ff. 17. JlbonnemtntS'BfflfläOngtft: UbomiemkNtS- PreiZ fctämnntran&o: Bicrtcljährl. 3,30 SKt, tiionoll. 1,10 Mi. wöchenllicki 33 Pfg. frei inä HauS. Einzeine Nummer b Pfg, Sonntag?« n ummer mit illustrierter EomitagS- Belliig-.Die Neue Weit" 10 Pfg, Post. Wonnementt 1,10 War! pro»Nonit. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Pret-Iifte. Unter Kreuzband lär Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mari pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numanien, Schweden und die Schweiz. 30. Iahrg» Vichttot»glich aaBer Dlontaat. Verlinev VolltSbleltk. Die TnIertlens>Gefefll)r BthSgt für die fechsgefpaltene Kolonek- geile oder deren Raum 00 Pfg„ für politifche und gewcrlfchastliche Vereins- und Versntninlungs-Anzeigeu 30 P'g. „Rleine Hnztigcn", das setlgcdrucfie Wort 20 Pfg,(zuläfstg 2 fettgedruckt- Worte), jedes luester» Wort 10 P>g. Stellengesuche und Schlasstelleitau- geigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes wettere World Pfg. Worte über lüBuch- itaben zählen für zwei Worte, Inserat- ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Erbeditien abgegeben werden. Die Erbcdiiiou ist bis 7 Uhr abend! gevsstiet, Telegramm- Adresse! „SoiMlikintol kcrlto". Zentralorgan der rozialdemokrati fcbcn parte! Deutfcblands. Redaktton: 8M. 68, Lüidenstrasae 69, Ferusprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. �räliSent Wncari. Paris, 18. Januar.(Eig. Ber.) Wer hätte es nach den wütenden Kämpfen der letzten Tage für möglich gehalten, daß plötzlich allgemeine Freude und Zufriedenheit die ganze bürgerliche Presse ergreifen würde? Wohl mag es in der Tiefe weitergrollen, aber auf der Ober- fläche haben sich die Wogen erstaunlich geglättet. Die com- bistische Presse findet die Wahl Poincarös vom Standpunkt der demokratischen Revublik vortrefflich und auf der anderen Seite spendet der„Temps" in freigebiger Siegerlaune ein paar Komplimente für den liebenswürdigen Herrn Pams. Den unglückseligen parlamentarischen Führern des Blockradikalis- mus wird allerdings nichts geschenkt und der Hohn, der über die Clemenceau und Combes ausgeschüttet wird, zeigt die wahre politische Bedeutung der gestrigen Wahl. Es ist ein allzu durchsichtiger Taschenspielerkniff, wenn ein regierungsradikales Blatt die Mehrheit von gestern als eine„republikanische" im Sinne der bürgerlichen Linken präsentiert und die reaktionäre Presse ist durchaus im Recht, wenn sie den Erfolg PoincarsS als ihr Werk in Anspruch nimmt. Wenn der zweite Wahl- gang daS Ziffernverhältnis so verschoben hat, daß von den zur republikanischen Vollversammlung geladenen bürgerlichen Deputierten eine kleine Mehrheit für Poiucarö herausgerechnet werden kann, so darum, Iveil von den Anhängern PamS cinunddreifiig just zu dem Zweck abgeschwenkt sind, um dem Siege Poincarss, der unvermeidlich schien, im letzten Augenblick das republikanische Siegel aufzudrücken. Unbestreitbar hat gestern die konservative Republik über die radikale gesiegt. Es wäre durchaus verfehlt, zu glauben, daß die persönliche Bedeutung Poincarss gegenüber der Unbedeutendheit PamS die entscheidende Rolle gespielt hätte. So wenig man dieses Moment ganz außer Acht lassen darf— schon darum, weil die Aufstellung PamS die ganze Desorganisation der radikalen Partei zeigt— so ist doch sicher, daß, nachdem Bourgeois die Kandidatur abgelehnt hatte, Poincarö nur dann hätte besiegt werden können, wenn die Radikalen einen nicht auf das Blockprogramm eingeschworenen Kandidaten gefunden hätten, Es war namentlich von Delcasss die Rede, der vielleicht einen Teil der nationalistischen Stimmen cingefangen hätte. Cle- menceau war bereit, seinem alten Gegner beizuspringen. Aber wäre auch ein solcher taktischer Kniff gelungen, der Radika- lismus hätte gleichwohl von seinem Eiutagssiege weder Ruhm noch Nutzen gewonnen.' Poincars ist der Erwählte der Rechten. Daran ist nicht zu drehen und zu deuteln. Darum wäre es allerdings un- gerecht, in ihm einen„Gefangenen" der Reaktion und eine kon- servative und nationalistische Kampfnatur zu sehen. Sicher haben die Klerikalen recht, wenn sie ihr Eintreten für ihn auf seine Gegnerschaft gegen die Ordensgesctzgebung Waldeck- Rousseaus und seine Erklärungen für das Protektorat über die orientalischen Christen stützen. Und der leidenschaftliche Nasionalist de M u 11 irrt schwerlich, wenn er in Poincars den Staatsmann feiert, der für keine„ruchlosen Annäherungen" in der auswärtigen Politik zu haben sein werde. Dagegen ist wohl anzunehmen daß der kaltblütige Realismus des neuen Präsidenten kriegerische Abenteuer vermeiden wird. Seit dem Schlvabenstreich von Agadir ist die französische Bourgeoisie in einer unleugbaren chauvinistischen Stimmung, die in der Presse, auf dem Theater und im Tingeliangel oft einen widerwärtigen und der Tradition des französischen Geschmacks hohnsprechenden Ausdruck findet. Und Politiker. die über die„Unvermeidlichkeit" eines baldigen Krieges mit Deutschland allerhand fanatische Torheiten sagen, gibt es rechts wie links. Wenn der alte fromme Degen De Mun noch immer ein kommendes eisernes Zeitalter prophezeit, so sagte auch Clemenceau seit Jahren mit der Selbstgewißheit einer professionellen Kartenlegerin den Krieg fürs kommende Frühjahr voraus. Daß Poincarö. der sicher mit der nationalistischen Ideologie eine aus.teigung und Vernunft gegründete Verbindung hat. der Strömung nicht entgegenarbeiten Ivird, in der die Galeere des Klafsenstaats am besten dahintreibt, ist zu erwarten. Daß die rechnende Vernunft in ihm über die blinden Antriebe des Gefühls den Sieg behält, dazu kann die Macht des sozialistischen Proletariats entscheidend mithelfen. PoincaröS erste Ansprache ols Präsident hebt die„Aufrecht. crhaltuiig der»nationalen Verteidigung" und die„Einheit in der auswärtigen Politik" hervor Das militaristische Ge- klappcr gehört jetzt tn allen bürgerlichen Staaten zum Regierungshaadwerk. Die Arbeiterschaft muß dafür sorgen. daß es beim allerdings genug kostspieligen— Geklapper bleibt. Für die künftige Entwickelimg der sozialistischen Aktion. die in einer nationalistiich gestimmten Bourgeoisrepublit niit einer geschwächten und diskreditierten Refornidemokratie de- sonders bedeutungsvoll ist. kann die Einmütigkeit, der sozialistischen Fraktion bei der gestrigen Wahl als gutes Vorzeichen angesehen werden. Die Sozialisten können es ruhig ansehen, ob �oincarv vorläufig mehr mit der Linken oder nut den gemäßigten Parteien gehen wird. Sic werden sedensalls alle ihre Kraft einsetzen, daß nicht eine Versöhnung aus Kosten der Wahlreform angebahnt ®ir5. AaurvA Ipklcht fjtutc in der«§uni(init6� Don btt uu* geheueren konservatwen Kraft, die sich in der Kandidatur Poincarss, aber in einer unzusamnienhängenden Form auch in der Kandidatur Pams' kundgegeben habe. Er er- klärt, die sozialistische Partei sei vollkommen frei gegen- über Poincarö, so wie sie keinen Finger in den Wahlkünsten der radikalen Bezirkswahlrechtler ge- habt habe, und schließt:„Wir haben keine Revanche zu nehmen. Wir erwarten Herrn Poincarö bei seinem Werk, ohne vorgefaßte Feindseligkeit, aber in voll- kommencr Unabhängigkeit. Was wir anstreben, ist, die Republik auf der Bahn der sozialen Gerechtigkeit vorwärts zu bringen." Daß sich unsere Genossen diese Freiheit und diese Festig- keit auch gegenüber der„neuen Aera" Briands bewahren werden, die ja mit dem Erlaß über die politische Haft der Streik- demonstranten im üblichen Stil liberaler Eröffnungszeiten begonnen hat und mit der politischen Amnestie forrgesetzt wird, ist selbstverständlich. » DaS Ministerium Briand. Paris, 20. Januar. Briand besprach sich im Laufe des Vormittags insbesondere mit Jonnart, Pichon, Andrö, Lefövre und Etienne und wird seine Bemühungen, ein neues Kabinett zu bilden, nachmittags fortsetzen. Er ist bestrebt, möglichst viele der zurückgetretenen Minister zu gewinnen, da das Kabinett Poincarö angesichts der Wahl seines Führers zum Präsidenten sozusagen an einem llebermaße von Vertrauen gestorben sei. Aber Bourgeois weigert sich PoincaröS Nachfolger für das Auswärtige zu werden und Delcasis will weder daS Portefeuille der Marine bebalten, noch KriegSminister werden, obgleich Briands an beide gerichtetes Er- suchen von FalliöreS und Poincarö warm unterstützt wird; Bourgeois und Delcasis begründen ihre Weigerung mit ihrer erschütterten Ge- sundheit,_ 9er Freisinn Im loche der lialionalliberalen. „Nur Rarren oder Unehrliche können uns glauben machen wollen, daß im nächsten Jahr« zehnt das liberale Bürgertum ohne die sozialdemo- tratischc Arbeiterschaft ein gutes Wahlrecht erringen kann." Dr. Heinz Potthoff im„Verl. Tageblatt". Tic Erkenntnis, die Heinz Potthoff so klar und unzweideutig ausgesprochen, scheint für die führende n Kreise des Freisinns nicht zu existieren. Wenigstens verrät das, waS fortschritts- offiziöse Berichte über den sunter Ausschluß der Oefsentlichkcit tagenden) preußischen Parteitag der Fortschritts- Partei melden, auch nicht die blasseste Spur der politischen Ein- ficht in das, was die Stunde gebot. Tie Sozialdemokratie hat dem Freisinn zu ehklicher gegenseitiger Unterstützung die offene Hand geboten— aber der freisinnige Referent über die Frage der Wahltaktik, Herr Fischbeck, lehnte unter stürmischem Beifall des Parteitags das Bündnis mit der Sozialdemo- k ra t i e ab! Herr Fischbeck machte folgende Ausführungen: Er stellte als Motto in den Vordergrund: Kamps gegen alle diejenigen, die dem rückschrittlichen System in Preußen als Stütze dienen, kein Paktieren mit denjenigen, die Nutznießer des jetzigen Wahlrechts sind, und energische Förderung der Wahl solcher Ab- geordneten, die den Fortschritt wollen! Redner wandte sich gegen die Rechtsparteien und geißelte insbesondere die Vorräte- tische Haltung des Zentrums bei den Wahlrechtsabstimmnngeit. Hinsichtlich der N a t i 0 n a l l i b e ra I e n sei cS aus politischen Erwägungen erioünscht, eine Verständigung herbeizuführen. Ver- cinbarungcn seien in Ost- und Wc st Preußen, Schle- sien, Sachsen, Brandenburg und einem Teil von Kurhessen im Abschluß begriffen. Leider sei in Schleswig-Holstein eine Verständigung mit den Na- tionalliberalen nicht gelungen. Zur Sozialdemokratie übergehend, kritisierte Abgeordneter Fischbeck die Resolution der sozialdemokratischen Landestommission, deren Bedingungen z u m Teil undurckführbar, zum Teil mit der Selbst- achtung der Partei unvereinbar seien. Die so- zialdcmokratischen Beschlüsse lägen auf demonstrativem Gebiet und entsprängen dem nacktesten Parteiinteresse. Das angebliche Ziel, einem freieren Wahlrecht zu dienen, werde dabei ganz in den Hintergrund gedrängt. Wenn in der sozialdemokratischen Resolution den Fortschrittlern sogar zugemutet werde, sich schriftlich zu einer bestimmten Taktik im Parlament zu verpflichten, so müsse von vornherein destimmt erklärt werden, daß unsere Kandidaten durch ein solches kaudinisches Joch nicht kriechen würden. Der Versuch der Sozialdemo- kratie, auf die Fortschrittliche Volkspartci bei der Aufstellung der Wahlmannskandidatcn„erzieherisch" zu wirken, sei zurüdfzu. weisen, da unsere Partei bei der Auswahl der W�hlmänncr nach ihren eigenen Erwägungen vorgehen werde. Tic Partei tonne auf Abmachungen, wie sie die Sozialdemokratie vorschlage, nicht eingehen. ES bleibe nichts anderes Übrig, als eine mög- lichst breite Angriffs, und Verteidizungsfront der Liberalen herzustellen. Abg. Fischbeck schloß unter leb- haftem Beifall mit der Ausforderung, kraftvoll in die Agitation einzutreten, wo mit den N a t i 0 n a l l i b er a l e n Bündnisse geschlossen seien oder wo etwa in den O st m a r! e n Abmachungen unter den deutschen Parteien vorlägen, diese durch- zuführen, im übrigen aber selbständig borzugehen und bei der Kandidaten aus st eilung möglichst alle Stände zu berücksichtigen. Zu dem Referate hatte Herr Fischbeck namens des geschäfts- führenden Ausschusses dem Parteitag folgende Resolution unter- breitet: Expedition: SM. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moribplatz, Nr. 1381. „Der preußische Delegiertentag der Fortschrittlichen Volks- Partei spricht sich für ein möglich st einmütiges Zusammengehe n der Liberalen bei den bevorstehenden Landtagswahlen aus. Er bi l l i g t die bisher in dieser Richtung getroffenen Abmachungen mit der n a t i 0 n a l l i b e- raten Partei und ersucht die Parteileitung, auch weiter- hin im Einvernehmen mit den Bezirks- und Wahlkreisorgani- sationcn auf eine gleiche Verständigung in möglichst vielen anderen Wahlkreisen hinzuwirken. Der Delegiertentag fordert die Parteigenossen auf, unberzüg- lich in die Wahlbcwcgung einzutreten und die Rüstung für den Wahlkampf mit allem Nachdruck zu betreiben. Soweit wähl- taktische Abmachungen mit den Ratio nalliberalen oder besondere Vereinbarungen der deutschen Parteien in gemischtsprachigen Landesteilen nicht getroffen sind, werden die Parteigenossen ersucht, selbständig die Wohlarbeit aufzu- nehmen und energisch auf die Wahl fortschrittlicher Wahlmänner und fortschrittlicher Abgeordnc'cr hinzuwirken." Resolution und Referat beweisen, daß der Freisinn, statt mit der Sozialdemokratie den Kampf für das gleiche Wahl- recht zu führen, mit Pen Nationallibcralen und sogar der Rechten kuhhandeln will. Wie selbst die Nationalliberalcn zur Wahlrechtsfrage stehen, ist dem Freisinn natürlich genau so gut bekannt wie unL. Sie sind nicht einmal in ihrer Gesamtheit für das geheime und direkte Wahlrecht zu haben! Und mit diesen erklärten Feinden der Uebcrtragung des ReichStagSwahl- rechts will der Freisinn bei den Wahlen gemeinsame Sache machen, nur um durch ein klägliches Schachergcschäft auf Kosten des fortschrittlichen. Prinzips das eine oder andere Mandat ergattern zu können. Und dann wagt Herr Fischbeck der Sozialdemo- kratie vorzuwcrsen, daß die von ihr beschlossene Wahltaktik dem„nacktesten Parteiinteressc" entspringe! Nicht minder abgc- schmackt ist das, was Herr Fischbeck über die sozialdemokratischen Bedingungen zu sogen wußte. Daß die Sozialdemokratie eine schriftliche Verpflichtung fordert, soll für den Fortschritt das Sich beugen unter ein kaudinisches Joch bedeuten. Als ob die sozialdemokratischen Bedingungen nicht völlig den fortschrittliche» Forderungen entsprächen, und von jedem ehrlichen Freisinnigen ohne weitevcs eingegangen werden könnten! Trotzdem plapperte Herr Fischbeck dem Nationalliberalcn Lohmann die alberne Phrase nach, die uns im Landtag allzu töricht. und durchsichtig'erschien, um sie auch nur eines Wortes zu würdigen. Die S?chc ist einfach die, daß der Freisinn, der eine angeb- liche Demütigung por der Sozialdemokratie ablehnt, sich völlig als de» Hörigen der Nationalliberalcn fühlt, willig durch das kaudinis che Joch dieser seiner reaktionären Bundesbrüdcr kriecht und sich ihret- wegen nicht zu einem offenen fortschrittlichen Bekenntnis bequemen darf! In zahlreichen Provinzen hat der Fortschritt ja bereits— wie Herr Fischbeck selbst mitteilte— sein Bündnis mit den Nationalliberalen abgeschlossen, darunter auch in Schlesien und Brandenburg. Die Nationalliberalcn aber haben den Freisinn dabei derartig an die Kette gelegt, daß er gar nicht mehr mit der Sozialdemokratie zusammengehen darf. So teilte ja vor einigen Tagen ans einer nationalliberalcn Ver- trauensmännersitzung in Görlitz der dortige nationalliberale Land- tagsabgeoronetcn v. Schenckendorff mit, daß nach einem im Oktober v. I. gefaßten Beschluß dcS nationallibcralen Provinzial- Vorstandes die F 0 r t s ch r i t t l i ch e V 0 l k s p a r t c i in keinem Wahlkreis, wo sie mit den Nationalliberalen zufam- in en geht, für ei netz sozialdemokratischen Ken» d i d a t c n stimmen darf! lieber den Verlauf der Diskussion schlvcigt sich der offizielle Fortschrittsbericht auS, er meldet nur die einstimmige Annahme der von Fischbeck empfohlenen Resolution. Wenn der Freisinn sich einbilden sollte, daß die Sozialdemo- kratie ihn trotz dieser erneuten Bekundung seiner politischen Un- zuverlässigkeit bei den Landtagswahlen heraushauen werde, wird er sich bitter enttäuscht sehen! Wenn der Freisinn sich durch unwiderstehliche Sympathie in die Arme der W a h l r c ch t S- gegner getrieben fühlt, kann cS der Sozialdemokratie auch total gleichgültig sein, ob ein paar sich„fortschrittlich" titulierender Handlanger der Reaktion mehr im Landtag sitzen oder nicht! Im weiteren Verlauf des Parteitags hielt noch Herr P a ch- nicke einen Vortrag über die Wahlreform. Dabei hielt er es wiederum für notwendig, die Reaktion ausdrücklich darauf auf- mcrksam zu machen, daß der Fortschritt nun einmal mit „Realitäten" rechne und deshalb schon mit einer schabigen Ab- schlagszahlung auf das Wahlrecht höchlichst zufrieden sei. Natur- lich müsse eine„gründliche" Reform das„Ziel" bleiben. Ja— bleiben! Kann mgn cS da einem Frhrn. v. Zedlitz verargen.. wenn er dem Freisinn einfach nicht glauben will, daß es ihm mitl der Erringung des gleichen Wahlrechts wirklich Ernst sei?! Sie IßalMrik. Die Nachrichten aus Konstantinopel stimmen darin überein, daß die Antwort der Pforte entgegen- kommend lauten»verde. Der Ministerrat hat sich für eine friedliche Lösung ausgesprochen und die Regierungspresse bc- reitet die öffentliche Meinung auf em Nachgeben vor. Ob freilich die schließliche Lösung rasch gestrnden werden wird, ist mehr als zweifelhaft. Wahrscheinlich wird die Pforte noch eine Reihe Vorbehalte machen und die weiteren Verhandlungen fötuien noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Immerhin, die Pforte will noch weiter entgegenkommen, und dies der- mehrt die Aussicht auf das endliche Zustandekommen des Friedens. Die Haltung der Pforte bestätigt die Ansicht, daß die Türkei zur Fortführung des Krieges weder militärisch noch finanziell gerüstet ist. Das wissen die Balkan- staaten und deshalb bestehen sie auf der Abtretung Adrianopels. Nun weist die Türkei freilich darauf hin, daß Adrianopel zum Schutz Konstantiuopels unentbehrlich sei. Aber Adrianopel hat den Vormarsch der Bulgaren auf die Hauptstadt nicht hemmen können und nicht an dieser Festung, sonder» an der Tschataldschalinie ist der Angriff zum Stehen ge- kommen. Ohne Adrianopel würde der Friede aber für die Bulgaren nur einen Waffenstillstand bedeuten, würde die „Befreiung der bulgarischen Brüder" vom türkischen Joche noch immer das leitende Motiv ihrer Politik bleiben. Die Erfüllung des Verlangens der Mächte dagegen ändert die Lage vollkommen; es gibt dann keine Befreierrolle mehr aus dem Balkan, weder für die kleinen Staaten noch für Rußland. Die Türkei wird damit tatsächlich eine asiatische Macht; der bisherige nationale Gegensatz zu den slawischen Staaten ver- liert seine Bedeutung. Wie sich freilich in Asien das türkische Geschick gestalten wird, steht dahin; das aber hängt nicht vom Besitz Adrianopels ab. sondern von den großen iniperialistischeir Gegensätzen der kapitalistischen Mächte. Die Antwort der Pforte. Konstantinopel, 20. Januar.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.'Korresp.-Bureaus.) Die Antwortiwte der Pforte wird nach der Tagung der für morgen einberufenen National- Versammlung überreicht tverden, Wie der„I k da in" meldet, wird die Pforte in der A n t> w o r t ir o t e erklären, daß sie sehr für eine versöhn- l i ch e H a l t u n g sei und daher dw Bemühungen der Mächte, die aus die Aufrecksterhaltung deS Friedens abzielten, durch- auS würdige, daß es ihr aber unmöglich sei, auf die I n s e l n zu verzichten, die im Zusammenhang mit Asien ständen, oder auf Adrianopel und was dazu gehöre. In diesem Punkte, der Leben oder Tod für die Türkei bedeute, könne die Pforte keinen weiteren Opfern zustimmen; aber aus Achtung gegenüber den Mächten wolle sie ein l e tz t e s O p f e r bringen und in Unterhandlungen eintreten über eine neue Grenze diesseits derjenigen, welche bereits vorgeschlagen sei, und die der Türkei Adrianopel und>vas dazu gehöre be> lassen würde. Wenn gegenüber diesem Opfer, welches das Maximum darstelle, die Verbiindeten nicht ebenfalls Opfer bringen wollten, werde die Verantwortung für die Wieder- aufnähme der Feindseligkeiten nicht auf die Pforte, sondern ans die Verbündeten fallen. Das türkische Ministerium für den Frieden. K o n st a n t i n o p e l, 19. Januar.(Meldung des Wiener K. K. Telcgr.'Komsp.°Bureaus.) Nach sicheren In» sormativneu soll sich fast der gesamte Ministerrat für den Frieden ausgesprvcheu habe»«. Nur einige Minister hätten für den Krieg gestimmt, seien aber in der Minderheit gebliebe»«. Man glaubt, daß die Antwort der Pforte, ohne eine kategorische Ablehnung zu enthalten, Anlaß zu einein schriftlichen Berkehr mit de» Mächten bieten werde. Die Haltung der türkischen Presse. Konftantinopel, IS. Januar. Die türkische Presse kommentiert heute sehr zurückhaltend die N o t e d e r M ä ch t e, in der sie eine Drohung Europas zu erblicken glaubt.„ I l d a m* schreib«, die Pforte müsse in ihrer Antwort die gefährlicbe Lage des Landes in Rechnung ziehen, denn bei Wiederaufnahme der Feind- seligkeiten würde dle Türkei sich nicht nur den Balkan- verbündeten, fondern einem verbündeten Europa gegenüber- sehe». Wenn die Pforte dem Rat der Mächte folgen wolle, müßten die dahingehenden diplomalischen Schritte schnell erfolgen, weil, wenn während einer längeren Korrespondenz Ädrianopel kapi- tulieren sollte, die Mächte von jedem Engagement zugunsten der Türkei entbunden sein würden. Die Türkei würde dann großen Gefahren ausgesetzt sein. Sie müsse ein Arrangement zu treffen suchen, so lange die Mächte noch an die übernommene Verpflichtung gebünden seien. Man müsse nicht dem Zuge des Herzens, sondern dem Verstand gehorchen. Koustnntiuopcl, 20. Januar. Die inspirierte türkische Presse bereitet die öffentliche Meinung auf eine Antwort vor. welche der Note der Mächte entgegenkommt. Die.Ueni Gazeta" hebt hervor, welche großen Schwierigkeiten für die Türkei angesichts der Drohung der Mächte durch eine Ablehnung entstehe» würden und erklärt, es sei in einem solchen Augenblicke nicht geboten, Rechtsprinzipien und Verträge zu prüfen, die Rettung des Landes sei nur möglich, wenn man mit den Tat- fachen rechne und ohne Zaudern vernunftgemäße Entschlüsse fasse.— Der„Jkdam* behandelt die Mitteilungen einiger Zeitungen, denen zufolge die Pforte in dem Sinne amworten würde, daß sie sich von neuem auf ein Handelsgeschäft einlasse, und erklärt, die Pforte würde durch ein fortgesetztes Nachgeben ihr Prestige verlieren und würde durch ihre Opfer nichts erreichen; die Pforte müßte erusthast die politische und militärische Lage berücksichtigen, nicht zaudern, den durch die Unistände auferlegten Opfern zuzustimmen und versuchen, die von den Großmächten gemachten Versprechungen auszunutzen. Eine bulgarische Drohung. London, 29. Januar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat der bulgarische Premiernunister G e s ch o w die Delegierten in London ermächtigt, den bulgarischen Oberkommandierenden General S a w o w direkt telegraphisch zu ersuchen, die Feindseligkeiten wieder aufzu- nehmen, wenn sie meinen sollten, daß für den Frie- dcnsschluß keine begründete Aussicht mehr bestehe. Im Zusammenhang damit wird darauf hingewiesen. daß die Soldaten der Balkanverbündeten bis spätestens zun« Februar zur Bestellung ihrer Aecker zurückkehren müssen, da sonst eine Hungersnot unvermeidlich wäre. Rumänien und Bulgarien. Budapest, 19. Januar. Der rumänische Minister Jo- n e s c u erklärte auf der Durchreise einem Berichterstatter des Pester Lloyd", die Verhandlungen zwischen Ru- mänien und Bulgarien hätten k e i n e ir d g ü l t i g e s Resultat ergeben. Sie würden vielleicht in Sofia oder Bukarest fortgesetzt werden. Die Stellung Oesterreichs. Wicu 19. Januar. Das.Neue Wiener Tageblatt" tritt wieder- bolt den in auswärtigen Blättern verbreiteten Meldungen entgegen. als ob Oesterreich-Ung arn sich nur ungern dem Schritte der Mächte angeschlossen hätte; eS hebt als besonderen Beleg der Friedensliebe Oesterreich-UngarnS hervor, daß es der österreichische Botschafter in Konstantinopel war, dessen Bemühungen bei der Pforte es vornehnilich zu danken gewesen sei, daß die türkischen Delegierten nicht, wie schon bestimmt war, auS London abberufen wurden, sondern dort blieben, um gegebenenfalls die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Der Berg Athos. London, 19. Jaiuiar. Das Reutersche Bureau erfährt, daß bis zur Stunde die Balkandelegierten amtlich keine Kenntnis von dem Bescbluß der Mächte haben, den Berg AthoS lein Heiligtum der flriecdisch-orihodoxen Kirche mit einem berühmten Kloster) zu einer geistlichen Republik zu machen. Angesichts der besonderen Interessen Griechenlands, dessen Trupven jetzt die Halbinsel, deren östliche Grenze der Berg Athos bildet, besetzt halten, wird cS zumindest als seltsam angesehen, daß ihm keine amtliche Mitteilung gemacht worden ist, geschweige denn, daß die Balkanverbündeten befragt worden wären. Die Delegierten eriahren inoffiziell, daß die jüngst geschaffene Republik unter der Jurisdiktion des ökumenischen Patriarchen(ob auSüdlietzlich unter der geistlichen, ist nicht bekannt) und unter dem Schutz der orthodoxen Regierungen stehen und durch internationale Truppen besetzt werden soll. Angesichts der damit verknüpften heiklen Fragen wird darüber Erstaunen ausgedrückt, daß der Patriarch gar nicht befragt und daß nicht daran gedacht worden sei, und unter den ob- waltenden� Umstände» die Ansichten der griechischen R e- gierung für die Mächte hätten nützlich sein können. Verlegung des bulgarischen Hauptquartiers. Sofia, 29. Januar. Das bulgarische Hauptquartier ist nach D i m o t i k a verlegt worden. Die griechisch-türkische Seeschlacht. Konstantinopel, 19. Januar. Der Minister des Aeußem erklärte dem Vertreter von Wolffs Telegraphischem Bureau, daß die See- schlackt gestern zwischen einem Teil der türlischen Flotte und der vollzähligen griechischen stattgefunden habe. Der Kampf hätte drei- einhalb Stunden gedauert; auf beiden Seiten habe eS Havarien gegeben. Ans türkischer Seite sei genau beobachtet worden, daß der chriechische Panzerkreuzer„GeorgioS- Aweroff" Beschädigungen erlitten habe. Ein EominuniqnS besagt; Der Kampf zwischen T e n e d o S und L em n o S dauert« mehrere Stunden. Auf beiden Seiten waren die B e r l u st e beträchtlich. Di« türkische Flotte ist unversehrt Zentralauslchutz beauftragt feine Mitglieder in den einzelnen LandeSteilen, neben den be« stehenden Vereinen Organisationen ins Leben zu rufen, die laufende größere Gelbmittel für die Partei- zentrale sammeln und abführen." Diese Besctililssc find begreiflich. In der Kasse der Fortschritt- lichen Volkspariet ist Ebb«— und die preutztschen LandtagSwahlen stehen bevor. Folglich mutz Geld beschafft werden. Fraglich ist nur, ob der Appell des Zentralausschusses nützen wird. Karnevalsulk. Der Verlag der„Germania" ist— vielleicht stammt die Idee von dem großen Talglicht von Buttenhausen— auf den hübschen Gedanken verfallen, die ultramontane Agitation für die völlige Auf- Hebung deö JefuitengefetzeS entsprechend der jetzigen JahreSzeit k a r n e v a l i ft i I ch zu behandeln. Der Verlag hat nämlich eine humoristische Ansichtspostkarte zum Massenvertrieb feinzeln 10 Pf., 100 Stück 5 M.. 1000 Stück 35 M.) herstellen lassen, die die ehrsame „Bernianta" in folgender Weise anpreist: Ansichtspostkarte. .Der Jesuit kommt. Wir Deutschen fürchten... nur die Jesuiten." Dargestellt ist in origineller Weise der„Jesuit", der bei seinen, Einherschreiten Furcht und Schrecken verbreitet, und selbst das Brandenburger Tor zum Wanken bringt. Dazu ein packendes Gedichuein, beginnend: Mit Dolch und Gift und Pferdefuß Kommt er daher geschritten, So träumt der deutsche FürchtenichtS Sich einen Jesuiten. Es zittert bang der Kühnsten Schar Vor diesen wen'gen Frommen. Weh dir. du arme« Deutsches Reich. «o weit bist du gekommen. Tin« recht niedliche Idee I Niemand wird etwas dagegen ein- zuwenden haben, wenn die„Germania" die Jesuitenagitation selbst als Karnevalsulk betrachtet und sie dementsprechend satirisch ver- spottet. Eine humorvolle Selbstperstflag« nnrkt immer versöhnend, vor allem, wenn sie so berechtigt ist, wie in diesem Falle. Vielleicht bemächtigen sich die beiden hiesigen rheinischen Karnevalgesellschaften „Slaaf" und„Helau" der hübschen Idee der„Germania" und bringen sie in ihren nächsten Sitzungen zur bildlichen Darstellung. Das agrarische Paradies der Sternickel. .„ vertel spricht bei jedem Feiertagsartikel unendlich salbungs- �>ll von dem Gift und dem Verderben der Grohstadt, um dann in um so lichteren Farben von den Herrlichkeiten der agrarischen Pa- radiese zu schwärmen. Er selbst redigiert die„Deutsche Tages- Leitung" nicht von den herrlichen Gesildcn PosemuckelS aus, sondern lebt, die Großstadt verachtend, in Berlin. Wo kann nun ein Verbrecher am leichtesten untertauchen? Die Ant- wert könnte vielleicht je nach Interesse verschieden sein, deswegen geben wir in dem folgende» Zitate einem Manne oa« Wort, der lelbst in Ostelbien wohnt. Dieser sagt: „Wäre Sternickel im Norden Berlins, wo er das Verbrecher- Handwerk erlernt hatte, geblieben, so wäre er zweifellos der Polizei bei einer Razzia oder einem Einbruchsdiebstahl usw. gelegentlich in die Hände gefallen. Auch die Aus- Ivanderung ohne große Barmittel konnte ihm nicht glücke", denn an den Grenzstationen und in den Hafenstädten ist die Uebcr- wachung besonders scharf. Sternickel tat also, was Hunderte von Schwerverbrechern in Deutschland für das S i ch e r st e u n d Einfachste ha l t e n, um den N a ch f o r- schungen der Polizei zu entschlüpfen: er ging auf das platte Land und wartete in der Rolle des fleißi- gen Landarbeiters ruhig, bis das Interesse der Kriminalbehörde an seiner Persönlichkeit wieder abflaute. Die Möglichkeit, in bäuerlichen D i e n st st e l l e n unterzukommen und dabei der Polizei ein Schnippchen zu schlagen, ist infolge des Leutemangels auf dem platten Lande sehr groß. Ge- legenheit zur Beschaffung fremder Legitirnationspapiere bietet sich bekanntlich in jeder Herberge. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß sich noch Hunderte von schweren Ver- breche rn in der gleichen Weise verborgen halten wie bisher Sternickel." Und wo steht das geschrieben? In Nr. 3 vom 18. Januar 1913 des„Bundes der Landwirte für Ost preuße n", dem amtlichen Blatt der Provinzialabteilungl Wir freuen uns, daß ein offizielles Bundesorgan der Landwirte hier zugibt, tvas die Agrarier alles über sich ergehen lassen, nur um billiger und williger Landarbeiter willen! Der„Deutschen Tageszeitung" seien die Bemerkungen ihres Kollegen besonders empfohlen. Aus Schlesiens Gefilden. Die sozialdemokralstche„Sckileiische Bergwacht" bra-bte im September 1812 einen längeren Artikel, der sich mit den Ursaben eine« Landarbeiter st reikS aus einem Gute bei Landshut in Schlesien beschäftigte. In der Schilderung kamen ganz tolle Zu« stände zur Sprache. Unser Parteiblalt belichtete, datz nichr nur bei der Speisung den Leuten V i e h f u t te r. das sogenannte«trunk- traut, vorgesetzt wurde, sondern obendrein die Arbeiter auch noch verprügelt wurden. Diese schlechte Behandlung führte zu einem Streik, der allerdings nur ganz kurze Zeit währte. Nach der Beendigung diese« Streiks wurden. wie die „Bergwacht" berichtete, die Mißhandlungen noch ärger. Die Arbeiter wurden mit Obrseigeii traktiert und mit Stöcken verprügelt. Als Täter wurden genannt der Oberamtmann B u g a t I ch und sein Sohn, ein ehemaliger Offizier. Die Prügel- szenen müssen nianchmal furchtbar gewesen sein, denn in einem Falle wurde durch das Geschrei eines mißhandelten Invaliden das ganze Guisperional zusammengerufen und in Auflegung versetzt. Alle diese Zustände wurden nach eingebender Untersuchung in der„Berg- wacht" geschildert. Prompt erfolgte darauf die Anklage— im öffentlichen Interesse natürlich.... Die Vonintersuchung war äußerst umfangreich Sie hatte da« Ergebnis, daß jetzt nach viermouatiger Tauer da« Versahren gegen den verantwort- lichen Redakteur L u s ch eingestellt worden ist. Ueber die Gründe der Aushebung wurde dem Angeklagten«ine Antwort ver- weigert. Diese Verweigerung lag jedenfalls auch im»ösfent- lichen Interesse"._ Ei» polizeilicher Zuriickzieher. Am 19. Oktober vorigen Jahres wurde dem Vorsitzenden des L a u b a n e r Gewerkschaftskartells durch«in Schreiben eröffnet. daß das Gewerkschaftskartell ein politischer Verein im Sinne des§ 3 des Reichsvereinsgesetzes sei. Zugleich wurde dem Vorsitzenden aufgegeben, bis 2. November, die Satzungen des Kartells sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes ein« zureichen, widrigenfalls er in eine Zwangsstrafe von lv M. oder 2 Tage Hast genommen werden sollte. Gegen diese Verfügung wurde rechtzeitig Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Liegnitz eingelegt und dann herrschte monatelang Ruhe über den Gewässern. Jetzt endlich, am 17. Januar, wurde dem Kartellvorsttzenden von der Potizeiverwaltung in Lauban ein Schreiben zugestellt, in dem es heißt: „Auf die an den Herrn Regierungspräsidenten in Liegnitz ge- richtete Beschwerde vom 29./3V. Oktober 1912 gegen unsere Ver- fügung vorn 16./19. Oktober 1912— Tgb. Nr. 5692— teilen wir Ihnen mit. daß wir diese Verfügung zurückziehen, da unsere weiteren Ermittelungen keinen sicheren Beweis für die Richtigkeit unserer Annahme ergeben haben, daß das Kartell ein politischer Verein im Sinne des ß 3 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908 ist. . Prohl. Der Poltzeiverwaltung von Lauban wird es wohl recht schwer geworden sein, diesen Zunickzieher zu machen, wenn man bedenkt, daß der Erlaß aus Bemühungen beruht, die seit mehr als Jahres- frist wahrnehmbar waren._ Zu sechs Monaten Gefängnis wurde in Breslau am Sonnabend ein organisierter Fabrikarbeiter verurteilt, weil er durch grobe Redensarten einen Unorganisierten zum Verlassen der Arbeit veranlaßt haben soll. Die Anklage warf dem Beschuldigten keinerlei Tätlichkeiten, sondern nur grobe Worte vor. Der angeblich Bedrängt« gab sich selbst fälichlich als organisiert auS und hat nach der Meinung des Verurteilten nur nach einer Ausrede für das Verlassen der Arbeit gesucht. Der Arbeitgeber der Beiden stellt dem Verurteilten das Zeugnis eines ruhigen und a n st ä n d i g e n ManneS aus. Der Angeklagte war seiner Sacke auch selbst so sicher, daß er sich nicht einmal einen Anwalt beschaffte und den Verband unbegreiflicherweise von der Anklage nicht unterrichtete._ Hfien. Ein Werkzeug Rußlands. Urga, 19. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der H u t u ch l u hat jetzt das im Oktober 1912 an ihn ergangene Telegramm Duanschckais beantivortet und darin betont. es könne von einer Vereinigung der Mongolei mit China, dem selbst Bürgerkrieg in seinen südlichen und nördlichen Provinzen drohe. keine Rede sein. Das russisch-mongoliiche Abkommen hätten die Mongolen ganz selbständig zur Sicherung ihrer bisto- rlsche» Eigenart gegen ungesetzliche Emgüffe Chinas abgeschlossen. Der Hutnchtu warnt China serner vor der etwaigen Absicht, die mongolische Frage mit Waffengewalt zu enticheiden. Soziales. Haftstrafe durch das Gcwerbegericht. Zu einer äußerst erregten Szene, die mit der Verurteilung des Vctlagte» zu einer sofort zu vollslrsckenden Haftstrafe von 24 Stun- den endete, kam es gestern vor dem Gewerbegericht. Die Kammer 3 verhandelte unter Vorsitz des MagistratsassessorS Dr. Löwcnstein über eine Klage, die der Perückenmacher M. gegen den Kaufmann Küster(Carmcn-Sylvastraße) als Inhaber eines Ateliers für Haar- arbeiten angestrengt hatte. Kläger war vom April bis 16. No- vember bei dem Beklagten mit einem Wochenlohn von 29 M. als Pecrückenmacher beschäftigt. Bei seinem Austritt blieb ihm der Beklagte 27,80 M. schuldig. Diese forderte er durch Klage. Zwischen dem Kläger und seinem Arbeitgeber muß ein recht„idhllisches Ver- hältnis" bestanden haben. Wie Kläger in der Verhandlung angab, hat er seinem Chef oft mit Geldbeträgen ausgeholfen, damit dieser seine Rohmaterialien— insbesondere Haare— bezahlen konnte. Den vereinbarten Lohn habe er öfter in ganz kleinen Beträgen und an verschiedenen Tagen erhalten. Einmal habe Kläger sogar seine goldene Uhr versetzt, um dem Beklagten Geld zur Bezahlung von . Schulden zu gebest. Ter Aeklagle konnke die Forderung Sc9 Klägers nicht bestreiten, behauplctc jedoch, cS sei keine Lohnforde- rung, sondern Kläger habe ihm die Summe ge l i ch c n. Beklagter erhob weiter den Einwand, daß er nicht alleiniger Inhaber de« Geschäfts sei. Seine Frau lväre Mitinhaberin. Deshalb müßte die Klage abgewiesen werden oder könnte sich höchstens zur Hälfte gegen ihn richten. In der Sache selbst verurteilte das Gericht den Beklagte» zur Zahlung von 27,80 M. ES handelte sich nach Ausfassung des Ge- richts um rückständigcit verdienten Löhn, der nicht cinbehalten werden durfte. Bei Bc-rküitdutig de« Urteils fiel der schon während der Ver- Handlung wiederholt zur Ruhe ermahnte Beklagte dem Vorsitzenden wiederholt in« Wort. Er sei bei seiner Verteidigung beschränkt worden. Da« Urteil wäre ungerecht. Ermahnungen zur Ruhe hatfen nickst«, und so verfügte da« Gericht eine Ordnungsstrafe von 3 M. über ihn. Herr Küster ließ sich hierdurch nicht beruhigen. Er lärmte weiter. Da« Gericht zog sich zur Beratung zurück und verhängte eine zweite Ordnungsstrafe in Höhe von 19 M. über den Ungebührlichen. Herr K. wurde nun zum Verlassen de« Sitzungssaales aufgefordert, leistete jedoch der Aufforderung nicht Folge, sondern stellte weitere Fragen an den Vorsitzenden. Aber Ermahnungen zur Ruhe blieben erfolglos.„Und wenn'« 199 M. tostet, ich will mein Recht," schrie er in den Sitzungssaal. Der Gerichtshof zog sich abermals zur Beratung zurück und verfügte über den Widerspenstigen eine sofort zu vollstreckende Haftstrafe von 24 Stunde». Mit beiden Händen schlug Beklagter jetzt auf da« Pult.„Ich verlange Schutz, ich bin krank und befinde mich in ärzt- lichcr Behandlung," schrie er den Gerichtshof an. Erst die Abführung durch den Gcrichtsdicncr beendete diese unerquickliche Szene._ Während diese« erregten Vorgange« überkam den Kläger—> einen jungen schwächlichen und lräncklich aussehenden Mann ein Unwohlsein. Mühsam schleppte er sich auf den Korridor, wo er in Schreiträmpfe fiel und eine Zeitlaug das Bewußtsein verlor. Bald erholte er sich jedoch wieder. Herr Küster war aber noch nicht zur Vernunft gekomme». Er geriet in ein Handgemenge mit dert» Gerichtsdiener und wollte diesem entweichen. Die Flucht mißlang durch Dazwischentreten deö Portiers. Zwei Schutzleute brachten den Beklagten dann nach der nächsten Polizeiwache. Ob eine Haftstrafe— eine solche wird von dem Geloerbegericht nur äußerst selten verhängt— erforderlich lvar, erscheint fraglich. Zumal der Termin beendet war, hätte eine Entfernung des ncr- vöse» Herrn auch genügt._ AuSsührungsverordiiuiig zur Angestelttenversicheruiig. Nach 8 200 des VerstcherungsgesetzeS für Angestellte bestimmt der Bundesrat, wie die Beiträge für die Versicherungspflichtigen erhoben werden, die bei einer amtlichen Vertretung im Ausland oder bei deren Leitern oder Mitgliedern beschäftigt sind. Der gestern abend erschienene„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine hierüber erlassene Borschrift deS Bundesrats vom 11. Januar. Kommunale Arbeitslosenunterstützung in Mannheim. Der Stadtrat der Stadt Mannheim beschloß eine Arbeitslosen- Unterstützung einzuführen, welche hinsichtlich der Behandlung der in Gewerkschaften gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit versicherten Arbeiter nach dem Muster des Genter Systems in Wirksamkeit treten wird. Männlich« Arbeitslose erhalten einen städtischen Zu- schuß von 79 Pf. pro Tag, weibliche Arbeitslose einen solchen von 50 Pf. Für bis zu 3 Kindern werden je 10 Pf. Zuschuß gewährt. Im Höchstfall also gibt es einen Zuschuß von 1 M. pro Tag und zwar auf die Dauer von 60 Tagen. Voraussetzung zum Bezug des Zuschusses ist einjährige Seßhaftigkeit. Ueber die Bezugs- bereck)tigllng werden die Erhebungen von den Gewerkschaften ge- macht, welch« auch tri« städtischen Zuschüsse zu verteilen haben. Die Kontrolle der Arbeitslose» erfolgt auf dein städtischen Arbeitsamt. Gleich hohe Unterstützung wird auch an Nichtorganisierte Ar- beiter und an solche Arbeiter ausbezahlt, die zwar gewerkschaftlich organisiert, nicht aber gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit ver- sichert sind. Die Entscheidung über die Bezugsberechtigurck und die Auszahlung der Unterstützungen erfolgt in diesen Fällen durch das Arbeitsamt. Die Vertreter der Industriellen stimmten unter der Loraussetzung für die Gewährung der Zuschüsse an die gewerk- schaftlich organisievten Arbeiter, wenn die Vertreter der letzteren für die Unierstützung der Nichtorganisierten einteten. Es sollte damit die Wahrung völliger Parität seitens der Stadt gegenüber der Arbeiterschaft zum Ausdruck gebracht werden. Die Vertxetcr der Arbeiter gingen daraus ein, um die Einrichiiung einer städtischen Unterstützung zu retten. Der Stadtrat glaubt, mit 40 000 bis 50 000 M. im Jahre auszukommen. Die im Jahre 1911 gegründete Arbeitslosen-Sparversicherung wird wieder beseitigt, da die Arbeiterschaft für dieselbe kein Interesse bekundet hat. Bom unentgeltlichen»ichtgewerbsmäßigeu Verteilen von Druckschriften. Zum unentgeltlichen nichtgewerbsmäßigen öffentlichen Ver- teilen von Plakaten, Aufrufen und Bekanntmachungen bedarf man nach§ 10 des preußischen Prcßgesetzes in der durch§ 30 Abs. 2 «des Reichspreßgesetzes erlangten Fassung einer polizeilichen Er- laubnis. Meie Jahre nahm das Kammergericht an, daß mit dem „Unentgeltlich" hier gemeint sei, daß der Verteiler von seinem Auftraggeber kein Entgelt erhatte. Von dieser Ausfassung ist da« Äammergencht vor einiger Zeit abgegangen. Es steht jetzt aus dem Standpunkt, daß gemeint sei. daß der Verieiler vom Empfänger (vom Publikum) nichts erhalte. Auf denselben Standpunkt stellte sich das Landgericht III zu Berlin in Sachen gegen den Metall- arbeiter Start aus Spandau. Dieser hatte, als er arbeitslos war, gelegentlich, also nicht gewerbsmäßig, im Auftrage deS Verbands- sekretärs Richter vom Metallarbeiierverband vor dem Artillerie- depot in Spandau die Broschüre„Die Lohn, und Arbeitsverhält- nisse der Spandauer Staatswertstättenarbeiter vor dem Reichstag" verteilt. Die Empfänger der Broschüre zahlten nichts. Angetlagtcv hatte aber von dem Verbandssekretär als Entgelt eine Mark er- halten. Letzteres erklärte das Landgericht für unerheblich, indem es den Angeklagten verurteilte, weil er keine Erlaubnis zum Ver- teilen hatte. Da das Publikum nichts zahlte, so habe cS sich um ein unentgeltliches Verleilen im Sinne des§ 10 des preußischen Preßgesetzes im Nahmen des§ 30 des ReichspreßgesetzcL gehandelt. Der Angeklagte legte Revision ein, die durch Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht dieser Tage vor dem Kammergericht vertreten wurde. Der Anwalt legte dar, daß die neuere Ausfassung deS Kammer- gericht« ganz verfehlt sei. Der Senat möge noch einmal die Ma» terie nachprüfen. Enlschsidend wäre, daß bei der gesamten gesetzgeberischen Regelung der Druckschriftenabgabe aus Straßen'und Plätzen von dem wirtschaftlichen Charakter der dabei entfalteten Tätigkeit ausgegangen werde. Die Reichsgesetzgebung habe zum Ausgangspunkt den§ 43 der Gewerbeordnung, der von gewerbs» mäßiger Verteilung spreche und damit unstreitig und unzweideutig zum Kriterium mache, ob die Verteilungshandlung von dem Verteiler als ständige Erwerbsquelle benutzt werde, während der Ge- sichtspunkt einer Erlverbs, oder Gewinnabsicht im Verhältnis zu dem Empfänger der Druckschriften geradezu eliminiert sei. Auf dieser Basis des§ 43 der Gewerbeordnung sei der§ 30 des Reichs- Preßgesetzes aufgebaut. Es suche denjenigen Teil der Verteilungs- tätigkeit zu regeln, der durch die Gewerbeordnung nicht bereits geregelt sei und habe das durch dt« Bestimmung über die uncntgelt» lich« Verteilung erreichen wollen. Wenn dabei übersehen sei, daß es zwischen der gewerbsmäßigen und der unentgeltlichen Verteilung noch ein Drittes, nämlich die nichtgewerbsmäßige entgeltliche Verteilung gebe, so sei ein derartiges Versehen durchaus keine Einzelerschie- nung der Gesetzgebung. Es liege einfach eine der nickt seltenen Lücken vor, die vom Gesetzgeber damals nicht als solche erkannt ivurde. Deshalb sei die frühere Judikatur des Kammergericht«, die mit solcher Lücke gerechnet habe, die richtige.� Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision. Es führte kurz aus, daß es keinen Anlaß habe, von feiner neueren Judikatur abzugehen.(Siehe auch 1. Beilage.) ©ewerkfcbaftlicbea» DU Kampf an rage der anternebmer in der ßolztnduftrie« Der Lrbeitgeberschutzverband für das deutsche Holzge- kerbe steuert zielbewußt auf den Kampf los. Seit Jahren schon hat er die Absicht verfolgt, im Frühjahr 1913 die große Kraftprobe mit dem Deutschen Holzarbeiterverband zu mogeti Das heiße Sehnen der Unternehmer in der Holzindustrie, die Arbeiterorganisationen niederzuringen, ist bisher ungestillt geblieben. Die ungeduldigen Mitglieder des Schutzverbandes wurden von ihrem Vorstand immer wieder auf den 15. Fe- bruar 1913 vertröstet, den Tag, an welchem die Verträge in der größten der vier Gruppen von Vertragsorten ablaufen An diesem Tage sollte der Kampf beginnen, aus welchem der Schutzverband als Triumphator hervorzugehen hofft. Unter diesem Gesichtspunkte traf der Schutzverband alle seine Vorbereitungen für die Tarifbewegung. Hierzu gehörte der enge Anschluß an die Scharfmacher im Baugewerbe durch die Gründung des Kartells baugewerblicher Ar beitgeberverbände. Bald darauf fand die General Versammlung des Arbeitgeberschutzverbandes in Köln statt, auf welcher kräftig die Kriegstrompete geblasen und die Mit glieder des Schutzverbandes ermahnt wurden, den Beutel offen zu halten, um die Mittel zusanimenzubringen für den großen Entscheidungskampf im Frühjahr 1913. Ein Moment, auf welches die Unternehmer vor nehmlich chre Hoffnungen gründen, ist die Größe der in Frage kommenden Städtegruppe. Es kommen�diesmal zirka 69 000 Holzarbeiter, nach der Schätzung des Schutzverbandes sogar mehr als 62 999 Arbeiter(!) in Betracht. Um die Gruppe zuscunmenzuhalten, kündigte der Schutzverband rechtzeitig in allen Städten. Dann wurden Unterhandlimgen in Angriff genommen. Der Schein niußte doch gewahrt werden; des halb verkündete der Schutzverband bei jeder Gelegenheit mit aufdringlichem Eifer seine Friedensliebe. Ende November kamen die Vertreter der Parteien zum ersten Male zu zentralen Verhandlungen zusam men. Es wurde sehr eifrig über alle möglichen Fragen dis� kutiert; aber der Schutzverband war sorgfältig darauf be dacht, das Zusammenkommen von irgendwer chenBeschlüssenzuverhüten. Vereinbart wurde nur, daß über die Lohnfrage an den einzelnen Orten verhandelt werden soll. Dann wollten die Zentralvorstände Mitte De- zember wieder zusammentreten, das Ergebnis der örtlichen Verhandlungen prüfen und die Verhandlungen über die übrigen Punkte fortsetzen. Es zeigte sich aber, daß eine Prü- fung der Ergebnisse der örtlichen Verhandlungen nicht er- forderlich war. Der Vorstand des Arbeitgeberschutzverbandes hatte nämlich seine örtlichen Vertreter angewiesen, allen ernst. lichen Verhandlungen auszuweichen, und diese Anweisung wurde gut befolgt. Aber auch die zentralen Verhandlungen hatten nicht das geringste Ergebnis, denn der Plan des Schutzverbandes erforderte dies. Nachdem auf der außerordentlichen Generalversammlung anfangs Januar die unvermindert andauernde Kampfeslust der Unternehmer konstatiert worden war, war allmählich auch der Zeitpunkt herangenaht, an dem die Bombe zum Platzen gebracht werden sollte. Am 16. Januar war der kritische Tag. Der Schutzverband überreichte an diesem Tage den Arbeitern sein U l t i m a t u m. Verhandlungen gab es nicht mehr; das„Angebot der Arbeitgeber", das mit Vor- bedacht so formuliert war, daß es die Arbeiter nicht an- nehmen konnten, sollte unbesehen geschluckt werden. Da das selbstverständlich abgelehnt wurde, war der casus belli ge- geben. Die Verhandlungen waren gescheitert. In der neuesten Nummer der..Fachzeitung der Tischler- meister und Holzindustriellen" erfolgte nunmehr die for- melle Kriegserklärung. In einer von Herrn C. R a h a r d t unterzeichneten Bekanntmachung heißt es: „So sehr wir die Zuspitzung der Berhältnisse auch bedauern und so gern wir auch den Frieden in unserem Gewerbe erhalte« Hütten, so bleibt uns doch nach Ablehnung unseres Angebotes, mit dem wir schon weit über die Grenze unserer Leistungsfähig- keit gegangen sind, nichts anderes übrig, als an» 15. Februar zur Aussperrung zu greifen. Unsere Mitglieder haben sich deshalb in der B o r g a b e neuer Akkorde so einzurichten, daß alle in ihren Betrieben beschäftigten Arbeiter, und zwar ohne Kttcksicht auf deren Crgani- sationszugehörigkeit, am 16. Februar entlassen werden können. Mit dem gleiche» Tage tritt auch der Beschluß der außer- ordentlichen Generalversammlung vom 3. Januar in Kraft, nach welchem kein Berbandsmitglied Aufträge aus den gesperrten Städten annehmen darf. Diejenigen unserer Mitglieder, welche unter den bis 1314, 1315 und 1316 laufenden Verträgen weiter arbeiten, dürfen nach den 51 Vertragsgebieten, für welche die Aussperrung eintritt» weder Agenten und Reisende entsenden, keine Anzeigen erlassen,»och aus irgendwelche andere Art Aufträge entgegennehmen. Unter gar keinen Umständen aber dürfen während der Aussperrung fremd'e Arbeiter ei u g e st e l l t werden. Die Herren Vorsitzenden unserer Bezirksverbände haben die Pflicht» ihre Mitglieder auf die vorstehend kurz aufgeführten Be- schlüsie aufmerksam zu machen und eine Kontrolle der Bc- triebe vorzunehmen. Zuwiderhandlungen sind unerbittlich mit Ausschluß zu ahnden? indesien hoffen wir, daß die Ehren- haftigkeit und Solidarität unserer Berufsgenosien derartige Maßnahmen überflüssig machen ivird!" Der erste Teil des Programms, das der Arbeitgeberschutz- verband aufgestellt hat, wäre somit glatt abgewickelt; wie der zweite und wichtigste Teil, die Durchführung der nun- mehr verfügten Aussperrung klappen wird, muß man ab- warten. Man muß den Unternehmern zugestehen, daß sie gelernt haben. Bei der großen Aussperrung im Jahre 1997, von welcher hauptsächlich die Tischler in Berlin betroffen wurden, haben die Unternehmer trübe Erfahrungen gemacht. Die Tischlermeister und Holzmdustriellen im Reiche kargten nicht mit der Anerkeimung für ihre wackeren Berliner Kol- legen, die so mannhaft ihre Arbeiter aussperrten; sie mach- ten sich aber kein Gewissen daraus, den tapferen Kämp. fern die Kunden wegzuangeln. Als dann die Ber- liner Tischlermeister nach der verlorenen Schlacht ihre Be- triebe wieder öffneten, mußten sie die unangenehme Ersah- rung machen, daß das Geschäft gar nicht recht in Gang kom- men wollte. Es hat sehr lange gedauert, bis die W u y d e n, die sich die aussperrungswütigen Unternehmer geschlagen fvckbnt aebeilt waren und sie sind auch heute noch nicht____ B-räntv Redakt.: Alfred Wielrpp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: xh. Glocke. Bettln. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalf vZllkff vernarbt. Durch Me Beschlüsse über das Weg. fangen von stunden soll dieser unliebsamen Begleiterscheinung der Aussperrung vorgebeugt werden. Ob aber diese Beschlüsie die erwartete Wirkung zeitigen werden, steht noch dahin. Für die Holzarbeiter bedeutet die Ankündigung der Aus- sperrung keine Ueberraschung. Sie haben diese Kundgebung schon lange erwartet und sie werden in dem beginnenden Kampfe ihren Mann zu stehen wissen. Berlin und Clmgtgcnd., Ein Streikbrecheruest auf dem Wedding. Am Freilag, den 17. d. M., befanden sich in der Berliner.Bolls- Zeitung' wie im.Berliner Lokal-Anzeiger' und der.Morgenpost' Streikbrecherinserate für Fischdampfermaschinisten nach den Unlerweser- orten. Die Meldungen sollten erfolgen in der G a st w i r t s ch a f t Oskar Markus, Adolf st raße 8. Hier hatte sich der Agenl Fritz Sieling, mngeben von den Streikdrechertransporteuren Stark und Schwarz, im Privatzimmer des Herrn Markus häuslich niedergelassen, um die Meldungen in Empfang zu nehmen. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, hatten die Herren sogar den ersten Abend die Bilder von Marx und L a s s a l l e an die Wand gehängt' Schmunzelnd teilte im Empfangszimmer Herr Sieling jedem Neuankommenden mit, daß er nun bald einen Transport von 30 Mann fertig habe und dann ginge die Reise per vierter Güte loS. O b man Fluß- oder Seemaschinistenpatent habe oder nur sogar als Assistent gefahren sei, das wäre gleich, das werde alles die Hafenbehörde regeln! Die Hauptsache sei, daß man überha»wt schon einmal gefahren habe. Geboten wurden 185 M. und 176 M. nebst voller Verpflegung pro Monat. Während drinnen im Schlafzimmer die Eintragungen er- folgten, hatte man Gelegenheit in der Wirtschaft die einzelnen Typen der Heidelberger, wie die Herren sich selber nannten, zu studieren. Lächelnd wurde auf diesen oder jenen verwiesen, der vor kurzem oder langem so und so viele Monate wegen Diebstahl gebrummt hatte; prahlend wurde erzählt, wie sie schon in fast allen größeren Städten von Deutschland, sogar m Oesterreich, geholfen hätten, den Streik zu brechen. Dabei wurden auch lebhaft.Heldentaten' er- zählt, wie die Herrschaften sich selbst verhauen und die Streikposten vermöbelt hätten, ohne auch nur in der geringsten Weise von der Polizei belästigt zu sein. Wurde diesem oder jenem die Sache zu langweilig, dann wurde erzählt, Sieling sei noch ein Anfänger und er wüßte die Sache noch nicht so zu schieben, und der Transporteur Schwarz erklärte, es brauche keiner Angst zu haben, ihr Handwerk sei von der Polizei sankttoniert, sie hätten den größten Schutz. Allerdings hatten die Herren für sich gesorgt: hinter dein Schanktisch lag ein bissiger Hund angebunden, der am den Mann dressiert war. Auf wiederholtes Fragen wurde stets mitgeteilt. daß jeden Augenblick Kapitän Otto aus Nordenham eintreffen müffe; dann würden die Kontrakte unterschrieben. Am Sonn abend zwischen 5 und 6 Uhr erschien ein Telegramm, in dem mitgeteilt wurde, daß die Nordseefischerei Nordenham auf die Streik brechet verzichte. Anstatt daß dies den Leuten mitgeteilt wurde, in orinierte sie Sieling, der Kapitän müsse jeden Augenblick kommen und dann ginge e§ los. Auf eine bescheidene Anfrage, warum den Leuten nicht die Wahrheit gesagt würde, kam die Ant- wort: dies dürfe um Himmelswillen nlchl.geschehen, da sonst die Hintzebrüder die Bude kurz und klein schlügen. So wurden denn die Papiere auch noch am Sontag von Sieling einbehalten und die Botschaft, daß leider aus der Fahrt nichts werden würde, den Herren tropfenweise eingegeben. Wir bedauern aufrichtig, daß aus der Fahrt nichts geworden ist. Die Reeder hätten sicherlich an diesen Hintzebrüder» ihte helle Freude gehabt. Der Polizei jedoch möchten wir empfehlen, sich die Le- wohner dieser Wirtschaft einmal richtig anzuschauen. Wenn auch gerade kein Sternickel darunter ist, so dürften doch sonst von ihr schmerzlich Vermißte hier zu finden sein. Deutfekes Reich. Die Kühlaulagenmonteure der Firma Burmeister u. Weiß und Gustav B i l g e r u. Co., Frankfurt a. M.. Hohenzollernstr. 3, haben am 16. Januar die Arbeit eingestellt. Die Bewegung erstreckt ich auf zirka 30 Orte in allen Gauen Deutschlands, ebenso haben ich die im Ausland beschäftigten Monteure dem Streik angeschlossen. Fortgesetzte Verstöße gegen den Tarif, wie Lohnkürzungen, Per- längerung der Arbeitszeit, Verweigerung der Rückreisegelder von den Monlagestellen und Maßregelungen derjenigen Monteure, welche den Tarif verteidigten, machten den Streik unvermeidlich. Das frühere gute Einvernehmen zwischen den Kollegen und beiden Firmen wurde gestört, nachdem die Firmen die Fusion vor- genommen und einen neuen Prokuristen angestellt halten. Dieier Herr Müller führte ein Siegiment, wie es teilweise noch in Saarabien vorkommt. Aber in einem Betriebe, in welchem die Arbeiter ihre Menschenrechte erkannt haben, ist dies Auftreten nicht von Bestand. Was soll man dazu sagen, wenn an lange Jahre bei der Firma beschäftigten Monteure die briefliche Mitteilung ergeht:„Wir haben Sie zur ausschließlichen Verfügung unserem Berliner Zweiggeschäft zugeteilt, Sie haben dabei Ihren Wohnsitz nach Berlin zu verlegen." Im Vertrage heißt es:„Als Basis der Lohnzahlung gilt der Geschästssitz der Firma." Daß heißt. von Frankfurt a. M. ab sollen die FernortSzulagcn, Reife- gelder usw. berechnet werden. Hieran kehrt die Firma sich seit der Fusion nicht mehr. Wer dagegen mulstc, mußte zur Strafe aussetzen oder wurde entlassen, wie es sämtlichen Arbeitern der Dresdener Filiale ging. Mit diesen Mitteln glaubt die Firma die Monteure um die vertragliche Fernortzulage bringen zu können. Die Arbeiter sollen unter schweren Opfern der gesamten Familie den Wohnort verlassen, ohne etwa aus ständige Arbeit rechnen zu können. Die Firma sucht nun schon in vielen Zeitungen Streik- brechet. Unter Ehiffreannoncen werden Monteure für die Kühl« industrie sowie Fliesenleger gesucht. Die Bauarbeiter aller Branchen werden bemüht sein, in allbewährter Solidarität die Maßnahmen dieser Firma zu Schanden zu machen. Achtung, Seemaschinisten, Assistenten und Heizer! Der Streik der Fischdampfer-Maschinisten dauert unverändert fort. Die bürget' lichen Preßberichte sind nicht richtig. Zuzug ist streng fernzuhalten uen Bremerhaven, Geestemünde und Nordenham. Verband der Maschinisten und Heizer. Die Differenzen in der Schuhwarenfabrik von Beruh. R o o S lit Speyer sind zugutisten der Arbeiter beigelegt. Ausland. Streik bei der Tampfschiffahrtgesellschaft „Dalmatiua". Aus Trieft wird gemeldet: Die Köche und Schiffskellner der Dampsschiffahrls-Gesellichaft.Dalmatina" find in den Ausstand ge- treten, um eine Regelung ihrer Dienstverhältnisse durchzusetzen. Es dürste aber bald zwischen der Direktion und den Streikenden zu einer Einigung kommen. eine freisinnige Parade. I» der Brauerei jdönigstadt sprachen gestern abend die Führer der preußischen Fortschrittler zu einer öffentlichen Ver. I sammlung, nachdem man den Parteitag unter hermetischem Ab- schluß gegen die Oeffentlichkeit hatte verhandeln lassen, llnscr Preußentag hat bekanntlich die Oeffentlichkeit ohne jede Einschrän- tung zugelassen. Die fortschrittliche Versammlung war trotz der oftmaligen Ankündigung und trotz der Seltenheit solcher Versammlungen nicht stark besucht, der große Saal war von der in bequemen Abständen sitzenden Menge der Besucher nicht ganz gefüllt. Abg. Dr. W i e m e r wandte sich gegen die schwarzblauen An- griffe wegen des Stichwahlabkommens mit der Sozialdemolratie bei den Reichstagswahlen und bekannte sich zu diesem Abkommen, das die schwarzblaue Mehrheit beseitigt habe. Dr. Wiemer scheint aber, wie sein Preußentag überhaupt, doch einige Angst vor dem Zorn Hehdebrands zu haben, denn er schmetterte hin- aus, daß man sich„aus Selbstachtung" nicht den sozialdemotra- tischen Bedingungen für Unterstützung bei den Landtagsstichwablen fügen, daß man sich ebensowenig wie vor dem Getzlerhut, den Heydebrand seinerzeit in Königsberg aufgepflanzt, vor der— roien Mütze verbeugen werde, die der sozialdemokratische Preußen tag aufgerichtet habe. Herr Wiemer hat sonst gründliche Kritik an der ganzen Bonner und sonstigen Borussenwirtschaft geübt, er betonte so entschieden die Notwendigkeit der preußischen Wahlreform, daß nur die Frage an ihn übrig bleibt, ob es denn für ehrliche Wahlrechtsfreunde nilbt eine innere Notwendigkeit ist, sich auch mannhaft zur Wahlrechtsaktion im Par. lament zu verpflichten?! Herr Wiemer wird erwidern, warum denn Mißtrauen gegen den Fortschritt von uns betätigt werde. Er denke an den Bülowblock, an Herrn Eickhoff, der trotz des„Adieu, Herr Eickhoff!" des„Berk. Tagebl." immer noch ein geschätztes Parteimitglied ist, an den ganzen Kommunalfreisinn. als dessen Gottsöberster Herr Cassel nachher eine Philippika gegen die Sozialdemokratie hielt.... Immerhin, auch Herr Cassel ist zu wahltaktischem Zusammenwirken mit der Arbeiterpartei be- reit, und die dauernde Kampfgemeinschaft mit uns, die er für ausgeschlossen erklärt, solange wir unsere Zukunftsziele nicht auf- geben— wir wollen sie ebensowenig. Herr Cassel, solange Sie der alte Manchestermann und Kapitalistenfürsprech bleiben. Als die größte Verruchtheit erklärt Herr Cassel die Verteidigung des„roten Wahlterrors" in Berlin mit dem Junker-, Fabrikanten- und Beamtenterror im Lande. Ihm erschiene es wobl gar sittlich, wenn wir das unsittliche Mittel der öffentlichen Wahl nur den Volksfeinden untertänigst präsentierten, auf daß sie die Gnade haben möchten, uns damit zu erschlagen!... Herr Wiemer schloß mit der Ankündigung, daß die Fortsckrittler die Wahlreform in den Vordergrund des Wahliampfes stellen und alle Gegner der Wahlreform auf das entschlossenste bekämpfen werden. Und im gleichen Atem preist man das Bündnis mit den nationalliberalen Fanatikern des Geld- fackwahlreckts! Sollte das Volk da aus jede noch so bescheidene Sicherung verzichten? Und bloß mit Herrn Cassel singen:„Ich bin ein Preuße"? Herr Wiemer und Herr Cassel hielten es für angebracht, ihre Berliner»rcht nur zur Erhaltung des freisinnigen Besitzstandes zu lxirauguicren, sondern dazu, möglich auch noch—— Eroberungen in Berlin zu machen. Die Berliner Arbeiter hören diese Ankündigung und werden ihr zu begegnen wissen. Herr Cassel aber, der in öffentlicher Versammlung erklärt, daß es so manch e Stadt an Energie in der Abwehr von Uebcrgriffen der Schulauf- sichtsbehörden fehlen lasse, täte besser, seine Parteifreunde, die Regenten dieser Städte, zu erziehen, damit sie schon durch Aus- wähl unabhängiger und entschlossener Wahl- männcr zeigen, ob es ihnen mit dem Wahlkampf gegen dw Junker und Pfaffen ernst ist. Soweit aber etwa am Berliner Freisinn noch Erziehungsarbeit von nötcn ist, wird sie von den Berliner Wählern vollzogen werden. Hetzte Nachrichten, Tic Landtagswahl in Lippe-Detmold. Detmold, 20. Januar.(Privattelegramm d e S „Vorwärts".) Tie heutige Landtagswahl brachte einen glänzenden Erfolg für die Sozialdemokratie. Ein Mandat wurde behauptet und vier aussichtsreiche Stichwahlen stehen bevor. Die Stimmenzunahme beträgt fast 199 Prozent. Die liberalen und konservativen Stimmen sind stehengeblieben oder zurückgegangen. Die liberale Vorherr- schaff in Lippe ist gebrochen. In Detmold selbst betrug die sozialdemokratische Stimmenzunahme 150 Prozent. Das Abkommen zwischen Tibet und der Mongole». Urga, 20. Januar.(Meldung der Petersburger Telegrapyen- Agentur.) Das Abkommen zwischen der Mongolei und Tibet ent- hält folgende Hauptpunkte: Der Dalai Lama erkennt die Prokla- mierung des Hutuchtu zum Herrscher des Mogolenvolkes an, der seinerseits die Bildung eines selbständigen Tibe t sowie d,e Proklamierung des Dalai Lama zum Herrscher von Tibet an- erkennt. Die Mongolei und Tibet verpflichten sich gegenseitig, zur Verbreitung des B u d d h i s m u s beizutragen, einander für ewige Zeiten gegenseitige Hilfe zu leistem sowie den Unter- tanen beider Reiche Schutz zu erweisen.~le Mongokt und Tibet öffnen ihre Länder hem gegenseitigen D�ren. und Produktenhandel. wobei ihren Untertanen gestattet w-rd. industrielle und Kredit- instttute zu gründen._ Eine neue Partei in Japan. Tokio, 20. Januar.(W. T. B.) Ministerpräsident Fürst a t's u r'a verkündete heute nachmittag die Gründung einer neuen Partei angesichts der Unmöglichkeit, mit den bestehen- den Parteien eine Vereinigung oder einen Kompromiß zu erzielen. a-.er Mitnsterprästdent bezeichnete es als die Absicht der neuen JartcT eine streng konstitutionelle Regierung urchzuführen. Tie Mitglieder der neuen Partei werden ch wahrscheinlich K o n st i t u t i o n c l le Union istcn nennen. d sich Das Schicksal des„Berones�. Madrid, 20, Januar.(W. T. B.) Die Blätter bestättgen. daß der Dampfer„Veronefe" vollständig aufgegeben»°rd«t ist. Die Gesamtzahl der Ertrunkenen und Vermißten beträgt 43. Außerdem befinden sich 16 Passagiere schwerverletzt im Kraiikc»hause zu Oporto. Der Kapitän und die Offiziere haben den Dampfer am Nachmittag verlassen, nachdem die Rettung der Besatzung und der Passagiere vollitändig beendet war. Maul Singer ö- Co., Berlin LW�H.erzal' Beitageu».ÜnterhaltuagbU. ».IT. 30. t Keillige des„Potmitlo" getlinet �olblilfltt mwmM VittlchsMicher Nochenbericht. Vermehrte Ausgabe der kleinen Reichsbanknoten. In der Buogetkommission des Reichstages ist in der vergangenen Woche der von der Regierung vorgeschlagenen stärkeren Ausgabe von kleinen Reichsbanknolen zugestimmt worden. Nach einem zwischen Regierung und Reichsbank getroffenen Uebereinkommen sollte die Reichsbank Noten zu SOM. und 20 M. nur im Gesamt- betrage von 300 Millionen Mark ausgeben. Die Regierung wünscht jetzt, daß die Rcichsbank an keine Höchstgrenze der Emission von kleinen Noten gebunden sein solle. Um eine Gesetzesänderung handelt eS sich bei dieser Frage nicht. Als durch das Gesetz vom 20. Februar 1906 die Reichsbank ermächtigt wurde, neben Noten mit höheren Beträgen auch solche im Werte von 50 und 20 M. auszugeben, sagte die Regierung nur offiziell eine Be- schränkung in der Emission von kleinen Noten zu, ohne dah eine Höchstgrenze gesetzlich festgelegt wurde. Man glaubte damals, daß die 300 M.llionen- Grenze den Anforderungen des Zahlungs- Verkehrs genügen würde und wollte einer unnötigen Ueber- schwemmung deS Marktes mit kleinen Banknoten vor- beugen. Die Bankgesetznovelle vom Jahre lSOS gab daher auch nur der Reichsbank, nicht aber den anderen bestehenden privaten Noten- banken das Recht, kleine Noten auszugeben. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, daß ein größeres Bedürfnis nach kleinen Noten vor- liegt. Bereits im Jahre 1907 erreichte die Gesamtsumme der in Umlauf befindlichen 20- und SO Mark-Noten 290 Millionen Mark. Im Jahre 1911 überstieg der Betrag die 300 Millionengrenze um mehr als 67 Millionen Mark. Im abgelaufenen Jahre 1912 soll die Reichsbank nach Schätzungen sogar über 200 Millionen Mark mehr, insgesamt 530 Millionen, an kleinen Noten in Umlauf ge- bracht baben. Die von der Regierung eingeholte Zustimmung will also einmal bereits bestehende Zustände sanklionierl wissen. Zugleich bedeutet aber die Aufgabe jeglicher Höchstgrenze in der Ausgabe kleiner Noten für die Reichsbank ein Mittel, ihren Goldschatz zu erhöhen. So hat auch der Reichsbankpräsident Havenstein die Forderung begründet. Sie stellt sich dar als ein Glied in der Keite der Maßnahmen zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, der von der Regierung und der Bankwelt seit einigen Jahren in verstärktem Maße angestrebt wird. Erst kürzlich sind mehrfach Anweisungen der Regierung an staatliche Verwaltungsstellen ergangen, bei Gehaltszahlungen mög- lichst nur Papiergeld zu verwenden. Kaufleute und Industrielle befolgen gleiche Bestrebungen bei der Entlohnung ihrer Angestellten und Arbeiter. In der bürgerlichen Preffe hat man vereinzelt gegen den Fort- fall der Höchstgrenze Bedenken geltend gemacht, und zwar mit der Motivierung, daß die Währung des Deutschen Reiches gefährdet werden könne. Diese Einwände gehen von der richtigen Auffassung aus, daß jede Banknote einen Warenwechsel präsentiert. Statt den Wechsel zwischen Industriellen, Kaufleuten und Banken ständig als Zahlungsmittel wandern zu lassen, wird er von irgendeiner Seite der Reichsbank übergeben, die ihn durch ein anderes Zahlungsinittel ersetzt, nämlich die Banknote, die nun aller persönlichen Beziehungen zwischen Gläubiger und Schuldner entkleidet ist und sich eines viel allgemeineren Kredits erfreut. Jene Auffassung in der Presse behauptet nun, daß die Banknote nur dann einem Warenwechsel entspreche, wenn sie auf einen größeren Betrag lautet. Bei Banknoten mit kleinerem Nennwert gehe diese ursprüngliche Beziehung ver- loren und die Note werde zum Papiergeld, das sich in das System der Goldwährung eindränge. Dieser Einwand scheitert allein daran. daß ja jede Grenze zwischen kleinen und großen Noten willkürlich ist. Außer den 50 und 20 Mark-Noten gibt die Reichsbank noch solche im Werte von 100 und 1000 Mark aus. Aber in Oesterreich, in Frankreich, in Belgien sind ebenfalls kleinere Noten im Umlauf. Die kleinere Stückelung der Noten erfüllt dabei den Zweck des Bargeldersatzes sogar besser. Im großkapitalistischen Zeitalter bedeutet die Ersparnis von Bargeldcrmvgen weiterer Entwickelung anzu- künden schienen. GewisZ auch„Das Prinzip- jst flüchtig, wenn man will. Dem Autor kommt S auf eine Handvoll Unwahrscheinlichkeiten, ja Unmöglichkeiten nicht an, er gleitet über vieles Wichtige weg, skizziert den Humanitären WeltverbesserungSschwärmer Esch, der nach dem Titel Hauptperson sein müßte, nur mit ganz wenigen und sehr listen angestrebt, damit durch den Ersatz von Bargeld Kapital für neue Anlagen frei wird. Das Goldstück, das zwischen dem Arbeitgeber, Konsumenten, Krämer hin und her rollt, ist für den Kapitalisten tot. In den Depots der Banken wird es für ihn zum Schöpfer neuen Pro- fits. Es ist kein Zufall, daß gerade im vergangenen Jahre die Bestrebungen zur Vermehrung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wuchsen. Die seit 1910 ansteigende industrielle Konjunktur schuf für die vermehrte Produktion neue Kapilalbedürfnisse. Die Marokko- krise 1911 und der Balkankrieg 1912 mit der Kriegsfurcht haben da- zu noch zu einer besonderen, starken Zurückhaltung und Zurück- ziehung von Bargeld in weiten Kreisen geführt. Dieser vom Standpunkt des Kapitalisten aus unnützen Häufung deS Geldvorrates beim Privatpublikum haben die Reichslagsmehrheit und die Regierung selbst Vorschub geleistet. Während in England der Scheckverkehr stark entwickelt ist, hat ihn die Gesetzgebung in Deutschland durch Besteuerung unterbunden. Wie die Erlrägnisse des durch die Reichsfinanz.reform" von 1909 geschaffenen Scheckstempels nachweisen, ist der Scheckverkehr seit 1909 ständig und erheblich zurück- gegangen. Auch der in Deutschland eingerichtete Postscheckverkehr unterliegt mannigfachen Hemmungen. Die Postscheckguthaben werden nicht verzinst; Einzahlungen über eine gewisse Anzahl hinaus werden mit erhöhten Gebühren bedacht, was ebenfalls auf eine Besteuerung des Scheckverkehrs hinauskommt. Selbst der neue Entwurf eines PostscheckgesetzeS, der einige Verbesserungen vorsteht, bringt neue Erschwerungen. Obgleich es gerade gilt, daS große Publikum zum bargeldlosen Verkehr zu bewegen, soll künftig der Einzahler eine Gebühr entrichten, während er bisher davon be� freit war. An dem Fortfall einer Höchstgrenze für die Ausgabe von kleinen Noten hat aber die Regierung noch ein besonderes Interesse. Sie will den Goldschatz der Reichsbank erhöhen, um für eventuelle Kriegszeiten einen stärkeren finanziellen Rückhalt zu haben. Finanzielle Kriegsrüstung wird seit der Marokkokrise von der Regierung eifrig gefördert. Gold soll dem Verkehr ent- zogen, in. die Reichsbank geleitet und dort in den Kellern auf- gespeichert werden; dafür sollen die kleinen Noten im Publikum zirkulieren. Neichsbonkpräsident Haweustein hat es bei den Er- örterungen in der Budgelkommission als seine Absicht bezeichnet, den Goldschatz der Reichsbank. der gegenwärtig etwa 800 Millionen Mark beträgt, auf 1200 bis 1500 Millionen zu erhöhen. Durch Gesetz ist der Reichsbank vorgeschrieben, daß sie für die ausgegebenen Noten Gegenwerte zu einem Drittel in bar(d. h. kursfähigem deuischen Geld, Reichskassenscheinen, Gold in Barren, ausländischen Münzen). zu zwei Dritteln in guten Warenwechseln(mit nicht mehr als drei Monaten Laufzeit) bereithalten muß. Vermehrter Notenausgabe entspricht also, von Einzelschwankungen abgesehen, vermehrter Melallvorrat. Notwendig ist der Goldvorrat nur soweit, als er zur Noteneinlösung gegen Bargeld gebraucht wird, wozu die Reicvsbank gesetzlich verpflichtet ist. Die Anhäufung eines über diesen Bedarf hinausgehenden Schatzes dient daher nur der Vorbereitung für Kriegszeiten. Schon die Kriegsfurcht infolge der Balkanverwickelungen hat zu einer außerordentlichen Anspannung der Reichsbankmittel geführt. Für künftige Zeilen der Kriegsgefahr will nun die Regierung vorbeugen. Tiiis der Partei. Gcmeindewahlerfolge. In Vorbruch bei Blumenthal-Vegesack errang die Sozialdemo- kratie bei oen Gemeindcausschußivahlen zum ersten Male auch in der zweiten Klasse ein Mandat; in Neurönnebeck stieg ihre Ver- treterzahl von sechs auf acht, während die Gegner nur noch vier Sitze innehaben, also in der Minderheit sind. Die Brcslaner Genossen und der preußische Parteitag. Mit den Verhandlungen des preußisckzen Parteitages beschäf- tigtc sich eine gutbesuchte Vertreterversammlung des sozialdeino- kratischen Vereins für Breslau. Der Berichterstattung durch die Delegierten folgte eine rege Diskussion, in der von allen Rednern den Beschlüssen des preußischen Parteitages zugestimmt wurde. Nur ein Redner bedauerte, daß der Parteitag nicht zum Ausdruck gebracht habe, was nach den Wahlen zum preußischen karikaturistischen Strichen. Aber dies summarisch sprunghafte Ver- fahren arbeilet gleichzeitig mit so viel draufgängerischem Elan, einem solchen Reichluin von Einfällen, Kontrasten und sinnvoll psycho- logischen Slreiflichtern, daß man es als„poelische Freiheit" gern mit in den Kauf nimmt. Die Komik von Prinzipienmenschen, die sich ein paar, wie sie meinen, sonnenklare Wahrheilen zuiammenräioiiiiiert haben und nun in stolzem Vertrauen nach dieseni Schema alles regeln und erklären wollen, ist von Bahr zuerst als ein bedeutsam fruchtbares Lustspiel- thema erkannt. Der Humor, mir dem er solche Donquixotcs be- trachtet, steckt voller Sympathie für ihre bei einiger Narrheit meist seelensgute Eigenarr. Der Doktor Esch, ein Mann von älteren Semestern und starkem Einschuß pastoraler Salbung, stellt sich die Lösung aller Lebensfragen ungefähr so vor: Nur die leidige Ge- wohnheit, daß die Leute einander nicht so leben lassen, wie jeden seine Neigung lreibt, stiftet Streit und Unheil. Schon die Kinder habe» den Eltern gegenüber, die die zarten Seelen mit Geboten und Verboten taktlos belästigen, das unumschränkte Recht auf Freiheit. Ein sanfter Vegetarianismus und etwas theosophische Mystik wird die Menschheit auf die Wege zur Erfüllung leiten. Er selbst lebt unterdessen gut in elegantem Landhaus, von einem Kreise gläubiger Verehrer umgeben, einer der vielen wohlbestallten Löser der„sozialen Frage". Sehr heiter leiten die Entrüstiingen eines unfriedlichen Familien- onkels und ehemaligen Weinbäiidlers, der vor der verständigen Frau des Doktors sein Herz ausschüttet, das Ganze ein. In diesem Dialog allein steckt mebr Witz als sonst in den drei Akten manches Lustspiels. Plötzlich slllrnit der in Freiluft aufgewachsene, soeben erst auf das Gymnasiuni verpflanzte Sohn herbei. Der begeisterte Primaner muß den Eltern ein Geständnis machen. Ein Freund hat ihn am Sonntag nach dem Restaurant„Zum Himniel" mitgenommen; und dort hat er das wunderbarste aller Mädchen kennen gelernt, die er nach glücklich bestandenem Abiturienleiiexamen auf der Stelle heiraten will. Ihrem irdischen Beruf nach ist eS eine Slocfciii. Der Doktor ehrt wie immer die„Stimme der Natur" und iuchl mit seiner Frau, als Brautwerber gewissermaßen, die resolute r®"6' die sich nichrs träumen läßt, in ihrer Küche auf. In die ichlagkränige Possenkomik dieser Situation blitzen zugleich die Lichter gemütvoll feinsinnigen Humors hinein. Auch der dritte Akt, wenn- gleich da manches abfällt und vor allem ein Schlußtrunipf, wie der in dem„Konzert", fehlt, bringt noch viel wirksam Eigenartiges. Vor allem die Szene, in der der eiilhusiastische Junge der geduldig gütigen Mutter sein allerneuestes und allerherrlichsteS Erlebnis beichtet. Fräulein Belli, eine prächtige Tanzkünstlerin, die er auf der Bühne lab. ist plötzlich an die erste Stelle avanciert. Der brausend arrogante lleberschwaiig mit seiner Mischung naivem Egoismus und liebenswürdiger Vertrauensseligkeit erhält, im Spiegel über- legener Ironie gesehen, hier frappanten Ausdruck. Wenn Bahr da übertreibt, so in dem Stil und mit demselben Rechte wie Bern- Harb Shaw es tut. Die Lene bleibt, wie sie's von vornherein sich Landtag zu geschehen habe, wenn die Mehrheit nicht Wahlrechts- freundlich ist. Es hätte dort müssen zum Ausdruck kommen, daß wir auch vor dem äußersten Mittel, dem politischen Massenstreik nicht zurückschrecken. Dem wurde von anderen Rednern entgegengehalten, daß bei uns in Preußen die Verhält- nisse für einen politischen Massenstreik noch nicht reif sind. Genosse L ö b e wandte sich noch gegen einen Ausspruch des Genossen Lands berg- Mgadeburg, der auf dem preußischen Parteitage den Breslauer Genossen zum Vorwurf machte, daß diese den Fortschrittler Gothein gegen den Erzreaktionär Strosser durchfallen ließen. Die Darstellung des Genossen Landsberg trifft nicht zu, weil die Breslauer Genossen damals die Absicht hatten, Gothein zu wählen, der innerhalb seiner Partei sehr lebhaft für die Abtretung eines Mandats an die Sozialdemokraten eintrat. Gothein wäre auch damals sicher gewählt worden, wenn nicht das Zentralwahlkomitee in Berlin die Zustimmung hierzu verweigert hätte. Weiter polemisierte Lobe gegen den Genossen Adolf Hoff- mann-Berlin, der auf dem Preußentage der Meinung war, daß die Breslauer Genossen gut daran täten, wenn sie anstatt eines flaumenweichen Fortschrittlers einen Strosser in den Landlag senden, der Agitationsmaterial für uns liefere. Mit solchen „Argumenten" läßt sich die Wahl eines Strosser nicht mehr recht- fertigen, denn von dieser Sorte gäbe es im Junkerparlament leider noch sehr viel. Ohne Ausnahme waren aber alle Diskussionsredner darin einig, daß ohne Gegenleistung-dem Freisinn jede Hilfe versagt werden muß. Sozialdemokratische Landtagskanbibaturen in Baden. Der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei Badens hat an die Organisationen das Ersuchen gerichtet, die Aufstellung der Kandidaturen für die im Oktober 1913 vorzunehmende allge- meine Erneuerung der II. badischen Kammer bald zu vollziehe». Es sind schon etwa ein halbes Twtzend Kandidaten aufgestellt. Von den bisherigen Landtagsabgeordneten ist Genosse E. Kräuter- Freiburg nicht wieder unter den Kandidaten. Au seiner Stelle kandidiert der dortige Parteisekretär Engler für Freiburg-Stadt. Dieser Sitz gehört zu jenen, welche die Sozialdemokratie nur durch ein Kompromiß mit den Liberalen gegen das Zentrum holen konnte. In Mannheim, wo'ünftig ein weiterer Kammersitz in Betracht kommt, sind die Parteikandidaten noch nicht aufgestellt. Die Parteiversammlung beschloß, jedem einzelnen Wahlkreise die Wahl des Kandidaten zu Überlassen. Die Entwickelung des tschechischen Separatismus. Die mährischen Separatisten hielten, wie in der Wiener „Arbeiterzeitung" berichtet wird, in der vorigen Woche in Brünn eine Beratung ab, um über die kommenden Landtagswahlen(oer mährische Landtag steht vor seiner Auflösung) und über die„damit zusammenhängenden taktischen und politischen Fragen" zu be- raten. In dem Bericht über diese Beratung wird mitgeteilt: Ein bedeutender Teil der Debatte drehte sich um die Frage der Abstimmung über das Landesbudget. Mit Rücksicht oarauf, daß das Landcsbudget militärische Aus- gaben nicht enthält, stimmten alle, die an der Debatte teil- nahmen, in der Auffassung überein, daß die Abstimmung über bas Landesbudget nicht eine prinzipielle Frage sei, sondern eine Frage der politischen Taktik. Für die sozialdemokratischen Ab- geordneten werden daher maßgebend sein der Inhalt des Budgets und die politische Richtung der künftigen Lan- desVerwaltung. Die sozialdemokratischen Abgeordneten können nicht'zulassen, daß die Landtagsmajorität als Ausoruck der natürlichen Mehrheit der Bevölkerung des Landes bei der Landesverwaltung dauernd abhängig bleibe von de» Stimmen ber Großgrundbesitzer und eventuell auch der Minorität. Dieser Zustand wäre für die Arbeiterschaft sozial und kulturell gefährlich und würde für das öffentliche Leben Mährens ein Aufflammen leidenschaftlicher nationaler Kämpfe bedeuten. Dieses Thema wird zum Gegenstand der Diskussion und Entscheidung der kompetenten Instanzen der Partei gemacht werden, damit der höchst notwendige Einklang zwischen dem Vorgehen der Abgeordneten und der Partei in Mähren und der ganzen Partei gewahrt werde. Aus dem geschwollenen Jargon des Separatismus inZ nüchterne Deutsch übersetzt, bedeutet diese allgemeine Uebereinstim- mung'der Herren Separatisten: Sie wollen im Landtag die Stellung als sozialdemokratische Opposition auf- geben und ein Bestandteil der bürgerlich-nationalen Majorität werden— eine Entwickelung, die freilich schon im Wesen des Separatismus liegt. Die Berufung darauf, daß es im vorgenominen, bei ihrem Kellnerbräutigam. Und der Doktor legt, in Erwägung solcher programmwidrigen Ueberroschungen, dem Zeit- räum, den die Menscbheit zu durchmessen haben wird, ehe sie auf seine Höhe anlangt, noch ein paar lausend Jahre zu. Das Ehepaar Esch wurde von Reicher und Mathilde Sussin vorzüglich dargestellt. Karl F o r e st als ungläubig verbissener Onkel, war von urwüchsig drolliger Ergötzlichkeit, der Primaner Erich Walters ein Bursch von echtem Jungenlemperament. Den Glanz- punkt des Abends bildete Elle Lehmanns tanzlustige wackere Köchin. Das Vergnügen an der munteren Rolle sprühte ihr ans den«»gen. elektrisierte sie; ans offener Bühne bereitete das Publikinn seinem Liebling stürmische Beifallsovationen. cid. Miinr. Theater am Nollendorsplatz:„Die Studenten- g r ä s i n", Operette von Leo Fall. Vor zehn Fahren etwa wurde im hiesigen Bellealliance-Tbeater durch ein oberbayerisches Ensemble eine Münchener„Revolulions"-Posse von Konrad Dreher gegebe». in der dieser zugleich die Hauptrolle niiinte. Später schrieb Joseph Ruederer sein Schauspiel„Morgenröte", worin es sich um die Lola Montez-Skandale in München von 1818 handelt. Vor wenigen Monaten kam in Berlin ein„Sensatio»S"»Noman heraus. Und nun muß die exzeiitrische Tänzerin und Favoritin diveiser Potentaten auch noch als„Studentengräfin" herhalten. Daß sie diesmal als eine grundedle Person figuriert, verdankt man einer ehrenrettenden„Jt>ee" des Münchener Georg Fuchs, die der Wiener Allerweltlibrettist Viktor Leon opereltenmäßig zurechtgemacht hat. Es ist ein regelrecht senli- mentaler Schmarrn geworden. Und würde nicht der„Barrikaden- seppt" Michael Stiglmaier, den Max Pallenberg im Sinne eines waschechten Maulhelden von 1813 mit überlegenem Grotesk- Humor verkörpert, für Abwechslung sorgen, so stürbe man vor Langeweile. Trotz der Musik I Leo Fall hält die Mittelstraße zwischen Singspiel und Aiisnaltungssiück. Mit Zuhilfenahme reich- sicher Stichproben au« klaisische» Opernwerken läßt sich ja bei genügendem Geschick zu technischer Verarbeituiig ein bravouröses Musik-Ragout Herrichten. Allzuviel Eigenes bleibt daneben nicht: es sei denn Falls Fähigkeit, auch geschlossene Ensembles hübsch inelodiös zu schreiben. Diesmal ist außer einem auch stark an be- rühmte Muster angesponnenen Walzer kaum eine Piece für die Populariiätswalze vorhanden. Reizende Einfälle sind aber in dem Roteusteiner Mädchenreigen und der musikalischen Jllustrierung der Sprüchlein in den Backfischalbums bekundet. Zuweilen gehen Musik und Text fremd nebeneinander her, statt einheitlich ineinander ver- schmolzen zu sein. Wenn aber die ganze Operettenkomponiererei seit Offenbach nicht bald aufhören sollte, ihre kleptomanische Ver- anlagung zu dokumentieren, dann mag sie uns nur weiter— g e- st o h l e» bleiben. Lobesame historische Treue bekundeten die Bilder von Alt- München(Hofbräuhaus), von der stillen Stadt und Schloß Roten- stein. Außer Pallenberg boten besonders Walter Form es(Archi- Landcsbudget feine Ausgaben für Militärzivecke gäbe, wirb den. der den antisozialen und kapitalislischen Geist der Landesverwal- tungei« kennt, natürlich nur heiter stimmen.... Was aber diese Kundgebung des Verrats ganz besonders ad- stogeird macht, ist der Zweck derselben: Tie Herren Separatisten wollen sich nämlich mit ihr für den bevorstehenden Wahlkampf den bürgerlichen Rationalisten an-biedern und sie zu einem Wahl- abkommen von der Art, wie es schon die letzten Reichsratswahlen gebracht haben, verführen. Wozu denn sonst dieses Abhandeln über die Taktik-m Landtag bei der Abstimmung über den Landes- Voranschlag, da doch keine solche Abstimmung in Sicht steht, da ja der Landtag erst gewählt werden muß? Ein taktisches Vorgehen für den Landtag stellt man doch zu Beginn, nicht zum Ende dieses Landtages auf! Aber die Separatisten wollen gewisse bürgerliche Schichten für ein komplettes Wahlkompromitz mit ihnen einfangen, und sie wissen, dah gegen ein solches Kompromiß auf bürgerlicher Seite eingewendet wird, daß durch die Wahl von Sozialdemokraten, die damit Tschechischbürgerliche verdrängen, die tschechische Ma- jorität geschwächt würde. Also und deshalb schreien sie ihre Ver- sicherung rechtzeitig in die Welt, daß sie sich ja in diese tschechisch- nationale Mehrheit einfügen wollen, daß man sich vor ihrer Opposition nicht fürchten müsse, weil sie keine machen wollen, lieber die Absicht dieser Kundgebuiig ist man sich auf bürgerlicher Seite auch nicht im unklaren, und selbst die den Separatisten näher- stehenden nationalistischen Blätter registrieren diese plump- tendenziöse Anbiederung mit einer gewissen Verachtung. Für die moralische Berlotterung des Separatismus ist es bezeichnend, daß sich gegen diese Schwenkung in der ganzen Partei kein Gedenken erhebt; konnte fie doch unter der Zustimmung von Anton Nemec vollzogen werden l Jugendbewegung. Zum Kampf gegen die proletarische Jugendbewegung. Vor längerer Zeit wurde die Arbeiterjugendkommission in Essen polizeilich verboten. Das Zeugnis eines jugendlichen Spitzels und die bei einer Haussuchung gefundenen Papiere bildeten die Unterlage zu einer Anklage gegen drei Genossen, die entgegen dem Verbot dazu beigetragen haben solle, daß die Jugend- lommisjion noch weiter bestand. Nach einer Boruntersuchurrg von lkngefähr% Jahren kam die Anklage am Freitag vor deni Schöffengericht zur Verhandlung. In dieser sagte der Kommissar Leschnick. daß er seine Angaben von zwei Personen, nämlich von einem sozialdemokratische» Vertrauensmann und von dem jugend- lichen Spitzel Sauer brey erhalten habe. Die beiden Per- sonen— der Vertrauensmann mag, nebenbei bemerkt, nur eine sagenhafte Gestalt sein— haben dem eifrigen Kommissar nur ver- worrenes Zeug erzählt, das größtenteils sofort als völlig falsch nachgewiesen werden konnte. TaS Gericht ließ auch den Kom- missar glatt abfallen und sprach zwei der Angeklagten frei. Der dritte wurde zu 100 M. Geldstrafe verurteilt, weil er nach Au- ficht des Gerichts der Leiter eines Jugendvereins ist, der politische Zwecke verfolge.« Gegen dag Urteil ist Berufung eingelegt worden. ** -» Der Masse n auöflug der Berlister Arbeiterjugend. der am 21. Juli nach PichelSiverder veranstaltet wurde, fand am Montag sein gerichtliches Nachspiel vor dem Schöffen- geeicht in Charlottenburg. Das allzeit wachsame Auge eines Gendarmen hatte eine strafbare Handlung zu sehen gemeint. Waren doch die Jugendlichen nicht jeder für sich nach Hause ge- gangen, sondern gemeinschaftlich, wie eben Leute nach Hause gehen, welche einen Ausslug gemacht haben, und nicht genug mit dieser Unvorsichtigkeit, hatte ein Jugendlicher auch noch eine Fahne, und was das schlimmste war, eine rote Fahne, mit- gebracht, und waS das allerschlimmste war. iveithiki sichtbar ausgerollt. Kaum sah dies der Gendarm, als er zugriff.... allerdings vorbei. Er stellte einfach denjenigen fest, der im Augenblick seines Zugriffs die Fahne, welche inzlvischen zusammen- gerollt und eingewickelt war. trug. Es tvar dies der Silberarbeiter Fritz Krüger, der dann einen Strafbefchl über 20. M. erhielt, weil das Gericht annahm, er habe: 1. auf öffentlicher Straße einen Aufzug ohne Genehmigung der Behörde veranstaltet, L. durch diese Handlung groben Unfug verübt. Krüger legte natürlich gegen diesen sonderbaren Strafbefehl Einspruch ein und begründete ihn in der Verhandlung mit der Erklärung, es habe überhaupt kein Aufzug stattgefunden, die jungen Leute seien nur gemeinschaftlich nach Hause gegangen, jedenfalls sei er nicht der Veranstalter des Spazierganges ge- wesen, er habe nur die Fahne, welche Jugendliche mit sich ge- »ommen haben, an sich genommen und eingewickelt, als der Gendarm auf der Bildfläche erschien. Der Gendarm konnte nur bekunden, daß an jenem Abend zahlreiche Trupps junger Leute die Döberitzer Heerstraße passierten. varius), Else Hesse lJettchen), Susanne B a ch r i ch jMolly) und Marie Griebel(Wirtin) hübsche Leistungen. Der Lola Montez, dieser Sprühteuselin. die sogar die Rasen fürstlicher Häupter mit ihres ParkettschuhS Spitze in unsanfte Berührung zu bringen be- liebte, wurde Fritzi M a s s a r l, nur teilweise gerecht. Mit dem be- rühmten Altmiinchj�ner Maler Karl Spitzweg wußte sich Karl Pfann ebenso wenig abzufinden, wie Karl Backmann mit seinem studentischen Lolaliebsten ans Kündigung. Nichtsdestoweniger war Publikus aus dem Häuschen, weil Leo Fall.sein Fall", und oben- drein noch glorios umleuchtet aus dem Dirigentenstühlchen saß. _ e. k. Notizen. — Wilhelm II, als Operndirektor. In dem Muster- betrieb deS Herrn Hülsen ist wieder einmal ein kleiner Unfall ein- getreten. Der Hofkapellmeister Paur hat sein Enttassungsgesuch eingereicht und inzwischen Urlaub bekommen. Er wird an die gast- liehe Stätte eines Kapellmeisters der Berliner kgl. Oper nicht zurück- kehren. Herr Paur ist sehr rasch verbraucht worden, er war kaum warm geworden auf seinem Posten, aus den man ihn von Amerika her berufen hatte. Run folgt er seinen Vorgängern Muck und Weingartner. die froh sind, der Fuchtel der Kunst- bureaukratie enirvnnen zu sein. Den Anlaß zu PaurS Rücktritt deutet eine aus den, Bureau der Generalintendauiilr inspirierte Notiz an: Kapellmeister Paur glaubt« Grund zu der An- »ahme zu haben, daß der Kaiser mit der Art seines Wirkens nicht einverstanden sei und zog daraus in loyalster Weite die Konse- quenzen. Von anderer Seite erfährt man, daß kürzlich auf Befehl des Kaisers zwei Stunden vor der Aufführung des„Fliegenden Holländer" ftolt Paur plötzlich«in anderer Kapellmeister berufen wurde zu dirigieren. Der kgl. preußische Kuustabtolutismus kann wie seine zahlreichen Vettern nur durch eine gründliche Landtags- Wahlreform befestigt werden. — Der Bund deutscher Architekten(Ortsgruppe Berlin) hat in einer außerordentlichen Tagung die Forderung nach einem völlig freien, allgemeinen und geheimen Wettbewerb auf ge- klärter Programmunterlage und nach Lösung der Platzfrage für ein neues kgl. Opernhaus aufgestellt.(WaS die Herren sich ein- bilden! Wie es S. M. befiehlt, so geschieh».) — Eine neue Düsseldorfer Ausstellung. Die Stadt Düsseldorf wird im Jahre ISlö eine Ausstellung veranstalten, die unter der Devise.Aus 100 Jahren Kultur und Kunst" die Er- rilligsnschaften des letzten Jahrhunderts zur Darstellung bringen soll. — Kein.Parsifal" iin Spieler st aat. Der Fürst von Monaco hat der vom Vorsitzenden der französischen Gesellschaft der dramatischen Schriftsteller und Tondichter im Namen der Erben Richard WagnerS gestellten Bitte Folge gegeben und die Ausführung des.Parsifal" im Theater von Monte Carlo untersagt. Diese habe er ruhig vorübergehen lassen, obwohl sie teilweise auch sangen, bis der Trupp des Angeklagten erschien, da habe er ein- schreiten müssen, weil er die rote Fahne auf der Döberitzer Heerstraße nicht habe dulden können, er habe sich dadurch be- unruhigt gefühlt und den Träger der Fahne festgestellt. Auf Grund dieser Beweisaufnahme beantragte der Amts- anwalt die Verurteilung des Angeklagten zu 20 M. Geldstrafe, indem er darlegte, daß der Angeklagte im Augenblick des Einschreitens die rote Fahne getragen habe, also als Veranstalter des Auszuges anzusehen sei. Das Tragen der roten Fo�w, besonders auf der Döberitzer Heerstraße, sei geeignet, das Publikum zu beunruhigen. Aus den Gendarm habe es so gewirkt, und daher müsse der Angeklagte auch wegen groben Unfugs bestraft werden. Der Verteidiger Dr. Kurt Rosenfeld legte in längeren Rechtsausführungen dar, daß weder von einem Aufzug im Sinne des Gesetzes noch von der Vorübung groben Unfugs die Rede sein kann. Die jungen Leute seien nur, wie an jedem Sonntag zahl- lose Spaziergänger, gemeinschaftlich nach Hause gegangen, keines- falls hatten sie ein Verhalten gezeigt, in dem eine Gefährdung oder Belästigung des Publikums zu erblicken sei. Das Tragen der roten Fahne möge manchem Vorübergehenden nicht gerade an- genehm gewesen sein, ebensowenig wie die Fahne eines Krieger- Vereins allen gerade Vorübergehenden willkommen ist. Aber eine Gefährdung oder Beunruhigung des Publikums in seiner Allge- meinheit kann in dem bloßen Tragen einer roten Fahne nicht er- blickt werden. Außerdem kann der Angeklagte weder für den.Auf- zug" noch für das Tragen der roten Fahne verantwortlich gemacht werden, oa kein Beweis dafür erbracht sei, daß er den Aufzug ver- anstaltet habe. � Seine Angabe, er habe die Fahne lediglich dem eigentlichen Träger der Fahne für einen Moment abgenommen, kann ihm nicht widerlegt werden, und daher müsse er freigesprochen werden. Das Gericht sprach dann an ch den Angeklagten frei. Der Richter betonte allerdings in der Urteilsbegründung, daß allein schon oas Tragen der roten Fahne auf der Döberitzer Heerstraße geeignet sei, das Publikum zu beunruhigen und zu gefährden, es sei aber nicht nachzuweisen, daß der Angeklagte für den Aufzug und für das Tragen der roten Fahne verantwortlich sei, und daher könne er nicht verurteilt werden. Btos Industrie und Handel. Hapag. I» einer gemeinsamen Sitzung des Aussichtsrates und des Vorstandes der Hamburg- Ämerika-Linie wurde der vor- läufige Abschluß für das Jahr 1012 vorgelegt. Es ergibt sich auf Grund der noch nicht endgültig festgestellten Ziffern ein Be- triebsgewin» von etwa!K>)4 Millionen Mark gegenüber rund 13,8 Millionen Mark im Vorjahre. Außer diesem Betriebsgewinn erzielte die Gesellschaft noch einen Agiogewinn bei Begebung der jungen Aktien von zirka SM Millionen Mark. Zur Verfügung steht ein Reingewinn von ettva 63>4 Millionen Mark gegen 40 k Millionen Mark im Vorjahre. Die Verwaltung wird der Generalversammlung der Aktionäre vorschlagen, eine Dividende von 10 Pro z. gegen 8 Proz. im Vorjahre zu verteilen. Das Dividendenerfordernis beträgt demnach 13,75 Millionen gegen 11,25 Millionen im Jahre 1011. Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Aktienkapital im letzten Jahre von 125 auf 150 Millionen Mark erhöht worden ist. Die neuen Aktien nehmen nur zur Hälfte an'der Dividende teil. Diese Abschlußziffern bieten ein recht günstiges Bild von den Erträgnissen der Hapag. Die Hochkonjunktur hat der Gesellschaft reichlichen Profit gebracht. Die Verwaltung benutzt aber auch in diesem Jahre wieder den Gewinn zu erneuten Rücklagen, während die Dividendeubemejsung hinter den Börsenerwartungen zurück- bleibt. Die Verwaltung verweist darauf, daß den Aktionären der Gesellschaft mehr mit einer möglich stabilen Bemessung der Dividende als mit einer spontanen Erhöhung gedient sei. Sie dürfe ferner nicht außer acht lassen, daß die Beunruhigung des Geschäftslebens durch die politischen Ereignisse noch immer nicht geschtvunden ist sowie daß neuerdings hervorgetretene Konkurrenz- bestrebungen es wünschenswert erscheinen lassen, die zur Be- kämpfung solcher Konkurrenzen geschasfeiien Reserven und andere Rücklagen erheblich zu verstärken. Nach Auszahlung der zehn- prozentigen Dividende verbleiben der Gesellschaft zur weiteren inneren Festigung des Unternehmens für Abschreibungen und Reserven noch mehr als 38 Millionen Marl. Die Bildung großer Reserven bereits in früheren Jahren hat es der Gesellschaft in diesem Jahre möglich gemacht, ohne Kapitals- erhöhung 48 Millionen Mark für Schiffsneubauten, Schiffs- ankaufe usw. zu verausgaben. Trotzdem haben sich die f l ü s s i g e n Mittel von 47 Millionen Mark auf 76 Millionen Mark am End» d«S abgelaufenen Geschäftsjahres erhöht. Unter politischem Druck. Der Aktien- Gesellschaft Elsäsfische Maschinenbau-Gesellschaft wurden im vergangenen Jahre von der Regierung die Lieferungen entzogen, weil sich ein Direktor angeblich deutschfeindlich betätigt haben sollte. Infolge dieser Grafen st adener Affäre bat »un die Gesellschaft eine Zweiteilung beschlossen. Die Fabrik Belfort ivird nach diesem Beschluß einer neu zu gründenden Gesellschaft überlassen, die ihren Sitz in Belfort haben wird. Die Fabriken in Mülhausen und Grafenstaden werden dagegen im Besitz der allen Gesellschaft verbleiben. Das Aktienkapital wurde infolge dieses Beschlusses von 1t 400 000 Mark auf 10 400 000 Mark herabgemindert. ArbeitSmarft im Dezember. DaS Verhältnis von Angebot und Rachsrage am deutschen Arbeitsmarkte hat sich im Jahre 10 i 2 zugunsten der Arbeitnehmer entivickelt. Während im letzten Ouartal 1011 und zu Beginn deS Jahres 1012 noch eine relativ starke Belastung deS ArbeiiSmarltes konstatiert werden mußte, zeigte sich am Ende deS letzten Kalender- jahres sowohl gegen 1911 als auch gegen die fünf vorangegangenen Jahre eine recht erhebliche Besserung. Bei den an den»Arbeits- markt" berichtenden Arbeitsnachweisen kamen nämlich in den Monaten November und Dezember der Jahre 1005 bis 1012 auf je 100 offene Stellen durchschnittlich Arbeitsuchende: 1005 1006 1907 1008 1000 1010 1911 Iglg November 131,1 135.1 152.5 Ll2,4 1iw.6 150.7 151.0 1400 Dezember 134,0 124,7 162,6 105,2 165,1 146.7 141.1 ,ZZ., Mithin stand die Andcangsziffer im Dezember 1012 noch um 7,4 unter v-m Niveau de« Vorjahre«, wäh'-nd sie im April tglL noch um 11,8 über den Stand de« entsprechenden MonatS ISN hinausgegangen war. Am«rbeilSmorkt für Männliche kamen im Dezember 1012 auf je 100 offene Stellen durchschnittlich 154 23 Be- Werber gegen 164.97 im vorjährigen Vergleichsmona«. Die Andrangs- ziffer für die Weiblichen berechnete sich auf 05,76, sie hat sich fast genau auf dem Niveau de« Borjahres gehalten. Die Aussichten deS ArbeilSmarkteS für das Jahr 1013 sind im allgemeinen recht günstig. Vor allen dürfte neben der flotten Beschäftigung d-r meisten Gewerbezweige auch die Zunahme der Auswanderung und das Nachlassen der Einwanderung infolge des Balkankriege« eine weiiere Erleichterung am inländischen Arbeitsmarkte herbeigeführt haben.__ Rekordzahl i» der Wagenstellung. Der Eisenbahnverwaltung ist es endlich gelungen, dem Wagenmangel soweit abzuhelfen, daß « wir noch in ganz geringem Umfange vorhanden ist. so daß die Zechen ihre Forderungen weiter steigern fonnlen. Der Verkehr wies in der Vorwoche eine erhebliche Zunahme auf. Im arbeits- tägigen Durchschnitt wurden im Ruhrrevier in der letzten Woche 31286 Wagen bestellt. Am Sonnabend forderte der Ruhrkohlen, vergbau 35 065 Kohlen- und Kokswageu, die auch gestellt wurden. Das ist eine Rekordzahl. wie sie bisher wicht erreicht wurde. SosiaUs. Bolksversicherung Nummer zwei pleite— Bolksversicherung Nummer sechs neugegründet! Kürzlich stellten wir erst fest, daß dqs Interesse an der Ver- sicherung der Arbeiter immer lebhafter werde. Auch das Zentrum ist aufgewacht und empfiehlt seine Spezialsorte Bolksversicherung. In der Zwischenzeit ist es einer anderen Art Volksversicherung schlecht gegangen. Bekanntlich gründeten eine große Anzahl privat- kapitalistischer Versicherungsgesellschaften vor nicht allzu langer Zeit die Deutsche«»ltsversicherungs-A.-G. Deren Aktion kann jetzt als völlig gescheitert betrachtet werden! Weder die großen Volks- versicherungs-Aktiengejellschaften noch die ösientlich-rechtlichen Ver- sicher ungsunternehmen haben sich ernsthaft um die neue Gesellschaft gekümmert. Diese fordert zwar auch he ihe noch eifttg zur Mit- zeichnung für ihre beabsichtigten 3 Millionen Mark Aktienkapital auf, das hat aber faktisch nichts mehr zu bedeuten. Eine Sorte neuer Volksversicherung ist also schon wieder tot. Inzwischen ist die Bolksversicherung Rummer sechs vorbereitet worden. Die privaten Volksversicherungsgesellschaften wollen sich jetzt direkt mit de» öffrntlicheu Lebensverficherungsanstalten zu einer Bolksversiche- rungsgemeinfchaft verbinden. Die Beteiligten wollen dabei den gegenseitigen freien Wettbewerb trotz ihrer Gemeinschaft nicht unter- binden; es soll nur Einigtest in der Bekämpfung der Volksfürsorge gesichert werden! Charakteristisch ist, daß sich auch jetzt wieder die „Viktoria" noch recht vorsichtig abseits hält. Ihre Spekulation wird deswegen sicher noch manche Ileberraschungew zu bringen ge- eignet sein. Die eifrigen Gründungen, Umgründungen und— Bankrotte all derer, die die Seele, oder richtiger das Portemonnaie der Ar- bester lieben, zeigen, auf welch gesundem Wege die Arbeiter stets sind, wenn sie ihre Interessen selbst wahrnehmen. Ans der soziale» Studentenbewegung. Der Verband der Akademische» Unterrichtskurse Deutschlands versendet soeben seine» Bericht für das Sommersemester.1012. Der Verband stellt eine politisch neutrale Organisation dar, die— ohne zu Weltanschauungsfragen Stellung zu nehmen— sich die Aufgabs gestellt hat. durch Erteilung elementaren Unterrichts für die Ver, breitung von Wissen und Bildung unter der Arbeiterschaft tätig za sein. Da die Kurse ihren neutralen Standpunkt bisher voll zu wahren gesucht haben, so haben ihre Bestrebungen auch bei der organtjierten Arbsiterschast Sympathie u»d Unterstützung gefunden. Daher wird es wohl befremden, wann der Bericht trotzdem einen Rückgang der Bewegung konstatieren muß. Zwar ist die Zahl der dem Verband angeschlossenen Organisationen von 24(Sommer 1911) auf 29 gestiegen. Doch ist die Zahl der insgesamt Unter- richteten von 7679 auf 5934 zurückgegangen. Die Ursache dieses Mißerfolges wird vom Berichterstatter in einem recht charakterrsti- scheu Umstand gesunden: an einigen Orten ist von den Studenten der Versuch gemacht worden, die Kurse nickst mehr aus die Bildungs- bedürfniss» des Proletariats, sondern von Äoltsschichten zuzu- schneiden, die schon eine umfangreichere Vorbildung mitbringen. Dieser Versuch mußte scheitern, einmal an der vielfach vorhandenen Gleichgültigkeit dieser Kreise gegen derartige Bestrebungen, so- dann aber auch daran, daß wie der Bericht elbenfalls towstatiert — die Fluktuation und der Abfall dieser Schichte«« viel stärker war. als bei den rein proletarischen Hörern. Wo man von derlei be» venklichen Experimenten abgesehen hat— wie z. B. in Berlin—, ist die Entwickelung denn auch durchaus konstant geblieben. Ueber die Gliederung der Hörerschaft nach Berufen. Alter, Geschlecht usio. bringt der Bericht in mehreren Ta- bellen recht wertvolle Daten. Das Durchschnittsalter der Hörer betrug 24.9 Jahre, ein schlagender Beweis, wie wenige Jahre das auf unserer..mustergültigen" Volksschule empfangene Wissen vor- hält und wie bald der Arbeiter schon wieder das Bedürfnis emp- finde» muß. seine Kenntnisse der alleceinfachsten Dinge wieder aufzufrischen. 35 Proz. der Hörer standen gar noch unter 20 Jahren! Der Anteil der weiblichen Hörer läßt sich nach einer Teilstatistik mit zirka 20 Proz. annehmen. Die Berufsstatlstit ist nicht sehr glücklich gegliedert, da fie Gruppen von Selbständigen. Angestellten und Arbeitern durcheinanderwirst; mehr als der Be- ruf des Hörers an sich interessiert seine soziale Stellung innerhalb des Beruss. Immerhin läßt sich erkennen, daß der größte Teil der Hörerschaft aus Jndusiriearbeitera besteht, dazu kommt ein starker Bruchteil Angestellte(bei den weiblichen Höver» sind sogar zirka 40 Proz.«eibliche Angestellte), serner selbständige Hand- werker, Kaufleute usw.. bei den Frauen auch noch 28 Proz. berufs- loser Ehefrauen. Roch ei» Wort über die Beteiligung der Studenten. Es wäre durchaus verfehlt, in dem miüvirkenden Studenten bereits den Typ des sozialistischen Akademikers zu sehen. Mag auch ein Teil mit der inodernen Arbeiterbewegung sympathisieren; ein anderer— tvohl sogar der größer«— steht ihren Zielen ablehnend gegenüber. Immerhin Handel» es sich hier um Leute, die überhaupt den Wunsch nach sozialer Betätigung und eigener praktischer Erfahrung aus soziale», Gebiet habe», um Studenten, die der Arbeiterklasse irnt einer gewissen Vorurteilslosigkeit gegenüberstehen. Da scheint e» denn recht bezeichnend für das Niveau der deutschen Studenten- schaft, daß von nahezu zirka 50 000 Hochschülern ganze 756. 0. Y. zirka 1.5 Proz., für diese Aufgabe getvonnen werden kannten-.er deutsche DurchschnittSstudent leistet nach wie vor«m Biertrimen weit mchr. als auf sozialem Gebiete....„...m. w Zum Schluß noch ein Kuriosum: in Wurzburg«nußte der Plan? Kurse für«VwÄnde fallen gelassen werden, weil Teilnehmer auS 3�«»wtetfe« Widerspruch erhoben. Dem Wunsch wurde Ueberspanitung des Begriffes„Neutralttat nachgegeven. VerfannnUmgen. Serbank w und Mühlenarbeiter. Zahlstelle B e rlin. �(WiXtsammlung der Zahlstelle s-md au. Sonntagnachmittag im Gcwerkschaftshause statt. Der Geschäfts- und Kasien�richt für das Jahr 1012 lag gedruckt vor und wurde von dem Vorsitzenden Hodapp eingehend erläutert. Das verflossene Jahr war sür die Brauereiarbetter mcht gunstig. Dw Zusammen- legung kleiner Betriebe und dw Einführung neuer Maschinen, be- sonders n den Flaschenbierlellereien. brachte für viele Mitglieder wieder Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen stieg von 240' m Borstchre aus 273 am Schlüsse des Berichtsjahres. Für das kommende Jahr sehen d.° Brauere.arbe.ter m.t Besorgnis aus die drohenden Kämpfe im Baugewerbe und ,n der Holzindustrie.- Hodapp besprach»ann die Kampfe des Verbanoes mit den Unternehmern im Berichtsiahre; in vier Fällen kam e» zum Streik 222 Verhandlungen fanden zur Schlichtung von Disse- ren«n aller Art statt; in der großen Mehrzahl kam«S zu einem befriedigenden Resultat. Die Verwaltung blickt auf eine retche Tätigkeit zurück; 17 Mitglieder- und Gruppenversammlungen fan- j>en statt, ferner 425 Betriebs- und«gitationsvers am mlungen. 7 Bezirksagitationsversammlungen. 56 Ortsverwaltung«- und«er- trauensmänners, Hungen und 30 sonstig« Sitzungen. DaS Bureau wurde von 33 238 Personen in Verdandsgeichäsien besucht, durch- schnittlich pro Tag von 108 Personen.— Der Bericht geht dann auch auf recht unleidliche Streitereien mit dem Deutschen Tran», portarbeiterverband ausführlich ein. r Für die Mühlenarbeiter fanden 10 Bctrtewversamm- lungen statt und 4 Verhandlungen mit den Unternehmern, die nicht den gewünschten Erfolg brachten. Ein Streik mußte abgez I'toüjcn werden. Tie Agiiation Mlex den MWenardeilettr ge- staltete sich sehr schwierig, besonders in der Salomonmühle, die, wie besgnders erwähnt ivird, Lieferant für die Grotzeinkaufs- genossenschaft in Hamburg ist.— Rechtsschutz wurde in 20 Fällen gewährt. Die Mitglieder, besonders das Fahrpersonal, werden ersucht, ihre Gesuche um Schutz stets rechtzeitig einzureichen. In einem Falle war ein Mitglied schon im Gefängnis, verurteilt zu neun Monaten, als die Frau des Mitgliedes erst in voller Verzweiflung nach dem Bureau tam. Dem Eingreifen des Verbandes gelang es dann, den Mann wieder frei zu bekommen, der ein Kind überfahren hatte und hilf- und ratlos vor Gericht stand. Der Arbeitsnachweis zeigt gegen das Vorjahr eine starke ?lbnahme der vermittelten Stellen, nämlich 755 gegenüber 1278 im Borjahre, darunter 156 feste Stellen gegenüber 207 im Vorjahre. Aus der Bibliothek wurden 1118 Bände entliehen, die höchste Zahl, die bisher erreicht wurde. Die Mitgliederbewegung zeigt folgende Aufstellung: Der Mitgliederbestand am Schluß des Jahres 1911 war 4682, der tugang von Mitgliedern betrug 816, das sind zusammen 5498. Der bgang an Mitgliedern betrug 667, der Mitgliederbestand am Schluß des Jahres 1912 war 4831. Der durchschnittliche Mit- gliedechestand im Jahre 1912 betrug 4772 Mitglieder. Beitrags- marken wurden umgesetzt 243 922— 51,1 Beitrag pro Mitglied. Zu leisten waren im Durchschnitt 248 144 Beiträge, geleistet wurden 243 922 Beiträge � 98,3 Proz. Der Kassenbericht, von Kästner erstattet, zeigt für die Verbandskasse in Einnahme und Ausgabe eine Bilanz von 121 982,25 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für Kranken- rinterstützung 34 093,60 M., Arbeitslosenunterstützung 19 192,85 M., Reiseunterstützuna 165 M., außerordentliche Unterstützung 285 M., Sterbegeld 2907,35 M. und Rechtsschutz 47,20 M. Die Lokalkasse hat glänzend abgeschlossen und ist imstande, an die Hauptkasse alle Darlehen zurückzuzahlen. Die Einnahmen der Lokaliaise im Jahre 1912 betrugen 31 963,95 M.. die Ausgaben 26 409,55 M., Mehreinnahme im Jahre 1912: 5554,40 M. Unter den Ausgaben der Lokal tasie stehen verzeichnet: Für die ausgesperrten Pprzellanarbeiter 500 M., an die Arbeiter-Samariter- Kolonne„Ortsgruppe Berlin" 50 M., Agitation 107,50 M., Streikunterstützung 15 M., Arbeitslosenunterstützung 9115,50, Rechtsschutz 62,55 M.. Sterbegeld 3299,50 M, Ueber die Berichte entspann sich eine längere Diskussion, in der unier anderem gerügt wurde, daß der Umsatz der Maimarken, der 1352 M. brachte, nicht größer war. Von einigen Rednern wurde verlangt, daß die Verwaltung noch mehr für die Interessen der Arbeiter den Unternehnicrn gegenüber eintreten müßte. Scharf und bestimmt wiesen H o d a p p und S ch u l d t diese Vonvürfe als ungerecht und grundlos zurück. Schuld t kam noch auf die poki- zeiliche Verordnung über das Bierausfahren an Sonntagen zu sprechen, die von einigen Brauereien übertreten wird. Er forderte das Fahrpersonal auf, an den bestehenden Bestimmungen festzu- halten und die Arbeit an den Sonntagen entschieden zu verweigern. In einer Anklage gegen die Verwaltung, die Verweigerung eines Darlehns betreffend, hieß die Versammlung das Verhalten des Vorstands durch eine Wstrmmung gut. Die Wahl der Ortsverwallung ergab, den Borschlägen der Vertrauensmänner gemäß, das folgende Resultat: Hodapp als Borsitzender. S ch u l d t als stellvertretender Vorsitzender. K a st n e r als Kassierer, S ch w e d l s r als stellvertretender Kassierer, Groß- fuß als Schriftführer. Reh als stellvertretender Sckriftfiihrcr, Richter. Gantz. Knappe, Schmitz und L e i s ch o w als Beisitzer. Reichard, Ernst und Karl M ü l k e r als Revisoren. Schul dt referierte dann über die geplante Biersteuer für Berlin, gegen deren Einführung die Brauereiarbeiter prolestieren müßten. weil sie schließlich am schwersten davon betroffen würden, wenn Brauereien und Gastwirte die Steuer abwälzen und das Publikum den Konsum einschränkt, wie vorauszusehen ist. Schuldt legte die folgende Resolution vor: „Die heutige Versammlung der Brauereiarbeiter Groß- Berlins erhebt energisch Protest gegen die Borlage des Berliner Magistrats, die Einführung einer Biersteuer betreffend. Die Brauereiarbeiter haben an den Folgen der Brausteuererhöhung vom Jahre 1909 außerordentlich schwer zu leiden gehabt und deshalb wendet sich die Versammlung mit aller Entschieden- heit dagegen, daß die Stadtverwaltung Berlin durch ihr Steuer- Projekt die kaum vernarbten Wunden aufs neue aufreißt. Drin,- gend bedürfen infolge der ungeheuren Berteuerung der Lebens- Haltung die Lohnverhältnisie der Berliner Brauereiarbeiter einer erheblichen Aufbesserung. Es besteht kein Zweifel, daß die An- nähme der Magistratsvorlage die Bestrebungen, die bei der Er- Neuerung des am 1. April 1914 ablaufenden Tarifvertrages seitens der Arbeiter dahingehend geltend gemacht werden müsien, erheblich beeinträchtigen würde, so daß vorauszusehen ist, daß de» Tausenden von Berliner Bvauereiarbeitern durch die Erhöhung der städtischen Bierbesteuerung ein direkter Schaden zu- gefügt würde. Bor allen Dingen würde daS Fahrpersonal schwer benachteiligt sein, wenn die Vorlage Annahme finden sollte. Die un- geheuerlichen. mit der Deklarierung verbundenen Scherereien würden bei Uckbertretungen, die bei den komplizierte,, Berhält- nissen Berlins und der Borortc ganz unvermeidlich sein werden. häufige Bestrafungen zur Folge haben. Noch viel mehr würde aber der durch die Deklarierungsscherereien entstehende Zeiwer- lust ungünstig auf die Arbeits- und Lohnverhältnisie des Fahr- Personals einwirken. Die Arbeitszeit ist im allgemeinen da- durch, daß ein Teil des Lohnes der Bierfahrer auS Prozenten des abgesetzten Bieres besteht, schon jetzt ungeregelt und im all- gemeinen viel zu lang. Jede Verzögerung auf der Tour oder im Brauereikontor infolge des Detlarationsgivanges bedeutet oben iür die Biersührer entweder einen Verdienstentgang oder, wenn sie einen solchen vermeiden wollen, eine weitere ErMung � T�Versammluna erwartet, daß die Stadtverordneten Ber- lins, die sich in der Mehrheit den liberalen Parteien zuzählen. die Hand nicht dazu bieten, durch Annahme der Magistratsvorlage die Verhältnisse der Brauereiarbeiter zu verschlechtern." Diese Resol"tion wurde einstimmig angenommen. Der Vorsitzende Hodapp Maß die Versammlung mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Wirken»m neuen Jahre; er bracht« ein Hock, auf die Arb«>terbewe?hnhaiten Angeklagten waren«>nes Tages von dem Genbarmerievlmchtmeister Schalk« dabei abgesaßt worden, wi« st« unter Vemewduug eines grettchenp Kagd auf wilde Kaninchen machten. Da sich fc» Parganasch nicht genügend sestltellen, ließ. allein durch amtsrichterliche Verfügung �?W9en unerlaubten Frvt- tierens erlassen. Wie uie unnagc behauptet, soll nun Bochnia. um � von der Zalstung der 3S M. zu befreien, sich.>nt ei,.«mWüffte- 'U«r Schmidt'»Verbinduiig gesetz und dies«,, veranlaßt haben. Gericht auszusagen, daß«k das Frettchen«U an i.nam KVmc sich aibeiter vor Gericht ._ ssufaaen. datz«»as?"t.chen von ihm gekausl habe. Schmidt lehnt« jebach oumulun, t, Sfcgeg«« joB der AngeNagte Parganasch auf Airschten �. Bochp.z in der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Trebbin ausgesagt haben, sie hätten das Frettchen erst an jenem Tage gekaust und noch keinerlei Jagdversuche damit gemacht. Di« Geschworenen bejahten die Schuldfragen»ach Meineid in Verbindung mit dem strafmildernden>5 157,1 des Strafgesetzbuchs bezüglich Beihilfe. Das Urteil lautete gegen Parganasch auf 1 Jahr »nd 3 Monate Gefängnis sowie 5 Jahre Ehrverlust, und gegen Bochnig auf 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 8 Wochen bezw. 1 Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Ungültige Polizeiverordnung über die Polizeistunden. Der Regierungspräsident zu Stettin hat am 21. Mai 1912 eine Polizeiverordnung erlassen, welche im§ 1 bestimmt, daß Schairk- wirtschaflen und Gastwirtschaften mit Schankbetrieb mir während eines bestimmten Zeitraumes im Betriebe sein dürfem Eine Aus- nähme finde nur statt hinsichtlich der Gastwirtschaften mit Bezug auf Logiergäste und hinsichtlich der Bahnwirtschaften mit Bezug auf Fahrgäste. Die Zeit selber wird durch die Verordnung so fest- gesetzt: In Städten 7 Uhr morgens bis 12 Uhr abends im Sommer; 8 Uhr morgens bis 12 Uhr abends im Winter; auf dem Lande im Sommer von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends und im Winter von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Der Gastwirt Rühl zu Stettin, der im Sommer reisenden Händlern vor 7 Uhr früh heißen Kaffee verabreicht hatte, als sie nach einer Nachtfahrt mit ihren Fuhrwerken dort einkehrten, war wegen Uebertretung der Verordnung angeklagt worden. Das Landgericht zu Stettin sprach ihn frei, indem es die Ver- ordnung für ungültig erklärte. Die Verordnung gehe, so wurde be- gründend ausgeführt, über die Befugnisse der zum Erlaß von Polizeiverordnungcn berufenen Behörden hinaus, indem sie nicht nur den Eintritt der Polizeistunde bestimme, sonderni auch ihr Ende. Einen solchen Begriff der Polizeistunde kenne§ 365 des Strafgesetzbuches nicht. Da sei nur vom Verweilen der Gäste über die gebotene Polizeistunde hinaus die Rede. Es solle danach allerdings eine Ruhezeit liegen zwischen dem Ende des Betriebes und dem Wiederbegin». Wie lange sich diese ausdehne, könne aber nicht durch Polizeiverordnung vorgeschrieben werden. Das müsse sich »ach den allgemeinen Gewohnheiten des Lebens richten. Jn§ 10 Teil 2 Titel 17 des Allgemeinen Landrechts finde die Vorschrift keine Stütze, daß der Betrieb vor den angegebenen Morgenstunden nicht wieder ausgenommen werden dürfe. Denn vou einec bevorstehenden Gefahr für die öffentlich« Ruhe, Ordnung und Sicherheit und für Leib und Leben des Publikums könne nicht die Rede sein. Daraus folge die Freisprechung des Angeklagten, die sich übrigens auch noch deshalb rechtfertige, weil die Händler, die nach der lang?» Nachtfahrt einkehrten, sehr wohl als Logiergäste anzusehen wären, wenn sie sich auch nicht erst ins Bett legten. Das Kammergericht verwarf vor kurzem die von der Staats- anwaltschaft gegen das Urteil eingelegte Revision mit folgender Be- gründung: Die Frage, ob jene Händler Logiergäste lvaren, könne ganz ausscheiden, da das Landgericht die Verordnung mit Recht für un- gültig erklärt habe. Mit Recht habe das Landgericht angenommen, daß ein derartiger Begriff der Polizeistunde,>vie ihn die Ver- ordnung aufstelle, unmöglich sei. Es sei unzulässig, zu verbieten, daß Gast- und Schankwirtschaften vor 7 Uhr oder 8 Uhr morgens nicht geöffnet werden dürfte». Von einer bevorstehenden Gefahr im Sinne des ß 10 Teil 2 Titel 17 des Allgemeinen Lairdrechts tonne nicht die Rede sein, falls ein solches Verbot nicht bestände. Nun habe allerdings das Kamplergericht Polizeivorschriften kür gültig erachtet, durch die verboten wurde, vor einer bestimmten Morgenstunde Branntniein auszuschänfen. Das sei aber ganz etwas anderes, wie die Bestimmungen der obigen Regierungs-Polizei- Verordnung, die den Betrieb überhaupt bis zu einer bestimmten Morgenstunde nicht gestatten wolle. Was hier perneint werden müsse, treffe bei dem zu frühen Ausschank von Branntwein zu, nämlich, daß dadurch die öffentliche Sicherheit und Ordnung ge- fährdet werde, da ein zu frühzeitiger Branntweingenriß sehr leicht zur Trunkenheit und zu Exzessen führe. Meineidige Arbeitswillige. Vor dem Schwurgericht in Dortmund hatten sich am Freitag zwei Arbeitswillige gegen die Anklage wegen wissentlichen Mein- eids, begangen in Streikprozessen, zu.verantworten. Di« Oefsent- lichkeit wurde während der Verhandlung ausgeschlossen. Die Ge- schworenen verneinten bei einem Angeklagten die Schuldfrage, bei dem zrveiten ernannten sie auf schuldig des fahrlässigen Meineids. Er wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Jn der Begründung wurde erklärt, es liege eine recht grobe Fahrlässigkeit vor. Schutz gegen Arbeitswillige ist dringend erforderlich. Um einen Apfel! Der überaus geheiligte Eigentumsschutz, so berichtet man aus Halle a. S., hatte sür den bisher unbescholtenen 44jährigen polni- schen Arbeiter Jeßkowisuk�ganz barbarische Folgen. Ein Gruben- uivd Plantagenbesitzer in Sandersdorf, bei dem I. arbeitete, hatte in seinem Garten Fußangeln und Selbstschüsse legen lassen, um Obstdiebe abzuwehren. Am Abend des 13. August v. I. ging I., der nicht deutsch lesen konnte und deshalb von den Diebesfallen keine Kenntnis hatte, in den Garten, nahm einen Apfel vom Baum und biß hinein. In demselben Augenblick krachte ein Schuß, der ihm das rechte Bein zertrümmerte, das innerhalb 24 Stunden bis über da» Knie abgenommen werden mußte. Am Sonnabend stand der unglückliche Krüppel nun auch noch wegen versuchten schweren Diebstahl» vor der Strafkammer unter Anklage, weil er durch Einsteigen in den Garten versucht haben sollte. Obst zu stehlen. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 10 Mark wegen Forstdiebstahls. Das Gericht erkannte auf Einstellung drS Per- fahren«, da Verjährung eingetreten ivar. Hus aller Melt. Dao Lied vom braven JMann. AuS London wird uns berichtet: Nach einer äußerst stürmt- schen und ereignisvollen Fahrt kam der Dampfer„Snowdon Range" mit seiner wackeren Besatzung von 24 Mann unter dem Kapitän D i ck t n s 0 n in O u« e n S t 0 w n an der irischen Küste an. Bon Philadelphia kommend, war das Schiff 53 Tage unterwegs gewesen. Die Eigeinümer hatten schon längst alle Hoffnung auf- gegeben; in London war es nicht mehr zu versicher». Eine Reihe gewalliger Stürme, wie sie nur wenige Seeleute erlebt haben, hatte an Deck alles kurz und klein geschlagen, das Ruder zertrümmert und die eisernen Siäbe der Rceling zu phantastischen Knäueln verbogen. 44 Tage hatte der Kapiiän die Kommandobrücke nicht verlassen; nur dann und wann, wenn eö die Elemente erlaubten, hatte er sich ein Stündchen Schlaf gegönnt. Die ganze Mannschaft ivar nach der Ankunft in Oucenstown so ermüdet und erschöpft, daß sich jeder einfach hinwarf, wo ein trockenes Plätzchen zu finden war. und in einen tiefen Schlaf versank. Der heroische Kamps der„Snowdon Range' nahm am 5. Dezember»912 seine» Anfang. al» ein wütender Siurm auf dem Atlantischen Ozean das Ruder des Dampfers zerbrach. Man versuchte zuerst, den Schaden mit dickem Eilendraht zu heilen, hatte aber keinen Erfolg. Run folgten vier bis fünf bange Tage, Ipährend tpelcher haushohe Welle» über das hilflose Schiff zusammenschlugen und jeden versuch, ein Notruder herzustellen, vereitelte». Schließlich gelang es. ein Notruder anzübringen. aber es half nicht«. Nicht weniger als sieben Rotruder wurden ohne Erfolg versucht. Endlich traf man den deutschen Dampfer»Baterland", der nach Westen fuhr. Dieser konnte die„Snolvdon Range" nicht in Tau nehmen, erbot sich je- doch, die Mannschaft an Bord zu nehmen, was abgeschlagen wurde. Die„Snowdon Range" strebte nun den südlichen Dampfer- routen zu in der Hoffnung, anderen Schiffen zu begegnen. Am 24. Dezember hatte der Dampfer nur noch 100 Tonnen Kohlen und, sah sich unmittelbar vor der Gefahr, wie ein Wrack von den tobende n Wellen zerschellt zu werden. Am 1. Januar wurde das Schilfs .Welshman" sichtbar, das die„Snowdon Range" in Tau nehm Feuer aus. das die ganze Mühle ergriff. Bei den Löscharbesten wurden der Eigen- tümer Conrad und zwei Feuerwehrleute durch«ine einstürzende Mauer getötet. Der Raubbau mit der Arbeitskraft. Jn einer Kohlengrube bei Tremp(Nordspanien) wurden durch vorzeitige Explosion einer Dynamitkapsel zwei Arbeiter getötet und vier verwundet. Infolge des Unglücks erhoben die Arbeiter Beschweide. Sie verlangen eine strenge Untersuchung und die Einleitung von Maß« nahmen zur Berhümng von Unfällen.— Bei einer Dynamit'- e x p l 0 s i 0 n auf dem Arcturus Slai-Bergwerk in R h 0 d e s i a sind am Freitag zwei Weiße und 17 Eingeborene ums Leben gekommen. Todcssturz eines Fliegers. Der deutsche Flieger Lübbe und die argentinischen Flieger Leutnant Origone und Gefreiter Fels unternahmen am Sonntag einen Flug von Buenos Aires nach Mar del Plata. Leutnant Origone stürzte unterwegs a b und wurde getötet. Feuer an Bord. Wie ein Telegramm aus Aden meldet, brach an Bord des russischen Dampfers« E t s 0 n i a" auf bisher unauigeklärte Weise Feuer aus. DaS Schiff wurde von den Flammen völlig zerstört. Der Kapitän, der Maschinenführer und 10 Manu der Besatzung fanden den Tod, die anderen Mannschäften konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden,_ Marktpretse von Berlku am 18. Januar lvtS. noch ErmUIelmigcn de» tönigl. PolizeiprSsidimn«. 100 Kilogramm Welzen, gute Sorte lg.SS bi» 19,00, mlllel 19,7«— 19,82, gerluge 19,70—19,74. Noggen, gute Sorte 17.18—17.20, miltel I7.l4— 17.16. geringe 17,10-17,18(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 17,70—18,80, miltel 17,00—17,60, geringe 16,40—16,90. Haler, gute Sorte 19,10—20,40, mittel 17,50—19,00(frei Wagen und ab �iarktballenpreise. 100 Klwgr. Erbsen, gelb», zum Kochen 80.00—50.00. Sveüebohnen. weiße, L6.o0-S0.00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2.40, Rindfleisch, Bouchfleilch 1,40-1,80, Schwemefleifch 1,60-2.20. Kalbslei'ch 1,40—3,40. Hammcnleilch 1,50—2,40. Buller 2.10-8.00. 60 Stück Ei» 4.80-6.80. 1 fitloitamm ttarp'en 1.40-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1.40- 3,60. Hechte 1,60-2.80. Barsche 1.00-8,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Kreble 3,50—34,00. Jugendveranstaltunge». Arbeiterjugend von Nowawes. Am Sonntag, den 26. Januar, findet eine Besichtigung de» Museums sür Meereskunde tu Berlin(Georgen« üraüe) statt. Nach derselben Besuch de» yugendhelm» In der Bruinicu- slraße 40. Der Fahrpreis betrögt 1 M., sür die Mitglieder des Jugendheims unter l» Jahren 50 Pf. Treffpunkt Ii!'/,— IL'/. Uhr am Bahnhol Nowawes. Absahrt 12 Uhr 57 Min. Die Eltern wollen ihre erwachsenen Söhn««nd Töchter aus diese Per- anstallung ganz befonderS aufmerksam machen. H Todes-Anzeigen SozialüeniokratiseberWaiilvereiti I. d. 4. Beri. Reicbstagswahikreis. Petersburger Viertel. Bez. 353 II. Den Mitgliedern jur Nachrichl. datz unser Genosse, der Tischler Paul Talkenberger Petersburger Platz 2, gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Januar. nachmittags 2'/, Uhr. von der Leichenhalle des Zcnlralsriedhoses in Friedrlchsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Bvmltaki'sl.Mvemnl.deiiS 4. Petersburger Viertel. Bez. 364 Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Metall- arbeiter Bruno Theurer Schreinerstr. 56 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Januar. nachmittags 3'/, Uhr, von der lalle des Zentral-Friedhoses in riedrichsselde aus statt Um rege Beteiligung ersucht 210/10 Der Vorstand. Brandenburgischer Maschinensetzer-Verein Sitz Bertin. Am 18. Januar starb nach langen, schweren Leiden unser liebes Mitglied, der Maschinensetzer tiermann tirau aus Stallupönen.— Wir werden Z dem Verblichenen ein dauerndes Andenken betvahren. Die Beendigung findet am Mittwoch, den 22. d. Mts., nach. mittags 3 Uhr, aus dem Andreas- Kirchhof in Hohenschönhausen. Berliner Str. 33. statt und ersucht um zahlreiche BeteUigung 21251) Der Vorstand. Deutseber Bauarbeiterverband. Sektion der Patzer. Unsere»,, sowie den MUgliedern des Gesangvereins der Putzer Hiermit zur Nachricht, daß unser langjährrzeS Mitglied Julius Keitmann (Bezirk Charlotlenburg) am Sonntag, den 13. Januar, im 65. Lebensjahre gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Januar, nachm. 3>/, Uhr. aus dem Luisen-Kirchhos (Fürstenbrunner Wag) statt. Um rege Beteiligung ersucht 140�6 Oiq örU Verwaltung. Verband der Gastwirtsgebillen. OrtsuetumUmift Berlin 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, das) unser Kollege Wilhelm Huth nach schweren Leiden am 13. Ja- nuar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Januar, nach. mitdags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Ge- meinde-Friedhoss, Mariendorser Weg, auS statt. 31/2 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Geschästs- kutscher Bruno Kodatz am 14. b» Ml», im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. d. M., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhoses der Apostel- Gemeinde, Müllerstr. 44/45, aus statt. 61/8 Bin Bezirksverwaltung. Zentralverband der Zivilberulsmusiker Deutscblands. Ortsverwaltung Berlin. Allen Kollegen die traurige Siachricht, dast unser Mitglied Ulbert R-aede am Iß. Januar 1913 gestorben ist. Die Beerdigung findet Dien«. tag, den 21. d. M., nachmittags ;i'/, Uhr. von der Leichenhalle des ZentralfriedhofeS. Friedrichssclde. aus statt. Um rege Beleiligung ersucht > 2 Ter Vorstand Verband der Steinsetzer. Pflasterer u.BeruIsg. Deutscblands Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, Steinsetzer Otto Stüher verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. d. Mis., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle dcS neuen Nazaret- Kirchhoscs in Reinickendorf, Kögelstratze aus statt. Rege Beteiligung erwartet 175/2 Der Vorstand. Am 19. Januar 1913, früh 1«/, Uhr, verschied nach schwerem, aber kurzem Krankenlager meine lidie Jrau. unsere gute Schwester. Schwägerin und Tante, Frau IWarie Schölzel geb. Bllling;. Um stille Teilnahme bittet Wilkelra Schölzel, 2126b Britzer Straße 8. Die Beerdigung sindetDonners- tag, den 23 Januar, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Zentialsriedhoses inFriedrichsselde aus statt Zillen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe Mutter. Großmutter und Schwiegermutter 2128b Anna Reuter nach schweren Leiden verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten Oie trauernden Hinterbliebenen. Beerdigung Mittwochnachmittag '/,4 Uhr von der Halle desZentrat- sriedhoseS in FriedrichSselde aus Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 19A fenjmsBll Oelsehläger sage ich dem Personal und der ge- samten Arbeiterschast der Nigroiit- Werke sowie dem Fabrikarbeiter- Verband Deutschtands und allen Be- teiligten meinen ausrichtigsten Dank. Wilve Oelsehläger. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere» guten Vater» ,bngn«t Helchcrt sagen wir allen Beteiligten, Ver- wandten und Bekannten, besonders dem Berliner Raucherbund, dem Humoristischen Rauchklub und dem Deutschen Transportarbeiterverband unseren herzlichsten Dank. 63A Witwe Melchert und Kinder. 8pezlalarzt Hill, VMJWIU.I"V" Dr. Homeyer f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren in u.Co. konz. Laboral. s. Blut- Untersuchung.. Fäden i. Harn usw. fnedrichslr. 81, ÄÄ., Ipr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar massig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Vomskm« Bekleidung fertig und nach Maß ir halten Sit in der modernen Mass- Schneiderei J. Kurzberd auf Wunsch Wochenrat* Roscnthaler Strasse 36 i. Klage. Frankfurter Alleel04 Ecke Friedricbatruie. Reinickendorfer Stp.4 Weddlngplati. Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher usw. Bureau: Melchiorstraße 28, pari. Ferusprecher Amt Mpl. Nr. 4787. ?Uiale Berlin. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9 Fernsprecher: Amt Norden 6708 Donnerstag, den SS. Januar, abends 8'/z Uhr, im Lokal von Fritz Wille, Sebastianstrafte 39» findet für alle Vertrauensmänner der Malereibetriebe Berlins und der Vororte eine vertrauensmänner-versammlung statt.— Wir ersuchen die Kollegen auf allen Arbeitsstellen, ganz gleich ob Bau oder privat, die Vertrauensmänner auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Auf den Arbeitsstellen, wo kein Vertrauensmann vorhanden ist, haben die Kollegen einen Kollegen zu beauftragen, an der Versammlung teilzunehmen. Es muft jede Arbeitsstelle unbedingt vertreten sein.==- 137/3*__ Tie Ortsverwaltnng._ Deutscher Metallarbeiterverband, Deutscher Holzarbeiterverband Verband der Maler und Lackierer und Verband der Sattler Mittwoch, den 22. Januar 1913, abends 8'/, Uhr: VtrsltmmlllNgaUerArdtiterd.Karossttte-u.Magtnfabrihrll in Boeters Festsälen. Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Karl Spiegel. 2. Tarif» und BetriebSangelegenhciten. Wir erwarten zu dieser Versammlung das vollzählige Erscheinen aller Kollegen und bitten pünktlich anwesend zu sein. 11/4 startoll vor 0rganisationon der Wagen- u. Karosserlefabriktn Berlins u. Umg. I» Ncmnttungssttlte Kerlin. c. 54, Fimenstr. 83—85. Verwaltung: ftassterer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9714. Mittwoch, den SÄ. Januar 1913, abends b'/a Uhr: = Versammlung= der Graveure und Ziseleure in den Corona. Prachtsälen, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht von der Berusskonferenz in Stuttgart. 3. Verschiedenes.— Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 111/5 Die OrtSverwaltnng. H.& P. Uder, Kerlin MO. 16, • engel-Ufcr 5. Tabak-Oroßhandinng und Tabaktabrik. DM" Rauch-, stau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."W Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliohebe- 7{ 4•« A 4 4 a M zu Oriainalpreiaen. kannten Marken J6 1 Q<4 T tSlIBtl_ Amt 4l, 80141. Würzburger HühneraugenmiUel von Dr. H. IJnger.— Gegen 30 Pfennig ans 10 Pf. Anweisungsrei. Ohne Zweisel die bennemste u wirksamsteHilfe. Der Schmerz ist in SMin. sort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Saliehlsäure u. indischen Hansextratt) � Ullger in WÜrZbllfg. Berlin(20 Ps.): Salomen• Apotheke, Eharlottenftraße 54.— Greif- Apotheke. Barnimstr. 33.— Wo nicht, zu haben: Rosen-Apotheke. WQrzburg. MB Engelhardt Caramel-Bier alkoholarm ärztlich empfohlen Diätetisches Gesondheitsbier 'Flasche 10 Pf. Oberall Käuflich. Ortskrankenkasse der Schlosser und verwandt. Gewerbe zu Berlin. DienStag, 28. Januar, abends 8 Uhr. in den„Musikersülen*, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m: Aufterordentliche General-Versammlung. Tagesordnung: Gemeinschasiliche Versammlung der Delegierten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Beratung und Be- schlußsassung über die Abänderung des Kassenstatuts nach den Bestimmungen der Reichsversichcruiigs« ordnnng. gM- Auskünfte über Kasscn- angilcgenheiten, welche Einsicht in die Bücher erfordern, können nur im Kaisenlokal gegeben werden, ebenso sind Anfragen, welche bcaniwortei werden sollen, schristtich bis zum Sonnabend, den 25. Januar, an den Vorsitzenden Linienstr. 5 zu richten. D«r Vorttfand. Gust. Lubatsch, Vorsitzender. Zeotral-KrankeD- und BegH- kasss für Fraueo und Mädebeo VerwaltungM- stelle Berlin I. (E. H. 26) Offenbach a. M. DienStag, de» 21. Januar 1913, abends 8>/, Uhr: Aufterordentliche Hauptversammlung im iGewerkschattshanS, Saal\, Enaeluser 15: Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2., 3., und 4. Quartal 1912. 2. Vortrag des Herrn Dr. PIeßner über.Ehe und Nervofität'. 3. Sind die Mitglieder für eine.Ersatz- oder Zuschußkasse?" 4. Wahl eines Wablkomitees. 5. Wahl der Telegiertinnen zur Neneraloer- sammlung am 24. März 1913 in Braunschwelg. 6. Wahl eines Beirates. 7. Anträge zur Generalver- sammlung. 8. Statutenberatung. 9. Verschiedene Kaffenangelegenhesten. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden in der Ber- sammlung entgegengenommen. Um zahlreiches Erscheinen der Mit- glieder ersucht 281/6 Die Ortsverwaltnng. I.A.: V/ilholm Hinz, 8. 14, Prinzen. straße 66. Mitgliederversammlung der Sterbe- u.KraDkenuntersliltzuiigs- Kasse No. üb zu Berlin am Mittwoch, den 29. Januar 1913, abends S1/] Uhr im Kassenlokal. Linienstraße 8, Tagesordnung: 1. Rechenschaslsbericht der Revisoren. 2. Wahl eines Vorstehers und Stell- Vertreters. 3. Wahl eines Revisors und Stell- Vertreters. 2l''7b 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Kios Kurprinz J.Plg Fürsten. L..�* Weit ftacnr 5.. Auto-Klub.,.6" AU'ro-Klub.lO» Ortskrankenhasse öci* Kaadsebsknudur und verwandt�»' Gewerbe Am Dienstag, den 28. d. Tie., abendS 8'/, Uhr: General-Versammlung der Delegierten(Arbeitgeber uuh Arbeitnehmer) im Lokale von Haber- landt, Linienstr. 73(am Rosen- lhaler Tor. Tagesordnung: 1. Prüfung resp. Annahme der neuen Satzungen der Kasse, welche durch den Vorstand nach der neuen Reichsversicherniigsordnung um- gearbeitet wurden. Verschiedenes. Ter Vorstand. 266/11 G. Schmidt, Vorsitzender. Or.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,««tz 10— 2. 5—7. Sonntagsj.0— 12. 2— 4 Buchhandlung Vorwärts Lindensfr. 69(Laden). Xencrschelnnngen: Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung. Herausgegeben von Jiax G r u ii w a I d Heft 4 n. 5: Gescliielite der sozialdemo- kradseben Parteiorganisadon in Deutschland von 247/6* Wilhelm Schröder. Preis 75 PI. Vit Heft 6: Schiller und die Arbeiter von Konrad Haenisch. Preis 40 Pf. BBTH Ziehung 6. Februar ■ 7. Schlesische bLoHerle ■-|g ul 150000 Lote. LOS 6 Ä H— Porto U. List« w a �-- ext». 3142 Gewinne. Gestmtwert Mark 60000 •peo. 48 P/erd« und 4 Kquipageo— Mark 40000 oed 3600 dilbergewtooe= Mark 20000 I.B- jplt«».; lqalpi(.rall« P)«rl-o M«. 10000 Lose empfehlen und versenden Lud. Müllen C .«Mchlft Berlin C-,»»----«.. • Telppr.-Adr.. GIDoksmilller.— J Lose auch in durch Plakate kenntlichen- Verkaufssteileu. H.Pfaujandagisl ®c."" DircksenslraDe 20 zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizeiprändium.— Amt stst. 3208. Für Oamen Frauen-Bodienung.• Liescranl für alle«trankenkaffen. Kranzspenden sowie sämtliche• ßlutnenarrangementG 'i'K.ÄSÄ.ÄvÄ'' (6w|riiraCtS'.r,titr- Ohne Anzahlung! Keine Kassierert Teppiche, Portieren, Gardinen, SioreS und alle Arten Decken. Offerte erbeten unter K. IOO, .Vorwärts'spedition, Ackerstr. 174. i Jnh. Georg Wolstgrauttu > Ackerstr. �,7. Telephon: Norden 2674 emvsiehlt den geehrten Vereinen und idewerkichasten seine 4 Säle zu Versammlungen und Vereins» lestlichteiten. KulanieBedingungen. Einige Sonnabende und Sonn- !>»»__ JtC'J Stempelfabrlk Robert Hecht, lnh.:Alfr.Schneller Urrlin S. 42, Ritterstr. 114. liefert schnell und billig alle Arten 50 2 eSCV nyvtnmiv* Hl n»■ r...... Weddingplatz.' St. 17. 30. ZahrMg. 2. KtilU des Dmärls" Kerlilicr AlksdlÄ Nlils!«� 21. Zamai 1913. Gegen die geplante Klnofteuer. protestierte am Sonntag eine vom Verein der Lichtbildtheater � bescher nach der Brauerei Friedrichshain einberufene Versammlung. Als V o l k s versammulng war sie gedacht. Anscheinend waren aber fast nur Kinobesitzer erschienen Unter diesem Gesichtspunkts kann die Versammlung als eine stark besuchte gelten.— Der erste Referent, Rechtsanwalt Dr. Höniger bezeichnete die im Entwurf des Magistrat- vorgesehene Steuer als eine Evdrosselungssteuer, die den kleinen Besitzer mehr belaste als den großen. Der Entwurf des Magistrats bringe das Muster einer Steuer wie sie nicht sein solle. Er besteuere das Vergnügen-des kleinen Mannes, und zwar teilweise sogar prozentual höher als das Luxuskino. Bei einem Gintrittsgeld von 10 Pf. solle die Steuer 5 Pf., also SO Proz. betragen. Auf ein Eintrittsgeld von 2.40 M. würden dagegen 40 Pf. Steuer, also 16% Proz. vorgeschlagen. Der Entwurf nehme keine Rücksicht darauf, daß die Kinos bereits der Gewerbesteuer unterliegen, und daß im Eintrittsgeld« auch die Unkostenquote ent- halten sei. Der Entwurf wirke deshalb als Doppel- oder Spesen- steuer. Die geplante Steuer würde die Veredelung und Vervoll- kommnung der Kinos hindern, denn die Erhöhung der Lasten zwinge den Besitzer, fiy Betrieb billiger zu gestalten oder ihn wegen Unrentabilität ganz,.�.zustellen. Nach dem Entwurf sollten selbst 'solche Veranstaltungen besteuert werden, welche vorwiegend der Kunst und Wissenschaft dienen, auch die belehrenden Vorführungen für Kinder sollten mit einer Steuer belegt werden. Aus diesen Gründen wirke die Steuer kulturfeindlich. Die Heranziehung des RaumÄesitzers zur Steuer sei eine neue Belastung des Grund- Besitzes. Im Hinblick aus alle dies« Gründe müßten nicht nur die Äinobesitzer, sondern die gesamte Bevölkerung den Entwurf des Magistrats entschieden zurückweisen. Der zweite Referent, Kinobesitzer Rosenthal, wandte sich mit großer Schärfe gegen das Steuerprojekt. Er bezeichnete es als eine Ungerechtigkeit, daß man das harmlose Vergnügen des kleinen Mannes besteuern wolle, während Bälle und ähnliche Vergnügungen für die vornehm« Welt, wo die Eintrittskarte 10 M. koste, steuerfrei seien. Gegen die geplante Kinosteuer müsse die Oeffentlichkeit auf- gerufen werden urid wenn es zu Demonstrationen auf der Straße kommen sollte. Zwei Resolutionen, die im Sinne der Ausführungen der beiden Referenten gehalten sind, wurden ohne Widerspruch angenommen. Sie sollen der städtischen Kommission, welche zur Beratung des Entwurfes eingesetzt ist, zugesandt werden. Hierauf sprach Kinobesitzer Templiner gegen die Polizeiver- Ordnung, welche bestimmt, daß Kinematographentheater von Kin- dein unter 6 Jahren nicht und von Kindern über 6 bis 16 Jahre nur in Begleitung der Eltern besucht werden dürfen. Die Ver- ordnung werde die Folge haben, daß Kinder, denen das harmlose Vergnügen im Kino verschlossen sei, sich auf der Straße herum- treiben und die jungen Leute minderwertige Varietes, Tingeltangel und Kneipen besuchen. Die Verordnung habe den Besuch der Kinos bereit- derart beeinträchtigt, daß in der vergangenen Woche 13 Licht- bildtheater wegen beträchtlicher Mindereinnahmen schließen mußten. Eine Protestresolution gegen die bezeichnete Polizeiverordnung wurde widerspruchslos angenommen. Partei- �lngelegenkeiten. Neukölln. Dienstag, den 21. Januar 1013, abends SV, Ubr, In BarischS Festsälen, Hermannstr. 49, Generalversammlung. TageS- ordnung: Berickr vom preußischen Parteitag.— Verschiedenes. Mit- gliedsbuch legitimiert. Charlottenburg. Heute abend 8>/z Uhr Generalversammlung des Wahlvereins im BolkShaus, Rosincnstr. 3. Tagesordnung ver- gleiche Inserat am letzten Sonntag. Mitgliedsbuch legitimiert. Wilincrsdorf-Halensee. An den Urwahlen zur Landtags- ersatzwahl, die am 12. Februar stattfinden, nehmen die Urwabl- bezirle 1 bis 6, 0 bis 40 und 42 statt. In diesen Wahlbezirken kommt es darauf an. daß die Parteigenossen sich vergewissern, ob sie in der ihrem Steuersatz enisprechende Wählerabteilung mit ihrem richrigen Namen verzeichnel stehen. Wir fordern die Genossen auf, die Listen daraufhin einzusehen! dieselben liegen am 22., 23. und 24. Januar von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends im o städtischen Wahlbureau. Gasteiner Str. 11, öffentlich aus. Steglitz. Die Abteilungslisten zur Landtagswahl liegen an folgenden Tagen aus: Am 21., 22. und 28. Januar von 8— 3 und B— 7 Uhr im Hause Schioßstr. 3«. Zimmer 47. Außerdem wird die Einsiibinabme in allen 13 Bezirlslokalen besorgt. Versäume niemand diese Pflicht. Säiimeberg. Heute. Dienstag, den 2t. Januar, abends'LS Uhr: Oeffemliche Versammlung in den„Neuen Rathaussälen', Meininger Str. 8. Tagesordnung:»Bildungsbestrebungen der modernen Arbeiter- bewegung". Referent: Genosse Pieck- Steglitz. Zehlendorf sWaimseebahn). Heute Dienstag, den 21. Januar. bei Bruno Mickley, Potsdamer Str. 25: Mitgliederversammlung deS Wahlvereinö. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Tburow: Die kommenden Landlagswahlen. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Ver- schiedenes. Johannisthal und Rudow. Heute Dienstag, abends 8>/s Uhr. bei Gobi», Roonstr. 2: Vortrag über die Technik der Landtagswahl. Die Teilnehmerzaht ist unbegrenzt. Adlershof. Der zweite Vortrag„Die Einführung in die Marxsche Werttheorie' kann heute nickt gebalten werden. Derselbe findet voraussichtlich an einem Tage der nächsten Woche statt. Bohnsdorf. Mittwoch, den 22. Januar, abends 3>/z Uhr. in Villa Kabl: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1 Vortrag des Genone» Dorner über-„Die Wob»ungsknlt»r und ihr Einfluß auf den Gesundheitszustand'des Volkes'. 2.«asseiibericht 3 Aus- nähme neuer Mitglieder. 4. Vereiiisangelegenbeitcn und Verschiedenes. Teltow,«n, Mittwoch den 22 d. M.. im Lokal von W. Bonow: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Aus der Tagesordimng em S8or'tQ3 des Genossen Thielicke. �-ns--. Die öffentliche Versammlung, in der Genosse Adolf Hoffmann über:.Den Mißbrauch der Religion zur ®0lte8" referiert, findet umständehalber bereiis WeiAee sta.?' � � T°"uar. abends 8'/, Uhr. im Schloß m DV Mte Vortrag des Genossen Jahn-Berlin über.Materialistische N Donnerstag, den 30. Januar. abends pünktlich d Uhr, bei Peukert. Berliner Allee 251. Hoh�-Schönh�sen. Heuie Dienstag, abends 8'�. Uhr: General» v«riam»llung Wahlverem« bei Rehhcr. Berliner Str. 03. Tages ordnung: i. Bericht der Gemeindeverlre'ter. 2' Ergäiizungswahl zum Vorstand. 3. Vereinsangelegenheiten. Oer.._ Sekretär Genosse Brühl. Vertretung. Spandau. Die für heute angesetzten_____ müssen einer wichtigen Sitzung wegen ausfallen. SerUner I�admcdreu. Mehr Heiratslust? Die Eheschließungen haben sich m Berlin im Jahre 1912 wieder etwas gemehrt. Der Aufstieg, der im Jahre 1919— nach dem außerordentlichen Rückgang von 1998 und 1999— eingesetzt hatte, dauert fort. Es waren in 1997 noch 23 313, in 1998 und 1999 nur noch 21 799 und 21 299 Ehen geschlossen worden, in 1999 um 2194 weniger als in 1997. Tie Jahre 1919 und 1911 brachten dann wieder 21 848 und 22 672 Eheschließungen. 1911 um 1463 mehr als 1999, aber noch um 641 weniger als 1997. Das Ergebnis vom eben abgelaufenen Jahr 1912 sind 22994 Ehe- schließungen, wieder um 322 mehr als das Ergebnis von 1911. aber immer noch um 319 weniger als das von 1997. Dieses Ab und Auf von 1997 bis 1912 erklärt sich zum Teil aus den Aenderungen der Bevölkerungszahl, deren aus jedem Jahr berechneter Durchschnitt gleichfalls von 1997 bis 1999 sank und dann von 1919 an wieder stieg. Aber auch wenn man Jahr für Jahr die Zahl der Eheschließenden in Beziehung setzt zu der durchschnittlichen Bevölkerungszahl, ergibt sich ein Ab und Auf. Pro 1999 der durchschnittlichen Bevölkerungszahl des Jahres heirateten in 1997 noch 22.52 Personen, in 1998 und 1999 nur noch 21,16 und 29,69 Per- sonen, aber dann in 1919 und 1911 wieder 21,22 und 21,88 Personen. Für 1912 ist die durchschnittliche Bevölkerungs- zahl noch nicht zu berechnen, sie wird aber bestimmt höher als die von 1911 sein. Hiernach muß die weitere Mehrung der Eheschließungszahl von 22 672 in 1911 auf 22 994 in 1912 als eine nur mäßige erscheinen. Die Heiratsziffer von 1912 wird vermutlich nicht hinausgehen über 22 Heiratende pro Tausend der Bevölkerung, so daß sie noch lange nicht wieder die Heiratsziffer von 1997 erreicht. Die Bergleichung der Zahl der Heiratenden mit der Ge- samtzahl der Einwohner hat übrigens nur einen sehr bedingten Wert. Eine zutreffendere Heiratsziffer erhielte man, wenn die Zahl der Heiratenden zu der Zahl der Heirats- fähigen, gesondert nach Geschlechtern, in Beziehung gesetzt würde. Da infolge des andauernden Rückganges der Ge- burtenzahl der Anteil der Unerwachsenen an der Gesamtbe- völkerung allmählich sich ermäßigt haben dürste, so könnte die Zahl der Heiratenden, gemessen an der Gesamtzahl der Einwohner statt an der Zahl nur der Heiratsfähigen, gün- stiger erscheinen als sie ist. Jedenfalls kann v 0 n einer nennenswerten Steigerung der Heirat slu st noch immer nicht die Rede sein. Wenn die Heirats- ziffer— trotz einem erneuten, nun seit drei Jahren andauern- den Anstieg— in 1912 noch nicht wieder die von 1997 er- reicht hat, so ist das wirklich kein besonders günstiges Er- gebnis. Braucht man lange danach zu fragen, aus welchen Ur° fachen der Mangel an rechter Heiratslust zu erklären ist? Die Heiratslust wird im wesentlichen durch die Steige- rung oder Einschränkung der Heirats Möglichkeit an- geregt oder gedämpft. Daß aber die Heiratsmöglichkeit durch die deutsche Wirtschaftspolitik gesteigert würde, wird niemand behaupten wollen. Die maßlose Verteuerung not- wendig st er Lebensbedürfnisse der breiten V 0 l k s m a s s e ist den Junkern willkommen, weil sie ihnen die Taschen füllt. Die Früchte dieser Auspowerung des Volkes sind geringe Heiratslust und noch geringeres Ver- langen nach„Kindersegen"._ Die telephonische Uebertragung von Nachrichten und Musik beabsichtigen zwei Unternehmer in Berlin einzuführen. Das Reichspostamt ist bereit, für diese Anlage die in den Straßen liegenden und sie querenden Kabel mietweise zur Verfügung zu stellen. Der Magistrat hat hierzu seine Ge- nehmigung erteilt und ist vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung bereit, einen Vertrag mit den Unternehmern zu schließen, wonach ihnen zunächst auf 6 Jahre, d. h. bis zum 1. April 1919 gestattet wird, gegen eine An- erkennungsgebühr von nur 599 M. und Beteiligung am Reingewinn auch mit eigenen Leitungen die Straßen in Berlin zu unterqueren. Der Magistrat Berlin erhält zehn Apparate von den Unternehmern kostenlos gestellt. Bei einem Reingewinn von 59 999 M. erhält die Stadt 19 Pro.z. Ab- gäbe, bei 75 999 M. 15 Proz., bei 190 999 M. 20 Proz. und bei höherem Gewinn 25 Proz. Das Unternehmen soll auf sämtliche Vororte ausgedehnt werden. Die erste Schneedecke in diesem Winter lag am Sonntag früh über Berlin. Frau Holl« hatte aber vorläufig nur mal gespaßt. Nach einigen Stunden war der Winterzauber wieder verschwunden und die Berliner wateten in dem bekannten greulichen„Matsch". Natürlich war es bis aus weiteres auch mit den Eisbahnfreuidcn, die kaum begonnen hatten, wieder vorbei. Da« städtische Rettungswese» und die Bororte. In der gestrigen Sitzung des Rur noriunis für das städtische RettnnaSwesen wurde darüber berate», inwieweit man mit den un- iniitelbar an da- Stadtgebiet von Berlin angrenzenden Vororten in Verhandlungen über ein einheitliches Reitnngswcscn eintreten könnte und inwieweit man die städriscbe Zentralineldestelle im Rathause zu Berlin auch für die Vororte nutzbar machen könnte. Dem Gedanken wurde grundsätzlich zugestimmt, doch soll an die Aiissührnng erst nach der am 1. April d. I. eintretenden Verstadtlickung des Berliner Rettin, gswet'enS herangegangen werden. Ferner wurde beschlossen, die Hilfswache Grüner Weg 17 nach der Holzmarklstraße 53 zu verlegen.'_ Weiße Kirchenrabcn. Aus Halle wird dem„Berliner Tage- blatt" gemeldet, daß ein dortiger Gemeindekirchenrat beschlossen Hobe, künftig von solchen Hausbesitzern, in deren Häusern sich Animierkneipen befinden oder Unzucht getrieben wird, ebenso von den Kellnerimren und anrüchigen Bewohnern dieser Häuser keine Kirchensteuer mehr cinzr�iehen, weil die Erhebung der Steuer von diesen Elementen einer christlichen Kirchcngemcindc unwürdig sti-— Die Betroffenen werden darüber wahrhastig nicht weiter böse sein, falls überhaupt der Beschluß die Genehmigung der vor- gesetzten Kircheninstanzen findet, was wohl stark bezweifelt werden kann. In Berlin und auch sonst nimmt die evangelische wie die katholische Kirche Geld, wo sie es nur herkriegen kann, selbst von Inden und von solchen Leuten-, die längst aus der Kirche ausgeschie- den sind. Mehr Fürsorge für hungernde Schulkinder. Gegen die Schrift von Helene Simon über„die Schulspeisung in G r 0 ß- B e r l i n', die im„Vorwärts"(l'.'lll, Nr 3! besprochen wurde, wendet sich der Magistrat v 0 n V e r l i n. Er fühlt sich dadurch gekrault, daß nach Simons Darstellung die Fürsorge der Stadt Berlin für ihre hungernden Schulkinder nicht ausreichen soll. Gegenüber der aus den Februar 1010 zu beziehende» Angabe, daß damals die Höchstzahl der täglich gespeisten Schulkinder nur 4746 betragen habe, hebt der Magistrat hervor, im November 1012 seien täglich 631 5 S ch u l k i n d e r gespeist worden. Daß mindestens 7000 Schulkinder in Berlin als bedürflia anzunehmen seien, will er nicht grauben. Er schließt mit der Behauptung, daß in«erlin kein wirklich bedürstiges Schulkind, dessen Eltern die Speisung in der Kindervolksküche mit städtischer Unterstützung wünschen, einer warmen Mittagskost entbehre. Ist der Ragistrat dessen so ganz sicher?__ Jügendfang in Köpenick. Jugen-dfang im großen soll— so wird uns aus Köpenick ge« schriebe»— jetzt von dem sogenannten„Ortsausschuß für natio- nal-e Jugendpflege" betrieben werden. Von einigen von Patriotis- mus triefenden Leutchen wird in letzter Zeit lebhafte Propaganda zur Gewinnung von Anhängern de-„nationalen Jugendrummels" gemacht. Man sieht bei dieser Gelegenheit Volksschnllehrer, Rek- toren, Pfaffen, Kreisschulinspektoren, Jnnungsausschutz, Lehrer- vereüi, Turnverein und sogar den Deutschnationalen Handlungs- gehilfenverband unter Oderführung des 2. Bürgermeisters Prümers für-die„nationale Sache" in holder Eintracht wirken. Bisher hat man sich in der Oeffentlichkeit recht wenig bemerkbar gemacht, weil man wohl nicht den gewünschten Erfolg aufzuweisen hat. Diese Vermutung scheint zutreffend zu sein und wird auch die im Dienste der„nationalen Sache tätigen Männer" von größeren Aktionen ab- gehalten haben. Jetzt aber scheint die Zeit gekommen zu sein, wo man öffentlich hervorzutreten wagt. In allen bürgerlichen Ver- einen als da sind: Bezirksvereinc, Handwerkerinnungen, Turn- verein, Krieger-, Landwehr-. Veteranenvereine usw. wird leibhafte Propaganda betrieben; sogar in Volks- und Fortbildungsschulen versucht man, mit Kriegervereinsreden die Fugend �einzufattgen. Auch die Lokalpresse, daS„Köpenicker Dampsboot, trägt wesentlich dazu bei, durch spaltenlange Artikel für den„nationalen Rummel" zu werben. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird kräftig die Werbetrommel gerührt. Neuerdings hat man sogar, um der Jugend die Sache� etwas schmackhafter zu machen und in die Bewegung den„altbewährten" preußischen Drill hineinzubringen, eine uniformiert« Jugend- wehr ins Leben gerufen. Auch hier haben sich namhafte, noch knopflochsreie Männer in den Dienst der nationalen Sache gestellt. Der längst ersehnte Wunsch hiesiger Patrioten, Köpenick als Garnisonstadt zu sehen, scheint nunmehr verwirklicht werden zu sollen. An alle Eltern, welchen es um die gesunde Weiterbildung ihrer Kinder ernst ist, richten wir die Mahnung, ihre Söhne und Töchter vor diesen falschen Freunden der Jugend zu schützen und ihre Kinder über diese verrohend wirkende Erziehung aufzuklären. Die beste Antwort ist und bleibt der Anschluß an die Arbeiter- jugend; dann werden auch die Agitatoren des natlonalen Jugend- bundes bald einsehen, daß in einer Ärbeiterstadt wütz Köpenick kein Boden für derartige nutzlose Spielereien vorhanden ist. A» Herrn von Jagows Adresse. Man schreibt uns: Ich brauche keine Weckeruhr, denn jeden Morgen kurz nach sechs Uhr weckt mich ein fürchterliches Gerumpel, das von der Straße kommt, aus dem festesten Schlafe. Es klingt wie ein heranziehendes Gewitter oder Kanonendonner. Der Fußboden zittert, die Möbel wackeln, die Fensterscheiben klirren, selbst die Glocke an meinem Telephon läutet an. Das ist nicht etwa Uebertreibung. Auch meine Bett- stelle wackelt mit, als ob ich liegend einen Schunkelwälzer tanze. Langsam verhallt das Donnergepolter, aber noch etliche Male am Tage bis in die Abendstunden hinein wiederholt sich der Spektakel. Er wird verursacht von zwei mächtigen aneinandergekoppelten Brauereiautomobilen, die sich ausgerechnet meine Straße zum täg- lichen Krachmachen ausgesucht haben, aber wohl auch andere Berliner Einwohner in hohem Maße nervenzerrüttend belästigen. Mehr- fach habe ich sogar das Vergnügen oieses elektrischen Ohren- schmauses schon mit einem von der Gaskrone gefallenen Glüh- strumpf bezahlen müssen. Und da fällt mir zur rechten Zelt Herrn von Jagows neuer StraßenordnungsukaS ein, der am 1. April in Kraft treten soll und dem Straßenlärm zu Leibe gehen will. Ich bin neugierig, ob unser verehrter Polizeipräsident mit der Beseitigung einer solchen scheußlichen, ruhestörenden Radaumaschine Ernst machen wird oder ob er uns aus purer Liebe zur Großindustrie— in den April schickt. Ein unerhörter Borfall hat sich bei dein Unfall ixt Schütte- Lanz-Luftschiffes am Sonnabend zugetragen. Bei der Landung sprang, wie berichtet, der Schlosser May aus dem Schiff herab und brach sich dabei da- linke Bein, den rechten Arm und das Nasenbein. Mit völlig blutüberströmtem Gesicht wurde der Verletzte von den übrigen Insassen des Luftschiffes von dem Grundstück auf die Straße getragen. Hier überließ man ihn aber der Pflege völlig fremder Personen, die sich seiner ln liebe- voller Weise annahmen. Sie reinigten den Schwerverletzten vom Blut und verbanden ihn so gut wie e- ging. Dabei ist bezeichnend. daß von den Führern de- Luftschiffes keinerlei Verbandszeug herausgegeben wurde, und es muß angenommen werden, daß solches nicht zur Stelle war. Es verging nahezu eine halbe Stunde, ehe sich Mannschnften des Luftschiffes um den Verletzten kümmerten. Erst als Automobile aus Biesdorf kamen, besann inan sich'des Schwerverletzten und es hielt jetzt ein Ingenieur für geboten, sich des Krauten anzunehmen. Seine erste Tat war aber die, daß diejenigen Personen, die den Verletzten verbunden lmtten, sofort von dem Grundstück getrieben wurden, und daß ihnen erklärt wurde, daß sie hier nichts zu suchen haben. Also erst können sich fremde Personen des Verletzten annehmen; wenn sie aber ihre Pflicht erfüllt haben, werden sie ohne weitere- davon- getrieben. Durch seine eigene Todesanzeige suchte sich ein Heiratsschwindler von zwei Bräuten zu befreien, die die Kriminalpolizei gegen ihn zw Hilfe gerufen hatten. Der Rezitator Felix Peunert aus Königs- berg i. Pr. hatte zwei Bräute zu gleicher Zeit. Eine von diesen brachte er in der Provinz unter, die zweite nahm er nach Berlin mit, als er hierher übersiedelte. In Berlin aber schaffte er sich gleich auch noch eine dritte Braut an, und diese heiratete er endlich nachdem er die beiden anderen unter allerhand Vorspiegelunge» und durch sein Eheversprechen gründlich ausgebeutet batte. Als die beiden betrogenen Bräute von der Heirat mit der Dritten erfuhren, mochten sie beide Anzeige und ließen auch den Treulosen selbst nicht darüber im Zweifel, daß sie ihn zur Verantwortung ziehen wollten. Bald darauf erschien in einer Königsberger Zeitung die Notiz, daß der bekannte Rezitator Felix Peunert auf der Reise nach Mailand im Eisenbahnzuge plötzlich ge- starben sei. Man habe ihn in Mailand begraben, weil die Hinter- bliebenen nicht in der Lage gewesen seien, die Lestie zur Bestattung nach der Hetmat zu holen, üie Königsberger Kriminalpolizei traute der Meldung nicht recht, erkundigte sick in Mailand und erfuhr so, daß dort von demiTode und der Beerdigung deü Rezitators nichts bekannt war. Das teilte sie auch der hiesigen Kriminalpolizei mit. Diese forschte nun weiter nach, ermittelte die Wohnung des Gesuchten, riß ihn aus den Flitterwochen heraus und brawte ihn nach Moabit. ES ergab sich, daß der Schwindler die Zeitungsnotiz selbst veranlaßt hat, um sich allen Nachstellungen zu entziehen. Eine Rcvotserschicßcrci versetzte am Sonntag früh die Bewohner de» Hanseö Besselstr. 9 in Aufregung. Es wird uns darüber folgendes berichtet: Ter Kelln«r tüilhelm R., der im Hause Hollmanustr. 24 wohnte und früher Ihi dem Cafätier I. beschäftigt war, feuerte Sonntag morgen gegen 7'/, Uhr, im Flur des Hauses Besselste 0 d-ei Revolverschüsse auf die Frau des I. ab, durch die sie au der rechten Brust und linken Schulter schwer berletzi wurde. Dann iofltc er sich selbst die vierte Kugel in den Mund. Während man ftran I. nach dem JosephS-Kranlenhause in der Niedcrwallstraße brachte, fand der eben- falls schwer verletzte Täter im Nrban-Krankenhaufe Aufnahme. Ter Schietzerei soll ein Liebesverhältnis zugrunde liegen. Gerüchte von einem Rauimordvcrsuch waren am Sonntag in der Gegend der Eiscnbahnstratze verbreitet, erwiesen sich jedoch als nicht zutreffend. Ein Mädchen, die unter Kontrolle stehende An»a Schinte, war in ihrer im Haufe 3i> belegenen Wohnung von einigen jungen Burschen schwer initzhandelt und verletzt worden. Tie Ueberfallene gab, als sie später zu sich gekommen war, an. dost eS sich lediglich um einen Racheakt bandeln könne. Sie meinte dabei, dast sie das Opfer einer Verwechselung geworden sei. Die Sch. ist, wie fest- gestellt wurde, dem Trünke ergeben und sehr zanksüchtig. In ihrem Zimmer fehlte nichts. Aus der vierten Etage auf den Hof gestürzt hat sich am Sonn- abend in der Koloniestratze 82 die Arbeiterin Else Mann z sie wurde mit einer schweren Schädelverlctzung nach dem Virchow-Kranken- hause gebracht, starb aber unterwegs. Ein Liebesverhältnis ist die Ursache zu dem Schritt. Auf grausige Weise hat der 20 Jahre alte Bäckergeselle Johannes Hundshagen aus Gram über den Tod seiner Braut Selbstmord der- übt. In seiner Laube an der Landsberger Allee begoß er sein Bett mit Petroleum, legte sich hinein, steckte es an und schoß sich' zu gleicher Zeit eine Kugel in die rechte Schläfe. Als Skachborn in den brennenden Raum"eindrangen, fanden sie HundShage» als verkohlte Leiche aur. Wer sind die Toten? Sonntagvormittag wurde am Zknpfer- graben gegenüber der Dorothcenstraße die Leiche einer noch un- bekannten Frau aus dem Spreekanal gelandet. Die Tote, die ihrem Aeußern nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. ist ungefähr 60 bis 65 Jahre alt und 1,58 bis 1,60 Meter groß, hat meliertes Haar und trug eine schwarz und rot karierte Taille, einen blauen Ueberrock init schwarzem Samtband und darüber einen zweiten schwarzen Neberrock, tchwarze Strümpfe und Gummizug- stiefel.— Am Mühlensteg wurde Sonntagmitlag ein ebenfalls noch unbekannter, etwa 35 bis 10 Jahre alter Mann aus der Spree ge- landet. Ter Tote, dessen Leiche schon lange Zeit ün Wasser gelegen haben muß, ist etwa 1,63 bis 1,70 Meter groß, hat dunkelbraunes Haar, etwas Glatze, einen kleine», dunkelen Schnurrbart und eine Habichinase und trug eine granschwarz gestreifte Hose und Weste, grauwollene Striinipfe und schioarze«chnürschuhc. In seinen Taschen befanden sich vier Schlüssel. Die Leichen wurden nach dem Schauhause gebracht. Zeugen gesucht. Diejenigen Personen, die am Freitagnachmittag gesehen haben, wie ein kleiner Knabe in Neukölln, Hermannstraße, Ecke Leinestraße, von einem Straßenbahnwagen der Linie 94 über- fahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Albert Dinse, Neu- kölln. Emser Str. 125. abzugeben. Die Konsum-Gcnosscnschaft Berlin und Umgegend hat mit dem 31. Dezember 1912 die erste Hälfte ihres 14. Geschäfts- jahres abgeschloffen. Ter Umsatz in ihren Verkaufsstellen betrug in dieser Zeit 6 833 518 M., gegen 4 497 592 M. im gleichen Zeitraum des 13. Ge-- schäftöjahres. Die Steigerung betrug mithin 2 335 920 M. gleich 51,04 Proz. Wenn diese Steigerung auch in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres anhält, woran nickst zu zweifeln ist, dann wird das gesteckte Ziel, mit dem Umsatz auf über 15 Millionen zu kommen, glatt erreicht. Ter Umsatz im Monat Dezember 19 1 2. betrug 1 347 429,40 Mark. Tie Steigerung gegenüber dem gleichen Monat des vorigen Jahres betrug hier nur 34,37 Proz. Nun kann man von dem Umsatz eines einzelnen Monats nicht auf die Ergebnisse des ganzen JahreS schließen! Daß im Dezember der Umsatz nur um 34,37 Proz. gestiegen ist, liegt wohl daran, daß in diesm Jahre ein Freitag und ein Sonnabend weniger in oen Dezember gefallen sind als im Jahre 1911. Der Januar läßt bereits erkennen, daß das Geschäft lebhaft einsetzt und in der Umsatzsteigerung, wenigstens prozentual, den De- zember schlagen wird. So wie der Umsatz in den Verkaufsstellen, haben sich auch die Produkti-vbetriebe der Genossenschaft erfreulich sortentwickelt. In der Bäckerei wurden iu diesen 6 Monaten für 1 302 197 M. Brot und Backware hergestellt, das ist gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorigen Jahres eine Steigerung von 620 199 M. gleich 90,93 Proz. Diese Steigerung muß als sehr erfreulich be- zeichnet werden und beweist, daß die Mitglieder der Konsum- Genossenschaft mit den in ihren eigenen Produktivbetrieben he» gestellten Waren außerordentlich zufrieden sind. Im 13. Geschäftsjahr betrug der Gesamtumsatz in der Bäckerei 1 700 00 M. Wenn nun in einem halben Jahre bereits für 1 302 197 Mark Backware hergestellt worden ist, so wird zweifellos am Schlüsse des Geschäftsjahres ein Umsatz von 2 Mi Millionen erreicht sein. In der Kaffeerösterei wurden im ersten Halbjahr 315 900 Pfund Rohkaffee verbraucht, gegenüber 187 338 Pfund im gleichen Zeitraum des boriges Geschäftsjahres. Bekannt ist, daß die Konsumgenossenschaft Selterwasser und Brauselimonaden ebenfalls fabriziert und wurden in den sechs Monaten 287 220 Flaschen abgezogen, gegen 153 605 im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres. Die Konsumgenossciisöbaft hat, wie wir ebenfalls schon des öfteren erwähnten, den Verkauf des russischen Fleisches über- uommen. Sie unterhielt im Laufe des Monats Dezember 31 Läden, wovon 27 in Berlin, 3 in Wilmersdorf und 1 in Pankow sind. Der Umsatz in diesen Läden betrug 284 502 M. Gegenüber den Bestrebungen einiger Interessenten, die Zufuhr russischen Fleisches aufzuheben, kann nickt scharf genug hervor- gehoben werden, daß gerade diese gewaltigen Umsatzziffern die Notwendigkeit, auch ferner russisches Fleisch einzuführen, darlegen. ES ist eben das Bedürfnis nach billigeren« Fleisch vorhanden und dem muß Rechnung getragen werden, selbst auf die Gefahr hin, daß unsere Agrarier und sonstige Interessenten nicht auf ihre Rechnung kommen. Wie unseren Lesern bekannt ist. hat nunmehr auch die Gemeinde Friedrichsfelde der Konsumgenossenschaft den Fleischverkauf übertragen, weil sie mit den Schlächtermeistern außerordentlich schlechte Erfahrungen gemacht hat. Die Mitgliederzahl der Konsumgenossenschaft stieg auf rund 67 000. Das ist im Zeitraum von 6 Monaten eine Steigerung von 11 000 Mitgliedern. An Spargeldern verwaltete die Konsumgenossenschaft am 31. Dezember 1912 2 719 348 M., gegen 1400 000 M. an dem- selben Tage des Jahres 1911. Diese Zahlen beweisen, daß das Vertrauen der Mitglieder zu ihrem Unternehmen ein fortgesetzt größeres wird, es beweist aber auch, daß die genossenschaftliche Ueberzeugung immer weitere Kreise zieht und die Bewegung nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe geht. Vorort- Nadmcbtcm WilmerSdorf-Halensee. Sur LandtagSersaywahl. Eine besondere Schönheit des preußi- schen DreiklassenwahlrechtS tritt aus Anlaß der Ersatzwahl, die im nächsten Monat im Kreise Teltow-Beeskow-WilmerSdorf stattfinden soll ans Licht. Nach dem Wahlgesetz gilt das Amt der bei der Hauptwahl gewählten Wahlmänner bekanntlich die ganze Gesetz- aebungsperiode hindurch. Nu» können die Wahlmänner ihr Amt aber nur dann weiter ausüben, wenn sie in ihrem bisherigen Bezirk wohnen bleiben. Diese Bestimmung, die die stetigen Verhältnisse einer längst entschwundenen Zeit zur BvrciUSs-tznng hat. paßt aber in die Gegenwar! wie die Faust aiifs Auge. So müssen in WilmerZ- dorf in fast allen Urwahlbezirlen Nachwahlen der Wahlmänner vor genommen werden. Von den 42 Wahlbezirken, in die das Stadt- gebiet.zu den Wahlen von 1908 eingeteilt war, bleiben nur ganze drei übrig, in denen überhaupt keine Wahlmänner neu zu wählen sind. In sämtlichen übrigen Wahlbezirken hingegen haben die Ur- Wähler aller oder doch einzelner Abteilungen an den Wahllisch zu treten. Die Stadt Wilmersdorf hatte 1903 im ganzen 264 Wahl- männer zu stellen, jedoch lam damals die Wahl von vier Wahl- mäimern nicht zustande, während die Wahl von 15 Wahlniännern für ungültig erklärt wurde. Von de» übrig bleibenden Wahlmännern sind seitdem 14 verstorben? nicht weniger als 112 jedoch sind v e r- zogen, so daß im ganzen 131 Wahlmänner neu gewählt werden müssen. Die Zahl der Ersatzwahlen verteilt sich fast gleichmäßig aus alle drei Abteilungen; es sind zu wählen in der ersten Ab- teilung 89, in der zweiten Abteilung 37 und in der dritten Abteilung 41 Wahlmänner. Die geschilderten Schwierigkeiten müssen natürlich überwunden werden. Dazu gebärt, daß die Genossen und Ge- nossinnen init allem Eifer ihre Pflicht tun. Tempelhof. I In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Vorsitzende O. Ewald zunächst einen ausführliche!« Bericht über den preußischen Parteitag. Ter Redner betonte besonders, daß der Parteitag in bezug auf die Wahltaltik bei den kommenden Landtags- wählen den Gegnern jede Illusion genommen hat, indem er uns cincii zielbewußten, klaren Weg weist. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß sich der Mitgliederbestand seit 1. Juli v. I. um 84 erhöht hat und gegen- wärtig 579<501 männliche und 73 weibliche) beträgt. Die Per- sammlung ehrte das Andenken der verstorbenen Genossen Franke und Kossack in der üblichen Weise-— Die Zahl der„Vorwärts"- leser hat sich von 756 auf 787 erhöht.— An Versammlungen fanden 2 öffentliche und 6 Mitgliederversammlungen statt, außerdem zwei Flugblattverbreitungen.— Der vom Genossen Kiehn erstattete Kassenbericht weist im 2. Quartal eine Einnahme von 674,52 M. und eine Ausgabe von 615,43 M., so daß ein Bestand von 59,04 M. verbleibt.— Zum zweiten Kassierer wurde Genosse Johannes Müller, als Beisitzerin Frau Schwächt und als Bezirksführer für Neu-Tempelhof(Tempelhofer Feld) Genosse Sielafs gewählt.— Eine Anfrage, was der Borstand gegen diejenigen Genossen unter- nimmt, die gesperrte Lokale besuchen, wurde dahin beantwortet, daß zunächst die Namen derjenigen Genossen festzuhalten sind, um gegen dieselben unweigerlich das Ausschlußverfahren einzuleiten. Es müßte Ehrenpflicht auch jedes gewerkschaftlich organisierten Arbeiters sein, die nicht den Arbeitern zur Verfügung stehenden Lotale streng zu meiden. Neukölln. Eine besonders von Frauen stark besuchte Versammlung im Gesellschaftsbaus von Felsch. Knesebeckstr. 48/49. hörte einen von den städki scheu Werken veranstalteten Vortrag Über.Moderne und prak« tische Gasverwertung im HailSbalt*. Verbunden war der Vortrag mit einer sehr reichhaltigen Ausstellung von Beleuchtungskörpern der verschiedensten Systeme, sowie von Kock-, Brat-, Heiz-, Wasch- und Badeapparalen. In dem mit starkem Beifall aufgenommenen Vor- trag wurde den Anwesenden von Angestellten der städtischen Werke in«ingehender Weise der Wert und speziell die Billigkeil deS Gases anderen Beleuchtungsarten gegenüber vor Augen geführt. Durch entsprechendes Entgegenkommen der Gasanstalt, betreffs Anschaffung der einzelnensEinrichtungen sei, eS auch den ärmeren Familien mög- sich, in ihren Haushaltungen davon Gebrauch zu machen. In der Versammlung kam der Wunsch zum Ausdruck, daß im Interesse des größten Teils der hiesigen Einwohner derartige Veranstaltungen wiederholt werden müßlen. Am Mittwoch, den 22. d. M.. abends 8l/t Uhr. findet die tSeneralverlammlung deS ElternvminS für Sport und Wandern bei Weigelt, Steinmetzstr. 93, stcktt. Eine kleine WachStuchtasche �init zirka 20 Beitragsmarken des BauarbeiterverdandeS ist am Sonntognachmittag zwischen 3 und 4 Uhr in der Sleinnietzstraße verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieselbe im Verbandsvureau, Engelufer 15 III abzugeben. Trevtow-Baumschulenweg. Die diesjährige Gemeindewählcrliste für die Wahlen zur Gemeinde- Vertretung zeigt wieder einmal das Dreiklaffenwahlrecht in seiner krasseste» Form. Die Gemeinde zählt nach dieser Liste 6032 Wähler altclt. könnten, aus diesem Grunde werde für die Gemeinde nichts ge- Wonnen, trotzdem erfolgte die Ablehnung. Ter Errichtung eines .Hypothekenamtes zur Geivahrung zweiter Hypotheken wurde im Prinzip zugestimmt. In den hierfür errichteten Ausschuß wurden auch die Genossen Büttner und Zadel gewählt. Die Erwerbung der Mitgliedschaft bei der„Gesellschaft für Bekämpfung der Arbeits- losigkeit" wurde abgelehnt. Es handelt sich um eine Vereinigung, welche für die praktische Arbeitsvcrmittelung zunächst so gut wie gar keinen Wert hat. es stimmten aus diesem Grunde auch unsere Genossen dagegen. Unter„Verschiedenes" teilte der Bürgermeister mit, daß der Kanalisationsfonds 204 179,30 M. beträgt. Heinersdorf(Niederbarnim). „Auf zur Gemcindevrrtrctcrwahl" lautete das Thema einer öffcnt» lichen Versammlung bei Raddotz, in der Genosseuluhrmann-Weißensee am Sonntag referierte. Redner entwickelte in kürzen, aber treffende» Ausführungen das sozialdemokratische Kommunalprogramm. Die Diskussion wurde fast ausschließlich von den Bürgerlichen bestritten. Zunächst sprach Gemeindevertreter Mulack unserem Redner seinen wärmsten Dank für seine trefflichen Ausführungen aus, die ihu voll- kommen überzeugt zu haben schienen. Im weiteren Verlauf der Diskussion nahm auch Gemeindevertreter Heim da? Wort, um den bekannten Streit Bürgerverein kontra Grundbesstzerverem weiter- zusühren. Darauf erfolgte die Nominiernng der Kandidaten zu der am heutigen Dienstag, den 21. Januar, nachmittags von 6—7 Uhr im Lokal von H a a s e. Kaiscr-Wilhelm-Str. 19/20, stattfindenden Wahl zur Gemeindevertretung in der dritten Wählerklaffe. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Fabrikarbeiter Franz Rieck, Tiniusstr. 60; Transportarbeiter Kail Schmidt, Kaiser-Wilhelm-Str. 12; und Tischler Otto Christ, Tiniusstr. 60.— Pflicht eines jeden wahlberechtigten Arbeiters ist es, zur Wahl zu gehen und den Kandidaten der Sozialdemokratie die Stimme zu geben. Herzfelde. Tie seinerzeit von der Gemenidevertretung beschlossene Einführung deS Scchsklasscn- Systems für die biesige Volksschule ist jetzt von der Regierung abgelehnt worden. Es muß daher das Sicbenklaffen- System für die Schule beibehalten werden und für die Anstellung der noch fehlenden Lehrkräfte gesorgt werden. Kriedrickiöfelde. Tie Gegner der Gemcindegasanstalt versuchen weiter hinicr den Kulissen gegen die Beschlüsse der Gemeinde anzukämpfen. Be- kanntlich soll die geplant« GemeindcgaSanstalt. deren Konzesstonie- rung beim KreiSausschuß nochgesucht tst, bereits am 1. Januar 1914 in Betrieb genrnumen werden; ob dieser Termin eingehallen werden kann, cvscheint indessen fraglich. Solange mit dem Bau noch nicht begonnen ist, hoffen die Gegner iNimer noch, denselben zu� vereiteln. Der derzeitige Vertrag mit der Englischen Gas- gefellschaft mußte laut Beschluß der Gemeindevertretung bis 31. De- zember 1912 gekündigt werden. Am Ende des Jahres 1912 ver- langte plötzlich Herr Bürgermeister Ungewitter. daß in einer am 23. Dezember tagenden geheimen Sitzung noch einmal beschlossen iverde, ob der Vertrag wirklich gekündigt werden solle. Die Gegner der Gemeindegasanstalt schleppten den letzten Mann heran Be- gründet wurde diese neue Abstimmung mit einem besonderen An- gebot der Englischen, wonach der Vertrag nur bis 1940 laufen sollte. Die Gesellschaft wolle dann an die Gemeinde 8.1 Proz. der Bruttoeinnahme des innerhalb der Gemeinde ve-kauften Gase? zahlen.— Bis 1963 waren 9.46 Proz. angeboten— Außerdem sollte die Gemeinde sofort 300 000 M. bekommen. Dieser Vertrag sollte jedoch bereits zum Jahre 1925 kündbar sein, aber— die Gc- meinde müßte dann die 300 000 M. ohne Zinsen zurück zahlen. Tie Gesellschaft wollte außerdem noch die bisher der Gemeinde ent, standen«» Kosten für Sackperständige usw. tragen. Mit diesem für Uneingeweihte verlockenden Angebot sollte die Gemeinde geködert werden. Um so mehr, als die Gemeinde zurzeit gerade ein Dar- lehn zu den Schulbauten sucht. In der fraglichen Sitzung wurde nachts gegen 1 Uhr mit 20 gegen 2 Stimmen beschlossen, den Ver- trag mit der Englischen zum 31. Dezember 1913 zu kündigen. Di- Englische hat sich hierauf erboten, auch nach dem 31. Dezember 1913 noch Gas zu liefern, falls die GemeindegaSanstalt noch nicht be- tricbSsertig ist. Trotz der erfolgten Kündigung des Vertrages wird die ofientliche Meinung abermals irrezuführen gesucht. In der Ortsze.tung wurde vorige Woche der durch die Englische Gas- geiellichast angebotene Vertrag bis 1940 zum Abdruck gebracht. An fÜl S? rto5tl diese B-roff-ntlichung ganz zweckmäßig. Die Art und Weise aber, wie di-s geschieht, gibt zu Bedenken Anlaß. ES heißt zu Anfang:„Ueber diese für die fernere Entwickelung der Gemeinde außerordentlich wichtige Angelegenheit ist uns ein Schreiben der Gasanstalt Obersprce Ä m. b. H. zur Veroffent. lichung übergeben worden usw Der Schluß lautet folgende» maßen:„Wir erachten es für notwendig, daß sick dw beiden Grund- besttzervereine von Friedrichsfelde und Karlshorst mit dielen Be- dlngungen etwas eingehender beschäftigen." Zweck der Veroffent. lichung kann nur sein den Bau der Gasanstalt nicht ,n Angriff zu nehmen, sondern durch nochmalige Beschlußfassung den neuen Ver- trag mit der Englischen abzuschließen. Der Artikelschreiber in der Ortszeitung hat jedoch vergessen die Summe zu nennen, die bis 1925— dem ersten KündigungStermiii— der Gemeinde zufließen -) von der Enalischen. d) aus dem eigenen Werk. Die Engll,chs würde bis lg-'d inkl. Zinsen für die 300 000 M. rund 922 594 M. zahlen. Bei demselben wurde d.e Gemeinde mit eigenem Gaswerl bis 1025 rund 1 181 293 M. Ueberschu» erzielen. Außer- dem hat die Gemeinde die Straßenbeleuchtung zu den Selbstkosten. Man braucht kein Rechenkuifftler zu sein, um zu sehen, wobei die Gemeinde vorteilhafter abschne.deü Es interessiert aber bei der Notiz im OrtSblait auch noch der Einsender derselben. Der Nach- tragsvertrag ist den Gemeindeverordneten als geheim bekannt- aeaeben. Die Verhandlung fand in geheimer Sitzung statt. Di« aanze Art der Einleitung laßt beinahe den Verdacht zu. als ob der Artikel aus dem G e n> e i n d e b u r e a u stammt. In der nächiten Gemeindevertreterfitzung wird dey Gemeindsvorsteher hierüber Auskunst geben müssen! Nieder- Tchöuhausea. Aus der Gemeindevertretung. Als Beihilf« zu den Schullasten hat die Regierung die horrende Summe von 3000 M- überwiese»'. Des weiteren hat der Kre,s zu der Asphaltierung der Kaiser- Wilhelmstraße einen Zuschuß von 7500 M. geleistet. Ferner ist vom Landrat die Mitteilung eingegangen, daß das Gesuch um Er- richtung eines Hypothekenamtes dem Minister vorgelegt werden soll. Dem Verein Kinderhort wurde zur Unterhaltung emrr Suppcnküche für arme Schulkinder eine Beihilfe von 150 M. gc. währt. Tie zähnärztliche Behandlung der Schulkinder hat an stelle des Zahnarztes Jalowicz-Pankow der hiesige Zahnarzt Dr. Kaufmann, Kaiser-Bilhelmftc. IS, übernommen. Die Sprech, stunden für die Schultinder finden von nachmittags 3— 8 Ufir statt. Hierauf entspann sich in geheimer Sitzung eine lange Debatte darüber� ob einer amerikanischen Gesellschaft, die auf dem Ge- lande an der Blankenburgcr Straße gegenüber der Frceseschen Holzpflasterfabrik eine große Gerberei nach dem neuesten System zu errichten beabsichtigt, sich dort niederlassen dürfe. In der Fabrik sollen zirka 1000 Personen Boschästigung finden. Im Prinzip erklärte sich die Vertretung mit der Errichtung dieser Fabrik ein- verstanden, jedoch sollen der Gesellschaft strenge Bedingungen be» züglich der Abwässer gestellt werden, da befürchtet»vird, daß durch die Gerberei üble Gerüche entstehen. Rüdersdorf. Absturz vom Gerüst. Der 21 Jahre alte, beim Neubau des Rüdersdorfer PortlaudzementwerkeS C. O. Wegener beschäftigte Ar- bester Nierisch, stürzte am Sonnabendnachmittag von einein 2i Meter hohen Gerüst infolge Bretterbruchs in die Tiefe. Durch die un- geheure Wucht des Anpralls erlitt der Bedauernswerte zahlreiche Knochenbrüche und innere Verletzungen. In völlig hoffnungslosem Zustande wurde er ins Verbandskrankenhaus gebracht. Hohen- Schönhausen. Tie Gemeindevertretung hatte in der letztem Sitzung über die Aufbringung der Kosten für die Brauch- und Regcnwasserkanali- sation zu beschließen. Nach den Berechnungen des Zivilingenieurs Zeiß stellt sich das laufende Frontmctcr für erfierc bei Bauklasse A auf 40 M., für Bauklasse B auf 30 M. Die Regenwasscrkanalisation kostet ohne Unterschied 25 M. pro Frontmeter, während 10 Proz. der gesamten Koste» durch die allgemeine Stcuerkasse getragen wer. den. Die Grunderwerbs- und Baugesclbschaft als Gutsherrin im ehemaligen Gutsbezirk hatte daselbst die Kanalisation ausgebaut und ihre Grundstücke mit Berechnung der ihr darans gewordenen Kosten vertrieben. Trotzdem sollen die Inhaber solcher Grundstücke zu Beitragsleistungen herangezogen werden, weil diese Kanalisation durch den Ausbau der dazu gehörenden, aber nicht mehr genügenden Pumpstation, sowie durch die Legung eines Druckrohres zur lieber- führung dct Abwässer nach Weißensee, und durch den Bau eines Sammlers, Unkosten verursachen, welche, nur auf die Anlieger im ehemaligen Gutsbezirk verteilt, 48 M. pro Frontmeter ausmachen würde. Durch die allgemeine Verteilung wird dieser Betrag bis auf 40 resp. 30 M. herabgesetzt. Auch die Anlieger einiger Straßen in Neu-Hohenschönhausen hatten auf eigene Rechnung eine Kanali. sation bauen lassen. Diese würde bei der Aufschließung des Hinter- landeS nicht entfernt ausreichen, wodurch der Neubau der gemeind- lichen Kanalisation notwendig ist und diese Anlieger dann doppelte Kosten zu tragen haben. Die endgültige Beschlußfassung wird in der nächsten öffentlichen Sitzung erfolgen. Die Uebenuchine der Nachtwachbeamten in die Amtsverwaltung wurde von den Genossen Thiele und Reyher bekämpft, weil die Vertretung sich des Per- fügungsrechtes über diese Beamten begeben würde. Die Borlage wurde angenommeil. Der Bertrieb des russischen Fleisches hat am 4. d. M. begonnen. Derselbe hat sich äußerst günstig gestaltet. In den ersten 10 Tagen Ist für 3170 M. umgesetzt worden. Der 30 M. betragende Wochenlohn ist dem von der Gemeinde angestellten Schlächter daraufhin entzogen worden, weil selbiger pro Pfund ungefähr 0 Pf. verdient. Genosse Obermeyer wandte sich dagegen, daß die Entlohnung durch den erzielten Ueberschuß ersetzt werden soll; den Ueberschuß sollte man zur Herabsetzung der Fleischpreise benutzen. Der Gemeindevorsteher erklärte, daß die Preise mit den Berliner Preisen übereinstimmen, im übrigen bleibe dem Schlächter sein Wochenlohn auch garantiert, wenn weniger wie IS Zentner pro Woche verkauft würden. Spandau. Der städtische Verkauf von Teefischen auf den hiesigen Wochen- märlien wird vorläufig für diese Woche ausgesetzt, angeblich weil die Fänge gering und die Preise außerordentlich hohe seien.— Russisches Fleisch wird jedoch am Freilag dieser Woche wieder in gmer Qualität und billigen Preisen bei den noch bekannt zugebende» Schlächtermeistern zum Verkauf gelangen. Röntgental, Zepernick, Buch. Preußische Freiheitskämpfe lautete da« Thema, über da» Genosse Dr. B r e i t s ch e i d in einer öffentlichen Versanimluitg im Lokal von Marx sWaldhouS). Röntgental, referierte. Di« Ausführungen de« Redners wurden mit lebbattem Beifall aufgenommen. Vor und noch dem Vortrage brachte der Arbeitergesaugverein.Frisch voran*- Röntgental zwei stimmungsvolle GesangSvorträge zu Gehör der Versammelten. Nachdem sich verschiedene Anwesende zur Aufnahme in den Wahlverein gemeldet, wurde die Versammlung mit Mahn- lvorteil de? VersammIinigsleiierZ sich der Organisation in Massen zu- zuwenden, geschloffen. Oranienburg. AuS der Stadtverordneienversammlung. Zunächst wurde der gesamle Porstand wiedergewählt. Ter Etatskommission gehört u. a. auch Genosse Paris an. Die Wahl- und Petitionskommission soll sich in Zukunft aus den fünf Vorstandsmitgliedern und zwei weiteren Stadtverordneten zusammeiisetzm. Von uns ist in dieser Kommission Genosse Ferke vcrtreicn. Nach einem früheren Beschluß sollen die Sitzungen alle 3 Wochen abgehalten werden. und zwar stet» am Mittwoch. Zum Beigeordneten lvurde auf ciue Amtsdauer von 0 Jahren der Stadtv. Fleischermeister Emil Krebst gewählt. Zur Unterbringung de» Baggecbodenö bei der Havelregu» lierung find Wiesenflächen von der RemontcdepotS-Administration Bärenklau benutzt worden. An Pacht werden für die zirka 6H Hektar große Fläche per Hektar 70 M. gefordert. Der Ma- gistrat beantragt, ihn zum nachträglich«!, Abschluß des Vertrages zu ermächtigen und die rund 460 M. jährlich zu bewillige». In dem hierzu vorliegenden Pertrage wird die Stadt verpflichtet, neben Zahlung der Pachtsumme den Boden zu einem guten Acker- lande herzurichten und mit Hackfrüchten zu bestellen. Die Kosten hierfür dürften sich auf tausende von Mark belaufeii. Bei Verpachtung des Bodens an einen Dritten haftet die Stadt für alle entstandenen Schäden. Der Vertrag kann nur von der Admini- ftration gekündigt werden und zwar jederzeit, wenn aber die Stadt einen Antrag auf Befreiung stellt, braucht die Administration diesem nicht eher stattgeben, bis der Humusboden da ist. Allseitig wurde denn auch zugegeben, daß hier ein großes Verschulden vorliegt, insofern, als Baggerboden auf ein Terrain abgeladen wurde, welches der Stadt auch nicht einmal pachtweise gehört. Nun aber hat der DomänenfiSkus cö in Händen, der Stadt einen Vertrag vorzulegen, wclck>er an Härte nichts zu wünschen übrig läßt. Der Magistrat wird diesem einseitigen Vertrags wohl oder übel seine Zustimmung geben müssen, wenn er cZ nicht vorziehen sollte, das Terrain anzulaufen. Die Stadtverordnetenversammlung hat von der Angelegenheit bisher keine Kenntnis, erhalten. AIS von bürger- licher Seite angeregt wurde, über diesen heiklen Punkt nicht in öffentlicher Sitzung zu verhandeln, nahm unsere Fraktion Veran- lassung, dieses Ansinnen in gebührender Weiss zurückzuweisen. Run endlich haben die Steuerzahler ein Recht zu erfahre», in welch leichtsinniger Weise mit ihrem Gelde umgegangen worden ist. Im weiteren Verlauf der Debatte wurde beschlossen, eine gemischte Kommission einzusetzen. Dieser gehört auch Genosse Paris an. Die Straßciibeleuchtung soll nach einem von der BeleuchtungSdepu- tation aufgestellten Plane in einer ganzen Anzahl Straßen er- wcitert und verbessert werden. Der Magistrat beantragt die Aende- rung der Beleuchtung zu genehmigen und die einmaligen Kosten mit 28VV 10 M. zu den laufenden Kosten mit 1272,65 M. zu bewilligen. Auf Antrag unserer Fraktion sowie auch von bürgerlichen Vertretern wurden weitere Straßen in den Beleuchtungsplan auf- genommen und die hierzu notwendigen Mehrkosten bewilligt. Die Feststellung des Kanalisations-, des Schul- und Stadt- hauShaltsetats für das Rechnungsjahr 1013 ergibt, daß der Äana- lisationsctat in Einnahme und Ausgabe mit 77 500 M. schließt. Ursprünglich sollten die Hausbesitzer mit öX- Prozent des Gebäude- 'teuernutzungSwerts berangezogen werde». Beschlossen wurde, die- selben»uc mit 411 Proz. heranzuziehen und für das erste Viertel- ahr keine KanylisationSabgaben zu erheben. Der Echuletat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 116 300 M. 100 000 M. müssen davon auf städtische Kosten genommen werden. In diesen Etat sind neu eingesetzt 500 M. für Schulzahnpflege und 500 M. für Bücher. Letzterer Betrag ist vom Armen- auf den Schuletat über- nommen. Der Hauptetat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 545 000 M. gegen 461000 M. im Vorjahre. Ein Fehlbetrag be- läuft sich auf die Summe von 368 275 M. Infolgedessen muß eine Erhöhung des Einkommensteuerzuschlags auf 160 Proz. vorgenom- m«n werden. Ebenso wird die Grundamtssteucr für bebaute Grundstücke auf 3 pro Mille und für unbebaute auf 4'A pro Mille erhöht. Nach kurzer Debatte gelangten sämtliche Etats wie vorgesehen zur Annahme. Zu einem Schreiben der Oranienburger OmnibuSgesellschaft wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, keine weitere Unterstützung zu gewähren, da jeder Pfennig, welcher in dieses Unternehmen hineingesteckt wird, weggeworfen ist. Unsere WWW»'"...... Fraflioii hat diese Auffassung stets vertreten. Rowawes. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich am Sonnabend, nach« mittags gegen 5 Uhr, in der Marienstraße. Beim Spiel rannte das fünfjährige Söhnchen der Arbeiterin Teichmann gegen ein Fuhrwerk der Mineralwasserfabrik R. Schneiderchen, dabei kam er unter die Räder, die ihm über Kopf und Nrme gingen. Der Tod trat auf der Stelle ei». Wie Augenzeugen bekunden, soll dem Kutscher keine Schuld treffen. Die Gesamtzahl der Gcmcindewähler der dritten Abteilung be« trägt laut der amtlichen Liste tu diesem Jahre 5025. Auf die einzelnen Bezirke verteilt sich diese Zahl folgendermaßen: 1. Bezirk 1414, 2. Bezirk 1465. 3. Bezirk 983. 4. Bezirk 1163. Die Wähler- zahl in der 2. Abteilung belrägt 752; davon entfallen auf den 1. Bezirk 405, auf den 2. Bezirk 347 Wähler. Der Fcrnsprechnachtdicnst, den die zum gleichen Postbezirk gc- hörenden Gemeinden NowaweS nnd Klern-Glienecke vor einiger Zeit bei der Posibehörde beantragt hatten, soll am 1. April d. I. zur Einsührung gelangen. Gespräche bis zu Dreilninutendauer sollen im LrlS-, Nachbarorts- und BorortSverkehr i» der Zeit Von 10 Uhr abcndS bis 7 Uhr früh 20 Ps. kosten. Sitzungstage von Stadt- und(Scmeindevertretungcn. «Spenick. Freitag, den 24, Januar, tm RathauSsaal. Etatsberatung, Franz.-Buchbolz. Heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr, tm Sitzunge- saal des Amtsgebäudes, Hohen-Nenendorf. Dienstag, den 21. d. M,, abendS 6 Uhr, im Sitzungssaal, Berliner Sir,«8/49, Hohen-Schönhaiise». Dienstag, den 2l, Januar, abends S Uhr, im Sitzungssaale des VerlvalwilqSgcbaudes, Hauptstr. 50, Rüdersdorf. Heute Dienstag, abends 7 Uhr, im RAperschen Saale, Diese Sitzungen sind öfsenlllch. Jeder vemeindrangrhsri>e ist bc- rcchllgt, ihne» als Zuhörer beizlnvohncn. Briefkasten der Redaktion. SU lurwllch, eprtaflttiUc finde» L t n d i n st,- b» so, vor»«Ui Sreppe» — 5 ab n'lu Dt—, wuchenttigllch von 4l Uhr abend», S-nnadendk, von t','j bis 6 Uhr abend«(tntt. Jeder für den Brieslastrn bcftlmmte» An-ragr U» ein Buckmade und eine Zahl als Merljetchen deiznfllgen. Briefliche Antworl >oird nicht erteilt. Äntrage», denen keine AdounementSaniiiuna beigelügt ist, Verden nicht beantworte». Eiiiue Frauen trage ma« in der Sprechliunde vor. E. Z. 30. 1, Sie sind lirchensteuerpslichlig. 2. Uns nicht betailiit.— Hag. 5. 1. und 2. Das hängt von Ihrer bezw, Ihrer grau Bestimmung ab, Z, Ihre Frau gehört noch der jüdischen Gemeinde an,— N. L. D. 10. Eine Wettcrversicherung ist zulässig, Es müssen innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marken einer beliebigen Lohntlasse entwertet, desgleichen auch die Karte in derselben Zeit umgelauscht werden,— Hayna». 1 Ja Z. Ks 1601 solgende«tirgerNcheS Gesetzbuch.— R. G. 48. Sine«er- Pflichlung dazu hat der Wirt nicht,—(6. L. 130. Sin Abzug ist nicht zulässig. Für den Fall des Abzugs müßte Klage beim Amtsgericht Reu- lölln erhoben werde».— O. R. 12. Warten Sie die Einschätzung seitens Mädchen verpfttchtct, Tine Uiiterhruigulig ins Arbeitshaus dürste allerdings nicht erfolgen; jedoch wäre dies aus Güind des am 1. 10. 1012 in Krost getreienen NährpfltchtigengesetzeS immirhtn möglich. Wttteriingsübersicht vom 20. Januar 1013. «tatwncn Gwinemde, tamburg erlin Frankl, a.M München Wien L§ Iii �LfL 758: DSD 754|3D 757 S 7553« 759:» 760, NND Vetter 2 Nebel 2Regen libedeckl IMegen Ijtialo bd iNcbel MS C � i? «tattonen taparanda etersburg Scilly Aberdeen Paris 758 756 730 N 0910 745 OSO 752 SW Vetter 2 bester l Schnee 7chedeckl 6, Regen Iwolkig ** #« 52* Üls -17 —12 8 e 6 Wetterprognose für Dienstag, den 21. Januar 1013. Ziemlich mild, zeilweise ausllareiid, jedoch vorwiegend trübe mil Niebcr- schlägen und lebhasten südlichen Winden, Berliner Melle rbureau, J. Baer ysMLÄ. Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. Eleg Paletots. Ulster. £ GroCes Stofflagar:: zur Anfertigung n.Mat. gM" Joppen In jeder Preislage. 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Wahlkreis in folgenden Lokalen: Kranerei Riebeck» Fllinlislirttr Atire 53 Glysium, Faiidsbergkr Alltt iW Koeker« Gesellschaftshaus, Mtbtlkrllße l7 Eomeniussäle, Mtmler Stiuße V7 Graumaun, Naillihnstraße 27 Südost, Waldtmarstr. 75. Tagesordnung: * �erfd ÖOm Parteitag. 5. Wahlkreis ia den Mnsckersäleu, Kilistr-MillielM'Strliße t8m. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom preußischen Parteitag. 2, Vereiilsangelegenheiten. 6. Wahlkreis km Moabtter Gesellschaftshaus, Mitleftraße 21 Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom preußischen Parteitag. Neukölln w Hoppes Festsale«, HkrM««straßt 49. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom preußischen Parteitag. Vereinsangelegenheiten. Jedes Mitglied hat Zutritt. Die Besetzung der Generalversammlung im sechsten Wahlkreise erfolgt durch Delegierte.— Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch resp. Delegiertenkarte legitimieren, ohne dieselben kein Eintritt. Die Vorstande. Theater und Vergnügungen Dteuttag, 21. Januar 1913. Ansang 7 Ubr. Deutsches Opernhaus. Wieland der Schmied. Anfang?'/, Ubr. Sgl. Opernhaus. Der Rosen- kavalier. Sgl. Schauspielhaus. Die Jour- nalisten. Deutsches. Der blaue Bogel. trkn» Busch. Gala-Borslelllmg. irtuS Albert Schumann. Gala- Borstellung. Anfang 8 Nbr. Urania. Parts und die Königs. jchlösser mn Versailles. Hörlaal 8 Uhr: Prof. Dr.v. Buchla: Was die Srotzstadt BerUn ver» Kehrt. »roll. Der autfitzende Frack. Trianou. Wenn Frauen reisen. Seising. DaS Prinzip. Theater am Nolleudorfplatz. Studenten grästn. Sammerspiele. Schöne Frauen. «öuiggrätzer Stratze. Di« süns Frankfurter. Groh.Berlin. DaS Fürstenkiud. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Berliner. Kilmzauder. Monti» Operette». Antonius. Der heilige Sleiues. Professor Bernhardt. «esideu». Di« Frau Präsidentin. Tbalia. Schiller v. !e Schmetterlings- Schiller-«harlotteuburg. Die Kinder der Exzellenz. Luise». verlin-Ha:nburg>NeW Jork. Metropol. Chauffeur— WS Metropoi. KomödieuhauS. Die BeueralSecke. Rose. New Leopold. Herrnseld. Die ZUpeubröder. Wüsten. moral. Tasino. Am gröne» Strand der Spree. Wintergarte«. Spezialitäten. Apollo. Brüderlem sew. Speztali- täten. Ueichshalle«. OavaUsria sottnltä- «aus. Anfang 8V, llhr. LustsPielhauS. Majolika. Friedr.< Wilh. Schauspielhaus. Der Zaungast. Walhalla. Goldener L-ichtfinn. Aolics Eaprice. In Sachen Katzen- stein. Die Doppelsirma. Die Tochter der Braut. Ansang 8';, Uhr. NeneS Bolkstheater. Helden. Anfang S Uhr. AdmiralSpalast. EiSballett: Flirt w St. Moritz. � � Sternwarte. Fnoalidenftr. ö7— 82- Ledillek'-Idesler' Ü.TC*. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Schmeltcrlingsschlachl. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zur Feier von LesfingS Geburtstage: Emllla Galottl. Donnerstag, abend» 8 Uhr: W olkenkrateer. Sehiller-Thealer Chabr«?Btten Dienstag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Donnerstag, abends 8 Uhr: vle Scdmetterlingsscdlacdt. Freitag, abends 8 Uhr, zum 1. Male: _(Crlel Aconta._ Berliner Theater. Filmzauber. 8 llhr: Theater in flerKoulggrätzer Straße s mr: Die finf Frankfurter. Folies Caprice. Zum 50. Male: In Sachen Katzeuftet». Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. DentscheuSebanitpIvItianu gute Ruf. Theater am Hoileiiiiorfplatz S. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: vis Stuilentengräfii). ResidenFTIisater. s Die Frau Präsidentin. (Madame la Prösidente). Schwant i. 3 Akt, o, Hennequin u. Veber. Morgen und folgende Tage: Die fifrau Präsidentin. Luisen-Theater. Dienstag, abends 8 Uhr: Berlin- Hamburg. New York. Gr. rom> lomisch. Auss'aitungsilllck von Ernst Ritterfeldt. Musik von Georg Runsly Mittwoch u. folgend. Tage: Berlin- Hamburg- New Dort. OSE=THEATE Montis Operetten-Theater (fr. Neues Thealer). Amt Norde» IUI. 8 Uhr; Der keilige Hntomim. Trianon-Thealer. Wenn Frauen reisen. Ansang 8 Uhr._ :: Berliner:: Konzerthaus JbJlloa" "*'*"*— MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes DoppeSoKonzert! Musiko. Kuiser-Franz-Ueglmcnts, Dirig.: Obenn. Becker. 1 Zillerthaler und Tegernseer Sänger— Schuhplattier und Jodler! Anfang 8 Ubr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Chr. An allen Wochentagen: Qr. K�chmltfags- Konzert b« freiem Eintritt Groge Frankfurt e» Str.>32. . jVlein I�eopolct. — Velksstack m. Ges. in 3 Akten— von Adolph L'Arronge. Musik von N. Bial.— Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Mein Leopold Ketropol-Theater Chaußeur- ins Jletropol! Greste Jahresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a. G. mit gänzlich neuem Repertoire I Abends 3 Uhr. Rauchen gestattet, Abondsab8lThr! Vorletzte Woche J des grandiosen Programms. Belza Ritschie Comp. Knill und Kroll. Oartus Yana. 8'/, Uhr: „Brüderlein fein". Alt-Wiener Singspiel von Jul. Wilhelm. Musik v. Leo Fall. Usw. Der Höhepunkt des Lach-Erfolges! mit Auto« und Donat Herrnfeld w den Hauptrollen, Ans, 8 Uhr. Vorvert. 11—2(Theater!,) 50 wilde iWeiberiri | vom Stamme der Igorroten.{ Lebend! Ohne Extra-Lntreel Neue Welt Arnold Scholz liaMenheide 108/114 Elitetag. Heute Dienstag, den 21. Januar 1913: Damen-Prämliernng Prämiierung des größten u. schönsten Kronen- und Paradies-Reihers 3 bare Geldpreise: 60, 40, 30 M., div. Trostpreise. f Anmeldungen bis 10 ühx abends an der Kasse."W Anfang 7 Ubr. Entree 30 Pf. Voranzeige! 71,�; Im neuen Saal: Großer Ball. ü Voranzeige! Donneretag, den SS. Januar: llielne Fleisch not! Keine Fleisch not! Qr. Prager- Schinken- Essen von Lucullus _ Portion 80 Pf._ Brauerei Friedrichshain am Königitor. GrSsster Konzertsaal Berlins. morgen, Mittwoch, den 8%. Jannar 1918: Elitetag!! Das amDsanteste und grösste Auf Af*t» Alm bayerische Boekbierfest /VU1 UCF /Villi Um 9 Uhr: Vorführung der überraschenden Weltsensation, zum ersten Male in Berlin: Das Kostüm in 10 Minuten Ein vollständiges Kostüm wird während 10 Minuten auf der Bühne vor den Augen des Publikums gezeichnet, genäht, plissiert, gestickt und auf den von Mr. Jenson emmdenen Maschinen angefertigt. Wunder der Kostümtechnik. Ueberraschend für die ganze Welt! Anfang des Konzerts 8 Ehr. Entree SO Pf. Mr. Jenson als Leiter eines Damenschneidersalons bringt in seinem auf der Bühne installierten Salon das verblüffende und sensationelle Kunststück fertig, in knapp 10 Minuten ein hochelegantes, schickes Kostüm fix und fortig herzustellen. Eine Sängerin ist in äusserster Verlegenheit; ihre Garderobe ist ihr gestohlen worden, und sie steht unmittelbar vor der Vorstellung und kann nicht auftreten, weil ihr das Kostüm fehlt. Eine Viertelstunde ist nur noch Zeit, aber der Wundermann Jenson zaubert ihr in 10 Minuten ein prächtiges Kleid, das in höchstem Masse den Beifall der verwöhnten Dame finden wird.— Und den des Publikums auch! Denn es wird sehen, wie das Wunderwerk zustande kommt, wie Hr. Jenson mit blitzartiger Geschwindigkeit den Stoff bezeichnet, zuschneidet. auf der Maschine zusammennäht, den Plisseevolant herstellt und zuletzt die Tunika mit breiter Goldborte und mit Füttern vollständig bestickt. Tausend kleine Rädchen surren und schnurren. Und dann— ein paar rasche Griffe, das Kleid wird fertig drapiert; es sitzt der Sängerin wie angegossen, hochelegant und totschick. Die Frauenwelt wird freudestrahlend die Arbeiten des Künstlers verfolgen. Mit kopfschüttelnder Verwunderung wird jedermann diese welttechnische, auch maschinelle Erfindung des Mr. Jenson bestaunen. Anschliessend an diese Vorführung wird zur weiteren Unterhaltung die Pidelitas in ihre Rechte treten und zwar wird der beliebte bayerische Festwirt Weinzierl aus München mit seinen Oberlandlern in den herrlich dekorierten Festräutoen die geehrten Besucher in das Reich des Humors versetzen. Da gerade Elitetag dieser Feste ist, werden Darbietungen und Ueberrasohungen in Hülle und Fülle um die Wette eifern. - Ä Wirlshaus« n» Stadlbahnbögen (früher Scliiiipunnowski) (Bahnh. Börse) Spanclaner Etriicke(Bahnh Börse) Bock-Jubel und Trubel �jÄÄzeri SW bei freiem Entree! Traiteur kalter Seyrlng,!{ronzeerS.auc8h5ha'l8n,ieut noch „zum Hofjäger". Urania Wissenschaftliches Thealer. Xanbenwtraße 48/49. 8 Uhr: Paris nnd die Königs- Schlösser von Versailles. Hörsaal 8 U.: Prof. Dr. v. Buchka; Was die Großstadt Berlin verzehrt. Zirkus Ulbert SehnmannJ Heute Dienstag, 21. Januar, abends 7"/, Uhr: Gr. Gala-Vorstellnngr- Das Tagesgespräch von Berlin!, Cäsarlos Löwen- und Tigergruppe. Wiederrorführnng des bSsartlgst. Löwen Hercules. Vtr Ilm 9'/, Uhr:"9® Der unsictiibare Mensel). '1 Bilder aus Indien. Zum Schluß: Der Brand des Palastes Zirkus Buscii. Heute Dienstag, 21. Januar, abends 71/, Uhr; Das Tagesgespräch von Berlin! Mac Norton genannt das menschliche Aquarium Nac Norton, das Magenphänamen ,*!ae Vorton, d. Unersättliche Prolongiert:-PqZ Der Aeroplan imVlirkus (Ein Affe als Avlatlker 1 1) sowie das gesamte große Gala-Progra "' uß; ramm. Zum Schlul Die große Prunk-Pantomime „Sevilla" Voigt-Theater Gesuudv'ruuncu. Badftr. 38. Jeden Dienstag«nd Donnerstag: Großes bayerisches gookbierfest mit seusationell. Priimieruitge». Preise Ii», 19 a. 5 U. Bedienung durch echt bayr.Majro. Kapelle»es urkomischen 8epp! Nelnzier'I Münchs«. Vollständig neue Dekorationen 1 —:: Stimmung: k— Anfang 8 Uhr.. Entree 20 Pf. Lothringer Str. 37. Täglich 8 llhr: Die neue Fokalposse: Um grünen Strand der Spree! Voigt-Theater. Morgen Mittwoch, den 22. Januar: VoIMn und Forstenkind. Bolksfchauspiel in 4 Akt. v. P. Heyse. Kasseneröffnung 7 Uhr, Ans. 8'/, Uhr. Voranzeige.' Mittwoch. 29. Jan.. z. Benefiz sür Kurt Baumeister: Keait von Barney. Reichshalleo-Theater Stettiner Sänger. Zum Schluß: Diabolisch- infrenetischa Anfang 8 Uhr. Oper. Admiralspalast. Allabendlich: Das neue mit durchschlag Erfolg aufgef. Mgllelt Flirt in St. Moritz, 1. Akt: Wintersport in St Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel. 3, Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung , der kl. Charlotte. Bis 6 U. u.». 10'/, halb.Kass.- Preise. Wein- u. Bier-Abt.| Walhalla-Thealer inbergswrg M. NosenthaL T Allabendlich 81/, Uhr: Koldeuer FeiWan. Regler Königzlsdl-llgzina. Ecke Holzmarkt, u. Aleyanderstraste. 1 Minute o. Bahnh. Jannowitzbräcke Tägl. abdS. llß, Sonnt'Iß Uhr: Zwei rote Rosen. Burlesle m. Gelang— und da» grofi. Spezialitatenprogramm Jed. 1. u. 18.: Programmwechsel. Kur»rn Jnnatt»er J»>er»re �erutinmi die Redaktion dem Vublikum gegenüber teiuerlet Berannourtung. Siems Kraftfleiscli muß jede sparsame Hausfrau kaufen. IIIHgster und nahrhafter Tafelauf schnitt, rgcstcllt au» I« Bindfleisch unter behttrdlicher Aufsicht. Zu haben in fast»Amtlieheii einschlttgigeu€>e»chftftcn. Et. Analyse des Herrn Dr. A. Enngfnrth, beeidigter Ge- richts-Chcmiker, enthalt «Siems Kraftfleisch" alle natürlichen Bestandteile des rohen Fleisches, überragt letzteres an Stthrwert und Ist _________ �______ leicht und Fast restlos ver- .... daullel»! »»s_________-_______ behttrdjichor Aufsicht. Zn haben in fast»Amtliehen eingchlttgtse" Geschäften.——_ jettMtwortlicherReda!««: Alfred WieleppTSieuköllo. Lür"� SnserateuleU««uttw.: Druck».«erlog,«orwätt« vuchdruckerel a.«erlagSauftall«auJ Smger». Svs Berliu Nr. 17. 30. Zahrgang. A Keilage Ks.WWW" Acrlim WllisdlM Dienstag. 21. Januar 1913. „Llsube uncl Heimst." Die Härten des bayerischen Heimatsgesehes sind insbesondere für solche Unterstützungsb-dürftiHe, die ihren Heimatsort verlassen «laben, außerordentlich schwer. Nachstehende, den Akten des Augs- durger Arbeitersekretariats entnommene Fälle mögen dies illu- Mieren. 1. Ein altes Ehepaar ist. nachdem es 35 Jahre in seinem Heimatsort P. geschafft hatte und nicht weniger als 7 Kinder ohne jede Hilfe aufgezogen, seinen Kindern nach Augsburg gefolgt. Diese waren, weil sie selbst eine große Familie hatten, nicht in der Lage, ihre Eltern über Wasser zu halten. Der 74jährige Alters- rentner und das K4jährige Mütterchen wandten sich vertrauensvoll an den Herrn Pfarrer P. in P. um Unterstützung. Als sie ab- gewiesen wurden, wurden ihre Bitten etwas dringlicher. Darauf erhielten sie von dem Seelsorger der Heimatgemeinde folgenden Brief: P.. den 27. Mai 1912. Liebe H,! Ihr wollet, wie Ihr mir geschrieben, nunmehr die Gemeinde berklagen, und zwar gleich bei der Regierung. Ich rate Euch das nicht und kann Euch bestimmt voraussagen, daß Ihr dadurch nichts anderes erreichen werdet, als hierher wieder zurückkehren zu müssen. Ihr hättet eben nicht fortziehen sollen; Schuld daran war Eure Unzufriedenheit und diese bringt immer üble und schlimme Folgen, die Ihr nunmehr büßen müßt; auch vielleicht viel schuld daran war mehrfache Aufhehüng von getvisscr Seite, die der Gemeinde dahier nicht geneigt sind. Ihr dürft nicht der Anschauung fein und glauben, daß Euch die Gemeinde etwas geben muß und es Euch schuldig sei; dies wäre eine Sünde gegen Gottes Gebot:„Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Gut." Gott wird und muß jede Uebertretung feiner Gebote strafen, entweder früher oder später gewiß. Ihr dürft niemand die Schuld geben wegen Not und Armut, am allerwenigsten der Gemeinde. Jeder Mensch muß eine Schuld sich selber beimessen und sagen:„Ich bin meist selber daran schuld". Denket an so mehrfache Schimpfereien, die noch nie etwas genützt haben oder nützen werden; dieselben sind ja Sün- den!— Die Gemeinde kann Euch nur wenig geben, die Leute haben ja selber nur wenig— und wie hart und mühsam ist das Geld zu erwerben für jeden Menschen! Wer nicht spart, wird es zu nichts bringen und wer in jungen Jahren nichts sammelt, wird es im Alter fühlen müssen. So ist es allenthalben und überall in dieser Welt— und wer in dieser Welt nicht Buße tut, wird in der anderen Welt büßen müssen. Ihr könnt tun, was Ihr wollt, hierher zurückkehren oder bleiben, wo Ihr seid. Das kann ich aber Euch gewiß sagen, daß Ihr darch Verklagen der Gemeinde nichts erreichen werdet, daß Euch eine größere Unterstützung nachgesendet werde, weil es für die Gemeinde unmöglich ist. Das Gemeindehaus wird zurzeit wieder zusammengerichtet und dort könnt Ihr einziehen, wann und sobald es Euch beliebt.' Mit Gruß P., Pfarrer. Daraufhin wurde verlangt, daß ein Beschluß des Armenpfleg- schaftsrates herbeigeführt werde. Dem H.schen Ehepaar wurde darauf mitgeteilt, daß sie die freie Wahl hätten, entweder in das Gemeindehaus ihrer Heimat zurückzukehren, oder mit einer monat- lichen Unterstützung von 5 M. pro Monat, welche nach Ablauf je eines Vierteljahres gezahlt werde, sich zu begnügen. Auf eine Beschwerde an das zuständig« Bezirksamt, in der ausgeführt war, daß zwei alte Leute mit 5 M. ihren Lebensunter- kalt nicht fristen können, faßte der Armcnpslegschaftsrat nochmals folgenden Beschluß: „Für die H.schen Eheleute tvar daher seit einer Reihe von Jahren hinreichend gesorgt; sie hatten freie Wohnung, ein Acker zur freien Benutzung war ihnen überlassen und hotten Gelegen- licit, durch leichtere Arbeiten sich manches zu verdienen— dieselben sollten auch der mehrfachen Privatunterstützung nicht ver- gessen. Nur Unzufriedenheit und Undankbarkeit und wohl auch Auf- hetzungen lockte sie in die Großstadt— und die Versprechungen ihrer Söhne, welche sie nunmehr im Stiche lassen. Tie kleine und schwerbelastete Genieinde ist nicht in der Lage, denselben eine reichliche Unterstützung für angeblich lang- jährige Dienste als Pension in eine Großstadt nachzusenden, ist indes gewillt, eine Zulage von monatlich 2 M., mithin je 7 M., zu gewähren und zu übersenden, vorerst vom 1. September d. I. bis 1. Juni d. I. Uebrigens steht es den H.s frei, ob und wann sie hierher wieder zurückkehren wollen. P., 9. September 1912. Lorstand der Armenpflege, gez. P., Pfarrer." 9. In einem anderen Fall bittet ein altes Ehepaar seine Heimatgemcinde um eine Unterstützung. Ter Mann ist Invaliden- rentner und ü4 Jahre alt, die Frau K7 Jahre und seit mehr als drei Jahren trank. Ter Armenpflegschaftsrat I. teilt mit, daß wenn die Eheleute F. Unterstützung haben wollen, dann sollen sie nur nach I. zurückkehren. Erst auf eine Beschwerde an das Bezirksamt erhielten die beiden insgesamt pro Monat 5 M. als Unterstützung. 3. Ein junger Mann, welcher in der Gemeinde A. beheimatet, ist erblindet. Man läßt ihn die Korbmacherei erlernen und bringt ihn gegen jährliche Entschädigung von 16g M. bei einer Oekonoms- witive unter. Da die Behandlung und Wartung sehr schlecht und der erblindete E. noch häufig mit Holm und Spott überschüttet wurde, geht er zu seiner Schwester nach Augsburg. Diese erklärte sich bereit, ihren Bruder gegen eine jährliche Entschädigung von 900 M. zu sich nehmen zu wollen. Der Arincnpflcgschaftsrat lehnte diesen wohlgemeinten Vorschlag ab und erklärte, entweder müsse E. zu seiner alten Pflegcstclle zurück, oder aber man schaffe ihn in eine Krctincnanstalt! Eine Beschwerde beim Bezirksamt und bei der Regierung waren erfolglos. Beide Instanzen stellten sich auf den Standpunkt, daß die Gemeinden nicht verpflichtet sind, nach auswärts Unterstützung zu zahlen. Jetzt ist der arme und Unglück- liche Mensch gezwungen, in seine alte Pflcgcstrlle zurückzukehren. Wie wird er nun behandelt werden? Wird er nun, weil er sich mit den Maßnahmen des Armenpflegschaftsratcs nicht begnügte, noch geächtet und verfolgt werden? Wenn unter solchen Verhält- nissen den betreffenden Hilfsbedürftigen der Geduldsfaden reißt, dann ist es kein Wunder. . 4; Wie manche Gemeinden auf das Seelenheil ihrer Gemeinde- Mitglieder bedacht sind, deweist nachfolgendes Beispiel. Die Mutter eines unehelichen Kindes beabsichtigt, sich zu ver- ehelichen. Da dag Kind durch den Vater legitimiert wird, folgt es in dessen Heimat. Weil die Gemeinden dadurch einer eventuellen Unterstützung enthoben werden, zahlen sie in der Regel einen Berebelichungszuschuß. Die Mutter ersucht ihre Heimatgemeinde B. um einen Ver- ehelichungszuichuß von 100 M. Sie erhält daraufhin vom Bürger- meister der Gemeinde B. folgendes Schreiben: „Geben Sie sofort hierher bekannt, welcher Religion Ihr Bräutigam angehört, ob er katholisch oder protestantisch ist! Sollte er protestantisch sein, wie steht es dann mit der Erziehung Ihrer Kinder? Werden dieselben dann katholisch oder protestantisch; erzogen? Wahrheitsgetreuer Bericht wird erwartet. Sofort nach Eintreffen Ihrer Nachricht wird Ihnen der Beschluß des Ge- Meindeausschusses über �hre Ilnterstutzung zugeschickt. Also sofortige Antwort. G., Bürgermeister." Die Mutter erklärte, daß der Vater Protestantisch sei; er sich Oto verpflichte, das Kind lathol'sch erziehen zu fassen. Lftirz (darauf erscheint der Pfarrer des Wohnortes beim Bräutigam und erklärte, daß er einen notariellen Vertrag aussetigen müsse, wonach er sich verpflichte, das Kind katholisch erziehen zu lassen. Der Pfarrer ging persönlich mit zum Notar und zahlte die Gebühren; � daraufhin wurden der Braut die 100 M. ausgezahlt. Es ist schon so, wie der Bader in„Glaube und Heimat" sagt: „Ja, ja, mein lieber llnteregger: katholisch werden oder aus dem Land, so heißt der Befehl!" Eistkr Nerbandstag des Deutschen Dauarbeiter- Verbandes. Jena, 17. Januar. 5. Berhiindluiigstag. (Abeiidsitzung.) Ten Bericht der Statutenberatungskommission erstattet Merkel- Nürnberg. Die Konimission, der ja nur wenig Zeit für die Beratung zur Verfügung stand, hat aus diesem Grunde in das alte Statut nur die Abänderungen hineingearbeitet, die sie siir jetzt vorzunehmen als absolut nolwendig hält. Sie hat sich auf die hauptsächlichsten Punkte besckiränkt und eine ganze Reihe Anträge zurückgestellt. So soll nur ein«Notgesetz" geschaffen werden. Die Kommission wird— wenn der Verbandsta� zustimmt— vor einer der ferneren Tagungen des Verbandstages in diesem Jahr wieder zusammentreten und diesem Verbandslage weitere Vorschläge zur Revidierung des Statuts machen. Bei den Bestiinmungen über die Gliederung des Ver- b a n d e s wurde Vorfchägen des Vorstände» Rechnung getragen, die der Erweiterung des Verbandes entsprechen. Zu dem strittigen Punkt über die Reorganisation der Gauverwaltung schlägt die Kommission vor, die alten Bestimniungen zu belassen und nur für Gauvorstand Bezirksausschuß(der Vorstand schlug „Bezirksrat" vor) und für Gauvorstände Bezirksleiter zu sagen. P a e p l o w brachte den Antrag des Vorstandes, die Gau- leiter Bezirkssekretäre zu nennen, erneut ein. Es entspann sich über diese Frage nochmals eine Debatte, die damit endete, daß die Be- Zeichnung„Bezirksleiter" mit 195 gegen 174 Stimmen festgelegt wiirde� Ohne Widerspruch stimmte der Verbandstag dem Antrag der Kommission zu, die besondere Kassenführung bei der' Bezirks- leitung entsprechend dem Borschlage des Vorstandes aufzuheben. Die Beitragsfrage rief ebenfalls eine nochmalige DiS- kussion hervor. Der Kommissionsvorschlag ging dahin, die bisherigen 12 in 6 Beitragsklassen zuiammeiizufasien. Die Beiträge sollen ein- schließlich des Anteils der Lokalkasse betragen: Beitrags klaffe 1 2 3 4 5 S Bei Stundenlöhuen bis einschließlich 85 Pf. über 35 bis einschl. 45„ 45 55 65 75 55 65 75 Beitrag 40 Pfg. pro Woche 60„« 60„ 70„ 80„ 90„ OrtS- anteil 8 Pf. 10„ 12„ 14„ 16 » 18« Mit Zustimmung des Bezirksausschusses und der Zweigvereine kann für eine Spezialbranche auf deren Antrag eine ködere Beitrags- klaffe eingerichtet werden, die auch eine höhere Umerstützunglnach sich zieht. In der Debatte wurde für die Beibehaltung der alten Belträge>plädiert, bis über die Frage der Arbeitslosenunlerstützung entschieden sei. Der Koni- missionsbertchterstatter betonte, die Kommission habe die Einrichtung der sechs Beitragsklassen aus grundsätzlichen Erwägungen beschlossen. In der Generaldebatte sei diese Neueinteilung mehrfach befürwortet worden. Es werden freilich in einigen Orten Beitragserhöhungen eintreten. Dagegen sollen die Kollegen, die in eine höhere Beitrags- klaffe eintreten, auch sofort in eine höhere NnterstützungSllasse eintreten. Der Berbandstag stimmte den Kommissionsvorschlägen zu. Beschlossen wurde ferner, daß eine Beitragsermäßigung nicht ein- treten darf. Die Verhandlungen wurden dann vertagt. * Jena, 18. Januar. 6. Verhittidlmigstag. Die Statuteiiberatiiiig wird bei den Bestimmlmgen über die Reiseunterstützung fortgesetzt. Die Koinmission schlägt vor, die alten Bestiiitiitlingen in dem Sinne zu ändern, daß diese Unter- stütziliig, die(wie seither) pro Tag 1 M. beträgt, für das ganze Jahr(bisher nur im Winter) gewährt wird. Und zwar bis zu einer Höchstfumine von 25 M. nach einjähriger Mitgliedschaft, 30 M. nach zweijähriger und 35 M. nach dreijähriger Mitgliedschaft. Diese Neu- regelung soll jedoch bis zur Erledigung der Erwerbslosenunter- stutzung nur als Provisorium gelten. Der Verbandstag beschließt in diesem Sinne. Die Streikunterstützung wird nach dem Vorschlag des Vorstandes neu geregelt. Die Aenderungen sind aber nicht wesent- lich. Die neuen UnterstütznugSsätze entsprechen der neuen Beitrags- klasse und betragen je nach der Dauer der Mitgliedschaft und den Beitragsklassen 9—21 M. pro Woche. Tie K r a n k e ii u n t e r st ü tz u n g wird ebeiifalls einer Aenderung unterzogen. Sie beträgt tüilfiig pro Tag nach einer Mitglied- schaft Über 4 Jahre Pf- Beitragsklasse Jahre Pf- 40 55 60 70 80 90 45 53 65 75 85 95 6 Jahre Pf. 55 60 70 80 90 100 8 Jahre Pf. 65 70 80 90 100 110 Die Nittersiiitzung in Sterbefällen wird dem Vorstands- vorschlage entsprechend festgelegt. Sie beträgt 25 M. bis 100 M. Anträge, die sich ans eine Neue inte ilung von Gauen beziehen, werden dem Lorstande überwiesen. Der Verbandstag beschließt dann noch, daß eine Sttbkommission der Siaiutenberatniigskommiision vor dem Verbandstag, der den Abschluß der Lohnbewegung bildet, erneut znsainmentreteit und da- bei auch eine»ene Vorlage für die Arbcitslosenuntcrstützilitg auS- arbeiten soll. Damit war die Statnteliberatung beendet. Dann gab Hermann- Eiienach den Bericht der Beschwerde- kommissio». Nach ihrem Vorschlage tverden cinlge Ausschlüsse auf- gedobe», andere bestätigt. Für die G e h a l t s k o m m i s s i o n berichtete Hütt mann- Frankfurt a. M. Die Kominiision sei eininülig der Meinung, daß der Bauarbeiterverband»i der Geballsfrage gegenüber anderen Gewerltchasten nicht zurückbleibe» darf. So schlage er vor, in einigen Punkten von der Voriiandsvorlage abzuweichen. Die Ge- Halter tollen belragen: für den ersten Vorsitzenden 3800 M, in den velden nächsten Jahren steigend uin je 200 M. bis zum Höchstgehalt von 4200 M.. für den Leiter des literarischen Bureaus 3600 M., steigend uin je 150 M. bis 3900 M Für die übrigen Borslands- Mitglieder soll das AnfangSgehalt 3400 M. betragen, jährlich steigend um 100 M. bis zu 8600 M. Die Bczirksleiter sollen erhallen 2700 M., steigend um jährlich 1Q0 M. bis 3400 M., die ständigen Hilfsarbeiter im Bcrbandsbureau 2400 bis 3200 M., bei einer jähr- lichen Sleigerung um ebenfalls 100 M. Für die ZweigvereinS- beamten sollen nur zwei Klassen geschaffen werde». In Orten, wo der Stundenlohn den gelernten Arbeiter unter 50 Pf. beträgt, ein Anfangsgehalt von 2000 M. bis zu einem Endgehalt von 2800 M.; in Nrtkn mit cinem Stundenlohn vp» über SV Pf. 2100 bis 3300 Stf., jährlich steigend um 100 M.— Die Ferien sollen nach den Vor- schlagen des Vorstandes festgesetzt werden. An diesen Bericht schlössen sich längere Erörterungen, bei denen für und gegen die Kommissionsanträge eingetreten und diese schließ- lich mit überwiegender Mehrheil angenommen wurden. Die Entschädigung des Änsickußvorsitzenden erhöht der Verbandstag von 1000 M. auf 1300 M. Dem Verbandstag wird zur Erwägung über- wiesen, ob es nicht möglich ist, die durch die Gehaltserhöhung für die Zweigvereine entstehenden Mehrausgaben auf die Hauptkasse zu übernehmen. Der Vorstand wird beauftragt, dem nächsten Verbands- tage eine Vorlage zu unterbreiten, die gesamten Beamtengehälter auf die Hauptkasse zu übernehmen. Bei Beratung der allgemeinen Anträge fand ein Antrag Annahme, nach dem der Verbandsvorstand Zweigvereinen auf deren Antrag und nach Anhörung des Gauvorstandes das Recht einräumen kann, Unterstützung in Krankheits- und Sterbefällen selbst anzu- weisen und Jnterimsbücher selbst umzuschreiben. Beider Wahl des Vorstandes— dieser brennendsten Frage des Verbandstages— wird P a e p l o w- Hamburg ein- stimmig als Vorsitzender gewählt. Das Resultat wird mit Bei- fall aufgenommen. Als Stellvertreter des Vorsitzenden werden Behrendt wieder- und Winnig nengewählt. Winnig wird zu- gleich Leiter der literarisch-statistischen Abteilung. Als Kassierer wird Kober wiedergewählt, ebenso die bisherigen Sekretäre. Silber- s ch m i d t wird neu in den Vorstand gewählt, er bleibt aber in Berlin. Als Redakteure werden E l l i n g e r- Hamburg wieder- und Otto- Dortmund nengewählt. Vorsitzender des Ausschusses bleibt D a e h n e- Berlin. Der Berbandstag beauftragte den Vorstand noch, auf dem Grabe BömelburgS einen Gedeitkstein setzen zu lassen. Damit waren die Arbeiten dieses VerbandstageS beendet. Die Schlußrede hält Verbandsvorsitzender P a e p l o w, der für sich und seine Kollegen im Vorstand für die Wahl dankt. Wenn wir hier fort- gehen, sagte er weiter, erwartet uns zuhause aitgcstrengte Tätigkeit. Wir werden alle unsere Kräfte aufwenden, um die Lohn- beweg ilng so durchzuführen, wie es dem Interesse der Kollegen entspricht. Der Aktionsausschuß geht von hier aus direkt nach Berlin, um mit den Unternehmern zu verhandeln. Wir werden suchen, eine Bahn der friedlichen Verständigung zu finden, ivahr- tcheiiilich gelingt uns dieses aber nicht. Es ivird aus diesen Ver- Handlungen jedenfalls nicht viel zu berichten sein, um ihren Gang nicht zu gefährden. Die Kollegen müssen aber Vertrauen zu ihren Führern haben. Sie dürfen überzeugt sein, daß diejenigen, die sie gewählt haben, bestrebt sein werden, den Interessen aller Llollegen gerecht zu werden. Die Mitglieder müssen aber auch einsehen. daß es nicht Schuld der Führer ist, wenn nicht alle unsere Wünsche erfüllt werden, daß dann andere Umstände ihrer Verwirklichung entgegenstehen.. �. Der Verbandstag hat unS alle stärkt bewegt. Schon bei seinem Beginn, als wir unseres Freundes Bömelburg gedachten, der eine so große Lücke im Verbände gelassen hat. Die Kollegen müssen Einsicht haben, wenn das eine oder andere nicht in der Form geschieht wie früher, wenn die Kollegen, die jetzt mit der Leitung des Verbandes betraut wurden, andere Methoden einschlagen, wenn diese Kollegen auch einmal anecken— glauben Sie, sie haben trotzdem das Herz auf dem rechten Fleck, sie wollen das beste für alle Kollegen, sie werden dasselbe durchsetzen wie vordem. Mit diesen Worten möchte ich Ihnen zurufen: Auf Wiedersehen auf dem Verbandstag, der sich mit der Lohnbewegung weiter zu beschäftige» hat. Setzen wir alle uns mit ganzer Kraft für die geistige und materielle Besserstellung unserer Kollegen ein, dann können uns kleine Meinungsverschiedenheiten gar nichts schaden. Tue jeder Einzelne seine Pflicht, dann sind wir dem Siege nahe.(Stürmischer Beifall.) Vorsitzender Silberschmidt: Der Verbandstag ist geschlossen. Schluß nachmittags 1 Uhr. Klus der Frauenbewegung. „Im Interesse der Sparsamkeit". Ueber zwei bemerkenswerte Abstimmungen der Bonner Stadt- verordneten in einer Sitzung berichtet das Zentralblatt des Bundes deutscher Frauenvereine. Zu den Kosten des Rose n m o n t a g S der Bonner großen Karnevalsgesellichaft bewilligte die Mehrheit 1000 Mark. Petitionen auf Ausdehnung der Fortbildungs- s ch u l p f l i ck t auch auf die gewerblichen Arbeiterinnen werden da- gegen abgelehnt. Ein Beigeordneter(Stadtrat) teilte mit, daß der Stadt für jede der drei Handwerkerinnen-Klassen 1400 M. Kosten entstehen würden. Er empfahl, die ganze Frage im nächsten Jahre zu erörtern. Der Oberbürgermeister Spiritus bat, doch auch einmal zu bremsen. Nur in Berlin sei bisher etwas Derartiges eingeführt; alle anderen Städte warteten auch noch ab. Ein Stadtverordneter begründete seine Ablehnung„im Interesse der Sparsamkeit".— An der Bildung der Arbeiterinnen muß natürlich gespart werden, was man für das Vergnügen einer Privatgesellschaft verschwendet hat. Leseabende. HennSdorf. Mittwoch, 22. Januar, 8'/z Uhr, Mbrechtstraße 1, bei Eggebrechl: Genossin Arendsee-Tegel:«Ziel und Zweck der proletarischen Frauenbewegung". Waidmannslust. Mittwoch, den 22. Januar 8 Uhr, im Schweizer- haus, Dianastraße._ Versammlungen— Veranstaltunge«. Borsigwalde-Wittenau. Heute Dienstag, 8Vg Uhr. findet in Wittenau, Hauptstraße 56, bei Schulz, eine öffentliche Frauen« Versammlung statt. Referentin Frau Bohm-Schuch. Weier Geburtenrückgang und Frauensrage wird Dr. Ruoolf Goldscheid. der Wiener Soziologe, am Dienstag, den 28. Januar, abends 8 Uhr, im Logenhaus, Kteiststr. 10, einen Vortrag halten. An- schließend wird Dr. Franz Oppenheimer über„Menschen- vlonomie" sprechen. Karten a 50 Pf.(reservierter Platz 1 M.) sind in der Geschäftsstelle des veranstaltenden Vereins, der Deutschen Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht, Charlotten- bürg, Dahlmamistr. 25, und an der Abendkasse zu haben. Wasserftands-Rachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Betterbureau Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, JnjlerLilrg Weichsel, Thom Oder, Ratibor . Kroijen . Frankiurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz » Dresden » Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau«) . Rathenow«) Spree, Svremberg«) » Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau » Kaub « Köln Neckar, Heilbromi Main, Hanau Mosel, Trier «)-ff bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. der Stadt EiSstand,-') Treibeis.-•) EiSstaud. Buchhandlung Vorwärts, LindenstraOo 69. Ein Beitrag zur Ökonomischen Erklärung des Imperialismus Ton Rosa Luxemburg. Preis broschiert 6 M. Halbfranzband 8 M. Dae Buch ist ein Versuch, den Imperialismus als «ine Erscheinung, die das öffentliche Leben immer mehr beherrscht, auf seine eigentlichen ökonomischen Ursachen zurückzuführen.— Die imperialistische Politik wird hier durch ihre wirtschaftlichen Zusammenhänge in die besonderen Gesetze der kapitalistischen Produktion eingefügt QUALITATS: CICARETTE Diese Woche enorm billiger Extra-Verkauf hocbfeiner, eebter I! bisheriger Preis 36-48 M., jetzt 16.1? bis 27.m0 Ein Posten ganz weicher Kamelhaardecken 7.85 M.(f'llliei 12.75 M.) Teppich-Spezialhaus � Emil Berlins. Seit 1882 nur efevre Oranienslr. 153. Unterhalte nirgends Filialen. Find! 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Verlag: Vorwärt» für zwei Herren. Woche 3.00.»oft. mann. Dragonerstraffe 18. 21335____ Buchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singet u. Co., Berlin Slj£, Lehrmädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren, aus achtbarer Familie, gegen monatliche Vergütung sosort gesucht Meldungen nur in Bc- glettung der Eltern oder des Bor- mundes 10— 2 Uhr vormittags oder 6—8 Uhr nachmittags. A. Jandorf u. Co., Belle- Alliancc- straffe 1—2,_ 293951* 30 Mamsell» auf Staubmäntcl sticht Sicbel, Schliemannstr. 21.* [ 5000 Mark") Provisions-Einkommen und mehr verdienen unsere ■Akqniait«»»'« sür-ine konkurrenzlose JnsertionSart in großen Tageszeitungen. Anstellungsofferten von soliden, fleißigen, energischen u. rede- gewandten Herren tinler ■„Kviiei"1«1'" an Post, schliefffach 229, Leipzig. erbeten. 190/5* Achtung! Holzarbeiter, Wegen Streit oder Loh«. dissercnzen sind gesperrt: »'tti- Einaetsei- die Bauten der Firma«i-oßkonlsk Sächsische Str. 8: Sämtliche Bauten in der Laste, strafte. 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