Mr. ASS. Hbonncmcnts--Bcdingungcn: BbonncmentB- PrciS vränuu�crandOi Tierteljährl. ZM Mk�. monatl. 1.10 Mk.. wöchentlich 28 Psg. frei inä HauZ. Einzelne Zlumoicr 5 Pfg. SonntagS» nunimer niit illustrierlcr Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonncinentt U0 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcimngS. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Blarl, sür das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. A9. Jahrg. Die Infcrtions-Gcbüfir beträgt für die scchsgcspalicnc Kolonel- zcile oder deren viaum so Psg.. für .■ fdtMtanoP Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), icdcs weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort s Psg. Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Jnscrnia sür die nächste Stummer müsse! 5 Uhr nachnültagS in der Ex! abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. CrMxlnt taglich anücr montags. Berliner Bolksblnkk. Telegramm- Wressc: „Sozialtiemollrat Ktrlin". Tentralorgan der rozialdcmohrati fehen Partei Dcutfchlands. Redahtion; SLl. 68, Lüidenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Aioritzplatz, Nr. IS8S. Expedition: SM. 68» landetistrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. tSSit. ver CuftiDilitarismus. ES ist ja bereits offiziell angekündigt»vorden, daß uns zu all den übrigeil ungeheuerlichen Militärlasten auch noch eine Luftflottcnvorlage unmittelbar bevorsteht. Wie viel sie erfordern wird, weiß man nichts nur so viel ist sicher, daß sie im Reichstag eine große Mehrheit finden wird, wie viel sie auch immer fordern mag. Nach Melhungen der Presse soll es sich um einen NachtragSetat in Höhe von 16— 17 Millionen handeln. Da auch der gegenwärtige Etat für die Luftflotte eine Ausgabe von zirka 7 Millionen vorsieht, würde der Luft Militarismus uns also künftig schon etwa 2 Dutzend Millionen kosten, für den A n f a n g eine schon sehr respektable Summe I Wie viel er gar in 5 oder 10 Jahren beanspruchen wird, das entzieht sich jeder Berechnung. Denn wenn unser Militarismus schon jetzt, wo wir doch noch in den Babyschuhen der Luftsahrttechnik stecken und ernstlich doch nur im Hinblick auf die künftige Entwickelung der Luftschiffahrt von einer „Eroberung der Luft" sprechen können, so gewaltige Mittel für den Luftmilitarismus auswenden, so würde die Erfindung einer wirklich sicheren, von den Tücken des Motors und den Launen der Witterung einigermaßen unabhängigen Flug Maschine vollends eine Revolution unseres Militarismus und geradezu unabsehbare Aufwendungen dafür im(Sefolge haben. Wie hoch eigentlich unsere heutigen Ausgaben für den Lnftmilitarismus der beiden Systeme schwerer und leichter als die Lust, sür Lenkballons und Flugmaschinen sind, läßt sich leider weder aus dem Etat, noch aus den letzten Gesetzen über die Friedenspräsenzstärke und die jüngste Flottennovelle feststellen. Denn die Ausgabeposten für den Lustmilitarismus sind derart über den gesamten Heeres- und Marincetat ver- zettelt, daß. es. einer Wochenlaugen Durchsicht und Berechnung bedürfte, um sie mit einiger Genauigkeit zu fixieren. Dies Verfahren entspricht einmal der beliebten Praxis, der Volks- Vertretung möglichst wenig Einblick in die Einzelheiten des Etats zu gewähren, andererseits aber auch der Absicht, dem Auslande keinerlei Aufschluß- über die Entwicklung der„fünften Waffe" innerhalb des deutschen Militarismus zu geben. Als ob nicht gerade diese Geheimniskrämerei geeignet wäre, bei oen Chauvinisten des Auslandes womöglich aben- tcuerliche Befürchtungen zu erwecken und so gerade ein um so krampfhafteres Wettrüsten zu fördern! Wir sagten, daß sich weder im Etat noch in den Militär- vorlagen die Ausgaben für den Lustmilitarismus näher fest- stellen ließen. Wieviel für Luftschiffe, Flugmaschinen, Flug- Plätze, Luftschiff- und Flugpersonal usw. im Etat für 1913 angesetzt ist. ist ohne enormen Zeitaufwand völlig unersichtlich. Ja selbst wenn man die Zeit opfern wollte, um unter den verschiedensten Kapiteln und Titeln die Aufwendungen für das Personal zusammenzurechnen, so fänden alle Mühen ihre Schranke bei den Titeln, wo einfach jede nähere Spezialisierung die Ausgaben für die Luftschiffahrt mit denen für die Verkehrstrnppen im allgemeinen zusammen aufgeführt werden. So stecken z. B. unter den Ausgaben„zur Unterhaltung des Feld- geräts" usw. der Verkehrstrnppen(Kapitel 39, Titel 14) in Höhe von 1 334 393 M. erhebliche Beträge für die Luftschiff- fahrt— wie hoch diese Beträge aber sind, ist aus dem Etat nicht zu entnehmen. Das gleiche ist der Fall bei dem „Uebungs- und Unterrichtsfonds der Verkehrstruppen" (Kapitel 39, Titel 15) in Höhe von 2 763111 M., in dem wiederum ohne Spezialisierung die Ausgaben für die Luft- schiffahrt mit einbezogen sind. Da war es doch noch besser im Nachtragsetat für 1912, wo doch wenigstens im Marine- etat die einmalige Ausgabe von 2 Millionen für Luftschiffe ohne Umschweife aufgeführt war. Daß es sich aber bei unserem Luftmilitarismus auch heute schon keineswegs um Nebensächlichkeiten handelt, ergibt sich schon aus der Neuorganisation der Fliegertruppen durch daS neue Gesetz für die Friedenspräsenzstärke. Wurde dadurch doch für 1912 die Fliegertruppe von 70 auf 421 Mann ge- bracht, also um 351 Mann erhöht. Und aus dem Etat für 1913 ersehen wir. daß neben dieser Organisation der Spezial- fliegertruppe auch die Marine sich ihr Luftschiffer- und Flieger- korps geschaffen hat, das nicht weniger als 200 Mann stark ist. Ferner finden wir. daß u. a. der Marineetat� für 1913 an „Beschaffungen auf verkehrstechnischem Gebiete" 750000 M. mehr erfordert, wegen„erhöhter Versuche und Uebungen auf dem Gebiete des Luftschiffs- und Flugwesens". Jedenfalls sehen wir, daß heute schon mehr als 600 Mann den Luftschiffer- truppen angehören, ganz abgesehen von den zahlreichen sonstigen Offizieren, die zwar als Flieger ausgebildet worden sind, aber der eigentlichen Fliegertruppe nicht angehören. Kein Zweifel aber, daß unsere Luftschiffahrtstruppen verdoppelt und verdreifacht werden, wenn die neue Luft- flottenvorlagc Gesetz wird. Denn was sollen die zahlreichen Luftschiffe und diversen hundert Flugniaschincn, wenn nicht das nötige Bemannungs- und Bedienungspersonal dafür vorhanden ist! Aber auch mit den Luftschiffen und Flugschiffcn einerseits und dem dazugehörigen Personal andererseits ist es noch nicht getan, denn zur Luftschiffahrt «hört auch eine tüchtige Zahl von Luftschiffhäfen, von 'enorm teuren flj Lustschiffhallen, von Flugplätzen und Flug- zeugschuppen! Der Lufwiilitarismus ist eben ein überaus kostspieliges Vergnügen I Inzwischen haben auch die Organisatoren der„National- slug spende" Kassensturz gemacht und festgestellt, daß nicht weniger als Millionen Mark eingegangen sind. Ueber eine Million davon ist von den Spendern ausdrücklich zur Beschaffung von Militärflugmaschineu bestimmt worden, sodaß also dadurch die Anschaffungen von einigen 50 Flugmaschinen gesichert ist. Andere Flugmaschinen sind aber erst kürzlich wieder von der Militärverwaltung in Be- stellung gegeben worden. Man darf also gespannt darauf sein, wie viel weitere Flugmaschincn trotzdem die Luft- flottenvorlagc als notwendig betrachtet! Für die Flug- Maschinenindustrie können natürlich gar nicht genug Be- stcllungen erfolgen. Gibt es doch bereits annähernd 50 Flugzeugfabrikcn in Deutschland, die fast nichts an Private verkaufen und alle auf Alimentierung durch den Staat rechnen! Und wenn nun die übrigen Millionen der Flugspende hauptsächlich zur weiteren Aus bildung von Fliegern verwendet werden sollen, so wird erst recht das Geschrei nach immer neuen großen Ankäufen der Heeres- und Marineverwaltung laut werden, damit auch den ausgebildeten Fliegern als Piloten der Flugzeugwerke Be s ch ä f t i g u n g garantiert wird! Während so die Flugspende einen neuen Anreiz für den Militarismus darstellt, immer neue Flugmaschinen zu kaufen und die Fliegertruppe immer mehr zu verstärken, wird sie auf der andern Seite dazu dienen, auch den Bau von Lenkballons für den Militarismus zu forcieren. Haben sicb doch bereits zwei Parteien innerhalb unserer militart'cischen Sachverständigen-Krcise herausgebildet, von denen jet� die andere eifersüchtig überwacht, ob nicht am Ende die Flugniaschinen auf Kosten der Lenkballons oder umgekehrt die Lenkballons auf Kosten der Flugmaschinen einen Vorsprung gewinnen. Die„Döberitzcr" sind ebenso von der Ueberlegen- heit der Flugmaschinen überzeugt wie die„FriedrichLhavener" von der Superiorität des Lenkballons. Und damit nun keine Partei zn kurz kommt, wird auf beiden Gebieten aus Leibes- kiäften gerüstet l Das Volk aber mutz die notwendigen S u mm e n durch indirekte Steuern aufbringen! Schon kostet uns der Militarismus zirka 2000 Millionen jährlich. Wollten wir aber weiterhin den Lohnausfall fiir die 700000 Mann jährlichIbei 1000 M. pro Kopf— 700 Millionen) und alle sonstigen indirekten Auf- Wendungen hinzurechnen, so kämen mindestens 3000 Millionen jährlich heraus. Aber das tst unseren Kriegshetzern noch lange nicht genug: zu dem Land- und Wassermilitarismus muß nun auch noch der Luftmilitarismus dem Reiche jede kulturelle Betätigung unmöglich machen helfen! Man tröste sich auch nicht damit, daß die Ausgaben für den Lustmilitarismus wenigstens den Sinn hätten, die Luft- schiffahrts- und Flugtechnik fördern zu helfen. Wenn es in erster Linie darauf ankäme, würden einige Millionen, die ein Kulturstaat für solche Zwecke jederzeit übrig haben müßte, im Verein mit dem Erfinder- ehrgeiz völlig genügen, um das lockende technische Problem mindestens ebenso rasch seiner Lösung entgegenzuführen. Denn daß die heusige kapitalistische Konkurrenz der inter- essierten Firmen viel weniger der technischen Ent- Wickelung als dem mit den skrupellosesten Mitteln ge- führten wirtschaftlichen Wettbewerb dient, bei dem häufig nicht neue Ideen, nicht bessere Maschinen. sondern das größere Kapital und die besseren Ver- bindungen den Sieg davontragen, ist allen eingeweihten Kreisen bekannt! Das Wettrüsten der Völker in den Lüften ist die letzte, tollste Uebergipfelung des militaristischen Wahnsinns. Es ist wahrhaftig allerhöchste Zeit, daß der auf seine kulturelle Ehre haltende Teil des Volkes, daß das internationale Pro- letariat seine ganze Energie aufwendet, um Endlich dem Völkermord und den aberwitzigen Vorberci- tungen dazu ein Ziel zu setzen! 2unehmenller optiwismus. Die offizielle Mitteilung, daß die Botschafter- konfcrenzen in der albanischen und serbischen Frage zu Vorschlägen gekommen sind, die von den sechs Regierungen im Prinzip akzeptiert worden sind, wird allgemein als ein jvcsentlicher Fortschritt auf dem Wege der friedlichen Schlichtung der Balkanschtvierigkeiten betrachtet. Auch die österreichische Politik, die bisher stets ihre pessimistische Auf- fassung herausgekehrt hat, scheint sich mit der gemeinsamen Regelung der serbisch-österreichischen Fragen endlich abzufinden und die Wiener Presse spricht mit zunehmender Be- stimmtheit die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Krise aus. In London hat, wie uns unser Korrespondent tele- graphiert, das einmütige Uebereinkommen der Botschafter gleichfalls größte Befriedigung ausgelöst. Die„Times" schreiben, daß mit der Uebereinkunft über die serbischen und albanischen Probleme die zwei heikelsten und schwierigsten Fragen, die Europa beunruhigt hätten, als gelöst betrachtet werden könnten. Man könne auch sicher sein, daß die Be- kanntmachung nicht erfolgt wäre, wenn nicht die Mächte wenigstens prinzipiell in bezug auf die wesentlicheren prakti- schen Einzelheiten, also in bezug auf den Umfang und die Grenzen des neuen Albanien und die Art und Weise, in der dem serbischen Handel der freie Zugang zur Adria geschaffen werden solle, bereits zu einem Ueber- cinkomnien gelangt wären. Das Blatt spricht auch die Hoffnung aus, daß nian nun mit den nnli- tärischen Vorbereitungen aufhören werde. Denn jetzt, Ivo alles, was Oesterreich verlangt, zugestanden worden sei und Serbien friedfertige Wünsche äußert, sei die Zeit gekommen, um mit den„Vorsichtsmaßregeln", die nicht niehr nötig seien, aufzuhören... Dieselbe Auffassung herrscht auch, wie aus den Dar- legungen des französischen Ministerpräsidenten hervorgeht, in Frankreich. P 0 i n c a r 6 konnte auch die Zuversicht aussprechen, daß Serbien sich dem Uebereinkommen der Großmächte an- schließen werde. Diese Zustimniung Serbiens wird auch in einem Telegramm der offiziellen französische» Telcgraphenagentur als sicher bezeichnet. Weniger günstig lauten die Nachrichten über die Friedenskonferenz. Die Türkei nmcht nach alter schlechter Gewohnheit immer neue Winkelzüge und hat bis jetzt den Beginn sachlicher Verhandlungen fortwährend hinaus- gezögert. Darüber meldet uns ein Privattelegramm aus London: In bezug auf die Friedenskonferenz sieht die Lage wenig hoffnungsvoll aus. Dr. D i l l 0 n vom„Daily Telegraph". der uuzioeifelhaft mit den Delegierten die engsten Beziehungen unterhält, meint, daß die Türken sich absolut weigem, Adria- nopel abzutreten. Sollten die Bulgaren auf die Abtretung dringen, so wird die K 0 n f e r e n z i n d i e B r ü ch e gehen. Er habe keine Hoffnung, daß die Unterhändler, wenn sie sich selbst überlasse» bleiben, zu einer friedlichen Regelung koinmen werden. Falls nicht ein cksus es machina erscheine, werden sie den Lon» doner Staub.von den Füßen schütteln, nach Hause zurückkehren und die Kriegssurie von neuem entfachen. Dieser rettende Gott könnten natürlich nur die Groß- mächte sein. Ein Druck von ihrer Seite wäre schon des- halb nicht aussichtslos, tvöil die ungeheuren Opfer und die finanzielle Bedrängnis der Kriegführenden diese trotz allem dem Friedensschluß geneigt machen müssen. Eine Weitcrführung des Krieges würde andererseits neue Schwierig- ketten niit unberechenbaren Folgen für die eben erst so müh- sam herbeigeführte Einigkeit der Mächte heraufbeschwören, so daß vielleicht die Hoffnung nicht unberechfigt ist, daß die Groß- mächte sich jetzt auch um den Friedensschluß der Balkanstaatcn energischer bemühen werden. Ist also sicherlich eine erhebliche Besserung der Lage zu verzeichnen, so wird von einer endgültigen Ent- spannung der gegenwärtigen Krise doch erst gesprochen werden können, bis der Balkanfriede geschlossen ist, wozu auch die Erledigung der rumänischen„Kompensationen" gehört, und die Mobilisierungen Oesterreichs und Rußlands wieder rück- gängig gemacht sind. Die Friedenskonferenz. London, 21. Dezember. Die Friede nsdelegicr- t e n traten heute nachmittag 3 Uhr 50 Minuten im St. James Palast zu einer neuen Sitzung zusammen. Türkische Winkelzüge. Konstantinopel, 20. Dezember.„I e n i G a z e t t a" sagt in der Besprechung der neuen Instruktionen für die türkischen Friede nsbevollmädstigten: Bei der Unterzeichnung des Waffenstillstandsprotokolls ist ein Irrtum unterlaufen. Das vorn türkischen Ministerräte genehmigte und anfänglich von den Bulgaren angenommene Waffenstillstandsprotokoll hatte bestimmt, daß die belagerten Plätze approvisioniert werden sollte». Als am folgenden Tage die Rcchtsbeisiände der Pforte ab- wesend waren, legten die bulgarischen Delegierten einen anderen Protokollentwurf vor, der die Approvisionicrung nicht zuließ. Dieser zweite Entwurf wurde i r r t ii m l i ch e r- weise oder aus Zeitmangel(!) unterzeichnet. Wenn es sich bloß um Bulgarien, Serbien oder Montenegro handelte, bätte die Äpprovisionierungsfrage keine Bedeutung, weil eine Verständigung innerhalb vierzehn Tagen möglich gewesen wäre. Da für den Fall der Teilnahme Griechenlands, mit welchem in mehreren Punkten, besonders bezüglich Sa- lonikis und der Inseln, Meinungsverschiedenheiten bestehe», die Verhandlungen einen bis zwei Monate dauern können, wurden die türkischen F r 1 e dr ns b ev 0 ll mä cht i g- t e n angewiesen, die Teilnahme Griechen» lands an den Friedensverhandlungen bloß unter der Zu» satzbedingung der Approvisionicrung der belagerten Städte während der Friedensverhand- lungen zuzulassen. Serbiens Zugang zum Aegäischen Meer. Athen, 21. Dezember. Die endgültige Konvention über die Verbindung der Eisenbahnen von Saloniki und Scr- bien nach dem Weste» ist gestern von Vertretern Griechenlands und Serbiens unterzeichnet worden. Der franzönicbe Mnifterprällclent über die KriPe. Paris. 21. Dezember.(Teputiertenkammer.) In der heutigen Sitzung erklärte Ministerpräsident Poincare: Er sei vor der Kammer zu ebenso großer Zurückhaltung verpflichtet, wie vor der Kommission für auswärtige Angelegenheiten. In einem län- geren Rückblick hob Poincare das vollständige E i n v e r- nehmen zwischen Frankreich. Rußland und England hervor. Frankreichs Verbindungen mit England seien niemals vertrauensvoller und enger gewesen.(Beifall.) Ein Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs Hab«, wie es scheine, aus gewissen Umständen die Befürchtung hergeleitet, daß die britische Regierung in ihren Beziehungen zu den anderen Mächten eine Politik verfolge, die nicht völlig in Einklang stand mit Frankreichs Aufrichtigkeit. Die Haltung der englischen Regierung erlaube nicht, diese Befürchtung zu teilen. Greh habe nicht weniger Wert darauf gelegt, in spontaner Weise zu erklären, daß diese Besürch- tungcn nichts Begründetes hätten.(Beifall.) Poincare erinnert« des weiteren daran, daß O e ft e r- reich-Ungarn feit November klar und deutlich zu verstehen gegeben habe, daß es keine territorialen Absichten»er- folge. Sodann kam der Ministerpräsident auf die Initiative Eng- lands in der Berufung der Botschafterkonferenz zu sprechen sowie auf die Beschlüsse, die diese bereits gefaßt habe: nämlich über Alba- nien und die Frage eines AdriahafenS. Poincare erklärte: Er fei überzeugt, daß sich Serbien diesem Standpunkt an- schließen werde. Poincare fuhr fort: Man kann das Ergebnis der Friedensverhandlungen nicht vorhersehen. Wenn es unglücklicherweise zu einem Bruch käme, so würde damit die Rolle Europas nicht beendet sein, denn die Wiederauf- nähme der Feindseligkeiten könnte den Brandherd ver- g r ö ß e r n. Frankreich würde eine Vermittelung anbieten und sich bemühen, die Mächte zur Aufrechterhaltung des Friedens zu bestimmen. Aber so ausrichtig die Absichten Frankreichs sind, ebenso sehr ist es entschlossen, dieser heiligen Sache, der National- ehre, Respekt zu verschaffen.(Lebhafter Beifall.) Poincare wurde beglückwünscht. Erklärungen der sozialistischen Deputierte«. Paris. 21. Dezember.(Privattelegramm des.Vor- wärt s'.) Nach PoincareS Erklärungen, die allgemein einen gün- stigen Eindruck machten und an einzelnen Stellen, wie über die Friedensbemühungen der französischen Regierung, auch von den Sozialisten applaudiert wurden, protestierte Vaillant in einer aufmerksam angehörten Erklärung gegen die Anwendung der Anarchistengesetze gegen die proletarische Friedenspropaganda und betonte die Bedeutung des Base- ler Kongresses. Als Redner sagte, die Kommune werde diesmal nicht nur von Paris, sondern von ganz Frankreich gemacht werden, lärmte die Mehrheit. Der Präsident D e s ch a n e l erklärte: Paris und Frankreich würden ihre Pflicht erfüllen. I a u r e s begrüßte Poincares friedliche Er- klärungen, die bewiesen hätten, daß die englische Demokratie, un- gefesselt durch Geheinwerträge, dem Frieden dient. Jaures for- derte, daß Frankreich, falls die Feindseligkeiten wieder aufgenommen werden würden, seine Neutralität bewahre und auch den Kriegführenden keine finanzielle Hilfe leiste. Die Vermittelung sei wertvoll, aber nur, wenn sie einstimmig angeboten werde. Der Redner findet es tröstlich, daß die Mächtegruppen begriffen haben, daß das System des Gleichgewichts nur ein Mittel zur Einigung Europas sei. 6ncchirch-türfcirchc Kämpfe. Scharmützel hinter Saloniki. Wien» 2». Dezember. Aus Saloniki wird vom vorgestrigen Tage gemeldet: Bei Beglischta zwischen Jlorina und Koriza, zogen sich die von den Türken angegriffenen griechischen Sol- datcn, die nur eine Kompagnie stark»varen zunächst vor der Uebermacht zurück, erhielten jedoch nach zwei Stunden Verstärkun- gen und schlugen nunmehr die Türken zurück. Beglischta wurde von den Griechen wieder besetzt. Auf Mytilene. Athen, 20. Dezember. Die Griechen haben auf Mytilene die Türken aus ihren vorgeschobenen Stellungen verjagt und Achyron eingenommen. Sie setzen die Verfolgung des Feindes fort, dessen Kapitulation sicher ist. politifcbe ClcbcrRcbt. Berlin, den 21. Dezember 1912. Tas gesetzliche Umsatzstcuerverbot! AuS Sachsen wird uns geschrieben: Seit einer Reihe von Jahren spielt fast in allen deutschen Bundesstacrten die Umsatzsteuerfrage eine Rolle. Für die Mittel- ftandspolitiker und ihre Organisationen ist sie mit der Zeit das kräftigste Schlagwort geworden. Bei politischen und Gemeinde- Wahlen steht es an der Spitze ihres Programms. Sogar liberal sein wollende Politiker haben nicht selten dieses unerhörte Steuer- unrecht mitgemacht. Die Umsatzsteuer hat in Sachsen ihren Aus- gangspunkt. Hier setzte man im Jahre 18V6 in der Zweiten Kammer des Landtags damit ein, vorher war sie kaum irgendwo im Reiche bekannt. Die Konservativen brachten sie durch einen Antrag aufs Tapet. Es entstand die Frage, ob diese Sondersteuer überhaupt mit den gesetzlichen Bestimmungen des Landes über das Steuer- Wesen in Einklang zu bringen sei. Sie war von vornherein gegen die Konsumvereine gemünzt, die um diese Zeit in Sachsen einen raschen Aufschwung nahmen. Fast alle namhaften Steuer- rechtslehrer, die um ihre Meinung befragt wurden, haben die Um- satzsteuer prinzipiell verworfen! Die Konsumvereine haben eine große Anzahl derartiger Gutachten provoziert, wie es überhaupt ihrem lebhaften Kampfe gegen die Steuer zuzuschreiben ist, daß dieselbe nicht den gewünschten Umfang erreichte. Die sächsische Regierung kam den Mittelständlern bezw. den Konservativen zu Hilfe, indem sie durch eine Verordnung an die unteren Be- Hörden erklärte, daß die Gemeinden das Recht hätten, eine Umsatz- stcuer bis zu zwei Prozent für gewisse Großbetriebe im Kleinhandel einzuführen. Dieser Zustand erhielt sich bis jetzt. Die Umsatz- stcuer war eine fakultative der Gemeinden, ohne daß in einem Gesetz darüber etwas bestimmt wurde. Die Konservativen haben jedoch noch in jedem Landtage, so- lange sie die Mehrheit haü.en, durch Annahme von Anträgen die Regierung aufgefordert, die Umsatzsteuer durch ein Landes- gesetz festzulegen: die Regierung lehnte das jedoch bisher ent- schieden ab, da sie sich den in der Praxis offen zutage getretenen Härten und Ungerechtigkeiten doch nicht ganz verschließen konnte. In der bekannten Denkschrift, die sie vor einigen Jahren herausgab, wurden sogar recht scharfe Töne, gegen diese Sondersteuer ange- schlagen, trotzdem blieb die Möglichkeit ihrer Einführung bestehen. Nach den neuesten Feststellungen ist sie zurzeit ig 17 Gemeinden eingeführt. In einigen hat man sie wieder abgeschafft, m andern wesentlich ermäßigt.' Um so erstaunter war man. als die Regierung in der Borlage zu einem neuen Gemeinde st euergesetz abermals die Ein- führung der Umsatzsteuer, und zwar sogar in zweifacher Form, zu- lassen wollte. In der Kommission, die die Borlage vorzubereiten hatte, wie auch im Plenum der Zweiten Kammer wurden diese Bc- stimmungen heftig umstritten. Noch bis zum letzten Augenblick drohte das ganze wichtige Gesetz daran zu scheitern. Denn in der Zweiten Kammer wurden sie von der erdrückenden Mehrheit— Sozialdemokraten, Nationalliberalen und Fortschittler— strikte abgelehnt. Rur die Konservativen legten sich für die Umsatzsteuer ins Zeug. Die Regierung machte zwar kein Hehl daraus, daß sie keinen so großen Wert auf die rohe Umsatzsteuer lege, um ohne sie das Gesetz zurückzuziehen: sie gab aber keine bestimmte Erklärung ab und hielt die kritischen Bestimmungen aufrecht. Die Erste Kammer aber stellte glatt die Regierungsvorlage wieder her. Nun begann das sehr umständliche, verfassungsmäßig vorgeschriebene »Vereinigungsverfahre n". Danach konnte das Gesetz nur zustande kommen, wenn sich beide Kammern einigten. Die gesamte Opposition der Zweiten Kammer blieb jedoch fest und ließ durch ihre Redner keinen Zweifel darüber, daß sie das Gesetz mit der rohen Umsatzsteuer scheitern lassen werde. Das zog! Die Regierung gab nach und auch die Erste Kammer. Man wollte offenbar die Verantwortung nicht auf sich nehmen, daß eine lang und eingehend vorbereitete wichtige gesetzliche Aktion wegen einer in weitesten Kreisen unpopulär gewordenen Steuerart ins Wasser fiel. So ist denn der Beschluß der Mehrheit der Zweiten Kammer Gesetz geworden, wonach die Einführung der rohe« Umsatzsteuer direkt verboten ist! Damit hat ein jähr- zehntelanger heftiger Kampf einen gewissen Abschluß gefunden, die Gegner der Steuer haben einen nicht unbedeutenden Sieg er- rungen. Natürlich ging es nicht ganz ohne Konzessionen ab. Da, wo die Steuer besteht, kann sie noch bis 10 Jahre nach In» krafttreten des Gemeindesteuergesetzes weiter be- stehen bleiben. Ferner ist zugelassen, daß die andere mildere Form der Umsatzsteuer, eine Kombination mit der Einkommensteuer, ein- geführt werden kann, nicht muß. Eine Steuerart, wie sie in Chemnitz bereits seit längerer Zeit besteht. Danach haben gewisse Großbetriebe im Kleinhandel acht Prozent ihres Umsatzes als Einkommen zu versteuern, auch wenn der Reingewinn in Wirk- lichkeit nicht so hoch ist. Die Regierungsvorlage schlug 10 Prozent vor, und die Erste Kammer wie die Konservativen der Zweiten Kammer stimmten dem zu. während die Mehrheit der Zweiten Kammer den Satz auf sechs Prozent herabgesetzt hatte. Unsere Genossen haben natürlich auch diese mildere Form der Umsatzsteuer bekämpft. Gegenüber der rohen Umsatzsteuer ist sie aber doch das bei weitem kleinere Uebel. Da die Konsumvereine in Sachsen durchweg Staats- und Gemeindeeinkommensteuer zahlen müssen und die an die Mitglieder gewährte Rückvergütung wohl überall mindestens acht Prozent beträgt, werden sie von der milde- ren Umsatzsteuer nicht getroffen. Im übrigen enthält das Gesetz verschiedene Kautelen gegen mögliche Härten, und ferner müssen die Gemeinden die Zustimmung der Regierung bezw.. der oberen Behörde haben, wenn sie diese Sondersteuer einführen wollen. Die Landtagsersatzwahl in Teltow-Beeskow. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen LandiagS- abgeordneten Fetisch im Kreise Teltow- Beeskow-Storkow und Stadtkreis Berlin- Wilmersdorf finden die Wahl- männerwahlen Mittwoch. den 12. Februar 1913 und die Wahl des Abgeordneten Donnerstag, den 27. Fe- bruar statt._ Eine Verfassungsänderung in Hamburg. Das Erlöscken des AbgeordnetenmandatS in Hamburg ist bisher durch den Artikel 42 der Verfassung so geregelt, daß ein Mitglied der Bürgerschaft, das seine Wahlberechtigung eingebüßt bat. damit auch feines Mandats verlustig geht. Da von der Ausübung des Wahlrechts auch Personen ausgeschlossen sind, die mit ihrer Steuer- leistung im Rückstände sind oder sich in Haft befinden, so ergab sich die Unsinnigkeit, daß ein unschlildig Verhafteter oder ein aus nicht ehrenrührigen Gründen zu Strafhan Verurteilter zum Austritt aus der Bürgerschaft gezwungen war. Dieser letztere Fall würde zum Beispiel eintreten, wenn unser Parteigenosse Winnig, der wegen seiner bekannten Slizze.Osterode", durch die er das deutsche Osfizler- korps beleidigt haben soll, zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt ist, in die Bürgerichaft gewählt würde, für die er als Kandidat unserer Partei aufgestellt ist. Bei einer bürgerlichen Fraktion hat dagegen schon der andere Fall— Rückstand in der Steuerleistung— praktisch vorgelegen. Es ist nun von der Fraltion der Lstilcn eine Aenderung des Artikel« 42 der hamburgischen Verfassung beantragt, die das Erlöschen des Abgeordnetenmandats analog der anderen Bundes- stallten regeln will. Danach würde dieser Artikel künftig lauten: Ein Mitglied der Bürgerschaft tritt aus der Bürgerschaft. 1. wenn es in den Senat gewählt wird, 2. wenn es das Bürger- recht verliert, 3. wenn es weder seinen Wohnsitz noch seinen Ge- schäftSbetrieb im hamburgischen Staatsgebiete beibehält. 4. wenn es entmündigt wird. b. wenn über sein Vermögen Konkurs eröffnet wird, 6. wenn ihm durch strafgerichtliches Urteil die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen werden. Es ist anzunehmen, daß diese Verfassungsänderung Wider» spruchslos von der Bürgerschaft angenoinmen wird. Rücktritt des württembergischen Ministers v. Pischek. Eine kurze Antwort auf den Sieg deS schwarzblauen Blocks bei den württembergischen Landtagswahlen hat der Minister des Innern, Dr. v. Pischek gegeben. Am Freitag wurde das endgültige Wahlergebnis bekannt: am Sonnabend berichtete der.Staatsanzeiger- über den Rücktritt des Herrn v. Pischek, den die„Schwäbische Tagwacht" kürzlich als nahe bevorstehend angekündigt hatte. Das Ministerium des Innern übernimmt der bisherige Kultus» minister v. Fleischhauer. Als Kultusminister. der vor drei Jahren das neue Volksschulgesetz durchführte, würde er gegenüber der schwarzblauen Herrschaft des neuen Landtages einen sehr schweren Stand haben. Darum will er sein Glück als Minister des Innern versuche». Zum neuen Kultusminister wurde der Präsident des Evangelischen Konsistoriums, Dr. v. Habermas ernannt, der offenbar die Nationalliberalen und die Konservativen einander noch etwas näherbringen soll. Herr v. Pischek stand seit dem Jahre 18S4 an der Spitze des Ministeriums de? Innern. In seinen ersten Amts- jähren zeigte er wenig Verständnis für die Sozialdemokratie. Auch im vorigen Jahre bei der Debatte über die Frage der Be- stätigung eines sozialdemokratischen Bürgermeisters für Stuttgart, behandelte er die Sozialdemokratie als eine Partei minderen Rechts. Aber er hatte im Laufe der Jahre doch einiges hinzugelernt, und verstand es schließlich, mit unserer Fraktion zusammenzuarbeiten. Unter der Verwaltung des Ministers wurde die neue Ge- meindeordnung geschaffen, durch welche die lebenslängliche Amtsdauer der Ortsvorsteher beseitigt wurde. Ferner brachte der Minister mit Unterstützung der Sozialdemokratie die neue Bauordnung zustande, und als letztes und bestes Werk das neue Schularztgesctz, das von den Konservativen aufs schärfste be- kämpft wurde. Die Stellung(der Konservativen gegenüber Herrn v. Pischek ergibt sich aus der von einem ihrer Führer in die Be- völlerung geschleuderten Bemerkung, daß es schwerer sei. eine neue Kuhmagd zu finden, als einen neuen Minister de? Innern. Es ist begreiflich, daß sich der Minister vor derartigen Säulen der staat- lichen Autorität nicht verbeugen möchte. Die Butter soll wieder teurer werden. Den Junkern bereilet es große Schmerzen, daß auf Milchrahm noch kein Zoll lastet. Butter trägt einen Zoll von 20 M. pro Doppelzentner. ES wird nun vielfach aus dem Auslande Rahm eingeführt, den unmittelbar an der Grenze errichtete Molkereien zu Butler verarbeiten. Besonders in Nordschleswig wird diese Praxis beobachtet. Der Rahm kommt aus Dänemark. In den ersten zehn Monaten deS lausenden JahreS wurden 343 009 Doppelzentner eingeführt gegen 259 121 Doppelzentner in bei gleichen Zeit 1911. Die Entwickelung beweist, daß Deutschland in wachsendem Maße auf eine Zufuhr angewiesen ist, weil die einheimische Produktion immer weiter hinter dem Bedarf zurückbleibt. Die Agrarier allerdings sehen in der Einfuhr von Rahm nur eine Verhinderung weilerer Preistreiberei. Die„Deutsche Tageszeitung" fordert deshalb die Einsührung eines Rahmzolles. Selbst nach agrarischen, für die Oeffentlichkeit bestimmten Argumenten soll lediglich die Frage der Konkurrenzfähigkeit, das heißt der Preiseulwickelung aus dem In« landsmarkte für die Einführung von Zöllen bestimmend sein. Wie steht es aber damit? Hat die Rahmeinfuhr die Preise gedrückt? Durchaus nicht. Die Preise find in den letzten Jahren vielmehr kräftig angestiegen. ES kostete z. B. ein Doppelzentner Butter in Mark: Berlin. 1. Sorte München ISOg..... 215,2 199,8 1903..... 223,6 204,7 1904..... 227,4 205,0 1905..... 235,2 218,7 1906..... 239,9 330,3 1907..... 234,6 229,8 1908..... 246,1 239,0 1909..... 241,6 244,3 1910..... 244,6 251,8 1911..... 255,0 261,2 Die Preise sind also fortgesetzt gestiegen! Im Vergleich mit dem Jahre 1907 macht die Steigerung nach der Berliner Notierung 20,40 M., nach der Münchener sogar Zl.40 M. aus. Im Kleinhandel kletterten die Preise natürlich ebenfalls hinauf. Nach den Fest- stellungen der„Stat. Korresp." kostete ein Kilo Butter im Durch- schnitt von 5» M.irktorten im November 1910 erst 266 Pf., im gleichen Monat 1911 jedoch 502,2 Pf. Im November diese? Jahre? ist der Preis zwar etwa? gesunken, er steht aber mit 285.1 Pf. immer noch 19,1 Pf. über dem Satz deS JahreS 1910. Angesichts solcher Entwickelung die Forderung nach Zöllen zu erheben, damit der Preis bald noch mehr steigt, dazu gehört die ganze Raffgier, durch die das bündlerische Agrariertum sich auS- zeichnet._ Politik im Beichtstuhl. Als der Pfarrer Kirchgäßner in Mörsch(Amt Ettlingen, Baden) sein Amt antrat, gab er das Versprechen, sich in politische An- gelegenheiten im Orte nicht einmischen zu wollen. Wie der Geist- liche sein gegebeties Wort hält, davon gibt der„Karlsruher Bolls- freund"(18, Dezember) ein drastisches Beispiel. Eine Frau geht zum Pfarrer beichten und im Beichtstuhl spielt sich folgender Dialog ab: Eine Frage des Pfarrer»:.Haben Sie böse Zeitungen im Hause?" Frau:.Rein-'! Pfarrer:„Haben Sie nicht den„Volksfteund- Z- Frau:„Jawohl-. Pfarrer:„So, ist das keine böse Zeitung?- Frau:„Nein, ich habe noch nichts böseS darin gefunden/ Pfarrer;„Wollen Sie dafür sorgen, daß Ihr Mann den«Volks» freund- abbestellt?- Frau:„Das kann ich nicht, sonst habe ich den Krieg im Hause und mein Mann wird den„BolkSfreund- ja doch nicht abbestellen/ Pfarrer:„So. Sie können gehen und brauchen morgen früh nicht zur Kommunion zu kommen!- So wirdS gemacht. Lieber Krieg in der Familie als ein Ar» beiterblatt im Hause, Nach diesem Grundsatz arbeiten ja tausende von Priestern und manches Unglück und Elend ist auf daS Konto politischer Pfaffen zu schreiben. Rekrutenquälerei. Vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt stand am Mittwoch der Unteroffizier Kurt Streicher von der 2, Batterie des 55, Feldartillerie-RegimentS in Naumburg wegen Soldaten- Mißhandlung, Am Donnerstag, den 21. November, nahm der Unter- offizier eine Revision der Uniform st ücke der Rekruten vor. Nach seiner Ansicht waren die Stiefel eines Rekruten nickt genügend geputzt und er machte dem Soldaten darüber Vorhaltungen. Als der Mann sich verantwortete und dabei die Beine nicht zusammenhielt, versetzte der Vorgesetzte seinem Untergebenen zwei derbe Schläge ins Gesicht, so daß die Nase blutete und anschwoll. Der Verteidiger des Angeklagten, ein Rittmeister aus Erfurt, meinte, es liege keine Mißhandlung, sondern nur vorschriftswidrige Behandlung eines Untergebenen vor, die mit e i n e m Tag gelinden A r r« st zu ahnden sei. Das Kriegsgericht aber erkannte wegen Soldateinnißhandlung auf das gering st e Strafmaß von acht Tagen gelinden A r r- st._ Ein Jahr Gefängnis wegen Rekrutenmihhandlung. Vor dem Jnsterburger Kriegsgericht hatten sich dieser Tage zwei Kanoniere wegen Mißhandlung von Rekruten zu verantworten, Sie waren am 17. Ottober auf die Rclrutenstube gegangen und halten hier, ohne daß ihnen die Rekruten eine Veranlassung dazu gegeben hatten, einige ihrer Kameraden mit Stöcken schwer mißhandelt. Sie wurden daher zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Oettemleb-clugam. Die ungarische Wahlrechtsvorlage. Der von der Regierung so sorgsam behütete Wahlrechts- plan ist nun veröffentlicht. Das sozialdemokratische Partei- organ wußte sich in den Besitz des als Staatsgeheimnis be- handelten Schriftstückes zu setzen, und die Stummer vom Sonnabend bringt nun den ganzen WahlrechtSgcsctzentwurf. Dieses Wahlrechtsgesctz ist das perfideste, was ein Menschen- Hirn ausdenken kann. Es hat folgenden Inhalt: Eine all- gemeine Forderung für alle Wähler ist das filiisiährige Staatsbürgerrecht. Als zweite Hauptbedingung folgt die ein- jährige Seßhaftigkeit, von der jedoch Geistliche. Lehrer und Staatsbeamte ausgenommen werden. Sodann folgt die Alters- grenze. Die Wähler werden in zwei Alterskategorien ein- geteilt: 24 Jahre und 30 Jahre. Mit dem 24. Lebensjahre besitzt das Wahlrecht jeder, der eine Mittelschule, Gymnasium. Oberrealschule oder eine der im Range gleichstehenden land- wirtschaftlichen und kommerziellen Schulen durchgemacht hat. also das sogenannte Maturitätszeugnis besitzt. Ein Alter von 30 Jahren wird von allen anderen Wählern gefordert, um in den Besitz des Wahlrechts zu gelangen. Auch bei den 30 jährigen zeigen sich verschiedene Abstufungen. Eine Be- dingung für einen Teil lautet: Wer ungarischer Staatsbürger seit fiinf Jahren, ein Jahr seßhaft ist und eine scchsklassige Voltsschule oder eine im selben Range stehende Schule ad- solviert hat. ist Wähler, ferner, wenn er im Handel, in der Industrie oder im Bergwerk beschäftigt ist, jedoch nicht als Tagelöhner oder in den landwirtschaftlichen Betrieben als Vor- arbeiter. Aufscher, Partieführcr oder wenn er eine höhere Funk tion dort ausiibt. Demnach ist die ganze landivirtschaftliche Arbeiterschaft ausgeschlossen. Eine zweite Gruppe von Wählern wird errichtet für alle diejenigen, die das ungarische Staats bürgerrecht seit fünf Jahren besitzen. einjährige Sesthaftigkeit nachweisen, lesen und schreiben können, jedoch keine sechsklassige Volksschule absolviert haben. Von diesen wird wieder ge- fordert, daß sie im Handel, in der Industrie oder in den Bergwerken wenigstens zwei Jahre bei demselben Arbeitgeber tätig sind. Derjenigen Gruppe der Wähler, die lesen und schreiben können, aber keine sechsklassige Volksschule besucht haben, gehören auch die Männer an, die, wenn sie nicht in Handel oder Industrie beschäftigt sind, auch nicht selbständige Gclverbetrcibende oder Kaufleute sind, jedoch zwanzig Kronen direkte Einkommensteuer zahlen oder acht Joch Feld besitzen.— Für die Analphabeten ist wieder eine andere Gruppe errichtet. Wenn der Betreffende nicht lesen oder schreiben kann, jedoch 40 Kronen direkte Eiw kommensteuer oder 16 Joch Feld besitzt, dann ist er Wähler Sämtlichen Wählern, die nach dem alten Wahlrecht Wähler sind, bleibt das Wahlrecht bis zu ihrem Absterben sicher. Das Wahlrecht ist im ganzen Lande öffentlich, mit Ausnahme der Städte, welche ihre selbständige Autonomie besitzen. Dieses Wahlrechtsgesetz kann unmöglich den Reichstag passieren, da es ein Gesetz ist, in welchem die Arbeiter direkt entrechtet sind. Die Versorgung der Abgehalfterten. Wien, 2t. Dezember. Wie die Blätter melden, ist der frühere Kriegsminister v. Auffcnberg zum Armceinspektor und der frühere Chef des Generalstabes Schern ua zum Kommandanten des IS. Korps in Ragusa ernannt tvordeg. Belgien, Gegen den Militarismus. Man meldet uns aus Brüssel unterm IS. Dezember: In einem von der Brüsseler Föderation veranstalteten Meeting nahm gestern die Arbeiterichaft Stellung gegen die neue Militärvorlage der belgischen Regierung. Nach den Aus- sührungen der Deputierten Furnemont, HuysmanS und Vandervelde, die den unerbittlichen Kampf der Arbeiterschaft und ihrer parlamentarischen Vertreter gegen die projektierten neuen militärischen Laste»» ankündigten, nahm die Versammlung eine Resolution an, die gegen die geplante Erhöhung des Kontingents im Friedens- und Kriegsstande und die mit ihr verbundene neuerliche Belastung des Kriegsbudgets, das schon jetzt über ISO Millionen jährlich erfordert, protestiert. Die sozialistischen Mandatare werden aufgefordert, mit allen Kräften den militaristlschen Anschlägen ent- gegenzuarbeiten. Die Arbeiterpartei möge ihre vorbereitenden Ar« betten für den G e n e r a l st r e i k in noch kräftigerem AuSnrah betreiben, um mit dem gleichen politischen Recht auch eine gerechte Verteilung der militärischen Lasten zu erzielen. Für Sonntag bereitet die Brüsseler Föderation eine gleich- falls gegen die neue Militärvorlage gerichtete große Manifestation vor. ~ Hfriha.------------------ Die Kämpfe in Marokko Paris, 21. Dezember. Aus Casablauca wird vom 12. d. M. berichtet: Die aus vierhundert Zuaven bestehende Kolonne Massou- tier hat einen Angriff der Anhänger des Prätendenten El Hiba zurückgeschlagen. Die letzteren erlitten beträchtliche Verluste. Ent- gegen der früheren Meldung ist die Lage der Kolonne keineswegs kritisch. Mazagan, 21. Dezember. Die hiesige Garnison schifft sich zur Teilnahme an den Operationen im Süden von Mogador nach Mogador ein und wird durch Zuaven aus Azemmur ersetzt werden. Drohende Verwickelungen im französischen Sudan. Pari«, 21. Dezember. Der»Petit Parisien" meldet: Die türkischen Truppen haben trotz der Abtretung von Tripolis an Italien ihren Marsch durch das Hinterland von Tripolis fortgesetzt und vor einigen Monaten die in der fran- zösischen Einflußsphäre im Tschadgebiet gelegene Ortschaft Bikri be- setzt. Der Sultan von Darfur kann nunmehr von türkischen Agenten Waffen erhalten und so in den Stand gesetzt werden, eine aufrührerische Bewegung in den unter französischer Oberhoheit stehenden Gegenden anzuzetteln. Die französische Regierung wird in Konstantinopel Vorstellungen erheben, ui»d falls diese unbe- friedigcnd verlaufen sollten, den Obersten Largeau beauftragen, die Frage an Ort und Stelle zu regeln. CKina. Sammlungen für einen Krieg gegen Rußland. Mulden, LI. Dezember. Die Pekinger Handelskammer sandte den Handelsgesellschaften in der Mandschurei ein Rundschreiben zu, in welchem die chinesischen Kaufleute aufgefordert werden, einen Teil ihrer Einnahmen einem Kriegsfonds gegen Rußland zu überweisen. 8o2iales. Etwa» von der gesicherten Existenz bis inS hohe Alier hinein! Der Arbeiter A. F. wurde von der Eistmbahn überfahren, hierbei verlor er beide Beine. Von der. Stadt L. wurden ihm künstliche Gliedmaßen geliefert, durch die er sich an einem Stock mühsam fortbelregen kann. Seit Mitte Januar 1911 wird er von der Stadt L. als Maschinenschreiber beschäftigt. Am 1. November 1919 hatte F. bei der Landesversicherungs- anstalt Brandenburg den Antrag auf Invalidenrente gestellt. Die untere Verwaltuiigsbehorde mit den Beisitzern erkannte auf Grund eine« ärztlichen Gutachtens des Dr. Rann voin ö. Januar 1911 für die Zeit voin 27. April 1919 bis zur Arbeitsaufnahme bei der Stadt L, vorübergehende Erwerbsunfähigkeit an. Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt setzte darauf die Invalidenrente vom Lki. Oktober 1919 mit monatlich 12,49 M. fest. Ueber den 12. Ja- nuar 191 1 hinaus indessen wurde die Zahlung der Invalidenrente abgelehnt, weil:„über diesen Zeitpunkt hinaus Erwerbsunfähigkeit nicht mehr vorliest". Die Berufung gegen den Bescheid der Versicherungsanstalt Brandenburg wurde vom Schicdsgericht für Arbeiterversicherung für den Regierungsbezirk Potsdam dann zurückgewiefrn. � Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts legte der Kläger Revision beim Reichsversicherungsamt ein. Indessen auch von der höchsten Instanz wurde der arme Teufel abgewiesen. In der Revistjonsentscheidung des erkennenden Senats des Reichsversicheningsamtes heißt es:..Das Schiedsgericht stellt ohne Verstoß gegen den klaren Inhalt der Akten fest, daß der noch jugend- liche Kläger seit dein 13. Januar 1911 trotz des BerlusteK des l,nken Bei»»«« bis zur Mitte des Oberschenkels und trotz dos Perlustcs des rechten Unterschenkels bis zur Mitte sich mtt den ihm geliefer- ten künstlichen Miedmaßen allein zu feiner«rbeitsstütt» begeben und dort seine jetzige Arbeit als Maschinenschveiber sowie andere ähnliche Beschästigungeir im Sitzen verrichten und hiermit das gesetzliche, für ihn in Betracht kommende Lohndrittel verdienen kann. Diese Feststellung wird in ausreichendem Maße durch die Gutachten des Kreisarztes Dr. Manu sotvie durch die Auskunft der Stadt L. gestützt, wonach der Kläger seit dem 13. Januar 1911 auf dem Bureau der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke der Stadt L. gegen einen Tagelohn von 4 Mk. mit leichten schriftlichen Arbeiten beschäftigt wird, deren Wert ct»va 50 M. im Monat beträgt. Hiernach erscheint die Feststellung des Schiedsgerichts, daß der Kläger zurzeit nicht invalide ist. frei von Rechtsirrtun». Die Er- lernung der neuen Fähigkeit zur Verrichtung von Schreibarbeiten mutzte neben dem ärztlichen Befunde berücksichtigt werden. Zudein begründet der tatsächliche Verdienst, auch wenn nur die Lohnhöhe von 59 M.»nonatlich in Betracht gezogen wird, die Berinutung für die Enverbsfähigkeit des Klägers. Wenngleich bei der gegeuwärti- gen Beschäftigung des Klägers ein erhebliches Wohlwollen seines Arbeitgebers mitspricht, so ist gleichwohl die Feststellung, daß der Kläger auf den» allgemeinen Arbcitslnavkte das Lohndrittel von etwa 499 M. jährlich durch Maschinenschreiben und andere Arbeiten im Sitzen zu verdienen imstande ist, jedenfalls so lange nicht zu beanstanden, als er sich allein zu seiner Arbeitsstätte begeben kann und im wesentlichen auf freinde Hilfe nicht angeiviesen ist." Solche Salomonischen Anschauungen über ten Begriff der Invalidität nennt man»soziale Fürsorge"! Verbrechen wider die Menschheit. So zahin unsere Äinderschutzgesetze, so weit der Spielraum in dem Recht, kindliche Arbeitskrast ausbeuten zu dürfen, den Unter- nehmern geht das bißchen Kinderschutz aber doch zu weit. Sie über- treten die gesetzlichen Bestiinmungen in der ungeniertesten Weise. Dasselbe gilt von den zuin Schutze von Aubeitcrinnen und jugend- liehen Personen erlassenen Bestimmungen über die zulässige Bc- schaftigungsdauer. Die im 247. Band« der»Statistik des Deutschen Reichs" enthaltene Kriminalstatrstik gibt eine Ucbcrsicht. in der die Bestrafungen tvcgen Zuwiderhandlungen gegen die genannten Bc- stimmungen im Jahre 1919 zusammengestellt sind. Danach wurden von deutschen Gerichten im Jahre 1919— 6 5 7 1 Personen wegen der genannten Vergehen gegen Arbeiterinnen, jugendliche Personen und Kinder bestraft. Gegen das Vorjahr hat sich die.Zahl der Bc. itraften uin nicht weniger als 15 3 7 oder 39 Proz. vermehrt. Diese Taisache findet in den fast einer Prämie gleichenden lächerlich gc- rin-ge» Bestrafungen für dergleichen Bergehen ihre Erklärung. Ist es doch üblich, freche Verhöhnung der Schutzgesetze mit 1 bis 3 M. zu— ahnden, wenn überhaupt eine Bestrafung erfolgt. Höhere Strafen gehören zu den demerkenstocrtcn Seltenheiten. Die vcr- schiedenen Verwaltungsbezirke werfen sehr große Unterschiede in dem Anteil an den Bestrafungen auf. Auf Berlin entfallen für das Berichtsjahr 8 91 Straffälle gegen 431 im Jahre vorher. Daran reihen sich die Regierungsbezirke Potsdam mit 498(262) Verurteilten, Düsseldorf mit 349( 339), die Stadt Hamburg mit 348 (241), der Regierungsbezirk Breslau mit 296(192), die Kreis- hauptmannschaften Dresden mit 252(152), Zwickau mit 251(229), der Regierungsbezirk Oppeln mit 219(144), die Pfalz mit 199 (132), die Kreishauptmannschaftcn Chemnitz mit 174(193), Leipzig mit 169(199), der Regiernngsbezirk Arnsberg mit 195(149), der Reckarkreis mit 148( 94). die Regierungsbezirke Minden m»t 14» (71). Köln mit 127(121), Schleswig mit 114(117), der Kreis Karlsruhe mit 198(110) und der Regierungsbezirk Merseburg mit 197(54) verurteilten Personen. Da nur ei» verschwindend ge- ringer Bruchteil der Uebertretungen zur Kenntnis der Behörden gelangt, kann man miS der Zahl der Bestrafungen und ihrer starken Zunahme ermessen, daß in ganz unverantwortlicher Weise Leben und Gesundheit der Schutzbedürftigstcn auss Spiel gesetzt werden. Speziell die gewerbliche Kinderarbeit ist ein Hohn auf Kultur, ein Veibrechenl wider die Menschheit, mft dem- miibödingt durch das gänzliche Verbot der Beschäftigung von Kindern zu Elwerbszwecken ein Ende gemacht werden muß... � Hw« Induftrie und Handel. Wirklingen des Wagenmangcls. Wie ossfkziell bekanntgegeben wird, haben die Vcrkehrsein- nahmen der deutschen Eisenbahnen in November 1912 57,4 Mil- lionen Mark«gen 55,4 Millionen Mark aus dem Personenverkehr und 178,8 Millionen Mark gegen 173,4 Millionen Mark aus dein Güterverkehr erbracht. Das bedeutet für den Per- sonenverkehr cröe Mehreinnahme von rund 3'Millionen Mark und für den Güterverkehr eine solche von rund 5,4 Mil- lionen Mark im Vergleich zum November 1911. Im Ver- gleich zum Oktober jedoch zeigen die Einnahmen einen nicht un» »vescntlichen Rückgang. Im Oktober 1912 wurden nämlich auf den deutschen Eisenbahnen 71,8 Millionen Mark aus dem Personen- verkehr und 188,7 Millionen Mark aus dem Güterverkehr erzielt. Die Mindereinnahme ist also recht erheblich. Man hätte eigentlich, ivenigstens aus dain Güterverkehr, eine nennenswerte Steigerung erwarten können. Denn im November wurde von ollen möglichen Seiten besonders lckblxrft über den Wagenmangel gellagt und man glaubte daher, daß die Eisenbahnverwaltungen alles verfügbare Material dauernd bessetzt hätten- Nun ist es ja richtig, daß be° sonderö im Oktober dar Winterbedarf an Kohle» gedeckt wird. Aber es bleibt doch sondevbar, daß die Gütereinnahmen im November so erheblich zurückgegamgen sind, während sie in allen vorhergegan- genen Monaten, abgesehen vom Juni dieses Jahres, eine Steige- rung aufzuweisen. Wie ist diese Erscheinung zu erklären? Wahr- scheinlich sind in der kritischen Baltanzett mög- l'chst viele Wagen für militärische Zwecke bereit gehalten worden. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß der November einen Tag weniger hat als der Oktober. Noch von einer ander«' Wirkung des Wagcnmangels ist zu bc- rickten. In der Generalversammlung der Waggonfabrik Aktien- gesellschaft in Uerdingen wurde mitgeteilt, daß Bestrebungen im Gange seien, neue Waggonfabriken zu errichten im Hinblick auf die zu. erwartenden größeren Bestellungen der Staatsbahnverwal- tungen, die durch das Drängen der Industrie und durch die Be- mängelungen in den Parlamenten zu einer umfangreichen Ver- mehrung des rollenden Materials veranlaßt werden sollen. Dem- gegenüber zeige sich in Kreisen der Waggonfabrikation die Tendenz, die Waggonfabriken zu einem Verbände zusammenzuschließeii. Deutschlands Außenhimdel im November. Die Einfuhr und Ausfuhr Deutschlands stellte sich dem Werte nach im November 1912 wie folgt(in 1999 M,)i 1013 1911 1912 1911 Einfuhr Ausfuhr Reiner Warenverkehr.. 915 739 392 499 799 787 714 979 Gold........ 13 188 16 001 25 982 2 459 Silber......... 8 008 6 052 2 977 3040 032 835 918 519 895 746 710 576 Aus- und Einfuhr im reine» Warenverkehr zeigen also weitere Steigerungen gegen den November deö Vorjahres. Die Einfuhr von Edelmetnllen ist gesunken, die Ausfuhr erheblich gestiegen. Der Balkankrieg und die Furcht vor weiteren europäischen Perivickelungen babe» zu starke» Goldentziehungen geführt, die die gegenwärtige G e l d k r i i i s mitvenirsachen. Die Wirkung des KaligeseheS. Ein Rovum in unserer Gesetzgebung bildete bekanntlich da« am 26. Mai 1919 in Kraft getretene Kaligesetz, das geschaffen wurde, um das dividenden schützende Kalisyndikat zu erhalten. Das privat- kapitalistische Shsiein hatte, wie selbst von bürgerlichen Zeitungen zugegeben»vurde, mit dem„freien Spiel der Kräfte" völlig Fiasko gemacht. Das Gesetz hat»ach den bisherigen Erfahrungen das Ent- stehen der Kalthergwerle nicht z» beschränken vermocht. 1889 be- standen 7. 1990 schon 52 und 1019 bereits 65 derartige Werke. Jetzt Hallescher Bezirk Clausthaler Bezirk. sind ihrer 198 dem Kalisyndikak angeschlossen. In fünf Jahren wird die Zahl der Werke auf über 299 gestiegen sein. Die Produktion des wichtigste» Prodiikts dcs Kalisyndikats. des 80prozentigen Chlorkaliums, stieg'von 1999 auf 1911 von 1.8 auf 3,7 Millionen Dvppelzeirtner. Dagegen hat das Gesetz vermocht, und das war ja auch sein Hauptzweck, daß die Profite der Kalikapitalisten noch weiter stiegen. Die 19 bedeutendsten Werke(AlexanderShall, Burbach. Günthershall, Beienrode, Glückauf-Sondershausen, Hohenzollern usw.) hatten in den ersten dreiviertel Jahren 1911 einen Ileberschuß von 12 774 656 Mark, in der gleichen Zeit 1912 aber von 15 153 472 M. Das ist ein Mehrgewinn von 2 378 819 M. oder 18,9 Prozent. Wie steht es nun mit der EntWickelung der A r b e it e r l ö h n e im Kalisalzbergbau? Sie sind erst gefallen und in allerletzter Zeit ein wenig gestiegen. Sie betrugen: je im 4. Vierteljahr 3. Vierteljahr 1997 1999 1911 1912 � Mark Mark Mark Mark 8,98 3,88 4,28 4.42 4,11 4,94 4,39 4.44 pro Schicht und Arbeiter. Vom Jahre 1998, dem Beginn der Lohn» »ninderungen, bis zum Aufstieg i>n Jahre 1919, betrugen die Lohn- Verluste im Halleschen Bezirk 402 964 M.. im ClauSthaler Bezirk 383 799 M. Die Unternehmer haben den Vorteil. die Arbeiter den Schaden! Wenn in der letzten Zeit die Durchschnittslöhne der Arbeiter um einige Bettelpfennige gestiegen sind, so ist das nur auf die in? ungemessene gesteigerte Leistung der Arbeiter zurückzuführen. Wie an weiterem Zahlenmaterial dargetan »verde» konnte, wird das Mißverhältniß zwischen Leistung und Lohn immer größer. Das war vorauszusehen und eS hätten müssen Bestimmungen in das Kaligesetz aufgenommen werden, um die Arbeiter zu schützen. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags beantragte bekannt- sich u. a., daß der Bundesrat verpflichtet sei» sollte, den Abschluß von Tarifverträgen zwischen den Arbeitern und den Werksbesitzern in der Kaliindustrie auf der Grundloge eines Minimallohils und eines MaxinialarbeitStageS zu fördern. Dieser Antrag und einige andere wurden aber abgelehnt. Die Entwickelung der Ding�chat gezeigt, wie zutreffend die Befürchtungen der Sozialdemolrateu bei vcr Beratung des Gesetzes waren. Kohlenlager in Westpreußen, In den letzten Jahren sind im Weichsclgebict verschiedentlich Bohrungen vorgenommen Ivordcn, die den Zweck hatten, die in der dortigen Gegend nachweislich vorhandenen Braunkohlenlagcr auf ihre Mächtigkeit und Abbaufähigleit zu prüfen. Besonders in der Nähe von Schtvetz bat man abbauwürdige Mengen guter Braun- kohle festgestellt. Wie berichtet wird, sollen bereits im Frühjahr 1913 die ersten Abbauten vorgenomincn lverden. Die Behörden haben die notwendigen Konzessionen erteilt, so daß zu ertvarten ist, daß in Wcstpreußen in Kürze ein neuer Industriezweig Bedeutung erlangt_ Mus der Frauenbewegung. Die verheiratete Frau i» der Erwerbsarbeit. Die Berufszählung von 1895 weist für Preußen insgesamt 2997 642 iin Hauptberuf eriverbstätige grauen auf. Unter diesen waren l 957 795 Ledige, 512 148 Verheiratete und 527 999 Ver- »vitivete und Geschiedene. Bei der BcrufSzählung 1997 ergaben sich folgende Zahlen: im Hauptberuf Eriverbstätige überhaupt in Preußen 4 492 235,-davon lcdig 2 375 935, verheiratet 1551 529, verwitwet und geschieden 594 771. In diesen Zahlen konimt nicht nur tue beträchtliche Steigernng-der-Weibliche-»» Arbeiter überhaupt, nämlich uin 97 Prozent, sondern insbesondere auch die starke Zu- nohine der Zahl verheirateter ertvcrbstätiger Frauen zum Aus- druck. Bei den ledigen Arbeiterinnen ergibt sich von 1895— 1007 ein« Zunahme von 43 Prozent, bei den verheirateten dagegen von 293 Prozei't. Ueber l'A Millionen Ehefrauen waren also 1997 in Preußen schon im Hauptberuf erwerbstätig. Welches Licht wirft das auf die soziale Lage der Arbeiterklasse! Unter dem Druck der Doppel- last von HauS- und Berufsarbeit wird der Körper der Frau für die Austrcngung der Mutterschaft in vielen Fällen zu sehr ge- schlvächt, und selbst zum Ausruhen nach der Entbindung, zum Vcr- sorge,, und Stillen der Neugeborenen läßt ihr die ErwerbstätigkeiL nicht die nötige Zeit, sondern der Lohn, auf den sie nicht verzichten kann, treibt sie»vicdcr an die Berufsarbeit. Trotz allem Drängen der Arbeiterschaft haben wir auch heute noch keliien genügenden Schivangcrcn- und Wöchncrinnenschutz. Denn bei der Beratung der Rcichsversicherungsordnung stimmten die Konservativen und die Ultramontanen, die heiligen Parteien, gcgei» unsere Vorschläge für Schumngeren-, Wöchnerinnen- und Säiigliugsschutz. Diese Par- teien liabei» die VersicherungSpflichtigkeit der Frauen von kleine»» Pächtern und Bauern abgelehnt, sie haben für die in Landkranken- lassen versicherten Frauen die Unterstützungszeit von Wöchnerinnen von 8 auf 4 Wochen zurückgesetzt. Daß in diese»» gänzlich unzu- reichenden Mutter- und Säuglingsschutz auch eine Ursache ves Ge- burtcnrückganges und der großen Säuglingssterblichkeit liegt, haben die Herren wohl nicht bedacht, sonst»oäre doch gerade hier eine gute Gelegenheit geivesen, zu reforinieren und so diesen Uebeln entgegenzuwirken. Aber es scheint, daß man bei einer achtwöchent- lichen Unterstützungszeit der Wöchnerinnen auf dem Lande einen zu großen Geburtenüberschuß fürchtet, führte doch der Zentrums- abgeordnete Erzberger in einer Versainmlungsrede aus, die ledigen Arbeiterinnen würden bei einer so weitgehenden Unterstützung aus Lust, sich ins Bett legen zu können, jedes Jahr ein Kind bekrnnmen. Nein, solche Wirkung würde ein genügender Wöchnerinnenschutz nicht haben, aber die Sorgen der erwerbstätigen Ehefrauen, die ein Kind erwarten, würden vermindert werden, wüßten sie sich in den Wochen vor und nach der Entbindung durch die Krankenunterstützung vor den» größten materiellen Mangel und vor der zu frühen Wieder- aufnähme der Lohnarbeit nach der Entbindung geschützt. Die herrschenden Klassen befinden sich diesen Tatsachen gegen» über in einer Zwickinuhle: sie»vollen die billige Arbeitskraft der proletarischen Frauen ausbeuten und unterbinde»» dadurch deren Zeugungsfähigkcit. Dem Unternehmertum ist es durchaus er- »vünscht,»venn sich das Proletariat„wie die Kaninchen" vermehrt, denn je größer die industrielle Reservearmee wird, desto unbe- schränkter kann das Kapital die Arbeiter ausbeuten. Die Arbeiter- eitern dagegen wollen, daß ihre Kinder mehr von der Welt und ihren Freuden haben sollen als sie selbst: daher ist eS zu begreifen, daß der Gedanke der Kiiiderbeschränlung auch in Arbeitcrkreisen viele Anhänger gefunden hat. Wen» unsere„nationalen" Herrschaften mit warnend erhöbe- nem Finger auf Frankreick veriveisen. Ivo der Geburtenrückgang schon zu einem Stillstand ver Bevölkerung geführt hat. wenn sie für Deutschland die gleiche Gefahr befürchten ulid.die Möglichkeit boraussagen, das unseren»„herrlichem" Kriegsheer nicht mehr die notwendigen Ersatzmannschastcn heranlvachsen, so ist ihnen zu sagen, daß sie mit der Sozialdcn»okratie an der Verbesserung unserer' sozialen Zustände arbeiten sollen. Aber imvon»vollen sie nichts wissen. MilliardciUveisc wird das Geld für den Militarismus verschleudert, aber wtnzige Brocken fallen für den Arbeiter- und Arbeiterinnenschutz ab. Die Arbeitszeit muß gesetzlich soweit ver- kürzt»verde», daß den Arbettereltcrn die Zeit bleibt, sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern. In der Zeit der Schwanger- schaft und in der Wöchnerinncnperiode muh die arbeitende grau so unterstützt»oerden, daß sie zu rechter Zeit ihre Berufsarbeit ver- lassen kann und nicht vorzeitig damit lviedcr beginnen muß. Dem Säuglingsschutz muß besondere Aufmerksainkeit zugewendet»Verden. Nicht zuletzt ist das grausige WohnungSelend, unter dein das Prole- tariat leidet, schuld an der großen Kindersterblichkeit und dem Ge- burtcnrückgang. Was aber bisher dagegen getan wurde, wirkte geradezu lächerlich, wenn man die Größe der hier zu lösenden Auf- gäbe bedenkt. CewerkfcbaftUcbcs* ChnftUcbe Cabtih. Eine aus Erregung über erlittene Mißhandlung in Streikstinuuung versetzte Arbeitersä)ast zwang die Leitung des christlichen Gewerkvereins, dem Fiskus den Krieg zu er- klären. Just demselben Fiskus, der fast in demselben Augen- blick im Reichstage erklären ließ, den christlichen Gemerkverein zu fördern, geböten„Staatsnotwendigkeiten". Man kann istcht sagen, daß die den Gelben vorgezogenen christlichen Ge- werkschaften sich des so bekundeten Vertrauens unwürdig erwiesen hätten. Tie Gewerkvereinsleitung gab sich alle Mühe, den Streik in Saarabien zu verhindern. Ta sie im Saar- gebiet aber nicht gegen Sozialdemokraten Hetzen konnte, nicht in der Lage wan die hochgehenden Wogen der Erregung in das Bett des religiösen Fanatismus abzulenken, mußte sie scheinbar wenigsteils gute Miene zum bösen Spiel machen. Sie proklamierte den Grundsatz der Gesetzlichkeit des Kanipfes— für die sich im Stachteil befindenden Arbeiter. Es müsse ordnungsgemäß gekündigt werden. Ter GeWerk- Vereinsleitung kann nicht verborgen sein, daß sie mit solcher Taktik dem Gegner alle Vorteile in die Hand gab, die Sieges- aussichten der Arbeiter ganz gewaltig reduzierte. Zudem wird das angebliche Ziel, die Arbeiter vor Kontraktbruch- strafen zu schützen, nur bedingt erreicht. Tie fiskalische Ver- waltung ließ erklären, daß sie Kollektivkündigungen nicht an- nehme, nur die persönliche Aufkündigung des Arbcitsver- hältnisses als ordnungsgemäß betrachte. Tarauf achteten die meisten Arbeiter nicht. Sie werden nachher, trotz der fanioien Taktik der Gewerkvereinsleitung, als Kontraktbrüchige betrachtet. Bedeutungsvoller ist, daß die Kündigungsfrist der Verwaltung die Gelegenheit gibt, jeden einzelnen Arbeiter in nachdrücklicher Weise auf seine Abhängigkeit, die ja im Saar- revier besonders groß ist, aufmerksam zu machen. Hat das Erfolg, wird die Einheitlichkeit der Bewegung gesprengt, dann wäscht die Leitung des Gcwerkvereins die Hände in Unschuld. Tann schimpft sie auf die Feigheit der anderen die Leitung habe alles getan, was sie tun konnte..., um der Werksverwaltung den Sieg zu erleichtern. Wie weit sie die Ge- schäfte des Bergherrn besorgte, zeigt deutlich genug das Ver- halten der Gewerkvereinsleitung dem alten Bergarbeiter- verbände gegenüber. Trotz des an diesem geübten schmählichen Verrats, trotz der infernalen Hetze gegen die Verbandsleitung, erklärte diese sofort aus eigener Initiative, sie werde die christlicheil Bergarbeiter in jeder Beziehung unterstützen. Gewiß, das war selbstverständlich', das Wohl der Arbeiter gebot solches Verhalten. Es muß aber doch, im Gegensatz zu dem Tun der Christen im Ruhrrevier, herausgestellt werden. Und man muß darauf hinweisen, um zu zeigen, in welch un° verantwortlicher Weise die Gewerkvereinsleitung nun vor- geht. Die angekündigte Hilfe wurde brüsk zurückgewiesen. Man verzichtete darauf, man wolle niit dem alten Verbände nichts zu tun haben. Das war die Antwort aus dem Gewerk- verein. Was bezweckt man damit? Entweder, man will sich in heuchlerischer Weise als die wahnsinnig konsequenten Sozialistenfeinde präsentieren, erwartet als ganz selbstver- ständlich, daß der von ihnen verratene Verband uneigennützige Dienste leiste, oder die Abweisung hat den Zweck, die Mit- glieder des Bergarbeiterverbandes zu reizen, Streikbrecher- Dienste zu leisten.' Der lnne Beweggrund ivÄe�si� verächtlich wie der andere, in dem einen steckt so viel UnWahrhaftigkeit wie in dem anderen. Die Gewerkvereinsleitung wäre aus aller Verlegenheit, fänden sich Verbändler als Streikbrecher. Dann würde man rufen: Kreuzigt die Streikbrecher, sie haben den Streik kaputt gemacht! Tie Schnock-Schreiner im christ- lichen Verband könnten sich mit dem Glorienschein unerschrockener Tapferkeit gegen das Grubenkapital schmücken und der alte Vorband wäre der Sündenbock, der die Arbeiter an das kapitalistische Messer geliefert. Und noch eins. Durch die eigenen Glaubensbrüder werden die Christen nun für den Verrat im Ruhrrevier gezüchtigt. Die Gründe, die die Ge- Werkvereinsleitung zur Abwürgung des Ruhrarbeiterstreiks anführte, benutzen jetzt die Fachabteiler als Argument gegen den Streik der Christen in? Saarrevier. Und das mit größerem Recht. Tamals erklärten die Gewerkvereins- stratcgen, man müsse erst abwarten, ob die Grubenbesitzer die versprochene Lohnerhöhung eintreten lassen tvürden. Es war aber nichts versprochen worden imd imnier noch wartet man auf die Erfüllung der gehegten Wünsche. Nun aber versprach die fiskalische Verwaltung eine loyale Handhabung der den Stein des Anstoßes bildenden Arbeitsordnung. Daraus be- rufen sich die katholischen Fachabteiler. Es müsse erst abge- wartet werden, wie die Verwaltung ihr Versprechen einlöse. So argumentieren die„Berliner". Natürlich besorgen sie da- mit genau so gut die Geschäfte des Kapitals, wie ihre Glaubensbrüdcr im Ruhrstreik, als diese mit viel weniger Be- rechtigung gerade so jesuitisch argumentierten. Welche Wonne würde es den M.-Gladbachern sein, könnten sie freie Gewerk- schaftler in Gemeinschaft mit katholischen Fachabteilern als Streikbrecher an den Pranger stellen. Auf dergleichen arbeiter- verräterisches Verhalten freier Gewerkschaftler können die Christen jedoch lange warten. Schließlich sind sie auch nicht dumm genug, sich von der Gewerkvereinsleitung auf den Leim führen zu lassen. Der Bergarbeiterverband hat seine Mitglieder angewiesen, falls es zu einem Streik komme, keine Arbeitswilligendienste zu leisten. *» * Der Fiskus droht. Am 18. Dezember haben, dem Beschluß des Gewerkvere'mS christlicher Bergarbeiter nachkommend, die Ausschußmitglieder dem Saarfistus die Kündigung der Belegschaften unterbreitet— im Zdamen der gesamten Belegschaften! Das Mandat, die gesamte Be- legschaft zu vertreten, hat der christliche Gewerkverein nicht, schoir deshalb nicht, weil er die übrigen Organisationen von der Be- wegung ausschließt. Wenn auch die Verbändler und die Hirsche nicht zum Streikbrnch greifen werden, so dürfen sie sich doch die Alleinherrschaft und Alleinvertretung verbitten. Was ist aber da noch zu machen! Der christliche Gewerkverein ist bei dieser Be- wegung nwnopolwütig, und er läßt sich in die von ihm angewandte „gewerkschaftliche Regel" nicht hineinreden. Mit der Kündigung der Bergleute durch die Ausschußmitglieder ist der Saarfiskus nun nicht einverstanden. Er hat durch Anschlag vor dem 18. Dezember bekanntgegeben, daß die Kündigung ent- weder durch eine Vertretung mit Vollmacht oder durch die einzelnen Bergleute felbst zu erfolgen hat. Im anderen Falle würde er die K ün digungen nicht anerkennen. Ferner hat der Fiskus erklärt, daß die W i edcr anl egu n g der Arbeiter nach dem Ermessen der B c r g v c r w a l t u n g vor sich gehen werde, und schließlich gibt er bekannt, daß er die gewährten Bau- p r ä m i e n und V o r s ch ü s s c sehr wohl kündigen könne! Der Fiskus kleidet diese Feststellungen in eine Form, die zwar nicht wie eine Drohung aussehen soll, ober die nichts anderes als Drohung ist.____________ lveranttv. RedäktÄAlfrrd Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Gteger erklärt wie Effert und ander«, daß' der Fiskus kein Recht babe, obengenannt« Matz nahmen zu treffen, daß si« sich an diese Maßnahmen auck nicht kebren würden. Der 2. Januar werde den Fiskus belehren, daß die saarabischen Bergleute sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. In einer Erklärung der christ- lichen Leitung werden dann die näheren Einwände gegen die Be- kanntmachung des Fiskus angebracht. Diese Erklärung lautet: „In mehreren Zeitungen wurden am gestrigen Tage Be- denken erboben über die Kündigungsart der saarberglcute, die formell und juristisch uicht ohne weiteres einwandfrei sei. Ferner hätten die 35 000 größtenteils vor der Kohle beschäftigten Berg- leutc nicht durch ihre Unterschrift eine so weitgehende Maßnahme gewollt. Außerdem stößt inan sich an die Schlußsätze der Reso- lution, die bedingungsweise die Genehmigung des Zcntralvor- siandes des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter zum Streik am 2. Januar gibt, uird die eine gewisse Unklarheit auskommen ließen. Sodann wird aus das richtigere Beispiel der englischen Trade Unions beim Kündigungsverfahren hingswiescn. Auch ginge bei der korporativen Kündiguirgsart nicht gleich am Mittwoch hervor, wieviel Bergleute eigentlich gekündigt haben. Zu diesen Einwänden bemerken wir folgendes: 1. Außerordentliche Zeiten und Uni stände er. fordern außerordentliche Matz nahmen. Die gesetzlichen Vertreter der Belegschaften, die sonst zu allem kompetent sind, können u. E. auch den Inspektionen den Willen der Beleg- schaften, in diesem Falle den Willen der von ihnen vertretenen Belegschaftsmitglieder, unterbreilen. Im umgekehrten Falle, bei Aussperrungen, kündigen die Unternehmer durch Anschlag am schwarzen Brett oder durch Ansage in den einzelnen Betriebspunkten. Es wird von den Belegschaften und ihren Vertretern abgelehnt, die Kündigung jedes einzelnen vorzunehmen. Die Belegschaften lassen sich, in Kenntnis der Eigenschaften des Saarfiskus, nicht nach dem Muster:„Teile und herrsche", welches ohne Zweifel angewendet werden soll, miscinanderreißcn. Die Bergberwaltung ist von den gesetzlichen Vertretern der Arbeiter auf der ganzen Linie am 18. Dezember über den Willen der Be- Icgschaften informiert worden, und der 2. Januar wird zeigen, daß die gesamten Belegschaften hinter ihren Vertretern stehen. Juristische Definitionen und Formalicn können die Vertreter der Saarbergleute nicht abhalten, die zweckentsprechendsten, wirksamsten Mittel anzuwenden, da der Kamps nicht nur angesagt, sondern bereits entbrannt ist. 2. Die über 30 000 Bergleute, die sich untcrschriftlich ver- pflichtet, haben ihre Zustimmung zu allen notwendigen und zweck- entsprechenden Maßnahmen der Arbcitervertretcr gegeben. 3. Der Schlußpassus der am 15. Dezember einstimmig airge- nonuuenen Resolution soll lediglich die Bergleute ermuntern, dem Gewcrkvcrcin beizutreten und den angebotenen finanziellen und moralischen Schutz auch wirklich durch Beitrittserklärung anzu- nehmen. Dieses ist denn auch von den Bergleuten verstauben worden. Sic haben sich in den letzten Tagen nicht nur mit den Maßnahmen einverstanden erklärt, sondern sind auch zu viälen Tausenden in die Organisation eingetreten. Nachdem nun sowohl diese Voraussetzung zutrifft und auch die Belcgschaftsversamm- lungen einstimmig, mit Ausnahme von 0„Berliner" S t i ni m e n, sich dem Streikbeschlutz der Revierkonserenz ange- schlössen haben, fallen alle Bedenken der Organisationsleistung; sie sichert allen, die sich bis 2. Januar organisieren, die st a t u t g e m ä ß e' S t r e i k u n t e r st ü tz u n g zu, da die Bedingungen zu einem erfolgreichen Streik nun- mehr sickier vorhanden sind. 4. Die angewandte Art der Kündigung wurde eiirssimmig sowohl in der Revierkonserenz als auch in den Bclcgschaftsvcr- jammlungen gutgeheißen." Wer diese Erklärung liest, findet viel Selbstbewußtsein in ibr zum Ausdruck gebracht. Wer seinen Standpunkt aber aufrecht- erhalten wird— der Fiskus oder die GewerkvereinSleituiig—, kann jetzt i« voraus nach nicht-gesagt werden. Die„Deutsche' Mtrgwerks- zeitung" mahnt die christlichen Führer zur Rückkehr.„Jedenfalls", so meint das Blatt, „ist ein planvoller rechtzeitiger Rückzug zur Samintlung und Stärkung klüger und aussichtsvoller als ein v e r z w e i f l u n g s- voller Kamps mit voraussichtlicher Vernich- t u n g. Vorausgesetzt ist dabei natürlich, daß die Bergberwaltung in dem einmal eingenommenen Standpunkt konsequent bleibt." Das heißt soviel wie: Bleibt der Fiskus bei seiner Drohung, dann erlebt der christliche Gewerkverein eine vernichtende Rieder- läge. Wir tönnen uns hier dem Werksorgan nicht anschließen. Es kommt doch schließlich auch aus die Einigkeit iac Bergarbeiter an, wie der Schluß sich gestalten wird. Ist diese vorhanden, hat der Fiskus die Partie verloren. Was den: Kampf eine Niederlage bringen kann, ist erstens die Uneinigkeit der Saarbcrgavbcitcrschaft und zweitens ein« unheilvolle, verkehrte Taktik der Streikleitung. lieber beides jetzt ein endgültiges Urteil zu fällen, ist verkehrt. LerUn und Umgegend. Achtung, Flcischergesellen! Nachstehende Betriebe sind für Nerbandsmitglieder gesperrt: Kreutzmann, Samariterstr. 16, Schmidt, Zimmerstr. 57, Friede, Neanderstr. 19. Zentralverband der Fleischer. Zum Boykott der Halberstädter Würstchen von Christ. Förster wird mitgeteilt, daß bisher festgestellt wurde, daß die boykottierten Würstchen von folgenden Geschäften verkaujl werden: Emil Pech, Kolonialwaren, L., Prinzessinnenstr. 4. Edw. Krawitz, Kolonialwaren, LO.. Grünauer Str. 40. Schratz, Kolonialwaren, Neukölln, Weisestvaße, Ecke Ockerstraße. Fritz Muth, Kolonialwaren. Neukölln, Pannierstr. 16. Hermann- straße 106, Bergstr. 129, Kaiser-Friedrich-Straße 2/3. A. Feblau sJnh. W. Grottmann), Neukölln, Bergstr. 17. Diese Geschäfte sind von der Boykottkommission auch genügend über den Boykott der Förster-Würstchen aufgeklärt worden; wenn sie dieselben trotzdem weiter verkaufen, so werden sie dadurch keines- wegs von den organisierten Arbeitern gegessen werden. Herr Schratz versicherte übrigens einem Käufer, er möge sich vorsehen, die Würste seien boykottiert. Deutkcbes Reich. Erfolgreiche Lohnbewegung der Metallarbeiter in Forst. Die in Forst befindlichen Maschinenfabriken, die vornehmlich Wäscherei- und Plätt Maschinen unb Maschinen für die Textilindustrie anfertigen, hatten schon seit längerer Zeit Tarifverträge mit dem Metallarbeiter-, Holzarbeiter- und Kupserschmiedeverband abgeschlossen. Bis zum Beginn dieses Jahres war in allen diesen Betrieben die zehnstündige Arbeitszeit üblich. Im Laufe des Jahres wurde in allen Betrieben, wo die Tarife abgelaufen waren, eine Verkürzung der Arbeitzeit gefordert. Erst sträubten sich die Unter- nehmer sehr dagegen. In den fünf größeren Betrieben wurde die bisherige 59 und 5814stün,dige Arbeitswoche aus 56 stunden verkürzt und der Ausgleich für die verkürzte Arbeitszeit bewilligt. Der weit- aus größere Teil der Arbeiter erhielt außerdem noch annehmbare Lohnausbcfferungen. Für Ueberftunden, Nacht- und Sonntags- arbctt werden Ausschläge von 33% und 50 Proz. gezahlt. Auch bei der Schlosserinnung wurde vom Metallarbeiterverband die Forde- rung auf Verkürzung der Arbeitszeit eingereicht. Hier zogen sich die Verhandlungen derart in die Länge, daß die Organisation darauf verzichtete, mit der Innung einen Tarif abzuschließen, und statt dessen den Meistern, die Gesellen beschäftigen, Einzeltarife unterbreitet. Mit acht— den maßgebendsten— Schlossermeistern wurden darauf Verträge abgeschlossen. Für diese Betriebe wurde statt der bisherigen 60stündigen Arbeitswoche die 57stündige fest- gelegt. Auch hier wurde der Lohnausgleich überall, zum Teil darüber noch hinaus Ausbesserungen, erzielt. Für die Sch lasse r ist es ganz besonders vorteilhast, daß auch bei ihnen jetzt erstmalig die höhere Bezahlung für Ueberstunden, Sonntags- und Nachtarbeit mit 33% und 50 Proz. Zuschlag tariflich geregelt ist. Damit ist die Bewegung ohne jeden Streik erledigt. Nur ein Betrieb, wo iet zurzeit gültige Tarif noch bis zum 15. Februar 1013 läuft, hat in Forst noch die zehnstündige Arbeitszeit. Auch dort wird,'das ist sicher, im neuen Jahre die verkürzte Arbeitszeit eingeführt. An der Bewegung waren insgesamt 285 erwachsene Arbeiter beteiligt. Der Erfolg ist dem guten Organisationsverhältnis zu verdanken. Von ungefähr 330 beschäftigten Metallarbeitern gehören 317 dem Mctallarbcitcrvcrbairdc an. Die Firma Harry Trüller in Celle verkündet durch einen Fabrikanschlag den in ihrem Betriebe Beschäftigten: „Die Lage in der Kates-, Zwieback- und Wasselindustrie ist von Jahr zu Jahr schloieriger geworden; alle Unkosten und Roh- Materialien sind ständig gestiegen, die erzielten Verkaussprcisc dagegen beständig heruntergegangen. Die Einkaufsgenossen» schaften der Konsumvereine usw. tragen hierzu bei. Eine weitere Erschwerung hat speziell mein Betrieb durch die wahnsinnigen Hetzereien des hiesigen Kartells erlitten, das im Bunde mit dem Bäckcrverband seit Monaten die nngehenerlichsten Anstrengungen gemacht hat, dem Geschäft die Kundschaft zu entziehen. Auch jetzt werden diese Anstrengungen fortgesetzt. Einem meiner Hauptabnehmer— einem Kinotheater— hat man gedroht, wenn noch für 5 Pf. Waren von Trüller�bezogen werden, sämtliche Kinos zu boykottieren. In allen Städten sind Taufende von Flugblättern verbreitet. Die Fanatiker gehen in die einzelnen Läden und verlangen vom Ladcninhabcr, daß sie nicht nur die Dosen ans dem Fenster nehmen, sondern auch die schönsten Schilder müssen an den Ladcntüren entfernt werden. Die Pla- täte werden vor ihren Augen zerrissen. In kurzen Zwischen- räumen erscheinen in den Blättern Annoncen.— Bisher ist es mir gelungen, trotz aller dieser Maßregeln, meinen Umsatz nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern zu vergrößern; trotzdem wird wohl jeder vernünftige-Mensch mir nachempfinden können, daß ich bei dieser Situation keine Neigung verspüre, meinen Betrieb zu vergrößern. Tic für diesen Winter in Aussicht genommenen Erweiterungen habe ich ausgegeben, dadurch Ivird es mir un- möglich sein, während der flauen Periode sämtliche Arbeiter zu beschäftigen. Es wird deshalb in den nächsten Tagen eine Reihe von Kündigungen erfolgen müssen, die niemand mehr bedauert als ich. Die davon Betroffenen mögen sich dafür beim Gewer!- schaftskartell bedanken."»— Herr Trüller ist in dieser Ankündigung nicht sehr logisch geblieben. Obgleich der Umsatz vergrößert wurde, will er Arbeiter- entlassungeu vornehmen. Er möge seinen Arbeitern das Koalitions- recht gewahren, dann wird die Abneigung der Arbeiterschaft gegen seine Waren, die er durch sein Verhalten verschuldet hat, sich legen. Wieder abgeblitzt ist die Königsberger Staatsanwallschast. die unausgesetzt bemüht ist, der Arbeiterschaft mit Hilfe des§ 153 der Reichsgewerbeordnung noch mehr Schlingen zu legen. Wegen an- geblichen Vergehens gegen tz 153 der Reichsgewerbeordnung hatte sich wieder Genosse Kriese, der Angestellte des Bauarbeiterverbandes, zu verantworten. Diesmal handelte es sich um folgenden Vorfall: Ihm war während des Zimmererstreiks in Königsberg mitgeteilt worden, daß ein organisierter Bauarbeiter Slreikarbeit verrichte. Kriese richtete an den Mann ein Schreiben, in dem er ihm mitteilte, daß er aus dem Verbände ausgeschlossen würde, falls er die Streikarbeit nicht niederlegen sollte. Darin erblickte die Staatsanwaltschaft ein Vergehen gegen§ 153 der Reichsgewerbeordnung. Doch in diesem Falle beaniragte selbst der Amtsanwalt Freisprechung, und das Gericht erkannte dem- gemäß._% Letzte Nachrichten. Serbiens Genugtuung gegenüber dem Fall Prochaska. Belgrad, 21. Dezember.(W. T. B.) Ministerpräsident Pa- s lk s-ch-hat, um das-Bestrebon neuerlich- kundzutun, daß die ser» bisch« Regierung die friedliche Austragung der schwebenden Fragen ernstlich wünscht, heute nachmittag aus eigener Initiative den öfter- rcichisch-ungarischen Gesandten von Ugron aufgesucht und ihm das aufrichtige Bedauern der serbischen Regierung über die Mißgriffe einzelner militärischer Or- gane in der Angelegenheit des österreichisch- ungarischen Konsul s in P r i z re nd, Prochaska, ausgesprochen. Hiermit kann diese Angelegenheit als in bcfricdi- gendcr Weise beigelegt betrachtet werden. Von der Friedenskonferenz. London, 21. Dezember.>W. T. B.) Von der Fricdcnskonse- renz, in der heute der montenegrinische Delegierte M i u S k o- witsch den Vorsitz führte, wurde das folgende offizielle Eommn- nique ausgegeben: Die türkischen Delegierten forderten, wenn sie auch mit Griechenland in Verhandlungen treten sollten, die Ver- proviantierung Adrianopels, wozu die Delegierten der Verbündeten bemerkten, daß diese Frage schon durch den Waffen- stillstand geregelt worden sei und daher außerhalb der Kompetenz der Konferenz liege. Tie türkischen Delegierten erklärten darauf- hin, daß sie gegenüber dieser neuen Lage an ihre Regierung be- richten müßten. Wie das„Rcutersche Bureau" erfährt, verlangten die türkischen Delegierten die Verprovianticrung der belagerten Städte im Interesse der Humanität. London, 21. Dezember.(W. T. B.) Die Friedenskonferenz wurde um 6 Uhr nachmittags vertagt. In der Sitzung war über den Waffenstillstand mit Griechenland und die Verproviantierung Adrianopels verhandelt worden. Diese Fragen werden in der nächsten Sitzung der Konferenz, Montag nachmittag 4 Uhr, von neuem zur Debatte kommen. Ein Zwischenfall. Paris, 21. Dezember.(W. T. B.) Aus Marseille wird ge- meldet: Der heute aus Konstantinopel eingetroffene Postdampser der Schiffahrtsgcsellschaft MeffagerieS maritimes„Niger" wurde in der Nähe des Kaps Canor von einer griechischen Batterie bcschoss en. Zwei Schüsse flogen dicht über den Hauptmast hinweg, was unter den Reisenden große Aufregung hervorrief. Ter„Niger" stoppte, und ein griechischer Offizier kam an Bord und sprach dem Kapitän des Schiffes seine Entschuldi- gung aus. Zustimmung des Senats zur französische» Heeres- reorganisatio». Paris, 21. Dezember.(W. T. B.) Der Senat hat dem von der Kammer bereits angenommenen Gesetzentwurf über die Reorgani- sation der Jnfanteriekader die Zustimmung erteilt. Ministerpräsi- dent P o i n ca re gab im Senat ähnliche Erklärungen über die auswärtige Lage ab, wie vorher in der Deputiertenkammer. Ter Senat nahm sein Expose mit lebhaftem Beifall auf. Eine Wahnsinnstat. Villingen, 21. Dezember. fP. E.) In der benachbarten Stadt Schwcningen überfiel beute früh der 24 Jahre alte Sohn des Bürgermeisters Burk, mit Revolver und Beil ausgerüstet, seinen schlafenden Vater und verletzte ihn durch mehrere Revolverschüsse und Beilhiebc so schwer, daß nach 8 Uhr vormittags der Tod ein- trat. Der seinem Bater zu Hilfe eilende zweite Sohn erhielt einen gefährlichen Schuß in den Oberarm. Die Polizei wurde von dem Vatermörder ebenfalls mit Schüssen empfangen, die aber fehlgingen. Darauf legte der Mörder an verschiedenen Stellen des Hauses Feuer an, das aber schnell gelöscht werden konnte. Dann verletzte er sich durch zwei Revolverschüsse in den Kops, je- doch nicht lebensgefährlich. Er wurde zur Beobachtung seines Geisteszustandes in die Jrrenzelle des Krankenhauses gebracht. Hierz« 6 Seifct*«- Th Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 299. 29. Iahrglliß. t. Scilnge des Jeraiitlo" ßetlintt Sollisliliilt. Zsnntllg, 22. Dezember l9t2. Sie IParteiprefk über die preuküche Aahltaktik. Im Anschluß an die von der preußischen Landeskommission vorgeschlapene Resolution zur Waliltaktik hat sich bis jetzt die Partciprcß'e folgendermaßen geäußert: «Bolksbote"— Stettin: ..Tie Wahltattik in ihren Grundzüge» festzulegen, ist eine Notwendigkeit. Obgleich nicht jede einzige Handlung bis in alle Einzelheiten schon von vornherein und auf längere Zeit voraus bestimmt umschrieben werden kann, so geht es doch nicht an. die großen Richtlinien ganz und gar den jeweiligen Verhältnissen an- zupasscn. Da treiben sehr häusig besondere Umstände ihr Spiel, die einer Älassenkampfpartei, wie der Sozialdemokratie, einen bösen Schlag versetzen können. Deshalb muß zu Beginn des Wahlkampfes Klarheit darüber herrschen, weniger bei uns als bei unseren Gegnern, Ivo die Grenze der großen Scheidung beginnt und wo sie endet. Es gibt sogar Parteigenossen, denen noch die Grenze vor- gezeichnet werden muß. Eisner und auch Bernstein haben die (vragc der Taktik bei den Landtagswahlcn bereits berührt. Ihre Borschlägc bedeuten einen g a n z gewaltigen Schritt von dem Wege, den die Partei gegangen ist. Wir nennen ihn einen falschen Weg, nicht weil er neu ist, weil er bisher nie gekanntes bringt, sondern, weil er nach unserer Ansicht niemals das erreichen würde, wohin er geführt werden sollte. Nach dieser Resolution zu urteilen, hat also der Vorschlag Eisncrs bei der preußischen Landcskommission keine Gegenliebe gefunden. Was nun die einzelnen Punkte der Resolution anbelangt, so werden sie in ihrer Mehrheit sicher die Zustimmung des Partei- tages finden. Für die Abgcordnetcnwahlen lassen sich nach unserer Meinung keine anderen Grundsätze aufstellen. Die Frage der Leistung und Gegenleistung mutzte in dem geschehenen Umfange Ausnahme finden. Durch sie wird sichs ja zeigen, inwieweit die preußischen Liberalen selbst gewillt sind, das zu tun, was sie von uns verlangen: Kamps gegen die Reaktion. Anders dagegen steht es mit unserem Verhalten bei den Ur- Wahlen. Der Punkt 2 der Bestimmungen unter A findet nicht unseren Beifall. Wir sollten uns davor hüten, in einem Wahlkreise mehrere Wahltaktikcn zugleich zur Anwendung bringen zu wollen. Das erschwert nicht nur die Agitation ungemein, son- dcrn richtet auch sehr lei'cht die /schrecklich st cn Verwirrungen an. Wir haben doch aber auch gar nicht nötig, zu einem so gefährlichen Experiment zu greifen. Welches sind denn die Kreise, wo mit unserer Hilfe das reaktionäre Elc- mcnt vertrieben werden könnte? Es sind doch nur solche, wo die Industrialisierung schon merklich vorgeschritten ist und wo die Zahl der Arbeiter einen größeren Umfang angenom- mcn hat. Hier werden lvir aber, mit ganz vereinzelten Aus- nahmen, in der Lage sein, mit eigenen Wahlmännern vorgehen zu können. Die paar Bezirke, in denen das wirklich nicht möglich ist, enthalten so wenige sozialdemokratische Stimmen, daß es sich wirklich nicht verlohnt, sie den Bürgerlichen zuzuführen. Hier würde eine Stimnicnthaltung weit eher am Platze sein." „Hessischer Vklksfreund"— Darmstadt: Vorbemerkung: Dieser einer Korrespondenz cntstam- wende Artikel wurde von mehreren, auch preußischen Blättern ab- gedruckt. „Man mag sich nun innerhalb oder außerhalb der Sozialdemo- kratie zu den Vdrschlägen der Landeskommission wie immer stellen, einen Vorwurf wird man ihnen bestimmt nicht machen können, nämlich, daß es ihnen an eindeutiger Klarheit fehle. Ihr Grund- gedanke ist einfach der: In erster Linie Eintreten für die eigene Partei, in zweiter Linie für bür- gerlich c Kandidaten, wenn sie auf dem Boden des Re i ch s ta gs w a hl r echts stehen und wenn ihre Partei Gegenseitigkeit gewährt. Mag der Preußen- tag diese Grundsätze anerkennen oder modifizieren, wir zweifeln nicht daran, daß auch er sich in seinen Beschlüssen derselben Klar- heit befleißigen wird wie die Landcskommission. Daß auf der anderen Seite die gleiche Neigung zu klarem Willcnsausdruck herrsche, wird man beim besten Willen nicht be- haupten können. Selbswerständlich ist man sich in der Fortschrittspartei insoweit einig, als man bereit ist, aus den Händen sozialdemo- tratischer Wähler und Wahl männer so viel Die©roßfladt. Morgen. Vor mir der Straße graues Bild, Von müden Menschen angefüllt Und wildem Räderklingen. Am Kupferdraht der Funke zischt. Der Rauch sich mit dem Nebel mischt, Kein Strahl kann sie durchdringen. Die bunte Anschlagsäule schreit Von Mord und öder Lustbarkeit In scheußlich grellen Farben. In Lüften schwirrt ein Todeskeim, Betrunkne Schlemmer kehren heim, Und Hunderttausend darben. In der Fabrik. Der Hammer klang, die Preßluft psiff, Still ruht die Faust am Eiscngriff, Die Stoßmaschinen schwingen. In einem Wald von Riemen schrie Das Zahnrad seine Melodie Und wollt' uns gern verschlingen. Und wie es dröhnet Schlag um Schlag Von einem bis zum andern Tag, Und wie die Räder kreisen. Da weiß ich's früh und fühl' ich'S spät: Das Herz, das hier im Eisen steht, Bald wird es selbst zu Eisen. I. Tamark. fürftenpopulantät. Daß ein ganzes Land um einen Fürsten trauert, daß Tau- sende, ja Millionen das Gefühl haben, ihren Vater verloren zu haben, ist das nicht etwas Wunderbares? In einer Zeit, wo man den Krieg, den zehntausendfachen Mord im voraus dadurch für ge- rechtfertigt erklärt, daß sogenannte vitale Interessen ihn verur- fachen, wäre das tatsächlich ein Zug, der mit dieser Zeit in krassem Widerspruch stände. Und doch, wenn man in diesen Tagen die Blätter studiert, muß man cö einfach zugeben: es werden ansge- zeichnete Artikel geschrieben. Wer aus der Ferne hierher sieht, muß unbedingt die Uebcrzcugung haben, über Bayern ist ein Un- glück hereingebrochen, an dein auch noch der„kleinste Rann" auS dem Volke seinen Anteil hat. Aber weil ich mitten drinnen stand, so wollte ich cS ganz nahe Mandate als möglich anzunehmen. Aber bei der Frage, was nun die F or t s ch r i ttt s pa r t e i für diese dringend erwünschte Hilfe leisten solle, scheiden sich sofort die Geister. Ein Teil der Partei scheint wirklich den Wunsch zu haben, daß der Sozialdemokratie einiges Entgegenkommen gezeigt werde, nm das Ziel des Kampfes, Schwächung der Rechten, nach Möglichkeit zu erreichen. Bei den anderen wird man den Verdacht nicht los. daß es ihnen nur darauf ankommt, Vorwände zu finden, um nach rechts abzuschwenken und dann in den Augen naiver Leute die Schuld an dem Siege der Reaktion auf die angeblich verfehlte Taktik der Sozialdemokratie abz-uwälzcn." „Volksblatt"— Kassel. „Der Grundgedanke dieser Resolution ist also einfach der: In erster Linie Eintreten für die eigene Partei, in zweiter Linie für bürgerliche Kandidaten, wenn sie auf dem Boden des Reichstags- Wahlrechts stehen und wenn ihre Partei Gegenseitigkeit gewährt. Dadurch unterscheidet sich der Vorschlag unserer Landes- koinmission mit erfreulicher Klarheit und Deut- lichkcit von dem bekannten EiSnerschcn Vorschlag, der von der Partei verlangte, sie solle nur in den etwa ein Dutzend Landtagswahlkrciscn, in denen die Sozialdemokratie Aussicht auf Sieg aus eigener Kraft hat, selbständig vorgehen, im übrigen aber, von wenigen Fällen abgesehen, bedingungslos und von vornherein Freisinn und Nationlliberalismus unterstützen. Dieser Vorschlag hat nur ganz vereinzelt in partcigenössischcn Kreisen Zustimmung erfahren, und es ist anzunehmen, daß auch auf unserem Preußen tage über den Eisnerschen Vorschlag schnell zur Tagesordnung ü hergegangen und der Resolution der Landeskommission in ihren Grundzügen zugestimmt werden wird." „Ehrmnitser Bolksstimme": „Es klingt sehr gut. wenn man gelobt, bei den U r w a h l e n vollkommen selbständig zu bleiben und frühestens bei den Abgeordnetcnwahlen Bundnisse einzugchen. Aber diese verspäteten Bündnisse wären von so geringer Bedeutung, daß man dann schon konsequent ganz allein bis zum Ende durchhalten könnte. Es ist ganz richtig, daß keine bürgerliche Partei den Kampf gegen das Dreiklassenwahlrecht so ehrlich und mutig geführt hat, daß wir ihr für die Zukunft volles Vertrauen entgegenbringen könnten. Es trifft vollkommen zu, daß insbesondere die National- liberalen Anträge gestellt— und die Fortschrittler diese unter- stützt haben, die die vollkommene Entfernung von Arbciterver- tretern aus dem preußischen Abgcordnetenhausc hätten zur Folge haben können. Aber die Fortschrittler und Rationalliberalen haben immerhin ein st a r k e s K l a s s e n i n t e r e s s e an einer Vernichtung der unter dem Dreiklassenwahlrechi ganz fest- stehenden konscrvativ-klcrikalen Mehrheit. Insofern sind sie W a h l- rechtsfrcundc. während Zentrum und Konservative Wahl- rcchtsfeinde sind. Entschieden wird das Schicksal der Re- form zweifellos durch die Entschlossenheit und die organisierte Macht des Proletariats; aber gleichgültig kann es dabei nicht sein, ob SO Liberale oder 50 Schwarzblauc mehr im Preußcnparlament sitzen. Von unseren Aussichten dürfen wir keine preis- geben. Wo die eigene Kraft nicht ausreicht, müssen wir durch Gegcnscitigkcitsvcrtrag uns fremde Kräfte zunutze zu machen suchen. Aber wo dies beides nicht in Betracht kommt, müssen wir immer noch darauf sehe», möglichst jede von uns auf- gebrachte Stimme zu einer Aenderung der Zusammensetzung des Drciklassenhauses auszunutzen. Mögen die preußischen Geuosscn, unbeeinflußt von der Phrase und dem H e r k o m- nie ii, mit weitem politischen Blick die taktischen Möglichkeiten des preußischen Wahlkampfes prüfen. Auch die politische Klugheit ist notwendig, soll Preußen für das Proletariat noch nicht erobert aber doch freigemacht werden." „Fränkische Tagespost"— Nürnberg: „Aber diesen Vorschlägen(gemeint sind hier die Vor- schläge der Genossen Eisner und Bernstein. Red. d.„V."). so gutgemeint sie sind, stehen doch ouch manche schwer- wiegende Bedenken entgegen. Von allem anderen abgesehen: selbst wenn die Gesamtpartci sich um des großen Zieles willen zu einer solchen Selbstopferung zwingen sollte, so toäre damit noch keineswegs eine Mehrheit der Linken gesichert; vor allem aber: diese Linke wäre ja in Wirk- lichkeit keine Linke! Man darf nicht übersehen, daß sich in diesem Liberalismus, auf den es ankäme, die preußischen Ratio- nalliberalc» befinden müßten. Die preußischen Nationalliberalen aber unterscheiden sich in ihrer übergroßen Mehrheit kaum anders als durch ihren Namen von den freikonservativen Scharfmachern. DaS haben sie, um nur das wichtigste zu nennen, ja schon bewiesen, als es 1910 die Wahlrechtsfrage zu behandeln galt. Das zeigen eben jetzt wieder ihre Führer durch die unausgesetzten Anbiede- sehen, das große Leid, und ich dachte mir, die beste Gelegenheit sei der Trauerzug selber, wo Könige und ein Kaiser mit in der Reihe gehen Iverdcn, wo zu Zehntausenden das Volt vom frühen Morgen am Straßenrande wartet, um den. günstigen Augenblick ja nicht zu verpassen. Schon aus der Ferne sah es großartig aus. Es war ein run- der, schöner Platz, und man sah eine große, schwarze Masse. Sie be- wegte sich wie etwas Wogendes, aber nicht wie ein Meer oder ein Achrenfeld, eher schon wie ein Lavastrom, langsam, schwerfällig und zielbewußt. Unaufhaltsam und stetig. Aus diesem Strome erhoben sich einige Stellen, die aus der Ferne nicht deutlich zu erkennen waren. Als ich näher kam. entdeckte ich: alles das waren wirklich Men- schen. Gewöhnliche Menschen, die sogar meist weit hergereist waren und die jedenfalls ihren halben Tag opferten, um dem toten Re- genten ihre Reverenz zu erweisen. Die Erhebungen in der Masse waren auch Menschen, und zwar solche, die auf Wirtstischen oder auf Leitern oder auf Wagen, auf Stühlen, auf Laternenpfählen und so ähnlich sich postiert hatten. Gewöhnlich diente eine solche Sonderstellung dann gleich ganzen Dutzende», so daß sie in der deutbar unbcaucmstcn Stellung stundenlang verweilen mußten. Wenn das etwas so Erhabenes ist, dann durfte auch ich keine Rücksicht kennen; ich drückte ei» paar Augen zu und stürzte mich in das Gewühlc. wo es am stärksten war. Als ich wieder zu mir selber kam, da war ich eingepreßt wie eine Feige in der Schachtel, stand aber gut und hatte wenigstens ein gutes, gediegenes Stück blauen Himmels über mir. Es war auf einem großen schönen Platze, wo mächtige Kandelaber errichtet waren, die oben Brcnnpfannen trugen. Ilm mich die schwarze Masse, vor nur die Buschhelme breitschultriger Uniformierter. Hinter mir die vornehmsten Häuser Münchens. Auf den Balkoncn und in den Fenstern zeigten sich die Damen»ur in Traner und die Herren nur im Pelzmantel. lieber der ganzen Münchener Stadt ein ernstes feierliches Glockengeläute; und wie seltsam war das Volk. Es machte ganz vergnügte Gesichter. So etwas Erwartungsfrohes, ja man möchte fast sagen etwas Freudiges lag auf ihren Gesichtern. Besonders die. welchc�weitcr vorn jtattdcn, die hatten so eine selige Miene aufgesetzt. Sie machten auch gar kein Hehl daraus, daß sie sich ganz außerordentlich freuten. Sic lachten die andern aus, die weiter zurück sich die Halswirbel ausreckten und doch nicht einen einzigen Pflasterstein zu sehen bekamen. Aber auch die Un- glücklichen, die gerade nur noch ein armseliges Stück blaneS .Himmclödach gewahren konnton, waren eigentlich in durchaus guter Stimmung. Ich will ehrlich sein und ich muß sagen: es wäre nicht möglich gcivcsen, aus diesen Gesichtern herauszulesen, ob sie»un auf einen KarncvalSzug oder auf die Totenfeier eines verstorbenen Fürsten wortetcn. rungsversuche selbst mit den Agrarkonscrvativcn. Das hängt nicht bloß von einzelnen Persönlichkeiten in der Partei ab, das ist ma- teriell begründet in der Abhängigkeit der Partei von dem Gelde der rheinisch-westfälischen Großindustrie. Die preußische Fraktion wird immer im wesentlichen eine Scharsmachcrclique bleiben. Unter Verzicht auf diesen Teil des Liberalismus ist aber die Erziclung einer wahlrcchtsrcforinkrcundlichen Mehrheit der„Linken" vorder- Hand genau so Utopie wie die Erkämpfung einer solchen Mehrheit allein aus Sozialdemokraten. Man soll es doch auch nicht gering achten, wenn die Sozial- demokratic in ihrem Parteiinteresse dort alle Kraft einsetzt, wo die Mandaiserringung selbst vorderhand kaum möglich ericheint. Es ist sehr billig, das mit Phrasen abzutun, wie diese: Es käme also der Sozialdemokratie bloß auf die Agitation au, das Ziel kümmere sie nicht. Auch bei einem derartigen Vorgehen käme das„Ziel" keineswegs zu kurz. Es wurde ja schon gesagt: der Wahl- r c ch t S k a m p f in Preußen hat sein S ch tv e r g e w i ch t außerhalb der Parlamentsmauern. Es ist nicht zu unterschätzen, wenn die Agitation der Sozialdemokratie vor den Wahlen neue Wählermasse» gewinnt, die dann helfen können, durch die Wucht ihrer Kundgebungen auf das Parlament und auf die noch abseits stehenden Teile der Bevölkerung im Lande einen Druck auszuüben.— Natürlich wäre es kurzsichtig, wollte man ein Zu- sammengehen mit bürgerlichen Parteien allgemein und prinzipiell ablehnen— auch dort, wo es sich um sichere Anhänger einer Wah lr e ch t s re f o r m handelt und wo Gegenleistungen gewährt werden. Ob aber auch ohne Gegenleistungen schon das eigene Parteiintcressc und damit die Gewinnung der Massen zurück» gestellt werden darf, um das Mandat einem Gegner der Wahlrechts- reform zu entreißen und einem rcformfrcundlichercn Bürgerlichen zuzuspielen, ist eine Frage, die sehr ernstlich erwogen werden muß, auch wenn es sich nicht um ein allgemeines Prinzip handeln soll, sondern nur um Maßnahmen in besonders gearteten Fällen." Hus der Partei. Gemeinbcwahlcrfolge. Bei der Stadtverordneten-Stichwahl in Sagau siegte Genosie Kurtmann über den Mischmasch-Kaudidaten. Damit hält der dritte Sozialdemokrat seinen Einzug in das Saganer Stadt- Parlament. In Elb in g wurden zwei Genossen mit großer Mehrheit in das Stadtparlament gewählt._ Personalien. Zum Parteisekretär der sozialdemokratischen Landes- organisation in Hamburg wurde am Freitag in der Landes- Versammlung der Genosse Wilhelm W i e L n e r in Bergcdorf bei Haniburg gewählt.__ 6encht9- Zeitung. Wahlrechtssäbler— Sittenattentäter. Gelegentlich der letzten blutig verlaufenen Wahlrechts- dcmonstrationen, so berichtet man uns aus Halle a. S., hatte sich der 44jähnge Polizeiscrgeant Gustav Richter besonders „ausgezeichnet". Er hatte einem friedliebenden Wahlrechts- demonstrantcn mit dem Säbel den Kopf zertrümmert. Be- kanntlich wurden nach jener Säbelei auch hervorragend tätig gewesene Polizeibeamte durch Orden und Ehrenzeichen gekenn- zeichnet. Am Freitag stand Richter vor der Strafkaminer wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen im Amte, unter Anklage. Er hatte in der Nacht zum 14. Oktober auf der Polizeiwache in der Ludwig- Wucherer- Straße ein junges Dienstmädchen, das seiner Obhut nnvc'r- traut war, zum Beischlaf verführt. Als das Mädchen wegen des Vorganges vernommen wurde, bestritt Richter die Tat. Darauf ging ein anonynier Brief bei der Polizciverwaltung ein, in dem drei Personen mitteilten, sie hätten vom Fenster aus den strafbaren Vorgang be- obachtct. Auf einen vom Untersuchungsrichter erlassenen Zeugenaufruf meldete sich aber niemand. Daraus entstand die Vermutung, daß sich die Beobachter des Vorganges auch innerhalb der Wache befunden haben können. Richter soll sich nicht der größten Sympathie unter seinen Kollegen erfreut haben. Dje Verhandlung, zu der das junge Mädchen und zwölf Polizeibeamte als Zeugen geladen waren, entzog sich wegen Sittengefährdung der Oeffentlichkeit.— Der verheiratete„Schutzmann" wurde zu einem Jahre Ge- f ä n g n i s verurteilt. Das war zu einer Zeit, da der Zug schon unterwegs war. Und die gute Stimmung hielt an, auch als der Zug sich vorvci bewegte. Es ist jedermann bekannt, daß bei solckien Anlässen, ich meine, wenn große Mengen beisammen sind, immer der gute Voltshumor auflebt, und er lebte auch hier. Als der Sarg schon vorbeigefahren war und der Kaiser lang- sam und feierlich zu Fuß daher schritt, an der Seite des jetzigen Regenten, da sagte einer hinter nur: „Schorschel, streck den Kopf nit so weit füri, sonst werft auf die Schnurrbartspitzen aufg'spießt." Natürlich lachen die Umstehenden. Ich denke an ein Dorf: es wird ein Mann zu Grabe getragen, den alle kannten. Nicht das ganze Torf geht dem Leichenzuge nach. Es stehen auch, ähnlich wie hier, viele an der Straße, sie sprechen auch, aber sie haben ihren sonst unversiegbaren Humor zu Hause gelassen. Es würde da auch ein schlechtes Echo geben, wenn einer vergessen sollte, was an diesem Tage geschieht. Wenn der Trauer- zug kommt, so nehmen alle die Hüte ab, stehen still und denken eine» Augenblick, wenn es denn nicht mehr sein kann, eine» ernsten Augen- blick an den Toten. So oder so, aber in würdiger Ruhe, deun es ist in diesem Augenblick eine wirklich allgemeine Trauer über der Dorfstraße. Ach loie gut sind doch die Leitartikel abgefaßt; was muß ein Jahrhundert später für eine großartige Vorstellung von der Volts- liebe für die Fürsten bekommen, wenn es nur diese so gut abgc- faßten Leitartikel liest. Ruhe und Ergebenheit an jedem Grabe! Auch an dem eines Fürsten. Aber es sollte nur nicht so entsetzlich viel gelogen lvcr- den. Ist das Volk zu tadeln? Nein, das Volk ist im Grunde ehr- lich, andere lügen. Das Volk kommt und hat sein Schauspiel, so oder so. Heute ist es ein Fürstensarg, der mit nie wicdcrtchrcndcm Aufwand vorübcrgeführt wird, morgen ein Flieger, übermorgen Prinz Karneval. Ich habe einmal einen der größten Aufzüge in der Peters- kirchc in Rom gesehen: es sollte eine heilige Handlung vor sich gehen. Der Papst segnete mit seinen Wackishändcn. denn so sah es aus, die Zuschauer, und man stand ihm so nahe, daß man sein Kleid küssen konnte; einige taten das auch, andere hatten den Kodak und knipsten. Die alten Formen sind noch da, aber der alte Inhalt ist schlafen gegangen. Kein Fürst ist um die sogenannte Landestrauer zu beneiden, kein Papst um seine Herrlichkeit. Wer das mit an- gesehen, weiß es anders, alö vielleicht Fürsten und Päpste es sich träumen. Die neue Zeit hat andere Werte, lind wenn alle Pro- fessorcn im feierlichen Ornat herumgehen und die größte Würde ganz umsonst vor allen Augen zeigen, das Volk ist tatsächlich, auch wenn es sich selbst darüber nicht klar geworden ist, über all das hinausgewachsen. F r i tz S ä n g c r. � Huö aller Melt. Nachklänge zur Grubenkataftrophe. Die Frommen haben für jedes Mißgeschick ihr Sprüchlein bereit. Bringt es nicht Trost den von Unglücksfällen Betroffenen, so beruhigt es wenigstens das Gewissen der frommen Kapitalisten. Es nimmt daher nicht wunder, daß die schwarze„Essener Volkszeitung" das furchtbare Unglück auf der Zeche Minister Achenbach mit einem Sprüchlein abtut. Das Zentrumsblatt nennt das Unglück„eine harte Prüfung, die der Lenker a ller G es ch i cke d en Hinterbliebenen der Verunglückten auferlegt" Merkwürdig ist nur. daß der„Lenker aller Geschicke" fast aus schließlich arme Bergarbeiterfamilien und andere arme Teufel mit „harten Prüfungen" bedenkt, Grubenaktionären und sonstigen Dividendenschluckern aber die Gnadensonne leuchten läßt. Daß aber die harte Prüfung auch sehr irdischer Natur sein kann, lehrt eine Notiz unseres Dortmunder Bruderblattes vom 19. d. Mts. Es heißt darin über einen Teil der Bergleute, der sich ans dem Unglücksschachte retten konnte: In Revier 11 kmmte sich die Belegschaft zum größten Teile retten. Was man aber den armen Bergknappen, die mit knapper Not ihr nacktes Leben retteten, zu bieten wagt, mag man aus Folgendem ermessen: Zirka 22 Kameraden, die fast nackt, teils nur mit etwas Verschlagleinen umhüllt, mit knapper Not dem Tode entronnen waren, wurde auf Anord- nung des Betriebsführers der Befehl er- teilt, sich beim Steiger Buschmann in Revier S zu melden und dort weiter zu arbeiten. Ihr Grubenzeug, Uhren, Butterbrote und Kaffeebüchsen hatten die Leute in der eiligen Flucht vor ihrer Arbeit zurücklassen müssen. Aus dem heißen Flöz heraus hatten die Kameraden schon über eine Stunde in der Nähe des eiskalten OuerschlagS durch- froren, fast ohne Kleidung zugebracht. Wenn man nun solchen armen Menschen noch zumutet, in einer derartigen Verfassung weiterzuarbeiten, so findet man tatsächlich keine richtigen Worte, um ein solches Verhalten richtig zu kennzeichnen. Selbstverstäud- lich wurde das Weiterarbeite» in einem anderen Revier von den Ge- retteten mit Entrüstung zurückgewiesen. Von: Inspektor Roß wurde dann später die Anordnung getroffen, daß die Leute in leeren Wagen mit der elektrischen Förderung zur Ausfahrt nach dem Schachte gefahren wurden. Es gab eine Zeit, wo die Belegschaft feierte, wenn ein tödlicher Unfall passierte, heute gibt es das nicht mehr l Auf der einen Förderschale werden nach Katastrophen tote und ver- tvundete Menschen befördert und auf der anderen Schale fördert man Kohlel Nur nicht den Betrieb unter« brechen. Ehe es soweit kommt, muß eS schon so schlimm werden wie auf Radbod. Leute, die sich in Todesangst gerettet haben, dem Tode mit großer Mühe entronnen sind, sofort an eine andere Arbeit zu stellen, das ist denn doch die Höhe l Zur Typhusepideiuie in Hanau. Von der Behörde wird jetzt amtlich bekanntgegeben, daß beim 1. Bataillon des in Hanau garnisonierenden Eisenbahn- regiments Nr. 3 Typhuserkrankungen festgestellt worden find. Im Anschluß daran wird betont, eS bestehe die Be- fürchtung, daß der Main mit TyphuSbazillen verseucht sei. Deshalb werde eindringlichst vor dem Gebrauch und Genuß des MainwasserS gewarnt.— Bei einer Kompagnie sind vier Neuerkrankungen vorgekommen. Der Verlauf der Krankheit ist im allgemeinen günstig. Der allgemeine Zustand der Kranken ist zufriedenstellend. Von 211 Lazarettkranken sind zurzeit IS schwerkrank._ Ein Aufrechter. König Hakan von Norwegen sandte vor einigen Tagen dem ehe- maligen Staatsminister T h o r n e das Großkreuz des St. Olaf- Ordens, um den Minister für seine Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben auszuzeichnen. Das Großkreuz kam aber wieder zurück. Gleichzeitig dankte der Minister dem König für die ihm zugedachte Auszeichnung, lehnte sie aber mit der Bemerkung ab, seiner Meinung nach habe er als Minister nur seine Pflicht getan. Nur die Pflicht I Der ganze Ordensfirlefanz zeigt sich in seiner nackten Jämmerlichkeit und Gehaltlosigkeit, wenn ein Mann aufsteht und seine Meinung ausspricht. Was will denn so ein Orden, den der Herr Jedermann erhält, wenn er einen bestimmten Rang erklimmt? Ist er nicht bestenfalls eine Bestätigung der blanken Pflichterfüllung? Nur die Knechtsseele kann sich geschmeichelt sehen. wenn ihr ein König ihre Eigenschaften bestätigt. Der Mann steht auf, sieht sich so ein läppisches Großkreuz an, packt es wieder ein und schickt die Geschichte zurück. Er weiß selbst, waS er geleistet hat und bedarf keiner anderen Anerkennung, als der des wirkenden Lebens._ Raubmord an einem Diamantenhändler. Inmitten der belebtesten von Weihnachtseinkäufern dicht gefüllten Straßen Chicagos drangen am Freitagnachmittag Räuber in Äinozensur und Geisteskultur. Weit über Berlin hinaus ist die Urania, das wissenschaftliche Theater in der Taubenstraße, bekannt. Nicht zum geringsten sind es die Mitglieder der sozial- demokratischen Wahlvereine und der Gewerkschaften, die dieses In- jtitut von Organisatwns wegen besuchen und ihm Interesse ent- gcgenbringen. Es war eine eigentümliche Erscheinung, daß in diesem Hause sozusagen von amtswegen einer nicht gerade beliebten Einrichtung, der Zensur nämlich, eben in Rücksicht auf das mo- ralische Wohl der unteren Bevölkerungsschichten das Wort geredet wurde. Und wie die Urania selbst, so wird über Berlin hinaus viel- leicht noch mehr die Tatsache gewürdigt werden, daß die Polizei sich ihrer zensierenden Tätigkeit wegen entschuldigte und durch Demonstrationen ihre Notwendigkeit auf diesem Gebiete zu beweisen suchte. Freilich handelte es sich nur um einen wenn auch beträchtlichen Zweig des vorbeugenden Wirkens der Behörde, um die Zensur der Kinematographenfilms. Der Kinokongreß hatte Klage darüber geführt, daß die Polizei ihr Amt zu kleinlich auf- fasse, daß sie dem Publikum das Vergnügen und, was zehnmal wichtiger, den Unternehmern durch Filmverbote den Profit ver- kümmere. Hiergegen wollte die Polizei sich rechtfertigen, und sie lud daher die Berliner Presse zu einer in der Urania abgehal- tenen Vorstellung. Man muß es dem Vertreter der Polizei lassen, daß er seiner heiklen Aufgabe durchweg mit großer Geschicklichkeit gerecht wurde. Es wurden von ihm mit erklärendem Text eine ganze Reihe von der Behörde beanstandeter Film ausschnitte vorgeführt; und es soll gelten, daß diese Ausschnitte einfach abscheulich waren. Es wimmelte<�f der Leinwand von nächtlichen Einbrüchen, von Mord- taten, die sich hieran knüpften, von Roheiten in Spelunken, von Verherrlichungen sonstiger grausiger Vorgänge. Dann wieder kamen Films auf die Leinwand, die in wahrhaft brutaler Weise auf die Sentimentalität spekulierten. Rührszenen in der Leichen- tammer, eine Vergiftung auf dem Friedhofe an dem Grabe der Mutter. Quälereien, die an einem von Menschenhändlern ver- schacherton Kinde verübt wurden. Im Vergleich zu diesen Abscheu- lichkeitcn konnte man die ihrer sexuellen Verfänglichkeit halber be- anstandeten Bilder noch harmlos nennen. Der Zensor verrichtet seine Arbeit gründlich. Nicht nur, daß er sich die Aufnahmen eigens in einem behördlich eingerichteten Theater vorführen läßt, besucht er auch mit Eifer die„Kientöppe", teils um zu kontrollieren, ob nicht auch geschmuggelte Ware feil- geboten wird, teils um die Wirkung der von der Zensur frcigelasse- nen Films apf ihr Publikum zu prüfen. Wenn auch die Hälfte von den Borgängen abgestrichen wird, die der Zensor mit Polizei- das Bureau des Diamantenhändlers Logue ein, um dessen be- deutendes Lager an Edelsteinen auszuplündern. Die Banditen fesselten Logue und marterten ihn nach dem Sachbefund offenbar in der gräßlichsten Weise, damit er ihnen das Versteck, in dem er die Pretiosen aufbewahrte, nennen sollte. Da der Diamantenhändler trotzdem den Räubern den Ort nicht bezeichnete, verstümmelten ihn die Verbrecher furchtbar. Die Polizei fand Logue mit siebzehn Messerstichen im Kopf, von zwei Kugeln durch- bohrt, das Gesicht von Vitriol verbrannt und mit zerschmettertem Schädel auf. Die sofort aufgenommene Verfolgung der Raubmörder hat noch keine Spur von ihnen zutage gefördert._ Meschugge ist Trumpf! In Moskau ist vor kurzem ein mehrfacher Millionär namens Balaschew verstorben. Er war ein stadtbekannter, origineller Kauz, ein Sonderling, der die tollsten Sachen machte und dessen ver- rückte Launen mit den Jahren immer zunahmen und bisweilen nicht ganz ungefährlich waren. Auf die Polizei war er besonders scharf und kam alle Augenblicke in Konflikt mit ihr, wobei er sich nicht scheute, auch einmal einen Polizeioffizier zu verprügeln. Er kroch gern in die Hundehütte vor seinem Hause und bellte alle Vorübergehenden an, mietete manchmal im Winter abends am Theater sämtliche Schlitten und amüsierte sich königlich, wenn die anderen Leute frierend und schimpfend zu Fuß nach Hause pilgern mußten. Er ließ alle Bettelbriefe, die ihm zugingen, drucken, und ver- teilte diese Bücher, er ließ seine seltenen, schönen Hühner und Tauben hundertnial photographieren und überschivemmte die Redaktionen mit diesen Bildern; er bestellte sämtliche Zeitungen, sah aber nur nach, ob auf dem Kreuzband stand:„Sr. Hochwohl- geboren"— fehlte dieser Titel, so wurde er fuchsteufelswild. Er ließ seine Füße, die ihm zuletzt abgenommen werden mußten, b e- erdigen und ihnen ein Denkmal setzen mit der Inschrift:„Hier ruhen die Füße Balaschews"' er opferte viele Hunderttausende von Rubeln für Wohltätigkeitsanstalten jeder Art und war doch wieder ein Knicker, der um'jede Kopeke felschen konnte. Er wünschte, in einem Armensarge begraben zu werden, ohne geistliches Geleit. Hin- gegen mußte eine Kapelle folgen, deren Mitglieder je hundert Rubel für diesen letzten Dienst erhielten. Kleine Notizen. Explosion in einer Farbenfabrik. Fn Köln erfolgten Sonn« abend früh kurz vor Beginn der Arbeitszeit in der Schwarzfarben« fabrik von Geller u. Tutt mehrere Explosionen, die schließlich den Einsturz des ganzen Fa b ri k g eb ä u d e s herbeiführten. Die llriache der Explosionen ist noch unbekannt. Von den wenigen anwesenden Beamten der Fabrik wurde der Fabrckmeister Peck« mann verschüttet, so daß sein Tod herbeigeführt wurde. Zwei andere Beamte wurden schwer und zwei Feuer- wehrleute leicht verletzt. Unwetter auf dem Kaspischen Meere. Während eines Sturmes auf dem Kaspischen Meere kenterten 1ö Fischerboote mit einer Besatzung von zusammen 41 Fischern, die wahrscheinlicher- trunken find. Die Bubonenpest. Noch Mitteilungen de? Medizinalinspekiors ist auf dem Vorwerke Popowka bei Nowotscherkask am Schwarzen Meere die Bubonenpest festgestellt worden. Zwölf Personen sind bereits gestorben, acht befinden sich in ärztlicher Be- Handlung. Das Vorwerk ist militärisch abgesperrt worden. Eisenbahnunglück in Galizien. Bei der Station Rzeszow fiel e i n B a u m, den der Sturm gebrochen hatte, auf das Dach des Personenzuges Lemberg-Krakau. Das Dach wurde eingeschlagen und acht Personen wurden dabei schwer verletzt. Ueberfall auf einen Kassenboten. Am Sonnabendvormittag wurde in K ö l n ein junger Mann, der für eine Firma Geld zur Bank gebracht hatte, von drei Männern in ein nnbewohntes Haus in der HubertuSftrahe gelockt, niedergeschagen, betäubt und ausgeraubt. Uhr und Kette des Ueberfallenen sowie ein Wechsel über 900 Mark fielen den Räubern in die Hände, die unerkannt entkamen. Die Pest auf Java. Nach einer amtlichen Meldung ist eine Steigerung der Pest fälle auf Java zu verzeichnen. In der Zeit vom 4. bis zum 17. Dezember sind 398 Erkrankungen bekannt geworden, von denen 283 tödlich verlaufen find. Mochen-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Das Rheingold. Montag: Der Rosenlavalier. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: DaS Rheingold. DonnerS« tag: Die Hugenotten. Freitag: Mignon. Sonnabend: Der Rosen kavalier. Sonntag: Slida. Montag! DaS Rbeingold.(Ansang 7'/, Uhr.) Königl. Tchansptelhans. Sonntag: Ein Wafsengang. Montag: Doktor Klaus. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Der große König. (Anfang 8 Uhr.) Donnerstag: Die Welt, in der man fich langweilt. Frei- tag: Ein Wassengang. Sonnabend: Kolberg. Sonntag: Freund Fritz. Montag: l812.(Aniang 7'/, Uhr). Neues Opcrn-Dheatcr(Kroll). Täglich: Anna Pawlowa-Ballett. DIenslag: Geschlossen. Donnerstag, nachmittags: Ballett.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelio. AbendS: Oberon. Montag: Oberon. Dienstag: Geschlossen. Mtttwochnachmittag » 3 Uhr: Fidelio. Abends: Oberon. DonnerStagnachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends: Figaros Hochzeit. Freitag, Sonnabend, «onnlag und Montag: Oberon.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonnlag: König Heinrich lV., 1. Teil. (Anfang 8 Uhr.) Montag: Der blaue Vogel.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: König Heinrich IV., 2. Teil. Donnerstag: Der blaue Vogel. Freitag: König Heinrich IV., 2. Teil. Sonnabend: Der blaue iBog'-I. Sonntag; Der blaue Vogel. Montag: König Heinrich IV., 1. Teil.(Anfang 7ss, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag und Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch und Donnerstag: Mein Freund Teddy, Freitag: Maria Magdalene. Sonnabend bis Montag: Mein Freund Teddy.(Anfang 8 Uhr.) Lefsing- Tbeater. Sonntag: Rose Bernd. Montag: Die versunkene Glocke. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Rose Bernd. Donnerstagnach» mitlag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Gabriel Schillings Flucht. Freitag: Die Raiten. Sonnabend: Gabriel Schillings Flucht. Sonntag: Rose Bernd. Montag: Hedda Gabler.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Xbeaier. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich: Filmzauber.(Aniang 8 Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Mitt- wochnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Doimerslagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen.... Kleines Tbeater. Sonniagnachmiltag 3 Uhr: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Allabendlich: Prosessor Bernhardt.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch- und Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Schill er-Theater Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zovs und Schwert. Abends: Flachsmann als Erzieher. Montag: Die Schmetterlingtschlacht. Dienstag: Geschlossen Mittwockmachmittag 3 Uhr; Zops und Schwert. Abends: Die Schmctterlingsschlacht. Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abends: Die Kinder der Exzellenz. Freitagnachmittag: Zops und Schwert. Abends: Im weißen Rößl. Sonnabend: Die Lokal. bahn. Die Medaille. Sonntag: Die Schmetterlingsschlacht. Montag: Der TaliSmann.(Ansang 8 Uhr)....-„ Schiller- Theater(kdarlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Heimg'fundcn. Montag: Die Geschivister. Elga. Dienstag: Geschlossen. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. AbendS: Heiingssinidcn. Donnerslagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Im weißen Rößl. Frcitagnachmittag: Wilhelm Teil. Abends: Heimgssunden. Sonnabend: Des Pfarrers Tochter von Streladors. Sonntag: Die Kinder der Exzellenz. Montag: Hedda Gabler. fllnsang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Weh dem. der lügt. Abends: Die keusche Susanne. Montag: Wegen Generalprobe geschlossen. Dienstag: Geschlossen. Mittwochnachmiltag 3 Uhr: Die keusche Susanne. Abends: Der Zaungast. Donnerstagnach» mittag 3 Uhr: Die keusche Susanne. Abends und folgende Tage: Der Zaungast.(Ansang 8'/« Uhr) Theater in der Königgräher Strafte. Sonntag: Die suns Franlsurter.(Anfang 8'/, Uhr.) Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Geschlossen. Mittwoch und Donnerstag: Die süns Frankfurter. Freitag: Hedda Gabler. Sonnabend und Sonntag: Die süns Frankfurter. Man- tag: Hedda Gabler.(Ansang 8 Uhr.) Trinuon-Theatcr. Allabendlich: Die Erste— Die Beste.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Geschlossm. Mittwoch- und Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinci. Neues Volks- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kainmersänger. Abends: Mutter Landstraße. Montag: Lore. Die Spieler. Der Kainmersänger. Dienstag: Geichlossen. Mitlwochnach« mittag 3 Uhr: Mutter Landswage. Ab cnds: Michael Kramer. Donnerstag« nachmittag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Abends: Mutter Landstraße. Freitag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Sonnabend: Die Doppelgängerlomödie. Sonntag: Michael Kramer. ��"�THaUa-Thcater. Allabendlich: Puppchen.(Ansang 6 Uhr.) Dien»« tag: Geschlossen. Mittwoch«, Donnerstag- und Freitagnachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschast. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Frau Holle. Puftspielvaus. Allabendlich: Gras Pepi.(Ansang«'/, Uhr.) Dien»« tag: Geschlossen. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Mein alter Herr. Donnerstag. nachmittag 3 Uhr: So'n Windhund.„> Komödienhaus. Allabendlich: Die Generalseck-.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Sonntag-, Mittwoch« und Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Der rote Leutnant., Residenz-Theater. Allabendlich: Prinzenerziehung.(Ans. 8 Uhr). Dienstag: Geschlossen. Sonntag-, Mittwoch, und Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Alles für die Firma.„„ � � Deutsches Schaiisptrlhans. Allabendlich: Der gutsitzende Frack. (Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Mittwoch, und Donnerstag- nachmittag 3 Uhr: Eamont. Theater am NoUeiidorfplatt. Allabendlich: Orpheus in der Unterwelt. Dienstag: Geschlossen.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag«, Freitag. und Sonnabendnachmittag: Schneeivittchen. Mittwoch- und Donnerstag- nachmittag 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. � Casino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Unter dem Weihnachts» bäum. Allabendlich: Am grünen Strand der Spree.(Ansang 3 Uhr.) Dienstag: Geichlossen. Montts Operetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Der Frauensresser.(Ansang 3 Uhr.) Dienstag: Ge- schlössen. Kurfürsten- Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Allabendlich: Der Kubreig Mittwochnachmiltag: Der 2 schütz. Sonnabendnachmittag: Dornröschen.„ Rose- Tbeater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Hansel und Grete!. Allabendlich: Die Sünden der oberen Zehntausend.(Ansang 3 Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Luisen-Türater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ich lasse dich nicht. Abends: Berlin— Hamburg— New Dork. Montag: Goldener, daS Sonntags» kind. Diensiag: Geschlossen. Mittwoch und folgende Tage: Berlin- Hamburg— New Jork.(Ansang 8 Uhr.)_, Herrnfeld< Theater. Allabendlich: Die Alpenbrüder. ScheidungS« Souper.(Ansang 8 Uhr.) Diensiag: Geschlossen. Uranin» Theater. Sonntag: Auss Matterhorn. Montag und folgende Tage: Paris und die Königsschlösser von Versailles.(Ansang 8 Uhr.) Diensiag: Geschlossen. lichem Scharfblick wahrgenommen haben wollte, so bleibt doch noch genug Schlimmes nach, um die Frage aufzuwerfen, ob das Kino in seiner heute zumeist dargebotenen Wesensart unter Erwachsenen, geschweige denn unter Kindern nicht zehnfach mehr Unheil als Nutzen anrichtet. Aber diese sensationellste Errungenschast der photographischen Kunst besteht nun einmal und die Zensur besteht neben ihr. Sie mag, wie die Dinge heute liegen, gegenüber der kinematographi- schen Spekulation ein ebenso notwendiges Uebel sein, wie sie im Kampf gegen die ernste Kunst ein schädliches, unnützes Uebel ist. Und hier liegt der springende Punkt. Aus politischen Gründen, weil„die ganze Richtung ihr nicht paßte", glaubte sie einen Ibsen, einen Hauptmann, einen R o s e n o w ebenso behandeln zu müssen wie irgendeinen gewissenlosen Filmfabrikanten, glaubt sie heute noch derselben Freien Volksbühne, die hundertmal mehr zur Veredelung des Voltes getan hat als je einem Polizeizensor möglich wäre, mit Verboten und Bevormundungen ins Gehege kommen zu müssen. Die echtpreutzische Verquickung politischer Sonderabsichten mit ethischen Prinzipien macht mißtrauisch gegen die Polizeitätigkeit selbst da, wo an sich eine vorbeugende Tätigkeit gerechtfertigt tväre. Nach unseren Grundsätzen soll die Polizeizensur ersetzt werden durch die Zensur der Oeffentlichkeit. soll durch stete B i l- dungsarbeit das sittliche Empfinden des Volkes derart ge- hoben werden, daß Schundfilms wie Schundromane unmöglich wer- den am eigenen guten Geschmack des Publikums. Die Sozial- demokratie arbeitet unausgesetzt an dieser sittlichen Vervollkomm» nung des Volkes. Die Polizei aber ist es, die ihr bei dieser Kul- turtätigkeit in den Arm fällt. Miinchener Schlüffeldramatiker. Der dem„Simplicissimus'kreis nahestehende Münchener Literat Korfiz Holm hat dem Münchener Schauspielhaus des um die Pflege modernster Roeßler-Roda Roda- Meyrinck-Hellerscher Schwankliteratur so selbstlos verdienten Direktor Stollberg eine neue Komödie„Marys großesHerz" zur Urausfübrung eingereicht, die sich bei den Proben als ein„peinliches Schlüffelfiück" entpuppte, in dem eine Dame aus der„guten bürger- lichen Münchener Gesellschaft", die zudem ständiger Logengast im Hause Stollberg sei. bloßgestellt wird. Der Direktor ist nun in Schwulitäten, ob er Mary mit dem großen Herzen auf seiner Bühne abkonterfeien lassen soll oder nicht. Er hat den Verfasser um Aenderungen ersucht. Der behauptet aber, eS sei„unwahrscheinlich", daß sich jemand getroffen fühlen könne. Jedenfalls hat Herr Korfiz Holm eine Bombenreklame vor der Premiere gratis. Der Fall erinnert an FrankWedekindS üz-n.(Ansang 8 ühr.) Dienstag: G-schloss-n. Troubadour. Donnerstagnachmittag: Der Frei- Schlüsselstück>:„Musik"— es war noch ehe er eine akademisch- literarische Gesellschaft in Dublin mit der philosophischen Fakultät der Universität Dublin verwechselte— in dem der verkannte Moralist Wedekind seine Freundschaft mit einem bekannten Münchener Ge- sangspädagogen dahin mißbrauchte, daß er diesen und seine„Ver- hällnisse" chorträtgetreu aus die Bühne brachte. Aber freilich, dem Künstler gibt bekanntlich das Leben die besten Stoffe. Nur darf er nicht vergessen. Takt und Feingefühl Regisseur sein zu lassen. in. Humor und Satire. An das preußische Abgeordnetenhaus. Erschröcklich war für den zivilen Bürger, O hohes Häuschen, deine Wut, dein Schmerz I Tyrannisch warst du I Ein Ministerwürger 1� Vor Schrecken fiel ins Beinkleid mir das Herz l „Her die Ministerl" schrie dein wildes Mundstück, Das der Kanone offenem Schlünde glich— Und alles dies von wegen jönem Grundstück, O hohes Haus, das wo dir nachbarlich l Zerschmettert von solch reckenhafter Haltung Rief ich, ins Mauseloch verkriechend, aus: Wann zeigst du einmal solche Krafteittfaltung Bei einer Wahlvorlage, hohes Haus? (Karlchen in der„Jugend".) Nonzen. — NeueTheatermacheinSichtk Das mit Brauerei- Schokoladen- und sonstigem Kapital gegründete Theater Groß» Berlin fängt schon an, in das interessante Stadium einzutreten (wie denn alle Veranstaltungen in den Ausstellungshallen am Zoo schlecht gingen). Man mutz bereits Betriebsmittel suchen. Sehr nette Zustände scheinen auch im Friedrich-Wilhelmstädti» schen Schauspielhause zu herrschen. Dies Theater hat eine neue Spezialität geschaffen: wer aufgeführt werden will, mutz einen Vorschuß leisten. So erfährt man, daß der berühmte Paul Vincke es sich 20 009 M. losten ließ, um dort seine Operette„Grigri" unterzubringen. Als das Ding nicht mehr zog, setzte es die Dirck- tion vom Spielplan und Herr Lincke will jetzt die Dekorationen pfänden lassen., — Eine Schiller-Gedächtnisfcrer veranstaltet in der Singakademie am Sonnabend, den 28., der Berliner Zweig- verein des Schwäbischen Schillervereins. Sie soll Schillers Be- Ziehungen zur Mujik durch Klang und Wort veranschaulichen. SldmtralSpalast. MSiavett: Dvonne.(Anfang 10 Uhr�) Dienstag: beschlossen. Reichshallen-Theater. Allabendlich: Bei Vater».(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/z und allabendlich 71;, Uhr; Galavorstellung. Dienstag: Geschlossen. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Dienstag: Geschlosselt. Mettopol-Theatcr. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Tata Toto. All- abendlich: Chausseur— ins Metropol!(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Ge- schlössen. Theater Grosi-Berlin. Allabendlich: So bummeln wir. Vorher: Neuer Variets-Teil.(Arisang 8 Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Mittwoch- und Donnerstagnachmittag: Tata Toto. Wintergarten. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Dienstag: Geschlossen. Folies Caprice. Allabendlich: In Sachen Katzenstein. Die Doppel- firma. Die Tochter der Braut.(Anfang 8'/« Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Walhalla-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gespenster. All- abendlich: Goldener Leichtsinn.(Anfang 8'<< Uhr.) Dienstag: Geschlossen. Apollo-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Dienstag: Geschlossen. Königstadt-Kastno. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) DienS- tag: Geschlossen. Pailage-Xheater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Dienstag: Geschlossen. KrirfKaltai der Redaktion. Kürzung der Sminderung Nagen.— — Bezirk 4 A. SS. 1. Auskunst erteilt die„Zentralstelle sür AuS- R. IIS. Wäre möglich.— E. M. Tempelhof. Eine Miete ist unstatthaft. Sic können aber auf Mietsminderung klagen. Wanderer", Berlin. Karlsbad 9/10. 2. Vielleicht bemühen Sie sich nach dem Bureau der kgl. Museen am Luftgarten.— R. W. 110 und P.®. 100. Gewünschte Adresse uns nicht bekannt. Vielleicht im Adreßbuch zu finde».— — L. F. 76. Dem Standesamt muß das mit Rechtslrast versehene Scheidungsurteil, außerdem, sallS minderjährige Kinder aus der geschiedenen Ehe vorhanden sind, eine Auseinandersetzungsbescheinigung des Vormund- schastsgerichts vorgelegt werden.— ISIS M. L. 1. Nicht bekannt. 2. Sosern der Nachweis erbracht wird, nein.— 6815. 1. Es kommt aus das Gericht an, ob der Frau Glauben beigemessen wird oder nicht. 2. Nein. mmciMimssc BeKe Prin�esÄiii.iKeixsir. 'ZxQteichikhe, äeis das TleueSie--öridssiG Coxdcmx 12° ftcZrien- Dnmen. Jux* Wuqjemutta* 30 31-35 3fr4o oo 7,00 3,00 C�rl SiillcriiisisK Ii?, Idpztüze/ÄN 2.9(VtadtefAcuti) ♦ Orandsteinmetz �lax Krusckke im 37. Jahre, angeblich an Bauch- sellentzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 2 Uhr, aus dem Karlshorsler Friedhose, Friedrichs- selde.Treskowallee statt.(Straßen- bahnoerbindung Nr. K9 und 79.) Um rege Beteiligung ersucht 172/14 Tie Ortsverwaltung. Todes-Anzcige. Allen Verwandten und Genossen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, Vater und Kroß- oater, der BUdhauer Emil Neitzel nach langem Leiden verstorben ist. Die trauernde Witwe Pauline Neipel nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 23. d. Mts. nach- mittags VI, Uhr vom Trauer- hame, Papvclallee 57, und in Friedrichsselde um 3 Uhr statt. Am Freitag, den 29. Dezember. vormittags 19'/, Uhr, verschied nach langem schweren Leiden unser einziger, inniggeliebter Sohn Bruder, Enkel und Nefie önstsv Meininger im 18. Lebensjahre. In tiefer Trauer Gottheit und Auguste Meininger. Martha Meininger. Familie Masche. Beerdigung findet Dienstag, den 24. Dezember, mittags VI, Uhr. von der Wohnung. Granseer Straße 5 aus, nach dem ZionS- Kirchhos in Nieder-Schönhuusen statt. 22A Sozialdemokratischer Wahlverein iiir Hiederbamim. Bezirk WeiBensee. Am 29. Dezember 1912 verstarb unsere Genossin Anna Wölfl geb. Latternieh im 48. Lebensjahre an Gallen« steinkolik. 18/16 Ehre ihrem.Andenken! �Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 22. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Straßburgstraße 91, aus statt. Wir bitten um zahlreiche Beteili- gung. Her Verstand. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Am 29. Dezember starb unser Mitglied, der Maurer Grothe (Bezirk Oranienburger Vorstadt). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle der Sophien-Gemeinde in der Freien- walder Straße aus statt. 148/3 Der Vorstand. Deutscher lietailarbeileF-VeFband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Joh. Öregor Tresckowstr. 44, am 14. Dezember an Blulvergistung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen. Halle des Scgens-Kirchhoses in Weißensee, Adolsstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 135/6 0ie Ortsverwaltung. Ilm Donneistag verstarb unser verehrter Werlsübrer Karl Busse inmitten seiner Arbeit am Herz- Ichlag. Ehre seinem Andenken! Die Kollege» der Firma Krause& Dreß, Pianosabril. Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoss in Friedrichsseide aus statt. 3A Am 18. Dezember verschied nach kurzem Krankenlager mein lieber Mann, Vater und Schwiegervater, der Schneidermeister Mbevt Wietz im 72. Lebensjahre. Dies zeigen an Berta Wich geb. Albrecht nebst Kindern. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 23. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, aus dem Zentral- Friedhos in Friedrichsselde statt. l-esaDMiD.Me"(1884). Nachruf. Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb am 17. Dezember unser lieber Sangesbruder Heran. Krüger Wir verlieren in demselben einen treuen Sangesbruder und Freund I 1747b Ebre seinem Andenken k Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines mniggeliebten Mannes, meines guten Vaters, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Ver- band der Maler, sowie dem Wahl- verein sür die herrlichen Kranzspenden unseren herzlichsten Dank. Witwe Berta Sasse und Kind. KpSsäalurzl f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkrante jeder Art, Ehrlich Hat«> Kuren in Di. Homeyer-Z:?' Untersuchung., Fäden t. Harn usw. illmliMs,,, 81, ÄS'i. Spr, 10—2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Dn.SimmvI Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, MdoÄ 10— 2. 5— 7. 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I. konnte das Organ der Hamburger Arbeiterschaft, das„Hamburger Echo", auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Tätigkeit zurückblicken. Vor 25 Jahren begann es mit einem Abonnentenstand von 8000 und hat heute eine Auflage von 70 000. Und bei den Reichstagswahlen im Januar dieses Jahres gaben von 220 803 Wählern 133 343, das sind 01,3 Proz., ihre Stimme für die Sozialdemokratie ab. Die drei Hamburger Wahlkreise, von denen der erste seit 1883, der zweite seit 1880 und der dritte seit 1800 zum festen Besitzstande der Partei gehören, erwiesen sich wieder als gesicherte Hochburgen der Sozial- demokratie. Und auch in der gesetzgebenden Körperschaft der Hansa- freistadt, ,n der Bürgerschaft, hat sich die Partei eine starke und achtunggebietende Vertretung erkämpft. Die hier angeführten nüchternen Zahlen beweisen, dast au' einem verhältnismäßig kleinen Terrain an der Elbmündung eine starke Armee des großen Heeres der zum Klassenbewußtsein erwach ten deutschen Arbeiterschaft konzentriert ist, eine Armee, an deren Ausbau und Schlagkraft täglich ausdauernd und zielbewußt weiter gearbeitet wird. Die zitierten Zahlen erscheinen aber noch viel imposanter, wenn man sich klar macht, daß diese Organisationen in kaum fünf Jahrzehnten— im Leben eines Volkes und einer Klasse eine gar kurze Spanne Zeit— zu ihrer heutigen Stärke gelangt, daß sie aus dürftigem, oft vom Sturm der Zeiten umdrohten Keime zu einem stattlichen Baume herangewachsen sind Dies Wachsen und Gedeihen der Hamburger proletarischen Ve Segung ist nicht nur der äußeren Organisationsform, fondern auch der proletarischen Wissenschaft zugute gekommen. Die innere Stärke der Hamburger Bewegung hat nicht nur Licht in viele Tausende von Arbeiterköpfen gebracht, sie hat auch den Antrieb dazu gegeben, die Wurzeln, die Triebkräfte und das Wachsen dieser Bewegung wissenschaftlich zu erforschen und aufzudecken. Das Resultat dieser Forschungen ist das vorliegende Buch des Genossen Dr. Laufenbcrg, das im Auftrage der Hamburger Partei- organisation geschrieben wurde und eine wertvolle Bereicherung der historischen Literatur über die deutsche Arbeiterbewegung bedeutet. Die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie von Franz Mehring ist gleichsam der markige, sästereich« Stamm der sozialistischen Geschichtswissenschaft. Aus ihm heraus wachsen als starke Aeste die Werke über die Arbeiterbewegung in großen Städten und Industrie zentren, so das vorliegende Buch, dann aber auch die Ge- schichte der Berliner Arbeiterbewegung, die der Chemnitzer usw. Diese spezialisierte Geschichtsforschung, die sich vorläufig noch in ihren Anfängen befindet, ist frei von jeder Scha- blonisierung, sie spiegelt die Eigenart des Forschungsgebietes wider und trägt den persönlichen Stempel des jeweiligen Verfassers. Tics trifft auch auf das Laufenbergsche Buch zu. Der ruhigen, leiden- schaftslosen, fast schwerfälligen Art des niederdeutschen Volkes und der strengen Sachlichkeit und peinlichen Gewissenhaftigkeit des Forschers und Verfassers entspricht auch der Charakter des Buches. Hinter dem stattlichen ersten Bande, der bis zum Anfange des Sozialistengesetzes geht, verbirgt sich eine jahrelange, sorgsame und bis ins kleinste gehend« Vorarbeit. Eine Unmenge von Material mußte gesammelt, durchforscht, gesichtet und verarbeitet werden; Einzelvorgänge, bestimmte Strömungen und Kämpfe in der Be wegung mußten ergründet und in ihrem Zusammenhange mit der großen Gesamtbewcgung beurteilt werden, vor allem mußten auch die ökonomischen und politischen Verhältnisse aufgedeckt werden, die aus die Entwickelung der Bewegung hemmend und fördernd einwirkten. Diese der Oeffentlichkeit verborgene und doch so mühsame und zähe Arbeit hat der Verfasser dann in seinem Buche kristallisiert. Die Geschichte der Hamburger Arbeiterbewegung setzt ein mit dem Anfange des 10. Jahrhunderts. In den einleitenden Kapiteln wird die ökonomische Struktur Hamburgs und seines Hinterlandes und deren Rückwirkung auf die soziale Schichtung der Bevölkerung dargestellt. Die Kontinentalsperre, jenes in das gesamte Wirt- schaftsleben Europas so tief einschneidende und doch ergebnislose Oampsmittel Napoleons I. gegen England, findet eingehende Be- rücksichtigung, da Hamburgs Handel und Gewerbe schwer unter ihr zu leiden hatte. Die weitere Folge davon war eine Verelendung der breiten Volksmassen, die noch durch die Grausamkeit der Kriegs- ereignisse vermehrt wurde. Im Dezember des Jahres 1813 wurden 20 000 nahrungs- und wohnungslose Proletarier von dem französi- schen General Davoust aus der Stadt in die Winterkälte hinaus- getrieben; 1100 Menschen kostete diese Kriegsbarbarei das Leben. Nach den Befreiungskriegen beginnt das Hamburger Handels- kapital allmählich wieder zu erstarken. Die Entwickelung der Textil- industrie in Deutschland, das Einsetzen der Dampfschiffahrt neben der Segelschiffahrt, die Mitwirkung ausländischen Kapitals, die politischen Umwälzungen in Süd- und Zentralamerika usw. werden von Laufenberg in ihrer Rückwirkung auf das Hamburger Kapital angeführt, das, im Gegensatz zu dem im Innern Deutschlands, nicht von den Fesseln der Kleinstaaterei gehemmt wird und eine groß- zügige Handelspolitik durch Handelsverträge usw. durchführen kann. Ebenso eingehend behandelt dann Laufenberg das Wachstum der industriellen Produktion in Hamburg selbst. Die Zermürbung der alten Zunftverfassung setzt ein. in der ersten Hälfte des 10. Jahr- Hunderts gehen Handwerksbetrieb, Manufaktur und kleiner Fabrik- betrieb nebeneinander her. und erst ganz allmählich entsteht als Gegenpol zur Erstarkung des Kapitals das moderne Lohnproletariat. Ueber diesem in ganz Deutschland einzig dastehenden Wirtschaft- kichen- Unterbau erhob sich ein politisches Gebäude mit scharfer Gruppen- und Kastenscheidung und rückständiger politischer Ver- waltung. Aber den wirtschaftlichen Umwälzungen entsprachen poli- tische Kämpfe. Sine Wirtschaftskrise und die Pariser Julirevoluiion machen das Kiew- und Mittelbürgertum mobil, das sich aber nicht gegen das Ratspatriziat und das Großkapital sondern gegen die— jüdische Konkurrenz wendet. Judenkrawall« mit Verwundeten und Toten zeugten von der Kurzsichtigkeit und politisch-ökonomischen Unreife einer Bevölkerung, die das Wesen der kapitalistischen Um- wälzung noch nicht begriff. In einem äußerst anschaulichen Kapitel schildert Laufenbcrg den großen Brand in Hamburg(1842) und dessen Rückwirkung auf hie alte Ratsverfassung, deren Unfähigkeit durch die Flammen der gigantischen Feuersbrunst beleuchtet wurde. Oppositionelle Strö- mungen brachen sich Bahn, und das Bürgertum erwachte zu regerem �tischen Leben. In diese Zeit fallen auch die ersten politischen Regungen der Hamburger Arbeiterschaft. Sie tritt noch nicht als selbständige Klasse auf den Plan, sie bildet vielmehr die Gefolg- schaff der verschiedenen bürgerlichen Parteien. Ihre Lebenslage ist alles andere als glänzend. Laufenberg bringt ausführliches Material über Lohn- und Wohnungsverhältnisse, aus dem hervor- geht, daß in der Stadt der reichen Handelsherren krasses Massen- elend herrschte, dem man durch Almosenbrocken, mehr aber noch durch eine drakonische Gesetzgebung zu Leibe ging. Der erste Ver- such proletarischer Selbsthilfe war der Ausbau der Unterstützungs- kassen der alten Zunftgesellen. Das fördernde Moment hierbei ist der Kampf zwischen eingesessenen und zuziehenden frem- den Arbeitern, die das vorwärtstreibende Element bilden. Die bornierte zünftlerische Ideologie sah schon in den Arbeitern Altonas und anderer Vororte„Fremde". Die erste auf freier, sich über zünftlerische Vorurteile hinwegsetzende Organisation war die der Haartuchweber, deren Gründer Jakob Audorf wurde.„Nicht Zunft brauchen wir, sondern Einigkit!" war dessen Losung; der Solidaritätsgedanke der klassenbewußten Arbeiterschaft hatte zum ersten Male auf Hamburger Erde seinen Ausdruck gefunden. In dieser Zeit fand auch Weitlings Handwerksburschen-Kom- munismus Eingang bei einer kleinen Schar Hamburger Arbeiter. Ein kommunistischer Zirkel bildete sich, dessen geistige Grundlage die Schriften Weitlings bildeten. Daneben entsteht, ähnlich wie in anderen Städten, ein Arbeiterbildungsverein, der zunächst noch auf die Gunst der bürgerlichen Demokraten angewiesen- war. Die erste kommunistische Zeitung Hamburgs,„Das Blatt für Arbeiter", er- schien im Jahre 1845. Die Stürme des Jahres 1843 fachten auch in Hamburg das Feuer der politischen Kämpfe an. Die Märztage brachten blutige Straßenkrawalle. Die Arbeiterschaft kämpfte im Lager der bürger- lichen Demokratie, die im Kampfe gegen die Vertretung des Börsen- und Handelskapitals schlecht abschnitt. In die inneren Kämpfe Hamburgs spielte dann die schleswig-holsteinische Frage, die Preußen Anlaß zur Einmischung gab. Aber die partikularistlsche Kurzsichtig- keit der Hamburger bürgerlichen Demokratie lähmte die Energie der revolutionären Volkskrast. Die Bourgeoisie wagte weder in der schleswig-holsteinschcn, noch in der deutschen Frage überhaupt, eine klare und entschlossene Stellung. Die wirtschaftliche Not und die politischen Stürme des Revo- lutionsjahres schaffen auch in Hamburg die ersten tastenden An- sänge proletarischer Organisation. Die in Berlin entstandene „Arbeitervcrbrüderung" mit ihrem noch auf dem Kleinbetrieb zu geschnittenen Assogiationsprinzip fand auch im niedcrelbischen Städtegebiete Anhänger. Daneben blieb auch noch der Arbeiter bildungsverein in Tätigkeit und nahm an den Verfassungskämpfen der Revolutionsjahre teil, die durch den Einmarsch von 8000 preußi schen Soldaten in Hamburg ein unrühmliches Ende fanden. Die Großbourgeoisie hatte gesiegt und, wie im ganzen Reiche, setzte auch in Hamburg die Reaktionsperiode der 50er Jahre ein. Kommu- nistenverfolgungen und Kommunistenprozesse fanden statt, und die hoffnungsvollen Ansätze einer selbständigen Arbeiterbewegung wur den im Keim erstickt. Aber der AssoziationSgedanke war in der Hamburger Arbeiter schaft zu lebendig, als daß er durch die Büttel der Reaktionszeit er- schlagen werden konnte. Die UnterstützungSkassen, die Konsumvereins« bewegung und der Arveiterbildungsverein verliehen der Arbeiter- schaft einen gewissen Zusammenhalt. Die Anerkennung Hamburgs als Freihafen verhalf dem Handel zu neuem Aufschwung, die Spedition vermehrte sich, der Auswanderverkehr nahm zu- Die Handelskrise des Jahres 1857 förderte die Konzentration des Hamburger Kapitals. Im Gegensatz dazu wurde die Lebenshaltung der Arbeiterschaft niedergedrückt. Zahlreiche und tiefgehende Lohnkämpfe der einzelnen Berufe setzten ein: der Klasseninstinkt ringt sich in der Hamburger Arbeiterschaft zum Klassenbewußtsein durch. Das äußerte sich zunächst dadurch, daß sich im Arbeiterbildungsverein, ähnlich wie in Leipzig und anderwärts, um das Jahr 1860 eine proletarische Opposition durchsetzte, was durch die politischen Kämpfe um eine Verfassungsrevision begünstigt wurde. Die proletarische, freilich noch von kleinbürgerlich-demokratischen Anschauungen durchsetzte Opposition schaffte sich in dem„Nordstern" ein Organ, das später die Zeitung des Lassalleschen Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins werden sollte. So zeigt Laufenberg im ersten Teile seines Buches, wie aus der Entwickelung zur modern kapitalistischen Wirtschaftsform und den mit ihr zusammenhängenden politischen Zeitkämpfen die Arbeiter- schaft als besonderer wirtschaftlicher und politischer Faktor empor- sprießt, wie die Zunftgesellen und Manufakturarbeiter zu modernen Lohnproletariern werden. Im zweiten Teile des Buches wird ge- schildert, wie diese Proletarier sich tastend und irrend daran machen, feste Organisationsformen zu schaffen. Auch die ersten Ansätze des Organisationslebens werden beeinflußt von ökonomisch-politischen Momenten, der Entwickelung der Technik, dem amerikanischen Se- Zessionskrieg usw., die den in den sechziger Jahren noch vorherrschenden Kleinbetrieb langsam zermürben. Der Gedanke eines allgemeinen ArbeiterkongresseS im Jahre 1802 machte auch die Pioniere der Hamburger Arbeiterschaft mobil, die damit mit den Arbeitern in Leipzig, Berlin usw. in Verbindung kam. Lassalles„Offenes Antwortschreiben" machte aller Unklarheit ein Ende. Eine kleine Schar Hamburger Arbeiter, darunter Aork, Perl. Audorf der jüngere, erklärte sich für Lassalle und warf der unzuverlässigen Fortschrittspartei den Fehdehandschuh hin. J» Ham- bürg entstand eine Mitgliedschaft des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, die nach einem Jahre 480 Mitglieder zählte. Als diese im September 1804 für den jäh aus dem Leben gerissenen Laffalle Totenfeiern veranstalteten, erklang zum ersten Male Andorfs Arbeiter- und WahlrechtSmarseillaise. Bon Hamburg aus gingen die Sendboten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins auch hinaus auf schleswig-Holstemsches Gebiet. Laufrnberg gibt von diesen Frühlingstagen der deutschen Arbeiterbewegung nicht nur eine rein geschichtliche Darstellung, er macht auch wohl, als erster, den Versuch, nachzuspüren, welche Ar- beitergruppen und welche Berufe sich vorwiegend der Lassalleschen Organisation anschlössen und welche Gründe diesen Anschluß be- wirkten. Er kommt zu dem Resultat, daß eS Angehörige des in seiner Existenz bedrohten Handwerks und der Manufaktur(Zigarren- arbeiter) sind, die sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeiter- verein zuwenden, während sich die eigentlichen Industriearbeiter noch lange zur Fortschrittspartei halten. Was Laufenberg in diesem Zusammenhange über die historische Bedingtheit LassallcS' Agitation und Organisation sagt, verdient weit über den Rahmen der Ham- burgcr Geschichte hinaus Beachtung; eS wäre sehr interessant, wenn seine Theorie auch an anderen Mitgliedschaften des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins nachgeprüft würde. Neben den Anfängen der politischen Organisationen sprießen auS einer lebhaften Streikbewegung die ersten Versuche einer modernen gewerkschaftlichen Organisation. Aber bald sollte die junge Hainburger Arbeiterbelvegung von inneren Kämpfen erschüttert werden. Die Kämpfe innerhalb der Lassalleanischen Organisation tobten in Hamburg mit besonderer Schärfe und werden von Laufenberg mit einer Fülle von Einzelheiten behandelt. Der sachliche Kern des Zwistes war die Frage, ob selb- ständige Arbeiterpartei oder Anhängsel der bürgerlichen Demokratie, der sachliche Streit wurde aber mit großer Leidenschaftlichkeit geführt und nahm häufig die verbitternden Formen persönlicher Befehdung an. In jenen Tagen entstand die auch heute noch beherzigenswerte Mahnung Audorfs: Geist der Liebe, neige Dich zu unsrer Schaar Aller Hader schweige Nun und immerdar. Nie mehr gegen Freunde Zück' hinfort die Wehr, Da ringsum die Feinde Sind wie Sand am.Meer. Inzwischen hatte Bismarcks„Revolution von oben" eingesetzt. Bei der schleswig-holsteinschcn Frage flackerte in der Hamburger Organisation das revolutionäre Feuer des Jahres 1848 noch ein- mal auf. Sie wollte bewaffnete Freiwillige stellen, um-„Schles- wi-g-Holstcin meerumschlungcn" vom dänischen Joch zu befreien. Aber Lassalle wehrte ab. Dann kam 1800 und der Norddeutsche Reichstag; im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein hatte der Real- Politiker Schweitzer das Steuer in der Hand. Die Darstellung dieser Periode geht in- Laufenbergs Buche weit über die engen Grenzen einer Lokalgeschichte. Die Hamburger Arbeiterschaft war die zuverlässigste Stütze Schweitzers und hat ihm bis zuletzt die Treue gehalten. Die Wahlkämpfe jener Jahre, die Fehden mit der Gräsin- Hatzfeld, die Entstehung der„Arbeiterschaften" und deren Gegengnindung, der Gewerksgenossenschaften, der Kriegszustand mit den Eisenachern, das Ringen um die Präsiden-tschaft im Allge- meinen deutschen Arbeiterverein werden von Laufenbcrg nicht allein mit wissenschaftlicher Gründlichkeit untersucht, er spürt auch den Wurzeln all-dieser Erscheinungen nach und bietet somit eine wert- volle Ergänzung der entsprechenden Kapitel in Mehrings Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Die weit ausholende und ins Detail gehende Darstellung Lausenbergs rechtfertigt sich durch die Rolle, die Hamburgs Arbeiterbewegung bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gespielt hat und die Bebel einst zu dem Ausspruch veranlaßte, daß Hamburg die sozialistische Hauptstadt Deutschlands sei. Interessant ist dabei die Erscheinung, daß der Teil der Hamburger Arbeiterschaft, der speziell für Handel und Hafen tätig war. noch bei den ersten Wahlen zum Norddeutschen Reichstage geschlossen auf Kommando der Großhändler gegen den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein-marschierte. Es herrschte offenbar noch das„patriarchalische Verhältnis" zwischen dem Handelskapital und seinen Arbeitern, wie es in dem Kaufmanns- roman Gustav Freytags„Soll und Haben" seine literarische Ver- klärung gesunden hat. Eine Parallele findet diese-Erscheinung in dem Verhalten der Berliner Maschinenbauer, die der Fortschritts- Partei Gefolgschaft leisteten und bei der Verhaftung Lassalles in einer Versammlung jubelten. Heute sind Hamburgs Hafenarbeiter und die Jndustriearbeiterschast Berlins die zuverlässigsten Mann- schaften der Arbeiterbewegung. Nachdem Laufenberg die Mückschläge, die der Krieg von 1870/71 der Bewegung versetzte, dann die Wirkungen des Milliardensegens in Hamburg und die ersten Wahlen zum Deutschen Reichstag geschildert hat, kommt er auf den jähen Sturz Schweitzers und die Kämpfe zwischen Lassalleanern und Eisenachern zt» sprechen. Der. Streit um das Charakterbild Schweitzers ist ja jetzt aktuell; Laufen- berg steht auf Seite Mehrings und tritt mit diesem der Ausfasfung Bebels entgegen, der im zweiten- Band seiner Memoire» Schweitzer als Streber und Bismarcksöldling hinstellt. Die Polizei- und Justizverfolgungen der Aera Tessendorf treten auch in Hamburg in Erscheinung und bereiten auch hier die Stim- mung vor. die zur Einigung der feindlichen Brüder in Gotha führte. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei, die Gewerkschaften sowie die Genossenschaftsbewegung nahmen- danach in Hamburg einen vielver- sprechenden Aufschwung. Auf dem politischen wi» auf dem Wirt- schaftlichen Kampffelde stellten die Hamburger Arbeiter ihren Mann, bis die Schüsse der Hödel und Nobiling die Ouvertüre zu dem Schandgesetz abgaben, mit dem Bismarck die deutsche Arbeiter- bewegung erdrosseln wollte. Diese schwere Zeit und den Aufschwung der Hamburger Arbeiterbewegung in den letzten Jahrzehnten wird Genosse Laufenberg in einem zweiten Bande behandeln.— Werke, wie das vorliegende, können und dürfen nicht bloß einen abstrakt wissenschaftlichen Wert haben. Auch bei ihnen muß Lassalles Wort vom Bunde zwischen Wissenschaft und Arbeit seine Geltung haben. Die Sozialdemokratie als junge, aufstrebende Kampfpartei kann die Vergangenheit nicht um ihrer selbst willen durchforschen. für sie muß die Geschichte, auch ihre eigene, eine Lehrmeisterin sein. In diesem Sinne kann das Studium des Laufenbergschen- Buches sehr fruchtbar sein: Es beleuchtetdieTriebkräfte der gesellschaftlichen Entwickelung, die verschlungenen Pfade, die Irrungen und Bruder- kämpfe einer jungen, hoffnungsstarken Bewegung. Die Erkenntnis der Gesetze dieser Bewegung, die Einsicht in früher gemachte Fehler kann den Marsch auf dem noch vor uns liegenden Wege beschtOuiit» gen. Hoffen wir, daß die deutsche Arbeiterbewegung, �te in wenigen Monaten auf ein halbes Jahrhundert ihres Bestehens zurück- blicken kann, in schnellerem Tempo ihrem Zielez der endgültigen Verwirklichung des Sozialismus, zustrebt. Ist im allgemeinen also nur Rühmliches über LausenbergS Buch zu sagen, so weist es doch einen Mangel auf, freilich einen Mangel, der in seinem Vorzug begründet liegt: es ist für das geistige Durchschnittsnivcau der Arbeiter zu wissenschaftlich. Es wird nicht viele Durchschnittsarbeiter in Hamburg geben, die sich durch den umfangreichen Band hindurch gebohrt haben. Die wissen- schaftliche Strenge des- Werkes wird durch den etwas schweren, scholastischen Stil des Verfassers gesteigert. Nur in einigen Kapiteln, so dem vom großen Brande, und bei Schilderungen, die offenbar Wiedergabe persönlicher Erinnerungen sind, ist die Darstellung lebendiger. Aber der angedeutete Mangel wird von Jahr zu Jahr weniger fühlbar werden-. Denn es wächst jetzt ein junges Geschlecht heran, das theoretisch interessierter ist als die im politischen und ge- wcrkschaftlichcn TageÄkampf und in der Kleinarbeit ergrauten Ar- beitcr. lind gerade inHamburg hat in den letzten- JahrendieBUdungZ- arbeit eine energische und systematische Pflege gefunden, und ge- rade Genosse Laufenberg ist es, der diesem Zweige der Bewegung seine Kraft ividmet. Es ist also da Gewähr gegeben, daß die Zahl derer, die die Geschichte der Hamburger Arbeiterbewegung lesen und aus ihr lernen�, von Jahr zu Jahr größer wird. E, O. (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, den 22. Dezember, Ansang 3 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 2. Abteilung (Gruppe 5—8): E l e l t r a. Thalia-Theater. 7./8. Abteilung. (Gruppe 31—35): Die Feinde. Herrnseld-Tbcater. 9.'10. Abteilung. (Gruppe 40—42): Der Vate r. Lessing- Theater. 1. Abteilung. (Gruppe 1—4): Glaube und Heimat. Deutsche Oper in Charlottenburg. 3./4. Abteilung.(Gruppe 9—18): Z i d e I i o. Zwendabteilimgcn: Diesmal keine Vor- jtellung. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 22. Dezember. nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Pcnthcsilea. ZVammerspielhauS: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: ZkcueS Bolls-Tbealer: Lore.— Die Spieler.— Der Kammcrlänger. ZloniüdicnhauS: Der rote Leutnant. Schiller-Theater O.: Zops und Schwert. Schiller-Thcaler Chart.: Die Jüdin von Toledo. Theater in der Königgrätzer Straße: Die Ahnsrau. Metropol-Theater: Tata Toto. Neues Theater: Wiener Blut. Kleines Thealer: Und das Licht scheint in der Fwsternis. Trianon-Thcater: Der selige Toupinel. AbendS 3 Uhr: Neues VolkS-Thcater: Mutter Land- ftraße. Abends 8-,. Uhr: Neues Volks- Theater: Montag. Freitag: Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Mittwoch: Michael Kramer. Donnerstag: Mutter Landstraße. Sonnabend: Die Doppelgängerlomödie. Leklllei'-Itieslero.H� Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Sonntag, abends 8 Uhr: Flachnmann als Erzieher. Montag, abends 8 Uhr: Die Scbmctterlingsscblacbt. Dienstag: Geichlossen. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Mittwoch, abends 3 Uhr: Die Lcbmettel-iiogsscblacbt. Schiller-Tliealer Chabrü?r' Somilag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. , Sonntag, abends 8 Uhr: Helmg'tnnden. Montag, abends 8 Uhr: Die GeHcbwister. Elga. Dienstag: Geschlossen. .. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Mittwoch, abends 8 Uhr: Helms'fundeu. Berliner Theater. S'/a Uhr: Filmzauber. «'/.Uhr- Die stuf Frankfurter. Deutschen Schauspielhau» 8 Uhr: Der gntsinende Frack. RezMeni-Thealer. Ansang 8 Uhr. Gastspiel Constanze v. Linden; Prinzenerziehung. Morg. u. folg. Tage: Rrinzenerzlehung. Sonntag, den 22. Dez., nachm. 3 Uhr: Alles für die Firma._ Theater am HolleDdorfplatz S. Nachm. 3'l, Uhr: Tchneewittcheu. Abends 8 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Tänze: Portola Valencia. Aionlis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. AbendS 3 Uhr: Der Frauenfresser. Eonntagnachm. 3 Uhr: Wiener Blul. Luisen-Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Schausp. v. Ritterscldt. AbendS 8 Uhr: Berlin-Hatndurg-New York. Gr. rom.-kom. Ausstattungsstück von Ernst Ritterseldt. Montagabend 8 Uhr: Kinder-Vor> flellung: Golilener, ilas Sonntagskind. DienStag: Geschlossen. I OSE=THEATE 1 1 Große zrankturlei stx. 132. Nachmittag 4 Uhr: Hansel und Grete!. AbendS 8 Uhr: Die Sünden der oberen Zehntausend. Montag und ab Mittwoch allabend- lich: Die Sünden der oberen Zehntausend.„ � 1. Feiertag, nachm. 8 Uhr: Der große Unbekannte. 2. Feiertag, nachm. 3 llhr: Ge- wonncne Herzen. 3. Feiertag, nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater._ Trianon-Thealer. Täglich abends 8 Uhr: Die Ernte— Die Dentv 1 Urania Wissenschaftliches Theater. Tanbcn»traOe 48; lü. s uhr: Aufs Mallerliorn. Montag abends 8 Uhr; Pari» und die Künie»- »chlü»»er von Veraaille». I//* LOGISCHER GARTEN Heute Sonntaiz: , Einlrilt 50 Pf. |.t Kinderunter 10 Jahren '' die Hälfte. Nachm. 4— 10 Uhr: Militär-Konzert. Täglich ab 4 Uhr: Militär-Konzert Passage-Panoptikum Bis inkl. 1. Januar: |sO. Halbe Preise.-- Abends ab 8 Uhr! In beiden Vorstellungen: die gesamten Attraktionen mit Dario Palnt. Admiralspalast El» Arena. Die Eis-Arena bleibt heute bis 6 Uhr geschlossen. Abends zum letzten Male: „¥V OM M E«. Moreen Premiere des Eisballetts Flirt in St. Moritz von Leo Bartuschek. Musik von Julius Einödshofer. Sozialdemokratisclier Walilverein für den zweiten Berliner ü! Reichstags-Wahlkreis ü! Mittwoch, den 25. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag), in der Tiktorla-Branerei, Lützowstroße 111/112: 209/8* � Winterfest««« Konzert des Berliner Sinfonie-Orchesters(Kapellmeister Maximilian Fischer) unter Mitwirkung der Konzertsängerin Fräulein Nettermann. Außerdem; Waldhorn• Quartett, Violin- und Piston-Soli. c Nach dem Konzert: BALL« ) Anfang 6 Uhr. Eintrittskarten ä 30 Pfennig sind bei den Bezirksführern usw. zu haben. B■■ 9■■ I ÄMiüMMiU«min i den i Berliner Reieiislagsiireis. Hittwoch, den 185. Dezcniber(1. Weihnachtsfeiertag), E im„Moabiter Qesellschaftshaus", Wiclefstr. 24(großer Saal): Unterl)dituno$'Hbend bestehend in Konzert, Rezitationen U. Gesang unter Hitwirknug erster Krttfte. Nach der rnx„ Herren, die daran teilnehmen, Vorstellung:-■-«-II Zi» zahlen 50 Pf. nach. Eröffnung 6 Ehr. A Anfang 7 Uhr. A Eintritt 40 Pf. Da» Komitee. Zink&is Ulbert SehntnannJ Heute Sonntag, 22. Dezember. Ä große Vorstellungen 2\ Nachm. S'/jU. abends 71/, Uhr. JnJieiden Vorstellungen ungekürzt!"VS Oer unsichtbare Mensch, 4 Bilder aus Indien. In beiden Vorstellungen Das Riesen-Weltstadt-Programm. Neu! Der Gipfelpunkt des Wagemuts! Neu! The 3 Bellongs 1. The Loop auf menschlichem Piedestal in 7 Meter Höhe ohne Absegelung. 2. Der 5 Meter hohe Doppel- Salto ausgef. auf d. Breuna- bor-Zweirad. Nachm. hat jeder Erwachsene ein angehöriges Kind unter 10 Jahren frei auf allen Plätzen. mttwocb, den 85. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag), in den Müllers tr. 142: .Pharus-SlUeii" \ Weihnachtsfeier Mitwirkende: Theaterensemble Gg. Elzholz und das Berliner Konzertorchester, Dirigent: R. Klettke. Nach der FMT„ Herren, die daran teilnehmen, Vorstellung: zahlen 50 Pf* nach. Eröffnung 6 Uhr. X Anfang 7 Uhr. X Garderobe 10 Pf. X Eintritt SO Pf. 9�* Billett» für JUtgUedcr sind zu haben bei Aug. Ooye, Müllers tr. 38 a. ___________ Da» Komitee. ülttwocb, den 85. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag), im„Kastanleuu'Uldcbcn" (Inh. Walter), Badstr. 16: Satirisch- Heiterer Ahenck unter Leitung des Herrn Max Eauronce, Ober- Regisseur vom Trianon-Thealer, sowie unter Mitwirkung allererster Kräfte. Nach der rwr.. ,, Herren, welche daran teilnehmen, Vorstellung: A*»»1 zahlen 50 Pf. nach. Eröffnung 6 Ehr. X Anfang 7 Ehr. X Eintritt 40 Pf. Billetts für Mitglieder sind zu haben bei: Hoffmann, Swinemünder Straße 47; Henckel, Stralsunder Str. 17; Schade, Kösliner Straße 9; Bär, Badstr. 44; und Pose, Koloniestr. 15. 235/1* Da» Komitee. täSSOC xax Bildungs- Ausschuß Schöneberg. Sonnabend, 28. Dezember, abends 8 Uhr, In den Räumen der Schloßbrauerei, Uanptstrafie: » Wilhelm= Busch-Abend.« Eintritt«0 Pf. Billetts sind erhältlich bei den Bezirksführem. Herren, die am nachfolgenden Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nacli.- PMhÄVüh1?; Märchen-Abend für Kinder. Eintritt 16/12 Einlaßkarten durch alle Vertrauensleute. Turn-Verein®„Hellte" Berlin Mitglied des Arbeiter- bsar Turner-Bundes. Mittwoch, den 25. Dezember 1912(1. Feiertag): pff" Weihnachts» Feier"NC in der„Neuen Welt"(2 Säle) I„Sophien Festsäle" Hasenheide 108—114| Sophienstr. 17—18 bestehend in: Konzert □ turnerischen und humoristischen AuffOhrungen □ Ball. DV Im hinteren Saal der-Neuen Welt", 2000 Personen fassend, findet außer turnerischen Aufl- hrungen,„Berliner IJIk-Trl.o", eine Märohenaufführung„Rotkäppchen" statt Die verehrten Eltern werden höflichst gebeten, mit den Kindern im hinteren Saal Platz zu nehmen."TWJ ls6/10 Nach der Vorstellung in beiden Sälen: TANZ« Herren zahlen 50 Pf. M' SÄ Anfang 6 Uhr. Programme an der Kontrolle gratis. Eintritt 30 Pf. IS! -£v2 Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr l Die Novitäten i In Sachen«ahenstein. Die Toppelftrma. Die Tochter der Braut. Ihealer Königstadt-Gaslno. Ecke Holzmarli, u. Alexanderstrahe. I Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke Tagt abds.'/-A Sonnt'/36 Uhr: Entern» Christbaum. Voltsstück in 2 Bildern und das arost. Zpezialitätenprogramm Jed. 1. u. Ib.: ProgrammwechseL vssine fkesten Lothringer Slr. 37. Täglich 8 Uhr: Die utile lohnljjofff „Am grünen Strand der Spree�. Poigt-Tüeater. Gesundbrunne». Vndstr. 58. Joiintag, den 88. Dezember: Nachmittags leine Vorstellung. Abends 8 Uhr: FrshliliskUlkihiiliiht. Ä-eihnachlSkom. i. 5 Bild. v. Lltomeyer. Ziasseneröstn. vorm. 10-2 u ab. 7 Uhr. Zirkus BuschTg Heute Sonntag, 22. Dezember, 2 große Gala-Vorstellungen Nachm. 3'/, Uhr, abds. 71/» Uhr. Nachm. zahl. Kinder unter 10 Jahr. auf allen Sitzplätzen die Hältte. In beiden Vorstellungen: NeuiDerAeropIaniMuüNeu! (Oer Affe als Aviatiker! I) The 3 Stewarts Der kleine indische Däumling „Smaun'* In beiden Vorstellungen Das gesamte große Gala-Progr. Kaclnulttag» 3'/, Uhr: Die Pantomimen-Burleske „Unter Gorillas*' in 4 glänzenden Bildern. Abends T'/jUhr: Die grcBe Prunk-Pantomime H „Sevilla� Hfülfüll Täglich bis inkl. Montag, den 23. Dezember er., präz. 8 Uhr abds.: Die ilpenbrüder. Das Scbeidungs-Souper. Dienstag, den 24 Dezember er. (Weihnachts-Heiligabend): Ge»cliIOH»en. gug Reichshallen-Thealer Stetliner Sänger. „Bei Vatep'n, Weihnachtsb. v. Meysel. Ansang 3 Uhr. I.«. 8. Feiertag. nachmittag 3 Uhr: (zu evmäfj. Preisen) 0 Tanne- boom! MarkgrafeiTSUe 34. Slarkgrafen-Damra 34. - An der«Iralauer Allee.- Täglich: Gr. Kino-Norkrlliiny. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. am Xoo. Montag, 23. Dezember, Tl, Uhr: Ensemble-Gastspiel d. Kurfursfen- Oper unt. Leitung o. Victor Palfi- Zum 1 Mal: Das Fürstenkind. Operette von Victor Leon. Musik von Franz Lehär. Unter persö»- sicher Leitung des Komponisten Er an» EehAr. An all. drei Welhnachlsseierlagen: AbdS 8 Uhr: D»s Fürstenkind. Nachm. 3 Uhr, zu lleinen Preisen: »To bummeln wir...- Borverk. 10-6 a. d. Thealertasse, ln d. Warenh Tieh u. Jnoasideadanl. Nißles Fest-Säle DennewltzstraBe 13. Jeden Sonntag: Tanzkränzchen. 17446 V. Jtllile. Für den Zuvati der Iiuercue nbcmimmt die Recatttou dem Publikum gegenüber teiuerlr» Verantwortung. Donnerstag, 26. Dezember 1912 2. Weihnachtsfeiertag, mittags 12 Uhr, im großen Saale des Stablissetnent Jriedrishshain Am Friedricbsbain » Beethovenfeier• der arbeitenden Zagend Berlins. MITWIRKENDE: Frl. M. Stapelfeldt(Gesang); Herr Nicolas Lambinon(Violine) u. das verstärkte Blüthner- Orchester unter Leitung von Oscar Fried. Ansprache: Reichstagsabgeordneter Paul Göhre: Ludwig van Beethoven. PROGRAMM. t. Sinfonie in F-Dur(Pastorale) op. 68. 2. Violinkonzert mit Begleitung des Orchesters op 61, D-Dur. 299/18 3. Gesang mit Begleitung des Orchesters. 4. Große Ouvertüre„Leonore" No. 3. Wahre Weihnachtsstimmung Eintritt für unter 18 Jahre alte Personen 30 Pfennig. „ über„. SO Das Programmheft gilt als Eintrittskarte und ist am Saaleingang noch zu haben. Arbeiter-Turn- und Sportvereine Am 35. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag) Uhr fropatjanda-ftipbatlspiel zweier kombinierten Mannschasten der «Arbeitep-'Tiirn- u. Sportvereine(aroß-Benin) gegen ArbeitersAthletenbund(Kreis 4 Berlin) in Weißensee, Falkenberger Straße 152, bei Mietke. (iintntt zur Deckung der Unlosten 19 Ps. 172Sb Bei» SpIelarinnehnN. nur durch mit nadelloa spielenden Jk„Won" A' �■ 1 Mauerstraße 82.— Zi :: Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Heute: Doppel-Konzert! Musikc. Kalser-Franz-Ilegiments, Dirig. Oberm. Becker. Musiko. 1. Garde-Dragoner-Regts., Dirig. Oberm. Baarz. Anfang 4 Ihr. Eintritt 50 Pf. Anfang 4 Uhr. Rorgen ülontag: Großes Konzert! Exeeisior- Lichtspielhaus Neukölln Passage 1 Tom SQ. bis 23. Dezember inkl.: jDle schwarze Katze 2. Teil. In 3 Akten. Am 24. Dezember(Heiligabend): Keine Vorstellung."MK ..> Am 25. und 26. Dezember(1. und 2. Weümachtsf eiertag): Vollständig n�ues Programm.! Berliner Prater-Theater Kastanieiuillee 7—9. Bijfrlodi Holmes. Tsctetlintomßfiie in 4 Akten o. 3iei(flinflen Auf. 8 Ufir. Alhambra Vallner-Tbenterklraße 15. Großer Ball Jeden Sonntag: (Sioheä Orchester. 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Welch gewaltigen Aufschwung die Seeschifffahrt in Deutschland in dem letzten Jahrzehnt genommen hat, zeigen uns auch die Be- richte der SeeberufSgenoffenschaft Von Jahr zu Jahr mehr. Mit Stolz Verkündet der Bericht für das Jahr 1911, daß der Berufs- genossenschaft auf der Internationalen Industrie- und Gewerbe- ausstellung zu Turin der große Preis zuerkannt worden sei. Warum, weiß man nicht. Wie bei allen Jndustriearten, welche sich schnell entwickelten, nimmt die Zahl der Betriebe ständig ab, während sich die übrig bleibenden Betriebe in wahre Großbetriebe Verwandeln, riesige Scharen Von Arbeitern beschäftigen. So auch im Seeberufe. Laut Bericht waren z. B. vorhanden im Jahre 1888: 1790 Schiffahrtsbetr. u. 28 verw. Betriebe zus. 1818 1900: 1357„„ 32... 1417 , 1911: 1432„„ 44.„„ 1536 Die Zahl der versicherten Betriebe hat also gegen 1888 fast um 300 abgenommen. Neu hinzu kamen nur die Fischdampfer- und Heringsbetriebe mit 60 im Jahre 1911. Ganz verändert hat sich natürlich auch der Schiffsbestand an sich. Vorhanden waren z. B. "Hz livs«-'»nm-» im Jahre 1883 2332 174 683 3189 Schiffe ,, 1895 1402 334 933 2679 , 1900 1082 409 1208 2699. , 1905 988 447 1499 2944. . 1911 844 539 1687 3101. Die Zahl der Fischdampfer und Heringslogger hat sich seit dem Jahre 1896 von 179 auf 498 erhöht. Der Bericht erwähnt selbst, daß seit dem Jahre 1888 die hölzernen Segler um 1488 oder 63 Proz. abgenommen, während die eisernen Segler eine Zunahme von 365 oder 209 Proz. erfahren haben. Die Zahl der Danipfer hat um 147 Proz. zugenommen. Noch deutlicher macht sich aber der Ilmschwung im Brnttoraumgehalt der Schiffe selbst bemerkbar. Wahre Kolosse sind an die Stelle der hölzernen Segler getreten. Die Tabelle lehrt uns folgende Zahlen: Der Bruttoraumgehalr in Kubikmeter aller zur Seeberufsgenossenschaft gehörenden Fahrzeuge: Dampfer Bestand 1912 Hölzerne Eiserne Segler Bestand Bestand 1888 1912 1888 1912 1888 in Kubikmeter 1692262 161061 451662 1 123 609 1884087 11714 274 Abnahme Zunahme Zunahme 90 Proz. 149 Proz. 522 Proz. Die größte Zunahme haben also die Dampfer mit 522 Proz. in Kubikmeter Raumgehalt, dann folgen die eisernen Segler init 149 Proz., während die hölzernen Segler um 90 Proz. abgenommen habe». Die größte Zunahme hatte Hamburg mit insgesamt 454 Proz., während Danzig um 33 Proz. abgenommen hat. Als verloren und verschollen wurden im Berichtsjahre angemeldet 43 hölzerne Segler, 16 eiserne Segler, 2 Segler mit Hilfsmaschine und 13 Dampfer der Kauffahrteischiffe, zusammen also 65 Schiffe. Weiter gingen in Verlust 9 Fischdampfer und Heringskogger. Das find die blutigsten Zahlen des Berichts, obschon kein Wort hinzu- gefügt worden ist. Viele Menschenleben ruhen auf dem Grunde des Meeres, beweint von ihren Angehörigen. Der Bericht gibt uns auch eine Uebersicht über die in den letzten zehn Jahren erbauten Schiffe nach dem Lande ihrer Erbauung. Da- nach wurden erbaut in Deutschland 1363 Schiffe und im deutschen Schuggebiete(Südsec) 3. Im Auslande wurden dagegen erbaut 113 Schiffe in England, 141 in Holland, 15 in Dänemark, 4 in 'Norwegen, 8 in Belgien, 6 in Amerika, 4 in China und 2 in Australien. Die Zahl der versicherungspilichtigen Seeleute hat sich auch riesig vermehrt. Im Jahre 1890 zählte man 37 580 versicherte Personen, 1900. 47073 1905„ 59 295„, 1910, 68 360 1911. 69 652 Die stärkste Zunahme hatte die Berufsgenossenschaft im Jahre 1900 mit 5119 Personen, während in den Jahren 1892, 1894 und 1904 eine Abnahme von 144 bis 870 Personen pro Jahr zu ver- zeichnen war. In den übrigen Jahren dagegen ein starker Zugang, so daß sich die Zahl der Versicherten innerhalb 20 Jahren fast ver- doppelt hat. Die Zahl der Unfälle hat sich aber wesentlich mehr vermehrt, als die Zahl der Versicherten. Wortlos gleitet der Bericht hierüber hinweg. Während z. B. im Jahre 1888 nur 854 Unfälle mit 654 Verletzungen und 200 Todesfällen gemeldet wurden, ist die Zahl im Jahre 1911 bereits auf 3721 Unfälle, davon 3296 Verletzungen und 425 Todesfälle ge- stiegen. Keine andere BerufSgenossenschast zählt auf 3721 gemeldete Un- fälle 425 Todesfälle. Der Bericht bemerkt daz», daß die bedauer- liche Zunahme der Unfälle, besonders der Todesfälle sich daraus er- klärt, daß im Jahre 1911 fast in allen Meeresteilen Unwetter von großer Heftigkeit gewütet haben. Zur Beruhigung der Leser gibt uns der Bericht wieder eine vergleichende Uebersicht über die auf englischen und deutschen Kauffahrteischiffen vorgekommenen TodeS- fälle, wonach im Jahre 1910 in Deutschland ein Todesfall auf 229 Mann, in England dagegen ein Todesfall auf 182 Mann gekommen sei. Wir können diese Zahlen nicht nachprüfen, bestätigen aber nur, daß auch der Kampf der englischen Seeleute um Unfallschutz nur bc- rechtigt ist und für Deutschland wahrlich keine Ursache vorhanden sein kann, ruhig die weitere EntWickelung mit anzusehen. Ausfällig niedrig ist auch der Betrag für die Kosten des Heilverfahrens innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalles. ES wurden nur 437 M. hierfür verausgabt, während heute schon landwirtschaftliche Berufsgenofsenschaften größere Summen auf- wenden. Die„Titanic"-Katastrophe hat auch die Seeberufsgenossenschaft etwas aufgerüttelt. Es lvird erklärt, daß„ein weiterer Ausbau unserer Unfallverhütungsvorschristen sich als unabweisbar erweise". Im Vorjahre war aber alles in bester Ordnung und jede Kritik verpönt. Sosort nach der Katastrophe hat die Berussgenossenschaft bei der Regierung die Einberufung einer internationalen Konferenz gefordert. Im Berichtsjahre wurden 2943 Fahrzeuge einer außer- ordentlichen Besichtigung unterzogen und 4927 Schiffe während der Fahrt von den Aufsichtsbeamten überholt. Weiter wurden im Berichtsjahre 11 208 Personen der Deckmannschaft auf Farbenblindheit untersucht. Kein genügendes Sehvermögen zeigten nur 1 Kapitän, 2 Offiziere und 449 Personen vom Personal. Als farbenblind wurden bezeichnet 279 Personen vom Personal, oder 2,56 Proz. des- selben. Soziales. Klebt noch in diesem Jahre! Wer der Jnvalidcnversicherungspflicht unterlag, aber aus einer invalidLnvcrsicherungsPflichtigcn Beschäftigung aus-, getreten ist, konnte sich weiter versichern. Das geschah dadurch, daß er innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marken freiwillig klebte. Hatte er das unterlassen, so konnte er seine früheren Ansprüche dadurch wieder aufleben lassen,� daß er mindestens 200 Beitragswochen klebte. Das kommt, wie wir neulich darlegten, vom 1. Januar 1913 ab in Wegfall. Nach Artikel 74. des Einführungsgesetzes können aber die versichert gewesenen Personen ihre Ansprüche dadurch aufrecht erhaltet!, daß sie noch in diesem Jahre, also vor detu 1. Januar 1913, mindestens eine Marke auf einer neuen Karte kleben. Aehnlich liegt es mit denjenigen Personen, deren Anspruch deshalb verfallen ist, weil sie den Umtausch d�er Quittungskartc innerhalb 2 Jahren nicht vorgenommen hatten. Diese können ihre Rechte dadurch zum Wiederaufleben bringen, daß sie schleunigst sich eine w-e u e Quittungskartc geben lassen und noch vor � e m I.Januar 1913 mindestens eine Marke kleben. In der Begründung zur Reichsversicherungsordnung rst aus- drücklich hervorgehoben, daß die Beibringung einer einzigen noch im Jahre 1912 geklebten Marke, die Rechte aufrecht erhält. Wie wir neulich darlegten, müßten Personen, die eß unter- lassen dafür zu sorgen, daß ihre Rechte durch Beschaffung einer neuen Quittungskartc und durch Einkleben tvenn auch nur einer Marke, aufrecht zu erhalten, den harten Bestsinmungen der Reichsversicherungsordnung im ganzen Umfange unter- liegen, so daß es ihnen kaum inöglich ist, ihren Anspruch auf Invalidenrente oder Altersrente oder Heilbehandlung je wieder aufleben zu lassen. Wer, um dieser Härte zu entgehen, in diesem Jahre noch eine Marke klebt, muß dann, wenn es. sich um einen Weiter- Versicherer handelt— also jemand, der aus einer invaliden- versicherungspflichtigen Beschäftigung austrat und nun aus eigenen Mitteln Marken weiterklebt—, in je zwei Jähren mindestens 20 Marken kleben. Hat er insgesamt 200 Marken geklebt, so leben alle seine Rechte auch aus den früheren Karten wieder auf. Handelt cS sich um einen Selbst- Versicherer— das sind Personen, die nicht Versicherung?.- p f l i ch t i g, aber versicherungs berechtigt sind(Betriebs- beamte, Werkmeister, Techniker, Schiffsführer, Lehrer. Erzieher, Handlungsgehilfen oder sonstige Angestellte mit Lohn oder Gehalt von mehr als 2000 aber unter 3000 M.)—, so müssen innerhalb je zwei Jahren mindestens 40 Marken geklebt werden. Die Ansprüche dieser Selbstversichercr leben ebenfalls in vollem Umfange wieder auf, wenn nündestens 200 Marken geklebt sind. Sechster Wahlkreis! Sonntag, den SS. Dezember, abends 6'/3 Uhr, in Obiglos Festsälen. Schwedter Str. 23/24 Oeffeittl. politische Versammlung für Männer und Frauen. Bortrag des Genossen Dr. Karl Liebknecht. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. 23i/19* Der Einberuser: Albert HNppnep, Veteranenstr. 26. ttr ir-t Verwaltung Kerlin. Die Bureaus und Arbeitsnachweise sind der Feiertage wegen geschlossen: Am Dienstag, den 24. Dezember, nach- mittags; am Mittwoch, den 25. Dezember, Donnerstag, den 26. Dezember, und Freitag, den 27. Dezember, den ganzen Tag; am Dienstag, den 31. Dezember, nachmittags und am Mittwoch» den 1. Januar, den ganzen Tag. 22/20 Achtung! Arbeitslose. Achtung! Die arbeitslosen Kollegen, welche am Dienstag, den 24. Dezember, Mittwoch, den 23. Dezember, und Donnerstag, den 26. Dezember. Unterstützung zu erhalten haben, müssen am Montag, den 23. DtMbtr, Mitgliedsbuch und Arbeitslosenkarte � auf dem Arbeitsnachweis abgeben und erhalten am DlkNStag, dtll 24. DkpMbtr, in der für Sonnabends durch Aushang belanntgegebenen Reihenfolge ihr Geld. Die Kollegen, welche am Freitag, den 27. Dezember, und Sonnabend, den 28. Dezeniber, Unterstützung zu erhalten haben, müssen am Dl'tUStag, dtN 24. DtpMbkr, Mitglieds- buch und Arbeitslosenkarte auf dem Arbeitsnachweis abgeben und erhalten am SoUNallklld, dtN 28. DkskNllltr, in der festgesetzten Reihenfolge ihr Geld. Bodenleger! Freitag, den 27. Dezember, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Saal 3: Versammlung"W Tagesordnung: L Wie verbessern die Bodenleger ihre wirtschaftliche Lage? Referent: Kollege Schlemminger. 2. DiSlussion. W Auch NichtmUglteder sind zu dieser Versammlung eingeladen. Meiknacklsvergnügen freU*g, den 27, Dezember 1912(3. Qdeihnachtefctertag) Im grollen Saal der]Seuen Welt, Raftnheld« 108—114. bl i t w I r fc e n d c: ftau Hnnl Sander(TortragskQnltlerin), frl. Maria foreaeu(Operetten längerin), frl. Eleonore Rangab€ und Erleb Eernodorff(Duette und Lieder), De In rieh ScbrSdcr, D ein Z Sander. Kunftlerifche Leitung t Rof- opernfinger Eugen Wollt. Mufth s Bert. Sinfonie« Ortheiter(Dirigent Maximilian fifcber). Eröffnung 5 Uhr. Eintrittskarte 50 pf. Hnfang s'/z Uhr. Mach der<2�11 bei zwei Ortheftem Vorstellung i bis 6 Clbr. Rauchen bl» zur Beendigung der Vorstellung nicht gestattet. 02/11_ Das Komitee. Musikinstrumenten-jlrheiter freitag, den 27. Dezember 1912(dritter Weibnacbtsfeiertag). Im Oewerbsebaftobaus, Engelufer 15, im großen Saal und den sieben klleni Großes OTcibnacbtsvcrgnügcn ausgef. v. Neuen Berliner ConhOnstler-Orcheltcr IbOnZerr Dirigent franz Rollfelder. Cllh-'CfXO» klack» den Konzertauffübrungen•.'C�flZe Eröffnung 4 Obr. Hnfang 5 öbr. Im unteren Saal(3) beginnt d. Canz um 6 Uhr. Von 8 Qbr an im Saal 5 für die Kinder: Karpcrlc-Chcätct*. Billetts inklusive Canz a 50 Pfennig. BilletiS sind zu haben bei den Vertrauensleuten der Betriebe und in solgenden Zahlstellen: Bieberstein, Adalbertstr. SS: Mertmann, Große granb jurter Str. 16 33/1 Lerche, Gleimstr. 70; Groß, Neukölln, Münchener Str. 63. Die Branchenleitung. v«»e» Itczueaquelle Auf Teilzahlung in kleinen Raten Herren- und Damen-Uhren, Reaule- teure, Freiethwinger, Ketten, Ringe, Armbänder, und alle Qoldwaren, Orammophone, Zithern, Spieldosen, Harmonikas, Mandolinen, Geigen, Christbaumsttnöer etc. etc. Juhre&KönigKS Bfllowstr.46, Laden, Invalldenstr. 7, Laiisn Ortskrankenkasse Lichtenberg. Einladung zur aaaßsi'oi'dviitllcl»«» General- Versammlung der gewählten Vertreter der Orts- krankenkasse Lichtenberg zu Montag, den»0. Dezember 191«, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Josef Erteil, Pfarrstr. 74. zu Berlin- Lichtenberg. Tagesordnung: 1. Ergänzungsantrag zu dem In AuSsührung des Beschlüsse» der Generalversammlung vom s. No- vember d. I. gestellten Zulassungs- antrag, gemäß den Art. 16, 17 und 18 deS EinjührungsgesetzeS zur Reichs- versichcrungSordnung und der Atz 239 st. R.V.O. auf Zulassung als de- sondere Ortskrankenkasse bezw. Aus- gestallung zur allgemeinen Orts- krankenkasse sür den OrtSteU Berlin» Lichtenberg in den Grenzen der ÄuS- dehnung, wie solche vor der Ein- gemrindung mit dem OrtSleil Bor- hagen-RummcISburg bestanden haben, sür den Fall, daß aus irgendwelchen tristigen Gründen den Anträgen vom lt.(4.) November d. I. nicht«nt- sproihen werden könnte. 2. Vortrag. 3. Kassenangelegenheiten. 269/4 Der Vorstand. 0. Selkel, Vorsitzender. III. IVachtrags zur£iste d. benrilligten Bäckereien vom 6. Oktober 1912. De» Tarif anerkannt haben folgende Bäckereien: Neukölln Berlin Sllt-Moabit 42, Fraedrich Bastianstr. 20, Kricctel Dolziger Str. 36 Jordan Dunckerslr. 80. Müller ftranseckistr. 53. Müller Suielandstr. 37, L. Walter Malplaquetstr. 26/26, Meyer Marienburger Str. 2, Müller Kopenhagener Str. 28, Bergmann Korsörerstr. 2, Brosko Richthoscnstr. 19, Stresow Schvnciische Str. 6, Höhn Trislstr. 69, Zipperling Webcrstr. 36/37, Kacrke Wclnbergsweg 9, Finster Wollincr Str. 44, Kübel Jriedrichsfelde Walderjecstr. 77, Mattutat Lichtenberg Augustastr. 29, Förslerling Ait-Boxhagcn 31, Michaelis Dossestr. 6, Hofjmeister Wartenbergstr. 2, Sommer Bodestr. 31, Fritsche Bürlnerstr. 9, Timm Schillcrpromcnade 39, Wesse? Siegjriedstr. 32, Grund Reinickendorf Provinzstr. 99. Weber «erlin Bernauer Str. 47, Sosnowski Dricsener Str. 15, Neugebaucr Hagclberger St 26, Mcrzhau« Hussitenslr. 6, Werner Kameruner Str. 67, Tittel Katzlcrstr. 18. Merzbaus Landsberger Allee 51, Weber Langestr. 25, Hildebrandt Lausitzcr Sir. 34, Schulz Metzer Str. 17. Block Echöneberg Suadicanistr. 1, Scholz Ans der Liste der geregelten Bäckereien gestrichen: Neukölln Boddinstr. 21. Hänsgen Muskaucr Str. 34, Lerche Naugarder Str. 4, Strauß Prenzlauer Allee 63, Hoheisel Stargarder Str. 66, Rotber Straßburgcr Str. 39, Zicbell Waldemarstr. 62, Lerche Zuizendorser Str. 8, Radsch hält trotz Bergstr. 32. Kiesling Lanilorstr. 31, ktnim, Schreibens den Taris Nicht ein. Velsostr. 59, gyaria, V/ildenbruchstr. v/9, Schmiscnko Weistensee Gustab-Adols-Str. 7, Engel tzeiuersdorser Str. 37, Besserig Lichtenberg Weichsclstr. 16. Weiß. Hausfrauen! Arbeiter! Parteigenossen! Unterstützt die Bäckergesellen in ihren gerechten Forderungen. 40/12____ Der BertrauenSmann der Bäcker und Konditoren Berlins und Umgegend._ Bcrrenfllxb üte. mir Neuheiten in be. währten Qualiläten vvn Mt.«5,40, Z.fv. ll-IO und 4.S».____ HanrfilnhUte Mt. 5.00, 6,00. 6,50 und 8.00. 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Diese wohnte der Probe zwar bis zu Ende bei, verlangte aber brieflich für die Folgezeit eine Garantie, daß sich derartig« Vorfäll« nicht wiederholen und betonte demnächst auch, daß sie derartigen Aufregungen nicht gewachsen fei, so daß sie den nächsten Prbben nicht beiwohnen könne. Die Direktion setzte darauf eine neue Probe an und, als die Künstlerin nicht erschien, an demselben Tage noch eine Probe, welcher sie ebenfalls fernblieb. Nunmehr erklärte die Direktion sie für kontraktbrüchig und klagte IDWM) M. Konventionalstrafe ein, weil sie sich ihren Vertrags- mäßigen Verpflichtungen wiederholt entzogen habe. Die Schauspielerin beantragte Klageabweisung, weil der Bühnenleiter durch lein Verhalten die Grenzen seiner Befugnisse überschritten und dadurch die Künstlerin gezwungen habe, im Interesse des Schau- spielerstandeS dagegen Front zu machen. Sie habe aber auch einen Nervenchok erlitten und fei daher Physisch außerstande gewesen, auf der Probe zu spielen. Das Gericht beschloß, Beweis darüber zu erheben, welche Vor- gänge sich auf der Probe abgespielt hatten.— Ter Rechtsstreit ist insofern von gewisser prinzipieller Bedeutüng für die gesamte Schauspielerwelt, als gerichtsfeitig festzustellen sein wird, wie weit ein Dire'wr auf der Probe in seinen Aeußerungen gegenüber den Schauspielern gehen darf._ Eine antisemitische„Judentaufe". Apotheker Wüstefeld, der in Charlottenburg ein Drogcngeschäst betrieb, hatte seinem Kommis Eonrad die Weisung erteilt, von jüdischen Hausierern nichts zu kaufen und sie. wenn sie zudringlich würden, ohne Umstände hinauszuwerfen. Als eines Tages der unverkennbar jüdische Wäschereisende Rosenfeld den Laden betrat und nach Herrn Wüstefeld fragte, nahm Conrad Veranlassung, die Weisung seines Chefs dem Reisenden gegenüber wörtlich zu be- folgen. Herr Wüstefeld war nicht zugehen. Auf Rosenfelds Frage, wann er zu treffen sei, erwiderte Conrad: Das ist Nebensache, wir kaufen nicht von Juden, machen Sie, daß Sie rauskommen, Sie Judenbcngel. Unmittelbar darauf wurde Rosenfeld von Conrad zur Ladentür hinausgestoßen. Rosenfeld ging in ein benachbartes Restaurant und erzählte dort fein Abenteuer einem Geschäfts- freunde, dem ebenfalls unverkennbar jüdischen Reisenden Fried- ländcr. Dieser erklärte sich sofort bereit, auch seinerseits das anti- semitische Temperament des Herrn Conrad auf die Probe zu stellen.� Eine halbe Stunde nach dem Hinauswurf Rosenfelds ging Friedländer in den Laden Wüstefelds. Auf Friedlänbers Frage nach dem Chef erhielt er von Conrad die Antwort:„Wir machen kein Geschäft mit Juden, raus, sonst kriegen Sie einen Eimer Wasier über den Kopf." Als sich Friedländer nach dieser„freundlichen" Aufforderung nicht sofort entfernt hatte, goß ihm Conrad tatsächlich ei« Gefäß voll Wasser ins Gesicht. Die unmittelbare Folge dieses antisemitischen„Taufakte»" war die. daß die Registrierkasse pol. In dem erwähnten Restaurant, in das sich Friedlänl. noch triefend vom Wasser, begab, rühmte er sich allerding«, er habe die Kasse hinuntergeworfen, wodurch Wüstefeld einen Schaden von etwa 1000 Mark habe. Rosenfeld und Friedländrr sind aus Anlaß dieses Abenteuers vom Schöffengericht zu einer ganz geringen Geldstrafe wegen Hans- friedensbruch verurteilt worden. Infolge ihrer Berufung kam die Angelegenheit gestern vor dem Landgericht III zur Verhandlung. Da ergab sich auf Grund der Angaben der beiden Angeklagten und der anwesenden Zeugen das vorstehend skizzierte Bild. Der Haupt- zeuge Conrad, der inzwischen nach außerhalb verzogen ist, war nicht zur Stelle. Seine in erster Instanz abgegebene Aussage steht mit der Darstellung der Angeklagten in unvereinbarem Widerspruch. Hiernach sollen die Angeklagten so zudringlich gewesen sein, daß Conrad sie nicht anders als durch Gewaltmittel los werden konnte. Die Verhandlung wurde vertragt, weil das Gericht der An- ficht ist, daß ohne die persönliche Vernehmung des Zeugen Conrad der Sachverhalt nicht aufgeklärt werden kann. Das Schütteln der Wahlurne. Vom Landgericht Prenzlau ist am 22. August der Landwirt Fer- binand Ludecki wegen Amtsanmaßung zu 15 M. Geldstrafe verur- teilt worden. Als am 12. Januar bei der Reichstagswahl der Wahl- Vorsteher die Zettel aus der Wahlurne genommen hatte, trat der Angeklagte an den Tisch heran und mischte die aufgestapelten Um- schlüge durcheinander. Ebenso verfuhr er am 20. Januar bei der Stid&whl. DaS Reichsgericht verwarf am Freitag die Revision mit der Begründung, der Einwand, es habe Notwehr gegen das passive Verhalten des Wahlvorstehers geübt werden sollen, gehe fehl, weil es solche Notwehrhandlung nicht gebe und der Rechtsirrtum des Angeklagten ihn nicht vor Strafe schütze. Einige Tage zuvor hat das Reichsgericht die Revision des Staatsanwalts verworfen, der den vom Landgericht Schweidnitz wegen Amtsanmaßung freigesprochenen Genossen Besser bestraft wissen wollte, wiewohl das Landgericht festgestellt hatte, daß dem Genossen Besser da? Bewußtsein gefehlt habe, daß das Schütteln der Wahlurne nur dem Wahlvorsteher zustehe. Tos Reichsgericht ver- warf die Revision. Weshalb klagt die Staatsanwaltschaft, nachdem das Reichs- gericht festgestellt hat, das Schütteln gehöre zu den Verpflichtungen der Wahlvorsteher, diejenigen Wahlvorsteher nicht an, die nicht ge- schüttelt, vielmehr entgegen dem von ihnen unterschriebenen Pro- tokoll die Abstimmung kontrollieren ließen? A«S eines Schutzmanns Familienleben. Da» Landgericht Breslau hat am 28. Juni den Schutzmann Robert Kiszewski wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu ISO M. Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte lebt seit längerer Zeit mit seiner Frau in Unfrieden. Diese sollte er, wie die Anklage ihm zur Last gelegt hat, einmal mit seinem Dienstsäbel geschlagen und ein anderes Mal mit der Knebelkette gefesselt haben. Di« Aussagen der Ehefrau wurden durch Aussagen anderer Zeugen, wie eines praktischen Arztes, unterstützt, die dahin gingen, daß die Frau am Oberschenkel Striemen gehabt habe, die von Säbelhieben herrührten, und außerdem an ihrem Handgelenke Spuren einer Fesselung gezeigt habe. Auf Grund dieser Aussagen hat das Gericht die Schuld des Angeklagten für erwiesen angesehen. DaS Reichsgericht verwarf am Freitag die gegen das milde Urteil eingelegte Revision. Frivol« Anzeigen. Wie Anklagen gegen Streckende zustande kommen, bewies eine Verhandlung vor dem Schöffengericht in München. Ein Unter- nehmer erstattete einem Schutzmann die Anzeige, daß ein Streik- Posten zwei liebe Arbeitswillige durch Beleidigungen und ehrver» letzende Aeußerungen zur Teilnahme am Streik der Elektromon- teure zu bestimmen versucht habe. Der Schutzmann gab ohne wei- tere Prüfung die ihm von dem Unternehmer gemachten Angaben weiter. Er erfolgte Anklage gegen den Arbeiter wegen Vergehens nach 8 153 der Gewerbeordnung. In der Verhandlung stellte sich nun durch die Vernehmung der beiden Arbeitswilligen heraus, daß die Angaben des Unternehmers der Wahrheit direkt widersprechen. Es erklärten beide Zeugen das Verhalten des Streikpostens als durchaus korrekt; von einer Belästigung von seiner Seite könne keineswegs nicht gesprochen werden. Die Verhandlung endete selbst- verständlich mit der Freisprechung. Bedauerlich ist, daß bei einer so frivol erstatteten Anzeige nicht die Kosten dem Anzeigeerstatter aufgebürdet werden._ Verwendung eines fremden warenrechtlich geschützten Zeichens. Eine für Apotheker und Kassen wichtige Entscheidung fällte oM Freitag das Reichsgericht. Es handelt sich um die Frage: darf ein Apotheker ein geschütztes fremdes Warenzeichen für Zubereitungen des geschützten Grundstoffes verwenden? DaS Landgericht Wirsbadrn hat diese Frage verneint, indem cS am 19. April den Apotheker Dr. Alfred Stephan wegen Vergehens gegen das Warenzeichen(§ 14) zu 200 M. Geldstrafe und einer an die Nebenklägerin zu zahlenden Buße von 50 M. verurteilte. Die Firma Hoffmann, Laroche u. Co. stellt unter dem gesetzlich geschützten Namen Pantepon ein Heilmittel her, welches in Tabletten sowie in oben zugefchmolzenen GlaS- röhren in den Handel kommt. Für den Gebrauch ist das Mittel mit Wasser, Spiritus und Glyzerin zu verdünnen. Der Angeklagte hat nun, wie er angibt, jedesmal auf ärztliche Verordnung, solche gebrauchsfertigen Mischungen in Flaschen hergestellt und auf die« selben einen Zettel mit dem Aufdruck Pantepon geklebt; Handschrift« lich fügte er dann noch den Stärkegrad(0,02, 0,04) hinzu. Der Bequemlichkeit wegen stellte er immer mehrere Flaschen auf Vorrat her, damit er im Bedarfsfalle schneller liefern konnte. Da er auch seinen Namen auf die Flaschen klebte, so las man leicht:„Pantepon Dr. Stephan". Die genannte Fabrikantenfirma erhielt hiervon Kenntnis und schrieb ihm, sie könne die fernere Benutzung ihres Warenzeichens auf seinen Zubereitungen nicht gestatten. Da Dr. Stephan der Meinung war, daß er auf Grund der preußischen Apothekerordnung verpflichtet sei, auf der von ihm hergestellten Medizin die verordneten Bestandteile anzugeben, so setzte er sein Verfahren unbekümmert fort. Hierauf erfolgt« die Anzeig« und die Verurteilung. Das Reichsgericht erkannte auf Aufhebung des vrtril» und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Das Landgericht ist anscheinend von rechts- irrtümlichen Erwägungen ausgegangen. Wenn jemand eine Ware herstellt, die einen bestimmten Namen hat, so liegt es in der Natur der Sache, daß die Ware unter diesem Namen verkauft werden darf und muß. Es ist rechtlich unmöglich, weil es der Natur der Sache widerspricht, daß der Fechrikant seinem Abnehmer verbietet, diese von ihm bezogen« War« unter dem von ihm gegebenen Namen zu verkaufen. Wenn diese Ware durch ein Warenzeichen geschützt wird, kann natürlich niemand ein solches Warenzeichen verwenden, dagegen ist er berechtigt, es als Beschaffenheit?-»der JnhaltSanzahG auf der Umhüllung zu gebrauchen. Sonntag, den 22. er. lind unsere Geschäfte geöffnet ä— 10 vormittags und 12-8 nachmittags Bflcher I»r d«n Weihnachtstisch Vor wärt s= Klassiker Heines Werke Schillers Werke Eingeleitet und bearbeitet von Franz Mehring Reuters Werke Eingeleitet und herausgegeben von Emil Krause� Hamburg Je 3 Bände gut gebunden. Preis für jedes Werk nur 4 M. Sämtliche anderen Klassiker sind durch uns jederzeit zu bezieben V orwärtss Bibliothek Pt'WPr�H" Roman aus dem Proletarierleben von A. Oer L�i tVCviVl preis gut gebunden........ 1,25 M. FIa#* A II CHT' A fr Erzählung von Ernst Preczang preis gut gebunden...... IM. Das Land der Zukunft Leo Kolisch* Mit einer Einleitung von Paul Göhre Preis gut gebunden............. IM. 17«« iraa und andere Erzählungen von Verschrobenes Volk«o-. Preis gut gebunden.. IM. Der Prinzipienreiter Erzählung aus den Märztagen des Jahres 1848. Von Wilhelm Bios. Preis gut gebunden.... IM. Kurt Grottewit«: Wilhelm Bölsche. Sonntaiee eines der Katar. 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Da uns das Lokal für Versammlungen nicht zur Verfügung steht, aber Billetts in organisierten Arbeiterkreisen angeboten werden, ersuchen wir, dieselben zurückzuweisen. DieLokalkommission. Dritter Wahlkreis. Am Mittwoch, den 23. Dezember sl. Weih- nachtsseiertag), veranstaltet der Wahlvereiu im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13, einen Konzert-Abeud. Anfang abends S'/, Uhr. Billett» i 50 Pfennig sind bei den Bezirkssührern zu haben. Vierter Wahlkreis. Theaterbilletts zum 1. und 3. Weihnachts- sriertage zu dem Lustspiel„Weh' dem. der lügt' sind zum Preise von 30 Pf. noch zu haben im Bureau des Wahlvereins Slralauer Platz l/2, bei P. Hoffinann, Königsbergerstr. 28, und bei Engel, Oppelnerstr. 47. Friedrichsfelde. Zur Beerdigung des Genossen Max Kruschke tressen sich die Parteigenossen im Lokal von Bürger. Abmarsch pünktlich 1 Uhr. Adlcrshof. Die Parteigenossinnen und-genossen, welche sich zum AuSiritt au» der Landeskirche gemeldet haben, werden ersucht, sich am Freitag, den 27. Dezember i3. Feiertag), vormittags 10 Uhr. im Lokal von Feherstein, Bismarckstratze 28, einzufinden. Die Kosten betragen 3.30 M. pro Person und sind am Freitag an Gerichtsstelle zu begleichen. Legitimalionspapiere sind mitzubringen. Birkrnwerder. Am Montagabend t/id Uhr Exlra-Zahlabend im GesellichaftShauS. Tagesordnung: Gemeindeverireterwahl. Bernau. Der Wahlverein veranstaltet am 1. Weihnachtsfeiertag abends 8 Uhr im Saale des Herrn Franz Salzmann, Basdorfer Strohe, ein Künstlerkonzert unter Mitwirkung hervorragender Berliner Künstler. Eintrittspreis 30 Pf. Zu diesem äuherst genuh- reichen Abend ersucht die Bezirksleitung um rege» Besuch. öerUner I�admcKten. Tie juristische Sprechstunde fällt am Heilig- abend aus. Die Buchhandlung Vorwärts sowie die Läden unserer Spedition sind heute Sonntag von 1—7 Uhr geöffnet. Neber die Haltung der svzialdemokratischen Stadtverordneten- sraktion. in Charlottenburg zu der Frage der ArbeitSlosenversich«- rung veröffentlichen liberale Blätter einen Artikel, der die Tatsachen völlig auf den Kopf stellt und ganz offensichtlich auf Strmmungs- mache gegen die Sozialdemokratie zugeschnitten ist. ES heißt in diesem Erguß(anscheinend einer nicht gehaltenen Rede eines libe- ralen Stadtverordneten), die Alles-oder-NichtS-Theorie habe die Sozialdemokraten wieder einmal veranlaßt, eine Maßnahme zu Fall zu bringen, die ausschließlich den Interessen der Arbeiterschaft, und insbesondere den Aermsten unter ihnen, dienen sollte. Die Sozialdemokraten hätten die Beratung mit unerfüllbaren Anträgen bepackt und nach deren Ablehnung gegen die ganze Borlage ge- stimmt.„Damit haben' sie sich als recht eigenartige Ardeitersrounde gekennzeichnet. Ganz abgesehen von den Gewerkschaftlern, denen die städtische Zusatzvcrsicherung sicherlich auch willkommen gewesen wäre, ist durch die Abstimmung der sozialdemokratischen Stadtver- ordncienfraktion nun bewirkt, daß die große Mass« der nicht organi- sierten und der nicht anderweitig versicherten Arbeiter keine Mög- lichteit hat, sich vor den traurigen Folgen der Arbeitslosigkeit zu schützen. Die Charlottenburger Sozialdemokraten haben hier ein so geringes Maß von sozialer Einsicht an den Tag gelegt, daß ihnen die Arbeiter da» so leicht nicht vergessen werden." Wie verhält es sich in Wirklichkeit? Die Frage der Arbeits- losenversicherung ist in Charlottenburg wie überall überhaupt erst auf Drängen der Sozialdemokraten in Fluß gekommen. Nachdem die bürgerliche Mehrheit Jahre hindurch alle darauf abzielenden sozialdemokratischen Anträge abgelehnt hatte, gelang es endlich, die Wahl einer gemischten Deputation in die Wege zu leiten, bid' sich mit diesem Problem beschäftigte. Der Deputation unterbreitete der Magistrat eine von Professdr Ja st r ow. ausgearbeitete Denk- schrift darüber, ob und in welcher Form sich die Verwendung öffentlicher Mittel für die Förderung der Arbeitslosenversicherung empfehle. Professor Jastrow stellte sich auf den Standpunkt, daß die einzig möglichen Träger der ArbeitSlosenver- sicherung die BerusSvercinigungen seien; er arbeitete eine Satzung aus, die in erster Linie ganz allein auf die Unter- siützung dieser Berufsvereinigungen nach dem Genier System hin- ausging. Die auch zum Genier System gehörigen Zuschutzleistungen auf Sparkassenguihaben wollte er allenfalls nebenbei noch gelten lassen. Die gemischte Deputation betonte dann im Gegensatz hierzu, daß sie lediglich eine Einführung des Genter Systems nicht für richtig halte, sie könnte dem Genter System nur zustimmen, wenn gleichzeitig auch eine selbständig« städtische Arbeiislosenversiche- rungslasse eingerichtet würde. Auf diese Weise entstand dann die erste Magistratsvorlage, die neben der Gewährung von Zuschüssen zu Unterstützungen von BerufSvcreinen oder zu Sparguthaben die Einführung einer ArbciiSlosenversicherungskassc vorsah. Die Mehr- hcii lehnte aber nach heftiger Debatte am 22. Mai 1012 die Zuschüsse zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung in namentlicher Abstimmung mit 33 gegen 20 Stimmen ab. Dafür stimmten außer den Sozialdemolraien nur noch 6 liberale Stadtverordnete. Dieser Beschluß wurde gefaßt unter dem lebhaften Protest de» Magistrats. dem von bürgerlicher Seit« sogar„innige Freundschaft" mit der Sozialdemokratie vorgeworfen wurde. So war denn die Borlage in ihrem einzig wertvollen Teile ge- scheitert, nicht durch das Verhalten dar Sozialdemokraten, sondern der bürgerlichen'Mehrheit. Trotzdem unterbreitete der Magistrat wenige Monaie später der Bersammlung eine neue Vorlage, die lediglich eine Arbeitslosenversicherungsstelle vorsah, eine Vorlag«, die der Magistrat in seiner Begründung im Grunde genommen selbsd belämpfte. Denn wenn er ausdrücklich schreibt, daß dem ersten Entwürfe, der in der Hauptsach« zur Förderung und Ver- stärkung der durch Berufsvereinigungen geschaffenen Versicherungen hatte dienen sollen, durch den Beschluß der Versammlung sein „Haupigebict" entzogen sei» und wenn er hinzufügt, er vermöge es nicht als richtig anzuerkennen,„daß verschiedene Arien der eigenen Fürsorge durch städtische Mittel unterstützt werden sollen, gerade die bisher erfolgreichste aber von solcher Unterstützung ausgeschlossen scin'soll", so sind da» eigentlich so starke Argumente gegen die Vor- läge, daß der Magistrat besser überhaupt von ihrer Ausarbeitung hätte Abstand nehmen sollen. Richtig ist es, daß diese neue Vorlage vpn d«r Sozialdemokratie grundsätzlich bekämpft wurde und daß ihr I Scheitern auf die Sozialdemokratie zurückzuführen ist. Aber unsere Genoffen sind sich ihrer Verantwortung voll bewußt, sie können ihre Abstimmung um so eher rechtfertigen, als sie die Vertreter des Magistrats selbst als Kronzeugen sür sich in Anspruch nehmen können. Erklärte doch der damalige Bürgermeister Matting, daß eine bloße Arbeiislosenkasse, er wolltrnicht sagen ein totgeborenes Kind, wohl aber eine Einrichtung sei, die mit sehr vielen Bedenken und Schwierigkeiten zu kämpfen haben werde. Er bezeichnete es als ein völlig verfehltes Beginnen der Mehrheit, eine solche Ein- richtung zum Angelpunkt ihrer Maßnahmen zu machen, und wandte sich scharf dagegen, daß man die Sache vollständig umdrehe, daß man das, was sich bewährt habe, nämlich di« Zuschüsse zu den Gcwerk- schaften, ablehnen und statt dessen ein absolut zweifelhaftes Versuchsprodukt schaffen wolle. Aehnlich Stadtrat Spiegel, der be- tonte, daß er in der Magtstratsvorlage einen Weg sehe, der allen Anforderungen gerecht wird, in den Vorschlägen auf Schaffung einer bloßen ArbeitSlofenversicherungslasse dagegen einen Weg zur Schaffung eines Systems,„das nicht haltbar ist und das unsere mühevolle Arbeit nur ins Lächerliche ziehen würde". Das war auch>der Standpunkt der Sozialdemokraten, die konse- quenterweife die neue Borlage ablehnten. Daß sie sie mit uner- füllbaren Anträgen bepackt haben, ist nicht wahr, die fozialdemokra- tischen Anträge waren sehr bescheiden, sie verfolgten den Zweck, wenn schon einmal eine Kasse ins Leben treten sollte, sie wenigstens lebensfähig zu gestalten und sie den am meisten bedürftigen Ar- bettern zugänglich zu machen. Nach der Magistratsvorlage hätte die große Masse der Nichtorganisierten und der nicht anderweitig versicherten Arbeiter keine Möglichkeit gehabt, sich bei der Kasse zu versichern, denn der Beitritt sollte von einer ununterbrochenen zweijährigen Beschäftigung abhängig gemacht sein. Daß die So- zialdemokraten diese Bestimmung zu streichen beantragten, war ihre Pflicht; nicht sie fy&en im geringes Maß von sozialer Einsicht an den Tag gelegt, sondern vielmehr diejenigen', die die fozialdemo- kratischen Anträge abgelehnt haben. Die Sozialdemokraten können der Zukunft ruhig entgegenblicken, in der Ueberzeugung, daß alle einsichtigen Arbeiter es ihnen als Verdienst anrechnen werden, daß sie eine Versicherung zu Fall gebracht haben, die mit einer wirklichen Versicherung nichts als den Ramen gemein hat. Eine Hundeschliichterei für Berlin, das ist die neueste Errungen- schaft unserer famosen Wirtschaftspolitik. Dem Philosophen für die gottgewollten Abhängigkeiten muß in Hobenfinow am Weihnachtsabend das Herz im Leibe vor Freuden hüpfen, daß doch jeder Arbeiter, wenn auch kein Huhn, so doch ein Stück Hund im Topfe haben kann. In der letzten Kuratoriumssitzung des Schlacht- und Viehhofes hat man nämlich großmütig darauf verzichtet, Einspruch gegen Errichtung einer Hundeschlächterei zu erheben, um dieses Recht für de» städtischen Schlachihof zu reklamieren und demgemäß eine Anfrage des Polizeipräsidenten beschieden. Vielleicht wird die neue .Kulturan st alt' noch zu Weihnachten eröffnet, um eine würdige Illustration zu dem christlichen Friede auf Erden Und den Menschen ein Wohlgefallen zu geben. Bezeichnend war, daß einem bürgerlichen Mitgliede des Kuratoriums bei der Verhandlung dieser Sache nichts anderes ein- fiel, als die schönen tiesfinnigen Worte:„Na, das geht doch nicht, denn— dann werden ja noch viel mehr Hunde gestohlen I' Ja, ja!. Die genußsüchtigen Proleten, statt meine Gänse zu kaufen, fangen sie Hunde! In derselben Sitzung wurde die Frage der Errichtung der Fleischengroshalle auf dem Viehhof verhandelt. Da man dem von der Bauverwaltung vorgelegten Projekt keinen Geschmack abgewinnen konnte, wurde eS einer Subkommission überwiesen. Den Arbeitern des Vieh- und Schlachthofes ivurde, wenn eine auch nur ganz minimale Weihnachtsfreude zuteil, indem das Kura« torium bestimmte, daß diejenigen Arbeiter, welche in den Nächten vom 1. zum 2. Feiertag arbeiten, nicht nur auch die Bezahlung de» 2. Feiertags erhalten werden, sondern diese Arbeit extra bezahlt bekommen. Die Post am Sonntag. Die Post hält am Sonntag den 22. Dr- zember die Schalter für die Annahmen und Ausgaben von Paketen wie an Werktagen im ganzen Ober-Postdirektionsbezirk Berlin geöffnet. Auch die Bestellung von Paketen findet an diesem Sonn- tag ausnahmsweise statt. Bei dieser Gelegenheit wird'das Public kum nochmals darauf hingewiesen daß es im eigenen Interesse liegt, die Postsendungen möglichst genau zu adressieren. Auf Brief- sendungen nach Berlin muß außer der Wohnung des Empfängers noch der Postbezirk und die Nummer der Beftellpostanstalt ange- geben werden. Bei dem leohaften Verkehr in den Festzeiten können Sendungen ohne Angabe des Postbezirks und der Bestellpostanstait nicht immer so zeitig zur Bestellung gelangen wie Sendungen, in deren Aufschrift jene Angaben enthalten sind. Für den Fall der Uebestellbarkeit ist es gut, wenn man seine Wohnung auf der Sen- dung vermerkt. In die Pakete legte man zweckmäßig eine Adresse, die mit der äußeren Aufschrift übereinstimmt. Geht die äußere Aufschrift verloren, so kann der Empfänger trotzdem ermittelt werden. Borbcrcitimgrn für die Landtagswahlen. Bürgerliche Zeitungen. wie„Tageblatt' und.Vossische Zeitung' berichten:.Für den 10. Ber- ltncr Landtagswahlbezirk, der durch den fortschrittlichen Abgeordneten Rosenow vertreten wird, hat die sozialdemokratische Bezirksführer- konferenz den erste» Bevollmächtigten der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Adolf Cohen, al» Kandidaten zur nächsten LandtagSwahl aufgestellt. Als Kandidaten waren weiter vorgeschlagen ParteivorstandSmitglied Otto Braun, Gewerkschafts- sekretär und Sladtverordneter Ritter und der Berliner Bevollmächtigte des Bäckerverbandes Hetzschold. 1908 war hier sozialdemokratischer Landtagskandidat der Reichstagsabgeordnete Ledebour, der gegenüber Rosenow mit 433 gegen 497 Stimmen unterlag.' Uns ist eine solche Meldung nicht zugegangen. Es ist bei uns sonst nicht üblich, über Verhandlungen von Funktionärsitzungen öffentlich zu berichten. So viel sei nur bemerkt, daß auch in anderen Bezirken die tätigen Genoffen mit Vorschlägen zu der Besetzung von LandtagSwahlbezirken sich beschäftigt haben, daß aber die end- gültige Aufstelliing der Kandidaten erst in noch einzuberufenden Versammlungen erfolgen wird. Keine frischen Semmeln am 2. Feiertage. Auf Grund einer Verordnung des Polizeipräsidenten darf in keiner Bäckerei Groß- Berlins in der Zeit vom 1. Feiertag früh bis 2. Feiertag abends gebacken werden. Wer also recht vorsichtig sein will, versehe sich schon am 1. F-ieriag mit dem nötigen Bedarf an Semmeln und Kuchen für d?» folgenden Tag, da es ja am 2. Feiertag doch»ir- gends frisches Gebäck gibt._ Vom Schutz der drutschen Industrie. Wer erinnerte sich nicht all' der schönen Reden, die im Reichs- tage über den Schutz der deutschen Industrie gehalten wurden, wenn eS sich bei Abschluß von Häiidelsvcrtrcsgeii mit andere» Staaten um Zollfragen handelte. Und ivem wäre eS nicht bekannt geworden, daß oft dieselben Leute, die nicht laut genug den Schutz der deutschen Industrie fordern konnten, ausländische Arbeiter nach Deutschland holten oder ausländische Produkte mit Borliebe her» zogen, wenn es der eigene Profit erheischte. Bekannt ist auch, daß oft hohe und höchste Herrschaften besonderen Wert daraus legen, nm in Paris oder London hergestellte Kleider zu tragen. Recht sonderbar mutet aber eine Mitteilung an. nach der die Reichsanstalt für die Angestelltenversicherung 50 Schreibmaschinen amerikanischer Konstruktion(Smith Prince) sür den Betrieb käuflich erworben hat, während 100 solcher Schreibmaschinen leihweise überlassen worden sind. In den Kreisen hiesiger Industrieller ist man über diesen„Schutz der deutschen In- dustrie" durch eine deutsche Reichsbehörde umsomehr auf- gebracht, als die deutschen Angebote erheblich niedrigere waren als das von der Reichsanstalt für die Angestelltenversicherung akzeptierte Angebot des amerikanischen Produktes. Während für eine Ma- schine Smith Prince der Preis von 423 M. angelegt worden sein soll, beliesen sich die Angebole hiesiger Firmen(Ideal, Continental, Stöwer) auf 300 M. pro Stück. Wie Sachkundige erklären, brauchen die hiesigen Maschinen keine Konkurrenz zu scheuen. Dann aber ist das Verfahre» der Reichsanstalt doppelt unverständlich und ist mit dem Prinzip des Schutzes der deutschen Industrie in keiner Weise in Einklang zu bringen._ Ans arme Leute abgesehen hatten es zwei Schwindler, die sich als Wohltäter aufspielten. Sie machten in Zeitungen unter den kleinen Anzeigen bekannt, daß sie bereit seien, armen, unter- stützungsbedürftigen Leuten Hilfe zu gewähren. Wenn sich die Aermsten der Armen, die sich namentlich jetzt vor Weihnachten noch Hoffnung machten, von irgendeiner Seite Unterstützung zu erhal- ten, an die Adresse wandten, so bekamen sie einen grdruckten Zettel zugeschickt, der H. Baumann, Friedlichst ratze 226 unterzeichnet war. In dem Zettel, der überschrieben war„Die Hilfe", stand, daß der Bittsteller zunächst seinen Lebenslauf und seine Familienverhält» nisse mitzuteilen habe, und zwar unter Uebcrsendung von 60 Pf., die angeblich zur Erstattung der Unkosten erhoben werden mußten. Sandten die Aermsten daraufhin eine Schilderung ihrer Notlage mit den verlangten 69 Pf. ein, so hörten sie nichts mehr. Dieses Treiben der„Wohltäter" kam zur Kenntnis der Kriminalpolizei, die daraufhin sofort das ganze Nest aushob. Sie stellte fest, daß eine gtoße Anzahl von ganz armen Leuten auf diesen Schwindel hineingefallen waren und ihm auch noch ihre letzten Groschen ge- opfert haben. Die Inhaber dieser„Wohltätigen Anstalt", ein Agent D., der schon mehrfach wegen Schwindels bestraft ist, und ein andc- rer noch nicht bestrafter Mann, behaupten, sie hätten beabsichtigt, die Unterstützungsgesuche, die bei ihnen einliefen, an wohltätige Stiftungen und Vereine und dergleichen weiterzugeben, mit der Bitte, sie berücksichtigen zu wollen. Das ganze Unternehmen hatte es aber von vornherein auf Schwindeleien abgesehen. Während der Agent D. von der Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft zugeführt wurde, wurde der andere vorläufig auf freien Fuß belassen. Der Naucncr Messerstecher Nettelstroh Ist in den letzten Tagen noch wiederholt auf dem Polizeipräsidium vernommen worden. Weil Nettelstroh nach seinem ersten Geständnis alle vorher gemachten Aus- sagen widerrief, wurden jetzt alle neue Angaben, die er bei seinem zweiten Geständnis machte, nachgeprüft, um jeden Zweifel an seiner Täterschaft zu beseitigen. Auf einer Rundfahrt durch das Innere Berlins gelang es auch, den Laden ausfindig zu machen, in dem Nettelstroh nach seiner eigenen Angabe das Okuliermesser gekaust hat. Es ist dies ein Eisenwarengeschäft in der Auguststraße, in dem im August d. F. zwei solche Messer verkauft wurden. Einer der Käufer ist bereits ermittelt worden, der andere ist ohne Zweifel auch Nettelstroh gewesen. Zu dem Preise von 1,73 M., den der Messer- stecber schon bei seinem Geständnis nannte, gibt es auch nur in diesem Geschäft diese selten verlangten Okuliermesser. Nettelstroh wird zurzeit von den Gerichtsärzten auf seinen Geipeszustand hin beobachtet. Ein Hanbtaschenriiuber ist wieder einmal im Tiergarten auf- getreten. Der Gattin eines Polizeihauptmanns wurde in der Frie- densallee von einem Burschen plötzlich die graubraune, krotodil- lederne Handtasche entrissen, die zwei Portemonnais mit 20 M.. eine Granaibrosche in Schleifenform und einige Kleinigkeiten cnt- hielt. Der Räuber verschwand unerkannt im Gebüsch. Eine sofort aufgenommene Verfolgung des Täters blieb ohne Erfolg. Folgenschwerer Absturz eines HängegerüstcS am Gleisdreieck. Noch ist die Untersuchung über den verhängnisvollen Trägerabsturz, worüber wir gestern berichteten, nicht abgeschlossen und schon wieder wird uns über ein neues Unglück am Bahnhof Gleisdreieck berichtet. Gestern nachmittag stürzte fast an derselben Stelle, an der das erste Unglück geschah, ein Hängegerüst ab. Drei Arbeiter wurden mit in die. Tiefe gerissen und nicht unerheblich verletzt. Unmittelbar hinter dem Bahnhof Gleisdreieck werden auf dem Hochbahnkörper im Zuge der Schöneberger Straße gegenwärtig Bauarbeiten verrichtet. Zu diesem Zwecke sind unter der Hochbahnbrücke mehrere Hängegerüste angebracht, die über dem Bahnkörper der Staatsbahn schweben. Gestern nachmittag ritz bei einem dieser Gerüste die Ver..i-6 cung und das ganze Bauwerk stürzte polternd in die Tiefe. Bier Arbeiter hatten darauf gestanden und gearbeitet. Einer von ihnen vermochte sich noch im letzten Augenblick an einem Nachbargerüst anzuklammern und sich auf diese Weise vor dem Absturz zu bewahren, dagegen wurden die drei Kollegen mit in die Tiefe gerissen und unter den Trümmern des einbrechenden Gerüstes begraben. Andere Arbeiter. die zu gleicher Erde beschäftigt waren, eilten den Verunglückten schleunigst zu Hilfe. AlS einen glücklichen Umstand kann man eS betrachten, daß daS Gerüst nicht auf den Hauptbahnkörper fiel, auf dem kurz darauf ein Zug nahte. ES wurde viel- mehr auf die tiefer liegenden Rangiergleise geworfen, auf denen in diesem Moment gerade kein Berkehr herrschte.' Nachdem man die Verunglückten auS den Trümmern herausgeholt hatte. traten die Aerzte der umliegenden Rettungswachen, die man in- zwischen benachrichtigt hatte, in Tätigkeit. Es wurde festgestellt, daß einer der Verunglückten nur Verletzungen am Kopf erlitten, der andere einen schweren Beinbruch davongetragen hatte. Dagegen war der dritte Arbeiter übel davongekommen. Er mußte in schwer- verletztem Zustand sofort nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden. Es war dies der Arbeiter Johannes Wenctesky auS der Bendastraße 22 zu Neukölln. Die Ursache des Absturzes ist darin zu suchen, daß einer der eisernen Trägerhaken, mittels deren da?- Gerüst oben befestigt war, bereits eine schadhafte Stelle hatte. Gestern brach die Stelle ganz durch, so daß dem Gerüst jeder Halt genommen wurde. Ein schwerer Automobilunfall hat sich am gestrigen Sonnabend« nachmittag in der Mansteinstratze zugetragen. Dort lief eine Frau beim Uebcrschreiten des Fahrdammcs blindlings gegen eine im ge- mäßigten Tempo fahrende Kraftdroschke, wurde umgestoßen und überfahren. Der Führer des Kraftwagens brachte die Verunglückte nach der Unfallstalion in der Borbergstratze, wo eine schwere Gehirn« erschüiterimg und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Nach Anlegung von Notverbänden wurde die Bedauernswerte, bei der ein PostaiilveisungSabschnitt mit der Adresse Küter, Hochkirch- siraße 14, vorgefunden wurde, in hvsfmpigSlosem Zustande nach dem Schöneberger' städtischen Krankeuhause übergeführt. Ein ernster Unglücksfall ereignete sich am gestrigen Sonnabend- vormittag auf dem Straßenbahnhof in Tempelhof. Dort geriet der Schloffereiarbeiter Holl zwischen einen Anhängewagen, der rangiert wurde, und einen Pfeiler des WagenschuppenS und wurde so heftig gequetscht, dah er mehrere Rippenbriiche erlitt. Der Verunglückte wurde zunächst nach dem«ahcu Gcirnisonlazurett rmd von dort, nachdem ihm die erste ärzliche Hilfe zuteil geworden war, nach dem Kraulenhause Bethanien geschafft. Straßenbahnunfall. BeimBesteigen eines fahrenden Straßenbahn- Wagens ist eine Frau Helene Frank schwer zu Schaden gekommen. Sie wollte gegen Va? Uhr abends in der Kleinen Frankfurter Straße einen Straßenbahnwagen der Linie 22 während der Fahrt besteigen, glitt ab und stürzte so unglücklich, daß sie besinnungslos liegen blieb. Die Verunglückte wurde nach der nahen Unfallstation gebracht, wo festgestellt würbe, daß sie eine Gehirnerschüticrung und erhebliche Hautabschürfungen an den Händen und Füßen davongetragen hatte. Frau F. wurde dann nach ihrer Wohnung geschafft. DenluialSschänder haben in der vergangenen Nacht auf der Luiseninsel im Tiergarten ihr Unwesen getrieben. Gestern morgen fand man die Marmorbüste Kaiser Wilhelms I., die anscheinend mit erheblicher Gewalt herabgestürzt worden ist, stark beschädigt da- liegen. Im Fallen ist besonders der Kopf stark mitgenommen worden. Vom Gesicht sind einige Stücke abgeivlittert. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Arbeits- und Mittellosigkeit haben den 2ö Jahre alten Schrift- sctzer Franz Zender aus der Neuen Hochstraße 5 in den Tod getrie- ben. In der vergangenen Nacht erhängte sich Z. in der Küche an der Türklinke. Als seine Frau ihn hier vorfand, kvar er bereits tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Zirkus Strnuipcl will sich abermals in Berlin etablieren. Am l. Weihiiachisfeicrtag beginnt in den Ausstellungshallen am Zoo ein Rennen, das am 29. Dezember nachts 12 Uhr endet, und am 8. Januar sckiließt sich ein SechStagcremien an. Also diesmal doppelte Courage. Die Unternehmer brauchen Geld, die Fabrer nicht minder, und ein gewisses Publikum, das an dicien Unfug Freude hat. wirst eS ihnen an den Hals. Wann wird diese öde Strampelei endlich aufhören? Oeffcntliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von g— 1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit ö0ö Zeitungen und Zeilschriften seder Art und Richtung aus. Im Zoologischen Garten ist in der aus über dreißig Arten be- stehenden Antilopensam.mlimg die Gruppe der Säbelantilope gegen- wartig besonders gut vertreten. Wir finden da außer der cigent- lichen Säbclautilope auch die dunkel gefärbte afrikanische Beisa in einem erst kürzlich eingetroffenen Stück vertreten, die ein schönes Gegenstück zu ihrer syrisch-arabischen Vertreterin, die beinahe weiß gefärbt ist, bildet. Von dieser letzteren Art stammt offenbar der Name Beisa, der im arabischen„Die Weiße" bedeutet. Zeugen gesucht. Am 11. Juli d. I., nachmittags zwischen 4 und 4'/s Uhr, wurde am Petriplatz, gegenüber der Grünslraße, von einem Autoomnibus der Linie 8 ein Arbeitsbursche der stäotischen Slraßcnreinigung übersohren und getötet. Zeugen des Vorfalles werden dringend gebeten, sich zu melden bei den Ellern: Zander, Berlin, Kunschestr. 1, Ecke Greifswalder Straße. Vorort- Nadmebten. Konservativer Terrorismus. WaS von dem Geschrei der Konservativen und ihrer gesinnungS- treuen Preßmeute über den sozialdemokratischen Terrorismus zu halten ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dieser tendenziösen Hetze liegt nichts anderes als die Absicht zugrunde, die Regierung für neue Ausnahmegesetze scharf zu machen. DaS schlimmste Verbrechen terroristischer Attentate der Sozialdemokratie ist die Verjagung andersdenlender Arbeiter von ihrer Brotstellc. Wir haben oft genug Gelegenheit genommen, wenn der Terrorismusschwindel gar zu üppig ins Kraut schoß, den Spuren nachzugehen. Regelmäßig stellte sich dann heraus, daß entweder kleine, nichtssagende Vorgänge maßlos übertrieben oder in ihr Gegenteil verkehrt, vielfach sogar frei erkunden waren. Aber dort, wo die sittenstrengen konservativen Tugendwächter ungebrochen ihre Macht ausüben, nutzen sie ihre wirtschaftliche Uebermacht in rücksichtsloser Weise, frei von allen Gewisicnsskrupeln aus, die ihren frommen, christlichen und ethischen Grundsätzen Hohn spricht. Alte der niedrigsten und kleinlichsten Rachsucht sind an der Tagesordnung. Zur Illustration dessen wird uns folgendes mitgeteilt: Mehr toia jemals vordem gelang es unseren Genossen in den Landkreisen bei der letzten Reichstagswahl, Versammlungen unter freiem Himmel abhalten zu können. Selbst in den entlegensten Orten des Hinter- landes von Teltow-BeeSkow zeigte die Bevölkerung das weitgehendste Entgegenkommen, trotz des behördlichen Druckes. Jetzt aber steht der Winter vor der Tür: die Zeit der Ver- geltung ist daher gekommen. Ungezügelt kann sich der Haß gegen die muligen Förderer der Sozialdemokratie auf de», Lande aus- toben. Die weitverstreut in den einzelnen Dörfern wohnenden Arbeiter sind im Somnte. und der wärmere» Jahreszeit in den Städten, den Ziegeleien, in den Zuckerfabriken usw. tätig. Mit Eintritt der kältere» Jahreszeit oder Beendigung der Kampagne kehren sie in die heimatlichen Gefilde zurück, um dort die erforderlichen Arbeiten für die Forst zu übernebinen. Eine andere Arbeitsgelegenheit bietet das heimatliche Dorf nicht. Nun beginnt die Musterung; die Böcke werden von den Schafen getrennt. Wer die Be- strebungen der Sozialdemokratie nachweisbar unterstützt hat, bekommt sicher keine Arbeit, wer in dem Gerüche steht, solche nur schwer. Auch in Staakow(Kreis Teltow) im Unterspreewald hatte ein freidenkender Einwohner sein Grundstück Miseren Genossen zur Versammlung zur Verfügung gestellt. Dafür hat ihn nun der Gott der Rache in Gestalt des Oberförsters ereilt. Gleich den anderen Bewohnern des Dorfes hatte auch dieser sich einen Erlaubnisschein zum Holzholen auS der Kämmerei des Forstes zum Preise von 2M erkauft. Als der Betreffende vor einigen Tagen von dieser Erlaubnis wieder Gebrauch machen und sich Holz holen wollte, wurde er von dem Oberförster barsch angefahren und aus der» Forst verwiesen. Ihm wurde bedeutet,.zu dem alten Bebel zu gehen und sich von dem Holz zu holen." Außerdem fielen noch einige persönliche Titulaturen ab. Auf dem Erlaubnisschein ist aber ausdrücklich vermerkt, daß der Inhaber im Forst- revier Staakow vom 1. Oktober 1912 bis letzten März 1913 zweimal wöchentlich und zwar Dienstags und Donnerstags Raff- und Leseholz sammeln und dasselbe mit einem Handkarren nach seiner Wohnung schaffen kann." Trotz dieses erworbenen Rechts mußte er unverrichtcter Sache mit einem leeren Wage» nach Hause fahren. Selbstverständlich ist daran gar nicht zu denken, daß er noch Arbeit in der Forst zugewiesen bekommt. So stellen die ländlichen konservativen Wahlmacher die nackte Gewalt über das Recht und entrüsten sich heuchlerisch über den er- dachten sozialdemokratischen Terrorismus Nur die Diktatur der Konservativen vermag ihre Herrschaft auf dem Lande zu stützen. Wie lange noch?__ Lichtenberg. Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der letzten Sitzung beantragte Genosse Tempel, den Punlt„Beschlußfassung über die Gültigkeit der letzten Stadtverordnetciiwahlen", von der Tagesord- nung abzusetzen. Weder der vorberatenen Kommission noch den StÄtverordßxten seiev die»Sd i&c BegründWg sMie das übrige angebliche Material bekannt geworden. Die Majorität beschloß trotzdem, in der Angelegenheit zu verhandeln. Genosse Grauer regte an, den Magistrat zu ersuchen, mitzuteilen, welchen Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung er nicht beigetreten sei. Auch die Begründung möchte man kennen lernen. Der Vor- steher erklärte, der Anregung könne entsprochen werden. Dann wurde wieder über die unveränderte Vorlage betresfeud Anstellung eines leitenden Arztes für das Lichtenberger Krankenhaus verhandelt. An dem Panzer des Majoritätsbewußtseins der Bür- gcrlichen prallten alle Vernunftgründe und moralischen Bedenken, die unsere Genossen John und Grauer gegen den Plan, im städtischen Krankenhause eine Privatpraxis des Arztes etablieren zu lassen, wirkungslos ab. Gegen die Stimmen der Sozialdemo- kratie wurde die Vorlage mit nur unwesentlichen formalen Aende- rungen angenommen. Die Lichtenberger können das Vergnügen haben, ein Krankenhaus zu erhalten, in dem sogenannte Privat- kranke besser verpflegt und behandelt werden als wie die Anstalts- kraekcn. Das höhere Honorar, das dafür die Privatkranken zahlen müssen, steckt der Arzt ein. Die Stadt muß für Privatkranke größere Austvendungen machen als für Anstaltskranke; sie bekommt von jenen aber nur dieselben Tarife. Sodann wurde die Vorlage über die Schaffung neuer Lehrerstelleu verabschiedet. Die Bürger- lichen, die in der vorigen Sitzung noch 6 Stellen streichen wollten, hatten sich mittlerweile doch anders besonnen. Sie verzichteten auf die Streichung. Diesen Erfolg haben unsere Genossen mit der Ver- Hinderung der zweiten Lesung der Vorlage in der vorigen Sitzung erreicht. Eine lange Debatte entfesselten die nunmehr zur VerHand- lung stehenden Einsprüche gegen die letzten Stadtverordnetenwah- lcn. Genosse Tempel kennzeichnete das unwahre und kleinliche Ver- halten der Mittelständler. Programmatisch verwerfe man das Grundbcsitzerprivileg, nun aber benutze man einen angeblichen kleinen formalen Mangel, um, jenem Privileg die allerextrcmste Auslegung gebend, die Kassierung eines Mandats zu erlangen. Ein Hohn auf die herausgestellte kommunalfortschrittliche Gesin- nung sei auch der Protest gegen ein anderes sozialdemokratisches Mandat, weil der Gewählte erst einige Tage nach der Wahl— infolge der Langsainkeit der Behörden— Preuße geworden ist. Eine nette Illustration bürgerlicher Moral böten ferner die Proteste gegen die Gültigkeit der Wahl von Sozialdemokraten, soweit man dabei als Begründung die Ungültigkeit der gesamten Wählerliste anführe. Die Wahlen der Bürgerlichen sollen selbstverständlich gül- tig sein. Kein beißender Hohn berührte das Gewissen der bürgcr- lichen Herren. Die Wahl des Genossen Glöckner erklärten sie für ungültig, weil er am Tage der Wahl noch nicht Preuße gewesen sei. Da der gerügte Vdangel in bezug auf die Vollwertigkeit eines Genossen als Hausbesitzer als ausreichend bezeichnet wurde, er- klärte man auch diese Wahl für kassiert. Weiter soll noch ergründet werden, ob im 0. Bezirk die Wahlhandlung zu früh geschlossen worden ist. Aus formellen Gründen verwarfen die Bürgerlichen den Einspruch ihrer eigenen Genoffen auf Kassierung sozialdemo- kratischer Mandate wegen Ungültigkeit der gesamten Wählerliste. Auch stimmten sie gegen den Antrag unserer Genossen, sämtliche Wahlen für ungültig zu erklären.— Die Abrechnungen von der Gcmcindedoppelschule in der Friedrichstraße, ferner die Jahresrech- nung der städtischen Sparkasse für 1911 sowie der früheren Ge- meindesparlasse Boxhagen-Rummelsburg werden angenommen.— Nach einer im Sommer dieses Jahres in Lichtenberg vorgenom- menen Zählung kämen hier für eine Landkrankenkasse 552 land- wirtschaftliche Arbeiter, 2583 Dienstboten, 47 im Wandergewerbe Beschäftigte und 2050 Heimarbeiter in Betracht. Schätzungsweise sind von diesen Personen 80 Proz. weiblichen Geschlechts. Der Magistrat glaubt unter diesen Umständen, die Risiken für eine Landkrankenkasse würden zu groß sein. Er beantragte daher, von der Errichtung einer Landtrankenkasse Abstand zu nehmen. Die Versammlung beschloß demgemäß. Die nächste Vorlage fordert 700 Mark als Kostenanteil für eine zu errichtende kaufmännische PflichtfortbildungssckMlc unter der Leitung der Potsdamer Han- delskammer. Diese will zirka 1330 M. zu den Gesamtaufwendungen beitragen. An Schulgeldern von 110 Sckülern erwartet man 2200 M. Einnahme. In 40' Unterrichtswochen sollen in fünf Kursen a 0 Wochcustunden insgesamt 1200 Unterrichtsstunden gc- geben werden. Die Entschädigung an die Lehrkräfte soll 3 M. pro Stunde betragen. Die Verwaltung der Schule wird einem Kuratorium übertragen, das wie folgt zusammengesetzt sein soll: je ein Vertreter der Handelskammer und des Magistrats; dieser als Vorsitzender. Ferner aus einem Stadtverordneten, der auf drei Jahre gewählt wird, 3 Kaufleuten aus Lichtenberg, einem Handlungsgehilfen und dem von der Handelskammer zu wählen- den Leiter.— Man merkt leicht, daß die Sozialdemokratie hier ausgeschaltet werden soll. Das Jnslebentreten der Anstalt ist für den 1. April 1913 geplant. Die Vorschußbankgruppe bemängelt die Höhe des Schulgeldes. Kleine Kaufleute könnten 20 M. schwer aufbringen. Gehorsam verwieg die Mehrheit die Vorlage an einen Ausschuß. Genosse Ritter hatte die Annahme empfohlen. Man will anscheinend erst noch einige Verschlechterungen hineinprakti- zieren. Die Jugcndschriften- und Wandschmuck-Ausstellung im Lokal von Wilhelm Schulz, Kronprinzenstr. 47. Ecke Scharnwebcrstraße, ist heute, Sonntag, von nachmittags%4 bis abends!�10 Uhr ge- öffnet. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Ausstellung mor- gen von'A6 bis ValO Uhr abends das lctztemal geöffnet ist. Der Eintritt ist kostenlos, daher versäume niemand dieselbe zu besich- tigen. Eharlottenbnrg. Größcrc Grimdstücksankäufe im Werte von 2l/s Millionen Mark hat die Stadt Cbarlotlenburg vorgenommen. Nack einem Bestbluß der städtischen Körperschaften sollen die am S p r e e b 0 r d, an der Kaiserin-Augusta-Allee, Sömincring-, Ouedlinburger und Nordhausener Straße belegenen Zimmennannschen Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 51470 Quadralmelern für elwa 1� Millionen Mark käuflich er- worden werden. Es ist in Aussicht genommen, � das für städtiiche Zwecke hervorragend geeignete Gelände durch Festsetzung von Flucht- liuien für mehrere Straßen und einen Platz aufzuschließen. Das Gelände wird ganz für städtische Bauten Verwertung finden. Ferner ist im Interesse der Gaswerke das an der Ganßstraße gegen- über der Gasanstalt II gelegene Grundstück der Luisenlirchen- gemeinde in einer Größe von 15 539 Quadratmeter für etwa 548 000 M. angekauft worden. Schließlich haben Mogistrat und Stadtverordnete 220000 M. bewilligt für den Ankauf des 1603 Quadratmeter großen Grundstücks Bismarckstraße 53, das den dortigen städtischen Besitz vorteilhaft abrundet und für den Neubau der Sophie-Charlotten-Schule mit in Betracht kommt. Schöneberg. Die SchrifteiianSstellung ist heute nachmittag von 0 Uhr ab in dem Tunnel der neuen Rathaussäle, Meininger Str. 3. zu besichtigen. Der Bildungsausschuß. De» Gewerkschaftsvertretern und den Delegierten der GeWerk- schaftskommission zur Kenntnisnahme, daß die Neuwahlen der Delegierten zur Ortskrankenkasse nicht stattfinde», da laut BundeSratsbeschlutz die Mandate der Vertreter der Kassenorgane bis Ende 1913 verlängert ivorden sind. Aus diesem Grunde findet auch die Sitzung mit den Vertrauensleuten nicht statt. Unterhaltung und Vergnügen, in Gestalt eines P i l h. Busch- Abends, bietet am Sonnabend, den 28. Dezeu-ber d. I., der Bildnngsausschuß in der Schloßbrauerei; Beginn ibends 8 Uhr. Billetts a 20 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Für unsere Kleinen ist ani gleichen Tage und im gleichen Lokale ein M ü r ch e n- abend veranstaltet; Anfang 5 Uhr. Unentgeltliche Einlaßkarten find auch von den Vertrauensleuten zu beziehen. Tempelhof. Aus der Gemcindevertretersitznng. Recht unangenehm waren den bürgerlichen Vertretern die Darlegungen unseres Genossen Schmidt, die er anläßlich des Antrages des Gemeindevorstandes avj xEllithtunL eimr AeltorjtM*md einer Lehrerstelle zu Ostern 1913 an der katholischen Gcmeindeschule" machte. Genosse Schmidk legte zunächst dar, daß wir Sozialdemokraten es stels begrüßen, wenn Bewilligungen für Bildungszwecke gemacht werden. Er for- derte aber die Beseitigung der sogenannten Schulsparkassen, die mit der Schule an sich nichts zu tun hätten und wodurch sich nur diejenigen Kinder zurückgesetzt fühlen, deren Eltern nicht in der Lage wären, ihren Kindern Geld zum Sparen mitgeben zu können. Wenn dennoch viele Eltern der Ausforderung der Lehrer nach» kämen, so geschehe es deshalb, um ihren Kindern das Gefühl der Zurücksetzung zu ersparen. Das Geld müßten sich aber die Eltern oftmals vom Munde absparen. Als Schmidt dazu überging, den bürgerlichen Vertretern und dem Gcmeindevorstand zu empfehlen, sich der armen Kinder, die, ohne Frühstück genossen zu haben, in die Schule kommen müssen, anzunehmen, erhob sich unter den Bürgerlichen eine heftige Opposition, die sich in Zwischenrufen Lust machte. Herr Direktor H e n s e l, ein wohlgenährter Herr, wollte sein soziales Empfinden dokumentieren, indem er dazwischen- rief:„Ich bekomme auch kein warmes Frühstück.' Ein anderer Herr leistete sich den Zwischenruf:„Wo sollen wir das Geld hernehmen?" Mit diesen Zwischenrufen waren für die bürgerlichen Herren die Anregungen des Genossen Schmidt erledigt. Der Herr Bürgermeister unternahm es, die Schulspar- lassen zu verteidigen. Betreffs des warmen Frühstücks für arme Schulkinder kam der Herr mit der uns schon von anderen Gelegen- heilen her bekannten Redensart,„der Gemeindevorstand habe sich schon früher mit dieser Angelegenheit befaßt." Und was ist dabei herausgekommen? Erstens wären die Lehrer befragt worden, und diese hätten ein Fürsorgebedürfnis in dieser Frage verneint. Zweitens: 07 Proz. der Gcmeindeschüler legen Spargelder an; ergo gibt es keine hungrigen Kinder in Tempelhof. Die Genossen Schmidt und Franz verwiesen darauf, daß vom Mangel an Geld nichts zu spüren sei, lvcnn es sich um irgendeinen patriotischen Rummel handle. So habe man mit Seelenruhe 2000 M. für die Nationalflugspende bewilligt. Dieses Geld würde allein schon ausreichen, um die armen Kinder den ganzen Winter hindurch anständig zu speisen. Beschlossen wurde, den jetzigen Oberlehrer als Rektor und einen Lehrer anzustellen. Das Gehalt des Rektors soll um 000 M. erhöht werden. Die Unfallfürsorge für Feuer- wehrleute wird vom 1. Januar 1913 ab auf diejenigen ausgedehnt, welche bei einem Brande gelegentlich Hilfe leisten.— Die Wahl einer Frau zum Gemeindewaisenrat löste eine längere Debatie aus. Während der Bürgermeister Frau Geheimrat Huth vor- schlug, empfahl Genosse Schmidt die Wahl unserer Genossin Siclaff. Genosse Schmidt meinte, lvenn der Herr Bürgermeister die Frau Geheimrat Huth so warm empfehle, so müsse er doch daraus vettvciscn, daß es gerade in diesem Falle nötig sei, eine praktisch tätige Frau zu wählen. Er wisse wohl, daß sich auch bürgerliche Frauen in der Jugendfürsorge„praktisch" betätigen. Aber hier sei ein Unterschied vorhanden. Während die prolc- tarischcn Frauen schon am frühen Morgen im Interesse der armen ausgebeuteten Kinder tätig sind, sähen die Tempelhofcr bürgerlichen Frauen die Erfüllung ihrer Aufgabe darin, wenn sie allwöchentlich zu einem Kaffeelränzchen zusammenkommen. Der Herr Bürger- meister erwiderte, ihm sei es gleichgültig, welche Frau gewählt würde, für ihn käme nur in Betracht, daß die Gewählte das ihr übertragene Amt auch gut versehe. Er suche schon seit Monaten nach einer geeigneten Dame, aber niemand sei zu ihm gekommen und hätte ihm Vorschläge gemacht. Gewählt wurde Frau Geheim- rat Huth.— Da der bisherige erste Stellvertreter des Gewerbe- gcrichtsvorsitzenden, Herr Dr. Berthold, eine Stellung nach außer- halb angenommen hat, schlägt der Gcmeindevorstand einen zu seiner Ausbildung im Gemeindeamt beschäftigten Herrn Hoff- mann vor. Während Herr Direktor Gräkel für Vertagung der Angelegenheit plädierte, traten der Bürgermeister und der Shn- dikus für sofortige Erledigung ein, da man nicht damit rechnen könne, daß der Bürgermeister als zweiter Stellvertreter fungiert,# und zwar wegen Zeitmangel. Genosse Schmidt trat ebenfalls für Vertagung ein. Er meinte, man könne der Gemeindevertretung nicht zumuten, einen Mann zu wählen, der noch keinerlei Lebens- erfahrung hinter sich habe. Man solle den Posten als ehrcnamt- lichen ausschreiben. Die Sache wurde vertagt.— Für den Bau der Gemeindedoppelschule müssen 800 000 M. beschafft werden. Der Bürgermeister hat sich darum bemüht, aber teilweise ohne Erfolg, da jetzt nirgends Geld zu haben ist. Die Vertretung beschloß, ein Angebot der Brandenburgischcn Landesvcrsicherungsanstalt von 300 000 M.. verzinsbar mit 4 Proz., anzunehmen, und die noch fehlenden 500 000 M. anderweitig zu beschaffen.— Noch einmal war den Bürgerlichen Gelegenheit geboten, ihr soziales Empfinden zu zeigen. Unsere Genossen hatten nämlich in Anbetracht der außer- ordentlichen Teuerung beantragt, den Gemeindebeamten und Ar- beitern eine Teuerungszulage zu gewähren. Aber auch hier ver- sagten diese Herren. Nicht einmal dazu hat es bei ihnen gereicht, daß sie den Antrag zur Verhandlung kommen ließen. So müssen denn die Beamten und Arbeiter bis nach dem Weihnachtsfest war- tcn— und ob sie dann etwas bekommen werden? Für solche Zwecke hat man doch bekanntlich kein Gold. Flugspende— Pfadfinder— und sonstiger Rummel— ja das ist etwas anderes. Reinickendorf. Unentgeltliche Scefischkochkurse beabsichtigt der Gemeindevorstand unter Mitwirlung des Seefischereivereins zu veranstalten. Die Kurse sollen bei genügender Beteiligung im Januar nächsten JahreS beginnen und in dazu geeigneten Küchen großer Restaurants— im Osten in den Restaurants„Knhrinaim" und„Huberlnssäte" und im Westen im Restaurant„Beyer" lHartmannsbrauerei)— abgebalten werden. Der Unterricht beansprucht etwa 4 Stunden Zeit(nach- mittags von 5—9 Uhr). Nach einem einleitenden Vortrag über den Werl der Seefischnahrung, vorteilhaften Einkauf, Verwertung und Zubereitung werden die verschiedenen Fistbarten unter Teilnahme der erschienenen Frauen zubercrtet und gekocht werden. Die zu- bereiteten Gerichte dürfen von den Teilliehmerinnen verzehrt oder mitgenommen werden. Schriftliche und mündliche Anmeldungen zur Teilnahme werden entgegengenommen im R a t h a u s e, Haupt- straße 38, im Zimmer 40. Auch die Bezirksführer des Wahlvcreins nehmen solche Meldungen entgegen und werden sie weiter befördern. Die sich meldenden Frauen erhalte» zur Zeit vom Gemeindevorstand eine Einladung zur Teilnahme. Die Teilnahme an den Kursen kann den Proletarierinnen nur empfohlen werden. RowaweS. Die Bemühungen der Gemeindevertretung, den seit Jahren Von der Bevölkerung erhobenen Wünschen auf Errichtung einer modernen öffentlichen Flußbadeanstalt gerecht zu werden, sind bisher lvenig erfolgreich gewesen. Nachdem die Regierung dem Projekt einer Badeanstalt an der Nulhe, oberhalb der Klärstation, aus hygienischen Gründen— Verschlammung des Nulhewassers durch die Abwässer der Berliner Rieselgüter— die Genehmigung versagt hatte, versuchte die Gemeinde am Havelufer, daS allerdings für diesen Zweck auch nicht recht geeignet sein soll, entsprechendes Ge» lande für ein Flußbad zu pachten oder käuflich zu erwerben. Da die am Ufer gelegene» Wiesen jedoch zum Teil Krongnl sind, zum anderen Teil dem EisenbahnfiskuS gehören, so war von vornherein klar, daß die anzulnüpfenden Verhandlungen wenig Aussicht auf Erfolg bieten würden. Und so scheint es auch in der Tat zu sein. denn bis heute deutet nichts darauf hin, daß es der Gemeinde ge- lungen wäre, ein befriedigendes Resultat zu erzielen. Es wäre jedoch im höchsten Grade bedauerlich, wenn das hygienisch so wichtige Projekt, dessen Verwirklichung der Bevölkerung mit ziemlicher Bestimmtheit für daS Jahr 1913 in Aussicht gestellt worden war. lediglich an dem mangelnden Entgegenkommen der Krone oder deS EiseiibahnfiskuS scheitern sollte. Weihnachtsveranstaltungen. Charlottcnburg. Am l. WeihnachtSseiertaz, abendS 6 Uhr, veranstaltet der Berwaituligsausschuß des Volkshauses im großen Saale daselbst einen.Humoristischen Familicnabend" mit anschließendem Tanz. Eintritt 30 Pj. Der eventuelle Uebkrschuß soll dem DiKPojilionsjonds des Polkshaujcs überwiesen werden. 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Lutten find in genügenden Mengen vorhanden gewesen, wie auch aus dem in der Ministerialzeitschrift veröffentlichten Bericht der Königlichen Bergbehörde an den Handelsminifter über die Ur- fache und»Schuldfrage der Schlagwetterexplosion hervorgeht. In diesem Bericht heißt es u. a.:„Lutten zur Bcrlängerung des Lutten-- ftranges waren in der Grube genügend vorhanden, insbesondere im Querschlage der 4. Abteilung der 3. Sohle. Von diesem Betriebst punkt hat die Explosion ihren Ausgang genommen." Wir behalten unserem uns als zuverlässig bekannten Gewähr L-. mann vor, auf die reichlich spät eingegangene Zuschrift, die wir nach dem Preßgesetz sofort abzudrucken genötigt such, sich zu äußern. SamtoiäDtel. v. 22 m. an Frauenmäntel v. 15 m an Äbendmäntel v. 16 m an Sielmann& Rosenberg w«**! Knmmnndanfensipnße. Ecke Undenstr. von 29 M, an Kommandantenstraße, Ecke Lindenstr* Sonntag: von 8—10 und IS— 8 Uhr scötfnet. Jaekettkostüme. v. 15°° m. Garnierte Kleider v. 16som. 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