Kr. 288. ntonncmcnts-Bcdingungen: Atounemenls- Preis pränumerando: Biecteljährl. 3.30 Mr., monatl. UV Mk.. wöcheullich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nuimner 5 Pfg. EonniagS- nuimner mit itluftrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt">0Pfg. Post. Abonnenienl: 1,10 Marl pro Monat. lrinaetragcn in die Post-Zeitungs- PrelSliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mar!, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemcntS uebmen an: Belgien, Danemarf, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Die Infcrfions» Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zcile oder deren Raum CO Pfg,, für politische und gcwerlschastliche Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Uteine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lv Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes Iveitere Wort 0 Pfg. Worte über lö Bnch- 'laben zählen für zwei Warle. Inserate ür die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. 1" t CrldKlnt täglich außer montags. Devlinev Vollisblnkt. Zentfalorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Tetegramm- Adresse: „Sozlaldcmolirat Berlin". Rcdahtion: SM. 68, Litidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morit-plah. Nr. 1983 Hanada und die englische flotte. London, 7. Dezember.(Gig. Ber.) Die Nachricht, daß die konservative kanadische Regierung beschlossen hat, drei Dreadnoughts für die Flotte des eng- tischen Muterlandes bauen zu lassen, muß bei dem arbeitenden Bxpedition: SM. 68, Lindcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moriiiplatz, Nr. 1984. mit zusammenhängellden Fragen der auswärtigen Politik, nach denen sich die Strategie richten muß. Herr Borden hat nun erklärt, er habe die Versicherung der britischen Regie- rung, daß kein Schritt in der auswärtigen Politik unter- nommen werden würde, ohne daß der Vertreter Kanadas im Reichsverteidigungsausschuß befragt worden sei. Damit wäre somit der erste und entscheidende Schritt zur Bildung eines britischen Bundesrats getan, der iiber die Köpfe der Volte der ganzen Welt die größte Besorgnis erregen. Das Volksvertreter hinweg die auswärtige Politik bestimmt. Tempo der Wettrüstungen zur Tee wird wieder einmal be- � Schon jetzt hat das englische Parlament in auswärtigctz Fra- schleunigt. Denn es kann nicht dem geringsten Zweifel unter- gen wenig zu sagen: das Prärogativ, Verträge zu schließen, liegeir daß dieser Schritt der kanadischen Regierung, der den 1 hat es der Krone— oder besser gesagt— der Kamarilla der mit England zur See rivalisierenden Mächten die Hoff-! tonangebenden Minister nicht zu nehmen vermocht. Es ist in nungslosigkeit des Wettkampfes vor Augen führen soll, gerade � dieser Beziehung machtloser als die französischen oder die das Gegenteil bewirken wird. Schon heute weiß der Lon- amerikanischen Volksvertreter, die von den Regierungen in doner„Daily Telegraph" zu melden, daß die österreichische ungarische Regierung beabsichtigen soll, außer den vier fer tigen oder in Angriff genommenen Dreadnoughts drei weitere dieser Kolosse als Ersatz für drei veraltete Kriegsschiffe von je SÜOO Tonnen zu bauen. Ter kanadische Premierminister Herr Borden recht fertigte seinen Vorschlag mit dem Hinweis auf ein Memo randum, das die britische Admiralität auf Verlangen der kanadischen Regierung entworfen hat. In diesem Memo randum kommt die bezeichnende Stelle vor: „Aber die Hilfe, die Äanalda zur gegenwärtigen Zeit geben könnte, ist nicht allein nach Schiffen oder Gold zu bemessen Jeder Schritt, den Kanada tut, um die Macht und Beweglichkeit der Reichsflotte zu vermehren urid damit den Grad unserer gemeinsamen Sicherheit zu vergrößern, würde überall als ein höchst bedeutsames Zeugnis für die vereinte Kraft des Reiches und für die erneute Entschlossenheit unserer überseeischen Dominions, ihren Teil an der Aufrechterhaltung feiner Integrität zu tragen, betrachtet werden." Aber die kanadischen Dreadnoughts haben mehr als einen demonstrativen Charakter. Die englische Admiralität hegt die Absicht, die Suprematie Englands in allen Meeren der Welt, die ihnen in den letzten Jahren in dem Wettlauf mit Teutschland verloren gegangen, wieder herzustellen. Man lese nur folgenden Passus aus dem Memorandum des Herrn Churchill: „Die Suprematie zur See ist zweierlei Art: allgemein oder lokal. Die allgemeine Suprematie zur See besteht in ter Macht, die stärkste feindliche Flotte oder die stärkste Kombination feind- licher Flotten, wo man sie auch finden mag, in der Schlacht zu besiegen und sie von dem Meer zu treiben. Die lokale Supre- matte besteht in der Macht, Streitträfte zur rechten Zeit nach einem entfernten Kriegsschauplatz zu schicken oder Streitkräfte permanent dort zu erhalten, die genügen, um den Feind zu besiegen oder in Schach zu halten, bis die Hauptcntscheidung auf dem entscheidenden Kriegsschauplatz gefallen ist. Es ist die allgemeine Suprematie zur See Großbritanniens, die die Haupt- sächlichste Bürgschaft für die Sicherheit und Wahrung der Jnter- essen der großen Kronländer ist........" Herr Borden sagte dann auch in seiner Rede, die er am 6. Dezember im kanadischen Unterhans in Ottawa hielt: „Unsere Flotte war einst überall Jwrherrschend und die weiße Flagge war das Zeichen unserer Suprematie in allen Meeren. Ist es nicht Zeit, daß die früheren Zustände in gewissem Maßa wiederhergestellt werden?" Und am Ende seiner Rede heißt es:„Aber heute, da die Wolken schwer herabhängen und da wir das Grollen des entfernten Donners hören und das Zucken der Blitze am Horizont sehen, können wir nnd wollen wir nicht warten und beraten, bis der drohende Sturm wütend und unheilbringend über uns hereingebrochen ist." Herr Borden war im Sommer dieses Jahres mit einigen Kollegen in London, während dieses Besuches ist er von der englischen Regierung in die auswärtige Politik und Absich- ten Großbritanniens eingeweiht worden. Aber während diese neue EntWickelung dem arbeitenden Volke der ganzen Welt neue schwere Lasten aufbürden wird, birgt sie eine ganz besondere Gefahr für das englische Volk. Australien wird seine eigene Flotte bauen, die ausschließlich diese Sachen wenigstens eingeweiht werden. Aber nach dem von Herrn Borden entworfenen Plane würde das Unterhaus vollends jeden Einfluß aus die auswärtige Politik verlieren: es ntüßte, wie sich die„Daily News" ausdrückt, den Laden zumachen. Man sieht aus alledem, welchen verhängnisvollen Ein- fluß die imperialistische Politik der Rüstungen nicht allein auf das wirtschaftliche, sondern auch auf das politische Leben des Volkes ausübt. Rückschritt auf der ganzen Linie, das ist die Parole dieser kapitalistischen Politik des Größenwahn- sinns. * Ein österreichisches Dementi. Wien, v. Dezember. Wie die Militärische Korrespondenz von maßgebender Seite erfährt, ist die Meldung des Londoner„Daily Telegraph", daß die Kiellegung von Schlachtschiffen für die öfter- rcichisch-ungarische Kriegsmarine auf Kredit bevorstehe, unrichtig. Der Standpunkt der österreichisch-ungarischen Marinevevwaltung wurde vom Marinekommaiidanten in der letzten Session der beiden Delegationen vollkommen klargelegt, indem detont wurde, daß die Kiellegung von Ersatzschisfen für die Monarchklasse dringend not- wendig sei, wenn die öst'srreichisch--ungarische Marine unter.den Flotten der Großmächte den cutiprecheiiden Platz einnehmen solle Ebenso wurde aber wiederholt erwähnt, daß alle Mittel hierzu nicht im Weg« eines außerordentlichen Kredits, sondern durch Zu- Weisung von Mitteln in das Ordinarium angestrebt werden. Ein Bau auf Kredit ohne Bewilligung durch die Delegationen ist un- bedingt ausgeschlossen, obwohl zurzeit idrei und vom Juni 1913 an vier Schlachtschiffstapel frei sind. <-* Dits Unterhaus und die kanadische Flottenspende. London, 9. Dezeniber. Unterhaus. Der Abg. Lee fragte, wann es beabsichtigt sei, die von Kanada angebotenen Kriegsschiffe in Bau zu geben und wann diese Schiffe zur Diensteinstellung fertig sein würden. Der Marineminister Churchill er- widerte, die Angelegenheit sei noch nicht spruchreif, da das kanadische Parlament dem ihm vorgelegten Antrag noch seine Zustimmung geben müsse. Lord BereSford fragte dann, ob man die kanadischen Schiffe noch denen hinzurechnen gedenke, welche nach Ansicht der Admiralität für den Dienst in europäischen Gewässern gebaut werden müßten. Churchill antwortete: Als ich am 22. Juli den Nachtragsetat einbrachte, sagte ich. eS sei der Wunsch der kanadischen Regierung, daß Kanada seine Beihilfe in Form einer Erweiterung des bestehenden britischen Marineprogramm gewähre, und jeder von Kanada etwa unternommene Schritt direkt dazu dienen solle, die Streitkräfte des Reicks und den Sicherheitsfaktor zu verstärken: ich habe diesen Erklärung nichts hinzuzufügen. Im weiteren Verlaufe fragte Lee: Ist der Vorschlag, daß ein kanadischer Minister zum ständigen Mit- glied des Reichsverteidigungsauöschuffes ernannt werden'soll, von der Regierung endgültig angenommen und ist vorgeschlagen, diesen Grundsatz auch auf die Vertreter der anderen Kolonien mit Selbst- Verwaltung auszudehnen? Ministerpräsident Asquith erwiderte: Der Vorschlag, daß einer oder mehrere Vertreter der Kolonien zu den Sitzungen des Berteidigungsausschitsses hinzugezogen werden sollen, wurde von der ftw-r-i-.».,, Kontrolle„chm ttoimbo jeb�| reiht seine Dreadnoughts der britischen Flotte an. überlaßt es jedoch dein Tteuerzahler Großbritanniens, für die Be- mannung und Anfrechterhaltung seiner Schiffe zu bezahlen. Die australische Flottenpolitik ist auch die der kanadischen Liberalen: diese unterlagen jedoch bei den Wahlen im letzten Jahre den Konservativen, die in dieser Frage mit den eng- tischen Imperialisten übereinstimmen. Wenn nun Kanada dem Mntterlande zur Hilfe kommt, will es naturgemäß auch etwas über die Verwendung seiner Schiffe, über die aus- wärtigs Politik Großbritanniens zu sagen haben. Das eng- tische Kabinett hat deshalb die kanadische Regierung eingeladen, einen besonderen Minister nach London zu schicken, der zu allen Sitzungen des Zieichsverteidigungsausschusses einge- laden und als permanentes Mitglied dieser Körperschaft be- trachtet werden soll, bis die ganze Frage des Verhältnisses des Mutterlandes zu den Kolonien gelöst sei. Dieser Reichsverteidigungsausschuß ist ein höchst im« demokratisches Gebilde, eine Art Kamarilla, die aus dem Premierminister und den Personen besteht, die dieser zur Be- ratung herbeizieht, wie Minister, Beamte. Generale, Adtni- ssx...* Snv macht und als im Prinzip wünschenswert von allen Premiernnnistern angenommen._ Die ßalftankrife. Bulgariens HnfprUebe. Genosse Sakasoff schreibt aus Sofia: Die Bulgaren haben alle Ursache, für einen schnellen Frieden zu arbeiten. Sie haben mit ihren Waffen ein Tcrri- torinm gewonnen, das alle ihre großbitlgarische Träume weit übertroffen hat. Das Bulgarien des Friedens von St. Stefano, der den russisch-türkischen Krieg im Jahre 1878 beendete, sah nicht diese weitgestreckten Grenzen vor. die man jetzt erreicht hat und die man behalten will. Die Eroberung Konstantinopels, das Hinausdrängen der Türken nach Asien, so begehrensivcrt es für den nationalen Stolz und für den zukünftigen Frieden sein könnte, ist unter den gegenwärtigen politisch-diplomatischen Zuständen unmöglich. Rußland und daß die nach ihm England und Frankreich erlauben nicht, Cr' untersteht'iiitr lubirctt'bcm Einfluß der Volksver- i Bulgaren den tödlichen Schlag�gegen die europäische Türkei tretung' und befaßt sich notwendigerweise nicht allein mit führen. Den Widerstand der Tripelallianzmächte gegen ern taktischen und strategischen Fragen, sondern auch mit den da- l solches Borgehen mußte man im voraus in Rechnung ziehen.! Dazu kommen aber auch eine Reihe von Schwierigkeiten internationalen Charakters und solche, die zwischen den Ver- kündeten selbst entstehen würden, wenn es zu der definitiven Regelung des Besitzes von Konstantinopel und der Dardanellen käme. Alle diese Erwägungen Haien schließlich die bulgarische Regierung veranlaßt,' sich niit dem Erreichten zu begnügen. Das' ivenigste, was die Verbündeten von der Türkei ver- langen wollen, wäre, daß sie auf ihren europäischen Besitz verzichte und sich mit Konstantinopel, den Dardanellen und einem Hinterland begnüge, daß von dem Hafen Midija am Schwarzen Meer, durch das Tal des Ergeneflusses bis zu der Mündung der Maritza am ägäischen Meer bei Enos führt. Aber wird die Türkei das ohne weiteres annehmen? Das ist die Frage. Wenn die bulgarische Armee im Stande gewesen wäre, gleich in den nächsten Tagen nach der Schlacht von Lüle- Burgas �ie flüchtenden türkischen Divisionen über die Tschataldscha- Verteidigungen nach Kon» stantinopel zu verfolgen oder, wenn nicht noch vor zwölf Tagen die starken Regengüsse die bulgarischen Positionen vor der Tschataldschalinie überflutet hätten, was die Angreifer ge- nötigt hatte, sich fünf Kilometer zurückzuziehen, so hätte man diese Frage nicht aufzuwerfen brauchen. Damals rechnete die Türkei mit dem Abschied von Europa und hatte große Sorge, ob die Großmächte ihr ein kleines Stück Land in Asien überlassen würden. So entscheidend sind in dieser Welt die Erfolge der Waffen. Jetzt gestaltet sich die Frage aber anders. Wie alle phantasievoltcn Nationen, hat die Türkei die Empfindung, daß das Kriegsglück sich ihr zugewandt hat. Die von den Bulgaren nicht durchgeführten Operationen bei Tschadtaldscha werden von ihr als Schtvächc und als Ermattung des bulgarischen Vorstoßes aufgefaßt, die Beschwörung des religiösen Fanatismus durch die Ulemas tvird als ein Aufflammen des kriegerischen und patriotischen Geistes bei den Soldaten hingestellt. Ferner wird das hinter- listige und selbstsüchtige Gebaren der Diplomatie um die an- gekündigte Erbschaft des sinkenden Halbmondes von der Türkei als Wiederbeleben des uneigennützigen Interesses der curo- päischen Mächte für ihr Schicksal gedeutet. Und so kommt es, daß die Illusion und Selbsttäuschung der Türkei vielleicht in diesem Augenblicke nicht geringer ist, wie im Anfang des Krieges. Aber die Tatsachen, die harten Dinge der Wirklichkeit, werden die Türkei eines besseren belehren. Bei Tschataldscha haben die Bulgaren eine mehr als 300 000 Mann starke Armee versammelt, die nach den großen schon gebrachten Opfern fest einschlössen ist. die oben angedeutete Grenzlinie zu erkämpfen, und wenn die Türkei das nicht annehmen will, über Tausende und Abertausende von Leichen in Konstantinopel einzuziehen, um der türkischen Herrschaft in Europa ein Ende zu machen, unbekümmert darüber,>vas für Resultate die Eifer- süchtelei der europäischen Mächte erzeugen tvird. Der Krieg hat auch seine Logik. Angefangen von der Regierung, wird er geführt von den Soldaten und auf sein Ende hat die Stimmung der Armee großen Einfluß. * Ich hatte eben das obige zu Ende geschrieben, als die Nachricht anlangte, daß der Waffenstillstand abgeschlossen fei. Die amtliche Meldung lautet, daß das Projekt Daneffs von der Türkei angenommen ist. Das kann nichts anderes be- deuten, als daß die Türkei in die Grenzlinie Midia, Tschorlu, Enos eingewilligt hat. Das übrige ist belanglos. Jetzt können wir bald auf einen für beide Seiten würdigen Frieden hoffen. der eine neue Zukunft für die Balkanvölker eröffnet. Nur drei schwere Sorgen lasten noch auf dem Volks- bewußtsein. Es sind: 1. der österreichisch-serbische Konflikt über den Adria- Hafen; 2. die jetzt so demütigend wirkenden rumänischen Forderungen nach„Grenzregulierung" und 3. die deftnitibe Befriedung und Verwaltung des„be- freiten" Landes. Neben diesen drei Problemen kommt das Problem der Beseitigung des grenzenloses Elends, das der Krieg mit sich gebracht hat. Die Zeit rückt näher, in der die Sozialdemokratie der Balkanländer wieder in ihre geschichtliche Nolle eintreten tvird. Ein Beruhigungsbcrslich der österreichischen Regierung. Lemberg, 8. Dezember. Statthalter Dr. Bo« brzynski hat heute in der Vollversammlung der polni- scheu Landtags- und Reichstagsabgeordneten eine au ihn gerichtete Anfrage folgendermaßen beantwortet: Auf Grund einer Ermächtigung seitens des Ministerpräsidenten bin ich in der Lage, folgende autoritative Aeußerung abzugeben: Die internationale Situation hat in den letzten Tagen keineVeränderung erfahren, und die Gerüchte über eine Verschärfung der auswärtigen Lage sind mibe- gründet. Unsere Beziehungen zu Rußland sind normal, und den Gerüchten über eine bevorstehende Kriegsgefahr ist daher kein Glauben beizumessen. Es würde sich demnach empfehlen, wenn von feiten der Mitglieder des Klubs niäßi- send eingewirkt und der Verbreitung unverläßlicker und un. zutreffender NaNrichteu enkgegengetveten würde. Weiter ist zu konstatieren, daß sich angesichts der herrschenden Beun ruhigung vor allein in den Kreisen der Jugend eine Bewe gung geltend gemacht hat. deren national-Patriotischer Charat tcr nicht verkannt werden soll, die aber im Hinblick auf die gleichzeitig auftretenden falschen Voraussetzungen über die Heranziehung dieser Kreise zu m i l i t ä r i s ch e n A u f gaben bedenklich ist, ja Gefahren in sich birgt. Aus diesem Grunde sind die Behörden im Einvernehmen mit den mili tärischen Organen nachdrücklich bemüht, derartigen falschen Voraussetzungen durch eine entsprechende Einwirkung und Be aufsichtigung der Jugend entgegenzutreten. Es wird auch eine dankbare Aufgabe der Vertreter der beiden das Land be wohnenden Nationalitäten sein, in ihren Kreisen möglichst dazu beizutragen, daß einer solchen mit Gefahren verbuw denen Bewegung Einhalt geboten wird. Russische Friedensbeteuerungen. Wien. 9. Dezember. Die„Politische Korrespondenz" veröffent licht auS St. Petersburg eine von russischer Seite stammende Mitteilung, die sehr friedliche Töne anschlägt und in der es zum Schluß heißt: Im Hinblick aus die vollständig ruhige und besonnene Haltung sowie auf die Friedensliebe der Kabinette von Petersburg und Wien, deren gegenseitiger Verkehr auch jetzt noch ein freundschaftliches Gepräge trägt, serner auf das schon bisher «vahrgenommene Sinken des Niveaus der serbischen Ansprüche darf man, ohne die Bedeutung der noch bestehenden Gefahrquelle zu verkennen, bei der Hoffnung beharren, daß sich aus der Frage des AdriahafenS keine Bedrohung des europäischen Friedens entwickeln werde. Tie künftige» Grenzen der Balkanstaaten. Belgrad, 8. Dezember. Die Friedensdelegierten der Balkanstaaten haben den Auftrag erhalten, nach Beendigung der Friedensverhandlungen mit der Türkei in London zu bleiben, um dort die Fragen der territorialen Abgrenzung zwischen den Balkanstaaten zu regeln. Die rumänische Thronrede. Bukarest. 9. Dezember. Die Paria mentssession wurde heute vom König Cacol mit einer Thronrede eröffnet, in der «s heißt: Die Politik Rumäniens, in ihrer traditionellen Beständig- leit als Politik der Mäßigung und des Friedens in den mit den höchsten Interessen des Landes verträglichen Gren zen(Beifall) hat uns in dzx Lage versetzt, mit allen Staaten sreundschaftliche Beziehungen zu unterhalten und unS namentlich des befonlderen Vertrauens der Großmächte zu erfreuen. Rumänien ljat bei seinem Bestreben, zur Lokalisierung des Krieges beizutragen, gegenüber den kriegführenden Balkanstaaten Neu t r a l i t ä t beobachtet, wobei es jedoch die EntWickelung der Er cignisse, die zahlreiche Interessen unseres Staates berühren, aus merksam verfolgte. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, daß diese Haltung günstige Ergebnisse für gute Beziehungen zu den Balkanstaaten in ihrer neuen Gestaltung zeitigen wird und daß unsere Interesse» Berücksichtigung finden werden. (Langauhaltender Beifall.) Rumänien wird als ein wichtiger Faktor «des europäischen Konzerts angesehen, und bei der endgültigen Regelung der durch die Balkankrise aufgeworfenen Fragen wird sein Wort Gehör finden.(Bravo!) Das Vertrauen, das die Ration in die ausnahmslos anerkannte Tapferkeit ihrer Soldaten «fetzt, ist vollauf berechtigt. Die Armee ist imstande, diesem Ber- trauen zu entsprechen, und ist immerdar bereit, ihre Mission zu erfüllen.(Langanhaltender Beifall.) Die neuen Kredite, die von Ihnen für die Armee werden angesprochen »verden. trerden in Ihrem Patriotismus ihre Begründung finden. (Beifall.) Meine Regierung wird Ihnen zur Beratung mehrere Gesetzentwürfe unterbreiten, die dazu bestimmt sind, das Werk der Konsolidierung und deü Fortschrittes des rumänischen Staates in jeder Beziehung zu förder». Ich zweifle nicht, daß Sie unter den gegenwärtigen Umständen auf der Höhe der Jahnen vom Lande anvertrauten Mission stehen, und, indem Sie der Regierung die notwendige Unterstützung leihen, die berechtigten Hofsnungen der Nation erfüllen werden.(Stürmischer Beifall.) Die Verproviantierung der Festungen. Berlin. 9. Dezember. Da einige Zeitungen Meldungen aus Konstantinopel verbreiten, wonach die belagerten türkischen Festun- gen während des Waffenstillstandes verproviantiert»vürden, er- klärt die hiesige bulgarische Gesandtschaft diese Gerüchte für durchaus unrichtig und bemerkt, daß nach z 2 des Waffenstillstandsprotokolls die belagerten Festungen weder verproviantiert, noch von neuem mit Munition ver- sehen»verden dürfen. Ferner erklärt die bulgarische Gesandt- schaft, daß nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes keine Angriffe der Bulgaren auf A d r i a n o p e l mehr stattgefunden haben. Ein italienischer Dampfer von den Griechen beschlagnahmt. Rom, 8. Dezember. Die„Tribuna" meldet aus Du- razzo: Ter der italienischen Schiffahrtsgesellschaft Puglia gehörende P o st d a in p f e r A d r i a t i c o", der auf der Fahrt von Bari nach Valona mit einer Ladung voi» fünfzig Tonnen Mehl für Rechnung eines französischen Handels- Hauses in Marseille begriffen war. wurde gestern früh durch griechische Schiffe, die vor der Insel Saseno kreuzten. beschlagnahmt und als Prise nach Korfu geschleppt. Dasselbe Älatt meldet sodann aus Korfu: Der griechische Hilfskreuzer..Macedonia" hat den beschlagnahmten Post- dainpfer„Adriatico" gestern abend in den Hafen gebracht. Er wurde dem Hafenkommandanten unterstellt. An Bord des „Adriatico" nahm man eine sehr st r e n g e U n t e r- s u ch u n g vor und unterzog die Mannschaft in Gegenwart der Behörden, des italienischen Generalkonsuls und eines Vertreters der Schiffsgesellschaft Puglia einem Verhör. Die österreichischen Kriegsgesetze. Der hartnäckige Widerstand unserer österreichischen Genossen gegen die Durchpeitschung des KriegsleistungSgesetzcS hat bereits den Erfolg gehabt, die bürgerlichen Parteien gegen den Terroris- nius der Regierung einigermaßen zu stärken, wodurch der Vorlage »venigstenS die schlimmsten Giftzähne ausgebrochen werden kann- tcn. Die Regierung sah sich gezwungen, sich damit einverstanden zu erklären, daß das Gesetz nur bei wirklicher Kriegsgefahr oder Kriegsbedrohung angewendet werden dürfe, so daß also die unbe- streitbare Absicht der Regierung, unter der Vorspiegelung einer Kriegsgefahr die Rechte des Volkes aufzuheben und die Arbeiter durch Mobilisierung der Militärdisziplin zu unterstellen, gescheitert ist. Weiter hat die Regierung zugestanden, daß die zu Kriegs- lei'stungen Herangezogenen unter keinen Umständen in die Feuer. linie geführt werden dürfen, daß sie möglichst in der Heimats- gcmeinde verwendet und nicht zu Arbeiten herangezogen werden sollen, die ihrem Beruf allzu fern liegen. EntHaftung von Jungtürken. Konstantinopel. 8. Tezemb-r. Die ehemaligen sungtürki- scheu Minister Hadji Avil und Enrullah Kairi sowie der ehe- malige Abgeordneke Carasso, der Journalist Aghaieff, der General- sekretär der Kammer und drei ehemalige Deputierte sowie sechs andere Jungtürken wurden heute in Freiheit gesetzt, politische deberHcbt Berlin, den 9. Dezember 1912. Leichenreden. Aus dem Reichstage, 9. Dezember. Wenn der Staatssekretär des Reichsschatzamts niusikalisch genug ist. um sich auf alle Ereignisse im Leben einen Vers zu machen, so hat er heute still für sich das schöne Lied gebrummt:„Verlassen. verlassen, verlassen bii» i." Keine Menschenseele hatte Mit leid mit ihm. Ein Redner des Hauses nach dem anderen redete gegen das P e t r o l e u»n g e s e tz des Herrn Kühn, der eine fand noch»nehr daran auszusetzen als der andere. Und selbst seine Kollegen aus den anderen Reichsämtern ließen Herrn Kühn im Stich. Angeblich soll das Gesetz auch sozialpolitische Bedeutung haben. Genosse Frank hat diese sozialpolitische Heuchelei der Regierung mit einigen kräftigen Worten an den Pranger gestellt. Aber es wäre kaum nötig gewesen. Die Regierung lieferte selbst den besten Beweis •.'�jalpolitischen Gründe für Gründe Reichsschatzamt dafür, wie gleichgültig ihr die s das Petroleummonopol sind, ind�n sie dem.... allein die Vertretung des Gesetzes überließ und Herrn Kühn nicht einmal den redefertigen Herrn Delbrück vom Reichsamt des Innern als Sekundanten an die Seite gab. Ueber das Schicksal des Regierungsentwurfs ist sich nie mand mehr im Zweifel, und Genosse Frank konnte deshalb die schönen Reden, die heute im Hause gehalten wurden, mit Recht Leichenreden nennen. Genosse Frank nahm sich in einen kurzen Ausführungen mit Entschiedenheit der Jnter- essen der geschädigten Kleingewerbetreibenden und der An- estellten und Arbeiter an. so daß spätere Redner, besonders er nationalliberale Handelsangestellte Marquart. nur wiederholen konnten, was vor ihnen der sozialdemokratische Redner schon viel besser gesagt hatte. Aber man will doch auch einmal reden! Und so fanden einige gleichgültige Abgeordnete n der Debatte irgend einen Haken, an dem sie eine rednerische Rechtfertigung vor ihren Wählern aufhängen konnten. Das Haus überwies die Vorlage einer Kommission. Ob man noch einmal wieder etwas von ihr hören und sehen wird. darf inan»nit Geduld abwarten. Es wurden dann noch einige Berichte der Wahl- Prüfungskommission erledigt. Von Interesse ist lur der Bericht über die Wahl des bekannten B r u h n. Die Kommission beantragte die Gültigkeit der Wahl, von der sozialdemokratischen Fraktion lvurde aber mit guten Gründen ein Antrag auf Ungültigkeit gestellt. Genosse Stadthagen wies nach, daß amtliche Wahlbeeinflussung stattgefunden hat, und daß ohne diese Beeinflussung mit Sicherheit Bruhn nicht in die Stichwahl, also auch nicht in den Reichstag gekommen wäre. Leider stimmten aber alle Parteien, mit ganz wenigen Ausnahmen auch die Freisinnigen, für die Gültigkeit, so daß Herr Bruhn, der sich während dieser Verhandlungen be- «heidenerweise auf eine Zuhörertribüne geflüchtet hatte. wieder in den Saal kommen durfte. Er darf sich dafür bei einen Spezialfreunden, den Freisinnigen und Nationallibe- ralen, bedanken.— Morgen stehen die Interpellationen über das KoaliHonS» recht der Angestellten in Staatsbetrieben und über den Wagenmangel auf der Tagesordnung. Vertvaltungsreformen in Preusten. Wie reaktionär muß«S um die innere Verwaltung in Preußen bestellt sein, wenn selbst ein so rechlSstehender Mau» wie der national- liberale Abg. Schiffer die Zeit für gekommen hält, mit Initiativ- antragen aus dem Gebiete der VerwaltungSrcform hervorzutreten! ftreilich zeichnen sich die Schifferschen Anträge weniger durch Qualität als durcki Quantität aus. Die Menge muß es bringen. denkt er, und so beantragt er einmal die Annahme eines Gesetz- entwurfeS über Polizeiverordnungen und Ortsstatuten in der Richtung. daß auf Feststellung der gänzlichen oder teilweise» Rechtsungültig- keit einer Polizeiverordnung Klage beim OberverwaltungSgericht erhoben werden kann und daß die Rechtswirlsamkeit einer Polizei- Verordnung oder eineS OrtsstatutS nach Ablauf von LS Jahren erlischt. Ein zweiter Antrag verlangt die gesetzliche Rege- lung der Anfechtung amtlicher Verfügungen, und zwar soll die»velterschütternde Resorin darin bestehen. daß alle von Behörden oder Beamten ergehende» Enticheidungen u. dgl., deren Anfechtung an die Jnnehaltung einer Frist gebunden ist. am Sckluß die Eröffnung enthalten müssen, innerhalb welcher Frist, in welcher Form und bei welcher Stelle die Anfechtung anzubringen l. Endlich soll die Regierung noch ersucht werden, den vorhandenen Rechtsstoff zu sammeln und zu sichten, um einen möglichst zeit- geinäßen, sicheren, übersichtliche» und aufrechten RechtSzustand herbei- zuführen. Selbst diese bescheidenen Anfänge einer Reform, wenn man überhaupt daS Wort„Reform" hierauf anwende» darf, fanden nicht ohne weiteres die Zustimmung des Abgeordnetenhauses. Erst oll noch eine Kommission die erforderlichen Vorarbeiten treffen, bevor das Plenum sich darüber schlüssig wird. Wozu diese Berschlevpung? Ist man sich von der Rechten bis zur äußersten Linken doch darüber einig, daß es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Die gegen eine sofortige Erledigung der Anträge erhobenen Einwände sind, wie Genosse Liebknecht treffend nachwies, in keiner Weise stichhaltig, Abhilfe tut sofort not, ohne daß man etwa erst die geplante große Berwallungsreform abwartet. Im Anschluß hieran beichäftigte sich daS Haus mit einer Materie. mit der es sich in den letzten Jahren wiederholt befaßt hat, zuerst im Jahre 1909 infolge eines sozialdemokratischen Antrags. Es handelt sich um den Erlaß eines Gesetzes betreffend die E i n>v i r k u n g von Arme«Unterstützungen auf öffentliche Rechte. Wiederholt ist die preußische Regierung aufgefordert worden, die Bestimmungen de» Reichsgesetzes vom 1k. März 1999 auf die preußischen Gesetze auszudehnen, ober sie hat sich bisher nicht daran gekehrt. Warten wir ab. ob sie jetzt endlich, wo ein unter andern von dem Genossen Le inert besünvorteter Antrag der fortschritt- lichen Volkspartei auf Vorlegung eines entsprechenden Gesetzentwurfes zur Annahme gelangt ist, dem Verlangen des Abgeordnetenhauses Folge leisten wird._ Die Eisenbahner nnd der ministerielle Terror. Wieder einmal hatten sich S999 Berliner Eisenbahner in der „Neuen Welt" versamnrelt, um der Regierung und dem preußischen Parlament ihre Wünsche zu Gemllte zu führen. Und auch diesmal stand die Kundgebung im Zeichen des behördlichen Terrors. Denn gemäß der ministeriellen Forderung, daß in Eisenbahnerversainm- lungen sozialdemokratische Abgeordnete nicht nur nicht als Redner zugelassen, sondern nicht einmal alz Zuhörer geduldet werden sollten, wurde auch diesmal der Vertreter der sozialdemokratischen Landtagsftaktion aus dem Saale gewiesen. ES ist schier unglaublich, was man den Arbeitern der preußischen Eisenbahnverwaltuug zu bieten wagt. Erst vor wenigen Tagen, bei der Beratung des Wagenmangels auf den preußischen Eisenbahnen, war eS von allen Rednern einzig der sozial- demokratische Redner, der auch entschieden für die U n t e r- b e a m t e n und Arbeiter der Staatseisenbahnen eintrat und nachdrücklichst forderte, daß unter den gewaltigen Mehrausgaben für die Beschaffung von rollendem Material und dem Ausbau der Schienenstränge unter keinen Umständen die unaufschiebbare Bester- stellung der Unterbeamten und Bahnarbeiter leiden dürfe. Dafür wird dem Vertreter der Sozialdemokratie nicht nur verwehrt, in einer Versammlung der Eisenbahner die Haltung seiner Fraktion darzulegen, sondern er wird auch wie ein Eindringling ausgewiesen! Daß Herr I ck l e r. der nationalliberale ReichstagSabgeordnete, als Vorsitzender dieser Versammlung unserem Vertreter, Genossen Borchardt, zum Verlaffen des Saales aufforderte, weil er nicht eingeladen worden sei, würden wir ihm nicht weiter verübeln. Herr Jckler hat da vielleicht weniger als Vorsitzender derOrganisation. denn vielmehr als Werkzeug seiner vorgesetzten Be- Hörde-» er ist ja selbst Borschlosser in der Eisenbahnwerkstatt in Göttingen-- gehandelt. Er unterwarf sich dem Terror des Eisen- bahmninisteriumS. Dann wäre eS aber wenigstens ehrlicher und vornehmer von ihm gewesen, die Bemerkung zu unterdrücken, daß es nicht Brauch sei,.in Versammlungen einzudringen, zu denen man nicht eingeladen" sei. Treffend antwortete ihm beim auch Genoffe Borchardt unter starkem Beifall aus der Versammlung, daß er von M i t g l ie d ern der Organisation die Aufforderung zum Besuch der Versammlung erhalten und eS als seine Pflicht betrachtet habe, sich wenigstens als Zuhörer von den Forderungen der Eisenbahner zu unterrichten. Aber auch daS half nichts— unser Genosse mußte dem behördlichen TerroriSmu« weichen! Daß ein solches Vorgehen der Behörden gesetz- und ver» fassurigSwidrigen Terrorismus darstellt, ist ja dem preußi- chen Eisenbahnminister schon wiederholt und in kräftigster Sprache ins Gesicht gesagt worden. ES ist ja aber bekannt, daß solche An- klagen, und seien sie noch so begründet, auf einen preußischen Minister herzlich wenig Eindruck machen. WaS kümmert unsere Minister Gesetz und Verfassung, so lange fie die Mehrheit der Dreillassenmänner hinter sich haben! Respekt vor den Rechten der olksmehrheit und insbesondere auch den Staatsprole- tarier» wird den Regierungsvertretern erst dadurch beigebracht werden, daß sich die Volksmehrheit bei den Wahlen rücksichtslos auf die Seite der Sozialdemokratie stellt. Von dem Teil der in der Versammlung anwesenden Abgeordneten fteilich. der sich zu wirtlich liberalen Ansichten bekennt, hätte man allerdings s o- viel Anstandsgefühl erwarten sollen, daß auch sie sofort demonstrativ die Versammlung verlassen hätten, wo ein parlamentarischer Kollege aus Liebedienerei vor der terro- ristischen Regierung ausgewiesen wurde I Denn ihr Verbleiben mußte geradezu den kläglichen Eindruck erwecken, daß auch sie schließlich sroh wären, von der unbequemen sozialdemokratischen Kritik befreit zu seinl Die Lnftflottenvorlage. Man weiß, daß sich unser Militarismus im Ja!)re 1913 nicht mit lumpigen 1861 Millionen Jahresausgabe begnügen wird, sondern daß noch ein Nachtragsetat bevorsteht, der ein Luftflottengesetz enthalten wird. Die im Etat bereits ange» etzten Millionen für den LuftmilitarismuS werden von un- eren Hurrapatrioten nicht für ausreichend erachtet. Auch die bis 6 Millionen, die für den Reichsfliegerfonds gesammelt worden sind, erscheinen unseren Luftmilitaristen als unzu- anglich. Man verlangt nichts Geringeres, als daß das Reich durch einen Nochtrogsetat eine erkleckliche Anzahl von Mil- lionen bewilligt, um die Lustflotte auf eine konkurrenzlose Höhe zu bringen. Namentlich sollen ganze Geschwader weiterer Zeppeline und anderer..Luftkreuzer" für die nachge- forderten Millionen angeschafft werden, und zwar im for- ciertesten Tempo. Welche Zumutungen unsere Luftindustrieritter dem Reiche stellen, beweist eine Zuschrift an die„Berl. Neuesten Nachr.". Wird doch darin gefordert, daß„in Bälde" allein 24 neue Zeppelinkreuzer gebaut werden müßten. Da solch ein moderner Zeppelin von 22 OCX) Kubikmeter Luftverdrängung seine 699 999 M. kostet, würden die 24„Luftkreuzer" ihre 14 499 999 Mark kosten, und zwar o h n e die erforderlichen L u f t's ch i f f- hallen, ohne Bemannung. Gasfüllung. Re- paraturen usw. Dabei ist selbst der»n i l i t ä r i s ch e Wert der großen Luftkreuzer obendrein ein höchst zweifelhafter! Denn trotz aller Vervollkommnungen und aller Steigerung der Fahrgeschwindigkeit der Luftschiffe„leichter als die Luft". trotz des gewaltigen Aktionsradius dieser Fahrzeuge ist es noch sehr die Frage, ob nicht die leichte Lustkavallerie der Flugmaschinen bei Tage jede ihrer Operationen un- möglich machen würde. Denn wenn die Zeppelinen ihre 89 Kilometer pro Stunde machen, machen zahlreiche Flugmaschinen bereits ihre 129 Kilometer, ganz zu schweigen von V e d r i n e s Geschwindigkeitsrekord von 179 Kilometern pro Stunde I Und während kein deutsches Luftschiff bis jetzt höher als 1599 bis 2999 Meter gekommen ist. haben zahlreiche Flug- Maschinen bereits 3999 Meter Höhe, einzelne sogar 4999 bis 5599 Meter Höhe erreicht. Auch ist es sicher, daß man die Flugmaschinen ebensogut mit Maschinengewehren ausrüsten kann wie die Luftschiffe. Ob aber die Luftschiffe bei Nacht- fahrten trotz der Scheinwerfer und Ballonabwehrkanonen besonders wertvoll sein werden, ist auch noch h ö ch st zweifelhaft. Die Luftflottenvorlage verdient also doppelt kritische Aufnahme!_ Pius X. und Kopp. Der Papst hat an den Fürstbischof Kopp, dem schärfsten Gegner der bachemitischen Zentrumsrichtung und der christlichen Gewerk» schaften, ein Schreiben gerichtet, in welchem er diesem seine An- erkennung für die gute Gesinnung ausspricht, mit der der preußische Episkopat die antigewerkschaslliche päpstliche Enzyklika aufgenommen hat. Das in Nr 21 der„Acta Apostolstjae Sechs14 enthaltene Schreiben des Papstes lautet: Geliebter Sohn. Gruß und Apostolischen Segen I Aus dem Schreiben, das Du und die übrigen deutschen Bischöfe Vor dem Abschiede von Fulda uns gesandt, haben wir außer dem gemeinsamen Beweis« treuer Ergebenheit zu unserer Freud« klar ersehen können, mit welch guter Gesinnung Ihr die letzthin an Euch gerichtete Enzyklika über die Arbeiterverbande aufgenommen habt. Bewahret gewissenhaft diesen guten Willen, der, wie Euer Schrei- ben bezeugt, allezeit zum Gehorsam bereit ist, und seid überzeugt, daß es nichts gibt, was Gott und unS angenehmer und der Kirche nützlicher ist, als das praktische Bestreben aller Bischöfe S»>" meinsamen Denken und Handeln, bas durch die treue Ergebenyett gegen den Apostolischen Stuhl noch mehr gestärkt und gefordert ' Wir wünschen sehr, daß die konstantinischen Feierlichkeiten. Leren Ihr Erwähnung tut, das Bestreben all« jkatzolrken jur uis Freiheit Ser Kirche entfache, auf daß sie zu besserem Hoffen und Sinnen führen mögen. Als Unterpfand der himmlischen Güter und als Beweis unseres Wohlwollens erteilen wir Dir, geliebter Sohn, den Bi- schüfen samt ihrer Herde aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen. Gegeben zu Rom bei St. Peter am 14, November 1912 im zehnten Jahre unseres Pontisikats. Papst Pius X, Eine Zentrumsdemonstration für die Jesuiten. Die badische Regierung hat dem Jesuitenpater Cohauß der- boten, seine religiösen Vorträge in Freiburg i. Br. fortzusetzen: ein Verbot, das einen Teil der Freiburger ZentrumSparteiler da« zu Anlast bot, eine kleine Strastendemonstration zu inszenieren. Am Freitagnachmittag hatte das Bezirksamt im Auftrage der badischen Regierung Herrn Cohautz eröffnet,„daß nach der neue- sten Bundesratsverordnung seine Vorträge zu verbieten seien; gegen die Abhaltung des letzten Vortrages aber wolle das Ministe- rium nichts einwenden". Am abend fand dieser letzte Vortrag in der Freiburger Jesthalle statt, und im Anschluh daran die Abreise von Cohaust. Mehr als tausend Personen gaben ihm das Geleit und riefen wiederholt:.Hoch die Jesuiten! Hoch Cohaust! Wir holen die Jesuiten nach Teutschland zurück." Ein anderer Teil der etwa 4009 zählenden Bortragsteilnehmer begab sich in das katho- tische Vereinshaus, wo Geistliche und Zentrumsabgeordnete die katholische Vollsseele nach bewährtem Rezept ins Kochen brachten. Die badische Regierung hat mit der Ausweisung von Cohaust dem Zentrum einen grasten Gefallen erwiesen. Im Reichstage hat der Zentrumsabgeordnete Fehren- bach eine„kleine Anfrage" eingebracht. Das Zentrum will wissen, waS der Reichskanzler im Hinblick auf den Freiburger Fall zu tun gedenkt, um sowohl der Erklärung des Kanzlers vom 4. Dezember als auch der Erklärung des Staatssekretärs des llleichs-Justizamts vom ö. Dezember Geltung zu verschaffen. Nach diesen Erklärungen bezweckt nämlich die Auslegung des Jesuiten- gesetzes durch den Bundesrat eine Aenderung der bestehenden Praxis, noch irgendeine Verschärfung. Tie �eichstagsersatztvahl in Stolp-Lauenburg. Der Kösliner Regierungspräsident setzte den Termin für die ReickiStagseriatzwahl in Stolp-Lauenburg auf den 23. Dezember d. I. fest. Was die Regierung dazu bewogen hat, den Wahltag so früh festzusetzen— ohne Rücksicht auf das„Fest der Liebe", das ist leicht zu begreifen. Man fürchtet klar ersichtlich die sozialdemokratische und freisinnige Wahlagitation._ Badischer nationalliberaler Parteitag. Die Nationaltiberalen Badens hielten Sonnabend und Sonntag ihren Parteitag in Offeuburg ab. Die auf der Tagesordnung stehende Berichterstattung über die Tätigkeit der LaudtagSfraktioi, trat zurück vor der Aussprache über einen Artikel deS früheren Parteiführers Obkirchner, den dieser in der Leipziger Zeitschrift .Paulher" veröffentlicht hatte. In diesem Artikel wird verlangt. dast sich die nationalliberale Partei nicht aus Gedeih und Verderb mit der Sozialdemokratie verbinden dürfe. Die Landesversammlung entschied sich, im Gegensatz zu der von Obkirchner vertretenen Anffaslung, gegen eine geringe Minderheit für den Grostblock und für die Arbeitsgemeinschaft mit den Sozialdemokraten. Sie billigte. dast die natioualliberale Fraktion in Kulturfragen mit den Sozial- demokralen gegangen ist, sich aber bei Wahrnehmung von Unternehmer- interesfen. bei der Frage der Entfernung der Religion aus der Schule. der Trennung von Kirche und Staat von der Sozialdemokratie ge- trennt hat. Nicht Warte, sondern die Abstimmungen in der Kammer seien entscheidend. Unter allen Umständen müsse eine Zentrums- Mehrheit in Baden verhindert werden. Bei Besprechung der Auslandspolitik erklärte der Parteichef Rebmann: die deutsche Politik müsse kriegsbereit sein; die sozial- demokratischen Friedensdemonstrationen verdienten die allerschärfste Verurteilung. In den engeren Ausschuß der Partei wurde auch ein Arbeiter gewählt._ Protest der Hakatisten. In Posen tagte am Sonntag eine vom Ostmarkenverein arrangierte Proteslversammlung gegen den polnischen Boykott, zu der etwa IlXKZ Personen erschienen waren. Die Redner verlangten die Anwendung der allerschärssten Mittel gegen die Polen. Ei» deutscher Ansiedler empfahl sogar, gegen die Polen handgreiflich zu Ivcrden. Ein Justizrat erblickte in der Enteignung der Polen eine Tat von hoher kultureller Bedeutung. Herr v. Pischek amtsmüde. AIS erste Folge der Stärkung der schwarzblauen Rechten bei den württembergischen LandtagSwnhlen stellt die„Schwäbische Tag- wacht" auf G> und zuverlässiger Informationen den Rücktritt des Ministers deS Innern v. P i s ch e t in nahe Aussicht. Es heistt, der Minister werde bis zur Laudtagseröffnung. die in der zweiten Hälfte des Januar zu erwarten ist. aushalten, damit nicht der Zusammen- hang der Veränderung im Ministerium mit den Wahlen gar zu handgreiflich hervortrete; aber seines Bleibens werde nicht mehr lange lein. Wer bisher da? Verhältnis beobachtet hat. das zwischen dem Minister des Innern und der Rechten des Landtages bestand. Ivird es begreiflich finden, dast dem Minister unter der neuen Situation, unter der die Rechte in wirtschaftlichen Fragen den Landtag beherrschen wird, nicht sehr wohl ist. Landrat v. Halem hat endlich sein Mandat niedergelegt. Damit ist diese Angelegenheit für den Reichstag erledigt. Es besteht keine geschäftsordnungmästige Möglichkeit mehr, den Aittrag zu verhandeln, der die Einberufung deS Polen v. Sast-JaworSki, des eigentlich gewählten Abgeordneten. fordert. Jetzt mutz eine neue Wahl stattfinden, bei der die Partei- gänger des LandratS v. Halem die gesetzlichen Vorschriften hoffentlich besser beachten.__ Ei« Idyll aus dem Odenwald. Eine Verhandlung vor dem ProvinzialauSschust zu Darmstadt enthüllte am Sonnabend ein Idyll, das in das hell« Licht der Oeffenttichkeit gerückt zu werden verdient. Am 25. Oktober 1311 fanden in Hummetroth(Hessen) Beigeordnetenwahlen statt, wobei der Maurermeister Jakob Friedrich II mit 23 Stimmen gewählt wurde, während sein Gegenkandidat Landwirt Heinrich Scior 27 Stimmen erhielt. Die unterlegene Seite erhob Einspruch mit der Begründung, daß die Bildung derWahlkommission nicht ordnungsmäßig vorgenommen worden sei. serner aus dem Grunde, weil der Gewählte Sozialdemokrat sei. sich wiederholt als solcher bekannt und auch einem sozialdemokratischen Sommerfest(in Hollerbach) beigewohnt habe. Darauf kassierte der KreiSausschust Erbach, mit dem Kreisrat von Starck an der Spitze, sofort die Wahl.„In erster Linie war es, wie die„Begründung" sagt, die durch Zeugen genügend be- wiesen- sozialdemokratische Gesinnung deS Gewählten, die hierzu Veranlassung gab. Nach konstanter Rechtsprechung der Berwaltungs- gerichre ist die Bestätigung eines Sozialdemokraten als Beigeordneten auSgeichlosten, da die Bestrebungen dieser Partei mit der bestehenden staatlichen Ordnung in Widerspruch stehen und gerade der Beige-( ordnete als Vertreter des BkirgermeisterS in mannigfacher Be- Ziehung berufen ist, für die Aufrechterhaltung dieser staatlichen Ord- nung in Wirksamkeit zu treten." Der Nichtbestätigte legte Berufung bei dem ProvinzialauSschust ein mit der Begründung(die er auch schon in der Vorinstanz vor- getragen hatte), dast er gar k e i n S o z i a l d e m o I r a t sei! Er habe sich auch niemals als solcher bekannt oder betätigt; er sei vielmehr Anhänger der christlich-sozialen Partei, für die er stets gewirkt habe. UeberdieZ liest er durch seinen Anwalt den Beweis dafür anbieten, der recht anschaulich zeigt, wie auf dem Lande das Wahlgeheimnis von den Stöcker-Jüngern durchbrochen wird. Er hatte nämlich sowohl bei der letzten Reichstags- wie LandtagSwahl seinen Stimmzettel für die christlich- sozialen Kandidaten mit Punkten>— den einen mit 8, den anderen mit 4— gekennzeichnet I(Wie es scheint, steckt hinter dieser Punk- lierung der Stimmzettel ein regelrechtes Spitzelsyste/n, mit dessen Hilfe man an Hand der Ordnungsnummern der Wählerlisten die Herkunft der nichlpunktierten Zettel feststellen wollte.) Der ProvinzialauSschust ging an der Frage, ob Sozialdemokrat oder nicht, glatt vorüber und erklärte die Kassierung der Wahl für gerechtfertigt. Bei der Bildung der Wahlkommission im Gemeinderat sei die Anwesenheit von zwei Dritteln der Mitglieder erforderlich gewesen. Da das nicht beachtet worden sei. vielmehr die Wahl der Kommisston nur von vier Ge- meinderalSmitgliedern vorgenommen wäre, während die Unter- schriften der andere» drei erst nachträglich eingeholt worden seien, so läge ein Verstoß gegen das Gesetz vor, der die UngültigkeitS- erllärung der Wahl rechtfertige�_ frankrdch. Großtaten zum Schutze des Milltarlsmus. Paris, 8. Dezember. Aus B r e st wird gemeldet: Der Präfckt des Jinistere-DepartementS entzog dem sozialdemokratischen Bürger- meister von Brest, Masson, die Polizeibefugnis, da derselbe sich weigerte, antimilitaristische Kundgebungen zu untersagen. Heute vormittag führte Masson in einer von 2099 Sozialisten besuchten Versammlung, in welcher ein Beschlustantrag hegen den Krieg an- genommen wurde, den Vorsitz. Die geplante StrastentundgÄnng wurde durch ein starkes Gen-darmerieausgsbot verhindert. Pari», 3. Dezember. Auf Ansuchen des Kriegsministers Millerand hat der Unterstaatssekretär des Postwesens Chaumet verfügt, dast mit antimilitaristischen oder royalistischen Propaganda- marken versehene und an Soldaten adressierte Briefschaften von der Post nicht mehr zugestellt werden sollen. Paris, 8. Dezember. Ucber die an den Kesselröhren des„Jean Bart" verübte Sabotage wird gemeldet, dast die Untersuchung er- gab, daß auch noch andere Rohren durchlöchert worden waren. Die Urheber der Sabotage tonnten bisher nicht entdeckt wenden. Der „TempS" meint, man brauche sich über derartige Vorkommnisse nicht zu wundern, da im Arsenal gegen S9 bekannte Anarchisten und Antimilitartsten beschäftigt seien. Die Milizforderung vor der Kammer. Paris, 9. Dezember. Kammer. Die Debatte über die Jnfanteriekaders wurde fortgesetzt. I a u r b s ent- wickelte einen Gegenvorschlag betreffend Einrichtung von Milizen, dessen hauptsächliche Grundlagen folgende sind: Eine vorbereitende Erziehung für den Militärdienst, die sich nur auf Gesundheit und körperliche Gewandtheit bezieht, beginnt im Alter von 19 Jahren, ein sechsmonatiger Besuch einer Nekrutenschule geht unmittelbar dem aktiven Dienst voraus. Jeder Soldat bewahrt die Waffen in seiner Woh- nung auf. Die Kaders sind teils beruflichen Charakters, teils zivilen. Die Armee hat ausschließlich den Zweck, die Unabhängigkeit und den Boden deS Vaterlandes gegen einen Angriff zu schützen. Der Krieg dient zur Verteidigung, wenn die Regierung einer anderen Regierung, mit der sie einen Konflikt hat. vorschlägt, auf ein Schiedsgericht zurückzu- greifen. Das Parlament soll aber jede Regierung stürzen. die einen Krieg beginnt, ohne ein Schiedsgericht vorzu- schlagen, und sie durch eine andere ersetzen, welche die natio- nale Unabhängigkeit schützt und zu gleicher Zeit ein Schieds- gericht vorschlägt. Frankreich soll unverzüglich mit allen im Haag vertretenen Mächten über allgemeine Schiedsgerichts- Verträge verhandeln. Jaurds forderte weiter körperliche Aus- bildung und staatsbürgerliche Erziehung der Jugend und er- klärte, daß die nioralische Einheit der Nation unerläßlicher als die materielle Stärke sei. um einen Sieg sicherzustellen: die Demokratie müsse vollständig Herrin der Leitung der auswär- tigen Politik bleiben. Geheime Verträge dürfe man nicht mehr dulden. Jaurds sprach dann ausführlich zugunsten von Schiedsgerichten und schilderte warm die Begeisterung, mit der die ganze Nation in den Krieg ziehen würde, nachdem der Gegner das Schiedsgericht abgelehnt hätte. Jaurds erklärte dann, es scheine, daß auch Deutschland das System der kaser- nierten Armee aufgeben wolle. Er verglich dann die deutsche und die französische Armee beim ersten Zusammenstoß und sprach die Ansicht aus. sein System würde Frankreich gestatten. Deutschland eine überlegene Streitkraft entgegenzustellen. Die beste Deckung wäre die Aufstellung eines Milizheeres im Osten, das aus 29 bis 25 Jahre alten Leuten bestände. Auch die Konföderation der Arbeit habe die Desertion gemißbilligt. Die Nichtstellung von 89 999 Soldaten führte Jaurds auf das Gesetz von 1995 und auf die schlechte Organisation der Gen- darmerie zurück._ Italien. Der Vatikan aus dem Kampfpsade. Rom, 6. Dezember.(Eig. Ber.) Die durch den Vatikan ein- genommene Haltung, die gleichzeitig in«der Verhängung des par- tiellen Interdikts über die Erzdiözöfe von Genua und in der Desavouierung der fünf am meisten verbreiteten katholischen TageS- lblätter zum Ausdruck kommt, bezeichnet geradezu eine Epoche in der politischen Geschichte des Papsttums: in einer Zeit, wo alles auf Anpassung drängt, was sich in der alten Gesellschaft behaupten will, wo sich die konservativen Element« durch unzählige Zuge- ständnisse davon loszukaufen suchen, daß der Geist des Neuen sie überwältige, wagt es der Vatikan, der allgemeinen Selbstaufgabe der alten Machthaber eine starre mittelalterliche Selbstherrlichkcit entgegenzustellen, ein zelotisches Pochen auf den Buchsladen und auf die Pflicht der blinden Unterwerfung. Und dabei lümmert es ihn wenig, daß er mit dieser Forderung grOb und tappig das ganze feingesponnene Netz zerreist, mit dem der politisierende KlerikalismuS sich in das öffentliche Leben Italiens verwoben hat. Der Heilige Stuhl will keine Konezssion, keinen Frieden mit dem Usurpator. Man denke sich einmal hinein, was es heißt, im zwanzigsten Jahrhundert über eine Diözöse den partiellen Interdikt zu der- hängen, ihr am Lorabend von Weihnachten die großen Kirchen- feiertichkeiten zu verbieten, die Vornahme von Priesterweihen, von Firmelungen usw.. um den Klerus für den Verdacht zu strafen. mit>der Regierung unter einer Decke zu stecken in Sachen des verweigerten Exequaturs für den neuernannten Erzbischof. Die Ernennung deS intransigentew Monsignor Earo» ging dem Werg- lisierenhen Klerus von Genua gegen den Strich. Anskatk diese Tendenz des Klerus bei der neuen Ernennung im Auge zu halten. greift der Vatikan zu Kirchen strafen. Nicht nur gegen den Staat, sondern vor allem dem eigenen Klerus gegenüber will er die orthodoxe und intransigente Richtung behaupten, will seit� was er war, oder nicht sein. Demselben Geiste ist die Erklärung der offiziellen„Acta Apostolicae SaediS" entsprungen, in der fünf große kleritale Tages- zeitungen als nicht den päpstlichen Leitsätzen entsprechend abgelehnt werden. Es handelt sich um die von einem katholischen Verlags- trust, ber„Societ» editrice romana" herausgegebenen Wätter „Eorriere d'Jtalia"(Rom),„Corriere bi Sicilia"(Palermo). „Avvenire d'Jtalia"(Bologna),„Momento"(Turin) und„Jtalia" (Mailand). Keine dieser Zeitungen hat sich je als Organ des Heiligen Stuhles ausgegeben, alle sind von gut katholischem Geiste beseelt und man wundert sich, dast der Vatikan nicht gezögert hat, ihnen dieselbe BehaMuirg angedeihen zu lassen, die Leo XIII. im Jahre 1885 dem„Journal de Rom«" zuteil weüden liest, das die Person und die Politik deS Papstes zum Gegenstand der Kritik gemacht hatte. WaS sind nun die vom Papst der katholischen Kirche als Richt» schnür gegebenen Leitsätze? Sie wurden seinerzeit vom Pater Chiaudaro in einer vielgenamlten Broschüre aufgestellt und sind im wesentlichen die folgenden: die römische Frage nie einschlafen lassen und stets die sekolarcn Rechte der Kirche betonen; nie den Politikern, die irgend einen Akt gegen Kirche und Papsttum be- gangen haben, unbedingtes Lob spenden; bei den Besprechungen van Büchern und Theaterstücken kein Urteil fällen, das mit der latholifchen Lehre und Moral unvereinbar wäre. Die ganze vom Vatikan getroffene Verlagsanstalt steht übrigens in naher Beziehung zum Banco di Roma, dessen Wirken in der Sache des libyschen Krieges bekannt ist. Hinter den Blättern stehen Erzbischöfe, wie der von Palermo, steht die ganze klerikale Pavlamentsfraktion der Kammer, steht die gesamt« Tagespolitik der klerikalen Partei Italiens. Der Vatikan tritt über das alle» tvcg, zehn Monate vor den Parlamentswahlen, und stellt als Gesetzestafel über all daS Gewimmel der Interessen und des Ehrgeizes sein„Eins ist not": die intransigente Geltendmachung der Weltherrschaft deS Papst est Sowohl der Klerus des Erzbistums von Genua als der Zeitungstrust werden sich unterwerfen. Der Vatikan zeigt der staunenden Welt, dast er noch immer die Macht hat, die Gläubigen unter seine Fuchtel zu beugen. Es ist aber undenkbar, daß die Katholiken Italiens der Politik ihres Landes fern bleiben, um anachronistisch immer wieder die römische Frage aufzuwerfen. Lehnt der Vatikan es ab. dem politiltreibenden KlerikalismuS zum Führer zu dienen, so wird er ihn über kurz Oder lang zum Gegner haben. Seit 1379 hat der Vatikan noch nie mit ähnlicher Schroff. heit das non expeäit auf alle politischen Funktionen des Katholiken ausgedehnt. Was er in diesen Tagen getan hat, wird ihm auf lange Ihre hinaus zu schaffen geben. Dänemark. Verfassungsrevision— konservative KnegShetze. Die zur Beratung der Verfassungsvorlage eingesetzte Kom- Mission deS Folkethings hat bereits am 7. d. M. ihre Arbeit in erster Lesung beendet. Es wird also mit aller Energie an der Lösung der großen Lebensfrage deS Landes gearbeitet. Die Kommission hat mit 14 gegen 1 Stimme die Re- gierungSvorlage angenommen; es ist nur eine ivesentliche Aenderung vorgenommen lvorden. Ein Antrag der Sozialdemo- kratie und der Radikalen(Linksliberalen) hinsichtlich der Zahl der in jedem Kreis zu wählenden Abgeordneten zur Ersten Kammer hat Annahme gefunden. Demnach soll die Zahl der Lands- thingsabgeordneten ebenfalls nach der Bevölkerungszahl des Kreises bemessen werden. Die Regierungsvorlage wollte die Zahl auf Grund der Zahl der Wahlkreise zur Zweiten Kammer. die in dem Landsthingswahlkreis vorhanden, bemessen. Dadurch wäre eine Schädigung Kopenhagens zugunsten der Provinz einge- treten. Durch die Annahme des sozialdemokratisch-radikalen An» träges ist das verhütet worden, denn nun wird die BevölkerungS- zahl ausschlaggebend auch für die Zahl der Mitglieder der Ersten Kammer. Dafür haben unsere Genossen aber auch ihre weitergehenden Wünsche hinsichtlich Einkammersystem, Referendum usw. einstweilen verzichten müssen. Um eine einmütige Stellungnahme der gesamten Linke» in der Kommission zu gelvährlcisten, mußt« dieses Opfer gebracht werden. An sich bedeutet das keinerlei Berzichtleistung auf unsere prinzipiellen verfassungsrechtlichen Forderungen, sondern es war lediglich die Erwägung ausschlaggebend, das wenn auch nicht voll befriedigende, so doch unter den gegenwärtigen Verhältnissen allein erreichbare Angebot der Regierungsvorlage nicht zu ge- fährden. Durch die fast einmütige Kmndgebung der Kommission wird die konservative Opposition zweifellos sehr erschwert. Zum mindesten wird sie in der Zweiten Kammer nichts ausrichten können. In der Ersten Kammer freilich hat sie die Ätehrheit; da aber die Regierung sich mit der Absicht trägt, die Erst« Kammer im Falle der Ablehnung der cventl. vom Folkething beschlossenen Per- fassui�Srevision aufzulösen, wird die Position der Konser- vativen durch die erzielte Einmütigkeit der gesamten Linken in der Kommission erheblich geschwächt. Die Rechte hat das auch schon begriffen und ist auf einen recht komödiantenhaft lustigen Ausweg gefallen: die Gefahr deS Weltkrieges. Seit mehr als vierzehn Tagen malt die kon» servativ« Presse den Kriegsteufel an die Wand. Mit peinlicher Ge- wissenhaftigkeit wird jede blutrünstige Nachricht der Hetzblätter der großen Nationen registriert und in der besonderen Aufmachung Kopenhagener Sensationsjournalistik den Lesern serviert. Es wird so der Anschein erweckt, als ob Dänemark im kommenden Welt- kriege die wichtigste Position darstellt und dt« Konsequenz ist: Mehr Militär, mehr Rüstungen. So soll die Aufmerksamkeit von der Verfassungsfrage abgelenkt werden. Glücklicherweise verfügt di« Sozialdemokratie über eine so weitverbreitete Presse, dast die Karten aufgedeckt werden. Die Lage der Verfassungsrevision läßt sich zurzeit dahin zu- sammenfassen, daß für die RegierungS. bezw. nunmehrige Kom- misfionSvorlage eine sichere Mehrheit in der Zweiten Kam- mer vorhanden ist, dast aber die Haltung der Ersten Kammer und was daraus folgen kann, noch zu den Geheimnissen der Zukunft gehört-_ Soziales. Ausbeutung durch„Wohlfahrtseinrichtungen". Der Zweck der„Wohlfahrtseinrichtungen" wird wieder durch folgendes gut gekennzeichnet. Eine große Textilsirma in Erlangen hat für ihre Arbeiter 89 Wohnungen gebaut und wird dafür von der bürgerlichen Presse ob ihrer sozialen Gesinnung natürlich schrecklich angehimmelt. Was eigentlich dahinter steckt, zeigen die Verträge; damit die Arbeiter jederzeit obdachlos gemacht werden können, falls sie etwa im Beiriebe zu begehrlich werden sollten, ist achttägige Kündigung festgesetzt. Das schönste aber ist, daß die ganze Familie an den Unternehmer ihre Arbeitskrast verkaufen muß: nicht nur der Rann, sondern auch Frau. Söhne und Töchter müssen bei ihm in Arbeit treten. Der ganze WvhlfabrtSrummcl ijt weiter nichts als modernisierte Sklaverei. Gewcrfefcbaftlicbea. Die hathoUfcbe Kirche und die amerikanische Gewerh fchaf tsbewegung. ., In dein amerikanischen Arbeiterbund ist man seit einiger Zeit schon stutzig geworden über den wachsenden Einfluß der katholischen Kirche in der Gewerkschaftsbewegung. Auf den letzten Kongressen des Arbeiterbundes war sogar ein katho- lischer Geistlicher als Arbeiterdelegierter zu finden, der innerhalb des Bundes eine„Miliz für Christus" griindete und als Mitglieder dieser Organisation besonders die ein- flußreichen Gewerkschaftler, die Führer der verschie- denen Verbände usw. anwarb. Diese Werbung wurde ihm dadurch sehr erleichtert, daß viele Jrländer und gute Katho- liken in leitenden Stellen sitzen. Diese„Miliz für Christus" ist zuerst sehr vorsichtig aufgetreten, fühlt aber bereits ihre Kräfte wachsen und zeigt sich sehr streitbar, wenn es gilt, das überall vorwärtsdrängende sozialistische Element in dem Amerikanischen Arbeiterbunde zu bekämpfen. Die Bewegung dehnt sich aus und wird auf die einzelnen Verbände über- tragen, um überall maßgebenden Einfluß auszuüben. Die „New Aorker Volkszeitung" schrieb kürzlich in einem War- nungsruf gegen„katholische Pfaffen in der amerikanischen Arbeiterbewegung das Folgende: „Di« katholische Geistlichkeit ist systematisch damit beschäftigt, sich der amerikanischen Arbeiterbewegung zu bemächtigen. Sie ist sich bewußt, daß das dahin führen muß, diese Arbeiterbewegung zu trennen und zu spalten. Sie hofft aber augenscheinlich, daß sie einen großen Teil dieser Bewegung, der unter dem Einfluß irisch- katholischer Beamten steht, für sich erobern kann, der dann den Kern bildet, um den sich, wie man hofft, eine katholische Arbeiterbewegung in Amerika sammeln soll." Die„Volkszeitung" fordert zur energischen Bekämpfung seder Einmischung der katholischen Geistlichen in Arbeiter- angelegenheiten auf. Nicht nur die Sozialisten, sondern jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, der es mit seiner Klasse und der Gewerkschaftsbewegung ehrlich meint, habe die Pflicht, dagegen Front zu machen._ Berlin und Omgegcnd. Tie Hauskassierung im Metallarbeiterberband. Seit nahezu drei Jahren beschäftigt sich die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes mit der Reorgoni- sierung der Beitragszahlung. Eine Kommission wurde eingesetzt, die genaue Untersuchungen vornehmen sollte, ob an Stelle der jetzigen Beitragskassierung die Einziehung der Beiträge durch an- gestellte Hauskassierer vorzunehmen sei. Im Mai d. I. beschäf- tigte sich bereits eine Generalversammlung mit der Frage; doch wurde damals die Kommission erneut mit der Prüfung«beauftragt. auch wurde die Zahl der Kommissionsmitglioder durch Hinzu» zichung je eines Vertreters aus den einzelnen Bezirken auf S4 erhöht. Die Kommission hatte sich dann in mehreren Sitzungen eingehend mit der Sache beschäftigt und erstattete in der außer- ordentlichen Generalversammlung am Sonntag einen ausführlichen Bericht. Ihren Veratungen hatte die Kommission einige Leitsätze zugrunde gelegt, die im wesentlichen auf Schaffung und Instand- Haltung einer guten Kartothek, die Herbeischaffung einer schnellen Abrechnung, Eindämmung der großen Fluktuation sowie auf eine bessere Beitragsleistung hinausliefen. Um dies zu ermöglichen, habe man das Bringer-, Holer- und auch ein gemischtes System 4,.erörtert. Der Berichterstatter gab alle die Anträge bekannt, welche von den Kommissionsmitgliedern gestellt wurden, und begründete ein- gehend die Beschlüsse der Mehrheit. Das Bringersystem hate die Kommission abgelehnt, weil sie zu der Ansicht gelangte, daß dadurch ein« Besserung in der Beitragszahlung nicht geschaffen würde. In der entscheidenden Sitzung habe die Kommission, an der 47 Mit- glieder teilnahmen, mit 41 gegen 6 Stimmen beschlossen, das Ab- holender Beiträge alle 14 Tage durch angestellte Kassierer vornehmen zu lassen. Es sollen weiter sechs Zweigbureaus mit je eisiem Angestellten er- richtet werden. Die Kosten würden sich pro Mitglied und Jahr auf 1,40 M.— im Höchstfälle auf 1,60 M.— belaufen. Auf jede Beitragsmarke entfallen etwa 2,8 Pf. Kosten. Auf Grund der guten Erfahrungen— so führte der Berichterstatter des längeren aus—, die andere VewaltungSstellen mit der Einführung der Haus- kassiernng gemacht hätten, schlage die Kommission diese vor. Für Berlin sprächen noch eine Reihe günstiger Momente für die Haus- kassierung: in keinem anderen Orte wohne z. B. die Bevölkerung so dicht zusammen als gerade in Berlin. Auch die Aktionsfähigkeit der Organisation würde durch die Hauskassierung ganz bedeutend gestärkt. Rodner führte noch eine Reihe Beweise an für die Not- wendigkeit der Einführung der Hauskafsierung und empfahl, den Vorschlägen der Kommission zuzustimmen. Di« Vorschläge der Kommission wurden auch schon in den Bezirksversammlungen einer Beratung unterzogen. Bon 17 Be° zirken hatten sich 14 für Einführung der Hauskassierung nach den Vorschlägen der Kommission und drei dagegen erklärt. Von der aus sechs Mitgliedern bestehenden Minderheit der Kommission lag ein längerer Antrag vor, der sich gegen die Einführung der Hauskafsierung wandte. Der Be- gründer des Antrages führte aus, daß eine Reform des heute be- stehenden sog. BringesystemS unbedingt notwendig sei. Für manche anderen Orte wäre die Hauskassierung eine Art Lebensfrage, doch fei sie für Berlin nicht notwendig. Die Annahme des Antrages der Minderheit liege im Interesse der Organisation. In der Haupt- fache besagt der Antrag, daß Groß-Bcrlin in 100 Zahlstellen ein- zuteilen sei, die in geeigneten Lokalen unterzubringen wären. An drei Wochentagen— Montag. Freitag und Sonnabend— solle von 6—9 Uhr abends kassiert werden. Jedes Mitglied müsse in dem Bezirk zahlen, in welchem es wohne. Ohne Abmeldung dürfe in einer anderen Zählstelle kein Beitrag angenommen werben. Für jede Zahlstelle sollten zwei Verbandskollegen als Kassierer bestimmt werden. MS Entschädigung sollten den Zahlstellen VA Proz. der Einnahmen gewährt werden. Außerdem sollten 2 0 besoldete Bczirkskasf irrer angestellt werden, die wöchentlich zweimal mit den Zahlftellenkassierern abzurechnen haben. Sie sollen ferner die Kartothek führen und die Mahnung der säumigen Zahler vor- nehmen. Die Mahnung habe nach der 4. und 6. Woche durch die Post zu geschehen: sei dies erfolglos, so habe persönliche Mahnung zu erfolgen. Alle vier Wochen sei eine Restantenliste aufzustellen. Wer sechs Wochen mit den Beiträgen restiere, werde veröffentlicht. Jeder Vertrauensmann erhalte eine Restantenliste. Die K o st e n für die Durchführung dieses Antrages wurden wie folgt veranschlagt: 20 besoldete Bezirkskassierer mit je 2 400 M.....& 000 M. Für die Zahlstellen l'/z Prozent der Einnahmen... �390„ Las Mahnverfahren für IS»00 Restanten..--- SOOO„ Zusammen. 96 390 M. JtaoH kurzer Debatte wurde der Antrag der Kommissions- Mehrheit, der die E i n f ü h rnng der Hauskafsierung Vercmtw. RedäktZWred Viel»»»,»smüBk. Inseratenteil veranwu fordert, mit etwa bicr-Fünftel-Mchrheit der sehr stark besuchten Ver- sammlung angenommen. Weiter wurde beschlossen, durch Urabstimmung ein Votum der gesamten Mitglieder herbeizuführen, ob die Hauskassierung eingeführt werden soll. Achtung, Metallarveiter! Bei der Firma„Gauisch-Bronze", Weißensee, Friedrichstr. 31/32, befinden sich die Former und Gietzereiarbeiter im Streik. Die Firma ist deshalb gesperrt; wir bitten, jeden Zuzug streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Deutlcbes Reich. Eine interessante Entscheidung in Streitsachen, die von der üblichen Streikprozeßpraxis vorteilhaft absticht, fällte die IV. Zivil- lammer des Landgerichts Duisburg als Berufungsinstanz in einer gewerblichen Klage, die das Gewerbcgericht Duisburg-Ruhrort zu- Ungunsten des Arbeiters entschieden hatte. Gelegentlich des Rhein- sclnsferstreiks im verflossenen Sommer hatte die Reederei I. K n i p p- scher großes Interesse daran, ihren Betrieb ausrecht zu erhalten. Sie ging deshalb mit dem Verbände der Maschinisten und Heizer und dem Transportarbeiterverbande einen Tarifvertrag auf 3 Jahre Dauer ein, der die Lohn- und Arbeitsverhältnisse regelte. Nebenbei wurde dann noch mit dem Inhaber der Firma die selbstverständliche Vereinbarung getroffen, daß die Dampfer genannter Firma für „bestreikte" Firmen keine Schlepparbeit ver r ich- ten durften. Kaum aber war der Streik zum Ausbruch ge- kommen, da mutete die Reederei I. Knippscher ihrem Schiffspersonal schon zu, Streikarbeit � zu verrichten. Da die Leute sich dessen weigerten, wurden einige ohne Inn ehaltung der Kündi- g u n g s fr i st sofort entlassen. Außerdem klagte die Firma auch noch gegen den Maschinisten Jacobsen auf Zahlung von 155 M. Entschädigung. Das Gewerbegericht hatte Verstand- nis für die Schmerzen der Reedersirma und verurteilte den Arbeiter. Anders das Berufungsgericht. Dieses stellte sich auf den Standpunkt, daß der Maschinist auf Grund des abge- schlossenen Tarifvertrages zur Verweigerung der Streik- arbeit berechtigt getvesen sei. Für das Zustandekommen des Tarifs sei Bedingung gewesen, daß die Kähne von„bestreikten" Firmen nicht gescklleppt werden dürften. Die einseitige Erklärung der Firma, vom Tarife zurückzutreten, könne ebensowenig durch- schlagend sein, wie die Betonung wirtschaftlichen Schadens. Die Verweigerung der Streikarbeit sei in diesem Falle nicht als Arbeits- Verweigerung zu betrachten. Dagegen sei das Verhalten der Firnia als Tarifbruch anzusehen. Es müsse angenommen werden, daß die Klägerin sich über die Wirkung der Streikklausel vollkommen klar gewesen sei. Demgemäß sei das Urteil des Gewerbegerichts aufzuheben und die Klägerin mit ihrer Schadenersatzklage abzu- weisen. Wenn das Urteil auch nur rechtliche Selbstverständlichkeiten ausspricht, so steht es doch in wohltuendem Gegensatz zu der üblichen Streikprozeßpraxis, die namentlich im niederrheinischen Industrie- gebiet fast jedes Auflehnen der Arbeiter gegen die Diktatur des Kapitals als ein Verbrechen betrachtet. Eine Anschauung, die sich nur zu deutlich in den Urteilen widerspiegelt. Es zeigt aber auch, daß unter Umständen Berufsrichter größeres Verständnis für die Lösung von Rechtsfragen aus dem Kampfe zwischen Arbeiter und Arbeitgeber haben können, wie die aus den Kreisen dieser Anti- poden in den Laiengerichten sitzenden Männer der Praxis. Neue Differenzen im Baugewerbe zu Nordenham. Nach zehnmonatlicher Aussperrung, die von den Unternehmern des Baugewerbes in Nordenham verhängt wurde, um die un- beschränkte Benutzung ihres Arbeitsnacknveises zu erzwingen, ist es den wiederholten Bemühungen des Stadtmagistrats am Orte gc- lungen, am 2. November einen Frieden zwischen den Parteien zu schließen, bei dem die zwangsweise Benutzung des Arbcitsna-dwcists ausgeschaltet und die Wiedereinstellung der ausgesperrten Bauarbeiter zugesichert wurde. Allzu lange hat dieser Friede nicht ge- dauert, denn wenige Tage nach der Festsetzung der Friedens- bestiminungen hat es sich bereits gezeigt, daß der Unternehmerverband in Nordenham gar nichr willens gewesen ist, die eingegangene Ver- pflichtung zu erfüllen. Ihm kam es nur daraus an, die von der Arbeiter- presse� veröffentlichen Sperrnotizen über Nordenham, die sich als äußerst wirksam erwiesen hatten, zum Verschwinden zu bringen, um dann um so leichter mit den Bauarbeitern in Nordenham um- springen zu können. Anstatt, wie vereinbart, die Bauarbeiter einzu- stellen, haben verschiedene Unternehmer die ansässigen Leute zurück- gewiesen. Auf dem Arbeitsnachweis wurden die schikanösesten Maß- nabmen angewendet, die sich nur durch die ungeheuere Wut erklären lasten, die bei den Unternehmern vorhanden ist über die Bauarbeiter, die sie nicht kleinkriegen konnten. Anstatt der ansässigen Leute werden Bauarbester von auswärts angeworben. Tariflohn wird in sehr vielen Fällen nicht mehr gezahlt. Die Arbeiter haben wegen dieser Wortbruchsaffäre den Stadt- Magistrat gebeten, den Unternehmern ins Gewissen zu reden, damit nun der Friede auch wirklich gesichert bleibt und vor allen Dingen die Unternehmer die eingegangene Verpflichlung erfüllen. Aber die Unternehmer haben abgelehnt, zu einer Sitzung zu erscheinen. Sie berufen sich auf die tariflichen Instanzen, die nach ihrer Auffassung nunmehr zu entscheiden hätten. Das wagen dieselben Unternehmer zu sagen, die durch die vor Jahresfrist an- gezettelte Aussperrung einen Tarifbruch begangen haben, die einen Schiedsspruch der böchsten Tarifinstanz im Baugewerbe, der sie zur Aufbebung der Aussperrung in Nordenham verpflichtete, unbeachtet ließen.— Die Bauarbeiter in Nordenham werden sich auf solchen Handel mit den Unternehmern nicht mehr einlassen, weil die Unter- nehmer absolut keinen Anspruch haben auf den Schutz der tarifliche» Instanzen, solange sie nicht zunächst die Verpflichtung restlos erfüllt haben, die als Grundlage für die Wiederherstellung des Friedens und des Tarifvertrages vereinbart worden ist.— Für Bauarbeiter gilt deshalb Nordenham als gesperrt und jeder Bauarbeiter muß Arbeitsangebote nach Nordenham ablehnen. Verlammlungen. In einer gutbesuchten Vranchenversammlung der Gummi- und JsolationSarbciter, einer Branche, welche dem Verband der Fabrik- arbeiter angehört, hielt der Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Wolfgang Heine ein Referat über die Bedrohung des Koalitions- rechtes der Arbeiter durch die Scharfmacher. Spannendes Interesse und reicher Beifall löhnte den Redner für seinen überaus lehrreichen Vortrag. Den Bericht der Gruppenleitung gab der Branchenleiter Wilhelm R e i m a n n. Er hob hervor, daß sich die Organisation in steter Anfwärtscntwickelung befinde und die besten Aussichten auf die kommenden Zeiten gestatte. Wenn aber irgendwo die Ver- Hältnisse schlechte und ungeordnete seien, ist das in den Gummi- und Jsolatwnsfabriken der Fall. Als im Frühjahr die geradezu himmelschreiend schlechten hygienischen und sanitären Zustände in der Oeffentlichkeit drörtcrt wurden, versuchten etliche Firmen sich «dadurch zu helfen, daß sie� die Bertrauensleuie der Organisation drangsalierten und aufs Straßenpflaster setzten. Da wo sich die Gewerbeinspektion um die Betriebe kümmerten, wurden die schwer- sten Mißstände beseitigt, trotzdem bleibt den zuständigen Gewerbe- inspektionen für diese BetriÄc noch sehr viel zu tun übrig. Im vergangenen Berichtsjahre wurden zwei Angriftsbewegungen mit zusammen 260 Arbeitern und Arbeiterinnen geführt. In einem Falle wurde für 195 Beteiligte eine Zulage von durchschnittlich 2 Pf. pro Stunde und eine zweistündige Verkürzung der Arbeits- zeit pro Woche erreicht. In einem anderen Falle für 62 Beteiligte eine Lohnzulage von 2J4 Pf, pro Stunde. Eine Bewegung mit 14 Beteiligten mußte aus taktischen Gründen vertagt werden. An Abwehrbewegungen wurden zwei mit 220 Beteiligten geführt und gelang es, alle angedrohten Verschlechterungen abzuwehren. Wenn nun auch die Resultate nicht derartige sind, daß man mit dem Erreichten vollauf zufrieden sein kann, so �IhZGlockeZLeill'N. Drück u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanjtatt liegt es daran, daß man es in der Branche mit besonder? lapstalkrästigen Gegnern zu tun hat. Besonders schlecht liegen die Verhältnisse in den Gummi- und Jsolationsabtcilungen der..Deut« scheu Kabelwerke" und bei„Dr. Cassierer u. Co.". In diesen Betrieben herrscht denn auch eine sehr große Fluktuation, was ja bei Einstellungslöhnen von 32 Pf. für Männer und 18 Pf. für Frauen nicht verwunderlich ist. Eine Statistik über zwei Betriebe, die Lohnvcrhältnisse betreffend, ergab im Betrieb A einen Turch- schnittslobn für Männr von 22,10 At., für Frauen 13,80 M.; im Betrieb L: 26 M., Frauen 14,20 M. Vorstehende Betriebe sind mittelmäßig organisiert; dort wo das Organisationsbcrhältnis als gut zu bezeichnen ist, sind naturgemäß die Verdienste höhere. Tie durchschnittliche Arbeitszeit beträgt st bis 9!4 Steß.dcn pro Tag. Zu beklagen ist es, daß die Arbeitsordnungen vieler Gummibetricbe nicht den tatsächlich bestehenden Verhältnissen entsprechen, sondern geradezu mittelalterlich anmutende Bestimmungen enthalten. Hier muß Gewicht darauf gelegt iverden, dieselben der Neuzeit ent- sprechend zu gestalten. Das Organisationsvcrhältnis in den ein- zelnen Betrieben geht von 100 Proz�auf 30 Proz. herab. Zwei Betriebe in Groß-Berlin sind überbaupt nicht nennenswert organi- siert. Insgesamt sind 62 Proz. aller Gummiarbeiter organisiert; es bleibt also noch ein großer Prozentsatz zu organisieren. Erhöhte Aufmerksamkeit muß auch den Reparaturbetricben für Autoberei- sung geschenkt Iverden. Hier wird noch vielfach unter Außeracht- lassung der gesetzlichen Vorschriften mit Schwefelkohlenstoff gear- bettet.— Lebhafte Entrüstung rief die Mitteilung herbor. daß einer Arbeiterin, die bei einem Unfall den Arm verlor, das Angebot gc- macht wurde, ihre frühere Arbeit zu verrichten. Die in Frage kommende Firma hat sich auch nicht entblödet, hinter ihren ehe- maligen Arbeitern Uriasbiefe zu erlassen.— Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Brauchenlciter Wilhelm Rcimaun, Stellvertrcier Gustav Krüger, Schriftführer Gustav M i t s ch k e, Beisitzer Wilhelm Möller. Als Beisitzer für die Ortsverwaltung foll der Generalversammlung wiederum August P r i e b e vorgeschlagen werden. Der Stalhankrieg. Keine kriegerische Stimmung gegen Oesterreich in Serbien? London, 9. Dezember. sW. T. B.) Der Berliner Korrespon- dcnt der„Wcstminster Gazette", der in den Balkanländern gewesen ist, schreibt über die in Serbien herrschende Stimmung: Serbien wird keine großen Schwierigkeiten haben, nachzugeben. Das serbische Publikum ist, abgesehen von wenigen Zeitungen, nicht intensiv er- regt. Das Empfinden ist schwach, verglichen mit dem vom März 1909, bevor Serbien in der bosnischen Frage zurückwich. Ein ser- bischer Politiker hat mir das zugegeben und gesagt, die serbische Regierung habe 1909 bis zuletzt ausgehalten, weil ein Zurückweichen vor Oesterreich-Ungarn die Revolution nach sich zu ziehen schien. Jetzt besteht keine derartige Besorgnis. Die Dynastie hat sich außerordentlich befestigt. Selbst wenn Serbien mit Bezug auf Albanien nachgibt, gewinnt es bedeutend. Ich bekam den allge- meinen Eindruck, daß die albanische Frage nicht zu tragisch ge- nommen wird, und daß, wenn Serbien es vielleicht schwer findet. Oesterreich-Ungarn allein nachzugeben, es sich doch allem fügen wird, was einem Mandat der Mächte gleichkommt. Ein bulgarisches Dementi. Sofia, 9. Dezember.(W. T. B.)„Mir" weist alle angcbtickcn authentischen Nachrichten über eine Aufteilung der eroberten Ge- biete unter den Verbündeten, insbesondere zwischen Bulgarien und Griechenland, als vollständig unbegründet zurück und erklärt, daß die neuen Grenzen der verbündeten Staaten nach Abschluß des Friedens festgesetzt werden würden. Dieser dürfe keineswegs ver- zögert werden, denn die Balkanstaaten seien entschlossen, keinen Versuch einer Ausflucht von feiten der Türkei zu dulden. Hetzte Nachrichten. Glänzender Stadtverordnetcnwahlerfolg in Plauen. Plauen sVogtland). 9. Dezember. sPrivattelegramm des„Borwärt s".) Bei der heutigen Stadtverordneten- w a h l gab die Sozialdemokratie die Antwort auf die infame Wahl- entrechtung. Trotz fünfklassigem und Pluralwahlrecht wurden sechs Sozialdemokraten in das sozialislenreine Stadtparlament gc- wählt. In der ersten Abteilung, in die die entrechteten Arbeiter zusammengedrängt wurden, erhielten wir 2403 bis 2417, die Gegner 364 bis 395 Stimmen. Auch in der zweiten Klasse brachte» wir drei Mann durch, die Gegner nur einen. Ausdehnung des Eisenbahnerstreiks in England. London, 9. Dezember.(P r i v a t t e l e g r. des Vorwärts.) Der Streik auf der Nordostbahn dehnt sich immer mehr aus. obwohl die Gewerkschaftsleitung vom Kampfe abrät. Augenblicklich sind 4600 Mann im Ausstand. Ten direkten Anlaß zum Kämpf gab die Maßregelung eines Güterzoglokomotivführers Knox, der auf Grund einer vom Gericht selbst als sehr unbefriedigend bezeichneten Be- weisausnahme wegen Trunkenheit außerhalb des Dienstes zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt worden war. Knox, der 37 Jahre im Dienste der Bahn steht und unbescholten ist, bestreitet die Gerechttg- keit des Urteils, und seine Kollegen, die ihn kennen, sind über die Handlungsweise der Eisenbahngcsellschaft sehr aufgeregt. Die eigentlichen Ursachen des Kampfes scheinen aber tiefer zu liegen und in dem ganzen System der Arbciterbehandlung zu suchen zu ein. Ter Streik droht auch auf der Midlandbahn auszubrechen, deren Direktion systematisch die Führer des letzten Streiks brotlos macht. Gestern forderte eine Massenversammlung der Angestellten dieser Linie die Gewerkschaftsleitung auf, sofort den Streik zu erklären., London, 9. Dezember. iW. T. B.) Der Streik auf der Northeastern-Bahn ist noch nicht offiziell erklärt worden. Infolge- dessen erhalten die Ausständigen noch leine Streikunterstützungen. Wie ein Telegramm aus Ncwcastle meldet, hat sich der Güterverkehr infolge des Mangels an Leuten stark gestaut. Die vom Kontinent Wöchentlich eintreffenden Schiffe mußten ihre Ladungen in die Lagerhäuser bringen lassen. Ein Teil der Güter wurde durch Händler abgeholt. Auf einigen Kohlenlagerplätzen ruht die Arbeit. Die Eisenbahnangestellten in South Shields nehmen am Streik nicht teil._ Grostfeuer in einem Eisenwerk. Troppau, 9. Dezember. sW. T. B.) In den Werken der Brankaer Eisenwerke Aktiengesellschaft brach heute abend in einer Werkstatt ein Brand aus, der bald größeren Umfang annahm. Zur- zeit ist es noch nicht gelungen, das Feuer zu lokalisieren. Uebersall ans einen belgischen Regierungobeamtcn. Teheran, 9. Dezember.(W. T. B.) Kurden haben in der Nähe von Lohinjan, südwestlich vom Urmiafee, den belgischen Zoll- inspektor D u m e z, vier ihn begleitende persische Zollassistenten und vier Reiter seiner Eskorte ermordet._________ 'PaulSinger& EmFLettm SW. Hierzu 3 Beilage» u.v>tterhaltu»o»dl, Nr. 288. 29. Jahrgang. 1 MW des Lsmöck" Kerlim NslksUck. Dienstag, tO. Dezember 1912. Reichstag 81> Sitzung. Montag, den 9. Dezember 1912, nachmittags 2 Uhr. Am BundesratStisch: Dr. Lisco, Kühn. Der Gesetzentwurf über den Zusammenstoß von Schiffe» sowie über die Bergung und Hilfeleistung in Seenot wird in dritter Beratimg debattelos a n g e n o m ni e n. Dann wird die erste Beratung des Gesetzentwurfes über den Verkehr mit Leuchtöl(Petroleumvertriebsmonopol) fortgesetzt. Abg. Graf Westarp(k.): Meine Freunde stehen dem Gedanken des Gesetzentwurfs sympathisch gegenüber. Der Abg. Wurm suchte uns wieder als Vertreter agrarischer Interessen hin- zustellen und' berief sich dabei auf eine Aeusternng, die Graf Posadowsly als Staatssekretär getan, indem er die Verwendung von Brennspiritus zu Beleuchtungszwecken für wünschenswert erklärte— und gewiß wäre es wünschenswert, wenn das Geld das jetzt für Petroleum ins Ausland gehr, auf diese Weise im Inland bliebe. Der leitende Gesichtspunkt für nreine Freunde ist, daß unter keinen U in st ä n d e n eine Verteuerung des Petroleums eintreten darf. (Hört! hört I links.) Ob wir dem Entwurf zustimmen können, wird von der Gestaltung abhängen, die er im einzelnen in der Kam- Mission bekommen wird. Vor allem muß untersucht werden, ob und wie es möglich sein wird, die Petroleumpreise dauernd niedrig zu halten.— Gegen die Verquickung der Vorlage mit der Veteranen beihilfe haben wir grundsätzliche Be- denken; wir könne» Reichssteuern für bestimmte Zwecke nicht billigen. In der Fürsorge sjir die Veteranen lassen wir uns von niemandem übertreffen.(Zustimmung rechts.) Aber diese Frage wird unS nicht beeinflussen können bei der Prüfung deS vorliegenden Entwurfes.(Bravo I rechts.) Abg. Rupp(wirtsch. Vg.) schließt sich inbezug auf die Veteranen- fürsorge dem Vorredner an und behält die Stellungnahme seiner Freunde zum Entwurf bis nach der Kommissionsberatung vor. Abg. Dr. Frank(Soz.): Nachdem die Vertreter aller Parteien gesprochen haben, darf ich vielleicht das Ergebnis der gehörten Leichenreden(Heiterkeit) kurz zusammenfassen dahin: für die Grundlagen dieses Entwurfes ist im Reichstag nicht bloß leine Mehrheit, sondern nicht einmal eine Minderheit zu finden.(Heiterkeit.) Ts ist der Regierung nicht gelungen, die lückenhafte und mangelhafte Begründung des Gesetzes irgendlvie zu ergänzen oder zu verbessern. Sie hat sogar das Kunststück fertig gebracht, ihre natürlichen Hilfstruppen in das gegnerische Lager zu treiben. Ich spreche von den paar Hunderttausend Kleinhändlern, die seit Jahrzehnten unter der schweren Hand der Standard Oil Company zu leiden haben. Dadurch, daß sie ihnen eine Ausgabe von 39 oder 49 M. zur käuf- lichen liebernahme der Aulagen zumutete. Dadurch hat sie diese meist uubemitlelten kleinen Leute gegen sich inobil gemacht. Das einzige, was eigeistlich zugunsten der Vorlage spricht, ist unabhängig von der Regierung vorgebracht worden. Es ist die raffiniert geschickt organisierte Gegenorganisation der Standard Oil Conrpany und ihrer Abnehiner. Sie beweist, was für einen gefährlichen Gegner wir vor uns haben, und sie ist auch ein gewisses Beweismittel dafür. daß die Staudard Oil Cmnpany allerdings von der Vorlage eine Jntereffenschävigung erwartet. Aber die Borlage kann sehr gut die Standard schädigen und gleichzeitig die Konsumenten schädigen, dabei aber einem Dritten nützen, nämlich, wie bis zum Ueberdruß vorgetragen worden ist, der Gruppe der Deutschen Bank. Die Debatte hat aber nicht bloß ein negatives Ergebnis gehabt, fie hat auch das positive Resultat zutage gefördert, daß der Reichstag einmütig ist in der Er- kenutnis, daß die St. O. C. eine schwere Gefahr für unser Wirt- schaftliches Leben bedeutet. Weiter wertvoll ist, daß diese Erkenntnis nicht etwa irgendwie chauvinistisch oder nationalistisch gefärbt ist. Wir betrachten die Gefahr, die von der St. O. C. droht, nicht des- wegen als so groß, weil es sich um eine amerikanische Firma handelt, sondern weil es sich um ein P r i v a t m o n o p o l handelt, das uns zu erdrücken droht. Die Konsequenz wird sein, daß wir auch die andern Privatmonopole, das K o h l e n s y n d i k a t, den E l e k- trizitätötrust mit allen Mitteln bekämpfen, die der Gesetz- gebung zu Gebote stehen. Eine entschiedene Mehrheit besteht wohl auch im Reichstag dafür, daß das Reich selbst ein Handelsmonopol einrichtet, ein wirkliches Neichsmonopol, wenn die Garantien dafür gegeben sind, daß der Zweck tv irklich die Verbilligung des Petroleums und nicht eine verschleierte neue in- direkte Steuer ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was die Regierung dagegen vorgebracht halte, ist nicht durchschlagend. Wenn sie recht hätte, daß die Beamlen des Reiches nicht imstande wären, ein derartiges Monopol zu leiten, dann wäre auch die Vor- läge gerichtet. Wenn die Regierung imstande ist, uns einen Reichs- kommissar zu stellen, der w i r k s a m die Geschäftsführung der künftigen Vertriebsgesellschaft überwachen könnte, dann wäre sie auch imstande, diesen Reichskommissar zum Direktor des Monopols zu machen. Es ist ja viel schwerer, eine Sache wirksam zu überwachen, in deren Betrieb man nichr drin steht. Wir befinden uns hier in der seltsamen Zwangslage, daß wir die Reichsbeamten gegen die Reichsregierung in Schutz nehmen müssen, daß wir der Regierung Fähigkeiten aufreden wollen, die die Herren nach ihrer eigenen glaubhaften Versicherung nicht besitzen.(Heiterkeit.) Aber ich bin der Meinung, die Herren von der Regierung, die Minister und Staatssekretäre, sind gar nicht so ungeschickt, wie sie sich stellen. Wir haben schon oft gesehen: wenn sie das A m t hinter sich haben, wenn sie außerhalb deS Amtes sind, dann entwickeln sie Eigenschaften, die man nie vorher bei ihnen ge- sucht hat.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Einig ist das Haus auch darin, daß es nicht angeht, ein Privatmonopol durch das andere Privatmonopol zu« ersetzen, die Herrschaft des RockefellertrustS durch die Herrschaft der Deutschen Bank ablösen zu lassen. Ich sage das ohne jede Voreingenommenheit. Mau muß nicht von einer Bank Dinge erwarten, deren sie nicht fähig ist. Eine Bank ist dazu da, Geschäfte zu machen. Sie ist nicht sähig, Volkswirt- schaftliche Interessen der Allgemeinheit Ivahr- zunehmen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Gerade dagegen hat sich der Schatzsekretär aber energisch, ich möchte fast sagen, soweit das bei ihm möglich ist, leidenschaftlich(Heiterkeit) ver- wahrt, daß der Entwurf bewußt im Interesse einer bestinimten Bank ausgearbeitet sei. Den guten Glauben billige ich selbstverständlich der Regierung zu, kein Mensch behauptet, daß die Regierung ab- sichtlich nach dem Diktat der Deutschen Bank etwas Derartiges ge- macht hat. Aber ich weiß nicht, ob der Staatssekretär nicht fühlt, wie bedenklich eine derartige Entschuldigung ist. Wenn die Regierung gar nicht gemerkt hat, daß sie im Juteresse der Deutschen Bank arbeitet, dann allerdings niüßte das Urteil über die Verfasser des Entwurss recht böse ausfallen, denn die Tatsache bleibt be- stehen: wenn der Entwurf im Bureau der Deutschen Bank aus- gearbeitet worden wäre, hätte er gar nicht günstiger für diese Bank gemacht werden könne». Ich erinnere nur an die 19 Millionen Nainensaktien.die der Deutschen Bank und ihren Freunden zugedacht sind, und die genau dasselbe Stimmrecht habeu, wie die S9 Millionen Inhaber- akrien. Das bedeutet, daß die 19 Millionen Namensaktien die Vertriebs- geiellschaft vollkommen beherrschen, denn jeder weiß, daß wenn eine Gruppe einer Akiiengesellschast auch nur ein Drittel der Aktien in festen Händen hat, sie die Gesellschaft beherrscht. Weiter bekommen die Inhaber ihre Namensaktien, die ihre 19 Millionen so sicher haben, als wenn sie Reichsanlcihe kaufen, noch als besondere Belohnung dafür bei einer Auflösung der Gesellschaft Millionen geschenkt, mit der treuherzigen Begründung, daß der etwaige Ueberschuß hauptsächlich auf die Geschicklichkeit dieser Herren zurückzuführen sein wird.— Weiter möchte ich zwei Neben- erscheinunge» der Debatte als erfreulich herausgreifen. Das erste ist die Entschiedenheit, mit der alle Parteien den Versuch der Regierung zurückgewiesen haben, die Schwächen der Vorlage unter einem sozialpolitischen Mäntelchen zu verbergen. Ich habe mich besonders gefreut über die Energie, mit der auch der Sprecher deS Zentrums sich dieser Verurteilung angeschloffen hat, und habe mir gesagt: wie schnell wird doch in der Politik umgelernt! Als beim Zolltarif die Witwen- und Waisenversicherung eingefügt wurde, sagte daS Zentrum ganz anders.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kratcn.) Und bei den Wahlen 1993 und 1997 wurde gerade der Vorwurf gegen die Gegner des Zolltarifs erhoben, vor dem jetzt mit Recht der Redner des Zentrums warnte, indem man die Leute, die den Zolltarif im ganzen ablehnten, dafür verantwortlich machte, daß sie sich auch gegen die Witwen- und Waisenversicherung aus- gesprochen hätten. Ich freue mich, daß das HauS zu der besseren Rleines fcuilUton Eine Volksversammlung in Neuseeland. Aus Neuseeland wird uns geschrieben: Man muß unwillkürlich einen Vergleich zwischen unserem lieben Preußcnlande und den englischen Kolonien ziehen, wenn man sieht, was für eine vernünftige Stellung die Regierung und die Polizei des englischen Auslandes der sozialistischen Be- lvcgung gegenüber einnimmt. Nehmen wir nur einmal eine öffentliche Versammlung als Beispiel. Ich hatte Gelegenheit, einer solchen in Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, beizuwohnen. Tie Versammlung wurde einige Tage lang durch Maueranschläge usw. angekündigt und sollte die Sache der augenblicklich streikenden Minenarbeiter einer Provinzstadt unterstützen. Als Ort war der große Platz vor der Hauptpost gewählt worden, wo einige tausend Menschen zusammenkommen können, ohne den Verkehr zu stören. Von Absperrung keine Spur— man sah nur die hier stets postierten ztvei oder drei Schutzleute— ohne Säbel und Browning- Pistole friedlich mit einigen Arbeitern plaudern, die vor der Zeit gekommen waren.— Die Masse sammelte sich langsam an und eine von der Arbcitcruuion gestellte Musikkapelle ließ lustige Weisen ertönen, um die Gekommenen zu unterhalten und die Säumigen anzulocken. Zur festgesetzten Stunde kam ein offener Packwagen, der in der Mitte des Platzes Halt machte und den Rednern als Plattform diente. Nach der üblichen Einleitung ergriff der Vorsitzende der Arbeiterunion das Wort. Ein etwas angesäuselter Arbeiter, der vor der Plattform stand, wurde von den markigen Worten des Redners so begeistert, daß er auf den Wagen kletterte und ihn um- armen wollte. Mit großer Mühe, aber auf friedliche Weise brachte man ihn wieder heruter und... setzte einige kleine Kinder auf den Wagen. Niemand störte mehr den Redner, die Kinder waren der beste Schutz. Ein zweiter Redner folgte. Mitten in seiner Ansprache wurde er vom Vorsitzenden unterbrochen und darauf aufinerksam ge- macht, daß gerade ein Leichenzug die Straße passierte. Die Männer hatten bereits die Köpfe entblößt, und der Redner ent- schuldigte sich, daß er den Zug nicht rechtzeitig bemerkt und seine Ansprache unterbrochen hätte. Inzwischen war es an einem Ende der Versammlung zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Mitgliedern anderer Unionen und den Anhängern der einberufenden Union gekommen. Es wurde so laut, daß der Redner sich unterbrechen mußte und der Vorsitzende von der Plattform sprang, um Ruhe zu stiften. Währenddessen standen die Schutzleute vollkommen neutral bei den Streitenden und mischten sich erst ein, als der Vorsitzende ausdrücklich darum ersuchte. Und was taten die Schutzleute? Sie nahmen die Streitenden nicht etwa beim Kragen und schleppten sie auf- die Wache„zur weiteren Behandlung"— nein, sie nahmen die Be- treffenden ruhig bei Seite und machten ihnen klar, wie sehr sie der eigenen Sache Schaden zufügten, wenn sie das Programm der Versammlung störten. Das half und die Ordnung war hergestellt ohne Gewaltmittel. Der letzte Redner war ein gar streitbarer Geist, aber sehr witzig. Er würzte seine Rede durch allerhand treffende Seiten hiebe auf bekannte Regicrungsmänner. Als die große Turmuhr ihn durch ihr Schlagen unterbrach, erinnerte er z. B. daran, daß mau seiner Zeit, als der Gouverneur in Wellington war, die Uhr still- stehen ließ, um nicht die Nachtruhe Sr. Exzellenz zu stören!„So- viel Entgegenkommen kann eine Volksversammlung eigentlich auch verlangen," meinte er,„aber leider waren wir zu schüchtern, darum zu ersuchen." Allgemeines Gelächter. Zum Schluß versetzte er den Ministern und der bestochenen Presse und schließlich auch noch der Polizei einige recht saftige Hiebe, die ihm bei uns wahrscheinlich einige Monate Gefängnis eingebracht hätten. Die Schutzleute lachten nur mit und machten absolut keine Miene, den Redner zu unterbrechen. Zum Schluß spielte die Mufik die Marseillaise, und die Versammlung löste sich friedlich auf. Theater. Freie Volksbühne(im Thalia-Theater):„Die Feind e" von G o r k i.„Gewesene Leute" waren es. die Gorki in seinen Barfüßer-Erzählungen, desgleichen in seinem Drama„Nachtasyl" mit erschütternder Realistik hinstellte. Einen anderen TypuS zeigte er in den„Kleinbürgern". Aber schon hier setzte er der Unkrast dieser Menschcnsckiicht die neue Lebensquellen erschließende Tatkraft des Arbeiterproletariats entgegen. Wenn nian daS beachtet, wird man leicht den Fäden, die von den Kleinbürgern zu dem Szenen- gefügc„Die Feinde" hinüberleiten, nachzugehen vermögen. Was dort erst schüchtern tastend gewagt wurde: hier Ivird es vollendete Wahrheit: denn jetzt läßt Gorki die sozialistische Fabrik- arbeiterklasse in ihrer erdrückenden Wucht gegen daS groß- kapitalistische Bürgertum aufmarschieren. Hatte er von den „Intellektuellen" innerhalb der russischen Gesellschaft gesagt, daß sie nur zu leicht„Gefangene des Lebens" wurden, so zeigt er nun die Durlbichnitlsintellektuelle», die Schwärmer und Bewunderet höherer, richtiger: mammoniltiicher Ideale von ähnlicher Beschaffen- Heil. Auch sie sind meistens Schwächlinge ohne jedweden Lebensnerv, deren Mut nicht über weinerliche Selbstauklagen hinauskommt. Und hatte Gorki früher noch in einer seiner Landstreichernovelle» die alte Jsergil ausrufen lassen:„Ich sebe alle möglichen Arten von Menschen — aber wo sind die Starken?" so läßt er uns jetzt sehen, wo die Starken in Massen stehen. Schon steigt in der Bourgeoisie die surchsame Ahnung aus, daß ihre Rolle als Spieler aus der Menschheils« bühne zu Ende sei, daß anstatt ihrer die sozialistische Volks- masse zur Herrschaft gelange.„Diese Menschen werden siegen," sagt die Schauspielerin Tatjana gelassen. Der Fabrikdireklor, ei» brutaler Gewaltmensch wird von einem der ihrige» erschossen. Sie wissen, daß für diese Tat einer büßen müsse. Meldet sich der Täter nicht freiwillig, so werden viele leiden. Soll er, der Familienvater ist, aber vor dein Schicksal mörderischer Zwangsarbeit oder gar des Galgentodes bewahrt bleiben, so muß sich eben ein anderer Genosse opfern. Und solch Opfer zu voll- bringen, ist ein blutjunger Arbeiter sofort bereit. Während dieser abgeführt wird, meldet sich vor dem Tribunal der richtige Täter; ehe einer unschuldig leiden soll, will er lieber selbst die Strafe auf Einsicht gekommen ist und der Regierung gegenüber eine geschlossene Front bildet in der Ueberzeugung, daß man nicht ein schlechtes Gesetz dadurch gut macht, wenn man am Schluß einen guten Zweck für die Ueberschüsse einsetzt. Als weitere erfreuliche Erscheinung möchte ich es bezeichnen, daß von keiner Seite der Grundsatz angefochten wurde, den ge- schädigten Angestellten eine Entschädigung zu geben. Als bei der Finanzreform von 1999 wir eine Angestelltenentschädigung ver- langten, wurde das von der rechten Seite abgelehnt und von der„Deutschen Tageszeitung" als Demagogie bezeichnet. Wir freuen uns, daß jetzt auch die Reichsregierung sich auf unseren demagogischen Standpunkt stellt. Ob in der Kommission der Einwurf über die Klippe des Z 1 hinauskommt, erscheint fraglich uiid deshalb will ich hier noch auf einige Einzelheiten der Angestelltenentschädigung eingehen, Der Kreis der zu Unterstützenden ist viel zu eng gezogen; vor allem verstehen wir nicht, warum bloß Angestellte und nicht auch Arbeiter entschädigungspflichtig sein sollen, wenn sie ihre Stellung verlieren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber auch für die Angestellten im engeren Sinne muß der Kreis der Entschädigungs- Pflichtigen erheblich weiter gezogen werden.' 49 bis bO Proz. der Angestellten werden von der Betriebsgesellschaft ja nicht übernommen werden können, für die übernommenen aber darf auf keinen Fall eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen eintreten. Die Standard Oil Company hat den achtstündigen Arbeitsag, hat die Sonntagsruhe, zahlt in K r a n k h e i t s f ä l l e n das Gehalt 2—5 Wochen lang. Ich will nicht untersuchen, ob sie das zur Beschwichngung des eigenen oder des öffentlichen Gewissens tut. Tatsache ist, daß die Angestellten der großen neuen Betriebsgesellschaft Gefahr lausen. schlechter g e st e l l t zu werden und dagegen muß Vorsorge ge- troffen werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man muß es auch den Angestellten überlassen, ob sie in den Dienst der neuen Gesellschaft treten wollen; eine Gefahr, daß die neue Gesell- schaft etwa kein Personal haben würde, ist vollkommen ausgeschlossen, dafür sorgt schon die große Reservearmee, die noch durch 49 bis 69 Prozent der bisher im Petroleumhandel Beschäftigten vermehrt werden wird.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokralen.) Auch Umzugsentschädigung, Entschädigung für zu lösende Miels- Verträge, für PensionSauträge müßten gewährt werden. Auch die Klasseneinteilung, daß Angestellte bis zu 2 5 Jahren gar nicht, bis zu 35 Jahren mit der Hälfte, bis zu 45 Jahren mit drei Viertel und darüber hinaus mit dem vollen Gehalt enl- schädigt werden, ist unhaltbar. Beispielsweise bekommt ein Sechs- lindzwanzigjähriger, der vier Jahre im Geschäft ist. d i e Hälfte des Gehalts als Entschädigung, ein Vierundzwanzig- jähriger der acht Jahre im Geschäft ist, soll g a r nichts be- kommen. Auch dagegen muß Borsorge getroffen werden, daß die Gesellschaft etwa niehr Personal übernimmt als sie braucht, um viele nach einigen Monaten zu entlassen und sich so der Entschädigungs- Pflicht zu entziehen. Die Vorlage geht an eine Kommission. Ich fürchte, diese gleicht der Höhle deS Löwen, es führen Spuren hinein, aber nicht wieder heraus. Mau kann bedauern, daß der erste größere Versuch, ein Privatinouopol zu brechen, höchst wahrscheinlich scheitern wird. Aber wenn die Re- gierung sich jetzt auch am Petroleum die Finger verbrennt, so wild sie in Zukunft vorsichtiger sein und mit den Parteien Fühlung nehmen. Der Kampf gegen die Uebermacht deS Privatmonopols wird nicht aufhören. Er wäre freilich aufs schwerste kompromittiert, wenn er mit einem Gesetzentwurf begönne, der unter der Flagge des Reichsmonopols ein neues Privat'monopol schafft. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gerade weil wir überzeugt sind, daß der K a m p f g e g e n d i e P r i v a t m o n o p o l e tu der nächsten Zeit ganz besonders energisch geführt werden muß, gerade deshalb sind wir gegen diesen Gesetzentwurf.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten). Abg. ColShorn(Welfe) wünscht, daß die Kommission, an die das Gesetz ja gehen wird, rasche Arbeit machen möge. Vor allem muß sie dafür sorgen, daß die Interessen der kleinen Leute besser gewahrt werden, als es durch die Vorlage geschieht. Abg. Erzberger(Z.): Die Vorlage kann bereits als gefallen angesehen werden. Mir tut nur der Schatzsekretär leid, der diese Erbschaft von seinem Borgänger übernommen hat. Der Schatzsekretär betonte, der Reichstag habe die Vorlage einstimmig gewünscht. Das ist ein Irrtum; meine politische» Freunde habeu gegen die betreffende Resolution gestimmt. Wie steht es übrigens mit dem Stimmenverhältuis im Bundesrat? So viel man hört. sich nehmen.„Nun... was denn? Da, uebmt. freßt!" Wahr- lich ein Heldentum! Diese Menschen werden siegen. Doch Gorki zeigt noch mehr; auch inmitten jeuer schwächlichen Gesellschaft beginnt ein neuer Geist aufzusteigen. Nadja, die Nichte des Fabrik- Herrn, ist fast noch ein Kind und doch beseelt von sozialem Mit- verstehen; in ihr offenbart der Dichter die llmwandlunq der jungen Generation. Insofern Nadja als zukunftsahnende Anllägerin der Bourgeoisie austritt, ist sie auch als eigentliche Trägerin der Handlung anzusehen. In diesem Sinne spielte Toni Willens sie. Sie wirkte im frischen Hauch ihrer Jugend überzeugend auch trotz der Striche des Rcgicstiftcs. Klara B e r g e r bewegte sich als Polina klug anpassend in der'.hrer Rolle zugeipiesenen Grenze. Maria E i s e n h u t als Tatjanu jpann die VersühnmgSszeue mit allzuhcrkömmlicher Theatralik aus, gab jedoch da, wo sie ihr Kimstevanaelium entwickelt, eine schöne Teil- leistung. Rassig in Leidenschaft und Haß war Assa L i n d e n s Cleopatra. Unter den Vertretern männlicher Hauptrollen standen Erich Ziegel alS dem Alkoholismuö verfallener Jakob Bardin und Viktor H a r t b e r g als Fabrikant Sachar Bardin entschieden obenan. Paul P a u I s e n(Direktor) gab sich ein wenig überstürzend. Vor- züglich. auch in der typisch slawischen' Maske ivar Erich Plate»; desgleichen Hans Mantius und Theo Stol« zenberg. Unter den Arbciterthpen gaben Fritz Richard, Erich Anzelewski und Josef B l a ß musterhastes. Aber die Vertreter des alten Generals und des RittermeisterS waren leider zu karikaturistisch— zu possenhaft. Gleichwohl verdient die Regie Anerkennung für ihre, wenn auch vielleicht mehr dem bourgcoisen Element als dem sozialen Gehalt des Dramas zugeneigte, sorg- fältige Herausarbeitung. Das ganze Werk übte eine ergreifende Wirkung, wovon der einmütige Beifall zeugte. oü. Neues Volkstheater(Aufführung deS Vereins Ver» fuchshühne): DaS Urteil des Salomo von Else T o r g e. Mit nicht eben hochgespaniiten Erwartungen ging man zu dieser Vorstellung. Wie viele derartiger Vereine sind im Lauf des letzten Jahrzehnts aufgeschossen und klanglos, ohne eine Anregung zu hinlerlassen, verschioundeu. Die Stücke waren meistens elend, und zur dramatischen Oede gesellte sich farblose Nüchternheit der Wiedergabe. Um so größer war diesmal die Ueberraschung. DaS Drama Else TorgeS, wenngleich fein Aufbau nachprüfender Betrach- tung nicht standhält, zeigt' immerhin doch ausgeprägten Sinn für Bühnenwirkung, ja in der ersten Hälfte einefftarke, Bilder von innerlich dramatiichem Rhythmus formenden Phantasie. Sind die vier Akte auch kein Ganzes, schlägt die Bewegung in dein letzten Aufzug in theatralisch äußerliche Scheinbewcgung um, so hätte daS Werk doch mehr als manches andere eine Darstellimg auf der Rein- hardtbühne verdient. Vielleicht daß sich die Direktion noch nachträglich dazu entschließt. Sie wäre eS, wem, nicht derVerfasserin, so jedenfalls der Darstellerin, der jungen Mary Dielrich, die schon im vorigen Winter mit sehr bedeutenden Leisluiigc» hervorttat, schuldig. Hier aber war sie unvergleichlich. Sie machte den Abend zum Ereignis. Man hatte die Empfindung, Zeuge einer ganz eigenartig neuen er- staunlichen Beseelung zu sein. Ton und Gebärde waren von An- fang bis zu Ende wie ein einziger in unablässig verschwenderischer CaBeit die Vertreter der Hansestädte im Bundesrat gegen den Eni. imm gestimmt,/z10 geschlossen werden mußten. Die Pol'zel ,oi» die I n t e r e s s e n t e ii mebr befragen, so bei Uel'foCii gestattliilg, die heute in jedem Einzelfall eingeholt werden muß. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Nicht das Uebermaß an Palizeiberordiiungen allein begründer das Mißtrauen des Volkes i» unsere Rechlsprechung. sondern vor allem die K o in p l t z i e r i h e i t und Zwiespältigkeit unieres ganzen Lebens, die ciiigreifen in die Gesetzgebung und Reck.» sprechung. Aber gewiß steigert die Kompliziertheit unseres niaterre�eir und sormelle» Rechts diese Mißstände. Es ist wirklich fit erster Linie nötig, im V e r w a 1 1 u n g s r e ch t Abhilfe zw schaffen. Wenn"die Parteien dieses Bestreben einmütig verfolge'.', wird der SlaatSregierimg schon deutlich gemacht werden, was iiölig ist. Wir haben scha» wiederholt uns dagegen gewendet, alle Reformen mit Berufung auf die sehr fragwürdige Berwaltmigs-' resorrne» auszuschieben. Hier teilt auch die Mehrheit dieses Hanse? unseren Standpunkt. Die Mehrheit der preußischen„Untertanen"' glaubt nicht mehr an die V e r w a l t n n g S r e f o r m. Die Abg. Schiffer und Brust habe» in der Konstatierung des Miß- tranenS der Bevölkerung in unsere ganze Justiz und Berivaltung geradezu revolutionäre Töne angeschlagen. Das war die schärfste- Kritik des herrschenden Systems.(Sehr wahr! bei den Sozial- deinokraten.) Herr Brust sagte, daß die Ueberfülle der bestehenden Gesetze das Volk in seinem Mißtrauen bestärke. Nun, der Antrag Schiffer will ja nicht neue schaffen, sondern aufräume n. Freilich geht er nicht iveit genug, ich sage das nicht, um weiter zu gehen als die anderen Parteien— ivir müssen fordern, daß alle Verwaltnngs-- Verfügungen»nr auf Grund eines»iiindlichen Verfahrens ergehen, in der d i e B ll r g e r mit d e n B e h ö r d e n v e r h a» d e l w und ihre Motive kennen lernen können. Dann würden die Ber» iüguiigen besser verstanden, aber ebenso viele vermiedeii werden. Ebenso wichtig ist. daß alle Verordnungen eine Begründung erhalten, daß der Rechtsweg überall zugelassen und schlteßlüti die Duplizität von Zivil-, Straf- und VerwattimgSrechlspflcge be- seitigt werden, die eine der wesentlichsten Quellen der Rechtsunsichcr» heil ist.(Sehr richtig! links.) Auf vielen Gebieten ist die Rechts m ittelbelehr unA bereits vorgeschrieben— Polizeistrafverfabren. Arbeiterversichermig — aber hier wendet man die kleinlichsten Gegengründe ei». Wenir. man dagegen„Ouerulaiitentuin" einwendet, so ist das verwerflich. soll den» der Staat aus der Rechisuiikennlnis des Volkes profitieren? DaS sind Staatshämorrhoidatbedenkeii, die fürchten, daß die Ver- waltungsbeamten in ihrer Ruhe g e st ü r i werde» kömiteii. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Der Staat hat vielmehr die Pflicht, das Volk über s e i n e R e ch t e aufzuklären. Der Antrag beweist, daß unter der NechtSunsicherheit auch schon die Besitzenden leiden. I» manchen Bundesstaateii und in manchen Gegendeii Preußen» ist die Rechtsmittelbelehrung längst gesetzmäßig oder gewohnheitlich eingeführt, so im Osten. Das kann natürlich überall geschehen. Als ich beim Wassergesey die RechlSmittelbelehrimg vorgeschrieben habe» wollte, haben die Nationalliberalen meinen Antrag nieder- g e st i in m t, Herr Abg. Schiffer!(Hört! hört! bei den Sozial» demokraten.) Besondere Schwierigkeiten entstehen, wie ich schon öfter dargelegt habe, aus den Polizeiverordmingen dem Schiffergewerbe. Vielleichr nutzt eS mehr, daß jetzt von einer weniger verdächtigen Seite (Schiffer) die gleichen Beschwerden erhoben werden. Beinahe halte ich von dem Antrag des Genossen Schiffer gesprochen(Heiter- keit), so sympathisch ist er mir. Er fordert eine Lebensdauer von Polizeiverordnungen von 25 Jahren, Herr Bell 20, Herr Ehlert 15— ich als bewährter Sozialdemokrat schlage Ihnen zehn Jahre vor, da spiegelt sich der Radikalismus am besten ab I(Heiterkeit.) Immerhin fordern Sie hier Dinge, die Sie auch beim Wasser« gesetz selbstverständlich abgelehnt haben.__„, Wir kennen ja noch gar kein wirklches Ungültigerkläreft voir Polizeiverordnungen, denn ein solches Höchsturteil gilt immer nur für den einzelnen Streitfall und oft genug hat man solche Verordnmigen weiter bestehen lassen I Es ist vor alle»' zu begrüßen, daß wir eine Rechtsinstitution bekommen sollen, die bindend über die Gültigkeit von Polizei» Verordnungen entscheideii soll. Um das Volk von dem entwürdigenden, schädlichen' Druck dieses Systems zu befreien, mäßlen viel tiekergreifende Maßregeln ergriffen werden. Aber die Anträge sind ein guter Anfang und würden wenigstens, wenn sie auch den volksfeindlichen Ebarakier der aus dem Dreiklassenrecht beruhendeil Verwaltung nicht schmälern können, die Kleinlichkeit im Polizeiivescii beseitigen.'Wir stimmen ihnen zu.(Bravo! bei de» Sozial- demokraten.).... Abg. Dr. Weiidlaiidt(natl.): Mit solche» Worten, wie sie der'-oor- reimet diesen ausgezeichneten Anträgen gewidmet hat—„revolutionär" und„Genosse Schiffer"— schadet man nur dieser guten Sache aus dem Hause.(Heiterkeit bei den sozial» demokraten.) Abg. Schiffer(natl.) erklärt in seinem Schlußwort gegenüber der Befürchiiliig des Abg. Brütt, die Anfechtuilgen der Vcrordnnngeli könnten die Behörden nervös machen, daß die Nervosität des Volkes bedenklicher sei. Die Anträge gehen an eine 21 er Kominissioii. Oeffentliche Unterstützung und Landtagswahlrecht. Abg. Junck natl.) begründe« einen Antrag, die Staatsregierung aiifzuiordern, noch vor der Anfftellung der Landtagswählerlisten die Ausdehnung des Reichsgesetzes über die Nichteinwirkung von öffent- lichen Unterstützungen aus die LandtagSwahIen vorzuschlagen.— Die Regierung, die sich trotz feierlicher Versprechung nicht enlschljeßen kann, das in den Augen aller rechtlichen Menschen längst gerichtete Wahlrecht abzuändern, hat allen An- laß dafür zu sorgen, daß das schon so verkümmerte Wahlrecht nicht noch weiter eingeschränkt werde.(Beifall links.) Abg. Böhmer(k.): Wir stimme» für den Anlrag, aber ob das Reichsgesetz in alle» Punkten übernommen iverden kann, ist uns zweifelhaft. Abg. Schmcdding(Z.): Auch wir stimmen für den Antrag; wir haben ja selbst 190S für den Antrag Hirsch gestimmt. Die Abgg. L o h m a n n(natl.) und Brütt(fk.) erklären sich auch für den Antrag. Abg. Leinert lSoz.): So kurz kann ich mich nicht fassen. Die ganze Frage ist in diesem Haufe von uns ausgerollt ivorden. Der ReickStag val vel der Verabschiedung des Reichsgejetzes den Bundesrat um«uSdehimilg der gleichen Grundsätze aus alle Bmidesstaaten ersucht- Der Oteicks- kanzler hat dies den BundeSregieriiiigeii zur Erwägung uderwieseii. Inwieweit hat das der preußische Ministerpräsident getan. iMJ lehnte er unseren Antrag noch ab. In der Wahtrechtsvorlage von isio waren einige der reichsgesetzlichen Bestimmungen entHallen, aber lauge nicht alle und lange nicht die wichligsten so z.B. die Kr an l enun ter» st ü tz u n g des Wählers oder seiner A n a e h ort g e n aus öffent- lichen Mitteln. In der Tat weigern si-v die Arveiler«vre kranken Angehörigen in Krankenhäuser usw. zu vringen, um mch: ihr Wahl- recht zu verlieren, jetzt allerdings nur noch zur t»eme»lde oder zum Landtag, denn für den Reichstag ist_ daS lem �ahlrechtShindermS mehr. Ei» Vertragsabschluß auf spatere Ruckerstaiwng der Kosten kann vielleicht höhere Beamte usw. vom Wahtrechwverlusi befreien. aber Arbeiter können darauf nicht eingehen, inan macht sie auch gar Sie ein solches Gesetz, wie es hier bcalttrogt wird, nicht, so schaffen Sie uns ein neues Agitationsmittel."Der Arbeiter, den die lattcn Herren im Wahlvorstand vom Wahlttjch wegschicken, empfindet diese Schande sehr wohl, und wenn die Regimtug diese Schande nicht beseitigt, wird sie das Zuströmen der Müssen zur Sozialdemokratie riur beschleunigen!(Bravo! bei den Sozialdemokraten� Der Antrag wird a u a e u o»i in e n. Das»iederrheittische Eiitwässcriingsgrsetz wird nach kurzer De- batte in zweiter Lesung angenommen, ebenso der vou freikonser- vativer Seite beantragte Gesetzentwurf zur Abänderung der K r e i s o r d n u n g e n. Nächste Sitzung: Dienstag, den 10. Dezember, vormittags tl Uhr. Amtsanwaltschaft-, Lehrerhaftpflicht-, Schleppmonopolgesetz. Schlich ü/jä Uhr. Euq aller Melt. Der JanusKopf öchorlemers. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge kann der Volksgenosse Freiherr v. S ch o r l e in e r- L i e s e r auf das Hitze- (fahr l9U zurückblicken. Das Gesicht in schmerzlich-gramvolle Falten gelegt, bedauert er als L a n d w i r t s ch a f t s ni i n i st c r, der nur das beste des Volkes will, die abnorme Temperatur des letzten Jahres. Hatte der glühend heche Sonnenbrand doch einen grosten Teil der Ernte vernichtet, die Futlermitlelpreise fast unerschlvinglich gemacht und so mit dazu beigetragen, das; als Nachwirkung heute uoch dein Botke Stockschläge auf den Magen erteilt werden. Wewch, Ursache genug, dich des Landwirtschaftsministers Geficht g r a ni e r f ü l l t ausschaut, wenn er daran denkt. Und endlich bemühte er sich daher, auf Abhilfe der Not zu isinnen. Im Gegensatz zu dem bekannten Wort der Prinzessin, die dem Polle Kuchen cnipfahl, wenn es kein Brot habe, empfiehlt er bei mangelnder Fleischnahrung beileibe keinen Hunde- kuchen als Bolkönnhrung. sondern Gemüse und Kartoffeln. Schließlich brachte er cS zu der fundameiitalen Entdeckung, daß ja noch Pferde- fleisch vorhanden sei, das sich seines großen Eiweißgehaltes wegen Keigender Beliebtheit erfreue. Wir sagten, unser Schorlemer blicke mit einem weinenden und -einem lachenden Auge auf da? Hitzejahr zurück. Weint er auf der einen Seite über die dadurch entstandene Not, so hat er doch, wie Bäcker Schult in Reuters Durchläuchting. auch seine lachende Seite. Schorlemers lachende Seile sind ihm seine Weingüter. Brachte die Hitze Trockenheit ziiweg?. so reifte sie auch den Wein io ausgezeichnet, daß Schorle nierS Stückfässer sich mit -den besten O u a l i t ä t s w e i n e n füllten, die ihm überreichen Gewinn bringen. Dieser Tage fand in Trier die Bersteigerung der Schorlen, erschen Weine ans dem Jahre 19.11 statt. 80 Fuder Wein ivnrden verauktioniert imd brachte» '44 1 390 M., nn Durchschnitt 3017 M. für das Fuder. Schorlemer hat Grund zum Lachen, denn die Persteigerung seiner Weine im Jahre llllO brachte ihm bei 90 Fuder nur 191 710 M., -oder im Durchschnitt 19 9 7 M. pro Fuder. Der reiche Segen ist in den teuren Zeiten eine ganz willkommene Zubuße zu dem kleinen Mini st ergeh alt von 50000 M., und erklärt vielleicht auch den SkeptizimuS. mit dem Landwirtschaftsminister V. Schorlemer dem Mangel an Fleisch gegenübersteht. Mit schmunzelndem Behagen wird sich der Schwergeprüfte saugen: Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall! Sechs Mädchcu ertrunken. Eine schlvcre Katastrophe hat sich am Sonntagabend in der Ortschaft F a u l b a ch bei Aschaffenburg zugetragen. Sieben Mädchen im Alter von acht bis zwölf Jahren spielten -auf einer zugefrorenen Stelle des Mains. Plötzlich brach die zwei Zentimeter dicke Eisdecke durch, und sämtliche Mädchen st ü r z t e n i n s W a s s e r. In ihrer Todesangst klammerten sie sich aneinander. Sechs Mädchen ertranken und konnten nur als Leichen geborgen tverden. Das siebente wurde von ihrem Bruder gerettet. Einer von der Sorte. Der„Nbeiuisch-Weslsälischcn Zeituug" ist, offenbar aus Versehen. eine originelle Porträtierung der Leute in die Spalten geraten, auf deren Geisteszustand ihr Alideutiltmiin zugeschninen ist. Unter dcni Strich veröffentlicht sie einiges aus den Erinnerungen eines Arztes von 1870. die demnächst in Buchform erscheinen sollen. Da erzählt dieser Arzt, der ehemalige Direktor der UnivttfitätSfrauenklintk in Bonn, Dr. F r i t s ch: „Ich möchte behaupten, daß ein Soldat, wenn er fest ent- schlössen ist, sein liebes Leben zu retten und seine Knochen wieder heil nach Hanse zu bringen, das bei einiger Konsequenz wohl fertig bringen kann. So kannte ich einen, der nach zwei Stunden Marsch_ regelmäßig mit affektierter jamiilervoller Miene i in Chausseegraben saß. Dabei strafte ihn sein hübsches, gesundes rundes Gesicht Lügen!„Ach, Herr Doktor. geben Sie mir etwas, daß ich weiter kann," rief er weinerlich klagend. Nnii bekam er Hoffmannstropfen und versprach, weiter- zugehen. Aber nicht zwei Minuten— bums— da lag er wieder im Graben, als wenn er totgeschossen sei. Nun ging das Jammern wieder los: er wolle ja so gerne, aber könne nicht vorwärts, er ersticke usw. Schließlich sagte man sich, daß inan Besseres und Wichtigeres zu tun habe, als immer in den einen Schlappen hineinzu- reden. Courage, teelöffelweise abzugeben, führten wir nicht im Medizinkarren. Am andern Morgen, wenn die Sckilacht oder das Gefecht vorbei war, konnte man sicher sein, den Drückeberger wieder zu sehen. Und nach Jahrzehnten sah ich ihn wieder. den tapferen Krieger. Vor st and aller möglichen Kriegervereine, hochgesinnter Patriot, Blut und Leben auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern jederzeit bereit." Jawohl, das ist ganz die Sorte, die an den Kriegervereins- abenden das Maul ganz gewaltig aufreißt und die jeden Abort- besuch mit einem Hurra beendet. Diese Leute trifft nian überall, wo mit dem Säbel gerasselt und unverantwortliches Spiel mit dem Glück und der Wohlfahrt der Völker getrieben wird, nicht zuletzt in den„nationalen" Zeilungsredaktionen. Spionenriecherei. Der Restaurateur S a b i s ch aus Breslau erhielt vom Deutschen Metallarbeiterverband in Stuttgart den Auftrag, für die Bau- ausstellung in Leipzig verschiedene in Bau befindliche Brücken zu photographieren, um sie für die Abteilung„Arbeiter- schütz" zu verlvenden. Als nun Sabisch am Freitag die bei Niedcr-Hermsdorf im Bau befindliche Brücke über die Eisenbahn photographierte. wurde er wegen Spionage- verdachtes verhaftet. Obwohl er zwar aus der Haft ent- lassen wurde, sind ihm dennoch sämtliche Platten und Photographien auch anderer Brücken abgenommen und gegen ihn ein Verfahren auf Grund des Gesetzes vom 3. Juli 1893 betreffend Spionage eingeleitet worden. Die Verteidigung des Sabisch hat Rechtsanwalt Simon in Breslau übernommen. Sensationelle Wendnng in der Mailänder Bergiftungs- affäre. Aus Rom wird uns geschrieben: Bekanntlich hat die Mai- ländcr Polizei drei Anarchisten unter der Anklage verhaftet, an der Versendung der vergifteten Kapseln an die Mai- länder Hausbesitzer schuldig zu sein. Die Anzeige war durch einen Kellner namens Bigliardi erfolgt, der inzwischen hat zugeben müssen, daß er von der Polizei bestochen und besoldet wurde. Der Denunziant hat.von der Polizei Geld gefordert unter dem Vorwanoe, die schriftlichen Beweise der Schuld der drei Verhafteten zu besitzen. Da er diese Beweise nicht herausrückte, was ihm wohl deshalb schwer gefallen sein mag, weil er sie gar nicht besaß, hat die Polizei den Kellner gestern als an dem Giftmorde beteiligt, verhaftet. Wahrscheinlich hat der Schuft mit dem wahnsinnigen Anschlag ebenso wenig zu schaffen, wie die von ihm denunzierten Anarchisten: die Verhaftung ist wohl nur vor» genommen worden, um die Blamage der Polizei zu ver« decken. Bigliardi müßte ja blödsinnig sein, wenn er an dem Morde beteiligt wäre und sich um Geld zu dem gefährlichen Handwerk des Denunzianten hergegeben hätte. Die Anarchisten selbst sind am 6. d. MtS. aus der Untersuchungshaft entlassen worden, was zweifellos der erste Schritt zur Einstellung des Verfahrens gegen sie ist. Bigliardi wurde in Haft behalten, weil man ihn wegen Be- trugeS zum Schaden der Polizei vor Gericht bringt. Das übliche Ende des Denunzianten!__ Angebliche Fischvergiftung. Wie die staatliche Fischereidirektion in Hamburg »Iis mitteilt, brachten einige hiesigen und auswärtigen Zeitungen gestern und vorgestern die Nachricht, daß Mitglieder emer in der Gärtnerslraße in Hamburg wohnenden Familie nach dem Genuß von Sprotten vergiftet seien. Wenn man die Erwähnung der Sprotten als Zeitangabe auffaßt, so mag diese Bemerlung ihre Richtigkeit haben. Ein ursächlicher Zusammelihang zwischen dein Genuß der Sprotten und der Vergiftung besteht aber nach dmi ms- herigen Ergebnis der Uiltersuchung nicht. Schon früher ist durch Nachrichten über angebliche Fischvergiftungen der deutschen Fischerei- industrie großer Schaden zugefügt worden. Der Fall ist diesmal noch viel bedauerlicher, weil die Nordseesprotten feit zehn Jahren nicht mehr an unsere Küste gekommen sind, und durch die Nachricht die an sich schon in den schwierigsten Erwerbsverhältnissen lebenden Ostseefischern getroffen werden. Kleine Notizen. Schiffsuntcrgang im Hamburger Hafen. An der Stelle, wo kürzlich der Hamburger Dampfer„Vandalia" in der Elbe versank, lies Montag liachmittag ein kleiner Segler, der eine Ladung Eisen für Rendsburg hatte, gegen die zur Hebung des Wracks in den Strom gerammten Pfähle. Der Segler sank in kurzer Zeit. Der Steuermann und die Frau des Schiffers ertranken. der Schiffer selbst konnte von einem vorüberfahrenden englftcherc Dampfer gerettet worden. Zwei Obdachlose verbrannt. In F r a n k f u r t a. M. verbrannten in der Nacht zum Sonntag bei einem Scheuneilbraiide 5 w e r Menschen. Es handelt sich offenbar um zwei Obdachlose, die in der Scheune genächtigt haben. Der Sohn als Richter. Am Sonntagabend zwischen 8 und 9 Uhr zertrümmerte in Mannheim der 19 Jahre al»c Gipser Adam Benziger von Feudelheim die Tür zu dem Schlafzimmer seiner Mutler, drang in das Zimmer ein und feuerte hier aus die im Bett liegende Frau drei scharfe Revolverschüsse ab. Außer- dem brachte er ihr mit einem Messer eine Anzahl Stiche in die Brust bei. Die Frau, die ins Krankenhaus gebracht wurde. verschied bald daraus an den Folgen der schweren Verletzungen. Das Motiv zur Tat sollen sittliche Verfehlungen der 12 Jahre alten Frau sein, die von ihrem Mann getrennt lebt. Der Täter wurde verhaftet. Ein Leutnant als blinder Passagier. Auf der Eisenbahnlinie von G renoble nach Mo in ans wurden am Sonntag drei Personen ohne Fahrkarten festgenommen. Darunter befand sich auch der Sohn des österreichischen Hauptmanns T h n ch, der selbst Leutnant in der österreichischen Armee, aber vor einiger Zeit desertiert ist. Der Leutnant wurde verhaftet. Feuer im Kinotheatcr. In dem Projektionsraum eines Äine- matographentheaters in Rio de Janeiro explodierte ein Motor, wodurch eine Feuersbruilst entstand. Drei Personen wurden getötet, darunter der Operateur, inehrere ve rletzt. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat sich in Montpellier (Frankreich) ereignet. Dort brach in dem Laden eines Buchhändlers Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff unid sich- bald über das ganze Gebäude erstreckte. Der Buchhänd-ler, der gelähmt ist. konnte sich nicht mehr in Sicherheit bringen und ver- brannte. Drei Frauen sind gleichfalls in den Flammen umgc- kommen, während mehrere andere Personen nur mit schiveren Ver- letzungen aus! dem brennenden Gebäude herausgeholt werde« konnten, WasscrstandS-Rachrichtc» der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterburean. Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor . Krassen Franksurt Warthe, Schrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden Barby Magdeburg seit 7. 12. cm1) —9 —4 — 1 0 — 1 —7 -13 -4' -21 —9 —5 -17 ')+ bedeutet ,— Fall.•) Nnicrpegcl.•) Treibeis. *11» *11» •//■»//- Urnen Indil dm Herz wenn Sie die Freude sehen, die Sic mit einem Weihnachts-Geschenk aus meinen Geschäften bereiten. Jeder weiß ein solch nützliches Geschenk zu schätzen, nicht blos, weil, wenn es von mir bezogen, auch dem wirklichen Wert des gezahlten Preises entspricht, sondern weil es dem Empfänger auch Ihren guten Geschmack für gediegene Vornehmheit beweist, sei es nun ein reizendes Opernglas mit guter Optik, oder ein modernes Augenglas von eleganter Gediegenheit, oder ein zuverlässiges Barometer als schöner Zimmer schmuck. Meine Garantie bütgt lür Auswechslung der Augergläser auf Grund sorgtälliger kostenloser Augcmmtersuchung auch nach dem Fest, sowie lür jeden gewünschten Umtausch. Jedes Stück ist deutlich mit dem festen Preise versehen, doch wenn Sie jetzt kaufen, erhalten Sie(außer auf Piismcn-Binocles) 5% extra, damit Sie nicht kurz vor dem Fest den Andrang vergrößern helfen« Auf Wunsch liefere ich erst zu Weihnachten und Sie brauchen auch erst dann bei der Lieferung zu zahlen. Besichtigen Sie die Ausstellung der Geschenke in den Fenstern meiner Geschäfte. Neu eröffnet: Unter den Linden 20 nahe der Passage, Spittelm jrkt an der Untergrundbahn. Oranlen• Straße 44 gegenüber Max und Moritz, Brunnen-Straße 12 nahe Invaliden-Stiaße. Alexanderplatx neben Aschinger. Link»Straße I Ecke Potsdamer Straße. Cheusssa-Straße 72 neben Steins Warenhaus. Tauen�zlen» Straße 14 nahe der Kirche. _ BiMe aufbewahren!"SBB Den„Vorwärts-Lefern zur Nachricht, daß mir eingrojjes fsbrib- a3Ln ni fejn vcrsillierten und ver- joldeten detail waren [ilö: Aulsälze, Figuren, Standuhren, l/asen, Gruppen und Hunderte andere ftrtikel zam schleunigen Pciknuf !« ts'" Preislage von 45 Pf. vis 15 M. ... ,, Pofiend zu TLclhilachtsgescheuken und Verlosungen. lokn": lZIiciU88ek8tsaßg 123 m Lad. gerade., bcr d. Schlegelswatze. teiltof Rosenthal, burttcn" Rur ganz kurze Zeit f" H.& P. Uder, Berlin SO. 16, engd-Gfer 5. TnUak-GroUiiandiiing und Taltakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."WS Vortoillmfteste Bezugsquelle für Wiodorverkäufer. 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Ter Vorsitzende, Genosse Schubert, verlas dann ein Schreiben des Genossen T r o m p l e r- Spandau, worin derselbe mitteilt, daß er seinen Posten als Kreisvomann des Bildungs- ausschusses niederlegt. Er sei zu diesem Entschluß gekommen an- läßlich des Urteils des Schiedsgerichts, welches ilim Leichtfertigkeit bei Vorbringung der Vorwürfe gegen Genossen Schubert vorwerfe. Tann erhielt das Wort Genosse Dr. Liebknecht,' der sich mit dem Parteitag beschäftigte. Der Parteitag werde sich in erster Linie mit der Organisierung des Wahlrechtskampfes zu beschäftigen haben. Ter Bericht der preußischen Landtagsfraktion werde außer- ordentlich umfangreich werden, ist doch der Reichsetat kleiner als der preuhiscbe Etat und erstreckt sich doch die Haupttätigkeit der Fraktion auf die Etatsberatung. Hierbei biete sich Gelegenheit, Mißstände aufzudecken und die Regierung scharf zu kritisieren wegen ibrer reaktionären Anschauungen. Die Fraktion sei aber auch vor swwicrige Aufgaben gestellt, habe sie sich doch mit Fragen zu we- schäftigcn, die im Programm nicht vorgesehen sind, z. B. Mittel- stands- und Agrarpolitik. Es werde nicht mehr lange auf sich warten lassen können, daß die Partei in diesen Fragen ein genaues Programm aufstellt. Der preußische Parteitag werde sich auch mit der Landarbeiterfrage und mit der Sozialpolitik im preußischen Abgeordnetcnhause zu beschäftigen haben. Die Landarbeiterfrage sei die brennendste. Dann kam Redner auf die Wahlrechtsfrage zu sprechen und warf die Frage auf, ob ein Zusammengehen der Partei mit den Freifinnigen und Rationalliberalen angängig �ei. Bei der reaktionären Haltung der Nationalliberalen sei die Schaffung eines Großblocks nicht angängig. Wir hätten aber auch keine Ur- fache, ohne weiteres mit den Freisinnigen Kompromisse abzuschließen. Tie Unterstützung der Freisinnigen als kleineres Ucbel könne nur eintreten, wenn die Kandidaten bindende schriftliche Erklärungen abgeben. Wir könnten nicht das Hauptgewicht darauf legen, recht viel Mandate zu gewinnen, sondern müßten in erster Linie den Wahlrechtskampf in die breite Masse des Volkes tragen. Darmn werden wir es zu vermeiden haben, schon bei den Wahlmänner- ivahlcn Kompromisse einzugehen. Genosse Liebknecht schloß sein Referat mit dem Wunscb, daß der preußische Parteitag die auf ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen möge und genaue Richtlinien festlegt. — In der sich anschließenden Diskussion vertrat Genosse Staab- Potsdam gleichfalls die Ansicht, daß es für die Partei vorteilhaft wäre, wenn der preußische Parteitag ein Mittelstandsprogramin aufstellt. Nach unserem Programm könnten wir in keiner Weise auf Mittclstandsfragen eingehen, und die Konservativen versuchen- jetzt, den Mittelstand in ihr Lager zu ziehen. 5l r u m n o w s k i- Ketzin tritt für eine Agitation gegen die Fleischteuerung auf dem Lande ein. Als Delegierte zum preußischen Parteitag werden gewählt die Genossen Stahl. Staab und Felitz, als Ersatzmann Ge- nosse D o l e b o u s. Die Aenderung des Gcschätsjahres nach den Be- fchlüssen des Chemnitzer Parteitages wurde ohne Debatte ange- nommen. Das Geschäftsjahr geht also bis zum 31. März, dement- sprechend haben auch die einzelnen Ortsvereine ihre Jahresberichte einzusenden. Als Landtagskandidat für den Wahlkreis Spandau-Ost Havelland wurde wieder Genosse Lieb- knecht aufgestellt, während es Potsdam überlassen bleibt, für seinen Wahltreis einen Kandidaten aufzustellen. Die Ersatzwahl zum Kreisvorstand hatte folgendes Ergebnis: Zum 1. Vorsitzenden wurde Genosse Stahl, zum 2. Vorsitzenden Genosse Pieper, zum 1. Kassierer Genosse Hornig, zum 2. Kassierer Genosse S a l z w e d e l einstimmig ge- wählt. Spandau hat nun noch den Kreisobmann für den Bildungs- ausschuß zu wählen. Als Obmann der Lokalkommission für den Kreis wurde Genosse K a s m i r z a k- Spandau getvählt. Potsdam wurde als Ort für die nächste Kreisgeneralversamm- lung gewählt. Ein Antrag Ketzin: Sämtliche Beiträge sollen gedrittelt werden, zwei Drittel erhält der Kreis, ein Drittel der Ort, wird auf die Tagesordnung der nächsten Kreisgeneralversammlung gesetzt. Nachdem Genosse Liebknecht noch einige herzliche Abschieds- Worte an den ausscheidenden bisherigen Krcisvorsitzenden Genossen Sckiubert gerichtet und Genosse Schubert die Anwesenden zur weiteren Parteiarbeit aufgefordert hatte, wurde die Kreisgeneral- Versammlung geschlossen._ Gaukonfkrtnz des pmtfijjfn KaMbeitttverbandts für prnnbftiiittrg. Am Sonntag hielt der Gau Brandenburg des Deutschen Bau- arbeiterverbandcs bei Boeker in der Weberstrahe 17 eine Konferenz ab, an der sich 118 Zlvcigvercine mit 148 Delegierten beteiligten. Außerdem waren noch Vcrbandssunttionäre und Gäste anwesend, so daß die Zahl der Versammelten sich auf zirka 180 Personen be- lief. 22 Zweigvercine waren nicht vertreten. Der Ausschuß war durch Dahn c, der Hauptvorstand durch Behrendt, die Bannrbciter-Schutzkommission durch O. H e i n k e, der Zimmcrerverdand durch K n ü p f e r vertreten. Silberschmidt eröffnet die Versammlung um 10 Ilhr und begrüßt die Anwesenden im Namen des Gauvorstandes mit herz- lichcn Worten. Des weiteren teilt er mit, daß er vorerst eine trau- rige Pflicht zu erfüllen habe(sämtliche Anwesende erheben sich von den Plätzen bis der Redner geendet hat) und nun widmet der Vor- fitzende Silberschmidt dem verstorbenen Zentralvorsitzenden Bömel- bürg einen tiefempfundenen Nachruf. Mit warmen, innigen Wor- ten gedenkt er des Toten, dessen allzufrühcs Hinscheiden eine Lücke hinterlassen habe, die wohl auf lange Zeit nicht auszufüllen sein werde. Als Kämpfer und Taktiker, als Mensch und Freund sei Bömel bürg eine große prächtige Persönlichkeit gewesen. Des wei- tcrcn gedenkt der Redner noch der übrigen verstorbenen Mitglieder. Sodann trat die Konferenz in die Tagesordnung ein. Sil- berfchmidt wies eingangs der Verhandlung auf die großen Veränderungen hin, die im Laufe der letzten Geschäftsperiooe sich vollzogen haben. Der Zusammenschluß der Bauhilfsarbeiter, Jso- licrcr und Steinholzarbeiter und der Stukkateure mit dem Mau- rcrverband sei in dieser Zeit erfolgt und der Uebertritt dieser Or- ganisationen hadc bei vielen ein banges Gefühl verursacht, da man fürchtete, daß eine Anzahl von Mitgliedern den Uebertritt nicht mitmachen würde. Diese Befürchtungen hätten sich aber nicht er- füllt, zu 84 Proz. habe sich der Anschluß glatt vollzogen. Es seien auch keinerlei Beschwerden eingetroffen. Die Gruppen arbeiteten gut nebeneinander und man habe sich sehr schnell eingewöhnt, so daß Klagen in der ersten Geschäftöperiode nicht zu verzeichnen wären. Es habe sich auch gezeigt, daß die Wünsche der einzelnen Arbeiter- tategorien auch in Jndustrieverbänden sehr gut berücksichtigt werden können. Ter Gauvorstand habe den Wunsch, daß es auch so bleiben möge. Wohl stehe man zurzeit in einer guten-Geschäftskonjunktur, aber zweimal hätten starke Erschütterungen das Geichäftsleben be- droht, so im Marokkokonslikt und auch dann wieder durch die Bal- kanwirren. Diese drohenden Äonflittc hätten nicht nur das Ex- Portgewerbe beeinträchtigt, sondern auch auf dem Baumarit Stö- rungen verursacht, die allerdings wieder behoben würden, wenn jetzt der Frieden einträte. Die Bautätigkeit sei ja im allgemeinen stark von lokalen Umständen abhängig. Die Provinz sei agrarisch, und die Wncherzölle lssitten wesentlich auf die Bautätigkeit cingc- wirkt, indem nun mehr und besser gebaut würde. Die ungünsti- gen Verhältnisse Groß-Bcrlins und ihre Ursachen seien ja bekannt, in erster Linie käme hierfür der beispiellose Bodenwucher mit den Baustellen in Betracht. In den letzten Jahren habe sich so ziemlich alles freiliegende Terrain in den Händen der Großbanken und Terraingescllschaften vereinigt. Ferner wäre noch das sinn- und planlose Bauen, ebenso die Hhpothckcngeichäfte und die Baukrachs hieran schuld, nicht minder die Lebensmittelverteuerung, die viele veranlasse, Berlin zu verlassen, oder aber sich in den Wohnungs- verhätnissen einzuschränken. Da 80 000 leere Wohnungen vorhanden seien, Iverde hier die Konjunktur auf Jahre hinaus keine gesunde werden. Redner zeigt an Zahlenmaterial, wie groß die Arheits- losigkcit in Berlin ist. Die Agitation in der letzten Geschäftsperiode sei geleitet wor- den von den Grundsätzen, die die letzte 5ionferenz festgesetzt habe. Besonders hinsichtlich der Restanten und der Unorganisierten sei mit Erfolg gearbeitet worden. Redner gibt auch einen Ueberblick von den Versammlungen und Besprechungen, die stattgefunden haben, desgleichen von den Flugblättern, Handzetteln, Tabellen usw., die ausgearbeitet bezw. verteilt worden seien. Das Eegebnis einer Feststellung über die Zahl der in den Ver- eins- resp. Lohngebieten der Provinz wohnenden, in der Regel arbeitenden und 1012 o r g a n i s i e r t'e n Maurer und Hilfsarbeiter(ausschließlich Groß-Berlin) ist: B�-irk 2>n Bezirk Im Bezirk Im 3. Quartal geboren wohnen arbeiten organisiert Orte Maurer Hilfs- Maurer Hilss- Maurer Hilfs- arbeitcr arbeiter arbeiter A. Industrielle Bezirke.. 1860 12204 3863 8 744 3846 7 379 2379 B Landwirt- schaftl.Bezirke 2077 11 512 1857 7 326 1998 4 293 696 Summa 3937 23 716 5720 16 070 5844 11672 8075 Was die Lohnbewegungen anbelangt, seien hübsche Erfolge zu verzeichnen. Für 1911—12 ergibt sich folgendes Bild: Forderungen wurden gestellt: in 68 Vereinen mit 592 Unter- nehmern, 6723 qualifizierten Arbeitern und 2647 Hilfsarbeitern. Die Hauptforderungen betrafen: in 56 Fällen Lohnerhöhung, in 2 Fällen Arbeitszeitverkürzung, in 10 Fällen Lohnerhöhung und Arbeiiszeiwerkürzung, in 2 Fällen nur Tarifabschluß ohne Lohn- erhöhung. Erledigt wurden: 41 Fälle gleich 58,57 Proz. durch Ver- Handlungen, 29 Fälle gleich 41,43 Proz. durch Streiks. Die Lohn- erhöhung betrug: für 8349 Beteiligte im Turch'chnitt 4„38 Pf. pro Stunde oder im Durchschnitt 2,44 M. pro Woche. Arbeitszeitver- kürzung erhielten: 1264 Personen durchschnittlich 3 Stunden pro Woche, 48 Personen durchschnittlich 6 Stunden pro Woche. Sonstige Erfolge erzielten außerdem: 794 Personen für Ueberstundenarbeit, 1007 Personen für Stacht- und Sonntagsarbeiten, 1817 Personen für sonstige Nebenbedingnngen. Tarife wurden in 51 Lohnbezirken mit 481 Betrieben und 6673 darin beschäftigten Arbeitern abge- schloffen. Abwehrbewegungen wurden geführt: 48 in 56 Betrieben mit 3619 beschäftigten Arbeitern, in 20 Fällen wegen Maßregelung, in 19 Fällen ivegcii Lohnreduzierung, in 9 Fällen wegen anderer Ur- fachen. Beendet wurden: 39 Bewegungen mit vollem Erfolg, 2 mit teilweisem und 7 ohne Erfolg. Die Mitglicderbewegnng von 1911/12 entwickelte sich wie folgt: Am 31. Dezember 1910 betrug der ziffernmäßige Mitgliederbestand in den alten Organisationen der Maurer, Hilfsarbeiter und Jso- licrer zusammen 23 430. Von diesen sind zum T. B.-V. übergetreten 19 731, dann Stukkateure 887. macht insgesamt 20 618. Am Schluß des 3. Quartals 1912 wäicen 29 887 Mitglieder vorhanden. Gegen- über dem ziffernmäßigen Bestand von 23 430 ist das eine Zunahme von 6457, gegenüber der eigentlichen Zahl der Ucbergetretencn zum D. B.-V. jedoch von 9269. Am 1. Januar 1911 bestanden 133 Vereine, am 1. Oktober 1912 137. Die zu erwartenden Beteiligungs- Ziffern der Tarifbcwegung von 1913 werden 57 Bezirke mit 32 367 Beschäftigten umfassen. Wenn auch nicht alles, so führte Silberschmidt aus, was er vorgeführt habe, befriedige, so stelle es doch immerhin eine gesunde und erfolgreiche EntWickelung dar. Bezüglich des Bau- arbeiterschutzes müsse bedauerlicherweise festgestellt werden, daß hier nicht genug geschehen sei. Das Eingeständnis sei nicht leicht, aber es sei in dieser Periode leider wenig Zeit übrig geblieben in- folge des Zusammenschlusses der verschiedenen Gruppen mit dem Maurerverbande, sowie der intensiven Agitation usw. Der Bau- arbeitcrschutz konnte darum nur zwischendurch mitbetriebcn werden, jedoch werde in der nächsten Geschäftspcriode diese Aufgabe ganz" energisch in die.Hand genommen werden. Im Lause der letzten Geschäftsperiode habe auch die Rechtsprechung andere Bahnen ein- geschlagen insofern, als die Gerichte jetzt dazu übergingen, bei Bau- Unfällen nicht nur den Bauunternehmer, sondern auch die Arbeiter verantwortlich zu machen, wenn Pfuscharbeit geleistet oder minder- wertiges Material verwendet worden sei. An Hand von Gerichts- urteilen zeigte Redner, daß verschiedentlich gegen Bauarbeiter be- trächtlichc Gefängnisstrafen in solchen Fällen ausgesprochen wurden sind. Er bittet daher die Anwesenden, in dieser Hinsicht das Notwendige zu veranlassen und ihre Kollegen zu unterrichten. Tie neueste Auslegung des ReichsvereinSgesetzes durch die Polizei habe auch der D. B.-V- besonders im Osten erfahren müssen, wo man dazu übergehe, die Filialen des T. B.-P. für politische Vereine zu erklären. Redner erklärte: Wir werden uns gegen eine derartige Auslegung Ivehren bis zum äußersten, denn wir sind' eine wirtschaftliche Organisation. Der Vorstand unterbreite auch eine Vorlage, nach der in jedem Zweigvereiii und, wo es notwendig ist, auch in jeder größeren Zahlstelle des D. B.-V. Jugendabtci- lungen tür die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter gebildet werden sollen. Der Zweck der Jugendabteilung ist Unterweisung der Jugendlichen in den gewerk schaftliihen Grundsätzen, Schutz der Jugendlichen vor übermäßiger Ausbeutung und roher Behandlung im Arbeitsverhältnis, Belehrung in beruflichen Angelegenheiten, Erweckung und Pflege des Bildungsbetricbes und Pflege der Ge- selligkeit. Ferner hat der Vorstand in einer Vorlage den Antrag unter- breitet, eine Unterstützungskasse des D. B.-V. zu gründen, aus der die ehrenamtlich tätigen Mitglieder, die bei dieser Tätigkeit Schaden erleiden, unterstützt werden sollen. Damit war der Bericht Silberschmidts, der beifällig aufgenommen wurde, beendet. Es fand nur eine ganz kurze Tis- kussion statt, in der wesentliche Einwände nicht geäußert wurden. Hieraus erstattete R e n n t h a l e r den Kassenbericht vom 1. Januar 1911 bis 31. Dezember 1911: Einnahme...... 24 582,14 M. Ausgabe....... 21 848,57„ Kassenbcstand... 2 683,57 M" Die Abrechnung vom 1. Januar 1912 bis 30. November 1012 betrug: Einnahme...... 20 106,26 M. Ausgabe......■ 17 157 51, Kassenbestand... 2 948.51 M. Das Referat über die Lohnbewegung im Jahre 1913 hielt Behrendt vom Hauptvorstand. Redner gibt einen histori- scheu Ueberblick von dem Auskommen und der Entwickelung der Arbcitgeberverbände, die zu dem ausgesprochenen Zweck gegründet worden seien, die Arbeiterorganisationen zu zerschmettern. So hätten dieselben jetzt auch einen Fonds gegründet, den sie nach außen hin als W.ehrschatz bezeichnen, in ihren Sitzungen aber Knegssoilds nennen. Die Unternehmer hätten mit ihren Rüstungen schon sehr eifrig begonnen. Die Außenseiter sind im Guten oder im Bösen zusammengeholt worden und alle übrigen Unternehmer- orgamsationen haben sich dem Arbcitgeberbund angeschlossen. Des- gleichen hat er sich die Unterstützung-der Arbeitgeber der verwandten Gewerbe sowie der Materiallieferanten gesichert. Wenn der Kampf ausbreche, so werde er sich sicher auf breiter Basis ausdehnen, doch brauchten sich die Arbeiter nicht zu fürchten, da auch sie gerüstet seien. Das Vermögen der Haupt- kasse betrug am 1. Januar 1911 4 885 000 M. Seither sei es auf IVA Millionen Mark gestiegen und werde voraussichtlich bis Januar die zwölfte Million überschritten haben. Dazu kommt noch, daß der Verband der Zimmerer und der Christliche Bauarbeiterverband mit in den Kampf träten, so daß den Unternehmern eine geschlossene Phalanx gegenüberstehe. Sollten von unparteiischer Seite Tarif- Verhandlungen eingeleitet werden, so werde der Verband sein Augenmerk darauf richten, daß ein Ausgleich der Löhne in den einzelnen Bezirken stattfindet und überdies eine Lohnaufbesserung im allgemeinen, die angesichts der herrschenden Teuerung nur allzu berechtigt ist. Für die Lohnbewegung kommen 19 691 Betriebe mit über 335 000 Beschäftigten in Betracht, die heute 1042 Verträge aufzuweisen haben. Wie der Redner mitteilte, hat auf Veran- lassung des Staatssekretärs Dr. Delbrück Gewerbegerichtsrat Dr. P r e n n e r ein Vermittlm�sangebot unterbreitet. In den nächsten Tagen würden die Hauptvorstände der in Frage kommenden drei Arbeiterorganisationen hierzu Stellung nehmen und dann auf Herrn Dr. Prenners Schreiben Antwort erteilen. Zu dem Referat nahm Silberschmidt das Wort, der erklärte, daß man mit den soeben geäußerten Richtlinien sich ein- verstanden erklären könne. Die Maurer sollten aber überall mit aller Akacht unter den Hilfsarbeitern agitieren und sich eingehend um deren Lohn- und Arbeitsbedingungen kümmern. Die Vorschläge des Vorstandes wurden einstimmig akzeptiert. Hieraufl sprach O. Lehmann zur Statutenänderung und unterbreitete am Schluß seiner Ausführungen folgende zwei Anträge: Antrag I: Die Konferenz ersucht den Verbandstag, die ZZ 6 und 12 der Vorlage(Bezirksrätc, Bezirkssekretäre und Ausschuß) abzulchucii, weil die alten Einrichtungen der Gauvorstände und Ausschuß in der bisherigen Form sich gut bewährt haben. Antrag II(zur Arbeitslosenunterstützung): Die Delegierten der Gaukonfcrenz erklären, daß sie grundsätzlich für die Arbeits- loscnunterstützung sind. Sie halten den Verbairdstag im Januar 1913 aber noch für zu früh, um die Beschlußfassung über die Ein- führung in den Verband schon vornehmen zu können. Die Konferenz ersucht deshalb den Vcrbandstag, die Vorlage des Vorstandes sowie die Anträge der Vereine eingehend zu prüfen. Zur endgültigen Beschlußfassung über die Beitragserhöhung und die Einführung der Unlerstü�ung möge erst ein Verbandstag nach der Beendung der Bcrtragsbcwegung Stellung nehmen. Die Versammlung erklärt sich mit der Gründung der Unter- stützungskasse, sowie der Jugcndabteilung einverstanden. In der Frage der Erirerbsloscnunterstützung traten prinzipielle Gegner nicht auf, nur hielten die meisten Redner Zeit und Umstände nicht für angetan, eine so tiefgreifende Umgestaltüng jetzt schon borzu- nehmen; man wünschte vielmehr, noch den übernächsten Verbands- tag abzuwarten, damit Gelegenheit gegeben werde, die Frage drst noch genügend zu prüfen und zu klären. Silberschmidt betonte ausdrücklich: durchgedrückt mit allen Mitteln und unter allen Umständen solle die Erwerbslosen- Unterstützung nicht werden; wenn sie nicht getragen werde von dem Willen der übergroßen Mehrheit, so hätte sie ihren Zweck verfehlt. Der Vorstand habe kein Interesse, einen Zankapfel zu schaffe». Allerdings, wenn die übergroße Mehrheit dafür sei, dann müsse sich die Minderheit fügen, wie eS in einer demokratischen Organi- sation üblich sei. In seinem Schlußwort betonte Otto Lehmann, daß sein Antrag nicht bezwecke, die Sache auf Jahre hinaus zu verschieben. Die Versammlung stimmte dem Antrag I gegen zwei Stimmen zu, während der Antrag II gegen fünf Stimmen angenommen wurde. Der alte Gauvorstand wurde insgesamt einstimmig wieder- gewählt, desgleiche» die Revisoren. In seinen herzlichen, warmen Worten, die Silberschmidt am Schluß der Verhandlungen zu den Delegierten sprach, betonte er. daß man ohne jede Bitterkeit sich über diese Frage entscheiden möge. Ausdrücklich hervorzuheben sei aber, daß in der Frage des Lohnkampfes keine Differenzen aufgetaucht seien, sondern die Mitgliedschaft einmütig hinter dem Vorstand stehe. Mit einem Hoch auf den Deutschen Bauarbeiterverband nahm die Konferenz ihr Ende./ 9er Delegiertentag der Bühnen- genossenkliaft. Die Genossenschaft deutscher Bühnenangchöriger hielt am 4., 5. und 6. Dezember im KünsklerhauS ihre 41. Bertreterversammlung ab-— Da einer der Tagesordnungspunkte sich mit den Angriffen befassen sollte, die gegen den Präsidenten- der Genossenschaft Nissen vom Zentraiausschuß und vom Protestbund erhoben waren, so konnte man sich auf eine erregte Debatte gefaßt machen. Die persönlichen Auseinandersetzungen, Geklatsch und Gcknatsch klein- lichster und widerwärtigster Art, nahmen unter den temperament- vollen Mitgliedern der Genossenschaft aber denn doch einen weit über eine-»och so hoch gespannte Befürchtung hinausgehenden Um- fang und eine bis hart an die Grenze von Schlägereien hinaus- gehende Lebhaftigkeit ein. Weit über die Hälfte der Tagung wurde durch persönliche Debatten allerlei Art ausgefüllt. Man mag bedauern, daß ein so großer Teil der Tagung infolge der Zuspitzung der Gegensätze mit persönlichem Geplänkel und Streitereien"aus- gefüllt wurde. Aber eine Entladung des Zündstoffes war not- wendig. Die meisten der oft mit Leidenschaftlichkeit vorgetragenen persönlichen Dinge wuchsen doch aus einem sachlichen Untergrund auf, aus dem-Gegensatz der beiden Richtungen: hier Kamps- ge n o s sc n s ch a f t im Interesse der B ühneno ngehörigen, dort Harmonicduselci zwischen Angestellten.und Direktoren. Der persönliche Kampf gegen Nissen endete mit feinem vollen Siege. Nach Aufhellung über all den Krimskrams, der a-ls Anklage» Material gegen Nissen zusammengetragen war, erklärte ein Mit- glicd des Zentralausschusses und ProlesHbundes nach dem anderen dem Sinne nach: wir erklären uns besiegt, unser Vorgehen war aber nur aus Interesse für die Genossenschaft diktiert. Die Haupt» rufer im Kampf gegen Nissen legten ihre Aemter nieder. Die Vor- würfe gegen das Präsidium sind sachlich zurückgewiesen. Dem wider- -lichcn Kampf, der jahrelang- die Einheit und Stoßkraft der Ge- nossenschaft gefährdete, ist der Boden entzogen. Geschlossener als je kann die Genossenschaft nun zur Erreichung ihrer wichtigen Ziele vorwärtsschreiten. Auch während der Kampfesperiods hÄ das Präsidium im Jnieresse ibct Bühnen Genossenschaft zu wirken gesucht. Zeugnis fcavmi gckb Äer Bortrag, den der Syndikus Dr. Schlesinger über den Entwurf zum Zteichstheatergefetz gab, und der Bericht, den der Syndikus des Chorsängerverbandes Seelig-Iiann- hciuti über das deutsch-österreichische Kartell erstattete. Dr. Schlesinger führte aus:„Die Vertreter der inter- cssiertcn Eruppcn: Bühnengenossenschaft, Bühnenverein, Chor- sängcrverband, werden Ansang Juni noch einmal Gelegenheit habe», auf Einladung der Behörde zusammenzutreten, um sich über einzelne Bestimmungen des Entwurfs gutachtlich zu äustern. Die toeiblichen Mitglieder der Bühnengenossenschaft werden hierbei ouherdem noch durch zwei Vertreterinnen ihre Wünsche äußern können. Der Entwurf behandelt zunächst die öffentlich rechtlichen Interessen des Theatevbetriebes und stellt hier die Erfordernisse für Erteilung der Konzession fest, gibt Vorschriften im Interesse der guten Sitten, des Anstandes und der Gesundheit sowie über die Beschaffenheit der Theater- und Lagerräume. Wichtiger für uns sind die primrtrechtlichen Bestimmungen.- Zu den Bühnenmit- gliedern im Sinne dieses Gesetzes werden auch die Orchestermit- glieder gerechnet, soweit sie im Theaterbetrieb tätig sind. Bezüglich der Schriftlichkeit der Verträge bestimmt der Entwurf, daß der Direktor auf Verlangen des Mitgliedes einen Bühnenvcrtrag aus- stellen mutz, und datz daS Mitglied auf dieses Recht nicht verzichten tan». Die RechtSwirksamkeit mündlicher Verträge beginnt mit der Tätigkeit der Mitglieder am Theater. Der Direktor kann sich auf Vereinbarungen nicht berufen, nach denen für ihn allein der Ver- trag nur unter einer Bedingung oder überhaupt nicht verbindlich sein soll. Damit ist der Probemonat, das Gastspiel mit untergelegtem Engagementsvertrag beseitigt. Es ist überhaupt ver- boten. Verträge unter aufschiebender oder auflösender Bedingung zu schliesten. Nur bei mehrjährigen Verträgen ist Kündigung am Ende der ersten Spielzeit nach vorangegangener zweimonatlicher Kündigung zulässig. Wird eine�Kündigungöfrist sonst vereinbart, so mutz sie auch für beide Teile die gleiche sein. Eine einseitige Prolongation des Vertrages ist unzulässig und eine Kündigung kann rcchtswirksam nur schriftlich erfolgen. Proben nach Abend- aufführungcn sind nicht gestattet, ebenso nicht während des Haupt- gottcSdienstcS an Sonn- und Feiertagen, wie überhaupt an diesen Tagen Proben nur auf Grund besonderer Umstände stattfinden dürfen und, sofern sie stattfinden, mit einvierteltägiger Gage zu bezahlen sind. Bei unverschuldetem Unglück und Krankheit fauch bei Schwangerschaft verheirateter Mitglieder) behält das Mitglied Anspruch auf Gehalt bis U Wochen bei Verträgen, die über 6 Monate oder auf unbestimmte Zeit geschlossen sind; und auf 4� Wochen bei Perträgen über 1 bis ü Monate, und bei Verträgen unter einem Monat auf eine verhältnismässig kurze Zeit. Hierbei gilt als Gage das garantierte Spielgeld zur Hälfte, und wenn es das Toppelte der vereinbarten Gage beträgt, zu zwei Drittel. Die schwierige Kostümfrage ist in der Weise gelöst, dass der Direktor alle Kleider liefern mutz mit Ausnahme der, tvelche ausserhalb der Bühne ohne erhebliche Aenderung getragen werden können. Diese Vorschrift gilt nicht bei Gastspielen. Sofern Geldstrafen im Ver. trage vorgesehen sind, dürfen sie nur bis zu einer halben Monats- gage verhangt werden und zusammen in einer Spielzeit den Be- trag von einer Monatsgage nicht übersteigen. Die Geldstrafen dürfen nur zum Besten der Mitglieder oder zu wohltätigen Zwecken des AühnemvescnS verwendet werden. Weitere Bestimmungen be- treffen die Momente, die das Mitglied zur sofortigen Auflösung des Vertrages berechtigen. Hierbei ist das Recht auf Beschäftigung in beschränktem Masse in Gemätzheit der bisher von den Gerichten erlassenen Urteile im wesentlichen anerkannt. Es ist nicht alles in idcm Vertrag aufgenommen, was wir wünschen, aber was wir seit Dezennien nicht erreicht haben, ist nunmehr innerhalb der kurzen Frist von 4 Jahren erreicht. Es ist zu hoffen, dass die Vorlag« noch in diesem Jahre Gesetz wird, vielleicht gelingt eS auch noch, einige Verbesserungen durchzusetzen, aber wir können auch so schon zufrieden sein." Der Syndikus des ChorsängervevbandeS S e e l i g- Mannheim berichtete:„Mit dem Reichötheatergesetz ist eine entschiedene Wen- dung im Leben der deutschen Schauspieler eingetreten. ES müsse anerkannt werden, datz der deutsche Bühnenverein in den Barver- Handlungen sich durchaus loyal, zuvorkommend und entgegen- kommend gezeigt hat. Es sei-nicht wahr, dass der Bühnenverein gegen das Gesefc gearbeitet und es zu hintertreiben gesucht habe. Bei den Verhandlungen im Reichsamt deS Innern konnten wir in vielen Punkten mit dem Bühnenverein zusammengehen. Wir knüvfen daran die Hoffnung, dass eS in künftigen Jahren gelinge� wirv, ähnlich wie in Oesterreich mit dem Bührtenverein noch in sehr vielen anderen Fragen eine Verständigung herbeizuführen. In der Kostümfrage müssen wir auch das vornehme Entgegenkommen des Bühnenvereins anerkennen. Solange es nicht gelingt, wie in Oesterreich, mit dem deutschen Bühnenverein einen Tarifvertrag abzuschliessen, müssen wir neben dem Gesetz noch an unserem Normalvertrag festhalten." ZllS vor Jahren die Bühnengenossenfchast neu« Bahnen zur Vertretung der Interessen der Bühnenangehörigen beschritt, hatten wir der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass es in der Bühnengenossen- fchaft gelingen werde, in ähnlicher Weise wie die Gewerlschaften geiverblicher Arbeiter durch Gestaltung der Bühnengenossenschaft als Kampforganifation für die Rechte ihrer Mitglieder zu wirken. Schiveve innere Kinderkrankheiten folgten der Neugestal- tung. Der jetzige Delegiertentag hat durch Ueberwindung der Opposition, die Harmoniedufvlei an Stelle einer KampfeSorganisa- tion walten lassen wollte, die Genossenschaft als«ine Organisation mit modernem Geist auf festen Boden gestellt. Selbstverständlich bedeutet die AvI-hnung der Harmonieduselei nicht etwa einen Kampf gegen die Direktoren um jeden Preis. Das wäre ein kindliches Unterfangen oijne Nutzen für die Bühnenangehörigen. Gemein- same Mitarbeit beider Organisationen ist ja auch bei den Vor- arbeiten eines Entwurfs eines Theatergesetzes lebendig gewesen und wird bei vielen Gelegenheiten, insbesondere bei der Schaffung eines Tarifvertrages, wieder in Erscheinung treten. Mag es der Genossenschaft bald gelingen, in rastlosem Weiter- arbeiten dem Elend und der Rechtlosigkeit der Bühnenangehörigcn entgegenzutreten._ Hiid der Partei. vi» eigenes Heim bcaüsichtlgen sich unsere Genossen in Braun schweig für den Druckereibetrieb zu schaffen. Bisher hatten sie ihre Druckerei in gemieteten Räumen. Jetzt haben sie ein 1387 Quadratmeter grosses Grundstück für 81 000 M. gekauft. Mit dem Abbruch des auf dem Grundstück stehenden alten Gebäudes soll am IS. April n. I. be- gönnen werden. Der Neubau soll bis zum Jahresabschlutz 1913 fertiggestellt werden. Der Bau, der mit dem Grundstücksankauf über 300 000 M. kosten wird, soll die Druckerei, den Verlag, die Expedition, den Buchhandel des„Volksfreund", die Partei- und GeloerkfchaftsbureauS und lvahrstheinlich auch eine Filiale des Konsumvereins ausnehmen. Weiter wird in ihm ein Jugendheim geschaffen. Der Rest wird zu Keinen Arbeiterwohnungen ver» wendet werden, an denen«S in Braunschweig so sehr mangelt. Die Gemeinbewahlen in WalterShaufen. In Nr. 286 deS„Vorwär�" brachten wir eine Notiz über die Gemeindevertreterwahlen im Herzogtum Gotha. Darin wurde den Genossen in Waltershausen der Borwurf gemacht, ihre Wahlnicder- laae kei auf Lauheit in der Agitation zur Erwerbung des Bürger- rechtes zurückzuführen. Dazu wird uns aus WalterShaufen go- Waltershausen ist nicht N«hr noch Weniger Arbeiterstadt, als jede andere Kreisstadt mit starker Industrie. Beamte. Fabrikanten und da» zahlreiche Kleinbürgertum halten UNS im Walsslorper für das Gemeindeparlament ziemlich die Wage. Wohl bringen wir bei Reichstags- und Landtagswahlen starke Majoritäten auf, aber nicht bei Stadtverordnetenwahlen. Dank der Opferwilligkeit der hiesigen Genossen, die im Jahre 1903 an einem einzigen Tage 100 Bürger a 20 M. gemacht, hatten wir von 1906 bis 1908 alle Mandate in den Händen. Bevor uns aber die Majorität im Rathaus überlassen wurde, hatte» Stadtrat und Stadtverordnetenversammlung unserem Wachstum einen Riege! vorgeschoben, indem das Bürgergeld von 20 auf 60 M. und gleich darauf auf 100 M. für Fremde erhöht wurde; fremd ist aber nach dem Gemeindegesetz jeder, der nicht in der betr. Gemeinde von einem Heimatsberechtigten abstammt. Für Einheimische wird an Bürgergeld nach den Vcrmögensverhältnissen von 3 bis 20 M. bezahlt. Das Wahlrecht ist dann noch abhängig von 2 jähriger Steuer- Pflicht bezw. Steuerleistung. 1908 machten die bürgerlichen Par- teien 55 Bürger ä 100 M., Ivas wir ihnen nicht nachmachen konnten, deshalb fiel unsere Liste glatt durch und wir verloren die Hälfte unserer Btandate. Seit dieser Zeit hängt der WahlauSfall immer vom Zufall ab. 1908 wurden 4 Sozialdemokraten und 2 Bürgerliche und 1910 3 Sozialdemokraten und 3 Bürgerliche gewählt, so dass wir von 12 Sitzen 7 innehatten. Bei der Wahl am 2. Dezember d. I. sind wir unterlegen und haben 5 Mandate eingebüßt. Unsere Liste erhielt 300— 307 die der Gegner 309— 318 also eine Majorität von 9—11 Stimmen. Diese Niederlage ist aber nicht der Lauheit der Genossen, die angeblich keine Bürger herangeschleppt, zuzuschreiben, denn wir, sowie auch die Gegner, haben alles zu Burger» gemacht, was für den Satz von 3—20 M. Bürger werden konnte. Hundert Mark zu bezahlen, kann man doch keinem Arbeiter zumuten. Die Fabri- kanten haben dieses Jahr einen gelben Arbeiterverein gegründet, der uns 20 Stimmen abgezogen und den Gegnern zugeführt hat und ungefähr 12 Genossen mit Gemeindestimmrecht arbeiten jetzt vor Weihnachten in sogenannten Puppenkliniken in Stuttgart, Kassel, Hannover und anderen Städten. Hätten wir diese 12 Stim- wen noch gehabt, würden wir trotz der Abfplitterung der Gelben noch gesiegt haben. In Ruhla, Ohrdruf und Gotha kostet das Bürgergeld für Fremde bloss 15 M., für Einheimische darf es gesetzlich den fünften Teil nicht übersteigen, deshalb läht sich auch keine Parallele zwischen den Verhältnissen genannter Städte und Waltershausen ziehen. Die sozialistische Partei Argentiniens. Für unsere argentinische Bruderpartei war da? verflossene Jahr eine Zeit harter Arbeit, aber auch vielversprechender Erfolge. In seinem Jahresbericht lässt der Parteivorstand die einzelnen Phasen der Bewegung der letzten zwölf Monate Revue passieren; ins- besondere werden die Parlamentswahlen und die Tätigkeit der beiden neu erwählte», der ersten sozialistischen Abgeordneten des Landes,«ingehend behandelt. Im Februar lvar endlich ein besseres Wahlgesetz zustande ge- kommen, daS die geheime und obligatorische Abstimmung enthielt und ein Proporzsystem einführte. Dadurch wurde der jungen Partei die Aussicht eröffnet, zu einer ihrer Stimmenzahl cnt» sprechenden Vertretung im Parlament zu kommen. Sofort nach Schluß des alten Parlaments setzten die Sozialdemokraten mit einer Propaganda grossen Stils ein. Die größte Schwierigkeit der Agi- tation bestand im Mangel an Geld. Der Zentralkassierer untcv- nahm seine grosse Aufgabe mit einem Kassenbestand von knapp 83 Pesetas, das ganze Barvermögen der Partei. Der Appell an die Opferwilligkeit der Arbeiter war aber nicht vergeblich gemacht. Dank der freiwilligen Beiträge konnte die Zentralkasse 7477 Pesetas für die Wahlagitation verwenden, die Gruppen brachten 2052 Pesc. tas auf, und die sonst noch nötig gewordenen Aufwendungen wurden durch eine Anleihe von 927 Pesetas gedeckt. Zeit. Geld und Mühe waren nicht umsonst gebracht. Am 7. April wurden die Genossen Just und Palacios als sozialdemokratische Abge- ordnete gewählt. Bon den 124 412 eingeschriebenen Wählern der Hauptstadt des Landes Buenos Aires, hatten 18 752 für die sozialistischen Kandidaten gestimnit. In der Provinz Buenos Aires mußte der Wahlkampf ohne feste, ausgedehnte Organisation geführt werden, auch fehlte es an Leuten für die Besetzung der Wahl- lokale und Ueberwachung der Zählung, was in dem Land, wo die politische Korruption ziemlich üppig gedeiht, sehr notwendig ist. Dessen ungeachtet brachte die Provinz 4000 sozialistische Stimmen. Auch in den Provinzen Rosario und Cordoba entsprachen die Stiminergebnisse den Erwartunaen. Diese Erfolge erfüllten die Ar. beiterschaft mit berechtigter Freude. Die Maifeier wurde zur Siegesfeier, an der 40 000 Mann teilnahmen. Es ist dies die größte Demonstratio», die die Strassen der Hauptstadt jemals ge- sehen haben. Das neue Parlament und feine Debatten erhielten durch die zlvei Sozialisten grössere, ernstere Bedeutung. Bei alle» wichtigere« Fragen präzisierten sie die Stellung der Partei und die Forde- rungen des sozialistischen Proletariats. Am 31. Juli begann die firoße Debatte über die Lebensmittelteuerung, unsere Genossen orderten die Abschaffung der indirekten, die Nahrungsmittel des unteren Volkes verteuernden Abgaben und verlangten eine Wert- zuwachssteuer für den Grundbesitz. Weiter legten sie Entwürfe von Gesetzen vor, die die Reform der Naturalisation, den loyalen Schutz der Arbeiterorganisationen, die Unfallversicherung, Neorgani- sation deS staatlichen Arbeitsamtes, Revision des Zolltarifs und noch andere Materien betreffen. Zur Zeit des letzten Kongresses zählte die Parteiorganisation 35 Gruppen, wovon 20 auf das Land und 15 auf die Hauptstadt kommen. Die letzteren hielten im Berichtsjahr ausserhalb der Wahl- kampagne 150 Versammlungen ab und verbreiteten 14 750 Flug- blätter und 2500 Broschüren. Die fünf Arbeiterblätter haben noch eine geringe Verbreitung. Ihre Gesamtauflage ist(monatlich) 3300 Exemplare. Die Vereinsbibliotheken bergen insgesamt 21 568 Bücher. Von der Parteimitgliedschaft sind 60 Proz. Argentinier und 40 Proz. Ausländer. Di« Totaleinnahme der Parteigruppen beliefen sich im letzten Jahre auf 15 264 Pesetas, das ist gegen das Vorjahr eine Zunahme uni 63 Proz._ Parteiliteratur. Mann der Arbeit, her zu' uns! Ein Zwiegespräch mit allen. die noch abseits vom Kampfe stehen. Verlag Buchhandlung Vorwärts. Berlin SW. 68, Lmdenstr. 69. Preis 10 Pf. Or- ganisationen erhalten bei grösserem Bezug der zum Massenvertrieb bestimmten Schrift Preisermässigung. Uns Industrie und ftandeL Deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft. Der von der Diskorrto-Gesellschaft finanzierte Konzern der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft begründet nun auch seinerseits in einer besonderen Broschüre seine ablehnende Stellung gegen- über dem Monopolgesetzentwurf der Regierung. Auch hier wird bezweifelt, dass die zur Deckung des Verbrauches nötigen Mengen von Leuchtöl unter Umgehung der Standard Oil Co. zu beschaffen seien. Aber wenn die Starward Oil Co. an der Lieferung teilnehmen sollte, würde sie eine solche Situation nach Kräften ausnützen und sich für den Verlust ihrer Selbständigkeit auf dein deutschen Markt und für die dann eintretende Schmälerung ihres deutschen Absatzes durch entsprechende Preisbemessung reichlich schadlos halten. Recht interessant sind in dem Bericht die Mitteilungen über den Vertrag, den die Deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft mit dem Trust gerade zur Zeit der Monopolverhandlungen im Reichsschatz- amt abgeschlossen hat. Zunächst konstatiert die Erdöl-Aktiengesell- schaft, daß sie ihre Vertragsverhandlungen mit Billigung der deutschen und österreichischen Regierung geführt hat. Tie deutsche Regierung selbst hat also dazu beigetragen, dass der Trust durch den Anschluß deutscher Produzenten gestärkt wurde! Ueber den Inhalt der Vereinbarung wirb folgendes mitgeteilt: Der Bertrag ist auf die Dauer vvn 19 Jährest, beginnend mit dem 1. Januar 1913, geschlossen. DaS Aertragsgebiet erstreckt sich auf ganz Deutsch- land und die Schweiz. Die Vereinbarung hat in der Hauptsache zum Gegenstand die Kontingentierung der Absatzmengen beider Gruppen. Das Kontingent der Erdölgruppe einschliesslich der Olex-Gesellschaft(der Verkaufsorganisation der Erdöl-Aktien- gesellschaft für Oesterreich und Deutschland) wird hiernach auf un- gefähr 20 Proz. des Gesamtverbrauches festgesetzt, d. i. etwa 40 Proz. mehr als die bisher in einem Jahre erzielte höchste Absatz- menge. Da ferner in dem Vertrage vorgesehen ist, datz die bisherige Beteiligung der Europäischen Petroleum-Union(Epu) am deutschen Markte der Erdölgruppe ohne weiteres zuwächst, sofern die Epu bczw. ihre deutsche Tochtergesellschaft, an der die Deutsche Bank beteiligt ist, mit der Erdöl-Mtien gesellschaft im Vertragswege oder sonstwie ein Assoziationsverhältnis eingehen sollte, würde in solchem Falle der von den Amerikanern unabhängige Anteil an der Versorgung des deutschen Marktes auf reichlich 25 Proz. des Gc- samtverbraucheS sich beziffern. Ferner ist vereinbart, dass die Erdöl-Aktiengesellschaft auf die vertraglich festgelegte Beteiligung nicht beschränkt»st, wenn seitens der amerikanischen Gruppe die Verkaufspreise ab Strassentank- wagen frei Haus des Tetaillisten über 19 Pf. netto im Stadtgebiet oder über 20 Pf. netto im Landgebiet erhöht werden sollten und die Erdöl-Aktiengesellschaft infolge eines der deutschen Regierung einzuräumenden Vetorechtes nicht in der Lage wäre, über diese Preisgrenze hinauszugehen. In solchem Falle würde die Erdöl- Aktiengesellschaft den Absatz über diese Quote hinaus beliebig aus- dehnen können bei Jnkraftbleiben der sonstigen vertraglichen Ab- machungen. Da die obigen Preise frei Haus etwa einem Preise von 18 Vf. ab Tankanlage entsprechen, also 2 Pf. niedriger sind als die im Gesetzentwurf vorgesehene obere Grenze von 20 Ps., so glaubt die Erdöl-Aktiengesellschaft durch diese Bestimmung einer Aus- beutung der Verbraucher in wirksamerer Weise vorzubeugen, als es durch den Gesetzentwurf geschehen kann. Auch hat die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft auf Anfrage der Regierung grundsätzlich ihre Bereitwillig- keit erklärt, sich auch an eine obere Preisgrenze in derselben ungefähren Höhe zu binden mit der Maßgabe, datz sie sich für eine Reihe von Jahren verpflichte, die Lieferung des deutschen Bedarfs auch dann in vollem Umfang« fortzusetzen, wenn die Äe- gierung ein Veto gegen die Ueberschreitung dieser Preisgrenze ein� legen sollte. Man sieht, welche Interessen der Trust an dem freien Absatz in Deutschland hat. Uebrigens hat die Erdöl-Aktiengesellschaft sich auch eine untere Preisgrenze(von 15 Pf. pro Liter netto ab Straßentankwagen) garantieren lassen, damit eine Unterbietnng durch den Trust ausgeschlossen ist. Innerhalb der beiden Preis- grenzen soll die Erdöl-Aktiengesellschaft freie Hand behalten. Diese Bedingungen sind allerdings wesentlich günstiger als alle frühereu Verträge des Trusts mit deutscben Produzentenkonzernen. Allein der Plan eines Staatsmonopols scheint also auf den Trust in einer für den deutschen Konsum günstigen Weise einzuwirken. Klus der frauenbewegung. Augenmerkblatt und Heimarbeit. Vor einiger Zeit brachten wir ein vom K. o. Univ.-Pcofessor Dr. O. Eversbusch und Landesgewerbearzt Dr. Fr. Koelsch ver- fasstes Augenmerkblatt zur Veröffentlichung, das darauf hinweist, wie wichtig gesunde Augen für die gewerblichen und industriellen Arbeiter sind und neben Anweisungen fiir schnelle Hilfe bei Ver- letzungen ausführlich schildert, wie gerade die Beschäftigungsart be» vielen Arbeitern und Arbeiterinnen gefährlich für die Augen sein kann. Eine Stelle lautet:„Augenarbeit ohne genügendes Licht— also in der Dämmerung, bei Zwielicht oder be» mangelnder künstlicher Beleuchtung— ist sehr nachteilig. Besonders gilt das für die Feinarbeiter, Schreiber und Zeichner, Lithographen, Setzer, Gra- veure, Feinmechaniker, Näherinnen, Stickerinnen und dergleichen Berufe mehr. Wollt Ihr, datz die Augen nicht kurzsichtig und ichwachsichtig werden und die etwa bei Euch schon vorhandene Kurz- sichtigkeit nicht noch zunimmt, so müßt Ihr das Auge möglichst weit entfernt von dem zu bearbeitenden Gegenstande halten! Ter Abstand zwischen ihm und den beiden Augen soll mindestens 33 Zentimeter betragen! Laßt nach getaner Arbeit, auch in den Arbeitspausen, die Augen ausruhen, besonders durch Blick in die Ferne, in? Grüne! An Sonn- und Feiertagen aber übt die Augen bei Beivegungsspielen und Fußwanderungen!" Was hier gesagt wird, ist durchaus nichts Neues und den Ar» beitern und Arbeiterinnen auch bereits bekannt. Trotzdem vermag besonders eine Arbeiterkategorie diese Regeln nicht zu befolgen: Die Heimarbeiterinnen. Wo ist ihnen wohl Gelegenheit gegeben, bei genügendem Licht ihre Arbeit zu verrichten? Nirgends ist der Arbeitstag weiblicher Personen so lang und fällt namentlich in die Abendstunden, wie in der Heimarbeit. Am Tage hat die Heimarbeiterin zunächst einige Zeit mit Handreichungen für den Mann und die Kinder zu tun. die zur Arbeit oder zur Schule müssen. Dann kommt die Besorgung des HauSwesenS und die Vorbereitung für das Essen, und häufig wird eine erhebliche Zeit dann noch für das Liefern und Abholen der Arbeit geopfert. Viele Heimarbeiterinnen müssen täglich oder doch in der Woche mehr- inals liefern. Die Klagen über langes Warten sind allgemein. Die Wartezeit fällt aber in die Tagesstunden und wird nicht entschädigt. Liegt die Wohnung dann noch vom Geschäft weit entfernt, dann ist die Zeitversäumnis um so grösser. In den meisten Fällen kann die Heimarbeiterin erst am Nachmittag, zum mindesten aber doch er» heblich später, mit der Erwerbsarbeit beginnen, als die Werkstatt. oder Fabrikarbeiterin. Will die Heimarbeiterin nun einigermaßen verdienen_ und tvelche Heimarbeiterin»st heute nicht darauf angewiesen, mehr als ein Taschengeld durch ihre Arbeit zu erwerben— dann heisst es. bis spät abends arbeiten. Für Heimarbeiterinnen existiert kein Maximalarbeitstag, auch keine Bestimmung über Beginn und Ende. wie es für gewerbliche Betriebe der Fall ,st. Sie können ihre Ar- beitszeit bis tief in die Nacht hinein ausdehnen und sind durch die miserable Bezahlung, die in der Heimarbeit üblich ist, und die vorherrschende Saisonarbeit in den meisten Fällen dazu verpflichtet. Reichlich zwei Drittel ihrer Tätigkeit wird bei künstlicher Be- leuchtung verrichtet. Hierzu zwingen auch zum Teil die Woh- nimaSverhältnisse. Nur die wenigsten Heimarbeiterinnen können in Vorderhäusern und in breiten Strassen ivohnen. wo es in den Wohnungen länger hell bleibt, als in Hinterhäusern, auf engen Höfen. Da die in der Heimarbeit die Regel bildende Beschäftigung. nähen, stricken, sticken usw. besonders scharfes Sehen erfordert, so »st die Heimarbeit mit allen ihren Begleiterscheinungen eben de- sonders gefährlich für die Augen. � m. Wie notwendig wäre gerade hier eine Regelung der Arbeits- zeit, als deren Voraussetzung natürlich bessere Bezahlung zu be- trachten ist. Aus bestimmten Anlässen, wie z. B. durch Vttossent- lichung des Merkblattes, kommt dies wieder deutlich zur Geltung. Aber gerade die Heimarbeiterinnen sind für die gewerkschaftlichen Organisationen so schwer zu gewinnen. In keinem anderen Be- rufe haben die bisher hierfür aufgewendeten Muhen so wenig Erfolg gehabt. Den Schaden tragen in erster Linie die Heim- Arbeiterinnen, die sich mit Verdiensten begnügen mnisen, die in keinem Verhältnis zu den Leistungen und den Gesundheitsgefahren stehen, die die Heimarbeit mit sich bringt. Dre giringe Einzelent- schädigung bedingt überlange Arbeitszelt, peumzieljung der Kinder und trotzdem Unterernährung da, wo von dem Verdienst der Unter- halt der Familie zum größten Teil oder ganz bestritten werden soll. In zweiter Linie trägt den Schaden dre gesamte Arbeiterschaft. die mit darunter leidet, daß in der Heimarbett so schlechte Arbeits- bedingungen vorherrschen. Möge es doch endlich geltngen, auch die Heimarbeiterinnen von der Notwendigung der gewerkschaftlichen Organisation zu überzeugen, die allein ihnen bessere Arbeitsbedingungen schaffen kann und der Gesundheit weniger schädigende iftrheMmethodea durchzuführen in der Loge ist. Herzselde. Auf der am Donntag stattgefundenen ersten Mit- gliederversammlung der Frauengrupps des Wahlvereins für Herz- selde und Umgegend erörterte Genossin Buchmann-Kaulsdorf mit den Erschienenen die sozialdemokratische Frauenbewegung. Zum Schluß der Versammlung konnten 3 Neuaufnahmen vollzogen werden. Gerichts-Leitung» „Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze" wurde dem Redakteur Friedr. Köster, dem Leiter der sozialrevolu- tionären Zeitschrift„Pionier", zur Last gelegt. Am 29. Mai 1912 hatte die Nr. 22 des„Pionier" einen Artikel über„Die paradoxe Sozialdemokratie" veröffentlicht, der gegen einen in Nr. 39 der „Neuen Zeit" zum 1. Mei veröffentlichten Artikel Kautslys Polemi- sierte und die parlamentarische Aktion der Sozialdemokratie verwarf. Der Artikel des„Pionier" kam zu dem Schluß, daß die schlietzliche Expropriation der Kapitalisten, wie der Marxismus sie in Aussicht stelle, nur durch Verweigerung jeglicher Lohnarbeit zu erreichen sein werde. Die Arbeiterklasse müsse unter Verzicht aus Tarifverträge ständig auf dem Ausguck sein, durch Solidaritäts- und Massenstreiks die bürgerliche Gesellschaft in dauernder Beunruhigung halten, und so weiter. Hierin sollte eine Aufforderung zum Generalstreil liegen, der nach Auffassung der Staatsanwaltschaft die Plötzlichkeit des Ausbruches zur Voraussetzung habe und daher ohne Kontrakt- bruch nicht möglich sei. Es sei also zum Kontraktbruch aufgefordert. Wegen dieses Artikels stand gestern der Redakteur Köster vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I Berlin unter der Anklage, zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert zu haben. Vor der Verlesung des zur Anklage gestellten Artikels bean- tragte Staatsanwalt Weistmann, die Oeffentlichleit auszuschließen, weil die Staatssicherheit gefährdet werden könnte. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Halpert, widersprach und bat um Angabe, wovon denn da eine Gefährdung der Staatssicherheit be- fürchtet werde. Man könne doch nicht«in Grundrecht unserer Rechtspflege, die Oeffentlichleit des Prozesses, so ohne weiteres vernichten. Ter Staatsanwalt antwortete auf die Ausführungen ds Verteidigers mit dem Ausdruck des Bedauerns, nicht schon für diese Erörterung den Ausschluß der Oeffeytlichkeit beantragt zu haben. Das Gericht entschied, zunächst liege kein Anlaß vor, die Oeffentlichleit auszuschließen. Zu dem Artikel, der dann verlesen wurde, erklärt der Ange- klagte Köster, er habe bei der Aufnahme des nicht von ihm selber verfaßten Artikels aus keiner Zeile eine Aufforderung herausgelesen. ES handle sich um eine theoretische Betrachtung über die Kampfes» weise der Syndikalisten, die es für vorteilhaft halten, überhaupt keine Tarifverträge abzuschließen. Im Anschluß hieran sei ein Bild der Möglichkeiten gegeben worden, die bei Verzicht auf Tarifver- träge eintreten müßten, und der Wirkungen, zu denen dann die Verweigerung der Arbeit führen würde. Als Sachverständiger wurde auf Antrag des Verteidigers der Prof. Jastrow darüber vernommen, was der Anarchismus wolle. Di« Auffassung der„Propaganda der Tat" als einer Anwendung von Gewalt zur Beseitigung des Staates ist nach Ansicht des Sach- verständigen bei deutschen Anarchisten nicht anzutreffen. Unter „direkter Aktion" seien zumeist Mittel wirtschaftlicher Art gemeint, Syndikate, auch Konsumgenossenschaften usw. Der Staatsanwalt liest aus dem Artikel eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen dir Gesetze heraus. Di« Straf« müsse mit Rücksicht aus die Gefährlichkeit solcher Aufforderungen hoch sein und sti auf 6 Monate Gefängnis zu bemessen. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung. Das Gericht habe nicht zu urtoilen über die Anschauung deS Angeklagten. Jedem Staatsbürger werd« ja durch die Verfassung das Recht, seine An- schauung zu vertreten, gewährleistet. In dem Artikel werde mit keiner Silbe vom Generalstreik, sondern nur von Massenstreiks gesprochen. Massenstreiks seien doch gesetzlich erlaubt; das Recht auch zu solchen sei doch durch die Gewerbeordnung ausgesprochen. Daß bei sich häufenden Massenstreiks der bürgerlichen Gesellschaft, wie der Artikel sich ausdrücke, der Schreck in die Knochen fahren würde, das sei zweifellos. Aher man könne unmöglich bei der Interpretation deS Gesetzesparagraphen über die Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze sich leiten lassen von dem unbehag- lichen Gefühl, das ein solcher Artikel auslöse. Von einer solchen „Aufforderung" könne keine Rede sein. TaS Gericht kam nach längerer Beratung zu einer Berurtei- lung. Es könne zugegeben werden, daß der Artikel zunächst eine theoretische Auseinandersetzung sei. Nachher gehe er aber zu einer Aufforderung über, zu einer direkten Beeinflussung, die der un- befangene Leser erkennen müsse. Daß dies der Wille des Ber- fassers gewesen sei. werde durch die ganze Ausdrucksweise bewiesen. Aufgefordert solle werden zum Ungehorsam gegen die Gesetze, die die Einhaltung der Kündigungsfrist vorschreiben. Da» ergebe sich aus den Sätzen, die von den ständigen Beunruhigungen durch Soli- daritäts- und Massenstreiks reden, von Erschütterungen über Er- schütterungen. bei denen die Furcht den Regierungsleuten in die Knochen fahren werde. Solche Ausdrücke seien nur daraus zu erklären, daß an plötzliche Arbeitseinstellungen gedacht wurde und zu ihnen aufgefordert werden sollte. Hiermit habe der Angeklagte stch schuldig gemacht der Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetzesbestimmungen über die Kündigungsfrist. Mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit seines Tun? sei auf t Monat Gefängnis erkannt worden. ** -» Das Urteil ist— auch von der Hineininterpvetation einer Auf- forderung zum Ungehorsam in den Artikel abgesehen— durch die Verurteilung sowie die Art und Höhe der Strafe auffallend. Eine „Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze" im Sinne des § 119 des Strafgesetzbuchs kann aber eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen Normen des Zivilrechts nicht um- fassen. Das wurde auch bis 1889 allgemein anerkannt. In diesem Jahre stellte sich aber das Reichsgericht aus Anlaß des Bergarbeiterstreiks auf den entgegengesetzten Standpunkt und hat trotz vieler Angriffe gegen diese Ausweitung des Strafgesetzes an ihm festgehalten. Der Standpunkt steht in Widerspruch mit dem Begriff eiues„Ungehorsams" und ist erst aus der gegen die Arbeiterklasse sich wendenden Richtung der Recht- spvechung heraus geboren. Er ist auch damit unvereinbar, daß Z 119 sich nicht auf konkrete Handlungen bezieht, und daß der Arbeiter das Recht zum Niederlegen der Arbeit hat und im Kultur- interesse haben mutz. Das Weitergehen auf dem vom Reichsgericht gebilligten Weg führt zu so ungeheuerlichen Konsequenzen, wie sie in diesem Prozeß gezogen sind. Es wird aus der Beurteilung und Verurteilung der politischen Ansicht des Angeklagten heraus ge- folgert, ein Massenstreik müsse ein Generalstreik sein, ein solcher sei am wirksamsten durch Nichteinhaltung der Kündigungsfrist zu führen. Also fordere, wer für den Generalstreik eintritt, die Nicht- einhaltung der Kündigungsfrist. Ein Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse, die für den übergroßen Teil gewerblicher Arbeiter die Kündigungsfrist ausschließen, und eine historische Betrachtung des Massenstreiks hätten das Gericht vor der fehlsamen Schlußfolgerung bewahrt. Indes die Art der ausgeworfenen Strafe zeigt, daß das Gericht leider gleichzeitig über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der politischen Ansicht glaubte urteilen zu dürfen. Ist eine Aufforderung zum Massenstreik ungesetzlich, strafbar, ja so gemeingefährlich, daß der Staatsanwalt den Ausschluß der Oeffentlichleit bei der Verhandlung und eine exorbitant hohe Strafe forderte, so müßte die Konsequenz auch gegenüber Arbeitgebern gezogen werden. Fordern Arbeitgeber zur Aussperrung von Ar- beitern auf, so handeln sie danach widerrechtlich. Schließen sie sich gemeinsam zusammen, um eine Massenaussperrung herbeizuführen, so schließen sie eine Verbindung zur Verhinderung der Vollziehung von Gefahren. Sie wären also nach§Z 119 und 128 des Strafgesetzbuchs strafbar. Weshalb sind weder Arbeitgeber noch Artikel, die zu Massenaussperrungen aufforderten, angeklagt? Vor dem Gesetz soll doch ein jeder gleich sein. Weshalb geht ferner die Staatsanwattschaft nicht wegen Erpressungen und Erpressungsver- such« gegen diejenigen Arbeitgeber bor, die vertraglich(durch Ver- einsstatut) die Aussperrung fordern und für den Fall der Nicht- befolgung enorme Konventionalstrafen oder andere Vermögensnach- teile vereinbart haben? Weshalb wird beispielsweise nicht gegen den Berein ber Textilindustriellen, der solche erpresserischen Ver- einbarungen getroffen hat, strafrechtlich vorgegangen? Weshalb wird die Aussperrung und Massenaussperrung von Arbeitern nicht strafrechtlich verfolgt, wenn schon die Aufforderung zu einem Massen- streik strafbar sein soll? Gilt das Strafgesetzbuch nicht auch gegen die Arbeitgeber? Wissenschaft und Unzucht. Dem Reichsgericht geht die Stempelung allerlei Wissenschaft- licher Bestrebungen zu unzüchtigen Werken denn doch zu weit. Am Freitag hatte das Reichsgericht zu entscheiden, ob ohne Rechtsirrtum ein Prospekt mit Abbildungen aus einem Wissenschaft. lichen Werk als unzüchtige Schrift vom Breslauer Landgericht an, gesehen ist.— Es verneinte diese Frage. Der Buchhändler Rudolf Schrocder in Breslau ist am 4. Juli wegen Vergehens gegen§ 184, 1 deS Strafgesetzbuches vom Landgericht Breslau zu 139 M. Geldstrafe verurteilt. Außerdem hat das Gericht auf Unbrauchbarmachung der zur Herstellung des Pro- fpektes verwandten Formen und Platten erkannt. Schroeder ist Geschäftsführer in der Buchhandlung einer Frau Foerster— die übrigens freigesprochen worden ist— in der Altbüßerstratze zu Breslau. Diese Buchhandlung offeriert« im Jahre 1911 wiederholt durch Versendung von Prospekten ein Werk von Eduard Fuchs, betitelt:„Illustrierte Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart", Ergänzungsband„Die galante Zeit". Diese Prospekte sandte Schroeder ausschließlich an Personen besserer Stände, wie Studenten, Aerztß usw., von denen er annahm, daß sie in der Lage sind, den Kaufpreis von 199 M. für das Werk zu zahlen. Die Prospekte enthielten aber, um etwas aus dem Inhalt des Buches zu bieten, Wiedergaben von Abbildungen, wie sie sich in dem Buche befanden. Da nun diese Abbildungen meist nackte Frauengestalten in den verschiedensten Stellungen zeigten, die, wie das Urteil sagt, unsittlich und geeignet sind, auf den Beschauer einen geschlechtlichen Reiz auszuüben, und da ferner Schroeder die Prospekte wahllos an verschiedene Personen versandt hatte, so hat da? Gericht ein Vergehen gegen§ 184, 1 des Strafgesetzbuches für vorliegend erachtet.— Infolge der gegen das Urteil eingelegten Revision hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, indem sie zur Begründung u. a. ausführte:„Die Tatbestandsmerkmale des§ 184, 1 sind nicht ein. wandfrei festgestellt. Das Buch, dem die Bilder des Prospektes ent. nommen sin-d, enthält eine Sittengeichichie und hat anerkanntere maßen einen wissenschaftlichen Wert. Ein Prospekt aber erfordert, daß er einen Auszug aus dem Inhalt bringt. Daß nun im vor- liegenden Falle durch die Arbeit des Buchauszuges und der Zusammenstellung der einzelnen Bilder eine unzüchtige Schrift ent- standen ist, dafür gibt das Urteil keinerlei Anhaltspunkte. Wen» sich jemand ein Werk, das an sich nicht unzüchtig ist, zu unzüchtigen Zwecken, oder um sich au dem Inhalt oder den Abbildungen zu er- regen, zulegt, so hat das der Verkäufer nicht zu verantworten. Auch ist nicht einwandfrei festgestellt, daß die Verbreitung der Prospekte wahllos erfolgt ist. indem Schr. dieselben, wie ihm nicht widerlegt werden konnte, nur an Personen besserer Stände sandte, von denen er annahm, daß sie sich das Buch des wissenschaftlichen Wertes wegen anschaffen könnten.(4 D 919/12). Versammlungen. Eine Versammlung der in den kauf- und Warenhäusern tätigen Diener, Packer usw. beschäftigte sich mit dem Thema: „Unsere wirtschaftliche Lage und die Teuerung". DaS Referat hatte Reichstagsabgeordneter G. Davidsohn übernommen, der vielen Beifall fand. Unter Punkt 2 der Tagesordnung wurden ver- schiedenc Mißstände in den einzelnen Häusern vorgebracht. Die Firma A. W c r t h e i m, Leipziger Straße, beschäftigt ständig „Hilfsarbeiter", die schon in„staatlichen Getrieben" ihr Geld ver- dienen; so mancher arbeitslose Familienvater möchte zu dem Weih- uachtsfest, aus welchem der Firma A. Wertheim ein Vermögen er- wächst, auch gern etwas verdiene», um nur den Hunger der Seinen stillen zu können. Die Mitteilungen über den Betrieb derselben Firma am NIexanderplatz erregten allgemeinen Unwillen in der Versammlung. Man verwendet dort die Herren Meyer, Kopp und H e n n i g als Spione. Herr Meyer, der früher in der Leipziger Straße als Bohner tätig war, revidiert den Wächtern nach Beendigung ihres Dienstes die Taschen. Die Hausdiener der Firma H. Tictz klagen gleichfalls über unzulängliche Bezahlung und eine dem Sinne des Gesetzes zuwiderlaufende Arbeitszeit. Auch diese Firma konnte es nicht unterlassen, ihren Vertrauensmann, Herrn H a r t m a n n. in die Versammlung zu entsenden. Vom Kauf- hause des Westens wurde mitgeteilt, daß seit einiger Zeit den Dienern die Garderobe gestohlen wird. Schränke sind nicht vor- handen, und wer für seine gestohlene Garderobe Ersatz verlangt, dem wird mit Entlassung gedroht. Der Garderobenraum, der noch als Rumpelkammer zur Aufbewahrung von Besen usw. dient, ist vor Schmutz nicht zu kennen. Herr Inspektor S p i e l er bczw. sein Famulus K r u s ch k c, die im Hause für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen haben, scheinen nicht über die ausreichende Zeit zu verfügen, um die Arbeit bewältigen zu können. Muß doch Herr Kruschke während der Geschäftszeit neueintretende Ange- stellte für den gelben Hausverein als Mitglieder werben, Flug- blätter verteilen und die Beiträge dieses Vereins, selbst von den zu Weihnachten nur aushilfsweise beschäftigten Angestellten ein- kassieren, die von diesem Verein nicht die geringste Gegenleistung erhalten. Die krassesten Mißstände scheinen jedoch bei der Firma Cords, Leipziger Straße, zu bestehen. Diener, die schon länger als fünf Jahre dort tätig sind, erhalten das fürstliche Gehalt von 22 M. pro Woche. Vorstellungen der Angestellten wurden einfach damit abgetan, daß die Firma erklärte, daß sie in vier Wochen wieder Lohnzulagen geben müßte, wenn jemand komme und sage, die Hasen sind teurer geworden. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen. „Die in den„Arminhallen" überaus zahlreich versamincl» ten Diener, Packer usw. aus den Kauf- und Warenhäusern Berlins erklären sich mit den Ausführungen des Referenten /in- verstanden. Die außerordentliche Steigerung der notwendigen Lebensmittel, welche nicht mehr als vorübergehende Erscheinung. sondern als ständige Begleiterscheinungen zu betrachten sind, machen es den Angestellten fast unmöglich, der an ihnen gestellten Forderungen des wirtschaftlichen Leben» gerecht zu werden. Sie erkennen an, daß ihre Macht in ihrer Organisation, den Deut- fchen Transportarbeiter-Verband, liegt, welche infolge ihrer Stärke wohl in der Lage ist, bessere Verhältnisse zu schaffen. Sie geloben, alles daran zu setzen, um aufklärend zu wirken Und neue Mitglieder für die Organisation zu werben." Zu dem BersammlungSbericht über die Klavierarbeiter- Versammlung in der Nummer vom 8. Dezember ersucht uns Ge- nosse Leopold richtigzustellen, daß die Firma Krause u. Dreß an der Bewegung nicht beteiligt war. Ferner habe er nicht geäußert,„daß man mit dem Ausgang der partiellen Be- wegung zufrieden sein könne". Zu einer solchen Aeußerung läge gar kein Anlaß vor. WitterungSüberficht vom 9. Dezember»villi. Wetterprognose für Dienstag, de« 19. Dezember»Skid. Ziemlich mild, vorwiegend nebelig oder wolkig mit leichte» Reg«»- fällen und vorwiegend südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. „ tfiornfrancß" das neue, würzige liaffeegetränK aus dem BrotKorn des deutschen VolKes. 20 Todes-Anzeigen SozialdemokratiselierWaiilvereln !.>!. 4. BeH. Relchsfatjswalilkreis Köpenickor Viertel. Bez. 1841. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler �enHlmnd Winkler Skalitzer Str. 63/64 gestorben ist. Ehre seinem Zlndenkent Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Kalle des Emmaus- Kirchhoses in Neukölln, Hermannstrahe, aus statt 221/9 Der Borstand. Belltzedei' ilolzarbeiter-Verlianil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Maschinen- arbeiter penünnm! Winkler Skalitzer Str. 63/64, im Alter von 35 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 10. Dezember, nachmiitags 3 Uhr, von der Halle des Emmaus-Kirchhoses in Neu- kölln, Hermannstrahe, aus statt. 32/8 Die OrtsvenesUung. Deutseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Klempner (histav Adam Gleditschstr. 40, am 7. Dezember an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leiche»- halle des Neuen Zwöls- Apostel- Kirchhoses in Schöneberg aus statt. Ferner starb unser Mitglied. der Gürtler vustav Krnpke Frankfurter Allee 48, am 5. d. Mts. an Lungenlciden. Tte Beerdigung findet heute Dienstag, den 10. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Georgen« Kirchhoses, Landsberger Allee, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 134/12 Bio Ortsverwaltung. Deotscber ßaoarhltemrbanI| Zwelgrereln Berlin. Am 6. Dezember starb unser Mitglied, der Bauarbeiter Adolf Kopp. (Bezirk Osten H.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 10. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 147/17 Der Borstand. Zentralyerband der Zlmnierer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 1. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unser Mtglied Auxust. �udolpd am 7. d. Mts. im Alter von 61 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 10. d. Mts., nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 355/2 Her Vorstand. i Verband der Bureauangestellten Deutschlands Ortsgruppe GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Artnr Riedel (Städtische Angestellte, 15. Revier) am 7. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags S'/a Uhr. Iu on der Leichenhalle des Zentral. Friedhofes in Friedrichsscldc aus statt. 47,20 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, dag unser allseitiger Freund Jlntan Wahl am Sonnabend früh verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Treptower Kirchhofes, Baumschulenwcg, Kies- holzslrage, aus statt. Robert Voigt und die Rrampenburger. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen wir Zlllen unsern herzlichsten Dank. Witwe Marie Stresow nebst Kindern. 288 Danksagung. Für die vielen Beweise der liebe- vollen Teilnahme und so reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und herzensguten Mutter Auguste V. etzel sagen wir allen Freunden und Bekannte» sowie den Mitgliedern deS Wahl- Vereins und Gesangvereins rtteder- Schönhausen unseren herzlichste Dank.. 1590dv Karl Wehcl nebst Kinderu. Niederschönhausen-Nordend. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Anna Vollenders sage ich allen Verwandten, Bekannten. Kollegen und Freunden, auch dem Gesangverein»Mäunerchor" Weihen- sce meinen herzlichsten Dank. Otto Bellenberg, Wcitzcnsee. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teiltiahme bei der Beerdigung meines Mannes und Vaters, des Metalldrückers 1594b (Zustav Nachtwey sage» wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Genossen und Genossinnen des 2. Berliner Wahlkreises, deS 135. Wahlbezirks, des MetallarbeitervcrbandeS sowie den Kollegen und Kolleginnen der Firmen Calw u. Bender, tzaase und Schön, den Sängern des Richterschen Quartetts, insbesondere den Metall- drückern uns dem Zentral-Kranken- Unterstützungsverein der Schmiede (Zahlstelle IV) für die reichen Spenden unsern ausrichtigen Dank. Anna Nachtwey und Dochter. Danksagung. Hiermit sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Gesangverein.Typographia" sür den erhebenden Gesang und den Kollegen der Norddeutschen Buchdruckerei für die Beteiligung an der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herz- lichsten Dank. 1593b Vliiwe Anna Gaede nebst Kindern. Or.SimmeS Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2. S— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Spezialarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Betnkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in u. Co. konz. Laborat. s. Blut- Untersuchung.. Fäden i. Harn usw. Fitalilchstt. 81,«Ä, Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11— 2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Dr. Homeyer Elegant« 3 'artig u. nach Maas von 1 Made | wBohentliche Tellzahlang S-BÖHuch FraoHfurter Allee 75 Eingang TllalterBtrasse Uhren- n. Goidwaren-Snezialgesebält M Thetlzahlung bei klein. Anzahl.erhalten Sie Uhren, Ketten, Ringe, Geschenke etc. II. Cawparl, Turm- straße 16, l-aden. Verwaltungsstelle Qroß-Berlin. Donnerstag, den 12. Dezember, abends S'/j llhr, im Gewerkschaftshause. Engelnfer IS(Saal 4): AtijkMiMdie Seseralversantnbmn. Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiteu. 2.„Die Friedensdeuionstration der Arbeiterinternationäle in Basel". Referent: Kongreildelegierter Kollege A h m a n n. 3. Reorganisation der Expedition unserer Verbands- zcitungen. 4. Antrag Glatt bctreff-nd Gehalt des Bevollmächtigten. HCT- Das Mitgliedsbuch ist am Taaleiiigang vorzuzeigen. � 36/3 Die Ortsverrvultung. Beste Bczagaiinelle Auf Teilzahlung in kleinen Raten Herren- und Damen-Uhren, Regula- teure, Freischwinger, Ketten, Ringe, Armbänder, und alle Golöwaren, Grammophone, Zilhern, Spieldosen, Harmonikas, Mandolinen, Geigen, Christbaumslänöer eic. etc. Warschauer Str.68,i£'89 Mre&KAnig BQIowstr. 46, Laden, Invalidenstr. 7, Laden Lassen Sie lich diesen Apparat sofort kommen! 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Simpli-Kakao wird nur in Originalpackung zu'/- und>/, Pfund verkauft, in garantierter Original-Fabrikfüllung. Die Simpli-Fabrikate(auch Schokoladen, Pralinen, Katzenzungen usw.) werden w—• in vollendeter Weise hergestellt von der Firma„Sarotti"' A.-O-, Berlin. --------------- Man frage fiberall nach Simpli-Kakao! 'xxraiitwoltlicher RePskteur: Alfreh Wielepp, Neukölln. Jür tev Qn�iatenUil versnt».: Stz.GlAkr»L»elin. Druck u. Verlag: iö«r«ärt» u- Verlagsanstalt Paul Hinger u. Berlin 5W» w 3. Ktilllge htg LllMlirls" Kktlim Doldsblillt. Morgen Mittwoch, den 11. Dezember: Zahlabend in Groß-ßerlin. Partei- Ungelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis. Bei der am Sonntag stattgefundenen UrWahl von drei Delegierten für den preußischen Parteitag sind die Genossen Heinrich Schröder und Hermann Werner sowie die Genossin M. Wurm gewählt. Mariendorf. Die Bezirkszahlabende sowie der Frauenleseabend fallen aus, dafür findet Mittwoch, den 11. Dezember, abends 8 Uhr, ein gemeinschaftlicher Zahlabend im Lokal des Herrn Haack, Chaussee- slraße 43. statt, wozu auch die Genossinnen eingeladen sind. Bohnsdorf. Mittwoch, den 11. Dezember, abends 8'/z Uhr. Mit- gliederversammlung in der Villa Kahl. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreiskonferenz. 2. BereinSangelegenheiten und Ber- schiedeneS. Reimckendorf-Weft. Der Zahlabend für die S. und S. Gruppe findet besonderer Umstände halber, heute abend im Lokal von Fellschow, Schillingstratze statt. Nieder-Schönhausen. Für die Genossen des zweiten Bezirks findet der Zahlabend bei Gapa, Waldstrage. Ecke Eichenstratze, statt. Nowawes. Morgen. Mittwoch, pünktlich abends 8'/» Uhr, im Schmidlscben Lokal, Wilhelmstr. 41/43der Ferienkolonie. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt. Bei der Festsetzung des Sparkassenvoransdhlages für 1913 teilte Schöffe Jochem mit, daß sich die Kaffe gut'entwickelt. Auf 3600 Sparbücher ist rund 1 Millwn Mark eingezahlt. Eine erfreuliche Eniwickelung zeigt auch das Elektrizitätswerk. Der für 1912 veran- schlagt« Ueberschuß von 42 000 M. wird in Wirklichkeit über 70 000 Mark betragen und wird für 1913 auf 170 000 bis 175 000 M. ge- schätzt. Ilm rechtzeitige Vorsorge zu treffen für stärkere Juan- spruchnahme wurden zu Erweiierungszwccken 200 000 M. gefordert und bewilligt. Der Antrag des Gemeiudevorstandes betreffs Ausgestaltung der Allgemeinen Ortskrankenkaffe für Steglitz und Dahlem im Sinne der Reichsversicherungsordnung wurde debattelos angenommen. Der weitere Antrag auf Errichtung einer Landkrankenkasse wurde vom Gemeindevorstand„vor- läufig" zurückgezogen, weil auf Grund eingelaufener Einsprüche des Vorstandes der hiesigen Ortskasse und der Aerzte eine noch- malige Prüfung vorgenommen werden soll. In dem schriftlichen Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses wurde gerügt, daß et ats mäßigen Beamten neben ihrem Gehalt monatliche Zuschüsse aus«dem Hilssarbeiterfonds bewilligt worden sind. Dieser Unfug ist auch von unseren Genossen schon wiederholt bei Etatsberatungen gerügt worden. Ferner wird gerügt, daß der Etat für Wohlfahrtspflege mit einem Ausgabeposten für Abfahren von Kies von einem Schulhofe zum andern belastet worden ist. Aus welchen Gründen der Rechnungsleger das Spazierenfahren von Kies als„Wohlfahrtspflege" deklariert, ist in der Tat schwer einzusehen. Am Schluß der öffentlichen Sitzung beantrage Gen. Aßmanu, die Mitteilungen über die Stadtwer- d u n g, die für die gehcimeSitzungvorgesehen waren, in der öffent- lichen zu machen. Er führte mit Recht aus, daß die gesamte Bürgerschaft ein gleich großes Interesse an der Frage habe wie die Gemeindevertretung. Der Bürgermeister erklärte sich dazu außer- stände, da es sich um Aeußerungen des Ministers des Innern handle, die von diesem Herrn ausdrücklich als nicht für die Oeffent- lichkeit bestimmt bezeichnet worden seien. Auch ein Antrag von bürgerlicher Seite, wenigstens eine allgemeine Erklärung über den Stand der Staditverdungsfrage, die nun schon seit zehn Jahren die Oeffentlichkeit beschäftige, abzugeben, wurde vom Bürgermeister bekämpft. Man darf gespannt sein, welche Geheimnisse der Mi- nister der Deputation in die Ohren geflüstert hat. Wir vermuten stark, daß das Resultat der Unterredung so unbedeutend ist, daß man sich damit vor der Oeffentlichkeit geniert. Neukölln. Auf der Straßenbahn vom Tode überrascht wurde am Sonnabend- abend ein noch unbekannter Mann. An der Ecke der Berg- und Steinmetzstraße brach er plötzlich zusammen und fiel vom Perron herunter auf die Straße. Man brachte ihn nach dem Krankenhans, Ivo aber nur noch sein Tod festgestellt werden konnte. Die Leiche wurde beschlagnahmt und zwecks Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause gebracht. Der Unbekannte ist ungefähr 50 Jahre alt und scheint dem Arbeiterstande angehört zu haben. Er hat grau- meliertes Haar und Vollbart und buschige Augenbrauen und trug eiuen schwarzen Mantel nkit grauschwarzkarierlem Futter. In semeil Taschen hatte er eine silberne Remontoiruhr. Charlottenburg. Beihilfe für Schwangere in Charlottenburg. Minderbemittelten Schwangeren, welche in Charlottenburg wohnen, werden von dem Charlottenburger Hauspflegeverein vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wocheiibetles Beihilfen ge- währt, meist in Gestalt eines kräftigen Mittngessens in folgenden Speisungsstellen: Charlottenburger Ufer 16. Nehringstraße 11. Wil- mersdorfer Straße III, Berliner Straße 137 und All-Moabit 39. Meldungen nimmt die Ernähruiigsabteilung des Hauspflegevereins Marchstraße 7, Dienstags und Freiiags zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, möglichst sechs Wochen vor der zu erwartenden Eni- bindung entgegen.* Schöneberg. Borgartenfenkungen. In der Miinckener Straße zu Schöuebcrg habe» sich verichiedenllich in dem Mauerwerk der Vorgäiteu und in den Vorderwanden der Häuser Rißbildungen gezeigt, welche von den Besitzern auf den Bau der Untergrundbahn zurückgeführt worden sind. Ein versuchsweise gegen die Stadlgemeinde Schöneberg im Jahre 1910 angestrengter Prozeß ist nunmehr endgültig zugunsten der Stadtgemeinde entschieden worden, sodaß die übrigen Grund- stückseigentümer in der Münchener Straße wohl von einem weiteren Vorgehen gegen die Stadtgemeiude Abstand nehmen dürften. Lichtenberg. Die Stichwahlen in der zweiten Abteilung fanden am gestrigen Montag statt. Dem Ansturm der Mittelständler ist es noch einmal gelungen, der Vorschnßbankgruppe die Majorität zu sichern. Mit Ausnahme des 6. Bezirkes,«o zwei Sozialdemokraten in Stichwahl standen und 74 gültige Stimmen abgegeben wurden, gelang es den Bürgerlichen, ihre Kandidaten durchzubriugen. Im 4. Bezirk erhielt unser Kandidat 105, der Bürgerliche 228 Stimmen. Im 7. Bezirk siegte der bürgerliche Kandidat mit 183 Summen über unseren Kandidaten, der 115 Stimmen erhielt und im 8. Bezirk erlag unser Kandidat mit 112 Stimmen dem Bürgerliche», der 2S4 Stimmen auf sich vereinigen konnte.— Insgesamt sind jetzt gewählt: 29 Sozial» denwkraten, 6 Mittelständler und 62 Vorschußbankleute(Grund« besitzer). Lankwitz. In der Gemeiildevertretcrsitzung wurde der in einer Ersatzwahl der ersten Klasse mit neun Stimmen erwählte Rentier Gottlob ein» geführt. Eine endlose Debatte entspann sich über einen Nachtrag zum Ortsstatut über Aufbringung der Kosten zur Straßenunter- hallung. Hier konnte man so recht die Ausdauer der Gemeinde- Vertreter bewundern, wenn es sich um Jnleressen der Haus- und Grundbesitzer handelt. Das bestehende Ortsstatut über die Auf» bringung der Kosten der Straßenunterhaltung wurde ergänzt durch einen Nachtrag, welcher besagt, daß auch bei„der Veränderung der Hödenlage einer Straße, emschließlicki der Herstellung von Wegen, Unter- und Ueberführuiigen sowie bei der Herstellung von Schmuck- anlagen", die Anlieger zu den Kosten herangezogen werden können. Der Nachtrag wurde mit 7 gegen 7 Stimmen angenommen. Da der Verkauf russischen Fleisches von den Schlächtermeistern abgelehnt worden, ein solcher auch von der Gemeinde in eigener Regie nicht eingeführt worden ist, stellte Radike den Dringlrchkeitsantrag, den Verkauf der Konsumgenossenschaft zu übertragen. Auch dafür zeigte die Gemeindeverwallung und die bürgerlichen ffvertreter kein Ver- ständuis, die Dringlichkeit wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Der Gemeindevorsteher verwies auf die Nachbarorte Sleglitz und Lichterfelde, wo die Laukivitzer Einwohner sich Fleisch holen könnten. Auch seien die Schlächtermeister schon mit den Preisen herunter- gegangen. Ob der Gemeindevorstand. entgegen anderen Gemeinden, dauernd an dieser sonderbaren Auffassung testhalten wird, trotzdem alle anderen Genieinden längst ihre Pflicht den Einwohnern gegen- über erkannt haben? Lichterfelde. Rechte des Volkes lautete daS Thema, über das in einer bei Richter staltgefuiidenen Volksversammlung Genosse Dr. Moses referierte. Nach dem mit lebhaflem Beifall aufgeiiomincilen Vor- trag ging der Varsitzende auf den letzten Gewaltslreich unseres Ge- meindeparlamenls betreffend die Ungültigkeitserliärung des von der Sozialdemokratie errungenen Mandats ein. Er forderte die An» wesenden auf, sich auch fernerbin wirksam zu betätigen, damit die Partei bei meiner Neuwahl beweise, daß der Beschluß der Bürger- lichen eine vergebliche Maßnahme gegen die Arbeiterklasse gewesen sei.— Eine dahingehende Resolution wurde einstimmig angenommen. Die imposante Versammlung fand mit einem begeisterten Hoch aus die interiialiouale Sozialdemokratie ihr Ende. Trebbin(jkreis Teltow). Die Stadtverordnetenversammlung sollte in ihrer letzten Sitzung die Wahl eines Mitgliedes in die Schuldeputation vornehmen. Ruf Antrag Hottmüller soll die Wahl jedoch erst gemeinschaftlich mit der Wahl des Vorstehers erfolgen. Ein Antrag des Genossen Richter. die Wahl gleich vorzunehmen und die Stimmen für dieses Amt auf den Genossen Schönsee zu vereinigen, wurde abgelehnt. Die alte Pumpe des Wasserwerks wird für 350 M. an eine Firma in Wittenberg verkauft. Für die Anschaffung von Bänken in der Aula des neuen Schulhauses wurden 900 M. bewilligt. Reinickendorf. Bei der am Sonntag ftattgesundcnen Gcmeindevertrcterwahl erhielt von 746 abgegebenen Stimmen Genosse Bahr 745 Stimmen. Eine ungültige Stimme wurde auf den Bürgermeister Zielhen ab- gegeben; der Wähler konnte jedoch nicht augeben, wo derselbe wohnt._ Berein ehemaliger Beelitzer. Abteilung B. Heute Dienslag. den 16. Dezember, abends 8'/, Uhr, im„Noscnthaler Hoj", Rosenthaler Straße 11/12: ffierjammümg der Mitglieder. Vortrag des Herrn Boll über„Alkoholismus und Tuberkulose'. Gäste und Freunde des PercittS haben Zutritt. Alle ehemalige Patienten sind hiermit eingeladen. Briefkasten cler Redaktion. Am Mittwoch fällt die Sprechstunde aus. O. G. 43. 1. Ja. 2. Darüber beschweren Sie sich am zlvcckmäßigiten unter Namhastmachung des Schlächters beim Magistrat.—(£. Ä. 39. Die in Frage koinmeiidcn Sachverständige» sind im Adreßbuch. II. Teil, verzeichnet. Bestimmte Personen empsehlc» wir grundsätzlich nicht. —(S. 100. 1. Sechs Monate nach dem Ausscheiden. 2. Ja.— M. H. 1012. Wir halten Sie süe berechtigt, etwa 2ö0 M. zurückzusordcrn.— F. R. 79. Zur Zahlung eines höheren Betrages halten wir Sie nicht sür verpflichtet.— H. S. 17. Rein.— O. S. 17. 1. Falls Sic diese Be- haupwngen ausgestellt haben und Sic nicht den Wahi heilsbcweis erbringen können, ja. 2. Das wäre nur möglich, wenn Sie eine Klage aus Zahlung des Geldes erheben und dem Beklagten den Eid zuschieben. Durch den Prozeß entstehen natürlich Kosten.— O. K.«8. Die.Karte mu» bis zum 7. Januar 1913 umgetauscht sein Es ist nicht notwendig, daß sie voll geklebt ist. Es genügen zwanzig Beitragsmarken.— G. S. 33. Nein — K. 34. Wenden Sic sich an das dortige Polizcipiäsidimn. — W. G. 1913. Der Antrag wäre bei dem Berliner Polizeipräsidenten anzubringen. Die Gründe, die Sie zu dein Antrage veranlassen, müssen •sie angeben.— P. W. i» St. 1. Darüber müssen Sic selber entscheiden. Wir wissen nicht, wie Sie den Handel betreiben wollen. 2. bis 4. Das er- fahren Sie bei dem dortigen Gemeindevorstand. Die Bestimmungen sind in den einzelne» Gemeinden verschieden.— Sckultze, Schuinannstrasie. 1. Geburtsurkunde beider sowie Ihr Militärpatz. Für den Fall, daß die Braut minderjährig ist, Einwilligniigscrtlärung des Vaters oder des Vor- Mundes. 2. Das läßt sich nicht verhindern.— J43. 76. 1. und 2. Ja. 3. Es empfiehlt sich, die Angelegenheit ohne Klage zu erledigen.— N. I. Z. Voraussichtlich wird der Arzt zunächst antworten. Sie können auch die Ucbersendung einer spezialisierten Rechnung verlangen, um diese an Hand der ärztlichen Gebührenordnung nachzuprüsen.—(f. P. 34 Wenden Sie sich an das dortige Polizeipräsidium.- Charlottenburg, K. Sch. 19. Erheben Sic gegen den Zahlungsbesehl Widerspruch und verlangen Sie von der Versicherungsgesellschaft die Erteilung einer Abschrift des VerficherungS- Vertrages. Aus dieser Abschrist werden Sie den Beginn des Vertrages ersehen. — Enimn 3. Sie sind zur Herausgabe verpflichtet. Schncidertvhn töiiuen Sie nur dann verlangen, wenn der Veitoblene die Psandslücke verwerte» kann. 3. Der Fordernde ist zur Abholung verpflichtet.— 31. W. 86 555. Die Vereinbarung hallen wir sormell sür zulässig.— B. L. 7. Der An- trag ist bei Ihrem Amtsoorstcher zu stellen unter Ueberreichung der Aus- rechiiuiigsbeschcinigungen und der letzten Jnvalidenkarte.— S.<£. 22. Bis zum Schluß des Monats, in dem die Abmeldung erfolgt ist, sind Sie steuerpflichtig.— P.®. lOO. 1. bis 3. In jüns Jahren, so daß Ver- jährmig noch nicht eingetreten ist.— K. 31. 13. Die Gebühren betragen nach dem Gesetz sür Sie und den zweiten Angeschuldigten je 26 M.. sür den dritten Angeschuldigten 5 M. Hinzu treten die Auslagen des Gerichts einschließlich der etwa gezadlten Zeugen- und Sachverständigengebühren. Da wir die Auslagen des Gerichts nicht nachprüsen lönncn. läßt sich eine bestimmte Rustunst nicht erteilen.— 91. R. 100. 1. In Wilmersdorf, Hohcnzollcrlidamm. 2. Das muß geschehen. Die Angestellte kann jedoch die Ausnahmekarte nach AuSsüllung bei der Versichermigsanstalt direlt abgeben. In die Versicherungskarte, die der llnterncbmcr zurückerhält, wird die Tatsache nicht niilausgenommen.— Karl BS. 746. 1. Rein. 2. Ja. — F. 33. Sic behalten Ihren Anspruch aus die Vertragsdauer an den srühcren Eigentümer, falls i» dem Eiigagcmenlsvertrage nicht eine Lösung für den Fall der Veräußerung vorgesehen ist.— Bcrsichcrmig. 1. Mindestens 20. 2. Beliebige Lohnklassc. 3. Nein. 4. Je mehr Beitragswochen geleistet sind und je höher die Lohnklasse ist, je Häher ist der Steigerungs- sah, der sür den Fall, daß der Reutenanspruch eintritt, gezahlt wird. Marklbertchl von Berlin am?. Dezemberl9I2. nach Ermittelung deS königl Polizeipräsidiums. M a r k 1 b a l l e n p i e i s e. fKleinhandel) 106 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Koche» 36.66—56,66. Speisebohnen, weige, 36.66- 56,66. Linie» 35,66—66,66. Kartoffeln(Klcinhdt.) 5.00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.76—2,46, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,46—1.86. Schweinefleisch 1,66—2.26. Kalbfleisch 1.46—2.46. Hammelfleisch 1 ,40__2.46. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,60—7,20. 1 Kilogramm Karp'en 1,20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,'40— 2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 3,00—30.00. Blutarme Kranke trinken während der Rekonvaleszenz feurig süßen Santa! Uaftaliig bitte zinkzuveisen. alt Ct< W n Vt Hot W G I n Ui 2s_s Käufl. in Apotheken, Drogerien u. PeUkal.-Gescb. ßjrTkzmen cUs Qescfienkwri fiaäeßfcM.'DeaemSer 5emänImf Tüllh. Schausplelharrs. Grigri. FoNes Caprtee. In Sachen ilatzcnstcir Die DoppcIii>",M�. Die Tochter der Braut. Walhalla. Golcencr Leichtsinn. Sasino. Am grünen Slrand der Spree. Ansang 8'/, Ubr. Neues Boltscheater. Lore.— Die Spieler.— Der Kammer- sänger. Aniang 10 Ubr. Ahmlralspa last. Eisballett: Ivonne. *.* Sternwarte. Jnvalidenstr. 67—62. Schiller-Thealer O.XTer: Dienstag, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Mittwoch, abends 8 Uhr: Im wciUen RiiUI. Donnerstag, abends 8 Uhr: Int weißen KUMI. Sehiller-Thealer Chi,brurn Dienstag, abends 8 Ubr: Des Pfarrers Tochter»on Streladort. MitNvoch. nachmittags 310 Uhr: WallenMteinM Tod. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die CieMehwiister. Klga. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ii ei niemanden._ Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Theater in der Kiiöiigrätzep Straße s uhr; pif fünf Frankfurter. Theater am illendorlpiatz S. s uhr: Orpheus in der Unterwelt. Jeden Mittwoch u. Sonnabend 4 Uhr: Schneewittchen. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Abends 8 Ubr: Der Frauenfresser. KeslileM-Thealer. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Constanze v. linden; Prinzenerziehung. Moig. u. folg. Tage: Prinrenerriebung. Sonntag, mchm. 3 Uhr: Alles für die Firma._ Deutsches Schunsplcllians 8 Uhr: Der gutsitzende Frack. Luisen-Theater. Heute 8 Uhr: ß a f f 8 e s. Miitwochnachn.iilag 4 Uhr: Kioder- vorstellung:»tonig Drosselbart. Mittwoch und folgende Tage: RulTIes. OSE=THEATE (Brogt.Tranflurlei Str. 13�. AbcndS 8 Uhr: Die Sünden der oberen Zehntausend. Mittwoch: Mein LeopoSd. ..Clou« >1»"■ MAunrfttpaBA S?—?! :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraSe 82.— Zimmerstraße 90/91. 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