Nr. 387. RbonnementS'ßedingungen: «Boimcmentä. Prei-Z dränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mk, vwnatl. 1.10 Mk., n-öchciMich L3 Psg. frei ms HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» nummcr nui illustrierter Soimtugs» Beilage..Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zcitunhs. Preisliste. Unter zsreuzband ,itr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonncmeiUS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Liumänien, Schweden und die Schweiz, Crtditlnt tZgNid außer montags. 39. Jahrg. Die TnfertlonS'GcbüIir beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerlschaftlichc Vereins. und Vcrsammlungs-Anzcigen SO Pfg. . Kleine anreigen", daS fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan � zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 12 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Berliner VolksblnK. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Rerlln". Zentralorgati der rozialdcmokratt fchen parte» Dcutfcblatide. RecUhtion: SM. 68. Luidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. liniere Kolonien. Es sind nun immerhin schon 6 Jahre verstrichen, seit Herr Ternburg als neugebackener Äolonialminister seine wunderbare Kolonialbilanz aufstellte und unseren Kolonien eine.närchenhafte Zukunft verhieß. Herr Ternburg ist in- zwischen längst wieder gegangen, aber die Märchenzukunft unserer Kolonien ist auch heute noch reinste Zukunftsmusik ge- blieben ulid wird sie auch immerdar bleiben. Denn wenn auch allmählich durch die Unniassen hineingesteckter Kapi- talien eine gewisse wirtschaftliche EntWickelung unserer Ko- lonicn eintreten sollte, so werden sich doch die ungeheuren Opfer, die die N a t i oti für die Kolonien gebracht hat und noch aus unabsehbare Zeiten hinaus wird bringen müssen, niemals lohnen. Unsere Kolonien werden ebensowenig als Absatzgebiete für unsere Industrie jemals eine auch nur irgend nennenswerte Rolle spielen, wie sie als Bezugsquelle für Rohmaterialien ernstlich in Frage kommen können. Sie werden stets nur ein Tummelfeld für avancement- und aben- tcucrlustige Söhne der Bourgeoisie und ein Experimentier» fcld für gewagte Börsenspekulationen bleiben. Herrn Dernburgs Prophezeiungen von der fabelhaften EntWickelung unserer Kolonien haben sich nicht nur nicht er- füllt, sondern die Reichszuschüsse sind sogar noch höher qe- worden als sie früher—- die Kriegsjahre natürlich abge- rechnet— zu sein pflegten. Während man bisher im allge- meinen mit einem durchschnittlichen Reichszuschuß von 30 Millionen rechnete, soll der Zuschuß 1913 rund 32 Millionen, genau 31 998 080 M., betragen. Wie einer unserer Etats- redner hervoichob,'betragen sämtliche sozialpolitische Aus- gaben des Reiches 1913 nicht mehr a�s 57 Millionen, und für unsere herrlichen Kolonien— deren gesamte weiße Ein- wohnerschast bequem in einer deutschen Kleinstadt untergebracht werden könnte— verpulvern wir wieder einmal 32 Millionen' Das geht nun schon seit mehreren Jahr- zehnten so, nur niit der kleinen Unterbrechung, daß in diversen Kriegsjahren die kolonialen Reichsausgaben auf Hunderte von Millionen anwuchsen, hat uns doch allein der südwestafrikanische Krieg gegen die Hereros und Hotten- totten mehr als 400 Millionen gekostet! Rechnen wir alle Kolonialausgaben zusammen, so kommt eine Ausgabe von mehr als W» Milliarden heraus, eine Summe, die wir mit mindestens 60 Millionen verzinsen müssen. Ziehen wir das, wie sich's gebührt, mit in Betracht, so weist unsere Kolonial- Politik eine jährliche Unterbilanz von mehr als 90 Millionen auf. Angesichts eines> solchen Riesen- defizits sollte doch selbst den blindesten Optimisten das Be- wußtsein aufdämmern, daß unsere Kolonialbilanz nie- m a l s eine aktive zu werden vermag. Der Reichszuschuß von 32 Millionen verteilt sich folgen- dermaßen: Osiafrila.... 3 603 087 M Kamerun.... 2 803 690„ Südwestafrika.-.. 14 755 600„ Neu- Guinea... 1327 267„ Kiautschou.... 9 507 780„ Zmammeii 31 998 OSO M. Aber nicht genug damit, daß das Reich den Kolonien 32 Millionen jährlichen Zuschusses zahlt— in der Reichs» ko l 0 II i a l s ch u l d wächst dem Reich auch eine besondere Schuldenlast an, für die es in letzter Linie die Bürg- s ch a f t zu übernehmen hat. Früher, vor der Acra Dern- bürg, galten die Kolonialanleihen einfach als Rcichsanleihen. Sie traten im Reichsetat in Erscheinung. Seitdem ist der Kolonialetat vom Reichsetat getrennt und die Schulden figurieren ass Kolonialschnlden. Als ob den Kolonien irgend jemand etwae�oumpen würde, wenn nicht das Reich als Bürge figurierte! Die ganze Trennung hat nur den Zweck, die koloniale Pumpwirtschaft als harmloser und die Reichsver- bindlickikeiten als kleiner erscheinen zu lassen, als sie in Wirk- lichkeit sind Zur Realisierung der den Schutzgebieten be- willigten Anleihekredite sind bis jetzt vierprozentige Schuld- verschreibungen in Höhe von 136 130 000 M. ausgegeben worden. Zur Verzinsung dieser Schuld sind bereits 6 446 000 M. erforderlich. Hinzutreten weitere Kredite für 1912 von 34 781 501 M. und ein für 1913 geforderter Kredit von 52 339 063 M.. so daß sich nach Realisierung dieser Kredite die Kolonialschuld bereits auk 223 270 564 M., also fast eine Viertelinilliarde, belaufen würde. Die erforder» lichen Zinsen belaufen sich im Etat für 1913 bereits.auf 7 884 040 M. Diese Zinsen sollen die Kolonien aufbringen. Aber wo es nicht zulangt, muß eben das Reich einspringen. Taber der Reichszu'chnß von 32 Millionen! Und je höher die Zinsen der Kolonialschulden anschwellen, desto höher wird natürlich auch der ReichSzuschuß werden! So siebt es mit unseren Kolonien und ihrer Finanz- Politik im allgemeinen aus. Wie es aber in den einzelnen steht, das schildert sehr hübsch die doch durchaus kolonial- freundlich?„Koloniol-ktorespondenz" in einem Artikel üben unier eigentliches koloniale?„Neu-Deiiti'cbland", die Kolonie S ü d w e st 0 s l i k a. Die..Kolonial-Korrespondenz" sckreiit unter dem Titel:„Zerrüttete Finanzen von Deutsch- Sii dwestairika": Zusammenbruck» der bisherigen Finanzwirtschaft bei gleich- zeitiger Preisgabe des von Dernbnrg seinerzeit aufgestellten Eisen- bahnfinanzplanes unter dem unerbittlichen Zwange der Notwendig- Sonntag, den 8. Dezember 19 1Ä. teit, das bedeutet mit knappen Worten der neue Haushaltsentwurf für Deutsch-Südwestafrika für das Jahr 1913/14. Bei 15,8 Mil- lionen Mark eigener laufender Einnahmen der Kolonie müssen nicht weniger als 6,3 Millionen Mark für Zwecke, die sonst aus den regelmäßigen Einnahmen gedeckt wurden, durch Aufnahme einer Anleihe bestritten werden. Bei alledem wurde, trotzdem aus dem Jahre 1910 Ueberschüsse in Höhe von 1,9 Millionen Mark zur Verfügung standen, noch rund eine Viertelmillion aus dem für Fälle der Not in früheren Jahren angesammelten Ausgleichs- fonds herangezogen, um den Etat bilanzieren zu können. Angesichts dieser geradezu trostkosen Finanzlage erscheint es angebracht, den Haushalt der Kolonie in seinem inneren Aufbau einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Dabei lassen wir den mit 14,7 Millionen Mark veranschlagten Militär- etat außer Betracht, da die Kosten für den Militärs s ch e n Schutz der Kolonie vom Reiche getragen werden. Die Einnahmequellen der Kolonie sind ftir das Jahr 1912 wie folgt veranschlagt: 1. Steuern........ 7 143 000 M. 2. Zölle......... 2 334000„ 3. Abgaben und Gebühren.. 1 644 000„ 4. Bergverwaltung..... 098000„ ö. Eisenbahn und Hafenanlagen. 8 662 900„ 6. Sonstiges....... 101 700„ Zusammen.. 15 883 600 M.' Neben diesen laufenden Einnahmen treten an einmaligen Ein- nahmen noch 2 166 232 M., davon 1 930 160 M. Ueberschüsse aus dem Jahre 1910 und 236 072 M. aus dem Ausgleichsfonds. Nahezu die Hälfte aller laufenden Einnahmen stammt aus dem Diamantenbergbau. Der Etat für das Jahr 1913 rechnet bereits mit der Umwandlung der Diamanten- abgaben. An Stelle der früheren Ausfuhrzölle und sonstigen Ab- gaben des Diamantenbergbaues tritt eine einheitliche Diamanten- steuer, die mit 6 660 660 M. veranschlagt ist. Von den Einnahmen aus der Bergverwaltung kommen noch 966 666 M. auf den Abbau der Diamanten, die von der Diamantenpachtgesellschaft an den FiskuS zu entrichten sind, so daß die Gesamteinnahmen aus dem Diamantenbetrieb sich auf 7,5 Millionen Mark belaufen. Neben der direkten Besteuerung von 315 666 M. Grundsteuer, 128 666 M. Umsatzsteuer und 256 666 M. Spirituosen-, Schank- und Handels- steuer stellen die Zölle, von denen 2 333 666 M. Einfuhrzölle sind. eine ganz enorme Belastung der rund 15666 Seelen zäh- lenden weißen Bevölkerung dar. Da die 76 666 Ein- geborenen von diesen Zöllen nahezu unberührt bleiben, so kommen auf den Kopf der weißen Bevölkerung 155 M. Die gleiche Be- lastung würde dem Deutschen Reiche rund 16 Milliarden Mark an Zöllen einbringen. Bei den sonstigen Abgaben und Gebühren fallen besonders die Gerichtskosten mit 466 666 M.(Pro Kopf 27 M.), die Landvermessungsgebühren mit 125 666 M. und die Einnahmen aus den Landvcrkäufen und den Restkaufgeldern mit 267 666 M. ins Gewicht. Aus dem Eisenbahngebiet erhält das Schutzgebiet als Pacht von der Otavibahn 1 664 966 M.. von der Südbahn 236 666 M. Die übrigen Bahnen sollen am 1. April 1913 in staatlichen Betrieb genommen werden, man rechnet dabei auf eine Einnahme von 1 266 666 M. Die Hafenanlagen sollen 628 666 M. bringen. Diesen Einnahmen stehen folgende laufende Ausgaben aeacn- über: 1. Allgemeine Verwaltung... 5 953 766 M. 2. Landespolizei....... 3 811 620„ 3. Eisenbahn- und Hafenanlagen. 1986 666„ 4. Schuldzinsen....... 3 310 302„ Zusammen! 15 066 682 M. Ter bloße Vergleich zeigt, daß die laufenden Einnahmen nahezu vollständig von den laufenden Ausgaben verzehrt werden. Nur infolge der Ueberschüsse aus dem �ahre 1610 und infolge eines Eingriffs in den Ausgleichsfonds konnten für das Jahr 1913 noch 2 890 050 M. für einmalige Aus- gaben in den ordentlichen Etat eingestellt werden. Die aus- geworfene Summe reicht aber keineswegs aus, um die Pflicht- mäßigen einmaligen Ausgaben der Kolonie zu decken. Die Denkschrift zum zweiten Nachtragsetat von 1669 fordert, daß die Kolonie zur Durchführung des Eisenbahn- bau es bis zum Jahre 1915 im ganzen 34 Millionen aus eigenen Mitteln beisteuert. Bis 1912 sind hiervon 18,5 Millionen eingestellt worden.... Für 1913 zeigt sich die absolute Un- Möglichkeit, abermals, wie vorgesehen. 5 Millionen aus eigenen Mitteln der Kolonie zum bereits fertiggestellten Eisenbahn- plan herauszurechnen. Wohl infolge persönlicher Fühlungnahme des Kolonialstaatssekretärs Dr. Sols mit den Kolonisten sind daher für 1913 statt 5 Millionen nur 1 Million aus Mitteln der Kolonie für diesen Zweck eingestellt. Die Folge dieser Maß- nähme ist natürlich, daß der Anleihebedarf von Südwest für MeretttinuMonen Unsere Auffassung von der unveränderten Bedrohlichkqit und Unsicherheit der internationalen Lage hat sich wieder einmal bestätigt. Es gibt ja auch nichts Lächerliches als das Verhalten der bürgerlichen Presse, von den hochoffiziösen Regiernngsorganen angefangen bis zu den„unabhängigen" liberalen Blättern, die jeden Tag ihren inbrünstigen Glauben an das heilsame Walten der diplomatischen Vorsehung be» kennen, heute von einer Spannung, morgen von einer Ent- spanuung orakeln, um dann wieder zu versichern, sie hätten Expedition: SM. 68, LCndcnetrasac 6g* Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1981. das Jahr 1913 gegenüber dem Vorjahr bedeutend höher ist und auf 16356666 M. zu stehen kommt.... Die notwendige Folge einer derartigen Finanzlage wird sein, daß in Zukunft überhaupt keine Mittel mehr für die weitere Wirt- schaftliche Erschließung der Kolonie in den Etat werden eingestellt wenden können. Die Grundursache an diesein Zustande ist darin zu' suchen, daß wir das heimische Verwaltungsshstem mit all seiner bureaukratischen Engherzigkeit auf die Kolonialpolitik übertragen haben. Es wird in Südwest gar zu viel Verwaltungs» und gar zuwenigWirtschaftspolitik getrieben.... Der ganze Werwaltungsap parat ist angesichts der wirtschaftlichen EntWickelung der Kolonie viel zu groß: Nicht weniger als 881 Negicrungsbeamte sind im Lande tätig, so daß— nach Abzug der Schutztruppe— aus je 7 erwachsene Männer ein Regierungsbeamter kommt. Außer dem Ersten Referenten muß das von der Bureaukratie buchstäblich aus- gesogene Land 9 weitere Referenten bei der Zentralverwaltung mit einem Gehalt bis zu 12 666 M. ernähren. Dabei sind selbst- verständlich noch vorhanden: Finanzdirektor, Zolldirrktor, Vcr- Messungsdirektor, 2 Leiter für See- und Hochbauwesen, 2 Sachvcr- ständige für Landwirtschaft und Viehzucht, 2 höhere Beamte für geologische Forschungen usw. Wir möchten in der Tat gern wissen, welche Arbeit in dem menschenarmen Lande denn da eigentlich den Referenten zufällt! Eine außerordentliche Belastung stellt ferner die Landes- Polizei dar, die dem Lande nahezu 4 Millionen Mark kostet. Auf 26 weiße Bewohner der Kolonie(einschließlich Frauen und Kinder!) kommt ein Vertreter der Landes- Polizei! Jeder kostet dem Lande nahezu 7666 M.! Dabei unter- hält die Kolonie auf Kosten des Reiches eine Schutztruppe von rund 2666 Mann. Wenn man etwas weniger bureaukratisch und schemn- tisch sein wollte, so könnten die allermeisten Ausgäben der Polizei, namentlich die zahlreichen Patrouillenrittc, gerade so gut von der Schutztruppe ausgeführt werden.... Tie steuerliche Belastung der Kolonie ist infolge eines der- artigen unsinnigen Beamtcnhecrcs außerordentlich hoch. 15 606 Kolonisten müssen einen Etat von 15.8 Millionen fortlaufender und 2,1 Millionen einmaliger Ausgaben aufbringen! Dabei sind die Abgäben an die Kommunal- und Bezirksvetbände noch gar nicht mitgerechnet. Südwest verblutet tatsächlich infolge der lieber- tragung der heimischen Verwaltungsmethode, die für ein dicht- besiedeltes Land ihre Berechtigung haben mag, aber nicht auf die völlig anders gearteten kolonialen Verhältnisse. Diese Darlegungen einer kolonialbegeisterten Korr?- spondenz zeigen geradezu klassisch, daß unsere Kolonien nichts als Potemkinsche Dörfer sind. In Deutsch-Südwestafrila leben nur 15 099 Weiße, die 15 Millionen aufbringen sollen. Das macht pro 51opf 1999 M. Brächten das die Ansiedler selbst auf, kein einziger bliebe in der Kolonie! Aber die Ansiedler schinden erstens wieder die 79 999 versklavten Ein- geborenen aus, die— wie die letzten Prozesse bewiesen— für ihre Zwangsarbeit häufig nur Prügel erhalten! Und dann verkaufen die Ansiedler ihre Produkte zu enormen Preisen an die zahllosen Beamten und die Schutztruppe. Diese Zahler beziehen aber wieder ihre enormen Gehälter und Löhnungen vom Staate, so daß Bureaukratie und Mili- tarismus schließlich mit die stärksten Säulen der ganzen Kolonialwirtschaft sind! Daß die„Kolonial-Korrespondenz" von der Polizei- truppe nichts wissen will, ist begreiflich, trotzdem gerade sie sonst iinmer die Gefahr eines Eingeborenenaufstandes in den schwärzesten Farben zu malen liebt. Denn die Kosten für die Polizeitruppe müssen ja von der K o l o n i e s e l b st ge- tragen werden! Der„5l'olonial-5korrespondenz" würde es natürlich besser Passen, wenn die Polizeitruppe ganz beseitigt und dafür die Schutztruppe, für die das Reich berappt, ein- fach um 1999 Mann erhöht würde. Das wäre für die .Kolonisten auch insofern profitabler, als die 519 c i n g c- borenen Polizisten zusammen nur 154 999 M. Besolönng erhalten, dagegen die 596 weißen Polizisten der verschiedenen Chargen die Kleinigkeit von 2 337 899 M* pro Kopf alio 4139 M. Schwarze Polizisten sind nicht konsumkräftig genug, da sie pro Kopf nur 399 M. erhalten, während ein Schutztruppensoldat— Offiziere und Gemeine zusammen- genommen— durchschnittlich seine 1799 M. zu verzehren hat. Südwestafrika gilt eben als unsere w e r t v o l l st e Kolonie, weil es die einzige Kolonie darstellt, wo das K l i m a eine Siedelung weißer Farmer in größerem Maßstabe zu- läßt. Wenn aber auch in Südwestafrika die Finanzzerrüttung eine so totale ist, wie es die„Kolonial-5iorrespondeiiz" schildert, so bedeutet das die vernichtendste Kritik unserer Kolonialpolitik überhaupt. und Vöfsenängste. es ja immer gesagt, daß die„alten Schwierigkeiten unver- mindert fortbestehen". Die beste Bestätigung unserer Beur- tcilung der österreichischen Kriegshetze gibt die Tatsache, daß die Börsen in Wien und Budapest gestern höchst unruhig waren und starke Kursstürze verzeichneten. Die für die Schwankungen in der politischen Atmosphäre äußerst empfind- lichen Börsianer trauen dem Friedcnsschlvindcl der offiziösen und halboffiziösen österreichischen Blätternicht über denWcg. Und allzu groß scheint ihre Hoffnung auf die Londoner Botschafter- konferenz auch nicht zu sein. Die serbische Hafenfrage, die albanische Autonomie und der Fall Prochaska geben der schwarzgelben Kriegspartei nach wie vor Stoff genug, ihre ge- meingefährliche Hetze fortzusetzen mtd einen frivolen Streich zu wagen, ehe die Herren Botschafter sich in ihren bestickten Fracks air den grünen Tisch setzen. Die gestrige Panik an der Wiener und Budapester Börse blieb auch nicht ohne Rückwirkung auf die anderen Börsen. Die Berliner Börse wurde durch ein Schwindeltelegramm ctivas beruhigt, nach dem der König von Serbien ein Hand- schreiben an den österreichischen Kaiser gerichtet haben sollte. Die Geschichte wurde später dementiert, zeigt aber wieder ein- mal, mit welchen Mitteln von Speklilationshhäuen in politi- schcn Krisen gearbeitet wird. Die Offiziösen Rußlands Verhalten sich sehr ruhig. Es ist das aber nicht etwa die Ruhe der Loyalität, sondern die tückische Ruhe des Wegelagerers, der auf Raub lauert. Das boshafte Schweigen Rußlairds ist ebenso gefährlich wie die hysterische Hetze der Schwarzgclben. Denn in demselben Augenblick in dem ein Teil der abhängigen österreichischen Preßmeute den Auftrag erhalten hat, die Teilnahme Oester- rcichs an der Botschafterkonferenz in die Welt zu posaunen, hat ein anderer Teil die Parole erhalten, im verstärkten Maße gegen Serbien zu hetzen. Da jammert das„Neue Wiener Abendblatt" auf Kommando, daß die Haltung Serbiens in den Kreisen der österreichischen Monarchie als unerträglich empfunden werde; das Leichenschänderblatt,„Die Reichspost", meldet provozierend, die serbischen Kaufleute hätten den Boykott über österreichische Waren verhängt, und andere schwarzgelbe Preßreptilien berichten von serbischen Rüstungen gegen Oesterreich. Daß durch dieses Treiben wieder Wasser auf die Mühlen serbischer Chauvinisten, die gewiß nicht alle weiße Unschuldslämmer sind, geleitet wird, liegt klar auf der Hand. Angesichts dieser allgemeinen chauvinistischen Hetze und kriegslüsternen Perfidie hat die internationale Sozialdemokratie ihren eigenen Weg zu gehen. Für sie bleibt die den Arbeiteru nicht oft genug einzuprägende Forderung des Tages:„Den Ausbruch des Krieges zu verhindern durch Anwendung der ihnen am wirksamsten scheinenden Mittel, die sich je nach der Bcrschärfung des Klassenkampfes und der Verschärfung der allgemeinen politischen Situation naturgemäß ändern." Die frkdcmUonfennz. Tic serbischen Unterhändler. Belgrad, 7. Dezember. Die von Serbien für die Friedens- Verhandlungen in London beslimmten Delegierten sind: der frühere Ministerpräsident Nowakowitsch, der Präsident der Skupschtina Nikolitsch und der serbische Gesandte in Paris Dr. Wesnitsch. Von Militärs sind ihnen General Bojo- witsch und Oberstleutnant Pawlowitsch beigegeben- Die bulgarischen Bevollmächtigten. Sofia, 7. Dezember. Die bulgarischen Bevollmächtigten für die Friedensverhandlungen sind noch nicht ernannt worden. Als Kandidaten kommen am ehesten in Betracht der Präsident der Sobranje Danew, der bulgarische Gesandte in London und ein Offizier. Die Forderungen Montenegros. Cctiuje, 6. Dezember. Die montenegrinischen Dele- gierten für die Konferenz in London haben genaue Weifungen erhalten, die in einem gestern unter Vorsitz des Königs ab- gehaltenen Ministerrat festgesetzt wurden. Eine der Haupt- forderungen Montenegros ist die Abtrennung von Skutari. Die montenegrinischen Delegierten werden einige Zeit in Paris bleiben, wo sie mit dein serbischen Ge- sandten Wesnitsch und den gleichfalls durch Paris reisenden serbischen Delegierten zusammentreffen werden. Wird Griechenland an der Konsmvz teilnehmen? Konstautinopel, 7. Dezember. Die Friedensverhandlungen werden am nächsten Sonnabend, den ll Dezember, in London er- öffnet. Während die Pforte der Ansicht ist, Griechenland könne an ihnen ohne vorherigen Abschluß des WassenftillslaiideS nicht teil- nehmen, verweisen hiesige englische diplomatische Kreise auf Lau- saune, wo man zur Zeit, da in Tobruk und anderwärts ununter- brachen gelämpft wurde, zwischen Italien und der Türkei un- i.iittclbar über den Frieden verhandelte. Das Tagungslokal. London, 7. Dezember. Wie das Rcutersche Bureau erfährt, werden die Sitzungen der Londoner Friedenskonferenz im Sankt- Fames-Palast abgehalten werden. ** «- Die Botrcbafterhoitferenz, Die Zustimmung Oesterreichs. Wien, 7. Dezember. Wie das„Fremdcnblatt" erfährt, hat Oestcrreich-�lngarn dem englischen Vorschlage beziiglich der Abhaltung einer Votschasterkonfercnz zugestimmt. Der Ort für die Zusammenkunft sei bisher noch nicht definitiv festgesetzt. Die Berliner Offiziösen über die Konferenz. Köln, 7 Dezember. Ueber die Botschafterkonferenz er- sährt die.Kölnische Zeitung" aus Berlin unter dem 7. Dezember: Nachdem nunmehr, wie heute früh aus anit- licher Wiener Quelle bekannt wurde, auch Oefterreich-Ungarn dem englischen Vorschlage auf Veranstaltung einer Bot- schafterkonsercnz zugestimmt hat, ist die Zustimmung des Dreibundes vollständig. Da auch der Dreiverband einver- standen ist, so ist das Zustandekommen dieser Botschafter- kSnfercnz oder Botfchasterversanimlung gesichert, wobei immer im Auge zu behalten ist, daß, wie wir schon ausgeführt haben, diese Versammlung der Botschafter lediglich eine Arbeits- stelle zur Vereinfachung der späkeren Verhandlungen unier den Mächten darstellen soll. Wenn es in der Wiener Meldung heißt, daß der Ort für die Zusammenkunft noch nicht end- gültig festgesetzt sei, so hat diele Angabe wohl ihren Grund darin, daß in dem englischen Vorschlage ein bestimmter Ort nicht angegeben war. Es ist indes wohl nicht daran zu zweifeln, daß die Versammlung tatsächlich in London statt- finden wird, und es ist auch�gewiß von praktischem Wert, daß sie dort tagt, wo auch die Friedciisnnterhäiidlcr ihre Sitzun- Leu abhalten. Italic», Oesterreich und Griechenland. Rom, 7. Dezember. Kammer. Der Minister des Aeußern Marquis di San Giuliano erklärte auf die Anfragen der Abgeordneten Salandra und Galli wegen der Beschießung von Valona und der Besetzung der Insel Saseno durch die Griechen, daß die italienische Regierung der griechischen Regierung freundschaftlich aber be- stimnit erklärt habe, daß, wenngleich sie die Freiheit der militärischen Operationen der �kriegführenden achten wolle, sie dennoch niemals ihre Zustimmung geben würde, daß die Bucht von Valona und die einen integrierenden Teil der- selben bildende Insel Saseno zu Griechenland gehören und daß sie in einen militärischen oder Flottenstützpunkt umge- wandelt werden.(Beifall.) Ein gleicher Schritt sei von der österreichisch-ungarischen Regierung, mit der sich Italien in inniger Uebereinstinimuiig befände, unternommen worden. (Btzisall.) Der Minister fügte hinzu: Wir haben Grund, an- zunehmen, daß unsere herzlichen Beziehungen zu Griechen- land sich immer mehr festigen und entwickeln werden. Der Oppositionelle Salandra erklärte, er sei von den ausführlichen Erklärungen di Sau Giulianos befriedigt. Diese Frage habe wahrlich großes nationales Interesse, weil. wenn die Bucht von Valona sich in den Händen einer See- macht ersten oder zweiten Ranges befände, der Zugang zur Adria schwer bedroht wäre. Salandra hob hervor, daß Va- lona vollständig außerhalb des Epirus liege, den Griechen- land haben wolle, und daß die Insel Saseno nichts mit den Ionischen Inseln zu tun habe. Schließlich gab Salandra seiner Zuversicht Ausdruck, daß die Regierung sich nicht von dem Standpunkt, den di San Giuliano auseinandergesetzt habe, entfernen und stets energisch die Interessen und das Recht Italiens zu wahren wissen werde.(Beifall.) Galli er- klärte sich gleichfalls von der Antwort di San Giuliano zu- friedengestcllt. Er erwähnte die alten festen Bande der Sympathie, die die Völker Italiens und Griechenlands einten, und gab seiner Zuversicht Ausdruck, daß die Regierung bei aller Wahrung der italienischen Interessen, wie sie es bisher getan habe, nicht die Verwirklichung der Hoffnungen der Hellern- schen Nation verhindern werde, soweit sie nicht mit den italienischen Interessen in Widerspruch ständen. Der dementierte gricchisch-rumänische Konflikt. Athen, 7. Dezember. Die Agence d'Athencs wendet sich in einem entschiedenen Dementi gegen die in rumänischen und anderen aus- wältigen Blättern veröffentlichten' Meldungen, daß griechische Truppen gegen Kutzvwalachcn in Mazedonien schwere Ausschrei- tungcn begangen hätten. Der rumänische Gesandte in Athen habe gegen die in den Blättern erwähnten angeblichen Metzeleien auch gar nicht protestiert; er habe einzig und allein die Aufmerksamkeit der griechischen Regierung auf die Verhaftung einiger Kutzowalachen und daraus gelenkt, daß einer von ihnen verschwunden sei. Die griechische Regierung habe unverzüglich eine Untersuchung in die Wege geleitet, deren Ergebnisse ungesäumt veröffentlicht würden. ** » Das russische Kapital und der Krieg. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz des HandelLministers Timaschew eine Jnteressentenkonferenz mit Beteiligung der Kohlen- industriellen in Petersburg statt, um die in Südrußland herrschende Krise im Kohlenbergbau zu erörtern. Diese Krise, ein direktes Er- gebnis der Machenschaften der Kohlenmagnaten, die absichtlich die Ausbeute herabsehen, um die Kohlenpreise in die Höhe zu schrau- den, ist nach Ansicht des Vertreters der südrussischen Montanindu- tricllcn, v. Dilmar, hauptsächlich ein Ergebnis der Arbciternot im Kohlenrevier.„Die Arbeiter— erklärte er auf der Konferenz— wollen nicht nach dem Südwestrayon fahren, weil sie die Mo- bilisierung fürchte n." Als Hilfsmittel solle die Regierung Ll)000 Arbeiter nach dein Kohlenrevier schaffen und die Erklärung abgeben, daß dieses Revier nicht mobilisiert tverden würde! Es muß wohl kaum besonders hervorgehoben werden, daß die Dar- stcllung der Kohlcnmagnaten tendenziös gefärbt ist, um die Regie- rung zur zwangsweisen Lieferung von billigen Arbcitshänden zu veranlassen. Die russischen Arbeiter sind allerdings in ihrer Masse kricgsseindlich gestimmt, aber wenn sie das südrussische Kohlenrevier meiden, so vor allem infolge der abscheulichen Arbeitsverhältnisse und der niedrigen Löhne, die dort herrschen. Ist die Darstellung der Industriellen in dieser Beziehung recht wenig glaubwürdig, so beweist die daran geknüpfte Forderung, keine Mobilisierung im Kohlenrevier vorzunehmen, daß das große Kapital in Rußland der Kriegsgefahr mit BZorgnis entgegensieht. »» « Vor dem f�nedenefcbluß. Genosse Parvus schreibt uns aus Konstantinopel von Anfang Dezember: Wie es scheint, hat der Balkankricg sein Ende erreicht. Offiziös wird inilgcteilt, daß der Wassenstillstand geschlossen wurde, wenn auch mit Ausnahme von Griechenland. Wird aber Griechenland auf eigene Faust den Krieg fortführen können? Das ist kaum anzunehmen. Mag es immerhin noch weiter zu kleinen Schar- mützeln kommen, so hört doch cle kacto mit tet Unterzeichnung des Waffenstillstandes durch Bulgarien, Seobien und Montenegro der Krieg auf. Wohl a'ber erhält die Sonderstellung Griechenlands eine diplomatische Bedeutung. Sie hindert den Abschluß des Friedens im direkten Verkehr zwischen den Balkanstaaten und der Türkei und eröffnet den Weg für eine diplomatische Einmischung der Großmächte. Ohne europäische Konferenz wird es wohl auch kaum abgehen. Es ist also nur erst die eine Episode zu Ende, die sich auf die Balkanstaaten bezieht. Jetzt kommen die Großen daran, die Diplo- muten setzen ihr durch den Krieg unterbrochenes Werk fort, die Verwirrung wird nur noch größer nnd damit auch die Gefahr für den Frieden Europas. Wie hat es sich denn entwickelt? Im Anfang war die P o t s- da m c r Ucbe re in k u n f t, bei der zwischen Deutschland und sttußland, unter Ausschaltung der Türkei, über Anatolien verfügt wurde, als wäre es ein herrenloses Land. Dann das Marokko- a v k o m m e n, bei dem afrikanischer Besitz verteilt wurde. Dadurch wurde der Imperialismus auch in Italien unternehmungslustig gemacht. So kam es zum t r i p o l i t a n i sch e n K r i e g. Nachdem dieser ein Jahr lang gedauert hatte und die Türkei auch noch durch innere Unruhen zerrüttet worden war. wurde der Augenblick günstig für den Balkan krieg. Jetzt, da die Türkei überhaupt mili- i arisch nicht mehr mitzählt und Jicrlien kriegsmüde geworden ist, ist da nicht wieder der Augenblick..günstig" geworden, damit die Tripelentente mit dem Dreibund ihre Kräfte mißt? Seien wir uns doch darüber klar: nur noch die Furcht vor der Sozialdemokratie ist es, die die kapitalistischen Staaten vor dem Krieg zurückhält. Sehen wir uns indessen an, was durch den Balkankricg erreicht wurde. Gelöst wurde die Orientfrage dadurch nicht im Gegenteil, sie ge- staltet sich jetzt noch komplizierter wie zuvor. Nach dem Krieg gegen die Türkei beginnt der Streit um die Erbschaft. Wird dieser schlecht oder recht geschlichtet, dann beginnt erst recht eine politische und militärische Rivalität zwischen den Bnlkanstaaten. B u l- garien, daS bis an das Aegäische Meer reichen wird, wird schon aus Rivalität gegen Griechenland, ims unter den Balkanländern als Seemacht gilt, eine Kriegsflotte bauen wollen. Das Streitobjekt zwischen beiden wird das unabhängige Mazedonien sein. Desgleichen werden das„unabhängige" Albanien, Serbien mit seinem Zugang zum Meere und Montenegro sich gegenseitig im Wege stehen. Das ist die unvermeidliche Folge der Kleinstaaterei. Joder der Aalkanstaaten wird vor allem darauf bedacht sein, seinen Handel nach feinen Häfen auf seine Eisenbahnen zu lenken. So entsteht- eine wirtschaftliche Zersplitterung, die diese Kleinstaaten samt und sonders zum willenlosen Ausbcutungsobjekt der curo- pärschen Hochfinanz machen muß, die ja vor allen Dingen an der steigenden Staatsschuld sich bereichern wird. Dieses Ergebnis ist sicher. Tie Vorbereitungen zu den neuen Anleihen werden mit solchem Eifer betrieben, daß man beinahe den Eindruck gewinnt, der ganze Krieg wurde zu dem Zweck inszeniert, um große Staats- anleihen aufnehmen zu können. Es wind zweifellos nach dem Friedensschluß— vorausgesetzt, daß es nicht zu einem europäischen Kriege kommt— viel Geld nach dem Orient fließen. Außer der Kontribution, die die Türkei zu zahlen haben wird— man spricht von einer Milliarde Frank— wird jeder der siegreichen Balkanstaaten veue große Anleihen auf» nehmen. Man wivd Eisenbahnen errichten, die Militärrüstungen vermehren, Panzerschiffe bauen lassen. Das gibt für etliche Jahre eine industrielle Schwindelperiode, der unfehlbar die Handelskrisis auf dem Fuße folgen wird. Die Bauernmassen, deren Wohlstand schon jetzt untergraben ist und die vielfach, sowohl in Bulgarien wir in Serbien, besonders dem südlichen, und im griechischen Thessalien nahe daran sind, prolelarisicrt zu werden, werden vollends vc? ihrer Scholle losgelöst und in die Stadt, in die Fabriken oder zur Emigration ins Ausland getrieben werden. Durch die Staats- schuld und die industrielle Spekulation werden Millionäre gezüchtet werden— für die Massen bleiben davon nur die steigenden Steuer» und das steigende Elend. Dann wcpdcn die vom nationalen Rausch befreiten Volksmassen den Regierurtgen der Balkanstaaten die große Rechnung dieses Krieges vorlegen. Es ist dies ein großer Krieg, der von kleinen Staaten geführt wird. Das darf man nicht aus dem �luge verlieren. Die allge- meine Wchrpslicht war es. die diese Leistung ermöglichte. Die Kleinstaaten schickten Armeen ins Feld, wie sie sonst die Großstaaic» kaum zu liefern vermochten. Sie schickten eben die gesamte mann- liche Bevölkerung in den Krieg mit Ausnahme der Kinder und der Greise. Darum muß aber die soziale Rückwirkung der erlittene« Menschenverluste desto größer sein. Wenn z. B. Bulgarien, dessen Bevölkerung nur 4,3 Millionen zählt, in diesem Krieg an Toten. Verwundeten, Kranken und Siechen etwa 80000 Mann verloren haben sollte, so ist es etwas anderes, als wenn Deutschland mit seinen fast 70 Millionen die gleiche Menschenzahl verloren haben würde; cS ist, als wenn Deutschland mindestens eine Million Menschen verloren haben würde. Und nun bedenke man, daß die meisten davon keine jungen Leute mehr, sondern Familien- väter sind, von denen die Existenz der Frauen und der Kinder abhängt! Alles wird in Rechnung gesetzt werden: das Elend und die cnt- täuschten Hoffnungen des nationalen Ideals, durch das man be- trogen wurde. Die Stunde wird kommen, wo die Sozialdemo- kratie die Ernte halten wird der blutigen Aussaat, die der Krieg ausgestreut hat. Die kapitalistischen Machthaber arbeiten für uns, das ist gewiß. Aber ich glaube, diese blutige kapitalistische Vorarbeit für den Sozialismus hat schon lange genug gedauert. Es ist Zeit, daß sie aushört.__ Der Slatzlreclstshampf in IReuß j. C. Gera, den(3. Dezember. Am Freitag begann im reußischen Landtag die erste Beratung des neuen durch seine volksfeindlich« Tendenz in wenig Tagen be- rühmt gewordenen reußischen Wahlgesetzentwurfs. Der Wahlrechts- ausschuß der Arbeitersck)aft proklamierte deshalb für diesen Tag eine mehr st und ige ArbcitSruhc und berief auf vormittags 'All Uhr drei große T-monstrationsvcrsammluiigen ei». Die Aktion gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung des Prolc- tariats und gibt diesem Tag eine geschichtliche Bedeutung, die üvcr die engen Grenzen des reußischen Zwergstaates hinausreicht. Die Demonstration hat alle Erwartungen weit übertroffen- Um 10 Uhr vormittags standen, teils mit, teils ohne Einverständnis der Unter- nehmer alle größeren Werkstätten und Fabriken still. In einigen großen Webereien drohten zwar die Fabrikanten mit einer 14tägigen Aussperrung, aber hie Drohung blieb wir- kungslos. Die drei Versammlungen waren überfüllt. Große Scharen, die in den Sälen keinen Platz mehr fanden, demonstrierten auf den Straßen. Nach dem Schlüsse der Versammlungen zogen die Teil- nehmer vor'"s Landtag„gebäudo in dem der Landtag tagte. Im selben Augenblick, in dem der Staatöminister v. Hinüber, der die Vorlage begründe, die heftigsten Angriffe gegen die Sozial- demo:....ie ri�tete, erklangen die ersten Hochrufe auf das gleiche Wah'"7cht unter den Fenstern des Landtagsgebäudcs. Der Minister erhob die Stimme, um im Saale verstanden zu werden. Immer von neuem brausten die tausendstimmigen Hochriß« in den Saal, und immer neue Massen zogen, Freiheitslieder singend, am Land- tagsgebäude vorüber. Der Staatsminister schloß seine von den R ifen der Demonstranten zeitweise übertönte Rede mit den er- regten Worten:„Sie hören, was sich draußen vor dem Parlament abspie'!! Der Grundsatz daß der Abgeordnete unbeeinflußt bleiben soll, ist noch nie in der Weise unterbrochen worden wie in diesem Augenblick!" Im Saale antwortete ihm das Händeklatschen der bürgerlichen Mehrheit. Draußen antwortete der Sozialistenmarsch. Die Kund- gcbungen unterbrachen die folgenden Reden zweier bürgerlicher Ab- geordneter, die die Angriffe auf die Sozialdemokratie in verschärf- tcm Tone fortsetzten. Die Demonstration dauerte über eine Stunde. �,ie Massen wogten zwischen dem Landtagsgebäude und dem Marktplatz bin und her. Vorsichtige Schätzungen bemessen c>e Zahl der De- monstrantcn auf 10 000 bis 12 000 Mensche». Gegen 1 Uhr zerstreuten sich die Demonstranten und gingen wieder an die Maschinen, die der Wille der Arbeiter für einige Stunden hatte still stehen lassen. Im Landtage gab es übrigens vor dem Eintritt in die Be- ratung ber Wahlgesetzvorlage ein kurzes niedliches Vorspiel. �,cr geborene Laudtagsabgeordnete, der»es fürstlichen Pöra5 ziates zu Köstritz, war auf den Ruf der Regierung im Landtage erschienen, obwohl er noch nicht das durch die Verfassung für me Abgeordneten vorgeschriebene Alter von 22 Jahren besitzt,—■w sozialdemokratische Fraktion protestierte dagegen und beantragte. die Anwesenheit des jungen Herrn als unzulässig zu erklären.~cr Antrag wurde jedoch abgelehnt. Der Staatsministcr und die bürgcr- lichcn Abgeordneten erklärten einfach, daß diese Bestimmung der Verfassung auf diesen erblichen Landtazssitz nicht anwendbar sei. So blieb also dieser Zunge Herr auf seinem Sitz, um die bürgerliche Mehrheit bilden zu helfen, ohne die der Wah�echtsraub undurch- führbar wäre, denn sonst würde cr an der sozialdemokratischen Fraktion scheitern. Auch die Geschichte Krähwinkels kann sich zu einem Weltbild erweitern, wenn die modernen Klassengegensätze unverhüllt aus- einanderplatzen. Reust j. L. ist gegenwärtig ein solches Krähwinkel, in dem sich ein Stück Geschichte abspielt. poUtilcke ücberfkbt. Berlin, den 7. Dezember 1912. Operatiousvorbereitnnge». Es ist kein Prunkstück, das der Reichsschatzsekretär Herr Kühn mit dem Leuchtäl-Gesetzentwurf von seinem Vorgänger als Amtscrbe übernommen hat. So gab cr sich denn auch keine Mühe, es als besonders wünschenswert oder gar unentbehrlich an- zupreisen. Die öffentliche Kritik hat bereits so deutlich den Talmi- charakter des angeblichen Staatsmonopols nachgewiesen, dast auch Herr Kühn nicht mehr behaupten wollte, es sei aus eitel Gold. Er beschränkte sich vielmehr, darauf hinzuweisen, dast die Regierung in der Kommission die Lauterkeit der Zusammensetzung und der— Zusammensetzer einer ernsthafteren Prüfung noch gern unterziehen wolle. Im übrigen sei das Gesetz vollkommen harmlos: es bringe weder der amerikanischen Regierung oder dem amerikani- schen Trust Schaden, noch werde es den deutschen Banken, dem Reichssäckel, den Konsumenten oder auch den Veteranen besonderen Nutzen bringen. Ja, der Monopolentwurf bringe überhaupt kein Monopol. Dast die Regierung— wirklich die Regierung?— den- noch den Entwurf ausgearbeitet habe, sei nur geschehen, um einer früheren Resolution des Reichstages zu entsprechen. Dast sie nun gerade die denkbar schlechteste Form für ihren Plan gewählt, zeugt doch aber nur gegen sie selbst! Immerhin fühlte Herr Kühn die amtliche Verpflichtung, den Nachweis zu versuchen, dast der Entwurf doch nicht so schlecht sei, als die Oeffcntlichkeit annehme. Zu welchen kläglichen Mitteln Herr Kühn bei seiner freundlich- nachgiebigen, in entschuldigendem Tone vorgebrachten Vcrteidigungs- rede greifen mustte, zeigte sein naiver Ausruf, dast doch z. B. nirgends in der Vorlage ein Wort davon gedruckt stände, Ver- triebsgesellschaft und Bankengruppe seien eins! Allen Rednern des Hauses war es denn auch ein leichtes, die Mängel des Entwurfes aufzudecken. Genosse Wurm entledigte sich aber nicht dieser Aufgabe allein. Er entwickelte die g r u n d- s ä tz l i ch e Forderung unserer Partei auf Ablösung der privat- kapitalistischen Monopole durch volle Staats-nonopole. Treffend zeichnete er den Widerspruch, dast die gleiche Regierung, die jetzt den Konsum vor möglichen zukünftigen Schädigungen bewahren wolle, in unverantwortlicher Weise die Monopole der Clektrizitätskonzerne und Grubcnhcrren unterstützt und sich an dem Kohlenwucher selbst beteiligt. Der Ulk der Gewinnskala verdeckt nicht, dast die geplante Organisation wohl den Schutz der Banken und Petroleumuntcr- nchmer, nicht aber den der Konsumenten wirksam übernehme. Nachdem das Reich bereits IV2 Milliarden an Petroleumzoll von den Aermsten des Volkes eingezogen hat, kommt der Entwurf reich- lich spät und dcplaziert. Vielleicht verteidigt sich die Regierung mit Recht, dast sie in» keinem Hörigkcitsverhältnis zu den Banken flehe— wie wäre auch eine andere Rcgicrungshörigkeit als die von den Agrariern in Deutschland denkbar!—, aber düpiert ist sie nun einmal von Herrn v. Gwinner worden. Vorteil von dem Gesetz hätten neben den Banken einzig noch die Spiritus- b r e n n e r, deren Erzeugnis durch eine Verteuerung des Pe- trolcums auch als Leuchtmittel konkurrenzfähig würde. An der Hand dokumentarischer Zeugnisse wies Genosse Wurm vor der ver- dntztcn Rechten nach, dast tatsächlich früher bereits von Agrariern ein Monopol zu diesem Zw« gefordert worden sei. Nach der breit ausgeführten, ins Detail gehenden fachlichen Rede des Genossen Wurm blieb den nachfo'gmden Rednern wenig Neues zu sagen übrig. Der Zentrumsredncr sang merkwürdiger- weise ein Loblied auf den amerikanischen Trust, dessen gemein- gefährlich?« Prattikcn Würm zu kennzeichnen nicht vernachlässigt hatte. Von dem Redner der Volkspartci muhte sich das Zentrum dafür sagen lassen, dast es durch den Direktor der deutschen Tochster- gescllschaft des Trusts in allzu nahen Beziehungen zum Trust stände. Sonst war die Verwahrung des Zentrums, dast man auö der Ablehnung des Entwurfs nicht eine Konsumentenfcindlichkeit folgern dürfe, recht geschickt. Klang auS dem Zentrum ein klares „Unannehmbar!", so tönte es von dem nalionalliberalen Redner ein wenig schwächer und verklausulierter. Etwas Leben kam in das schläfrige Hohe Haus erst, als Herr v. Sch'ulzc-Gävcrnitz für den Fortschritt in unfreiwilliger Komik das Reichstagspult mit dem Univcrsitätskathcder verwechselte. Nicht nur die Anrede an seine Kollegen:„Geehrte Anwesende!" erinnerte daran, auch die gesuchten und aufgeschriebenen Witze, die pathetische Einleitung für gern gebrauchte Zitate:„Wie sagt doch der lateinische Dichter....?" und manche allzukühncn mistlung.ncn Versuche, den professoraleu Ton durch plastische Wendungen zu beleben. So eut- puppte sich ihm, wenn er dem Gesetzentwurf„den Pferdefust amputierte und das Mäntelchen abnahm", eine„nackte Gestalt"! Arendt von den Freikonscrvativen, Dombek für die Polen und Thumann für die ZentrumSelsässcr gaben ebenfalls ihr Votum gegen den Entwurf ab. Sie alle vertrösteten auf die Kommissions- beratung, um— mit Herrn Schulze zu sprechen— den Gesetz- cutwurf tot zu operieren. Ter Feuenvehrkonslikt vor dem Abgeordnetenhause. Die am Sonnolvnd beendete Besprechung der Interpellation über das Vorgehen des Berliner Polizeipräsidenten gegen den Verein Berliner Feuerwehrleute bewies, dast selbst im preustischen Junker- Parlament die Mastnahine» des Herrn v. Jagow nur bei den konservativen Parteien unbedingte Zustimmung finden. Die gesamte Linke einschliestlich der Nalionatiiveralen mtstbilligldas icharfmncheriiche Vorgehen, und auch der Redner des Zentrums Abg. König liest durch- blicken, vast er den Vorgeietzren ein gutes Teil Swuld an den entstandenen Differenzen beiinihl und den Feuerwehrleuten das gleiche Moh vom Vereinigungsrecht einräumen will, wie allen anderen Beamten. Wenn das auch nicht allzuviel ist und dann sich Herr König auch redliche Mühe gab, seinen konservativen Blockbrüdern n.cht wehe zu tun, so bedeutet seine Rede andererseits doch»tcht cutferiit ein Vertrauensvotum an die Regierung. Im Vordergründe der Debatte stand die Rede unierrS Genossen H 0 f f>n a n n. ver sich in fein pointierten, an Ironie mid Spitzen überaus reichen«»«führnngen zunächst den trotz sejncS bürgerlichen Namens gut junkerlichen Kreth vornahm und ihn unbarmherzig nach allen Regeln der Kunst abschlachtete. Wohl selten ist im Parlament jemand so zerzaust worden, wie dieser„Volks- Vertreter", der den Mangel sachlicher Argumente hinler albernen Mätzchen und geschwollenen Phrasen zu verbergen pflegt. Als sich aber Herr Kreih, gleichsam. alS wollte cr zeigen, dast er noch Leben in sich fühle, aufs neue hervorwagte, da versetzte ihm Hoffmann unter lebhaftem Beifall nicht nur der Sozial- demokratcn, sondern auch eines grasten Teils der Anhänger der bürgerlichen Parteien vollends den Todesstost. Zwar suchte Herr i Kreth noch einige Male zu bellen, aber seine ohnmächtige Wut zeigte, dast die Hiebe des sozialdemokratischen Redners gesessen haben. So bald wird dieses Schreckenskind der Konservativen kaum wieder mit der Sozialdemokratie anbandeln. Auch dem Polizeiminister war bei den Ausführungen Hoffmaims nicht sonderlich wohl zumute. Wie sollte cS auch anders sein? WieS doch unser Vertreter, der als Fürsprecher der um ihre staats- bürgerlichen Rechte betrogenen Feuerwehrleute auftrat, an der Hand unwiderlegbaren Materials nach, welch unerhörter Terrorismns auf die braven Feuerwehrleute ausgeübt ist und wie sie von oben her systematisch und auf Befehl zu lügen gezwungen werden sollten! Die Feststellung dieser Tatsachen mag gerade Herrn v. Dallwitz recht unangenehm sein. Ist er cS doch gewesen, der im Brustton der Ueberzeugung die Beamten, die sozialdemokratisch wählen. im vorigen Jahre als Lügner, Heuchler und Eidbrecher bezeichnet hat! Wer sich in solchen Kraftworten ergeht, der sollte doch zu- nächst aus seinem Ressort Lügen, Heuchelei und Wortbruch ver- bannen. Glaubt Herr von Dallwitz wirklich an die Wahrheit dessen, was er feierlich erklärte, dast die Chargierten freiwillig aus dem Verein ausgetreten sind, ohne dast ein Druck auf sie ausgeübt ist? Glaubt er wirklich, dast die Mannschaften der Feuerwehr ihre Vor- gesetzten beschimpft haben? Da ist Herr Frhr. b. Zedlitz, der im übrigen neben Herrn Kreth als einziger Verteidiger der Polizei und der Regierung auftrat, denn doch etwas schlauer. Er gab wenigstens die Möglichkeit zu, dast die Angaben des Genossen Hoff- mann richtig sind und verlangte für diesen Fall«ernste Mihbilli- gung. Dast der Oberscharfmacher, abgesehen hiervon, viel von der Notwendigkeit der Aufrechtcrhaltung der Disziplin sprach, brauchen wir nicht besonders zu erwähnen. Dies Schlagwort führt Herr v. Z e d l i tz stets im Munde, wenn es sich darum handelt, abhängige Elemente völlig rechtlos zu machen, mag es sich nun um Lehrer, um Feuerwehrleute oder um andere untere und mittlere Beamte handeln, die sich in freiheitlichen Vereinen betätigen und sich auf ihr Naturrccht besonnen haben. Verteidiger erstanden den Feuer- wehrleuten noch in den Abgeordneten Cassel usid Kopsch, von denen crsterer ebenso, wie schon vorher Genosse H 0 f f m a n n, die Berliner Stadtverwaltung gegen die Schmähungen eines Kreth in Schutz nahm, während letzterer an die Parteien die Mahnung richtete, für die staatsbürgerlichen Rechte der Beamten einzutreten. Nach Erledigung einiger kleineren Vorlagen vertagte sich das Haus auf Montag. Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Mon- tag stehen nur kleine Vorlagen. Der Seniorenkonvent des Neichstags trat zu einer kurzen Beratung zusammen, um festzustellen, was vor den Weihuachr-fenen erledigt werden soll. Man nimmt an, dast die erste Beratung des Einwurfs über da? Petroleiimmonopol am Montag beendet werden wird. Dann sollen vom Dienstag bis Donners- tag Interpellationen aus der Tagesordnung stehen und zwar t. die Interpellation der Freisinnigen über das Koalilionsrechl der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter, 2. die Interpellation der Sozial- demokrate» über den Wageiimangel. Hierauf soll die zweite und event. die dritte Beratung des der Bndgetkommission überiviescnen Nachtrags- etatS staiifinden. Ferner soll das Gesetz über den Zusammenstost von Schiffen in zweiter Lesung erledigt werden. EudlM soll der Reichs- tag über die sechs Wahlen, über welche Berichte vorliegen, ent- scheiden. Man hofft, das Pensum bis Donnerstag, spätestens Vis Freitag, zu erledigen._ Die Kommission für elektrische Zngfiihrung hatte in ihrer letzten Sitzung recht interessante Auseinandersetzungen über die Kraftwerke in eigener Regie. Allgemein war die Stimmung siir eigene Siaatswerke, nur sind die Bremser noch immer am Werke, so dast 001» sozialdemokratischer Seite nicht mit Unrecht von einer V e r s ch l e p p u 11 g s- Monopol- Kommission ge- sprochen werden konnte. Der Minister gab endlich die Erklärung ab, dast sich die Re- gierung auch eigenen Werken gegenüber nicht ablehnend verhalten würde. Die Verhandlungen aber drehen sich im Kreise. Von einem Konservativen wurde zur Beschleunigung ein Antrag eingebracht, der die Mittel für die elektrische Leitung, Bahnhofsumbaulen. Signaleinrichtuligen bewilligen will, aber die Stromversorgung einem besonderen Gesetzenuvurs vorbehält. Von einem anderen Konservativen werden immer neue Auskünfte„fackgemäster" Art verlangt, die selbst die geiviegtesten Fachleute in Verlegenheit bringt. Schliestlich ringt der Minister die Hände und fragt:„Haben Sie denn gar kein Verlrane» zu der Regiernng?" Offenbar sind von austen Kräfte am Werke, um die Arbeiten der Kömmission zu stören und die Mitglieder für ihre besonderen Zwecke zu benutzen. fürstliche Insurgenten. Schon oft ist die Sozialdemokratie im Reichstage, wie man zu sagen Pflegt,„eingeschlachtet" worden. Das heistt, gewisse Leute sind unaufhörlich auf ihr hcrumgqritten, entweder zu dem Zweck, für ihren„Biereifer" von den herrschenden Kreisen belohnt zu wer- den— mancher hat sich so eine Karriere eröffnet—. oder in der Absicht, sich als Parlamentarier hervorzutun. Diese Absicht war offenbar auch bei dem Fürsten von Löwen st ein-Wert- hei m-R Osenberg vorhanden, als er unlängst mit grossem Pathos an die Sozialdemokratie die Frage richtete, ob sie wirklich den Ausbruch eines Krieges durch eine gewaltsame Revo- lution verhindern wollte. Die in dieser Frage liegende Ver- dächtigimg wurde vom Abgeordneten Haase wirksam zurück- gewiesen, der dem Fürsten auch den Rat gab. in seiner Familien- g e s ch i ch t e zu blättern, dort werde er finden, dast seiner Familie angehörige Personen auch an gewaltsamen Erhebungen beteiligt gewesen seien. Der vorher so redselige Fürst war durch diese Be- merkung offenbar sehr in Verlegenheit gebracht, was cr durch ge- zwungcnes Lachen sehr ungeschickt zu verbergen suchte.. Da er auf die Bemerkung von Haase nichts erwidert hat, so wollen wir nachträglich noch ein wenig in der Chronik des Hauses Löwenstein blättern. Die Portugiesen haben bekanntlich schon einmal einen König vertrieben, den Dom Miguel, Zögling und Werkzeug der Jesuiten, der in Portugal durch eine„Revolution von oben" die Verfassung umstürzte und den Thron usurpierte. Nachdem er eine blutige Schreckensherrschaft eingeführt, erhob sich das Volk gegen ihn, und er mustte flüchten. Da cr ohne Mittel war, suchten ihn seine Freunde vom Orden Jesu in einer reichen Familie unter- zubringen, und dies gelang eben im fürstlichen Hause Löwen- st e i n. Er heiratete eine Tochter dieses Hauses aus der Heubacher Linie und lebte in Bronnbach bei Wcrlhcim am Main. Sobald ihm ein Kind geboren wurde, kamen dahin eine Anzahl portu- giesischer Junker und Pfaffen, hie portugiesische Erde mitbrachten. Mit dieser wurde der Boden der Kirche belegt und so das neu- geborene Kind aus portugiesischer Erde getauft. Damit glaubte Tom Miguel die Legitimierung seiner Spröstlinge zu bekräftigen. Die jüngste portugiesische Revolution hat aus diese alberne Zere- monie allerdings keine Rücksicht genommen, sondern die verhastte Dynastie der Braganzas wohl für immer abgeschafft. Eine der Töchter des Dom Miguel, Donna Bianca genannt, heiratete den Bourbonen Don Alfonso, den jüngeren Bruder des Thronvrätendenten Don Carlo?. Als 1874 Don Carlos in Spanien die Fahne des AufstandeS erhob, hatte Alfonso dabei ein Kommando und seine Gattin zog mit ihm ins Feld. Sie hat bei dieser klerikalen und kegitim istischen Rebolutioit eine Rolle gespielt, die damals in der ganzen Kulturwclt Aufsehen und zor- nige Proteste hervorrief. Wie in verschiedenen Geschichtswcrkcn zu lesen(u. a. bei Lauser,„Neuere Geschichte Spaniens"), wurden damals, wenn die Karlisten eine Stadt einnahmen, liberal oder republikanisch gesinnte Spanierinnen„geteert" und„gefedert" und auf Eseln durch die Stratzen geführt. Diese Schandtaten geschahen unter den Augen des Don Alfonso und seiner Frau. Im Volke hielt man sie für die Anstifter, was wir dahingestellt sein lassen wollen. Als nach dem Karlistenkriege Don Alfonso und die Donna Bianca nach Deutschland kamen, erinnerten die Blätter an die Greueltaten gegen wehrlose Frauen. In Osfenbach, wo daS Paar bei dem Grafen von Usenburg-Virstem abstieg, gab es vor dessen Palais eine„Katzenmusik", so dast die beiden vor dem cr- bitterten Volke entflohen. Sie begaben sich nach Graz, wo das Volk eben so deutlich seiner Erbitterung Ausdruck gab. Die Mitglieder des Hauses Löwenstein mögen sich also in ihrem schönen Familenspiegel besehen. Das ist für sie besser augc- bracht, als hochtrabende Phrasen gegen die Sozialdemokratie zum besten zu geben. Vcrfassungssturz in Portugal und Karlistenauf- stand in Spanien— das sind auch revolutionäre Akte, wenn sie gleich zugunsten reaktionärer Mächte geschehen sind. Der fromme Fürst v. Löwenstein mag sich gesagt sein lassen:„Li taeuisses" usw. Die Nicderhaltung der Arbciterlöhne betreibt die Mecklenburg- Schweriner Eisenbahn« direktion nach bekanntem Rezept, Wiedas nachstehende Geheim- zirkulär beweist, daS von dem Hauptdircktorium(Zentralvorstand) des„Patriotischen Vereins"(eine Jnteressenvcreinigung der mecklen« burgischen Agrarier) an die Zweigvereine gerichtet ist und folgender- mästen lautet: „Die Grostherzogliche Eisenbahndirektion hat dem Haupt- direktorium nachstehende Mitteilung gemacht: Gelegentlich wird in l a n d lv i r t s ch a f t I i ch e n K r e n e n geklagt, dast die Eisenbabnverwaltung ihren im Bahn- u u t e rh altun g s dienst beschäftigten Streckenarbeitern zu hohe Löhne zahle und dadurch auch die Lohnes ü r die Landwirtschaft steigere, während andererseits die bei der Eisenbalmverwaltung beschäftigten Streckenarbeiter. wenn sie um Lohnerhöhung einkommen, sich darauf zu berufen pflegen, dast sie anderweitig, insbesondere auch in landwirtschaft- licheu Betrieben mehr verdienen konnten. W i r s i n d b e st r e b t, bei Bemessung des Streckenarbeiter- lohnes in denjenigen Bahnineisterbezirken, die hauptsächlich länd« liche Arbeiter beschäftigen, Fühlung mit den Verhält« 11 i s s e n, in den betreffenden ländlichen Kreisen zu be« halten, doch besteht nicht, selten Verlegenheit hinsichtlich der AuskunfiSsteNe, von der der Eiscnbahnverwaliung ausreichend zu- verlässige Mitteilung über die von den Landwirten gerade ge« zahlten Löhnen gemacht loerden könnten. Wir fragen deshalb ergebeust an, ob der Mecklenburgische Patriotische Verein in der Lage ist, diese Auskunft über die Löhne in den einzelnen Distrikten des Vereins durch seine Organe zu geben. Bejahendenfalls ersuchen wir, die Herren Distriklsdircktoren oder Distriltssekretäre zu veranlassen, ans bezügliche Anfragen unserer Bauinspektionen oder Bahnmeister die fragliche Auskunft zu erteilen. DaS Hauptdirektorium ersucht die Distriktsvorftäilde, die An- fragen der Eisenbahnbehörden zu beantworten, die ganze An- gelegen heit aber streng vertraulich zubehanel». DaS Haupdirektorium. M. Rettich." AuS Liebe zu den Junkern will also die Mecklenburgische Eisen« bahudirektian die Lohne„ihrer" Streckenarbeiter niedrig halten- Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben und nicht wähnen, beim Fort- gang aus den Jimkergefilden als Eisenbaynstreckenarbeiter ein paar Pfennige mehr Lohn erholten zu können. Zum zweiten hat daS Verfahren der Eisenbahndircltion für sie den Nutzen, dast sie die Wünsche der Streckenarbeiter auf Lohnaufbesserungen mit den nied- tigen Löhnen in der Landwirtschaft— die sie selbst verursacht haben— abspeisen kann. Hätte Mecklenburg eine Volksvertretung, dann sollte diese empörende Mahnahme dort genügend gebrand« markt werden. So muh die ReichstagSfraltion den Skandal bei der Beratung des Titels: ReichSeisenbahnverwaltnng zur Sprache zu bringen.__ Das Zentrum als Schleppenträger Während die grösseren Zentrumsblätter den angekündigten Kamps gegen die Bethmannsche Regierung ziemlich lässig betreiben, versucht die für die Einfältigen im Geiste bestimmte Kaplanspresse die„katholische Volksseele" nicht nur zum Kochen, sondern gar zum Ueberkochen zu bringen. So schreibt die ultramontane„Märk. Volkszeitung": Das Zentrum wird dem Reiche bewilligen, was des Reiches ist, aber es wird der Regierung versagen, was ein Beweis des Vertrauens wäre. Neben den„Notwendig- leiten", die für die Sicherheit des Reiches, die staatliche Ordnung und die Volkswohlsahrt unentbehrlich sind, gibt es manche Wünsche und Forderungen der Negierung, die der freien Prüfung der Volksvertreter unterliegen und bei deren Entscheidung die Ver- trauenSwürdigkeit der Regierung ins Gewicht fällt. Man kann den alten Spruch heranziehen: In necessariis, in den notwendigen Dingen wird das Zentrum-nach wie vor seine Pflicht tun. In 6udil8, in den zweifelhaften Dingen wird es fortan kritisch und nach Befund ablehnend sein. Also fortgesetzte Pflichttreue, aber keine D i e u st w i I l> g k e i t mehr. Warum sollten wir uns auch weiterhin bemühen, den regle- renden Ministern Gefälligkeiten zu erweisen? Warum auf ihre Wünsche Rücksicht nehmen, da sie ja aus die Wünsche des katho- lischen Volksteils, ja sogar auf dessen Ehre, Rechte und religiöse Bedürfnisse nicht die mindeste Rücksicht nehmen? Der Reichs- lanzlcr hat einfach als Eckstein seiner Regierungskunst hingestellt. dast die 24 Millionen Katholiken sich in alle Ewigkeit die Mist- achtungcn und Misthandlungen gefallen lassen mühten, die von den Stimmungen und Erinnerungen von angeblich 40 Millionen Protestanten gefordert würden. Wenn das protestantische Be- lieben als allein massgebend im Reich hingestellt wird, dann mag die Regierung aus der herrschenden protestantischen Volksmehr- heit sich gefälligst die parlamentarische Mehrheit schaffen, die sie zur Durchsetzung ihrer Wünsche braucht! Wir reden nicht von dem Dank, den das Zentrum für geleistete Dienste verdient hat, aber wir meinen, nach diesem Fusttritt können und müssen wir in Zukunft die Nrgicriingsschlcppc anderen Händen zum Tragen tiberlassen. In seinem Hetzeifer bemerkt daS von dem Talglicht von Buttenhausen inspirierte Blatt gar nicht, wie es selbst die bis- herige Politik des Zentrums der Verachtung preisgibt. Offen ge- steht es ein, dast das Zentrum nicht nur bisher seine Pflicht getan. sondern darüber hinaus bereitwilligst als Dienstknecht und Schleppenträger der Re» gierung fungiert hat. Ein prächtiges Eingeständnis! Schweden. Die Vakanz im ReichstagSpräsidium. Beim Zusammentreten des Reichstags am IS. nächsten MonatS werden' einige Neubefetzungeßi im Präsidium zu erledigen sein, von denen bU de» Vizepräsidenten der Zweiten Kammer unseren Partei- genossen einiges Interesse abnötigt. Ihrer Stärke nach, wäre die sozialdemokratische Fraktion zwar berechtigt, diesen Posten zu de- anspruchen, aber die Besetzung des Präsidiums ist in Schweden hinsichtlich der Präsidenten nicht grundsätzlich an die FraktionS- stärke gebunden. Auch wählt sich der Reichstag nicht seine Präsi- deuten selbst, sondern sie werden vom König, d. h. der Regierung ernannt, immerhin kann die Parteistärke auch hier nicht ignoriert werden und normalerweise würde auch ein sozialdemokratischer Präsident oder Vizepräsident keine Unmöglichkeit zu sein brauchen. In unserer Partei wird die Frage zurzeit diskutiert, ob man auf- den Posten Anspruch erheben soll oder nicht. Bon einer Seite wird verlangt, daß dies geschieht und daß Genosse Brantiug den Posten übernehmen soll. Damit sollen die Vorteile, die ein solches Amt bieten könne, ausgenutzt werden und andererseits die Doku- mentierung des erreichten Einflusses der Partei erfolgen. Brantiug lehnt jedoch ab. Er erklärt, die Vorteile des Amtes für die Partei seien ihm nicht ersichtlich. Die eventuellen Repräsen- tationSpflichten erscheinen ihm dagegen Iveniger bedeutend; über diese brauche man sich keine grauen Haare wachsen zu lassen. Da aber keine Vorteile für die Arbeiterschaft aus diesem Posten er- wachsen können, erscheint es ihm überflüssig, seine Arbeitskraft Ivichtigeren Dingen zu entziehen. Tie Fraktion wird schliesslich auch hier zu entscheiden haben, welche Stellung sie zu der Frage einnehmen will. Rußland. Ein Haar in der Suppe. Man schreibt uns aus Petersburg: Wer hätte es geglaubt, baß die offiziellen Wahlmacher, die die stärksten Gewaltmittel nicht verschmäht haben, schon gleich nach Er- öffnung der Duma einer renitenten Mehrheit gegenüberstehen würden? Und doch ist diese kaum glaubliche Möglichkeit zur Wirk- lichkeit geworden. Die Oktobristen, die über ihre Zurücksetzung bei den Wahlen erbittert sind, haben durch ihre Haltung bei der Wahl des Präsidiums gezeigt, daß sie keinesivegs geneigt sind, die Diktatur der Rechten und der Nationalisten ohne weiteres anzu- erkennen. Die Situation ist insofern für sie günstig, als sie mit ihren 100 Abgeordneten in der Duma das Zünglein an der Wage bilden. Vereinigen sie sich mit den Rechten und mit den Ratio- ualisten, so bilden sie eine kompakte Regierungsmehrheit, in der aber den Rechten die Frchrung gehört. Gehen sie aber mit den beiden liberalen Parteien(Progressisten und Kadetten) zusammen, so vernichten sie den Traum der extremen Reaktion von einer unbeschränkten Herrschaft in der Duma. Diese Schwenkung haben die Oktobristen bei der Wahl des Präsidiums bereits voll- zogen. Nachdem ihr Kandidat Rpdsjanko mit Hilfe der libe- ralcn Parteien zum Präsidenten gewählt worden war, wählten sie, durch das demonstrative Verlassen des Sitzungssaales durch die beiden rechten Parteien erbittert, den Progressisten Fürst Urussow zum zweiten Vizepräsidenten. Die Regierung ist nun über dies« Wendung höchlichst erbittert. Die offiziöse„Rossia" droht mit jedem Tage immer offenkundiger mit der Auflösung derDuma. So schrieb sie am Tage nach der Wahl Urussows zum Vizepräsidenten:„Wenn die Oktobristen sich mit den Linken ver- einigen, so übernehmen sie die Verantwortung nicht nur für die Ansprüche der Linken, sondern auch für die Unmöglichkeit einer fruchtbringenden Tätigkeit der vierten Duma, die das direkte und unausbleibliche Ergebnis eines solchen Blockes sein wird." Mit diesen Drohungen hofft daS offiziöse Reptil, die Diktatur der Rechten wiederherzustellen und auch die geringste Konzcssion an die gemäßigt« Opposition zu vermeiden. Bei der Unklarheit der Parteivcrhältnisse in der Duma, die namentlich bei den Mittelparteien keine festen Umrisse angenommen haben, ist ein abschliessendes Urteil über die geschilderten Vorgänge zurzeit unmöglich. Jedenfalls tritt das eine hier klar zutage, daß die Regierung durch ihre schamlose Wahlmache ihr Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern auch die treuergebenen Oktobristen wild ge- macht hat. Hätte die Regierung nicht zu ihren Wahlfälschungen und Wahlbeeiuflussungen gegriffen, hätte sie nicht die Geistlichkeit an die Urnen kommandiert und' die gegnerischen Kandidaten kassiert, so hätte selbst das Wahlgesetz des Staatsstreichs«ine oppositionelle Duma ergeben. Aber auch jetzt findet die vereinigte Reaktion angesichts der unklaren Parteiverhältnisse in der Duma ein Haar in der Suppe. Nicht umsonst hat das führende konser- vative Organ„Senschffchina" nach den Wahlen geklagt,„der ursprünglich klare und einfache Plan W. Sablers sei nicht zu Ende geführt worden". Wäre aber dieser„Plan" verwirklicht worden, der di« Duma zur Hälfte mit Popen bevölkern wollte, so hätte die ' Regierung an der Popenduma kaum eine besondere Genugtuung erlebt. China. Die russische Intrige in der Mongolei. Peking, 7. Dezember.(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) Das russisch-mongolische Protokoll erkennt die russischen Ansprüche auf Flussfchiffahrt, Fischerei, Bergwerksbetrieb. Holzfällen, Viehweiderechte und das Recht, Handel zu treiben, an. Die Russen find bereit, die chinesische Souveränität anzuerkennen und ihr« Truppen zurückzuziehen, wenn die chinesischen Truppen. von denen gegenwärtig 2000 Mann in Kobdo stehen, zurückgezogen sein werden. China vertritt die Auffassung, daß Kobdo in der inneren Mongolei liege, während die Russen es zur äusseren Mon- golei rechnen. Sie glauben, daß die Frage der Altaibezirke und eine allgemeine Grenzdemarkierung die hauptsächlichsten Fragen sind, die«in« Erledigung in Peking erfordern. Lorbereitnngen für eine» Krieg in der Mongolei? Peking, 7. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Feld- zugeS, der im nächsten Frühjahr gegen die äussere Mongolei unter- iwmmen werden soll, ist in der Stadt Kuihuatscheng das Standrecht erklärt worden.— In geheimer Sitzung der Nationalversammlung wurde dem Minister des Aeussern Lutschengsiang ein Tadel ausgedrückt für seine zu schwache Politik Russland gegenüber, sowie für die auf seinen Rat erfolgte Zurückziehung der nach Kobdo entsandten Truppen. Hus der Partei. Zu den preußischen Lnndtagswahlcn. Eine Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in H a l l e > Saale) beschäftigte sich am Donnerstag mit der Frage der Taktik bei de» preußischen Landtagswahlen. Nach einem Referat des Gc- iwssen Paul Hering wurde folgende Resolution vorgelegt: Die für die nächsten Landtagslvahlen geltende öffentliche Stimmabgabe wird von den Machthaber!, und der besitzenden Klasse zur Beeinflussung, 5wnjrollierung und Terrorisierung der wirtschaftlich und sozial abhängigen Wähler in brutalster Weise benutzt Dadurch loird die Sozialdemokratie als berufene Vcrtre- terin der arbeitenden Klassen gezwungen, bis zur endlichen Durch. iebuna ihrer grundsätzlichen Forderung aus geheime und unkoli- trollierbare Stimmabgabe in gleicher Weise zur Rot- und Ablockst zu greifen. Das unmoralische System der Stimmösfentlichkeit� 'verantw. Redakt.: Aifred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.: kann nur durch seine Anwendung und seine Konsequenzen diskre» ditiert und so durch sich selbst zu Falle gebracht werden. Des- halb fordert der Parteitag der Sozialdemokratie Preußens die Parteigenossen auf, das vom Gesetz erzwungene Prinzip der Oeffentlichkeit bei den nächsten Wahlen in umfassendster Weise planmäßig zur Durchführung zu bringen und für Feststellung und weiteste Bekanntgabe der Abstimmung aller erklärten Feinde des geheimen, gleichen und direkten Wahlrechts zu sorgen. Der Autrag, diese Rewlution dem Preussentag zur Annahme zu empfehlen, wurde ohne Diskussion einstimmig angenommen. Gcmeindcwahlerfolge. In A? c n a. d. Elbe gelang es unseren Genossen, die zur Wahl stehenden Mandate zu behaupten. Die dritte Abteilung, die seit 1908 sozialdemokratisch vertreten wird, bleibt somit in den Händen unserer Partei._ Die sozialdemokratische Dumafraktion. Man schreibt uns aus Petersburg: Trotzdem einige sozialdemokratische Abgeordnete aus den cnt- serutesten Gouvernements noch nicht eingetroffen sind, hat die so- zialdemokratische Fraktion sich bereits konstituiert. Es gehören bereits der Fmitivn an: die 0 Abgeordneten der Arbeiterknric Bo- dajew, Malinowsky. Muranow, Petrowsky, Samoilow und Schagow, die 3 kaukasischen Abgeordneten Tscheidse, Tschenkeli und Skobelew, endlich die auf den Gouverncmeutsverfammlungen gewählten Gc- nassen Burjanow(Tauricn), Tuljakow(Dongebiet) und Ehaustow illfa). Tie beiden sibirischen Abgeordneten Manjkmo(Jrkutsk) und Russanow(Seegebiet) sind, wie erwähnt, noch nicht eingetroffen; endlich ist die Frage der Ausnahme des Warschauer Abgeordnete», Genossen Jagello, Mitgliedes der polnischen Partei noch nicht ent- schieden. Zum ersten Fraktionsvorsitzenden ist Genosse Tscheidse, und zum zweiten Vorsitzenden Genosse MalinowSky gewählt. Es dürfte für die westeuropäischen Begriffe besonders merk- würdig erscheinen, daß von unserer Fraktion in der dritten Duma nur e i n Abgeordneter, und zwar Genosse Tscheidse, in die vierte Duma gelvählt worden ist. Dies Ergebnis ist eine direkte Folge des schmählichen Wahlgesetzes, wie der schwer wiederzugebenden Wahlinfamien der Regierung. So scheiden die 6 Abgeordneten in der Arbeiterkurie schon von vornherein aus, da sie durch ihre Eigen- schaff als Depunerte des Rechtes wiedergewählt zu werden, ver- lustig gehen. Bei den übrigen jedoch haben die willkürlichen Wahl- kassierungen mit einer solchen Schärfe eingesetzt, daß jede Hoffnung auf eine Wiederwahl ausgeschlossen war. Es genügt darauf hinzu- weisen, daß die Genossen Gegetschkori und Woiloschnikow vollkom- men willkürlich kassiert worden sind, und daß Genosse Dr. Prced- kaln-Riga nur infolge des an seinen Wählern begangenen Wahl- rechtsraubes dem Sammelkcmdidaten der bürgerlichen Reaktion unterlegen ist. Von den bekanntesten Mitgliedern der vorigen Dumafraktiou fehlt endlich auch Genosse Pckrowsky, der, glücklich den mehrfachen Wahlkassicrungen entronnen, infolge des schmäh- lichsten Verrats der Liberalen, die im letzten Augenblicke ihre Wahl- abmachung umstießen, auf der Strecke geblieben ist. Am merkwürdigsten dürften wohl die Wahlen unserer Abgeord- neten in Batum und Jrkutsk zu nennen sein. In Batum war der sozialdemokratische Kandidat Tschenkeli, der eigenmächtig aus der Verbannung zurückgekehrt war, auf die Denunziation seiner junker- lichen Gegner vor den Wahlen verhaftet worden. Dennoch wurde er mit erdrückender Mehrheit gewählt, worauf er sofort aus dem Gefängnis befreit wurde. In Jrkutsk hatte die Administration von � 20 Wahlmänncrn, die Wahl von 0 Sozialdemokraten als ungültig erklärt. DesscnWgeachtct lonrde unser Genosse Manjkow, obgleich die sozialdemokratische Mehrheit vernichtet war, mit Unterstützung der radikalen bäuerlichen Wahlmänner gewählt. Zum Schluß einige Angaben über unsere neuen Abgeordneten. Genosse Tscheidse, einer der Begründer der kaukasischen Sozial- dcnwkratie, ist durch seine Tätigkeit in der dritten Duma genügend bekannt. Von den neuen Abgeordneten sind bisher nur wenige öffentlich hervorgetreten. Unter Ibncn sind die Genossen Mali- nowskh und Petrowsky durch ihre hervorragende Tätigkeit i» den Gewerkschaften und Bildungsvercinen weiten Kreisen der Arbeiter besonders bekannt. Genosse Akalinowsky war einer der Gründer des Petersburger Metallarbciterverbandes, dessen Sekretär er von 1907 bis Ende 1900 war. Genosse Petrowsky gehört schon seit 1898 der Partei an, und nahm seit 1903 auch hervorragenden Anteil an der legalen Arbeiterbewegung in Jckaterinoslaw. Genosse Tuljakow, der bereits für die zweite Duma als Wahlmann gewählt wurde, spielte gleichfasts eine führende Rolle auf allen Gebieten der Ar- beiterbewegung im Dongebiot. Genosse Skobelew, Absolvent des Wiener Polytechnikums, ocr einen Erzreaktionär aus der russischen Kurie im Kaukasus verdrängte, nahm regen Anteil an der Partei- bewegung in Baku. Ivo er namentlich im Sinne der Zusammen- schliessung der. kämpfenden Fraktionen wirkte. Genosse Tschankeli endlich, der seine akademische Bildung in Paris, Wien und Berlin erworben hat, war ein tätiges Mitglied der kaukasischen Sozial- denwkratic und eifriger Mitarbeiter der Parteipresse. Er schrieb viel über die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, und seiner Feder entstammen zahlreiche Berichte über sozialistische Kongresse, auf denen er als Vertreter der georgischen Parteiprcsse anwesend war._ polizeiliches, Gerichtliches ufw. Eine Freisprechung. Ein bemerkenswertes Urteil in einer Streikbrccherbeleidigungs- fache fällte die erste Strafkammer in B r a u n s ch w e i g. Auge- klagter war Genosse Brenner vom„Volksfreund". Kläger waren acht Strassenbahnangcstellte, die im Mai dieses Jahres sich nach Königsberg schicken ließen, um bei dem Streik der dortigen Strassen- bahncr ihren Kollegen in den Rücken zu fallen. Der„Volksfteund" brachte seinerzeit die Namen dieser Herren, bezeichnete sie als „Rausrcisser" und nannte ihre Handlungsweise einen„verwerft lichen Verrat", Das kränkte die Herren in ihrer Ehre. Noch mehr aber fühlten sie sich verletzt durch einen Artikel, der durch Zufall vor die eben angeführte Notiz zu stehen kam. In diesem Artikel wurde ohne Nennung von Namen, ganz allgemein unter Anfüh- rung bürgerlicher Stimmen, das Streikbrcchcrtum einer ganz ge- hörigen scharfen Kritik unterzogen. Zwischen beiden Artikeln stand noch ein kleiner Artikel anderen Inhalts. Die acht Königsberger stellten, wahrscheinlich auf Geheitz des Stratzcnbahndirertors Rilbcn- trop, beide Artikel unter Anklage, Da sie aber die absichtliche Zu- sammenstellung beider Artikel nicht beiveiien konnten, fielen sie da- mit hinein. Das Schöffengericht schon erblickte in den inkriminier- tcn Ausdrücken des zweiten Artikels,„RauSreisser" und..verwerft lichen Verrat" nur sachliche Bezeichnungen, die ohne beleidigende Absicht gebracht seien. Auf die Berufung der acht Kläger hin kam die Strafkammer zur gleichen Ansicht und sprach den Genossen Brenner frei._ Soziales, Wie man die Angestellten behandelt! Am 1. Januar 1913 tritt eine Berufsgenosscnschaft ftir den Detailhandel inS Leben. Das l>at zur Folge, daß die Betriebe des Kleinhandels, die bisher bei der Lagerei-Berufsgenossenschaft ver- sichert waren, aus dieser ausscheiden und diese Bcrufsgenossenschaft dadurch den größten Teil ihrer Mitglieder verliert. Damit aber wird auch der größte Teil der Angestellten der Lagcrei-Bcrufö- genoffcnschaft existenzlos. Die bisherigen Verlzandlungen, die Uebernahme dieser Angestellten auf die neue Berufsgenosseuschaft zu erwirken, sind leider ergebnislos geblieben. Ter Dezernent des Reichsversicherungsamts erklärte, daß der Bundesrat eS absichtlich vermieden habe, in dem Beschlüsse auf Errichtung der neuen BerufSgenossenschaft die Uebernahme der Angestellten vorzu- schreiben, weil dies eine» Eingriff in die Selbstverwaltung bedeuten würde. Bei der Beschneidung der Selbstverwaltungsrechte in de» Tb�ÜöckeTBerl'n. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr, u, Verlagsanüalt' Ortskrankenkassen ist man bekanntlich nicht so zartfühlend gewesen! Hier handelt es sich ja auch nur um Angestellte. Diese Angestellten sind zum Teil bis 10 Jahre bei der Lagerei--Berufsgenossenschaft beschäftigt, haben dii besten Teil ihrer Kraft dort verbraucht, und jetzt fliegen sie auf die Strasse, weil es der Regierung und dem Vorstand der Lagerei-Berufsgenossenschaft in einem bedauerlichen Masse an sozialem Verständnis fehlt. Allerdings sind mich die Angestellten von Schuld an ihrem traurigen Schicksal nicht ganz freizusprechen. Sie sind nur zu einem sehr geringen Teile organisiert. Für die Angestellten der Krankenkassen ist bekanntlich bei derartigen organisatorischen Aenderungen der Kassen die Uebernahme der Angestellten durch die ReichSversicherungsordnung vorgeschrieben. Die Kassen- angestellten sind aber auch fast vollzählig im Verband der Bureau- angestellten organisiert, während die Angestellten der Lagerei- Berufsgenossenschasl, die diesem Verbände früher angehörten, sich durch Gehaltszulagen oder durch den bekannten Druck von oben zum Austritt aus dem Verbände bewegen ließen. Die Quittung dafür haben sie jetzt erhalten. Konsumvereinsangeftellte nicht versicherungspflichtig? Das Versicherungsamt der Amtshauptmannschaft Bautzen fällte eine höchst eigenartige Entscheidung über die Krankenversiche- rungspflicht der Konsumangestellten. Der Ortskrankenkasse in Wilthen gehören auch drei Augehörige des Konsumvereins als Mit- glieder an. Die Krankenkasse selbst steht noch auf der untersten Stufe der Krankenkasseneinrichtungen. Um die Unterstützungsein- richtungen zu verbessern, wählten die Arbeiter auf der General- Versammlung die drei Angestellten der Konsumvereine in den Vor- stand. Das Gros an Mitgliedern stellt eine Textilfirma, die gegen den Generalversammlungsbeschluss beim Bersicherungsamt in Bautzen Beschwerde einlegte. Das Versicherungsamt gab denn auch tatsächlich der Beschwerde Raum und entschied mit folgender»Be- gründung zuungunsten der Arbeitervorstandsmitglieder: Die An- gestellten des Konsumvereins feien nicht versicherungspflichtig und dürften deshalb der Krankenkasse als Mitglieder nicht angehören. Der Konsuniverein charakterisiere sich als Wohlfahrtseinrichtung. Die Einrichtung könne als ein Gewerbe im Sinne der Gewerbe- ordnung nicht aufgefaßt werden. Das Erfordernis der Gewerbs- Mäßigkeit sei auch dann nicht gegeben, wenn auch der Betrieb tat- sächlich der Gewerbesteuer unterworfen wurde, da für den Begriff der GeWerbetätigkeit eine auf Erwerb gerichtete Absicht wesentlich sei, die auf Erzielung eines Gewinnes, nicht nur auf Deckung der Sellbstkosten oder auf Ersparnisse gerichtet sein müsse. Die Ge- nannten könnten auch nicht freiwillige Kassenmitglieder werden, da ihnen nach der Bestimmung im fünften in Verbindung mit dem ersten Nachtrag eine Beitrittsberechtigung nicht zustehe. Die von ihnen zu Unrecht bezahlten Beiträge zur Krankenversicherung seien ihnen zurückzugeben, die Ouittungskarten ebenfalls, da für die Einziehung der Beiträge zur Invalidenversicherung die für den Be- triebssitz zuständige Ortskrankenkasse in Kirschau in Frage komme. Die Anmeldung der Genannten zur Invalidenversicherung habe durch den Leiter des Konsumvereins als Arbeitgeber zu erfolgen, Es wird dann noch gesagt, daß die Vorstandsmitglieder nur noch bis Ende Dezember 1912 zu amtieren hätten usw. Die Angestellten des Konsumvereins haben gegen diesen Entscheid des Versicherungs- omtes Rekurs eingelegt. Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. letzte Nachrichten. Erneuerung des Dreibundes. Wie das Wolfffche Telegrap.henbureau mitteilt, ist der zwischen den Souveränen und den Regierungen von Deutsch, land, Oesterreich-Ungarn und Italien bestehende Bundesver- trag ohne jede Aenderung erneuert worden. Lohnbewegung auf der kaiserlichen Werft. Wilhelshaven, 7. Dezember.(PEivatte legramm des „V o r w ä r t s".) Eine von 2300 Werftarbeitern besuchte Ver- sammlung beschloß einstimmig, eine Eingabe um allgemeine Lohn- erhöhung aller im Stunden- und Monatslohn tätigen Arbeiter an das Reichsmarineamt zu richten. Eisenbahnrrstreik in England. London, 7. Dezember.(W. T. B.) Dreitausend Angestellte der Northeastern R a i l w a y sind in den Ausstand getreten, weil die Gesellschaft sich weigerte, einen wegen Trunkenheit vom Polizeigericht ver- urteilten Lokomotivführer(?) wieder in seinen früheren Posten einzustellen, Ter Eisenbahnverkehr ist um mehr als die Hälfte eingeschränkt worden. Man befürchtet, daß eine Anzahl von Kohlengruben den Betrieb wird einstellen müssen. (Ten in vorstehender Meldung des Wolffschen Tele- graphen-Bureaus als Ursache für den Ausstand angegebenen Grund geben wir nur mit Vorbehalt wieder. Es handelt sich dabei unzweifelhaft um eine ganz tendenziöse Aufmachung. Die Red.)_ « Schreckenstat eines Irrsinnigen. Düsseldorf, 7. Dezember.(W. T. B.) In Benrath tötete der geisteskranke Werkmeister Bernhard Krappe! seine Ehefrau durch zwei Messerstiche und verletzie seinen zu Hilfe eilenden 13jährigen Sohn durch zwei Revolverschüsse lebensgefährlich. Ein fünfjähriges Töchterchen erhielt einen Streifschuß. Krappe! ver- Ivundete sich selbst durch einen Schuß ans Kinn. Der Täter wurde in die Irrenanstalt Grafenberg übergeführt. Zngzusammenstoß. Trier, 7. Dezember.(P.-C.) In Hahingen stießen infolge dichten Nebels 2 elektrische Wagen der Fenschtalbahn zusammen. Beide Wagen wurden stark beschädigt. Sechs Personen sind zum Teil schwer verletzt. Eisenbahaunfall. Hagen, 7. Dezember.(P.-C.) Im benachbarten Gevelsberg ereignete sich heute morgen ein schwerer Eisenbahnunfall. Durch einen Bruch der Kuppelung lösten sich 22 Wagen eines Güterzuges, der die Station Gevelsberg-Nord bereits verlassen hatte, von dem übrigen Teil des Zuges uno rollten auf dein stark abfallenden Schienenstrang in die Station zurück. Hier stießen sie gegen einen anderen Güterzug, wobei 10 Wagen förmlich ineinandergeschoben wurden. Zwei Schaffner wurden bei. dem Z u- s a m m e n st o ß schwer verletzt. Die Unfallstätte war durch ein wüsteS Trümmerfeld bezeichnet und der Betrieb war infolge- dessen lange Zeit gestört.___ Großer Brand im Pariser Elektrizitätswerk. Paris, 7. Dezember.(W. T. B.) Heute abend 3 Uhr brach auf dem in Saiut-Denis gelegenen Elektrizitätswerk von Paris ein Brand aus. der sofort einen großen Umfang annahm. Rieh- rere Stadtteile des Zentrums von Paris sind ohne Licht. Auf verschiedenen Linien der Untergrundbahn, für die das Werk den Strom liefert, ist der Verkehr unterbrochen. Um TV* Uhr abends war das Feuer auf feinen Herd beschränkt. Unfälle von Personen haben sich nicht ereignet.____ jaul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu 6 Beilage«. Kr. 287. 29. ZchrMH. tilaje des.Mmärls" letliatt AlksbU Sonntag, 8. DeMw M2. kvas iin Vertrag steht, du hast ihn also absichtlich so geschlossen, damit du ihn eines Tages hinterrücks aufheben- kannst. Dieser Streit der Jntcressentengruppen geht uns hier nichts-an. Die Hauptsache ist, daß die Lieferungsfähigkeit Rumäniens durch Qua- lität und Quantität des Petroleums für uns sehr begrenzt ist. Was dann Galizien betrifft, so sind die Erfahrungen dort ein Musterbeispiel dafür, wie ein Staat, der sich einer Privat-. gesellschast zu gefügig zeigt, mit Nuten gepeitsch» wird. Galizien hatte anfänglich ein überraschendes Anschwelle»» seiner Petroleumproduktion zu verzeichnen. Es zwang dam: durch seinen politischen Einfluß in Oesterreich die dortige Regierung. mit ihm einen Vertrag zu schließen, der ihm einen dreimal höheren Preis als den damaligen Marktpreis sicherte, und damit das Petroleum verwandt-werden konnte,, zwang-es den öfter- reichischen Staat, seine Lokomotiven zu ändern und Petroleum zu ihrer Heizung zu verwenden, nur damit die ga- lizischen Kapitalisten auch sicher ihre Dividenden einziehen konnten. Aber die Natur rebellierte gegen den Vertrag, eines Tages versiegten die Quellen, es kamen Wassereinbrüche dazu und die Produktion ging koloffal zurück. Daher wurde der Preis noch viel höher. Nun benutzte Galizien seinen politischen Einfluß dazu, dem Staate zu sagen: Löse den Vertrag wieder, es ver- stößt wider die guten Sitten, daß wir dir das Petroleum sc» billig verkaufen sollen, mach mit deinen Lokomotiven ivas du willst, wir gebe» dir kein Petroleum. Wenn man diese Geschichte von Angst gefoltert, aller früheren Hemmungen vergessend, seinen Egoismus ins Grenzenlose steigern; er mag in lärmendem Galgen- Humor nach bunten Betäubungen haschen. Nur eines: Unbefangene Bergnügtheit. sorglose Bummelei wird man in keinem Fall ihm zutrauen. Grund genug für den aus allerlei graziöse Kuriositäten erpichten österreichischen Autor, sein Drama just hierauf als Pointe zuzuspitzen. Er will nnS einreden, daß sein Komödien- jüngling, ein melancholisch trister Neurastheniker, der in dem Sanatorium des Doktor Wimmer zum Gaudünn der Damenwelt als schüchtern ungelenker Verehrer umhergeht, nach dem vom Arzte ausgesprochenen Todesurteil plötzlich in stürmische Fidelität verfällt und sich in seines Herzens Freudigkeit als dreister Donjuan und Kavalier betätigt. Sowie er aber hört, sein Leiden sei nicht-Z anderes als ein bißchen Bleichsucht, muß er sich nach dem Ratschluß des Dichters, der die Verkehrung des Natür- lichen mit Konsequenz betreibt, in sein ehemaliges ängstlich- deprimiertes Ich zurückverwandeln. Peinlich wie dieses erliiftelts Liebesspiel ist die Intrige, die es in Bewegung setzt. Der Doktor suggeriert dem jungen Mann niit Absicht die Vorstellung, daß er sterben müsse— weil er ihn für den künftigen Liebhaber seiner Frau hält und sich in dieser noblen Weise an dem Patienten rächen Willi In der Schilderung des im Sanatorium blühenden DamenflorS tauchen manche epigrammatisch scharfe, boshaft amüsante Züge auf, die unter dem'wuchernden Gestrüpp der Uebcrtreibimg freilich nur halb zur Geltung kommen. Für die' undankbaren Rollen des Arztes und des Jünglings setzten sich Reicher und Theodor LooS ein. Glänzend, so daß ina» die Unmöglichkeiten fast vergas;, spielte Tilla Duricux die nmvider- stehliche und unausstehliche Doktorsgattin. Mathilde Sussin machte aus einer Operettensängerin, HanS Marc, aus einem von Eitelkeit geblähten Konfektionär, dem bewunderten Danieuliebling. im Sanatorium eine flotte Charge.~ dt. L ustspielhaus:„Graf Pept", Lustspiel bon Robert Sandel und Alfred Halm. Die Verfasser bieten hier eine jener sattsam erlogenen Soldaten-Kalendergeschichten von Anno dazumal in dramatischer Form. Das Histörchen wickelt sich ab im Lande der MarjankaS und Zwetschgenkiiödeln, als Preußen mit Oesterreich Krieg führte. Paul H e y s e lieh den nachgeborenen Kollegen vom deutichböhmischen Parnaß aus seinem Schauspiel„Hans Lange" den Inden und Glaßbrenner verbränne die etwas langweilige „Handlung" mit einigen seiner kurzweiligen Berliner Späßen von Kremserkutichern und Nante, dem Eckensteher. Daneben figurierten dann noch mehrere aus einem Leitfaden für neuere Geschichte herbei- gezogene Namen verschiedener preußischer Heerführer mit dem gelauste» Hofbankier deS seligen Wilhelm I. und einem österreichischen Ossizier- Pensionisten vorn Jahre 1813. Der Waffenstillstand macht allen Feindseligkeiten ein Ende; die Pärchen werden sich kriegen— und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heule.... Daß der jüdische Hausierer David Diamant in der Person deZ Herrn Franz Arnold urecht wirkte, daß Franz Schönfeld als alter Baron eine vorzügliche Maske trug, wird man gern glauben. Zuweilen wurde auch gelacht— wenn eS auch mir ein„gefrorenes Lachen" war. lind so ging denn die von Herrn Halm, weiland Direltor deS pleite gegangenen Schauspielhauses am Nollendorfplatz mäßig in- szenierle Lustspielhistorie sang- und klanglos schlafen. Ob sie noch als Lcbküchlein am Weihnachtsbaum des LustspielhauseS hängen wird, ver kamt es wissen< o. k, bclrachiet, kann man c!tt gclvisscSGrauscn Saöo!: bekommen. sich mit einer solche» Privatgesellschaft einzulassen, denn es gibt auch außerhalb Galiziens Privatgesellschaften, die einen�zinn- lichen politischen Einfluß haben, isehr wahr I bei den Sozial- deinokratcn.) Nun, das ist eine Sorge Oesterreichs. Für uns kommt es daraus an, daß Galizien uns nicht viel liefern kann Die Vorlage gibt selbst zu, daß die Transportkosten so hoch sind. daß nur eine Lieferung in die Oesterreich benachbarten Grenz- gebiete in Betracht kommt. Dann kommen die amerikanischen Outsider in Betracht, die noch nicht dein Standardtrust angehören. In Jnter cssentenkreisen sagt man sich allerdings, es gäbe gar keine Oub sider mehr, in Wirklichkeit gehören sie schon längst zum Trust. Tatsache ist, daß die Standard tOll Prozent verdient. Sie kann also noch sehr mit ihren Preisen heruntergehen, aber auch die Outsider aufkaufen. Aber angenommen, sie wären da. D"- Präsident einer der großen unabhängigen Gesellschaften hat„ einem Liorrespondenitcn der„Frankfurter Zeitung", wie dieser am 30. Oktober in seinem Blatt berichtet hat, gesagt: Wir Outsider könne» und>w ollen gar nicht unsere andere» Absatzgebiete tvegeu der Lieferung nach Teutschland aufgeben. Wir können ja gar nicht wissen, was in Deutschland wird. Vielleicht versöhnt � man sich wieder mit der Standard, und dann sind wir unsere «»deren Absatzgebiete los. Wir können also nur einen Teil unserer Ware»ach Deutschland liefern. Also auch dieser Herr, der angeblich nicht zum Trust gehört, sagt: Ohne den Trust kann Deutschland sich nicht versorgen. Die Regierung hat darauf hin- gewiesen, daß es sich hier um geschäftliche Maßnahmen handle, lbei denen nicht alle ttarten in der Oeffcntlichkeit aufgedeckt werden könnten. Das gebe ich ohne weiteres zu. Wenn sie Abmachungen mit Lieferanten über Petroleum getroffen hat, so kann sie uns das hier vor versa in meltenr Jnteressentenpubli- k u m— das außerhalb dieses SaaleS sitzt(Heiterkeit)— nicht mitteilen. Wir müssen also abwarten, ob die Regierung in der Kommission uns Mitteilungen darüber macht, welche Verträge sie eventuell geschlossen hat und zu welchen Preisen. Vorläufig tappen wir noch im dunklen. Nur eins ist sicher: daß wir bil- ligeres Petroleum bekommen sollen als jetzt, davon st cht in der ganzen Vorlage n i ch t s. und auch der Staatssekre- tär hat heute nichts davon gesagt. Was denn? Selbst wenn Verträge vorhanden sein sollten, die scheinbar günstig aussehen, so gehöre ich bis jetzt zu den Pessimisten, die annehmen, daß wir auf keine» Fall zu denselben Preisen Petroleum bekommen können wie jetzt, sondern daß es teurer werden muß, wenn wir es auf anderer Grundlage beziehen. Jedenfalls wenn wir es auf der Grundlage beziehen, die die Regierung vorschlägt. Da- gegen lau ich mir wohl vorstellen, daß ein Ncichsmonopol also wenn das Reich, ausgestattet mit all seiner Finanzkraft und seiner Macht, auf«den Markt tritt, in der Lage sein würde, preis- wertes Petroleum zu liesern. Eine solche reine Reichs« nstalt würde sich wohl auch gegenüber der Konkurrenz der Standard durchsetzen können. Das halte ich aber für ausgeschlossen, wenn Jnter- es senken dabei die ausschlaggebende Rolle spielen. Jetzt ist der Preis 20 Pf. im Tclailverkehr,». B. in Berlin, 17 Pf. pro Liter «v Tank. Die„Norddeutsche Allgemeine" hat bereits erklärt, daß bei der neuen Einrichtung es ausgeschlossen sei, einen Preis ab Tank v on 1 7 Pf. zu halten.(Hört! hört!) Für das erste Jahr des Betriebes stellt sie ganz bestimmt eine Per- teuerung in Aussicht und rechnet nur damit, daß eine gewisse Aerbilligung durch Ersparnisse dann eintreten könnte. Tatsache ist. daß jeder Pfennig Verteuerung«des Petroleums durch die Standard dem deutschen Volke 9 Millionen kostet. Wenn die Re- gicrung aber einen Preis von 23 Pf. im Hans des Händlers gegen- über jetzt 20 PF. annimmt, so«bedeutet das eine Verteuerung von L7 bis 30 Millionen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nun kommt die Regierung mit einer recht spaßhaften Ge- Ivinnskala. Ich kann sie wirklich nur für einen U l k halten. Es wird da gesagt: Wir übertrage» der BertriebSgesellschaft den Per- kauf und wollen jetzt mal recht schlau operieren: je mehr sie den Preis in die Höhe treibt, um so weniger soll sie prozentual ver- diene». Großartig, man kann sich nichts Klügeres denken. Wenn nur nicht das Unglück wäre, daß derselbe böse Mann, der dann bc- straft wird, damit daß er weniger verdienen kann, weil er höhere Preise nimmt, auch gleichzeitig der B es i tz e r der Petroleum- q u« l l en und damit der Lieferant wäre. Mit jedem Pfennig, den der Lieferant'den Preis als solcher in die Höhe treibt, verdient er 9 Millionen nnd Verliertals Händler 1'A Millionen, so daß ihm noch«das Fünf- bis Sechsfache bleibt von dem, was er scheinbar einbüßt. Die Gewinnskala hätte nur einen Wottze». — R o ß e i w c i ß. Wir lesen in der„Jugend". In Berlin findet seit langer Zeit alljährlich ein sogenannleS Roßleberdiner statt, an dem vorzugsweise Llngehörige vornehmer Adelsgeschlcchter teilnehmen.— Der LandwirtschaflS-Minister von Schorlemer rühmte im Reichstag den hohen Eiweißgehalt deS Pferdefleisches und führte aus, daß der Genuß des letzteren infolge diese« Gehaltes sehr ge- sund sei. Sozialdemokratische Nörgler warfen ihm sofort die Frage vor, weshalb er selbst kein Pferdefleisch esse. Die Sozialdemokraten haben offenbar von dem erwähnten Roßleberdiner keine Ahnung, sonst würden sie ihre törichte Zwischen- frage unterlassen haben.— Aber diese Nörgler geben sich niemals zufrieden; sie wollen auch jetzt nicht eingestehen, daß sie geschlagen sind. Die vaterlandstosen Gesellen behaupten vielmehr, daß bei den RoßlcberdinerS nicht etiva Roßlebern gegessen würden, sondern daß die Teilnehmer des Essens sämtlich ehemalige Schüler der höchst feudalen Klosterschule zu Roßleben leicn. — Vorträge. Sonntag abend 3 Uhr findet e,n populärer Vortragsabend Maria H o l g er S im Beelhovensaal statt.(Herder, Bürger, Goethe, Hölderlin, Kleist.) — K n n st ch r o n i k. An, 9. Dezember, morgen« 10 Uhr, wird Königin-Angusta-Str. S1 eine Kollektivausstellung der Mitglieder der Reuen Sezession eröffnet. — M n s i k ch r o n i k. Sonntag, den 8. Dezember, mittags 12 Uhr, in der Philharmonie Hauptprobe zum Konzert Eugen o'AlbertS. das Montag statifindet.— Am 10. Dezember letzter Beethoven- Abend W e i n g a r t n e r S in Fürstenwalde(8. und 9. Symphonie). — B ii h n e n ch r o n i k. Die russische Tänzerin Anna P a w- low a wird am 25. Dezember ein Gastspiel bei Kroll beginnen und jeden Abend drei Tanzgruppen aufführen lassen. An neuen Tänzen sind u. a. vorgesehen: der„Schwan" mit der Musik von Saint Saöns, der„Schmetterling", ein Walzer von Chopin, das„Bacchanale" von RimSky-Korsakoff. — Aug» st Jnnkermann, der bekannte Rcuter-Vorleser, verabschiedete sich am Freitag vom Berliner Publikitm. Er voll- endete an diesem Tage das«0. Lebensjahr, waran zu sehe» ist, daß Reuter als wahrer Humorist der Gehmdbeit sehr zuträglich ist _ Eine Stiftung für die Krebsforschung. Ein Nürnberger hat 50 000 Mark für einen alljährlich zu verteilenden Preis gestiftet, der für hervorragende Leistungen in wissenschaftlichen Forschungen zur Bckänipsung der Krebskrankyeiten dienen soll.(Der Stifter hätte bester getan, das Geld einer Krebsanstalt— etwa der «wibelberacr— zu geben. Denn zu unserer Schande sei es gesagt: iiir solche wichtigen Kulturausgnben stellen weder Staat noch Private aenüaende Mittel zur Verfügung. flen3 Q u„ ahme des Büffels in Amerika. Nachdem die fterden des amerikanischen Büffel« oder Bisons durch unvernünftige R-rsolauna so stark zusammengeschmolzen waren, daß ein völlige« oi„s»erken iu befürchten stand, hat sich vor einigen Jabren eine Amerikanische Pisongesellschast gebildet, um die noch erhaltenen Reste ' Die Büffel Herden zeigen mfolgedesieu eine erfreuliche «m ahme � Während sie vor vier Jahren nur noch eine Stückzahl von 1810 besaßen, haben sie sich i-tzr auf 27ö0 vermehrt. Sinn«, wenn man die Gewißheit hätie, daß man es mit verschiedenen Gruppen zu tun hat. Wer jn der Tat ist die Vertriebsgesellschaft im Besitz der wichtigsten Oelquellen, sie ist etiva eine Zahlstelle der Deutschen Bank. Ferner kommt in Betracht, daß die Gesellschaft auf Grund des Z 4 Ziffer 4 durch den Bundesrat noch einen besonderen Gewinn zugeschanzt bekommen kann, wenn dieser nämlich von seiner Befugnis Gebrauch macht, die normale Höchstgrenze des Preises heraufzusetzen. Da bekommt man doch«in gewisses Gefühl der Bangigkeit, wie die Regierung sich die Verantwortung für eine solche Abmachung denkt. Die Hörigkeit, die der Reichsschatzsekretär gegenüber den Banken so weit von sich abwies, ist ja doch in der Tat vorhanden dadurch, daß außer diesem Konzern niemand auf dem Markt ist, mit dem Verträge zur Liefe- rung von Petroleum abgeschlossen werden könnten. Hat die Rc- gierung doch solche Verträge, dann müßte sie das wenigstens andeuten. So beraten wir hier ins Blaue hinein mit dem Ge- danken, das Wunderbare könne sich noch ereignen. Dann ist noch ein Reichsausgleich so n ds geschaffen, der dazu dienen soll, wenn die Preise in die Höhe gehen, mit den angesammelten Reserven die Preise zu erniedrigen,«der aber schließlich nur ein TlvidendenausgleichfondS für die Besitzer ist. Ich will auf all diese Einzelheiten nicht eingehen. Wenn«S irgendwo schwierig war, ein Handelsmonopol einzuführen, dann gerade auf«dem Petroleummarkt unter den obwaltenden Verhält- nissen. Ein Jahrzehnt früher hätle die Regierung aufstehen müssen. Was sie zetzt vorschlägt, können wir nur bezeichnen als eine Organisation zum Schutz der Interessent e n, der beteiligten Banken, auf keinen Fall zum Schutz der Kon- sumenten, und der käme doch vor allem in Betracht. Die Annahme, daß der Preis sich verteuern wird, ist-darin be- gründet, daß die Banken eine unbeschränkte Macht erhalten. Der vorgesehene Reichskommissar macht den Eindruck, als habt er nur die Ausgabe dessogenannten Kibitz beim Skat spiel �Heiterkeit), er darf zusehen, aber nicht einschreiten. Er hat zwar eine Riesenverantwortung, aber eine winzige Macht. Er kann an«den Sitzungen des Aufsichtsrats teilnehmen, aber das Vetorecht hat er nur dann, wenn gegen Gesetz und Vertrag ge- arbeitet wird. Also wenn die Staatsanwaltschaft sowieso ein- schreiten müßte.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Gewiß, außerdem muß er es auch noch ine r k e n.(Heiterkeit.) Das zweite unnütze Möbel dieser Organisation ist der Bei rat. Er soll nur eine begutachtende Tätigkeit haben. In ihm sind Vertreter der Mineralienindustrie. deS Handels, ferner wissenschaftliche Fachleute, Fachleute des Feucrwehrwesens und Ver- treter der Verbraucher. Damit sind aber nur die Händler ge- meint, der wirkliche Verbraucher ist nicht vertreten. Dieser, die Volksmasse, hat seine Vertretung im Reichstag, der Reichstag aber hat nichts dreinzureden. Eine derartig aufgebaute Vorlage muß schon ihrer Form wegen von uns vollständig abge- lehnt werden. Soll ein Monopol die Interessen der Bevölkerung wahren, so muß das Reich der Besitzer sein. Die Oelquellen im Ausland können wir ja nicht in Besitz nehmen, aber den ganzen Vertrieb müßte das Reich s e l b st in die Hand nehmen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär sprach gegen die kaufmännische Tätigkeit von Beamten; damit fällte er ein sehr schlechtes Urteil über unser Post-, Telegraphen- und Eisen- bahnwesen, die doch beerils Monopole darstellen und, von Einwän- den im einzelnen abgesehen, ganz gut verwaltet werden.(Hörtl hört! rechts.) Ter Beirat müßte eine Art VerwaltungSrat werden mit wirtschaftlicher Verantwortlichkeit. Der Bundesrat sowie der Reichstag müßten in ihm vertreten sein. Ferner for- dern wir weitgehenden sozialen Schutz der Angestellten, nicht aber eine Schädigung, für die man freilich das Wort Ent- chädigung gewählt hat. Nur ein Beispiel für die Willkür und den Widersinn dieser Entschädigung: wird von einer Privatgesellschaft cmand übernommen, nach ein paar Jahren aber entlassen, so be- kommt er''ine Entschädigung, wird jemand dagegen wegen seiner Untüchtigkeit gar nicht erst übernommen, so wird er entschädigt. Der Staatssekretär hat auf die V e t e ran e n f ü rs o r g e hingewiesen. DaS soll nur ein Köder für die Zustimmung des Reichstages sein. Der Schatzsekretär verwahrt sich dagegen. Hinter- gedanken zu haben. Ich erinnere aber an die Einbringung des Tabak Monopols. Damals sprach Fürst Bismarck von Steuern auf die Luxusartikel und bezeichnete als solche Bier, Branntwein. Tabak und P e t r o l e u m. lHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diesen Luxusartikel bat die Regierung auch tüchtig herangenommen. Durch den 0 Pfennig-Zoll, der das Petroleum von 14 auf 20 Pf. verteuert, sind seit seiner Einführung seit 1379 über 1500 Millionen Mark aus den Taschen des Volkes zugunsten des Militarismus herausgeholt. Meine Freunde und ich sind ganz entschieden dagegen, daß ein etwaiger Üeberschutz zufolge dieses Entwurfes zu anderen Zwecken verwen- det werden soll, als zur Verbilligung des Petroleums. Die Pflicht gegen die Veteranen fiaben Sie durch eine Bcsitzstcuer zu erfüllen. (Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Uns mit den Ueberschüsscn aus dem Petroleummonopol verlocken zu wollen, ist ganz verkehrt. Die Frage ist aber gar nicht, was wir mit etwaigen ileberschüssen anfangen wollen, sondern wie wir uns vor der durch die Maßnahmen der Regierung drohenden Verteuerung des Pe- troleums schützen sollen. Es besteht hier im Hause eine mächtige Gruppe, die ein starkes Interesse an dieser Verteuerung hat. Bereits 1897 erklärte der damalige Staatssekretär Graf Posa- d o w s k y, als es sich um Maßnahmen gegen den amerikanischen Trust handelte:„Einem Mißbrauch des Trusts könnte man dadurch begegnen, daß man durch eine Zollerhöhung den Preis des Pe- troleums so verteuerte, daß man an die Verwendung deutscher Brennstoffe denken könnte, vor allem an die Verwendung des Spiritus zu Leuchtzwecken." Er fügte hinzu, das wäre für die deutsche Landwirtschaft die völlige Lösung der Agrar- 'rage.(Lebhaftes Hörtl hört!) Das ist ja reichlich naiv, aber 'ür die Schnapsbrenner wäre es in der Tat sehr erwünscht, wenn >as Petroleum teurer würde. Wünscht der Schatzsekretär ein Objekt, gegen das er vorgehen will, weil es das Volk auswuchert, so empfehle ich ihm den S p i r i t u s r i n g.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Dieser ist so mächtig, daß er den Preis beliebig steigern kann. Um den Betrag der weggefallenen Liebesgabe hat er ihn bereits gesteigert. Der kann den Preis für Trinkbranntwcin auch noch weiter steigern und dadurch Mittel ge- Winnen, den für Brennspiritus etwas herabzusetzen. Kommt dann noch ein erhöhter Petroleumpreis hinzu, so liegt das in seinem Interesse. Auf dem konservativen Parteitag im Jahre 1892 lag auch eine Resolution vor, in der direkt eine Verteue- rung des Petroleums verlangt wurde.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der vorliegende Entwurf bringt diese Gefahr und ist deshalb für uns unannehmbar. Die Entschädigungen, die er vorsieht, sind unbillig, widersinnig und willkürlich. Eine Gefahr bildet er für den Zwischenhändl er, dem neue Lasten auf- erlegt werden sollen. Auch den Bestimmungen über die Bank- entschädigungen können wir nicht zustiinmen. Wir sind also für diesen Entwurf nicht zu haben und müssen die Regierung darauf hinweisen, daß sie ein weit größeres und notwendigeres Gebiet zur Verstaatlichung hat, die Kohlen, die Wasserkräfte, die Elektrizität.(Abg. Oertel(k.): Und die Luft!) Daß Ihnen. Herr Oertel. die Interessen des Volkes Luft sind, wissen wir schon längst.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben keine Lust, an Stelle einer ausländischen Gesellschaft eine einheimische zu setzen. Dem Volk ist es ganz gleich, ob es amerikanisch geschunden oder dcutsch-banklich ge- schröpft wird. Wir beantragen, den Entwurf an eine Kom- Mission zu verweisen, er muß dort aber gründlich verändert wer- den, sonst soll er in ihr begraben werden.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Wg. Dr. Mcyer-Kaufbcursn(Z.): Peirokeum wird Vorzugs- weise von den kleinen, ärmeren Leuten verwendet; daher müssen wir die Pctroleumversorgung besonders sorgsam ins Auge fassen. Leider sind wir beim Petroleum auf das Ausland angc- wiesen, speziell aus Amerika und die Standard Oil Company. Wir müssen zugeben, daß sie die Preise des Petroleums bis jetzt wenig- stens auf einer mäßigen Höhe gehalten hat, auch in ihren unbe- strittensten Gebieten. Solange Rockeseller lebt, wird es wohl auch so bleiben;«aber die Gefahr, daß es später anders wird, besteht. Außerdem besteht die Gefahr, daß im Kriegsfall die Lieferung von Petroleum aufhört. Deshalb haben wir seit Jahren die Re- gierung aufgefordert, die Konkurrenz der Standard Oil Company zu stützen. Den stärksten Vorstoß gegen sie stellt dieser Entwurf dar. Er ist ein A n t i m o n o p o l. Das Antimonopol ist aber noch ein Problem. Bleibt die Gruppe, gegen die das Antimonopol sich richtet, on der Lieferung auch nur zu einem Teile beteiligt, so ist das Antimonopol gescheitert. Die wichtigste Vorfrage ist daher, ob unsere Petroleumversorgung auf die Tauer unabhängig von der Standard Oil Company sein' kann. Diese Frage ist noch sehr ungeklärt; ich bezweifle es. Tann erregt die Bestimmung, die durch diesen Entwurf dem Reich zugeführten Einnahmen für die Veteranen zu verwenden, den Eindruck, als solle ein Druck auf uns ausgeübt werden. Wir wünschen nicht, daß solche Vorlagen mit einem sozialpolitischen Mäntelchen verbrämt werden, und wir verwahren uns jetzt schon gegen den Vorwurf. irgendeine Partei, die den Entwurf ablehne, sei nicht ar» beiterfreundlich.(Sehr richtig! im Zentrum.) Auch sonst ist der Entwurf sehr bedenklich. Es droht eine Verteuerung des Petroleums, die durch nichts berechtigt ist. Der wundeste Punkt der Vorlage liegt in der Entschädigung der Großbanken für ihre verfehlten Transaktionen, eine Entschädigung aus Kosten der Konsumenten, zu der gar lein Anlaß vorliegt. (Sehr richtig! im Zentrum.) Die Expropriation, die der Entwurf vornimmt, und die Ent- schädigungen sind ganz verfehlt geordnet, zum Teil geradezu widersinnig. Wir lehnen den Entwurf ab, stimmen aber der Kommissionsberatung zu. Reichsschatzsekretär Kühn: Keine Einzelheiten des Entwurfs könnten den Vorredner veranlassen, den Entwurf im gan- zen abzulehnen, denn die Einzelheiten werden ja erst in der Kommission erörtert werden.— Davon, daß einer hiesigen Bank eine bestimmtie Zusicherung gegeben worden sei, ist mir nichts bekannt. Zurückweisen muß ich die Behauptung, als ob wir die Veteranenbeihilfen irgendwie als Vorspann für das Gesetz benutzen wollten. Aber es war natürlich, daß wir den dringenden Wunsch des Reichstages im Interesse der Veteranen zu verwirklichen suchten, sobald sich eine Möglichkeit dazu bot.— Die Gewinnskala nannte Herr Wurm spaßhaft. Sie wäre abe< nur dann illusorisch, wenn Vertriebs- und Produktionsgcsellschaft identisch wären. Ich weiß nicht, wodurch man diese Annahme recht- fertigen will. Die Herren wissen ja noch gar nicht, wie sich die Ver- tricbsgesellschaft zusammensetzen wird. Auch läßt sich dieser Ge- fahr dadurch entgegenwirken, daß man die Beziehungen zwischen Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von vornherein und für die Dauer des Bestehens der Vertriebsgesellschaft vertragsmäßig fest- legt. Abg. Keinath(natk.): Wir behalten uns unsere Stellungnahme zur Vorlage vor, da das wichtigste Materiol uns erst in der Kommission vorgelegt werden soll. Besonderen Nachdruck werden wir jedenfalls auf die Wahrung der Interessen der Verbraucher legen. So wie der Gesetzentwurs jetzt vorliegt, besteht allerdings die Gefahr einer erheblich en Verteuerung des Pe» troleums. Ein reines Reichsmonopol wünschen wir nicht. Gerade bei diesem schwierigen Ge'chäft ist eine große Elastizität der Vertriebsgesellschaft notwendig. Das Reich sollte sich an dem Ge- winn nur dann beteiligen, wenn die Verbilligung des Petroleums gewährleistet ist. denn das ist der Hauptzweck des Gesetzes. Die Verwendung der Uebcrschüsse zugunsten der Veteranen ist uns an sich natürlich sympathisch. Wenn aber in diesem Zusammenhang nichts Ausreichendes für die Veteranen zu gewinnen ist. halten wir es nach wie vor für eine Pflicht des Reiches, auf anderem Wege für die bedürftigen Veteranen zu sorgen.(Bravo! bei den Ratio- nallibevalen.) Abg. Dr. v. Schulzc-Gracverniv hier um eine ganz unpolitische Frage. Petroleumhandels ein Privatmonopol pany besteht, ist nicht zu bestreiten. stände, das Petroleum gelegentlich einfach zu verschenken; so hat sie es in Kreuznach einmal zu 2 P f. p r o L i t e r verkauft. Auch die Frage, ob dies Monopol der Standard die Gefahr einer Preiserhöhung für Petroleum in sich birgt, möchte ich bejahen. Es fragt sich nur, ist es noch möglich, diese Gefahr durch den Staat zu bekämpfen? Da ein internationales Produzentenmonopol auf diesem Gebiete noch nicht besteht, halte ich dies für durchaus mög- lich. Es käme darauf an, Konsumenten und Produzenten unter Ausschaltung des Handelsmonopols der Standard direkt zu- sammenzubringeii, wir müßten z. B. mit eigenen Schiffen an die amerikanischen Outsider herankommen. Natürlich wäre eS ein Schildbürger st ück, wenn wir die Standard Oil Com- pany ausschalten und dann die Preise für die Konsumenten er- höhen wollten. ES müßte möglich sein, den Mindestpreis auf 18 Pf. herabzusetzen unter Verzicht auf die fiskalischen Vorteile des Reichs. Es genügt, wenn das Reich 70 Millionen Zolleinnahmen aus dem Petroleum hat.— Für die A n g e st e l l t e n wünschen wir eine angemessene Entschädigung, deren Grundlagen in der Kommission festzulegen sein werden. Tie Stairdard Oil Company hat von einem Entwurf der Deutschen Bank gegen den Wunsch der Regie- rung gesprochen. Eine solche Idee kann ich nur als ganz undeutsch bezeichnen. Höchst unsympathisch ist uns die Verquickung deS Entwurfs mit der Aeteranenbeihilfe. Darin ehe» wir doch ein gewisses Druckmittel. Die Veteranenbeihilfe >arf nicht auf schwankende Erträge gestützt werden. Eine gute Für- orge für die Veteranen ist ein Stück unserer Kriegs- bereitschaft. Wir verlangen Veteranenbeihilfe auf Grund einer Reichserbschafts st euer. Amputieren wir den fiskali- schen Pferdefuß der Vorlage, nehmen wir ihr das soziale Mäntel- che» der Veteranenfürsorge ab und warten wir ab. ob dann die nackte Gestalt der Regierung noch gefällt.(Bravo!) Abg. Tombek(Pole) erklärt, daß seine Freunde die Vorlage in dieser Gestalt ablehnen, aber der Kommission zustimmen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Auch wir wünschen nicht, daß die Frage der Vetcranenbeihilfe als Vorspann für das Gesetz benutzt wird. Maßnahmen gegen die Vertrustung wünschen auch wir. aber sie dürfen das Uebel dadurch nicht schlimmer machen als es ist. Herr Wurm hat wieder einen agrarischen Hintergrund des Gesetzes entdeckt. Vielleicht hören wir noch, daß die Deutsche Bank auf Veranlassung des Bundes der Landwirte die Vorlage ver- anlaßt habe.(Heiterkeit rechts.) Wenn der Spiritus durch technische Fortschritte verbilligt und si zur Konkurrenz gegen das Petroleum mehr benutzt werden könnte, so wäre das Volkswirtschaft- lich sehr wertvoll. Wir wären dann vom Ausland unabhängig. In der Vorlage ist nur das Interesse der Banken be- rücksichtigt worden.(Sehr richtig! rechts) Deutschland ist nicht in einer schwachen, sondern in einer sehr starken Lage, denn es ist der beste Kunde des amerikanischen Trusts und hat nur nötig, von.seiner Macht Gebrauch zu machen. Wir machen unsere Stellung zum Entwurf von seiner Gestaltung in der Kommis» sion abhängig. Abg. Thumann(Eis.) erklärt, daß auch seine Freunde das Er, gebuis der Kommissionsberatungen �abwarten würden. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 2 Uhr.(Vorher: Dritte Lesung der Vorlage über den Zu» sammenstoß von Schiffen, nachher: Wahlprüfungen» Jntev» pellationen.) Schluß iA Uzr._ (Vp.): Es handelt sich Daß auf dem Gebiete des der Standard Oil Com- Diese Gesellschaft ist un- Gewerkfcbaftlichea. 8trdkbrcchcrfcbutz als profitbebel. Tie Zentralverbandler aus der Großindustrie agiren alZ die hitzigsten Feinde des Koalitionsrechts. In Tausenden von Variationen gaukeln sie der Oeffentlichkeit vor, der Zu- stand der Dinge sei eine Gefahr für die Existenzfähigkeit der deutschen Industrie. Hört man die Herrschaften, so könnte die Meinung entstehen, den Rufern i»i Streite sitze das Messer des wirtschaftlichen Ruins an der Kehle. Spricht doch Dr. T i l l e, der theoretische Phraseur der Scharfmacher, von Erpressungen, die von den Arbeitern durch Gewerkschaften und Streiks begangen würden. Angeblich ist man mir den Lohnerhöhungen bis an die äußerste Grenze des Möglichen angelangt. Vielfach soll die Grenze sogar schon überschritten worden sein. Eine weitere Durchsetzung von Lohnforde- rungen untergrabe mit unfehlbarer Sicherheit die Kon- kurrenzfähigkeit der Industrie. Aus diesem Grunde müsse der Streikbrecherschutz als eine dringliche Aufgabe der Gesetz- gebung gelten. Sie müsse dem Terrorismus der GeWerk- schaften ein Ziel setzen, die deutsche Industrie vor dem Zu- sammenbruch zu bewahren. Dieses ewige Lamento reizt zu einer Betrachtung der tatsächlichen Verhältnisse. Wie sieht es in Wirklichkeit mit dem Zusammenbruch, mit den Wirkungen der angeblich ruinös hohen Löhne in der Montanindustrie aus? Die finanziellen Ergebnisse der Aktiengesellschaften mögen Antwort auf die Frage geben. Wir stellen nachfolgend die Ergebnisse von 40 Gesellschaften mit einem Aktienkapital in der Höhe von l 37l1 OVO 000 M. zusammen. Diese Werke brachten folgende Gewinnsummen heraus: ISOS/IO 1910/11 1911/12 Bruttogewinn in Millionen Mark 304,— 342,0 379.4 Abschreibungen...... 110,4 116,— 129,8 Reingewinn....... 129,8 159,9 183,8 Dividende......, 109,6 129.9 148,3 Dividende..... Prozent 9,70 9,95 10,85 Diese Zahlen zeigen unzweideutig die Notwendigkeit eines verschärften Streikbrecherjchutzes zum Zwecke der Ge- winnsteigerung. Da in dem Konzert der Scharfmacherei die rheinisch-westfälischen Großindustriellen am tollsten die Lärm- trommel bearbeiten, lohnt es wohl, deren gedrückte Lage be- sonders herauszustellen. Es kommen zunächst in Betracht 10 reine Kohlenwerke: Harpener, Hibernia, Eschweiler, Saar- und Moselbergwerk, Essener Steinkohlenbergwerk, Konsoli- dation, Arenberg, Mülheimer Bergwerk, Königsborn und Konkordia. Dieser Gesellschaften Reingewinn stieg von 27,54 Millionen Mark aus 29,68 Millionen Mark, und für das letzte Jahr auf 32,55 Millionen Mark. In den letzten drei Jahren hob sich weiter die Summe der Dividenden von 24,52 Millionen Mark auf 26,62 Millionen Mark und für 1911/12 auf 28,81 Millionen Mark. Die prozentuale Di- vidende zeigt folgende EntWickelung: 8,5— 8,9— 9,6 Proz. Noch glänzender ist das Gewinnresultat der gemischten Werke. Es kommen hier folgende in Betracht: Gelsenkirchen, Phönix, Rheinische Stahlwerke, Bochumer Verein, Gute-Hoffnungs- Hütte, Buderus, Hösch und Georgs-Marienhütte. Das Aktien- kapital dieser Gesellschaften stieg von 389 Millionen Mark im Jahre 1909/10 auf 410 Millionen Mark im nächsten und auf 425 Millionen Mark im letzten Jahre. In derselben Zeit wurden folgende Rohgewinne erzielt: 116 Millionen, 129 Millionen. 143 Millionen Mark. Die Summe der Ab- schreibungen stieg von 39 bis 4 6 M i l l i o n e n Mark, dabei hob sich der Reingewinn von 51 Millionen Mark zunächst auf 61,77 Millionen Mark und für das letzte Jahr auf 69,83 Millionen Mark. Die Reingewinne betrugen in diesen Jahren:- 41,65 Millionen, 48,32 Millionen und 54,76 Millio- nen Mark. Tie Dividenden ergaben 10,7, 11,8 und für das letzte Jahr 12,8 Proz. Das ist eine so glänzende finanzielle Entwickelnng, daß man den Mut bewundern muß, mit dem die Scharfmacher unter Hinweis aus die Notwendigkeit, den Profit zu steigern, Repressalien gegen das Koalitionsrecht fordern. Die Ergebnisse der Unternehmen demonstrieren geradezu für eine Erweiterung der Koalitionsfreiheit, damit die Arbeiter in den Stand gesetzt werden, im Interesse der Gesamtheit dem Großkapital bessere Arbeitsbedingungen ab- nötigen zu können. Für einen verschärften Streikbrecher- schütz als Profithebel liegt nicht der geringste Anlaß vor. Berlin und vlmgegrnd. Tie Wahlmacher der ArbeiterauSschußwahlen der N. E G. a» der Arbeit. Am Montag, den 9. Dezember, finden in den Werken der All- gemeinen Elektrizitätsgesellschaft die Wahlen für den Arbeiteraus- schuh statt. In den Borjahren boten diese Wahlen nichts Neues und vollzogen sich, ohne daß sie großes Aufsehen erregten. Doch in diesem Jahre ist es anders geworden. Bekanntlich hat vor einem Jahre die Direktion gelbe Fabrikvereine in« Leben gerufen und diese treten nun auch auf Befehl der Direktion als selbständige Gruppe mit einer eigenen Liste hervor. Von den Machern der Gelben ist nun schon seit langem alles getan worden, um den Verein recht groß erscheinen zu lassen. So wurde erst kürzlich im„Bund", dem Organ der Gelben, von einem Herrn Eckelt eine Rechnung ausgctan, wonach die Gelben gegenwärtig 7200 Mitglieder in den A. E. G.-Werken haben wollen. Ob diese Zahlen stimmen, das muh sich nun bei den Ausschuh- wählen ergeben. Diese Auffassung scheint auch den gelben Draht- ziehern in letzter stunde klar geworden zu sein, und ihre Anstren- gungen zeigen, dcch sie vor den Zahlen, die sich auf ihre Listen ver- einigen sollen, eine heillose Angst haben. Es wird daher von der Dircltion alles versucht. waS angetan sein könne, um das Zahlen- Verhältnis der Gelben einigermaßen günstig zu gestalten. Wie gewöhnlich, so sollen auch hier wieder die Bureau- und Schruersrauen die sogenannten Rausreiherdienst« besorgen. Von diesen kvirb alles Heil crlvarlek. Noch am SonnaVenbabenö Eeitnj Geldauszahlen ist diesen Frauen von einem Beauftragten der Direktion stark eingeschärft worden, daß sie alle am Montagmittag in der Zeit von 1 bis 3 Uhr zu erscheinen haben, um ihr Wahlrecht auszuüben und die Liste der Gelben zu wählen. Auch erhielten sie bereits Stimmzettel ausgehändigt. Wer nicht zur Wahl kommt. so setzte der von der Direktion Beauftragte, Herr Nardt, hinzu, brauche des Abends zu den Reinigungsarbeiten nicht erscheinen. sondern habe sich als entlassen zu betrachten. Die Direktion sagt aber immer: Terrorismus lassen wir nicht üben und der darf auch nicht angewandt werden! Die Mitglieder der freien Gewerkschaften beteiligen sich eben- falls an den diesjährigen Wahlen zum Arbeiterausschuh und haben eine gemcinschafltiche Liste in allen Werken aufgestellt. Die Stimmzettel gelangen Montag früh zur Ausgabe, und hat jeder aufgeklärte A. E. G.-Arbeiter seinen Stimmzettel von den Vertrauensleuten der freien Gewerkschaften zu entnehmen und nur einen solchen an den Urnen abzugeben. Wie überall die Arbeiter- schaft sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung wie ein Mann erhoben hat und machtvoll ihre Befreiung anstrebte, so muh auch die A. E. G.-Arbeiterschaft an diesem Tage zeigen, daß sie die Zeichen der Zeit versteht und sich nicht durch Zuckerbrot und Peitsche ihre Rechte aus der Hand nehmen läßt! Die Rabitzpubcr und Träger berieten am Freitag in einer gut- besuchten Versammlung über eine vom erweiterten Sektionsvor- stand ausgearbeitete Vorlage, die die Akkordarbeit tariflich regeln soll und deren vorgesehenen Preise als Mindestpreise zu gelten habe». Der Vorstand ist zu diesem Vorgehen dadurch veranlaßt worden, daß in den letzten Jahren die Akkordarbeit über die Maßen eingerissen ist, ohne daß geregelte Löhne vorhanden ge- Wesen wären. Dies führte auf die Dauer zu unhaltbaren Zu- ständen und die Lohn- und Arbeitsbedingungen dieser Arbeiter- gruppe waren die denkbar zerrisiensten und ungünstigsten. In der Versammlung äußerten einige Träger Befürchtungen insofern, daß sie bei dieser Regelung schlechter fahren könnten. Vom Vorsitzen- den und einigen anderen Rednern wurden die Bedenken zerstreut; es wurde ausdrücklich erklärt, daß es selbstverständlich das Be- streben der Organisation sei» werde, wie immer, so auch diesmal die Interessen der Träger ebenso wirksam zu vertreten, wie die der anderen Arbeiterkatcgorien. Es wurde auch vom Vorsitzenden be- tont, daß die Regelung der Akkordprcise nicht unter allen Umstän- den durchgeführt werden müsse, setze das Uniernehmertum einen zu hartnäckigen Widerstand entgegen, so verzichte man eben auf die Regelung und halte an der Lohnarbeit fest. Die Vorlage wurde zuletzt mit einigen Zusätzen angenommen. Achtung! Der Zigarrenfirma A. Hamacher, Köpenicker Straße 155/156, sind die grünen Einigungsplakate entzogen worden. Dieselbe hat die Einigung durÄbrocben. Arbeiter, Raucher I Angesichts der bevorstehenden Weihnachts- einkaufe in Zigarren beachte man, bah nur die grünen Plakate gültig sind, die mit Alwin Schulze unterschrieben sind. Kaust nur dort, wo das grüne Plakat vorbände» ist. Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Ein neuer Tarifvertrag ist zwischen dem Verband der Maschinisten und Heizer und der Firma Ullstein u. C o. zum Abschluß gelaugt. Der zum 31. Dezember d. I. ab- laufende Vertrag wurde von der Organisationsleitung des Zentral« Verbandes der Maschinisten und Heizer ordnungsgemäß gekündigt und der Firma ein neuer Vertrag unterbreitet. Der Gegeneulwurs der Firma zeigte fast keine Verbesserungen gegenüber den bestehen- den Verhältnissen, so daß sich die ersten Verhandlungen recht schwierig gestalteten und es den Anschein hatte. als wenn es zum offenen Konflikt kommen würde. Die Herren schienen jedoch den nächsten Tag sich eines Besseren besonnen zu haben und lenkten ein. so daß es nunmehr zum Abschluß eines Vertrage» kam. Die Arbeitszeit beträgt 8 Stunden. Die Löhne der Maschinisten und Heizer betragen 32 M. als Anfangslohn, steigend jährlich um 2 M. bis 40 M. Der AniangSlohn der Hilfsmaschinisten und Hilfs- Heizer ist 28 M., steigend jährlich um 2 M. bis 36 M., der Kohlen- iahrer bis 34 M. Als Zulageiermin wurde der 1. Januar sestgesetzt. Die Bezahlung der Ueberstunden wurde in der bisherigen Weise belasten mit dem Unterschiede, daß auch die ersten zwei Sonntagsstunden, die früher mit 15 Pfennig Zuschlag be- zahlt wurden, jetzt nut 75 Prozent Zuschlag gezahlt werden müssen. Der H 616 des B- G.-B. wurde in der Weite an- genommen, wie er im Buchdruckertarif vorgesehen ist AIS Arbeitsnachweis soll in der Regel der paritätische Arbeitsnachweis der Maschinisten und Heizer benutzt werde». Die Benutzung eines anderen Nachweises ist zu vermeiden. Die Tarifdauer betragt drei Jahre. Die Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer. Geschäftsstelle Groß-Berlin. OeittTcbea Reich. lieber den Lohnkampf im Baugewerbe meldet eine offiziöse Korrespondenz u. a., daß da» Zentralschiedö- gericht. dem die Herren Dr. P r e n n e r- München, Ober- regierungSrat M a y r- München, die MagistratSräte von Schulz und W ö l b l i n g in Beriin und Herr Rath in Esten angehören. bereits zu einer Aussprache zusammengetreten war. bei der die Möglichken eines Lohnlampfes und die Mittel zu seiner Vermeidung eingehend erörtert wurden. Bei dem letzten Lohnkdmpfe im Bau« gewerb« im Jahre 1910 handelt« es sich in erster Linie um eine Er- böhung der Arbeitslöhne. Er wurde bekanntlich durch eine Eni- scheidung des Schiedsgerichts beendet, nach der die bisherigen tarif- lichen Sätze allgemein um 5 Pf. erhöht wurden. Dabei erkannte das Schiedsgericht ohne weitere» an. daß in dieser schematischen Regelung für viele Orte eine empfindliche Härte lag, die jedoch nicht zu vermeiden war, weil irgendwelche Unterlagen zur Beurteilung der damaligen Verhältnisse im Bangeiverbe nicht vorhanden und auch nicht zu beschaffen waren. Das Schiedsgericht hat danach ans- drücklich erklärt, daß bei einem neuen Tarifvertrag die örtliche» Ber- bältinste eine eingehende Berücksichtigung finden müßten. Die kommenden Tarisverbandlungen werden mithin an dieser Stelle ein- setzen, um die Unzulänglichkeiten de« Ausgleichs vom Juli 1910 zu beseitigen. An zweiter Stelle wird bei den Verhandlungen die Herabs. tzung der Arbeitszeit stehen, die bei dem Schiedsspruch nur in ganz beschränktem Umhange zugestanden wurde. Aus der Frauenbewegung. Ein beschämendes Ergebnis Eines der traurigsten Kapitel der Sozialpolitik bildet der Mutter- und Säuglingsschuh. Die hohe Säuglingssterblichkeit, oie noch immer große Zahl der Frauen, die an den Folgen der Schwangerschaft und Geburt erkranken und sterben, zeigen, das; auch die allernotwcndigsten Forderungen auf diesem Gebiete nicht erfüllt sind, weder von der Arbeiterschutzgesetzgebung, noch von der Krankenversicherung, weder von den Gemeinden, noch vom Staate. Geradezu aufreizend aber wirken die Zahlen der Krankenkassen- statistik, die im„Reichsanzeiger"(Nr. 287) veröffentlicht werden. Danach betrugen die Einnahmen sämtlicher auf Grund des Kran- kelwersichcrungsgesetzes tätigen KrankcnLassen im Jahre 1911 412 290 611 M. gegenüber 319 592 187 M. im Jahre 1907. die Ausgaben 1911 392 524 744 M. gegen 299 094 756 M. 1907. Ter Aufgabenkreis der Krankenkassen hat sich demnach in den letzten 5 Jahren sehr erweitert, aber für Schwangere und Wöchnerinnen wird nicht im entserntesten ausreichend gesorgt. Geradezu lächer- lich klein ist die Summe, die für Schwangeren- und Wöchncrinnenp Unterstützung aufgetoeiioet wurde, nämlich 1911 nur 6799157 M. im Vergleich zu den 357 468 396 M. Krankenkosten überhaupt. Nur der 52. Teil der Gesamtausgaben für Krankheitskosten wurde» für den Mutter- und Säuglingsschutz verwendet. Der Vorwurf trifft allerdings die Krankenkassen nur bedingt, die Hauptschulo liegt an den Gesetzgebern. Bisher ist nur die Wöchnerinnen- Unterstützung obligatorisch, die Schwangeren-Unterstützung dagegen fakultativ. In den meisten Krankenkassen wird sie nicht gewährt. Nur dort, wo Sozialdemokraten Einfluß auf die Krankenkassen! haben, ist in sozialer Beziehung etwas geleistet worden, vorwiegend in den Ortskrankaffen. Die gröbliche Vernachlässigung der Kassen hinsichtlich ihrer Aufgaben gegenüber Schwangeren und Wöchne- rinnen zeigt sich auch noch in folgenden Angaben: Von 1997 bis 1911 stiegen die Ausgaben der Kasse» an Krankheitskosten pro Mitglied von 22,56 M. auf 26.25 M.. also um 3.69 M. Die Aus- gaben für Schwangere und Wöchnerinnen erhöhten sich in dieser Zeit um ganze 5 Pf., nämlich von 0,45 M. auf 0,50 M. pro Mit- glied. So wird heutzutage für Arbeiterfrauen und ihre Kinder gesorgt! Dabei darf man nicht vergessen, daß in diesen Zahle» oie Unterstützung für die Zeit des Wochenbettes einbegriffen ist. Bei de» einzelne» Kassei» ergeben sich noch recht große Ver- schiedenheiten betreffs ber Schwangeren- und Wöchnerinnenunter- stützung. Von dieser kam 1911 auf je 1 Mitglied bei den Orts- krankenkassen 0,66 M., bei den Belricbskrankcnkassen 0,53 M., bei den Baukrankcnkassen 0,06 M., bei den Jnilungskassen 0,15 M., bei den eingeschriebenen Hilfskassen 0,03 M., bei den landesrecht- lichen Hilfskassen 0,02 M. und bei den Gemeindekrankenkassen gar nur 0,00 M. Und während diese Summen, mögen sie noch so klein sein, immerhin gegen die früheren Jahre einen Fortschritt bedeuteu, so erweisen sich die 0,00 M. bei den Gemeindekranken- lassen als ein Rückgang, denn in den Jahren 1909 und 1910 kam hier die Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung pro Mitglied auf die horrende Summe von 0,01 M. Angesichts dieser Zahlen, die jedem, auch nur einigermaßen genügenden Mutter- und Säuglingsschutz Hohn sprechen, liegt eS nahe, darauf zu verweisen, daß eine wirklich ausreichende Schwan- geren- und Wöchnerinnenunterstützung ein gutes Gegengewicht gegenüber dem Geburtenrückgang sein würde, über den jetzt in Regierungskreisen so viel geklagt wird. Hier bietet sich ein Finger- zeig, wie man durch gute Schwangeren- und Wöchnerinnenfür» sorge die Geburtenzahl kräftiger Kinder erhöhen und die Säug» lingssterblichkeit vermindern kann. Welchen praktischen Wert hat es denn, wen» in dem Buch„Der Geburtenrückgang in Deutsch- land" der Verfasser, Regierungs- und Medizinalrat Bornträger, zur Bekämpfung des Geburtenrückgangs u. a. folgende Maßnahmen angibt: Verfolgung und Verhinderung des Erscheinens von Schriften oder des AbHaltens von Vorträgen, die die Kindervcr» hütung zum Thema haben, Bekämpfung gemeinschädlicher Vereine, wie des Vereins gegen die Uebervölkerung Deutschlands. Maß- nahmen gegen die Landflucht, woAU der Verfasser auch die Be- Wahrung der Bauern vor der Sozialdemokratie,„dieser geistigen Verseuchung", rechnet, Eindämmung der Frauenemanzipation, Be- aufsichtigung der Lesehallen und Volksbibliotheken, insbesondere auch der sozialdemokratischen, auf den Inhalt des gebotenen Lese- stoffs. Diese Proben aus der überaus großen Zahl von Mitteln, die der Herr Rcgierungsrat gegen den Geburtenrückgang treffe« will, sagen genug. Anstatt vo» den regierenden Körperschaften wirklich fördernde und helfende Gesetze zum Schutze für Mutter und Kino zu verlangen, verweist er den Mutter- und Säuglingsschutz fast ganz auf das Gebiet der privaten Vereinsfürsorge und hält nur staatlichen Beistand unh ein Hand-in-Hand°gehen mit den Ver- einen für Säuglingspflege für wichtig. Ganz zurückhaltend folgt dann die Frage: Ob nicht auch die Landesversicherungsanstalten, Krankenkassen, Volksbanken hier zur Mithilfe zu gewinnen wären? Warum denn hier auf einmal so bescheiden? Ganz gewiß können die Krankenkassen als gutes Bollwerk gegen den Geburtenrückgang wirken, wenn sie nur in unserem Sinne ausgestaltet würden, d, h. wenn sie gewähren würden: Eine Schwangeren- und eine Wöchnerinnenunterstützung von je 8 Wochen für alle Versicherten. d. h. für alle lohnarbeitenden Mädchen und Frauen, sowie alle weiblichen Personen, deren Familien-Einkommen 5000 M. nicht übersteigt, ferner freie Gewährung der Hebamme sowie nötigen ärztlichen Dienste und Einführung eines Stillgeldes für die Dauer von 26 Wochen für alle versicherten Mütter, die ihr Kind stillen. Erst wenn diese Forderungen erfüllt würden, dann könnte man von einer Fürsorge der Krankenkassen gegenüber Schwangeren und Wöchnerinnen sprechen, die bis jetzt noch mit ein paar Pfen- nigen abgespeist werden� Leseabende. Rcittlkciidorf-West. Montag, den 9. Dezember, S'/z Uhr, bei Hakman, Scharnweberstr. 54. Referent: Genosse Schütte. Marktbericht vo» Berlin am«. 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In den Statuten fft ausdrücklich festgelegt, dah der Berein treu zu König und Vaterland steht, und es ist in seinen Statuten mehrfach von den vaterländischen Gedenktagen die Rede. Also nicht einmal in Ihrem Sinn ist dieser Verein gefährlich. Was wir hier gehört haben, zeigt mit vollendeter Klarheit, dah der Berein nichts getan hat, was ihn in den Verdacht bringen könnte, auch nur in Ihrem Sinne st aatsges ährlich zu sein.(Sehr richtig! links.) Wenn Sie aber meinen,«datz die Beamten nur Pflichten haben, datz sie überhaupt nichts mehr sagen dürfen, dann ist das ein sehr gefährlicher Weg.(Sehr richtig! links.) Wenn jemand das nicht mehr sagen darf, was er auf dem Herzen hat, dann denkt er sich seinen Teil.(Sehr richtig! links.) Wir haben davon nicht den Nachteil. Man kommt beinahe zu der Auffassung, datz die aus- führenden Organe der Behörden in diesem Falle geheime An- Hänger der sonst als staa t Sge fährt i ch bezeich- neten Sozialdemokratie sein müssen, denn geschickter tonnten sie für uns nicht arbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Der Minister hat nachzuweisen versucht, daß der Polizeipräsident das Neichsvereinsgesetz nicht verletzt hat. Legst du's nicht aus, so legst du's unterl Wir wissen ja, wie bei uns die Gesetze ausgelegt werden. Das Vorgehen des Polizei- Präsidenten gegen den Verein ist. um so unbegreiflicher, weil nie- malö irgendeine Verwarnung stattgefunden hat. Man hat den Verein in einer Weise stranguliert, wie eS kaum jemals da war. HSehr wahr! links.) Nun hat gester» Herr K r e th den Polizeipräsidenten in Schutz genommen. Er hat ihn einen Mann mit eisernen Nerven genannt. Ich gehe noch weiter. Der Polizeipräsident muh sogar eine eiserne Stirn haben, denn zu dem Vorgehen gegen den Verein Berliner Feuer- wehrmänner reichen eiserne Nerven nicht aus. In die bis dahin ruhige Debatte hat Herr Kreth als Spiritus rector (Stürmische Heiterkeit im ganzen Hause) seinen..Geist" hinein- getragen. Vor allem gefällt ihm die Berliner Stadtver- o rd n e te nv e rsa m ml un g nicht.(Heiterkeit links.) Auch ich habe manches an der Stadtverordnetenversammlung auszusetzen. Aber wenn sie Herrn Kreth nicht gefällt, dann muh ich sie mir doch noch einmal genauer ansehen, dann kann sie s o g a n z s ch l e ch t nicht sein.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Am übrigen kann es die Berliner Stadtverordnetenversammlung wahrhaftig ver- tragen, wenn Herr Kreth sie nicht kritisiert, sondern krethi- siert.(Stürmische Heiterkeit.) Inder Bertiner Stadtverord- netenversammlung sitzen 144 Männer der verschiedensten politischen und religiösen Anschauung. Man mag über die Zusammensetzung «der Berliner Stadtverordnetenversammlung denken wie man will, das wird jeder zugeben: es sitzen Ehrenmänner in ihr, die man nicht mit einigen antrsemitischen Mätzchen äbtun kann. (Bravo! links.) Was soll eS denn sonst sein, wenn Herr Kreth ortgesetzt mit besonderer Betonung die Namen AronS. Rosen- elo, Sonnen feld und Hamburger nennt. Diese Absicht ennen wir, und sie verstimmt nicht einmal.(Sehr richtig! links.) Diese Dinge haben wir schon 1883 in Berlin gcljört, als die Antisemiten versuchten Fuß zu fassen. Es ist ihnen ja nicht gelungen. Mit einer solchen Kampfesweise kann Herr Kreth Männern von Ruf nicht nahetreten. Außerdem fühlen sich unter diesen Männern Leute sehr wohl, denen es aber in der Regierung nicht ge- satten hat, und ein solcher Mann steht jetzt sogar an der Spitze der Reichshauptstadt und arbeitet mit der Stadtverordnetenversammlung gemeinsam zum Wohle Berlins.(Sehr gut! links.) Die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung arbeiten ohne jede Bezahlung, ohne jeden Vorteil und leisten dafür eine ungeheure Arbeit. So etwas kann sich freilich Herr Kreth nicht vorstellen. Uns Sozialdemokraten trennt von der Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenversamm- lung. eine ganze Weltanschauung. Trotzdem protestieren wir gegen die Art eines Herrn Kreth, wie wir sie gestern hier gesehen haben.(Beifall links.) Er möge uns erst einmal unter seines- gleichen einen derartigen Gemein sinn und eine solche Selbstlosigkeit zeigen, wie sie i» der Berliner Stadtverordnetenversammlung vorhanden ist.(Beifall links.) Herr Kreth hat der Stadtverordnetenversammlung auch vorgeworfen, daß es ihr häufig gefalle, Parlament zu spielen. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung ist ein Parlament. hinter dem sich viele Parlamente der deutschen Bundesstaaten ver- stecken können. Ich meine das nicht nur der Größe, sondern auch dem gei si igen Gehalte der Verhandlungen nach. Berlin hat über 2 Millionen Einwohner. Sein Etat beläuft sich auf fast 130 Millionen Mark. Dahinter bleiben die meisten deutschen Bundesstaaten bei weitem zurück. Und fast 30000 Personen arbeiten in ehrenamtlicher Stellungen unentgeltlich für das Wohl der Berliner Bürger.(Hört! hörtl links.) Herr Kreth hat die Regierung aufgefordert, die ihm unangenehme Stadtverordnetenversammlung auszulösen. Die Negierung mag ruhig diesen Rat befolgen.(Sehr richtig! bei de» Sozial- demokraten.) Das letztemal wurde die Berliner Stadtverordneten- Versammlung im Jahre 1883 aufgelöst und die Folge war die Wahl der ersten b Sozialdemokraten. Heute sitzen 42 Sozialdemo- krcilen in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Also wir haben wirklich nichts gegen eine Auflösung. Die Berliner Bevölkerung wird Herrn Kreth und der Regierung dann schon die Antwort geben, die sie verdienen.(Lebhafte Zu- stimmung be' �-n Sozialdeni-'k-aten.) Was die«uif der Berliner zur Kritik anlangt, so werden wir nach.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Den Namen gibt der König, aber die Bürger geben das Geld.(Sehr gut! links.) Außer- dem sind die Berliner Feuerwehrleute unsere Mitbürger, deren- Rechte zu stützen wir verpflichtet sind.(Bravol links.) Wir werden i jederzeit für sie eintreten, wenn sie gegen Gesetz und Recht ange- � griffen werden.(Beifall lmks.) Herr Kreth hat sich darüber lustig gemacht, daß wir Sozialdemokraten in diesem Fall das Banner der Königstreue schwingen. Wir schwingen nicht das Banner der Königsireue. sondern wir schwingen das Banner der Menschenrechte gegen Gewaltherrschaft. Anmaßung und Ueberhebung. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Kreth hat Mern prophezeit, daß ich in meiner Rede meine juristischen Kenntnisse würde leuchten lassen. Er hat sich als schlechter Spiritist erwiesen.(Heiterkeit links.) Ich habe es gar nicht nötig, mit juristischen Argumenten zu kommen, denn ein Mann, der Ahnen viel näher steht, hat das gestern ganz ausgezeichnet getan.(Sehr richtig! links.) Herr I u st ist kein xbeliebiger Mann.(Heiterkeit.) Er ist Ministerialdirektor a. D. und dem Minister wird sicher gestern während dieser Rede nicht ganz wohl gewesen sein. Man braucht aber bei dieser Frage überhaupt keine juristischen Argumente, sondern es genügt der gesunde Menschenvcr- stand. Aber darüber will ich mit Herrn Kreth nicht reden. Und nun Schluß mit ihm. Mehr über Herrn Kreth zu sagen, hieße ihm eine Bedeutung beilegen, die er glücklicherweise bei der Berliner Bc- völkcrung wenigstens nicht besitzt und nie besitzen wird.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nur daran mag er denken, daß die Einwohner Berlins die Hauptabnehmer des für gewerbliche Zwecke bestimmten Spiritus sind und wenn Berlin sich nicht so ge- waltig entwickelt hätte, wäre die Spirituszentrale und ihr Direktor Kreth nicht hergekommen.(Sehr gut! links.) Wenn ein Stand die Hochachtung aller Menschen verdient, so die F e u e r w e h r l e u t e, die viel höher zu achten sind, als die wegen Menschenvernichtung mit Orden Deko- rierten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie setzen Leben und Gesundheit ein, um das Leben der Mitmenschen und deren Hab und Gut zu retten. Von diesen Leuten sollte jede Krän- kung ferngehalten werden, denn kein Stand hat mehr Berufs- freudiakeit nötig, als der Feuerwehrstand.(Sehr richtig! links.) Die Berufsfreudigkeit aber können Sie mit einem solchen Vor- gehen nicht erhöhen. Herr Kreth spricht von Disziplin und er meint den Kadavergehorsam. Er will, daß die Meinungen der Beamten unterdrückt werden. Denken Sie einmal daran, wie groß die Zahl der Beamten des preußischen Staates ist und dann machen Sie sich einmal klar, wie gefährlich es sein kann, wenn Sie sich über die Gesinnung der Beamten fortgesetzt täuschen. Gewiß ist Disziplin notwendig, aber auch Menschen- und Nächsten liebe gerade bei einem so gesährlichei, Beruf. welcher Art hat man nun diesem patriotischen, königstreuen Verein mitgespielt? Ich berufe mich auf den früheren Ministeriab direktor I u st. Die Leute müßten Fischblut haben, wenn sie eine solche Behandlung nicht rebellisch machen soll. Sie wurden gequält und mälträtiert, und da wundern Sie sich, wenn diesen Leuten einmal scharfe Worte über die Zunge kommen, obwohl sie wissen, welche Folgen das hat? Zuerst genehmigte man die Auf- nähme der Chargierten in den Verein und sogar, daß ein Drittel nicht nur des Vereinsvorstands, sondern jedes AbteilnngS- Vorstands aus Chargierten bestehen müsse. Jetzt aber soll die Zu- sammengehörigkeit von Untergebenen und Vorgesetzten in einem Verein dem Wesen des Beamtentums wider st reiten. Ja. dann müßte der Minister alle Beamtenvereine auflösen, und namentlich auch die Kriegervereine(Sehr gut! links), in denen ja auch Vorgesetzte und Untergebene beisammen sitzen. Es ist sehr nötig, Herr Minister, daß Sie da mal dazwischen fahren! (Sehr gut! links.) Und ist es mit dem Wesen des Beamtums, ver- einbar, daß Vorgesetzte und Untergebene in eine Kirche gehen, wo man ja nur vor Gott und nicht auch vor den Vorgesetzten stramm steht. Könnte das nicht auch zu Unzuträglichkeiten führen. (Sehr gut! links.) Man hat schließlich dem Feuerwehrverein auch den Wunsch ausgesprochen, daß drei Vereine, für Changierte, Feuerwehr- männer und Pensionierte, gegründet werden möchten, und ein Feld- webel war töricht genug, in einer Versammlung auszusprechen, daß er vom Branddirektor Reichel bereits zum Vorsitzen- den deö Chargiertenvereins bestimmt sei. Als die Feuerwehr darauf nicht einging, begann die Drangsalierung. Nun sagt der Minister, daß kein Druck vom Branddirektor ausgegangen sei, so etwas komme nicht vor, so etwas existiere gar nicht, die Leute seien freiwillig ausgetreten. Jawohl, aber f r e i w i l i g in Gänsefüßchen, denn sie wußten, was geschehen würde und waren schlau genug, vorher auszutreten. Gegen die andern aber setzte der Terrorismus in einer so schlimmen Weise ein, dah sogar Sie(nach rechts) noch davon lernen könnten, und daö will doch viel sagen.(Sehr gut! links.) Der Redner verliest nun auS der authentischen Verteidigungsschrift der Feuerwehr, daß den Mannschaften von den Wach- Vorstehern Listen vorgelget wurden, auf denen die Chargierten ihren Austritt einzutragen hatten. Chargrerte, die das nicht unter- schrieben, wurden zum Wachvorsteher gerufen, der ihnen erklärte, die Abteilung wünsche, daß sie dem Verein fernbleiben.„Ganz freiwillig", Herr Minister! Nach der Zirkulation der Listen wurde wiederholt gefragt, wer noch im Verein sei, es wurden auch Protokolle darüber aufgenommen und Oberseuerwehrmännern, die dem Verein noch angehörten, zu verstehen gegeben, daß sie wirtschaftliche Nachteile zu besorgen hätten—„ganz freiwillig," Herr Minister,„irgendwelcher Druck ist ja nicht aus- geübt worden," wohl aber der schlimmste, unerhörte st e Terrorismus!(Lebhafte Zustimmung links.) Der Verein hat an Unterstützungen für die nur aus Kollegialität und auf ihre Bitten aufgenommenen Pensionäre sehr große Opfer gebracht und damit eigentlich dem Staat die Sorge für diese Leute abgenommen. Dafür bekommt er solchen Undank, und das soll die Leute nicht empören! Herr Kreth hat ja sogar in seiner sonderbaren Art moniert, daß nicht mehr ein Drittel Chargierte im Vorstände waren, nachdem man die Chargierten zum Austritt gezwungen hat.(Widerspruch des Abg. Kreth.) Ach. lesen Sie das doch im stenographischen Bericht selbst nach. Wie sollen wir denn kurz sein, wenn wir alles so breit darstellen sollen, bis Sie es begreisen?(Große Heiterkeit.) Warum wollte man nur Aktive im Verein haben? Weil man die Aktiven besser an der Kandare, an der Strippe hat! Pensio- nierte dürfen schließlich ein Wort sagen. So machte man denn durch daö Verbot der Mitgliedschaft von Pensionären im Vorstand die 331 Pensionäre des Vereins rechtlos. Und auf eine be- scheiden gehaltene Zuschrift deswegen erhielt der Verein überhaupt keine Antwort. Statt dessen aber setzte neuer TerroriSmus ein. Am 28. August nach dem Frühappell sollten sämtliche Mann- schaffen sich auf Listen für oder gegen den Vorstand erklären. Vor der Vorlegung der Listen wurden unter„Stillgestanden!" die Strafbestimmungen über Erstattung falscher Meldungen und falscher Aussagen bei Vernehmungen verlesen. Aus mehreren Wachen wurde„Rührt Euch!" erst kam- mandiert, als ein Mann ohnmächtig geworden war. Ist das nicht ein Terrorismus, der das Blut in Siedehitze bringt?(Leb- hafte Zustimmung links.) Ein Wachvorsteher sagte den Leuten: ..Eine Litte müssen Sie unterschreiben", ein anderer sagte zu denen, die nicht unterschreiben wollten:„Ich gebe Ihnen den Befehl zu unterschreiben; tun Sie es nicht, so bringe ich Sie zur Meldung wegen Verweigerung der Ausfüh- rungeinesBefehls!"(Hört! hört! links.) Wenn Sie solche Mittel anwenden, dann haben wir allerdings alle Aussicht, daß unter diesen Leuten kaum mehr welche sein werden, die nicht im Stillen schon mit der Sozialdemokratie sympathisieren. In einer Wache wurde denen, die nicht unterschrieben, kommandiert: „R e ch t S um! M a»s ch in den Stall!" und sie mußten zehn Minuten lang im Stall bleiben.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.� 70 Feuerwehrmänner unterschrieben die Erklärung gegen den Vorsitzenden, etwa 700 aber nicht oder gaben gar keine Erklärung ab. Da wurden am 17. September 1912 die Mannschaften der IV. einziger vortrat— und jetzt, Herr Minister, bitte ich, allmählich Obacht zu geben, ob das nicht ein Druck des Branddirektors ist! da bezeichnete er die Mitteilungen der Presse als unwahr und sagte: die Mannschaften hätten wohl die Folgen nicht voraus- gesehen, die aus ihrer Haltung zu den Listen entstehen konntein er werde ihnen deshalb andere Listen vorlegen. Cr könne sie ja zum unterschreiben nicht zwingen, wolle es auch nicht(also war sich der Branddirektor der Ungesetzlichkeit seines Vorgehens be- wüßt!), aber es sei eine schwere und ernste Stunde, die Mann- schasten sollten sich deshalb die Sache reiflich überlegen, es könnte für sie Unannehmlichkeiten entstehen. Maßregeln seien noch nicht getroffen, er wisse auch noch nicht, welche getroffen würden.... Nachdem er dann noch hinzugefügt hatte, so lange er an der Spitze des Korps stehe, würde er nicht zulassen, daß Pensionäre im Vorstand sitzen, auch nicht, daß der Vereine dem Dortmunder Verband deutscher Berufsfeuerwehrmänner beitrete, verlas er die Erklärung, in der die Feuerwehrmänner ihre erste Unterschrift als ungültig widerrufen. sich g e g e n die Aus- führungen des Vorstandes in der Presse erklären und es als un- wahr bezeichnen, daß in den Kreisen der Feuerwehrmänner lln- Zufriedenheit bestehe. Diese Manier, Unzufriedenheit abzusckaffcn, hat er vielleicht vom Landwirtschaftsmini st er gelernt, der kommandiert hat, daß kein Notstand existiere!(Heiterkeit links.) Der Branddirektor setzte hinzu, mit denen, die nicht unter- schreiben, würde extra verhandelt werden, Deutlicher konnte man nicht werden. So tritt man das Gesetz mit Füßen und da wagt der Minister zu sagen, daß kein Druck von dem Branddirektor ausgeübt worden sei. Da müßte man unter Druck schon einen Druck mit dem Amboß versteheni. Der Schluß war, daß am 7. Oktober morgens auf sämtlichen Wachen ein Befehl des Polizeipräsidenten verlesen wurde, durch den er die Zugehörigkeit zum Verein verbot und bei Weigerung die Kündigung in Aussicht stellte. Die Mit- glicder hatten ihren Austritt bis zum 9. Oktober abends 0 Uhr schriftlich bei sonstiger Kündigung zu meloen. Sämtliche Mit- glieder des Vereins, mit Ausnahme der Kranken und Beurlaubten. erklärten nun schriftlich ihren Austritt, setzten aber hinzu:„Auf Befehl des Polizeipräsidenten!" Das war das einzige, was sie in diesem Falle tun konnten. Gesetzlich war gegen den Verein nicht vorzugehen, da hat man es so gemacht. Und am 11. November mußten die Feuerwehrlente sogar noch den Vermerk, daß sie auf Befehl des Polizeipräsidenten ausgetreten sind, zurücknehmen und ihren freiwilligen Austritt erklären!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wer das nicht unterschreibt, so wurde gesagt, der erhält keine Unter- stützung. Und das alles im Auftrage des Branddirektors, der keinen Druck ausübt! Man hat also die königlichen Beamten zur bewußten Unwahrheit, zur Lüge gezwungen!(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Man sagt« ihnen auch, sie könnten ja die Er- klärung im geschlossenen Brief abgeben, so daß niemand etwas davon erfahre. Also wollte die vorgesetzte Behörde die Beamten auch zur Heuchelei erziehen. Wenn sie nur ein Gefühl der Wahrheit und Recht haben, müßten sie dagegen auf das schärfste protestieren. Und wolche kleinlichen Mittel wurden ausgeübt, als die Feuerwehr an dem Begräbnis des Oberbürgermeisters K i r s ch n e r, des Repräsentanten ihres Arbeitgebers, der Stadt Berlin, teilnehmen wollte, wurde ihr daS, angeblich wegen der Tonart des telephonischen Ersuchens, verweigert. Als ob nicht jedem rechtschaffenen Manne die Galle überlaufen müßte, wenn er gleich Schulbuben behandelt wird! Das muß selbst den Loyalsten und Königstreilsten verbittern. Ist doch so- gar am Mittwoch bei Ihnen die Loyalität und Königstreue in die Brüche gegangen, wo es sich nicht um Ihre Rechte und Existenz, sondern nur um einen Garten handelte. Da konnten Sie die Loyalität zur Regierung soweit vergessen, daß Sie sie aufforderten, hier zu erscheineid. Ich bin nur neugierig, wenn der Reichskanzler nicht kommt, ob dann auch Herr K o l b mit seinen Schutzleuten zur Verfügung steht, um ihn herzubringen. (Stürmische Heiterkeit.) Von den Leuten, die jede Minute bc- reit sein müssen, ihr Leben und ihre Gesundheit für andere zu opfern, verlangen Sie, daß sie kein Gefühl im Leibe haben solle». Aber solche Leute wären als Feuerwehrleute nicht zu gebrauehe», da gehört Gefühl, Pflichtbewußtsein, Menfchen- und Nächstenliebe dazu!(Lebhaste Zustimmung links.) Man hat verboten, daß die Musik alle paar Wochen einmal auf den Feuerwachen spielt, um die Leute etwa? zu erheitern. Man hat der Feuerwehrkapcllo die Trauer musik bei Begräbnissen entzogen. Herr Minister. Sie dulden ja keine Schikane, ist das etwas anderes und nicht noch dazu eine so kleinliche Schikane, daß sich eine vorgesetzte Behörde schämen soll, sie anzuwenden? Präsident Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz bittet, solche Aeußc- rungen zu vermeiden. Abg. Hoffmann(Soz.) fortfahrend: Diese Rache ist nicht nur kleinlich und unklug, sondern auch dumm vom Standpunkt der Aufrechterhaltung der KönigStreuc und Loyalität. Man macht dem Dortmunder Verband die Ver- tretung wirtschaftlicher Interessen zum Vorwurf. Wenn man sich ausgesprochen hat, gewinnt man seine Ruhe wieder, aber fort- gesetzte Quälereien erzeugen einen Groll, der sich immer tiefer hineinfrißt, und da kann man eines Tages ganz andere Dinge erleben, als Sie eS glauben. Man spricht vom Widerstreit gegen das Wesen des Beamtentum?. Ja. versteht man unter dem Wesen des Beamtentums nur das Sichducken und Schweif» wedeln? Dürfen die Beamten nicht ihre Interessen ver- treten? Die Zuhllfenahme eines Rechtsanwalts wirft der Minister dem Berein vor. Aber an einen Rechtsanwalt darf sich doch jeder wenden! Nicht der Verein hat die Presse in Anspruch genommen, sondern der Vorsitzende hat auf Ersuchen der Presse Fragen beantwortet. Nun und wenn wirklich, wie der Minister tadelt, durch den Druck der öffentlichen Meinung nach dem Versagen aller anderen Mittel ein Erfolg zu erzielen versucht worden iväre— Herr Minister!— auf dieser Bank haben schon vor Jbnien Leute gesessen, die den Weg in der Oefsentliclz- keit gefunden haben, um sich zu schützen gegen Maß- nahmen der Regierung und gegen die Zustände in Re- gierungskreisen.(Zustimmung und Bewegung links.) In einem Vortrag im Feucrwehrverein sagte ein Redner, daß die gegen den Verein ergriffenen Maßregeln wegen ihrer Unmoral kein preußischer Minister mit seinem Namen decken könne und dürfe. Der Rechtsanwalt bestritt dies. Hoffentlich ist er ein besserer Rechtsanwalt als iM i n i st e r k e n.n er, denn was d e ck et n nicht alles preußische Minister mit ihrem Namen! Der Redner ist aber sicher ein Jllu- sionist gewesen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Von diesem Minister haben wir bei seiner Antwort keinen anderen Geist erwartet, aber der Inhalt war so dürftig, ja geradezu jämmerlich, daß eS aussah, als ob der Minister hier etwas verteidigte, wo er sich im Stillen selbst sagte, das hätte der Polizeipräsident nicht tun sollen, wenn die Dohlen jetzt nickt den Minister umschreien sollen. Uebrigens redet Herr Kreth von Dohlen, von stubenrein— es scheint fast, als ob er besser unter den Tieren als im Volke Bescheid weiß! Es war ja noch gar nicht beschlossen, dem Dortmunder Ver- band beizutreten, und für MeinniigSäußerungen einzelner Mit- glieder darf man doch nicht den Verein verantwortlich machen. wobei natürlich selbst der Beitritt zum Dortmunder Verband '*--------' Sie und V. Kompagnie, die sich nicht gegen noch gar nicht die Auflösung deö Vereins gerecdlfertigt hätte. den Vereinsvorsitzenden ausgesprochen hatten, nach der Haupt, selbst wollen ja nicht, daß für die Wahlgcschäfte einzelner Kon wache kommandiert uitd der Branddirelior forderte diejenigen, servativer Ihre ganze Partei vcrantioortlich gemacht werde! Tie die gegen den Vorsitzenden wäre», auf. vorzutreten, Als k e j n I Feijevwehrleute aber werden immer mehr einsehen, daß nur die Sozialdemokratie ihre menschenwürdige B c° l) a u M u n g fordert. Kurz vor der Reichstagöwahl, bei der man die Etliuinen nicht kontrollieren kann, da sind Sie immer bcamten� freundlich, aber hier zeigt es sich wieder, daß Sic für das Bc- amienrecht nicht zu haben sind. Da sind die Nationalliberalen �ch noch schlauer, sie vertreten doch einmal die MensSenwiirde da: Beamten, weil sie sich sagen, daß sie vielleicht doch noch Aus- ficht hatten, einige ganz Dumme bei ihrer Fahne zu bc- halten.' Nur wenn lvir die Menschenwürde der Feuerwehrleute nicht cichirfcii, sondern großziehen, werden sie imstande sein, der Mensch- hat die Dienste zu leisten, die von ihnen, wie von keinem anderen Stande, verlangt werden. Statt dessen stellen Sie solchen Stand unter eine Polizeiaufsicht, wie selbst die schlimmsten Verbrecher nicht. So leid eZ uns tut. "aß erwachsene Männer trotz aller Königstreue. Ergebenheit und Patriotismus so behandelt werden, und so sebr wir aus Gerechtig- .eitsgefirhl gegen eine solch schmachvolle Behandlung der jeden Augenblick ihr Leben«insetzenden braven Männer aus das fchärfitc protestieren, so sehr dankbar sind wir auch Ihnen, Herr Mi- nlslcc v. Dallwitz, und Ihrem Polizeipräsidenten für n>re Tätigkeit, auch a US dem letzten S u r r a p a t r i o t e n noch einen Sozialdemokraten zch machen. Was uns kaum oder schwer gelingt, das wird Ihnen, Herr Minister n. Dallwitz, gelingen. Sie haben das Zeug dazu! lvjustlmmung bei den Sozialdemokraten.) Möge ein gütiges(Äe- schick uns auch weiter Ihre freiwillige Mitarbeit noch recht lange erhalten, damit das Sprichwort wahr wird:„Wen die Götter ver- nichlcn wollen, den schlagen sie mit Blindheit!" fLebhaftes Bravo! bei de» Sozialdemokraten.— Andauernde Unruhe und Lachen rechts.) Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Die Feuerwehr hat einen zu guten Geist, als daß sie sich durch die ebengehörte Rede aus Abwege drängen ließe, die mit dem Dienst und dem Dienst- c i d nicht vereinbar wären. Sollten freilich die Hoffmannschen Angaben durchweg richtig sein, dann müßte der Minister einzelne Borgänge ernstlich miß- billigen. Der Redner widerspricht dann den Ausführungen des Abg. Just: die militärische Disziplin muß mit starker .vi a» b_ aufrecht erhalten werden, von Druck und Gegendruck kann man hierbei nicht sprechen und ein Vereinsrecht beginnt für den Beamten erst da, wo der Dienst völlig aufhört. Wir sind mit dem notwendig gewesenen Vorgehen des Polizeipräsidenten ein ver- st an den.(Beifall rechts.) Minister des Innern v. Dallwitz polemisiert ebenfalls gegen den Abgeordneten Just und wirft dem Feuerwehrverein sowie dem Organ des Dortmunder Verbandes vor. das notwendige Ver- trauensverhältnis zwischen Mannicbaften und Offizieren der Feuer- wehr zu zerstören. Gibt der Verband nun derartige Tendenzen auf, dann würde eventuell der Anschluß gestattet werden können. BiS dahin ist das Vorgehen des Polizeipräsi- deuten vollkommen berechtigt. Branddirektor Reichel wurde beschimpft und dabei hat er die größte Fürsorge für seine Untergebenen gehabt. Vorgesetzte und Ilntcrgebenc können doch nicht im gleichen Verein sein, wenn die Vorgesetzten beschimpft werden, sonst halte ich die Vereins- gemeinschaft sogar für wünschenswert. Der Minister wendet sich dann noch gegen die Preßkampagne, erklärt sich nochmals gegen Schikanen, betont die Notwendigkeit militärischer Disziplin bei der Feuerwehr und äußert zum Schluß das Zutrauen, daß die Berliner Feuerwehr jetzt von der Agitation ablassen werde.(Lebhafter Beifall rechts.— Zischen links.) Abg. Dr. König(Z.) betont auch, daß straffe militärähnliche Disziplin herrschen müsse. Man sollte die materielle Lage der Feuerwehrleute verbessern und ihnen dasselbe Vereinsrecht zu- billigen ivie den übrigen Beamten. Aber es sind Dinge vorgekom- iiici,, die mißbilligt werden müssen. Die Vorgesetzten waren viel- leicht zu ä n g st l i ch. Auch sie müssen sich bemühen, Frieden zu schassen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Cassel(Vp.) tritt den unerhörten Schmähungen des Ab- geordneten Kreth gegen die Berliner Stadtvertrctung und Be- völkcrung entgegen und weist nach, daß der verfolgte Verein sich mit den Pflichten der Feuerwehrmänner nicht in Widerspruch ge- setzt hat. Die Feuerwehrleute sind Beamte und nicht Militär- Personen, sie dürfen außerhalb des Dienstes auch am Vorgesetzten Kritik üben. Die unziemliche Garantieforderung des Vorsitzenden an das Polizeipräsidium ist erst nach den Drangsalierungen erfolgt. Nachdem der Redner das volle Recht der Berliner Stadtverord- ncten zur Besprechung der Fenerwehrangelegenheit festgestellt hat, nagelt er besonders kräftig fest, daß Abgeordneter Kreth der großstädtischen Bevölkerung in dieser Zeit der Kriegsgefahr und völlig grundlos Mangel an Mut, Kraft und Ge- w a n d t h e i t vorgeworfen hat. Wiederholen Sie das mal außer- halb dieses Hauses in Berlin, Herr Kreth, dann können Sie was erleben!(Beifall links.) Wir fordern politische Freiheit für die Beamten. Abg. Kreth(I.): Das Vercinsrecht der Fcucrivchrleute ist von den Rednern der Linken nicht bewiesen worden. Der Redner spricht dann von Beziehuilgen des Freisinns zur Sozialdemokratie und erklärt, daß er keineswegs die Auflösung der Berliner Stadt- verordnetenversaiiluilung wegen einer solchen Sache gefordert habe. Haß gegen die Großstädter liegt uns fern, ihre Zunge nathlc- t e n stehen höher als der wirkliche Athlet. Ich bin stolz darauf. an der Spitze der Spirituszentrale zu stehen und möchte an Herrn Hoffmann ganz gern einmal eine Spiritus- a b r c i L u n g vornehmen. Ein«Sozialdemokrat spricht über Ra- dawergehorsam! Ter Scheiterhaufen für H i l d e b r a n d und die edlen Sechs im„Vorwärts" rauchen ja noch. Wo sind jemals im Staat Beamte so terroristisch behandelt worden, wie in der Sozialdemokratie. Freisinnige Stadtverwaltungen haben daS- selbe getan wie der Polizeipräsident. Autorität' muß sein. Der Beamte ist der Diener des Staates.(Beifall rechts.— Zischen links.) Abg. Kopsch(Vp.) stellt unter anderem fest, daß in seinem Wahlkreis von konservativer Seite den.Sozialdemokraten 15 0V M. für Stichwahlhilfe angeboten wurde. Herr Kreth kau» niemand in der Berliner Bevölkerung beleidigen. Tie starken Männer, die Herr Kreil, wünscht, wären ein Unheil für das Volk. Herr Kreth macht die Witze, über die seine Freunde lachen, die sie aber selbst zu machen zu vornehm sind.(Beifall links.) Abg. Hoffmann(Soz.): Herr Kreth hat sich bitter darüber beklagt, daß ich nun doch nicht juristische Ausführungen gemacht habe. Das kommt daher, daß ich nur über Dinge rede, von denen ich etwas verstehe.(Hei- terkeit links.) Seine Bemerkung, er möchte mir einmal eine Spiri- tusabreibung zukommen lassen, gehört jedenfalls zu der Art Kon- Versation, durch die das Niveau dieses Hauses ge- hoben werden soll. Im übrigen haben, toas Spiritus an- betrifft, Herr Kreth und ich Berührungspunkte. HoffmannS- tropfen werden ja bekanntlich aus Spiritus hergestellt, ischallcnde Heiterkeit.) Daß Hoffmannstropfen auf Herrn Kreth belebend wirken, hat er heute bewiesen.(Erneute Heiterkeit.) Dann war Herrn Kr e t h unangenehm, daß ich heute nicht auch von Krethr und Plethi gesprochen habe. Er hat nun diese Worte seinerseits an- geführt und sie aus der Bibel zu erläutern versucht. Von der Bibel verstehe ich aber nun wirklich mehr.(Heiterkeit linkSO Die Worte kommen vor Ü. Buch Samuelis, Kapitel 8, Vers 16.(Heiter- keit.) Herr Kreth hat nun Krethj mit„die Auserivählten" über- setzt und Plethi mit„die Bürger". Das stimmt nicht. Krethi und Plethr heißt„gemischte Gefellschaft und allerker Pöbel".(Heiterkeit links.) Ich habe die Bibel genau studiert, da mir der preußische Staat zur Muße einmal eine durchaus genügende Zeit verschafft hat.(Heiterkeit.— Zuruf im Zentrum: Hat es Erfolg gehabt?) Jedenfalls ist der Erfolg Ihnen schon sehr oft sehr unangenehm ge- lvesen.(Sehr gut! bei den Sozialdeniokraten.) Herr Kreth hat sich darüber gewundert, daß ich die Mitglieder der Berliner Stadt- verordnetenversammlung ehrenwerte Männer genannt habe. Mit ganz wenigen A u s na h m e n betrachte ick, alle meine p o- l i t i s ch e n Gegner als ehrenwerte Männer, mit ganz wenigen Ausnahmen, Herr Kreth, und ich hoff«, daß Sie mich nicht Provozieren, diese Ausnahmen zu nennen.(Heiterkeit liiitS.) Herr Kreth lvar lange Vcrwaltungsbeamtcr. Er scheint dabei aber nicht viel kennen gelernt zu haben, denn er kennt nicht einmal den Unterschied zwischen den Dreiklassenwahlrechtcn im Abgeordneten- Haus und zur Berliner Stadtverordnetenversammlung.. Würde auch bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus jede Klasse für sich wählen, dann würde es hier eine viel stärkere sozialdemokratische Fraktion geben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Schön ist allerdings auch das Wahlrecht zur Stadtvcr- o r d» e t e n V e r s a in in l u n g n ich t. Das Zentrum hat ja die Absicht laut werden lassen, es zu ändern. An unserer Unterstützung wird es nicht fehlen. Herr Kr eth hat nicht nur die Berliner Stadt- verordneten angegrissen, sondern auch die fast. Lv 000 Personen, die ehrenamtlich ohne jede Bezahlung, ohne jeden finanziellen Vorteil ihre Schuldigkeit im Dienste der Stadt Berlin tun. Das weisen wir zurück."Dann ist natürlich Herr Kreth auch mit dem alten Argument gekommen: wer nicht pariert, der fliegt! Also er verwechselt eine Partei mit dem Staat. Eine Partei kann und muß verlangen, daß ihre Mitglieder sich auf den Boden des Programms stellen. Wer sich nicht fügt, der muß allerdings raus. Auch die sechs entlassenen Vorwärtsredakteure sollten doch eigentlich schon verbraucht sein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Wie die Rechte ihre Redakteure behandelt, zeigt ja daS Wort des Freiherrn v. Zedlitz von den P o st„e s e l n".(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat Herr Kreth gemeint, er müsse doch eine sehr bedeutende Persönlichkeit sein, denn mein drittes Wort wäre sein Name gewesen. Ach, nicht Ihrer Person wegen, Herr Kreth, ich wollte nur zeigen, was für Elemente in der konservativen Partei vorhanden sind.(Hei- terkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte war durchaus sachlich, bis eS Herrn Kreth vorbehalten blieb, sie auf daS persönliche Gebiet überzuleiten.(Sehr richtig? link?.) Sie werfen uns vor. daß wir das Nwean dieses Hauses herabsetzen. Nun, wenn Sic so fortfahren, Herr K r iM h, dann werden Sie sehr bald beim Krethiniömus ankommen,(sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Für Kameradschaftlichkeit zwischen� Offizieren und Mannschaften sind auch wir. Aber heute besteht diese Kameradschaft- lichkeit im Heere nur im Kriege, wenn es ernst wird und an das Leben geht. Im Frieden aber beißen die Offiziere die Auto- rität heraus. Tie Feuerwehrleute befinden sich täglich im Kriege und wahre Kameradschaftlichkeit ist daher gerade bei lhiien not- wendig. Die Feuerwehrleute sind selbst für die Disziplin, ab«? sie lehnen einen Kaoavergehorsam ab.(Beifall bei den Sozialdemo- traten.)... �. Abg. Kreth(f.): Es sieht ja fast so aus. als Ware-die Jnter- pellation an mich gerichtet.(Zuruf links: Größenwahn!) Sie können ja meinen Größenwahn nicht noch steigern. (Schallende Heiterkeit links.) Abg. Strosser(k.) weist angebliche Beschimpfungen des Ossi» zierkorps durch den Abg..Hoffmann zurück. Die Debatte schließt. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Frhr. v. Zedliv(Fk.): Es ist eine freie Erfindung, daß ich Redakteure der„Post" Postesel genanilt hätte. Abg. Hoff mann: ES mag richtig sein, daß Freiherr b. Zedlitz sie nicht Postescl genannt hat, aber er hat nicht widersprochen, daß er sie Esel genannt hat.(Heiterkeit.) Abg. Frhr. v. Zcdliv: Auch das ist nicht wahr. Der Gesetzentwurf über die Dienstverhältnisse der Beamten der Amtsanwaltschaft wird in zweiter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Leimig des Antrages Frhr. v. Zedlitz (fk.) auf Annahme einer Novelle für die Ausdehnung der Haf» tung des Staates auf die Volksschullehrer. Die Kommission beantragt Annahme. Die Abqg. Dr. Böhmer(k.). Reinhardt(Z.). Boisly(natl.), Frhr. v. Zedlitz(fk.) und Dr. Schcpp(Vp.) sprechen gleichfalls für A n- nähme. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): erklärt sich im Namen seineck Freunde ebenfalls für die Annahme des Antrages und hofft, daß die Regierung ihren Widerstand brechen wird, damit endlich auch den Lehrern die Wohltaten zuteil werden, deren sich die übrigen Beam- ten längst erfreuen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag wird einstimmig angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag 12 Uhr: Klein« Vor« lagein Anträge. Schluß 1-ch Uhr.__ Jugendveranstaltungea. Xcgel-Borsigwalde-Wittenmi. Am heutigen Sonnlag, nachmittag» 2 Uhr. findet im Wittenauer.Gesellschastshaus", Wittenau, Saupistr 65. eine öffentliche Jugendversammlung statt. Arbeiter. Eltern sendet Eure Söhne und Töchter in diese Versammlung. Wttternngsüberftcht vom 7. Dezember 191Z. Ss 2 S ifi, -Z 5=1 c. t 13 1 "i s- 1�] 757 770 756 IL Setter s SO S 756 W 767s �Schnee Lbedeckt Smoltig ljwottig 2 bedeckt rfs c« »» h *£ — o — i 12 4 4 Zeitweise nebelig, ziemlich heiter und mild bei mösjigen südwesllichen Winden. Berliner trocken, Nachtsroft, am Tage etterbureau. WofierstandS-Stachrichten der LandeSanfialt silr Gewässerkunde, mitgetelll vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tllfit P r e g e l, Jnsterbilrg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Rrossen , Frankfurt Warthe. Schrimm Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leltmerltz , Dresden , Barbh , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.') Unterpegel. teppdecken kaust man am besten und billigsten nur direkt Fabrik »crtlii, Wallstp. 72. Aufarbeiten alter Steppdecken billigst. 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Krobtsch, BÜIchingstr. 20. "Wi ax Polest, FrtednchSberger Slr. 10 "Jakob Reul, Barnimstr. 42. "Karl ivtüller. Ryteslr. 88. "A. Dierbach, WinSstr. 25. "Th. Bernhöft, GreisSwalder St. 207. »Gustav Ptnner, TreSckowftr. 36. "Wolter, Martenburger Str. 32. "Richter, Landsberger Allee 145. "Gustav Wittenberg. Barnimstr. 15. "M. Moewu«, Weinftr. 22. "Hugo Wache, Koppenstr. 46. "Gaika, Elbinger Str. 41. Zentrum. «. Ehaim, jetzt Mulackstr. 8, Hos, I. Etsi. HI. "Otto Probst, Llnienstr. 26. Bororte. Panl Schubart, Charlottenburg. Usnauftr. S. Panl Noack, Köpenick, Kaiser. WUbelmstr. 103. Rob. Hellmer, AdlerShos. Karl Jancke, AdlerSbol, Friedinstr.16. "Rud. Otto. AdlerShos, Sedanstr. 29. Benkerl, AdlerShos, BiSmarckstr. 58», Emil Rasenack, Nieder-Tchöneweide, Brückenslr, 3. Albert Schumacher, Ltchtenberg, Wartenbergstr. 68. »Friti Eh Irrt,«ritz, Rudower Str. 6, "H. idrompa, Lichtenberg, Scharn» weberstr, 44. "Harting, Lichtenberg. Rummels- burger Sir. 18. "Kaiser, Lichtenberg, Möllendorjs. «irasie 15/17. »Joh. Bobrowstl, RummelSburg, Crossener Str. 17. »Schütze, Neukölln, Witzmannst. 22/23. "Schulze, Neukölln, Stetnmctzstr. llv. Gustav Becker. Neulölln, Jnnstr. 29. »Paul Richter, Neukölln, Emserstr. 27 "Alb. Schuster. Neukölln, guldastr. 16, I. Gans, Neukölln, Friedelftr. 3 m, Handjery-Str. 89, »Bortmann, Neulölln, Em!« Str. 20, "Paul Witt, Steglitz, Tüppeistr. 6. "Rob.Stübner.Steglitz.Echl-hstr, 116 Lehmann. Reinickendorf Thuner. stratze 6. »Pieper, Spandau, Metz« Ltr. 12. 'Uran Ella MooS, Spandau, Falken. Hagener Str. 18, "Otto Wille, Spandau, Birlenstr. 4. "Wilh. Klemmer. Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Nölte,Tpandau,Sch«lz«nstr.l4, »Durst. Spandau, Pichelsdorf» Str.22 Otto Kloose. Spandau, Feldstr. 5. "Krüger, Tegel, Berlin» Sir, SS pt. MilinS, Pankow, Berliner Str. 90. "Alb. Janike, Pankow, Mühienstr. 88. »Hudosch, Pankow, Kaiser-Friedrich- Straße 74. "Jacobi. Weihensee, BerllnuAll« 179 Werner, Weitzenle«, Sedanstt. 12 I. "Hugo JürgaS. Weihensee, tzewer«. dorser Str. 56. "Zirkel, Neulölln, Jdealpastag« 2. Moritz, Friedrich, bagen, Wilhelm. strasie 59. P. Gollnisch, Lichtenbttg, Gabriel» Maxslratze 20. "H. Herzog, Lichtenberg, Blmuee» thaistraße 9. "Rischewosf, Lichtenberg,«ürtellw 12 "Nenhoff, Reinickendorf• W., Eich- bornstr. 54. "Beständig, Reintckendors-V..«ch. bornstr. 94. »Adelt. Reinickendorf- 0., Kopen. Hagen» Str. 1. H. Kretzner Marianncnpiatz 16/ St. Rendschmidt, Kastanien-Allee 103 I, Kunkel, Mansteinstr. 14 I,»Hein». Bester, Elbinger Str. 13,"Schachmanu, SinSstr. 1?, H.«nrnicker. Neue Königstr, 17, Max Otto. Templiner Str. 12part,. Laser, Landsberger Str. 91. Puttlltz, Schliemannstr. 28 I, Panl Iuhl, Bcrltn.Pankow.»Roman RoSkr. Choriner Str. 5, Götzer. M. I. Blauzwirn, Lolhrinaer Slr, 66/67 II,»Eypra, Carmen-Sylva-Str. 2,»Bchrend. W-itzensce, Kustap.Adols.Str, 17. Rethwisch, Wollincr Str. 42 II, Gorcstka, Christinenstt, 34. Max Jaeoby,«trelitz« Str. 82 Part. »Ahrens, Köpenicker Str. 165, Birchow, Krautstr, 26».»Schulz, Libauer Str. l3.»Albrecht, Hagenauer Ar, 2,»Fiebig, Ritlerilr. 55. Förster, Ober-schöneweide, Siemensstr. 20 I. G. Beyer. Pallsadenstr. 96. Gärtner. Boxhagen-RummeiSburg Sonnlagstr, 3. Wigand, Lychener Str. 13, Blaurock, HeinerSdorser Str. 15."Genserowski. Steinltr. 16. Albert Sonnabend, Aleranderstr._ Buiicrbcm sämcliche Bertaufsstellen der Grosteinkaufsgeiellschaft Hamburg sowie der«onsumgeuofienschaft Berlin«.«mg.— jM- Alle mU einem» versehenen Firmen habm Ladengeschäste."MW IkaiKvItvi'Z Kaust nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Ben Ven'ti'suvnsnHSniH» Alwin Schulze, Große Hamburqer Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler» die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmcn beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im«Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unscreni Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese griinen Plakate von hier entnehmen können. 6 Dvie geblich als Tcrrorismus den Arbciterkoalitionen anzudichten sucht., auch von deutschen Werken noch Hobe Ouotcn gefordert wurden, sind Kaum irgendwo werden eine schärfere Kontrolle und größere, Pressionen bis zur völligen Existenzvcrnichtung ausgeübt, als durch kapitalistische Monopolvereinigungen gegen Außenseiter und unbotz-» "mäßige Mitglieder, die beide gern die Vorteile einer Ringbildung mitnehmen, ohne ihre Lasten tragen zu wollen. Von einer Selbständigkeit des Unternehmers, die unsere bürgerlichen Ocko-, nomen als den besonderen ethischen Wert privatkapitalistischer Pro» duktionsweisc preisen, ist da sehr oft keine Rede mehr. Typisch für vollkommen durchgeführte Monopolbildungen ist die nach höheren Preisen. die Verhandlungen gescheitert. Von irgendeiner Bedrohung des ' deutschen Braunkohlenbergbaus kann trotzdem keine Rede sein. Der Bedarf an Braunkohle und Braunkohlenbriketts wächst stetig. Elektrizitätswerke, Eisenbahnen bevorzugen jetzt Braunkohle und auch für den Hausbrand ist die Verwendung von Braunkohle noch im Steigen begriffen. Prozentual ist sogar die Erzeugung von Braunkohle stärker gewachsen, als die von Steinkohle. Hinter den Syndikatsbestrebungen steckt daher nichts weiter als das Verlangen Internationale Spiegelglaskonvention Brüssel, die gerade jetzt zu einem Trust ausgebaut wird. Die Konvention ist kurzlich— wie bürgerliche Blätter berichten,„grundsätzlich, aber. Daß der Zerfall des Syndikats dennoch keine oder nur ge- ringe Preisermäßigungen zur Folge haben wird, dafür werden die ssofort erfolgten Fusionen in der Braunkohlenindustric und das noch nicht definitiv"— auf weitere zehn Jahre verlängert worden,"Magdeburger Rohkohlensyndikat Sorge tragen. Das Magdeburger so daß ihr Fortbestehen bis zum August 1924 als gesichert gilt. Rohkohlcnsyndikat wollte sich mit defst Mitteldeutschen Braun- Dic Konvention umfaßt mit Ausnahme von z>vei Außenseitern ckohlensyndikat vereinigen. Da sich dieses auflöste, schloß sich jenes (in England und in Belgien), die außerdem freiwillig die Preis- � um so fester zusammen. Obgleich es noch bis 1916 läuft, wurde es Politik der Konvention mitmachen, sämtliche(17)«picgelglas- jetzt bereits bis 1922 verlängert. Es umfaßt mehrere der größten fabriken Europas. Die deutschen Produzenten sind noch zu einem der Konvention unterstehenden„Verein deutscher Spiegelglas- f, Eriken" zusammengefaßt. Tie Konvention setzt den Umfang der Produktion und die Höhe der Preise fest. Ein Wettbewerb zwischen Braunkohlenbergwerke Mitteldeutschlands. Einen ähnlichen Zweck verfolgt der in der vergangenen Woche meugegründete Hclmstcdtcr Brikcttverein, G. m. b. H. Alle Werke des Helmstedter Braunkohlenreviers benutzen jetzt eine gemeinsame den einzelnen Spiegclglashütten besteht nur noch insofern, als sie Verkaufsstelle für ihre Briketts. Ferner haben eine Reihe von sich ihre Absatzgebiete selbst wählen oder sich durch Qualität Fusionen in der Braunkohlenindustrie stattgefunden, auch eine Zahl der Lieferung, Schnelligkeit der Lieferung, der Verpackung und ähn- Steinerer Verkaufsvercinigungen bezw. Verkaufsabkommen sind in liches auszeichnen können. Jede Ueberschreitung der Konventions.! den wenigen Tagen seit der Ende v. M. erfolgten Auflösung des bestimmungen(größere Produktion, billigere Lieferungsbedingungen)] Syndikats zustande gekommen. Diese Neugruppierung beseitigt wird durch hohe Konventionalstrafen streng geahndet. Die Kon vention hat es völlig in der Hand, die Produktion einzuschränken, um die Preise hochzuschrauben. Mehrere Tage im Quartal muß jede Spiegelglasfabrik feiern, wenn die Konvention es will. Im Frühjahr suchte die Konvention das damit zu motivieren, daß die Nachfrage an Spiegelglas zurückginge. Davon kann natürlich gar keine Rede sein, da der Bedarf an solchem Glas für Auslagefenster moderner Läden, Automobilfcnster usw. ständig steigt. Die Produktion durch das Spiegelglassyndikat ist durch diese Politik bereits so vereinheitlicht worden, daß die völlige Verschmel- zung zu einem Trust geplant wird. Auch den Verkauf der Erzeug- nissc will das Syndikat für alle seine Mitglieder in die Hand nehmen. Es ist die Bildung einer besonderen Vcrkaufsorganisation („Union Commerciale et Continentale des Glaceries" zu Brüssel) geplant. Diese kaufmännische Union kontinentaler Glasfabriken wird nicht nur die Gesamtcrzeugung aller Fabriken aufkaufen mit einem Schlage zahlreiche bisher selbständige Werke, die allein den einsetzenden Konkurrenzkampf nicht überstanden hätten. Die Bildung von Konzernen arbeitet so dem neuen Zusammenschluß zu einem Gesamtsyndikat wieder vor. Wie sehr die Unternehmer an einem Syndikat ibrer Industrie irrtcressiert sind, zeigen auch die Vorgänge� im Rheinisch- Westfälischen Zements yndikat. Seit dem Frühjahr d. I. lagen sich die Syndikatsmitglieder in den Haaren. Von ein- zelnen wurde auf Beendigung des Syndikats geklagt, nachdem sie in früheren Prozessen bereits von der Lieferung an das Syndikat befreit worden waren. Die noch offene Frage, ob die Mitglieder jetzt an Dritte liefern könnten, ist nun durch die Einigung und Zurückziehung der Klagen gelöst worden. Die vom Syndikat ge- forderten Konventionalstrafen, die bei einzelnen Werken die Höhe von 606 990 M. erreichten, sind den- reuigen Sündern vom Syndikat geschenkt worden. Als allgemeines Sühnemittel hat man eine— Preiserhöhung von 10 M. beschlossen. Der vom Syndikat gcfor- dcrte Preis von 215 M. pro 1000 Kilo steht jetzt um 8 5 Mark höhe r als der vor wenigen Tagen geforderte Submissionsprcis eines der Werke. Wer die Kosten der Syndikatserneuerung zahlen muß, wird daraus ohne weiteres klar. Einem widerstrebenden großen Werk wurde auch eine Kontingcntserhöhung zugestanden. Auch bei diesem Syndikat sind die Absatzvcrhältnissc im lausenden Jahre äußerst günstig. Für die Stärkung von Einzelunternchmen durch Anglicdcrung dritter Werke, die Rohstoffe produzieren, liegen in der Großindu- strie wieder neue Beispiele vor. Vor zwei Wochen erhöhten die Manensmannröhrcn-Wcrke ihr Aktienkapital, um die 51uxe eines Steinkohlenbergwerks zu erwerben und den erheblichen Bedarf an Kohlen im eigenen Betriebe decken zu können. In der vergangenen Woche hat die A. E. G. einen ähnlichen Schritt unternommen. Ein Werk ihres Konzerns, die P l a n i a- W c r k e A�G. für Kohlenfabrikation sollen von den RütgerSwcrken aufgestvinlnen werden. Die Plania-Wcrkc(Ratibor i. O.-S.) betreiben die Fabri- kation von künstlichen Kohlen, besonders von Kohlenstiften für elektrische Beleuchtung. Als Rohmaterial verarbeiten sie Teer und Teerprodukte, die von den R ü t g e r s w e r k c n(in Oberschlesicn) bezogen werden. Die Rütgcrswerke wiederum stehen im Vertrags- Verhältnis zu den Obcrschlcsischcn Kokswcrkcn. So gewinnt die A. E. G. auch Beziehungen zu Werken, die sie mit den allerersten Rohstoffen für die eigene Fabrikation versehen. kriefkasten der Redahtion. Die juristische Sprechseunve findet Linden st rafte KV, vor» vier Tredde» — Fadrstultl—, wochentüglich von tid bis 7� Uhr adcnds, Eonilabrnds, von bis 6 Uhr adcnds statt. Jeder für den iSrieftaste» deitimmten Anfrage ist ein Buch, rndc und eine Zahl als Mcrlzetchcn beizufUge». Brieftiche Antwort wird nicht rrtrllt. Anfrage», denen keine Adonncmcntsguittung beigefügt ist, oerden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in drr Svrcchstunde vor. G. F..500. Ihre Aufrage ist unvcritändlich, kommen Sie in die Sprechstunde.— Patent. 1. Ein innerer Unterschied zwischen Gebrauchs- Muster und patentierten Erfindungen besteht nicht. Als GcbrauchSmnilcr genügen auch Neuerungen, welche z. B. als Zlusslüsse handwcrlsmätzigcr Geschicklichkeil gellen, während bei einer Patenterteilung eS sich um ncuc Erzeugnisse handeln mutz, die wesentliche technische Fortschritte darstellen müssen. 2. Anmcldungsgebühr 20 M., Erteilungsgebübr 30 M., anZ- gcnommen die Gebühren eines Patentanwalts, sallS ein solcher bestellt ist. W. M. 20, Befragen Sic einen Arzt.— Reichstag G. 100. 1. An den Pförtner. 2. Pauschale von 3000 M. pro Jahr.— H. O. 53. Das ist offenbarer Schwindel.— R. L. 15. Die beste Anslunst erhalten Sie beim Transportarbeitervcrband, Sektion her Stratzenbahner, Engel- user 14/15.— Zwei Streitende. Streitfragen entscheiden wir nicht.— Hermsdorf 39. Wenden Sie sich an den Perband der Friicurgchilfcn, Linienstrahe 73.— C. I. 21. 1. 9 bis 1 Uhr. 2. Ja.— R. 26. Dr. G. Wolff, Mirbachitr. 24.— I. G. 29. Mich— K. P. 22. 1. bis 3. Mitteilung und Anmeldung ist nicht erforderlich. Ebenfalls brauchen Stawtcn nicht eingereicht zu werden.— K. R. 42. Das Gesetz gibt den Versicherungsanstalten die Möglichkeit zur Errichtung derartiger Heime. Näheres eriahrcil Sic bei Herrn SimanowSki, Alexaudcrstr. 39/40.— E.. i Ii, braun olir, grünlich«der grau DJagonal-ßowebe. 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Der neue Hauptkatalog Nr. 46(Neueste Moden) auf Wunsch kostenlos und portofrei Anarchisten! Sozialisten! Morgen Montag, de» S. Dezember, abends S'l, Uhr, in den ««»Sophien-Sälen". Sophienstr. 17/18: Öffentliche Versamuilnng. Tagesordnung! Krieg dem Kriege. Referent: Genosse vvrtkolS Cnlin.— Hieraus: fticic Diskussion. 15436 Zahlrciioes Erscheinen erwartet Der Einberufer: Zlmtm tiiilirchistischkr llrmitf Kerlins 11. d. Zlmg. I. A.: Crnsl vsoksr, B e r l n- P a n k o m, Wollankstraße 126. « Sedastianstr. 37/33. Telephon: Amt Moritzplatz 9737. • Damenkonfektion. tc||l"nfl! Bezirksversammlungen! Am Montag, den 9. Dezember litis für den Gesundbrunnen str." bei Bahr. Badstr. 44. Tagesordnung 1. Bortrag des Kollegen Höpfner. 2. Verschiedenes. 165/10 Für Moabit bei Rapp, Waldstr. K. Tagesordnung: 1. Bericht von der Damenschneiderkonserenz. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht__ Die Kommission. ttr ilzaHr-V Vorrvaltnng Berlin. To»,nerstag, den IS. Dezember, abends 8 Uhr, in den Konkordia-Festsälen, Andrcasstr. Kit: Aiiksiiisllöiiiüclie Genefalversaimnlinig. Vergolder. Montag, den 9. Dezember, abends S'/t Uhr, in der „Alhambra", Wallner-Thcater-Str. IS: Zrsnedsn- Versammlung. Tagesordnung: Bericht über den Abschluß unserer Lohnbewegung. Kästenmacher. Dienstag, den 10. Dezember, abends pünktlich 8 Uhr, in den Zl n d r e a s- F e st s ä l e n, Andreasstr. S1: Srsnelten-Verssmmlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht von der letzien Generalversammlung. 3. Branchenangclegenheilen. SS/7 Ole Ortavcrwaltong. ilfiitinltiiiiiiöflfllf Kerlill. C. 54, Finiettstr. 83—85, Brlvaltnng! Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis Amt Norden 1S39. 9714. Die Bibliothek ist wieder geöffnet von Montag, den 9. Dezember, und befindet sich im Verbandshanse. Linienstr. 83,85, Portal 4, S Treppen und ist täglich während der Burcaustunden von 9 bis 1 Uhr vor- mittags und von 4 bis 7 Uhr nachmittags geöffnet; anfierdem Dienstag nachmittags von 4 bis 8 Uhr und Freitag nachmittags von 4 Uhr bis abends 9 Uhr. Sonnabend nachmittags und Montag nachmittags ist die Bibliothek geschlossen. LW- Mitgliedsbuch ist mitzubringen."VS 184/10 Die Orlsverwaltung. lorwärts-Leser 5®o Extra-Rabati" auf die bekannt billigen Preise[5656L selbst bei Gelegenheitskäufen. feppieh-Thomasi WM-WZ Aeltestes und vertrauenswürdigstes Spezial-Haus Teppiche Gardine? Steppdecken Reisedecken Tischdecken Vorleger Portieren Schlafdecken Felle Diwandecken , Oranienstraße 126, im neuerbauten Statu mh«an, a. d. Alexandrinenstr. I Zweiggeschäft: Bonenlhalcrstr. öl l°(bis üum 31. 12. 1912). i Verband der Maler Saekterer, Anstreicher usw. Bureau: Melchiorstraße 28, pari. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Tilisle SerUn. Arbeitsnachweis: Rückerstraße S. Frrnsprechcr: Amt Norden V708. Donnerstag, den IS. Dezember, abends 8'/, Uhr, in der„Neuen Philharmonie", Köpenicker Strafte 90/97? Mitglieder'Uersammlmig. Tagesordnung: 1. Aufftellung der Kandidaten für die Telegiertcnwahl zur 14. Generalversammlung. 2. Die Wohnungsfrage im Arbeiterlebc». Lichtbildervortrag von Herrn Dr. Werner Hege mann. 130/18* Wir ersuchen die Kollegen, zu dieser Versammlung mit ihren Frauen zu erscheinen!"Mffl Mitgliedsbuch legitimiert: Die Ortsvcrwaltnng. Bekanntmachung. Die am 25. Oktober 1912 durch den Herrn Polizeipräsidenten von Berlin genehmigte IV. Abänderung des Statuts der Krankenkaffe der Personen.Lohnsuhrwerls-Jnnung tritt am Sonntag, den 8. d. Mts., in Krajt. G. Rose, Vorsitzender. -Yerlrauensmännereie. aller Beiriebe werden zwecks gemeinsehaftl. Bezugs von Lebensmitteln zu enorm ni edrigen Preisen u. gr. Extra-Raball um gcfl. Hngabe ihrer Hdreffe gebeten. Die Warenablieferung kann event. auch direkt an die Adressen der Unterbesteller erfolgen. Sr M zahlreicher Arbeiter- u. 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(Semätz ß 48 des Statuts findet die NevuiaHl der Deltglerttiz \üt �rnrralprrfputmlung für die Jahre 1913—1914 statt. Zur Vornabme der Wahl laden wir die Arbeitgeber sowie die Mitglieder hiermit ein. Die Wahlen finden statt: a) Für die Mitglieder am Montag, de» 1ö. Dezember ISlL im Kassenlokal. C-ngelufer 43 II, Zimmer 26. Zu wählen find ÄZ8 Vertreter. Der Wadlalt beginnt um 3 Uhr und wird pünttlich um 71/, Uhr geschlossen. Legitimation ist vorzulegen. b) Für die Arbeitgeber am Montag, den 16. Dezember 1912, im Kassenlotal, Engelufer 43 II, Zimmer LS. Zu wählen sind 1l2 Vertreter. Der Wahlakt beginnt um 7'/, Uhr und wird pünktlich 8'/» Uhr ge. schlössen. 284/11 Legitimation ist vorzulegen. Die Wahlen� find geheim und erfolgen durch Stimmzettel. Ter Borstand. 44. �litselik«, Vorsitzender. 44. TvK-Iiniann. Schristführer. Charißllenburg. Ztertilligte Manrergksetlen- kiraiikkn- ulld Sterbekasse (E. H. 89.) Sonntag, den 13. Dezember er., vorm. 10 Uhr, im Kassenlolal, Spree» stratze 17: Geuerai- Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Vierteljahr. 2. Wabl des Vorstandes und des Ausschusses. 3. Bericht der Stawtenkommlsfion. 4. Kassenangelegenheiteu. Ziegen Besuch erwartet 299/16 Der Vorstand. I. A.: W. Rendorf. Warum qrad an\der..Juao"Cigaretre Hängt er. der Rauchenfest wie eine Klette? Warum die,, JuiKTnur von früh bis spät? Die Antwort liegt im Worte-, Qualität. Gessner-Accordeons die besten der Weit, unerreicht in Ton und Dauerhaftigkofit. — Kataloge gratis und franko. Geasncr, Harmonikafabrik.G.ni.b.Il., 21agtlcbni*g. Zur SLeihnachtSbescherung find meine Säle noch einige Tage frei. Baum wird unentgeltlich gestellt. ZtuteM Jestsäle genannt„Felbel« Fentsttlc", Kolberger Ttr. LS. Im Februar und März find noch einige Sonnlage frei._ 15785 Heinrich Franck Tel.: Amt Ndn 4352. Brunnenstraße 22. s bis 7 Uhr geöffnet. Rohlabak- Utensilien. 1 Todes-Anzeigen 1 BSozialileiDQkradsciierWahlyereiQ i. il. 4. Beii. Reichstagswatilkreis Petersburger Viertel. Bez. 339. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse AdoBf Kopp Franlsurter Allee 98 gestorben ist. t5hrc seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den>8. Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- balle des Zentral-Fricdhoses in KriedrichSsetde aus itatt. Um rege Beteiligung ersucht '221/8__ Der Vorstand. Am Donnerstag, den 5. Dezbr., oerschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber, guter Mann, unser Vater, der Arbeiter Adolf Kopp. Dies zeigen tiesbelrilbt an Frau Kopp»cbit Kindern, Franisurter Allee 98. Die Beeidigung findet am Dienstag. i>cn 18. d. MtS., nach- mittags'3 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedboseS in Fried- richsfelde aus statt. 37?l Soziaideinokratiseher Wablvereio Neukölln. Dm Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, Frau Uiise ßlohtn tKirchhosftrafie 33, 15. Bezirk) verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet morgen Montag, nachmittags 3'/, Ubr, von der Leichenhalle deS Neuen Jakobi-Kirchhoses. Hermannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Der Borftan». Todesanzeige. Am Donnerstag, den 5. Dez., abends T/, Uhr, entschlief nach langen schweren Leiden meine liebe Frau L.iiise Biohm. Dies zeigt tiesbetrübt an der trauernde Matte t2A August Min. Die Bcerdigiing findet am Man- tag. den 9. Dez, nachm. 3>/, Uhr, vom Jakobi.Kirchhoj. Hermann- strasie. aus statt. Deutscher MarkeiMrliaDd Verwaltungestelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unse» Mitglied, der Metall- dreber Willi Hettie gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle deS Nazarelh-Kirchdoscs in Reinickendorf, Kögelstratze. aus statt, Rege Beteiligung erwartet 134/11 Die Ortsverwaltung Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Gros-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Karl Prignitz im Aller von 23 fahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, ocn 8 Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle des tSemeinde Friedhojes Rriiiickendorf, Humboldtstrafie ans itatt. Um rege Beteiligung ersucht 89/8 Die Bezirktverwaltung. Ficiiagmoigen um 2'/, Uhr ent schiiei sanst„ach larzem, ich-verem Leiden mein inni st»>'liebler Mann und herzensguter Vater, der Rr uiateur August Franke Grasestr 41. Die Beei d ,.ung findet Montag, den 9 Dezeinber er., nachmittags 'Iii Hur von der Leichenhalle des a.tcn Luiien- Kirchooses, Berg- mairnstrafie aus stall 1577b AgneB Franke geb Schwan nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 7A keekscklüger sage ich allen Verwandten und Freunden, den Kollegen der Firma R. grister sowie den Mitgliedern deS Wahloereins Adlershof herzlichen Dank. Ms. Frida Reefschläger. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und großen Kranzspenden bei der Bcerdigiing meines lieben und unvergeßlichen Mannes, unseres Bruders, Schwagers und Onkels, des Schankwirts Kurl Howe sprechen wir allen Gästen, Freunden und Bc« kannten soivte dem Verein sreier Gastwirte, dem Lotterieverein Frohe Stunde, dein Männerchor Moabit, dem Sozialdemokratischen Wahlverein Charlottenburg den herzlichsten Dank aus. 42A Wwe. Aiignstc Rowc. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManueS ködert Bialkovski sagen wir allen Freunden und Be- kannten, den Sängern, den Genossen de§ 6. Wahlkreises, dem Metall- arbeiterverband, dem Lotlerieoerein Hoffnung, sowie den Kollegen der A. E. G, und der Daimlerwerke herzlichen Dank. 27A Tie trauernde Gattin nebst Sohn, 188/63* Prattiziere jetzt Berlin SO., ffottbuser tlfer I1- Trlcohon Moritzplatz 18 741. Dr. Bier, Arzt u. Geburtshelfer. 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Tod.......... 67 'Ausgeschlossen wurden........... 2 353 Freiwillig ausgetreten.......... 1 371 Bestand am 30. Die 3 856 56 678 Mitglieder Juni 1912 nunc betrug am 30. Juni 1911....... 1 152 690 M Dieselbe erhöhte sich unt.............. 547 650„ Mithin beträgt die Hastsumme am 30. Juni 1912. l 700 340 M. Die Summe der Geschästsguthaben betrug am 30. Juni 1911 353 834,30 M. Im Lause des Jahres wurden eingezahlt....... 169 718,02. 523 552,32 M. Im Lause deS Jahres wurden ausgezahlt....... 19 398,93„ Höbe der Geschästsguthaben am 30. Juni 1912..... 504 153,39 M. Der AafelchtHrat. Der Toratand. Friedrich Schulze. R. Junger. 0. Schultze. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß wir in Neukölln, Weferstr. 28/29 unsere 96. 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In dem Arbeiterkasino von Schweidnitz im Delitzsch- Bitterfelder Kreise soll gelegentlich des am 20. August v. I. statt- gehabten Vergnügens der freien Turnerschaft eine Flasche Weißbier ohne Konzcssion vertauft worden sein.' Man verweigert der Arbeiter- schaft die Säle zu Versammlungen, und wenn sie sich ein eigenes Heim gegründet hat, dann verweigert man noch die Schankkon�eflion und zuletzt winkt das— Zuchthaus. Unter dem Neid der Wirte und einer strebsamen Gendarmeriewachtmeisterschaft setzte die Verfolgung gegen das Kasino ein. Die angeblich vertaufte„Weiße" für 1b Pf. führte zu einem Ermitte- lungsverfahren gegen den Leiter des Kasinos, den Sbjährigen Maurer Franz Zeidlcr. Die 19jährige Dienstmagd Tetzner gab an, ihr da- maliger Geliebter, der Lljährige Fabrikarbeiter Otto Trumtrar, habe ihr die Weiße im Kasino gekauft. Trumtrar stellte dies jedoch vor dem Amtsgericht eidlich in Abrede. Dir Folge davon war, daß gegen ihn ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet wurde. Als dann auch die Tetzner eidlich ver- nommen wurde, widerrief sie, daß Trumtrar ihr da? Getränk im Kasino gekauft habe. Später durch einen Wachtmeister angestellte Ermittelungen ergaben dann wieder, daß die Tetzner wieder aus- sagte, ihr Geliebter habe doch die Weiße gekauft und Zeidler habe sie zu der falschen Aussage angestiftet. Die Folge davon war, daß die Tetzncr und Trumtrar im Mai d. I. vom Schwurgericht wegen Meineids zu je einem Jahr Zuchthaus und Zeidler wegen Anstiftung zu zwei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt wurden. Das Urteil erregte seinerzeit so großes Auft'ehen, weil man nach den widerspruchsvollen Angaben der Tetzner eine Schuldig- sprechung für gänzlich ausgeschlossen hielt. Die drei bisher un- bescholteneu Angeklagten wurden damals in Haft genommen. Das Reichsgericht hob auf eingelegte Revision das Urteil auf und wies dir Sache zur abermaligen Verhandlung an das Hallesche Schwur- geeicht zurück. Es waren diesmal öS Zeugen aufgeboten. Als Verteidiger Zeidlers wirkte neben zwei Halleschen Anwälten Genosse Heinemann au? Berlin. Allgemeines Erstaunen rief es hervor, als die Tetzner, die in der Haftzelle nicht beeinflußt sein konnte, in der jetzigen Verhandlung wieder das direkte Gegenteil aussagte von dem, was sie in der vorigen Verhandlung ausgesagt hatte. Trumtrar habe die Weiße nicht gekaust und die frühere entgegengesetzte Aussage habe sie aus Angst vor dem Gendarmen gemacht. Und was ein Schwur zu bedeuten habe, wisse sie überhaupt nicht. Der Gerichtsvorsitzende wies darauf hin, daß die Teyncr nunmehr fünfmal ihre Aussage über den Vorgang geändert habe. Mit welchem Eifer tnan sich damals gegen das Kasino ins Zeug gelegt hatte, ergab die Bekun- dung eines GendarmeriewachtmeisterS:„Ich wurde damals von Eilenburg nach Schweidnitz kommandiert, weil die fozialdemokra- tische Bewegung so sehr zunahm." Eyr anderer Wachtmeister wollte im Kasino„viele Ungesetzlichkeiten" entdeckt und einmal dort„Ibb Kasten Bier" gesehen haben. Diese Angabe wurde von anderen Zeugen mft Entschiedenheit bestritten. Tatfache ist, daß Zeidler mit Konzession in seinem in der Nähe d«S KasinoS liegenden Haufe Getränke verkauft, Partei- und Gewerkschaftsmitglieder ihren Be- darf dort in Flaschen mitnehmen und im Kasino genießen.— Nicht nur von den Unternehmern, sondern auch von dem Orts-Amtsvor- steher und sogar vor dem— Pastor in Schweidnitz wurde Zeidler das best« LeumundSattest ausgestellt: er fei ein tüchtiger und wahr- heitsliebender Arbeiter, der seine fünf Kinder gut erzogen habe. Am zweiten Verhandlungstage wurden Uebertreibungen von Gendarmsn widerlegt. Der Gerichtsvorsitzend« unterstrich dies durch Zwischenbemerkungen. Zeugen wollen auS Angst vor dem Gendarmen ausgesagt haben, sie hätten im Kasino Getränke ge- kauft. Der Wachtmeister Amelung habe bei feinen Ermittelungen den Zeugen NntcrsuchungShaft nnd Zuchthaus angekündigt,„wenn die Zeugen nicht die Wahrheit sagten". Einer Diebin hatte jener Wachtmeister angekündigt:„Wenn Sie Ihre Mittäter nicht nennen, dann geht es Ihnen so, wir den Konsum- und Kasinoleuten." Die Geschworenen sprachen diesmal die Tetzner und den Trum- trar des fahrlässigen Falscheives und Zeidler wiederum der An- stiftung dazu schuldig. Darauf wurden die drei Angeklagten zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt. Auch dieses Urteil, zum wenigsten soweit e» Zeidler betrifft, erscheint ganz unhaltbar. Eine Anstiftung zu einer Fahrlässigkeit ist schwer begreiflich. Rechtsanwalt Heincmann wies auch gleich nach Verkündung des Geschworeuenspruchcs darauf hin, daß der Spruch an einem Konstruktionsfehler leide und die Frage auf Anstiftung zur Fahrlässigkeit nicht gut zulässig erschienen sei. Der Gerichtsvorsitzende entgegnete, daß das Gericht allerdings auch erst Bedenken bei Stellung der Frag« gehabt habe. Da das Reichsgericht früher aber einmal anerkannt habe, daß ein« Anstiftung zu einer Fahrlässigkeit wohl möglich sei, habe man die Frage fiir zulässig erklärt. Die ganze Aktion, die soviel Leid und Unglück über unbcfchol- tene Leute gebracht hat, ist nur dem Haß und Neid gegen die auf- strebende Arbeiterschaft entsprungen. Was„Gutgesinnte" täglich straflos tun, wird zum„Verbrechen", wenn eS von Arbeitern getan wird. Ein Staat, in dem solche parteiische Behandlung der Staats- bürger möglich ist, kann keinen Anspruch auf die Bezeichnung Rechts- staat erheben. )Zus Induftrie und FtandeL Balknnkrieg und Sparkassen. Die Nervosität der Sparer infolge des BalkankriegeS hat sich im November naturgemäß noch verstärkt. So sind von den f r a n- z ö f i f ch e n Sparkassen im November 34,6 Millionen Frank ab- gehoben, aber nur 10 Millionen Frank eingezahlt worden. Aehnlich hat die Kriegsgefahr auf die österreichische Postsparkasie ge- wirkt. Dort wurden im November 8,6 Millionen Kronen neu e:n» gezahlt, aber 1b, 6 Millionen Kronen zurückgefordert. Tiirkische Schuldenverwaltung. Jetzt, wo es an die Liquidation der Türkei gebt, melden sich auch sofort die kapitalistischen Aussauger Europas. Die internatio- nale Schuldenverwaltung der Türlei(der Verwaltungsrat der Veite publique) hat an die Mächte ein Schreibe» gerichtet, in der sie um Vertretung ihrer Interessen bei der„Neuordnung" in der Türkei bittet. sich auch eine In diesem Schreiben an die Botschafter der Mächte findet I eine Zusammenstellung der Summen, die die europäischen Ftnanzleute auS den Bauen: Albaniens und Mazedoniens heraus- gepreßt haben. Die Einnahmen der vctte publique betragen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre für eigene Rechnung 762 005, für fremde Rechnung 601 023, zusammen 1 363 029 türkische Pfund. Nicht berücksichtigt sind dabei die Einnahmen auS dem Tabak, Monopol und für die Malie(Zehnten usw.). Günstige Ernten. Alle Klagen der agrarischen Blätter, daß die armen notleidenden Landwirte auch in diesen: Jahr lvieder durch die Witterung ge» schädigt seien, werden durch die jetzige amtliche Statistik Lügen ge» straft. Die schon im vergangenen Jahr recht gute Gerreideernte ist in diesem Herbst noch übertroffen worden, und auch der Mißwachs des Vorjahres an Futtermitteln und Hackfrüchten ist einer Durch- schnittsernte gewichen. Nach einer Zusammenstellung des Kaiserlich Stattstischen Amts waren die Ergebnisse folgende: 1912 Erntcmenge vom Hektar Winterweizen....... 2,26 Sommerweizen....... 2,81 Winterroggen....... 1,86 Sommerroggen....... 1,26 Gerste.......... 2,19 Hafer.......... 1,04 Kartoffeln........ 15,03 Klee.......... 4,60 Luzerne......... 6,00 Bewässerte Wiesen......' 5,54 Andere Wiesen....... 4,60 Durchweg ist das Eruteerirägnis absolut und relativ höher als im Jahre 1911. Von einer Preisermäßigung bei Getreide ist trotzdem keine Rede. Unser famoscS Cinfuhrscheinlystem bringt es ja mit sich, daß gute Ernten in erster Linie dem Auslände zugute kommen. Vom 1. August bis 20. November übertraf z. B. der Roggenexport den Import um 3,41 Millionen Doppelzentner (gegen 3,03 Millionen im Jahre 191t). In diesem Herbst hat dann noch der Balkaulrieg wesentlich zu der Preissteigerung beigetragen. 1911 Erntemeng» vom Hektar 2,08 1,91 1,78 1.16 1.99 1,78 10.35 3.52 4,50 4,49 3,27 Hochkonjunktur in England. Der Bericht über den.Handel und die Industrie in den ver» schiedenen englischen Städten und Fabrikbezirken im Monat Oktober zeigt ein außergewöhnlich starkes Anioachsen des Umsätze? und einen raschen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Während die Arbeitslosen im Jahre 1904 über 6 Proz. ausmachten, ist der Prozentsatz jetzt auf 2 gesunken, im scharfen Gegensatz zu 1908, wo es 9,5 Beschäftigungslose gab. Diese Ziffern verstehen sich für die organisierten Arbeiter. Fast jeder Industriezweig klagt über Arbeitermangel. Von Birmingham, Glasgow, Leeds, Sheffield, Leicester und aus den Baumwoll-, Kohlen- und Eisendistrikten kommen Klagen über die Schwierigkeit, genügend Leute zu finden, um die neuen Maschinen zu bedienen nnd die Nachfrage in oiesem einzigartigen Geschäftsjahre zu befriedigen. Nur die Bauherren die Tabakhändler klagen über Rückgang des Geschäftes. und Oeffcntliche Bibliothek�»nb Lesehalle zu unentgeltlicher ve« Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk» täglich von 5K— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dein Lesesaal liegen zurzeit 604 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Stichtung aus. VI: 0 0 Tausende Sprech-Apparafe HunderttausendePfaften ver Kauften wir Im Jah�e 1911' liefern aufT ß 1 I Z 3 Kl I U fl Unsere Original Gotdora-Sprech- Apparate u. Schallpfatlen bilden da» EauflcKcn jede» MtuiKfresnde*. Nicht drei: sehreiead. haben tie doch eine henrorradende Teort&rke. l.aicda»? 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Beccher-Stowe, Harrict. Onkel Toms Hütte oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika. 1,75 M. Brand, Jürgen, Ulenbr 00k. 1,50 M. Brüning, Christinn, Leben und Weben i» Wald und Feld. Farbig und schwarz illustriert. 3 M. Cooper, Fenimore, 1. Der Wildtöte r. Be- arbeitet von M Walsleben. Illustriert. 1,60 M. —, 2. Der Letzte der Mohikaner. Be- arbeitet von M. Beck. Illustriert. 1,50 M. —, 3. Der Pfadfinder am Binnensee. Bearbeitet v. G. Rcichenbach. Illustriert. 1,50 M. —, 4. Leder st rümpf oder die Ansiedelungen an den Quellen des Susquehanna. Bearbeitet von M. Walsleben. Illustriert. 1,50 M. —, 5. Die Prärie. Bearbeitet von H. Krüger. Illustriert. 1,50 M. —, Der letzte Mohikan. Bearbeitet vonWilh. Spohr. 3 M.. —, Der Pfadsinder. Bearbeitet von Wtlh. Spohr. 3 M. Defve, Daniel, Robinson Crusoe. Bearbeitet von O. Zimmerinann. Illustriert. Verlag von Spamer. Leipzig. 1 M. Enzberg, Eugen v., Fridtjof Nansens Er- folge. Ergebnisse seiner letzten Nordpol- cxpedition on Bord de?„Fram". Farbig und swwarz illustriert. 3 M. Ewald, Der Storch und andere Märchen fürer wackie 11 eKinder. IM. —, Ausgewählte Märwen. 1,50 M. Falke, Gustav, u. Locweuberg, Jacob, Steht auf. ihr lieben Kinderlein. Gedichte aus älterer u. neuerer Zeit für Schule u. HauS. 2 M. Ferdinands, Karl, N 0 r m a» n e n st u r m. Eine Eijelgeschichte aus alter Zeit. Schwarz illustriert. 3 M. —, Die Pfahlburg. Sckiwarz illustriert. Mainzer Volks- und Jugendbücher Nr. 1. 3 M. Florricke, Dr. Curt, Die Vögel Deutsch- l a n d s. Wanderungen und Sireiszüge. Farbig und swwarz lllnftriert. Karton. 2 M., geb. 2,50 M. Gefnildeii. Erzählungen für Jung und Alt. Bon Björnion. Hebel. Kielland, Roi'egger, Swmitl- henner. Stöber. Wcisflog und Zswokte. 0.80 M. Gcrstäcker, Fr., Der kleine Watsisch- sänge r. Erzählung. Illustriert. 3 M. Gj�ms-Selmcr, Agot, Als Mutter klein w a r. Ein Buch sür die Jugend. Schwarz illustriert. 2 M. —, Die Doktorsfamilie tm hohen Norden. 2 M. Hauff, Wilhelm. L i ch t e n st e i n. 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November 1908, waren in Berlin noch 228 455 Gemeindcschulkinder gezählt worden. Die Gesamtzahl unserer Gemeindeschulen ist im Winterhalbjahr 1912/13 dieselbe geblieben wie im letzten Sommerhalbjahr: 306 Schulen mit dem Gemeindeschullehr- plan und 20 Hilfsschulen für Schwachbefähigte. Die Gesamt- zahl der Klassen ist auf 5271 gestiegen, das sind nur 6 mehr als ini Sonlnier. In 31 Vor- und 169 Nebenklassen sitzen 3174 Kinder, die übrigen 221 013 Kinder verteilen sich auf 5071 Klassen. Für diese stellt sich die Durchschnitts- frequenz wie eine vom Nachrichtenamt des Magistrats versandte Mitteilung hervorhebt, jetzt auf 43,68 Kinder pro Lklasse. Hier ist der Zusatz zu machen, dass die Durchschnitts- frequenz im besonderen in den oberen Klassen etwa bis 34 hinabgeht, in den unteren Klassen aber bis zu 48 hinaufreicht. Tie wirtliche Frequenz geht leider noch sehr weit über den Durchschnitt hinaus: im letzten Sommerhalbjahr war sie für manche der unteren Klassen noch 60. Wenn der Magistrat den Stadtverordneten die übliche Zusammenstellung über die Frequenz der Gemeindeschulklassen vorqelegt haben wird, dann wird man ja sehen, ob es in diesem Winter besser geworden ist. Einstweilen wollen wir feststellen, daß die oben erwähnte allgemeine Durchschnittsfrequenz. die in diesem Winterhalb- jähr 13,58 ist, im letzten Sommerhalbjahr 43,46 war. Hier wäre also eine Verschlechterung eingetreten, die darauf schliessen lässt, dass auch die besonderen Durchschnitts- frequenzen einzelner Klassenstufcn ungünstiger geworden sein müssen. Da« Nachrichtenamt zieht zur Vergleichnng nicht das letzte Somnlerhalbjahr, sondern das vorige Winterhalbjahr heran, wo die allgemeine Durchschnittsfrequenz noch 43,89 war. Da ergibt sich dann freilich von einem Winter zum anderen noch eine Besserung des Durchschnittes. 7. lc Aruieiispetsuilgsonstalt beginnt ihre Kochperlode am Montag, den 9 d. Mt«.. in folgenden Küchen: Kleine Aug 11. Auguststr. Ackerst r. 134. Schulsw. 7. Nostizstr. 42. Stephanstr. 41. Amsterdamer Str. 26. Lychencr Str. 106. Gcorgcnkirchstr. 64. Rhctnsberger Str. 17. Langestr. 41. Wassertorstr. 32. Stettiner Str. 23. Gloqaner Str. 3. Tilsiter Str. 9. Turmstr. 57. Die Küche in der Saarbrückcr Strasse ist eingegangen: cS sollen passende Räume in der Gegend der Prenzlauer Allee eingerichtet werden. Karten und Blocks, auf welche Speisen verabfolgt werden, und welche für den ganzen Monat berechtigen, sind bei allen Armenkomniissionsvorstehern unentgeltlich zu haben. Bemerkt sei noch, dass die Ausgabe der Speisen nicht als Armenunterstützung zu betrachten ist. Die Speisen werden täglich auch Sonntags in der Zeit von 12 bis 1'/, Uhr verabfolgt. Die Post an Weihnachten. Für den Postdienst an Weihnachten und an Neujahr sind wieder besondere Massnahmen vorgesehen. Im Oberpostdirekttonsbezirt Berlin sind folgende Anordnungen gc- troffen. Am Sonntag, den L2. Dezember, sind die Palet-Annahme- und AuSgadeschalter wie werktags geöffnet. Die Palet-Ausgabc- ichnltcr werden auch am LS. Dezember wie an Werttagen offen gehalten. Am 28. Dezember sowie am Nenjahrstage findet eine einmalige Geldbestellung im Orte statt. Pakctbestellung erfolgt an den beiden Weihnachtsfeiertagen und am Soimwg, den 22. Dezem ber. In Berlin und Charlottenburg findet sie auch am SvnNtag, den 15. Dezember, statt. Sie ruht dagegen am NeujahrStage. An russischem Fleisch sind in der Woche vom Sonnabend, den 30. November, bis cinscbliehlich Freitag, den 0. Dezember, in den bekannten Berliner V-rkaufsstcllcn zusammen 148S Rinderviertel und 1001 ganze Schweine verkauft worden. An die Vororte sind in derselben Zeit 861 Rindervtertel und 461 ganze Schweine abge geben worden. Drr Bankdefraudant Brüning verhaftet. Der seit dem 26. Juni dieses Jahre? flüchtige Kassenbote Brüning ist einem Telegramm zufolge in Winnipeg in Kanada ber- hastet worden. Brüning war bei ber Dresdner Bank in der Behrenstrasse 8e fchästigt. ES gelang ihm. die Summe von 260 000 M. in Tausend markschcinen zu stehlen und damit die Flucht zu ergreifen. Lange Zeit war eS nicht möglich, eine Spur von Brüning zu ermitteln Die Kriminalpolizei leitete eine Ueberwachung aller Verwandten Brünings in die Wege in der Hoffnung, dass B. sich da oder bort sehen lassen würde. Auch der Landwirt Hatke in Engter t. W., der mit einer Schwester B. verheiratet ist, wurde observiert. ES wurde die Briefsperre verhängt. Der Schwager Brünings, Hatke, erhielt einen Brief, ber von dem Fliichiigen stammte und nähere Mitteilungen über dit aufsehenerregende Affäre enthielt. Die Polizei öffnete den Brief, nahm von seinem Inhalt Kenntnis und stellte ihn dann dem Ehepaar zu. Ihr« Entdeckung hielt sie streng geheim und so entspann sich zwischen Brüning und seinem Schwager beziehungsweise seiner Schwester ein reger vrtcsverkehr. AuS diesem war ersichtlich, dass sich der grösst« Teil der ver- unlreuten Summe im Besitz der Hatkeschen Eheleute befand und diese von ihnen auf ihrem Grundstück vergraben worden war. Brüning selbst hatte nur 80 000 M. mit auf die Flucht genommen. Trotzdem griff die Polizei noch nicht zu, überwachte vielmehr die Leute in Engter noch schärfer, jedoch so vorsichtig, dass diese nicht daS geringste wahrnahmen. Zu diesem Vorgehen enischloss sich die Krtminalpolizct, weil Brüning immer noch von einer Stadt zur anderen reiste und sich nirgend länger aufhielt. Auch ltess er sich die meisten Briefe unter einer Deckadresse senden. In der vergangenen Woche lief nun wieder ei» Brief ein, der aus Winnipeg in Kanada kam und die Nachricht enthielt, dass Brüning sich hier häuslich niederlassen wollte. Darauf hatte die Polizeibehörde gewartet. Jetzt hielt sie die geit für geeignet, weitere Schritte zu ergreifen und ihre Kenntnis aus den Briefen. die sie alle abgeschrieben hatte, zu verwerten. Während durch daS Auswärtige Amt die englische Behörde benachrichtigt wurde und diese daraufhin weitere Schritte zur Festnahme Brüning» in Winnipeg in Kanada einleitete, fuhren der Untersuchungsrichter Bombe und die Kriminalkommissare Fritsch und Gcnnat nach Engter, um hier den verborgen gehaltenen Schatz zu heben. Die Eheleute Hatke leugneten nicht nur, mit Brüning in Verbindung gestanden zu haben, sondern auch, dass sie einen Teil der veruntreuten Summe in Aufbewahrung hätten. Selbst als ihnen auf ihr hartnäckiges Verneinen jeder Mitschuld gesagt wurde, dass die Kriminalpolizei aus den abgefangenen Briefen alle» erfahren habe, blieben st« bei ihren ersten Angaben. Diese änderten sie auch dann noch nicht, al» die Kommissare im Keller, an zwei Stellen versteckt, die Summ« von 07 000 M. fanden. Ohne Zweifel wissen sie aber auch von dem Verbleib weiterer 143 000 M.. die Brüning nicht mit tn» Ausland genommen hat. Ihr Leugnen werden sie angesichts der Verhaftung Brünings wohl jetzt doch aufgeben müssen. Wenn sich nun das dort versteckte Geld, waS sehr wahrscheinlich ist, auffinden sollte, so ist von der veruntreuten Summe der Betrag von 2t0 000 M. schon wieder herbeigeschafft. In der aus Kanada eingelaufenen Nachricht geht hervor, dass noch ein zweiter Mann, der sich tn Begleitung Brünings befand, festgenommen worden ist. Wer dieser ist, weiss man noch nicht. In der Depesche wird er Valentin Bermann genannt, voraussichtlich handelt eS sich um jemand, der Brüning bei der Flucht behilflich war. Nach dem Auslieferungsvertrag zwischen Deutschland und England, der sich wohl auch aus die englischen Kolonien erstreckt, werden Diebe, denn ein solcher ist Brüning, ausgeliefert. DaS Auslieferungsverfahren wurde sofort eingeleitet und dürfte der De« raudant nach seiner„Reise um die Welt" bald wieder hier in Berlin eintreffen. Die Reisetosten dürfte» wohl den grössten Teil der von ihm mitgenommenen 80000 Mark in Anspruch genommen haben._ Ein schwerer Unfall ereignete sich am Freitag Nachmittag bor dem.Hause Brunnenstr 4. Dem Kaufmann August Witwer, der auf dem Vorderperron des StrahenbahnwagenS 2881 der Linie 3 tand, war die Mütze vom Kopf geflogen und auf den Boden des Wagens gefallen. Als W. sich bückte, um seine Kopfbedeckung aufzu- nehmen, verlor er das Gleichgewicht und stürzte auf den Strassen- dämm, wo er besinmingslos liegen blieb. Der Verunglückte, der eine leichte Gehirncrschütteruno und eine Schädelvcrletzung davonge- tragen hatte, wurde nach Anlegung eines Notverbandes in seine Wohnung gebracht.— Durch die schon so oft gerügte Unsitte, während der Fahrt einen Strassenbahnwagen zu besteigen, ist wieder ein etwa 40j«hriger Arbeiter schwer verunglückt. Gegen'AI Uhr versuchte tn der Chausseestrasse nahe der Schlegelstrasse ein Mann einen Motorwagen der Linie 28 während der Fahrt zu besteigen, kam dabei zu Fall und geriet mit der Unten Hand unter den Schutzraymen de« Anhänge- Wagens. Dabei erlitt der Unfallhabcnde einen Schädelbruch und eine schwere Verletzung der linken Hand. Er wurde»n besinnungslosem Zustand nach der Köniallchcn Klinik in der Ziegelstrasse gebracht.-- EIN weiterer Slrasscnunfall ereignete sich Freitagnachmittag an der Ecke der Danziger und SchUeinannstrasse. Dort wurde der neun Jahre alte Sohn Adolf des Maurers Strohschenk aus der Räumer« strahe, als er auf der Strasse spielte, von einem Geschäftstvagen überfahren und so schwer verletzt, dass er regungslos liegen blieb. Passaulen brachten ihn zur Htlfswache in der Gaudystrasse, von wo er nach Anlegung eines Notverbandes tn hoffnungslosem Zustande nach dem Kranienhause gebracht wurde. Auf der Strahe vom Tode überrascht wurde Freitagnachmittag die 38 Jahre alte Frau Marie dcs Kutschers Moritz aus der Reaiz» dcrstrasse 35. Die Frau hatte von einem Geschäft in der Rosen- strahe Auftrag erhalten, cm Probckleid anzufertigen, um eventuell von ihm Heimarbeit zu bekommen. Als sie das Kleid abliefern wollte, wurde sie kurz wer dem Geschäft ohnmächtig, brq�ss zusammen und starb schon auf dem Wege zur HilfSioache. Dir Nichtbeachtung llciner Wunden hat wieder einmal ein Opfer gefordert. Vor 14 Tagen rih sich der 33 Jahre alte Tischler Leonhard Rischawy, der in der Alexandrinenstr. 40 in Schlafstelle wohnte, auf seiner Arbeitsstelle, einer Möbelfabrik in der Guet- senaustratzc, einen Splitter in die Hand. Er zog diesen selbst wieder heraus und kümmerte sich nicht weiter um die entstandene Ver- letzung. Nach einige» Tagen schwoll die Hand und der Arm so stark au, dass er einen Arzt aufsuchen mnsst». ES war aber bereits g» spät. Im Urbaii-Krautcnhauö. das N. aufsuchen muhte, gelang es nicht mehr, das Fortschreiten der Blutvergiftung zu verhindern. Gestern starb er infolgedessen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Eine Beeth-ven-Feier für die arbeitende IngenS findet am 26. Dezember, mittags 12 Uhr. im grossen Saale der Brauerei Frtedrichshain statt. Der Dirigent des Konzerts. Oscar Frted. wird mit dem verstärkten Blüthner-Orchester Beethovens Pastorol-Symphonie zur Aufführung bringen; daran sollen sich Bcethovensche Lieder, da» Violin-Konzer, D-Dur unv die Leonoren-Ouvertüre Rr. 3 anschliessen. Genosse PaulGöhre wird an die jugendlichen Besucher eine einleitende Ansprache halten. Dem Aussenstehenden dürfte eS vielleicht als ein gewagter Versuch erscheinen, junge Arbeiter und Arbeiterinnen zum Genuss Bcethovenscher Werke führen zu wollen. Wie soll der junge Prole- tarier, dem die Schule künstlerisches Leben so wenig nahe gebrach» hat, sich tn die Tiefen dieser reinsten, von allen Wirklichkeitswerten losgelöstesten Schönheit versenken können? Und dennoch ist es so. Die Arbeiterschaft beginnt zu begreifen, daß nichts die Seelen junger Menschenkinder tiefer mit sich fortreißt, nichts weckender und befreiender auch auf den G e i st der Jugend wirkt, als jene erhabensten Schönheitseindrücke, die nur die Werke der grossen Künstler der Menschheit geben konnten. Gewiss ist es notwendig, auch im einzelnen die jungen Hörer zum Verständnis der Musik und speziell der hier gebotenen Werlo anzuleiten. Zu dtesem Zweck wird nicht nur ein Programmbuch ausgegeben, das Erläuterungen zu den einzelnen Programmnummern enthält; es soll vor allem morgen am S. Dezember» abends 81tzUhr, im Gewerkschaftshaus ein Einführung S» abend veranstaltet werden, in dem Dr. Alfred Guttmann durch einen Vortrag und durch musikalische Demonstrationen die Hörer zum rechten Genuß des Konzerts vorbereiten will. Die Berliner Arbeiterjugend und ebenso alle Erwachsenen, die sich für die Entwtckelung ihrer Kinder interessieren, werden hoffent- tich durch die regste Beteiligung an beiden Veranstaltungen be- weisen, daß sie die Bedeutung dieser Jugendbtldungsarbeit für das Leben des Proletariats voll zu würdigen wissen. Der Eintrittspreis zu der Beethoven-Fcier am 26. Dezember, zu der neben den Jugendlichen natürlich gleichfalls alle Eltern geladen sind, beträgt für alle Personen unter 13 Jahren 30 Pf., über 18 Jahren 80 Pf.; die Billetts berechtigen gleich- zeitig zum Besuch des heutigen Einführungsabends. Billetts sind sowohl morgen am v.> wie am 26. Dezember am Saaleingang zu haben. Die Programmhefte gelten als Eintritts- karten. Der Ueberfall auf den Geldbriefträger Hoffmann. Wie der Telegraph meldet, hat sich der Komplize des bereits verhafteten Kellner« Rost, der Kellner g r e i h o l z, gestern freiwillig ber Ham- burger Polizeibehörde gestellt. Daß Theater Nolles llapelte hatte am Freitag einen Premieren« abend: wieder drei Einakter, lustig, unterhaltsam. Zwet Schwänke ivaren es(„In Sachen Ka he n st e i n" von C a I t ba u;„D i e Tochter der Braut" von S t> t h r) und eine Posse mit Gesang („Dit Doppelstrma" von Tb. H a l t o n. Musik von A. Stetnke). Legt man an die im LIntenstratzcntheater gebotenen bühnenmäßig aufgeputzten Spaße so etwas wie einen dramatischen Maßstab an, dann müßte diesmal der lustigen Gerichtsszene„In Sachen Kahenftein" der Preis zuerkannt»verden, wohingegen Mo komisch« Situation in dem Verwechselungsscherz„Die Tochter der Braut' allzu breit ausgesponnen war. Trotzdem schlugen olle drei Stücke ein. Das Publikum zeigte sich animiert, lachlustig und geizte nicht mit dem Beifall. Um das Gelingen des Abends machten sich durch ihr glänzendes Spiel besonders verdient: die Damen Barre, Blenke und die Herren Horowih und Beckmann; allen voran feierte wieder Siegfried B a b r t s ch seine Triumphe, Vorort- JSacbncbtern Sichtenbirg. Gtadtverorduetenstichwahl. Am Montag, den V. Dezember, sind die Stichwahlen für die 2. Wählerableilung vorzunehmen. Die Gruppe der Gruiidbesitzlntereffen, die erst noch am Donnerstag eine so glänzende Probe mittelstandsfeindlicher Politik ablegte, erhofft durch einen Pakt mit den Führern der Mittelständler, die noch aus. stehenden Mandate zu ergattern. Dass die Mittelstandswähler sich in solcher Weise missbrauchen lassen werden, ist kaum anzunehmen. Da» um so weniger, al» sie in den Versammlungen der Grund« besitzer al« nichtsnutzige Terroristen gebrandmarkt werden. So erklärte noch tn einer Versammlung am 4. Dezember im „Schwarzen Adler' der Kommandeur der Partei„Schwenk ein', Herr Rechtsanwalt Schachtel, die schlechte Beteiligung der HauS- besitzer bei der Hauptwahl sei auf den TerroriSmuS der Mittelständler zurückzuführen. Und«in anderer Redner denunzierte die Eisenbahner, weil sie nicht für die Borschussbankgruppe gewählt haben. Man merkt die Absicht. Verschaffen die Mittelständler der Fraktion Schachtel eine Mehrheit, dann werden sie tn Zukunft weiter so be» handelt werden. olS wie das bisher geschehen. Man verhinderte «ine Ermässigung der Gewerbesteuern und der Biersteuer, hintertrieb die Lieferung billigerer Betriebsmittel, Gas und elektrische Energie. Und jedesmal lehnte man damit sozialdemokratische Anträge ab. ES paßt daher in da» Programm der Schachtelgruppe, dass sie nun auch den von der Sozialdemokratie verlangten Schutz der Bauhaudwerker verhinderte. Deren Forderungen bei der Gewährung von Hypotheken dnrch eine städtisch« Einrichtung sicherzustellen, lehnten die Herreit ab. um den Spekulanten ihr ge- meingefährtlches Handwerk nicht zu erschweren. Und für sie brachte man eine recht grosse Ernte tu die Scheuern. So macht man tn Lichtenberg unter der Regte Schachtel— MittelstandSpoittik I Wer sie unterstützen will, muß die Grundbefitzerkandidalen heraushauen.— Der WahlrechtSraub ha» jenen Leuten den verdienten Denkzettel ein- getragen, die Auslieferung der Bauhandwerker an das skrupellose Spekutantentum muß das Werk vollenden» der Schachtelparlet eine gründliche Niederlage bereiten. ES sei noch erwähnt, dass der 4 Bezirk. Wahllokal:„Rats- kell«". Möllendorffstrasse S, der 6. Bezirk, Wahllokal: Restaurant von Anna Goltsch. L-opoldstrahe 38, der 7. Bezirk. Wahllokal:„Zur Wartburg", Frankfurter Chaussee 61 der 8. B'Urk. Wahllokal: Restaurant von Tqeovor Meyer, Frankfurter Chaussee IIS, bei der Stichwahl in Betracht kommen. Gewählt wird wieder von mittag« 12 bis nachmittags 6 Uhr. Est st zu beachten, dass bei der Stichwahl auch diejenigen Genossen wahlberechtigt sind, die bei d rr Hauptwahl nicht gewählt haben. Ein früh- zeitige? Erscheinen ist dringend geboten. WilmerSdorf-Halensee. Städtischer Fleischverkauf durch die Konsumgenossenschaft. RaMm m(ffernr SoztMM die erste FleischpcrjaujöstcllL im Zause Auguskaflra�e 57«öffnet worVett ist, Mrv Me Genossenschaft Zum Dienstag zwei weitere Verkaufsstelleiii einrichten. Die eine ist im Hause LiNläkidische Straße 1, die andere im Hanse Güntzc st ratze 43 gelegen. Wie wir hören, besteht auch Aussicht, in Halens cc eine Berkanfs stelle zu eröffnen. In allen «diesen Läden wird nicht nur an Mtglieder der Konsumgenossenschaft, sondern an alle Einwohner ausländisches Fleisch zu den von «der Stadt festgesetzten Bedingungen, abgegeben. Am Montag, den 9. Dezember er., abends 8%' Uhr beginnend, findet im B i k t o r i a- G a r t e n, WilhelmSaue 115, ein Wilhelm-Busch- A b e n d(Lichtbildervortrag) statt. Am selben Tage nachmittags 5 Uhr ist für die Kleinen ein Märchenabend vorgesehen, zu dem der E i n t r i t t g ä n z I i ch frei ist. Für Teil- nahine am Buschabend ist 20 Pf. Eintritt zu entrichten. Jugendliche Persbnen unter 18 Jahren sind frei. Eharlottenburg. Elternverein für freie Erziehung. Am Mittwoch, den 11. De- zemb-er, findet ein Spielnachmittag statt, vom Januar ab finden «dieselben wieder jeden zweiten und letzten Mittwoch im Monat, nachmittags 3 Uhr, im„.Volkshaus", Rofinenstr. 3, statt. Gleichzeitig fei mitgeteilt, daß bei unserer Adärchenaufführung am Mitt- woch, den 4. d. M. eine Handtasche mit Inhalt abhanden gekommen istz dieselbe ist abzugeben bei Grätz, Sprecstr. 50, Quergeb. 2 Tr. Köpenick. Der Bildungsansschnß veranstaltet in der Woche vom Sonntag, den 8. Dezeniber bis einschließlich Sonntag, den 15. Dezember im Stadttheater, Friedrichstraße, eine reichhaltige Ausstellung empfehlenS- werter Jugendschriflen, modern künstlerischen Wandschmucks, sowie Unterhaltungsspiele usw. Die Ausstellung ist geöffnet Sonntags von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends, wochentags von 7— 10 Uhr abends. Die Arbeiterschaft wird ersucht, ihren Weihnachtsbedarf ausschließlich dort zu bestellen. Ol»er-Schöneweilie. Die Arbeitslosenversicherung dürfte die Gemeindebertreiung in Kürze erneut beschäftigen. Die Kommission, welche zur Beratung des Antrages der sozialdemokratischen Fraktion eingesetzt war, hat das.'beigebrachte Material geprüft. Ob die Angelegenheit im Sinne best Antrages jedoch ihre Erledigung findet, steht dahin, da nach wie vor Abneigung dagegen besteht, durch Gewährung eines genieind- kichsn Zuschusses an Gowerkschaftsangehörige, welche Arbeitslosen- irnierstützung beziehen, die Versicherung zu einer zweckentsprechen- den zu geskaltcm Friedrichshagen. Der erste Verkauf russischen Fleisches fand am Freitag im alten Spritzenhause in der Kirchstraße statt. Trotzdem der Verkauf wenig bekannt war, waren gegen 11 Uhr vormittags die Vorräte erschöpft. Im ganzen wurden etwa 10 Zentner Rind- und Schweinefleisch verkauft. Jedenfalls hat der erste Verkauf bewiesen, daß die Nach- frage nach russischem Fleisch in Friedrichshagen genau wie in ande- ren Orten vorhanden ist. Es wäre deshalb dringend notwendig, daß der Verkauf mindestens an zwei Tagen in der Woche statt- findet. Zeuthen. Bon einem größeren Schadenfeuer wurde unser Ort am Frei- tag gegen 5 Uhr abends heimgesucht. Ein dem Tischlermeister Hanke gehörender Henschuppen mit Stall ung. brannte Ibis auf die Umfassungsmauern nieder. In dem Schuppen befand sich auch das Mobiliar eines Landarbeiters, welches ebenfalls ein Raub«der Flammen wurde. Besondere«Schwierigkeit bei den RettungS- arbeiten bereitete die Fortschaffung des Viehes. Die auch aus anderen Ortschaften herbeigeeilten freiwilligen Feuerwehren ver- hüteten das Uebevgreifen auf andere Gebäude; doch zeigte sich auch hier wieder, daß die Wehren größeren Bränden gegenüber voll- ständig machtlos gegenüberstehen. Die Aufräumungsarbciten nahmen mehrere Stunden in Anspruch, lieber die Entstehung des Brandes ist noch nichts bekannt. Adlershof. Die für heute geplante Eröffnung der Jugendschristen-Aus- stellung findet besonderer Umstände halber erst am Donnerstag, den 12. Dezember, abends 7 Uhr, im Jugendheim statt. Alt-Glienicke. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung zu- nächst das Steuerbringshstein einzuführen. In der Uebergangszeit, vom 1. bis 15. Mai 1913, können die Steuern zweimal pro Woche auch in den Abendstunden abgeliefert werden.— Die gemeinnützige Baugenossenschaft„Gartenvorstadt Groß-Berlin"- hat am Bahnhof Grünau auf Alt-Glienicker Gebiet ein 5 Morgen großes Grundstück erworben und beabsichtigt hier eine Kleinhaus-Musterkolonie von 38 Wohnungen, größtenteils in Reiheneinfamilienhäuscrn zu er- richten. Der geplanten Siedlung sind anfangs, besonders von Haus- und Grundbesitzern, aus naheliegenden Gründen allerhand Schmie- rigkeiten gemacht worden. Die Gemeindevertretung, welche sich auf Anordnung vom Kreisausschuß mit der Angelegenheit zu be- schäftigen hatte, wünscht das Projett möglichst zu fördern, fordert aber für Straßenpflasterkosten die Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 12 800 lvlk. Zur Neuordnung der Gemeinde- und«Schul- Verhältnisse wird die«Summe von 7200 Mk. als einmalige Abfin- dung verlangt. Mit dem Bau der interessanten Wohnsiedlung soll baldigst begonnen werden. Die Angelegenheit betreffend Ver- kauf russischen Fleisches wurde der Notstandskommission überwiesen. Als Weihnachstgeschenke für die Ortsarmen wurde die Summe von 300 Mk. bewilligt. KLeistensee« Bus der Gemcmdsvcrtretung. Die der Schöffenwahl voran- gehende Sitzung währte nur eiiiie Stunde, trotzdem eigentlich einige wichtige Punkte zur Verhandlung standen, z. B. dte Beschlußfassung betr. einer Reglern ngsverfiigung vom 10. Juni über den Be- bauungsplan. Die Regierung hatte Wünsche ausgesprochen, mit denen unsere Genossen vollauf zufrieden waren, so u. a. daß'der Weiße See in der heutigen Gestalt erhalten bleiben muß; es wurde daher die Aufschließiung des Schlotzigrundstücks so gestaltet, daß der ganze Park erhalten bleibt und die erst geplante Fahrstraße durch den Park fortfällt,'ebenso dürfen auf den ail der Großen Seestraße mid Berliner Allee gelegenen Seegrundstücken keine Hinterhäuser erstehen. Weiter verlangt die Rogternng die Schaffung weiterer Grünflächen, mit denen der Teil zwischen Kreuzpfuhl und Weißer See ganz besonders bedacht werden soll. Zugleich wurde der Be- schluß gefaßt, daß der Gemeindesriedhos an der Roelckestratze, wenn er seinen Zwecken nicht mehr dienen sollte, der Bebauung entzogen werden und als Park weiter bestehen soll, wie man das von'den Friedhöfen der Kirchenge-meinden ebenfalls erwartet.— Für das jetzt im Bau begriffene Ledigenheim sind durch verschiedene Pro- jeitänderungen Mehrkosten in Höhe von 19 500 M. zu erivarten, die bewilligt wurden. Bei � dieser Gelegenheit bemängelte Genosse Frentz, daß man doch gleich das Lodigenheim um 8— 8 Fenster Front vergrößern solle, da nach seiner Mciiuing dasselbe zu klein werde und die Kosten für eine sich eventuell notwendig machende Erweite- tu, ig später ganz beideutend höher fein würden. Für das Elektri- zitätswerk wurden zur Einrichtung von drei Kesseln mit einer imiechanifchen Wauderrofffeuerung 30 000 M. bewilligt. Letztere ist bereits bei zwei anderen Kesseln vorhanden und hat sich gut be- währt, indem erstens Arbeitskräfte gespart werden und außerdem «die Rauchentwickelung vermindert wird. Zum Schiedsmann wurde der Kaufmann Richder und zum Stellvertreter der Uhrmacher Merkwer auf sechs Jahre wiedergewählt, während der K-.B. Fechner eine W i-ederwahl � abl eh nie, Die Jugendschrifken-AuSfiellung des BildungSanSschusscS lvird heute, am Sonntag, den 8. Dezember, im Lokale von Penkert, Berliner Allee 251, eröffnet. Nach den Grundsätzen de? zentralen B'.ldungsailssckiusses aufgebaut, enthält sie Schriften, die jeder AlicrS- klaffe der Arbeiterjugend angepaßt sind und die den Arbeiter- eltern die Auswahl guter und billiger Lektüre erleichtert. Hand in Hand damit bringt sie auch künstlerischen Wandschmuck. Der Arbeiter- schaft ist der Besuch der Ausstellung auf daS angelegentlichste empfchlen. Pankow-Niederschönhausen. Einen Märchenabent»,„Proletariers Kinderweihnacht", bcran- staltet am 15. Dezember der Lildungsausschus', im Lokal von Ebers- bach, Berliner Str. 102. Der Eintritt beträgt 80 Pf. Kinder in Begleitung Erwachsener sind frei, sonst 15 Pf. Da für einen ge- nußreichen Abend, nicht nur für die Kinder, sondern auch für Er- ivachsene, gesorgt ist, wird um zahlreichen Besuch gebeten. Beginn 5 Uhr nachmittags. Tpanoau. Bon einem Unfall ist vorgestern abend der Glasermeister Wagner betroffen worden. Als er sich von der Börnicker Straße auf dem Heimweg nach seiner in der Adamjtraße belegenen Wohnung befand, kam er in der Dunkelheit an einer einsamen Stelle zu Fall und zog sich dabei einen Beinbruch zu; in hilflosem Zustande lag er dam, geraume Zeit, bis Vorübergehende auf den Verunglücklen aufmerk- sam wurden und ihn zunächst nach seiner Behausung trugen. Von dort ist er gestern morgen nach dem städtischen Krankenhause über- geführt worden. Potsdam. Der Wahlverein diskutierte in der letzien Versammlung n. a. über den preußischen Parteitag, der voraussichtlich weitgehende Be- schlüsse bezüglich des Wahlrechts für der� preußischen Landtag fassen werde. Allgemein war man sich darüber, einig, daß etwas geschehen müsse, um der Forderung der Arbeiterschaft Geltung zu verschaffen. Auch sprach man sich für baldige Einsetzung der Agitation für die Landtagswahl auS. Eine längere Debatte entspann sich über die letzte Flugblattverbreitung, zu der sich leider nicht die genügende Anzahl der Genossen zur Verfügung gestellt hatten, so daß die Be- zirksführer den größten Teil der Arbeit allein erledigen mußten. Es sollen Mittel und Wege gefunden werden, daß sich derartige Fälle nicht wiederholen, denn jedes Wahlvereinsmitglied ohne Ausnahme habe die Pflicht, sich der Parteiarbeit zu unterziehen. Einen Kunstabend veranstaltet heute Sonntag abend im Lokal FriedrichSgarlen der Arbeiterbildungsausschuß. Außer Rezi- tationen und Gesängen einer Konzertsängerin werden zwei Pols- damer Gesangvereine Gesänge zu Gehör bringe». Der Besuch dieser Veranstaltung ist jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin zu empfehlen._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Neukölln. Am Montag, de» 9. Dezember, abends 6 Uhr, im Stadtverordiictensitzungssaal des Rathauses. Lber-Schöneweidc. Am Dienstag, den 10. Dezember, nachmittags 5 Uhr, in der Schulaula, Frischenstr. 13. Schmargendorf. Am Montag, den 9. Dezember, abends 6 Uhr, im Rathause. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Ecmcindeangchörige ist be- rechtig«, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. £[iis aller Melt. ©cbwarzgelbe Kultur. In der Münchener Zettschrift.JanuS' wird über den E u ch a- r i st i s ch e n Kongreß, der vor einiger Zeit in Wien stattfand, geschrieben: „Zur Durchhaltung der aus allen Winkeln der Donaumonarchie zusammengeholten armen Teufel und zur höheren Ehre des hoch- heiligen Altarsakraments hatte ein Jude eine Million Kronen gespendet; in einem Reiche, das bis zur Stunde noch nicht ein einziges Sanatorium für arme Lungen- schwindlüchtige ausweist. Mit einer Million auS jüdischem Säckel wurde jene Macht ge- stärkt, deren Presse alljährlich vor dem Passahfest das Blutmärchen vom R i t u a l m o r d zur Verfolgung der Inden erzählt. Dafür erhielt der Jude gleichzeitig mit der Heilswohltat der Taufe den kaiserlichen Adelsbrief und heißt jetzt nicht mehr Jtzig Stinkele, sondern Isidor Edler von Stinkelstein. Eiserne Stirn— eiserne Kasse— eiserne Krone. Zur Sicherung der Prozession, worin unter strömendem Regen eine Riesenmonstranz in der uralten Staalskarosse der Kaiserin Maria Theresia durch Wiens Straßen geführt wurde, sind 150 00 Mann Militär aus 300 Kilometer von Wien entfernten Gar- nisonen kommandiert worden. Dabei faßte der Mann zwanzig scharfe Patronen und die Instruktion, jeden Ruhestörer e r- barmungSloS niederzuschießen. Das heißt die Politik der innersten Unwahrhastigkeit l Die Kirche fließt über vcrn honigsüßen Redensarten der Liebe, deS Ver- zeihens und der Himmelsgnade auch für den ärgsten Sünder und läßt gleichzeitig durch die ihrer geistlichen Kommandogewalt unter- stellten Solvaten die Lutheraner, Juden, Sozialdemokraten, Frei- maurer und Neuheiden, die neugierig aus allzugroßer Nähe sich das Spektakelstück zu Ehren von Thron und Altar betrachten wollen, un- bußfertig ins Jenseits beförden. „Kyrie eleysonl Christe eleysonl Schnellfeuert Piff Paff! Hurra I"—_ Fernfahrt des Schutte-Lanz-Luftschiffes. DaS Luftschiff Schütte-Lanz ist am Freitagabend 8 Uhr in Mannheim, woes längere Zeit stationiert war, zu einer Fern- fahrt nach Berlin aufgestiegen. Das vom Luftschiffkapitän Honold gesteuerte Luftschiff passierte Sonnabend mittag gegen 12 Uhr Berlin und landete um 1 Uhr vor der neuen Militär- luftschiffhalle in Biesdorf. Das Luftschiff wird von der Militärverwaltung angekauft werden, da es die Abnahmebedingungen. eine mindestens sechzehnstündige un- unterbrochene Fahrt, bestanden hat. In den Spuren Schorlemers. DaS Organ der bayerischen Junkerbündler, der in Nürnberg er- scheinende„Bayerische BolkSfreund", bemüht sich in einer Polemik mit unserem Nürnberger Parteiblatt nachzuweisen, daß die arme Bevölkerung nicht etwa aus Not, sondern aus Fein- s�b meckeret Hunde- und Katzenfleisch ißt. In einem kleinen Dorfe in der Nähe von Bopfingen— der Name wird wohlweislich nicht genannt— sollen Leute wohnen, die ein„ethno- graphisches Rätsel" sind, wahrscheinlich der Rest irgendeiner Ur- bevölkcrung, die lange vor der Einwanderung der Germanen das Land bewohnt hat.„Diese Bewohner— so heißt eS in dem agrarischen Blatt— haben neben anderen seltsamen Gewohnheiten auch die: daß sie mit Vorliebe Hunde verspeisen. Die Leute sind allerdings arm. aber aus Armut brauchen sie ebenso wenig Hundefleisch zu e s s e n, wie die anderen Bewohner armer Landgemeinden!" Weiter wird behauptet, daß in der Gegend am Hessel- b e r g in Mittelftanken jedes Frühjahr und im Herbst auS dem benachbarten Württemberg Maurer und sonstige Männer herumziehen und um billiges Geld fette Hunde und Katzen zusammen- kaufen.»Diese Leute treibt nicht die Rot zu derartigem Fkeischgenuß, sondern der Wohlgeschmack! So bleibt dann noch mehr Geld zum Alkohol, dem diese Leute tapfer huldigen."— Hoffentlich läßt sich der preußische Landwirtschaitsminister v. Schorlen« er dieses gewichtige Argument für die Begehrlichkeit des Volkes nicht entgehen. Wenn er dann noch den b o h c n E i tv e i ß g e h a l t des Hunde- und KatzenfleiicheS festgestellt hat, kann cr seine Weisheit unter dem Jubel der Junker verkünden. Panik in einer spanische» Kirche. Wie ein Telegramm aus B a d a j o z meldet, brach in der Kirche der spanischen Ortschaft E l V a S während einer Trauung Feuer a u S. Unter den Teilnehmern der Hochzeit und den zahl- reich anwesenden Zuschauern kam es zu einer furchtbaren Panik. Die aufgeregte Menge stürzte dem Ausgange zu; in dein enlstebenden Gedränge wurden viele Personen zu Boden getreten. Einige Kirchenbesncher sprangen aus den Fenstern und erlitten schwere Verletzungen. Im ganzen wurden ellva dreißig P e r- so neu verwundet, darunter viele lebensgefährlich. Parteipokitik beim Taufakt. In Aachen, der Muster-Zentrumsstadl. stand dieser Tage ein Arbeiter bei der Taufe des Sprößlings eines Kollegen Pate. Vor der Taufe wurde er von dem Kaplan bei Seile gerufen und einem scharfen Kreuzverhör nnterworsen. Ob er noch der Kirche an- gehöre, ob er noch fleißig die Kirche besuche usw. Alle diele F agen konnrc» mit bestem Geiviffen mit ja beantwortet werden.„Und doch haben Sie bei der letzten W a h l s o z i a l d e m o- kratiich g e w äH l t!" klang es dann mit scharfem Vorwarf und mit einem Unterlon von Bedauern aus dem geistlichen Munde Der Arbeiter gab der Wahrheit gemäß diese Untat zu:„Wie kommen Sie nur dazu, soziald e in o k r a t r i ck zu stimmen?" Ans diese Frage blieb der Taufzeuge die Antwort schuldig. Er war baff. Daß ma» sich über das Gegenteil wundem könne, begriff er. eine solche Frage aber hatte er selbst von einem Aachener Kaplan nicht erwartet. Schließlich bedcnlete der In- quirierte dem zudringlichen Krager. daß er ilnn das nicht in drei Worten sagen könne, daß Seine Hochwürdcn dies aber gewiß genau erfahren würden, weiin er sich in Zukunft hie und da in— sozialdemokratische Versammlungen bemühen ivolle. Tie Invasion der Mormonen in England. In London hat sich vor einiger Zeit eine Anti- Mormonen« Liga gebildet, die der Invasion der Mormonen einen Damm ent- gegensetzen will. Besonders im Norden entfalten die Mornümcn- ältesten unter den Fabrikmädchen der Spinnereien ihre Werbea.-beil. In London selbst haben die Prediger der Vielweiberei schneller Fuß gefaßt, als angenommen werde» konnte. Vor süui Jabrcn be- gannen sie ihr Merk und verteilten Broschüren und Abhandln� gen. In ganz kurzer Zeit waren sie in der Lage, ein großes G e- bände zu mieten und als Tempel einzurichten. Fetzt bearbeiten sie die südlichen Stadtteile von Londoi« und beabfichligeit auch dort ein Versammlungslokal zu errichte». UeberfaU auf eine Stadt. Eine etwa? merkwürdige Geschichte meldet der Draht auS Mexiko. Danach erschien vor einigen Tagen eine Bande von 20 räuberischen Jnsnrgenlen vor den Toren der kleinen niexikanischen Stadt Valle del Rayo und forderte den Zivilpräiekten ans, innerhalb drei Stunden ihnen 19 der schönsten Mädchen der Stadt auszuliefern, andernfalls sie die Stad« v..- wüsten und in Brand setzen würden. Der Zivilpräfekt benct darauf längere Zeit mit den angesehensten Bürgern der Stadt uno man faßte den Entschluß, die Stadt zu verlasse». Gesagt, getan; sämtliche Einwohner flüchteten schleunigst ins Gebirge und als nach Verlauf von drei Stunden die Insurgenten in der Stadt erichienon, fanden sie diese leer. Sie zerstörten darauf die Stadt vollständig und setzten sie in Brand._ Kleine Notizen. Durch Starkstrom getötet! Beim Hantieren in einer Trans- formatorenstation kam in der rheinischen Ortschaft Hückeswagen ein Arbeiter, Vater von fünf unmündigen Kindern, einer 8000 Volt starken Stromleitung zu nahe. Er war sofort tot. Ein ihm zu Hilfe eilender Kollege kam mit derselben Leitung in Be- rührnng und wurde ebe. n fallsgetötet. Eine lebende Fackel. Einen grauenhaften Selbstmord beging eine junge Dame uns Berlin, die sich seit einiger Zeil in Weimar in Pension befand. Sie tränkte ihre Kleider mit Petroleum und bestieg dann auf dem Felde einen großen Strohschober, zündete denselben an und erlitt den Tod in den Flammen. Man glaubt, daß die Unglückliche die Tat in einem Anfalle von Geistesstörung verübt hat. Wirbelstürmc in Italien. Durch einen furchtbaren Wirbelstnrm ist die Stadt Castellaneta zum Teile zerstört worden. Auch in Lecce wurde durch den Sturm erheblicher Schaden angerichtet. In- folge der heftigen Regengüsse wurden zahlreiche Häuser unterspült; die Einwohner konnten sich nur durch schleunige Flucht retten. Ein Kind ist in den Fluten ertrunken. Der Schaden ist erheblich._ CClocben-öpklplan der ßerliner Cbcatcr. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. (Anfang 7 Uhr.) Montag: FigaroS Hochzeit. Dienstag: Oavallorla rustillana. Mittwoch: Die luftigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Mignon. Freitag: Carmen. Sonnabend und Sonntag! Das Rheingolo. Montag: Madama Butterfly. stinsang 7'/, Uhr.) Königl. Tchauspielhaus. Svimtag: Der große König. Montag: Ein Wasseilgang. Tlenstag: Flachsmann a!S Erzieher. Mittwoch: Die Welt, in der man sich langweiit. Donnerstag: Don Carlos. Freitag: Ein Waffengang. Sonnabend und Sonnlag: Don Carlos. Montag: Die Journalisten.(Ansang 7'/, Uhr). Neues Opern-Theater(Kroll). Montag geschlossen. Täglich: Russisches Balleit.(Ansang 8 Uhr.) Dentsckes Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelis. Abends, Montag, Dirnstag, Mittwoch und Donnerstag: Zar und Zimmermann. Freitag: Figaros Hochzeit. Sonnabend, Sonntag und Montag: Oberon. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: König Heinrich IV., 2. Teil. Montag und Dienstag: König Heinrich lV., 1. Test MNtwoch: Ein SommcrnachtStraum. Donnerstag: König Heinrich IV., I.Teil. Freitag: König Heinrich IV., 2. Teil. Sonnabend: König Heinrich IV., t. Teil. Sonntag: König Heinrich IV., 2. Teil. Montag: König Heinrich IV., l.Tcil. (Ansang l'l, Uhr.) Kiimmcrspiele. Sonntag: Maria Magdalcne. Montag»nd Dienstag: Mein Freund Teddy. Mittwoch: Maria Magdalene. Donnerslag: Mein Freund Teddy. Freitag: Maria Magdalcne. Sonnabend, Sonntag und Montag: Mein Freund Teddy.(Ansang 8 Uhr.) Lesung- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Sommer. Moniag: Einiame Menschen. Dienstag: Sommer. Mittwoch: Gabriel Schillings Flucht. Donnerstag: Sommer. F eitag: Gabriel Schillings Flucht. Sonnabend und Sonntag: Sommer. Montag: Gabriel Schillings Flucht.(Zlnsang 8 Uhr.) Berliner Tliearcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosiue::. Allabendlich: Fitmzauber. Sonnabend und Sonnlag, nachmittags 3 Uhr Große Rosinen.(Aniang 8 Uhr.) Kleines Theater. Solintagnachmittag 3 Uhr: Und das Licht scheinet in der Flnsternis. Abends: Professor Bcrnhardi. Montag: Drei Einakter. Von: Dienstag ab alladendlich: Professor Bernhard:.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Köinggräner Stratzc. Sonntag: Die süns graul- surtcr. Montag: Herodes und Mariamne.(Ansang 7'/, Uhr) Dleustag: Die süns Franksurter. Mittwoch: Hedda Gabler. Donnerstag: Die süns Franlsnrler. Freitag: Hedda Gabler. Sonnabend: Die süni Franksurter. e-onnlag: Hedda Gabler. Montag: Die süns Franksurter.(Ansang 8 Uhr.) TrinnomTheater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupincl. Allabendlich: Die Erste— die Beste.(Ansang 8 Uhr.) JiNiller-Theater td. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Zopf und Schwert. AbendS: Im weißen Röhl. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Die Jüdin von Toledo. Miltivoch und Donnerstag: Im weißen Rößl. » Am ivMen RSHI. Sonntagnachmittog 8 Uhr: Htimg'fmtdett Dienstag: lachmittag 3 Nhr: Wallen- onnerStag: Hciing'fundcin ffrettag: Der TaflSmau Sonnavend und?anntaz: Mantag: Hedda Gabler,('.llnsang 8 Nhr). Schiller< Theater Eharlottenburg Die Jüdin von Toledo. WcndZ und Montag: DeS Pfarrers Tochter von Streladors. Mittwo- •■eins Tod. Abends: Die Geschwister. Aga. WW�WWW Freitag: Des Pfarrer? Tochter von Streladors. Sonnabendnachmittag >> Uhr: Wallnnstcin? Tod. Slbend?, Sonntag und Montag: Hcimg'fundcn. �Ansang 8 Nhr.) Friedlich- iSilhelmstädt. Schauspielhaus. Somitaguachmittag 3 Nhr: Weh dem, der lügt. Mittwoch und Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: ChnftnachtSzaubcr. Allabendlich: Grigri.(Ansang 8'/« Nhr) Neues Volks- Theater. Sonntagnachniittag 3 Uhr:' Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Abend?: Gefchlossene Vorstellung. Montag: Michael Kramer. Dienstag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Mittwoch: Michael Krämer. Donnerstag: Mutter Landstraße. Freitag: Die Doppelgängcrkomödie. Sonnabend: Mutter Landstraße. Sonntag: Michael Kramer.(Ansang 8'/, Uhr.) Thalia-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Mitt- woch- und Sonnabendnachinittag 3 Uhr: Frau Holle. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Luftipieldaus. Sonntagnachniittag 3 Uhr: So'n Windhund. All- abendlich: Gras Pepi.(Ansang 8'/« Uhr.) Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der rote Leutnant. Allabendlich: Die GeneralSeckc.(Ansang 8 Uhr.) Nesidcuz- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Alles für die Firma. Allabendlich: Prinzenerziehung.(Ans. 8 Uhr). Deutsches Schauspielhaus. Sonntag: Der gutsitzende Frack. Montag: Gläubiger. Mit dem Feuer spielen. Vom Dienstag bis Sonn- tag: Der gutsitzende Frack. Montag: Gläubiger. Mit dem Feuer spielen. (Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplatz. Eonntagnachmittag 4 Uhr: Jugend. •Abends. Montag, Dienstag und Mittwoch: Orpheus in der Unterwelt. Mittwochnachmtttag 3 Uhr: Schneewittchen. Donnerstag: Kismct. Freitag: Orpheus in der Unierwelt. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Schneewittchen. Abends und Sonntag: Kismct. Montag: Orpheus in der Unterwelt. (Ansang 8 Uhr.) Casino- Theater. Donntagnachmittag 4 Uhr: PapaS Settensprung. Allabendlich: Am grünen Strand der Spree.(Ansang 8 Uhr.) Moutis Operetten. Theater. Sonutagnachmittag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Der Frauensresser.(Ansang 8 Nhr.) KurfSrften-OPer. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Freischütz. Mittwoch. und Sonnabendnachinittag 3 Uhr: Dornröschen. Allabendlich: Der Kubreigeli.(Ansang 8 Uhr.) Rose> Theater. Sonutagnachmittag 8 Uhr und abend»: Die Sünden der oberen Zebntausend. Montag: Die goldene Tva. Dienstag: Die Sünden der oberen Zehntauseiid. Mittwoch: Mein Leopold. Donnerstag: Gewonnene Herzen. Freitag: Die Sünden der oberen Zehntausend. Sonnabeiid: Gewonnene Herzen. Sonntag und Montag: Die Sünden der oberen Zehnlausend.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Ssnntagnachmittaz 8 Uhr: Die gungsrau von Orleans.•Allabendlich: ZtafflcS.(Ansang 8 Uhr.) Hcrrnfcld< Theater. Allabendlich: Die Alpenbrüder. ScheidimgS- Souper.(Ansang 8 Nhr.) Urania- Theater. Sonntag: AusS Matterborn. Montag: Mildem Zeppeiinlustschifs. Kulturpflanzen. Dienstag; Auf? Matterhorn. Mittwoch: Die Flugsragc. Donnerstag und Freitag: Der(Broßglockncr. Gastein und die Salzburger Alpen. Sonnabend und Sonntag: AusS Matterhorn. Montag: Unbestwimt.(Ansang 8 Uhr.) Admiralc-Palaft. EiSballclt: yivoirne.(Ansang 10 Uhr.) Reichshalleii Theater. Allabendlich: BoSco.(Ansang 8 Uhr, Sonntags �l|� Ubr.) Zirkus Busch. Soimtagnachmittag 3'/, und allabendlich 71/, Uhr: Galavorstellung. Zirlus Schumann. Sonnlagnachmittag 8*/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Metropol-Tlieaier. Soimtagnachmittag 8 Uhr: Tata Toto. All- abendlich: Chauflenr— ins Metropol I(Ansang 8 Uhr.) Theater Grotz-Berlin. Allabendlich: So bummeln wir. Vorher: Neuer Varietä-Teil.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 8 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Folies Caprice. Allabendlich: In Sachen Katzenstein. Di« Doppel- firma. Die Tochter der Braut.(Auf. 8lIi Uhr.) Npollo-Thearer. Sonutagnachmittag 8 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Köiiigstadt. Kasino. Täglich: Epezialitäteii.(Ansang 8 Nhr.) Pasiage-Thearer. Allabendlich ö Uhr: Spezialitäten. Hilfskaffe der Graveure, Ziseleure und verw. Bcrnfsgenoffen zu Berlin tagt jeden zweiten Montag tm Monat, abends von 8—10 Uhr, im Restaurant Luisenuser 1. von «llgemeine Familienfterdekasie. 3— ö Uhr im Restaurant Ackerstr. 122. Heute Zahl- und Aufuahmclaz Urbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Berlin. 1. Abteilung ain Montag, abends 8'/, Uhr, in de»»Wittel- fälen', Ritterftr. 75: Vortrag über»Bakterienkulturen'. Reserent: Herr Dr. Grumach. S ch ö n e b e r g. Am Donnerstag bei Haendel, Vorbergstr. 8, abend? «'/,«Hr. Wilhelmsruh. Am Donnerstag bei Btenwald, Rewtckendors- Ost, Provinzftraße 82, abend? 8'/, Uhr. N o w a w e S. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abends 8 Uhr. Schöneweide. Am Montag bei Schulz, Stemensstr. IL, abends 8 Nhr. Gäste haben an den Lebrabenden Zutritt. Kreisleitung. Paul Hackelbusch, Berlin 0. 112. Die Lrlefkaften der Redahtfon. F. G. 183. Grunewald Rathaus.— H. ft. 33. 1. Bureau bei Reich? tageS, 2. Bureau des Abgeordnetenhauses.— tt. N. 48. Verband der Zuschneider, Vorsitzender C. Riecke, Karlshorst, Dönhoffstr. ö.— G. I. Stiftung. 1. Geschäftsstelle Stadthaus, Eingang Stralauer Straße, Mt'.e III. Stock, Zimmer 282/283, 8—3 Uhr..2. Geh. Regierungsrat Pütter, NW., Luisenstr. 16b.— St. 41. 1. von Barner Stiftung, Rathaus, Berlin, städtische Slifwngsdeputatton. 2. Grunewald, Rathaus.— I. R. VS. Dr. Conrad Eckold, Berlin NW., Alt Moabit 83 a.— P. 10. Arbetter-Steno- graphen-Bund, Arendt, SO. 2S, Naunynftr. 70 IW.— B. Z. LI. Ja.— 21. B. 100. 1. und 2 Ja, sofern Sie den neuen Berttag nicht unter- schrieben haben.— K. K. 90. Stellen Sie beim BersicherungSamt. Köllnischer Park 8, den Antrag auf Invalidenrente.— M. S. 100. Fall? durch Zeugen beweisbar, wäre Scheidung mögl ich.— P. 9. 1 und 2 New, da immer für'/, Jahr derartige Steuern zu zahlen find.— M. T. 100. Es genügt ein eigenhändiges ae< und miterschrtebenes Testament mit Orts- bezeichnung und Datum versehen. Ihr Mann würde sedoch dal Pflschtteils- recht haben.— G. 05. 90. Die Frage ist nur nach Einsichtnahme in den Metsvcrtrag zu beantworte». Außerdem müssen wir noch Kenntnis haben, ob die Miete in voraufgegangenen Monaten pünttlich gezahlt ist oder nicht. — G. G. 31. Nein. Oi'.LimimsI SpemlrAret für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄÄ 10— 2. 5— 7. Sonn ta»s 10— 12. 2— 4 Reioe FlEiseöleueriiDi nietir, m\ ans pf'msö-EiweiS bergesteiite OCHSENI Bouillon-Würfel Cesebiiisek livl! blbrwert babeii, wie wirkiiebe Fleisebsuppe— würzen und kräftigen alle schwachen, hellen Fleisohsuppen, HiUsenfnichtsnppen, Karto'rfel- gnppen, Tornateusuppen, Braten- g.iucen, Fischsauoon, Ragouts etc. Sciiaebtelna 42 Würfel Sick. 2 PL 31024 franko per Post nach jedem Orte in Deutschland und Oesterreich. Zahlun» nach Empfang monatlich. Nichtgefallendos neumen unfrankiert zurück. Ochsena ist 6 Monat« haltbar. 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August in Nr. 192 veröffentlichten Notiz. Durch sie fühlte sich beleidigt ein darin erwähnter Herr Blauroch Vertreter der Basier Feuer- Versicherungsgesellschaft. Tie Notiz berichtete über die Ersahrungen zweier Laubcnkolo- nisten von Baumschulenweg, denen ein sich als Versicherungsagent bezeichnender Herr Strcsemnnn angeboten habe, bei der Basler Feuerversicherungsgesellschaft ihre Lauben gegen Feuerschaden zu versichern. Da er die Kosten auf 6 Mar! angegeben habe, so seien sie darauf eingegangen, eine Versicherung abzuschließen und ihin die 5 M. sofort zu zahlen. Ein paar Tage nachher seien sie durch einen Herrn Blaurock, der sich als Vertreter derselben Versichc- rungsycscllschaft bezeichnet habe, belehrt worden, daß jener Agent, der sein Angestellter gewesen sei, dnS Geld nicht abgeliefert habe. Herr Blaurock habe ihnen dann anheimgestellt, noch 2,59 M. nach- zuzahln, dann werde die Versicherung perfekt werden, andernfalls aber fei das Geld verloren. Tie Laubenkolonistcn seien, berichtete weiter die Notiz, jetzt mißtrauisch geworden, und weil ihre Forde- rung, die Policen zu liefern, bisher nicht erfüllt worden sei, so hätten sie nunmehr die Ueberzeugung gewonnen, von zwei Schwindlern heimgesucht worden zu sein. Hierzu schickte uns sofort Herrn Blaurock eine Erwiderung. Er schrieb, jener Stresemann sei sein Unteragent gewesen und habe bei Laubenbesitzern der Kolonien in Treptow und Baumschulcnweg zwanzig Feuerversicherungsanträge abgeschlossen. Der Unteragent habe den festgesetzten Betrag von 7,59 M. für Prämien und Neben- kosten mit den Versicherungsnehmern vereinbart, habe ihnen aber vorgeredet, daß sie nur 5 M. zu zahlen brauchten, ivenn sie diesen Betrag sofort ihm zahlten. Ohne Blaurocks Wissen habe der Unter- agent die ö M. einkassiert, aber über 7,59 M. quittiert. Ter Brief des Herrn Blaurock gab nicht an, bei wie vielen sein Unteragent Stresemann es so getrieben habe. Als man das Vorgefallene ent- deckt habe, sei Blaucock von der Hauptagentur Paul Eohn beauf- tragt worden, die Policen gegen Zahlung des tatsächlich noch nicht gezahlten Restbetrages von 2,59 M. den Versicherungsnehmern auszuhändigen, damit diese keinen Schaden erlitten. Mebrcren seien gegen Zahlung der 2,59 M. die Policen bereits ausgehändigt wor- den, und ebenso werde man die übrigen Policen aushändigen, so- fern der Rest bezahlt würde. Der Unteragent sei sofort entlassen worden. Das ist das Wesentliche aus dem Inhalt der langen Zu- schrist, die wir damals sogleich in der nächsten Nummer unseres Blattes abdruckten. Durch Herrn Blaurock wurde somit öffentlich erklärt, daß er selber beschwindelt worden sei. Für uns war es selbstverständlich, daß wir gegenüber dem Mißtrauen der Laubenkolonisten, das auch gegen ihn sich richtete, diese Erklärung veröffentlichten. Herr Blau- rock hätte mit ihr zufrieden sein können, aber er war es nicht, son- dern versprach sich mehr von einer Beleidigungsklage gegen den „BorwärtS".Nedakteur Genossen Wachs, unter dessen Verant- wortung die Nr. 192 erschienen war. Der Versuch einer außer- gerichtlichen Einigung, bei der eine nochmalige Erklärung zu ver- einbaren gewesen wäre, scheiterte an Blaurocks Forderungen. Er verlangte unter anderem auch 599 M. in bar mit der Begründung, daß er durch die„Vorwärts"-Notiz geschädigt worden sei. In der Prozeßverhandlung vor dem Amtsgericht Verlin-Mitte (145. Abteilung), die vorgestern stattfand, schlug der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Wollner, nochmals einen Vergleich vor. Der Kläger Blaurock lehnte sehr bestimmt ab und erklärte, er wäre darauf eingegangen, wenn man ihm die verlangte Entschädigung gewährt hätte. Ter Vorsitzende gab sich alle Mühe, ihm klar zu machen, daß er sich von seiner Schadenersatzforderung nur nicht zu viel ver- sprechen solle. Immer wieder versicherte der Kläger, er sei zu sehr bei seiner Kundschaft geschädigt worden. Blaurock behauptete keck, xn jener Notiz sei das Vorkommnis wissentlich falsch wiedergegeben worden. Ter Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Kurt Nosenfeld, stellte fest, daß Blaurocks eigene Zuschrift an den„Vor- wärts" einen von seinem Unteragenten verübten Schwindel zugibt. Zu dem Vorwurf der wissentlichen Unwahrheit führte der Auge- klagte Wachs näher aus, jene beiden Laubenkolonisten seien, als sie ihre Sache dem„Vorwärts" mitteilten, der festen Meinung ge- wesen, daß sie durch den Untcragentcn erst beschwatzt werden soll- ten, die 5 M. zu zahlen, woraus dann die Nachforderung von 2,59 M. folgen sollte. Als nach wiederholter Ablehnung des Ver- glcichsvorschlages des Vorsitzenden in die Verhandlung eingetreten wurde, forderte der Verteidiger, daß zur vollen Aufklärung des Sachverhalts der tlnteragent geladen»verde. Er solle bc- künden, wie weit Herrn Blanrocks Kenntnis von seinem Äersahren bei Ausnahmen von Versicherungsverträgen gereicht habe. Kläger Blaurock gab jetzt an, inzwischen habe er selber seinen früheren Untecagentcn Stresemann'wegen eines Diebstahls angezeigt und bestrafen lassen.„Solche Agenten schickt man in die Welt," rief der Vorsitzende,„und dann wundert man sich, daß die Presse sich da- mit beschästigt!" Der Kläger versicherte, Stresemann sei nicht vor- bestraft gewesen. Da der Verteidiger auf Ladung des Unteragenten bestand und jetzt auch Vorlegung der Akten des Diebstahlsprozeffes beantragte, so schien eine Vertagung unvermeidlich. Ganz unerwartet er- klärte da der Kläger Blaurock, er wolle auf einen Vergleich ein- gehen. Zur Bedingung machte er, daß ihm darin sein Anspruch auf Schadenersatz vorbehalten würde, den er durch Klage geltend machen wolle. Das Recht, auch das noch �u probieren, wurde ihn? natürlich nicht bestritten. Zugesagt wurde ihm auch, daß die in dem Vergleich ausbedungene Erklärung vom„Vorwärts" in einer Sonntagsnummer, die nach Meinung des Klägers mehr geleftn wird, veröffentlicht werden solle. Kläger nahm dann seine Klage zurück, die Kosten wurden vom Angeklagten übernommen, und das Verfahren wurde eingestellt. Die durch den Vergleich ansbedungene Erklärung lautet: „Ter Angeklagte erklärt, daß er den Vorwurf des Versiche- rungsschwindels gegen den Kläger nicht aufrecht erhält, und nimmt die diesbezüglichen Behauptungen des zur Anklage gestellten Artikels zurück." Ein BrcSlauer Schuhmann. Die BrcSlauer Strafkammer verurteilte vor einiger Zeit den Schutzmann KiSzewsky zu 159 M. Geldstrafe, weil er seine schwan- gere Frau mit eisernen Handschellen gefesselt und mit dem Säbel traktiert hatte. Ter Staatsanwalt hatte neun Monate Gefängnis beantragt. Trotz dieser Verurteilung wird K. weiter als Schutz- mann beschäftigt. Am Tonnerstag stand er wieder einmal vor Gericht und wurde zu dreihig Mark Geldstrafe verurteilt, weil er sich seiner Pflicht, für seine Familie zu sorgen, hartnäckig entzogen hatte.... Eine Art Fabrikationszentrale für unsittliche Bilder hatte der Musiker Paul Bachman» betrieben, welcher gestern der 12. Straf- kammer de" Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Miiaugeklagt wegen Verbreitung.unzüchtiger Abbildungen war der ebenfalls in Haft befindliche Buchhändler Robert Tillack. Im vergangenen Sommer tauchten in Berlin eine Unmenge von Reproduktionen von gewissen Photographien auf, die zumeist in Budapest, Paris, Madrid und Barcelona hergestellt werden. Die Ermitttelungen führten schließlich zu der Festnahme des Ange- klagten Bachmann. Es wurde festgestellt, daß dieser nebe» seiner Wohnung sich in der Bcrgmannsträße eine Geheimworkstatt eingc- richtet hatte. Eine Haussuchung in dieser förderte eine komplette Dunkelzimmereinrichtung, mehrere photographische Apparate und Zubehörteile sowie über 599 photogravlsische Negative von unsiti- lichen Bildern zutage. Wie weiter festgestellt wurde, hatte der Au- geklagte in verhältnismäßig kurzer Zeit mchrcre Hunderttausend derartiger Bilder in den Verkehr gebracht.— Vor Gericht bean- tragte Staatsanwaltschafts-Rat Dr. Heinbninnn mit Rücksicht darauf, daß gegen ein derartig gemeinschädliche? Treiben mit aller Strenge des Gesetzes vorgegangen werden müsse, eine Gefängnis-, strafe von 1 Jahr, 599 M. Geldstrafe, sowie 3 Jahre Ehrverlust und Polizeiaussicht. Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefäugnis, 299 M. Geldstrafe, sowie Verlust der bürgerlichen.Ehrenrechte und Polizei- aufsichb»auf die Tauer von 3 Jahre». Gegen den zweiten Ange- klagten wurde die Verhandlung vertagt. Freisprechung eines FlugblattvertcilerS. Weil die Staatsanwaltschaft nicht erkennen will,»vas„Arbeik" ist, muß immer und immer wieder das Kammergericht sich mit nutz- losen Revisionen der Staatsanwaltschaft gegen Freisprüche beschäftigen, die in Prozessen wegen Flugblattverteilung ergangen sind. So hatte vor kurzem das Kammergericht in folgender Anklage als Nevisionsinstanz zu entscheiden. Am Sonntag vor der RcichstagSstichwahl verteilte der Bäcker Ludwig in Halembar(Oderschlesien) vor der katholischen Kirche Wnhlfluzblättcr zugunsten der Sozialdemokratie. Er wurde au- geklagt wegen Uebertrctung der Verordnung des Oberprasidenten der Provinz Schlesien über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage) weil er durch die Verteilung der Blätter eine„öffent- lich bemerkbare Arbeit" verrichtet habe, die durch die Verordnung für die Sonn- und Feiertage verboten sei. Die Strnfkanliuer in Veuthen sprach den Angeklagten frei. Denn die Verordnung des Lberpräsidenten über die äußere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage sei nickt verletzt, du es sich.hier nicht um eine„Arbeit" gehandelt, da die Tätigkeit des Angeklagten nicht mit einer gewissen Anstrengung verbunden gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte geltend, daß der Begriff der öffentlich bemerkbaren Arbeit verkannt worden sei. Das Kammergerichck verwarf die Revision der Staatsanwalt- schaft. Es müsse, so wurde ausgeführt, bei der Freisprechung verbleiben. Denn die Feiertagsverordnung des Oberpräsidenten sei durch den Angeklagten nach den tatsächlichen Feststellungen nicht verletzt. Eine„Arbeit" sei eine nicht lediglich des Vergnügens wegen unternommene, mit einer gewissen Anstrengung verbundene Tätigkeit. Da da? Landgericht aus tatsächlichen Gründen verneint habe, daß mit der VcrteilungStätigkeit de? Angeklagten eine gewisse Anstrengung verbunden gewesen sei, so liege hier eben überhaupt leine Arbeit vor, woraus sich die Freisprechnng ergebe. � Ist die Staatsanwaltschaft der Ansicht, die Verbreitung von Flugblättern sei eine„Arbeit", so muß sie kousequenterweise auch alle Kirchenbcsucher anklagen, die weit schwerere Gesangbücher tragen, nicht minder Hausfrauen und Dienstboten, die eingekmifte Pakete tragen und Assessoren sowie Banldirektoren, die mit Akte». mappen sich schleppen. Diese Konsequenz ziebt die Staatsanwalt- schaft nicht, ja sie klagt nur Verteiler sozialdemokratischer Flug- blätter, nicht Verteiler religiöser oder konservativer Flugblätter a». Da sie ohne Ansehen der politischen Richtung vorzugehen hat, so kann diese auffällige Erscheinung nur dadurch erklärt werden, daß■ sie das Gewicht von Druckschriften nach dem Inhalt derselben be- mißt. Es wäre an der Zeit, daß der Justizminister den Staats- anwälten über die elementarsten Gesetze der Schwerkraft Unterricht zuteil werden läßt, damit endlich solche zeitraubenden, haltlosen Anklagen unterbleiben. UnMi'-ztige Geschäftslage in der Gross-KonfeKtion W- Ursache®Vfärkun! Hatte die Gross-Konfehtion ohnehin anter einer VefaerprodaKtion za leiden, so versteifte sich ihre Lage noch ganz besonders durch das anhaltend warme Herbstwetter, das an allen Lägern grosse Vorräte ansammeln liest. Ein Preissturz war die unausbleibliche Folge! vrn aber einen solchen vollständig ausnutzen zu hönnen, betlurfte es eines Häuft in grossen Hassen, wie ihn unsere gewaltigen Umsätze erfordern. Wir haben denn auch die Sachlage weidlich ausgenutzt, und haben, unsere ganze HaufKraft zur Geltung bringend, gewaltige Posten gehäuft, von vornherein die sogenannt billige Ware bei Seite lassend, und nur wirH'ich gute, uonst sehr teure Ware aussuchend. Aber auch in diesem Fall sind wir von unserer ja beKannt niedrigen KalKutation nicht abgewichen, so dass der ganze Vorteil unseres so ungewöhnlich günstigen EinKaufs ausschliesslich ihnen zugute Kommt■ und da wir unbedingt grosse Umsätze haben müssen, so haben wir auch die ganzen Bestände unseres Lagers entsprechend im Preise ermässigt. Wenn sich also je Ihnen eine gute Gelegenheit geboten hat, gute Kon- feKtion ganz billig zu Kaufen, so ist es augenbiicKlich, ganz besonders in Anbetracht der Kommenden Festtage. Als ein erläuterndes Beispiel möge die Tatsache dienen, dass noch im OKtoher sich unsere Hauptpreislagen für Ulster zwischen 25,- u. 35.— bewegten, während Sie jetzt mindestens gleichwertige Ware bei uns tür................|5. bis 22 0 Kauten Können. 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