Ar. 304. Ndonnements-Ke Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben iverden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adlest« „SozialiUmolirat fltrlin1'. Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutfchlands. Redahtion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1982. Dienstag, den 31. Dezember 1912. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1981. Staatsfekretär v. HüderkD'Blaecftter. Stuttgart» 30. Dezember. Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderlen-Waechter ist heute früh 7 Uhr 50 Minuten bei seiner Schwester» Freifrau v. Gemmingeu-Guttenberg» bei der er die Weih- uachtöfeiertage verbrachte» an Herzlähmung plötzlich gestorben. Am 28. Juni 1910 ist Herr v. Kiderlen-Waechter als Nachfolger des Freiherrn v. Schoen zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ernannt worden. Er kam als der Fachmann zur Unterstützung des nach der Verfassung einzig verantwortlichen Reichskanzlers, der nach seiner eigenen Aeusterung ein Laie war in den Fragen der auswärtigen Politik, in die er sich erst einarbeiten wollte. Schon dies ist bezeichnend für unsere Verfassungszustände, daß der eigentliche Leiter der auswärtigen Politik die„nach- geordnete Stelle" des Reichskanzlers ist und selbst dem Parlament gegenüber keinerlei Verantwortung trägt. Zugleich entscheidet dies auch bis zu einem gewissen Grade das Urteil über den so plötzlich Dahingeschiedenen; denn es läßt sich für den Außenstehenden kaum abschätzen, wie viel von der Führung seiner Politik ihm selbst, wie viel dem Reichskanzler und vor allem jener Stelle zuzuschreiben ist, die zwar nicht nach der papiernen Verfassung, aber in Wirklichkeit gerade in der aus- ivärtigen Politik die letzten und folgenschwersten Entscheidungen fällt. Die Laufbahn Kiderlen- Wacchters ist ja überhaupt ein Musterbeispiel für die Rolle, die das persönliche Regiment in Deutschland spielt. Mit Wohlgefallen ruhte das Auge des Herrn aus dem jungen Botschaftssekretär, der ihn Ende der � 80er Jahre auf seinen Reisen nach Petersburg, Stockholm und Kopenhagen als Vertreter des Auswärtigen Amtes begleitete. Wilhelm II. ließ ihn dann als Vortragenden Rat nach Berlin ins Auswärtige Amt berufen. Aber bald schwand die kaiserliche Gnade; ein grobes Wort, ein unehrerbietiger Witz— und. Herr v. Kiderlen- Waechter. den seine Freunde schon damals als einen der fähigsten Bismarckschüler priesen, wurde Gesandter in Hamburg, Kopenhagen und blieb schließlich zehn Jahre lang in Bukarest verschollen. Alle wirklichen oder angeblichen �Fähigkeiten konnten dem Manne, dem früher die ersten Stellen sicher schienen, nichts nützen, seit die Gnade des Herren sich von ihm abgewendet hatte. Erst 1908 trat im Leben Herrn v. Kiderlens die Wendung ein. Damals, als die Annexionskrise begann, berief ihn Bülow als Balkansachverständigen nach Berlin. In den Novemberdebatten über das persönliche Regiment hielt dann Herr v. Kiderlen-Waechter für das Auswärtige Amt jene un- glückliche Verteidigungsrede, die im Gelächter des Reichstags unterging. Aber fast scheint es, daß der völlige Mißerfolg vor der Volksvertretung ihn dein persönlichen Regiment empfohlen hat. Jedenfalls kam nach Bülotvs Sturz der so lange Verkannte als Staatssekretär nach Berlin, mit Jubelhymnen begrüßt und nach neudeutscher Sitte mit Vorschußlorbeeren bekränzt von allen denen, die den starken Mann herbeisehnten, der der deutschen Weltpolitik endlich die großen Erfolge erringen sollte, die ihr bisher versagt waren und wäre es uni den Preis des Krieges. Zum Glück für das deutsche Volk sind die Erwartungen, die jene alldeutschen Kreise auf den Staatssekretär gesetzt hatten, nicht in Erfüllung gegangen; aber nicht zu unsereni Glück schien Herr v. Kiderlen eine Zeitlang solchem Experiment nicht abgeneigt. Die Art und Weise, wie er den alten Marokkostreit aus der Welt zu schaffen suchte, mußte schlimme Befürchtungen Ivecken. Der Coup von Agadir schuf eine akute Kriegsgefahr, brachte dem deutschen Wirtschaftsleben schlimme Störungen und verfehlte in jeder Hinsicht sein Ziel. Wohl wurde schließlich der alte Konfliktsstoff aus der Welt geschafft, aber statt einer Besserung unseres Ver- hältnisses zu Frankreich führten die Methoden, die Herr v. Kiderlen anwandte, eine arge Verschärfung unserer Beziehungen nicht nur zu Frankreich, sondern auch zu England herbei, deren Beseitigung die deutsche Reaierung selbst jetzt als ihre dringendste Aufgabe bezeichnet. Und während des Höhepunkts des Konflikts galt Herr v. Kiderlen keineswegs als der Vertreter einer unbedingt friedlichen Erledigung des ganz sinnlos herausbeschworenen Abenteuers. Der Aus- gang schließlich, die Erwerbung des berüchtigten Kongozipfels, sprach dann erst recht einer Politik ein vernichtendes Urteil, die mit unzulänglichen Mitteln und unzureichender Kenntnis sich an die schwierigsten Aufgaben heranwagte. Und der gewalttätigen Methode, die den Panthersprung gebar, entsprachen jene Mittel, durch die man in Deutschland selbst die öffentliche Meinung künstlich zu erregen suchte. Herr v. Kiderlen hat es nicht verschmäht, sich dabei der Hilfe der all- deutschen Narren und Phantasten zu bedienen, da ihm eine kleine Kriegshetze damals ganz gelegen schien, und trotz aller nachträglichen Abschüttelungen in Ableugnungen konnte der Staatssekretär den Eindruck nicht mehr verwischen, daß er damals den alldeutschen Führern gegenüber sich zum mindesten großer Zweideutigkeit schuldig gemacht hat. Auf die Marokkoaffäre folgte der Tripoliskrieg und diesem der Balkanbrand. Und auch in dieser Krise galt Herr v. Kiderlen als der Mann der schärferen Tonart, als Mann der unbedingten Unterstützung der österreichischen Prestige- Politik und der Nibelungentreue. Ob mit Recht oder Unrecht steht freilich dahin; aber auch dies ist bezeichnend für den Absolutismus unserer auswärtigen Politik» die sich in den wichtigsten und entscheidensten Phasen der Kontrolle der politischen Oeffentlichkeit entzieht. Herr v. Kiderlen war ein Feind dieser öffentlichen Kontrolle durch Volksvertretung und Presse. Er war, obwohl Schwabe von Geburt, in seinen Anschauungen ganz preußisch- konservativ. Weder seine Mittel noch seine Ziele haben den Anschauungen der deutschen Arbeiterklasse entsprochen. Die kurze Zeit seiner Leitung der auswärtigen Angelegenheiten war eine Zeit jener Krisen, die die imperialistische Politik der kapitalistischen Großmächte und ihre reaktionären Wirkungen auf die zurückgebliebenen Völker immer mehr zu einer dauernden Erscheinung macht. In dem Dienst dieser Politik, die nicht durch einzelne Männer, sondern durch die ökonomischen Jnter- essen der Herrschenden bestimmt wird,' stand Herr v. Kiderlen wie schließlich alle Staatsmänner der großen kapitalistischen Reiche. Und nicht vom Wechsel der Männer, sondern von dem Kampf gegen das ganze kapitalistische System, das diese Krisen notwendig erzeugt, erwarten wir die Beseitigung der Kriegsgefahren und die Erhaltung des Friedens. ßaveriiche Hintergründe. Von besonderer Seite lvird uns aus München geschrieben: Die Diskussion über den Ausgang der bayerischen Thron- folgefrage ist in den Hintergrund getreten vor der Erörterung der durch Ihr hiesiges Parteiblatt enthüllten Geheimnisse der „Bayerischen Staatszeitung". So wichtig und interessant diese Seite der Hertlingschen Wirksamkeit auch sein mag. die Prüfung seines Verhaltens in der Negeutschastsangelegenheit sollte darüber nicht eingestellt werden. Es sind da noch Rätsel zu lösen, an die unsere sonst so findige liberale Presse sich bis jetzt nicht herangewagt hat. Denn mit der Behauptung, Herr v. He rtlin g sei von seinen Zentrumsgetrcuen im Stiche gelassen worden, das Zentrum habe sich schwierig gestellt, um bei nächster Gelegenheit für seine Bereitwilligkeit, Ludwig zum König zu krönen, besondere Vorteile heraus- zuHandeln, mit dieser Behauptung läßt sich auf die Dauer nicht viel anfangen. Auch nicht mit der anderen vielfach verbreiteten Behauptung, Herr v. Hcrtling sei augenblicklich sehr erzürnt über seine'Partei, weil sie ihn beim Regenten in ein schiefes Licht gesetzt habe. An diesem Zipfel läßt sich das Tuch nicht vom Geheimnis heben. Unsere Libe- ralen sind freilich leichtgläubige Herren in gewisser Beziehung. Man erzählt sich, der liberale Führer Dr. C a s s e l ni a n n, der mit den Minister«, insbesondere mit Herrn v. Hert- l i n g, über die Thronfolgeangelegenheit vor der Eidesleistung verhandelte und dabei viel Entgegenkommen bewies, sei bei dieser Gelegenheit in einen so innigen Konnex mit dem Ministerpräsidenten gekommen, daß dieser Sonderbcratung noch eine Reihe von Beratungen über andere Angelegenheiten ge- folgt wären. Sogar während der Weihnachtsfeiertage seien die Casselmannschcn Besuche bei Herrn v. Hertling und Herrn v. Soden, dem Minister des Innern, fortgesetzt worden, man sei sich gegenseitig näher gekommen, habe Mißverstand- niste gelöst, huldvoll Versprechen gegeben und strahlend sie empfangen. In den Kreisen der Zentrumsführerschaft herrsche darüber großer Zorn, und Dr. H e i m, der sich in der Königs- angelegenheit allerdings hemmend bemerkbar gemacht hatte, stehe auf dem Sprunge, die Opposition des durch verärgerte Elemente von rechts jetzt wieder verstärken linken Flügels der Zentrums- Partei neu zu organisieren. Hübsche Kombinationen das, aber wohl nichts weiter. Herrn v. Hertlings Stellung als Ministerpräsident des zweitgrößten Bundesstaates im Reiche mit der stillen Anwart- schaft vielleicht noch, die Position des Herrn v. Bethmann in Berlin einzunehmen— die hohen Herren des politischen Ultraniontanismus haben diese Position schon stärker unter- miniert als ihr derzeitiger Inhaber ahnt— Herrn v. Hert- lings Stellung gilt als ein Fort der katholischen Christen- heit, das der Ultramontanismus sicher mit allen Mitteln auf Tod und Leben zu verteidigen jederzeit gern bereit und ge- willt ist. Die bayerischen Zentrumsleute, der bayerische katho- lische Adel usw. sind keine so begriffsstutzigen Leute, daß sie ihre Aufgabe hier nicht verstünden. Die Million mehr, die die Umwandlung der Regentschaft für Prinz Ludwig in ein aktives Königtum kosten würde, kann um so weniger eine Rolle spielen, als es noch gute vier Jahre bis zu den Neuwahlen zum Landtag sind und Wahlrücksichten somit für die Zen- trumspartei ausscheiden. Legitimistische Bedenken?„Daß i net lach'", heißt eine bayerische Redensart. Wie sollte eine so bedenkenfreie Partei wie das Zentrum, wenn wichtige katholische Interessen auf dem Spiele stehen, über legitimistische Zwirnsfäden stolpern! Was war es also? Prinzregent Ludwig hatte den bestimmten Wunsch ge- äußert, König zu werden. Aus streng monarchischen Empfin- düngen heraus, aber auch aus begreiflichen wirtschaftlichen Erwägungen insonderheit für seine Familie. Die Bezüge der Regentschaft, nicht einmal 500000 M., hinzu kommt noch ein Anfall aus einer beträchtlichen Stiftung Ludwigs I.. sollen nicht reichen; die Zivilliste, von der der geisteskranke König Otto sür sich nur 200000 M. knapp braucht, gehe drauf für die aufgebesserten Hofchargen, die zahlreichen Pensionisten aus der Jägerzeit des verstorbenen Prinzregenten, die Unterhaltung der vielen baufälligen Schlösser usw. Der jetzige Regent, von der wohlgesinnten Presse stets als hervorragender Landwirt gepriesen, habe, so sagen die Vertreter seiner Wünsche weiter, bei' seinen Gütern in Leutstetten und Ungarn jährlich so große Summen zugesetzt, daß hier ernstlich saniert werden müsse. Wenn also Prinzregent Ludwig schon für sich eine Regelung notwendig brauche, so sei noch schlimmer sein ältester Sohn, der Thronfolger Prinz Rupprecht dran. Prinz Rupprecht war mit einer Tochter des ver- storbenen Herzogs Karl Theodor verheiratet, einer charmanten Dame, welche in diesem Jahre einem langwierigen Leiden erlegen ist- Er hatte infolge eines von einem bei der letzten Ministerernennung sehr beteiligten Reichsrat und An» walt entworfenen schlauen Vertrages jährlich 90000 M. Zu- schuß von der Mutter seiner Frau. Diese 60 000 M. bildeten mit einem Bezüge von 40000 M. aus seiner militärischen Charge sein ganzes Einkommen. Nun enthält der schlaue Vertrag des betreffenden Reichsrats der Krone Bayerns die Klausel, daß der Bezug von 60000 M. nach dem Tode der Prinzessin an die Familie heimfällt. Ab I.Januar wird also der bayerische Thronfolger, da seine Schwiegermutter, die immer noch in portugiesischen Reaktionsangelegenhcitcn finanziell engagierte Herzogin, ohne Rücksicht auf vorhandene Enkelkinder die 60000 M. glatt einzieht, seine ganze Hof- Haltung mit 40000 M. bestreiten müssen. Hinzu kommt, wie man sagt, noch die Verpflichtung, etwa 60 000 M. Schulden zu zahlen, die infolge der Freigebigkeit seiner Gemahlin bei Münchener Geschäftsleuten entstanden waren. Prinz Rupprecht ist nun in extrem feudalen und klerikalen Kreisen nicht beliebt. Er ist seit Jahren das Objekt des perfidesten Hofklatsches, weil er selbst bis jetzt jeder Clique fern geblieben und den Umgang gebildeter Bürgerlicher häufig dem mit dem verpfafften aber gar nicht den Genüssen von Weib, Wein und Poker abgewandten Hos- adel vorzog. Das Testament des Prinzregenten Luitpold soll, wie es weiter heißt, für die Linie Ludwig— Rupprecht auch noch sehr ungünstig ausgefallen sein, Prinz Leopold und die Familie Prinz Arnulf seien die Hauptbedachten— also,»venu diese Schilderung, die in den Kreisen, welche es wissen sollten, umgeht, richtig ist, eine große Misere beim Vater, eine größere beim Sohn. Von alle diesem hatte und mußte Kenntnis in erster Linie Herr v. H e r t l i n g als Minister des königlichen Hauses haben. Und so könnte die Frage ausgeworfen werden: Wollte die klerikale Partei den verhaßten Sohn treffen, als sie die Erfüllung des väterlichen Wunsches hintertrieb? Wollte sie, Prinz Ludwig ist ein hoher Sechziger und erfreut sich keineswegs der unverwüstlichen Konstitution seines Vaters, erst Garantien sür die Zukunft haben, che sie daran ging, einen irrsinnigen König durch einen verfügungs» fähigen zu ersetzen?. Mit dieser Frage kommt nian, so glaube ich, der Lösung des Rätsels näher, als mit allen anderen Expektorationen. Ein� Spiel mit verteilten Rollen ist gespielt worden: Herr v. Hertling konnte dem Prinzregenten Ludwig sagen:"Ich habe alles versucht— aber meine Partei hat mich im Stiche gelassen. Das Zentrum aber ist zum Kriege gegen die Krone bereit, wenn diese es sich beikommen lassen wollte, den Fehl- schlag des Herrn v. Hertling mit aktivyr Ungnade aufzunehmen. Sie denken über den Tag hinaus, die bayerischen Propagandisten Roms, und der Thron ist ihnen ein nicht uu- bedingt nötiges profanes Anhängsel des Altars. Das hat für alle, welche lesen können, übrigens Herr v. Hertling auf der von ihm präsidierten Tagung der Görres-Leute in Frei- bürg recht deutlich gesagt. Man kann also nicht behaupten. dieser Sendbote der Alleinseligmachenden sei unterlegen bei der bayerischen Königsaffäre; im Gegenteil, es hat. seit unvor» denklichen Zeiten kein Minister das Gottesgnadcntum so gründ- lich bemeistert wie dieser ehemalige Vorsitzende der deutschen Zentrumspartei._ Die Balkanttrlie. Die Friedens?»fercnz. London» 30. Dezember. Die Friedenskonferenz ist heute nachmittag um 4 Uhr zusammengetreten. Sie vertagte sich um 5 Uhr auf Mittwoch 3 Uhr. In der heutigen Sitzung, in der Danew den Vorsitz führte, erklärten die Türken, daß ihre I n st r u k t i 0 n e n u n- vollständig seien und daß sie noch nach Konstantinopel berichten müßten. Sie seien geneigt, über die Friedens- bedingungcn stüchveise zu beraten. Die Verbündeten wollten jedoch darauf nicht eingehen. Die türkischen Instruktionen. Konstantinopel, 30. Dezember. Nach langen Beratungen hat der Ministerrat beschlossen, noch in der Nacht den türkischen Bevollmächtigten in London telegraphisch neue Instruktionen zugehen zu lassen. In amt- lichen Kreisen wird über diese Instruktionen strengstes Stillschweigen gewahrt. Es verlautet, daß darin" ge- sagt ist, der Besitz des Wilajcts Adrianopel sei für die Verteidigung von Konstantinopel unumgäng- lich notwendig. Die Pforte fei verpflichtet, auf diesein Punkte zu bestehen, und wenn Bulgaren darin nachgeben würde, so sei die Pforte bereit, ihm Kompensationen in dem westlich des Wilajcts Adrianopcl gelegenen Gebiete zu bewilligen. Was die Inseln anlange, so lasse die Pforte keine Diskussion zn über die Inseln, die den Eingang zu den Dardanellen beherrschen. Wegen der anderen Inseln würde die Pforte zu einer Verstän- d i g u n g bereit sein auf Grundlage der Regierungsform von S a m o s. Die Frage der von Italien besetzten Inseln sei lediglich zwischen der Pforte und Italien zu verhandeln. Kreta bilde nicht Gegenstand des gegenwärtigen Krieges, und die kretische Frage werde zwischen der Pforte und den Schutzmächtcn behandelt werden. Eine amtliche Meldung besagt, daß die nenen In- struktionen in jeder Hinsicht das Entgegenkommen der Pforte beweisen und ihren Wunsch, die Friedens- Verhandlungen zu Ende geführt zu sehen. In keinem Falle »verde man jedoch der Abtretung von A d r i a n o p e l zu- stimmen können. Der Standpunkt der Balkandelegierten. Sofia, 29. Dezember. Die Friedensdelegierten des Balkanbundes sollen,»vie an zuständiger Stelle der- lautet, angewiesen werden, falls auch die morgigen Be- dingungen der Türken nicht diskutabel lvären, die Türken zu fragen, ob dies ihr l e tz t e s Wort sei, und bejahendenfalls die Verhandlungen abzubrechen, bezw. den W a f f e n- stillstand mit einer Frist von vier Tagen zu kündigen. Die Regierungskreise halten zwar den Abbrnch der Verhandlungen für tvahrscheinlich, glauben aber trotzdem, daß schließlich die Türken nachgeben»verdcn, bevor es zur Wiederaufnahme der Feiildseligkeiten kommt. Die Türken kriegsbereit. Konstantinopel, 39. Dezember. Es verlautet, daß der Rat der Generäle das Gutachten abgab, das Heer sei kriegsbereit. Die Verantwortung für die Fort- setzung des Krieges müssci.ides Regierung überlassen bleiben. Die Bulgaren in Saloniki. Saloniki, 29. Dezember. Laut Mitteilung des bulgarischen Kommandos werden in S a l o n i k i bis auf weitere? zwei, in Serres drei Bataillone verbleiben. Die Bulgaren haben mit der Aushebung der Rekruten in den von ihnen besetzten Gebieten begonnen. Ueberall wurden Anordnungen für den Trans- Port der bulgarischen Truppen für den Fall der Wiederauf- nähme der Kämpfe vor Tschataldjcha getroffen. Der türkische Kriegsminister in Tschataldscha. Konstantinopcl, 29. Dezember. Kriegsminister Nazim Pascha ist abends nach dem Hauptquartier in Tschataldscha abgereist. Auch der aus der Cyrenaika in Stambul eingetroffene Major Enver Bei ist nach der Tschataldschalinie abgegangen und wird dort ei» Kommando übernehmen. Die Serben in Durazzo. Durazzo, SV. Dezember. Der serbische Kommandant von Durazzo hat der Mannschaft des italienischen Dampfers„Caprera", der sich zur Verfügung deS italienischen Konsuls im hiesigen Hafen befindet, verboten, ohne seine Er- lanbnis mit dem Lande zu verkehre». Der italienische Konsul hat sich darauf bei dem serbischen Kommandanten nach der Ursache dieses Verbotes erkundigt und ihm mitgeteilt, daß er ein Verkehrs« verbot zwischen der„Caprera" und dem italienischen Konsulat weiterhin nicht zulassen könne. Gleichzeitig hat der Konsul die italienische Regierung hiervon benachrichtigt und diese hat ihren Vertreter in Belgrad beauftragt, geeignete Schritte beider serbischen Regierung zu unternehmen. pditilebe dchcrücht. Berlin, den 30. Dezember 1912. Ein kurioses Dementi. Die Enthüllung des Hertlingfchen ZeitungSgründungsplaneS durch die.Münchener Post" hat das an der Spitze des bayerischen Kabinetts stehende staatsmännische Genie in arge Verlegenheit gebracht. Fast die ganze bayerische Presse, auch mehrere ultramontane Blätter, wenden sich gegen das Hertlingsche Projekt. Außerdem soll der Prinzregent sehr erstaunt gewesen sein und vom Ministerpräsidenten Bericht eingefordert haben. Doch als schlauer jesuitischer Kopf weiß sich Freiherr v. Hertling zu helfen. Er hüpft behende zurück und läßt offiziell erklären, daß er sich die in dem enthüllten Plan ent- haltenen„gutgemeinten", aber undurchführbaren„Aniegungen" weder angeeignet habe, noch anzueignen gedenke. Die Korrespondenz Hoffmann schreibt: In der Presse wird nach wie vor an der irrigen Auffassung festgehalten, daß eine, wie bekannt auf unrechtmäßigem Wege in die Oeffentlichkeit gelangte Aufzeichnung der Redaktion der Staats- zeitung die amtliche Billigung gefunden habe. Dies ist nicht der Fall. Eine Reihe der in dieser Niederschrift enthaltenen An- regungen sind gut gemeint, jedoch aus praktischen und rechtlichen Gründen undurchführbar. Unannehmbar sind insbesondere jene Vorschläge, die sich auf eine irgendwie geartete Heranziehung der königlichen Gesandtschaften zur Mitarbeit an der Staatszeitung beziehen. Es dürfte sich im übrigen empfehlen, das Erscheinen der ersten Nummer der Staatszeitung abzuwarten, die über das Programm der Zeitung ausführliche Aufschlüsse geben wird. Bevor jedoch dieses Dementi mit der abermaligen Behauptung, daß es sich in der Denkschrift über die Einrichtung der Staats- zeitung um eine private Arbeit der Redaktion handle, daS Licht der Oeffentlichkeit erblickte, stellte die.Münchener Post" in ihrer gestrigen SonntagSnummer fest: In tiefsinnigen Unterhandlungen— nachdem er vorher einen besonderen, nickt honorierten FnformaiionskursuS genoffen hatte — hat der Vorsitzende im Ministerrat mit feinem journalistischen Liebling allmählick die Grundlagen des staatlich-privaten Erwerbs- undjOrientierlmgSblatteS festgestellt. Es war ganz offenbar mehr Georg v. Hertling als Philipp Frick(der Leiter der neuen StaatSzeitung) in d e in schließ- lich bereinigten Plan. Der Versuch, mit Um- gehung aller verfassungsmäßigen Körperschaften, auf pri- vatem Wege mit Anwendung aller staatlicken Zwangsmittel den ganzen Nachrichtendienst, ja das ganze Prcßwesen für die persönliche Politik des Ministers zu monopolisieren und zu korrumpieren, ist genau der gleichen Grundanschauung entsprosien. wie der durch Hertling seinerzeit zwischen dem Vatikan und der Reichsregiernng vermittelte Geheimvertrag, der einen philosophi- schen Lehrstuhl der Universität Straßburg für alle Zeiten einem Vertreter der besonderen Hertlingfchen Philosophie auslieferte. Das Memorandum, das die„Münchener Post' veröffent- lichen konnte, war die endgültige Niederschrift der zwischen Hertling und Frick verein- barten Staatszeitungs-Grundsätze. Es wurde. unmittelbar vor dem Erscheinen deS BlatteS, vervielfältigt, um d en z a h l r e i ch e n in Betracht kommenden Dienststellen zur Instruktion zu diene«. ES sollten alle Einzelheiten des künstige» konzen- trieden Orientierungsdienstes festgelegt werden: und nicht die kleinste Kleinigkeit wurde dabei vergessen, nicht einmal der anmutige, Wen), auch durch das Reichsstrafgesetzbuch bedrohte Anspruch, daß Beamte amtlich diplomatische Geheimberichte unter Herkunftsverschleierung an ein privates Zeitungsunternehmen verhökern._ Eisenbahnuberschüsse und Ausgleichsfonds. Die„Korrespondenz Woth" schreibt: „Die voraussichtlichen Betriebsergebnisse der Eisenbahnverwaltung für dasEtatSjahr 1912 dürften sich nach einer Schätzung der Eisenbahnverwaltung wie folgt gestalten: Die Einnahmen im Personenverkehr werden be- tragen 677 Millionen, die Einnahmen im Güterverkehr 1 633 000 009 M-, so daß sich die ganzen Vcrkehrseinnahmen auf 2 Milliarden 310 Millionen Mark belaufen werden. Dazu kommen noch 142 Millionen sonstige Betriebseinnahmen. Die gesamte Betriebseinnahme beträgt somit 2 452 360 000 M. Die Betriebsausgaben find auf 1 634 500(XX) M. veranschlagt worden, es verbleibt somit ein Betriebsüberschuß von 817 800 000 M. Nach Abzug der üblichen Zuschüsse und der Ausgaben zur Verzinsung und Tilgung der Eisenbahnschulden wird für die Eisenbahnvcrwaltung für das Etatsjahr 1912 ein R e i n ü b e r s ch u ß von 370 Millionen Mark verbleiben, hiervon sollen etwa 227 Millionen Mark für allgemeine Staats- zwecke Verwendung finden. Diese Zahlen beruhen auf gewissen- haften Schätzungen, doch ist anzunehmen, daß diese Zahlen noch in Wirklichkeit die Schätzungen übersteigen werden. Gegenüber dem Etatsjahr 1911 werden die Einnahmen etwa um 100 Millionen größer sein, dagegen werden aber die Betriebsausgaben um den gleichen Betrag gewachsen sein, so daß der Belriebsüberschuß annähernd der gleiche sein wird." Wenn von dem Reinüberschuß der Eisenbahnen im Jahre 1912, der 370 Millionen beträgt, zirka 227 Millionen für allgemeine Staats- zwecke Verwendung finden sollen, werden also nicht weniger als 143 Millionen sstatt, wie angesetzt, 57 Millionen) in den Ausgleichs- fonds fließen. Wie aber aus den vergleichenden Ziffern des von der„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichten Etatsentwurss für das Jahr 1913 hervorgeht, konnten im Jahre 1911 dem Ausgleichsfonds nicht weniger als 162 Millionen zugeführt werden! Danach stände bis jetzt folgende Dotation des Ausgleichs- fonds fest: 1910... 71 Millionen Mark. 1911... 162 1912... 143 1913... 93 1910-1913. 469 Millionen Marl. Dabei sind aber die Beträge für 1912 und erst recht für 1913 so niedrig gegriffen, daß in Wirklichkeit dem Ausgleichsfonds in den vier Jahren mehr als eine halbe Milliarde zugeführt werden dürfte! Der Ausgleichsfonds wurde nicht deshalb geschaffen, um die Eisenbahnfinanzen zn sanieren— denn die sind selbst in Krisen- zeiten noch überaus günstige gewesen—, sondern um einen Reserve- fonds zu haben, dem in minder guten Betriebsjahren die not- wendigen Zuschüsse zu allgemeinen Staats- zwecken entnommen werden können. Es handelt sich also um nichts als die Aufhäufung eines gewaltigen Versicherungsfonds für die p r e u ß i s ch e n K a p i t a l i st e n, der sie auch in Krisenzeiten der Notwendigkeit entheben soll, emmal höhere direkte Steuern zahlen zu muffen! Man sieht: dort, wo unsere besitzende Klaffe einen erheb- lichen Teil der Staatöausgaben aus direkten Steuern aufbringen muß, trifft sie die peinlichsten Vorkehrungen gegen ein Anziehen der Steuerschraube! Im Reiche dagegen, wo die N i ch t b e s i tz e n d e n weitaus den größten Teil aller Steuerlasten zu tragen haben, kommt es der Bourgeoisie auf ein paar hundert Millionen Steuern mehr nicht an k_ Zur Lage der altpensiouierten Eisenbahnhandwerker und-Arbeiter. Wir werden um Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: Die vor dem 1. Juli 1910 pensionierten Eisenbahnhandwerkcr und �ar- bester, welche dem Staate treue Dienste geleistet und noch dazu hohe Beiträge in ihre Pensianslasse gezahlt haben, befinden sich in der b i t t e r st e n N o t. All ihr Bitten an matzgebender Stelle um eine kleine Aufbesserung ihrer nicht hinreichenden Pensionsbezüge sind fruchtlos geblieben. Unterstützungsgesuche werden in den meisten Fällen abgelehnt. Am 5. und 6. Dezember war eine Hauptversammlung der Peru- sionskasse in Berlin. An dies« Versammlung hatten sich die Alt- Pensionäre mit der Bitte gervcndet, doch ihre sehr niedrigen Bezüge etwas aufzubessern. Die zur Hauptversammlung einberufenen Ar- beitervertreter sprachen sich auch ei n st i m m i g für diesen Antrag aus. Aber der Vertreter des Herrn Ministers, der, nebenbei be- merkt, so viel Stimmen auf sich vereinigt, wie alle Vertreter der Arbiter zusammen, drohte, Wenn der Antrag der Altpensionäre an- genommen würde, hätten die anderen auf Jahre hinaus keine Auf- besserung ihrer Pensionsbezüge zu erwarten. Diese Beeinflussung der Arbeitervertreter seitens des Vertreters des Herrn Ministers bedeutet die Niederschlagung der Wünsche der Altpensionäre. Auch sagt der NeaierungSvertreter, daß durch die Annahme des Antrages ein großer Mß in die Kasse gebracht wird, und auch erst ein»er- sicherungstechmsches Gutachten eingeholt werden müßte. Darauf- hin fand der Antrag natürlich keine Annahme. Demgegenüber ist nachgewiesen, daß die betreffende Kasse in den letzten drei Jahren nach Abzug sämtlicher Ausgaben noch einen reinen Ueberschutz von nahezu 42 Millionen Mark zu verzeichnen hatte. Im letzten Rech- nungsjahr belief sich der Ueberschuß allein auf 18 Millionen Mari, so daß das Vermögen dieser Kasse Ende 1911 auf die Höhe von 135 Millionen Mark gestiegen ist. Eine unversiegbare Einnahme ist dieser Kasse insofern garantiert, als stets eine junge zahlende Kraft für eine alte ausscheidende eintritt. Da überhaupt in den letzten 15 Jahren ein fortwährendes beträchtliches Steigen der Ueberschüsse der Kasse zu verzeichnen war, ist wohl der Einwand des versiche- rungstechnischen Gutachtens hinfällig. Vor drei Jahren haben übrigens die Arbeitervertreter schon einmal e i n st i m m i g in einer Resolution den Herrn Minister gebeten, die finanzielle Möglichkeit einer Berücksichtigung der Petition zu untersuchen. Dieser Reso- luticm wurde keine Folge gegeben; die Sache liegt heute noch so wie 1909 und die Vertreter mußten sich darauf beschränken, ihre Resolution zu erneuern. Die Pension sbezüge der altpensionierten Eisenbahnhandwerker und-arbeiter betragen nach 35— 40 j ä h r i- g e r Dienstzeit im Durchschnitt 30—40 Mark monatlich! Die Bezüge mancher Mtwen verstorbener Altpensionäre betragen sogar bloß 5— 9 Mark monatlich, also die Hälfte des städtischen Armengeldes. Zu bemerken ist noch, daß es sich nur um alte ge- brechlichc Leute handelt, welchen ein langer Genutz von Pension gar nicht beschieden ist. Es gereicht der königlich preußisch-hessischen Staatseisenbahn nicht zur Ehre, daß ihre alten, treu gedienten Handwerker und Arbeiter im Alter hungern müssen, trotz des kolossalen Vermögens ihrer Pensionskasse, welches die betreffenden Altpensionäre durch Beitragszahlung aufsammeln halsen. Konservativer Boykott. Die konservative Presse liebt eS, ihre Leser mit gut oder schlecht erfundenen Berichten zu unterhalten, in denen mit höchster sittlicher Entrüstung über die geschäftliche Aechtung konservativer oder liberaler Kleingeschäftsleute durch die Sozialdemokratie gejammert und das Eingreifen der Gesetzgebung gefordert wird. In Wirklichkeit haben bisher gerade die Konservariven am ungeniertesten mit dem Wirt- schaftlichen Boykott gearbeitet. Einen neuen Beweis dafür liefert das folgende„strengvertrauliche" Zirkular der konservativen Partei- leitung in Liegnitz, das unserem Liegnitzer Parteiblatt, der»Volks- zeitung", auf den Redaktionstisch geflogen ist. ES lautet: „An alle Anhänger der rechtsstehenden Parteien! Die Reichstagswahten haben gelehrt, daß unser gewerbtätiger Mittelstand zum großen Teil treu und fest auf nationalem Booen steht und sich mit den rechtsstehenden Parteien eins fühlt in seinem politischen Denken und Wünschen. Leider ist es den uns woblge- sinnten Kaufleuten und Handwerkern nicht möglich, sich auch öffeut- lich als unsere Freunde auszugeben und sich in Mahlzeiten an der Allfklärungsarbeit zu beteiligen, da sie stets großen geschäftlichen Schaden durch Boykott oder andere Maßnahmen, politischer Gegner fürchten müssen. Um hier Wandel zu schaffen, ist aus allen Ständen und Schichten der rechtsstehenden Parteien die Anregung gegeben worden, ein Verzeichnis der Kaufleute und Handwerker zu schaffen, die auf de»t Boden der Rechtsparteien stehen und der Unterstützung aller Anhänger dieser Parteien wert sind. Auf Veranlassung des Konservativen Vereins, des Bundes der Landwirte und der Ortsgruppe Liegnitz des deutschen Mittelstandes gebe ich nun das vorliegende Verzeichnis empfehlenswerter, rechts- stehender Kaufleute und Handwerker heraus und richte an alle Anhänger der rechtsstehenden Parteien die ebenso herzliche wie dringende Bitte, bei allen ihren Einkäufen und Be- stellungen vor allem die Kaufleute und Hand- werker zu berücksichtigen, die in dieser Liste aufgeführt werden. Wird den hier verzeichneten Kauf- leuten und Handwerkern eine weitgehende Berücksichtigung und Unterstützung zuteil, so werden sie in die Lage gesetzt, küliftig ohne Rücksicht auf geschäftliche Verluste sich mehr als bisher in den Dienst der guten und gerechten Sache der rechtsstehenden Parteien stellen und an der notwendigen Aufklärungsarbeit mit teilnehmen zu können. Liegnitz, im Februar 1912. Ernst Quadt." Vorsichtig wie die Herren sind, haben sie den sogenannten negativen Boykott gewählt. Aber auch solche Empfehlungen sind, wenn sie in einzelnen Fällen von freien Gewerkschafien ausgingen, gerichtlich beanstandet worden. Die Herren Konservativen brauchen sich freilich daran nicht zu halten. Um ihnen das geheimnisvolle Geschäft etwas zu erleichtern, gibt die„Liegnitzer Volkszeitung" die Namen der 60 als konservativ empfohlenen Unternehmer bekannt. Hoffentlich freut das die Herren, denn sie werden nun sicherlich die Kundschaft der Ouadtmänner erhalten. Mnndatsmüde. Der Vorsitzende der Fortschrittlichen Volkspartei, Landtags- abgeordneter Fimck- Frankfurt a. M., will kein Mandat mehr an- nehmen. Als sein Nachfolger wird Redakteur O e s e r bezeichnet, der in der vorigen Legislaturperiode Frankfurt im Reichstag ver- treten hat._ Die Parität zwischen Arbeitern und Unternehmern nach Hmnburger Handclskammerbcgriffen. Jeder, der die edle Gesinnung der in der Hamburger Handels- kammer maßgebenden Persönlichkeiten, vornehmlich der Herren Werft- besitzer— kennt, weiß, daß sie nicht nur für den Schutz der Streikbrecher schwärmen, sondern am liebsten jeden Streik mit Polizei- und Waffengewalt niederschlagen würden. Sie haben sich deshalb auch nicht verkneifen können, in ihrem soeben erschienenen Handelskammerbericht wiederum für den stärkeren Tchuy der To» genannten Arbeitswilligen einzutreten. Unter �Bezugnahme auf den Holzarbeiterstreik im Jahre 1911 erklären sie: „Die in einzelnen Fällen vorgenommenen Bestrafungen konnten jedoch wegen der geringen Höhe der verhängten Strafen im all- gemeinen keinen besonderen Einfluß ausübe», haben jedenfalls, insbesondere soweit sie in Geldstrafen bestanden> in keiner Weise abschreckend gewirkt. Gerade bei Gelegenheit des Holz- arbeiterstreiks zeigte sich ganz besonders, mit welchen rücksichts- losen Maßnahmen von den Streikenden nicht nur gegen die Arbeitswilligen, sondern zum Teil auch gegen gänzlich unbeteiligte Gewerbetreibende vorgegangen wird."Vielfach konnten Aus- schreitungen überhaupt nicht iveiter verfolgt werden, da ent- weder die davon Betroffenen� sich aus Futcht vor weiteren Nach- teilen» die ihnen von den Streikenden zugefügt worden lvären, vor der Anzeige scheuten oder sich sonst�mangels des Vorhanden- seins hinreichender polizeilicher Organe Schwierigkeiten bei der Er« Mittelung des Täters ergaben, schließlich auch in vielen Fällen eine Verfolgung- von zweifelhaftem Erfolge schien.... Ganz besonders geklagt wird auch darüber, daß Streikende sich nicht scheuten, bei der Arbeitsniederlegung Maschinen zu beschädigen und an Bauten Materialschäden hervorzurufen. Schließlich wurde auch über Belästi» gungen von Familienmitgliedern, über Einwirkung aus Geschäftsleute, den bestreikten Betrieben keine Nahrungsmittel für die Arbeitsivilligen zu verkaufen und über Boykottierungen von Geschäften, die mit bestreikten Betrieben in Verbindung stehen, geklagt. A l S schwerster Mißstand wirdaber überein st im mend von den betroffenen Kreisen das Streikposten» stehen bezeichnet. Auch bei dem Streik in der Eisenindustrie im Jahre 1910 sind ganz ähnliche Beobachtungen gemacht worden, wobei insbesondere über nicht genügenden Schutz bei der Beförderung der zahlreich vorhandenen Arbeitswilligen zu den Arbeitsstätten Beschwerde geführt wird. AuZ den gemachten Erfahrungen kann nur die eine Folgerung gezogen werden, daß zurzeit gegenüber dem von den Arbeiterorganisationen ausgeübten KoalitionSzlvang für die Möglichkeit der Äufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes und den Schutz der persönlichen Freiheit nicht hinreichende gesetzliche Bestimmungen vorhanden sind... Bei der Erörterung der für die Beseitigung der bestehenden Mißstände zu machenden Vorschläge wurde von der Handelskammer in Uebercinstimmung mit ihrer Jndustriekommission ausdrücklich betont, daß es in der Hauptsache darauf ankomme, durch Ausgestaltung der gesetzlichen Vorschriften, ohne Schaffung eines Ausnahmegesetzes gegen Arbeitnehmer, die Parität zwischen Arbeit» gebern und Arbeitnehmern wieder herzustellen, welche durch die Uebermacht des Einflusses der Massen nicht mehr hinreichend gewährleistet ist." Auch eine Handelskaimneraufgabe. Mit welchen politischen Problemen sich in Ermangelung einer nützlicheren Tätigkeit die Großindustriellen ynd ihr Anhang in den Handelskammern beschäftigen, zeigt folgender kurioser Vorschlag der ehrsamen Handelskammer zu Schweidnitz. Die gescheiten Herren empfehlen, die Reichsverfassuiig dahin abzuändern,„daß entweder in einem neben den Reichstag tretenden Reichsständehanse oder im Reichstage selbst durch Hinzunahme von Delegierten der amtlichen Berufsstandesvertretungen zu den gewählten Vollsvertretern dem berufsständischen Element als inttbeschließendem Faktor der Gesetzgebung Eingang gewährt würde". Die betriebsamen Herren von Schweidnitz scheinen in ihrem komischen Selbstgefühl anzunehmen, daß die Revision der Reichs- Verfassung zu den Aufgaben der Handelskammern gehört. Sinds der Menschenopfer noch nicht genug? In der Grube der Zeche„Scharnhorst" brennt es. Die Zeche liegt in einem Vorort von Dortmund, eine knappe Weg- stunde von der Unglücksgrube„Minister Achenbach". Es handelt jiZ W einen Flözbrand aus der zweiten SoJjlZ, Ä® Freijgg. den 20. Tczcmber. als die Toten von„Achenbach" aufgebahrt wurden, brachte die Dortmunder„Arbciter-Zeitung" die erste alarmierende Nachricht. Ter Brand war damals schon etwa seit acht Tagen bemerkt worden und es stürzten oft glühende Massen herunter, die mehrere Förderwagen füllten. Nun ist zuzugeben, daß die Verwaltung sich bemüht, das Feuer abzudämmen; die Beamten werden sehr angestrengt. Aber ein Erfolg ist noch nicht zu be- merken. Dagegen scheint das Feuer an Ausdehnung zu gewinnen, zum mindesten brennt es jetzt an drei Stellen schon recht er- heblich. Das allerbedcnklichste ist, daß trotz des Brandes in der Grube noch gearbeitet wird, sogar in dem betreffenden Revier, wenn auch nicht direkt an den Brandstellen. Wie dann, wenn sich nun Schlagwetter bilden und diese durch den Flözbrand zur Explosion gelangen?! Die Folgen würden gar nicht abzusehen sein. In der Tat scheint es so, als ob während der Weihnachtsfeiertagc, an welchen die Bergleute nicht angefahren waren, eine Explosion stattgefunden hat. Was der„Ar- bciter-Zeitung" glaubwürdig darüber berichtet wird, läßt keinen Zweifel übrig. Als nämlich die Bergleute des Reviers 17 am Tage nach Weihnachten einfuhren, fanden sie eine Strecke völlig zu Bruch gegangen. Alle Merkmale einer Explosion waren vorhanden, namentlich zeigte sich angebranntes Verbau ungsholz und verkokter Kohlenstaub. Die Strecke konnte von den Bergleuten nicht mehr befahren werden. Die„Arbeiter Zeitung" richtete am 20. Dezember schon die Aufforderung an die Bergbehörde, auf„Scharnhorst" nach dem Rechten zu sehen, denn das sähe selbst der Laie ein, daß die Belegschaft in großer Gefahr schwebe. Man weiß nicht,' ob die Bergbehörde diesen Warnungs ruf beachtet hat. Nach den Erfahrungen, die seinerzeit mit dem Grubenbrand auf Zeche„Lukas" bei Dortmund gemacht worden sind, kann man nicht daran glauben. Die Behörde kannte die Mißstände nicht, gab vielmehr der Zechenverwaltung das beste Zeugnis. Und schließlich brach die Katastrophe doch herein, die von der„Arbeiter-Zeitung" vorausgesagt worden war, und der Be- triebsführer, der schon von der Bergbehörde zum königlichen Ein- fahrer auserkoren war, ging an seiner famosen„Hoffnung" mit zugrunde. Oesterreick-vlngarn. Das Rekordparlament. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist das österreichische Abgeordnetenhaus, das in diesem Jahre schon acht M i l i t ä v vorlagen bewilligt hat, noch einmal zusammengetreten, um ein Büdgetprovisorium zu genehmigen. Am Sonnabend dauerte die Sitzung von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr morgens. Ein Rüthens hielt eine fünfstündige Obstruktions rede, um das Ergebnis der seit Jahren geführten polnisch ruthenischen Verhandlungen über die Errichtung einer ruthcni schen Hochschule abzuwarten. Der sozialdemokratische Antrag aus Einstellung der lange schon versprochenen 17 Millionen für die Eisenbahner wurde mit nur 10 Stimmen Mehrheit abgelehnt._ Zündholzsteuer. Die Regierung ist drauf und dran, sich dem schwarz-blauen Bor bild der deutschen Bundesgenossen anzupassen. Die Idee des Zünd- Hölzchenmonopols hat sie aufgegeben und wird dafür alsbald im neuen Jahr eine Zündholz st euer vorschlagen, die jährlich 16—18 Millionen Kronen bringen soll. Die gesamte Zündholz industrie Oesterreichs ist bereits in zwei Gesellschaften mit einem gemeinsamen ZentralverkausSbureau zusammengefaßt. Die Fakturen dieses Bureaus sollen zur Grundlage der Besteuerung genommen werden, wodurch die ErhebungSkosten der Steuer niedrig gehalten werden sollen. ffcmkreid,. Die Präsidentenwahl. Paris, 28. Dezember.(Eig. Ber.) Die Kandidatur P o i n c a r ü s hat dem ganzen Spuk der„republikanischen Kandidatur" ein Ende gemacht. Mag sich die famose„Voll Versammlung" am 15. Januar als mehr oder minder ver stümmcltcr Rumpf präsentieren, jedermann weiß, daß in der ehemaligen Kapelle im Luxembourg ein politischer Leichnam aufgebahrt werden wird. Herr Poincarö hat sich wie immer als fintenreicher und zugleich eleganter Fechter erwiesen.( macht sicher einen guten Eindruck, daß er mit seiner Kandidatrir bis zum Schluß der Parlamentsscssion gelvartet und so anscheinend das Mittel der Couloir-Umtriebe verschmäht hat. Aber eben dadurch scheint seine Kandidatur gewissermaßen vor dem ganzen Land aufgestellt. Sie wird zu einer Art moralischem Plebiszit. Poincarös Aussichten stehen unstreitig gut. Er ist ein guter Sachwalter der bürgerlichen Interessen gewesen, ohne doch zu Brutalitäten und Unanständigkeiten zu greifen, die die Sozialisten zwingen müßten, sich zur Hintertreibung seiner Wahl mit seinen Gegnern in den bürgerlichen Gruppen zu verbinden. In seiner auswärtigen Politik aber vereinigt er geradezu virtuos ein offenbares Bemühen um den Frieden, den heute ja alle Parteien aufrechterhalten wollen, mit einem kräftigen Spiel auf der nationalistischen Gefühlsscite. Er ist Lothringer, mit Betonung dieses Ursprungs, appelliert an die militaristische Stimmung, unterstreicht sein Bekenntnis zur bisherigen Bündnispolitik. Seine Erklärungen über die Levantepolitik beruhigen durch die Aussicht auf eine Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan die Klerikalen, die sein Vorsitz in einem Ministerium mit einem antiklerikalen Schulprogramm hätte argwöhnisch machen können. Anderer- scits scheint er den Radikalen annehmbarer als Ribot, der gegen das Trennungsgesetz gestimmt und als D e s ch a n e l. der sich mit Hilfe der Rechtsparteien in die Höhe gearbeitet hat. Die Hauptsache bleibt freilich, daß er sich als die starke Persönlichkeit darstellt, die das Präsidentenamt nicht blas als einen Auftrag repräsentativer und dekorativer Natur auffassen, sondern als aktiver Faktor in die Politik eingreifen wird. Manche Erfahrungen der letzten Jahre haben die Auffassungen über die Rolle des Präsidenten auch in den entschieden demokratischen Kreisen wesentlich gewandelt. Ein Präsident mit einem festen Programm, besonders in der internationalen Politik und mit einer starken Initiative scheint die notwendige Korrektur der parlamentarischen Anarchie, mit ihren zahl- reichen Ministerkrisen, die Bürgschaft für eine Zielsicherheit und Kontinuität der Politik'zu sein, deren Fehlen im Augen- blick des„Falls von Agadir" und während des, Ministeriums Caillaux-Selves so peinlich gewirkt hat. Als Autoritäten in der auswärtigen Politik werben auch Ribot und Deschanel um die höchste Würde der Republik. Auch sie sind in den innerpolitischen Fragen Gegner des Block- radikalismus der Combeschen Aera. Es ist bezeichnend, daß die beiden bisher aufgetretenen Kandidaten, die den radikalen Gruppen-angehören, neben diesen drei Männern so unbeträcht- ltch erscheinen, daß wohl kein Radikaler an ihre Wahl denken kann, ohne mit einem ivahren Aufruhr der bürgerlichen Massen gegen die Parlamentarier rechnen zu müssen. Für Herrn D u b o st läßt sich auch beim besten Willen nichts ins Feld führen, als daß die Wahl der Senatspräsidenten eine Art Gewohnheitsrecht geworden ist. Herrn P a m s Stärke aber ist sein Portefeuille— nicht das des Acker- baus, sondern ein Wechselportcfcuille, worin die Handschrift vieler Parlamentarier zu finden ist. Der Radikalismus, der in den beiden Kammern noch immer die Mehrheit hat, scheint jetzt von der Präsidenten- wähl ausgeschaltet, nachdem er schon das Ministerpräsidium und den Vorsitz der Deputiertenkammcr verloren hat. Der letzte Ritter der humanitären Intellektuellen. Paul Hyancinthe L o y s o n ruft in den„Drosis de l'homme" verzweifelt, die Republik brauche keinen glänzenden Präsidenten, sondern nur einen Cincinnatus. Aber bei den Radikalen wäre nur ein Erassus zu finden._ Die Konföderation der Vcamtcnorganisationcn, die zusammen über drcimalhunderttausend Mitglieder zählen, hat kürzlich in Paris einen Kongreß abgehalten, auf dem 31 Föde- rationen vertreten waren, u. a. die der Lehrer, der Zollbeamten, der Angestellten der Ministerien usw. Für den Geist, der den Kon- greß beseelte, ist es bezeichnend, daß der bekannte sozialistische Lehrer Glah, der zu den regelmäßigen Mitarbeitern der„Huma- nite" gehört und der in dem Konflikt zwischen der Regierung und den Lehrersyndikaten eine Rolle spielte, zum Vorsitzenden des Kon- grosses gewählt wuvde. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Stellungnahme zu dem„Beamtenstatut", das im Frühjahr der Kammer vorgelegt werden soll. Einstimmig wurde jedes„kollektive Bcamtenstatut" abgelehnt und die Forderung aufgestellt, daß ersteres die Bestimmungen des Vereinsgesctzes von 1884(das die Syndikate legalisierte) auch für die Beamten gelten sollen und daß zur Beratung des„Statuts" eine staatliche Kommission gebildet werden möge, die zur Hälfte aus Parlamentariern und zur Hälfte aus Delegierten der Bcamtenorganisationcn zusammengesetzt würde. Diese Beschlüsse zeigen, daß die Beamten entschlossen sind, den Kampf aufzunehmen, wenn die bürgerliche Mehrheit des Par- laments etwa versuckyin sollte, ihnen dasKoalitionsrecht zu schmälern und ein �besonderes.,Bcamten"recht sür sie zu schaffen. Hua der Partei. Dir Bürgerausschußwahle» in Württemberg finden mit dem 31. Dezember ihren Abschluß. Bis zum 20. De- zember hatte unser Landesparteiorgan über Erfolge in 07 Orten berichtet. Im ganzen waren bis dahin bei den diesjährige« Wahlen 213 sozialdemokratische Bürgcrausschußmitglieder gewählt. Einige werden noch hinzukommen. Bei den letzten Bürger- ausschußwahlcn vor zwei Jahren wurden im ganzen 104 Sozial- demokraten gewählt, diesmal also rund 00 mehr. Diese 00 sind jedoch nur zum Teil neuer Gewinn, da infolge des steten Wachs- tums unserer Vertreterzahl in diesem Jahr mehr Parteigenossen aus den Bürgerausschüssen auszuscheiden hatten als vor zwei Jahren. In einer Reihe von Orten schickt die Sozialdemokratie die ersten Sendboten auf die Rathäuser, in einigen Orten dagegen verfügt die Partei über die Mehrheit im Bürgerausschuß, in zwei Gemeinden besteht sogar der Bürgerausschuß nur aus Sozial- demokraten. In den Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern, in denen die Verhältniswahl gilt, geht selbstverständlich die Partei vollständig selbständig vor. Auch in der Mohrzahl der übrigen Gemeinden, in denen nach dem alten Listenshstem gewählt wird, sind unsere Genossen aus die eigene Kraft angewiesen. Doch sind, besonders in kleineren Gemeinden, die Fälle»och häufig, daß mit irgendeiner lokalen bürgerlichen Vereinigung oder Interessen- gruppe ein gemeinsamer Wahlzettel aufgestellt wird, der dann durch gegenseitige Unterstützung den Sieg gegen die herrschende Rat- Hauspartei davonträgt. Seltener sind schon die Fälle, daß einzelne bürgerliche Parteien sich mit der Sozialdemokratie verbrüdern; doch war zum Entsetzen der nationalliberalen Landesparteileitung in einigen Gemeinden ein Zusammengehen der Nationalliberalen mit der Sozialdemokratie zu beobachten. Die Beweggründe der- artiger Bündnisse sind auf bürgerlicher Seite in den meisten Fällen persönlicher Natur, wie überhaupt bei den Gemcindewahlen das persönliche Moment noch eine große Rolle spielt. Neben dem er- treulichen Voranschreiten der Partei in vielen Gemeinden sind leider auch Mißerfolge zu verzeichnen. Mehrfach blieben unsere Kandidaten wider Erwarten in der Minderheit oder es wurde nicht die Stimmenzahl und die Vertretung erreicht, auf die begründeter- weise gerechnet worden war. Wie bei den Landtagstvahlen, so er- gab sich auch bei den Bürgerausschußwahlen, daß die Parteiwirrnisse ihren nachteiligen Einfluß auf die Entwickclung der Partei aus- üben._ Danksagung. Zu meinem 70. Geburtstage sind mir aus vielen Orten Deutschlands von Vereinen, Freunden und Genossen die herzlichste» Gratulationen zugegangen. Da eS mir nicht möglich ist, jedem Einzelnen brieflich zu danken, spreche ich hierdurch allen Spendern meinen Dank aus. Wilhelm Stolle, M. d. R., Gesau bei Glauchau. Bon der schweizerischen Parteiprcsse. Im Chaux-de-FondL er- scheint seit kurzem die„Sentinelle" als sozialdemokratisches Tageblatt in einer neugegründeten sozialdemokratischen Genossenschafls« druckerei. Die Redaktion besorgen die Genossen Nationalrat Name und Roya, der bisher Redakteur in Auxerrc lFrankreich) war. Die „Sentinelle" ist nun da» zweite sozialdemokratische Tageblatt in der Schweiz. Wir wünschen ihm viel Erfolg I polizeiliches, Gerichtliches ufw. Beleidigung von Arbeitswilligen. Genosse Rauch von der Aittauer„BolkSzeitung"' wurde wegen einer scharfen Kritik von Arbeitswilligen auS dem Ostritzer Samtweberstreik zu 250 M. Geldstrafe verurteilt. Die Arbeilswilligen waren mit Name» aufgeführt, stellten Strafantrag und der Staatsanwalt übernahm die Klage im öffentlichen Interesse. Bei der Strafbemessuiig rechnete man dem Genossen Rauch die als Redakteur erlittenen Vorstrafen als erschwerend an. Daß die Arbeitswilligen sich zumeist aus Elementen rekrutieren, die wegen verschiedener Vergehen schon bestraft sind, hat vermutlich auf das Gericht weniger Einfluß ausgeübt. Ein Nelkenprozeß. Bei einem Gewerkschaftsfest in Hemelingen bei Bremen verkaufte ein Genosse Nelken und stellte auch eine Anzahl Genossen in seinen Dienst. Der Ueberschuß sollte der Partcikasse zufließen. Die Polizei beschlagnahmte deshalb den Ertrag deS Verkaufs und erließ gegen den Genossen ein Strafmandat. Vom Schöffengericht freigesprochen, verurteilte ihn jetzt die Berufungsinstanz zu 10 M. Geldstrafe und bestätigte die Beschlagnahme des Erlöses von 70 M. aus dem Nelkenertrag. Das Urteil soll durch Revision an« gesochten werden._ Eine Haupt- nnd Staatsaktion in Bochum. In Verfolg eines Beschlusses des Amtsgerichts Düsseldorf wurde am Montagabend im sozialdemokratischen Parteisekretariat zu Bochum nach der Broschüre gehaussucht, die von unserem Düffel- dorfer„Rheinischen Bureau" zur Propaganda gegen den Militaris- mus herausgegeben wurde. Es kam dabei zu erregten Auftritten, zunächst well dec Beschluß von dem Beamten nicht vorgezeigt' werden konnke, auf Grund dessen die Haussuchung stattfand. Als nachher einer der Beamten in seinem Eifer die Geschäftsbücher aus einem Schrank herausgriff und sie auf die Erde fallen ließ, sagte" der Parteisekretär, Genosse Scheibe, den Beamten leicht an der Schulter berührend:„Aber Sie sehen doch, daß das Gc- schäftsbücher sind," warauf der Beamte provozierend antwortete: „Berühren Sie mich nicht, sonst mache ich von der Waffe Gc- brauch."— Das Resultat der mit einem Aufgebot von sieben Beamten vorgenommenen Haussuchung waren ganze vier Exemplare der Brojchüre._ Jugendbewegung. Woher der Jungdeutschlaudbund seine Mitglieder bekommt..» Der Vorsitzende deS Schlesischen ProvinzialverbandeS des Jung» deutschlandbundeS. General Freiherr v. Seckendorff. hielt in Nimptsch einen Vortrag, in dem er ausplauderte, auf welche Art der Jung- deutschlandbund in Schlesien zu seinen Mitgliedern gekommen ist. Er sagte: „Der ganze Regierungsbezirk Oppeln und ein Teil des Regierungsbezirks Breslau sind mit den Stadt« und Landkreisen an Jungdeutschland, Provinzialverband Schlesien, angeschlossen. Für den Jahresbeitrag von 100 M. ist erreicht(!) worden, daß sämtliche in den betr. Kreisen befindlichen Jugendpflegevereine, die auf nationalem Boden stehen, als Jungdeutschland angeschlossen gelten.... Dem Jungdeutschlaudbund, Provinzialverband Schlesien, haben sich bisher Vereine in Stärke von 120 000 Köpfen angeschlossen...." Der letzte Satz müßte natürlich heißen: Diese 120 000„Kopfe" sind ohne ihren Willen dem Jungdeutschlandbund mit Haut und Haaren verkauft worden. Der starke Widerspruch vieler Bereinsleiter gegen den Jungdeutschlandbund half ihnen nichts: ob sie wollten oder nicht, sie wurden„Mitglieder" des Jungdeutschlandbundes! Die„Rundschau", das Organ der Nationalvereinigung der evangelischen Jünglingsbündnisse Deutschlands, weiß zu berichten, daß auch im Kreil e Waldenburg i. Schl. der Jungdeutschlandbund ähnlich„agitiert" habe. Das Blatt bemerkt höhnisch: „Wozu diese Kleinkrämerei mit den einzelnen Kreisen? DaS ganze Deutschland soll es doch sein I Schließt doch einfach ganz Deutschlands Jugend dem Jungdeutschlandbunde an, auch besonders die ganze Arbeiterjugend. Da hat mau sie ja ohne Widerrede, und— das Vaterland ist gerettet 1 1' Jungdeutschland, Prosit! Im Interesse der„körperlichen Ertüchtigung" Jungdeutschlands mußte ein Maaenstärkungsmiitet erfunden werden. Und da Schnaps und Hurrapatnotismus sehr häufig in engsten Beziehungen zu ein« ander stehen, ist Jungdeutschlands Name für alle Zeiten mit einem — ff. Kräuterlikör liiert worden. In der hochpatriottschen Berliner Zeitung, dem„Tag", fand sich vor Weihnachten folgend« Anzeige: Weihnachtsgeschenk für Herren Jung-Deutschland feinster Kräuterlikör, appetitanregend, Verdauung befördernd, magenstärkend. gesetzl. geschützt Nr. 17830 preiSgekr. m. gotd. Med. u. Ehrenkreuz. Alleiniger Fabrikant Emil Schükerk, Neuruppin, Weingroßhdlg., Likör- u. Spritfabrik. Wehe der Menschheit, wehe den Fluren und Wäldern, wenn Jungdeutschland mit diesem Trünke im Leibe losgelassen wird l Em Industrie und Kandel. Preiserhöhungen der staatlichen Zechen in Obcrschlestcn. Das für die oberschlcsischcn Kohlcnpreise maßgebliche Handels- bureau der Königl. Bergwcrksdirektion Zabrze erhöhte für daS Jnnengebiet mit Jahresbeginn die Tonnenpreise der kleinen Nuß- kohlen und gewaschenen Nußkohlen um 20 Pf., der Staubkohlen um 30 Pf. und der Erbskohlen, gewaschenen Erbskohlen, Kleinkohlen, gewaschenen Grieskohlen und Rätterkleinkohlen um 50 Pf. Nach der„Bresl. Ztg." erfuhren nach der Mark Brandenburg die Preise der Kleinkohlen, Erbskohlen usw. einen Preisaufschlag von 114 M. und der kleinen Nußkohlen von 50 Pf. Von diesen Preis- erhöhungen der staatlichen Zechen werden gerade Hausbrand» kohlen betroffen. Nach den eigenen Erklärungen des Handels- Ministers betrachte eS der Fiskus als seine Aufgabe, die Interessen der kleinen Konsumenten zu wahren. So begründete er wenigstens den Austritt aus dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat. Die neuen Preiserhöhungen in Oberschlesien sind, dje Probe aufs Exempcl! Gctreidespekulation. Seit Freitag der vergangenen Woche sind an der Berliner Produktenbörse die Getrcidcpreise erheblich gestiegen. Am Frei- tag wurden die Preise sür Roggen um 414 M., für Weizen um 2 M.; am Sonabcnd um 1 bezw. 1% M., am Montag weiter um 14 bezw. 2 M. in die Höhe gesetzt. Es handelt sich dabei bloß um Erhöhungen in Folge von Börsenmanövcrn. Die Händler, die vor- her mit Lieferungszeit Ende Dezember verkauft hatten, mutzten jetzt selbst einkaufen, um ihren Verkaufsbedarf zu decken. Diese „Baissiers" hatten solange mit dem Einkauf gezögert, um niedrigere Preise abzuwarten, und dann am Ende gegen die höheren, früher verabredeten liefern zu können. Die Nachrichten über die Welt- ernten sind entsprechend den Erwartungen der Baissiers als sehr günstige zu bezeichnen. Dennoch sind die Spekulanten ä la baisse in eine Zwangslage geraten, als sie mit ihren Deckungen allzu sehr gezögert haben. Die Haussepartei hat diese Situation aus- genützt. Sie steigerte die Preise, weil die Baissiers kaufen mutz- ten, um ihre Verpflichtungen einhalten zu können. Selbst, als einzelne Mühlen als Verkäufer auf den Markt traten, nahm die Haussepartei die Angebote auf. Besonders die Firma„Berliner Dampfmühle" führte so künstliche Preisheraufsetzungen herbei. Erweiterung des Sicmens-Bcrgmanu-Konzerns. In einer im Januar stattfindenden Ausiichtsratssitzung des Badenbacher Tochterunternehmens der Bergmann A.-G. in Berlin wird, der„Franks. Ztg." zufolge, die Vereinigung des Bodenbachcr Messing- und Kupfcrwalzwerkcs, das einen erheblichen Bestandteil der österreichischen Bergmann-Elektrizilätswerke ausmacht, mit der Wiener Messingwalzfirma Chaudoir u. Co. vorgeschlagen werden. Wenn die Zustimmung erteilt wird, dürste aus den beiden ver- einigten Walzwcrksbetricben eine österreichische Akticngosellschaft mit größerem Kapital gebildet werden, an der der Bergmannkonzern mit größcrem Kapital beteiligt sein wird, entsprechend dem Teile seines Eindringens. Die bisherige elektrotechnische Abteilung des Bodenbacher Unternehmens bleibt bestehen. Diese Erweiterung ist von größter Bedeutung für den S i e m e n s- Sch u ck e r t- K o n- gern, vor dem die Bergmann A.-G., gezwungen durch den Druck der Großbanken, kapitulieren mutzte. Die Neuordnung würde zugleich von Bedeutung für das Oester» reichische Messingsyndikat werden. Das Bodenbachcr Messingwerk soll nämlich während des ersten vollen BetriebsjahrcS im Kampfe gegen das Oestcrreichische Mcsslngsyndikat nicht weniger als ein Drittel des gesamten österreichischen Bedarfes erobert haben und damit dem Syndikat sehr unbequem geworden sein. Durch die Vereinigung mit Chaudoir ist das größte Hemmnis für die Er- Neuerung des bereits aufgekündigten. Syndikats beseitigt. Gewerkfcbaftlicbeö. Die Canfvcrhandlungen im Baugewerbe. Muncheu, 29. Dezember. In den heute unter dem Vorsik des Gcwerbedirektors Dr. Prenner be gonnenen Verhandlungen behufs Abschlusses eines Reichs� tarifvertrages für das deutsche Baugewerbe wurde vor allem beschlossen, daß zu den Verhandlungen nur die bisherigen Vertragsteilc zugelassen werden sollen. Bei der Besprechung der Sache ergab sich folgendes: Sämtliche Vertragsteile stehen grundsätzlich auf dem Standpunkt des Tarifvertrages, den sie als zurzeit zlv eckmäßig st c Form der Regelung der Arbeitsverhältnisse ansehen. Sämtliche Parteien wünschen auch unter Ausschaltung eines Kampfes wiederum zu einem Tarifvertragsabschluß zu gelangen. Allseits besteht indes die Auffassung, daß der bisherige Vertrag im Vollzuge eine Reihe von Mängeln gezeigt hat. die in einen: zukünftigen Vertrage behoben werden sollen. So soll insbesondere größere Klarheit über die Akkordarbeit, über den Arbeitsnachlveis, über den persönlichen und sachlichen Geltungsbereich des Vertrages, sowie über die tariflichen Instanzen geschaffen iverden. Von feiten der Arbeiterverbände wird als prin- zipielle Forderung eine Erklärung des Arbeitgeberbundes verlangt, daß eine, allgemeine Lohnerhöhung garantiert wird, das heißt, es sollen die Bezirks- bezw. örtlichen Verbände angewiesen werden, über Lohnerhöhungen zu verhandeln und eine solche zu bewilligen. Sodann sollen die Hemmungen gegenüber dem Verlangen der Arbeiter- organisationen auf Verkürzung der Arbeitszeit unter gleich- zeitiger Gewährung eines Lohnausgleiches beseitigt werden. Ferner sollen vorerst örtliche Verhandlungen über Löhne und Arbeitszeit stattfinden und soll erst danach in die Beratung und Festlegung des Hauptvertrages und des Vertragsmusters eingetreten werden. Demgegenüber erklärten die Vertreter des Ar- beitgeberbundes Folgendes: „Sollten sich die Bezirksverbände des Arbeitgeberbundes mit den Bezirlsvertretungen der Arbeitnehmerorganisationen auf ort- liche Lohnerhöhungen einigen, so loill die Bundesleitung dem nicht entgegenstehen. Der Arbeitgeberbund ist jedoch nicht in der Lage, die verlangte Garantie für eine a l l- gemeine Lohnerhöhung zu übernehme», kann auch keine allgemeine Anweisung auf Lohnerhöhung geben. Um Berhandlungen in den Bezirken überhaupt., zu ermöglichen, hält es der Arbeitgeberbund für unerläßlich, daß der Haupt- vertrag ausschließlich des Bertragsniusters zwischen den Zentralverbänden vorher festgestellt wird. Sollten sich der Vereinbarung des Hauptvertrages und des Vertragsinusters unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellen, so ist der Arbeit- geberbund bereit, den jetzigen Vertrag bis zum S1. März 1916 unverändert zu verlängern." Ferner wird vont Arbeitgeberbund die Einbeziehung der Betonarbciter in den Tarifvertrag gefordert, wozu die Arbeiter- verbände keine endgültige Stellung einnehmen können. Sämtliche Parteien halten an dies«n ihren Erklärungen fest. Die Vertreter der Arbeiterverbände erklären schließlich, daß sie auf Weitere Verhandlungen über den gesamten In- halt des Hauptvertrages und des Vertragsmusters noch nicht vorbereitet seien und daher hierüber heute nicht verhandeln können- Hierauf wurden die Verhandlungen in allseitigem Einverständnis auf den 21. bezw. 22. Januar 1913 vertagt. Die Verhandlung soll in Berlin wiederum unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Prenner stattfinden. Berlin und Umgegend. Unterm gelben Banner! Die Direktion der Siemeus-Werke hat„allerguädigst geruht", ihren gelben Lieblingen eine Wohltat zu erweisen. Im Frühjahr 1912 gab sie bei der Firma Rudolph Hertzog ein Bauner in Auf- trag, das dein gelben Verein für treue Dienste alsJSeschenk überwiesen werden sollte. Eine Baunerweihe großen Stils sollte an- läßlich des Sommerfestes des gelben Vereins im„Carlshof" statt- finden. Infolge eines Konfliktes zwischen den gelbe» Brüdern des Werncrwerks und denen der anderen Siemens-Betriebe fand am gleichen Tage ein zweites Sommerfest im Spandauer Bock statt. Um sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben und zweimal eine Bannerweihe vorzunehmen, sah sich der gelbe Vorstand ver- anlaßt, der Direktion alleruntertänigst die Bitte zu unterbreiten, vorläufig auf die Baniierweihe verzichten zu wollen. Nun ruht das„äußere Zeichen größten Wohlwollens" seit Monaten im gelben Zentrulbureau am Nohrdamnt.21, und der erste Vorsitzende und der Geschäftsführer des gelben Vereins sind treue Hüter des Schatzes, aber sind auch gern bereit, neugierigen Augen, deren Be- sitzer sich durch die gelbe Legitimation ausweisen können, das Banner zu zeigen. Das eifrige Bemühen der Obergelben, das Banner beim Stiftungsfest im Herbst zu weihen, war auch vom Mißerfolg begleitet. Am LS. Januar 1913 soll nun der große Moment gekommen sein, in welchem der staunenden Mitwelt die Komödie vorgeführt wird. Die Obergelben werden die Gelegenheit wahrnehmen, um ihre Lobsprüche auf die Direktion zu halten und die gelben Herzen werden entzückt sein, wenn sich eine der leiten- den Personen der Siemens-Werke herbeiläßt, Worte der An- erkennuiig für den gelben Verein zu spenden. In den Siemens-Werken ist es seit Bestehen des gelben Ver- eins üblich, bei jeder Gelegenheit eine Bettelei zu veranstalten. Nicht allein, daß den gelben Mitgliedern widerrechtlich die Beiträge vom Lohn in Abzug gebracht werden, wird nun auch versucht, jedem einen Obulus für die Bannerweihe abzuzwacken. In allen Werken und Abteilungen zirkulieren mit Genehmigung der Direktion Sammellisten für die Bannerwcihc. Man fragt unwillkürlich: Hat die Direktion durch die in letzter Zeit massenhaft erfolgten Akkord- abzöge nicht soviel Profit eingeheimst, um die Kosten der Banner- weihe aus ihrem Säckel decken zu können. Das gelbe Banner ist das Zeichen der Schande, der Recht» losigkeit und Ausbeutung. Zu seiner Enthüllung beizutragen, zwingt man die unter diesem Banner niedergehaltene Arbeiter- schaft. Alle in den Siemens-Werken tätigen freidenkenden Arbeiter und Arbeiterinnen werden es desto mehr als ihre Ehrenpflicht be- trachten, unaufhörlich an der Aufklärung der noch indifferenten Arbeiterichgft mitzuarbeiten._ Achtung, Fliesenleger und Fliesenlegerhilfsarbciter! Die dem Verbände der Fliescngeschäfte Groß-Berlins angehörenden Firmen haben bei der letzten Lohnzahlung am Sonnabend, den 28. Dezem ber 1912, also noch vor Alllauf des geltenden Tarifvertrages, den bei ihnen beschäftigten Fliesenlegern und Hilfsarbeitern eine Ar- beitsordnung zur Unterschrfft vorgelegt. Da die Arbeitsordnung ganz wesentliche Verschlechterungen gegen den bisher geltenden Tarifvertrag enthält, erwarten wir von allen Fliesenlegern und Hilfsarbeitern, daß sie die Unterschrift verweigern. Ferner ist es Ehrenpflicht aller FlieseuleMr und Hilfsarbeiter die bisher geltenden Arbeitsbedingungen aufrecht zu erhalten. Alles weitere wird eine am Sonntag, den 5. Januar 1913, in den Koronasälen, Kommandantenstr. 72, stattfindende Ver- sammlung beschließen. Etwa sich ergebende Differenzen find' durch die Geschäftsdeputierten am Sonnabendabend von 6— 8 Uhr im Arbeitsnachweis, Markgrafcnstraße 88, bei Löhrich, zu melden. Tie Arbeitnehmerbeisitzer der Schlichtungskommission fiir das Fliesenlegergewerbe. Deutsches Reich. Die Lohnbewegung in der Binnenschiffahrt. Am 28. und 29. Dezember fanden in Berlin zwischen dem Arbeitgeberverband für Binnenschiffahrt, dem Transportarbeiter- verband und dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer erneut Verhandlungen statt. Bekanntlich ist die am 4. Dezember er. in den ersten Verhandlungen von der Arbeiterorganisation abgegebene Erklärung, nach welcher eine Nacht- und Sonntagsruhe abgelehnt. hingegen eine mäßige Lohnerhöhung in Aussicht gestellt wurde, von den Arbeiterorganisationen abgelehnt worden. Am ersten Verhandlungstage, am 28. Dezentber, erklärte der Arbeitgeberverband, daß die Arbeitgeber bereit seien, eine gemein- same Kommission mit den Arbeitgebern zu bilden, um durch diese Kommission feststellen zu lassen, in welchen Betrieben die schwersten Mißstände in Punkts Arbeitszeit vorhanden sind. Diese von den Unternehmern geplanten neuen Erhebungen über die Dauer der bestehenden Arbeitszeit sollten sich auf das kommende Jahr 1913 erstrecken.'Die beiden Arbeitnehmerverbände erklärten daraufhin, daß sie nach wie vor prinzipiell den Standpunkt ver- treten, daß die Gewährung einer Nacht- und Sonntagsruhe möglich und durchführbar ist. Der Transportarbeiterverband hielt den neuen Vorschlag der Arbeitgeber für unzweckmäßig und lehnte ihn ab. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer erklärte sich dazu bereit, jedoch mit dem Unterschiede, daß sich die neuen Erhebungen auf Arbeits- und Fahrzeiten im verflossenen Jahre 1912 erstrecken und bis zum 1. März 1913 beendet sein sollten. Die Verhandlungen wurden sodann aus den 29. Dezember vertagt. Am zweiten Verhandlungstage unterbreitete der Arbeitgeber- verband den Arbeitnehmerorganisationen eine zweite Erklärung mit folgendem Wortlaut: Der Arbeitgeberverband für Binnenschiffahrt und verloandter Gewerbe schlägt eine Verlängerung der bestehenden Vereinbarung auf drei Jahre vor unter nachstehenden Bedingungen: Die Löhne werden um 5 M. pro Monat erhöht. Um über die behaupteten Mißstände bezüglich der Arbeitsdauer unparteiisch Klarheit zu er- halten, soll nachstehendes Verfahren eingeschlagen werden. Es wird eine von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichmäßig beschickte Kommission mit einem unparteiischen Borsitzenden eingesetzt, die auf dem Wege statistischer Erhebungen Feststellungen über die Beschästi- gungs« und Ruhezeiten während �er Fahrt der Schiffe machen soll. Zu diesem Zweck sollen für jedes Schiff fortlaufend buchmäßige Ein- tragungen vorgenommen werden, die der Kommission in be- stimmten Zeitabschnitten zur Begutachtung vorzulegen sind. Diese Erhebungen sollen für das ganze Jahr 1913 stattfinden. Ende 1913 soll aus Grund der Ergebnisse der statistischen Erhebungen eine feste, den Betriebsverhältnissen der einzelnen Stromgebiete angepaßte Regelung der Arbeitszeiten vorgenommen werden. Sollten schon früher von der Kommission Mißstände als all- gemein vorhanden festgestellt werden, so verpflichten sich die be- treffenden Arbeitgeber, sofort Abhilfe zu schaffen. Die Arbeit- geber erklären sich bereit, die Wünsche bezüglich der Uederstunden, Reisevergütung und Effektenversichcrung gruppenweise zu regeln. Die Arbeitgeber verlangen bis Mittwoch, den 1ö. Jamiar 1913, eine Erklärung der Arbcitnehmerorganisationen über ihre Stellung- nähme zu diesen Vorschlägen. Die Entscheidungen darüber werden die Mitglieder bezw. in letzter Linie die Schiffahrtskonferenzen der beiden Verbände treffen. Der Transportarbeiterverband glaubt dieses bis zum IS. Januar bewerkstelligen zu können, während der Zentralverband der Maschinisten und Heizer erklärte, daß seine Konferenz bereits auf den 26. und 27. Januar festgesetzt ist und daher eine entscheidende Antwort bis zu diesem Termin vertagt werden muß._ Die Komödie im Saarrevier. Am Sonntagnachmittag tagte in Saarbrücken eine Revier- konsereriz des christlichen Berga rbeiterverdandes, um über einen endgültigen Beschluß im Bergmannsstreik zu beraten. Erschienen waren dazu auch von der Zentrale der christlichen Gewerkschaft der Abg. G i e s b e r t s und der Generalsekretär der christlichen Ge- werkschaft Steger wald. Die Avbeiterdelegierten, etwa 400 an der Zahl, waren zum größten Teil für den Streik, aber die Ge- Werkschaftsführer, vor allein Giesbcrts und Stegerwald, erklärten sich gegen den Streik. Die ganze Versammlung verlief resultatlos. Man beschloß, die Konferenz am Montagvormittag weiter tagen zu lassen und erst dann einen endgültigen Beschluß zu fassen. Am Montagvormittag 9 Uhr wurden die Gewerkschaftsführer Jmbusch und Giesberts vom Vorsitzenden der Bergwerks- direktion zu einer Besprechung empfangen. Die darauf zusammentretende Rcvierkonserenz der christlichen Gewerkschaften hat nach 41-stündiger, teilweise sehr- erregter De- batte die am Sonntag vorgelegte, einen Streik vermeidende Reso- lution des christlichen-Gewerkschaftsvorstandes angenommen. Gegen die Resolution stimmten etwa 199 Delegierte von einer Ge- samtdelegiertenzahl von 359. Die Resolution fand somi« eine große Mehrheit. Dadurch ist die Streika nkün digung im Bergwerksgöbiet der Saar, die am 2. Januar in Kraft treten sollte, wieder auf- gehoben. Die Resolution spricht aber nicht von einer Aufhebung des Streikbeschlusses, sondern von einem Waffenstillstand, um zunächst abzuwarten, ob die Bergwerksdirektion ihre Ver- sprechungen wegen weiterer Lohnerhöhungen auch ausführen werde. Beschlossen wurde laut Resolution, eine zwölfglivdrige Kommission einzusetzen, die darüber zu wachen hat, ob die Versprechungen erfüllt werden und ob den Arbeitern günstige Regulierung der Schichtcnlöhnc zugebilligt werden wird. Weiter sollen Unter- suchungen über Lohnunterschiode in den einzelnen Inspektionen an- gestellt und ferner festgestellt wevden,>ob mit Rücksicht auf die Ver- kürzung der Schleppcrzcit Gedingerhöhungen vorgenommen werden. Die Konferenz erwartet, daß in Zukunft Abändernngen oder Er- gänzungen der Arbeitsordnung»mindestens 4 Wochen vorher den Ausschußmitgliedern zugestellt werden und daß diesen Mitgliedern Gelegenheit gegeben wird, Gegenvorschläge zu machen. Der Bericht der Kommiffion dürste in vier bis fünf Wochen zu erwarten sein. Alsdann hätte formell eine weitere Revierkonfcrenz über das weiter einzuschlagende Verhalten zu bcfchließen. In Wirklichkeit hat das Verhalten der christlichen GewerkvereinSleitung und der dadurch herbeigeführte..Waffenstillstands"beschluß der Be- wegung den Hals gebrochen. Es wird kaum möglich sein, nach Wochen noch die für einen wirklichen Kampf notwendige Einheitlich- kcit und Geschloffenheil unter den Arbeitern wieder herbeizuführen, selbst wenn der Bericht der Kommiffion ergibt, daß die den Arbeitern gemachten Versprechungen nicht voll erfüllt sind. Soweit die Empörung der christlichen Arbeiter wirklich vorhanden und echt war, dürfte sie sich nach diesem Ausfall der Bewegung nunmehr gegen die Leitung des Gewerkvereins wenden. Tarifbewcgung im Hamburger Baugewerbe. Auf Veranlassung des Baugewerbeverbaydes tagte in Hamburg eine Sitzung, zu der die Organisationsvertreter äller Berufe, die in irgendeiner Verbindung mit dem Baugewerbe stehen, eine Ein- ladung erhalten hatten, z. B. Maurer, Hilfsarbeiter, Metallarbeiter, Kutscher, Zimmerer usw. Den Arveitervertretern wurde von den Unternehmern die Ab- ficht bekanntgegeben, einen Kollektivvertrag gegenseitig abzu ' schließen, der für den et'tizccknen Beruf wohl verschiedene SSfme bor- sehen soll, sonst aber gleichlautende Bestimmungen— wie solche jetzt zwischen den Zentralvorständen der Unternehmer- und Arbeiter- organisationen abgeschloffen würden— haben müßte. Um diesen Plan zu vcrvollikändigen, müßten die Arbeiterorganisationen unter sich eine neue Körperschaft bilden, die alle Organisationen vertritt, ähnlich wie solche durch den Baugewerbeverband dargestellt wird. Diese beiden Körperschaften, der Baugewerbeverband zu Hamburg einerseits und der neu zu bildende Tarifausschutz der Arbeiter- organisationen, sollen dann als Veriragskontrahenten gelten. Tie Arbeitcrvertreter erklärten, vorläufig nicht in der Lage zu fein, eine bindende Erklärung abgeben zu können, aber voraussichtlich würden sich bem Wunsche des Arbeitgeberverbandes unübenvindliche Schwierigkeiten entgegenstellen. Der Vertreter des Bauarbeiter- Verbandes erklärte den Unternehmern, daß letztere sich daraus gefaßt machen sollten, daß die Mitglieder seiner Organisation eine kürzere Arbeitszeit und Lohnerhöhung nach dem 31. März 1913 fordern würden. Znslsmd. Ein Urteil des Klaffenhasses. Rom, den 28. Dezember 1912.(Eig. Ber.) Nach dreißigmonatlicher Untersuchungshaft ist soeben von den Geschworenen von Ravenna über 8 organisierte landwirtschaftliche Tagelöhner der Wahlspruch gefällt worden als über angebliche Mit- schuldige an dem Totschlag von Voltana. Die der Anklage zu- gründe liegende Tatsache hat sich in der Zeit der Agrarunru'hen in der Romagna abgespielt. Damals war der Konflikt wegen der Dreschmaschinen auf seinem Höhepunkt. Die Halbpartner wollten diese Maschinen selbst bedienen.während die Tagelöhner diese Ar- beit ihrer eigenen Organisation vorzubehalten suchten. Eines Tages kam einigen 399 Tagelöhnern die unglückliche Idee, eine Demonstration gegen die Halbpartner vorzunebmen, die auf einem Felde arbeiteten. Da sich diese einer großen Ueberzahl gegenüber- sahen, machten sie von ihren Waffen Gebrauch und verwundeten fünf Tagelöhner; ein Halbpartner wurde durch Verletzungen mit einer Hacke getötet. Gleich nachher nahm man, wie das in solchen Fällen Mode ist, teils blindlings, teils politisch allzu hellsehend, eine Unzahl von Verhaftungen vor, die zu zahlreichen Berurtei- lungen wegen Bedrohung und wegen Vergehens gegen die Freiheit der Arbeit führten. Für acht der Verhafteten, lauter sozialistische Tagelöhner, wurden die Akten an das Geschworenengericht ab- getreten, vor dem sie sich wegen Totschlags zu verantworten hatten. Ter Prozeß brachte, wie alle ähnlichen Verhandlungen, die die Schuldigen einer Massenaktion feststellen wollen, so gut wie gar kein Beweismaterial gegen die Angeklagten. Es konnte nicht ein- mal für alle nachgewiesen werden, ob sie sich überhaupt an der unglücklichen Demonstration beteiligt hatten. Allein der Zeitraum von 39 Monaten, der seit der Tat vergangen war, genügte, um den Aussagen jeden Wert zu nehmen. Trotzdem sprachen die Ge- schworcncn sieben Angeklagte des Totschlags und der Körperver- letzung mit tödlichem Ausgange schuldig, worauf das Gericht sie zu Strafen von 8 bis 15 Jahren Zuchthaus verurteilte. Alles in allem wurden 67 Jahre Zuchthaus verhängt, ohne daß irgendein ernster, geschweige denn ein zwingender Anhalt dafür besteht, daß die Verurteilten an dem Tode des Halbpartners schuld trugen! Die Geschworenen haben sich daran genügen laffen, daß sie sozia- listische Tagelöhner vor sich hatten, denen es auf alle Fälle nicht schaden konnte, Btenn man ein Exempel an ihnen statuierte! letzte Nachrichten. Keine Aussicht auf Einigung der Fricdensdelegierte». London, 39. Dezember.(W. T. B.) Vertreter des , Reuterscheit Bureaus" hatten heute abend Unterredungen mit den Friedcnsdelegiertcn der Balkanstaaten und der Türkei. Nach Aeußerungen der Delegierten der Balkanstaaten erklärte R c s ch i d Pascha, daß nach Ansicht der Pforte d i e R! ehr zahl der in Beratung st ehe n den Fragen den Mächten unterbreitet werden müßte außer der Frage der türkisch-bulgarischen Grenze, die zwischen der Türkei und Bulgarien geregelt werden müsse. Tie türki- scheu Delegierten erklärten, ihre neuen Vorschläge seien wichtig, wenn auch nicht vollständig. Ter Thnamitprozcß von Indianapolis. New Aurk, 39. Dezentber.(P. C.) In dem Riesen. Dhnamiwerschwörungsprozeß, der drei Monate gedauert hat, und in welchem am letzten Sonnabend 38 von 49 Angeklagten schuldig befunden wurden, ist heute, nachd e m ein Antrag der An- geklagten, die Anklage zur nochmaligen Ver- Handlung vor die„Großgeschworenen"(Grand Jury) zurückzuverweisen, vom Gericht abge- lehnt worden war, folgendes Urteil gefällt worden: 23 Angeklagte, darunter der Präsident der Gewerkschaft, Frank Ryan, erhielten sieben Jahre Gefängnis, acht andere, darunter zwei Vizepräsidenten der Getverkschaft, 6 Jahre, die übrigen vier bis 1 Jahr Gefängnis. Aus juristischen Gründen lnar der Antrag auf Verurteilung wegen Transports von Dynamit in Personenzügen gestellt worden, weil darauf eine strengere Strafe steht als auf cin versuchtes Tynamitattentat. Das schwere Urteil erregt außerordentlich großes Auf- sehen, da der verurteilte Präsident und die Vizepräsidenten der Gewerkschaft sowie auch die übrigen stilugeklagten nicht nur in den Kreisen der Arbeiterschaft großes Ansehen genossen. Schweres Eisenbahnunglück. München, 39. Dezember.(W. T. B.) In der Station Bruck- berg bei Moosburg hat sich heute abend ein schwerer Eisenbahn- Unfall ereignet. Der Personenzug 1916, der um 6 Uhr 17 Minuten von Landshut nach München abgeht, wurde in der Station Bruck- berg zurückgehalten, um den Berliner Luxuszug, der auf seiner Fahrt nach München Landshut um 6 Uhr 23 Minuten verläßt, passieren zu lassen. Mehrere Passagiere des Personenzuges stiegen vorzeitig aus und wurden von dem gerade passierenden Schnellzuge erfaßt. Drei Personen wurden ge- tötet und eine schwer verletzt. Unter den Toten soll sich eine Restaurateursgattin und ihre 12jährige Tochter aus Bruck- berg beftnden. Ueber die Personalien der beiden anderen Vcrun- glückten ist noch nichts Sicheres bekannt. Explosivuskataftrophe. Petersburg, 39. Dezember.(W. T. B.) In einer in der Vor- stadt O ch t a gelegenen Sprengstoffabrik erfolgte heute nachmittag aus unbekannter Ursache eine Explosion von Knallsubstanz. Das Gebäude wurde teilweise zerstört z drei Personen wurden getötet, 9 schwer und 42 leicht verletzt. Ein Riesenstreik in New Alnrk. New Jork, 39. Dezember.(W. T. B.) Hunderttausend Gewandarbeiter, die zu den schlechtcst bezahlten Arbeitern der Stadt gehören, sind in den Ausstand getreten, um höhere Löhne durch- zusetzen. Es kam, besonders im Stadtteil Williamsburgh, zu Un- ruhen. Lerantw. Redakt.: Älsred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Td-Glockc, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchtr. u. Vertagsanftalt KaulSingeraCo.,BerlinL�V. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaftungSbl. 1. 304. 29. n.» 1. Aeilllge des„AllMlilts" Kttlilltl Wllisdlllft. snmbtt'S's. üiir Lage der Kleinbauern und lsnd wirtickaillichen klrbeiter. II. Ncntcnquetschcn. Fchlc» von Unfallvcrhütungsvorrichtungen. Revisionen. Es ist kein Geheimnis mehr, daß die meisten Berufsgcnosscir- schaften ihre„Rentcnlast" künstlich zu drücken suchen. Nicht etwa durch Uebcrnahme rechtzeitiger und geeigneter Heilverfahren, son- dcrn durch umfangreiche allgemeine Rententontrollen— Nachuntcr. suchungcn der Verletzten. Der Erfolg der Berufsgenossenschaften wurde auch in diesem Punkte wesentlich gefördert, seitdem das Reichsversicherungsamt den alten Grundsatz von den Dauerrenten beseitigte und zuläßt, daß jetzt auch Renten ermäßigt und aufge- hoben werden können, die einstmals durch Urteil oder Vergleich ausdrücklich als sogenannte„Dauerrenten" gewährt wurden. Natür- lich machen die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften davon den ausgiebigsten Gebrauch und Nentenkontrollen finden überall statt. Der Erfolg dieser„Kontrollen" ist Herabsetzung oder völlige Auf- Hebung der Renten und außerordentliche„Ersparnis" an Aufwen- düngen. Hierüber berichten frohlockend insbesondere„Baden", „Ostpreußen".„Hessen-Nassau",„Pfalz",„Rheinland",„Schleswig- Holstein",„Schwaben-Neuburg",„Oberpfalz",„Westfalen",„Ober- bayern",„Ober°EIsaß",„Westpreußen". Leider ist aus den Be- richten nicht zu entnehmen, daß in der Tat eine Besserung in der Erwerbssähigkeit des durch„Revision" um seine Rente gekürzten Zlleinbauern oder Landarbeiters tatsächlich stattgefunden hat. Viel- mehr zeigen schon die Berichte selbst, daß es sich in recht vielen Fällen lediglich um ein Gesundschreiben handelt. Das zeigt die Hervorhebung, die Unfallverletzten hätten sich an ihren Zustand „gewöhnt" und die Mitteilung, daß auch Dauerrcnten, die teilweise schon länger als 14 Jahre gezahlt wurden, infolge der„Revision" gestrichen oder erheblich herabgesetzt wurden. Mit diesem Ergebnis der Berichte stimmen die lebhaften Klagen aus dem Kreise der Unfallverletzten und die unbestreitbare Tatsache überein, daß ein erheblicher Teil der so erwerbsfähig Geschriebenen auf Unter- stützungen aus Armenfonds angewiesen sind. Ein Sturm der Eni- rüstung würde sich bei der Bourgeoisie erheben, wenn ein gleich ungerechtes, einseitiges, auf Beseitigung oder Kürzung von Unfall- renten abzielendes Verfahren auch etwa bei Eisenbahnverletzten platzgriffe. In keinem Lande der Welt haben die am Unfall Schul- digen ein ähnliches schwächliches, habgieriges Verfahren gegen die Opfer der Unfälle durchzuführen vermocht. Fast noch krasser als auf dem Gebiete der Rentenquetscherei geigt sich die Rücksichtslosigkeit landwirtschaftlicher Berufsgenossen- schaften gegen Leben und Gesundheit der sich schwer abrackernden Kleinbauern und Landarbeiter auf dem Gebiete der Verhütung von Unfällen. Bekanntlich haben es die Junker bei Beratung der Ncichsvcrsicherungsordnung durchgesetzt, daß die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften nicht verpflichtet werden können, Unfallver- Isiitungsvorschriften zu erlassen oder technische Aufstchtsbeamte anzu- stellen. Sehr geschickt benutzt dies die Berufsgenossenschaft„Ober- t!lsaß" im Bericht wie folgt: „Seit der im Jahre 1909 durch die Vertrauensmänner erst- malig durchgeführten Betriebsrevisionen hat der�Vorstand die weitere Durchführung der Unfallverhütung vollständig auf sich beruhen lassen. Zu einem Schreiben des Reichsversickerungs- anites vom 5. Juli I 9144 betr. die Ueberwachung der Betriebe und die Anstellung eines technischen Aufsichtsbeamten sprach sich die Genossenschaftsversammlung folgendermaßen aus:„Mit Rück- ficht auf die Erfahrungen, die im Unter-Elsaß und in Lothringen in betreff der Durchführung der Unfallverhütung gemacht worden find, speziell der zahlreichen Ordnungsstrafen, die verlangt wer- den mußten und eine allgemeine Entrüstung gegen die Berufs- genoffenfchaft und deren Organe zur Folge hatten, ohne sonst wirksam zu fruchten, spricht sich die Versammlung energisch gegen die Anstellung eines technischen Aufsichtebeamten aus. Die Versammlung kann sich um so weniger von der Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Anstellung eines solchen Beamten überzeugen, alS in der Reichsversicherungsordnung es den Landwirtschaftlichen Berufsgcnossenschaften nicht mehr zur zwingenden Pflicht gemacht ist, Unfallvcrhütungsvorschriftc» zu erlassen und technische Auf- fichtsbeamte anzustellen." Präsident Kauffmann vom Rcichsversicherungsamt wird dieses Schreiben nicht mit Behagen gelesen haben, welches mit zynischer Offenheit die Mängel'des neuen Gesetzes ausnutzte. Lieber keinen Unfallschutz, lieber Tausende von Krüppeln mehr, die bei der kargen Rente hungern müssen, als die„allgemeine Entrüstung" der Land- Wirte ertragen, deren Betriebe keine Musterbetriebe sind, denn sonst Silvesterglocken. „Die Toten beklage ich— Die Lebenden rufe ich!—• In die Winternacht hallen zwölfe dumpfe Schläge, dann ein schwellendes Klingen, ein mächtiger Reigen feierlicher Töne: Silvesterglocken I Dröhnend und zitternd, klagend und jubilierend schwingen die Stimmen in den Lüften. Unsagbares Leid sollen sie begraben, hoffenden Zukunftsglauben neu erwecken. Wie Stimmen aus der Unendlichkeit dringen die Töne an das Ohr: Alles Irdische ist vergänglich, aber ständig erneuert sich das Leben! Und sehnend schlägt das Herz dem neuen Leben entgegen. Aber wie mit eisernen Banden klammert sich die Vergangenheit an uns und läßt uns nicht frei ausschreiten in das lichtvolle Land. das wir im Geiste schauen. Wohl klingen die Glocken und rufen zu neuem Leben, aber in finsterer Zelle sitzt der Gefangene des Gewesenen und rüttelt ver- gebens an der Pforte der Freiheit. Es umringen ihn all die Dämonen seiner Vergangenheit: Ar- mut und Elend, falsche Erziehung, vererbte Vorurteile und Kränk- heite». Egoismus und Laster, und verzweifelnd sinkt der Mensch zusammen. Toter Silvester! Und toten Silvester feiern auch alle die, die in der allgemeinen Rot nur die eigene Reitung suchen. Von jedem neuen Jahr er- warten sie, daß es ihren alten eng-persönlichen Wünschen gerecht werde. Sie wollen ein anderes Jahr, ohne sich selbst zu ändern, Und doch wird nur der einen fröhlichen lebendigen Silvester feiern, der immer bereit ist. sein hentiges Ich gegen ein besseres Selbst von morgen einzutauschen. Was wäre der einzelne ohne den innigen Zusammenhang mit dem großen Weltpro zeß des Kulturwerdens � Ein verwehtes Blatt, ein enlivuczeller Baum I Und besäße er alle Reichtümer der Erde und badete er sich in den Genüssen aller Zeiten und Zonen, er wäre ein Torer. wäre sein Herz nicht ein Durchgangspunkt der großen gemeinsamen Kulturwelle. „Die Toten beklage ich I" tönt die Silvesterglocke. Taufende erschauern unter ihrem Klange. Ein elendes, unfrucht- bares Leben trotz äußeren Glanzes läßt ihnen das Leben überhaupt wertlos erscheinen und im schmerzlichen Taumel dcS Genusses wird Silvester durchtobt. Aber aus den Tiefen dringen durch das Gewirr der Töne jubilierende Klänge hinauf zur Lebensbejahung und Lebensfreude. In den Tiefen wird das Leben neugeboren. Schon keimt die neue Welt im Schöße der alten. Millionen Herzen schlagen ihr entgegen und Millionen Kräfte stellen sich in ihren Dienst.. konnten doch nicht„zahlreiche Ordnungsstrafen" verhängt werden. Wie notwendig aber gerade die Unfallverhütung in der Landwirt- schaft ist, gibt uns jeder Bericht kund, welcher von der Tätigkeit der Aufsichtsbcamten spricht. Der Aufsichtsbeamte der„Pfalz" berichtet:„Die Zahl der in den 4419 erstmals besichtigten Hauptbetrieben konstatierten Bean- standungril beträgt 241R>.... In den 1305 nachbesichtigten Betrieben betrug die Zahl der Beanstandungen 3189.... In 348 Be- trieben waren Beanstandungen nicht zu erheben." Der Aufsichtsbeamte von„Reutz j. L." führt in seinem Extra- bericht alle vorgefundenen Mängel aus 44 Ortschaften mit 1535 revidierten Betrieben an. Er stellte allein 8302 Mängel und Ver- stöße gegen die Unfallverhütungsborschriften fest, darunter allein 1115 Treppen ohne Geländer, 705 Mängel an Futterschneide- Maschinen, 208 an Dreschmaschinen usw. Von 1535 revidierten Betrieben wurden im ganzen 41 Betriebe angetroffen, wo nichts zu bemängeln war. Im Berichte„Obcrpfalz" finden wir die Rubrik, daß in den 2209 revidierten Betrieben 11028 Mängel vorgefunden wurden. Desgleichen meldet„Oberbayern":„Im Jahre 1911 wurden in 138 Gemeinden 4703 Hauptbetriebe und 02 Nebenbctriebe besichtigt. Bei den Hauptbetrieben ergaben sich 42 112 und bei den Nebenbetrieben 139 Mängel, die zu beanstanden waren." Die Unfallverhütung liegt auch in„Provinz Sachsen" sehr im argen, denn der Bericht vermerkt: „Von den 8747 Betrieben, welche einer ersten Revision unter zogen worden sind, entsprachen 11 den Unfallverhiitungsvor- schriften, während von den zur ersten Nachkontrolle gekommenen 5750 Betrieben 1718 in Ordnung waren. Bei den Nachkontrollen des technischen Aufsichtsbeamten Sourell in Gemeinden der Kreise Merseburg. Zeitz Land, Wcißenfels Land, Erfurt Land, Ouerfurt und Bitterfeld handelt es sich um die Ausführung der zweiten und dritten, teilweise sogar der vierten Nachkontrolle. Eine größere Anzahl Betriebe lag in solchen Gemeinden, deren Vorsteher die Bornahme der zweiten Nachkontrolle aus Rücksichten auf ihren Gesundheits- zustand oder aus anderen Gründen abgelehnt hatten, bczw. welche nach ihrem Verhalten bei der Revision und ersten Nach- kontrolle für die selbständige Vornahme der zweiten Nachkontrolle nicht geeignet erschienen. Die übrigen Betriebe waren solche, deren Unternehmer die Abstellung der gerügten Mängel unter dem Vorwande ablehnten, daß sich die geforderten Schutzvor- richtungen nicht anbringen ließen." Auch in„Schwaben-Neuburg" versagten die Bürgermeister in puncto Durchführung der Unfallverhütung. Im Schlußwort heißt es u. a.: Summe der Mängel: an baulichen Einrichtungen 18 445, Summe der Mängel im ganzen 38 012, Summe der revidierten Be- triebe 4834, Mängel auf 1 Betrieb 8,0. Nette Zustände im lieben Bayernlande! Dabei meldet auch dieser Bericht:„Die Verwendung von Elektromotoren zum An- triebe landwirtschaftlicher Maschinen nimmt im Genossenschafts- bezirk rasch zu." Auch in„Untersranken" stellte der Beamte fest:„Auf jeden Betrieb entfallen 4,95 Beanstandungen, in 4451 revidierten Be- trieben allein 22 009 Mängel. An Futterschneidemaschinen ent- deckte man 7851 Verstöße gegen die Berhütungsvorschriften. Zu einem neuen Mittel griff der Aufsichtsbeamte:„Sehr gute Dienste bei den Unfalluntersuchungen hat ein photographischcr Apparat geleistet, dessen Anschaffung vom Genossenschaftsvorstande zum Zwecke der Unfallverhütung genehmigt worden ist, denn nicht nur zum besseren Aufklären eines Unfalls dient ein photographisches Bild, sondern es kann auch zum Ausbau der Unsallverhütungs- technik und zu Belehrungszwecken Verwendung finden." In„Westfalen" wurden in 005 revidierten Betrieben 2425 Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften festgestellt. Im Bericht„Unter-Elsaß" wird bemerkt, daß die zur Verhütung von Unfällen vorgeschriebenen Sicherheitsvorrichtungen wohl vor- Händen, aber zur Zeit der Revision nicht an ihrem Platz waren. Ein Unternehmer habe„seinem Erstaunen darüber Ausdruck ge- geben, daß ohne vorherige Benachrichtigung revidiert würde. Wäre vorher die Revision angekündigt worden, sagte er, so wären alle Schutzvorrichtungen an Ort und Stelle gewesen". Wie notwendig die Revision der Betriebe ist, zeigt UNS auch der Bericht„Niederbayern", welcher ausführte: „Bei der e r st m a l i g en Revision wurden von 3094 Haupt- betrieben nur 3 und von 49 Rebenbetrieben 8, bei 5070 nach- kontrollierten Hauptbetrieben 1705 und bei 92 Nebenbetrieben 38 ohne Mängel befunden. Die Beseitigung der vorgefundenen Mängel, besonders die Anbringung der Schutzvorrichtungen an Maschinen, erfolgt vielfach recht widerwillig und bedarf es öfter erst der Straseinfchreitung." Der Aufsichtsbeamte für„Mittelfranken" ftihrt hierzu aus: „Die Lebenden rufe ich!" tönt die Silvesterglocke mit be- geistemdem Schwung. Und alles, was gesund und lebensstark ist, strömt zusammen in dem einen allgewaltigen Streben, dem Leben neue, höhere Form zu schaffen. Da sinkt, was morsch und faul, in Staub und Asche. Jahrtausende alte Throne erzittern und stürzen jählings zu- sammen. Alter Gottheiten heilige Tempel wanken auf ihrem Grunde. Wider den erbgesessenen stolzen Herrn erhebt sich als freier Mann der Knecht. Alter Gesetzestafeln verhärteten Widerstand zersprengt des jungen Lebens neu organisierende Kraft. Lang gefürchtete Auto- ritäten stürzen. Durch die Zeit geheiligte Privilegien und Vorurteile versinken vor dem Ansturm der treibenden Kräfte. Aber inmitten der Trümmer ersteht strahlender und schöner denn je zuvor der Phönix der Menschheit, umjubelt von den be- freiten Gefangenen, den entfesselten Gelnechteten, dem neu hoffenden Verzweifelten. So tönen die Silvesterglocken Untergang und Neugestaltung in wechselvollem Rhythmus. Aber bei diesem ununterbrochenen Spiel von Tod und Leben steigt langsam die Menschheit aufwärts ihrer Selbstvollendung ent- gegen. Schon reichen sich über den Verfall des alten Bundes der Gewalt die Jünger des neuen Bundes der Gerechtigkeit und Freiheit die Hände. In den Kanonendonner und Schlachtenlärm der Völker tönt brausend ihr Glaubensbekenntnis von der Solidarität aller Menschen. Die geeinte Menschheit aber wird in entfesselter Schöpferkraft die Erde zum Paradies gestalten, vom Fluche des Bruderhasses befreit. Die Silvefterglocke mahnt: Die Lebenden rufe ich zu diesem neuen Bunde! Hinweg mit allen Unentschiedenen, Schwachen und Persönlich- Engem I Die Toten entscheiden sich für die alte Welt, die Lebenden für die neue! Da erhebt sich ein Heer von Streitern, im Auge der Begeiste- rung Blitzen, im Herzen unbezwinglichen Mut. Millionen entwinden sich den Fesseln der Sklaverei, und alle ihre Kräste verschmelzen zu einer einzigen gewaltigen Schöpferinacht, die der Menschheit neuen Bund begründet. Und plötzlich eint sich das streitende Getön der Glocken zu einem hellauf jauchzenden HymnuS auf Menschheitsbefreiung und erlösung. So feiern Silvester die Lebenden: Jedes neue Jahr eine neue Stufe empor zu Freiheit und Licht. Wer bangen Herzens am alten Leben verzweifelt, werde ein Kämpfer des neuen. Das sei die Wandlung, die das neue Jahr dem einzelneu bringe. Dann wird ihm wieder fest die Erde unter den Füßen stehen und das Leben neuen höheren Glanz ge- Winnen. „Die in 273 Gemeinden mit 5290 Hauptbetrieben vor- genommene Nachkontrolle hat zu 18 997 Beanstandungen geführt. d. i. durchschnittlich 3,57 Beanstandungen in einem Betriebe. Die Arbeit mit Maschinen mehrt sich zusehends. Die Kraft» tverke erleichtern die Aufstellung von Maschinen, so daß nun auch die kleinsten Betriebe mit solchen zu arbeiten anfangen. Folge ist die Steigerung der Zahl der Unfälle an Maschinen." Der Aufsichtsbcamte für„Anhalt" hatte von 923 revidierten Betrieben 405 zu beanstanden. „Ergreifen der schärfsten Maßregeln gegen Bctriebsunter» nehmer, welche ihre Transmissionsstangen nicht verschalt haben," fordert der Beamte der„Obcrpsalz". Er führt vier markante Fälle auf, in denen eine geringfügige gerichtliche Strafe eintrat. ,,Jni ersten Fall handelte es sich um einen Mühlbcsitzer, in dessen Mühle eine vertikale Transmissionsstange nicht verschalt war. Dadurch wurde die Frau des Unternehmers mit den Röcken von der Welle erfaßt und, ehe Hilfe eintraf, getötet. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisfirase von 14 Tagen. Im zweiten Falle wurde ein neunjähriges Mädchen, welches sich auf den Zugbalken des Göpels legte, mit den Haaren von der freiliegenden Kuppelung der Transmissionswelle erfaßt, wobei der Bedauernswerten die Kopshaut vollständig abgezogen und die Gehirnschale eingedrückt tnurde. Die Beklagte, eine Gütlerswitwe, wurde Hierwegen zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Im dritten Falle handelte es sich um einen Betricbsunter- nehmer, welcher sich eine Wasserradanlage zum Betriebe seiner Drescherei einrichtete, wobei er die Transmissionswelle, welche zirka 50 Zentimeter über dem Fußboden durch den Gemüsegarten führte, unverwahrt ließ. Infolge dieser Unterlassung verun- glückte seine achtjährige Tochter tödlich. Urteil: 3 Wochen Ge- fängnis. Beim vierten Falle, Ivo es sich ebenfalls um eine nichtvcr- deckte Transmissionsstange handelte, war der Ausgang ein glück- licher. Das 10jährige Dienstmädchen, welches von dieser Welle erfaßt wurde, kam mit einigen Rippenbrüchen und Hautwunden davon. Der Betriebsunternehmer wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 100 M. Geldstrafe verurteilt." Erste GeueralversanlUllling des UerblUides der Fand', Mnld- und Meinbergsurbtiter. Berlin, den 29. Dezember 1912. Am zweiten Verhandlungstag wird die Diskussion über die Rechtstätigkeit des Verbandes eröffnet. Von mehreren Delegierten wird besonders hervorgehoben, daß die Gewährung des Rechtsschutzes die wichtigste Einrichtung im Verband sei, wichtiger als Kranken- und Sterbcunterstützung. Sonst werden in der Diskussion eine Reihe von Fällen über skan- dalöse Rechtlosigkeit der Landarbeiter vorgetragen.— Im S ch l u ß- wort weist Rechtsanwalt Roscnfeld besonders darauf hin, daß bei amtsgerichtlichen Strafbcfehlcn oft die Einspruchsfrist von acht Tagen versäumt werde, weil durch die Besorgung der Voll- macht bei der oft schlechten Postvcrbindung nach entlegenen Land- orten einige Tage vergehen; es empfchle sich daher, den Einspruch sofort anzumelden und dann mit dem Verbandsvorstand in Ver- bindung zu treten, der Einspruch kann später eventuess noch zurückgezogen werden. Bei Schadenersatzansprüchen wegen unrechtmäßiger Entlassung glaubten die Rcchtschutzsuchenden oft, daß sie den An- spruch ohne weiteres auf die arbeitslose Zeit ausdehnen könnten. Das sei ein Irrtum. Der Entlassene müßte sich um Arbeit be.- mühen, nur für die Zeit der somit unverschuldeten Arbeitslosig- keit stehe ihm der Lohn zu. Weiter würden Lohnklagen öfter abgewiesen— obwohl die Entlassung zu Unrecht erfolgt sei—, weil der Arbeiter nach der unrechtmäßigen Entlassung, wenn der Lohn ihm vom Gutsbesitzer einbehalten wird, im Zornesausbruch sich einer Sachbeschädigung schuldig mache. Das müsse vermieden werden. Es folgt hierauf ein zweistündiges, mit regem Interesse auf- genommenes Referat des Redakteurs Faaß über: Die Rechtsverhältnisse der Landarbeiter. Redner bemerkt einleitend, er wolle nur die zivilen Rechtsvcrhält- nisse des Landarbeiters besprechen, nicht seine politischen Rechte als Staatsbürger. In den Oft? Jahren Tätigkeit des Verbandes hätten die Gegner allerhand Vorschläge gemacht, wie dem Landarbeiter zu helfen sei, nur den wichtigsten Vorschlag: die Rechtsverhältnisse zu verbessern, hätten sie vergessen. Nur von dem Syndikus der Brandenburgischen Landwirtschastskammer sei ein solcher Vorschlag und zwar auf Aenderung der Gesindeordnung gemacht worden. Wer starken Herzens die Gespenster seiner Vergangenheit hinter ich wirft und sich ganz von der Kraft des neuen Lebens durch- zringen läßt, dem wird das Klingen der Silvesterglocken zu zulunfts» freudigem Gesang. Allen anderen aber mögen sie die Worte Goethe? tönen: Wenn du aber das nicht hast: Dieses Stirb und Werde. Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde! M. M. Karl Marx im Mornlniiterricht. Aus Paris wird uns ge» schrieben: Der„Matin" hat einen schrecklichen Anschlag gegen die bürgerliche Ordnung aufgedeckt. In einem Pariser Gymnasium sind nicht etwa Bomben fabriziert, sondern— man ermesse den Greuel!— Sätze von Karl Marx den Schülern diktiert worden. Ein aufgeregter Vater schreibt dem genannten Blatt, daß „ein von der Regierung bezahlter Professor" des College Chaptal im Verlaufe des Moraluntcrrichts ein„erbauliches Diktat" gegeben habe und zitiert den verfänglichen Abschnitt, worin Marx den Fort» bestand der Sklaverei in der modernen kapitalistischen Industrie darstellt.„So bildet man die Jugend heran!" schließt er voll Ent- rüstung. Das heißt, so läßt der„Matin" ihn schließen, denn es ist sehr wahrscheinlich, daß die Redaktion den Brief auf Grund einer von unzusriedcnen Gymnasiasten vollbrachten Denunziation selbst verfaßt hat. Es wäre ja kaum glaublich, daß ein Vater, der sich dermaßen für die Erziehung seines Sprößlings interessiert, nicht wissen sollte, daß das College Chaptal kein» staatliche, sondern eine kommunale Schule ist. Mit dem Diktat selbst indes hat es schon seine Richtigkeit. Der Professor— der„marxistische Professor" wie der„Matin" sagt— hat einem Redakteur des Blattes ausein- andergesctzt, daß er in seinem Moralunterricht dem offiziellen Programm gefolgt sei. In der letzten Lektion habe er die Sklaverei zu behandeln gehabt. Das allgemein im Moraluntcrricht benützte Handbuch von Payot führe für� diese Frage folgende zwei Gesichts- punkte an: 1. die eigentliche Sklaverei, 2. gemilderte Formen der Sklaverei: Ausbeutung der Arbeiter, der Kinder und Frauen. Als Morallehrcr in einer Demokratie, vor Schülern, die in ihrer Mehr- zahl berufen sein werden, Arbeitern vorzustehen, habe er es für seine Pflicht gehalten, in den Herzen das soziale Mitleid mit den Opfern des Kapitalismus zu erwecken, als Historiker habe er auf den Zusammenhang der sozialen Gesetzgebung mjt den Wirkungen der Industrie hinweisen wollen. Diese Erklärung, die allerdings beweist, um wieviel der Unter- richt in Frankreich in der Aufklärung über die modernen sozialen Probleme dem deutschen voraus ist, scheint dem„Matin" nicht zu genügen. Jedenfalls hängt er eine zweite Geschichte an unter dem bezeichnenden Titel:„Was man gesät hat, erntet man." Er be- richtet, daß eine„Delegation" von Schülern des College Chaptal auf seiger RedgktM porgesprsAeu hgbtzt um gegeg den«Uisii-. der aber sicher keine frekereli Bestimmungen bringen würde. Im Arbeitsverhältnis des Landarbeiters habe der Unternehmer unum- schränkte Gewalt über den Arbeiter. Der Vertrag komme nicht zwischen zwei gleich Starken zustande. Alle gesetzlichen Bestim- mungen ieien anscheinend nur von der Ansicht diktiert: Wie macht man cs dem Unternehmer leicht, den Arbeiter auszunutzen. Der gewerbliche Arbeitsvertrag für die Industriearbeiter zeige doch da- gegen einige vorgeschrittene Rechtsformen. Durch die Gewerbeord- nuug sind doch Arbeiterschutzbestiminungen, ein Verbot der Lohnauf- rcchnung, die Einbehaltung der Kaution über die Höhe eines Wochenverdienstes hinaus untersagt, ferner ist bei Kontraktbruch die Strafe für beide Teile die gleiche, die Dauer der Arbeitszeit in gewissen Betrieben und für Frauen ist bestimmt und anderes mehr. Das ist zwar, gemessen an dem, was wir verlangen, kein ideeller Arbeiterschutz, er stehe aber turmhoch über dem Gesinde- recht. Hier herrsche kein Arbeiterschutz und die Gesetzcsbestimmun- gen sind noch durch Strafbestimmungcn maßlos verschärst. Dazu kommt, daß dieses„Recht" nicht einheitlich ist, sondern in 44 Ge- sindcordnungen verzettelt ist. Und während das Gesinde— was zum Gesinde zählt, ist übrigens selbst unter Rcchtskennern sehr strittig— unter die Gesindeordnung fällt, unterstehen die landwirt- schaftlichen Arbeiter den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz- buches über den Dienstvertrag. Im Einführungsgesetz zum B.G.B. ist extra gesagt, daß die Bestimmungen der Gesindeordnung unbe- «"ührt bleiben. Sonst geht Reichsrecht vor Landrecht, nur im Ge- sindeverhältnis des Landarbeiters nicht. Das Gesinderecht kennt eigentlich nur Pflichten des Gesindes, das lehrt ein flüchtiger Blick in die 44 Gesindeordnungen. Danach hat sich das Gesinde der häuslichen Gewalt zu unterordnen, hat jede Arbeit und in unge- messener Dauer zu verrichten, muß(nach einigen Gesindeordnun- gen) ein obrigkeitliches Zeugnis haben, ist nicht nur der Dienst- Herrschaft, sondern auch den Gästen gegenüber verpflichtet, treu und fleißig, ehrerbietig und gehorsam, sogar auch außer dem Hause zu sein(eine schwerwiegende Bestimmung, wenn man bedenkt, daß bei Verstoß dagegen die Strafbestimmungen in Anwendung gebracht werden können», es muß ferner das beste für die Herrschaft wollen und etwaigen Schaden gegen sie abwenden, es muß jede Untreue des Ncbcngesindes melden, sonst haftet es für den der Herrschaft dadurch entstehenden Schaden, es muß sich jederzeit seine Sachen (verschlossene Koffer) durchsuchen lassen, cs mutz verträglich mit dem Nebcngesinde sein, es darf von den häuslichen Verhältnissen der Herrschaft nichts ausplaudern, es mutz Verweise und Befehle der Herrschaft mit Ehrerbietung entgegennehmen usw. Dazu kommt aber vor allem, datz nach den Bestimmungen einiger Ge- sindeordnungen der Herrschaft das mittelbare Züchtigungsrecht zu- steht. Zwar wird das von Kommentatoren mit modernen Ansichten bestritten, die Gerichte aber entscheiden noch heute in dem Sinne. — Diese Gewohnheit des Prügelns hat sich denn auch auf die Landarbeiter übertragen. Wenn der Arbeiter dann bei der Staats- anwaltschaft Strafantrag stellt, nimmt diese stets an. datz der Guts- Herr in Notwehr gehandelt habe und lehnt ein Verfahren ab. Das wirke wie eine Prämie auf das Prügelrecht. Alle Gesindeordnun- gen, außer der badischen, haben Strafbestimmungen. Das Gesinde kann bestraft werden wegen Nichtantreten des Dienstes, vorzeitigen unberechtigten Verlassen des Dienstes(Kontraktbruch), Widerspruch gegen Befehle der Herrschaft, beharrlicher Weigerung von Dienst- leistungen, Unbotmätzigkeit, Aufwiegeln zu Zänkereien und zu übler Nachrede der Herrschaft, wenn es das Dienstbuch nicht ab- gibt oder sich bei mehr als einer Herrschaft vermietet u. a. m. In Mecklenburg wird jeder bis zu 60 M. bestraft, der bei Auf- suchen eines neuen Dienstes nicht im Besitze eines„Zieh- scheines" ist; ein solcher vom Referenten im Original mit dem Stempel des Amtes versehener„Ziehschein" aus H o l st e i n be- sagt, daß dem Arbeiter Soundso bescheinigt wird, daß er zum ...... seine Arbeitsstätte verlassen darf. Verlassen darf, obwohl der Arbeiter rechtmäßig gekündigt hat. Dazu kommt endlich die Polizeigewalt. Die Polizei kann kontrakt- brüchige? Gesinde zwangsweise an die Arbeitsstätte zurückführen. Bei Anwendung des Preußischen Landesverwaltungsgesetzes aber kann die Polizei— also der Amtsvorsteher, der auch nieist Guts- besitzer ist— dem Arbeiter Strafe androhen wegen Nichtbefolgung der durch die Gesindeordnung vorgeschriebenen Pflichten. Und gegen die dann folgende Festsetzung der Strafe gibt es kein Klagerecht, sondern nur ein Beschwerderecht im Verwaltungswege, also beim Landrat. Faaß bespricht weiter das Recht der nicht zum Gesinde ge- hörenden landwirtschaftlichen Arbeiter, die den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs unterstehen. Für sie sei das Recht zwar ein etwas freieres, bei Entscheidungen durch die kleinen Amts- gerichte, die sich nach höheren Entscheidungen nicht richten, werde dieses bessere Recht aber oft sehr stark verkümmert.— Dieses Recht würde weiter beschränkt durch das Reichsstrafgesetz. Danach kann mit Haft, und zwar nur mit Haft, bstraft werden, wer Armenunterstützung annahm, wenn ihm Arbeitsgelegenheit nachgewiesen werden kann; es wird dann Arbeitsscheu angenommen. So erhielt ein Landarbeiter eine Haftstrafte von 5 Tagen, weil er entgegen der Verweigerung des Inspektors mit seinem Sohn zur Stadt fuhr, Militarismus" zu protestieren, der sich in dieser Schule festzusetzen beginne und„zweifellos von Professoren mit radikalen Ideen nicht genügend entmutigt" werde. Die schlimmsten internationalistischen Lehren seien dort im Schwang. Antipatriotische Broschüren— d. h. Broschüren gegen den Krieg— seien am Schultor von Schülern verteilt worden.— Der„Matin" schließt, datz unser diesen Um- ständen das Diktat aus Marx eine„größere Tragweite" bekomme. Vermutlich darum, weil es Patriotenpflicht ist, zu glauben, datz es in den französischen Fabriken keine Ausbeutung gibt. Oder etwa, weil durch diese liebliche Zusammenstellung die Denunziation gegen den Professor besseren Erfolg verspricht? Musik. Vor dem Bestehen des B l ü t h n e r s a a l e s gab es an gewich- tigeren Reihen von Orchesterkonzerten nur die der Philharmoniker und der königlichen Kapelle. Seit der Eröffnung des Blüthnersaales sind auch nur in ihm die Konzertreihen solcher Art kaum mehr zu überschauen, von der Sonntagsunterhaltung bis zum Risiko un- sicherer Neuheiten. Eine besondere Energie zur Erfüllung der wohl wichtigsten Aufgabe des Konzertwesens: der Vorführung jüngster Kompositionen, entfaltet F. B u s o n i, der sich vor dem Publikum immer mehr vom bloßen Klaviervirtuosen zum Schaffenden wandelt. Ein erster Buscmi-Abend fand am Sonnabend unter dem nicht eben bestimmten Titel:„Moderne Sinfonie konzerte I", statt. Zuerst hörten wir eine größere Szene aus Bufonis Oper„D i e Braut wähl", die als„mufikalisch-phantastische Komödie" am 13. April 1012 in Hamburg aufgeführt wurde. Sie spielt in Berlin nach einer der zwischen Biedermeier und Teufelei stehenden Erzählungen E. T. A. H o f f m a n n s(mit Altmeister I. L i e b a n als Gesangshelfer). Zu beschreiben gibt es da schwerlich etwas; genug an dem Eindruck, daß wir eine Gesamtaufführung mit leb- wftem Interesse entgegensehen würden. B u s o n i dirigierte. Vorher spielte er B r a h m s' Klavier- konzert v-Moll. Dirigieren sollte es Max Reger. Allein da mutz etwas vorgefallen sein. Reger lehnte im letzten Augenblick ab Herr Th. Spiering übernahm ohne die geringste Probe— also mit einem außerordentlichen Wagnis— die Leitung und brachte das Ganze glücklich durch. Schon vorher war unsere Verwunderung erweckt worden durch eine Notiz: der letzte Satz der„R o m a n t i- scheu Suite" von Reger müsse„in Anbetracht der wenigen Vorproben" entfallen. Erklären lassen sich die beiden Vorfälle nur durch die Vermutung, Reger sei mst der Eignung des Blüthner- orchcsters zu der Aufführung eines solchen Werkes von ihm so unzufrieden gewesen, datz seine bajuvarische Urkraft bis zu einem so ungewöhnlichen Konflikt aufwallte. Tatsachlich dirigierte er die ersten zwei Sätze des genannten Werkes(Opus 125). für Berlin zum erstenmal. Die Suite ist eine Programmusik zu drei Gedichten Eichcndorffs. Die vielberufene Kompliziertheit der Reger- sehen Konipositionen entfaltet sich hier zu einem seltsamen Gewebe V«, reichlich disharmonischen Tonsügungen. die bis schwebenden um diesem einen Konfirmandenanzug zu kaufen, und weil er des- halb einen Tag Arbeit versäumte. Und seine Frau erhielt dieselbe Strafe wegen desselben Delikts, weil sie einen Tag Arbeit ver- säumte, um ihre Wäsche zu waschen.— Die Gutsbesitzer wützten sich aber auch der Unterstützungspflicht gegen Ortsarme zu entziehen. So wurde einem Landarbeiter, der seinen 68 Jahre alten Schwieger- Vater bei sich als Hofgänger hatte, aufgegeben, den alten Mann zu entlassen. Als er dem nicht nachkam, strengte der Dienstherr die Räumungsklage an. Der Termin wurde aber zu einem Tage an- gesetzt, an dem der alte Mann das Unterstützungsrecht erworben hatte. Deshalb wurde nun dem Schwiegersohn aufgegeben, selbst zu gehen. Die Sache schwebt zurzeit beim Gericht. In erster Instanz ist ent- gegen der Behauptung des klagenden Arbeiters angenommen wor- den, datz er sich mit der Entlassung einverstanden erklärt habe, des- halb wies das Gericht die Klage ab. Die Entscheidung der zweiten Instanz steht noch aus. Ter alte Mann schrieb aber am 21. d. M. an den Vorstand des Verbandes, datzseinem Schwiegersohn in der neuen Arbeits st ätte aufgegeben worden sei, ihn ein vollesJahr lang nicht zu beschäftigen. Solchen Zuständen gegenüber— sagt der Referent— stehen wir schier machtlos gegenüber! Dem armen kranken Arbeiter, der seine Knochen im Dienste des Agrariers sich zerschunden habe, wird das Recht des Unterstützungswohnsitzes verwirkt I In Kabinettsverordnungen und bundesstaatlichen Gesetzen bestehen heute noch er- schreckende Strafbestimmungen. So besteht noch eine Dienstboten- ordnung in Lauenburg vom Jahre 1732 zu Recht, nach der der straffällige Landarbeiter mit Karrcnschieben, mit dem Schandpfahl und mit Zuchthaus bei Wasser und Brot bestraft werden könnte; die Aenderung des Strafvollzuges lasse die Anwendung dieser Strafen nur nicht zu. Auch könnte Arbeitseinstellung bis zu zwei Jahre Gefängnis bestraft werden und mit Haft, und zwar nur m i t Haft, wenn der Arbeiter mit der gewöhnlichen Speisung nicht zufrieden sei. Der Redner bespricht weiter die Einschränkung des Koalitions- rechts der Landarbeiter und die Bestrafung bei Verabredung zur Erreichung besserer Arbeitsbedingungen durch das preußische Gesetz vom 24. April 1854 und ähnlicher Gesetze in Anhalt, Reutz j. L., Braunschweig, Hannover, Mecklenburg; den Legitimationskarten- zwang für ausländische Arbeiter und das in der Arbeitcrversicherung enthaltene mindere Recht für Landarbeiter. F a a tz geht sodann auf den kürzlich von der„Deutschen Tages- zeitung" gemachten kuriosen Vorschlag eines Amtsgerichtsrats ein, der verlangte, datz die überzähligen Rekruten und die nicht voll- waffenfähigen jungen Leute zwangsweise zur Landwirtschaft ver- pflichtet werden sollen. Der Herr wollte zwar damit für den Kriegsfall ausländische Landarbeiter ersetzen, er wollte aber auch der Lcutenot steuern. Und diese neue Pflicht für das Vaterland habe in der„Deutschen Tageszeitung" freudigen Widerhall ge- fanden.(Heiterkeit.) All diesen Bedrückungen gegenüber hätten die Landarbeiter ihre Forderungen zu erheben. Zwar habe die sozialdemokratische Frak- tion im Reichstage schon oft den Verfudj gemacht, sich für die Rechte der Arbeiter zu verwenden. Die Landarbeiter aber dürften nicht unterlassen, sich selbst an die Regierung zu wenden, wie die Agrarier es auch tun. Sie müßten wie diese schreien und abermals schreien. Der Schrei von 17 606 wirke schon nachhaltiger als der des einzel- nen; der Schrei von 100 600 aber, den er bald hören möchte, würde noch eindringlicher sein. Die erste Generalversammlung sei als ein Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Landarbeiterbewegung zu betrachten. Seit der Zeit der Bauernkriege habe der Landarbeiter in Deutschland seine Forderungen in Gemeinschaft nicht mehr er- hoben, er müsse jetzt wieder aufstehen, und seine Forderungen in der Leffentlichkeit stellen.(Minutenlanger Beifall.) Dr. S. R o s e n f e l d ergänzt die Ausführungen von Faaß durch eine Reihe höchst interessanter Fälle aus seiner Rechtspraxis. Es sei durchaus unzulässig, daß, wenn, wie es geschieht, Landarbeiter wegen Arbeitsverweigerung täglich neu in Strafe genommen wer- den können bis zu überaus hohen Gesamtbetragen. Damit solle Furcht und Schrecken unter den Arbeitern verbreitet werden, um den alten Gesindezwangsdienft in Praxis umzusetzen. Allgemeiner juristischer Grundsatz sei, daß Arbeitsverweigerung ein Dauerdelikt sei und deshalb nur einmal Strafe in Anwendung kommen könne. Es ist zu erwarten, datz bei gerichtlichen Entscheidungen dieser Grundsatz- beachtet würde.— In Mecklenburg bekamen zwei Land- arbeiter einen ritterschaftlichen Strafbesehl wegen Gehorsamsver- Weigerung, weil sie vergessen hatten, die Forken zur Arbeit mitzu- bringen. Die erste Gerichtsinstanz bestätigte den Strafbefehl mit der Begründung, es müsse jeder Arbeiter in Mecklenburg wissen, datz er das Arbeitsgerät mitzubringen habe. Die zweite Instanz hob das Urteil auf, da unter dem verlangten Gehorsam nicht abso- luter Gehorsam zu verstehen sei.— In einem anderen Fall war ein Arbeiter, weil er dem Gutsherrn Säcke Getreide entwendet hatte, wegen Diebstahls zu der hohen Strafe von 7 Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Der Gutsherr, der seinen Schaden auf 250 M. berechnete, hielt sich darüber hinaus reichlich schadlos an dem Eigen- tum(der Kuh, dem Holzvorrat usw.) des Arbeiters. Auf Anschreiben zahlte der Herr dann zirka 150 M., ohne es zum Prozeß kommen Stimmung der vorgelegten Gedichte jedenfalls entsprechen und nicht etwa sezcssionistische Verrücktheit sind; aber einzig die zarteste, sozu- sagen unirdischste Wiedergabe läßt das„Durcheinander" motiviert erscheinen. Die eben scheint Reger bei dem in gewohnteren Auf- gaben bewährten Blüthnerorchester vermißt zu haben. Indessen dirigierte Reger noch eine Komposition von sich: ein Altsolo mit Orchester:„An die Hoffnung", Text von F. Hölderlin. Natürlich so weit wie möglich entfernt von allem Singsang und Koloratur!— Wienn aber ein Zug der Komposition zur Breite und Breitspuriakeit— vielleicht eine modernmusikalische Eigentümlichkeit überhaupt— fast auf jede Silbe eine förm- liche Kette von Tönen legt: geraten wir da nicht in eine abermalige, auf noch ältere Zeiten zurückgreifende Art von Koloratur hinein? in eine sinnvolle— natürlich I sz. Theater. Freie Volksbühne(im Herrnfeld-Theater). Des Dänen Peter Nansen Art ist: weniger tief als pikant zu schreiben. Dies Merkmal haftet auch dem Lustspiel„Eine glückliche Ehe" an, das keine neue Schöpfung, sondern nur die von Damenhand her- rührende Dramatisierung einer seiner Geschichten gleichen Namens ist. Bei dem Prozeß des Umformens ging manches, was als psychologische und poetische Feiniheit angesprochen hatte, verloren. Um so deutlicher wird man nun aber gewahr, datz dem Stoff oder seiner Behandlung die eigentliche nordische Note abgeht, iffias sich in diesem Lustspiel zuträgt, bildet ja auch den Angelpunkt in den meisten Pariser Stücken, die wir seit Jahren zu sehen bekamen. Dorther kennen wir genug gehörnte Ehemänner, die von einer er- schreckenden Naivität und Gutgläubigkeit besessen sind— wie Nansens Postassistent Mogensen; genug Frauen, die ihre Liebhaber sozusagen mit der Leibwäsche wechseln— wie Nancy Mogensen; genug Seladone, die den befreundeten Mann ihrer Geliebten in seiner jeweiligen Position als Beamter heimlich zu fördern suchen — wie der Finanzrat Jermer. Ebenso wenig neu wird die Ver- spottung sentimentaler Schwächen, wie solche ettva bei der Feier des Weihnachtsabends unternommen ist, anmuten. Und schließlich sind uns getäuschte Liebhaber, die sich hinterher ihr Leid klagen, auch schon in anderen Stücken begegnet. Van einem eigenartigen nor- disch gesehenen Anschnitt gesellschaftlicher Sitte ist also blutwenig zu entdecken. Ja, bisweilen— beispielsweise im dritten und vierten Akt— bekommt man den Beigeschmack possenhafter Trivialitäten. Immerhin— der pikante Dialog, die Auseinandersetzungen über Liebe und Treue zwischen Jermer und Nancy, der mokant gekräuselte Spott, der die Handlung belebt, geben Anreiz zu Heiterkeit und Lachen genug. Das um so mehr, wenn Frau Nancy in all ihrer unbekümmerten Sündhaftigkeit so glänzend dargestellt wird, wie cs gerade Mirjam Horwitz vermag. Ihre Leistung stellt natürlich alle mitwirkenden Männlein in den Schatten. Robert H a r t b e r g würde jedoch gewinnen, wenn er seine Worte nicht durch aufdring- liches Mienenspiel unterstriche, e. k, zu lassen, heraus. So wird Eigensumsüergehen mik Eigentums- vergehen beantwortet.— Ein recht interessanter Prozeß war der gegen einen von der pommerschen Familie Malzahn geführte. ES war ein Lohn für zwei Wochen in Höhe von 18 M. einbchalten, weil ein Pferd des Besitzers beim Sandfahren auf einer Feldbahn gestürzt war. Der Lohn wurde eingeklagt mit der Begründung, datz dem Arbeiter kein Verschulden treffe, weil er, in der Arbeit neu und unbewandert, beim Leiten der Pferde mit der Bremsvorrichtung nicht zurecht kam. In erster Instanz wurde der Herr v. Maizahn verurteilt, in zweiter Instanz erstritt er ein obsiegendes Urteil. Da»ach der ersten Verurteilung sofort Vollstreckung erfolgte, erhielt der Arbeiter seine 18 M., und an 200 M. Kosten mögen dem Herrn Baron entstanden sein. Welchen Respekt dieser Agrarier vor den hohen Herren des' Gerichts hat, erhellt der Umstand, datz ein zu diesem Zwecke notwendiger Lokaltermin auf dem Gute, an dem außer Amtsrichter und Referendar auch beide Anwälte teilnahmen, in der Leutestube abgehalten werden mutzte, die in allerprimitivsteu» Zustande war, so daß der gegnerische Anwalt Gefahr lief, mit dem Stuhl durch die Decke zu fallen.— Dr. Rosenfeld konnte noch mit einigen weiteren so interessanten Fällen aufwarten. Er meinte zum Schluß, die segensreiche Tätigkeit des Laudarbeiterverbandes durch Gewährung von Rechtsschutz würde sicher von den Arbeitern sehr anerkannt, das bewiesen u. a. auch verschiedene Dankesbriefe. Auf eine Diskussion wurde in Anbetracht der vortrefflichen, all- gemein sehr befriedigenden Referate verzichtet. Nach Annahme einer Resolution, die die Forderungen der Land- arbeiter ausführlich präzisiert, wurden die Verhandlungen vertagt. Soziales. Die Egebnisse der Bertraurnsmännerwahlen in der Angestellken« Versicherung. Die Wahlen der Vertrauensmänner für die am 1. Januar 1613 in Kraft tretende Privatangestelltenversrcherung sind nun in allen Bezirken beendet. Eine amtliche Zusammenstellung der Wahlresul- täte ist noch nicht erfolgt. Der Verband der Bureauangestellten (Sitz Berlin) hat es unternommen, eine private Erhebung über den Ausfall der Wahlen zu veranstalten. Es ist ihm gelungen, die Er- gebnisse aus 390 Wahlkreisen zu ermitteln. Das ist die knappe Hälfte sämtlicher Wahlbezirke. In den 390 Kreisen wurden ab- gegeben 351 611 Stimmen. Davon erhielt die Freie Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten 77 992, der Hauptausschuß für die Sonderversichcrung 260 685, sonstige zer- splitterte Listen 12 934 Stimmen. Mandate erhielten: Freie Ver- einigung 709(davon 202 Vertrauensmänner, im übrigen Ersatz- leute), Hauptausschutz 2816(davon 913 Vertrauensmänner), Wilde 140(davon 45 Vertrauensmänner). In vielen Kreisen verlief die„Wahl" recht eigenartig. In mindestens 65 Bezirken, die 195 Vertrauensmänner und 390 Ersatz- männer zu stellen haben, konnte der Hauptausschutz ohne weiteres seine Listen als gewählt erklären lassen, weil keine Gegenlisten vorhanden waren. Darunter sind leider eine Reihe größerer Städte, von denen man das nicht erwartet hätte, z. B. Aschersleben, Er- langen, Flensburg, Rcgensburg, Ulm. Waldenburg usw. In minde. stens 5 Bezirken(Bamberg-Land, Ronsdorf usw.) sind überhaupt keine Listen eingereicht worden. Entsprechend den gesetzlichen Be- stimmungen wurden daselbst die nötigen Vertrauenspersonen er-, nannt.— Zahnpflege und Pvlitft. Die Nummer von 12. November d. I. des„Aerztl. Vereins- blatts", daS Organ des Deutschen Aerztevereinsbundes, brachte fol- gende Notiz:„Ein Zahnarzt hatte um die Genehmigung der braun- schweigischen ijerztekammer gebeten, für die Mitglieder einer Orts- krankenkasse einen Vortrag über Zahnpflege halten zu dürfen; die Kammer erteilte nach Anhörung des zuständigen ärztlichen Kreis- Vereins ihre Genehmigung mit dem Bemerken, datz der Bortrag aber nicht mit politischen Dinge» in Beziehung gebracht werden dürfe." Man sollte es nicht für möglich halten, daß cs in nnlerem ans- geklärteß Jahrhundert noch Aerztekammern wagen dürfen, ihren Mitgliedern derartige rigorose Vorschriften zu machen oder daß sich die Mitglieder solche Zumutung gefallen lassen. Weshalb hängen die Aerztekammern ihren Mitgliedern einen Maulkorb um? Fürch- ten sie, es könnte bei Gelegenheit eines solchen Vortrages mal ein« die Regierung resp. das Agrariertum kompromittierende Aeutzerung entschlüpfen? Will jemand einen Vortrag über Zahnpflege nur einigermaßen erschöpfend halten, so ist er geradezu gezwungen, das politische Ge- biet zu streifen. Denn welches ist die Hauptursache der Zahnve» derbnis? Mangel an Muttermilch und Ersatz derselben durch Kuh» milch, Haferkindermehle und andere minderwertige Surrogate. Und dieser Milchmangel der Mutterbrust ist wieder in dem größten Prozentsatz der Fälle bedingt durch die schlechten sozialen Verhält- nisse der unteren Volksschichten, besonders durch die ungenügende Ernährung der schwangeren Frauen und Mädchen! Insbesondere trägt mit der Mangel einer rationellen, eiweißreichen Kost die Hauptschuld und diese ist wieder eine Folge unserer heutigen Humor und Satire. Silber st ernacht. Und nun. wenn alle Uhren schlagen, So haben wir uns was zu sagen, Was feierlich und hoffnungsvoll Die ernste Stunde weihen soll. Zuerst ein Prosit in der Runde! Ein helles, und aus frohem Munde! Ward nicht erreicht ein jedes Ziel, Wir leben doch, und das ist viel. Noch einen Blick dem alten Jahre, Dann legt es auf die Totenbahre l Eiu neues grünt im vollen Saft, Ihm gelte unsre ganze Kraft! Wir fragen nicht: Was wird es bringen? Viel lieber wollen wir es zwingen, Datz eS mit uns nach vorne treibt, Nicht rückwärts geht, nicht stehen bleibt. Nicht schwächlich, was sie bringt, zu tragen. Die Zeit zu lenken, laßt uns wagen! Dann hat es weiter nicht Gefahr, In diesem Sinne: Prost Neujahr! (P. Schlemihl im.Simplicissimus'.) Notizen. — DaS Theater des Westens wird im Februar wieder eröffnet werden und zwar mit der Operette»Der Schneider- Husar" von Leon Jessel. — Die neuen OpernhauSentwürfe werden vom 3. bis 24. Januar im Konferenzsaal des Anhalter Bahnhofs unent- geltlich zu besichtigen sein. — Das Schiller-Theater in Neukölln. Wie in der Generalversammlung der Schiller-Theater, die übrigens ein recht erfolgreiches Geschäftsjahr beschließen, mitgeteilt wurde, sind Ver- Handlungen wegen Gründung eines Schiller-Thealers in Neukölln im Gange, aber noch nicht abgeschlossen. DaS Schiller-Theater 0. wird indes vielleicht aufgegeben werden müssen. Es würde aber für Ersatz gesorgt werden. — Der ProloguS in der Hofoper. Die Mitteilung des Generalintendanten an das Berliner Opernpublikum von der Geburt eines Hohenzollernprinzen hat lebhaften Anklang gefunden. Aus vielfachen Wunsch aus diesem Publikum sollen auch künftig interessante Mitteilungen vor Beginn der Vorstellung unter Auf« klopfen deS Zeremonienstabes gemacht werden. Man denkt da be- sonders an die Kurse der Abendbörsen und an die Notierungen vom Schlachtviehmarkt. Bei ungünstigen Nachrichten wird eine entsprechende Ouvertüre angeschlossen. agrärischeN Gesetzgebung, die ja Deutschlands Grenzen mit einer Zollmauer umgibt und dem Volke die notwendigsten Lebensmittel, besonders das Fleisch, verteuert. Die proletarische Mutter ist in- folge der hohen Lebensmittel-, besonders der teuren Fleischpreise, nicht imstande, die Stoffe in ihrem Organismus aufzunehmen, deren die Milchdrüse zur Erzeugung der Milch bedarf. In vielen Fällen müssen die Säuglinge deshalb auf die Muttermilch ver- zichten, weil die Mütter an der Beschaffung des Lebensunterhalts für die Familie infolge Krankheit, Arbeitslosigkeit oder ungenügen- den Verdienstes des Mannes teilnehmen müssen und in den Arbeits- statten keine Zeit oder Gelegenheit— sie liegen oft weit von der Wohnung entfernt haben, ihren Lieblingen die Mutterbrust dar- zubieten! Ein inniger Zusammenhang besteht zwischen dem Thema: Zahnpflege und Politik. Aber die Aerztekammcr verbietet, mit einem Vortrage über Zahnpflege politische Dinge in Verbindung zu bringen. Sind die Aerztekammern, die solche Verbote erlassen, und die Aerzte, die sich dem fügen, nicht die Hauptschuldigen an dein Schwinden an Vertrauen zu Acrztcn und dem leidigen Empor- blühen einer bedenklichen 5lurpfuschcrschaft Z Sericdts- Leitung. Schwurgerichtsperiobe. Die erste Tagung des Schwurgerichts am'Landgericht I im neuen Jahre wird am 6. Januar unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Schmidt beginnen. Für den L. Januar und folgende Tage ist ein neuer Termin zur Hauptverhandlung gegen den Schlosser Ernst Otto Trenkler angesetzt worden. Die Bluttat, der der Juwelier Schulze, dessen Frau und Tochter zum Opfer fielen, hat sich am 17. Januar im Hause Alte Jakobstr. 94/95 ereignet. Als Täler wurde Trenkler am 19. Februar in Zittau verhaftet und nach Berlin transportiert. Er stand am 6. Mai d. I. schon einmal vor den Geschworenen unter Anklage des dreifachen Mordes in Tat- einheit mit schwerem Raub. Damals mutzte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt wetfccn, da der schwer lungenkranke Ange- klagte nach dem Gutachten der ärztlichen Sachverständigen im Laufe der Verhandlung verhandlungsunfähig geworden'war. In der Zwischenzeit soll sich im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses sein Gesundheitszustand so gebessert haben, dah man hoffen darf, die diesmalige Verhandlung zu Ende führen zu können. Trenkler hat bekanntlich bei der ersten Verhandlung seine Verteidigung in der Richtung geführt, datz er bei ider furchtbaren Bluttat nicht mit Ueberlegung gehandelt, sondern seine Opfer nur niedergeschlagen habe, um sich der Ergreifung zu entziehen. Bei dieser Behauptung ist er bis jetzt verblieben. Da mehr als 50 Zeugen zu vernehmen sind, dürfte die VerhaMung drei bis vic- Tage in Anspruch nehmen. Abermals die Flcischkrawalle auf dem Wedbing. Die Fleischkrawalle aus dem Wedding, die schon kürzlich ein. mal den Strafrichter beschäftigten, hatten gestern nochmals vor Gericht ein Nachspiel. Wegen Landfricdensbruchs mit'dem erschwerenden Umstände der vorgenommenen Plünderung hatte die 1. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdivektors Bahr gegen die aus der Untersuchungshaft vorgeführten Arbeiter Emil Ganfchow und Eduard Brendcnahl zu verhandeln. Am 94. Oktober d. I. sollte bekanntlich zum erstenmal das von der Stadt Berlin einge- führte russische Fleisch in der»Markthalle am Wedding zum Ver- kauf gelangen. Nachdem es bekannt geworden war, datz mehrere Schlächter, die sich bereit erklärt hatten, den Berkauf des russischen Fleisches zu übernehmen, ihre Zusage zurückgezogen hatten und infolge von Verhöhnungen durch Schlächter kam es schon in der Markthalle zu schweren Exzessen seitens der verhöhnten Frauen. Die vorhandene Stimmung setzte sich dann auf der Straß« fort und führte vor den Läden der Fleischermeister Morgenstern in der Schcrerstraße und Menzel in der Pantstraße zu schweren Aus- schreitungen. An ihnen waren hauptsächlich junge Leute beteiligt. Diese rissen.das Stratzenpslaster auf und eröffneten mit den Steinen ein Bombardement aus die Schaufensterscheiben. Es wurden dann sämtliche Fleischwaren, die nur irgendwie zu erreichen waren, ge- raubt, so datz allein in dem Morgensternschen Geschäft ein Schaden von 4000 M. entstand. Nachdem die Menschenmenge von der Polizei zerstreut worden war, trat auf einige Zeit Ruhe ein. Am Nachmittag kani es von neuem zu Menschenansammlungen., und zwar vor den Geschäften der Fleischermeister Ziehme und Lehmann in der Müllerstraße. Als die Schutzleute Stoppel und Mahlow hinzu- kamen, bemerkten sie den Angekl. Ganschow, der gerade im Begriff war, einen Stein in die Ladenscheibe zu tverfcn. Er wuroe fest- genommen. Auf der Polizeiwache ergab es sich, datz er die beiden Taschen mit Steinen vollgepfropft hatte. Gleichzeitig wurde auch der Angeklagte Brendenahl festgenommen, der sich unter den Kra- keelern befand.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht 'darauf, daß es sich um einen sehr schweren Exzeß handele, gegen Ganschow 3 Jahre und gegen Brendcnahl 9 Monate Gefängnis. Das Nrtril lautete auf 2 Jahre bzw. 6 Monate Gefängnis. Bei der Festsetzung der enorm hohen Strafe ist unberücksichtigt geblieben, datz zu den bedauerlichen Exzessen Vertragsbruch von Schlächtern und Verhöhnung der Armut durch Schlächter Ver- anlassung gegeben hatten._ Bigamie. Unter der Anklage der Bigamie hatte sich gestern der Portier Hermann Winkler vor der 11. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten-. Der 38jährige Angeklagte' war im Jahre 1900 in Kassel eine Ehe eingegangen, die jädoch nicht von langer Dauer war. Die Eheleute gingen auseinander und kümmerten sich jähre- lang nicht um den gegenseitigen Aufenthaltsort. Eine von dem Ehemann eingereichte Ehescheidungsklage wurde zurückgewiesen. Trotzdem er demnach noch in rechtsgültiger Weise verheiratet war, ging er Ende August d. I. in Berlin eine neue Ehe ein. Die junge Frau erlebte jedoch eine bittere Enttäuschung, denn mitten in den Flitterwochen wurde der Ehemann verhaftet, da sich inMischen herausgestellt hatte, daß er schon verheiratet war. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. DaS Gesetz bedroht Bigamie mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren. Bei der An- nähme mildernder Umstände tritt Gefängnisstrafe nicht unter 6 Monaten ein._ Im Kampfe um einige Disteln. Sechs dem Proletarierstande angehörende Personen, Arbeiter und Arbeiterfrauen, hatten am Sonntag, den 5. Mai, morgens Mischen 4 und 5 IM, Ms einM Feldstück KoWegv ketten Amtsrats und Umtsvorstehers Osterland in Salzfurth für chr Vieh einige Disteln gestlxhen. Die armen- Menschen- hatten wahrlich« nicht aus Wollust, sondern aus Not gehandelt. Es entwickelte sich daraus ein Prozeß, ider für die„Beschuldigten" zunächst mit Straf- mandat-en von je 15 M. einsetzte, dann das Schöffengericht in Bittcrfeld und zweimal die Strafkammer in Halle als Berufung�- instanz beschäftigte. Das Schöffengericht hatte 10 M. Strafe für dre Proletariev nicht als ausreichend erachtet und je 20 M.— also insgesamt 120 M.— für die entwendeten Disteln festgesetzt. Die Angeklagten mußten einmal die Reise nach Bitterfeld, zweimal nach Halle an* treten, sich mit einem Verteidiger versehen— und zur letzten Ver- hairdlung waren sieben Zeugen aufgeboten. Der Herr Amtsvor« steher verteidigte sein Distelrccht so gut er konnte, während der Ver- teidiger geltend machte, die Distel sei im Sinne des Gesetzes kein Bodenerzeugnis und deshalb auch keine Feldfrucht. Der„Erfolg" des-schönen Prozesses, der ein hübsches Schlaglicht auf die„Gründ- lichkeit" unserer Rechtspflege und die..Hochschätzung" unserer Eigcntumsbcgriffe wirft, war die Freisprechung der scch» Ange- klagten. Wieviel Gehirnschmalz, Tinte und Papier werden wegen- der Heiligkeit des Eigentums an den Disteln vergeudet worden fein?, KS Pf. pro Nachtschicht. In einem Dorfe in der Nähe von Halle a. S. ist der Nacht» Wächter Kühn gegen eine Jahresentschädigung von etwa 200 M. tätig. Der Mann arbeitet auch am Tage, ist aber verpflichtet, min» bestens von abends 11 Uhr bis 3 Uhr nach-tS zu wachen und abends wie früh einige Gehöfte zu schließen- oder zu öffnen. Da nun der Mensch auch einmal schlafen wollte und mußte, suchte er ab und zu zur Nachtzeit seine Behausung auf. Seine Frau mußte ihn in der Zeit„vertreten". Mehrere wohlhabende Dorfbewohner verlangten äber einen besseren Schutz ihres Eigentums. Ein Fleischermetster -und Hausbesitzer beschwerte sich bei dem Amtsvorsteher, wurde bc- letdigcnd gegen den Nachtwächter und machte Skandal. DaS Schöffengericht verurteilte den Fleischermeister zur Zahlung einer Geldstrafe von 55 M. und brachte tn der Urteilsbegründung zum Ausdruck, bei einer Entschädigung von etwa 00 Pfennig pro Schicht könne man weitere Opfer von einem Nachtwächter nicht verlangen. Auch ein Beitrag zur gefüllten Kompottschüssel. Marktbericht von Berlin am 28. Dezember l»!», nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte—— bis—, mittel—. geringe—. Roggen, gute Sorte 17,08-17,10, mittel 17,04-17,00, geringe 17,00—17,02(ab Bahn). Futtter. gerste, gute Sorte 17,70— 18,P>, mittel 17,00-17,00, geringe 10,40-10,90. Hafer, gute Sorte 18,80-20,40, mittel 17,10-18,70(frei Wagen und ab � Ä arkthallenpreise. 100 Ktlogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» zgM— 50,00. Speifcbohnen, weiße, 80,00—00,00. Llnfen 85,00—00,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,50—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfletsch 1,50—2,40. Butter 2,40— 3,00. 00 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,00— 3,20. Zander 1 40—3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—8,20, Bleie 0,80—1.50. 60 Stück Krebse 3,00—24.00. ■i" Oskar Wollburg Trauer= Magazin Berlin N., Brunnenstraße 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Kranzspenden sowie sämtliche* Blurncnarrancctucnts liefert schnell und billig l*aiil Gross. Lindenstr 69, Tel. Mp!. 7203. ?elz- waren Fabrik und Lager von Stolas, Krawatte n, Muffen, Pelz- sacken, Pelzen. Kindergarnitnren USW. Nur reelle Ware, von der einfachsten bis zur elegantesten.— lausende Sachen feul Lager. Auch Einzelverkauf zu billigen Preisen. Sonntags geöffnet. F. 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I Todes-Anzeigen SozialdemokratisciierWablTereiD !.[|.4.BerlJeiclistagswaliikreis. Nachruf! (Frankfurter Viertel. Bez. 376.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse August 8e!i«!egei', Gollnowstr. 13, gesiorbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sand am Montag, den 30. Dezember, aus dem Bartholomäus-Kirchhose in Weitzensee statt. 221/18 Der Vorstand. k. i 6. Herl. Reichsfapwalilkreis, Am 29. d. MtS., verstarb unser Genosse, der Arbeiter Robert KilKe Stargarder Str. 17, Bezirk 536. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 1. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Frei- religiösen Friedhojes, Pappelallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/11 ldvi' VoreiteMnl. SozialdemokratiseberWalilyereiii NiederharDim. Bezirk Reinickendorf-Ost. Am 29. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Reisende Otto Wille Beltener Str. 1. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Januar 1913, nachm. 3 Uhr, von der Leichen- | Halle des Friedhofes in der Hum- I boldtstraße aus statt. ■ 215/13 Der Vorstand. Deutseber Bauarbeiterverhand. Zwclgvcreln Berlin. Am 27. Dezember starb unser Mitglied, der Bauarbeiter kicharc! Horn (Bezirk Friedenau). Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 31. Dezember er., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Friedenauer Gemeinde-Fried- hoscS aus statt. 118/7 Der Borstand. .Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, dag mein lieber Mann, unser guter Vater, der Restaurateur Franz Jaehnke am 28. Dezember sonst ent- schlasen ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Januar 1913, nachmittags 3 Uhr, auf dem neuen Jakobi-Kirchhos in Neukölln. Her- mannsttatze, statt.( DieS zeigen tiesbetrübt an Die trauernde Gattin 83A nebst Kindern. > Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempncr Pranz Jaehnke Neukölln, Weisesttaste 8, am 28. Dezember an Herzleiden ge- storben ist. Die Beerdigung findet am Don° ner-stag, den 2. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jakobi-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraste, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Lnnsi Kurz Neukölln, Ringbahnstraste 16, am 20. Dezember durch Unfall. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 31. Dezember, nachmillags 2 Uhr. von der Leichenhalle deS Neuköllner Ge« meinde-Friedhofes am Marien- dorfer Weg aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 135/10 Die Ortsverwallung. Danksagung. Für die schönen Kranzspenden und herzliche Teilnahme bei der Beer« digung meiner unvergestlichen liebe» Gattin 32A Klara Kiesler sage ich allen Bekannten und Vcr- wandten, den Hausgenossen, Partei- und Sportgenossen sowie dem Ge- nosscn Franz Wegncr sür seine trost- reichen Worte meinen herzlichsten Dank. Fritz Giesler. Am Sonntag, den 29. Dezember, verstarb plötzlich und unerwartet unser lieber Freund und Kollege, der Schriftsetzer Willielm Lckiclc im 12. Lebensjahre. Sein bescheidenes und kollegiales Wesen sichern ihm ein bleibendes Andenken. vio �eitunzssetzer des„Berliner Tageblatts". Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Januar, nachmittags 2 Uhr, aus dem St. Matthias-Mrchhos, Marien- höhe, Schöncberger Stt. 116, statt. 1862b Verband der Sebueider u. Schneiderinnen. Filiale Berlin I. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dast unser Kollege kriedrick Dietz am 28. Dezember 1912 im Alter von 53 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Januar 1913, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des«st. Hedwigs-Kirchhoses in Reinickendorf, Berliner Sttaste 26, aus statt. 165/11 Die Drtsverwaltung. Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschi. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dast unser Kollege Molk Furchheim (I. Bambus u. Co.) am 28. De- zembex verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Pankower Kirchhoses, Schönholzer Heide, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erivartct 76/20 Der Vorstand. Alfen Freunden und Bekannte» die traurige Nachricht, daß meine inniggeliebte Frau 1851b Marie Majewska geb. Pietraszynska am 29. Dezember nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. DieS zeigt tiesbetrübt an Albin Majewski nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Januar, nach- mittags 2'/z Uhr, von der Leichen- halle de? St. Michael-Kirchhoses, Wariendorser Weg, aus statt. SuziaidemubratiscberVablyerein Henkölln. Dm Parteigenossen zur Nach- richt, dast unser Mitglied, der Nieter IBrnst Kurz Ringbahnstt. 16(13. Bezirk) beim Trägerabsturz am Gleisdreieck tödlich verunglückte. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neu- köllner Gemeindesriedhoses am Mariendorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deuiscber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unsere Kollege, der Geschäfts- kutscher Paul Lasch am 28. d. MtS. im Alter von 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 31. Dezember, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Gemeinde- sriedhoses, Mariendorser Weg, aus statt._ Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Arbeiter Rohcrl Büke am 28. d. Mts. im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 1. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappelallee, aus statt. 69/18 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Danksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters 48A Fritz l>onath sagen wir allen, welche dem Ver- storbenen die letzte Ehre erwiesen, insbesondere dem Genossen Obst sür die trostreichen Worte am Grabe sewie dem Gesangverein Schöneberger Männerchor, den Mitgliedern des Brauereiarbeiterverbandes� und den Genossen des Wahlvereins Schöneberg, unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Gattin nebst Kindern. Zeitungs-AusgalresteUe« und Inserateu-Annahme. Stentram: Albert H.a h n i s ch, Ackerstt. 171, am Koppenplatz. 8, Wahlkreis, W.: Gust. Schmidt, Kirchbachstt. 11, Hochparterre. S. und SW.: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. S. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstt. 3t, Hos rechts Part. 4. Wahlkreis: Ost e n; Robert Wenzels, Gr. Franksurterstr. 120. — Richard H a ck e I b u s ch, Petersburgerplatz 1(Laden). 4. Wahlkreis, Süd o st e n: Paul Böhm, Lausttzerplatz 11/15. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanueltirchstr. 12(Hos). v. Wahlkreis(Zioahit): Solomon Joseph. Salzwedelerstr. 8. Wedding: I. Hönisch, Nazarethtirch sttaste 19. Bosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, Rheinsbergerstr. 67, Laden. (aesnndhrunnen: Fischer, Bastianstt. 6, Laden. Schönhanser Vorstadt: Karl Mars, Greisenhagener Str. 27. A dlershof: Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. Alt-Elienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickerstt. 6. Ilannischnlenweg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, l. Bernau, Biintgental, Zeperniek, Schönow, Schön- brück und Buch: Heinrich B r o s e, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf, Falkenberg und Falkenhorst: Paul G e n s ch, Bohnsdorf, GenossenschastshauS.Paradies". Charlottenburg: Gustav Sicharnberg, Sesenheimerftraste 1 Elchwalde, Schmöckwitz: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. 99. Erkner, Ken- Zittau: Ernst Hossmann, Friedrichshagener Chaussee. Fredersdorf-Petershagen, Eggersdorf: E. H ö s e I b a r t h, Petershagen. Friedenau, Steglitz, Südende, Grc-B- Ldchterfelde, Lankwitz: H. Bernsee, Alsenstr. 5 in Steglitz. Friedrichshagen, Fichtenau, Bahnsdorf, Schöneiche, Kl.-Schönebeck: Ernst Werkmann, Köpenicker Straste 13. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. ■Johannisthal, Rudow: Max G o n s ch U r, Parkstr. 6. Karlshorst: Richard Küter, Rädelstr. 9, II. Königs- Wusterhausen, Wildau: Friedrich B a u m a n n. Bahnbosstr. 13. Köpenick: Emil W i st l e r, Kietzerstt. 6, Laden. Lichtenberg, Frledrichsfelde, Hohenschönhausen: Otto Seikel, Wartenbergsttaste 1(Laden). Bahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdorf: P. H e st b e r g, Kauls» dors, Ferdinandsttaste 17. Hariendorf: August Leip, Chausseestt. 296, Hos. Barienfelde: Emil SB ti nett, Berliner Str. III II. Nenenhagen, Hoppegarten: Gustav 2 et), Wolterstraste. Neukölln: M. Heinrich. Neckarstt. 2, im Laden: Neukölln. Britz: Rohr, Siegsriedsttaste 28/29. Nieder-Lehme: Karl Freitag. h'ieder-Schöneweide: Wilhelm Unruh, Brllckenstr. 10, II. Nowawes: Wilhelm Joppe, Friedrichstr. 7. Ober-Schöneweide: Aisred Bader, Wilhelminenhosstt. 17, II. Pankow, Niederschönhausen, Nordend, Frz. Buch holz, Blankenburg: Ristm an». MllHlenstt. 30. Beinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Sehönhoiz: P. G u r i ch, Provinzstt. 56, Laden. Bummelsburg, Bozhagen, Stralau:A. Rosenkranz, Alt« BoHHagen 56. Schenkendorf b. Königs-WusterHausen: Chr. H a n t s ch k e, Dors. straste 10. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherftr. 69, im Laden. Spandau, Nonnendamin, Staaken, Seegefeld und Falkcnhagcn: Koppen, Breitestr. 61. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst, llermsdorf. Hohen- Kenendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschsttaste 10. Teltow: Wilhelm Bonoiv, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhof: JoH. Krohn, Borussiastt. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kieshoizstraste 112, Laden. W eiliensee, Heinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, Part. Wilmersdorf, Ualensee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wihelmsaue 27. Zeuthen, Biersdorf: Ernst H ü t t i g, Zeuthen, Miersdorfer Str. 11. Sämtliche Partelliteralur sowie alle wilsenschastlichen Werke werden gelieserl. vrestlner Bank. Aktienkapital M. 200 000 000. Reservefonds M. 61000000. Wechselstuben und Depositenkassen: Wechselstuben-Zentrale: W. 56, Französische Str. 35/36. Berlin W.: *A. Französische Str. 35—36, An der Hedwigskirche. *B. Potsdamer Str. 1Ä6, nahe Eichhornstraße. *E. KnrfUrstendamm S38, an der Kaiser-Wilhelm-Gedäehtniskirche. *K. Potsdamer Str. 103a, Ecke Kurfürstenstraße. P. Hotzstr. 66, Ecke Martin-Luther- *U. Kurfürstendamm 181, Ecke Konstanzer Straße. fT II. KnrfUrstendamm 316, Ecke Fasanenstraße.' Berlin NW.: 'O. Turmstr. 87, Ecke d. Sfromstraße. M II. Flensburger Str. 10 a, Ecke Lessingstraße. Berlin N.: L. Chansseestr. 138,129. am Oranienburger Tor, Q. Brnnnenstr. 2, amRosentalerTor. *R. Bails tr. 35—36, Gesundbrunnen. *S. Mttllerstr. 6, am Wedding. *X. Schönhauser Allee 144. Berlin NO.; S T. I-andsbergcr Str. 100, am Büschingplatz. •H. Gr. Frankfurter Str. 32, an der Fürstenwalder Straße. *Z. Greifswalder Str. 205, an der Marienburger Straße. Berlin C: •C. Königstr. 33, Alexanderplatz. F. Spittelmarkt 4 Spittelmarkt. -7. Bahnhof Kaulhaus Berlin O.: M. An der«lannowitzbrücke 1. »v II Frankfurter Allee 1/2, am Bingbahnhot'. Berlin SO.: L n. Köpenicker Str. 1, am Schles. Tor. KU. Wiener Str. 11, nahe Bahnhol. Berlin S.: BIT. STene Roßstr. 1, Jakobstraße. »v. Oranlenstr. 145/146, amMoritz- platz. Berlin SW.s *G. liindcnstr. 7, Ecke der Neuen- burger Straße. N II. Bellealllancestr. 107, am Blücherplatz. *S II. Friedrichstr. 204, Eck. Schützenstraße. Charlottenburg: *J. Berliner Str.58, nahe Hauptpost. M II. Kaiserdamm 118, Ecke Suarez- straße. Schöneberg; *N. Hanptstr. 18, gegenüber dem Bathaus. *G II. Barbarossastr. 45, an Berchtesgadener Straße. Wilmersdorf: II. Hohcnzollerndamm 196, Ecke ühlandstraße. «V II. Kaiser- Allee 190/191, Ecke Güntzelstraße. Friedenau: *Y. Bheinstr. 1/8, Ecke Schmargen- Ecke dorfer Straße *K II. Südwest- Korso Kaiserallee. 77. *V, ScbloC Bathaus. Steglitz: tr. 85, gegenüber dem Groß-Lichterfeldc: *A *\V. Ost, Jungfernsticg II. West. Carlstr. 114, seebahnhof. 3. am Wann- Zehlendorf-Mitte: Dk II. Hanptstr. 7. Spandau: Q II. Potsdamer Str. 31—32. Tegel; Görlitzer»Q n. Berliner Str. 99, nahe der Hauptstraße. Pankow: Ecke Neue*C II. Schönholzer Str. 1, nahe dem Bathaus. Neukölln: *P II. Berliner Str. 66/57, a. Hauptpostamt. +F II. Kottbnser Damm 79, a. Hohenstaufenplatz. Tempelhof: *E II Berliner Str. 8, bahnhof. nahe Bing Annahtne von Depositengeldern zur Verzinsung; An- und Verkauf von Wertpapieren, ausländischen Geldsorten, Devisen usw.; Einlösung von Coupons und Dividendensebeinen, Ausstellung von Schecks und Kreditbriefen; Diskontieren und Einziehen von Wechseln und Schecks; Beleibung börsengängiger Wertpapiere und deren Versicherung gegen Kursverlust im Falle der Auslosung; Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren: Beschaffung und Unterbringung von Hypotbekengeldern; Ablösung von Hypotheken, die das Berliner oder das Brandenburgische Pfandbriefamt erwirbt; Annahme von Paketen, Kisten nnd dergl. als verschlossene Depots unter gesetzmäßiger Haftung der Bank; Vermögensverwaltungen aller Art sowie Testamentsvollstreckungen. Die mit* bezeichneten Wechselstuben besitzen Stahlkammern. HP Teilzahlung I Mark Grammophone Zithern Mandolinen Puppenwagen FiH.Sehmilt,Pele�uIrgEe.ra|Ir-23 PoUtnanns vSatidagen- Oefchäft, neble Hrtihel zur Gesundheits- u. 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Dezember, im Gewerkschaftshaus stattfindenden Silvestcrfeier sind noch Billetts a 20 Ps. bei den Bezirksführern und im GewerlschaftShauS zu haben. Alles Nähere im Inseratenteil. berliner IVadmcbtem Die juristische Sprechstunde findet heute nur von 4 bis Ve« Uhr statt._ Das Extrablatt. Die blonde Zeitungsfrau an der Ecke sagte, als ich ihr gestern ein blitzblankes Fünfpfennigstuck hinlegte, die Zeitung koste einen Groschen. „Ja, warum denn," fragte ich. „Sonntags immer einen Groschen, wegen das ville Papier," belehrte sie mich freundlich.„Nu bin ich froh, daß ich nicht schwarzer Peter bleibe und nock die letzte Nummer verkaufe. Die nehmen nischt zurück. Dafür sage ich Ihnen was Neues!" Ich machte mein gespanntestes Gesicht. „KiderlemWaechter ist vor zwei Stunden gestorben," sagte sie mit wichtiger Miene. „Woher haben sie das?" fragte ich. „Mein Kollege hat es nur gesagt, und ein Herr, wo in die Zeitung schreibt, hat es auch gesagt", erklärte sie eifrig. Neben mir stand ein höherer Beamter der Straßenbahn. Er hatte einen Bauch und sprach in vorgesetzten! Tone: „Böse Sache", sagte er und betoute jede Silbe einzeln. Pause. Dann mit Ucberzeugung:„Man muß die Extrablätter abwarten." An der nächsten Straßenecke stand ein Schutzmann. Als ich vorübergehen wollte, trat ein Herr auf ihn zu, lüftete den Hut und fragte höflich:„Verzeihen Sie, ist es wahr, daß Kidcrlen-Waechter gestorben ist?" „Wer?" fragte der Schutzmann teilnahmslos. „Kiderlen-Waechtcr", wiederholte der Herr. Der Schutzmann hob den Kopf, sein Gesicht legte sich in strenge Falten und er fragte in amtlichem Tone:„Woher wissen Sie das?" Dem Herrn gab es einen Ruck. Er drückte den Brust- kästen heraus und suchte vergeblich au den Seiten seines Paletots die Hosennähte. Dabei stotterte er:„Ein mir un- bekannter Herr hat eS soeben in der Straßenbahn gesagt." „So", autivortete der Schutzmann drohend. Dann wendete er den Blick nach innen und dachte nach. Und schließlich erklärte er gewichtig:„Man niuß die Extrablätter abwarten." An der Potsdamer Brücke aber war es schwarz von Menschen und eS war kein Durchkommen. Und alle drängten sich um die Zeitungsjungen und rissen ihnen die Extrablätter aus den Händen. Und der Potsdanier Platz war weiß von den Blättern niit der Todesnachricht, und die Menschen traten darauf und schritten darüber hinweg und die Räder der Automobile zer- rissen sie und der Wind hob die Fetzen auf und spielte damit in den Ecken. Doch an den Eiscngittern, welche die Rasenflächen des Leipziger Platzes umschließen, hatten sich die Todesblättcr zu Hunderten gefangen. Ein altes, verhutzeltes Weiblein ging das Gitter entlang, nahm die Blätter herunter und stopfte sie, inethodisch und gründlich, in einen großen Sack. Dabei jammerte sie laut und vernehmlich:„Wenn es nur regnen wollte! Wenn es nur regnen wollte!" Denn es waren einige Tropfen gefallen. Ein Droschkenkutscher, der gerade halten mußte, nef ihr teilnahmsvoll vom Bock aus zu:„Warum wollen Se nu wieder Regen haben, Mütterchen!" Die alte Frau stützte sich auf den Sack � und antivortete traurig:„Damit das Papier schwerer tvird. Es jibt nur Vierzig Fenniche für den Zentner." Ucber die Entwickelung der Berufsvormnudschaft in Berlin macht das Amt folgende Mitteilungen: Die Berufsvormund- schaft in Berlin ist seit dem 1. April 1912 in Kraft. Dreiviertel Jahre sind nunmehr seit dem Bestehen der neuen Einrichtung verflossen, deren Entwickelung Ivette Kreise mit Interesse verfolgen. Tie Nachrichten von sämtlichen Geburten unehelicher Kinder in Berlin gehen von den Standesämtern bei dein Vormundschaftsamt der Stadt Berlin ein. Mit einem auf Grund von Fragebogen, die mit der Mündelniutter auf- genommen werden, getroffenen Vorschlage eines Vor- iuundes wird dann die Geburtsnachricht dem Gericht über- sandt. Bis zun: 27. Dezember 1912 find über 6500 solcher standesamtlichen Nachrichten bei dem V o r m u n d s ch a f t s- a m t eingegangen, um alsbald mit dem Vorschlage eines Vorninndes gn das Vormundschaftsgericht weitergegeben zu werden. Die Aufnahme der Fragebogen konnte in etwa M Proz. aller Fälle schon vor Eingang der standesamtlichen Nachricht erfolgen, da Helferinnen des Vormundschaftsamtes ständig die Entbindungsanstalten aufsuchen. In anderen Fällen wurde unverzüglich nach Eingang der standesamtlichen Nach- richt die für die Wohnung der Mutter zuständige Säug- lingsfürsorgestelle mit der Aufnahme des Fragebogens be- traut. Ausnahmslos war es in allen Fällen möglich. die Mutter unmittelbar nach der Geburt des Kindes durch eine auf dem Gebiete der Säuglingspflege geschulte Person zu belehren, sie namentlich auf den unentgeltlichen Rat und die Hilfeleistung der bisher in der Zahl von sieben in Berlin bestehenden Säuglings fürsorgestellen hinzuweisen. Bis zum 27. Dezember'1912 ist in mehr als 3100 Fällen einer der drei Berussvormünder als Vormund verpflichtet worden. Am 1. Januar soll ein vierter Berufsvormund hinzukommen. Bewährt hat sich vor allem die Einrichtung, daß jeder Richter nur mit eincni Berufsvormund zu tun hat, wodurch in ganz kurzer Zeit die Bestellung eines Vormundes erwirkt wird. Das erfreulichste Entgegenkommen hat die neue Einrichtung bei sämtlichen beteiligten Berliner Vormundschaftsrichtern und dein Polizeipräsidenten ge- funden. Ein wirklich harmonisches Zusamnienarbeiten ist erreicht worden. Der Berussvormund, der selb- ständig die ihm übertragenen Vormundschaften bearbeitet, steht der Mutter an drei Tagen in der Woche zu mündlichen Besprechungen zur Verfügung, wovon reichlich'Ge- brauch gemacht wird. In jedeni einzelnen Falle wirkt der Berussvorniund namentlich darauf hin, daß der Unterhalts- anspruch des Kindes gegen seinen Erzeuger verfolgt wird. Trotz der 3100 Vormundschaften mußten aber etwa nur 650 Prozesse angestrengt werden, in den übrigen Fällen erfolgte eine frei- willige Anerkennung der Unterhaltspflicht. Schon hierin ist eine höchst erfreuliche Folgewirkung der Berufsvormundschaft zu er- blicken. Die Fälle, in denen der Erzeuger seine Zahlungen un- mittelbar an die Mutter oder die Haltefrau leistet, überwiegen so sehr, daß der Geldverkehr des Vormundschaftsamtes bisher verhältnismäßig kein allzu großer gewesen ist. Die dem Vor- munde nach dem Gesetz zustehende Kontrolle der Mutter hin- sichtlich der Ausübung ihres Sorgerechts gegenüber dem Kinde wird durch die Vermittelung der sieben Säuglingsfürsorgestellen ausgeübt. Die Ueberwachung wird durch Hausbesuche der Helfe- rinnen aufrechterhalten. Allein im Monat November sind von den Helferinnen der Säuglingsfürsorgestellen 3800 Hausbesuche gemacht worden, im gleichen Zeitraum haben 2600 ärztliche Vorstellungen stattgefunden. Legitimationskarte» für Stadtverorduete verlangt ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, welcher der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlußfassung vorliegt. Bis heute gibt es solche Ausweise in Berlin noch nicht, wohl aber in verschiedenen anderen Städten. Bei Revisionen und bei anderer von Stadtverordneten ausgeübten Tätigkeit er- weisen sich solche Ausweise als notwendig. Ausnahmen von der Porschrift des 8 139.: der Gemerheordnung über Mindcftruhczcit und Mittagspause der Angestellten für das Jahr 19l3. Ter Polizeipräsident gibt bekannt: Auf Grund des 8 139 ck Ziffer 3 der Gewerbeordnung sowie unter Bezugnahme auf Ziffer 5 der landcSpolizcilichcii Anordiuing voui 10. Oktober 1908 betreffend den Achtuhrladenschluß setze ich hierdurch nach Anhörung der Gemeindebehörde und von Vertrciungcn der beteiligten Ge- schäftSinhaber und Angestellten für den OrtSpolizeibczirk Berlin die Bestimmungen dcS 8 139c der Gewerbeordnung über die den Ge- Hilfen, Lehrlinge» und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben iKontoreni und Lagerräuinc» zu gewährende M i n d e st r u h c z e i t und Mittagspause für folgende Tage de» Jahres 1913 außer Anwendung: 1. bei den Blumenhandlungcu für den 22. März, 20., 21. und 22. November, 23., 30. und 31. Dezember; 2. bei den Spiclwarcnhandlungen für den 4. bis 8., 8. bis 13., 15. bis 20., 22. und 23. Dezember; 3. bei den Buchhandlungen für den 11. bis 13., 15. bis 20., 22. und 23. Dezember; 4. bei allen übrigen offenen Verkaufsstellen für den 15. bis 20., 22. und 23. Dezember.— Ausnahmet<»ge mitNeun- uhrladenschluß. Unter Bezugnahme auf Abschnitt 2 der oben- erwähnten landespolizeilichcn Anordnung über den Achtuhrladen- schluß in der Fassung des Nachtrages vom 28. Januar 1910 wird hiermit für den Ortspolizcibczirk Berlin bestimmt, daß im Jahre 1913 alle offenen Verkaufsstellen am 10. bis 19., 22. und 23. De- zcmber 1913 für den geschäftlichen Verkehr bis 9 Uhr abends ge- öffnet sein dürfen. Bei der für alle Sonnabende bereits nach Nr. 1 der Achtuhrladenschluß-Anordnung bestehenden Ausnahme lAcunuhrtadenschlutz) behält es sein Bewenden. Zugüberfüllung der Südringbehnzüge. Uns wird geschrieben: Die fortgesetzten Klagen über die unhaltbaren Zustände der Zug- übersüllung in den Hauptverkehrszeiten auf der Südringstrecke der Stadt- und Ringbahn von Halensee bis Potsdanier Ringbahnhof. unter welchen die Bewohner von Wilmersdorf, Friedenau und Schöneberg hauptsächlich zu leideu häben, welche gezwungen sind, die Südringzüge nach dem Potsdamer Ringbahnhof als Verkehrs- mittel zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends zu bc- nutzen, haben den B e z i r k s v e r e i n.,K a i s e r p la tz" veranlaßt, hier erneuert Maßnahmen zu ergreifen, um endlich eine Abhilfe zu schaffen. Zur Unterstützung einer von dem genannten Verein an die königliche Eifcnbahndirctüon der Stadl- und Ringbahn- gcrich- tctc Eingabe, mit welcher auf diese unerträglichen Zustände hin- gewiesen wird, richtet der Verein au das Publikum, das die Sladt- und Ringbahn auf dieser Strecke benutz!, die Bitte, die Fahrkarten, in erster Linie die Monatslarten und Monatsnebenkarten, ins- besondere jetzt am Ultimo dieses Monats bei der Abfahrtstation zu taufen; es kommen hier in der Hauptsache die Bahnhöfe Schmargendorf, W i l m e-r s d o r f- F r i e d c n a u und E b c r» st r a ß c in Betracht. Zur Feststellung der Frequenz bei der Ringbahnbcnutzung aus diesen drei genannten Bahnhöfen ist eine Zählung des fahrenden Publikums beantragt, bei welcher die Statistik mit ausschlaggebend sein wird, wie umfangreich der Fahr- kartcnbcrkaus bezw. der Verkauf von Monatskarten und Monats- Nebenkarten sich hier gestaltet. Bis jetzt ist diese- Statistik immer eine unrichtige gewesen, d. h. eine der tatsächlichen Frequenz des von diesen Stationen fahrenden Publikums widersprechend«, da die Monatskarten und die Monatsnebentarten, wie allgemein üblich, aus dem Potsdamer Ringbahuhof gelöst werden." Die Zugüberfüllung beschränkt sich leider nicht allein auf die Südringzüge, aus dem Stadtring ist es wohl noch schlimmer und Abhilfe täte hier gleichfalls dringend not. Mit dem schwerkranken Kinde abgewiesen, lautete eine Notiz, die wir der„Deutschen Tageszeiiuug" euluabnieu und in der Freitags- nunlmer unseres Blattes zum Abdruck brachten. In einer aus Südende herrührenden Zuschrift an das geuannte Blatt wurde dargelegt, daß ein schwerkrankes Kind nach dem Kinderkraukenhause in der Neinickendorferstraße gebracht worden sei, die Aufnahme dort aber abgewiesen worden sei, obwohl vorher auf tclcphonische Au- stage eine Zusage erfolgt wäre. Wir ersuchten den Magistrat, sich über die Sache näher zu äußer». Aus dem Bericht, den die Direktion des Kiud»rklallreuhauscS dem Magistmi erstattet hät, wird uns folgende» mitgeteilt:„Das Kind ist sogleich nach der Einlieferimg— am Donnerstagnachmittag 23/4 Uhr— von einem Arzte untersucht worden. Dieser stellte fest, daß es sich uin eine bereits in Rückbildung begriffene Rachendiphtherie handelte, die von einem Arzte bereits schon mit Heilserum behandelt worden war. Irgendeine Gefahr für das Leben des KindeS lag durchaus nicht vor. Von einem„schwerkrankenKinde" kann daher nicht die Rede sein. Da außerdem die Eltern deS Kinde» ihren Wohn- sitz außerhalb Berlins haben, und Eltern sowohl wie Groß- eltern sich in günstigen BennögenSverhällnissen befinden, so daß eine Behandlung durch Isolierung im Hause durchaus möglich war, mußte der Arzt in richtiger Befolgung seiner Instruktion die Aufnahme deS Kindes im städtischen Krankcnhause ablehnen. Er hat aber nicht unterlassen, den Eltern zu empfehlen, das Kind entweder bis zur Genesung im Hause der Großeltern zu belassen oder eS in der königl. Charitö unterzubringen." Der Bericht der Krankenhausdirektion geht davon aus, daß im Gegensatz zu der Schilderung in der„Dentschen Tageszeitung" eine Lebensgefahr für das Kind nicht vorlag. Welcher Arzt im Rechte ist, der Privatarzt, der die dringliche Aufnahme in ein Krankenhaus anordnete, oder der Kraiileichausarzt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Aber wesentlich ist doch der Um- stand, daß den Anfragenden die Aufnahme des Kindes ins Krauken- Haus vorher zugesagt war. Auch die„Vosjische Zeitung", die den Fall einer Besprechung unterzieht, gibt derselben Ansicht AuS- druck. Sie schreibt: „Vielleicht aber liegt noch im vorliegenden Falle den Vor- wandten des Kindes gegenüber eine große Unbilligkeit vor. Man hatte ihnen doch ausdrücklich zugesagt, daß das Kind Aufnahme finden würde. Demgegenüber sagt man im Krankenhausc, bei der Anfrage sei nicht mitgeteilt worden, daß es sich um A u S- w ä r t i g e Handelle. Wer hier ini Recht ist, das kann der Außen- stehende nicht entscheiden. Auf eine telephouische Anfrage bei dem Bettennachweis des Magistrats, ob der Wohnort angegeben worden sei. wurde die Redaktion— auf den Weg einer schriftlichen Eingabe"verwiesen! Bis aus deren Erledigung zu warten, würde doch wohl eine zu lange Hiiiansschiebung der Erörterung bedingt haben." Ganz gleich, wie die Sache im einzelnen liegt: Der Fall beleuchtet wieder einmal die kommunale Zerrissenheit Groß-BerlinS. Leider ist es wahr, daß viele Gemeinden Groß-BerlinS recht wenig für ihre kranken Geineindemitglieder sorgen und gegebenenfalls ihre Einwohner auf die Hilfe fremder Gemeinden verweisen. Ist eS doch ein Skandal ohnegleichen, daß eine reiche Gemeinde wie Wilmers' dorf wohl Mittel für den Bau eines stattlichen Rathauses bewilligt, obwohl es bis heute noch eines Krankenhauses entbehrt. Ein wirkliches Groß-Berlin würde da» Vorkommen solcher Fälle, wie der von„Deutschen Tageszeitung" geschilderte, auf ein Minimum reduzieren. An die Adresse der städtischen Straßenreinigung richtet sich eine Beschwerde, die uns aus unserem Leserlreise zugeht und die sich aus die Reinigung des Humboldlsteges bezieht, der über die Stettiner- und Nordringbahn führt und die Hochstraße mit dem Humboldthain verbindet. Die Zuschrift lauter:„Der Fußboden der Brücke besteht aus vollständig enganeinander gefügten Brettern, die weder Luft»och Wasser durchdringen lassen und somit schnell faulen und modern, aber den Fußgängern das Passieren des Steges sehr erschweren. Der überaus starte Verkehr über den Steg(hauptsächlich durch die Arbeiter und Angestellten der A. E.-G., Brunnen- und Ackerstraße) verursacht ein schnelles Austreten der Bretter, so daß der Steg bei Liegen- und Schneeivetter eine einzige große Pfütze bildet. Nach Eintreten von trockener Witterung, die die Straßen der Stadt und die Promenadenwege des Hains schon längst ge- trocknet bat, kann inan aus dem Humboldtsteg noch vier bis sechs Tage durch Morast und Kot waten, weil durch den starken Verkehr vom Hain her täglich neuer Saud und Schmutz auf den Steg getragen wird. Bei Frost wird dieser Weg durch Sand- oder Kiesstreuen noch schlechter. Hier Abhilfe zu schaffen, tut dringend not. Meiner Meinung nach kann der Mißstand schon dadurch wesent» lich behoben werden, wenn die Bretter in der jetzigen Verfassung ein oder einige Löcher gebohrt bekämen, um das Ablaufen de» Wassers und das Wegspülen des Schmutzes zu gestatten. Bei Er- Neuerung der Brückenausiage dagegen dürfte es angebracht sein, Fugen zwischen den einzelnen Brettern zu lassen, wie die frühere Putlitzbrücke, wenn ich nicht irre, auch beschaffen war."» Nach unserer Keiintuis der Dinge ist die Beschwerde berechtigt. ES wäre Sache der Straßcnreinigung, auch des Humboldtsteges zu gedenken und die Rcinigung borzunehmcn, die dort notlvcndig ist. Bon» Opfer des Polizcirevolvers. Wer war der Unbekannte, der in der Nacht vom 24. zum 25. August in der Münzstraße an der Ecke der Dragonerslraße von einem Polizisten niedergeschossen wurde? Wir berichteten in der vorigen Woche(in Nr. 300), daß eine in Ober-Schöneweide wohnende Frau Fischer ihren seit jenein Abend verschwundenen Sohn, den neunzehnjährigen Artur Fischer, jetzt in dem Erschossenen wiedergefunden zu haben glaubt. Nachdem ihr auf Verlangen die Photographien der Leiche vorgelegt worden waren, bestand für sie kein Zweifel mehr, und sie gab dann der Berliner Polizei weitere Anhaltspunkte zur nachträglichen Feststellung der Persönlichkeit. Unsere eigene Ueberzeugung, daß die Annahme der Frau Fischer das Richtige trifft, ist inzwischen noch befestigt worden. Wir hören, daß auch die Schlüssel, die man bei dem Erschossencir gefunden hat, zu einem weiteren Beweismittel geworden sind. Verwandte von Artur hatten der Polizei mitgeteilt, daß er einen Hausschlüssel und einen Korridorschlüssel, die ihnen gehörten, bei sich gelragen habe. Gleiche Schlüssel sind der Polizei überreicht worden und es soll dann eine Vergleichung mit den Schlüsseln des Erschossenen die Uebereinstimmuug ergeben haben. Seitdem ist»nchr als eine Woche vergangen, aber noch immer warten die Verwandten darauf, daß die Polizei an Ort und Stelle die Schlüssel des Etschossenen probieren soll. Wir möchten nicht annehinen, daß sie die Probe, wenn sie eine solche überhaupt noch für nötig hielte, so lange hinaus- schieben würde. Vermutlich ist eS ihr selber bereits zur Gewiß- h e i t geworden, daß in dem Erschossene» tatsächlich der verschwundene Artur Fischer wiedergefunden worden ist. Wundern müßte man sich darüber, daß die Polizei bis- her nichts davon hat an die Oeffentlichkeit gelangen lassen. Auch die Zeitungen, die in einer die Frau Fischer kränkenden Notiz behaup- teten, daß sie ihre Angaben erfunden habe, um Armenunterstützung zu erlangen, haben e» einstweilen nicht für nötig gehalten, über die weiteren Ermittelungen etwas zu veröffeutlichen. Die Eheleute Fischer, als die gesetzlichen Vertreter ihres der- schwundenen Sohnes, haben jetzt, wie wir hören, bei der Staats« anwaltschaft eine Strafanzeige gegen den Schutz in ann G a b b e r t eingereicht, der in jener Nacht den verhängnisvollen Schuß abfeuerte. Nachdem bereits vor Monaten die Ilittersuchung hierüber abgeschlossen und da» Verfahren eingestellt worden ist, wird wohl auch diese nachträgliche Strafanzeige zu keinem anderen Ergebnis führen, zumal da außer den beteiligten Schutzleuten keine anderen Zeugen ermittelt zu sein scheinen. Die Staatsanwaltschaft wird sich aber in ihrem Bescheid darüber zu äußern haben, ob ihr der Erschossene als Artur Fischer gilt oder nicht. Wir vermuten, daß sie diese Frage bejahen wird, ohne erst noch die von den Eltern beantragte Ausgrabung der Leiche für nötig zu halten. Silvcstcninftig paßt nicht in die Großstadt. So hat Herr v. Jagow in einem Erlaß an die Uitfugstifter in der Neujahrsnacht dekretiert. In einer Bekanntmachung heißt es: „Vorkommende Ausschreitungen werden nicht mehr durch polizeiliche Strafverfngnugen erledigt, sondern der Staatsanwalt- schaft zur gerichtlichen Ahndung überwiesen. Im Jahre 1912 sind aus diesem Anlaß 38 Personen gerichtlich verurteilt lvorden, davon 7 zu Haflstrafen von einem Tage bis zwei Wochen, und 27 Personen zu Geldstrafen von 1 bis 30 M. Vier Personen sind»nit einem Verweis davongekommen. Es wird diesmal be- sonders darauf geachtet werden, daß daS immer mehr überhand nehmende Äonfettiwerfen und Schleudern der Papierschlangen nach vorübcrfahrenden Straßenbahnwagen, Omnibussen und anderen Fuhrwerken möglichst vermieden wird, da ein solcher Unfug— neben der Verunreinigimg der Straßen— in besonderem Maße geeignet ist, größere Unfälle herbetzuführeu, indem nicht nur die Pferde scheu gemacht, sondern auch die Kutscher und Chmiffeure in ihrer Bewegungsfreiheit und Anfnicrksamkeit erheblich be- hindert werden. Ueberhaupt paßt Silvesteruiifug nicht in eine Großstadt." Die Uebermutigen sind also gewarnt; sie mögen nach einem Dorfe gehe», wo nach Jagows Meinung allem Anscheine nach eher Unfug getriellen werden kann._ Berechtigtes Kopfschiittclu der Straßeiipassanten erregte am Sonntagabend gegen 8 Uhr ein Vorgang. der sich im Hausflur eines Hauses der Schönhauser Allee ablpielte. Dort hat nahe dem Ningbahnhofe die Heilsarmee ein Standquartier, in dem um 8>/« Uhr eine Hallelujaversammlung stattfinden sollte. In richtiger Erlenntuis der Reklame hatte sich kurz vor Beginn der Versammlung im Hausflur ein Sängerchor der Heilsbrüder aufgestellt, der fromme Lieder intonierte. Natürlich sammelten sich die zahlreichen Spazier- ganger auf der Straße an und bald umlagerte ein dichter Menschenhaufe das Haus. Auch ein Schutzmann kam würdevollen Schrittes angeschritten, machte einen langen'Hals und trottete nach kurzem Verweilen weiter. Da es sich weder um eine sozialdemo- kratische Kundgebung, noch um eine Verkehrsstörung durch einen Streikposten handelte, fand er offenbar keinen Anlaß zum Ein- schreiten. Ungestört durfte später noch ein vor der Tür stehender Ausrufer der Heilsarmee die Passanten darauf ausinerksam niachen, daß hier die Frommen am Werke sind, die Seelen der Weltsünder zu retten. Das ist ein so verdienstlich Werk, daß man dagegen doch nicht mit dem Groben Unfug-Paragraphen einschreiten kann! eS sind doch keine Streikposten.... Schlafstellenvermieter nötigt folgender Vorfall zur Vorsicht: Mit einem' Pappkarton„arbeitet" ein Schlafstellendieb, der in der letzten Zeit verschiedene Stadtviertel unsicher macht. Neuen Mie- lern gegenüber sind die Schlafstellenwirtinnen in der Regel miß- trauisch, wenn sie keine Sachen mitbringen. Andererseits benutzen Schwindler oft gerade den Trick, daß sie die Wirtinnen unter der Vorspiegelung anborgen, ihr Gepäck vom Bahnhof abholen zu wollen. Jetzt tritt ein„Spezialist" auf, der mit diesem Mißtrauen von vornherein rechnet und es auf die einfachste Weise beseitigt. Er erscheint jedesmal mit einem großen, stark verschnürten Papp- karton und erweckt so den Anschein, daß er etwas besitzt. Der Karton hat aber nicht nur den Zweck, das Mißtrauen der Leute zu beseitigen, sondern auch noch einen zweiten, der für den„Schlaf- burschen" ebenso wichtig ist. Sobald der neue Mieter seinen Raum bezogen hat, schickt er die Wirtin unter irgend einem Vorwande weg, oder' wenn ihm das nicht gelingt, so wartet er, bis sie zum Einholen oder dergleichen weggehen muß; erbricht dann, wenn er allein ist, alle Räume und Behältnisse, packt alles, was er für mitnehmens- wert hält, in seinen Karton und verschwindet mit der Beute, ohne aufzufallen. Der gefährliche Bursche hat kurzgeschorene Haare und einen Anflug von Schnurrbart und trägt einen Kneifer ohne Ein- fassung. Aus dem Landwehrkanal gelandet wurde Sonntag nachmittag bor dem Grundstück Elisabethuser 3 die Leiche einer noch unbekann- ten, ungefähr 25 bis 30 Jahre alten Frau, die ihrem Aeußeren nach dem Mittelstande angehört zu haben scheint. Die Tote ist mittel- groß, hat blondes Haar und blonde Augenbrauen und trug einen schwarzen Rock, einen blauen Unterrock, ein schwarzes Jackett, blaue, durchbrochene Strümpfe, Knopfhalbschuhe mit schwarzen Schleifen und weiße Unterwäsche. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ermittelt und festgenommen würden zwei Einbrecher, die vorige Woche auf dem Grundstück Kupfergraben 3 einen Einbruch ver- übten, dabei von der herbeigeholten Polizei gestört wurden und entkommen waren. Bei der Gelegenheit wurden 10 Revolvcrschüsse gewechselt. Die jetzt Festgenommenen hatten bei der Flucht Schußver- letzungen und schwere Verstauchungen erlitten. Feuer in der Brauerei Königstadt alarmierte gestern früh um 4 Uhr die 5. Kompagnie der Berliner Feuerwehr nach der Schön- hauser Allee 10/11. Dort war in der Malzdörre hinten auf dem Hofe im 2. Stock vermutlich durch Entzündung einer Horde Malz Feuer ausgekommen und hatte bei Ankunft des 17. Löschzuges schon eine größere Ausdehnung erlangt. Das Malz liegt dort auf Draht- gitter in sogenannten Horden, um gedörrt ju werden, die auf Decken- konstruktion aus Eisen ruhen. Diese stürzte schließlich unter der Last des Malzes auf das 3 Meter darunter liegende brennende Malz. Schließlich gelang es den Anstrengungen der Feuerwehr, eine weitere Ausdehnung zu verhüten und die Gefahr weiterer Einstürze zu beseitigen. Der Schaden ist voll versichert. Eine Betriebsstörung der Brauerei findet, da noch genügend Malzvorräte vorhanden sind, nun in beschränktem Umfange statt. In der Nacht zum Montag kam um Mitternacht in der Bülow- straße 41 in der Wohnung des Bezirksvorstehers und Kaufmanns Reit» meister durch EntflammungeinesWeihnachtsbaumeS Feuer aus, das auch Möbeln und Decken erfaßte. Bei dem Versuch, die Flammen zu löschen, erlitt Herr Rettmeister Brandwunden ersten und zweiten Grades am Kopf und an beiden Händen, wäh- ren der Gärtner Wilhelm Linke Schnittwunden an den Händen erlitt. Beide wurden von«Samaritern mit Notverbänden versehen. Durch die Entzündung von Films entstand in einem Kinematographenthcatcr in der Ruppiner Str. 33 Feuer. Die Ge- fahr konnte.schnell beseitigt werden. Bei der Feier der arbeitenden Jugend am 2. Weihnachtsfeiertag im„Friedrichshain" ist ein Stockschirm verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, denselben abzugeben bei Willy Scholz, NO.öö, Chodowieckystr. 37, 4 Tr. Vororr-]V achncbtcm Köpenick. Wohl als erste der Groß-Berliner Gemeinden legte der Magistrat noch in der letzten Sitzung im alten Jahre den«Stadtverordneten den Etat für 1013 zur Begutachtung vor. Gleichzeitig erstattete Bürgermeister Dr. LangerhanS den Verwaltungsbericht für das Jahr 1012. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß die drei städti- scheu Werke, Straßenbahn, Gasanstalt und Elektrizitätswerk, im Berichtsjahr einen Gewinn von 233 000 M. gebracht haben. Dies sind ungefähr 00 Proz. der Gsmeindeeinkommensteuer. Das Ein« kommensteuersoll beträgt 307 000 M. Erwähnenswert ist noch ferner, daß das Schulwesen eine Verbesserung erfahren soll, indem zum 1. April 1013 an den Gemeindeschulen und an der Dorotheenschule Selekten errichtet werden sollen. Auch an der Hilfsschule habe eine weitere Klasse errichtet werden müssen. Des weiteren soll die Kinderzahnklinik zum 1. April 1913 eröffnet werden. Auch sei der Vertrag mit dem Provinzialschulkollegium, betreffend die Seminar-UebungSschule gekündigt, ein neuer soll Vertrag nur auf der Grundlage des siebenstufigen Schulsystems geschlossen werden. Zum ersten Male wurde auch berichtet, daß 81 Schulkinder warmes Frühstück und zwar'/« Liter Milch und Brötchen erhalten, llebergehend zum neuen Etat ersuchte Bürger- meister Dr. Langerhans die Stadtverordneten, nur die unbedingt nötigen Wünsche und Anregungen vorzubringen, denn der Vorschlag des Magistrats, den Gemeindeeinkommensteuerzuschlag von 108 Proz. auf 150 Proz. für das nächste Etatsjahr herabzusetzen, bedinge auch eine Einschränkung der Ausgaben auf das notwendigste. Zum Schluß seiner AuSsührungen erklärte er noch, daß die Finanzlage der Stadt einer erfreulichen Besserung entgegengehe und daß die Bürgerschaft mit Vertrauen in die Zukunft blicken könne. Der Magistrat hoffe, für das Jahr 1014 dieselben Steuerznschläge erheben zu können wie für das Jahr 1013. In der hierauf fol- genden Besprechung erklärten sich die bürgerlichen Vertreter von dem Vorgetragenen voll und ganz befriedigt. Unsere Genossen betonten, daß auch sie mit der Herabsetzung des seit Jahren sehr hohen Steuerzuschlages einverstanden sind, daß aber darum die von ihnen als dringend notwendig erachteten Einrichtungen nicht zurück- stehen dürften.' Es seien noch im Schul- und Armenwesen sehr nötige, in anderen Gemeinden Groh-Berlins schon längst eingeführte Verbesserungen notwendig. Auch sei bei der Rentabilität der städtischen Werke der Magistrat verpflichtet, endlich die Lohn- und Arbeits- bedingungen der städtischen Arbeiter so zu gestalten, daß Köpenick nicht hinter den Nachbargemeinden zurücksteht. Endlich müssen für die bei der Stadt beschäftigten und nicht festangestellten Personen Pensionseinrichtungen geschaffen werden. Hierauf wurde der Etats- Voranschlag dem Elatsausschuß zur Vorberatung überwiesen. Zum Schluß wurde noch dem Antrage de? Magistrats, von der Errichtung einer Neuen allgemeinen Ortslrankenkasse abzusehen, zugestimmt und allseitig der Wunsch ausgesprochen, daß das Oberversichcrungsamt dem Antrage auf Zulassung und Ausgestaltung der bestehenden Orts- krankenkasse die Zustimmung geben möte. Weißensee« ■ Ein Dachstuhlbrand kam gestern nacht in der Roelckestr. 17» zum Ausbruch. Die hiesige Wehr hatte tüchtig zu tun. sie konnte aber nicht mehr verhindern, daß der Dachstnhl ein Raub der Flammen wurde und die oberen Stockwerke durch Eindringen von Wasser stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Entstehung des Brandes onnte nicht mehr festgestellt werden. Klein-Schönebeck— Fichtenau. „Müggel-Post" nennt sich ein Blättchen, das seit einigen Monaten die Umwohner des Müggelsees mit Lolalneuigkeiten versorgen will. Ist bei so emem Lolalmoniteur schon an und für sich der Inhalt ungenießbar, so geben diesem die Mitarbeiter vollends den Rest. Besonders der Pseudonyme Reporter, welcher die Berichte über unsere Gemeinde verbricht, ist ein wahres Rätsel. In seiner Erfindungs- gäbe zeigt er sich schon als Meister, während die Fixigkeit seiner Berichterstattung auf einen Bewohner der Südseeinseln schließen läßt. Was der„Vorwärts" vor Wochen über unsere Gemeinde be- richtete, ist ihm erst jetzt gerüchtweise zugegangen; was noch fehlte, setzte er selbst zu. Und nun phantasiert er in der«Mllggel- Post" vom 21. Dezember, daß ein Antrag des sozial- demokratischen Wahlvereins um„frühere" Beleuchtung der Straßen von der„Gemeindevertretung" abgelehnt worden sei >nnd die„Unterstützung des Antrages durch den Gemeinde- verordneten Tobias fruchtlos war", und„daß die hockwohlweiie Gemeindevertretung, in der drei Sozialdemokraten sitzen", die Schul- kinder in einen unzulänglichen Raum untergebracht und sich damit eine Versammlung der Einwohner befaßt habe. Zuletzt schwindelt er, daß„die Sozialdemokraten dem Herrn Gemeindevorsteher 1000 M. als Weihnachtspräsent bewilligt haben." ES ist natürlich alles er- funden. Die„Müggel-Post" sucht ihre Abonnenten auch in Arbeiter- kreisen: doch damit dürfte das Blättchen nicht viel Glück haben. Arbeiter, die unsere bewegte Zeit zu deuten wissen, abonnieren nicht ein Blättchen, dessen Mitarbeiter weder Wahrheit von Dichtung unterscheiden, noch den Inhalt des„Vorwärts" richtig ab- schreiben kann. Spandau. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des 12jährigen Schülers Felix Seiferl gefunden, der seit dem 15. Dezember ver- mißt wurde. Vorgestern fanden spielende Kinder in einem aus- gemauerten Hohlraum der Stresowbefestigung in der Nähe der Kaserne des Garde-Grenadier-Negiments Nr. 5 die Leiche des Knaben. Der bedauernswerte Junge hat die elterliche Wohnung vielleicht aus Furcht vor Strafe wegen eines geringfügigen Ver« gehens heimlich verlassen. Er ist dann in Spandau und Umgebung planlos umhergeirrt und schließlich nach der Festung gegangen, um dort zu libernachten. Hier ist der Schüler dann offenbar erfroren. * Jugendveranstaltungeu. Temprll/of-Mariendorf. Die arbeitende Jugend veranstaltet beute Dienstag, abends 8'/, Uhr. im Lokale von Otto Becker in Tempelhoj, Berliner Str. 41/42, eine Silvesterseier. Die Eltern derjelben sowie Freunde und Bekannte sind hierzu eingeladen. Huö der fraiienbewegimcf. Gememschaftsschule. Auf einer außerordentlichen Tagung des preußische!?„Zentral- Verbandes für die Interessen der höheren Frauenbildung" wurde am Sonntag über die Lage der sogenannten höheren Mädchenbildung in den kleineren«Städten verhandelt. Die Referentinnen wiesen u. a. auf die Tatsache hin, daß— während seit Jahren noch über die Frage debattiert wird, ob der gemeinschaftliche Unterricht für beide Geschlechter nützlich oder verwerflich ist— die Gemeinschafts- «rziehung in 40 prentzischen Orten bereits«ingeführt ist. Von diesen Schulen sind 38 städtische und 11 private Anstalten. Allerdings müssen diese Zahlen insofern eingeschränkt werden, als es sich in den meisten Fallen um Koedukation in den Vorschulen handelt, die schon durch die Verordnung vom Jahre 1008 zugelassen ist. Die Gemeinschaftsschule ist, wo sie eingeführt ist, in allen Fällen die einzige Schule am Orte, die über die Volksschule hinausgeht. Sie stellt insofern lediglich einen Notbehelf dar. In 11 Fällen hat die Negierung auf Drängen der Städte die Gemeinschaftserziehung auch über das 14. Lebensjahr hinaus gestattet. Die„grundsätzliche" Ablehnung der Koedukation durch die preußische Negierung bedeutete daher eine Inkonsequenz. Bei den Volksschulen auf dem Lande bildet die Gemeinschaftserziehung ja die Regel.— Eine Resolution, die für bessere Finanzierung der höheren Lehranstalten für Mädchen und für die Verbreitung von Mittelschulen eintritt, fordert auch die weitere Ausdehnung des gemeinsamen Unterrichts._ Der Bund französischer Frauenvereine beabsichtigt, für die erste Juniwoche 1013 einen internationalen Kongreß(des Jnternatio- nalen Frauenbundes) einzuberufen. Die Generalversammlung des Internationalen Frauenbundes findet 1014 in Rom statt. Klus aller Alelt. Sin Drama auf bober See. Den Tod in den Wellen fand am zweiten Weihnachtsfeiertage fast die gesamte Besatzung des auf der Fahrt von Swansea nach Nizza befindlichen dänischen Dampfers„Vollmer". Am Sonnabendabend brachte der englische Fischerdampfer„Ibis V" den Kapitän O e r b a ch und e i n e n M a t r o s e n des Dampfers, der in einem schweren Sturm südlich von den Scilly-Jnseln gesunken war, nach Newlyn. Die beiden waren einem offenen Boote gänzlich erschöpft in der Nähe von Kap Lizard aufgefunden worden. Sie sind die einzigen Ueberlebenden der 17 Mann zählenden Besatzung. Die beiden Ueberlebenden gaben im Hospital eine ausführliche Schilderung der furchtbaren Leiden, die die Mannschaft zu erdulden hatte, bevor sie durch den Tod erlöst wurde. Danach wurden am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages durch � eine Sturzwelle drei Rippen des Schiffes gebrochen, so daß ein g r o ß e s L e ck entstand und das Waffer mit großer Gewalt in das Schiff eindringen konnte. Nachdem die Mannschaft die Unmöglichkeit sah, den Schaden aus- zubesiern, wurde beschlossen, das Schiff zu verlassen. Das erste Rettungsboot, welches hinabgelassen wurde, wurde gegen das Schiff geschleudert und zerbrach. Acht Mann, die bereits Platz genommen hatten, ertranken. Das zweite Rettungsboot, in dem sich der Kapitän und acht Mann der Besatzung befanden, kippte um. doch gelang eS. das Boot wieder auf« zitrichten und alle Mann wieder aufzufischen. Die nun für die neun Personen folgenden Qualen waren unbeschreiblich und hatten zur Folge, daß bereits in der Nacht die beiden Heizer ver starben. Der erste Offizier wurde irrsinnig und stürzte sich in die Flut, nachdem er versucht hatte, den Kapitän zu erdroffeln. Die Ueberlebenden mußten, um ihren Durst nur einigermaßen löschen zu können, das Regenwasser in ihren Händen auffangen. EinMatrose stürzte sichindie Wellen, um seinen Qualen ein Ende zu bereiten. während im Verlans weniger Stunden drei andere Matrosen kurz nacheinander verstarben. Schließlich wurden die beiden Ucbcr- lebenden in der Nähe des Kap Lizard in völlig erschöpftem Zustand und besinnungslos aufgefischt._ Schweres Brandunglück in Moskau. In den Frühstunden des Sonntags kam in Moskau in einem Hause, in dem Arbeiter der Alexanderbahn logieren, ein Brand aus, der sich bald über das ganze Haus verbreitete. Die Mehrzahl der Bewohner wurde von den Flammen im Schlafe überrascht. Aus den Trümmern des Gebäudes wurden 14 stark verkohlte Leichname geborgen. Was ein Pfarrer ungestraft darf. Ein in Duisburg wohnender Schriftsetzer heiratete kürzlich. Das Paar ließ es bei der standesamtlichen Trauung bewenden und verzichtete auf die kirchliche. Die junge Frau, die bis zu ihrer Ver- heiratung in Stoppenberg gewohnt halte, erhielt vom dortigen Herrn Pfarrer Lintzen folgendes bezeichnende Schriftstück zugesandt: Stoppenberg, 21. 12. 1912. Fräulein.......... Fräulein nenne ich Dich noch, das bist Du in meinen Augen und in den Augen der Kirche. Wie ich vernommen zu m. größten Schmerze, lebst Du in wilder Ehe, also in beständiger Todsünde. Das hätte ich von Dir bei all Deinen religiösen Kenntnissen am allerwenigsten gedacht. Ich hoffe, daß diese Erinnerung Deines alten, treubesorglen Seelsorgers ge- nügt, um diese wichtige, ja wichtigste Lebensaufgabe wieder zu ordnen. Melde Dich daher bei Deinem jetzigen Pastor mit Deinem Bräutigam, zeige ihm eventuell diesen Brief, und er wird Dich und Euch gerne' aufnehmen und die Sache kurz und schnell regeln. Ich werde für Dich beten, daß Ihr Eure Christenpflichten erfüllt. Dein langjähriger Seelenhirt. Lintzen, Pfr. Da sollte einmal ein anderer so verächtlich von Staats- einrichtungen sprechen, dem würde der Staatsanwalt schön auf- warten. Uebrigens hat der fromme Mann erleben müssen, daß seine inbrünstigen Gebete für das Seelenbeil der jungen Frau wirkungslos verhallten, denn durch das Schreiben ist das junge Ehepaar in seiner„beständigen Todsünde" nur bestärkt worden. Die Rache des Gehörnten. In B l i d a(Algier) hat sich am Sonnabend ein Eifersuchts- drama abgespielt. Der frühere Militärarzt Dr. B a t t u hatte durch einen anonymen Brief erfahren, daß seine Frau die Geliebte eines Offiziers des hier stationierten Jägerregiments sei. Gestern abend fand er seine Frau mit dem Offizier G a v e t vom 1. Afrikanischen Jägerregiment in eifriger Unterhaltung begriffen. Battu stürzte sich auf das Paar und schoß zuerst den Offizier nieder. Sodann richtete er die Waffe auf seine Frau, die in das HauS zu flüchten versuchte, und tötete auch sie d u r ch z w e i S ch ü s s e in den Rücken. Dr. Battu stellte sich darauf selbst der Behörde. Kleine Notizen. Gnibenopfcr. Auf der Florentinergrube bei B e u t h e n(Ober- schlesien) wurden am Montag zwei Häuer durch nieder- gehende GesteinSmassen verschüttet. Die Ver- imglücklen konnten nur a ls Leichen geborgen werden. In den Flammen umgekommen. In der Nacht zum Montag brach in der Papierhandlung von Klemm in Schwiebus Feuer ans. durch welche? das ganze Hans tn Asrtie gelegt wurde. Die Besitzerin des Geschäfts, Frau Klemm, ist dabei verbrannt. Die Rettung des Handwerks. Auf eigene Weise betrieb der Rendant Ginschel von der Kattowitzer Handwerkerbank die Rettung des ehrbaren Handwerks. Er wurde verhaftet, weil man ihm die Schuld an der 100 000 Mark betragenden Unter» b i l a n z des Instituts zur Last legt. Raubmord an einem Gutsbesitzer. Auf seiner Besitzung in D a l a a s(Tirol) wurde am Sonntagabend der Gutsbesitzer T h o n y von Räubern überfallen, ermordet und beraubt. Von den Tätern fehlt jede Spur._ Freireligiöse Gemeinde. Mittwoch, den 1. Januar, vormittag» 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6; Vortrag von Herrn A. Schabon: „Der Freiheit eine Gasse".— Damen und Herren als Gäste sehr will» kommen. Arbeiter-Wandcrverein„Berlin". Wanderfahrt am Mittwoch, den 1. Januar 1913: Rings um den Müggelsee. Treffpunkt(mn bis 10 Uhr) im Restaurant„Gesellschaftshaus", Friedrichshagen. Kasteepauje und Treffpunkt für Nachzügler bis 5 Uhr.«Strandschloß am Müggelsee": Wttterungöübersicht vom 30. Dezember ISIS. Wetterprognose für Dienstag, den 31. Dezember ISIS. MUd und zeitweise aufklarend, jedoch vorherrschend wolkig bei lebhaste» südwestlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasserftandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.') Unterpegel. Brnfkaften der Redaktion. Die luristische Sprechstunde findet L t n d e n st r a S««S, dorn vier Treppe» — Fapr stuhl—, wochentäglich»o» 4<4 618 7 Vi Uhr abends, konnadcnds, von 4 Vi bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den vrteftafteu»efttmmteu«nsrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Mertzeicheu deizulUgen. Brtefllche Antwort wird nicht erteilt. Ausrage», denen leine Abonnementsqnittung delgesügt ist, ,erden nicht beantwortet. Ellige Fragen»rage man tn der eprechstnnde vor. Heute findet die Sprechstunde nur von 4 bis Uhr statt! A. 3. 36. 10 Bis 6 Uhr, sofern im MietSvcrirage nicht eine andere Zeit bestimmt ist.— R. B. 11. Die Beschlagnahme ist nur zulässig wegen der Steuer, die nicht länger als>/< Jahr fällig ist. Sosern es sich um bereits länger fällig gewesene Steuer handelt, reichen Sie beim Magistrat Beschwerde cm.— H. G..4. 1., 2. und 3. Eine gesetzliche Berpjlich- tung hak tocbct die Satticäöti slcherungZansialt noch die Krankenkasse. Immerhin empsiehlt cS sich, an die Krankenkasse einen Antrag ans Ueber. nähme des Restes zu stellen.— A. R. 44. Zwingende Gründe, welche den Dispens nicht zulassen, kennt das Gesetz nicht. Die Frage rinterliegt lediglich der Beurteilung des Ministers aus Grund eines Gutachtens, welches das Landgericht erstattet. Die Bestellung eines Anwalts ist zwar nicht notwendig, erscheint aber zweckmäßig.— G. B. 9. a) Ja. b) Der Anspruch erscheint durchführbar, muß aber jetzt geltend gemacht werden. — Filialleiter. Nach ersolgler Aufforderung können Sie die Sachen durch einen Gerichtsvollzieher versteigern lassen. Die Kosten des Offenbarung seid- Verfahrens würden sich aus etwa 2 M. stellen, vorausgesetzt, dag der Schuldner im Termin erscheint. Ist lehiereZ nicht der Fall Sie die Verhaftung des� Schuldners; Sie müssen aber 45 M. einzahlen.— 2t. P. so beaniragen Hastvorschuß iliigestcllten- Nach Ihrer Angabe unterliegen Sie der Versicherung. Sie können sich beim Dtrekiorium für die Reichsversichcrung, Berlin-WilmerSdors, Hohenzollerndamm 20, beschweren.— I. L. IOÖ. 1. Ja. 2. Nach Vollendung des 24. Lebensjahres. 3. Nein.— 21. B. 300. 1. Die Bestellung des Pflegers ist offenbar zum Zwecke der Geltendmachung der Unterhaltsansprüche des Kindes erfolgt. 2. und 3. Ja.— R. U. 3. 1. Nur dann, wenn Gütergemeinschaft besteht. 2. Wenn die Aufforderung an den Ehemann gerichtet ist. Beschwerde bei der Kirchenbchördc. — Schwede 170. Da Ihnen ein Miteigentumsrccht zusteht, können Sie für den Fall der Pfändung inIcrbenleriN.— B. 8a. SS ist beim Ver« sichcrungSamt am Köllnischen Park 8 unter Ucberrcichnng der Ausrechnungs« bescheinigungen und der letzten Jnvalidenkartc der Antrag aus Invaliden- reute zu stellen.— H. 15. Nein— C. 1. 1870. Der Fahrschein würde voraussichtlich erteilt werden.— 2l. 138—07. l. Der länger als 4 Jahre zurückliegende Anspruch ist verjährt. 2. und 4. Ja. 3. Nein. 5. In zehn Jahren.— P. S. O. 17. 1. Nein. 2. Es kami bis zur Erhebung der Klage gewartet werden.— 21. 21. 70. 1. Ja. 2. An den Verein sür Feuerbestattung, Breilestr. 5.— E. X. 1808. Wiederholen Sie die Ansrage und geben Sie noch an, wann die Ehe geschlossen und wo der erste Ehe- Wohnsitz gewesen ist.— S. 1. Ist uns unbekannt. 2. Vor ca. 18 Jahren. Thealer und Vergnügungen nun ODO □□□ Dienstag, 31. Dezember 1312, Ansang 4 Uhr. Urania. Aufs Matterhorn. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Wildschütz. «gl. Schauspielhaus. Der Aus» tauschteulnant. Deutsches. Der blaue Vogel. Kamnierspiele. Mein Freund Teddy. Deutsches Opernhaus. Zar und Zimmermann. Berliner. Filmzauber. «omödienhaus. Die Generalsecke. Trianon. Die Erste— Die Beste Zlurfürsten-Opcr. Der Kuhreigen. Monti» Operetten. Der Frauen, sresser. Theater am Nollendorfplatz. Die schöne Helena. Groff-Bcrlin. Das Fürstenkind. SInfang Tl, Uhr. Kleines. Professor Bernhardt. Ansang 7'/, Uhr. Zirkus 2llbert Schumann. Gala» Vorstellung. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Thalia. Puppchen. Königgrätzer Straffe. Die jünj Franlsurter. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack. Residenz. Die Frau Präfidentw. Lustspielhaus. Gras Pepi. Friedr.> Wild. Schauspielhaus Der Zaungast. Ansang 8 Ubr. Urania. Paris und die schlösser von Versailles. Lcsslng. Der Biberpelz. Schiller O. Im weihen Röffl. Schiller- Gharlottrnburg. Der Wolkenkratzer. Luisen. Berlin-Hamburg-New Jork. Rose. Der große Unbekannte. Herrnseld.fBie Alpenbrüdcr. Wüsten» moral. Casino. Am grünen Strand der Spree. ReichShalle«. Bei Vätern. Wintergarten. Spezialitäten. 2lpollo. Spezialitäten. Ansang 8'/, Ubr. Folies Eaprice. In Sachen Katzenstein. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Ansang 8'/, Uhr. Neues Bolksiheater. Lore.— Die Spieler.— Der Kammersänger. Metropol. Chauffeur— WS Metropol. RcueS Operntheatcr(Kroll). Geschloffen. Ansang 10 Uhr. AdmiralSpalast. EiSballett: Flirt im St. Moritz. '.' Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Schiller-Theater OÄ«: Dienstag, abends 8 Uhr(Silvester): Im wclOcn KOUl. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Hcdda Gabler. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Scbmetterlingsscblacht. Donnerstag, abends« Uhr: Im ivelßea HOfil. Schiller-Theater ChTrT' Dienstag, abends 8 Uhr(Silvester); Zum erstenmal: HVollrealtrat-er. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hclmg'fnnden. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wolkcnkratxer. Berliner Theater. ? uhr: Filmzauber. 7-,. uhr- Die fünf Frankfurter. Deutsches SchanNpicihnus T'/j Uhr; Der gutsitzende Frack. "leater m Hollenilcrlßlatz S. Abends 7 Uhr. Zum erste» SNale: Bio schöne Helena. �Residenz-Theater.�. Die Frau Präsidentin. (Madame la Prssidente). Schwank!. 3 Akt. v.Hennequin u. Veber. Morg. u. folg. T.: Di« Frau Präildentin. Neujahr nachm. 3 Uhr: Franeillo». Luisen-Theater. Dienstag, abends 8_U!jr: »#« ______ W Berlin- Sambürg-New Bork. Gr. rom.» iom. Ausstattungsstück von Ernst Ritterseldt. Musik o. Georg Runsky. Mittwochnachm. 3 Uhr: RassleS. Abends 8 Uhr: 3erlin-»amhurg-8e« Vorst. oimerStagabend S Ubr: Bsrlln-. Hamburg-New York. Urania Wissenschaftliches Theater. Taabenstraße 48/49. 4 Uhr: Aufs Miatterhorn! Abends 8 Uhr: Paris und die Könies- achlOsscr von Versailles. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 7 Uhr: Der Frauenfresser. 08�711 Große Frankfurt ei Str. 132. Abends 8 Uhr: Der groffe Unbekannte. Kom. i. 4 Akt. v.Kurt Matull. Nach der Borst.: Stlvetter-Feier. Mittwoch 3 Uhr: Gewonnene Herzen. 8 Uhr: Die Sündeu der oberen Zehntausend. Wropol-Tdester lleuto abend V.g Uhr: Chauffeur ins Jltetropol! Groffe JahreSrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. I. lZiampietre. G. Thielscher. V. Norbert. J. Josephi. A. Guttrnann. W. Bishop. H. Ballot. M Lessing. Ly Winter. R. Felsegg. C. Mlllowltsch. Erstes Auftreten von Otto Reutter mit gänzlich neuem Repertoire I »'aniaren! Blumen- u. Confettischlacht! Rauchen überall gestattet! I,et»ter Vu» k der Sensal. lZeremb..ANrasttionen dlorxen 1. dkeujahrstaA: voter persönlicher heitunz des Komponisten „Rrllderleln fein". Alt-Wiener Singspiel von Jul. Wilhelm. Musik v. I.eo Fall. Sahary-Djeli La„Mystöriouso". ZZI Gastspiel � Max Linder der weltberühmte Film- Schauspieler in seinem Sketch: AusLiebe zum Hiilmeraugenoperateur Max, der Liebhaber; Max Linder sowie die sensationellen Dezember- Attraktionen. MMIS Von 8 Uhr abends bis 5 Uhr früh. Große Silvester-Feier! Riesen- Lach■ Programm origin. Art I Eine Darbietung einzig in dies. Genre. 3 große Schlager! WQslenmoral Scheidungs-Souper Die Alpenbrüder mit Anton und Donat Herrnfeld. Festprolog von Hugo Pollak. Fanfarengruff v. Garde-Kür.-Regt. Großes Silvester-Kabarett unt. Mitwirk, von 17 d. bedeutendsten Kabarettisten. Die Theaterbilletts berechtigen z.Teil- nähme an der ges. Silvcster-Feicr ohne Nachzabl. Vorverk. 11-2(Theaterkasse). Paul PifiMe. NeukSlln Knesebeokstr. 113. tute:«r. Silvester-Uall mit verschiedenen Ueberraschungen u. Gratis Punsch. u.Psannkuchcnpolonaise Ansang 8 Ubr. 1. Januar(Neujahr) sowie jeden Sonntag: dSr. Ball. Tanzleitung: äö. Schelliu. Ansang 5 Ubr. N'B. In meinem Lokal sinv Schiebe- tanze strengstens untersagt. PjwI Petrl, Gaffwirt. :zxzx& Dritter Kreis. Dienstag, den 31. Dezember 1912, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: « K Silvester-Feier« K unter Mitwirkung des Volkshumoristen Herrn Karl Hanisch und Fran. Eintritt ÄO PI. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 PI. nach. Anlang 9 Uhr. Zahlreiche Beteiligung erwartet 211/11 Koppenstr. 29 Kellers Festsäle Koppenstr. 29 Dienstag, den 31. Dezember, abends 8 Ubr: er Hrer Silör-Sfinsller- von Carl Hclnzlns— mit anschlieSendcm 3llVGSiGP■ BgIIb 12 Uhr: Gratis-Punsch- u. Pfannkuchen-Polonäse. Hlttsvoch, den 1. Janaar: Großer heiterer Künstler- Abend verbunden mit NeuJnhrs=B&ll* = Anfang 6'/, Uhr.= 1845b !->>- — Neue Welt Arnold Scholz Hascnhclde 108/114 Dienstag, den 31. Dezember!9I2, im Riesen-Festsaal: : Großer1 Silvester-Ball: mit Gratls-Funscli und l'fannkachen. Anlang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. M1 Im Keaen 8aal: Theater: iHimmel auf Erden". Silvester-Komödie in 3 Akten. Nachdem'anschließend: BlIVGSf Gr— Balls Anfang 81/, Uhr. Kassenöfinung 7 Uhr. Tolks-Theater Vicukölln, Hermannstr. SO. Mittwoch, den 1. Januar: Das Gesicht am Fenster. Detektivkomödie in 8 Bildern von F. Brooke-Warien. Deutsch von S. V. Lutz. Ansang Vl2 Uhr. Passage-Panoptikum Bis inkl. 1. Januar; PST"- Volkstaeo I'VW Jedermann 1 Kind frei. 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Dezbr., Abends 71/, Uhr: Große 8portvorstellnng Smr Um»>/, Uhr:-WtU Der ünsichtbare Mensch. 4 Bilder aus Indien. Neu; Sensationspiece! Neu! l.öwe nnf Uletant! Miß Bellonl mit ihren dressierten Papageien. Wettkegeln zu Pferde. Erfunden v. Dir. A. Schumann. Mittwoch, I.Januar(Neujahr): 2 gr. Fest-Vorstellungen 2 Nachmittags hat jeder Erwachsene 1 Kind frei auf allen Sitzplätzen. In beiden Vorstellungen Der unsichtbare Mensch. Zirkus Busch. Heute Dienstag, 31. Dezember (Silvester), abends 7'/, Uhr: DerAeroplan Im Zirkus. (Oer Affe als Aviatiker! I) Erstmalige Vorführ, eines frei vom Boden aufsteigenden und fliegenden Aeroplans i. Zirkus. Neu! The 3 Stewarts Letztes Auftreten des kleinen indischen?«,»»» Däumlings„SllltUIIl sow. d. berühmt. Reiterfamilie „Proserp i-'. Zum Schluß: Die große Prunk-Pantomime „Sevilla" in 6 glänzenden Akten. Avis! Mittwoch, I.Jan., nachm. 3'/, Uhr: Unter Rorlllas. Jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahr, auf allen Sitzplätzen frei. Folies Caprice. Heute Silvester Ansang 7',, Uhr: Dig Novitätons In Sache» Kaüenftein. Die Doppelfirma. Die Dochter der Braut. Ilisglör Königstadt-Casino. EckeHolzmarkt» u. Alexanderstraffe. 1 Minute o. Bahnh. Jannowitzbrücke Tägl. abdS. ff,«, Sonnt.>/.v Uhr: Ilnti-n» tlhristkuili». VolkSflück in 2 Bildern und das groff. Spczialttütenprogramm Jed. 1. u. IS.: Programmwechsel. Trtomm-Tdester. Ansang 7 Uhr: Die Erste— Die Reste! Mittwochnachm. 3 Uhr: Der selige Xouptnel. HÜÜJSi. Berliner üHior-noortett Gg. Treuer Iß! KastanieoiUMM N. Chausseestr. 1 10 KerMM-RlHCdlSälS Carl Dienstag, den 3t. Dezember 1912(Silvester); — Große humoristische Soiree mm der Paul Mantheys lustigen Sänger. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. uhr abt Großer Ball Von 11 Uhr ab in PpgReP �illlDClflP.ßüII vort' mit Gratis-Punsch- U ÜÜtl UlllBMCr-Dasl, u. Pf annkuchenpolonfise. .VÄ'ÄÄ»"!!*** sämtlichen Sälen; Udmiralspalast. Heute: Große Silvesterfeier! Ball auf Parkott in dep Eis-Arena. Entreo Hl. 5. Im II. Rang Hl. S(nur für Zuschauer). 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Sonntags 10—12. 2-4 Aimku- und graujbiubfrfi von Roberl Meyer,• Znh.; P. Golletz nur Uariaunku-Ztrkße 2. Telephon: MoriKPlnh 346. Sechste Abänderung zu dem Statut der Gris-KriliiKtiiKüft des Wiimngmttbes zu Berlin vom 84. November 1903. Slnifcl I. Beschlnft der ausserordentliche» Generalversammlung vom 41. Oktober 4948. K 13 wird dahin vervollständigt, dag bei 26 wöchentlicher Bezahlung der Beiträge das Krankengeld auf die Dauer von 39 Wochen gezahlt wird. § 14 wird dahin ergänzt, daß bei 26 wöchentlicher Bezahlung der Bei- tröge 60 Proz. statt 50 Proz. des Krankengeldes als Angehörigen-Unler- stützling und unter denselben Bedingungen sür die im Krankenhause unter- gebrachten unverheirateten Mitglieder ein Achtel statt ei» Zehntel des slalulenmägigen Krankengeldes gezahlt wird. Artikel 11. Die vorstehende Abänderung tritt nach ersolgter Genehmigm � mit dem Montage nach erfolgter Bekanntmachung in Kraft. Berlin, den 14. Oktober 1912. Der Wvrstand der OrtS Krankenkasse des SNanrergeiverbeö zu Berlin. C. Ü e h ii i g, A. D a e h n e, «-chrijisührer. Vorsitzender. Genehmigt durch Beschlug vom 26 November 1912. Der Beztrksausschus! zu Berlin Abteilung II. (L. S.) gez. Wagner. II C. 85. 42,4. Die zu tz 20 getroffenen Abänderungen find vom Bezirksausschuß nicht genehmigt worden und»mg eine evenil. weitere Abänderung einer denn nächst staltsindenden Generalverjammlimg zur Beschlußfassung unterbreitet werden. (siedruckte Exemplare der 6. Statutenabänderung mit Text, Ivie ihn die Generaloersainmlung vom 1l. Oltober er. beschlossen hat, wollen die Kassenmitglieder im Kassenlokal in Empsang nehmen.(Siehe ß 67 des Kassenstalüls.) 1678b Der Vorstand. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Uichelsmerder, beim Alten Frennd. an der»euen Heerstrastr Verkäufe. Bronzegasfronen, GaSzug- lainpen, Hängegaspendel, Gaswand- arnw. Moderne Hänqegastroiien, Gaskocher. Allerbilligste Bezugsquelle. Zurückgesetzte Muster spottbillig. 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