Nr.30S. nbennemcnts-BcdiflgDfigen: «Boimcmcitlä- Preis btättumcrcmSfl! Bicrteljährl. 3�30 SOH., jnonafl. 1,10 Mk,, trötficmlid) 28 Pfg, frei ins«aus, einzelne Numnier 5 Pfg. Sonntags- »Ummer niit Mustrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Zwonnenient: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prelsiisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. vi« Infertions-Gebü&r beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 60 Pfg.. für Holl"'"-------------------------- Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etelleimesuche und Schlasstellen»»- zeigeil das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis B Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Crtditlnt täslid) a«ß?r montags. Verlinev Volksltlntt. Telegramm- Adresse: „Soziallimoliral ßtrlln". Zentralorgan der fosialdemokratifd�en partd Dcutfchlands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Expedition: 8W. 68» lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Lilie erbauliche Geschichte aus Saarabie». Aus Saarbrücken wird uns geschrieben: „Daß das Saargebiet Geheimnisse birgt, deren Enthüllung keiii gutes Licht auf die saarabische Volkserziehungsmethodc wirft, weiß man aus den Hilger-Krämer- und aus den Schmiergelderprozessen. Im Tiefdunkel der saarabischen„Arbeiterfürsorge" geschieht aber auch sonst noch allerhand, das verdient, zur öffentlichen Kenntnis zu gelangen. Jetzt, wo die hiesigen Bergleute nach Jahrzehnten wieder einmal den sonst demütig gesenkten Blick erheben, erzählen die Wissenden manche seltsame Kunde. Einer dieser saarabischen Erzählungen sei hiermit der Weg in die breite Oeffentlichkeit geöffnet, damit sich die„zuständigen Stellen" dazu äußern können. llnscre Gewährsleute versicherten uns. was wir nach- folgend erzählen, sei tatsächlich geschehen. Da aber inzwischen etliche Jahre über die Geschehnisse ins Land gegangen sind, möchten wir uns nicht auf jede Einzelheit festlegen, das Ge- dächtnis unserer Gewährsleute könnte trügen. Im Jahre 1906 wurde das preußische KnappschaftSgesctz so erheblich geändert, daß die Knappschaftsvereine eine voll- ständige Statutenänderung vornehmen mußten; so auch der Knappfchaftsvereiu zu Saarbrücken. Tie Bergleute verlangten, im Falle sie Knappschaftspensionäre würden, solle ihnen auch die Reichsinvalidenrente voll ausgezahlt werden. Die fis- kalische Bcrgverwaltung zeigte sich insofern entgegen- kommend, als sie den Bcrginvalideu bis zum Erhalt der Reichsinvalidenrcnte ein sogenanntes„Wartegeld" in Höhe Von jährlich 50 M. anbot. Die Knappschaftsältesten(Arbeiter- Vertreter) lehnten aber den von der Bergwerksverwaltung vorgeschlagenen Statutenentwurf ab. Sie verlangten mindestens 100 M.„Wartegcld". Ganz vernünftig. Der Vertreter der fiskalischen. BcrgwerkSverwaltung, Geheimer B.ergrat Prietze, erklärte darynif, mehr wie 50 M. könne die B e rwaltung unter keinen Umstände» bewilligen; mehr gestatte die Rentabilität der Gruben nicht! Run die Aeltesten den Entwurf ab- gelehnt hätten, lasse es die Bergwcrksverwaltung auf die Einführung eines Zsvangsstatuts ankommen, das überhaupt kein„Wartegeld" vorsehen würde. Die Bergleute waren sehr erbittert. Das war im Noveniber 1906. Im Dezember desselben Jahres wurde bekanntlich der Reichstag a u f g e l ö st. Im Saargebiet entbrannte der übliche wüste Wahlkampf zwischen„Blauen" und„Schwarzen". Wer siegen würde, »var ungewiMer wie zuvor. Für die nationalliberalen Kandi- baten Justizrat V 0 l tz- Saarbrücken und Generalleutnant z. D. V.Schuber, König Stumms Schwiegersohn, war die Situation sehr brcnzlich. Bisher„patriotische" sichere Berg- orbciterivählcr hatten sich verschworen, wegen der Ablehnung des kuappschaftlichen„Wartegeldcs" bei der ReichstagSwahl Weiße Stimmzettel abzugeben. Auf irgend eine Weise war dies den„hohen Vorgesetzten" zu Ohren gekommen und einige Tage vor der Haupt- Wahl wurden mehrere K n a p p s ch a f t s ä l t c st e von— Herrn v. Schubert zu einer Unter- rcdung auf sein Hüttenbureau in Neun- k i r ch c u geladen! Dort fanden sie zu ihrem Erstaunen schon den II. Knappschaftskassenvorsitzenden, Bergrat K n 0 P s vor. Es entspann sich eine Unterhaltung über die kuappschaftlichen Arbeitcrfordcrungen. Herr v. Schubert er- klärte, er werde'seinen Einfluß zugunsten des„Wartegeldes" geltend machen.(Dabei besteht für die Arbeiter der Stumm- Schnbertschen Werke eine besondere Knappschaftskassc, v. Schubert hat also mit der Saarbrücker Knappschaftskasse nichts zu schaffen.) Die eingeladenen Arbeiter merkten natür- lich, wie der Hase lief, wenn ihnen auch nur vorsichtige An- dentungen gemacht wurden. Die Hauptwahl fand am 23. Januar 1907 statt, Herr v. Schubert kam in eine noch viel ungünstigere Stichwahl wie sein Kollege Voltz. Schubert erhielt 18 829, der Zentrums- kandidat, Oberlandesgerichtsrat�Dr. Marx 18616, der Sozialdemokrat O st e r r a t h 571. Die Sozialdemokraten waren für Schubert nicht zu haben. Nun war Holland in Not. Da erhielten zwei Tage vor der Stich- wähl mehrere Knapp schaftsälte st en eiligen Bescheid, zu Hertn v. Schubert zu kommen! Dort trafen sie wieder den Bergrat Knops. In dessen Gegenwart, so versichern unsere Gewährs- männer, habe Herr v. Schubert erklärt, er habe sjch mit dem Mini st er Herrn Delbrück tclegraphisch verständigt, die 100 Mark „Wartegcld" würden bewilligt! Noch am selben Tage kam ein von den betr. Aeltesten unterschriebenes Flugblatt für Herrn v. Schubert gegen Marx heraus.— v. Schubert erhielt in der Stichwahl 19 625. Dr. Marx 18 654 Stimmen. «Stumms Schwiegersohn war gewählt. Inwieweit das Flugblatt mit der Unterschrift der Ar- bester den Wahlgang entschied, kann selbstredend njcht genau festgestellt werden, ist auch nebensächlich. Es kommt auf die Frage an:„Hat der damalige preußische Handelsminister, jetzige R ei ch s st a a ts sekretär Herr Delbrück dem Herrn v. Schubert die Gewährung des„Wartegcldes" für die Berginvalidcn zugesagt? Tatsächlich ist nach der Reichstagswahl ein neuer Statutentwurf niit der Bewilligung der 100 Mark-Wartcgeld den Saarbrücker Knappschaftsältestcn vorgelegt und von diesen angenommen worden, nachdem zwei Monate vorher noch der fiskalische Vertreter den Arbeitern bestimmt erklärt hatten, mehr als 30 M. Wartegeld könne aus Rentabilitätsgründen nicht bewilligt werden. Alle Versuche der Arbeitervertrcter, die Werksvertretung umzustinimen schlugen fehl— und just zwei Tage vor der Stichwahl gab ausgerechnet der, bekanntlich mehr konservative als liberale Reichstagskandidat V. Schubert den Arbeitern die Versicherung, ihr Wunsch betreffs der 100 Mark„Warte- geld" würde erfüllt, worauf das bekannte Flugblatt für v. Schubert herauskam. War im Noveniber 1906 die Erfüllung der Arbeiterforderung wegen schwacher Rentabilität der Saargruben nicht möglich, dann bestand sicherlich derselbe Grund auch noch im Januar/Februar 1907. Ließen aber die Grubenüberschüsse die Gewährung des„Wartegeldes" nicht zu, so müssen doch wohl die nach der für Herrn von Schubert glücklich verlaufenen Reichstagswahl bewilligten „Wartegelder" aus anderen staatlichen Fonds angewiesen worden sein! Mögen die„Warte- geldcr" aber aus diesem oder jenem staatlichen Fonds genommen sein, so ergibt sich doch immer die Frage:„Wie kam Herr M i n i st e r Delbrück dazu, als ober st erChef der preußischen Berg- Werksverwaltung eine Arbeiterforderung (deren Berechtigung wir natürlich voll anerkennen) als mit den Werks er trägen nicht in Einklang zu bringen bestimmt abzulehnen, auf dieser Ab- lehnung zu beharren— bis just zwei Tage vor einer R e i ch s t a g s st i ch>v a h l. für deren glück- lichen Ausgang für den Hüttenbesitzer Herrn v. S ch u b e r t man auf die Stimmen der" verbitte rte n Bergarbeiter angewiesen war!?" Auf diese Frage eine klare Antwort zu geben,' ist die „zuständige Stelle" den preußischen Steuerzahlern schuldig." Soweit die Zuschrift aus Saarbrücken. Wir find selbst- verständlich auch der Meinung, daß Herr Delbrück alle Veranlassung hat, zu dieser erbaulichen Geschichte aus Saarabien das Wort zu nehmen. Auf alle Fälle werden unsere Genossen im preußischen Landtag ver- suchen müssen, über diese saarabische Meldung Näheres zu erfahren. Line baveriiche„liordd. illlgem. Ztg.". Freiherr v. Hertling, Bayerns genialer Ministerpräsi- dent, hat den Plan für einen„Kgl. Bayerischen Staats- anzeigcr" ausgeheckt, dem innerhalb der blauweißen Grenz- pfähle ungefähr jene Rolle zugedacht ist, die in Preußen die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" spielt. Doch scheint der bayerische Ministerpräsident von der Leitung und Wirkung des Berliner Kanzlcrorgans keine sonderlich große. Meinung zu haben, denn er gedenkt nicht nur durch Veröffentlichung von allerlei amtlichen Verordnungen, Verfügungen, Mitteilungen, Verwaltiingsentschciden usw. seinen Staatsan- zeiger zu einem Blatt zu inachen, das von allen Behörden und Beamtenkategorien gelesen werden muß, sondern er möchte dieses Blatt zu einem der mächtig st en Kämpen für die ganze klerikale Politik seines K a b i- netts ausgestalten. Damit das gelingt, soll dieses klerikale Staatsblatt alle offiziellen Nachrichten teils allein, teils weit früher erhalten, wie die übrige bayerische Tages- presse— und zugleich sollen die höheren bayerischen Ver- waltungsbeamten wie auch die bayerischen Gesandten im Aus- lande zur Mitarbeiterschast und zu Reporterdieusten gepreßt werden. Unserem Münchener Parteiblatt, der„M ü n ch e- n e r Po st", hat ein günstiger Wind den sauberen Hertling- scheu Zeitungsgründungsplan auf den Rcdaktionstisch ge- weht, und es ist, wie das nun mal bei sozialdemokratischen Blättern der Fall, boshaft genug, das Elaborat zu veröffent- lichen. In dem schönen Hertlingschen Organisationsplan heißt es: Zweck und Aufgabe der StaatSzeit», ig. I. Vertretung der Regierungöpolitik, ihrer Motive und Ziele gegenüber der Oeffentlichkeit, der Presse und den parlamentarischen Körperschaften. 2. Orientierung der„öffentlichen Meinung" (Anmerkung d. Red. d. M. P.: Die Anführungszeichen sind nicht von uns), insbesondere der weltlichen und geistlichen behördlichen Stellen, des Beamtentums, Offizicrkorps, der Gelehrtcnwclt, des San- delsundderJndustrieimSinnederRcgierungs- Politik. 3. Konzentration des gesamten behördlichen Nachrichtendienstes und damit Ausgestaltung des Staats- anzeigers zu einem notwendigen und geeigneten Hilfsorgan der Presse. Daher drängt sich die Bitte auf, es möchte durch geeignete Maßnahmen der K. Staatsrcgierung dahin gewirkt werden, daß alle Nachrichten usw., selbst solche unwesentlicher Art, von den Ministeriell, Kreisregierungen, Staatsanstalten, äußeren Behörden einzig der Bayerischen Staatszcitung zugeleitet werde n. Nachdem dann verordnet worden ist, daß dem Staats- anzeiger alle amtlichen Bekanntmachungen überwiesen werden müssen, heißt es weiter über den Nichtamtlichen Teil: 1. Vertretung der Ncgierungspoliti? 2) durch halbamtliche Kundgebungen wie bisher in der Korrespondenz Hoffmann, b) durch Darlegung der Ziele und Motive sowie durch Vorbereitung der Ocffent- lichkeit auf künftige Entwicklung. Nach den dienstlichen Instruktionen. Durch fertige Einsen- düngen aus ocn Ministerien und durch eigene Bear- beitung seitens der Redaktion, unter dien st auf- sichtlicher Korrektur und Begrenzung. 2. Publizistische Sicherstellung bon Gesetzen, Verordnungen, Verfügungen gegen irrige Auffassungen und Mißdeutung in der „öffentlichen Meinung". Durch die Herren M i n i st e r i a l- referentcn. 3. Glossierung gesetzgeberischer Absichten, Jnstruierung der Oeffentlichkeit über Gesetz» entwürfe, deren Entstehung, Ziele und Motive. Durch B e- arbeitung seitens der Herren Ministerialrefe- r e n t e n. 4. Periodische Mitteilungen über die Einnahmen der Staats- betriebe(Post, Eisenbahnen, Bergwerke, Hütten, Salinen, Bäder, Hofbräuhaus, elektrische Werke). Darlegung der Entwicklung der Finanzlage des Staates in einzelnen Phasen und der direkten Steuern. 5. Vor Beginn des Landtags Exposes über die Gestaltung der Einzeletats und die Abschlußziffcrn deS Budgets. Wie eS mit dem Reichsbudget geschieht(Norddeutsche Allgemeine Zeitung). Ferner: Erweiterung und Konzentration des ministeriellen Nachrichten- dicnstcs unter Ausschluß von Meldungen an andere Zeitungen. Diese werden in eiligen Fällen durch die Staats- zeitung mittels des Wolffschen Bureaus bedient. Landtagsberichterstattung. Großer Bericht. Die Reden der Minister und Staatskommissarc sowie Parteiführer im Wortlaut. Die übrigen Reden je nach der Bedeutung des Inhalts in mehr oder minder gedrängter Kürze. Berichte über die Ausschüsse der beiden Kammern des Landtags durch die offiziellen Protokollführer(Akzcssistcn und Assessoren); im Reichsrat durch Auszüge aus dem offiziellen Protokoll, davon Bürstenabzüge zu liefern, damit Borsprung vor der übrigen Presse. Zu diesem schönen Zweck, den Staatsanzeiger auf Kosten der übrigen bayerischen Blätter auszugestalten, soll auch die ganze bayerische Diplomatie in den Dienst des Hertlingschen Regierungsblattes gestellt werden. In den dem Plan beige- gebenen Erläuterungen heißt es darüber: - Bei Behandlung der auswärtigen Politik wird sich ohne be- sondere und geeignete Maßnahmen die Bayerische Staatszcitung gewissermaßen zwischen Szylla und Eharybdis bewegen wegen ihres offiziösen Charakters, so daß zur Vermeidung aller Schwierigkeiten und Eventualitäten die Redaktion sich lediglich auf die Wiedergabe der Telegramme der offiziösen Tclcgraphenbureaus beschränken müßte. Eine derartige Behandlung der auswärtigen Angelegenheiten ist zwar gefahrlos, zwingt aber den Leser, der orientiert sein will, entweder eine zweite Zeitung zu halten oder auf das Abonnement der Staatszcitung zu ver- zichten— Eventualitäten, die bei dem Charakter und Aufgaben des Blattes unter allen Umständen vermieden werden sollten. Hinzuweisen ist auch auf die Gefahren, die sich ganz von selbst ergeben, wenn die unter stetigem Drang der Geschäfte arbeitende Redaktion auf die Benützung der verschiedenartigen und ersahrungs- gemäß zu allerhand politischen, journalistischen und börsentechni- scheu Intrigen benützten Korrespondenzen der verschiedenen Zen- tralen Europas angewiesen wäre. Es ließe sich der Fall sehr wohl denken, daß irgendeine anscheinend harmlose und vom rein jour- iialistischen Standpunkt aus gänzlich unverfängliche Nachricht da- durch zu einer unliebsamen Bedeutung kommen könnte und daß mit Absicht die Verbreitung dieser Nachricht im Staatsanzeiger des zweitgrößten Bundesstaates als ein Coup nicht der bayerischen Re- gierung, sondern der deutschen RcichSlcitung hingestellt werden könnte. Diese Gefahren ließen sich dadurch vermeiden, daß die bay. ri scheu Gesandsch asten beauftragt würden, wöchentlich, u n d z w a r a n g a n z bestimmten Woche n� tagen, durch Zeitungsausschnitte belegte polt- tische W 0 che n r u nd schau en aus Paris, Rom, Wien, Petersburg usw. abzuliefern. Wichtige, die Stimmung belegende Artikel aus der Presse hätten sofort, und zwar in lieber� setzung abgesandt zu werden.... Es werden derartige Wochenrundschauen, die nicht ans diplo» matischcr, sondern auf journalistischer Basis ausgebaut sein müssen, bielfach, besonders, wenn es sich um Weltfragcn handelt, ähnliches und gleichlautendes berichten. Es wird daher im Ministerium des Acußern durch die Preßabteilung eine Ucberarbeitung der zur Ver- fügung stehenden Wochenrundschaucn einzutreten haben, dergestalt, daß etwa die eine Wochcnrundschau als solche beispielsweise aus Paris datiert veröffentlicht wird, während aus den anderen Wochen- rundschauen einzelne Teile herausgeschnitten und yls selbständige Artikel oder Mel-dungcn aus den in A- t r a ch t kommen Leg Städteg bchandcl! Werden... Selbstverständlich bliebe es wünschenswerk, wenn die diploma- tischen Berichte der Gcsnndschciftcn, insoweit Diskretion und politische Interessen eS gestatten, von der Pre�abteilung de» Ministeriums des vleujjern dazu benutzt wurden, um kleinere Meldungen, die den Ursprung nicht verraten und die zuvörderst nur journalistischen Wert habe», dem Staatsanzeigcr zur Verfügung zu stellen." Tic gröberen bayerischen Blätter spotten und höhnen über diesen schönen Plan, ans Kosten der Steuerzahler die „öffentlichc Meinung zu„orientieren". Selbst die klerikale Presse zeigt sich obstinat. So meint der Münchener „Bayerische Kurier", daß dieser Organisationsplan nichts anderes sei, als die Beschlagnahme des ganzen Staatsappa- rates für ein Privaiunternehmen und dessen geschastlichen Flor ans Kosten der übrigen steuerzahlenden Staatsbürger. Tas ultramontane Blatt macht ferner darauf aufmerksam, daß durch die Art, wie dem Staatsanzeiger Zwangsinserate zugelricben werden sollen, zahlreiche Verleger von kleineren Zentrumsblättern in der�Provinz aus das schwerste geschädigt werden. Tas sei ein Stück Mittelstandspolitit, die einem liberalen Ministerium schlecht bekommen wäre. Tas Ministe- n um Hcrtling, das hinter dem Staatsanzeiger stehe, hätte das Inserat en Monopol der Firma Rudolf M o? s c i n B e r l i n übertragen, zum großen Schaden bayerischer Geschäftsleute. Herr Rudolf Masse werde sich denken:„Ich wünsche zwar in meinem„Berliner Tageblatt" täglich dieses Ministerium zum Teufel, aber ein Geschäft mache ich mit ihm und tue es ganz gerne." Ter„Bayerische Kurier" schließt:„Man kann über diese Tinge nicht zlir Tagesordnung übergehen, wie es die l'.cntcunisprcsse bisher getan hat, ohne ein Schütteln des Kopses."_ Die BalbaoHrUe. Die türbifcben Segen vorlcdläge. Konstlmtiuopel, 26. Dezember. Der Ministerrat hat die Gegenvorschläge formuliert, welche die türkischen Bevollmächtigten auf der Friedenskonferenz am Sonnabend unterbreiten sollen. Der bulgarische Standpunkt. Sofia, 26. Dezember. Die hiesigen politischen Kreise sind einmütig der Ansicht, daß dieUebergabe Adrianopels, das. von der bulgarischen Armee belagert, vom Schicksal zum Fälle verurteilt sei, eine conclitio sine qua non des Friedensschlusses bilde. Die kategorische Erklärung, welche mehrere Parteiführer in der vorgestrigen Sitzung der Sobranje abgegeben haben, lassen über diesen Punkt keinen Zweifel zu. Finanzminister Thcodorow soll einigen Sobranje- Deputierten erklärt haben, er glaube, daß die Friedens- Verhandlungen nicht länger als vierzehn Tage dauern und die er tv arteten Ergebnisse erzielen werden._ Er sei überzeugt, daß die Lage sich noch vor Jahresschluß endgültig klären werde. Türkische Prcßstimme». „ Konfiantuiopcl, 2ö. Dezember. Die gesamte türkische Presse ist einig darin, daß die von den Balkanverbündeten aufgestellten FriedenShediitgungen unannehmbar und unlogisch seien. Sie erklärt vor allem für unmöglich, daß die Türkei Adrianopel aufgebe, das, abgesehen von seiner großen strategischen Be- deutung für die Erhaltung der Türkei als europäischer Staat, auch durch geschichtliche Erinnerungen an die Türkei geknüpft sei. Die Blätter weisen den Gedanken zurück, daß die Bulgaren einen Zugang zum Marmara- Meer erhalten oder daß alle Inseln des Archipels an Griechenland abgetreten werden. Derartige Bedingungen würden einem dauernden Frieden nicht nützen. Man glaubt, daß die Verbündeten diese Forderungen als Maximum aufgestellt haben, um schließlich zu einem Vergleich zu gelangen, der auch eine Entschädigung . enthalte. Gegenüber der Meldung des Reuterschcn Bureaus über die FriedeilZbedingungeil behauptet„ I e n i G a z e t t a". die Bevoll- inächtigten der Balkanverbündeten hätten als neue Grenze die Linie EnoS-— Midia entlang dem Laufe der Flüsse M a r i tz a imd Ergene, aber keineswegs die Abtretung aller Inseln verlangt, sondern sich vorbehalten, ein Arrangement zu treffen. Die Pforte schlage ein Regime vor, wie eS ans SamoS bestehe, und iverde auf der Regelung der Frage der Staatsschuld beharren.—„Jkdam" , meldet, die Pforte werde eine Grenze vorschlagen, die von einem Punlt des Golfes von SaroZ ausgehe und bis zum Schwarzen Meer reiche, wobei Adrian opel im Besitz der Türler bleibe; der Rest Thraziens mit einem Teile Mazedoniens, Saloniki in- begriffen, würde eine autonome Provinz unter der Souve- ränität der Pforte bilden, während Bulgarien nur das Recht ein- geräumt werden solle, einen Handelsweg zum Meere zu erhalten, wie Serbien an der Adria. Die Pforte werde jede EntschädigungS- sordcrnng zurückweisen. „Verpfändung" von Adrianopel? Paris, 26. Dezember. Zur Frage von Adrianopel meldet der Londoner Berichterstatter des„T e m p s", daß in gewissen Finanzkreisen folgende Lösung angeregt werde: Ä d r i a n o p e l lind seine Umgebung sollen der Türkei verbleiben, da diese aber außerstande sei, die von Bulgarien geforderte große Kriegsentschädigung zu bezahlen, so würde Bulgarien das Recht erhalten, Adrianopel samt Um- gcbung solange zu besetzen, bis die Kriegsentschädi- gung bezahlt worden sei. Dieser Ausweg würde der Türkei gestatten, wenigstens den Anschein zn wahren, daß sie ihren Standpunkt behauptet habe. Tie Anslandsdebattc in der Dnina. . Petersburg, 20. Dezember. In der heutigen Sitzung der Reichs- 'dum« wurde die Debatte über die Rcgierungserttärung fortgesetzt. Der Führer der Ka d e t t cu p a r t e i, Wiljukvw, sagte in Zeiner langen Erklärung über die auswärtige Lage, er sehe sich gc- nmigt, die russische Diplomatie zu verteidigen. Ter Minister ts s a- .s o nb w werde die Fehler JSivolslis, der die auswärtige Politik Rußlands isoliert habe, nicht wiederholen. Die Kadetten- Partei wolle nicht den Kr.ieg, und man dürfe den rujsi- scheu Bauer nicht zur Schlachtbank führen für Interessen, die Ruß- stand nicht unmittelbar berührten, und um so weniger für sekundäre Interessen. Wir wollen den Krieg nicht, sagte Miljutow, aber wir fürchten ihn auch nicht. Miljukew schloß: er billige vollkommen die Stellungnahme der offiziellen russischen Diplomatie, die Rußland den offiziellen Frieden bewahrt habe. Ter Oktobrist Chid- lowsty begrüßte die Versuche einer friedlichen Lösung der Ver- 'Wickelungen. Doch müsse Rußland erklären, daß es bereit sei, mit allen Mitteln die gerechten Ansprüche der Balkanvölkcr zu unter- ftüben. DicS sei es seinem Ansehen schuldig. l Lelfall im Zentrum.) 'Hieraus erörterte per Mi ni�er Präsident die innere Polii!? und schloß seine Rede mit folgender Feststellung: Wie groß auch immer die Verschiedenheit der Ansichten und Meinungen über die Lage im Innern und über die Absichten der Regierung ist, diese Verschiedenheit verschwindet bei der Beurteilung der auswärtigen Lage.(Dies ist, wie die von uns bereits wiedcrgcgebene Erklärung unserer Genossen beweist, ganz falsch.) Das ist ein großer Trost und beweist, daß die Leitung der auswärtigen Politik Rußlands gut und gerecht ist, da sie begründet ist auf den historischen Traditionen deS russischen Reiches und auf dem Schutz der wahren Interessen des Vaterlandes.(Lang anhaltender Beifall im Zentrum und bei den Nationalisten.) Partielle Mobilisation iu Südrußland. Petersburg, 27. Dezember.(P r i v a t t e l e g r a m m des„Vorwärt s".) Das 16. Armeekorps, das in den Gouvernements Poltawa und Charkow stationiert ist, wird zum 26. Dezember(2. Januar) mobilisiert. Ein- berufen sind die Reservisten der Jahrgänge 1967, 1968 und 1969. Tie Soldaten, die in diesem Herbst den Dienst verlassen sollten, sind bis aus weiteres zurückgehalten worden. Ein Teil des 16. Armeekorps geht nach dem Gouvernement W o l y n i e n, an der österreichischen Grenze. Die Vorräte sind überall ergänzt, die Trainwagen gepackt, um auf den ersten Befehl hin auf die Bahn geladen zu werden. Keine separaten Verhandlungen? Sofia, 27. Dezember. Die Meldung, das G e n e r a l S a N o w nach Konstantinopel gekommen sei und dort mit Kiamil Pascha über die Friedensverhandlungen konferiert habe, wird von der Bul- garischen Tclegraphen-Agentur als Intrige bezeichnet. Die bul- garische Regierung habe keinen Augenblick an besondere und geheime Besprechungen mit der Türkei gedacht. Die Bulgaren bleiben in Saloniki. Sofia, 26. Dezember.(Meldung der Bulgarischen Telegraphen- Agentur.) Gegenüber den Melvungen, nach welchen«in Regt- ment der in Saloniki tantonierenden bulgarischen Truppen nach Serres abgegangen sei, wird festgestellt, daß nur eine Kom- pagnie des 11. Regiments dorthin abmarschiert ist. Ebenso ist es unrichtig, daß der Abmarsch der übrigen bulgari- scheu Truppen aus Saloniki bevorstehe. Ein bulgarischer Armeebefehl. Sofia, 26. Dezember. Der König hat an die Armee einen Tagesbefehl gerichtet, der folgendes anordnet: 1. Strenge Anwendung aller von der Sanitätsinspektion getrof- fenen Matzregeln, zur Besserung des Gesundheitszu- st a n d e s der Armee. 2. Tägliche Hebungen mit anschließenden Vorträgen über die militärischen Operationen der Bulgaren und der Türken. 3. Vorsorge für die Unterhaltung der Truppen, namentlich auch durch Spiel der Militärkapellen. 4. Strenge Aufrechterhaltung der Disziplin unlcr den Truppen, die allenthalben Muster der Ordnung und der Gesetzlichkeit sein sollten, Leben und Eigentum aller Bürger ohne Unterschied der Religion und der Nationalität in gleichem Mätze zu schützen hätten und jeder Ausschreitung sich enthalten müßten, die die Ehre des Wassenrocks und den guten Ruf des Bulgaren in den Augen deS Auslandes kompromittieren könnten. Diese letzte Mahnung kommt nur leider viel zu spät. Unter Bundesgenossen. Sofia, 26. Dezember. Das Regierungsblatt„Mir" wendet sich scharf gegen die bulgarenfeindliche Haltung der Presse in den verbündeten Ländern und bedauert, daß diese böswillige Art. ein Land gegen das andere auszuspielen, nicht einmal im gegenwärtigen Augenblicke aufgehört habe, da das gc- meinsam unicrnommcne WerCuoch nicht vollendet sei und daß ge- wisse Blätter, die, wenn auch nicht offiziös, so doch genügend ver- breitet seien, um die Geister zu beunruhigen, sich unaufhörlich in Insinuationen ergehen, die für Bulgarien, seine Bevölkerung und Armee höchst beleidigend seien. Ein Dementi. Belgrad, 25. Dezember. Das Regierungsblatt„Samoupraba" nimmt auf Blättcrmciduiigen Bezug, nach welchen der Thron des Königs infolge der Mißerfolge der montenegrinischen Armee er- schüttelt sei und zwischen Serbien und� M o n t c n c g r o und seinen Dynastien Eifersucht bestehe.„Samouprava" bezeichnet diese Nachrichten als auf Intrigen beruhend, die den Zweck verfolgen, zwischen Serbien und Ätontcnegro Zwietracht zu säen. Beide Königreiche seien treu verbündet, und Serbien sei jederzeit bereit, für die montenegrinischen Brüder und ihren heldenhaften Herrscher, soweit es in seinen Kräften stehe, materielle und inora- lischc Opfer zu bringen. Ein ähnliches Dementi kommt auch aus Ectinje. Die fonegsgreuel. Konstantinopcl, 26. Dezember. Die Pforte, die vor einem Monat die Aufmerksamkeit der Mächte auf die G r a u- samkeiten gelenkt hatte, welche die verbündeten Armeen und die Bande n gegen die Bevölkerung der besetzten Gebiete begangen hätten, hat beschlossen, an die Mächte erneut die Bitte zu richte», sie möchten durch ihre Konsuln eine Kollektiv Untersuchung über die Grausamkeiten, die noch immer verübt würden, anstellen. Die Berliner türkische Botschaft hat vom Minister des Auswärtigen in Konstantinopel folgendes Tele- gramm erhalten: Ter Koinmandant der Ostarmee telegraphiert, daß griechische Banden, welche in das in der Nähe von Janina gelegene muselmanische Dorf Kolonjati einrückten, trotz der guten Aufnahme, die ihnen zuteil wurde, die Einwohner ohne Unterschied des Alters und Ge- schlechts unerbittlich niedergemetzelt und die Männer verstümmelt und verbrannt haben. Bukarest, 26. Dezember. Iu der Abgeordneten- kämme r verlas der Unabhängige Protopopescu den Text einer an den Minister des Aeußern gerichteten Interpellation, in der verlangt wird, der Minister solle das Ergebnis der Schritte mitteilen, welche die rumänische bei der griechischen Regierung unternommen hat wegen der G r a u s a m k e i t e n und Verbrechen, welche, wie festgestellt, Soldaten des Generals Sapoundjakis sich rumänischen Untertanen in Mazedonien gegenüber haben zuschulden kommen lassen. Die Interpellation wird in drei Tagen verhandelt werden. Kämpfe bei Janina. Athen, 25. Dezember. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgendes Communique: Vor Janina fand gestern«in Artilleriegefecht mit Zwischenpausen statt. ES ließ schließlich nach. Die zweite Division, die im Vorpostengefecht war, verließ ihre Siel- lungen nicht. Der rechte Flügel, der durch die von Athen gesandten Truppen verstärkt war, unternahm mit großem Erfolg einen R c- kognoszierungsangriss. Inden rekognoszierten Stellungen wurden die Leichen von 120 türkischen Soldaten gefunden. Rückberusung türkischer Offiziere. London, 25. Dezember. Wie dem Reuterschcn Bureau unter dem 21. Dezember aus indirektem Wege aus Äonjtantinopel gc- meldet finrss, sind alle auf Urlaub befindlichen Offiziere der Tschataldscha-Armec angewiesen worden, binnen 21 Stun- den zu ihren Regimentern zurückzukehren. Cme Dreibunäentbüllung. Herr Dr. Heinrich F r i e d j u n g. der nicht nur ein an- gesehener österreichischer Historiker, sondern auch ein nicht minder angesehener offiziöser Journalist ist, veröffentlicht in einem Wiener Blatt einen Artikel, worin er auch über den Dreibund eine bisher nicht bekannte Einzelheit erzählt. Friedjung schreibt: „Allmählich fallen von der Balkanpolitik Oesterreich-UngarnZ die Schleier, nnd ihre von den beiden letzten Ministern des Aeußern eingehaltenen Linien werden sichtbar. Es sind nicht weltbewegende Ziele, denen das Wiener Kabinett nachstrebte, am wenigsten war der Vormarsch nach Saloniki von Aebrenthal oder von Berchtold ins Auge gefaßt. Die Eroberung des Westens der Balkanhalbüiscl wäre nur durch einen siegreichen Krieg gegen Rußland und itur durch große, den Italienern gewährte Kom» pensationen zu erreichen gewesen. Auf die letzteren hätte Italien Anspruch gehabt, da eS in dem geltenden und kürzlich verlängerten Dreibundvertrage sinngemäß heißt: Wenn sich die Habsburgische Monarchie auf der Balkaninsel ausdehnt, so ist Gleiches auch den Bundesgenossen zugebilligt. Sonach be- schränkten wir uns auf die Annexion Bosniens und auf die Schaffung eines neutralen albanesischen Staates als Gegengewicht zu dem Ausgreifen eines unsere südslawischen Gebiete begehrenden Großserbien." Daraus geht also hervor, daß die naive Ansicht, der Dreibund sei ein reiner Defensivvertrag und verdiene als solcher auch sozialistische Sympathien, falsch ist, wie ja über- Haupt wir Sozialdemokraten keinen Grund haben, die Machen- schaften der Gehcimdiplomatie irgendwie zu unterstützen. Aus dem vou Fricdjüng zitierten Passus geht klar hervor, daß der Dreibundvertrag auch Vorsorge für den Fall von Eroberungen trifft, also durchaus nicht so harmlos ist, wie die der Oeffent- lichkeit allein bekannt gegebenen Bestimmungen vermuten lassen. Interessant ist auch, was Friedjung über die alba- n e s i s ch c Politik Oesterreichs berichtet: „Aehrenthal hat die albanesische Politik seines Nachfolgers vorbereitet. Es kann heute ohne Scheu erzählt werden, daß Aehrenthal im Winter von 1008 auf 1909 mit den alba- nesischen Führern verhandelte und ihnen— für den Fall eines Krieges«mit Serbien— Waffen und Geld für 30 000 Mann und zugleich Autonomie für ihr Land in Aussicht stellte. ES kam nicht zum Kriege, und die Albanesen glaubten sich hingehalten und aus- genutzt. Mit Unrecht, wie es sich jetzt zeigt. DaS Wiener Kabinett hat eS aufrichtig mit ihnen gemeint, und noch Nehren» thal konnte, als die Malifforen von den türkischen Paschas hart bedrängt wurden, ihnen durch die in Konstanünopel unter» nommenen Schritte Luft machen. Mehr noch war unter dem Grafen Berchtold möglich. Die Monarchie hielt nicht bloß schützend die Hände über sie, sondern erwirkte ihnen auch den Beistand der übrigen Großmächte." Friedjung unterläßt nur hinzufügen, daß das künftige autonome Albanien ein Nest von Intrigen sein wird, durch die Oesterreich. Italien uud die Balkaifftaaten unaufhörlich ihren politischen Einfluß zum vorherrschenden zu machen suchen werden._ Kritisches zum iilitäretat, I. Dem Milliardenetat der Heeresverwaltung sind zwei Denk- schriften beigefügt, die ein recht bezeichnendes Licht aus die Art werfen, wie die Gelder der Steuerzahler verwendet werden. Die eine Denkschrift bezieht sich auf das Ratiouswesen, die andere auf das sorgsam ausgebaute System der Zulagen. Mit diesen beiden Gebieten hat sich die sozialdemokratische Kritik wiederholt befaßt. und ihr ist es zu einem guten Teil zu danken, wenn endlich einmal eine Klarheit über diese äußerst verworrenen Zustände zu schaffe» versucht wurde. Das Prinzip der Rationsgewährung gipfelt darin, dem Ossi- zier, der Pferde halten inntz, die nötigen Futtermittel in natura zn liefern, damit, unbeeinflußt von den Preisschwankungen, eine ausreichend gleichmäßige Ernährung der Pferde gewahrleistet wird. Die Heeresverwaltung hat nun— ob mit Vorbedacht oder nicht, das sei dahingestellt— für jede Stelle genau bestimmt, wieviele Rationeu zu gewähren sind. Der Vorbehalt, daß auch die enl- sprechende Anzahl Pferde vorhanden sein muß, ist nicht ge- macht worden. Der Offizier, dem vier Rationen zustanden, erhielt diese Rationen auch dann, wenn er sich nur ein einziges Pferd hielt. Die Heeresverwaltung tat aber noch ein übriges,— damit der Offizier wegen des Verlaufes der nichtbcnötigtcn Rationen nicht erst mit einem Fouragehändler in Verbindung treten mußte, gab sie ihm für diese Rationen das bare Geld. Aus dem Futter für die Pferde wurde dadurch eine Geldquelle für die Offiziere! Ter Reichstag hat mehrmals die Beseiti- gung dieses skandalösen Zustandes verlangt, und vor drei Jahren legte die Heeresverwaltung dem Reichstag auch eine Neuregelung des Rationswesciis vor. Tas Erstaunen war nicht gering, als sich herausstellte, daß diese Neuregelung statt einer Ersparnis eine Mehrausgabe von 500 900 M. drachte. Der Kriegsminister cr- klärte es damals für ganz selbstverständlich, daß-eine Abänderung des bestehendc» Zustandes Geld koste. Für diese Art zu sparen hatte der Reichstag trotz seiner Militärfrömmigkcit kein Vcrständ- nis. er lehnte diese Neuregelung ab. Tie neue Vorlage rechnet mit einer Ersparnis von— 23937 Mark; aber nur unter der Voraussetzung, daß die Futterpreise nicht steigent Da dies aber voraussichtlich der Fall sein wird, ist in der Tat auf eine Verminderung der Ausgaben nicbl zu rechnen. Tie Heeresverwaltung stellt jetzt den Grundsatz auf: Rationen und Pfcrdcgclder nur für wirklich gehaltene Pferde." Diesem Grund- satz könnte man, unbeschadet unserer unbedingt ablehnenden Stellung zum Militarismus, nur zustimmen, wenn er dahin ge- ändert würde:„'Rationen und Pfcrdcgelder nur für wirklich not- wendige Pferde." Hier muß der Hebel angesetzt werden, wenn wirklich nennenswerte Ersparnisse gemacht werden sollen. Dieses eine Wort wird das Kampfobjckt bei der Beratung der Vorlage im Reichstag sein. Einigermaßen kompliziert ist bisher die Angelegen- hcit noch durch den Umstand gewesen, däß ein Teil der Offiziere Pferdcgeldcr erhielt, der andere Teil nicht. Dieses Pferdcgcld beträgt in einem achtjährigen Turnus 1500 M. Der Offizier erhält also 1590 M., dafür mutz cr sich ein Pferd laufen, nach acht Jahren bekommt er diese Summe abermals, ohne Rücksicht darauf, ob das Pferd noch brauchbar ist oder nicht. Geht das Pferd inner- halb dieser Zeit ein. so hat den Verlust der Offizier zu tragen. In der Regel aber versichert cr sein Pferd, und außerdem steht dem Kriegsminister ein Fonds zur Verfügung, aus dem Offizieren, die von solchem Mißgeschick betroffen wurden, eine Entschädigung be- zahlt werden tan» und auch in der Regel bezahlt wird. Den nicht- pserdcgeldberechtigten Offizieren werden Pferde, sogenannte Ehargenpferde geliefert, die bereits nach vier Jahren in ihr Eigen- tum übergehen und dann von ihnen verkauft werden könne». Für die Leutuants und Oberleutnants der Kavallerie und der reitenden Feldartillcrie soll es bei diesem Zustand bleiben, dagegen sollen alle anderen berittenen Ossizieec Pferdegcldcr bekommen. Nun wird hier ein bemerkenswerter Unterschied gemacht: Das Pferdcgeld soll nämlich für.Generale L100 W... lßr die ander«» Ojj'Z'ere 1.500 M. betragen. Für diese Differenzierung fehlt jeder Schimmer der Berechtigung. Die Heeresverwaltung bringt es aber fertig, auch dafür eine Begründung zu liefern. Sie führt nämlich aus: „Für die Festsetzung des Pfcrdegeldes für Generale kaim jene Preisannahme(1500?N. für ein Pferd) nicht maßgebend fein, da sie weit hinter den Beträgen zurückbleibt, die für Pferde, wie sie in Generalstcllungen gebraucht werden, angelegt werden müssen. Die Preise bewegen sich zwischen 2700 und 3500 M. Do» Pfcrdcgeld für Generale müßte deshalb für ein Pferd auf acht Jahre über 2700 M. betragen. Um die Kosten herabzu- mindern, ist unter Hintansetzung des Interesses der Offiziere nur ein Pfcrdcgeld von 2400 M. vorgesehen worden." Fast möchte man Tränen der Rührung darüber vergießen, daß die Heeresverwaltung so grausam ist, in ihrer Sparwut die Jnter- essen der Generale hintanzusetzen! In Wirklichkeit ist die ganze Versicherung fauler Zauber. Die kommandierenden Generale bekommen Pferdcgelder und Rationen für sechs Pferde. Eine Vorschrift, daß sie mindestens sechs Pferde halten müssen, bc- st c h t nicht, noch weniger eine Vorschrift darüber, wie diese Pferde etwa beschaffen sein müssen. Ter General hat es ganz in der Hand, neben zwei guten noch vier billige Pferde zu kaufen, die dann in der Hauptsache dazu da sind, den stall zu füllen und die Nationen zu fressen, die nicht mehr in bares Geld umgewechselt werden können. Was soll der General auch mit sechs Pferden anfangen, srcht ihm doch außerdem ein Automobil auf Kosten der Steuerzahler zur Verfügung! Der General büßt zwei Rationen ei», die er bis jetzt verkaufen konnte, er kann aber dafür mit den hohen Pferdegcldern ein erheblich besseres Geschäft machen. Das nennt dann die Heeresverwaltung: Hintansetzung der Interessen der Offiziere! Mag sein, daß Parade- Pferde erheblich teurer sind als andere, aber die Steuerzahler haben nicht die Pflicht, die Mittel auch noch dafür aufzubringen, daß die Generale bei Paraden mit ihren Pferden prunken können.— Die Gencraladjutanten des Kaisers erhalten Pferdcgeld und Rationen für je vier Pferde, die aggregierten Offiziere im Gene- ralsrang, die gar kein Kommando haben, ebenfalls. Die Land- w c h r- I n s p e! t e u r c. die an der Spitze einer Anzahl Land- Wehr-Bezirkskommandos stehen, die also dicnstlichübcrhaupt nicht zu reiten brauchen, erhalten Pfcrdegeld und Ratio- nen für zwei Pferde. Die im Ausland stationierten deutschen Militärbcvollmächtigtcn sollen künftig Pauschalvcrgütungen be- kommen, die vom Kriegsministerium festgesetzt werden, wobei die Herren sicher sein dürfen, daß sie nicht zu kurz kommen. Der Präsident des Reichsmilitärgerichts, der feinen Dienst auch nicht zu Pferde versehen kann, bekommt natürlich auch Pferdcgelder und Nationen. Eine Anzahl Platzmajore an kleinen Plätzen, wie Pillau, Feste Torgau, Swinemünde usw., werden künftig mit dem Geld für ein Pferd nebst einer Nation bedacht. Der Major beim Stabe des— Luftschiffer- Bataillons erhält Geld für zwei Pferde und zwei Rationen. Damit ist es aber nicht genug. Die diensttuenden Adjutanten des Kaisers erhalten auch noch eine Abfindung in Höhe von 600 M. pro Jahr. Ihnen entstehen, wenn sie außerhalb Berlins beritten sein müssen und die eigenen Pferde nicht mitnehmen können, angeblich besondere Kosten, die sie bisher aus dem Er- lös für die zu viel erhaltenen und deshalb nicht verbrauchten Rationen bestritten haben. Der Fall wird sehr selten eintreten; ist Kavallerie am Orte, dann muß dieser Truppenteil die Pferde stellen, daraus entstehen Kosten überhaupt nicht. Den Adjutanten des Kaisers sind zwei Nationen abgezogen worden und dafür er- halten sie künftig eine Entschädigung von 600 M. pro Jahr s o liegt doch die Sache in Wirklichkeit! Wenn wirklich eine fühlbare Ersparnis erzielt werden soll, so muß die Zahl der Pferde, die den höheren Offizieren zustehen, auf das dienstlich notwendige Maß beschränkt werden; ferner müsse»» dann die Pferde überall dort gestrichen werden, wo sie dienst- lich überhaupt nicht nötig sind. Mit der Verringerung der Zahl der Pferde, die dem einzelneu Offizier zustehen, verringert sich auch die Zahl der Nationen und die Ausgabe für Stall-Service. Ter Reichstag muh die jetzt von der Heeresverwaltung vorge- schlagene Neuregelung, die in Wirklichkeit absolut keine Ersparnis bedeutet, einer gründlichen Umarbeitung unterziehen. Er mutz es sich insbesondere nachdrücklich verbitten, daß ihm die Heeres- Verwaltung immer wieder mit Vorschlägen kommt, die genau auf das Gegenteil dessen hinauslaufen, was die Mehrheit des Reichs- tagcs seit Jahren verlangt— eine Beseitigung der in die Millionen gehenden völlig überflüssigen und durch nichts gerechtfertigten Aus- gaben!_ polttilchc Üeberfkht* Berlin, den 27. Dezember 1912. „Berliner" und„Christliche" im Taarrcvier. Die Führer der Berliner katholischen Fachvereinler spielen jetzt im Saarrevier genau dieselbe Judasrolle, wie zu Beginn dieses Jahres die christlichen Gewerkschaftsführer bei dem Bergarbeiterstreik ini Ruhrrevier. Die„Berliner" verhöhnen nicht nur die„Christlichen", ihre Führer haben sich auch mit dem Handelsminister und den Bergwerksdircktoren in Ver- bindung gesetzt und unterhandeln mit diesen über allerlei Extravergünstigungen für ihre Gefolgschaft. In den Berg- arbeiterversanmilungen bekämpfen sich denn auch die„Bcr- liner" und die christlichen Gewerkschaftler bereits gegenseitig mit größter Gehässigkeit. So erklärte der Zentrumsabgeord- netc Koßmann, der Führer der„Berliner", in einer großen Bcrgarbeiterkundgebung, daß sich die Führer des christlichen Gcwerkvereins„in einer großen Konfusion" be- fänden: „Sie wissen nickst, waZ sie wollen. DaS mag ihnen wohl auch zum Bewußtsein gekommen sein, als sie dem Handelsminister v. Sydow erllärten, daß sie die Verantwortung für die gegen die neue Arbeitsordnung gerichteten.Saarpost"artikel ausdrücklich ablehnen. Gibt es denn wirklich jemandem im Saarrevier, der so naiv wäre, zu glauben, die Artikel der„Saarpost" wären nicht im Sinne der christlichen Streikagitatoren geschrieben oder gar von diesen inspiriert worden? ES ist geradezu ei nSkan- dal, daß solche Männer, die nicht den Mut haben, für ihr Werk an nraßgebender Stelle die Per- antwortung zu übernehmen, dahin st reben, daß 50000 Bergarbeiter ihr Wohl und Wehe ihren Händen anvertrauen. Ist da nicht die Befürchtung am Platze, als ob man den Bergarbeitern ein Burbach bereiten wolle?... Sie haben jedenfalls gehört, wie der aus dem Rnhrredier ge- kommene Streiksiihrer Johann Effert mich in meiner Eigenschaft. al« Abgeordneter in der denkbar schärssien Weise angegriffen hat. Als Anlaß benutzte er die Mitteilung der Presse, gemäß der ich aus dem Telegiertentage in Malstatt Bericht über die Konferenz beim Minister erstattete. Herr Effert meinte, ich hätte mich schämen sollen, weil'ch auf dem Delegicrtentage gesagt,„der Minister habe es ehrlich mit seinen Worten gemeint". Wenn da? ein sozialdemokratischer Führer gesagt hätte, würde ich es verständlich finden, bei dem Vertreter einer GewerkschaftSrichtung aber, die Anspruch aus den Namen christlich und national erhebt, die sich bei jeder Gelegenheit der hohen Etaatsregicrung als„iiationalc Notwendigkeit" in Erinnerung bringt, durfte man wahrhaftig nicht erwarten, daß er einen Abgeordneten beschimpft, weil dieser die den Arbeitern gegebenen Zusagen eines preußischen Ministers als ehrlich gemeint bezeichnete." Die christlichen Gewerkschaftsführer haben Pech! Kaum ist es ihnen gelungen, durch ihr falsches Spiel die Erregung ihrer Gefolgschaft über die antigewerkschaftliche Enzyklika des Papstes etwas zu besänftigen, und nun kommt dieser Streik mit dem scharfen Vorstoß der„Berliner". Nationalliberalo Gegner der geheimen und direkten Wahl! In einem Leitartikel der„National-Ztg." verbreitet sich Dr. O. Poensgen über die„Unstimmigkeiten in der Partei" in der Stellung der Nationalliberalen zum preußischen Wahl- recht. Nach einer Schilderung der Opposition gegen Basser- mann, des Kampfes der„Altliberalen" gegen die„Jung- liberalen" usw. schreibt Poensgen: „Darin besteht der Schlüssel der augenblicklichen innerpoli- tischen Situation, ob eS gelingt, den übermächtigen Einfluß der Konservativen auf unsere Politik zu brechen und auch dem Lilie- ralismus einen Platz an der Sonne zu verschaffen oder nicht. Auf dem Standpunkte, dem Mittelstande in Stadt und Land die Gleichberechtigung in Preußen zu versagen, stehen die Konservativen noch immer. Daher ist ein allgemeine» Zusammengehen mit ihnen solange ausgeschlossen, bis sie wieder auf die von Bülow gelvollte Grundlage zu einer vernünfligen Blockpolitik treten. Diese Grundlage ist die Reform des preußischen Wahlrechts und zwar in erster Linie die Einführung der geheimen und direkten Wahl. Jeder, der einmal auf dem Lande Wahl- agitation getrieben hat, weiß eS, daß ohne geheime und direkte Wahl eine Auflehnung gegen die Konservativen unmöglich ist, und daß durch die öffentliche und direkte Wahl der Mittelstand und die kleinen Leute auf dem Lande und in vielen Städten de» Wahlrecktcs tat- sächlich beraubt sind. In Magdeburg hat ja 1908 unser preußischer Parteitag das Eintreten für das geheime und direkte Wahlrecht in Preußen einhellig beschlossen; aber gerade an diesem Punkte setzten die alt- nationalliberalen Kreise ein. Die führenden Per« sönlichkeiten in der seinerzeit gegen Bassermann gerichteten Aktion und— soweit sich feststellen läßt— auch bei der Gründung des altnationcilliberalen Reichsverbandes, die Abgeordneten Haar- mann, Schmieding, We st ermann, Beumer, Hirsch und andere sind am 20. Mai I9l2 im preußischen Abgeordneten- hause der Abstimmung über das von der national- liberalen Fraktion beantragte geheime und direkte Wahlrecht ferngeblieben." Um die W a h l r e ch t s f e i n d s ch a f t höchst cinfluß- reicher preußisch-nasionallibcraler Kreise richtig einzuschätzen, fehlte gerade noch diese nationalliberale Feststellung, daß die Herren Haarmann, Schmieding, Beumer, Hirsch und Konsorten nicht einmal für das direkte und geheime Wahlrecht zu haben sind!_ Jesuitenliebe oder Parteigeschäft. Der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" wird von einer in das Kölner Zcntrumsgctriebe eingeweihten Persönlichkeit über die Kölner Agitation für die Zulassung der freien Ordens- tätigkeit der Jesuiten geschrieben: „Für den aufmerksamen Beobachter ist es eine aufsällige, sehr auffällige Tatsache, daß der„Jesuitenrummel" sich keineswegs über das ganze katholische Deutschland erstreckt. Zu 90 Prozent ist er in dem Einflußgebicte der sogenannten Kölner Richtung künstlich angesacht, und bezeichnend ist die in ihrer Presse plötzlich ansgetauchte Rubrik„Zur Jesuitensrage". Die von ihr als „Ouertreiberorgane" stigmatisierten Wochenblärtcr der Berlin- Trierer Richtung, wie die OpperSdorffsche„Wahrheit und Klar- heit", die„Pcirus-Blätter" usw. jedoch haben der Jesuitensrage bis zum neuerlichen Bundesratsbeschluß überhaupt gar keine oder nur ganz oberflächliche Beachtung geschenkt, während der„Kölner" Blätterwald sert Monaten von lauten Klagen Über die angebliche Unterbindung der Freiheit der katholischen Kirche widerhallt.... Julius Bachem tritt sogar im Berliner„Tag" für die Jemiten in die Arena, schreibt über das„Verbitiernde" des BundeSratsvelchlusseS, müht sich mit dem Nachweis ab, daß die„Jesuiten von heute" angeblich ganz andere Exemplare seien wie die von ehedem. während doch der Jesuitengencral Ricci ausdrücklich erklärte: „Liut, ut sunt, aut non sint"(So, oder gar nicht!), und damit alle Zugeständnisse an den Zeitgeist endgültig ablehnte. Und wenn denn die Jesuiten von heute ganz andere als ihre Vor- fahren geworden sind, warum hat detselbe Julius Bachem eine ganze Reihe von ihnen bei der dritten Auflage des S ta a t s l e x i k o n s der GörreSgefellschaft von der weiteren Mit- arbeit ausgeschlossen, sehr zur Unzufriedenheit der Gesellschaft Jesu? Und waren die Herren von der Kölner Richtung wirklich immer die begeisterten Jcsuitenfreunde, als welche sie sich jetzt aufzuspielen belieben? Gab cS nicht eine Zeit, wo man selbst in der ZentrmnSfraklion mit Schrecken daran dachte, daß die Jesuiten sie für die Aufhebung des noch bestehenden 8 1 des Jesuitengesetzes in Anspruch nehmen könnten? Warum denn auf einmal dieser merkliche Gesinnungswechsel bei Kölner Richtung und Zentrumspartet? Bekannt ist, daß die Sozial- poittikcr der Jesuitengesellschaft unter Führung des PaterS Heinrich Pesch bis vor wenigen Jahren unbedingt auf seilen der Berliner standen, und darum die Presse Kölner Richtung nichts weniger als gut auf die Jesuiten zu sprechen war. Besonders unangenehm war ihr die frühere Redaktion de» demschen Jesuiten- organS, der„Stimmen aus Maria-Laach". Durch Vermittlung, wie man sagt, des bekannten gelehrten Borstandes der Vatikanischen Bibliothek, des Jesuitenpaters Ehrle, wurde hier Wandel geschaffen und eine„opportunistische" Richtung eingeschlagen, Die Redaktion der„Stimmen" übernahm der diplomatischere Pater Krose, Pater Heinrich Pesch wurde ein stiller Mann in Sachen der Gewerkschaftsfrage, während um so eifriger der che- malige Rektor an der römischen PriesterbildungSanstalt, dem Collcgium Germanicum. und jetziger Theoloaieprofeffor Pater Biederlack in Innsbruck sich für die Köln.-M.-Gladbacher ins Zeug legte. Damit hatte die Gesellschaft Jesu sich diese zu reichem Dank verpflichtet, welcher jetzt in dem von den Führenden inszenierten Jesuitenrummel seinen Ausdruck finden soll, während die Dominikaner durch ihre Berliner Verbindungen bekannllich auf die Berliner Richtung»ingtschworen sind." Ein strafvcrsetzter Kaplan. Zu den unruhigsten Streithähnen des hyperklerikalen Lagers gehört der Kaplan Schapen. Er ist der Verfasser der bekannten Broschüre„Köln, eine innere Gefahr für den Katho- lizismuS", die den Streit zwischen der Berliner und Kölner Richtung in die Oeffentlichkcit trug; und seitdem hat er zur Schürung des Kampfes gar manchen Artikel und manches Flugblatt geschrieben. Wegen scharfer Angriffe auf den katholischen Volksverein wurde er kürzlich vom Dcchanten Monsignore Krichcl energisch zur lliuhe ver- wiesen. Daraufhin erließ Kaplan Schapen ein neues Rundschreiben, in dem er mitteilte, daß er vor dem Dechanten auf eine weitere Diskussion verzichte, daß aber der Papst in der Sache entscheiden werde. Jetzt wird nun bekannt, daß Kaplan Schapen von seiner vorgesetzten Behörde in ein kleines Eifeldorf„versetzt" worden ist. Nachträgliches von der Neichstagsersatzlvahl Stolp- Lanenburg. Wie uns aus Stolp gemeldet wird, wird die Wahl für die Freisinnigen ein unangenehmes Nachspiel haben. Noch in letzter Stunde verbreiteten sie ein Flugblatt in Form eines Traktätckiens, das auf der Vorderseite eine» Weihnachtsbaum und die Ueberschrifl „Konservativ-junkerlicher Weihiiachtözaubcr" trug. In derber Weise wurde darin das Verhalten der Junker geschildert, die bei der Hauptwahl im Januar 1912 sich die Stimmen der Landarbeiter durch Schnaps, Bier und Zigarren gekauft haben sollten. Sofort am Tage nach der Wahl stattete der Staatsanwalt und die Kriminalpolizei den Räumen der liberalen„Stolper Neueste Nachrichten" einen Besuch ab. um nach dem Manuskript dieses Flugblatt» zu fahnden. Natür- lich umsonst. Wie verlautet, soll der Landrat und Landtags- abgeordnete v. Brüning, als Vorgesetzter der Amts« und Wahl- Vorsteher, Strafantrag gestellt haben. Ergebnis der Stolp-Lanenburger Wahl. Endlich wird da? amtlich festgestellte endgültige Ergebnis der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Stolp-Lauenburg bekannt. Da» nach sind im 1. Kösliner Wahlkreise Stolp-Lauenburg am 23. d. Mt». insgesamt 24 545 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Ritter- gutsbesitzer u. Boehn-Deutsch-Buckow(k.) 15 341, VereinSdireltor Schivuchow-Steglitz(Bp.) 6477, Parteisekretär Sickfeldt-Danzig(Soz.) 2397, Buchdruckereibesitzer Czyzewsky-Danzig(Pole) 324 Stimmen. Zersplittert waren 6 Stimmen._ Zum Petroleummonopol. In einem offenbar offiziös inspirierten Berliner Telegramm sucht die„Frankfurter Zeitung" für das Petroleummonopol erneut Stimmung zu machen. Sie verweist darauf, daß die Regierung sich zu Verbesserungen an dem Entwurf bereit erklärt habe. Für ver- besserungLwürdig scheint sie aber nur die Zusammensetzung der privaten Vertriebsgesellschaft zu halten. Sie schlägt ihrerseits fol- genden Weg vor: „Vielleicht wäre es überhaupt das richtigste, das System der Vorzugsaktien ganz fallen zu lassen und zu bestimmen, daß die 60 Millionen Marl, die für die Errichtung der Veririebsgesellschaft ' vorgesehen sind, zu gleichen Teilen, aufgebracht werden vom Reich, den Banken und den Deraillisten, zu denen auch die Konsum- v e r e i n e zu reckmen wären. Dann würde der Einwand fallen, daß das gleich nicht genügend Einfluß hätte und daß das ganze Unter- nehmen nur dazu da wäre, den Banken eine neue Eiunahmequelle zu schaffen. Der Einfluß des Reiches ließe sich vielleicht auch da- durch noch äußerlich dokumentieren, daß da» Reich in das drei- gliedrige Direktorium der Vcrtriebsgesellschaft ein Mitglied, ebenso wie die anderen Gruppen delegiert." Die Beteiligung der Konsumvereine an der privaten Vertriebs« gesellschaft kann die Borteile eines reinen Reichsmonopols nicht auf» wiegen. Die Regelung der Form des Monopols ist überhaupt nur eine der Bedenken, die der Leuchtölgesetzentwurf hervorgerufen hat. Die Möglichkeit der vom Trust unabhängigen, billigen Versorgung deS deutschen Konsums mit Petroleum ist noch völlig umstritten. Ehe die Regierung nicht den sicheren Nachweis dieses Weges erbracht hat, muß das Gesetz unannehmbar bleiben. Die Jleischeinfuhr der letzten Monate. So gering und unzulänglich die von der Regierung gestailele Einfuhr von frischem ausländischem Fleisch durch die größeren städtischen Gemeinden ist, hat sie doch eine recht beträchtliche Ver, mehrung des Fleischimports zur Folge gehabt. An frischem Rind« fleisch wurden im November über 42 000 Doppelzentner eingeführt gegen 15 000 Doppelzentner im November 1911 und gegen rund 34 000 Doppelzentner im Oktober d. I. An der Einfuhr sind in erster Linie beteiligt: Dänemark mit 13 000 Doppelzentnern. die Niederlande mit 13 000, Rußland mit 6000 Doppelzentnern. ES folgen Schweden mit 2600, Frankreich mit 1600 Doppelzentnern. Die Zulassung von Rindfleisch aus Belgien hat zunächst mik 250 Doppelzentnern noch keinen wesentlichen Erfolg gehabt. Man rechnet jedoch mit einer sehr erheblichen Steigerung, sobald aus Belgien Fleisch argentinischer Rinder zur Einfuhr gelangen wird. Die Einfuhr an frischem Schweinefleisch stellt sich auf 39 600 Doppelzentner gegen 16 800 Doppelzentner im Monat Oktober und 1219 im November des vergangenen Jahres. DaS größte Quantum hiervon lieferten die Niederlande, nämlich 23 400 Doppelzentner« Dann folgen Nußland mit 8160, Dänemark mit 5110 und Schwede� mit rund 2400 Doppelzentnern. Die Zulassung von Schlachtrindern aus den Niederlanden zu? Abschlachtung in öffentlichen Schlachthöfen großer Städte vcrur, sachte eine Einfuhr von 1957 Stück gegen 1313 Stück im Oktobcv dieses Jahres. Die Einfuhr von Schweinen aus Rußland in das obcrschlesische Industriegebiet ist im Monat November um 4000 Stück auf 14 000 Stück gestiegen. DaS nach dem Handelsvertrag zulässige Kontingent stellt sich auf monatlich rund 10000 Stück. Aus den Balkanstaaten ist auch im Monat November keine Einfuhr erfolgt._ Den Frommen ins Stammbnch! In diesem Jahre haben am Landgericht Beuthen, daS die Kreise Kattowitz, Beutben und Tarnowitz. also zwei Drittel der obcrschlesischen Industrie umfaßt, neun Schwnrgerichtsperioden, von einer durchschnitilichen Dauer von je vierzehn Tagen stattgefunden. Wie immer, so hatte sich da« Schwurgericht auch im letzten Jahre hauptsächlich mit Verbrechen gegen daS menschliche Leben zu bcschäfligen. In sieben Fällen wurde wegen Mordes ver« handelt. Fünf der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, von denen zwei, Kaczyz und Kondztolka bereits hin- gerichtet sind. Die beiden anderen Angeklagten wurden zu je 15 Jahren Zuchthaus bczw. 15 Jahren Gefängnis ver- urteilt. In drei Fällen wurde wegen Totschlags verhandelt, und in 12 Fällen wegen Körperverletzung mit Todes- erfolg. Die Anklagen endeten sämtlich mit der Verurteilung bis zu 15 Jahren Zuchthaus. In 20 Fällen hatten sich 43 Per« soncn wegen Stanbes, versuchten Raubes und räuberischer Erpressung zu verantworten, und auch hier endete nur ein Fall mit Freisprechung; alle anderen mit Verurteilung. In 14 Fällen wurde lvegen SittlichkeitSvcrbrechen und in 11 Fällen wegen Urkundenfälschung und Betrug ver- handelt. Dann folgen noch 4 Fälle wegen Meineid bezw. Ver- leitung zum Meineid. Dann 3 Fälle wegen Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz. 2 Fälle wegen Kindesmord und je ein Fall wegen Brandstiftung. Aintsvcrbrcchen. Münzvcrbrcchen und Verbrechen gegen das keimende Leben, die sämtlich mit Verurteilung endeten. Da» sind nur die Verhandlungen vor dem Schwurgericht. Die Urteile der Strafkammern, die tagaus und tagein verhandeln. bleiben unberücksichtigt. Und das im frömmsten Gebiet des preußischen KulturstaateS— im sittlichen Oberschlesien._\ franhmch. Präsidentschaftskandidaturen. Paris, 27. Dezember. Ministerpräsident Poincare hat seine Zustimmung gegeben, daß er als Kandidat für die Präsidentschaft der Republik aufgestellt werde. Der Senator Ribot hält seine Kandidatur für den Präsi- dentschaftsposten aufrecht. Rußland. Vertagung der Duma. Petersburg, 27. Dezember. Die Reichsduma ist durch einen kaiserlichen Erlaß bis zum 2. Februar 1913 vertagt worden. Marokko. Befreiung der Kolonne Massoutier. Paris. 26. Dezember. Aus Mogador wird unter dem 23. Dezember gemeldet: Die Kolonne Brulard hat gestern abend 10 Uhr die Kolonne Massoutier nach heftigen Kämpfen befreit. Diese war in ausgezeichneter Verfassung; sie hat keine weiteren Bcrluste als die bereits gemeldeten zu verzeichnen. In der Um- gebung der Kasbah wurden zahlreiche feindliche Leichen gefunden. Die Verluste der Franzosen betragen 10 Tote und 30 Verwundete. Gewerkrcbaftlicbed. Der Danfabund Protektor der Gelben. Ter Hansabuild eiitpuppt sich immer mehr als der ge- fährlichste Aeind des Koalitionsrechts. Auch scheint er bereits, wenn auch noch etwas schämig, nach der Rolle des Protektors der Gelben zu geizen. Was die als Scharsmacher offen Bc- kannten erstreben, weiß man. i-cho selber sagen es ja auch. Gab doch Herr Bucck, als Generalissimus des Scharfmacher- Verbandes, die Parole aus: Die Gewerkschaften müssen zer- schmettert werden! Und diese Arbciterfeinde gehen frei und forsch aufs Ziel los. Ganz anders der Hansabund! Er ge- fällt sich in einer liberalisierenden Phraseologie, liebt die Pose des Arbeiterfreundes. Dabei sucht er in recht tückischer Weise dem Koalitionsrecht Fußangeln zu legen und durch Kultur der Gelben Sprengpulver in. die gewerkschaftlichen Organisationen zu tragen. Wundern braucht man sich darüber aller- dings kaum noch; gehören doch die hervorragendsten Züchter- gelber Werkvereine dem Bunde der Hanseaten an. Gerade wegen der Art seines Vorgehens ist der Hansabund besonders gefährlich. Während z. B. die verrufenen Scharfmacher ihre Forderung nach einein sogenannten Arbeitswilligenschuhgesetz zu begründen versuchen, wenn auch nüt erlogenen und tendenziös herausgeputzten Terrorismusgeschichten, unterstellten die Hansabundleiste einen verschärften Hintzebrüderschutz als eine gar nicht mehr bestrittene oder noch bestreitbare Not- wendigkeit.-.Die wirtschaftlichen Korporationen, in welchen Hansabnndleute doiuiiüeren, wurden um Gutachten darüber ersucht, ob der erforderliche bessere Streikbrecherschutz durch schärfere Gesetzesbestiminungen oder durch schärfere An- Wendung der bestehenden Gesetze zu erzielen sei. Ob er wirk- lich notwendig sei, danach fragte man gar mcht. Wie auf ein gegebenes Zeichen kamen dann die Handelskammern, Hand- wcrkerorganisationen und lokale Hansagruppen mit ihren heißen Wünschen heraus. Man wolle keine Ausnahmegesetze, bewahre, nur schärfere Maßnahmen gegen„Streikzwang" und besseren Schutz für die braven arbeitswilligen Elemente. Nun hat auch der Bund der Industriellen, in dem die Generale des Hansabundes komniandieren, und der sich fast ausschließ- lich aus Hansabündlern zusammensetzt, in ähnlicher Weise Stellung genommen. Er verlangt„kein gesetzliches Verbot des Streikpostenstehens", keine Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter: bescheiden will er sich mit Maßnahmen begnügen, die hintenherum das Koalitionsrecht illusorisch machen. Eine Refornl des gcineinen Rechts soll die Haken liefern, woran man die Streikfreiheit aufhängen kann. Dazu verlangen diese Hansabündler die Erteilung der Rechtsfähigkeit an die Gewerkschaften. Auf diesem Wege hofft man das heiß- erstrebte Ziel zu erreichen, die Gewerkschaften für alle den Unternehmern aus wirtschaftlichen Kämpfen erwachsenden Schäden hastbar zu inachen. Daran merkt man: der Hansa- - bund will von hintenherum gründliche Arbeit inachen: er geht ailfs Gaiize! Gleichzeitig mit der erwähnten Abteilung des Haiisa- biiiides hielt der Bund selbst seine zweite offizielle Tagung ab. Und auch hier kam der Haß gegen die Gewerkschasten, die Brunst für die Gelben sehr deutlich zum Ausbruch. Zuerst , machte der Präsideilt des Hansabundes, Geheimrat Rießer, den Volksfeiilden eine Verbeugung. Er ließ die Forderung des gleichen Stinlnienwertes für die Abgeordneteiiwahlen .>.' fallen: er empfahl damit den Hansabund als Schützer des Plnralwahlrechts. Steint verzapfte der Bundeshäuptling einige Tiraden gegen die Sozialdemokratie. Schärfer ging Professor Hans Delbrück ins Zeug. Er empfahl, zur Nieder- ringung der Gewerkschaften die gelben Werksvereine zu macht- vollen Organisationen auszubauen. Ihnen stehe eine große Zukunft in Aussicht. Mit den gelben Gewerkschaften, die die Sympathie der Oeffentlichkeit verdienten, will Herr Delbrück ein„Harmonieverhältnis" zwischen Arbeit und Kapital her- beifübren. Und dann kam Herr Naumann. Nicht als Verteidiger der Gewerkschaften. Nur das unbedingte Lob der Gelben wollte er nicht gelten lassen. Herr Rießer akzep- tierte die Delbrückschen Ausfälle ohne Widerspruch, indem er sie in seinem Schlußworte iiberging. mit keinem Worte gegen die Gelbseuche sich wandte. Tann gingen die Hansabündler, in ihren Abneigungen und Vorurteilen gegen die freien Gewerkschaften gestärkt, nach Hause und werden im Delbrückschen Sinne und nach den Intentionen des Bundes der Industriellen weiter wirken. Ohne Zweifel droht von dieser Seite dem Koalitions- recht und der freien Gewerkschastsorganisation die größte Ge- fahr. Die eigentlichen Scharfmacher haben in der Arbeiter- schaft und in den Kreisen der Angestellten wenig oder gar keinen Einfluß. Anders der Hansabund! In jedem Bureau, in jedem Fabrikkontor, in jeder Werkstatt, in jedem Betriebe, überall hat der Hansabund seine Leute. Ihr wirtschaftlicher und sozialer Einfluß, in Verbindung mit den hansabiindleri- schen liberalisierenden Redensarten, hat nicht nur An- gestelltenverbände, sondern auch die Airsch-Dunckerschen Ge- werkvereine in sein Fahrwasser gelotst. Stach den In- spirattonen des Bundes suchen nun die Handwerker, Kauf- leute, Gewerbetreibende, Industrielle usw. durch ihre ver- schiedenen rein privaten und offiziösen Vereinigungen die öffentliche Meinung in verschärftem Maße gegen die freien Gewerkschaften zu beeinflussen. So speist der Hansabund aus vielen verdeckten Kanälen die antigewerkschaftliche Stimmung. Der verkappte Volksfreund ist der schlimmste Arbeiterfeind. Merlin un» Qmgegenck. Weihuachtsfreudc» der Handlungsgehilfen. Wie alljährlich, so veranstaltete auch in diesem Jahre der Zentralverband der Handlungsgehilfen in der Nacht zum Sonntag, den 22, Dezember, eine Sonntagsruhekontrolle, um festzustellen, ob und in ivelchem Umfange das Gesetz übertreten und den Ange- stellten ihre Sonntagsruhe geraubt loird. Diese Arbeit hat sich insofern schon als von Erfolg erimesen, als eine Reihe von Firmen, die in früheren Jahren ihre Angestellten bis tief in die Nacht hinein beschäftigten, in diesem Jahre bei Eintritt der Sonntagsruhe ihre Geschäfte geschlossen hatten. Dennoch gelang es, noch eine Reihe von Uebeltätern fegzu- stellen, die, sofern sie nicht auf Vorstellungen hin ihr Personal eist- ließen, zur Anzeige gebracht ivurden. Dabei muß konstatiert wer- den, daß, von Ausnahmen abgesehen, die Ivachthabcndcn Beamten die Kontrolleure in entgegenkommendster Weise unterstützten, Das - geschah auf Anordnung des Herrn Polizeipräsidenten, den der Per- band der Handlungsgehilfen vor einiger Zeit um den Erlaß einer entsprechenden Verfügung an die Beamten seines Ressorts ersucht hatte. Wenn man berücksichtigt, daß die Handelsangestellten in der Weihnachtszeit besonders stark beschäftigt sind, so wird man es als durchaus ungehörig empsinden müssen, wenn Geschäftsinhaber Verantw, Redaft.: Alfred Wielrpp, Neukölln. Jnserateutest veraut».: von ihrem Personal verlangen, daß es von Sonnabend morgens um 8 Uhr bis Sonntag morgens um 2, Z, ja in einem Falle sogar bis um 9 Uhr arbeiten und um 12 Uhr mittags sich wieder zur Arbeit einfinden soll, um nochmals bis um 8 Uhr abends zu ar- bciten. Die Firma Gebr. Thiele, Kais. König!. Hoflieferant, Potsdamer Str. 132, hat zweifellos einen Rekord in' dieser Bc- ziehung aufgestellt. Die Äugcstclltcn dieser Firma haben von Sonn- abend früh 8 Uhr mit kurzen Unterbrechungen bis Sonntag früh 9 Uhr durchgearbeitet, um bereits um 12 Uhr mittags wieder zu beginnen und bis abends 8 Uhr zu arbeiten. Das ist eine Rück- sichtSlojigkcit sondergleichen. Es gibt doch wahrlich genug arbeits- lose Handlungsgehilfen, die sich gern zu Wcibnachteu ein paar Mark verdienen würden. Warum stellt die Firma nicht Aushilfen ein. Es ist doch geradezu ein Spiel mit der Gesundheit der An- gestellten, wenn man sie in dieser Weise anspannt. Die Polizei- liche Feftstelluirg ist auf Veranlassung des Verbandes der Handlungs- gehilscn erfolgt. Gleichfalls zur Anzeige gebracht wurden die Firmen: Rick. Renz, Potsdamer Str. 123, Rose Hartmann, Potsdamer Str. 112b, Bocklitz, Linkstratzc, E. Firle, Pots- damcr Str. 134b, Hildcbrandt u. Ca., Leipziger Str. 199, Heil u. Eo., Kronenstr. 17. Hier verweigerte der Portier dem Schutzmann den Zutritt, so daß der Beamte im Augenblick nicht einschreiten konnte. Tic Anzeige ist aber trotzdem erfolgt. Weiter wurden als Sountagsruheübcrtretcr festgestellt: das Dürerhaus, Sütterlein u. Schöll, Kronenstr. 13, P. Raddatz u. Eo„ Leipziger Str. 122, wo zwei Damen bis 4 Uhr morgens arbeiten mußten. Bei der Firma Elsner u. Eo. verließen mehrere An- gestellte das Geschäftslokal gegen X'2 Uhr, in dem Augenblick, als Angehörige des Verbandes die Kontrolle vornehmen wollten. Bei der Firma F. A. S ch u m a n n, Leipziger Straße, vcraulaßtcn diese gegen 1 Uhr die Schließung des Geschäfts. Bei der Firma Faßbender, Alexandcrplatz(Bahnhofsgebäude), verschwanden die beschäftigten drei Verkäuferinnen in dem Augenblick, als ein Mitglied des Verbandes der Handlungsgehilfen mit dem Schutz- mann zwecks Feststellung� vor dem Geschästslokal anlangte. Die Firmen Buchhandlung Späth und Gebr. G r u in a ch in der Königstraße entließen aus Vorstellung ihr Personal. Bei der Firma Hahn am Alexandcrplatz konnte die polizeiliche Feststellung nicht erfolgen, weil der Portier den Schutzleuten den Zutritt verweigerte. Die Anzeige erfolgte trotzdem. In Eharlottcnburg wurde auf Ver- anlassung von kontrollierenden Handlungsgehilfen das Personal folgender Firmen entlassen: K o s ch c I, Taucutzienstr. 29, B o t e u. Bock, Taucntzienstr. 7, Parfümeriegeschäst Andorfs, Tauentzicn- straße 11, Theodor Hildebrandt u. Sohn, Tauentzienstr. 14, Blnmenausstellung Koschel, Joachimthaler Str. 4, Konditorei Hcnlcl-Süß, Kantstr. 49. Nur bei der Firma Geflügel» Handlung von Paul Richter, Kantstr. 113, mußte polizeiliche Feststellung erfolgen, weil der Inhaber sich weigerte, sein Personal zu entlassen. Diese Blütenlese dürfte aufs neue beweisen, wie notwendig die Schaffung von Handelsinspektionen ist und der Zentralverbaud der Handlungsgehilfen wird alles tun, um dieser Forderung sobald als möglich zur Durchführung zu verhelfen. Die Angestellten aber sollten aus dieser Ausbeutung durch die Unternehmer die Konsequenzen ziehen und sich gewerkschaftlich im Zentralverband der Handlungsgehilfen organisieren, damit aus dem Wege der Selbsthilfe diesen unwürdigen Arbeitsverhältnissen bald ein Ende gemacht Ivird. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei der Continental-Gas- Gesellschaft in Potsdam tvaren iviederholt Anlaß zur Klage seitens der Beschäftigten. Das liegt zum Teil daran, weil die dort beschäftigten Arbeiter den Wert einer geschlossenen Organisation noch nicht anerkannt haben, sich Harmonieduseleieu hingeben oder sich sonstigen Klimbimvercinen angeschlossen haben. Allerorts haben sich die Gasarbeitcr dem Gcmeindcarbeiterverbande ange- schlössen und dadurch erreicht, daß die Lohn- und Arbeitsbedingungen sich bedeutend verbessert haben. Durch das Antreibersystem, ver- Kunden mit Prozentwirtschast für die Auflehcr, tritt hier das'Gegen- teil ein. Die Behandlung der Arbeiter seitens der Vorgesetzten' läßt alles zu wünschen übrig. Wo mau allerorts anerkennt, daß es unmöglich ist, mit dem jetzigen Einkommen bei diesen teuren Lebens- mittclpreisen auszukommen, wird hier, besonders bei den Außen- betricbsarbeilern, der Arbeitslohn heruntergedrückt und den ein- zelnen Mehrleistungen auferlegt. Der Schweiß der Arbeiter steigert aber die Prozente der Aufseher und vermindert die Geschäfts- Unkosten der Gesellschaft. Es ist daher erklärlich, wenn diese durch Antreiberei und Ausnutzung der Arbeitstraft des einzelnen bis zur höchsten Potenz 299—399 M. an Prozenten alljährlich zu Weih- nachten einheimsen können. Und dies aut Kosten der Arbeiter. Wie lange wird i�an sich dies noch gefallen lassen? So lange, bis die Beteiligten den Wert der Organisation erkannt haben. Achtung, Klavierarbeiter und Tischler! In der„Berliner Volkszeitung" sucht die Pianofabrik Späth in Gera nach ihrem hiesigen Verkaufsinagazin, Potsdamer Straße 29, Klavierarbeiter und Tischler, welche sich aus Klaviere einarbeiten wollen. Vornehm- lich sucht die Firma verheiratete Kollegen nach ihrem Geracr Eldo- rado zu locken und malt ihnen dabei die dortigen Verhältnisse in den rosigsten Farben. In Wirklichkeit sind dieselben nichts weniger als glänzend. Die Löhne sind erheblich niedriger als in Berlin. Wegen der ungünstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen besteht ein außerordentlich großer Wechsel im Betriebe. Mehrmals im Jahre brechen Differenzen aus, weil die Firma die schon bis ins kleinste gehende Teilung der Arbeit noch wester zu treiben sucht, um da- durch die ohnehin schon niedrigen Akkordpreise noch weiter herab- drücken zu können. Aus einem solchen Anlaß befinden sich gegenwärtig die dort beschäftigten Arbeiter im A u s st a n d e. Wir ersuchen deshalb, den Zuzug nach Gera fernzuhalten. Die Branchenleitung der Klavierarbeiter. Deiiblckes Reich. Die Tarifbewegung im Malergewerbe. Im Malergewcrbe sind die zentralen Verhandlungen für einen neuen Reichstarifvcrtrag— der jetzt bestehende läuft am 1ö. Fe- bruar 1913 ab— nach der neuesten Einladung des Kollegiums der Un- parteiischen: v. Schulz, Dr. Prenner und Beigeordneter Rath, auf den 8. Januar 1913 festgesetzt. Ter Vorstand des Verbandes der Maler hat bereits am 4. November unter Berufung aus die Bcstim- mungen des jetzigen Tarifvertrages, nach der 9 Monate vor dessen Ablauf neue Verhandlungen zu beginnen haben, um einen wesentlich früheren Verhandlungstermin ersucht. Als daraufhin von den Un- parteiischen Mitte Dezember vorgeschlagen wurde, ersuchte der Vor- stand des Malerverbandes um die Festsetzung eines zeitigeren Ter- mins, etwa Ende November oder spätestens Anfang Dezember, erhielt aber den Bescheid, daß die Unparteiischen vor dem 17. De- zember nicht abtömmlich seien. Eine für Mitte Dezember in Aus- ficht genommene Sitzung des ZentralschiedsgcrichtS für das Bau- gewerbc, in dem dieselben Herren als Unparteiische mit beteiligt sind, wurde denn auch abgesagt. Inzwischen hatte aber der Staats- sokretär Dr. Delbrück bei Herrn Dr. Prenner angeregt, Verhand- jungen im Baugewerbe einzuleiten. Das war wohl der Grund dafür, daß das Jcntralschiedsgcrichr im Baugelverbe zusammentrat und im Anschluß an seine eigentliche Tagung eine Borbesprechung über die kommenden Verhandlungen im Baugewerbe führte. So wurden dann die Verhandlungen für das Malergewcrbe offiziell auf den 3. Januar angesetzt. Als dann aber für das Baugewerbe, in dem der Tarif 6 Wochen länger läuft als im Malergewerbe, weitere Verhandlungen auf den 28. Dezember in München anbe- räumt waren, wurden die Verhandlungen für das Malcrgcwerbe auf den 8. Januar verschoben. Dieses fortgesetzte Hinauszögern der Verhandlungen wird in den beteiligten Arbeiterkreisen sehr unangenehm empfunden. Der Unternehmerverband im Malergewerbe hat allerdings von vorn- LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstatt I herein auf eine Verschleppung hmgearbeiiek, entsprechend den Wei- sungen des Ilnternehmerverbandes für das Baugewerbe, mit dem cr im Reichsvcrband kartelliert ist, und der auf einen gemeinsamen Tarifablaus im ganzen Baugewerbe am 1. April hinarbeitet. Der Uuteruehmerverbaud hat denn auch bis heute seine Forderungen noch nicht festgelegt; cr will das erst kurz vor den Verhandlungen tun. Tie Gehilfen wollen deshalb ihre Forderungen nur im Wege des gegenseitigen Austausches preisgeben. Sic sind zu dieser Vor- ficht genötigt durch die schlechten Erfahrungen, die sie bei der letzten zentralen Beivcguug gemacht Haben. Damals Hatte der Unter- nebmerverband, entgegen seinem gegebenen Versprechen, die Ge- bilfcnvertreter kurz vor den Verhandlungen mit den Forderungen überrascht, während die lange vorder eingegangenen Gebilsenfordc- rungen von ihm zu agitatorischen Zwecken in unschöner Weise miß- braucht wurden. So ist also diesmal die Unabkömmlichkeit der Un- parteiischen für die Verhandlungen im Malergewcrbe nicht förder- sich; den Unternehmern wird sie sehr willkommen sein. Ob die Unternehmer aber bei ifjrer durchsichtigen Spekulation aus ihre Rech- miiig kommen, erscheint recht zweifelhaft. Vorläufig benützen sie die gewonnene Zeit, um die Wahrheit aus den Kopf zu stellen und ihrer Gefolgschaft vorzumachen, die Gehilfen seien an der Ver- schlcppung schuld und verhinderten, daß etwaige Lohnerhöhungen hewilligt werden könnten, weil diese bei der Preisfestsetzung für die Kunden nicht in Anrechnung gebracht werden könnten. Außerdem trägt der Unternehmcrverband durch diese Manipulationen zur Ver- schärsung des Kampfes bei, wobei die Zwangsinnungen, die den Untcriichmerpcrbändcn korporativ angeschlossen sind, sich in den Dienst der Scharfmacher stellen. Ter Verband der Maler steht den kommenden Ereignissen wohl- vorbereitet gegenüber. Kürzlich stattgcfnndene Bezirkskonferenzen haben einen Ausschuß gewählt, der in Verbindung mit den Ver- bandsvertrctern, die die eigentlichen Verhandlungen führen, zu ge» gebener Zeit über besondere Maßnahmen zu bestimmen Haben. Ferner werden bereits Delegierte zu einer eventuellen wegen der Tarisbewegung notwendigen außerordentlichen Gcneralvcrsamm- lung gewählt. Die organisatorische und finanzielle EntWickelung des Maler- Verbandes gibt die Gewähr, daß die Scharfmacher bei dieser Tarif- bewegung eine zeitgemäße Aufwärtscntwickclung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse nicht verhindern können. Die Bewegung an der Saar. Daß die Arbeiter auf den fiskalischen Gruben Ursache haben, unzufrieden zu sein, das beweist ein Blick auf die amtlichen Lohn- nachweise. Tie Löhne der Saarknappcn bleiben nicht beträchtlich hinter denen im RuHrrcvicr und im Aachener Bezirk zurück, die Differenz ist im letzten Vierteljahr zuungunsten der fiskalischen Arbeiter noch größer geworden, stellt man die Durckschnittslöhne pro Schicht und Arbeiter für das 3. Vierteljahr 1912 sowie die Lohnsteigerungen, die sich aus einem Vergleich der jetzigen mit den Löhnen aus dem 3. Vierteljahr 1911 ergeben, zusammen, dann er- hält man folgendes Bild: Schichtlohn Steigerung Oberbergamt Dortmund.. 422 Psg. 46 Pfg. Bezirk Aachen...... 401. 47. Saarbriicker Staatswerke.. 822„ 22„ Die Spannung zwischen den Löhnen aus den Saargruben u:id im Ruhrrevier, die im vergangenen Jahre 74 Pf. betrug, ist nun- mehr ans 199 Pfennig gestiegen. Daß die Lohnbewegung im Saarrevier die skandalöse Differenz in den Löhnen vermindere, ist kaum noch zu crtvartcn. Schon hört man, daß der Gewcrkverein aus Grund einiger nichtssagender Erklärungen der Saargrubenvcr- ivaltung seine Forderungen zurückstellen und den mit großem Tam- kam inszenierten Kampf nicht ausbrechen lassen werde. werkvcrein erweist sich auch in diesem Falle als der Jnteresscnver- trcter des Unternehmers. Als die hell auflodernde Empörung der Saargrubeninappcn den Brand eines wirtscbaftlickcn Kampfes zu entfachen drohte, da übernahm die Gewerkvereinsleitung anscheinend die Führung der Arbeiter gegen das fiskalische Kapital. Aber man begann sofort mit einer Dämpfung. Mit der Forderung der so- genannten Gesetzlichkeit des Kampfes schob man den Ausbruch der eigentlichen Aktion auf Wochen hinaus. Damit hatte die Gruben- Verwaltung und die Gewerkvereinslei'tung Zeit gewonnen, um in das Feuer der Begeisterung viel Wasser der Vorhaltung über die möglichen bösen Folgen eines Streiks zu gießen. Die Frist ist natürlich gründlich ausgenutzt worden. Jetzt, kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist, hört man auch, genau wie nach einem Programm. die Werksverwaltung habe einige Zusagen gemacht. Genügt daS der Gewerkvereinsleitung, um den Bergarbeitern Vertrauen zum Fiskus und die Aufhebung des Streikbeschlusses zu empfehlen? Sind die Bergarbeiter iviedcr einmal gründlich genarrt worden? Die„Berliner" lassen nicht nach, die Streikbewegung zu bekämpfen. Ein ganzer Hause Sekretäre ist au der Arbeit, um den Streik von vornherein zu brechen. Versammlungen über Vresamm- lungen finden statt, in der auch katholische Gcistlichc: die Bergleute ausfordern, einen Streik nicht mitzumachen. Nicht allein aus Prinzip wollen die Fachabteilungen den Streik brechen, sondern auch aus dem Doppclspiel heraus, das der christliche Getvcrkvercm mit den Bergleuten spielt. WaS das interessanteste ist, in den Fachäbtcilungsvcrsamm- lungen verliest man die Flugblätter des Gewerkver- eins christlicher Bergarbeiter, die dieser anläßlich des letzten Ruhrbergarbeiterstre�iks gegen die ver- einigten Verbände verteilen ließ, um so im Saarrevier gegen den Gcwerkverein christlicher Bergarbeiter Stimmung zu machen. So rächt sich alle Schuld aus Erden. V I*ctzU Nachrichten« Der Streit um die Präsidentschaftskandidatur. Paris, 27. Dezember.(W. T. B.) Zur Frage der Präsidenten- Wahl erklärte Senator Ribot einem Berichterstatter, daß er von dem Ministerpräsidenten Poincare vor mehreren Wochen nach einer langen Unterhaltung über die auswärtige Lage aufgefordert worden sei, sich im Falle der boraussichtlichen Weigerung Bourgeois der republikanischen Partei alS Kandidat für den Präsidentenposten zur Verfügung zu stellen. Er habe damals geantwortet, daß er sich seiner Pflicht nicht entziehen werde, falls sein Name imstande wäre, die der gegenwärtigen'Zeit notwendige Einigkeit der Republi- kaner herbeizuführen.„Ich erhielt heute," fuhr Ribot fort,»von dem Ministerpräsidenten Poincare ein Schreiben, in dem er mir seinen baldigen Besuch ankündigt. Er wird mir zweifellos die Gründe mitteilen, die ihn so plötzlich bestimmt haben, seine Kandi- datur auszustellen. Ich kann unter diesen Verhältnissen meine Kandidatur nicht zurückziehen. Die Wahl des Präsidenten geschieht nicht auf ein Programm hin; sie ist in erster Reihe eine Frage de? Vertrauens in die Redlichkeit und die Erfahrung des Mannes, der sieben Jahre lang Frankreich vertreten und über den Parteien stehen soll."— In republikanischen Kreisen verlautet, Poincarä habe sich zur?lufstellung seiner Kandidatur erst entschlossen, als er die Versicherung erhalten, daß die Führer mehrerer republikanischer Gruppen für ihn eintreten, und daß er der Mehrheit in der Voll- Versammlung der republikanischen Partei der Kammer und de? Senats sicher sein könne. Berlin LW. Hierzü�Beilagen u. UnterhaltungSbb Nr. 302. 29. Jahrgang. 1 KeilW ilcs JonuMs" Krlim MksdlM. SmiibW, 28. Dejmber 1912. €in Kapitel urfprfmglicber flhknmniation. Paris, 24. Dezember(Eig. 23er.) Wie ein Bericht aus der Jugendzeit der europäischen Kolonisation des 17. und 18. Jahrhunderts mutete die Verhandlung an, zu der gestern in der Deputiertenkammer eine Interpellation des ehemaligen Gouverneurs von Madagaskar Augagneur den Anlaß gab. Es handelte sich um die Schicksale der Bewohner der großen Komore, der Hauptmscl der im indischen Ozean gelegenen Gruppe gleichen Namens— um eine Geschichte, die unter den Formen einer Operette die Tragik eines der kapitalistischen„Zivilisation" zum Opfer gefallenen Naturvolkes birgt. Ihre Hauptszenen sind die folgenden: Im Jahre 1884 landete ein Abenteurer namens Humblot auf der Insel. Seine ganze Habe bestand, wie Augagneur erzählte, in einem Kakikostüm, einem ebenso kolonialen Helm und einer Botanisierbüchse. Aber die Ideale dieses Mannes zielten höher als auf die Anlage eines Herbariums. Er wußte den: Beherrscher der Insel, dem Sultan Said-Ali der- niaßcn zu imponieren— vornehmlich durch seine im Knopf- loch getragenen„akademischen Palmen"— daß dieser respekt- und vertrauensvoll einen ihm vorgelegten Vertrag unter- zeichnete, trotzdem er in französischer Sprache abgefaßt war und er, der Sultan nur arabisch versteht. Im Vertrag stand aber, daß der größte und fruchtbarste Teil der Insel der„Gesellschaft Humblot" unentgeltlich abgetreten werde. Als der Sultan auf den Betrug kam, appellierte er an die Gerichte, aber 1897 wurde er endgültig abgewiesen. Und die Gesellschaft der großen Komore wurde vom Kolonien- Ministerium mit einer Konvention ausgestattet, die ihre„Rechte" anerkannte. Es galt ja, dem Patrioten beizustehen, der das Kolonialreich Frankreichs mit kühnem Unternehmungsgeist er- weitert hatte. Schon 1889 wurde er zum offiziellen Residenten ernannt, so daß er seine Ausbeuterfunktion n>it der amtlichen Gewalt vereinigte, und damit er mit allen Hindernissen der erstcren leichter fertig würde, schickte ihm die Regierung Soldaten. Nun ging das Geschäft flott vonstatten, und die 45 000 Insulaner wurden dem„Vertrag" gemäß expropriiert, so daß ihnen von den 86 000 Hektar nutzbaren Landes nur 14000— im schlechtesten Gebiet— übrig blieben, nicht genug zuni Leben und gerade genug zum langsamen Sterben. Da sich aber der Sultan Said-Ali noch immer niausig mackte, wurde er auf Anstiften Huniblots des Meuchelmordes angeklagt und nach der Insel Röunion deportiert. Erst viele Jahre später stellte sich seine Unschuld heraus, und er wurde nach seiner tnsel zurückgebracht, aber nicht wieder in sein ultanat eingesetzt. Augagneur schildert die Besitz- Verhältnisse der großen Koniore folgendermaßen: Das Zentrum der Insel besteht aus einem ungeheuren vulkanischen Felsen, der von Wäldern umgürtet wird— dem Hauptreichtum der Insel. Sie gehören der Gesellschaft Humblot. Am Waldrand breitet sich fruchtbares Ackerland aus— desgleichen Eigentum der Gesellschaft Humblot. Endlich die äußerste, dem Meere zu gelegene Zone, hauptsächlich aus Sandboden und Lava bestehend— sie ist der Rest, der den Ein- geborenen vorbehalten geblieben ist, ihre einzige Wirtschaftssphäre, denn irgend eine Industrie gibt es auf der Insel nicht. Die Gesellschaft Humblot aber beschäftigt im ganzen 600 Ein- geborene, um einen Lohn obendrein, der sie immerhin vor dem Neid der wirtschaftlich selbständig Gebliebenen schützt. Wenn dieser„gesetzliche" Zustand bisher noch nicht zum lang- samen Aussterben der Bewohner geführt hat, so hauptsächlich kleines feuilleton. Hidalla als Nationalökonom. Zum„Feste der Liebe" hatten sich alle„tonangebenden" Blätter mit allerhand Karlchen- Mießnick-Weisheiten von Theaterleuten, Börscanern, Medizinmännern »und schriftstellerischen Marktgängern versorgt. Da wurde übep" .Leistunassähigkeit" der Fünfzigjährigen, über schöne oder Donjuans, dumme oder kluge Weibsen gekakelt. Das Tageblatt" hatte sich besonders verproviantiert. Es führ! Lesern sogar Frank W e d e k i n d in Freiheit dressiert» Eqmlibrist des Erotischen tritt zur Abwechselung mit„Wej! gedanken" hervor. Der Meister dcS Bluffs, der als geichii klamekunstler seiner selbst bald die Gründung einer Th (auf dem Mond) ankündigt, bald eine ehrende Einla! Dubliner Universität produziert(es handelte sich freilich einen barmloien Studentenvercin), bald mit Umfragen schmunzelnd für sich ausnutzt, tritt diesmal als Sitten! und Problemharlekin auf. Und richtig die Mosseknaben g»! den Leini. Die bösen„Sozi" haben Seine Närrischkeit gekränkt, weil sie seine Schellenkappen nicht aussetzen wollten. Da mußte ev«Dten eins auswischen. Bei dieser Gelegenheit erfährt nun alle Woltz die erschütternde Talsache, daß Wedekind bor„fünfundzwanzig als er sich noch nicht als Tantenmörder, sondern als Koifferven- reisender versuchte, einem„Geistesheros, der damals dem Sozia- lismns huldigte", begegnet sei. Sowas kommt bisweilen vor. wenn viel auf der„Tour" ist. Von jenem„Gnslesheros i�Gennß "estehen it ein vn ge- hat Wedekind leider nichts gelernt. Sonst föiUÜa er jetzt nicht mit solch' ollen Kamellen kommen. Indes— das Mosiepapier hat ja ein besonderes„Faible" für alte Sachen, und Rabbi Esra Wedekind glückte es, sie dort anzubringe»..,,. Seit langem— so schreibt er— warte er darauf, einmal in eui�inssen- schastlichen Arbeit die Grenzen zwischen Arbeit, Spie gezogen zu sehen.... Der Sozialismus nützt seit sei den uralten Aberglauben für seine Zwecke aus, da� Opfer, eine Last, ein Martyrium sei. Aber wie könn! sprachen werden, wo doch nicht der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer, sondern dieie- von jenem ernährt werde?... So bläht sich Ignoranz im Kleide des OrakelverkünderS. Vom wissenschaftlichen Sozialismus hat dieser Zeitgenoffe, der«ue Takeln aufstellen will, keines Geistes Hauch gespürt. Aber avn Künstler sollte er von den großen Utopisten wissen, deren moderne Sozialismus ist. von jenen Denkern und DichterNt'WIMN Menschen wieder die Freude an der Arbeit, die Möglichkeit.-'sich w der Arbeit als Persönlichkeit auszuleben, geben wollten. Bo» derläzialistischen Pädagogik des Natorp, von der Arbeitsschule, von" Künstlers und Sozialisten William Morris, die E zun, künstlerischen Schaffen zu erheben— ist nie angeblich Modernen gedrungen. Um seine Origit hat er Vernunft und Wissenschaft abgeschworen, Stiefelputzer der Uniernehmer herabgesunken wie ein dressierter Pudel. Hidalla, Wede macht seinem Dasein ein Ende, als er für die >nsucht des m Genuß, zu diesem behaupten, jetzt zum ert schon stprojektion. neS Zirkus- darum, weil die Erpropriation tatsächlich noch nicht ganz durchgeführt werden konnte. Aber sie bleiben immerzu von der gewaltsamen Vertreibung im Namen des Gesetzes bedroht. Die Darstellung des Interpellanten, die der Kolonien- minister L e b r u n im lvesentlichen bestätigte, machte auf die Kammer einen so tiefen Eindruck, daß sie einstimmig eine Tagesordnung annahm, die die Konvention von 1897 für nicht bestehend erklärt und die Regierung auffordert, so schnell wie möglich die Konsequenzen daraus zu ziehen. In diesem einen Falle lvird es also möglich sein, das von einem kapitalistischen Kulturbringcr an„Unzivilisierten" begangene Verbrechen nachträglich gut zu machen— der in bürgerlichen Eigentumsfragen peinlich korrekte„Temps" setzt allerdings hinzu, daß wahrscheinlich ein Schadenersatz notwendig sein wird—, aber beileibe nicht für die fast 20 Jahre mißhandelten Eingeborenen, sondern für die Gesellschaft Humblot, die sie ausgeplündert hat! Der „Temps" findet im übrigen, daß die kapitalistische und koloniale Welt nunmehr die beste aller möglichen Welten ist und alle Greuel des kolonialen Raubes der Vergangen- heit angehören.„Vor 25 Jahren", schreibt er, begegnete die Mitarbeit der französischen Behörden bei der Beraubung der Komorier keinen Widerstand. Heute aber stellt man sich die Kolonialpolitik nicht mehr unter der ein- fachen und brutalen Form von ehedem vor. Die Gewalt ist unfruchtbar. Man gibt sich Rechenschaft darüber, daß die wahre Formel der Nutzbarmachung der neuen Länder die ist, die ein gerechtes Gleichgewicht zwischen den Interessen der Kolonisten und denen der Eingeborenen herstellt." Das heißt in einer weniger heuchlerischen Sprache, daß die Periode der ursprünglichen, räuberischen Akkumulation vorüber und die der rationelleren kapitalistischen Ausbeutung überall an- gebrochen sei. Daß aber auch dieser relative Optimismus noch zu weit geht, hat der„Temps" selbst erst vor einigen Monaten in einer Reihe von Artikeln über Tunesien sehr an- schaulich bewiesen._ Zur Lage der Kleinbauern und fand- wlrticbaftlichen Arbeiter. I. Unzulängliche Berichterstattung. Abwälzung der Kosten auf die Steuerzahler. Unfallhäufigkeit. Fehlen der Kranken- Versicherung. Versuchen wir auch dieses Jahr aus den Geschäftsberichten der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften Material zu sammeln, welches uns einen tiefen Einblick in die sozialen.Verhältnisse der Kleinbauern und landwirtschaftlichen Arbeiter gestattet. Welche Fülle von Material könnte da gesammelt werden, wenn die Berichte nur einigermaßen gewissenhaft geschrieben und zusammengestellt wären. Verwenden selbst gewerbliche Berufsgenossenschaften fast gar keine Mühe mehr auf die Herausgabe eines gediegenen Be- richtes, so ist es eine Seltenheit, wenn man unter den Berichten der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschasten, speziell der nord- deutschen, wirklich etwas mehr als die üblichen Tabellen und Zahlen findet, die gesetzlich vorgeschrieben, also auch nicht zu umgehen waren. Man sagt, daß Präsident Bödiker sich alle Mühe gegeben habe, auch die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften zu„er- ziehen", daß einigermaßen lesenswerte Berichte herausgegeben werden. Will sein Nachfolger das begonnene Werk fortsetzen? Es wäre höchste Zeit hierzu! Auch können die Berufsgenossenschaften nicht die faule Ausrede niachen, daß die„Landwirtschaft keine Zeit habe", ausfiihrliche Berichte abzufassen. Denn die Verwaltung der Berufsgenossenschast wird bureaukratisch geführt und der Leiter ist kein Kleinbauer, der täglich um sein Brot zu kämpfen hat, sondern gewöhnlich ein hoher Staatsbeamter, welcher genügend Zeit, Uebung und auch die Fähigkeiten haben muß, einen ordentlichen Jahres- bericht zu schreiben. Heute sind auch die paar Blätter selten oder klowns engagiert werden soll. Wedekind spielt die Rolle sehr gern, falls sie nur gut honoriert wird. An dem einen Problem hat Wedekind natürlich niäht genug. Als echter Charlatan beabsichtigt er auch die Diplomatie„repräsentativ" zu machen. Deswegen hat er sich mit einem anarchistischen Parnaß- kollegen zusammengetan, um einen—„Weltparlaments- verein" zu gründen. Man muß nun wissen, daß tu München der Karneval alljährlich mit dem christlichen Fest der Heiligen drei Könige einsetzt. Die heurige Faschingsaison eröffnete der Erfinder und Befolger des Mottos: das Leben ist eine Rutschbahn! nur um ein weniges zu früh. Wer weiß, vielleicht hat er den Kalender auch reformiert und verlangt Narrenfreiheit fürs ganze Jahr. Die Erfolge der Typhusimpfung. Die seit langem vorge- nommenen Versuche, eine auf den Menschen unmittelbar anwend- bare Typbusimpfung zu finden, sind von einem überraschenden Er- folge gekrönt worden: ei» wirksames Heilmittel ist gefunden und die schreckliche Krankheit scheint besiegt zu sein. Wie& Margailla in einer Korrespondenz der Internationalen Monatsschrift ausführt, berechtigen nach den Nachrichten und Statistiken, die wir aus Algier und Marokko und später aus Avignon erhalten haben, diese außer- ordentlich wichtige Entdeckung zu der Hoffnung, daß der Typhus ganz ausgerottet werden kann. Mehrere tausend Menschen wurden ohne jede Epidemie und selbst zu Epidemiezeiten geimpfl und keiner wurde vom Typhus befallen. Bei den algerischen Truppen waren so von zwei Kompagnien, die den gleichen Dienst hatten, alle Mann- schaften der einen geimpft, die der anderen nicht: nur bei den letzteren traten Fälle von typhoidem Fieber auf. In Avignon waren vor und nach dem Eintreten der Typhusepidemie, die vom Juni bis zum August 1912 unter den Genietruppen wütete, 13ö6 Personen geimpft worden; keine von ihnen hat auch nur die geringsten Symptome der Krankheit gezeigt. Von 687 nicht geimpften Per- sonen wurden 155 vom Typhus befallen und 21 starben daran. Diese wirksame Bekämpfung der Krankheit, die beßznders in den französischen Kolonien zu den schwersten und verbreitetsten gehört, bedeutet einen Markstein in der medizinischen Wissenschaft. Mit der Typhnsimpfnng sind die Namen der Doktoren Chantemesse, Vincent und Widal verknüpft. Die ersten Versuche legte Vincent 1919 der Akademie der Pariser Wissen- schaften vor: der wirkliche Beweis deS Erfolges wurde aber erst durch die Gesamtheit der überall erzielten günstigen Ergebnisse er- bracht, die auf dem im Oktober in Paris tagenden französischen Kongreß für Medizin erörtert wurden. Die Lymphe, die sich wie ein wirkliches Medikament dosieren läßt, hat nicht nur vorbeugende Wirkung, sondern bewirkt auch während der Krankheit einen kurzen und gutartigen Verlauf des Typhus. Jedoch mutz die Typhus- impfung, um wirksam zu sein, frühzeitig ausgeführt werden; nach dem 19. Tage der Krankheit ist sie wirkungslos. Theater. M ü n ch e n e r Theater. Zwei Uraufführungen gab es in München zu Weihnachten. Da eS hente einmal aktuell ist, daß die Antike von modernen„Nachdichtern" bekrabbelt wird, so mischte die neue Lustspielfinna Roda Roda'-Meyrinck einen Brei aus Terenz, Menander und Lysistrata zurecht, nannten ihn„Die Sklavin aus Rhodas" und versuchte ihn einem weihnachtlich schwer zu erhalten, die stolz den Namen:„Geschäftsbericht" führen- Einige Berufsgenossenschaften geben gar keine Berichte in Druck, oder nur alle zwei Jahre sich die„Mühe", ihre Zahlen zusammen» zustellen. Von den vorhandenen landwirtschaftlichen Berufsgenvssen» schaften Deutschlands ist es uns nur mit Mühe und Not gelungen, 37 Berichte aufzutreiben, und zwar die Berichte der Berufsgenossen» schaften:„Obcrfranken",„Ober-Elsaß",„Reuß j. L.*,„Anhalt", „Hessen-Nassau",„Reuß ölt. L.",„Unterfrankeu",„Westfalen", „Provinz Sachsen",„Pfalz",„Schwaben und Neuburg",„Oberpfalz", „Wcstpreußen",„Baden",„Rheinland",„Rudolstadt",..Schleswig- Holstein",„Oldenburg",„Württemberg",„Unter-Elsaß",„Groß- Herzogtum Hessen",„Hamburg",„Mecklenburg-Sckwerin",„Pom» mern",„Oberbayern",„Brandenburg",„Schlesien",„Gotha", „Schwarzburg-Sondershausen",„Meiningen",„Ostpreußen",„Meck- leuburg-Strelitz",„Lothringen",„Niederbayern",„Schaumburg- Lippe",„Posen",„Mittelfranken". Stolz melden einzelne dieser „Berichte", daß tu der Verwaltung der Berufsgenossenschaft alles beim alten geblieben sei. Man hat ja nur die Ortskrantenkasscn „reformiert", den Versicherten die einzigen Rechte noch verkürzt, dagegen in den Berufsgenossenschaften jede Mitwirkung auch ferner- hin ausgeschlossen. In„Ober-Elsas!" erhält der Vorsitzende der Genossenschaft, ein ehrsamer Landbürgermeistcr, pro Jahr 2169 M. Entschädigung. Stolz meldet uns„Hessen-Rasfau",„daß der Vizcfcldwebcl Dom- maschk vom 1. Juni 1911 ab als Bureaugehilfe für die Aktenabtci» lung angenommen ist". Sehr billig können die landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schaften ihre Verwaltung stellen, indem die Staatskasse sehr cnt» gegenkommend ist und der Allgemeinheit die Vertvaltungskostcn der Berufsgenossenschasten aufhalst. So meldet uns der Bericht „tlntcrfranken":„Die Geschäftsräume befanden sich im Regierungs- gebäude in 6 Zimmern, welche nebst Beheizung und Beleuchtung von der Kgl. Regierung unentgeltlich zur- Verfügung gestellt wurden.... Die Kassa- und Rechnungsführung wurde von der Kgl. Kreiskasse für Unterfranken unentgeltlich besorgt." Auch„Mittelfrankcn" gibt offen zu, daß die Kgl. Regierung Bureauräume mit Einrichtung, Beheizung und Beleuchtung un- entgeltlich zur Verfügung stellte". In der Verwaltung der Berufsgenossenschaft„Meiningen" mußte der Direktor Molkenthin vom 1. Januar 1912 ab wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten vom Dienst enthoben werden. Von einer wirklichen Statistik kann bei den Berufsgenossen» schaften der Landwirtschaft eigentlich gar nicht gesprochen werden, denn über die Zahl der versicherten Betriebe und Personen können keine einwandfreien Ziffern, sondern nur„Schätzungen" gegeben werden. Teilweise werden die Zahlen der letzten Berufs- und Betriebszählung zur Unterlage genommen; in vielen Fällen sind daneben Schätzungen gemacht, die von der Berufs- und Betriebs- zählung erheblich abweichen.'Unzulänglichkeit der Schätzungen wird von einer Reihe Berufsgenossenschaften zugegeben, so von der „Pfalz", von„Oberfranken", von„Mecklenburg-Strelitz". Die meisten Berufsgenossenschasten klagen über„steigende Rentenlast", daß der„Bcharrungszustand" immer noch nicht erreicht sei usw. Eine Zunahme der Unfälle verzeichnen die Berichte: „Rudolstadt" von 2l1 auf 242,„Oberfrankcn" von 1633 auf 1736, „Rheinland" von 8287 auf 8798,„Baden" von 7189 auf 7296,„West- Preußen" von 4359 ans 4588,„Schwaben und Neuburg" von 2913 auf 2946,„Provinz Sachsen" von 6148 auf 6291,„Westfalen" von 3956 auf 4189, ,, Unterfranken" von 2636 auf 2891,„Anhalt" von 668 auf 675,„Hessen-Naffau" von 5966 auf 5989,„Ober-Elsaß" von 843 auf 995,„Mecklenburg-Schwerin" von 1821 auf 1853,„Hessen" von 2363 auf 2997,„Unter-Elsaß" von 1633 auf 1826,„Württemberg" von 6842 auf 7263,„Mecklenburg-Strelitz" 427 auf 478,„Ost- Preußen" von 9171 auf 0751,„Schlesien" von 11498 auf 12 026, „Brandenburg" von 7102 auf 7476. Dagegen verzeichnen einen Rückgang der gemeldeten Unfälle:„Pfalz" von 2382 auf 2363, „Oberpfalz" von 1376 auf 1366,„Reuß j. L." von 269 auf 241, „Reuß ält. L." von 81 auf 79.„Schleswig-Holstein" von 4764 auf 4731,„Oldenburg" von 893 auf 867,„Hamburg" von 167 auf 166, „Lothringen" von 943 auf 908,„Schwarzburg" von 183 auf 172, „Gotha" von 405 auf 400. Während die meisten gewerblichen Berufsgenossenschasten der» künden können, daß sie nur 29 bis 25 Proz. der angemeldeten Un« fälle entschädigen müssen, ist die Zahl derselben in der Landwirt- schaft erschreckend groß, oft 59 Proz. der gemeldeten Unfälle. Einige milde gestimmten Publikum einzulöffeln. Er wollte aber nicht recht munden, trotzdem der„SimplicisstmuS"- Gnlbransson im Schauspielhaus den antiken Bilderbogen epikuräisch-attischen Lebens recht farbig koloriert hatte. Desto besser gefiel in den Kammerspielen die Komödie„Der Raubritter" von Ludwig Biro, dem ge« rissenen Kompagnon Lengyels. Der Raubritter ist ein moderner Hochstapler, der ein bißchen historische Vergeltung spielt. Plünderten früher adlige Strauchdiebe bürgerliche Pfeffersäcke aus, so legt jetzt der plebejische Spitzbube in Glacsbandschuhen eine ungarische adels- stolze Magnatenfainilie nach allen Regeln der Kunst hinein und prellt sie um Braut und Vermögen. Der Ungar Biro ist nicht umsonst bei den französischen ExplosionStechnikern Bateille, Bornstein usw. in die Schule gegangen. Er versteht sein Handwerk, Spannung zu machen und scharf paprizierte theatralische Unterhaltung für müde Großstadt« nerven wie nur irgendein dramatischer Boulevardier. m. Notizen. — n n st ch r o in k. Die Wiiiteransstellung der Sezession wird am Sonntag, den 29. Dezember, geschlossen. — Julius Meier-Graefe ist wieder hergestellt und wird seinen angekündigten Vortrag im Kunstsalon Paul Cassirer am 6. Januar halten. — Leo Kampf, der Verfasser de? DraniaS„Am Bor- abend", ist am 24. Dezember im Alter von 32 Jahren in Krakau gestorben. Das Drama, das eine Episode aus der russischen Revolutioi� behandelt und die Geschichte eines Bomben- attentats gibt, das ein junger Sozialrevolutionär gegen einen russischen Pcovinzsatrapen verübt, lvurde vor ungefähr fünf Jahren in Deutschland verboten, ist aber in einer ganzen Anzahl von Arbeitervereinen aufgeführt worden. Auch die Buchausgabe dcS Werkes hat in Arbeiterkreisen Verbreitung gefunden. — Edouard Detaille, der französische Anto» V. Werner. ist am Dienstag in Paris gestorben. Ein Schüler MeissonnierS, hat er lkie kühle Exaktheit dieses Kleinmeisters auf pathetische Gegen- stünde zu übertragen versucht. Den Mangel an innerem Leben suchte er durch ein patriotisches Trara, durch einen Appell an die Gloire» Religion des Spießers zu ersetze». So wurde er der offizielle Historienmaler der dritten Republik, hat ausgedehnte vaterländische Schinken gemalt, sogar das Pantheon verschandeln dürfen, Orden und hohe Preise eingeheimst. Zum Schluß durfte er im Auftrage der Regierung neue Uniformen entwerfen, was den athentensischen Geist der Bourgeoisrepublik beweist, die an die Schlachtenmaler der Zukunft denkt. — Die neueste Theaterpleite. Das Theater Groß- Berlin, das erst vor ein paar Wochen eröffnet wurde, ist rettungS» loS pleite. Alle Sanierungen halfen nicht: der Konkurs ist da. Bis zum 39. April will Palft mit Operetten darin gastieren. — Lessingtheater und Deutsches Künstler- t H e a t e r. Direktor B a r n o w s k y, der das Lessingtheater von 1914 an gepachtet hat. übernimmt es bereits am 1. Juli 1913, da er der„Fortsetzung der Ueberlieferungcn" bereits von da an ge- wachsen zu sein glaubt.— Das Deutsche Künstlertheater. da? sich ja hauptsächlich aus Künstlern des jetzigen Lessingtheaters zusammensetzen wird, kann infolgedessen seine Tätigkeit bereits zum gleichen Zeitpunkt in der Kurfürstenoper beginnen. Berichte, so dcr vom„Oöer.!Elsaß", gekcu zutreffen�! als eine der Ursachen bte Tatsache an. dah oft. insbesondere bei Unfällen der Aktriebsnnternehmcr und ihrer Familienangehörigen, die Anmel- dmig zu spät eintrifft. Der Grund hierfür liege darin, dofe eine Krankenversicherung fehlt und kleinere Verletzungen infolge Selbst- Behandlung häufig schwere Folgen nach sich ziehen. So unter- lusicii viele so lange anfangs unbedeutende Fingerverletzungen an- zumeiden, bis Blutvergiftungen eingetreten sind, die einen opcra- tiven Eingriff notwendig machen. Anmeldung jedes noch so unve deutend erscheinenden Unfalles, der länger als drei Tage die Er- wervsfähigkeit beeinträchtigt, wird dringend empfohlen. Mit Recht. Aber besser als dieser gut gemeinte Rat hätte die Zustimmung zu der seit Jahrzehnten von der Sozialdemokratie geforderten Ausdehnung der Krankenversicherung auch auf die Kleinbauern unter Fortfall der dreitägigen Liarenzzeit gewirkt. So oft die Sozial- demokraten diese Leben und Gesundheit von Kleinbauern und Land- Arbeitern schiitzeiiden Masznahmen forderten, trat die Regierung und bürgerliche Abgeordnete, vor allem aus den Reihen des Jen- trums und der Konservativen, ihnen mit der Behauptung entgegen: der Fortfall der Karenzzeit begünstige die Simulation. In der Tat ersieht man aus den Berichten der Berufsgenossenschaften, daß auch auf dem Lande viel häufiger Gesundheit als Krankheit simu- liert wird. Die Aerztenot auf dem Laude können auch die landwirtschaft- lichen Berufsgcnossenschaftcn nicht beseitigen, wenn sie auch, wie „Rheinland" sich brüstet, gegen eine arme„Knochenflickerin" Straf- anzeige erstattete. Eine kleine Besserung des Uebelstandes wird lvohl durch die Ausbreitung der Gemeindcschwesternstationen er- reicht werden, so dast wenigstens für Notfälle die erste Hilfe vor- Händen ist. Die Berufsgenossenschaft„Provinz Sachsen" hat z. B. an 221 Gemeindeschwcsterstationen mit 231 Schwestern die Summe von MLO M. gezahlt. Da ober auch nach der neuen Reichsver- sicherungsordnung die Million Kleinbauer» nebst FamilienangchS- rigcn— also 60�-70 Proz. der Unfallverletzten— keine freie ärztliche Hilfe und Unterstützung in den ersten 13 Wochen— der schwersten Zeit des Unfalls— haben, so wäre es doppelte Pflicht der landwirtschaftlichen Bcrufsgenossenschaften, von dem gesetzlichen Rechte der Uebernahme des Heilverfahrens innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls Gebrauch zu machen. Es soll nicht verkannt werden, daß nach und nach einzelne Berufsgenossenschaften schon ganz ansehnliche Summen für diese Zwecke aufwenden, während viele wieder nur lächerlich geringe Beträge oder keinen Pfennig dafür übrig haben. Das hindert sie aber nicht, große Worte über Zweck und Nutzen dieser Auswenduugen zu machen! So finden wir im Bericht„Oberpfalz", daß für das Heilverfahren innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls ganze 32 M. verausgabt worden sind- „Untcrfranken" hatte 5 Fälle übernommen und verschweigt die Kosten hierfür. Die groge Berufsgciiosscnschaft„Baden" bucht nuter Ausgabe ganze 491 M. für das Heilverfahren in der Warte- zeit.„Schwaben-Ncuburg" meldet, daß sie ganze 6 Fälle in Bc- Handlung genommen habe, ohne die Kosten anzugeben.„Reuft j. L." meldet von ganzen 2 Fällen mit einem Kostenaufwand von 104 49 M. „Infolge dieser Fürsorge," betont der Bericht,„brauchte eine Rente nicht gewährt zu werden."„Ober-Elsasi" wendete 899 M. auf, „Hessen" 2189 M.,„Hamburg" keinen Pfennig!„Mecklenburg- Schwerin" S18 M.,„Oldenburg" 53,19 M.,„Württemberg" 725 M., „Lothringen" 3117 M.,„Mecklciiburg-Strelitz" 271 M.,„Schaum- burg-Lippe" keine» Pfennig,„Nicderbaycrn" 949 M.,„Mittelfran- len" 394 M. Größere Summen für diese Zwecke verausgabten folgende Berufsgenossenschaften:„Rheinland: 39 919,48 M.,„Hessen- Nassau" 11003,19 M..„Provinz Sachsen" 12 953,94 M..„West- preuften" 15 935,63 M.,„Westfalen" 39 413,46 M..„Schleswig-Holstein" 13871,76 M..„Unter-Elsasi" 8979,19 M. Dabei betont fast jeder Bericht, daß es an der nötigen Auf- klärung der Versicherten nicht gefehlt habe, rechtzeitig Anträge auf Gewährung eines geeigneten Heilverfahrens zu stellen. Auch Vor- Icäge sind darüber gehalten worden, die sich auch auf die Durch- führung der Unfallverhütungsvorschrifteu erstreckten, um Unfälle nach Möglichkeit zu verhüten. Viel Erfolg von diesen Vorträgen verspricht man sich jedoch nicht, denn einzelne konnten mangels gc- nügcndcr Beteiligung gar nicht stattfinden. Em der Partei. Ein sozialdemokratischer Stadtverorduetcnvorsteher. Die fortschrittliche Stadtverordnetenfraktion in Frankfurt a. M. hat, wie eine Meldung besagt, endlich den Anspruch der Sozial- demokratie als der zweitstärksten Fraknon auf einen Sitz im Vor- stand des Stadtverordnelenkollegiums anerkannt. Sie hat be- schlössen, der Sozialdemokratie den Posten de« ersten Vize- Präsidenten zu überlassen. In der ersten Sitzung des neuen Jahres soll nunmehr Genosse Graf, der Borsitzende der Or«S° lasse, hierzu gewählt werden. Em Indiiftne und F>ande!. Geldnot. Tie Wochenausweise der Zentralnotenbanken belegen von neuem die durch Kriegsgefahr und Konjunktur verursachte Kalamität am Geldmarkt. Die Deutsche Reich sbank zeigte am 23. d. M. eine Verringerung des Metall- und des Wertpapierbestandes, da- gegen eine starke Erhöhung des Wechselbestandes und des Noten- Umlaufes. Die Steuerpflicht(der nicht durch Gegenwerte gedeckten Noten) ist seit der Vorwoche von 3932 auf 494,1 Millionen gestiegen. Ter Gesamtstand ist um 289 Millionen Mark ungünstiger als jm Vorjahre. Eine starke Inanspruchnahme zeigen auch die übrigen curo- päischen Zentralbanken. Bei der Oestcrreich-Uiigarischen Bank stieg gegen die Vorwoche der steuerpflichtige Notenumlauf um 26,9 Millionen. Die Bank von England erfuhr ebenfalls eine Ab- nähme des Metallbestandes und der Totalreserve: die Deckung der Noten sank von 43 auf nicht ganz 38 Proz. Bei der Bank von Frankreich wich das Verhalten des Barvorrates zum Notenumlauf von 71 auf 69,8 Proz.» Zum Ouartalscnde steig'! der Geldbedarf noch mehr. Eine weitere erhebliche Verfchlechtcrung der Bankenansweisc ist also zu erwarten. Sollten dem einzelne der Zentralbanken durch eine neue Diskont-(Wcchselzinsfuß-) Erhöhung begegnen, so würde das außerordentlich erschwerend auf das Wirtschaftsleben zurückwirken. Dem Balkankricg und den Kriegsdrohungen einzelner europäischen Staaten würden dann neue Opfer gebracht werden. Nicht weniger schlimm als einzelne verkracht« Unternehmen wird die Arbeiterschaft von in Geldkrisen unvermeidlichen Betriebscinschränkungen und -einstellungen betroffen._ Günstige Welternten. Nach den Schätzungen beS Internationalen Landwirtschakts- institutS in Rom fallen die Welternten in diesem Jabr wesentlich günstiger ans als im Vorjahre. ES stellte sich(in 1999 Doppel- zentiiernj der Ertrag in der nördlichen Erdhälfre: 1912 1911 Weizen(24 Länder)..... 917 205 858112 Roggen(19 Länder).... 478651 303 173 Gerste(23 Länder)..... 315 989 297 809 Hafer(22 Länder)..... 656 573 645 208 MaiS(15 Länder)..... 074 367 700 968 Reis(Spanien und Japan).. 72 083 74 397 Zuckerrüben(13 Länder)... 305 857 201 832 Wein(8 Länder)...... 126 454 113 660 Entkernte Baumwolle(4 Länder) 41 354 42 983 1012 gegen 1911 + 6,9 Proz. + 20,5. -f- 6,1„ + 20,4„ + 31,8„ — 0,8„ + 85,0„ + 1U„ - 3,8„ Die Schätzungen umfassen Europa, Nordamerika, Indien, Japan, asiatisches Rußland, Nordafrika. Auch in der südlichen Erdhälfte find die diesmaligen Erträge außerordentlich groß. Für Australien gibt die Erntevorschätzung eine Ertragssteigerung für Weizen von 19,56 Millionen auf 21,52 Millionen Doppelzentner, d. h. um 19 Proz. an. Ebenso ist die Ernte in Argentinien reicher als jemals. Die Weizenernte wird voraussichtlich von 4.6 auf 5,4 Millionen Tonnen, die Haferernte von 9,9 auf 1,7 Millionen, die Flachsernte von 9,6 auf 1,1 Millionen Tonnen steigen. Auch die Qualität, besonders bei Weizen, soll ausgezeichnet sein. Lockspeisen. Wie der„Franks. Ztg." aus New Dorl gemeldet wird, gestattet der Stahltrust im Januar seinen Angestellten Vorzugsaktien zu 199 Proz. und wiederum Stammaktien zu 66 Proz. zu zeichnen Das System, Angestellte als„Aktionäre" zu gewinnen, wird von dem amerikanischen Stahltrust seit langem geübt. Natürlich sind seine Arbeiter nicht in der Lage, die Aktien voll einzuzahlen. In früheren Jahren wurden dem Arbeiter für die noch rückständigen Aktien fünf Prozent von der Dividende abgezogen. Das Ganze ist nur eine Methode, die Arbeiter möglichst lange an den Betrieb zu fesseln. Arbeitern, die Aktienbesitzer sind und 5 Jahre beim Trust ausharren, zahlt der Trust sogar noch Extradividenden. Durch solche Gewinnbeteiligung sucht der Trust seine Arbeiter zu korrumpieren und anständige Löhne zu vermeiden. Die Lockspeisen sind nötig, um die Arbeiter zu hallen, die unter der Ausbeutung und der Miß- achtung aller Schutzvorrichtungen stark zu leiden haben. Die angekündigte Lohnerhöhung ist ein Zeichen der Hoch- konjunktur in Nordamerika und der Prosperität des Trusts. Im Herbst bereits konnte der Trust nicht allen Ansprüchen genügen, so daß England und Deutschland ihren Export nach Nordamerika verstärken mußten._ Eine ostencichische Zcntralgenossenschaftskasse. Zur Stärkung des genossenschaftlichen Kreditwesens wird Oesterreich eine Zcntralgenossenschaftskasse erhalten, dererr Organi- sation ähnlich der preußischen Zentralgenossenschaftskasse(Preußen- lasse) gedacht ist. Der Staat wird sich mit einer Äapitalsanlage von 6 Millionen Kronen an der Kasse beteiligen, die als Bindeglied zwischen den genossenschaftlichen Kreditkassen und der Oestcrreichisch- Ungarischen Bank dienen soll. In Ungarn besteht bereits eine staatliche Zentralgenossenschaftskasse, die gleichfalkS mit staatlicher Unterstützung und staatlichem Einfluß in der Vcrlvaltung diesen Verkehr vermittelt. Als Zweck wird die Vereinheitlichung der Kreditgewährung, des Bilanzschemaö und der Kontrolle angegeben. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt dem österreichischen Ab- geordnetenhausc vor. Soziales« Ortskrankenkasse» unter bureaukratischer Staatsknute. Die Selbstverwaltung der Krankenkassen ist bekanntlich durch die Reichsversicherungsordnung außerordentlich beein- trächtigt. Wir haben seinerzeit als das Ziel, dem die preußische Bureaukratie in holdem Verein mit den Mugdanesen und den in den Parteien der Nationalliberalen, des Zentrums und der Konservativen sitzenden Feinden des Rechts der Arbeiter auf Selbstverwaltung zustrebt, bezeichnet: Versorgung ehemaliger Offiziere, Unteroffiziere, in staatlichen oder städti- scheu Verwaltungen als unbrauchbar abgelegter Beamter und Subjekte vom Schlage der Hintzebrüder als Kassen beamte auf Kosten der den Arbeitern durch die Versicherungs- beitrage abgenötigten direkten Reichscinkommeiisteuer. Je näher wir der Einführung des die Krankenversicherung be- handelnden Teils der Reichsversicherungsordnung rücken, desto mehr wird enthüllt, daß in der Tat die Regierung dieses Ziel im Auge hat. csie scheint auf dem Wege der Verwaltung — ganz im Delbrückschen reaktionären Sinne— das verwirk- lichen zu wollen, was noch bei Beratung der Reichsversicherungs- ordnung lebhaft bestritten wurde. Anfang November sprach der bekannte Oberregierungsrat Dr. Hoffmann aus dem preußischen Handelsministenum in Köln in der Vereinigung für rechts- und staatswissenschaftliche Fortbildung über„Die Neuerungen in der Krankcnversiche- rung". lieber diesen Vortrag wird erst jetzt Näheres bekannt. Hierbei soll Dr. Hofftnann u. a. ausgeführt haben: „Der Z 359 der Reichsversicherungsordnung biete die rechtliche Möglichkeil, Angestelllen der Ortskrankenlasse, wenn sie lediglich ruhegehciltsberechtigl sind, zu Staatsbeamten zu ernennen. Diese Angestelllen hätten den Diensteid zu leisten und würden wie mittelbare Slaalsbeamte zu behandeln sein. In Preußen würde. die oberste Verwaltungsbehörde von ihrer BciugniS der legung spricht u.a.' auch die ausdrückliche Erklärung Kommissionsberichterstatters im Plenum des Reichstages. was die Behörden sich um ausdrückliche Erklärungen des Reichs-� tages und ihrer eigenen Vertreter kümmern, hat ja unlängst, pellation über das.Koalitionsrecht der Staatsarbeiter und unteren Beamten offenbart. Hinzu tritt, daß die Reichs- versicherungsordming den Kassen jeden Rechtsweg von halb- Wegs so unparteiischen Gerichten genommen hat, wie es auf diesem Gebiet trotz seiner reaktionären Zusammensetzung das preußische ObcrverwaltungSgericht ist. Der Kommentar gerade des Dr. Hoffmann ist außerordentlich ungehalten darüber, daß auf Betreiben der Sozialdemokratie gegen allzu große Drangsalierungen der Kassen durch die Verwaltungen im Aahre 1903 der Rechtsweg gegen behördliche An- ordnungen gewährt war. Sein eifriges, leider �erfolg- reiches Bemühen ging aus Beseitigung dieses Schutzes gegen Willkür und Gesetzesverletzung durch sogenannte Aufsichtsorgane. Der Vortragende Dr. Hoffmann, der im Jahre 1900 die bekannten Aufsätze gegen die Selbstverwaltung der Kranken- lassen schrieb, wird als Dezernent im preußischen Handels- Ministerium wissen, wie dort die Glocken läuten. Um so mehr muß verlangt werden, daß über seine Ausführungen in Köln der Ocffeiitlichkeit authentische Mitteilungen zugehen, daß also die preußische Regierung mit der Sprache herausrückt. Errichtung eine? Sientenausschusseö für die Angestellten- Versicherung. Der„Reichsanzeiger" enthält eine vom 27. d. M- datierte Bekanntmachung des Direktoriums der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. Danach hat die Reichsversicherungsanstalt für Am gestellte mit Genehmigung des Bundesrats einen iHentenausschnsi für die Aiigestelltenversichcrunn errichtet. Der Bundesrat hat als Sitz dieses Rentenausschusses Berlin, als seinen Bezirk das Gebiet des Deutschen Reiches bestimmt, ihm ferner auch die Entscheidung in allen Fälle» zugetviesen, in denen es sich um Versicherte oder deren Angehörige handelt, die außerhalb des Gebietes des Deutschen Reiches wohnen oder beschäftigt find, Die Diensträume befinden sich in Bcrlin-Wisincrsdorf, Hohen» zollcrndamm 29, Arbeitönachweise. In der Untersuchung über die bestehenden Arbeitsnachweise bringt das Dezemberheft des ReichSarbeiwblattes Angaben über Arbeit- nehmer- und paritätische Nachweise. Sie enheben keinen Anspruch auf Lückenlosigkeit. Immerhin dürsten die bedeutendsten Nachweise erfaßt worden sein. Mitte 1912 waren der Berichterstattung 211 Arbeitnehmernachtveise angeschlossen. 178 davon meldelen für 1911 399 745 Besetzungen. Für 1919 liegen von 165 Nachweisen 271 248 Melduiige» über Slellenverinitteluitgen vor. Im Jahre 1998 war die Zahl der Arbeitnehmernachiveise mit 133 und 256 443 vermittelte» Stellen am höchsten. Die Vermittelungstätigkeit von 94 gleichen berichtenden Nachweisen zeigt eine Zunahme der besetzten Stellen von 195 797 im Jahre 1994 auf 218 546 im Jahre 1911. Die Entwickelung des TarifvertragswesenL fördert den paritäti- scheu Nachweis. Von 3756 Tarifgemeinschaften. die im Jahre 1919 Wirksamkeit erlangten, enthielten 315. gleich 8,4 Proz., Verein- barungen über die Benutzung eines bestimmten Arbeitsnachweise«. Im Jahre 1911 wurden 3868 Tarifgemeinschaften neu abgeschlossen, davon regelten 659. gleich 17 Proz., die ArbeitsnachiveiSsrage. In diesen Fällen wurde meistens den bestehenden Arbeitnehmernachweisen die AcbeitSvermittelang übertragen. Ausgesprochen paritätische Nach- weise wurden im Jahre 1919 39, im Jahre 1911 54 in den Tarif- Verträgen vorgesehen. Eine Zusammenstellung der durch Tarif- Verträge für die Benutzung vorgeschriebenen Nachweise ergibt folgende Uebersicht: Zu diesen Angaben ist noch zu bemerken, daß die Verträge hauptsächlich für das NahrungS- und Gcnußmittelgewerbe sowie für das Gast« und Schnnkwirtsgemerbe Geltung haben. Es sind das zwei Berufsgebiete, in denen Tarife mit eng begrenztem GeltungS- bereiche die Regel bilden. Auch in de» übrigen Gewerbegruppen haben die Nachweise meistens nur für kleinere Branchen Bedeutung. So weit die Arbeitsvermiltelung durch Nachweise geregelt oder auch kontrolliert wird, geschieht das in der Hauptsache durch einseilige llntcrnehmernachweise. Nur für begrenzte Gebiete kommen die Arbeitnehmer- und die paritätischen Nachweise im allgemeinen in Betracht. Anscheinend im Ausreisen begriffen sind die kommunalen Nachweise. Sie funktionieren in der Hauptsache für ungelernte Ar- beiter sowie für allerlei Kleinbetriebe. Jedenfalls müssen die sozial- demokratischen Gemeindevertreter und Stadtverordneten die Hand- habung solcher Nachweise im Auge behalten. Durchschnittsheuersähe. Der Reichskanzler hat mit Wirkung für die Zeit vom 1. Januar 1913 ab auf Grund der tzij 1068 und 1069 der Rcichsversicherungs- ordnnng die Durchschnittöheuersätzc festgesetzt, die bei der Bemessung des Jahresarbeiisverdicitstes der zur Besatzung deutscher Seefahr- euge gehörenden Personeit in Unfallsachen zugrunde zu legen ist. Tabelle ist im„Rcichsanzeiger" vom 24. d. M. veröffentlicht, zeug Die MinimallShne in englischen Genossenschaftsbetrieben. Aus London wird uns geschrieben: Die englischen Arbeite- rinnen haben einen großen Erfolg zu verzeichnen. Stach jahrelangen Anstrengungen und Kämpfen ist es jetzt endlich gelungen, die For- derung eine« MinimallohncS für Arbeiterinnen in der großen britischen Genossenschaftübewegung zum Siege zu bringen. In der am Sonnabend stattgefuiidenen Vierteljahresversammlung der britischen Großhaitdelsgendssenschast(„Coopcrative Wholesale Society") wurde die von den beiden Organisationen der genossen- schaftlichen Angestellten aufgestellte Minimallohnliste für die Ar- beiterinncn mit einer Mehrheit von 139 Stimmen angenommen. Die Minimallohnlistc ist die folgende: für Arbeiterinnen im Alter von 14 15 16 17 18 19 3 7 9 11 13 15 29 Jahren 17 Schilling Wochenlohn Der Erfolg ist um so erfreulicher, als dieselbe Forderung im vorigen Jahre von den Direktoren der„Coopcrative Wholesale So- cietv" mit einer Mehrheit von 559 Stimmen ckbgelehnt wurde. Als die Forderung zuerst aufgestellt Ivurdc, erklärte» die Leiter der Ge- nosscnschaft, sie nicht ohne gründliche Uiltcrsuchung bewilligen zu könilen. Diese Untersuchung ergab die Tatsache, daß mehr als die Hälfte der weibliche» Angestellten loeniger als diesen Minimallohn erhielten und daß die Neuerung der Genossenschaft eine MehrauS- gäbe von jährlich 35 999 Pfund Sterling verursachen würde. Das war den Leitern, die vielfach mehr auf Dividenden sehen als auf irgend ettvas anderes, zu viel. Die Angestellten konzentrierten bsrauf die Agitation zunächst in den lokalen Genossenschaften, von Ver- choaen ein großer Teil die Minimallohnliste nach und nach einführte leihnng der Veamtenqualifikation im weitesten Umfange Gebrauch: iind ilhre Delegierten in den Versammlungen der Großgenossew machen." i ifWff in demselben Sinne zu wirken beauftragte. Von keiner Seite wurde dieser Paragraph bislang in:� Die Minimallöhne treten am Anfang des Jahres 1914 in solcher Weise ausgelegt ist, auch unmöglich. Gegen solche 20M-S090 Arbeite des......«h."""" erbalten ihn sofort. Die„(5»operative Wholesale Society" beschäftigt rund 7000 Arbeiterinnen, hauptsächlich in den »ßzhMrtUi» Gewerben: Seifenfabriken in London und Manchester. -B ickuttwerke in Ncwcastle, Tabakfabriken und Hemden« und «Wid�ifabriken in Manchester und Leeds, Schuhfabriken in Leicester, erst der Staatssekretär und der Kriegsminister bei der Jnter- ,'tJKie« iMarmeladcfabriken und Baumwoll- und Wollfabrikcn in iftaMWirc und syorkshire. Die neuen Lohnsätze sind beträchtlich höher als die in kapita- Betrieben gezahlten. Die Neuerung ist auch deshalb er- weil sie dazu beitragen wird, das gute Einvernehmen Genossenschaften und Gewerkschaften, das manchmal viel chen übrig ließ, wieder herzustellen, �Aus der Frauenbewegung. .nbchoS iversammlnngen— Veranstaltnngea. W � , den 28. D e z e m b e r. im G e w e r kfch a f I S h a ii s e, nfer 15: Weihnachtsfeier mit Kindern. Märcvenspicl. von Kindern. Rezitation. Gesang. Eröffnung 5 Uhr, nltlich 6 Uhr. Eintritt für erwachsene Gäste 29 Pf. n.» Ä" Sericbts- Deining» Momcntbilder vom Kriminalgcricht. �mri Man mr ertönt Zeugen gerichts Recht u__ bank: mqu Eine?» wirt, w einen syiv Anstren sich in stramaic/ riminalgericht geht alles seinen gemächlichen Gang. e große„Sache" steht nicht an. Von allen Seiten 'das monotone Aufrufen der Angeklagten und Gerichtsdiener. Im Gerichtszimmer des Schöffen- w strenge Richter mit den beiden Schöffen»ach ,««. Eben verläßt ein Angeklagter die Anklage» ihm an: et ist verurteilt. (Ac'fSachc wird aufgerufen, der tlngellagie, ein Schank- iMltietjO-'c an Rheuinatisutus zu leiden scheint, sonst avcr gesunden Eindruck macht, betritt unter grotzen �nllaäebanl. Zwei Schutzleute als Zeugen stellen altung vor dm Vorfitzcndeg des Gerichts, SisK im üblichen Formalitäleir werden sie vorläufig wieder hinall?- geschickt. Borsitzender: Angeklagter, Sie haben gegen ein Straf- nrandat von ö Sit. Widerspruch erhoben; wollen Sie denselben nicht lieber zurückziehen?"— Angeklagter: Nein, ich bin unschuldig. Die beiden Schutzleute verfolgen mich schon, seitdem ich mein Geschäft besitze. Sic haben mich ruiniert, ich mu� mein Geschäft jetzt auf- geben.— Na. sagt der Borsitzcndc, eö wird wohl nicht so schlimm sein; wir wollen mal hören. Gcrichtsdicncr, rufen Sie den Zeugen A. Dieser erklärt, er und sein Äollege haben in der fraglichen Nacht festgestellt, daß der Wirt noch IV Minuten nach der Polizei- Üundc Gäste im Lokal hatte. Er habe Feierabend geboten. Dann habe er und sein Kollege noch V Minuten vor der Tür gestanden; die Gäste seien aber nicht herausgekommen. Gleich darauf habe er sich bei der Normaluhr davon überzeugt, daß seine Uhr richtig ging. Auf Borhalt des Angeklagten mutz der Zeuge zugeben, daß nicht er. sondern sein Kollege im Lokal war. Weiter erklärt der Schanb- Wirt, nicht 10, sondern 2 Minuten nach der Polizeistunde kam der Schutzmann in das Lokal, die Gäste waren schon beim Gehen und haben auch das� Lokal verlassen...Meine Herren," ruft er aus, ..ich war auch Soldat, war Unteroffizier, habe mich immer ehrlich durch die Welt geschlagen, bin unbestraft, aber die(zeigt auf den Schutzmann) wollen mich vernichten." Urteil 3 M.— Der Angeklagte ruft:„Da gehe ich weiter, ich werde Zeugen bringen." Die Anklagebank betritt nun ein alter, gebückt gehender Mann, nervös die Mütze in der Hand drehend.— Vorsitzender: Sie haben mit Zeitungen'gehandelt und dabei den Verkehr gestört. Gegen das Strafmandat von 4 M. haben Sic Widerspruch erhoben. In einem Schreiben bekennen Sie sich schuldig, bitten aber um niedrigere Strafe.— Angeklagter: Ich bitte darum, der Verdienst ist so ge- ring, daß er kaum zum Leben langt. Der Schutzmann lvies mich auf die andere Straßenseitc. Da kommt aber kein Mensch, welcher Zeitungen kauft. Als der Beamte weiterging, ging ich wieder hinüber. Ich habe aber nicht auf dem Trottoir gestanden.— Auf Befragen erklärt der Schutzmann, daß sich der Angeklagte nicht renitent bewegt habe. Urteil 2 M. Nächste Sache: BerkehrssiSrung durch Handel mit Zeitungen. Angeklagter bestreitet die Möglichkeit einer Verkehrsstörung. Der Schutzmann„stellt auf Befragen dcö Vorsitzenden fest, daß der Ber- kehr gestört wurde". Urteil 3 M. Und so geht's weiter. Auf dem Nachhauseweg unterhalten sich die Schöffen. Es sei doch eigentlich ungeheuerlich, meint der eine, daß wegen solcher Lapvalien gegen Leute, die schwer um ihre Existenz ringen, Strafen verhängt werden. Was soll denn aus den Leuten werden? War denn wirklich durch Jjc» Zcitungshandel der Verkehr gehemmt, und konnte sich der Schutzmann nicht bei dem Schankwirt in der Zeit irren?„Gewiß," entgegnet der andere Schöffe,„aber Sie haben ja selbst auch für Verurteilung gestimmt."„Na ja, ich war zum ersten Mal Schöffe und da kann man sich erst kaum in die Sache hineinfinden. Erst jetzt überlege ich mir die Sachen."„Mir gehi's gerade so. man komm! eben tfllS Fem RathallZ kluM fjefdffi?, als man hineingegangen ist." Werden die Schöffen das nächste Mal weniger nach der Schablone urteilen? Sie haben das Recht, in Fällen, wo ihrer Ueberzeugung nach eine Strafe nicht am Platze ist, freizusprechen. Ein fremdes Reklameschild an dem eigenen Fenster. Das letzte Heft der Reichsgerichtsentscheidungen enthält einen interessanten Beitrag zu der Frage, ob ein Kaufmann vor seinem eigenen Fenster eine fremde Reklame dulden muß. Der vom 26. Oktober 15)12 datierten Entscheidung liegt folgender Rechtsfall zugrunde: Die Klägerin hat im Hause Nr. 39 der Leipziger Straße in Berlin einen im Erdgeschoß liegenden Laden gemietet und darüber ein Firmenschild angebracht. Der Beklagte betreibt über dem Laden der Klägerin«in Geschäft mit Kaffee, Tee und Maschinen. Er hat dort an der Straßenseite des Wandpfeilers, der sich zwischen seinen Schaufenstern und über der Firmenaufschrift der Klägerin befindet, eine in die Straße hineinragende Lichtreklame angebracht: ein rundes Schild, das im Kranz weißer und roter Glühbirnen eine gemalte Kaffeemaschine zeigt. Anfang Oktober 1911 ließ die Klägerin an demselben Wandpfeiler dicht unterhalb der Lichtreklame des Beklagten und oberhalb ihres Firmenschildes als Lichtreklame einen 1 Meter hohen und 1 HS Meter breiten, in die Straße hinein- ragenden Kasten anbringen, der einen Teil der im ersten Stockwerk liegenden Schaufenster des Beklagten verdeckte. Auch soll er die Leuchtkraft der Lichtreklame des Beklagten beeinträchtigt haben. Der Beklagte erwirkte deshalb eine einstweilige Verfügung gegen die Hauseigentümer, worin er ermächtigt wurde, die Lichtreklame der Klägerin durch einen Gerichtsvollzieher entfernen zu lasten. Die Klägerin hat darauf Besitzstörungsklage erhoben mit dem Antrage, daß der Beklagte verurteilt werde, die Lichtreklame wieder anzu- bringen und sich jeder weiteren Störung der Klägerin zu enthalten. Der Beklagte hat Widerklage erhoben auf Unterlassung jeder An- bringung von Lichtreklamen an dem Wandpfeilcr zwischen seinen Schaufenstern. Das Landgericht Berlin hat den Beklagten verurteilt, den ab- genommenen Kasten wieder anbringen zu lasten. Dagegen hat das Kammergericht unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Klage abgewiesen und der Widerklage des Beklagten stattgegeben. Das Reichsgericht hat ebenso das Recht auf Beseitigung des Kastens anerkannt. Die Revision der Klägerin ist als erfolglos zurück- gewiesen. In den reichsgerichtlichen Entscheidungsgründen wird hierzu ausgeführt: Die Frage, ob und welcher der Parteien der Besitz an der zur Anbringung der Lichtreklame benutzten. Außen- wand dcS Hailses zustand, hat das Kammergericht rechtmäßig im GeMsatz zMk Krleil Fei LaüFgkrichlS Fsckniivorfe?. Im- Anschluß an ein Urteil deS 14. Zivilsenats des Kammergerichls vom 24. Sep« tember 1909 hat es angenommen, daß bei Geschäftshäusern die Miete von Geschäftsräume», mögen sie nun im Erdgeschoß oder in den oberen Stockwerken liegen, regelmäßig auch die Außenwand deS Hauses mitumfaßt. In den oberen Stockwerken geht das Recht des Geschäftsinhabers an der Außenwand von der Untcrkante der Fenster bis zur Unterkante der darüber befindlichen Fenster. Diese auf die Verkehrssitte gegründete Annahme ist unbedenklich und hat sowohl in der Rechtslehre als auch in der Rechtsprechung des Reichs» gerichts Anerkennung gefunden. WitterungSüberstcht vom S7. Dezember ISIS. «tattonen Swinemde Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien ÖB |e §2 |i ef 749NW 751:22®® 749 756 758 754 W SW Z Wetter Z bedeckt Dunst bedeckt 4sbedeckt wikig wlkig wss 1* Mi Stationen =■2. »«i 15 8? Haparanda 752 Petersburg 748 ®cilly Aberdeen Paris s ®W 753 still S Wettet PSedeckt Nebel bedeckt t* d* I* Is -10 0 Wetterprognose für Sonnabend, den 38. Dezember tvtÄ Mild und zeitweise ausklarend, vorwiegend trübe mit Regensällen lebhasten südwestlichen Winden. Berliner Wetterburea«. und Wasterstands-Nachrichtcn der LandeSansialt stlr Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau Wasserstand Saale, Grochlltz Havel. Spandaus , Rathenow>) Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, HeilbrotM Main, Hanau Mosel, Trier ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpegel.•) eissret. fSfHC(yUi�/j'itrP (Mtfc-nnudc i Pt X iiue Cid p �m't wMrirv Greift zu! � Jed. 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Werder-Drogerle, Brili.RudoTcrsl. 6a Zobei, Georg, N, Ackerpt.r 50 �Beerdla�AnatiTsärBniri BredlowKbcrswjlilfrM.lfiWfirberst.ss Otto Büttner, Seakölin.Rijgbibns:. 32. HFirrhar Vkl'i-.Hohenzollernpl.ll . IldUlcl Buckow s. Bild. Krsnteiibiiis Mai fOtilS Fraifkf ur fer- A 1 1 ,e 170 Hanisch, IVcUenseeBronrliuerProni.l'Jl Hiebe!, Fr,, Gr. Hamburgerat. 37 Gust. Nobert, Potsdamerstr. 115a H. Petermeier, Strelitzeratr. 8. Poter-Scbley, Wiih., Zooicnenlr. 11. WUrhan. ineuköiin ■ UlUflll, Nansonst. 1 Iel.ycnt.2g8 ���Berufaklcldunii���j Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. RoterLaden,Schöneb..Hsaplstr. 1 08 -- Blerbrauereien.Blerh, Akt.-Brauer.Potsdam.Eig.Niederl. Berlin SW, Tempclhofer Ufer. 15 Brandenborga. H.,Wi!heImsdorfer!it.l 10 Spez. Potsd. Stangenbier MrÄlERsee1"-1'"' n |fei i n. Malzbier Bianl WWI feinste Qualitätsbiere. Brauerei Tivoli E�r-Brau�ii', Fruchtstr. 87 Caramel- Weilsbier fast alkoholfrei, erfrischend, bekömmlich, Berliner Wclßb.-Brauerei E.WiUner. 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Auf der Tagesordnung stehen Abrechnungen, innere Bereinsanaelegenheiten, sowie ein Vortrag des Eladlv. T b« r o lv- Neukölln über: Die Bedeutnng der Landtags- wählen. Das Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Niederschöncwcide. Heute Sonnabend, den 28. d. MtS.: Extra- Zahlabend. Bezirk Waidmanuslust. Sonntag, den 29. Dezember, nach- mittags 4 Uhr: Weihnachtsfeier in Glienicke bei Alter- mann. Das Programm lautet: Max und Moritz(Lichtbilder- Vortrag), Kinderchorgesang, Deklamationen und musikalische Vorträge. Zahlreichen Besuch erwartet Der Bezirksleiter. Roscnthal- Wilhelmsruh. Die Silvesterfeier des Wahlvereins findet im Lokale von G. Milbrodt statt. Beginn S'/s Uhr. Eintritt und Tanz frei._ öerlmer Naebnebun. Grüne Weihnachten. Keine Flocke Schnee, kein Frost und Eis— so präsentierten sich die Weihnachtsfeiertage. Gelegentliche Böen und Regen- schauer, abwechselnd mit häufig durchbrechender Sonne, er- innertcn fast an Aprilwetter. In der Hauptsache aber war die Witterung doch so milde, daß es auf der Straße zu einem richtigen Weihnachtskorso kam. Sehr viel Publikuni pilgerte auch nach den Vororten, wo in den Sommerlokalen mit hoher obrigkeitlicher Genehmigung vom zweiten Festtage ab der Tanz in seine Rechte trat. Ganz grün sieht es noch im Walde aus, den Tausende besuchten, um mitten unter Tannen sich inWcihnachts- Poesie zu versenken und der Natur zu huldigen. Viel schöner wäre es ja mit einem kräftigen Schneetreiben gewesen. Schnee und Weihnachten hängen nun nial nach alter Ilebcr- licfcnmg eng zusammen. Was die Wetterlaune uns nicht bc- scherte, wird sie Wohl noch reichlich nachholen. Die aus- gebliebene Kälte, für die Armut ein Trost, hat das Weih- nachtsgcschäft stark beeinträchtigt und auch während der Fest- tage viele Hoffnungen zu Wasser gemacht. Schlittschuhe, Schlitten und andere Wintersportgeschenke träumen sehnsüchtig noch unterm Tannenbaum der Verwendung entgegen. Wie immer, waren die Theater und Zirkusse ausverkauft, die Nestaurants überfüllt, und im regen Vereinslebcn der Arbeiterbevölkerung wurde das Fest mit der Stimmung be- gangen, die unseren herrlichen Zeitvcrhältnissen angepaßt ist. Für Taufende, die sich im Frondienste vor den Feiertagen abschuften mußten, bedeutet ja das Fest nur eine Reihe sehr gut zu ertragender Ruhetage. Und andere Tnnsende sind froh, wenn der ranschgoldenc Weihnachtszaubcr mit allen seinen offenen Geschcnkverpflichtungcn und geheimen Sorgen wieder mal glücklich vorüber ist. . Eine schöne sportliche Weihnachtsfeier im Grünen hatte am ersten Feiertage zahlreiche begeisterte Anhänger des Fuß- baüsports nach Alt-Weißensee geführt. Ivo auf dem weiten a Gantengelände des Mictkefchcn Lokals in der Falkenbergcr Straße ein Propaganda-Fußballspiel stattfand. Die Arbeiter- Turn- und Sportvereine Groß-Bcrlins standen dem Arbeiter- Alhletcnbund Kreis 4 Berlin in friedlichem Wettkampfe gegen- über. Die Mannschaften waren so kombiniert, daß das Er- gebnis mit großer Spannung erwartet werden konnte, obwohl die Leichtathleten sich zum ersten Male zu solchem Wettstreit stellten. Zur Ueberraschung hielt Blau(Turn- und Sportvereine) vom ersten Goal an den Sieg über Weiß (Athleten) fest in der Hand und gab ihn mit großer Stoßkraft nicht mehr ab. Die Athleten, denen die Stürmer mangelten, wenn sie auch über einen sehr geschickten Torwächter verfügten, waren zuletzt wohl etwas nervös und mutlos geworden, fanden aber trotz des starken Pechs für viele Phasen ihres Spiels verdienten Beifall. Mancher Goal konnte ihnen erst nach langem zähem Kampfe abgenommen werden. Wie so ganz anders spielen sich doch diese Arbeiter- Sport- Veranstaltungen ab als solche im bürgerlichen Lager! Man hat ans den ersten Blick den Eindruck: hier wird um des Sports willen gespielt, alles andere ist ausgeschaltet. Ein abgesteckter Platz, spartanisch einfache Sportkleidung— das genügt. Welcher Luxus wird dagegen blas schon in den Kostümen bei den bürgerlichen Spielereien getrieben! Und da sind Tribünen für Damen, Tribünen für möglichst uniformierte Ehrengäste, Tribünen für Musikanten und Zielrichter erbaut— alles höchst überflüssiges Beiwerk, das der Arbcitersportler mit Vergnügen über Bord wirft, weil es ihn an der Entfaltung der Kräfte nur hindert. Für fbudale Kreise, die ans dem Sportplatz nur zu oft wie aufgeputzte Marionetten erscheinen, ist ja der so überaus gesunde Fußballsport überhaupt nichts. Er übersteigt ihre Kraft und Ausdauer. Die verzärtelten Herrchen und Dämchen, die hier sportfcxen, wollen auch auf dem Sportplatz die über alles geliebte Bequemlichkeit nicht missen. Der Arbeiter bevorzugt den Fußball gerade deshalb, weil er hier zeigen kann, was er an Kraft. Zähigkeit und Gewandtheit besitzt. Das trat denn auch bei dem Weißenseer Sportspiel so deutlich hervor, daß beide kämpfenden Parteien, trotz der Ungleichheit des Endergebnisses mit Ehren bestanden haben._ Der Fortbezug russischen Fleisches. Der Magistrat beriet in der gestrigen Sitzung über die Möglichkeit deS Fortbeznges russischen Fleisches während der wärmeren Jahreszeit. Eine der Voraussetzungen für den Fortbezug ist die Beschaffung von Kühlräumcn zur Unterbringung des Fleisches in Berlin. Um in dieser Beziehung eS an nichts fehlen zu lassen, wurde beschlossen, auf dem Vieh- und Schlachthof Kühlanlagen für das russische Fleisch verfügbar zu machen, und zwar durch Erweiterung i>er vorhandene,, Anlagen, so daß dem Berliner Fleischergewerde der bisherige Kühlramu unbeschränkt gewahrt bleibt.__ Aus der Grundstücks- uud Wohnmigsstatiftik Berlins werden von der Steuerverwaltung der Stadt in ihrem neuesten Verwaltungsbericht wieder einige Zahlen veröffent- licht. In, Steuerjahr 1911/12 ergab sich gegenüber dem vorhergehenden Jahr bei den Grundstücken und Wohnungen eine mäßige Mehrung, dagegen stieg der Nutzertrag wieder sehr beträchtlich. ES mehrten sich im Laufe von 1911/12 die benutzten Grund-, stücke(einschließlich unbebaute, aber benutzte) von 28 941 ans 28816, um 175, die Wohnungen sowie Dienst-, Geschäfts-, Arbeits-, Lagerräume von 619 227 auf 657 332,'um 8195, während das vorhergehende Jahr ein Plus von 184 benutzten Grundstücken und von 6831 Woh- nungen usw. gebracht hatte. Von 1910/11 zu 1911/12 erhöhte sich die durchschnittliche JahreSmtete pro Wohnung uiw. von 739 M. weiter auf 751 M., der durchschnittliche Jahresertrag pro Grundstück von 16755 M. auf 17132 M. Bei diesen Durchschnittszahlen ist zu beachten, daß der Durchschnitt pro Wohnung usw. stark durch die Miete teurer Geschäftslokale der inneren Stadtteile beeinflußt wird und daß der Durch- schnitt pro Grundstück zum Teil auch durch Zusammenlegung kleiner Grundstücke sich erhöht. Der gesamte Jahres- ertrag aller benutzten Grundstücke stieg von 1910/11 zu 1911/12 von etwa 480 Millionen Mark auf etwa 494 Millionen Mark, wieder um 14 Millionen. Der g e- meine Wert sämtlicher Grundstücke, der im Vorjahr auf 8872 Millionen Mark angenommen worden war, wurde für das Jahr 1911/12 auf 9122 Millionen Mark geschätzt, wieder um 250 Millionen höher. In der Säugliiigsfürsorgeslelle I findet im Januar Ivieder ein unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt, wöchentlich einmal. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2—4 Uhr im Bureau des Kinderhauses Blumenstr. 97. Verbilligte Hochbahnfnhrtcn. Seit Anfang November ist auf sämtlichen Haupt- und Neben- strecken der Hochbahngesellschaft und der in Tarifgemeinschaft mit der Gesellschaft stehenden Schöneberger Bahn ein ermäßigter Tarif eingeführt worden. Man fährt jetzt in III. Klasse für 19 Pf. bis zur fünften Haltestelle(bisher bis zur 4.). für 1B Pf. bis zur achten Haltestelle(bisher bis zur 7.), für 20 Pf. bis zur zwölften Haltestelle(bisher zur 10.), für 23 Pf. bis zur siebzehnten Haltestelle(bisher bis zur 13.). Auch für die entsprechenden Fahr- karten H. Klasse— 15, 20, 30 und 35 Pf.— gelten diese neu» eingeführten Verlängerungen der Fahrzonen. Von der Verbilligung nicht betroffen sind lediglich die Fahrten innerhylb der ersten und zweiten der oben aufgeführten Zonen, so iveit diese Fahrten über die neue Station„Gleisdreieck" hinwegführen. In allen anderen Verkehrsbeziehungen des Liniennetzes sind B e r b i l l i g u n g e n eingetreten nach Maßgabe der folgenden Uebersicht: Der bisherige 15 Pfennig- Fahrpreis ist ermäßigt auf 10 Pf. für die Strecken: Blllowstraße bis Bismarckstraße oder Hauptstraße; Nollendorfplatz bis Wichelmplatz oder Sophie-Charlotten-Platz; Wittenbergplatz bis Kaiserdamm oder Hauptstraße; Zoologischer Garten bis Reichskanzlerplatz oder Stadtpark; Charlottenburg Knie bis Bayerischer Platz; Bismarckplatz bis Viktoria-Luifen-Platz; Hallefches Tor bis Warschauer Brücke; Möckcrnbrücke bis SchlcsischeS Tor. Der 20 Pfcnnig-Fahrpreis ist auf 15 Pf. herabgesetzt für die Strecken: Bülowstraße bis Reichskanzlerplatz; Wilhelmplatz bis Stadtpark; Sophie-Eharlotten-Platz bis Stadtpark; Kaiserdamm bis Bayerischer Platz; Reichskanzlerplatz bis Viltoria-Luiscnplatz; Bis- marckstraße bis Hauptstraße. Statt bisher 25 Pf. werden jetzt 20 Pf. erhoben für die Strecken: Friedrichstraße bis Reichskanzlerplatz; Hansvogteiplatz bis Kaiserdamm; Spittelmarkt bis Wilhelmplatz oder Sophie- Charlotten-Platz; Reichskanzlerplatz bis Hauptstraße oder Prinzen- straße; Warschauer Brücke bis Spittelmarkt oder Knie oder Stadt- park; SchlesiicheS Tor bis BiSmarckstraße oder Hauptstraße; Oranien- straße bis Wilhelmplatz oder Sophie-Charlotten-Plotz; Kottbuser Tor bis Kaiserdamm. Endlich ist der 30 Pfennig-Fahr preis ermäßigt auf 25 Pf. für die Strecken: Warschauer Brücke bis Kaiserdamm und Reichskanzlerplatz; Schlesisches Tor bis Reichskanzlerplatz. Die uächste Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung findet am Donnerstag, den 9. Januar, statt. Die Tagesordnung ist eine umfangreiche. Sie beginnt mit den Wahlen für den Vorstand und den verschiedenen Ausschüssen. Die Jrrenhaus-Leidensgcschichte eines„Querulanten", über die im Gerichtstcil unserer Weihnachtsnuminer berichtet wurde, hat im Verlauf der Rechtsverfolgung für den nach dem jetzt rechtskräftig gewordenen Urteil des Bezirksausschusses also unnötig zwei Jahre in der Irrenanstalt Hcrzbcrge interniert gewesenen Zahntechniker Bargenda noch sehr bedenkliche Mißstände in der inneren Vcrwal- tung unserer Irrenanstalten zu erkennen gegeben. Schon mehrfach mußte getadelt werden, daß Irrenärzte mit dem festen Verwah- rungshause, das nur für sogenannte geisteskranke Verbrecher und schwer Tobsüchtige dienen soll, Mißbrauch treiben. In diese Häuser werden auch recht häufig Patienten gelegt, die nicht wegen vcr- brccherischer Handlungen interniert sind, aber irgendwie den Irren- ärzten aus die Nerven fallen, sei es durch Betonung üjrer Rechte, durch schwebende Prozesse wegen Entlassung und Aufhebung der Entmündigung oder sonstwie. Der Irrenarzt führt in solchen Fällen ein reines Willkürregiment und belegt Patienten, die sich ihm nicht widerspruchslos fügen, mit den härtesten Disziplinarstrafen. Das ist wahr trotz ällcr offiziellen Ableugnungcn. Unbestrafte müssen dann also mit schweren Verbrechern dieselben Räume teilen, wäh- rcnd umgekehrt wirkliche Verbrecher ebenso häufig in leichtere Stationen gelegt werden. Im Falle des Zahntechnikers Bargenda trat dieser Mißstand besonders grell hervor. Tie Verlegung nach dem Verbrechcrhause 8 erfolgte unmittelbar nach Ausstellung der Vollmacht für den Prozeßanwalt. Diese Ausstellung der Vollmacht war heimlich mit Hilfe von Besuchern bewirkt worden, weil man glaubte, daß der Internierte an seiner Rechtsvertretung gehindert würde. Die weitere Folge war, daß man Besuche nicht mehr zu- ließ. Erst durch zahlreiche Beschwerden konnte wenigstens der Tochter der Besuch auf wenige Minuten(!) mit jedesmaliger be- sonderer Erlaubnis der Aerzte ausgewirkt werden. Der Zahn- tcchuiker Bargenda, dessen Jnternieruug jetzt der Bezirksausschuß für ungesetzlich erklärt hat, wurde also noch schlimmer als der schlverste Verbrecher behandelt, und unter diesem Willkürregiment hatte die ganze Verwandtschaft und Bekanntschaft mitzuleiden. Die energischsten Beschwerden deS„Bundes für Jrrcnrecht und Irren- fürsorge", dem Internierten eine bessere Behandlung zu verschaffen, waren vergebens. Die Deputation für die städtische Jrrenpflege fühlte sich zu einer Antwort erst bewogen, als beim verstorbenen Oberbürgermeister Kirschner persönlich schärfster»Protest erhoben war. In oer Antwort, bw ein Gemcngiel von unhaltbaren ANS- flüchten ist, heißt es dann u. a., daß„der Internierte noch für die Rechtssicherheit anderer gefährlich sei und die Entlassung erfolgen werde, wenn für eine ausreichend sichere Unterkunft gesorgt ist. Tic Verlegung in das Vcrbrccherhaus sei erfolgt, weil B. auf seine Mit- Patienten einen schlechten Einfluß ausgeübt, es auch verstanden habe, heimlich Briefe aus der Anstalt zu senden." Eine Erklärung. welchen schlechten Einfluß die Verbrecher im Vcrbrcchcrhause auf den Nichtvcrbrechcr B. ausgeübt haben, ist die Deputation schuldig geblieben. Man sieht hier also an der Hand des Urteils des Be- zirksausschusses nunmehr ganz klar, daß die Deputat ion, die wokzl nur das Sprachrohr der Anstaltsdirektion war, sich in der Beurtei- lung der Sachlage ganz gründlich getäuscht hat. Das Urteil des Bezirksausschusses kann von weittragender Be- dcutung sein. Dem Eingeweihten ist es bekannt, daß unter ärgstem Mißbrauch deS Begriffs„Querulantcnwahn" in den Irrenanstalten noch viele Hunderte schmachten, die nach dem jetzigen Richterspruch entlassen werden müßten: Eine oktemnäßige Revision aller dieser Fälle erscheint dringend notwendig. Weil dem vierte» Sohne deS Kaisers ein Prinz geboren wurde, wurden am zweiten Feiertage abends gegen 6 Uhr im Lustgarten 72 Salutschüsse abgefeuert. Im Opernhauso erschien kurz vor Be- ginn der Vorstellung der Generalintendant in der Hoslogs und teilte von hier aus dem versammelten Publikum mit, daß der Kaiser ihn beaustragt habe, den Herrschaften von dem freudigen Ereignis Mit- teilung zu machen. Der Prinz August Wilhelm ist seit Oktober 1903 verheiratet. Der Schulanfang. Auf Antrag der städtischen Schuldcputation hat sich das Ägl. Provinzial-Schulkollegium damit einverstanden er- klärt, daß nicht nur im Sommer 1913, sondern bis auf weiteres der Schnlanfang um 8 Uhr beibehalten wird. Ebenso ist es auch den Rektoren und Hauptlehrern weiter überlassen, im Sommer den Schulanfang für die 8. und 7. Klassen um 8 oder 9 Uhr festzusetzen. Stadtrat Dr. Lederiiiann hat um seine Pensionierung zum I. April 1913 nachgesucht, wegen seines andauernd leidenden Zu- standcs. Die Weihnachtshändler auf dem Leipziger Platz, die dort alle Jahre ihre Verkaufsbuden hatten, haben in diesem Jahre zum letzten Male an dieser Stelle ihre Waren verkauft. Sämtliche Be- sitzer der kleinen Buden haben eine polizeiliche Verfügung erhalten, die dahin geht, daß die Errichtung von Buden und anderen öffeiit- lichen Verkaufssiänden ans dem Leipziger und Potsdamer Platz mit Rücksicht auf den hier zu allen Zeiten herrschenden starken Verkehr in Zukunft nicht mehr gestattet werden kann. Den Blumenhändlern und Blumenhändlerinnen soll eine ähnliche Verfügung bevorstehen. Der Zentralausschuß kaufmännischer und industrieller Vereine hat bekanntlich vor kurzem an den Polizeipräsidenten die Bitte gerichtet, den fliegenden Blumenhandel von der Erteilung einer polizeilichen Konzession abhängig zu machen. Gasvergiftungen haben an den Feiertagen schwere Folgen gehabt. Im Hanse Kraut» straße 40 wurde der Schuhmacher Gustav Richter mit seinen drei Kindern in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Die Frau des Richter wollte am Morgen Kaffee kochen, als die übrigen Familien» Mitglieder noch schliefen und drehte den Gashahn aus. Sie wußte nicht, daß ihr Mann am Abend vorher wohl den Haupthahn, nicht aber die übrigen Gashähne geschlossen hatte. Dadurch strömte das Gas aus und betäubte die noch schlafenden Kinder und den Mann. Erst spät wurde die Gefahr bemerkt; ein herbeigerufener Arzt ließ die Kinder und Herrn Richter nach dem Krankenhause bringen. Am ersten Feiertag vormittags nahmen Bewohner des Hauses L c nbach st r. 14 zu Lichtenberg intensiven Gasgeruch wahr und entdeckten, daß dieser aus der Wohnung der Äia emp f scheu Eheleute drang. Als man die Wohnung erbrach, fand man den 65jährigen Invaliden Oskar Äaemps tot im Bette vor; die Ehe- frau gab noch schwache Lebenszeichen von sich und wurde mittels Krankenwagens nach dem Kaiserin-Augnste-Viktoria-Krankenhausc gebracht, lvo sie schwerkrank daniederliegt. Der Mann war seit längerer Zeit krank, und es liegt die Vermutung nahe, daß er den Gashahn in selbstmörderischer Absicht geöffnet hat. Es ist aber auch möglich, daß es sich um einen Unglücksfall liandelt. Im ersten Stock des Hauses Ebertystr. 28 wohnt seit län- gerer Zeit der 72 Jahre alte Privatier, frühere Kolonialwaren» Händler August Maron mit seiner um ein Jahr jüngeren Ehe- frau Elwine geb. Maron und seiner 32 Jahre alten Tochter Bertha, die als Buchhalterin in einem größeren Geschäftshause tätig ist. Am ersten Feiertag wollten die alten Leute eine in der Mattern- straße wohnhafte verheiratete Tochter besuchen. Als sie bei dieser lveder zum Mittagessen noch zum Nachmittagskafsee erschienen, be- gab sich der Schwiegersohn nach der Ebertystr. 28, um sich nach der Ursache des Foribleibens zu erkundigen. Er ließ die Wohnung öffnen und fand zu seinem Schrecken die Schwiegereltern und die Schwägerin besinnungslos in ihren Betten liegend auf. Der Raum war mit Gas angefüllt. Es wurde nun sofort die Feuerwache alarmiert, die mit einem Sauerstoffapparat anrückte und Wieder- belebungövcrsuche anstellte. Bei Maron kam die Hilfe zu spät. Seine Leiche wurde später nach dem Schauhaus gebracht. Frau und Tochter wurden nach dem Krankentause Am Friedrichshain gebracht. Nach den Bekundungen der Verwandten und nach dem Befund in der Wohnung liegt lediglich ein Unglücksfall bor. Von den drei Hähnen der Gaskrone war ein Hahn osscu. Mit dem schwerkranke» Krude abgewiese». Ein Leser im Vorort Südende schreibt der„Deutschen Tageszeitung":„Meine in Stettin wohnende berheiratete Tochter weilte mit ihrem Manne und ihren beiden Knaben im Alter von 3 und 4 Jahren zu Besuch bei mir in Südende. Der älteste der Knaben erkrankte in der Nacht zum zweiten Feiertage plötzlich an DiPhtheritiS. Ans Anraten meines Haus« arzteS wandte ich mich mit meinem Schwiegersohn durch das Vor- mittelungSamt des Magistrats von Berlin am nächsten Vormittag 11 Uhr an das unker Leitung des Herrn Professor Baginsli stehende„Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinder-KrankenhanS", um Aufnahme meines Enkels bittend. Die Aufnahme d e S Kindes wurde mir zugesagt, sofern meine Tochter vom ständigen Verweilen am Krankenbette ihres Kindes Abstand nehmen würde. Nach Verzichtleistung meiner Tochter wurde mir gegen 1 Uhr die Aufnahme meines Enkels für 2 Uhr nachmittags zugesagt. Nach zeitraubender und kostspieliger Beschaffung des Krankenauto- mobils von Kopp aus der Lützowstraße nach Südende und von hier nach der Reinickendorfer Straße trafen die Eltern gegen 3 Uhr mit dem schwerkranken Kinde beim städtischen Kinder-Krankenhause ein, wo ihnen ungeachtet zweimaliger Zusage die Aufnahme vor» weigert wurde, weil daS Kind ans Siidende käme. Gin» stllndige nutzlose Verhandlung mit dem Portier und dex Krankenhalls» Verwaltung bewogen meine Kinder, mit dem schwerkranken Kinde im Kranlenautomobil die Heimreise nach Stettin anzutreten." Der Einsender knüpft an diese Angaben einige bittere Betrachtungen mehr persönlicher Art. die man durchaus verstehen. die aber nicht wiedergegeben werden brauchen gegenüber der einfachen Tatsache, daß in größter Angst schwebende Eltern mit ihrem todtranken Kinde am Weihnachtstage sozusagen aus der Straße liegen müssen. Darin liegt eine Härte, die der Einsender mit Recht roh nennt. Die Sachlage verschlimmert sich noch durch die vorher- gegangenen'Versprechungen, am meisten aber dadurch, daß ein derartiges Vorkommnis durchaus nicht vereinzelt dasteht in Berlin— in Berlin, das sich nicht genug tun kann in sogenannter Humanität." Der Magistrat dürft» nicht umhin können, zu der Sache sich näher zu äußern. Insbesondere auch über die Funktionen des Portiers, fiBcr dessen Walten in diesem Kranlenhcmse unS wiederholt Klagen zugetragen werden. Zusammenstoß eines prinzlichen Automobils mit einem Schlächter wagen. Als gestern nachmittag das Auto des Prinzen Friedrich Leopold mit einem Sohn des Prinzen durch N o w a w e s fuhr, stieß es in voller Fahrt an der Ecke der Wilhelm- und Grenzstraße mit einem eben um die Ecke biegenden Schlächterfuhrwerk zusammen. Dieses ging in Trümmer, und der auf dem Kulfcherbock des Wagens sitzende Pionier Willi Delock wurde gegen einen Baum geschleudert. Er erlitt einen schweren Rippenbruch und einen Nervenchok und mußte nach dem nahen Kreiskrankenhaus gebracht werden. Der Prinz ist nicht verletzt worden. Wenn man ein Menschenleben rette» will. Auf einer Hilfswache ist es drei Leuten, die einem Mit menschen in Lebensgefahr ihren Beistand geleistet hatten, sehr sonderbar ergangen. Am Montag, nach 9 Uhr abends, wurde im Hause Kurfilrstenstraße 149 der Zigarrenhändler Lang- berg in dem Laden, den er dort inne hatte, von einem Unfall be- troffen. Nachdem er die Ladentür abgeschlossen hatte, passierte es ihm. daß ihm an einem Fuß eine Krampfader platzte. Der Blut- Verlust scheint sofort sehr stark gewesen zu sein, so daß Langberg wohl bald von Schwäche befallen wurde. Da er sich ganz allem in dem verschlossenen Laden befand, so war er hilflos. Er konnte nur noch durch seinen Telephonnebenanschluß den Hausportier alarmieren, der das Telephon zu bedienen hat. Der Portier hörte am Telephon weiter nichts als ein paar schwache Rufe:„Hilfe! Hilfe!" und erkannte an der Stimme, daß Langberg rief. Da er im ersten Augenblick annahm, daß Langberg von einem Einbrecher überfallen worden sei, so hämmerte er gegen die Ladentür und wollte sie aurbrechen. Inzwischen hatte Langberg sich noch nach der auf den Flur hinausführenden Tür zu schleppen und diese zu öffnen vcrinocht. Hier sank er mit dem Rufe:„Ich verblute I" dem Sohn des Hausportiers in die Arme. In der Wohnung zeigte sich eine große Blutlache, so daß aufs neue die Annahme entstand Langberg sei das Opfer eines Uebersalles geworden. Der Portier und sein Sohn sowie ein aus einem Nachbarhause herbeigerufener Portier schafften den fast Bewußtlosen in einer Droschke nach der Hilfswache in der Steglitzer Straße. Nach dem sie ihn hineingetragen hatten, entspann sich zwischen dem Portier des Hauses Kurfürstenstraße 149 und einem Augestellten der Hilfs- wache— es ist nicht sicher zu ermitteln gewesen, ob es ein Arzt oder ein Wärter war— ungefähr folgendes Gespräch. Angestellter: »Sie können gehen!" Portier:„Aber ich muß doch erst wissen, wa� dem Mann fehlt." Angestellter:„Sie können gehen, das andere werde ich schon machen." Portier:„Aber, Herr, ich bin der Portier, ich muß doch die Frau benachrichtigen." An- gestellter:„Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen gehen; wenn Sie ge- braucht werden, werden Sie geholt." Das sagte der Herr, obwohl er noch gar nicht wußte, wer das war, der ihm den Kranken ein- geliefert hatte. Auch von dem Kranken selber kannte er weder den Namen noch die Wohnung. Erst als der Portier und seine Begleiter sich zum Gehen wandten, fiel dem Angestellten der Hilfswache das ein.„Ach so I Wie heißt der Mann?" rief er. Aber der Portier lehnte ab:„Jetzt haben wir beide nichts mehr abzumachen." Er ging und.benachrichtigte die Berliner Polizei von dem Unfall und ließ dann durch Bermittelung der Neuköllner Polizei die in Neukölln wohnende Gattin Langbergs herbeirufen. Langberg starb am anderen Morgen an den Folgen des Blutverlustes. lleber die Behandlung, die ihnen auf der Hilfswache wider- fahren ist, sind die drei empört. Daß sie dort sofortige Auf- klärung über die Art des Unfalles zu haben wünschten, ist begreiflich. Gewiß war für das Personal der Hilsswache die allererste Pflicht die, dem Verunglückten zu helfen. Aber die drei Personen, die ihn zur Hilfswache gebracht hatten, wären dort keinem im Wege gewesen. Statt sie kurz hinaus- zuweisen, hätte man sie im Vorraum warten lassen können, bis sich Zeit fand, ihnen Auskunft zu geben. Dieses Erlebnis auf der Hilfs- chache ist, wie sich denken läßt, über den Kreis der Nächstbeteiligten hinaus bekannt geworden und wird viel besprochen Vielleicht wird der Magistrat es für nötig halten, öffentlich zu erklären, wie er über daS Verhalten jenes Angestellten denkt. Einstweilen halten w i r es für nötig, öffentlich die Bitte auszusprechen, daß durch solche Erfahrungen niemand sich abhalten lassen möge, Kranke oder Verletzte nach Hilfswachen zu bringen__ Marken für die Zeitkarten der Straßenbahn. Die Große Berliner Straßenbahn hat eine Einrichtung getroffen, die dem Publikum die Besorgung der Marken für die Zeitkarten zu Ende und Ansang des Monats wesentlich erleichtern wird. Sie hat nämlich den Kreis der Stellen, an denen solche Marken erhältlich sind, dadurch erweitert, daß sie auch der Firma Paul I u h l den Verkauf von Marlen zu 7,10 M., 10,20 M., 20,40 M., sowie der Schülermarken im Werte von 3 und 4 M. übertragen hat. Der Verlauf findet vom 23. jeden Monats bis zum b. des folgenden Monats statt. Außerdem sind die Marlen noch wie bisher an folgenden Stellen erhältlich: Bei der HauptauSgabestelle Leipziger Platz 14, Eingang II, werktäglich von 3 bis 4 Uhr, am ersten und letzten Werltage im Monat von 8 bis 6 Uhr; bei der Zweigstelle Nollendorfplatz(Hochbahnrampe) am vor- letzten und zweiten Werktage im Monat von 3 bis 4 Uhr, am ersten und letzten Werktage im Monat von 8 bis S Uhr; auf sämtlichen Betriebsbahnhöfen vom 25. jeden Monats bis zum 10. des nächsten Monats werktäglich von 8 bis 3 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 2 Uhr und in allen Geschäften der Firma A. Jandorf u. Co., im Waren- hauS des Westens, in, Warenhause Joseph u. Co., Neukölln, Berliner Str. 64/65, Ecke Jägerstraße, im Warenhause Wilhelm Stein, Berlin H., Chausseestr. 70/71, sowie im Bureau des Vereins junger Kaufleute von Berlin, C., Beuth- straße 20 IL Ig] Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich am ersten Feiertag vormittags in Pankow. Vor dem Hause Berliner Str. 26 verließ die 76jährige Frau Rupprecht, trotz der Warnung des Schaffners, während der Fahrt den Straßenbahnwagen, kam zu Fall und zog sich so schwere innere Verletzungen zu, daß sie auf dem Transport in ihre Wohnung verstarb. Vor den, Hause Prinzenstr. 81 verließ die Verkäuferin Emilie Schulze den Straßenbahnwagen 3021 während der Fahrt, stürzte jedoch und zog sich eine Verletzung des Hinterkopfes sowie eine Ge- hiruerschütterung zu, so daß sie nach dem Urbankranlenhause über- geführt werden mutzte. Am Heiligabend Selbstmord verübt hat der 20 Jahre alte Mechaniker Johann Schendler aus der Oudcnarderstr. 7. Der aus Nürnberg stammende junge Mann war seit einem Jahre in Berlin ansässig. Seit längerer Zeit war er ohne Beschäftigung und bemühie sich vergeblich, wieder neue Arbeit zu finden. Jetzt hatte er alle seine Ersparnisse verbraucht, konnte keine Miete mehr bezahlen und mußte auch Hunger leiden. Seine Not ging ihm besonders am Heiligabend sehr zu Herzen. Als er allein in seiner Schlafftube war. machte er seinem Dasein durch Erhängen ein Ende. Seine Wirtin fand ihn bald darauf auf, doch war sein Tod bereits ein- getreten. Einen schaurigen Fund machten Donnerstag nachmittag zwei Knaben an der Fischerbrücke. Sie sahen dort in der Spree ein ver- fchnürteS Packet schwimmen, angelten es heraus und öffneten es. Zu ihrem großen Erstaunen fänden sie darin zwei Arme, einen Fuß und den Kopf eines neugeborenen Kindes. Mit ihrem schreckliche» Fund liefen sie zu ihren Eltern, die das�Packet der Polizei über- gaben. Diese ließ die Körperteile nach dem Schauhause bringen. Die Verhaftung eines Mordbuven wurde Ende November aus Groß-Lichterfelde gemeldet. Auf dem Nieselgut Osdorf sollte ein gefährlicher Ein- und Ausbrecher Albert Nagel, der wieder mehrere Mordversuche auf dem Kerbholz hat, ergriffen und unschädlich ge- macht worden sein. Es hat sich herausgestellt, daß der gefährliche Verbrecher wohl in der Gegend von Osdorf und Lichterfelde sich aufgebalten hat, ergriffen ist er jedoch nicht. Die irrige Meldimg von seiner Verhaftimg ist wohl nur darauf zurück niführen. daß man in jener Gegend eifrig noch ihin geforschi hat. Der Verfolgte, auf dessen Ergreifung eine Belohnung von 600 M. ausgeschrieben ist, ist t,72 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und tritt sehr geivandt auf. Früher pflegte er den GulSinspekior zu spielen. Die Kriminal- Polizei vermutet, daß er sich jetzt, noch in Berlin oder seiner näheren Umgebung aufhält. Durch Starkstrom getötet. Am Freitag vormittag wurde in der Allgemeinen Elektrizitütsgesellschaft, Brunnenstr. 107s, der 23jäh- rige Kranführer Wilhelm Lamprecht, Grünthaler Straße 30 wohn- hast, in dem Korbe eines Lastkranes anscheinend durch Berührung mit der Stromschiene vom Herzschlag getroffen und verstarb bald darauf im Lazarcttkrankenhaus. Bcethouenfeicr für die arbeitende Jugend Berlins. Zwei Un- sterbliche haben kurz hintereinander zum Herzen unserer loerkiäiigen Jugend gesprochen. Erst Schiller, und am zweiten Weihnachtstage Beethoven! Das war ein Weihefest in Tönen, wie es die hiesige Arbeiterschaft, geschweige denn ihr jüngster Nachwuchs kaum jemals erlebt hat. Genosse Paul G ö h r e leitete die Feier ein durch eine gedrungene, befeuernde Ansprache, die schlechthin als ein oratorisches Meisterstück zu benennen ist, und in der er Beethovens Jahrhunderte überliirmende Persönlichkeit in ihrem granitnen Wachsen und Reifen der arbeitenden Jugend zum leuchtenden Vorbild eines nacheifernden Slrebens vor Augen stellte. Aber dann redete der Musikheros selber durch die Küustler- schar, nämlich das von Oskar Fried so hervorragend gelenkte B l ü t h n e r- O r ch e st e r. Drei große Jnstrumentalwerke: die Pastorale-Sinfonie, das Violinkonzert. Opus 61. D-Dur, in dem Nikolas L a m b i n o n die Geige voll wundersamer technischer wie künstlerischer Vollendung singen und erklingen ließ, und die im gleichen Jahre(i807> geschaffene Leonoren-Ouverture Nr. 3. Endlich sang Fräulein M. Stapelfeldt, eine Altistin von großartiger, dabei edler Stimmgewalt, zwei Beetboveniche Lieder, die Herr Scholz in seiner stets durch seltene Feinheit gekennzeichneten Weise auf dem Flügel begleitete. Der phänomenale Vortrag löste wahren Jubel aus und bewirkte, daß die Künstlerin noch eine Gabe, nämlich den Hymnus„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" spendete, womit dann das ganze Konzert einen grandiosen Abschluß empfing. Bemerkt sei, daß Leo Kestenberg dies weihevolle Programm zu- tammengeslellt hat, während die erklärenden Begleittexte von den Herren Dr. Ernst Zander und Dr. Hugo Leichtentritt gegeben wurden. Irrtümlich wird in dem Text zur Leonoren-Ouvertüre der Gouver- neur rechtig«, ihnen als Zuhöre« belzumohilc,,. Arbeiter-Wanderverein»Berlin». Am 29. Dezember finden folgende Wanderungen statt: 1. Biesdorf, Kaulsdors, Hcidekrilg. Tresspuntt Schlesilcher Bahnhos 8'/,— 9 Uhr.— II. Johannisthal, Köpenick Raven- stciner Mühle, Heidelrug. TrefipunN Bahnhof Johannisthal S—Y ,10 Uhr. III. Fredersdors, BogelSdors. Kl..Schönebeck, ForsthauS Krummendamm. Heidekrug. Abfahrt 7.20 Schies. Bahnhos.— IV. Karishorsl, Sadowa. Heide- krug. Treffpunkt 10«/,— 11 Uhr Schief. Bahnhos.— V. Köpenick, Heidekrug. Tresspuntt t->/,2 Uhi Bahnhof Köpenick. v' v Wahlkreis Ueckermiinde Usedom- WollI». Die LandSmannschast ersucht Parteigenossen, welche aus dem Wahlkreise gebürtig sind und hier wohnen, sich zu der am 6. Januar, nachmittags 4 Uhr im Lokale von Rodrigo, Borsigstraße 24. tagenden Versammlung auS Parteiinteresse ein- zusindcn. Fretreligiöse Gemeinde. Sonntag, den 29. Dezember, vormittags II Uhr, Kleine Franksnrter Strasse S: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie« „Friedrich Nietzsche".— Damen und Herl en als Gäste sehr willkommen. Marktbericht vpn Berlin aniSI. Dezember I vi S. nacb Ermittelungen deS tönigt. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gule Sorte 19,70 bis 19,80. mittel 19,50—19,60. geringe 19,30-19,40 Raggen, gute Sorte 17.08-17,10. mittel 17,04—17.06, geringe 17,00— 17.02(ab«ah»/. FuMer. gerste. gute Sorte 17,80-18,40, mittel 17,20-17.70, geringe 16,60-17.10. Haser, gute Sorte 18,89—20,49, mittel 17,10— 16,70(frei Wagen und ab Bahn). Markthallenpreise. 100 Kilogr.. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50.00. Speilebohnen. weisse. 36,00—60,00. Linien 35,00-60.00. Kartoffeln(Kleinhdt.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Riiidflessch, von der Keule 1,70-2,-10. Rindfleisch. Bauchflcisch 1.50-1,80. Schweinefleisch 1,60-2.20. Kalbsteisch 1,40—2,40. Hammelfletsch U0— 2.40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,80-7,20. I Kilogramm Karpien 1,20-2.40. Aale 1,60—3,20. Zander 1.40-3,60. Hechle 1,40—2.60. Battche 1.00-2,40. Schleie 1,60-3,80. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebj» 3,00-34,00. Verwaltung Berlin. Folgende Zahlstellen sind verlegt worden: Zahlstelle 78 von Neukölln, Weserstr. 153, nach Wilden- bruchstrafte 8<», bei Nau. Zahlstelle 8Ä von Neukölln. Pannierstr. 54, nach Paunier- strafte 43, bei Hartmann. Einsetzer! Sonntag, den 29. Dezember, vorm. pünktlich 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 3: Branchen- Versammlung. Tagesordnung; 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Bericht über die Vertragsverhandlungen. 3. Neuwahl der Kommission und der Delegierten zur Generalversammlung. Sämtliche zur Kommission und als Delegierte vorgeschlagenen Kollegen Müssen anwesend sein. ——. Mitgliedsbuch legitimiert. Maschmenarveiter! Sonntag, den 29. Dezember, vormittags 10 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Außerordentliche Vpancken» Versammlung. Tagesordnung: l. Wie find unsere Arbeitsverhältnisse bester zu ge- stalten? 2. Branchenangelegcnheiten. KB. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Die arbeitslosen Kollegen sind besonders aus diese Versammlung aus- merksam gemacht. 193/3 Esißene Kflrschnerei. Reparataren jfnt, schnell, billigst. Eile zu Weile Spezialhaus für Pelzwaren Berlio S. 119 Dresdener Str. 119 am Oranienplatz, Hochbahn Kottbuser Tor. 1000 Pelzstolas Schals, Colliers, Mutten n_Vcne- offeriere ich infolge günstiger Abschlüsse zu hervorrag. billig. Preisen. Echt Skunks-Stola von 35 m. an. Nerzmurmel-Stola von 13,50 m. an mit Köpfen und Schweifen. Alaska-Fuchs-Imitation 7,50 M. Marder, Nerz, Persianer, Oppossum, Biber, Iltis etc. in allen modernen Formen stets am Lager.• n!d4A genau auf die Firma Dille Eile zu Weile Dresdener Str. 119 zu achten! Jedermann erhält die im Fenster ausgestellten Gegenstände sofort — für den bezeichneten Preis.— Sonntags geöffnet. P: , atente etc. erwirkt u. verwertet anerk. schnell Civ.-Ing. 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B-olies Kaprice. In Sachen Katzenslein. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Ansang 8>/, Ubr. Neues BolkS heater. Die Doppel- gäiigcrtomödi«. Neues Operutheaier(Kroll). Rustls�es Ballett. Ansang�tü�Uhr. Admiralspawst. ElSballell: Dvonnc. Sternwarte. JnoaUdenstr. 57—62 ßelilüei'-IIieslei'oHb�' Sonnabend, atendS 8 Ubr: Die Lokalbahn.— Die Medaille. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kopf nnd Schwert. Sonnlag, abends 8 Uhr: Die Scbmetlerllngsschlacbt. Montag, abend» 8 Uhr: Der Talisman. Schiller-Thealer Sonnabend, abends 8 Uhr: 008 Pfarrers Tochter von Streladorf. Sonnlag, nachmillags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Sonnlag, abends 8 Ubr: Ote Kinder der Exzeilena. Montag, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Berliner Theater. Filmzauber. 6 Uhr: 8 uhr: Die fünf Fraudfurter. DentnebesSehanGpIellian» 8 Uhr: Ter gntsitzende Frad. jstontis Vperetten-Ikeater fsr. kisnes Theatsr). Amt Norden 1141. 3 Uhr: Der Frauenfreffer. fiieztei' m Nollenilorlplate S. Nachm. 4 Uhr: Schneewittchen. Abends 8 Ubr. Orpheus in der Unterwelt. ,fhrBesilleni-Theater.J|.r, Zum I. Male Mraustübrung): Ble Frau Präsidentin. (Madame la Prösidente). Schwankt. 3 Akt. v.Hennequin u. Veber. Morg. u. folg. T.: Die Frau Präsidentin. Sonnlag. 29. Dezb., nachm. 3 Uhr: Alles für die Firma._ Luisen-Theater. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Klnder. vorstell.: Doldener, das Sonntagskind. Abends 8 Uhr: Berlin-Hamhurg-New York. Gr. rom.-fom. Ausl'tulungs- stück von Ernst NitterseldL Musik von Georg Runsky. Sonnlagnamm. 3 Ubr: loh lasse Dich nicht Abds. 8: Derlin-Uambg.-st. Y. I0SE=THEATE 1 Grotz« Frankttinei äti 132. Nachmillag 4 Ubr: Goldhärchens Himmel- Wends 8 Uhr: Die Sünde» der oberen Zehntausend. Sonnt, nachm. 8 Uhr: De, grofte Nnbekannte. 8 Uhr: Drr Sünden der oberen Zehntausend. Urania Wissenschaftliches Theater. Tanbenstrafie 48/49. Hörsaal 4 Uhr: Anf* mattorhorn! Abends 8 ühr: Parti, nnd die Künies- ■chlÜHser von Versailles. A bends ab 8 Uhr! Mar noch 3 Tage der gr. 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Erwachsene ein Kind unter 10 Jahr, auf a. Sitzplätzen frei. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Sonntag- den Lg. Dezember» nachm. 4 Uhr: Unter dem Weihnachtsbaum. Voigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstr. SS. Sonnabend, 28. Dezember 1912 (Ersatz für die Freitag-Abonnenten): Ein Drama aus den ßalhanCtaaten. Schausp. in 4 Ausz. v. L. Ganghoser. Kassenerö sin un g 7 Uhr. Ans. B'l, Ubr. Polles Caprice. «üglich«'/. Uhr: vie Novitäten s In Sachen Katzenstetu. Die Doppelstrma. Die Dochter der Braut. Thsglsr Königstadl-Gaslno. Ecke Hoizmarfl- u. Alexanderstraße. 1 Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke Tägl. abdS.'/,8, Sonnt'/,B Uhr: iEnteru» Chrlstbanm. Volke stück in 2 Bildern und das groft. Spezialitätenprogramm Jed. 1. u. IB.: Programmwechsel. Irionov-Tdesler. Ansang 8 Uhr: Die Ernte— Die Beute! Sonnlagnachm. 3 Uhr: Der selig« Doupinek. 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Wir vertieren in der Dabin- geichicdeneu eine sicls arbeils- sreudige, hilssbereitc Genossin. Ehre ihrem Andeute»! Die Beerdigung sindet heute, Sonnabend, den 28. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr. von der .Halle des Zciilral-Zriedhojes in Friedrichsseide ans statt. Uni rege Beteiligung ersucht 13/15 Oer Zenlralvorstand. Allen Freunden, Bekannten, Berwandlcn und Parteigenossen die traurige Nachricht, dah mein lieber Mann, unser guter Vater, der srnhere Restauratcur Fritz Donath nach langen Leiden am Dienstag verstorben ist. 63Zl Dies zeigen tiesbctrübt an Oie trauernde Gattin nebst Kindern. Die Bcerdigimg sindct heute, Sonnabend, den 28. Dezember, nachmittags 3 llhr, von der Halle des 1. schöneberger ftädiischen Friedhojcs, Ntaxstratze, ans statt. Sozialdemokratischer Vah!?ereiii L(Bezirk 10.) Am Dienstag, den 24. Dezember, verstarb nach langem Leiden niiscr Mitglied, der Ziestaurateur Fritz Donath. Ehre seinem Andenken! . Tie Beerdigung sindet heute, Sonnabend, den 28, Dezember, nachmittags 3 lihr, �ou der Halle des 1. Schöncberger städtischen Friedhofes, Mariiras-e, ans itatt. Ilm rege Beteiligung ersucht 16/14 Der Vorstand. Für Mitglieder des Gesang- Vereins„Schöncberger Männer- äioi" Tresspunkt 2�/, Uhr beim Gastwirt Bosenthal, Gustav- Freitag-Str. 2.____ Verhaml d. Brauerei- uJuhleü- arbeiteru.verw.BeruisgeQosset]. Zahlstelle Berlin. De» Milgliedern zur Nachricht. das; am 24. Dezember der 5lollege pfieäfick vonatk (zulcbt SchloßbraucreiSchöuebcrg) nach langem, schwerem Leiden vcr- starben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sindct heute Sommbend, den 28. Dezember, uachwittngs 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gcmcinde-Friedhoscs in Schöncbcrg, Marstragc, aus statt. Rege Bctciligüilg erwartet 44/6 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Wahlvcrcin, Bezirk 16, dem Sparverein„Einigkeit" (1009) sage für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bcerdi- gung meiner lieben Fran imngslcti Dank. Wilkelm Reseg. Verhand der freien Gast- onti Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Schöneberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege friiz Donath am 24. d. Ms., nach langem, schwerem Leiden im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung sindet am Sonn- abend, den 28, d. M., nachinitlags 3 Itbr, von der Leichenhalle des FricdhoseS in der Marstraste aliS Itatt. Um recht rege Beteiligung bittet 74/12 Der Borstand. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung so- wie die Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen denen, die daran teilnahmen, ansrichligcn Dank. s>793b Im Namen der Hinterbliebenen Jnstiun Pciskcr geb. Hosfmann, Schinelbeincr Strastc 47._ Sozialdemokratischer Waitlvereio für diederharnim. Bezirk I-ichtenberg. Nachruf. Den Genossen zur Nachricht, das: unser Mitglied Franz Jaenicke Nicderbarnimstrahe 16 verstorben ist. 19/7 Ehre fciitcut Andenke»: _ Die Bezirksleitung. ■ Am Donnerstag, den 26. De- zembcr(2. Wcihnachtsjcicrtag), verschied nach schwerem Leide» unser inniggelicbler Sohn Erich im Alter von 5 Jahren infolge einer Operation im Joseph- zirankenhause in Potsdam, Dies zeigt schmerzersüllt an Die trauernde Familie Barl(»etbert nebst Frau 82A und Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, de» 29, Dezember, nachmittags 3>/z Uhr, von der Teltower Leichenhalle aus statt. All«! Verwandten, Bekannten, Partei- und Sportgenossen die traurige Nachricht, daß meine inniggelicbte Fran 1799b Mars Giesler nach kurzem schilleren Leiden am 24. d. Mls. verstorben ist. Der trauernde Gatte Frist Gicolcr, Lettcstr. 21. Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den 28, d. Mts., nach- mittags 2'/. Uhr. von der Leichen- Halle des Acntral-Fricdhoses in Fricdrichsscldc aus statt. MmMer-lUe Marke Gambrinns. Warm gefüttert. 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Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des St. Pius-Kirchboses in Hohen-Schönhauscn aus statt. Für die viele» Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben unvergehlichen Sohnes Gnedav sagen wir»allen daran Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 22A Familie Meininger. jßusitcB 28.JUzmber � Deutscher Bauarbeiterverhand. Zwcig�vcrein Berlin. Am 25. Dezember starb unser Mitglied, der Maurer «Johsiin Graß (Bezirk Nordost). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Soimtag, den 29. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle der PiuS-Gemeinde in Hohen-Schön- Hansen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 148/6 Der Vorstand. »»WWW Am Montag, den 23. Dezcm- bcr d. I., früh 4 Uhr, wurde unser lieber Vater, Schwicger- vatcr, Grogoatcr. Bruder und Schwager, der Fabrikant Robert Marsch im 61, Lebensjahre von feinem langen, schweren Leiden durch den Tod erlöst. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen zeigt dies an lohsmia Teidei geb. Marsch. Bcrlin-Lichtcrscldc, Albrech tjtr. 15. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 28. Dezember 1912, nachmittags 12'/, Uhr, in Leipzig statt. ILOIb Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tciliiahuic bei der Beerdigung meines SvhncS, unseres Bruders Usix Krnschke sägen wir allen Beteiligten unseren besten Dank. 56� Üntffijltf nebst Kindern. Beutscher Transportarheiter-Verband. Bezirksvcrwaltung Groll-Berlin. De» Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Kollegin, die Botensrau Raroline Tiedemann am 25. d. MtS. im Alter von 63 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Zlndenke»! _ Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 28. Dezember, nachmittags3 Uhr.von der Leichen- Halle des Bartholomäus-Kirchhofes inWcistensce.FalkenbergerChaussce, aus statt. 69/16 Die Bezirksverwaltung. cJtiw 2$ Das größte Abonnementshaiis feinster Herreil-Moden J. Stock& Co. verkauft seine Monats-Garderobe direkt an Private. 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Herr Bloch ist ein kläglicher Schwächling, der seiner Gattin wiederholt feierlich schwur, Frau Bridgemann, die um seinetwillen von ihrem Mann vor die Tür gesetzt worden war, zu verlassen und gleichzeitig diese seiner unerschütterliche» Treue versicherte. Frau Bridgemann soll— und man hat keinen Grund, diese Aussage der Frau Bloch zu be zweifeln— der Rivalin den höhnischen Rat gegeben haben:„Ich habe mir einen Geliebten genommen, machen Sie mir's nach Und Frau Bloch ist erst recht keine rührende Tragödienheldin. Sie hat Frau Bridgemann erst bei ihrem erwachsenen Sohn, und als dieser ihr nicht glaubte, bei ihrem Ehemann denunziert. Daß sie ihre Bluttat vorsätzlich ausgeführt hat, geht daraus hervor daß sie Frau Bridgemann, mit dem Revolver ausgerüstet, in ihrer Wohnung aufgesucht hat. Sie hat übrigens die Mordabsicht vor Gericht gar nicht geleugnet.„Ich habe meine Liebe rächen wollen"— mit dieser miserablen Romanphrase erklärte sie ihre Tat. Und sie setzte hinzu, daß die bloße Untreue ihres Mannes sie nicht dazu veranlaßt hätte, denn alle Männer betrögen heut zutage ihre Frauen, sondern der Umstand, daß Frau Bridgemann den ihren ganz gefangen genommen hätte. Am Montag haben nun die Geschworenen Frau Bloch frei gesprochen. So rücksichtslos der Kleinbürger verurteilt, wenn er eine Gefahr für das Eigentum wittert, so sentimental ist er. wenn ihm ein Melodrama der Bourgeoisfamilie vorgeführt wird. Es gibt zwar Zeitungen, die den Freispruch entschuldigend mit dem „Ekel" erklären wollen, den die wackeren Geschworenen über die ganze verderbte Sippe, worin sich der Mord zugetragen hat, en.psunden hätten. Aber in Wirklichkeit ist ihr Urteil nur ein Symptom der zunehmenden Verrohung und Ge walttätigkeit der bürgerlichen Gesellschaft. Es gehört in dasselbe Kapitel wie die Wiedereinsührung der Todesstrafe und die„wissenschaftliche" Entthronung der Humanitätsideale zugunsten des Instinkts und der brutalen Kraftmeierei einerseits, des ge heiligten moralischen Herkommens andererseits. In der Verhand- lung gegen Fron Bloch haben nicht nur die Geschworenen ihre Moral kundgegeben, sondern auch der Gerichtshof. Der Gcrichtsrat Bertulus tadelte den vertrauensvollen Herrn Bridgemann, weil in einer Ehe, wenn auch nicht ein Uebermaß von Eifersucht, so doch ein wenig davon nottue; er putzte Herrn Bloch herunter, weil er die Gesetze der Galanteric verletzt habe. die„geweiht wie die des Strafgesetzes" seien. Viel schlimmer aber war sein Ausspruch:„Ich begreife es, daß jemand, der an Eifersucht leidet, die Wurzel des Uebels auszureißen sucht, indem er denjenigen, der di� Ursache ist,(tütet." Allem aber setzte ein Ausspruch des öffentlichen Anklägers Fournier im Plaidoyer die Krone auf:„Frau Bloch hatte ein vorbezeichnetes Opfer, bei sich daheim— es war ihr Mann. Hätte sie ihren Mann getötet, so hätten wir uns nur schweigend zu beuge n." Diese Rechtfertigung des Mordes am Ehebrecher ist auch für die Bourgeoispresse zu starker Tabak— man denke nur, wohin die Befolgung dieser Maxime sühen würde!— und Herr Fournier wird dieses allzu offene Be» kenntnis zur Lynchjustiz vermutlich zu bedauern haben. Charakte» ristisch bleibt es nichtsdestoweniger für die Entwickelung der moralischen Anschauungen in der AusgangSperiode der bürgerlichen Gesellschaft._ Ter Tod in der Grube. Ein schweres Grubenunglück hat sich am Weihnachtsabend in dem Kalibergwerk Adolfglück bei Schwärm- stedt(Provinz Hannover) ereignet. Durch die Entzün- dung brennbare,! Gase erfolgte in dem Schacht eine Explosion, bei der ein Steiger, ein Drittelführer und drei Bergleute getötet wurden. Ein anderes bedauerliches Grubenunglück wird aus G a l i z i c n gemeldet. In den Kohlenbergwerken bei Jaworzne wurden ini Schachte Helene durch herabfallende Erdmassen mehrere Arbeiter verschüttet. Drei Arbeiter »vurden nur als Leichen geborgen, zlvei andere waren nur leicht verletzt.____ Weihnachtsstürme. Ein orkanartiger Sturnt, der in den Abendstunden des ersten Feiertages einsetzte, hat an den europäischen Küsten und namentlich im Kanal großen Schaden angerichtet. Zahlreiche Schiffe sind während des Unwetters gescheitert; andere mutzten in stark beschädigtem Zustande in die Häfen zurückkehren. Ueber das Unwetter berichten die folgenden Telegramme: Hamburg, 26. Dezember. Durch den starken Sturm der der- gangenen Nacht wurde zum Teil erheblicher Schaden an- gerichtet. Die Feuerwehr wurde fortgesetzt zur Hilfeleistung herbei- gerufen. Das Dach der Luftschiffhalle bei Fuhlsbüttel wurde teil- weise abgedeckt. Die Feuerwehr war annähernd sieben Stunden in Tätigkeit, um den Schaden notdürftig auSzu- bessern. Die in der Halle untergebrachten Flugzeuge sind unbe- schädigt. Der Sturm, der insbesondere zwischen 12 und 1 Uhr außerordentliche Stärke angenommen hat, richtete auch im Hafen und auf der Unterelbe bedeutenden Schaden an. Eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge ist gesunken'oder gestrandet. Die Besatzungen wurden in allen Fällen gerettet. Ein Dock von Blohm u. Votz wurde mit den Ankern vertrieben. Bei Brunshausen ist eine deutsche Jacht gestrandet. Lübeck, 27. Dezember. In der Nacht zum Donnerstag brach in- folge des orkanartigen Sturmes aus dem Hochofeniverk ein V e r- ladekran zusammen und begrub unter seinen Trümmern ein Häuschen, in dem sich sieben Arbeiter befanden. Einer von ihnen wurde getötet, die übrigen zum teil schwer verletzt. Grcifswald, 26. Dezember. Auch in Vorpommern hat der Orkan in der vergangenen Nacht großen Schaden an- gerichtet. Es wurden Ferirsprechleitungen zerstört, Lichm, asten um- geworfen, Dächer beschädigt. Die alte Greifswalder Marienkirche hat stark gelitten. London, 26. Dezember. Der außerordentlich heftige Sturm hat an allen Küsten und im Innern des Landes großen Schaden angerichtet. In P l y m o u t h wurden einige Dächer abgedeckt und mehrere Schiffe an die Küste getrieben. Der italienische Dampfer»Tripolitania" scheiterte in Mounts Bay, wobei ein Mann von der Besatzung ertrank. Jn Southampton trat eine Flut ein. die die höchste seit 66 Jahren ist. Die Wogen überspülten am Nachmittag die Eisenbahn, so daß die Züge bis an die Achsen im Wasser fuhren. Auch die Elektrizitätswerke wurden überschwemmt, der Dienst der Straßenbahn wurde daher für einen großen Teil des Tages ein- gestellt. Viele Straßen wurden überflutet. Die Fußgänger mußten in Booten nach Hause gebracht werden. Auf dem Thne sind viele Schiffe 3—4 Tage überfällig. London, 26. Dezember. Ein heftiger Sturm hat zahlreiche Schiffsunfälle herbeigeführt, namentlich in Devon und C o r n- wall, wo die Stürme mit heftigem Gewitter ver- b un den waren. Zwei Passagierdampfer und andere Fahrzeuge sind gestrandet. Die meisten Telegraphen- und Telephon- Verbindungen sind unterbrochen. London, 26. Dezember. Infolge des heftige» Sturmes im Kanal sind der brasilianische Dampfer„ G o y a z" und drei Schoner in der Nähe von Plymouth gescheitert. Die Dampfer, die den Verkehr über den Kanal vermitteln, kommen mit stundenlanger Ver- spätung an. Paris, 27. Dezember. Seit gestern wütet ein heftiger Sturm an der ganzen französischen Küste. Im Hafen von Le Havre sind zahlreiche beschädigte Schiffe eingetroffen. Die Paketdampfer, die den Verkehr zwischen Frankreich und England vermitleln, haben den Betrieb eingestellt. Auch in Calais und Dover sind zahlreiche Schiffe eingetroffen, die ihre Weiterfahrt infolge des Sturmes aufgeben nmßten. Der englische Dampfer „Norund" von der Peninsular and Oriental Line hat durch ein drahtloses Telegramm um Hilfe gebeten. Das Schiff faßt 5/z Uhr abends, Sonnabends, von iV; bis 0 Uhr abends statt. Jeder für den Briestafte» brstiinmtc» Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl alS Aicrlzctchen betzusiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSquittung beigefügt ist, verde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Louis, Weifte» fce. 2 M. für das Kalenderjahr.— Höver S8. 1. Nein. 2. Beantragen Sie zunächst bei dem Pfarramt die Berichtigung der Urkunde.— Zl. D. 77. Der Ausiritt kann am dritten Feiertag er- klärt werden.— St. S. 50. 1. Nicht bekannt. 2. Etwa 20 M., falls Sie nur Ihren eigenen Unterhalt zu bestreiten haben.— F. D. F. S. 1 und 2. Behalten Sie die Miete zunächst ein und machen Sie der Gc- richtskasie eine entsprechende Mitteilung mit dem Bemerken, daß Sie die Miete nach Abiaus einer Woche an den Vermieter zahlen werden, salls nicht eine Berichtigung erfolgt. Gebt vor Abiaus der Frist ein BerichligungS- beschluß ein. so tönnen Sie, salls es sich um einen Psändungs- und Ueber« weisungsbcschluß bandelt, an die Gerichtstasse zahlen, andernsalls an de» Vermieler. 3. Nach de» üblichen Mictsverlrägcn nicht zulässig. 4. und A. Dt. 7. Den vollen Betrag nur dann, lvenn die Kasse sich mit der Ausnahme einverstanden erklärt hat, andernsalls nur in Höhe der statutarische» Mindestleistungen.— M. 18.„Verjährung" liegt nicht vor. Die Fortuahine de? Kindes erscheint möglich.— X, Ja. — 1892. Zwanzigjährig. Abonnent. Die beim Militär, als auch vor Gericht. Zum �. Betreffende nicht verpslichicl. Die Kirchensteuerpflicht hört mit Ende, des Kalenderjahres am. welches dem Jahre folgt, in dem der Austritt geschehen ist.— Th. 31. Eine solche Verpflichtung hat der Vermieter nicht.— D. Die Miete müssen Sie bezahlen, am zweckmäßigsten an den Vermieter direkt. Nach ersolgter Zahlung jordern Sie die Beseitigung der Mängel unter Setzung einer Frist von vielleicht einer Woche. Verstreicht die Frist frucht« loS, so llagen Sie beim Amtsgericht.— Th. M. 971 Derartige Hand- Inngen sowie Ratschläge dazu werden mit Zuchthausstrase geahndet.— Dt. K.»450. Ja.— R. N.». Sie sind zahlungspflichtig. Der Lohn ist befchlagnahmesähig soweit er 28,85 M. wöchentlich oder 125 M. monatlich übersteigt.— Fr.«. 85. Jnjolge der Zusicherung des.Hauswirts waren Sie bcsugt, die restlichen Sachen sortzuholen. Ihre Schwiegermutter kann Klage ans Herausgabc erbeben, und Sie als Zeuge sür die Zusicherung deS Hauswirts benennen. Der von Ihnen erwähnte Ausdruck in dem Schreiben des Hauswirts stellt eine Beleidigung dar, wegen welcher Ihre Schwiegermutter die Privaiklage erheben kann.— E. K. 25. Nein. muyuu;.—»v««O"- Die Vereidigung erfolgt sowohs sonntäglichen Kirchgang ist der Kleine Notizen. In den Flammen umgekommen. Am Dienstagabend der Färberei von Rogasch in W e i ß e n s e l S ein Brand brach in aus, der Briefkasten der Expedition. Palienlen in Beelitz, Buch und anderen HeUstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wolle» uns wegen der Uebcrweisung von Frei- cremplaren sojort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung dt« ersten Nummern des neue» Nionals von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. £eske*Stii|iecki: Schönhauser Ällee 70 e, fla"sÄ i Herren- und Knaben-Bekleidung fertig und nach Maß. Moderne Winter-Ulster I Paletots, Anzüge, in allen Preislagen. Elegante Maßanfertigung.* Arbeiter-Oerufs-Kleidung. Telephon Amt Norden, 2632. 2, 3 ® N ■P 2. Nur Prinzen-Allee 57 8-- s Nur Prinzen-Allee 57| Die Spezial= Seifenhandlung """"'" F. 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