Nr. 393. Übonnementt-Neäingungeni HSomicmciitä- Preis»tanumcronbn: Biertcliährl. 3,30 SRI. mono«. 1,10 ÜRt, wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus, Einzelne Nuumicr 5 Pfg. Sonntags- nuinmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- ?lbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Pmsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poslabonnements nehmen um Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Cridgdnt täglich auBcr montags. Verlinev VolKsblnkt. Die Insertion;-Lebilhr NeKägt für die scchs�espaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Psg„ fix politische und geiverlschastliche Vereins- und Versnmnilungs-Anzeigen 30 Pfg, ..Kleine Anzeigen", das feltgedruckie Wort 20 Pfg, fzulässig Lsettgedruckle Worte), Ikdes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte, Jnscrol- für die nächste Nummer müffcn bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Erveditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm, Adresse: „Sozialdemohrat RerllD". Zcntratorgan der fozialdemoltrattrcben Partei Deutfchlands. Redaktion: SAl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moristplati, Nr. 1983. Die Sozialdemokratie und die preußikben Candtagswaljlen. IL Nach der liberalen Auffassung ist das Bemühen der Sozialdemokratie, die Landtagswahlen in erster Linie zur Aufrüttelung und sozialistischen Aufklärung der Volksmasscn auszunutzen, nichts als die Sucht, mit großen Stimmen- zahlen zu Paradieren oder bestenfalls eine begeisterte Schützen- feststimmung zu erzeugen. Eine„ernsthafte politische Auf- fassung" dagegen bekundet sich nach der liberalen Presse darin, durch ein geschicktes wahltaktisches Manövrieren eine möglichst durckgreifende anderweitige Zusammensetzung des Parlaments zu erzielen, um dadurch dem„politischen Fort- schritt" zu dienen. Dieser Fortschritt soll angeblich dadurch zu sichern sein, daß dem„schwarzblauen Block" möglichst viel Mandate zugunsten des Liberalismus entrissen werden. Das klingt ja ganz bestechend, aber Sozialdemokraten lassen sich durch solche liberale Phraseologie denn doch nicht so ohne weiteres ködern. Sic sehen sich vielmehr erst einmal den „Liberalismus", der eine Garantie des politischen Fortschritts sein soll, ein wenig näher an. Da zeigt sich denn gar bald, daß ein großer Teil der„Liberalen" aus Nationallibcralcn besteht. Und wenn schon die Nationalliberalen im allgemeinen höchst un- sichere Kantonisten sind, so repräsentiert der preußische Nationalliberalismus vollends nur eine Spielart des Frei- konservatismns. Man gehe die parlamentarische Tätigkeit der preußischen Nationalliberalen in den letzten Jahren durch und man wird sie überall in den Reihen der politischen Reaktionäre und der sozialen Scharfmacher finden. Wie sie die Schule der Geistlichkeit ausgeliefert haben, so haben sie die gesamte Jugendbewegung in die Zwangsjacke des Hurrap/itriotismus und der Berpfaffungsbestrebungen schnüren helfen. Jederzeit sind sie für die politische und gewerkschaftliche Knebelung des Millionenheeres der Beamten und Staatsarbeiter eingetreten, Bei jedem großen Streik haben sie nach Polizei und Staats- anwalt und Beschneidung des Koalitionsrechts geschrien, und zu Polizeitaten a la Moabit haben sie seelenruhig ihre Billigung ausgesprochen. In der Fleischnotfrage haben sie sich bedingungslos auf die Seite der Agrarier geschlagen. Und diesen„Liberalismus" sollte die Partei unter L e r z i ch t auf eigene Kraftentfaltung, auf Schulung und Disziplinierung ihrer eigenen Truppen unterstützen, auf daß dem politischen Fortschritt die Bahn ge- brächen werde?! Unsäglich kurzsichtig wäre es auch, sich einzubilden, man könne diese Preisfechtertruppe deS� Großunternehmertums dadurch nach links drängen, daß die Sozialdemokratie sich ihr an den Hals würfe, und ihr durch Zuführung ihrer Wähler zu einem Mandatsgewinn verhülfe. Just das Gegenteil würde der Fall sein: je einflußreicher man den Nationalliberalismus machte und je mehr man ihn befähigte, die Rolle einer aus- schlaggebenden Regierungspartei zu spielen, desto reaktionärer würde er iverden. Was selbst der Links liberalismus als mitregierende Partei an prinzipieller Entsagungsfähigkeit zu leisten vermag, das hat doch wohl die berüchtigte Äera des Bülow-Blocks hinlänglich bewiesen. Besonders grotesk aber nimmt sich die Zumutung aus, unter Verzicht auf Führung des zielbewußten Klassenkampfes unsere Wähler für die nationalliberalcn Wahlmänuer abzu- kommandieren, wenn sie sich auf Förderung des politischen Fortschritts durch Erringung eines freien Wahlrechts beruft. In den Nationalliberalen die Vorkämpfer eines freien Wahlrechts zu sehen, ist der blutigste politische Witz, der seit langem gemacht wurde. Gingen doch bei der Beratung der preußischen Wahlrechtsvorlage die kühnsten nationalliberalen Forderungen nicht einmal bis zur Schaffung eines Wahlrechts, wie es das sächsische ist! Ein Dreiklassensystem, bei dem die erste Klasse V10. die zweite"ho und die dritte 7/io der Wähler umfassen sollte, bei dem also 2,1 Prozent der Wähler die übrigen 7,9 Proz. glatt niederstimmen und um ihre Ver- tretung bringen konnten, das war das Ideal der National- liberalen! Auch waren sie nicht einmal für eine gerechte Neueuneilung der Wahlkreise zu haben! Daß das Zentrum noch schofler war und daß seine Wahlrcchtsverrätereien i doppelt brutal empfunden werden mußten, weil das Zentrum sich stets als angeblichen Verfechter des gleichen Wahlrechts aufzuspielen pflegt, darf uns doch nicht darüber täuschen, daß auch die Nationalliberalen für jede reaktionäre Wahlrechts- Mißgeburt zu haben wären, wenn nur ihre wahlrechtsfeind- liche Forderung der Beseitigung der llrbezirksdrittelung Er- füllung fände. Diese Sorte von Wahlrechtsfrennden dem politischen Fortschritt zuliebe zu unterstützen— nicht einmal letzten Endes bei der Abgeordnetenwahl unter dem Gesichts- Punkt des„kleineren Uebels", sondern unter Preisgabe der eigenen Aktion— das wäre, gelinde gesagt, ein politisches Experiment, gegen das die derzeitige Paarung von„Karpfen und Kaninchen" geradezu ein Nonnalakt wäre! Scheiden aber die Nationalliberalen aus der politischen Kalkulation aus. so bleibt die welterschütternde Frage übrig, ob es sich für die Sozialdemokratie lohnt, auf ihre bisherige WaHlkanipftaktik, auf das absolut selbständige Vorgehen bei den Urwahlen. zu verzichten, um eine Anzahl Freisinniger mehr ins Dreiklasscnparlament hineinzubringen. Ob der Frei sinn im Preußischen Abgeordnetenhaus mit drei oder mit vier Dutzend Abgeordneten vertreten ist, spielt sowohl für die preußische Politik im allgemeinen, als für die Wahlreform im besonderen wirklich nur eine höchst untergeordnete Rolle. Um so mehr Ursache haben wir dagegen, dem Freisinn klarzumachen, daß die Sozialdemokratie sich als politische Macht fühlt, die An spruch auf vollwertige Gegenseitigkeitsleistuugen erheben darf. Ist der Freisinn aber politisch so herunter, daß das Geschäft ihm alles und das Prinzip nichts ist, daß er also lieber mit Reaktionären, als mit der Sozialdeniokratic abschließt, so haben wir erst recht keinen Grund, aus purer Selbstlosigkeit und himmelblauer Jllusionsfreudigkeit den Freisinn heraus- zuhauen, damit— ein Wunder ohnegleichen uns das gleiche Wahlrecht beschecre! Denn welchen Bundesgenossen zu der Erkämpfung des gleichen Wahlrechts die Sozialdemokratie auch im preußischen Fortschritt besitzt, das beweisen die ver- schicdentlichen Auslassungen freisinniger Redner während der letzten Sessionen wahrhaftig zur Genüge. Da war es Herr Pachnicke, der der Regierung Anno 1919 zurief:„Will man das Reichstagswahlrecht auf Preußen... durchaus nicht übertragen, dann ist von unserem(!) Standpunkt das m i n d e st e, daß mau die geheime Wahl einführt." Und im Jahre 1912 erklärte der fortschrittliche Etatsredner G y ß l i n g:„Wir sind...durchaus bereit, auch niit Mindestforderungen an das Haus heranzutreten und auch einer Reform des Wahlrechts z u z u st i m m e n, welche nicht dieser Forderung(der Uebertragung des Reichstagswahlrechts) entspricht." Und diese'Kon- zessionsschulzes sollen der-Sturmbock sein, mit dem die Sozial demokratie das Dreiklassenbollwerk über den Haufen rennt? Du lieber Gott! Wenn die Sozialdeniokratie das gleiche Wahlrecht als Geschenk des von der Sozialdemokratie künstlich großzupäppelnden Liberalismus, sei es derer um Wiemer, sei es derer um Friedberg, empfahen soll, dann kann sie so alt werden wie Methusalem und doch in Hoffen und Harren noch inimer den Narren spielen! Dabei sollten wir es uns doch auch einmal abgewöhnen, die ,, Prinzipienlosigkeit" des Liberalismus gewissermaßen auf eine konstitutionelle Krankheit des Liberalismus, auf eine Art Alters- oder Nervenschwäche zurückzuführen. Der Liberalismus ist im Gegenteil gesund genug, um zu wissen, daß er bei der durch den Kapitalismus bewirkten Klassenscheidung von einer wirklichen Demokratie mehr zu fürchten als zu hoffen hat— er müßte denn von der gänzlichen Ungefährlichkeit der Sozial- demokratie überzeugt sein und wirklich dem Wahne leben, die sozialen und politischen Forderungen der Sozialdemokratie seien nichts als genau ebensolche Schau- und Zierstücke, wie sie auch die liberalen„Prinzipien" darstellen. Da aber dem Liberalismus der Unterschied zwischen sozialdemokratischen und liberalen Prinzipien nicht gut verborgen sein kann— bei dem Liberalismus dienen sie nur zur Bctölpelung der politisch einflußlosen Mitläufer, bei der Sozialdemokratie dagegen decken sie sich völlig mildem K l a s s e n i n t e r c s s e der homogenen P r 0 l e° tarierklasse, die Objekt und Subjekt der sozialdemo- kratischen Forderungen bildet— liegt ihm natürlich die Durchführung einer wirklichen Demokratie im Staate ebenso fern, wie in den Kommunen. Wo es den Kampf der spezifisch proletarischen Forderungen, zu denen auch die Demokratie gehört, gegen die kapitalistischen Interessen gilt, da gehörtauch der Liberalismus zu der„einen reaktionären Masse". Aber noch ein anderes sei hier rund heraus erklärt. Es ist bei den Debatten über den Vorschlag Eisncrs auch die Frage aufgeworfen worden:„Ja, wenn uns die rückhalts- loseste Unterstützung des unterschiedslosen Liberalismus nicht die Erringung des gleichen Wahlrechts sichert, was dann? Dann gebt Ihr uns doch die sicheren Mittel an die Hand, um dem Volke die Pforte zum Preußenparlament zu sprengen." Nun, darüber, daß eine Unterstützung der Nationallibcralen uns das gleiche Wahlrecht nicht zu sichern vermag und oaß auch eine parlamentarische Koalition der Sozialdemokratie und Fortschrittlcr in Preußen keinerlei Ausficht auf Erringung des Reichstagswahlrechts für Preußen hat, brauchen wir uns wohl nicht nochmals auseinanderzusetzen. Leider freilich sind wir auch nicht politische Wunderdoktoren genug, um dem preußischen Volke ein anderes Mittel auf- znschwatzen, das binnen kurzem unfehlbar seine Wirkung tut. Wenn das gleiche Wahlrecht so leicht zu holen wäre, so hätte doch der Reichstag schon längst die täglich skandalöser wirkende Ungleichheit der Wahlkreise beseitigen müssen. Wie sollten da die Mauern der preußischen Jünkerzwingburg, die doch Zentrumspfaffen und national- liberale Schlotbarone mit äußerstem Kraftaufgebot zu stützen suchen, so leicht niederzuwerfen sein! Das Bcrennen dieser Mauern wird noch manchen Tropfen Schweiß, noch manchen wuchtigen Ansturm kosten. Die politische 5ionstellation in Preußen und in Deutschland muß noch eine ganz andere werden— sei es infolge unvorhergesehener Ereignisse, wie sie iveltpolitische Katastrophen herbeiführen könnten, sei es in- folge des unaufhaltsam zähen Vordringens des klassenbeivußten Proletariats— iveun die preußischen Wahlrechtsheloten zu ihrem ungeschmälerten Bürgerechte kommen sollen! Das einzige Mittel, diesen Zeitpunkt zu beschleunigen, ist aber die Formierung und Disziplinierung einer unwider st ehlichen Belagerungsar mee,� Expedition: 8M. 68» Linclenstraosc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. die in jeder Situation ihren Mann steht. Diese Armee erzieht man aber nicht durch wahltaktische Experimente der abenteuer- lichsten Art, durch Erweckung unerfüllbarer Illusionen, sondern durch unerbittliche Aufklärung der Massen im Geiste des proletarischen Klassenkampfes, durch die Gewöhnung an den Ernst des Kampfes. Und so perfid imnier das„elendeste aller Wahlsysteme" ist: in einem Punkte muß auch es der Sozialdemokratie zum besten dienen. Darin nämlich, daß es an den Idealismus, den Opfermut, den sittlichen Ernst der Wähler Anforderungen stellt, die als treffliche Vorbereitung für die unausbleiblichen späteren Kämpfe dienen. Wer auch auf gefährdetem Posten unter dem öffentlichen Wahlrecht Farbe bekennt, der beweist, daß er auch vor Opfern letzter Instanz nicht zurückschreckt. Und solche Kämpfer gebrauchen wir. dieweilcn der Kampf u n» ausbleiblich! Wollen lvir das gleiche Wahlrecht für Preußen er- obcrn, so müssen wir uns nach zuverlässigeren Bundcstruppcn umschauen, als nach Nationalliberalen und nach Fortschrittlern. Diese zuverlässigen Elemente finden wir aber nur in den proletarischen Schichten selbst. Millionen Pro- letarier stehen uns noch fern. Sic durch eine prinzipielle Agitation für die Sozialdemokratie zu gewinnen, muß auch die positivste Aufgabe des Wahlkampfes 1913 sein! Die(londoner Konferenzen. Mit dem Gefühl unruhiger Spannung sieht man den Konferenzen, die jetzt in London tagen, entgegen. Die Friedensunterhandlungen werden einen schleppenden und für das immer stärker werdende Friedensbedürfnis viel zu langsamen Verlauf nehmen und der Ausgang bleibt noch ganz im Ungewissen. Er hängt bis zu einem gcivissen Grade auch von den Ergebnissen ab, die in der Botschafter- konferenz zutage treten werden. Kommt man in dieser Konferenz zu Grundzügcn eines Kompronnsses über die zwischen Oesterreich und Rußland- Serbien vorhandenen Gegensätze, dann ist auch die Möglichkeit geschaffen für eine Jnterventions» tätigkcit der Großmächte, die die Schlvierigkciteu, die dem Balkan- frieden entgegenstehen, überwinden könnte. Die österreichische Regierung hat übrigens mit ihrer Bc- Handlung des Falles P r>o ch a s k a sogar den Widerspruch der sonst allezeit gefälligen Wiener Presse hervorgerufen. So sagt die„Neue Fr. Presse":„Die Affäre Prochaska, die wie ein reißender Strom begann, schrumpft zu einem Bächlein zu- sammcn. Die Frage wird nicht verstummen, warum die Monarchie durch kein rechtzeitiges Wort der Auf- klärung beruhigt wurde." Die„Zeit" meint:„Es gibt „V e r st ö ß c" in der Affäre Prochaska, für die uns nicht nur Serbien, sondern vor allem unsere eigene Regierung Genugtuung schuldig ist." In der Tat bedeutete diese systematische und fortgesetzte Irreführung der öffentlichen Meinung der ganzen Welt, die in Oesterreich die gewünschte Kriegsstimmung künstlich schaffen sollte, eine grenzenlose Frivolität und Gewissenlosigkeit. Wir sind hier von Anfang an mit aller Entschiedenheit dieser Mache entgegengetreten. Aber andere Berliner Zeitungen, an der Spitze die„Vossische Zeitung" und die„Deutsche Tages- zcitung" haben all diese Lügennachrichten nicht nur kritiklos gebracht; sie konnten es schon gar nicht erwarten, daß Oester- reich Genugtuung für die fürchterliche Verletzung seiner Ehre nehme— mit deutscher Rückendeckung natürlich. Ms ein Beispiel, ivic es gemacht wird, verdient der„Fall Prochaska" im Gedächtnis bewahrt zu werden. Die Friedenskonferenz. London, 17. Dezember. Die Friedenskonferenz hat sich nach einer Stunde wieder vertagt. Es tvurde be- schlössen, den Staatssekretär Grey zu bitten, der Konferenz einen englischen Sekretär beizuordnen, der mit der Leitung des Sekretariats betraut werden soll. Die nächste Sitzung soll am Donnerstag um 4 Uhr nachmittags beginnen. Nach amtlicher Meldung haben die Delegierten ihre Be- ratungen deshalb vertagt, damit die Vertreter der Türkei sich mit ihrer Regierung in Verbindung setzen können, da ihnen ihre Instruktionen nur erlauben, mit den Delegierten der drei Länder, die den W a f f e n st i l l st a n d bereits unterzeichnet haben, in Unterhandlung zu treten. Oestemichische Preßstimmen. Wien, 17. Dezember. Bei Besprechung der FriedenSkon« f e r e n z erklären die B l ä t t e r, die allgemeine Hoffnung Europa-Z fei darauf gerichtet, daß die Gegensätze nicht un über brück- bar sein werden. Ein baldiger Friedensschluß sei nicht nur für beide Parteien von großem Vorteil, sondern auch im allgemeinen Interesse gelegen. Sännliche Blätter sprechen ihre lebhafte Genugtuung aus, daß die ursprünglich wegen der Affäre Prochaska gehegten B e» f ü r ch t u n g e n nach der amilichen Darstellung unbegründet erscheinen und geben der Zuversicht Ausdruck, daß die Angelegenheit eine günstige Erledigung finden werde. Serbische Beschwerden. Wien, 17. Dezember. Die„Neue Freie Presse" melden aus Belgrad: Anläßlich der sich hälifenden Beschwerden serbischer Bürger gegen das Verhalten der ungarischen Grenzbehörden erteilte die serbische Regierung dem Wiener serbischen Gesandten den Auftrag, bei der österreichisch- ungarischen Regierung v o r st e l l i g zu werden. Zusammenkunft der Botschafter. London, 17. Dezember. Wie das Reutersche Bureau er- fährt, hatten die Botschafter gestern beim Staatssekretär G r e y im Auswärtigen Amt eine Besprechung, bei der die allgemeinen Grundlagen der bevorstehenden Unterredungen beschlossen wurden. Wie das Reutersche Bureau hierzu aus diplomatischer Quelle erfährt, wird jeder Beschluß ad referen- dum gefaßt werden. Die Verhandlungen sollen geheim ge- halten Iverden. Wahrscheinlich werden zuerst d i e h e i k- leren Fragen, die Störungen herbeiführen könnten, per- handelt werden. Man hofft, daß der beständigere und schnellere Meinungsaustausch, indem er die Mächte in engen Beziehungen hält, einen»vohltuenden und beruhigenden Ein- sluß auf die europäische öffentliche Meinung ausüben und die Regierungen in Stand setzen wird, ihren Wunsch nach einer Lösung der schwebenden Fragen und nach Aufrechterhaltung des europäischen Friedens in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Eröffitungssitzuug. London, 17. Dezember. Die Botschafterkonferenz lvurde gegen 1lt5 II h r im Auswärtigen Amt eröffnet. Der russische Botschafter Graf Benckendorff erschien zuerst. Der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky, der französische Botschafter C a m b o n, der italienische Bot- schafter Marquis I m p e r i a l i und der österreichisch-un- garische Botschafter Graf Mensdorff folgten. Die Seeschlacht. Türkische Meldung. Kovstantiuope!, 17. Dezember. Die türkischen Blätter veröffentlichten gestern abend in Sonderausgaben Einzelheiten über den K a in p f zlvischen der türkischen und der griechischen Flotte, der ztvei Stunden dauerte und in der Nähe der Insel Gadaro bei Tenedos stattfand. D i e griechische Flotte wurde geschlagen. Der Panzer- kreuzer„Giorgios-Aweroff"»vurde von drei Kugeln getroffen und mußte sich aus der Gefcchtsliuic zurückziehen.— Diese Nachrichten, die bei der türkischen Bevölkerung lebhafte Genug- tnung hervorriefen, haben mntlich noch keine Bestätigung gefunden. Wie das Blatt„Alcmdar" erfährt, haben die Griechen frische Truppen und Maschinengewehre in C h i o s gelandet. Ferner sind dort zwei Torpedoboote eingetroffen. Der Hilfs- kreuzer„Makedonia" und ein Torpedobootszerstörer haben den Hafen Tschesme angelaufen und den Kaimakam und den Kommandanten der Gendarmerie aufgefordert, an Bord zu kommen. Beide lehnten ab, worauf sich die Schiffe, ohne etwas zu unternehmen, wieder entfernten. Der amtliche Bericht. Konfiantiuopel, 17. Dezember. Die Pforte veröffentlicht folgen« des Telegramm des Kommandanten der Flotte vom tti. d. Mi. an den Generalissimus: Heute früh 3 Uhr 20 Minuten verließ die tiinltsche Flotte die Dardanellen und nahm mit der feindlichen Flotte Fühlung. Die beiden Geschloader wechselten Schüsse auf«iwe Distanz von 3200 bis 7500 Meter. Unsere Offiziere und Mannschaften legten eine außerordentliche Tapferkeit an den Tag. Der Kampf dauerte anderthalb Stunden. Der griechische Kreuzer„Averaf" wurde von drei oder vier Projektrken getroffen, seine 2t zölligen Geschütze am Vorder- teil«nd sein« ISzölligen am Steuerbord wurden dadurch zum Schweigen gebrrrcht, die übrigen feindlichen Schiffe zogen sich in- zwischen ans die hohe See zurück, nachdem sie einige wirkungslos« Schüsse abgegebeil Hatten. Der Kampf dauerte nur noch mit dein Panzerkreuzer„Aöeros" fort, der schließlich gleichfalls in der Richtung nach dem Piräus flüchtete. Unsere Schiffe haben keinen Schaden ge- oornmen. Die griechische Darstellung. Athen, 17. Dezember. Passagiere des russischen Dampfers „Jerusalem", der die Meerenge kurz nach dem Kampfe zivischen der griechischen und türkischen Flotte passierte, haben deni Gouverneur von Tenedos berichtet, daß zwei türkische Schiffe schwer beschädigt worden seien. Es bestätigt sich, daß die griechischen Schiffe keinen Schaden erlitten haben. Meckel' mit ckem Krieg! Ein Parteigenosse, der als Offizier den Feldzug in der serbischen Armee mit in acht, schreibt uns: Mitten im Kriege stehend, unter dem starken Einfluß der Menschen- schlächterei, der Roheiten und der Barbarei, rufe ich ganz energisch auö: Nieder mit dem Krieg I Und ich kann eS Ihnen bezeugen, dieselbe Stimmung beherrscht heute nicht nur uns, die Sozialdemo- lraten, die das unbeugsame Schicksal gezwungen hat, an der Barbarei mitzuwirken, sondern alle Menschen, die die Schrecken, die furcht- baren Folgen und unvermeidlichen Begleiterscheimmgen eines Krieges gesehen haben, selbst die berufsmäßigen hartköpfigen Militaristen. Denn das, was wir erlebten, war für den gesunden Menschen- verstand unfaßbar, für die gesunden menschlichen Gefühle uner- träglich. Nach einem Monat stehen wir da, die siegreiche Armee, verhungert und erkrankt, nervös, verroht, in einen Znstand längst vergessener Wildheit zurückversetzt. Mit Brandstistunge», Plünderei, Massenmord find unsere Hände befleckt. Tag und Nacht verbrachten wir brandstiftend. plündernd und tötend, und dabei waren wir immer todmüde, hungrig wie die Wölfe in öden Gebirgen, schliefen nur ein paar Stunden in Rege», Schnee und Eis unter freiem Himmel. Und je roher unser Leben war. desto kostbarer erschien es uns. Dabei stand man zu jeder Zeit un- mittelbar vor dem Tode, iah man die Verwundeten, die Freunde, die Genossen in Todesqualen; die Nervenkräfte waren bis zur äußersten Grenze angestrengt. Man hatte nur»och Gefühl für das nackte, rohe, verwilderte Leben. Nicht nur nervös, ja verrückt wird man dabei, sondern auch blutdürstig. Denn in solcher Lage findet man die einzige Befriedigung in den dem Feinde verursachten Onalen in semer Aushungerung, Vernichtung und Tötung. Erst nachdem der»nS gegenüberstehende Mensch vernichtet daliegt, zeigt sich ein heiterer Zug auf unserem trüben Gesicht. Ich will Ihnen nicht beschreiben, wie schrecklich schwer eS war. uns aus den Armen unserer Mütter und unserer Schwestern zu reißen, die uns weinend und schluchzend festgehalten haben; ich will �bnen nicht da« fürchterliche Schauspiel beschreiben, als wir unter der nur vom Weinen und den lauten Weherufen der Frauen unter. brochenen Stille unsere Heimstätte verließen; rch will es Ihnen nicht beschreiben, wie wir wie die Hunnen d.e von Arnanten be- völkerten Gegenden durchzogen. Nachdem d.e Arnanten. von nnserer Regierung bestochen und mit unseren Wagen der- Griechische Schiffe vor Mytilene. Konstantinopel, 17. Dezember. Wie ein Telegramm des Kommandanten des türkischen Detachements auf Mytilene Abdul Ghani meldet, erschienen gestern früh zwei in Kriegsschiffe verwandelte griechische Dampfer vor Molivo, forderten die Schiffer auf, sich aus dem Hafen zu entfernen, und b o m b a r- Vierten, als diese sich weigerten, den Hafen. Das Gebäude der Dette publique, das Zollgebäude, zwei Läden, eine Bäckerei, zwtt Cafos und ein Hotel gingen in Flammen auf. Einige Hänser und Läden wurden beschädigt. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Türkische Sorgen. Aus Konstantinopcl schreibt uns Genosse P a r V n S: In der türkischen Presse beurteilt man die Situation des Landes überwiegend pessimisstisch. Der bekannte türkische Publizist Ali K o m a l veröffentlicht in dem hiesigen„Jldam" einen Artikel unter der bezeichnenden Ueberschrift:„Glaubt nicht, daß unsere Heimsuchungen zu Ende seien!" Er zeigt darin, daß die Situation jetzt anders sei, als vor dem Berliner Kongreß, denn damals gab es den großen Gegensatz zwischen Rußland und England. Gegenwärtig gäbe es keine einzige Großmacht, die der Türkei günstig gesinnt sei. Die Triple-Entente gehe mit den Balkan- staatcn. Der D r c i b u nd wolle allerdings den Balkanstaaten möglichst geringe Landabtretungen gewähren, jedoch den Rest in eine solche Lage bringen, daß man sich seiner später leicht würde bemächtigen können. Die Großmächte lassen aber auch die a s i a- tische Türkei keineswegs aus dem Auge: Anatolien, Syrien, Arabien— so ziemlich alle Vilajets der Türkei seien bedroht. Es mehren sich auch tatsächlich die beunruhigenden Symptome aus der asiatischen Türkei. Auffallend ist besonders das provokato- rische Verhalten der ägyptischen arabischen Presse, die nach Syrien kommt. Es wird offen die Frage der Wiederherstellung des ägyptischen Reiches in seinen alten Grenzen, aber freilich unter englischem Protektorat, erörtert. Daneben macht sich die französische Agitation geltend. Kennzeichnend ist auch, daß der Im am Jahia sich wieder regt. Er hat seinen Vertreter nach Konstantinopel geschickt— Seid Abdullah. Wie wichtig die Angelegenheit ist, kann man daraus ersehen, daß sofort nach Ankunft Seid Abdullahs ein Mini st errat stattfand, der die Frage der„Ergänzung der Reformen im Jemen" erörterte. Was mag denn der Jmam Jahia, der schon jetzt als selbständi- ger Fürst anerkannt wird, noch für weitere Forderungen stellen? In der inneren Politik ist die Befreiung der v e r h a f- teten Jungtürken zu verzeichnen. Es stellt sich heraus, daß iie die ganze Zeit ihrer Verhaftung nicht einmal einem Verhöre unterworfen wurden. Von einem Beweis der Schuld kann selbst- verständlich gar nicht die Rede sein. Es war ein brutaler Akt der Willkür, eine Provokation. Daß sie aber jetzt befreit wurden, ist selbstverständlich nicht etwa darauf zurückzuführen, daß die, die die Verhaftungen vornahmen, Gewissensregungen hatten. Es gingen vielmehr der Befreiung der Jungtürken wichtige Veränderungen in der Administration voraus. Der Minister des Innern, der Stadt- kommandant wurden abgesetzt, und auch das Kriegsgericht, das gegenwärtig die eigentliche regierende Macht ist, wurde neu besetzt. Das deutet auf einen Druck hin, der von unten, aus den Offiziers- kreisen kam. Aus dem Feldlager kehren Kranke und Sieche in müden Zügen nach der Stadt zurück. Die Cholera greift besorgnis- erregend um sich. flii! ckem nationaliiberalen Lager. Die Zersetzung der nationalliberalen Partei— vielleicht kann man sie überhaupt keine Partei mehr nennen, sondern nur noch ein Konglomerat sich gegenseitig bekänrpfender Gruppen— macht schnelle Fortschritte. Bereits geht alles drüber und drunter. Das beweist aufs neue die Kontroverse, die jetzt in der„Nationalliberalen Rundschau" einer der Pommerschen Führer der Nationalliberalen, der Geh. Justizrat Ludewig, mit dem nationalliberalen RcichStagsabgeordneten und Qberverlvaltlingsgerichtsrat Eugen Schiffer führt. Eni- standen ist der Streit über die Stimnienabgabe national- liberaler Abgeordneten für die Genossen Bebel und Scheide- nlann bei der letzten Wahl des Reichstagspräsidiums; er hat aber seinen eigentlichen Grund in den Gegensätzen zwischen den verschiedenen Strömungen innerhalb der nationalliberalcn Partei. Ludewig sieht auf dem linken, Schiffer auf dem rechten Flügel des nationalliberalen Parteigemengsels. Herr Ludewig erzählt über den Streitfall: Die in Frage stehenden Differenzen wurden hervorgerufen durch folgenden Satz eines Artikels von mir in Nummer 2 der„Pommer- schen Rundschau" vom 1. April 1S12: sehen waren, haben sie zuerst gegen die türkische Regie- rung gekämpft, und dann diese Waffen gegen uns gerichtet. Dafür traf sie fürchierliche Rache. Alles, was sich von ihnen unö entgegen- stellte, wurde niedergemacht. Vieh und Eigentum wurden geplündert. die Häuser bis zum Grunde verbrannt. Wo Ivir passierten, wurde alles in eine Einöde verwandelt. Und dabei kamen Szenen vor, über die man tagelang sprechen und sie doch nicht erschöpfend be- schreiben könnte. Ich will Ihnen nichts sagen über die blutigen Kämpfe bei Kumanova, bei Prilipi, bei Minzi, wo Tausende und Abertausende von Menschen ihr Grab gefunden haben. Nur einige Szenen aus der letzten Schlacht bei Monastir will ich Ihnen vor Augen führen, um Ihnen zu erklären, warum heute nur eine Stimmung alle Krieger beherrscht, die in dem Rufe: Nieder mit dem K r i e g I zinn Ausdruck kommt. Vier Tage dauerte der Kampf. In der Nacht konnten weder wir noch die Türken schlafen, da man sich vor einem nächtlichen Angriff sichern mußte, und nur in der Nacht konnte man die Kanonen über die Gebirge hinüberschleppen und den Türken näher kommen. Denn unsere Uebcrinacht bestand besonders in der Artillerie. Welchen Nutzen aber boten beinahe zweihundert Kanonen, die wir vor Monastir hatten, wenn man sie nicht in Stellung bringen konnte. Die Ebene, in der Monastir gelegen ist, war vollständig überschwemmt. Wollte man über das Feld vorwärtsrücken, so sank man bis zum Gürtel, stellenweise bis an den Hals in Wasser und Schlamm. Da tonnte nicht einmal Infanterie vorwärts kommen, viel weniger Artillerie. Die Gebirge aber, die die Ebene einschließen, sind so hock, steinig und ungangbar, daß Fahrzeuge sie nicht passieren konnten. Wir hatten nur eine Batterie der Gebirgsartillerie, alles andere waren Feld- und Festungsgeschütze. Es blieb nichts anderes übrig, als die schweren Kanonen von der Infanterie schleppen zu lassen, wobei man in der ganzen Nacht kaum eine Batterie von vier Kanonen hinauf- und hinunterschleppen konnte. Ebenso ging eS den Türken. In dieser Weise verbrachten wir vier Nackte: am Tage furchtbarer Kampf, nachts die überaus schwere Lastarbeit. In der Ebene regnete es unaufhörlich, die Gebirge waren mit Schnee bedeckt. Elend sahen unsere Leute aus: müde und hungrig, naß und schmutzig, beinahe ganz ohne Schuhzeug. Zwei Hindernisse hatten sie zu überwinden: die natürlichen Wasser und Regen, und die menschlichen, das energische Feuer der Türke», besonders das ihrer Artillerie und ihrer Maschinengewehre. Wer das nicht miterlebt hat, lami es sich nicht vorstellen. Wir marschieren durch Wasser und Schlamm und über unseren Köpfen krachen die türkischen Schrapnells „Schiffer, der die Wahl des Scheidemann dringend befürwortet hatte, fand leider kein Wort dafür zu erklären, daß nicht der linke Flügel der Partei allein für diese Wahl verantwortlich sei, und unser Führer Bassermann glaubte in einem sehr weit getriebenen Edelmut und mit Rücksicht ans die persönliche Stellung des Herrn Schiffer ebenfalls aus eine Erklärung verzichten zu müssen." Infolge dieses Aufsatzes erhielt ich einen erregten Brief des Herrn Schiffer, in dem er mir mit Strafantrag wegen Beleidigung drohte und erklärte, mein Aufsatz enthalte, soweit er ihn betreffe, von Anfang bis zu Ende unrichtige und entstellte Tatsachen. Ich erwiderte ihm in ruhigem Ton, daß ich meinen von ihm angegriffenen Aufsatz in vollem Unifange aufrecht erhalten müsse, und daß er nach den Ermittelungen nicht nur für Scheide- mann gestimmt, sondern sogar für diesen agitiert habe. Ich setzte hinzu, daß ihm auheim gestellt werden müsse, die von mir im einzelnen für meine Ansicht angeführten Tatsachen zu widerlegen. Ich bemerkte wörtlich: .Jeder, der einer Fraktion angehört, wird oft genug gezwungen, auf Wunsch der Fraktion und im Interesse einer Partei etwas zu tun, was er nicht mochte. Es läßt sich nun einmal die bürgerliche Moral nicht ohne weiteres auf die Politik in»hier ganzen Aus- dehnung übertragen." Darauf erhielt ich von Herrn Schiffer eine Antwort, die mit dem Satze begann: „Nun sind unsere Anschauungen über die Grenzen bürgerlicher und politischer Moral so verschieden, daß ich es für zwecklos halten würde, mich hierüber mit Ihnen auseinanderzusetzen." Ich will zu Herrn Schiffers Gunsten diese liebenswürdige Er- klärung so auffassen, daß, nach seiner Ansicht, auch in der Politik die bürgerliche Moral überall durchgreifen müsse. Dann heißt es in dem Schreiben weiter: „Daß ich fürBebel gestimmt habe, ist reiner Schwindel. Ein Abgeordneter, den ich deswegen gestellt habe, erklärte mir, er habe nur ivahr« genommen, wie ich den Namen Bebel auf einen Zettel schrieb." Also Herr Schiffer schrieb, als Bebels Wahl in Frage stand, den Namen Bebel auf einen weißen Zettel. Da er ihn nicht wählen wollte, so muß man annehmen, daß Herr Schiffer Schreib- versuche machen oder sich den Namen Bebel merken wollte. Beides ettvas eigenartig, aber doch denkbar. Ich lege auf die Frage, ob Herr Schiffer den Bebel wählen wollte, kein Gelvicht, da c» mir nur darauf ankommt, meinen Aufsatz in der.Rundschau" als richtig zu verteidigen. Ter. Brief fährt nun aber fort: „Die Behauptung, daß ich die Wahl de» Herrn Schcidemann dringend befürwortet hätte, enthält eine volllommene Entstellung der Sachlage. In der Fraktion waren zunächst zwei Richtungen hervorgetreten: die einen wollten eine» Sozial- demokraten in keinem Falle, die anderen in jedem Falle im Präsidium haben. Ich war der Sprecher der ersten Richtung. Als ich sah, daß auf diesem Boden eine Einigung der Fraktion, auf die ich den größten Wert legte, nicht zustande zu bringen war, wirkte ich mit Herrn Basser- mann an einem Kompromisse mit dahin, daß ein Sozialdemo- krat gewählt werden sollte, wenn auch ein Mitglied der Reckten im Präsidium sei, also ein GroßblockpräsidUnn vermieden werde. Um hierin sicher zu gehen, w»rde beschlossen, den Sozialdemokraten erst in die Stelle des zweiten Bizepräsidenten zu wählen, denn dann hätten wir eS in der Hand gehabt, wenn Prinz Carolatb erster Präsident geworden wäre, einen ZeiitrumSmann zum ersten Vizepräsidenten zu wählen. Dieser Beschluß wurde... unter Vorsitz von Basserinann gefaßt. Für ihn trat ich dann lebhaft auch während der Wahlhandlung ein, aber, wie ich wiederholt betonte... gegen meine klar ausgesprochene eigentliche Meinung... im Interesse der Einheitlichkeit unserer Abstimmung." Hier ist doch klar dargelegt, daß Herr Schiffer für die Wahl dcS Scheidemann nicht nur abgestimmt hat, sondern lebhaft ein- getreten ist. obwohl er anderer Ueberzeugung ist. Ist dannt nicht gerade dies bestätigt, was ich über den Unterschied der Moral im bürgerlichen Leben und in der Politik gesagt hatte?! Herr Schiffer spricht dann noch von einem wenig fairen Benehmen, droht mir mit einer Klage und sagt am Schlüsse: .Wenn ich mich dabei getäuscht hätte— nämlich, daß ich meinen Irrtum rückhaltlos bekennen würde—, so müßte ich allerdings den Lorwurf, daß Sie mit den Tatsachen und mit der Ehre eines anderen leichtfertig umgegangen find. nicht nur aufrechterhalten, sondern in der schärfsten Form wieder- holen." Jeder wird es mir nicht verdenken, daß ich auf diesen Brief nicht mehr geantwortet habe. Ich wendete mich an den geschästs- iührenden Ausschuß der Partei mit der Bitte, zwischen Herrn Schiffer und die Kugeln klatschen wie dicke Regentropfen in das Wasser. Hin- legen ist unmöglich, da man dabei ertrinken würde. Das beste Mittel, sich zu schützen, bestand in schnellem Vorwärtsdringen. Viele sind dabei gefallen. Schrecklich sahen besonders diejenigen aus, die in den Kopf getroffen waren, aus dem das Gehirn hinausdrang. Schauderhaft waren die Wehrufe derer, die von Spreugstücken ge- troffen, einen Arm oder ein Bein verloren. In dieser Weise rückten wir zwei Kilometer vorwärts. Und als wir nur noch eimindeinen- halben Kilometer von den Türken entfernt waren und ihre Artillerie von der unseren vollständig zum Schweigen gebracht war und uns keinen Schaden mehr zufügen konnte, da brach auf einmal da? Schnellfeuer der Maschinengewehre los. Vor de» türkischen Sckützen- gräbeu war es etwas trockener, da in den Aeckern tiefe Kanäle aus- gegraben waren, die das Wasser abgeleitet hatten. Wollte man sich von den Kugeln der Maschinengewehre und der Sckützen fichern, so mußie man in diese Kanäle hineinspringen. Sie waren stellenweise so tief, daß man schwimmen mußte. Und alle bv Meter war ein Graben. Vorwärtskommen konnte man nur, wenn man von einem Graben zu dem andern lief. Das Feuer von beiden Seiten war ungemein stark. Als wir auf achthundert Meter an die Türke» heran wpren, kamen diese in eine urchlbare Lage. Ihr Feuer verstummte, da nicht ein Plätzchen vor ihren Schützengräben von unseren Kugeln verschont blieb. Man versuchte sie zu umzingeln, und da sie ihre Lage für hoffnungslos ansahen, wandten sie sich zu wilder Flucht. Das war ein Augenblick, der alle Schrecken der Hölle übersteigt, Wenn ich daran denke, kommen mir die Tränen. Ich vergaß alles. was ich erduldet hatte und ein inniges, tiefes Mitleid mit den armen, elenden Türken ergriff mich. Nur in zwei Richtungen konnten sie zurück: westlich nach Ockrida und südlich nach Florina, denn nördlich standen wir und östlich waren unpassierbare Sckneegebirge. Nach beiden Richtungen waren die Türken abgeschnitten, sie waren vollständig umzingelt. Nach florina konnten sie nur auf einem einzigen Wege, da links und rechts alles mit Wasser bedeckt war. Aber eben dieser Weg in seiner ganzen Länge wurde von unserer Artillerie bestrichen. Aus ihren Schützengräben an den Gebirgsabhängen rannten die Türken auf diesen Weg. Tausende von Schrapnells explodierten über ihren ilöpfen, von vorn, in der Richtung ihrer Flucht, noch mehr als von hinten oder von der linken Seite. Und was konnten sie tun? Sie ind fteb" geblieben ohne einen Schuß abzufeuern. Stellenweise wurde die weiße Fahne gezeigt und Osfiziere zu Pferde winkten und mir zu vermitteln. Die Bitte wurde abgelehnt, und ich Ifci daher leider gezwungen, meinen Parteigenossen den Konflikt dar zulegen. Die vollständige Veröffentlichung des Briefwechsels behalte ich mir vor. L u d e w i g, Geheimer Justizrat. So die Darstellung des Herrn Ludewig, die den Herrn Reichötagsabgeordnetcn Schiffer nicht gerade in einem günstigen Licht zeigt. Unbegreiflich scheint uns nur, daß Herr Ludeivig noch immer auf eine Klärung der Differenzen und einen neuen Aufschwung des Nationalliberalismus hofft. Der Zersetzungs Prozeß der nationalliberalen Partei läßt sich durch alle Kon fercnzen. Aussprachen und sogenannten Verständigungen nicht mehr aufhalten; sie verwest bei lebendigem Leibe. ** * Interessant ist übrigens das Urteil, daß der Geheime Justizrat Ludewig, wie die„Nationalztg." meldet, über Herrn Bassermanu in einem Artikel fällt, � der demnächst in der „Nationallib. Rundschau" erscheinen soll. Herr Ludewig schreibt: „Es muß einmal offen ausgesprochen werden:Bassermann ist nicht mehr in der Lage, die innere EntWicke- lung der Partei zu beherrschen. ES wäre für ihn nach unserer Meinung besser gewesen, die Wiederwahl(als Vorsitzender des Zelitralvorstandes) uiiter so merkwürdigen Umständen(vgl. Stimmenthaltung) abzulehnen. Hei, welche Entrüstung wäre dann in der Partei erstanden, wie schnell wären alle die Dunkel- männer in die Mauselöcher zurückgekrochen, und wie ganz anders stände dann Baffermann da. Daß Herr Bassermann diesen Leuten nicht kräftig entgegentritt, daß er iinnrerhin glaubt, mit Lavieren und Ueber sehen der Nadel- stiche weiter zu kommen, das wird sich später an ihm und unserer Partei bitter rächen. Schon jetzt entfremdet er. sich damit seine Freunde, die er nicht unterstützt, um seinen Gegnern keine Handhabe zu geben, ihn anzugreifen. Und doch entgeht er dadurch diesen Angriffen nicht, falls er nicht seine liberalen Anschauungen übxr Bord wirft. Wie will er denn mit solchen Leuten das Programm der nationalliberalcn Partei durch führen 1 Was diese wollen, ist doch ganz etwas anderes' poUtifchc Ckbcrfkbt. Berlin, den 17. Dezember 1912. Konservative und Natioualliberale. Die vom„Vorwärts' in der letzten Sonntagsnummer mit geteilten brüsken Bedingungen, welche die„Deutsche Tageszeitung' am Sonnabend für die Aufnahme der nationalliberalen Partei in die konservativ-klerikale Interessengemeinschaft aufstellte, haben allem Anschein nach die nationalliberalen Parieileiter arg verschnupft. Die „Köln. Ztg.' erklärt, daß von einer Anerkennung solcher Bedingungen durch die Nationalliberalen keine Rede sein könne. Diese müßten vielmehr ihrerseits die Vorbedingungen stellen:„Abkehr von der ZentruinShörigkeit und der Herrschaft des Bundes der Landwirte". Das Kölner Blatt schreibt: „Mag sich die konservative Partei durch ihren Pakt mit dem ultramontanen Zentrum nur weiterhin in den Augen ihrer prote st antischen Mitglieder verdächtig machen, Bundesgenossen dabei wird sie bei den Nationalliberaleu nicht finden. Und was die liberalen Forderungen anbetrifft, so hat sür eine Arbeitsgemeinichaft die natioualliberale Partei ihrerseits Be dingungen zu stellen. Vor allem das Verlangen nach st a a t s> bürgerlicher Gleichberechtigung, namentlich in Preußen, wo die Konservativen noch allein daS Heft i» Händen haben. Diese Gleichberechtigung hat sich zu erstrecken auf die Be setzung aller vom Staat und vom Reich zu besetzenden B e a m t e n stellen und auf die Zusammensetzung deS preußischen Abgeordi netenhauses. Wenn darüber mit den Konservativen ein Eiw Verständnis erzielt ist, so wird sich darauf i» allen anderen Fragen der Politik weilerbauen lassen; dann braucht man nicht mehr ivie die„Deutsche TageSztg." ängstlich nach vereinzelten Punkten aus- zuspähen, über die sich Liberale und Konservative einigen könnten, dann brauchte man auch nicht tnehr das letzte und alleinige Heil in der Parole von der Sammlung aller gegen die Sozialdenio- kratie, mit der sich in der Praxis nichts anfangen läßt, zu suchen, um schließlich bei dem Gedanken der„Dcutichen Tagesztg." zu enden, daß schon die nächste Besitzsteuer all die schöne Einigkeit über den Haufen wirft. Dann könnte durch wechselseitige Zu- geständnisse an die liberale und konservative StaalSanffassung ein gedeihliches Zusammenarbeiten von rechts und links zustande- kommen, an dem man auch draußen im Lande seine Freude hätte. Die Wahlen würden das zeigen. Die Grundlage eines solchen Zusammenarbeilens wäre also: Gleichberechtigung des Liberalisn, us in, Parlanient, Vertvaltui, g und Diplomatie. Abioehr aller ultramontanen und sozialden, akratischen Eingriffe in den Lauf der Staatsmaschine.' mit ihr, als ein Zeichen, daß sie sich ergeben wollten. Man glaubte es aber nicht, da inan zweimal mit den Arnauten sehr schlechte Er- fahrungen mit dem Ergeben gemacht hatte. Unier Feuer wurde nicht eingestellt. Tausende von Mensche,, sind da liegen geblieben. Erst in der Nacht konnte ein Teil fortkommen. Nur eine Division von lv 000 Mann, die in Reserve gestanden hatte, konnte in Ordnung zurückgehen, wurde aber, nahe bei Florina, von unserer Kavallerie auseinander gejagt. Ans dem linken türkischen Flügel, wo der beste und der tapferste türkische Feldherr Dschavid-Pascha kommandierte, wollte» die Türken um jeden Preis durchbrechen, um sich bei Ochrida wieder zu sammeln. Dreißigtausend Mann uuierer Infanterie und eine zahlreiche Artillerie sperrte» ihnen den Weg. Wie wahnsinnig rannten die Türken und suchten eine schwache Stelle, um dnrchzn- brechen. Daher kam es zu einer turchlbarcn Schlächterei, Säbel öde, Bajonette wüteten und der steinige Boden war dicht init Menschenleichen bedeckt. Nur weil es an, vierten Tage ganz neblig war. gelang es kleineren türkischen Abteilungen mit Dschavid Pascha selbst zu enlkomnien. Die Verfolgung der Flüchtigen wurde sofort aufgenommen. Was in der Richtung nach Ochrida vorgekommen ist. weiß ich nicht, wohl aber das. was sich in der nach Flocina ereignete, da ich daran teilgenommen habe. Da der Weg erst im Bau war. war es den Türken unmöglich, ihre Bagage, ihre Kanonen und Munition fortzubringen. Auf dem Wege lagen Tausende von Gewehren, Rilmitionskasten, Zelten, Kleidungsstücken, Schuhwaren, Eßgeschirren, Brot, Mehl, Reis usw. Die Fuhrleute hatten alles au» den Wagen geworfen, um sie zu erleichtern. Davon halten sie aber keinen Nutzeii. Denn einen Kilomeier weiter, nachdem der erste Wagen gebrochen oder das erste Pferd gestürzt war, konnte der Zug nicht weiter. Auf dem Wege und rechts und links von ihm lagen Hunderte von toten Pferden und Ochsen. Zwanzig Kanonen mit MnnitioiiSwagen und eine riesige Zahl von Wagen waren verlosten. Unter ihren Räder» lagen Verwundete, Kranke und vor Angst wahnsinnig gewordenc Flüchtlinge, die nicht iveiter konnten. Herzzerreißend war dieses Bild, ein Zeichen der Veniichlmig der türkischen Armee und des türkischen Staates. Mit einem Gefühl bc- friedigier Rache stürmte unsere Infanterie vorwärts, plünderte aus der türkischen Bagage alles, was sie nur tragen konnte und warf lwks und rechts Wagen und Munitionskarren ins Wasser, um sür unsere Artillerie den Weg frei zu machen. Die Soldaten hatten kein Zur Nechtlosmachuns, der Wähler in Neust. s Einkommen, soweit ihnen nicht nach folgenden Bestimmungen s-,..._ �, mehrere Stimmen zukommen: 5. k � brück sch-mt-s sich ,ur Aufgabe ge- Zwei Stimmen haben: a) die Wahlberechtigten mit einem macht zu haben, die Gesetze dahin zu deklarieren, daß sie so un- günstig wie möglich für die Arbeiterklasse und entgegen dein klären Wortlaut des Gesetzes und der Absicht des Gesetzgebers ausgelegt werde». So neulich beim Koalitionsrecht, jetzt beim Wahlgesetz. In seiner gestern von uns wiedergegebene» Antwort hat er sich zur Rechtfertigung der Ansicht, daß bei Nachwahlen die Aufgabe des Wohnsitzes zur Zeit der Wahl die Berechtigung zur Wahl ausi'chließe, auf einen Beschluß des Reichstags und ein Reichsgerichtserkenntnis berufen. Beides mit Unrecht. Das Reichsgerichtserkenntnis. Band 37 S. 383, betrifft weder den Fall einer Nachwahl, noch die Frage der Bc- rechiigmig aus dem Wohnsitz Gezogener. Es betrifft den bekannten Fall Herzfeld. In diesem handelte es sich nicht um eine Nachwahl noch um die Aufgabe eines Wohnsitzes, sondern um die Frage, ob jemand, der zwei Wohnsitze ha», nachdem er an eine ni Wohnort sein Wahlrecht ausgeübt und die Wahl dort deiinitiv geworden ist, an seinem zweiten Wohnort zur Stichwahl wählen könne. Diese Frage hat das Reichsgericht verneint. Der Reichstag ist allerdings am g. April 1889 dem mit 8 ge�e» 5 Stinimeu in der Wahlprüsuiigskommission gefaßten Beschluß beigetreten, nach dem die Wahl des in einer Nachwahl als geivnhlt proklamierten Abgeordneten Poll(Bromberg) gegen den Polen gültig sei, wiewohl Wähler zurückgewiesen waren, weil sie ihren Wohnsitz gewechselt hatten. Dieser vom Kartellreichstag gefaßte Beschluß steht einzig da. In der Debatte wurde von Bebel hervorgehoben, daß er mit einer 20jährigen entgegen- st ehenden Praxis breche. Nie wieder ist ein ähnlicher Beschluß gefaßt. Der Reichstag hat in ständiger Praxis seitdem angenommen, daß ein Wähler, der in der HaupV wähl gewäblt hat. auch wenn er inzwischen seinen Wohnsitz verlegt hat, zur Stichwahl wahlberechtigt ist. Diese Ansicht ist u. a. in der unter Spahns Vorsitz erfolgten Zusammenstellung der Reichstags beschlüsse(Reichstagsdrucksachen 1898, Anlagen Nr. 236) wieder gegebe». Der Wortlaut des 8 8. nach dem„bei einzelnen New wählen, welche innerhalb eines Jahres nach der letzten allgemeinen Wahl stattfand' er„einer neuen Ausstellung und Auslegung der Wahllisten nicht' bedarf, spricht klar gegen die Aussassung deS Reichskanzlers. Zum Ueberfluß auch die Entstehungsgefchichte der Reichstagswählerliste. Die Regierung hatte, um den Behörden weniger Schwierigkeiten zu machen, permanente ählerlisten für die volle Legislaturperiode(nach Art der Listen für die Stadtverordnetenwahlen) vorgeichlagen. Das wurde bekämpft und wurde verlangt, es sollen für jede Wahl neue Listen angefertigt Iverden. Schließlich kam das jetzige Gesetz als Kompromiß zustande, nachdem zwar für jede Wahl neue Listen aufgestellt werden müssen, den Behörden ahcr gestattet ein soll, bei Nochwahlen, die innerbalb eines Jahres nach der Hauptwahl stattfinden, von der Ausstellung neuer Liften ab- zusehe». Stellt die Behörde keine neue Liste auf, so hat sie die alte Liste aufzustellen, darf diese aber nicht ändern. Daß die Behörde nach Abschluß der Liste keine Aenderungen vornehmen darf, ist noch von dem jetzigen ReichSrag ausdrücklich beschlossen. Eine Aenderung ist eS aber, gleichviel, ob der Wahlkommissar bestimmte Personen streicht oder, wozu ihn kein Gesetz berechtigt, anweist, Personen zur Wahl nicht zuzulassen. Die Folge jeder Listenausstellung ist. daß eine Anzahl Wahlberechtigter, die nicht in der Liste stehen, nicht wählen können. Umgekehrt olgt aus dem Listenpriiizip, daß die darin Verzeichneten wählen dürfen, auch wenn sie nicht mehr im Wahlbezirk wohnen. Die Reußer Praxis schlägt dem Wortlaut und der Entstehungsgeschichte des Gesetzes geradezu ins Gesicht. ES kann dem Reichskanzler auch nicht entgangen, sein, daß das O b e r v e r w a ltn»As g e r i ch t in 'tändiger Praxis die Ansicht vertreten hat: wer in der Wähler- liste verzeichnet ist. hat das Recht zu wählen, auch wenn er in- zwischen aus dem Wahlbezirk verzogen ist. Dieielbe Anficht vertritt das Reichsgericht.(Entsch. vom 6. April 1891, Bd. 21.'n,men 1800 M. nicht übersteigt. Drei Stimmen haben die Wahlberechtigten mit einem Sin« kommen über 2400 M. Vier Stimmen haben die Wahlberechtigten mit einem Em- kommen von mehr als 3000 M. Eine Z u s a tz st i m m e führt, wer am Tage der Wahl daS 50. Lebensjahr vollendet hat. Eine weitere Zusatz stimme führt, wer eine technische oder wissenschaftliche Vorbilduug besitzt, die durch Ablegung der Ab- schlußprüfung an einer staatlich anerkannten Fachschule dargetan ist, oder die zur Führung des Meistertitels— sofern der Meister nicht schon nach b) 2. eine zweite Stimme führt— oder zum einjährig- freiwilligen Militärdienst berechtigt. Mehr als fünf Stimmen stehen keinem Wähler zu. Die Wahlkreis geometrie ist dem reaktionären Wahl- recht angepaßt: Fünf Wahlkreise(Gera und Umgegend) haben je 15 000 Einwohner, also die Hälfte aller Staatseimvohner; die übrige Hälfte der Einwohner wählen 12 Abgeordnete. Die Zusatzstimme der„höher Gebildeten' und der.Meister' ist das Werk des Ausschusses. Damit haben sich die Bürgerlichen einige hundert Stimmen neu geschaffen, was in der Stadt Gera von Wichtigkeit für sie ist. ES ließen sich die bürgerlichen Abgeordneten im Ausschuß restlos einsangen; daS Unikum von einem Wahlrecht wurde von diesem einmütig angenommen. Im Plenum des Land- tages dürften Ueberraschungen kaum eintreten, da auf dem„Frei- sinn", der hier sein Dasein führt, irgendwelche Hofstwitgen nicht zu setzen sind._ Zur Jesuitenaktion des Zentrums veröffentlicht die„Kölnische Zeitung" in ihrer Abendausgabe vom 16. Dezember ein Telegramm aus München:„Von bestunterrichteter Seite, deren Glaubwürdigkeit außer Zweifel steht, wird mir ver» sichert, der verstorbene Prinzregent Luitpold habe von dem berüch- tigten Jesuitenerlaß HertlingS erst auS den Zeitungen Kenntnis erhalten." Weiter bringt die„Kölnische Zeitung" einen Artikel von katho« lischer geistliche/ Seite. Darin wird das Vorgehen deS Zentrums in schärfster Weise als Mache gekennzeichnet, und eS wird von einer „verdeckten Maschinerie' gesprochen, die„den ganzen Protestplan als einen künstlich aufgelegten Reklamefilm abrollte'. In einigen Deka- naten hätten die betreffenden Geistlichen erst durch die Zeitung von ihrem eigenen Protest Kenntnis erhalten. Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Uns Geistliche wird man mit der Zeittmgsphrase vom Eni« rüstungsschrei und vom Knirschen des inneren Menschen nicht über die andere Tatsache hinwegtäuschen, daß die Zentrumskundgebung mit der tatsächlichen Stimmung im katholischen Volksteil in gar keinem psychologischen Verhältnis steht. Wohl niemals ist der schneidende Gegensatz zwischen einer bestimmten Zeitungömache und den wirklichen Stimmungsverhältnissen im Volke deutlicher in die Erscheinung getreten, als gerade bei der ZeitungSrubrik„Zur Jesuitenfrage'._ Wahlrechtsverschlechterungen in Schleswig-Holstein. Die Erfolge der Sozialdemokratie bei den letzten Stadt- verordnetenwablen in einer Reihe von Städten Schleswig-HolsteinS, besonders in Altona und Kiel, haben die Bestrebungen zur Ver- schlcchterung deS Wahlrechts wieder aufleben lassen. Am Sonnabend hat in Altona eine Sitzung einer gemeinsamen Kommission des ProvinzialverbandeS schleswig-holsteinischer Bürgervereine und deS Verbandes schleswig-holsteinischer Haus- und Grundbesitzer statt« stattgefnnden, die eine Hinaufsetzimg des Wahlrechtsalters von 22 auf 25 Jahre und der OrtsansässigkcitSdauer von 1 auf 2 Jahre verlangte. Außerdem sprach sich die Kommission für die geheime Stimmabgabe ans, weil dadurch dem„sozialdemokratischen Terra- rismnS' bei der öffentlichen Wahl ein Ende gemacht werde. Die gemeinschaftliche Kommission soll ihre Arbeiten zur Aende» rung des Wahlrechts der schleswig-holsteinischen Städteordnung weiter führen._ Ein aufgeregter General. Im April d. I. hatte der Gerichtsvollzieher L a h m a n n den Auftrag, in der Wohnung des Generalleutnants z. D. Karl von Schmidt eine Zwangsvollstreckung gegen deffen Tochter, die auf Besuch bei ihrem Vater weilte, durchzuführen. Nach zwei vergeb- lichen Versuchen des Beamten, den Generalleutnant in der Ange- legenheit zu sprechen, gelang es ihm am 19. April, als gerade ein Leutnant die Wohnung des Generalleutnants verließ, an dem Leutnant vorbei auf den Vorplatz der Wohnung zu kommen. Hier stieß er mit dem Generalleutnant von Schmidt zusammen, der ihm das Betreten seiner Wohnräume untersagte. Dabei gab es eine scharfe Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Herr General- leutnant sehr erregt wurde und den Beamten mehrfach beleidigte und ihm auch gedroht habe» soll, ihn mit dem Säbel zu durchstechen. Daraufhin stellte der Gerichtsvollzieher Lahmann. ein anerkannt ruhiger Beamter, wegen des Vorfalles Strafantrag wegen Beleidigung, Bedrohung und Widerstandes gegen die Staats- gewalt. Vom Kriegsgericht der 19. Division in Hannover wurde gegen den Generalleutnant von Schmidt nur wegen Beleidigung und Bedrohung Anklage erhoben. Für die Hauptverhandlung waren in Gemüßheit des Dienstranges des Angeklagten ein General, zwei Generalleutnants und ein Generalmajor als Richter berufen. Den Vorsitz führte der kommandierende General des 4. Armeekorps, General der Infanterie Sixt von Armin, Verhandlungsleiter war Kriegsgerichtsrat Mahnkopf. Vertreter der Ankkage Kriegögerichtsrat F u h s c. Verteidiger Rechtsanwalt B e h r- mann. Nach mehr als vierstündiger Verhandlung, für die wegen Befürchtung einer Gefährdung militär dienstlicher Interessen nach bekannter Schablone die Oeffentlichkeit aus- geschlossen wurde, verurteilte das Kriegsgericht den Gcneralleut- nant von Schmidt unter Schuldigsprechung im Sinne der Anklage zu insgesamt 50 M. Geldstrafe, an deren Stelle im Un- vcrmögcnsfalle 5 Tage Haft treten sollen. Für die Verkündigung der Urteilsgründe wurde wiederum die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, da das Gericht auch hier eine Gefährdung militärdienstlicher Interessen befürchtete,(ljs Militärjustiz. Drei Urteile, die dieser Tage von verschiedenen Kriegsgerichten der Marine in Ki c l gefällt worden sind, verdienen der Ocffcnt- lichkeit bekannt zu werden, um die deutsche Militärjustiz zu kennzeichnen. Eiu Matrose von der ersten Torpedodivision hatte am 13. Aovemttcr dienstlich in der Stadt zu tun. kehrte aber nicht in die Kaserne zurück, sondern trieb sich in der Stadt umher. Nachts gegen 1 Uhr traf er im angetrunkenen Zustande zwei Maschinisten- maaten, die er nicht grüßte, weshalb der eine von den Maaten ihn anhielt. Der Angetrunkene verweigerte die Nennung seines Namens, gab dem Maaten einen Schlag ins Gesicht sowie einen Stoß vor die Brust und lief davon. iZr wurde wieder eingeholt und beide Maaten brachtcsi ihn zur Schloßwachc, wo er sich ruhig verhielt. Das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen tätlichen An griffs auf einen Vorgesetzten und Widersetzung zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Ter Obermaat Jürgens hatte Rekruten auszubilden. Uebcr seine Rcirutcnausbildungsinethode wurden vor Gericht haar sträubende Tatsachen bekannt. Er belegte die Rekruten mit den gemeinsten Schimpfwörtern. Am schlimmsten hatte es der Rekrut J-, der iin Dienst nicht recht mitkommen konnte. Er wurde bei jeder Gelegenheit scharf hergenommen. Machte er etwas ungc schickt, mußte die ganze Korporalschast darunter leiden, Schemel- strecken und Kniebeuge machen. Beim Gewehrrcinigcn nahm sich der Maat den F. mehrfach auf die Stube, machte die Tür hinter sich zu, und jetzt mußte sich F. andauernd hinlegen. Dann stellte der Maat sich a u f d e n Rücken des F. und dieser mußte sich mit der schweren Last er- heben. Beim Turnen am Reck trat der Maat den F. auf die Zehen, dann mußte F. sich wieder hinlegen und der Maat trat ihn mit de in Fuß auf den Kopf, daß das Gesicht in den Schmutz gedrückt wurde und blutete. Beim Turnen am Barren gab der Maat dem F., der am Gerüst hing, einen Stoß, daß er zu Boden und mit dem Kopf auf das Sprungbrett fiel. Zu dem am Boden Liegenden sagte er: „Hund, wenn du k r e p i e r st, gebe ich ein Faß Bier a n s!" Tritte und Schläge gab es oft. Wenn sich jemand beschweren wollte und der Maat erfuhr das, mußte die ganze Korporal scha st Schemel st recken. Für diese Quälereien erhielt der Rekruten,.erzichcr" vom Kriegsgericht nur vier Wochen Mittclarrest. Das Ober kricgsgericht hob das Urteil auf und verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis und zur Degradation. Festgestellt wurden acht Fälle der Mißhandlung, 50 Fälle der vorschriftswidrigen Behandlung und Belcidi- gung. drei Fälle der Beleidigung und drei Fälle des Mißbrauchs der Dien st gcw alt. Ein anderer' Soldatcnschinder hatte sich in der Person des Maschinistenmaats Weber vor dem Kriegsgericht der ersten Ma- rineinspektion zu verantworten. Dieser Maat trank gerne, und wenn er schlechter Laune war, ließ er seine Wut an seine Unter- gebenen aus. Er schlug sie mit Holzstücken, Knpferdraht, warf mit Kohlenstücken nach ihnen usw. Er hatte sich ein besonderes Jnstru- ment zum Mißhandeln konstruiert, indem er eine Schrauben- mutier an einem strick befestigte und damit schlug. Die Zeugen sagten aus, daß täglich Mißhandlungen stattfanden. Ein Soldat ist allein v i e r z i g m a l mißhandelt worden. Ein anderer Zeuge sagte aus: vom j ü n g st c n Jahrgang sei nicht ein einziger da, der nicht mißhandelt worden wäre. Das Gericht stellte 5 2 Fälle der Mißhandlung, zwei Fälle der vorschriftswidrigen Behandlung und einen Fall der Beleidigung fest. Außerdem wurde Weber noch wegen Ungehorsam und Belügen eines Borge setzten verurteilt. Er erhielt vier Monate Gefängnis undDegradation.___ Oeftemicb-Clngani. Das Kriegsleistuugsgcsctz. Wien, 17. Dezember. Abgeordnetenhaus. Auf der Tagesordnung stand die zweite Lesung des K r i e g s l e i st u n g s- g e s e tz e s. Bor dein Eintritt in die Tagesordnung ergriff eine große Anzahl von Tschechisch-Radikalen das Wort, um gegen die Art und Weise zu p r o t e st i e r e n ,. in der die Auslosung der Rednerliste für die Debatte über das Kriegsleistungsgesetz vor der heutigen Sitzung vorgenommen wurde. Des weiteren stellten die Tschechisch-Radikalen verschiedene formale Anträge, so auf Schluß der Sitzung, auf Absetzung des Kriegsleistungsgesetzes von der Tagesordnung, auf Verhandlung der Dienstpragmatik. In längeren, teilweise tschechischen Reden verlangten sie nament- liche Abstimmung. Sämtliche Anträge wurden mit 274 gegen 20 beziehungsweise mit 344 gegen 87 Stimmen in einfacher Ab- stimmung abgelehnt, nachdem das Haus namentliche Ab- stimmung für unzulässig erklärt hatte. Schließlich wurde von dem Hause mit großer Majorität beschlossen, die zweite Lesung des Kriegsleistungsgesetzes zu beginnen. Es entstand großer Lärm bei den Tschechisch-Radikalen, /die da- gegen protestierten, daß der Präsident ihrem Verlangen nach einer neuen Rednerliste nicht entsprochen habe. Unter herrschendem Lärm leitete der Berichterstatter S t ö l z e I die Verhandlungen ein. Seinen Ausführungen folgte auf der Linken andauerndes Händeklatschen, worauf der Sozialist Liebermann das Wort ergriff. Die Obstruktion in Oesterreich. Wien, 17. Dezember. Im Budgetausschuß beendete der Slowene G o st i n c a r uin 7% Uhr früh seine 13'/z stündige Rede, die er ohne die kleinste Pause gehalten hatte. Der Antrag Gostincar auf Schluß der Sitzung wurde mir 30 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Nach ihm ergriff der Slowene K o r o s e c das Wort. Er unterbrach um lO3� Uhr wegen des Beginns der Plenarsitzung seine Rede und wird sie nach Schluß der Sitzung des Hauses fortsetzen. Fortschritt in Oesterreich. Die„Arbeiter-Zeitung" zeigt in einer lehrreichen Aufstellung, wie in wenigen Jahren Oesterreich, zwar nicht auf dein Gebiete der wirtschaftlichen, kulturellen, sozialpolitischen Entwickelnng, wohl aber in treibhausmäßiger Förderung des Militarismus den Vorsprung größerer und reicherer Mächte einzuholen versucht hat. 1909, mit der Annexion Bosniens und der daraus entstandenen Gefahr des Serbenkriegcs, begann es. Damals haben wir in wcni- gen Monaten nachgeholt, was vorher versäumt worden war. Hun- dcrte Millionen wurden ausgegeben, die Lücken in unsrcr Rüstung zu stopfen. Da bekam jedes Regiment zlvei Rkaschinengewehrc, Fcldtelegraph, Feldtelephone, Signalapparate wurden eingeführt. Die Artillerie bekam Haubitzen. Die Vorräte wurden ergänzt, neue seldmätzige Monturen angeschafft— bis zu den Drahtscheren be- kamen die Truppen alles, was ein modernes Heer braucht. Dann kam die Flotte. 312 Millionen Kronen wurden bewilligt, vier Dreadnoughts gebaut. Darauf das Programm des Kriegsministers Schönaich: 100 Mistionen einmalige, 100 Millionen Jahresaus- gaben bewilligt: die„elenden Brocken" Franz Ferdinands. Noch schneller stiegen die Bewilligungen für die Landwehr. Zuletzt wieder die außerordentlichen R ü st u n g s k r e d i t e für Artillerie, Festungen, Kriegsschiffbau— zuletzt bis auf weiteres. � Zu den Geldbewilligungen die Steigerung der p e r s ö n- Ii ch e n Leistungen. Das neue W e h r g e s e tz erhöhte den Rekrutenstand um die Hälfte. Zehntausende werden jetzt statt zu acht Wochen Ersatzreserveausbildung auf zwei bis drei Jahre ein- gestellt. Die Zahl der W a f f e n ü b u n g e n und ihre Dauer wurde vermehrt. Und jetzt erledigt der Reichsrat das Kriegs- leistungsgesetz, das schon zu Beginn einer Mobilmachung den Offizier zum Serrn über Besitz und Person der Untertanen macht. Koalitionsrecht. Freizügigkeit, Vereinsrecht, alle modernen Rechte zugunsten des Militarismus kassiert. Dazu das Pferde- stellungsgesetz.„Ein so schneller Fortschritt in drei Jahren— das macht uns keiner nach." Und alle bürgerlichen Parteien: die che- dem antimilitaristischcn Ehristlichsozialen wie die früher„reichs- ' feindlichen" Deutschfreiheitlichcn sind mit ganzer Seele bei dieser Art Fortschritt. Natürlich kann sich auch die genialste Staatsrcgicrung nicht um jede Kleinigkeit kümmern. So konnten mit den„Staats notwcnd ig- kciten" des Mordgeschäfts einige andere Gebiete nicht Schritt halten.„Unser Staat hat kein Geld für Schulen und Spitäler. Die Sozialversicherung noch immer nicht fertig. Staatsarbeiter, Staatsbeamte schlecht bezahlt. An- gesehene Gelehrte gehen ins Ausland, weil wir ihnen keine würdige Stätte für ihre Forschungen schaffen können. Wenn man eine Erhebung über die Arbeitsverhältnisse in den Eisenwerken fordert, muß der Leiter des Arbeitsstatistischen Amtes gestehen, daß die paar tausend Kronen nicht aufzutreiben sind. Aber all das soll uns die Freude an dem Fortschritt in Oesterreich nicht vergällen." Auch nicht, daß das ausgesogene Land bald als kredit- unfähig angesehen wird, daß es mit Not in Amerika 25 Millionen Dollar zum Wuchcrzins von 7 Proz. auftreiben kann.— Vor kurzem erschien der Jahresbericht des Wiener Wärme- st u b e n v e r c i n s. Vom 15. November bis 15. März suchten 1 218 000 Personen, darunter 209 500 Frauen und 597 000 Kinder, die Wärmestuben auf. 98 857 waren obdachlos: 810 auf den Tag. Auf den Tag kamen fast 5000 Kinder, die stundenlang vor den Stuben warteten, um dann eine Suppe mit Brot als Mittagessen zu erhalten. 715 Kinder, allnächtlich im Durchschnitt 0, mutzten, ohne ein Nachtquartier, in den Wärmestuben über- nachten: in einer Ecke auf nassen Lumpen, die die Eltern hin- gebreitet hatten, angekleidet und in Schuhen, während diese mit anderen auf den Bänken sitzend die Nacht verbringen. Für jedes Nachtquartier mit Frühstück zahlt die Gemeinde dem Verein 20 Heller! Für daS tägliche Essen von 5000 Kindern und über 4300 Erwachsenen aber zahlt die Stadt Wien gar 6000 Kronen zu: einen halben Heller für jede Portion!— Mit welchem Stolze müssen jene Aermsten vernehmen, daß Oesterreich nun aber ernstlich entschlossen ist, um keinen Preis den Serben einen Hafen an der Adriaküste zu gestatten, sei es auch der Preis des Weltfriedens! Und wäre es nicht eine vermessene Lästerung der göttlichen Ordnung und der Großmachtpflichtcn Oesterreichs, wollte man fordern, daß etwa die Kosten eines einzigen Bataillons oder einer Dreadnoughtbatterie gespart und zur Beseitigung des Jammers dieser Unglücklichen verwandt würden? Sorgt nicht der fromce Patriot Franz Ferdinand mit seinem frommen und patriotischen Gefolge ausgiebig für das Glück seiner Völker und den wahren Fortschritt Oesterreichs?— franfcreicb, Die Regierung und der Generalstreik gegen den Krieg. Paris, 17. Dezember.(Privattclegramm de „V o r w ä r t s".) Die Regierung unternahm gestern abend einen Handstreich gegen die Arbeiterschaft. Die Polizei der anstaltetc in allen 13 Pariser und den 21 Streiklokalen der Lororte Haussuchungen. Es handelte sich angeblich um Beschlagnahme von Streikkarten, wegen der Inschrift:„Auf den Mobilisationsbefehl ivcrden die Arbeiter mit deni revolutionären Generalstreik antworten. Lieber Insurrektion als Krieg!" Die Karten waren aber schon mehrere Tage vorher fertiggestellt und bekannt, die Polizei hätte sie also vor der Verteilung an die Streikenden konfiszieren können, statt sich nur mit den Teberresten zu begnügen. Tatsächlich handelt es sich wn einen Anschlag auf die Kontrollisten, die mitgenommen wurden, sodaß jetzt die Polizei die Namen aller Streikenden kennt. Auch wurden im Bureau des Gewerkschaftsvcrbandes alle auf den Generalstreik bezüglichen Korrespondenzen und Protokolle konfisziert. Die Streikberichte weisen für Paris eine starke Teil- nähme der Hutmacher, Goldarbciter und Töpfer auf. In der Vorstadt Levallois feierten die Metallarbeiter fast vollzählig. Es kam zu einigen Zusammenstößen mit der Polizei, ivobei 13 Verhaftungen vorgenommen wurden. In Lyon demonstrierten 10000 Mrnschen; hier griffen Polizei und Kürassiere ein. Es gab 50 Verwundete, darunter auch Polizisten; viele V e r- Haftungen wurden vorgenommen. In Nantes streikten die Dockarbeiter; allgemeine Arbeitsruhe, die Straßenbahnen, inbegriffen, herrschte in E c t t e. Im ganzen läßt sich sagen, daß die Streikbewegung, obwohl sie nicht allgemein war, doch überall da, wo industrielles Proletariat vorhanden ist, an- ehnlich war. Belgien. Klerikaler Antimilitarismus. Während die klerikale Regierungspartei in Belgien dabei ist, der Regierung die gewünschte gewaliige Erhöhung der persönlichen und finanziellen Heereslasten zu bewilligen, tobt in der Provinzial- presse derselben Partei die alte klerikale Abneigung gegen den Militarismus, die teils auf der Furcht vor größerem Ein- luß des Staates auf Kosten der Kirche beruht, teils die Abneigung der Bauern gegen die Militärlasten widerspiegelt. Noch vor kurzem war eines der Hauptagitationsmittel auf jener Seite die Ablehnung des Dienstzwanges. Jetzt schreibt das flämisch- katholische Blatt„Het Algemqen Belang" in Tongern von dem Militärmoloch" und verweist darauf, daß unter dem alten Loskauf- system jährlich 13 300 Mann eingestellt wurden. Jetzt, wo es heißt: ein Sohn aus jeder Familie, sind es 16 000(das Gesetz erlaubt 20 000). Aber nach dem neuen Gesetzentwurf werden 33 000 jährlich gefordert.„DaS wird narürlich die Abgeordneten nicht hindern, in der Kammer ihrer Regierung alles zu bewilligen, wobei sie nur be- dauern, daß daS LoSkaufshstem, das die Reichen dienstfrei machte, nicht mehr besteht. Wie empfindlich man im klerikalen Lager plötzlich, wo nicht mehr allein die Arbertersöhne in die Kaserne gehen müssen, gegen die Mißstände geworden ist. beweist folgende Betrachtung des „Maaseyker Wcekblad" vom 7. Dezember. Da heißt es:„Das Verfahren der A u S h e b u n g s k o m m i s s i o n e n muß ganz anders werden. Die jungen Leute haben das Recht, mit mehr Achtung behandelt zu werden. ES sind Menschen, Christen, kein Vieh, das auf Staatsrechnung gekauft ist.... Auch die M a n n s ch a f t S- st» bei, müssen beseitigt werden. Dort gehen oft sehr chmutzige Dinge vor. Es braucht nur ein Verdorbener dabei zu ein— und oft, sind es mehrere— damit die ganze Stube eine P e st h ö h l e unsauberer Reden und schamloser Handlungen, die für die anderen höchst gefährlich sind, werde. Wenn die Eltern ihre Kinder dem Vaterlande geben, dann st dieses Vaterland auch verpflichtet, alles zu un, was zu ihrem Schutze möglich ist." „Glaubt man nicht." sagt der„Peuple",„ein sozialistisches Blatt zu lesen, das die Söhne der armen Arbeiter vor der Kor- ruption der verruchten Kaserne schützen will? Glaubt man nicht, einen Auszug aus unserem antimilitaristiscben Organ zu lesen, dessen Verbreitung von den Vorgesetzten nach Möglichkeit verhindert wird? ES sind dieselben Artikel, die wir in unsere» Blättern bringen und die. seien sie auch noch so gemäßigt, von dieser selben klerikalen Poesse den Behörden und selbst den Gerichten angezeigt werden. Hus der Partei. Mit den preußischen Landtagswahlcn beschäftigte sich auch die Konferenz für den Wahlkreis L i e g n i tz» Goldberg-Haynau. Beschlossen wurde, da die sozialdemo- kratischen Wahlmänncr auch diesmal wieder wie bei der letzten Wahl sicher ausschlaggebend zwischen Konservativen und Freisinnigen sind, den letzteren nur Wahlhilfe zu leisten, wenn diese s i ch zur Abtretung eines Mandats an die Sozial- d e m o k r a t i e verstehen._ Gcmrindcwahlerfolg. Einen Gemeinderats Wahl erfolg. letzten Sonntag in dem schtvarzen unterelsässischen Schlettstadt stattgefundeneu Ersatzwahl für erhielten nur drei Kandidaten die erforderliche wovon einer der Fortschrittspartei angehört und zwei Sozial- demokraten sind>807—890 Stimmen). Die ZentrumSkandidatcn blieben mit 544—708 Stimmen im Hintertreffen. Bei der am Kreisstädtchen 6 Mitglieder Stimmenzahl. Bildungsarbcit. In Nürnberg tagte am Sonntag eine Konferenz der Bildungs- ausschüsse Mittelsrankens, um über eine planmäßigere und einheit- lichcre Organisation der Bildungsbestrebuugen zu beraten. Auf einen einschlägigen Bortrag der Genossin Klara Zetkin- Stuttgart folgte eine sehr ausgedehnte Diskussion, in der sich sämtliche Redner für die Errichtung eines Bezirksausschusses für Mittelfrauken aus- sprachen, die dann auch, unter Festsetzung der Satzungen, einstimmig beschlossen wurde. Noliseilicbes. Gerichtliches ukw. Die abgewiesenen RcichSvcrbiindler. Der durch seine vielen Klagen gegen sozialdemokratische Redak» teure unrühmlich bekanntgewordene Generalsekretär des ReichSver- bandes gegen die Sozialdemokratie, Karl K o m o l l in Hannover, hat jüngst abermals Schiffbruch mit einer Klage erlitten. Der Herr Generalsekretär und zwei weitere vom Reichsverband besoldete „Arbeitersekretäre" fühlten sich beleidigt durch Ausführungen in der für den 14. hannoverschenReichstagswahlkreiS geschaffenen Wahlzeitung „Fackel", in der dem Reichsverband aus einige vpnihm verbreitetete Flug- blätter die nötige Antwort gegeben wurde. Der Verleger der„Fackel", Gen. August Hoffmann in Celle, wurde als Angeklagter vom Schöffen- gericht in Gifhorn zu 25 M. Strafe verurteilt. Da diese Strafe den Herreu Reichsverbändlern zu gering erschien, legten sie Berufung gegen daS Urteil ein und sie erlitten eine unangenehme Uebcr- raschung. da Genosse Hoffmann freigesprochen wurde. DaS Landgericht stellte fest, daß nach Z 21 des PreßgesetzeS, auf den sich das Urteil des Schöffengerichts stützt, der Angeklagte sich in diesem Falle keiner Beleidigung, sondern eines besonderen Preß- delikts schuldig gemacht habe. ES gäbe keine fahrlässige Beleidigung gemäß Z 21 des PreßgesetzeS. Eine solche Annahme würde zu ganz unhaltbaren, die Grundbegriffe des �-trafrcchts untergrabenden Konsequenzen führen.— Auch das Ober« landeSgericht in Celle hat diese Ansicht als richtig bestätigt. Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage. LrCtztc Nachrichten. Fortgesetzte Obstruktiv» gegen das Llriegslcistungsgcseh. Wien, 17. Dezember.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Im Verlaufe der zweiten Lesung des KriegsleistungSgcsetzes erklärte Landesvcrteidigun�sminister von Georgs, die Vorlage stelle lediglich eine Kodifikation des Kriegsiwtrcchts dar und schaffe keine neuen Machtbefugnisse für die Staatsgewalt, vielmehr lege sich die Militärverwaltung durch das Gesetz Schranken auf. die im Kriegs- notrccht nicht enthalten seien. Der Minister hob inshesondere das mr die Bevölkerung wertvolle Prinzip der Entschädigung hervor. Ein nicht voreingenommener Beurteiler könne in dem Gesetz nur einen Vorteil für die Bevölkerung erblicken, da ihr zwar Pflich- ten auferlegt, andererseits aber auch die gesetzlichen Grenzen ihres Pflichtenkreises festgesetzt würden.(Lebhaftcr Beifall.) Mehrere Redner wandten sich in entschiedener Weise gcgendieObstruk» tion der Tschechisch-Radikalen. � Ter Slowene V c t• tovsct hielt eine dreistündige Rede, worauf der Tschechisch-Radikale F r e s l um acht Uhr abends das Wort ergriff. Er beabsichtigt eine Dauerrede zu halten. Ter Attentäter Äuvacs freigesprochen. Budapest, 17. Dezember.(W. T. B.) In dem Prozeß gegen den Abgeordnete» Kovacs, der seinerzeit in der Sitzung auf den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Grafen T i s z a, geschossen hatte, verneinten die Geschworenen die Schuld- f rage, worauf der Gerichtshof den Angeklagten freisprach. Kovacs wurde nach sicbenmonatiger Untersuchungshaft frei- gelassen. Selbstverwaltung der russisch-pvlnischen Städte. Petersburg, 17. Dezember.(W. T. B.) Ter Reichsrat begann heute die Beratung der Eesetzesvorlage betreffend die Reorganisation der Städteverwaltung im Zartum Polen. Es wurde beschlossen, die Frage abermals einer Kom- Mission zu überweisen. Die Vorlage errichtet die Selbst- Verwaltung in den Städten Russisch-Polens. wobei das Wahlrecht alle Grundbesitzer sowie' ein Teil der Wohnungsmieter erhalten. Die Wähler bilden drei Kurien, von denen je eine aus den Russen, Juden und den übrigen Wählern gebildet wird. Außer der russischen«prachc wird auch die polnische Geschäftssprache zugelassen._ Deutsche Opfer der Eisenbahnkatastrophe aus Sizilien. Rom, 17. Dezember. lW. T. B.) Unter den beim Eisenbahn- Unglück bei Mangans getöteten Passagieren befindet sich auch ein Toter, dessen Paletot die Firmenangabc eines Frankfurter Schncidergeschästs trug. Man vermutet in dem Toten einen Deutschen. Wie„Giornale d'JtaUa" meldet, sollen sich unter den Verunglückten drei Deutsche befinden. Ein späteres Telegramm meldet, daß es sich bei einem der Toten um einen Deutschen namens Rudolf Rosenberg aus Frankfurt a. M. handelt. Hochwasser im Ruhrgebiet. Hagen, 17. Dezember.(P. C.) Infolge des plötzlichen Un- Ivetters führt die Ruhr Hochwasser; an verschiedenen Stellen ist die Ruhr über die Ufer getreten. Die bergischc Kleinbahn Stoelc— Ruhr hat infolgedessen den Betrieb einstellen müssen. Auch aus allen Gegenden des Sauerlandcs kommen Meldungen über Hock»- Wasser und dadurch angerichteten Schaden. Zahlreiche Chausseen ind überspült und ungangbar. Das Wasser ist noch im Steigen be- griffen.._ Der Untergang der„West Hinder". Brüssel, 17. Dezember. sH.-B.) Der Untergang des belgischen Leuchtschiffes„West Hinder" hat, wie jetzt feststeht, den Tod von 10 Mann zur Folge'gehabt. Man nimmt an. daß das deutsche Schiff„Ekbatana" den Zusammenstoß herbeigeführt und dann sei» Leichterschiff„Minno" verloren hat, das dann wieder später mit dem Dampfer„Scpdlitz" zusammengestoßen und mit der Be- mannung gesunken ist. Die„West Hinder ist nach dem Zusammen- stoß durch ein deutsches Schiff gesichtet worden, lehnte aber jede Hilfe ab. PgraniäTRedakt.: AlfredMelrpp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: vi. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanital« PaulSmgerLCo..BerlinLW. H.erzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. i«. 295. 2S.Z-H-,.., i. Keilllge des LllMlirts" Kerlimr MldslllM. Mmch.l8.sq«w.9.2. LI» keichzverbanäsprozek vor«lem üismmergerlcht. Dr. Franz Ludwig, ein Hauptgeschästsführer deZ Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, hat ein Buch „Kommunalpolitik und Sozialdemokratie", das im Vorwort als „solide Waffe" gegen die Sozialdemokratie angepriesen wird, verfaßt. Wir kennzeichneten dies Buch an der Hand von Tatsachen als „Schwindelwerk". Dr. Ludwig klagte deshalb wegen Beleidigung und erzielte auch vor dem Schöffengericht die Verurteilung unseres verantwort- lichen Redakteurs, des Genossen Richard Barth, zu drei Wochen Gefängnis. In der Berufungsin stanz wurde der Wahrheitsbeweis angetreten, die Strafkammer des Landgerichts erkannte darauf auf 200 Mark Geld- strafe wegen Verstoßes gegen§ 186 beb Strafgesetzbuchs. Das Landgericht stellte in seinem Urteil fest, daß Dr. Ludwigs Buch verschiedene objektive Unrichtig- keiten hinsichtlich der kommunalen Wirksamkeit der Sozial- denwkratie enthalte und daß die Ludivigsche Darstellung bestimmter kommunalen Vorgänge eine gewisse tendenziöse Einseitig- keit nicht verkennen lasse. Zur Schuldsrage wurde dann in dem Urteil ausgeführt, daß gleichwohl' eine Beleidigung aus§ 186 an- zunehmen sei. Denn, wenn das Werk Dr. Ludwigs ein Schwindel- werk genannt werde, so enthalte das gegen Dr. Ludwig den Vor- wurf des Schwindels. Es werde also die Tatsache behauptet, er habe die Unrichtigleiten wider besseres Wissen in dem Werke gebracht. Das aber habe Barth nicht beweisen können. Auf Grund der Beweiswürdigung sei nicht anzunehmen, daß Dr. Ludwig wider besseres Wissen die objektiv unrichtigen Angaben über einzelne Fälle in seinem Buche gemacht habe. Gegen daS Urteil legte Dr. Ludwig Revision ein. über die gestern der zweite Strafsenat des Kammergerichts unter dem Borfitz des Senatspräsidenten Dr. Roth verhandelte. Der durch Justizrat Stölte vertretene Privatkläger fühlte sich dadurch beschwert, daß Barth nicht zu Gefängnis verurteilt war. Das Kammergericht verwarf die Revision des Dr. Ludwig. In seinen Gründen führte es auS: In erster Linie rüge die Revision, daß die Verteidigung des Dr. Ludwig beschränkt worden sei. Zunächst werde hierbei schon übersehen, daß derjenige, der die Rüge erhebe, sich gar nicht in der Stellung des Verteidigers gegen eine Klage, sondern in der des Angreifers befunden habe. Der Angreifer könne aber eine Rüge über die Beschränkung der Verteidigung überhaupt nicht erheben. Außerdem handele es sich nur um prozessuale Vorschriften, deren Verletzung vor dem Straf- senat des Kammergerichts nach dem Gesetz nur ausnahmsweise niünd- lich dann gerügt werden können, wenn die Ablehnung von Beweisanträgen mit Unrecht unter Verstoß gegen materielle Rechtsnormen für un- erheblich oder unzulässig befunden worden seien. Solcher Fall liege hier nuyt vor. Wenn weiter von der Revision gerügt werde, daß nicht§ 186 hätte angewendet werden dürfen, weil es sich im Artikel des„Vorwärts" nicht um Behauptung unrichtiger, ehrenrühriger Tatsachen, sondem mn reine Schmähungen gehandelt hätte, so sei auch diese Rüge zu verwerfen. Denn sowohl nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts, als nach der des Kammergerichts gehöre die Aus- legung einer beanstandeten Aeußerung zu den tatsächlichen F e st st e l l u n g e n, an die der Revifionsrichter gebunden sei. ES komme hinzu, daß im vorliegenden Falle der Erfolg der Rüge auch nur der sein könnte, daß eine Verurteilung auS§ 18S ein- zutreten hätte. Der PrivatNäger könne aber dadurch nicht be- schwert sein, daß Angeklagoer nicht auS§ 185, sondern auS dem schwereren§ 136 verurteilt sei. Möglich wäre ja auch eine Ver- urteilung aus beiden Paragraphen, auS 8 183 und§ 186. Die tatsächlichen Feststellungen des Vorderrichters schlöffen das hier aber völlig aus. Die Meinung endlich, daß die Straf- zumessung zugunsten des Verurteilten auf einem Rechts- irrtum beruhe, entbehre einer zureichenden Grundlage. Somit könne die Revision des Privatklägers Ludwig keinen Erfolg haben.— kleines feuilleton. Sechstagerennen. Das große Ereignis der Zeitgeschichte, das Sechstagerennen, eine angebliche Sportveranstaltung, die Heuer in Dresden stattfand, ist, wie die Depeschen melden, in einer der letzten Sonnabend-Sonntagsnächte zu Ende gegangen.„Sieger wurden das Paar Lorenz-Saldow, die 3728 Kilometer zurücklegten. Sie haben damit die vorjährige Strecke um 75 Kilometer über- boten!" Welche erhabene Leistung, in sechs Tagen fast den zehnten Teil des Erdumfanges durchrast zu haben, durchrast in einer Strecke, die der Geschäftsgeist zu einer Rennbahn in einem Hause zusammen- gewickelt hat I— Jetzt lesen wir. daß auch in New Dork ein Sechstagerennen stattfand. Und wir möchten uns deß beinahe freuen I Denn wenn man sich in Europa mit einem Sechstagerennen„begnügt", so er- fordert die Sport„ehre" Amerikas eigentlich mindestens ein Zehn- tagerennen. Nicht etwa als Reverenz vor dem Dezimalsystem, nein, weil eben Amerika stets„das Größte" haben mutz, größer als überall wo anders.— Da fliegen nun die Kabeldepeschen durch daS Weltmeer, da tclefunkt es durch den Nebel und den Sturm, und die Blitze durchzucken den Weltäther. Aber was tragen sie auf den leichtbeschwingten Wellen? Die ungeheuer wichtigen und Welt- erschütternden Angaben über den Stand des Rennens. Man scheut keinen Aufwand; die Veranstaltung kostet Zehntausende Mark, und rechnet man das Drum und Dran, die Depeschen, die Pressenach- richten, den Zeit- und Geldaufwand der Teilnehnienden usw., so qehts in die Hunderttausende. Und die Sieger sind große Helden des Tages, viel viel angesehener als die großen Helden der stillen und zähen Arbeit, die im Laboratorium, in der Studierstube, in Hütte und Werkstatt und draußen in Feld und Wald geleistet wird.... Jever empfindende Mensch sollte sich mit Abscheu von dieser Produktion trostloser und trotlelhafter Söldlinge des Kapitals und der brutalen Instinkte einer schaulustigen unerzogenen Menge abwenden. Die zivilisierte Welt blickt mit Verachtung aus die roben Stierkämpfe auf der iberischen Halbinsel. Und doch handelt es sich da weniger am Schinden von Menschen als von unvernünftigem Vieh. Wenn aber lebende Wesen, die die Ehre genießen. Menichenantlitz zu tragen. sechs Tage hintereinander unter Aufwand aller medizinischen Er- rungenschasten und Slimulantieii in einem und demselben Raum auf einer und derselben Bahn immerwährend Tag und Nacht stieren Blick?« herumjagen, nur aufblickend, um zu sehen, ob Konrurrenten auch nicht„vorstoßen" oder mit der Schadenfteude über einen neuen Gefallenen auf der ekelhaften Jagd, so ist das eine völlige Vertierung und Ertölung aller Menschenwürde. Kinokongreß. Der Schutzverband deutscher Lichtbildtheater hat nach Berlin den ersten deutschen Kinokongreß einberufen. Am Dienstag wurde er im„Deutschen Hofe" unter Teilnahme der un- vermeidlichen Ordens- und Titelträger eröffnet. Ein Kaiserhoch auittierte für die Sympathie höchster und allerhöchster Herrschasten. Sie sind dem Kino natürlich hold, den» es ist cm prachtvolles, Instrument für Byzantinerei und patriotische Reklame.» Erwiesen ist, daß das Ludwigsche Buch Unwahrheiten enthält. Die Verurteilung ist dennoch erfolgt, weil der„Vorwärts" ange- nommen hätte, Dr. Ludwig, der sein Werk als„solide Waffe" anpreist, habe gewußt, daß die„solide Waffe" die Unwahrheiten enthält. Kurios, daß ein Schriftsteller gegen solches Urteil noch Revision einlegt._____ Die industrielle€ntwickelung der Schweiz. Im Gegensatz zu der Praxis der deutschen Fabrikinspektoren, die die Betriebsstatistik jedes Jahr fortführen, nimmt die schweize- rische Fabrikinspektion nur in längeren Zwschenräumen neue stati- stischc Erhebungen vor. Soeben hat sie einen starken Folioband über die Fabrikstatistik vom 5. Juni 1911 veröffentlicht, nachdem die vorausgegangene letzte Erhebung am 5. Juni 1901, also genau ein Jahrzehnt vorher, stattgefunden hatte. Gegenüber der deutschen Fabrikstatistik unterscheidet sich die schweizerische allerdings, und zwar zu ihrem Vorteil, durch größere Vollständigkeit. Sie bietet nämlich nicht nur eine Uebersicht über die Zahl der Betriebe und der Arbeiter, nach Industrien und Kantonen geordnet, sondern auch über die Nationalität der Arbeiter, was bei der starken Vertretung ausländischer Arbeiter in der Schweiz von ganz besonderer Be- deutung ist; über die Arbeitszeitverhältnisse und über die mechani- schen Betriebskräfte. Eine vergleichende Uebersicht über die Betriebe und Arbeiter in den letzten 30 Jahren bietet folgendes Bild. Es wurden gezählt: 1882 1888 Betriebe.. 2 642 3 786 bezw.... 100 143,3 Arbeiter... 134 862 159106 bezw.... 100 117,9 Diese Zahlen bekunden eine stete 1895 4 933 1911 7 785 1901 6 080 186,7 230,1 294,6 200199 242 334 323 841 184,4 179,7 243,8 bedeutende und Weiter- entWickelung der schweizerischen Fabrikindustrie. Einen reinen Vergleich gestatten aber nur die Zahlen von 1901 und 1911, da in diesen zehn Jahren keinerlei Aenderungen in der Anwendung des Fabrikgesetzes vorgekommen sind, und da ergibt sich nun. daß in diesem zehnjährigen Zeitraum die Betriebe um 28 Proz., die Ar- beiter aber um 33 Proz. sich vermehrt haben. Bemerkenswert ist die fortschreitende Industrialisierung der bisher vorwiegend land- wirtschaftlichen Kantone(Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Ober- und Unterwalden, Zug, Freiburg, Graubünden, Thurgau, Waadt und Wallis), die durch die vorhandenen reichen Wasserkräfte und ein einheimisches bedürfnisloses Proletariat gefördert wird. Von den Industrien ist die Textilindustrie im Rückgang begriffen, während die Holzindustrie, Metall- und Maschinen- sowie Uhrenindustrie eine» relativ bedeutenden Aufschwung erfahren haben, wie folgen- der Vergleich veranschaulicht: Betriebe Arbeiter IL Papierindustrie... Holzindustrie... Metallindustrie.. Riaschineniudustrie. Bijouterie und Uhren Erden und Steine. Ganz richtig wird übrigens im Berichte bemerkt, daß aus dem Rückgang der Arbeitcrzahl nicht immer aus einen solchen der Pro- duktwn, auf eine Notlage der Industrie, geschlossen werden darf. Die Maschine ersetzt oft Arbeiter, und verbesserte Maschinen leisten mit weniger Bedienungsmannschaft mehr, als eine größere Zahl von Leuten mit wenigen guten Einrichtungen. In dem einen und andern Falle mag dem Rückgang der Zahl der Fabrikarbeiter eine Vermehrung der Heimarbeiter gegenüberstehen, die indes von der Fabrikstatistik nicht erfaßt worden sind. Im Gesamtdurchschnitt stieg die Arbeiterzahl pro Betrieb nur von 41 auf 42. allein die Tendenz zum Großbetrieb kommt denn- noch in den einzelnen Industrien deutlich zum Ausdruck. So kamen in der Stahlindustrie im Jahre 1911 auf einen Betrieb 424 Arbei- ter gegen 294 in 1901; in den Roheisen-, Walz- und Hammer- werken 278 gegen 230; Gießerei und Maschinenbau 91 gegen 64; Kunstseide 243 gegen 201; Schokolade 241 gegen 116 usw. Hand in Hand damit vollzog sich eine Vermehrung der Großbetriebe in der Klasse mit 200 bis 300 von 293 auf 297 und der Klasse mit über 300 Arbeitern von 711 auf 962 Arbeiter pro Betrieb. Die größten Betriebe weist die Maschinenindustrie aus, die zwar nur 7,2 Proz. aller ihrer Betriebe, aber 61,4 Proz. aller Arbeiter in den.Größen- klaffen von 200 bis über 300 Arbeiter hat. Von besonderem Interesse ist die Zusammensetzung der Arbeiter- schaft nach dem Geschlecht und die eingetretenen Verschiebungen in den bezüglichen Verhältnissen. 1911 wurden 211 077 Arbeiter und 117 764 Arbeiterinnen gezählt gegen 130 203 bezw. 92 331 in 1901. Die Zunahme der Arbeiterinnen betrug in der Vcrglcichsperiode 27,7 Proz., die der Arbeiter aber 40,3 Proz. Der Anteil der Arbei- terinnen an der Gesamtarbeiterschaft belief sich auf 33,8 Proz., während er 1901 38,1 Proz., 1893 40 Proz., 1888 43,8 Proz. und 1882 48 Proz. betrug. Bei steter absoluter Vermehrung der Zahl der Arbeiterinnen ist ihr relativer Anteil an der Gesaintarbcitcr- schaft zurückgegangen, da die Zahl der männlichen Arbeiter noch rapider wuchs. Das hängt zusammen mit der EntWickelung der einzelnen Industriezweige und mit dem weiteren Umstand, inwic- weit sie Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen. Relativ am meisten zugenommen hat die Frauenarbeit in der Uhrensteinindu- strie(die 1601 weibliche und 944 männliche Arbeiter beschäftigt) von 36 auf 62 Proz., dann folgt die Baumwollindustric mit 33,7 gegen 50,8 Proz.; in der Leinenindustrie dagegen ist sie von 60,7 auf 86,3 Proz. zurückgegangen. Jedenfalls stehen die Prolctarierinnen alle in irgendeinem Lohnverhältnis. Auch die jugendlichen Arbeiter haben eine weitere Vermehrung erfahren, von 33 272 auf 31 135 oder um 43 Proz. Ihr Anteil an der Gesamtarbeitcrschaft ist von 14,6 auf 13,3 Proz. gestiegen, wo- bei es sich namentlich um die Schifslistickerei handelt, von deren gesamten Arbeiterschaft sie mit 32,3 Proz., ein Drittel, ausmachen. Dem Gcschlechte nach verteilen sich die Jugendlichen, in denen es sich um die Altersklassen von 14 bis 18 Jahren hai öelt, mit 23 469 auf das männliche und 27 686 auf das weibliche Geschlecht, gegen 16 669 bezw. 18 603 in 1901, so daß die Mädchen in beiden Zähl- jähren die Mehrheit unter den Jugendlichen hatten. In manchen Industrien, wie z. B. in der Uhren- und Bijouterieindustrie, ist der Zuwachs der Jugendlichen größer als der der gesamten Arbeiterschaft. Die Altersklasse von 18 bis 30 Jahren umfaßte 1911 245 349 (164 198 männliche und 61 361 weibliche) Personen gegen 184 771 (117 397 bezw. 67 374) in 1901; die Altersklasse von über 30 Jahren 32 137(23 410 männliche und 8727 weibliche) gegen 22 491(16 137 männliche und 6334 weibliche) in 1901. Drei proletarische Gene- rationen, vom 14jährigcn Enkel bis zu der über 30 Jchhre alten Großmutter, gehen in die Fabrik, zu der sie auf Lebeichzeit ver- urteilt sind. 28 332 Arbeiterinnen wurden ermittelt, die einen eigenen Haushalt zu besorgen haben. Im Jahre 1901 war nur nach den verheirateten Arbeiterinnen gefragt worden und wurden deren 24 042 ermittelt, von denen 11 786 Kinder im Alter von unter 12 Jahren hatten. Die Arbeiterinnen mit eigenem Haushalt mach- ten 1911 aller oder nicht ganz Ys der iiber 18 Jahre alten Arbeiterinnen aus. Wie viele davon verheiratet, wie viele ledig sind, weiß man nun nicht; es ist jedenfalls anzunehmen, daß die überwiegend große Mehrzahl der Arbeiterinnen mit eigenem Haushalt verheiratete Frauen sind. Sehr charakteristisch schrieb ein Fabrikant auf den Fragebogen,„von mehr als der Hälfte der in seiner Fabrik arbeitenden Frauen seien die Männer zu Hause beschäftigt oder sie arbeiten in anderen Brufen". Das soll vielleicht heißen, bemerkt der Verfasser dazu,„die Männer besorgen das Hauswesen". Der Arbeiter als Hausfrau, Köchin, Putzeri». Wäscherin, Kindcrerzieherin usw. erschien ehemals nur in den Schil- derungen der rückständigsten englischen Fabrikdistrikte und nun- mehr ist er, auch in der Schweiz keine seltene Erscheinung mehr. Und da verleumden die kapitalistischen Nutznießer dieses Systems die Sozialdemokratie, daß sie die Ehe abschaffen und die Familie zerstören wollen. Sie verkündigen indes in diesen haltlosen Vor» würfen nur ihre eigene Schuld. Der Nationalität nach verteilten sich die Fabrikarbeiter in her Schweiz in den beiden letzten Zähljahren so: 1911 1901 Schweizer...... 235 508 202 466 Deutsche...... 26 116 18 375 Franzosen...... 5 973 4 204 Italiener...... 34 398 14 028 Oesterreicher..... 5 869 8063 Andere Nationalitäten. 1076 398 Total. 328 341 242 534 Vom Zuwachs von 86 000 Arbeitern entfällt allerdings der größte Teil mit 33 000 auf die Schweizer; aber relativ hat sich Der Kongreß steht natürlich unter dem Einfluß des Kinokapitals, dessen Interessen er durchsetzen soll. Der Generalsekretär des Schutz- Verbandes Dr. Meseritzer plädierte denn auch für das Kino voll und ganz und auf der ganzen Linie. Das Aushängeschild: Hebung und Veredlung des Kinos, wird freilich an die Fassade ge- hängt. Aber das Kinodrama, das Sammelbassin des Unkünstleri- schen, des Grausigen und Sensationellen, wird als der Eckstein des Kinos hingestellt. Es ist eine Existenznotwendigkeit für das Film- theater, die inan nicht ausmerzen kann. Das Kino erzieht für daS Theater, es ist ein Mittel zur Bereicherung des allgemeinen Wissens und kann die Volksseele vor der Berflachung bewahren(ungefähr dasselbe ließe sich auch vom Kolportageroman und Kultureinrich- tungen wie„Die Woche" und ähnlichem sagen). In weiteren Referaten wurde von zwei Schulmännern die Be- deutung des Films für den Unterricht behandelt. Zum Thema 51 o nzessi ou und Theater sprach Dr. Treitel. Er kritisierte den Entwurf zum Reichstheatergesetz, der für das Kino Konzessionspflicht verlangt und wünscht eine Einschränkung der Polizei- lichen Zensurbefugnis, die in Berlin z. B. alle Stticke mit Verbrechen oder Vergehen verbieten. Die Berliner Zensur wurde hiersuf von Prof. Brunner. dem Kino- Dezernenten beim Polizeipräsidium, teidigt. Nur aufreizende FilmS werden verboten, der Mißbrauch de<»! Kinos zu verwerflichen Zwecken ist im Interesse unserer Jugend und Volksgesundheit zu verhüten. Mit dem Kongresse ist eine von 50 Firmen beschickte Ausstellung verbunden, die alles mit dem Kinowesen irgendwie Zusammen- hängende vom Sessel bis zum Sauerstoffapparat vorführt. Das Theater der Wiener Freien Bolksbiihne. Aus Wien wird uns berichtet: Das Schauspielhaus Stefan Großmanns und Artur Rundts, das aus der„Freien Volksbühne" hervorgegangen ist, hat nach vielen Schikanen der Behörde in einem Notiheater Unterkunst gefunden, an dem freilich nur die Tatsache an, hübschesten ist, daß eine werdende Kinostätte der ernsten Kunst gewonnen wurde. Bewundernswert bleibt vor allem die Kunst, mit der die Leiter der Bühne die innere Ausstattung ini letzte» Augenblick nach ihren Geichmacksbegriffen umzubiegen verstanden, bewunderns- wert die technische Anordnung von Bühne, Zuschauerraum und Garderoben, denn ein für andere Zwecke Halbfertiges mußte hier im letzten Augenblick in ein neues Ganzes umgewandelt werden. Die Premiere allerdings— Nestroys„Kampl"— ließ zu wünschen. Aber eine Premiere beweist nichts für die Spielkraft eines Thealers ! und was man uns für die Zukunft verheißt: Hebbel, Eulenberg, Schmidt-Bonn und den ganz jungen Oesterreicher Hugo Wolf, das übertrumpft weitaus den Beginn. Unter den Schauspielern ist eine Menge jugendliche Zukunft, die nur der bildsamen Regiffeurhand I bedarf und in Großmann wohl auch finden wird. ! Parfifal im Kino. Während die Wagnerianer vom reinsten Ritus noch eine Bewegung zugunsten einer Verlängerung der Schutz- frist zu Wagners Weihcspiel„Parsifal" zu erwirken suchen, sind die fixen Theaterunternchmer schon längst bei den Vorbereitungen, das Werk kapitalistisch auszuschlachten. Allen voran das sympathische Spielhöllcntheater in Monte Carlo. Auch das Kino hat rechtzeitig die Beute gewittert. Schon hat ein Turiner KinemawgraphenhauS Aufnahmen vom„Ring des Nibelungen" und vom„Parsifal" her- stellen lassen. Kosten sind nicht gescheut und in romantischen Szenerien, in pompösen Bildern, strahlenden Rüstungen und löst- lichen Gewändern wird geschwelgt. Was aus dem Geist de? Werke? wird, kümmert die Tempelschänder natürlich nicht. Humor und Satire. Das ewige Christkind. „Im Kuhstall ward ein Gott geboren, Der Vater ist ein armer Mann—" Der Esel spitzt die langen Obren, Dieweil er's nicht begreifen kann. Ein Gott in grober Barchentwindel— O sagt: wo bleibt da die Vernunft? Grad heuer sucht so viel Gesindel In einer Großstadt Unterkunft. Was gilt'S? Bevor es sechs geschlagen, So um den ersten Hahnenschrei, Kommt schon der gelbe Zeiserlwagen Und schafft sie auf die Polizei. Und fehlt eS ihnen an Papieren, So kann der Kerl mit Weib und Kind Noch in der Nacht dahin spazieren, Von wo sie hergekommen sind. O gebt der Mutter eine Lilie In ihre magre Dulderhand! Dann ist's die heilige Familie, Die flüchtet nach Aegyptenland. Wir leben noch im Wunderbaren, Die Welt, sie bleibt sich immer gleich. So war es vor zweitausend Jahren, So ist es heut' im Deutschen Reich. DaS Christkind wird stets neugeboren Und aufgesäugt init Not und Leid, Und inimer wär's aufs neu verloren, Vertraut' es auf die Obrigkeit. (Edgar Steiger im„SimplicissimuS".) . Wottzen. — T h e a t e r ch r o n i k. Im Theater am Nollendorf- platz findet außer Mittwoch und Sonnabend noch eine Extra- Vorstellung der Kinderkomödie„Schneewittchen" am kommenden Sonntag nachmittags 3'/z Uhr zu kleinen Preisen statt. — Ein Tunnel unterm Rhein. Die Schiffbrücke zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein soll in den nächsten Jahren durch eine Untcrtunnelung des Rheins ersetzt werden. — Das R i e s e n n, a st o d o n von Alaska. Aus Valdcz in Alaska wird gemeldet, daß in Coffee Creek ein Mastodon auf- gefunden worden ist. das in seiner Größe alle bisher bekannten Exemplare dieser Tierriescn der Urzeit übertrifft. Seine Stoßzähne haben eine Länge von 12 Fuß 6 Zoll. Auch das Haar dieses Mammuth ist merkwürdig gut erhalten. iljt STntci! öon 83,5 auf 77,7 Proz. verminderk, während jener der Ausländer von 16,6 auf 22,3 Proz. gestiegen ist. Von diesen hat sich die Zahl der Italiener weit mehr als verdoppelt und sie sind fast ebenso zahlreich wie alle übrigen Ausländer zusammen. Es ist nicht absoluter Mangel an einheimischen Arbeitern, der den rapid zunehmenden Massentransport von ausländischen Arbeitern veranlaßt, sondern die maßlose Profitsucht der schweizerischen Geld- sackpatrioten, die von ihren Agenten die rückständigsten Gegenden Italiens und Südtirols absuchen lassen, um recht bedürfnis- und anspruchslose Arbeiter und Arbeiterinnen zu erhalten, denen sie Hungerlöhne zahlen. Und gleichzeitig wächst von Jahr zu Jahr die überseeische Auswanderung der Lanoeskinder aus der Schweiz so- wie die Binnenwanderung infolge der Acchtung durch die schwarze Liste, die vielleicht ein ausländischer Kapitalist in der Schweiz gegen proletarische Schweizerbürger aufgestellt hat. Im Verhältnis zu der gesamten Bevölkerung hat die Fabrik- arbeiterschaft ebenfalls zugenommen. Im Jahre 1901 kamen auf je 1000 Einwohner 73,1, in 1911 aber 87,6 Fabrikarbeiter. In den einzelnen Kantonen ist dieses Verhältnis indes sehr verschieden und wechselt von 8,6 bezw. 22,7 im Kanton Wallis bis 229,2 bezw. 222,3 im Kanton Glarus, wobei letzterer zugleich einen relativen Rückgang bekundet. Tie vergleichende Darstellung der ArbeitSzeitverhältnisfe läht die bedeutende Fortschritte auf diesem Gebiete erkennen. In die Berichtsperiode fällt die Verkürzung der Arbeitszeit an den Vor- abenden der Sonn- und Feiertage von 10 auf 9 und der gesetzlichen wöchentlichen Maximalarbeitzcit von 66 auf 64 Stunden. Hatten im Jahre 1901 noch 66 Proz. der Betriebe und 63,8 Proz. der Arbeiter eine mehr als 60stündige Arbeitswoche, so waren es 1911 nur noch 29,4 bezw. 24,2 Proz. und hatten daher 70,6 bezw. 76,8 Prozent eine Arbeitszeit von 60 und weniger Stunden pro Woche. An den ersten fünf Wochentagen hatten 30,8 Proz. der Betriebe und 36 Proz. der Arbeiter eine mehr als zehnstündige tägliche Arbeitszeit und 69,2 bezw. 66 Proz. eine solche von zehn und weniger Stunden, 7 Proz. der Betriebe und 19 Proz. der Arbeiter haben bei einer Arbeitszeit von B% bis 6% Stunden an diesen Tagen den Sonnabrndnachmittag frei. Die Frage des gesetzlichen Zehnstundcntages ist reif zur Lösung. Tie Tendenz zum Großbetrieb kommt auch in der Vermehrung der Motorenbetriebe von 4637 in 1901 6696 in 1911 zum Ausdruck, ferner in der Zunahme der mechanischen Pfcrdekräfte von 323 432 in 1001 auf 712 022 in 1011, wovon 263 240(1901; 37 413) auf die Elektrizität entfallen, die als Betriebskraft den Sieg über alle anderen Kraftarten errungen hat. Also überall Fortschritt und EntWickelung und wirksame Wider- lcgung aller tendenziösen Unternehmerklagen über angebliche Er- schwerung der Fortführung der Produktion durch die Arbeiter- bewcgung. Im Gegenteil ist der bedeutende Aufschwung der schweizerischen Fabrikindustrie in den letzten zehn Jahren nicht trotz, sondern gerade wegen der Arbeiterbewegung erfolgt, die über- all angeregt und vorwärts getrieben hat. 8o2ialeg. Das Wach- und Echiießinftitut Groß-Berlia vor dem Gewerbegericht. Wohl selten vergeht eme Woche, in der unter den Ve« klagten vor dem Gewerbegericht nickt die Firma Wach- und Schließ» institut„Groß-Berlin" G. m. b. H. zu finden ist. Auch gestern wurde vor der Kammer 8 des GewerbegerichtS ein Rechtsstreit gegen die Gesellschaft zum AuStrag gebracht. Der Kläger, ein ehemaliger Wächter D. war diesmal durch den Arbeitersekretär Karl Freier vertreten. Bor Eintritt in die Verhandlung beantragte der Vertreter der Beklagten. Ober- infpektor Lang, den Beistand des Klägers abzulehnen. Das Gewerbegericht sei ein Laiengericht, seine Beifitzer seien Laien und auch die Vertreter der Varteien durften nur Laien sein. Der Bei- stand deS Klägers sei Arbeitersekretär, zur Rechtsauskunft am .Vorwärts" angestellt und dürfte deshalb vor dein Gewerbegericht nicht als Vertreter austreten. Denn er betreibe die Vertretungen geschäftsmäßig. Freier betonte, daß er kein Jurist von Berus sei. Er erteile in der juristischen Sprechstunde des„Vorwärts" Auskünfte. Vor dem Gewerbegericht habe er erst einmal jemand vertreten und zwar nicht in Verbindung mit seiner beruflichen Tätigkeit. Die Ver- tretung des Kläger habe er unentgeltlich und nur übernommen, weil dieser etwas. hilflos sei. Wenn er nicht als Laie angesehen würde. so wäre es der Vertreter der Beklagten ebenfalls nicht. Denn dieser trete ständig als Vertreter seiner Ge- sellschaft auf. Auf Befragen gab Freier noch an, daß er vor dem Amtsgericht bisher nur in zwei Fällen Dienstmädchen vertreten habe, die nicht in der Lage gewesen wären, einen Rechts- anwalt zu bezahlen. Das Gericht lehnte den Antrag der Beklagten ab. In der Begründung wurde betont, daß das Gericht nicht zu der Ansicht gelangt sei. Freier betreibe die Vertretung geschäftsmäßig. Wenn jemand innerhalb eines JahreS zweimal als Vertreter auf- trete, so könne daraus noch nicht gefolgert werden, daß die Ver- tretung gewerbsmäßig geschehe. In der Sache selbst machte der Kläger verschiedene Forderungen gegen die Beklagte geltend. Er war in der Zeit vom 3. Mai 1911 bis 8. November 1912 als Wächter im Dienste der Be- klagten tätig. Während dieser Zeit wurden ihm allmonatlich 3 Mark vom vereinbarten Lohn für die gelieferte Dienst- kleidung einbehalten. Diese Beträge forderte der Kläger in Höhe von 61.70 M. zurück. Außerdem klagte er 6 M. als zu Unrecht abgezogene Dienststrafe ein sowie 4 Proz. Zinsen für die gestellte Kaution seit 2. Mai 1911.— Freier bezeichnete den Abzug des Kleidergelde-Z als gesetzwidrig und berief sich auf eine Reihe gericht- licher Entscheidungen. Der Abzug verstoße gegen Z»94 des Bürger- lichen Gesetzbuches. Eine Aufrechnung sowie eine Lohnbeschlag- nähme seien unzulässig. Denn der Kläger habe monatlich nur 90 M. Einkommen gehabt. Das notwendige Existenzminimum sei also nicht erreicht worden. Auch die Rechtsprechung der Gewerbegerichte habe d'uruüveg den Standpunkt vertreten, daß die Abzüge für Kleidung bei Droschkenkutschern unzulässig wären. Die Gewerbe- ordnung schreibe weiter vor, daß die Sachen zum Selbstkostenpreis geliefert werden müßten. Die Gesellschaft mache mit der Lieferung der Kleidung außerdem ein gutes Geschäft und beantrage er die Vorlegung der Bücher und eventuell Prüfung durch Sachverständige.— Auch die Dienststrafe sei dem Kläger zu Unrecht abgezogen worden. Der Vertreter der Beklagten bestritt, daß die Gesellschaft init der Lieferung der Dienstkleidung ein Geschäft machte. Diese koste alljährlich Tauseiide von Mark. Der Kläger habe sich auch durch Unterschrift mit dem monatlichen Abzug von 3 M. einver- standen erklärt. Die Dienststrafe wäre zu Reckt abgezogen, denn der Kläger habe sich eines groben Dienstvergehens schuldtg gemacht und außerdem einen Kontrolleur beleidigt. Das Gericht sah den Abzug von monatlich 3 Mark Kleidergeld als gerechtfertigt an. Der Kläger habe den Verlrag mit dieser Bestimmung unterschrieben. Auch habe er sich die 3 M. monatelang abziehen lasten, ohne etwas dagegen einzuwenden. Er habe sich also stillschweigend damit einverstanden erklärt. Die Dienststrafe wäre ebenfalls zu Recht abgezogen und der Kläger mit der Rückforderung abzuweisen. Die Beklagte wurde nur verurteilt. an den Kläger 10 M. Restlohn sowie die Zinsen für die Kaution vom 1. Juni 1911 bis 1. Dezember 1912 zu zahlen.— Von den Kosten fallen»/, der Beklagten und"/, dem Kläger zur Last. A«S dem ordnungspolizeilichen Berleumdungsfeldzng. Durch die bürgerliche Presse geht aus Anlaß der Verhaftung des früheren VorstandsmtgliedeS der Solinger Ortskranken- lasse Albers folgende Notiz:„In Frankfurt a. M. wurde soeben da» Vorstandsmitglied Albers der Solinger Ortskrankenkasse wegen Beteiligung an den Unterschlagungen verhaftet. Albers war nach Luxemburg geflüchtet und dann verschollen. Er war gleichzeitig Geschäftsführer des Solinger Metallarbeiterver- bandes. dessen Kafsenführung ebenfall» Unregel- Mäßigkeiten aufweist. Eine weitere Verhaftung in der Orts- krankenkastenaffäre steht bevor." Wahr an dieser Notiz ist nur, daß AlberS in Frankfurt a. M. festgenommen wurde und zwar wegen Fluchtverdachts. Dagegen stimmt es nicht, daß A. Geschäftsführer der Solinger Verwaltung des MetallarbeiterverbandeS war. Ebenso falsch ist eS, daß er sich als solcher bei der Kafsenführung Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen ließ. A. hatte als früherer Unterbeamter des Metall- arbeiterverbandes fast gar nichts mit der Kaste zu tun. Trotzdem wurde eine genaue Kontrolle der Kasse vorgenommen und festgestellt, daß alles in bester Ordnung war. Außer Albers befinden sich noch drei weitere Personen in Haft, über die selbstverständlich die bürgerliche Presse fast nichts berichtet. Da ist zunächst der R e n d a n t Reinhard, der Kassensührer Shhr und der Arbeitgeb er Vorsitzende Gießmann. Alle drei ge- hören der liberalen Partei an. Der erste und dritte waren bei Wahlen sogar politisch, und zwar für die hier ständig zusammen- gehenden Nationalliberalen und Fortschrittler. tätig. 38„Terroristen" vor Gericht. Vor einigen Monaten verurteilte ein Nürnberger Schöffen- gericht 33 Bauhilfsarbeiter wegen Vergehen gegen den§ 163 der Rcichsgewerbeordnung zu je einen Tag Gefängnis. Diese Sache wurde dieser Tage auch im Deutschen Reichstage skrupellos gegen die„terroristische Sozialdemokratie" ausgebeutet. Am letzten Sonn- abend wurde dieses Schöffengerichtsurteil von einer Nürnberger Strafkammer ganz wesentlich abgeändert und korrigiert. Das Schöffengericht in dem„gemütlichen Bayern" hatte der Aufklärung der Sache wenig Ausmerlfamkeit geschenkt, vielmehr nach einem recht summarischen Verhör allen 38 Angeklagten je einen Tag Gefängnis zudiktiert. Das Schöffengcrichtsurtcil hatte einfach als criviesen angenommen, daß die 38 Sünder an drei christlich organisierte Mitarbeiter das Ansinnen stellten, aus dem christlichen Bauarbeiterverband auszutreten und in den Deutschen Bauarbeiterverband einzutreten. An einem Sonnabend soll dem Leuten Frist bis zum folgenden Montag gestellt worden sein. Am Montag früh sollen die 38 die Aufforderung an die Christen wieder- holt Hecken, verstärkt mit der Drohung, daß die Christen aufhören müssen, wenn sie sich nicht in den Bauarbeiterverband aufnehmen lasse». Als sich die Christen weigerten, überzutreten, hätten die 38 die Entlassung der drei Christen durch Nicderlegung der Arbeit er- zwungen. In der Straflammervcrhandlung stellte sich heraus, daß die Sache völlig anders lag. Einer der„freien Terroristen", der mit verurteilt wurde, war überhaupt nicht organisiert. Einer der Christen war früher im freien Verband organisiert und erst ein paar Wochen vor diesem Vorfall den Christen beigetreten. Er mußte zugeben, daß ihm, trotz dieses Verhaltens, an der Arbeits- stelle keiner der Freiorganisierten terrorisierte. DaS Landgericht erachtete lediglich für festgestellt, daß der Baudelegierte, der dem Deutschen Bauarbeiterverband angehört, die Christen fragte, ob sie übertreten, es war dies morgens vor Arbeitsbeginn. Als die Christen verneinten habe der Baudelegierte zum Bauführer gesagt: „Wir haben drei Christliche unter uns. das tut kein Gut, wir hören auf." Sechs weitere Freiorganisierte sollen dies gehört haben. Als der Baudelegierte sagte, es sei die Arbeitsstelle zu verlassen, ging alles, bis auf die Christen. Der Bauführer holte die Frei- organisierten zurück und entließ die Christen. Recht bezeichnend ist folgende Bekundung des als Zeugen vernommenen Bauführers. Er gab an, es sei, als die Christen entlassen waren, der christliche Sekretär gekommen und habe dem Bauführer das Angebot gemacht, sofort 30 Mann Christen zu stellen, wenn die Freiorganisierten ent- lasse» würden. Der Christ wurde natürlich nicht angezeigt. Einer der Christen bemerkte, als er infolge des„Terrorismus" entlassen wurde:„Dös is mir ganz recht, da kann ich mein« Kartoffel»aus tun(Kartoffeln säen, stecken) und ich bekomm noch Unterstützung dazu." Die Strafkammer bestätigte nur bei 7 der Angeklagten das schöffengerichtliche Urteil und sprach die übrigen auf Kosten der Staatskasse frei. Auch die Verurteilung der sieben ist unhaltbar, denn ß 163 kann nur Anwendung finden, wenn eS sich um einen konkreten Fall„zur Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen" handelt, lieber- dies lag keine Drohung bor. Wird der Reichsverband und die Christenpresse, die diesen Fall auf Grund des Schöffengerichts- Urteils skrupellos ausbeuteten, nun den wahren Sachverhalt mit- teilen? Iiigeuäbewegimg. Christlichsoziale Jugenderziehung. Man weiß, welche Rolle der Alkohol im Dienst« der guten Gesinnung spielt. So wurde in einer Versammlung in Hietzing-Wien eine Einladung des Jünglingsvereins ver- lesen, in der die Mitglieder auf Sonntag zur Kommunion, nachher zu einer Versammlung geladen wurden, wozu„eine Gönnerin ein Faß Bier sowie eine große Anzahl Würstel zur Verfügung stellte". Der christliche Wortführer Dr. Hemala wollte das auch rechtfertigen als Erziehung zur Mäßigkeit. „Wenn wir ein Fuß Bier hinstellen und sagen: ihr dürft nur ein Seidel trinken, so lehrt man sie mäßig sein."— Huq Induftrie und Handel. Der Generaldirektor mit 700000 M. Tantieme. Herr Gerstenberg von der V i k t o r i a zu Berlin, Allgemeine VerficherungS-A.-G.. tritt von seinem Amte zurück. Herr Gerstenberg bezog seit 1888 neben seinem Gehalt 2 Proz. von dem Reingewinn als Tantieme. Da in dieser Zeit der Ueberschuß deS Unternehmens von 1'/, auf 36 Millionen jährlich stieg, hat er eine recht hübsche Summe aus den Beiträgen der Versicherten bezogen. Auch die B o l k» v e r f i ch e r u n g. die bei der Viktoria sehr entwickelt ist, hat zu diesem Gewinn erheblich beigetragen. Herr Gerstenberg also ist mit seinen bisherigen Einnahmen zuftieden, gibt seinen General- direktorposten auf und übernimm» dafür den Vorsitz im AufsichtSrat. An feine Stelle tritt Direktor Thon. Erweiterung der Mannesmannröhren-Werke. Die technischen und wirtschaftlichen Vorteile eineS gemischten Betriebes, der die Produktion der Rohstoffe und die Weiter- Verarbeitung in sick vereinigt, wollen in Zukunft auch die ManneSmannröhren-Werke sich zunutze machen. Auf der gestrigen außerordentlichen Generalversammlung der Werke wurde eine Kapitalserhöhung um 16 Millionen auf 61 Millionen Mark beschlossen. wovon 16 Millionen zur Angliederung der Kohlenzeche Königin Elisabeth dienen sollen. Die ManneSmonnwerke haben ihre Stahl- röhren« und Blechproduktion gerade in den letzten Jahren wesentlich erweitert. Seit 1910 wurde das Aktienkapital um 7.6 Millionen, dann 3 Millionen, und in diesem Frühjahr um weitere 12 Millionen erhöht. Nach Vollendung der Erweiteruugen und Durchführung der Neuanlagen wird bei einer Gesamteisenerzeugung von 700000 Tonnen der Kohlenbedarf 400 000 Tonnen jährlich belragen. Die Zeche Königin Elisabeth produziert weit über diesen Bedarf der Röhren- werke hinaus. Ihre Produktion an Kohle belief sich im Jahre 1911 auf 849 090 Tonnen, an Koks auf 246 000, an Briketts auf 163 000 Tonnen. Durch Uebernahme der Zeche würde für die Röhrenwerke das erforderliche Brenn- Material wesentlich verbilligt, ihr Bedarf von dem Kohlenmarkt un« abhängig werden. Die ManneSinanngesellschaft gewönne weiter Einfluß auf daS Rheinifch-Westfälische Kohlenshndikat, denn die Zeche Königin Elisabeth ist Mitglied des Syndikats. Für die Mannes- mann-Werke bestände dann auch die Möglichkett-»- die auch sicher ausgenutzt werden wird— Roheisen selbst zu erzeugen(der gegen- wärtige Roheisenbedarf beträgt bereits 100 000 Tonnen). Einen beträchtlichen Vorteil erwartet die ManneSmann-Gesellschaft davon, daß die bisherige fteie Zeche Königin Elisabeth im neuen Syndikats- vertrag zu den Hllttenzechen zählen wird, denen eine Selbstverbrauchs- quote zugebilligt wird. Für den Besitzer einer Hüttenzeche ergebe sich daraus ein Mehrnutzen von 3 bis 4 M. auf die Tonne. Für die Mannesmann-Gesellschaft würde der Vorteil etwa 760 000 M., bei Steigerung des Bedarfs sogar V/3 Millionen betragen. Gerichts- Zettung. Was ein Schreibfehler eine? Urteils anrichten kann. Vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg stand gestern alS Privatkläger der Direktor der WirtschaftSgcnossenschaft Berliner Grundbesitzer Dr. jur König dem Dr. jur. Hartmann gegenüber, der Mitglied mehrerer Grundbesitzervereine und Delegierter zum Bunde ist. Letzterer war der üblen Nachrede beschuldigt. Dr. jur König war in den Jahren 1902 bis 1910 Generalsekretär des Bundes Ber- liner Grundbesitzervereine, wurde am 1. Oktober 1910 Direktor der Wirtichaftsgcnossenschajt und als solcher wurde er auch in Angriffs des Dr. Hartmann hineingezogen. Seinerzeit war ein Sclretär des Bundes, der als der Schreiber eines anonymen Briefes ange- sehen wurde, Knall und Fall aus seiner Stellung entlassen worden und hatte gegen den Bund eine Klage wegen Gehaltszahlung ange- strengt. Er hat in zweiter Instanz vor dem Kammergericht obgesiegt. In dem schriftlichen Erkenntnis des Kammergerichts hatte sich nun ein Schreibfehler eingeschlichen, indem eine Behauptung des da- maligen Klägers, wonach Dr. König angeblich versucht habe, einem Zeugen, dem Buchbinder Lippert, unrichtige Dinge in den Mund zu le�en, um ihn zur Bekundung unrichtiger Tatsachen zu bewegen, als eine Aeußerung der beklagten Parte, angeführt wurde. Daß es sich tatsächlich um einen Schreibfehler handelte, ist später vom Kammergericht schriftlich ausdrücklich bestätigt worden. Dieses kammergerichtliche Erkenntnis benutzte Dr. Hartmann zu Briefen. die er an den Vorsitzenden des AuffichtsratS der Wirtschaftsgenossen- ichaft Herrn Lazari und an andere Personen schickte, die in der Berliner Grundbesitzerbewegung eine Rolle spielen. In diesen Briefen wurde ausgeführt:„Aus diesem kammergerichtlichen Urteile „erhelle", daß Dr. K. versucht habe, einen Zeugen zu einer un- wahren Aussage zu bewegen, und Dr. K. erscheine danach in so eigentümlichem Licktc, daß er nicht geeignet erscheine, Direktor der Wirtschastsgenossenschaft zu sein" usw. usw. Dr. König, der Ober- leutnant der Landwehr ist, schickt« wegen dieser Beleidigung dem Dr. H. eine Forderung und machte dem Landwehrbezirkskommando die notwendige Mitteilung. Die Forderung wurde abgelehnt, da- gegen wurde dem Bezirkskommando auch der beleidigende Brief des Dr. Hartmann von diesem zugestellt. Nunmehr erhob Dr. König die Beleidigungsklage. Im gestrigen Termin erklärte der Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Hartmann ausdrücklich, daß er, nachdem der Beschluß des Kammergerichts zur Berichtigung deS Erkenntnisses ergangen, die seinerzeit aus dem Erkenntnis gezogenen Schlußfolgerungen nicht aufrechterhalte.— Der Angeklagte wurde zu 369 M. Geldstrafe eventuell 30 Tagen Gefängnis verurteilt. Butterschwindel. Gegen das unlautere Geschäftsgebaren im Handel mit Marga- rine, durch welches eine grobe Täuschung des kaufenden Publikum» beabsichtigt und auch herbeigeführt wird, richten sich Strafverfahren, die von den beteiligten Verbänden gegen mehrere Kolonialwaren- geschäfte eingeleitet worden sind. Ein derartiger Fall beschäftigte gestern unter Vorsitz des LandgerichtSdireltors Sehmer die 3. Straf- kammer des Landgerichts III. Angeklagt wegen unlauteren Wctt- bewerbs, Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz und daS Gesetz betr. den Verkehr mit Margarine war die Kolonialwarenhändlerin Katharina Scharmovskp aus Lichtenberg. Der Ehemann der Angeklagten, welcher mehrere Kolonialwaren- geschäfte im Osten Berlins und in Lichtenberg betreibt, ist schon sechsmal wegen gewisser unlauterer Manipulationen im Handel mit Margarine, zuletzt mit 300 Mark Geldstrafe vorbestraft. Diese wiederholten Vorbcstrafungen waren auch wohl die Urfache dazu, daß plötzlich die jetzige Angeklagte„Jnhakkerin" der Geschäfte wurve, da Sch. wegen seiner Vorstrafen aus diesem Gebiete bei tiner nochmaligen Anklage mit einer exemplarischen Straf« zu rechnen hatte.— Im Sommer d. I. ließ die Angeklagte auf der Straße Zettel verteilen mit den Worten: S.-R.-B. Butter mit Sahne her- gestellt, Pfund 1 Marli Durch die Buchstaben„S.-R.-B." sollte offensichtlich die Meinung hervorgerufen werden, es handle sich um Süßrahmbutter. Als wiederholt Kunden des Kaufmanns Maaß mit diesen Zetteln zu ihm kamen und ihm Vorwürfe machten, daß er seine Butter viel zu teuer verkaufe, beschloß er, der Sache auf den Grund zu gehen. Er stellte fest, daß es sich bei der„billigen Butter" um garantiert unverfälscht reine Margarine handelt, die von einer Firma in Emmerich mit dieser auf Täuschung hinzielen- den Buchstabenbezeichnung in den Verkehr gebracht wird. Bei einer von der Kriminalpolizei vorgenommenen Probeentnahme in dem Geschäft der Angeklagten wurde weiter festgestellt, daß in der Margarine ein Zettel steckte, welcher die Aufschrift trug:„S.-R.-B. ist von feinster Etzbutter nicht zu unterscheiden, Pfund 1 Mark." Auf diesem Zettel waren nur die Worte„Eßbutter" und„Pfund 1 Mark" fettgedruckt, so daß der Käufer bei flüchtigem Hinsehen zu dem Glauben kommen mußte,-daß dort Etzbutter pro Pfund mit 1 Mark verkauft werde. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß das Publikum gegen derartige unreelle Geschäftsmanöver energisch ge- schützt werden müsse, eine Geldstrafe von 800 Mark. DaS Gericht verurteilte die Angeklagte wegen unlauteren Wettbewerbs zu 50 M. Geldstrafe. Habt auf die Kinder acht! Ein schwerer Straßenunfall lag einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichts» direktors Hesse die 2. Strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt war der 21jährige Kutscher Friedrich Nierenhein. In den Mittagsstunden des 26. September d. I. ereignete sich in der Cauerstraße zu Charlottenburg ein gräßlicher Unglücksfall. Der Angeklagte kam mit einem leeren Eiswagen von der Berliner Straße her die Cauerstraße entlang, und zwar fuhr er in einem mäßigen Trabe. Ihm entgegen kam ein Mörtelwagen, der ziemlich in der Mitte der Straße fuhr, so daß er seine ganze Aufmerksam- keit auf diesen richten mußte, um durch Ausweichen nach rechts eine Karambolage zu vermeiden. In demselben Augenblick kam von rechts hinter einem Wagen hervor ein kleines Mädchen, die 2%' jährige Gertrud Runge, die vergnügt spielend, ohne sich einer Gefahr bewußt zu sein, über den Damm lief und direkt auf das Pferd des Angeklagten zurannte. Im nächsten Moment war das Unglück geschehen. Die Räder des schweren Wagens gingen über den Körper des Kindes hinweg, so daß der Tod augenblicklich eintrat. Die Todesursache bildete, wie die Obduzenten Santtätsrat Dr. Schmi- linsy und Kreisarzt Dr. Kasten, begutachteten, ei» Brucy der Wirbelsäule. Vor Gericht bestritt der Angeklagt«, dem der Tod deS Kindes offensichtlich sehr nahe ging, fahrlässig gehandelt zu haben. DaS einzige, was man ihm zum Vorwurf machen könne, sei. daß er im Trabe gefahren sei. Demgegenüber machte Rechtsanwalt Dr. David- fvhn geliend, daß in dem Trabsahren d«S Angeklagten keine Fahr- lässigkeit zu erblicken fei. Der Fahrdamm fei eben zur Abwickelung eines schnellen Verkehrs da, wenn jeder Kutscher so langsam fahren müßte, daß er seinen Wagen auf der Stelle zum Stehen bringen könne, so wäre der gesamte Fuhrwerlsverkehr illusorisch. Die allei- nige Schuld an diesem Unfall treffe die Mutter. Ein so kleines und unverständiges Kind auch nur einen Augenblick in dem Welt» städtischen Verlehr allein zu lassen, fei eine Fahrlässigkeit, die nicht hart genug beurteilt werden könne. i Das Gericht schloß sich im vollen Umfange den Ausführungen Ses VerIeid!gerZ M uiid erkannt auf koflenlofe FreispreWng Lcs Angeklagten._ Aus einer kleinen Stadt. Unsere Leser entsinnen sich des Situationsbildes, das eine Ge- richtsverhaichlung vor dein Landgericht Stettin am S. Juli über Verhältnisse des Städtchens Fiddichow entrollte. In einem Telegramm an den deutschen Kaiser hatte sich der Kaufmann Johannes Kütbach über den Bürgermeister von Fiddichow beschwert. Er ist deshalb vom Landgericht Stettin am 6. Juli wegen Beleidigung zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte, der bereits mehrfach mit Polizeistrafen bedacht worden war, sandte am 2g. Oktober v. I. an den deutschen Kaiser ein langes Telegramm, in dem er sagte, der Bürgermeister B. von Fiddichow habe den Hotelbesitzer L. in seiner Existenz ruiniert, verschiedene Bürger durch Polizeistrafen derart beeinflußt, daß sie keine Meinung mehr haben, und den Polizeisergcanten H. aus nichtigen Gründen entlassen. Zum Schluß des Telegramms hieß es dann wörtlich: „Seine Majestät räume auf mit derartigen unfähigen Leuten!" Das Gericht hat angenommen, daß es dem Angeklagten lediglich darum zu tun war, den Bürgermeister aus Rache verächtlich zu machen; nicht aber darum, daß bestehende Mißstände abgestellt wer- den. DcNn wenn diese schon lange bestanden, Kar ihre Mstellung nicht so eilig, daß es eines Telegramms benötigt hätte. Von dem Gericht war über eine große Reihe Mißstände Beweis erhoben. Das Reichsgericht verwarf am Montag die Revision. DaS Monarchenvertrauen des Kaufmanns wird durch seine Verurteilung nicht gehoben sein._ Wttternngsübersicht vom 17. Dezember ISIS. Stationen Swinemde, Samburg erltn Franks. aM München Wien E« S= = 5 te'H Bf WSW 755® s» 757,® "StSW 762 32® 759!® Wetter 4 heiter 4!bedeckt SjEmlb 6b. tINebcl 2 Schnee IjRegen eSt §'! i? wS> Stationen Savaranda eterSburg Scillh Abcrdeen Paris II 15 »f 74092 740,9}® 762WNW 748 WSW 763, SSW 1 Wette, bedeckt chnee halb bd. wolkenl loollenl ** ä« I* -16 -5 7 2 1 Wetterprognose für Mittwoch, den 18. Dezember ISIS. Vielfach wolkig, am Tage wieder ein wenig wärmer mit geringen Niederschlägen und ziemlich lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrichte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburealt Wasserstand # Kernet, Tilsit Pregel, Jnstervurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen . Franksurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitnieritz , Dresden t Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beestow Weser, Münden , Minden R h ein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel. Trier >)-st bedeutet Wuchs,— Fall.*) Unterpegel. Nach telegraphischen Meldungen haben Eder, Diemel und Leine Hochwasser von mittlerer Größe. Die reellsten und billigsten Möbel and Polvterwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Scfaalz. Reichenbergcr Straße 6. Größte Auswahl in allen Holz- and Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Eassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung Hut Arno Irl Dr8sc'enerstr- 116 I I I U I LI(KelnLaden)aniOranlenplai2 Hut und Mützen Engrosgeschäft Eiazelverkanf zu auffallend bUli{ea aber festen Preisen I Welche Herrenhüte v. 1,50-6,00 Steife Herrenhüte v. 2,00-7,00 Hur fehlerfreie moderne Ware Nur fehlerfreie moderne WälC« Crösste Auswahl in Motzen und Pelzwaren. 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Telephon-Amt; Kurfürst 8143. wanrenu uvs vroiiinauntovi Heinrieh Seils,' Theaker und Vergnügungen Mittwoch, den 18. Dezember. Ansang 3>/, Uhr. Berliner. Der zerbrochene Krug. Ansang 4 Uhr. Kuriürftenoprr. Dornröschen. Theater am Nollendorfplatz. Schneewittchen. Ansang 7 Uhr. Kgl. SchauspielhanS. Don CarloS. Ansang 7>/z Uhr. Kgl. Opernhaus. DaS Rheingold. Dentsches. König Heinrich IV. 2. Teil. ZirkuS Albert Schumann. Gala» Borstellung. Zirkus Buich. Gala-Borstellung. Anfang 8 ilbr. Urania. Auss Mailerhorn. Hörsaal: Dr. W. Berndt: Ueber seelische Fähigkeiten bei Tieten Kainineriviele. Mein Freund Teddy. Leiiing. Rosenmonlag. Königgrätzer Strahe. Die süns Franksurter. Deutiches Opernhaus. Figaros Schi?lcr�G. Hedda Gabler. Schüler- Gharlotienburg. Die Geschwister. Elga. Berliner. Film, ander. Kleines. Prosessor Bernhard!. Residenz. Prinzenerziehung. Komödi' nhaus. Die GencralSecke. Deutsches Schauspielhaus. Der guisitzende Frack. Thalia. Geschlossen. Triano». Die Erste— die Beste. Kurfürsten-Over. Der Kuhreigen. Vlontis Operetten. Der Frauen- sresier. Theater am Nollendorfplatz. Kismet. Lniien. Die Jungfrau von Orleans. Neues Operntheaier(Kroll). Russisches Ballett. Mole. Gewonnene Herzen. Metropoi. Chauffeur— ins Meiropol. Herrn leid. Die Alpenbrüder. Das ScheidungS-Souper. Groh. Berlin. So bummeln wir. Spezialitäten. Caiino. Am grünen Strand der Spree. Winiergarten. Spezialitäten. Apollo,-.pezialitätew Anfang H'U Ubr. Sehillep-TheaterO.lS: Mittwoch, abends 8 Uhr: Bedda Gabler. Donnerstag, abends 8 Uhr: Bedda Gabler. Freitag, abends 8 Uhr: Im weißen KOUl. Sehilter-Tlieater Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Genchwlater. Flga. Donnerstag, abends 8 Uhr: Beimg'lnnden. Freitag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Deutsches tScbanspielhaas 8 Uhr: Der gutsitzende Frack. Berliner Theater. 8 Uhr: Filmzauber. Tbeater in der OniggrStzer Straße s Uhr: Die fünf fraiihfurtfr. Theater am Nolleiiilorfplatz 5. Nachmittag 4 Uhr: Schneewittchen. 8 Uhr: Kismet. Jeden Mittwoch- und Sonnabendnach« mittag 4 Uhr: Schneewittchen. Reslileni-Tliealer. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Constanze v. Linden; Prinzenerziehung. Morg. u. folg. Tage: Prinzenerziehung. Sonntagnachm. 3 Uhr: Alles für die Finna. Gras Pepi. SchaiisptelhauS. Lnstspielliaus. Friede.- ZLtlb. Grigri. Folie-. Gaprice. In Sachen Katzenftein. Die Doppelsirma. Die Tochter der Braut. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Aniang ti'i, Ubr. Neues Boies heater. Die Doppel« gängertomödte. Ansang 10 Udr. Admiralöpnlaft. EiSballett: Dvonne. '.' Sternwarte, Jnoalidenftr. 67— 62 Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden IUI. AbendS 8 Uhr: Der Frauenfresser. Luisen-Thealer. AbendS 8 Uhr: Mittwoch: Die Jungfrau von Orleans. Donnerstag: Erstauffüh.: Prometheus. Freitagnachmiltag 4 Uhr: Kindcr- Borst.: Goldener das Sonntagskind, Abends: Geschlossen. Wegen der Gineraiprode zu Berlix-Hanibiirg- New Dort. Gr. romanf.-kom.'Aus- s'aitungsstück v. Ernst Rilterseldf. 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Donnerstag: Die Sünden der oberen Zehntansend. Sonnabend 4 Uhr: Goldhärchens Himmelfahrt. Sonnlag 4 Uhr: Hänsel n. Gretel. Voigt-Theater. Gesniidhrnnnen, Badstr. 38. Mittwoch, den 18. Dezemder: FrHIichkMtlhiiiilht. Weihnachtskomödie in 5 Auszügen von Otiomeyer. Kassenerösinung. 7 Uhr. Ans. B'l, Uhr. Sonnabend, 21. 12., nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Dornröschen. �assagjp�giiiiptta Bis inkl. 1. Jannar: Volbstagc! IJedermann I Kind frei. Jedesl 9 Kind erhält ein Geschenk!| |.\lleM ohne Extra-Cnlree!g 50 WILDE Ul C I D C D MÄNNER I n El 1 D C n KINOER! vom Stamme der Igorroten. ! Leben n. Treiben in dem 1 eigens aufgebauten IGOHROTESf- Dorfe I Diese Woche u. a.: Dornenpfade. Gr. Drama in 3 Akten nach d. berühmt. Roman„Oer kleine Jacob" von Jules Olaretie. Max ist wasserscheu! Humoreske gesp. v. Ma* Linder. Im Lande Mohammeds. Aller Anfang ist schwer. Das Woihnaohtswunder. Germania-Prachtsäie N., Chausseestr. 110. K.Richter. Heute Mittwoch: Paul Mantheys lustige änger. 8 Uhr. Eintritt 30 Pf, achtem Freitanz. — V orzugskarten gelten.— Jeden Donnerstag; Gr. Militär-Streich-Konzert anschließend Familienkränzchon. „Clou" MaiiAPCtFaRn ftO_ 3 □ □□ Zirkus Wert Schumann. Heute Mittwoch, 18. Dezemb., abends 7% Uhr Große Sport- Vorstellung mit d. erstklass. Dezemb.-Prog. WM-(Im O'f« Uhr: Der unsictitbare Mensch. Vier Bilder aus Indien. Außerdem: Neu I MIß Belloni mit ihr. dress. Papageien u. Kakadus. Neu! Casablanca, müitär. Spoitakt ausgf.v. Hm.Alb.CarrC und 8 weitere Attraktionen. Neu! Eine Kegelpartie zu Pferde. Erfunden v. Dir. A. Schumann. Prolongiert! Tommy n. Boy, die Wunderbären. Sahary-Djeli La„Mysterieuse". AI Gastspiel IZA Max Linder der weltberühmte Film■ Schauspieler in seinem Sketch; Ans Liebe zumBilhneraugenoperateor Max, der Liebhaber; Max Linder sowie die sensationellen Dezember- Attraktionen. :: Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Berliner Konzerthans-Orchcster, Dir. Fr.». Glon, Kompon. Musikc. SS. 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WMpp, NeuM«. güt gnleratent,ilb«r«mtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Bsrvärt« Luchdruckerei u. VerlagKanWt xaul Sivger u. iSu Lkriin SÄ Nr. 295. 29. Jahrgang. 2. KilW Des Jnrmltls" Sftlitirt WIkslilÄ Mittllioch, 18. Dezember 1912. GcwcrkfchaftUcbca. Die Canfforderungfen der Berliner Holzarbeiter Nachdem sich die Generalversammlung des Deutschen Holzarbeiterverbaudes vorige Woche mit deni von der Orts Verwaltung vorgelegten Vertragsentwurf beschäftigt hatte nahm am Montag die Versammlung sämtlicher Vertrauens� männer zu demselben Stellung.— Glocke besprach in seinem einleitenden Referate die letzten Verhandlungen mit den Unternehmern, die wieder resultatlos verlaufen sind. Der Redner ging auf die bekannten Forderungen des Ver bandes ein und betonte, daß die Arbeiter an denselben fest halten werden, besonders auch an der Beibehaltung der obligatorischen Benutzung des paritätischen Arbeitsnach weises. Der Vorstoß, der— angeblich von Holzarbeitern— in der„Volkszeitung" gegen das Obligatorium geführt wird, ist ein tllampf für die Interessen der Unternehmer. Man sieht ja, wie die„Fachzeitung" alle diese Veröffentlichungen der„Volkszeitung" mit Behagen abdruckt. Wenn es wirklich Kollegen sein sollten, die gerade jetzt, wo die Unternehnrer einen Vorstoß gegen das Obligatorium machen, ihre mit den Unternehmern übereinstimmenden Ansichten in einem kapita listischen Blatte niederlegen, dann kann man solche Kollegen nur als Verräter an der gemeinsamen Sache bezeichnen. Wenn Mitglieder des Holzarbciterverbande� mit gewissen Einrichtungen des Arbeitsnachweises nicht zufrieden sind, dann haben sie jederzeit Gelegenheit in ihren Versammlungen ihre Ansichten vorzutragen und Kritik zu üben. Das ist der Weg, auf dem etwa not wendig erscheinende Acndcrungcn herbeigeführt werden können Für die Kollegen liegt gar keine Veranlassung vor, sich an ein bürgerliches Blatt zu wenden und dadurch das Treiben der Unternehmer zu unterstützen. Uebrigens iveiß man ja gar nicht, wer die Leute sind, die sich an die„Volkszeitung geivandt haben. Die Zuschriften sind ja alle ohne Namens Unterschrift veröffentlicht. Die„Volkszeitung" behauptet aller dings in ihrer Nummer vom Sonntag, die Einsender hätten in allen Fällen gebeten, ihren Namen zu verschweigen, da sie dckn Terrorismus ihrer Kollegen zu fürchten hätten. Aus dieser Bemerkung geht schon hervor, daß die Gewährsmänner der „VolkSzeitung" nicht Mitglieder des Holzarbeitervcrbandes sein können, denn diese müssen doch wissen, daß sie in den Mitglieder Versammlungen voll st e Redefreiheit haben und daß auch über Angelegenheiten des Arbeitsnachweises schon oft in Versammlungen gesprochen worden ist, ohne daß den Kritikern anders als niit sachlichen Gründen entgegengetreten ivnrdc Es ist bezeichnend, daß die„Volkszeitung" in einer Weise. die jedeni Scharfniacherblatt Ehre machen würde, über den Terror lamentiert, unter dem Andersdenkende durch sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter angeblich zu leiden haben sollen. Wenn einzelne auftreten mit der Be- Hnnptung, sie hätten Unannehmlichkeiten zu fürchten falls sie offen ihre Meinung sagen, so ist dadurch noch nicht bewiesen, daß diese Behauptung zutrifft. Es ist eine alte Er fahrung r Wenn jemand, wie das in der Frage des Arbeitsnachweises der Fall ist, eigensüchtige Interessen vertritt und von seinen Kollegen darauf aufmerksam ge macht wird, daß er die Interessen der Allgemeinheit schädigt, dann schreit er, er werde terrorisiert. Solche Leute, die mit ihren eigenen, meist durch persönliche Motive diktierten An- sichten in der Minderheit bleiben, fühlen sich schon dadurch terrorisiert, daß in einer auf demokratischer Grundlage ruhenden Organisation die Ansicht der Mehrheit niaßgebend sein muß. Das sind die Lente, denen die„Volkszeitung" glaubt, daß die Mitglieder des Holzarbeiterverbandes jeden terrorisieren, der eine ihnen nicht genehme Anschauung vertritt. Die„Volks- Zeitung" beruft sich auch auf einen Einsender, welcher behauptet, er habe Unannehmlichkeiten genug, weil er nicht den„Vorwärts" sondern die„Volkszeitung" lese. Was für Unannehmlichkeiten werden das sein ik Die Kollegen werden dem Betreffenden wohl gelegentlich klar zu machen suchen, daß er als Arbeiter recht unklug handelt, wenn er ein Blatt liest, Welches Unternehmerinteressen vertritt, und daß er besser täte, das Arbciterblatt zu lesen. Mancher wird derartige Vorhaltungen, mögen sie noch ff? sachlich sein, als Unannehmlichkeiten empfinden. Aber das muß man schon als selbstverständlich hinnehmen, daß Arbeiter unter ihren Kollegen Propaganda machen für den„Vorwärts", der allein die Arbeiterinteressen konsequent vertritt. Hätte nian die Möglichkeit, die Angaben der„Volkszeitung" über angeblichen Terror durch sozialdemo kratische Arbeiter näher zu prüfen, dann würde sich heraus stellen, daß an dem ganzen Geschrei nichts daran ist und daß die„Volkszcitnng" mit ihrem Artikel in der Sonntagsnummer nur die Geschäfte der Scharfmacher besorgt hat. Nach einem weiteren Hintveis auf die Lage der Tarifbcivegung schloß der Redner mit dem Ersuchen an die Kollegen, sich'kampfbereit zu halten, damit die Maßnahmen der Unternehmer an der festen Organisation des Holzarbeiter- Verbandes zuschanden werden. Es folgte eine rege Diskussion, die sich auf die Einzel- heiten der Forderungen erstreckte und in allen wesentlichen Gesichtspunkten volles Einverständnis mit dem Referenten be- kündete. Besonders wurde betont, daß an dem Obligatorimn des Arbeitsnachweises nicht gerüttelt werden dürfe. Die Zeiten dürften nicht wiederkehren, wo die Kollegen init den, Arbeitsmarkt der„VolkSzeitung" in der Hand jeden Morgen von Werkstatt zu Werkstatt liefen, um.Arbeit zu suchen.— Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Versammlung hält die Beibehaltung der obligatorischen Benutzung des Arbeii�nachlveises für unerläßlich. M>t Bedauern nimmt sie Kenntnis von den angeblich von Holzarbeitern einge- sandten Artikeln der bürgerlichen„VolkSzeitung", die ans geschäft- lichen Gründen gegen den Arbeitsnachweis ist. Die Versammlung fordert die Verhandlungskommission auf, nicht vom Obligatorium des Arbeitsnachweises abzuweichen. � ßerlin und Umgegend. Eine Gewerkschaft nach v. Jagows Gutachten für nicht- politisch erklärt!| Von einer Uebertretung des Vercinsgesetzes ist der Vorsitzende der Filiale Bromberg des Zcntralverbandes der Töpfer, Genosse Broczinski, freigesprochen worden; er hatte sich auf polizeiliche Aufforderung geweigert, Statuten und Vorstaridsverzcichnis einzureichen. Die Kosten des Verfahrens sind der Staatskasse auferlegt worden.' Interessant an der Frcispruchsbegründung ist die Feststellung des Schöffengerichts, daß selbst bei der Annahme, die Tätigkeit der Filialen des Verbandes sei eine selbständige, die Hauptverhandlung dennoch keinen Anhalt dafür ergeben habe, daß der Verband und seine Filialen über den statutarischen Zweck(Förderung der gcisti- gen und materiellen Interessen der Mitglieder) hinaus auch eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckten. Und auch Herr v. Jagow, der Polizeipräsident von Berlin, dem Sitze der Organisation, hat die amtliche Auskunft erteilt, daß Tatsachen und Beweisinaterial dafür, daß wie Organisation der Töpfer ein politischer Verein sei, nicht erbracht werden können. Es wäre zu wünschen, wenn die Behörden und oic Richter bei der Entscheidung der Frage, ob die Gewerkschaften politische Ver- eine sind, sich dieses verständige Urteil als Richtschnur nehmen. DeutlcKes Reich. � Die Tarifbewegung in den Brauereien Vrannschweigs ist durch Tarifabschluß beendet. Als wesentliche Verbesserungen kommen in Betracht: die Bezahlung der Sonntagsarbeit für das Fahrpcr- sonal, Lohnerhöhung von M. pro Woche(rückwirkend ab 25. September), im letzten Vertragsjahre weitere 50 Pf., Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe stunde täglich. Erhöhung der Ueber- stundensätzc. jährlicher Urlaub von drei bis fünf Tagen ohne Löhn- abzug.— Diese jetzt beendete Bewegung erstreckte sich über sechs Brauereien des Brauereivereins; mit zwei ringfreicn Brauereien war der Tarifvertrag schon vorher abgeschlossen, somit sind für acht Betriebe mit ziria 650 Arbeitern die Lohn- und Arbeitsverhältnisse wieder neu tariflich geregelt. Die Aussperrung in den sächsisch-thiieiugischeu Färbereien ist mit Erfolg für die Arbeiter beendet. Die Arbeit wirb am Dienstag, den 17. Dezember, morgens 8 Uhr, in allen AuSspcrrungsorten geschlossen aufgenommen. Die Einigung kam auf folgender Basis zustande: Am 15. Februar köll! wird in allen zur Färberei-Kon- vention gehörenden Orten 40 Pf. für die Ueberstunde gezahlt. Wo höhere UeberskunLenlöhne bestehen, werden diese weitergezahlt. Am 1. April 1013 tritt eine bon der Arbeiterschaft gewählte Arbeiter- kommissiem mit dem, Färberring in Verhandlung, um die noch be- stehenden Forderungen der Färber und Prester zu regeln. Die Aus- sperrung war wegen der Bezahlung der Ueberstundcn entstanden. Es sollten für die Ucberstunden 30, 35 und 40 Pf., je nach der Lohnilastc, gezahlt werden. Die katholischen F-achabteiler streiken im Saarrevier nicht mit! Die„Saarbrücker Zeitung" vom 14. Dezember berichtet über die Ausführungen, die der Fackiabteilungssekretär Hans in einer Bergarbeiterversammlung in Bildstock gebraucht haben soll: „Einen stürmischen Verlauf nahm eine Bergarbeilerversamm- lung, die gestern abend im Saale der Wirtschaft Feld in Bildstock stattfand und von der Organisation der katholischen Fach- abteilmigen einberufen war. Unter den etwa 700 erschienenen Bergleuten befanden sich über die Hälfte christlich Organisierte. Ueber die neue Arbeitsordnung sprach Arbeitersekretär Hans- Nennkirchen. Aus seinen Ausführungen ist zu entnehmen, daß er zwar nicht mit allen Bestiiinnungeu der neuen ArHeitsordnnng einverstanden sei, doch seien dadurch keine Vorbedingungen zu einem Streik gegeben. Aus diesem Grunde würden sich die katholischen Facharbeiter an einem Bergarbeiterstreik im Saavrevier nicht be- teiligeq- Kam es schon durch diese Erklärung zu lebhaften Zwischenbemerkungen seitens christlicher Gewerkschafiler, so erreichte die erregte Stimmung der Versammlung ihren Höhepunkt, als Herr Hans erklärte, eine hervorragende Persönlichkeit der christlich- nationalen Organisation habe erklärt, die Leitung der Organisation stände bezüglich des Streiks auf dem Standpunkt der Fachabteilungen. Auf verschiedentliche Aufforderungen an Herrn Hans, den Namen dieser Persönlichkeit zu nennen, verweigerte er dies, da er durch Schweigegebot daran verhindert. Hierdurch wurl?e die Stimmung bei den christliche» Gewerkschaftlern außerordentlich erregt, so daß es nur mit Mühe gelang, die Ordnung im Saale aufrecht zu erhalten. Als nach einer' recht lebhaften' Aussprache Herr Hans das Schlußivort sprechen wollte, verließen die Anhänger der christlichen Gewerkschaft laut demonsteierend den Saal." Tarifbewegung der Münchener Brauereiarbeiter. Nach einwvchiger Beehandlung vor dem EinigungSamt wurden die Tarifverhandlungen in der Münchener Brauindustrie durch ein Ultimatum der B r a u e r e i b e s i tz e r vorläufig abgebrochen. Die sechStägigen Verhandlungen, an der die Hauptvorsitzeuden E tz l- Berlin(Brauerei- und Mühlenarbeiter-Lerband), Winkel- mann-Bremen(Böttcher-Verbaudj und Söll l i c n z- Berlin lMaschinisten- und Heizer-Verband) teilnahmen, gejjalteten sich unter dem Vorsitz des Gerichtsdirektors Dr. P rennet sehr schwierig, da die Münchener Bierkommcrzieiiräte, besorgt um ihre Dividende, mit großer Zähigkeit an ihrem Profit festhielten. Als prinzipielle Forderungen erhoben die Münchener Braueeeiarbeiter dies- mal die Abschaffung der stündigen Sonntagsarbeit, die Um- Wandlung der Stunden- tu Wocheulöhne, die Verkürzung der täg- lichen Arbeits- und Präsenz zeit usiv. Durch duS vermittelnde Eingreifen des Vorsitzenden, GewerbegerichtSdircktorS Dr. P r e n n e r, konnten den Biersiedern die Zllstimimnig zu diesen drei Fordernngen abgerungen iverde». Die Brancreibesitzer gestanden eine Vfftündige tägliche Arbeitszeitverkürzung, die Bezahlung der SonntagSarbeit und die Umwandlung der Stunden- in Wocheulöhne für das gesamte HilfS- und Taglöhnerpersonal zu(die Brauer hatten bisher schon Wochenlöhne), lehnten es aber entschieden ab. weitere Konzessionen zu macheu. Da die Brauereibesitzer den Arbeitern zumuten, für diese Zugcstäiidiiisie einige Verschlechterungen in den Kauf ;u nehme» und die von de» Unternehmern angebotenen Wochenlöhne ür daS Taglöhner- und Hilfspersonal noch viel zu niedrig sind, ist eS sehr zweifelhuft, ob unter solchen Umständen die Brnuereiarbeiter den Zugeständnissen der Unternehmer zustimmen luerden.— Die Münchener Brauereiarbeiter sind zu 98 Proz. organisiert. JJiisland. Das l�nde des englische» Gtsenbahnerstreiks. London, 16. Dezember.(Eig. Ber.) Der Streik auf der Nordostbahn ist beendet. Ter Lokomotivführer Knöx wird wieder auf seinen alten Posten gesetzt werden, nachdem seine Unschuld erwiesen worden ist. Zur Untersuchung der Angelegenheit hatte der Staatssekretär des Innern den Richter Ehester Jones nach Newcastle ent- sandt. Dieser hat festgestellt, daß das Urteil gegen K n o x ei» chweres Unrecht ist. Die Untersuchung war öffentlich und dauerte zwei Tage. Am erste» Tage wurden ausschließlich die Zeugen der Anklage vernommen, nämlich eine Anzahl Schutzleute und der Omnibusknndukteur. Trotzdem sah sich der RegierungSkommissar gleich bei der Eröffnung der zweiten Sitzung, noch ehe ein einziger Zeuge für die Verteidigung gerufen worden war, zu einer öffent- lichen Erklärung veranlaßt. Er sagte, daß die bisherige Zeugen- aussagen keinen Zweifel darüber lassen, daß sich Knox keinerlei Vergehens gegen das Gesetz schuldig ge- macht hat. Er war?v e d e r betrunken noch u n o r d c nt- l i ch. Mit Bezug auf die Anklage, daß er die Schutzleute tättich beleidigt habe, war die Beweisaufnahme so unzufricdcnstcllend und widerspruchsvoll, daß nicht die Rede davon sein kann, Knox schuldig zu sprechen. Er setzte aber die Untersuchung fort, weil er nicht nur die Gesetzcsfrage zu entscheiden habe, sondern auch feststellen müsse, ob Knox in irgendeinem Sinne als angeheitert betrachtet werden konnte. Die weitere Beweisaufnahme hat nicht nur Knox' guten Ruf völlig wiederhergestellt, sondern auch die Methoden der Polizei in das hellste Licht gerückt. Eine große Anzahl von Zeugen be- kündete, daß Knox völlig nüchtern gewesen sei. Der wichtigste neue Zeuge war eine Frau, die sich zur Zeit in dem Omnibuswagen befand. Sie erklärte, daß gegen Knox' Zustand oder Betragen nicht das ge- ringste auszusetzen war, daß er von der Treppe des Löbens höflicb absprang, um ihr und ihrem Manne den Vorrang zu lassen, und daß der Kondukteur ihn brutal hinabstieß, weil der Wagen voll be- setzt war. Ein anderer Zeuge, der Zolleinnehmer aus der Brücke, bekundete, daß Knox bei dem Zwischenfall beim Omnibuswagcn ruhig und ordentlich seine Marke löste und weiter ging, als zwei Schutzleute hinter ihm herkamen und ihn in mörderischer W e i s e m i ß h a n d e l t e n. Ter Minister des Innern beeilte sich, Knox zu„begnadigen". Dies ist nämlich der einzige Ausweg, den die englische Recht- sprechung in solchen verzwickten Fällen weiß. Diese juristische Ehincserei klingt recht komisch und erinnert an die„verkehrte Welt" der Bilderbücher, in der der Tisch auf die Uhr gestellt und der Un- schuldige begnadigt wird. Der gesunde Menschenverstand wird sich sagen, daß, wenn jemand in diesem Falle die„königliche Gnade" nötig hat, es die Magistrate und Polizisten der Stadt Newcastle sind. Doch der Charakter des Lokomotivführers Knox als eines nüchternen und vertrauenswürdigen Menschen ist vor aller Welt wieder hergestellt worden, und das ist wohl die Hauptsache auf dieser persönlichen Seite des Streitfalles. Sehr wenig befriedigend sind jedoch die Bedingungen, zu denen die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen müssen. Während des Streiks schickte sich die Direktion der Nordostbahn au, alle Streikenden wegen Kontraktbrucks zu verklagen, da diese nicht ge- kündigt hatten. Ter Zweck dieses Verfahrens, zu dem englische Kapitalisten sehr selten ihre Zuflucht nehmen, sollte bald klar werden. In den Verhandlungen zwischen der Eiscnbahndircktion und der Streikleitung verlangte diese, daß alle Streikenden wieder aus ihre alten Posten gestellt werden sollten. Darin willigten die Unternehmer schließlich auch ein, aber unter der Bedingung, daß alle Angestellten, die an dem Streik teilgenommen, eine Strafe in Gestalt eines Wochenlohnes zahlen müßten. Dafür ioerde die Gesellschaft die Strafanträge zurückziehen. Die Strafe für Kon- traktbruch kann bis zu 10 Pfund Sterling(200 M.)� betragen; ein Wochcnlohn mag sich im Durchschnitt aus 25 M. belaufen. Der Streikleitung blieb schließlich nichts anderes übrig, als sich für das Angebot der Gesellschaft zu entscheiden. Die Strafe wird erst nach Weihnachten, und zwar innerhalb eines Zeitraumes bon drei Monaten zu zahlen sein. Ter Ausgang dieses Kampfes, der ohne die Zustimmung und Unterstützung der GelverkschaftSleitung geführt wurde, trifft die Angestellten der Nordostbahn um Newcastle als ein harter Schlag. Es ist zu erwarten, daß sich in Zukunft auch andere Unternehmer, die mit ihren Arbeitern längere Arbeitsverträge haben, des Systems der Geldbußen mit Ucberlegung bedienen lvcrdcn, um den wilden Streiks, deren eL in den letzten Jahren so viele ge- geben hat, ein Ende- zu machen. Jedermann wird mit den Eisenbahnern spmpathisiercn, die, im ihrem rechtlichen Empfinden tief gekränkt, impulsiv zur.Wgfse des Streiks griffen; aber anderer- seits muß man hoffen, daß sich die Einsicht,- daß der Kampf nicht allein Mut, sondern auch Mittel und Ueberlegung erfordert, in gewissen Kreisen der englischen Arbeiter immer mehr Bahn brechen wird. Mut und Kainpflust allein führen nicht zum Ziel, sonst müßten die amerikanischen Rothäute die Welt erobert haben. Es ist ebenfalls zu wünschen, daß sich die Gewerkschaftsbeamten einer besseren Einsicht nicht verschließen werden. Bei manchen englischen Gewerkschaften hat sich im Lause der Praxis eine Bureaukratie entwickelt, die mit den Mitgliedern zu ivenig in direkte Berührung kommt, die, anstatt den Ereignissen entgegenzugehen, von ihnen überrascht wird und daim händeringend dasteht. Alle Dinge haben zwei Seiten und an den wilden Streiks in England ist diese organisatorische Schwäche nicht die am wenigsten wichtige. Alles in allem genommen, ist die Rechtfertigung des Lokomotivführers Knox ein erfreulicher Erfolg der Arbeiter- solidarität, der die Direktion der Nordostbahn in Zukunft etwas vorsichtiger machen wird; aber hat man nicht gar zu Viele Eier ge- brochcn, um dieses Omelett zu machen? ßm der frauenbewecfimg* Kriegstaumel und Weihnachtstisch. .Friede aus Erden!"— das ist das Zeichen, unter dem das Weihnachlssest gefeiert sein null. Viele stimmen in das Lied ein, wenige glauben daran, und die allerwenigsten handeln danach.-- Aus dem Balkan wütet der Krieg. Alle Greuel menschlicher, nein, tierischer Grausamkeit werden begangen. Das ossizi'clte Menschenschlachten allein ist noch nicht das schlimmste: die ent- fesselten Triebe toben sich im Einzelkainpfe, in Raubzügen und Plünderungen aus. Als unparteiischer Sieger über Gerechte und Ungerechte hält die Cholera reiche Ernte. Ein Tag des Krieges vernichtet mehr, als Jahre der Arbeit und Mühe schaffen können. Das geheiligte Kapital und fanatisierte Prestigesucht wollen— was sind da Menschenleben? Allein die proletarischen Vertreter der Friedensidee hallen ihre Fahne hoch. Der Internationale Kongreß in Basel hat ge- zeigt, wie ernst es dein Proletariat aller Völker mit dein„Friede auf Erden!" ist., An dieser ernsten Arbeit kann und soll auch jede Frau mit- wirken; sind es doch gerade die Frauen, welche die tiefste Not des Krieges zu erleiden haben. Auch in ihrer Eigenschaft als Mutter kann die Frau hier wirksam sein. Klara Zetkin sagte in Basel: „Wir wollen unsere Söhne aus gezwungenen Kämpfern für Volks- kindliche Kapitalsinteressew zu Freiheitskämpfern für Volks- interessen erziehen, damit sie sich in der Stunde der Gefahr der Pflichten ihrer sozialistischen Solidarität bewußt sind." Dieses Ziel darf nie aus den Augen gelassen werden. Auch bei der Auswahl der Weihnachtsgeschenke muß das den Arbeiter-- -müttern gegenwärtig sein. Ter Spielwarenmarkt will die Kriegs- konjunktur ausnutzen und ist mehr denn je mit militaristischem Zeug überschwemmt. Manches Kind wünscht sich in seinem Un- verstand, der von der Schule unterstützt wird, Säbel, Helm und Bleisoldaten. Die proletarische Mutter hat die Rflicht, diese'» Wunsch nicht zu ersüllen. Sie erzähle dem.Kinde von der Un- Menschlichkeit des Krieges, von der als selbstverständlich hin- gestellten„Pflicht" des Sotdatcn, auch den Befehl zum Schießen auf Vater und Mutter auszuführen. Damit öffnet sie dem Kinde rechtzeitig die Augen für das hohle Phrasentum, mit dem es in der Schule gefüttert wird. Kein Pfennig werde von Arbeiter- eitern für Kriegsspielzeug verschwendet. Ausgabe der Prolc- taricrin ist cS, schon frühzeitig die Ewat zu säen, aus der tüchtige Klassenkämpfer entstehen: und hier setze sie ein. Gute Bücher werden sie dabei unterstützen. DaS Jugendschriftenverzeichnis des Bildungsausschusses leistet bei der Auswahl gute Dsewjw. Todes-Anzeigen| Ld. 6. Berl. Reichstagswahlkreil Am 15. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Metallarbeiter Paul ps�vlictc Krünthala— tx. so, Bezirk �10. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittag; 4 Uhr, auf dem Sophien-Krrchhose in der Freienwalder Slratze statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. ( SozialdeniokraiiscIiEF Watilyerein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglied, der Maurer Mlvelm Kaheelc Steinmetzstr. 75(21. Bezirk) ver- starben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Lakobi- Kirchhofs, Hermannslr., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 239/10 Der Vorstand. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht. dag am Sonnabend unser ein- ziges, inniggeliebtes Kind, unsere Tochter durch lieb erfahren plötzlich verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an die tief- betrübten Eltern 1698b kdax und Elisabeth Günther, geb. Echte rineyei* und Grogeltern, Falckensteinftr. 14. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmiltag 2 Uhr von der Leichenhalle des städt. Fried- Hofes in Friedrichsjclde aus statt. DealscherBetaliarbeiler-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schmied Karl Knaak Reinickendorf• West, Klirstr. 26, am 15. Dezenrber an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 19. Dezember. nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Kirch- Hofes in Reinickendorf aus statt. Rege BeteUigung erlvartet 135/2 Bis Ortsvorwaltung, Allen Bekannten die traurige Nachricht, dag am 16. d. W. meine liebe Frau, unsere gute Mutter Frida Klement geb. Gebhardt nach langem Leiden im Alter von 29 Jahren verstorben ist. DicS zeigt ticsbekrübt an Ulbert Klement oedst Tochter. Charlottenburg, WUmersdorser Straße 113/114. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Gatten, des Kupserfchmieds �uxust �äler sagen wir allen Freunden, Bekannten und Verwandten, dem Kupferschmiede- verband, dem Wahlvercin und de» Sängern unseren herzlichsten Dank. Frrni Adler 75«»ebst Kinder». I�setiruk» Am Sonntag, den 15. d. M., nachmittags 5 Uhr, verstarb nach langem und schwerem Leiden der für uns unvergeßlich gewordene Werkmeister Albert Aucb. Er war uns allen durch sein zugängliches Wesen und gerechtes Empfinden ein hochverehrter Bor- gesetzter, der sich das Vertrauen und die Sympathie aller ihm Unterstellten im vollsten Maße erworben hatte. Die Sichtung und Liebe, welche wir für ihn während seiner Tätigkeit mit uns gehegt, soll auch fernerhin in treuein An- gedenken ihm bewahrt bleiben. Das Werkstättenpersonal der städtischen Straaenbahnen zu Berlin. Greifenhasen Brunnenstrasse 17-18 Veteranenstrasse 1-2 Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Gatten, des Gastwirts Robert vieseler sage ich allen besten Dank, ins- besondere den Genossen des 1. und 6. Wahlkreises, dem Verband der freien Gast- und Schankwirte, dem Genossen Hetzschold für die trostreichen Worte an der Bahre, dem Deutschen Raucherbimd und dem Sparverein „Solide". Wwe. Martha Dieseler nebst Kindern. Nur noch 7 Tage Großer Qnveniur Ausverkauf zu sensatisnell billigen Preisen Auf alle Waren* Doppelte Rabutt-Horken Ferner: Nur Mittwoch Donnerstag Freitag Extra WeihnachtsVergünstipng Belm Einkauf von 2 M. an Nur Mittwoch Donnerstag Freitag Allen Freunden, Bekannten und Parteigenossen sage hiermit für die mir aus Slnlag des Dahinscheiden; meiner lieben Frau fiermine pottiea so zahlreich übermittelten Belleids- bczcugungcn und Kranzspenden, be- sonders auch dem Hutmacher-Gesang- verein„Einigkeit" für die slimmungs- volle Feier am Grabe memen lief- gefühlten Dank. 1697b Emil Pottien, Sprcchmafchinenhändler, Grünauer Ecke Reichenberger Straße. etähsna rfä. ! Abhandlungen und Vorträge! zur sozialistischen Bildung.» Herausgegeben 248/19*[ von«tax Ornnwald. Heft 6: und die Conrad Haenisch. 40 Pf. » Von Preis Lrstis-Cisscksnicsi • Mit Ausnahme einiger Nettoartikel v,... .......' / V'' Achtung! Palet! Bei der Firma r. K ii 1, i, v in Steint», Zimmermannstraste. bekomme» die Kollegen auf ihren Lohn nur Abschlagszahlungen, »nd wen» fie de« Rest verlange», müssen sie erst klage». 131/2» Die Ortsverwaltnng. Zu Stelen Sluuoeu - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf Achtunp! Taubstumme! Achtung! Sonntag» den SÄ. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im Saal 3 des Gewerkschafts- Hanfes, Engelnfer 15, Hof part.: taubstummen Versammlung Tagesordnung: Die taubfliiniuie Atbeitetschast und bic freien Gewetltschafteu. Es wird um zahlreiche» Bestich gebeten. Die nichtorganifierten taubstumme» Arbeiter und Arbeiterinnen find zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Der Einbernfer. TTlQfiPQrwtn<37§■ Qrrrankfurtaytr. Il5[ Meine Fabrikate Preislagen: 10.— dls IOOO.—. Gesellschaftskleider, Röcke, Blusen ksutt msB jetzt, kurz vor dem Feat, billiger wie je zuvor!! C50 Prozent und darunter!) Umtausch-»<»> o«m Feit gestattet! Gratis! 2�/, Meter Stoff bei Einkauf lür nur M. 20. 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Dezember, Unterstützung zu erhalten haben, müssen am DjeNStNg, dtN 34. Dtpidtt, Mitgliedsbuch«nd Arbeitslos entarte auf dem Arbeitsnachweis abgeben und erhalten am SlJNUUtltNd, dtN 38. DtMdet, in der festgesetzten Reihenfolge ihr Geld. Die Bureaus sind geschlossen: Am Dienstag, den 24. De- zember, nachmittags; am Mittwoch, den 25. Dezember, Donnerstag, den 26. Dezember, und Freitag, den 27. De- zember, den ganzen Tag; am Dienstag, den 31. Dezember, nachmittags und am Mittwoch, den 1. Januar, den ganzen Tag. 92/13 Fertt« sm Lzger: 0elirod(-ADZDge»:«;36M Ffadf ESO. 54 ■ Anzöge&":40u Beinkleider 8m. i Fertige schwarze K.cidunir für Knaben und JUnclinge| :: in grSSter Auawahl Feine Maß- Anfertigung| :: in ca. 10 Stunden Baer Sohn Kleider- Werk« Berlin. Gegr. 1391. Chausseestraße 29— 30. It. Brüokenstraße 11. Gr. Frankfurter Str 20. Sehöneberi Haunistr 10- Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W.. Mohren-! StraBe37a(2. Haus von der j Jerusalemer Straße). | II. Gesch.: Berlin NO.. 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JulMilder Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aas den Eevolutionskämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts. Von E. Rosenow und H. Strttbel. Reich illnstriert mit Bildern und Dokumenten. In zwei Bänden gut gebunden Leinen 14 M., Halbfranz 10 M. Die HohenzoIIern- Legende. Kulturbilder aus der preußischen Geschichte vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Von Dr. 9. Manrenbrecher. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit, In zwei Banden gut gebunden Leinen 14 M., Halbfranz 10 M. Blut und Eisen. Krieg und Kriegertum in alter u. neuerer Zeit Von Hngo Scholz. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit, darunter viele ganzseitige Illustrationen sowei zwei farbige Kunstbeilagen. In zwei Bänden gnt gebunden Leinen 14 M., Halbfranz 16 M. Geschichte der Revolutionen. Vom niederländischen Aufstand bis zum Vorabend der französischen Revolution. Von Dr. A. Conrudy. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten. In zwei Bänden gut gebunden Leinen 14 H., Halbfranz 10 M. Jeder Band der„Kulturbilder" ist ein für sich abgeschlossenes Ganzes und kann daher einzeln bezogen werden. Wtlh. Bios: Die deutsche Revolution von 1848/4». Geb. 4 M. Wilh. Bios: Die französische Revolution von 178». Geb. 4 M. lionls Herltler: Die französische Revolution von 1848. Geb. 4 M. Zimmermann: Der deutsche Bauernkrieg. Geb. 4 M. Gustaf Jansen: Lügen. Geschieht, vom Kriege. Geb. 4,5« M. Job. Falkherget: Rlnenschüsse und Facbcibrand. Erzählungen eines norwegischen"Grubenarbeiters. Geb. SM. Job. Falkberget: In der üußersten Finsternis. Geb. 4M. August Bebel: Ans meinem Leben. Band I geb. S M. Band II geb. S M. August Bebel: Die Fran und der Sozialismus. 3 M. Dr. F.B. Simon: Gesundheitspflege des Weihes. 3,5« M Karl Kautsky: Karl Marx' ökonomische Lehren. 3 M. Karl Kautsky: Der Ursprung desChrlstentnms. 5,75 M. L Issagaray: Die Geschickte der Kommnno von 1871. Geb. S M. Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie. 1,5« M. Leo Deutsch: 1« Jahre in Sibirien. Geb. 3,69 H. Leo Deutsch: Tiermal entflohen. 3 M. Franz Behring: Die Leasing-Legende. 3 M' Paul Lonls: Gewerkschaftsbewegung In Frankreich. 3 M. Joseph Salvloll: Der Kapitalismus Im Altertum. 8 M. B. Bommel!: Wie Berg und Tal entstehen. Mit vielen Illustrationen und einer Karte: Die tätigen Vulkane der Erde. Geb. 1 M. J. Deutsch; Ans alten Tagen. Soziale Bilder ans der deutschen Vergangenheit. Geb. 1 M. Ilannah Lewin• Dorsch: Die Technik in der Urzeit. L Das Feuer. Der Wohnungsbau. Geb. 1 M. II. Cnnow: Die Technik In der Urzeit. H Nahrungsmittel- beschaffung und Ernährung. Geb. 1 M. R. Cnnow: Die Technik In der Urzeit. III. Entstehung der Waffen.— Körperschmuck.— Die Technik der Bekleidung. Geb. 1 M Jugendschrirten Ulenbrooks Briefe aus der Heide an meine jungen Freunde. Von Jürgen Brand. Geschmackvoll gebunden und mit Buchschmuck versehen_ 1.5© M. Eine Reise nach Island und den Westnrännerinsein. Reisebriefe u. Tagebuchblätter m. Illustrationen. Von E. Sonnemann(lürgen Brand). _ Gebunden 3.5« M. Im Reiche der Technik« Geschichten für Arbeiterkinder von Richard Woldt. Reich illustriert gebunden 1.50 M. Die Entwickelungsgescbictite der Erde. Von Georg Engelbert Graf. Mit 47 Abbildungen und einem Anhang! Geologische Profile und Erklärung geologischer Fachausdrücke. Preis geb. 1.00 M. Oer kleine Stadt-Baumeister, f Jugend, Eltern und Erzieher von Heinrich Pralle. Mit 15 Abbildungen im Text und 17 Tafeln. _ 1.5« M. Bilderbücher aller Art (auch unzerreißbare auf Pappe) in Preislagen von 3« Pf. bis 6 M. —— Vorzügliche Auswahl.—— Die vom Bildungs-Ausschuß empfohlenen Bücher sind sämtlich durch uns zu beziehen. Weihnachts-Prämie für die Abonnenten des„Vorwärts" Robert E. Peary Die Entdeckung des Nordpols Mit einem Geleitwort von Theodor Kooseveit Mit über 10O Bildern nach photographlschen Aufnahmen Gut gebunden Preis nur 3.50 M. Ein neues Buch der Freiheit! Von Unten Auf! Gesammelt und gestaltet von Dr. Fr. Diederich. Mit 26 künstlerisch bedeutenden sozialen revolutionären Bildern und Bildwerken. Das"Werk ist von der Prosse glänzend besprochen worden. Eine Parteizeitung verglich es mit einer„Arbeitorbibel", die in keiner Familie fehlen sollte. Aber auch in der angesehenen bürgerlichen Presse fand das Werk begeisterte Anerkennung, wie ans einer großen Anzahl überaus lobender Besprechungen hervorgeht. Nur dem Berliner Staatsanwalt gefiel es nicht— gewiß ein Beweis für die Güte des Buches—, denn er beschlagnahmte es. Wenige Monate später sah er sich jedoch gezwungen, dasselbe wieder freizugeben. Inhalt und Ausstattung lassen es besonders als Weihnachtsgeschenk geeignet erscheinen. In einem Leinenband 5.— M., in zwei Leinenbänden O.— M. 1 Vilnnllnrinnlinv Die Marseillaise. Von Oori. Knpforgravüre, Der erste Mai. Vorzfiglich ausgeführte Kupfer- Stclnzelehnnngen von Kflnstlerband. nl nSlIüflSCflol Bildgröße 47V,:67 cm, Kartongröße 79: ICCcm. ätzung. 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Der 22 Jahre alte Arbeiter Artur Rogge aus der Spenerstraße hatte für eine Jsolierfabrik, bei der er be- schäftigt ist, Ausbesserungsarbeiten an der Warmwasserheizung vorzunehmen. Er stand dabei auf seinem Gerüst, um ein Heizung?- rohr an der Decke zu dichten. Plötzlich brach dieses und der Unglück- liche fiel gerade in einen Behälter der 5 Kubikmeter kochendes Wasser enthielt. Obwohl ihn andere Arbeiter sofort herauszogen, hatte er sich fast am ganzen Körper so schwer verbrüht, dah er kaum mit dem Leven davonkommen dürfte. Nach Anlegung eines Not- Verbandes wurde er mit einem Nünzelsche» Automobil nach dem reut, geht zehn und mehrere Male durch die Hände der Arbeiter, ehe sie fertig im Karton verpackt ist. Nach dem Blasen lverden die Kugeln versilbert, mit den verschiedensten Farben bemalt, mit Chenille, Silberdraht umsponnen, bespritzt, beklebt und dergleichen mehr.— Die Phantasie bringt heutzutage alle möglichen Dinge zuwege. Neben der gewöhnlichsten bis zur feinsten Glaskugel spielt die Her- kellung von Spielwaren, namentlich von Vögeln, Hirschen, Hunden, Rehen, kleinen Trompeten u. dergl. eine grotze Rolle. Austerordentliche Geschicklichkeit erfordert weiter das Spinnen des Glases. Von dem an der Glasbläserlampe erweichten Ende eines GlaSstäbchenS zieht der Arbeiter einen Faden ab und befestigt das freie Ende desselben auf einer Art Trommel oder einem Rad von etwa einem Meter Durchmesser. Rad oder Tronin«! müssen dann so schnell bewegt werden, dast sie in einer Minute mehrere hundert Umdrehungen machen. Der auf diese Weise angesammelte Strang wird dann an einer Stelle abgeschnitten und erhält man so Fäden von etwa drei Meter Länge. Diese werden zu Glaspinseln, auch zu Flügeln für Vögel und Schmetterlinge, die den Weihnacht#- bäum schmücken, verwandt. Die feinste Sorte, die sog. GlaS» ei de, rollt sich sofort nach dem Abschneiden lockenartig zusammen. Aus Glaswolle, die schnceweih ist und einen blendenden Glanz zeigt, lverden alle möglickjcn Schmuckariikcl angefertigt. Die Geschicklichkeit und Erfindungsgabe dieser Arbeiter werden von einem raffgierigen Kopitalismus in fluchwürdiger Weise mist- braucht und ausgebeutet. In engen Räumen sind sie zusammen- gepfercht, Wohnräume sind meistens auch die Arbeitsräume. In ehr vielen Fällen wird darin gekocht und geschlafen, selbst für Kranke steht kein anderer Raum zur Verfügung. Um aber die schier unerträglichen Fesseln des Kapitalismus ab- zustreifcn, haben die bis aufs Blut ausgebeuteten Christbaumschmuck- arbeiter sich zusammengeschlossen zu einer Genossenschaft, um ihr« Waren selbst zu versenden und dem Grostkaufmann die Profite zu entziehen. ** * Der Verkauf von Christbaumschmuck im Auftrage der Glas- bläsergenossenschaft findet noch täglich: Lortzingstr. 4; im Gewerk- schaftshause nur noch Sonnabend, den 21. Dezember, statt. Krankenhaus am Urban gebracht, wo er unter schrecklichen Qualen schwer baniederliegt. Beim Winterfest der Berliner Arbeiterjugend in der Neuen Welt sind folgende Gegenstände verloren gegangen: eine goldene Damen- Uhr nebst Kette, ein goldenes Armband, eine silberne Schlangen- nadel. Die ehrlichen Finder werden gebeten, die Gegenstände ab- zugeben an Richard Timm. 80,. Falckenstcinstraste 16. Sechster Wahlkreis. Bei dem a»i Sonntag, den 15. Dezember. siattgefundenen Märchenabend bei Sachon. Müllerstraste 136, ist ein Portemonnaie mit Inhalt verloren worden. Der Finder wird ge- k®'!" Obiges gegen Belohnung in der Borwärtsspedition Nazarelh- sirchstraste 49. abzugeben. Vorort- NadmcKten. Wilmersdorf-Halensee. Gegen die Laiidkrankcnkassc. Wie wir am Sonntag berichteten, will der Magistrat von Wilmersdorf sich von neuem zu den Groß- Berliner Konnnnnalverwaltungen in Gegensatz stellen, indem er von der Sladtverordnelenveisaninilnng die Zustimmung zur Erri-btnng Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Bor Jahresfrist wurde der Wunsch in einer Resolution zun, Ausdruck gebracht, die General- Vormundschaft von der Armenverwaltung zu trennen und der Wohl- fahrtsdeputation anzugliedern. Darauf wurde betont, dast dies eine Aufgabe der Jugendfürsorge sei und dast dafür ein besonderes Jugendamt geschaffen werden müßte. Ein solcher Apparat stelle sich jedoch zu teuer. Prinzipiell wäre nichts dagegen einzuwenden, aber aus wirtschaftlichen und juristischen Gründen sollte man es bei dem bestehenden Zustand belassen. Dein lvurde zu- gestimmt. Die Erwartungen, die an die Einführung der Registrier- und Additionsmaschinen geknüpft waren, haben sich voll erfüllt. Es konnten in der zur Verfügung flehenden Zeit die doppelte Zahl der Steuerpflichtigen abgefertigt werden; eben- falls ist eine wesentliche Ersparnis an Beamiengehältern, rund tl 509 M. zu verzeichnen. Nunmehr soll eine Maschine eingeführt werden, die die Hebebücher entbehrlich macht und daiür lose Konten «inführt, so dast jede handschriftliche Tätigkeit überflüssig ist. Die Vorlage wurde angenommen. Hierauf wurde Kenntnis genommen von der bereits mitgeteilten Vorlage, wonach von der Errichtung einer Landkronkenkasse Abstand genommen und die hiesige Ortskrankenkaffe zur ollgemeine» ausgestaltet wird. B e h r e n d sFr. Frakt.) betonte, es sei nicht gesagt worden, dost nunmehr auch alle Portiers versicherungspflichtig sind. Das wäre jedoch wünschenswert.— Oberbürgermeister D o m i n i c u s meinte, die Portiers wären in keinem versicherungs- Pflichtigen Betriebe beschäftigt und könnten sich nur selbst ver- sichern. Genosse Molke nbuhr betonte, dast vom t. Januar 1914 auch diese Leute versichert werden müßten.— Eine Petition des Deutschen Volkswirtschaftlichen Verbandes wünschte Berücksichtigung von Nationalökonome» bei Anstellung von Beamten für die Wohnungsaussicht. Diese Petition wurde abgelehnt, da die Absicht besteht, eine Jnspektorin anzustellen. Ebenfalls wünschte der Haus- und Grundbesitzerverein, daß einige seiner Mitglieder in die Wohnungsaussicht delegiert würden; dies wurde gleichfalls abgelehnt. Die Gesellschaft für Soziale Reform ersuchte, dast die Schulspeisung auch auf die Sommermonate ausgedehnt werden möge. Diese Petition wurde dem Magistrat als Material überwiesen. Ebenfo das Gesuch uin Durchlegung der Rostbachstraste nach der Sedanstraste. Dje Angehörigen der hiesigen Berufsfeuerwehr petitionieren um Herabsetzung der zur Erlangung des Höchstgehalts erforderlichen Zeit. Referent Sladtv. Starke(lib.) ersuchte wegen der Belastung des Etats sowie der Abänderung der Besoldungsordnnng diese Petition bis zum nächstjährigen Etat zu vertagen. Genosse M o h s wünschte, dast diesen Petenten, deren Endgehalt 2400 Mark beträgt, und erst nach 24 Dienstjahren erreicht wird, sofort Rechnung ge- tragen werden möge. Hinzu kämen noch zwei Probe- dienstjahre, so dast mit insgesamt 26 Dienstjahren zu rechnen sei. Nur wenige Städte wären so rückständig, darum müsse schon jetzt der berechtigte Wunsch berücksichtigt werden.— Kämmerer M a ch o- w i c z meinte, dast dies nicht geht, denn dann kämen auch die Anderen Beamten, die noch viel später in diese Gehaltsklasse kommen. Das Endgehalt sei höher als in anderen Städten, und dann würde auch Dienstkleidung gewährt.— Genosse Küter konnte diese Gründe nicht gelten lassen und meinte, es sei doch etwas ganz anderes, wenn jemand seine jungen Kräfte jahrelang der Gemeinde zur Verfügung gestellt habe als wenn jemand als Militär- anwärter in späteren Jahren für die Gemeinde zu arbeiten beginne. Beides vereinbare sich schwer. Auch von dem Wohlwollen ivürde niemand satt. Der Etat im nächsten Jahre sei genau so wie der diesjährige. Den Feuerwehrmännern müsse Rechnung getragen werden. , In der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag„um Berücksichtigung" abgelehnt und der des Ausschusses angenommen. Nunmehr wurde über die neue Kinosteuerordnung berichtet und dieselbe nach einigen redaktionellen Aenderungen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Genosse Bernstein erklärte, dast die sozialdemokratische Fraktion nach wie vor grundsätzliche Gegnerin jeder indirekten Be- sieuerung sei, sie erkenne jedoch an. dast die jetzige Neuordnung gegen die frühere einige geringe Verbcsserungen im Interesse der Kinobesitzer enthalte, allerdings nur auf Kosten der Besucher.— L i n i c u s sFr. Frakt.) erklärte, für die Vorlage nicht stimmen zu können. Kur die Liberalen traten widerum für die Kinosteuer ein. Hierauf gab der Vorsteher eine Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion bekannt, die folgender- maßen lautet: Unterzeichnete Stadtverordnete gestatten sich, den Magistrat der Stadt Schöneberg anzufragen, wann endlich'die neue Arbeitsordnung für die städtischen Arbeiter zur Geltung ge- langen soll. Desgleichen ersuchen sie um Auskunst, wann die neuen Arbeiterfürsorgebestimmungcn für die städtischen Arbeiter eingeführt werden fallen. Ferner möchten die Unterzeichneten wissen, wie es um ihren Antrag betreffend tägliche Zulage von 30 Pf. für alle Arbeiter und Angestellte der Stadt Schöneberg, mit einem Jahres- lohn unter 2500 M. bestellt ist. Diese Interpellation wird dem Magistrat zur Beantwortung übermittelt. Alsdann erfolgte geheime Sitzung. Neukölln. Ein Besuch der vom Bildungs- und JngendauSschnst gemeinsam veranstalteten Bücherausstellung in Hoppes Festsälen(Jnh. Bartsch), Hermannstr. 49, die alltags von 5—10, Sonntag von 1—10 Uhr geöffnet ist, kann der Arbeiterschaft nur dringend angeraten werden. Der Eintritt ist frei, ein Kaufzwang besteht nicht. Neben prächtig ausgestatteten Bilderbüchern für die Kleinen sind alle Arten Spiele, Märchen. Erzählungen Romane, Reisebeschreibungen, wissenschaftliche Werte ufw. zu billigen Prciicn in großer Anzahl vorhanden, so dast jedes Aller berücksicknigl ist Eine besondere Fürsorge ist dem künst- lerischen Wandschmuck geividmel. DaS ganze Arrangement zeugt von fleißiger Arbeit und gutem Geschmack der Veranstalter. Da auch für die nötige Dekoration der Wände gesorgt ist, macht die Ausstellung einen änderst anheimelnden Eindruck, so dast ein Besuch derselben nur zu empfehlen ist. Lichtenberg. Am Donnerstag, de» 19. d. Mts., abends 6 Uhr, wird im Lolale von Wilhelm Schulz Kronprinzenstraste 47(Ecke Scharnweber- llrastes. die vom BildluigSansichust Nicdervarnim arrangierte Jugend- fchristen- und Waiidschmuck-Ausstellnng eröffnet. In verschiedenen Orten des Kreises, wo die Ausstellung bereits arrangiert war, hat dieselbe überall guten Anklang gefunden. Da der Eintrilt kostenlos ist, wird der Arbeiterschaft Lichten- bergs der Besuch empfohlen. Die Ausstellung dauert bis zum 23. Dezember und ist an den Wochentagen abends von Vzb bis VjjlO Uhr und am Sonntag von 4—>/z10 Uhr geöffnet. Adlershof und Umgegend. AuS der Gcmeindcverlrctuiig. Als erster Punkt wurde der Antrag unserer Genossen:„Die Genleindeturnhalle ist allen Gemeinde- »iilglieder». soweit sie sich in Vereinen zlisammengeschlossen haben, gegen eine später noch fcjtznsetzcnde Entschädigung zu überlassen" gegen die Stimmen der ersten Abteilung angenommen. Der An- trag auf„Benutzung der Leichenhalle" wurde von unseren Ge- nossen zurückgezogen, da dieser Antrag gegenstandslos geworden war. Eine längere Debatte entspann sich bei dem Antrag der Gemeindeverordneten Dr. Saling und Genossen, betreffend Er- haliuiig des Waldes zwischen Niederschönewerde-Adlershof und Köpenick einerseits und hinter AdlerSbof bis Grünau andererseits. Der Zweckverband beabsichtigt, den Wald als Dauerwald zu erhalte»; gegen diese Entschliestung des Zweckverbandes haben die Genieinde- Vorsteher der Orte Niederichöneweide-Johannisthal, Adlershos und Grünau, ohne erst die Gemeindevertreinirgen zu befragen, Einspruch erhoben. Von den Vertretern der zweiten und dritten Abteilung wurde daS Borgehen der Gemeindevorsteher als Beeinträchtignirg der Rechte der Gei»eiiidevert>>etuiigen verurteilt. Nur ein Vertreter der ersten Abteilung stattete dem Bürgermeister seinen Dank dafür ab, dast letzterer so selbständig gearbeitet hat; gegen die Stimmen dieser Abteilung wurde denn auch der Antrag ange- nommen, dast der Gemeindevorstand ersucht wird, alles zu tun, um den Wald um Adlershof herum zu erhalten. Die Neuwahl der Armenärzte fand dahin ihre Erledigung, dast alle drei am Ort be« stndlichen Aerzte zugelassen wurden. Die Auswahl der Aerzte bleibt, nach dem System der freien Arztwahl, den Kranken überlassendem Ent- wurs einer neuen Arbeitsordnung stimmte die Verlretuiig zu, ebenfalls der Erweiterung des Armenausschnsses um drei Personen. Bei der Neuwahl des erweiterten Ausschusses wurde auch die Genossin Frau Martin, Hoffinannstc. 9. gewählt. Der Entwurf einer neuen Orts- satzung über die Reiiekostenentschädigung der Gemeindebeamten wurde an die Kommission zurückverwiesen. Die Gemcindearbeiter hatten einen Antrag auf Lohnaufbesserung gestellt. Ein Vertreter der zweiten Abteilung plädierte für Ablehnung; aus Antrag unserer Genosfen wurde das Gesuch der Etntskommission als Matena! über- wiesen. Der Erlast einer Ortssatzung über die Versorgung der Hinter- bliebenen der Lehrerinnen fand einstimmig Annahme. Um nicht die Bei- träge für die Angestellten-Versicherung zu bezahlen, wurde vom Gemeindevorstand eine Aenderung der„Ortssatzung über Anstellungs- und Rnhegehaltsverhältnisse der Beamten vorgeschlagen. Genosse Zabel verlangte, dast, wenn der Vorschlag des Gemeindevorstandes angenommen würde, für die Unterangestellren, Schuldiencr usw. von der Gemeinde nach wie vor die Beiirnge zur Invalidenversicherung gezahlt werden sollen, sobald es die in Frage kommenden Personen wünschen. Der Vorschlag deS Gemcindevorstandes wurde abgelehnt; ebenfalls abgelehnt wurde ein Antrag unserer Genossen, daß die Beiträge zur Angestelltenversicherung voll von der Gemeinde gezahlt werden sollen. Der Gründung neuer Lehrerstellen und der Aende- rung des BebaunngsplaneS an der Waldstraste stimmte die Ver- tretnng zu. Die Delrgiertenwahlen zur Ortskrankenkaffe finden für die Arbeitnehmer am Donnerstag, den 19. Dezember, statt. AIS Legitimation dient Ouiltungsbuch oder Bescheinigung des Arbeit- geberS. Weiszeitsee. Der Streit um die Siegespalme. In den beteiligten bürgerlichen Kreisen spielt die letzte Schöffenwahl immer noch eine Rolle. Der nengcwäblte Schöffe Steinko hat seinen Anstritt ans dem 84er Grundbesitzerverein angemeldet, und dieses Vorkommnis benutzt die alte Fraktion, eine heitere Komödie aufzuführen. Sie erklärt, dast sie willens gewesen sei, für den bürgerlichen Frieden einzutreten. aber nun sei es vorbei. Herr Könitz, der gern einen S»öffensitz ein- genommen hätte, betrachtete cS als eine Schmach, dast man seine Leute bei der Borberatung der Schöffenwahl ausgeschaltet habe. Er verlangt, von der Partei MeweS gehört zu werden. Lächerlich wirkte in einer Versammlung auf die Anwesenden die MilteUnng, daß ein Abgesandter Herrn Könitz aufgefordert haben sollte, die Oppositionsstellung aufzugeben, dann sei ihm der Schöffen- stuhl sicher, aber wie ein„Mann" habe er sich dagegen erklärt. Doch nur, weil die Trauben zu sauer waren. Die alte Fraktion, sechs Mann stark, verliest darauf den Saal und liest sich dann von ihrem Organ attestieren, dast sie einen„morali- scheu Sieg" errungen habe. Der angeblich unmoralisch gewählle Herr Steinke gibt nun aber öffentlich die Erklärung ab, dast er nicht gezwungen wurde, aus dem 84er Verein auszutreten, sondern er habe schon längst die Absicht gehabt, seinen Austritt zu erkläre», weil ihm die prinzipielle Opposilionsslellung gegen den Gemeinde- vorstand nicht mehr passe. Dein 1910er Verein beizutreten, habe er trundweg abgelehnt. Hiervon sei Herr Könitz vor der Wahl unterrichtet ge- Wesen. Seinen Fraktionskollegen verschwieg er diese Kenntnis, jedenfalls um den sogenannten„moralischen Sieg" nicht unmöglich zu machen. Die bereits verloren gegangenen Waffen seiner Rüstimgskammer be- dürfen der Erneuerung. Am kommenden Montag finden die Ah- geordnetenwahlen zum Kreistag statt, und man kann-sich iviedernm aus Ueberraschungen vorbereiten. Jedenfalls wird die Weihnachts- stimmung bei gewissen Leuten Trübsal bringen, wenn sie das Pech haben, nochmals„moralisch" zu siegen.. Das Jahr 1912 schneidet 'ür die„Alten" nicht so günstig ab. Friedrichshagen. Mit der neu zu errichtenden Gemeinde-Badeanstalt am Müggelsee beschäftigte sich die letzte Gemeindevertretersitzung. Nachdem m einer früheren Sitzung gegen unsere Stimmen beschloffen war, die Anstalt einem Pächter zu übertragen, lagen nunmehr die Bedingungen und der Tarif vor, nach dem die Badeanstalt verpachtet werden soll. Bürgernieister Dr. Stiller bemerkte zu dem Projekt, dast ein Familienbad von 17X17 Meter, ein Damenbad von 5l/zX11 Meter und ein Äinderbad von IIXIIV2 Meter vorgesehen' sei. Am Kinderbad solle noch ein 5 Meter breiter Sandstrand angelegt werden. Die Anstalt koste etwa 30000 M. Für den Tarif werden folgende Preise vorgeschlagen: 1 Einzelbad ohne Zelle 20 Pf., mit Zelle 25 Pf.; 20 Blockbilletts ohne Zelle 2 M., mit Zelle 2,50 M.; Saisonkarten ohne Zelle 5 M., mit Zelle 6 M.; 1 Einzelbad für Kinder 5 Pf., 20 Blockbilletts 75 Pf., Saisonkarten 3 M. Für arme Kinder werden Freikarten zum Baden zwischen 12 und 1 Uhr an drei Wochentagen berechtigend ausgegeben sMontag. Mittwoch und Sonnabend). Der Schwimm- Unterricht kostet für Erwachsene 5 M., für Kinder 3 M. Genosse T a r n 0 w wie? zunächst darauf hin, dast die Gemeinde in erster Linie die Kontrolle über die Badeanstalt behalten müsse, des weiteren sei die Einrichtung deS Damenbades überflüssig, da man ja im Freibad gesehen habe, dast dieses so gut wie gar nicht benutzt würde. Die Genossen Barth und Miele verlangten, daß für die Kinder der Volksschule das Baden an allen Tagen vollständig frei sein solle, um dadurch sämtlichen Kindern Gelegenheit zu geben. diesen gesunden Sport in reichlichem Maße zu pflegen. Ganz ungerecht sei aber die Bestimmung, dast man für die armen Kinder gerade die beiße Mittagszeit von 12—1 Uhr zum Baden gewählt habe. Unser Antrag auf unentgeltliches Baden sämtlicher Volksscknlkinder wurde abgelehnt, dagegen fand der Antrag in folgender Fassung Annahme: „Für Kinder unbemittelter Eltern werden Freikarten zum Baden zwischen 12—3 Uhr an allen Wochentagen berechtigend ausgegeben." Im weiteren wurde beschlossen, dast die Blockbilletts übertragbar seien und daß bei mehreren Kindern für jedes weilere Kind die Saisonkarte und der Schwimmunierrickit um je 1 Mark ermäßigt wird. Unser Autrag auf Fortfall des DamenbadeS wurde abgelehnt. Zur Sicherung der Kontrolle sollen nähere Bestimmungen geiroffen iverden. Die Verpachtung der Badeanstalt wurde aiff unseren Antrag hin für die Sommersaison 1913 festgesetzt. Zum>sck>lust der ausgedehnten Debatte wurde unter anderen Genosse Tornow in die Badekommission gewählt.— Vorher fand noch eine Debatte über den kommunalen Arbeitsnachweis statt. Aus deni letzten Jahresbericht war zu entnehmen, daß sich 85 Arbeitsuchende gemeldet hatten, von denen nur 27 Arbeit nach- gewiesen iverden konnte. Der Gemeindevorstand glaubt, daß die geringe Benutzung des Arbeitsnachweises daran liege, dast er sich im Rathause befände, er schlägt deshalb vor, denselben vom 1. Januar ab nach der Orlskrankenkasse zu verlegen. Für Anschaffungeii. per- sönlickie Unkosten usw. sollen dem Rendanten 300 M. Entschädigung gezahlt werden. Unsere Genossen Tornow und Barth sprachen gegen den Antrag, da diese Gründe nicht zutreffen. In erster Linie hätten wir am Orte sehr wenig Industrie, im übrigen müsse durch die Presse der Arbeitsnachweis öfter in Erinnerung gebracht werden. Da die Arbeitsnachweiskommission sich mit dieser Angelegenheit überhaupt noch nicht befaßt habe, beantragten unsere Genossen, den Antrag an die erwähnte Kommission zurückzuverweisen, was auch an» genommen wurde. Ein Antrag des Gemeindevorstandes, sämtliche Einwohner Friedrichshagens bei der Brandenburgischen Feuerwehr» lasse gegen Unfall bei Löschhilfe zu versichern, fand Annahme. Bruchmühle. Mit welch hochwichtigen Dingen sich zuweilen der hiesige Vorort« .und Grundbesitzervereiii zu betätigen hat, erhellt so recht aus dem Verlauf der letzten Vereinssitznng. Zunächst hielt der Gemeinde- Vorsteher einen längeren Vortrag über die Versorgung des OrtcS mit Gas und Wasser und über Steuerwesen, wobei er auch nicht vergast, den Herren auseinander zu setzen, wie und wann sie zu reklamieren haben, um ja nicht zu viel Steuern zu bezahlen. Er erntete dafür reichen Beifall. Dann wurden die Herren Schweng» berg sen. und Gleiche unter Ueberieichnng von Diplomen und salbungsvollen Ansprachen zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ersterer, weil die Familie �100 Jahre am Ort ansässig ist und sich nach An- ficht der Herren für das Gedeihen desselben sehr verdient gemacht habe, letzterer wegen seiner materiellen Zuwendungen. Wer es sich also etwas kosten läßt, kann Ehrenmitglied werden. Wie bekannt, beabffchtigi der Kreis für die östlichen Ortschaften ein Gas- und Wasserwerk zu bauen. Unser Vertreter hatte nun in der letzten Bertretersitzung angeregt, eine öffentliche Versammlung abzuhalten, wo der Gemeindevorsteher nähere Auskunft über den Gang der Sache geben könnte. Der Herr Gcmeiiidevorsteher ist diesem Ersuchen jedoch nicht nachgekommen; er scheint sich auch im Hausbesitzervercin wohler zu fühlen als in einer allgemeinen Versammluiig der OrtSeinIvohner. Mühlenbek!. AuS der Gemeindevertretung. Die Vertreter nahmen zunächst Kenntnis von der Amtsniederlegung des Gemeindevorstehers Müller. Des weiteren soll in einem Schreiben an den Landrat de? Kreises ersucht werden, den nach Mühlenbcck zu eiitsendendcii Amlsvorsteher die Gemeindeangelegenheiten fürs laufende Jahr kommissarisch ver- walten zu lassen, wofür eine Niemniieration von 1200 M. einschließlich Diensträume gezahlt werden soll. Ein Antrag des Pfarrers Gurr, dem Verein Jugendpflege aus der Gemeindekaffe 59 M. zu bewilligen, wurde nach Einspruch des Vertreters Genossen Barsch ab» gelehnt. Einige Anträge, in denen Aufbesserungen von Armen- Unterstützungen für solche Ortsormen verlangt werden, welche aus der Genieinde verzogen find, wurden, da die Notwendigkeit der An- träge nicht kontrolliert werden kann, gleichfalls abgelehnt. Spandau. Dir Bczirkswahlen für die zweite Abteilung abgelehnt. Bei den Stadtverordnetenwahlen der zweiten Abteilung im Vorjahre wurde bekanntlich wegen Ueberfüllung in einem Wahllokal bis Vzll Uhr gewählt. Aus diesem Grunde war ein Antrag gestellt lvorden, auch für die zweite Wahlabteilnng die Bezirkswahlcn einzuführen. Der Magistrat hat jetzt beschlossen, von der bezirksweisen Wahl für die zweite Wohlobleilung„einstweilen" Abstand zu nehme». Es soll lediglich die Zabl der Wahllokale eine Verinehrung erfahren. Die Ablehnung der Bezirkswahlen auch für die zweite Abteilung komint bei der Rnckitändigkeit des Magistrats nicht überraschend. Handelte es sich dock seinerzeit bei der Einführung der Bezirkswahlen für die dritte Abteilung nur darum, die Arbeiter der königlichen Institute bei der Wahl besser kontrollieren zu können.— Die Zahl der Stadt- verordneten soll nach der Fertigstellung des neuen Rathauses dem Wachstum der Stadt entsprechend von 48 auf 54 erhöht werden. Potsdam. Aus der Stadtverordnetensibung. Die Prima und Obersekunda im Realgymnasium soll mit Beginn des neuen Schuljahres geteilt werden. Hierdurch niacht sich die Anstellung zweier Oberlehrer und eines Mittelschullehrers notwendig; die Kosten in Höhe von 10 590 M. wurden bewilligt. In der Mottle- und Helmholtzstraße macht sich die Umlegimg von Tonrohrleitungen nötig, weil infolge des schlechten Untergrundes die KaiialisätionSleiiungen versackt sind. Die Kosten, die hierzu bewilligt werden, belaufen sich auf 5400 M. Der Magistrat hat kürzlich den Palast Barberini angekauft. In dem mit vielen Wohnungen versehenen Gebäude machen sich verschiedene Erneuerungen notwendig, wozu 1500 M. ausgeworfen werden. All der Glienicker Brücke hatte die Stadt gelegemlich des Brückenl'aueS im Jahre 1905 Gelände an den Fiskus für drei Jahre verpachtet. Die Wasserbanverwalinng hat ohne die Genehmigung der Stadt einzuholen das Gelände durch Säulen und Treppenanlagen verändert. Der Magistral verlangt das Gelände zurück und will der Wasserbauverwallung die Kosten der Aufschiiltuiig usw. erstatten. Die Wasierbauverwallung hat jedoch ans die am 4. April 1910 abgesandte Anfrage des Magistrats trotz wiederholter Erinnerungen des letzteren bis heute noch nicht ge- antwortet. Die Stadtverordneten ermächtigten den Magistrat zur Klage gegen die Wasserbauverwaltung. Die städtischen Körperschaften hatten im Juli 1909 ein OrtSstatut aufgestellt, nach dem die Anlieger der Bahnstrecke Potsdam— Wttdparl zu den Kosten der Höhcrlegung Bis � 9 Ul\r abends geöffnet / Lagerware und außergewöhnlich. Ulsler Osstrsltts und Karlerle Phantasie-<��.75 Stoffe.................. Jetzt nur Brauner, grüner und grauer Cheviot oder Flausch............ Jetzt nur/ Braun, oliv, gelb-braune Diagonal« OO Cheviots und Flausch..... Jetzt nur Hell und dunkel melierte Cheviots, sehr elegant verarbeitet....... Jetzt nur/ Olaffe sowie angerauhte Flausch Stoffe In �£�75 den neuesten Farbentönen. Jetzt nur*x%ß billige Gelegenheiisposfen Palelots Marengo«Cheviot, glatt u. gerauht, sehr solide.................. Jetzt nur DunKelgrauer Cheviot mit'feinen, farbigen Streifen............ letzt nur Felngemusferfer Eskimo, sehr vornehm und solide.............. Jetzt nur oPU Eskimo oder Marengo- Cheviot, glatt*%.y4 30 und fein gemustert....... 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In der letzten Stadlverordnetensitzung wurde nun ein anderes, verändertes Statut vorgelegt, das eine gerechtere Verteilung der Lasten bringen sollte. Die Stadtverordneten versagten diesem Statut ihre Zustimmung, weil sie es für ungerecht hallen, dast man die Anlieger zu diesen Rosten heranzieht, denn der Vorteil sei nicht ein so groster und es wäre auch beim Grundstücks- verkauf unangenehm, wenn dasselbe mit einer Abgabe, die bis zum Jahre 1941 reicht, belastet sei. Der Magistrat war natürlich über diesen Standpunkt der etadtväter nicht wenig erstaunt, denn er Ivar damals wiederholt aufgefordert worden, ein solches Ortsstatut aus- zuarbeiten und hatte dies denn. auch mit Widerwillen gemacht. Die Stadtväter ivußten anscheinend nicht mehr, das; sie vor drei Jahren anderer Ansicht gewesen waren. Um die Lehrerinnen mckl dem Versicherungsgesetz für Privatangestellte zu unterwerfen, fand ein Ortsstatut Annahme, das die Hinterbliebeiienfürsorge für die Lehrerinnen regelt. Der Magistrat halte schon verschiedentlich die Errichtung einer Schulzahnklinik beantragt. Die Stadverordneten waren hier jedoch immer zugeknöpft und hielten eine ambulante Be- Handlung für ausreichend. Die Schulärzte haben sich jetzt über- einstimmend für die Errichtung einer Schulzahnklinik ausgesprochen. Eine gemischte Kommission soll hierüber die Vorarbeiten er- ledigen._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Lichtenberg. Am Frcilag, den 20. Dezember, in der Schnlaula, Ralhau�-itraije. Aus der Tagesordnung steht u. a. Wahlprüsungen bezw. Einsprüche. Tcnipelhof. Donnerstag, den 19. Dezember, nachmittags 5 Uhr, im Gemciiidcütznngszimmer, Dorfftr. 42. Ranlsdorf. Donnerstag, den 19. Dezember, abends 7'/, Uhr, in Kötzcs Berggacten. Franksiirlcr Str. 5. Tpandau. Donnerstag, den 19. Dezember, nachmittags 4'/« Uhr, im Rathause. Rosenthal. Donnerstag, den 19. Dezember, abends 6 Uhr. in der Schulaula, Schillerstrahe. Radebrück bei Alt-Landsberg. Donnerstag, den 19. Dezember, abends v Uhr, im Genicindebureau. Diese Sitzungen sind iisfcntlich. Jeder Gemeindcangehörige ist be- rechiigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hus aller Kielt. Der Kirche ins Stammbuch. Eine scharf gehaltene Epistel hält Professor Rade- Marburg seinen christlichen Glaubensgenossen in Nr. 59 der„Christlichen Weit" vom 12. Dezember. Er nimmt die internationale sozialistische Friedensdemonstration in Basel zum Thema seiner Besprechung und bemerkt dazu: „... Wenn eS richtig stünde, hätte jene Demon- strationen die ch r i st l i ch e Kirche veranstaltet. Wenn wir eine christliche Kirche, eine organisierte Christenheit hätten.... In manchen Kreisen ist eine Sache schon daiin diskreditiert, wenn die Sozialdemokratie sich ihrer annimmt. Da diese Kreise in den«leisten Staaten herrschend sind, haben die Staaten den Nachteil davon. Insbesondere bei uns: wieviel Orientierung des politischen Lebens an der Sozialdemokratie! Man soll ruhig auch von den Sozialdemokraten lernen und das Gute nehmen, das man bei ihnen findet, in welchen Formen, in welchem Zusammenhang auch immer. Fällt das den Juristen und Regenten im Staate so schwer, so sollten es die Christen in den Kirchen um so unbefangener tun. Dem internationalen Sozialisten- kongreß ist in Basel das Münster geöffnet worden und die Geist- lichkeit der Stadt hat, wie män las, fast vollzählig' den Ver- Handlungen beigewohnt. Ich empfinde das wie eine Ehrenrettung der Kirche, ob auch eine noch so bescheidene. Im Deutschen Reiche sind die Predigten schon so gut wie fertig, die im Falle der Mobilmachung von allen Kan- zeln werden gehalten werden. Man ist prinzipiell, religiös gerüstet auf den Krieg. Die Buh- und Betgottesdienste, die mit Ausbruch des Krieges überall stattfinden werden, sind bei den Kirchenregimentern vorgesehen und die Order dazu wird so pünktlich ausgehen, wie die Befehle zur Mobilmachung. In- zwischen schleicht die Bitte um Frieden im allgemeinen Kirchengebet leise dahin, und nur hier und da lägt ein Pfarrer auch in der Predigt diesen Ton anklingen. Aber die Christenheit von heute soll die Sorge für den Frieden nicht blast den Sozialdemokraten überlassen. So leicht soll man auf seine Erstgeburt nicht ver- zichten. Wenn Offiziere in solcher Zeit ihr Schwert schärfen, so ist das ihre Pflicht.... Genossen der christlichen Kirche aber sollen in solcher Zeit ernst vom Frieden reden und für ihn arbeiten, oberste sollen sich vor den Genossen der Sozial- demokratie schämen... so gut wie die sozialdemokrati- schen Parteien der verschiedenen Länder müßten auch die ch r i st- lichen Organisationen der verschiedenen Länder wider einen frivole» Krieg rechtzeitig ihr Gewicht in die Wagschale werfen. Wenn es wäre, wie es sein sollte!" Die von wahrhaft religiösem Empfinden getragenen Worte des Professors Rade werde» taube Ohren finden. Sagt er doch selbst. daß die Kanzelpredigten schon ferlig sind, die im Falle eines Krieges dem Menjchenmordcn die kirchliche Weihe geben sollen. 5?iiedensagitaiion ist«nerlviinscht. Die Oesterreichische Friedensgesellschaft, ein geivist völlig Harm- loser Snttnerverein wollte ein Plakat anschlagen lassen, in dem dar- gelegt wird, daß das Volk keinen Krieg wolle. Das Plakat war übrigens höchst m ona rch i stich, sprach vom geliebten Kaiser. usw. Trotzdem Hat die Wiener Polizeidirektion die Plakatierungs- b e Iv i l l i g u n g verweigert. Na ja, was hat das Volk zu wollen oder nicht zu wollen? Wenn es zur Schlachtbank geführt werden soll— die Mobilisierungsorder loird plakatiert werden! Säbel und Bibel. Wilhelm II. hat im Gegensatz zu seinem ungläubigen Vorgänger Friedrich II. den Satz aufgestellt, dast nur ein guter Christ ein guter Soldat sein könne. Und tatsächlich wird bei uns mit dem Zwange zur Religion alles getan, ivas in diesem Sinne gute Soldaten schaffen könnte. Nun soll auch in Belgien, wo bisher das Heer noch weniger vom herrschenden Klerikalismus berührt war, in gleicher Richtung gearbeitet werden. Vielleicht will man damit die Anhänger der Regierungspartei, die bisher aus überliefertem Gegensatze der Kirchensoldaten zur Staatsgewalt den militärischen Bestrebungen kühl gegenübergestanden haben, die Zustimmung zu den bevorstehenden neuen großen Opfern für den Militarismus erleichtern. In einer Schrift, die demnächst vom K r i e g s ni i n i st e r i u m herausgegeben wird, finden sich folgende Stellen:„Da die Religion die einzige Quelle des Glückes, der Tugend, des wahren Mutes und des Trostes ist, muß jeder im militärischen Beruf bemüht sein, sie zu üben und ein geregeltes Leben zu führen. Lästerungen, Schwören und Fluchen müssen vermieden werden, und in dieser Hinsicht wie in allem, was zur Aufrechterhaltung der guten Sitten dienen kann, müssen die Vorgesetzten ein gutes Beispiel geben und alle Ausschreitungen vermeiden."—«Das wird also eine fromme Armee werden. Wie es freilich mit der RekrutenauSbildung gehen soll, wenn das Schwören und Fluchen nicht mehr vorkommen, darf, läßt sich nicht leicht sagen. In O e st e r r e i ch hat man �die Soldaten zur großen Prozession kommandiert und sie gleickzeltig mit scharfen Patronen ausgerüstet, um etwaige Störer gleich totzuschießen. Aehnliches wird von den Truppen im frommen Belgien für den Generalstreik verlangt. Kleine Notizen. In de» Tod aus Furcht vor Strafe. Der Leuchtturmwächter Fröhlich und seine Frau begingen in der vergangenen Nacht in ihrer Dienstwohnung am Leuchtmrm in Meine l Selbstmord durch Erhängen. In hinterlassenen Briefen erklären sie, eine ihnen drohende Anzeige wegen Veruntreuung habe sie in den Tod getrieben. Deutsche Schiffbrüchige. Im englischen Hafen Leith ist am Montag die schiffbrüchige Mannschaft des deutschen Schleppnetzfischer- bootes„Elsfleth" eingetroffen. Das Schiff war im vergangenen Monat an der Südostküste von Island in Sturm und Regen g e- scheitert, und die Mannschaft brachte s e ch z e h n S t ü n d e n a ii B o r d z u, ehe sie durch die heldenmütigen Anstrengungen der Isländer mit Hilfe der Leine an Land gerettet wurden. Die aus zwölf Personen bestehende Mannschaft wurde mit Ll» K» nähme eines Heizers gerettet. Keine Gnade. Am Dienstagmorgen um 8 Uhr wurde aus dem Hofe des Krefelder Gerichlsgefängnisses der 19jährige Hilfsarbeiter Theodor Bruhn mit dem Fallbeil hingerichtet. Vruyn hatte am Sonnabend vor Ostern auf den 16jährigen Lehrling E n g efl.S eine» Raubmord verübt. Sein Gnadengesuch war abschlägig beschicden worden.<, Ein neuer Höhenrekord für Versuchsballons. Der bisher be» stehende Höhenrekord für Versuchsballons- ist gestern geschlagen ivorden. Ein vom Observatorium in Pavia aufgelassener Ballon. ist bis zu einer Höhe von 37909 Metern gestiegen, einer Höhe, die vordem noch nicht erreicht worden war. Ein Unterosfizier als Brandstifter und Mörder. In der Kaserne der reitenden Artilleriebrigade in P e t e r s b u r g brach am Dienstag ein Brand aus, der schnell gelöscht wurde. Als ein der Brand- stiftung verdächtiger Unterosfizier verhaftet werden sollst, erschoß er den Stabskapitän Kologritvow, ver- wundete einen Militärschstiber und versuchte dann, sich selbst zu erschießen. Explosionskatastrophe. Am Dienstagnachmittag ereinete sich in dem Pariser Hotel Ferras eine folgenschwere Explosion infolge Bruches eines Dampfzusührnngsrohres zum Kessel der Zentral- Heizung. Die Explosion erfolgte mit so großer Heftigkeit, daß das Erdgeschoß, in welchem das Bureau, der Lesesaal und das Restaurant des Hotels belegen sind, vollkommen zerstört wurde. Fünf Personen, darunter der Besitzer des Hotels, wurden schwer verletzt._ Lese- und Diskutierklub„Wilhelm Liebknecht". Heute Mittwochabend: Sitzimg im Lokal von Eichhorn, Danziger Str. 94. Vortrag. Gäste willkommen._ Marktbericht von Berlin am 1«. Dezember INI», nach Ermittelungen de§ tönigl. Polizeipräsidiums. 199 Kilogramm Weizen, gute Sorte 49,(32 bis 19,70, mittel 19,46—19,54, geringe 19,30—19,38. Roggen, gut« Sorte 16,97—17.99, mittel 16,91—16,94, geringe 16,85—16,88(ab Bahn). Futttcr. gerste, gute Sorte 18,19—18,79, mittel 17,49—18,99, geringe 16,89—17,39. Hafer, gute Sorte 19,99—29,49, mittel 17,20—18,90(frei Wagen und ab Bahn). M a r k t h a I l e n p r e i s e. 199 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 39,99—59,99. Speis ebohncn, weiße, 36,99—59,99. Linsen 35,99—69,99. 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