MASS. iübonnemcnts-Bdhigungen: Jlfionnomentä. Preis vranumerando! Vicrtcljährl. S,z0 Mk.. vionatl. I>10 Ml.. - 28 Pfg. frei ins Haus. Liiizclnc Nummer S Pfg. Sonntags nuinnrer niit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" l!> Pfg. Post- Nbonnement: 1,10 Marl pro Monat. trnigetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crlditint täglidj auQtr montags. 39. Jahrg. ><-•' � Verlinev Dolli�blnkk. Die Insertion;'Ledilh? teträgl für die scchsgcspaltcne llolonel- zcilc oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschasUichc Vereins- und Bcrfnmmlungs-Anzcigcn 30 Pig. „Ulelne Anreisen", das fcttgcdrulkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlassicllcnnn- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- Ilaben zählen für zwei Worte. Inserate llr die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in cher Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse! „SoaialäklnoKrai Rcriin". Zentralorgan der fdzialdemokrattfcben Partei Deutfcblands. Redaktion: 850. 68. Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplast, Nr. 1983. Sie neue Duma. Es gibt, Preußen natürlich ausgenommen, kein euro- päisches Land, in dem der Wille des Volkes bei den Wahlen so verzerrt und gefälscht wird wie in Rußland. Ein krasses Beispiel dafür ist die kürzlich zusammengetretene vierte Reichs- duma. Obwohl, sich der Wille des Volkes bei den Wahlen nllztveideutig gegen das herrschende Regierungssystem ge- wendet hat, ist die neue Duma, dank dem Wahlgesetz des Staatsstreiches und den infamen Wahlpraktiken der Re- gierung, nach ihrer Zusamniensetzung nur berufen, ein ge- horsames Instrument des kleinen Häufleins der Privilegierten und Besitzenden zu sein, das feit der Niederwerfung der Re- volution die Volksvertretung als eines seiner wichtigsten Unterdrückungsmittel betrachtet. Schon ein Blick auf das Ctärkeverhältnis der verschiedenen Atlassen und Stände im Reiche und in der Volksvertretung zeigt, in welchem klaffenden Widerspruch diese beiden Faktoren zu einander stehen. Die klngenauigkcit der russischen Bevölkerungsstatistik und die Buntschcckigkeit des Wahlgesetzes, das die verschiedenen Kurien durcheinander würfelt, macht einen genauen Vergleich un- möglich. Annähernd ergibt sich aber folgendes Bild: Ställe bei cinzelncn Ihre Veitretung Klassen und Stände in der Duma in Prozenten Giotzgrunbliesitz...... 0,5 49 Geistlichkeit........ 0,5 11 Grotzbürgertum...... 1 15 Mittel- und Kleinbllrgertuin.. 10 10 Arbeiter und Angestellte... 11 3 Bauernschaft....... 77 12 Zieht man noch in Betracht, daß die Vertretung der Bauernschaft von dem Junkertum und der Administration nach ihrem Gutdünken e r n a n n t worden ist, daß ferner die Geistlichkeit als gehorsame Kolonne mit dem Junkertum marschiert, so gewinnt man ein ziemlich deutliches Bild von der Stärke der einzelnen Bevölkerungsklassen in der Duma. Im großen und ganzen kann man sagen, daß Junkertum, Geistlichkeit und Großbourgeoisie die überwältigende Mehr- heit in der neuen Duma haben, und daß die Demokratie eine winzige Minderheit in ihr bildet. Diese Schlußfolgerung ist ausschlaggebend für die Bewertung des sozialen Kräftever- bältnisses in der Duma, das bei allen einschneidenden politi- sehen und sozialen Reformen in die Erscheinung treteil wird. Will man aber neben dieser fundamentalen Tatsache auch die Verschiebungen in der sozialen Struktur der herrschenden Klaffen und die beginnenden Mächteverschiebungen kennen lernen, so müssen neben den Ergebnissen der letzten Wahlen auch die Parteiverhältnisse in der neuen Duma einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Nichts ist so bezeichnend für die russischen Volksver- tretungen von Staatsstreichs Gnaden, wie die politische Formlosigkeit und Fluktuation im Lager der Regierungsparteien. Während die Linksparteien, von den Sozialdemo- kraten bis zu den Progressisten, sich durch ihre straffe Ge- schlojsenheit dem Typus der politischen Parteien Westeuropas nähern, herrscht in der Mitte und auf der Rechten der Duina ein heilloser Wirrwarr, der namentlich beim Beginn der Session alle Grenzen zwischen den Parteien verwischt. Da gibt es Oktobristen und rechtes Zentrum, Nationalisten, ge- mäßigte Rechte und extreme Rechte. Abgesehen von einem Teile der Oktobristen, gibt es zwischen allen diesen Elementen keinen nennenswerten Unterschied. Es sind die bezahlten Vertreter der junkerlich-klerikalen Reaktion, durch Vettern- und Protektionswirtsckpft an den Wagen der Regierung ge- schmiedet, die den Monarchismus und Nationalismus— ihre wichtigsten Schlagworte und Losungen~ nur soweit anerkennen, als sie mit ihrer Hilfe die wirtschastlickie und politische Vorherrschaft des Großgrundbesitzes aufrecht zu erhalten ver- möge». In der vorigen Duma bedurften die Rechtsparteien noch eines Puffers zwischen sich und den bürgerlichen Oppo- sitionspartcicn. Als eine solche Partei nahm die Oktobristen- Partei, die auf dem Boden der Rcvolutionsfurcht einen Block der städtischen Großbourgeoisie und des Landadels herzu- stellen suchte, eine führende ausschlaggebende Stellung ein. Bei den letzten Wahlen jedoch suchten einerseits die Junker» Parteien, der Konzessionen an die Oktobristen müde, anderer- seits die zu einer größeren Selbständigkeit gelangten Schichten des Großbürgertums die Oktobristenpartei aus ihrer führen- den Stellung herauszuwerfen. Diese, gleichzeitig von rechts und links erfolgte, Zerrcibung des oktobristischcn Duma- zentrums ist eines der wichtigsten Ergebnisse der letzten Tumawahlen. Die Parteiverhältnisse in der vierten Duma können zur- zeit folgendermaßen gekennzeichnet werden: Auf der Rechten: 50 extreme Rechte, 85 Nationalisten, 35 rechtes Zentrum; in der Mitte: IVO Oktobristen; auf den Linken: 37 Progressisten, 60 Kadetten. 20 Polen und Muselmänner, 20 Parteilose, 7 radikale Bauernabgcordnete(Trudowiks) und 15 Sozial- demokraten. Im Vergleich mit der dritten Duma bedeutet das eine Erstarkung des rechten wie des linken Flügels bei starker Abschwächung des führenden Zentrums. Wie schon die Wahlen des Präsidiums bewiesen haben, sind in der neuen Duma zwei Majoritäten möglich: die rcchtsoktobristische bristische(Oktobristen und gemäßigte Opposition). Vorläufig sperren sich die Oktobristen noch, sich unter das kaudinische Joch der Rechtsparteien zu beugen, und benutzen' die Unterstützung der liberalen Parteien, uin trotz ihrer numerischen Schwäche die führend? Rolle in der Duma zu spielen. Ob sie aber früher oder später nach rechts umfallen, ist politisch weniger bedeutungsvoll als die grundlegende Tatsache, daß das Schwinden des Gleichgewichts in der Duma ein Ergebnis desselben Prozesses ist, der die Oktobristenpartei, die Träge- rin des bürgerlich-agrarischen Blockes, bei den Wahlen auf die Hälfte reduziert hat. Dieser Prozeß kann nur kurz dahin charakterisiert werden, 'daß die sozialen u n d parteipolitischen Gegen- sätze im Lande im letzten Jahrfünft eine enorme Verschärfung erfahren haben. Tie Duma Wahlen sind insofern ungemein lehrreich gewesen, als sie eine Musterung der einzelnen Klassen nach ihrem politischen Be- tätigungsdrang, wie nach ihrem sozialen Gewicht gestatten. Das Proletariat hat sich von den Schlägen der Gegenrevo lution erholt und steht mitten drin in einer intensiven Wirt- schaftlichen und politischen Aufwärtsbewegung; zahlreiche Schichten des städtischen Mittelstandes, namentlich das Heer der Angestellten, ist zu einem bedeutenden Teile dem Einfluß des Liberalismus entrissen, und in das Lager der Sozial demokratie übergegangen; die soziale Basis des Liberalismus ist durch die Hineinziehung beträchtlicher Schichten des Groß bürgertums breiter und fester geworden; nicht nur die Vertreter des Industrie- und Handelskapitals, denen die zügek lose Herrschaft des Krautjunkertunis und der nationalistischen Satrapen in ihrer Entfaltung hinderlich ist, auch einzelne Schichten des landwirtschaftlichen Kapitals sind von den Okto bristen zu den Progressisten oder Kadetten übergegangen. Tic notwendige Folge dieser Linksschwenkung der bürgerlichen Kreise, die namentlich in der Eroberung der ersten städtischen Kurie durch die liberalen Parteien zum Ausdruck gelangt ist, hat nicht nur zu einer Zcrreibung des oktobristischcn Zentrums, sondern auch zu einer Zuspitzung der Klassengegen sätze im Lager der herrschenden Parteien geführt. Auf der einen Seite, bei den immer rücksichtsloser anftretenden Re- Präsentanten des aufstrebenden Kapitalismus, macht sich immer offenkundiger das Bestreben beinerkbar, mit den Ueber- resten des Feudalismus, mit der politischen und Wirtschaft- lichen Vorherrschaft des rückständigsten Agrariertums aufzu räumen. Dieses jedoch klammert sich immer krampfhafter, obgleich seine soziale Basis, der Großgrundbesitz, mit jedem Jahre zusammenschmilzt, an seine politische Vormachtstellung, und scheuten sich nicht einmal, die als unantastbares Heilig- tuni gepriesene Geistlichkeit zu den schmutzigsten Wahlpraktiken zu benutzen, um diesmal noch einen Pyrrhussieg bei den Wahlen zu erkämpfen. Es wäre töricht, wollte man an die geschilderten Ver schiebungen im Lager der Herrschenden Hoffnungen für eine einschneidende Umgestaltung des russischen Staatswesens knüpfen. Jedenfalls lassen sich aber hieran dieselben Be- trachtungen knüpfen, die Marx im Jahre 1853 hinsichtlich Englands niederschrieb.„Alt und historisch— schrieb er— ist die Lehre, daß überlebte gesellschaftliche Mächte, nominell noch im Besitz aller Attribute der Gewalt, nachdem ihr Da- seinsgrund längst unter ihren Füßen weggemodert— fort- vegitierend, weil unter den Erben schon Hader über den An- tritt der Hinterlassenschaft ausgebrochen ist—, sich vor dem letzten Todeskampf noch einmal zusammenfassen, aus der Defensive in die Offensive übergehen, herausfordern statt auszuweichen und extremste Schlüsse aus Prämissen zu ziehen suchen, die nicht nur in Frage gestellt, sondern schon verurteilt sind."(„Neue Zeit", XXXI. 1, S. 9.) Alle Anzeichen weisen jetzt in Rußland darauf hin, daß der hier so meisterhaft skizzierte Moment imnier näher rückt. Die Offensive ist von den überlebten gesellschaftlichen Mächten in einem Augenblick ergriffen worden, wo ihre soziale Basis zusainmenschrumpft, und die Erben schon am Tore stehen und gebieterisch Einlaß begehren. Tie vierte Duma wird in der Geschichte der poli- tischen Entwickelung Rußlands bedeutungsvoll sein, da die sich immer mehr zuspitzenden Kämpfe in ihr sich spiegeln und als' Ausgangspunkt dienen werden für den organisierten Kampf der revolutionären Kräfte im Lande. um Die ßalkankilse. Der Konsul E d l, der nach Serbien geschickt worden war, die Angelegenheit Prochaska zu untersuchen, ist nach Wien zurückgekehrt und nian tvird ja jetzt bald erfahren, worin die Verletzungen des Völkerrechts bestehen, die die serbischen Soldaten begangen haben sollen. Die ursprünglichen Behauptungen von Verwundung oder Verstümmelung des Konsuls sind heute schon als freche Lügen entlarvt, die höchstens noch den geistig schwerfälligen Lesern der„Deutschen Tageszeitung" aufgetischt werden können. Wenn aber das Agrarierblatt so gar nicht erwarten kann, daß Oesterreich den Ehrcnstandpunkt hervorkehre, so möchten wir es doch daran erinnern, daß gerade Bismarck es sehr scharf abgelehnt hat. internationale Fragen, bei denen Gut *;uma zmit iviu�nuuen moguu». v.u, und Blut der Völker auf dem Spiele stehen, nach dem Göt° (Rechte. Nationalisten und O/tobristcn). und die linksokto-I tinger Komment und der Privatmensuren-Ehre aufzufassen. Expedition: 85(1. 68» Lindenstraaee 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1981. In der Tat muß der Fall Prochaska auch ohne Krieg er- ledigt werden, sei es, daß die Serben vernünftig genug sind. falls Verletzungen des Völkerrechts vorgekommen sind, aus- reichende Genugtuung zu geben, sei es, daß die Sache dem Haager Schiedsgericht überwiesen wird, das gerade für solche Fälle durchaus geeignet ist. Es ist bedauerlich, daß das öfter- reichische Abgeorditeteuhaus nicht den Ällut gefunden hat, diese Lösung, die eine Resolution unserer Genossen ver- langte, der Negierung vorzuschreiben. Daß es sich dabei wirklich um nichts Sozialdemokratisches handelte, beweist am besten die Tatsache, daß auch Prof. L a m m a s ch. der in Oesterreich ettva dieselbe Stellung einnimmt tvie bei uns Prof. Laband, gleichfalls für eine solche Erledigung eingetreten ist. Aus London wird übrigens gemeldet, Serbien sei bereit, Genugtuung zu geben. Der Fall Prochaska. Wien, 13. Dezember. Im Abgeordnetenhaus wurde heute die R ek r u t en v 0 r l a g e in zweiter und dritter Lesung angenommen. Eine Resolution des Sozial- demokraten Leuthner, daß der Fall Prochaska dem ständigen H a a g e r Schiedsgericht unterbreitet werden solle, wurde abgelehnt. Sodann begann das Haus die Beratung des Pferdestellungsgesetzes. Konsul E d l ist heute hier eingetroffen und hat sich bereits in das Ministerium des Aeußern begeben. Ueber die Veröffentlichung der Berichte verlautet noch nichts. Die österreichischen Militärgesetze. Wie», 13. Dezember. Der Justizausschuß, der gestern abend zu einer Spczialdcbattc über die dritte Gruppe der K r i c g S- leistungsvorlagen zusammentrat, tagte heute früh noch fort. Ter Tsckzechisch-Radikale Dr. Hübsch mann, der gestern abend gegen 10 Uhr, nachdem schon vor ihm eine Anzahl von Sied- nern gesprochen hatte, das Wort ergriff, beendete seine Rede erst heute f r ü h 594 Uhr. Ter Ausschuß nahm nach Beendigung der Spezialdebatte die dritte Gruppe der Kriegs! ei stungsvor- lagen unverändert an und schloß dann um 7 Uhr früh nach dreizehnstündiger Dauer seine Sitzung. Kämpfe bei Janina. Athen, 13. Dezcniber. Das Kriegs Ministerium veröffentlicht folgendes Communiqus: Da man es für zweck- mäßig erachtete, daß ein Teil der bei I a n i n a konzentrierten türkischen Truppen während eines gegen die Türken gcrichte- ten Frontaugriffs abgelenkt werden, landete die Armee von Epirus bei S a n t i Quaranta nodwestlich von Janina zwei Bataillone Infanterie und vier Kanonen und machte eine Diversion, die vollkommen gelang. Sobald die Landung des griechischen Korps bemerkt worden war, wurden den Griechen von Janina acht türkische Bataillone mit zwei Batterien und zwei Belagern'' ijsschützen cntgegengcsand-t. Nach einem Scharmützel, das dm Griechen ermöglichte, die Stärke der gegen sie kämpfenden Truppen festzustellen, kehrten die G r i e ch e n, ohne verfolgt zu werden, nach Santi Quaranta zurück und gingen in guter Ordnung mit allem Kriegsmaterial auf die wartenden Schiffe zurück. Sie wandten sich dann nach einem anderen Punkte der epirotischen Küste. Ihre Verluste betrugen fünf Tote und zehn Ver- wundete, die an Bord der Schiffe gebracht wurden. Ein amtliches. Telegramni des Generals Sapunjakis meldet aus Peudepigädia, daß gestern abend eine allgemeine Offensive gegen die feindlichen Truppen begounen wurde. Auf der ganzen Front der griechischen Linien wurde während des ganzen Tages erbittert gekänipft. Ohne besonderen Befehl warfen die Griechen die feindlichen Vorposten in wiederholten Angriffen mit dem Bajonett zurück und trieben den Feind bis nach den Befestigungen von B e- zani, wo sich die griechische Armee lagerte. Dem Feinde wurden drei Schnellfcnergeschütze, eine große Menge Kriegs» Material und eine große Zahl Zelte abgenommen. Eine gricchisch-türkischc Sccschlocht. Konstantinopel, 13. Dezember. Das türkische Ge» s ch w a d e r, das schon seit einigen Wochen in den Dardanellen unter Dampf lag, ist vorgestern Nacht aus der Meerenge aus- gelaufen. Zwischen ihm und der im Archipel befindlichen getroffenes Telegramm besagt, daß der K a m p f m i t de in g r i cch i s ch e n Geschwader begonnen haue. Das griechische Geschwader ist augenblicklich geteilt, Tie Balkanstaate». Paris, 12. Dezember. Der griechische Ministerpräsident Venizelos erklärte einem Mitarbeiter des„Temps": Ich bestreite nicht, daß zwischen den Balkaiwerbüudeten mancherlei Probleme zu lösen sind, die durch die Großartigkeit unserer Erfolge verursacht wurden. Ich habe die Gewißheit, daß wir diese Probleme regeln werden, denn für die Verbündeten wäre ein Bruch oder eine Erkaltung der Solidarität weit schlimmer, als gegenseitige Zugeständnisse. Die dauernde Innigkeit dieser Bündnisse ist für uns i-iiie gemeinsame Notwendigkeit, wenn wir die erzielten Ergebnisse bewahren und uns die Achtung der Welt' erhalten wollen. Die Türkei und Griechenland. Loilden, 13. Dezember. Wie das Routersche Bureau aus Kon- stantiuopcl erfährt, haben die türkischen Delegierten zur Friedenskonferenz die Weisung erhalten, Unterhandlungen mit den griechischen De.legierten vor Unterzeichnung des Waffenstillstandes durch Griechenland abzulehnen, Forderungen Rumäniens. Bukarest, 13. Dezember. Im Senat hielt heute der neue Präji- beut Cantacuzene eine Rede, in der er ausführte. Rumänien tonne, gestützt auf seine glänzende Finanzlage und seine mächtige -irmee, nnt vertrauen der Gntwiclelung der Berhältnisse entgegensahen. Um eine ruhige Zukunft zu sichern, sei es notwendig, daß das Gleichgewlcht der Kräfte zwischen den europäischen Orientitaaten aufrechterhalten werde und dast die Brüder in M azedonien das Recht erlangten, sich der rumänischen Sprache in Schule und Kirche zu bedienen und sich ihr g e i st- liches Oberhaupt zu wählen. Bei diesen legitimen An- tpruchen könne die Regierung auf die unbedingte Mitwirkung der ganzen Nation rechnen, Koirnrninale Kämpfe in Kiel. Die Stadt Kiel hat in diesem Jahre schon drei wichtige kommu- nale Wahlen hinter sich, die von dem starken Einfluß der Sozial- demokratie in der Marincrefidenz zeugen, nämlich eine Oberbürger- meisterwahl, die Stadtverordnetenwahlcn und die Bürgernwistcrwahl. Die Stadtverordnetenwahlen brachten der Sozialdemokratie einen Zuwachs von 10 Rkandaten und eine Stellung im Rathause, wie sie wohl nirgends in den anderen deutschen Großstädten die Sozial- demokratie besitzt. Die Stadtverordnetenversammlung in Kiel besteht aus 48 Stadtverordneten, davon sind jetzt 24 Sozialdemokraten,«lle krampf- haften Anstrengungen des geeinten Bürgertums, die seit dem Beginn der Beteiligung der Kieler Sozialdemokratie an den Stadtverordneten- Wahlen gemacht worden sind, um ihren Siegeslauf aufzuhalten, sind bisher gescheitert. Der Zensuswall von 1200 M. wurde von der Sozialdemokratie niedergerannt. Das Bestrebe». Kiel außerhalb der schleswig-holsteinschen Städteordnung zu stellen und der Stadt das Dreiklassenwahlrecht zu geben, wurde glänzend abgeschlagen. DaS Stimmenverhältnis � zwischen Sozialdemokratie und Bürger- tum in den letzten vier Jahren hat sich immer mehr zu- gunsien der Sozialdemokratie verschoben. Die Sozialdemokratie musterte Stimmen 1909: 781S, 1910: 10 496, 1911: 11908, 1912: 12 089. Ans die Kandidaten des bürgerlichen Blocks fielen Stimmen: 1909: 8037, 1910: 8638, 1911: 9580,1912: »160. Am zweiten Wahltage 1912 sanl die Stimnrenzahl des Bürger- tums sogar auf 8783. Der Einfllrß, den die Sozialdemokratie in der Kieler Kommunal- Politik ausübt, konnte nicht ohne Wirkung auf ihre Stellung zu den Magistratswahlen bleiben. In Schleswig-Holstein werden nämlich die Mitglieder des Magistrats einschließlich der Bürgermeister durch die wahlberechtigten Bürger gewählt, und zwar gilt dafür dasselbe Wahlrecht, das für die Stadtvcrordnetenwahlen gilt. Jeder ist Wahl- berechtigt in Kiel, der seit einem Jahre zu einem Einkommen von über 1200 M. eingeschätzt ist. Allerdings haben die Bürger nicht das freie Vorschlagsrecht der Kandidaten. Eine sogenannte Prä- septationskominission, die aus sämtlichen Magistratsmitgliedern und einer gleichen Anzahl von Stadtverordneten besteht, hat der Bürger- schast drei Kandidaten zur Wahl vorzuschlagen. I» dieser jeweiligen PräscnlationSkommifjion haben nun die sozialdemokratischen Ver« treter immer rege mitgearbeitet und versucht, möglichst Kandi- toßra" zur Präsentation zu bringen, die fortschrittlich und sozial gesinnt sind. Sie versuchten auch, wenn eS sich um die Besetzung von unbesoldeten Stadtratsposten handelte, einen Sozialdemokraten mit zur Präsentatio» zu bringe», doch wurde ihr Vorschlag immer von den bürgerlichen Stadtverordneten der Präsen- tationskommission und sämtlichen Magistratsmitgliedern nieder- gestimmt. Dar letzte Wahlsieg bei de» Stadtverordnetenwahlen und die Stellung, die dadurch die sozialdemokratische Fraktion einnimmt, verstärkte die Gründe für die Wahlbeteiligung bei den Magistrats- Wahlen. Dazu kommt die Stellung des Magistrats unter der SchleSwig-Holsteinschen Städteordnung. Der Magistrat ist ein Kollegium, in dem alle Mitglieder gleichberechtigt sind, der Ober- bürgermeister führt den Vorsitz, hat die Beschlüsse auszuführen und die Oberaufsicht über die städtische Verwaltung. Magistrat und Stadt- verordnete beraten und beschließen in gemeinsamer Sitzung über alle Vorlagen, sobald sie aus dem Stadium der Vorbcratungen heraus find, wobei die Stadtverordneten auch in den Kommissionen mit- wirken. Die Abstimmung erfolgt allerdings so, daß jedes Kollegium für sich getrennt abstimmt, erst das Stadtverordnctenkollegium, dann der Magistrat. Eine Vorlage gilt nur als angenommen, wenn sie sowohl bei den Stadtverordueten als auch bei dem Magistrat die Mehrheit findet. Schon in» April d. I,, als das Oberburgermeisteramt neu be- setzt werden mußte, machte sich eine starke Strömung innerhalb unserer Partei für die Wahlbeteiligung geltend. DaS Bürgertum hatte den zweiten Bürgermeister Lindemann für dieses Amt aus- ersehen. Lindemann war aber im Frühjahr 1909, trotzdem er erst eben nach Kiel gekommen war, energisch für daS Dreiklassenwahl- recht eingetreten. Die sozialdemokratische Wahlbeteiligung wäre auch sicher erfolgt und Lindemann nicht zum Oberbürgermeister gewählt lvorden, wenn er nicht aus die Anfragen, die die sozialdemokratischen Mitglieder der PräsentationSkommisfion damals an alle drei Kandi- baten gerichtet hatten, die schriftliche Antwort gegeben hätte. daß er gegen eine ZensnSerhühung und gegen die Dreiklassenwahl sei. Weil die Sozialdemokratie nicht für Lindemann eintreten wollte, beschloß sie Wahlenthaltung, und so konnte das Bürgertum seinen Lindemann wählen. Auch jetzt, bei der Besetzung des Amtes eines zweiten Bürger- meisterS, hatten die sozialdemokratischen Mitglieder der Präsen- tationskommission an alle drei Kandidaten Fragen über ihre Stellung zum schleswig-holsteinischen Kommunalwahlrecht, zur Arbeiter- frage, Sozialpolitik, städtischen Regie usw. gerichtet. Es ergab sich nach den schriftlichen Antworten, daß die drei Kandidaten sehr unterschiedlich zu bewerten waren. Besonders in der Frage des Kommunalwahlrechts hat nur einer der Kandidaten, Stadtrat Dr. Grade n Witz« Stettin eine klare und unzweideutige Antwort gegeben. Er sprach sich gegen eine Verschlechterung des Wahlrechts, dagegen für seinen weiteren Ausbau durch Einführung der geheimen Stimmabgabe und der Verhältniswahl aus. Die andern beiden Kandi- daten, der Beigeordnete H o l z- Elberfeld und der Bürgermeister Rod ig- Potsdam, drückte» sich um eine unzweideutige Beant- wortung der Frage herum. Damit war für die Sozialdemokratie das Eintreten für Gradenwitz gegeben. Der Beschluß des Sozialdemokratischen Vereins für Wahl- betciligung sollte aber eine unerwartete Wirkung haben. Er hat wie Sprcngpnlver im Bürgertum gewirkt. In den wenigen Tagen zwischen der Vorstellung der drei Kandidaten vor der wahlbcrcch- tigten Bürgerschaft in der Präsentationsversammlung und vor der Wahl sind im Bürgertum Kämpfe von einer Erbitterung geführt worden, wie sie Kiel noch nicht erlebt hat. Einen Tag vor dem Beschluß des Sozialdemokratischen Vereins hatte der Vorstand des LWrgleu Vereins dgS.Eintrete� jnr Ergdenv.� bejZlojseiij der Anhänger der Fortschrittlichen Volkspartei sein soll. Dieser Be- schluß des auf kommunalpolitischem Gebiete einflußlosen Vereins hätte nicht viel Erregung hervorgerufen, wenn nicht die Sozial- demokratie Wahlbeteiligung zugunsten Gradenwitz beschlossen hätte. Der Bürgervereinsausschuß, der von den einzelnen bürgerlichen Kommuualvereinen gegründet wurde, um das Bürgertum bei den Wahlen gegen die Sozialdemokratie zu einen, der sich aber immer mehr zu einer autokratischen Körperschaft heraus- gebildet hat, die den Kommunalvereinen der einzelnen Wahlbezirke die Kandidaten aufzuzwingen sucht, hatte die Kandidatur Holz auf den Schild e rhoben. Er machte den Bürgermeister- wahlkampf zu einem Kampf gegen die Sozialdemokratie und sah in dein Vorgehen des Liberalen Vereins eine Zersplitterung des Bürgertums. Er ging in der Presse in der gehässigsten Weise gegen den Vorstand des Liberalen Vereins vor und scheute selbst vor der Erpressertaktik nicht zurück, indem er drohte, daß wenn der Vorstand des Liberalen Vereins nicht klein beigebe, sich die Folgen bei den Landtagswahlen zeigen würden. (Der Fortschrittler Hoff kann nur durch einiges Vorgehen des ge- samten Bürgertums wiedergewählt werden.) Die Wirkung der Kampfesweise des Bürgervereinsausschusses war: es erhielten Dr. Gradenwitz 10 886, Holz 5211, Rodig 22 Stimmen. In den Stimmen für Gradenwitz stecken mindestens auch 2000 bürgerliche Stimmen, die der Bürgervereinsausschuß durch seine Kampfes- weise in das gegnerische Lager getrieben hat. Die Sozialdemo- kratie ist mit ungefähr 9000 Stimmen angetreten. Der Bürger- Vereinsausschuß hat also eine schwere Niederlage erlitten. Die Sozialdemokratie ist sich selbstverständlich darüber klar, daß sie an die Wahl des durch ihre Wahlbeteiligung Gewählten keine überschwenglichen Hoffnungen knüpfen darf. Die Einwir- kung auf die Zusammensetzung des Magistrats ist aber geboten, um so mehr, als bei ihrer nach den Stadtverordnetenwahlen er- rungenen Position Konflikte zu erwarten sind. poUtifcbe deberlickt. Berlin, den 13. Dezember 1912. Vertagmig des Abgeordnetenhauses. Arn Freitag ist auch das Abgeordnetenhaus in die Ferien gegangen, nachdem es sich vorher noch einige Stunden über die steuerliche Entlastung der mittleren und kleineren Städte, über den städtischen Rcalkredit und über die Kreditnot des städtischen und ländlichen Grundbesitzes unterhalten hatte. Zur Frage der steuerlichen Entlastung der mittlere» und kleineren Städte, zu deren Erörterung eine freikonser- vative Interpellation Anlaß gegeben hatte, sprach von unserer Seite Genosse Hirsch, der die finanzielle Notlage der meisten preußischen Städte unumwunden anerkannte, aber mit Recht die Schuld daran der Gesetzgebung und vor allem unserer Wirtschaftspolitik beimaß und eine gründliche Reform des Kommunalabgabengesetzes in der Richtung verlangte, daß den Gemeinden neue Steuerquellen eröffnet werden. Als solche Stenerquelle bezeichnete er vor allem kommunale Zu- schlüge zur Ergänzungssteuer, die heute sehr gering bemessen ist und in voller Höhe der Staatskasse zufließt, ohne daß die Gemeinden daran Anteil haben. Einen breiten Raum nahm die Frage der Kreditnot ein. Neben einer Interpellation F r i t s ch(natl.) und Genossen betr. die Kreditnot des städtischen und ländlichen Grundbe- sitzes stand ein Antrag Dr. Arendt(fk.) und Genossen betr. Untersuchungen über den städtischen Realkredit zur Debatte. Von verschiedenen bürgerlichen Rednern wurden lange Klage- lieder über die Not der Hauswirte angestimmt und ein staat- liches Eingreifen verlangt. Der Landwirtschaftsminister, der die Negierung in dieser Frage vertrat, steht der Anregung skeptisch gegenüber, er fürchtet, daß dann der Staat gezwungen sein wird, im Laufe der Jahre recht viel Grundstücke in der Subhastation zu erwerben. Die Sozialdemokratie kam noch nicht zu Worte, da die Besprechung wegen vorgerückter Zeit abgebrochen werden mußte. Der letzte Punkt der Tagesordnung, der einen national- liberalen Antrag betr. Aufhebung der Arrest- st rasen gegen untere Beamte und in Verbindung damit eine Reihe von B e a in t e n p e t i t i o n e n betraf, mußte aus dem gleichen Grunde abgesetzt werden. Namens der Sozialdemokratie gab Liebknecht dem Be- dauern seiner Freunde darüber Ausdruck, daß die Wünsche der Beamten vor Weihnachten nicht mehr erfüllt werden. Offenbar dieser sozialdemokratischen Anregung folgend, beantragte Abgeordneter Dr. Arendt(fk.), noch schnell debattelos den Antrag aus Aufhebung der Arreststrafen anzunehmen, und das Haus trat diesem Antrage bei, beschloß aber auf die An- regung der Sozialdemokraten, die Beamtenpetitionen mög- lichst bald nach Weihnachten zu beraten. Tie nächste Sitzung, in der der Finanzminister den Etat einbringen wird, ist auf Mittwoch, den 8. Januar 1913, an- beraumt._ Kriegsminister und Schatzsekretär. Die»Rheinisch-Westfälische Zeitung" bringt einen alarmierenden Artikel, in welchem sie behauptet, daß sich die Be- Ziehungen zwischen Kriegsministerium und Reichsschatzamt in letzter Zeit so zugespitzt haben, daß die Harmonie augenblicklich als völlig gestört gelten kann. Der Kriegsminister ist nach den Angaben des genannten UnternehmerblatteS bestrebt, den Wünschen, die die Unter- nehmernehmerpresse seit Wochen nach einem rascheren Ausbau des Reichsheeres geäußert hat, Rechnung zu tragen. Der Reichsschatz- selretär soll demgegenüber, gestützt durch den Reichskanzler, sich mit Rücksicht auf die finanziellen Verhältnisse des Reiches ablehnend ver- halten. ES soll sogar soweit gekommen sein, daß ein scharfer Briefwechsel zwischen dem Kriegsnünisterium und dem Reichs- Ichatzanit geführt würde. Mau muß natürlich zunächst eine amtliche Erklärung zu der Alarmnachncht der»Rhein.-Westf. Ztg." abwarten. Im Reichstage hatte man jedenfalls bis in die letzten Tage hinein nicht den Ein- druck, daß zwischen dem Staatssekretär Kühn und dem Kriegsminister o. Heeringen irgendwelche Differenzen bestehen. Die Rhein.-Westf.Ztg.", für die es keinen anderen Gesichtspunkt als den eines möglichst hohen Profits für das Großkapital gibt, hat sich mehrfach als eine sehr wenig saubere Quelle erwiesen, und eS ist nicht ausgeschlossen, daß auch hier wieder eine Ente gezüchtet wurde. Die Unternehmerpresse drängt fortgesetzt darauf. daß größere Anschaffungen für die Armee gemacht werden. daS vaterländische Interesse schützt man vor, Geldsackinteressen dagegen meint man. Vielleicht, daß man nun glaubt, eher zum Ziele zu konimen, wenn man künstlich einen Zwist zwischen den beiden amt- lichen Stellen konstruiert. Die»Post", die die Auslasiungen der .Rhein.-Wests. Zeitung' abdruckt, kann bereits daraus hinweisen, daß der Kaiser seine Zustimmung zur Aufstellung selb- ständiger Kavalleriedivisionen im Frieden ge- geben habe. Diese Maßnahmen würden ganz naturgemäß er- hebli�e Koste» verursachen. Solche Aenderunge» pflegen aber nicht vom Kriegsminister borgeschlagen zu werden, sondern sie finden ig« Entstehung in dem völlig unverantwortlichen Militärkabinett des des Kaisers. Wenn der Schatzsekretär Kühn sich solchen Bestrebungr-n entgegeiisiemmt. so erfüllt er damit nur seine Pflicht, denn ihm liqzt es ob, die Finanzen des Reiches in Ordnung zu halten, soweit bei der tollen Wirtschaft der letzten Jahre überhaupt noch von einer Ordnung die Rede sein kann. Sicher ist aber soviel, daß man in militärischen Kreisen mit baldigen Neuforderungen rechnet, und man scheint gerade die jetzige Zeit als ganz besonders geeignet hierfür zu erachten. Der vorliegende Mililäretat enthält von den ange- deuteten Veränderungen allerdings noch nichts, es müßte denn ein Nachtragsetat eingebracht werden, wenn nicht vielleicht die den Scharfmachern dienstbaren bürgerlichen Abgeordneten in der Budget- kommission mit Anträgen hervortreten sollten, die ihnen von den Sachwalter» der Scharfmacher übergeben worden sind und die«ine völlige Umgestaltung des Militäretats herbeiführen sollen. Aber auch in diesem Falle müßte daS Einverständnis des Reichsschatzamts erst herbeigeführt werden._ Der„Garten des Abgeordnetenhauses" beschäftigte am Freitag die Budgetkommission. Zugegen waren außer einer Reihe RegieniiigSkommissare die Minister des Innern und der Finanzen. Der Referent leg» nochmals die bekannie. Geschichte" des NachbargrundstnckeS des Abgeordnetenhauses dar. � Er gab auch die Zeilungsnachricht bekannt, nach der das Grundstück bereits verkauft ist, er verlangte daher«uskunst von der Regierung. Der Vorsitzende bittet die Minister, zu erklären, was von ihren Aus- führungeii vertraulich sein soll, und nicht für das Stenogramm und Zeitungsnachrichten verwendet werden darf. Die Verhandlungen über den Rückkauf werden demgemäß für vertraulich erklärt. Die Verhandlungen dauern fort, haben aber bis heute noch zu keinem Resultat geführt. DaS heißl also, es ist wahr, daß das Grund- stück wirklich endgültig verkauft ist und nun der Regierung von dem Käufer Daumenschrauben angesetzt werden! Wie danach das Finanzministerium noch davon sprechen kann, daß ein„fester Verkauf" wohl noch nicht stattgefunden habe, ist uns verständlich I Bon freisinniger Seite wird Auskunft darüber verlangt, wa» denn nun aus der Erholungsstätte für das Abgeordnetenhaus werden solle. DaS Finanzininisteriuin erklärt, ob die vollen 2 Morgen zur Verfügung gestellt würden, sei fraglich. Der nochmaligen Anfrage, ob überhaupt etwas zur Verfügung gestellt würde, schließt sich auch das Zentrum an. Vom Zentrum und anderen Seiten wird ferner energisch gegen bindende Verkäufe protestiert, bevor der Reichstag dre Zustimmung gegeben habe. Das Finanzministerium gab schließlich die Erklärung ab, daß der Kriegsminister gebeten werden solle, künftig nichts zu veräußern, ohne bei dem preußischen Fiskus vorher anzufragen. Bon kon- s e r v a t i v e r Seite wurde wohl zum ersten Male gesagt, daß man das„feste Vertrauen zum Reichstag habe". daß er dem Berkauf nicht zustimmen werde. DaS Ergebnis der Verhandlungen war die Annahme deS folgenden Anrrages: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die königliche Staatsregierung zu ersuchen 1. dafür Sorge zu tragen, daß die in dem Baublock zwischen der Leipziger Straße. Wilhelmstraße. Prinz- Albrecht-Straße, Köuiggrätzer Straße und dem Leipziger Platz ge- legenen, aus dem beiliegenden Plan ersichtlichen Reichs- und Staats- griindstiicke, namentlich die Grundstücke Prinz-Albrecht-Straße 6 und Köuiggrätzer Straße 121 nicht in Pnvathände übersehen, sondern 2. geeignete Schritte zu tun, um das an die Westseite deS Grundstückes des Abgeordnetenhauses Prinz-Albrecht-Straße 6 belegenen»- bebaute Grundstück der Heeresverwaltung für den preußischen Staat insbesondere für die Zwecke des HauseS zu erwerben. Ein Ueberschlauer. Die gestern von uns mitgeteilte alberne Erklärung der „Nordd. Allgem. Ztg.". in der mit zweifelhaftem Geschick der Versuch unternommen wird, die letzte Reichstagsrede deS Staatssekretärs Delbrück abzuschwächen, begegnet fast in der ganzen Presse, wenn man von den konservativ-ultramontanen Blättern in der Art der„Kreuz-Ztg." und der„Deutschen Tagesztg." absieht, bitterem Spott. Sogar die fteikonservativcn und rechtsnationalliberalen Blätter leisten sich das Vergnügen. Herrn Delbrück als erledigtes staatsmännisches Genie zu de- handeln. So schreibt die„Post": „Wenn demnach Dr. Delbrück in seiner Rede für den Papst aus irgendwelchen Gründen das Recht der Einmischung in die Gewerkschastsfrage in Anspruch nehmen zu sollen glaubte, so ist das ein Standpunkt, der eigentlich außerhalb der Obliegenheiten und des Pflichtenkreises eines deutschen Staatssekretärs des Innern liegt und der billigerweise dem päp st lichen Staats« sekretariat vorbehalten bleiben sollte. Für die deutsche Regierung kann eS sich bei dieser wie bei anderen vatikanischen Meinungs- und Willensäußerungen vielmehr lediglich um die Frage handeln, ob. inwieweit und in welchem Sinne dadurch deutsche Interessen berührt werden, und je nach dem Ausfall der Antwort hat die Re- gierung in entsprechender Abstufung die ihr zur Verfügung stehenden Mittel in Anwendung zu bringen, um erforderlichenfalls eine für die Interessen des Reiches schädliche Wirkung vatikanischer Maßnahmen hinianzuhalten. Da nun aber der Reichskanzler durch seinen vom Staatssekretär zugegebenen Schritt in Rom zur Geniige hatte erkennen lassen, daß hier eine Störung der deutschen Jnteressenkreise vorlag, so war eS eine ebenso über« flüssige wie verfehlte Mühe, daß Herr Dr. Del» brück eine Ehrenrettung der Enzyklika unter» nehmen zu sollen geglaubt hat." Nicht viel besser springt die„ N h e i n.- W e st f. Z t q.* mit Herrn Delbrück um: „Die Erklärung Delbrücks erscheint uns aber nicht nur vom Standpunkt der absoluten Suprematie des Staates aus bedenklich und ebenso vom Standpunkt aller Parteien, welche die Ver» quickung von Religion und Politik perhorreSzieren, sondern der Staatssekretär hat im besonderen den christlichen Gewerk« schaften einen Bärendienst erwiesen, die er im selben Atem als„fürs Staatswohl nützlich und wünschenswert" ge» priesen hat... Durch die Zeilen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" schleicht die Verlegenheit über die Delbrücksche Eni» g l e i s u n g. Die offiziöse Kundgebung drückt sich um das Wesentliche und Grundsätzliche der Enzyklika-Berteidigung. Diese bleibt bestehen und damit alle Forderungen." Armer Delbrück! In seiner Ueberschlauheit wollte er sich für den Fall, daß demnächst ein sogenanntes Minister-Revste- ment eintreten sollte, die Gunst des Zentrums sichern, und nun hat er sich mst seinem edelsten Körperteil in die Nesseln gesetzt._ Der Herr Pfarrer als Wahlzensor. Die klerikalen Blätter Mittelschlefieus enthalten folgende Be» kanntmachung: „Reichenstein. Für die am 16. Dezember hier stattfindenden Stadtverordneten» Wahlen find vom katholischen Arbeiterverein als Kandidaten und von Pfarrer Boetzler zur Wahl emp so bleu für die erste Klasse Bergmann Kunze, für di? drifte Klasse Br. Güttter E5 genügt nicht, dab der angeblich vollständig Mpolitische und neutrale»Katholische Arbeiterverein" die Kandidaten aufstellt, end- gültig approbiert sind sie erst, wenn sie vom Pfarrer empfohlen werden l_ Die bürgerliche Jugendfürsorge. die unter der Obhut von Staatsanwälten, Landräten und Gerichts- Präsidenten steht, schlägt immer werkwürdigere Wege ein. So wurde in der B r e s l a u e r Z e n t r a l e für Jugendfürsorge ein Antrag angenommen, der die gesetzgebenden Körperschafren auffordert, für alle jungen Leute, die Arbeiter werden wollen, eine zwangsweise einjährige Lehrzeit einzuführen. Und der Zeiitralgewerbeverein für Schlesien, dem der Antrag zur Begut- achtung überwiesen wurde, fand den Gedanken„sehr beachtenswert", nur glaubt er nicht an die Zustimmung des Reichstags. Dennoch soll die Sache weiter verfolgt werden. Militärjustiz. Ein Reservist war im Sommer dieses Jahres nach Memel zu einer vierzehntägigen Uebung eingezogen worden. Als Schauflüge veranstaltet wurden, erhielt er nebst anderen Mannschaften den S3efehl, den Platz, von dem aus die Flüge vor sich gehen follten, ab- zusperren. Die Menge wollte die Sperrkette durchbrechen. Das veranlagte einen Unteroffizier, einem Dragonergefreiten den Bc- fehl zu erteilen, in die Menge hineinzureiten!! Die Ausführung dieses Befehls suchte der Reservist dadurch zu ver- hindern, dag er das Pferd des Gefreiten an den Zügeln festhielt. Er wollte dadurch nur das Publikum schützen und ein Unglück ver- hüten. Wegen dieser Tat mußte er sich vor dem Kriegsgericht in Jnsterburg verantworten, das ihn zu sieben Monaten Gefängnis vernrtciltr und seine sofortige Verhaftung anordnete. Kasernenerziehung. In welcher Weise das ganze militärische System noch unter den Mannschaften die Sucht fördert, sich zu überheben und»schlagende" Beweise einer angemaßten Kommandogewalt zu liefern, zeigen zwei Verhandlungen, die sich am Mittwoch vor dein Kriegsgericht in Erfurt abspielten. Ein im zweiten Jahre dienender Kanonier vom 53. Feldartillerieregiment in Naumburg spielte sich am Bußtagabend den Rekruten gegenüber als Vorgesetzten auf._ Als ein Rekrut sich die Anmaßungen nicht gefallen ließ, zog der ältere»Kamerod" das Seitengewehr und schlug den Rukniten damit auf die Schulter. Das Kriegsgericht verurteilte den schlagfertigen Kameraden zu einer Woche Gefängnis.— Im zweiten Falle hatte ein inzwischen zur Reserve entlassener Gefreiter von den Dragonern in Hofgeismar einen anderen Dragoner deshalb mit Ohrfeigen traktiert, weil dieser einen falschen Säbel trug. � Der Geschlagene übte selbst Justiz. Er hieb den Gefreiten mit dem Karabiner über den Kopf, so daß der Gefreite zusammenbrach. Der„gewöhnliche" Dragoner wurde dafür zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt. Dagegen sprach da» Standgericht rn Sandershausen, wo der zur Reserve entlassene Gefreite sich zurzeit aufhält, diesen frei. Auf die vom Gerichlsherrn hiergegen eingelegte Berufung hob jedoch da« Kriegsgericht Erfurt daS Standgcrichtsurtcil ganz und gar auf und stellte das Verfahren als unzulässig ein, weil der Strafantrag nicht formgerecht gestellt sei. Die beiden kleinen Episoden zeigen, in welchem Umfange und mit welcher Lust in den preußisch-deutschen Kasernen heute noch geprügelt wird._ Wegen einer Lappalie fällte daS Kriegsgericht in Breslau ein drakonisches Urteil. Der Musketier Hachulla hatte sich einen Rausch angetrunken und war in diesem Zustande auf Nachtposten gezogen. Da er vor dem wach- haberrden Unteroffizier»keine militärische Haltung" annahm und sich einige respektlose Bemerkungen über ihn erlaubte, entwickelte sich daraus eine Anklage wegen folgender Verbrechen: Trunkenheit rm Dienst, Wachvergehen. Achtungsverletzung, Belügen von Vorgesetzten und Ungehorsam. Das Kriegsgericht bedachte dafür den Unglücklichen mit S Monaten Gefängnis._ Rußland. Die Lotsenkalamität in den sinnischen Gewässern. Unser finnischer Mitarbeitet schreibt uns: Kurz vor der Eröffnung der diesjährigen Schiffahrt wurde die finnische Lotsenverwaltung bekanntlich von den Russen okkupiert, da, wie die Regierung behauptete, die Russifizierung der finnischen Lotsenverwaltung eine Lebensfrage für Rußland bedeute. Gegen die RussifizierungSmatznahmen protestierten die finnischen Lotsen durch massenhaften Austritt aus dem Dienste, worauf die Ver- waltung sich genötigt sah, vom Kaspijche» Meer her Ersatzmann- schasten nach Finnland zu schaffen. Diese erwiesen sich aber in ollen Hinsichten untauglich. Die finnischen Schären, die eine Welt für sich bilden, können nur von eingeborenen Seeleuten befahren werden, und da diese durch die Russifizierung aus dem Dienst ge- trieben lvarew, erlitt die Schiffahrt die größten Verluste und Nachteile. Während des verflossenen Sommers verging kein Tag ohne Klagen über die unerhörte Unordnung im Lotsenwesen. Schisse mußten warten, da keine Lotsen zu haben waren; oft erhielten sie auf ihre Anfragen überhaupt keine Antwort. Oft mußten Schiffe umkehren, ohne ihre Frachten abgeladen oder neue aufgenommen zu haben. Oft mußten die Schiffer, da keine Lotsen zu erlangen waren, die Einfahrt auf eigene Gefahr wagen. Zahllose Havarien loaren die Folge davon. Auch die Schiffe, die einen Lotsen er- halten hatten, waren denselben Gefahren ausgesetzt, da die un- geübten Lotsen sich als vollkommen unzuverlässig erwiesen. Nicht nur in der Führung der Schiffe, auch in der Absteckung des Fahr- Wassers bekundete die russifizierte Lotsenverwaltung ihre völlige llntauglichkeit. Häufig sind Schiffe gerade infolge der salschgelegten Wasserzeichen aufgelaufen und zugrunde gegangen.— Wie gefahrvoll diese Zustände sind, beweist die Tatsache, daß ein kaiserlich- russisches Minenschiff hoffnungslos verloren ging. Ein anderes Minenschiff ist auf eine Sandbank festgerannt. Den Verlust des Minenschiffes Nr. 136 hat man erst jetzt bekannt zu geben gewagt. Ebenso bezeichnend ist es, daß selbst die Lotsendampfer oft aufge- laufen sind und Havarien erlitten haben. Von verunglückten deutschen Schiffen sei die„Haparanta" genannt. Das schwedische Schiff„Serla" lag zwei Tage lang im schweren Sturm auf offener See— weil kein Lotse zu haben war! Insgesamt sind im verflossenen Sommer 86 Schiffe in den finnischen Gewässern aufgelaufen, d. h. um 56 Prvz. mehr als im Verlauf von 87 Jahren! Orina. Der Anleihevertrag. Peking, iL. Dezember. Der von der Sechsmäch tegruppe ent- worfene Anleihevertrag, mit dem sich morgen in London eine Konfe- renz der beteiligten Bonken beschäftigen wird, sieht als Sicherung ,siir die 25 000 000 Pfund Sterling der Anleihe die Solzsteuer vor. Mit dem Crispschen Banksyndikat soll ein Uebereinkommep ge- troffen wenden, sobald Chinas Zusage feststeht. Dieses Angebot be- seitigt jedes Monopol so gut wie ganz, und mildert die fremde Auf» ficht über die Ausgaben Chinas, wie fie ursprünglich beabsichtigt war, wesentlich. Die chinesische Regierung verlangt 10 000 000 Pfund innerhalb der nächsten drei Monate, den Rest im Laufe des nächsten Aahrefc Di« günstiHevey Bedingungen werden;n hervorragendem Maße auf den Einfluß der Crispschen Gruppe zurückgeführt, der für China einen wesentlichen Vorteil bedeutet habe. Die Sechs- mächtegruippe und China kommen überein. die Salzfteuer zu re- organisieren. Die Verwaltung soll auf zehn Zentralpunkte ver- teilt werden, an denen chinesische und ausländische Mildirektorcn unter einem Kontrollausschuß arbeiten sollen, in dem sich als tat- sächlich leitender Direktor ein Fremder befinden wird. Dieser wichtige Posten ist dem dänischen Zollkommissar in Tientsin Olesen airgetragen worden, der auf eine 35jährige erfvlgreiche Tätigkeit im Seezolldienst zurückblicken kann, sechs Jahre englischer Prokonful in Nordkorea war und bei sämtlichen Gesandtschaften sehr beliebt ist. Der Posten eines Rcchtsbeistandes der chinesischen Regierung ist dem Schwiegersohn des belannten belgischen Juristen Roiin JacquemhnS» Recous, angeboten worden. Hmeriha. Justizverbrcchcn in de» Vereinigten Staaten. Wozu man in Rußland und Preußen die Polizei benutzt, dazu muß in Amerika die Justiz herhalten. Bald werden, wie es vor 25 Jahren in Chicago geglückt, später gegenüber Hayivood und Genossen und noch neuerdings gegen Ettor und Giovanitti miß- lungen ist, unter einem riesigen Aufgebot von Detektives und son- stigen käuflichen Halunken große Kapitalprozessc vor den Ge- schworenen angestrengt, bei denen man günstigenfalls aus völlige Vernichtung des Gegners rechnen kann, aber auch, trotz sorgsamster Aussiebung der Geschworenen, nicht vor einem oder dem anderen ehrlichen oder eigensinnigen Geschworenen, der das ganze seine Geschäft zunichte macht, geschützt ist. Oder man bedient sich, was weniger effektvoll, aber viel sicherer ist, der beamteten, speziell der vom Präsidenten ernannten und fast immer den großen Jnter- essen unbedingt ergebenen Bundesrichter. Besonderer Liebe der Bundesjustiz erfreut sich der„Appeal t o R e a s o n", der als Wochenblatt in Cirard» Kansas, in einer Auflage von über 500 000 erscheint und in der Zeit vor der Wahl Auflagen von über einer Million herausgebracht hat. Eine besondere Aufgabe des„Appeal" ist der Kampf gegen die korrupte Bundesjustiz. Er hat ihre Untertänigkeit unter die schofelsten Kapitalsinteressen namentlich in Anwendung des Haftpflichtgesetzes nachgewiesen und eine Anzahl Richter in ihren Beziehungen zu den Korporationen oder ihrer sonstigen Lebensführung unheilbar bloßgestellt. Daher soll er um jeden Preis vernichtet werden. Erst suchte man das mittels Verletzmtfl des Postgesetzes zu erreichen, indem ihm die Vergünstigungen des Zeitungsvertriebes vorenthalten wurden. Als das nicht half, griff die Justiz ein, als deren Organ, im Ein- Verständnis mit der Bundcs-Justizverwaltung, der Distrikts- anwalt H. I. Bone auftritt. Im vorigen Jahre wurden durch den„Appeal" grauenhafte Zustände im„Muster"-Bundesgefän>gnis Leaven- Worth(Kansas) aufgedeckt. Ein junger Beamter, der sie fest- gestellt und seinen Vorgesetzten angezeigt hatte, war entlassen worden, ohne daß Abhilfe erfolgt«. Er wandte sich an den „Appeal", der einige Monate lang die Tatsachen veröffentlichte und als Beweismittel die„Affidavits"(eidliche Aussagen) der Zeugen zufügte. Neben einer Reihe gröblichster Mißhandlungen, deren eine den Tod herbeigeführt hatt«, kamen auch sittliche Ver- fehlungen zur Sprache, darunter die Aussagen zweier Frauen über von dem Direktor Lemon an ihnen verübte widernatürliche Unzucht. Die Bundesverwaltung, die nun eingreifen mußte, fand alle Anklagen gerechtfertigt. Lemon und andere wur- den entlassen, jedoch nicht angeklagt. Statt dessen wurde— gegen die Herausgeber des„Appeal" Anklage wegen„Verbreitung unzüchtiger Literatur" erhoben. Genosse D. Way- land, der Begründer des„Appeal", der in don> letzten Jahren nur noch init dem geschäftlichen Teil zu tun hatte, wurde, da er aussagte, mit der Redaktion nichts zu tun zu haben, des Mein- e i d s beschuldigt. Gebrochen durch den im vorigen Jahre seiner Frau widerfahrenen tödlichen Unfall und die ständigen Hetzen und Verfolgungen, beging er Selbstmord. Gegen Warren und Genossen wurde verhandelt, jedoch, nach tapferer Verteidigung durch Genossen Sheppard, das Urteil ausgesetzt. Inzwischen hört man von neuen Schurkereien. Gegen Warren, Sheppard und D e b s, den Präsidentschaftskandidaten, ist von demselben Bone neue Anklage erhoben worden, die ihre Ver- Haftung zur Folge hatte. Bone beschuldigt fie, einen Zeugen b e st o ch c n zu haben, damit er verschwinde oder falsche Aussagen mache. Es handelt sich um einen ausgekochten Schurken, der im Gefängnis gesessen hat und nachher bei dem„Appeal" Aufnahme fand, wo er für gelieferte Beiträge 200 Dollar erhielt, die er nun als Bestechungsgeld dezeichnet. Ueber die Machenschaften, die gegen den Stab des„Appeal" betrieben werden, geben einige weitere eidliche Aussagen, die dort mitgeteilt werden, Aufschluß. Ein A. W. Lovejoy berichtet, daß er durch Bermittelung eines Pater Pompeney(die Art hat immer Witterung für schmutzige Geschäfte und kapitalistische Verdienste) mit einem Detektive Dueberg, den der berüchtigte General Otis in LoS Angeles empfohlen hatte, in Verbindung gebracht wurde. Dieser desorgte ihm ein Dekret als Agent des Generalstaatsanwalts und forderte von ihm. auf einen früheren Briefboten Lafater einzuwirken, der (wie er angibt, fälschlich und aus politischem Hasse) wegen angeb- lichen Amtsvergehens suspendiert und mit Anklage bedroht war. Lasater sollte erklären, die Redakteure des„Appeal" hätten ihn verleitet, Briefe zu stehlen und ihnen zu überliefern. In Lovejohs Wohnuiu; sollte ein D i k t a g r a f angebracht werden. der ohne Lasaters Wissen diese Aussage aufnehmen sollte. Falls er dies aber nicht zugebe, solle ein anderer seine Stimme nach- ahmen und in den Apparat sprechen.(Man erinnert sich, daß in dem eben in Jndianopolis verhandelten Prozeß gegen die Leiter der Brückenbauer-Geivcrkschaft ein �solcher, heimlich im Bureau angebrachter Apparat auch eine Rolle spielt, über dessen Wert man nun anders denken wird.) Aus der Aussage Lovejoys geht hervor, daß Dueberg angab, mit der Justizverwaltung und T a f t selbst unter einer Decke zu stecken. Jedenfalls spricht das Schrift. stück, das ihn zum Spezialagenten bestellt, für eine Mitwirkung der obersten Verwaltung. Dasselbe Manöver wie gegen Lasater sollte gegen Genossen Phifer, einen»Appeal"-Redakteur, an- gewandt werden. Lasater hatte man. falls er mitmachte, wegen der anderen Sache Straflosigkeit versprochen. Auch von Lasater und Phifer liegen eidliche Erklärungen vor. die jene Aussagen stützen. Offenbar handelt es sich um eine große Verschwörung, bei der Otis eine große Rolle spielt; ein Vertreter seiner„Los Angeles Times" hielt sich seit langem in Girard auf. Mit der Durch- führung ist der Bundes-Distriktsanwalt Bon« betraut, von dem das Wort berichtet wird:„Ich werde den„Appeal" zum Bankrott treiben, seine Herausgeber in Verbannung und Selbstmord oder sie hinter die Gitter von L e a v c n w o r t h bringen." ES ist jedenfalls kein Zufall, daß die Prozesse nicht nur gegen den„Appeal", sonder» in den verschiedensten Teilen der Union sich häufen. Es liegt Svstem darin. Unsere Genosse» gehen schweren Kämpfen entgegen. DebS selbst erklärte:„Seit 6 Jahren waren die Bluthunde auf der Spur des„A.". unterstützt von der Bundes- regicrung und den Geftunächten in Wallstreet, Und nach hen An- gaben von Bone, des Agen't probocaicur, der ein Gehalt als Distriktsanwalt bezieht, ist das Ende jetzt in Sicht,'-und wir werden uns bald in Sträflingsileider» sehen. Ich betone ausdrücklich, daß die Arbeiterschaft nicht einen roten Cent für meine Verteidigung gegen diese lügnerischen Diebe und Brandschatzer hergeben soll, die in der Livree von GcrichtSbcamtcn den Freibeutern dienen, die die Nation berauben und des Volkes Freiheit vernichten. Ich fordere die richterlichen Banditen und käuflichen Subjekte heraus, ihr Schlimmstes zu tun. Ich nehme aus ihrer Hand keinen Pardon an. Ich verachte ihre Barmherzigkeit und verabscheue ihre scheußliche Travestie der Gerechtigkeit. Da ich der Kandidat der Ar» beiterklasse für das Weiße Haus(den Präsidenten- Palast) gewesen bin, kann ich es mir jetzt erlauben, der K a n d i- dat der raubenden Klasse für das Gefängnis zu sein. Ich bin fertig für den Kampf. Ich weiß, um was es sich handelt und bin auf das bitterste Eltdc vorbereitet. Sie haben uns nun vor. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis Wir den Kapitalisten vor dem amerikanischen Volke den Prozeß machen wer- den."— Man sieht auch hier wieder das Schauspiel wie bei allen wichtigen Wahlen und großen Prozessen: Hier die Mamelucken der Ausbeutung: Scharfmacher, hohe Beamte, katholische Kirche und Schurken ohne weiteres— dort als Kämpfer und Märtyrer die Vertreter des Volkes uicd seiner Rechte. Die„Verbrecher" als An- klüger und Richter— die Richter und Ankläger als wahre Wer» brecher. Hinter Rußland dürfen heute die Vereinigten Staaten. das Land der Menschenrechte, die Ehre in Anspruch nehmen, die verbrecherischsten Behörden und Justizorgane ihr eigen zu nennen. Em der Partei. Bürgerausschußwahlen in Unterbabe». In P l a n k st a d t(Kreis Mannheim) errangen unsere Ge- nassen bei der Bürgerausschutzwahl für die III. und II. Klasse 12 Sitze; 10 von diesen nahmen sie dem Zentrum und einen den Liberalen ab. Einen Sitz hatten sie bisher schon im Besitz.— In Bruchsal gelang es in der III. Klasse, sechs Sitze zu er- obern. Hier war unsere Partei bisher unver treten. Auch dieser Gewinn geht auf Kosten des Zentrums.— In Edingen konnten unsere Geiwssen zu ihren bisherigen 10 Sitzen noch zwei weitere erlangen. Das Zentrum gewann auf Kosten der Libe» ralcn neun Sitze._ Baillant, Prcsscnss und Jaurds über den Basler Kongreß. Paris, 12. Dezember.(Eig. Ber.) Viele Tausende hatten sich gestern in der Salle Wagram zusammengefunden, um den-Bericht der Genossen Vaillant, Pressense und I a u r ö S über den Internationalen Kongreß anzuhören. Die kampfbegeifterte Stim» mung gab sich ununlerbrochen während der Reden durch stürmische Zurufe kund. Als Baillant aus die Folgen des deutsch-sranzösischen Krieges hinwies, brausten Hochrufe auf die Kommune durch den Saal. Pressensü setzte beredt die geschichtliche Bedeutung des Balkan- kriegeS und der Liquidation der Türkei auseinander. JauräS kenn« zeichnete das Treiben der Diplomatie, besonders der österreichischen und russischen, erklärte, daß Geheimverträge die Demokratie nicht binden könnten, und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Völker, die man zu gegenseitigem Mord bewaffnet, die Krait finden werden, sich zum Kamps gegen den Mord zu erbeben.— Die Versammlung, der ein Begrüßungsschreiben der Pariser Gasarbeiter zugegangen war, schloß nach Annahme einer Resolution mit dem Ruf„Nieder mit dem Krieg I" und dem Gesang der Internationale. 8o2iaies. Unternehmer-Arbeitsnachweise. In der Errichtung von Arbeitsnachweisen, die ausschließlich von ihnen selbst beherrscht werden, sehen die Unternehmer ein Mittel, den Arbeitsmarkt zu beherrschen, eine Aussicbung vorzu» nehmen und unbeliebte Arbeiter möglichst von den Arbeitsstellen fernzuhalten. Insofern wirken die Arbeitsnachweise genau so wie die Matzregelungen. Aus diesem Grunde ist den einseitige» Arbeits- nachweisen der Unternehmer eine besondere Bedeutung beizu- messen. Wie die Nachweisungcn im„Reichsarbeitsblatt" ergeben, ist die Zahl solcher Nachweise und ihre Geschäftstätigkeit ziemlich stark im Steigen begriffen. Es wurden gezählt: 1S10 218 Nachweise, 1911 32 mehr, nämlich 250. Stellen wurden vermittelt im Jahre 1910: 899 753, im Jahre 1911 schon 1116 651. Die meisten Unternehmernachweise zählt mit 72 das Baugewerbe, dann folgt mit 70 das polygraphische Gewerbe, mit 34 die Metallverarbeitung, mit 31 das Handels- und Verkehrsgewerbe. Hier ergibt sich die umfangreichste Geschäftstätigkeit; es wurden 342 830 Stellen ver- mittelt; dann folgte die Metallverarbeitung mit 337 951 vermittel- ten Stellen. Dann schließt sich die Gruppe Bergbau, Hütten- und Salinenwesen mit 200 750 Stellen bei nur 17 Nachweisen an. Bei der gleichen Zahl von Nachweisen wurden für die Industrie der Steine und Erden 116 276 Stellen vermittelt; dann folgt von den Produktionsgewerben das baufachliche mit 109 060 vermittelten Stellen. Die Nachweisungen geben auch einen Ueberblick über die Fluktuation. Der gesamten Zahl von 1 146 651 vermittelten Stellen stehen 1 253 788 überhaupt beschäftigte Arbeiter in den an- geschlossenen Gewerben gegenüber. Am stärksten ist die Fluktua- tion im Handels- und Verkehrsgewerbe. Auf jeden durchschnittlich Beschäftigten kommen 5 Ncueinstellungqß,. Im Baugewerbe ent- fällt auf je 2 Beschäftigte eine Vermittelung. Im Bergbau, der fast ausschließlich von den Unternehmernachweisen beherrscht wird, stehen je 4 vermittelten Stellen 7 Beschäftigte gegenüber. In der Metallverarbeitung kommen auf 8 vermittelte Stellen 10 Be- schäftigtc, in der Industrie der Steine und Erden kommt auf 2 Beschäftigte eine Vermittelung. Mit Ausschluß des Baugewerbes geben die Ziffern ungefähr ein Bild von der tatsächlichen Fluk- tuation in den einzelnen Gewerben. Die„Renfrist" im Lehrvertrage. Innerhalb des ersten Monats der Lehrzeit, der als„Reufrist' gilt, kann sowohl der Lehrherr wie der Lehrling vom Lehrvertrage zurücktreten. Von diesem ihm gesetzlich zustehenden Recht hatte auch nach Ablauf des ersten Monats ein Lehrling Gebrauch gemacht, der jetzt als Kläger gegen den Buchdruckereibesitzcr Ebmeycr auf- trat. Der Beklagte weigerte sich, die vereinbarte Lehrvergütung von 15 M. für den einen Monat zu zahlen, weil der Junge eine Schreibmaschine entzwei gemacht haben sollte, was 12,50 M. Re- paraturkosten verursacht habe. Aber auch den Rest von 2.50 M. sollte der Lehrling nicht bekommen. Denn dieser habe durch sein plötzliches Fortbleiben das Geschäft erheblich geschädigt. Der Be- klagte meinte, der Lehrling hätte zumindest den Chez vorher ver- ständigen müssen, wenn er die Lehre nicht fortsetzen wollte. Der Prinzipal müsse doch, um einer Schädigung vorzubeugen, sich recht- zeitig Ersatz beschaffen können. Das Kaufmannsgericht erkannte die Einwendung be« Beklagten nicht als berechtigt an. Der Lehrling könne innerhalb der ein- monatigen Reuzeit ohne weiteres vom Vertrage zurücktreten. Er brauche das nicht vorher anzuzeigen und sei auch nicht gehalten, Gründe für den Rücktritt anzugeben. Um der Verurteilung zu entgehen, zahlte der Beklagte die von dem Lehrling noch verlangten 2,50 M. vor Urteilsfällung. Hätte der Lehrling den vollen Betrag von 15 M. verlangt, so hätte ihm auch dieser zugesprochen werden müssen, weil nach$ 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gegen den Anspruch auS dem Arbeitsvertrag eine Aufrechnung innerhalb he? Jahresbetrags von 1500 M. unzulässig ist. GewcrhfcbaftUcbea. Eine„gelbe" Cagcszdtung in Berlin? Tie„Tcutsche Warte", welche i»i Verlage von Büxen- st e i n erscheint und bisher ihre geistige Kost für 50 Pf. monat- lich absetzte, führte nur ein sehr kümmerliches Dasein. An einer ganzen Reihe von Zeitungsständen konnte man keine Nummer des Blattes erstehen. Tic Zeitungshändler hielten eS nicht für nötig, ihren Vorrat mit den Exemplaren einer Zeitung zu belasten, die wenig oder gar nicht verlangt werde. Die„Deutsche Warte" ist aber sehr ehrgeizig geworden und will Lorbeeren ernten, Wenns auch„gelbe" sind. Ter Verlag hat mit dem Vorstand des gelben Unterstühungsver- eins der Siemens-Werke ein Abkommen getroffen. Seit Wochen betreiben gelbe Vertrauensleute eifrig Abonnenten- sang für die„Deutsche Warte". Ter Eifer, mit dem man zu Werke ging, findet darin seine Erklärung, daß der Verlag für jeden neuen Abonnenten 5 l) P f e n n i g Provision an die Obergelbcn zahlt. Die Lbergelben arbeiten aber nicht im Betrieb, können daher den Abonnentenfang nicht engros be- treiben. Daher hat man die gelben Vertrauensleute für die Sache gewonnen und man teilt sich den„Raub". Der gelbe Vertrauensmann erhält pro Abonnement 25 Pfennig, und sein„Chef", als Werksbevollmächtigter, erhält ebenfalls eine viertel Mark. Außerdem soll die gelbe Vereinskasse auch noch besonders einen Betrag erhalten. Nun bedenke man: äst Pfennig kostet das Abonnement pro Monat. Ten gleichen Betrag erhalten die gelben Abonnentensammler und dann noch ein Betrag für die Ver- einskasfe! Wofür liefert denn der Verlag die Zeitung? Hat sich da ein„edler gelber Menschenfreund" gefunden, der opfer- freudig sein Portemonnaie öffnet, oder hat die Firma Siemens Subvention gegeben, wie sie eine solche dem„Bund" jährlich zahlt? Man will die„Deutsche Warte" so allmählich in eine gelbe Tageszeitung umwandeln, um auf Angriffe des„Vor- wärts" und anderer Blätter gegen die„Gelben" sofort ant- Worten zu können. Der gelbe Dr. Nathan so n, dein man seit dein l. November d. I. sein Gehalt nm 800 M. aufgebessert hat und der jetzt 4800 M.. ausschließlich der Beiträge für die Privatbeamtcnversichcrung, als Geschäftsführer des gelben Vereins erhält, ist als geeignete Kraft ausersehen, gelbe Artikel für die„Deutsche Warte" zu liefern. Als ehemaliger „Bundredakteur" hat er sich schon rühmlichst bemerkbar gewacht. Doch all diese gelben Bemühungen werden Sisyvhus- arbeit bleiben! Berlin und Umgegend, Die Tarifforderungen der Berliner Holzarbeiter tvuvden am Donnerstag in einer außerordentlichen Generalversammlung des Deutschen Holzarbeiterve rban des beraten. Der Ver- sammlung lag ein Vertragsentwurf vor, welcher das Ergebnis von Beratungen iwr Ortsverwaltung und der Branchenvertretungen ist. Wie der Vorsitzende Glocke ausführte, werden die Verhandlungen über die Arbeitszeit und die Vertragsdauer zwischen den Zentral- inftanzen ter beiderseitigen Organisationen geführt, während alle übrigen Vertragspunkte zwischen den Ürtlichcu Instanzen geregelt werden. Es haben bereits informatorische Verhandlungen, sowohl Zentrale wie örtliche, stattgefunden. Bei den zentralen Verhand- hingen stellten sich die Arbeitgeber auf den Standpunkt, den die klnternehmerorgmiisalion im Baugewerbe einnimmt: Eine kürzere Arbeitszeit als täglich 9 Stunden darf nicht bewilligt werden. Dem- gemäß sagen die Arbeitgeber der Holzindustrie: Wo die Arbeitszeit weniger als 54 Stunden wöchentlich beträgt, da wird keine weitere Verkürzung bewilligt.— Die Arbeiter werden sich aber, wie Glocke betonte, durch diesen Standpunkt der Unternehmer nicht abhalten lassen, für Berlin eine Verkürzung der gegenwärtigen Arbeitszeit zu fordern, was schon dadurch gerechtfertigt ist, daß die zweite Ver- tragsperiode den Berliner Holzarbeitern keine Arbeitszeitverkürzung gebracht hat.— Während bei den früheren Tarisverhandlungen die Arbeiter eine kürzere, die Arbeitgeber aber eine längere Vertrags- dauer verlangten, ist es diesmal umgekehrt. Die Arbeiter wollen, daß der Vertrag auf vier Jahre abgeschlossen ivevde, die Arbeitgeber wollen dagegen eine kürzere Frist, um möglichst viele Verträge gleichzeitig zum Ablauf zu bringen und auf den einheitlichen Tarifablauf für das ganze Reich hinzuwirken. An der Erreichung dieses Zieles haben die Arbeiter kein Interesse. Was die Punkte betrifft, welche der lokalen Verhandlung unter- liegen, so fordern die Arbeiter eine den ZeitverHältnissen angemessene allgemeine Lohnerhöhung. Ferner sollen für diejenigen Branchen, deren Löhne nicht durch Spezialtarifc geregelt sind, Mindeststundenlöhne festgesetzt wenden, die als Anfangslöhne zu gelten haben. Da sich in der Tischlerei die Teilarbeit immer mehr einbürgert und ungelernte Arbeiter in fteigendem Maße mit Teilarbeiten beschäftigt werden, so ist es notwendig, daß auch für Hilfs- arbeiter, welche Tischlerarbeit verrichten, Mindestlöhne festgesetzt werden. Die Entlohnung dieser Arbeiter ist zurzeit eine völlig willkürliche und meist sehr niedrige, sie bedarf deshalb der tarif- lichen Regelung. Für Montagearbeiten wird eine Verbesserung des gegenwärtigen Zustan�es gefordert hinsichtlich der Berechnung des Zuschlages und der Fahrzeit.— Großer Wert wird auf die Arbeitsvermittelung gelegt. Die Arbeitgeber machen einen Vor- stoß gegen die im jetzigen Tarif festgelegte obligatorische Benutzung de? paritätischen Arbeüsnachiveises, wobei ihnen die„Berliner Volkszeitung" in der bereits im„Vorwärts" gekennzeichneten Weise zu Hilfe kommt. Die Arbeiter dagegen halten unbedingt an dem Obligatorium fest, weil es sich gut bewährt hat und im Interesse beider Teile bestehen bleiben muß. Die Arbeitsnachweisfrage nahm auch in der Diskussion eine hervorragende Stelle ein. Alle Redner sprachen für die Beibe- Haltung der obligatorischen Benutzung des Arbeitsnachweises. Die- senigen, welche in der„Volkszeitung" gegen den Arbeitsnachweis zu Felde ziehen, seien Vertreter der A rb ei tgebe rmteressen. Zu diesem Punkt wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche besagt: „Die Versammlung steht bezüglich des Arbeitsnachweises ans dem Boden des Obligatoriums. Sie erteilt der Kommission den Auftrag, nur in diesem Sinne mit den Arbeitgebern zn verhan- dein. Etwaige Mängel können ohne Schwierigkeit im Rahmen des Obligatoriums beseitigt werden." Durch einen weiteren Beschluß beauftragte die Versammlung die Ortsverwaltung, auf Grund des von ihr vorgelegten Entwurfs mit den Arbeitgebern über die Tariferneuerung zu verhandeln. Am Montag wird sich eine Versammlung aller Vertrauens- männer mit derselben Angelegenheit beschäftigen. Der Kampf um den Ausgehtag im Friseurgewerbe war Veranlassung zu einer stark besuchten öfteni- lichen Versammlung, die am Donnerstag stattfand. Das Ge,etz über die Sonntagsruhe schreibt vor. daß den Gehilfen im �riieur- «werbe ein freiet Nachmittag gewahrt werden müsse, wenn sie an Verantwortlicher RedakteunAMehWielepp, Neukölln. Für den Sonntagen länger als 2 Stunden beschäftigt werden. In Wirk- lichtei! werden nun die Gehilfen in Berlin sasi durchweg länger als die vorgeschriebene Zeit beschäftigt, andererseits aber wird in vielen Fällen der freie Wochennachmittag nicht gewährt, ja nicht selten wird der Gehilfe schon bei seiner Einstellung veranlaßt, auf den freien halben Tag in der Woche zu verzichten. Diese Verhältnisse beleuchtete der Referent Kabelitz in der erwähnten Versamm- hing, der an Hand van reichhaltigem Material seine Angaben unter- srütztc und sich gegen einen Artikel im Jnnungsorgan wandte, der den wirklichen Tatsachen nicht entspreche. Nunmehr macht sich in Jnnuiigsmeisterkreisen das Bestreben bemerkbar, überall für Ein- Haltung der dreistündigen Sonntagsarbeit zu sorgen und dann den Gehilfen den freiep Nachmittag in der Woche vollkommen zu ent- ziehen. Damit können jedoch die Gehilfen sich nicht einverstanden erklären, da der freie Wochennachmittag geradezu eine unumgäng- liche Notwendigkeit ist, um ihre Lebensbedürfnisse, wie Einkäufe Baden usw. erledigen zu können. Mit eindringlichen Worten er- mahnte der Referent die Anwesenden, sich Mann für Mann dem Verband der Friseurge Hilfen Deutschlands anzu- schließen, denn nur wenn alle einmütig zusaminenhielten, sei es möglich, den Machinationen des Jnnungsbundes mit Erfolg ent- gcgenzutrelen und die Rechte der Gehilfen wirksam zu verfechten. Die Ausführungen des Redners wunden mit großem Beifall auf- genommen. In der Diskussion erklärte ein Mitglied des Gehilfenaus- schusses, daß der letztere geschlossen hinter den aufgezeichneten For- derungen stehe. Es wurde u. a. auch mitgeteilt, daß selbst der O b e r m e i st e r von Berlin seinem Personal den freien Nachmittag nicht gewähre! Ferner kam zur Sprache, daß die Meisler schon mit einer Sonntagsarbeit bis 12 Uhr einverstanden gewesen wären, wenn dann der freie Nachmittag weg- fallen würde. Darauf konnten die Gehilfen natürlich nicht ein- gehen. Im übrigen brachte die Diskussion noch eine Fülle von Tatsachen, die ein grelles Schlaglicht auf die Misere des Gehilfen- standes im Friseurgewerbe warfen. Insbesondere wurde auf die Auswüchse der GeHilfenzüchterei und ihre Folgen hingewiesen, die es mit sich brächten, daß nur allzuviele Gehilfen aus dem Gewerbe hiiiausgetrieben würden, was ganz in den Intentionen der Jnnungs- meister liege. Der Vertreter einer Lokälorganisation erklärte eben- falls, daß sein Verein geschlossen hinter den Forderungen stehe. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die öffentliche Versammlung der Gehilfinnen und Gehilsen öes Frisenrgewerbes zu Berlin erklärt die Ausführungen über die Stellungnahme der Gehilfenschaft zur Frage der Sonntagsruhe im Organ des Jnnungsbundes als unwahr. Die Versammelten stehen nach wie vor auf dem Standpunkt der fünfttündigen Sonntagsarbeit unter Beibehaltung des freien Wochennachmittags und verpflichten sich zur Gegenwehr gegen bie Bestrebungen des Jnnungsbundes, die darauf hinauslaufen, den Gehilfen den freien Wochennachmittag zu nehmen, die Organifation der Ge- Hilfen zu stärken."_ Weihnachtsgratifikation bei der Grofien Berliner Strafienbahn. In den letzten Tagen war in allen bürgerlichen Zeitungen Berlins darüber zu lesen, wieviel Tausende von Mark die liebe „Große" als Gratifikation für ihre Bediensteten gespendet habe. Nicht bemerkt wurde dabei, daß eine erhebliche Anzahl von Ange- stellten nichts erhalten haben. In erster Linie kommen da die unverheirateten Ersatzfahrer und Ersatzsdjafsner in Betracht, welche die vorgeschriebene Geduldsprobe noch nicht überstanden haben. Ferner erhielten Bedienstete, die nach Ansicht der Direktion schuld an Zusammenstößen trugen, ebenfalls nichts. Aber am schlechtesten kamen diejenigen Angestellten davon, die an Stelle der Gratisikation ihre Kündigung erhielten! Zum Teil geschah dies, weil sie angeblich zu viel Strom verbraucht haben. Es sieht also in der Wirklichkeit ganz anders aus, als die Sache in den bürgerlichen Blättern dargestellt wurde. Einer großen Zahl von Familien, deren Ernährer bei der„Großen Berliner" angestellt war, wurde keine Freude zuteil. Diese können während des Festes über den Erfolg ihrer Tätigkeit bei einer Millionenfirma nachdenken, welche stets das„Wohl und Wehe" ihrer Angestellten im Auge haben will und so oft darauf hinweist, daß die Straßen- bahner Lebensstellung in ihrem Betriebe haben. Aussperrung der Hilfsarbeiter in den Bereinigten Beltener Dfenfabriken. Im Juli dieses Jahres sahen sich die Hilfsarbeiter der Ofen- fabriken Veltens veranlaßt, ihren Tarif, welcher zum 1. Oktober 1912 ablief, zu lüiidigen. Für die Beratung eines neuen Tarifs halten dieselben den Fabrikanten einen Entwurf eingereicht, der einige Verbesserungen vorsah. Gefordert wurde vor allem eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden täglich, Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pf. innerhalb 2 Jahre, Festlegung der Akkord- arbeit für jeden Betrieb, sowie zweijähriger Tarifvertrag. Obgleich diese Forderungen bei den jetzigen Verbältnissen als äußerst mini- mal zu bezeichnen sind, lehnten die Unternehmer dieselben ab. Ein Gegentarif von den Fabrikanten, der den Arbeitern übermittelt wurde, sah einen dreijährigen Tarifvertrag vor; Lohnerhöhung im ersten Jahre sollte nicht erfolgen, jedoch wurden ab 1. Ottober 1913 2 Pf., ab 1. Oktober 1914 weitere 2 Pf., insgesaipt innerhalb von 3 Jahren 4 Pf. pro Stunde Lohnerhöhung vorge- sehen, außerdem die schriftliche Festlegung der Akkordlöhne, aber keine Arbeitszeitverkürzung. Da eine Einigung über den Stunden- lohn mit den Unternehmern nicht zu erzielen war, obgleich die Ar- beiter alle anderen Forderungen fallen ließen und nunmehr nur noch verlangten, daß im ersten Jahre 1 Ps., im zweiten Jahre 1 Pf. und im dritten Jahre 2 Pf. pro Stunde mehr gegeben werden sollte, drohten die Herren bei Nichtannahme ihrer Zugeständnisse mit der Stillegung ihrer Betriebe. Diese erfolgte auch bei einigen Fabrikanten, während die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen waren. Infolgedessen sahen sich die Hilfsarbeiter veranlaßt, den Kampf nunmehr aufzunehmen. Wir ersuchen deshalb. Zuzug von Hilfsarbeitern nach Velten streng fernzuhalten. Verband der Fabritarbeiter. HueUnd. Tic belgischen Gewerkschaften im Jahre Die letzte Nummer des„Journal des Correspondanees" enthält die Jahresberichte über die belgischen Gewerkschaften, Streiks. Aus- sperrungen usw. vom Jahre 1911. Die Gewerkschaftskommissum (identisch mit der deutschen Generalkoimnission) beschwert sich eingangs ihres Berichts bitter über die angeschlossenen Verbände, die ihren Mitgliederbestand meist zu gering angeben, um an Beiträgen an die Generalkominission zu sparen. Dieser Umstand ist zn be- rücksichtigen, wenn man die zum Teil recht bescheidenen Zahlen betrachtet. Dagegen ist die GewerksäjaftskoiiiNiission in der an- genehmen Lage, konstatieren zu können, daß die Entwickelung zur Zentralisation weitere Fortschritte gemacht fyit. Es sind nur noch die Federationen der Steinarbeiter und Pflasterer, Textil- und Glasarbeiter und die Hafenarbeiter von Antwerpen, Gent, Ost- ende usw., die ihre Umlvandlung zu einem straften Zentralverband noch nicht vollzogen haben._, � � Der Gewer kscha ftskom minion sind Zentralverbande und �ede- rationen mit einer Gesanttmitgliederzahl von 71 909 angeschlossen; dazu kommen eine Anzahl lokaler Organisationen mit 5 315 Mit- gliedern. Weiter ist hinzuzuzählen eine Gruppe von Gewert- schasten, die zwar der sozialdemolratischen Partei, nicht aber der Gewerkschaftszentrale angeschlossen sind, mit insgesamt 14 305 Mit- gliedern. An den entsprechenden deutschen Verhältnissen gemessen, erscheinen diese Zahlen recht bescheiden; immerhin ist seit dem Jahre 1905 eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen gewesen. Die belgischen Getverkschasten zählten_____ xh.ÄIocke.Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.lt Leriagsanstalt im Jahre 1905... 34 18-1 Mitglieder ... 1906... 42491 „„ 1907... 55 840„ . 1908... 67 412 „ 1909... 73 361„ „„ 1910... 68984 „ 1911... 77.224 Von 14 der größeren Zentralverbände und Federationen liegen genauere Abrechnungen vor über die Kassenverhältiiisie, Unter- stützungseinrichtungen usw. Die gesamten Einnahmen dieser Ver- bände beliefen sich im Jahre 1911 aus 919 777 Frank gegen 539 464 Frank im Jahre 1910. Tie Ausgaben betrugen im Jahre 1910=: 535 706 Frank, im Jahre 1911 781757 Frank. Die Vermögens- b e st ä n d e waren von 1910 ans 1911 von 212 339 Frank auf 749 249 Frank gestiegen. Unter den Zentralverbänden sind besonders zwei, deren Kassenwesen bereits einen großen Umfang angenommen hat. Tie Metallarbeiter hatten 191 1 eine Ausgabe von 263 678 Frank und behielten einen Kassenbestand von 163 228 Frank, lväh- rend die Buchdrucker eine Ausgabe von 173 117 Frank zu ver- zeichnen hatten und einen Kassenbestand von 361 220 Frank. Von den Ausgaben der Verbände überhaupt sind hervorzuheben: Für Streiks und Aussperrungen: 389 981 Frank; für Arbeitslosenunterstützung: 178 905 Frank; für Krankenuiiterstützniig: 126 677 Frank und so fort. Die Zahl der gewerblichen Konflikte im Berichts- jähre wird aus 216 angegeben. Hiervon hatten Erfolg 96, es endeten durch Vergleich 72, während 48 zuungunsten der Arbeiter endeten, Am zahlreichsten sind die Lohnbewegungen, die für Lohnerhöhungen geführt wurden; diese sind auch verhältnismäßig am häufigsten er- folgreich gewesen, nämlich 57 Proz.; am ungünstigsten verliefen die- jenigen Streiks, die wegen Lieferung schlechten Materials geführt wurden. Ueber die gewerkschaftliche Presse wird berichtet: Von 26 Gewerkschastsorganen erschienen 22 einmal, 3 zweimal pro Monat und 1 jede Woche einmal, sieben von diesen Blättern mit 50 700 Exemplaren sind in französischer, acht mit einer Auflage von 36 500 Exemplaren sind in flämischer spräche redigiert, währeno elf in zwei Sprachen erscheinen(25 140 Exemplare).„De Zeeman"(2000 Exemplare) erscheint in französisch, flämisch und deutsch; drei Ver- bände, nämlich die Metall-, Fabrik- und Tabakarbeiter geben je eine Zeitung in flämisch. und in französisch heraus. Tie ch r i st l i ch e n G e w e r k s cha s t e n, die von den freien schlechthin als Gelbe geführt werden, haben nach ihren Angaben 71 235 Mitglieder. Der Sekretär der freien Gewerkschaften, Ge- nosse Bergmans, nimmt die cbristliche Abrechnung scharf unter die Lupe, er weist nach, daß diese in Wirklichkeit nur 42 066 Mitglieder zählen._ Die ßalkanhrife. Tie ungeschwächte Türkei. Paris, 13. Dezember.(W. T. B.) Der turtiiche Vertreter bei der Londoner Friedenskonferenz Reschid Pascha erklärte einem Redakteur des„Temps": Wir haben den aufrichtigen Wunsch, Frieden zu schließen, aber wir sind vollständig entschlossen, diesen Frieden. nur unter ehrenhaften Bedin- gungen abzuschließen. Unsere militärische Kraft wächst täglich. Zur Stunde haben wir 170000 Mann in Tschataldscha, die reichlich mit Munition versehen sind, die Feind- seligkeiten würden sofort wieder aufgenommen werden, wenn eine Partei der anderen allzu drückende Bedingungen auferlegen sollte. Mit Griechenland könnten wir erst verhandeln, wenn es seinen Waftenstillstand unter denselben Bedingungen wie die Verbündeten abgeschlossen hat. Ter zwischen der Türkei und Griechenland Herr- schende Kriegszustand bietet in der Tcti für Verhandlungen eine allzu schwankende Grundlage. Wir wünschen mit den Balkan- verbündeten direkt zu verhandeln. Sollten aber ihre Forderungen derart sein, daß eine direkte Verständigung un- möglich erscheint, so würden wir, falls die Großmächte an den Ver- Handlungen teilzunehmen wünschen, diesen Vorschlag annehmen. Zum Schluß sprach Reschid sein Bedauern darüber aus, daß man in Frankreich die entschlossene Haltung der Türkei auf die Rat- schlüge gewisser Mächte zurückgeführt habe. Die Türkei habe nur auf ihre eigenen Interessen Rücksicht genommen. Tie Kämpfe um Chios. jtoustaiiiinepcl, 13. Dezember.(W. T. B.) Ein Abendblatt erfährt, daß die Türken auf Ehiotz starken Widerstand leisten. Tie Griechen könnten nicht bis in die Reichweite der türkischen Kanonen vorrücken und warten auf Verstärkungen. Die Türken seien im Besitz von Lebensmitteln, die ihnen einen langen Widerstand er- möglichten.• Letzte Nachrichten. Das Ende der Lehrerinterpellation in der französischen Kammer. Paris, 13. Dezember.(W. T. B.) Die Kammer führte die Be- ratung über die Interpellation betreffend die LeH- rer zu Ende. Vor der Abstimmung über die Tagesordnung er- klärte Ministerpräsident P o i n c a r e, die Regierung zweifle nicht an der Vaterlandsliebe, des Lehrerstandes, die gegen Verfehlungen getroffenen Maßnahmen seien im Interesse der Schule und der Lehrer. Besonders die Kundgebungen auf dem Kongreß zu Eham- bery seien unvereinbar mit der erzieherischen Aufgabe. Poineare verurteilte den Anschluß der Lehrer an den„Sou du Soldat" und die AntiMilitaristen und erkannte die Notwendigkeit eines Beamten- statuts an. Die Regierung sei keineswegs geneigt, auf die not- wendige Autorität zu verzichten oder die parlamentarische Gewalt vor irgendwelcher neuen, unbestiminbaren unverantwortlichen Ge- walt zu beugen.(Lebbafter Beifall.) Nach lebhafter Debatte nahm die Teputiertenkammer folgende Tagesordnung an: Die Kammer bedauert gewisse auf dem Kongreß von Chambery eingebrachte Anträge sowie die der Laienschnle nackft teilige Auslegungen, zu denen die Anträge Veranlassung gegeben haben. Die Kammer ist fest überzeugt von dem Patriotismus der Lehrer und entschlossen, den nationalen Elementarunterricht, der von der Liebe zum Vaierlande getragen sein muß, gegen jeden An- griff zu verteidigen. Tie Kammer billigt die Erklärungen der Regierung und drückt ihr Vertrauen dazu aus, daß die Regierung unverzüglich ein Beamteustatut schaffen und einen Entwurf zur Verteidigung der Laienschnle ausarbeiten wird. Leon Bourgeois zum Präsidentschaftskandidaten erkürt. Paris, 13. Dezember. kW. T. B.) Tie Gruppe der Sozia- listischen Repuülikaner hat besckilossen,.den Minister Leon Bourgeois aufzufordern, für den Präsrdentschaftsposten zu kandidieren. Dir„schwarze Armee" vor der französtschen Kammer. Paris, 13. Dezember.(W. T. B.) Vei Beratung des Kolonialbudgets erörterte der Deputierte und ehemalige Gouverneur von Französisch-Westafrika V e i l l a t die Frage der„Schwarzen Armee". Er sagte u. a., man. habe ursprünglich gehoftt, in Westafrika ein Kontingent von 70 000 Mann ausheben zu können, aber man habe sich mit 10 000 Mann begniigen müssen, und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Aushebung der schwarzen Truppe ein stetig abnehmendes Ergebnis liefern werde. Um da eine Abänderung her- beizuführen, müsse man sich vor der Zwaugsrekruiierung hüten und i für die Eingeborenen günstige Lebensbedingungen schaffe». PaulSinger t Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen mUnterhaltu»»sbl. Dr. 292. 29. Iahrgavg. 1. KilU des„itDtiöättö" Iftirt MM ZoNübettd, 14. AeMet 1912. Kbgeorcinetenkaus. 107. Sitzung. Freitag, den 13. Dezember 1S12, mittags 12 Uhr. Am Ministertische: V.Dallwitz. Die Besprechung der Zuterpellation des Abg. Frhrn. ».Zedlitz betr. die steuerliche Entlastung der kleineren und mittleren Städte. Abg. Dr. v. Campe(natl.): Die Tatsache, das? ein so sindiger Kopf wie der Interpellant nicht in der Lage gewesen ist, bestimmte Vorschläge zur Regelung der Materie in Form eines Antrages zu niachen, beweist die Schwierigkeit der Frage. Die vorhandene Ueberbürdung der 51 o m m u n e n rüttelt an den Grundlagen unseres Schulwesens. Wir stimmen dem Prinzip zu, daß der Stärkere die Lasten zu tragen hat. Das bedeutet die Auf- rollung des Problenis einer sozialgerechten Be- steuern n g. Aus jeden Fall muß hier etwas Großes, Grund- legendes geschaffen werden, wenn wirklich der Zweck erreicht werden soll. �Das beste ivird eine andere Verteilung der Lasten sein. Wenn der Staat den Kommunen Aufgaben zuweist, soll er auch die Kosten dafür zahlen. Die Gründung von Lehrerbesoldungskassen, wie sie Frhr. v. Zedlitz wünscht, würde Eingriffe in die Selbstverwaltung der Gemeinden unvermeidlich machen; sie wären ein Schritt zur S t a a t s s ch u l e und damit zu einer weitgehenden Stagnation unseres Schulwesens.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Abg. Hirsch(Soz.): Auch wir erkennen die Notlage der Gemeinden in vollem Um- fange an und sind bereit, an der Beseitigung dieser Mißstände mit- zuarbeiten. Bei allen Maßnahmen werden wir uns aber in erster Linie fragen, ob nicht etwa dadurch die Selb st- Verwaltung der Gemeinden noch weiter beschränkt wird, als das heute schon der Fall ist. Die Erklärung des Ministers hat uns nicht befriedigt. Der Negierung sind die Mißstände schon längst bekannt, aber sie hat wieder nur erklärt, sie werde prüfe» und erwägen. Was bei solchen Prüsimgen und Erwägungen herauszukommen pflegt, wissen wir ja. Herr Fleuster meinte gesteni, die Gemeinden suchten sich in luxuriösen Anlagen zu überbieten. Aber der Begriff des Luxus ist sehr dehnbar. Ich kenne Gemeinden, die bereits die Errichtung eines Krankenhauses für einen Luxus halten.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Ich kenne Gemeinden, in denen sich die A r m e n h ä u s e r, die Asyle für Obdachlose, in einem ganz kulturwidrigen Zustand befinden und wo es trotzdem Leute gibt, die solche Bauten als Luxus be- zeichnen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Eher als von zu großem Luxus der Gemeinden könnte man also davon sprechen, daß manche Gemeinden Sparsamkeit an falscher Stelle treiben. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Ursachen der Finanznot der Gemeinden sind bereits hervor- gehoben. Man hat darauf hingewiesen, daß der Staat den Ge- »neinden eine große Reihe von Lasten aufwälzt. Ich freue mich, daß Herr v. Campe den Standpunkt eingenommen hat, daß der Staat dicK ästen für solche Lasten zu tragen hat.'Das ist auch unser Standpunkt. So sind z. B. vieles Gemeinden Ausgaben für Polizeikosten auferlegt worden, ohne daß sie irgendwelchen Ein- sluß darauf haben. Ich erinnere auch an die Ausgaben, die den Gemeinden durch das Kinderprivileg erwachsen. Wir be- kämpfen das Kinderprivileg keineswegs, im Gegenteil, wir wünschen seine weitere Ausdehnung. Jedenfalls aber sind die Bestimmungen geeignet, die Gemeinden zu belasten. Nicht zuletzt erinnere ich daran, welch ungeheure Lasten den Gemeinden durch die W i r l s ch a f t s- Politik des Reicks aufgebürdet sind, für die ja die Mehrheit dieses Hauses eintritt. Sie hat eine erhebliche Erhöhung der Beamten- gehältcr und Arbeiterlöhne für die Gemeinden mit sich gebracht, weiter die große Belastung des Armenetats, erhöhte Aus- gaben für Verpflegung in den Krankenhäusern usw. Wenn Sie also die Ausgaben der Gemeinden vermindern wollen, so sorgen Sie dafür, daß mit der heutigen unheilvollen Wirtschafts- p olilil ein Ende gemacht wird. fSehr lvahr! bei den Sozialdemo- traten.) Selbst in der allernächsten Nähe von Berlin gibt es eine Reihe von Gemeinden, die sich in großer Notlage befinden, z. B. W e i ß e n s e e. Dort betragen die Schuldlasten allein ein viel- facheS des Ertrages der Einkommensteuer. Andere Gemeinden sehen sich gezwungen. Zuschläge zur Einkommensteuer, bei ganz niedrigem Einkoinmen zu erheben. Unter solchen Umständen wäre es Pflicht der Regierung, endlich mit Vorschlägen zur Entlastung dieser Ge- , neinden zu kommen. Wir müssen unterscheiden zwischen Gemeinden, die in der Nähe der Großstadt liegen und anderen. Die sogenannten Vororlgemeinden sind in ihren Ausgaben immer abhängig von der detreffenden Großstadt. In Erkennlnis dieses Zustandes haben wir kleines feuilleton- BüchersnobiSwuS. Wie manche Neuausgaben erscheinen heutzu- tage— schreibt Paul Landau— die eigentlich nur für den Bücher- schrank berechnet sind und an denen der Naive, der sie nun auch lesen möchte, die> größte Enttäuschung erlebt! Das sind die Schatten- feiten des großen Aufschwunges, den die Bücherprodnktion erlebt hat, die Schattenseilen der neuerwachten Bücherlust und des bibliophilen Sammeleifers. Der Buch-Snob hat sich in einer früher kaum geahnten Reinkultur entwickelt. Für diesen Bücherlenner ist das Buch gar nicht mehr Vermiitler eines durch Lesen zu erlangen- den Eindrucks, sondern es ist Selbstzweck: Selbstzweck der Druck. dessen Anordnuiig ein Künstler überwacht haben muß. Selbstzweck das Papier, das man mit den Fingerspitzen liebkost, wenn es alteS japanisches Bütten oder zum mindesten van Geldern ist, Selbstzweck das Vorsatzpapier und der Einband. Wie vor einem Götzcnbilde berauscht sich der Bibliophile im schlechten Sinne, dieser Fanatiker der Luxusausgabe, vor dem Vorzugsdruck: doch st)iese herrlichen Sinfonien von Druckerschwärze und Papicrweiß auch zu lesen, daran denkt er nicht. Heute erscheint fast von jedem Roman schon eine Luxusausgabe, und diese wenigstens dreifach so teuren Bücher sind häufig zuerst vergriffen. Aber überläßt man auch das kostbare, nur in einer beschränkte» Auflage erscheinende Druckwerk als den Erben des alten„Prachtwerkes" seinem Schicksal, mehr an- gesehen, als gelesen zu werden, so bleiben doch noch genug Bücher übrig, die gewiß keinem„längst gefühlten Bedürfnis" abhelfen. Der Mann mit dem halben Gehirn. Aus Stockholm wird der «Frankf. Ztg." geschrieben: Wie noch erinnerlich sein wird, ereignete sich hier im Sonimer 1Ü11 der seltene Fall, daß ein zur militärischen Uebung eingezogener junger Mann, ein Handlungsgehilfe namens Blomquist, infolge eines Fehlschusses in die Schläfe eine bedeutende Menge der Hirnmasse verlor,� und zwar in der Größe einer geballten Faust. Man hielt die Genesung des Unglücklichen für ausgeschlossen. Merkwürdigerweise vollzog sich aber der Heilungsprozeß doch be- sonders günstig. Es gelang die Kugel zu entfernen, und nach- dem der Patient etwa vierzehn Tage in bewußtlosem Zustande gelegen halte, wurde er allmählich wiederhergestellt. Die inter- cssante Frage war nun die, welchen'Einfluß der Verlust eines so großen Teiles der Hirnmasse auf die geistigen Fähigkeiten des jungen Mannes haben würde. Eine Lähmung trat überhaupt nicht ein. Das Gedächtnis schien ungeschwächt zu sein. DaS Sprech- vermögen und der Gesichtssiiin hatten aber erheblich gelitten, und die Fähigkeit des Patienten, Buchstaben zu kombinieren, und damit auch das Vermögen, z».lesen und zu schreiben, war bedeutend gestört. Wie der Arzt des Patienten, Dr. Fröderström, jetzt dem Blatte„Dageiis Nhhetcc"„litteilt, ist die Besserung während bei der Beratung des Zweckverbandgesetzes für Groß-Berlin eine gemeinsame Regelung des Steuer- und Volks- s ch u l w e s e n s beantragt, Anträge, die die Mehrheit des Hauses leider abgelehnt hat. Andererseits gibt es eine ganze Reihe Zwerggemeinden, die eigentlich in größere Städte ein- gemeindet werden müßten. Tie Hauptsache ist eine gründliche Reform des Kommunalabgabengesetzes in der Richtung, daß d e n Gemeinden neue Steuerquelle n erschlossen werden. Nach der Erklärung des Regierungsvertreters in der Steuerkommission ist leider in absehbarer Zeit nicht daran zu denken, sondern lediglich an eine Reform des Kommunalabgaben- gesetzes in einzelnen Punkten. Wann diese Teilreform kommt, hat die Regierung nicht gesagt, jedenfalls soll sie aber nicht den Zweck haben, den Gemeinden neue Steuerquellen zu erschließen. Danach kann man heute schon sagen, daß auch nach der Reform alles beim alten bleiben wird, daß die Gemeinden genau so notleidend sein, werden wie heute.— Der weiter ange- regte Gedanke, man solle gewisse V o l k s s ch u l l a st e n auf den Staat übernehmen, liegt durchaus in der Richtung un- serer Forderungen der Uebernahme der Schullasten auf den Staat. Wir erstreben die Staatsschule, allerdings nicht eine Schule des heutigen Klassenstaates, sondern eine Schule unter der Verwal- tung eines wirklich demokratischen Staates. Dem heutigen Staat wollen wir unser Bolksschulwesen nicht anvertrauen, heute ist es bei den Gemeinden viel besser aufgehoben.(Sehr währ! bei den Sozialdemokraten.)_ In derselben Richtung bewegte sich auch ein Antrag der Frei- konservativen in der Steuerkommission, wonach für den Fall, daß die Einnahmen an Einkommensteuern und Ergänzungssteuern einen bestimmten Betrag übersteigen, die Ueberschüsse zum Ausgleich der Volksschul- und anderer Kommunallasten verwendet werden. Leider hat die Mehrheit der Kommission den Antrag abgelehnt. Ich nehme an, daß er im Plenum wieder ein- gebracht wird. Diese Anregung wäre ein Weg in der Richtung eines Ausgleichs zwischen Reichen und Armen, den ich für drin- gend notwendig halte. Tie Befürchtung des Vorredners, als ob es dann mit dem Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden vollkom- men zu Ende wäre, halte ich für völlig unbegründet. Es kommt eben ganz darauf an, wie ein solches Gesetz beschaffen ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Erhöhung der Dotationen würde nur auf dem Gebiet des Armenwesens helfen..Im. übrigen sind alles, was hier vorgeschlagen wird, nur Palliativmittel, die Hauptsache ist eine gründliche Reform des K o m m u n a l a b g a b e n- gesetzes. Bei einer solchen Reform sollte man auch das Steuex,privileg der Beamten, soweit es noch besteht, beseitigen. Wir haben solche Anträge lällll gestellt, aber die Mehrheit des Hauses hat nur halbe Arbeit gemacht. Das Steuer- Privileg der Beamten hatte früher vielleicht einmal Sinn, es hat aber sicher keinen Sinn mehr in einer Zeit, wo sämtliche Ar- bei t er» und wenn das neue Steuergesetz in Kraft tritt, auch die Angestellten auf Grund des K 23 zur Steuer heran- gezogen werden. Ferner sollte man auch eine Besteuerung des Kapitals durch die Gemeinden einführen. Der Grundbesitz Ivird vollständig zur Gemeindesteuer herangezogen. Allerdings halte ich die Klagen einiger Vorredner über eine zu hohe Belastung des Grundbesitzes für unberechtigt. Seine Be- lastung ist nur eine scheinbare, denn die Haus- und Grundbesitzer verstehen es ganz vortrefflich, die Lasten auf die Mieter abzuwälzen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben 1909 beantragt, daß auch zur Ergänzungssteuer Zuschläge erhoben werden sollen. Ich glaube, wir standen mit dieser Anregung ganz allein da. Auch jetzt wieder hat die Regierung bei der Reform der Steuergesetze nicht daran gedacht, den Gemeinden die Möglichkeit zu geben, Zuschläge zur Ergänzungs- steuer zu erheben. Dabei ist die Ergänzungssteucr bei uns kaum der Rede wert.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Befürchtung, daß etwa aus Gemeinden mit hohen Ergänzungs- sleuerzuschlägen die reichen Steuerzahler ausziehen würden, ließe sich leicht dadurch begegnen, daß man gesetzlich festlegt, daß der Zuschlag in allen Gemeinden Preußens c i n h e i t- I i ch sein soll. Sie sehen also, es fehlt nicht an Möglichkeiten, den kleinen Gemeinden zu helfen. Tie Regierung mag aus der De- batte den Schluß ziehen, daß es ihre Pflicht ist, endlich den Worten die Tat folgen zu lassen und etwas mehr Dampf hinter ihre Arbeiten zu setzen, die Erwägungen endlich abzuschließen und möglichst bald mit einer wirklich durchgreifenden Reformvorlaze zu kommen. lBravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Cassel(Vp.): Die Steigerung der Ausgaben der Ge- meinden für gewiß notwendige kulturelle und soziale Zwecke ist enorm: manche Gemeinden gehen dabei doch etwas zu schnell vor und bäuen z. B., ehe sie ein Krankenhaus haben, ein I u x u- des letzten Jahres noch weiter fortgeschritten. Blomquist hat von einem Taubstummenlehrer fortwährend Unterricht erhalten und sowohl im Schreiben als im Lesen erhebliche Fortschritte ge- macht. Dieser Tage hat Blomquist von seinem Elternhaus aus, wo er sich gegenwärtig aufhält, einen Brief an Dr. Fröderström ge- schrieben: der Brief ist freilich nur wenige Zeilen lang und voll von orthographischen Fehlern: doch zeugt er von einer erheblichen Zu- nähme des Schreibvermögens des Patienten. Der Vater Blomquists schreibt gleichzeitig an den Arzt, daß das Allgemeinbefinden seines Sohnes reckt gut sei: nur leide dieser zuweilen etwas cm Ge- dächtnisschwäche und an einer ausfallenden Wortarmut: es verursache ihm große Mühe, die einzelnen Buchstaben zu Worten zusammenzu- fügen. Blomquist vermag kürzere Zeitungsartikel zu lesen und auf- zufassen: sobald aber kompliziertere Fragen, etwa politischer oder religiöser Natur, behandelt werden, versagt meistens sein Auf- fassusigsvermögen. Theater. K g I. Schauspielhaus:„Don Carlos' von Schiller. Die von Reinhard Bruck neuinszenierte Ausführung entbehrte aller hervorragenden schauspielerischen Kraft, die vom Sturm und Drang des jungen Schiller befeuert, einen über die mannichfachen Schwäch- Hilgen und Hemmungen des dramatischen Aufbaues hätte hinweg- tragen können. So dehnten sich die viereinhalb bis fünf Stunden des Spiels aufs Doppelte der Zeit. Ohne einen Marquis Posa, der seine lünstlichen, teilweis verkünstelten Berechnungen durch ein festlich hohes Bild des Seelenadels und freiheitlichen Enthusiasmus vergessen läßt, ohne einen Philipp, den ein Schauer menschenfeindlicher Despoten- größe umwittert, bleibt die Stimmung des Werkes aus der Bühne stumm, drängt sich die umständlich schwerfällige Intrige lähmend in den Vordergrund. Sehr geistvoll hat Schiller in den Briefen über Don Carlos seine Intentionen erläutert, sehr fein sind seine psycho- logischen Betrachtungen, daß hochfliegender Idealismus leicht dazu neige, Vorsehung zu spielen und nach geheimen Plänen die Einzelnen als Werkzeuge zu liutz»n: aber die Bedenken des Zuschauers werden damit in keiner Weise widerlegt. Klar tritt es in dem Stück hervor, daß Posas Freundschaft zu Carlos weniger dem unmittel- baren Antrieb der Natur als der Hoffnung entspringt, diesen Hoch- gestellten in einem Zeitalter, das noch ganz naiv an eine grenzenloie Macht der Könige glaubt, zum Menschenbeglücker und Bringer der Freiheit zu bilden. Aber zufällig, ja Posas eigentlichem Wesen widerstreitend, scheint es, daß dieser dem Freunde nichts von Philipps eifersüchtigein Perdacht sagt, sondern ihn juftament vermittelst einer abenteuerlich verwickelten Intrige retten will. Geräuschlos ohne Gehilsen, in stiller Größe zu wirken � so verteidigt�Schiller das mehr als seltsame Verhalten seines Helden in dem Drama— ist Posas Schwärmerei. Still wie die Vorsicht für einen Schlafenden sorgt, will er des Freundes Schicksal auflösen, er will ihn retten wie eincit Gott--- und eben dadurch richtet er ihn zu Grunde.., riöses Rathaus. Für die Bildung muß viel geschehen. aber eine kleine Gemeinde braucht nicht gleich jede Art höherer Schulen. Pomphafte S ch u l b a u t e n belasten die Gemein»- den mit dauernden Schulden. Die lleberlastung der Landräte und Bürgermeister mit der Steuereinschätzung ist kolossal. Wäre sie nicht vorhanden, so würden ganz andere Steuerbetrage einkoinmen. Herr v. Zedlitz stimmt mir zu— beim Steuer- gesetz, wenn wir die Anstellung eigener Steuerkommissare�be- antragen werden, kann cr diese Zustimmung betätigen.(Sehr gut! links.) Im Gegensatz zum Vorredner bin ich Gegner der Staatsschule. Für Preußen ist der Fortschritt der Schule durch ihre Unterstellung unter die Gemeinden gesichert. Für progresiiv steigende Steuerzuschläge auf Kapitalbesitz sind auch wir. Damit ist die Besprechung erledigt. Abg. Fritsch(natl.) begründet eine Interpellation über eben- tuelle Maßnahmen zur Abhilfe der Kreditnot des städtischen und ländlichen Grundbesitzes.?. Damit verbunden tvird die Beratung des Antrages Dr. Arendt(fk.), der Untersuck�ingen über Abhilfe der städ- tischen Realkredit not verlangt. Ter Antrag wird vom Antragsteller begründet. Lanowirtschaftsininistcr Dr. Frhr. v. Schorleiner: Eine Kreditnot für den ländlichen Grundbesitz besteht nicht, im Gegen» teil, wir müssen seine Entschuldung fördern.(Beifall rechts.) Die Einführung einer Verschuldungsgrenze reicht dazu nicht aus, es schweben Erwägungen über die sonst nötigen Maßregeln. Für den städtischen Kredit ist eine bessere Organisation nötig, wie sie auf dem Laude schon in de» Landschaften besteht. Erfreulich ist die Errichtung städtischer Pfandbriefinstitute. Leider ist der städtische Grundbesitz zu einer Handels- und Schleuoerware geworden, worunter die anständigen Hausbesitzer, die Bauhandwerker und nicht zuletzt die Mieter leiden.(Zustimmung.) Durch die Ge- Währung zweiter Hypotheken köunten die Städie in Sorgen ge« raten, dazu sind auch oie städtischen Gelder nicht da. Eine Vor- bedingung zur Abhilfe der Kreditnot ist die Errichtung von Schätzungsämtern. Warten Sie die Vorschläge der Regierung über all diese schwierigen Fragen vertrauensvoll ab. Auf Antrag des Abg. K locke(Ztr.) wird die Besprechung der Interpellation beschloffen. Abg. Klocke(Ztr.s:>Die Terraingesellschaften mußten überall eitstehen, wo eine städtische Bodenpolitik nicht betrieben wuroe. Der Staat hat um so mehr die Pflicht, für eine Verbesserung der Realtreoitverhältnisse zu sorge», als durch das Sparkassengesetz tvieder bedeutende städtische Mittel festgelegt ivorden sind. Tie Notwendigkeit der Entschuldung des städtischen Grundbesitzes geben auch wir zu. Wichtig wäre auch die Schaffung eines Meliorations- kreditS. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Reimer(f.) wird die Vertagung beschlossen. Präsident Dr. Graf v. Schwerin-LLwit, schlägt vor, die nächste Sitzung abzuhalten am Mittwoch, den 3. Januar, mit der Tagesordnung: erste Lesung des Etats. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): � Es ist sehr bedauerlich, daß es wieder nicht zu der Beratung des Antrags Fritsch betreffend Abschaffung der Arrest- st r a f e n"für Unterbeamte gekommen ist sowie der dazu mit zur Verhandlung gestellten Petitionen, die das Beamtenrqcht � und oie Wünsche der Unterbeamten auf Teuerungszulagen und Regelung des Gratifikationswesens betreffen. Das Haus hat be- reits einmal einstnmntg beschlossen, diese Wünsche der Beamten der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Die Regicriing hat aber inzivischen nichts in dieser Richtung getan. Es wäre sehr wünschenswert, wenn noch vor Weihnachten diese Wünsche ,15, 20 p,. Grünkohl......................... p,und 5?,. Spinat....................... 3 Pfund 10 p,. filmerla-Trauben............ p,nnd 25 p-- Apfelsinen.......... Dnt«nd 25, Z5>'-. Mandarinen................... Kiste 95?-. Zitronen............ vnt.°nd 25, 3Zp- Kartoffein................. iv p,nnd 25� Dherhardter................ nasche 80?-- Obermoseier............... p-asch- 85 p-. MoseiblUmchen........... nasche 95�- Roter Tischwein......... nasche 75 n- Med. St. Julien............ nasche 90 Medoc St. Emilien...... naschcl.OO Samcs........................ nasch« ZO p Tarragona.................... nasche 90p Frucht-Sect wit Kohlcnsdnre, naschcl, 20 Kaiser-Seot-nttKchIeneanre,PIasche2»25 G0gnao-Versohn!ttpi.1.25, 1.65 Lognav-Versohnitt �.°.?°°�heZ.5O Rum-Versohnittpiasche1,25, 1.45 Sortiments-Liköre....... nasche 95". 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Simpll-Knkao ist unerkannt gut, man hat ihn deshalb in vielen Kreisen als Hausgoträak eingeführt. 8iinpIl-Kakao wird mir in Originalpackung zu'/» und'/i Pfund verkauft, in garantierter Original-Fabrikfüllung, Die Simpli-Fabrikato(auch Schokoladen, Pralinen, Katzenzungen usw.) werden in vollendeter'Wciso herge=teUt von der Finna„Surottl" A.-U., Berlin. Man frage überall nach Simpli* Kakao! __________»»»»»»aiu VrA CAtil AAftAVlK-- Lk«Mt«srtllchest Stetsiteut: Alfred Wiclrpp, Neukölln. Zur des Lnieratenleil verautw.: Th. Glocke��lin. Druck n. illerlagTÄrwärtt Buchdrucietet u. Sit ctagsaullatt �oul"Stnaec«. liäT iBetluTSiV. Hr. 292. 29. 2. Stilllge des LllMlilts" Kttlllltt NlildsblR-..'�"9.2. Partei- EtogekgenKeiten. Neukölln. Montag, den 16. Dezeinber, abends 8 Uhr, in Bartschs Festsälen, H-r-»annstr. 13: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des ÄekretärS. 2. Verschiedenes. Oberich-neweide. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet diesmal ausnahmsweise am Montag, den 16. Dezember, abends 8Vz Uhr, bei Procholvski statt. Tagesordnung: Jugend- schriften und Wandschmuck im proletarischen Heim. Referent: Genosse Zimmermann. Diskussion, Bezirksangelegenheiten. Im Anschlug an diese Versammlung findet daselbst auch die Eröffnung der Jugend- schritten- und Wandschmnck-Ai�stellung statt. Wir verweisen auf die zu diesem Zweck ausgehängten Plakate. Bernau. Am Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 2 Uhr. findet in Ruhlsdorf eine Versammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Genossen Gcsche, Sophienstädter Straße, statt. Referent: Dr. Julius Moses. Zernsdorf. Am Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 3 Uhr, im Lokal von Käbe in Kablow, Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Schönerlinde sBez. Pankow). Morgen Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 3 Uhr. im Restaurant Steuder, am Gorinsee: Zahl- abend. Alt-Landsberg. Morgen Sonntag: Mitgliederversammlungen für Alt-Landsberg vormittags 16 Uhr bei Funke, Klosterstraße, für Süd nachmittags 2Vz Uhr bei Schmidt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Thurin-Lichtenberg. Gäste willkommen. öerUner fSsackmedten. Das buddelnde Berlin. Berlin ist Weltstadt? Ter Spötter sagt: Buddelstadt. Für Wiihlarbeit verdient Spree-Athen entschieden den Friedenspreis. Hochragende, massige Leitergerüste, Bau- zäune, Schutt und Sandhaufen, Erdgruben in schier endloser Länge, Berge von Pflastersteine, Notstege und Notbrücken, Arbeiter wie Bienenschwärme, Schilder mit dem obligaten „Tie Straße ist gesperrt" und abends das trübe leuchtende rubinrote Warnungslaternchen oder flackendernde Acctylen- lampen inmitten der Nachtkolonnen— alles das atmet den Veränderungstrieb, der die Weltstadt an der Spree seit einem Jahrzehnt an tausend Ecken und Enden erfaßt hat. Und Trumpf ist das Wühlen, Bohren, Pochen, Hämmern im unter- irdischen Berlin. Der Roland am märkischen Museum macht sein allerdümmstes Gesicht, kennt sich nicht mehr aus. Taten- los nruß er init gezücktem Schwert zusehen, wie rings um ihn ganze Häuserviertel und Straßen in Trümmer sinken, ein neues Geschlecht kraftvoll emporsteigt und mit ihm ein neues Recht, das doch ein uraltes ist,... das Recht der Entwickelung. Was für Runior doch so eine unterirdische Riesenschlange in das Berliner Leb�n bringt! Von Charlottenburg bis zum Spittelmarkt liegt der niedergerungene starke Leib sicher im Stäfig des menschlichen Bändigers. Desto wilder zuckt es im Schwanz, der gereizt recht ungemütlich um sich schlagen, Erde und Wasser peitschen kann. Nun sind ihm hoffenlich für immer auch auf der„Spreeinsel" Fesseln angelegt. Tatsächlich eine regelrechte Insel ragt hier aus dem Spreebecken, eigent- lich nur ein wirrer Haufei: von Baumaterial, wie der Aus- Wurf eines Vulkans, dessen Kraft gebrochen ist. Dicht daneben bäumt sich schon wieder der gärende Leib der Erde. Die alten Berliner Fischer suchen ihre Fischerbrücke vergebens, er- kennen den angestammten Sitz nicht inehr wieder. Und noch ein anderes, das hier schon zum Wahrzeichen Berlins ge- worden war, vermißt ohne Schmerz unser Auge. Vom Insel- speicher, dem heißumstrittenen Häßlichkeitsmuster, steht glück- licherwcise kein Stein mehr. Nun erst sieht man so recht, was aus dieser ältesten Gegend Berlins noch werden kann, wenn auch mal das andere alte Gemäuer ringsherum, das ja schon längst mit dem Tode ringt, sein letztes kümmerliches Leben ausgehaucht hat. Es ist richtig, man klebt und hängt noch an diesen trotz aller Düstetkeit nüt einem Schein von Städte- romantik umwobenen Altertümern, und doch mutz der Faust des Stärkeren, der neuen rastlos vorwärtsschreitenden Zeit, der Sieg bleiben. Die Wellen, die einst die Wasserschlange schlug, haben sich hier beim Spreetunnel der Untergrundbahn schon geglättet. Bewundernd steht man vor der Kraft der Menschenhände, die sich zähe durch Erde und Wasser gruben, selbst die Natur in ihren Bann zu zwingen scheinen. Drüben am Lande, wo die verräucherten Reste Alt-Berlins wie Vogel- nester aneinander kleben, ist die Ruhe wieder einigermaßen eingekehrt. Regellos, zerklüftet genug siehts noch aus, aber schon steht in greifbarer Nähe der feierliche Moment, wo das Werk den Meister loben soll. In scharfem Bogen windet sich die unterirdische Spur beim Kloster-Gymnasium nach dem Alexanderplatz. Wieder ein Vulkanauswurf, wieder ein fast unentrinnbarer Haufen von Holz und Eisen, Sand und Stein. Zu schlafen scheint alles am Tage im langgestreckten Höhlen- bau. wo doch die Kräfte nicht rasten. In der Nacht wird es dem Auge lebendiger, ringt sich die Kraft nach oben. Wie durch Zauberniacht öffnet sich die Erde. Lange Gänge werden sichtbar, Fackeln glühen auf— die Heinzelmännchen, die am Tage das Vcrkehrsgewirr fliehen, sind an der Arbeit. Sic weben und schaffen, wenn Tausende rings um sie im Sündenbabel an der Spree, in„Berlin bei Nacht", in vollen Zügen genießen aus dein Becher der Freude. Noch kurze Zeit nur, dann ist die einst so tote Berliner Erde von Grenze zu Grenze -n den Dienst modernen Bedürfnisses gestellt. Und schon �egt es sich an anderer Stelle, das große Verkehrswerk von neuem zu beginnen, den Erdboden von Nord nach Süd zu durchqueren... in Berlin, der Buddelstadt. Rasenuutcrsuchungen in der Schule. �Der dritte internationale Ltongreß für Larhngologic(Wissen- schaft der Hals- und Nasenkrankhcitcn) hat den Beschluß gefaßt, eine internationale Sammelwrichung über den gegenwärtigen Stand der Ozaena lsnnkendcr Rasenkatarrhl anzustellen. Um ein mög- lichst groges Material zu erlangen, sollen in den Schulen Unter- suchungen vorgenoinmen werden. In Groß-Berlin ist von einer Reihe von Gemeinden bereits die Genehmigung erteilt und mit den Untersuchungen begonnen worden. Dabei hat sich herausgestellt, daß eine Reihe von Eltern, es soll über ein Sechstel sein, die Untersuchung ihrer Kinder verboten hat. Um diesen Widerstand der Eltern zu beseitigen und auch den Lehrer über die Wichtigkeit dieser Untersuchung zu unterrichten, ist eine Aufklärung über dieses Leiden selbst, den Zweck der Statistik und die Wichtigkeit der wahren Erforschung dieses Leidens notwendig! das soll im folgenden kurz geschehen. Die Ozaena ist ein Katarrh der Schleimhaut der Nase, der mit einem«chwund der Rasenschleimhaut beginnt, später zu Borken- bildung führt und dann durch Ansiedelung von Fäuinisbakterien einen höchst unangenehmen, der Nase entströmenden Geruch, her- borruft, der für den Kranken selbst wie für seine ganze Umgebung eine entsetzliche Plage wird; auch Eiterungen aus der Nase und Auflagerung von zähflüssigen grauen Massen auf den Nasemnuscheln kommen dabei vor. Ueber die Natur dieses Leidens, über ihre Ursachen, die VerbrsK'-inzsweise usw. herrscht zurzeit noch tiefes Dunkel; in dieses Dunkel etwas Licht zu bringen, soll der Zweck dieser� Sammelforschung in allen Kulturländern sein. Man will, wie Prof. Alexander ausführte, die Häufigkeit des Leidens in den verschiedenen Ländern und Gegenden feststellen; es soll geprüft werden, ob sich die Krankheit von bestimmten geographischen Zen- tren aus verbreitet. Uni die Erkrankung selbst einwandfrei festzustellen, sollen in erster Linie Spezialärztc für Nasenletden diese Untersuchungen aus- führen, nian will alle Ozaenafällc, deren Ursache feststeht, aus- sondern, z. B. die Fälle, die auf Syphilis beruhen und nur die reinen echten Ozaenafälle unbekannter Ursache in die Statistik ein- beziehen. In den großen Städten wird sich dies relativ leicht bewerkstelligen lassen, in den kleinen Städten oder gar auf dem Lande sind große Schwierigkeiten zu überwinden, da es dort an Spezialärzten dieses Faches meist mangelt, eventuell will man die Hilfe der Kreisärzte in Anspruch nehmen und Stichproben machen. Dies Material soll nach Alter, Geschlecht, Religion(resp. Rasse), Beruf, nach volkshygienischen, sozialen und ethnologischen Gesichts- punkten geordnet werden. In zweiter Linie will man die Frage der Anstcckungsfähigkcit und der Erblichkeit der Ozaena aufzuklären suchen. Dazu sollen die Schuluntersuchungcn dienen; diese werden in geeigneten Räumen vorgenommen, in denen Vorkehrungen zur Sterilisierung der Instrumente geschaffen, so daß die Gefahr der Uebcrtragung von Krankheiten durch Instrumente ausgeschlossen ist. Die Untersuchung selbst ist völlig schmerzlos und bringt keinerlei Schaden; man sondert Gesunde von Ozaenakranken und Ozaenaverdächtigcn aus, nimmt dann auch genauere Untersuchun- gen vor und wird auch, wenn möglich, die Eltern kranker Kinder hinzuziehen. Auf diese Weise kann man dann Stammtafeln über ifie Fälle in einer Familie feststellen, kann die Art der Vererbung und vielleicht auch Ansteckung aufdecken; so wird auch vielleicht Aufklärung geschaffen über den Zusammenhang der Ozaena mit Tuberkulose, den viele Forscher für wahrscheinlich halten. Auch der Krankheitsverlauf des Leidens in den ersten Jahren und eventuelle Sektionsbefundc sollen in den Bereich'der Sammcl- forschung gezogen werden. Zweifellos verdient diese Forschung die Unterstützung aller, denen die Beseitigung dieses häßlichen und unangenehmen Leidens, das sicher sehr häufig die Proleiarierkindcr befällt, am Herzen liegt. Sollen doch gerade durch sie die Ursachen rnrd die Verbreitungsweise der Krankheit studiert werden, um ihr energischer als es bisher möglich war, zu Leibe zu rücken und diese Krankheit sobald wie möglich gänzlich zu beseitigen. Um die neuen Steuern. Der Magistrat beriet in seiner «Ustrigen Sitzung die Frage der Einführung einer Bier- und Kineinatographensteuer. Die Generaldebatte wurde beendet. Die Spezialdebatte wurde vertagt und soll iu einer weiteren Sitzung stattfinden. Der Magistrat sollte die Finger davon lassen, die Bcr- liner Bürgerschaft mit einer neuen indirekten Steuer zu be- glücken, sonst dürfte er sich die Finger böse verbrennen. Die Berliner Bevölkerung wird sich mit Händen und Füßen gegen neue Belastungen zu-wehren wissen. Mehr Hygiene resp. Sauberkeit im Barbicrgewcrbe! Von einem Arzt erhalten wir folgende beachtenswerte Zuschrift:„Gestern gegen abend ließ ich mir in einem im Südosten gelegenen Barbierladen das Haar schneiden(viel gab es nicht zu schneiden, da ich mich nächst- dem mit dem Schwamm känimen werde!). Nach Beendigung der Prozedur ward das edle Haupt mit einer Haarbürste gekämmt; als auch diese Arbeit erledigt, sah ich mir die dazu benutzte Haarbürste näher an und da bemerkte ich— borridilo dictu— d. h. schrecklich zu sagen—, daß die Bürste vollständig verfilzt war; als ich nun den Flgarosjünger auf diesen Uebelstand aufmerksam machte, meinte er:„die Bürste wird aber jede Woche(!!!) gewaschen!" Ich er- widerte ihm:„Aber guter Mann, die Bürste macht täglich mit zirka 26— 30 Köpfen, deren Haarböden vielfach Brutstätten aller möglichen Pilze und Krankheitserreger sind, Bekanntschaft— macht wöckentlich die Zahl zirka 156—, und Sie halten e» nur für nölig, die Bürste wöchentlich einmal zu reinigen und das vielleicht oder sicherlich nur mangelhaft, weil Haarbürsten überhaupt schwer zu reinigen sind." Möchten doch alle Inhaber von Barbierstuben be- denken, daß Reinlichkeit der Hände und der gebrauchten Utensilien (Kämme und Bürsten I) die erste Bedingung ist zur Erhaltung der alten und zur Gewinnung neuer Kundschaft! Ueberhaupt weg mit den Haarbürsten I Dafür wende man die Metallbürsten an. die nach jedesmaligem Gebrauch leicht zu reinigen sind(Legen in heißes Wasser oder in eine bprozentige Formalinlösung). Oder das Publikum scheue nicht die kleine Mühe, seine eigene Bürste mit- zunehmen, wenn nian nicht vorzieht, auf die überflüssige Mani- pulation des KopfbürstenS zu verzichten." Zur Zlugestelltenversichcrung. Amtlich wird bekannt gegeben: ..AnHcstellie, die nach dem Versicherungsgesetz für Zlngestcllte vom 26.�12. 1911 der VersicherungSpfl icht unterliegen, müssen am 1. Januar 1613 im Besitz einer Vcrsichcrungskarte sein. Abgesehen davon, daß gegen Säumige Geldstrafen gemäß§ 188 des Gesetzes verhängt wevden können, liegt es im eigenen Interesse der Ange- stellten, ivelche die Ausstellung einer Versicherungskarte noch nicht beantragt haben, dies nunmehr recht bald zu tun, da die hiesige Ausgabestelle in den letzten Tagen des Monats Dezember mög- licherwcise nicht in der Lage sein wird, sofort allen Anträgen zu entsprechen. Die Ausgabestelle für'die in dem Geineindsbezirt Berlin- beschäftigten Llugestellten befindet sich Am Köllnischen Park 8 im Gebäude der Landesvcrsicheruugsanstalt Berlin. Es wivd bei dieser Gelegenheit noch daraus aufmerksam gemacht, daß Zlngestcllte, die eine Lebensversicherung vordem 3. 12. 1911 abgeschlossen haben, für ihre Person von der Beitragsleistung befreit werden können, wenn die Lebensversicherungsprämie mindestens dem für die An- gestelltenversicherung zu leistenden Beitrage gleichkommt. Falls die Prämie zu niedrig ist, kann sie bis zum 1. Januar 1313 durch Nachversicherung entsprechend erhöht-werden. Ter Antrag- aus Be- sreiung ist in der ersten Ausnahmekart« unter Vorlegung der Police und der Prämienquitiungen für 1911 und 1912 zu stellen. Angestellte, die iu der ersten Aufnahmekarte einen Antrag auf Bc- sreiung gestellt haben, oder nicht befreit-wurden, weil sie-verab- säumt hatten, die erforderlichen Belege zur Prüfung- mitvorzulegcii, können diesen Antrag na-cp dem 1. 1. uno unter Vorlegung der Bc- weisstücke bei dem alsdann in das Leben tretenden Rentenausschutz wiederholen." Das todbringende Schlafmittel. In einem Berliner Kronken- haus ist gestern ein Brcslaucr Chemiker gestorben, der das Opfer einer zu großen Dosis eines Schlaspulvers geworden ist. Es handelt sich um den 11 Jahre alten Dr. Johann Tiinniisch, der seit einem halben Jahr in-der Philippstraße wohnte. Er-hielt sich stndien- halber in Berlin auf und wollte demnächst als Teilhaber in eine chemische Fabrik eintreten. Seit längerer Zeit litt er an Schlas- losigkeit und sah sich gezwungen, künstliche Mittel anzuwenden, um Ruhe zu finden. In der Nacht zum vergangenen Sonntag scheint Di. Timmisch eine zu große Dosis eines Schlaspulvers genommen zu haben. Als seine Wirtin ihn am anderen Morgen wecken wollte, antwortete er-nicht auf ihr Rufen. Die Frau nahm an, daß der Chemiker noch schlafe. Drei seiner Freunde besuchten ihn im Lause des-Bormittags, und auch sie ließen ihn„weiterschlafen"«nid entfernten sich wieder.'Als Dr. Timinisch am Abend immer noch in derselben Lage in seinem Bett lag und schwer röcheue, holte die Wirtin einen Arzt. Alle Mittel jodoch, ihn wieder«vis Leben zurückzurufen, blieben ergebnislos', und- der Schwerkranke wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er gestern swrb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der Ueberfall im Nauener Vorortzuge, über den wir seiiwrzeik berichteten, und der lange Zeit hindurch die Bevölkerung der dorti» gen Gegend in große Aufregung und- Schrecken versetzte, ist wieder in ein neues Stadium getreten. SIm- 16. August d. I. wurden drei Damen, eine Frau Luise Voß aus Stauen und die Frau des Direktors Karstä-dt u-nd deren Tochter aus Sel'belang, von einenr Unhold in einem Abteil des Nauencr Vorortzuges überfallen und mit dem Messer so übel zugerichtet, daß sie, mit Ausnahme des Fräulein Karstadt, das mit leichteren Verletzungen davonkam, längere Zeit- im Krankenhause zubringen mutzten. Mitte Oktober erst gelang es den unausgesetzten Nachforschungen der Kriminal» Polizei, den mutmaßlichen Täter in der Person eines Bäckergesellen und Hausdieners Nettelstroh in Gütersloh zu verhasten. Dieser bestritt ganz entschieden, der gesuchte Messerstecher zu sein, auch dann noch, als er nicht nur dringend- verdächtigt, sondern auch schon als überführt erachtet wurde.-Erst im Untersuchungsgefängnis legte er vor dem Untersuchungsrichter ein umfassendes'Geständnis ab. Dieses Geständnis k>at er nun gestern widerrufen. Auf Anordnung des Untersuchungsrichters wird er zur Obduktion der Leiche-der vorgestern im Krankenhause zu Nauen an den Folgen ihrer Ver- tetzungen verschiedenen Frau Karstädt vorgeführt wevden. Die Leiche der Frau Karstädt wird nach der Obduktion von der Staats- anwaltschast sofort freigegeben und morgen beevdigt werden. In großer Lebensgefahr schwebte am Freitag ein kleines Kind. das von den Eltern in ihrer Wohnung, Zorndorfer Str. 8. unbeauf- sichtigt zurückgelassen war. Dort kam durch Entzimdung von Kohlen Feuer aus. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als die Wohnung schon total verqualmt war. Die alarmierte Feuerwehr holte das Kind heraus und löschte den Brand, der bereits den Fußboden und die. Küchenmöbel ergriffe» hatte.— Ferner hatte die Feuerwehr in der Friedenstr. 168 und Oranienstr. 116 zu tun. An beiden Stellen hatten sich Personen mit Leuchtgas vergiftet. In der Oranienstraße gelang es die Person eines jungen Kaufmanns durch Einflößen von Sauerstoff zu retten, in dem anderen Falle waren die Versuche ver» geblich.— Wegen eines Bäckereibrandes, der durch Ueberkochen von Fett entstanden war, wurde die Feuerwehr nach der Jablonskistr. 11 gerufen. Außerdem hatte die Feuerwehr noch in der Hagelsberger- stratze 38 zu tun. Auf der Brandstätte im Omnibusdcpot XII war gestern früh noch ein Löschzug der Feuerwehr mit den letzten Anfräumungs» arbeiten beschäftigt. Die Leitung hatte Brandmeister Maeder. Da die Stallungen vom Feuer verschont geblieben sind, konnten die Pferde zum Teil wicber eingestellt werden. Nur etwa 86 Pferde wurden in einem anderen Depot untergebracht und zwar deshalb» weil einige Ställe,-die unmittelbar unter dem Brandhevd liegen, bei der Zlblöschung«des Feuers stark id-urchnäßt worden sind. Eine Störung im Omnibusbetrieb ist durch den Brand nicht eingetreten. Die Bespannung der Wagen ging wie gewöhnlich vor sich. Ueber die Entstehung des Feuers konnte noch nichts Bestimmtes festgestellt werde»!, da bei Ausbruch des Brandes sich niemand von den Auge» stellten des Depots ans dem Futterboden aufgehalten hat. Der Schaden, den die OmnÄusgestzllschaft erleidet, ist übrigens du-jljch Versicherung voll gedeckt. Alis dem Heimwege vom Tobe überrascht wurde gestern mittag der 13 Jahre alte Brauereiverwalter Willi Lau aus der Hoch- siraße 3. Der Mann, der in der Bockbrauerei in der Schulzen- dorfer Straße beschäftigt war, wurde auf dem Nachhausewege Plötz- lich von einem schweren Unwohlsein befallen. Er suchte'deshalb eine Filiale der Weinhandlung und Likörfabrik von Meyer in der Neuen Hochstr. 17 auf, setzte sich hier auf einen Stuhl und bat um ein Glas Waffer. Während man seinem Wunsche nachkam, wurde er aber vom Tode ereilt. Ein Schutzmann brachte ihn noch zur Hilfswache in der Lindower Straße, doch konnte der Arzt hier nicht mehr helfen. Da er die Todesursache nicht bestimmt feststellen konnte, wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Lau war seit längerer Zeit schwer herzlcidend und eS scheint, daß ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gemacht hat. Das Berliner Adreßbuch für 1913 gelangt von heute(Sonn- abend) ab bis einschließlich Dienstag, den 17. d. M., in der Haupt- expedition des„Berliner Lokal-Anzeigers", Zimmerstr. 36/41, wochentags von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags zur Aus- gäbe, au die Vorbesteller gegen Aushändigung der ihnen zugegange- neu Legitimationskarten. Vom Mittwoch, den 18. d. M., ab erfolgt die Lieferung der nicht abgeholten Exemplare an die Adresse der Bestellet: gegen eine Zustellungsgebühr von 30 Pf.— Die hauptsächlichste Veränderung im neuen Jahrgang betrifft den V. Teil, die Bororte. Die Umbenennung Rixdorfs in Neukölln sowie die durch die Kabincttsorder vom 8. Januar d. I. festgesetzte Voran- stcllung des Namens„Berlin" bei 28 Vororten haben eine neue alphabetische Reihenfolge der Vororte und eine Neugestaltung dieses Teils erforderlich gemacht. Im Zusammenhange hiermit ist auch im Teil II— Behörden usw.— der Nepbenennung asi allen davon betroffenen Stellen entsprochen. Im Namensverzeichnis ist jedoch in jedem Einzelfalle die Voransetzung des Wortes„Berlin" unter- blieben, um die bisherige Uebersichtlichkcit zu erhalten und das Adreßbuch nicht unhandlich zu gestalten. Im Planbuch wurde das alphabetische Verzeichnis der Straßen von Berlin und sämtlichen im Adreßbuch aufgeführten Vororten durchwegs mit den neuen Ortsbezcichnungcn versehen. Darin aufgenommen sind' ferner die Nachweise aller Verkehrslinien Groß-Berlins und die Situations- Pläne der meisten in Berlin und Umgebung bestehenden Terrain- gesellschaficn. Entsprechend der stetigen Erschließung neuer Gelände zu Bauzwecken weist auch der große Verkehrspla» die neuesten Ver- andcrungen auf.— Adreßbücher zum Ladenpreise sind nur in der Hauptexpedition, Zimmerstr. 36—41, zu haben. Verhaftung eines Mädchenmörders. -Ein rätselhafter Leichenfund beschäftigte-seit drei Wochen d-i« Krimin-alpolizei. Am 21. November wurde an der Wlershofer Brücke die Leiche einer unhekannten Frauensperson aus dem Teltowkanal gelandet. Bald darauf wurde bei der Kriminalpolizei angezeigt, daß ein aus Lauenburg gebürtiges Dienstmädchen Martha Sil-datke vermißt werde. Die Beschreibung dieses-Mädchens paßte ziemlich genau auf die unbekannte Tote. Die Kriminalpolizei machte die Anzeigenden aus den Leichensund aufmerksam. Diese bcga-en sich nach ANecrshos hinaus nud erkannten in»er Leiche vre des vermißten Mädchens bestimmt wieder. Zunächst glaubt« man an einen- Selbstmord und führte ihn daraus zurück, daß Martha Sildatke in Verzweiflung über die Folgen eines Liebesverhältnisses geraten sei. Die weiteren Ermittelungen ergaben jedoch, daß das Mädchen aus diesem Grunde schwerlich ins Wasser gegangen sein könne. Es war zuletzt auf dein Dominium Lietzow bei Nauen bei dem Gutsvorsichcr als Stubenmädchen tätig gewesen und hatte nie» nralS Lebensüberdruß gezeigt oder gar Selbstmovdgedalikcn ge» äußert. Jetzt est es der Kriminalpolizei gelungen, den 19 Jahre alten, aus Prellwitz gebürtigen Diener Richard S t äbnc x, der mit der Sildatke ein LiedeSverhältnis-unterhalten hatte, zu dem Geständnis zu bringen, daß' er das Mädchen umgebracht babc Stälbner wurde nach diesem Geständnis in Palizeigawa'hrsam ge nommen und wird nunmehr dem Untersuchungsrichter vorgeführt wenden. Brbeitee-BildungSschule, Grenadierstr. 37. Sonntag, den 18. De zeinber, abends 7 Uhr: Mitgliederversammlung im Schul lokal. Bortrag des Genossen Dittmer über:»Massenaktion und wirtschaftliche K Smpfe der Neuzeit". Mitglieds buch legitimiert. Gäste zahlen 20 Pf. Eintritt. Fahrpläne zur Agitation Segen für die Mitglieder im Gchullokal zur Abholung bereit. Auf dem Wege von der Bouchestraße nach dem Ringbahnho, Treptow und dann evtl. in der Stadtbahn bis Alexanderplatz ist eine goldene Damenuhr mit langer goldener Kette verloren ge- gangen. Wisderbringer erhält Belohnung bei Götze, Treptow, Bouchestr. 84 IV. Fußballspiele der Arbeiterturn- und-Sportvereine. Am kommenden Sonntag, nachmittags 2V« Uhr, finden folgende Spiele statt: Fichte XVIl— Spandau in Reinickendorf, Lette-Allee' Fichte I— Weihensee in Baumschulenweg, Köpenicker Landstrahe. Vorort- JSadmcbtem Neukölln. Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung atn Donnert tag wurden durch den Bürgermeister Dr. Weinreich die bis herigen Stadtbauinspektoren Best und Hahn in ihre neuen Aemter als Magistratsmitglieder eingeführt, ersterer als Stadt- baurat für den Hochbau, letzerer für das Verkehrswesen. Zu lebhaften Debatten führte die von der Gewerbedeputation und dem Magistrat erneut vorgelegte Abänderung des Orts- statuts für�die Pflichtfortbildungsschule. Stadtv. Mermuth(Soz.) wandte sich entschieden gegen den reaktionären Geist der Vorlage, deren Annahme nicht mit gutem Gewissen zu verantworten sei. Die Beschaffung der Lernmittel habe man den Slrbeitgebern abgenommen und dafür auf die Schüler gewälzt, ob- wohl die Erslercn sowohl, als auch der die Gesamtheit repräsen- tierende Staat die Hauptnutzieher an einer guten Arbeiteraus- bildung wären und daher mit Recht die Kosten dafür zn tragen hätten. Da der Letztere sich weigere, müsse eben die Gemeinde dessen Pflicht übernehmen. Energisch zurückgewiesen werden mühten 'die vorgesehenen Schulstrafen, welche modernen pädagogischen An- lchauungen ins Gesicht schlügen. Karzerstrafe_und zwangsweise Vorführung durch den Schutzmann müsse den Schüler in seinen Eharakteranlagen schädigen. Die Ausführungen des Redners über neuzeitliche Erzichungsgrundsätze wurden von bürgerlichen Stadt- verordneten mit dauernder Unruhe begleitet, so dah er diesen zu- rief:»Ihre Zurufe beweisen, dah Ihnen eben für diese wichtigen Fragen die Lust und das Verständnis fehlen!" Stürmische Protest- ansbrüche der Mehrheit quittierten darüber, dah der wohlverdiente Hieb gesessen hatte. Nach mühsam wieder hergestellter Ruhe setzte Redner in seinen Ausführungen fort, indem er die Anwendung gewalttätiger Strafen als Abschreckungsmittel verwarf und die Weckung und Beeinflussung der guten Eigenschaften im Menschen als das einzig richtig« Erziehungsmittel bezeichnete. Wilmersdorf babe nur zloei, Berlin drei Stunden Arrest als Maximum vorge- sehen, während Neukölln sechs Stunden zulassen wolle. Wenn Schöneberg das Gleiche festgesetzt habe, so beweise das gar nichts, sondern charakterisiere nur den dort herrschenden Liberalismus. Die im Statut zugelassene Vorführung durch, einen Schutzmann werde bei Schülern mit einer durch Schundliteratur erzeugten Räuberromantik nichts nützen, den im allgemeinen aber Gut- gearteten geradezu zum Verderben werden. Daher sei eine der- artige Bestimmung als verbrecherisch zu bezeichnen. Dazu könne di» sozialdemokratische Fraktion ihr« Hand nicht bieten und lehne. das vorliegende Statut ab. sBravo! bei den Sozialdemokraten.)— Bürgermeister Dr. W e i n r ei ch meinte, die Stadiverordnetenver- sammlung sei kein Boden für pädagogische Debatten.(Ironische Zurufe bei den Sozialdemokraten: Wohl Ihre Schuldeputation?!) Einmal behauptete er dann, die Lieferung freier Lernmittel wäre eine Prinzipienfrage, bewies aber gleich darauf, dah das eine Geldfrage sei, indem er erklärte, dah süddeutsche Städte zwar darin schon borangegangen sind, Neukölln aber kein Geld dazu habe. Bei dein vorhandenen Schülermaterial würden Strafen gebraucht und Ideale wären da deplaziert!(Lebhafte Proteste bei den Sozial- demokraten.)— Hm Stadtv. Glasemann fand der Bürger- Meister verständnisvolle Zustimmung.— Dagegen kennzeichnete Stadtv. Dr. Silberstein(Soz.) das bürgermeisterliche Schul- dezernat mit treffenden Worten. Das Fortbildungsschulstatut atme ganz den düsteren Geist unserer Schulverwaltung, in dem die Prügelei zu Hause sei, wie ein mit Striemen bedecktes kleines Kind ihm in den letzten Tagen erst bcwesen habe. Für de Schüler hoher Lehranstalten denke man nicht an derartige Strafen; diese würden im Gegenteil geschont, wie die Affäre der Bonner Borussen u. a. gezeigt habe. Nur Proletarierkinder glaube man, so behandeln zu können. Es herrsche eben auch hierin der echt preuhische Geist, der seinen Ausdruck in jener Statistik gefunden habe, nach der jeder sechste Mann in unserem teuren Vaterlande mit Gefängnis bestraft ist. D'e Strafbestimmungen des Statuts neigen im übrigen geradezu zu dem Schluß, als ob die schlechtesten Elemente in unserer Bürgerschaft vorhanden seien. Da rede man immer von der Hebung des Ansehens der Stadt und setze es aber so herab-. Dagegen müsse ganz entschieden protestiert werden.(Stürmisches Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)— Wieder trat der Bürger- meister auf den Plan, um von oben herab die Finsternis in der Schulverloaltung abzuleugnen. Er berief sich zum Beweise dafür auf— die neuen Bauten mit ihren hellen Räumen. Gelächter und lebhafte Zurufe der Sozialdemokraten:„Und der Unterricht?" kennzeichneten diese famose Aeutzerung. Dann bestätigte der Bürgersieister, dah die Hflichtsortbildu-igsschule der energischen Initiative der Arbeitervertreter zu danken ist, die aber— wie er unter wiederholten Unterbrechungen der Sozialdemokraten bc hauptete— ohne Strafen nicht auskomme, weil ohnedem viel Schüler nicht freiwillig in die Schule gingen.— Erneut sprangen dem Bürgermeister die Stadwv. Abraham, Zoufall und Winter bei, obwohl ersterer zugeben muhte, daß das Gros der Schüler als gesittet anerkannt werden mühte. Tie wundersamen Auffassungen deS Schuldezernenten waren aberjiicht zu retten. Der nachdrücklichen Kritik des Stadtv. W u tz k h(Soz.), bei welcher die zuerst lächelnde Miene des Bürgermeisters immer länger wurde und die Lacher zu seinen Gegnern übergingen, vermochte dieser nicht mehr standzuhalten. Er korrigierte sich schließlich sehr erheb- lich und versicherte, ja auch den modernen Schulidealen nachzu- hängen, im übrigen aber— den Weisungen der Regierung Untertan zu sein.— Sämtliche Versserungsanträge der sozialdemokratischen Fraktion wurden abgelehnt und das Ortsstatut— einschließlich Karzer und Polizeibüticl— von den bürgerlichen Fraktionen beschlossen. Die Korrektur des Stadtberordnetenbeschlusscs vom 14. Oktober d. I., welche Stadtv. P o l e n s k e(Soz.) befürwortete, wurde dahin genehmigt, dah die Löhne der Omnibusangestellten vom 1. Januar 1913 wie folgt festgesetzt werden: Schaffner pro Monat 195 Mk., steigend alle zwei Jahre um 5 M. bis zu 125 2)1.; Kutscher 125 M., steigend in der gleichen Weise bis zu 145 M. Bei dem Antrage des Magistrats, von der Neuerrichtung einer Allgemeinen Ortskrankenkasse und von der Errichtung einer Landkrankenkasse Abstand zu neh- wen, übte Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) Kritik an der Reichs- versicherungsovdnung, die in den Landkrankenkassen ein Gebilde ge- chaffen habe, von dem die Städte sich so weit als möglich zu be- reien trachten. Gewisse offiziöse Gerüchte lassen allerdings an- nehmen, dah die Reichsregierung diesem vernünftigen Streben in die Arme fallen wolle. Von der Ueberführung der städtischen Be- triebskrankenkasse in die Allgemeine Ortskrankenkasse sei merk- würdigerweise in der Vorlage nicht die Rede; das zeige recht den rückständigen Geist unserer Verwaltung.— Stadtrat Dr. Mann erklärte demgegenüber, dah von Strahenreinigern um Beibehaltung der Betriebslasse gebeten worden sei.— Demgegenüber stellte Stadtv. W u tz k y(Soz.) fest, daß die überwiegende Mehrzahl der städtischen Arbeiter durch die Kassenvertreter für den Anschluh an die Allge- meine Ortskrankenkasse sich entschieden und damit dem sozialen Grundelcment der Arbeiterversicherung„Einer für Alle und Alle ür Einen" das Wort geredet habe. Leider scheine der Magistrat gas Zustandekommen großer und damit leistungsfähiger Kassen, wie sie in anderen Städten schon bestehen, nicht fördern zu wollen. — Die Vorlage selbst wurde einstimmig genehmigt. Ten Abschluß der öffentlichen Sitzung bildete der folgende Antrag: K „Die Unterzeichneten beantragen unter Berücksichtigung der Dringlichkeit, den Verkauf des russischen Fleisches auf einer anderen Grundlage zu organisieren. Groger. Scholz. Dr. Silberstein. Thurow. Iben." Die geschäftliche Unbeholfenheit deS stellvertretenden Vorstehers lieh trotz der vorgenommenen Abstimmung die Anerkennung der Dringleichkeit zweifelhast erscheinen, so dah es mitten in der Rede des Stadtv. G r o g e r(Soz.), mit der er den Antrag begründete, zu heiteren geschqftsordtwngsmähigen Auseinandersetzungen kam. Nachdem endlich noch einmal durch Abstimmung die Dringlichkeit entschieden wurde, setzte der Antragsteller sein« Ausführungen fort. Die Art und Weise, wie die Fleischermeister den Berkauf des rufst- schen Fleisches betreiben, sei so. dah schleunigst eingegriffen werden müsse. Die Knochenbeilagen würden so reichlich gegeben, dah sie in keinem Verhältnis zu dem gekauften Fleisch stünden. Mit Be- stimmtheit werde auch als Gepflogenheit mancher Fleischer be- hauptet, das russische Fleisch als hiesiges teurer zu verkaufen und das hiesige Fleisch minderer Qualität als russisches den Frauen aufzuhängen. Diese und andere Manipulationen hätten dahin geführt, der Bevölkerung das russische Fleisch zu verleiden. Wie sehr die Fleischermeister daran interessiert seien, bewiesen die tag- liehen Presseberichte über deren unfreundliche Haltung zu den Be- mühungen der Gemeinden. Auch in Neukölln sei die Tatsache zu konstatieren gewesen, dah von den vielen gemeldeten Fleischern nur zwei gekommen waren, um das russische Fleisch zu holen. Damit müsse aufgeräumt werden, indem die Stadt selbst Läden einrichte, wo ausschließlich nur das russische Fleisch feilgehalten würde. DaS- selbe habe sich ja auch schon beim Fischverkauf nötig gemacht. Ferner solle in gleicher Weise wie in Berlin dem Konsumverein der Per- trieb übertragen werden, in dessen Berliner Geschäften sich dieser flott und rentabel entwickelt habe. So würden die berechtigten Klagen der Bürgerschaft am zweckmähigsten abgestellt werden.— Stadw. S e I t m a n n, seines Zeichens Schlächtermeister, versuchte abzulenken, indem er die Art des Einkaufs von seften des Berliner Magistrats heftig angriff und dem russischen Fleisch minderwertige Qualität nachredete. Die Ehrenrettung seiner Kollegen bekam'ihm aber sehr schlecht. Bürgermeister Dr. W e i n r e i ch wies die An- griffe energisch zurück und erklärte, dah Herr Seltmann,. der selbst im Rathaus Offerte gemacht habe und stark interessiert sei, bei dieser Beratung sich besser in Schweigen hülle.— Stadtv. Emme» lu t h beantragte lleberweisung des �Antrages an die Teuerungs- kommission. während die stadwv. Scholz(Soz.) und Hoppe (Soz.) noch einmal entschieden für den Antrag eintraten, wobei ersterer besonders auf Grund der Erfaijrungen der Km.,iimgenossen- schaft die angeblichen„Opfer" beleuchtete, von denen die Fleischer- meister immer reden.— Darauf wurde der Antrag der Kommission zur schleunigen Beratung und Erledigung überwiesen. Einige andere Vorlagen fanden debattelose Annahme, so die Anstellung einer Reihe neuer Lehrkräfte am Lyzeum und Oberlyzeum, an der Knabenmittelschule und an den Gemeinde- schulen; die Errichtung eines staatlichen EichungSamtes in Neukölln; die Pflasterung der Köllnischen Allee; die Ver- tiesung der Teiche in den städtischen Ost- Eiswerken (früher Miersche Werke); die Verstärkung des Kanal- netzes im Radialshstem Nordwest der Kanalisationswerke; der Abriß der Hintcrgebäude auf dem städtischen Grundstück Kopsstr. 52. Schließlich hielt eine ausgedehnte geheime Sitzung, in der gegen den Widerstand der sozialdemokratischen Fraktion der Verkauf wertvoller städtischer Grundstücke am Bahnhof Kaiser- Friedrichstrahe an Bauunternehmer beschlossen wurde, die Versammlung noch lange Zeit zusammen. jfiigencibevvegiing. Jungdeutsthlauds Ideale. Einen interessanten Einblick in die Denkweise des Jungdeutsch- land-Bundes gewährt eine Festrede, die der Leiter der Ortsgruppe Krotoschin iProvinz Posen) om 7. d. Mts. hielt und die durch Ab- druck in Nr. 148 der„Krotoschmer Zeitung" der Nachwelt cr- halten ist. Der Herr beweist die Notwendigkeit der„Stählung", wie sie im Fungdeutschland-Bund betrieben wird, mit folgenden Argumenten: „Noch gilt der erste Zorn des deutschen Jungen dem Feinde seines Vaterlandes, noch gilt sein erstes Spiel dem Kampfe mit diesen Feinden!— Aber es sind bedenkliche Kräfte am Werke, diese Ideale zu zerstören. Friedensapostel durchziehen das Land und mit Wort und Schrift versuchen sie den Helden- geist unseres deutschen Volkes zu vernichten. In Scharen strömen ihnen entnervte Männer und Frauen aller Gesellschaftskreise zu. Entnervt durch den Geist deS Materialismus— seiner Schattenseite, des immer höher steigenden allgemeinen Wohlstandes, und eine Folge eines langen Friedens, die nur allein in materiellem Gelvinn das Erstrebenswerte sieht— aber vergibt, daß das Glück deS Menschen im Herzen geschrieben steht!—" Die schöne Rede läßt alle„heiligsten Güter" aufmarschieren, Natürlich wird auch der„liebe Gott" benutzt: Gott,»der allein weih, wie lange uns der Frieden noch beschert ist". Aber neben dem Christentum wird auch das Heidentum in den Dienst des jungdeutschcn Ideals gestellt: »Und wenn Jünglinge im alten Griechenland am Fuße der Statue der Göttin»Pallas Athene" blutend unter den Geißel- hieben ihrer Lehrer zusammenbrachen, stumm und stolz im Er- tragen des Schmerzes, in innerer Selbstüberwindung— dann er- schien vor ihrem Auge in heiliger Gloria das eine Wort:„Vaterland"." Arbeitereltern, die ihre Kinder zu aufrichtigen Menschen erziehen wollen, werden gern auf solche jungdeutschen Ideale verzichten. Die klassenbewußte Arbeiterschaft weist jede Unterstützung deS kriegshetzerischeil Jungdeülschland-Bundes von sich und schafft sich selbst, trotz aller Hemmnisse der Volksfeinde, ihre eigene Jugend- pflege, durch die die Jugendlichen auch„gestählt" werden, aber zum Lebenskämpfe und nicht gegen den einaebildeten Feind. WasfcrstaudS-Nach richte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Serllner Detterbureau. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor« Oder, Ratibor „ Krassen , Frankfurt Warthe. Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz „ Dresden , Barbq , Magdeburg >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.') Unterpegel. Zun Mnachltfest, »nd«arm»«l.ivungSftu-t» Ar Bater um, vohn da» fchdnste «elchenk.' Wir stellen zum vertauf: aletra- atat Serreu-P-let-t«. Unzügt, infen, welche tn feiaste» Werkstätten derqeficEU, und für jede! Figur aassend auf Lager sind. im-«ufterd-m«elegenhei«,. laufe in neu«»«arderoden.'W» Herron.PaUtota M. 8 12 18«te. Jackett- Anxtige M. 8 14 18 82 Herrcn-Ulater M. 10 14 18 22 Sook-Anzflg:« M. 12 18 20 24 Oahrook-Anzttge M. 18 22 26 38 Frack-, Srnoklng- Anzilge M.22 26 28 34 Herren-Hoaan M. 3 8 6 etc. VerUtbaaa tob»leganlsn 7rsek- und Oaeellsebafts- Anttigtu. J. Wand. HBuptgeeobätt:> ßr. Frankfurter Str. 116, an der Andreieelrat«. II. Geechitt; Chausseestr. 89, vlg-t-vl* der LlManetraBe. WW Sonntag- ceOffnei| ron Iii— 2. 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Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Sebastian- KirchhoscS, Oumboldlstraße, auS statt, 36/4 Iii» Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutsehen Wasenbaner. (E. H. 9) Berlin, Bez. S(Gesundbr.) Hiermit den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied, der Maschinenai bcitcr �titon Mehrholz am 11. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Französischen KirchhoseS, Panlow, Wollantstraße, aus statt, Um zahlreiche Beteiligung bittet Deutseher Transponariieiler-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Lager- arbeiter Wilhelm Menzel am 12, d. MtS. im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sanntag. den 15. d. MtS., nach- mittag? 3 Uhr, von der Leichen- Halle des FriedhoseS w Wilhelms» bcrg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 89/11 Die Bezirksverwaltung. Allen Freundin, Bekannten und Parteigenossen zur Nachricht, daß am 12. Dezember meine liebe Frau und gute Mutter Henniue Poltien nach langem Leide» sanst cnt. schlalen ist. 1k3Sb Dies zeigt um stille Teilnahme bittend, tiesbetriibl an Emil Pottlen. Beerdigung: Montag, den 16. Dezember, nachmittags 2'/,Uhr, von der Leichenhalle dcS neuen ZionS-KirchhoseS in Nledcr-Schön» Hausen-Nordend. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Sektion der Putzer. Die Beerdigung des Kollegen Eck. Sieiilez- findet vom städti- schcn Krankcnhause am Friedrich«. Hain aus stall, 147/20 Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes Paul v. Fuhren sage ich allen Beteiligten, insbesondere dem Mahl- verein, dem Deutschen Metallarbeiter- Berband, und den Kollegen der Firma Krcmncr, Pankow, Florastr. 8, meinen herzlichsten Dank. ISM Emma v. Fuhren. General-Versammlung der Jteum-6er.ossenschaftD. �dlershofuJing.(EG in Liquidation findet statt am Zonuabeud,�. Snkmli.tt., suicht wie bekanntgegeben am � 17. Dezembers. nbeuds»-/, Uhr. im Lokale d-S .Herrn ktehanl Kaul, AdlerShof. Bismarckstr. 16. Tagesordnung: 1. Vorlegung und Genehmigung der LiquidatwnS-Schlußbilanz, 2. Antrag betreffs Deckung dcS Ver- lusteS, Tie Liquidatoren. Wild. Kohl. Karl Jagnow. Wilh. Zabel. t$ tc t Ii srt vb Ht c v! Gp1 ou«10/0» Die Kunst zu schenken besteht darin« mit dem Geschenk Freude zu machen« Am besten wird dies durch unsere Gutscheine erreicht, die wir zu unseren Einheitspreisen abgeben. Der Beschenkte wählt selbst. Einheitspreis 1 050 für Damen u. Herren M. I fij Luxus-Ausführung, M. 16.50 Fordern Sie Musterbuch V Salamander Sdmhges. m. b. H., Berlin Zentrale: W8, Friedrichstrasse 182 1. W8 FriedrlcJi Strasse 182 2. SW Friedrichstrasse 221 3. SW Friedrichstrasse 204 4. N Friedrichstr 118/19 5. C Köniq-strasse 47 6. W Potsdam ei Strasse 5 7, C Rosenthaler Tor 8. W Tauentzienstrasse 15 9. N Badstrasse 20 10. W Martin-Luther-Strasae 2 11. NO Gr. Frankfurter Str. 102 12. S Oranicnstrasse 42 13. NW Turmstrasse 9 14. Charl.,Wihnersdorfer Str. 126 15. Steglitz. Schloss-Strasse 20 16. Friedenau. Rbeinstrasse 1»3 17. Spandau, Breit« Strasse SO 18. P otsdam. Nauener Strasse 24 ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, "ÄS" beim Alten Freund. Achtimg! Neu ODssnetl MonatS-Gnrde roben-Geschöft. Ebausseestr. SS. MonatS-Anzüge von 7-36 M. an. nW für den Aufstlytsrat. Wilhelm Dürre. Sonntag, den 15. Dezember ct., vormittags S'/- Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engeluser 15: Mitglieder-Bersammwng Sektion I(Bau- IN Grabsteinbranche). Tagesordnung: 1. Die Berusskrankheit der Stemarbeiter. Referent: Kollege Otto Hanschke. 2. Stellungnahme zum Tarisablauf. Alle zum Gebiet des Stcinmetztarijcs gehangen Kollegen find zum Sersammlung°°rpfiichtet. � ��«.«waltu.«. Vkrwaltungsstklle Kerlin. L. 54, Finirnstr. 83�85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1238, 9714. Montag, den 16. Dezember 1912: Bezirks- Versammlungen für die geisiiite Verwaltungsttelle Berlin in solgeiidcn Lokalen: Norden I PhamssUlc, Müllcrftr. 142, abends 81/, Nhr. Norden* 0bilf109 Fci'tsale»«chwedter Strasie 23, abends Uorden: Frsohea Fcstsftle, Badstr. 16, abends S'/, Uhr Toool-«'ohlkohi-tu FeatGUIo, Reinickendorf, Eichbornstr. 1«. leg vi. abends 6 Uhr. lloohit' Moabiter Cienellachaftahaiis, Wielesftr. 24, Hluaüll. abends 8'/, Uhr. Westen und Schönelierj; Hauptftr. 30/31, abends 8'/, Uhr. OStött* Memcler Str. 67, abends 8'/, Uhr. Vortrag: Die Angriffe auf das KoalitionSrccht. l ioManharn• Ucblaurunt J. Ertclt, Pfarrstraffe 74, LlCnicUUcf g. abends 8>/, Uhr. Stralau und Rummelsburg: ÄÄTriÄ?'4, WoiRoncao* FeuUcrt« FesteiUle, Berliner Allee 251, abends S'/i Uhr. Ifen säte. R______________ de» Kollegen Wücke. .73, abends 8'/, Uhr. Hilpert. Vergstr. 151/132, abends VeiOensee: ONckaaha'virka-«ohenxtnokea-�aie, Kottbuser Damm 76. üllllrilurzilktv. abends 8'/, Uhr. Liortrag d �Nkionhoviplro' Waldemarftr. SilUcuUvZllnö. Vortrag dcS Kollegen Hilper «eniliillni ffS"" Chariollenburg: v»!......,«.st»-,,., s, �-n»»>,, vh,. Ctaeilit'»- �tdreeht�hol, Rlbrechtftraste 1», abends 8'/, Uhr. SicpillZ. Vortrag Wer„Die Angriffe auf das Koalitionsrecht«. friedrlehshagen u. Köpenick: straßc 74, abends 8'/, Uhr. Vortrag dcS Genossen Gluff. Spandau I Hort»' kebtaarant, Knrstr. 23, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stricht von der außerordentlichru Grntralvkrsammlnns vom 8. Dezember 1912. IW Ohne Slldgliedbbach kein Zutritt.' w Zahlreicher Besuch wird erwartet. Wrt-ll°rbeNer.Ns«lhlr«dkr L«VSL-ZN." haben. 134/18 Ole Ortsverwaltanc. » m Verwnltnng Berlin. Sonntag, den 15. Dezember 1912, vormittags 10 Uhr: -- WbrüUlhkv-Ntchmmlvng« Berlins und Vororte in den„Andreas-Festsälcn". Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Vertragskündigung und dem neuen Tarifvertrag. 2. Verbands- und Branchcnangelegenheiten. 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Straße 42. i Ellinghausen, Gebr., Gräactweg 45 G.Hadte,Wilhelmsbavenerstr.20. 1 Fenskc, S., Kottbusserdamm 96. König, A-, Nklln., Berlincrstr. 102. j P.Gädtke, Eibt.-Slr. 40E.AU Iwbit. Rerra. Kogel He�Ä.i«. J. Gebhardt EeÄÄ ■, Emst Gräber, Brunnenstr. 78. 1 f. II nl) Olim /illP I Knlebusch.W., Frft. Cbausseeül IJXlfJlyriVIlllIVUVI C- Käferic, Frankfurt. Allee 10. IBerlinerKüchenmöbel-Fabrik Lehmann, Alb., Frankf. Allee 40. Nene Königst 31-32, T. ¥114746 Lehmann, V.'llh.. Kottb.DammZS. Nolte, K.. Siinon-Dachstr. 13. Lange, Max3Sr.s,S uitzow, Job., MüIIerstr. la. EmilüuadeH�TÄ G. Scharnow, Oranienstr. 4y. K.Schraelz.be�erhset?j4s Scfcönemann, G.,NkllB.,BerI.-St.78 Schumacher, O., Tegel, Berl.-St.6a. K. Schmidt, Weißcnsee Langhansstr.50 Max Storch, Elbingerstr. 100. A.Trenner, wilhelmsrali, Hanptstr. II. Uhren-Klinik, Brunnen- E.Berniuorrt. We�ne���NklL�ergstr�S. � Versandhäuser J Möbel Lelegendeit Anklam, Charlottbg-, Wallstr. 59. Möbel Karras Walderaaratraße I3n.fi4. 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Die KriegSwirren und die dadurch erzeugte Gefahr, das auf den Banken festgelegte Kirchenvermögen zu verlieren, hat den E r z b i s ch o f von C s a n a d, Julius Glattfelder, zu einem Sendschreiben an die Geistlichkeit seiner Diözese angeregt. In dem Rundschreiben betonte der fromme Patriot, wie die„Pesti Hirplap* meldet, daß die Gefahr besteht, die Güter der Kirche könnten den Wirren der Zeit zum Opfer fallen. Der Erzbischof ermahnte daher die ihm unterstellte Geistlichkeit, ihreGeldein lagen bei denBanken und Sparkassen zurückzuziehen. Die von gleichem idealen Streben beseelten Geistlichen beherzigten natürlich die in dem Hirtenbrief enthaltene Mahnung, so daß ein regelrechter Sturm auf die Geldinstitute des Bezirks entstand. Die Kirche hat einen guten Magen, Hat ganze Länder aufgefressen Und doch noch nie sich übergcsien; Die Kirch' allein, meine lieben Frauen, » Kann ungerechtes Gut verdauen I Aus Neu-Byzanz. DaZ Ableben de-Z greisen Prinzregenten von Bayern hat die bürgerliche Presse ganz aus dem Häuschen gebracht. In spalten- langen Artikeln werden alle möglichen Einzelheiten aus dem Leben des' Fürsten den Lesern zum Kaffcetisch serviert. Den Vogel schießt dabei das linksliberale„Berliner Tageblatt" ab, das in einem »Telegramm unseres Korreipondenten" sich folgende Stimmungs- Malerei leistet: Auf den nächtlichen Straßen sprachen fremde Menschen sich gegenseitig an und unterhielten sich über das schon eingetretene oder erst zu erwartende Ereignis. Studenten, die v o in Zeche n kamen. Künstler, die auf dem Heimweg aus irgend einer Sitzung waren und Bürger, die aus dem Hofbräuhaus kamen, blieben in Gruppen bei einander stehen und fragten sich: .Ist er wirklich tot?" Bor dem Residenzschloß Ivagte man nicht. sich aufzustellen, aus Scheu, den Schwerkranken oder s ch o n T o t e n z u st v r e n. Daß die Münchener Bierphilister es nicht wagten, sich vor dem Schlosse aufzustellen aus«scheu, einen Toten zu stören, ist eine stilisiische Leistung, die so bald nicht übertroffen wird. Unschuldig im �uchthause. Vor mehreren Jahren wurde in N e u b r a n d e n b u r g der Drogist Artur Grewe wegen Sittlichkeitsverbrechens, da§ er an der Tochter des OberökonomieralS Kruse begangen haben sollre, zu längerer Zuchthausstrafe verurteilt. Für Grewe. der die Stiafe bereits verbüßt hat und stets behauptete, unschuldig verurteilt zu sein, hat die Sache insofern eine überraschende Wendung genommen, als die Tochter des Kruse dieser Tage vor dem Untersuchungsrichter in?! e u st r e l i'tz eingestand, den Drogisten Grewe seinerzeit wissentlich falsch beschuldigt zu haben. Zu der falschen Anschuldigmig sei sie gekommen auf Betreibe» der bei Kruse dienenden Wirtschäflerin Ä a y a tz; letztere habe sie durch Prügel dahin gebracht, Grewe des Sittlichkeitsdelikts zu beschuldigen, auch der Vater habe um die Sache gewußt, das heißt den Sachverhalt gekannt und das Vorgehen der Kayatz gebilligt. Für die Beteiligten dürfte die Angelegenheit einen bösen Ausgang nehmen. Grewe ist seinerzeit aus die bloße Behauptung der damals l 4jährigen Hedwig Kruse hin ohne weitere Beweise verurteilt und hat, wie jetzt einwandfrei, feststeht, die lym zudiktierte Zuchthaus- strafe schuldlos verbüßen müssen. Tie Unterhaltung der Backfische. Den jungen amerikanischen LadhS genügt nicht mehr der Flirt mit den männlichen Vertretern der goldenen Jugend. Das An- schmachten irgend eines Idols ist ihnen zu fad, sie wenden sich lieber Vergnügungen zn, die die zarten Nerven stärker aufpeitschen. So wurden am Mittwoch, wie ein Telegramm aus New Dork meldet, vierzig junge M ä d ch e n aus den besten Ge- sellschaftskreisen, alle unter 16 I a h r e n und Töchter reicher Eltern, bei einer polizeilichen Razzia in einer?!ew N orker Spielhölle verhaftet. Es sollen sich noch viel mehr junge Mädchen in der Spielhölle befunden haben, doch ist es diesen gelungen, durch die Fenster mittels Rettungsleitern zu entfliehen. Die Mädchen wurden auf die Polizeiwache gebracht, wo ihre Personalien zwecks späterer Zeugen- schaft gegen den Spielhöllenbesitzer festgestellt wurden. Die Polizei erklärt, daß die ausgehobene Spielhölle sowie mehrere andere Spiel- Höllen in New Jork fast ausschließlich von jungen Mädchen besucht werden, die noch schulpflichtig sind und in den Spielhöllen ihr reichlich bemessenes Taschengeld verspielen. Die Untersuchung hat ergeben, daß bereits früher ähn- liche Fälle von der Polizei entdeckt waren, aber von den?lngchörigeii der jungen Mädchen vertuscht worden sind. Agrarische Arbeiterfreundlichkcit. Die sehr waldreichen bayerischen Mittelgebirge, wie das Fichtel- gebirge und der Bayerwald, bringen auch große Mengen von wild- wachsende» eßbaren Beeren, vornehmlich Heidelbeeren und Preißel- beeren, hervor. Es ist ein durch die Jahrhunderte geheiligter und zum Recht erhobener Brauch, daß diese Gaben der?tatur von jeder- mann gesammelt werden können. Das ist für die ärmere Be- völkcrung von großem Vorteil, da sie durch das Beerensammeln eine zwar bescheidene aber doch sehr willkommene Verdicnstgclegen- heit findet. Besonders trifft das auf die Heidelbeeren zu, die'all- jährlich zur Erntezeit massenhaft in die Heidelbeerweinfabriken wandern. Diese Einnahmequelle soll den armen Leuten nunmehr verstopft werden. Wie aus dem Bayerischen Wald be- richtet wird, haben sich dieser Tage in L a m die P r i v a t w a l d- b e s i tz e r zusammengefunden und beschlossen, das Recht auf den Wald zu beseitigen, indem das Beerenpflückcn verboten und die be- treffenden Wald'flächen für die Beerenernte verpachtet werden sollen. Man hofft und verlangt, daß auch der Staat für die Staatsforsten dem würdigen Beffpiel folgen werde. Die Wald- besitzer versprechen sich von ihrem Schritt eine Zlbhilse der L e u t e n o t: sie behaupten, daß ihnen durch die Beerenernte die Arbeitskräste entzogen werden, die mit dem Beerensammeln mehr verdienen, als ihucn die Landwirte zahlen. Den Slgrariern winkt doppelter Vorteil: einmal bekommen sie billigere Arbeitskräfte und zum zweiten bringt die Verpachtung auch noch ein nettes Sümmchen. Kleine Notizen. Vom Eisenbahnzug überfahren. Bei der Bahnüberfahrt bei Trudering in Oberbayern wurde Freitag früh ein Zweispännerfuhr- werk vom Zuge erfaßt. Der Wagenlenker und ein Pferd wurden ge- tötet, das andere Pferd schwer verletzt. Der Schrankenwärter, welcher vergessen hatte, die Schranke zu schließen, machte einen Selbst- Mordversuch, indem er sich durch einen Schuß in den Mund schwer verletzte. Ein Liebesdrama. Gestern mittag kam der 2-tjayrige Vortrags- lünstler Friedrich Justus von Breslau in München an und begab sich in ein Hotel in Schwabing. Hier tötete er die Sängerin Frida Baumann, die er aufgesucht hatte und brachte sich dann selbst durch einen Schuß so schwere Verletzungen bei, daß er bald darauf vcr- starb. Es handelt sich um den Racheakt eines abgewiesenen Lieb- Habers. Durch Kohlcnoxydgns getötet. In einem Arbeiterhause der Zuckerfabrik Svolenowitz in Pilsen wurden durch Ausströmen von Kohlenoxydgas zwei Personen getötet und zwei in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Ein Familiciidrama.?!ach einer unverhofften amtlichen Kassen- revision erschoß der Postmeister Hatl in Sodlnigz(Böhmen) seine zwei Kinder, verwundete sodann seine Gattin, seinen Sohn und sich selbst durch Revolverschüsse lebensgefährlich. Raubmord. Donnerstagmitlag wurden der Geflügelhändler Reinhold und seine Frau auf der Rückfahrt vom Wochenmarkt in Z a b r z e nach ihrer Behausung in Peiskretscham im Walde bei Laband überfallen, ihnen der Scbädel eingeschlagen und ihre Bar- schaft in Höhe von 400 M. geraubt. Auf dem Gefährt, das abends führerlos in Peiskretscham eintraf, wurden Reinhold und seine Frau, die nur noch schwache Lebenszeichen von sich gaben, aufgefunden. Beide starben nach kurzer Zeit. Von den Tätern fehlt jede Spur. Kriefkasteu der Redaktton. Dir luristlschc Sprechstunde findet Linden st raste K», vorn biet Treppe» — F a l> r st u st l—, wochentäglich von 4� vis 7>.2 Uhr abends, Sonnabends, von 4>,2 bis 6 Ilstr abends statt. Leder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zastl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnrmentsstnittnug beigefügt ist, derben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. W. Z. 26. t. Nein. 2. Die betrcsfendc Bestimmung des Vertrages verstößt, wenn man Ihre Darstellung zugrunde legt, unseres Erachtcns gegen die guten Sitten und erscheint nichtig.— H. 17. Sic hasten ebenso wie Ihr Vorgänger für die Miete. Der Vermieter hat die BcsugniS, Gegen- stände, die nach dem Gesetz entbehrlich sind, cinzubchaltcn.— Klempnerei Äv. Sie müssen Ihren Betrieb, da er der Ilnsallvcrsichcrung unterliegt, bei der Berussgenossenschaft anmelden.— Genosse Bez. 3. Der Gläubiger muß einen Monat nach Eingang der ZahlungSaussorderuug warten, salls nicht em bestimmter Rückzahlungslerniin vereinbart lvar.— LÖ. P. 17. Auch unverheirateten Schuldnern muß, sosern es sich�lvie im vorliegenden Falle, um eine privatrcchtliche schuld bandelt, der Betrag von 28,85 M. Pro Woche belassen werden.— 1885. 1. und 2. Die Altersrente wäre erst zu er- reichen, wenn 1200 Beiwagsivocheii gelcistel sind und da« Alter von siebzig Jahren erreicht ist. Es besteht aber für den Fall der Invalidität der An- spruch aus Invalidenrente, salls ivicdcrum mindestens 200 Beitragäwocheii geleistet sind, davon l00 aus Grund einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Rechte aus der früheren Beilragsleistuug leben alSdann wieder aus. 3. Die Frage ist unverständlich.— P.®. 30. Reichen Sic bei dem Vorsitzenden der Beranlagungskommission ciiicn Antrag»us Erlaß der Steuer für die Zeit der Erwerbslosigkeit ein.— evviLvn ltvSI. Tonntag. nachmittags 3 Uhr: Zopt and Schwert. Sonntag, abend« 8 Ubr: Im wclUen RöUl. Montag, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Schiller-Thealer'"U?.'"" Sonnabend, nachmittag» 3>« Uhr:. "HVallenntetn«?<»d. Eomiabend. abends 8 Uhr: Klein, x'tandei». Eotmiag, nachmittags 8 Uhr: vile Jitdin von Toledo. Sonntag, abend» 8 Uhr: Heimff'fnnden. Montag, abends 3 Uhr: Helmx'tanden. Berliner Thealer. 8 Uhr: Filmzauber. 8 uhr:, Die stuf Frankfurter. Theater am Noliemiorlplatz S. 3 Uhr: Kismet. Jeden Mittwoch u Sonnabend 4 Uf)t: _ Schneewittchen. Montis Operetten-Theater (jr. Neue« Theater). Amt Norden Uli. Abends 8 Uhr: Der �rauenfresser. Heslüeni-Thealer. Anfang 3 Uhr. Ssstspisl l!oii8tai!7öv. Unlisn! Prinzenerziehung. Morg. u. solg. Tage: prinrenerziehune. Soimtagiiachin. 3 Uhr: Alles für die Firma. Luisen-Theater. Sonnabend, lachm. 4 Uhr: Kinder- Vorst.: Goldener, das Sonntagskind, od.: Gas Märchen v. WeihnachlsglUok, Abends 8 Ubr: Raltlen. Sonntag, lachi». 3 Uhr; Ich lasse Dich nicht. SÄausP. v. E.Ritierseldt. Abends 8 Uhr: ItaRlea. Deateehen»chuusplelhoa» 8 Uhr: Tt» gutsihende Jrat». Ärotze Franflurter Str. tS2. Nachmittag 1 Uhr: im üsudcrlsode Püdezalils Abends 8 Ubr: Gewonnene Herzen. Sonntag 4 Uhr: Eistöuig u. Gold- prinzehchen. S Uhr: Dir Sünden der oberen Zehntausend. �dmiralspaisst Heute: & große Pantomimen auf dem Eise. SV« Uhr; Montreal. Die Stadt aui Schlittacbuhen. 10 Uhr: Yvonne. Eisballett in 3 Bildern. Charlotte— Push- Ballspiel. Bis 6 Uhr und von 10'/« Ohr abends halbe Kussenpreise. Restanrant 1. Banees! Wein- and Bier-Abtoüung. Arbeiter-Wanderbund „Die Naturfreunde". Tonnabend, den 14. Dezember ISIS, in den..Germania Prachtsälen", Chausseestr. 110: Mller- u. Veiimseillz-Henil. i. MAkischt Mmdmitge». o. Wrdische l°«dsäaft-°°eße märtischen Dichtungen und Musik. in. MarchkneWlnugkn mlt �tmZb S. Zirka 100 Lichtbilder in«atürliche» Farbe». Bortrag, Lichtbilder, literarisches und mufikalisches Arrangement Von V. Holte. Nach de« Vorträge«- tzeZclligea SölZAMMeNZM 11. TllN?. Herren, welche daran tetlnehmen. zahlen SO Pf. nach. Beginn 8'l3 Uhr._ 1/12* SinirM 30 Pf, Urania Wissensohaltüches Theater. TaabenutraBe 48/40. Abends 8 Uhr: Professor Dr. B. Donath: Die modernen elektrischen Lampen. Hörsaal 4 Uhr su kleinen Preis.: Mit dem Zeppelin-Luftschiff von Sylt nach Hamhurg.— Die wichtigsten Kulturpflanzen der Weltwirtschaft s uhr: Aufs Matterhorn. um Beispielloser laoherfolg! Die Alpenbrüder. Komödie in 2 Akten von Anton und Donar Herrnleid. Hierzu; Das Scheidungs-Souper. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Ab 8 8 für Berlin neue Debüts. 8t0rmiiieher X,acherfolg! 9 Uhr: Berlins neueste Sensation I Dario Rains. Pas Wunder hypnotischer Kartenkunst. Trianon-Thealer. abends 8 Uhr: ruto— Die Beute! Sahary-Djeli La„Mysterieuse". gST Gastspiel �gg Max Linder der weltberühmte Film-Schauspieler in seinem Sketch: Max, der Liebhabor: Ma* Linder eowie die seneallonollsn Dezember- Attraktionen. Metropol-Thealer. Chaulleur- ins Metropol! Grotze Safjvcäretme mit Gcjnng und Tanz in tO Bildern von I. Freund. Muftf o. Rud. Weisen. Tänze errang. von Will Bishop. In Szene gesetzt vom Direkior R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Ranchei, gestattet. Morgen nachm. 3 Uhr: Tat» Toto. Ii leie Täglich abends 8 Uhr:]„'1' Die Ernte— Die Beate! i» A„Clou« 1" MauurstriBfl_? MMMMMMMMMMMMMMMMMMO � p«'7beslei' » Unter den Linden 22—: Diese Woche u. a.; Dornenpfade. Gr. Drama io 3 Akten nach d. berühmt. Roman„Der kleine Jacob" von, Julos Claretio. Max tat waauereiclien! Humoreske gesp. v. Max Linder. Im Lande Mohammeds. Aller Anfang ist schwer. Das Weihnachtswunder. :: Berliner Konzerthaus MauerstraSe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Berliner Konzcrtbaaeorcbeuter, Dir F. v, Bion, Komponist. Musikc. Garde- FUslIler- Regriment, Dirig. Obenn. Hippel. Anfang 8 Ubr. Eintritt SO Pf. Anftsng 8 Ubr. An allen Wochentagen Qr. Kaohmitlags-KotizeH u« freiem mnwt Zirkus jUberiSehumann. Heute Sonnsbend, 14. Dezember, abends 7'L Uhr: High- Life- Evening. Rendezvous der Sportwelt. MT Um»'/. Ubr:-W« Der unsichtbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. Vorher: Auftreten sämtlicher Attraktionen. U. a. 1 t 8l;rnor Haxlmo? J Das grüßte kubanische Wund. 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Hierauf beruhe die sehr weitläufig gegliederte und überaus kostspielige Organisation des Gefamtunternehmcns, dem aus seiner Pionier- zeit her, die bor nunmehr gerade KS Jahren'-rcn Anfang nahm, Jiie gewissermaßen historische Aufgabe zugefaR' sei, das aus- gedehnte Gebiet der Elektrotechnik in allen seinen<>iveigcn wissen- schaftlich und wirtschaftlich zu pflegen und weiter zu entwickeln. Tie Mannigfaltigkeit der experimentierenden, konstruierenden, projlktierende», fabrizierenden und verwaltenden Arbeitsstellen im inneren Betrieb werde durch eine ebenso große Mannigfaltigkeit der im In- und Ausland tätigen tcchnisch-geschästlichen Arbeits- stellen ergänzt, die die Fühlung mit den in den Absatzgebieten immer neu auftretenden speziellen Bedürfnissen aufrecht zu erhalten haben. Es liege aus der Hand, daß unter so verwickelten und eigenartigen Verhältnissen der Wettbewerb zwischen den einzelnen Firmen sich zu einem recht sck.wicrigen gestalten kann. Es haben sich daher vielfach unerquickliche Verhältnisse heraus- gebildet, doch sei zu hoffen, daß es mit der Zeit gelingt, eine größere Ordnung herbeizuführen. An Möglichkeiten dazu fehle es nicht. So sei z. B. durch die Wirksamkeit des Verbandes Deutscher Elektrotechniker es auf dem rein technischen Gebiete zu zahl- reichen Normen und Vorschriften gekommen, die eine wohltätige Ordnung bedeuten und allgemein befolgt werden. Aber das w i r t- s ch a f t! i ch e Gebiet entbehre einer solchen allgemeinen Ordnung. An ni o n o p o l a r t i g c Gebilde dürfe dabei nicht gedacht werden. Die finanziellen Mittel des Konzerncs seien fast ganz durch die Aufgaben der Technik, der Fabrikation und des Vertriebes in An- spruch genommen. Finanzgewinnc spielten deshalb bei der Ge scllschaft eine nicht nennenswerte Rolle. Beteiligungen und I�u- gründungen erfolgten nur ausnahmsweise und stets nur zu oem Zweck, neue Gebiete zu erschließen. So stehe die Gesellschaft mit einigen Unternehmungsgesellschaften in freundschaftlichen Bc- zicbunycn, ohne einen finanziellen Einfluß, geschweige denn ein« Kontrolle auf sie auszuüben. Ter Umfang der Aufträge von diesen Seiten bilde von dem Gesamtumschlag nur einen verhältnismäßig geringen Teil. Die Ausführungen bestätigen eigentlich nur, daß die Konzernbildung in der Elektrizitälsindustrie zum Monopol führt. Da die Industrie noch mitten in der EntWickelung steht, brauchen die beiden mächtigen Konzerne, A. E. G. und Siemens u. HalSke, nur die neuentstehendcn Werke und Anlagen an sich zu reißen, um zur Alleinherrschaft zu gelangen. Die Aussaugung alter Werke ist daher im Moment für die Monopolisierung nicht so wichtig als etwa in Industrien mit langsamerer EntWickelung. Aber auch die Aufsaugung schon bestehender Werke wird von den beiden Kon- zerncn einzeln oder gemeinsam geübt. Der Geschäftsbericht gibt gerade für das verflossene Jahr ein bezeichnendes Beispiel: die Siemcns-Schuckert-G. m. b. H. baben sich die Bergmann- E le k t r iz i tä t s- A.- G. angegliedert, indem sie von den neuen Bergmann-Aktien 8,5 Millionen Mark übernahmen. Natürlich wird auch hier �wieder betont, daß durch diese slnonzielle Transaktion SiemcnS-Schuckert jedoch eine Verantwortlichkeit und einen maß- gebenden Einfluß auf die Leitung der Bergmann-A.-G. nicht über- nommcn hätten. Diese Vcrivahrung ist um so lächerlicher, als auch äußerlich durch einen Personenwechsel in der Leitung die Ab- höngigkert der Bergmann-A.-G. von- Sicmcns-Konzern gekcnn- zeichnet worden ist. Obgleich die D�i v i d e n d c n bei der Siemens u. Halskc-A.-G. und der Siemens-Schuckert-G. m. b. H. gleich geblieben sind, bei der ElektrizitätS-A.-G. vorm. Schuckert u. Co. nur um'A Proz. gestiegen find, beweisen doch die Geschäftsberichte, daß im Jahre VJll/12 eine erhebliche AuSdchnui� der Fabrikation stattgefunden hat.� Die Anzahl der Beamten und Arbeiter ist bei den Siemens u. HalSke- und den Siemcns-Schuckert-Wcrkcn, einschließlich der auswärtigen Geschäftsstellen weiter um 11 000(i. V. 14 000) � aus mehr als 77 000 gestiegen, verhältnismäßig am stärksten in den deutschen und russtschcn Betrieben. Spaniros Finanzreformtiu Die spanische Regierung will durch Erhöhung des Goldvorrates den Uebergang zur Goldwährung anbahnen. Gegenwärtig gelten in Spanjen Gold- und Silbcrmünzen als Währungsgeld. Das Verhältnis von Silber und Gold ist auf 1:1554 festgesetzt, während tatsächlich heule Silber einen viel geringeren Wert Hot. Durch reichliche Notenausgaben haben sich die Währungsvcrhältnisie Spaniens weiter verschlechtert. Für Zahlungen in Gold wird daher ein Agio lAufgeld) gewährt. So ist der.. Kurs spanischer Wechsel sehr ungünstig; er steht z. B. an der Berliner Börse um 6 Proz. unter Parität. Der spanische Finanzminister hat nun in der Kammer einen Gesetzentwurf eingcbrn�t, von dessen Annahme er sich die Durchführung der reinen Goldivährung in drei Jahren der- spricht. Der Entwurf sieht die Errichtung einer Kasse mit einem Kapital von 200 Millionen Pesetas vor, das zur Hälfte von der Bank von Spanien und zur anderen Hälfte vom Staats- schätze beschafft»Verden soll. Die Kasse Mrird Goldwcchsel und Goldsicherheitcn aus ausländische Plätze, je nachdem es die Schwan- klinge» des Wechselkurses erfordern, kaufen und verkaufen. DaS Kapital kann um 200 Millionen Pesetas aus 400 Millionen Pesetas mittels einer Staatsanleihe erhöht werden. Die bei der Abschaffung der Silberwährung entstehenden Kosten hat die Bank zu tragen. Die Regierung wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Verlval» tungsauSschuß der Kasse die Goldwährung einzuführen, sobald sie es für notwendig hält. Die Bank erhält die Berechtigung, Note» zu 1000, 500, 100 und 50 Pesetas auszugeben, und die gleiche Berechtigung wird dem Staatsschätze erteilt. Nach einem weiteren Gesetzentwurf sollen Zweiginstitute aus- ländischer Gesellschaften stärker, und zwar mit mindestens 10 Proz. des Gesamtkapitals der Gesellschaft oder des Gesamtgewinns zur Ertragssteuer herangezogen werden. Die Steuerreform soll nicht nur höhere Steuern einbringen, sondern auch zur Selbständig- machung der Zweiginstitute animieren. Die Preußenkasse. Auf die Entwickeluna des Genossenschaftswesens in Deutsch- land hoben außer dem Genossenschaftsgesetz von 1889 besonders die seit 1894 gewahrten StaatSuntcrstüdungen einen großen Einfluß geübt. In verschiedenen Bundesstaaten bestehen diese Unter- stiitzungen hauptsächlich in Darlehen, die den LandesgenoflenschastS- kästen zinsfrei oder zu einem niedrigen Zinsfuß gegeben worden sind. In Preußen ist die Förderung des Genossenschaftswesens der 1895 gegründeten Eentral-GenossenschaftS-Kasse «Preußenkasse) übertragen,«ie steht unter der Aussicht und Leitung des Staates. Ihr Hauptzweck ist die Förderung des genossenschaft- lichen Personalkredits. Ihre Dienste sind für alle Arten von Kredit- genoffenschaften bestimmt. In erster Linie hat sie aber daZ landwirtschaftliche Getwffenschaftswescn gefördert« Nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 31. Juli 1895 kann die Preußenkasse nicht den Einzelgenossenschaften Kredit gewähren, sondern nur den Vereinigungen und Verbandskassen von Genossen- schaften. Im Geschäftsjahre 1911 stand sie mit 40 Verbänden und Zentralanstalten in Verkehr. Davon waren 20 aus vorwiegend ländlichen Genossenschaitcn zusammengesetzt, deren Zahl sich aus 7555 Mief. Es gehörten ihnen rund 800 000 Mitglieder an. Dem- gegenüber betrug die Mitgliederzahl der den gewerblichen Verbands- lassen angegliederten 582 Genossenschaften nur 178 000. Anfang 1911 haben die Landwirtschaftliche Zentral-Tarlehnskasse für Deutschland und einige andere dem Raisfeisenverbande angehörende Verbandskassen, denen mehrere tausend Genossen- schaften angeschlossen find, ihre Beziehungen zur Preußenkasse lösen müssen. Dafür wird die Preußenkasse in Zukunft ihre Tätigkeit auch aus nichtprcußischc Gebiete ausdehnen, da vor kurzem die Zcntralkassen von Hessen, Baden, Elsaß-Lothringen und Olden- bürg zum Geschäftsverkehr mit ihr zugelassen worden sind. Wie diesen Genossenschaftsinstitutcn darf die Prcußenkasse auch den landwirtschaftlichen und ritterschaftlichen oder von Pro- vinzen gegründeten Darlchnskassen Kredit gewähren. Die Geschäfte mit diesen Instituten sind aber wenig bedeutend. Zur Erleichterung ihrer Aufgabe sind ihr außerdem eine Reihe von Nebengeschäften erlaubt. Besonders darf sie das Depositcngeschäst pflegen und vor- übergehend flüssige Mittel im Wechsel-, Lombard- und Effekten- gcschäft anlegen. Ihr Grundkapital ist fast ganz vom Ctaaie geliefert. Es betrug am Ansang 5 Millionen Mark und ist allmählich aus 75,8 Millionen erhöht worden, wovon 800 000 M. in Anteilen vcr- schicdencr Verbandskassen bestehen. Mit den Reserven beträgt daS eigene Kapital der Preußenkasse 83,3 Millionen Mark. Die fremden Gelder beliefen sich am 3l. März 1912 auf 97,1 Millionen Mark. Eigenartig ist das Verfahren, nach dem die den Zentralkassen einzuräumenden Höchstkredite bemessen werden. Es wird hierbei die durch die beschränkte oder unbeschränkte Saftpflicht der Ge- nossenschaftcn und ihrer Mitglieder gegebene Sicherheit zugrunde gelegt. Mit Recht hat man darauf hingewiesen, daß dieses Ver- fahren äußerst riskant ist, da ja die Mitglieder der einzelnen Ge- nossenschaften ihre Haftsumme nicht bar einzahlen, dem von der Prcußenkasse eingeräumten Kredit also zum Teil keine Gegenwerte entsprechen. Auch in ihrer Zinspolitik sucht die Preußische Eentral-Gc- noffcnschafts-Kasse ihren Konkurrenten möglichst den Weg abz»- laufen, indem sie ihren Zinssatz möglichst niedrig und gleichmäßig zu halten sucht. Hierbei werden diejenigen Kassen, die sich per- pflichten, ihre ganzen Geld- und Kreditgeschäste ausschließlich von ihr besorgen zu lassen, besonders bevorzugt. Da der Geldgeber auf seine Gläubiger stets einen großen Einfluß in der Verwendung des Kredits bat, wird die Preußenkassc zur Beherrscherin weiterer land- wirtschaftlicher Kreise. Man sagt ihr nach, daß sie als ein Institut des preußischen Staates auch nicht ohne politischcn-Einfluß bleibe. Ihre Gcschäftspolitik zur Heranziehung aller landwirtschaftlichen Genossenschaficn wird M Prcußenkasse dadurch wesentlich er- leichtert, daß sie mit Staatsgeldcrn arbeitet. Während private Kassen einen möglichst hohen Gewinn erzielen müssen, kann sich die Prcußenkasse mit 3 Proz. Verzinsung des Aktienkapitals genügen, da in diesem Kapital nur da? Geld der Steuerzahler steckt. Vorort- IVaclmcKten. Lichtenberg. Petitionen keiteien hie Stadtverordneienvcrsammlung am ein. Zu dor Petition deutschen Gärtncrvcreins, Erhöhung der Löhne bctrcsseird, erklärt« Stadtrat Glaschkc, die vor- bcrelteudc Kommission habe folgendes beschlossen: Neunstündige Arbeitszeit,� 1. Gärtner Siundenlohn 04 Pf., 2. Gruppe 53 Pf., i A�üppe 50 Pf. Eine Petition, die Errichtung einer össenilichen Bedürfnisanstalt auf dem Augustaplatz fordert, wurde dem Magi- strat zur Berücksichtigung überwiesen.— Die Interessenten am so- genannten Hönower Wiesenweg machten einen Vorstoß, auf allgc- mein« Kosten ihr« Grundwerte zu erhöhen, die Stadt soll die Straße aus eigene Kosten ausbauen. Die Petenten wurden bcschieden, die Interessenten zu veranlassen, durch erforderliches Entgegenkommen die Regulierung zu ermöglichen.— Dem Lichtcnbcrgcr Volksschul- lehrcriniienvcrein bewilligte die Persammlung zwecks Veranstaltung von Mütteralienden 50 M.— Dann bekam der jCkciglstrat eine moralische Ohrfeige. Er hatte in dem ohnehin mit Spielplätzen sehr karg versehenen Ortsteil für die Herren Schüler des Jahn-Rcal- ghinnaftums an der Eitel- und Sophicnsiraße einen Spielplatz ab- zäunen lassen. Nachträglich verlangte er die Bewilligung der da- durch entstanidcnen Kosten>» Höhe von 450,75 M. Genosse Grauer kennzeichnete das eigenmächtige Handeln des Magistrats als einen neuen Akt der Benachieiliaung der Besitzlosen. Selbst die Schachtel- gruppe wandte sich, allcvdir.gs nur aus formalen Gründen, gegen den Magistrat. Seine Vorlag« verfiel dem Geschick der Ablehnung. Wer bezahlt nun?— Eine lange Debatte, in der die Geister scharf aufeinander platzten, entfesselte eine Vorlage über die Anstellungs- bedingungen des chirurgischen Leiters im Kraukenhause, das im nächsten Jabre fertiggestellt wenden soll. Prof. Bötticher-Gießcn ist als Leiter ausersehen. Bis zur Er- öffnung des Krankenhauses soll sein Gehalt 1200 M. betragen, von da ab 4000 M. Nach der Vorlage bleibt ihm dazu das Recht. Privatkranke in der Anstalt unterzubringen und zu behandeln. Das Zur- verfüguiigstcllen eines Teiles der Anstalt sür die Privatpraxis des Arztes soll in Wirklichkeit seine Besoldung darstellen. Das kenn- zeichneten unsere Genossen. Das Anstaltsaint werde so zu einer Dekoration für die Privatpraxis des Chefarztes,(»ienosse John gäb der Besürchtung Ausdruck, das Krankenhaus könne zu einer Anstalt für Rentenquetschcrei werden. Von der Gegenseite wurde immer wieder betont, daß man eine Einrichtung für zahlungsfähige Kranke haben müsse. Unsere Genossen konnten die Verabschiedung der Borlage nur durch Widerspruch gegen die 2. Beratung ver- hindern.— Die nächste Vorlage, die Zustimmung fand, fordert den Bau eines Regeiiwassersammeltanals in der Wördcnstraßc, sowie in-den«straßcn 08 und l23.— Zur Begründung einer Jnterpclla- tion srug Genosse Grauer den Magistrat, ob er vielleicht die Er- richtung einer Landkrankenlasse plane. Oberbürgermeister Ziethen erklärte, in Lichtenberg seien die Boraussetzungen für die Existenz einer solchen Kasse zu ungünstig. Man werde daher keine Land- krankenkasse errichten.— Sodann gab die Versammlung Zustim- mung zu einem Ortsstatut betreffend dt«.Krankenversicherung der selbständigen Hausgewerbetreibenden.— Gemäß einer Vorlage des N Magistrats und dem Beschlutz der Versammlung erhalten die Versicherungsvertreter beim V«rsich«rungsamt pro Sitzung und Person 0 M. Entschädigung.— Eine Anfrage der Bürgerlichen, be- treffend Herstellung einer Verbindung zwischen Äietzerweg und Wartendergstraße, ließ wieder erkennen, wie Geschäfte gemacht werden. Die verlangt« Verbindung mackt den Erwerb eines Grund- stücks notwendig, für das der Besitzer 05 000 M. verlangt. Bezahlt hat er 35 000 M. Genosse Grauer erläuterte, daß den Anwohnern viel mehr mit einer Verbindung zur Gürtelstraße gedient sei. Auch der Magistrat verhielt sich den Gelüsten der Spekulanten gegen- über ablehnend.— Sehr tumulwarische Szenen veranlaßt« eine Interpellation des Herrn Kalischer. Sie behandelt die geplante Er- bauung einer Gasanstalt am Rummelsburger See. Herr Kalischcr warf dem Magistrat unlautere Praktiken vor. Denselben Vorwurf servierte der Magistrat den Opponenten gegen die Gasanstalt. Sic hätten vor dem Stadtausschuß von Neukölln ein autoritative» Gut- achten gefälscht borgetragen. Herr Kalischer wieder erhob den Vor- wurs. der Magistrat hätte den Gutachter irregeführt. Qberbürger- meister Ziethen geriet dabei wiederholt in höchste Erregung; er schlägt mit der Faust aus den Tisch und ruft empört: Das ist un« erhört! Allmählich glätten sich die� hochgehenden Wogen. Der Magistrat gab unter großem Beifall eines Teiles der Versammlung die Erklärung ab, er werde mit aller Entschiedenheit die Rechte der Stadt im BerufungSversahren gegen den ablehnenden Entscheid des Stadtausschusss weiter verfolgen. Herr Kalischer ruft: Und wir Opponenten unser Recht!— Nochmals gab es einen scharfen Zu- sammenstoß zwischen dem Magistrat und Herrn Kalischer, der aller- dings, wie meistens, nicht sehr gut abschnitt. Zur Verhandlung stand eine Vorlage betreffend Errichtung neuer Lehrerstellen an den Gemeindeschulen. Herr Kalischer behauptete, es sei vorgc- kommen, daß Kinder wegen Ueberfüllung der Klasse auf der-Tic lc hätten sitzen müssen. Nachher stellte sich heraus, daß bei der Ein- schulung in einer Klasse für ein oder zwei Tage ein paar Kinder nicht untergebracht werden konnte». Oberbürgermeister Ziethen bezeichnete die Darstellung des.Herrn Kalischcr als eine unvcrant- wortliche Herabsetzung der Schulvcrhältnisse in Lichtenberg. Es würden die größten Anstrengungen gemacht, im Einklang mit der Finanzkraft die Frequcnzzisfern herabzusetzen. Genosse Johi, monierte, daß die seinerzeit den Rummclsburgern gemachten Zu- sagen nicht genügend beachtet würden. Die Schachtelgruppe beau- t ragte, vorläufig nur einen Teil der vom Magistrat geforderten neuen Stellen zu bewilligen, im übrigen die Vorlage an eine Kom- Mission zu verweisen. Genosse John befürwortete die Ueberweisung, jedoch nicht, um sie zu verschlechtern, sondern um eine Verbesserung vorzunehmen. Tie Taktik der Schachtclgruppe durchkreuzten unsere Genossen durch Widerspruch gegen die 2. Lesung, nachdem die- Ueberweisung der Gesamtvorlagc durch die bürgerlich« Majorität abgelehnt worden war. Eine Vorlage, die de» Lehrerinnen den Anspruch aus Hinterbliebenenrente zusichert, fand Annahme. Des. gleichen eine Vorlage betreffend Einstellung von Hilfskräften am Pestalozzi-Lyzeum. Tie Erfolge der Sozialdemokratie bei den Stadtverordneten- wählen lassen unsere heuligen Machthaber nicht zur Ruhe kommen- Gegen die sieben Mandate der II. Wählerklasse sind Einsprüche ein- gegangen: auch ein Mandat der III. Wählerllasse wird beanstandet. Parteigenossen! Wie auch die Erledigung der Einsprüche sich gestalten möge: am Sonntag, d e n 1 5. D e z e nl b e r. iir der Zeit von 12 b i S 7 U h r, gilt es. im 2.. 7. und 20. Bezirk M der Nachwahl die Mandate der Sozialdemokratie zu sichern. Unsere Stimmenzahl muß sich verdoppeln, tue daher jeder seine Pflicht! Alle säumigen Wähler müssen schon frühzeitig an den Wahltisch ge- bracht werden! Stralau. Eine Jugendschriftcn- und Wandschmuckausstellung findet für den Bezirk Stralau und Stralauer Viertel am Sonntag, den 15. De- zember. nachmittags von 2—0 Uhr, im Lokal Steinickc. Alt-Stralau ö/O, statt. Eintritt unentgeltlich. Die Arbeiterschaft wird um regen Besuch der Ausstellung gebeten. Erkner. Am Sonntag, den 15. Dezember, nachmittags von 12 bis 0 Uhr, findet bei Degebrodt f.Alter Krug") eine Jugendschristen- und Wandschnmckausstellulig statt. Nachmittags 2'/, Uhr spricht im selben Lokal in einer öffentlichen Versammlung Herr Walter Zimmernrann Berlin über:»Jugendliteratur und Wandschmuck im proletarischen Heim". Roseuthak. Ter Bau einer gemeinschaftlichen Schule für die drei Ortöteil« beschäsliate in einer außerordentlichen Sitzung die Gemeindevertretung. Durch dre getrennte Lage der drei OrtSreile find die Schulverhättnisie namentlich für Nordend Mondes ungünstige. Da im Prinzip der Bau schon beschlossen ist, handelte es sich rn dieser Sitzung um den Erwerb eines Bauplatzes, die Aufnahm- einer Anleihe von 150 000 Mark sowie um die Beschlußfassung über die weiter zu treffenden Maß-- nahmen. Als Bauplatz kommt da« Terrain am Kaiserweg und Kastanien-- alles in der Nähe des Wasserwerkes in Frage. Das günstigste Angebot von den sünf Offerten war da« 3 Morgen große Grundstück de« Herrn Alb. Seeger, welches mit 2 M. pro Quadratmeter angeboten. und von der Vertretung akzeptiert wurde: zwei Vertreter stimmten dagegen, doch richten fich ihrc�Stimmen gegen den Schulbau über- Haupt. Der Aufnahme einer Anleihe von der LandeSversicherungs« anstalt Brandenburg von 150 000 M. zu 4 Proz. mit sechsmonatlicher Kündigung wurde ohne Debatte zugestinimt.— Die Technische Kommission des Wasserwerk« hatte den Umbau der alten Filter beantragt; durch hohe Ansorderimgen, die da« Werk Bergmann öfter an das Wasserwerk stellt, reicht die Filtcranlage nicht aus; eS tritt dadurch für die Bevölkerung die Kalamität ein, daß das Wasser nicht immer klar ist. Der Antrag ivurde am«in Jahr zurückgestellt. — Nach Erledigung einiger unwichtiger Punkte fand eine geheime Sitzung statt. Bernau. Der Bildungsausschuß veranstaltet Sonntag, den 15. Dezember. vormittags 12 bis abends 0 Uhr,«ine Jugendichriften- und Wand» schmuck-AiiSstcllung iin Saale des Herrn Adolf Hermann. Bürger- meisterstraße. Nachmittag 2>/�Uhr hält Genosse Jakobsen-Oberschone- weide einen Vortrag in demselben Lokal über Jugendliteratur und Wandschmuck im Proletarierheim. Die Arbeiterschaft wird ersucht, diese Beranstalmngen recht zahlreich zu besuchen und insbesondere ihr« erwachsenen Söhne und Töchter darauf aufmerksam zu machen. Lübars-Waidmannslust. Aus der Gemeindevertretung. Unter»Geschäftliches" wurde ein Antrag unserer Genossen verlesen, der eine Besprechung über die rigorose Entlassung des Gemeindearbeiters Bartikowskt herbeiführen sollte. Dem widersprach der Gemeindevorsteher und die bürgerlichen Vertreter fanden nichts einzuwenden, daß ein Familienvater vier Wochen vor Weihnachten ohne Grund auf die Straße gesetzt ivurde. Genosse Kestiu konnte»achweisen, daß man einen Hörfehler des Gemeindearbeiters dazu benutzt hat. denselben zu einlassen. Aber desto eifriger waren die Herren bemüht, sich mit einer nichtssagenden mehr koinisch wirkenden Angelegenheit eine volle Stunde zu be- schäftigen. immlich mit der Einführung des Koloiiicuamens»Woiv- mannSlust". Der Name besteht zwar bereits über 20 Jahre, gleichwohl beschloß jetzt erst die Vertretung die Einführung des Namen« und die Festsetzung der Grenze der Kolonie in der Ahornstraße. Spaßig wirkte es, als die Herren sich um die Grenz» linie stritten; kein Gemeindevertreter wollte außerhalb der Grenze WaidmannSlust wohnen, die natürlich nur Illusion ist. da auch für die Kolonie nur der Genieindebezirk»Lübars" in und außerhalb der festgesetzten Grenze maßgebend ist. Unsere Genossen beschränkten sich auch nur darauf, diesen Widersinn festzustellen und im übrigen alz lachende Zuschauer der Debatte zu folgen. Zur Bestreitung der Kosten für die Kanalisation wurde beschlossen, ein Darlehen von 200 000 M. autzunebmen und zwar die erste Hälsto am 8. Aprtl. die zweite am 8. Juli kommenden Jahre« mit 4 Prozent Verzinsung und 2 Prozent Amortisatton. Zum Schluß gab eS noch einen kleinen Zusammenstoß zwischen dem Gemeindevorsteher und unseren Genossen. Die Veranlassung gab eine Schadenersatzklage eines kleinen ParzcllenbesitzerS an der Ahorn» straße gegen die Gemeinde. Da der Gemeindevorsteher hierüber ungenügende Aufklärung �gab, so ergänzte Genosse Luscher»ach seiner Information den Sachverhalt und zog daraus den Schluß. daß der Geschädigte berechtigt sei. Schadenersatz zu fordern. Mühlenbek. lieber daS Thema:»Krieg dem Kriege" referierte in einer stark besuchten öffentlichen Versammlung Tenoffe Karl- Berlin. Nach diesem mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrage sprach Gemeinde« Vertreter Genosse A. Barsch über die Frage:„Welche Vorlcilc er- Maedsen der Einwohnerschast von Mühlenbek, wenn Mühlenbeck ttinlsbezirk wird?* Der Redner trat in seinen Darlegungen der Mehrheit der Gemeindevert»etcr, von denen leider niemand an- tvescng war, entgegen. Letztere hätten behauptet, der Gemeinde würden, wenn sie Amtsbezirk werde, erhebliche Mehrkosten erwachse»: Redner wies nach, dax das Gegenteil der Fall sei. Auch wäre es als ein großer Fortschritt zu verzeichnen, wenn die Einwohner Mühlenbecks nicht mehr nach Fr.-Anchholz brauchten, sondern alle Sachen in Mühlcnbeck selbst erledigt werden könnten. Das betreffe hauptsächlich: Invaliden«, Unfall-, Steuer- und Polizeisachen. Auch würde dann die Steuer etwas gerechter verteilt werden. Eine in diesem Sinne vom Redner eingebrachte Resolution fand einstiinmige Annahme. Räch einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende Paul B r u ck m a n n die Versammlung. Schölicberg. SchriftenaiiSstclliing des BildxngSanSschusseS am Sonnabend, den It. und Sonntag, den IS. Dezember, von abends<> Uhr ab im Tunnel der„Reuen Rathausfäle". UnterhaltiiiigSabend, arrangiert vom Jngcndansschnß, am Somt- tag, den lö. Dezember, abends V Uhr, im Tunnel der„Renen Rat- KauSsäle". GesangSvorträgc von» Sckiönebergcr Mäimerchor. Vortrag des Genossen Albin MohS über: Geselligkeit, Kollegialität, Soli darität. Obcr-Schö«etveide. Gemeiudevertrrtersitziliig. Vom Vorsteher wird mitgeteilt, daß der besoldete Schöffe Dr. Kühn den Titel Beigeordneter erhalten bat.— Die Klage Wesen bürg gegen die Ungültigkeitserklärung seiner Wahl zum Gemeindeverordnelen ist von dem Kläger zurück- gezogen worden: auf eine Anfrage unserer Vertreter wurde vom Gemeindevorsteher die Auskunft, daß die notwendige Ersatzwahl t,n Anfang nächsten Jahres nach der neue» Wählerliste vorgenommen werden soll.— Die Anlcihebeschaffung in Höhe von 700 000 Mark für den Reubau einer Schule in der Wattstraße gestaltet sich insofern schwierig, als sämtliche vierzehn darum angegangene Geldinstitute eine Beleihnng in Anbetracht der politischen Lage ab- gelehnt haben.— Die Errichtung von drei neuen Lehrerstellen zum 1. April 1913 wird beschlossen.— Für die W e i h n a ch l s- b e s ch e r u n g arrner Kinder werden statt der geforderten 300 M. aiif Antrag der sozialdemokratischen Vertreter SOO M. bewilligt: be- zeichnend war es, daß Herr Schöffe Herwig erst noch dagegen sprechen mußte.— Auf Anregung der Plenarsitzung des Gewerbe- g e r i ch t e S wird eine andcrwcite Fassung des Ortsstatuts für daS Käufmanns- und Gcwerbegericht beschlossen, dahiiigehend. daß vor den Beisitzerwnhlen keine Wählerlisten aufgestellt werden, wie bisher: die Wähler haben sich vor der Wahl hinfort mit einer Legitimation zu versehen, aus der ersichtlich ist, daß sie am Orte wohnen oder arbeiten. Die Vorlage des Gemeindevorstehers be- treffend Anstellung eines Gemeindearztes, welche auf Grund einer Anregung der sozialdemokratischen Vertreter— einen Schularzt im Hauptamt anzustellen— entstanden ist, führte eine ausgedehnte Debatte herbei. Nack der Vorlage hat der anzustellende Arzt neben der schulärztlichen Tätigkeit als Armenarzt zu fungieren sowie später die in Aussicht genommenen Säuglings- und Tuberkulosefür sorge st ellen zu leiten. Die Vertreter der ersten und zweiten Klasse böten mit teilweise' recht weit her- geholten Gründen alles aus. um diese Einrichtung zu Fall zu bringen. Vom Genossen Grunow wurde dargelegt, daß dieselbe unbedingt im Interesse der Einwohnerschast läge, und wie andererseits es gerade die Sozialdemokratie sei, die Kommunen zn solchen Ein- richtungen dränge: der vorliegende Entwurf sei jedoch noch so unvollständig, daß cS ratsam erscheine, denselben der Etatskommission zur Beratung zu überweisen. Diesem Antrage wurde mit geringer "Wkcksoritat Folge gegeben, anderensallS wäre die Angelegenheit unter den Tisch gefallen. Eine Katholikenversammlung, welche am Dienstag tagte und der auch ein großer Teil Parteigenossen beiivohnten, beschäftigte sich neben der Jesuitenfrage auch mit der sozialdemokratischen Ver- sammlung, in der Genosse Adolf Hofsniann über Religion und Krieg referierte. Die Anlündigung dieses Themas der Kntholikenversammlnng war ein Vusbängeschild, um den Saal zu füllen. Das Zeug was der K u r a t u s R e n n v ch über den Genossen Hoffman zum besten gab, ivar vom belannten Kaliber. Nowawe».» Aus der Gemeindevertretung. Das neu zu erlassende Statut für die Amts- und Gemeindeverwaltung, betreffend die Anstellung und Besoldung sowie die Ruhegehalts- und. Hinterbliebenenversorgung der Beamten und die den letzteren zu gewährenden Reisclojten- cntschädigungen, wurde ohne Debatte angenommen. Als Muster zu diesem neuen Statut diente das bisher gültige Statut für die Amtsverwaltung, daS einer zweckentsprechenden Acnderung unter- zogen wurde, wobei auch die Wünsche der Regierung, bclr. Herauf- scyung der Höchstgrenze des AustellungSalterS von 37 auf 40 Jahre und Gleichstellmig der Amts- und Gemeindebeaniteii mit den Staats- beamten hinsichtlich der Reiscentschädigung, Berücksichtigung fanden.— Der Veräußerung von Parzellen der früheren Kirschallee an Anlieger der Heinesträße stimmte die Gemeindevertretung gleichfalls debattelos zu, nachdem der Bürgermeister die Erklärung abgegeben hatte, daß die Regierung auf Anregung der Anlieger der westlichen Seite der Heinesträße seinerzeit die Allee an die Gemeinde mit der Maßgabe veräußert und ansgelassen habe, daß die entsprechenden Teile an die angrenzenden Besitzer nur zum SelbstlostenpreiS weiter- veräußert werden dürften. Letztere betragen für den am Friedhof liegenden Teil 1 M.. für den übrigen Teil 8 M. pro Ouadratmeter. — Wegen der Eisenbahnhöherlegung macht sich weiterer Eriverb von Gelände notwendig, das teilweise zur Verbreiterung derKaiser>Wilhclm- und der Eisenbahnstraße dienen soll. Die Vertretung stimmt dem Ankauf deS betreffenden Geländes zn. Wegen Einführimg des Fernspiech- Nachtdienstes will sich der Bürgermeister mit der Gemeinde Klein- Glienicke in Verbindung setzen, da diese die gleiche Absicht hat rmd zur gemeinschaftlichen Tragnng der entstehenden Kasten jedenfalls gern bereit fein würde. Die Kosten sind mit 2000 M. veranschlagt, wovon 400 M. durch die Fernsprechteilnehmer selbst und der Rest von 2200 M. durch beide Gemeinden nach Maßgabe der vorhandenen Anschlüsse zn decken wären. Tie Vertrciung erklärte sich mit den Vorschlägen des Bürgermeisters einverstanden. Spandau. Die Stadtverordnctenversammlunz am Donnerstag dehnte sich zu einer Dauersitzung von 5'/« Stunden aus. Der Zuhörerraum war infolge der beantragten Fahrpreiserhöhung überfüllt und in drang- voller Enge harrten die meisten Zuhörer bis zun, Schluß auS. Genehmigt wurde der 4. Nachtrag zum OrtSstalut betr. die ge- werbliche Fortbildungsschule. Wie Stadtv. Habbel, mitteilte, soll nach den, Nachtrag hinfort auch für die ungelernten Arbeiter die Pflicht' bestehen die Fortbildungsschule zu besuchen und zwar bis zum 18. LebenSjahie. Stadtverordneter Walter sieht in der Ausdehnung der Schulpflicht auf ungelernte Arbeiter eine Belastung deS Handwerks und er beantragte, die Schulpflicht bis zum 17. Lebensjahr zu beschränken. Genosse Pieper begrüßte es, daß jetzt auch ungelernte Arbeiter die Schule besuchen sollen. Natürlich, misse die Schulzeit in die Arbeitszeit verlegt werden. Der Nachtrag wird unverändert angenommen. Der Beschluß der gemischten Kommiision betreffend die Bemchung der Redehalle auf den, städtischen Friedhof ruft eine lange. zum Teil scharfe und persönliche Debatte hervor. Stadt- verordneter Walter, der hierzu sprach, betoute, ein 1910 an- genommener Antrag lautete, daß„die Redehalle nur zur Abhaltimg religiöser Andachten benutzt werden dürfe". Die gemischte Koni- Mission habe beschlossen, eine Aenderung der Fricdhofsordnung nicht vorzunehmen. Es könne jeder reden, ivem, er sich in allgemessenen Grenzen hält. Der Magistrat wolle ohne Genehmigung an Nicht- geistliche die Halle nicht zur Bersügimg stellen. Sladtv. Kantorowicz meinte, daß schon Von 1S76 Cis 1910 daS Recht bestanden habe, daß jeder in der Halle reden konnte. Jetzt habe man jedenfalls Furcht, daß revolutionäre Reden gehalten werden könnten. Es gibt doch auch angesehene und gebildete Männer, die mit der Kirche nichts zu tun haben wollen, sollen die wie ei» Kadaver eil, gescharrt werden? Bei gutem Welter könne am Grabe gesprochen werden, bei schlechtem Wetter müsse jedoch die Halle bemitzt werden können. Er stelle den Antrag, daß es genüge, wenn dem Magistrat lediglich Mitteilung davon gemacht wird, wer dort reden wolle. Oberbürgermeister K o e l tz e meinte, wenn die Halle ohne Geistlichen benutzt werde, so müsse ein Antrag auf Genehmigung erfolgen. ES sei dann zu prüfen, ob eine religiöse Feier oder eine sozialdemokratische Agilationsrede ge- halten werden soll. Stadtv. Bender beantragte, daS Konzept der Rede dem Magistrat zur Genehmigung zu überweisen. Geschehe das nicht, so müsse die Polizei ein Recht zum Einichreiten habe». Stadtv. Kantorowicz meinte. daß die Polizei in einen ge- schlossencii Raum wie die Redehalle eindringen könne, müsse aus- geschlossen bleiben. Stadtv. Schob polciiiisterte gegen Stadt. Konto- rowicz und sagte, er würde die Dreistigkeit nicht besitzen, iven» er Israelit wäre, für die Redefreiheit in der Halle einzntretell und die Debatte stundenlang hinzuziehen. Hierauf entgegnete ihm Genosse Pieper, daß iveiin dem Stadtv. Schob die Debatte zu lange dauere, er dann ja hiilauSgehcn köime. Im übrigen gehe die Feier, wen» einer seiner Genossen begraben würde, ebenso würdig vor sich, wie bei jedem anderen Begräbnis. Redner protestierte ganz cnt- schieden dagegen, daß Polizei bei Begräbnissen zugelassen werden soll. Jeder Steuerzahler habe das Recht, städtische Einrichtungen zu bcnlitzeii. Nachdem noch die Stadtverordneten Weber und Dr. K a n t o r o iv i c z sich in scharfen Ausführungen gegen Stadtv. Schob gewandt haben, wurde der AbänderungSantrag Kantorowicz abgelehnt uiid damit die Magistralsvorlage genehmigt. Für den Umbau der Freibadeanstalt in der Schäscrstraße wurden 35 400 M. geiordert. Das Männerbad wird 1700 Ouadratmeter groß, 40 Meter breit sein und 18 bezw. 24 Meter für Nichtschwimmer lliid Schwimmer weit in die Havel hineinragen. Das Frauenbad soll 1150 Ouadratmeter und der Strand 1500 Ouadratmeter groß sein. ES sind Bootsständc, Ankleidezellen und Anschluß an die Kanalisation für die Aborte vorgesehen. Der Borlage iviirde zusgestimint. Alsdann folgte die Beratung der Sonderctals. Ohne wcientliche Debatte wurden folgende Etats genehmigt: Der Voranschlag des Sparkasienctats beläuft sich aus 59 890 M.. gegen das Vorjahr 7800 M. mehr. Dein StraßenreinigungS-Etat steht bei einer Einnahme von 57 051 M. eine Ausgabe von 170 969 M. gegen- über, er erfordert einen Zuschuß von 1l3 9l8 M., 7322 M. mehr als im Vorjahre. Beiin WasserwerkS-Etal wird auf Grund der Ans- gäbe von 462 240.57 M. der Voranschlag in der Einnahme auf 463 287,92 M. festgesetzt. Beim Kanolisations-Etat werden die Em- nahmen auf 555 762,66 M., die Ausgaben auf 566 539,51 M. fest- gefetzt. Der Schlachthofkaffen-Etat schließt i» Einnahme und Ausgabe mit 159 000 M. ab. Die Festsetzung der neuen Straßenbahnfahrpreise rief eine lange Debatte hervor und kam deshalb so spät zur Verhandlung, weil der Referent Neuich nicht erschienen war. ES referierte an seiner Stelle Sladtv. Bender.. ES werde in der Magistratsvorlage hauptsächlich verlangt, daß jede Fahrt 10 Pf. kostet und die Umsteigeberechtigung fortfällt. Nach 11 Uhr abends soll ein Zuschlag von 5 Pf. erhoben wevden. Die Arbeitertvochenkarten sollen nach dem Antrag von 80 Pf. auf 1 M. und von 1 M. aus 1,25 M. erhöhl werden. Der Referent bemerkte, wcim die Fahrpreiie nicht erhöht würden, müsse die Stadt die Zuschläge zur Einkommensteuer um 5 Proz. erhöhen. Allein die Linie Gartenfeld erfordere einen Zuschuß von 13—20 000 M. Er beantragte Zurückverwcisung an die Straßenbahndeputalion. Stadtv. Kantorowicz sprach sich mit großer Entschiedenheit gegen die Erhöhung der Fahrpreise aus. Nachdem»och eine Reihe Stadtverordnete mehr oder weniger gegen die Fahrpreiserhöhuirg ge- iprochen haben, der Magistrat die Vorlage aber mit aller Ent« sckiiedenheit vertrat, wurde die ganze Borlage auf Fahrpreis- erhöhiingen abgelehnt. Eine Reihe von Vorlagen wird vertagt. Nächste Sitzung 19. Dezember. Der BildungSauSschuß veranstaltet Sonntag, den 15. Dezember, im Lokale von E. Äöpnick lFlora), PichelSdorfer Str. 39, einen Kinder-Märchen- und Lieder-Nachmittag. Anfang nachmittags 2 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt für Kinder 10 Pf. und für Er- wachicne 20 Pf. Ferner findet in der Zeit von Sonnabend, den 14. bis Montag, den 23. Dezember, eine Jugendschriften-»md Wandschmuck-Aus- ftelluiig Breiiestr. 64 statt. Dieselbe ist geöffnet wochentags von 2—8 Uhr und Sonntags von 1t>/z— 8 Uhr nachmittags. Der Ein- tritt ist unentgeltlich. In Anbetracht des hohen Wertes beider Lcr- anstaltimgen wird die Arbeiterschaft ersucht, dieselben tatkräftig zu unterstützen. Eggersdorf» Die letzte Gcmcindcvertreterfitzunz beschloß den Bau einer Leichenhalle: die Maurer- und Zimmererarbeiten will die Gemeinde in eigener Regie ausführen: dagegen sollen für den Transport von Material(Steine und Kalk) Offerten eingezogen werden. Die großen Bäume in der Strausberger Straße sollen zwecks Pflasterung derselben abgeholzt und meiftbietend verkauft werden. Der Vertrag init der Stadt Strausberg betreffs Lieferung von elektrischer Kraft und clekirischem Licht ist nun abgeschlossen; die Arbeiten sollen inner- halb sechs Monaten fmiggestellt sein. Versammlungen. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Die VcrwaltungS- stelle Grotz-Berlin hielt Donnerstagabend eine außerordentliche Generalversammlung ab. in der A ß m a n n einen mit lebhaftem Interesse verfolgten Bericht über den internationalen Kongreß in Basel erstattete, lieber die Reorganisation der Expedition der Ver- bandszeitung berichtete W u tz k y. Das reaktionäre Verhalten der Pakctfahrtgesellschaft führte zur Lösung des mit dem Verbände be- stehenden Bertragsvcrhältnisses. Es wurden nun mehrere Versuche untcrnommcli, wie die Vcrbniidszcitung am besten zu expedieren und den Mitgliedern zuzustellen sei. Einen bestimmten Vorschlag konnte die Verwaltung der Versammlung noch nicht unterbreiten. Nach kurzer Debatte wurde beschlossen, die Ortsverwaltung zu be- auftragen, in Gemeinschaft mit der erweiterten Verwaltung die Frage der Zcitungscxpedition endgültig zu regeln.— Unter Ver- bandsangelcgenheiten teilte Wutzky mit. daß der Magistrat der Stadt Berlin neue Bestimmungen für den Arbeiterausschutz her- ausgegeben habe. Als ein Fortschritt sei es zu bezeichnen, daß die Vorsitzendcn zu den cinzelnen Ausschüssen jetzt durch die Arbeiter gewählt wurden. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des Vertriebes guter Unterhaltungslektüre hat daS„GewerkschaftShauS" folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jngendschriften zum Preise von 10—30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponieriiiig deS Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jcdcrmaim erhält in de» nachstehend angeführten Ausgabe- stellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat cnt- weder den Wert der Bttcker zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechmden Be- trag zu deponieren. Zinischst sind folgende Ausgabestellett eingerichtet: Antonstr. 31. Zigarrengeschäst von Kricgsma'.m. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahm« des Sonnabends. Blanrcnfcldcitr/ 10. Verband der Schuhmacher� Von 19—1 und 4 bis 7 Uhr lint Ausnahme des Freitags und Sonnabends. Bruiincnftr. 115..-Ebeit-r-Jugeridheim. Von 6—10 Uhr.___ Czaruikauer Str. 31. Zigarrcngejchäst von Gosciniak. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. «liiabethstr. 11. Verband der Fleis-ber. Von 10-1 Uhr und 5—7 Uhr. Emdener Str. 30 bei Worbs. Montags von 8-3'/- Uhr. Eugelnfer 15.(SeivcrkjchaltshauS. Quergebaudc, Erdgeschoß, Zimmer 19. Wochentags von 8— O'/a llhr. Engelufer 15. Zigarreiigeschäst von Harsch. Bon 8-6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends....... m„„...„ Fehmarnstr. 8. Tabakarbeilergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Au-- iiahmc des Sonnabends. v Gartenstr. 101. Verband der Kupserschmicde. Von 19—11 Uhr und Gr. Frankfurter Str. 13«. Arbeiter-Jugendheim. Von 6—19 Uhr. Kopernitusitr. 11. Tabakarbeitergenossenschast. Von L— 6 Uhr, mit Aus« liahme des Somiabends.,..... LiPPehncr Str. 15. Zigarrengelchäjt von Hirsorth. Von 8-6 Uhr. mit Ausnahme des Sonnabends..„ Manteuffelftr. 73. Zigarrengefchäsk von Cito Busse. Von 8—6 Uh� mit Ausnahme deS Sonnabends. Mclchiorftr. 38. Verband der Maier. Von g— 1 Uhr.„„_ fvtöckernftr. vi. Zigarrengeschöst von Eldor Schmidt. Von 3—8, sonn» abends von 8—6 Uhr. � Pappclallee 15/17. Bureau der Freireligiösen Gemeinde. Sonntags 19-12 Uhr, ivochenlagS außer Donnerstag von 12—5 Uhr. Petersburger Str. 5. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Ausiiahme des Sonnabends. Rostockcr Str. 40. Zigarrcngelchäft von Bcrner. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des SoniiabeiidS. Rothcriir. l. Zigarrengeschäst von Holm. Von 8-6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends.„„ Scharuweberftr. 1. Zigarrengeschöst von Rich. Dunscheck. Von 8— 6 Uhr, mit AuSnahnie des Sonnabends. Sebaftianftr. 37/38. Verband der Schneider. Von 9—1 Uhr. Weinstr. 8, Part. Verband der Kürschner. Von 9—1 Uhr und 3—7 Uhr. Wörthcrstr. 33. Zigarrengeschöst von Schirmcr. Von 8—6 mit Aus« nähme des Sonnabends. Verein der Frauen und Mädchen der arbeitenden Klaffen, Bor und nach jeder BereinSvcrsammlung. Vororte: Birkenwcrdcr. Hauplstr. 99 II. bei Wilhelm Pieper. Wochcntäglich ,u jeder Zeit. Borsigwalde. AnSgabestelle: Freie Scholle Nr. 4, Max Zechau, Sonntags vormittags. B«:hagcn.Ruinmelsburg, Alt-Soxbagcn SS. Jugendheim, Von bis 9 Uhr, mit Ausnahme des Dienstags. Britz. Wahlverei»,'Ausgabestelle Restaurant Zilj, Wcrderstr. 28. Sonnabends von 8—10 Uhr._ Charlottenburg. Arbeiter-Jugendheim, Rosinenstr. 3. Dienstag, Donners» tag. Sonnabend und Sonntag von 7—9'/, Uhr. Glienicke a. Nordbahn. Haiiptstr. S. Zigarrengeschäst von Haberland. Täglich während der GeschäjtSstunden. Hermsdorf. Bcriiiicr Str. 23a. Schuhwareniaden von August Schulze. Wochenläglich während der GcschäjtSstunden mit Ausnahme deS SonnabeiidnachmitlagS. Hohen-Reueiidorf, Ruhwaldstr. 46 I, bei Karl Tiedt. Wochenläglich von 4-8 Uhr. Hohenschönhausen. Berliner Str. 119, bei Dr. Goldbcrg. Täglich von 7—9 Uhr. Kaulsdorf. Adolsstr. II II. bei Ratschülsli. Montag, Donnerstag und Freitag von 6—8 Uhr. Lichtenberg, Bürgerbeimilr. 94. Arbeiler.Jugendbeim. Von 19-7 Uhr. Lichterfelde. Bäkestr. 7. Arbeilerbücherei. sonnabends 8—10 Uhr. Mahlsdorf. Balinhossw. 16, bei Thiele. Montag. Mittwoch und Freilag von 6— 8 Uhr. Neukölln. Weichfelstr. 8, Arbeiter-Jugendheim. Mittwoch und Sonnabend von 6'/,— UZ Uhr. Obcrfchöneweide, Klarastr. 2. Jugendheim. Mittwoch und Sonnabend von 8—9'/, Uhr. Pankow, Mühienstraße 39,.Vorwärts"-'Spedition. Von 19—7 Uhr. , Brehmestr. 69. Zigarrengeschöst von Rößner. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. . Kaiscr.Friedrichlw. 66, Ausg. I, Erdgeschoß links, Buchbinderei Otto Walter. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Rein icke Udorf. West, Eichbonislr. 87, Zigarrengeschäst von Kiesel. Von 8—6 Uhr. mit Ausnahme des Sonnabends. Schöucberg» Eberssw. 32, Zigarreiigeschäst von Träger. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Stralau. Krachistr. 16 II. bei Rausch. Montag und Donnerstag von 3'/, bis 5 Uhr, Sonnabends von 5—8 Uhr. Segel, Schlicperstr. 30. Jugendheim. Montags und Donnerstags von 8-10 Ubr. lempelhof. Kaiser-Wiihclm-SIr. 76. Arbeiter-Jugendheim. Wochcntäglich 8—10, Sountag 3—10 Uhr. Treptow, Gractzstr. 16, Hulgcschäst von Fritze. Von 8—8 Uhr, mit Aus« nähme des Soniiabelids. Waidmaiiiislust. Kurbaiisstr. 42 I, bei Willi Schulz. Wochentags 3—7, Soiilitag 10— 1 Uhr. Wcisseilsee. Siraßburg- Sir. 103. Zigarreiigeschäst von Klaivitle. Von 8—6 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Weitere Ausgabestellen werden auf Wunsch errichtet. Miisttn, Aammlmigkn, ZthtUSlviirdlgkkltto. (Zutritt ist uiiclitgcltlich. wenn nichts anderes vermerkt ist.— AIS Feiertage gelten Weihnachten, Ostern. Psingile». Neujahr, Karsreitag, Himmels» tahrtStag, Bußtag.) Altes und Neues Museum. lLullgartc».) Geössnct: au Wochen» tage»(außer Montag) 10—4, im Oktober bis Möiz»ue bis 3 llhr; an Soimlagen(auch a» den zweiten WcihnachtS-, Ostcrn-, Pfiiigstseiertageii) 12—6, im Oltober und März riur bis 3, im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Geschlossen: a» Montagen und Feier- tagen(außer den ziveiten Feicriagen). Architektnr-Musenm.(Charlottenburg. Berliner Swaße 171/172, Technische Hochschule,) Geöffnet: Montag und Freitag 19—3, Dienstag und Donnerstag 12—3, Mittwoch 19—12. Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeitenvohlfahrt.(Charlottenburg, Fraunhoscr» swaße 11/12.) Geöffnet: an Sonn- und Feiertagen 4—3, an Wochentage» (außer Montag) 19—1. am DienSlag und Donnerstag auch abeudS 6—9. Geschlossen: an den ersten WeihiiachlS-, Oster-, Psingitsciertagen. Berg- und Httttcnmnsen«.(Jnvalidenslr. 44.)'An Wochentagen (außer Sonnabend) 12—2, an Somitagen 12—6, im Oktober und März nur bis 5, im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Botanischer Garten. sDablem, Köiiigin-Lnije-Straße 6/8.) Geöffnet nur vom 1. April bis 15. Oltober: unentgeltlich Sonntag, Dienstag, Mitt» woch, Freitag 2—7; außerdcin an Wochentagen vormittags gegen Emwitts- geid, wofür der gedruckte„Führer" gegeben wird. Botanisches Museum.(Dahlem. Königin-Luisc-Straße 6/8.) Mitt- woch 19—5, im Okiober bis März nur bis 4. Eiscnbaftnmiiseiim. siehe BertehrSmiiieum. Kaiser Friedrich- Museum.(Atonbijoustraße.) Geöffnet: an den Wocheiilaacii taußer Montag) lo— 6, an Sonntagen tauch an den zweiten Weihnachts-, Osler- und Psiiigsljeicrtagcii) 12—6; an Wochen- und Sonn- tagen(auch zweiten Fcierlagc») im Oktober und März nur bis 5, im November und Februar bis 4. im Dezember iilid Januar bis 3. Gcichlosse»: au Montagen und Feiertagen(außer den zweiten Feierlagen). Zutritt uu- entgeltlich, nur am Dienstag und Mittwoch gegen 39 Ps. Riinitgewerbr-Museum.(Prinz-Mbrccht-Siraße 7.) Besuchszeit wie beim Alten Museum. Landtagsgebäude. Wochentags 9—12. außerhalb der Tagung. Landwirtschaftsninseuin.(Jnoalidcnsw. 42.) Geöffnet: an Wochen- tagen(außer Mittwoch) 19—3, an jedem dritte» Somilag im Monat 11—3. Geschlossen; am Mittwoch und an Sonn- und Feiertagen(mit Ausnahme des driiten SoniitagS im Monat). Märkisches Museum.(Wallsw. 50/54.) Geöffnet: an Wochentagen (außer Sonnabend) und an Sonntagen(auch den zwcilen WeihnachlS-, Osler-, Pfingstseiertagen) 10-3, an den Vortage» vor Weihnachten, Öfter», Pfingsten und am«iivcster nur bis 1. Geschlossen: am Sonnabend und an Feiertagen(außer de» zweiteii Weihnachts-, Oster-, Psrngslscierwgtii). Mcercskundemuseum.(Georgenstr. 34—36.) Am Montag, Mittwoch, Somiabeiid im Sommer 11—4, im Winter 10— 3; am Sonntag im Sommer und im Winter 12—4. National-Galerie.(MuseumSinsek). Geöffnet: am Montag, Dien»- tag, Mitttvoch, Freitag, Sonnabend 10-6, am Donncrsiag 1—6» am Sonntag Ps, Naturkundemusenm.(Jnvalidcnstraxe 43,) Montag, Mittwoch. Donnerstag, Sonnabend ltl— 4, im Oktober bis Mörz nur bis 3, An Sonntagen und zweiten Feiertagen wie beim Sitten Museum, Postmuseum. kLeichzigcr-Sttaßc IS/18.) Montag. Dienstag, Donners- tag, Freitag 10—2, Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—2, Rauch-Museum.(Werke von Christian Rauck. Rlostcrstraße 76.) An Wochentagen 10—4, im Oktober bis März nur bis 3. � Rathaus.(Königstraße,) Täglich(außer Donnerstag und Freitag) Rcichstagdgebäude.(König-Zvlaß.) Alt Wochentagen vormittags k> Uhr, wenn Plenarsitzungen slattsinden■, vormittags 9, Ö'/j, 12, 2,/j llhr, wenn keine slattsinden; an Sonntagen und zweiten Feii'rtagcn 1 und IV, Uhr: an anderen Feiertagen geschlossen. Eintrittsgeld 25 Pf. Stadthaus.(Jüdenstraße.) Wochentags 10—3, Sonntags 11—2. Zutritt zum Stadtbaus täglich uncntgcttlich, zum Turm gegen 20 Ps.(nur am Montag und Donnerstag unentgeltlich), Sternwarte im Treptower Park, Täglich von 2 llbr nachmittags, im Sommer bis'12 Uhr nachts, im Winter bis 10 llhr abends. Für Bc- sichtizung der Sternwarte und des'Astronomischen Museums 50 Pf. für Beobachtung mit dem großen Fernrohr 1 M. Sternwarte der„Urania".(Fnvalidenstraße 57/62.) Täglich 7'/. bis 11 Ubr abends. 50 Ps. Urania, Sammlungen und wisscnschastlichcs Tbeater.(Taubenstr. 43.) Täglich von 10 Uhr vormittags ab. EintrtttSgeld 50 Pf.(sür Abcndvor- slcllungcn von 1 M, an>. Verkehrs- und Baumuseum.(Invalidenstr. 51.) Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Freitag 10—4, Sonnabend 2—7, Sonntag 11—4. An Feiertagen geschlossen, an zweiten Feiertagen geöffnet wie Sonntag, an daraus solgenden Tagen geschlossen. Völkerkundc-Mufeum.(Äöniggrätzer Straße 120.) Besuchszeit wie beim Alten Museum. Zeughaus.(An der Säiloßbrücke.) Geöffnet: an Sonntagen und zweiten Feiertagen 12—3, an Wochentagen(außer Sonnabend) im Sommer 10—3, im Sinter 10—2, Geschlossen: Sonnabend und an Feiertagen (außer zweiten Feiertagen)/ Zoologischer Garte». Eintrittsgeld an Wochentagen 1 Mark, an Sonn-»nd Festtagen 50 Ps.; Äindcr die£>älstc. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Ps. Singegangene Druckrchriften. Von der„Gleichheit". Zeitschrist sür die Interessen der Arbetterinnc», ist uns soeben Nr. 6 des 23. Jahrgangs zilgegaiigeii. ZlnS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Der Außerordentliche Internationale sozialistische Kongreß zu Basel.— Die Frauen bei der internationalen sozialistischen Friadenskundgebung zu Basel.— Das Ertvaä>eii einer ncileii Arbeiterinnenichicht. Von E. Klolh,— Schwanlimgen der'Arbeitsintensität von Textilarbestcriiinen..II..Von.1. II.— Der Aussall- der Angestellten- verjicherungStvablen, Von 1'. O. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pj., durch die Post bezogen beträgt der AbonnemcntSvreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter jlreuzband 85 Ps. JahreSabonnemcnl 2.60 M. Aus dem Grabe eine» 48 er Revolutionärs. Von A. Rockel. 2 M. G. Gohlke, Ocipzig. IS4V Zwickauer Ilrb eitern- ohnungc». Eine Erhebung, ver- onslaltel und herausgegeben vom GeivcrkichajtSkartell sür Zwickau und Um- gegend. Bearbeitet von E. Barth.. 50 Ps. Ter Glnstui: des Krieges auf den Gruudbefifc, Jmmobiiiare Kriegsbereitschaft. Aon Dr. F. L-ocnigcr. 1,50 M. Puttkammer und Mühlbrecht. Berlin IV. 56. . F. Ruhland, Lichtenrade- Berlin. Tie militärische Zwangserziehung der Jugend zu Patriotischer Gesinnung. Bon A. Frahncrt. 48 Seiten. Slrbeiter-Radsahrer-Bund „Solidarität". Ter kleine Peter. Von F. Hanusch. 1,75 M. I. Brand u. Co., Wien X I, Gedichte von W, Raabe. 2 M„ gebd. 3 M. O, Jaule. Berlin, Tie Ahnenreihe. Roman von E. Reichel, 4 M„ gebd, 6 M, D, Borngräbcr, Berlin XX', 30, Tie Tot. Eine sozial-religiöse Monatsschrift sür deutsche Kultur, pro Quartal 2 M. E, DiedenchS Verlag in Jena, Krieg und KaPiialiSmus. Von W, Sombarl,— Luxus und Kapitalismus. Von W. Sombart. Je 6 M,, gebd. 7,50 M. Duncker u. Humblot, Leipzig,. � Die Säuglingssterblichkeit in Charlottenbnrg im Sommer »Sil. 53 S. Im Sluftragc des Magistrais Eharlottenburg, Deputation für Gesundhcitspfiege.„„ �. Mutterschaft. Ein Sammelwerk für die Probleme des Weibes alo Mutter, Herausgcaebcn von'Adele Schreiber. Einleitung von Lily Broun, 20 M,, gebd, 25 Zl. Langen, München. Tie Kaifermächie und der Balkan. Ein Alarmruf und cm Pro- gramm. Von Dr. A, Ritter, Monographien zur Zeitgeschichte. Hcjt 9. Stuttgart, Verlag von?l, Dolge. 60 Pj. m„T, Ueber die Tanzkunst. Von M. Luserke. Berlin XV, 3o.(HespcruS- Verlag, G, m. b, H.) Broschiert IM, Sein Junge. Roman von P. 2l. Kirstem. 3 M,, gebd. 4 M.— Nimm das Leben wie den Tag. Roman von Julia Jobst, 3 M,, gebd, 4M.— Pendelschlag. Roman von W, Frtedemann, 5 M,, gebd. 6 M.— Du meine Heimat. Roman von M. E. v, Aheinbaben, 2 M„ gebd, 3 M,— Bekenntnisse eines Pastors. Von K. Strombcrg. 142 S. Eoncordia, Deutsche VerlagSanstalt, Berlin XV, 35, Schambes Klappergöffers Himmel- und Höllenfahrt. Erzählt von K. E,«-chiiüdt, 5 a>i. Frank u, Co., Rom,„.... Dentsches Knabenbuch, 422 Seiten, gebunden, Deutsches Mädchen- buch, 422 Seiten, gebunden, Verlag A. Hossmann in Stuttgart. Bon Napoleon bis Niestfchc von C, Alberli. Geb. 7,50 M, Vila, Deutsches Verlagsbaus, Charlottenburg.— Fachblatt für Holzarbeiter, Jahrgang 1912, Gebunden 244 S. Berlin<2. 2, Neue Frtedrichstr. 2, Ticrriesen der Borzeit.(Velhagen u. Klasings Volksbücherei Nr, 50.) 60 Ps, Bielefeld u. Leipzig,,„ Hugo Wolf, Familienbriefe. Heransgegcn von E. v. Hcllmcr. 3 M,, geb. 4M-— Akkorde. Gesammelte Aussätze von F, Weingartner. 5 M,, geb. 6 M. Brcitlopj u, Härtel, Leipzig. WitierungSübersicht vom IS. Dezember lvlS. k tattonen II £ k C= Swincmdc, 761__ Hamburg 761 WSW Berlin 764 SW Franks, a.M 76l-SW München!771 W Wien /7K8WNW Vetter 4 halb bd öbedeckt 2 wolkig 2 heiter 4 wollig 4wollig b-K 5si I? Etationen �5 tee 3 s 4 s n F ef Vetter -->« ßs? Sä. jchnec—6 3 bedeckt ,-10. 11 Haparanda 757SW Petersburg 768SO_____ HM Scilly!7K5WSW öwolkig � 'Aberdecn'747 S\ 5 bedeckt, Paris 770;$Sffi äroolfcnl 0 ,| 1.- Ii Ii 1 Wetterprognose für Sonnabend, den 14. Dezember ISIS. 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