Nr. 18. nbonnementS'Bedtngoiiftfli: «ionnements. PreiS vrSnumeranltt»: Ztertcljährl. 330 2Rf., monaiL 1,10 M5, wöchentlilb 28 Pfg, fwi ins Hau?, Einzelne Nummer b Psg. Sonntag?« »mruncr mü illustrierter Sonntag?« Scitagc„Die Neue Welt" 10 Pia. Posi- Abonnement: 140 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS« PrciStislc, Unter Kreuzband für Deulschtand und Oesterreich« Ungarir 2 Mar!, für d"? übrige Ausland S Mar! pro Mou... Postabonnements SO. Zlchrg» CrlAthit liigll» außer ßlentasi. *>■ Verlinev VolksbwK. 81« firferflonS'GrtOTir Btfeägl fftt die sechSgespallene Äoloitfl« »eile oder deren Raum 60 Pfg,, für politische und gewertschafUiche LereinS- und Bersmnmlltngs.Anzeigen 80 Pig, „KUinc Anreisen", das fettgedruikre Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jede? weitere Wort 10 Pfg, Etellengesuche und Schlafsiellenan- geigoi das erste Wort 10 Pfg,, jede? wettere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch« Itaben zählen für zwei Worter Inserate tr die nächste Nummer müssen bis Telegramm« Adresse: „SsalaMeflNHrat Berlin". Zentralorgan der fozialdcmokrattfd�cii Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasac 69, Fernsprecher: Amt Morikplak. Nr. 198Z. Mitttvoch, den ÄÄ. Januar 1013. Expedition: SM. 68» I�indenstrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die Vorgänge im Saarrevier. Aus Saarbrücken wird uns geschrieben: Die Blamage der M.«Gladbacher Gewerkvereinsstrategen ist vollständig. Die auf dem Standpunkt der„Berliner" stehende„Saarbrücker Volkszeitung" hat behauptet, die Re« dakteure des Geiverkvereiusorgans„Saarpost" hätten von Anfang an gewußt, daß der Streikbeschlutz nicht ernst gemeint gewesen sei. Trotzdem hätten die „christlichen" Gewerkvereinssekretäre in der radikalsten Weise für den Streik Stimmung gemacht und die ganze Saargebiets- bevölkerung in Aüsregung gebracht. Da die„Saarpost", wie seststeht, ausgesprochenes Publikationsorgan der„Christlichen" ist und die Effert, Jmbusch, Staege und Genossen das Blatt regelmäßig informierten, trifft diese die Anklage der„Volkszeitung", in einer bislang in der deutschen Arbeiter- bewegung unerhörten Weise die Oeffentlichkeit über die wirk- liche Bedeutung eines angeblichen Streikbeschlusses lvochenlang irregeführt zu haben. Die„Saarpost" bestreitet das; die „Volkszeitung" hat sich bereit erklärt, ihre Behauptung an Gerichts st elle zu beweisen! Es stehen also nette Enthüllungen über die„Taktik" der M.-Gladbacher „Christenführer" in Aussicht. Da auch die meisten sogenannten„liberalen" Zeitungen anläßlich des vorjährigen Ruhrgebietsstreiks sich die Argumente der Streikbruchorganisatoren zu eigen gemacht haben, wird es die breite Oeffentlichkeit interessieren, wie das Organ des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvercins der Berg- arbeiter über die Bewegungen an der Saar und an der Ruhr resümiert. Der Redakteur des Hirsch-Dunckerschen Organs ist der sich zur fortschrittlichen Volkspartxi zählende Sekretär Franz Schmidt. Herr Schmidt war voriges Jahr �fort- schrittlicher Reichstagskandidat für Duisburg. Bei der Stich- Wähl empfahl er Stimmabgabe für den rechts- nationalliheralen Herrn Dr. Böttger gegen Hengsbach. Dadurch ist Schmidt als ein Politiker legitimiert, der ernstlich nicht in den„Verdacht" sozialistischer Gesinnung kommen kann. Schmidt weilte auch im Saargebiet und schreibt nun in seinem Blatt(Nr. 3 vom 18. Januar): „Im Ruhrrevier waren, alle Bergarbeiterorganisalionen zu den Vorberatnngen eingeladen und auch erschienen. Daß die den Streik führenden drei Organisationen, alter Verband, Polen und unser Gewerkverein, der logenannte„Dreibund", bestrebt waren, den Stoß gegen die Zechenbesizer gemeinsam mit dem christlichen Ge- werkvcrein zu führen, bewiesen sie dadurch, daß sie am 12. Oktober 1911 beschlossen, die Bewegung zu vertagen bis die von den Christlichen gegen eine Bewegung angeführten Argumente (Marrokowirren. der Tripoliskrieg, die noch nicht klaren Verhältnisse im englischen Bergbau— Minimallohnbewegung—, die bevorstehenden ReichStagswahlen und die noch nicht günstig genug stehende Konjunktur) ausgeräumt seien. Wie sehr gerade die Dreibundsführer bestrebt waren eine einheitliche Bewegung zustande zu bringen, zeigt auch die Tatsache, daß sie nach einer Vertagung der Bewegung zugestimmt hätten, wenn sich die chiist- lichen Vertreter am 5. Februar 1912 zu einer gemeinsamen Her- ausgäbe eines Flugblattes bekannt hätten, ein Vorschlag, der von den Polen ausging. Als sie auch dafür nicht zu haben waren, mußte angenommen werden, daß sie eine Bewegung überhaupt nicht mitmachen wollten. Im Saargebiet haben die Chri st lichen von vornherein alle anderen Orga- nisationen ausgeschaltet. Janoch mehr. Sie beschlossen auch in der Konserenz, in der sie den Streik beschlossen, die anderen Organisationen kaltzustellen. Im Ruhrbezirk waren 60 bis 60 Proz. der Bergarbeiter, die für einen Streik in Frage kamen, 0 r g a n i- fiert, und im S a a r r e v i e r hatten die Christlichen noch nicht IL Prozent organisiert. Trotzdem wollten sie die Be- wegung allein machen und die anderen Organisationen kalt- stellen. Im Ruhrbezirk wurde ohne Kündigung in den Kampf ge- treten, weil nach Ansicht der Führer eine Kündigung nicht möglich war. Die Christlichen an der Saar ließen d u r ch d i e V e r- trauensleute von 7000 Bergleuten für LOOOOMatin Belegschaft die Kündigung einreichen, also auch für die, die sich entschieden gegen einen Streik wehrten. Eine solche Massenkündigung findet weder im Berg- gesetz noch in der Arbeitsordnung eine Unterlage. Wären die Saarbergieut» am 2. Januar in den Streik getreten, wie die Christlichen daö beschlossen hatten, so waren sie bis aus wenige Ausschutzmitglieder. die für sich gekündigt hatten, kontraktbrüchig. Das wußten auch die chri st lichen Führer, trotzdem erklärten sie stolz, die Oeffentlichkeit solle sehen, daß die Bewegung von einer Organisation geführt werde, die aus Geietz und Ehre halte. Und als'die königliche Bergwerks« direktion aus die U n g e s e tz l i ch k e i t der Kündigung hinwies. da waren es die christlichen Führer, die bezweifelten, daß die Arbeitsordnung überhaupt zu Recht bestände, da man sie den Ar- beitern gegen ihren Willen aufgedrängt habe. Im Ruhrbezirk hätte dann aber auch eine solche nicht zu Recht bestanden, da sie auch dort den Arbeitern aufgedrängt worden ist. Trotzdem beschimpften die Chri st lichen die Dreibunds- führer, daß sie die Arbeit hatten unter Kontrakt- brück niederlegen lassen." Damit sind einige»vesentliche Unterschiede zwischen dem Verhalten der„Dreibundsührer" an der Ruhr und dem der �„Christenführer" an der Saar gut hervorgehoben. Der Ver- gleich lehrt, daß die im vorigen Frühjahr fast- von der ge- samten bürgerlichen Presse als„kluge",„überlegende".„Iveit- sichtige" Gewerkschaftstaktiker über den grünen Klee gerühmten „christlichen" Gewerkvereinssührer aus der M.-Gladbacher Schule, sofern. sie ihren Beschluß gm'15. Dezember überhaupt ernst gemeint haben, nicht einmal von dem Abc einer überlegenen Gewerkschaftstaktik eine b l a s s e A h n u n g haben. Bei einer. Organisationsstärke von.nur 15 Proz.'der in Frage kommenden Arbeiterschaft be- schließen sie nicht nur die Arbeitseinstellung„für die Gesamt- belegschaft", sondern legen von vornherein alles darauf an, um die für eine erfolgversprechende Lohnbewegung notwendige Einigung aller Arbeiter geradezu zu hinter- treiben. Das ist der Grund für die ablehnende Haltung des Fiskus, der ja bemerkte, wie blöd- sinnig, ja frivol die„überlegenden",„sturmerprobten",„be- rühmten" Gewerkvereinsstrategen die Sache anfaßten. Für diesen Blödsinn, für diese allen gewerkschaftlichen Ersah- rungen und Grundsätzen ins Gesicht schlagende Frivolität ist aber nicht etwa nur der Generalstab des„christlichen Ge- Werkvereins der Bergleute", die Effert, Behrens, Jmbusch und Konsorten verantwortlich, sondern die Obersten des„christlichen Gesamtvcrbandcs", die Herren Giesberts, Stege rwald und Schiffer gehören mit dazu, was nicht übersehen werden darf. Hat doch der Beauftragte des„Gesamtverbandes" am 15. Dezember der Delegiertenkonferenz erklärt, der ?entralvorstand des Gesamtverbandes bil- ige den Streikbeschluß, und den Arbeitern wurde auch finanzielle Hilfe seitens des Zentralvorstandes in Aus- ficht gestellt. Was der Minister S h d 0 w am 11. Januar im Landtag über die lächerlich-blödsinnige. unverantwortlich frivole Mache im Saargebiet vom Standpunkt des trium- phierenden Fiskus ausführte, traf nicht nur den. wie Genosse Liebknecht konstatierte. wie„ein begossener Pudel" dasitzenden Jmbusch, sondem ebensosehr-den ühcrf menschlich großen„Gcwer�schaftStaktiker"., den„herrlichen Söhn von Straelen", Herrn Johann G iesberts und seine Genossen im„christlichen" Zentralvorstand. Bon dem. was Herr S y d 0 w ausführte, interessiert den Gewerkschafter vorzüglich die Feststellung, daß die„ ch r i st- lichen" Gewerkvereinsstrategen, genau so wie der„Vorwärts" bereits mitgeteilt hat. schon vor dem Tage des Streikbeschlusses (l5. Dezember) alles das„erreicht" hatten, was sie am 29. Dezember den Bergarbeiter- delegierten als„wichtige Erfolge" aufreden wollten und damit die Empörung der Be- trogenen auslösten! Die heillos blamierten Gcwerk- Vereinsstrategen haben den beispiellosen Mut, angesichts des völligen Fiaskos ihrer„Aktion" denjenigen. die sich keine taube Nuß für einen gefüllten Geldsack aufreden lassen wollen, der„Verleumdung", des„Neides" auf die„großen Erfolge des Gewcrkvereins" zu bezichtigen. Daß absolut kein Anlaß zum„Neid" vorliegt, hat nun der- jenige ausdrücklich konstatiert, der es am besten wissen muß, nämlich der oberste fiskalische Bergwerkschef, Herr S y d 0 w. Er erklärte am 11. Januar laut Stenogramm im Landtage: Dann hat am 28. Dezember die Revierlonserenz deS christlichen Gewerkvereins stattgefunden, und eS ist den Herren, die den Streik in Gang ge- bracht hatten, mit einigem Bemühen gelungen, wieder ab- z u b l a s e n; mit einigem Bemühen,— wenigstens ist es ihnen nach dem, was in den Zeitungen gestanden hat, nicht ganz leicht gelungen. Ich will das Verdienst der Herren hieran gar nicht gering anschlagen, wenn ich auch etwas kriti- steren muß, nämlich, daß sie sich ihren Leuten gegenüber so hinge st ellt haben— sie mußten es vielleicht— als hätten sie Wunder was erreicht.(Abg. Jmbusch: Das haben wir auch!)— Gewiß, eS freut mich, daß Sie mit dem zufrieden sind, was Sie erreicht haben.(Abg. Dr. Lieb- knecht.zum Abg. Jinbusch: Das haben Sie ver- dient!»Heiterkeit.) Sie haben genau das er- reicht, was Ihne« die Bergverwaltung vor dem IL. Dezember konzediert hat. und das hätten Sie billiger haben können." Grausamer sind wohl' noch nie abgebrühte Demagogen als bewußte Belüger ihrer bedauernswerten Nach- läufer an den Pranger gestellt worden, wie die mit ihrer „Ueberlegenheit" und„erfolgreichen Tätigkeit" prahlenden Gcweckvereinsstategen.„Gar nichts haben Sie er- reicht!" ruft ihnen mit stachlich-ironischen Nandbemerkun- gen der Mann zu. dem ja das kompetente Urteil über diese Angelegenheit zusteht. Vor bald einem Jahre hat Sydow ini Landtag das„nationale" Verhalten der Giesberts. Steger- wald, Behrens. Jmbusch und Genossen beim Ruhrstreik hoch gepriesen unter dem lebhaften Beifall aller am Kapital- prosit Interessierten. Jetzt sagt ihnen ihr ministerieller Gönner, sie hätten an der Saar„wie der alte Verband" agitiert, ihr wortreichster Stabstrompeter Effert— der im März 1912 schnell herbeieilte, um sich auch als Streikbrecher- organisator mit„Ruhm" zu bekleckern— habe Ausdrücke ge- braucht,„die dem Rotesten aller Roten" Ehre machten! Und gar nichts anderes hätten die Ruhmredigen „erreicht", als was ihnen, bevor sie den Streikbeschluß fassen ließen, schon zugesagt gewesen sei! Die ganze„Bewegung" sei auszufassen als ein mit den gewagtesten Mitteln unternommener Versuch, die wegen des Streikbruchs im Ruhr« gebiet eingetretene Massenflucht der Mit- g lieber wieder wett zu machen! Es war ein treffendes Wort des Gtmoffen Liebknecht, als er dem wie ein begossener Pudel dasitzenden I m b u s ch zurief:„Das haben Sie verdient!" Jawohl, doppelt und dreifach hat er und seine Kumpane die ihnen von dem Fiskusvertreter applizierten Peitschenhiebe verdient. Jammerschade, daß die Sünde der Streikbruchorganisation sich nun rächt an den armen, gedrückten und betrogenen Bergarbeitern. Es ist ein schwacher Trost, daß jetzt eine unbeschreibliche Verwirrung im „christlichen" Lager an der Saar herrscht und massenhaft dem Gewerkverein die Mitglieder verloren gehen. Wenn er ganz zusammenbricht, so ist das die beste Er- leichtern ng für die von ihm frivol betröge- neu und schwer geschädigten Arbeiter. Aber einstweilen können sie in der brillanten Konjunktur zusehen. was ihnen die Grubenbesitzer gnädigst zukommen lassen. Und dann hat erst der Streikbruch im Ruhrgebiet und die Streik- beschlußkomödie im Saargebiet den guten Glauben vieler Tausender Arbeiter an die Gewerkschaftskraft in der be- klagenswertesten Weise ins Wanken gebracht. Dadurch haben die Interessen der Grubenkapitalisten eine Förderung er» fahren, für die die Herren den„sturmerprobten"„christlich» nationalen" Gewerkvereinsstrategen eigentlich auf den Knien danken sollten._ Die Delertion der fortfehrittier. Die offiziösen Berichte über den preußischen Parteitag— und andere gibt es nicht— sind merkwürdig kurz ge- halten: aber der Eindruck ist wohl allgemein, daß die preußi- schen- Fortschrittler ein Zusammengehen mit der Sozialdemo- kratie unter der Bedingung der Gegenseitigkeit schroff ab- gewiesen haben. Die preußischen Fortschrittler wollen nicht mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft den Kampf fürs gleiche Wahlrecht aufnehmen, sondern mit dein berüchtigten preußischen Nationalliberalismus eine G e s c l'l s ch a f t z u r gegenseitigen Mandatssicherung bilden. Das ist die Taktik, die Herr Fischbeck vorgeschlagen und die der Parteitag schließlich akzeptiert hat. Dies Verhalten der preußischen Fortschrittler hat sicher nichts Ueberkaschendes und am wenigsten sollten sich darüber jene linksliberalen Blätter wundern, die dem Phantom eines Gesamtliberalismus nachjagend, das Bündnis mit den National- liberalen nicht nur nicht bekämpft, sondern als einziges Heil- mittel angepriesen haben, sehr im Gegensatz zu der Haltung, die einst Theodor Barth eingenommen hatte, der sehr gut wußte, daß in diesem Bündnis nicht die Nationalliberalcn fortschrittlicher, sondern die Fortschrittler nationalliberal, preußisch nationalliberal würden. Wer mit den Herren Fricdberg und Schiffer politische Geschäfte machen will, der muß sich eben ihren Geschäftsbedingungen fügen. Das weiß Herr Fischbeck und deshalb ist die selbstverständliche Bedingung der Gegenseitigkeit, die die Sozialdemokratie gestellt hat. für ihn plötzlich ein kaudinisches Joch, unter das sich dieser Stolze niemals beugen lvill. In Wirklichkeit erlauben eben die preußischen Nationalliberalen ihren Freunden vom Fortschritt nicht, auch nur bei den Stich- wählen die Sozialdemokratie zu unterstützen. Was unter diesen Umständen von der fortschrittlichen Wahlrechtsbegeisterung zu halten ist, hat ja noch vor dem Parteitag Herr Potthoff seinen Parteigenossen ins Stammbuch geschrieben. Das„Berl. Tagebl.", das diese fortschrittliche Haltung mißbilligt, irrt aber sehr, wenn es auch der Sozialdemokratie einen Teil der Schuld glaubt zuschieben zu können, falls eine Stichwahlvereinbarung nicht zustande kommen wird. Das Blatt klagt darüber, daß unser Prcußentag die Bedingung gestellt habe, daß die fortschrittlichen Wahlmänner, wenn wir für die Fortschrittlcr eintreten, sich schriftlich zur Wahl unseres Kandidaten verpflichten müssen. Es nieint, eine solche Verpflichtung könnten abhängige Personen, zum Beispiel Volksschullehrcr auf dem Lande nicht eingehen; sie würden sonst gcmaßregelt. Ganz recht und gerade dieser Einwand zeigt, wie notwendig unsere Bedingnna war! Diese Bedingung gilt wohlgemerkt mir für Kreise, in denen mehr als e i n A b g e 0 r i? n e t e r zu wählen ist. Sollen wir in solchen Kreisen für den fortschrittlichen Abge- ordneten stimmen, so müssen wir sicher sein, daß die fort- schrittlichen Wahlmänner für unsere Kandidaten stimmen. Diesem Verlangen haben die Herren Fortschrittler gewöhnlich entgegengehalten, ihre Leute seien zu abhängig, sie könnten darauf nicht eingehen. Wir sollten also für sie unter Verzicht auf jede Gegenleistung stimmen. Das gibt's eben nicht. Die Kreise, die da schließlich in Betracht kommen können, sind nicht allzu zahlreich. Und da ist es wahrhaftig kein unbilliges Verlangen, wenn toit fordern, daß die Fort- schrittspartei für diese Kreise sich Wahlmänner aussucht, die unabhängig genug sind, für uns zu stimmen, damit dann nicht bei oer Wahl zwar der Fortschrittler mit unst er Hilfe gewählt wird, unser Kandidat aber durchfällt. Wir wären gern bereit gewesen, dem Fortschritt bei der Suche nach solchen Wahlmännern zu helfen! zu finden wären sie in den Kreisen, auf die es ankommt, schon leicht gewesen. Aber der Forts chritt spartet fehlt eben der gute Wille und deshalb bezeichnet sie das Selbstverständliche, Billige, ja ewzig Anständige, die Erfüllung der Gegenseitig- keit, als kaudinisches Joch. Uns kann's schließlich recht sein und wir werden in der Agitation sicher nicht ermangeln, die Volksmassen auf den neuen Beweis hinzuweisen, daß die einzige Partei, die es mit der Eroberung des gleichen Rechtes ernst nimmt, die Sozial- demokratie ist. Zur Klärung wird das fortschrittliche Ver- halten gewiß viel beitragen und auch dazu, den Entrechteten in Preußen es recht ins Bewußtsein zu hämmern, daß der Wahlrechtskampf nicht durch das Wählen unter dem Drei- klassenwahlrecht, sondern durch die Volksbewegung selbst ent- schieden werden wird. Aber auch die bisherigen Anhänger der Fortschrittspartei Weroen"ut tun. recht kritisch über die Taktik ihrer Partei nachzudenken. Das Verhalten bei den Reichstagswahlen hat das liberale Renommee der Fortschrittspartei über Gebühr gehoben. Man darf nun nicht vergessen, daß die schichten, die beim gleichen Wahlrecht die Entscheidung geben, andere sind als die, auf die die preußischen Fortschrittler beim Drei- klassenwahlrecht rechnen. Diese Wähler, die meist der zweiten und ersten Wählerklasse angehören, sind im Grunde ihres Herzens wirklich mehr nationalliberal, und der preußische Landtagsfortschritt ist deshalb von jeher dem berüchtigten Kommunalfreisinn ähnlich gewesen wie ein Ei dem andern. Aber auch bei der Reichstagswahl entschlossen sich die Führer nur unter dem Druck der äußersten Mandatsnot dazu, der Sozialdemokratie die Gegenseitigkeit zuzugestehen. Und wie schlecht hat vielfach und gerade in Preußen ein Teil ihrer Wähler diese Bedingung eingehalten! Wenn jetzt die Herren über unsere Bedingungen jammern, so sind das elende Ausflüchte. Sie kehren damit zu ihrer alten Taktik zu- rück und fordern, wir sollen sie gegen die Reaktion heraus- hauen, selbst wenn sie als Schrittmacher der Reaktion gegen uns stimmen. Wenn die Herren meinen, daß wir auf diesen Leim kriechen werden, dann täuschen sie sich gründlich. Der Beschluß der preußischen Fortschrittspartei macht diese Partei zu einem Anhängsel der preußischen, alsoderreaktionär st enSpielartdes Ratio- nalliberalismus. Die Herren können sich darauf ver- lassen, daß wir uns danach einrichten werden. Die IBalkankrHe. Der Friede gesichert? W i e n, 21. Januar. Die„Neue Freie Presse" läßt sich aus Konstantinopel melden: Der Friede ist gesichert. Der Ministerrat hat vorbehaltlich der Bestätigung durch deu Sultan beschlossen, grundsätzlich eine der vorliegenden friedlichen Lösungen anzunehmen. Die Ent- s ch e i d u n g wird am Donnerstag fallen. Eine befriedigende Antwort. Ronstantinopel, 21. Aanuar. Sowohl die Sprache der türkischen Blätter als die Erklärung jener Mitglieder der Regierung, die mit der Diplomatie in Verbindung stehen, zeigen, daß man eine die Mächte befriedigende Antwort auf die Kollektivnote erwarten darf. Das Finanzministerium hofft, die Gehälter der Beamten bis Donnerstag auszahlen zu können, was darauf hindeutet, daß man damit rechnet, durch eine befriedigende Antwort einen Vorschuß von der Banque Ottomane erhalten zu können. Der große Rat. Konstantinopel, 20. Januar. Trotz der offiziösen Communiqu6s ist der Tag der Zusammenkunft der b e- ratenden Versammlung noch nicht endgültig fest- gesetzt. Da der Ministerrat morgen zusammentreten soll, könnte die Versammlung erst übermorgen stattfinden. Die ratgebende Versammlung wird im Palais unter dem Vorsitz des Großwesirs tagen und es werden an ihr die meisten Senatoren, die Präsidenten der Sektionen des Staats- rats, die Unterstaatssekretäre, die Sektionschefs � der Ministerien für Justiz, Krieg und Marine und einige Direktoren des Departements der Kulte einnehmen. Das Beamtenelement scheint vorherrschen zu sollen. So- weit bisher bekannt ist, werden die bisherigen Grotzwesire und ehemaligen Minister der jungtürkischen Kabinette nicht eingeladen werden. Jfham bekämpft den Plan des Zusammentritts einer ratgebenden Versammlung und meint, derartige Divans seien vor dem verfassungsmäßigen Regime möglich gewesen, heute würde eine derartige Versammlung ungesetzlich sein und die Regierung von ihrer Verantwortung nicht entheben. Die türkische Finanznot. Konstantinopel, 21. Januar. Wie verlautet, hat das Finanz- Ministerium mit der Banque Ottomane ein Vorschutz- geschäft in Höhe von 250 000 Pfund zur Auszahlung der Be- amtengehälter für einen Monat Abgeschlossen. Die Bank habe unter ihre» Bedingungen nachträglich die Forderung aufgestellt, dah ein Funktionär der Bank darüber zu wachen habe, datz das Geld ausschlietzlich zur Bezahlung der Gehälter verwendet'werde. Die Regierung habe ihre Zustimmung erteilt. Im letzten Augen- blick sei jedoch aus Paris die Weisung gekommen, den Vor- schütz nicht auszuzahlen. Das gleiche Veto habe Frankreich jüngst entgegengesetzt, als es sich um den mit der Verwaltung der Leuchttürme, einer französischen Unternehmung, abgeschlossenen Vorschutzvertrag handelte, die als Gegenleistung die Verlängerung der Konzession um 25 Jahre erhalten sollte. Auch eine mit der Verlängerung der Konzession der Tabakregie verbundene Anleihe dürfte dasselbe Schicksal haben. Erneuerung des griechischen Angriffs. Athen, 21. Januar. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgenden Bericht aus Haniftelias vom 20. Januar: Der allgemeine Angriff wurde heute auf der ganzen Front aufgenommen. Die griechische Artillerie begann den Kampf um 8 Uhr früh und setzte das Feuer bis um 6 Uhr abends mit ausgezeichnetem Erfolge fort. Die Artillerie von Bisani schoß nach 11 Uhr nur noch sehr schwach gegen den rechten Flügel der Griechen: das Artilleriefeuer im Zentrum wurde nicht erwidert. Darauf folgte der allgemeine Angriff, durch den der Feind von den Höhen bei Lessiani vertrieben wurde. Die Griechen besetzten Lozzessi. während sich die T ü r k e n in Unordnung in der Richtung auf Bisani zurückzogen. Gleichzeitig rückte der linke Flügel gegen die Höhen von Manoliassa vor. Ferner veröffentlicht der Kriegsminister eme Depesche des Generals Sapundjakis aus Emmagha von 10 Uhr morgens: Wir haben den Angriff fortgesetzt und die Höhen im Norden von Lozzessi und Letschana mit unbedeuten- den Verlusten besetzt. Der Feind zog sich in großer Unordnung und mit schweren Verlusten zurück. Es sind jetzt von uns ein Hügel zwischen Fuat Bey und Bezani, die Forts im Norden des Dorfes Letschana auf die Ebene von I a n i n a zu und außerdem die befestigte Höhen- stellung von Ajos Nicola besetzt. Bei den Operationen herrschte starker Sturm und es regnete heftig. Die Kriegsgreuel. London, 21. Januar. Unterhaus. Der Unionist Walter G u i n n e tz fragte den Staatssekretär des Auswärtigen Grey, ob er die türkische Regierung ersuchen wolle, ihre Einwilligung zu geben, daß ihre Erklärung über die angeblich von den Balkanverbündeten während des Krieges begangenen Grausamkeiten veröffent- licht'werde? Grey antwortete verneinend und sagte: Die Ver- öffentlichung von Erklärungen oder Darstellungen fremider Regie- rungen sei Sache dieser Regierungen selbst und nicht der britischen. Gu innetz fragte daraus weiter, ob Grey die Konsularberichte veröffentlichen wolle, die er über die im Balkankriege begangenen Metzeleien unid Gewalttätigkeiten empfangen habe. Aus diese Frage erwiderte Grey: Während des türkisch-italienischen Krieges wurde ich aufgefordert, Konsularberichte über angebliche Grausamkeiten unter der türkischen Verwaltung in Mazedonien zu veröffentlichen und Auskunft über angebliche Ausschreitungen in Tripolis zu geben. Ich war damals nicht in der Lage, diese Wünsche zu er- füllen und ich glaube, heute dasselbe Verfahren beobachten zu müssen. Solche Berichte werden, soweit sie begründet zu sein scheinen, zur Kenntnis der Regierungen gebracht, die gegenwärtig diese Gebiete deherrschen. Politische(leberlicdt. Berlin, den 21. Januar 1913. Bürgerliche Sozialpolitik. Aus dem Reichstag, 21. Januar. Je mehr die Sozialpolitik des Reichs in allen wichtigen Fragen versagt. um so eifriger sind die bürgerlichen Sozialpolitiker in un- verbindlichen Redensarten und kleinen Geschenken. Das zeigte sich im Reichstag wieder einmal am Dienstag. Zur Beratung stand der Etat des Reichsamts des Innern. Hierzu lag der Antrag der Budgetkommtssion vor: den Reichskanzler zu ersuchen, unverzüglich Matznahmen zu treffen, die geeignet sind, der durch die sogenannte Valorisation herbei- geführten künstlichen Verteuerung des Kaffees entgegen- zuwirken. In der Sache selbst sind alle Parteien einig. Die Valorisasion besteht darin, daß in Brasilien der Kaffee auf- gekauft und, wenn nötig, zurückgehalten wird, um den Preis des Kaffees hochzuhalten. Der Reichstag nahm denn auch den Antrag einstimmig an. In der Begründung des An- träges entrüstete sich der Zentrumsabgeordnete Nacken ge- waltig über den Wucher, den die Kaffeeproduzenten in Brasilien durch die künstliche Verteuerung des Kaffees treiben. Genosse Molkenbuhr erinnerte den übereifrigen Herrn daran, daß das Zentrum im Verein mit den« Konservativen und Nationalliberalen alle Lebensmittel durch die Wuchcrzölle rücksichtslos verteuert und sich so eines nicht weniger schlimmen Wuchers schuldig gemacht hat, als es der Wucher mit dem verteuerten Kaffee ist. Ja, unser Redner rechnete den Zentrumsleuten, Konservativen und NationaNiberalen vor, daß sie bei der sogenannten Finanzreform durch den Kaffeezoll dazu beigetragen haben, den Kaffeepreis auf die Wucherhöhe zu treiben. Auch in der Förderung der Seefischerei sind alle Parteien des Reichstags einig. Hier fühlte sich der konservative Abgeordnete v. Böhlendorff- Kölpin berufen, sein sozialpolitisches Licht leuchten zu lassen. Er konnte gar nicht genug Worte machen über den unendlichen Segen, den ein möglichst großer Ertrag unserer Seefischerei für die Er- nährung des Volkes haben werde. Ihm antwortete Genosse N o s k e mit dem Hinweis auf den Heringszoll, der gewiß nicht dem Volke zum Segen gereicht, den aber die Kon- servasiven gar zu gerne erhöhen möchten. Bestände die Aus- sicht, daß unsere Seefischerei wirklich in absehbarer Zeit einen bedeutend größeren Ertrag liefern könnte, dann wären die Konservativen sicher gegen die Förderung der See- fischerei, um den Fleischwucher aufrecht erhalten zu können. Genosse K ö r st e n schilderte, wie die kleinen Fischer in ihrem Gewerbe durch die Behörden gehemmt werden, während den großkapitalistischen Fischereigesellschaften das Geschäft mög- lichst erleichtert wird. Die kleinen Fischer werden für jedes geringe Vergehen schwer bestraft. Nach der dritten Strafe wird ihnen die Fischereiberechtigung entzogen. Wenn sie dann in ihrer Not dem Raubfischfang nachgehen und dabei abgefaßt werden, kommen sie ins Zuchthaus. Die deutschen Seemannsheime im Auslande unterstützt das Reich mit 22 000 M. Das ist den bürgerlichen Parteien zu wenig. Sie wollen für die nächsten Jahre eine höhere Unterstützung haben. Dies begründete der national- liberale Abg. Pastor Meyer- Herford, indem er rühmte, daß die Seeleute in den Seemannsheimen aufs beste auf- gehoben seien. Ihm stimmten mehr oder weniger eifrig die Redner der anderen bürgerlichen Parteien zu. Genosse Henke stellte fest, daß solche Einrichtungen in der Tat not- wendig seien, wenn sie ohne jede Nebenabsicht geleitet werden. Letzteres sei aber nicht der Fall. Die jetzigen Seemannsheime seien den Muckern ausgeliefert und werden zu deren Zwecken und zum Nutzen der Schiffsherren mißbraucht. So lange die Seemannsheime nicht vor diesem Mißbrauch geschützt werden, können die Sozialdemokraten sie nicht unterstützen. Diese Erklärung rief zwar eine große Entrüstung bei den bürgerlichen Parteien und den Regierungen hervor, jedoch konnte keiner der Henken die Ausführungen unseres Redners widerlegen. Zum Schluß wurde die Reblausfrage eingehend besprochen. Darüber herrschte Einstimmigkeit, daß das Reblausgesetz nicht den erhofften Erfolg gehabt hat. Es lagen zwei verschiedene Anträge vor. Gemeinsam ist beiden An- trägen, daß eine Sachverständigenkommission zur Beratung der Frage eingerufen werde. Die Sozialdemokraten wollten aber von der Kommission geeignete Vorschläge zur Aenderung des Neblausgesetzes haben. während die Nationalliberalen das Gesetz unangetastet lassen wollen. Die Genoffen Dr. W e i l l und Dr. D a v i d wiesen nach, daß bei der großen Gefahr ein entschiedenes Vorgehen notwendig sei. Trotzdem wurde der Antrag der Sozial- demokraten gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Fortschrittlichen Volkspartei abgelehnt und dann der Antrag der Nationalliberalen einstimmig angenommen. Mißglückte Kriegshetze. Das Abgeordnete n haus begann am Dienstag nach Ver- abschiedung deS Moorschutzgesetzes die zweite Leiung des Etats. Beim Etat der Lotterieverwaltung machte Abg. Diederich I H a h n seinem gedrängten Herzen Lust darüber, daß die Verwaltung gegen den Kollekteur und nationalliberalen Reichstagsabgeordneten Held nicht eingeschritten ist, obwohl seit Jahren bekannt sei. daß er sich nicht einwandfrei benommen habe. In die Debatte, die sich schlietzlich zu einem Wortgeplänkel zwischen den Herren Dr. Hahn und Dr. Friedeberg zuspitzte, griff auch Gen. H o f f m a n n ein. einmal um das Unwesen des Lotteriespiels zu geißeln, sodann aber auch, um unter verständnisvoller Heiterkeit der Linken Herrn Hahn zu verstehen zu geben, daß es ihm wohl weniger um die Sache als um den Kampf gegen einen politischen Gegner zu tun sei. UebrigenS soll, wie der Vertreter der Regierung erklärte, die Untersuchung im Falle Held eingeleitet sein. Der Etat der GeneralordenSkom Mission gab dem Genossen Liebknecht Gelegenheit, in sarkastischer Weise den sich über die preußischen Staatsbürger in immer stärkerer Form er» gießenden Ordenssegen glossieren. Beim Etat des Disziplinarhofes nahm sich Lieb« k n e ch t warm der Beamten an. indem er die Neuregelung des ge« samten Beamtenrechtes, vor allem aber einen besseren Schutz für die unteren Beamten forderte. Einen Vorstoß zur Scharfmachung der Regierung auf dem Ge- biete der auswärtige» Politik unternahm dann bei dem Titel „Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten" der Nationalliberale vom Rath. Nachdem er erst die Friedensliebe und Friedenspolitik des deutschen Volles gepriesen, legte er dann der Regierung dringend nahe, doch die wirtschaftlichen Auslandsinteressen Deutschlands nach» drücklicher wahrzunehmen. Sei schlietzlich der Krieg un« vermeidlich. so werde das deutsche Volk sür seine wirtschaftliche Existenz auch energisch die Waffen führen. Genosse Liebknecht fnbr den nationalliberalen Scharfmachern träflig in die Parade. Er wies die an die Adresse der Regierung gerichteten Hetzereien namens der Volksmassen entschieden zurück und kennzeichnete die Wirtschaft- lichen Interessen, für die sich Herr vom Rath ins Zeug gelegt, als die Privatinteressen gewisser Kapitals- und Bank» g r u p p e n, als die Interessen des in seiner Profiijagd doch so internationalen Kanonenkapitals! Das Voll wolle den Frieden und fordere von der Regierung eine auf die Erhaltung des Friedens gerichtete auswärtige Politik. Die Kriegshetze interessierter Kapitalistenkreise aber sei um so frivoler und provozierender, als sie zusammenfalle mit dem Scharfmacher- geschrei nach Volksentrechtung und Kncbelgesetzen. Die Antwort der entlarvten Hurrapatrioien war äußerst matt. Auch ward ihnen keinerlei Hilfe von anderer Seite, dagegen eine Absage des Freisinns zuteil._ Landtagswahl in Lippe-Detmold. In Lippe-Detmold haben gestern und heute Landtags- Wahlen stattgefunden. Gewählt wird nach dem Dreiklaffen- system. Gestern wurden die Wahlen der dritten Klasse voll- zogen, die bisher im lippeschen Landtag durch einen Sozial» demokraten. einen Christlichsozialen und fünf Liberale ver» treten war. Fest gewählt wurden gestern ein sozialdemokratt» scher, ein fortschrittlicher und ein christlichsozialer Abgeordneter. Die übrigen vier' Absümmungen blieben unentschieden, so daß in vier Bezirken eine Stichwahl stattfinden muß, und zwar stehen sich bei allen vier Stichwahlen sozialdemokratische und fortschrittliche Kandidaten gegenüber. Wie schon dieses Er- gebnis zeigt, hat unsere Partei bei der Wahl in der dritten Klasse gut abgeschnitten. Tatsächlich hat sich fett der letzten Wahl ihre Stimmenzahl um fast 100 Proz. vermehrt. Heute fanden die Wahlen der zweiten Klasse statt. Ge» wählt wurden zwei Liberale, ein Freikonservativer und vier Konservative. Da bisher die zweite Klasse durch zwei Liberale und fünf Konservatie im Landtag vertreten war, hat sich nichts geändert; doch ist der freisinnige Führer Dr. Neu» mann-Hofer, der bekanntlich auch Mitglied des Reichstages ist, nicht wiedergewählt worden. Morgen wählt die erste Klasse. Das Vexierspiel mit der neuen Heeresvorlage. Eine angeblich offiziöse Korrespondenz behauptet, daß bei den maßgebenden Stellen von einer neuen Heeresvorlage„nicht das mindeste bekannt sei." Es sei nur ein Nachtragsctat für die Militärluftschiffahrt zu erwarten. Weder für die fehlenden dritten Bataillone noch für Maschinengewehrkompagnien sei ein Nachtragsetat in Vorbereitung. Auch dieser Dementierungsversuch ist genau so nichts- sagend wie die bisher von unverantworUicher Seite erfolgten. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die Tendenzen. die für den Ausbau des deutschen Militarismus maßgebend sind, in der Richtung der von der„Post" angekündigten Forde- rungen liegen. Wenn die neue Heeresvorlage jetzt wirklich nicht kommt, weil das Reichsschatzamt noch Schwierigkeiten wegen der Deckungsfrage macht, so wird sie später, vielleicht im Herbste, kommen. Beachtenswert ist. daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sich nach wie vor über die Heeresvortage in tiefes Schweigen hüllt. Das Ministerblatt war dagegen am Dienstag sehr schnell bei der Hand, um die von der ..Braunschweigischen Landeszeituug" angekündigte Marine« Vorlage zu dementieren. Tie Teckungsfrage. Die„Magdeburger Zeitung" teilt mit. datz der Schatzsekretär Kühn es durchgesetzt habe, datz zunächst einmal ein provlsonscher Plan aufgestellt wird, worin das Kriegsministeriuni überschlägt, was seine neuen Forderungen in runder Summe etwa kosten werden. Diese Nutz soll alsdann feierlichst ins Reichsschatzamt hinübergetragen werden, wo Herr Kühn versuchen mag. sie zu knacken. Ganz einfach wird das für ihn wohl nicht lein, spricht man doch schon jetzt vo» Zahlen, die weit über 100 Millionen Mark htnauSgehen. Wo soll schlietzlich das Geld herkommen? Die voraussichtlichen Ergebnisse der Besitzstener. wie immer sie au» aussehen wird, werden schwerlich eine so beträchtliche Summe decken, um so weniger, als sie zum Teil zur Herabsetzung der guckersteuer festgelegt sind und außerdem zur Beseitigung der mißglückten Werlzuwachssteuer herangezogen werden sollen. Und schon wieder neue Steueipläne zu machen, dazu dürste die Neigung auch nicht gerade grotz sein; also steht zu er» warten, datz bald ein heißes Ringen zwischen KriegSminifter und Schatzsekretär einsetzen wird. Trotzdem es j-doch für das nationalliberale Blatt feststeht, datz zur Deckung der Kosten der neuen Militärvorlage absolut leine Mittel vorhanden sind, wird doch die Annahme der Vorlage als einfach selbstverständlich bezeichnet. Der seinerzeit mit soviel Emphase verkündete Grundsatz:„Keine Ausgabe ohne Deckung", wird schleunigst zum alten Eisen geworfen. Binnen Jahresfrist wird das Reich wieder in der schönsten Pumpwiitschast stecken. Die Anfänge deS„uferlose« FlottenrSstens". An die Entstehung der matzlosen deutschen Flottenpolitik erinnert der Tod eines Mannes, der in den neunziger Jahren die Dreizack» Politik des„größeren Deutschlands' zu vertreten hatte. Es ist die» der Staatssekretär a.D. Admiral v. Hollmann, der in der Nacht zum Dienstag im Alter von 7t Jahren in Berlin gestorben ist. Herr v. Hollmann war von 1890 bis zum Frühjahr 1887 Staatssekretär deS ReichSmartneamtS. Er hatte die Flottenpläne Wilhelms II. nach Sem Motto:„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser" zu verwirklichen. Im Jahre 1897 geriet v. Hollmann mit dem Reichstage in Konflikt, denn das Zentrum war damals noch nicht flottenfromm. Die Budgetkommission wies eine Forderung für SdjiffSiieubauten in Höhe von 256 Millionen zurück. Als Hollman» daraufhin zurücktrat, trat Admiral v. T i r p i tz an seine Stelle und nun folgte eine Flottenvorlage der anderen. Die bürgerlichen Parteien wurden immer zahmer und bewilligten gehorsam, trotz manchem Weh und Ach, was für die Marine gefordert wurde. Im Fahre 1898 bewilligte der Reichstag bereits 408 999 999 M. für ein- malige Ausgaben. Diesem Flottengesetz folgte im Jahre 1999 ein zweites, im Jahre 1905 ein drittes und im Jahre 1993 ein viertes, ohne dah ein Ende abzusehen ist. Nach dem Ausscheiden aus seinem Amte ist Herr v. Hollmann ein tätiges Mitglied des Flottenvereins gewesen, d. h. der Organisation, der die Rüstungstreiberei Lebens- zweck ist. Auch die Großindustrie hat den Staatssekretär a. D. für sich gewinnen können; er war Aufsichtsrat der Allgemeinen Elek- trizitätsgesellschaft, des Stettiner Vulkans usw. Zu Wilhelm II. soll der Verstorbene in enger persönlicher Beziehung gestanden haben. Der Kaiser richtete an ihn im Jahre 1993 den berühmt gewordenen Babel-Bibel-Brief. Herr v. Hollmann hat noch mit dem letzten Widerstände der bürgerlichen Parteien, vor allem des Zentrums zu kämpfen gehabt. Heute sind alle diese Parteien mit Bolldampf in das Fahrwasser des JmpenalismuS eingelaufen._ Tie Budgetkommission des elsah-lothringischen Landtags hat am DienStag die Repräsentationsgelder deS Statthalters auf Antrag des Zentrums und mit Unterstützung der Sozialdemokraten von 299 999 M. jährlich auf 199999 M. heruntergesetzt. Bereits im Borjabre wurde dies beschlossen, aber die Regierung kehrte sich nicht daran, sondern strich einfach im Etat für 1913 die Worte„künstig wegfallend", die sich aus diese 109 999 M. beziehen, fort. Jetzt haben die Volksvertreter nochmals thren Entschluß kundgegeben. In derselben Sitzung wurde ein Antrag der Sozialdemokraten eingereicht, der die Streichung der Disposilionsgelder des Statthalters in Höhe von 199999 M. verlangt._ Ultramontane Regierung. Ter„Vossischen Zeitung" wird auö Nürnberg berichtet: „Eine Entschließung des bayerischen Ministeriums deS Innern fordert die Behörden auf. die von Sozialdemokraten begründeten Arbeiter-Samariterkolonnen nicht zu fördern, sondern nur die des Roten Kreuzes zu unterstützen." Die Nachricht klingt zwar unglaublich, aber dem Ministerium Hertling darf man solche Leistung immerhin zutrauen. Protest gegen militärische Uebergriffe. Im elsaß-Iothringischen Landtag haben Fortschrittler und Sozial- demolraten folgende Resolution eingebracht: „Sind der Regierung die verschiedenen Fälle von Aus- schreitungen und unliebsamen Austritten, insbesondere von Mit- gliedern der Mülhausener Garnison, beziehungsweise dort ein- quartierter Regimenter, bekannt, und welche Schritte hat die Regierung unternommen, um solche Vorkommnisse sür die Zukunst zu verhindern?"_ Auch ein Grund. Weil der auf das Kriegsschiff„Posen" abkommandierte Marine« Jntendantur-Sekrctär Wolf in einem Schreiben seiner vorgesetzten Behörde nicht mit„Hochwohlgeboren" angeredet war und thm zur Fertigstellung einer Arbeit eine bestimmte Frist vorgeschrieben wurde, fühlte er fich beleidigt und verlangte von dem Chef der betteffenden Abteilung Zurücknahme. Als dem nicht nachgekommen wurde, sandte W. durch den Marineingenieur Gottschalk dem Absender des Schreibens eine Forderung zum Zweikampf, die aber abgelehnt wurde. Das Kriegsgericht der 2. Marineinsvektion verur�ilte im Oktober den ichießlustigen Sekretär wegen Herausforderung zum Duell zu 6 Monaten und den Ueberbringer der Forderung zu einem Tag Festungshaft. In der Berufungsverhandlung am Montag vor dem Obcrkriegsgeiicht der Marinestalion der Nordsee in Wilhelmshaven verwarf das Gericht die Berufung des Angeklagten Wolf und er- höhte die Strafe gegen Goltjchalk auf 3 Tage Festungshaft. Das Mnilterium ßnand. Paris, 21. Jauuar. Das neue Kabinett hat sich heute nachmittag endgültig gebildet und setzt sich folgender- maßen zusammen: Vorsitz und Inneres: Briand; Aus- tvärtiges: I o n n a r t; Arbeit und soziale Fürsorge: Renö Ä v s n a r d; Handel: G u i st h a u; Landwirtschaft: Fernand David; Kolonien: Jean Morel; Marine: B a u d i n; Krieg: Etienne; Unterricht: Steeg; Justiz: Barthou; Finanzen: Klotz; öffentliche Arbeiten: Jean D u p u y. Die beruhigten Radikale«. Paris, 21. Januar.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Briand hat leichte Arbeit. Die radikale Presse feiert nachträglich die republikanische Wahl Poincarös und bereitet offensichtlich ihren Uebergang zu Briand vor. Aufsallend ist die Zufriedenheit der Wahlreformgegner. Sie erwarten von Briand weiteres Entgegenkommen. Jaurös meint sehr richtig, daß die beiden Lager um Poincarö und Pams gleich konservativ und zur Steuerreform ebenso unfähig seien wie zur Sozialreform und zur demo- kratischen Umgestaltung des Heerwesens. Beide feien sie be- reit zu einer Politik, die nur der Form nach demokratisch, im Wesen aber konservativ oder rückschrittlich fei. Deshalb werde Briand eine Mehrheit finden und bei der allgemeinen Desorganisation leicht herrschen können. Die einzige Schwierigkeit bleibe die Wahlreform, über die die So- zialisten wachen werden.__ England. Das Arbeitsprogramm des Parlaments. Loudon, 21. Januar. Premierminister ASquith gab das für den Rest der Sitzungsperiode noch zu erledigende Pensum bekannt und sagte, er hoffe, daß das Hau« die Verhandlungen über das Gesetz betreffend die Trenn una der Kirche vom Staat in Wales und über die W a h l r e ch t S b i l l bis zum 12. Februar beendet hoben und dann die notwendigen EtalSiiachträge und die Bill« betreffend die Gewerkschaften und die Eisenbahnen beraieu werde. Dies werde, hoffe er bis zum 29. Februar erledigt sein, worauf siw das HauS bis zum 13. März ver- tagen werde. Wahrend dieses ZestraumeS werde sich das Ober- hanS mit der Kuchen- und der WahlrechtSbill befasien. die Parlamentsakte sckreibl vor. daß zwischen dem Eingang einer Bill im Oberbause und dem Ende einer Parlamentssitzung ein Zeit- raun, von einem Monat liegen muß. Es wj� desbalb angenommen. daß nach dem Wlederzu'amm-ntreien des Unierhanses am 18. März das Parlament vertagt werden, und dann ohne weiteres eine neue Sitzungsperiode beginnen wwd. China. Immer noch Anleiheschmerzen. _ Peking, 29. Januar.(Meldung de« Reuterschen Bureau».) Die Sechsmächtegruppe hatte gestern eine Note überaeben, toorw fie den ginanzmwsiter davon m Kenntnis setzte, daß die Gruppe bereit wäre, den Anlelhevertrag zu unterzeichnen daß es aber wegen der Geldversteifung in Europal unmöglich sei, unverzüglich die Verpflichtung einzugehen.' die Borschüsse zu liefern, welche China verlangte. China antwortete beute morgen, indem es seinem Bedauem über diese Er- öffnnng Ausdruck gab Und den Wunsch hervorhob, mit der Sechs- Mächtegruppe zu verhandeln. In der Antwort wird weiter ausgeführt, daß China während der jüngst wieder aufgenommenen VerHand« lungen sich gewissenhaft geweigert habe, andere Anerbietungen in Betracht zu ziehen, und daß es die Hinderniffe beseitigt habe, die mit der Crispschen Anleihe im Zusammenhang standen. Aber die baldige Auszahlung gewiffer Beträge sei notwendig. China sei daher gezwungen, andere Anleihe- Verhandlungen anzuknüpfen. Die einheimischen Bankiers hätte» die Richtigkeit dieser Ausführungen an- erkannt. Beide Noten waren im freundlichsten Tone gehalten. Die chinesische Note läßt den Weg für den Abschluß der sechsfachen An- leihe offen, wenn die SechSmächtegruppe bereit ist, sie aus- zuiühren. Inzwischen sind ähnliche Borschläge durch andere Finanziers gemacht worden, wobei die Sicherheit durch die unverpfändeten Ueberfchüsie aus der Salz- und Likin- steuer sowie aus der Wein- und Tabaksteuer der Provinzen Tfchili, Schantung, Honan und Kiangsu gegeben werden soll. Der Minister des Aeußern beabsichtigt, die Gesandten der sechs Mächte morgen zu besuchen, um ihnen die Lage Chinas und seine Gründe auseinanderzusetzen, die dem Abschluß eines Ungewissen Vertrages entgegenstehen. Hus der parte!« Sozialdemokratie und Kriegsgefahr. Die Generalversammlung deS Sozialdemokratischen KreiSvereinS Mülhausen i. Eis. nahm am letzten Sonntag, im Anschluß an frühere Erörterungen über die Haltung der sozialdemokratischen ReichStagssraktion. einstimmig die folgende, von dem Genosien Jean Martin begründete Resolution deS Vorstandes an: „Die Generalversammlung de« Sozialdemokratischen Kreis- Vereins Mülhausen i. Elf. erhebt Einspruch gegen die in der Reichstagssitzung vom 3. Dezember vorigen JahreS, in einem Augenblick, der zu äußerster Vorsicht mahnte, abgegebene Er- klärung, die deutsche Sozialdemolratie wäre im Falle eines An- griff» von Rußland bereit, ebenfalls die Flinte auf den Buckel zu nehmen und den Krieg mitzumachen. Die Versammlung erinnert daran, daß die Unterscheidung zwischen Angriffs- und Ver- tsidigungskrieg nicht Sache des Proletariats sein darf, wenn doch das Proletariat auf die von den kapitalistischen Staaten ab- geichlosienen Bündnisverträge wie auf deren ganze Auslands- Politik einen bestimmenden Einfluß nicht ausüben kann. Das Beispiel der Emser Depesche und die Unverfrorenheit, mit welcher neuerdings die Regierungsorgane mit Einschluß der klerikalen Presse Deutschlands und Oesterreichs den Streit um einen serbischen Adriahafen zu einer Lebensfrage für Oesterreich-Ungarn und zu einer Sache der deutschen Bundeötreue vom Belt bis zur Adria aufbauschte, zeigen, mit welchem sErfolge fortgesetzt die Irreführung der Massen unter dem Borwande der nationalen Verteidigung von den Herrschenden betrieben wird. Bei dieler Sachlage ist jede Lohalitätserllärung sozialdemokratischer Ab- geordneter für den hypothetischen Fall eines Angriffskrieges ge« eignet, die Aktionskraft des Proletariats für die Erhaltung des Frieden? zu lähmen und die Arbeitccmaffen zum unklaren und ivillenlosen Werkzeuge der verbrecherische» Macht- und Raubgelüste zu machen, welche die imperialistische Politik beherrschen. Die Versammlung ersucht die sozialdemokratische Fraktion deS deutschen Reichstages, zu dieser Frage bindend Stellung zu nehmen,- um alle Zweideutigkeiten und Mißverständnisse über die Stellung der deutschen Arbeiterklasse zum Kriege für die Zukunft auszuschließen. Der Vorstand wird beauftragt, die Resolution dem Partei- Vorstande und dem Vorstände der ReichStagssraktion zur Kenntnis zu bringen."_ Ein beigelegter Konflikt. Im Gasthaus Zum Löwen in Degerloch fand am Sonntag, de» 19. d. M.,«ine vom württembergischen Landesvorstand ein- berufene Konferenz statt. Vertreten waren außer den Orte» Harthausen und Untersiclmingen sämtliche OrtSvereine von Stutt- gart Amt, ferner die Stuttgarter Parteileitung, der Kreisvorstand vom 1. Wahlkreis und der Landesvorstand. Einleitend wurden vom Landesvorstano einige Briefe bekanntgegeben, die ihm zu dieser Sache zugingen und worin u. a. mitgeteilt wird, daß der Partei- vorstand die Teilnahme an der Konferenz ablehnte. Genosse Brückner(Vaihingen) eröffnete die Aussprache mit einer ein- gehenden Schilderung der Gründe, die dazu führten, daß 11 Orts- vereine von Stuttgart Amt die Zahlung von Beiträgen an die Kreiskasse verweigerten. Durch das Vorgehen der Stuttgarter, besonders bei der Errichtung des Kreissetretariats, fühlten sich die ländlichen Mitgliedschaften majo- risiert; es kam noch ein« Reihe anderer Vorgänge dazu, auf die Brückner des näheren einging und die dazu führten, durch die Beitragsverweigerung eine Aussprache zu erzwingen. An dieser Aussprache beteiligten sich dann die Genossen O st c r(Stuttgart), Weng er(Steinenbronn), Föll(Unteraichen), Rapp(Kemnat), Koch"(Botnang). Knapp(Äalitental), Keller(Plieningen), E l s ä tz e r(Vaihingen), Heiter(Möhringen), W a i s(Ruit) und W e st m e y c r �Stuttgart), worauf ein Schlutzantrag, gestellt von R o t h m u ii d(Echterdingcn), angenommen wurde. Eine Resolution war vom Vorsitzenden Genossen Hilde nbrand mit zur Beratung gestellt; sie lautet:. � � Die Borständetonferenz der Ortsbereme des 1. Wahlirelses erwartet von den II Mitgliedschaften des OberamtS, die ihre Bei- träge zur KreiSkassc gesperrt haben, daß sie diesen Beschluß auf- heben. Sie hält die Notwendigkeit der Anstellung eines Sekretärs für das Oberamt Stuttgart auch heute noch nicht nachgewiesen. Nachdem die Anstellung jedoch beschlossen ist, erwartet die Konferenz, daß der Kreisvorstand dafür Sorge trägt, daß zu den Kosten der zwei Sekretäre die Mitgliedschaft Stuttgart einen jähr- lichen Beitrag leistet, der dem Anteil der Arbeit entspricht, den die Sekretäre für diese Mitgliedschaft im besonderen zu leisten haben. Bei Berufung der Referenten für die einzelnen Mitglied. schaften ist das Sekretariat an die Wünsche der Mitgliedschaften gebunden. Die Konferenz erwartet ferner, daß die Sekretäre die Selb- ständigkeit der einzelnen Mitgliedschaften respektieren und alle? tun. um bei Parteiaktioncn jeglicher Art den ländlichen Mitglied- schaften den ihrer Bedeutung im Rahmen der KreiSorganisation zukommenden Einfluß zu sichern. lieber diese Resolution wurde absatzweise abgestimmt. Der zweite Absatz wurde mit 29 gegen 19 Stimmen, alle anderen Sätze ziemlich einmütig angenommen. Der Landesvorstand beteiligte sich nicht an der Abstimmung. Genosse Hildenbrand schloß die Kon- serenz in der Erwartung, daß nun im ganze» ersten Wahlkreis ein einheitliches Zusammenarbeiten im Interesse der Partei wieder Platz greifen möge. Jugendbewegung. Vorbeigelungen. Lei dem Versuch, den Arbeiter-BildungS- und den Jugend-Ausschuß von Bunzlau zu politischen, also anmeldepflicbtigen Vereinen zu stempeln, hat der dortige Staats- anmalt ein klägliches Fiasko erlittew Aus Grund der Talsache, daß die Mitglieder beider AnSschnffe Sozialdemokraten sind und der Vor- sitzende, Genosse S ch e b S, sogar sozialdemokratisckier Stadt» verordneter und Führer der sozialdemokratischen Partei in Bunzlau ist. glaubte die Behörde folgern zu können, daß die beiden Ausschüsse sozialdemokratische Propaganda betreiben. also politisch sind. Die Behörde verlangte zunächst auf Grund deS Reichsvereinsgesetzes die ilnmekdung der vor» standsmitglieder beider Ausschüsse. AlS dies verweigert wurde, folgte der übliche Strafbefehl, gegen den gerichtliche Ent- scheidung beantragt wurde. Das Schöffengericht Bunzlau kam zur Freisprechung, weil sich der Beweis sür die politische Betätigung beider Ausschüsse nicht erbringen ließ. Damit war aber der Staatsanwalt nicht zufrieden, der Berufung einlegte. Er mutzte sich aber von der Liegnitzer Strafkammer aufs neue be- lehren lassen, daß er auf dem Holzwege ist. Auch die Strafkammer sprach Genossen Schebs frei. In der Urteilsbegründung hieß es, daß der BildungSausschuß nach Auffassung des Gerichts nur künst» l e r i s ch e und Bildungszwecke verfolge. Der BildungS- auSschuß wird auch deshalb noch nicht zu einem politischen Verein. weil ausgesprochene Sozialdemokraten in demselben sitzen und das Gewerkschaftskartell Mitglieder in denselben wählen. Und da die Mitglieder deS Jugendausschusses sich wiederum aus Mitgliedern des BildungSausschusies zusammensetzen, fällt auch die Behauptung, daß sich dieser politisch betätige. Die Arbeit und Mühe des Staatsanwalts war also wieder ein« mal für die Katz._ Richtigstellung. Am 14. Januar teilten wir mit, da?„Hamelner Tageblatt' habe in einer Kritik des zum gefäbrlichen Sport ausgearteten Spiels erwachsener Schüler mit Schutzwaffen den Jungdeutschlandbund mit seinen Kriegsspielereien für diese Auswüchse verantwortlich gemacht. Das entspricht nicht den Tatsachen. Wohl hat das genannte Blatt die Schießerei gerügt, aber was wir als sein« Meinungsäußerung wiedergaben, waren Betrachtungen unseres Berichterstatters. Soziales. Fortschrittler und Selbstverwaltung.--- In Frankfurt a. M. besteht eine gemeinsame OrtSkranIenIasfch der alle Versicherungspflichtigen, sotveit sie nicht Mitglieder von Betriebs- und Jnnungskrankenkassen sind, angehören. Sogar ohne Gemeindekrankenversicherung ist Frankfurt ausgekommen. Die Ortskrankenkasse beantragte nun auf Grund der ReichSversicherungs- ordnung die Ausgestaltung der Kasse zu einer„Allgemeinen Orts- Iranlenkasse". Diesem Verlangen kann das Oberversicherungsamt nur entsprechen, wenn der Gemeindeverband erklärt, daß er keine neue Ortslrankenkasse errichten will. Unter Betonung der Leistungs- sähigkeit der bestehenden Ortskrankenkasse ersuchte der Frankfurter Magistrat die Stadtverordnetenversammlung um ihre Zustimmung zum Antrag auf Ausgestaltung der Oriskrankenkasse. Diese An- gelegenheit fanden Fortschrittler und Nationalliberale im Stadt» Parlament für geeignet, sich an der Ortskrankenkasse wegen ihrer angeblich sozialdemokratischen Leitung zu reiben. Es wurden Be- denken vorgebracht, daß dieser Kasse die 39 909 bis 49 999 neuen Mitglieder, die nach der Reichsveviicherungsordnung versicherungs» pflichtig find, anvertraut werden könnten. Darin war der Wunsch nach einer Landkrankenkasse mit ihren geringeren Leistun-. gen und Beiträgen enthalten. Uebcr deren Errichtung hat aber nicht die Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden, sondern das Oberversicherungsamt, und dieses hat schon beschlossen, für Frank- furt a. M. keine Landkrankenkasse zu errichten. Nun kam man mit anderen Einwänden. Die Höhe der Verwaltungskosten der Orts- krankenkasse wurde bemängelt und nach der Reichsverbandsmanier die Bevorzugung von Sozialdemokraten bei der Besetzung von Stellen behauptet. Der Bertrag zwischen der Krankentasse und der Krantenhausverwaltung läuft noch einige Jahre. Trotzdem wurde von den Fortschrittlern die Zahlung eines höheren Pflegesatzes als Bedingung für die Ausgestaltung der Ortskrankenkasse zur Allgc- meinen Ortskrankenkasse gestellt. Und sie setzten auch die Ver- Weisung der ganzen Angelegenheit an einen Ausschutz der Stadt- verordnetenversammlung durch. Dieser soll nicht nur versuchen, von der Ortskrankenkasse einen erhöhten Pstegesatz herauszu- schlagen— das gleiche von den Betriebskrankenkassen zu verlangen. fiel den Herren gar nicht ein—, sondern soll auch die Angemessen- heit der Verwaltungskosten und die Personalienverhältnisse der Krankenkasse prüfen. Das ist eine starke Einmischung in die der Selbstverwaltung der Ortskrankenkasse unterliegenden Dinge. Die Verwahrungen der Fortschrittler in den Parlamenten gegen Beschränkung der Selbstverwaltung sind angesichts der Vorgänge in Frankfurt a. N. tauin noch ernst zu nehmen._ Fistalismus. Den Fiskalismus der preußischen Staatsforstverwaltung bringt sie in ihren Verkäufen nett zum Ausdruck. Nach den dem Landtage unterbreiteten Nachweisungen kamen im Jahre 1911 durch Kauf 19 339,596 Hektar in Zugang. Im Durchschnitt sind für ein Hektar 6 88 M. bezahlt worden. Im Jahre vorher waren eS 1 2 327,818 Hektar mit einem Durchschnittspreise von nur 4 2 8 M. Die prwaten Forstbesitzer haben demnach vom Staate höhere Preise erzielt. Besonders hold mar das- Glück den schlesischen Grafen. Im Regierungsbezirk Oppeln kaufte die Forstverwaltung 3498,237 Hektar zu einem Durchschnittspreise von 12 7 3 M. für ein Hektar. Die Steigerung der Grundrente macht sich also auch für die Forstbesitzer sehr angenehm bemerkbar. Der FiskuS ent- schädigte sich für die teueren Ankäufe sehr reichlich durch die Preis- festsetzungen bei Verkäufen fiskalischer Forsten. Im Berichtsjahre waren es 3956,394 Hektar. Insgesamt wurden dafür 38 618 459 Mark erlöst, oder im Durchschnitt für ein Hektar 1 2 6 3 5 M. Der Löwenanteil davon entfällt auf den Regierungsbezirk Potsdam mit 2394,317 Hektar. Hier lag der Erlös mit 15 834 M. für einen Hektar weit über dem Durchschnitt. Im Regierungsbezirk Magde- bürg wurden 171,168 Hektar zu einem Durchschnittspreise von 398 9 M. vertauft, im Regierungsbezirk Schleswig 85,749 Hektar zu einem Durchschnittspreis von 8295 M. Am gnädigsien war der Forstfiskus noch mit seinem Bruder Reichsmilitärvevwaltung. Diesem verkaufte er im Gebiete der Oberfövsterei KummerSdorf 1451 Hektar zu einem Durchschnittspreise von nicht ganz 2990 M. für den Hektar. In der Obersörsterei Grunewald belam der Krüppel-Heil- und Fürsorgeverein sür Berlm-Wrandenburg eine 4 Hektar große Fläche zwecks Errichtung eines eigenen Heimes für insgesamt 299900 M. Die Grunewald-Tattersall-Gesellschaft be- zahlte für ein Terrain, auf dem sie eine Reitanstalt anlegte, für burchschnittlich 22 M. pro Quadratmeter, im ganzen für 181 6 9 0 Mark. Für weniger wichtig als die Bestrebungen der Tattersall- Gesellschaft hält der Fiskus anscheinend solche auf Errichtung von öffentlichen Anlagen, Volksparks und hygienischer Bebauung ge- richteten. Zu solcher Schlußfolgerung berechtigen die vom Fiskus der Stadt Berlin für ein in der Wuhlheide überlassenes Terrain, im ganzen 525,245 Hektar groß. Zunächst hat die Stadt im Durch» schnitt 2 M. pro Quadratmeter zu zahlen. 133 Hektar von dem Gesamtgelände sollen zur Errichtung eines Wasserwerks und eines Voltsparkcs dienen. Werden die nicht sür das Wasserwerk und den Volkspark bestimmten Flächen weiter veräußert, so sind dafür je nach der Zugehörigkeit zu den eingeteilten Wertzonen Nach- zahlungen bis zum Betrage von 21,94 M. sür das Quadratmeter an die Staatskasse zu leisten. Uebersteigt der Erlös die festgesetzten Zonenpreise, so erhält die Staatskasse em Drittel des Mehrerlöses. Der als Volkspark in Aussicht genommene Teil muß dauernd als solcher erhalten bleiben. Für das mitverkauste Oberförstergehöft hat die Stadt Berlin für die Staatsforstverwaltung ein neues Dienstgehöft in Köpenick erbaut.-- Man merkt, der FiskuS ver» steht es. seine Schäfchen zu scheren. Aber ihm ist auch Verständnis« volles Entgegenkommen nicht fremd. Der Terraingesellschaft am Flugplatz Johannisthal-Adlershof, der bekanntlich sehr hochgestellte Persönlichkeiten angehören, verkaufte der Fiskus im Gebiete der Oberförsterei Grünau ein 399 Hektar großes Gelände, und zwar zu einem Durchschnittspreise von nur 7 M. für das Quadratmeter. Sehr naiv meint die Forstvcrwaltuna, die Veräußerung sei zweck- dienlich gewesen, weil die Ausschließung und Ver- Wertung des Geländes auch den Interessen der angrenzenden Gemeinden entspreche. Die Terrain- gesellschaftler sind wcchl derselben Meinung. Andere Leute werden allerdings der Ansicht zuneigen, daß die Förderung einer Terrain- gesellschaft nicht Aufgabe einer Staatsverwaltung sei. Gcwerklcbaftliches. Zur Carifbcwegutig in der Rolzinduftric. Der Abbruch der Tarifverhandlungen iur Holzgewerbe und die Zlukündigung der Unternehmer, zum 1ö. Februar eine allgemeine Aussperrung vorzunehmen, bat in weiteren Kreisen begreifliches Auf- sehen erregt. Nach der Absicht der Unternehmer soll sich die ge- plante Aussperrung auf folgende Städte erstrecken: A m b e r g, Barmen, Berlin und Bororte, Bernau, Beuthen O.-Schles., Brandenburg, Braun schlveig, Bromberg, Burg b. Magdeburg, Danzig, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Ebers tu a?i:, Erfurt, Görlitz, Güttingen, Grosi-Schonau, Greifs toald, Guben, Halle, Hannover, Harburg, Hildesheim. Hoch st, Kattowitz, Kiel, Köln, 5tönigshütte, Krefeld, Langenöls, Leipzig, Lübbenau, Lübeck, Lüne- bürg, Luckenwalde, Btagdeburg, München, Reitze Oldenburg, Posen, Potsdam, Nowawes, Quedlinburg, Rendsburg, Spandau, Stargard, Stettin, Schwerini. M., Uelzen, Thorn, Zeitz und Zittau, und es sollen davon 62 500 Arbeiter betroffen werden. Datz ein solcher Kampf das gesamte Wirtschaftsleben auf das ernsteste beeinflussen mutz, ist einleuchtend, um so mehr, als es bei der Aussperrung im Holzgewerbe nicht bleiben dürfte. Es mutz immer wieder darauf hingewiesen werden, datz der Arbeitgeberschutz Verband für das deutsche Holzgewerbe ein Glied des Kartells baugewerblicher Arbeitgeberverbände ist, in welchem der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe die erste Geige spielt, und dem auch die Unternebmerorganisation im Malergewcrbe an- geschloffen ist. Datz die Unternehmer der drei Jndustriegruppen bei den diesjährigen Tarifverhandlungen nach einem einheitlichen Plan operieren, darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Der Arbeitgeberschutzverband für das Holzgewerbe hat ja auch die Verhandlungen nicht etwa deshalb scheitern lassen, weil die Forde- rungen der Arbeiter zu weitgehend waren, sondern er hat lediglich einen Beschlutz des Kartells der baugewerblichen Arbeitgeberverbände zur Ausführung gebracht. Es ist gegenüber anders lautenden Dar- stellungen notwendig, nachdrücklich zu betonen, daß eigentliche Ber- Handlungen über die Forderungen der Arbeiter gar nicht gepflogen wurden l Die sogenannten zentralen Verhandlungen waren eine all- gemeine Aussprache über die vom Arbeitgeberschutzverband aufgestellten Grundsätze, wonach die Verträge auf 3 Jahre abzuschlietzen seien. und eine Arbeitszeitverkürzung in den Städten mit 54 stündiger und kürzerer Arbeitszeit nicht gewährt werden soll. Und bei den örtlich geführten Verhandlungen über die Lohnfrage find in den meisten Städten die Unternehmer ernsten Beratungen ausgewichen. Der Arbeitgeberschutzverband für das deutsche Holzgewerbe hatte allem Anschein nach vom Kartell der baugewerblicheu Arbeitgeber- verbände den Auftrag, die Tarifverhandlungen unter allen Umständen scheitern zu laffen. Deshalb hat er sein Ultimatum überreicht und es so formuliert, datz es für die Arbeiter unannehmbar war. Bei der angekündigten Aussperrung handelt es sich also nicht nur um die Holzindustrie, sondern um einen Machtkampf zwischen Unter- nehmer- und Arbeiterorganisationen, der viel weitere Wellen schlagen wird. Ob eS möglich sein wird, die in Flutz befindlichen Dinge aus- zuhalten? Die.VolkS-Zeitung" ruft in ihrer gestrigen Morgen- auSgabe nach dem Staatssekretär.„Herr Staatssekretär, eS ist Zettl' ruft sie aus.„Sollen 62 600 Arbeiter brotlos werden?" ES ist nicht völlig ausgeschloffen, datz Herr Delbrück diesen Ruf erhört; ist eS doch auf seine Initiative zurückzuführen, datz der Gewerbegerichtsdirektor P renn er-München die Leitung der Vertrags- Verhandlungen im Baugewerbe in die Hand genommen hat. Aber recht zweifelhast erscheint eS, ob ein direttes oder indirektes Ein- greifen der Reichsregierung einen Erfolg zeitigen wird. Die Holz- arbeiter find einer Weiterführung der Verhandlungen nicht ab- geneigt, haben doch auch ihre Vertreter schon in der gescheiterten Verhandlung am Donnerstag ihre Bereitwilligkeit erklärt, auf Grund d«S Angebots der Unternehmer über die Zugeständnisse für die ein- zelnen Städte zu verbandeln. Allerdings werden sie die undiskutablen »Grundsätze' des Schutzverbandes nicht akzeptieren. Sehr deutlich hat sich über diesen Gegenstand auch die am Sonnabend abgehaltene Städtekonferenz des Deutschen Holz- arbeiterverbandeS ausgesprochen. Deren Ergebnisse werden in der neuesten Nummer der»Holzarbeiter-Zeitung' in folgender Weise wiedergegeben: Die Zumutungen des ArbeitgeberfchutzverbandeS lehnt die Konferenz in vollerEinmütigkeit entschieden ab. Die Konserenz nimmt— wenn auch mit Bedauern— davon Kenntnis, datz die Verhandlungen gescheitert find und spricht ihre volle Zustimmung zu der Stellungnahme unserer Borstandsvertreter bei den Verhandlungen aus. Die Mitglieder des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes schrecken vor dem angedrohten'Kampfe nicht zurück, sondern werden in ruhiger Entschlossen- heit jetzt daran gehen, alle Vorbereitungen zum Kampfe zu vollenden. Jeder Gedanke, von unseren Forderungen grundsätzlicher Art abzulassen und etwa den Arbeitgebern auf solcher Grundlage neue Verhandlungen anzubieten, mutz entschieden abgelehnt werden. Ebenso mutz der Gedanke abgelehnt werden, unsererseits etwa einen unparteiischen Schiedsrichter anzurufen. ES mutz somit, wenn auch von der Gegenseite keine neuen Verhandlungen mehr angeboten werden, die Entwickelung der Dinge bis zum 15. Februar abgewartet werden. Alle Matznahmen. die ab 15. Februar in den einzelnen Städten zu treffen sind, bleiben der weiteren gemeinsamen Eni- scheidung vorbehalten. Für den in der Presse bereits erörterten Fall, datz sich ein Unparteiischer zur Ver- Mittelung und als Schiedsrichter beiden Parteien anbieten sollte, wird der Deutsche Holzarbeiterverband ihn nicht ablehnen. Die Zustimmung kann jedoch nur erfolgen unter der Vor- auSsetzung, datz unsere örtlichen Vertreter zu den Ver- Handlungen mit hinzugezogen werden. Die e v e n- tuellen Schiedssprüche unterliegen in jedem Falle der Entscheidung einer neuen Städte- konferenz und eventuell eines auherordent- lichen Verbandstages. Man mutz zugestehen, datz die Vertreter der Arbeiter aus den Städten, die von der Aussperrung betroffen werden sollen, ihre Stellung in würdiger Weise präzisiert haben. Ernsten Ber- Handlungen zum Zwecke der Erhaltung des Friedens sind die Holzarbeiter noch nie aus- gewichen und sie tun das auch jetzt nicht; aber sie haben durchaus keine Veranlassung, in demütiger Weise um Frieden zu bitten. Wenn die Unternehmer auf ihren entwürdigenden Zu- mutungen beharren, dann werden die Holzarbeiter den Kampf auf- nehmen und ihn mit ruhiger Entschlossenheit durchführen. Und die Unternehmer? Datz sie einen, etwa vom Reichs- amt des Innern ausgehenden Vermittlungsversuch'offen a b- lehnen, ist nicht anzunehmen. Zu ihrer Taktik g.hört es. ihre Friedensliebe recht laut in die Welt zu posaunen; sie würden sich ja vor aller Welt Lügen strafen, wollen sie ieut einen BermittelungSversuch offen zurückweisen. Die Möglichkeit, Illerantw. Redakt.-"Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentell verantw.! dem Geestemfinder Masäuriiffenvereln irrnfatzf tfur eine ganz kleine Anzahl voo Maschinisten; er wird übrigens von der übergrotzen Mehrheit nicht einmal anerkannt. Dieser Vertrag bat den gleichen Wortlaut, wie der am 13. November llU2 mit dein Zentralverband abgeschlossene Vertrag, der bekanntlich von den Reedern am 10. De- zember durchbrochen wurde. Wenn die bürgerlichen Blätter berichten, datz der Kamps beendet ist, so entspricht dies nicht de» Tatsachen. Daher lasse sich niemand beeinflussen. Agenten der Reeder sind dauernd unterwegs, um unter allen möglichen Versprechungen Arbeitswillige herbeizu- schaffen. Tie grötztc Anzahl der bisher in See gegangenen Fisch- dampfcr sind nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend mit Maschinenpersonal besetzt Jslanddampie-; die mit ein-"» leiten- den Maschinisten mit dri.rer Klasse unü uncm zweiten Maiafinisten mit vierter Klasse besetzt sein müssen, haben nur einen Ma- s ch i n i st e n an Bord und an Stelle des zweiten einen Ober- Heizer. In unverantwortlicher Weise wird hier ein leicht- fertiges Spiel mit Menschenleben getrieben. Einige Dampfer haben ihre erste Reise mit diesem Personal wegen Maschinenschadens unterbrechen müssen. In zwei äutzerst stark besuchten Versammlungen, am Sonn- abend, den 1?., und Sonntag, den 10. d. M., beschlossen die Aus- gesperrten, den Kamps weiter zu führen, bis die Fischdampfer- reedcr bereit seien, eine Verständigung mit der Organisation ein- zugehen._ Neuer Zündstoff im Saargebiet. Die„Franksurler Zeitung" meldet aus dem Saarrevier, datz entgegen de», Versprechen der Bergwerksdireklion der Sicherheits- maim Wetzdan einlassen worden ist. Wepdan bat seinerzeit stark für den Streik gesprochen und war auch bei der Depuiation, die beim preußischen Handelsminister vorspraw. Die„Franliurter Zeitung" schreibt dazu, datz yierdurch neue Erregung hervorgerufen werden wird und eine Unterbrechung des Waffenstillstandes eintreten kann. Versammlungen. die Parteien noch einmal zusammenzubringen, wenn ein dahin zielender Versuch von autoritativer Stelle gemacht wird, scheint also gegeben. Anders liegen aber die Dinge, wenn man nach dem schlietzlichen Erfolg eines solchen Vermittelungsversuches fragt. Die seitherigen Verhandlungen im Holzgewerbe haben gezeigt, datz der Arbeitgeberschutzvcrband für das deutsche Holzgewerbe nicht frei ist in seinen Entschlietzungen, sein Handeln wird vom Kartell bau. gewerblicher Arbeilgeberverbände, oder richtiger gesagt, vom Arbeitgeberbund für das Baugewerbe diktiert. Das trägt recht wesentlich dazu bei, das Ergebnis etwaiger erneuter Verhand- lunge» zweifelhaft erscheinen zu lassen. So viel dürste jedoch feststehen: Gelingt es, dle Ausfpwna in der Holzindustrie zu verhüten, dann wird auch der Friede im Maler und Baugewerbe erhalten. Die grötzere Wahrscheinlichkeit spricht jedoch dafür, datz es bei dem Aussperrungsbeschlutz der Unternehmer im Holzgewerbe bleibt, und entsteht dann die Be- fürcktung, datz die Verhandlungen im Maler- und im Baugewerbe zu dem gleichen Ergebnis führen werden. So sehr es auch zu be klagen wäre, wenn das deutsche Wirtschaftsleben dieser Erschütterung ausgesetzt würde, so möchten wir doch, wie die Städtekonferenz des Holzarbeiterverbandes für dessen Mitglieder getan, allen in Betracht kommenden Arbeitergruppen empfehlen, mit ruhiger Enischloffenheit daran zu gehen, alle Vorbereitungen zum Kampfe zu v o l l e n d e it._. Berlin und Umgegend. Achtung, Dachdecker und Berufögenossen: Bei der Firma Karl G i c r t h, Eharlottenburg, Droysenstr. 14, ist es zur Arbeitseinstellung gekommen. Die Gründe zur Arbeits- einstellung liegen darin, datz Herr G i e r t h sich weigert, nach Zehlendorf eine halbe Stunde Fahrzeitentschädigung zu bezahlen. Mit Herrn Karl Gierth war während der Lohnbewegung ein Einzelvertrag abgeschlossen worden. In diesem Vertrage ist die Bestimmung enthalten, datz bei Arbeiten in Zehlendorf eine halbe e-tunde Fahrzeitentschädigung zu bezahlen ist. Aber nicht nur dieser Einzelvertrag allein verpflichtete Herrn Gierth zur Be- zahlung der halben Stunde, sondern auch die Tatsache, datz alle anderen Arbeitgeber sich bereit erklärt haben, die halbe Stunde Fahrzeitenlschädigung weiter zu bezahlen. Es handelt sich hierbei bei Herrn Gierth auch durchaus nicht um etwas Neues. Diese Bestimmung hat im alten Tarif jahrelang bestanden und ist auch früher von allen Arbeitgebern respektiert worden. Auch Herr G i e r t h hat die halbe Stunde stets bezahlt. Er glaubt aber, die grotze Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Notlage der Ber- liner Dachdecker und Hilfsarbeiter zu seinen Gunsten ausnützen zu können. Alle Dachdecker und Hilfsarbeiter haben die Pflicht, diese Werk- stelle zu meiden. Zentralverband der Dachdecker, Verwaltungsstelle Berlin. Deutliches Reich. Ein Notschrei aus de« Kreisen der Verficherungsbeamten. Am 25. Januar d. I. findet in Berlin im Verwaltungsgebäude der.Friedrich-Wilhelm-Lebensverficherung' eine Konferenz aller Organisationsleiter, Generalagenten usw., mit den Herren Direktoren statt. In dieser Sitzung sollen die Richtlinien für daS Jahr lSlS besprochen und festgesetzt werden: Die von der„Friedrich-Wilhelm" herausge- gebenen Monatsschriften haben nachgewiesen, datz das Jahr 1912 für die Gesellschaft und die Aktionäre autzerordentlich gewinnbringend war.— Nun bat die„Friedrich Wilhelm" ein ganzes Heer von Angestellten, Akquisiteuren usw., welche, trotz der bescheidensten Ansprüche, die sie an das Leben stellen, schon jahrelang ein kümmerliches, rechtloses Dasein fristen. Zum Beispiel find eine ganze Anzahl verheirateter Leute als Akquisiteure tätig, welche täglich 3— 5 M. Spesen beziehen und dafür autzerhalb ihres Donüzrls ihre für die Gesellschaft so nutzbringende Tätigkeit entfalten. Gehalt wird nicht bezahlt. Kün- digung ist keine. Noch nicht einmal der Alters-, Invaliden- oder Krankenversicherung werden diese angemeldet. Auch die nun ins Leben getretene staatliche Versicherung der Privaibeamten soll wieder umgangen werden. Die Akquisiteure der„Friedrich-Wilhelm" sind einfach vogelfrei. Findet sich hier keine Behörde, die einmal der Gesellschaft sagt, datz die sozialen Gesetze nicht geschaffen sind, um umgangen zu werden? Datz solche Zustände bei einer so „nobeln" Gesellschaft, welche selbst die Versicherung für Schadenfälle durch Krankheit, Alter oder Tod propagiert, möglich sind, dürfte wenigen Menschen bekannt sein. Der Konferenz möchten wir nun als„Richtschnur" dringend empfehlen. dafür Sorge zu tragen, datz die Akquisiteure in«in festes Vertrags- Verhältnis kommen, datz sie besser bezahlt werden und nicht mehr jeder Not ohne Schutz preisgegeben sind. Sollte die Konferenz keinen Weg zu diesem Ziele kennen, so gelte folgender Fingerzeig: Man setze die ungeheuren Gehälter und Tantiemen der Direktoren herab, schütte am Jahresichlutz den Altionären nicht mehr so un- geheure Dividende in den Swotz, dann ist eS sehr leicht möglich. Denn nicht die Direktoren, nicht die Auffichtsräte. nicht die Aktionäre bringen die Geschäfte herein, sondern die am schlechtesten bezahlten Akquisiteure._ Die Gewerkschaften unter dem„liberalen" Reichs- Vereinsgesetz. Vor einigen Tagen berichtete der„Vorwärts', datz der Bevoll- mächtigte des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Erfurt, Ge- nosse Verkling, einen amtsrichterlichen Strafbefehl über 5 Mark erhalten habe, weil er es unterlassen, eine Anzeige zu einer Ver- sammlung mit der Ueberschrist„Oeffentliche politische Versammlung" mit dem Namen und der Adresse des EinberuserS zu versehen. Die Versammlung, in der Genosse Brandes aus Magdeburg über daS Thema„T e r r o r is m u S l e g e n d e n des U nterne h m e r- tums' sprach, sei aber„politisch" gewesen. Gegen diesen Strafbefehl wurde gerichtliche Entscheidung be- antragt, so datz die Angelegenheit am Sonnabend vor dem Schöffengericht Erfurt zur Verhandlung kam. Als Hauptbelastungszeuge fungierte ein Kriminalwacht- meister, der die„Auffassung" gehabt hat, es handele fich um eine politische Versammlung, sich im übrigen aber nicht mehr auf alle Aeutzerungen wörtlich besinnen konnte. Der Amtsanwalt beantragte fünf Mark Geldstrafe. DaS Gericht unter Vorsitz des Aintsgerichtsrats Dr. Krause erkannte auf zehn Mark Geldstrafe mit der seit- samen Begründung, datz neben der Aussage des Zeugen S., die von dem Reichstagsabgeordneten Brandes an die versammelten Metall- arbeiter gerichtete Aufforderung:„Organisiert euch!' ein Be- weis dafür sei, daß die Versammlung politisch gewesen sei, denn der Anschluß an die Organisation sei politisch! Die organisierten Ar- beiter seien Sozialdemokraten. Die Aufforderung des Redners sei mithin gleichbedeutend mit:„Werdet Sozialdemokraten".(!) Der Angeklagte hätte die Versammlung schlietzen müssen, als er merkte, datz„politisch geredet" wurde. Selbstverständlich wird gegen dieses amil, das min„anz unhaltbaren Voraussetzungen zustande gekommen ist. Berufung eingelegt._ Zur Aussperrung der Maschinisten auf den Fischdampfern der Unterweserorte. Der Kampf deö Maschinenpersonals der Fischdampser von Bremerhaven, Geestemünde und Nordenham dauert unverändert fort, da die Reeder einer Verständigung mit dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer immer noch nicht zugeneigt sind. Der Vertragsabschluß mit dem Verband technischer SchifsSoffiziere und___________________ Th. Glocke, L«ri> n. Druck u. Ver lag: Vorwärt» Buchdr. u. Verlagsanflalt spaul S inger 4 Eo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage»». llurerhaltungsbl Zentraluerband der Dachdecker. Tie Vorwallungsstelle Berlin hielt am Sonntag ihre ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem vom Kassierer vorgetragenen Kassenbericht vom 4. Quartal 1912 betrugen die Gesamteinnalulien, cinschlictzlich 1205,14 M. als Bestand vom 3. Quartal, 12 211,14 M. An Ausgaben waren insgesamt 8013,34 M. zu verzeichnen. 5949,69 M. wurden an die Hauptlasse abg'sübrt. dem Streikfonds wurden 211,81 M. und der Gaukassc 158 M. überwiesen. Am 31. Dezember war ein Kassenbestand von 1230,80 M. vorhanden. Das Stiftung�- fest erforderte einen Zuschuß in Hölie von 187,90 M.— Die Wahl des Gcsaiutvorstandcs soll, entgegen der bisherigen Gepflogenheit, nicht in der Gencralversamulluiig, sondern i» den Zahlstellen erfolgen. Die Generalversammlung nahm daher nur die Nomi- nierung der Kandidaten z» den einzelnen Vorstandsposten vor. Die eigentliche Wahl soll Sonnlag, de» 26. Januar, in den Zabl- stellen erfolgen. Wählen darf nur, iver mit den Beiträgen nickt länger als acht Wochen im Rückstand ist.— Unter Vervands- angelegenheiten berichtete Vorsitzender G'ö r n i tz über die nach der letzten Mitgliedersammlung abgehaltenen Vertrauens- männersiyungen. In diesen Sitzungen wurde auch das bisher geltende Ortsstatut einer Neuberatung iintenvorsen und nach einigen Abänderungen der Generalversammlung zur Beschlutz- fassung unterbreitet. Räch unwesentlicher Debatte erklärte mau sich mit dem vorgelegten Entwurf einverstanden.— Weiter wurde beschlossen, die Besprechungen in den Zahlstellen regelmäßig ab- zuhalten. Die Tage sollen die Mitglieder der einzelnen Zahl- stellen selbst bestimmen.— lieber die schwache Beteiligung bei den Wahlen zum Gcselleuausschutz und JnnuatgSschiedsgeeickit wurde vom Vorstand sowie von einigen Mitgliedern lebhaft Klage geführt. Infolge der großen Lauheit der Mitglieder haben in beiden Institutionen die Gelben den Sieg mit wenigen Stimmen Majorität errungen. Gegen die Wahlen selbst ist Protest ein- gelegt und wurden dre Mitglieder aufgefordert, bei eventuellen Neuwahlen mehr als bisher ihre Pflicht zu lun.— Zum Schluß wurde noch die Wahl eines Mitgliedes zum Verbandsausschuß vorgenommen._ L,ctzU rfocbrfdrtcn. Stellungnahme der ungarischen Regierung zum Generalstreik. Budapest, 21. Januar.(W. T. B.) Die Regicrungs- Partei wählte den Grafen K h u c n Hedcrvary zu ihrem Parteipräsidenten In der zu diesem Behufe abgehaltenen Konferenz betonten mehrere Redner, daß die Partei trotz des Austrittes einiger Abgeordneter bezüglich der Wahlreform eines Sinnes sei und an der unverbrüchlichen Einigkeit der Partei festhalte. Ministerpräsident L u c a c s erklärte, es sei bedauerlich, daß konservative Politiker sich mit radikalen Agi- tatoren verbänden, um der Wahlreformvorlage der Regie- rung Hindernisse zu bereiten. Was den angedrohten Gene- r a l st r e i k betreffe, so sei es unzulässig, dadurch eine Pression ailf das Parlament ausüben zu wollen. DieRegierung werde dem General streik gegenüber die Ge- setze mit ganzer Energie anwenden. Diese Er- klärungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Die albanische Frage auf der Botschafterkonferenz. London, 21. Januar. Wie das Reuterschc Bureau erfährt, wirp die Botschafterkonferenz morgen zum ersten Male die tfreige der künftigen Abgrenzung Albaniens erörterff. Noch keine Kunde von der deutschen Spitzbergen-Expedition. Christiania, 21. Januar.(W. T. B.) Die norwegische Station für drahtlose Telegraphie auf Spitzbergen hatte gestern zum ersten Male Verbindung mit der deutschen Station ,n Ebeltotzhafen nahe der Croßbay. Dem„Moraenbladet" zufolge hatte man dort nichts don der verunglückten deutschenLxpedltlon b c- merkt. Auf der norwegischen Station glaubte man. daß die Hilssexpedition gestern morgen von der Adventbay abgegangen sei, da das Wetter gut war._ Seemannsstreik in Portugal. Liffabon, 21. Januar.(W. T. B.) Infolge der Entlassung eines' Mannes der Besatzung ist der Dampfschiffsverkehr der portugiesischen Ostafrika-Linie seit zehn Tagen unterbrochen. Ter Streik hat alle Kategorien der Besatzung der Dampfer und alle Vereinigungen der Be- und Entlader ergriffen; nur die Offiziere haben sich'hm nicht angeschlossen. Verheerender Ausbruch e,«� Vulkans. London, 21. Januar.(P. C.) Aus Mexiko City hier ein- laufende Meldungen berichten von einer Katastrophe, die durch«men heftigen Ausbruch des Vulkans Colima verursacht worden ist. Besonders betroffen worden sind die Städt« Zapo» t i l i c und Eiudad Guzman, wo zahlreich« Häuser zerstört wurden. Hunderte von Menschen und viel Viel, sind in der glühenden Lava umgekommen. Der Materialschaden ist enorm. Die Ein. wohner der bedrohten Städte haben Hab und Gut in Stich gelaßen und flüchten in wilder Panik aus der bedrohten Gegend. s. i8. ZV.»MS. i. Keililge des„Alillliltg" Kerliüer NoldsblM. s>»w-ch.W-»nisK. Keickstag. V4. Sitzung. Dienstag, den 21. Januar 1S13, nachmittags 1 Uhr. Llm Bundesratstische: Dr. Delbrück. Kurze Anfragen. Abg. Rühle abrang? Run, diese gekünstelte und eiskalte Dichtung gehört zu den wenigen Werken Goethe«, über die die Mitwelt itiid Nachwelt bloß geschimpft hat— die Patriotischen Und Nationalen am meisten. Theater. DaS Lichtspiel-Theater am Nollendorfplatz hatte DienStaguachinittag feine„Sensation". Paul Lindaus Schauerstück„Der andere" wurde erstmalig als Film- Drama vorgeführt. Unter beständiger Orchestern, usik wickeln sich die vier Akte ab. Dies Moment ist wohl zu beachten: denn ohne jene mehr oder minder aufmunternden Geräusche würde man sich in einen Schlafraum versetzt wähnen. Nun starrt man die blitzartig wechselnden Bilder an, die bald Solo-, bald Ensembleszenen zeigen und dem Zuschauer erst so recht eindringlich zu Bewußtsein bringen, was ein künstlerisch geschaffenes Drama bedeutet und was ei» raffiniert technisch gezimmertes Theaterstück ist. Paul Lindau hätte des Films nicht bedurft: sein„Anderer" war schon ein Film- Drama von Haus aus! Lindau dramatisierte gewissermaßen eine Sentenz von Taine, wonach jemand infolge eines durch Krankheit, einen Unglücksfall oder ähnliches bei ihm hervorgerufenen „DämmerungszustandeS" oder zeitweisen Defekts in seiner Er- innerungsmaschinerie Handlungen begehen könne, von denen er, wieder„zu sich" gekommen, nichts weiß.„Der andere" begeht in einem solchen Zustande einen Einbruchsdiebstahl bei sich selbst. Stücke der Handlung sind zu einer Art logischen Geschlossenheit vor- täuschender Aktwirkung neben- und nacheinander zusammengefügt und durch vorausgehende Texttafelu erklärt. DaS psychologische Ele« ment fehlt, weil dem Film die Sprache fehlt, ohne die nun ein für alle Mal kein Drama,.'das ja doch ein Ausschnitt eines pulsierenden Lebens ist und sei» soll. denkbar ist. Gewiß, die Filintechuik hat ungeheure Fortschritte gemacht. Die Figuren treten mit stupender Plastik in und aus dem Rahmen. Wir sehen sie agieren mit Händen, Armen und Beinen: wir sehen sie die Augen öffnen, schließen, glotzend rollen; wir sehen sie den Mund zum Sprechen öffnen, die Lippen mokant oder zun, Kusse siw kräuseln und spitzen; wir sehen das ganze Mienenspiel eines froh sich erhellenden oder in Zornesleideni'cbaft oder sonstwie arbeitenden Gesicht«— aber die Sprache? Kein Laut. Puppen sind es, die dort»hr, fast möchte man sagen automatisches Unweien treiben. Aber eindrucksvoll ist das alles doch, wird man ein- wenden. Nichts davon— einen in der Seele noch lange nach- schwingenden Eindruck nimmt man schwerlich niit. Wem es Ver- gnügen bereitet. Bassermann und die übrigen„Mitwirkenden" recht nah oft die lächerlichsten Fratzen schneiden zu sehen, der mag ja auf seine Rechnung kommen. Aber ein Filmdrama kann und wird uns nie wirkliche und wahrhaftige Äunst ersetzen. Es ist sowohl für bevorzugte.Film"-Schauspielcr als auch für alle gegeuwärtigen wie zukünftigen Filmdramatiker, mögen sie nun Lindau, Wedekind/ Haupt- und Sudermann oder wie sonst noch heißen, nur ein G e s ch ä f t— ein G e s ch ä f t. s. K. Münchener Theater. Die Kammerspiele brachten Shaws Einakter:„Bkanco Posnets Ertveckung" erfolg- Seefischen erhöhte Bedeutung; doch muß auch besier für den Trans- port der Seefische gesorgt werden. Abg. Körsten(Soz.): Die Fischer leben vielfach noch unter Ausnahmegesetzen. Jede kleine llcbertreiung wird bei ihnen bestraft: die Strafen, die unnachsichtlich vom Fischprüfer festgesetzt werden, steigen sehr schnell auf 100 und 150 M., und bei der dritten Bestrafung wird ihm die Erlaubnis zum Fischen entzogen. Damit werden dem Fischer zugleich die Bedingungen seiner Existenz entzogen: er greift dann häufig zum Raubfis'chfang, und wird er dabei gefaßt, so kommt er ins Zuchthaus. Warum geht man nicht zunächst mit einer Verwarnung vor? Dem Großkapital hat man die Zugangs- stellen der Fische überwiesen und wehe dem Fischer, der solcher Slelle bis 200 Meter nahe kommt. Auch fiskalische Gewässer ver- pachtet man nicht an die Fischer, weder an einzelne, noch an eine Gesamtheit von Fischern, sondern sie werden an Privatleute verpachler, selbst wenn diese weniger Pacht bieten als die Fischer. Die Aufsichtsbeamten dagegen gehen überaus scharf gegen die Fischer vor. sobald die geringste Ileberlretung gegen � die Bestimmungen des Fischereigesetzes vorkommt. Sie selbst freilich übertreten die Bestimmungen auch, ohne daß ein Hahn danach kräht. Auch gegen die Fischer sollte eine mildere Praxis platzgreifen. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Böhlcndorff-Kölpin: Gegen ein nicht genügendes Wohl- wollen der Behörden den Fischern gegenüber haben auch wir dem preußischen Abgeordnetenhaus, wohin die Rede des Vorredners eigenrlich zum größten Teil gehörte, stets Stellung genommen. Der Antrag Fischbeck-Bassermann, den Etatstitel im Jahre 1914 zu erhöhen, wird angenommen. Beim Titel Unter st ützung deutscher Seemanns» Heime im Ausland befürwortet Abg. Meycr-Herford(natl.) einen Antrag auf Erhöhung dieses Fonds im nächsten Jahre. Abg. Sivkovich(Vp.): Die Seemannsfürsorge in fremden Hafenstädten muß der freien Liebestätigkeit Überlasjen bleiben und darf nicht verstaatlicht werden. Immerhin könnte von Reichs wegen erheblich mehr geschehen. Das kleine Schweden tut auf diesem Gebiete erbeblich mehr, zahlt für diesen Zweck 38 000 K.. das gewallige Deutiche Reich nur 22 000 M. Wir treten für den Anirag auf Erhöhung des Fonds ein. Abg. Henke(Soz.): Ich muß einiges Wasser in den Wein der Begeisterung über die Seemannsheime gießen, lieber die Bedeutung der Seemannsheime für die Seeleute an sich besteht keine Meinungsverschiedenheit. Aber die Seemannsheime sind nicht, wie das sein müßte, neuiral geleitet, sie sind mit der Zeit mehr und mehr zu Hilfsmitteln des Reedereikapitals zur Bekämpfung der Ar« beiter geworden, wobei diesem die Kirche gute Dienste leistet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei haben die Reeder selbst bei Errichtung von Seemaunsheimen stet? sehr zugeknöpfte Taschen gezeigt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) In den„Blättern für Seemann«- Mission" rät ein Pastor den Seeleuten, sie sollten wirkliche Uneigennützigkeit für die Schiffer und für die Reeder beweisen. Dabei ist die Ausbeutungssucht des Unternehmertums im Schiff- iahrtsgewerbe zur Genüge durch empörende Zeugnisse bekannt. Das Reedereikapiial steh: auch der Organisation der Seeleute b e- sonders feindselig gegenüber.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daher kann diese Mahnung des Pastors nur zurückgeführt werden auf vollständige Unkenntnis der Verhältnisse lm Seemannsberuf. Es ist nicht zu bestreiten, daß in den. Seemannsheimen eine Muckerei sondergleichen zu- gunsten der Reeder getrieben wird, und' daß sie zugleich auch zu Heuerbureaus geworden sind. Sie bilden die Melde- stellen für Schiffsjungen. Ein junger Mann meldete sich vor einigen Jahren bei der deuti'ch-evangelischen Seemannsmission für eine Schiffsjungenstelle. Der Seemannspastor für die Ostseehäfen stellte »hm alsbald eine solche Stelle in Aussicht, und zwar unter den verlockendsten Bedingungen, eine Stelle auf einem erstklassigen Schiff der Hochseefischereiflotte mit günstigen Lohnverhältnisien, so daß der Schiffsjunge große Ersparnisie machen könnte. Die Reederei hätte sich erboten, die Ausrüstung selbst zu besorgen, allerdings würden die Kosten dafür später vom Lohn abgezogen. Der junge Mann erklärte sich bereit, die Stelle anzunehmen. Darauf wurde ihm schon mitgeteilt, daß er sich mit genügenden wollenen lliiterkleidern zu versorgen habe. Also die gesamte Ausrüstung wurde doch nicht geliefert. Schließlich schrieb ihm dann der Pastor, er sehe sich genötigt, bei den erheblichen Unkosten von dem anzustellenden Bewerber uni einen freundlichen Beitrag für das Seemann shei», zu bitten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn jeder derselben 5 M. entrichten würde, wären die Unkosten gedeckt. Das reich zur Uraufführung. Die nachdenkliche Geschichte eines wild- westamerikanischen Pferdediebes, der einen Gaul stiehlt, um einer Mutter rascher ärztliche Hilfe für ihr krankes Kind zu Herschaffen. Auch in dieser„melodramatischen Predigt" paart sich sozialer Lebensernst mit unzähmbarer kritischer Spottsucht. Gleichzeitig versuchte im Schauspielhaus der früher ernster zu nehmende K o r- f i z Holm Wedekind auf dem Gebiet der Kolportage mäßiger Schlüsseldramatik Konkurrenz zu machen. Das Modell zu„M a r y s großes Herz" lebt und genießt in München, und die elegante Gesellschaft hatte am Premierenabend genug zu tuscheln und zu zischeln. Das Stück spielt durchaus in der moralischen Unter- schicht, in jener hohlen, müßiggängerischen Lcbeweltschicht, die mit dem Unterleib denkt. Kokottengeist, Geschlechtsperspektive, im Mittelpunkt die„Frau von sechzig Jahren", aber nicht als die Fort. setzung der Balzacschen„Frau von dreißig Jahren", sondern als langverehelichteS Amüsierweib und Daucr-Erotikerin. Diese„in Ehren erblondete" Mary, Blamage für ihren Trottel von Mann, Kompromittierung für ihre Kinder, ein großes Gelächter für die Umwelt, hätte als Lustgreisin dem Spott ausgeliefert werden sollen. Dazu fehlte aber Holm der Mut; er versuchte fast eine Apotheose auf„die modernste, stilvollste Frau". Trotzdem gefiel der Bilder- bogen aus dem Sumpf der bürgerlichen Gcnußwelt der Mehr, heit,_ m. Notizen. — Straußen« Oper„Ariadne auf NaxoS" wird, nachdem das übrige Deuischland nun bald darüber zur TageS- ordnung übergegangen sein wird, am 18. Februar auch in Berlin aufgeführt werden, und zwar wegen der intimeren Wirkung im kgl. Schauspielhause. Frl. Bosetti wird dazu aus München ver- schrieben, weil unser Frl. Hempel— in Amerika singen muß. — Sudermanns Theaterpläne. Wie ein kluger Geschäslsmann, der nicht jede Saison dasselbe bringt, will Suder- mann seinem letzien modernen Drama nun wieder ein historisches (oder phamastisches) folgen lasten. Es soll, wie er einem englischen Journalisten erzählte,„Der letzte Dichter" heißen und um 400 nach Chr. in Rom spielen(in der dunkelsten Periode natürlich). Dann will Sudermann noch 3—4 Jahre andere Dramen ausführen und hierauf zum Roman zurückkehren. — Ein Kongreß fürA.esthetik und Kunst wissen- s ch a f t— der erste seiner Art— soll diesen Herbst in Berlin tagen. — Eine Jubiläums-Ausstellung in Karlsruhe. Die Stadt Karlsruhe wird im Jahre 1915 zur Feier des 200jährigcu Jubiläums ihres Bestehens eine Kunst-Ausstellung veranstallen. Mit dieser Ausstellung, die ein umfassendes Bild der zeitgenössischen Kunst geben soll, wird zugleich das ständige Ausstellungsgebäude, das die Stadt errichten läßt, eingeweiht werden. bedeutete direkt eine Ueberborteisung deS junge» McnmeS, denn an Heuergebühren hätte er nur 2—3 M. zu zahlen brauchen. Sie sehen. die llueigenniitzigreit. die der Pastor angeblich bei den Seeleuten veriniszt. war auch bei diesem Vertreter der Kirche nicht zu finden.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Daß die Reeder bemüht sind, die SeemannSheime für ihre Interessen auszunutzen, beweist z. B. ein Artikel über Seemannsheime in dem Reederorgan.Hansa", wo dabo» die Rede ist, daß die SeemannSheime u. a. auch geeignet sind, „die Schiffsleute dem der Disziplin nachteiligen Einflug des See- niaunStierbaiweS zu entziehen".(Hört! hört! bei den Sozialdemo- k raten.) Sie köimen cö den Arbeitern nicht verdenken, wenn sie sich unter diesen Umständen einer Unterstützung der SeemannSheime onS Reichsmitteln widersetzen. Sorgen Sie für die Seeleute im Wege der Gesetzgebung, da»»' werden Sie auch unsere Unterstützung finden. Heute können die Arbeiter nur mit g«ö(jtem Mißtrauen den SeemannSheime» gegenüberstehen. Gerade unter den Seeleuten herrscht große Unzusriederihert, weil sie zu den am schlimmsten ausgebeuteten Arbeiteru gehören und einem sehr mächtigen Kapital gegenüber- stehen, dem die ReichSregierung hilfreich zur Seite steht. Die Bettelei für die SeemannSheime ist eine große Blamage für das SeemaimStum. Würden diese Heime ernstlich wirklich den Arbeitern zugute kommen, so wären ivir die ersten, die sür eine höhere Unterstützung dieser Heime zu haben sind.(Bravo! bei de» SoMldemokralen.) Geheimrat v. Jonquiöres: Auch die ReichSverwaltung schätzt den Wert von SeemanuSheimen. Wenn diesmal der Fonds nicht erhöht wor.deu ist, so hängt daS damit zusammen, daß erst im vorige» . Jahre eine Erhöhung von 18(XX) auf 22 000 M. eingetreten ist. Daher wollten wir nicht schon wieder an daS Reichsschatzamt um Mittel für diesen Fonds herantreten. Wir unterstützen zurzeit 15- SeemannSheime in allen Weltteilen. Es wäre dem Reichsamt deS Innern aber durchaus erwünscht, wenn ihn, größere Mittel für diesen Fonds zur Verfügung ständen. Die freie LiebeStätigkcit für die SeemannSheime ist gar nicht denk- bar ohne die Verbindung mit der Kirche. Für den Porwurf, daß die SeemannSheime lediglich dazu dienen, die Kapital- gewalt der Reeder gegenüber den Seeleuten zu verstärken, hat der Vorredner auch nicht die Spur eines Beweises beigebracht.(Abg. Henke: DaS liegt in der Natur der Sache.) DaS liegt keineswegs i» der Mtur der Sache; die großen Reedereien fordern die See- inannsheüne aus idealen Beweggründen.(Bravo I rechts, im Zentrum und bei de» Nationollibcralen.) Abg. Erzberger(Z.): Für die Förderung des SchiffsjnngenwesenS zahlen ivir 116 000 M., für die SeemannSheime nur 22 000 M. Freilich habcu diese nicht einen so hohen Protektor wie jene.— Die Angriffe deS Abgeordneten Henke find schon aus dem Grunde ganz deplaziert, weil wir ja nur die SeemannSheime im Ausland unter- stützen, nicht die ün Jnlande. Wenn die Seeleute niit der Errichtung von SeemanuSheimen auf die Sozialdemokraten hätten wart�i sollen, hätten sie lange warten können.(Sehr richtig! im Zentrum.) Abg. Meher-Hersord(natl.) verwahrt sich dagegen, Unternehmer- interessen vertreten zu haben. Auf den Vorwurf des Bettelns erwidere ich: für u'.isere braven Seekente betteln wir gerne. (Bravo!) Abg. Henke(Soz.): Herr b. JonguiöreS sagt, die Reeder unterstützen die Seemanns- Heime ans idealen Gründen, das bestreite ich nicht; eS ist aber der Unternehnicrid�ealismus, der auö den Taschen anderer gibt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr v. Jonquiöres weiter sagte, ohne die Kirche und ihre Liebes- Tätigkeit lömiten die Seeiiiannsheime nicht existieren, so beweist ex ja gerade, daß die Reeder dafür nicht so viel übrig haben(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten)! ein einziger dieser Millionäre lönnte mit Leichtigkeit mehr als die hier geforderten 22 000 M. geben. Ich habe nachgewiesen, daß die SeemannSheime in der Tat den llnteriiehmerinteressen dienen; eS wird ja in ihnen darauf hingewirkt, daß die Seeleute dem SeemannSverband nicht beitreten.(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Herr Erzberger nieinte ironisch, durch die freie Liebestätigkeit der Sozial demowate» würden sicherlich keine SeemannSheime"ge- gründet. Nun, wenn wir einmal in freier Liebestätigkeit uns betätigen »vollen, so versuchen Sie ja sofort, uns daS unmöglich zu machen. Hin die„volkssürsorgr", die wir inL Leben rufen wollen, zu verhindern, werden ja von allen Scharfmachern Mittel aufgeboten in einem Maße, daß die Summen zur Unterstützung der Seemanns- beime dagegen verschwinden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger wirft uns auch bei dieser Gelegenheit wieder Gegnerschaft gegen die Religion vor. Er versteht eben immer noch nicht, daß Mische« Herrn Erzberger und der Religion ein Unter- schied besteht, ebenio wie zwischen Pastoren, onch Pastoren der Secinannsheiine und der Religion.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokrateu.) Mit solchen Flausen soll man uns in Ruhe lasten.— Herrn M e h e r bemerke ich, ivcim er wirklich ein so warmes Herz für die Seeleute hat, wie er behauptet, so soll er für den im„See- mann" uiedergcleoten Wnuschzcttel der Seeleute eintreten; dann tvird er uns auf seiner Seite haben.(Beifall' bei den Sozial- demokrateu.> Abg. Sivkowch(Vp.) verwahrt sich dagegen, Rcederinteressen vertreten jm haben. Der Titel und die Resolution werden angenommen. Zum Titel»Maßregeln gegen die ReblauS". beantragen die Abgg. Albrechi/ind Genossen(Sozi) eine Resolution, dde die Ein- berufung�einer Kommission a n S Weinbau- u n d R e b- la«s-Sachverftändigen verlangt, die die Bcschiverden der Winzer über die Bestimmungen des SteblanSgesetzes und seine Ans- fühnmg zu sammeln und geeignete Borschläge zur Abänderung deS Gesetzes zu machen hat. Ungefähr dasselbe verlangt eine Resolution der Abgg. Paa sche und Genossen(natl.), nur soll nicht daS Gesetz, sondern die AuS- führungSbestimmungen geändert werden. Abg. Dr. Paasche(natl.): Die zur Bekämpfung der ReblauS noch vorhandenen 1000 M. werden nicht weit reichen. Wir fordern nicht sowohl eine Abänderung de« ReblanSgesetzes, sondern eine Ab- änderung der AnSsührungSbestiinmungen. die den einzelnen Bundes- staaten überlassen geblieben sind und in ihnen sehr verschieden lauten. Das führt zu Härten, über die mit Recht geklagt wird. DaS Gesetz kann erfolgreich nur durchgeführt werden, wenn das Mißtrauen der Winzer gegen die Maßnahmen der Behörden schwindet.— Die von den Soziatdenrokraten beantragte Resolution verlangt auch eine Aenderung des Gesetzes. Das halten wir für überflüssig, es genügt die einheitliche Durchführung. Abg. Dr. Weist(Soz.): Ich bin i», Gegensatz der«nschauuug, daß der Kampf gegen hie Schäden der ReblauS inmicr mehr zu einem Kampf gegen das ReblauSgesetz geworden ist. Man hat eine mehr zentrale Bekämpfung der Reblaus verlangt. An Stelle der Bundesstaaten soll eine einheitliche Be- kämpfung durch das Reich treten. Es ninnnt in der Tat lvunder, wenn im Reichsetat ganze tOOO M. zur Bekämpfung per Reblaus vorgesehen sind. Ich weiß allerdings lehr wohl. daß dies ein Rest aus früherer Zeit ist. Aber ei» großer Teil der Beschiverde- sührcr wendet sich gerade dagegen, daß das Reich nicht mehr mt und daß die Bckäinpstmg der Reblaus daher keine einheitliche ist. Die von der Winzerversamnilung in Bingen angenommene Reso- lution, an die sich die der Stationalliberalen anlehnt, wendet sich zwar in der Hauptsache nicht gegen das Gesetz, sondern mehr gegen die AnSfübrung. aber auch sie«nlhM doch auch Beanstandungen des ReblauSgesetzeS. Herr Paasch'« hat selbst den Anbau der amerikanischen Rebe verlangt und dazu ist eine Aenderung des Gesetzes unbedingt erforderlich, denn dies beruht ja gerade auf de»! Prinzip des Verbots des Anbaus der amerikanischen Rebe der nur ausnahnisiveise zugelassen wird. Mit dieser salulia- liven Bestimmung allein ist den Winzern nickt geholfen. Der all« aemeine Wunsch der Weinbauer geht nach freien, Anbau der amerikanischen Rebe. Diese Forderung ist auch hier z. B. von dem Abg. Vogt- Hall, meinem Freunde Geck u. a. aufgestellt worden. Auch die Resolution der Vinger Winzerversammlung und der dort anwesende RegierungZvertreler haben mit der Möglichkeit deS absoluten Scheiterns des bisherigen Systems der Ausrottung gerechnet. Mindestens zwanzig Millionen sind für die Be- kämpfung der Reblaus iin Wege des AuSroltungSverfahrens auS- gegeben, aber sie haben den Siegesflug der Reblaus nicht aufhalten können. In Frankreich ist das Ausrottungsverfahren längst aufgegeben.. und dort hat die Rekonscruktion deS Weinbaues zu glänzenden Ergebnissen geführt, ohne etwa eine Ver- schlechierung der Qualität bcrbeizuführei,. Wir haben zwar eine Reihe Versuchsfelder, aber sie sind nach Ausdehnung und Zahl zu klein, und auch die 100 000 amerikanischen Hölzer, deren freie Ein- fuhr gestattet ist. genügen den Ansprüchen der Winzer nicht entkernt. Eine bestiminte Aenderung des Gesetzes haben wrr nicht vorgeschlagen, wir wünschen nur, daß die Kommission auch das Mandat erhält, Vorschläge auf Abänderung deS Gesetzes zu macben. Mit Hilfe deS VernichtuugsverfahrenS sind wir bisher, trotz aller Anstrengungen, nicht Herr geworden über die Reblaus. Wir müssen versuchen, auf andere Weise diesem Ungetüin seine Schrecken zu nehmen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor v-fJonquiercs: Wir sind mit der Feststellung der tatsächlichen Mißstände beschäftigt. Wenn das Material vorliegt, werden wir eineKoinmission, wie die beide» Resolutionen sie wünschen, wahrscheinlich zusammenberufen. Doch würden wir von ihr nicht Borschläge zur Aenderung deS Gesetzes im Sinne der sozialdemo- kcalii'chen Resolution verlangen, sondern nur Vorschläge zur Be- seitigung der Mißstände im Sinne der nationalliberalen Resolution. Abg. Baumanil(Z.) beklagt die Verwüstungen durch die Reblaus und die Mißerfolge bei ihrer Bekänrpfnng. Man sollte den Winzern es nicht verwehren, Versuche mit Anpflanzungen der amerikanischen Rebe zu machen. Abg. Heck(natl.) tritt für die nationalliberale Resolution ein. Abg. Dr. David(soz.): Unsere Resolution verlangt keineswegs, daß die Regierung sich jetzt schon auf eine Preisgabe des bisherigen Vernichtungs- verfahren« festlegt. Die nationalliberale Resolution will der Kam- Mission lediglich die Koinpetenz geben, die Ausführungsbestimmungen zum ReblauSgesetz einer Nachprüfung zu unterziehen; unsere Resolution dagegeit will ihr daS Recht geben. auch die Bestimmungen deS Gesetzes selb st nachzu- prüfen. Das ist der ganze Unterschied, und deshalb verdient unsere Resolution wohl den Vorzug, denn eine solche Sachverständigen- kommission darf doch in ihre»» Tätigkeitsgebiet nicht Zu eng begrenzt werden. Auch die Winzerversammlung, die zu den beiden Re- solutionen die Veranlassung gegeben hat, hat gewünscht, daß daS Gesetz s e I b st geändert werde. Auch die Ausführungen des Abg. B a u m a n n ivaren im Grunde eine Befürwortung unserer Resolution, da er ja eine Reihe von Gesetzesbestimmungen der Kritik unterzog. Wir dürfen die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß der bisherige Kampf gegen die ReblauS ihr Fortschreiten nicht gehemmt, sondern höchsten« verzögert hat. Ich bitte um die Annahme unserer Resolution.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Resolution Albrecht wird abgelehnt, die der Rational- liberalen sowie der Titel werden angenommen. Hierauf vertagt sich daS Haus. Räckste Siyung: Miltrnoch 1 Uhr(Abstimmung über die zum Titel„Staatssekretär" gestellte» Resolutionen und Fortsetzung der Beratung. Schluß: 6'/, llhr._ parlamentanfcbcö. Nord- Ostsee- Kanal.—- Kolonialdenkmal. Klrinwohnnngsbau. Zur Erweiterung und Vertiefung des Nord-Ostsee-KanalS be- willigte die Budgetkom Mission des Reichstags eine siebente Rate in» Betrage von 06 Millionen. Insgesamt sind damit 19!, 1 Millionen bewilligt worden. Zu einer recht lebhaften Aus- spräche führte die Art und Weise, wie von der amtlichen Bauver- waltung die Ausführung der Erdarbeiten vorbereitet wird. Nach Angaben des Abg. Paasche, die vom Abg. Hoff gestützt wurden, ist einzelnen Unternehmern von Erdarbeiten verschwiegen worden, daß man bei den Bohrungen zur Untersuchung der Erd- »nassen auf große Steine gestoßen war. Weil das Vorhandensein großer Steine, die nur durch umfangreiche Sprengungen beseitigt wergB»» konnten, den Unternehmern bei Uebernahme der Arbeiten nicht bekannt war, sind die Leute jetzt schwer geschädigt. In einem Falle wurden bei 10 Bohrlöchern fünfmal Steine ange- troffen, ohne daß davon Mitteilung gemacht worden ist. Es schweben deshalb nun Schiedsgerichtsverhandlungen. Scharf ver- urteilt wurde es auch, daß Unternehmer, die einen Teil der zu beseitigenden Erdmassen in die Ostsee bringen lassen sollen, bereits den Schutt in der Kieler Föhrd absetzen. In der Nähe von Laboe, am Eingang zur Föhrde, sollen sich dadurch schon gaiize Plateaus gebildet haben. Die einst glänzenden Fischgründe in der Kieler Bucht werden auch durch die Schuttablagcruiigen verwüstet. Gc- blosse L c g i e n schloß sich dieser Kritik an und wies besonders auf einen Bauineistec Pohl hin, der es unterlassen habe, das Bor- handensein der Steine bekannt zu geben. Weiter regte Legien für zukünftige ähnliche Bauten eine Aenderung des Barackenwesens und der sonstigen Einrichtungen für die Arbeiter an. Abg. Erz- b e r g e r machte darauf aufmerksam, daß den Unternehmern sogar der Wasserstand falsch angegeben worden sei. Die»nangelhafte Vor- bercitung solcher Unternehinungen in den amtlichen Bureaus sei nichts Neues. Beim Bau einer strategischen Bahn im Aartal mußte der Fiskus deshalb etwa acht Millionen nach- zahlen. Staatssekretär Delbrück und ein Ministerialdirektor wandten sich lebhaft gegen die erhobenen Vorwürfe. Jetzt sei noch nicht entschieden, wer Fehler gemacht habe, die. Verwaltung oder die Unternehmer. Deshalb dränge die Regierung auf eine schieds- gerichtliche Erledigung. Sollten von Beamten grobe Fehler be- (lange»» worden sein, werde gegen sie auch eingeschritten werden. Eine von den Voltsparteilern eingebrachte Resolution, die von der Regierung sorgfältigere Vorbereitung solcher Arbeiten forderte, wurde angenommen. Für die Suinme von rund 300 000 M. soll ein Kolonial- d e,n k in a l errichtet werden, zuerst in Schönebera oder in Wil- mersdorf. Gegenwärtig schweben mit Berlin Verhandlungen, um das Denkmal»m Treptower Park aufstelle» zu können.— Im Reichstagsgebäude fehlt es an Arbeitszimmern. Mit einem Kostenaufwand von 849 000 M. sollen nun im Dachgeschoß 106 kleine Arbeitszimmer eingebaut werde». Genosse Südckum regte dabei wieder a», ein vor Jahren vom Reich veräußertes Grundstück in nächster Nähe des Parlaments wieder anzukaufen, um die Bibliothek dort unterzubringen. Daß der heutige Zustand unhaltbar geworden ist, der Umbau aber auch keine idealen Ver- Hältnisse schafft, wurde allgemein betont, schließlich ihm aber zugestimmt. Zuin Bau von Kleinwohnungen für Beamte und Angestellte der Reichsbetriebe sind im Etat für 1913 4 Millionen eingestellt. Insgesamt sind sür diesen Zweck bisher 45 Millionen bewilligt worden. Genosse G ö h r e forderte daß möglichst noch in der laufenden Session ein Gesetzentwurf vorae. legt wird, der' der energischen Förderung des Baues von Klein- Wohnungen dient. Zu begrüßen wäre auch, wenn das Reich durch Uebernahme von Bürgschaften gemeinnützige Baugenossenschaft«» unterstützen würde. Unter allen Ilmständen»nüsse das Reich endlich weit mebr zur Förderung des Wohnungswesens tun. Ein pol- nischer Adgeordncter verwies auf Oesterreich, wo durch Gesetz ein Kredit von 200 Millionen für Wohnungszwecke ausgeworfen worden sei. Abg. GieSberts wandte sich dagegen, daß daS Reich Belcihuiigeii übernimmt. Genosse Tüdeku»» betonte, daß ja schon gcivaltigc Fonds vorhanden seien j» den Geldern der Ver- jicherungsanstalten. Tie neue Angejtelltcnvcrsicherung werde ebenfalls zur Anhäufung großer Summeii führen. Die Vermöge» »nüßten in erster Linie für die WohnungSfürsorgc nutzbar gemacht werden. Es sei einfach ein Skandal, daß in Preußen nur die Ver- sicherungöanstalten im Rheinland, in Westfalen und Hannover ans dicscin Gebiete Nennenswertes leisten, Berlin dagegen so gut wie nichts. Der Vorsitzende der Berliner An st alt tue viel mit dem M und, aber nichts durch die Tat. Die Muster» sicdelung J d c a l- B r i tz in Neukölln werde von den Behörden sogar nvch schikaniert; weil dort auch Sozialdemokraten wohnten, dürfen die Beamte», nicht hinziehen, und locil keine Beainten dort sind, gibt es keine Beihilfen. Staatssekretär Delbrück gab hierauf die Er- klärung ab, er lo c r d e, wenn i>» k o m m enden Herbst dem preußischen Landtag ein Gesetz zur Förderung des Wohnungswesens nicht zugegangen sei, d e m Reichstage dann sofort einen Gesetzentwurf unterbreiten. Das Reichsversicherungsamt werde in nächster Zeit mit den Versicherungsanstalten Rücksprache nehmen, um eine umfassendere Geldgewährung für den Wohnungsbau herbeizu- führen._ Line Debatte mit den Gelben. Die Gesellschaft für sozi ale Ar f o r m veranstaltele am Montag in der Viktoriabrauerei eine öffeirtliche Versammlung mit der Tagesordnung„Die gelbe Arbeiterbewegung". Das Theina hatte eine»» starken Besuch aus Gewerlschafiökreisen sowie auch, aus den Reihen der gelben Werkvereine veranlaßt. Infolgedessen kam es denn auch zu lebhaften Debatten zwischen Vertreter» der verschiedenen gewerkschaftlichen Richtungen auf der einen und der Gelben auf der anderen Seite. Der Referent, Privaldozent Dr. Waldemar Zimmermann, be« handelte sein Thema in einem zweistündigen Vortrage. Streng objektiv und rein wissenschaftlich untersuchte er die Entstehungs- geschichte der gelben Bewegung, ihre Zwecke und ihre Stellung iin Wirtschaftsleben. Es zeigte sich, daß die wisseirschaftlichen Untersuchungen des Vortragenden zu demselben Ergebnis führten, zu dem die Männer der Praxis durch ihre Erfahrungen gekommen sind: Die gelben Organisationen sind entstanden unter tatkräftiger Förderung durch die Unternehmer, die sich in den Gelben eine Organisation von Arbeits»villigen sichern wollten. In den gelben Vereinen finden sich diejenigen zusammen, die aus den verschiedensten Gründen'die gewerkschaftlichen Kämpfe nicht mitmachen»nögen, aber von den Früchten der gewerkschaftlichen Arbeit anderer leben. Wenn die Gelben sagen, sie wollten in Harmonie mit den Unternehmern die Interessen der Arbeiter vertreten, so ist dem entgegenzuhalten, daß cö eine Interessengemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern nur soweit gibt, als beide vom gulen Geschäftsgang Vorteil haben. Im übrigen sind die Interesse» von Unternehmern und Arbeitern entgegengesetzt. Unser ganzes Wirtschaftsleben ist Kampf entgegengesetzter Interessen, in dein die Macht entscheidet. Deshalb haben sich die Arbeiter in Gewerkschaften zusammengeschlossen, unr im Wirtschaftskampfe ihre Interessen gegenüber den Unternehmern zu vertreten. Die gelben Vereine können eine solche Interessenvertretung nicht sein, »oeil sie mit den Unteritehmern in Verbindung stehen, von ihnen unterstützt und gefördert werden. Ja, das freundliche Verhalten der Unternehmer verdanken die Gelben doch nur dein Umstände, daß die unabhängigen Gewerkschaften den Jnteressenkampf mit den Unternehinern führen, an dem die Gelben nicht teilnehmen. Die Gelben zehren von den Früchten, die die unabhängigen Gewerkschaften auf dem Arbeitsmarkt erkämpft haben. Wenn eS möglich wäre, daß die unabhängigen Gewerkschaften zertrümmert würden, dann verlieren auch die Gelben den Boden unter den ,, Füßen, dann sind sie auf Gnade und Ungnade den Unternehmern ausgeliefert. Die Gelben haben, ihr Nest gebaut an dem Gebälk des Daches, welches die unabhängigen Gewerkschaften zum Schutze der Arbeiter errichtet haben. Zur wirksamen Verteidigung der Arbeiterinteressen sind die Gelben ihrer Organisationen nach gar nicht angelegt. Sie sind machtlos, selbst wenn sie kämpfen wollten. Zum Schluß bemerkte der Redner, daß die Gesellschaft für soziale Reform keinen Kampf, keinen Streit wünscht, sondern nach Ver- ständigung der sich gegenüberstehenden Parteien strebt. In dieser Hinsicht aber haben die unabhängigen Gewerkschaften sehr viel geleistet, denn der Uinfang der friedlich verlaufenen Lohnbewc- gungen, der sozusagen unblutigen Kämpfe ist fünf bis sechsmal so groß als der Umfang der Streiks. Die umfangreichen kämpf- losen Erfolge hätten die Gewerkschaften aber nicht erreichen könne». »venn sie nicht eine starke Macht wären. Es wird oft darauf hingewiesen, daß die Streiks große Lohnverluste für die Arbeiter »nit sich bringe». Fünf Millionen Arbeitstage sind nach der Strcikstatistik in einem Jahr« verloren gegangen. Was hat daS zu bedeuten in unserem Wirtschaftsleben. Ivo ein einziger gesetz- licher Feiertag einen doppelt so großen Ausfall an Arbeitstagen bringt.— In der Frage der Vertretung der Arbeiter in Arbeits. lammern haben sich die Gelben auf den Staiidpunkt der Unter- nehmer gestellt; sie haben sich gegen die Arbeitslosenversicherung. gegen die Sicherheitsmänner ausgesprochen, sie treten für das Verbot des Streikpostenstehens ein genau so wie die Unternehmer. Auch gegen Tarifverträge und gegen das SinigungSverfahre« sind di« Gelben. Es ist deshalb kein Wunder, daß das Urteil der auf »ationaleln Boden stehenden Sozialpolitiker über die Gelben kein freundliches ist. Der Bortrag fand lebhaften Beifall, natürlich nicht auf feiten der Gelben/ Diese schickten als ersten Diskussionsredner ihren Geschäftsführer Dr. Natansvhn vor. Er behauptete dreist, die Gelben seien nicht von den Unternehmern abhängig, sie hätten sich,. veranlaßt durch den Terrorismus der freien Gewerkschaften. im eigenen Interesse vereinigt. Da die Unternehmer doch durch keinen Streik gezwungen werden könnten, den Arbeitern mehr zu geben als sie nach Lage der Konjunktur geben könnten, so kämen ja die Gelben im Frieden ebensoweit wie die Sireikorgani-„ sationen. Unter tosendem Beifall seiner Anhänger verstieg sich der Redner schließlich zu der Prophezeiung, die Gelben seien die Zukunft der deutschen Arbeiterl Gleichauf. Redakteur des Hirsch-Dunckerschcn Blattes„Der Regulator", sagte, das Vorgehen der Gelben werde dazu beitragen. die anderen Organisationen«inander näher zu bringen. Allerdings kämen einzelne Fälle von Terrorisinus der Arbeiter untereinander bor. Aber das sei kein Anlaß, nach dem Gesetzgeber zu rufen. Das würden die betreffenden Organisationen unter sich ausmachen. Die gelbe Bewegung sei nur dadurch entstanden, daß sich vom obersten Betrisbsbeamten bis zum letzten Werkmeister alles in ihren Dienst stellt. In Tausenden von Fällen komme es vor, daß Familienväter vor die Frage gestellt werden, entweder dem gelben Verein beizutreten oder die Arbeit zu verlieren. Und angesichts solcher Tatsachen wagen es die Gelben, andere Organisationen de« Terrorismus zu beschuldigen. Die Gelben wollen nicht, daß die Arbeiter den anderen Ständen gleichgestellt werden. Des- halb i oerden sie von allen anderen Gewerkschaften verurteilt. (Starker Beifall.) Der folgende Redner, der sich als Shudikus einer Unternchiner- «rsanisatio» vorstellte und den Harmoniestandpuntt vertrat, fand bei den Gelben lebhafte» Beifall. Pawlowitsch vom Deutschen Metallarbeiterverband kennzeichnet« die Selben aus Srund seiner Erfahrungen als«ne ArMsh. kill i geuür gauisalio«. W!o d!e'Gclleit Erfolge erzielt liaben, da war die Sache die. dah der Unternehmer einer kleinen Zahl einen Knochen hingeworfen habe, um der großen Menge das Fleisch vor- gucnthaltcn.— Bei diesen Ausführungen machten die Gelben einen Höllenlärm, der den Redner zeitweise am Sprechen hinderte. Margarete Behm, die bekannte Leiterin des Heimarbeiter- Vereins, bedauert, daß der ungünstige Eindruck, den sie aus der Presse von den Gelben gewonnen hat, durch das Austreten der Gelben irr der Versammlung noch unter st ützt worden sei. Die Rednerin verurteilt die gelbe Bewegung,«Zeil sie die Ardeiterbetvegung zersplittert. Eine»virt- schafts-friedliche Arbeiterbetvegung sei nicht möglich. Eine Arbeiter- -organisation, die keine Macht einzusetzen habe, könne nichts er- reichen. Das hat Fräulein Behm selbst erfahren- Als sie für ihre Heimarbeiterinnenorganisation mit einem Unternehmer ver- handeln wollte, wies dieser sie laltlächelnd ab mit den Worten: ..Wenn Sie erst eine starke Organisation hinter sich haben, dann tonnen Sie wiederkommen." Fin vorigen Jahr sei der Abschluß von Tarifverträgen in der Konfektion dadurch verhindert worden, daß ein gelber Verein entstand, auf den sich die Unternehmer stützen konnten. Die Rednerin verurteilt die Roten, weil sie zu scharf gegen die Unternehmer vorgehen, den Gelben aber ruft sie zu: Das ist nicht vaterländisch gehandelt, wenn man denen in den Rücken fällt, die seit Jahrzehnten die Arbeiterintcresscn ver treten.(Lebhafter Beifall.) Riedel, Vertreter des Verbandes deutscher Eisenbahnhand- werker. betont, daß die Staatsarbeiter zwar auf das Streikrecht verzichten, aber als Gelbe würden sie sich nicht bezeichnen lassen, Würden die Staatsarbciter nach den Grundsätzen handeln, die Dr. N a t a n s o h n hier vertrat, dann würden sie nichts heraus- holen. Wenn er, Riedel, auch kein freier Gewerkschafter sei, so müsse er doch sagen: Die Gelben sind eine Gefahr für unser wirtschaftliches und nationales Leben.(Starker Beifall.) Zwei Vertreter der Gelben in den Siemenswerken. Schönknrcht und Könitz, gaben sich die größte Mühe, ihren Verein als einen unabhängigen hinzustellen, der nur freiwillig« Mitglieder habe und auf keinen in der Fabrik beschäftigten Arbeiter einen Druck ausübe. Diese Angaben stießen auf lebhaften Widerspruch bei allen, welche die wirklichen Verhältnisse kennen.— Liick vorn Metallarbeiterverband ging besonders auf die angebliche Unäb. hwngigkeit der Gelben ein. Er zeigte an einigen Beispielen, daß gerade die Gelben durch den schärfsten Tcrrorismus für ihre Organisation wirken und daß die Angestellten des gelben Werk Vereins bei Siemens von der Firma bezahlt werden. Der Redner führte einen Fall an, wo ein Mitglied der freien Gewerk- schaft, durch die Frau eines Gelben denunziert, auf Veranlassung des gelben Werkbevollmächtigten Borngießer entlassen wurde. Herr Born gieße r, der in der Versammlung anwesend war, und an den sich der Redner persönlich wandte, hatte auf diese Anschuldigung kein Wort der Erwiderung. Als letzter Redner— es waren zwar noch viele gemeldet, aber der vorgerückten Zeit tvegen wurde die Debatte beendet— kam Genosse Robert Schmidt zum Wort. Er führte auS: Die Gelben mögen natürlich nicht zugeben, daß ihr« Betvegung durch die Unternehmer und in deren Interesse ins Leben gerufen ist. Deshalb sagen sie, sie seien durch TcrroriSmus der freien Gewerkschaften entstanden. Das hört sich gut an; aber dahinter steckt nichts als die Absicht, durch gefälliges Verhalten und Bitten von den Unternehmern etwas zu. erreichen, da ihnen der Mut fehlt. durch gewerkschaftliche Arbeit etwas zu erlangen. Auf das Wohl- wollen der Unternehmer können sich die Arbeiter nicht verlassen. Könnten sie es, dann wäre die ganze sozialpolitische Arbeit über- flüssig. Weil talso die Arbeiter nicht darauf rechnen können, daß ihre Wünsche durch das Wohlwollen der Unternehmer erfüllt werden, so ist der gewerkschaftliche Kampf unvermeidlich. Daß die gelbe Bewegung die Interessen der Arbeiter' schädigt, das »verde sogar von einem Blatte wie es der..Reichsbote" ist, an- erkannt. Das Blatt schrieb, in der gelben Bewegung liege die Gefahr der Liebedienerei und des Spitzeltums in den Reihen der Arbeiter.— Daß sich die gelbe Bewegung lediglich von Unter- uchmerinteresscn leiten lasse, das beweise eine Auslassung ihres Organs„Der Bund", der in einer Polemik gegen die gewiß maß- vollen Forderungen des evangelisch-sozialen Kongresses sagte, es sei zu prüfen, ob diese Forderungen nicht überspannt seien im Hinblick aus die finanzielle Belastung der Unternehmer durch die scziale Gesetzgebung.— Die» Urteil des gelben Organs kenn- zeichne am besten, wie die Arbeiterinteresscn von den Gelben mit Füßen getreten werden.(Lebhafter Beifall.) Im Schlußwort vertrat der Referent nochmals seinen Stand- Punkt gegenüber den Angriffen seitens der Gelben. Die gelbe Bewegung habe keine Berechtigung. Alles was sie angeblich vertreten wolle, fei schon längst dagewesen. Die Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften seien mit einem übertrieben friedlichen Programm ins Leben getreten- was sich aber angesichts der Tat- fachen des wirtschaftlichen Lebens nicht ausführen ließ. Zur Ver- tretung nationaler Gedanken bedürfe es auch keiner neuen Organisation. Zus Industrie und Dandd. (Sin Rekordjahr der Kohlenförderung. Auf der Zechenbesitzerversammlung des Rheinisch-West- fälischen Kohle nstzndikats wurde über die Dezember- ergebnisse Bericht erstattet, in dem es u. a. heißt: Die Absatz- Verhältnisse im Dezember haben sich weiter befriedigend entwickelt. Die Nachfrage war unter der Nachwirkung der j,, den Monaten Oktober und November durch Wagenmangel verursachten starke» Lieferungsausfälle ledhaft. Da die Wagengsstellung besser >oar, ist eine erhebliche Steigerung der Absatzmengen zu verzeichnen. Der rechnungsmäßige Absatz belief sich im arbeitstäglichen Durchschnitt auf 10 5,74 Prozent der Beteiligungsanteile der Mitglieder, womit das Ergebnis des Vormonats um 13.S2 Prozent u"d da« bisherig« höchste Monatsergebnis im Juni noch um 4'8r7 A??»' überschritten worden ist. Der Gesamtabsatz ein- schließlich de» Selbstverbrauch« der Zechen war so groß, daß ein Teil der in den Vormonaten wegen unzureichender Wagen- gestellung auf Lager genommenen Koblen. Koks und Briketts zum Versand herangezogen wurde Be, diesen günstigen Absatzverhältnissen ist eine weitere Her- aufsetzung der Beteiligungsanteile für Februar und Marz be- schlössen worden. Für Koks wurde die Beteiligung von 85 auf 00 Prozent erhöht.-Vie Kohlenförderung bleibt weiter mit 105 Proz. frei. Die Produktion von Briketts ist wie bisher mit 85 Proz. angesetzt. Die J�rekeraebnine des Syndikats bieten ein Bild der Hoch- Auer-Konzern. Wie der Verband unabhängiger Glühtörperfabrikanten mit- teilt, strebt die Auergesellschast(Deutsche Gasgiühlicht-Akt.-Ges.) die Vertrustung der Ga«glul>lorperfabr»kanten an. Auer tritt de- rcits unter den verschiedensten Bezeichnungen und Tochtergrün- Hungen im Kandel auf. So gehören dem Auerkonzern an: Feuer u. Eo., Exportgesellschast, Hill-Gesellschaft, Allgemeine Glühlicht- werte, Berliner Import- und Export-Gesellschaft m. b. H. Vor Jahr und Tag ist auch die Proviiizsirina Ostdeutsche Glühlicht-Ge- scllschast in. b. H. Pacch in Neutomischel unter die Kontrolle der Auergesellschaft gekomnien; richtig ist wohl ferner, daß diese dann vor einigen Monaten init der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau- Aktiengesellschaft, Abteilung Glühkörpersabrikation(Bamag) ein Abkommen traf, wonach dieser Betrieb aufgelöst und der Bedarf der Bamag an Glühkörpern für die ihr nahestcheiideii Gasanstalten für Waggonbeleuchtung usw. von der Auergesellschaft gedeckt wird. Alles in allem soll der Auerkonzern in Deutschland und im Aus- lande etwa SO bis 100 Millionen Glühkörpcr jährlich herstellen gegenüber einer Erzeugung der sonstiNU deutschen Fabrikanten von zusammen 70 Millionen Stück. Dieses Uebergewicht nutzt der Konzern aber nur zur Belastung des Konsums aus, der Glühkörper zu erhöhten Preisen kaufen inuh. Die konkurrierenden Fabrikanten profitieren mit an der Hochhaltung der Preise. Güterverkehr im Inland. Die gewaltige Steigerung des Güterverkehrs im Inlands be- legen die vermehrten Einnahmen der deutschen Eisenbahnen im Jahre ISIS. Gegen das Jahr 1S12 stiegen die Einnahmen aus dem Güterverkehr um mehr als 138 Millionen Mark auf 1SS1 Millionen Mark. Der Personenverkehr brachte eine Steigerung von 48 Millio- »en auf 868 Millionen Mark. Die Gesamtlänge der Bahnen be- trug 53 760 Kilometer, gegen das Vorjahr-ft603 Kilometer. 6mcbt9- Zeitung. Bruhn als Kläger. Die S. Strafkammer des Landgerichts I hatte, sich gestern als Berufungsinstanz uitter dem Borsitz des Landgerichtsdirektors Schwarz mit der Beleidigungstlage des Herausgebers der„Wahr- hcit", Reichstngsabgeordncten Bruhn, gegen den Abgeordneten Ge- Nossen Otto WelS zu befassen. Dieser war in gleicher Sache von dem Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt worden. Zu Beginn der Verhandlungen versuchte der Vorsitzende, eine Einigung herbeizuführen. Der Beklagte lehnte eine solche mit der Begründung ab, daß das bei der Gegensätzlichkeit der politischen Anschauungen nicht möglich sei. Der Anklage liegt bekanntlich ein von Wels als Verleger ge- zeichneteö Flugblatt zugrunde, das unmittelbar nach dem Dahsel- Prozeß im Wahlkreis Friedeberg-ArnSZvalde zur Verbreitung ge- langt war. In dem Flugblatt wird Bruhn an der Hand der Er- gebnisse des Dahsel-Prozesses charakterisiert. Genosse Wels führte zur Rechtfertigung der Berufung auS: Die Partei habe sich im ständigen Kampf« gegen Bruhn befunden, und zwar aus Gründen der politischen Reinlichkeit und weil sie der Ansicht sei, daß Bruhn keineswegs als würdiger Vertreter des Volkes im Reichstage betrachtet werden könne. Das Flugblatt sei eine Antwort auf die Rechtfertigungsversuche, die nach Beendigung des Dahsel-Prozesses von diesem unternommen worden seien. So weit er als Verleger in Betracht komme, vertrete er auch da» Flug. blatt. Bei seiner umfangreichen Tätigkeit als Parteisekretär, als Leiter der ganzen Agitation in Brandenburg, die ihn auch oft von Berlin fernhält«, sei es ihm nicht möglich, alle Flugblätter sofort oder überhaupt zu lesen. Ob er das Flugblatt vor der Ver- breitung gelesen habe, wisse er nicht. Bruhn habe sich nach dem Tahsel-Prozeß als Unschuldsengel hingestellt. Da fei es feine Pflicht gewesen, den Kampf gegen Bruhn aufzunehmen, zumal so ziemlich die ganze deutsche Presse seinen Standpunkt geteilt habe. Er beanspruche deshalb den Schutz des§ 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen). Bruhn machte hiergegen geltend, daß Wels von dem Inhalt des Flugblattes doch Kenntnis genommen habe; die vorige Ver- Handlung habe dies klar bewiesen, das Protokoll enthalte diese Tatsach« auch Vorsitzender: Sie irren; im Urteil steht nichts davon, wann der Angeklagte Kenntnis von dem Flugblatt erhalten hat. Die Verhandlung drehte sich wesentlich um die Frage, wann der Kläger Bruhn von dem im Oktober zur Verbreitung gelangten Flugblatt Kenntnis erhalten habe. Der frühere Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Vredercck, hatte angegeben, daß Bruhn am 25. November Kenntnis erhalten habe. Der Strafantrag ist aber erst am 25. Februar gestellt, die dreimonatige Strafantragsfrist ist also um einen Tag überschritten, wenn die Angaben des inzwischen geflohenen früheren Anwalts des' Klägers zutreffen. Rechtsanwalt Dr. Heinrmann, als Vertreter des Angeklagten, hielt es für ganz unwahrscheinlich, daß Bruhn von dem Flugblatt, das in 14600 Exemplaren in feinem Wahlkreis verteilt worden fei, nicht eher etwa« erfahren haben sollte. In Anbetracht der Um- stände bitte er. das Verfahren einzustellen, weil Bruhn innerhalb 3 Monate nach Kenntnisnahme Strafantrag hätte stelle» müssen. Das Gericht vertagte die Sache, da der Kläger folgende Be- weisantrüge gestellt hatte: 1. den Abgeordneten Richard Fischer darüber zu vernehmen, daß Wels in der früheren Verhandlung zugegeben habe, er habe von dem Flugblatt schon vor dessen Ver- breitung Kenntnis gehabt; 2. den Vertrauensmann der antistmi- tischen Partei, Kamin, zu vernehmen, wann dieser ihm(Bruhn) das Flugblatt zugestellt'habe. Die angegebenen Zeugen sollen in einem neuen Termin gehört werden. Der Bauer und seine Magd. Vom Landgericht Straubing ist am 4. September 1912 der Bauer Sebastian Bindhammer Ivegen Verführung eines uirbe- scholtenen Mädchens unter 16 Jahren sowie wegen Anstiftung zur versuchten Abtreibung zu einem Jatzre Gefängnis verurteilt lvorden. Er hatte seine eben erst 14 Jahre alt gewordene Magd unter AuS- Nutzung seines Ansehens verführt und sie dann veranlaßt, Wagen- schmiere auf Brot zu genießen, um die Folgen des Verkehrs zu bc- seitigen. Die Magd gebar indes ein Kind. Diese selbst ist wegen bersuckiter Abtreibung verurteilt worden. Die nur von B. eingelegte Revision wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Für das arme verführte Kind, das schwerlich Einsicht in die Strafbarkeit seines ruchlosen Tuns hatte, hatte leider niemand Revision ein- gelegt._ Eine Rechtsfrage aus dem Rcichs-Zuwachssteuergesetz. Das ObcrverwaltungSgerickt für Preußen hatte zu einer Rechts- frage Stellung zu nehmen, du sich aus dem ZuivachSsteuergesctz "II• � Absatz 2 heißt es:„Beträgt der VeräußerungspreiS, und im Falle einer Teilberäutzerung der Wert des Gesamtgrund- jluaes. bei bebauten Grundstücken nicht niehr als 20 000 M. und bei unbebauten Grundstücken nicht mehr als 5000 M„ so bleibt der Eigentumsubergang von der Steuer frei." Diese Steuerfreiheit tritt nach einer weiteren Vorchrift desselben Paragraphen aber nur dann ein, wenn weder der Veräußerer und seine Ehegattin „im letzten Jahre ein Einkommen von mehr als 2000 M. gehabt Häven, noch einer von ihnen den Grundstücksbandel gewerbsmäßig betreibt." Im Zuwachssteuerstreit deö Fabrikanten Leipziger gegen den Magistrat von Wittenberg hatte das Obcrllerivaltungsyericht zu der Frage Stellung zu nehme», ob mit den Worten„un letzten Jahre" das tetztverflossene Kalenderjahr gemeint sei, oder die das „natürliche" Jahr bildenden 305 Tage vor dem Rechtsgeschäft. Das Oberverwaltnugsgericht kam am 16. d. M. zu der Auffassung, daß das natürliche Jahr gemeint sei. also 365 Tage, zurvckgerechnet vom Eigentnmsiibergang an. Mit dieser Auffassung würde man am besten der Zweckbestimmung der Borschrift gerecht, welche die sei, dem wirtschaftlich Schivachen Schutz vor steuerlicher Belastung zn gewähren. Das Kalenderjahr— wenn man mit ihm rechnen 'würde— könne nntcr Umständen zur Zeit des Rechtsgeschäfts mehr als II Monate vorher schon beendet sein; in dieser Zwischenzeit aber könnten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse wesentlich zugunsten oder zuungunsten des Steuerpflichtigen verändert haben. Unter Berücksichtigung des hier vom Senat vertretenen istaud- punktcS müßten von der Vorinstanz die tatsächlichen Umstände im ilägerischen Streitfälle gewürdigt werden. Bus aller CHelt. Ritterlich Geblüt. Die Junker sind die wahren und einzigen Freunde der Bauer» 1 So schallt eS auf den Jahresparaden des Bundes der Landwirte aus dem Munde des Asphaltagrariers Dr. O erste! und so ertönt eS unisono aus dem Blätterwalde der konservativen Presse. Und weil die Junker die Freunde der Bauern sind, deshalb haben sie auch stets das B e st e des Bauern gewollt: seinen Acker, seine Wiese», seinen Gemeindewald. Nicht nur in der Vergangenheit haben sie eS verstanden, den Bauern von Grund und Boden zu verdrängen, ihn'sich hörig zu machen, auch in der Gegenwart wollen sie sein Bestes. Von Zeit zu Zeit macht durch die Presse eine Nachricht die Runde, daß der oder der Großgrundherr zur Abrundung seiner Güter ganze Dörfer auskauft, den Bauern die noch vor- handenen Gemeindewälder durch allerlei Machenschaften abnimmt und waS dergleichen ritterliche Gnadenbeweise mehr sind. Gelingt eS aber nicht, die Bauern seinem Willen dienstbar zu machen, so weiß ein echter Junker sich immer noch Rat, hat er stets noch Mittel zur Versiigung, den widerstrebenden Bauern die Kandare anzulegen. Ein Musterbeispiel dafür liefert das Vorgehen der Fürstlich- Thun-Hohen st einschen For st Verwaltung gegen die renitenten Bauern von A u tz e r g e f i l d in Böhmen. F ü r st v. Thun. Statthalter in Böhmen, hatte bisher die G e- meindejagd der Außergefilder Bauern gepachtet. Bei der Neuverpachlung erhielt ein Besitzer aus dem Dorfe die Jagd. Die Forstverwaltung Sr. Durchlauchl verstand eS, den ihr unangenehmen Beschluß umzustoßen und versuchte nun, die Bauern zu bearbeite», damit denl Fürsten die Jagd erhalten bliebe. Mit welchen Mitteln die Werbearbeit geschah, lehrt folgender Erpresserbrief i Groß-Zdikau. 1t./12. 1012. . Wohlg. Herrn Prokop Tröml Wirtschaftsbesitzer in Außergefild Nr. 8. Wie Ihnen bekannt ist, dürfte in kürzester Zeil die Jagd in Außergefild neu vergeben werden. Ich ersuche Sie daher, Ihren Einfluß dabin geltend machen zu lvollen, daß Se. Durchlaucht wieder die Jagd bekomnit. Sollten wir die Jagd nicht mehr bekomme», so hören selb st ver ständlich alle Unterstützungen anBrennholz und Geldgeschenken für die Armen und ins- besondere für die Schulkinder auf und haben nur diese, die doch vollständig daran unschuldig sind, darunter zu leiden. Es wurde jedes Jahr von Sr. Durchlaucht gespendet: Für die Suppenanstalt 40 Kr., für den Veteranenverein 20 Kr., an Holz mindestcu« 20 Meter. Ferner vom Herrn Grafen Nostitz: für die Schulsuppenanstalt 20 Kr. usw. Diese Unterstützungen fallen selbstverständlich alle au«. Nicht zu bergessen ist doch auch, waS Se. Durchlaucht»ach dem Brande in Außergefild für die Ab- brändler alles getan hat; sollte sich ein solches Unglück wieder einmal ereignen, würde natürlich jedwede Berück« sichtigung unterbleiben, ivenn wir die Jagd nicht wieder bekommen sollten. Achtungsvollst Fürstlich Thun>Hohensteinsche Forstverwaltung in Groß-Zdika«. S ch a l l n e r. Die Bauern aber wollten mit ihren harten Schädeln die Freundschaft des Fürsten nicht verstehen und verpachteten die Jagd wieder an den Besitzer in Außergefild. Nach dem christlichen Grund- satze: Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er l hat die Forst- Verwaltung ihre Drohung ausgeführt und den armen Holz« Hauerwitwen das Brennholz entzogen. D i e Empörung möchten wir einmal sehen, wenn etwa eine Gewerkschaft mit solchen Mitteln der Erpressung und Nöti» g u u g versuchen würde, ihre Forderungen durchzusetzen. Wie würde die ganze reaktionäre Sippe ausheulen vor Wut und nach Ver« ichärfung der Strafen schreien! Aber so: es ist ja einer der wahren und einzigen Freunde der Bauern! Ter unterirdische Brand bei Haselbach. Wie auS Altenburg telegraphiert wird, ist eS bisher nicht gelungen, den vor einiger Zeit entdeckten unterirdischen Brand des Kohlenflözes bei Haselbach einzudämmen. DaS astfangs unter- nommene Eintreiben eines Schachtes wurde von der herzoglichen Berginspektion wegen der damit verbundenen Lebensgefahr unter- sagt. ES wird jetzt versucht, durch Anlegung eineS Tage» bau es an den Brandherd zu gelangen. Nach Feststellungen Sach» verständiger mutz der Brand eine große Ausdehnung haben und schon seit vielen Jahren wüte«. Tie armen Abgebrannten. In dem Prozesse gegen die Brandstifter, die New Dorker Ver« fichermigögesellschaften um mehrere Hunderttausende von Dollar geschädigt hoben, erklärte der Zeuge Stein, daß ca. 1000 Be- wohner im Osten der Stadt ihn gebeten hätten, an ihre Häuser Feuer zu legen, um die Vcrsicherungögesellschasten wegen der Versicherungssummen zu prellen. Er fügte noch hinzu, daß diese „mertwürdigen Opfer der FeuerSbrünste" an den Decken ihrer Woh- nungen„Wurste" hängen hatten, die aber nicht mit Fleisch, sondern mit Benzin oder sonstigen, feuergesährlickien Flüssigkeiten gefüllt waren und natürlich dazu bei» trugen, den Bränden sofort eine große Ausdehnung zu geben. Luch anderswo soll manchmal daS Gebet gen Himmel dringen: Herr, laß es brennen, aber ordentlich I Kleine Notizen. Ein sehnlichst Erwarteter. Der Kassenbote Wilhelm Brüning aus Berlin, der seinerzeit nach Defraudation von 260 000 M. ge- flüchtet war. ist am DienSiag in London eingetroffen und wird in den nächsten Tagen über Hamburg nach Berlin gebracht werden. Mit der Einholung sind mehrere Kriminalbeamte betraut worden. Eisenhahnunglück in Belgien. Auf dem Bahnhof in L o e w e n fuhr infolge VersagenS der Bremse ein einfahrender Zug auf einen ausfahrenden auf und hob einen Wage» dritter Klasse aus dem Gleise, der schwer beschädigt wurde. 22 Personen wurden verletzt, davon v i e r s ch iv e r. Riesenirand. In der nordamerikanischen Stadt New London wütet im Geschäftsviertel ein großes Feuer, das nach sechs» st tt n d i g e m Kampfe noch immer nicht bewältigt ist, sondern die ganz« Stadt zu zerstören droht. f ranz Abraham Hkinb. Moflsina-n.Römertrank-Kell. N«, Bultlatf. 8», Fernep. Kg8t.l3708 —~ Beetes alkoholfreies Getränk, i Berlin 0,Ru(iolfstr.4. Erscheint 2 mal wfichentlich. Si-Si! �«rd�Ifer-Bekielriu np� 1 Hamburger Laden, Charl.,WAll8t.69 Auto-Fahrsciiiulan 3 Q n n Ir n Gr. Frankfurterstr. 44 Uullac Eintr.tägl., Teilz.gest. Blot&ner's GroBbäckerei Geschäfte f» Berlin. Charlottenburo, Schfinebero. Wilmersdorf. Friede. Barz, Landso. Allee 146 K. Biedermann, Gryphiusstr. 18. 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Schorlcmer erllärt, daß die Ablehnung des Antrages Klocke das Gesetz für die Regierung un- annehmbar würde. Der Antrag Klocke wird angenommen gegen die Linke. In der Gesamtabstimmung wird das Moorschntzgesetz fast ein» stinunig angenommen, auch die Sozialdemokraten stimmen dafür. Hierauf beginnt Die zweite Lesung des Etats. Der Präsident weist aus den mit den Fraktionsführern(der bürgerlichen Parteien) verabredeten Kontingentierungsplan hin und ersucht um die Unterstützung des Hauses zur rechtzeitigen Fertig- stellnng des Etats Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Hoffentlich wird bei der Beurteilung desie», was zum Etat gehört, nicht engherzig verfahren werden. Piäsidenl Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz sagt zu. in diesem Sinne zu verfahre». Tie Etatsberatung beginnt mit der Annahme der Kronfidei- kommitzrente ohne Erörterung. Eine Debatte gibt eS erst bei der Lottericvcrwaltung. Abg. Dr. Arendt(fk.) freut sich über den Anschluß Bayerns. Abg. Dr. Hahn(Bund d. Landw.) wünscht größere Berück- sichligung verabschiedeter Offiziere bei Vergebung von slollekteurstellen und wünscht Aufklärung über die Affären des Kollekteurs und nationalliberalen Reichslagsabgeordneten Held- Verden. Es müssen alle mit gleichem Maß gemessen werden. Ei.. Kommissar: Untersuchung ist eingeleitet; wir können nur absolut einwandfreie Perionen brauchen. Abg. Hoffmann(Soz.): Unseren Standpunkt zur Lotterie kennen Sie ja. Man freut sich über den Anschluß Bayerns— aber Sachsen, wo das Reichs- gericht liegt, ist immer noch Lotterieausland, und dort können die Leute, die preußisch- s ü d d e u ts ch e Lose spielen, immer noch wegen Spielens in ausländischen Lotterien verurteilt werden. Na, mau hofft ja wohl, Sachsen ebenso klein zu kriegen, wie es bei den süddeutschen Staaten gelungen ist.(Oho I rechts. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Abg. Hahn— ich freue mich, ihn wieder einmal hier zu sehen(Allgemeine Heiterkeit) — fordert, daß verdiente Osfiziere mehr zu Lolterieeinnehmern er» nannl werden. Wissen Sie für in Ihrem Sinne verdiente Offiziere keine bessere Verwendung, als die zu Bankhaltern des Staates bei seinem Hazardspiel?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Lotterieverwaltung jegliche Reklame ablebnt, dann muß sie auch vermeiden, daß die Kollekleure verleilet werden. liegengebliebene Lose selbst zu spielen. Um. die Affäre Held, die seil vier Jahren spielt, hätte fich Herr Dr. Hahn wohl auch schon früher als-jetzt vor den Wahlen oder gar nicht gekümmert, wenn eS fich nicht um einen national» liberalen, sondern um einen konservativen Held ge- handelt hätte I(Sehr gutl links.) Es entspinnt sich eine Auseinandersetzung über die Affäre Held zwischen den Abgg. Dr. Friedberg(natl.) und Dr. Hahn(k). wobei der Präsident der Lotterieverwaltung zugibt, daß die Untersuchung erst infolge der Bemerkungen Hahns gegen Held ein- geleitet wurde(Hört I hört I), was Ör. Friedberg merkwürdig findet, weil die Lotterieverwaltung. wenn Verfehlungen vorkommen sollten, nicht erst der sonderbaren Anregung eines Abgeordnet«! bedürfen sollte. Beim Etat der Münzverwaltung wünscht Abg. Dr. Arendt(st.), daß die Hundertjahrdenkmünzen schön ausgestaltet werden. Was ist's mit den Mansselder Segenstalern? Abg. Dr. Hauptmannm Etat des Disziplinnrhofes hebt,..... Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) hervor, daß die Hauptschw,erlgkelt dc-3 DlSziptmarversahrens die Formulierung der Ketten sür die re- ligiöie u»rd polnnche Memungsfreiheit sei in die daö herrsckende System die Bemmen schlägt. Gewiß ist ein allgemeines gesetzliches Beamtenrecht aiizusireben. aber von diesem Hause kann niemand ein gutes und gerechtes Beamtenrecht erwarten Ein Kommlssar des Jusiizminisierilims erllärt daß ein- Entwurf eines BeamlengeietzeS IN Vorbereitung fei. Beim Etat des Mmifieriums der«mswärtigeu Angelegenheiten erklärt„,... v. Abg. vom Rath(natl). daß es preußifch.deutfche Kriegshetzer höchstens in der Phantasie uvelwollender ausländischer Zeitungs- schreiber gebe. Wohl aber i« ein Wi'tlerlö eine Kriegsgefahr.(Zu- stimmung bei den Nat.onalltberalen) Als der Redner darüber spricht, daß Deutschland bei verichiedenen wichtigen Veränderungen in der Welt nicht den ihm zustehenden Einfluß geübt habe wird er vom des Wareneinkaufs und der. deutschen 1_ Vizepräsidenten Dr. Porsch unterbrochen: Die Kritik der aus- wältigen Polittl ist Sache des Reichstags; hier waren höchstens einige beiläufige Sätze über auswärtige Fragen gestattet. Abg. vom Rath(natl.— fortfahrend): Ich will nur über die Stellung unseres Vaterlandes im internationalen Wirtschaftsleben sprechen. Da aber läßt eS auch das Volk an Interesse fehlen. Das Kapital muß richtig dirigiert werden.(Zuruf rechts: Auswärtiges Amt!) Unrichtig ist eine Politik des desinteressement. Der Redner schließt nach neuer Unterbrechung durch den Vorsitzeirden. Unterstaatssekretär Zimmermann: Nach unserer Meinung hat sich das deutsche Kapital an ausländischen Angelegenheiten erst zu beteiligen, wenn der inländische Geldbedarf gedeckt ist, aber erzwingen können wir das nicht. Wir können die Hautefinance nicht hindern, sondern nur immer wieder dahin wirken, daß man sich doch nur an solchen ausländischen Anleihen beteilige, die wieder der deutschen Industrie zugute konimen. Unsere Beteiligung au der Industrie- und Wirtschaftsentwickelung in Ostasien, im näheren Asien und in Südamerika findet gewiß allgemeine Billigung.(Beifall.) Abg. Göbel(Z.) klagt über Erschwerungen der russischen Grenzbewohner in Oberschlesien Ausfuhr nach Rußland. Der Unterstaatssekretär sagt Prüfung zu. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Von der zur Zeit der Gewerkschaflsenzyktika angekündigten Ab- berufung des preußischen Gesandten am Vatikan ist eS wieder stilk geworden. Es soll am Vatikan nach Berichten von Leuten, die eS wissen dürften, eine gewisse Unterrockpolitik getrieben werden (Schallendes Gelächter), wenn es auch männliche Unterröcke sein können.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß hat der preußische Gesandte beim Vatikan eine gewaltige Aufgabe, denn er muß die Instruktionen des Vatikans für die preußiiche Regierung entgegennehmen und übermitteln. Der Vatikan benutzt ja seinen gewaltigen Arm, das Zentrum, in Deutschland(Oho I im Zentrum) bei jeder Gelegenheit, um der deutschen Regierung durch einen sanften Druck auf die Gurgel zu zeigen, daß der Vatikan Herr ist. Wir stellen uns nicht aus den formalen Boden, daß der Papst kein Recht auf diplomatische Vertretung hätte, wir verfahren realistisch und sind überzeugt, daß die Bedeutung des Gesandten am Vatikan sich messen kann mit der de« Gesandten bei irgend einer Großmacht. In dem einseitigen Entgegenkommen des Deutschen Reiches gegen den Vatikan tritt frei- lich die Jnseriorität Preußens gegen den Vatikan immer deutlicher zutage. Ob nun durch die Borromäusenzyklila, das Moluproprio, die Gewerkschasisenzykltka die preußische Regierung sanfte Fußtritte bekommt— sie werden eingesteckt, die diplomatischen Beziehungen bleiben bestehen und die preußische Regierung versichert immer wieder, daß sie stark und souverän sei.(Heiterkeit bei den Sozial- demolraten.) Wenn irgend etwas Sinn und Verstand verloren hat, dann sind es die preußischen Gesandtschaften in Deutschland.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Wir sind doch angeblich ein einheitliches Deutsches Reich, wir können mit zahlreichen Mitteln des modernen Verkehrs uns jederzeit in Verbindung setzen, im Bundesrat können die Vertreter sämtlicher Regierungen mit einander Fühlung nehmen. Die preußischen Gesandtschaften können da nur zu Repräsentationszwecken bestimmt sein, was denn auch die badische Kammer bestimmt bat, den Etat für die badiiche Gesandtschaft in München zu streichen. Sollte Preußen das nicht auch imstande sein? Seine Gesandtschaften könnten doch höchstens den positiven Zweck haben, daß politische Intrigen spielen und die Verpreußungspoliltk über ganz Deutschland hinaus zu intensivieren. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Man will offenbar eine feste Position in jedem einzelnen größeren Bundesstaat haben, um ihm zum Schaden der Reichspolitik die preußische Politik aufzu zwingen. Von diesem Gedanken ist auch die Mehrheit dieses Hauses getragen, wir aber stimmen nicht für diesen Unfug.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. vom Rath hat behauptet, daß eS in Preußen-Deutjch- land leine Kriegshetzer gebe. Wir wissen doch alle, daß eS bei uns Kriegshetzer bösartigster Sorte gibt. Wir haben ein Mitglied hier in diesem Hause, das nicht nur in der Zeit der Marotkokrise, sondern auch bei den jetzigen ungeheueren internationalen Schwierigkeiten keinen Tag vergehen läßt, ohne in seiner Preffe in unerhörte st er Weise zum Schaden der internationalen Interessen Deutsch- lands zu hetzen und den künftigen Krieg als eine selbstverständlich bevorstehende Tatsache hinzustellen. Ihnen steht ja auch der Graf v. Reventlow nahe, der in der»Deutschen Tageszeitung" eine gemeingefährliche Kriegshetzerei betreibt. Mit diesen Kriegshetzern scheint sich aber Herr vom Rath durch sein Ber» langen nach einer starken auswärtigen Politik rangieren zu wollen. Den Abg Welterls will ich natürlich nicht in Schutz nehmen, aber ich wundere mich, daß der Vorredner, der doch in recht engem organisatorischen Zusamnienhang mit Wetterls noch steht, kein Wort über ihn gesagt hat, obgleich er einer regierenden Partei angehört.(Widerspruch im Zentrum.) Wcllerlö gehört wohl nicht zu ihrem preußischem Zentrum, aber sind Sie denn nicht inter- national?(Widerspruch im Zentrum.) Sie müffen bedenken, daß eö zu viele Auguren hrer im Hause gibt!(Heiterkeit links. Zuruf im Zentrum: Können Sie sagen, was wir uns denken.) Sie sagen allerdings nicht immer, was Sie denken.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Abg. vom Rath eine starke auswärtige Politik fordert, so ist das Scharfmacherei, die eine Abenteurerpolitit will statt der zurzeit ruhigen und in gewissem Umfang vor der Kritik der wirklichen Vollsparteien aus- genoinmenen Politik unseres Auswärtigen Amtes, die freilich einer gewissen saturierten Stinimung enlspre-tien. Das eiserne Würfelspiel der»HansDampf in allen Gasse»"-Politik würde nicht den Interessen des deutschen Volkes, sondern gewissen Privatinteressen dienen. Herr vom Rath hat aber auch von den weilen Kreisen des Volkes gesprochen, worunter er freilich die des Graßkapitals meint, das ihm zu wenig national arbeitet. Freilich, das Kapital ist international und bleibt es. (Sehr wah�s bei den Sozialdemokraten.) Und hinter der Kritik des Abg. vom Rath und seiner Rechts- und Altnationalliberalen steht die Kriegswaffenindustrie.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traien, Lachen rechts und bei den Nationalliberalen.) Dort aber ist man bereit, den lünftigen Feinden Deutschlands gern Kanone» für gutes Geld zu liefern. Sie führen zu Unrecht das Wort„national" stets im Munde und haben eS dadurch entwertet.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Lachen bei der Mehrheit.) Sie fordern das Großkapital auf, iin Auslande goldene Berge zu suchen und würde dabei auch das Deutsche Reich in Zwangslagen gebracht. Herr vom Rath sagt ja:„Dem Kapital folgt die politische Macht 1" R l ch t Ideale, sondern nackte Kapitalinteressea vertritt die auswärtige Politik, die Sie fordern. Vorbei mit den heiligsten Gütern der Nation, nur die Kapitalgnter sollen mit der Macht des Reiches geschützt werden. Wir beglückwünschen uns zu dieser Bekräftigung dessen was wir immer gesagt baben. Die Volts- masicit habeu alle dirsc„Patriotischen" Phrase» längst durchschaut. Die Stärke eines Volkes ist um>o größer, je freier es politisch, je wirtschaftlich gesicherter, je sozial glücklicher es ist. Sie aber wollen das Boll in Preußen mit Ausnahmegesrtzskorpionen und Älasseiijiistiz- grißcln züchtigen. Die Folgen werden Sie spüren!(Beifall bei den Sozialdemokraten.— Unruhe bei der Mehrheit) Vizepräsident Dr. Porsch: ES wird sich empfehlen, vor der nächsten Etalberatung die Grenzen der Beratung unseres auS» wältigen Etats festzustellen. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Der Geist, der auS Dr. Liebknechts Worten sprach, ist der, der Gerhard Hildebrand auS der Sozial- demokratie ausschloß. Sind denn die Arbeiter unserer Industrie am Export nicht interessiert? Wie soll ohne Kapital Volkswirtschaft möglich sein und braucht das Kapital nicht Verdienst, um sich zu be» teiligen?— Gewiß ist eS unier Recht, auch über auswärtige Politik zu beraten, das hat Bismarck auch als erforderlich be- zeichnet, damit die Einheillichkeit von preußischer und Reichspolitik erhalten bleibe. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.) stimmt dem bei, nicht aber der Kritik der auswärtigen Politik durch Abgeordneten von, Rath. Wir sind für eine ruhige und vorsichtige auswärlige Politik. Die preußischen Gesandten am Vatikan und in Deutschland sind überflüssig.(Beifall links., Abg. Herold(Z.): Wir mißbilligen das Austreten WetterloS auf das schärfste. Er hat mit dem Zentrum nichts zu wn und ge« hörte nie unserer Reichstagsfraklian an. Da derpäpstliche Stuhl souverän ist, müssen wir dort einen Gesandten haben.(Beifall im Zentrum). Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Wenn der Abg. Wetterlö im Zentrum so gar nichts zu tun hat, dann find die Kraftanstrengungen nicht verständlich, die das Zentrum zu seiner Abschüttelung aufwendet. Ich würde auch die Ver« dauungsstörungen nicht begreisen, an denen das Zentrun, durch den Fall Wetterlö leidet.(Widerspruch un Zentrum.) Dr. Friedberg sei gesagt, daß wir selbstverständlich wissen, wie die deutsche Arbeiterschaft verknüpft ist mit dem Wohlergehen der deutschen Industrie und des deutschen Exportes. Gerade des» halb wollen wir einen Weltbrand verhindern, in dem unsere ganze Kultur erstickt und ertränkt werden würde. (Sehr richtig! be, den Soz.) Gerade im Interesse des deutschen Handels liegt eine r u h i g e P o l i t i t. wie wir sie bisher hatte», und nicht eine gewalttätige Abenteurerpotitik, wie sie der Abg. vom Rath empfohlen hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aus diesem Grunde wende» wir uns auch gegen solche frivolen Redensarten, wie sie der General». d. Goltz kürzlich vor deutschen Studenten hat fallen lassen. Selbstverständlich gehören alle diese Fragen zur Zu- ständigteit einer Voltsvertrelung. Leider haben wir in Preußen keine Volksvertretung.(Sehr wahr I bei den Sozial» demolraten.) Wenn wir eine bälten, dann würde diese Volts- Vertretung längst gegen eine Politil Front gemacht haben, wie sie heute vom Abg. vom Rath empfohlen wurde und sie würde längst ausgeräumt haben mit all den Kriegshetzern und Gemein- schädlingen, die sich im Deutschen Reich aufhalten. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Ehlers(Vp.): Das deutsche Kapital sucht fich seme Auslandsmärlte selber und braucht die Regierung nicht dazu. Herrn Liebknecht erwidere ich, daß wir nicht zu viel, sondern für den Um» fang unserer Produltion noch zu wenig Kapital haben., Abg. vom Rath(natl.): Ich bin kein Scharsmacher, eine starke nationale Politik hält den Frieden ausrecht. Die Sozialdemokraten aber wissen, daß sie von einer solchen Politik Schaden haben. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg.�rhr. v. Zedlitz(fk.) spricht dem Zentrum seine Anerkennung darüber aus, daß es Wetterlö abgeschüttelt, was er gar nicht anders erwartet habe.(Bravo I im Zentrum.) Die preußischen Gesandt- schaften in Deutschland sind nötig und nützlich zur Verständigmrg der Bundesregierungen untereinander, ebenso nützlich ist die Ge- sandlschaft be,m Vatikan. Freilich, wenn sich der Vatikan dieser Vermittelungsinstanz auch weiter nicht bedient, dann könnte vielleicht einmal die Frage nach der Berechtigung der Gesandtschaft beim Vatikan auftauchen. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Strosser(k.) bedauert, dadurch verhindert zu sein, seinen alten Freund und Feldzugskameraden v. d. Goltz gegen Liebknechts unerhörte Angriffe in Schutz zu nehmen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich habe Frhr. v. d. Goltz nicht persönlich angreisen wollen, sondern habe lediglich auf Grund von Zeitungsmeldungen seine Rede im Verein deutscher Studenten be- sprochen, die allerdings nach den Berichten an Kriegshetzerci das denkbar möglichste geleistet hat. Der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. In der allgemeinen Besprechung, die beim Titel Ministergehalt geführt wird, fordert Abg. Graf v. d. Groeben(k.). daß bei der Bekämpfung der Fleischteuerung der Schutz gegen das Ausland voll aufrecht erhalten bleibe. Mit der Herabsetzung der Fleischzölle wird gar nichts er- reicht, sie darf keinesfalls über den 1. April 1914 hu, ans aufrecht bleiben. Die Arbeitsverhältnisse auf dem Lande beruhen in letzter Linie auf dem sittlichen Fundament des Vertrauens zwischen Arbeitgeber und Arbeitern, das sich nicht in Geld ausdrückt und sich namentlich in schweren Zeiten, bei Krankheit usw. bewährt. An diesen sittlichen Funda- menten zu rütteln oder sie auch nur außer acht zu lassen, wäre durchaus verfehlt, denn sie sind wesentlich staatSerhaltende Momente. (Beifall rechts.) Der Redner erklärt auch, daß es nicht so sehr darauf ankomme, mehr Vieh als vielmehr besseres Vieh zu züchten. Abg. Wallenborn(Z.) wünscht volle Aufrechterhaltung des Fleischbeschaugeietzes. Dos Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr: Wciterberatung. Schluß 4Va Uhr.._ flnregungen zur Durchführung des lhsussrbeitsgeietzes. Das Hausarbeitsgesetz, das am 1. April vorigen Jahres be- reits in Kraft getreten ist, hat bisher„och keinen Boiveis seines Daseins gegeben. Die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes sind leider solche, die erst auf dem Verordnungswege den Heim- arbeiten, zum Nutzen kommen können. Solche Verordnungen siiw bisher noch nicht erlassen und die Paragraphen des Gesetzes, die allgemein für die Heimarbeiter nützliche Anordnungen treffen, sind noch nicht in Kraft getreten. Vor allem handelt es sich um die§§ 3 und 4, die den Aus- hang von Lohntarifen oder Lohntafeln und die Ausgabe von Lohnbüchern oder Arbeitszetteln anordnen. Diese Bestimmung«, können leider durch BundesratSverordnungen in der Weise durch- brochen werden, daß für einzelne Berufe oder für bestimmte Be- zirke von dieser Anforderung, wenn es der Bundesrat anordnet, Abstand genommen werden kann. Bon der Regierung werden gegenwärtig Erheöuinzen veran» staltet, um solche Ausnahmen vorzubereiten. Es ist nicht bekannt, in welcher Art diese Erhebungen veranstaltet werden. Es dürfte sich aber empfehlen, daß die Heimarbeiter, insbesondere cckier auch die Gcwerlschaftsorganisationen sich darum bemühen, daß auch sie bei der Begutachtung mitgehört werden. Die Bestimmungen des Gesetzes werden sich zu Verordnungen Wohl im wesentlichen nur dann verdichten, wenn auch die Gewerk- schaftsorganisationen, die Heimarbeiter als Mitglieder oder als Berufsangehörige zähle», sich bemühen, an der Hand des Gesetzes das Verlangen zu stellen, Anordnungen und Vorschriften zu er- lassein Diesem Zweck mögen einige Hinweise diene». Ter jj) 6 des Gesetzes schreibt folgendes vor: „Die zuständige Polizeibehörde kann auf Antrag des Gewerbs» aufsichisbeamic» Lurch Verfügung für einzelne Gewerbebetriebe hinsichtlich der Einrichtung der Betriebswerkstätie und der Re- gelung des Betriebes in den im ß 3 Abs. 1 bezeichneten Räumen anordnen, waS zur Vermeidung einer durch die Natur des Betriebes nicht gerechtfertigten Zeitversäuninis der Hausarbeiter bei der Empfangnahme oder Ablieferung von Arbeit erforderlich und nach Natur der Anlage ausführbar erscheint. Für die Ausführung ist eine angemessene Frist zu setzen. Für Betriebe, die bei Erlaß dieses Gesetzes bereits bestehen, sind, solange sie nicht erweitert oder-wesentlich verändert werden, nur solche Anforderungen zulässig, welche ohne unberhältnismätzige Aufwendungen ausführbar sind. Gegen die Verfügung ist binnen zwei Wochen die Beschwerde an die höhere Verwaltungsbehörde zulässig; diese entscheidet endgültig." ES ist also den Heimarbeitern die Möglichkeit gegeben, wo die tiorbezeichneten Nebelstände auftreten, sich an die Golverbeinspek- lion zu wenden, um Abhilfe zu verlangen. Solveit bei der Beschäftigung der Heimarbeiter Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit sich ergeben, kann auf Antrag des Gewerbeaufsichtsbeamten, die zuständige Polizeibehörde gewisse Maßnahmen zum Schutze der Heimarbeiter anordnen. Auch hier wird es sich darum handeln, daß die Gewerkschaften für die Heimarbeiter die Initiative ergreifen, Anregung in Form von Eingaben, Versammlungskundgebungen veranlassen, uni schließlich die Gewerbeinspektion zu veranlassen, solchen Forderungen näherzutreten.� Für die Nahrungsmittelindustrie können, soweit eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit durch die Art der Herstellung der Nahrungsmittel sich ergibt, bestimmte Anordnung über Werk- stätten und Betriebseinrichtungen erlassen werden. Der Bundes- rat kann fernerhin bestimmen, daß Heimarbeit, welche mit erheb- lichen Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit der Heim- arbeiter oder für die öffentliche Gesundheit-verbunden ist, vollständig verboten wird. Auch hier wird es sich'darum handeln, daß die Gewerkschaften prüfen, für welche Berufe diese Voraussetzungen zutreffen, um ein Verbot dieser Arbeit zu fordern. Die Errichtung der Fachausschüsse die im Gesetz vorgesehen sind, kann nur durch Anordnung des Bundesrats vollzogen werden. Obwohl diese Fachausschüsse keinen erheblichen Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Heimarbeiter ausüben werden, dürfte es zweckmäßig sein, besonders in solchen Distrikten, wo bisher auch die Gewerkschaften gar keinen Einfluß auf die Lohnver- Hältnisse auszuüben vermochten, die Errichtung solcher Fachausschüsse anzuregen. Zweckentsprechend scheint es hier, durch Petitionen an den Bundesrat, die Anregung für bestimmte Berufe und Bezirke zu geben; denn die Fachausschüsse werden für den Berus und Bezirk eingerichtet, erhalten also nicht eine große Ausdehnung, sondern mehr örtliche Wirksamkeit. Von bürgersichen Sozialpolitikern ist beabsichtigt, in Berlin eine AuSkunftsstelle für Heimarbeitsreform einzurichten, die sich mit der Durchführung des Hausarbeitsgesetzes beschäftigt. Ferner sollen örtliche Hilssausschüsse eingesetzt werden, die den Heim- arbeitern mit Rat und Tat zur Hand gehen sollen, damit sie die Rechte und Pflichten kennen lernen, die ihnen aus oer Gesetz- gebung erwachsen. Für die freien Gewerkschaften sind selbstverständlich die Angestellten und Funktionäre ihrer Organisationen diejenigen, die die nötige Auskunfts- und Raterteilungen über- nehmen. Außerdem können Anfragen an die Sozialpolitische Ab- teilung der Generaltommission der Gewerkschaften in Berlin SO. 16, Engelufer 14, gerichtet werden, die jederzeit bereit ist, Auskunft zu. erteilen. Die Gewerkschaften soweit ihnen die Für- sorge der Heimarbeiter obliegt, werden mithin gut tun, sich mit Eifer der Aufklärung der Heimarbeiter zu widmen, um die Auf- gaben festzustellen, die nach dem Hausarveitsgesetz ihnen zufallen. Wetterprognose für Mittwoch, de»»S. Januar 1913. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und srischcn südöstlichen Winden; später zeitweise ausklarend und etwas kühler. Berliner Wette rbureau. WttterungSüberficht vom 31. Januar 1913. Swinemdc Hamburg Berlin ftranks a M München Wien 750D-sO 745 030 74913 744 ZW 752D 754.0 «tattoaen Ss c Ii' 13 Iii Bf R— taparanda 751 NW eterSburg 761 W Zcillh 749 NW Aberdeen, 752 0 Paris 74603» Vetter »s 6» Ii 4'wolkenl—12 1-Schnee— 13 7wolkig K bedeckt 4dedcckt I WasserstandS-Nachrichte» der liandeSanstalt sür Gewässerlunde. mitgcteill vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e l, Jniterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen „ Frantiurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand 3 a a l e, Grochlitz Havel. Spandau•) , Ralbenow') Spree. Svrembergft , BecStow Weser, Münden , Minden R h e i n. MaximllianSau , Kaub , Köln Neckar, Hetlbronn Main. Hanau Mosel, Trier am 20 l, am IIS 68 57') SO 100 214 308 418 211 2*4 218 173 240 seit 10. I. ein1) +8 + 4 4-13 0 —2 + 13 + 10 +22 +32 4-33 +46 +? +20 Todes-Anzeigen 1 SozialdemokratisdierWatilvereiii Ld. 2Jerl.Re!ciistagswatiikreis. 53. Bezirk. Am Donnerstag, den 16. Januar 1913 verstarb unser Mitglied, der Kontorist Jttax Wolf Bülowstr. 31. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnertSag, den 23. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Luther-Kirchhoses in Lankwitz aus statt. Der Torstand. Sozialdemokratischer WalilvereiD I. d. Neri. Reichstagswahlkreis. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unsere Genossin, Frau Atorte Schölzel Britzer Str. 8, gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen« Halle des Zentral-FriedhoseS In FiedrichSfetde aus statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 208/2 Der Veretaad. Verwaltungsstelle Berlin. Dm Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Metall- arbeiter Franz Hoff Ackerstr. 43, am 19. bs. Mts. an Lungen- entzündung gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Januar, nach- mittagS 4 Uhr, von der Leichen- balle de» Gemeinde-Frtedhoss in Reinickendorf, Humboldtslratze, auS statt._ Ferner verstarb unser Mitglied, der Metallarbeiter Bnmo Theurer Echreinerftr. 56, am 18. Januar an Magenleiden, Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Januar. nachmittags S1/, Uhr, von der Leichenhalle des ZentralfriedhoseS in griedrichsjelde aus statt. Ferner verstarb unser Mitglied, der Rohrleger klcdarck Dickert Fehmarnstr. IS, am 13. Januar durch Unfall. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Januar, nachmittags 3'/« Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoseS in der Müllerstratze aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Betelligung erwartet Ul/7 Dia Ortsverwaltung. Verband d.6eme{iide-D.Staatsarb. Filiale tiroB-Berlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz der Kollege Karl Qesch welcher in der Werkstatt der ver. liner Wasserwerke beschäftigt war, verstorben ist.„,. Wir werden ihm ew ehrmdeS Andenkm bewahren. Die Bestattung findet am Miltwoch. den 22. Januar, nachmittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des Gemeinde- Friedhofes Lichtenbergs in Marzahn auS statt. 33/2 Die Ortsverwaltung. Am 20. d. Mts. verschied nach langer Krankheit unser verehrter Chef Herr Wilhelm Handke. Der Dahingeschiedene war uns ein humaner Arbeitgeber und werden wir ihm ein dauerndes Andenken bewahren. 2143b Die Beerdigung findet am 23. d. Mts., nachmittags ft,2 Uhr, au! dem Marien-Kirchhof(Prenzlauer Allee) statt. Die org, Arbeiter der Firma Wilhelm Handke. Sozialdemokr. Kreis-Wahlyerein Riederbarnlm. Bezirk Stralau. Den Genossen zur Nachricht, datz der Genosse Fnedridi Lflcking am Sonntag, den 19. d. Mts.. verstorben ist. 240/5 Ehre seinem Andeiiken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Januar, nach- mittag« 21/, Uhr, von der Stra- lauer Leichenhalle au» statt. Um rege Beteiligung ersucht vie Bezirksleitung. Spandau. Sozialdemokratischer Wahlferein Bezirk Mo. 4. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Genosse, Bauarbeiter Hermann Wieland Gartenstr. 9, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. d. Mts., nach- mittags 2 Uhr, von der Leicken- halle des Friedhofs in den Kisseln aus statt. 281/19 Um rege Beteiligung ersucht «rstand. Am Montagabend 9 Uhr ver- schied nach kurzem, schwerem Krankenlager unser lieber«ohn und Bruder Otto im achten Lebensjahre. 2144d Die« zeigt tlesbeirllbt an Franz Theuergarten, Driesener Strasse 18. Die Beerdigung findet am kreitagnachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Zentralsriedhoses n Friedrichsselde aus statt. Sozialdemokratischer Vahlvereio (ieiikölln. Am 20. Januar verstarb unsere Genossin Ottilie Krause (3. Bezirk), Pannierfir. 19. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. b. M., nachmittags 2'/, Uhr, vom Gemeinde- sriedhof, Mariendorser Weg, aus zahlreiche Beteiligung er. Der Vorstand. Um W6/5 Verband der Steinsetzer, Filiale Berlin Den Mtglledern zur Nachricht, datz unser Kollege und Ehren- Mitglied Pelz am 18. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. ö. M>S., nach- mittags 4 Uhr, von der Hall« des Michaet-KirchhofeS, Mariendorfer Weg in Britz, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 17S/3 Der Borstand. !:i A ODA»» OD rSW C�Ha&4ov4 Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner llcben Frau Slartha Blchter geb. Schwalenberg sage ich allen Verwandten, Freunden und Be- tannnten sowie den Mietern des Hauses Pannierstratz« 12 und den Kollegen der KlaviatursabrU von F. Wernccke meinen besten Dan!. 12A Albert Richter. Deotseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Nachruf. Den MU gliedern zur Nachricht, datz uuser Kollege, der Arbetter Gustav Behrendt am 11. d. Mt». im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Am Sonnlag. 19. Januar 1913, kurzem Leiden der verschied Maurer nach •Julius Keilmann im 65. Lebensjahre. 45A Um stille« Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Miltwoch, den 22. Januar, nachmittags 8'l, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Luisen-Kirchhoses, Fürstenbrunner Weg, auS statt. Danksagung. Dt die Beweise herzlicher Teil« nähme und Kranzspenden bei der Einäscherung unseres lieben Freund«» Zksx Schnitze sagen wir allen Betelligten herzlichen Dank. FnnilUv Kfither. i iQhrenstr, [Dieser PKrsc�- jtfante \xm 159' ,(änTra nKfu rte est rr i 1 5.• nventur; 9WWWWWWWWWWWWWW# Zweek* Maler R loraig eieteer FebHkaBee eas der Wtoter-Sabee D 'VerkauMedem-ri+Prelse! Belanlele:_" • Belaplele:• ||| M früher bis 33.- fetzt 9_ U I S B 6 F rfr-£er uis 72--'eW 20— • Mw■ früher bis 112.- jetzt 30.—. früher bis 86,- jetzt 20._ früher bis 182.. jetzt 52._ früher bis 296.« jetzt 90« Kostüme ks??* N»= Plüsclmiiintel früher bis 158.- fetzt 48_ PelzmSntel. B usee tel, Beeellechatteklelder. Abendmintel. RBcke. i M am- weit Hater KaUiulntion I"W j j Soantag oeaRaet 1 1-4 Uhr. Deotseber Rolzarbetter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den MUgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Maschinen- arbetter Paul lallcenberxer Petersburger Platz 2. im Wer von 41 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 22. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle de« Zenttalsriedhoses w Friedrichs- felde auS statt. 77/20 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am Sonntag, den 19. Januar, verschied nach kurzem Leiden am Herzschlag unsere inniggeliebte Mutter und Schwiegermutter v/we. Anna Schmidt geb. Bauer kurz vor vollendetem 70. Lebens- fahre. 42A Georg Schmidt, Schmidt. SawktnS u. Frau GlssT geb. Will. skar Schmidt u. Frau Bauda geb. Kolze. DieBeerdigungerfolgt Donners- tag. den 23. d. MtS., nachmtttags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Johannis- Kirchhofes in Plötzensee. Kr die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be. erdigung meines lieben Mannes. unseres guten Vaters. Schwieger. und GrotzvaterS, de« Bäckermeisters Gustav Niexe! sag«n wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten des Entschlafenen, sonne der Vereinigung der Bäcker- meister von Berlin(Eoncordia) unseren herzlichsten Dank. L145b Im Namen der Hinterbliebenen I-nlzv Bilegel geb. Fehrmann. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teunabme bei der Beerdigung meiner lieben Frau lag« ich allen Bete.Iigten meinen herzlichen 45 j Karl Schwarz. Danksagung. Für die herzliche Tellnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung nnseres lieben Bruders Hermann Wolter sagen wir allen seinen Freunden und Kollegen, insbesondere dem Ge- sangverem Immergrün herzlichen Dank. Im Name« der Geschwister und Verwandten Fritz Wolter. Krankengeld-Zuschui)- und Begräbniskasse der Berliner Knopfarbeiter und verwandter Gewerbe. Ordentliche General-Versammlung am Tonnabend. den 25. Januar 1913, abends 8 Uhr, bei Kurth, Berlin. Wrangelftr. 105. Tagesordnung: 1. Kassenbericht») vierteljährlich, b) jährlich. 2. Wahl bei GesamtvorfiandcS und der Revisoren. 3, Innere Kassenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 2111B Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Verztaud. I. A.: F. Holtmann, 2. Schristsührcr. Extra- Abteilung M. Gesch.: BeriinW.. Mohren-, StraBe37a(2. Haus von der j Jerusalemer StraSe). | II. Gesch.: Berlin NO.,Greee| Frankfurt. Str. IIS(2. Haus j von der AndreaestraBe). 1 Sehxgr.Ausw. fert. Kleider, i J HOte, Handschuhe, Schleier! leto. v. elnfacheten bis zum[ 1 hochelegant. Genre z.äufierbt j niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: ülaOan Fertigung in 10 bis 12 Stunden. Klumtu- unö �rnnibiubrrd von Roberl Meyer,* Jnh.: F: Dolletz Mariannenftr. 2. Tel. Mpl 346. MM Kliilj; Fertig am Lagen iefirodt-AHägeMfi* SiB!(iD5'Jlnz8geS;�40M Frad[-llDzige%ä;40u äeiokleldir\ Fertige echwerxe Kleidung für Knaben und Jünglinge{ :s in grSBter Answsbl Peine M»B• AnlfrOgcng{ :« In c». 10 Standes Baer Sohn Kleider• Werke Berlin. Gegt 1801. Cbsutiewli sSe 29— 30. lt. BrüokenelraSe II. 6r. Frankfurter Str 20. Sehineben. Hauetttr 10. Utr Dermltllngssttlle Kerliu. C. 54, Fimtnstr. 88—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kasfierer: Amt Norden 18S. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239. 9714. Donnerst« in erstag, den SS. Januar 1013, abends 8 Uhr den Andreas-Festsäle», Andreasstraße 21 Allgemeine Klempnerversammlung Berlins und der Vororte. Tagesordnung: 1.„Die gegenwartige Situation in unserem Beruf und was ist zu tan.'* Referent: Kollege Cohen. 2. ZöiSlussion. 3. Branchenangelegenheiten. 1U/6 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung und da andererseits der Ablauf deS TarifeS vor uns steht, ist es notwendig, datz alle Kollegen erscheinen, insbesondere die Kollegen auS den Vororten, sowie diejenigen aus den kleineren Betriebe». Bringt auch die Unorganisterten mit. Die Vertrauensleute werden ersucht, um 7 Uhr im obigen LolaI zu erscheinen. Donnerstag, de« 23. Januar 1013, abends 8 Uhr» i«, tSewerktckaktshaus, Engelufer 1», Saal 1 == Branchen-Verfammlung= aller in den Eisentnöbel- und Möbelschloßbetrieben beschäftigten Kollegen sowie Zeugschmiede und Schwarz- ■ 1 blechschlosser.======= Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen M. Schütte. 2. Jahres. bericht der Branchenlommisfiou und Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist vollzähligs Erscheinen unbedingt ersorderlich._ Die Ortsverwaltung. f IWffir-Wil OtavistraSe8S.SS. Verwaltung Berlin. Möbelpolierer (Bezirk Weißensee). Donnerstag, den 23. Januar, abends ß1/« Uhr, im„Prälaten", Lehderstraße 122: Srsnvken-Verosmmwug. Tagesordnung: 1. Die Unternehmer auf dem Kriegspfade. Reserent: Kollege A. Ifigbnr, Berlin, 8. Wahl der Kommission. 3, Ausstellung der Dele- gierten zur Generalversammlung. 4, Branchenangclegenheiten._ 77/19 MM Donnerstag, den 23. Januar, abends 8'/, Uhr» in den Pharnssälen, Müllerstr. 142': Öffentliche Bersammlnng. Tagesordnung: Vortrag des Kenolsen Dr. Kloses über: „Derchll reiche Kinderseges im Arbeitechims!" Diskussion. Fragcbeautwortung. 281/17 Eintritt frei l Ausnahmen für den Verein werden in dieser Versammlung entgegen. genommen sowie auch beim Vorsitzenden Otto Wölke. Brunnenstr. 8 t. Querstratze an der Müllerstratze, sind in neu erbauten Häuser» mit Hofgärten(Teppichklopsplatz lind Mülllästcn im separaten Hos, Keller-Eingang) i lind 2 Zimiiitt-Mchmgen mit Warmwasserversorgung per sosort oder 1. April 1913 billig zu vermieten. Zu ersragen im Verwoltu n gSbu r c au, Nr. 35/36._ 267/18» Pianos liefert Pianoiabrik auf Teilzahlung sehr preiswert bei massig. Zinsrereiitang. öeBenseitige Diskretion Bedingung. Gefl Anfragen unt. J. O. 8985 bef. Hudoll Moese, Berlin SW. Büchtiandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden) Wie wird die StaatsaogehSrigkeit erworben? Ein FBhror deich das Recht der Staats- und Reiclisangehüriskeit. Von H. Laims. Preis 25 Pf. 247119 Kuiittftopferei von Frau KokoSkh vchlachtentee. Kurstrntze 8 III._ □ □□ DDD □□□ Theater und Vergnügungen DUD 000 □□□ schlöffet von Versailles. Hörwal 8 Uhr: Allerlei Wege Mittwoch, 22. Januar 1913. Ansang 3 Uhr. Kurfurftenoper. Der Troubadour. Ansang VI, Uhr. Kgl. OpernpauS. Der Barbier von Sevilla. Kgl. Schau ipielbans. 1812. Deutsches. Der blaue Vogel. Zirkus'-Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Antang 8 Ubr. Urania. Paris und die Königs- Ve.,______ Dr. SB. Bernd t: ___ zur Arterhaitung. SroU. Der gutsitzende Frack. Kuriürsten-Ovcr. Stella maris. Deutsches Opernhau». Tiesland. Drianon. Wenn Frauen reisen. Srffing, Einsame Menschen. Dheater am Nollendorfplatz. -Sludentengräfin. Kammerspiele. Fiorenza. Köntggräner Strohe. Geschlossen. Groft.Verlin. Das Fürslcntmd. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. --Berliner. Filmzauder. Montis Operetten. Der heMge Antonius. Kleines. Proseffor Bernhardt. Residenz. Di- Frau Präfidentin. Tbatia. Puppchen. Luisen. Bertin-Hamburg-New Jork. Atetropoi. Ehaufseur— ins MctropoL »omödi. nhan». Die GeneralSecke. Rote. Met» Leopold. Herrnfeld. Dt« Alpenbrüder. Wüsten. moral. Schiller O. Emilia Galotti. Schiller-Chariottenburg. Hedda Gobler. Easino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarte«. Spcvialstäten. Apollo. Brüderlein sein. Speziall. »aien. ReichShallen. LavaUori» Lokutti- cana. Anfang 8'/, UBr. Lnftspielbaus. Majolika. Frtedr.> Wild. Schauspielhaus. Der Zaungast. Walhalla. Goldener Letchtfinn, Folie* Eaprice. In Sachen Katzen- stein. Die Doppelftrma. Die Tochter der Braut. Anlang 8'/, Ubr. ReueS VolkStheoter. Michael Kramer. Ansang 9 Ubr. Rdmiralspalast. EiSballett: Flirt in St. Moritz. »« Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62- Ledillel'-l'dealei'g.H�' Mittwoch, abends 8 Uhr: Zur Feier von Lesfings Geburtstage: Emilia Galotti. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wolkenkratzer. Freitag, abends 8 Uhr: Hedda Habler. Sehiller-Theaier Chabu??.en Mittwoch, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Schmetterlingsschlacht. Freitag, abends 8 Uhr. zum 1. Male: Uriel Acosta. BeFliner Theater. svhr- Filmzauber. Theater in der KiDiggriltzfir Straße Heute geschlossen. Donnerstag. 7 Uhr. zum t Male: Brand, Deutsche, Schaaspielhans 8 Uhr: Der gute Ruf. Theater am Nolleitlorlplatz i An allen Tagen der Woche 3 Uhr: Diu Studentengräfin. Residenz-Theater, s Dir. Die Fraa Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwant 1 3 Alt. v.Hennequin u. Beber. Morgen und folgende Tage: Die Iran Präsidentin. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der keilige Antonius. l-uisen-Ttiesler. Mittwoch, abends 8 Uhr: Berlin- Hamburg- New Dort. Kr. rom- komisch. Ausstattungsstück von Ernst Rllterseldt. Musik von Georg Runsky, Donnerstagu. sola. Tage: Berliu- Hamburg- New Uork. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Premiere.- Der Wunsch- Peter«. das Glücksglasmänutei». OH-THe/tie |(Brohe FrantiuNer Sir 132. Mm Leopold. —' Bolksstück m. Ges. in 3 Akten von Adolph LArrong«. Musik R. Bial.— Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Mein Leopold. Sonntagnachm, 3 Uhr: Kabale und I-lebe. von Metropol-Theater Chauffeur- Ins Mropol! Grotze JabreSrcoue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a* O. mit gänzlich neuem Repertoire l Abends 8 Uhr. Rauchen gestattet. A.dsndsad8(7l:r! Vorletzte fVoebe! desjgrandiosen Programms. Helsa Ritsehie Comp. Knill und Kroll. Darlus Yana. 8"/, Uhr: „Brüderlein fein". Alt-Wiener Singspiel von Jnl. Wilhelm. Musik v. Eeo Fall. Usw. MMld Der Höhepunkt des Lach-Erfolges! mit Union und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorvcrk. 1l— 2(Theattrf.) Wallialtä-Theater Weinbergsweg 10/20. Rosenthal. Tor. Allabendlich 8>/. Ubr: Goldeuer Feichtfinu. örsusrö! frlsrlrielislrmn Heute Elitetag k an» Kvnlg«toi-. D as grölwto amüsanteste Donnerstag, den 23. Januar, abends S'/i Uhr, im Gcwerkachattshause: Generalversammlung. 1. Vortrag. Herr Dr. AlD-ed Guttmann: 2. Geschäftsbericht des Vorstandes, Kassierers und der Revisoren. Diskussion. Die Hltylledakarte dient alz Eogltlmatlon für die Besucher der Generalversammlung. Ex tra-Opern Vorstellung Sonntag, den 2. Februar, 3 Uhr nachmittags, im Dentsehen Opernhanse(Charlottenburg): Mozart: Figaros Hochzeit. Bagerische Bockbierfest. | Außerdem: DUS KOSiÜffl Iii 10 MiüQteD. Antang 8 Ehr. Urania Wissenschaftliches Theater. TanbcnatraBe 48/49. 8 Uhr: Paris und die KOnlgs- schldsser von Versailles. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. 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Oktober 1911 habe der Magistrat den grundsätzlichen Beschlutz gefatzt, eine kommunale Woh- nungsaufsicht einzuführen, aber bereits erheblich früher habe er sich mit der Angelegenheit beschäftigt. Der Eifer, mit dem hier der Berliner Magistrat öffentlich festzustellen sucht, datz er nicht erst durch andere aus seinem Schlaf habe aufgeweckt werden müssen, wird auf alle Kundigen erheiternd wirken. Die Begründung sagt auch, warum der Magistrat nicht erst noch darauf gewartet hat, welchen Erfolg seine im Juli 1912 an die Staatsregierung gerichtete, bisher unbeantwortet gebliebene Ein- gäbe um Uebertraguug der Wohnungspolizei haben wird. In der Oeffentlichkeit werde die irrige Meinung vertreten, es sei dem Magistrat mit der Wohnungsaufsicht nicht ernst und sein Antrag auf Uebertraguug der Wohnungspolizei solle nur der Ver- schleppung dienen. Nicht beeinflutzt durch derartige Auffassungen, sondern im sachlichen Interesse glaube der Magistrat, nicht länger zögern zu sollen. Er wolle, allein im Vertrauen auf die werktätige Förderung seiner Aufgabe durch„alle besonnenen Kreise der Bürgerschaft ohne Unterschied des Standes und der Partei", schon jetzt den Versuch machen, die Aufgabe nach Mög- lichkeit zu lösen. Festgehalten werde aber an der Hoffnung, datz die Stadt doch noch die Wohnungspolizei erhalten werde. Ohne sie könne auf die Dauer keine voll befriedigende Arbeit geleistet werden, weil bei Ausübung der Wohnungsaufsicht und Wohnungs- pflege gegenüber bösem Willen nicht ohne Zwang auszukommen sei. Doch werde die Wohnungsaufsicht keineswegs in polizeilichem lileist aufgefatzt, sondern in erster Linie als eine Maßnahme sozialer Wohlfahrtspflege angesehen. Als ersten Teil der Aufgabe nennt die Vorlage„die amtliche und unparteiische Erforschung der Zu st än de, wie sie wirk- lich sind". Es seien in der Oeffentlichkeit dauernd so viele Be- hauptungen über die im Berliner und Grotzberliner Wohnungs- Wesen herrschenden Zustände ausgestellt worden, datz es nicht länger angehe, sie ohne amtliche Klarstellung und, wenn nötig, Wider- legung zu lassen. Eine Probe davon wird sogleich gegeben, indem die Vorlage mit befremdlichem Eifer den nochmaligen Versuch macht, die durch den Propagandaausschutz„Für Grotz-Berlin" her- vorgerufene Streitfrage über Begriff und Zahl der„über füll- ten Wohnungen" zu entscheiden. Hiernach wird vielleicht mancher Hausbesitzer auf die Idee kommen, das geplante Wohnungs- amt der Stadt Berlin sei als Institut zur Bemäntelung der Ber- liner Wohnungsmisere gedacht. Die zweite Aufgabe soll die sein,„im Rahmen des Erreich- baren die Mißstände im Wohnungswesen abzu- st e l l e n". Zu diesem Zweck soll praktische Wohnungspflege ge- trieben werden, wobei das Moment der polizeimätzigen, Kontrolle möglichst in den Hintergrund treten soll. Die Wohnungskontrolle soll sich im wesentlichen auf die Kleinwohnungen erstrecken, weil im allgemeinen nur hier die Notwendigkeit behördlicher Ein- griffe vorausgesetzt wird. Bei den Wohnungen mit Schlaf- stellen ist beabsichtigt, sie größtenteils jährlich einmal zu kon- trollieren. Die Wohnungen werden besichtigt, und dabei wird auf die Beseitigung vorgefundener Mißstände hingewirkt, zunächst nicht durch Zwang, sondern durch gütliches Zureden und durch Erteilung von Ratschlägen. Die Mieter will man auf„Wohnungs- Unsitten" hinweisen und an zweckmäßige Behandlung ihrer Wohnungen gewöhnen, die Vermieter aber sollen zur Beseitigung baulicher Mißstände angehalten werden. Die Mieter können freilich die ihnen gegebenen Ratschläge oft infolge ungünstiger Einkommensverhältnisse nicht befolgen, können für eine große Familie keine entsprechend große Wohnung mieten, müssen in ihre kleine Wohnung sogar noch Schlafgänger hineinnehmen usw. Da sollen aus den Mitteln der zur Besserung des Wohnungswesens schon früher geschaffenen „König-Friedrich-Stiftung"— man hofft ganze 42 009 M. pro Jahr zur Verfügung zu haben— kleineBeihilfen gewährt werden. An die Spitze der Organisation soll eine Deputation gestellt werden, die sich init den großen Aufgaben im allgemeinen zu be- fassen hätte. Der Schwerpunkt der praktischen Tätigkeit wird aber in einer besonderen Dienststelle liegen, in dem Wohnungsamt, das aus Äerufsbeamten gebildet wird. Es wird sich zu- sammensetzen aus einem höheren Beamten als Leiter, aus Woh- nungsinspektoren und Wohnungspflegern, die die Wohnungs- kontrolle ausüben sollen und Fachbildung haben müssen, und end- lich aus dem nötigen Bureaupersonal. Vorgesehen ist auch die Mitwirkung von ehrenamtlich tätigen Bürgern, die in besonderen Wohnungskommissionen der einzelnen Stadtteile ver- einigt werden. Die Organe des Wohnungsamtes sollen, sagt der Organisationsentwurf, ferner Fühlung nehmen mit den Staats- behörden, mit den verschiedenen Verwaltungsstellen der Stadt, mit Kirchengemeinden und Vereinen. Die Vorlage ist für die nächste Stadtverordnetensitzung auf die Tagesordnung gesetzt worden. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Im dritten Kreis steht uns das Lokal„Oranienhaus", Oranien- straße 70, Ecke Kommandanienstraße 43(Jnh. Beermann), zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Südcnde(I.-B.) ist nur das Saallokal von Dahl frei. Alle übrigen Saallokale sind für die organisierte Arbeiterschaft gesperrt. In Lankwitz ist das Lokal von Ebel. Mühlenstraße 9 für organisterte Arbeiter gesperrt. Nunmehr steht uns im alten Orts- teil von Lankwitz nur da« Lokal von H. Schulz, Mühlenstraße 21, bedingungslos zur Verfügung._ Die Lokalkommission. Dritter Kreis. Am Sonnabend, den 25. Januar, feiert der Wahlverein im Gewerkschaftshause sein 22. Stiflungsfest. Für ein gutes Programm ist gewrgt. Bei dem billigen Euunil von 30 Pf. hofft der Vorstand auf zahlreichen Besuch der Mitglieder und ihrer Angehörigen. Marieafelde. Am Donnerstag, den 23. Januar, abends S'/z Uhr. findet im Lokul von Fricke, am Kiepertplatz 7, die Fortsetzung des Kursus über die Technik der Landtagswahlen statt. Zossen. Am Donnerstag, den 23. d. Mts.. abends 8 Uhr. findet bei Scherler gemeinschaftlich mu dem Dabendorfer Wahl- verein der erste Lortragsabend über � die Technik der Landtags- Wahlen statt. Referent: K. Heinig- Grog-Lichterfelde. Mahlsdorf fOstbahn). Die Gemeindewählerliste liegt nur bis zum 30. Januar im Rathaus während der Geschäftszeit von 8 bis 3 Uhr zu jedermanns Einsicht aus. Besonders die Parteigenossen wollen dafür sorgen, daß die Gemeindewähler sich von ihrer Ein- tragung in die Wählerliste überzeugen. Bernau. Freilag, den 24. Januar, abends gt/g Uhr, findet bei Rich. Wünsche iGewerkschastslokal) der zweite Bortrag des Genossen Zimmerinann über Nalurerlenntnis statt. berliner I�aclmcbten. Jahresbericht der Arbeiterbildungsschule. Das vor 21 Jahren vom verstorbenen Genossen Liebknecht gegründete Institut zur Hebung und Vertiefung der Ar- beiterbildung hat wiederum eine Etappe fleißigster Arbeit und rührigsten Vorwärtsstrebens überschritten. Ter Bericht über die Tätigkeit vom 1. Oktober 1911 bis 39. September 1912, den die Leitung der Arbeiterbildungsschule herausge- geben hat, gibt eine interessante Uebcrsicht von dem segens- reichen Wirken dieser für die Arbeiterschaft einfach unentbehr- lichen Lehranstalt. Wie in deni Bericht hervorgehoben wird, hatte die Reichstagswahl von 1912 schon ihren Schatten vorausgeworfen, indem in der Vorbereitung der Lehrkurse bereits von vornherein aus diese enünent wichtige Volksaktion Rücksicht genommen wurde. Die Thematas wurden denn auch im 4. Quartal 1911 teilweise so gewählt, daß sie den Hörern theoretisch und praktisch in den kommenden Kämpfen wert- volle Fingerzeige boten und das Rüstzeug ihres Wissens vermehren halfen. Besonders die Kurse über„Die Theorien und Programme der bürgerlichen Parteien" und„Sozialpolitik und Gewerkschaften" sollten dieser Aufgabe dieilen. Mit dein Besuch der einzelneu Lehrfächer kann die Schule bis auf eiits,„Sozialpolitik", zufrieden sein. Die Teilnahme kktnn sogar als eine sehr gute bezeichnet werden, da die Zahl der eingeschriebenen Hörer von 96,3 Proz. in„Gesetzeskunde" bis auf 90 Proz. in„Nationalökonomie" stieg. Auch die Sonntagsversammlungen waren durchweg stark besucht und die wissenschaftlichen und künstlerischen Vorträge fanden ungeteilten Beifall. Als Lehrer waren im Berichtsjahre folgende Herren tätig: Julian Borchardt, Ernst Däumig, Emil Dittmer, Emil Eichhorn, Max Grunwald, Konrad Hönisch, Inda Rubin, Georg Schmidt, Emanuel Wurm. Hörerkarten wurden im 4. Quartal 1911 861 an 706 Mitglieder, im 1. Quartal 1912 1112 an 867 Mitglieder und im 2. Quartal 1912 598 an 591 Mitglieder ausgegeben. Im 4. Quartal 1911 waren 1067 Mitglieder eingeschrieben(66 Damen, 1001 Herren): von diesen besuchten: keinen Kursus einen„ zivei Kurse 361 578 108 drei Kurse vier fünf 14 S Im 1. Quartal 1912 waren 1453 Mitglieder eingeschrieben(132 Damen, 1321 Herren): von diesen besuchten: keinen Kursus einen„ zwei Kurse drei„ 584 681 142 33 vier Kurse. fünf r Im 2. Quartal 1912 waren 1026 Mitglieder eingeschrieben(90 Damen, 936 Herren): von diesen besuchten: keinen Kursus einen„ zwei Kurse 525 426 60 drei Kurse vier fünf Im Geschäftsjahr 1911/12 ließen sich an Mitgliedern einschreiben 1811, darunter 4 Jahresmitglieder(153 Damen, 1657 Herren). In bezug auf die Zugehörigkeit zur politi- scheu und gewerkschaftlichen Organisation gehörten ersterer 67. letzterer 418, beiden Organisationen 1076 an, während 250 keine Angaben gemacht haben. Ueber die Altersstufen der Mitglieder wurde folgendes festgestellt: Unter 20 Jahre 174. 20 bis 30 Jahre 1401, 30 bis 40 Jahre 372, 40 bis 50 Jahre 55, 50 bis 60 Jahre 7 Mit- glieder. 1651 Mitglieder haben den Beruf angegeben. Es sind darunter auch folgende Gewerbe vertreten: Ehefrauen 10, Zeichner 10. Kaufleute 8, Bildhauer 8, Kontoristinnen 8, Stenotypistinnen 7, Techniker 7, Schriftsteller 5, Bankbeamte 3, Buchhalter 3, Chauffeure 3.' Gastwirte 3. Redakteure 3, Aerzte 2, je 1 Artistin, Buchhalterin, Dentist, Dentistin, Diener, Direktrice, Drogist, Inspektor, Journalist, Juwelier, Klavierstiininer, Kovrektorin, Laborant, Lehrer, Musiker, Photograph, Photographin, Präparator, Rechtsanwalt, Ret- sender, Schornsteinfeger, Schriftstellerin, Stenograph, Stickerin und Studentin. Ein erfreuliches Resultat hat auch die Bibliothek zu ver- zeichnen. Sie verfügte am Schluß des Geschäftsjahres über einen Bücherbestand von 2612 Bänden, 201 Bände mehr als ain Schluß des vorigen Jahres. Die Bibliothek war insge- samt an 178 Tagen geöffnet. Ausgeliehen wurden 3041 Bände. Die Ausgaben für Neuanschaffungen. Ergänzungen und Buchbinderarbeiten betrugen 253,10 M. Aus der folgenden Tabelle ist zu ersehen, wieviel Bände in jedem Wissensgebiete vorhanden sind und wieviel davon ausgeliehen wurden. Vorhandene AiiSgelichene B. Gesetzgebung und Statistik...... C. Geschichte. Kulturgeschichte, Memoiren und Biographien..'......*• D. Naturwissenschaften, Reisen und Gesund- Heilspflege........... E. Philosophie, Ethik und Religion..... E. Literatur............ Gl. Pädagogik und Volksbildung..... 11. Kunst und Technil......... L Politische und gewerkschaftliche Prolokolle und Jahresberichte....... L. Fremdwörterbücher, Lexika und(Nachschlage werke)........... Es sei hier erwähnt, daß den Mitgliedern Gelegenheit gegeben war, sich verschiedene wissenschaftliche Werke durch Vermittelung der Bibliothek selbst anzuschaffen, wovon reich-, lich Gebrauch gemacht wurde. Es haben sieben Sonntagsversammlungen stattgesunden, die von 2486 Personen besticht waren. Es wurden daselbst folgende Thematas behandelt: Rückblick auf die Dresdener Hygieneausstellung, Goethe, Entwickelungstendenzen der Woh-' nungskunst, Die Entwickelung des Lebens im WeltenrauM, Monarchie oder Republik, Der heilige Antonius von Padua, Die Berliner Denkmäler lind der Volkswitz, Bunter Abend, Lieder zur Laute und Rezitationen. Zuni 21. Stiftungsfest hatte die Schulleitung einest Richard Wagner-Abend veranstaltet, an dem Teile auf„Lohen- grin" und„Tannhäuser" linier Mitwirkung bewährter und bekannter Künstler aufgeführt wurden. Außerdem wurden Familienausflllge unternommen und Besichtiglingen von sehenswerten Betrieben, Erziehungs- Heimen usw. veranstaltet. Alles in allern zeigte sich, daß die Schule auch in diesem Lehrjahre wieder segensreich gewirkt und sich große Verdienste um die Aufklärung und Weiter- bildung des arbeitenden Volkes erworben hat. Der Hauswirt als Türhüter. In Berlin hat so ein Hauswirt schon seine liebe Not. Nach allem muß er selber sehen, wenn Ordnung in seiner Mietskaserne herrschen soll. Wird man glauben wollen, daß ein Hauswirt in eigener Person sogar auf der Lauer liegen mutz, um die Haustür zu bewacken? Ein Eigentümer des Hauses Chodowiecki st ratze 41, ein Schläckuermcister P f l u g r a d t, scheut selbst vor dieser Mühe nicht zurück. Seit längerer Zeit frißt an ihm der Grimm über ZeitungS- und Frühstücksboten. die im Morgengrauen sein Haus betreten. Er verlangt, datz bei ihm die Haustür nicht zu zeitig aufgeschlossen oder dann mindestens wieder zugeschlossen wird. Wie die Zeitnngs- und Frühstücksausträger immer wieder schon so früh in sem Haus hinein kommen, darüber zerbricht er sich den Kopf. Haben Mieter, die vor 6 Uhr ihre Wohnung verlassen mutzten, die Haustür wieder zuzuschließen versäumt? Oder benutzen ZeitungS- und Frühstücksansträger etwa gar besondere Hausschlüssel, oie Üjnen von Mietern eingehändigt wurden? Schon öfter hat es im Hause Chodowieckistratze 41 recht lebhafte Szenen gegeben, wenn einer Zeitungsfrau oder einem Bäckerboten im dunklen Hausflur plötzlich der Eigentümer Pflugradt entgegentrat. Herr Pflugradt führt den Kampf um sein„ Haust ürre cht" nicht nur mit kräftigen Worten, sondern wird gelegentlich auch handgreiflich. In der vorigen Woche hat eine „VorwärtS"°AuSträgerin in diesem Hause mit dem Herrn Hauswirt einen Zusammenstoß gehabt, der leicht für sie schlimm hätte enden können. Als sie um 1/47 durch die offenstehende Haus- tür in den Flur gelangt war, sah sie sich plötzlich einem Manne gegenüber, der mit ausgebreiteten Armen ihr den Weg sperrte. ES war Herr Pflugradt, der zu so früher Stunde sich wieder mal der Mühe unterzog, Haustürkontrolle zu üben.„Wer hat das Hau? aufgeschlossen?" examinierte er in scharfem Ton.„Haben Sie einen Hausschlüssel?" Die Frau verneinte, aber er befahl:„Schließen Sie sofort das Haus zu!"„Sie sehen doch", antwortete sie,„datz ich keinen Schlüssel habe." Da packte der yrotze starke Mann.die kleine schwächliche Frau bei der Hand und bog ihr mit kräftigem Griff die Finger zurück, um zu sehen, ob sie etwa doch einen Schlüssel verbarg. Weinend vor Schmerz rief sie:„Sie sehen doch, datz die Hand leer ist. Lassen Sie mich doch los! Sie zerbrechen mir ja die Finger.".„Ich will den Schlüssel haben!" herrschte er sie an.„Wenn Sie mich jetzt nicht loslassen, schreie ich um Hilfe." Als die geängstigte Frau in laute„Hilfe"« Rufe ausbrach, ließ er loS. Schon waren Hausbewohner aus den Lärm aufmerksam geworden, auch hatten Augen- und Ohrenzeugen die Entwickelung der Szene beobachtet. Die Frau ging dann über den Hos in beide Seitenflügel und gab dort ihi# Zeitungen ab. Als sie zurückkam, wollte sie noch inx Borderhause eine Zeitung abgeben. Weil sie von Pflugradt aufs neue bedrängt wurde, verzichtete sie darauf, so daß der Abonnent an diesem Morgen seine Zeitung nicht erhielt. Sie konnte das Haus nicht verlassen, weil jetzt die Tür zugeschlossen war. Auf ihre Bitte, die Tür zu öffnen, antwortete der Herr Hauswirt:„Das Haus wird um 7 aufgeschlossen". Inzwischen hatten sich auf der Straße zahlreiche Passanten angesammelt� die die Borgänge da drinnen bemerkt hatten Warnend rief man durch die Tür:„Machen Sie aus! Das ist Freiheitsberaubung I" „Ich bin hier Herr im Hause!" erklärte selbstbewutzt Herr Pflugradt. Erst als ein das Haus verlassender Mieler die Tür aufschloß. gelangte auch die Zeitungsausträgerin endlich auf die Straße. An den Folgen deS Abenteuers, das sie mit dem Hauseigentümer Pflug- radt zu bestehen gehabt hat, leidet sie noch. Die Hand, die er ihr gewaltsam öffnete, ist infolge von Schmerzen noch in ihrer Gebrauchs- fähigleit beeinträchtigt. Ob Herr Pflugradt weiß, daß die Tätigkeit eines Zeitung»- oder Frühstücksböten denn doch sehr viel weniger angenehm ist als die eines Schlächtermeisters und Hauseigentümers? Hat der Herr sich schon mal klar gemacht, wie diese Leute in sein Haus hineingelangen sollen, wenn seine Mieter in der Morgenfrühe die Wohnung verlasien müssen und rechtzeitige Lieferung des Frühstücks tote der Zeitung verlangen? Wir sind gespannt darauf,- ob Herr Pflug- radt den Kampf um die Haustür, den er gegen Zeitnngs- und Frühstücksausträger führt, fortsetzen wird. Tut er das. dann wird er es vielleicht dahin bringen, daß Zeitungsfrauen und Bäckerboten sein Haus zu früher Stunde nickt mehr betreten. Mag sein, daß das Herrn Pflugradt sehr angenehm wäre. Was würden seine Mieter dazu sagen? WennS einer von der Polizei ist! Auf den Bahnsteigen kann man täglich beobachten, daß Per- tonen, die noch rasch m einen schon abfahrenden Zug steigen wollen. von den Bahnbeamten energisch daran verhindert werden. Mit Reckt I Denn es lohnt sich wirklich nicht, um eine kurze Spanire Zeit Leib und Leben zu riskieren. Manch einer hat das auch schon mit einem Strafmandat büßen müssen und konnte mit Groll im Herzen zwei schöne harte Taler berappen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Als sich kürzlich auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein Zug bereits in Bewegung gesetzt hatte, kam noch in aller Eile ein Polizeioffizier dahergestürmt. um sich auf das Trittbrett zu schwingen, Nack den Dienstvorschriften und den üblichen Gepflogenheiten des Bahn- Personals hätte man nun annehmen sollen, daß der Offizier am Ausspringen verhindert worden wäre. Weit gefehlt I Der Bahn- beamte gebrauchte seine Hände nicht dazu, den Herrn Polizeioffizier zurückzuhalten, sondern ihn in daS Abteil des fahrenden Zuges hinein zu bugsieren. Gewiß, an sich ist das kein weltbewegender Vorgang, aber er fällt auf. Wir wissen ja aus der täglichen 4Zrsahrung, daß Polizei- beamte, besonders höhere, auf der Straßenbahn mitgenommen werden, desgleichen Osfiziere der Truppe, wenn auch schon die vor- geschriebene Anzahl von Fahrgästen auf dem Wagen ist und kurz vorher Zivilpersonen abgewiesen wurden. Man hat auch schon beobachtet, daß Wagenführer langsamer fuhren, wenn ein Offizier unterwegs abspringen wollte. Es liegt dies nicht an den An- gestellten, es ist der militärische Geist, der mit seinem verderblichen Einfluß unser ganzes öffentliches Leben durchdringt. Familientragödie in Neukölln. Eine furchtbare Familientragödie spielte sich Montag abend in Neukölln im Hause Warthestr. 13 ab. Dort bat der frühere Gast- Wirt Ernst Fabian im Seitenflügel in ber ersten Etage eine kleine Wohnung inne. Fabian, der seit 14 Jahren verheiratet ist und drei Kinder hat, hatte vorgestern vormittag mit seiner Frau einen heftigen Wortwechsel. Gegen 7 Uhr abends bemerkten Hausbewohner, daß aus der Wohnung ei» Gasgeruch drang. Erst gegen 11 Uhr, al» der Geruch immer intensiver wurde und auf Klopfen niemand mit« wortete, öffneten Hausbewohner die WohnungSMr gewaltsam. In der Stube fand man Frau Fabian mit ihren drei Kindern im Alter von 7 bis 12 Jahren leblos auf den Betten liegen. Frau Fabian hatte den Verschlufzknopf der Gasleitung ausgeschraubt, so dah das GaS mit voller Gewalt ausströmen konnte. Sofort aufgenommene Nellungsversuche, die von der Feuerwehr mit Sauerstoffapparaten gemacht wurden, waren leider erfolglos. Tie Zweimillionenfjhpothek für die„Neue freie Volksbühne" vom Stadtverordnetenansschust bewilligt. Der Stadtverordnetenausschast zur Vorberatung der bekannten Magistratsvorlage über die Gewährung einer städtischen Hypothek von 2 Millionen Mark an den Verein„Neue freie Volksbühne", auf das von ihr im sogenannten Scheunenviertel, jetzt Bülowplatz, zu errichtende Volkstheater, und über den Abschluß eines Zusatz- Vertrages mit der Eigentümerin des von der Stadt Berlin er- wordenen Scheuneiwiertels, tagte gestern abend unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Liebenow im Nathause. Oberbürgermeister Mermuth war mit dem Stadtrat Dr. Franz erschienen. Nach einer sehr eingehenden Erörterung wurde die Vorlage ein- stimmig angenommen. Donnerstag in acht Tagen soll die Berichterstattung im Plenum der Stadtverordnetenversammlung erfolgen._ Schwindeleien eines„Geisteskranken". Von einem raffinierten Schwindler, der unter dem Schutze geistiger Minderwertigkeit sich jeder Strafe zu entziehen weiß, ist eine Reihe großer Berliner Geschäftshäuser in empfindlicher Weise geschädigt worden. Vor einigen Wochen erhielten zahlreiche große Konfektionsgeschäfte einen Brief, der anscheinend von einem Rent- meister Behnsch aus Züllichau geschrieben war. Darin teilte der Unterzeichnete dem Geschäftsinhaber mit, daß er während seines Aufenthalts in Berlin im Schaufenster der betreffenden Firma einen Paletot oder Anzug gesehen habe, der ihm außerordentlich gefallen habe. Da seine Anwesenheit in Berlin nur wenige Stunden dauerte, hätte er in dem Geschäft nicht selber vorsprechen können und bittet nun den Inhaber, ihm eine Auswahlscndung von Ulstern oder Anzügen zu senden. Die Geschäftsinhaber, die sich fast aus» imhmsloS von dem Titel Rentmeister— in einigen Fällen unter- zeichnete der Schwindler auch als Anitssekretär— täuschen ließen. sandten an B. stets Waren im Betrage von mehreren Hundert Mark. Als nach einiger Zeit die von dem Besteller nicht gewünschten Waren nicht zurückkamen, wandten sich die Geschäftsinhaber schriftlich an Behnsch, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Schließlich kamen alle Briefe, die an B. gerichtet waren, mit dem Postvermcrk„Empfänger un- bekannt verzogen" aus Züllichau zurück. Die betrogenen Geschäfts- leute, zu denen auch die Firmen W. Wertheim. R. M. Maassen, F. R. Hahn, I. Lindenbaum u. a. gehören, übergaben die An- gelegenheit der Staatsanwaltschaft, erhielten jedoch schon nach kurzer Zeit den Bescheid, daß eS sich hier um den seit längerer Zeit wegen geistiger Minderwertigkeit entmündigten Kaufmann Behmch handle und�daß ein Verfahren, gegen ihn aus dem erwähnten Grunde nicht angängig sei. B., der wohl außerdem eine große Anzahl Firmen in Berlin und anderen Städten geschädigt haben dürfte, ist spurlos verschwunden._ Ein schwerer Straßeniahminfall hat sich am Montagnachmittag tn Tempelhof zugetragen. Der Schneidermeister Bergmann aus Halensee hatte gegen 3 Uhr nachmittags einen Straßendahnwagen der Linie 73 zur Fahrt nach Mariendorf benutzt, wo er geschäftlich zu tun hatte. Als der Waggon auf der Tempelhofer Chaussee die Kurve am Ringbahnhof passierte, stürzte B., der auf dem Vorder- Perron gestanden hatte, vom Wagen auf die Straße hinab. Unglück- licherweise schlug er so heftig mit dem Kopf auf das Pflaster auf, daß er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Man schaffte den Verletzten nach dem Garnisonlazarett in Tempelhof, wo ein schwerer Schädelbruch und innere Verletzungen festgestellt wurden. Durch Kurzschluß getötet. In dem HochspannungSlaboratorium der Allgemeinen Eleklrizrtätsgesellschast, Brunnenstr. 107», wurde gestern mittag der 23 Jahre alte Monteur Otto Simon infolge eigener Unn-vtsamkeit bei einem Kurzschluß durch einen sehr starken elektrischen Strom getroffen und auf der Stelle getötet. Zwei Personen bei einem Brande verunglückt. In der Schön- Walderstraße 25 sind Montag spät abends bei einem Küchenbrande zwei Personen verunglückt. Das Feuer entstand in der im ersten Stock gelegenen Wohnung der Blumenhändlerin Reuhl durch Ueber- kochen von Wachs. Der 12jäbrige Sohn Konrad wollte in Abwesen- heit der Mutter in der Küche Papierblumen überwachsen und hatte einen Topf mit Wachs auf dem Herdfeuer stehen. Plötzlich fing die Masse Feuer und im nächsten Augenblick ginge» auch die Fenstergardinen in Flammen auf. Aus das Hilfegeschrei des Knaben eilte der 19jährige Kurt des BezirkS-Schornsteinfegermeisters Lindow hinzu und suchte das Feuer durch Ueberwerfen eines Sackes zu ersticken. ES schlug aber hierbei nochmals eine Stichflamme hervor, die die beiden Personen ttaf und im Gesicht und an den Händen verbrannte. Die hinzugerufene Feuerwehr leistetete den Ber- unglückten die erste Hilfe und beseitigte jede weitere Gefahr.—- Ans Brandstiftung wird ein Feuer zurückgeführt, das in der Emdener Str. 8 in einer Wohnung zum Ausbruch kam. Der Brand vernichtete Betten. Möbel und Teile deS Fußboden?.— Wegen eines WasserrohrbrucheS wurde die Feuerwehr Dienstagvormittag gegen 9 Uhr nach dem zurzeit geschlossenen Bslleallionce-Theater gerufen, wo an der Feuerlöschleitung auf der Bühne ein Rohr ge« platzt war. Die Gefahr wurde durch Abstellen der Leitung beseitigt. Der„Verband der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend" hielt am Sonntag in den Sophiensälen seine Generalversainmlung ab. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden, Genossen Steiniveg. war zu entnehmen, daß dem Verband jetzt 61 Bereine angehören und daß er 16 eigene Kolonien besitzt. Die Einnahmen und Aus- gaben der Verbandskasie bezifferten sich aus 9124,25 M. Der Ver« band hat eine eigene Laubenfeuerversicherung, der schon zirka 1090 Mitglieder angehören. Auch die Zeitung„Der Laubenkolonist" konnte die Auflage im Geschäftsjahr verdoppeln. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich Neukölln, Reulerstr. 84. Zeugen gesucht. Am 89. Mai 1912, abends 7,46 Uhr ber- unglückte durch Ueberfahren von einem Privatauto in der Linkstraße vor vem Hause Nr. 38 ein alter Herr. Mehrere Arbeiter sowie andere Zeugen des Unglücksfalls trugen den Verunglückten nach dem Hause Nr. 40 derselben Siraße. Diese Zeugen werden ersucht um Abgabe ihrer Adrcsie an Friseur Emil Schmidt. Neukölln. Leytestr. 1. Ecke Hermannstraße. Vorort- l�acbricfotm. Schöneberz. Aus der Stabtverordncteuversainmlung. Zunächst fand die Einführung des Rechtsanwalts Dr. Maunk statt, der anüelle des Stadtverordneten Lulay gewählt wurde. Hierauf wurde die Neu- Besetzung der Ausschüsse vorgenommen. Unsere Genossen sind wie vertreten: Ausschuß für Anstellung und Wahlen von Ge- b u h? S�llve'rtreter: Hoffmauw In die uichtständigcn Aus- schüsse sind delegiert: Aenderung der Geschäftsordnung: Bern- sie i n, M o h s, M o l k e n b u h r; Herstellung einer eisernen Druckrohrleitung: Hofsmann und Mohs; Erweiterung der Druckerei: Kütcr. Magnan, Mohs: Bebauungs- und Flucht- linienplan für das Südgeländc: B e r n st e i n, Magnan. Molkenbuhr; Ausschuß für Abtretung einer Parzelle an die Gemeinde Boldixum: Hoffmann und Küter. Nunmehr erfolgte die Beratung der Einrichtung einer W o h n u n g s i n s p e k t i o n. Oberbürgermeister D o in i n i e n S erklärte eine Wohnungsinspektion für den Anfang einer Wohnungsreform. Es müsse Schritt für Schritt versucht werden, die vorhandenen Schwierig- leiten aus Zieseln Gebiete zu überwinden. Der Anfang lie-,e bereits vor in vem Groß-Berliner 5tleinwohnungenverein, der kürzlich gegründet wurde und dem der Magistrat als Mitglied beigetreten sei.— Stadtrat R a b n o w betonte, daß man vorerst sich in be- scheidenen Grenzen halten wollte, um erst das Vertrauen der in Betracht kommenden Schichten zu gewinnen.— Starke(Lib. Frkt.> begrüßte die Vorlage; er befürwortete das Wort Inspektion in Pflege umzuwandeln. Nicht bei allen Wohnungen sei eine Aufsicht erforderlich; trotzdem gebe es Wohnungen, die nur aus Stube und Küche beständen, in denen eine reiche Kinderschar und außerdem noch Schlafburschen vorhanden seien. Hier müsse die Wohnungspflege eingreifen, ebenso sei den Verwohnern scharf auf die Finger zu' sehen; wo derartige Mieter sich niederlassen, komme der Hauswirt aus dem Renovieren nicht heraus.— L i n i c u s lHausbes.-Frkt.) betont, daß gegen eine vernünftige Wohnungs- aussicht kein Hausbesitzer etwas eirnvenden könne. Fraglich sei nur. ob eine Dame als Pflegerin ausreiche, es wäre viel besser, ivenn ein Herr eingestellt und ein Beirat aus Sachverständigen eingesetzt würde. Genosse Mohs erklärte, daß«in erheblicher Teil Wohnungen vorhanden seien, in die weder Sonne noch Licht dringen und die man nur als die Brutstätten von KrankhcitSkeimen und-Erregern bezeichnen könne. Wesentlich sei,'den Bau von Wohnungen in ungeeigneter Lage sowie solcher mit schlechten Heizungst- und Lüftungsanlagen unter allen Umständen zu verhindern. Des- gleichen seien Lagerkeller und Wohnräume für Lehrlinge und Dienstboten, sowie Räume, in denen Obst und Grünkrauibestände lagern, scharf zu kontrollieren. Auch Häuser, in denen Kuhställe untergebracht, seien einer besonderen Beobachtung zu unterziehen. Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Hoffmann. Küter und Mohs angehören. Nunmehr gelangte die GründungeineS Hypotheken- bankvereins zur Beratung. Stadtrat Kay führte aus. daß schon seit längerer Zeit Er- ivägungcn darüber angestellt worden seien, wie der bedrängten Lage des Hausbesitzers abgeholfen werden könne. Tie Materie sei nicht leicht, wenn mau betrachte, daß viele Gemeinden bereits den Ber- such gemacht, aber nirgends das richtige getroffen haben. Man habe daher die Vereinsform gewählt und dadurch die Möglichkeit geschaffen, Pfandbriefe auszugeben, so daß sich auch ber kleine Kapitalist sich daran beteiligen könne. Vorläufig werden 15 Millio- uen Mari eingesetzt, sollte mehr gebraucht werden, dann wird der Betrag erhöht. Die Stadt stehe mit ihrem Vermögen dahinter und sei ein Risiko ausgeschlossen, wenn die Hausbesitzer sich zahlreich beteiligen. Dadurch werde cs möglich sein, die Entschuldung'deS hiesigen Hausbesitzes allmählich herbeizuführen. Von jedem Haus- besitzer wären 500 M. Eintrittsgeld zu zahlen, für Abschlußprovi- sionen 2 Proz.; die Hypothek sei unkündbar, sie werde durch Amortisation in 40 Jahren abgetragen. Elotl schall(Lib. Frkt.) meinte, eS müsse sehr vorsichtig vorgegangen und genau geprüft werden, ob auch alles zulässig sei. Die Vorlage an und für sich sei gut zu heißen. epner(wild) spricht sich für die Vorlage aus, bedauerte jedoch, daß das Eintrittsgeld so hoch sei.— Genosse 83 ernste in betonte, daß die sozialdemokratische Fraktion der Vorlage mit ge- mischten Gefühlen gegenüberstehe. Es werde in erster Linie dem besser dastehenden Hausbesitzer geholfen. Die einmalige Zahlung des Eintrittsgeldes werde dem kleinen Hausbesitzer viel schwieriger und ihn erheblich! stark belasten, daher sollten Ratenzahlungen zulässig sein. Grundsätzlich sei er und seine Freunde nicht gegen die Vorlage.— Dieselbe wird hierauf einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Küter und Obst angehören. Der Magistrat war schon vor längerer Zeit in eine Erwägung darüber eingetreten, ob und inwieweit eine Befreiung der privat- rechtlich angestellten Personen von der Versicherungspflicht der Privatangestelltenversicherung möglich ist� er ist zu dem Entschluß gekommen.-.daß sowohl aus praktischen wie aus rechtlichen Gründen eine Befreiung der im Privatdienstvertraiz stehenden Personen nicht angebracht erscheint. Die Frage, inwieweit auch die auf Kündigung angestellten Beamten zu versichern sind, ist auch noch nicht geklärt. Es soll zunächst für die Versicherungspflichtigen die Hälfte der Bei- träge übernommen werden. Genosse Molkenbuhr meinte,«s habe kaum ein Gesetz gegeben, demgegenüber sich die Behörden so im unklaren waren wie bei dem Gesetz für Privatangestellteiwerstcheruna. Vor allen Dingen müsse danach getrachtet werden, die Anwartschaft aufrecht zu er- halten. Die übrigen Fragen müßten in einem Ausschuß geklärt werden.— Es wurde beschlossen, die Vorlage dem EtatiKiusschuß zu überweisen. Hierauf gab der Vorsteher folgenden Antrag der sozial- demokratischen Fraktion bekannt; „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat,«ms Anlaß der zurzeit stattfindenden Verhandlungen betreffs Ein- g e in s i n d u n g von Treptow in Berlin, sich mit den Behörden der anderen Bororisgemeinden von Berlin in Verbindung zu setzen, um die immer dringender gewordene administrative oder mindestens steuerpolitische Vereinigung von Berlin mit seinen Vororten bei der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften Preußens eindrucksvoll zu betreiben." Dieser Antrag wird in der nächsten Stadtverordnetenversammlung verhandelt. Hierauf folgte geheime Sitzung. Friedenau. Die Errichtung einer Landkrankenkasse verlangt ein Antrag des GemeindevorstandeS, der in der morgen stattfindenden Sitzung der Gemeindevertretung zur Beratung steht. Es ist für das sozial- politische Verständnis der hiesigen Gemeindeverwaltung bezeichnend, daß sie stets die vom reaktionären Wilmersdorf beschlossenen arbetter- schädigenden Einrichtungen nachäfft. Noch nie hat man erlebt, daß die wohlhabende Gemeinde Friedenau aus eigenem Antriebe etwas im Interesse der arbeitenden Bevölkerung liegendes geschaffen. Kaum hat Wilmersdorf von dieser niederträchtigen Bestimmung der ReichSversicherungSordnung Gebrauch gemacht, da erscheint der An« trag de« GemeiiidevorstckttdeS, um im Wettlauf um die Palme der Rückständigkeit Friedenau keine Nasenlänge zurückbleiben zu lassen. Die Begründung, die der Friedenauer Gemeindevorstand seiner Vor- läge beigefügt hat. spricht offen aus, was der Zweck der ganzen Kassengründung ist. Der Teil der Begründung, in dem zum Aus- druck kommt, daß der Errichiung der Landkrankenkasse nur politische Molive zugrunde liegen, sei bier kurg wiederaegeben. Es Heid, darin* „DiegugehörigkeitderDienMotenzurLaiidkrankenkasseistdasWrBerlin- Friedenau BeveutungSvolle. Ihre Zahl beträgt in unserem Ort etwa 4890. also soviel, wie die OrtSkrantenkasse Mitglieder aller gegenwärtig versicherungspflichtigen Berufsarten hat. So wie die Landkrankenkassen an sich, so bildet auch die Einführung ber Dienstboten in die Ber- sicherungSpflicht und damit auch die Rechte der Versicherten etwas ganz Neues, daS nicht ohne Einfluß auf die soziale Stellung der Dienstboten bleiben wird. Schon in der allgemeinen Begründung der Regierung zum zweiten Buche der Reichsversicherungsordming ist gesagt, daß damit ein fremdes Element in die gegenseitigen Be- ziehungen zwischen der Herrschaft und den mit ihr in häuslicher Gemeinschaft lebenden Dienstboten hineingetragen wird. Es muß schwere Bedenken erregen, die Dienstmädchen im Mer von 16 Jahren an durch die Mitgliedschaft in einer allgemeinen Ortskrankenkasse in die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe hineinzuziehen. Hat auch der Gesetzgeber auf die Mitwirkung der Versicherten in den Landkranken« kassen nicht verzichten wollen, so beugt er doch den zu erwartenden Unzuträglichkeiten dadurch�vor, daß er die Dienstboten den besonders organisierten Landkrankenkassen zuweist, in welchen die Wahl der Kassenorgane und die Gestaltung der Verwaltung in die Hand der Genieindekörperschaften gelegt ist." Es soll also eine Landkranken- lasse gegründet toerden, damit die Dieiistsklaviiinen. die durch die schändliche Gcsindeordnung ohnehin ihren Herrschaften gegenüber völlig rechtlos sind, oura, Berührmig mit ihren Klassengenoiien in den Krankenkassen nicht die Notwendigkeit des Zusammenschlusses kennen lernen. Zudem werden in der Verwaltung der Landlranken« lassen nur von der Gemeindebehörde abhängige Elemente unter- gebracht. Ober-Schöneweide. Da im Frühjahr d. I. Ersatzwahlen zur Gemeiiidevertretersitzung stattfinden müssen, sei an dieser Slelle nochmals auf die Auslegung der Wählerlisten während der Diciiststunden im Gemeindehaus, Luisenstr. 33, aufmerksam gemacht. Pflicht eines jeden wahlberechtigten Einwohners ist es, sich davon zu überzeugen, ob sein richtiger Name in der Liste verzeichnet ist. Diejenigen, welche nicht selbst ein- sehen können, mögen bekannte Genossen damit beauftragen. Neuenhage«(Ostbahn). Aus der Gemeindevertretung. Dem Verlangen der Anlieger der Bahnhofstraße. bei der Pflasterung der Straße die Grundstücke durch zu starke Niveauveränderung und Abtragung nicht zu entwerten. wurde auf Grund eines Sachverständigen dahin erledigt, daß bis zur Annenstraße gor keine Abiragung, von da ab eine ollmähliche und an der höchsten Stelle der Siraße eine zirka 79 Zentimcter starke Abtragung vorgenommen werden soll. Infolge erhöhler Schul- lasten ist für die Gemeinde wieder ein höherer Steuerbedarf er- forderlich; deswegen wurde einstimmig beschlossen, dem§ 2 der Grundwertsteuerordiiung folgenden Nochlrag anzufügen: „Grundstücke, deren Eigeirürnsr im Gemeindcbezirk leinen Wohnsitz haben, oder, sofern eS sich um nichtpdysische Personen bandelt, nicht ihren Sitz haben, werden mit dem anderthalbfachen Belrag des von jedem Tausend Mark des gemeinen Wertes zu er- hebenden Sitzes herangezogen."— Die Grundwerlsleuer betrug bisher 1,69 M.— Der Anschluß an ein eveniuell zur errichtendes Kreis- Wasserwerk wurde abgelehnt, weil eine Wasserleitung ohne Kanali- salivi, wertlos ist.— Als Mitglied der RechiiungSkommission gab Genosse Köseling dem Berichlerfiatter der.Neuenhagener Zeilung" nach einigen Auikiärungen den Rat, sich mehr der Wahrheit zu be- fleißigen.— In geheimer Sitzung wurde dem Erwerb von Straßen- land unter den feitgeleglcn Bedingungen und dem Vergleichsvorschlag in Sachen Kroll kontra Gemeinde zugestimmt. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen- Erkner. Mittwoch, den 22. Januar, nachmittags 3 Uhr. bei MatthcS. Bohnsdorf. Freitag, den 24. Januar, nachmittags 2 Uhr. Mariendorf. Donnerstag, den 23. Januar, nachmittags 5 Uhr, im RathauS-SitznngSsaale, Kaüerstraße. R>'se»tbal. Donnerstag, den 23. Januar, abends 7 Uhr, in der Schul- aula, Schilleistraße. Slnstellmig eines besoldeten Schössen. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gcmeindcangehörige ist be- rcchligt, ihnen als Zuhörer bcizuw-hncn. m �Zus der Frauenbewegung. Mutterschutz und Pferdezucht. Ein charakteristisches Bild für die Wertung der Mutterschaft Deutschland bietet ein Vergleich der für Mutterschutz und Pferdezucht aufgewandten Summen— ein Vergleich, der dadurch nichts an Beweiskraft verliert, daß die eine Zahl nur für Preußen. die. andere für ganz Deutschland gilt. Der Etat für Preußen 1913 zeigt in den Ausgaben für die Gestütsverwaltung folgende Summen: an ordentlickien Ausgaben 10 594 682 M., an außerordentlichen 896 399 M., zusammen 11409 982 M., oder 637 995 M. mehr als im Vorjahre. Diese enormen 8Zeträge hat man für die preußischen Pferde übrig, während man die obligatorische Heb- ammenhilse bei Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung abgelehnt lfat. Dafür war natürlich kein Geld da, proletarische Mütter und Kinder sind nicht so wertvoll wie Pferde. Die Wöchnerinuenunterstützung für Landarbeiterinnen hat man von 8 auf 4 Wochen herabgesetzt, mögen Mutter und Kind sehen, wie sie sich durchschlagen— wenn nur die edlen Pferde keine Rot leiden. Sämtliche Krankenkassen Deutschlands gaben im Jahre 1911 an Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung 6 799 157 Mark aus. Fast das Doppelte, 11,4 Millionen Marl, bewilligt der Etat für das kommende Jahr für die Gestütsverwaltung. Die Pferde werden besser behandelt, als die proletarischen Mütter und Kinder. Während jene gehegt und gepflegt werden, da plagen und schinden sich die Mutter des Volkes und müssen sehen, wie ihre Kinder Hunger leiden. Außerdem ist noch im Etat des Landwirtschaftsministeriums eine Summe von 595 609 M. für Pferde angesetzt, nämlich 385 699 M. für Prämien bei Pferde- rennen und 129 990 M. Prämien für die Zuckst von Hengsten. Für Stillpramien an bedürftige Mütter hatte das Reich noch ic"» Geld; wenn so ausreichend für die Aufzucht der Pferde gesorgt wird— und das scheint wichtiger zu sein, als sich der inngen Menschenkinder anzunehmen—, dann bleibt natürlich für diese nichts mehr übrig. Allerdings hat die Gestütsverwaftung auch Einnahmen, diese sind für das Jahr 1913 mit 4.9 Millionen Mark angesetzt. Immer- hin beträgt der Zuschuß, den Preußen zur GeiitttSverwaltung leistet, noch annähernd 6J4 Millionen Mark. Rechnet man dazu noch die 595 609 M.. die das Landwirtschcrftsmin'sterium für Pferdezucht gibt, so ergibt sich die stattliche Summe von 6 986 894 Mark. Diese fast 7 Millionen Mark, die für Pferde ,n Preußen ausgegeben werden, überschreiten de» Betrag, der m aanz Deutsch- land von allen Krankenkassen für Schwangeren- und Wöchnerinnen- Unterstützung im Jahre 1911 geleistet wurde, immerhin noch um ein Beträchtliches. So werden Menschen und Pferde in Preußen- Deutschland gewertet. �___ ßnef haften der Redahtion. B. 90. Es bleibt eventuell üvttg. Annenunterstützung zu beanspruchen. Die Behörde würde dann vorausfichtbch«�santrag wegen böslicher Ver- letzuna der Unterbaltspsücht stellen.— W. M. I9V(). 1. Nein. Es mühte die Klage oder ein Z-ihIung�escht zugestellt werden. 2. Nach der herrschenden Rechtsprechung nein,.f.« mi',' v®.— K- 20. Wiederholen Sie di- Ansraae und geben Sie m,, wie hoch Ihr Arbeits« verdienst ist.—»reber. Rrgnal. Januar. Ja.—»i.* 31, J». ioiern di« Badeeiiirtchtung vorhanden und erneuerungSbedüttiig ist.— Martha. Die Karte»mg bis zum LI Februar umgetaulchi werden. ES müssen mludesteiiS 20 Marken einer beliebigen Lohnkiasse entiverlet werden. Marktpreise von»erli« am SV. Januar ,3,3. nach ErmNielunge» deS lönigl. Polizeipräsidiums 190 Kilogramm Weizen, gute Sorte>0,76 bis 19,80, mittel 19 6s— 19 72 geringe 10,60-10,64 Roggen, gute sort« 17 09—17.10. mittel 17K7— 17.08, genüge l7.05-17.0S(ab Babn«. Futter. gerne, gute Sötte 17 70-18 30 mittel t7.00-17,60. geringe 16,40-16.90 .?>afer. gute«orte 19,10—20,40, mittel 17,50—19,00(srei Wagen und ab �W a rkth alienpreise. 100 Kiloar. Erbsen, g-we.»um Kochen 30.00— 60,00. Sveisebobnen, weiße, 32 00— 50 00 Linien 35,00— 60,00. Karlosseln(Kleinhdl.) 6,00—10,00. 1 RUoaramm Rindfielsch. von der Keule 1,70-2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1 40—1.80 Schweinefleisch 1,60—2.20. Kalbfleilch 1.40—2.40.-------- �------- ua Eier 4,80-6,80. 1 Ki 1.40- 8-60. Hechle 1,60—2,80. Barsche... Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Kreble 3.50—24.00. Verantwortlicher Rcdakicur: Alfred Wielcpp. Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb- Glocke, Berlin. Druck«.Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer«.Co.. Berlin SHÄ