Nr. 31. nbonnementS'Redlngungtn: Abonnements- Preis vränumerandoi Pierleljährl. 3�0 SWf, nioiiotl. 1,10 SETif, wöll>e,ulich 28 Psg. frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Psg.«onnlagS- nulinncr mit illustrierter Sonntags. Vellage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonneinent: 1,10 Wart pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitmigs» Preisliste. Unter Kreuzband liir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige?!usland 3 Marl pro Monat. Postabonnemenis nehmen am Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, PorMgal, Kuinänicn, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. V Die InfertlonS'GcbQftr Bfhrägt für die scchsgespaltene Kolonel» "eile oder deren Raum 60 Psg., fiit wlitische und gewerlschastlichc Vereins. lind Versnmmlungs-Anzeigeu Ui Plg. „Kleine Mnreigen", das iettgedrullle Wort 20 Psg.(zulässig 2 selige druckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen das erste Wort>0 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lö Buch- 1 laben zählen sür zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geofstret. vlchitos tilg»» außer montags. Verlinev VoMsblÄkk. Telegramm-Adresse: ,,S»?lZl<>iill»>!ritt Nerlin". Tentralorgan äer fo�ialclemokratif�en Partei Oeuttcklanäs. Rcdahtton: 8 AI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplast, Nr. 1S8Z. Sonnabend, den ÄZ. Januar 1913. Expedition: 8M. 68, Ltndcnatraasc 69» Fernsprecher: Amt Moristplati, Nr. 1984. ver putsch öer Zungtürken. Tie fosgcnschwercn Eutscheidungen über die Frage, die ver StaatSstreick) der jungtürkisdien Offiziere aufgeworfen bat, werden voraussichtlidi>crst in den näckssten Tagen erfolgen. Die Mädste werden erst die Antwort der jetzigen Madsthaber abwarten, bevor sie sid) zu neuen Sdzritten entschließen. Tie Befürditung besteht allerdings, daß ihnen dazu keine Zeit gelassen wird. Was freilich die Balkan st aaten anlangt, so sdseint die cnglisd>e Regierung auf die Londoner Tele- gierteir einen Druck auszuüben, um sie zum Abwarten zu be- wegen. Für die Balkanstaaten läge ja die Versuchung nahe, die durch den Regierungssturz notwendigerweise eingetretene Verwirrung zu benutzen, um einen entsd>eidenden Schlag zu führen. Nickst minder groß ist die Gefahr, die von türkischer Seite droht. Von dem Ministerium der kriegeriscksen Offiziere erwarten die, die es eingesetzt haben, die„Rettimg des Vaterlandes", die Revanckie für die Nieder- lagen, den Sieg der Armee. Kann das Ministerium diese Hoffnungen unerfüllt lassen, selbst wenn es die Einsicht von der Unmöglichkeit ihrer Verwirklichung erlangte? Ob diese Befürckitungen sich erfüllen oder nicht, das hängt wie der sckiließliche Ausgang überhaupt vor allem davon ab, daß die E i n i g k ei t der M ä ck) t e gewahrt, daß jede Separataktion verniieden werde. Tie Verantwortung für jede Absonderung ist heute sthwerer als je. Ermordung des früheren Kriegsministers. K 0 n st a n t i u 0 p e l, 24. Januar. Der bisherige Kriegsininister N a z i m Pascha wurde getötet. Tic Erschießung Nazim Paschas, die geeignet erscheinen könnte, das ruhige und zielbewußte Vorgehen Envcr Vehs und Talaat Bcys zu diskreditiere», ist zweifellos durck, die Schuld der Adjutautcn Ltiamil Pasdias und Nazim Paschas bedingt worden. Enver und Talaat hatten ausdrücklich beschlossen, kein Blut zu vergießen. Als jedoch die Adjutanten Nazim Paschas. auf Enver und feine Begleiter a u s d c m F c n st c r s ch 0 s s e n, wurde das Feuer erwidert, wobei Nazim Pascha fiel. Trotz dieses Zwischenfalles ist die Ordnung jedock» nirgends gestört worden und iu der ganzen Stadt herrscht R u h e. Dieser Kabinettswechsel ist ein Werk der Armee. Sic will unbedingt den Krieg und zieht die Fortsetzung des Feldzugs einem unehrenhaften Frieden vor. Die Erschießung— ein Irrtum. Konstantinopel, 24. Januar.(Meldung des Wiener K. K. Tclegr.-Korresp.-Bureaus.) Kricgsminiftcr Nazim Pascha soll, wie noch ergänzend gemeldet wird, einein Irrtum zum Opfer gefallen sein. Der Adjutant des Ministers hatte, wie man erzählt, auf Envcr Bey gefeuert, um ihn den Eintritt in den Saal, wo der Ministerrat tagte, zu verwehren. Daraufhin gab ein Unbekannter mehrere Schüsse ab, durch die der Minister und sein Adjutant getötet wurden. Der Tod Nazim Paschas wurde in der Nacht durch Mukhtar Bey allen Botschaftern mitgeteilt. Wie der Ncgierungssturz geschah. Frankfurt a. At.. 23. Januar. Die„Frankfurter Ztg." meldet aus K 0 n st a n t i n 0 p'e l: Gegen 31/» Uhr versammelten sich etwa 150 0 Personen auf dem Platz vor der Moschee des Sultans Bajazet. Mit roten Fähnchen bewegte sich der Zug, bald lawinenartig anwachsend, zur Hohen Pforte. Hier riefen die Demonstranten:„Wir wollen keinen sd)änd. Iid)en Frieden!" Bald sah man an dem Freiheitsfelsen Enver Bey ankommen. Die Menge machte ihm Platz und Enver Bey begab sich ungehindert direkt ins Kabinet des Großwcsirs Kiamil. Enver Bey setzte den, G r 0 ß w e s i r den furchtbaren Ernst der Lage und die Ueberreizirng des Volkes, dem ein Friedenssckstuß unter solchen Bedingungen unverständlich sein würde in kurzen Worten auseinander. Kiamrl antwortete' sofort, daß er bereit sei. zur Verhütung schwerer Erschütterungen des "?" �5 � b z u d a n k e n. Er unterzeichnete auch sofort seine Demission und bat Enver Bey. diese dem Sultan zu unterbreiten. Enver Bey fuhr mit dem �ckiriftstück so- gleich nn Automobil nach dem Palais von Tolma-Bagdsche. Ter Kriegsminister hatte, als er von der Demonstration Kenntnis erhielt, den. Hof hxx Pfox-fg durch ein Bataillon Infanterie besetzen lassen, doch blieb das Militär der Menge gegenüber untätig. �.as frühere Ministerium gefangen. Konstantinopel. 24 Januar. Das g e st ü r z t e M i n i- st e r l u m ist in der Pforte interniert. Die Minister versuchten, telephonisd) Truppen und Polizei herbeizuführen. es erschien aber niemand zur Hilfe. Tie Wache der Pforte hat den Uniomsten keinerlei Widerstand acleistct. obwohl auf die Wachoffiziere init Revolvern geschossen wurde. Der Direktor der Anatolischen Bahn Herr Huguenin befand sich gerade mit dem ersten Dragoman der deutschen Botschaft Dr. Weber im Beratungszimmer der Pforte, als die Unio- nisten eindrangen. Ter Kriegsminister Nazim Pascha wurde zu Füßen Herrn Huguenins ersckjossen. Die Minister waren aufs äußerste bestürzt, nur Kiamil blieb eisig kalt und erwartete lächelnd die Eiudrinigenden. Audi der Minister des Aeußern Noradunghian bewahrte seine Haltung. Enver Bey begab sich, nachdem Kianiil seine Deniission unter. zeickmet hatte, sofort zum Sultan. Nach seiner Rückkehr hielt er von der Pforte aus eine kurze Ansprache an die Menge und teilte mit, daß Mahmud Schewket zum Großwesir und I z z e t ziuu Generalissimus ernannt seien. Sodann begab er sid) wieder ins Palais zum Sultan. Vor der Pforte be- wegte sick) eine Menge von 2000 bis 3000 Personen. In ihrer Mitte wurden sortgesetzt Ansprad)en gehalten und Rufe ausgebrackit:„Hoch die Freiheit und das Komitee! Nieder mit den Tyrannen!" Ter neue Minister des Innern äußerte sick) dahin, daß d.ie neue Regierung nicht ohne weiteres den Krieg bedeute: die Türkei wolle aber lieber schnell und mit Ehren untergehen, als langsam sterben. Ter Minister des Innern hat an die Malis folgenden Runderlaß gerichtet: Das Kabinett Kiamil Pasckza wollte A d r i a n 0 p e l und die Inseln dem Feinde überlassen und hat deshalb eine Anzahl von Beamten unter dem Schein einer Nationalversammlung zusammenberufen. Die Be- völkerung, die darüber in Aufregung geraten ist, hat eine Kundgebung veranstaltet. Infolgedessen sind die Minister zurückgetreten. Tie neue Regierung ist entschlossen, die Ehre des türkischen Volkes zu schützen. Tie Untätigkeit des Militärs. Äonstontinopel. 23. Januar. Während der heutigen De- monstrationen verhielt sich die Wache auf der Pforte, die in den letzten Tagen auf 300 Mann verstärkt wurde, z u- schauend, weil das Kommando fehlte. D�e Demow« stration verursachte auf der Pforte u n b e s d) r e i b l i d) e Verwirrung. Die Demonstranten schrien fortwährend: „Im Namen Gottes," während andere gegen die Regierung demonstrierten, weil sie A d r i a n 0 p e l preisgebe. G e i st- lid)e hielten aufreizende Reden, wobei sie auck) viele Verse aus dem Koran zitierten. Insbesondere wurde Kiamil P a s d) a verunglimpft. Gegenwärtig ist der Großwesir mit dem ganzen Kabinett auf der Pforte gefangen. Vor der Pforte steht eine ungefähr 2000 Personen zählende Menge. Trotz strömenden Regens blieben die M a n i f e st a n- t e n bis nach 8 Uhr vor der Pforte, das Ersckjeinen des Reskripts über die Ernennung des neuen Großwesirs er- wartend. Gegen 8sXz Uhr hielt Mahmud Schewket von der Freitreppe des Pfortenpalastes aus eine kleine An- spradje an die Menge, in der er sagte, er wisse, daß er die Gewalt unter sdiwierigen Umständen übernehme: er werde sich bemühen, das Vaterland zu retten. Die Rede wurde mit stürmisöhein Beifall aufgenovlmen. worauf sich die Menge langsam zu zerstreuen begann. Die Zeitungen„Jkdam" und«Jeni Gazetta" sind verboten worden. Verwundungen. Konstaniinopel, 24. Januar.(Meldung des Rcuiarschen Bureaus.) Im Publikum herrscht große Verwirrung. Bei den Unruhen sind etwa 12 Personen verwundet worden. Es werden viele Verhaftungen vorgenommen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind weit- gehende Maßnahmen getroffen wordeni. Starke Patrouillen durchzogen nachts die Straßen. In Stambul sind einige Personen verhaftet worden, unter ihnen der Chefredakteur der Zeitung „Jkdam", Ali Kemal, und der frühere Deputierte von Gümüldschina, Ismail. Ein Regierungsmanifest. Konstantinopel, 24. Januar. Die hohe Pforte zu betreten oder zu verlassen, ist jedermann außer den offiziellen Per- sönlidikeiten strengstens untersagt. Tie Volksmenge bereitete dem neuen Großwesir Mahmud Schewket und Oberst Enver Bey jubelnde Ovationen. Vor der Pforte wurde unter der Bevölkerung ein Manifest verteilt, welches an die Ereignisse seit dem albanesischen Aufstände, die militärischen Operationen im Sommer, die Demission Said Pasd)as und die Ernennung des Kabinetts Mukhtar erinnert. Das letztere habe durch seinen Fehler, vor den albanesischen Anfstänmschen zu kapitu- lieren und auf diese Weise den Appetit der Balkanstaaten zu reizen, welche an die militärische Schwäche der Türkei glaubten, die Bildung des Balkanbundes herbeigeführt. Die Regierung habe, obwohl sie Kenntnis hatte von der Existenz des Balkanbundes, 120 000 Mann entlassen. Das Kabinett M u k b t a r habe den seit längerer Zeit vorbereiteten Kriegs- plan für den Balkankrieg nicht angewendet und die Kom- inandos unfähigen Offizieren anvertraut, und' auf diese Weise die Niederlagen verursacht. Das Manifest greift auch dos Kabinett Kiamil Pascha an, welches trotz der guten Situation der Armee einen Frieden um jeden Preis schließen wolle. Dieses Kabinett habe demissioniert. Die ottomanische Notion werde ihreRechte auf die euro- päiscke Türkei nid)t aufgeben und hierfür alle Opfer bringen. Die Ottomanen würden be- weisen, daß sie fähig seien, zu leben im Ruhm und in der Weltgeschichte. Tie neue Regierung. Konstantinopck, 24. Januar. Tie Liste des neuen Kabi� ne t ts, die nachts, dem Sultan vorgelegt wurde, ist folgende: Großwcsirat und Krieg Mahmud Schewket, Präsidium des Staatsrats Prinz Said Halim, Inneres Hadji Adil. Interimistisch übernehmen: Acußcrcs der frühere Gesandte in Athen Mukhtar, Marine Mahmud Pascha, Justiz der frühere Mali von Konstanti- nopel Jbrahil, Finanzen der Präsident des Oberrechnungshoses Rifaat, öffentliche Arbeiten Senator Batzaria, Evkaf Hairi, Handel der frühere Minister des Innern Djelal, Post Finanzinspekior Osman, Unterricht der frühere Gouverneur von Magnesia Schukri. Tie Militärliga gegen die Jungtürken? Konstaniinopel, 24. Januar. In Stambul herrscht vollständige Ruhe. Ter Führer der Militärliga, General Scherif Pascha, er- klärt, daß die Militärliga stark genug sei, um den jungtürlischen Putsch niederzuschlagen.(?) Sollten die Jungtürken Widerstand lelsten, so sei ein Einschreiten der Mächte unvermeidlich. Es wird strenge Depeschenzensur gchandhabt. Die neue Regierung wird das alte Parlament, das eben aufgelöst wurde, wieder einberufen. Eine Trohnng. Konstantinopcl, 23. Januar. Nach dem„Terdjuman i Hakilat" hat der Kommandant von Li d r i a n 0 p c l, Schukri Pascha, heute an das gewesene Kabinett ein Telegramm gerichtet, in dem er sagt, nachdem er erfahren habe, daß Adrianopcl den Ver- bündetcn überlassen werden solle, habe er beschlossen, die A e» bölkerung zu entfernen und die Kanonen gegen die Stadt zu richten, um diese gänzlich zu zer- st ö r e n, den äußeren Raum zu durchbrechen und nach Konstaut!- nopel zu kommen. Der Ministerrat besprach eben dieses Tele- gramm, als der Regierungswechsel eintrat. Die Haltung der Rächte. Die Auffassung in England. iLondon, 24. Januar.(Privattelegramm des „V 0 r w ä r t s".) Während mau hier die durck) den Fall K i a m i l s geschaffene Situation als e r n st aufsaßt, glaubt man dock) nicht, daß der Krieg wieder ausbred)en wird, wenigstens nicht, bevor die Türkei die Note der Mäckjte be- antwortet hat. In mehreren Blättern liest man B e f ü r ch- t u n g e n, daß Rußland auf eigene Hand ein- greifen wird, was dann zu einer allgemeinen europäisckien Katastrophe führen könnte. Im allgemeinen ist die Stimmung jedoch weniger pessimistisch. „Daily Chronicle" nieint, daß die Revolution in der Türkei einer arrangierten Affäre ähnlick) sehe. Wenn Europagcnllgend einig wäre, würde das Erscheinen von ein paar K r i c g s s ck) i f f e n vor K 0 n st a n t i n 0 p e l die Stadt bald beruhigen. Eine ähnlid)e Auffassung findet sid) in den„Times", die die Ansid)t äußern, daß der erfahrene Kiamil möglid)erweise ohne Bedauern der Kriegspartei Platz gemacht, um sie vor die harte Wirklid)keit zu stellen, in der Hoffnung, daß sick) die Jun.gtürken bald zurückziehen würden. Das Blatt sdireibt weiter, Taalat Bey rechne offenbar mit dem Zwiespalt der Mächte. deren Aufgabe es jetzt sei, frühestens die Leerheit der- artiger Bereck) nungen darzutun. Tie Stimmung in Paris. Paris, 24. Januar. Nach hier eingetroffenen Meldungen hat die Nachricht von den Konstantinopcler Vorgängen bei allen Re» gicrungen große Bestürzung hervorgerufen. Wie es heißt, wollen die Mächte sofort in neue Verhandlungen eintreten, um die zu ergreifenden Schritte zu beraten. Die franzö» fische Regierung hat angesichts der Gefahr, daß die Feind» scligkcitcn wieder aufgenommen werden könnten, ihre Bot« schafter angewiesen, üci den anderen Mächten vorstellig zu werden, hinsichtlich der erforderlichen Maß- nahmen. Tic französische Regierung legt großen Wert darauf. oaß die Mächte nicht einzeln Schritte unternehmen, sondern daß ein gemeinsames Vorgehen Platz greift. Die englische Regierung hat bereits nach Paris Nachricht gc- geben, daß sie diese Ansicht teile, und man zweifelt auch nickt. daß Rußland in zusliminendein Sinne antworten wird, obgleich die Haltung Rußlands während der letzten Zeit Anlaß zu Befürchtungen gegeben hat. Aach gibt man der Hoffnung Aus- druck, daß die Dreibund mächte über ihren Standpuntt bald Gewißheit geben werden. In Diplomatcnkrcisen herrscht eine ge- wisse Unruhe über die Haltung Oesterreichs. Eine deutsche offiziöse Stimme. fiöl», 24. Januar. Die„Kölnische Zeitung" schreibt heuts im Anschluß au die Ereignisse des gestrigen Tages: Heber die Aufnahme der gestrigen Ereignisse in Konstautiiiopel sei betont, daß im gegenwärtigen Äugenblick die Hauptsache die Fortsetzung der Beniühungen der Groß» mächte bleibt. Darum ist gerade jetzt jede Kritik an dem Vorgehen der Großmächte unangebracht. Die Mächte tverden sosörk wegen iffrcr Stellungnahme zu den Crdgmssm Fühlung nehmen oder haben es bereits getan, aber etwas Bestimmtes als Ergebnis dieser Fühlungnahme läs>t sich noch nicht mitteilen. Was die neue türkische Regierung betrisft, so fehlt bisher jede Mitteilung von ihr an die Mächte. Die Mächte müssen nytürlich mit der Wahrstheinlichkeit rechnen, daß die Antwort der Pforte auf ihre Note u n• befriedigend ausfällt und daß es vielleicht nicht g e- Ii n gen wird, den Ausbruch der Feindselig» ketten zu verhindern. Tie Balkandelegiertcn über die neue Lage. Paris, 24. Januar. Der Londoner Sonderberichterstatter des„Ratin" meldet: Ter Sturz des Kabinetts Kiamil Pascha hat bei den Vertretern der Balkanverbündeten t e i l s Be° friedigung, teils Beunruhigung hervorge- rufen. Die Bulgaren hätten erklärt: Jetzt haben wir eine klare Situation vor uns. Anstatt noch länger die Winkelzüge in London erwägen zu müssen, werden wir uns bei A d r i a- n o p e l und T s ch a t a l d s ch a wiedersehen: anstatt uns Adrianopel von den Großmächten abtreten zu lassen, werden wir es mit den Waffen in der Hand nehmen, und das ist besser für uns. Aehnlich hätten sich die M o n t e n e- grincr geäußert. Die Serben dagegen hätten gesagt: Das ist eine böse Nachricht. Wir werden offenbar den Krieg von neuem beginnen müssen. Wir hätten gern die neuen Opfer an Menschenleben erspart, aber die Türkei wird jetzt den Frieden noch ein wenig teurer be- zahlen müssen. Eine Warnung. London, 24. Januar. Die„Time s" schreiben: Wir möchten die Verbündeten in ihrem eigenen Interesse und in dem Europas ernstlich vor übereilten Schritten warnen. Wir möchten ihnen raten, abzuwarten und ein Verhalten zu vermeiden, das eine K r i s i s herbeiführen könnte, welche die Mächte spalten würde. Die Daily News schreibt: Die Lage ist ernst. Aber wenn die großen Mächte den Zusammenhalt belveisen, den sie in letzter Zeit gezeigt haben, ist das Schlimmste immer noch zu vermeiden, und vielleicht ist es jetzt noch möglich, die Türkei zu überzeugen, daß ein weiterer Widerstand eine verbrecherische Verschwendung von Menschenleben und ohne praktischen Nutzen ist. Diplomatische Besprechungen. Konstantinopel, 24. Januar. Die Botschafter der Mächte sind heute vormittag beim Doyen des diplomatischen Korps, Mark- grasen Pallavicini, zu einer Besprechung zusammengetreten. London, 24. Januar. Dr. D a n c w wird heute nachmittag eine Zusammenkunst mit SirEdward Grey haben. Darauf werden die Balkandolegicrten eine Konserenz abhalten, um über die zu ergreifenden Maßregeln schlüssig zu werden. Italienische Kriegsschiffe. Rom, 24. Januar. Die Panzerkeuzer„San Marco" und „Pisa" haben den Befehl erhalten, sich sofort in die türkischen Gewässer zu begeben. �-• ,»» iTJi!* sVIatzcbcn. ' Im„Berliner Tageblatt" entrüstet sich der Chef- 'redakteur über die Haltung des„Vorwärts"/ der wieder „russischer sei als der Zar" und die„russische Polizei gegen den Ehrgeiz türkischer Offiziere zu Hilfe" riefe. Diese Unter- stellung, die Herr Theodor Wolfs schon zum zweite» Male verübt, obwohl gerade wir das russische Separatvorgehen als einen Streich asiatischer Tücke gekennzeichnet hatten.� ist so unanständig und zugleich so töricht, daß eine sachliche Polemik gegen solche unehrlichen Mätzchen eigentlich überslüssig wäre. Nur um den merkwürdigen Charakter und die noch merk- würdigere Einsicht entschiedenliberaler Auslandspolitik zu be- leuchten, seien der Haltung des liberalen�Blattes einige wenige Worte gewidmet. Die Haltung der Sozialdemokratie und die Haltung, die der„Vorwärts" seit Beginn der Balkan- krise eingenommen hat, ist durch unsere prinzipielle Stellung, wie sie der Baseler Kongreß formuliert hat, gegeben. Die Lösung der orientalischen Frage war ohne kriegerische Per- Wickelung nur durch die Errichtung einer föderativen Balkanrepublik zu erreichen, wie auch diese die einzige Form einer definitiven Lösung der Schwierigkeiten bilden kann. Nachdem der Krieg ausgebrochen, war es unsere Aufgabe, uns mit aller Kraft gegen die Hineinzerrung anderer Staaten und vor allem Deutschlands zu wenden. Das„Berliner Tageblatt" hat in der kritischsten Zeit uns deshalb angefallen, uns, weil wir nicht gleich ihm die österreichische.» Kriegstreibereien und den Prochaskaschwindel mitmachten, der Begünstigung Nußlands angeklagt. Es wiederholt diesen Blödsinn jetzt, weil, wir nicht gewissenlos genug sind, eine Politik zu unter- stützen, die den Frieden erst recht gefährden müßte. Herr Wolfs verschreibt der deutschen Regierung allerdings ein un- fehlbares Rezept. Sie hätte sich an dem Schritt der Mächte in Konstantinopel nicht beteiligen und erklären sollen,„wenn jemand die asiatische Türkei„teilen" möchte, sind wir auch mit d a b e i". Daß eine solche Politik gegen das übrige Europa den Frieden gesuhert hätte, das wird außer Herrn Wolfs wohl niemand glauben. Und daß wir Sozial- demokraten die Beteiligung an imperialistischen Raubplänen unterstützen sollen, ist eine Zumutung, deren Naivität selbst einem Fenilletonisten nicht erlaubt ist. Heute nun steht die Sache mehr als je so, daß jedes Aus- springen einer Macht das selbständige Vorgehen anderer, � vor allem Rußlands, fast unabwendbar nach sich ziehen müßte. Und der Rat Herrn Wolffs, Deutschland möge die Politik des gemeinsamen Vorgehens der Mächte verlassen, bedeutet zugleich die sichere Herbeiführung der Wiederaufnahme des Kampfes auf dem Balkan, verbunden mit den gefährlichsten .Komplikationen in Kleinasien. Und deshalb hoffen wir, daß Herr Wolfs mit seiner anmaßlichen Schulmeisterei in Zukunft ebenso wenig Erfolg haben wird als bisher. llülitärrevolte in— veutichlanS! Endlich sieht sich auch die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." zu der Erklärung genötigt, daß die Gerüchte von der bevorstehenden nrtwn großen Militärvorlage der Wahrheit entspre-ben. Längst seien, so schreibt sie, die maßgebenden Stellen darin einig,„daß eine Reibe von Mehrbedürfnissen unseres Heeres befriedigt werden" müßten Es ist beabsichtigt, die Vorlage dem Reichstag im Laufe scirnr Tagung zugehen zu lassen. Die Vorarbeiten nähmen den regelmäßigen Fortgang. Vor ihrem Abschluß könnten Angaben über ihren Inhalt natürlich nicht gemacht werden. Es steht also fest, daß nicht nur dem neuen Moloch Luftmilita- rismus geopfert werden soll, sondern daß„eine Reihe" von militaristischen Mehrbedürfnissen befriedigt werden soll. Nicht nur der Bau von Zeppelinen, Parsevalen und anderen starren, halb- starren und unstarren bombenmerfenden Luftungetümen soll gefordert, nicht nur zahlreiche Geschwader von Flugmaschinen sollen neu errichtet werden, sondern auch Infanterie, Artillerie und Kavallerie sollen eine Verstärkung erfahren. Ob nicht schließlich auch noch der Wassermilitarismus mit neuen Ansprüchen hervortritt, ist keineswegs sicher— ist doch auch bereits die nachgerade alljähr- lich fällige Flottenvorlage angekündigt worden I Das Interessante an diesem sinnlosen Treiben unserer Land-, Wasser- und Luftmilitaristen ist aber, daß die Regierung sich diese Forderungen durch eine Revolte unserer Militärkreise hat abtrotzen lassen I Die OffizicrSrevolten sind nicht nur in der Türkei an der Tagesordnung! Brachte doch auch dieser Tage das Scherlblatt, da» Organ für amtliche Ablagerungen aller Art, einen Artikel über„die Forderungen der Armee"! Und sowohl die„R h e in.- W e stf. Zeitung" wie die„Post" haben bestätigt, daß dieser Artikel, dies Pronunziamiento des Osfizierkorps, auS sehr hohen militärischen Kreisen stamme I Mit Recht macht die„Franks. Zeitung" darauf aufmerksam, daß dieser publizistische Vorstoß der„Armee" eine höchst bedenkliche Erscheinung sei und durchaus in Parallele stehe zu den be- rüchtigten Ereignissen des Orients! Daß unser Militarismus sich als Selbstzweck, als beherrschende Macht des Staates fühlt, beweisen ja auch allerhand Meldungen der letzten Zeit. Da haben die bisherigen Leiter unseres Luft- Militarismus ostentativ um ihre Entlassung gebeten, weil„nur" 20 Millionen mehr für den LuftmilitarismuS gefordert werden sollen. Aber nach dem Zeugnis der„Post" sollen überhaupt „zwischen den maßgebenden Stellen der Reichs- r e g i e r u n g" in den Militärfragcn„erbitterte Kämpfe" geführt werden und dort„ein Tohuwabohu herrschen, wie es größer kaum gedacht werden kann". Die Illtramilitaristen und Weltpolitiker u m jeden Preis suchen dort eben die Militaristen und Weltpolitiker des alten Schlages völlig niederzu- ringen, um das Wettrüsten so ins Aschgraue zu treiben, daß eine Weltkatastrophe unvermeidlich ist! Und wie die heutige Meldung der „Nordd. Allg. Ztg." verrät, haben die bis zum Wahnwitz drauf- gängcrischcn Ultras den Sieg davongetragen! Zur Bestätigung dieses alle friedliebenden, gesunder Vernunft zugänglich gebliebenen Kreise der Nation aufpeitschcndcn Faktums wird demnächst dem Reichstag das ganze Bündel neuer Militärfordcrungcn zugchen I Natürlich wäre diese Revolte der Armee, d. h. des sich als Nebenrcgierung fühlenden, die Volksvertretung geringschätzig beiseite schiebenden Osfizierkorps ganz undenkbar, wenn sich nicht die Kreise des Parlaments, die den nbentcuer- und expaiisionSlnstcrilen Kapitalismus vertreten, eins fühlten mit den kansliktslüsternen Rittern vom Säbel! Nur weil sich die Hoffnung unserer herrschenden Klassen, durch auS- wärtigc Könflilte den inuercn Krisen am ehesten Herr werden zu können, völlig deckt mit den� KonfliktSgelüstcn gewisser Militärkreise, sehen sich die besonneneren Elemente der Regierung zur Kapitulation gezwungen und die Massen deS Volkes selbst den wahnsinnigsten Rüstungsforderungen gegenübergestellt! Hat sich doch Herr B a s s e r m a n n nach einer Meldung der„Tägl. Rundschau" am Donnerstag in einer in Blomberg ge- haltenen Rede dahin geäußert, daß die neue Militär- vorsage nicht nur Luftflottenforderungen, sondern auch „eine bessere Ausgestaltung der Artillerie und Kavallerie" bringen müsse. Mit Bezug auf die äußere Politik führte er aus, daß eine deutsche Friedenspolitik in der jetzigen ernsten Zeit eine Politik der Illusionen sei. Die Versicherung unserer Friedensliebe habe in dem Laufe der Jahre geradezu ermüdend gewirkt. Es ist offenbar dringend an der Zeit, daß die deutschen BolkS- masse» der von militaristischen und politischen Heißspornen bedrängten Regierung wieder einmal durch eine energische Aktion zu Hilfe kommen! Bas Ministerium ßriand. Paris, 22. Januar.(Eig. 23er.) Es ist in Frankreich politischer Brauch, daß nach der Präsidentenwahl das Ministerium seine Demission überreicht, aber»vieder berufsn wird. Diesmal Ivar eine einfache Wiederholung dieser Hebung ausgeschlossen, da zum erstenmal der im Amt stehende Ministerpräsident selbst gewählt worden ist. Immerhin hätte eine solche Situation die bloße Er- gänzung des Kabinetts zugelassen. In der Tat hat Briand auch die Existenz einer Ministerkrise bestritten und erklärt, die Regierung sei nur„geköpft"' worden— wozu Marcel Sembat in der„Humanitü" witzig bemerkt, ein Nach- wachsen des Kopfes käme in der Natur bei den Salamandern vor. Indes ist nicht zu verkennen, daß sich daS Ministerium am Tage der Versailler Wahl— und im Zusammenhang mit ihr— in Wirklichkeit schon im Zustand der Krise befand. Nicht nur war die Wunde des.„Falles Millerand" mit einem bloßen Notverband bedeckt worden, sondern der Austritt des Herrn Poms bedeutete zugleich mit dem Verlust eines ja nicht allzuschlver ersetzbaren Llckerbauministers die Absage der radikalen Mehrheit, die diesen Herrn Pams als Präsidentschaftskandidaten auf den Schild gehoben hatte. Nach der Jubelouverture, womit die neue Aera von der ganzen linksrepublikanischen Presse eingeleitet wurde, mochte man an- nehmen, die Schläge der letzten Woche würden vergeben und vergessen werden und die angekündigte Beruhigungspolitik Briands würde diesmal die verprügelten Radikalen liebevoll aufheben. Wahrscheinlich hat Briand das auch beabsichtigt, ebenso wie es die radikalen Porteseuillekandidaten erwarteten. Bezeichnend war, daß sich das im„Radikal" veröffentlichte offizielle Communiqus des radikalen Exekutivkomitees, das vor ein paar Wochen Briand mit der Insulte:„Wer auf den Mast klettern will, muß reine Wäsche haben" bedacht hatte, jetzt ganz mäuschenstill verhielt. Indes vollzog sich die Rekonstruktion des Kabinetts unter viel mehr Schiviengkeiten. als man geglaubt hatte. Briand holte sich einen Kord nach dem andern und das Ministerium, das er schließlich zustande brachte, sieht recht geflickt aus. Pbincarö hatte ein „großes", ein„nationales" Ministerium im Sinne der Bourgeoisie regiert. Aber die repräsentativen Männer. die Millcrand. Delcasss, Bourgeois, sind abgetreten, und die weiter mittun wollen, sind doch mehr Sterne zlveiter und dritter Ordnung, Politiker, deren Ungeduld größer ist als die Gewißheit künftiger Unentbehrlich- keit. Die neu Berufenen aber können ebensowenig den An- spruch darauf inachen, der Welt als strahlende Spitzen der nationalen Kultur zu imponieren. Herr B a r t h o u ist sicher ein strebsamer Parlamentarier, der die Flecken einer rcvo- lfltivnijren Gtudentcnzeit längst als gewandter Schwimmer in melinistischen und anderen maßgebenden Gewässern abgewaschen hat. Herr B a u d i n, der Präsident der Marine- Liga, die von den Stahlindustriellcn inspiriert wird, ist den Großkapitalisten ebenso willkommen wie Herr E tie nn c, der Präsident der Omnibusgesellschaft, der in allen großen Speku- lationen der Finanz seine Hand hatte und für dessen in der äthiopischen, den Kongo-, den Uenza- und Marokko- Assären bewährten Erobercrgeist der dunkle Erdteil keine Geheimnisse mehr hat; Herr Jomnart, der sich gleichfalls für die Schneider-Kruppsche Kombination in der Uenza interessiert hat, ist als Schwiegersohn des Finanz- und Jndustriemagnaten Aynard nicht weniger der Sympathie der großkapitalistischen Kreise gewiß. Für sein diplomatisches Talent führt der„Temps" die besondere Wertschätzung ins Feld. die Eduard VII. für ihn hatte— ähnlich wie vor einigen Tagen die Meinung des Zaren zugunsten Millerands. Es scheint zu den Errungenschaften der nationalen Renaissance zu gehören, daß sich die französische Dsmokratie von ausländischen Potentaten approbieren lassen soll. Aber alle diese, für den Kreis der großen Profitmacher gewiß sehr schätzenswerten Eigenschaften geben dem Kabinett Briand noch keine bedeutenden Charakterzüge. Das„Journal des Debats" rühmt ihm dafür eine Einheitlichkeit nach, die man insofern nicht bestreiten kann, als wohl keines seiner Mitglieder zum politischen Opfertod das Zeug hat. Aber es wäre sicher verfehlt, anzunehmen, daß Briand irgend ein festes Programm konservativer Politik verfolgen wolle. Er hat sich beeilt, ein Interview richtigzustellen, das ihm den Entschluß unterschob, mit den Gegnern der Poincareschen Kandidatur keine politische Gemeinschaft pflegen zu wollen. Derlei Nike- lungcntreue ist seine Sache nicht. Darum aber ist auch die mißtrauische Resolution.worin dieRadikalsozialistenihre Stellung zum neuen Ministerium ausgedrückt haben, keineswegs ein sicheres Vorzeichen für die künftige parlamentarische Situation. Geiviß, wären die Radikalen eine nur einigermaßen kon- solidierte Partei, so hätten sie die Kraft, ihren führenden Persönlichkeiten die Slnteilnahme an der Regierung zu sichern. So aber kämpft jeder für sich, und schon die Aussicht auf irgend ein Trinkgeld beschwichtigt viele. Darum ist zu verstehen, daß— den„Rappel" ans- genommen— kein einziges radikales Blatt der neuen Rc- gierung feindlich entgegenttitt, obzwar in ihrem Personal der äußersten Linken nur ein bescheidener Platz eingeräumt tvird. Der„Radical" gibt genug deutlich zu verstehen, daß die bürgerliche Linke für das Ministerium zu haben sein tverde, wenn es die Wahlreform— auf majoritärcr Basis zum Ab- schluß bringen wolle. Aus diesem einen Punkt sind alle Schmerzen deS Radikalismus zu kurieren. Von den„neuen Männern" ist der Unterstaatssekrctär der Finanzen Herr B o u r« l y, der bisherige Leiter der„Lanterne", ein Führer der Obstruktion gegen den Proporz. Und Herr Barthou müßte sich auch erst in allcrneuester Zeit zur Verhältniswahl bekehrt haben. Wird Briand aus seinem Herzen eine Mördergrube machen? Am Ende haben es jetzt auch die gemäßigten Parteien mit der Wahlrcform nicht so eilig, nachdem die Wahl in Versailles die Ohnmacht der radikalen Linken gezeigt hat. Und so wäre denn eine allgemeine„Beruhigung" der bürgerlichen Parteien wohl in einem Ausgleich zu finden. worin die Radikalen die rabiate Psaffeufresserei. für die ja ohnehin keine rechte Stimmung mehr da ist, für eine Wer- schlcppung oder Lerpsuschung der Wahlreform hingäben. Daß just Briand, der Urheber des Worts von den„Sümpfen" der Bezirkspolitik, ihr Erhalter werden sollte, wäre nicht die erstaunlichste Wendung in seinem politischen Lebenslauf. Aber daß die 2Vahl Poincares, für die gerade im Namen der Wahl- rcform Propaganda gemacht worden ist, den Proporz um- bringen sollte, wäre ein besonderer Schlager in der bürgerlichen Staatsposse. « Paris, 24. Januar.(P r i v a t t e l c g r a m m des „V o r w ä r t s".) Die Erklärung der Regierung wurde nur von der Recksten und dem Zentrum applaudiert. Jauräs appellierte an die Radikalen, den Proporz anzunehmen. Mi- nisterpräsident Briand gab unter steigender Unruhe nur unbestimmte, verwirrte Erklärungen über sein Programm. Seine Aeußerungen über den notwendigen Ausgleich in der Wahlreform verstimmten nur die Proporzanhänger, ohne die Radikalen zu versöhnen. Die von den Sozialisten beantragte einfache Tagesordnung wurde mit 362 gegen 161 Stimmen bei 130 Stimmenthaltungen abgelehnt. Allgemein wird das neue Ministerium für lebensunfähig gehalten. Das von Chiron beantragte Vertrauensvotum wurde angenommen. Briand erlitt nach seiner Rede einen Ohnmachtsanfall, er- holte sich jedoch schnell wieder. Des Programm des Ministeriums. Paris, 24. Januar. Die heute nachmittag in der Kommer und im Senat verlesene ministerielle Erklärung besagt: Daö neue Kabinett wird die allgemeine Politik des vorangegangene» fortsetzen, das eine so allgemeine Zustimmung im Parlament und im Lande gefunden hat. Es wird aus dem Gebiete der inneren Politik die Verständigung aller Republikaner und auf dem der nationalen Interessen eine enge und solidarische Vereinigung aller Franzosen durchführen. Die Re- gierung wird die Wahlrcform ohne Verzug durch das Zu- sammenwirken aller Republikaner auf der Basis einer an- gemessenen Vertretung der Minoritäten zu Ende führen. Ebenso erscheint es angebracht, die Einkommen- st euer, die Rcform des Obersten Äricgsrats und das Kadergefetz für die Kavallerie, das für die nationale Verteidigung unentbehr- lich ist, zustande zu bringen.� Die Kammer wird den französisch- spanischen Vertrag, welcher die Einführung einer endgültigen Or- ganisation in Marokko möglich macht, unverzüglich zur Prüfung erhalten. Von weiteren dringenden Problemen müssen diejenigen, welche die Laienschule betreffen, ohne Provokation und Härte, aber mit Beharrlichkeit zur Lösung gebracht wer- den: das Beamtcngesctz ist gleichfalls dringend. Die Erklärung be- tont sodann, daß die sozialen Aufgaben in weitherzigem Sinne gelöst werden wüßten. Die Regierung wird entschlossen dahin streben, den Wohlstand des Landes zu erhöhen, den Kolonialbesitz in den besten Stand zu setzen, den Kredit Frankreichs zum ersten in der Welt zu machen, dem Hecrt und der Flotte die Mittel zu geben, da- mit sie jedem Angriff widerstehen und die nationale Ehre m,t Stolz wahren können. Das Land selbst gab erst kürzlich erfreuliche Beispiele von Kaltblütigkeit und Würde. Seine Mitarbeit war der Regierung wertvoll bei der Ucberwindung der schwierigen VerWicke- lungen, aus denen Frankreich ehrenvoll hervorging. Mehr als je ist es notwendig, die Aufmerksamkeit auf die Probleme der äußeren Politik, die sich besonders im nahen u.nd jexvtzo Osten erheben, gerichtet zu halten. Treue zegen unje« Verbündeten und unsere Freunde bleibt daZ unveränderliche Prin- zip unserer auswärtigen Politik. Die Erfahrung der letzten Mo- nate zeigte in reichlichem Matze, was die diplomatische Aktion Frankreichs im Dienste des Friedens an moralischem Ansehen und an überzeugender Kraft gewinnt, wenn sie bei Offenheit und Courtoisie gegenüber den anderen Nationen in enger Verbindung und beständiger Uebereinstimmung mit der Diplomatie seiner Freunde und Verbündeten bleibt. Wenn wir uns in unserer Hal- tung von dieser Linie nicht entfernen, werden wir das geistige und wirtschaftliche Erbe bewahren, und indem wir mit unserem Ein- flutz die wesentlichen Werkzeuge der nationalen Verteidigung stärken, werden wir der Sache des Friedens dienen. Tie Aufnahme der Erklärung. s Paris, 24. Januar. In der Kam m c r verlas B r i a n d unter grotzer Aufmerksamkeit des Hauses die Regierungserklärung. Die die Wahlreform behandelnde Stelle wurde von der Linken mit L.a ch e n und schwachem Beifall begrützt. Bei der Frage der Laienschule erhob sich keine Kundgebung. Die Erklärung wurde vom Zentrum beifällig aufgenommen. Als Briand die Tribüne verlieh, wurde er vom Zentrum und verschiedenen Bänken der Linken mit Beifall begrützt. Die Kanuner trat dann in die Be- sprechung der cingcbrnchtcn Interpellationen ein. Im Senat verlas Bart hau die Rcgierungserklä- rung. Die Linke zeigte bei der Stelle über die Wahlreform, besonders über der Vertretung der Minderheiten, leise Unruhe. Das Zentrum begrützte die Erklärung mit Beifall, die Linke enthielt sich jeder weiteren Kundgebung. politiscbe Gcberficht. Berlin, den 24. Januar 1913. Das Kaligesctz. Aus d e m R e i ch s t a g e, 24. Januar. Nachdem der Reichstag am Freitag die Aussprache über die Reichs-Schul- kommission beendet hatte, wendete er sich den Positionen des Etats zu, die sich auf die Ausführung des Kali- g e s e tz e s beziehen. Eingesetzt sind für diese Positionen etwas über sechs Mllionen Mark. Das Geld wird eingenommen durch eine Abgabe von 60 Pf. auf den Doppelzentner ab- gesetzten reinen Kalis. Der Betrag wird demnach um so grötzer, je grötzer der Absatz von Kali wird.— Nach dem Kaligesetz darf aber das Geld nur zur„Propaganda", d. h. für die Förderung des Kaliabsatzes abgegeben werden. Das Kalisyndikat will den ganzen Betrag haben, weil es am besten die Propaganda betreiben könne. Selbstverstäirdlich treten für diese Begünstigung der Kalikapitalistcn die Kon- s e r v a t i v e n und die Nationalliberalen ein. ihisere Redner, die Genossen Sachse und Dr. Cohn(Nordhausen), wandten sich entschieden dagegen. Sie wollen keine Kalischmiergelder durch die Kasse des Reiches gehen lassen. Das Zentrum möchte die Wünsche der Kali- kapitalistcn nur zu einem Teile befriedigen. Die Fort- schritt Ii che Volks Part ei ist' auch nicht grundsätzlich gegen die Ueberweisung der Kaligelder an das Syndikat, ivenn die Sicherheit für eine sachgemäße Verwendung der Gelder vorliege. Unsere Redner wiesen aber darauf hin, daß viel richtiger eine gründlichem �l.errd orq wg. de S K g l i- giß keine Erweiterung des Wahl- rechts tunlich sei, die nicht die Frauen in sich schließt. Es fragt sich aber in diesem Falles was die Arbeiterpartei ler und die liberalen Freunde des Frauienstimmrechts tun werden, die mit Bestimmtheit darauf rechnrs, daß diese Wahlrechtsvorlage die Frauen politisch emanzipieren wird. Werden sie diesen Rückzug ohne Rebellion mitmachen? Wie man sieht, uberall findet die Regierung Klippen iind wenn sie auf ihrer Reise durch die Wohlrechtsvorlage uicht von außerordentlichen! Glück begleitet wird, muß sie an einer Stelle S�nstbruch leiden, an der sie das Unglück rsicht geahnt hat. Die VcrharMung. London, 24. Januar. Unterhaus«. Das Haus begann heute die Verhandlungen über den A bände. cungSantrag des Staats- sekrctärs G r c Y zur Wahlrechüsbi l l. Der Abänderungs- antrag wurde von dem Unionisten L Y t t e l t o n eingebracht, der ein Anhänger des Frauenstimmrecht»'. ist. Grey. selbst wird erst am Montag sprechen. Die Debatteiüi planmäßiges Vorgehen der Unternehmer im Baugewerbe, im lfialergcwsrbe und in der Holzindustrie sei unverkenn- bar. Sollte es zum Kampf in diesen drei Gewerbcgruppen kommen, so würden 200 030 Arbeiter an demselben beteiligt sein. Mögtidj daß die Unternehmer den Kampf wollen, um ihre Macht zu zeigen. Doch die Arbeiter brauchten sich davor nicht zu fürchten. Sifct könnten dem Kampf ruhig entgegensehen und würden ihre Maßiiaht"«» für diesen Fall treffen. Weiter handelte es sich in der Versammlung um die Ausgabe von Fragebogen, durch welche festgestellt werden soll, in welchem Umfange Bßüfarben verwendet werden und wieweit die darauf be- zügliche BiAidesratSverordnung befolgt wird. Das so gewonnene statistische Uaterial soll aus der bevorstehenden Ausstellung in Leipzig VerwendntWl finden._______ LerantwTTedakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: r Auch unker den Leifenarbeltern Berlin? gärt e?. Dieselben ge- hören organisatorisch als Gruppe zum Verbände der Fabrikarbeiter. In einem Bericht der Grnppenleitung. den der Gruppenleiter Poch vor einer Versammlung gab, konnte er mitteilen, daß die im vorigen Jahre beschlossene Hausagiiation guten Erfolg gehabt habe? dieselbe wäre zweifellos noch bester gewesen, wenn nicht die Erlaugimg von Adressen mit zu großen Schlvierigkeiten verbunden wäre. Im Anschluß an die Hausagitation fanden neunzehn AgitationSbespreckmngen statt, welche alle durchweg gut besucht waren und in welchen auck eine große Zahl der Erschienenen dem Vcr- bände der Fabrikarbeiter beitraten. In einer Versammlung der Firma Gustav Lohse waren von den Besckäsligten zirka 30 Arbeiter und Arbeiterinnen dem Verbände beigetreten. In einer 8 Tage später abgehaltenen Besprechung erschienen allerdings nur drei Arbeiterinnen und einige Tage darauf erklärten einige ihren Aus- tritt aus der Organisation. Die Gruppenleiluug sorschie nun»ach den Ursachen dieser Vorkommnisse und stellte folgendes fest: Von einem Arbeiter der Finna war derselben Bericht über den Verlauf der Versammlung gegeben worden. Dieser.ehrliebende Auchkollege" besaß auch die Liebenswürdigkeit, der Firma die Namen der Teil- nehmcr bekannt zu geben. Die Firma Gustav Lohse � bekam es nun fertig, ihren Be- schäftigteii zu sagen: Wer der Organisation beitritt oder angehört, geht jeder Vergünstigung, wie Weihnachtsgratifikation u. dergl. ver- lustig.»Die Organisierten würden sich auch in anderer Beziehung nicht nur nicht verbessern, sondern verschlechtern. Dieser«stand- Punkt der Firma ist um so niiverstäiidlicher, als sie es doch der organisierten Arbeiterschaft Grotz-Berlins nicht übel nimmt, daß sie zn dem Riesenprofit der Firma mit beiträgt. Bei der Firma Rudolf Hermann kommen die Arbeiter und Arbeiterinnen mehr und mehr zu der Einsicht, daß sie von den frommen Sprüchen, welche die Firma an Haus und Wände malen läßt, nicht satt werden können. Ebenso wenig von dem dünnen Tee, welcher ihnen in den sogenannten Teestunden verabfolgt wird, die namentlich dann abgehalten werden, wenn die Gruppenleitung die Beschäsngten zu einer Besprechung eingeladen hat. Trotzdem sind einige derselben für die Organisanon gewonnen. Allerdings dürfen sie dies beileibe nicht wissen lassen, weil sie sonst Gefahr lausen, von dem christlicheil Firmenleiter, Herrn S t o b w a s s e r, aufs Straßenpflaster geworfen zu werden. Der Verband der Fabrik- arbeiter wird natürlich nicht rasten, bevor der letzte Seifenarbeiter und die letzte Arbeiterin Groß-Berlins dem Verbände zugeführt ist. Auch die übrige Arbeiterschaft kann zur Ausllärungsarbeit in den Reihen der Seifenarbeiter wesentlich beitragen helfen. Verband der Schneider, Filiale Berlin I. Die Differenz bei dem Zwischenmeister Hirsch, Hirtenstr. 21, ist beigelegt und wird hiermit die Sperre aufgehoben. Die Ottsverwaltung. Achtung! Tabakarbeiter. Nach wie vor ist die Zigarrenfabrik B o rnkesffe l, XZV. Waldstr. 39, gesperrt. In betreffender Fabrik, die bis zu dieser Zeit Tariffirma war, sind die Löhne in bewußter Weise unter den Minimalsatz gedrückt worden. Eine Rollerin Straskowski nebst Wickelmacherin arbeiten dort zu diesen niedrigen Löhnen. Selbstverständlich werden dem Fabrikanten B o r n k e s s e l auch die grünen Plakate sür sich und seine Abnehmer entzogen. Darum aufgepaßt! Arbeiter, Raucher! Kaust nur dort Euren Zigarrenbedarf ein, wo das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. Fragt immer nach diesen Plakaten. Der Vertrauensmann der Tabakarbeitcr. Deuklcbes Reich. Tie Tarifverhandlungcn im Malergewerbc. In der Freitagssitzung wurde üöer die Maßnahmen bei Tarif- übertretuugeii verhandelt. Hierzu fordern die Gehilfen besonders die Beseitigung verschiedener einseitiger Bestimmungen des bisherigen Tarifvertrages, während die Unternehmer die Ersatzpflicht bei Tarif- Verstößen, die Hinterlegung einer Geldsumme als Sicherheit fiir Ansprüche der einen oder anderen Partei bei Tarifverstößen oder Nichtbefolgung von Entscheidungen der Tarifämter fordern. Die Gehilfen lehnten diese Anträge vor allem aus rechtlichen Gründen, weil sie in der Praxis unerfüllbar sind und zu einer Reihe weiterer Differenzen Anlaß geben würden, als undiskutierbar ab. Trotz warmer Befürwortung durch die Unternehmer machten auch die Uu- parteiischen starke Bedenken gegen diese bisher noch ungeklärte Frage geltend. Die Anträge wurden zurückgestellt. Zur Frage der Bekämpfung der Schmuykonkurrenz war äußerst interessant, daß von den Unternehmern, die in der Presse und in Bersammlungen nicht oft genug über den offenen und-versteckten Widerstand des Verbandes der Maler bei der Durchführung der jetzt geltenden Bestimmungen klagen konnten, jetzt hier, wo e-s galt, Be- weise anzutreten, erklärt werden»rußte, daß die Organ i- sation der Gehilfen in jeder Hinsicht ihren tariflichen Verpflichtungen nachgekommen sei. Sie akzeptierten auch mit unwesentlichen Aenderungen die von dieser unterbreiteten Aoänderungsoorschläge, die in der Hauptsache eine schärfere Präzisierung der bisberigen Bestimmungen und ins- besondere die Verpflichtung für die Unternehmer enthalten, bei tariflichen Sperren Geldstrafen und Prozeßkosten besonders aus § 133 der Gewerbeordnung zur Hälfte zu tragen. Das Hauptinteresse in der Beratung am Freitag nahm d i e Frage des paritätischen Arbeitsnachlo eis es in An- spruch. Hier standen sich zunächst die Meinungen der Parteien diametral entgegen. Während die Unternehmer es mit der platonischen Bemerkung bewenden lassen wollten, die Errichtung staatlicher oder städtischer Arbeitsnachweise zu unterstützen, wollen die Gehilfen die bisherigen Bestimmungen, nach denen paritätisch obligatorische Arbeitsnachweise„anzustreben" sind, dahin erweitert wissen, daß solche zu errichten sind. Die Gehilfenvertreter betonten in längeren Darlegungen die unbedingte Not- wendigkeit, die Frage der Arbeitsvermittelung im Tarifvertrage zu dessen Aufrechterhaltung und aus den verschiedensten all- gemein sozialpolitischen Gründen bestimmter als bisher zu regeln. Sie belegten ihre Ausführungen mit verschiedenen Beispielen aus der bisherigen Praxis und wiesen den Unternehmern nach, daß sie die dehnbare Fassung des einschlägigen Paragraphen benützt haben, um gegen die Ausbreitung der paritätischen Arbeits- vermittelung im Sinne des Reichstarifvertrages offen anzukämpfen. Den Vorwurf gegen die Gehilfenorganisation, sie benütze den Nach- weis zur Stärkung ihrer Organisation, konnte deren Vertreter, gestützt auf urkundliche Beweise, dem Unternehmerverband zurückgeben. Die Unternehmer versuchten ein allen Regeln der Parität widersprechendes Reglement zur Grundlage eventuell zu errichtender Arbeitsnachweise zu machen und erklärten unter solchen Umständen dann sür paritätische Nackweise eintreten zu wollen. Die Unparteiischen bezeichneten den Arbeits- Nachweis als den Lebensnerv deS Tarifvertrags. Darüber sei nicht init allgemeinen Bestimmungen hinwegzukommen, sondern diese müssen bestimmter gesaßt werden. Auch diese Frage bleibt weiteren Verhandlungen vorbehalten. Die Tarisdauer soll in beiderseitigem Einverständnis wieder auf drei Jahre sestgesetzt werden. Die zweite Lesung über das Tariffchema wurde einer Kommission von je vier Unternehmern und vier Arbeitervertretern übertragen, die am Sonnabend ihre Funktion erledigen soll._____ Ter Kampf gegen die Päpstlichen. Mit brutalem Haß, der nichts von christlicher Liebe verrät, ver- folgen die Kölner jeden, der im Eiikllang mit der Ansicht des kd. Glocke. BerK». Druck u.Berlag:VorwärtsBuchdr.u, Verlagsanjtalt Papste? den JnterlonfesfionaliSmu? bekämpft. Da? hat nun auch ein Kaplan Schapen erfahren. Die„Kölner Korrespondenz" be« richtet: „In ihrem Begleitschreiben zur Gewerkschastsenzhklika fordern die Bischöfe den Klerus auf, die Enziiklika dem Volke zu erklären. Kaplan Schapen iu M.-G!adbach beschloß, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Ein öffentlicher Vortrag wurde angekündigt. Nuii setzten die Herren der M.-Gladbacher Volksvereinszentraie alles in Bewegung, das Auftreten Schapens zu verhindern, und sie erreichten es, daß der Pfarrer den Vortrag einfach verbot, weil die Weisung der Bischöse überflüssig sei. Ebenso konnte ein Vortrag im katbolischcn kaufmännischen Verein nicht gehalten werden. Am 15. Dezember hielt Kaplan Schapen eine Predigt über die„Liebe zum Papst", im Anschluß an eine Allokution Pins X., an eine Abordnung des sogenannten Ilnio Apostolici. Diese Predigt ivurde durch die„Kölner" als eine „Volksaufwiegelnng" bezeichnet! Denunziationen gingen an die kirchliche Oberbehörde noch Köln ab, es ivurde so lange gewühlt, bis man die Versetzung Schapens in ein entlegenes Dorf(Coslar bei Jülich) durchgesetzt hakte. Man ließ dem Geistlichen leine Zeit sich zu besinnen, in Ruhe seine Geschäfte abzuwickeln, von seiner licbgewordcnen Vereinstätigkcit Abschied zu nebmeu usw., nein, sofort nach der Versetzung schickte ihm sein Pfarrer durch den Küster das Schild seines Beichtstuhles ins Haus und setzte einen anderen Geistlichen in den Beicht« stuhl, ferner untersagte er ihm jede sonstige Tätigkeit im kirchlichen Dienst, sein Name wurde sofort aus der Dienstordnung der Weih- nachtstage gestrichen: auch Hochämter durfte er nicht mehr halten, nur noch stille Messen wie ein Fremder. Das Predigen wurde ihm sogar aus ausdrücklichen Wunsch seines Pfarrers durch die Kölner Behörde verboten." Zum Kapitel der Unduldsamkeit und des Terrors bildet der Vor« gang einen hübschen Beitrag. Tie M.-Gladbacher werden aber wohl darauf verzichten, ihn als abschreckendes Beispiel, und als Material für die Scharfmacher, der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Wenn die Leutchen schon mit ihren eigenen Glaubensgenossen in solcher Weise umspringen, dann kann man ermessen, wessen sie gegen Anders- denkende sähig sind. ES ist doch etwas Erhebendes um die christ« liche Liebe— der Bachemiten. Nene Ntatzregelnng im Saarrevier. Im Saarrevier ist jetzt eine neue Maßregelung vorgenommen worden. Aus Grube Velsen ist der Knappschaftsälteste Beaer-Held durch die Bergwerksbehörde entlassen worden. Becker-Helv gehört der freien Gewerkschaft an. Die Gründe der Entlastung find noch nicht bekannt.— Gleichzeitig wird die Gründung eines nationalen Bergarbeiterverbandes, des königlichen BergwerksvereinS im Saarrevier, gemeldet, der sich dem Bund deutscher Werkvereine an« geschloffen hat. C-ctzte ffcchiicbtcn. Zusammentritt des neuen Ministeriums. Konstantinopel, 21. Januar.(W. T. B.) Gegen Mittag begaben sich die Minister in den Palast. Der frühere Minister des Aeutzern, N o r a d u n gh i a n, wurde geketcn, ebenfalls zu kommen, um die Regierung über die internationale Lage zu informieren. Während des ersten Ministerrats, der heute nachmittag stattfinden wird, soll über eine geziemende B e- antwortung der Rote der Mächte beraten werden. Ter heutige Sclamik ist ohne Zwischenfall verlaufen. Ter Kriegsmiuister N a z i m Pascha ist heute früh unter mili- tärischen Ehren in Gegenwart Mahniud Schewket Paschas be- stattet worden. Ter frühere Großwesir K i a m i l ist in seinen Konak zurückgekehrt. Eine Proklamation. Konstantinopel, 21. Januar.(W. T. B.) Ter interi- mistische Minister des Innern T a l a a t B c y hat an die Pro- vinzbehörden Zirkulardepcschen gerichtet, worin er ihnen mit- teilt, daß das Kabinett Kiamil beschlossen habe.dasganzeVilajet Adrianopel und einen Teil der Inseln dem Feinde preiszu- geben, und daß es eine sogenannte„Beratung" in den Palast eingerufen habe, von der es jene Beschlüsse gutheißen ließt daher sei das aufgeregte Volk vor die Pforte gekommen und infolge der Demonstration habe das Ministerium demissio- inert. Tie Zirkulardepesche besagt weiter, daß die Heiligen Rechte des Vaterlandes verteidigt werden würden. Da die W i e d c r a u f n a h in e d c s K r i e g e s w a h r s ch e i n l i ch sei, müsse die Bevölkerung zu materieller und moralischer Unterstützung ermuntert werden. Die Armee will de» Krieg. Konstantinopel, 24. Januar.(Meldung des Wiener k. k. Tel.-Korr.-Bureaus.) Man behauptet, daß die gestrige Temon- stration des Komitees von den aus dem Hauptquartier in Tscka- taldscha eingetroffenen Offizieren veranlaßt wurde, welche er- klären, daß die Armee unbedingt die Wiederaufnahme de? Krieges wolle. Unterdrückung der öfscntlichen Meinung. Konstantinopel, 24. Januar.(W. T. B.) Die Zcitungs- und Depeschcnzcnsur wird streng gchandhabt. Von den türkischen Zci- tungen ist bisher nur die„Sabah" erschienen. Das Blatt betont, daß alle gestern gehaltenen Reden darin gipfelten, daß die Na- tion die Politik des Kabinetts Kiamil nrcht bil». l i g c, welches beschlossen habe, den heiligen� Boden des Vaterlandes den Feinden preiszugeben und Hundcrtauscnde armer �andslcute im Stich zu lassen. Tic Auffassung der Balkandclcgiertcn. London 24 Januar.(W. T. V.) Wie das Rcutersche Bureau erfährt, kamen die ersten Dclcg.ertcn der Baltanstaaten heute abend zusammen. Ta einige der Teleg.ertcn von ihren Re- gierungen noch keine voüitändigen Reifungen erhalten hatten, ver- tagte man sich auf 24 Stunden. Die Delegierten sind der Ansicht, daß die Ereignisse in Konstantln-pel einer ablehnenden Antwort aus die Note der Dt ächte gleichkommen. Tie Valkanmissionrn haben heute abend lange Ehiffretelegramme an ihre Regierungen gesandt und um weitere Weisungen ersucht. Keine Biehnot in— Rußland. Petersburg, 24. Januar.(W. T. B.) Das Handelsministerium hat eine Konferenz einberufen zur Entscheidung der Frag«, ob ein Fleischexport ohne Nachteil für den inneren Markt möglich ist. D-.e südrussischen Viehhändler erklärten, der Viehbestand se- ausreichend, um den inneren und den äußeren Markt zu befriedigen. Schiffsuntergang. ghrlstianra, 24. Januar.(W. T B.) Die norwegische Bark „Agda" ist am Dienstag in der Nordsee untergegangei'� Bon der 15 Mann starken Besatzung sind z w ö l s c r t r u n! c n. Acht Mann stammen aus Stettin.___ ßaulSinger ö- Co., Berlin LW. HierzuTBeilagen mUnterhaltungsbÜ" It. 21. 30. ZahkMg.' 1. Ifilnjc i>tg.Awiick" Sttlintt piyintt SottttnW, 25. Januar 1913. Reichstaflf. SS. Sltzung. Freitag, den 24. Januar 1913. nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Kommissare. Kurze Anfragen. . Dr. Müller-Meiningen sVp.) fragt: Ist die öffentlich auf- gestellte Behauptung rlchtlg, daß in der letzten Zeit die Werbe- »atlglert der französischen Fremdenlegion eine vetonders intensive war, und daß vor allem die Anwerbung minder- lahrigerdeuticker Staatsangehöriger, sogar angeblich teilweise auf deutschem Boden, zunahm? Bejahendenfalls: was gedenken zu tun? rt Störungen zu tun, um diesem Unwesen Einhalt Ministerialdirektor Lewald: Den neuerdings in der Preffe ver» brelteteu Nachrichten über angebliche Werbungen der französischen Fremdkiilegion ist die Regierung nachgegangen. Es haben sich keine it h a I t» p u n k t e wgeben, daß diese Werbetätigkeit eine besonders intensive war, und daß die Anwerbung minderjähriger Deutscher zu- genommen hat. Daß auf deutschem Boden eine Werbetätigkeit aus- geudl wurde, hat sich nicht erweisen lassen, und in verschiedenen mit erfunden herausgestellt. Alle uns bekannt werdenden �alle werden mit Aufmerksamkeit verfolgt und zutreffendenfalls wird WU größtem Nachdruck eingeschritten werden. sBeifall.) Abg. Lcdebour(Soz.) fragt: Ist der Reichskanzler bereit. Aus- runft darüber zu geben, ob und inwieweit die Koniulatsberichte aus den Balkanländern die von Verschiedenelt europäischen Zeitungen wiederholt vorgebrachten Behauptungen bestätigt haben, daß die Truppen der Verbündeten Balkanstaaten sich Grausamkeiten gegen die türkische, albanische und jüdische Be- völkerung haben zuschulden kommen lassen, die angeblich stellen- weise sogar den Charakter einer s y st e m a t i s ch e n Ausrottung jeuer Bevölkerungsteile angenommen haben? Gedenkt oer Reichskanzler ferner, die Entsendung einer Kommission seitens der Großmächte zur Untersuchung jener Borgänge und der durch sie herbeigeführten Zustände anzuregen? Geheimrat Lehmann: Auf die erste Frage ist zu bemerken: die Berichte unserer Konsuln aus den Balkanstaaten haben sich mehrfach mit den angeblichen Ausschreitungen beschäftigt. Die Berichte be- ruhen jedoch in der Hauptsache auf Schilderungen dritter Personen, deren Angaben von den Konsuln nicht nachgeprüft werden können. soweit sie sich auf Wahrnehmungen beteiligter Personen stützen, hat sich ergeben, daß die verantwortlichen Befehlshaber und Behörden gegen Uebergriffe mit Nachdruck und Erfolg eingeschritten sind. Die zweite Frage ist zu verneine n. Abg. Hoch jSoz.) fragt: Ist die Behauplung richtig, das Kalonialamt habe im Widerspruch mit der im vorigen Jahre abgegebenen Zusage des Herrn Staatssekretärs des Kolonialamts seuie Zustimmung dazu gegeben, daß die D i a m a n t en r e g i e ciuen neuen Vertrag über die Abgabe der Diamanten aus Sudwestafrika schließt, bevor der Reichstag zu den Bedingungen des Vertrages Stellung nehmen konnte? Ein Brrlretcr des Rcichskolonialamtcs: Der Staatssekretär des Reichskolonialamts hat am 19. April v. I. in der Budgetkommission rrklärt: was die Frage anlange, daß die Verwaltung mit dem Ab- fcbluß des Vertrages hätte warten sollen, bis der Reichstag sich schlüssig gemacht hätte, so bemerke er, daß der Abschluß solcher Ver- träge i» die Exekutive der Regierung falle, und daß es auch u n m ö g l i ch sei, derartige Verträge in parlamentarischer Weise abzuschließen. Damit die Regierung solche Verträge richtig abschließe, sei die Diamantenregie eingesetzt, das ist auch heute n och der Standpunkt der Kolonialverwaltung. Sie hat noch keine Zustimmung zu einem neuen Vertrage gegeben. Für die Be- dingungen des nächsten Vertrages sind die Asußerungen der Hnndelskammer in Hanau eingeholt worden. Die Aut'chceibuug wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des März stattfinden. Etat des Reichsamts des Innern. Zehnter Tag. Die Beratung über den Titel„R e i ch S sch n l k o mmi s si a n" sowie über den s o z i a l d e m o k r a t i i ch c n An t r a g aus Ilm- Wandlung der Kommiision in ein selbständiges ReichSamt für das Schul- und Biidungslvesen wird fortgesetzt. Abg. Schulz lSoz.): llnser Zweck, den Reichstag zu einer Schuldebatte zu beraulassen. ist erreicht worden. Wir wünschen die Zuständigkeit des Reichs auf dem Gebiet der Schule und möchten das am liebsten durch ciil Reichsschulgesetz herbeiführen. Der Abg. K u ck h o f f sieht in unserer Resolution eine Gefahr für die Einzetstaaten. Es soll ihnen ja aber gar nichts genommen werden, sie sollen nur zu flotterem Vorgehen aufgemuntert werden. Darin kann doch keine Gefahr liegen. Daß wir Sozialdemokraten, wie er fürchtet, das Hest in die Hand be- kommen, wird die Mehrheit des Reichstages schon zu verhindern wissen. Würde man übrigens eine Volksabstimmung darüber herbeiführen, ob das deutsche Volk das Vollsschulwesen lieber in den Händen der Sozialdemokratie oder i» denen des i n t e r- nationalen römischen Klerikalismus sieht, so wird es sich sicher für die Sozialdemokratie entscheiden.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir haben noch inimer kein Gesetz über das Einjährig-Frei- willigen-Privileg. Der Kriegsminister v. Goßler sagte seinerzeit, es könne nicht erlassen werden, weil die Unterrichtsverhältnisse in den verschiedenen Bundesstaaten so verschieden sind, erst wenn sie ein- heitlicher gestaltet sein werden, wird es erlassen werden. Wir Sozialdemokraten haben übrigens keine Sehnsucht nach diesem Gesetz, sondern wünschen vielmehr ein einfaches Gesetz, das das Einjährige»Privileg von Grund aus abschafft. sLebhastes Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Bei Herrn Kerschensteiner erkenneich gern an, daß er im Gegensatz zu vielen seiner preußischen Kollegen den Mut hat, auszusprechen, was er denkt. Er hat ja erfreulicherweise unsere Forderung auf Einrichtung eines Reichsschulamts unterstützt, allerdings mit einem gewissen Vorbehalt. Aber dieser Vorbehalt hat gar keine Bedeutung, weil wir ja ein solches Amt, wie er es bekämpft hat, in unserer Reso- lution gar nicht fordern. Das fordern wir in unserem Initiativ- a n t r a g, während unsere Resolution nicht über den Rahmen dessen hinausgeht, was auch Herr Kerschen st einer verlangt. Wir können uns seiner Begründung für das Reichserziehungsamt an- schließen. Natürlich verzichten wir damit nicht auf die Forderung eines Reichsschulgesetzes, doch steht diese Forderung jetzt nicht zur Debatte. Uebrigens befindet sich Herr K e r s ch e n st e i n e r mit seiner Ablehnung eines Rcichsschulgesetzes im Gegensatz zu vielen Liberalen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Debatte im vorigen Jabr hat die Regierung sehr leb hast geschwiegen. In diesem Jahr war ihr Schweigen womöglich noch lebhafter. Vielleicht gelingt es uns doch noch, sie zu bewegen, von dem Gedankenreichtum, der sich hinter diesem Schweigen birgt, dem Reichstag etwas mitzuteilen. Ich würde mich freuen, wenn der Staatssekretär Dr. Delbrück reckt bald einen Erlaß unterzeichnete, durch welchen das Einjäbrig-Freiwilligen-Privileg aufgehoben und der jetzigen Reichsschulkommission das Lebenslicht ausgeblasen würde. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wörle(Z.): Es handelt sich bei den Schulfragen vielfach um Fragen der Weltanschauung. Ueber die Frage, was gut und schlecht im Schulwesen ist, dürften unsere Anschaumigen sehr weit anseinandergehen. Daher können wir prinzipiell einem R e i ch s s ch u I a m t nicht zustimmen. Wir wollen nicht ein- greifen in die Schulkompetenzen der Einzelstaaten. Herr Schulz hat offen und ehrlich und mit Mannesmut das sozialistische Schul- Programm hier verteidigt. Er wird aber auch mir zugestehen müssen, daß ich aus persönlicher Uebcrzeugung herons auf Grund meiner christlichen Weltanschauung und in treuem Festhalten an der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung den gegen- tciligen Standpunkt vertrete. Die Forderung eines Reichsschulbeirats, wie sie Herr Derschen st ei»er erhob, ist eine Halbheit. Er schreit nach der anderen Hälfte, um seine Anschauungen auch durch- zusetzen, nach dem Reichsschulgesetz. Wir lehnen den Antrag der Sozialdemokraten ab, weil wir auch nicht einen Schritt vorwärts tun Ivollen auf dem Wege zum sozialistischen Zu- kunstsstaat.(Bravo 1 im Zentrum.) Abg. Hoff(Vp.) fordert frühere Berechtigung der Lehramts- kandLaten zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst. Damit schließt die Diskussion. Die Resolution A l b r e ch t(Soz.) wird abgelehnt. Zum Kapitel Ausführung des Kaligesetzes beantragt die Kommission, für den Fall einer Abänderung des Kaligesetzes diesem neuen Gesetz rückwirkende Kraft für die Kaliwerke bei- zulegen, die nach dem IS. Januar 1913 in Angriff genommen worden sind. Ein Antrag Behrens(Wirtich. Vg.) will die Propagandagelder für die landwirtschaitlichen Korporationen, Genossenschaften und Ver- bände von 900 OOO M. aus eine Million erhöhen. Rleims f euillcton Ein nener Ankläger Galileis. Der Kampf der römischen Kirche flegrn die Lehre von der Erdbewegung wie überhaupt gegen den gleist der neuen Zeit, den sie mit Tortur und Scheiterhaufen, mit olwn iWitteln der brutalen Gewalt zu- ersticken hoffte, gehört zu den ichmachvollsten Ereignissen der Weltgeschichte. Man sollte daher meinen, daß es heutzutage teinem Menschen, auch dem überzeug- testen Anhänger der katholischen Kirche nicht, je einfallen würde, die Handlungstveise der damaligen kirchlichen Machthaber irgend- wie in Schutz zu nehmen. Aber siehe da! es findet'sich heute noch ein Jünger der Gesellschaft Jesu, der das Werk der Ehrenrettung jener Geisteshenker unternimmt und die Schuld an dem„immer- hin bedauerlichen„Galilei-Fall" dem Opfer selbst zuschiebt. Anläßlich der im Jahre 1909 erschienenen groß' angelegten Lebensbeschreibung.Galileis von E. Wohlwill, deren bis jetzt vorliegender erster Band bis zum Abschluß des Prozesses von 1610 reicht, unternimmt der Jesuit A. Linsineier in der„Zeitschrist für batvolische Theologie" die obenerwähnte gottcsgefälligc Mission. Da in jenem Pcozeffe die Lehre des Kopernitus über die Bewegung der Erde als„schristwidrig" verurteilt wurde, 17 Jahre später aber dem- greisen Galilei aus diesem Urteil cnic neue, schon endgültige Verurteilung erwachsen ist, so wendet jetzt der gelehrte Pater alle seine Berstandcskrästc an. um zu beweisen, daß es vorzügtich die naturwissenschaftlichen Mängel der galilcischen Lehren waren, wo- durch die Entscheidung der KongreWtion vom Jahre 1616 durchaus notwendig geworden ist. Diese nachträgliche Vermummung des würdigen Ketzergerichts in eine Akademie der Wissenschaften wirkt desto iomischcr, je niehr sich der geistige Abkömmling der galileischen Richter damit abgibt, dem Galilei selbst für seinen„überstürzten Eiser" gehörig den Kops zu wasche::.„Es war unklug und ein überstürzter Eifer, daß Galilei sich vorzeitig auf Erklärung von Schritttcxten einließ. Der vernunftgemäße Vorgang irmre gewesen. zuerst seine neue Bewegungslehre, seinen neuen Träghcitsbegriff lind die daraus sich ergebende Widerlegung beliebter Gegenbeweise vollständig auszuarbeiten und zu veröffentlichen.... Erst nach die'er Vorarbeit wäre es möglich gewesen, in der außerordentlichen Einfachheit der neuen astroiionirchen Lcbre einen triftigen Grund zu erkennen, vom Wortlaut gewisser Schrifttexte abzu- weichen.".- 2o, nun wißen wir, wie es kommen müßte, damit sich alles in ein Wohlgefallen aufloje» könnte. Vielleicht entwirft der würdige Pater nächstens ein Programm, wie sich die Wissensöbast bei ihrer tzorscbung künftig zu verhalten hat. Die Verbrechen der Kirche an unscrer Geisteskultur sind so zahlreich wie Sand aui Meere. Sie derzeit zu begehen, war gewiß kein Heldenstück, mag aber in gewissem Sinne psychologisch begreif- lich sein. Sic jxtzt zu beschönigen, wo eben dieselbe Kirche die Früchte der von ihr seinerzeit verdammten Lehren bequem und heelcnrubtg verzehrt, ist noch weniger heldenhaft und zeugt von deinem Ucbcrsluß an Witz. Aver dazu noch die Opfer jener Ver- folgimgen nachträglich zu verhöhnen, das verrät doch eine Gcsiniiung. vor der siöherlich auch die Richter Galileis so etwas wie Scham empsuiidcu hätten. Theater. Theater in der Königgrätzer Straße:„Brand" von Ibsen. Seitdem das Schillertheater vor Jahren den Versuch gewagt, ist Ibsens„Brand" nicht mehr über eine Berliner Bühne gegangen. Ilm so verdienstvoller war die Erneuerung des Experi- mentes durch die MemharM-Bernauerschc Direktion. Auch wenn die Verlebcndigung im Bühnenbilde nur zum Teil gelang, die An- nähme, daß die Eigenart der Dichtung einer Vcriörperung im Theatcrrahmcii vielfach widerstrebe, sich bestätigte, lenkte die Auf- sührung den Blick auf ein für Ibsens Entwickelungsgang höcksit charakteristisches Werk, ein Gedantendrama von intensivster Inner- lichkcit zurück. Es ist ctivas vom Geiste Kierkegaards darin, von jenem Geist, der flammend im Zorn den Stumpfsinn und die Heuchelei einer sich„christlich" nciiiieiiden Gesellschaft geißelt, jenen Wahrhcitssiiin, der bei dein Widerspruche von angeblichem„Glauben" und wirklicher Gesinnung ein klares Entweder— Oder heischt. Will man so leben, wie es alle, die Besseren ivie die Schlechteren, tun; als Naturwesen. die allüberall für sie selber möglichst günstige Komproinisse schließen, daiiii soll man sich auch eingestehen, daß dies Verhalten in evidentem Widerspruche steht zu Jesu Verkündung, daß niemand könne zwee» Herren dienen. Die Kirche selbst mit ihren alles saiittionicrenden Kompromissen, die sich als Bersorgungs- anstalt für das Wohlergehen der Gläubigen in einem künftigen Leben etabliert hat. ist an solchem Maßstäbe gemessen nicht weniger uiichristlich wie die Gesellschafts- und die Staatsorommg. Um diesen Angelpuntt kreist Brands Bewußtsein. Gegen Dogmen so gut wie gleichgültig, cmpsindct er den Ziviespalt zwischen Sein und Sollen— einem Sollen, daß die unbedingte Unterwerfung aller natürlichen Triebe unter ein höchstes Gebot im Sinne Christi vorschreibt—, als schmerzlichste Gewissensnot. Nicht Jesus der barmherzige Menschen- und Kinderfreund, der Jesus, der da sagte, er sei gekommen-, das Schwert zu bringen, steht ihm vor den Augen. »-ür diesen will er zeugen vor der Welt.„Alles oder nichts" ist Brands LieblingSspruch. So absurd sein Tun lind Handeln dem natürlich Unbefangeneil Menschenverstände erscheinen muß. so tief ist diese maß- und ziellose Dialektik einander übertrumpseiider For- derungci im Wesen eiu-»- ethisch-religiösen, absolute Pestnlate auf- siellendcn Ideologie angeregt. Wohl um uns fernliegende, aber darum, nicht um erkünstelte Probleme handelt es sich in dem Drama. Dax die Ausführung nicht durchweg von poetisch bildnerischer Kraft getragen wird, streckenweise in schematischer tskizzieruiig verläuft, ändert an diesem Grundcharakter nichts. Ein düsterer Schatten, an Ewiges inahncnd, tritt Brand, der in den Bergen schweisendc Prophet dem fröhlichen Brautpaar Ejnar und Agnes gegenüber. Daß er zu einem Slerbendcil gerufen, sein eigenes Leben im sturingepeitschtcir Fjord aufs Spiel setzt, gewinnt ihm Agnes' anbetende Liebe und Bewunderung. Jedes Leiden will sie an seiner Seite auf sich nehmen. Eher opfert der harte Gatte das Leben des Eöhnchens, der in der eisigen Luft und Düsterheit Abg. Sachse(Soz.): Das Kaligesetz sollte eigentlich bis zum 31. Dezember 1923 Geltung haben, und jetzt sagt die Regierung bereits, es kann so nicht weiter gehen. Wir haben schon bei der Beratung des Gesetzes erklärt, daß es unzureichend sei, weil es der Ans- bcut»ngsw»t keine Schranken sehe. Wir verlangten bereits da- mals die Berstaatlichung des Kalibergbaues. den Unternehmern paßt das Gesetz nicht, weil eS, wenigstens in geringem Maße, versucht, auch die Verhältnisse der Arbeiter zu regeln. Schon damals, bei der Schaffung des Gesetzes, hätten keine neuen Kaliwerke mehr abgekauft werden dürfen. Die schon damals vorhandene Ueberproduktion ist seitdem noch ge- stiegen, die Zahl der Schächte bat sich verdreifacht, und daher ist der Verkaufswert der Produktion der einzelnen Werke zurück- gegangen. Das Kaliwerk Ascherslcben, das den Outsider spielte und halb so teuer verkaufte wie das Syndikat, hat trotzdem ungeheure Ueberschnsse erzielt lllid 12 Proz. Dividende verteilt. Jetzt ist es dem Syndikat beigetreten, es berichtet aber, daß wir drei- mal soviel Schächte besitzen, als nötig Ivären, den Bedarf der ganzen Welt zudecken. Trotzdem werden unnötigerweise Millionen für neue Schächte ausgegeben, die für wirtschaftliche Aufgaben nützlicher verwendet werden könnten. Das einzig richtige Mittel zur Lösung der Schwierigkeiten ist auch heute noch die Verstaatlichung. Im Handelsblatt des„Berliner Tageblatt" hieß eS, daß die verfahrene Situation auch durch eine Novelle nicht mehr zu retten wäre, es bliebe nur eine Gewalttat. Das ist eben die Ver- staatlichung. Wir wollen aber keine Verstaatlichung, bei der die Kaliiiiteressenten ein Vonibengeschäft machen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen dabei die Interessen d e r Arbeiter und der Konsumenten gewahrt wissen. Die verstaatlichten Werke müßten wirkliche Musierarbeitsstätten sein. Die Verwendung der Propagandagelder darf dem Kalishndikat nicht in die Hände gespielt' werden. Wohin das führt, hat die Schmiergeldcrdebattc gezeigt. Eine kräftige Propaganda muß nalürlich getrieben werden. Mit einem fachlichen Beirat zu diesem Zweck sind wir einverstanden.— Der Kommissions- beschlnß hat in Kaliinteressentenkreisen große Errregung hervor- gerufen und hat teilweise schon gewirkt. Aber es scheint, daß die Herren doch ein Hintertürchen finden. Um das zu Verbindern, »iüssen wir zur Verstaatlichung übergehen. Ich möchte der Re- gierung zurufen: Nur keine Furcht vor dem Gott Mmumon, sie hat die Pflicht, den Kapitalisten, die die Sache so verfahren haben zum Schaden der Arbeiter, lräftig in die Zügel zu fallen.— Aus der uns vorgelegten Denkschrift geht auch die Höhe der Löhne der Kalibergarbeiier hervor. Sie beträgt für Hauer 1997—09: 4,74, 1911: 4,89 M. Trotzdem die Kalibergwerke im Jahre 1912 be- deutend bessere Geschäfte gemacht haben als 19l1, sind die Löhne nicht erhöht worden. Auch hier müßte die Regierung eingmieii. Der Reichstag hat im vorigen Jahre eine Resollilion aligenoinme», in der Forderungen für die Arbeiter enthalten waren, so sollten die abgeschlossenen Tarifverträge im„ReichsarbeitSblatt" vor- öffentlicht werden. Ueber die Forderungen zllgunstcn der Arbeiter „schweben noch Erwägungen". Die Forderung nach Veröffentlichimg der Tarifverträge hat die Neglernng abgelehnt,„weil die Herren Werksoeitreter die Veröffentlichung nicht wünschten". Die Regierung hätte durch diesen Wunsch doch stutzig werden müssen. Der Zweck der Nichtveroffentlichung ist doch nur der, die Ver- t e i l n n g s st e l l e zu täuschen. So hat das Werk W i n t e r s h a l l(eS ist das Str. 8, die Namen werden uns in der Denkschrift nicht genannt) 20 Ps. weniger gezahlt. als tariflich vereinbart war.(Hört! hört! bei den Sozialdem) Die Tarifverträge sind vielfach auch nur durch einen Druck aus die Arbeiter zustande gekoinmen; in H e e r i n g c n lchiiten sie ihn bei der ersten Abstiiiimung ab: das galt als K ü» d i g u n g. Unter diesem Druck und durch die Versicherung, die Löhne bleiben wie bisher trotz geringerer tariflich verabredeter wurden die Leute zu dem Vertrag bestiiniiit. So täuscht man also die Berteilungsstelle. Dasselbe ist in H e i l i g e n r o d a der Fall, Ivo der geringere taris- liche Lohn nur im Falle der Kündigung, also als Strafe gezahlt luird.(Hört! hört! bei den Sozialdeniokraten.) Auch darüber be- schwere» sich die Arbeiter, daß. als im vorigen Jahre Nachzahlungen erfolgten, diese lediglich an die„guten Schäfchen" gegeben lvnrden. Dadurch, daß uns nur die Nummern der Werke genannt toerden, »mgeht die Regierung den RcichStagsbeschluß. Es heißt in dem Gesetz nur. daß die Berteilungsstelle zur Geheim- des Pfarrhofes hinsiecht, als daß er auch iinr den Schein erwecken möchte, er könne seine Aufgabe im Stich lasse». Der eigenen Mutter verweigert er nach l-angem inneren Kamps den letzten Segen, da sie die Buße, die sie läntern sollte, nicht über sich gewann. Ten Höhepunkt erreicht das Drama in den Szenen des vierien Aktes, da Brand, der die geliebte Fron aus erdcnschtverem betäubenden Verzweisluiigsschmerze um. das gestorbene Kind erretten, ihre Seele im Glauben stählcii will, verlangt, sie soll die als Reliquien bewahrten Kleider ihres Kleinen— alle bis aufs letzte— für das frierende Kind einer bettelnden Zigciincrin hergeben. Es ist ein Opfer über die Kraft! Was sie erlösen sollte, tötet sie!— Der Schlußakt ist ganz allegorisch. Tic Kirche, die Brand vom Gclde seiner Mutter Agnes zum Gedenken erbaut hat, scheint ihm, kaum vollendet, ein schlechtes Gotteshaus. Staatlich besiallte gleisnerische Salbader werden dort von der Kanzel reden. So fordert er das Volk auf, ihm zu den schneeigen Firnen des Gebirges zu folgen, Gott aufzusuchen in den erhabene» Einsamkeiten der Natur. Eine Lügennachricht des Vogtes, daß ein gewaltiger Hcringsschwarm, reiche Beute verheißend, sich im Fjord heranwälze, genügt, die «char, die Brand begleiten wollte, zu sprengen. Er bleibt allein mit einein wahnsinnigen Zigeunermädchen. Eine Lawine begräbt ihn und vom Himmel her über de» Leichnam des ewig ungeduldigen Forderers und Anklägers tönt eine Stimme: Gott ist ein Eolt der Liebe. Irene T r i c s ch spielte die Agnesszene dcS vierten Aufzuges mit rührend zartester Beseelung. Rosa Bcrtcns w'ar vortrcsf- lich als die im Geiz versteinerte alte Mutter Brands. Karl Mein- hardS Bogt und Otto Gebührs Probst repräsentiertcn markant charakteristisch das hausbackene, stets mit den niedrigsten Mo- tiven rechnende Philistertum. Herr Hartau in der Figur des Brand bot eine lvobldurchdachte fleißig ausgefeilte Leistung, die aber den Zuschauer nicht zwingeiid in den Bannkreis der großen Jbsenschen Gestalt festzuhalten vermochte. Die gereimte deutsche Uebersetzung von Christian Morgenstern führte ein gut Teil unnützen und störenden Wortgctlappcrs mit sich. Üt. - Humor und Satire. DerKaiserbecher. Wehklagt, ihr loyalen Zecher. Weil in Mainz, der treuen Stadt. Ha. ein Dieb den Kaiserbecher Meuchlings nachts gestohlen hat! Schön aus Silber und aus Golde Im Museum stand er da, Wo man Patriotenbolde Eifrig ihn beschnüffeln sah. Im Auguste Achtundneunzig Nahm S- M. daraus den Trank Und empfand seitdem als Freund sich Mainz verpflichtet, Gott sei Dank. Haltung der„gesckjaftüchen Maßnahmen' verpflichtet sei. Die Me gierung scheint auch fiskalische Werke auf diese Weise schützen zu wollen, die durchaus keine Musterbetriebe sind. ES ist Pflicht der Regierung uns die betreffenden Kaliwerke, deren Löhne in der Denkickirift veröffentlicht sind, zu nennen. Auch über die Betriebs- Verhältnisse wird die Verteilungsstelle getäuscht. Die Wünsche der Bergarbeiter und der Allgemeinheit'für das neue Gesetz gehen dahin: DaS Abteufen neuer Schächte muß überhaupt inhibiert werden. Zwei S-t-ächte müssen allerdings überall vorhanden sein. Dann muß der� Arbeiterschutz verbessert werden. Tarifverträge dürfen keine Lohnreduzierungen bringen und dürfen dem Arbeiter nicht aufgezwungen werden; sie müßten am besten von Organisation zu Organisation abgeschlossen werden. Vor allem müssen die Staatsbetriebe Musterbetriebe sein. Das Koalitionsrecht der Bergarbeiter darf in ihnen nicht ein- geschränkt werden. Es darf Most so gehen wie in Saarbrücken wo die Regierung einen Vertrauensmann der Arbeiter gemaßregelt hat. Die Kostenübertragung niuß den Arbeitern bekannt gemacht, mindestens der Bergbehörde mitgeteilt werden. In der Konimission ist uns erklärt worden, daß in dieser Beziehung Wandel geschaffen wird, damit die Arbeiter immer wissen, ob sie Lohncntschädigung zu verlangen haben. Der Schutz für die Stcinkohlenarbeiter, daß sie bei über 28 Grad Celsius nur sechs Stunde» zu arbeiten brauchen, muß auch auf die Kaliarbeiter ausgedehnt werden; bei 22 Grad Celsius dürfte höchstens sieben Stunden gearbeitet werden. Eine gesetzliche achtstündige Maximalschicht muß eingeführt werden; im Kalibergbau hat eines nach der Denk- schrift noch eine neunstündige. Der Minister sollte den Namen dieses Werkes_ nennen. In England, Frankreich, selbst in Spanien haben die Bergarbeiter seit Illll gesetzlich geregelte Arbeitszeit, in Amerika, in Holland, in Kanada haben wir achtstündige Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt gesetzlich bestimmt, in Neuseeland ist Frauen- und Kinderarbeit im Bergbau gesetzlich ver- boten. Wie sieht eö dagegen in Deutschland aus I Noch nirgends haben wir gesetzlich die achtstündige Schicht. Der Gesundheitszustand der Bergarbeiter ist infolgedessen hundemiserabel, 60 bis 70 Prozent, bei manchen Werken fast 100 Prozent, werden krank. (Hörtl hörtl b. d. Soz.) Die Ueberschichten sind horrend; während der Kampagne werden 57 Schichten im Monat verfahren.(Hört: bort I bei den Sozialdemokraten.) Auch in der Lohnzahlung sind uus andere Länder, auch Oesterreich weit voraus. Die Vor« schriften über die Wetterführung müßten Keffer beobachtet werden. Die jämmerlichsten Zustände herrschen in bezug auf die Wasch- einrichtungen; man gibt den Leuten nichr einmal die Gelegen- heit, ihre vom Salz zerfressene» Hosen auszuwaschen. Wenn der Kalibergbau auch nicht die Gefahren dcS Kohlenstaubes mit sich bringt, so beißt bei der langen Arbeitszeit das Salz in die Augen und bringt Gesundheitsschädigungen mit sich. Auch die Abwässerfrage muß geregelt werden; man darf nicht dulden, daß dre Flußläuse weiter versalzen, sozusagen ver- saut werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdeinokraten.) Schließlich noch eine Anregung. Es liegt im Interesse der Gesamt- heit, wenn auch die Nebenprodukte besser ausgenutzt werden. Wir schwimmen in Deutschland nicht im Golde, aber wir schwimmen im Salz.(Heiterkeit.) Früher lvurde sogar daS Kalisalz auf die Halde geworfen, bis man seinen Wert erkannte. Ich hoffe. daß im Sinne dieser meiner Ausführungen das neue Gesetz gestaltet wird, im Interesse der Allgenieinheit und der Arbeiter.(Lebhaftes Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Unterstaatssekretär Nichter: Es ist r i ch t i g. daß die Entwickelnng der Kaliwerke eine unhaltbare geworden ist. Es ist ganz u n w i r t- s ch a f t l i ch, wenn eine Anzahl Werke für eine Förderung gegründet werden, die auch von wesentlich weniger Werken geleistet werden kann. Auch darin stimme ich dem Vorredner bei, daß die Gestaltung des Gesetzes an dieser fieberhasten Gründung von Werken Schuld ist. Zur Abhilfe hat der Borredner die Verstaatlichung empfohlen. Meine persönliche Meinung ist, daß der Gedanke dcS Kalimonopols sehr viel Sympathrsches hat. Aber die Monopolisierung hätte vor sehr langer Zeit schon in An- griff genommen werden müssen, beute wird sie schwer durchzuführen sein. Sie würde erstens l�/z Milliarden kosten, und zweitens hängt über einem solchen Kalimonopol heute immer daS Damoklesschwert, daß auch außerhalb Deutschlands Kali gefunden werde» kann. Dann wären die ganzen Aufwendungen für das Monopol umsonst gewesen. Die Ouotenbestimmungen des Gesetzes sind zweifellos abänderungsbedürstig. Alle diese Uebelstände sind in einer Denkschrift im Reichsamt des Innern zusammengestellt; wir wollen sie aber iroch ergänzen, indem wir den Weg zur Besse- rung zeigen. Wie das darauf beruhende Gesetz aussehen wird, ver- »nag ich heute noch nicht zu sagen. Der Vorredner bemängelte, daß im Kalibergbau die Arbeitszeit nicht gesetzlich geregelt ist, wie im Wird die Freundschaft nicht verschwinden, Wenn ihm nun zu Ohren kimmt, Daß sich dort ein Mensch tat finden, Der auf nichts»nehr Rücksicht nimmt? Was geschehn ist, wer kann's wissen? Zweifelnd rät rnan so und so. (Unsre Polizei beflissen Sucht ihn sicher anderswo.) Jedenfalls ein Menetekel Ist der leergeword'ne Fleck Und der Brave kehrt voll Ekel Sich von diesem Tekel weg! Moppel. Notizen. Kunstchronik. Die C o rinth- Ausstellung wird an den Sonntagen nicht um 4, sondern um 6 Uhr geschlossen iverden. — Der Streit um.den reinen To reu"..Parsifal" wird in Monte Carlo nun doch in Form einer subskribierten Generalprobe aufgeführt. In Mailand soll er in der dortigen Skala in der Saison 1913/1014 unter allen Umständen in Szene gehen.»Das Schicksal des„Parsifal" in Monte Carlo", sagte der Herzog Visconti di Modrone,„wird für die Aufführung der Wagnerschen Oper in der Skala von keiner Bedeutung sein. Wir werden„Parsifal" in den ersten Tagen des Monats Januar des kommenden Jahres bestimmt zur Aufführung bringen. Kein Hindernis und kein„Veto" werden uns davon abbringen, da wir in dem unS durch das Gesetz gewährleisteten vollen Rechte sein werden... — Der Eroberungszug des. Filmtheaters. Mit feierlichen Schwüren der Dramatiker und Thenterdirektoren begann der Feldzug des Theaters gegen den Film. Aber bald fielen die Dichter um, nun folgt das Theater. Reinhardt hat die bedeutendsten Ausführungen des Deutschen Theaters einer Filingeselliwaft zur Re- Produktion überlassen. Man beginnt mit der„Venezianischen Nachl". — Die Muft erwohnung i m Gewerkschaftshause ist von nun an wieder Montag, Mittwoch und Sonnabend von 6—9 Uhr geöffnet..„ — Der letzte Omnibus tu Paris. Es war ein feicr- liches Begräbnis, dem eine ungeheure Menschenmenge beiwohnte. schreibt man der„Köln. Ztg.". Der Leichenzug setzie sich von der Place Saint-Lulpice, dem früheren Ausgangspunkt der täglichen Arbeit des Verschiedenen, in Bewegung. Sein Nachfolger, der Autobus führte ihn der ewigen Ruhestätte zu. ES war em vor- nebnies Begräbnis. DaS Verdeck war mit Kränzen von Veilchen . nd Mimosen behängt, eine Reihe von Aiitomobilen folgte, mit fÄinnmm Flor umwunden. Es war ein offizielles Begräbnis. ■' Boulevards waren abgesperrt, damit der Zug vorüberziehen kannte und die Kinematographen arbeiteten. Jetzt gibt es keinen Ws-rde-Omnibus mehr in Paris. Mit einer kleinen Fastnachtsposie. w- von der Zei.schrist»Das Auto" veranstaltet und von den Be- Hörden gnädig geduldet wurde, endigte sein Pariser Dasein. Steiukohleiibergbau. Aber hier kann die hohe Temperatur nicht so leicht ertragen werden. Dann beschwerte sich Herr Sachse, daß die Arbeiter einen Revers unter- schreiben mußten, keiner Organisation anzugehören. In dieser Beziehung ist R e m e d u r geschaffen. Die Tarifverträge konnten wir nach Lage der Gesetze nicht veröffentlichen, da die eine Seite es nicht wünschte; ich habe aber denselben Einwand erhoben, ivie Herr Sachse, ich begreife nicht, wieso die Herren die Veröffentlichung verweigern, da doch jeder, der Interesse daran hat, sich die' Verträge, die ja in Händen so vieler Arbeiter sich befiliden, leicht verschaffen kann.(Sehr richtig!) Abg. Spcck--stsgelegenheit- nicht finden, von dem Unternehmer Ersatz für den Einnahmeaussall zu verlangen haben. Diese Verpflichtung scheint nicht in allen Fällen, wie mir z. B. auch auS meinem� Wahlkreise berichtet worden ist, beobachtet zu werden.(Hört I bört! bei den Sozial- demokraten.) Ueber die sinnlose Verschwendung von Geld und Kraft, die darin liegt, daß Kaliwerke nicht angekauft werden, umi Kali zu produzieren, sondern um Quoten zu erlangen, ist schon ge-- nügend gesprochen worden. Zehntausende von Kubikmetern Salz werden aus die Halde geworfen, und so wunderbar ist: unsere Gesellschaftsordnung, daß dasselbe Salz, wenn es indem Hanshalt kommt, für den Konsum der breiten Massen mit einer: Steuer belastet ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ter Geschäftsbericht des Kaliwerks Aschersleben weist mit: Recht daraus hin. daß in derselben Zeit, wo zahUose Kaufleute nicht imstande find, zu erschwinglichen Bedingungen Kredit zu bekommen. Tausende von Millionen Kapital im Kali» bergbau sinnlos in die Erde geworfen werden. Der Schächtebau an sich ist ja schon ein sehr gules Geschäft für leistungs-- fähige Firmen und dahinterstehende große Bankgeschäfte. Einer: Irma wie Orenstein u. Koppel ist es ganz gleich, was aus der: aliindustrie wird, wenn sie nur ihre gut bezahlte Arbeit bei der Niederbringung von Schächten hat. Was ein Mittel zu einem höheren Zweck sein sollte, wird hier, wie so oft in unserer so wunder« baren Gesellschaftsordnung, zum Selbstzweck.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Natürlich ist auch viel Geld verspekuliert worden und durch Spekulation gewonnen worden. Sie dürfen aber nicht denken» daß wir bei den Monopolideen diese gewaltigen Spielerverdienste entschädigen wollen. Wer solche Papiere kaust, muß eben auch mir dem Verlust rechnen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die weitaus überwiegende Zahl der Kalibergwerke haben große Ueber- schüsse gehabt. Diese Ueberschüsse sind zum Teil herausgewirtschastet durch Erniedrigung der Löhne der Arbeiter,(«ehr richtig! bei den Sozialdeinokraten.). Daß Herr Behrens die einzige SchutzbesftmmunA des Ge» setzes, die über die Tarifverträge, auch jetzt noch bekämpft, ist eigentlich wunderbar. Sein Kollege Schiffer hat seinerzeit unseren Anträgen zugestimmt. Auf den staatlichen Kalibergwerken in meinem Wahlkreise sind die Löhne niedriger als im allgemeinen Durchschnitt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das staatliche Werk in Bleichen- rode hat in den Verträgen, daß 4—5 M. Lohn für die acht- stündige Arbettsschicht und darüber bezahlt wird. Das erweckt den Anschein, als ob mehr wie 5 M. bezahlt wird, während das „darüber" sich nur auf die achfftündige Schicht bezieht, also auch für eine längere Schicht werden nur 4—5 M. bezahlt. Bei einem Privatmann, der derartiges täte, würde man vom Schwindel sprechen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Bei einem staatlichen Werk ist das natürlich ausgeschlossen. Die Verstaatlichung wollen wir natürlich nur auf der Grund» läge durchführen, daß allen Teilen damit geholfen ist, nicht nur der Landwirtschast, sondern vor allem auch der Arbeiterschaft, die heute in dem angeblich gesunden Kalibergbau unter den schrecklichen Verhältniffen in gesundheitlicher Beziehung zu leiden hat. ES war wirklich«in sehr magerer Trost, daß der Unterstaatssekretär meinte, die Arbeit im Kalibergbau sei nicht so gesundheitsschädlich wie im Kohlenbergbau angesichts der Tatsache, daß der Kalibergbau 1590 Tote und 129909 Verwundete zu der Zahl der in industriellen Betrieben verunglückten Arbeiter stellt. Die Herren Verwaltungsbeamten,_ die über die Schmerzen und den Jammer der Bergarbeiter zu entscheiden haben, sollten ein- mal selbst 14 Tage lang ein paar Stunden unter die Erde gehen, dann würden sie erfahren, wie eS tut, sich in solchen Temperaluren aufzuhalten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf einem Festesten des Kaliiyndikats hat sich der Oberberghauptmann v. Velsen über die Gestallung des neuen Kaligesetzes geäußert, ohne dabei auch nur mit einem Wort die Arbeiter zu erwähnen. Wir erwarten, daß das Reichsamt de« Innern diese Sitten preußischer Beamten nicht mitmacht, sondern sich auch mit den Arbeitern und ihrer Gewerkschaft in Verbindung setzt, wenn eS sich um die Gestaltung des neuen Gesetzes handelt. Bei unserem Eintreten für die Verstaatlichung kam! uns auch die EntschädigungS- ftage nicht schrecken. So sehr viel wohlerworbene Rechte gibt es im Kalibergbau nicht. In der„Deutschen Tageszeitung' finden sich sehr schöne Artikel gegen Mammonismns und Materialismus; aber den „Tanz um das goldene Kalb" der Propagandagelder und der Divi- denden aus den chemischen Fabriken des Bundes der Landwirte macht die„Deutsche TageSzeltung" recht lustig mit.(Zustimmung linls. Unruhe rechts.) Die Nationalliberalen sollten gerade aus nationalen Ursachen für den Monopolgedanken eintreten. Dieser wird schließlich so stark sein, daß selbst der Abg. G o t h e i n aus einem Saulus zu einem Paulus wird, namentlich wenn er sich noch länger unserer auf- lläreuden Nachbarschaft erfreut.(Heiterkeit.) Wenn wir unsere Propaganda fortsetzen, so hoffe ich, daß wir alle daS Monopol noch erleben.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) � �...... Die Dlskussion schließt. Es folgen eine Reihe personlicher Bemerkungen. Nächste Sitzung: Sonnabend 10 Uhr.(Fortsetzung des Etats.) Schluß b'/« Uhr._____ pariamentarilckes. Petroleum Monopol in ber Rcichstagskoinmifflon. Nachdem von zwei Mitgliedern der Kommission am Freitag dte Ergebnisse der Debatten über die VersorguiigS. und Preisfrage in ihren negativen und positiven Teilen nochmals zusammengefaßt Ergebnisse der Debatten über me-czeiio. u..o Preistrage m ihren negativen und positiven Teilen nochmals zuiommengefaßt waren und nachdem M ü ll e r- �ulda erklärt hatte, daß erden Vertrag der Regierung mit der Steana Romano, den die Re- gierung der Kommission vorenthalt, genau kenne, ging man in der Generaldiluision über zu emem neue» Punkte: der Möglichkeit staatlichen Eiiigreifens.— Tos Zen t ru m sprach sich entschi ntnen»>,, Sinoreisen des Reichs durch die Scbaffulia e des liuuuiajen»um-«--"— s"!il sich entschieden ncaen ein Eingreisen des Reichs durch die Schaffung eines Monopols in irgend welcher �orm aus. Es befünvortet den Weg der vertraglichen Verständigung mir den für die Versorgung des deutichen Marktes in Betracht koniinenden vier LieferungSgeiell« schailen. Das Zentrum fei auch bereit, zum Schutze der Kon- sumente»» gegen die Ausbeutungsgelüste des Trusts ein klein?" Kartellgesetz zu machen. E S w e r d e gegen das Monopol st i m m e n. Wenn aber doch eins gemacht werden sollte, darm könnte« Der gesetz zu»nachen. ES werde gegen das Monop »en. Wenn aber doch eins gemacht werden sollte, da «S nur ein Moiiopol m Regie des Reiches fein.. Der Sprecher der' o z, a l d e m o k r a t i i ch e n Fraktion lehnte das Eingehen auf die Vorschläge des Zentrums als uiipraktiich ab. Der Vertragsabschluß des Reichs mit den vier Geiellickasten würde die Kartellierung geradezu hervorruse» und so die Abhängig- keit des Reiches und der Konsumenten noch steigern. Kariellgeietze würde die Kartellierung geradezu hervorrufen und so die Abhängig. keit des Reiches und der Konsumenten noch steigern. Kariellgeietze aber seien schwierig zu machen und bleiben in der Regel ohne Erfolg. wie der Kamps der amerikanischen Regierung gegen die stan» darb Oil Co. aufs beste beweise. Es bleibe bloß das Monopol, und zwar daZ reine ReichZmonopol. Die Gründe, die die Regierung da- gegen anführe: Vermehrung des Beamtenheeres. Risiko des Reichs siiro.. seien durchaus nicht stichhaltig. Wenn man den Zweck des Monopols: Schutz der Konsumenten erreichen wolle, dann müsse die Vertriebsgesellschaft fallen. Der Gedanke, day die Banken und das Privatkapiial auf Kosten der Verbraucher hohe Dividenden zahlen, sei genau so zu bekämpfen, wie der andere Gedanke, datz das Reich das Monopol als Einnahmequelle benützen könnte. Die sozial- demokratische Fraktion erkläre sich grundsätzlich für den Monopolgedanken, lehne aber die Verlriebsgesellschaft ab und verlange das Reichsregierungsmonopol. Die Vertreter der beiden liberalen Fraktionen sprachen sich gegen das Eingreifen des Reiches auf dem Wege des Vertrags- abschlusses und der Kartellgesetzgehung aus. weil eS nicht zum Ziele führe.� Sie sind für ein Monopol und zwar für die Vertriebs- gesellschaft._ Sie erklären sich bereit, die Bestimmungen über die Bertriebsgesellschaft so zu ändern, datz der Einflust des Reiches der- mehrt und der der Banken wesentlich zurückgedrängt wird. Sie wollen auch Maßregeln treffen dagegen, daß das Reich das Monopol als Finanzquelle benützt. Die Liberalen werden also für den Monopolgedanken stimmen, aber in der Form der Bertriebsgesellschaft. Da die Konservativen und Polen wegen des Schlusses der Sitzung noch keine Stellung zu der Frage der Betriebsform ge- nommen haben, auch die Regierung zu dem Antrage der Sozial- demokraten auf Einrichtung des Reichsregiemonopols sich noch nicht geäußert hat. so läßt sich über das Schicksal der Regierungsvorlage sicheres noch nicht sagen. Es steht nur soviel fest, daß unrer L8 Mitgliedern sicher 16. also die Mehrheit, für den Gedanken eines Monopols sind. Die nächste Sitzung wird die Entscheidung bringen sowohl über das Prinzip des Monopols als über die Frage, ob Neichsregie oder Vertriebsgesellschaft. Wichtige Beschlüsse der Budgetkommission. Die Budgetkommission des Reichstages pflegte in der Freitag- sitzung eine allgemeine Aussprache über die wirtschaftliche Lage und über die Gehaltsverhältnisse der unteren und mittleren Reichspost- beamten. Die Erhöhung der Bezüge, die die Besoldungsreform vom Jahre 1909 gebracht hat. sind besonders für die erwähnten beiden Beamtenkategorien unzulänglich; ein Mißstand, der sich mit der in- zwischen rapid vor sich gegangenen Teuerung verschlimmert hat. Die Regierung siehl dieser Entwickelung ziemlich tatenlos zu. ja, sie letzt den Bestrebungen deS Reichstages, eine Besserung eintreten zu lassen. heftigen Widerstand entgegen. Der Unwille darüber brach allgemein durch. Schatzsekretär K ü h n versuchte zu Beginn der Freitagssitzung die Kommission von ihrem Vorhaben abzubringen, die Bezüge der Beamten zu erhöhen. Um aber dem Reichstag entgegenzukommen, schlug er, der Schatzsekretär, für seine Person vor, die Konimission solle alle gestellten Anträge zurückziehen und dafür eine allgemein gehaltene Resolution annehmen, die die Regierung verpflichtet, in eine Prüfung darüber einzutreten, ob und in welcher Art die Wünsche der Beamten erfüllt werden können.— Staatssekretär K r a e l k e schloß sich dem an. Gcnofle N o s k e vertrat energisch eine Besserstellung speziell der Unterbeamten. Sei diese erfolgt, treten die Sozialdemolraten auch für Gehaltserhöhungen für mittlere Beamte ein. Die Verhältnisse zwingen dazu, für die Postbeamten etwas zu tun. Die Sozial- demotraten fordern, daß den rund 56 000 Unterbeamten eine Zulage von IVO M. pro Mann gegeben wird. Auf die unbestimmten Zu- sicherungen des Reichsschatziekretärs könne sich der Reichstag nicht einlassen. Wenn auch die Finanzierung nicht leicht sei, möglich sei sie. Bei Rüstungsvoclagen finde die Regierung stelS Auswege; warum denn nicht auch für die Beamten?! Abg. Nackennan aus ihre Stellung zu den nun vor- liegenden Beschlüssen neugierig sein.— Auf eine Anfrage, warum nicht auch die P o st g e h i l f i n n e n nach einer bestimmten Dienst- zeit unkündbar angestellt werden, erklärte die Postverwaltung, sie sei tovsscheu" geworden, weil es Gehilfinnen gegeben habe, die sich pensionieren ließen und dann unter Hinweis auf ihre Pension durch Inserate sich Männer gesucht haben. Die Kommission forderte jedoch in einer Resolution die Regierung aus. auch die Gehilfinnen nach beftunmter Dienstzeit unkündbar anzustellen. Noch ein ungültiges Reichstagsmaudat. Im Wahlkreis Offenburg-Kehl wurde der national- liberale Abg. Kölsch mit einer Mehrheit von � Stimmen gegen den Kandidaten des Zentrums gewählt. Gegen die?e'Dahl war von den Anhängern des Zentrums Protest erhoben worden. Der Reichslag beschloß Beweiserhebung, deren Ergebnis nunmehr vor- liegi. Die Wahlprüfungskommiision konnte in ihrer Freitag die Verhandlung noch nicht zu Ende suhren. doch ist nicht daran zu zweifeln, daß die Wahl deS Abg. Kölsch für u n g u l t r g erklärt wird. Jugeudgerichte. Die ReichStagSkommission zur Schaffung eine« Strafrechts für tugendliche setzte am Freiiag ihre allgemeine Vorbesprechung des ntwurfs TO« und diskutierte über die Frage, ob die bedliigie Ver- urteilungdaß insbesondere die Teilnahme der Fraktion an der höfischen Eröffnungsfeier des Landtags keinerlei Kritik erfahren habe. Demgegenüber steht zweifellos fest, daß be- reits seit einer Reihe von Jahren auch in den Kreisen der lvürttem- bergischen Genossen lebhafter Protest gegen Hofgängertum und Budgetbewilligung erhoben worden ist. Uedrigens kommt es darauf nicht im mindesten an, sondern einzig auf d i e Frage, ob das Verhalten der württembergischen Fraktion mit den An- schanungen der Gesamtpartei und den Parteitagsbeschlüssen in Einklang zu bringen ist. Da das nicht der Fall ist, war die Kritik an dem Verhalten der württembergrschen Fraktion nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht der Parteigenossen, insbesondere auch der Partedpresse. Wohl aber ist es irreführend, diese Kritik als Ausfluß persönlicher Animosität hinzustellen. Wir bedauern es deshalb, ldaß der Fraktionsvorstand abermals von einer„Person- lichen Vergiftung" des württembergischen Parteilebens spricht, statt sich in sachlicher Weise mit den Anschauungen seiner Kritiker auseinanderzusetzen. Solange der Fraltionsvorstand nicht Gründe für die Beteiligung an dem höfischen Akte der Land- tagseröffnung vorzutragen weiß, sondern fortfährt, lediglich die Motive andersdenkender Genossen zu diskreditieren, müssen wir auf eine weitere Auseinandersetzung verzichten. Nur das sei noch bemerkt: Tie Erklärung behauptet, die Ab- stimmung auf der württembergischen Landesversammlung 1919 sei wenig beweiskräftig, da damals der größte Teil. der Delegierten nicht mehr zugegen gewesen sei. Das mag sein; andererseits aber ist die Zuscmlmensetzuny der Landcsversammlung infolge der un- geheucrlichen Benachteiligung der großen Parteiorganisationen eine derartige, daß auch bei vollzähliger Besetzung der Landesver- sammlung eine Abstimmung durchaus kein zuverlässiges Bild von der wirklichen Stimmung der württembergischen Genossen gewährt. Ein verfehlter Borschlag. Die»Dredener Volkszeitung" macht folgenden Vor- schlag: Wir möchten zu diesem neuesten württemberaischen Streitfall zunächst unser Bedauern aussprechen, daß diese Angelegenheit wieder zu einer so unleidlichen AuSeiiiandersetzung geführt hat. Wenn ein Teil der Stuttgarter Parteigenossen das Verhalten der Landtagsfraltion nicht für richtig hält, so ist es darum noch nicht nöiig gewesen, sogleich eine so umfassende Zeitungspolemik gegen sie einzuleiten, die ganze Oeffentlichkeit in Erregung zu setzen und zugleich den politiich«, Gegnern eine Freude zu bereiten. Die Folge der hefrigen Angriffe der»Tagwacht"-Redaktion gegen die Fraktion war, daß dann wieder die Fraktion in erbitterten Aenße- rungen erwiderte und hinter den gegen sie gerichtetenAngriffen persön- liche Gehässigkeit suchte. ES wäre unseres Erachlens weit richtiger ge- Wesen, eine Streitfrage, wie sie sich an die Eröffnung des württembergischen Landtags anknüpfte, in Ruhe und Sachlichkeit zu behandeln und sie dem neuen ParteiauS schütz zur Besprechung und Klärung zu überweisen. Gerade auch zu solchem Zwecke ist doch auf dem letzten Parteitag in Chemnitz diese Parteiiiistanz eingesetzt worden. Dort kann eine derartige Frage nach allen Richtungen sorgfältig geprüft werden. Es ist recht bedauerlich, daß dieser durch das OrganisationSstatut der Partei gewiesene Weg nicht eingeschlagen worden ist. Wir er- warte», daß jetzt noch versucht wird, den begangenen Fehler wieder gut zu machen. Das„Reckar-Echo" bemerkt dazu: Obgleich wir der Meiuuiig sind, daß eS sich bei der Frage der Landtagseröffnung um eine in nerpolitrsche An- gelegen heit bandelt, über welche die würtlembergischen Partei- »»stanzen zu urteilen haben, stehen wir dem Borschlage deS Dresdener Bruderblattes nicht ablehnend gegenüber. Eö kann nichts schaden, wenn im Parteiausschuß die Frage eingehend diskutiert wird. Dabei inuß vor allem die st a a t S r e ch t- liche Seite der Sache untersucht werden. Eine solche Prüfung innerhalb der zuständigen Parteiinstanzen halten wir für zweckmäßiger, als die endlosen Zerrereien in der Presse, die zum Teil einen stark persönlichen Hintergrund zeigen und nur dem Gegner Wasser auf die Mühlen liesern. Sowohl das Dresdener, wie das Heilbronner Parteiorgan empfehlen da einen Weg zur„Klärung" von polemischen Ansein- andersetzungen über parteitakliiche Fragen, den wir für völlig un- g a n g b a r erklären müssen. Der Ausirag von solchen MeinungS- fragen gehört in einer demokratischen Partei, deren Anhänger in ihrer Masse die einzuschlagende Taktik mitzubestimmen be- rufen sind, gerade vor die Oeffentlichkeit. Wollte man der- artige Streitfragen, die natürlich in sachlicher Form auszutragen sind, einem kleinen Kreis von Genossen zur Klärung und Schlichtung übertragen, so liefe das nicht nur auf eine Bevormundung und Knebelung der Parteipresse hinaus, sondern auch auf eine Ausschaltung der großen Masse der Partei, die doch gerade zum eigne» PrusM und Denken erzogen werden muß I Daß der Parteiausschnß auch keineswegs als eine Instanz zur Erledigung oder auch nur„Dämpfung" von Parteidiskussionen gedacht war, be- weisen zur Genüge die Verhandlungen deS Chemnitzer Partei- t a g e s. besonders die Ausführungen des Neferenten, des Mit- gliedeS des ParleivorstandeS, Genossen Müller, der ausdrücklich erklärte: „Man soll sich aber andererseits... auch nicht der Illusion hingeben, als ob Streitigkeiten, wie wir sie in den letzten Jahren gehabt haben, in Zukunft ausgeglichen werden könnten durch den Pnrteiausschuß und damit aus Oer Welt geschaffl wären. Das wird nichr der Fall sein. Wohl aber kann in vielen Fällen die Vorberatung im Ausschuß dazu beitragen, daß solche Streitigkeiten in Zukunft in der Form kameradschaftlicher ausgetragen werden, als das bisweilen ffüiher der Fall gewesen ist. Aber innere Auseinandersetzungen der Partei zu er- sparen, taktische Streitfragen zu erledigen. das soll und kann gar nicht die vornehmste Aufgabe das künftigen Parteiausschusies sein. Der Parteiausschuß soll vor allen Dingen dem Kampfe gegen unsere Gegner dienen." Ter ungarische Generalstreiks-Parteitag. Aus Budapest wird uns geschrieben: Nächsten Sonntag findet der außerorde/rtliche Parteitag der ungarischen Sozialdeino- kratie statt, der gleich nach dem Bekanntwerden der Wahlrechts- Vorlage einberufen wurde, um den Kauips gegen die Arbeiter- entrechtung zu organisieren. Alle Arbeiter- und Parteiorganisa- tioncn haben Vertreter nach der Hauptstadt entsandt. Der für die ungarische Arbeiterschaft so wichtige Parteitag wird also unter großer Beteiligung stattfinden. Von den ausländischen Bruder- Parteien erscheinen Genosse Vandersmissen, Mitglied der belgischen Parteileitung und Genosse Friedrich Austerlitz aus Wien. Der Parteitag soll nur einen Tag dauern und hat nur die Frage des Wahlrechtskampfes zu beraten. Obwohl über den Ausgang des Parteitages kein Zweifel bestehen kann, der General- streik also mit Sicherheit kommt, blicken die bürgerlichen Parteien, wie die gesamte Bevölkerung doch mit Spannnng ans diese Tagung. vielleicht im Stillen doch doch eine Abwendung des Generalstreiks erhofsend. Die Regierung ist auf das äußerste gefaßt. Das zeigt die Rede des Ministerpräsidenten Lukas. Nach allen Seiten hin hat sie Vorkehrungen getroffen, die Sozialdemokratie niederzuringen. Ter Vertrieb der"Parteipresse ist im ganzen Lande untersagt. Polizei und Gendarmerie gehen gegen die sozialdemokratische Presse in echt magyarischer Weise vor. Durch vertrauliche Erlasse wurden die Behörden ersucht, die Arbeiterschaft streng zu überwachen und besonderes Augenmerk auf die„etwa aus der Fvemde kommenden Agitatoren" zu haben. Diese sollen sofort den Gerichten übergeben werden. Das Regierungsorgan veröffentlicht die Bestimmungen des Strafgesetzbuches, welche 6, 19 und 16 Jahre Zuchthaus gegen diejenigen androhen, die durch Aufreizung der Massen den Reichs- tag oder einen sonstigen gesetzgebenden tsattor an der Ausübung seiner Rechte und Arbeiten hindern. Das Organ unserer ungari- schen Parteileitung, die„Nepszava" veröffentlicht als Antwort auf diese Drohung die Namen der Parteileitungsmitglieder und erklärt, daß diese Männer die Verantwortung für alle Folgen tragen. Es wird ausgeführt: „Die Parteileitung übernimmt die Verantivortung für alle Folgen der Aktionen, die sie im Interesse des Wahlrechts unter- nimmt. Die Parteileitung hat auch das Strafgesetzbuch studiert und darin leinen einzigen Paragraphen gefunden, der verbietet. eine �verhaßte Regierung zu stürzen. Der Kampf geht nicht un» die Störung der Gesetzgebung, sondern um den Sturz der Wahl- rechtsräuber. Die Parteileitung ist sich durch die Rede Lukacs klar geworden, daß das Recht gegen die Führer der Partei ge- beugt werden soll. Sie erklärt daher öffentlich der Regierung, daß bereits nach der gehaltenen Drohrede des Ministerpräsidenten einige hundert Arbeiter im Parteisekretariat erschienen und dort das Gelöbnis ablegten: In demselben Moment, in dem die Parteiführer verhaftet werden, wird der Kampf der Arbeiter- schaft auf das persönliche Gebiet geleitet und die Mitglieder der Negierung mit den gleichen Waffen bekämpft, die man gegen die Führer der Arbeiter anwendet." Diese Darlegungen sollen keine Drohung sein. Sie sollen nur der Regierung reinen Wein einschenken über den E rnst der Situation. Wer die ungarischen Arbeiter kennt, wer ihre Wahl- rechtskämpfe gesehen, weiß, daß die Arbeiter vor keinem Opfer zurückschrecken und daß es ihnen bitter ernst mit dem Kampf gegen die Reaktion ist. Der ungarische Wahlrechtskampf ist von so großer Bedeutung, daß die ausländischen Bruderparteien alle Veranlassung haben, die bevorstehenden Ereignisse mit der größten Aufmerksamkeit zu verfolgen._ Jahreskongreß der belgischen Arbeiterpartei. Man meldet uns aus Brüssel: Der Kongreß der belgischen Partei, der alljährlich an den Osterkeiertagen stattfindet, wird dies- mal, einem Beschluß des Generalrats zufolge, seine Verhandlungen auf drei Tage erstrecken, um eine gründlichere Beratung der TageS- ordnung zu ermöglichen, als es bei der sonst üblichen Frist von zwei Tagen möglich wäre. Der erste Tag gilt dem Wahlrechts» kämpf und der General st reiksfrage, über welche Punkte Vandervelde und Parteisekretär Vandersmissen berichten werden. Ferner kommt die Militärfrage zur Verhandlung und als dritter Punkt daS SozialversicherungSprojekt der Regierung. Zu diesen Punkten kommen noch die Parteiberichte mit eventueller Diskussion. Wie beim letzten Parteitag anläßlich der Generalstreiksfrage hat a der Generalrat auch diesmal verfügt, daß zur Beratung über die Wahlrechtssrage auch die nicht angeschlossenen Arbeiterorganisationen, die jedoch dem Prinzip des Klassenkampfes anhängen» und sofern sie von den regionalen Föderationen anerkannt sind. Vertreter entsenden können. Bei der Anstimmung stimmen die Ver- treter der angeschlossenen Organisationen mit roten, die der nicht angeschlossenen mit grünen Karten ab. Der Kongreß wird wieder im Brüsseler Maison du Peuple tagen. polirellicbes, Vericbtlicbeg uftv, Verunglückter Polizeikampf gegen die Arbelterbildungsdestrebungen. Unser Vertrauensmann im Wahlkreise Hanau wurde wieder- holt in Strafe genommen, weil er polizeilich nicht genehmigte Licht- bildervorträge veranstaltet haben sollte. Er legte jetzt Berufung ein und das Schöffengericht in Gelnhausen kam zu einer Frei- sprechung. da Lichtbildervorträge eine höhere künstlerische Ver- aiistaltung seien, die der Genehmigung der Polizeibehörden nicht unterliegen und steuerfrei sind. Es ist beschämend, daß sich die Arbeiter das Recht auf weitere Bildung erst durch solche Urteile erkämpfen müssen._ Hus Industrie und Kandel. Ucber die rumänische Pctroleumindustrie macht das„Bukar. Tagebl." recht günstig lautende Ausführungen. Danach betrug die Rohölgewinnung Rumäniens im Laufe des Jahres 1912 1 189 996 Tonnen, um 269 999 Tonnen mehr als im Jahre 1911, das seinerseits gleichfalls gegenüber dem voran- gegangenen Jahre ein Mehrerträgnis von 299909 Tonnen auf- wies. Gleichzeitig dürfen die Aussichten für die Zukunft als über- aus günstig bezeichnet werden, da Rumänien noch zahlreiche und ausgedehnte unerschlossene Oelfelder besitzt, auf die man die größten und berechtigsten Hoffnungen setzen darf. Diese voraussichtliche ständige Steigerung der Gewinnung wird die Rentabilität der rumänischen Petroleumindustrie um so günstiger beeinflussen, als die Nochfrage nach den Rückständen sowie nach den Nebenerzeug- nissen des Petroleums, wie Benzin, Schmieröle usw., in der ganzen Welt eine ungewöhnlich steigende Richtung aufweist. Die Raffine« rien haben im Jahre 1912 rund 1 673 999 Tonnen Rohöl ver- arbeitet, um nahezu 279 999 Tonnen mehr als im vorangegangenen Jahr, und im Anschluß daran ist auch die Ausfuhr aus 869 999 Tonnen(im Vorjahr 689 909 Tonnen) gestiegen. Die bereits be- stehenden Gesellschaften haben im Laufe des Jahres ihr Kapital um 23 Millionen Lei vermehrt. Außer der von der Deutschen Bank finanzierten Steana Romana, die bekanntlich ihr Kapital von 49 Millionen auf 69 Millionen Lei erhöhte, sind noch anzuführen: Orion von 11 Millionen auf 16 Millionen Lei, The Baue Oilfields Lto. von 799 999 Lei auf 254 Millionen Lei, LÄnglo-Roumanian Petroleum Co., die Schuldverschreibungen für 1,26 Millionen Lei ausgab, und Roumanian Consol. Oilfields Ltd.. von 18,75 Mill. auf 26 Millionen Lei. Neue Petroleumgesellschaften wurden in der Berichtszeit mit dem Gesamtkapital von 39 Millionen Lei ge- schaffen. Es sind zumeist englische Gesellschaften, bei denen sich die Höhe des tatsächlich eingezahlten Barkapitals sehr schwer bemessen läßt, da die Einlagen zumeist in Grundstücken, Sonden und anderen Einrichtungen erfolgen, die mit Aktien bezahlt wurden, während die Barei» Zahlungen in der Regel sehr gering waren und zumeist als Vergütungen in die Taschen der Unterhändler flösse». Diesen neuen Gesellschaften fehlte es meistens gleich von Anfang an an dem nötigen Betriebskapital, so daß ihre Zukunft zum größten Teil recht zweifelhaft erscheint. Bezüglich der Gesetzgebung für die rumänische Petroleumindustrie ist in erster Reihe das Gesetz zu er- wähnen, durch welches ein Kredit von 18 Millionen Lei für den Bau der Petroleumröhrcnleitung von Baicoi nach Constantza er- öffnet wurde. Auch das Gesetz betreffend die Kontingentierung des inländischen Verbrauchs von Lampenpetroleum hat gewisse Ver, besserungen erfahren. AJandorf&C!La Belle-Alliancestr. Grosse Frankfurterstr. Brunnenstr. Kottbuser Damm Wurst waren Zwiebel- od. Rotwurst..romd 60� Sülzwurst..................... Pfand JOpi Landleber- od. Rotwurst I rrnnd 95 fc ff, Leberwurst.............. p �1.19 Teewurst..................... Pfand 1.20 Cervelat- od. Salamiwurst..... Pfand 1,40 Speckfett... 85 maznf...... Pfand 95 Pf. Schinkenspeck.............. Pfand 1.20 Nusschinken................. Pfand 1,30 Gänsebrust................. Pfund 1,80 Butter and Käse Molkereibutter..... �rtani-vmt 68 pf ff. Molkereibutter>,. pfnndP»kCt 70 p'- Schweizer Käse............ Pfand 85 Tilsiter Käse................. Pfand 85pt Limburger Käse............. Pfund 58 Pf. Romatour Käse.............. stack 32 Pf. Die mit S bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen. Soweit Vorrat< 'Frisches Fleisch Schwelneboteiett.......... p-and 95pt Roulade.............. pfnl.vO f Kalbskamm........ Pfand 70? Kalbsbyg............ Pfand 75 pt Kalbsbrust.......... Pfand 75Ff. Kakao 65. 65- Kamm oder Schuft'".�mnd 95? Pfand 00 Pt Sauch.............. Schmorfleisch":»"65» � RBcKentett.................................. SS pf. .Pfund Pf. � Bratenschmillz(Karniilume)........ 63». f BlanienkoM..K.p.io,i5 Apfelsinen 20, 25 pf. Pf. AmerlK. Aepfel Hlnei 1.95,2.25, 2.4s Spittelmarkt Eelle-Älliancestfasse Gr.Frankfortersirasse BrnnnoDstrasso Kottbuser Damm l�lnoienm Pfund Kolonialwaren Victoria-Erbsen............ Pfand 18?t W Erbsen halbe................... Pfand 20» lH Bohnen................ Pfnndl9, 24»? Linsen......... pfan« 16« 20, 25»? Backpflaumen...... Pfand 28, 35» Backobst.............. rnnd 32, 45» Ringäpfel....................... Pfand 40» Konserven Stangenspargel.... 1 5 Stangenspargel.... Bruchspargel Bruchspargel Abschnittspargel.. Gem. Gemüse...... Schoten................ Spinat.................. Kohlrabi laSchen-ea.. Tischdecke(vacbBtacb-BucbeiiOc..�,, 98 pf.| Zimiuerbclagr ■KlUlttfCXf ca. 67 cm breit, Meter 98pr. ca. 90 cm breit, Meter 1.25: TC��XChC IbOXZttoG.VS ca. 200 cm breit.........DMeter 10'75 200x300 12>75 ct. 200X250. Liiefinre auch nach answttrtw. Möbel-Leehner Spezial• Möbelhaus auf Kredit und gegen dar. '■ ercoiiaii; Brunnenstraße 7 h Müllerslraße 174 Stube UDd KÜClie... 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Im vorigen Jahre umfaßte er einschließlich des Berichts der internationalen Konferenz 188 Seiten Damals fehlten die Einzelberichte von drei angeschlossenen Landes. zentralen, diesmal nur von England, dessen Zentrale, wie der Gc- nosse Legten in seinem Vorberichte sagt, zu sehr mit Arbeiten überhäuft war. die sich aus der Durchführung der VersidherungS- gesetze ergeben. Auch sonst ist der Bericht immer noch lückenhaft, gestattet aber von Fahr zu Jahr immer lehrhaftere Vergleiche über die Arbeiter- bewegung jener Länder, die dem Sekretariat angeschlossen sind. Es sind deren jetzt 19, nachdem die bulgarische Zentrale bis zur Er- ledigung ihrer Differenzen mit einer zweiten Zentrale desselben Landes suspendiert werden mußte. Leider fehlen im Sekretariat immer noch die Gewerkschaften, welche in' Australien, Neu-See- land, Südafrika und Südamerika bestehen, wie auch der größte Teil der englischen Gewerkschaften, soweit diese nämlich der dortigen Landeszentrale, die eigentlich nur eine Slreikrückversicherungs- Organisation darstellt, nicht angehört. Deren Anschluß würde die Mitgliederzahl des Sekretariats um mehr wie 2� Rillionen vcr- mehren. Eine wertvolle Bereicherung des Internationalen Berichts bieten die Sonderberichte der internationalen Berufssekretariate, die zum ersteumale aufgenommen wurden. Dabei ist bemerkenswert, daß fast alle in Deutschland domizilierenden Sekretariate Berichte«in- lieferten, von den vier Sekretariaten jedoch, die in anderen Län- dern ihren Sitz haben, gingen besondere Berichte nicht ein. Auf diesen Teil des Berichts kommen wir später zurück. Eine gute Uebersicht über die Gewerkschaftsbewegung der dem Sekretariat angeschlossenen Länder bietet die folgende Tabelle: Zahl der Gewerkschaftsmitglieder insgesamt 1910 1911 l. England..... 2 440 723 3 010 846 2. Frankreich.... 677350 1020238 3. Belgien..... 138 928 92 735 4. Niederlande.... 143 850 153 689 5. Dänemark.... 123864 128224 6. Schweden.... 121 180 116 500 7. Norwegen.... 47453 53830 8. Finnland.... 24 928 10 640 9. Deutschland.... 2 688 144 8 061 002 10. Oesterreich.... 451282 496263 11. Bosnien-Herzegowina 6 269 5 587 12. Kroatien-Slawonien. 6 805 8 504 13. Ungarn..... 86 778 95180 14, Serbien..... 7 418 8 337 15. Rumänien.... 8515 6 000 Bulgarien.... 3 000— 16. Schweiz..... 93 707 78119 17. Italien..... 783 538 709 043 18. Spanien..... 40 984 80 000 19. Vereinigte Staaten.'1710 433 2 282 361_ Zusammen 0 906 180 11435 498 0 121711 6 900 095 Die Zahl aller Gewerkschaftsmitglieder ist danach in diesen Ländern im Laufe eines Jahres von 9 905 189 auf 11 435 498, die Zahl der Mitglieder der betr. Landcszcntralen von 6 121 711 auf 6 900 995 gestiegen. Nur für 7 Länder konnte der Prozentsatz aller Organisierten in der Industrie festgestellt werden. Es waren von der industriellen Arbeiterschaft organisiert in Dänemark 51,75 Proz., Deutschland 32,91 Proz., Norwegen 27,64 Proz., Schweden 21,88 Proz., Vereinigte Staaten 19.26 Proz., Bosnien 11.64 Proz., Jta- lien 9.49 Proz. Ueber die Finanzverhältnisse der Gewerkschaften sind Angaben erst für etwa 50 Proz. der Gesamtmitgliederzahl gemacht. Die Jahreseinnahme dieser, also etwa der Hälfte aller Gewerkschaften, betrug 160 Millionen Mark, die Ausgabe 142 Millionen Mark. Darunter befinden sich 75 Millionen Mark, die für Unterstützungs- zwecke aufgewendet wurden. Ueber die Hälfte aller Ausgaben sind also den Gewerkschaftsmitgliedern in Form von direkten Unter- stützungcn wieder zugeflossen. Ferner wurden 50 Millionen Mark für Streiks ausgegeben. Hiervon entfallen auf die Vereinigten Staaten und Deutschland je 18,8 Millionen, auf England 7.2 Mil- lionen Mark usw. Leider läßt sich noch nicht feststellen, welches die Ergebniste der Lohnbewegungen in allen Ländern sind, denn dann würde sich zweifellos ergeben, daß die Gewerkschaften schon heute in allen Ländern die Lebenslage der arbeitenden Bevölkerung ganz gewaltig verbestern und beeinflussen. Aus den Berichten der ein- zelnen Länder, auf die wir noch nach Möglichkeit später zurück- kommen, seien hier einige Bemerkungen angeführt: Bei dem Bericht aus F r a n k r e i ch interessiert besonders die Große Zahl der Gewerkschaftsblätter, die in den letzten Jahren ge- schaffen wurden und die alle namentlich aufgeführt sind. Meist erscheinen sie monatlich. Interessant sind auch die im Text wieder- gegebenen Aufrufe des Gewerkschaftsbundes, die anläßlich der Lcbensmittelteuerung, gegen den Krieg, gegen die Anwendung von Ausnahmegesetzen und für den freien Sonnabendnachmittag er- lassen wurden.— Der Bericht aus Belgien betont, daß die Ten- denz der Gewerkschaften, sich zu zentralen Landes- und Industrie- verbänden zusammenzuschließen, immer deutlicher wird und auch schon eine Reihe von Erfolgen aufweisen kann.— Holland hat jetzt glücklich vier verschiedene Gewerkschaftsrichtungen: neben der dem Internationalen Sekretariat angeschlostenen Landeszentrale besteht eine solche der anarchistischen Gewerkschaften, eine solche der christlichen und eine weitere der katholischen Arbciterorganisa- tionen. doch hat die crstere fast doppelt so viel« Mitglieder wie die anderen drei Gruppen zusammen, trotzdem Bischöfe und Geist- lichkeit fieberhaft für die christlichen und die katholischen Gewcrk- schaften tätig sind.— In D ä n e m a r k. das den größten Prozent- satz der organisierten Arbeiter überhauvt aufweist, brachte das Be- richtsjahr eine Reihe von Angriffen aus die Organisationsform der Landeszentrale. Zum Teil waren sie der Agitation der„Syndi- Jaliften" zu verdanken. Es wurde deshalb von einer Gewerkschafts. konferenz ein besonderer Ausschuß eingesetzt, der untersuchen soll, ob an der gegenwärtigen Organisationsform Aenderungen vor- «) Neunter Internationaler Bericht über die Gewerkschafts. bewegung 1911. Verlag der Generalkommission der Gewerk- Mafien Deutschlands(C. Legten). Preis 1,50 M.. für Gewerk- schafismitglieder 90 Pf., Porto in Deutschland und Oesterreich 20 Pf., sonst 45 Pf. Zu beziehen durch die Organisationen sowte durch das Internationale Sekretariat« Berlin SO. 16, Engelujer IV, 1 zunehmen sind oder nicht.— Schweden berichtet über eine Wiederbelebung der Gewerkschaftsbewegung, die nach dem großen »Kampfe des Jahres 1909 etivas zurückgegangen war. Leider wird löcr Aufstieg sehr durch die zerstörende syndikalistische Agitation gehindert, sehr zur Genugtuung des Unternehmertums. Dabei Tjaben die syndikalistischen Gruppen irgendwelche numerische Br» deutung nicht. Ihre Agitation dient vielmehr vielen Arbeitern nur als Grund, überhaupt keiner Geiverkschast beizutreten.— Norwegen zeigt eine rasche industrielle Entwicklung. Während seit 1865 die Bevölkerung sich um 40 Proz. vermehrte, stieg die Zahl der Industriearbeiter im Lande um 505 Proz. Das erklärt zum Teil daS Anwachsen der Gewerkschaftsbewegung, das auch im letzten Jahre anhielt, trotzdem der größte Teil der Mitglieder in schwere Arbeitskämpfe, meist sogar in Aussperrungen, verwickelt war.— In Finnland, wo die Bewegung unter der russischen Knute zu leiden beginnt, mutzten besonders die Buchbinder einen harten Kampf bestehen, der aber dank der Hilfe der ausländischen Gewerkschaften mit einem Siege der Arbeiter endete.— Aus Deutschland kommt wie gewöhnlich der umfassendste Bericht, der auch auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Jahres eingeht und dann besonders die gegnerischen Gewerkschaften, die Unter- nehmerverbände usw. behandelt. Die deutschen Gewerkschaften be- richten über ein Jahr harter Arbeit und reicher Erfolge auf allen Gebieten.— Auch die Gewerkschaften in Oe st erreich machen be- deutende Fortschritte, womit die separatistische Krise, wenigstens außerhalb der separatistischen Kreise selbst, überwunden zu sein scheint. Leider aber besteht wenig Hoffnung, daß der durch die scpa. ratistische Agitation heraufbeschworene Bruderkrieg bald enden wird. Er hat sogar schon auf die öffentlichen Wahlen und auf die Lohnbewegungen eingewirkt, da allenthalben die Arbeiter sich nach Nationen scheiden und befehden, soweit nämlich die separa- tistische Arbeit Früchte trägt.— Sogar Bosnien-Herze- gow i na haben eine aufsteigende Arbeiterbcivegung, der allerdings von der rückständigen Regierung und vom Unternehmertum un- geheure Schwierigkeiten bereitet werden. Ein wirkliches Koali- t ionsrecht gibt es in diesen Ländern nicht.— In Ungarn, dem klassischen Lande der Knechtschaft, gelang es den Gewerkschaften. ihren Bestand stark zu erhöhen, doch ist der Prozentsatz der Orgain- siecten in der Provinz immer noch sehr gering. Das liegt zumeist an der wirtschaftlichen Rückständigkeit des ganzen Landes, das nur der Habgier und dem Ehrgeiz einzelner Leute als Spielball dient.— Kroatien zeigt aufsteigende Gewerkschaftsbewegung und niedergehende AuSwanderungszifsern, wie man das übrigens auch in anderen Ländern beobachten kann. Man darf aus diesem Umstände wohl folgern, daß die Gewerkschaften wenigstens einiger- maßen die Lage der Arbeiter erträglicher machen und ihnen mehr Selbstvertrauen beibringen konnten. Alle guten Worte und alle Wohltätigkeit von oben haben bisher noch nie ein gleiches Resultat zuwege gebracht.— In Rumänien leben die Gewerkschaften in- folge des Krieges im Nachbarlande in einem Ausnahmezustände, der ihre Tätigkeit sehr behindert. Deshalb ist der Bericht dieses Landes nur sehr kurz. Immerhin wird darin festgestellt, daß die Negierung allen Arbeitern staatlicher Betriebe das Koalitionsrecht nahm und ferner die Versuche der Unternehmer, gelbe Gewerk- schaften zu gründen, eifrigst unterstützte. Ganz wie anderswo auch. — Auch in Serbien leidet die Arbeiterschaft unter fast asiatischer Rückständigkeit der regierenden Klassen und des Unternehmertums. Trotzdem haben sich die Gewerkschaften in den letzten Jahren gut entwickelt und auch eine Anzahl eigene Blätter gegründet. Durch den Krieg ist ihre Tätigkeit allerdings ziemlich unterbunden, so daß erst das Ende des Krieges abgewartet werden muß, um zu sehen, ob und wie die Arbeiterbewegung diese Katastrophe über- standen hat.— Aus der Schweiz liegt ein umfangreicher, reich mit Statistiken versehener Bericht vor, aus dem besonders das Kapitel über die Sozialgesetzgebung interessieren dürfte.— Auch Italien hat mehrere Landeszentralen, und zwar neben der dem Internationalen Sekretariat angeschlossenen eine solche der Syndi- kalisten und eine andere der katholischen Arbeiter, wodurch itatürlich jede einheitliche Aktion der Arbeiterklasse fast unmöglich wird. Trotzdem gelang eS. durch einen eindrucksvollen eintägigen General- streik gegen das tripolitanische Kriegsabenteuer zu protestieren. Den größten Teil der organisierten Arbeiter stellen in Italien bekanntlich die Landarbeiter.— Von den Gewerkschaften in Spanien ist nur ein kurzer Bericht eingegangen. Danach ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder auf rund 100 000 gewachsen: ein Erfolg besonders des brutalen Vorgehens der Regierung und der Habgier einheimischer und ausländischer Kapitalisten, denen die Arbeiterklasse Spaniens schweren Tribut zahlen mutz.— Die Bereinigten Staaten sind durch einen besonders ausge- dehnten Bericht vertreten, in dem ausführlich der kulturelle Wert und Einfluß der Gewerkschaften nachgewiesen wird. Die im Bericht aufgezählten zahlreichen Errungenschaften auf sozialpolitischem und auf wirtschaftlichem Gebiete lassen erkennen, daß auch in den Ver- einigten Staaten der Kampf zwischen Kapital und Arbeit immer ernster wird und daß die Arbeiter eS wohl verstehen, sich mittels ihrer Organisationen bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Der zweite Teil des Internationalen Berichts, der die inter- nationalen Berufs sekretariate behandelt, ist völlig neu. Insgesamt gibt es zurzeit in der modernen Arbeiterbewegung 28 solcher internationaler Berufssekretariate, von denen 24 ihren Sitz in Deutschland haben, 2 in England, und je eins in Holland und der Schweiz. Davon ist das Sekretariat der Maler erst kürzlich entstanden. Leider haben die Sekretariate außerhalb Deutschlands keinen Bericht gegeben. Die Mitgliederzahl der übrigen betrug im Jahre 1012: Bäcker 63 187 sin 13 verschi-cdenen Ländern), Bau- arbeiter 418 590(14), Braucreiarbeiter 118 681.(8), Buchbinder 46 588(12), Buchdrucker 184 700(14), Fabrikarbeiter 267 062(7). Friseurgehilfen 4100(3), Gemeindearbeiter 64 786(8), Glasarbeiter 42 450(17), Holzarbeiter 320 600(20), Hotel- und Restaurantangestellte 28 129(7), Hutarbeiter 30 200(13), Kürschner 6406(4), Lithographen 34 266(14), Metallarbeiter 970 420(18), Porzellan- arbeiter 36 050(7). Sattler 18 567(5). Schneider 101 500(15). Schuh- und Lederarbeiter 64 400(11), Steinarbeiter 45 000(16), Tabakarbeiter 50125(7). Transportarbeiter 821816(21), Töpfer 15 978(G), zusammen 3 703 591 Mitgliedeif, sodaß«einschließlich der nicht genannten Bergarbeiter, Textilarbeiter usw. weit über 5 Millionen Arbeiter den internationalen Berufssekretariaten an- geschloffen sind. Immerhin bleibt diese Zahl noch weit zurück hinter der Mitgliederzahl der Landcszentralen. Besonders in England und den Vereinigten Staaten gibt es noch viele Gewerkschaften, die für die internationalen Berufsvcrbindungeni noch gewonnen werden müssen. Fast alle Sonderberlchte der Internationalen Berufssekretariate geben eine knappe Darstellung über die Entstehung und Geschichte des betr. Sekretariats. Diese Schilderungen über die Anfänge der gewerkschaftlichen Internationale sind besonders interessant; sie zeigen, wie früh sHon die Arbeiter dazu gekommen sind, mit ihren Arbeitsbrüdern jenseits der Landesgrenze nähere Fühlung zu suchen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Auch die internatio- nalen Berufssekretariate haben sehr wichtige Aufgaben in der Gewerkschaftsbewegung zu erfüllen und deshalb wird die alljährliche Veröffentlichung ihrer Berichte im Internationalen Bericht des Internationalen Sekretariats der Landeszentralen nicht nur inter- cssant, sondern auch lehrreich und nützlich sein. Zu wünschen wäre nur, daß diese Berichte wie auch die Berichte der Landeszen traten einheitlicher und vor allen Dingen mehr mit zahlenmäßigen Belegen ausgestattet werden. Gerade bei diesen internationalen Ueber- sichten sind Zahlen sehr nützlich: es ermutigt und flößt dem Ar- beiter Selbstvertrauen ein, wenn er beobachten kann, wie die Klassengenossen anderer Berufe und Länder Fortschritte machen; sie regen auch zu Vergleichen an und wirken dadurch reformatorisch überall dort, wo es etwas zu verbessern gibt. Deshalb auch ist dem Internationalen Bericht, der in deutsch, englisch, französisch und schwedisch erscheint, eine recht große Verbreitung unter allen in der Arbeiterbewegung Tätigen zu wünschen, Sozialee. Ansichtskartenhandel in Gastwirtschaften. Dem Ansichtskartenverleger Wieland in Berlin wurde in einem Strafverfahren vorgeworfen, Handelsangestcllte in seinem Post- kartenvertrieb zu unzulässiger Zeit beschäftigt zu haben, u. a. Sonn- tagSnachmittagö. Ferner sollte er zugleich verbotswidrig einen Handel zu der für offene Verkaufsstellen nicht zugelassenen Zeit betrieben haben. Es handelte sich um den Verkauf von Ansichtspost- karten in Berliner Weinrestaurants und Cafes, der hauptsächlich svät abends, nachts und Sonntagnachmittags stattfindet. Wieland leitet seinen Betrieb von seinem Kontor aus. Seine Angestellten vertreiben in den betreffenden Lokalen die Ansichtspostkarten. Der Angeklagte machte geltend, daß hier gar nicht ein Handels- gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung vorliege. Dieser Post- kartenvertrieb sei vielmehr ein Teil des Gastwirtschafts- und Schank- Wirtschaftsbetriebes der fraglichen Gastwirte und Cafetiers, mit deren Einverständnis er die Postkarten in ihren Lokalitäten ver- treiben lasse. Somit fänden die Vorschriften über das Handels- gewerbe keine Antvendung. Das Landgericht verurteilte jedoch den Angeklagten im Sinne der Anklage, da unter den obwaltenden Umständen hier der An- sichtskartenvcrkauf in den Lokalen nicht als Teil des Schankwirt- schaftsbetriebes angesehen werden könne. DaS Kammergericht hob dieser Tage auf die Revision des An- geklagten das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Vcr- Handlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Begrün-« dend wurde ausgeführt, daß die tatsächlichen Feststellungen die Verurteilung noch nicht rechtfertigten. Es sei nicht ausge- schlössen, daß auch der Ansichtskartenvertrieb des Angeklagten in den Lokalen als Zubehör zum Gastwirtschaftsbetriede angesehen werden könne. Es komme darauf an, welches VcrWtniS zur Schankwirtschaft bestehe. In Betracht käme hier, ob nur solche Ansichtskarten vertrieben worden seien, die irgendwie zu dem je- weiligen Lokal in Beziehung standen(Ansichten von dem Lokal usw.). Weiter sei wichtig, ob der Angeklagte dazu die Genehmigung des Wirtes hatte. Und schließlich sei sehr wesentlich, ob die Karten an Ort und Stelle verbraucht werden sollten. In der Richtung dieser Fingerzeige müsse die Vorinstanz die Sache nachprüfen, Ausführungsverordnung zur Privatversichrrung. Der Bundesrat hat eine längere im„Reichsanzeiger" vom Mittwoch abend veröffentlichte Verordnung zur Ausführung des A 92 des Versicherungsgcsetzcs für Angestellte erlassen. ES wird in der Verordnung insbesondere bestimmt, wann durch Lebensver- sicherungen die Angestelltenversicherung sich erübrigt. Für die Angestellten außerordentlich ungünstig ist folgender Passus in dieser Verordnung: „Mt LebenSversicherungSunternehmen, die Fabrik-, Betriebs-, HauS-, Seemanns- und ähnliche Kassen für eine oder mehrere Unter- nehmungen sind und nicht zu den Zuschußkassen oder öffentlich- rechtlichen Pensionskaffen(§§ 365, 387, 889 a. a. O.) gehören. vereinbart die ReichSversicherungsanstalt die Bedingungen, unter denen die von den Arbeitgebern an ihren Zuschüssen gekürzten Beträge weitergezahlt werden können." Ein Sieg der Aerzte? Die Reichsversicherungsordnung hat in größcrem Umfange die Beamten der Reichspost- und Telegraphenverwaltung der Kranken- Versicherung unterstellt und es sind daher die PostbetriebS-Krankcn- lassen neu organisiert worden. Seit Wochen schwebten VerHand- lungen zwischen Vertretern des Reichspostamtes und des deutschen Aerztevereinsbundes über die eine immer größere Bedeutung erlangende Frage der Aerztehonorare. Die Verhandlungen sollen jetzt den Abschluß eines Vertrages gezeitigt haben, der soeben die beiderseitige Unterschrift fand. Die wichtigsten Bedingungen des Vertrages bestehen in der Einführung der freien Acrztewahl. Mit den einzelnen zugelassenen Aerzten wird jedoch ein Dienstvertrag abgeschlossen. Die Kassen- Mitglieder sind in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe I enthält alle Mitglieder bis 2000 M.. Gruppe II alle mit mehr als 2000 M. Jahreseinkommen Die kassenärztliche Behandlung erstveckt sich auf die Mitglieder der Gruppe I und deren Familienangehörige. Tie Honorare werben nach Einzelleistungen auf Grund der Mindest- sähe der staatlichen ärztlichen Gebührenordnung berechnet. In den Städten der Ortsklasse A und B kommt ein Zuschlag dazu; bei Besuchen außerhalb des Wohnortes des Arztes kommt allgemein Wege- und Zeitvcrsäumnisgebühr dazu. Für die Behandlung der Mitglieder in Gruppe II und deren Angehörige stellt der Arzt den Mitgliedern die Rechnung selbst zu, ohne an die Mindestsälic der Taxe gebunden sein. Die Kasse ist verpflichtet, jedem Mitglied einen Ausweis dem Arzte gegenüber auszuhändigen, aus dem hervorgeht, ob das jährliche Gesamtdiensteinkommen über 2000 M. beträgt. Der Vertrag sieht noch Prüfungsstellen für die Arzt- rechnungen, paritätische EinigungsauSschüsse und ein Schieds- gericht vor. Lautet in der Tat der Vertrag wie angegeben, so iväre ein Vertrag geschlossen, den keine Kasse ohne schwere Beeinträchtigung der Reckte der Mitglieder erfüllen kann. Es wäre zu»»-"�schen. daß die Postverwaltung über den Vertrag sowie darüber Aufschluß gibt, ob von der Kasse die nach dem Gesetz zugunsten-der Mitglieder zulässigen statutarischen Erweiterungen der Ansprüche der Mit- glieder beschlossen oder auf Kosten des Arzthonorars zurück- gestellt find. IZns Induftiie und ftandel. Der Kampf m» die Braunkohlenindustrie. Da die böhmische Braunkohle durch die sächsische Brikettindustrie aus Sachsen immer mehr verdrängt wird, suchen böhmische In- der Landeszentrale angeschlossen 1910 1911 710 994 861 482 340 000 450 000 68 934 77 224 44 120 52 235 101 563 105 269 85 176 80 129 46 397 53 475 15 346 19 640 2 017 293 2 339 735 400 563 421 905 6 086 5 587 5 108 7 182 86 478 95 180 7 418 8 337 8 515 6 000 3000— 68 863 78119 359 883 884 446 40 984 80 000 1 710 433 1 775 000 dustrielle und Händler in Sachsen selbst Fuß zu fassen und gehen zur Erwerbung von sächsischen Brannkohlenwerken über. So bat die böhmische Händleifirina I. Petschek in Aussig einen erheblichen Posten, man spricht von mehr als 25 Proz., der Aktien der Wersche»- Wcißenfclser Braunkohlen A.-G. aus erster Hand erworben. Die Firma Petschek kontrolliert ferner seit kurzer Zeit die Phmiix A.-G. sür Braunkoblenverwertung bezw. sie vetstärkle ihre» Einfluß tn der Phönixgeiellschaft gelegentlich der Transaktion Pbönix-Hcureka im vorigen Jahre. Sie hat ferner aus dem Portefeuille der Bank für Bergbau und Industrie die Aktien der Ramodorfcr Braunkohlenwerke vor kurzem übernommen und soll weiter eine Beteiligung an der Nheüiischen A.-G. für Braunkohlenindustrie in Köln genomnien haben. Jetzt verlautet nun, daß auch eine andere große böhmische Kohlenhandelsfirma W e i n m a n n in Aussig ihre Hand nach einem deutschen Braunkohlcnunternehmen ausstreckt, und zwar vei sucht sie einen großen Aktienbesitz in Niederlausitzer Kohleuwerke A.-G. (Konzern der Handelsvereinigung A.-G.) zu erlangen. Der Kohleufiökus im Saarrcvier. Im Jahre 1912 haben die fiskalischen Saarzechen ihre Förde- rung erbeblich erhöhen können. Die Produktion stieg von 11.5 auf 12.5 Millionen Tonnen oder um 9 Pioz. Der Absatz nahm um 1,1 Millionen Tonnen auf 11,2 Millionen Tonnen zu: er übertrifft damit den sür das Etatsjahr 1913 veranschlagten Absatz recht be- trächtlich suni 1 Million Tonnen). Da im vergangenen Jahre der Fiskus noch die Verkaufspreise erhöht hat, wird der fiskalische Ge- iviun erheblich steigen. Eine Erhöhung der Bergarbeiter- löhne, die im Saargebiet bekanntlich viel schlechter sind als im Nuhrrevier, tourde dagegen bisher nur in ganz geringem Umfange vorgenommen. Auch die von der Regierung zugesagte Erhöhung wird bei dem schlappen Verhalten der.christlichen" Führer in der letzten sogenannten Lohnbewegung wohl nicht allzu reichlich aus- fallen. Aus Trustprozcssen. Der Vizedircktor der Hamburg-Amerika-Linie, Eickel, gab in seiner Vernehmung vor dem Komitee zur Unter- suchung des S ch i f sah r t s tr u sts zu, daß zwischen der Ham- burg-Ainerifa-Linie, dem Norddeutschen Lloyd, der Red Star Line und anderen Dampfergesellschaften Abkommen beständen, wonach keine dieser Linien Fracht für den Heimatshafen der anderen annehme. Weiter erklärte der Chef der Frachtabteilung der Ham- burg-Amerika-Linie, Beck, daß zwischen der Hamburg-Amerika- Linie und der United Fruit Line ein stillschweigendes Einver- nehmen gegen eine Ratenhcrabsetzung bestehe. Er unterbreitete gleichzeitig das Poolratenabkommen im amerikanischen Frachtver- kehr zwischen Jamaika, Zentral- und Südamerika, welches zwischen der Hamburg-Amerika-Linie und der Royal Mail Steam Packet Line besteht. Nach einer weiteren Meldung bekundete der Vize- Präsident Franklin der International Mercantile Marine Co., daß ein nordkontinentaler Verband die Frachtraten des von Hamburg, Bremen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam nach Nordamerika stattfindenden Dampsschiffsverkehrs kontrolliere. Der Zeuge wies die Abschrift eines Abkommens vor, das zwischen der Hamburg- Amerika-Linie, dem Lkorddeutschen Lloyd, der Holland-Amerika-Linie und der Red Star Line im Jahre 1834 ab- geschlossen wurde, und sagte, daß dieses Abkommen die Grundlage eines Frachtkartellabkommens des nordkontinentalen Verbandes bilde. Es schriebe Minimalraien vor und bestimmte die Verteilung des Geschäftes in der Weise, daß auf die Hamburg-Amerika-Linie 37% Proz., auf den Norddeutschen Lloyd 23� Proz.,� auf die Holland-Amerika-Linie 18 Proz. und auf die Red Star Line 29sH Proz. entfallen. Franklin erklärte weiter, nach seiner Mei- nung existiere eine Verständigung zwischen dem Liverpooler, dem Londoner und dem nordkontinentalen Verbände dahin, daß keine Frachtratenmäßigung stattfinden sollte. Corey. der frühere Präsident des Stahltrusts, gab in dem von der Regierung angestrengten Prozeß zur Auflösung de» Stahl, trusts bei seinem Zeugenverhör zu. daß die Carnegie Steel Co. verschiedentlich Roheisen gekaust habe, lediglich in der Absicht, die Preise für Stahlprodukte aufrechtzuerhalten. Ferner sagte Corey u. a. aus, daß die Bethlehem Steel Company vier Jahre lang sich an dem internationalen Panzerplatten- Pool be- teiligt habe, der das Geschäft an ist:» neutralen Märkten verteilte. Der Zeuge leugnete zunächst, sich an den erwähnten Panzerplatten- Pool zu erinnern, bis seinem Gedächtnis durch die Verlesung cincS Protokolls der Carnegie-Steel-Company nachgeholfen wurde, in dem bezüglich Coreys erwähnt wird, daß er sich gegen die Beteili- gung des Panzerplatten-Pools an der Errichtung eines Panzer- Plattenwerkes in Japan aussprach. Dies war 1902, kurz nach der Organisation des Stahltrustes. Corey, der noch jetzt Aussichtsrats- Mitglied der Korporation ist, erklärte, daß 1904 und 190S ein Zusammenschluß der Panzerplattenfabrikanten von England, Frank- reich, Deutschland und den Vereinigten Staaten bestanden habe. Die Carnegie- und die Bethlehem-Steel-Co. seien die amerikanischen Vertreter des Verbandes gewesen. An Einzelheiten erinnere er sich nicht. Aber während der Existenz des Pools hätten die ameri- konischen Mitglieder seines Wissens keinen Versuch gemacht, in der Panzerplattenfabrikation mit England. Frankreich oder Deutsch. land in Wettbewerb zu treten. Eine andere interessante Zeugen- aussage war die, daß nach der Bildung der Korporation der In- landspreis kür Stahlschienen höher war, als der Exportpreis, daß ferner vor der Auflösung der Tennessee Coal and Jron Co. diese Gesellschaft ein gefürchteter Konkurrent auf dem Gebiet der Stahl- schienensabrikation war._ Vom Stahltrust. Die United Steel Corporation hat im letzten Jahre einen Gewinn von 4 790000 Dollar gegen 3 097 000 Dollar im Jahre 1911 erzielt. AGGS5 Suppen verbürge» feinste UnaMät! Sie haben deshalb auch seit mehr als 20 Iahren das volle Vertrauen von Millionen von Hausfrauen. t prsel für 2-3 Teller 10 M- Mehr als 40 Wien. □□□ 000 □□□ □□□ 000 □□□ Sonnabend, 25. Januar 1913. Anfang 3 Uhr. tiurfiirsteuoper. Der Troubadour. Anfana 3'/, Uhr. Berlluer. Kabale und Liebe. aiilfnilfl 4 Ilbr. Urania. Auss Malterhorn. Luise». Der Wunscbpeter und das Glücksglasmännlem. Rose. Schneewittchen. Anfang 7flz Ubr. Kgl. Opernhaus. Mignon. »gl. Schauipielhaus. Wieselchen. Deutsches. Der blaue Vogel. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Königgriincr Strafte. Brand. Antang 8 Ubr. Urania. KonstruktionS- Ingenieur A. Ketzner: Die Weltmacht deS Eisens. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. B. Donath: DaS Lichtjpektrum der strahlenden Energie. Deutsches Opernhaus. Tiefland. Kursürsteu-Ovcr. Stella, rnaris. Trianou. Wenn Frauen reisen. Theater am Nollrndorfplaft. Die«tudentengräsin. Sesstng. DaS Prinzip. Kammerspiele. Schöne Frauen. Groft-Berlin. DaS Fürstenkind. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Berliner. Filmzauber. Moutis Operetten. Der hellige Antonius. Kleines. Professor Bernhard!. »iesideuz. Die Frau Präsidentin. Tlialia. Puppchen. Luisen. BcrliN'Hamburg-New Jork. Metropol. Chauffeur— ins Metropol. Komödirnhaus. Die GeneralSecke. Rose. Mein Leopold. Hr rrufeld. Die Alpenbrüder. Wüsten- inoral. Schiller O. Die Schmetterlings- schlacht. SchiUer-Gharlottenburg. Wolken- lratzer. Eaftuo. Am grünen Strand der Spree. Süiutcrgarten. Spezialitäten. Apollo. Brüderlein sein. Speziali- täien. Rcichshallen. Cavalleria schulti- cana. Anfang 8'/t Uhr. Lustspielhaus. Majolika. Friedr.- Willi. Schauspielhaus. Der Zaungast. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Folios Caprice. In Sachen Katzen- stein. Die Doppelsirma. Die Tochter der Braut. Alliaiig 8'/, Ubr. Neues Bolkötheater. Der Raub der Sabinerinneu. Sliilaiig 9 Uhr. Admiralspalast« EiSballett: Flirt in St. Moritz. »,' Sternwarte, Jnvalidenftr.«-LS» Sekil!ei'-7veslel'0.�°a7«! Sonnabend, abends 8 Ubr: VIe Lcdmetterlingsscdlscbt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: !>»« Konzert. Sonntag, abends 8 Ubr: Im wciBcn RUBI. Montag, abends 8 Ubr: Wolkenkratzer. Schiller-Thealer Soiili abend, abends 8 Uhr: Wolkenkratzer. Sonntag, nachm. 3 Uhr: VIe Jüdin von Toledo. Sonntag, abends 8 Uhr: Uriel Aconta. Montag, nachm. 3.10 Uhr: Wallenzteins Tod. Montag, abends 8 Ubr: Die Scbmetterlingsscblacht. Berliner Theater. 8 uhr: Filmzauber. TlieaterimierKöQigsrätzerStraile ?'/, Uhr: Brand. Dentschcs SehauKpielhans 8 Ubr: Der gute Ruf. TUf am Ifollentlorlplatz 5. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Die Siudentengräfin. Montis Operelten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der heilige Antonius. Residenz-Theater, s». Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank t. 3 Akt. v. Henncquin u. Beber. Morgen und folgende Tage: Tie Z�rau Präsidentin� l-uisen-Iiiezier. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Premiere: Der Wunich- peter«. das GlückSglasmännlei». Sonnabend, abends8 Uhr: Berlin- Hamburg- New Jork. Sonniagnachinittag 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. v 0 Sonnlag, abends 8 Uhr: Premiere: „Und hätte der Liebe nicht.. Montag, abends 8 Uhr: Berlin- Hamburg- New Kork. ii Grosie Frantiurtei Str.>32. Nachmittags 4 Uhr: Schneewiitchcn und die sieben Zwerge. AbendS 8 Uhr: Mein Leopold. Sonlitagnachiii. 3 Uhr: Kakalo und I.icbe. Abends L Uhr: Mein Leopold. Urania Wissenschaftliches Theater. TanbenatraBe 48/49. 4 uhr: iufs Matterhorn. 8 Uhr: Ing. A. Kellner: Die Weltmacht des Eisens. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Das liichtspektrum der strahlenden Energie. MMU Der Höhepunkt des Lach-Erfolges! mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 3 Uhr. Vorverk. 1t— 2(Theaterk.) . Trianon-Theater. Wenn Frauen reisen. _ Anfang 8 Ubr. Abends abSUhr! 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Heute Sonnabend, 2S. Januar, abei 1s TL Uhr: Hlgh-Elfe-Evening. Das Tagesgespräch von Berlin! Cüsarios Löwen- und Tigergruppe. Die wildeste Dressur d. Gegenwart Em O'lt Ehr:'Vti Oer unsichtbare Mensch. 4 Bilder aus Indien. Sonntag, den 26. Januar: 8 große Vorstellungen. In beiden Vorstellungen: Der unsichtbare Mensch. Jltetropol-Thealer Chauffeur-ins Jltetropol! Große Jahresrevue mit Gelang und Tan, in 10 Bildern. Otto I�cuttcr a. G. mit gänzlich neuem Repertoire I Abend« 3 Uhr. Rauchen geitattel. Morgen nachm. 3 Uhr: Tata Toto. Boigt-Theater. Sonntag, den 26. Januar: VoIIttcohn und Fürstenkind. VolkSschauspiel in 4 Akt. v. P. Heyse. Kassencrössuung 7 Uhr, Ans. 8'/, Uhr. Boranzeige k Mittwoch. 29. Jan., z. Benefiz für Kurt Baumeister: Kean von Barney. Folies Caprice. Ansang 8'/. Uhr. Die dm Znison-Sdilager: In Sachen Kanenstein. Die Doppetsirma. Die Tochter der Braut. Message- �snoMW 50 wilde | vom Stamme der Igorrolen' Lebend! Ohne Exlra-Cntree! Zirkus Busch. Heute Sonnabend, 25. Januar, abends 71/, Uhr: Das Tagesgespräch von Berlin! 91ae Norton das Phänomen d. Magentrainings I Oer Aoroplan Im Zirka« (Ein Affe als Aviatiker I!) sowie die gesamten neuen Januar-Attraktionen. Z. Schluß: „Sevilla" Avis! Sonntagnaohm. S'/jU.: „Enter Gorilla».". Jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahrenauf allen Sitzplätzen frei. Volks-Theater Neukölln. Hermannftr. SV. Sonntag, den 26. Januar: Napoleons Glück und Untergang. Ausstattungsstück in 4 Alten von Will« und Lutz Anfang 7'/, Uhr. Montag, 27. Januar, abends 8>/z Uhr: Kabale and Eiebe'. Trauerspiel in 5 Akten von Schiller. Ihögtcr Königstadt-Casino. Ecke Holzmark!- u. Alexanderitratze. 1 Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke Tägl. abds.'/jS, Sonnt>/.6 Uhr: Zwei rote Rosen. Burleske m. Gelang— und das groft. Speztalitätenprogramm Jed 1 u. 16.: Programmwechsel. Walhalla-Tlieater iSweg 19/20. Roirnlhal. Tor, /lllabendlich 8'/, Ubr: Goldeurr Ftilhttlnn. Sonnlaa. 26. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metall- arbeiterin Luise Lucka gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 25. Januar, nach- mittags 3'lt Uhr. von der Leichen- calle des Sebaftian-Kirchhoses in Reinickendors auS statt. Ferner starb unser Milglied, der Schlosser OHo Simon, Triststr. 68, am 21. d. MtS. an Unsall. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth. Kirchhofes in Reinickendors-West, Kögelstratze. aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 111/10 Die Ortsverwaltung. Deutseher Solzarheiter-Verbaod. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Tischler Otto Sokmickt Reinickendors-West, Berlin erstr. 19, im Aller von 39 Jahre» gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 25. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Reinickendorser Gemeinde- sriedboses in der Humboldtstratze aus statt. 78/4 Die Ortsverwaltung. Deutscher Vransnortarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Hemisrm Haase am 22 d. Mts. im'Aller von 35 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 26. d. M.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gnaden-KirchhoseZ in der Barsusstraße aus statt. 61/11 Die Bezirksverwaltung. Statt jeder besonderen Meldung! Todetianzelec. Am Donnerstag, den 23. Januar dieses Jahres, starb plötzlich und unerwartet nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere treuiürsorgende Mutter, Schmie- ger- und Großmutter, Schwester. Schwägerin und Tante frsuMsrie Schmidt geb. Schlange im 62. Lebensjahre Die Beerdigung findet am sonntag, den 26 Januar, nach- mittags 4 Udr, von der Be- gräbnishalle des FriedhojeS der Freireligiösen Gemeinde in der Papvelallee aus statt. Um stille Teilnahme bittend Namens der Hinterbliebenen Otto Tetimid», Bergin annltr. lll Verband der Buch- und Stein- druekerei- Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltnng Berlin. Am 22. Januar verstarb nach langer, schwerer Krankheit unser Mitglied 27/6 krhta Tamm im Alter von 26 Jahren. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 25. Januar, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Ernmaus- Kirchhos in Neukölln, Hennann- strasje, statt. _ Die Ortsverwaltung. Tillen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter Bise Wilhelm am 22. d. ms. im Wer von ll Jahren verstorben ist. Die tiesbetrübten Eltern. Die Beerdigmig findet ani Montag, den 27. d. MtS., nach- mittags 2'/« Uhr, von der Kapelle des Philippus-Apostel-Äirchhoses, Müllerstr. 44/45, aus statt. 76a Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter Frau Anna Reuter, geb. Walter sagen wir allen Freunden und Ver- wandten, insbesondere Herrn Nitschke sür die trostreichen Worte am Grabe der Entschlasenen unseren herzlichsten Dank. 38 A Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau und Mutter sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere dem Wahlverein Neu- kölln, dem Leseabend deS 3. Bezirks und den Kollegen der Firma Klempau Nachfl. unseren herzlichsten Dank. Frlearich Krunse 6321 nebst Kind. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigungsmeines lieben ManneS und Vaters sagen wir allen Bekannten und den Kollegen der A.-E.-G. unseren besten Dank. L7A Sevrielle HcMl A nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- lichster Teilnahme bei dem Hin- scheidet! unseres lieben, unvergetz- lichen Sohnes, Bruders, Schwagers und Bräutigams Bruno Tbeurer sagen wir vor allem dem Genossen Melle sür die trostreiche» Woite so- wie dem Gesangs-Ouartetl sür den erhebenden Gesang, dem Wahlverein des 4. Kreises und dem Bezirk 364. sowie dem Metallarbeiter-Berbande, auch seinen Arbeitskollegen und Kolleginnen, dem Rauchklub„Hoff- nung I" und deren Frauen, ferner dem Sparverein„Boiwärts" sür die schönen Kranzspenden unsereil herz- lichsten Dank. Die Familie Wilhelm Theurer nebst Hinterbliebenen, 2163b Schreinerstr. 56.__ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung un- seres geliebten Paul Talkenberger sage ich hiermit allen seinen Ge« nassen. Freunden und Bekannten meine» herzlichen Dank. t38 Fr. Schneider. General-Versammlung der Möbelfabrik„Fortuna" Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht am 9. Febiuar 1913, 9Uhr vormittags, in den Geschäftsräumen Heidelberger Straße 75/76." Tagesordnung: 1. Vorlegung der Bilanz. 2. Wahl des Vorstandes und des Ausstchtsrates. 3. Anträge. 4. Ver- schiedenes. 2172b Ber Vorstand. ttr -85. Uenvaltungssttlle Kertin. C. 54, Lmiknstr. 83 Kassierer: Arbeitsnachweis: Amt Norden 185. Amt Norden 1-239, 9714. Verwaltung Telephon: Amt Norden 1987. Montag, den S7. Januar 1913, abends 6111)*: AM" Versammlung"WU aller Zink-, Zinn- und Bleigietzer und in Gietzereien beschäftigten Kollegen im Lokal von Müller, Alexandrtnenstraße 32. Die Tagesordnung wird in der Bersammlung bekanntgegeben. Da sehr wichtige Sachen zu erledigen sind, darf kein Kollege fehlen. 111/11 Die Ortsverwaltung. Berliner I-andpaeht-Oenossenschatt. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Nachtrag zur Bilanz 1912. DaS GeschäftSgulhaben der Genossen hat sich erhöht um 270 M., die Hastsumme derselben um 540 M. 2409b Der Vorstand: L. Bötticher. R. van Hooren. Berte nren�-rr 37?. anKfurtec/rr. venru SCJliUSS! II Peiz-Konfekilon 100 b.200(1001(2.1 200 bJO) Einsegnunt skleider sehr billig i Sonntag gcOttnet 18 bla■ Allgemeine Kranken- n. Sterbekasse der deutschen Drechsler und Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). MitgUeder-Uersammlungen am Sonntag, den Ä<». Januar ISIS, vorm. IOVj Uhr» Bezirk A.; GewerkschaftShaus, Saal 9..... ,, B.: Restaurant Ehlert, Kottbuser Straße 19. " C.:. Bartsch, Alte Jakobstr. 18-19, „ l>:„ Hammel» Sophienstr. b. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht vom 4. Quartal 1912. In Bezirk D: 3. Wahl eines Bevollmächtigten. 4. Verschiedenes. 39/2 Olß jlwtSniwMrVm Goldperle AuUfalhrtAmwyAvintf fwöclientliche Teilzahlung liefere elegante fertig und nach Mass. Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung, J. 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Straisunderatr.18 Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de» Jnleratenteilverantw.: Th-Glocke. Berlin. Druck». Verlag ivorwärt»»uchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer u.To� Berlin S�. fr. 21. 30. Zahrgnts. 3. Keilxge des Joraätto" Inlinet WldsdlM 5«m«Kild. ZZ.ZmMlSIZ. Die Bierfteuer und der �reifinn. Der Berliner Kommunalfreisinn, schon immer eine besondere Blüte des deutschen Freisinns, kommt bei der geplanten Erhöhung der Berliner Bicrsteuer je länger je mehr in arge Schwulitäten. Nicht nur, dax in der Fraktion der alten Linken der Diktatur des Herrn Cassel immer mehr Widersacher entstehen auch unter den Freisinnigen im Lande gärt es bedenklich wegen dieses neuen reaktionären Verhaltens des Berliner Kommunal- freisinnS. So hat neulich im H a n s a b u n d der freitinnige Abg. K i e eine sehr deutliche Kritik und eine energische Auflehnung gegen Herrn Cassel durchgesetzt; nicht genug damit, haben auch noch die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin, an ihrer Spitze der um das Berliner Gemeindewesen so verdiente Stadtälteste und Stadtrat Weigert einen sachlich außerordentlich begründeten Protest gegen die Biersteuererhöhung und gegen die ganze Kinosteuer versandt; ferner wird es höchst rebellisch in den sonst als Casselsche Leibgarde so berüchtigten Bezirksvereinen; Proteste einzelner und ganzer Korporationen hageln nur so auf die Getreuen des neuen Stadt- käinmerers herab. Die ganze Situation im Freisinn wird aber nachgerade komisch, weil offenbar in der Fraktion des Herrn Cassel selbst immer niindestens drei Meinungen mehr vorhanden sind wie Mitglieder. Auch in der ersten Sitzung des Ausschusses war dieser Wirrwarr unter den bürgerlichen Mitgliedern ergötzlich zu spüren, und es war viel- leicht eine nicht üble Art von Obstruktion gegen die ganze Steuer und gegen ihre Väter als diejenigen Freisinnigen, die das Produkt des neuen Kämmerers nicht unbesehen schlucken wollen, weil ihre Wähler ihnen böse zusetzen, zunächst erst mal eine gründliche Nachprüfung des Materials verlangten und durchsetzten. Wenn diese Nach- Prüfung, die durchaus unsere Zustimmung hat. recht gründlich und umfassend gemacht wird, können Wochen und Monate vergehen. Inzwischen geht vielleicht dem Magistrat und besonders den neuen H e r r e n ein Licht darüber auf, wie sie sich mit diesen Steuerprojekten allseitig in die Nesseln gesetzt haben. Die Sozialdemokratie hat auch im Ausschutz ihren ein- fachen und klaren Standpunkt vertreten: Ablehnung jeder neuen indirekten Besteuerung und möglichste Aufhebung jeder alten. Sie weitz sich in diesem Standpunkte eins mit der überwiegenden Mehr- heit der Berliner Bevölkerung, mit allen Arbeitern und kleinen Leuten, die von ihrer Hände und ihrer Köpfe Arbeit allein leben müssen._ parte!- Hngelegenbciten. Zur Lokalliste. yn Friedrichshagen N.-B. ist irrtümlich das Lokal„Zur Sänger- halle", Friedrichstr. 6t, auf der Lokalliste vergeffen worden. Dasselbe steht nach wie vor zur Verfügung. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Wir machen unsere Mitglieder sür ihre Kinder noch einmal aufmerksam auf den Märchen-Nach- mittag für Kinder am Sonntag, den 26. d. M., nach- mittags pünktlich l1/» Uhr. im kleinen Saale der B o ck b r a u e r e i. Fidicinstr. 2/6.— idie Vorträge beginnen pünktlich l'/z Uhr und enden pünktlich um 3>/z Uhr. Für die Beaufsichtigung der Kinder im Saale ist Vorsorge getroffen. Der Eintritt ist völlig frei. Dritter Wahlkreis. Heute feiert der Wahlverein im GeWerl- schaflshauS sein 22. Stiftungsfest. Billetts a 36 Pf. sind noch bei den Bezirkssührern zu haben. Am Dienstag, den 28. Januar, abends 8Vz Uhr, spricht der Reichstagsabgeordnete Genosse Scheidemann in einer Volks- versamniiung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59, über: »Patriotische Falschmünzerei". WilmerSdorf-Halensce. Der Wahlberein hält Montagabend S'/s, Uhr im Biktoriagarlen, WilhelmSaue ll5, seine Mitgliederver- sammlung ab. Aui der Tagesordnung stehen: Innere Vereins- angelegenheilen, wichtige Mitteilungen über die Landtagsersatzwahl und ein Vortrag des Redakteurs Hugo P o e tz s ch: Die Junker- Herrschaft in Preußen. Das Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Lankwitz. Mittwoch, den"26. Januar, bei Schulz. Mühlen« stratze 21, Generalversaininlung des Wahlvereins. Schönwalde-Schönerlinde, Bezirk Pankow. Am Sonntag, den 26. d. M., nachmittags 3>/e Uhr, findet bei Schulz in Schönwalde eine öffentliche politische Versammlung statt, in der Reichstags- abgeordneter Artur S t a d t h a g e n das Thema:„Nieder mit der Reaktion!" behandeln wird. Die Pankower Parteigenossen treffen sich zur gemeinsamen Fahrt pünktlich um 1 Uhr mittags an der Nordbahn lAollankstratze). Für Radfahrer ist der Start 1 Uhr mittags Mühlenstratze. Potsdam. Ain Sonntagvormittag 8 Uhr von den Bezirkslokalen au?: Flugblattverbreitung. Am Dienstagabend 8 Uhr im Friedrichsgarten: Volksversamm- lung. Die Genossin Regina Friedländer wird über„Der Kampf der Mütter und Hausfrauen gegen Teuerung und Kriegs- gefahr" referieren. Parteigenossen und Genossinnen I Sorgt für einen guten Besuch dieser Bersanunlung! Spandau. Morgen Sonntag früh 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung über ganz Spandau. Alle Genoffen haben die ' Pflicht, sich daran zu beteiligen. Treffpunkt in den Bezirkslokalen. Der Vorstand. berliner I�acbnchten. Da« Straßenbalitlaboiiiienient. „Es müssen ja so viele fahren und sie komnien alle mit, warunt solltest Du es nicht", hatte meine Frau gesagt, und ich mußte ihr. wie immer, recht geben. Ich beschloß daher, zu abonnieren und das Laufen, das mir allmählich beschwerlich wurde, aufzugeben. So ging ich denn zum Photographen, der im Schaufenster zwölf Bilder für SO Pf. anpries, um mir die vorgeschriebene Photographie für meine Fahrkarte zu verschaffen. Bescheiden bemerkte ich. daß aus meineni Gesicht gewiß nicht niehr viel zu machen sein würde und war seelenvergnügt, daß der gute Mann, wahr- schcinlich unrer Berücksichtigung dieses Umstandes. die ganze Prozedur in etwa fünf Minuten und schmerzlos für uns beide erledigt hatte. War das Bild auch nicht viel wert, so erfüllte es doch vorläufig feinen Zweck, die Fahrkarte zu schmücken. Ich hatte mir nun das Recht erkauft, alle Linien zu be- nutzen, welche die von mir abonnierte Strecke durchlaufen. Früh 7 Uhr stand ich schon an der Haltestelle. Mit so viel Interesse hatte ich noch nie den Straßenbahnverkehr des Morgens beobachtet. Die große Zahl der Wagen, die Fülle der Menschen, die alle dcni„Bauch von Berlin" zueilen. Unter ihnen werde ich nun auch immer sein— gerade kein angenehmes Gefühl angesichts des Gedränges und unwilllür« i lich werde ich an das Couplet erinnert, das bei Einführung der ersten Pferdebahn hier in Berlin gesungen wurde... „Das Drängeln und das Drücken, das Hab' ich so gern". So mache ich denn bei jedem Wagen den Versuch mitzu- kommen.„Besetzt",„besetzt",„besetzt", höre ich nun eine viertel Stunde, eine halbe Stunde, dreiviertel Stunden. Ja, aber ich muß doch um 8 Uhr im Geschäft sein! Das Stehen und Warten ist ja zum Verzweifeln! Ich muß mit, koste eS, was es wolle! Und mit dem Mut der Verzweiflung springe ich auf den abfahrenden Wagen, werde aber an der nächsten Haltestelle abgesetzt; wiederHobe dies jedoch beim zweiten, dritten, vierten Wagen usw., fahre so von Halteftelle zu Halte- stelle und erwische schließlich auch einen Platz. Um'/s9 Uhr bin ich glücklich im Geschäft, zur Verwunde- rung meines Chefs und noch mehr meiner Kollegen, die mich nur als ein Muster von Pünktlichkeit kennen. Meine Auf- regung ist ihnen aber gewiß nicht entgangen und teilnehmend fragte mich einer, ob zu Hause etwas passiert sei. So geht es jeden" Morgen. Mne Aufregung bc- mächtigt sich meiner, wenn ich des Morgens vergeblich an der Haltestelle warte. Eine Wut steigt in mir auf, sobald ich das verhaßte Wort„besetzt" höre.— Aber schließlich fahre ich doch, ebenso wie am ersten Tage, so alle Tage. Sie ist ein wenig gefährlich, diese Fahrerei; aber ich tröste mich immer, daß ich früher auf noch gefährlichere Art sogar mein Brot verdiente. Ich war Seiltänzer, Schlangenmensch und Degen- schlucker, und bin heil davongekommen, warum sollte ich weniger Glück haben hier in Berlin mit einem Abonnement auf die Straßenbahn, wofür ich 7,70 M. inklusive Photographie bezahlte.... „Aber sagen Sie mir doch, Herr Doktor, was meinem Mann eigentlich fehlt; es ist ja kaum noch zum Aushalten mit ihm. Wie ruhig haben wir all die Jahre gelebt und jetzt— es ist zum Verzweifeln.— Er spricht nur noch von der Straßenbahn. Des Morgens um fünf steht er schon auf und springt auf die Stühle, den Tisch, die Kommode— zum Training, wie er sagt, damit er ja keinen Fehlsprung auf die Straßenbahn tue. Ach, diese unglückselige Fahrerei.— Damit er es leichter haben soll, redete ich ihm zu, ein Abonnement zu nehmen und das Laufen aufzugeben, und nun dieses Unglück."— „Trösten Sie sich, liebe Frau, es ist nicht so schlimm und läßt sich bald in Ordnung bringen. Ihr Mann leidet an dem Stratzenbahnrhapsus, d. h. an der krankhaften Einbildung, daß die Straßenbahn zur Beförderung der Menschen ver- pflichtet wäre.— Dies trifft natürlich nicht zu, wenigstens nicht hier in Berlin.— Hier bezahlt man sein Abonnement und läuft ueben oder hinter dem Wagen her, wie die Großen der Türkei hinter dem Wagen des Sultans, wenn dieser zum Gebet in die Moschee fährt.— Raten Sie Ihrem Manne, wie früher zu laufen, statt zu fahren, dann wird er wieder gesund werden."--- „Es müssen ja so viele laufen und sie sind rechtzeitig im Geschäft, warum solltest Du es nicht können. Du mußt natürlich etwas früher weggehen"— hatte meine Frau gc sagt und ich mußte ihr, wie immer, recht geben. Jetzt lause ich wieder.—_ Dir Stadt Berlin als Erbin. Das am 3. Dezember v. I. ver- storbene Fräulein Griese hat der Stadt ein Vermächtnis von 166 606 M. hinterlassen. Aus der Stiftung sollen alleinstehende weibliche Personen unterstützt werden.— Ferner ist die Stadt Universalerbin des am 2t. November in Breslau verstorbenen Fräu- lein Johanna Stuttmeister, die in Charlottenburg ihren Wohnsitz gehabt hat. geworden. Der Nochlay hat einen Wert von über 2 666 666 M. Bon den Zinsen sollen bedürftige Künstler und Künstlerinnen unterstützt werden. Weiter soll ein Haus zur Ans- nähme von bedürftigen Einwohnern erbaut werden, die das Gewerbe eines Bäckers oder Pelzwarenhäirdlers betrieben haben. Der Magistrat hat der Annahme der Erbschaften zugestimmt. Eine„weiße" Ueberraschung gab es gestern morgen für die Frühaufsteher. Straßen und Plätze waren mit einer starken Schnee- �decke überzogen. Gegen Mitternacht hatte ein Schneefall eingesetzt, der bis in die frühen Morgenstunden andauerte. Leider sollte das winterliche Gepräge der Straßen bald wieder verschwinden. Gegen 8 Uhr trat Tauwetter ein, so daß der Schnee wieder in Schmutz verwandelt wurde. Für den Fuhrverkehr war der Schneefall in den frühen Stunden recht störend. Die Gleise waren streckenweise derart verschneit, daß die Streuwagen in Tätigkeil treten mutzten. Durch einen nichtswürdigen Bubenstreich ist der Besitzer eines Frachtdampfers schwer geschädigt worden. Seit Eintritt des Frostes lag der Dampfer„Lisbeth" auf der Havel bei Spandau vor Anker. Das Fahrzeug sollte gründlich repariert werden und vor allem einen neuen Kessel erhalten. Der Eigentümer des Dampfers hatte die Besatzung abgelohnt und sich selbst nach seiner Heimat begeben, so daß sich seit einigen Tagen niemand mehr an Bord befand. Diese Gelegenheit benutzte ein bisher unbekannt gebliebener Dieb, um die wertvolle» Metallstücke der Kesienanlage abzuschrauben und zu ent- wenden. Der Spitzbube scheute sich auch nicht, den Grundhahn mitzu- nehmen, sodaß das Wasser in den Schiffsraum eindrang und den Dampfer zum Sinken brachte. Das Fahrzeug wäre auf Grund geraten und verloren gewesen, wenn nicht der Unfall von einem Bootsmann bemerkt worden wäre. Zunächst versuchte die Spandauer Feuerwehr das eindringende Wasser auszupumpen, doch blieben diese Bemühungen vergeblich. Schließlich gelang es, den sinkenden Dampfer vor dem völligen Untergange dadurch zu retten, daß man mit vieler Mühe unter dem Fahrzeug' schwere eiserne Ketten von zwei anderen Dampfern aus hindurchzog, auf denen das Fahrzeug ruht. Der Täter, der mit den Schiffahrtsverhältnissen und insbesondere auch niit den Einrichtungen eines Dampfers genau vertraut sein muß, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Tödlicher Fahrstuhlunfall. Auf dem Fabrikgrundstück Urbanstr. 116 wollte der 16 Jahre alte Werkmeister der Tischlerei Westermann u. Hacker, Johann Hacker, in Gemeinschaft mit einigen Gesellen Waren in einem Lastenaufzug von einem oberen Stockwerk nach unten trans- Portieren. Infolge Versagens des autoinatischen Verschlusses stürzte der Fahrstuhl, in dem sich Hacker befand, plötzlich in den Schacht hinab. Hacker, der schwere innere Verletzungen erlitten hatte, mußte nach dein Urbail-Krankcnhaiis gebracht werden,>vo er bald»ach feiner Einlieferung starb. Die Leiche wurde beschlagnahiut und nach deni Schauhause gebracht. Arbciter-Bildungsschule. Sonntag, den 26. Januar, feiert die Arbetter-BildungSschule ihr 22. Sliftungsfest in Gestalt eines Kammermusik-Abends unter Mitwirkung hervorragender Künstler. Das uns vorliegende und in Nummer 26 des„Vorwärts" veroffentllchte Programm sagt u. a. zur Einführung: Das Programm bringt als erste und letzte Nummer zwei der bedeutendsten Werke der klassischen Kaminermiisik. d. h. derjenigen Musilgatiung, welch� im Gegensatz zur öffentlichen Kirchen- und Opermnusik für die' Aufführung im Zinnner oder Konzerlsaal be- stimmt ist. Wenn sich das große Orchester mit einer Volksmenge ver- gleichen läßt, in der die Stimme des einzelnen kaum bemerkt wird, so finden sich in der Kammermusik immer nur einige wenige Stimmen zusammen, von denen jede einzelne selbständige Bedeutung hat. In dieser größeren Selbständigkeit der einzelnen Stimmen, die jedem Instrument die Bedeutung eines Soloinstruments gibt, liegt der be- sondere Reiz der Kammermusik. Der aufmerksame Hörer findet bald Genuß daran, zu beobachten, wie ein musikalischer Gedanke bald von dieser, bald von jener Stimme aufgenommen und dem besonderen Klangcharalter des Instruments angepaßt wird." Wer sich diesen seltenen Kunstgenuß nicht entgehen lassen �will, versehe sich zeitig mit Billetts. Dieselben sind zu haben a 75 Pf. bei Horsch, Engclufer 15. Reul, Barnimstr. 42. Vogel, Lortzing- straße 37. Kaczorowski, Ravensstr. 6. Gottfr. Schulz, Am Kottbuser Tor. Weihnacht, Grünstr. 21. Radke, Neue Jakobstr. 1— 3, vis-a-vis der„Neuen Philharmonie". Bei pünktlichem Beginn ist frühzeitiges Erscheinen geboten. Die Damenhüte sind abzulegen. Wer sind die Toten? Am 17. d. MtS. nachmittag» 4.15 Uhr wurde ein bisher unbekanntes 15— 17 Jahres altes, anscheinend dem Arbeilerstande angehöriges Mädchen von einem Wagen der Linie 48 in der Schönhauser Allee überfahren und getötet. Bekleidet war die Ueberfahrene mit einem graugrünem Ulster, schwarzem Alpaccarock mit zwei roten Streifen, schwarz und weiß karierter Bluse, roten Beinkleidern, schwarzen Strümpfen, ebensolchen Schnürschuhen und weißen Handschuhen. Die Leiche befindet sich im Leichenschauhause in der Hannoverschen Straße. Mitteilungen über die Verunglückte nimmt die Kriminalpolizei und jedes Polizeirevier zu Nr. 271.IV.55.13 entgegen. Am 26. d. M. wurde aus dem Spreelanal gegenüber dem Kupfer- graben, Ecke Dorotheeuslraße. die Leiche einer unbekannten, dem Arbeiterstande angehörigen Frau gelandet. Die Unbekannte ist 66—65 Jahre alt, 1,58 Meter groß, hat graumeliertes Haar und trug graublaues Kopftuch, schwarz- und rotkarierte Taille, hell- graue, wollene Unterhosen, einen dunkelgrünen, einen rosawollenen und einen bellgrauen Unlerrock, einen blauen Oberrock mit schwarzem Samtband und einen schwarzen Oberrock, schwarte Strümpfe und schwarze Zeuggummizugstiefel mit Lackkappen. Dre Leiche befindet sich im Schauhause. Aufklärende Nachrichten nimmt jedes Polizei- rebier sowie die Kriminalpolizei. Zimmer 349 zu Nr. 869. lV. 55. 13 entgegen. Der Männerchor„Fichte-Georginia 1879" sM. d. D. A.-S.-B.) Chormeister Th. Gervais gibt heute in der Singakademie sein zweites Winterkonzert. Mitwirkende: Frl. Gertrud Janke, Konzert- und Oratoriensängerin sAlt) und Organist Herr Adolf Haensgen, Orgel und Flügel. Anfang präzise 7'/, Uhr. Fußballspiele der Arbeiter-Turil- und-Sportvereine. Am Sonn- tag sinden folgende Spiele statt: Spandau— Charlottenburg in Spandau auf dem Exerzierplatz in der Seeburger Straße: Weißensee— Rummelsburg in Weitzensce, Falkenberger Straße 153; Fichte I— Schöneberg in Treptow, an der Köpenicker Landstraße. Die Spiele beginnen um 3 Uhr nachmittags, auch die Spiele der anderen Gruppen. Auf der Treptow-Sternwarte finden heute, Sonnabend, wieder drei kinematographiicbe Vorträge statt: Um 4 Uhr über den„Rhein", um 6 Uhr„Eine Reise ins Weltall" von Dir. Dr. F. S. Archen- hold, mn 8 Uhr über den„Deulschen Wald". Am Sonntag nach- mittag 3 Uhr über die„Ost- und Nordseeküsten", um 5 Uhr ein astroiiomischer Vortrag,„Eine Wanderung durch das Weltall", um 61/2 Uhr über den„Deulschen Wald", um 8 Uhr über den„Rhein". Am Montag, den 27. Januar, abends 7 Uhr, spricht Direktor Dr. F. S. Archenhold über„Kometen und Sternschnuppen". Alle kinematographischen Vorführungen sind für die Jugend freigegeben. Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die Venus, abends der Saturn und der Orionnebel gezeigt. Vorort- l�acbricbten. Charlottenburg. Umwälzungen in der Weltpolitik lautete das Thema, über das Genosse Katzenstein in der Generalversammlung des Wahl- vereius am Ictztgn Dienstag referierte. In scharfen Ilmrissen kenn- zeichnete der Referent die Entwickclung der Kolonialherrschaft der Großmächte. Ucbcrall fänden wir seit Jahrhunderten das Bc- streben, sich kolonialen Erwerb zu sichern; aber nicht Kultur-, son» der» gemeine Geldintcressen seien bei der Kolonisation der kapita- listischen Staaten maßgebend. Die Sozialdemokraten wollen auch Kolonisation treiben, nicht aber im Interesse des Geldbeutels, son- der» im Interesse der Menschheit. Eine Diskussion fand nicht statt. Hieraus gab Genosse Seifert den Quartalskassenbericht. Danach balancieren im letzten Quartal die Einnahmen und Aus-, gaben des Wahlvereins mit 4668,49 M. bezw. 3451,79 M., so daß ein Kassenbestand von 556,76 M, verbleibt. Volkshausmarken wur- den 3665 Stück ä 16 Pf. verkauft. Ten Bericht vom Preußentagc erstattete Genosse Bade; einige Ergänzungen gab Genosse Katzen- stein. Schließlich fand im Anschluß hieran folgender Antrag des Genossen Katzenstein einstimmige Annahme: „Die Generalversammlung des Wahlbereins Charlottenburg erklärt sich mit der Tätigkeit.des preußischen Parteitags, insbe- sondere mit seiner Stellungnahme zur Taktik des Landtags- w a h l k a m p f e s, einverstanden. Nachdem inzwischen der Parte'- tag der Fortschrittlichen Volkspartei aufs neue bewiesen hat, daß von keiner bürgerlichen Partei Unterstützung im Kampfe gegen die preußische Realtiow und zur Erringung einer ernsthaften Wahl- reform zu erwarten ist, spricht die Generalversammlung die Er- Wartung ans, daß die Parteileitung nunmehr einen ernst- l i ch c n Kampf um das Wahlrecht einleiten wird, bei dem jedes geeignete Äampsinittcl, insbesondere der politische Massenstreik, ins Auge zu fassen ist." Für die kommende Landtagswahl wurde Genosse Zietsch als Kandidat des Wahlkreises Charlottenburg aufgestellt.— Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit der kommenden Kreisgeneral- Versammlung. Die Einführung der Hauskassierung sür den Kreis soll nicht empfohlen werden, lieber die Reorganisation der Zahl- abende soll in einer besonderen Mitgliederversammlung diskutiert werden. Die Wahlen der Delegation für die Kreisgencralver- sammlung hatten folgendes Ergebnis: Bade, Eberlein, Katzenstein. Fräulein Knobbe, Rosenthal, Seifert, Schulz. In letzter Zeit wiederholt von Spitzbuben heimgesucht wurde daS in der Kantstraße 58 gelegene Slraußfedern- und Pleureusen» geschäft. Vor vier Wochen gelang es Dieben, beträchtliche Mengen vorhandener Waren im Werte von 12 666 Mark zu entwendeu und in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag wurden, nachdem die Spitzbuben die Schaufenster zertrümmert hatten, wiederum Waren im Betrage von 1666 Mark gestohlen. Der Polizei ist es bisher nicht gelungen, die Diebe zu ermitteln. Wie man uns mitteilt, ist dies seil etiva zwei Monate» bereits der vierte Einbruch in dem- selben Geschäft. Das läßt allerdings aus ungestörte Sicherheit ein und derselben Diebe schließen. Wilmersdorf-Halensee. Die städtische Fleischverkaufsstelle. Der Fleischnot gegenüber haben die Schlächtermeister vor aller Welt ihre Unfähigkeit offenbart, die Zeichen der Zeit zu begreifen und in Gemeinschaft mit dem Magistrat das Nötige zu tun. Mehrere Wochen hindurch hätte es in Wilmersdorf überhaupt kein aus- ländisches Fleisch gegeben, wenn die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend nicht in den drei von ihr gemieteten Läden: Bruch- saler Str. 3, Augustastr. 57 und Güntzelstr. 43 Verlaufsstellen ein- gerichtet hätte. Inzwischen hat aber der Magistrat auf Anregung der städtischen Teuerungsdeputation einen weitereu Schritt getan, indem er am 22. Januar in dem der Stadt gehörenden Hause Berliner Str. 40 einen städtischen sZleischberkauf einrichtete. Die Verkaufsräume sind groß und zweckentsprechend, die Bedienung steht selbst in diesen Tagen, Ivo der Andrang enorm ist, einiger- «»aßen flott von statten, und die Ware ist gut. Eine besondere Uebcrraschung hat der Magistrat dem Publikum noch dadurch bereitet. daß er mehrere tausend a u st r a l i s ch e Hammel aufkaufte, deren fleisch ganz besonders gerühmt wird. Fragt«nan, wie es denn kommt, daß der in sozialpolitischen Angelegenheiten sonst nicht gerade besonders vorwärtsdrängende Magistrat von Wilmersdorf der Fleischteuerung gegenüber Maßnahmen ergreift, die unsere Parteigenossen in manchen anderen Großstädten vergebens gefordert haben, so kommt vor allem die besondere Be- volkerungsstruktur dieses Vorortes in Betracht. Hier spielt das Kleinhandwerk, daS Zünfllertum, eine verhältnismäßig geringe Nolle, desto«nehr aber geben die Bea inten den Ausschlag, die bei einer oft nur mäßigen Entlohnung in Zeiten der Teuerung ein dringendes Interesse an Notstandsmaßnahmen haben. So ist denn die von unserer Seite gegebene Anregung in der Teuerungs- deputation, gegen die Obstruktion der Schlächtermeister die Hilfe der Konsumgenossenschaft in Anspruch zu nehme««, auf fruchtbaren. Boden gefallen, und so stieß auch der Plan der Errichtung einer städtischen Verkaufsstelle kaum auf Widerstand. Man irrt auch, wenn man glarlbt, daß nur die minderbeinittclte Bevölkerung vom städtischen Fleischverkauf profitiert. Diese ist vor allem an Wochentagen kein sonderlich in Betracht kommender Kunde für Hanrmelkculen und Rinderfilets; bielmehr muß die Arbeiterfrau froh sein, wenn ihr Hausstandsgeld für minderwertige Fleischsorten reicht. Neben ihr steht denn auch in der Wilmersdorfer städtischen Fleischhalle ähn- lich wie im Warenhause die Dame im Saintjackett vor dem Laden- tisch. Vis jetzt hat der Magistrat den Verkauf der australischen Haininel für seine Einrichtung reserviert. Wie wir vernehinen, verlangt auch die Konsumgenossenschaft für ihre Verkaufsstellen einen Anteil von der Ware.. Wir nehmen an, daß der Magistrat diesem selbstverständlichen Begehren heute noch Genüge leisten wird. Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Die jültgste Sitzung begann mit eiircm kleinen Vorspiel wegen Acnderung der Tagesordnung. Der Gemeindevorstand hatte in Iveiscr Fürsorge den Punkt ..Kristalleiswerk" in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung placiert, offenbar um der öffentlichen Auskunft über diese neueste koinmunale Einrichtung überhoben zu sein. Die Fabrikation von Eis ist in Lichterfelde kommunalisiert,' diese Einrichtung ist getroffen Morden auf Anregung aus wohlhabenden Kreisen, denen im heißen Somincr des Jahres 1911 das Eis von Privatunternehmern zu teuer wurde. Die Produktion von Eis ist leider zu Wasser gc- worden— ivenigstcns nach der finanziellen Seite hii«. Aus ciircr „werbenden" Anlage— das sollte die Eisfabrik«Verden �— ist eine „fressende" gelvorde». �Es ist kein Gcheiinnis mehr, daß die Eis- sabrikation sich nicht rentiert und daß selbst ihre eifrigsten Für- fprccher sich nicht«nehr für sie erwärinen. Da es sich nun aber einmal um eine öffentliche Einrichtung der Gemeinde handelt, wäre es am Plätze gewesen, über sie auch öffentlich zu beraten. 'Dieser Antrag wurde auch von einigen Geincindevettreter,« zu Be- � ginn der Sitzung gestellt. Die Verhandlung über diesen Antrag .fänd unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, nach deren Wieder- beginn der Beschluß der Gemeindevertretung dahin verkündigt wurde, daß das„Kristalleistverk" in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln sei, weil andernfalls„die geschäftlichen Interessen der Geineinde verletzt würden". Damit ist vorläufig diese kriftall- �Jklare Angelegenheit dem Forum der Oeffentlichkeit entzogen und die Steuerzahler können sich's einstweilen an den Knöpfen ab- zählen, ob und wieviel das neue Gcmeindeunternchmen Zuschuß erfordern wird.— Eine längere Debatte entspann sich bei einer anscheinend unscheinbaren Sache: der Veränderung einer Flucht- linic. Es handelt sich darum, daß die westliche Berliner Vorort- - i'nlm an der Geranienstraße einen großen Bahnhof mit einem Fassungsraum für 2öv Wagen erbauen will. In diesem Falle ist auch eine Acndernug der jetzige«« Fluchtlinie nötig. Ein Teil der , Grundbesitzer— die Anhänger des remen örtlichen Villeiuharaktcrs '"ä. suchen diesen Bau möglichst zu hintertreiben und ebenso den Zuzug kleiner Leute nach Lichterfelde zu verhindern. Ein solcher „Freund" der arbeitenden Bevölkerung ist der Gemcindcvcrtreter Jäger, dcp denn auch die Vorlage mit Argumenten bekäinpfte, die durchaus den eben gekennzeichneten edlen Bestrebungei« cnt- sprechen. Er führte aus, daß die Vorlage der Gelneiude nicht zum Besten diene. Die Lasten seien zu groß— die Vorteile zu gering. Durch den Bau des Bahnhofs würde eine große Anzahl Straßen- -bahnangestellte nach Lichterfelde ziehen, die der Gemeinde 'keinen Nutze», sondern iiur Lasten brächten. Diese steuerlich Min- der!«>ertigei«(!) mit zirka 499 Kindern«vürden der Gemeinde min- '.bestens 49 999 M. an Schullasten aufbürden,««eue Schulhäuser «nüßtcn erbaut werden(was schon längst nötig ist. D. B.), so daß die Aufwendungen sicherlich 69 999 M. erreichen würden. Das Depot würde übrigens auch keine Zierde des Ortes bilden. Die -Gesellschaft solle also arrdcrwärts bauen. Gemeindevorsteher Schulz, die Schöffen Lengner, Lange und Dom« i« o weisen insbesondere darauf hin, daß eine„reine Villenpolitik" für den Ort uninöglich ist, daß durch den Bau dieses grotzen'Dcpots die Verwirklichung weiterer Verkehrsprojekte bedeutend näher ge- rückt sei und daß der Nachbarort Steglitz gerade infolge des leb- haften Zuzugs kleinerer Leute«n seiner Entwicklung viel größere Fortschritte gemacht habe als Lichterfelde. Die Vorlage wurde schließlich angenommen gegen die Stimme der Vertreter jener Grundbesitzerrichtung, die bei jeder passenden und unpassenden Ge- legei«heit die minderbegüterte Bevölkerung, speziell die der Chaussee- straße, herabzusetzen sucht.— Der Abschluß der Rechnung über den Betrieb der Gemeindebadeanstalt für 1912 ergibt, daß infolge der wenig günstigen Witterung des Sommer» ein Zuschuß von 19 181 M. notlvendig wurde. Das Stratzenpflasterprogramm pro 1913 ist äußerst umfangreich; die Länge der zu pflasternden Straßen beträgt über 6 Kilometer, die Kosten belaufen sich auf 7— 809 999 M. Als Material sollen Stampfasphalt und— probe- zvcise— Asphaltplatten Verwendung finden.— Zwei Bcraiungs- gegenstände wurden wegen vorgerückter Zeit von der Tagesordnung abgesetzt. Tempelhof. Durch den Zustrom von 2377 Steuerpflichtigen in den letzten drei Jahren zeigt die Wählerliste in ihrer Klasseneinieilung eine er« hebliche Veräildernng. Während in, Jahre 1919 in der ersten Klasse nur 12 Wähler vorhanden waren, sind es jetzt deren 69. Mit eiuern Sleuersatz von 1703,25 M. kann man jetzt bereits in der ersten Klasse sein Wahlrecht ausüben,«nährend 1919 dazu immer noch 4544 M. erforderlich waren. Wähler der zlveiten Klasse sind jetzt 767 vorhanden, während 1919 nur 297 in der Liste verzeichnet lvaren. Alle Wähler ui«ter 176 M. Steuersatz wählen in der dritten Klasse; dies sind 4895 Wähler gegen 3936 im Jahre 1919. Die Gesaintsteuersuinme beträgt dieses Jahr 939 379,49 Mark gegen 587 977 M. im Jahre 1919. 827 Wähler der ersten und zlveiten Klasse haben demnach doppelt so viel Stimmrecht wie 4895 Wähler der dritten Klasse. Mariendorf. Aus der Geineiudevcrtretersihung. Vor einigen Wochen hatte die Gemeindevertretung die Anstellung eines besoldeten Schöffen lSvndikus) beschlossen. Aus diesem Grunde lag der Sitzung ein A» trag des Gemeindevorstehers vor, der den Erlaß auf Abänderung des Ortsstawts betreffend die Zahl der Schöffen- und Gemeinde- >, erordneten verlangt. Die Abänderung soll dahin gehen, daß die Gemeindevertretung auf 4 Schöffen und 15 Vertreter erhöht wird. chv, Vorsteher betonte hierzu, daß der Beichlug der Vertretung, w%«M'dcr Gcmeindevcrordnctcn auf 24 zu erhöhen, vorläufig Mircksübrbar sei; die Wahlkominission wünsche be, dieser Vcr- der Vertreter die Einteilung des Ortes.«,, Bezirke. Di- Vorarbeiten dazu seien aber so schwierig, daß dieser Beschluß erst Ä Frühjahr 1914 ö« DuMuWog vclai'iM lonnk Er bitte fieZivege» die Geiiiciudeveriretuttg, sciiiem Vorschlage auf 4 Schöffen und 15 Vertreter vorläufig zuzustiminen. Genosse Reichardt meinte, daß es auf Grund der Landgemeindcordnung nicht möglich sei, in diescin Jahre eine Verinehrung der Vertreter vorzunehmen. Bei einer Neuivahl, wie sie hier in Betracht komme, müsse nach zlvei Jahren eine Auslosung vorgenommen werden. Da im nächsten Jahre ein Drittel der alten Vertreter turnusmäßig ausscheide, würde es dazu führen, daß in jedem Jahre Ersatzwahlen notwendig würden. Ein solches Verfahren sei nach seiner Meinung ungesetz- lich; er mache deshalb den Vorschlag, daß einer der unbesoldeten Schöffen freiwillig zurücktreten möge, damit hierdurch der Platz für den anzustellenden besoldeten Schössen frei werde. Genosse Weber schloß sich im allgeineincn den Ausführungen Reichardts an und ersuchte gleichfalls, den Beschluß der Gemeindevertretung auf 24 Verordnete im nächsten März 1914 zur Ausführung zu bringen. Herr Th. Noack stellte den Antrag, die ganze Angelegen.- heit nochmals an die Wahlkoiiiinission zurückzuverweisen. Dem stimmte die Vertretung in ihrer Mehrheit zu. Alsdann ivar die Bildung einer Eingiiartieruligskommission vorzunehmen. Wie der Gcmeirrdcvorstehcr bekanntgab, hatte der Ort«in vorigen Jahre aus Anlaß der Herbstparade eine beträchtliche Anzahl Soldaten unter- zubringen; um den sich hierbei ergebenen Mißständen abzuhelfen, empfahl er die Bildung einer fünsgliedcrigen Kommission. Gc- meindcvertretcr Dillges klagte bei dieser Gelegenheit besonders, daß speziell die Dorfstraßc«uit Einquartierung überlastet gewesen sei. Dieser Schmcrzensschrei des notleidenden Gutsbesitzers vcr- anlaßte unseren Geitsssw Weber zu den Zwischenrufen:„Die arine Dorfstraße!" und:„Als Patrioten müssen Sie noch vlel mehr tun!" Den« Antrage des. Vorstehers wurde zugestimmt. Von unseren Gc- nossen wurde Genosse Welk für die Kommission i» Vorschlag gc- bracht.— Allgemeine Verwunderung erregte der Punkt:„Nach- träglicher Einbau von Anschlutzgabeln für die Kanalisationsleitun- gen in der Marienfelder und Friedenstraße. Bei der Regulierung dieser Straßen ist«vobl die Kanalisation eingebaut, man hat aber vergessen, für Anschlüsse anzubauender Häuser Sorge zu tragen. Die Straßenregulierung ist vor zirka 4 Jahren unter der Leitung des früheren Gemeindevorstehers Westphal erfolgt. Es wurde be- schlössen, die Kosten hierzu zu übernehmen. Heber die schlechten Verkehrsverhältnisse ist mit der Großen Berliner Straßenbahn «oicderholt verhandelt worden. Ein jetzt eingegangener Bescheid in dieser Sache befriedigt die Gemeindevertretung in keiner Weise. Aus Anlaß der Kaisergeburtstagfeier wurden bisher die Kostet« für die Illumination aus Gemeindemittcln bewilligt. In diesem Jahre soll von einer Illumination Abstand genommen werden. Die bis- her dafür verausgabte Summe ist den Kriegsveteranen zugebilligt «vorden. Jedenfalls wird dieser Beschluß der Gemeindevertretung allgemein anerkannt werden. Die Widersinnigkeit de? DreiklcisscnwahlrechtS wird auch durch die jetzt auSliegende Gemeindewählerlifte dokumentiert. Danach haben die 55 Wähler der ersten Abteiwng ebensoviel Wahlrecht wie 547 der zweiten und 3544 der dritten. 7� Ein Wähler der I.Klasse verfügt über ebensoviel Einfluß auf die Geschicke der Kommune, wie 19 Wähler der 2. und 64 Wähler der 3. Klasse. Die erste Abteilung bringt an Steilern der Gemeindekasie 368 159,13 M.. die zweite 362 619,39 M. und die dritte 213 737,97 M. — Um Wähler der I.Klasse zu sein, muß man an Steuern 2169,19 bis 98 589 M. aufbringen; ein Wähler der 2. Klasse hat 231,19 M. bis 2165,69 M. zu zahlen. Die dritte Klasse sieht an ihrer Spitze noch Leute, welche 239,79 M. dem Steuersäckel zuführen- Diese Sätze werden sich noch wesentlich zuungunsten der ärmeren Klassen verschieben, tvenn die von den Bürgerlichen geplante Bezirks- einteilung zur Durchführung gelangt. Weistensee. Die verhinderte Erklärung. In der letzten Gemeindebertreter- sitzung wollte der Geiwsie Fuhrmann, nachden« die von dein Lehrer Frommont gegen ihn gerichtete Beleidigungsklage, wie bekalint,«nil ctneln Vergleich geendet hatte, eine eutiprccheude Erklärung ab- geben. Der Bürgermeister vereitelte jedoch sonderbarerweise die Abgabe dieser Erklärung, indem er dein Genossen Fuhrmann das Wort vrnveigerte. Wie die Weigerung des Bürgermeisters auf- gesaßt wurde, hat sich nach Schluß der Sitzung gezeigt. Ter Vor- sitzende der alten Fraktion erklärte dem Genossen Fuhrmann gegen- über völlig mit Unrecht:„Die Sache mit der Erklärung ist ja von Ihnen fein gedeichselt," mit anderen Worten, man habe mit Ab- ficht die Erklärung vereitelt. Tegel. Die Generalversammlung des Wahlvereins nahin z«liiächst den Kassenbericht entgegen. Einer Einnahine von 1519,92 M. steht eine Ausgabe von 1224,49 M. gegenüber. AlSdaiin bcrichiele Genosse Graricr-Lichtenberg über den preußischen Parteitag. In der darauf folgenden Diskussion erklärten sich sämtliche Redner mit den aiif den« Parteitag gefaßten Beschlüssen einverstanden. Genosse Lichtenberg berichtete hierauf über die Tätigkeit unserer Vertreter im Gemeinde- Parlament. Redner ließ die bemerkenswertesten Beschlüsse der Ver- treiung Revue passieren. Da wir im einzelnen über die Verband- lungen in der Gemeindevertretung eingehend berichtet haben, glauben «vir uns eine Wiedergabe der AuSführilnge» des Redners sparen zu können. Die Kritiks Lichtenbergs an den Beschlüssen der Geinernde- Vertretung löste eine rege Diskussion aus, an der sich die Genossen Petersohn, Beierinaim, Meier und Krüger beteiligten. Sämtliche Redner meinten, daß bcsiere Zustände in der Gemeinde Tegel nur dann einziehen könnte««, wenn dieselbe so schnell wie«nöglich in Berlin eingemeindet werde. Damit würde zugleich auch der bestehenden Kliquenwirtschaft ein Ende bereitet. Unter Bereinsangelegenheiten wurde mitgeteilt, daß der Wahlvercfl« mit dem Gesangverein„Immergrün" ein Abkommen getroffen hat, wonach derselbe bei Beerdigungen von Mitgliedern, bei denen Gesang gelvünscht wird, wochentags gegen eine Entschädigui«g von 15 M. mitloirkt. Bei Sonntagsbccrdigungei« wirkt der Verein unentgeltlich «nit. nur wenn der Dirigent an der Beerdigung teilniimnt, sind 6 M. zu entrichten. Zu den« Zwecke«vird von den Genossen je nach Bedarf ein freiwilliger Beitrag von 5 Pf. erhoben. Vorbedingung der Mitwirkung des Gesangvereins ist, daß kein Geistlicher an der Beerdigung teilnimmt. Die Genossin Pollack ersuchte die An- wcsenden, in Zukunft«nehr als bisher de» Veranstaltungc» der Jugend Interesse eiitgegenzubringei«. Der Bezirksleiter ermahnte an« Schlüsse der Versammlung zur Einsichtnahme der in den Amts- stunden und Sonntags von 11—12 Uhr in« GeineindeverwaltungS- Hause auSliegenden Wählerliften. Potsdam. Städtische Betriebe sollen Musterbetriebe sein. Daß dies nicht immer zuttifft, beweist ein Blick auf bie Arbeitsverhälmisse, wie sie zurzeit auf der Klärstation in Potsdam bestehen. Jede Schicht dauert zwölf Stunden. Für diese schmutzige und lange Arbeit wird ein Schichtlohn von nur 4,29 M. gezahlt. Allerdings sollen in diesen Schichten zwei Stunden Pausen liegen, die aber nicht iminer eingehalten loerden können. Doch damit nicht genug. Alle 14 Tage müssen die Beschäftigten 24 Stunden hintereinander ar- betten und auch Ueberstunden loerden oft gemacht. Für die lieber- stunden oder für die Nachtarbeit gibt es jedoch keinen Pfennig mehr Lohr« als üblich, uäinlich 42 Pf. pro Stunde. Auch i» sani- tärer Bcziehurig ist««och manches recht mangelhaft. So«nüsscn z. B. die Arbeiter ihre Hatiitücher selbst mitbringen und reinigen und auch die Eimer, in denen sich die Arbeiter waschen, sind Eigen- tum derselben, weil die Eimer, die' von der Verwaltung zur Vcr- fügung stehen, nicht nur zum Waschen, sondern auch zu anderen schinutzigcn Arbeiten benutzt werde««. Solche Verhältnisse sind für Potsdan« nicht gerade schmeichelhaft. Klage geführt wird auch über eine Bierkasje, die von« Betricbsführer vcrloaltct wird. Das Bier wird kastentveise von der Brauerei eingekauft ui«d«nit 19 Pf., genau wie in Ladengeschäften, verkauft. Allerdings erhalte«« vo» dem Gelde in Krankheitsfällen die Arbeiter eine kleine Unterstützirng und auch zu Weihnachten gelangt eine kleine Summe zur Vertei- lung, die diesmal& M. betragen haben soll. Trotzalleoem wissen die Arbeiicr nicht, wie es mit dieser Kasse fleht, die doch fle allein angeht, da sie die Beiträge hierzu leisten. Manche Arbeiter. die schon Jahre im Betriebe tätig waren und dann in andere Arbeit gehen, erhalten aus dieser Kasse, zu der sie täglich bei jeder Flasche Bier einen Betrag gezahlt l>aben, keinen Pfennig zurück. Die A» heiter haben allerdings auch nicht den Mut. ganz energisch Acnde» rung zu verlangen, weil sie sich keine Unannehmlichkeiten viachen wollen._ Nehmt Einsicht in die Gemeindewählerlisten, die nur noch bis zum 30. Januar in den GemeindebureauS ausliegen. Uebcrzeuge sich jeder davon, ob er auch in der Liste vermerkt ist, damit er bei einer eventuell stattfindenden Wahl auch sein Wahlrecht ausüben kann. Tempelhof. Die gZemcindewählerliste liegt noch Sonnlag. vormittag» von 8— 10 Uhr, im Zimmer 8 des Gemeindehauses, Dorsstr. 42, aus. Schenkendorf bei Königs-Wusierhausen. Außer im GemeindeburcaN l egt die Liste auch beim Genossen Petzold, Kartenstr. 5, a»s� Steglitz. Die Liste tiegt im Hause Schloßstr. 36, Zimmer 47. UND zwar von 8—3 und 5—7 Uhr ein. Fugendveranstaltungetr. Neukölln. Sonntag, den 26, Januar er., findet eine Besichtigung der NrdciterwohIfahrlsauSstellung statt, Treffpunkt: 12 Uhr am Hermannplatz (Apotheke),'1,1 Uhr an» Knie, Charlottenburg, Für Nachzügler um 1 Uhr in Charlottenburg, Frauenhoserstr. 11—13(vor der Ausstellung). Huq der Frauenbewegung. Kind und Umwelt. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am Montag Reichstagsabgeordneter Rühle den ersten Vortrag zum Zyklus.Erziehungsfragen". Haus, Schule, Leben sind die ausschlag« gebende» Faktoren, die den Werdegang des Menschen beeinflussen. Seit Entstehung der Familie lernte das Kind im Hause alles, was es für das Leben nötig hatte; es sah den Bater in der Werkstatt schaffen, sah die Mutter den Haushalt versehen, eS half mit, wozu «eine Kräfte ausreichten; es sah, wie einer für den anderen sorgte und sich dem Ganzen angliederte; das Kind lernte dadurch selbst Pflichtgefühl und Opfermut. Da kam die EntWickelung zur Groß- industrie, revolutionierte das Kleinhandwerk und zerstörte das Heim. Der Mann«rmrde aus der Eigenwcrkstatt in die Fabrik gedrängt, bald«nußte ihm die Frau als Mitbewerberin folgen; haben wir doch heute über vier Millionen verheirateter Frauen, die im Hauptberufe enverbstätig sind, denen Mutter und Hausfrau zu sein, nur Nebenberuf ist. Dem Kind, sonst im Haus behütet und angelernt, blieb nur die Straße mit ihren vielfachen Gefahren. Das Kind voin Lande und in der kleinen Stadt ist dem Großstadtkind gegenüber in vielen Dingen im Vorteil, es leidet nicht so durch den häufigen Wohnungswechsel, kann seinem Betätigungsdrang im Spiel init Altersgenossen in frischer Luft, in Wald und Feld nachgehen, lernt die. Natur kennen und lieben. Aus solche Jugendsreuden muß das Großstadtkind verzichten, dafür wird es durch die stetig wechselnden Eindrücke der Großstadt geistig regsamer, intelligenter, im Reden schlagfertiger, kurz früher reif alS daS Landkind. Durch die Wohndichtigkeit, drlrch das Zusammenleben vieler Menschen in den engen Rä«lme» der Mietskasernen schaut daS Großstadtkind vieles. das seine Intelligenz auf schlechte Bohnen lenkt. Einsichtige Pädcigcfgcn und VolkSfreunde sind lange bemüht, hier helfend einzugreifen. Sie fordern vom Staat und Kommune«« für das Kind Ersatz für das verloren gegangene Heiin. Bis das geschehen, ist eS nötig, das heranwachsende Arbeiterkind seiner Jugendorganisation zuzuführen. Spät, oft aber vielleicht nicht zu spät, lemt es hier doch«venigsteiis kennen, was ihm bis dahin häufig fremd war: Zusammengehörigkeitsgefühl. Opfernutt und Arbeitsfreudigkeit für eine bessere Zukunft. Eine Enttäuschung der ungarischen Franenrechtlerinnen. Bekanntlich hieß es. der ungarische Ministerpräsident Herr v. LukacS plane eine Wahlreforn«, die auch einigen Kategorien von Frauen das Wahlrecht geben werde. Die Führer«» der ungarischen Frauenrechtlerinnen Frau Rosika Schlvimmer sprengte aus, die ungarische Sozialdemokratie«ei eine Feindin des Frauenwahlrechts. Sie habe dem Herrn v. Lukacs ihre Unterstützung zugesagt, wenn er daS Frauenlvablrecht fallen laste. 29 sichere Mandate und eine Menge Geld soll die Regierung den Sozialdeino« kraten zugesichert haben, wenn sie auf ein Kompromiß eingehen. Und nur ein Bedenken hatten diese dagegen. Das Fraue««- Wahlrecht ivollten sie verhindern. Wohl noch selten hat sich daS Sprictilvort:„Lügen habe» kurze Beine" so rasch bewährt wie in diesen, Falle. DaS sch», üblichste, infamste Wahlrecht bietet die ungarische Regierung den Arbeiter»«, so daß die Sozialdeinokraten zum Generalstreik rüsten. Die Kranen aber sind ebenso aus- geschlossen voin Wahlrecht wie die große Mehrheit der Arbeiterschaft darum betrogen werden soll. Und diese Wahlreforin bietet dieselbe Regierung, die nach Rosika Schwiinmers Phantasie«nit den Sozial- deinokraten einen Pak« geschlossen hat. Ueber daö Fraueiiwahlrccht selbst sagt die ungarische Regierung in ihrem Motivenbericht:„Der Gesetzenllvurf will das Wahlrecht nur den Männern erteilen. Dies bedeutet keineswegs die Unterschätzung der Bedeutung der Frau im öffentlichen Leben. Wir müssen großes Gewicht ans die Mitwirkung der Frau, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge legen, wo die Frau in der Tat eine unschätzbare Mitarbeiterin und Mithelferin nicht nur der sozialen Tätigkeit, sondern auch der in moderner Richtung zu entwickelnden Verwendung repräsentiert. � Zu einem Zeitpunkt aber, Ivo eine binnen kurzem die heutige Wäbler« schaft erreichende neue Wählerschaft zur Ausübung der poUtischen Rechte erzogen werden soll,«väre es nicht zeitgemäß, die Erschütterungen deS lleberganges noch damit zu steigern, daß in die politischen Kämpfe gerade jetzt auch die Frau mbezogen würde, für welche es nur ein Verlust wäre,«oenn die in der Wirt» schafilichen Konkurrenz nicht einmal ausgeglichenen Gegensätze durch die Parleigegensätze noch gesteigert würden." Alio aus zarter Be- sorguiS für die Frauen gibt ihnen die ritterliche Regierung kein Wahlrecht. Beschuldigt Fräulein Rosika wieder die Sozial« demokratie? Alle Frauenrechtlerinnen verwahren sich, mit dieser Dame gemeinsame Sache zu machen. )Zus aller Welt. Die Rettungsaktion für die deutsche Spitzbergen- Expedition. Die norwegische Zeitung„Aftenposten" meldet aus A d V e n t bay: Um der notleidenden deutschen Expedition zu Hilfe zu kommen, ist an, Montag eine H i l f s e x p e d i t i 0 n von Adventbay unter Führung des Geschäftsführers Jngvard Jensen abgegangen. Die Expedition, die auS fünf Mann und dreizehn Hunden besteht. führte einen Vorrat von Proviant und Kleidern für die Ein- gefrorenen«nit sich. Sie beabsichtigte, bis zur Treurenburg- Bucht zu gelangen, wo das deutsche Expeditionsschiff liegt, und möglicherweise die deutsche Besatzung nach der Adventbay zu bringen. Die Entfernung dorthin beträgt fünfundzwanzig Meilen. Die Dauer der Expedition war auf drei Wochen be« rechnet. Da jedoch infolge deS starken SturineS an, Sonntag das Eis des Eisfjordes aufgebrochen>oar. mußte die H« l f s e x p e d i t i 0 1, u ,1« k e h r e n, als sie sich in der Mitte des EiSfjordS befand. Ein Teilnehmer brach ein. wurde aber ge« rettet. Da die Expedition nicht genügende Nahrungsmittel über die Berge der Saffendbay schaffen lann. muß sie abwarten, bis der Eissjord wieder zugefroren ist. In.der Zwischenzeit wird die Hilfs- fflje&fffon versuchen, eine Verstärkung von Hunden von Green- Harbour zu erhalten. Nach einem Bericht aus Adventbah herrscht dort stilles Wetter, die Kälte beträgt bis zu 25 Grad. Gegen den Beamtendünkel. Ein sehr nachahmungswertes Beispiel gab in der ersten dies- jährigen Sitzung der städtischen Kollegien zu Göttingen der Oberbürgermeister Cralsow. Er wandte sich in einer Ansprache gegen den Dünkel vieler Beamten und führte aus: Es sind neuerdings wieder aus der Bürgerschaft Klagen an mich gelangt, daß im dienstlichen Verkehr mit dem Publikum nicht von allen Beamten mit dem nötigen Entgegenkommen und mit gebührender Artigkeit verfahren werde. Ich habe den Beamien erst neuerdings wieder ein höfliches und entgegenkomniendes Verhalten gegen die Bürgerschaft nachdrücklichst zur Pflicht gemacht und im Falle der Nichtbeachtung dieser Anordnung unnachsicht- licheZ E i n s ch r ei t e n in Aussicht gestellt. Zuwiderhandlungen bitte ich zu meiner Kenntnis zu bringen; ich werde in jedem zu meiner Kenntnis gelangenden Falle eine eingehende Prüfung ein- treten lassen und gegebenen Falles mit allem Nachdruck Abhilfe schaffen. Tobsuchtsanfall des ExPräsidenten Castro. Der frühere Präsident von Venezuela, Castro, hatte sich am Freitag in New Dork vor einer besonderen Behörde einem Verhör ju unterziehen, von dessen Ergebnis es abhängt, ob ihm der Eintritt in die Vereinigten Staaten gestaltet werden soll. Ueber die Fragen dreier Mitglieder bezüglich der Er- mordung de? Generals ParadeS von Venezuela wurde er so erregt, daß er ihnen befahl, das Zimmer zu verlassen. Als sie sich weigerten, rief Castro einen Diener herbei, ergriff einen Spazier st ock und versuchte sie hinauSzutreiben. Als sie sich nunmehr zurückzogen, schlug Castro die Tür zu und verriegelte sie. Beneidenswerte Gemeinden. In den b a d i s ch e n Gemeinden Wellendingen bei Bonn- dorf und Oberwinden bei Waldlirch sind die Bürger von der Zahlung von Gemeindesteuern vollständig befreit. Diese Gemeinden besitzen so ausgedehnte Waldungen, daß zum Beispiel Wellendingen eine Wasserleitung anlegte, ein neues Rat- Haus baute, ihre Bürger gratis mit Brennholz versorgte und trotz- dem noch 30 voll M.Kapital erübrigte. DaS gleiche»st von Oberwinden zu berichten. Aehnlich könnten die finanziellen Verhältniffe vieler Dorfschaften sein, wenn nicht in früheren Zeiten das Gemeindeeigentum entweder verschleudert oder durch Gewalt in die Hände der Grundhcrren übergegangen wäre. Ein teurer Schnurrbart. Die Pariser medizinische Welt ist in große Aufregung versetzt über eine Entscheidung der fünften Zivilkammer. Der Angelegenheit liegen folgende Umstände zu Grunde: Eine Frau hatte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen, um ihren etwas starken Bart mittelst Radio-Therapie beseitigen zu lassen. Nach der 15. Sitzung zeigte eS sich, daß das Gesicht vollständig verbrannt war und die Frau für immer entstellt ist. Diese stellte darauf Schadenersatz. Trotzdem von fachmännischer Seite behauptet wurde, daß der betreffende Arzt keinerlei Fehler beging und daß eine Be- Handlung mittels Nadio-Therapie von vornherein als gefährlich an- zusehen ist und man mit einem solchen Ausgang zu rechnen habe, wurde der Arzt zu 5000 Fr. Geldstrafe verurteilt. Kleine Notizen. Drei Arbeiter ertrunken. Drei auf dein Hüttenwerk in E s ch beschäftigte Arbeiter gerieten auf dem Heimwege von der Arbeit in der Dunkelheit in ein Stauwerk und ertranken. Vom Spiel in den Tod. In dem Brüsseler Vorort Forest wurde am Donnerstag eine Anzahl Kinder durch einen Sandhaufen verschüttet. Zwei wurden tot hervorgezogen, bei eineiii dritten besteht Lebensgefahr. Lawinensturz in den französischen Alpen. Wie aus Grenoble gemeldet wird, ging oberhalb der Ortschaft A II e m o n d eine Lawine nieder und verschüttete einen Bauplatz. Zwei Ar- b e i t e r wurden getötet, fünf andere schwer der- w u n d e t. Einsturzkatastrophe in Texas. In McKinley ist eine Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen z us a mm e n g e st ü r�t. Die Trümmer durchbrachen die Wände eines benachbarten Kaufhauses und brachten auch dieses zum E i n st u r z. Die Ruine des Kaufhauses geriet i n Brand. Bei der Katastrophe wurden acht Menschen getötet und fünfzehn verletzt. LrlefkZlften der Rcdahtfon. Tie{urtflltdje Sprechstunde findet Llndenstraste 69, vorn vier Treppen — Fahrstnpl—, wochentägltch von 4V4 bis Uhr abendS, Somiudend», von tth bis L Uhr abends statt. Jeder für den Brieslasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine gahi als Mertzetchen beizufiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSgnittnng beigefügt ist, derben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. L. Z. 43. Ohne vorherige Naturalisation dürste eine Anstellung nicht zu erreichen sein.— Parteigenossin. Weliiensee, Rölckcstraste. Der Pfarrer kann die Taufe ablehnen.— M. ffi, 77. 1. Die Aussichten der Berufung lassen sich erst dcurlcilen, wenn das Urteil mit den EntscheidungS- gründen vorliegt. Die Berufung müßte durch einen Rechtsanwalt ein- gelegt werden. L. Die Kosten richten sich nach dem Odjckt und sind in AlimcntationSprozcssen sedensalls erheblich.— R. L. 33. t. Nach dem Vater nicht. 2. Eoseia» das Kind nach dem 31. Dezember 1833 geboren ist, bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres. 3. Nein.—®. 99. Nein.— H. k. 93. Die Gcsellschast ist berechtigt, Klage zu erheben.— C. R. Ja. P. l». Falls die Witwe Ihre Behauptung nachweisen kann, besteht nur WM■'..... t bezüglich der vom Mann ei'" die AnSeinandersetzungSpslicht eingebrachten Wirt« >W»»W>WWU.�___. jzflglid) der vom WWWWW ichastSsachcn. Davon gebühren den Mindenr erster Ehe drei Viertel, der Witwe ein Viertel. Bezüglich Auszahlung der Gaskaulion muß beim Amts- gericht die Erteilung eines Erbscheins beantragt werden, außerdem müssen die Kinder die Eiuwilligungserlläiung abgeben. Ist eine außergerichtliche Einigung nicht zu erzielen, so ist eS ratiam, beim Amtsgericht den Antrag aus Vcrmiltelung der Auseinandersetzung zu stellen.— Ä. B 300. Erscheint aussichtslos.— E. R., Taubstumme. Weibflche jeden Zllter« tönnen dem Verein angehören. Die Beschränkung im Vereinsgesetz, daß nur über 18 Jahre alte Personen Mitglieder von Vereinen sein dürien, kommt nur für politische Vereine in Frage.— F. H. 103. Nein. — Drahn 100. Eine strafbare Handlung scheint nicht vorzuliegen. Es könnelt, falls die Richtigkeit der Berechnung nachweisbar ist, sämtliche Mit- glicdcr Klage erheben.— O. B 74. Sie können den Vater nur dann für die Schuld in Anspruch nehmen, wenn der minderjährige Sobn zu der fraglichen Zeit ein zur Deckung ieineS Unterhaltes nicht ausreichendes Ein- kommen hat.— 7. Sllbcrtine. Der Abzug ist unbegründet.— P. P. 731. 1. und 2. U. E. ja. 3. tv M. dürsten angemessen sein.— L. H. 193. 1. Nein, sosern die Gemeinde Unlerkunst im Armenhause anbieict. 2. Ja. 3. Unterstützung kann beansprucht werden. Für eine Beschwerde ist der Kreisausschutz zu Händen des Landrales zuständig. 4. Nach Vollendung des 70. Lebensjahres, sosern die gesetzliche Wartezeit ersüllt ist, was aj»s Ihrem Schreiben nicht hervorgeht. Die Altersrente ruht jedoch beim Bezug von Invalidenrente.— M. 99. Stallichrciberstrastc. Nein. — W. 83. 1. Die Hälfte der gesamten Kosten beträgt, sofern Beweis- ausnähme stattgefunden hat, 150 bis 175 Mark. 2. Es kann Zwangsvollstreckung gegen Sie erfolgen. 3. Die Lohnsorderung, welche 28,35 M. wöchentlich übersteigt, ist wegen der Kosten beschlagnahmesähig. 4. Soweit ersichtlich nein. 5. DaS müssen wir Ihnen überlassen. S. Der Gläubiger, sofern beim Schuldner nicht beitreibbar; die Staatskasse.— 501. G. B. Die Rente bleibt bestehen.— A. K. 19. Etwa 20 M. Genaues lügt sich erst sagen, wenn die genaue Anzahl der geleisteten Beträge angegeben wird. — Mille 33. Die Höhe der Beitragsmarken richtet sich nach dem Grundlohn, der sich aus dem Kassenstalut ergibt. AIS JahreSarbeitS- vcrdicnst für die Berechnung der Beiträge ist der 300 fache Betrag des Grund- lohnes. anzunehmen. DertäiiächlicheArbeitsvcrdienst kommt also nicht in Frage. — R. Z. 1. Die Klage ist auch nach dem 1. April noch zulässig. Nach Ihrer Darstellung scheint es ratiam. bis dahin zu warten. 2. Die Be- kaimtgabe derartiger Adressen müssen wir ablehnen.— S. D., Adlershof. t. Leider nicht. 2. DaS Zimmer können Sie weiter vermieten. Tie Sachen können Sic, wenn Sie den Eigentümer unter Fristsetzung zur Ab- holuug aufgefordert haben, entweder aus Lager geben oder, falls Ihnen Anspruch« zustehen, öffentlich versteigern lassen.— Wilmersdorf. Augusta-Straste 34. Ja.— 444. ES ist ratsam, die Angelegenheit dem Polizeipräsidium zu unterbreiten.— I. I. Die Erklärung inüßie mit OrtSbczeichnung, Datum und Unterschrift versehen und die Unier- schrist müßte beglaubigt sein. Anderensalls würde es auch genügen. wenn der Beamte eine solche Erllürung zu Protokoll ausnimmt. — U. Z. Ja. Richten Sic aber einen Antrag an die Armen- Verwaltung, daß Ihnen die Beisteuer für die Zeit der Arbeitslosigkeit er- lassen wird.— A. K. 100. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sic noch an, in welchem Betrieb Ihr Sohn beschäftigt ist.— B. G. 88. Ja. — K. T. 1000. Sic find zahlungspflichtig.— G. R. 10. 1. Wenn er- hebliche GcsundheitSgesährdung nachgewiesen werden kann, ja. 2. Für den Fall, daß der cbcngcnannte Nachweis geführt werden kann, nein. 3. Ja, soweit Sachen entbehrlich sind. 4. Nein. 5. Notwendige Kücheniachen nichl. 6, Ja.— 130. O. D. 1. Unverständlich. 2. Ja, eS ist aber für dengall. daß der Bertrag eingereicht wird, Stenipelstrase zu besürchien.— C. W. 100. Die Veranlagung war zulässig, sosern Sie schon im September in Arbeit getreten sind.— M. 8. 1. Etwa 2 bis 3 mal wöchentlich. Je etwa 2 Stunden. 2. Nein. 3. Wenn nachweisbar, ja. Es »iit aber ratsam, im Falle der Weigerung beim KausmannSgericht den Erlaß einer einstweiligen Verfügung zu beantragen.— 31. 100. Antrag an daS Polizeipräsidium, wo Sie das Nähere ersabren.— W. 1000 Ja. — W. 2. 13. 1. Bei Inländern genügen in der Regel die Geburls- Urkunden, serner der Militärpatz des Mannes und schließlich, wenn die Frau minderjährig ist, Einwilligung des gesetzlichen Vertreters Der Siandcsbeamte kann jedoch einen Nachweis über die SiaaiS- zngehörigkcit verlangen. 2. Die Auskunst muß erteilt werden. 3. Die AuSsüllnng eines Formulars genügt.— M., Britz. Nein. — H. B. 10, 1913. 1. DaS läßt sich nicht verhindern. 2. und 3. Sin jedem Ort während der Zeit von 6 bis 8 Uhr abends.— H. Z. 999. Die preußische Behörde würde Hindennssc in den Weg legen.—(f. ist. C. Nach Ihrer Dariiellung ist Verjährung eingetreten, so daß eine Beschlag- nabme deS Nachlasses nicht erfolgen könnte.— W. r. R. 33. Der Statutennachtrag ist gültig und sür die Zeit nach dem 1. 10. 12. rechts- verbindlich.— St. Fischer, Köpenick. Kaulsdorfer. 217Lb Ltellenangedote. Köchin zum 1. Februar für Kantine gesucht. Offerten unter dl. 4, Haupt- «xpedition des.Vorwärts". 2166b .. ZeitiliigSfrauen sofort verlangt Kronenstraßc 2. 2458b' Lehrmädchen im Alter von 14 16 Jahre», aus achtbarer Familie. gegen monatliche Nergülung fosort ge>ucht Meldungen nur i» Bc- gleitung der Eltern oder deS Vor- mundcs 40—2 Uhr vormittags oder 6— g Uhr nachmittags. 21. Jandors u. Co.. Belle- �Miancc. straße 1-2. 2939«.' Mehrere Keffelschmicdc, Rohr. bieger und einen Vorzeichncr sucht zu so'ort für d a u e r u d e Ätschästigun, Pommersche Eisengießerei und Maschinenfabrik Akl.-Gej, Stralsund. mnllW, jtO|Crnyuicb(iLut5i- XV._-__ �-v �'. vvm act:uimeinci|iiabc-----'___ "Teraniwortlicher 1/ieiafteur: Alfreß Wielepp, Neuköllii. Für im gnieiatemeil veramw.; Zb.Gi«llk,!Lerlul. Druck u.«ertag: vorwarf vuchdruderei u. iöerlagsanftalt Paul Smger u. Co.. Lertio Rr.Zl. 30. Jahrg. KeKks-KeilW des.Wmntg" ftr 5«dw-WeßK 25. Januar 1913. SencKts-Teining. Der Krnwall vor dem Morgrnsternschcn Fleischerladen kam gestern wieder vor dem Landgericht III zur Sprache. Es handelt sich um den bekannten Vorgang am 24. Oktober. An diesem Tage sollte der Verkauf von russischem Fleisch in den Markthallen eröffnet werden. Die Käuferinnen, welche in der Markthalle am Wedding erschienen, erfuhren jedoch eine arge Enttäuschung. Denn die Fleischer hatten entgegen der von ihnen übernommenen Verpflichtung, das russische Fleisch nicht zum Verkauf gestellt, ja sie reizten die Frauen noch durch höhnische Reden. Dadurch kam es zu heftigen Auf- tritten. Das über die Handlungsweise der Fleischer erregte Publikum ging zuni Teil nach dem Fleischerladen von Morgenstern in der Schererstraße. Hier stellte sich der Ge° schäftsführer' mit seinem Revolver und einem Räucherspießbewaffnet, der Menge, welche in den Laden eindringen wollte, entgegen. Die Schaufenster- scheiden wurden eingeworfen und Verwünschungen gegen die Fleischer ausgestoßen. Äe Näherin Marie Vogt soll sich später anderen gegenüber gerühmt haben, auch dabeigewesen zu sein. Sie wurde deshalb in Haft genominen aber bald wieder eA t- lassen. Gestern hatte sie sich vor der Strafkammer auf eine Anklage aus Z 125 des Strafgesetzbuches zu verantworten. Ihr wird zur Last gelegt, daß sie an einer Menschenmenge teilgenoinmen habe, welche sich zusammen- gerottet hatte, um Gewalttätigkeiten zu begehen. Die Ange- klagte bestritt, daß sie bei dem Krawall zugegen gewesen sei. Sie sei, als sie vom Abliefern ihrer Arbeit nach Hause ging, am Morgensternschen Laden vorübergekommen, sie habe die zertrümmerten Scheiben und andere Spuren der vorauf- gegangenen Ausschreitungen gesehen, diese selbst aber seien längst vorbei und der Laden geschlossen gewesen. Erzählt habe sie zu anderen nur, was sie hier gesehen, aber njcht, daß sie dabeigewesen sei.— Zwei Verkäuferinnen aus dem Morgensternschen Ge- schäft, Klara Gartz und Marta Schröter, gaben als Zeuginnen an, sie hätten die Angeklagte ganz bestimmt in der lärmenden Menge gesehen, sie habe eine hohe Haar- frisur und Ohrgehänge getragen.— Dagegeu gaben fünf Zeuginnen an. sie hätten die Angeklagte kurz vor der Zeit, wo der Krawall stattgefunden habe, mit ungekämmten Haaren in ihrer Wohnung gesehen, wo sie mit der Fertig- stellung der abzuliefernden Arbeit beschäftigt gewesen sei. Unter Hinweis aus die Angaben der beiden Verkäufe- rinnen, wonach sich die Angeklagte durch lautes Schreien in der Menge hervorgetan haben soll, beantragte der Staats- a n w a l t eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht, beantragte Freisprechung, da man nach den Angaben der fünf Zeuginnen annehmen müsse, daß auf Seiten der beiden Verkäuferinnen eine Personalver- wcchselung vorliege. Aus diesen Gründen kam denn auch das Gericht zu einem freisprechenden Urteil. Beihilfe zur Fuhneuflucht. war zehn A Mitgliedern der Anarchistischen Föderation zur Last ge- legt, die sich deswegen, wie unsere Leser sich entsinnen werden, am 16. Februar vorigen Jahres vor dem Landgericht Berlin I zu verantlvorten hatten. Der fahnenflüchtige Soldat ist ein Geistes- kranker. Deshalb hat ihn das Militärgericht von der Anklage der Fahnenflucht freigesprochen, und er ist aus demselben Grunde vom Militär entlassen worden. Die Angaben des Geisteskranken ge- nügten aber der Staatsanivaltsckiaft, um ein Strafverfahren ein- zuleiten gegen zehn Personen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Elberfeld und Krefeld, bei denen der Fahnenflüchtige Zuflucht oder Rat zum weiteren Fortkommen gesucht§attc. Die Angeklagten wurden sämtlich freigesprochen. Bei sieben von ihnen hielt das Ge- richt nicht für erwiesen, daß sie wußten, sie hätten es mit einem Deserteur zu tun. In bezug auf die übrigen drei Angeklagten nahm das Gericht an, sie hätten dem Fahnenflüchtigen zwar Bei- Hilfe geleistet, aber nicht zu einer strafbaren Handlung, denn ein Geisteskranker könne keine Straftat begehen, also sei auch die Bei- Hilfe in diesem Falle keine strafbare Handlung. Aus diesem Grunde wurden auch die letzten drei Angeklagten freigesprochen. Die«-taatsamvaltschaft focht das Urteil durch Revision an und das Reichsgericht hob dasselbe auf, soweit es die erwähnten drei Angeklagten betrifft. Es sind dies die in Berlin wohnenden Buch- dinder Böttcher, Tapezierer Kielmrher und Fräulein Ludwig. Be- züglich dieser drei hat das Reichsgericht den Standpunkt eingemmr- wen, es müsse untersucht werden, ob sie sich des Versuchs der Bei- Hilfe zur Fahnenflucht schuldig gemocht haben. Ein solcher Versuch würde ein von der straflosen Handlung des Geisteskranken un- abhängiges selbständiges Delikt sein. Gestern sollte nun die erste Strafkammer des Landgerichts l feststellen, ob sich die Angeklagten eines strafbaren Versuchs zur Beihilfe bei einer nicht strafbaren Handlung schuldig gemacht haben. Aber diese juristische Aufgabe Wnrde noch nicht gelöst. Nack zwei- stündiger Verhandlung beantragte der Staatsanwalt die Ladung eines Richters, der bei dem ersten Prozeß mitgewirkt hatte. Durch dessen Zeugnis glaubt der Stvatsantvalt beweisen zu können, daß die Angeklagten im ersten Prozeß zugegeben hätten, dem Fahnen- flüchtigen linterkommen verschafft oder gewährt zu haben, lvährend sie jetzt andere Angaben machten.— Der Berteidiger, Rechtsanwalt Tr. Holpert, beantragte demgegenüber, falls nicht sofort Frei- sprechung erfolge, die Ladung anderer an dem Vorprozeß beteiligt gewesener Personen.- Tos Gericht gab diesen Anträgen statt nud vertagte die Verhandlung. Die Angelegenheit wird also in einem neuen Termin wieder in voller Breite aufgerollt werden. Eine Spihelsache vor Ger, cht. Eine kleine Spitzelgeschichte kam gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts Berlin I zur Verhandlung. Schaut- Wirt Thomac in der Hnssitenstr. 35 war wegen angeblicher Uebcr- tretung der Polizeistunde vom Schöffengericht Berlin-Mitte zu 3 M. Geldstrafe verurteilt ivordcn. Er legte Berufung ein, da er der Ueberzeugung war, daß er zu Unrecht verurteilt worden sei. In der Verhandlung bemerkte der Angeklagte: Er bestreite, die Polizeistunde übertreten zu haben. Um 11 Uhr abends sei nur noch ein Gast in seinem Lokal gewesen; diesem habe er bedeutet, daß Feierabend sei, daß ihn, mithin nichts mehr verabreicht werden könne und er das Lokal verlassen müsse. Der Gast habe ein- gelocndet: So genau werde es die Polizei nicht nehmen; er möchte noch schnell einen kleinen Kognak trinken. Er(Angeklagter) habe die Verabreichung des Kognaks abgelehnt, da ihm bekannt sei, daß die Polizei gegen' Schankwirte, die als Sozialdemokraten bekannt seien und bei denen Genossen verkehren, sehr scharf vorgehe. Sehr bald sei auch ein Kriminalbeamter im Lokal erschienen und habe ihn alsdann angezeigt, da der Gast trotz wiederholter Aufforderung noch immer im Lokal verweilt halie. Der als Zeuge geladene„Gast", Postbote Franz Becker, gab auf Befragen des Verteidigers, Rechtsanwalts Theodor Liebknecht, zu: Der Kriminalbeamte habe ihn ersucht, in das Thomaesche Lokal zu gehen und den Versuch' zu machen, ob der Wirt die Polizeistunde pünktlich einhalten werde. Ter Kriminalbeamte habe ihm gesagt: es sei ungemein schtver, bei sozialdemokratischen Parteilokalen eine derartige Feststellung zu treffen, da die Wirte gewöhnlich einwenden, es habe ein Berein oder eine Vorstands- sitzung bei ihnen getagt. Er(Zeuge) habe deshalb dem Kriminal- beamten gerne den Gefallen getan, ihm behilflich zu sein, eine etwaige Uebertretung der Polizeistunde festzustellen. Das Gericht erkannte nach sehr kurzer Beratung dem Antrage des Verteidigers entsprechend auf Aufhebung des schöffengericht- lichen Urteils, sprach den Angeklagten frei und legte die Kosten des BerfahrenS der Staatskasse auf. Der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Schwarzer, bemerkte in der Urteilsbegründung: Eine Uebertretung der Polizeistunde liegt in keiner Weise bor. Der Zeuge, der sich zu Spitzeldiensten Hergegrben hat, ist allerdings bemüht gewesen, den Angeklagten zur Uebertretung der Polizeistunde zu verleiten. Ein derartiges Verfahren ist vom moralischen Stand» punkt aufs schärfste zu verurteilen. Jedenfalls trifft dem An- geklagten keine Schuld; es war daher wie geschehen zu erkennen. Ein mißhandeltes Kind. Der Werkmeister Wildaner stand unter Anklage der Körper- Verletzung, begangen durch Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes an seiner zehnjährigen Tochter Erna. Diese hat sich seit der vor Jahren erfolgten Scheidung der Ehe des Angeklagten bei ihrer Mutter, der geschiedenen Frau Wildauer, aufgehalten. Nach dem Tode derselben mar dem Angeklagten, der sich inzwischen wieder verheiratet hatte, das Erziehungsrecht an seiner Tochter zugesprochen. Doch zwischen dem Vater und dem Kinde stand des Kindes Großmutter, die Mutter der geschiedenen Frau. Nach der Ehe- scheidung bestand ein feindseliges Verhältnis zwischen Wildauer auf der einen und der geschiedenen Frau und deren Mutter aus der anderen Seite. Als das Kind dann im Mai vorigen Jahres in den Haushalt ihres Vaters übergeführt wurde, zeigte sich, daß zwischen Vater und Kind kein gutes Verhältnis herrschte. Das .Kind war nicht so folgsam, wie es der Vater wünschte, es sehnte sich nach der Großmutter zurück, in deren Haushalt es mit der Mutter jahrelang gelebt hatte. Eines Tages fuhr Erna, statt in die Schule zu gehen, zur Großmutter und diese ging zum Gemeinde- waiseiuat, um über die Behandlung des Kindes durch den Vater Klage zu führen. Diese Klagen waren jedoch, wie sich der Waisen- rat später überzengt hatte, grundlos. Als Erna nach dem Besuch bei der Großmutter wieder zum Vater kam, nahm dieser wegen des Ausbleibens aus der Schule un� auch wegen vermeintlicher anderer Ungezogenheiten eine Züchtigung an dein Kinde vor, die mehr den Charakter einer groben Mißhandlung als den einer väterlichen Strafe gehabt haben soll. Wildaner warf die Kleine auf ein Bett und versetzte ihr mit einem Rohrstock 15 bis 26 Hiebe auf Gesäß und Schenkel. Die Hiebe ließen sichtbare Spuren zurück: B'aue Flecke, Beulen, Striemen, blutunterlaufene Stellen und einen blutenden Riß. Das Schöffengericht hat den Angeklagten freigesprochen. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft wurde die Sache gestern vor dem Landgericht III verhandelt und der vorstehend skizzierte Sachver- halt festgestellt. Ferner kam zur Sprache, daß die Kleine nach der Schöffengerichtsverhandlung von ihrem Vater geflüchtet ist und sich seitdem wieder bei der Großmutter aufhält, die ihr einen Pfleger in der Person des Pastors Pfeiffer besorgt hat. Auch in der Berufungsinstanz wurde der Angeklagte freige- sprachen mit der Begründung: Der Angeklagte habe Grund zur Züchtigung gehabt, das Kind habe keine Ursache gehabt, fortzulaufen, es sei auch vom Vater mchi schlecht behandelt worden, aber die Strafe sei zu schwer ausgefallen. Es könne jedoch nicht erwiesen werden, daß der Angeklagte nicht in der Absicht zu strafen, sondern nur in der Absicht, wehe zu tun, geschlagen habe. Aus diesem Grunde könne eine Bestrafung wegen Körperverletzung nicht er- folgen.___ Entführung der eigene« Kinder. Liebe zu ihren Kinder« gab die geschiedene Frau Franziska Bauland, geb. Kroll, als 3Koliv zu ihrer Hairdlungsweise an. die sie gestern unter der Anklage, ihre zwei unmündigen Kinder deren Vater durch List entführt zu haben, vor die 1. Strafkammei; des Landgerichts III führte. Die Angeklagte mar mit dem Schlosser Gustav Bauland verheiratet. Tic Ehe wurde Ende 1616 geschieden und beide Teile wurden als schuldiger Teil erklärt. Aus der Ebc stammen drei Kinder, eine Tochter und 2 Knaben im Alter von 12 und 8 Jahren; die letzteren waren bei dem Vater bzw. der Groß- mutier in Weißensce untergebracht. Die Angeklagte war nach Plauen i. V. übergesiedelt. AIS sie im August in geschäftlichen Angelegenheiten mehrere Tage in Berlin weilte, suchte sie der ältere Knabe wiederholt auf und bat sie, wie sie behauptet, tu- ständigst immer wieder, ihn mit nach Plauen zu nehmen, da er doch am liebsten bei semer Mama bleiben wolle. Die Angeklagte will dies wiederholt dem Jungen ausgeredet haben, dieser sei aber bei seineu Bitten geblieben und habe erklärt: wenn die Mama ihn nicht mitnähme, würde er so viel zusammensparen, daß er dann obnc ihren Willen eines Tages in Plauen erscheinen würde. Am 17- August, als sie wieder abreisen wollte, sei der ältere Sohn, der sich auf irgendeine Weise eine Schulabmeldung schon besorgt hatte, unt dem jüngeren Bruder wieder bei ihr erschienen und nun hätten bie beiden sie so dringend gebeten, sie mitzunehmen, daß ihre Mutterliebe über ihre Ueberlegung gesiegt und sie dazu bewogen habe, die Bitte ihrer Kinder zu erfüllen. Sic hat dann dem ge- schiedenen Ehemann in nicht sehr höflichen Worten angezeigt, daß s:e vre Kinder sich genommen habe und für ihre Erziehung sorgen werde. Der vernommene ältere Knabe bestätigte in seltener lieber- cinstimmung die Angaben der Mutier.— Ter Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagte nach der Novelle zum Strafgesetzbuch nur eine Geldstrafe in Höhe von 300 M. Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowiez hielt eine Freisprechung für angezeigt, da das Tat- bestandSmcrkmal der List fehle. Eventuell verdiene die Angeklagte, die doch nur aus Mutterliebe gehandelt habe, nur eine ganz ge- ringe Geldstrafe.— Das Gericht hielt alle Tatbestaiidsmerkmalc des§ 233 für gegeben und erkannte auf 56 M. Geldstrafe. Eine Adoptionsschwindlerin mußte sich gestern in der Person der früheren Hebamme Anner Hodam vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II verantworten. — Die Angeklagte ist eine der Polizei seit langem sehr bekannte Persönlichkeit, bei der sie als eine der bekanntesten„weisen Frauen" Berjins gilt. Erst kürzlich wurde sie von der Strafkammer wegen Perbrechens gegen den ij 218 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre verurteilt. Anscheinend brachten ihr derartige Dinge nicht genügend ein oder waren ihr vielleicht auch zu gefährlich, denn im vergangenen Jahre legte sie sich ans ein anderes Gewerbe, welches ihr ebenfalls verhältnismäßig mühelos einen größeren Gewinn brachte. Sie erließ in mehreren auswärtigen Zeitungen Inserate, nach denen sie als„ehemalige Hebamme" ein Kind„diskreter Geburt" gegen eine?ibfindnng von 10 000 M. an rechtschaffene Leute zu vergeben habe. Auf dieses Inserat hin meldeten sich etwa 100 Leute, die sämtlich die für die einzuholende Auskunft ver- langten 10 M. an die Angeklagte absandten, für die hiermit die ganze Sache erledigt mar. Als später gegen sie Anzeigen einliefen. zahlte sie schleunigst die einzelnen Beträge zurück mit dem Hin- weise, daß das Kind bereits anderweitig vergeben sei.— Das Schöffengericht verurteilte die Angeklagte wegen Betrüge? zu vier Monaten Gefängnis. Auf die eingelegte Berufung hin ermäßigte die Strafkammer die Strafe auf 3 Monate Gefängnis. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 26. Januar, vormittags 9 Uhr. Pappel-Allce 15/17, Neukölln:„Jdealpassagc", und Tegel: Schlieper- strotze.30: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frank- jurter Stratze 6: Vorwag von Herrn Dr. Bernstein:„Willenssreiheii".— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. v Marktpreise von Berlin am 23. Januar 1613, nach Ermittelungen des lönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte IS, 54 bis 19,60, mittel 19,42—19,48, geringe 19,30—19,36. Roggen, gut- Sorte 16,90—16,95, mittel— ,——, geringe—— ,—(ab Bahn). Futtergerste, gute Sorte 17,70—18,30, m-ttcl 17,00—17.60, geringe 16,40—16,90. Haser, gute Sorte 19,00—20,40, mittel 17,40—10,90(srci Wagen und ab Hahns. Marlthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen Zgßg— 50,00. Speiscbobnen, Meitze, 35.00—50,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleiuhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,60— 2,20.■ Kalbfleisch 1 ,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,10—3,00. 60 Stück Eier 4,60— 6,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1 40—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie IM— 3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,50—24,00. Wetterprognose für Sonnabend, den 23. Januar 1913. Ziemlich mild, veränderlich, vorwiegend trübe und nebelig mit wieder- holten Niederschlägen und mätzigen südwestlichen Winden. Berliner W et t e r b ur e a u. WasserstandS-Nachrichten d er Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e I, Jnftcrburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franlsiut Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Verdamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg ')-f bedeutet Wuchs.— Fall.— s) Unterpegel.— Eisstand. — 4) Oberhalb der Stadt Eisstand. Zopfe and Perücken Gegr. 1898 Haargeschiift Neukölln, Erkstr. 3 Der vollständige Ausverkauf aller Jnventurbestände bei Schlesinger erregt ungeheures Aussehen. Knabeujoppen 2 M. 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