N». 303. B'oanncmentS'BcdJniühgcn: «BoimfiKcnt#- Preis vränumcrando: Bicrleljährl. Z,M W!., nwnatl. 1,10 Mk.. wöSenilich 28 Psg, frei ins HauS. Einzelne Sinnuncr 5 Psg. Sonntags- nnnnncr mit illustrierter Sonntags- Dcilaae„Die Neue Weit" 10 Psa. Post. »Ibonncnicnl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Jcitmigs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnenrents nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. CrltiKint Iis»» auStr illsiitag». Verlinev Volkslrlcrkk. Die TnfertionS'Gcbüljr beträgt für die sechSgcspaltcnc Kolonel- geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gcwerlschaftliche Bcreins- und BersnmmlungS-Anzeigen 30 Pfg. „kleine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wertere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „S«laltiii»»lilat BcrllD". Zentralorgan der fozialcUmokrat» leben Partei Deutfebtands. Redahtton: 8Rl. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplati. Nr. 1983. Sonntag, den 39. Dezember 1913. Expedition: SM. 68» landenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Nr. 1984. Lin Satyripicl als Prolog Paris, 25. Dezember,(©ig. Ber.) STm 17. Januar wird der Kongreß, die in Versailles tagende Versammlung der Deputierten und Senatoren, den neiie» Präsidenten der Republik wählen. Bis vor etwa einer Woche mit merkwürdiger Interesselosigkeit betrachtet, ist dieses Geschäft jetzt der Mittelpunkt der Treibereien, Werbungen und Winkelverschwörungen geworden, die für die Abergläu- bigen des Parlamentarismus die Triebkräfte der politischen Geschichte darstellen. Man braucht indes auch die Bedeutung die das Ergebnis der Wahl selbst haben kann, nicht zu über schätzen, um den Vorgängen dieser Tage einige Aufmerksam keit zu widmen. Um so mehr, als vorauszusehen ist, daß in der kommenden Periode die Rolle des Präsidenten nicht die rein repräsentative sein wird, als die sie anzusehen man sich unter dem bequemen Herrn Fallivres gewöhnt hat. In einer Artikelserie hat der„Tcmps" seit dcni Sommer Unter suchungen vor ollem über die Frage angestellt, inwiefern die Verfassung der Republik eine stärkere Initiative des Präsidenten erlaubt. Der Wunsch nach einem„starken Mann", der sich schon vor 7 Jahren in der Kandidatur D 0 u ni e r s kund gab, ist unleugbar seither in den bürgerlichen Klassen noch stärker geworden, je mehr die internationale Spannung und die Klassengegensätze im Innern zunahmen und der zersetzte Parlamentarismus seine Rat- und Willenlosigkeit offenbarte. Die nahe Zukunft aber könnte einen Staatschef mit entschie denen lleberzeugungen und Energie ini Handeln verlangen. In der inneren Politik könnte sich der Gegensatz zwischen der proporzfreundlichen Dcputiertcnkammer und dem verstockt majoriiärcn Senat leicht zu einem Konflikt zuspitzen, worin der Intervention des Präsidenten ein entscheidender Einfluß zukäme. Welche Bedeutung über die repräsentative Rolle hinaus aber eine aktive Persönlichkeit auch innerhalb der durch die sorniellc Parlainentshcrrschaft gezogenen Grenzen für die Wandlungen der internationalen.Verhältnisse erlaiigcn kann, hat die Tätigkeit Eduards VII. gezeigt. Von der auswärtigen in die innere Politik spielt ferner das k i r ch e n p 0 l i t i s ch c Problem hinüber, das durch den Auflösungsprozeß der Türkei einer neuen Wertung zugetrieben wird. Kann die Republik, die die alten Protektoratsrechte über die orientalischen Christen als Eingrisfsstcllcn für ihre Auslandspolitik benützen will, die Ignorierung des Vatikans auf die Dauer fortsetzen? Wird sie nicht von den unoffizicllen Beziehungen, die in den letzten Jahren schon angeknüpft worden sind, zur Wiederherstellung der offiziellen übergehen müssen? Und wird sie dies können, ohne im Land selbst das Verhältnis von Kirche und Staat in eine für die Kirche freundlichere Ordnung zu bringen? Gerade in diesem Bereich aber könnte die Haltung des Präsi deuten folgenreiche Veränderungen bewirken. Unter diesen Umständen ist es wohl begreiflich, daß die herrschenden republikanischen Parteien die Präsidentenwahl nicht dem Zufall unvorbereiteter Abstimmungen anheimgeben, sondern durch eine vorhergehende Organisation ihrer Kräfte zugunsten eines der Mehrheit genehmen Kandidaten sichern möchten. Ganz abgesehen von dem üblen Eindruck, den es auf die Volksmassen machen muß, wenn der oberste, die Re- publik verkörpernde Beamte nicht als erkorener Vertreter politischer Ideen, sondern als Nutznießer einer von Gruppen- und Personeninteressen hervorgerufenen Zersplitterung sein Amt erlangt— vielleicht gar mit dem falschen Zeichen der „zweiten Garnitur" gemärkt, die zu Ehren kommt, weil der gegenseitige Neid der herrschsüchtigen Wahlmacher und Wahl- Werber dem Präsidentenpalast die e r st e vorenthält.— Die Frage ist nur, wer an dieser Vorbereitung teilnehmen soll. Auch bei den früheren Präsidentenwahlen ist der Versuch, in einer Vorabstimmung der republikanischen Parteien der beiden Kammern einen gciiieinsamen Kandidaten der Republikaner zu finden, gemacht worden— allerdings ohne eine diszipli- nicrte, dem Mehrhcitswillen gemäße Haltung auf dein Kon- greß zu sichern. Nun darf man nicht übersehen, daß die poli- tischen Umstände der Wahl sich im Lauf der Jahre durchaus verändert haben. In den ersten Jahrzehnten der dritten Re- publik, als der Bestand der Staatsform noch nicht durchaus gesichert war und im Parlament selbst offene und stille An- Hänger einer monarchischen Restauration in ansehnlicher Zahl vorhanden waren, mochte die Aufstellung eines gemeinsamen „republikanischen Kandidaten" nicht nur eine Demonstration der siegreichen Demokratie, sondern auch eine Sicherung gegen Ueberrumpelungen bedeuten. Das gleiche konnte auch wäh- rend der Treyfuskrise, nach dem Tod Felix Fan res gelten. Heute sind die Antirepublikaner in den Kammern auf ein winziges, einflußloses Häuschen zusammengeschmolzen. Sicherlich täte man unrecht, die reaktionäre Propaganda, wie sie im Land namentlich von den begabten Demagogen der „Action Fran?aise" betrieben wird, und die imperialistischen Neigungen eines Teils der Großfinanz zu ignorieren, aber im Parlament gibt es. sofern nicht alle bürgerlichen Rich- hingen gegen die sozialistische Opposition zufammenstehen, zwischen ihnen keine anderen Kämpfe, als um den Platz an der republikanischen Staatskrippe. Es ist also klar, daß, so- lange die Sozialisten nicht stark genug find, um das Wahl- crgebnis zu entscheiden, die bürgerlichen Parteien keinen An- laß haben und darum auch nicht die Möglichkeit finden können, einen gemeinsamen Kandidaten auszustellen. (Etwas anderes wäre es mit der Kandidatur, die einem Vertrauensmann einer durch die Gemeinsamkeit ihrer poli- tischen und sozialen Grundanschauungen gebildeten und um- grenzten Parteiengruppe übertragen würde. Im Senat haben die Bürgerlich-Radikalen eine bedeutende Mehrheit, in �cr Deputiertenkammer bilden sie mit den unabhängigen So- zialisten eine gute Hälfte. Was wäre also natürlicher, als daß die verschiedenen Fraktionen, die in beiden Häusern die radikale Linke zusammensetzen, sich zur Wahl eines gemein- schaftlichen, die Ideen der radikalen Demokratie vertretenden Kandidaten verbänden? Ein solches Vorgehen schien in der Tat vorgeschrieben und der Kandidat vorbestimmt: L�on Bourgeois. Ohne gerade eine Persönlichkeit von genialer Veranlagung zu sein, ragt dieser gebildete, charaktervolle und in der idealistischen Willensrichtung der bürgerlichen Bliite- zeit verharrende Politiker weit über das mittelmäßige Streber- Volk des jüngeren Radikalismus hinaus. Sein soziales Pro- gramm des„Solidarismus", das eine den alten Liberalismus erweiternde Philanthropie darstellt, ist für ihn der Antrieb zu ernsthaften sozialpolitischen Bestrebungen. Er steht an der Spitze internationaler Vereinigungen für sozialpolitische Auf gaben und hat sich als Arbeitsminister, so weit es sein harten Konflikten ausweichender Charakter zuließ, für den Arbeiter- schütz eingesetzt. In der auswärtigen Politik ist er Anhänger der Schiedsgerichte. Seine Verbindlichkeit und liebenswürdige Höflichkeit würden sich fiir die dekorativen Aufgaben des Prä sidenten so gut eignen, daß auch der„Temps" dieser Kandi datur gewogen war— allerdings' wohl auch darum, weii gerade sie den Zersetzungsprozeß des Radikalismus auf die Spitze zu treiben versprach. Die Kandidatur Bourgeois ist nämlich durch Umtriebe im radikalen Lager selbst zum Scheitern gebracht worden Dem Schein nach ist's freilich anders zugegangen. Bourgeois hat selbst die Kandidatur, die ihm zuletzt noch durch eine Ab- ordnung der radikalen Gruppen angetragen worden war, mit der Berufung auf seinen Gesundheitszustand abgelehnt. So gar anstrengend sind die Aufgaben eines Präsidenten nun nicht, und mehr Arbeitsleistungen als das Amt- des Arbeits- Ministers fordern sie kaum. �Richtig ist, daß Herr Bourgeois nie'so recht den Willen zur Macht besessen und sich auch früher lieber cnipfindsam zurückgezogen hat, wenn er die Gerüche der parlamentarischen Jntrigenküche spürte. Damit haben nun die Gegner feiner Kandidatur gerechnet und dafür ge- sorgt, daß, ehe ihm noch die lockende Platte dargeboten wurde, der üble Dust ihm in die Nase stieg. Unter denjenigen, die ihm die Kandidatur verleideten, indem sie mehr oder minder deutlich den Wunsch nach einer Generalrevue der Kandidaten laut werden ließen, sind vor allem Clemenceau und C 0 m b e s zu nennen. Jener, weil seine gallige Natur über- Haupt keinem anderen einen Erfolg gönnt, dieser, weil Bour- geois in der Tat nicht dem strengen Ritual des Blockradikalis- mus Genüge tut und wohl auch, weil er von seiner Gegner- schaft gegen die Verhältniswahl abgegangen ist. Nach der Absage Bourgeois war nun das Feld für die un beschränkte Wahl eines die Ideen der wahren Republik ver- körpernden Kandidaten frei. Tie radikalen Häuptlinge gingen sofort ans Werk. Am letzten Donnerstag beschlossen die ver- einigten Vorstände der radikalen Gruppen, die g e e i n i g t e n Soziali st en und die P r 0 g r e s s i st e n der beiden Kammern von de r Vollver sammln ng der Re- publikaner auszuschließen. Beide Parteien waren so des republikanischen Charakters verlustig erklärt. Ter Be- schluß erregte lebhafte Unzufriedenheit— nicht bei den So- zialisten, die das Bemühen, ihnen eine Tür zuzuhalten, durch die hindurchzugehen sie gar keine Lust hatten, mit vergnügtem Lächeln quittierten, und auch nicht bei den Progressisten, die schon vor 7 Jahren erklärt haben, sich durch die Entscheidung der Vorabstimmung nicht binden zu lassen— sondern bei den Radikalen selbst. Es erschien den einen widersinnig, Re- publikaner, die schon unter dem Kaiserreich ihre Gesinnung bekundet haben, in Acht und Bann zu tu», weil sie der konservativen Gruppe des Parlaments angehören, den andern wollte es nicht einleuchten, daß man in dem Augenblick, wo man den„republikanischen Block" wiederherstellen wolle, die Sozialisten ausschließe, gegen deren Repnblikanismus nichts vorgebracht werde, als daß sie das Budget verweigern. Nun begann eine wahre Posse. Schon am Freitag beschloß die Linke des Senats, die Progressisten dieses Hauses zuzulassen, die Progressisten der Kammer und die Sozialisten aber nicht. Und am Montag beschlossen die Gruppen der Linken in der Kammer, auch den Sozialisten gnädigst Zulaß zu gewähren und von den Progressisten der Kammern denjenigen, die zur „republikanischen Union" gehören, also der einen Hälfte eine Großmut, die keine Aussicht hat, bei den Bedachten ge- würdigt zu werden. Das Ergebnis dieser wunderbaren Organisationsarbeit ist also, daß das Land die ganze Desorganisation der radi- kalen Partei in einem entscheidenden Augenblick gewahr und daß die Präsidentenwahl erst recht dem Zufall und der In- trige preisgegeben wird. Am 15. Januar wird zwar eine „Vollversammlung" der Republikaner stattfinden, aber es ist vorauszusehen, daß sie nicht die Autorität und die Stärke haben wird, um die Wahl von Versailles zu entscheiden. Wem diese günstig sein wird, läßt sich unmöglich voraus- sagen. Es ist aber bezeichnend, daß neben den radikalen Kan- didaten, die genannt werden, dem schwerreichen, durch per- sönliche Gefälligkeiten bei feinen Kollegen beliebten Ackerbau- minister P a m s und dem unbedeutenden Senatspräsidentcn Du b oft, die anderen: Paul Deschanel, Poincar6, R i b 0 t, die weitaus schärfer umrissenen Persönlichkeiten find. Der Radikalismus hat keine Organisation, keine Grund- fätze und keine Männer mehr. Wenn er nun, nachdem er die Leitung der Ministerien und den Kammervorsitz verloren hat, auch die Präsidentschaft der Republik verliert, wird das nie- mand in Erstaunen und niemand außer feiner geschäfts- süchtigen Truppe in Betrübnis versetzen.— Die Sozialisten sehen dem Treiben seelenruhig zu. Sie werden in Versailles im ersten Wahlgang ihre Stimmen auf Genossen V a i l l a n t vereinigen, im zweiten aber sie dem Kandidaten zuwenden, dessen Wahl ihnen am ehesten geeignet scheint, dem Fortschritt her Demokratie und der Sozialpeform im Innern und dem Weltfrieden zu dienen. Die Balkanhrife. JSeudrUebe Vertagung der Friedenskonferenz. London, 28. Dezember. Die Friedenskonferenz hat sich heute um 12 Uhr 25 Minuten auf Montag 4 Uhr nachmittags vertagt. In der heutigen Sitzung legte R e s ch i d Pascha, der den Vorsitz führte, die türkischen Gegenvorschläge vor, die für unannehmbar be- funden wurden. Die Türken erklärten infolgedessen, sie müßten von neuem an ihre Regierung berichten. Ueber den Verlauf der Sitzung wird im einzelnen noch berichtet: Nachdem die türkischen Gegenvorschläge vorgebracht worden waren, vertagte sich die Konferenz, um den Balkan- delegierten Gelegenheit zu geben, die türkifchen Vorschläge zu diskutieren. Danach wurde die Sitzung wieder auf- genommen und man trat in eine allgemeine De» hatte der türkischen Vorschläge ein. Die Führer der Dolo- gationen der Balkanstaatcn ergriffen nacheinander das Wort und wiesen darauf hin, daß die türkischen Gegenvorschläge von einer Basis ausgingen, die � von der weit entfernt sei, welche die Balkanstaaten bei Aufstellung der Friedensbcdingungen an- genommen hätten. Die Grundlagen der türkischen Vorschläge erkennten die tatsächliche Lage nach dem 5tricge nicht an und berücksichtigten nicht die Gebietsansprüche der Verbündeten. Verschiedene Redner erklärten, die türkischen Vorschläge seien unannehmbar und könnten nicht die Grundlage für eine Diskussion abgeben. Die türkische Delegation wurde ersucht. neue Gegenvorschläge vorzulegen, welche die Grund- ideen der Friedensbcdingungen der Alliierten berücksichtigen. Die türkischen Delegierten suchten ihren Stand- Punkt zu rechtfertigen, versprachen indessen,'die Erklärungen der Balkandelegierten nach Konstantinopel zn berichten und a m Montag eine Antwort zu erteilen. Die Türken wurden gefragt, ob diese Gegenvorschläge ihr letztes Wort darstellten. Ueber diesen Punkt konnte man jedoch von ihnen keine definitiv e Ant wort erlangen. ES wurde den türkischen Delegierten auch mitgeteilt, daß eine Diskutierung der mazedonischen Reformen in diesem Stadium der Ver- Handlungen völlig unannehmbar sei. Die türkischen Gegenvorschläge. London, 28. Dezember. Wie das Reutersche Bureau er- ahrt, sind die türkischen Gegenvorschläge folgende: 1. Das Wilajet Adrianopel bleibt unter der direkten Verwaltung der Türkei. 2. Mazedonien wird in ein Fürstentum uinge- wandelt mit Saloniki als Hauptstadt. Es steht unter der Suzeränität des Sultans, jedoch unter einem von den Balkan- verbündeten gewählten Fürsten, der vom Sultan ernannt wird. Der Fürst soll Protestant sein und aus einem neutralen Staat. 3. Albanien wird autonom unter der Souveränität des Sultans und unter einem Fürsten aus der kaiserlichen ottomanischen Familie, der für fünf Jahre getvahlt wird mit der Möglichkeit der Wiederwahl. 4. Alle Aegäischen Inseln bleiben türkisch. 5. Die Kretische Frage wird von der Konferenz nicht behandelt, sondern zwischen der Türkei und den Groß- mächten geregelt werden. Optimismus in London. London, 28. Dezember. Wie die„Times" erfährt, ist der Eindruck in denjenigen Kreisen-Londons, die über die Friedens- konferenz informiert sind, 0 p t i m i st i s ch bezüglich der Friedensverhandlungen selbst, dagegen weniger 0 p t i m i st i s ch, was die zukünftigen Beziehungen der Verbündeten untereinander anbetrifft. Während der Weih- nachtsfeicrtage hat ein eingehender Verkehr zwischen den bulgarischen und türkischen Delegierten stattgefunden, und die Verhandlungen sollen viel weiter fortgeschritten- sein, als es der bisherige Verlauf der Konferenz vermuten läßt. Sin neuer procbaskafcbwuidel. Die„Franks. Zeitung" veröffentlichte in dem zlveiten Sonnabend-Morgenblatt den Bericht eines Kawasfen(Au- gestellten) deZ Konsuls Prochaska, worin in offensichtlich übertreibender Weise sehr schwere Uebergriffe berichtet werden, die sich die serbischen Soldaten gegen das österreichische Konsulat hätten zuschulden kommen lassen! Sie sollen gewaltsam in das Konsulatsgcbäude eingedrungen, die österreichische Fahne herabgerissen und in den Kot getreten, schließlich ins Konsulat geflüchtete Albanesenfamilien ohne Grrlnd ermordet haben. Nun lag es auf der Hand, daß diese Erzählung größten- teils Lüge war; denn wäre nur ein geringer Teil davon wahr, so hätte das österreichische Auswärtige Amt, schon um sich vor seiner heillosen Blamage zu bewahren, längst diesen Tat- bestand bekanntgegeben. Prompt ist auch das offizielle Dementi von Wien erfolgt und man muß sich nur wundern, wie die„Franks. Ztg.�, die allerdings selbst ihre Zweifel äußerte, diese Näubergcschichte überhaupt verbreiten konnte. sDaß die„Vossische Zeitung" diese kritiklos übernahm, wird freilich niemanden wundern.) Wie es in Wirklich- keit um die skandalöse Affäre bestellt ist, zeigt schon eher ein Bericht des österreichischen Professors M a s a r h k. der als inoffizieller Unterhändler zwischen der Wiener und Belgrader Regierung in letzter Zeit wiederholt in Belgrad war, und dessen Wahrhaftigkeit nicht angeziveifelt werden kann. Die wichtigsten Ursachen der Affäre sind' die Beschwerden deL Konsuls, derentwegen die Beschwerden in Belgrad er- hoben wurden. Eine Beschwerde beklagt sich darüber, daß das Benehme» der serbischen Soldaten in Prizrend gegenüber dem katholischen P r i e st e r unanständig Ivar, den sie an- geblich mit dem Tode bedrohten, daß sie in die katholische Kirche und in das Haus der Barmherzigen Schwestern eingedrungen seien, um dort nach Waffen zu suchen. Konsul Prochaska berief sich hierbei darauf, daß die Katholiken Albaniens unter dem Protektorat Oesterreichs ständen. Konsul Prochaska oerlangt als Satisfaktion, daß der Offizier, der jene Militärabteilung befehligte und die Aktion leitete, um Entschuldigung bitte. Gegen diese Beschwerde steht die Zeugenschaft jenes katholischen Priesters selbst, der erklärte, daß ihm absolut nichts geschehen sei, es fei niemand in die Kirche eingedrungen, die Offiziere seien bloß in die Kirche und in die übrigen zur Kirche gehörigen Loka- litäten eingetreten, um nachzusehen, ob sich dort etwa ÄZaffen befinden. Eine zweite Beschwerde des Konsuls führt aus, die serbischen Militärs hätten dem Post- boten die Korrespondenz des Konsuls und einen Re- voloer abgenommen, den er bei sich trug. Dieser Vorfall wird in Wien strenger beurteilt und es bleibt abzuwarten, ob er vom völkerrechtlichen Standpunkt tatsächlich so belastend ist und ob sich ähnliche Vorfälle nicht auch während des Deutsch-Französischen Krieges ereignet haben und wie sie damals behandelt wurden. Eine weitere Beschwerde richtet sich dagegen, daß serbische Sol- baten ein Pony, das auf der Wiese weidete und ihnen von den Bauern als Eigentum deS Konsuls bezeichnet wurde, weggeführt haben. Dagegen wird von Serbien eingewendet, daß das Militär ' den Aussagen der Bauern denn doch nicht unbedingt Glauben ' schenken mußte. Als Konsul Prochaska Prizreild verließ, ereigneten sich gegen ihn Demonstrationen, an denen sich übrigens auch Katholiken beteiligten. In serbischen Diplomatenkrcisen wird diesem Vorfall Gewicht beigelegt- Es wird jedoch darauf hin- gewiesen, daß diese Demonstrationen sehr leicht auch jener �zweifelhafte.» Dame gelten konnten, die sich in der Gesell- schaft ProchaskaS befand und vielleicht wird dieser Vorfall einiger- maßen dadurch beleuchtet, daß Konsul Prochaska zu dem Diner nicht geladen war, das der österreichische Konsul in Uesküb gab. zu dem Konsul Edl und der ihm zugeteilte serbische Ministerial- beamte Dr. Rakitsch erschienen waren. Es könnte sich noch darum handeln, sicherzustellen, ob tatsäch- lich auS dem österreichisch- ungarischen Konsulat beim Einzug der Serben geschossen wurde, worüber bekanntlich der gewesene ser- bische Gesandte in Wien, Simitsch, bei der Wiener Regierung Be- schwerde führte. Hierbei käme es auf die Qualität der Zeugen an. aber die Belgrader Regierung scheint diese Angelegenheit fallen- gelassen zu haben. Wenn das alles wahr ist, was hier erzählt wird, so täte, bemerkt dazu die Wiener„Arbeiter-Zeituug" mit Recht, wohl eine Disziplinaruntersuchung über Herrn Prochaska ani meisten not.», Kneg und ÖdaffenftiUftand. Aus K o n st a n t i n o p e l schreibt uns Genosse P a r b u S: Der Waffenstillstand war ja von vornherein ein hinkender, denn die Kämpfe mit den Griechen dauerten fort, wobei zu den Landkämpfen auch noch Seegefechte hinzukamen. Ebenso wird vor Skutari weitergekämpft. So ist der Waffenstillstand zum guten Teil nur trügerischer Schein, der Krieg fordert weitere Opfer, wenn auch bei. Adrianopel und.Tschataldscha keine Schrapnells mehr ver- schaffen werden. Die Stadt Adrianopel wird nach wie vor aus- üiis dem liew Yorker Folizeilumpf. New Nock, 20, Dezember 1012. -•.Die naiven Gemüter, die in ihrer Leichtgläubigkeit wähnten, daß mit der Verurteilung des Polizeileutnants Charles B c ä e r zum Tode und mit der Bloßstellung des Plünderbundes beute- gieriger Politikanteu und verbrecherischer ,.Sicherheits"-Beamtcu der in der ganzen Welt berüchtigten Korruption der hiesigen Po- li sei der Todesstoß versetzt worden sei, sind aus allen Himmeln gc- fallen. Erpressung und Käuflichkeit haben nicht nur nicht nachgelasieu, sie feiern im. Gegenteil noch viel zügellosere Orgien als zuvor. Die ösfcntsiche Feststellung, daß Becker, obivohl»ur ein geringer Teil seines Raubes in. seine Taschen floß, bei einem Jabrcsgehalte von wenig mehr als 2000 Dollars das Leben eines Grandieigneurs führen und doch noch mehr als 10 000 Dollars im Monat„ersparen" konnte, hat die Habgier der New Uorkcr Polizei noch weiter auf- gestachelt. Eine nach ihrem Vorsitzenden Cur ran benannte Kommission des, hiesigen Stadthauses wurde infolge des Prozesses Becker mit der liuterstichung her Polizei veanftragt. Dabei wurde durch die Vernehmung einer Lordellutirtiu namens Mary Goode, die sich vor der immer unbarmherzigeren Erpressung der mit dem Freuden- hguS-Trust— auch das horizontale Handwert ist hierzulande vcr- trustet--e im Bunde stehenden Polizei an die Oeffentlichkeit fluch- icic, festgestellt,, daß 35 000 Bordell inhaber und bei diesen..arbei- tcgde" Frauen und Mädchen vbn der Polizei um 50 bis 150 Dollar monatlich gcbrandschatzt werden. Liefern sie die seit dem Prozeß Becker stark gesteigerten Kontributionen nicht prompt ab, so werden lie. verwischt".' verhaftet und aus ihrem ruhigen..Gewerbe" auf die'Straße gedrängt. Zum Zahlen von..Schutzgeldern" sind die Ausgeschßeucn. ja bereit. Aber auch wenn sie regelmäßig und .pünktlich, die. ihnen aüfcrlcgtcn Beträge abliefern, sind sie nicht vor der. Berhastung sicher._, Bon Zeit, z» Zcst' werden Razzien am die nicht zum Trust ichböiigen Freudenhäuser.. die sich Duldung erkauften, unternommen. Wirte und Dirnen werden verhaftet, aber nicht etwa dem Haupt- sächlich zu diesem Zwecke errichteten Nachtpolizei-Gcricht vorgeführt uud dort gleich abgeurteilt, sondern str LOlcii M'zcige!yahrja>n gehungert, und ztvar leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Wie immer in solchen Fällen, dürften es besonders die Kinder sein, die in Massen sterben. Diese Opfer des Krieges werden nicht gc- zählt. Hungertyphus. Skorbut, das sind alles Dinge, mit denen man nicht rechnet, die aber nur durch den Krieg verschuldet sind. Bei Tschataldscha kampieren Hunderttausende im Freien unter den schlimmsten sanitären Verhältnissen zu einer Zeit, wo Liegen. Schnee und gelegentlich starke Fröste eintreten. Das wird in den Laufgräben der Forts eine nicht weniger schlimme Menschen- Verwüstung anrichten, als es die feindlichen Geschosse zu tun vermöchten. Weil aber die Kricgsbulletins fehlen, so denkt man nicht daran. Man scheint die im Felde stehenden Armcemassen vergessen zu haben. In den Prunkgemächern des Londoner Palastes spinnt man feine diplomatische Jntrigucn, man findet auch Zeit zu politischen Banketten, indessen Hunderttausende aus dem Felde in Schmutz, Nässe, Kälte ausharren müssen. Die türkische Regierung weiß nicht mehr, wo aus. wo ein. Dagegen erhebt die j u n g t ü r k i s ch e Opposition ihr Haupt. Und wenn erst der Friede geschlossen wird, dann wird sie sich schrankenlos cntfalten. Denn, wenn jetzt von der Opposition der Regierung der Vorwurf gemacht wird, sie wolle um jeden Preis Frieden schließen, so überläuft doch schließlich einen jeden eine Gänsehaut bei dem Gedanken an die Folgen, die die Fortführung des Krieges eventuell zeitigen könnte. Ist aber erst der Friede da, also die Gefahr des Krieges beseitigt, dann kann die Opposition desto dreister behaupten, die Regierung habe sich ins Bockshorn jagen lassen, sie hätte bei mehr Mut und Ausdauer bessere Friedens- bcdingungcn erzielen können. Die Regierung ist unter diesen Verhältnissen zu allein bereit, sowohl zum Friedensschluß wie zur Fortführung des Krieges, die Entscheidung hängt nach meinen Eindrücken rein vom Zufall ab. Die Regierung ist überhaupt ganz ungeheuer einsichtig, ge- scheidt und nachgiebig geworden. Wer nur an sie herankommt und eine Macht darstellt, findet Gehör und heimst Versprechungen ein. So geht es jetzt den A r m e n i e r n, denen die Regierung nunmehr ein ganzes Reformprojekt vorlegt. War die türkische Regierung bis jetzt durch ihre orientalische Verschleppungstaktik berühmt, so setzt sie nunmehr durch die ungeheure Rapidität, mit der sie Reform- gesetze fertigstellt, die Welt in Staunen. Was ihr auch wollt— in zwei Tagen ist es fertig! Man schreibt einfach aus den alten Vor- lagen, deren es ja für die Rcformfrage eine reichliche Anzahl gibt, ein neues Projekt zusammen, und die Sache ist fertig. An eine parlamentarische Vorberatung denkt kein Mensch. So wurde es auch schon früher mehr als einmal gemacht, mit dem bekannten Resultate, daß die Reformen in dem Maße vsrnachlässigt wurden, als die Regierung aus ihrer Notlage herauskam und wieder festen Boden unter den Füßen gewann. .Nicht um Reformvorschläge vom grünen Tisch aus handelt es sich, sondern darum, den Volkskräftcn den Weg zur freien politi- scheu Betätigung zu bahnen, die allein imstande sind, das Land zu reformieren. Doch dafür hat man hierzulande kein Verständnis. Die Regierung bewilligte den Einwohnern des Libanon neue Privilegien. Wichtig ist'besonders die Bedingung, daß die in der Probinz erhobenen Steuern bloß für lokale Zwecke verwandt werden sollten. Die schon bisher autonome Provinz wird dadurch noch mehr dem türkischen Einfluß entzogen. Um so mehr wird der Einfluß des französischen Kapitals steigen, das dort über die Eisen- bahn verfügt und das ganze wirtschaftliche Leben bevormundet. Damit ist eigentlich jetzt schon das Schicksal Syriens entschieden. von dein der Libauo» nur einen geographisch und wirtschaftlich ab- hängigcn Teil bildet. Der Prozeß der Zerlegung und Verteilung der Türkei, au dessen Endpunkt wir in Europa angelangt find, bc- ginnt damit von neuem in Asien. lheir Bassertnann als Aeihnachtsengel. Der Zwist im nationalliberalen Lager gestaltet sich immer heftiger und zugleich immer belustigender. Während die Rechts- nationalliberalen, besonders in den Ostprovinzen,»vo der Nationalliberalismus stark agrarisch gefärbt ist— für Herrn Schiffer und den Geschäftsführenden Ausschuß der National- liberalen Gesamtpartei in die Schranken treten, veröffentlichen die Kämpen des linken Flügels Zustimmungsbezeugungen für den Geh. Justizrat Ludewig und seine wortgewaltige pommersche Gefolgschaft, und dazwischen ertönt die mahnende Stimme des großen Parteistrategen Bassermann, doch Ruhe zu halten und es nicht zur Spaltung kommen zu lassen. So erlassen die Landesvorsitzenden der nationalliberalen Organisationen von Ost- und Wcstprcußen, Posen, Schlesien, Brandenburg. Sachsen, Schleswig-Holstein, Hannover, West- falen, Hessen-Nassau, Rheinland sowie von Braunschweig, Thüringen und vom Königreiche Sachsen folgende Kund- gebung: „Die Unterzeichneten sprechen dem Geschäftsführenden Ausschuß der Gesamwartei ihren Dank dafür aus, daß er nachdrücklich gesteckt, damit sie nur gegen Bürgschaft freigelassen werden können. Professionelle Bürgen, die mit der Polizei unter einer Decke stecken und den Gewinn mit ihr teilen, verlangen für die Hinterlegung der Bürgschaft, bei der sie gar nichts riskieren, 100 Tollars Prodi- sirni. Kommt eine Anklage wider eine gegen Bürgschaft auf freiem Fuß befindliche Dirne oder Bordellwirtin zum Aufruf, so ist das Erinnerungsvermögen der Polizisten-Zcugen so schioach, daß die Angeklagte freigesprochen wird. Läßt dagegen eine Arrestantin leine Bürgschaft stellen, so wird sie verdonnert. Tic Taschen der Polizei gleichen dem Faß der Danaidcn. Sie werden niemals voll, auch wenn ein noch so starker Goldstrom un- unterbrochen in sie geleitet wird. Zudem möchte der mit der Polizei in einem Kartellverhältnis stehende Bvrdell-Trust begreif- licherweise seine„unabhängige" Konturrenz gerne los sei». Aus ausgehobencn Freudenhäusern pflegen Polizeibcamte alles, Ivas des Mitnehmens wert und nicht niet- und nagelfest ist, zu stehlen. Tie ins Detail gehenden und ersichtlich wahren Angaben wer- den durch eine Reihe teilweise völlig einwandfreier Zeugen be- stätigt. Nicht zum Trust gehörige Bordellwirte taten sich zusammen, um durch Bekanntgabe des Tatbestandes der Tributpflicht an die Polizei ledig zu werden. Eine charalteristische Einzelheit ist besoirderer Erwähnung wert.„Gyp the Blood", einer der vier inzwischen zum Tode ver- urteilten Banditen, die den Spielhalter Rosenthal auf Vera»- lassung dcS PolizeileutnautS Becker ermordeten, drang mit drei Spießgesellen in das Goodcsche Freudenhaus ein und erleichterte alle dort weilenden Personen um Geld und Wertsachen. Die vier Kerle wurden verhaftet, drei von ihnen zu Zuchthaus verurteilt. ..Gyp the Blood" blieb damals dank seiner Beziehungen zu ein- flußreichcn Polizcibeamten straffrei. Die„Anstalt" der Goode aber wurde, weil diese die Verhaftung des Räuber-Ouartetts vcr- aulaßt hatte, polizeilich ausgehoben, die Goode selbst verhaftet. Während die Bordelle an höhere Polizeibeamte regelmäßigen Tribut abführen müssen, werden die zahllosen aus der Straße streunenden Dirnen von den einzelnen unteren Polizeiorganen ausgewuchert. Auch sie müssen seit Beckers Prozessierung stärker bluten als zuvor. yn echt amerikanischer Heuchelei„entsetzt sich ganz New Jork" über die Enthüllungen der Mary Goode. obwohl deren Aeutzerungen nichts enthalten, was nicht schon längst allgemein bekannt war. Allerlei Vorschläge zur Abhilfe werden laut. Die einen wollen die ganze Strenge dcö Gesetzes rücksichtslos gegen die Ausgestoßenoll gegen das den Frieden störende Vorgehen des Vorfitzenden der pommerschen Landesorganisation der Nationalliberalcn Partei Stellung genommen hat. Sie mißbilligen aufs schärfste die gegen den Abgeordneten Schiffer ausgesprochenen Verdächtigungen und Verunglimpfungen, sowie den damit zusainmenhängenden Versuch, eine Spaltung in die Partei hineinzutragen; dieses steht im Gegensatz zu dem dankenswerten Bestreben Bassernmnns. die Einigkeit der Partei hochzuhalten und allen Richtungen innerhalb derselben gerecht zu werden. Mit dem Ausdrucke deS unbedingten Vertrauens zu unseren Führern verbinden wir die dringende Aufforderung an alle Parteifreunde, jedem Versuche, Uneinigkeit und Unfrieden vo» neuem in der Partei hervorzurufen, entschieden entgegenzutreten. Chefredakteur Whneken-Königsberg, Bürgermeister Künzer-Poscn, Stadtrat Dr. Grund-Breslau, Regierungsrat Professor Dr. Leidig- Berlin, Fabrikbesitzer Bolckmar BartelS-Magdeburg, Dr. Schiffercr- Charlottenhof bei Kiel, Senator Fink-Hannover, Landgerichtsrat Schmieding-Dortmund, Justizrat Siebert-Wiesbaden, Professor Moldenhauer-Köln, Geh. Kommerzienrat Schmidt-Braunichweig, Oberbürgermeister Dr. Bielefeld-Arnstadt i. Th., Professor Dr. Brandenburg-Leipzig." Dagegeir tritt Regierungsrat Dr. Poensgen, wie wir gestern bereits mitgeteilt haben, in der„National-Zeituug" für die Pommern ein. Dazwischen erklingt die schmeichelnde Friedensmahnung des Herrn Ernst Bassermann, der in der Rolle des Weihnacht- liehen Friedensengels in der„Köln. Ztg." den Pommern wie den edlen Mit-Parteigenossen Schiffer, Friedberg, Prinz Carolath und Krause süßes Lob spendet und sie zu friedlichem Zusammenarbeiten in„gemeinsamer W e l t a n s ch a n- n n g" für die höchsten Güter des deutschen Volkes auffordert. Zunächst wendet er sich an die Pommern, indem er wohl- wollend erklärt: Man kann der politischen Tätigkeit und Schaffensfreude der Pommer» voll gerecht werden und hoffen, daß ihnen auch der Lohn für ihre Arbeit bei künftigen Wahlen zuteil werden wird und wird trotzdem der Meinung sein, daß die Politik der Na- tionalliberalen Partei unmöglich von Stettin aus orientiert werden kann. Man kann zugeben, wie wir dies alle tun, daß die Vorgänge bei der Präsioentenwahl unerfreulich waren, uns kann trotzdem den dringenden Wunsch haben, daß die Angriffe gegen den Abgeordneten Schiffer aufhören. Dann erhalten Herr Schiffer und darauf auch seine Freunde etwas Honig in ihre große Schnauze geträufelt: Schiffer steht seit vielen Jahren im Dienste der National- liberalen Partei. Mag er Fehler haben, jeder von uns wird, wenn er kein Pharisäer ist, sich seiner eigenen Fehler bewußt sein: daß aber Schiffer sein ganzes Wissen und Können in den Dienst des Vaterlandes und der Partei stellt, daß er eine her» vorragend begabte Persönlichkeit ist, und daß seine Tätigkeit in Reichstag, Landtag und in der Presse von den Idealen liberaler Weltanschauung getragen ist, dafür liegen Beweise ohne Zahl vor.... Weitaus der überwiegende Teil der Nationalliberalen Partei steht weder auf dem rechten noch aus dem linken Flügel. Sie wünscht die Weiterführung einer von nationalem Geiste und echt liberaler Gesinnung getragenen Politik, eine Politik, welche die volle Selbständigkeit der Nationalliberalen Partei nach rechts und und nach links verbürgt. In dem Augenblick, in dem die National- liberale Partei ein Anhängsel der Fortschrittspartei oder der Konservativen Partei werden würde, würden wir die Geschäfts- leitung der Nationalliberalcn Partei, die in den Händen be- währter Männer, wie Friedberg, Prinz Carolath und Krause, den Vorsitzenden des geschäftsführcndcn Ausschusses in erster Reihe liegt, nicht mehr an ihrer Stelle sehen, und ich würde sofort den Vorsitz in der Nationalliberalen Partei niederlegen. '' And nachdem auf diese Weise fük die nötige Stimmung gesorgt ist, vorkündet Herr Bassermann, daß die Nationallibe- rale Partei den richtigen Weg eingeschlagen hat und sich dem- nächst alles in Wohlgefallen auflösen wird: „Die Reichstagsfrättion ist einig und-geschlossen und c r- b e i t e t harmonisch zusammen. Im Reichstage jcibst finden sich für die Erledigung positiver Aufgaben wechselnde Ar» bcitsgemeinschaften zusammen. Daß die Reichstagsfraktion Wert auf freundnachbarliche Beziehungen zu der Fortschrittlichen Volkspartei legt, ist selbstverständlich. Nicht nur als Folge ge- meinsamer Wafsengänge bei den Wahlen, sondern weil das Zu- sammenarheiten der beiden liberalen Parteien in vielen Fragen sich-ebenso wie im Landtag, so vor allem auch im Reichstag aus -vielfach gemcinsanrcn Weltanschauungen ergibt. Wer in den Er- innerun-gen Bennigsens blättert, wird gerade in ihnen den Be- weis finden, wie sehr Bennigsen unter dem haßerfüllten Kampfe der Liberalen nntereinander litt. In den Fragen des Schubes der nationalen Arbeit, der Aufrechtcchaltung der Schutzzollpolitik ergab sich ohne weiteres aus de r se lb e n G r n n d- an schauung heraus eine Arbeitsgemeinschaft mit Zentrum und Konservativen, wie die Per» Handlung über die Fleischtouerung zeigt. Diese Arbei töge- mein f cha f t wird- sich bei mancher wirtschaftlichen Frage wieder- holein In den Fragen der Sozialpolitik ist eine die positive Erledigung sozialpolitischer Gesetze sichernde ArbeitSgemein- schaft vorhanden zwischen Zentrum und den beiden liberalen Fraktionen. Nirgends trennt Haß ur Anwendung bringen; andere wieder raten, mit der übcrlicfer- en Scheinheiligkeit zu brechen und die Prostitution zu kascrnicren. Aber die Axt an die Wurzel des Uebels zu legen, fällt unfern„wohl- anständigen" Elementen nicht ei». „Die meisten Prostituierten waren Ladnerinnen, die vier bis fünf Dollars die Woche verdienten, von diesem Hungerlohn nicht leben tonnten und daher ihre Licize zunächst an einen Freund vcr- kauften", bekundete Frau Goode vor der Eurran-Kommission. lieber diese Aussage geht unsere bürgerliche Presse schamhaft mit Schwei- gen hinweg.... � Nebenbei bemerkt treiben die der Familie StrauS gehörigen Warenhäuser„Macy"- New Uork und„Abraham u. StrauS"-Broot- lyn die AuÄvucherung der weiblichen Arbeitskräfte mit am schlimm- sten. Der eine Jnljaber dcr Firma, Nathan StrauS, praktiziert nicht nur hierzulande, sondern auch in Europa(es sei nur an Heidelberg erinnert)„Humanität" in Form des Verkaufs billiger sterilisierter Milch. Sein Bruder Oscar Straus, früher auicri- tanischer Botschafter in Konstantinopel und bei den letzten Wahlen progressiver Gouverneurs-Kandidat. bekannte sich als Rooseveltiancr lvährcnd des Wahlkampfes zu einem Programm, das für die gc- samie lverktätige Bevölicrung Maxnnalarbeitszeit und für die Arbeiterinnen einen gesetzlichen, zu einem menschenwürdigen Da- sein genügenden Minimallohn verlangt. Selbstverständlick lst auch Oskar Straus am Firinaulente der Humanität und des WohltunS ein strahlender Stern erster Ordnung. Auf der einen Seite werden Millionen aus dem Schweiße und dem Lebensmark dcr gegen einen Hungerlohn beschäftigten, der Prostitution geweihte» Arbeiterinnen gemünzt: auf dcr anderen Seite gibt man einige Tausend Dollar» zu„Werken der Nächstenliebe", läßt seinen Ruhm unentgeltlich in allen Zeitungen verkünden und verschafft sich somit eine billige Re« klamc.'" Wie kann man übrigens von unserer Polizei Ehrlichkeit er- ivarten, wenn die Mitglieder des Stadtrats, wie erst jüngst wieder festgestellt wurde, die Erpressung in ein ganz raffiniertes System gebracht haben?! Wie sollte sie anders als korrupt sein.>venn sie. so ganz besonders zur Wahlzeit, von der jeweils herrschenden Par- tei in den Dienst des Verbrechens gestellt nnrd; wenn unser ganze» öffentliches Leben aufgebaut ist ans dem von Berufspolitikern ganz offen praktizierten Grundsatz, man müsse das Geld ohne Ansehung der Mittel holen, ixo cS zu haben sei?! und ParteileiLenschaft Lie bürgerlichen Parleien und huidert sie an positiver Arbeit. Ich habe die Hoffnung, daß. nachdem die Nationalliberalen und das Zentrum sich in der Forderung der allgemeinen Besitzsteucr zusammengefunden haben, sich hier eine Arbeitsgemeinschaft in großem Stile mit den anderen Frattionen ergibt, toelche im Geiste der Gerechtigkeit und des sozialen Ausgleiches die Frage der allgemeinen Besitzsteuer löst. Also überall die wunderschönsten„Arbeitsgemein- s ch a f t s n". Liebes Herz, was willst du mehr? Trotz dieser geradezu glänzenden Aussichten hält es jedoch die National- liberale Partei wieder mal für nötig, zum 9. Februar den Zentralvorstand der Gesamtpartei zu einer Tagung in Berlin zusainnienzuberufen. Es soll Lei auf die rasenden Wogen gegossen werden._ politifcbc debcrHcbt. Berlin, den 28. Dezember 1912. Die preußische Plusmachertvirtschaft! Aus weiteren Veröffentlichungen dcr„Nordd. Allg. Ztg." über den preußischen Etat für 1913 entnehmen wir, daß der Er- trag nus direkten Steuern auf 419 556 100 M. angesetzt ist."Diesem B-'trag stehen an Neinüberschüssen allein aus den, Eisenbahnbetrieb, aus Forsten und Domänen und aus der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung nicht weniger als 128 966 380 M. gegenüber. Diese drei größten Zweige der preußischen Staatsbetriebe werfen also fast ebensoviel Rcinüberschüsse ab, als der preußische Staat insgesamt an direkten Steuern vereinnahmt. Man ersieht daraus, welche enorme Rolle für die preußischen Finanzen die Plus- in a ch e r w i r t s ch a f t bei den Staatsbetrieben spielt! Da ist es kein Wunder, daß es Preußen als Arbeitgeber ganz und gar nicht darauf ankommt, seine Staatsbetriebe zu sozialen Musterbetrieben auszugestalten. sondern daß sein ganzes Trachten dahin geht, möglichst hohe Ueberschüsse zu erzielen, damit den besitzenden Klassen das Zahlen höherer direkter Steuern erspart ist. Im einzelnen brachten die Domänen und Forsten— und zwar nach Abzug der Kronfideikommißrente in Höhe von 7 719 296 M.— 86 704 384 M. Ueberschuß. Die Berg-, Hütten- und Salinenvcrwaltung brachte 14 678 161 M. Rem- Überschuß. Dieser Ueberschuß wäre viel höher, wenn von dem Bruttoüberschuß nicht 21,7 Millionen als einmalige und außerordentliche Ausgaben für Neuanlagen usw. in Ab- zug gebracht worden wären. Der Reinüberschuß der Eisen- bnhiiverwaltung betrug 327583 835 M. Davon werden 234111000 M. für allgemeine Staatszwecke verwandt, Wäh- rcnd 93 482 835 M. dem Ausgleichsfonds zufließen. Da die Plusmachcrwirtschaft so üppig floriert— auf Kosten des Publikums sowohl als besonders auch der Staats- arbciter und Unterbeamten!—, hat ja bekanntlich die Steuer- komnliffion die Beseitigung der Steuerzuschläge beschlossen. Daß diese Zuschläge, die 1909 beschlossen wurden, soweit sie die kleinen und mittleren Einkommen bis zu 7—8000 M. treffen, beseitigt zu werden verdienen, versteht sich von selbst. Daß jedoch die großen Einkommen von diesen Zuschlägen befreit werden sollen, daß z. B- die Leute mit 100000 und mehr Mark. AahreseinkommM künftig. wieder nur 4 statt 5 Ppoz. 'Einkommensteuer bezahlen sollen, damit die Plus macher- .Wirtschaft künftig womöglich noch rücksichtsloser betrieben wird, das vermögen wir nicht einzusehen! Das bayerische Hertlmg-Moffe-Organ. Auch die Hertlingsche Regierung versteht zu dementieren. Die oisiziöse Münchener Korrespondenz Hoffman» bringt folgende Erkärung: Das Schriftstück, in dem verschiedene Wünsche und An- rcgungen der künftigen Redaktion der Bayerischen Staatszeitung(!) bezüglich der Einrichtung und Ausgestaltung des Organs nieder- gelegt find, wird die Presse voraussichtlich noch eingehend be- schäftigen. Um irrigen Weiterungen vozubeugen, ist fest- zustellen. daß der stagliche Entwurf lediglich durch einen VcrtrauenSmißbrauch in die Oeffentlichkeit gelangt ist. Schlüsse, wie sie aus dieser Aufzeichnung auf die tatsächliche Einrichtung der Staatszeitung vielfach gezogen werden, sind um so voreiliger, als dieArbeitin den amtlichen Einlanf der Ministerien noch nicht gelangt ist, so daß die Regierung sich noch nicht in der Lage gesehen hat, zu den darin enthaltenen Anregungen Stellung zu nehmen. O b nnb inwieweit diese Anregungen durchführbar sind, kann erst die eingehende Prüfung der Bor- schlage und die Praxis ergeben. Irgendwelchen Wert kann dieses Dementi natürlich nicht bean- spruchen; ist es doch ein alter Kniff der Regierungen, dann, wenn irgend welche ihrer Geheimpläne vorzeitig an die breite Oeffentlich- keit gelangen� mit gespreizter Ueberlegenheit zu erklären, daß das Veröffentlichte lediglich ein alter Entwurf sei, der längst über- holt und überlebt sei. Als wir vor einigen Jahren den Entwurf eines EleklrizitätS- und Glühkörper-SteuergesetzeS veröffentlichten, ließ ebenfalls die Regierung offiziell und offiziös erklären, daß der Entwurf total veraltet sei. und als später der sogenannte neue Entwurf erschien, stellte sich heraus, daß man lediglich aus einem bestimmten Paragraphen zwei gemacht und den Wortlaut einiger ganz nebensächlichen Sätze etwas verändert hatte. Zur mecklenburgischen Verfassungsreform. Nicht um ihrer selbst willen, fondern um die landesherrlichen Finanzen zu sanieren, wird, wie wir wiederholt dargelegt haben, die Verfassiingsreform von der mecklenburg-schwerinschen Regierung betrieben. Darüber ist sich dort niemand mehr im Zweifel, die Jmilcr am allerwenigsten. Deshalb ja auch, um der Regierung das Interesse an einer Reform der Versassung zu nehmen, die Bereit- Willigkeit der„Ritter", neue Steuern und finanzielle Zuschüsse für die LandeSregimentskasse zu bewilligen— aus dem allgemeine» Steuersäckel. Die Regierung aber lvill daö Odium nicht auf sich nehmen, daß sie sich ihren Reformwillen abkaufen lasse, sie besteht deshalb auf eine Verfassiingsreform bezw. auf dem, was sie darunter versteht. Ende Januar soll in Schwerin der Landtag zu ciucr außerordentlichen Sitzung zusammentreten, um über eine neue — die zwölfte I— Verfassungsvorlage der Regierung zu beschließen. Die Spalten der mecklenburgischen Presse sind mit Abhandlungen darüber gefüllt, was die Regierung wohl tun könnte und was sie möglicherweise unternimmt, wenn sie auch mit der allen, euesten Vor- läge von dein Junkerlandtag wieder nach Hause geschickt wird. Bemerkenswert ist, daß das Schweriner Regiec»»igSblatt mehrere Artikel veröffentlicht, wonach der Grotzherzog daS formelle juristische Recht hat, eine neue Verfassung zu oltroyieren. Der jetzige Land- tag könnte dieserhalb den Großherzog nur verklagen bei der 1817 eingesetzten sogenannten Kompromißinstanz. Bei diesem Gericht würde der Landtag mit seiner Klage aber sicher keinen Erfolg haben, so kau» man aus jenen offiziösen Artikeln heraushören, den» so ist wörtlich dort zu lesen, jene Kontpromißinstanz ist gesetzlich so beschaffen, daß sie«die EntWickelung der Verfassung im ganzen be- fördern und durch zeitgemäße Richtung stets das tätige Leben in derselben erhalten solle". Die für die„Kompromißinstanz" bestellten Richter wissen jetzt also, was das Ossiziösentum von ihnen eventuell erwartet. Allerdings liegt noch kein Anhalt.da- für vor, daß der Großherzog in gedachter Art vorzugehen entschloffen ist: und möglich ist schon, daß die offiziösen Drohungen nur erfolgen, um die Junker zu blüffen, sie willig zu machen für den Kuhhandel. Man muß aber wissen. daß die mecklenburgischen„Ritter" sich als dem Großherzog durchaus gleichwertige Instrumente des Himmels betrachten, und daß die elf- malige Retirade der Regierung in Sachen der finanznötigen Ver- fassungsreform den Hochmut der Junker mächtig hat schwellen lassen. Kommt eine Verständigung auf dem Januar-Landtage zustande, so kann sie mithin nur in der völligen Unterwerfung der Regierung bestehen; in feierlichen Kundgebungen hat sich die Regierung zwar sür eine Repräsentativversaffung mit allgemeinen Wahlen erklärt. Indessen weiß man doch nachgerade, wieviel solche Bersicherunge» von Regierungen wiegen. Landtagswahlen in Lippe. Die Regierung des Fürstentums Lippe hat die Landtagswahlen für den aus drei Klaffen zusammengesetzten Landtag aus den 20., 21. und 22. Januar festgesetzt. Die Linke hat im Landtag eine Mehrheit von einer Stimme, und um diese Erhaltung der Mehrheit wird sich der Kampf in der Hauptsache drehen. Konsumvereine und Petroleummonopol. Dein offiziösen Fühler in der„Franks. Ztg." folgt nun in der „Nordd. Allg. Ztg." ein offizielles Werben um der Parteien Gunst sür den Leuchtölgesetzentwurf. Auch diese Notiz drückt sich um die Kernfrage der Möglickkeit billiger Versorgung deS deutschen Konsums herum. Dafür nimmt die Regierung den Plan auf, D e t a i l l i st e n und Konsumvereine neben den Banken an der Vertriebsgesellschast zu beteiligen. So sucht sie die Mittelständler und die organisierten Konsumenten zu ködern. Diese plötzliche Er- innerung steht in starkem Gegensatz zu der sonstigen Behandlung der Konsumvereine. Trotz mehrfacher Aufforderung hat man noch kürzlich die Konsumanstalten von der Kommission für Ver- sch leierung der Fleischteuerung, die am 3. Januar wieder in geheimen Gemächern ihre Beratungen aufnehmen soll, ausgeschlossen und ihnen die geringen gesetzlichen Vergünstigmtgen zur Linderung der Fleischnot v-rkagt l Ansftthrprämim! Das Volk leidet Not, es muß seine Lebenshaltung einschränken; die Junker aber dürfen einen tiefen Griff in den Staatssäckel tun. Im Jahre 1L12 ist die Summe der eingesackten Ausfuhrprämien wieder mächtig in die Höhe geschnellt. Der Zoll wurde durch Ein- fuhrscheine in Höhe folgender Beträge beglichen: Januar-November 1911... 92530177 M. 1912... 110 312 267. Die Ausfuhrprämie ist also um 17 773 090 M. gestiegen. Und die Prämien dienen dazu, den inländischen Konsumenten die Preise deS Getreides hinaufzuschrauben. Das Anwachsen der Einfuhrprämien beweist am allerbesten, daß die im vergangenen Jahre pomphaft an- gekündigte Reform des Einfuhrscheinwesens nur Blendwerk war. Der Prämienskandal ist, wie die Sozialdemokraten im Reichstage vor- aussagten, nach der Reform— Verkürzung der Geltungssrist der Scheine, Beschränkung ihrer Verwendung in der Hauptsache auf Ge- treibe— ebbr Noch größer geworden!.' Rechnet man für Mehl eine durchschnittliche Ausbeute von nur 70 Proz., dann ergibt unser Außenhandel mit.Roggen für die Zeit von Januar bis November 1912 folgende Rechnung: Einsuhr 2 918 882 Doppelzentner, Eingangszoll. 14 744 410 M. Ausfuhr 9 046810„ Ausfuhrprämie 45 234 005„ ES sind demnach an Ausfuhrprämien für Roggen 30 489 685 M. mehr verausgabt worden als an Roggenzöllen die Reichskaffe» ver- eiiniahmten. Die Sorge für die Großgrundbesitzer zeitigt reizende Blüten! Rückgang des Viehbestandes. Immer deutlicher werden die Schäden der ultramontan- konservativen Wirtschaftspolitik. Die Zahl der Einwohner wächst, die der Schlachttiere geht zurück. Solches Resultat lieferte die Vieh- zählung in diesem Jahre. Aus Bayern liegen die Ergebnisse vor. Danach stieg im Vergleich mit der Erhebung von 1907 die Zahl der Zugtiere von 392 633 auf 400 322 oder um 1.9 Proz.; die der Schlachttiere nahm ab von 6 516 765 auf 5 328 441 oder um 17,1 Prozent! Im einzelnen ergeben sich folgende Resultate: Pferde.....+7530 Maultiere, Esel..+ 99 Rindvieh....—171313 Schafe.....— 261 479 Schweine....—255533 + 7629—688 324 Eine kleine Zunahme, um 2711, weisen noch die Ziegen auf. Dagegen hat die Zahl der Kallinchen um 61 850 gleich 15 Proz. abgenommen. Eine starke Abnahme zeigt sich auch beim Federvieh. Insgesamt wurden 1912 10 204 787 Stück gezählt, 1907 aber noch 10 581 100 Stück. Die Abnahme verteilt sich wie folgt: 113 374 Gänse, 26 129 Ente», 231 579 Hühner nnd 23l Truthühner. Trotz dieser beängstigende Aussichten eröffnenden Entwickelung bleiben die Grenzen gesperrt, die Regierung und die Majorität der LebenSmittelwucherer denken nicht daran, die Zölle zu ermäßigen. Die Politik unter der Firma„Schutz der nationalen Arbeit" vor- urteilt die große Masse der Bevölkerung zu einer lninderwertigen Ernährung._ Oeftemicb. Staatsbeamte nnd Privatuuternehmungen. Gegeil die Korruption der Beamten richtet sich ein Paragraph. der im StaatsangestelltenauSschüß in die'Dienstpragmasik' der österreichischen Beamten eingesetzt wurde. Er lautet:„§ 33. Wer als Beamter im definitiven Staatsdienste gestanden ist, bedarf zur Teilnahme an der Verwaltung von Aktiengesellschaften oder anderen ans Gewinn berechneten Gesellschaften in der Leitung, im Vorstand, Berwaltungsrat oder Aufsichtsrat der vorherigen Bewilligung jener Zentralstelle, der er zuletzt unterstanden ist." Man will damit Schutz finden gegen die planmäßige Uebcr- nähme leitender Beamte» in den Dienst von Privatunternehmungen, denen dann ihre„Beziehungen" und ihre Diensterfahrungcn und Dyurstgeheiinnisse zustatten kommen. - Belgien. Die Propaganda für den Geueralstreik. Brüssel, 25. Dezember.(Eig. Ber.) Die Aussichten auf eine friedliche Lösung der Wahlrechtsfrage sind mit der Broquevillescheu Rede beträchtlich zusammengeschrumpft und die belgische Arbeiterschaft muff notwendig damit rechnen, wenn die Regierung siicht doch noch� im letzten Moment vor den Folgen ihres Eigensinns zurückschreckt, zu dem äuffersten Mittel des Generalstreiks gedrängt � zu wcrdesi. Im Sinne der Kongreßbeschlüsfe muß dieser Generalstreik ein Werk be- dachter Vorarbeit sein, aus einem Feldzugsplan gereift, der den Kampf vor Abirrungen wie Gegenwirkungen wappnet und der vor allem auch durch eine Sicherung der materiellen Grundlagen ein Versanden des Streiks und damit eine fatale Niederlage ausschliefft. Der von der Brüsseler Föderation für den ersten Weihnachtsfeiertag einberufene Kongreß war diesem Werk der Vorbereitung, der Propaganda, der Verstärkung der Generalstreikaktion gewidmet. Es waren nur ivenigc Stunden der Beratung, aber sie wurden ausgefüllt mit nüchterner, guter Arbeit. Den Vorsitz führte LouisBcrtrand. Vertreten waren 92 Gruppen durch 443 Delegierte. Den Verhandlungen wohnten die Brüsseler Deputierten Vandervelde, Huhsmans. Meysmans. Dclporte und der sozia- listische Gemeinderat und Senator Vinck bei. Der Kongreß fand int sozialistischen Volkshausc deS Brüsseler Vorortes Molenbeek statt. � In seinem Bericht über die bisherigen Vorarbeiten wies der Sekretär der Föderation, Genosse P l a d e t, auf die Not- wendigkeit der weiteren Ausdehnung und Jntensifizierung der Sparutlgsprop aganda, als dem wichtigsten Moment der Vorbereitung für den Generalstreik hin, den die Arbeiter- schaft notgedrungen als unvermeidlich ansehen müsse. Eine Broschüre über die politische Situation und die Notwendigkeit des Generalstreiks wird zum Zwecke der Massenverbreitung vom nationalen Streikkomitee in kurzem herausgegeben werden. In der Diskussion wünschen mehrere Redner, daß sowohl die Versammlungspropaganda in Hinsicht auf den General- streik>vie insbesondere die Propaganda für das individuelle Sparen auf Grund des bereits funktionierenden Markensystems intensiver betrieben werden müsse. In diesem Sinne kritisiert auch der Landesparteisekretär Vandersmissen die Situation, der insbesondere auf die innere Bearbeitung der Gewerkschaften Wert legt. Brüssel müsse dem Beispiel der Bergarbeiter, die in musterhafter Weise vorarbeiten und auch im Sparen voranmarschieren, mit demselben Eifer folgen. Der General- streik sei so gut wie unentrinnbar. Genosse Dr. C a p a r t legt Wert auf die A n t i a l k o h o l- Propaganda bezw. den Alkoholboykott. In einer eigenen Resolution, die er namens der sozialistischen Guttemplcr begründet, wünscht der Genosse, daß die Brüsseler Föderation den systematischen Alkoholboykott empfehlen solle, um dadurch die Sparungsmöglichkeiten für den Generalstreik zu vermehren und auch der Regierung die Einnahmen zu schmälern. Des- gleichen möge die Föderation Vorsorgen, daß während des General st reiks dahin gewirkt wird, den Ausschank alkoholischer Getränke möglich st einzuschränken. Binck unterstützt diese Auffassung wärmstcns, indem er darauf verweist, daß das belgische Staatsbudget 50 M i l- lionen Frank nur für Branntwein allein auf- weist. Man könnte durch einen Schnapsbohkott der Re- gierung keine kleine Unannehmlichkeit bereiten und d i e Millionen könnten in die Streikkasse wan- d e r n.— Er schlägt spezielle Meetings vor, um diesen Ideen in der Arbeiterbevölkerung die nötige Resonanz zu ver- schaffen......„; Auch Vandervelde spricht sür die Antialkohol» Propaganda mit Hinsicht nuf ihre wichtige Rolle im General- streik; nur möge diese Propaganda nicht auf Kosten der anderen notwendigen Agitation geschehen. De Brouckvre schlägt vor, daß jede Gruppe ein eigenes Streikkomitee ernennt und daß von Versammlung zu Versammlung über die gemachten Vorarbeiten Bericht erstattet wird.— Von anderen Rednern wird noch auf die der Presse und der Publizität durch Broschüren zukommende Aktion in den VorbereitungSarbeiten für den Generalstreik aufmerksam gemacht, desgleichen auf die Wichtigkeit der Agitation von Haus zu Haus.— In der einstimmig angenommcnen Resolution Vandersmissen sind alle diese Änregungen, einschließlich des Vorschlags über den systematischen Alkohvlboykott und die Antialkoholpropaganda zu- sammengefaßt und zur Ausführung den: Vorstandskomitee der Föderation überwiesen.— Diese Resolution betont den Kongreßbeschluß vom 30. Juni, in welchem die Arbeiterschaft angerufen wird, die Revision der Konstitution mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, insbesondere den Generalstreik herbeizuführen und diesen friedlich, großartig und unbesieglich zu gestalten. Der Kongreß fordert ferner die V e r st ä r k u» g der Propaganda für den Generalstreik, inö- besondere für das individuelle Sparen und die Konsolidierung der W i d e r st a n d S f o n d s. Rußland. Ein würdiger Diener seines Zure». Kiew, 27. Dezember. Der frühere Chef der politischen Polizei in Kiew, Kuljabko, der den Sicherheitsdienst zur Zeit der Ec» mordung StolypinS leitete, war der Veruntreuung von 8000 Rubel Polizeigelder angeklagt. Er wurde vom Bezirksgericht der Fahr- lässigkeit iu der Verwaltung der Gelder und der Urkundenfälschung ohne eigennützige Zwecke(?) für schuldig befunden und zu FestungS- Haft von 16 Monaten verurteilt. Die Anklage wegen Veruntreuung wurde abgewiesen._ Die Duma-Mehrhcit gegen die Regierung. Petersburg, 28. Dezember, Die Reichsduma hat in ihrer letzten Sitzung vor der Vertagung mit 132 Stimmen des Zentrums und der Linken gegen 78 Stimmen der Nationalisten und der Rechten eine von den Progrcssisten eingebrachte Uebergangsformel zu der Erklärung d e s M i n i st c r p r ä s i d e n t e n über die auswärtige Politik angenommen. Die UebergangSforincl spricht die Ueberzeugung aus, daß eine normale gesetzgcbc- rische Arbeit nur dann möglich sei, wenn die Regierung von dem aufrichtigen Bestreben erfüllt sei, zur Verwirklichung der im Oktobermaiiiseste angekündigten Grundsätze und zur Ein- führung einer strengen Gesetzmäßigkeit mit der Rcichsduma zusaninienzuwirkcn. Die Uebergaugsformel fordert Reichs- duma und Regierung auf, dicseit Weg offen und fest zu be- treten, Marokko. Französische Verluste. Casahlanca, 28. Dezember. Die Kolonne Brulard hatte in dem am 24. Dezember zur Befreiung der Kolonne Massoutier unter- ,nommenen Gefecht zwei Tote, darunter einen Leutnant. Ein Kapitän und zwei Leiitnaiits wurden verwundet, einer der letzteren ziemlich schwer........' Gewerkfcbaftlxcbee. GcwerhrcbaftUcbe Konzentration. »Tie 5tonzentrationsbclvegung bei den deutschen Gcivcrk- schafteu" betitelt Tr. Alexmcher Wende eine kleine intcressaiüe Schrift, die soeben in Km Heyinanns Verlag erschienen ist. Ohne es zn wollen, demonstriert der Verfasser, der übrigens den Gewerkschaften sympathisch gegenübersteht, in recht wirk- sanier Weise gegen die scharfmacherischen Versuche, durch Unter- grabung des Koalitionsrechtes die Gelvcrkschasten zn zer- krümmern. Er zeigt, wie- die in den Gewerkschaften sich voll- ziehenden Umformungen zwingende, aus der industriellen Ent- Wickelung geborene Notwendigkeiten sind. In dieser Tatsache liegt auch der Belms, daß die Gewerkschaften in ihrer heutigen Betätigung keine tvillkürlichcn Gebilde darstellen, unzerstör- bare Begleiterscheinungen des Kapitalismus sind. Jeder Ver- such, sie zu vernichten, inuß wie der Verstoß gegen ein Natur- gesctz hemmend und zerstörend auf den Wirtschaftsorganismus zurückwirken. Tie industrielle Entwicklung, die wachsende Ersetzung der handwerksmäßigen durch die Fabrikproduktion zwang die Ar- bciter zunächst, sich beruflich in Zentralverbänden zusammen- zuschließen. Darüber hinaus trieb die Entwicklung mehr«ich mehr auf die Bahn des Jndustricverbaudes. Tie Einführung der Teilarbeit und der Spczialarbeitsmaschinen verwischte die Grenzen zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern. In der gewerkschaftlichen Organisation konnte naturgemäß die Unterscheidung nicht aufrechterhalten werden. Produktions- organisatorische und technische Fortschritte auf den verschic- densten Gebieten förderten die Entwicklung zum Großbetrieb. In diesem wieder greifen im Arbeitsprozeß die verschiedenen Berufe organisch ineinander. Daraus ergeben sich weitere Folgerungen. Die gewerkschaftliche Aktion einer Gruppe de- cinflußt eine Reihe anderer. Das bedingt die Zusammen- fassung in möglichst einer Organisation. So wirkt ein ganzer Komplex von Ursachen wirtschaftlicher und sozialer Natur in der Richtung Zur Bildung von Jndustrievcrbänden. Das gilt auch oft von rein technischen Fortschritten. Böttcherwarcn werden im Privathaushalt heute durch Emaille-, Blechwaren usw. verdrängt. Damit wird das Tätigkeitsgebiet der Bött- chcr immer mehr verengert und ihr Anschluß an den Verband der Brauereiarbeiter, mit denen sie am meisten zusammen- arbeiten, stark gefördert. Jni Baugelverbe drängte sehr stark die Einführung des Eiscnbctonbaues auf den Weg geWerk- schaftlicher Zusammenschlüsse. Die neue Technik verwischte die gerade im Bauberufe sehr lange aufrechterhaltene Trennung in gelernte und ungelernte Arbeiter. Der Bauhilfsarbeiter- verband beanspruchte aber die Bctonarbeitcr als ungelernte Arbeiter ebenfalls. So kam es zu Streitigkeiten zwischen den beiden Verbänden. Die Erkenntnis, daß nur der Zusammen- schluß beider Verbände eine befriedigende Lösung der Beton- arbcitcrsrage bringen konnte, bewirkte im Verein nnt dem Bestreben, der wachsenden Macht der Unternehmer zu be- gegnen, daß der Maurerverband in eine Vereinigung mit dem Bauhilfsarbciterverband einwilligte. Als weitere Ursache der gewerkschaftlichen Konzcntrations- bcwegung bezeichnet Dr. Wende den von vornherein auf der Basis der Jndustrieverbände erfolgten Ausbau der Unter- nchinerverbände. Obwohl sie erst später gegründet wurden, überholten sie die gelwrkschaftlichen Organisationen teilweise bald an Geschlossenheit und Macht. Ihr Vorteil war, daß sie sich von Anfang an init ihrer Organisation den entwickelten industriellen Verhältnissen anpaßten. Sie fanden daher auch leichter den Zusammenfchluß zu Jndustrieverbänden, die dann wiederum zu einigen Gesamtvcrbändcn sich vereinigten. Daraus erkannten manche Verbände die Notwendigkeit, sich in derselben Weise zu ergänzen und auszubauen. Manchmal !oar dabei die Tariffrage entscheidend. Dr. Wende unter- stellt,„daß auch der Holzarbeiterverband im Jahre 1893 ans den Fachverbänden der Tischler, Drechsler, Stellmacher und Bürstenmacher entstanden ist, weil im März 1899 die Berliner Holzindustriellen einen Arbeitgeber-Verband gegen die Arbeiter begründet hatten". Bei dem Zusammenschluß der verschie- denen Verbände im Transportgewerbe mögen teilweise Be- tricbskombinationen mitgewirkt haben. Entscheidender waren wohl die Zusammenschlüsse der Unternehmer. Selbstverständ- lich war der leitende Gesichtspunkt immer der,, durch die Zusammenfassung der 5lräfte die Macht und die Stoßkraft der Organisationen zu erhöhen. Von einen: restlosen und ungehemmten Durchsetzen der umschriebenen Entwicklungstendenzen kann natürlich, wenig- stens bisher, noch keine Rede sein. Bei einzelnen Berufen, die ihre Selbständigkeit bewahren konnten, besteht keine Nei- gung, sich den großen Brüdern anzulehnen. In manchen Fällen würde daS vielleicht anch ihre Aktionsfähigkeit in un- erwünschter Weise lähmen. Zuweilen auch lassen sich kaum Grenzen für die gewerkschaftlichen Organisationen abstecken. Doch kann man auch den Bedürfnissen der Einheitlichkeit durch Kartellverträge Rechnung tragen. Als eine der interessan- testen Erscheinungen in dieser Beziehung bezeichnet Dr. Wende die Zentralwerftkommission. Sie besteht aus Vertretern fol- gcnder Gewerkschaften: Metallarbeiter, Holzarbeiter, Kupfer- schmiede, Schiffszimmerer, Heizer und Maschinisten, Maler, fowie Fabrikarbeiter.„Die Kommission ist beratendes, auf Antrag der Zentralvorstände auch ausführendes Organ.... Von drohenden Konflikten, die über den örtlichen Rahmen einer Organisation hinausgehen, ist der Kommission sofort Mitteilung zu machen. Die Vorstände der Zentralverbände l>aben die endgültige Entscheidung in der Hand.... Ohne Anhörung der Kommission darf kein Verband Angriffs- oder Abwehrbewegungen auf den Werften genehmigen." Neben den sachlichen Hemmungen bestehen auch solche persönlicher Natur. Zum Teil werden sie ziveisellos noch überwunden; nianche aber ioerden dem Prinzip der Jndustrieverbände dauernd im Wege stehen. Ihre Neberwindung erscheint auch nicht erforderlich. Einmal hat man das Aushilfsmittel der Kartellverträge, dann wird aber auch in: weiteren Verlaufe der Entwicklung ein Ausgleich der Interessengegensätze durch eine Art Gesanitverband aller Gewerkschaften gefunden werden können. Ob das geschieht durch einen Ausbau der General- kominission und Erweiterung ihrer Machtbefugnisse, wie Tr. Wende anzunehmen scheint, das kann man ruhig der Zu- kunst überlaffen..~ Mit der Zentralisation geht.Hand::: Hand eure Dezentralisation innerhalb der Gewerkschaften. Sie kommt be- rcits zun: Ausdruck in der Einrichtung der Bezirksorganisa- tioncn im Rahmen der Zentralverbände. Von besonderen: Interesse ist die Konstatierung, daß sich die umrissenen Ent- wicklungstendenzeu ebensogut bei den Christen, als auch be: den Hirsch-Dunckcrschen bemerkbar machen. Nur spielen sie bei ihnen eine viel geringere Rolle. Das liegt daran, daß diese der Eutwickclung durch ihren ursprünglichen Aufbau gewisser- jCerantw, Rchaft.; Alfred Wielepp. Neukölln. Lnseratente� vcranttv.: maßen vorgegriffen haben. Während die freien Gewerkschaft ten aus der Arbeiterschaft heraus in unzähligen kleinen Ver- bänden regellos entstanden sind und die zweckniäßigste Form allmählich erst finden mußten, sind die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvercine— in: allgemeinen nicht zu ihrem Vorteil— von oben herab nach einheitlichem Gesichtspunkt gegründet worden. Durch die Zusammenfassung der verschiedensten, meist einander verwandten Berufe in einen: Verbände, die damals wegen der geringen Mitgliederzahl vorgenommen wurde, ist den Gewerkvereinen ein Anpassimgsprozcß von der Stärke, wie wir ihn bei den freien Gewerkschaften von 1899 an finden, erspart geblieben. Das gleiche für die christlichen Gewerkschaften. Nur daß für sie außer der geringen Zahl von Mitgliedern vor allen: das Vorbild der freien GeWerk- schaften bestimmend war, bei denen ja zur Zeit der Entsteh- nng der christlichen Gewerkschaften(in der zweiten Hälfte der 99er Jahre) die Konzcntrationstendeuz sich schon beinerkbar machte. In dieser Beziehung passen sich also die gegnerischen Organisationen den durch die kapitalistische EntWickelung gegebenen Notwendigkeiten an. Wären sie ganz logisch, nüiß- ten sie sich zum-Prinzip der einheitlichen, geschlossenen Or- ganisation bekennen. Da sie im Gegensatz zu den Unter- nehincrn die Arbeiterschaft zerreißen, vergehen sie sich also in schwerster Weise gegen die Interessen der Arbeiter. In der Tarstellung Dr. Wendes liegt ein zwingender Nachweis für die Notwendigkeit und Einheitlichkeit der gcwcrkschaft- lichen Organisationen!__ Bei-Un und Umgegend. Lchtung, Metallarbeiter! Der Betrieb von Falk söhn ist für sämtliche Metallarbeiter gesperrt. Die Ortsverwaltung des Deutschen Mctallarbcitcr-Vcrbandcs. In der Streitsache zwischen dem Verbände der Gastwirtsgehilfen und dem Oekonomcn Herrn Zabel schweben zurzeit Einigungs- Verhandlungen unter Leitung und Mitwirkung der Gewcrkschasts- kominission und der Partei. Arbeiter, Raucher! Fragt bei allen Euren Einkäufen in Zigarren nach dem grünen Plakat. Dasselbe ist nur dann gültig, wenn es unterschrieben ist mit Alwin Schulze. Der Vertrauensmann der Tabakarbeitcr. Deutfekes Reich. Ei» Gewerbegerichtsvorsitzender, wie er nicht sein soll. Recht eigenartige Ansichten von den Aufgaben seines Amtes hat anscheinend der Vorsitzende des Gewcrbegerichts zu Frank- furt a. O., Herr Stadtrat KuIdl-\ Während eines schon längere Zeit währenden Streiks der Möbelnschler in einigen dortigen Werk- stätten machte er von Amts wegen den Parteien den Borschlag, das Gcwcrbegcricht als Einignngsamt anzurufen. Dieser Vorschlag wurde von den Unternehmern abgelehnt, dagegen stellte die Vcrwal- tung des Deutschen Holzarbeitcrvcrbandcs namens der Streikenden einen dahinziclcndcn Antrag. Das patzte aber dem Gewerbegerichtsvorsitzenden nicht und er ließ die Antragsteller wissen, datz er den Verband nicht als die Vertretung der Streikenden anerkennen könne. Nunmehr stellten vier der streikenden Arbeiter den gleichen An- trag. Jetzt dauerte es mehr als zwei Wochen, bis sie in das Bureau des Gcwerbcgcrichts geladen wurden, wo ihnen eröffnet wurde, datz dem Antrag erst Folge gegeben werden könne, trenn er von allen Streikenden unterschrieben sei. Nachdem wiederum einige Wochen ins Land gegangen waren(der Antrag war am 7. November eingereicht toorden), wurde der erste Unter- zeichne: zum 17. Dezember erneut zum Herrn Stadtat Äulckc ge- laden, um eine eingehende Instruktion entgegenzunehmen. Ihm wurde hier mitgeteilt, datz die Anrufung des Äewerbegertchts von s ä m t I i ch e n Streikenden mit ihrer vollen Adresse unter- zeichnet sein müsse. Die volle Adresse sei notwendig, damit die Polizei die Personalien jedes einzelnen Antragstellers prüfen könne. Falls sich hierbei keine Anstände ergeben, würde der gestrenge Herr S t a d t r a t s e I b st die Arbeiter auswählen, die als Vertreter der Streikenden geladen werden. Dem fügte Stadtrat Knicke die, nach Lage der Dinge durchaus nicht über- flüssige Bemerkung hinzu, datz er selbst ein großes Interesse an der Beilegung des Konfliktes habe. Waren doch seit der Anrufung des Gcwerbegcrichts noch nicht einmal volle 6 Wochen vergangen. Wären die Arbeiter auf das merkwürdige Ansinnen des Ge- werbcgerichtsvorsitzcndcn eingegangen, dann hätten sie damit rechnen müssen, datz die in Aussicht genommene„Prüfung der Personalien" der Antragsteller durch die Polizei noch einige Zeit in Anspruch ge- nommen hätte. Sie haben es deshalb vorgezogen, auf die gütige Mitwirkung des Herrn Kulcke zu verzichten. Angesichts des Ver- Haltens des Stadtrats Kulcke, der die Gewerkschaft als die Ver- tretung der streikenden Arbeiter nicht anerkennen will und das Funktionieren des Gewcrbegerichts von der Erfüllung so eigen- artiger Bedingungen abhängig macht, drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob wohl dieser Mann als Gcwerbegerichtsvorsitzendcr am richtigen Platze steht. Die„H o l za rb c i t e r- Z e i t u n g" hat nicht ganz� unrecht, wenn sie meint, datz ein Man», der die Berührung mir den Gewerkschaften in dem Matze scheut, wie es der Herr Stadtrat Kulcke'tut, vielleicht das Zeug zum Sekretär einer" Scharfmacherorganisation habe, zum Leiter des Gewerbe- gerichts einer bedeutenden Industriestadt aber passe wie die Faust aufs Auge. Ob Herr Kulcke allerdings selbst zu dieser Erkenntnis kommt und die Konsequenzen daraus zieht, mutz abgewartet werden. Krieg oder Frieden im Saarrevier? Der„Bergmannssrcund" veröffentlicht die angekündigte Er- klärung der königlichen Bergwerksdirektion für die neue Arbeits- Ordnung. Die Erklärung besagt zunächst zu§ 4 über den Lohnaus- fall bei Betriebsstörungen, indem sie auf alle möglichen Einzelfälle eingeht und die dabei zu übende Praxis festlegt, datz durch die Aenderung des Wortlauts, der sich der wirklichen Praxis mehr als bisher anpasse, eine AenderungderbisherigenHand- habung nicht herbeigeführt werden soll. Zum neuen Absatz des 8 W, nach dem die Festlegung des Lohnes für Renten- cmpfängcr durch den Bergwcrksdircktor von Fall zu Fall zu ge- schehcn hat, wird erklärt, datz damit die bisherige Uebung nur arbeitsordnungs m ätzig fest gelegt ist. Die Be- stimmung des K 34 über die ein höheres Gewicht als die bisherigen fassenden Kohlenwagen soll so zu verstehen sein, datz das Mehr- gewicht bei der Lohnbercchnung in Anrechnung kommen soll. 8 42, betreffend Schadenersatz bei unvorschrifts- niätzigen Arbeitsleistungen, stellt eine Anpassung an die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs dar und ändert sachlich an dem bisherigen Verfahren nichts. 8 41- betreffend die Vor- legung eines ärztlichen Attestes bei Feiern in Krankheitsfällen ist dahin zu verstehen, datz ein Attest nur dann verlangt werden kann, wenn die Krankheit anderweitig nicht aus- reichend nachgewiesen wird. Es wird von dieser Forde- rung nur dann Gebranch gemacht werden, wenn begründeter Ver- dacht vorliegt, datz die Krankheit als Entschuldigungsgrund nur vor- geschützt wird. 8 48, betreffend Strafe für unsauber oder ungc- nügend beladen« Kohlenwagen, ermöglicht die Vermeidung eines Uebelstandes der früheren Fassung, des Zwanges, das Strafmatz sofort zu einer unerwünschten Schärfe ansteigen zu lassen. Eine Bestrafung soll nur erfolgen, wenn eine wirkliche Schuld des ein- zelnen erwiesen ist. 8 23, über die Einspruchsfrist, soll so geHand- habt tverden, datz diese erst nach Unterschrist der Strafverfügung durch den Bergmann ihren Lauf nimmt, so datz M i tz v e r st ä n d- nisse ausgeschlossen sind. Der Arbeiter ist berechtigt, gegen die Straffestsetzung des Werksdirektors Beschwerde unmittelbar bei der Bcrgwcrksdirettion anzubringen. Tie Strafe der zeitweiligen Ablegung soll immer mehr eingeschränkt werden._ Th-Glickr, Berti». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstals Es soll sonach eigentlich alles beim alten bleiben. Man mutz sich wirklich fragen, ob denn die neue Arbeitsordnung überhaupt notwendig war und warum man durch die Schaffung derselben die Bergleute beunruhigte. Zur Lohnfrage wird auf die Steigerung des Durchschnitts- lohncs um 14 Pfennig innerhalb zweier Monate hingewiesen und auf das Versprechen der Bcrgwcrksdirektion einer allmählichen wei- tcrcn Steigerung. Da die Bedingung der günstigen Weitcrentwicke- lung der wirtschaftlichen Verhältnisse für die nächste Zeit als erfüllt anzusehen ist, soll die weitere Steigerung nur davon abhängig ge- macht wrdcn, datz die Leitung der Belegschaft auf der Höhe bleibt und die Belegschaft selbst keine S t L- rungcn hervorruft.— Das heißt also, wenn die Bergleute artig sind, wird man es überlegen, ob und wie weit man ihnen entgegenkommen kann. Im anderen Falle wird man sie strafen, indem man ihnen den Hungcrriemen beläßt. Die Erklärung der Bcrgwerksdirektion soll an alle Bergarbeiter auf den fiskalischen Saargrubcn zur Verteilung gelangen. Es bleibt abzuwatcn, wie sie im Revier aufgenommen werden wird. Wie der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" berichtet, ist die Leitung des Vereins christlicher Bergleute nicht abgeneigt, auf Grundlage der jetzt veröffentlichten Erklärung den Frieden einem Streik vorzuziehen. Auch aus Bergarbeitcrkreiscn hört man es be- stätigen, datz mit dieser Erklärung der Verwaltung die Frage der Arbeitsordnung eine befriedigende Lösung gefunden Habel nur bezüglich der Lohnfrage fordere man noch eine genauere Ziffern- mäßige Zusage. Die heute nachmittag tagende Revicrkonserenz ent- scheidet darüber, ob dem Saarrcvicr der wirtschaftliche Frieden er- halten bleibt oder nicht. Hetzte Nachrichten. Verstimmung der Frirdcnsdclcgicrtcn. London, 28. Dezember.(W. T. B.) Das„Rcutcrsche Bureau" erfährt von den Delegierten der Balkanstaatcn, datz die Vorschläge der Türken in den Kreisen der Balkandclcgicrten überraschten. Man erwartete zwar, datz die Vorschläge unannehmbar sein wür- den, aber nicht bis zu diesem Grade. Obschon die Türken erklärten, sie würden unmittelbar tclcgraphisch um neue Vorschläge bitten, glaubt man nichtsdestoweniger, datz die Türken bereits eine Reihe von Vorschlägen besitzen, die der Reihe nach während der Vcrhand- lungcn vorgelegt werden würden. Die heutige Sitzung scheint den ursprünglichen Eindruck, die Türkei wünsche aufrichtig, Frieden zu schließen, abgeschwächt zu haben. In den Kreisen der Balkandelegierten hält man den Augenblick für.gekommen, das? die Mächte ein klares Wort sprechen und so den Winkelzügen ein Ende setzen. Die heutige Haltung der Balkan- delegierten scheine auf ein kommendes Ultimatum hinzudeuten, wenn die Türken auf ihrem Standpunkt beharren. Indessen wünschten die Balkanstaaten lebhaft, zu vermeiden, datz sie der Grund des Abbruchs der Konferenz Ivetten. Sie würden den Türken jede notwendige Zeit geben, damit sie annehmbare Gegen- Vorschläge vorlegen. Aber man erklärt, daß' man sich der Grenze nähere, und daß die Geduld der Verbündeten vielleicht bald er- schöpft sein könne.— Die Kandidatur eines ottomanischen Prinzen für Albanien soll unter den albanesischen Notabeln nicht gebilligt werden. In albanesischen Kreisen erkläre man, es sei ein allge- meiner Wunsch, datz ein Europäer mit europäischen Beraten: an die Spitze der Provinz gestellt werde. Tic wirtschastlichcn Folgen des Krieges. Wien, 28. Dezember.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Lesung des Budgetprovisoriums. Der erste Teil der Sitzung wurde ausgefüllt durch- die Alst?» führungcn der Minoritätsberichtcrstatter, darunter der Rütheiien, welche melirstiindige Dauerreden hielten. 41ot 1410 Uhr abends ergriff der Finanzminister das Wort. Er äußerte sich über die Schädigungen, welche die österrcichisch-ungarische Volkswirtschaft durch den Balkcnkrieg erleidet. Alle Kreise der Industrie, welche an dem Export nach den Balkanländcrn beteiligt sind, werden be- troffen. Dieser Export ritz so plötzlich ab, datz rollende Waren unterwegs zurückbefördcrt werden mutzten. Durch die D«- krcticrung der Moratorien in den kriegführenden Staaten mit Ausnahme der Türkei, wurden außerdem die Außenstände unserer Industrie am Balkan für längere Zeit»nein- dringlich. Am meisten litt darunter unsere Textilindustrie, nament« lich die Baumwollindustrie. Es mutzten namhafte Reduktionen in einigen Betrieben vorgenommen werden, und es sind alle Neben- und Hilfsindustricn in Mitleidenschaft gezogen. Tic Balkanvev- hältnissc lösten aber auch eine allgemeine Unsicherheit aus, welche zunächst eine ziemlich unvermittelte Einschränkung des Inland- konsums zur Folge hatte, worunter alle Industrien mit wenigen Ausnahmen empfindlich zu leiden hatten. Noch härter wuvte unsere Volkswirtschaft getroffen durch die starke und zweifellos übertriebene Kündigung von gewährten Krediten und die Sistierung neuer Kreditgewährungen, wodurch die seit vielen Monaten Herr- sehende Anspannung im Geld- und Kreditmarkte sehr verschärft wurde. Die ärgste Gefahr drohte unserer Wirtschaft von der Plötz- lichen und in einigen Orten geradezu stürmischen Abziehung der Einlagen von den Sparkassen. Dank der getroffenen Maßnahmen habe sich bei keinem einzigen Institute eine wirkliche Stockung bei der Zurückzahlung der Einlagen ergeben, trotzdem diese Rück- Zahlungen bisher ungeahnte Dimensionen angenommen hätten. Winterübungcn der österreichische» Truppen. Wien, 28. Dezember.(P.-E.) In den Wintcrmonatcn werden größere Truppenübungen stattfinden. Die Hebungen erfolgen garnisonswcise und werden mit Freilagern verbunden sein. Die Gefechtsübungen werden möglichst kriegsmäßig angelegt und ab- gehalten werden. Es wurden alle Vorsorgen für Bekleidung und Ausrüstung getroffen, um den Truppen diese Hebungen ohne Sckia- den für die Gesundheit zu ermöglichen. Insbesondere wurden auch Zelte angeschafft. Eine militärische Revolte. Turazzo, 28. Dezember.(P. E.) Die Haltung der Garnison und tes Kommandanten von Skutari, Brigadegcncral Hassam Riza Bei, hat bei den hier eingezogenen serbischen B-satzungstruppen den Geist des Widerstandes angefacht. Ter Kommandant der Gar- nrson von Turazzo. General Popowitsch, ermächtigte den Vertreter der„Bosnischen Korrespondenz" in Turazzo zur Veröffentlichung der Erklärung, daß weder er noch seine Offiziere und am wenigsten die serbischen Soldaten gesonnen seien, den Beschluß der Londoner Konferenz zu respektieren, Albanien gutwillig z» räumen. Absicht der serbischen Besatzung gehe vielmehr soweit, selbst dann die gewonnene Position aufrecht zu erhalten, wenn das Ministerium in Belgrad den Rückzug anbefehlen sollte. Die serbischen Offiziere und Mannschaften würden es niemals zugeben, daß ein Sieg, der mit soviel Blut errungen wurde, auf die geplante erniedrigende Weise wieder preisgegeben werde. Ein etwas frühzeitiger Borschlag. Budapest, 28. Dezember. sP.-C.) Der Budapester Realschul« Professor Franz Kemenh, Mitglied der Bcrner!?ricdenskanzlei, hat heute bei dem Stockholmer NobelpreisiomUcc den Antrag gestellt, Kaiser Franz Joses für dasJab r IblZ in Anerkennung seiner großen Verdienste für die Ausrcchtcrhaltung des Friedens den Friedenspreis zu verleiben.________ Hierzu 3 Beilagen. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hr. 803. 29. IahrMg. 1. Sfilnjc i>cs Jomättü" ßtiliiift MsdN ZliMxg, A.DejmtellSIZ. Momeatbilcker aus cker Kerline? Urdeitei'- beuiegung im ZAhre IM. Ter ReichstaMvahlkampf, der die Arbeit der Parteigenossen während der letzten Wochen des alten Jahres fast ausschließlich in Anspruch genommen hatte, stellte auch zu Anfang des neuen Jahres noch bedeutende Anforderungen an die Kleinarbeit für die Wahl. Schon an den ersten Tagen des Monats Januar wurden fast täglich Wählerversammlungen al>gehalten, Flug- blättcr mutzten verbreitet und sonstige Wühlarbeiten verrichtet werden. Uebcrall trafen die Parteigenossen die notwendigen Vor- bereitungen für den Entscheidungstampf gegen den schlvarzblauen Block. Am 4. fanden 26 Versammlungen statt, die in erster Linie der Aufklärung der Frauen und ihrer Heranziehung zu den Wahl- arbeiten dienten. Am 7. wurden gleichzeitig in Werlin und den Vororten eine größere Zahl von Wahlversammlungen abgehalten. Am 11., dem Vorabend des Wahltages, hörten die massenhaft erschienenen Wähler in einer großen Reihe von Versammlungen anfeuernde Worte in letzter Stunde. Ter 12., der Tag der Hauptwahl, lohnte die mühevollen Agitationsarbeiten der Parteigenossen! durch einen herrlichen Sieg.— An den folgenocn Tagen mutzte in Berlin I sowie in der Provinz wieder tüchtig für die Stichwahlen gearbeitet werden. Am 22. fand die Stichwahl im ersten Berliner Kreise statt. Obgleich die Zahl unserer Stimmen gegen die Hauptwahl be- deutend gestiegen war, konnte der Fortschrittler mit einer Mehr- heit von 0 Stimmen— die jedoch später vor den Untersuchungen der Wahlprüfungskommission nicht standhielt— wieder als Vertreter des ersten Kreises proklamiert werden. Ein am 23. gefälltes Urteil des Obervevivaltungsgerichts er- inncrte wieder an den Rixdorfer Wahlrechtsraub seligen Ange- denkcns. Die im November 1910 auf Grund ungültiger Listen vollzogenen Stadtverordnetenwahlrn wurden für ungültig erklärt. In die Freude über unsere Wahlsiege brachte die rauhe Hand des Todes einen Mitzklang. Am 24. starb Genosse Johann Diener, einer der alten Kämpfer aus den Zeiten des SchanogesetzcS. Am 26. folgte ihm in den Tod Genosse Leopold Liepmaun, der nach einem langen Leben im Dienste der Partei seine Tage als Sekretär der Organisation von Groß-Berlin beschloß. Am 23. endete nach einer Dauer von 18 Wochen der Lohn- kämpf der Lithographen und Stcindruckcr infolge einer Verein- lbarung, welche die Vertreter der beiderseitigen Organisationen getroffen hatten. Am 36. tagte im Gewerkschastshause eine Konferenz der Binnenschiffer. Am 31. beschlossen die Landschaftsgärtner, eine Lohnbewegung einzuleiten. Februar. Am 4. stellten die Schlosser einen Tarif auf, der den Unter- Nchmcrn eingereicht wurde.— Die Kohlenarbeiter stimmten einem mit den Unternehmern vereinbarten Tarif zu. Am 8. starb Oskar Fleischer» einer der alten Kampfgenossen des vierten Wahlkreises. Am 18. hielt der Verband der Bäcker und 5ionditoren eine Bczirkskonferenz für die Provinzen Brandenburg und Pommern ab. Vom 22. bis 2ö. tagte im Gewerkschaftshause ein außer- ordentlicher Verbandstag der Vuckidruckereihilföarbciter. Er nahm Stellung zu einem inneren Konflikt, der ivegew des Tarif- obschlusses ausgebrochen war uno billigte die Haltung, loclchc der Verbandsvorstand in dieser Angelegenheit eingenommen hatte. Am 26. verlor der vierte Wahlkreis durch den Tod des Ge- Nossen Robert Flatow wieder einen feiner alten Vorkämpfer aus der Zeit des Sozialistengesetzes. Am 28. beschlossen die Schneider der Herrenmaßbranche den Streik, weil ihre Tarifforderungen nicht anerkannt wurden.— Die Fleischergcsellen in Neukölln beschlossen den Eintritt in eine Lohnbewegung zur Anerkennung ihres Tarifs. Kleines feuilleton* Nach dem Feste. Nun ist es vorbei mit feinem Kerzenglanz und Tanncnduft, mit Kiivderjauchzen und Grammophonmusik, mit der Freude des Bcschenktwcrdens und dem edlen Vergnügen des Echenkcnkönnens. Die mit göttlicher Weisheit begnadeten Kleinen, nachdem sie einen Tag lang mit ihren Herrlichkeiten, mit Hampelmännern und Puppen und Schusterjungen und Eisenbahnen und Automobilen gespielt haben, werden wißbegierig und wollen ergründen, wo denn in oen wunderschönen Dingen die geheimnisvolle Seele stecke, die das Wunder vollführt, daß der Schusterjunge purzelt uno die Eisenbahn läuft und das Hündchen bellt und die Puppe„Mama" schreit. Und sie verwundern sich sehr, wenn sie dann nichts anderes finden als Baumwolle und Sägespäne oder ein Stückchen Blech uno ein Bleikügelchen oder eine rostige Uhrfeder. Die unvernünftigen Großen aber, wenn sie darüber kommen, kriegen gelinde Wutanfälle. Der Vater droht und schilt und teilt Streiche aus. Die Mutter ist ganz geknickt, ringt die Hände und jammert:«Du böses Kind, du schlimmes Kind! Jetzt hast du alles kaput gemacht und hättest ein ganzes Jahr damit schön spielen können! Oh. ihr Törichten, ihr verständnislosen Eltern und übelberate- ucn Erzieher! Wie könnet ihr nur in eurem beschränkten Sinne den Kleinen wehren! Denkt doch nur, wie es euch ergangen ist, wenn ihr wissen wolltet, wo oenn die geheimnisvolle Seele stecke! Was hast du, mein Freund, nicht alles hinter zwei seelenvollen Augensternen gesucht! Und wenn du die Figur auseinander- klapptest, was fandest du? Einen Scheuerlappen oder ein Mode- journal.— Welch großen und unerschrockenen Geist hast du nicht hinter der hohen Stirn vermutet? Und wenn du die Hirnschale in die Höhe hobst, was lag darin? Ein Konversationslexikon.— Und du. meine zarte Freundin, du suchtest ein Herz, ein starkes, lcvenSwarmes Herz und fandest— eine Rechenmaschine. Denket daran und lasset die Kleinen gewähren, wenn sie wissen wollen, was darinnen ist. und das Spielzeug kaput machen. Ihr »»erdet sie dadurch vor Aerger und Verdruß und Kummer und Herzeleid bewahren und sie werden es euch einmal danken! J. L. ,W. Musik. Seit Mittwoch wird im neuen Theater Groß-Berlin am Zoo die neue Operette von F. L e h ä r„D a s F ü r st e n k i n d" gegeben. Die Presse war zur Aufführung zum Freitag gerufen; danach berichten wir. Bequem, aber unsympathisch, mehr an Bajazzotum als an Kunst mahnend und wegen. Uebergrötzc nicht gut akustisch, hat das Theater Groß-Berlin den Vorzug, eine. der erträglichsten Operetten vorzuführen, die wir seit langem hatten. Der Text ist � eine sinnvolle und ein bißchen ins Ernstere steigende Posse, die das einzelne aus sich selbst heraus rechtfertigt und das sonst so wider- 1 wärtlg-deliebte Effcktinachcn durch ausgerechnet einschlagende 1 Episoden verschmäht. Der griechische Fürst von Parnas ist heimlich der Räuber Hadschi Starros. ohcr genauer, mc der MejAäWMrer> März. Am 1. legten die Hcrrenmaßschncider die Arbeit nieder bei allen Firmen, welche ihre Forderungen verweigerten.— Bei den Gemcindewahlcn in Neu-ZUtau wurden drei und bei den Ge- meindcwahlen in Tegel zwei Genossen gewählt.— 600 Metallarbeiter bei Ludwig Löwe traten in den Streik wegen Uebergriffe der Gelben. Am 3. tagte die Generalversammlung des Zentralwahlvereins für Teltow-Bccskow, welche den Geschäftsbericht des Vorstandes entgegennahm.— Sieben Fraucnversammlungen demonstrierten anläßlich des bürgerlichen Fraucnkongrcsses für den grundsätzlichen Standpunkt der proletarischen Frauenbewegung.— Tie Gemeinde- wahlcn in Pankow, Weisicnscc und Siidcndc brachten unseren Parteigenossen die gewohnten Erfolge in der dritten Abteilung. — Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Kartonbranche traten in den Streik, um ihren Tarif zur Anerkennung zu bringen. Am 6. hielten die sechs Berliner Wahlvereinc ihre General- Versammlungen ab, Ivelche die Vorstandsberichte entgegennahmen und Anträge zur Verbaiidsgcncralvcrsaiiimlung diskutierten. Am 7. fand im Konkordiasaal eine große Volkskundgcbung statt zugunsten der Wiederausnahme des Prozesses gegen die sozialdemokratische» Abgeordneten der russischen Duma, die infolge bewußt falscher Angaben der Geheimpolizei wegen Hochverrats unschuldig zu schweren. Kerkcrstrafcn und Verbannung verurteilt worden waren. Am 8. legte die Zentralkommissson der Krankenkassen einer Versammlung der Vorstände einen Plan zur gruppenwcisen Zen- tralisicrung der Ortskrantentassen vor. Am 10. wurde in der Generalversammlung des Kreiswahl- Vereins für Niederbarnim der Geschäftsbericht des Vorstandes er- stattet und Stellung genommen zu dem Stichwahlabkommen des Parteivorstandes.— An demselben Tage fanden mit gutem Er- folge für unsere Partei Gemcindcwahlr» statt in Treptow-Baum- schulenweg, Boxhagen-Rummelsbiirg, Johannisthal und Nieder- schönhausen. Am 12. wurden 24 Protcstversammlungen abgehalten gegen die beabsichtigte neue Steuerbelastung der Konsumvereine. Am lö. fällte das Oberverwaltungsgericht ein Urteil, welches den Berliner und den Lichtenberger Verein„Arbeitcrjugendheim" als eine politische Organisation erklärt. Am 17. tagte die Generalversammlung des Verbandes sozial- demokratischer Wahlvcreine von Groß-Berlin. Sie nahm den Geschäftsbericht des Vorstandes entgegen und diskutierte über das Stichwahlabkommen. Am 18. ehrte die Berliner Arbeiterschaft das Andenken der Märzgefallenen durch Niederlegung von Kränzen auf der Grab- stätte. Am 19. wurden 2 3 Volksversammlungen abgehalten zur Propaganda für die Jugendbewegung und zum Protest gegen die polizeiliche Verfolgung dieser Bewegung. Am 21. stimmten die Arbeiter und Arbeiterinnen der Karton- brauche einem Schiedsspruch des Einigungsamtes zu und erklärten ihren Streik als beendet. Vom 24. bis 26. tagte im Gewerkschastshause eine Gau- konferenz des Holzarbeiterverbandes. Am 28. traten die Landschaftsgärtner in den Streik bei den Unternehmern, welche die Forderungen ablehnten. Am 31. führte die Generalversammlung des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereinc von Groß-Berlin die am 17. be- gonnene Diskussion über das Stichwahlabkommen zu Ende.— Am gleichen Tage stimmten die Schlosser dem mit den Unter- nehmern vereinbarten Tarif zu. April. Am 1. traten die Stukkateure in den Streik.— Ter Mctall- arbeiterstreik bei Ludwig Löwe wurde mit Erfolg beendet. Am 5. wurde bekanntgegeben, daß der Streik der Landschafts- gärtner den gewünschten Erfolg gebracht hat. Vom 6. bis 8. hielt der Arbeiter-Abstincntenbund seine Generalversammlung ab. Am 9. beschlossen die Hcrrenmaßschncider die Beendigung des Streiks auf Grund der mit den Unternehmern getroffenen Ver- einbarungen. Am 14. wurden bei den Stadtverordnetenwahlcn in Neukölln wie immer nur Sozialdemokraten iw der dritten Abteilung ge- der zur Kommanditgesellschaft umgewandelten Bande. Des Fürsten Tochter liebt einen amerikanischen Kapitän und der wettet mit dem Polizeihauptmann, daß erStarros fangen werde. DochStnrros fängt nicht nur ihn und die Prinzessin, sondern auch etliche Neben- Personen, darunter eine sein Herz gewinnende Engländerin, wird aber mit dem Lösegeld beschwindelt. Als Fürst will er seine Tochter dem Amerikaner geben, wenn es dem gelingt, den Starros zu fangen; sobald er jedoch merkt, daß er seine eigene Tochter ge- fangen, gibt er sofort, um von ihr nicht erkannt zu werden, den Beiden freies Geleit. Nun aber läßt ihm der Kapitän kriegslistig melden, er habe des Starros Tochter gefangen, er solle sie holen. Der liebende Vater kommt wirklich, und jetzt muß erst der an- gehende Schwiegersohn erfahren, daß seine List Wahrheit gewesen, und alles löst sich in Wohlgefallen, die Polizei ausgenommen, auf. Der Komponist L e h g r hat seit längerem eine nicht üble Stufe des Könnens errungen und bleibt auf ihr auch diesmal, nur mit weniger Abhängigkeit von aufgezwungenen Aeußertichkeiten. Seine Erfindung der Themen reicht nicht an den reichen Melodienkranz heran, den seinerzeit die„Klassiker" der Operette zu winden ver- standen. Es geht„über einen Leisten"; den kennt man und den hört man nicht, ungern einmal wieder.. Noch mehr freuen die oft überraschenden Klangsarben des Orchesters, mit denen der Kom- ponist szenische Wendungen zu kennzeichnen weiß. Dazu charakte- ristische Näuberchöre, anmutige Duette u. dergl. m. Direktor V. P a l f i, der von der Kurfürstenoper herüber jetzt am Zoo wirkt, versteht seine Sache und seine Leute die ihre. Kaum eine in Gesang und Spiel minderwertige Kraft! Geradezu eine Ileberraschung war der Heldentenor Eduard Rosen als der Räubcrfürst. Dif soubrettige Engländerin gab Grete Freund; sie besitzt so viel gute Natur und Kunst im Spiel, daß sie sich einige künstliche Affektiertheiten ersparen könnte. Als Prinzessin, in un- danlbarer Rolle, hielt sich Hanna v. Granfeld gut; als eine komische Mama drang Poldi August in mit ihrer trefflichen vsprechsiimine kräftig durch die üble Akustik durch. Dazu noch einige gutbekannte Künstlernamen.... sz. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus. Der Zaungast, das neueste Operettenprodukt von drei Oester- reichern, sollte richtiger„Hanö im Glück" heißen. Wenn jemand. der den treuherzig-naiven Burschen mimt, nach Berlin hereingeschneit kommt, braucht er zum weiteren Fortkommen nur den„Weaner" Dialekt. Manch einer brachte es damit sogar zum Theaterdirektor. Sotanen Ehrgeiz, hat Georg Brandl, der als„junger Mann" in einem Modesalon beschäftigt ist, allerdings nicht. Aber die ihm auf- gezwungene Rolle eines berühmten Dichter-Erotikers gleichen Namens spielt er doch mit solchem Erfolg, daß sich ein Geldprotz zu seinem Mäcen und zukünftigen Schwiegervater aufwirft. Brandl weiß natürlich schon längst, daß ihm die Figur des Vogelhändlers aus der gleichnamigen Operette besser„liegt": denn er liebt ja eine andere Rentiermaid— und sie liebt ihn, obivohl er kein Dichter, sondern bloß ein netter Kommis ist. Wo sich alles so hübsch nach dem Muster altbewährter Possen zusaminenfügt: der wohlhabende Schwiegervater mit den ältesten Witzen, die„gefällige", größtenteils von fremden Krautäckern herbezogene Musik— da fehlt es weder an einem glücklichen Ende, noch an begeisterten Beijallklatschern und Bravoschreiern. o. k,. wählt. Die am 16. vollzogene Wahl der zweiten Abteilung brachte unseren Genossen einen guten Erfolg in Gestalt von sechs neuen Mandaten. Am 23. traten wegen Lohnforderungen die Arbeiter btt Wagen- und Knrosseriebctriebe in den Streik. Am 25. erhoben 42 Volksversammlungen Protest gegen dir neuen Forderungen für den Militarismus. Mai. Am 1. begingen die Gewerkschaften und Parteiorganisationen den Wcltfeicrtag der Arbeiter in gewohnter Weise und unter un- gewöhnlich starker Beteiligung. Vom 5. bis 7. tagte der Verbandst»« des Zentralverbande» der Handlungsgehilfen und-gchilfinnen. Der Sitz des Vorstandes wurde von Hamburg nach Berlin verlegt. Am 8. wurde der Streik der Karosscriearbeiter durch eine be- friedigende Vereinbarung beendet. Am 9. beschlossen die Fleischergcsellen in Neukölln den Streik» weil ihre Forderungen nicht anerkannt wurden. Am 16. demonstrierte die Arbeiterschaft in imposanten Ver» sammlungen gegen den Gcwaltstrcich, welchen der Präsident deS Abgeordnetenhauses mit Hilfe der Polizei gegen unsere Abgeord- nctcn Borchardt und Leincrt ausführte. Am 12. wuroe der Frauentag abgehalten, eine große Zahl stark besuchter Versammlungen, die für das Fraucmvahlrccht demonstrierten. Am 22. fanden 32 Volksversammlungen statt zum Zweck der Wahlrcchtsdemonstration, da zwei Tage vorher die Wahlrechts- antrüge im Abgeordnetenhausc abgelehnt worden waren. Am 28. tagte der Kongreß der Friscurgehilfen, dem am 29. bis 31. der Vcrbandstag des Friseurgehilfcnvcrbandes folgte. Juni. Am 1. verloren die Parteigenossen in Tegel durch den Tod des Genossen Hermann Hackbarth einen altem Kämpfer aus der Zeit des Sozialistengesetzes. Am 3. nahmen die Stukkateure die Arbeit wieder auf, da die Unternehmer annehmbare Zugeständnisse gemacht hatten und der Streik infolgedessen beendet werden konnte. An demselben Tage wurden die Genossen Bruns und Weber von der Anklage, durch ein Jugendliederbuch verschiedene Klassei« der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegeneinander aufgereizt zu haben, freigesprochen. Am 15. kam die Lohnbewegung der Wagcnlackiercr nach einer Daner von nVe Wochen durch Abschluß eines Tarifvertrages zu Ende. Am 18. und 19. wurde im Konkordiasaal der GenossenschaftS- tag des Zentralverbnndes deutscher Konsumvereine abgehalten. Gleichzeitig fand im„Clou" eine Ausstellung von Konsumgenossen!- schaflsartike!» statt. Vom 24. bis 29. hielt der Deutsche Holzarbritervcrband seinen Bcrbandstag im Gewerkschaftshause ab. Juli. Am 15. legten die Kutscher der Schwerfuhrwerksbetriebe die Arbeit nieder bei allen Firmen, welche die Forderungen, über die lange vorher verhandelt worden war, nicht bewilligten. Am 18. verlor die Redaktion des„Vorwärts" einen lang« jährigen bewährten Mitarbeiter, den Berichterstatter und Heber- setzer nordischer Dichter, Theobald Völcker, durch den Tod. Am 21. nahm die Generalversammlung des Wahlvereins für Niederbarnim den Jahresbericht seiner Funktionäre entgegen. Am 23. war der Streik der Schwerfuhrwertskutscher beendet und hatte guten Erfolg gebracht. Am 26. begann die Aussperrung dex Dachdecker aus Anlaß von Differenzen wegen des Lohntarifs. August. Am 6. hielten die sechs Berliner Wahlvereinc Gcncralver- sammlungen ab, welche die Jahresberichte der Vorstände cnt- gcgennahmen. Am 18. nahmen die Generalversammlungen der Wahlvereine der Kreise Tcltow-Beestow und Niederbarnim Stellung zum Parteitag. Am 21. erschienen in Berlin eine Anzahl von Vertretern der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands, die vom ParteivorstanS Humor und Satire. Eine Weissagung für ISIS. In Berliner Hofkreisen geht gegenwärtig eine geheimnisvolle Geschichte von Mund zu Mund. Es handelt sich um eine Prophe- zeiung, deren Urkunde im Hausarchiv der Hohenzollern aufbewahrt sein soll. Die Geschichte aber lautet ungefähr so: Im Jahre 1829 befragte Prinz Wilhelm von Preußen die be- rühmte L e n o r m a n d, die Heilige aller Traumbücher und Karten- legerci, nach seiner.und Preußens Zukunft. Er richtete, wie später ein anderer Preuße, d i e tjß ragen an das Schicksal. Die erste Frage war: Wann werde ich an der Spitze einer Armee kämpfen? Die Prophetin forderte ihn auf, die Jahreszahl dieser denkwürdigen Audienz mit sich selbst— wagerecht und senkrecht— zu addieren. Das ergab: 1849. Madame Lenormand ahnte den künftigen Kartätschenprinzen, der 1849 den badischen Aufstand glorreich überwand. Und wann werde ich abermals einen Krieg siegreich beendigen, war die zweite Frage des Prinzen. Die Zukunft liegt in der Wiederholung desselben magischen Zahlcnspiels, belehrte ihn die Lenormand. Und Wilhelm rechnete: 1849-s- 1 4- 8-H-s- 9— 1871. Zudritt wünschte Wilhelm sein Todesjahr j�u wissen. Nichts einfacher als dies. Es bedarf nur desselben Excmpels: 1871-j' 1 � g_|« 7 �. 133g Richtig, in diesem Jahre starb Wilhelm I. Endlich hob Wilhelm zu der letzten, � dunkelsten Frage aus: Wann wird Preuße» untergehen? Madame Lenormand aber wieder- holte unbewegt den gleichen arithmetischen Spuk: 1888-j- 1't'(J -f 8+ 8 � 1913. 1913— das ist Preußens Ende! Und darum, so raunt man am Hofe, will man in Berlin durchaus keinen Krieg.... Nottzen. — Vorträge. Der für Sonntag angesetzte zweite Vortrags- abend von Karl Kraus mußte auf eiueu späteren Zeitpmikt ver« schoben werden.— Prof. Wilhelm Förster spricht Montagabend 8»/« Uhr im Bürgersaal des Berliner Rathauses über die„Er- innerungswcll der Menschheit". Im Anschluß daran findet eine von der Gesellschaft für ethische Kultur, der Urania u. a., veranstaltete Gratulationsseier statt. — Mn s e u in s ch r o n i k. Für die königl. Museen wurden drei alte Holzfiguren des 13. Jahrhunderts aus der Sankt Moritz-Kirche in Naumburg(für die Kleinigleit von 20 000 M.) gekauft. — Wilhelm wünscht Repräsentationsräume. Das ist die Ursache, warum kein gescheiter Entwurf für das neue Opernhaus zustande kommen kann. Die Akademie des Bauwesens spricht das in ihrer Begutachtung der neuen Entwürfe ziemlich deutlich aus, waruni kein guter Aufbau zu erzielen ist, und empfiehlt, zu prüfen,„ob es nicht angängig ist. durch gewisse Einschräiikimqen im Programm die Aufgabe zu erleichtern". ES sind nämlich für Rc» präsentationSzwecke so viele Nebenräume vorgesehen, daß Grundriß, Aufbau und— Verkehr darunter leiden müssen. Und diese gänzlich überflüssigen und störenden Privatluxusbcdiirfnisse soll das Volt noch aus allgemeinen Stcuermitleln befriedigen l solvie ton Verkrckern Set Gewerkschaften und der Serlinet Partes» genossen feierlich begrüßt wurden. Am Lö. nahm eine Versammlung den Bericht der Kinderschutz- kommissio» entgegen. Ayl LS. tagte die Generalversanunlung des Berbandes sozial- demokratischer Wakilvereine von Grofi-Berli», wo»er Jahres- dericht erstattet und sonstige Parteiangelegenheiten erledigt wurden. Am 26. traten die Arbeiter der Buchdruckmaschinenfabrilen in de» Streik. Am 27. nahmen die Generalversammlungen der sechs Berliner Wahlvereine Stellung zum Parteitag. Ter Monat September begann mit einer großen tkundgebung gegen die Teuerung. Am I. wurde ein Flugblatt verbreitet, welches die Bevölkerung über die Ursachen der Teuerung unterrichtete. Am 3. fanden Massrnversammlungeil statt, welche von der Re- giervng und den Gemeindebehörden Maßnahmen zur Linderung des Notstandes forderten und die Einberufung des NeichstageS verlangten. Am g. wurde der Streik in den Buchdruckmaschinenfabriken mit Erfolg bendet und die Arbeit wieder aufgenommen. Vom!>. bis 13. tagte im Gewerkschaftshause die Generalversammlung de? Allgemeinen deutsche» Gärtnervereins. Am 23. verlor die Parteiorganisation durch den Tod dcS Genossen Karl Weiße einen alten Kämpfer, der sich schon unter dem Sozialistengesetz bewährt hatte. Am 2-t. forderten eine Anzahl von Frauenversammlungen Maßnahmen zur Linderung des durch die Teuerung verurfaelsten Notstandes. Am 23. wurden die Genossen Borchardt und Leinert nach mehrtägiger Gerichtsverhandlung wegen Hausfriedensbruchs und Wioerstands gegen die Staatsgewalt verurteilt, weil sie sich dem ividerrechtlichen Verlangen, als erivählte Vertreter deS Volkes den Sitzungssaal des preußischen Abgeordnetenhauses zu ver- lassen, nicht willenlos gefügt hatte». Am 20. demonstrierte die Arbeiterschaft in großen Bersainm- luiigr» gegen die Weigerung dcS Reichskanzlers, dem Antrage der sozialdemokratischen Fraktion auf Einberufung des Reichstages zwecks Stellungnahnie zur Teuerung' stattzugeben.— Die Generalversammlung des Kreises Nicderbarnim nahm cm dem- selben Tage den Bericht vom Parteitage entgegen. Oktober. Am 1. legten die Mchlkutscher die Arbeit nieder, Seil ihre Tarifforderungen nicht bewilligt wurden. Am 2. traten die Arbeiter und Arbeiterinnen der Karton- brauche in den Streik. Auch hier handelte es sich um Differenzen über den Abschluß eines neuen Tarifs. Am 4. endete der Streit der Mehtkutscher mit Erfolg. Am ö. beendeten die Knrtonarbeitcr und-nrbcitcrinncn ihren Streik, da durch Verhandlungen eine Vereinbarung erzielt worden war. Am 3. fanden in den sechs Berliner Wahlkreisen Generalver- sammlungen statt, wo her Bericht vom Parteitag gegeben und diskutiert wurde. Am 18. wurde ein Flugblatt verbreitet, welches die Bcvölke- ruiig zur Demonstration aufrief. Am 20. fa»o die Demonstration im Treptower Park statt. Mehr als eine Viertelmillion Demonstranten verlangten das freie Wahlrecht für Preuße» und protestierten gegen die Politik, welche pns Teuerung und Kriegsgefahr gebracht hat. Am 2S. traf die Parteigenossen des 6. Wahlkreises ein schmerz- llcher Verlust durch den Tod des alten Genossen Karl Anders. Am 29. hatten die Bergolder nach kurzem Streik die SOstlln- digc Arbeitswoche und den geforoerten Spezialtarif errungen. Am 30. fand die außergewöhnlich stark besuchte Generalver- sammlung der Konsu»lgenoffens6»aft Berlin nnd Nmgegend statt, wo es lebhafte Debatten gab zwischen einer aus Partei- und Ge- werkschaftsmitgliedern bestehenden Opposition auf der einen und Perwaltungsmitgliedern der Genossenschast auf der anderen Seite. .Die ersten Tage deS November staiilden im Zeichen des Wahlkampfes. Die Genossen deS ersten Berliner ReichstagswahlkreifeS befanden sich in der Agitation für die Nachwahl, da der Abgeordnete Kaempf durch Niederlegung feines Mandats der sicher zu erwartenden Ungültigkeitserklärung desselben zuvorgekommen war. Am 3. wurden bei den Stadtverordnetenwahlen in Reukölln kür die dritte Abteilung die sozialdemokratischen Kandidaten tiimtlich gewählt. Am 4. starb ein alter Parteiveteran, Bäcker Ernst Pfeiffer. Am 5. fand die Nachwahl im ersten Kreise statt, welche, da nach den für uns ungünstigen alten Listen gewählt wurde, eine Mehrheit für Kaempf brachte. An, demselben Tage errangen die Genossen bei den Stadtver- ordnetenwahlen in Neukölln zwei Mandate der zweiten Abteilung. Arn 7. wurde der Streik der Dachdecker als erfolglos abge- brachen. Am 8.{wurde Genosse Wachs als verantwortlicher Redakteur des„Borloarts" wegen»ngeblichrr Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses zu 2lH M. Geldstrafe verurteilt. L5m 10. fand eine Generalversammlung des BerbandeS sozialdemokratischer Wahlvereine von Groß-Bcrlin statt, welche einen BezirkSbildungSauSschuß einsetzte und mit einer FriedenSdemon. stration endete.— Die am gleichen Tage vollzogene Wahl zur An- grstelltenverstcherung brachte den in der Freien Vereinigung zu- sammengehenden Organisationen einen glänzenden Erfolg. Am 12. starb wieder ein alter Parteikämpfer, der Genosse Heinrich Lau. Am IS. wurde die Generalversammlung der Konsumgenossen- schaft Berlin und Umgegend fortgesetzt. Am 17. fand in sechs imposanten Versammlungen eine große Temonstration fllr den Bölkerfrieden statt. Außer den hiesigen Parteigenossen sprachen JanreS als Vertreter der französischen, O'Grady als Vertreter der englischen und Dr. Renner als Ver- treter der österreichischen Sozialdemokratie. Am 17. trgte auch eine Konferenz der Musikinstrumenten- arbcitcr DentschlandS.— Die an demselben Tage vollzogenen Wahlen der Arbritnehmerbetsitzer zum Berlinrr Gewerbegericht brachten den freien Gewerkschaften den gewohnten Erfolg.— Bei der ebenfalls am 17. erfolgten Neuwahl der Stadtverordneten für die vereinigten Gemeinde» Lichtenberg— Boxhagen-Rummelsburg fielen der Sozialdemokratie sämtliche Mandate der dritten Ab- teilung zu. Am 18. eroberten wir noch sieben Mandate der zweiten Abteilung. Am 20. feierte der Brreia Berliner Buchdrucker und Schrift- gieher daS Fest seine« fünfzigjährigen Bestehens.— Die Berliner Verwaltui�oltelle des Deutschen MetallarbcitrrverbandeS eröffnete ihr neues Herm in der Linienstraße. Am 23. entführte der Tod wieder einen alten Parteiveteran, den Schriftsetzer Brnno Weise aus unseren Reihen. � Am 28. erklärte eine große Berfammlung der Handelsarbeiter eine Lohnaufbesserung für notwendig und protestierte gegen die von Detaillistenvereinen befürwortete Beschränkung der Sonn- tagSruhe. Dezember. Am 2. tagte wieder die Generalversammlung der Konsum- genoffenschaft Berlin und Umgegend. In ocn Aufsichtorat wurden die von den Partei� und Gewerkschaftsuiitgliedern der Propaganda- iommission vorgeschlagenen Kandidaten gewählt. Eine Berfammlung drs Handlungsgehilfenverbandcs pro- testierte am L. gegen die Beeinträchtigung der Sonntagsruhe durch sins Belordnung des PolizeipräsidegtyT. Ein am 2. gefälltes Urteil der Strafkammer gegen den Ge- Nossen Rosenfeld erklärte den Berein«Arbeiterjugendheim" als einen politischen Berein. Am 0. nahmen die Generalversammlungen der sechs Bcr- liner Wahlkreise Stellung zum preußischen Parteitag. Am 8. tagte die Gaukonferenz des Bauarbeiterverbandes. Am 12. stellte die Generalversammlung des Holzarbeiter- Verbandes ihre Forderungen für die Tarifberatuug auf. Das alte Jahr ging zu Ende unter Vorbereitungen der Parteigcuosseni für den preußischen Parteitag, während auf gc- werkschastlichem Gebiet die Verbände der Bauarbeiter, der Maler und der Holzarbeiter sich in den ersten Stadien einer Tarif- bewegung befinden, die möglicherweise zu schweren Kämpfen in den ersten Monaten des neuen Jahres führen kann, Hus der Partei. Zum preußischen Parteitag. Das Empfangsbureau für die Delegierten befinde! sich im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 2. Legitimations- und Wohnungskarten können daselbst vom Sonntag, den 5. Januar 1913, in den Stunden von 9 Uhr morgens bis 11 Uhr abends in Empfang genommen werden. Zu den am Montag, d e n 6. I a n u a r, morgens 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus(Saal 4) beginnenden Berhand- lungen haben die Mitglieder der Partei und Gewerkschaften gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedsbücher freien Zutritt. Gastkartcn zum Preise von 50 Pf. für die Halbtagskarte sind vor Beginn und während der Verhandlungen gleichfalls im Gewerkschaftshause erhältlich. Gesuche um Zutrittskarten für Pres fever- t r e t e r sind an Eugen Ernst, Berlin L W. 68, Linden st r. 3 zu richten. Die Namen der gewählten Delegierten sind umgehend an Theodor Fischer, SW. 68, Lindensir. 69, einzusenden. Desgleichen ist mitzuteilen, für welche Delegierten Logis besorgt werden soll. Die Parteileitung Preußens. Danksagung. Anläßlich des Ablebens meiner lieben Mutier sind mir so zahl- reiche Kundgebungen des Beileids zugegangen, daß cS unmöglich ist, für jede besonders zu danken. Ick» spreche daher au dieser Stelle meinen und meiner Angehörigen wärmsten Dank aus. Es war uns ein großer Trost, zu sehen, wie viele Freunde die Verstorbene gehabt, wie niemand sie kennen lernen konnte, ohne sie zu lieben. Friedenau, 28. Dezember. K. Kautsky. Ucbcrflüssige Kundgebungen. Aus Bayern wird unö geschrieben: Das Verhalten mancher sozialdemolratischen Vertreter anläßlich der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Prinzregenten findet in den Kreisen vieler Genossen scharfe Kritik, wenn auch in der bayerischen Parteipresse diese Kritik nicht zum Ausdruck kommt. Schon daS Verhalten mancher Mitglieder der Landtagsfraktion, die die Beteiligung an dem Trauerzuge den Einzelnen freistellte, nachdem die offizielle Beteiligung abgelehnt worden war, mußte sehr merkwürdig berühren. Fünf Genossen aus der Fraktion hielten eS denn auch für notwendig, sich an der Trauer- feier zu beteiligen, die unter dem ganzen Prunk und Pomp höfischer Zeremonien staltfand, und sich zu einen» Zuge zu drängen, an dessen Spitze Wilhelm U. und der österreichische Thronfolger schritten. Ein Blick in dieZugordnung und das sonstige Programm hätte diesen allzu Eifrigen beweisen können, daß diese Feier nicht dem Menschen Luitpold, der sicher viele sympathische Züge aufwies, sondern dem Regenten galt, der nach dem Wunsch seines Sohnes und Nachfolgers wie ein Köllig zu Grabe geleitet werden sollte. Und dabei hatten Sozialdemo- kraten nichts zu suchen. Ebenso überflüssig war die Beteiligung mancher Sozialdemo- kraten an den eigens veranstalteten Trauersitznngen der städtischen Vertretungskörper. Wohin schließlich diese unklare Haltung der leitenden Kreise geführt hat, zeigt daS unwürdige Benehmen des sozialdemokratischen Bürgermeisters Neu in dem Weberstädtchen Lambrecht. Er beraumte eine Extrafltzung deS Stadtrats an und begründete das nach unwidersprochenen Berichten mit den Worten: .Als Bürgermeister kenne er keine Partei, sondern nur die Pflichten, die ihm als Beamten deS Staates(?) obliegen und die er in seinem Diensteide beschworen habe". Diese Verleugnung der Partei wirkt zu einer Zeit doppelt un- angenehm, wo der bayerische Minister des Innern im Widerspruch zu der Verfassung ankündigt, daß künftighin Sozialdemokraten als Bürger- meister und Schöffen nicht mehr bestätigt werden sollen I In ganzen macht die Haltung jener bayerischen Genoffen, die sich an all diesen Kundgebungen beteiligten, einen nichts weniger als angenehmen Eindruck, dessen Kläglichkeit noch verstärkt wird. wenn man sich erinnert, daß diese LoyalitötSbezeugungen unter einem Ministerium erfolgen, das eigens dazu berufen worden ist, die ver- fassungsmäßige Gleichberechtigung der bayerischen Arbeiter zu be- fettigen und den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit allen Mitteln der Verwaltungsausnahmepraxis zu führen. Wie ja über- Haupt die Beteiligung von Republikanern an monarchischen Veran- staltungen, seien diese welcher Art immer, nur als unwürdige Heuchelei empfunden werden kann. Totenliste der Partei. Ein alter Mitkämpfer ist mit dem Genossen Friedrich Zick, der am Freitag mittag zu Fürth i. B. im 74. Lebensjahre an einer Jnsluenzaerkrankting starb, dahingegangen. Er stand mit dem vor nicht ganz Jahresfrist ihm im Tode vorausgegangenen Gabriel Löwenstein schon bei Gründung der Partei in vorderster Reihe der Bewegung und hat bis zu seinem Ende wacker für die proletarische Sache gekämpft. Wiederholt war ex in nordbayerischen Wahltrei- sen als sozialdemokratischer ReichStagskandidat ausgestellt, seit länger als drei Jahrzehnten gehörte er als Magistratsrat der sozial- demokratischen Vertretung im Fürther Rathause an. Zick, der ur- sprünglich Drechsler war, dann aber sich infolge seiner politischen Tätigkeit gezwungen sah, die Selbständigkeit als Gastwirt zu suchen, erfreute sich.nicht nur des unbeschränkten Vertrauens seiner Pur» teigenossen, söndern wegen seiner trefflichen Eharaltereigenschasten auch.der Achtung der Gegner. polstieUlelus, Gmchtiichcs ufw. Lreslauer Justiz. Auch in dem zu Ende gehenden Jahre 1912 hat die Breslauer Justiz gegenüber der Arbeiterbewegung ihren alten Ruf gewahrt. Zahlreiche äußerst harte Urteile sind wieder gegen Parteigenossen und Gewerkschaftler gefällt worden. So beläuft sich das Straf- konto der Redaltion der„Volkswacht"' auf 6 Monate Gefängnis und 1176 M. Geldstrafe. Erheblich höher ist das Strafkonto der Partei im Jahre 1912. Es beträgt 10 Mouaie und 3 Wochen Gefängnis und 048 M. Geldstrafe. Besonders harte Urteile fällten Breslauer Richter gegen Genossen, die sich am Tage der Reichslagsivahl in ver- schiedenen Wahllokalen des Wahlkreises Breslau(Land)-Neumartt der Beleidigung und des Hausfriedensbruches schuldig gemacht haben sollen, cvchwer verständlich ist auch die Verurteilung eines unlw?! WaMgntrolleuie zu einem Monat Gefängnis« der sich einer„unbefugken AiniZanmanung'' schuldig gemacht haben soll. weil er der der Resultatseststellung in Zweibrodt die Wahlurne umgessiuttelt hatte. In Breslau setzte die Polizei i.-- Prrfolgun.r der roten Kranzschleifen fort. Sie beschlagnahmte eine Anzahl roter«chleiscil oder vcranlaßte deren Entfernung. Sic nahm sogar Kranze aus roten Blumen fort, an denen sich keine Schleifen besanden. Zahlreiche Verurteilungen von Kranzträgern erfolgten. -tas«trafmaß betrug 20-�30 Mf4 ft!r jeden Fall. Genosse Wcinert wurde vom Schöffe, igerichs � einer Geldstrafe wegen„Wider- stand" verurteilt, weit er öei der Beerdigung seiner Äutter dem Beamte, i eine. beid'4ü;jnal)iut-e Schleife entzog, mit den Worten: „Bcr Kranz gehört, der toten Mutter". Im Januar wurde vom Hozpital der Bts.r»iherzigen Brüder aus ein organisierter Sand- schifser beerdigt. Ter Transportarbeiter-Verband ehrte den Ver- storbcnen d�xch einen Kranz mit roter Schleife, aus dem eine letzte Widmuiyg stand. Der Kranzträger wurde zu 20 M. Geldstrafe ver- urteltt und Genosse Senk, der Kassierer der Zahlstelle, ivegcn „Beihilfe" zu 10 Mark. Er hatte dem Kranzträger einen Groschen gegeben, damit er den Kranz vom Blumengeschäft bis zum Hospital aus der elektrischen«traßenvahu befördere. Außergewöhnlich Harle Strafen haben die Breslauer Gelverk- schaften erleiden müssen. Im Jahre 1912 betrug ihr Strastonto: 30 Monate, 42 Woche» und 22 Tage Gefängnis; 0 Wochen und 4 Tage Hast und 812 M. Geldstrafe. Unter den erfolgten Bestra- funge» finden wir oft Verfehlungen gegen den§ 163 trt Gewerbeordnung und Verstöße gegen das Vereinsgesetz. Schwere Opfer haben die Streiks der Dachdecker, Glaser und Transporlarbeiter ge- fordern So verurteilte die dritte Strafkammer Mitte Juli elf organisiert« Glaser und eii«e» Zimmerer zu der ungeheuren Strafe von 21 Monatcii und 2 Woche» Gefängnis. Tie Verurteilten sollen sich des gemeiiischastlichen Hausfriedensbruches mährend des Glaser- stceiks schuldig gemacht haben. Am 12. August wurden fünf organi- sierte Bauarbeiter zu 8 Monate» und 1 Woche Gefängnis verur- teilt, weil sie gegen Arbeitswillige„Terrorismus" verübt haben sollten. Neb�ii diesen harten Schlägen gegen die Ärbelterbeivegung kamen av.ch vereinzelt heiter wirkende Verurteilungen vor. So er- hielt ezn Arbeiter eine Geldstrafe von 16 M. tvcgeii unbefugten Tradens einer Uniform. Er hatte im Festzuge zui» Geiverlschasts- fest bei einem lebenden Bilde eine Postbeaiuteii-Uiiiforui getragen. Rechnet man die erkannten Strafen gegen die Redaktion der ..Boltswacht", gegen die verurteilten Parteimitglieder und Gelvcrt- schastler zusammen, so ergibt dies das Gesamtkonto von 56 Mona- ten, 46 Wochen und 22 Tagen Gefängnis; 9 Wochen und 4 Tage» Hast und 2936 M. Geldstease. Das ist reichlich viel für den Zeitraum eines Jahres und trotz- dem tan» unsere Zusauiineiistellung nicht den Anspruch erheben, völlig lückenlos zu sein. Diese ehrenvollen Wunden im Kampfe stärken den Mut unscrer Kämpfer und treiben d« Massen vorwärts. Erste Ceueralvtrsamuilullg des Verbandes der tand-, Wald- und Ueinbergsarbetter. Berlin, den 28. Dezember 1912. Im Februar 1900 gegründet, konnte dieser Verband seine erste Generalversammlung schon mit einer respeltablen Vertretung von 44 Telcgiarten abhalten. Bei der Wahl der Delegierten war besonders darauf Bedacht genommen worden, daß nur Leute ge- wählt wurden, die im Berufe tätig sind. Das ist denn auch mit sehr verschwinvenden Ausnahmen geschehen. Bei der Erstattung des Geschäftsberichts verweist der Vorsitzende des Verbandes, Georg Schmidt, auf diese schon äußerlich erlennbare erfreuliche Entwickelung des Verbandes. Die Gründer des Verbandes waren sich darüber klar, daß sie sich mit der Organisierung der Landarbeiter vor eine schwierige Aufgabe stellten. Doch oie Erfolge sind durchaus befriedigend. Zuerst frohlockten die Gegner über sozialdemokratische Mißerfolge, jetzt aber gründen sie emsig Gegenorganisationen uns verweisen auf die eiuirmen Eiiiiiahmeu des Verbandes.— Ter Landarbeiter ist bisher vom Unternehmer nur als Ware betrachtet worden. Das wird jetzt anders. Wo der Verbund Fuß gefaßt hat. wird die Be- Handlung der Arbeiter eine andere. Noch war die Organisation nicht stark genug, um die berechtigten Wünsche der Landarbeiter bei Schaffung eines der wichtigsten Gesetze zur Anerkennung zu bringen. Durch die Reichsversicherungsordnung sind die Land- krankenkassen gegründet worden, in denen die Landarbeiter stark entrechtet loordcn sind. Besonders sind bei der Wöchnerinneiluiiter- stützung die Rechte der Landarbeiterirmen gegenüber den Industrie. arbeitcriliiien beschnitte» worden. Während die städtischen Ar» beiterinne» acht Wochen Wöchnerinnenunterstützung bekommen, müssen sich die Landarbeiterinnen mit vier Wochen begnügen. Da- für haben die bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Frei- sinnigen gestimmt Und die Landbevölkerung ist dabei noch verhöhnt worden,«sagte doch einer der bürgerliche,, Abgeordneten im Reichstage: Wenn die Landarbeiterinnen noch länger Kranken. gels bekämen, würden sie nicht aus dem Wochenbett heraus- kommen.(Bewegung.) Tie WerbandSfunktionäre haben die Drohungen der Junker und der Leute vom Bund der Landwirte, sie mit Hunden von den Dörfern zu hetzen, verlacht. Tic Mit- gliederzuimhme zeigt, wie wenig diese Drohungen gewirkt haben. Ende des Jahres 1909 erst 4691 Mitglieder, zählte der Verband 1910 schon 9534 Mitglieder, 1911 sogar 15 696 uno 1912 am Schlüsse des 3. Quartals 17 237 Mitglieder. Wenn der Verband im letzten Jahre geringere Mitgliederzunahme zu verzeichnen hatte, so ist das darauf zurückzuführen, daß nicht genug Kräfte zur intensiven Betreibung der Agitation frei waren, da es galt, sich um die gewonnenen Mitglieder zu kümmern. Der Redner bespricht dann die Orgaivisationserfolge und auch die Organi- sationSschwierigkeiten in den einzelnen Gauen. Als besonders erfreulich verzeichnet er, daß der Verband auch in den Gutshöfen Eingang gefunden hat; 6717 Gutsarbeiter sind organisiert. Neben 6392 landwirtschaftlichen Arbeitern sind als drittstärkste Gruppe 3730 organisierte Waloarbeiter zu verzeichnen. Zurzeit bestehen 611 Ortsgruppen. Docl) die Tätigkeit des Verbandes war nicht nur eine rein agitatorische. Ein erheblicher Teil seiner Tätigkeit wurde mit Erfolg der Verbesserung der Lohn- und ArbeitSber- hältnisie zugewandt. Auch durch Einreichung von Petitionen an die Behörden wurde für staatliche Forst- und Waldarbeiter auf Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse hingewirkt. Manche Be- Hörde zeigte sich allerdings als Bekämpfet des Verbandes. So hatte die Forstbehörde in Hildesheim erfahren, dag die Wald- arbeitet dem Verbände als Mitglieder angehörten. Sie maßregelte einen Arbeiter und machte auch den nächsten Unternehmer, einen Steinbruchbesitzer, bei dem der Gemaßregelte Arbeit ge- funden hatte, auf ihn aufmerksam. Auf eine Beschwerde oer Ver- bandSleitung an die Forstbchörde antlvortcte dic.ft, daß sie die Entlassung des Arbeiters dem Privatunternehmer nicht abver- langt, sondern nur angeraten habe.— Bei der Beta»> p- sung des Verbandes wirken auch die Laiidwirtschafts» kammern in besonderem Maße mit. Sie fordern die Gutsbesitzer auf, für ein gelbes Organ, den„Deutschen Landarbeiter". Pro- paganda unter den Arbeiter» zu inacbc» und selbst>>« Abonue- mentspreis zu zahlen. Im November hat im Abgeorvnetenhovse eine Konferenz landwirtschaftlicher Scharsmacher unter Teilnahine von Vertretern der Regierung getagt, die sich mit der Frage be- schästigte, wie die Landarbeiter, wohl starler zu geselligen Ver- einen, zu Sparkassen usw. heranzuziehen seien, um sie vom Verband abzubringen. Auf dieser Konferenz waren u. o. vertreten: das preußische Ministerium des Innern, das Ministerium für Landivirtschaft, das Laiwesökononiietollegium, der Bund der Landwirte, die vaterländischen Arbeitervereine, der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie u. a. Vorschläge, den Land- arbcitern zu helfen, tauchen jetzt zahlreich auf. Neben der Grün- dung von geselligen Vereinen ist der Borschlag gemacht worden, den Lansarbeiterii auch Land zu geben. ES wäre schon recht, wenn man den Landarbeitern das Land gäbe, das ihnen vor 100•Jahren genommen wurde, nur dürfe maii au der Ausfuhrung dieses Vor- schlageS zweifeln, Einer der Leiter des Bundes der Landwirte, 6. Da lügende!»!, fioi Seit Vorschlag MNaTk, Sparkau cn zu grün- den, in"die für jeden Landarbeiter von seinem 14. Lebensjahre bis zum 10. Spareinlagen hinterlegt werden; wer aber feine t'lrbcitsftiitte ivcchfelt, verliert fein Sparguthaben. ,Tic Land- arbeitcr werden dieser..Wohltat" nicht viel Verständnis entgegen- bringen. Weiter bemühen sich jetzt die Christlichen und Hirsch- Dunckerschcn»m die Landarbeiter. Ter christliche Verband der Staats- und Genicindearbeiter hat sich in vier Verbände zer- gliedert und einen Landarbctterverband mit dem christlichsozialen Behrens als Vorsitzenden an der Spitze gegründet.— Schmidt bespricht dann noch die behördlichen Verfolgungen des Verbandes. Es wird der Versuch unternommen, einzelne Ortsgruppen für politisch zu erklären, auch würden die Versammlungen oft von Gendarmen überwacht. Gerichtliche Entscheidungen, die vom Ver- band dagegen beantragt wurden-, verliefen früher in der höheren Gerichtsinstanz zugunsten des Verbandes. I» letzter Zeit scheint in Schlesien ein anderer Wind zu wehen. Auch das Kammergericht hat ein dem Verbände ungünstiges llrleil gefällt. Und da es mit dem Reichsvereinsgesctz nicht recht gehen will, ivird jetzt von schlesi- scheu Behörden das preußische Gesetz über die Landesverwaltung vom Jahre 1883 zur Anwendung gebracht, um eine Zahlstelle für politisch zu erklären. Tagegen gibt es dann keine gerichtliche Eni- scheioung, sondern nur das Verwaltungsstreitverfahren. So wer- den freiere Reichsgesetze zugunsten reaktionärer Landesgesetzc außer Kraft gesetzt.— Der Redner fordert die Delegierten zum Schluß auf, unbekümmert all dieser Bedrückungen tatkräftig für den Verband weitcrzuwirkcn.(Starker Beifall.) Aus dem Kassenbericht ist erwähnenswert, daß der Verband in der ersten Geschäftsperiode aus Eintrittsgeldern und Beiträgen 167 816 M. vereinnahmt hat. Unter den Ausgaben sind 17 617 M. für Krankenunterstützung, 4434 M. für Maßrcgelungsuntcrstützung jind 10208 M. für Rechtsschutz zu verzeichnen. In der D i S k u s s r o n zum Geschäftsbericht wird von einem Delegierten gewünscht, daß der Vorstand auf die Uebcrtritte der Landarbeiter aus anderen Verbänden, zum Landarbeiterverband dringen soll; viele mit Landarbeit Beschäftigte seien noch Mitglieder -der Jndustrieverbände. Ferner soll.der Vorstand der Organi- sierung der Schnitter und der polnischen Wanderarbeiter erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden, die Agitation unter den polnischen Ar- ibeitcrn soll durch Herausgabe von Flugblättern in polnischer Sprache bewirkt werden. Tie gelegentlichen Illustrationen im„Land- arbeiter" werden gutgeheißen und wird deren Ausbau gewünscht. auch das zweimalige Erscheinen der Fachzeitung, wird verschicdent- lich angeregt. Ein Delegierter aus Bapcvn regt an, die Beiträge -für Waldarbeiter aus monatlich 80 Pf. gleich z-u bestimmen, damit dem Verband mehr Mittel zugeführt werden.(Der Verband hat jrtzt drei Beitragsklasse» zu 30, 60 und 80 Pf. pro Monat, weib- liehe und jugendliche Mitglieder zahlen 30 Pf.). Ter Delegierte aus der Pfalz erhebt gegen den Verbandsvorsitzenden den Vorwurf, daß er ciuer Lohnbewegung der Weiirbergsarbeiter in Dürkheim in- -falschverstandener Weise hinderlich in den Weg getreten sei; hätte man der Bewegung sreien Lauf gelassen, wären heute Hunderte der dortigen Weindergsarbeiter organisiert. Weiter spielt in der Diskussion die Organisierung der Stallschweizer eine Rolle, denen von einigen Rednern ein gewisser Standesdünkel nachgesagt wird, der sie in andere Vereine treibt. Dagegen-wird eingewandt, daß namentlich in Süddeutschland für solche Vereine kein Boden fei, die Stallschmeizer seien ebenso Landarbeiter wie die übrigen in -der Landwirtschaft Beschäftigten und litten unter denselben miß- liehen Arbeitsverhältnissen wie diese, sie seien davon überzeugt, daß aiur der Landarbeiterverband für sie die wirkliche Organisation sei. Auch über die Veranstaltung von Vergnügen wivd vielfach disku- tiert. Der Haupttassicrer hatte betont, daß Defizite nicht der Hauptkasse zur Last gelegt werden dürfen. Von einigen Rednern wird darauf hingewiesen, daß diese Vergnügungen doch auch agita- torischen Zwecken dienen, und deshalb nicht so streng vorgegangest werde» sollte. Im. Schlußwort bemerkt S ch m i-d t dazu, daß der Stand- Punkt des Kajjielers Beachtung surdeu müsse; die Äergniiguugen -müßten so veranstaltet werden, daß sie auch bildertd wirken, dann würden die Mitglieder auch gern Eintrittsgelder zahlen.— Wenn der Vorstand bei Grenzjtrcitigkeiten nicht schärfer zugegriffen hat. so deshalb, um nicht mit den Angestellten anderer Organisationen in kleinliche Zänkereien zu kommen.— Die Organisierung der polnischen Aweiter wird der Vorstand nicht vernachlässigen, das -nächste Ziel sei aber doch, zunächst die �deutschen Landarbeiter zu organisieren.— Zu der Dürthciuier Angelegenheit bemerkt Schmidt, daß der Vorstand nach dort geschrieben habe, wicht daS günstige Weinjahr 1911 verbürge einen Erfolg, sou-tern die Vorauofctzung sei eine noch bessere Organisation im Pfälzer Gebiet, wenigstens um Dürkheim herum. Dazu kamen noch einige andere hiii-dernde Dinge.— Redner erklärt seine Befriodigung, daß rvcsentliche Aus- isetzungcn an der Tätigkeit des Vorstandes nicht gemacht wurden. Uebcr die RechtSfchutztäti gleit, deSVer-bandcSbe. -richtet Redakteur F a a ß. Diese Tätigkeit macht-dem Vorstand ständig steigende Arbeit. Waren von Juni 1911 bis Juni 1912 nur 671 Rcchtsfälle beim Vorstand gemeldet, so sind es seit Juni bis jetzt, also in o'A Mo wate n allein 698 Fälle. In Rechts» ffachen gingen allein in einem Monat 340 Briefe beim Vorstand ein. Oiodncr bespricht die materiellen unid moralischen Erfolge der vom Verband verfolgten Rechtssachen. Die moralische Wirkung auf die Gutsbesitzer-war vielfach die, daß in jenen Gegenden, wo der Ver- band Prozesse führte, die Rechtsbeugungen der Gutsbesitzer nicht -mehr so häusig waren. Der Vorstand müsse aber verlangen,-daß das Mitgliod gleich zum Vorstand komme. Nicht das einzelne Mit» glied dürfe einen Prozeß anstrengen, und dann, wenn es festsitze, kommen und sagen: Vorstand, hilf mir! Der Borstand ließe die Rechtsschutzfälle zunächst durch einen erfahrenen Anwalt, der ihm zur Seite stehe, prüfen. Redner gibt den Delegierten gewisse In- struktionen für die klageberechtigten Mitglieder und mahnt-dabei zu einiger Vorsicht, da es sich beim Fehlen von gewerblichen Ge- richten für Landarbeiter meist um-langdauernde und kostspielige Zivilprozesse handle.» Rechtsanwalt Dr. S. R ofen-fekd zieht hierauf aus der Praxis der von ihm für die Landarbeiter im letzten Jahre geführten etwa 100 Prozesse«ine längere Rechtsbelehrung für die Delegierten. Rechtsschutz sei für den Landarbeiter von besonderer Bedeutung. Dem Landarbeiter erwüchsen bei der Rechtsverfolgung viel größere Schwierigkeiten als dem städtischen Arbeiter, und bei der Zu- ständigkcit der Klagen vor dem Amtsgericht entstehen durch die oft- mals weite Entfernung der Amtsgerichte vom Wohnorte des Klägers und durch die dadurch entstehende größere Zcitversäumius für die Klagcvertrctung allerlei Schwicrigteiten. Dazu komme, daß für das «Einklagen von Lohn und Deputat das Zivilprozeßverfahrcn völlig ungeeignet sei. Er müsse der Ansicht von Faah widersprechen, daß es sich bei den Klagen- meist um sehr geringe Beträge handelt. Für -den Landarbeiter sei der geringere Lohnbetrag von größerer Be- deuiung. 10 M. spielten in seinem Etat ein« viel größere Rolle als in dem eines städtischen Arbeiters. Auch das Einklagen des Deputats ist oft von relativ großer Bedeutung, wurden dwh in einem Falle 100 Zentner Rartoffeln eingeklagt, die bei den in jenem Jahre hohen Kartoffelpreisen einen ziemlichen Betrag ausmachen. — Unter den vom Verband Beklagten sind die Junker nicht die seltensten. Die Aktenschränke sind gefüllt mit Akten, die die Namen V. Zedlitz, v. Maltzahn. v. Bredow, v. Oertzen tragen. Rstdner be- spricht weiter die Schwierigkeiten der Vertretung von Klagesachen vor auswärtigen Amtsgerichten- Die Amtsvorsteher verweigerten oft die Abhaltung eines Sühnetermins und schickten den Arbeiter sofort zum ordentlichen Gericht.— An der Hand des vom Verband herausgegebenen Fragedogens erläutert der Redner, in welcher Art «die Angaben für die Klageerhebung präzis gemacht werden müßten. um erfolglose Klagen zu verhinderu.— Damit schließen die Bc- vawpgcu des ersten Perhandlungstages. Klus Induftrie und Rande!. Der Einfuhrschein-Skaudal. Vom Januar bis November dieses Jahres wurden durch Au- rechnung von Einfuhrscheinen Zollbeträge in Höhe von 110,31 Millionen Mark beglichen. In der gleichen Zeit des Borjahres betrug der Zollausfall durch das Einfuhrscheinsystem nur 92, S4 Millionen. Im laufenden Jahre sind also den Agrariern etwa 18 Millionen Mark mehr geschenkt worden als im Vorjahre. Außer dem Zollausfall, den die Steuerzahler auf anderem Wege decken müssen, hat der deutsche Konsument die prämiierte Ausfuhr noch mit erhöhten Inlandspreisen zahlen müssen._ Bankeufufio». Wiederum verschwindet eine kleinere Bank in einem größer.en Institut: Die zum Konzern der Diskonto-Gesellschaft gehörige Rheinisch-Westfälische Diskonto-Gesellschaft in Aachen(Aktienkapital 93 Millionen Mark) saugt die H a m e l n e r Bank(2 Millionen Mark) auf und wandelt sie in eincl Zweig- Niederlassung um. Die Rheinisch-Westfälische Diskonto-Gesellschaft besaß bereits den größten Teil der Aktien von Hameln, den Rest hat sie nun aufgekauft. Den Grund für die völlige Verschmelzung der beiden Institute bietet die Vereinfachung der Geschäftsführung und die Ersparnis von Steuern. Kali-Propagandagelder. Das Kalisyndikat hat an das Reichsamt des Innern eine Ein- gäbe gerichtet, in der erhebliche Aenderungen des Kaligesetzes ge- fordert werde». In einem weiteren Schreiben an die Budget- kommission verlangt es eine vollständige Umgestaltung in der Ver- teilung der Propagandagelder. Für das Inland sind im Etat von 1913 insgesamt 1.7 Millionen Mark, für die deutschen Schutzgebiete 0.3 Millionen und für daS Ausland 2,6 Millionen Mark vorgesehen. Von den für das Inland ausgeworfenen Summen sind allein 0,9 Millionen für landwirtschaftliche Korporationen, Ge- nosfenschaften und Verbände bestimmt. Das Kalifyndikal bezeichnet die für agrarische Korporationen und die Schutzgebiete ausgesetzten Summen als unverhältnismäßig hoch, dagegen die für das Ausland geforderten 2,6- Millionen als absolut unzureichend. Der öftere Mißbrauch der Kali-Propagandagelder zur Unterstützung politischer Vereinigungen macht eine Aenderung in dem Verteilungs- modus allerdings wünschenswert. DaS ReichSamt des Innern soll bereits geneigt fein, die Verteilung der Gelder dem Syndikat unter staatlicher Aufsicht zu überlassen. Das Kalisyndilat verfolgt natür- lich, wie jedes Produzentenfyndikat die Tendenz, die Ausfuhr mög- lichst zu forzieren, sogar auf Kosten der Versorgung des Inlandes, das dafür höhere Preise zahlen muß. Getrcidepreis- Statistik. Bom I. Januar 1913 ab soll endlich eine kleine Verbesserung der amtlichen„Preisberichte von deutschen Fruchtmärkten" eintreten, Bisher wurden für die Berichterstattung eine große Zahl von Orten (etwa 60) berücksichtigt. Für die Statistik haben die Preise an kleineren Orten mit geringen Umsätzen nur lokale Bedeutung; die dortigen Notierungen geben leicht ein falsches Bild von der Lage des Getreidemarktes. In Zukunft sollen nur für 16 preußische Plätze regelmäßige Preisfestsetzungen vorgenommen werden. Die zunächst bestimmten Orte sind: Königsberg, Danzig, Berlin, Stettin. Posen, Breslau, Gleiwitz, Magdeburg, Kiel, Hannover, Dortmund, Wies- baden, Köln, Krefeld, Duisburg. Besser tväre es, wenn man für diese Orte auch die Größe der Umsätze ermitteln würde. Den amtlichen„Notieriingskommissionen" sollen Vertreter des Handels, der Landwirtschaft und der Müllerei angehören. Die fest- gestellten Preise werden sofort durch den Draht dem Kaiserliche» Statistischen Amt mitgeteilt und noch am gleichen Tage im„Reichs- anzeiger" veröffentlichr. Eine Vereinheitlichung der Notierungen tritt insofern ein, als nicht mehr wie bisher drei Qualitäten, sondern nur eine für gute Durchschnittsbeschaffenheit notiert werden. Nur für Gerste wird die Dreiteilung(Futter-, Brau- und mittlere Qualität) beibehalten. Verband Deutscher Patentachsen-Fabrike» G. m. b. H., Hagen i. W. Unter dieser Bezeichnung hat sich eine Anzahl Fabrikanten von Patentachsen zu einem Verbände zusammengeschlossen. Etwa fünf- zehn Fabriken haben bereits ihren Beitritt vollzogen. Der Verband hat eine gemeinschaftliche Verkaufsstelle eingerichtet. So2iales» Auflehnung 6« Kaiserlichen Werft gegen Recht und Gefetz. Das Landgericht Aurich war dieser Tage genötigt, die Kaiser- liche Werst zu Wilhelmshaven wegen grober Verletzung der Gesetze zu verurteilen und zugunsten eines wegen sozialdemokratischer Agitation entlassenen Arbeiters zu entscheiden. Der klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Bei einem Elternabend in Rüstringen hielt ein Lehrer einen Vortrag über„Eltern und Lehrer beim Werke der Jugend- erziehung". In der nachfolgenden Diskussion ergriff der auf der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven beschäftigte Maschinenbauer Behnle das Wort und präzisierte von seinem Standpunkt die Stellung der Arbeiterklasse zur Schulfragc. Dies kam der Ober- Werftdirektion zur Kenntnis. Darauf erhielt B. die Kündigung. Das Kündigungsschreiben lautete:„Sie haben gegen die Be- stimmungen der Arbeitsordnung dadurch verstoßen, daß Sie in hren Ausführungen zu dem am 8. d. M. vom Herrn Hauptlehrer tührenberg gehaltenen Vortrag über Schule und Elternhaus auf die Rüstringer Lehrerschaft im Sinne sozialdemokratischer Be- strebiingen einzuwirken versucht haben. Tie Werft kündigt Ihnen Ihr Arbeitsverhältnis demgemäß mit viexzehntägiger Frist. Eckermann, Obcrwerftdirektor." Nach Ablauf der Kündigungsfrist erhielt B. folgendes Zeugnis: „Dem Maschinenbauer Hermann Behnke, geb....... welcher vom 3. Oktober 1898 bis 24. Dezember 1911 in der Maschinenbauwerkstatt der Kaiserlichen Werft, hiersclbst, beschäftigt war. wird auf seinem Wunsch bescheinigt, daß gegen seine dienstliche Führung nichts einzuwenden ist, auch ist über seine außerdienstliche Führung Nachteiliges nicht bekannt geworden, dagegen war feine Führung im öffentlichen Leben in letzter Zeit nicht tadelfrci. gez.: Eckermann, Kontreadmiral und Oberwerftdirektor.* Unter Berufung auf K 113 und 146 der G.O. und 630 B.G.B. beantragte B. bei der Werft die Ausfertigung eines neuen Zeug- nisses unter Weglassung des letzten Satzes. Dies lehnte der Ober- werftdirektor Eckermann ab. Hierauf klagte B. gegen die Pcrft beim Amtsgericht Wilhelmshaven. Trotz der Klarheit der Rechts- und Sachlage wies ei» Amts- richter in Wilhelmshaven den Kläger ab. Die Entscheidungsgründc zeigen die völlige Weltfremdheit dieses gelehrten Juristen. Wer die Gründe liest, kann annehmen, die Begründung eines Urteils aus einer Zeit vor sich zu haben, in der die Arbeit nicht auf Grund eines Rechtsverhältnisses, eines Arbeitsvertrages verrichtet wurde, sondern auf Grund eines Gewaltverhältnisses von Sklaven, Hörigen und Leibeigenen. In der Kontrollierung des außerdienst- lichen Verhaltens des Klägers und dem Zeugnis genannten Urias- brief fand das Amtsgericht nichts gegen das Gesetz Verstoßendes. In der gegen dies seltsame Urteil eingelegten Berufung führ- len die Anwälte Dr. Hcrz-AItona und Tintgraevc-Aurich u. a. aus: Ter Kläger war kein Beamter, sondern als Arbeiter auf Grund eines Vertrages beschäftigt. Er war nach tz 6l1 B.G.B, nur zur Leistung der versprochenen"Dienste verpflichtet. Der Stand- pUllkt des Amtsgerichts übersehe ferner, daß die sozialdemokratische Parlci allen Parteien gleichberechtigt ist, und Laß dieser PassuS in der Arbeitsordnung ungültig ist, weil Rechtsgeschäfte, die gegen die Grundprinzipien des nwdenien Rechts, insbesondere gegen die der persönlichen Freiheit oder Gewissensfreiheit verstoßen, gegen die guten Sitten verstoßen und deshalb nach tz 138 B.G.B, nichbig sind. Der Amtsrichter habe auch völlig übersehen, daß nach der ausdrücklichen Vorschrift des K 630 Abs. 2 des B.G.B, das Zeugnis nur sich aus die Leistungen und die Führung im Dienste erstrecken darf. Selbst wenn die außerdienstliche Lebensführung des Klägers der Kontrolle des Beklagten unterworfen wäre und selbst wenn etwa die Beklagte berechtigt wäre, aus der außerdienstlichen Lebens- führung Entlassungsgründc zu entnehmen, so dürften doch nach der klaren Vorschrift des is 630 diese außerdienstlichen Entlassungs» gründe nicht in das Entlassungszeugnis aufgenommen werden. Mit Recht sagte das Oberlandcsgericht Dresden in einem ganz gleich- lautenden Fall:„Außerdienstliche, besonders das Privatleben be- treffende Umstände gehören, auch wenn sie Entlassung rechtfertigen, schlechterdings nicht in' das Dienstzeugnis". Das Landgericht Aurich hob darauf ldas erstinstanzliche Urtcii auf und verurteilte die Kaiserliche Werft, dem'Kläger über seine Tätigkeit vom 3. Oktober 1898 bis zum 23. Dezember 1911 anstelle des Zeugnisses vom 30. Dezember 1911 ein neues Zeugnis auszu» stellen,>das den Zusatz„dagegen war seine Führung im öfscntlichen Loben in letzter Zeit.nicht taldelsrei" nicht enthält. Die Kosten des Rechtsstreits wurden der Beklagten auferlegt. In den Entscheidungsgründen heißt es:„Die Klage ist nach 8 113 der Gewerbeordnung in Verbindung mit 8 11 Nr. 2 der Arbeitsordnung begründet... Es ist zu prüfen, ob die Gewerbeordnung ein Zeugnis über die außrrdieustliche Führung zuläßt. Die oll» gemeine Fassung des§ 113 der Gewerbeordnung scheint ein Zeugnis über die Führung im und außer Dienst zu meinen; au» dem Züsciiiiiueii'haug ergibt sich aber, daß nur die Führung iuk Dienst gemeint ist. Die Gewerbeordnung handelt von- dem außer- dienstlichen Verhalten der Arbeitnehmer nicht; sie will nur da» Arbeitsverhältnis regeln. Nur die Führung im ArbeitsverhältniA, im Dienst, soll daher Gegenstand des Zeugnisses sein können. Diese Forderung wird bestätigt durch 8 630 des Bürgerlichen Gesetzbuches, das jetzt ausdrücklich nur von der Führung im Dienste spricht, ur- sprünglich aber lediglich eine Wiederholung der Bestimmung des 8 113 der Goiverbeordnung geben sollte. Seine genauere Fassung dient nur der größeren Deutlichkeit, nicht der Abänderung des 8 113 der Goiverbeordnung. Es ist aus diesen Gründen daran festzuhalten, daß außerdäinst- lich«, besonders das Privatleben betreffende Umstände nicht in da» Dienstzeugnis gehören, auch dann nicht, wenn diese Umstände einen Entlassungsgrund abgegeben haben. ES kann nicht anerkannt werden, daß für die Kaiserliche Werst in dieser Richtung ein besonderer Maßstab anzuwenden ist; tritt der Staat als Unternehmer auf, so gelten für ihn ebenso wie für joden anderen Unternehmer die Borschristen der Gewerbeordnung. Danach ist die Beklagte zur Ausstellung eines neuen Zeug- msscs ohne den beanstandeten Zusatz zu verurteilen, der Berufung des Klägers also stattzugcbe»." Die Kaiserliche Werft hat also rechtswidrig ein Zeugnis an»- gestellt, das einen braven Arbeiter kennzeichnen und an der Ber- Wertung seiner Arbeitskräfte hindern sollte. Sie Haidas aus Grund einer Arbeitsordnung getan, deren' aus das außerdienstliche Ver- hältnio sich beziehender Passus den guten Sitten und der öffent- lichen Ordnung ins Gesicht schlägt und außerdem die in der vom König von Preußen beschworenen Verfassung ausdrücklich aner» kannte Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz gröblich verletzt. Die Marinebehövde ist verpflichtet, das Gesetz zu achten. Sie hat kein-Recht zur Terrorisierung der von ihr beschäftigten Arbeiter und zu den Versuchen, durch gesetzwidrige Urbeitsovdnungen die Grundlagen der bestehenden Gesellschaftsordnung anzutasten und Arbeitern ihre Menschen- und Bürgerrechte vorzuenthalten. Wird endlich der Staatssekretär der Marine dafür Sorge tragen, daß solchen zum Himmel schreienden Zuständen aus den Kaiserlichen Werften ein Ende gemacht wird oder geizt der Staatssekretär nach dem Ruhm, hinter de« Staatssekretär Delbrück und dem Kriegs- minister in der Auflehnung gegen Gesetz und Recht, gegen die guten Sitten und gegen die öftentliche Ordnung nicht zurückzustehen?. Dürfen in der Tat die Staatssekretäro und Minister auf die Gesetze pfeifen«der bindet sie ihr Eid zur Beobachtung derselben? SericKts-«Zeitung. DaS ausgeschlossene Dienstmädchen. Gegen den Restaurateur Feierabend klagte gestern vor der Kommer 6 des Gewerbcgerichts das Fräulein K. auf Zahlung eines Nestlohnes sowie einer Entschädigung wegen Nichtcinbaltung der Kündigungsfrist im Gesamtbeträge von 47.40 M. Die Klägerin war vom Juni bis November als Dienstmädchen bei dem Bc- klagten in Stellung. Sie bezog einen Lohn von monatlich 30 M.; als gegenseitige Kundigungssoist waren 14 Tage vereinbart. Wie die Klägerin in der Verhandlung angab, hat sie bisher eine andere Stelle nicht erhalten, weil die Frau des Beklagten sie schlecht go- macht I)abe. An einem Sonntag sei sie ausgegangen und als sie nachts Vtl Uhr nach Hause kam, wäre die Tür verschlossen ge- wescn. Auf ihr Pochen habe niemand geöffnet. Die Frau liabe sogar angeordnet, daß ihr niemand die Tür öffnen sollte. Einen Schlüssel habe sie nie bekommen. Nachdem sie zwei Stunden in der Kälte vor der Haustür gestanden habe, wäre sie zu ciuer Bc- kannten gegangen und habe dort geschlafen. Am anderen Morgen sei sie so erkältet und unwohl gewesen, daß sie erst gegen Mittag zu ihrer Dienstherrschaft lhabe gehen können. Als sie habe arbeiten wollen, hätte sie die Frau zurückgestoßen und gesagt, sie könne ja dorthin gehen,»vo sie die ganze Nacht gewesen sei. Dann sei sie cutlassen worden. Dir Frau des Beklagten bestritt ganz entschieden, daß die Klägerin zwei Stunden vor der geschlossenen Haustür gestanden habe. Die Haustür wäre die ganze Nacht geöffnet. An dem frag- lichen Montag habe die Klägerin nicht gearbeitet. Sie wäre gegen Mittag gekommen, habe ihre Papiere gefordert und dann den Dienst verlassen. Auch habe die Klägerin eine Ouiltung unter» schrieben, wonach sie keinerlei Forderungen mehr an den Be- klagte» habe. Im Wege des Vergleichs verpflichtete sich der Beklagte, an die Klägerin noch 11 M. zu zahlen. Tarauf nahm diese die Klage zurück._ .. Morphiumsucht. Unersättlicher Morphiumhunger hat die unverehelichte Anna Blau, die gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts III stand, zur Diebin und Urkundenfälscherm gemacht. Die Auge- klagte ist der Morphiumsucht unrettbar verfallen und sucht auf jede nur denkbare Weise sich immer wieder in den Besitz dieses gefähr- lichen narkotischen Giffcs zu setzen. AIS sie� eines Tages eine bei dem praktischen Arzt Dr. H. bedienstete Freundin besuchte, sah sie in dem Zimmer deS Arztes eine Anzahl Rezeptformulare liegen. Sie eignete sich mehrere an und benutzte sie später zur Beschaffung von Morphium aus den Apotheken, indem sie die Formulare aus- füllte und mit dem Namen des Arztes unterzeichnete. Einem Apotheker fiel es auf, daß eines Tages ein kleiner Jupge erschien und auf ein solches Rezept ein nicht unerhebliches Quantum Morphium ausgehändigt haben wollte. Der Apotheker schöpfte Verdacht, holte die Polizei herbei und so konnte der Sachverhalt bald klar- gestellt werden. Das Gericht verurteilte die Bedauernswerte zu 3 Tagen Ge» fänguiK. Der Staatsanwalt hatte 10 Tage Gefängnis beantragt. Es nahm also an, daß die Morphiumsucht der Angeklagte» noch nicht die Zurechnungssähigkeit geraubt hatte. »Hilfe jn diskreten Angelegenheiten". Unter der Anklage des wiederholten versuchten Verbrechens wider das keimende Leben hatte sich gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I die Frau AMa Marten? zu veranWorten.— Tie An- geklagte ist schon mehrfach wegen des gleichen Verbrechens vorbestraft und gilt bei der Polizeibehörde als eine recht gemeingefährliche „weise Frau". Wie die Beweisaufnahme ergab, hatte sie in weit iiver 10» bürgerlichen Zeitungen Deutschlands Inserate erlassen, in denen sie als frühere Hebamme„Rat und Hilfe in diskreten Frauenangclegcnheitcn" anbot. Wie die später auf Anordnung der Behörde verhängte Briefspcrrc ergav, hatte die Angeklagte die meisten„Kundinnen" auf dem platten Lande; selbst in den kleinsten Pom in er scheu und ostpreuszischen Dörfern hatte sie eine gro.be Anzahl von Kundinnen, die sie dann weiter empfahlen. Dagegen hatte sie in Berlin und in den Großstädten sehr wenige Verbindungen. Das Gericht nahm an, daß bei der Angeklagten nur ein Ver- stoß gegen den i> 4ga des Strafgesetzbuches lAufsordernng zur Bc° gebung eines Verbrechens» vorliege. Das Urteil lautete auf 1 Jahr und v Monate Gefängnis. Streikbrecher und Schutzleute als Zeugen. Aus Landshut wurden s. Zt. von der Zcntrumsprcsse ganz haarsträubende Terrorismusgcschichten von dem Streik bei der Papierwarenfabrik Smorowski und Schmalix gemeldet. Die Streikbrecher sollten von den Streikenden roh beschimpft und schwer bedroht loorden sein. Nunmehr hatten sich zehn Teil- nchmer am Streik vor dem Landshuter Schöffengericht zu verant- Worten unter der Beschuldigung, sich gegen den berühmten 8 153 verfehlt zu haben. Die Anklage stützte sich in der Hauptsache auf die Schutzmannsangeigen und auf die Aussagen, die von den Ar- bcitswilligen in der Voruntersuchung gemacht worden waren. Als nun aber die nützlichen Elemente ihre Angaben vor Gericht wieder- holen und durch einen Eid bekräftigen sollten, wurden sie kleinlaut und wußten gar nichts mehr. Eine unglückliche Figur spielten auch die als Zeugen vernommenen Schutzleute, die sich vergeblich bemühten, die durch die„Vergeßlichkeit" der Streikbrecher gefähr- bete Anklage zu retten. Als da» sich als unnütz erwies, ließ der Amtsanwalt schnell noch einen Polizeioberwachtmeister herbeiholen, der aber unter seinem Eid nur bestätigen konnte, daß die Strei- kcnden sich durchaus anständig betragen haben. Das Gericht sprach sämtliche Angeklagte frei und betonte in der Urteilsbegründung, daß die Organisationsleitung in musterhafter Weise für Disziplin und Ordnung gesorgt hatte. Und nach den Zentrumspapieren hatten sie„schlimmsten Terrorismus" verübt! Hus der Frauenbewegung. Versaunnlungen— Veranstal�mge«. Berei» für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Heute Sonntag den 29. Dezember, 4 Uhr, im BIüthner-Saal, Lützowstr. 76: Wagner-Feier. Eintrittskarten sind vergriffen. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Aida. Montag: Das Rheingold. Dienstag: Der Wildschütz. sAns 7 Uhr.) Mittwoch: Iphigenie in Aulls. «Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Äönigstinder. Freitag: Das Rheingold. Sonnabend: Don Juan. Sonntag: Tannhäuser. Montag: LavaUtwia rusticana.(Anfang Tl3 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der grohe König. Abends: Freund Fritz. Montag: 1812. Dienstag: Der Austauschleutnant.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Der grotze König. Donnerstag: Der Austauschleulnant. Freilag: Der gehörnte Sicgsried. Siegsrieds Tod. Sonnabend: Kricinhilds Rache. Sonntag: Der AuSlauschleutnant. Man- tag: Ein Waffcngang.(Ansang 7'/, Uhr).» Neues Opern-Dheater(Kröv).. Täglich: Anna Pawlowa-Ballett. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidclio. Abends: Oberon. Montag: Lberon. Dienstag: Zar und Zimmermann.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Oberon. Donnerstag: Zar und Zimmermann. Frei- tag: Fidelio. Sonnabend und Sonntag: Obero». Montag: Figaros Hochzeit.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der blaue Vogel. Montag: König Heinrich IV., 1. Teil. Dienstag: Der blaue Vogel.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Der blaue Vogel. Donnerstag: Zkönig Heinrich IV., 2. Teil. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Der blaue Vogel. Montag: Don Carlos.(Ansang 7>/, Uhr.) Kammerspiele. Sonnlag und Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag: Mein Freund Teddy.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Mein Freund Teddy. Donnerstag: Maria Magdalene. Freitag: Fiorenza. (Ans. 7't, Uhr.) Sonnabend: Mein Freund Teddy. Sonntag: fiorenza. Montag: Mein Freund Teddy.(Ansang 8 Uhr.) Lesssng- Tdeater. Sonntag: Rose Bernd. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Der Biberpelz. Mittwoch: Gabriel Schilling? Flucht. Donners- tag: Die Ratten. Freitag: Tantris der Narr. Sonnabend: Gabriel Schillings Flucht. Sonntag. Rose Bernd. Montag: Rosenmontag. (Ansang 8 Uhr.) � Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Groge Rosinen. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Mittwochnachmittag 3 Uhr: Grohe Rosinen. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Philotas. Der zer- brochcne Krug.,. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Und das Licht scheinet W der Finsternis. Allabendlich: Professor Bernhardt.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Tbeater O. Soiiiitagnnchiiiittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends: Die Schmetlcrlingsschluchi. Montag: Der Talisman. Dienstag: Im weihen Röhl.» Miltwochnachniittag 3 Uhr: Hedda Gabler. Abends: Die SchmetterlingSschlacht. DoinierStag: Im weihe» Röhl. Freitag: König Lear. Sonnabend: Hedda Gabler. Sonntag: Die Schmetterlings- fchUicht. Montag: König Leär.(Ansang 8 Uhr). Schiller- Theater Eftarlottenhurg. Sonntag,, achmlltag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Die Kinder der Eyzell-nz. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Wolkenkratzer. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Heimgefunden. Donnerstag: Wolken- kratzer. Freitag: Die SchmetterlingSschlacht. Soliiiabend: Die Geschwister. Elga. Somitag: Wollenkiatzer. Montag! Die SchmetterlingSschlacht. (Ansang 3 Uhr.) Friedrich. Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: Der Zc nn gast.(Ansang 8-/. Uhr, Dienstag 7'/, Uhr.) Mittwochnachmittag ö Uhr: Die keusche Susanne.. T'heater in der �öniggraker Strafte. Sonntag: Die fünf Franisurter. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Die jüns Franliurter. (Ansang 71/., Uhr.) Mittwoch: Die fünf Frankfurter. Donnerstag: H-rodes und Mari-imn-.(Ans. 7-/. Uhr.) Freitag: Die süiis Franksurtcr.«oim- abend: Hedda Gabler. Sonntag: Die süus Frankfurter. Montag: Hedda Gabler.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Thcater. Allabendlich: Die Erste— Die Beste.(Ansang K Uhr, DienSlag 7 Uhr.) Sonntag- und Mtlwochnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupincl. Neues Volks- Theater. Sonntaanachmittag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Abends; Michael Krämer. Montag: Mutter Landslrahe. Dienstag: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Mitt- wochiiachmittag 3 Uhr: Lore. Die Spieler. Der Kammersänger. Abends und Donnerstag: Die.DopPclgängertomvdic. Freitag: Mutter Landstrahe. Sonnabend und Sonntag: Helden.(Ansang 8>/, Uhr.) Thalia-Tbcater. Allabendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr, Dienstag Uhr.) Mittwochnachmittag 3 Uhr: Polnische Wirlschast. Sonnabend- nachmittag 3 Uhr: Frau Holle.,-■, LiistipirlbanS. Allabendlich: Gras Pepi.(Anfang 81/, Ubr, Dienstag 7'/. Uhr) Sonnlagnachmittag 3 Uhr: So'n Windhund. Mittwochnach- miitag 3 Uhr: Mein alter Herr. Komödk'nHaiiS. Allabendlich: Die Geiieralseckc.(Ansang 8 Uhr, Dienstag 7 Uhr.) Sonntag- und Mittwochnachmittag 3 Uhr: Der rote Leulnrnir�� Theater. Allabendlich: Die Frau Präsidentin.(Ansang « Uhr. Dienstag 7'/, Ubr.) Sonntagnachm. 3 Uhr: Alles für die Firma. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Francillon�..... Deutsches Schauspielhaus, sonnlag bis Donnerstag: Der gut- sitzende Frack.(Zlnsang 8 Uhr, Dienstag 7>,, Ubr.) Freitag: Gläubiger. Mit dem Feuer spielen. Sonnabend und Sonntag: Der gutsitzende Frack. Montag: Gläubiger. Mit dem Feuer spielen um Nollendorfplatz. Soniltagnachmittag 3 Uhr: Der Casino-Theateitz Sonntagnachmittag i Uhr: Unter dem WcihiiachtS- bauin. Allabendlich: Am grünen Strand der Spree.(Ansang 8 Uhr.) Montis Operette»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Der Frauensresser.('Ansang 8 Uhr, Dienstag 7 Uhr.) Kurfürsten- Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Allabendlich: Der Kuhreigen.(Ans. 8 Uhr, Dienstag 7 Uhr.) Mittwoch- nachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Der grosie Unbekannte. Sonntag und Montag: Die Sünden der oberen Zchntansend. Dienstag: Der große Unbekannte. Mittwoch bis Montag: Die Sünden der oberen Zehntausend.(Ansang 8'/. Uhr.) Luiscn-Theater.s Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ich lasse dich nicht. Allabendlich: Berlin— Hantburg— New Hort.(Ansang 8 Uhr.) Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Die Alpeiibrüder. Wüstenmoral. (Ansang 8 Uhr.) Urania- Theater. Allabendlich: Paris und die Königsschlösser von Versailles.(Ansang 8 Uhr.) Montagnachmittag 4 Uhr: Aufs Matterhorn. Zldmiralspalast. Eisballelt: Yvonne.(Ansano 10 Uhr.) Reichslialleii-Thcater. Allabendlich: Bei Valcrn.(Ansang 3 Uhr. Syinitags 7>/. Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Metropol-Tbeaier. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Tata Toto. All- abendlich: Chauffeur— ins Metropol!(Ansang 8 Uhr.) Theater Gros« Berlin. Allabendlich: DaS Fürstenkind.(Ansang 8 Uhr. Dienstag 7 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich 8 Ubr: Spezialitäten. Falles Eapriee. Allabendlich: In Sachen Katzcnstcin. Die Doppcl- sirma. Die Tochter der Braut.(Anfang 8'/. Uhr.) Walhalla-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gespenster. All- abendlich: Goldener Leichtsinn.(Ansang 8st< Uhr.) Avollo-Theater. Sonlitagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 3 Uhr: Spezialitäten. Königstadt-Kastno. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Hu 9 aller Welt. Heb Die lachenden Erben. Wen» auch die englische Regierung die Ersatzpflicht für die bei der„Titanic"-Katastrophc verloren gegangenen Werte abgelehnt hat. weil es sich um ein durch„höhere Gewalt" erzeugtes Unglück handele, so können doch idc Vcrlustträger sich in ihrem Schmerze trösten. Einer Pcrsoncngruppe hat das Unglück zum besten gedient. und zwar allen denen, die mit der Untersuchung der Ursachen der „Titanic"-Katastrophe betraut waren. Die Untersuchung selbst ist natürlich ausgegangen wie das Hornberger Schießen. Der Präsi- dent der Kommission, Lord Mersch, hat als Bericht ein nichts- sagendes Dokument verössentlicht, das nach vielen Windungen und Drehungen niemand für die Katastrophe verantwortlich machen will und die Schiffahrtsgesellschaft, den Kapitän, die hervorragenden Passagiere und das englische Handelsministerium in gleicher Weise weißwäscht. Die Katastrophe, die wochenlang die ganze Welt mit Entsetzen erfüllte, ist vom Publikum denn auch schon glücklich ver- gessen, ohne daß irgend etwas geschehen wäre, ein ähnliches Unglück in Zukunft zu verhüten. Allein die 1500 Passagiere haben doch nicht ganz vergebens in den eisigen Tiefen des Ozeans ihren Tod gefunden. Die Gesamt- kosten der Untersuchung haben etwas über 20000PfundStcr- l i n g betragen. Davon fand zumindest die Hälfte ihren Weg in die Taschen hochgestellter Advokaten, die das Handels- Ministerium vor der Untersuchungskommission vertraten. Der Kronanwalt(Attorney General), Sir Rufus I s a a c s, der als Kabinettsminister die Bagatelle von 7000 Pfund Sterling als Jahresgehalt bezieht, erhielt für seine Dienste von der„Titanic"- Kommission 2453 Pfund Sterling 2 Schilling. Der Kronjurist (Solicitor General), Sir Johns Simon, auch ein Minister mit einem Jahresgehalt von 6000 Pfund Sterling, holte sich aus dem Wrack der„Titanic" 2425 Pfund und 4 Schilling. Ein dritter liberaler Anwalt des Handelsministeriums bekam rund 2350 Pfund. Ein vierter 1250 Pfund und als fünfter liberaler Advokat des Handelsministeriums wurde der junge Sohn des Ministerpräsidenten Asquith mit 864 Pfund abgefertigt. Immerhin nicht so übel als Anfang einer Karriere. Der Vorsitzende und Berichterstatter der Kommission, Lord Mersch, erhielt für seine Mühe 1050 Pfund Sterling. Der Marco ni-Gesellschaft(Generaldirektor: ein Bruder des Herrn Rufus Jsaacs) und den Schiffsbauern Har- la»d und Wolff fielen auch noch etliche hundert Pfund„für Jnfor- mationen über drahtlose Telegramme, Pläne, Modelle usw." ab. Die Hinterbliebenen der mit der„Titanic" umgekommenen Passagiere und Seeleute werden nun endlich doch einen Trost in ihrem Leid gefunden haben. Blutsteuern für die Völker. Man schreibt uns aus London: Das bekannte Londoner Volks wirtschaftliche Wochenblatt„Economist", enthält eine schätzungs- weise Berechnung der bisherigen Kosten des Balkankrieges für die teiligten Staaten. Das Blatt berechnet die durchschnittlichen Kosten eines Soldaten pro Tag auf 10 Schilling und kommt auf dieser Grundlage zu dem folgenden Ergebnis: Bulgarien. 300 000 Soldaten 47KricgStage Serbien.. 200 000„ 47„ Griechenland 150 000„ 64„ Montenegro.» 40 000, 56, Türkei.. 400 000„ 64 7 050 000 Pfd. Sterl. 4 700 000 4 800 000 1 120 000 _ 12 800 000 Summa: 1 090 000 Soldaten 30 470 000 Pfd. Sterl. Einschließlich der MobilisationSkosten und der Kriegskosten während des Waftcnstillstauds belaufen sich die unmittelbaren Kriegs- kosten der 5 Staaten schon bisher auf 36 Millionen Pfund Sterling(über 700 Millionen Mark). In dieser Berechnung find jedoch die gewaltigen wirtschaftlichen Schäden, die die fünf Nationen durch den Krieg erlitten haben, selbstverständlich nicht ein- begriffen. Titel. Wir lesen im Januarheft des„Türmers�: Ich habe Siegfried Wagner einmal längere Zeit gegrollt, daß er vo» dem Ruhme seines Vaters so viel auf sich strahlen läßt. Jetzt tue ich eü nicht mehr. Denn mir ist neulich ein Brief in die Hände gesallen. em Brief... Da stand nämlich dick und fett als Kopf gedruckt: Franz Fernand Geis-Stengel, Schriftsteller, Enkel de« Kgl. Preuß-, Kgl. Württemberg, u. Herzog!. Sachsen- Coburg-Gothaischen HofkünstlerS Prof. Carl Stengel. Lieblich umgeben von den Wappen der genannten Staaten. EZ sah fast aus wie ein Briefbogen eines Hoflieferanten. Ein neuer Rekord. Den Rekord an Liebesbriefen hat voraussichtlich ein junger Student, der in Melbourne in Australien dieser Tage im Alter von 22 Jahren gestorben ist. erreicht. Es wurden in seiner Wohnung nicht weniger als 2360 Liebesbriefe gefunden, die von sechs verschiedenen Damen herrührten. Die Briefe waren fein säuberlich in Päckchen von je 50 Stück zusammengebunden. Kleine Notizen. Opfer der M-rdtechnik. Beim Ilmjustieren von Schrapnell- zündern kmn es am Somrobendvornnttag in dem staatlichen Labo ratorium von Pikulice(Oesterreich) zu einer Exp l o fr o n. durch die fünf Zivilarbeiter so schwer verletzt wurden, daß sie in daS Militärlazarett von Przeniysl gebracht werden mußten. Dampfcrzusammcnstoß. Der Dampfer„Amas'ts", der deutschen Dampfschiffabrtsgesellschaft„Kosmos" gehörig, ist im Hafen von Montevideo mit einen, englischen Dampfer zusammengestoßen und schwer beschädigt worden. Die Nachricht, daß der deutsckie Dampfer gesunken sei. bestätigt sich erfreulicherweise nicht. An Bord ist viclinchr alles wohl. Hungerstreil zweier Spione. Die wegen Spionage in Lern- b e r g verhafteten russischen Geistlichen Sandowitsch und H u d y m a begannen einen Hungerstreik und mußten ins Jnquisitenspital eingeliefert werden. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich Sonnabendnachmittag aus einem Neubau in der Seydlitzstraße in Hannover. Beim Bretter- abnehmen rutschten infolge des Regens einige Bretter und drei Mann stürzten in die Tiefe; einer wurde getötet, zwei wurden schwer verletzt. Schrecklicher Tod. In einer Waschanstalt in Duisburg ge- riet die 17 jährige Wäscherin Ida Wallmerath mit dem rechten Arm in eine Wringmaschine. Der Unglücklichen wurde der Arn, aus der Achselhöhle gerissen. Das Mädchen st a r b nach einiger Zeit unter furchtbare» Qualen. Briefkasten der Redaktion. Am Dienstag findet die Sprechstunde nur von 4 bis '/„« Uhr statt. Die iurtfttjiyc EprcKstunde findet Lindcnstrafte K9, dorn vier Treppen — Fahr st»yi—, woäien,«glich vo» 4>4 bis 714 Ubr obcndS, Sonnabends. von«Ki bis V llljc abcnbL statt. Jeder für den Brirslasten bestimmten Ausrage ist ein Buchstabe und eine Zay, als Mrrtjclche» brtzusvgen. Brtesliche Antwort wird nicht crtctlt. Ansragen, denen keine AdonnementSantttung deigesligt ist, verde» nicht beantwortet. Eilige Fragen»rage man in»er Sprechstunde«ar. R. G- 1000. Das Waisenhaus würde Ihre Kinder wobl auf- nckmcn. Sie muffen aber die Sachlage dem Armcnvorsleher Ihres Bezirks unterbreiten und ihn um Ausstellung eines UeberweisungSscheines ersuchen. Ohne solchen Schein nimmt das Waisenhaus Kinder nicht aus. — K. 31. 11. Es tan» abgewarlet werden, bis die zwei Jahre verstrichen sind. ES müssen mindestens 200 Beilragsivochen geleistet sein.— G. T. 19. 1. Ja. 2. In 5 Jahren.— 100 R. Die Erteilung der Schankkonzession kann abgewartet werden.— I. P. 100. t. Ja. 2. Bis zum 17. Jnni 1913 mindestens 20 Beitragswochen. Bis zu dem Zeiipunlt muß auch der Ilmtausch erfolgen.— K. O. 1. 1. Unseres ErachtcnS ja, und zwar die Allgemeine Ortstranlenkasse. 2. Sie können Jbrcn Anspruch nur der Kasse gegenüber gellend machen. Diese hält sich an Ihren Arbeit- gebcr.— D. Z. 701. 1. und 2. Nein.— 31. G. 17. Die Frage ist zweifelhaft. Eine bestimmte Antwort läßt sich schon deswegen nicht erleilen, weil Sie in Ihren, Schreiben nicht die näheren Umstände— Art der Tätig» kcit. Ort, Tag der Versäumnis— angegeben haben. Wir raten zur Er- Hebung der Klage beim Kausmannsgericht. und zwar aus Gehaltszahlung für die Kündigungsdauer.— Max 103. 1. Nein. 2. und 3. Das Gc- ivcrbe muß angemeldet werden. Gewerbesteuerpslicht tritt erst ein, iveiin das Einkommen 1500 M. jährlich übersteigt.— T. Vi. 01. Ja.— K. 73. Das 7'/, fache des lSrundbetragcs der Invalidenrente. Die Höhe des GrundbetrageS ersehen Sie aus Ihren, Renlenbcscheid.— L. II. Ja. — Eid. Auch für Konsessionslose gilt die übliche Eidesformel.— Pankow 10. Die Kündigung ist rechtzeitig erfolgt.— W. L. 70. ES ist zulässig. Marken einer niedrigeren Lohnklajse zu verwenden. Bei späterem Bezüge der Reule ermäßigen sich danach auch die Steigerungs- sähe.— 31. B. 3. Eine Verheiratung wäre nur nach rechtSlrästigcr Scheidung der nach Ihrer Darstellung„och bestehenden Ehe der Frau zu- lässig. Ob die Frau Scheidungsgründe hat, läßt Ihr Schreiben nicht er- kennen.— N. T. 100. Falls, wie wir annehmen, der Betrieb ein Hand- werlsmäßiger ist— unter 20 beschäftigte Personen— müßte die Meisterprüfung abgelegt werden, sallS nicht ein DiSpenSgcfuch bei der höheren Verwaltungsbehörde— Regierungspräsident— Erfolg hat. ES empfiehlt sich, vor Stellung des DispenzgesucheS mit dem Vorsitzenden der Handwerks- lamnier Rücksprache zu nehmen, da die HandwerkSlammcr gehört werden muß. — K. H. 33. 1., 2. u. 3. Amtsgericht Berlin-Mitte, Neue Friedrichstr. 12/t5. F. T. 33. Zur Zahlung der Kirchensteuer sind sie verpflichtet, falls Sie nicht den ZablungSiiachweiS erbringen können.— Spandau, Wilhelm strafte 3. Für Preußen besteht die kliiterrichtSpflicht. Falls Sic Jhret, Sohn zu sich nehmen, würde er Unterlicht in der Taubstummenschule er» holten.— H. G. Ol. Zu einer nochmaligen Zahlung sind Sie nickt ver> pflichtet.— K. 13. Ja.— H. S. 100. Es ist möglich, daß das Gericht die von Ihnen behauptete Tatsache zu einer Auscchtung der Ehe als aus- reichend erachten würde. Sie müßten aber beweisen, daß die Kraulheit be- reits zur Zeit der Eheschließung bestanden hat. Ferner dürsen bis zur Er» Hebung der Klage seit Kenntnis des Aiifcchtungsgruiidcs nicht mehr alS 6 Wochen verstrichen sei».— K. M» 112. 1. und 2. Unseres Erachtens nein. 3. Wir raten, vor Ablauf der einwöchigen Frist rechtzeitig Wider- spruch zu erheben.—®. F. 5. Wenn Verwandte gerader Linie— Kinder, Kindes linder oder Estern— vorhanden sind, würden diejc zur Zahlung der sogenannten AuSlösungSgcbühr verpflichtet sein,— 21. M. 3. Der Chauffeur ist ersatzpflichtig, sosern ihm ein Verschulden nachgewiesen werden kann. Es ist zweckmäßig, beim Armenvorstcher Ihres Bezirkes die Er- teitung eines Armenattestes zu beantragen und demnächst Klage beim Amtsgericht zu erhebe».— W. P.*4. Fordern Sic die HcianSgabc der Bücher unter Setzung einer Frist. Bei Ersolglosigleit bleibt, nur Klage übrig. Ist es jedoch zutreffend, daß die Bücher gestolilcn sind, so hat der Bestohlene Anspruch aus Herausgabe, ohne eine Zahlungsverpflichtung zn haben._ Briefkasten der Expedition. Patienten i» Beelitz, Buch und andere» Heilpitten. Diejenigen unlerer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Uebeuveisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung dt« ersten Nummern de? neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. All« Adressen müsse» jeden Monat neu«ingesandt werden, Eingegangene Druckschriften. Deutsches Orient-Jahrbuch 1913. Herausgegeben von K. Müller- Poyritz. 3 M. Verlag H. Hiibner, Prien am Chiemsee. Witter, ingSüberücht vom Stz». Dezember 1912. Stationen C£ 1| s s s? Swinemde. 758: SSO Hainburg 7541@30 Berlin 759 S Franks. a.Mi7k0SW Zitünchen 763'®® Wien j763WSW Wetter 3Nebel 4 Regen 2bedcckt 5 Rege» 4 wolkig I.Regen we ih «1 7S0SW 737 S 761®® 1 «Setter t* Ä* 2woltcnl 1 bedeckt 6 bedeckt Sbedeckt 4bedeckt Wetterprognose für Sonntag, den 29. Dezember 1912. Zunächst sehr mild, vorwiegend trübe mit weiteren Ziegenjällci, ziemlich starte» westlichen Winden; kühler. _ 22 -5 12 8 12 »ich später zeitweise ausklarcnd und ctlvas Berliner Wetterburcau. WasserstandS-Siachrichten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgetelll vom Berttser Wetterbureau Wasserstand Meu»e.I, Tilsit P r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen Frankjurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm E l b c, Leitmeritz „ Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') Ratbenow') Spree. Spremberg') BeeStow S e I e r, Münden Minden Rhein, MarimilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrom» Main, Hanau Mosel. Trier ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.') Nnlcrpegcl. LemMöttljIcp ZcMcür: Alfrep Wjelcpp. NcuMp. Für feca Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Lorwärt« vuchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. Ar. 303. 29. Jahrgang. 2. SkiliP des Jotniärts" Kerlim MlKsdlM Sonntag, 39. Dezember l9!3. Literarifches. Deutsche Zursolgc-Erziehungsanstaltcil in Wort und Bild. Heraus- gegeben von Dir. P. Sciffert- Strausberg. I. Band. Carl Marholds Verlag, Halle a. S. Preis geb. 30 M. ?Uls dem Fürsorgc-Erziehungstage in Rostock wurde der Be- schluß gefaßt, durch eine planvoll organisierte Prcffctätigkeit der Fürsorgeerziehung in der Ocffcntlichkeit größeres Ansehen und wohlwollendere Beurteilung verschaffen zu helfen. Die Greuel aus der Blohmeschen Wildnis und die Entmenschtheitcn des Prügel- Pastors Brcithaupt in Mieltschin hatten in die sonst von hohen Mauern umgebenen Geheimnisse der Fürsorgc-Erziehungsanstalten grell hineingeleuchtet und ihren Geist vor aller Welt als den Geist scheußlichster Barbarei und Bestialität gcbrandmarkt. Run galt es, den Mohren weiß zu waschen. Auf dem Fürsorge-Erziehungs- tage in Dresden wurde denn auch verkündet, daß ein Presse- ausschuß, ein Zentralburcau und verschiedene provinziale Lokal- bureaus ins Leben gerufen worden seien, und daß die Bearbeitung und Beeinflussung der öffentlichen Meinung erfolgreich betrieben werde.„Bedienung nicht bloß der großen, sondern auch der kleinen Zeitungen, sowie der Lokalpresse, einschließlich der sozialdemokrati- schcn, der Kreis-, der Sonntags- und der Fachblätter,— Versorgung mit größeren und kleineren Artikeln, teils berichtigenden, teils positiven Inhalts, Stimmungsvorbercitungcn für wünschenswerte Gcschesändcruitgcn, periodische Umfragen bei Behörden über ein- schlägige Vorgänge, Benutzung von Ausschnitt- und Korrespondenz- bureaus usw." wurden als Aufgabenkrcis der neuen Institution, deren Sitz Strausberg ist, bezeichnet. Und just in demselben Atem- zugc wurde an die Teilnehmer des Fürsorgctagcs— gewissermaßen als Probcarbeit der literarischen Rcinigungs- und Auflackicrungs- anstalt— der stattliche Band verteilt, der bald daraus auch im Buch- Handel erschien und der uns hier zur Besprechung vorliegt. Uebcr unsere Stellung zur Fürsorgc-Crziehung, ihre Bcrechti- gung und die Bedeutsamkeit ihres Wirkens brauchen wir hier kaum ein Wort noch zu verlieren. Es herrscht in der Sozialdemokratie volle Einmütigkeit darin, daß die Gesellschaft das größte Interesse und die unabweisbare Pflicht hat, für eine gesunde Erziehung des Nachwuchses zu sorgen und aller Gefährdung und Verwahrlosung mit Entschiedenheit entgegenzuwirken. Dies um so mehr, als heute die Familie in zahllosen Fällen völlig außerstande ist, ihre erziehe- rischcn Funktionen zu erfüllen und der heranwachsenden Jugend die wirtschaftlichen, sozialen und persönlichen Voraussetzungen zu bieten, die eine gute Erziehung und sichere Bewahrung vor viel- fachcc Verderbnis gewährleistet. Aber die Sozialdemokratie ist sich auch einmütig klar in der Erkenntnis, daß in einer Klaffcngcscll- schaft und im Rahmen kapitalistischer Ordnung die Fürsorge- Erziehung niemals eine wirkliche E Ziehung junger, gefallener und irrender Menschen zur Menschlichkeit srkll klmn, sondern als Klasscn- maßrcgcl in die Erscheinung tritt,„als Schutzmaßnahme der bürgcr- lichcn Gesellschaft gegen ihre ureigensten Zerfallsprodukte, gegen die „Ungeheuer", die sie selbst ausbrütete und deren Frevel gegen die Welt des Besitzes und ihre heiligsten Güter mehr gefürchtet werden als alle Sünden wider die ungeschriebenen Gebote echten Menschen- tums". Darum Bändigung statt Aufrichtung und Hilfe, darum .Ktrengc und Härte statt Milde und verzeihender Liebe, darum Schrecken, Prügel, Kcrkerqualen und widerliche Frömmelei statt verständnisvoller Erziehung, individualisierender Behandlung und wohlwollender Leitung und Beratung. Weil aber solch ein furcht- bares System, nach dem man eher reißende Tiere zähmen als arme verirrte und verlassene Menschenkinder formen und bilden kann, alle Menschlichkeit empört und alle edlen Instinkte in uns zur Revo- lution treibt, gilt es den Schweiß der Offiziellen und Offiziösen, der Beteiligten und Berufenen, der Fürsorge-Erziehung vor den Augen der Oeffentlichkeit den Makel brennender Kulturschmach zu nehmen. Dieser Aufgabe dient der Pressedienst der Fürsorge- anstalten, vor allem aber auch das vorliegende Werk. „In Wort und Bild" wird die Fürsorge-Erziehung gerecht- fertigt, gelobt, gepriesen, gefeiert, verherrlicht.„In Wort und Bild" werden Leistungen aufgezählt und Taten gerühmt, Verdienste gewürdigt und Unsterblichkeiten verliehen.„In Wort und Bild" ist alles vortrefflich, tadellos, mustergültig, harmonisch, ideal. Die Verfasser der Artikel und Berichte schreiben mit Roscnwasscr und schwingen die Wcihrauchkesscl der Selbstverherrlichung: die Bilder zeigen alle Anstalten von der Sonnenseite, die Kinder im Sonn- tagsstaat, beim Spiel oder in Arbeitsposcn, denen man die er- zwungcnc und gekünstelte Theatralik ohne weiteres ansieht. So wird man nie das Gefühl los, von UnWahrhaftigkeit auf Schritt und Tritt umgeben zu sein, die üble Luft der Heuchelei atmen zu müssen und überall dem verlogenen Pharisäismus eitler Selbst- gercchtigkcit zu begegnen. Ein höchst unbehagliches Gefühl, das bestärkt wird durch den Umstand, daß unter dem schimmernden Mantel der wohlbcrcchnetcn Täuschung allenthalben die Verräters- schcn Zeugnisse des währen Wesens der Fürsorge-Erziehung hervor- schauen. Da trumpft die plärrende Religiösität als A und O aller Erziehung mit arroganter Wichtigkeit auf; da macht sich der lärm- volle Patriotismus mit Fanfarcnblascn und Soladtcnspiel(sogar bei psychopathisch-mindcrwertigen Kindern, die als„übermäßig empfindsam" bezeichnet werden) breit; da steht hinter jeder Kinder- gruppe, bei jedem Blumenbeet und auf jedem Spielplatze der uni- formirte Aufseher und schnauzbärtige Büttel; da werden Lobes- Hymnen gesungen auf einfache, mäßige Kost und Speisezettel ab- gedruckt, die Fleisch als Seltenheit aufweisen; da wird harte Zucht, Arrest, Kostschmälcrung, Leibesstrafe als pädagogische Weisheit und Praxis empfohlen und es als Triumph dieser Vergcwaltigungs- Methode gepriesen,„den Trotz und Willen des Zöglings zu brechen"; da sieht man kleine, schwache Kinder bei Hantierungen und mit Werkzeugen umgehen— und wie lang ist der qualvolle Arbeitstag! — daß man das große Interesse begreift, das die ostelbischcn Junker an diesen Vorbcreitungsstättcn für die erbarmungsloseste Menschen- kncchtung der agrarischen Gutshöfc haben. So sorgfältig das Bild der Fürsorgeerziehung, das aus dem Buche dem Betrachter entgegen- tritt, abgetönt, retouchicrt und koloriert ist, so eifrig man darauf bedacht gewesen, ihm die hellsten und freudigsten Züge abzugewinnen und es in den Glanz denkbar günstiger Beleuchtung zu rücken— man braucht nur ein klein wenig zu kratzen und der Barbar kommt zum Vorschein. So erweisen sich die Schönmalcrcicn und Frisierkünste als eben- so durchsichtiges und letzten Endes verfehltes und zweckloses Bc- ginnen wie die statistischen Manöver und fachmännischen Zeugnisse, die benutzt werden, um dem Bankrott der Fürsorge-Erziehung im Urteil der Oeffentlichkeit wieder aufzuhelfen. Die bürgerliche Klaffe wird nie zu einer wirklichen Fürsorge-Erziehung fähig und im Grunde auch nie ernsthaft dazu entschlossen sein. Erst der Vor- marsch der proletarischen Massen, um deren Kinder es sich hierbei handelt, wird die Voraussetzungen zu einer organischen Erziehung des gesamten Volkes im Geiste der Kultur und Menschlichkeit schaffen, in die sich dann auch eine von pädagogischen und ärztlichen Gesichtspunkten beherrschte, von religiösen, kirchlichen und patrio- tischen Einflüssen und Tendenzen befreite, lediglich dem Ideal eines sozialen Erziehungszwcckcs dienende Fürsorge-Erziehung als schwierigstes und bald entbehrliches Gebiet eingliedern wird. IL. Jugendbewegung. Vom„gärend Drachengift" des roten Jugenb-Licdcrbuche?. Die frommen Leser des„Reichsboten", die am ersten Weih- nachtstage ihr Leibblatt in die Hände nahmen, um ihre Weihnacht- liche Stimmung zu erhöhen, wurden von einer erschröcklichen Gc- schichte überrascht. Ein„Berliner Lehrer W." hatte eine Spalte des Pastoren- und Hofdamen-BlattcS gefüllt mit dokumentarischen Beweisen sozialdemokratischer„Jugendvcrhetzung". Und wie dra- matisch der Herr sein„Material" zu verwenden Wußte! Er beginnt mit der Schilderung folgender wahren Begebenheit: „Vor kurzem mußte ich einem Knaben ein Buch abnehmen, mit dem er Allotria trieb, und es aufbewahren, bis die Mutter es von mir abholte. Dieses Buch gehörte, wie der Junge angab, „seinem Bruder, der in der Partei ist". Es war das rote„I u- g c n d- L i e d c r b n ch" und umfaßte, wenn ich nicht irre, fast l5l> Seiten Text. In einigen freien Stunden blätterte ich dieses „Liederbuch" durch... Was hier Jugendlichen— denn für diese ist das Machwerk vor allem bestimmt— für gärend Drachengift, für Hetzgedanken buchstäblich ein- geimpft werden, spottet jeder Beschreibung..." Um nur wenige Beispiele aus der großen Zahl von Liedern zu nennen, zitiert der Herr teils vollständig mit entsprechenden Unterstreichungen die Lieder Nr. 42:„Stille Nacht"(die bekannte proletarische Umdichtung des WcihnachtSlicdes), Nr. 116:„Warum?", Nr. 119:„Das Lied von der deutschen Treue" von L. Pfau, Nr. 221: „Ermahnung" von M. Kegel. „Ist cS ein Wunder, daß die rote Jugend immer frecher wird? Das sind nur etliche Proben aus dem roten„Jugend-Liedcr- buch", das in mehr als 100 000 Exemplaren verbreitet ist. ArmeS deutsches Volk. Wer es etwa noch nicht glauben sollte, daß die „Jugendgcnossen" die Leibgarde der Revolution werden sollen, xas rote„Jugend-Liedcrbuch" muß ihn überzeugen." Also beschließt der angebliche Lehrer seinen Sermon, Schade nur, daß alles Schwindel, blanker Schwindel ist. Keines der genannten Lieder ist in dem„Jugend-Liedcrbuch" enthalten. Unter Nr. 42 ist im Jugcnd-Licdcrbuch zu lesen das Lied: Ein Jäger aus Kurpfalz...(in der ersten Ausgabe: Es liegt eine Krone im tiefen Rhein von H. Dippel), Nr. 116: O Täler weit, o Höhen, o schöner grüner Wald.-. von Jos.�von Eichendorff(in der ersten Ausgabe: Turner, auf mit frohem Sange und nun vor- Ivärts. marsch...), Nr. 119:.O, wie ist es kalt geworden und so traurig öd und leer... von Hoffmann von Fallersleben(in der ersten Ausgabe: Viola, Baß und Geigen...), ein Lied Nr. 221 gibt es überhaupt nicht. Das Jugend-Liedcrbuch enthält nur 169 (in der ersten Ausgabe 148) Lieder. Vielleicht ist auch die so schön dramatisch wirkende Geschichte von dem mit„gärend Drachengift eingeimpften" Knaben, dessen „Bruder in der Partei ist", frei erfunden. Vielleicht verrät der „Berliner Lehrer W.", wie er zu diesem hahnebüchencn dreifachen Schwindel gekommen ist. 0S•••••• hraiÄirAus vcrhaiil Vom 30.Dezember 1912— 5. Jaoraiar 1913 Zunächst Osreif Oliv, grau oder braunlidi. 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Dienstag, den 31. Dezember 1912, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: K» Silvester-Feier«» unter Mitwirkung des Volkshumoristen Herrn Karl Hanlsch und Irgan. Eintritt 80 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Anfang 9 Uhr. Zahlreiche Beteiligung erwartet 211/11 Der Vorstand. Arbeiter-Wanderbund „Die Naturfreunde". Sonntag, den 5. Januar, im„Deutschen Hof", Luckauerstr. 13: Lrofier LiektbNüervortrsg. Ueber Frankfurt ins Sternberger Land. W W» tat; Mn" iagow, Frantsurt und Krassen. 106 künstlerische Bilder in natürlichen Farben. Malerische Reise durch das PleiSke-Kriesel-Eilangtal ~"''" iffen. die Landschaften um 1/14* Nach dem flr,..,. Vortrage:*!■»«{. Einlaß 6 Uhr._ Herren, die daran teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Eintritt 26 Ps. Beginn 7 Uhr. Baroti Muckt's 297/19* Oberbayern (eigene ca. 1000 qm geheizte Fosthalle) Pallasstraße(Ecke Potsdamer Str.) SV Täglich große hnmorlstlsche"98 Doppelkonzerte. Original Müncbener Betrieb. 20 bayerische Madel. gy Solide bayerische Bedienung.-Mg Schuhplattlertänze. □ Humor. Musik-Autführungen. :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. �..«on" * �* MauerstraBe 82.— 2 Gr. Tripel-Konzerl und Gastspiel des Masiko. der Kalo. 1. Matrosen-Division aus Kiel. Leiter: KaiserL Obern, fi. Stelle. Musikc. Kaiser-Fron»;- Regimen tu, Dirig. Oberin. Becker. Musikc. 1. Garde-Dragoncr-Begts-, Dirig. Obern. Baarz. Anfang 4 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 4 Uhr. Große Silvesterfeier! Karten a 1,50 M. bei Tischbestellung im„Glon" erhältlich. Am Kdnlgstor Heute Sonntag; Größte Sehenswördigkeit Berlins! Schönste Alpenfestdekoration Auf der Alm Der rühmlichst bekannte Festwirt, Seine Korpulenz Seppl Weinzierl aus München 3 hayerische Kapellen. 100 Mitwirkeniie. Humoristische Aufführungen— Kiesen-Gaudi— Alpenleben— Schlager auf Schlager. Elllpntaner-Trnppe— die kl. Menschen der Welt. Anfang 5 Uhr. Entree 50 Pf. Silvester: LlMv SilYCStCr- Danlinc 6 Kapellen— Auf d. Alm Ovrllild Liliputaner— Schlager auf Schlager— Jubel und Trubel. Jidmiralspalast Hente Sonntag 2 Vorstellungen 2 nachm. und abends das nene mit durchlagendem ETISn* Sn fit. Rflonitz Erfolg aufgeführte Eisballett S-■IPl; III» � L Akt: Wintersport In St. Boritz. 2. Akt: Soiree im I»axnshotel. 3. Akt: Japanisches Fest- Die prunkvolle Ausstattung Ist eine Sehenswürdigkeit! In den Hauptrollen:... Ellen Dallernp, Max Feist, Alfred diarSottei Jalncztk, Hermann Cölpln. Orchester unt. Leitung d. Komponisten Julius Elnödshofep. Beginn d. Nachinittags-VoKtrfkm�(zu halben Preisen) um 4'/, Uhr. Beginn der Abend-Vorstellung um 9 Uhr.— Einlaß ab 7ll} Uhr. W* Ab 10'/. Uhr halbe Preise. tWS Erstklassige Kuchc. Wein- und Bicr-Abteilang. " GtoBe Silvislir-Feler mit Ball. SSgÄS.! Wirtshaus m neu Stadtbahnbögen (Bahnh. Börse) Spandaner Brücke(Bahnh. Börse) ••«fj Frühstück-, Mittag- n. Abendtisch zn zivilen Preisen.— Ansschank erstklassiger Blere. . Traimir Waller Setrlng.«SSTSfOSt. f.............. Zirkus Albert Sehutnann. Sonntag, den 29. Dezember: L große Vorstellungen. Nachm. 31/, u. abends?'/, Uhr. In beiden Vorstellungen Der unsiciitbare Mensch. 4 Bilder aus Indien. Neu; Sensationspiece! Neu! EUvve unf Elefant! Der einzige Löwe, welcher mit einem Elefant.zusammenarbeitet, da bekanntlich diese Tiere sonst in tödlicher Feindschaft loben, o. noch keinem Dompteur gelungen ist, diese beid. Tiere in einem Dressurakt zusammen zu bringen. Nachm. hat jeder Erwachsene 1 angehör. Kind nntJO Jahren frei auf all. Plätzen auller Galerie. Voigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstr. Sit. Sonntag. Jg. Dezember 1912, Nachm. 3 Uhr: Fröhliche Weihnacht. Abends 7 Uhr: Cm Drama aus den ßalhanftaaten. Schausp. in 4 Aus», v. L. Ganghoser. Kasseneröfsn. 19 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. Itigzlkf Königstadt-Gasino. Ecke Holzmartl- u. Aleranderilraße. t Minute v. Bahnh. Jannowihbrücke Tägi. abds.'Iß, Sonnt>/,S Uhr: Unterm Cliristbaum. Volk' stück in 2 Bildern und daS arotz. Spezialitätenprograinm Jed. 1. u. lö.: Programmwechsel. KOÜiKnvS'SKKK Heule stichard Wagner-Abend de. Bliilliner-Orchesters. Sape'lim. E. V. Ltl'SUSS. Solistin: Charlotte Wolter(Gesang). Entreo 75 PI. Anfang 7'/, Uhr. Zirkus Busch. Heute Sonntag, 29. Dezbr.: 2 große Gala-Vorstelluip 2 Nachm. 31/, Uhr, abds. 7'/, Uhr. Nachm. jed.' Erwachsene ein Kind unter 10 Jahr, auf a.Sitzplätzen frei. Jedes weitere Kind zahlt auf den Sitzplätzen die Hälfte. In beiden Vorstellungen: Der Aeroplan im Zirkus. The 3 Stewarts sowie d. gas. gr. Gala-Progr. Nachmittags 31/, Uhr: Unter Gorillas. Abends 71/, Uhr: „Sevilla". Casino-Theater Lotdringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Sonntag, de» SO. Dezember.' nachm. 4 Uhr: Unter dem Weihnachtsbaum. Polles Capriee. Täglich 8'/. Uhr: Die Novitäten! I« Sachen Katzcnftein. Die Doppetstrma. Die Tochter der Braut. Nißles Fest-Säle Dennewltzstraße 13. Jeden Sonntag: Tanzkränzchen. 17416 C. NIBIe. Cafe Nley01* " Dresdener Str. 128/129. Kaffee 1 0 u. 1 5, Bier, hell. u. bunf. 10 Pf. ca. 50 Zeitungen: Billard std. SO Pf Zahlstelle der freien Volksbühne. Reiehshailen-Theater Stettincr Sänger. „Bei Vater n". Anfang 71/, Ubr. Heute nachm. 3 Ubr: (zu ermaß. Prei'en) „v Tanne- boom!" außerdem Großes Progr. DienStag. 3t. Dezb. 1912: Sllvester-Soiräe m. Tanz* tränzchen und Ulk-Kabarett. Whamhra Wallncr-Tdeaterftraße 15. Jeden Sonnlag; Großes Orchester. Ansang SonnlagZ Uhr. A. Zamoitat. Großer Ball Konkordia-Festsäle. Jnh.: M. Wandt und A. SchüUe. Andreasstr. 64. Qeoen Sonntag; IIJIßr-Strelcli-Eflnzert und die beliebten Mmenns Bänger. Jede Woche n e u e Z Programm. Ansang des Konzerts 6 Uhr, der Vor- stellung 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an: (Zroker Kali. Markgrafen-Säle 84, Markgrafen-ftamm 34. An der!2 tralauer Allee. Täglich: Gr.KlUlj-Vorsttllullg. Im Restaurant täglich mnsikalische Unterhaltung. rwumw AdTzMeakfttln— P Lahns tr.7 41. 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Bruder und Schwager, der Werk- zeugmacher EErxvin Löschte nach kurzem aber schwerem Krankenlager verstorben ist. l828b Die» zeigen tiesbetrübt an Die Eltern und Geschwister. Die Einäscherung findet am 31. d. M.. nachmittags 4 Uhr, im Krematorium, Nerichtslr. 37/38. statt. ÄzialdemMMIiei'Valilmela k. i 6. Bepl. Reichstagswahlkreis. Am 27. d. Mts., verstarb unser Nenosse. der Metallarbeiter Kr�vin Löschte Zreienwalder Str. 33, Bez. 815a Ehre seinem Andenke». Die Einäicherung findet am Dienstag, den 31. d. Mts., nach- mittag» 4 Uhr, im Krematorium, Aerichtstrafie statt. 235/4 Um rege Beteiligung ersucht vor- Vorntand, Neukölln. Den Parteigenossen zur Räch- richt, daß unser langjähriges Mit- glied, der Buchbinder Ludwig Straub Kaiser-Friedrich-Strah« 26(4. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Reu- köllner Gemeindesriedhofes am Mariendorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 239/11_ Der Voriland. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Ludwig Straub gestorben ist. 26/10 Ehre(einem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 29. Dezember. nachmittag»>/,3 Uhr. aus dem Neuköllner Gemeinde- Friedhos, Mariendorser Weg, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Dntochall d. Freien Volksbühne Slm 26, Dezember verstarb nach langem, schwerem Leiden unser langjähriger Kollege Ludwig Straub 3. Abteilung. Wir verlieren In dem Dahingeschiedenen einer, ausopsernden, uiieigemiüslgen Kollegen und werden sein Andenken in Ehren halten. �.. Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachm. 2'/, Uhr, von der Leichenhalle de» Neuköllner Ge- meinde- FriedHosS. Mariendorser Weg, aus statt. 244/5 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ordnerkommission. Deutscher Hetallarbeiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachrichl, daß unser Mitglied, der Maschwen- arveiter Ulbert Dali gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mon. tag, den 30. Dezember. nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Gemeindl-Jriedhoses in Reinickendorf, Sumbvldtstrahe, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Werkzeugschlosser Lrwiu Löschte Fretenwalder Str. 33. am 27. d. M. an Lungenentzündung.! Die Einäscherung findet am 31. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Krematoriums in der Derichtstr. 37/38 auS statt. Ferner starb unser Ritglied, der Dreher Richard Hehde Kochhannstr. 26, am 26. d. M. an Schlagansall. Die Beerdigung findet am Montag, den 80. Dezember, nachmittag» 2' ff Uhr, vom Krankenhause taedrichshain auS nach dem eorgen-Kirchhofe w Weihensee statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Metalldreher Franz Krauert Lankwitz, Eharlottenftr. 47, am 27. d. M. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 30. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen. Halle deS Gemeinde-Friedhofes in Lankwitz aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ferner den Kollegen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Mechaniker dohaun Schindler am 24. Dezember freiwillig auS den« Leben schied. Ehre Ihrem Andenke»! 135/9 die Ortsverwaltung. SozialdemokratlscherWahlverein Hiederbarnlm. Bezirk Reinickendorf-West. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Genosse iUvert I>all wohnhast Hegelstr.2, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-FriedhoseS, Humboldtsttatze, aus statt. Um rege BeteMguna ersucht 245/11 Der Vorstand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Ortoverwaltiing Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Herrnarm Liebs Palisadenstr. 71, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag. den 30. Dezember, nachmittags 3'/.. Uhr, von der Halle des Aus- erslehungS-KtrchhoseS wWeißenjee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 189/18 Der Borstand. Allen Freunden nnd Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser herzensguter Bater, der Maler Oskar Oütke am 23. Dezember plötzlich ver- schieden ist. 180Sb Die» zeigen liefbetrübt an Alnrlv Gätke geb. Karbe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 30. Dez., nachm. 2 Uhr. von der Leichenhalle des neuen St. PauIS-Nirchhoses in Plötzensee aus statt. Am Freitag, den 27. Dezember 1913, verstarb an den Folgen einer Operation der Seniorchel der Geschäfts- bücherlabrik Ejefenstahl, Ztunpe& Co., Herr Karl Riefenstahl im 78. Leuensjahre. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen humanen Arbeitgeber and werden sein Andenken deshalb stets in Ehren halten. Das Personal der Geschaftsbdcherfabrik Riefenstahl, Zumpe& Co. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Januar 1913. nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des alten St. Marien- und St. Nikolaikirchhols, Prenzlauer Str. 62, aus statt 1624b 2Im28. Dezember, früh 12'/, Uhr, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden m ein innigstgeliebtcr Mann �doii Furcbheim im 52. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle de» ijl. Pankower Kirch- Hose», Jchönholzer Heide, aus statt. Witwe Ktar» Farchbelm geb. Gerstberjer Sozialdemokratischer WaUferelD liir Miederbarnim. Bezirk Pankow. Am 28. Dezember verstarb nach kurzem Leiden unser lieber Ge- nosse, der Arbeiter �dott Furchheim im 52. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. d. MtS., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Pankower Fried- hose«< Schönbotzer Heide) auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksrerwaltüng Grofl-Berlln. Nachruf* Den Mitgliedern zur Nachricht, das unsere Kollege, der Müll- kutsch er Hermaim Wächtler am 23. d. MtS. im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k 69/17 Die Bezlrksverwaltung. Am Donnerstag, den 26. De- zember, morgens 7 Uhr, verstarb nach kurzen, schweren Leiden mein lieber Mann, der Gastwirt Addhä Vogel Linienstr. 198. 18276 Um stille Teilnahm« bittet Oie trauernde Witwe. Die Beerdigung findet am Montag, den 30 Dezember, nach- mittags 3 Uhr. auf dem Zentral- Friedhof in Friedrichsfelde statt. Heut« früh'1,2 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leioen meine innigstgeliebte Frau und Mutter Starte Lange geb. Weidner im 39. Lebensjahre. Otto Lange, Gastwirt u. Sohn, Berlin. Köpenickerstr. 47. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- hqlle deS Thomas- Kirchhofes. Hermannftraße aus statt. 1806b . Für die vielen Kranzspenden und herzliche Teilnahme bei der Beerdi- gung meines lieben ManneS, unseres Baters 1813b Richard Franke sagen wir allen Freunden, Bekannten sowie den Kollege» der A. E. G. (Turbinen-Abteilung), den Genossen des 559. Wahlbezirks und dem V. V. Toscana unseren ausrichttgsten Dank. Witwe Prlda Franke nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Kranzspenden und rege Beteiligung bei der Be- crdigung meine» lieben Mannes sage ich allen Teilnehmern, insbesondere dem Wahlvcrein, den Kollegen und Sängern memcn herzlichsten Dank. Wwe. Martha Edlicb. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die Kranzspenden bei der Einäscherug meines unoergetz- lichen Mannes Franz Jaenicke sage ich allen Verwandten und Be- kannten sowie dem Wahlverein Nieder- Barnim, Bezirk Lichtenberg, und dem Verband der Freien Gastwirte Deutsch- lands, Ortsverwaltung Lichtenberg, meinen herzlichsten Dank. 56A Witwe Dora Jaenicke. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und dem Gesangverein.Vorwärts", Fried» richsfelde, jage für die vielen Be- weise herzlicher Tellnahme bei der Be- crdigung meiner lieben Frau innigsten Dank. 56A Karl Wulff. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, Bruders, Schwieger- und Großvaters, des SchristsetzerS Ernst Krause, sagen wir allenKollegen und Freunden, insbciondere dem Gesangverein.Typo- graphia" unseren tiesgefühltesten Dank. Pankow, den 29. Dezember 1912. Die trauernden Hinterbliebenen. Extra- Abteilung Gesch.; Berlin W.. Mohren- StraBe37a(2 Haus von der Jerusalemer Straße). Iii. Gesch.: Berlin NO., Große Frankfurt. Str.115(2. Haus von der Andreasstraße). 1 Sehrgr. Ausw. fert. Kleider, 1 Hüte, Handschuhe, Schleier letc. v. einfachsten bis zum ] hochelegant.Genrez.äußerst niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naBanfertlgung in 10 bis 12 Stunden. Or* Simmel Spezial-Arzt für Haut» und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, ä'ä 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Freie Kranktn-u. Stgriibllis- kasse der Schuhmacher und Berufsgenossen Berlins (E. H. Nr. 27). Sonntag, ben 1 2. Januar 1913, nachmittags 4 Uhr, in WilkoS Fest- säten, Sebasttanftr. 39: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher und jährlicher Kassenoericht. 2. Neuwahl de» Vorstandes und Aus- schusses. 3. Innere Kassenangelegenheitcn. QusttungSbuch legitimiert. 17966 Der Vorstand. MeD' und Sterbekasse der Fubrheirefl, Kutscher uervandt BeniIsgeDDssen,|intpaeht"�:8%. Ordentliche General-Versammlong am Mittwoch, den 29. Januar 1913, abends 8 Uhr, 1» Schulz Praehtsdlen, Königsgraben 2 Ecke Münzstrahe. Tagesordnuog: 1. Jahres- und Kassenbericht für das Jahr 1912. 2. Wadl des Vorstandes und der Kassenrevisoren. 3. Antrag aus Umänderung der HilsSkasse m einen Versicherung«- verein a. G- gemäß dem Gesetze vom 20. Dezember 19U und Beschluß. sassung über die neue Satzung. 4. Antrag aus Auflösung der Kasse. b. Verschiedenes. Der Vorstand. A. MSser, H. Suhr, 1797b Borfitzender. 2. Rendant. Arbeiter-Railfahrer- fiüDd Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Tonr en am 1. Januar 1913. 2. Abt.: 2 Uhr: Baumschulenweg (Speer). 4. Abt.: l'/i Uhr: Karls Horst (Fürsten bad). 5. Abt.: 2 Uhr: AdlerShos(Wäll. stein). 6. Abt.: 1 Uhr: Spandau(See- burger Str. 26). 7. Abt.: 1 Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. 13/16 Start»: An den bekannten Stellen. Franz Tauers Pestsäle vorm. Bas» Ball-Salon Graste frankfurter Strafte 85, Ecke Marsiltusstraste. Reute:©roßer Ball. Entree frei. Ans. 4 Uhr. Blenstazr, d. 31. Dezember: Gr. Stlvester-Jnbel«.-Trubel IS Uhr: UeberraschungS-Polonaise. Entre- frei.(298/2) Ans. S Uhr. 10 Mark onatliche Teilzahlung lieseit elegante Herrengarderob« nach Maß 1. Tuiporoimil, IS»' fBllligePreise.)PerKassePreiSermähig. F. gut. Sitz w. garant.. eigenes Stofflag. WESTMAIi /�onren/ira/7e 3?g orFronk/urlei/in Iis. | als bei- feste Prestsachel GeschästZilmnmer: 1 17 J. 81. 12 18. Im Namen deS König«! In der Strafsache gegen den Re« dalteur Karl Millhahn in Lichtenberg bei Berlin, gebore» am 18. März 1882 in Berlin, Dissident, wegen Beleidigung durch Verbreitung von Schristen hat die 4. Ferien« Strastammer de« Königlichen Land- gerichts I in Berlin in der Sitzung vom 17. August 1912. an welcher teilgenommen haben: Landgerichtsdirektor Dr. Gay er, als Vorsitzender, Landgerichterat Ritze, Lesser. , Dr." „ Dr. Berger, Staatsanwalt Lehmann, als Be» amter der Staatsanwaltschaft, Reserendar SaliS, als Gerichts- fchreiber, für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Beleb digung des KaidirektorS Paul Maxi» mllian Winter in Hamburg durch Verbreitung von Schriften zu zwei Wochen Gefängnis und in die Kosten de» Versahrens verurteilt. Dem Präses der Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe in Hamburg wird die BesugniS zugesprochen, den versagenden Teil deS rechtslräftiaea Urteils binnen vier Wochen nach Zu» stellung desselben an ihn durch ein- malige Einrückung in die zu Berlin erscheinende Zeitung.Vorwärts" aus Kosten deS Angeklagten öffentlich be- kannt zu machen. In allen Excm» plaren der Nr. 51 der Zeitung .Courier", Zentralorgan sur die Interessen der im Handel»-, TranS- Port- und Berkebrsglwerbe beschäst. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutsch« land«, Publikationsorgan d. Deutsche» TransPortarbeilcroerbandeS" de dato Berlin, den 17. Dezember 1911, ist der Artikel beginnend mit den Worte» .Die Arbeiterbewegung in ihrem Lauf hält weder OchS noch Esel aus!", serner derjenige Teil der zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen, aus denen sich dieser Artikel befindet, unbrauchbar zu machen. gez. Dr. Gay er. Ritze. Dr. B e r g e r. Zugleich für den beurlaubten Land» gerichlsrat Dr. Peisker, und den er» krankten LandgerichtSrat Lesser. AuSgesertigt mit der Bescheinigung. daß vorstehende» Urteil die Rechts» krast beschritten hat. Berlin, den 27. November 1912. (L. S.) gez. S ch i r n, GerichtSschrciber deS Königlichen Landgerichts I, Strastammer 4.' Für die Richtigkeit der Abschrist: Hamburg, den 27. Dezember 1912. Der Bureauvorstcher der Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe. ö tz e. s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche. Beiutranle jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren in Dl. Homeyer"l? Untersuchung.. Fäden i. Harn usw. fMIiM. 81,$„•$£, Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Tcilzahl. Separates Danienzimmer. INVENTUR! Otlegenheit zum K InKauf der teuersten Modells zum Teil für>/, der frflheren Preise!— Einige Beispiels i Plüschmäniel..... ctruh. b. zsoj m. 1 00 PiUschmäntel.....(wm b.mjM, UlSter...........(früh. b. 55) M. Kostüme.........(früh. 112) m. Sommer-Konfektion(früh b ss) m. Gesellschaftskleider, früh b. 120 m. Pelzmäntel.......(früh b. ise) m. Abendmäntel.....(früh b. i25> m. Alle Weiten!— Alle Langen I Schnellste Bäumung beabsichtigt! Daher grösste Eile geboten! Sonntog gcOflnet>2-2. Aenlnbr 18—3 Säle-m für 50 bis 300 Personen Ominszimmer sind noch an verschiedenen Tagen (auch SonnabendS) zu vergeben.* KI. Augustin Orauieustrahe KOS. 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Am Dienstag, den 31. Dezember, veranstaltet der Wahlverein im Gewerkschaftshailse, Engelufer 15 eine Silvester- fei er unter Mitwirkung des Bolkshunioristen Herrn Karl Hanisch und Frau. Ansang 9 lihr.� Eintritt 29 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. 6. Wahlkreis. Im Bureau, Neue Hochstr. 23, find noch eine Anzahl Billetts zum Philharmonischen Konzert am 2. Januar in der Brauerei Kvnigstadt zu haben. Trcptow-Baumschulenweg. Die WahlvereinS-Bibliothel ist an folgenden Tagen geöffnet: Für den Ortsteil Treptow jeden Freitagabend von 8—19 Uhr, im Lokal von Hauser, Graetzstr. 98. Für den Ortsteil Baumschulenweg jeden Sonnabend von 8—19 Uhr, im Lokal von Erbe, Baumschulenstratze, Ecke Ernststraße. Die Bibliothek steht allen Genossinnen und Genossen unent- geltlich zur regen Benutzung zur Verfügung. Hcrmsdorf und Glienicke. Heute Sonntag, den 29. Dezember, nachmittags 4 Ubr, veranstaltet der Wahlverein bei Altermann in Glienicke eine Weihnachtsfeier bestehend in Gesang, Lichtbildervor» trägen, Deklamationen und musikalischen Vorträgen. Eintrittskarte 19 Pr. Borsigwaldc-Wittenau. Heute Sonntag, nachmittag 2 Uhr. findet in den Boisigivalder Festsälen eine Märchenvorstellung des Wahl- Vereins statt. Eintritt frei. Zutritt haben nur Mitglieder und dessen Angehörige._ Berliner I�acbricbten. Am Dienstag findet die Sprechstunde nur von 4 bis Vi« Uhr statt._ Proletarierleben. Weit draußen auf einem der westlichen Vorortkirchhöfe, wo die Gemeinden der Riesenstadt ihre Toten bestatten, haben wir ihn begraben.— Bei graunebligem Wetter, das sich zu feinsprühendem Regen auflöste, der die Erde zu einem lehnt- artigen, klitschigen Schlamm vermischte, schritten wir dahin. Tie starken Stämme der im Winterschlaf wie erstorben festwurzelnden Kastanien hoben sich in deni düsteren Grau wie schtvarze Schatten gespenstig ab in dem sonst öden Einer- lei. Ein paar Krähen ließen ächzend ihren heiseren Schrei Vernehmen.— Sonst störte nichts unsere Gedanken, die des etitschlafenen Genossen gedachten.— Proletarier, schon durch die Geburt, tveil Armut cm seiner Wiege Pate gestanden, hatte ihn die Natur auch äußerlich stief- mütterlich bedacht. Wie's eigentlich gekommen tvar— kein Mensch wollte es wissen— nur daß es dem jungen Körper bald anzumerken tvar, daß er Zeit seines Lebens ein Krüppel sei. So wuchs er auf unter kümmerlicher Pflege— zäh, knorrig, verloachsen, wie der Stamm einer mühsam sich be- hauptcnden Tanne, deren Schicksal durch Windeslaune zwi- schen schmalfelsigem Gestein seine Wurzeln in dein erdigen Spalt verankert, dem Kampf des Daseins gewappnet.— Und weil in seinem gedrückten Körper der Zwiespalt des Seins ihni bewußt wurde, und mit der Frage: Ivarum nur mir? — der Sinn der Schöpfung sich nicht erschloß, klagte er die Natur ihrer einseitigen Benachteiligung an.— Früh so zum Nachdenken angeregt, wurde er bald mit sich und der Welt Eins. Mit ihm waren ja Millionen von Menscheil enterbt. Elend und siech schleppte sich ja ein Teil der Menschheit dahin, die doch eigentlich alle zu genießen. und stark zu sein ein Recht litten. Und wie die feinästelnden Seelenregungen, dem Filigran- gewcbe vergleichbar, in überzarter Empfindung nur dem zer- störten Organismus erwächst, und umgekehrt, diese für alle Widerwärtigkeiten des Lebens vorherbestimmt, aufnähme- fähig, im Sinne des Berstehens handeln, nahm er sich der Enterbten und Bedrückten an und machte ihre Interessen zu den seinen. Er wirkte für die Sache der Arbeiter. Sein Geist stählte sich an den Lehren des Sozialismus. Und was er in sich ausnahm, trug er in die Reihen der proletarischen Massen. Die Unrast des Berufslebens— er schnitzte in Holz— ließ ihn bis in die Mitte der dreißig nirgends eine bleibende Stätte finden. Als Wandervogel auf der Landstraße dahin- ziehend, müde von Ort zu Ort wandernd, nur kurze Gast- rollen hier und da gebend, lebte er in wahrstem Sinne das Leben der Proletarier. Ein Jahr vor seinem Zusammenbruch — des Wanderlebens müde— s im vorhergehenden Einverständnis mit der, die sich ihm als Lebenskamerad zur Seite stellt, genießt er stille Stunden ehelichen Glücks, die von allein Anbeginn unter mancherlei Entsagungen doch im Glauben an die Zukunft ausklangen.— Tageskämpfe und wirtschaftliche Sorgen nehmen seinem schlvachen Körper den Rest von Widerstand. Dennoch ist er unermüdlich im Bestreben, seine Kräfte für die Befreiung der Menschheit einzustellen.— Doch die inneren Organe, ihrer Entwicklungsmöglichkeit beengt, setzen dem lebensprühenden Geist ein Ziel!— Wie der Tod unerbittlich kaltlächelnd hinwegschreitet über Hoff- nungen, Ziele und Ausblicke, nicht fragt: bist du am Ende deiner Lebensarbeit, hast du erreicht, wozu du dich berufen fühltest, ist Mn Werk g/'tan, womit du die Menschheit zu erlösen glaubtest?— wählt er grausam oft zu seinen Opfern die Besten, die Tüchtigsten, die für andere als Bahnbrecher wirkten.— Tie Bäume auf der Chaussee stehen schwarz und kahl. Die weiten Erdflächen der seitwärts liegenden Aecker enthalten in ihrem Schöße die Wintersaat.— So gewiß es ist. daß diese Saat, wenn der Frühling ins Land zieht, aus der fegen- spendenden Erde aufgeht zu herrlicher, menschenbeglückender Tat, so gewiß wird einein kommenden Geschlecht aus der Er- kenntnis der Lehren des Sozialismus, ungeachtet früheren Leids vergangener Geschlechter, die Morgenröte einer alles umfassenden, schönen, humanistischen Welt aufgehen, in der körperliches Leid und Gebrechen auf ein Minimum beschränkt bleiben wird.— Unaufhörlich fällt der feinsprühende Regen hernieder. Fröstelnd dringt seine feuchte Kälte durch die Kleider. Wir eilen zurück in die Straßen der Weltstadt, zurück an die Stätten der Arbeit. Wie lange noch?— und auch wir sind von der Tretmühle des Lebens zerrieben.... Rückgang des Weihnachtspakctverkehrs in Berlin. Ter Weihnachtspaketverkehr hat in diesem Jahr eine auffallende Erscheinung gebracht. Seit langen Jahren ist er in Berlin zum erstell Male gegen das vorhergehende Jahr zuriickge- gangen. Der Rückgang ist zwar nicht groß. Er betrug nur 1340 Pakete, so daß mehr von einem Stillstand zu sprechen ist. Doch hatte die Zunahme im letzten Jahre 37 037 betragen. Die Gesamtstllckzahl der aufgegebenen und eingegangenen Pakete betrug in diesem Jahre 2 914 630. Davon wurden aufgegeben 1914 398 Pakete, während 1001577 eingingen. Beim Eingang zeigt sich noch eine kleine Zunahme von 712 Stück. Dieser Berkehr umfaßt die Tage vom 12. bis zunr, 25. Dezember einschließlich. Voin 18. bis zum 25. waren bei den Berliner Oberpostanstalten 11494 Beamte beschäftigt. Dazu kamen 1813 Hitfsinannschafteil. Pferde wurden 2606 gebraucht. Der Rückgang der Zunahme wird durch den Auf- schwung des Verkehrs in den größeren Vororten nicht ganz ausgeglickfen. Die sieben Vororte des Berliner Bezirks mit mindestens 50 000 Einwohnern hatten eine Zunahme des Vcr- kehrs von 33 550 Stück. Diese Zunahme betrug in Char- lottenbnrg 9718, Wilmersdorf 7659, Schöncberg 6974, Neu- kölln 5615, Steglitz 3588, Lichtenberg 809 und Rummelsburg 177. Der Gesamtverkehr betrug in Charlottenburg 189 028 Stück, Schöneberg 96 819, Neukölln 67 738, Wilmersdorf 66126, Steglitz 47 242, Lichtenberg 14 604, Rummelsburg 10 904. Die Zahl der aufgegebenen Pakete hat in allen diesen Vororten zugenommen, die Zahl der eingegangenen in allen mit Ausnahme von Rummelsburg, wo sie um 113 Stück gegen das Vorjahr abnahm._ Die Armenlücheu, die in Berlin in jedem Winter ihre Suppen für Arme bereiten, sind im Dezember wieder eröffnet worden. Der vorige Winter hatte ihnen eine beträchtliche Zunahme der Nachfrage nach Armensuppen gebracht, was der Verwaltungsbericht der Armendirektion daraus erklärt, daß der Winter diesmal strenger als sonst war. Im Winter 1919/11 waren an 98 Tagen 399 867 Portionen Suppe verteilt worden, im Winter 1911/12 aber wurden an 96 Tagen 447 599 Portionen Suppe verteilt. Der Durchschnitt pro Tag war im vor- letzten Winter 4989 Portionen, im letzten Winter 4661 Portionen; die höchste Ziffer des letzten Winters wurde am 15. Februar mit 6138 Portionen erreicht. Der Einfluß der Winterkälte, auf den die Armendirektion hinweist, ist so zu verstehen, daß in besonders strengen Wintern dK Beschäftigungsmangel sich noch sühl- barer als sonst macht und die Hungrigen noch zahl- reicher als sonst den Armenküchen zutreibt. Der Verwaltungsbericht glaubt hervorheben zu sollen, daß wieder, wie alljährlich, an Sonn- und Feiertagen eine deutliche Minderung der Nachfrage nach Suppen zu bemerken gewesen sei. Wie man sich das zu erklären habe, wird nicht gesagt. Die nächstliegende Erklärung ist wohl die, daß die Notleidenden wenigstens an Sonn- und Feiertagen sich mal für ein paar Groschen etwas Besseres leisten möchten, als es die Armensuppen sind. Die Kosten einer Portion Suppe werden auf 16 Pf. berechnet, das ist ein Betrag, für den man wirk- lich nicht viel bieten kann. Die erforderlichen Mittel werden übrigens nur zum Teil, wenn auch zum größeren, aus dem Stadtiäckel her- gegeben. Noch immer gelten die Armenküchen nicht als eine Ein- richtung der Stadt, sondern als ein sozusagen privates Unternehmen, das unter der Bezeichnung„Armenspeisungsanstalt' seit mehr als hundert Jahren besteht. Die„Armenspeisungsanstalt' steht aber tatsächlich in sehr enger Verbindung mit der Armenverwaltung. Zu den Kosten der Speisung steuerte die Armenverwaltung aus den ihr durch den Etat zur Verfügung gestellten Mitteln im letzten Jahr 48 899 M. bei, das sind etwa zwei Drittel der entstandenen Gesamt- kosten. Den Rest mußte die„Armenspeisungsanstalt' aus eigenen Mitteln, größtenteils mit Hilfe einer Kollekte, aufbringen. Mit der Verpachtung der Mnggrlsce-EiSbahn beschäftigte sich die letzte Sitzung der Friedrichshagener Gemeindevertretung. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß die Vertretung von Rahnsdorf beschlossen hatte, bei der Regierung die Pachtung des östlichen Teils des Müggelsees zu beantragen. Inzwischen hat der Pächter Lerche. welcher den westlichen Teil des Müggelsees bis zum 1. November 1913 gepachtet hat, der Gemeinde Friedrichshagen angeboten, daß er von seinem Vertrage zurücktrete, wenn Friedrichshagen die Pacht von 1999 Mark für diesen Winter übernehme. Die Vertretung beschloß einstiminig von diesem Angebot Gebrauch zn»lachen. Gleichzeitig erklärte sie aber, daß sie durch llebernahme des Pacht- Vertrages sich nicht verpflichtet fühle, für die koinnienden Jahre die gleiche Pachtiumme zu zahlen. Da voraussichtlich noch in dieser Session des Landtages das neue Wassergesetz verabschiedet wird, müsse man sich später mit dieser Angelegenheit sowieso beschäftigen. Zur Klärung der Sachlage sei noch daraus hingewiesen, daß sich die Gemeinde Friedrichshagen schon seit 1998 vergeblich um die Pachtung der Müggelsee-Eisbahn bemühe. Ilm so befremdlicher müsse es daher erscheinen, wenn in der Rahnsdorfer Gemeindeverlreter- Sitzung vom 22. November der dortige Bürgermeister mitgeteilt habe, daß in Friedrichshagen die Absicht bestehe, den ganzen Müggelsee zu pachten, um Rahnsdorf nicht aufkommen zu lassen und den ganzen Verdienst in die Tasche zu stecken. Im allgemeinen Verkehrsinteresse sei es nur zu begrüßen, wenn der Gemeinde Friedrichshagen der ganze Müggelsee verpachtet werde. Wie wir erfahren, soll der Eintritt für Erivachsene 19 Pf. kosten und für die Kinder soll der Zutritt unentgeltlich sein. Friedrichshagen ist seit Jahren verpflichtet, die nötigen Sicherheitsmaßnahmen über den ganzen See zu übernehmen, insbesondere das Prüfen und Abgrenzen der Eisflächen usw. Daher ist es nur recht und billig, wenn Friedrichs- Hagen die Eisbahn verwaltet, damit das Publikum nach Zahlung des Obolus ungehindert die Eisfläche benutzen kann. Die Ablösung der Neujahrs- Glückwünsche durch Zuwendung eines Betrages an die Armendirektion ode.' an den Asylverein für Obdachles: kommt imnier mehr in Anfttendung. In don letzten Jahren konnten Armendirektion und Asylverein in immer größerem Umfange über Beiträge quittieren, die ihnen aus diesem Anlaß zu- gegangen sind. Auch in diesem Jahre fordern Armenverwaltung wie Asylverein auf, ihnen Mittel zuzuwenden. Die Arbeiterwochenkarten auf der Straßenbahn. Vom 1. Januar 1913 ab gelten die Arbeiterwochen- karten der Großen Berliner Siraßenbahn, der Berlin-Charlotten» burger Straßenbahn, der Westlichen, Südlichen und Nordöstlichen Berliner Vorortbahn, deren Giltigkeir bisher auf das Bahngebiet der ausgebenden Verwaltung beschränkt war, je nach ihrem Preise zu lngUch ein- oder zweimaliger ununterbrochener Fahrt ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit der Strecke zu den einzelnen Bahngebieten. Beispielsweise gilt eine Arbeiterwochenkarte künftig zur Fahrt mit der Linie 64 von Lichtenberg, Irrenanstalt Herzberge, bis Charlotten- bürg, Straßenbahnhof. Die neuen Bedingungen für die Ausgabe von Arbeiterwochenkarten sind auf den Betriebsbahnhöfen der Gesell» schaften und in der Hauptausgabestelle, W. 9, Leipziger Platz 14, zu haben. Mit dem 1. Januar treten ferner neue Bedingungen für die Ausgabe und Benutzung der Zeitkarten rn Kraft, dulftz welche die bisherigen Zeitkartenbedingungen der Großen Berliner Straßenbahn, der Berlin-Charlotlenburger Straßenbahn, der Westlichen und Süd- lichen Berliner Vorortbahn, Ausgabe 1919, aufgehoben werde». Aenderungen im Preise und im GeltungSum fange der Karten treten nicht ein, die Aenderungen find redaktioneller Art. Abdrucke der neuen Bedingungen sind ebenfalls auf den Bahnhöfen und in der Hauptausgabestelle erhälltich. Um die Biersteuer. Der Plan des Berliner Magistrats. für Berlin eine Bicrsteucr einzuführen, wird zur Folge haben, daß auch die Vororte, die eine Biersteuer bis heute noch nicht haben, dem bösen Beispiel Berlins folgen. Zunächst dürfte es gelten, hier in Berlin den Kamps durchzuführen. Dem Magistrat wird es nicht leicht gemacht werden, seinen von Kleinlichkeit und Engherzigkeit zeugenden Finanzplan durch- zusetzen. Die HauSpersonalabteiluug des Zcntrnlarbeitsnachweises, BerlmW.. Linkstraße 11, hal seit einem Jahre Ausbildungskurse für HauSpersonal eingerichtet. Je einmal wöchentlich abends von �S—�IO finden die Unterrichtsstunden im Plätten sRollwäsche- und Feinplättens, im Schneidern und im Ausbessern statt. Um Hausfrauen und Haus- angestellten ein genaues Bild davon zu geben, was in den. Kursen gelehrt und erreicht wird, stellt der Arbeitsnachweis von Montag, den 39. Dezember, bis Sonntag, den 5. Januar, einige der dort gefertigten Gegenstände aus. Interessenten werden in den Bureau- stunden vormittags von 9—12 und nachmittags 4—7 sowie am Sonntag, den 5. Januar, von 11—2 zur Besichtigung freundlichst eingeladen. Die Teilnahme au jedem Kursus kostet»nkl. Material vierteljährlich 4,59 M. Anmeldungen zu den im Januar neu» beginnenden Kursen werden im Bureau Linkstraße 11 entgegen- genommen. Aus verletztem Ehrgefühl wollte am Freitag der 57 jährige Portier Max Arndt aus der Bismarckstraße in Charlottenburg sich das Leben nehmen. Arndt befand sich seit bereits acht Jahren bei einem Hausbesitzer in Stellung, hatte aber trotz feiner an- erkannte» Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit unter den Laune» seines Brotherrn zu leiden, wenigstens hat er sich wiederholt hierüber beklagt. Gestern nachmittag wurde er zu dem Hausbesitzer bestellt, um sein Weihnachtsgeschenk in Ge- jtalt eines ZwanzigmarkstückS in Empfang zu nehmen. Gleich darauf beklagte sich der Portier bitter über die Art und Weise, wie ihm die Gratifikation gegeben worden sei und erklärte, daß er diese Behandlung nicht mehr ertrage. Während die Frau in der Küche zu tun halte, entfernte sich der Mann aus der Wohnung. Er ging noch dem Boden und jagte sich dort aus einem Revolver zwei Kugel» in die Brust. In schwerverletztem Zustande wurde der Bedauerns- werte von Hausbewohnern aufgefunden. Nachdem ihm ein Arzt Not- verbände angelegt hatte, wurde A. nach dem Krankenhaus Westend geschafft. Feinschmecker sind ohne Zweifel Kollidiebe, die dem Boten der Firma Johann Kattus aus der Charlottenftraße das Geschäftsdreirad stahlen, als er es einen Augenblick auf seiner Rundfahrt zu deif Kunden unbeaufsichtigt auf der Straße stehen ließ. Auf dem Rade befand sich eine Kiste, die fünf Dosen Kaviar im Werte von 399 M. enthielt. Das Dreirad sowohl wie die leckere Beute konnten bisher nicht wieder herbeigeschafft werden. In Berlin verirrt. In kläglichem Zustande wurde in Pankow ein vierzehnjähriger Knabe aus Ungarn angetroffen. Der Kleine war vor mehreren Tagen nach Berlin gekommen, und hatte seine Fahrkarte, die bis Bremen ausgestellt war. verloren. Nun irrte er plan- und ziellos in Berlin umher und landete schließlich total er- schöpft und ausgehungert in Pankow. Hier nahm sich die Polizei deS Knaben an und versah ihn mit Speise und Trank. Aus Ver- anlassung des österreichischen Konsulats wird der Verirrte nach Bremen, wo sein Vater wohnt, weiter befördert werden. Auf frischer Tat ertappt wurde in der vergangenen Nacht ein Wohnungseinbrecher aus dem Grundstück Weinmeisterstraße 12. Als ein Mieter dieses Hauses gestern früh um 4 Uhr mit einem Freunde heimkehrte, stand die Tür auf. Er suchte gleich die Wohnung ab und fand, daß ein Einbrecher darin gewesen war und für mehrere hundert Mark Kleidungsstücke mitgenommen hatte. Eine alte Frau. die allein zuhause gewesen war, hatte so fest geschlafen, daß sie nichts wahrgenommen hatte. Auch das Anschlagen ihres Hündchens hatte sie nicht geweckt. Nachbarn hatten zwar das Tier gehört, sich aber nichts dabei gedacht. Der Ein- brecher hatte sich durch den Hund nicht im geringsten stören lassen. Der Bestohlene rechnete damit, daß der Dieb noch im Hause sein könne und suchte dieses mit seinem Freunde gleich ab. I» einer Hausfluruiscbe stießen die beiden denn auch bald auf einen Mann mit einem Bündel. Als sie hierin die gestohlenen Kleider entdeckten, nahmen sie den Mann fest und brachten ihn nach der Revierwache. Dort entpttppte er sich als ein früherer Reisender Wtlly Bugge, der schon wiederholt, auch schon init Zuchthaus bestraft ist. Als Kunstmaler aus Düsseldorf tritt ein Schwindler auf. der die hiesige Künstlerschast heimsucht. Er stellt sich den Künstlern als Kollege vor, erzählt ihnen, daß ihm auf der Durchreise das Geld ausgegangen sei und bittet sie um ein Darlehn, um seinen Eltern nach Geld telegraphieren und bis zum Eintreffen der Anweisung in Berlin leben zu können. Die Bitte wird ihm selten abgeschlagen, zum Teil erbeutet der Schwindler sogar größere Beträge. Die Kunst- maler werden gut tun, sich ihre„Kollegen", die ihnen mit derartigen Anliegen nahen, erst etwas näher anzusehen. Eingebrochen. In der Nacht vom Heiligabend bis 1. Weihnachts» feiertag verübten Geldschrankknacker in der Bauhandwerkerkranken- lasse, hier. Mulackstr. 25, vorn parterre, einen schweren Einbruch, wobei ihnen 879 M. in bar in die Hände fielen. Die Einbrecher gingen durch eine Wand einer daneben liegenden leeren Wohnung. Sämtliche Wertpapiere, sowie ein Sparkassenbuch, drei Bankbücher und zwei Scheckbücher ließen sie liegen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Auf der Trcptow-Stcrnwarte findet am heutigen Sonntag um 3 und um 5 Uhr eine Wiederholung der kiuematographischen Vor» stellung:„Der Rhein von der Quelle bis zur Mündung' statt.— Montag, abends 7 Uhr. spricht Direktor Dr. F. S. A r ch e n h o I d über die Frage:„ W e l ch e H i m m e l S'- körper sind bewohnt?" unter Vorführung zahlreicher Licht- und Drehbilder wie auch linematographischer Aufnahmen.— AM Neujahrstage, nachmittags 5 Uhr, findet ein astrononuscher Vortrag „Vom Erdin nern bis zu den Weltfernen', und um 3 und 6 Uhr eine kinematographische Vorführung:.Eine Wanderung durch das bayerische Hochland und die Königsschlösser' statt. Mit dem großen Fernrohr wird schon am Tage die VenuS und abends Saturn und der berühmte Orionncbel gezeigt. Ocfsentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5>-—19 Uhr abend», an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 695 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung au». „I» freien Stunden". In den bald zwei Jahrzebnie», baß die Wochenschrift»In freien Stunden" erscheint, hat sie die bedeutendsten deutschen und ausländischen Schriftsteller in ihren Glanzwerken dem Proletariat vorgeführt, und dem Grundsatz, durch dieses einzig sichere und Erfolg versprechende Mittel den guten Geschmack, das Urteilsvermögen im Proletariat zu fördern und so die Schund- litcratur zu bekämpfen, wird di» Zeitschrift auch fortan getreu bleiben. Der jetzt beginnende neue Jahrgang bringt einen „AuS Sturmeszeit" betitelten Ronian aus der Feder der russischen Schriftstellerin Anastasia Werbizkaja in der auto- risicrten Uebersetzung von Frida Stock. Das von der Malerin Frau Ilse Schütze- Schur illustrierte Werk rollt in packenden Bildern die gesellschaftlichen Zustände vom Beginn der russischen Revolution auf. Neben diesem Roman aus der jüngsten Vergangenheit bringen die„Freien Stunden" eine der letzten Novellen des bekannten Romantikers E. T. A. Hoffmann„DaS Fräulein von Scudsry". Daß die Wochenhefte auch ferner die dem Arbeiter lieb gewordenen kleinen Skizzen und Humoresken enthalten werden, der- steht sich. Erwähnt sei aber noch, daß der Vertag den Abonnenten der„Freien Stunden" am Schlüsse jedes Halbjahres völlig um- sonst eine als Zimmerschmuck zu verwendende Kunstbeilage darbietet. / Der Preis der Zeitschrift stellt sich wie bisher auf 10 Pf. für das Heft von 24 Seiten Text. Bestellmiyen werden von allen VorwärtL- auZträgerinnen sowie von den Speditionen entgegengenommen. Vorort-Mclmcbtev. Weißensee» Aus der Gemeindcvertreiuilg. Drei Schöffen, darunter ein be- soldeter, wurden in der letzten Sitzung eingeführt und verpflichtet. Die Lehrer der Fortbildungsschule haben wiederholt beantragt, den Stundensatz von 2 M. zu erhöhen. Diesem Antrage wurde dadurch Rechnung getragen, daß denjenigen Lehrern, welche länger als fünf Jahre an gewerbliche» Fortbildungsschulen tätig sind, fortan 2,50 M. für die Stunde Unterricht gezahlt wird. Der Sparkassenetat für 1013 wurde in Ausgabe mit L12ö M. und in Einnahme lnit 125 M. ge- nehmigt. Der Zinssatz wird vom 1. März 1013 ab von 3'/, auf 3>/z Proz. erhöht. Die Errichtung einer Landkrankenkasse wurde gegen eine Stimme abgelehnt. Nur der Kohlrübenzüchter Herr Schwarz hob die Wohltaten der Landkrankenkasse hervor, natürlich nur vom Standpunkt seiner Riesesseldpächter-Kollegen aus; sein statistisches Material, so nannte er seine Unterlagen, wies nur Einnahmeposten auf; an Ausgaben figurierten 3000 M. für Verwaltungskosten, so daß nach seiner Rechnung ein Ueberschuß von 20 000 M. verblieb. Die Heimarbeiter hatte er in seinen Zahlen ganz und gar vergessen und als mau ihm dies vorhielt, rechnete er »och rasch ein Drittel mehr Ueberschuß heraus. Genosse Schlemminger betonte unter Zustimmung aller Anwesenden, daß man von einem Gemcindevertreter wohl erwarten könne, daß, wenn er Vorlagen von so weittragender Bedeutung begründen wolle, sich wenigstens mit den einschlägigen Bestimmungen der Reichsversiche'-ungSordiiung vertraut gemacht hätte. Unser Redner zeigte besonders, welche Ge- fahren für die Gemeinde eutstehen könnten, wenn die Landkranken- lasse nicht leistungsfähig sei. Herr Schwarz hatte darauf nur zu erwidern, daß seine Zahlen stimmen, im übrigen habe er außer seinem Posten als Gemeindevertreter noch eine Nebenbeschäftigung, die ihm keine Zeit läßt, sich eingehend mit der Reichsversicherungs- ordnung zu beschäftigen. Der Referent. Assessor Dr. Koschel, wider- legte in seinem Schlußwort ebenfalls die Ausführungen des Herrn Schwarz und empfahl die Annahnie seines Antrages. Die Errichtung einer Allgemeinen Ortskrankenkasse wurde ebenfalls ohne Diskussion gegen die Stimme des Herrn Schwarz abgelehnt und die Aus- gestaltuug der bestehende» Ortskrankenkasse zur Allgemeinen befür- ivortct. Genosse Fuhrmann wünschte noch, daß Herr Schwarz sein „ausgezeichnetes Material" einmal in einer öffentlichen Kranken- v lassen-Versammlung zum Besten geben solle. Gegen die Beschluß- fassung des KrcisauSschusses über die Ungültigkeit der Wahlen der Herren Knorr und Delbrück wurde seitens der Vertretung Wider- spruch erhoben. In der geheimen Sitzung wurde beschlossen, einen Polizeisergcanten zu kündigen, weil er unter anderen Verfehlungen pineS Tages während seines Dienstes die Uniform ausgezogen und im Auftrage eines Fuhrunternehmers sich auf den Kutscherbock gesetzt hatte, um ein Hochzeitspaar zur Kirche zu fahren. Von der Landes- Versicherungsanstalt Brandenburg wurde eine dritte Darlehusrate von 100 000 M. gegen 4 Proz. Zinsen aufgenommen zur Bestreitung des Erweiterungsbaues des KranlcuhauseS. Als ein Weihnachtsgeschenk sollte der Beschluß der Gemeinde- Vertretung über die Grundsätze betreffs Bewilligung von Ruhegeld und Hinterblicbenenversorgung für die ständigen Arbeiter, Be- diensteten und Beamten angesehen werden. Für die ständigen Be- dienstcten und Arbeiter sind diese Grundsätze vollständig neu, sie sollen am 1. April 1013 in Kraft treten. Ruhegeld erhält hiernach der nach dem 21. und vor dem 3S. Lebensjahre auf Grund eines Gesundheitsattestes des Gemeindearztes im Wege des privat- rechtlichen schriftlichen Dienstvertrages eingestellte ständige Arbeiter nach einer mindestens 10jährigen ununterbrochenen Beschäftigung bei dauernder Dicnstunfähigkcit oder wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat. Ist die Dienstunfähigkeit die Folge einer Krankheit, Verwundung oder sonstigen Beschädigung, welche der Bedienstete oder Arbeiter bei Ausübung dcS Dienstes ohne eigenes Verschulden sich zugezogen hat, so tritt die Ruhegeldgewährung auch bei kürzerer als löjähriger Dienstzeit ein. DaS Ruhegeld beträgt, wenn die Dienstunfähigkeit nach vollendetem 10., jedoch vor vollendetem II. Dienstjahre eintrilt.«/«, und steigt mit jedem weiter zurück- gelegten bis zum vollendeten 30. Diensijahre um 1t(M, von da ab um Vi«, bis höchstens auf 4s/go des festgesetzten Diensteinkommens. AIS Witwengeld werden gezahlt 40 Proz. des Ruhegeldes, welches der Verstorbene bezogen hat oder welches ihm gewährt worden, wenn er am Todestage in den Ruhestand getreten wäre. Das Waisengeld beträgt für jedes Kind, dessen Mutter lebt und zur Zeit des Todes des Erblassers zum Bezüge von Witwengeld berechtigt war, ein Fünftel des Witwengeldes. Für jedes Kind, dessen Mutter nicht mehr lebt oder zum Bezüge von Witwengeld nicht berechtigt war, ein Drittel des Witwengeldes. Das Waisengeld wird bis zum 15. Lebensjahre gezahlt. Während bei den Beamten die schon ver- brachte Dienstzeit ohne weiteres in Anrechnung gebracht wurde, hatte man die große Zahl Arbeiter, die das 36. Lebensjahr bereits überschritten hatte, außer acht gelassen; auf Anregung unserer Ge- nassen ist man nun so weit entgegengekommen, daß die seit drei Jahren beschäftigten ständigen Arbeiter, die das 36. Lebensjahr überschritten haben, zugelassen werden, wenn der Gemeindearzt diese für gesund erklärt, jedoch hat jeder eine weitere zehnjährige Dienst- zeit durchzumachen. Ebenso soll derjenige als ständiger Arbeiter be- trachtet werden, der eins dreijährige ununterbrochene Dienstzeit hinter sich hat und bei der ärztlichen Untersuchung als gesund be- funden wird. Treptow. Die angekündigte Wiederholung der Kindervorstellung, veranstaltet vom Turnverein„Jahn", findet heute nachmittag S Uhr, in Speers Festsälen statt. Kassenöffnung 4 Uhr. Köpenil?. Das Bestrebe« der Gewerkschaftskommission, im Interesse der Arbeitnehmer eine Verschmelzung der beiden am Orte bestehenden Krankenkassen herbeizuführe», zeitigte den Erfolg, daß die General- Versammlung der Allgemeinen Unterstützungskasse für Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen den BorstandSantrag auf Zulassung als Ortskrankenkasse ablehnte. Die Folge dieser Ablehnung wäre die Verschmelzung beider OrtSkrankenkassen an, 1. Januar 1014. Diese Talsache läßt nun aber einen Teil der Arbeitgeber(wohl auS be- sonderen Gründen) nicht ruhen, und so ist zum 30. Dezember, abends S'/a llhr, eine außerordentliche Generalversammlung nach dem Stadttheater«inberufen worden, in welcher ein Antrag aus Arbeitnehmerlreisen auf Zulassung der Kasse erneut vorliegt. In Anbetracht der hohen Bedeutung findet bor dieser Generalversamm- lung am Montag, den 30. Dezember, abends 73/4 Uhr, im Lokale von Gustav Müller. Alter Markt 0, eine kurze Vorbesprechung der Arbeitnehmerdelegierten statt. Jeder Delegierte der Arbeitnehmer, dein es enist ist mit dem Ausbau und der gedeihlichen Fort- entwickelung der Krankenkassen im Interesse der Versicherten, muß zu dieser Besprechung erscheinen. An die Arbeiterschaft Köpenicks wird daher die Aufforderung gerichtet, die Delegierten der Unter- stützungskasse auf vorstehendes hinzuweisen. Ein Einbruch in die kotholische Pfarrkirche ist in der gestrigen Nacht erfolgt. Die Diebe kamen von der Spree her, sie zer- trümnierten ein wertvolles Fenster und stiegen dann in die Kirche ein. Hier stahlen sie die silbernen Leuchter und die Weihbecken; sie versuchten auch den Altar und den feuersicheren Schrank in der Sakristei zu erbrechen, was ihnen jedoch nicht gelang. Die Diebe sind dann unerkannt entkommen. Zossen. Welche Früchte der Jungdeutschlandbund zeitigt, erhellt wieder einmal aus folgendem Borfall. Der 12jghrige Schüler F., der eifrig an den Kriegsspielen deS Jungdeutschlandbundes teilnimmt, kaufte sich für einige Mark, die er für Semmelaustragen erhalten, ohne Wissen der Eltern eine Luftbüchse. Am zweiten Weihnachtsfeiertag unternahm nun der Knabe im Beisein anderer Kinder Schießübungen; hierbei traf er den vier Jahre alten Knaben des Arbeiters Splett- stößer so unglücklich über dem Auge, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Der Borfall zeigt nur erneut, daß die Arbeiterklasse den sich jetzt breitmachenden Bestrebungen. bereits die Schulkinder mit einer gewissen Rauf- und Schießlust zu erfüllen, nicht eindringlich genug entgegentreten kann. Neuenhage«(Ostbahn). Ter Gemeindevertretung lag ein Protest des Grundbesitzervereins vor. Die Anlieger der Bahnhofftraße sind gegen den durch die Pflasterung nach dem neuen, für den südwestlichen BebauungS- plan ausgearbeiteten Nivellementsplan. Ist nach dem maß- gebenden, alten, schon 1893 aufgestellten Nivellementsplan wenig Erdbewegung nötig, so sieht der neue Plan an der höchsten Stelle der Bahnhofstraße eine Abwägung von fast drei Metern vor. Die Grundstücke würden dadurch entwertet und den Anliegern un- nötige Kosten aufgehalst; man verlangte die Pflasterung nach dem alten Plan. Die Bertretnng beschloß, zunächst einen Sachverständigen hierüber zu hören; die ganze Angelegenheil ist wegen der starken töhenunterschiede innerhalb unserer Gemarkung und der beabsichtigten analisation von Bedeutung; soll doch Röhrenverlegung bis zu neun Metern Tiefs nötig sein.— Der Abschluß einer Versicherung unserer Feuerwehr und der feuerlöschpflichtigen Einwohner mit der Branden- burgischen Feuerwehrunfallkasse wurde genehmigt.— Die Angestellten- Versicherung der Gcmeindebeamten machte eine Etatsnachbewilligung notwendig. Friedrichshagen. Aus der Gemeindevertretung. Ein Nachtrag zur Umsatzsteuer- ordnung fand Annahme, wonach an Stelle.Steuerausschuß" die Worte„der Gemeindevorsteher" zu setzen sind. Die Umqemeindung der Erpewiesen, welche zwischen Hirschgarten und Ravenstein liegen, wurde beschlossen. Der Antrag auf Verlegung des Arbeitsnachweises nach der Ortskrankenkasse fand diesmal Annahme, nachdem die Arbeitsnachweiskommission inzwischen getagt und sich ebenfalls für die Verlegung ausgesprochen hatte. Zu der Verpachtung der Gemeindebadeanstalt am Müggelsee hat die eingesetzte Kommission einige Abänderungen beantragt, welche angenommen wurden, u. a. sollen die Saisonkarten mit Zelle 6 M. und die Saisonkarten für das erste Kind 2,50 M. kosten. Die Kaution für den Bademeister wurde von 1000 M. auf 2000 M. erhöht. Ueber die Pachtung der Müggelsee-EiSbahn berichten wir unter dem lokalen Teil des BlatieS. In der geheimen Sitzung wurde noch beschloffen, die Verpachtung der Müggel-Spree-Fähre öffentlich auszuschreiben. Oranienburg. Polizeilich verboten war die vom hiesigen sozialdemokrattschen Wahlverein veranstaltete Weihnachtsbescherung. Zwei Tage vor Statt- finden desselben erhielt die Bezirksleitung die Mitteilung, daß die Feier nicht abgehalten werden dürfe. Unsere Genossen machten die Polizeiverwaltung darauf aufmerksam, daß sie mit einem solchen Ver- bot der Sozialdemokratie nur unschätzbares Agitationsmaterial liefere; angesichts der umfangreichen Vorbereitungen könne von einem Auf- geben der Feier auch gar keine Rede mehr sein. Allem Anschein nach hatte die Polizeiverwaltung eingesehen, daß sie das Verbot nicht aufrechterhalten könne, denn drei Stunden später, nach Rücksprache mit unseren Genossen, wurde das Verbot aufgehoben. Die ver- anstaltete Feier nahm denn auch einen über alles Erwarten würdigen Verlauf. Wochenlang vorher hatten bereits unsere Genossen Vor- sorge getroffen, daß Hunderte von armen Arbeiterkindern durch Ver- abreichung nützlicher Weihnachtsgeschenke, namenllich Kleidung, eine Freude bereitet werden konnte Etwa 800 Kinder hatten sich im Lokal „Waldhaus", Sandhausen, eingefunden, die an fünf langen Tafeln Platz nahmen. Sie wurden mit Napfkuchen und Stollen reichlich be- wiriet; außerdem hatte man für jedes Kind einen Teller mit Nüffen, Honigkuchen und Apfelsinen gefüllt. Der ganze Verlauf der Feier wird den zahlreichen Anwesenden, auch denen, die vorher durch reichliche Gaben zum Gelingen derselben beigetragen, unvergeßlich bleiben. Spanvan. Die Frage der Hergabe von BersammlungSsälen für die Arbeiter- schast dürste in nächster Zeit erneut zu Auseinandersetzungen führen. Sowohl die Gewerkschaften wie auch die Partei find des Zustandes müde, daß die SoalbSsitzer ihnen ihre Lokale zur Abbaltung von Versammlungen ständig verweigern. Dies um so mehr, als die Lokalinhaber sonst auf die Arbeiterschaft nicht verzichten können. Wie groß der Einfluß der Arbeiterschaft auf die Geschäftsverhältnisse des einzelnen Saalinhabers ist, hat zur Genüge der Seitzsche Boykott bewiesen. Die Lokalkommission ist jetzt abermals an einen Saal- besitzer in der Neustadt herangetreten und hat diesen um die Her« gäbe seines Saales zu Bersammlungszwecken ersucht. Derselbe hat gebeten, ihm Zeit zu lasten, damit er im Saalbesitzervcrein die Frei- gäbe sämtlicher Säle für alle Parteien erwirken könne. Die Lokal- kommission ist hierauf eingegangen; sollten die Bemühungen jedoch wiederum mit einem negativen Ergebnis endigen, so wird die Ar- beiterschaft nicht verfehlen, sich die Freigabe von Versammlungs- räuinen zu erkämpfen. Potsdam. Zum Bertrieb von Postkarte» mit Ansiöbten und Blumen sucht, so schreibt man uns.«in in der Auguste-Viktoria-Str. 0 wohnender Postsekretär Adolf Folgert Arbeitslose. Der Herr erzählt den sich meldenden Arbeitslosen, daß er selbst mit diesen Karten<6 Stück zum Preise von 20 Pf.) einen Versuch gemacht hätte, und daß er dabei alle Taschen voll Geld mit nach Hause gebracht hätte. Er empfiehlt, nur Arbeilerhäuser zu besuchen und in der Zeit zu gehen, wo der Ehemann nicht zu Houie sei. weil die Frauen seinem Artikel früher Geschmack abgewinnen würden. Die Häuser müssen von unten bis oben belegt werden und nachdem die Frauen die Ware ein Weilchen studiert, müssen sie nach einigen Minuten wieder aus- gesucht und gefragt werden, ob sie die Karten, die einen Wert von höchstens fünf Pfennigen haben, beholten wollen. Die Arbeitslosen müssen natürlich dem Herrn Sekretär die Karten gleich abkaufen und zwar zum Preise von 12 Pf. das Kuvert. Sie würden an jedem Kuvert 8 Pf. verdienen und der Herr Sekretär würde ohne ein Glied zu rühren ein ähnliches Geschäst machen. Die Karten gibt der Herr Sekretär, der angibt pensioniert zu sein, im Adreßbuch und auf seinen Karten jedoch lein„a. D." zu verzeichnen hat. im Postgebäude aus. dahin hat er wenigstens seine Leute bestellt. Hoffentlich fällt kein Arbeitsloser auf diesen Lockruf hinein. Daß die Karten im Postaebäude abgeholt werden sollen, dürfte sicher nicht mit Wissen der Postbehörde erfolgen. Birkenwerder. Heute, Sonntag» den 20. Dezember, nachmittags von 2—3 llhr. findet die Gemeindrvertreterwahl im Restaurant„Seeschlößchen" statt. Die Arbeiterschaft wird ersucht, bereits vor dem festgesetzten Wahl- termin sich einzufinden. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist Maurerpolier Albert Wartenberg. Niemand versäume die Ausübung seines Wahlrechts. Hohen-Schönhausen. Eine Protestversammlung gegen de» geplanten Kirchenbau findet heute Sonntag, nachmittags 2 Uhr. im Lokal von Robert Schultze, Hauptstr. 8, statt._ Eingegangene Druck rchnftcn. Von der„Reuen Zeit« ist soeben dos 13. Hest des 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Jnbalt des Heftes heben wir hervor: Minna KautSky. Von?. bl.— Die Erneuerung des Dreibundes. Von Nudols tilserding.— Die landwirtschaftliche Entwickelung in Frankreich. Von ompsre-Morel.— Die Konturrenzklausel und die Handelsangeslellten. Von Gustav Hoch.— Das Antistreikgesetz in Queensland. Von A. Baumeister. — Notizen: Die Ehescheidungen in Frankreich.— Zeitschriftenschau. Von 0. P. Die„Neue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. bandlungen, Postanstalten und Kolporleure zum Preise von 3,23 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Dos einzelne Hest lostet SS Pf. Von der„Gleichheit", Zeitichrist für die Interessen der Arbetterinncn. ist uns soeben Nr. 7 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Weihnacht.— Von der Fabrikarbcit der Frauen in Preußen. Von B. K. H.— Die Not unbemittelter Wöchnc» rinnen. Bon-I.-s.— Das Bürgerrecht der Frau tn der Gemeinde. Von Paul Hirsch.(Schluß.)— Die Vertragskündigung in der Holzindustrie. Von He.— Aus der Bewegung. Die.Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband LS Ps. Jahresabonnement 2.60 M. Tie NenjahrSnummer des„Wahren Jacob", mit der die be- lieble humoristisch- satirische Zeitschrift der Sozialdemokratie in ihren 30. Jahrgang eintritt, ist soeben 16 Seiten stark zum Preise von 10»Ps. erschienen. Probenummcrn find jederzeit durch den Verlag von I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von allen Buchhandlungen und Kol- portcuren zu beziehen. M arktbertche von Berlin am 27. Dezember 1913, nach Ermittelungen des tönigi. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte t9,70 bis 1!),8v, mittel l9,50— lg,60. geringe 19,30—19,40 Roggen, gute Sorte 16,96—17,00, mittel 16,83— 16,92, geringe 16,80—16,84(ab Bahn). Futttcr- gersle, gute Sorte 17,80—18,40, mittel 17,10—17.70, geringe 16,50—17,00, Haser, gute Sorte 18,80—20,40, mittel 17,10—18,70(frei Wagen und ab Bahn). 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