht Hb ezirks- ä ii de rn nge n an und vertagt sich dann. � Ter Präsident schlagt vor. die Debatte über die Feuerwehr. tnterpollaüon morgen an erster Stelle fortzusetzen. Di« Kon- servativcn widersprechen' zuerst, ziehen aber dann ihren Gegen» Vorschlag zurück, nachdem Abg. Kopsch gefordert hat, daß auf die heutigen Angriffe des Abg. Kreth geanlwortet werden könne. Nächst« Sitzung: Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung der Feuer- wchrinterpellalionscebalte, kleinere Vorlagen. Schluß 5)4 Uhr.___ Parlamentarisches. Noch ei« nngültigks Reichstags», andat. Die Wahlprüfungskommission beschäftigte sich am Freitag erneut mit der Wahl des nationalltberalen Abgeordneten Dr. Becker- Bingcn-Alzcy(Hessen), der in der Stichwahl gegen de» Pfarrer K o r e l l(Fortschrittker) mit zwei Stimmen Mehrheit aeiräblt wurde. Bei Prüfung der Wahl durch die Kommission m Frühjahr erhöhte sich die Mehrheit für Dr. Becker auf vier Stim- wen. einer einem Fauc«,ay,er zugieia.) vi——---- Z."."' halb Dr. Becker drei Stimmen in Abzug gebracht wurde». Werter kürzt« man ihm sieben Stimmen, oie von Leuten abgegeben wur-! den, welche nicht wahlberechtigt waren: Entmündigte, Ausländer usw.— Eine lange Debatte rief ein Antrag des Referenten, die im Wahlkreise Dautenheim für Dr. Becker abgegebenen Stimmen diesem zu kürzen, hervor. Dort hatte der Bürgermeister, und Wahlvorsteher die zwei sozialdemokratischen Wahlkontrolleure aus dem Wahllokale gewiesen, angeblich, weil sie sich nicht vocgestelst hatten. Erst eine Beschwerde beim Kreisamte verschaffte ihnen in den Nachmittagsstunden den Zutritt. Doch nun füllten bald Dautenheimer Einwohner das Lokal— wie von Zeugen be- hauptet wird, auf Bestellung des Bürgermeisters—> die den- beiden unangenehmen Aufpassern den Aufenthalt darin ver- leidsten. Weiter hat ein Zeuge vor Gericht erklärt, daß der Wahlvorsteher die Wahlkuverts so in die Urne legte, daß eine Kontrolle der Wähler möglich war. Korell hat in diesem Orte in der Hauptwahl 8 und in der Stichwahl 4. Stimmen er- halten. Tie Abstimmung über diesen Antrag wurde auf Mittwoch, den 11. Dezember(den nächsten«itzungstag), vertagt. Nach den bisherigen Beschlüssen der Kommission— ganz gleich, wie di« Abstimmung über den erwähnten Antrag ausfällt— ist bestimmt damit zu rechnen, daß die Wahl Dr. Beckers für ungültig erklärt wird. Das Kindersaugflascheugesetz i« der Kommission. Die Beratungen der Reichstagskommission für das Kinder- saugflaschengesetz haben schon nach der ersten Sitzung ein vor- läufiges Ende erfahren. Vom Präsidenten des Rcichsgesundheits- amtes wurde in der Sitzung zugegeben, daß die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit in großzügiger, das ganze Gesetz umfassen- der Weise in Angriff genommmen werden müsse, man sich aber vorerst, angeregt durch ärztliche Gutachten und Sach- verftänoigenwünsche, zur Einbringung oes vorliegenden kleinen Gesetzes entschlossen habe. Befragt, welcher Art diese Gutachten seien und warum man sie nicht veröffentlicht habe, erklärten die Regierungsvertreter— unter Berufung auf vorliegende Gut- achten, die allerdings mehr Mutmaßungen und stark bedingte An- sichten enthielten—, daß sie klare, unzweideutige statistische Nach- weise über die schädlichen Wirkungen der Rohrsaugflasche und ihre Einflüsse auf die Säuglingssterblichkeit nicht beizubringen vermöchten. Von allen Parteien wurde nun aber erklärt, daß ohne Beibringung statistischen und gutachtlichen Materials, aus dem sich die Schädlichkeit der Rohr- und Schlauch-Saugflafchen ganz zweifelsfrei ergibt, eine Fortsetzung der Beratun- gen unmöglich sei. Die Sozialdemokraten wie die Fort- schrittler machten ihre fernere Haltung dem Gefetzentwurf gegen- über durchaus abhängig von dieser Voraussetzung. Die gestellten Anfragen, die sich auf die Verbreitung, die Fabrikation und den Export der einfachen wie der komplizierten Saugslaschen, auf die Erfahrungen, die man mit dem französischen Gesetz gemacht, die französischen Kammerverhandlungen usw. bezogen, wurden schrift- lich fixiert und der Regierung zur Beantwortung übergeben. Erst nachdem die schriftlich zu erteilenden Antworten den Kommifsions- Mitgliedern zugegangen find— was Monate dauern wird — soll in der Weiterberatung fortgefahren werden. Aus den Kommissionen des preußischen Abgeordnetenhauses. In der I u st i z k o m m i s s i o n des Dreiklassenhauses wurden die Anträge der Fortschrittler und Sozialdemokraten auf Beseiti- gung der Plakat- und Druckschriftenverteilungsbestimmungen deS alten preußischen Pretzgesetzes von 1853 abgelehnt. Auch eine Reso- lution, die die Ersetzung dieser Bestimmungen durch ein Reichs- gesetz wünscht, wurde abgelehnt und nur ein Antrag des Zentrums angenommen, der eine landesgesetzliche Verbesserung dieser Be- stimmungen fordert. Da diese Bestimmungen ausschließlich gegen oppositionelle Parteien bei den Wahlen und gegen die Gewerk- schaften angewendet werden, kann man sich schon denken, wie diese Verbesserungen ausfallen werden. Tie GeschästSordnungSkommission hat nun endlich die zweite Lesung der Brandensteinschen GeschäftsordnungS- revision zu Ende geführt und eS zuletzt noch verstanden, neue Ver- schlechterungen hineinzubringen. Der HauSknechtsparagraph bleibt unverändert, wobei der Fortschrittler seine Ablehnung zu Proto- koll gab. Bestimmt wurde, daß über Ausschluß der Oesfentlich- keit, über Aenderung der Tagesordnung, über die berühmten Schlußanträge und über Teilung der zur Abstimmung stehenden Fragen nicht namentlich abgestimmt werden dürfe. Eine neu- geschaffene Bestimmung sagt, daß aus den Verhandlungen der Aus- schüffe weder die Namen noch die Parteizugehörigkeit der Redner und Antragsteller nach außen bekanntgegeben werden dürfen. flus der Partei Nürnbergs erster sozialdemokratischer Reichstagsrandidat» der Zinngießer Johann Faaz. ist im Alter von 74 Jahren ge- starben. Faaz, der die ganze Enbwickelung der Partei in Nürnberg mitgemacht hat, gehörte zu einer kleinen Gruppe ausgeklärter Ar- beiter, die sich Mitte der sechziger Jahre von dem fortschrittlichen Arbeiterverein lostrennten und einen Arbeiterbildungsverein grün- deten, aus dem später die Mitgliedsckxift der sozialdemokratischen Partei Eisenacher Richtung erwuchs. Das kleine Häuflem trat sehr geräuschvoll auf und hatte 1871 bei der ersten Reichstagswahl sogar den Mut, mit einem eigenen Kandidaten hervorzutreten; der Mann ihres Vertrauens war der jebi verstorbene Faaz, der es auf ganze 340 Stimmen brachte. Daß sich die Pioniere der Nürnberger Par- teibewegung dadurch nicht entmutigen ließen, bewies die von dann ab ravid anwachsende Stimmenzahl. Bald nach 1871 wurde Grillenberger Mittelpunkt der Parteibewegung, Faaz gab still und neidlos die Kandidatenwürde ab. Ein Jahrzehnt später, 1881, ward der Wahlkreis Nürnberg dem Fortschritt für immer entrissen. Aus den 340 Stimmen, die Faaz vor 40 Jahren erhielt, waren bei der letzten Wahl 1912 weit über 42 000 geworden! Seit langen Jahren ist Faaz aus Familienrücksichten von der öffentlichen Be- tätigung zurückgetreten, aber der Partei bewahrte er sein Interesse und unverbrüchliche Treue bis ans Ende. Gemeindevertreterwahlcn im Herzogtum Gotha. Die Genossen in Ruhla haben am Dienstag gesiegt, obwohl die Gegner in der schärfsten Weise den Kampf geführt haben und besonders mit der unwahren Behauptung operierten, die seitherige sozialdemokratische Mehrheit im Stadtverordnctenkollegium habe nur zum Schaden der Gesamtheit und der Stadt gearbeitet. Doch die Entscheidung fiel zugunsten der Sozialdemokratie aus; die f ü n f Genosse» wurden gewählt, wodurch sich die Zahl unserer Mandate auf acht erhöht, die der Gegner auf 2 verringert. Von 500 Wählern gingen 440 zur Wahl. Die Liste der Gegner erhielt ISl bis 212 Stimmen, dagegen unsere Liste 215 bis 245.— In der Stadt Ohrdruf mit ihrer starten Industrie sind wrr leider unterlege-. Es waren sechs Siadtver/ rdnete zu wählen. Die Gegner siegten mit 334 bis 405, wir erzielten 24! bis 269 Stimmen und büßten sogar nicht nur den einen Sitz, sondern auch Stimmen ein.— Auch in Waltershausen(eine fast reine Arbeiter- stadi) verloren wir sämtliche fünf Mandate an die Reichsver- bändler und„Vaterländler". Hier hatten wir von 10 bisher 7 Sitze, nun haben wir nur noch zwei und die Gegner acht. ES rächt sich da wieder mal die Lauheit der Genossen, die erst einige Tage vor der Wahl sich mit der Sache befassen und sonst das ganze Jahr über die Herbeischaffung neuer Bürger versäumen.— In Dietharz wurde bei einer Ersatzwahl ein Genosse mit 29 Stim- men Mehrheit gewählt. In Manebach(größeres Arbeiterdorf im Thüringer Wald) siegten die Kandidaten der„Büraerpartei" gegen unsere, und in zahlreichen anderen Orten steht die Wahl noch bevor. In der Stadt Gotha nahmen unsere Stimmen gegenülber'dem vorjährigen Ergebnis um beinahe 100 Proz. zu, weil die Genoffen ein lebhaftes Interesse für die B ü r g e r r e ch t s- erw erbung(hier besteht ein 300 Mitglieder zählender„Verein zur Erwerbung des Bürgerrechts") an den Tag legten. Als„Agita- toren" für die Gegner waren von auswärts tätig der Sekretär G r aß w u r m- Gera und der frühere sozialdemokra- kifchc Redakteur Burgemeper. Zur Vergrößerung der„Humauitä" in Paris. Die außerordentliche. Generalversammlung, welche die Aktiv- näre unseres französischen Zentralorgans in Paris abhielten, hat den Verwaltnngsrat ermächtigt, 12 000 Obligationen zu 25 Fran- ken, die 4 Proz. Zinsen tragen werden und in vierzig Jahren rück- zahlbar sind, auszugeben, um die für den Bau einer eigenen Partei- druckerei nötigen 300 000 Franken zusammenzubringen. Im Ver- laufe der Debatte betonte Renaudel, daß die„Humanite" auch fernerhin das sogenannte„Finanzbulletin" nicht veröffentlichen werde, um gegenüber der Finanzlvelt ihre völlige Unabhängigkeit zu be- wahren. Die„Humanite" und der„Bataille Syndicaliste" sind die einzigen Pariser Blätter, die freiwillig auf eine Jahresein- nähme von etwa 50 000 M. verzichten, die von der Börse für die Aufnahme der Finanzbulletins gezahlt werden. Bon der englischen Arbeiterpresse. „Daily Citizen", das Organ der englischen Arbeiterpartei, gibt bekannt, daß vom 16. Dezember ab eine Auflage des Blattes in London herausgegeben wird. Jetzt wird„Daily Citizen" bekanntlich in Manchester gedruckt und mit dem frühesten Morgen nach Lon- don befördert. Mit der in Manchester gedruckten Auflage wird be- sonders der Norden Englands versehen. Die zahlreichen deS Nachts eingehenden Telegramme konnten bei der bisherigen Herstellnngs- weise für die Londoner Auflage und für die nach dem Süden oc- ftnnmten Exemplare vielfach keine Berücksichtigung mehr finden. Mit der neuen Einrichtung werden alle diese Schwierigkeiten be- hoben. Die Redaktron fordert die Arbeiterschaft Englands auf, tatkräftig für die Verbreitung ihres Blattes einzutreten. Nur bei einer sehr großen Auflage werde es möglich sein, der kapitalistischen Presse mit Erfolg Konkurrenz zu machen. Bon ber Parteipresse. Aus Nürnberg wird gemeldet, daß die Preßkommission der„Fränkischen Tagespost" das ehemalige Mitglied der demokratischen Vereinigung Genossen Dr. Nestriepte zum zweiten politischen Redakteur des Blattes gewählt habe. Die Stelle des durch den Tod des Genossen Herz- berg freigewordenen Chefredakteurs ist noch unbesetzt. poUreillckes, Oericbtlicbea ukw. Schwäbische Gerechtigkeit. Wie gemeldet, ist Genosse Dr. T h a l h e i m e r, früher Redak- teur der Göppinger„Freien Volkszeitung", wegen Preß- belerdigung zu der drakonischen Strafe von 2% Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil wurde weit über die Parteikreise hinaus als außerordentlich hart empfunden. Das w ü r t t e m- bergrsche Justizministerium glaubt aber anscheinend noch ein übriges tun zu müssen. Das Gesuch des Genossen Thal- heimer, seine Strafzeit im Stuttgarter AmtsgerichtSgefängnis ver- bringen zu dürfen(feine Eltern wohnen in Stuttgart-Cannstatt), wurde abschlägig beschieden. Er soll seine Strafe im Landes- gefängnis Rottenburg verbüßen. Damit nicht genug, ist ihm auch die Selbstbeköstigung versagt worden. Das ein- zige, zu dem man siiH hat aufschwingen können, ist das Zugestand- rnS der Selbstbeschäfngung und deS Tragens der eigenen Kleidung. Dieses Berijalten des württembergischen Justizminrsteriums kenn- zeichnet den Geist; der im„Demokratenländle" die Herrschaft ange- treten hat._ Ein interessantes UntersuchnngSverfahre«. Das„Bochnmer Bolksblatt" brachte Ansang Okiober ein charakteristisches Kulturbildchen aus Recklinghausen. Der Kastellan des dortigen Amtsgerichts hatte sich beim aufsichtsführen- den Richter, einem Gerichtsrat, beschwert, weil seine im Keller- geschoß liegende Dienstwohnung hochgradig gesundheitsschädlich sei. Die Wohnung sei schwer heizbar und ihr entströme trotz fleißigen Lüftens eine muffige, stinkige Luft. Der Herr Gerichtsrat revidierte die Wohnung und gab dem Kastellan den Rat, seine Betten auf den Tisch zu stellen, da nach einem bekannten Naturgesetz die warme Luft nach oben ziehe und die Kälte deshalb weniger empfindlich wirken werde.— Die Behandlung dieser Sache im„Volksblatt" scheint unan- genehm empfunden worden zu sein, man ist nämlich zurzeit eifrigst bemüht, den Einsender bezw. den Verfasser der Rotiz zu ermitteln. Zu diesem Zwecke sind bereits sämtliche Redakteure deS„Volks- blattes"— mit Ausnahme des Verantwortlichen!— sowie der Metteur vom Untersuchungsrichter vernommen worden. Es kommt also den Interessenten oftenbar nur darauf an, fest- zustellen, wer dem..Volksblatt" die Sache mittelbar oder unmittel- bar mitgeteilt hat. Die Tatsache selbst scheint man unbestrftten lassen zu wollen. ßrUfftaften der Redahtion. Sit lurlltyche S»rtMun»t findet Lindenftraße«3, vorn vi» Treppe» — F a d r si u h l—,»wchrnla glich von bis 7 Vj Uhr adcudS, Eonu-drnds, von vis S Uhr abend» ftnn. Jeder für den BrirflaNen veüimmten Anfrage ist ein Buchstade an» eine Sah« als SNerljeichru detznfstgen. Briefliche Antwort wird nicht-rreUt.»nfragcn. denen kctne AbouuementSanttwng beigefügt ist, Verden nicht deaniworict. EUtge Kragen»rage man tn der Sprechstunde vor. Eheverbot. Der Nnlraa hat, bevor nicht ein Jahr nach Rechtskraft deS ScheidunasurtetlS verstrichen ist, keine Aussicht auf Erfolg. Nach Ab- laus dieser Zeit ist der Antrag bei dem Gericht erster Instanz anzubringe», das die Sache an den Jusiizministcr weitergibt. Ohne nähere Kenntnis des Sachvei Halts läßt sich darüber, ob der Antrag Aussicht a»s Erfolg hat, nichts jagen. Der Kostenrückstand ist ohne Eioslug.— R. D.. Pankow. 1. Ruht zu beantworten, da die Angabc darüber kehlt, wieviel Beitrags» Wochen in den einzelnen Klaffen geleistet sind. S. Offenbar ist die Ein, spruchSftist gegen die Veranlag, ing oerstrichen. War der Wann zu da- maliger Zeft noch erwerbsunfähig, so empfiehlt sich der Antrag aus Er- Mäßigung bczw. Erlag bei dem Vorsitzenden der Veranlagungslouimission. — X. 999. Rein.— 9t. St. 65. Der Satz scheint zu gering. ES besteht auch dem ältesten Kinde gegenüber dle AliinentationSvslicht.— A. U. 31. 1.»et der dortigen OilSbehöcde. 2. Nein.— R. G. 23. Wenden Sie sich an den Bauarbeiiervnband zu Berlin, Engeluser 14/15, GewerkschastS- bau«.— E. R. 65. 7 M.— 9l. E. 3». 1 und 2. Falls wegen deS Verkehrs die Ehe geschieden ist. gilt das Eheverbot kraft Gesetzes, ohne daß es im Schciduiigsurteil zum Ausdruck gebracht ist. ES mutzte also, und zwar frühestens nach'Ablauf von Jahresfrist von der Rechtswast deS llrtellS ab gerechnet, bei dem Landgericht ein Antrag aus Befreiung gestellt werden. — P. P. 19. Falls kein Testament vorliegt, Kwd'lt, Frau V«.— M. Z. 7. Richten Sie ein Gesuch um tVeriuchung der Vö'lme an da» Polizeipräsidium.— ft.«. SO. So weit städlische Krankendäuser in Frage kommen, ist im Kranlenhause Moabit die Klassifizierung vorgesehen. — F. H. 26. 1. Nicht bekannt. 2. Polizeipiäfldinm Charlotteiidurg.— R., Richardplay. Falls Sie rechlSrhebiiicher Bayer sind, empfieblt ch der Antrag aus Ausnahme in de« preutzischen StaatSverband, da anderiisall« ein EhelichkeitSzenguis beigebracht werden mutz, waS mit nicht unerheblichen Kosten ve, knüpst ist. Im übrigen erlange» Sie durch die Ausnahme in den preutzischen StaatSverband auch daS Recht, bei Landtags- und Stadtverordnctenwahlen zu wählen.— Johannisthal IIa. Sie können den Anspruch be! der Gesellschast noch geltend machen.— E. D. Sil. 1. Ja, wenden Sie sich an die Buchhandlung Vorwärts. 2. Mitglied einer OrtStrankenkaffe kann Ihre Fran nur dann werden, wenn sie eine ver» ficherungSpflichtige Beschästtgnng hat. Nach Ausgabe derselben kann sie ihre Miigliedschajt sreuvillig fortsetzen. Anderenfalls raten wlr, sich an die Ostenbacher Kranlenkafss, Vorsitzender Wilhelm Hinz, Berlin, Prinzenstr. 6% zu«enden. Todes-Anzeigen Soziaideiiiokrat.W8Mvereinl.den Z. Berliner keichstags-Watiikreis. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Genosse Leonliard fiiscliawy; gestorben ist. Ehre seinem Zleldenkent Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Dezember, nachmittags 2>/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fried- hoses in Fricdrichsselde aus statt Um rege Beteiligung ersucht Iter Vorst»»»«!. Am Mittwoch früh B'/j Uhr verstarb nach schwerem Leiden unser Vorsitzender und Genosse Karl Hartseil. 1555b Ehre seinem Andenken! Die Freie Vereinigung der Berliner WäschesVerleiher. Dentsclier ßolzartieiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mil gliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Leonhard Rischawy Alcrandrinenstr 40, im Alter von 38 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 7. Dezember, nachmittags 2'l2 Uhr, von der alle des Zentral- FriedhosS in riedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 92y6 Die OHsverwaltung. s Am Mittwochabend 9 Uhr ent- schlics nach kurzem, schwerem Leide» mein innigstgliebter Mann, unser treusorgender Vater. Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel 154Lb Wilkelm Lckiul�e im 55. Lebensjahre. llie trauernden. Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag 2'/� Uhr von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhofes in Fricdrichsselde aus statt. SozialdemokratiselierWaMverein I. d. 4. Berl. ReichstagswaMkreis Petersburger Viertel. Bez. 343. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Wilhelm Schulze Weidenweg 3, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Dezember, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- Halle des'Zentral-Fnedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/7_ Ter Borstand. Sparverein„Piisator. In ausrichtiger Trauer benach- richtigen wir unsere Mitglieder von dem Ableben unseres ge- treuen Rendanten 1548b Willielm Schulze dem wir allezeit ein treues An- denken bewahren werden. Ter Borstand. Arn 4. Dezember, mittags I21/2 Uhr. starb im hiesigen Krankenhause„Hasenheide" in- solge einer Operation unser lieber Kollege, der Schristsetzer Richard Qaede im Alter von 47 Jahren. Sein echt kollegialer Sinn und rege Teilnahme an unseren Be- strebungen sicher», ihm bei uns Asn bleibendes Gedenken. 15.L5b " Berlin, b-n 5. Tchz- 1912. Die Kollegen der Noi ddeutschen W Buchdruckerei. Die Beerdigung� findet am Sonntag, den 8. Dezember nach- mittags 2'/. Uhr/ aus dem Tempel hofer(stemeindefried- hof, Germauiastraße, statt. Den lieben Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß unser Stammwirt Wilhelm Schulze am Mittwochabend aus unserer Mitte entrissen worden ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 15476 Die Stammgiiste. Wznl! ller Tapezierer. Filiale Berlin. Am 4. Dezember verstarb unser Kollege, der Tapezierer Oswald Dichter an Lungenleiden. 178/15 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Dezember, nachm. 3'/z Uhr, vom städtischen Krankenhaus Friedrichshain aus statt. Um rege Beteiligung bittet «Hie Ortsverwaltung. Uanksagung. Für die reiche Kranzspende und zahlreiche Beteiligung bei der Be- erdigung des Schuhmachers, Herrn Holneich Ernst, sagen wir allen Nachbarn, Fieundrn und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 1545b Die Verwandten. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzipcnden bei der Beerdigung meines lieben Mannes. unseres guten VaterS 27A Karl Ronx sagen wir allen Verwandten undBe- kannten, Kollegen und Freunden sowie sämtlichen Vereinen und Rauch- klubS unseren herzlichsten Dank Anrlv Ronx nebst Kindern. Qlas- Chrlstbanrnsehrnuek kaust man direkt aus erster KW am vorteilhastesten"VN bei der Glasbliiser-Kenossenschast des Meminger Oberlandes e. G. m. b. H.. Lauscha(I.-M.). 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Steindrucker u. Littiograptien. Die Beerdigung des am4.d. M verstorbenen Lithographen (justav Engelhardt findet statt am Sonnabend, den 7. Dezember, nachm. 3 Uhr, aus dem Gemeinde- Kirchhoj Rum- melsburg. Lückstraße. 1558b Die Einäscherung des am 4. d. M. verstorbenen Lithographen Ernst Weishach findet statt am Sonntag, den 8. Dezember, vormittags ll Uhr, m Krematorium, Gerichtstraße (Städtischer Friedhof). Das Komitee. Danksagung. Für die so überaus zahlreichen Be- weise der Liebe und Teilnahme bei der Beerdigung imsercs inniggcliebten SohneS und Bruders I5k0b WNU Königer sagen wir hiermit allen lieben Freun- den und Bekannten, insbesondere dem Herrn Hörndl, dem Gesangverein Öber-Schöneweider Liederlasel, dem Wahtoerein Ober-Schöneweide, dem Metallarbeiter-Bcrband. sowie der Direktion und dem Personal der Firma R. Frister unsere» herzlichsten Dank. NVax Königer _ und Familie. Buchhandlung Vorwärts Lindenslr. 69(Laden) Wie wird die Staatsangehörigkeit erworben? 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Dezember 1913, abends 8 Uhr, im Restaurant„Goldener Hirsch"(Inhaber: Schulz), Köpenick�Friedrichshagen: Bezirks-Versammlung für den Kez. 33z Köpenick-Friedrichshngen Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Bezirksleitung und Neuwahl derselben. S. Verschiedenes. ; Mitgliedsbuch legitimiert 1- Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 134/9 vi« OrtsvepwjUtung. nur Zweigrvereln Berlin. Sektion der fabrftublarbeiter! Sonntag, den 8. Dezember 1913, vormittags 10 Uhr» in Wilkes �eftsälcn, Sebastianstr. 39: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: i. Bericht über die Berhandlung mit dem Verband der Bauaufzugsstrmen. 2. Diskussion. 3. Sektionsangelegenhellen. 147/« Die Scktlonsleltnnj;. Uer BiUAr-V Verwaltung Kerlin. Stellmacher! Heute Sonnabend, den 7. Dezember, abends 8'/z Uhr, im Rosenthaler Hof, Roscnthalerstraste 11/13: Aiikerlirdciitlilht Lroncheumfinnitiliiiig = mit Frauen.= Tagesordnung: Der Einfluß der Kirche bei der Erziehung der Kinder. Resercntin: Genoisin A. Kahrenwald. Nach dem vortrage: GemütHckes Beisammensein. Kollegen, erscheint vollzählig mit den Angehörigen! Zlhirmilähttilllltn md Schirmmchn Sonntag, de» 8. Dezember, abends k Uhr: Irsneiien- Versammlung bei Bcrcht, Ritterstraste 73(Rittersäle). Tagesordnung: 1. Die Teuerung und die Lage der Schirmarbeiteriuneu und Arbeiter, Referentin: Genossin ftzr. Hanna.— 2. Diskussion. Vleintitllelieu Nach der Versammlung: :s Beisammensein und Tanz. Einsetzer. Sonntag, den 8. Tezember er., vormittags 10 Uhr, finden die Heiirks-Versammlungen in den bekannten Lokalen statt. Tagesordnung: Bericht. Borschlage zur Neuwahl der Kommission und der Delegierten zur Generalversammlung. AM- Sämtliche Delegierte müssen anwesend sein.-MA 92,5 nie Ortsverwaltnng. Sozlaldcmobratikbcr Blahlverein fiird.Z.Bcrl.lücichstagswablkms. Sonntag, den Dezember 1913, Bon 10 Uhr ab: Urwahl- der Delegierten für den Parteitag in Preusten in solgenden Lokalen:' Redmann, Bülowstr. 55. Bethge, Lützowstr. 7. Witwe Augustiu, Oranicnstr. 103. Schröter, Markgrafenstr. 102. Keufner, Möckernstr. 93. Borgfeld, Nostizstrasie 29. Bänder, Gitschincr Straße 85. Riedle, Planuser 75. Maicr, Diesienbachstr. 53. Stcndel, Jahnstr. 23. Wahlberechtigt ift�jedes�Mitglied. das den Beitrag in irgend cli für nrm August ISIS bezahlt hat. Das Wahlrecht kann der vorgenannten Lokale ausgeübt werden. MF- Die Wahl beginnt um 10 Uhr vormittags und wird um 1 Uhr nachmittags geschlossen. 209/6* Her Verstand. Monatsgarderobe Von Kavalieren getragene Ulster. Jackett-, Rock-, Frack-, Smoking- Anzüge, teils auf Seide gearbeitet sowie gro&es Lager in neuer eleganter Herren-Garderobe zu bekannt billigsten Preisen* Türkischer, Prjnzenstr.79 am Moritzplatz Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Sonntag, den 8. Dezember, vormittags 10 Uhr, Prinzenallee 33; Mitglieder- Bers ammlung Tagesordnung: 1. Vorstandswahlen. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zahiretchcs Erscheinen erwartet Der Vors»»»».(144/1 inDigs-Rrankeiikasse der Daeb-, SelMer- u. Ziegeidecker Berlins. WahlYersammlung Montag, den 1«. Dezember ISIS, abendS 8 Uhr, bei Wollschläger. Sil., Adalbertstr. 21. Tagesordnung: 1. Wahl von 22 Delegierten der Arbeitnehmer per 1913. 2. Wahl von 11 Ersatzmännern. 3. Wahl von zwei Krankenkassen- kontrollenren. 284/6 Der Vorstand. Gustav Hohdors, Vorsitzender. Zentralverband der Maschinisten u. Heizer sowie Berufsgenossen Deutsehlands. Geschäftsstelle Groß-Berlin. Sonntag, den 8. Dezember 1913, vormittags 10 Uhr, in den Andreassälen Berlin, Andrcasstraste 31: Kombinierte Versammlung der Semkt Groß-Kerlin, Spiindau und die Kesirke der Gtschiistssteilt Köpetlick. Tagesordnung: 1. Bericht der Mnfzehner-Kommission und Beratung des Ortsstatuts. 2. Wahl der Ortsverwaltungsmitglieder und Revisoren. Pflicht der Mitglieder aller Bezirke ist eS, zu dieser Versammlung zu erscheine», sorgt für Massenbesuch. - Hitgliedsbnch legitimiert.■■■- 151/2 Der Elnbernfer. S». 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VerlagSanstalt Paul Kinger u. So.. Berlin SW. 9r.m 29. liltgmj. Z. KttlM htS„NSMllltS" Kttlilltl KlllSllllltt. Partei-)Zngelegenbeiten. Vierter Kreis. Am Sonntag, den 8. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, findet von der 42. Ableitung eine Besichtigung des Asyls für Obdach. läse in der Fröbelstraxe statt. Treffpunkt um 4 Uhr nach- inirtagS in den Bezirkslokalen. Ferner findet morgen, Sonntag, abends 6 Uhr, im Lokal von Schmidt. Lichtenberger Str. 16, eine Versammlung der IS. Abteilung statt. Tag-sorduung: 1. Vortrag der Genossin Martha Dcmmning. 2. Diskussion. Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Gäste willkommen. Der Vorstand. Lichtenberg. Die Genossen zur Landagitation treffen sich beute abend S'/z Uhr bei Metzger, Gürtelstr. 4g,— Rüdersdorf um 8 Uhr. Lichterfeldc. Sonntag, den 8. Dezember, mittags 12 Uhr, große öffentliche Versammlung im Lokal des Herrn E. Richter, Chaussee- straße 104. Tagesordnung: 1. Die Rechts des Volkes. Referent: Dr. Julius Moses. 2. Der Gewallstreich der Lichterfelder Ge- lneindevertretung. Arbeiter, wahrt Eure heiligsten Rechte und er- icheint in Massen in dieser Versammlung. Briy-Buckow. Wegen des Märchenabends für Kinder fällt die Libliothekssmnde am Sonntagabend aus. Roscnthal(Wilhelmsruh). Am Montag, den 9. Dezember, abends 8'/� Uhr, findet im Lokal von G. Milbrodt, Kronprinzen- straße 15, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Die politische Lage. Referent: Genosse Reichstagsäbgeordneter David- s o h n. 2. Diskussion. Hierzu werden am Sonntag früh 8 Uhr Handzettel von den Zahlabendlokalen aus verbreitet. Reinickendorf-West. Sonntag, den 8. d.M., früh 8 Uhr: Nugblattverbreitung von den Zahlabendlokalen aus.— Der Zahl- abcnd für die 9. Gruppe findet besonderer Umstände halber am Dienstag, den 10. d. M. statt. LerUner I�ackrickten. Tie zukünftige Gestaltung des Exerzierplatzes an'ocr Schönhauser Allee. Der Magistrat beschäftigte sich gestern mit dem vom städtischen Gartendirektor Brodersen ausgearbeiteten Ent- Wurf für die zukünftige Ausgestaltung der von der Stadt angekauften östlichen Hälfte des Exerzierplatzes an der Schön- hauser Allee. Der Magistrat hat bekanntlich vor kurzem be- schlössen, von einer Bebauung des Platzes Abstand zu nehmen und auf dem Platze nach Durchlegung der Sonnenburgcr Straße nach der Schönfließer Straße eine Spielwiese mit Zubehör herrichten zu lassen. Die Parkdeputation hat den vorgelegten Entwurf genehmigt und dem Magistrat zur An- nähme empfohlen. Ter Magistrat stimmte dem Plane grund- sätzlich zu. Es wurden einige Abänderungen beschlossen, welche für die Anlage einen etwas geringeren Aufwand von Mitteln erfordern, als der Entwurf vorsah. Nach dem neuen Projekt sind auf deni 14, 4li Hektar großen Gelände 7 Spielplätze angeordnet, deren Flächeninhalt zwischen 24W Quadratmeter und 25 KM Quadratineter schwankt. Zwischen den Spielplätzen sind als Zugangswege 24 Meter breite Promenaden vorgesehen, die durch Baum- nlleen beschattet werden, unter denen zahlreiche Ruhebänke Ausstellung finden sollen. Tic ffanze Ostseite des neuen Platzes wird durch zwei große Spielplätze eingenommen werden. Die westliche Seite des Platzes wird bis auf zwei kleinere Spielplätze von der 25 000 Quadratmeter großen Volks- und Festwiese eiuge- noiumen, die als Rasenfläche angelegt und unterhalten werden soll. Tie Spielplätze außer der Festwiese und eines kleineren Spielplatzes sollen durch 1,20 Meter hohe in Hecken stehende Trahtzäune eingefriedigt werden, wodurch diese Plätze einen geschlosseneu Charakter erhalten und die Spielen- den durch das Publikunl nicht behindert werden können. Die Plätze sind für die verschiedenartigsten Spiel- und Sportarten bestimmt: auch für kleine Kinder werden Sandspielkästen und Spieltische vorhanden sein. Für die Ausgestaltung der Spielplätze hat man turnerische und sportliche Kreise Berlins in ihren Vertretern zu Rate gezogen. Die„Spitzenleistungen" der Berliner Elektrizitätswerke. In der Nr. 279 brachte der„Vorwärts" einen Artikel nach der „Vossischen Zeitung":„Die Stadt Berlin und die B. E. W.", in dem ausgeführt wurde, daß es die Berliner Elektrizitätswerke für zweck- mäßig� erachten, ihren Hauptkonsum vom Braunkohlenrevier bei Bitterfeld aus zu speisen. Die Berliner Zentralen dienten da- gegen nur„für die sogenannten Spitzenleistungen." Dieser im wesentlichen nur in fachmännischen Kreisen gebräuchliche Ausdruck ist. dem großen Publikum nicht geläufig. Es wird daher inter- cssicren, was eigentlich unter den„Spitzenleistungen" zu vcr- stehen ist. Man pflegt zur besseren Ueberficht der Inanspruchnahme von Kraftwerken zeichnerische Darstellungen anzufertigen. Solange ein verhältnismäßig gleichartiger Stromkonsum stattfindet, erscheint dann in der zeichnerischen oder„graphischen" Darstellung eine an- nähernd gerade Linie. Tritt nun die Dämmerung ein, also im Dezember gewöhnlich gegen 5 Uhr nachmittags, dann wird natur- gemäß überall Licht bckiötigt. Die meisten angeschlossenen Konsu- mente» schalten jetzt ihre elektrischen Beleuchtungskörper ein. In ganz kurzer Zeit steigt nun der Verbrauch an elektrischer Kraft außerordentlich. Auf der zeichnerischen Darstellung markiert sich dieser Vorgang cher rapiden Stromzunahme als steil aufitcigende Linie. Es bildet fich uin so mehr eine Spitze, als sehr bald der Schluß zahlreicher Fabriken(um 146 und dann besonders um 6 Uhr) eintritt. Die Linie fällt also in der zeichnerischen Veranschau- lichung des Stromverbrauchs etwas ab. Doch bald beginnt wieder ein Aufsteigen, da die Theater und sonstigen Unterhaltungslokali- täten mit ihrem Lichtbcdarf einsetzen, so daß gegen 8 Uhr wieder ein ganz besonders großer Konsum zu verzeichnen ist. Der Ein- tritt des Ladenschlusses(8 Uhr, an Sonnabenden 9 Uhr) bringt abermals eine starke Abwärtsbewegung der zeichnerischen Dar- fiellung zuwege. So entsteht in der Tat eine Zeichnung des täg- lichen Ltromkoiisnms, die an verschiedenen Stellen unverkennbare „Spitzen" aufweist. Während nun für den normalen Bedarf die Stromzusübrung von außerhalb genügen muß, ist man zur Be- wält-guna der immer nur für verhältnismäßig kurze g«it ein- tretenden Konsumsteigerung genötigt, die Rcscrvemaschinen ein- greifen zu lassen, um den sogenannten Spitzenkonsum befriedigen zu können. Das Ideal eines Konsumbildes ist natürlich das mit möglichst wenigen Spitzen von recht geringer Höhe. Dieser Zu- stand wird von den verschiedenen Elektrizitätswerken durch Tarif- maßnahmen zu erreichen gesucht. Daher erklärt eS sich, wenn auch in Berlin für den elektrischen Stromkonsum in den späten Abend- stunde."! eine billigere Preisbemessung stattfindet. Jedes Wer! arbeitet dann am rationellsten, wenn die vorhandene Kraftanlage niöglichsl lange gleichmäßig beladet ist. Die in den späten Abend- stunden gewährte Preisverbilligung des elektrischen Strom?(mit Hilfe besonderer Elektrizitätsmesser� macht denn auch eine Er- fcheinung erklärlich, dessen Zweck tnäß:gkeU dem Publikum, das mit diesen Frage.n nicht vertraut ist, nicht einleuchtet. Man kann in zahlreichen Lokalitäten beobachten, daß in den späten Abendstunden die bis dahin zur Beleuchtung benutzten Gasflammen ausgedreht werden und die elektrische Beleuchtung eingeschaltet wird. Es ist dann eben der Moment eingetreten, in dem es für die Besitzer des Lokals vorteilhafter ist, elektrisches Licht nach dem billigen Aus- nahmclaris für die späten Abendstunden zu brennen. Jugendheim-Lotterie! ' DieS Wort prangt weithin sichtbar an den Anschlagsäulen. Also eine Lotterie zum Besten der Jugendheiine! Zwar ein schlechtes, ein uninöralischeS Mittel, aber offenbar denen nffht zu verwerflich, welche Veranstalter der Lotterie sind. „Lose ü 3 M.l" werden angeboten. Man rechnet also nicht auf die großen Massen des Volkes, sondern auf die kleine Schicht der Wohlbegüterten. Alle übrigen Ankündigungen auf den Plakaten verraten nichts über das Jugendheim, dem diese laute Reklame dienen soll. Wir mußten erst einen Lotteriekollekteur aufsuchen, um zu erfahren, daß es sich um das Jugendheim des F r ä u- lein Anna v. G i e r k e in Charlottenburg bandelt. Also die Lotterie ein neues Kampfmittel der bürgerlichen Jugendbewegung, deren Gönner in denselben Reihen zu suchen sind, aus denen heraus erst kürzlich laute Proteste gegen die Ver- anstaltung von Lotterien zu WohltätigkeitZzweckcn ertönten. v Wir aber protestieren nicht nur gegen die Lotterie, son- dern gegen die ganze bürgerliche Jugendbewegung, die doch nur der unsrigen das Wasser abgraben soll. Ter bürgerlichen Jugend- bewegung hift der Staat durch Konzxssionierung einer Jugend- Heim-Lotteric, die unserige bekämpft er mit allen Mitteln unseres „Rechtsstaates". Demgegenüber fordern wir die Parteigenossen und Genossinnen auf: Tretet ein in den Verein Arbeiter- Jugend- heim l Damit gebt Ihr unseren Gegnern die beste Antwort. Der König der Kurpfuscher. Das Berliner Polizeipräsidium erläßt folgende Warnung:„Am 2. November 1912 sind der Engländer Gerald Joseph Marcaura. der mit marktschreierischer Reklame seinen„Pulsoconn-Apparat" anpries, und seine Helfershelfer Frank Macaura, A. F. Appelboom, Edgar Johnston und M. Carthy-Barry wegen unlauteren Weit- bewerbs und Betrugsversuchs aus dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen worden. Der Vibrations-Massage-Apparat, den Ma- caura für 50 M. verkauft, ist seit langem bekannt und in jedem ein- schlägigen Geschäft für 12— 15 M. zu kaufen. Bevor Macaura hier sein Treiben begann, war er, wie auch Berliner Zeitungen bereits im Mai 1912 unter der Ueberschrift„Der König der Kur- Pfuscher" meldeten, in Paris wegen Betruges und unbefugter Aus- Übung der Heilkunde verhaftet und nach Hinterlegung von 50 000 Frank Kaution vorläufig wieder in Freiheit gesetzt worden. Ma- caura hat nunmehr den Vertrieb der Pulsoconn-Apparatc den Ge- brüdcrn Haase in Berlin, Lützowstraße 106, übertragen." ' Die Genannten hatten cS verstanden, das Publikum in der unglaublichsten Weise zu täuschen. In den im Wintergarten ver- anstalteten Vorträge», zu denen sich Personen mit allen möglichen Leiden und Gebrechen einfanden, stellten sich die Veranstalter noch als Wohltäter der Menschheit vor und ihre Sprechstunden, die sie abhielten, waren überfüllt. Die Hauptsache bestand darin, den Besuchern einen Apparat für 50 M. auszuhängen, der am Orte für 12— 15 M. zu habe» ist. Der Polizeipräfident hätte seine Warnung schon früher loslassen sollen._____ Ablenkungen von Straßenbahnlinie». Die Straßenbahn ist genötigt, von Montag, den 9. Dezember, 149 Uhr vormittags, bis Dienstag, den 10. Dezember. 6 Uhr früh, die Linien 60, 61, 72, 73 in der Richtung nach dem Alexanderplatz vom Prenzlauer Tor an über die Lothringer Straße, das Schönhauser Tor, die Alte Schön- hauser, Münz- und Alexanderstrahe umzuleiten. Die Ablenkung ist geboten durch Rohrverlegungen der Städtischen Wasserwerke in der Prenzlauer Straße. Wegen epidemischen Auftrcieus von Ziegenpeter ist die 179. Ge- meindeichule in der Albrechtstraße auf 8 Tage zur Desinfektion geschlossen. Uebcr die Defraudation des flüchtigen Bankbeamten Brüning verlautet, daß es jetzt gelungen ist, nach eingehender Vernehmung eines Schwagers und dessen Frau, die in Engter i. W. bei Osna- brück wohnen, 67 000 M. von dem unterschlagenen Gelde aufzu- finden. Das Hakkesche Ehepaar in Engter, um das cS sich handelt, hatte sich in letzter Zeit durch erhebliche Geldausgaben und durch verschiedene Redensarten verdächtig gemacht, so daß der die Bruningsche Sache bearbeitende Untersuchungsrichter sich mit zwei Kriminalbeamten nach dem Ilcinen Oertchen Engter begab, um die Hakkcschen Eheleute über die Angelegenheit zu verhören. Zu- nächst wollten die Leute von Brüning nichts wissen. Schließlich mußten sie sich aber doch bequenicn, sich näher zu äußern. Es ergab sich, daß Brüning sie aufgesucht habe und ihnen eine größere Snnnne der veruntreuten Gelder zur Aufbewahrung übergeben habe.. In einer Bleiröhrc senden sich 27 000 M. verborgen, während 40 000 M. in einem Mauerwerk des Hauses versteckt waren. Die Hakkcschen Eheleute wurden verhastet und werden nach Berlin übergeführt werden. Brüning selber soll sich in Amerika aufhalten. Betrugsfall bei der Dresdener Bank. Bereits vor einiger Zeit toar von einem Betrüger der Versuch gemacht worden, ein bei der Filiale der Dresdner Bank, Kurfürstcndamm 238, für eine Frau v. Oppenheim deponiertes Guthaben abzuheben. Es wurde damals unter dem Verdacht der Täterschaft ein gewisser Athen Benada festgenommen, der sich aber jetzt wieder aus freiem Fuß befindet. Nunmehr ist der Betrug wirklich gelungen; es sind mehrere tausend Mark aus das Guthaben der Frau v. Oppenheim bei der Bank abgehoben worden Zwei Personen wurden bereits verhaftet. Es sollen bei dem Betrüge im ganzen vier Personen beteiligt sein. Benada ist auch darin vertvickelt. Drei Helfershelfer des geisteskranken Einbrechers Gorski, der, wie berichtet, vor einiger Zeit von einem Polizeibeamten erschossen wurde, als er bei seiner Verhaftung diesen bedrohte, sind von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Es sind der Wärter an der Irrenanstalt in Buch, Gcnz, der Schlosser Burmester und die Geliebte des Gorski, Markiewicz, cmS der Manteuffclstraße. Die M. hatte dem Genz ftir die Befreiung 2000 M. versprochen und ihn auch geködert; den Burmester, der bei ihr wohnte und in sie verliebt war, überredete sie, ihr nach den von Genz genommenen Wachsabdrückcn Zellenschlüsscl anzufertigen. Als alles genau vor- bereiter und bespräche» war, erfolgte mit Untcrstützc-eg zweier anderer in Buch inhaftierter Verbrecher, der Einbrcchr-: Sckohr und Meyer, die Befreiung Gorskis. Bei der Gelegenheit rückten auch Schohr und Met?er aus. Man hat sie noch nicht wieder ge- faßt. Dagegen kam die Kriminalpolizei jetzt auf die Spur der übrigen Helfershelfer. Genz gestand alles und wurde dann mit Burmejjer und-der Markiewicz hinter Schloß und Riegel gebracht. Zwei tödliche Straßcnunfälle ereigneten sich gestern mittag auf-dem Alexanderplatz un-d in der Köpcnickcr Straße. Als an der Ecke der Landsberger Straße ein alter Mann den Fahrdamm überschreiten wollte, fiel er zum Ent- setzen der Augenzeugen plötzlich vor einem Kraftomnibus der Linie 14, der langsam gefahren kam, um und blieb dicht vor den Rädern liegen. Der Wagenführer- bremste aus allen Kräften, bevor es ihm jedoch gelang, den Wagen zum Stehen zu bringen, lvar bereits ein Vorderrad über die Brust des Mannes hinweggegangen. Ter Verunglückte blieb schwer verletzt und besinnungs- los auf der Stelle»Aszen. Man bicyiie ihn nach de« Hilfswache in der Kerbelstraße. Hier konnte der Arzt aber nur noch feststellen, -daß er unterwegs schon gestorben war. Ob der Mann plötzlich einen Schwäche- oder Krainpsansall bekommen hat, ließ sich nicht ohne weiteres feststellen. Ter Verunglückte, dessen Leiche nach dem Schauhause gebracht wurde, ist etwa 60 Jahre alt, hat einen grauen Schnurrbart und eine Glatze und trug einen dunklen Jackettanzug, eine Mütze und schwarze Stieseln. Der neun Jahre alte Sohn Friedrich des P-osameniierarbeiiers Männecke aus der Pücklerstr. 4 kam um 12 Uhr aus der Gemeinde- schule in der Köpenicker Straße. An der Ecke der Eisenbahnstraße setzte er sich auf den Puffer eines Straßenbahnwagens, der mit einem Anhänger dort hielt. Ms sich nun der Zug in Bewegung setzte, wollte er schnell abspringen. Durch den ersten Ruck verlor er jedoch seine Schulmappe, die er unter dem Arme trug. Um sie nicht im Stich zu lassen, bückte er sich noch rasch, bevor er sie jedoch- er- haschen und wcgspringen konnte, lag er schon unter der Plattform -des Anhängers und wurde ein Stück Weges mitgeschleist. Als der Führer den Wagen zum Stehen brachte, war schon ein Vorderrad über den Unglücklichen hinweggegangen und hatten seinen Körper in der Magengcgcnd förmlich in zwei Teile zerschnitten. Passanten bemühten sich um den Unglücklichen, konnten aber Hilfe nicht mehr bringen. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Großseuer in einer Automobilmaterialienfabrik. Ein großes Schadenscucr wütete in der letzten Nacht in dcr Bergstraße zu Neukölln in der Fabrik für Nutomobilteile von Palous u. Bcuse, in der schon Donnerstag abend ein kleincr Brand ausgebrochen war. Die Fabrik ist in einem etwa 25 Meter langen Fachwerkgebäude untergebracht. Es lagerten dort u. a. fertige Motore im Gesamtwert von 120 000 M., zahlreiche wertvolle Zeichnungen und allerlei A-utomobi-lmaterialien: Der erste Brand am Donnerstag abend entstand gegen 7 Uhr in einem kleinen Hängeboden, wo Holzwolle und Lappen lagen, ergriff einen' Teil dcr Verschalung und sprang auch aus ein kleines Stück des Daches über. Diese Gefahr konnte von der Feuerwehr schnell beseitigt werden. Schon bald nach 9 Uhr konnten die Löschzüge wieder ab- rücken, nachdem die Brandstelle gründlich abgelöscht und auf- geräumt worden war. In der zwölften Stunde nachts erfosgte dann von neuem Feueralarm nach dieser Fabrik. Jetzt handelte e» sich um ein wirkliches Großfeuer, denn bei Ankunft der Löschzüge stand das ganze Fachwcrkgebäude in hellen Flammen. Auch wurden wiederholt Detonationen gehört, die von Benzol- und Karbidcxplosionen herrührten. Angesichts dieser gefähr- lichen Situation ließ der Branddirektor sofort mit 8 Schlauchleitungen, die von Dampfspritzen gespeist wurden, Wasser geben. Außerdem hatte die Deutsche Linoleum- und Wachstuchfabrik, die auf demselben Grundstück liegt und anfangs gefährdet lvar, drei weitere Rohre vorgenommen, um ihr Gebäude zu schützen. Für die Feuerwehr lag die Hauptausgäbc-darin, das Feuer von einem großen Korkhaufen und von einem Faßlager aus dem Hofe fern- zuhalten. Die mit explosiblen Stoffen angefüllten Fässer wurden fortgesetzt unter Wasser gehalteix, um eine Erhitzung zu verhüten. Das Fachwerkgebäude war von vornherein nach Lage der Sache verloren; es bramste denn auch vollständig nieder. Erst um 2 Ilhr konnte die Gefahr als beseitigt gelten und mit den Ausräumungs- arbeiten begonnen werden. Das gange Gebäude bildet einen Trümmerhaufen, und nur die Eisenkonstruktionen ragen noch in die Lust. Da ausan-gs der Verdacht der Brandstiftung auftauchte, wurde auch die Kriminalpolizei aus die Brandstelle gerufen. Nach den bisherigen Feststellungen scheint der Verdacht aber hinfällig zu sein._ Auf frischer Tat ertappt und festgenommen wurde gestern von einem entschlossenen Mieter ein schon wiederholt mit Zuchthaus vorbestrafter Einbrecher. Als sich der Maler B. nachmittags allein in seiner in der Tellstraßc 9 belegenen Wohnung befand, klingelte es an der Flurtür. Weil B. niemand erwartete, öffnete er nicht. Balo darauf klingelte es zum zweiten Male. Ihm kam jetzt dcr Gedanke, daß es Klingelfahrer sein könnten, da er sonst um diese Zeit nicht zu Hause zu sein pflegte. Er traf daraufhin Vorbe- reitungen, um diese bei ihrem Eintreten„würdig" zu empfangen. Es klingelte dann noch einige Male. Als. auch hierauf nicht ge- öffnet lvurde, wurde von außen mit einem Dietrich die Tür auf- geschlossen. Kaum hatte dcr Einbrecher, denn um einen solchen handelte es sich tatsächlich, den Fuß über die Türschwelle gesetzt. als sich der Maler auf ihn stürzte und ihn festhielt. Der Verbrecher wehrte sich jedoch und es gelang ihm auch, sich loszureißen und davonzulaufen. B. rannte ihm jedoch nach und holte ihn auf der Straße auch ein. Hier wurde er von ihm mit Hilfe von Passanten wieder ergriffen und nach dem nächsten Polizeirevier gebracht. Er entpuppte sich hier als ein wohnnngsloser früherer Bügler Otto Sydow, der noch nicht lange aus dem Zuchthause entlassen worden ist. Erschossen hat sich gestern nachmittag dcr 60jährige Schauspieler Wilhelm Wolf. Aus der Treppe eines Hauses in der Möckern- straße 108 jagte er sich eine Kugel durch den Kopf. Jin Krcxkseuhaus am Urban, wohin man den Schwerverletzten gebracht hatte, konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Die Motive zu der Tat Wolfs, der Direktor der bekannten„Hamburger Sänger" toar, sind noch unbekannt. Zeugen gesucht. Die Personen, welche gesehen haben, wie am 29. September 1911, nachmittags 414 Uhr, ein junger Radfahrer, vom Luisenufer kommend, auf der Oranienbrücke von einem Auto um- gefahren wurde; ferner diejenigen, die den Autoführer zum Halten veranlatztcn, sowie der Mann, welcher den verunglückten Radfahrer und sein Rad mit dem Auto nach der Unfallstation begleitete, wer- den gebeten, ihre Adresse an Karl Fechner, Schöneberg, Goten- straße 38, abzugeben. Fußballspiele der Arbeitcrturn- imd-sportvereiue. In der 1. Klasse spielen am kommenden Sonntag: Fichte I— Rummelsburg in Treptow. Köpenicker Landstraße: Weißensee— Britannia(Lucken- ivalde) in Weißensee, Falkcnberger Straße. Spielbeginn nachmittags 2'/t Uhr. Vorort- Nacbricbtem Lichtenberg. Ein Fest für das Spekulantentum waren die V-xhandlungcn am, Donnerstag in der Stadtverordnclcnversammlung. A-f der Tages- ordnung stand als Hauptpunkt für die Bürgerlichen: die Errichtung einer Hypothekenbank. Der Entwurf Schachtel lag der Versamm- lung vor. Gar bald zeigte sich, daß die Vorlage nur den Zweck verfolgt, den bessersituierten Hausbesitzern und Bauspekulanten Vorteile zu verschaffen. In der Vorlage wird die Errichtung dcr Anstalt als gemeinnütziges Unternehmen bezeichnet, mit der Aufgabe der Pflege des Wohnungswesens. Gefordert wird allerdings nur die Bclsihuug von Grundstuckest. Unsere Genossen unterbreiteten dazu folgenden Antrag:..Bis zu drei Viertel aufgenommene An.» leihen können als Hypothekendarlehen auf B<:rlin»Lichtenberger Grundstücke gewährt werden. In der Regel sollen die Eigentümer in Berlin-Lichtenberg wohnen. Ein Viertel der Anleihesumme, so- wie die Ueberschüsse der Anstalt sind für folgende Zwecke zu der- wenden: Errichtung von Kleinwohnungen durch Gewährung von Hypotheken und Hergabe von Grundstücken in Erbpacht. Das ge- werbSmäßige Vermieten solcher Wohnungen ist ausgeschlossen. Träger solcher Unternehmen von Kleinwohnungen können nur Genossenschaften von Mietern sein, soweit nicht die Stadt Klein- Wohnungen in eigener Regie vermietet. Die Kleinwohnungen sollen aus ein-, zwei- und dreiräumigen Wohnungen bestehen. Der Miet- preis darf nur um höchstens 1 Proz. über die Verzinsung der Anlage- und Unterhaltungskosten hinausgehen. Weiter ist ein Wohnungsamt einzurichten, das sich mit der Beaufsichtigung der Wohnungen in der Stadtgemeinde Berlin-Lichtenberg befaßt und einen kostenlosen Wohnungsnachweis unterhält. Mindestens halbjährlich ist eine Wohnungsinspektion vorzunehmen." Ter Antrag war das Objekt wütender Angriffe. Stadtver- ordneter Schachtel erklärte, das Kleinwohnungswesen zu fördern sei gar nicht die Absicht seiner Freunde. Durch solche Tätigkeit würde die Gemeinde die mißliche Lage der Hausbesitzer noch ver- schärfen. �Gerade sie sollten doch geschützt werden. Mit dieser Vor- läge die Frag« der Wohnungspflege zu verkoppeln, müsse entschieden abgelehnt werden. Sukkurs fand Herr Schachtel bei Herrn Platen und zum Teil bei Herrn Aigte, der als Führer der Mittelständler gegen eine Verbindung des Wohnungsamtes mit der Hypotheken- anstalt plädierte. Herr Schachtel erhob den Vorwurf, die Vorlage solle zu Fall gebracht werden. Genosse Grauer bemerkte: die Vor- lag« solle vielmehr den Geist der Gemeinnützigkeit erhalten, den ihm die Magistratsvorlage und der Entwurf des Herrn Schachtel fälsch- lich unterstelle. Genosse John begründete einen Antrag, in dem verlangt wird, daß die Hypotheken nur auf Grundstücke mit hygienisch einwandfreien Wohnungen gegeben werden dürfen. Wohl zum Schrecken seiner Freunde wandte sich Stadtv. B. Becker direkt gegen diese Forderung. Wenn man nur einwandfreie Wvhnungen be- leihen wolle, dann werde mancher nichts bekommen. In nament- licher Abstimmung wurden die Anträge unserer Genossen von den Bürgerlichen abgelehnt. Damit war die Orgie des Spekulanten. tums aber noch nicht auf ihrer Höhe angelangt. Eifrig war man bemüht, die Vorlage schnell durchzupeitschen. Alles Protestieren dagegen half nichts. Sogar die Herren Aigte und Kalischer riefe» empört aus: Da machen wir nicht mehr mit. Das ist keine Be- ratung!--- Eine kleine Störung in der galoppartigen Annahme der einzelnen Paragraphen verursachte folgender sozialdemokratischer Antrag: »Di« Beleih un g kann nur erfolgen, wenn etwaige auf das Grund st ück eingetragene Bau- handwerkerforderungen gelöscht werden." Man hätte glauben sollen, die Bürgerlichen, die bei den letzten Wahlen in Mittelstandsfreundlichkeit sich gegenseitig überboten, hätten diesem Antrage mit Freuden zugestimmt. Er machte sie nur verlegen! Wer eS half alles nichts: es mußte Farbe bekannt wer- den. Und man bekannre sich— gegen den Handwerkerschutz! Ihre gräßliche Verlegenheit zeigten die Schachtelleute durch die Begrün- dung ihrer ablehnenden Haltung. Herr Schachtel selbst konstruierte folgendes Beispiel: Ein kleiner Handwerker hat 20 000 M. übrig. Er bebaut«in Grundstück. Das Gesamtobjekt repräsentiert 200 000 Mark Wert. Bekommt nun der Mann keine 2. Hypothek, wenn er nicht die Bauhandwerker befriedigt, dann kann er das Objekt nicht halten; es wird verkauft und die Bauhandwerker falle: erst reckw aus, während sie im anderen Falle vielleicht nach Jahren ihr Geld bekommen hätten. Genosse Grauer bemerkte dazu, das sei ja gerade ein typischer Fall der Bauspekulation, bei dem die Hand» Wecker meistens betrogen würden. Die Herren redeten immer von einer � Fürsarge für den setzhasten Hausbesitz. Hier zeige sich, daß man das Spekmantcntum und nicht solide Unternehmen schützen wolle. Herr Platen sprang seinem unglücklichen Freunde Schachtel bei. indem er eine ebenso unglückliche Rechnung für SpekulationS- bauten aufmachte. Genosse John machte allen Täuschungsversuchen ein Ende. Er führte aus: Bis 7S Proz. soll beliehen werden. 2S Proz. und oft mehr betragen die Bauhandwerkerforderungen. Hat der Spekulant die 75 Proz. in der Tasche, dann ist er reichlich gedeckt und er hat an der Befriedigung der Bauhandwerker nicht mehr das mindeste Interesse. Ein Hypothekenamt nach den vor- liegenden Bestimmungen würde gerazu ein Anreiz zu schwinde!. haften. Bauspekulationen geben-— Da man diese nicht verhindern wollte, der Mittelstandsschutz den Herrschaften nicht in den Kram paßt, votierten sie in namentlicher Abstimmung, der Weisung des Herrin Schachtel folgend, gehorsam gegen den sozialdemokratischen Antrag. Mit den Sozialdemokraten stimmten nur 5 Mittelständler. Nachdem sich die Majorität von dem Trutz gegen wirkliche Mittolstandspolitik erholt hatte, versuchten sie mit beschleunigter Eile,.den Rest der Vorlage zu erledigen. Es kam dabei mehrere Male zu recht stürmischen Szeneiu Ter Vorsitzende betrachtet« die Geschäftsordnung als lästigen Ballast, den man über Bord wirft. Wie zst Beginn der Verhandlungen, versuchte Genosse Grauer nun auch noch wiederholt vergeblich, eine ordentlich« Beratung herbeizuführen. Man lieh sich auf nichts ein. Den Spekulanten wollte die alt« Majorität noch ein recht großes Festgeschenk darbieten. Aus diesem Grunde erhöhte man auch noch fix die Anlcihesumme auf l! Millionen Mark. Ter Magistrat hatte nur 1 Million Mark ge- sorderii. Nach der Schlußabstimmung über die Vorlage zur Förde- rung des Spelulantentumo glaubte die Mehrheit genug geleistet zu Hahen. Sie beantragte Feierabend. Da«ine Anzahl von ihnen selbst fluchtartig die Sitzung verließ, fehlte eine Mehrheit für die Vertagung. So mußte penn weiter gearbeitet werden. Es war über Petitionen zu beschließen. Die städtischen Arbeiter forderten die Einführung des korporativen Arbeitsvortrages. Ober- burgetmeister Ziethen inachte Bedenken geltend. Es seien nicht alle Arbeiter in dem Verbände organisiert. Genosse Becker be-' gründete in überzeugender Weise die Forderung der Arbeiter. Aus oem Eimvand des Herrn Oberbürgermeisters würden die Arbeiter, soweit si�Noch nicht organisiert, jedenfalls die richtigen Konsequenzen ziehen.) Die Genossen Seikel und Kertscher traten ebenfalls für die Petition ein, die schließlich dem Magistrat zur Erwägung über» wiesen wurde. Mittlerweile hatten sich von der bürgerlichen Majori- tät so viele Herren entfernt, daß die Versammlung beschlußunfähig geworden war. Sie endete ohne weitere Beratung durch die Ob- üruktion der Vorschußbankleuie. Zu erwähnen ist noch, daß zu Beginn der Versammlung Genosse Elias die Mißachtung der Teuc- rungslpmmission durch den Magistrat scharf beleuchtete. Bürger- meist« Unger, als Vorsitzender, unterließ die Einberufung emer Sitzung, obwohl darum ersucht worden war. Dr. Unger war der Ansicht,, et sei genug geschehen, indem die Kommissionsmitglieder einmal zusammen waren und man ihnen Einblicke in den Fleisch. bezug gestattete. Stadtrat Thiedke benutzte die Gelegenheit, um den Fleischen ein Loblied zu singen. Genosse Grauer beschwerte sich über die Praxis der Straßenbahn, mit der Einführung des Schleifenbetriebes der Linien 77 und 78 ein« Tariferhöhung durch- zusetzen, lieber die Angelegenheit wird noch gesprochen werden.— Weiter kritisierte Grauer, daß der Magistrat die Einführung der neuen Stadtverordneten so weit hinausschiebe. Oberbürgermeister Ziethen meinte, es müßten erst alle Wahlen erledigt sein.— Ein Gesuch, den innerhalb der Nmgbahn gelegenen Orrsteil dem Ge- schästsb'reiche des Amtsgerichts Lichtenberg zuzuteilen, hat der Justiz- minister abgelehnt. Der Magistrat erhielt den Auftrag, nochmals im Sinne des Gesuches vorstellig zu werden. Neimckendorf-West. Mergen, Sonntag, nachmittags in der Zeit-von 1 bis Stlhr. findet in der Turnhalle der zweiten G-meindeschule. Auguste-Viktoria- Allee M die® e m e i» d e b- r 0 r d n«ten« E r f a tz w ahl im e r ft e n Bezirk der dritten Klasse statt,«ls Legitimation dient die amtliche Legitimationskarte. Steuerzettel, Militärpapier» usw. Die Genossen werden ersucht, um 1 Uhr zur Stelle zu sein. Kandida der Sozialdemokratie ist Genosse Franz Bahr. Ueber die Aufgaben der Kommunen referierte in einer öffent- lichen Versammlung in Beyers Festsälen Genosse Dr. Moses. Nach dein mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrog brachle Genosse Scharf die in unserem Orte zuiage getretenen Mißstände bei dem Verkauf russischen Fleisches zur Sprache. Im Anschluß hieran ent- spann sich eine sehr lebhafte Debatte, an der sich auch einige hiesige Fleischermeister beteiligten. AuS der Debatte ergab sich, daß es einer Anzahl Fleischermeister lediglich darum zu tun ist, das russische Fleisch den Käufern in jeder Weise zu verleiden. Die Versammlung wählte eine fünfgliedrige Kommission, welche beim Gemeinde- vorstand dahin vorstellig werden soll, daß der Verkauf russischen Fleisches in eigene Regie übernommen oder aber dem im hiesigen Ortsleil bestehenden Konsumverein übertragen werden soll. Nach einem Appell des Genossen Klose, am kommenden Sonn- tag vollzählig zuu Gemeindevertreterwahl zu gehen und dem Kon- didaten der Sozialdemokratie Genossen Franz Bahr die Stimme zu geben, fand die anregend verlaufene Versaminlung ihr Ende. Die Jugendschriften-AuSstellung des BildungSausschusses wird am Sonntag, den 8. Dezember, im Lokale von Penkerl, Berliner Allee 251, eröffnet. Nach den Grundsätzen des zentralen BildungSausschusses aufgebaut, enthält sie Schriften, die jeder Altersklasse der Arbeiter« jugend angepaßt sind und die den Arbeitereltern die Auswahl guter und billiger Lektüre erleichtert. Hand in Hand damit bringt sie auch liinfflerischen Wandschmuck. Der Arbeiterschaft ist der Besuch der Ausstellung auf das angelegentlichste empfohlen. Spandau. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Nach der Gültigkeits- erklärung der Wahlen der Stadtverordneten Groß, Wolter, Ruh! und Rupke nahm die Versammlung zunächst Stellung zu dem Abkommen mit dem Zweckverband betr. Waldverkauf an Heinel. In das Verkaufsangebot sind unter anderem folgende Bc- dingungen aufgenommen worden:»Die Errichtung von Hochöfen, chemischen Fabriken, Knochenmühlen, Abdeckereien. Müll- abladestellen, Seifenfabriken, Leimfabriken ist nicht gestattet. Käu- fer verpflichtet sich, auf dem Gelände zwischen Havel und Kleinbahn Spandau— Bötzow als treibende Kraft nur Elektrizität zu vcrwen- den und möglichst den Bau von Dampfschornstetnen zu vermeiden. Der Eisenbahnbetrieb auf dem Gelände und der Dampfschisss- betrieb darf mit Dampfmaschinen betrieben werden." Die vom Zweckverbandsausschuß der Stadt auferlegte Hauptbedingung lautet:»Für den Fall, daß der Verkauf mit dem Baumeister Heinel oder dessen Rechtsnachfolger zustande kommt, verpflichtet sich die Stadtgemeinde, das ihr verbleibende näher bezeichnete Gelände bis zum 1. April 1963 ohne Zustimmung des Verbandes weder zu bebauen, noch zu veräußern, sondern forst- und jagdrechtlich Wirt- schastlich weiter zu benutzen und, soweit diese Benutzungsart es gestattet, den Verkehr der Bevölkerung auf diesem Gelände, wie bisher, zu dulden." Stadtverordneter Kanterowiez sprach seine Mißbilligung gegen den Zweckverband aus, daß er die Stadt hindere, innerhalb 50 Jahren weiteres Waldgelände zu verkaufen. Er nutze sein Recht rücksichtslos und brutal aus. Der Berkaus werde der Schlußakt der Tragödie sein. Genosse Pieck sprach seine Verwunderung darüber aus, daß gerade Stadtverordneter Kanterowiez als Arzt für den Waldverkauf eintrete. Der Zweckverband sei besser als sein Ruf. Es sei zu begrüßen, daß er innerhalb 50 Jahren den weiteren Verkauf von Waldgelände ver- hindere. Er kenne den Magistrat, der, wenn er Geld brauche, ein Stück Wald nach dem anderen verkaufe. Stadtverordneter Kanterowiez wandte sich dagegen, daß er vom Stadtverordneten Pieck als Reaktionär hingestellt werde. Er sei auch für Wald- erhaltung und Anlegung von Parks, aber das müsse auch den Finanzen Spandaus entsprechen. Stadtverordneter Bender meinte, ein großer Teil der Bevölkerung werde damit zufrieden sein, daß wir es bei dem Waldverkauf von O�h Millionen Mark belassen und der übrige Wald der Stadt 50 Jahre erhalten bleibe. Gerade der Zweckverband gebe uns für 50 Jahre die Selbstver- waltung des Waldes. Die Vorlage wurde angenommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung, welcher eine lange DiS- kussion und lebhaftes Interesse hervorrief, betraf die Zustimmung zu dem Beschluß der gemischten Kommission betr. die Betriebs. Verhältnisse der Gasanstalt und Kenntnisnahme der Niederschrift deS Oberbürgermeisters Koeltzc vom 28. November 1912.— Mit den Betriebsergebnissen der Gasanstalt wie auch mit der Be- schaffenheit des Gases ist man schon seit Jahren unzufrieden. Aus diesem Grunde hatte eine Sonderkommission den Direktor Pohmer der Mariendorfer Gasanstalt mit der Prüfung der Verhältnisse unserer Gasanstalt beauftragt, die dann zu dem bekannten ab- sprechenden Urteil über die Gasanstalt führte. In der Hauptsache bemängelte das Gutachten den großen Gasverlust von 18,14 Proz. durch Undichtigkeiten deS Rohrnetzes usw., die äußerst primitive Buchführung, die anscheinend unrentable Herstellung carbonicrten WassergaseS sowie die Abgabe' von Gas für 11 Pf. pro Kubikmeter an die Firma Siemens u. HalSke. während nach seinem Gutachten allein die Herstellungskosten 11,7 Pf. pro Kubikmeter betragen. Die Niederschrift des Oberbürgermeisters wendet sich gegen eine am 23. 11. abgehaltene antisem. Mittelsstandsversammlung, in welcher die ihn beleidigende unwahre Behauptung aufgestellt sei, daß er dem Direktorium oder dem AufsichtSrat von Siemens u. Halske an- gehören soll. Wie der Referent Stadtverordneter Prager mit- teilte, sei in dem Pohmerschen Gutachten ein»Rechenfehler" entt halten. Die Herstellungskosten des Gases sollen nach einer Berech- muny des hiesigen GaSani'taltsdirelwrs Kützing nicht 11,7 Pf. pro Kubikmeter betragem sondern nur 10,175 Pf. Dadurch falle der Einwand, daß die wiadt an die Firma Siemens u. HalSke das Gas unter dem Selbstkostenpreis Verläufe. Die vereinigte Sitzung der Gasdefiutation und der gemischten Kommission zur Beratung über die Erhöhung der Rentabilität der Gasanstalt habe auch ver- schiedene Verbesserungen in der Buchführung usw. beschlossen. Im übrigen stellte Redner die Verhältnisse in der Gasanstalt ziemlich xosig hin. Genosse Pieper war im Gegensatz zum Bericht. erstatter der Meinung, daß in der Gasanstalt arge Mißstands herrschen. Das Gas tauge nichts und es liefen Klagen auf Klagen «in. Im übrigen sei Gasanstaltsdirektor Kützing wohl nicht in der Lage, der Gasanstalt vorzustehen. Der Gutachter habe auch zum ■ TeU ganz andere Ausführungen wie der Berichterstatter gemacht-. Stadtverordneter N e u s ch erklärte unter großer Heiterkeit, die Mittclstandsversammlung habe wie eine Bombe eingeschlagen.— Oberbürgermeister KocItzc betonte, daß es ein grober Vertrauensbruch gewesen sei. das Gutachten des Direktors Pohmer vor Tagung der Kommission zu veröffentlichen. Es werde auch in Zukunft Personen geben, die persönliche Angelegenheiten aus Te- putations- und KommisstonSsitzungen am anderen Tage der Presse übermitteln. Ob sich das mit der Ehre der Betreffenden verträgt. müsse er dahinstellen. Auf die Verdächtigung in der Mittelstands- Versammlung näher einzugehen, halte er unter seiner Würde. Nach- dem noch eine Anzahl von Stadtverordneten teils für, teils gegen die Gasanstalt gesprochen hatten, wurden eine Reihe Verbesserungs- anträge der Kommission angenommen. Es soll unter anderem die Nachdichtung des Rohrnetzes, besonders der Hochdruckleitung, baldigst erfolgen und zwar durch dw Gasanstalt. In Zukunft soll die Rohrleitung Sache der Gasanstalt sein. Des weiteren soll eine außerordentliche Revision der Gaszähler vorgenommen werden und die Betriebsbuchführung nach Angabe des Direktors Kützing ein- geführt werden- Zugestimmt wurde dem Mietverträge zwischen Magistrat und Firma Ernst Halbach in Dusseldorf betr. Mietung eines Platzet im Hafengelände.— Angenommen wurde der Bertrag mit dem Reichs-fMilitär-jFiskus betr. die Stresowentsestigung. Von der Errichtung einer Allgemeinen Ortskrankenkasse wird Abstand genommen, auch wurden gegen die Ausgestaltung der bis- herigen Allgemeinen Ortskrankenkasse Bedenken nicht erhoben. Eine Landkrankenkasse soll errichtet werden. Selbst Stadtverordneter Schob mußte die gemeinsame Verwaltung der drei Ortskranken- kassen als mustergültig hinstelle�. Nach Erledigung bezw. Vertagung einiger kleineren Vorlagen wurde in die geheime Sitzung eingetreten,. Zeuthen. Die Freie Turnerschaft Zeuthen veranstaltet morgen, Sonntag, einen Reuterabend im Lokal des Herrn Lindemann.'Da der Turn. verein sich bei Parteifestlichkeiten stets zur Versügung stellt, iverden Freunde und Gönner der Turnerei gebeten, auch ihrerseits zu einem guten Gelingen dieses Wends beizutragen. Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. Als Weihnachtsbescherung für die Armen wurden 500 M. gegen 400 M. im Vorjahre bewilligt.— Die Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose hatte sich um die Bewilligung einer Beihilfe an die Gemiende gewandt; bewilligt wurden 300 Mark. Der in der letzten Sitzung von unseren Genossen gestellte Dringlichkeitsantrag. dem Maschinenmeister und den Maschinisten des Wasserwerks eine Teuerungszulage zu bewilligen, wurde vom Gemeindevorsteher dabin erweilert. daß die Zulage an Alle Angestellte und Arbeiter der Gemeinde gezahlt werden soll. Die Angestellten erhalten einen Monatsgehalt, die Arbeiter viermal den Wochenlohn. Die hierfür ausgeworfene Summe beträgt ungefähr 3300 M. Der Antrag wurde gegen die Stlinine eines Bauern- Vertreters angenommen. Alsdann gab der Gemeindevorsteher einen Bericht von der Teuerungskommiision, wobei er besonders die selbst- lose Tätigkeit unseres Genossen Milbrodt hervorhob, der nicht nur die Räumlichkeiten unentgelttich hergibt, sondern auch persöulich den Verkauf ehrenamtlich übernommen hat. Mit dem Fiichverkauf seien gute Erfolge erzielt und nur einmal seien, als der hiesige Geschäfi-inann Piakowiack ebenfalls am Dienstag Fische seilbot. Fische liegen geblieben. Der Gemeindevorsteher verurteilte das die Bevölkerung irritierende Verhalten dieses Herrn. Dieser habe den Gemeindeverkauf der See- fische übertragen haben wollen, doch seien die Bedingungen für die Kominission unannehmbar gewesen. Der Fleiichverkauf hat sich bis jetzt leider nicht so glatt abgewickelt. Dadurch, daß der Veikäufer, der Schlächtermeister Göhl beim Transport des russischen Fleisches ver- unglückle, sei die Lieferung ins Stocken geraten, so daß der Verkauf ausgesetzt werden mußte. Bon jetzt ab findet der Verkauf jedoch regelmäßig Dienstag und Freitag beim Schlächlermeister Czepluch, Hauptstöße statt. Waidmcinnslust. Ueber das Thema:„Mißbrauch der Religion zur Unterdrückung des Volkes" referierte in einer im Bergschloß-Restaurant statt- gefundenen öffentlichen Versaminlung Laiidtagsabgeordneter Adolf Hoffmann. Der wiederholte Beifall der 400 Versammelten veran- laßte den Referenten, darauf aufmerksam zu machen, es nicht bei dem Beifall bewenden zu lassen, sondern auch die Konsequenzen aus seinen AuSsührungen zu ziehen. Die Geistlichen der Umgebung waren eingeladen, aber nicht erschienen. In der Diskussion bemühte sich ein Herr Busch, den Referenten zu wiberlrgen, seine AuSfüh- rungen zeitigten indessen nur ironischen Heiterkeitserfolg. Der Re- ferent widerlegte in seinem Schlußwort an der Hand von Beispielen die Argumente des Herrn Busch. Am Schluß der Versammlung er- folgten mehrere Aufnahmen für den Wahlverein, außerdem meldeten zehn Teilnehmer ihren Austritt aus der Landeskirche an. Hud aller Melt. „Huq einer kleinen Garnison." Die Wagnerstadt Bayreuth ist zwar ein sehr friedliches und schläfriges Bürget städtchen, gegenwärtig aber summt es dort vor Aufregung, wie in einem Bienenkorb. Unser dortiges Parteiblatt, die»Fränkische BolkStribüne". hat einen den biederen Patrioten uo- glaublich erscheinenden Skandal aufgedeckt. Die Helden sind Offiziere der Bayreuther Garnison. Sie ver- anstalteten mit Weibspersonen(halbe Kinder und verheiratete Frauen waren vertreten) in verschwiegenen Räumen Zusammenkünfte, bei denen die tollsten Orgien(gemeinsame Nackttänze sollen noch nicht das schlimmste gewesen sein) gefeiert wurden. Die Teil- nehmerinnen— Dutzende an der Zahl!— gehören den ver- schiedensten Ständen an: Verkauferinnen. Beamtenfrauen und auch Arbeiterinnen nahmen an den geschlechtlichen«uSschweifungen teil. Die bürgerliche Presse ist krampfhast bemüht, die Gerichte totzuschweigen. Jedoch ist die gerichtliche Untersuchung im Gange. Es sind P h o to g r a p h i en beschlagnahmt worden, die äußerst belastend für die Veranstalter der Orgien sind. Verraten ist die Sache durch ein Mädchen worden, die man zu den heimlichen Abenden nicht zugelassen haben soll. Vl:r Streckenardeiter gerädert. Ein schwerer Eisenbahnbetriebsunfall wird aus der Provinz' Pommern gemeldet. Auf der Eisenbahnstrecke Zerrenthin-Pasewalk kehrten am Donnerstagabend vier Streckenarbeiter von threr Arbeit zurück. Dabei wurden sie von einer Lokomotive überfahren. Alle vier Arbeiter erlitten auf der Stelle den Tod. Schweres Automobilunglück. In der Nähe des Kurhauses»Weißer Hirsch" bei Dresden hat sich gestern, Freitag, ein schwere« Aulomobiluiiglück zugetragen. Der Mühlenbesitzer Hering aus Pirna steuerte ein großes Automobil den steilen Weg hinab, vermochte aber nicht die am Fuße desselben befindliche scharfe Kurve an der sogenannten Mordgrundbrücke zu nehmen, sondern das Gefährt streifte das steinerne Brückengeländer und wurde völlig zertrümlmert. Von den Insassen wurden der Sohn des Mühlenbesitzers Hering, ferner der Fabrik- besitzer Schmidt und der Fabrikbesitzer Hanke aus Pirna sowie ein Fräulein Schlesinger aus Dresden s ch iv e r, z u m T e i l lebensgefährlich verletzt. Sämtliche Verletzte wurden nach Dresden in ein Krankenhaus gebracht, wo der junge Hering bereits g e st o r b e n sein soll. Schweres Grubenunglück. Gestern vormittag zwischen 9 und 19 Uhr ereignete sich auf der Rubengrubc bei Neurode(Eulengebirge) ein besonders starker Ausbruch von Kohlensäure, wo- bei drei dort beschäftigte Bergleute todlich verunglücktem Ter Kohlensäureausbruch war mit aller Wahrscheinlichkeit veranlaßt durch Sprengschusse rn der Kohle; und alle Zeichen sprechen dafür, daß die Verun- glückten zur Zeit des Ausbruchs in der eigens dasur�herge- richteten Rettungskammer waren, von wo aus die Spreng- schüsse elektrisch gezündet werden. Zwei der Leute scheinen aus nicht erklärlichen Gründen die Nettungstainmßr verlassen zu haben, denn man fand sie, regelrecht angetan mit den dort aufbewahrt gewesenen Rettungsapparaten, weit oberhalb der Rettungskammer. Sie waren offenbar auf der Flucht vor Erschöpfung zusammengebrochen und in der Kohlen- f ä u r e c r st i ck t. Der dritte Mann wurde in der Rettungs- kammer aufgefunden, da diese aber geöffnet worden war. kam er in der dort eingedrungenen Kohlensaure zu Todfc..-�tc Rettungsmannschaften der Grube unterzogen sich mit bo- wundernswertem Eifer und Mut der schwierigen Rettung der Verunglückten und brachten bis gegen 4 Uhr nachmittags die drei Toten zutage. Währen der Rettungsarbeiten erfolgte ein weiterer Kohlensäureausbruch. Von der übrigen Beleg- schaft wurden mehrere Kameradschaften borübergehend eben- salls durch die Kohlensäure abgeschnitten, sie konnten sich� aber in Sicherheit bringen._*■ Mysteriöse VergistungSaffäre. In Budapest ist am Donnerstagabend ein junges Ehepaar. Herr Ludwig R i p p und seine Frau Malwine, unter auffallenden Um- ständen gestorben. Der behandelnde Arzt hatte Typhus konstatiert. Es stellte sich jedoch heraus, daß Vergiftungssymprome vorliegen. Das Ehepaar hatte vor einigen Tagen in Gödöllö einer Hochzeit beigewohnt, wo eine Torte verabreicht wurde, die pahr- scheinlich Giftstoffe enthielt. Nicht weniger als zehn Familien sind daran erkrankt. Die drei Kinder des Gödöllöer KreiS- arzteS Szhon liegen im Sterben. Ein Sohn des Gödöllöer Holzhändlers Braun ist ebenfalls schwer erkrankt. Die Schwester des Bräutigams und noch vier wdcr fünf andere Personen in Budapest liegen schwerkrank danieder. Negermord ist straffrei. Ein würdiger Hüter der Gesetze ist der Gouverneur von Süd- Carolina. Auf der in R> ch m o n d sBirginia) abgehalienen Jahreskonferenz SerG ouverneure der Vereinigten Staaten erklärte der Biedere, daß er niema ls da S L y nch en eines Negers bestrafen würde, wenn derselbe weiße Frauen attackiert habe. Als Osrteljünger entpuppte sich auf der Konferenz der Gouverneur von Connecticut. Er schlug die Wiedereinführung der Prügelstrafe für eine große Anzahl von Verbrechen vor. Kleine Notizen. Fünf Personen erstickt. In ihrem Wohnhaus bei der Ziegelei der Hyporhekenbank in Lemberg wurden die SO jährige Frau Sz yma n s kaff'amt ihren vier Enkelkindern am Freitag früh tot in ihren Beilen aufgefunden. Wie die Unter- suchung ergab, wurde der Tod infolge von Einatmung von Kohlen- öxydgas, das einem schadhasten Ofenrohr entströmt ist. hervorgerufen. Zum Tode verurteUt. Das Schwurgericht in Beuthen ver- urteilte nach dreitägiger Verhandlung den Wjährigen Koksmeister Richard P o d k o w a aus Schwientochlowitz zum Tode. Podkowa halte in der Nacht zum 23. Juli in der Kokerei der Bethlem-Falva- Hütte den ruthenischen Arbeiter Malinitsch in einen Koksofen gestoßen, wo dieser vollständig verkohlte.'' Jugendveranstaltungea. Tempelhos-Mariendorf. Der Jugendausschuß veranstaltet am Sonntag, den 8. d. M. vormittags, eine Bestchtizunz der■ Vorwärts- Buchdruckerei.— Treffpunkt der Teilnehmer ist um 10 Uhr aus dem zweiten Hos des Hauses Lindenstr. SS. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden ersucht, sich nebst Freunden und Bekannten zahlreich zu beteiligen; auch der Besuch der Eltern zu dieser Besichtigung ist erwünscht. Pankow-Niederschönhause«. Am Sonntag, den 3. Dezember: Besichtigung der Arbester-Wohlsahrts-Ausstellung zu Charlottepburg. Ab>. M' Fahrgeld MPf.— Die Arbeiterjugend marsch 1 Uhr Pankow-Nordbaonhof. von Pankow-Niederschönhause» sowie alliTJugendsisimde werden sich an dieser Veranstaltung zu beteiligen. ersucht, Fretreligiösc Gemeinde. Sonntag, den 8. Dezember, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 16/17, Neukölln:.Jdealpassage" und Tegel: Schlieper- straffe 30: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine Franksurter Straffe S: Vortrag von Herrn. Dr.. H. Hasse:„Der Appell aus Ekr- gesühl'.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Wetterproguose für Sonnabend, den 7. Dezember 1912. Zunächst zeitweise nebelig, vorwiegend heiter uns trocken, Nachtfrost; später zunehmende Erwärmung und Bewölkung bei ziemlich lebhasten nörd- lichen Windelt.'.. Berliner W etterburearz. Mnachts-Verkouf im la H. K. G. iT Jeder Kunde erhält ein wertvolles Weihnacht»fle»ch«nk. TW| Um unseren ersten Weihnachtsverkauf zu einem Ereignis zu gestellten, stellen wir in allen Abteilungen große Warenposten im Werte von ca. STSfOOO Mark zu enorm billigen Preisen zum Verkauf. Unter diesen Warenposten befinden sich viele Gelegenheitskäufe weit unter regulären Preisen. Da wir auf Grund unseres Verkaufssysteras:„Selbstkostenpreis+ 10%" in keinem Falle mehr wie 10®/0 netto Gewinn berechnen dürfen, kommen alle Vorteile bei Gelegenheitskäufen ausschliesslich unserer Kundschaft zugute. Herren-Rleider-Vertriebs-Ges. DeMMs Ml StyHlil-Sestll t im- aä teteHHoltes mii den Wiiurteu SeUMenn+ 11\ Neue Schönhauser Str. 1 1 5»°°,°� 12-2 uhr 1 Moabit, Turmstraße 73 m. b. H. 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Neues Bolksiheater. Mutter Landstraffe. Anfang 10 Ubr. Admiralspalaft. EiSballett: Nponne. Sternwarte. Jiwalidenstr. ö?— 62. Sehiller-ThealerO.oSU: Sonnöbend, abends 8 Uhr: Im weiOcn Kölil. Sonnrag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und tüchwert. Sonntag, abends 8 Ubr: Im weißen RUßl. Montag, abends 8 Uhr:. Hedda Gabler. Schiller-Thealer Sonnabend, nachmittags 3,l0 Uhr: �ollensteln» lagor. vis ploeolomini. Sonnabend, abends 8 Ubr: Ol« Lokalbahn.— Die Medaille. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Sonntag, abends 8 Uhr: HeimsTnnden. Montag, abends 8 Uhr: Heims'iundcn._ Berlmer Thealer. 8 Uhr: Filmzauber. s Uhr- Hedda Gabler. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Ter Frauenfresser. Theater am Nollcadorsplatz 5. Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen. Abends« Ubr: Orpheus i» der Unterwelt. Jeden Mittwoch u. Sonnabend 4 Uhr: _ Schneewittchen. Resldeuz-Theater. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Constanze von Linden vom TheS.tr« Royal du Pari in Brüssel: Prinzenerziehung. Lnisen-Thealer. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kinder- verst.: Goldener, das Sonntagskind. Abend« 8 Uhr:' RafTlc«. Sonnlagnachm. 3 Uhr:, Die Jungfrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Ruflles. Montag: Baffles. Dentsche« Schansplclbans Abends 8 Uhr: Her gntaltzende Frack. OSE=THEATE (Broffc Frankfurter Str. 132. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater. 8 Uhr: Die Sünden der oberen Zehntausend. Sonntag nachm. 3 Uhr und abends 8 Uhr: Die Sünden der oberen Zehntausend. Nelropol-Thesler. Chauffeur-ins Ktetropoll Groge JabreSrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern von I. Freund. Musik v. Rud. Nelson. Tänze arrang. von Will BisHop. In Szene gesetzt vom Direllor R. Schnitz. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Morgen nachm. 3 Uhr: Tata Toto. Sahary-Djeü Der zerbrochene Spiegel, Burleske v. Oamillo u. K-Sobwarz. AO Uplntikya Agl Koiuitdlenhnnde Gastspiel Max Linder der weltberQhmte Film- Schauspieler in eeinem Sketch: Hübneraugenoperateur aas Liebe (Pidreuie par amour). Max, der Liebhaber.. Max Linder sowie die sensationellen Dezember- Attraktionen. Volks-Theater Neukölln, Hermann str. 20. Sonntag 7'!, Uhr: Der Hüttenbesttzer. Schauspiel in 5 Alien mit steter Benutzung des gleichnamigen Romans von George« Ohnet von° Erich Rleck. Montag 81/, Uhr:> Muttersege«. Volksstück mit Ge- sang in ö Akten von C, Friedrich, Urania Wissenschaftliches Theater. Tanbenstrafie 48/40. Nachmittags 4 Uhr: Der Vierwaldstatfer See und der Gotthard. 8 Uhr; Aufs natterhornS Hörsaal 3 Uhr: Professor Dr. B. Donaths Die ph/sikallsohen Grundlagen der elektrischen Leuchtteohnik. am Zoo. TSgllch 8 Uhr: So bummeln wir! Bunte Bilder mit Gesang und Tanz v. Gustav Kadelburj, Leo Leipziger und Jean Gilbert mit Fritzi Massary, Max Rallen- berg, Karl Bachmann. Vorher: Die neuen fariete-ittraktionen. Iin allen Räumen des Theaters gestattet. Der Vorverkauf findet statt an der Theaterkasse 10—2 Uhr, im Warenhaus Tietz und im Invalidendank. Keine Vorverkaufsgebühr. Trianon-Tlieater. Täglich abends 8 Uhr: Die Erste— Die Beste! Reichshaileu-Theater Stettiner Sdnger. Heute abend: „Bei VaterW Margen nachmittag �«Clou« MaUfirstraBo«»_ ZI Erm. 0 Tanne- boom. Vcu Moysel :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstrabe. 82.— ZlmmerstraBe 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Uerliner Konzerthaoaiorcbcstor, Dir. F. v. Blon, Komponist. Musiko.?. Garde-Kegiment» z. F., Dirigent Ob erm. Grat. Anfang S Ehr. Eintritt 50 Pf. Anfang s Chr. An alle» Wochentagen: Großes Naehmittags-Koozert«M>i«re»e»nEiatHtt. Zirkus jllhertSehuttiann. Heute Sonnabend, 7. Dezbr., abds. 7'/, U.: High-Life-Evening. Rendezvous der Sportwelt Reu! Keu! Eine Kegelpartie zu Pferde. Aphnlpferd u, Ballerina, geritten von Herrn Alb. Carri. The 5 Lloyd«, Wild-West-Ait Nur noch einige Tage: Tommy& Boy, d. einzigen n. ersten zweiradfahr. 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Nur kurzes Gastopiel: Der sprechende und singende Kater„Peter" vorgeführt v. seiner Besitzeria Trau Dr. Thea Sutorie. Oer indische Diumliog Smann in seinergroßart. Kraft arbeit. ' Zum Schluß: die große Prunk-Pantomime „Sevilla" in 6 glänzenden Akten. Sonntag nachm.; Unter Qorlllas. CaslnoTheatep Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Die neue Lokitipliffe »Am grünen Strand der Spree". Sonntag 4 Uhr: Papas Seite«»- sprung._ Theater Königstadt-Caslno. Ecke Holzmarkl- u. Aleranberstraffc. 1 Minute v. Bahnh. Jamiowitzbrücke 1 S x I i c d außer dem großen Spezialitäten-Teil; Fesche Madelu Mesaugs-BurleSke Ut 1 Akt. Passage• Theater. Unter aey Linden 22-23 Lichtspiele. Diese Woche 11.>. Menschen unter Menschen. Groß Drama nach ________ Viktor Hugo. Anfang 4 Uhr. Sonntags 3 Uhr. WILDE I60RR0TEN IFRAUEN,» ] Leben u. Treiben in dem I eigens aufgebauten | IGOBROTEM-Dorfe.) Ohne 1 Extra-Entree. I Aar ne« Zuhat» Oer In eraro ibetsimmt nie Redaktion de» »ublttum gegenüber keinerlei Verantwortung. nung Um uns unserer Rundschaft gegenüber erkenntlich zu zeigen, haben wir uns entschlossen, derselben eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Wir verkaufen deshalb vom Sonnabend, den 7., bis Sonntag, den 15. Dezember, inkl., sämtliche Ulster zum Selbstkostenpreis, also ohne jeglichen Nutzen. Der Selbstkostenpreis und der Verkaufspreis befinden sich noch immer an jedem Stücke. An Wiederverkäufer werden diese Ulster nicht verabfolgt. Da infolge des ungewöhnlich billigen Angebots Zweifel entstehen könnten, so zahlen wir demjenigen obige Belohnung, der uns den Nachweis bringt, dass wir höher als zum Selbstkostenpreis verkaufen. Deutsche Bekleidungsgesellschaft mM BERLllli Ghausseestr. 27 invaüdenstr.) Gr. Frankfurter Str. 4 m? fru-kwr.) Turnsstr. nur fir. 8© ceven xiemsmiierzsden) Achtungl In der Turmstrasse haben wir nur das eine Gesehäfft Nr.£0. für die Abonnenten des„Vorwärts'' Robert E. 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Ist also dieses Werk, vom literarischen Standpunkt aus beurteilt, kaum der Erwähnung wert, so beansprucht ein Artikel in dem Kalender aus einem anderen Grunde unsere Beachtung. Hier werden näm- lich von maßgebender Stelle die Entstchungsgründe des Bundes in offener Weise dargelegt und gleichzeitig ein Kübel Vcrleum- düngen auf die proletarische Jugendbewegung ausgeschüttet. Der Verfasser des Artikels ist der Generalmajor z. D. Jung, der bekanntlich im Nebenberufe gegen die lumpige Entschädigung von 6000 M. das Amt des l. Geschäftsführers des Bundes versieht. Der Verfasser legt dar, daß erstens die eifrige Jugendpflege im Auslände, zweitens mehrere„verschiedene unerfreuliche Innen- crschcinungcn in unserem deutschen Volksleben"(als welche e? die im Vergleich zu England hohe Sterblichkeit unter den lö bis Mjährigcn deutschen Jungen, den Absturz unserer Geburtenziffer und das Sinken der Zahl Militärtauglichcr bezeichnet) und drit- tcns,„das eifrige Streben der Sozialdemokratie, die Jugend für sich zu gewinnen", die Gründung des Jungdcutschlnndbiindss veranlaßt habe. Von diesen dreien schein- bar gleichtvertigcn Gründen, die die Bildung des Jungdcutschland- bundcs zeitigten, war aber doch der letzte, nämlich das Wachstum der freien Jugendbewegung, ausschlaggebend. Das verrät das wütende Pathos, mit welchem der Generalmajor gegen die prole- tarischc Jugendbewegung vom- Leder zieht. Er orakelt folgender- maßen: „Nasch breitete sich diese Bewegung in den ersten drei Jahren in Süddcutschland und dann. 1006 nach Norddeutschland über- tragen, über das ganze Deutsche Reich aus und verfolgte, offen lind klar ausgesprochen, parteipolitische Tendenzen. Mit dem In- krasttretcn des Reichsvcreinsacsctzcs 1008... wurde die Sozial- dcmokratie gezwungen, die Jugendlichen unter 18 Jahren aus ihren Vereinen auszuschließen oder sich dort der politischen Agitation zu enthalten. Aber in geschickter Weise wußte die Sozialdemokratie, dies zu umgehen. Sic bildete in den verschiedenen Orten sogenannte Unter- haltungs-, Turn-, Spiclverciue, veranstaltete Sing- unh Turn- abende, die sich nach außen in jeder Beziehung als harmlos darstellen, aber tatsächlich die Jugend stcis in parteipolitischem Sinne beeinflussen. Als Hauvtnufgabc der sozialdemokratischen Jugendbewegung ist klar bezeichnet, der Schutz vor kapitalistischer Ausbeutung und die Erziehung der Jugend in sozialistischem und airtimilitaristi- schein Geiste. Neben körperlicher Stählung und Vermehrung des Wissens wird als Hauptaufgabe die Hebung im Erörtern politischer Fragen hingestellt. Ihre Jugcndorgane,„Tic Arbcitcr-Jugcnd" und„Junge Garde", ihr verhetzendes sozialistisches Liederbuch werden in großen Massen der Jugend zugeführt. Sic erfüllen die fugend- lichcn Herzen mit Erbitterung gegen unsere Gcscllschafts- ordnung, unsere staatlichen Einrichtungen und vor allem gegen das ruhmreiche deutsche Heer, dem Deutschland seine Einigung und seine Weltmachtstellung, seinen industriellen Aufschwung und Reichtum verdankt. Unermüdlich ist die Parteileitung bestrebt, die deutsche Jugend in ihre Organisation zu ziehen, und jedes Mittel hierzu ist ihr recht." Wie der 1. Geschäftsführer des Jungdcutschlandbundes die proletarische Jugendbewegung kennt! Was er nicht alles weiß! Er weih von zwei Jugcndorganen, der„Arbcitcr-Jugcnd" und der „Jungen Garde", deren wir uns zu erfreuen hätten. Dabei ist die „Junge Garde" im Jahre 1008 kurz vor der Gründung der „Abeiter-Jugend" eingegangen. Der 1. Geschäftsführer des Jung- dcutschlandbundcs läßt sie noch im Jahre 1012 die Jugend sozia- listisch verhetzen! Von einer Richtigstellung der übrigen falschen Behauptungen, beispielsweise der, daß die Bewegung im Jahre 1006 von Süd- deutschland nach Norddeutschland übertragen tvorden, daß die Sozialdemokratie vor dem Reichsvcrcinsgcsetz Jugendliche unter 18 Jahre iu ihre Vereine aufgenommen habe, und daß unsere Unterhaltungs-, Turn- und Spielvcreinc(die es bekanntlich gar nicht gibt) parteipolitische Tendenzen verfolgen, können wir getrost absehen. Man sieht: an Schneid fehlt es dem Herrn Generalmajor nicht. Er häuft Behauptungen auf Behauptungen, ohne auch nur den Schimmer eines Beweises dafür zu erbringen. Indessen: fein teutfcher Mut muß noch größer sein. Nachdem er klipp und klar auseinandergesetzt hat, daß der Jungdeutschlandvund ein Faktor gegen die Sozialdemokratie sein soll, behauptet er stolz und kühn: „Der Jungdeutschlandbund hat als seinen ersten Grundsatz aufgestellt, nie mit der Jugend Politik zu treiben, und fordert von all seinen Leitern und Führern, daß nie über politische Dinge mit ihr gesprochen wird." Abdr schon im nächsten Satz straft der Herr sich selbst Lügen: „Er fordert aber andererseits, daß der Jugend die Liebe zur Heimat und Vaterland tief ins Herz geschrieben, und daß sie zur Verteidigung des Vaterlandes tüchtig und h i n g c b u n g s b c r c i t gemacht wird.... Die Politik, die der Iuiigdeutschlandbuiid treibt, beißt Liebe zum Vaterland, Treue zu Kaiser und iHeicki." Also die Politik im Jntcrcfsc der herrschenden Klassen ist nach Ansicht des Herrn Generalmajors und 1. Geschäftsführers des Jungdeutschlandbundcs keine Politik. Unsere konfessionellen Gegner scheinen nicht unrecht zu haben, wenn sie meinen, daß die jungdeutschc körperliche„Ertüchtigung" gar leicht zur geistigen Verblödung führen könnte._ �ugenäde�egung. Ein Urteil über die bürgerliche„Jugendpflege".' Das in K ö l n erscheinende pädagogische Fachblalt„Tcr Volks- schullchrcr" geht in seiner jüngsten Rumnier mit den Bestrebungen der bürgerlichen Jugendpflege, wie sie in dem Jungdeutschlandbund oder der Jugendwehr des Gcncralfeldmarschalls von der Goltz in die Erscheinung treten, scharf ins Gericht. Die Lehrcrzeitung erklärt, sie halte es für ganz natürlich, daß unsere W i tzb lä t tc r sich der übermäßig ins Kraut geschossenen Narreteien und Lächer- I i ch k e i t e n der sogenannten Jugendpflege angenommen hätten. Im Anschluß daran bringt das Lehrcrorgan dann acht von W. A. .----—,----— Wcllner gezeichnete Szenen, die von den„Lustigen Blättern" unter dem Titel„Kinderspiel" mit entsprechenden Versen veröffentlicht tvorden sind und die das ganze alberne Treiben der Goltz-Knaben fürchterlich verhohnepicpeln._ Arbeiter-Jngeni.. Tie soeben erschienene Nummer 25 des vicricn Jahrgangs hat unter anderem folgenden Inhalt: Tie proletarische Mobilmachung wider den Krieg.— Ter Friedenskongreß der Internationale.— Moderne Automaten(Mit Abbildungen). Von P. M. Grcmpc.— Tie soziale Revolution(<-chluß). Von G. Eckstein.— Tcr Krieg, Nach dem Gemälde von Werner Schach.— Jugendpflege mit dem Knüppel.— Die Gegner an der Arbeit. Vom Kriegsschauplatz nstv. Beilage: Orden. Erzählung von Karl Okonsky.— Vom Märchenbuch der Brüder Grimm. Von Otto Koenig.— Rcmbrandt (mit Abbildungen). Von Adolf Bruno.— Tiere im Winterschlaf. Von Heinz Welten.— Bücher für die Jugend.— Der Sucher. Gedicht von Ernst Prcezang.— llnvcrschämt. Erzählung von E. H. Eine Wcihiiachtsgabe für die Jngeiib. ü Jungvolk nennt sich der Jugendalmanach, den soeben die Jen- tralstellc für die arbeitende Jugend Deutschlands im Vorwärts Verlag erscheinen läßt. Ter hübsch ausgestattete, mit zahlreichen Abbildungen versehene, 160 Seiten starke Band weist einen außer- ordentlich reichhaltigen und vielgestaltigen Inhalt auf. Wohl alle Zweige unseres Jugcndbildungsprogramms sind durch Beiträge parteigenössischer und gewerkschaftlicher Schriftsteller vertreten. Ein Aufsatz:„Der Wolf kommt", macht unsere Jugend mit den wichtig- stcn Forderungen der Sozialdeinokratic bekannt, ein Gespräch: „Einigkeit macht stark", führt sie in das Wesen der Gcwerkschafts- bewegung ein. Die EntWickelung und das Ziel der proletarischen Jugendbewegung wird in historischer Darstellung behandelt, wäh- rend ein anderer Aufsatz besonders die jungen Arbeiterinnen für die proletarische Jngendsachc zu interessieren und zu begeistern sucht. Die gegnerische Jugendbewegung ist durch eine kritische Ab» Handlung über den Jungdeutschlandbund berücksichtigt.� Allge» meincre Bildungs- und Belehrungszwccke verfolgen Beiträge über das Volkslied, die deutschen Mundarten, die Kulturbedeutung des Flugproblcms, über Albrecht Dürer, über Lebensart, die Schilde- rung einer Lahntvanderung und anderes mehr. Auch der Unter- haltungsteil bietet ein überaus mannigfaltiges Bild und ist durch- lveg auf den Eharaktcr des Buches und den Jntcrcsscnkrcis unserer Jugend zugeschnitten. Mit zahlreichen Gedichten. Sprüchen, Schnurren, längeren und kürzeren Erzählungen ernsten wie heiteren Inhalts sind namhafte ältere und moderne Autoren vertreten; lvir nennen nur Namen wie Hebbel, Sckiönhcrr. Marie v. Ebner- Eschcnbach, Walter Harlan, Jürgen Brand. Die Illustrationen dienen zum Teil der Erläuterung des Textes: so ist die Schilderung der Lahntvanderung durch die Wiedergabe der schönsten Burgen des Flußtals, der Diircr-Aufsatz durch Zeichnungen des Meisters, der Beitrag über das Volkslied durch die graphische Darstellung einiger stiMmungsvoNcr Volksliedmotive dem Verständnis des ju- geiidlichen Lesers nähergebracht; zu anderen selbständigen Abbil- düngen und zum sonstigen bildnerischen Schmuck ist eine bekannte Malerin hinzugezogen worden. Die Zentralstelle für die arbeitende Jugend hat den Preis de? Buches im Verhältnis zu der Reichhaltigkeit des Gebotenen so niedrig angesetzt, daß die weiteste Verbreitung dieses unseren ersten Jugcndkalcndcro in den Kreisen, für die er bestimmt ist, gesichert erscheint. Der Jugendalmanach, der im Buchhandel 50 Pf. kostet, wird an Jugendliche für 25 Pf. abgegeben. T otal-Ausvarkauf Sehlnss am 31. Dezember! ■ WBV€IB flTVaüwW WB Ä»«U«a I 1 B«n II roiiJnnAlin. 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Die Arbeitcrunruheu der letzten zwei Jahre hat die Aufmerl. samkeit kapitalistischer Kreise in England auf das System der Ge- winwbeteiligung gelenkt, das in diesem Lande schon seit einigen neunzig Jahren ein bescheidenes Dasein fristet. Durch die Forde- rungen der Arbeiter beunruhigt, haben kapitalistische Theoretiker den Unternehmern vorgeschlagen, ihre Arbeiter dadurch zu be- ruhigen, daß sie ihnen einen Teil ihres Lohnes in Gestalt eine« An- teils an dem Gewinn des Unternehmens zusicherten. Nach einem soeben von der englischen Regierung veröffentlichten Berichte über die Unternehmen, in denen die Gewinnbeteiligung besteht, muß man zwischen zwei Hauptarten dieser Betricbsmethode unterscheiden: der eigentlichen Gewinnbeteiligung(prokit-sbanng) und deni System der Arbeiter-Tcilhaber fladour co-partnership). Jene wird in dem Bericht definiert als die Methode, nach der„ein Ar- beitgeber mit seinen Angestellten übereinkommt, dah diese als Teil- entschädigung für ihre Arbeit und als Zuschlag zu ihren Löhnen einen vorher festgesetzten Anteil an dem Profit des Unternehmens erhalten sollen", lieber das System der Arbeiter-Teilhaber sagt der Bericht:„Der Arbeiter erhält einen Anteil an dem Profit und läßt seinen Profit oder einen Teil davon in dem Kapital des Unter- nehmens akkumulieren; er gewinnt auf diese Weise die gewöhn- tichen Rechte und Berantwortlichkeitcn eines Aktienbesitzers." Zwischen den Jahren 18S9 bis 1865 existierte in England nur eü» Unternehmen mit Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Seit der Zeit aber ist die Zahl dieser Unternehmen auf L99 gestiegen, wovon jedoch 166 wieder eingegangen sind. Augenblicklich gibt eS 133 Be- triebe aller Art, in denen das System herrscht. In 55 Proz. dieser Unternehmen wurde die Gewinnbeteiligung erst in den letzten zehn Jahren eingeführt. Sie beschäftigen alle zusammen 106 189 Ar- beiter, von denen 57,3 Proz. an dem Gewinn beteiligt sind. Von den 133 Betrieben sind nicht weniger als 33 Gasanstalten mit 28 246 Arbeitern. Wie man sieht, weist das System der Gewinn- beteiligung eine hohe Sterblichkeitsziffcr auf. Der Bericht gibt an, daß die Gewinnbeteiligung in zwei Fünfteln der 166 Fälle aufge- geben wurde, da das System die darauf gesetzten Erwarawngen nicht erfüllte. Der durchschnittliche Gewinnanteil der Arbeiter betrug im Jahre 1911 bVi Proz. des Lohnes, was auch genau die Durch- schnittsziffer für den Zeitraum 1901 bis 1911 ist. Leider gibt der Bericht nicht an, ob den betreffenden Arbeitern auch die ortS- üblichen Löhne bezahlt werden. Doch selbst wenn das der Fall sein sollte, ist der Gewinnanteil der Arbeiter eine recht magere Entschädigung für den Verzicht auf die gewerkschaftlichen Kampnniricl. Man kann sich dem Eindruck nicht verschließen, daß die Gewinn- beteiligung nur ein fein eingefädeltes System der Lohn- drück er ei ist, auf das namentlich Unternehmer verfallen, deren Geschäft schlecht geht oder die mit einer wenig widerstandsfähigen Arbeiterschaft zu hm haben. Darauf weisen insbesondere folgende Tatsachen. Kein einziges Unternehmen mit Gewinnbeteiligung ist in der straff organisierten Bergwerksindustrie zu finden. In mehr als der Hälfte der 166 Fehlschläge wurde das System aufgegeben, weil die Geschäfte schlecht gingen und kein Gewinn zu verteilen war. Daß die Gewinnbeteiligung gerade in den englischen Gas- «mftalten floriert, beruht wohl auf der Monopolstellung dieser Unternehmungen. Daß sich daS System in anderen Betrieben gehalten hat, ist darauf zurückzuführen, daß es die Unternehmer in den Stand setzt, ihre Arbeiter an der wirksamen Geltendmachung ihrer Forderungen zu hindern. Man lese nur die in dem RcgierungSberichtc angc- führten Urteile einiger Kapitalisten. So schreibt der Geschäfts- führer der Lady Wantage, die ein Gut von 5000 Acres besitzt:„Ich glaube, daß die Bezahlung der Prämie der Hauptgrund gewesen ist, weshalb wir nie die geringste Unannehmlichkeit mit den Arbeitern auf diesem Gute gehabt haben." Und die Firma Clarke, NickollS and Comb? bemerkt:„Die Direktoren sind im allgemeinen mit der Einrichtung zuftieden. Das glücklichste Resultat, das erzielt worden, sind die harmonischen Beziehungen, die zwischen der Ge- schäftsführung und den Angestellten bestehen; man hört nie ctwaS von einem Streik oder derglciaien." Diese kapitalistischen Urteile erklären zur Genüge, weshalb die britischen Gewerkschafter dem System der Gewinnbeteiligung feindlich gegenüberstehen. Es ist das System, das ein pfiffiger Eseltreiber erfilnden hat, der seinem Tier ein unerreichbares Bündel Heu vor die Nase band, um es zum schnellen Gang aufzu- muntern. Selbstkostenpreis plus Ist Prozent. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung u. a. mit der seit einigen Jahren in Auf- nähme gekommenen Reklamebezeichnung„Selbstkostenpreis plus 10 Prozent".� Di« Aeltesten der Kaufinannschaft ivaren der Mei- nung, daß einer solchen Ankündigung vom Publikum, an das sie sich wende, im allgemeinen eine andere Auslegung gegeben N'erde, als diejenige sei, die ihr von den Firmen, die diese Reklame an- wenden, beigelegt werd«. Das Publikum rechne zu den Selbst- kosten im allgemeinen nicht die Generalunkosten, also die Ausgaben für Mieten, Reklame, Gehälter usw. und nehm« deshalb an, daß in dem Zuschlag von 10 Prozent nicht nur der Reingewinn, son- dem auch die Geschäftsunkosten enthalten seien, während die an- kündigenden Firmen unter den 10 Prozent den Nettoverdienst der- ständen. Die Ankündigung, daß eine Ware zum Selbstkostenpreise pluS 10 Prozent verkauft Iverde, habe daher eine Irreführung des Publikums zur Folge und sollte deshalb aus dem Verkehre ver- schwinden. Zum mindesten sei zu fordern, daß in unmittelbarer Verbindung mit solchen Ankündigungen in nicht zu übersehender Weise zum Ausdruck gebracht werde, was denn vom Ankündiger unter seinem Selbstkostenpreis verstanden werde und ob er ins» besondere darunter auch die Generalunkosten rechne. Soziales. Das Recht auf Arbeit wurde dieser Tag« in einer in Köln abgehaltenen Versammlung de» dortigen Gefängnisvereins von einer Seite proklamiert, von der man es kaum erwarten konnte. In einem Vortrage über die Provinzial-ArbeitSanstalt Brauweiler, in der 1100 Insassen unter. gebracht sind, führte deren Direktor, Herr v. Jaretzli, u. a. auS: Unter den Korrigenden ist die Zahl der Landstreicher und Bettler lAmal so groß als die der Zuhälter. Die ersteren befinde« sich meist in einem Alter von 40 bis 45 Jahren, sind körperlich schwach und häufig durch übermäßigen Alkoholgcnuß anormal. Diese sind im Gegensatz zu den Zuhältern,«neist jungen, kräftigen Menschen, leicht zu lenken, arbeiten willig und fleißig. Viele von den im Arbeitshaus befindlichen Menschen wären nicht so tief gesunken, wenn ihnen frühzeitig Hilfe zuteil geworden wäre. Sehr viele haben sicher den guten Willen gehabt, durch ehrliche Arbeit ihr Brot zu verdienen. Sie fanden aber keine Beschäftigung und der- fielen der Bettelei und Landstreicherei. Das Bettelwesen kann am wirksamsten dadurch bekämpft werden, daß die Gesellschaft fiir Ar- beitSgelegenHeit sorgt. Die Arbeit muß ali VovbeugungSmittel in Betracht kommen. Im übrigen ist e» durchaus unberechtigt, dieser Art von au» der Anstalt Entlassenen mit Mißtrauen zu begegnen; die meisten haben den festen Vorsatz, sich ehrlich durch» Leben zu schlagen. Hier spricht ein Mann au» jahrelanger Erfahrung heraus, überdies ein Mann, der nicht im Verdacht der„HumanitStSduselei" steht. Ob seine schweren Anklagen gegen den heutigen Klassen- staat bei den Geivalthabern und Gesetzgebern Eindruck machen? Höchsten» unangenehm werden sein« Offenherzigkeiten jenen Herren sein._ Die Krankenversicherung im Jahre 1911. Der..Reichsanzeiger"(3. Dezember) bringt eine Uebersicht über die Ergebnisse der Krankenversicherung im Jahre 1911. Die Zahl der durchschnittlich Versicherten hob sich auf 13 619 048 von 12 138 966 im Jahre 1907. In derselben Zeit stieg die Zahl der Erkrankungsfälle mit ErwerbSfähigkeit von 4 956 388 auf 5 772 388. Bei den Krankheitstagen zeigt sich eine Steigerung von rund 97 Millionen auf 115,3 Millionen. Die ordentlichen Einnahmen, die 1907 319,6 Millionen Mark ergaben, betrugen 1911 412,3 Millionen Mark, denen Ausgaben von 800,4 Millionen Mark ffir 1907 und 388,4 Millionen Mark für 1911 gegenüber standen. Somit ergeben sich Ueberschüss« von 245 Millionen Märt refp. 312 Millionen Mark. Die Zahl der 5irankcnkassen selbst ist in der angegebenen Zeit von 23 232 auf 23109 gesunken. Somit bat die Zahl ier Mitglieder pro Krankenkasse ein« Erhöhung von 522 auf 589 erfahren. Eine gut« Uebersicht, au« der die gesamte Entwicklung der Kassen heraus- tritt, geben die Berechnungen pro Mitglied. Sie ergeben, daß auf ein Mitglied im Durchschnitt entfielen: 1807 1907 1911 ErkankungSfälle........ 0,86 0,41 0,42 KrankheitStage......... 6,17 8,00 8,45 Beiträge(einfchl. Zusatzbeiträg«). M. 15,94 24,75 28,52 Krankheitskosten........ 18,98 22,66 26,25 Aerztliche Behandlung...... 8,23 5,22 6,15 Arznei und Heilmittel...... 2,48 8,81 8,00 Krankengeld.......... 6,20 10,00 11,28 Schwangeren- usw. Unterstützung.„— 0,49 0,50 Anstaltspflege 1,78 2,98 3,77 Verwaltungskosten....... 0,91 1,88 1,63 Vermögen.........* 16,66 20,18 22,98 Wie sich aus dieser Zufam me nstellung ergibt, ist in der Zeit von 1897 bis 1911 die Beitragslast pro Mitglied um rund 79 Proz. gestiegen, die Gefamffumm« der Krankheitskosten hob sich um nur 39 Proz., dagegen zeigt sich, daß die Kosten für ärztlich« Behandlung (ausschließlich AnstaltSpfleg«) um rund 90 Proz. gestiegen sind. Lächerlich gering sind die Auswendungen für die Schwangeren, und Wöchnerinnenunterstützung. ES zeigt sich weider, daß daS Ver- mögen der Kassen ziemlich stark anwächst. ES könnte daher für den arg vernochläffigten Mutter, und Säuglingsschutz leicht erheb. lich mehr getan werden. Was bisher geschehen, verdankt man in der Hauptsache den am meisten unter sozialdemokratischem Einfluß stehenden Ortskrankenkassen, teilweis« auch den Fabrikkrankenkassen. Bei diesen machen die erwähnten Ausgaben im letzten Jahr« pro Mitglied 58 Pf., bei den Ortskrankenkassen 66 Pf. auS, bei den übrigen Kassen sinken die Leistungen bis auf 2 Pf, pro Kopf> und Jahr! Daraus kann man erkennen, welch ungeheure Nachlässig- keitSsünden auf diesem Gebiet« begangen werden I Bon ganz besonderem Interesse sind die Rückschlüsse, die die Ergebnisse der Krankenkassen in bezng auf die Wirtungen der an- dauernden LcbeiiSmittclteucrung ausübten! Die mit der Teuerung verbunden« Verfchlechierung der Lebenshaltung schädigt natnr- gemäß den GefundheitSzustand weiter Bevölkerungskreis«, lind diese Schädigung kommt schon jetzt in den Ziffern der Kranken lassen in die Erscheinung! In ganz auffälligem Maß« sind im letzten Jahre die Kraukeukoslen gestiegen! Ferner macht sich bei den Krankenfällen und bei den Krankheitstagen, die in den letzten Jahren einen Rückgang pro Mitglied aufwiesen» für da? letzte Jahr ein starker Sprung nach aufwärt? bemerkbar! Vom Jahre 1908 bis 1911 sind folgende Veränderungen zu konstatieren: Ausgab« pro Mitglied...-s-29+7-fi 1 76 Pf. Krankenfälle pro 100 Mitglieder— 2— 1. 2„ Krankheitstage pr. 100 Mitglied.-19—25 ff- 44, Man geht sicher nicht fehl, wenn man die bemertenSwerte Veränderung im letzten Jahre auf da» Konto unserer vielgerühmten Wirtschaftspolitik zurückführt, für welche Junker, Pfaffen und ander« Stützen unserer prächtigen Weltordnung mit zäher Energie kämpfen I Gesinnungstüchtiger Techniker gesucht. Die Eingriffe in daS Koalitionsrecht der Arbeitnehmer mehren sich von Tag zu Tag. Viele Arbeitgeber gehen jetzt schon so weit, daß sie bei Stellenausschreibungen nicht mehr auf die Fähigkeiten und die Persönlichkeit des Bewerbers sehen, sondern auf seine Zugehörigkeit zu irgend einem Verband«, der die sozialen Jnter. essen der Privatangestellten vertritt. So konnte man, wie die „Deutsche Jnoustriebeamten-Zritung" in Nr. 49 berichtet, in ver» schiedenen technischen Fachzeitschriften folgendes Inserat lesen: „Für daS Konftruktionsbureau eine? norddeutschen Hütten. Werkes wird ein Techniker gesucht, der mit den in Stahl- und Walzwerken vorkommenden Bauten vertraut ist. Mitglieder de» Deutschen Technikerverbande» und de» Bunde» der technisch- industriellen Beamten sind von der Besetzung der Stelle aus- geschlossen."' Jeder charakterfeste Techniker, auch wenn er nicht organisiert ist, wird es sicherlich ablehnen, sich auf dieses Inserat zu melden; denn seine persönliche Würde wird sich dagegen aufbäumen, der Firma von vornherein das Recht zu der Annahme zu geben, daß er, ihrem Zwange folgend, auf das Koalitionsrecht verzichte. Solche Angriffe gegen das Koalitionsrecht sollten endlich straf- richterlicher Ahndung verfallen. Krankenkasse und KrankenhauSbehandlung. Die städtischen Behörden von Zeitz haben die Verpflegungssätze für die Personen, welch« im Krankenhaus untergebracht sind, diffe- renziert, soweit-eS sich um die dritte VerpflegungStlasse handelt. Es wird unterschieden zwischen auswärtigen und einheimischen Kranken. Für die einheimischen wurde der Satz auf 2,20 M., für die auswärtigen auf 3.20 M. festgefetzt. Daran war auch die Ortskrankenkasse der Bäcker, Böttcher nnd Braner und verwandten Gewerbe interessiert, da zu ihr auch Mitglieder gehören, welch« zwar in Zeitz arbeiten, aber außerhalb von Zeitz wohnen. Der Vorstand der Kasse hat nun wiederhol! Aufnabmeschein« für das Krankenhaus, wenn �S sich um auswärtige Mitglieder bandelte, ; die vom Kassenarzt als oer Krankenbausbehandlung bedürftig be- zeichnet worden waren, mit dem Vermerk versehen, daß die Kasse nur kür 2 20 M. aufkomme. Der Magistrat als AuffichtSbehörd« erließ nun am 14. März 1911 an den Vorstand der Kasse eine Verfügung, wodurch ihm bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe von 10 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung ausgegeben wurde, jenen Borbebalt auf dem Krankenaufnahmeschein fortzulassen. Da es der Vorstand nicht tat. wurde gegen den Vorsitzenden eine Ordnungsstrafe von 10 M. festgesetzt, die Verfügung erneuert und nun für den Fall der Zu- Widerhandlung eine Ordnungsstrafe von 100 M. angedroht. Der Vorstand klagte darauf gegen den Magistrat auf Auf, Hebung der Verfügung. Der Bezirksausschuß wie» die Klag« a» und führte n.«. au»: Allerdings stehe dem Vorstand da» Wahlrecht frei, einen Kranken durch Unterbringung im Krankenhaus zu unterstützen. Er dürfe dann aber nicht nur teilweise frei« Kur und Verpflegung im Krankenhaus gewähren. Das tue aber der Vorstand hinsichtlich der auswärtigen Mitglieder, wenn er für sie bei Einweisung in das Krankenhaus nur 2,20 M. Kosten täglich tragen wolle» obwohl er wisse, daß der Satz des Krankenhauses für auswärts wohnende Personen 8L0 M. betrage. Die Handlungsweise deS Vorstandes nötige mithin die Mitglieder von auswärts, wenn fr« der Kranken- Hausbehandlung teilhaftig werden wollten, die Differenz aus eigenen Mitteln zu zahlen, wozu sie gesetzlich nicht verpflichtet seien. Deshalb könne die Aufsichtsbehörde eingreifen. Der Vorsitzende legte Berufung beim Oberverwaltung»- gericht ein. Da» Oberverwaltungsgericht wies die Berufung am 2. De- zember mit Recht ab. Gründe: Die Kasse habe zwei Möglichkeiten nach freier Wahl: entweder sie zahle Krankengeld usw. oder sie nehme, wenn sie es für nötig halte, die Einweisung in ein Krankenhaus vor. Die Aufnahmeschein« könnten Nur die Boden- tun« haben, daß die Kasse die Einweisung in da? Krankenhaus gewählt habe. Dann müsse sie aber auch durchgeführt werden. Aufnahmescheine mit jener Bedingung ermöglichten da» aber nicht, 'denn wegen jene» Vermerks brauchte da? Krankenhaus den Be» treffenden nicht aufnehmen. Also erfülle die Kasse mit solchen Aufnahmescheinen nicht, was daS Gesetz für den gezvählien Weg erlange. Die Verfügung sei berechtigt. ES ist nicht nur bei der Zeitzer Kasse ein ähnliche?, dem Gesetz und dem Interesse der Kranlen widersprechende» System ein- geführt, nach dem nicht die vollen Kosten deS Krankenhaus«? übernommen werden. Hoffentlich schafft da» Erkenntnis de» Oberver- waltungSgericht» gründliche Remedur. Sollt« da» nicht der Fall fein� so müssen wir den Erkrankten auch mit Rücksicht auf die Er- Haltung ihre» Wahlrecht» raten, dt« Klage zu beschreiten. Rückfall in Blinddarmentzündung al» BetrUbSnnfall»«erkannt. Ist ti für die Verletzten vielfach schon bei äußeren Ver- letzungen schwer, den Nachweis zu führen, daß ein Betriebsunfall vorliegt, so ist dieser Nachweis bei inneren Verletzungen häufig direkt unmöglich. In der Regel kommt es hier lediglich auf die ärztlichen Gutachten an. Daß eine Blinddarmentzündung als Betriebsunfall anerkannt wird, kommt wohl äußerst selten bor. DaS rührt bor allem daher, daß dieselbe als eine Baktericnkrank- heit erkannt ist, die in der Regel auch ohne einen Unfall und ohne körperliche Anstrengung entsteht. Um so bemerkenswerter ist fol- gender Fall, bei dem selbst ein Rückfall in eine Blinddarment- zündung als Unfallfolge anerkannt werden mußte: Ein Hauer wollte einen Wagen umkippen. Als er sich mit dem Rücken gegen den Wagen stemmte und diesen mit den Händen anhob, verspürte er einen heftigen stechenden Schmerz im Unter- leibe. Er rief sofort zu seinem Mitarbeiter, es sei ihm„etwas geplatzt". Die BerufSgenossenschaft lehnte die Rentenansprüche ab. Sie behauptete, daß ei sich lediglich um einen Rückfall einer früheren Blinddarmentzündung handele. Auch daS Schiedsgericht stellte sich auf denselben Standpunkt. Et betonte, dah bei der Ope- ration keinerlei Anzeichen eines vorangegangenen Unfall» geftindrn seien. Nun rief der Verletzte da» ReichSverstcherungSamt an. Letztere» veranlaßt« eine eingehende Beweisaufnahme und holte ein ärzt- lichc» Obergutachten ein. Letztere» spricht sich für den Zusammen- hang der Krankheit mit dem Unfall aus. ES heißt dort:„ES sind zwar bei dem Verletzten schon vor dem schweren Heben am Tage de» Unfalls entzündliche Veränderungen der Blinddarmgegend mit Verwachsungen der Därme und des großen Netze» vorhanden gc- wcsen, diese KrankehitSerscheinnngen haben auch noch kurz vorher der KrankenhauSbehandlung bedurft. Es entspricht der chirurgischen Erfahrung, daß die früheren entzündlichen Veränderungen unter der ärztlichen Behandlung zurückgegangen sind, so daß der Verlstzie 14 Tage lang vor dem Unfall von Beschwerden ftei gewesen ist. Durch die heffige Anstrengung der Bauchpresse bei dem Heben am Unfalltage ist aber eine Zerrung an den Verwachsungen der Därme veranlaßt worden, die ein Aufflackern der Entzündung im Bereiche, d. h. in der Umgegend, de» Blinddarms verursacht hat. Gegen diese Auffassung spricht durchaus nicht da? Fehlen von„VerlctzungS- folgen" bei der Operation, denn derartige Vorgänge können mikroskopisch klein gewesen sein und sich schon nach wenigen Tagen dem Auge entzogen haben. Da» Aufflackern der Entzündung hängt init dem Unfall ursächlich zusammen und ebenso ihre Folgen: der Bauchbruch und die Verwachsungen der Eingeweide im Anschluß an die Operation."(Aktenzeichen 1» 4050/11.) Nach diesem Gutachten bewilligt« da» RetchSvcrsicherungSamk dem Verletzten eine Teilrente von 20 Pro». JJus der frauenben>egung. Das Frauenstimmrccht in England.- Der englische Schatzkanzler Lloyd George hat dieser Tage eine Deputation der Liberalen Franenvereinigunä von Wale? empfangen. Er sagt«, die Regierung habe ihr Wort verpfändet, im Laufe dieser Session die WahlrechtS-Bill einzubringen. Die Schwierigkeiten seien sehr große, da in keiner Partei und auch nicht inner- balb de» Ministeriums volle Uebereinstimmung herrsch«. Was speziell die Frage de» Frauenstimmrechts anlange, so sei diese be- sonder» geschädigt worden durch da» rigorose Vorgehen der „Sufftagettes". Trotzdem werde das Ministerium die zu erwarten- den Anträge de? Frauenwahlrechts Im Unterhanse unterstützen. Allerdings glaube er nicht, daß daS Stimmrecht an alle Frauen über 21 Jahre gegeben werden könne. Der Minister sprack» sich für das System auS, das in Norwegen seit einigen Jahren eingeführt ist, nnd das sich dort gut bewährt habe. Danach würden die Frauen, bereit Männer da? Wahlrecht besitzen, ebenfalls daS Stimmrecht erhalten und außerdem diejenige» Frauen, die einen selbständigen Haushalt führen, Lloyd George versicherte, daß die Bill spätesten» in der 3. oder 4. Woche de» neuen Jahre« dem Parlament zugehen werde. Sericdts- Leitung. Fahrlässige Tötung. Schachtmeister Sliebkiwitz aus Schildow bei Berlin hat!« sich vor der dritten Strafkammer de» Landgericht» Berlin III wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung, begangen bei Ausübung seines Berntes, zu verantworten. Stiebkiwitz hatte bei einer StrahenregulierVgSarbeit ei na Schachtwand, anstatt, wie es vorgeschrieben war, von der Krone aus, von unten aus aibzu- bauen versucht, obwohl er von einem OrtSpolizeibeamien mehrfach gewarnt wurde. Die Schachtwand stürzt« schließlich ein nnd ver» letzte zwei Arbeiter und zwei Arbeiterinnen so schwer, daß sie in sehr bedenklichem Zustande ins Krankenhaus transportiert werden mutzten. Eine der Arbeiterinnen starb noch auf dem Transport, die drei anderen liegen noch schwer krank danieder. Da» Gericht verurteilte den Schachtineister, in Berücksichtigung der unverant- ivortlich großen Fahrlässigkeit zu acht Monaten Gefängnis. veble Erfahrung«» mit der Polizei hat ein Arbeiier Reumann gemacht, der am 25. Okiober, abend» gegen?L9 Uhr, angetrunken durch die Maxstraß» ging und dabei zwei vorübergehenden Sckutzleulen zu nahe kam. Gestern hatte er sich vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding zu verantworten auf die Anklage, die Schutzleute durd» Schimpfwurtc öffentlich beleidigt zu haben. Einer der beiden Schutzleute bekundete, Reumann fei taumelnd auf sie zugekommen und habe sich so benommen, wie wenn er sich ihm aufs Rad werfen wollte. Nachdem er, der Zeuge, ihn zurückgestoßen habe, sei Neumann zurückgetaumelt und habe erbost geschimpft:„Lümmel! Lausejungen". Der Angeklagte er- klärte, er wisse hiervon gar nichts. Daß Neumann betrunken ge- Wesen sei, nimmt Zeuge nicht au; er habe wohl nur den Betrunke- nen markiert, als er auf die Schutzleute zukam. Demgegenüber versicherte eine Zeugin, daß Neuma-nn,. dessen Benehmen m nüchternem Zustand ihr genau bekannt sei, auf sie den Eindruck eines sehr stark Betrunkenen gemacht habe. Er habe, als die Ächutzleutc davonradelten, zunächst die ihm vom Kopf gefallene Mütze aufge- boben und sei dann hinterher gelaufen mit dem Ruf, er wolle sich die Nummer merken. Darauf habe ein vorübergehender Schutz- mann ihn festgehalten, ihm sofort die Hände auf den Rücken ge- nommen und ihn abgeführt. Der Angeklagte wollte dem Gericht schildern, was auf der Wache sich ereignet habe. Aber der Vor- sitzende lehnte ab, weil das ja gar nicht zur Sache gehöre. Nach dem Antrage des Amtsanwalts, der„Schub für die Schubleute j» ihrem schweren Amt" forderte, erkannte das Gericht auf 2v Mark Geldstrafe.___ „Zahnarzt, approbiert in Amerika". So hatte sich Herr Braustcin aus einem Schilde genannt. Das Landgericht Berlin I als Berufungsinstanz verurteilte ihn deshalb zu einer Geldstrafe, indem es eine Uebertretung des§ 147 Ziffer 3 der Gewerbeordnung annahm. Diese Gesetzesbestimmung bedroht mit Geldstrafe bis 300 M. den, der„ohne hierzu approbiert zu sein, sich als Arzt(Wundarzt, Augenarzt, Geburtshelfer, Zahnarzt, Tier- arzt) bezeichnet oder sich einen ähnlichen Titel beilegt, durch den der Glaube erweckt wird, der Inhaber desselben sei eine geprüfte Medizinalperson". Das Landgericht führte unter anderem ans: In Deutschland verstehe man unter einem Zahnarzt nur eine staatlich approbierte Person. Wenn sich jemand bezeichne als„Zahn- arzt, approbiert in Amerika", dann müsse das den Anschein er- wecken, als ob er eine der deutschen entsprechende Approbation be- sitze. Der Angeklagte habe nun allerdings ein Doktordiplom der amerikanischen Havard-Universität. Das bedeute aber bloß, daß er diesen amerikanischen Grad erlangt habe. Das sei aber keine Approbation. Eine Approbation sei ein Akt der Staatsautorität, durch den eine staatliche Anerkennung erfolge. Eine solche Appro- bation gebe es überhaupt nicht in Amerika. Angeklagter sei also in Amerika nicht approbiert und hätte sich als„Zahnarzt, approbiert in Amerika" nicht bezeichnen dürfen; mit dieser Bezeichnung habe er zugleich den Glauben erweckt, er sei eine geprüfte Medizinal- Person. Das Kammcrgericht verwarf jetzt die vom Angeklagten einge- legte Revision. Es führte aus: Das Rechtsmittel sei unbegründet, und zwar deshalb schon, weil sich Angeklagter Zahnarzt genannt habe, während er in Deutschland nicht Arzt geworden sei. Das sei nach Satz 1 der Ziffer 3 des ß 147 der Gewerbeordnung unbedingt verboten, wie das Kammergericht im Gegensatz zum Reichsgericht annehme. Das Reichsgericht beziehe die Worte des§ 147 Ziffer 3 am Schluß:„durch den der Glaube erweckt wird, der Inhaber deS- selben sei eine geprüfte Mcdizinalperson". nicht bloß auf den zwei- ten Satz:„oder sich einen ähnlichen Titel beilegt", sondern auch auf der ersten Satz, der von den Arzttiteln selber spreche. Demgegen- über bleibe das Kammergericht bei seiner Auffassung, daß der Re- lativsatz sich nicht auf den Satz 1 und die Arzttitel, sondern nur auf Satz 2 und somit nur auf die arztähnlichen Titel beziehe. Demnach komme es nach Meinung des Kammergerichts bei dem unrechtmäßi- gen Gebrauch des Arzttitels lediglich darauf an, daß er unrecht- mäßig gebraucht worden sei und nicht daraus, welcher Glaube beim Publikum erweckt werde._ Ein Sieg der Türken— in Leipzig. Ein alter Sonderling, der Rentner Karl Wilhelm Zöllner in Kottbus, hatte dem Sultan Abdul Hamid 100 000 M. vermacht, damit er in Konstantinopel einen Tempel für Ilniversalreligion errichte und dadurch den ewigen Frieden fördere. Seine Nichte. Fräu- lein Klara Ze., CharloKenburg, die das Geld selbst gut hätte ge- brauchen können, suchte die Auszahlung desselben zu verhindern, sie wurde aber schließlich vom Kammergericht verurteilt, in die Aus- zahlung zu willigen. Ihre Revision, in der sie geltend machte, daß der Erblasser geistig nicht normal� gewesen sei und daß er in einem (leider für ungllltig erklärten) Kodizill sein Testament selbst un- ausführbar gemacht habe, wurde am Donnerstag vom Reichsgericht als unbegründet zurückgewiesen. Kindcsunterschiebung. Um den Geliebten zur Ehe zu zwingen, machte sich die Dienst- magd Emma Lanz einer Kindesuntcrschicbung schuldig, derent- wegen sie vom Landgericht Karlsruhe am 20. Juni zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden ist. Seit Frühjahr vorigen Jahres hatte die Angeklagte ein Liebesverhältnis mit dem Dragoneruntcx- Offizier M., den sie aus einem Tanzvergnügen kennen gelernt hatte. Als sie bemerkte, daß M. außer ihr noch eine zweite Liebe besaß spiegelte sie dem Mann, um ihn zu fesseln, vor, sie sei durch den Verkehr mit ihm in andere Umstände geraten. Die„Umstände" zwangen sie sogar, ihre Stellung in Heidelberg aufzugeben und nach Karlsruhe zu ziehen. Auch dort konnte sie schließlich nicht mehr bleiben, und ging deshalb in die Frauenklinik nach Heidelberg. Hier „gebar" sie, so schrieb sie wenigstens ihrem Liebhaber, eine Tochter und redete in dem Brief überschwenglich vom Mutterglück, und selbstverständlich auch von der Heirat, die nun unumgänglich sei. Nun fehlte ihr aber das Beweisstück, das Kind. Um einen Ausweg nicht verlegen, ging sie am 28. März auf ein Inserat hin zu einer Frau, die ein drei Wochen altes Kind abzugeben hatte. Dies wollte sie adoptieren und nahm es deshalb mit, um es ihrem Liebhaber zu bringen und diesen dadurch zur Heirat zu veranlassen. Nun war dies Kind aber ein Knabe, während sie doch geschrieben hatte, ein Mädchen geboren zu haben. Auch hier wußte sie sich M. gegen- über auszureden, indem sie sagte, sie habe ihm nur eine ganz be- sondere Ueberraschung bereiten wollen, da er doch lieber einen Knaben äls ein Mädcken hätte haben wollen, hätte sie die Geburt des Knaben verheimlicht. Das Schwindelmanöver kam aber bald an den Tag und brachte der Angeklagten die bereits erwähnte Strafe wegen Kindesunterschiebung ein. Das Reichsgericht erkannte am Donnerstag auf Verwerfung der gegen das Urteil eingelegten Revision. Eingegangene Drueftfehnften. „Der flompf." Wien. Jahrganz VI. Heft 3.— Heinrich Weier: Der Sozialismus und der Krieg. Otto Bauer: Der Kampf um'Albanien. Adolf Braun: Arbeitslosigkeit und Gemcindepflichicn. Anton«chrammel: Aus der nordweslböhmiichen Arbeiterbewegung. Emil Strautz-Prag: Die Legende voni Kaiser Joses. Hermann Diamand-Lembcrg: DaS Spiritus- karlell und die Spiritusindustrie. Emil Dittnier-Berlin: Fachbildung und Gewerlschaslspresse. Therese Schlesinger: Eine Ausgabe der Arbeiter- baugenofsenschastcn. Franz Diederich-Dresden: Die Organisierung der Bücherkäuser. Der Prinzipienreiter. Eine Erzählung aus dem Jahre 1848. Von Wilhelm Bios. Band 5 der Vorwärts-Bibliothck. Geb. IM— Eni- Wicklungsgeschichte der Erde. Bon G. Engelbert Gras. 102 Seiten, Band 1 der Bibliothek des Wissens.—„Vorwärts"-Buchhandlung, Berlin 81V. 68, Lindenstr. KS. Leut' und Viecher. Von H. Kley. 140 Federzeichnungen. Geb. 7,50 M.— Von Lichtmeß bis Dreikönig. Von R. Sieck. 24 Blatt Zeichnungen. Mit Gedichten von Dr. Owlglafe. Geb. 7,50 M. A. Langen, München. Süddeutsche Monatshefte. Heft 3. Vierteljährlich 4 M. Selbst- verlag, München. Jodnte! Ein Kamps uni Lübecks Freiheit von W. Lobsien. Geb. 3 M- (Mainzer Volks- und Jugendbücher. Band XIX.)— Deutsches Jugend buch. Herausgegeben von W. Kotzde. Band IV. Geb. 3 M.— Dorn- rösche» und Hansel und Grctel. Von Fr. Müller.— Rat' einmal. Von M. Langhein.— Fröhlicher Reigen. Von H. Schrödter.— Hoppe, Hoppe Retter. Von A. Schmidhammer. Einzelheit 50 Pf.— Mein Spielzeug. Von E. Oßwald. IM.— Frohes Spiel. Von A. Schildhammer. 1,60 M— Ringsumher. Bilderbuch von E. Ltzwald. 3 M.— Komm! Tierbilder von E. Ltzwald. 3 M. Jos. Scholz, Mainz. llniversal-B ibliothek. 5471—74. Afraia. Roman von TH.Mügge. — 5475. Jagd nms Gold. Erzählung von A. Schmidt.— 5476. Rechtsfragen des täglichen Lebens. Plaudereien von Dr. H. Lieste — 5477. Der Knecht von Wörpedamm. Wie Hinrich Steinwedel um feine Frau warb. Zwei Erzählungen von Luise Weftkirch.— 5478— 80. Tie Elektrizität. Von Pros. F. Adami.— Einzelnummer 20 Ps.— Ph. Rcclam, Leipzig. Spiel und Gegenspiel. Von Jözsi Frclh. von Nadhernh-Bomti». 3,50 M. C. Wigand, Berlin-Leipzig. 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Es sei noch darauf hingewiesen, daß das durch Vermitrelung des Magistrats be» zogene ausländische Fleisch hier nicht nur an Mitglieder der Konsum- genoffenschast, sondern an alle Einwohner zu den von der Stadt sestgesetzte» Bedingungen abgelaffen wird. Neuköllu. Au der am Ib. Dezember, nachmittags 3 Uhr, bei Hoppe. Her- mannilraße, slallftiideiiden Vorstellung„Die Zwergenpost" sind noch Billetts für Erwachsene a 30 Pf., Kinder k 15 Pf. zu haben bei Hoppe, Restaurant, Hermannstr. 49, Restaurant Richter, Weisestr. 5, Gemme�er, Restaurant, Koiser-Friedrich-Str. 232/233, Petki, Restau- rant, Knesebeckstr. 113, Parteispedilion, Neckarstr. 3 und Siegfried- straße 23/29. und bei den Mitgliedern. Der Vorstand des Elternvereins für Sport und Wandern. Tempelhof. Aus der Gemeindevertretersitzung. Zunächst verhandelte die Vertretung über einen Antrag. des Gemeindevorstandes, dem Vaterländischen Fraucnverein eine Beihilfe für die Unterhaltung der Schwcstcrnstation und des Kinderhorts zu gewähren. Genoffe Müller erklärte sein Einverständnis zu der Bewilligung, be- tonte aber zu gleicher Zeit, daß es Pflicht der Gemeinde iväre. selbst derartige Einrichtungen zu schaffen, damit die Fürsorge für die Kinder der ihrem Erwerb nachgehenden Frauen nicht Privaten überlasten zu werden brauche. Herr Bürgermeister Mustehl gab hierauf die Antwort, daß die Gemeinde bei dem jetzt herrschenden Zustande Geld spar«, zudem wisse man die Sache in guten Händen. Schließlich wurden 1000 W. bewilligt.— Ein Antrag der Barbier- usw. Innung von Berlin-Britz und Umgegend auf Gewährung einer Beihilfe für die Fach- und Fortbildungsschule dieser Innung gab � nscrein Genossen Schmidt Veranlassung, darauf hinzuweisen, in Tempelhof die Lehrlingszüchterei in diesem Gewerbe eine ziem/ich große sei. Die Herren Jnnungsmeister bildeten wohl die �cbrln'flc aus, fragten aber nicht danach, was später aus diesen wird w�chmidt erklärte für diesmal sein und seiner Freunde Ein- verktändin» Zu einem Zuschuß, sprach aber die Erwartung aus, daß imcb Kj irrst htung der Fortbildungsschule für Tempelhof der Innung lifierlofien �steiven müsse, die Mittel für die fachliche Ausbildung ihrer Lchrllnge' selbst aufzubringen. Bei den bürgerlichen Ge- meindevertretern scheint System darin zu liegen, keinen Sozial- dcmokraten in zwmissioncn zu wählen. Trotzdem unsere Ge- nassen(4 unter 15> bei jeder Neubildung von Kommissionen oder unserer Genosten zu berückstcht-gen. So auch diesmal bei lxr Er- aänzung der Park- und der Kastenrev.sionskommisston. Es wur- den nur Bürgerliche gewählt. Die Herren schemen gern unter ihresgleichen zu bleiben, damit chre Beratung glatter vonstat en gehe. Mit der Ersatzwahl der Mitglieder der obenbezeichneten Kommissionen wollte Bürgermeister Mussehl zugleich die Wahl einer Frau zum Waisenrat verbinden; er brachte hierfür Frab Geheim- rat Huth in Vorschlag. Genosse Schmidt widersprach der sofor- tigen Wahl, da er und seine Freunde ebenfalls Vorschläge machen möchten. Allerdings keine Geheimrätin, sondern eine Frau, die im praktischen Leben stände. Die Wahl soll in nächster Sitzung er- folgen.— Nach der für l9ll vorgelegten Jahrcsrechnuug übersteigt die Einnahme die Ausgabe um l22>65 M. Der Bürgermeister stellte in Aussicht, daß das Resultat auch für dieses Jahr gleich günstig sein wird.— Da der bisherige Pächter der Eisfläche auf dem großen Teich im Park verstorben ist, wird die Gemeinde dieses Unternehmen in eigene Regie übernehmen. ES sollen zur Be- leuchtung der Eisfläche elektrische Bogenlampen zur Aufstellung gelangen, ebenso soll eine Bedürfnisanstalt aufgestellt werden. Die Kosten hierfür werden zirka 8000 M. betragen. Der Bürgermeister schlägt vor. um die aufgewendeten Kosten wieder hereinzubringen, ein höheres Eintrittsgeld zu erheben. Genosse F'rantz wünscht, daß den Schulkindern freier Eintritt gewährt werde. Es wurde „Erwägung" zugesagt.— Auf der Druckstation Werderstraße soll eine Reservepumpe zur Aufstellung gelangen, deren Kosten mit den vorzunehmenden baulichen Veränderungen zirka 60 000 M. betragen werden. Genosse Schmidt meinte, daß das Straßenbild durch die Pumpstation äußerst leide, es müsse darauf bei der Umgestaltung Rücksicht genommen werden. Auch hier wurde Erwägung zugesagt, — Eine kurze, aber interessante Debatte ergab noch der Antrag des Gemeindevorstandes auf Errichtung zweier Polizeisergeanten- stellen zum 1. April 1913. Genosse Müller fragte an, ob es Usus werden solle, daß die von der Gemeinde angestellten Beamten bei eventuell ausbrechenden Streiks Verwendung finden sollen. Der Bürgermeister wie die Bürgerlichen taten recht erstaunt ob solcher Frage. Deshalb sah sich Genosse F r a n tz veranlaßt, zu erklären, daß unsere Genossen wohl für die Anstellung von Sicherheits- beamten einträten, wenn solche nötig, aber nicht dafür zu haben seien, wenn diese Beamten dazu benutzt würden, den Arbeitern das ihnen gesetzlich gewährleistete Recht des Streikpostenstehens un- möglich zu machen. Der Bürgermeister erklärte, ihm sei bis jetzt nichts davon bekannt geworden, daß die Beamten bei Streiks ihre Befugnisse überschritten hätten. Er müsse aber für sich das Recht in Anspruch nehmen, die Beamten auch bei Streiks zu verwenden, um die„Ordnung" aufrecht zu erhalten. Was man an dieser Stelle unter Aufrechterhaltung der Ordnung versteht, wissen unsere Genossen zur Genüge und deshalb stimmten sie dem Antrage des Gemeindevorstandes nicht zu.— Der öffentlichen folgte noch eine geheime Sitzung. Mariendorf. I« der Geuieindeoertretersitzung gab der Vorsteher Kenntnis von einem der Gemeinde zugestellten Entschluß des Kgl. Kataster- amts Tempelhof, unter Berücksichtigung des Bebauungsplanes eine Neuvermessung der Gemarkung Mariendorf vorzunehmen. Die Kosten hierfür würden insgesamt 30 000 M. betragen. Die Straßen- baukommission hat zu dieser Sache Stellung genommen und empfiehlt der Gemeindevertretung, die Neuvermessung in eigener Regie durch einen von der Gemeinde anzustellenden Landmesser vorzunehmen Die Vertretung stimmte dem Anttage zu.— Eine längere Diskussion zeitigre der Bericht deS Schöffen Machon über eine auch in diesem Jahre zu veranstaltende Weihnachtsbescherung der OrtSarmen. Es wurden zu diesem Zweck von der Armen- Verwaltung 800 M. beantragt. Bei dieser Gelegenheit brachte Ge- nosse R e i ch a r d t seine Genugtuung zum Ausdruck, daß die Be- schcrung endlich eine Aenderung bringe, wie sie von unseren Ge- »osscn seit Jahren gefordert worden sei; er beantrage jedoch die Summe auf 1000 M. zu erhöhen, da hie � Einwohnerzahl sich beträchtlich vermehrt habe und dadurch mich die Zahl der Bedürftigen gestiegen sei. Er wünschte außerdem, daß auch di« Kinder der Dissi- denten nicht zurückgesetzt werden und daß das eventuell in der WeihnachtSwoche übrig gebliebene russische Fleisch zur Verteilung an Ortsarme gelange. Gemeindevcrtreter Sauer unterstützte die Anregungen Reichardts noch dahingehend, daß die Verteilung der Weihnochisgeschente in unauffälliger Weise geschieht und daß auf die Gefühle Andersgläubiger in jeder Weise Rücksicht geübt wird. Nachdem auch noch Genosse Weber zu der Sache gesprochen, wurde der Antrag Reichardt auf Bewilligung von 1000 M. angenommen.— Zum nächsten Punkt, Bewilligung von Mitteln zur Veranstaltung von Elternabenden, teilte der Gemeindevorsteher den Beschluß der Schuldeputation mit, wonach die Abende nicht mehr wie bisher in einem Lokal und auch nicht mit theatralischem Aufputz stattfinde«. sondern in den Schulaulen vorgenommen werden sollen. Genosse Weber gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß endlich dem jähre- langen Wunsche der Arbeiterschaft in dieser Angelegenheit Rech- nung getragen sei; er habe aber das Gefühl, daß der Beschluß der Schuldeputation darauf zurückzuführen sei, daß jetzt der Arbeiter- schaft die Lokale mit wenigen Ausnahmen zur Verfügung stehen. Vom Gemeindevorsteher wurde daraus erwidert, daß lediglich die unhaltbaren Zustände, welche sich dabei ergeben haben, für den Be- schluß der Deputation ausschlaggebend gewesen seien. Genosse Weber beantragte, die Elternabende in der Aula des Gymnasiums stattfinden zu lassen; es sollen dabei Zeichnungen von Schülern und Handarbeiten der Schülerinnen zur Ausstellung gelangen. Auch ein Orgelkonzert würde bei den Eltern der Volksschüler das nötige Verständnis finden. Die Gemeindevertretung erklärte ihr Einver- ständnis hierzu.— Herr Sauer regte noch an, ob die Herren Lehrer des Abends nicht eine Sprechstunde einrichten könnten, damit auch die arbeitende Bevölkerung Gelegenheit habe, sich nach den Leistungen ihrer Kinder erkundigen zu können. Auf diese Weise würde es möglich sein, ein mehr harmonisches Verhältnis zwischen Schule und Haus herbeizuführen. Außerdem gab Redner noch eine Zuschrift des Herrn Dr. Maaß bekannt, welche auf die in letzter Sitzung gemachten Ausführungen, betreffend schnelle ärztliche Hilfe, Bezug nimmt. Eine dem Redner noch zugesandte Schilderung von Angehörigen in dem betreffenden Falle gab Herrn Sauer Ver» anlassung zu der Behauptung, daß er nicht zuviel gesagt habe. Er sei der Meinung, daß wenn derartige Fälle vorkämen, die Ge» meindeverlretung ein Recht habe, Kritik zu üben. Der Gemeinde- Vorsteher bat, diese ganze Angelegenheit der Sanitätskommission zu überweisen. Schmargenvors. Am Sonntag, den 8. d. M,. nachmittags von 12—8 Uhr, findet im Restaurant Schützenhaus. Hundekehlenstr. 20. eine Ausstellung von künstlerischem Wandschmuck und Jugendschriften statt. Die Arbeitereltern werden gebeten, die Ausstellung zu besuchen, Sie bietet eine vorzügliche Gelegenheit, gute und billige Jugendschriften und künstlerischen Wandschmuck für den Weihnachtstisch auszusuchen. Nowawe?. Auf die Jugendschriften- und WandschmuckauSstellung, die an den nächsten zwei Sonntagen, den 8. und 15. d. MsS,, im Restaurant Gruhl stattfindet, sei die Arbeiterschaft besonders aufmerksam ge- macht. Da die zum Verkauf kommenden Schriften zum halben Preise abgegeben werden, so bietet sich den Eltern, die ihre Kinder zum Weihnachlsfest mit einem guten, der Unterhaltung oder Be- lebrung dienenden Buche erfreuen möchten, hierzu eine änßyrst günstige Gelegenheit. Eine Besichtigung der Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt in Charlotteiiburg findet aus Veranlassung des Kartell- und des Wahl- vereinsborstandes am Sonntag, �den 8. b. Mts., statt. Die gemein- same Abiahrt erfolgt mit dein Stadwahnzuge m Uhr. Endstalion: Zoologischer Garten. Mehr als sonst gilt es, im Weihnachtsmonat billig und gut zu kaufen Sind doch gerade fetzt die Ausgaben grösser, weil die Geschenke den Etat belasten. Die Frage, wo kaufe ich, ist daher doppelt schwer. Hat man eine gute Einkaufsquelle, so behalte man diese. Glaube niemand, dass es noch Geschäfte gibt, die ohne Nutzen ihre Waren abgeben können Alle jene„besonders billigen Angebote" sind meist nur Lockmittel. 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