N».Z3. Nbonnementz-vMzlZitM: Sbomiements- Preis driinumerands: «icrielj-ihrl. Z.N Mk.. monatl. ,,l0 M5. wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nuinmer 5 Psg. Sonnlags- nnnnner mit illuftricricr Sanntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pia. Post- Siboiliiemcnt: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Prclsiiste. Unter kireuzband liir Deutschland und Oesierreich- Ungarn 2 Marl, für das üörioe Ausland Z Mark pro Monat. PostavonnemenIS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Porluga!, Aumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. VIe TnfertionS'GebOty1 ktKZgt für die fcchsgesvaltene Kolonrk- gelle oder deren Raum 60 Psg.. für Volitifchc und gewerlschastliche Vereins- vnd Bersnnimlungs-An.zcigen 30 Piq. „Klefnt Hnitigeti", das jettgedruelie Wort 20 Pfg. szulässig llfettgedruSte Worte), jedes weitere Wort in Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenou- zeigen das erste Wort lv Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte übet 15 Buch- S laben zählen für zwei Worte. Anler ne ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioit ist bis 7 Uhr abends geossnet. QlchtIM lZgllch ZüLik MsotZgl Vevlinev VolKsblstt. Tentralorgan 6er fosialäemokratifcken Partei DeutscKlanäs. Telegramm-Adreff« �sÄi!ileii>s>ifZl»M»"' kUclakHion: 8 AI. 68, Linden Strasse 6g, Fernsprecher: Zlmt Moritsplnh. Nr. 1983. Dienstag, den Ä8. Januar 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 6g* Fernsprecher: Amt MoritsplnN. Nr. 1981. Zestnalmende Lasten. Während die Masse des Volkes aus nichts sinnt, als in friedlicher Kulturarbeit und ruhiger sozialer Eutwickelung ihr Los zu verbessern, während immer breitere Schichten aller Nationen von dem Gedanken durchdrungen werden, dasi der Krieg eine maßlose Bestialität ist, die endgültig der Ver- gaugenheit angehören sollte, sind kleine Schichten des Volkes, gewisse Handelskreise, die Interessenten der Kriegsindustrie und Berufsmilitaristen eifriger denn je am Werke, die nationale Zerklüftung immer mehr zu vertiefen und die mili- tärischen Lasten der Völker, die schon jetzt wahre Uusummeu verschlingen, immer wahnsinniger in die Höhe zu treiben. Dabei glaubt kein Mensch mehr an die alte Heuchlerphrase unserer Nüstungstreiber, daß alle Kriegsrüstungen ja nur dem Zwecke dienten, den Frieden zu erhalten. Die weltpolitischen Händler der letzten Jahre haben ja bewiesen, daß die Kriegsrüstungen nichts als ein Mittel sind, hin die internationalen Reibungen zu vermehren und Konflikte heraufzubeschwören. Nicht nur insofern, als ja das Wettrüsten, weil es in allen Lärdcrn als unerträgliche Bürde empfunden wird, den Chauvinismus natur gemäß verslhärsen muß, sondern auch dadurch, daß unsere Rüstungsfanatiker immer zynischer mit ihrer wahren Meinung hervorgetreten sind und gerade auch in Deutschland unzählige Male mit brutaler Offenherzigkeit erklärt haben: Wozu haben wir die unzähligen Milliarden im Wettrüsten angelegt, wozu haben wir die größte Armee des Kontinents und eine erst tlassige Flotte, wenn wir nicht auch die Nerven haben, im ersten besten Augenblick einmal dreinzuschlagcn! Die politisch geschulte Masse weiß ganz genau, daß jedes neue Bataillon, jedeS neue Kriegsschiff nicht eine neue Friedensbürgschaft dar stellt, wie man Gutgläubigen so lange vortäuschen wollte, sondern nur einen neuen Keil, der zwischen die Nationen ge trieben wird, um sie vollends voneinander zu trennen, bis endlich der Bau unserer Kultur auseinanderbirst und ein Völkerkrieg nichts als einen wüsten Trümmerhaufen zurückläßt. Niemals aber sind die Kriegsrüstungen in solcher Schnellig keit aufeinander gefolgt, niemals hat das Wettrüsten solch rasendes Tempo angenommen wie gegenwärtig, llnd Deutsch land ist den übrigen Nationen mit den schlechtesten Beispielen vorangegangen. Erst das Jahr 1911 beglückte das Volk mit jener Militärvorlage, die für die sechs Jahre 1912 bis 1917 141 Millionen Mark neuer Ausgaben erforderte. Das war aber für unseren Militarismus erst eine kleine Kost Probe, die seinen Appetit erst recht reizte. Daun im Jahre 1912 wurde dem Volke jene neue Kostenrechnung für den Land- und Waffer-Militarismus präsentiert, die sich aus nicht weniger als 650 Millionen Mark belief. Tie militärischen Lasten erfuhren also durch diese beiden einander jagenden Militärvorlagen für die nächsten sechs Jahre eine Steigerung von insgesamt 791 Millionen Mark oder für jedes Jahr eine Vermehrung um 132 Millionen Mark! Und jetzt im Jahre 1913 ist uns bereits wieder eine neue Heeres- und Luflflottenvorlage an- gekündigt worden, die jährlich eine neue Steigerung unserer Militärlasten um 100 Millionen Mark verlangen soll. Ter Militäretat würde damit für die nächsten Jahre gegenüber deni Jahre 1911 um rund eine Viertelmilliarde erhöht worden sein! Wie enorm aber schon jetzt die Militärausgaben sind, das haben wir erst vor wenigen Wochen auf Grund des neuen Reichsetats für das Jabr 1913 nachgewiesen. Wir stellten damals durch genaue Berechnungen, deren Richtigkeit bis heute auch nicht in einem Punkte angezweifelt zu werden ver- mochte, fest, daß sich die gesamten Ausgaben des Reiches für Geer, Marine, Lustflotte, Militarpensioneu und militärische Schuldenlasten auf mehr als 20W Millionen Mark sich be- laufen— wohl gemerkt, auf LOlX) Millionen in eine in einzigen Jahre! Wir haben damals nachgewiesen, daß diese Militärausgaben höher sind, als alle wirklichen Reichs- einnahmen zusammengenommen, so daß die lumpigen paar Dutzend Millionen, die das Reich auch noch für andere als militärische Zwecke verausgabt, nur dadurch gedeckt werden können, daß mau einmal die zur angeblichen Schulden. Deckung dienende Summe ihrem vorgeblichen Zwecke entzieht. und zweitens die Mehrerträge früherer Jahre zur Balanzie- rung des neuen Etats benutzt Trotz dieses unjaglichen Zu- standes unserer Reichsfinanzen hat die Regierung aber die Stirn, eine neue Militärvorlage anzukündigen, oie unsere ohnehin w unsinnig hohen Militärlasten abermals um 100 Millionen Mark pro Jahr iteiaeru wird! Wie betonten btteits, daß die große Masse des Volkes friedliebend ist. Sie will vou weltpolitischen Utopien nichts wissen, sie will weder Marokkos noch Adrianopels noch der Bagdadbahnaktionäre wegen auch mir die Knochen e' n e s Grenadiers zufckiaiiden geschossen haben! Sie will den Kampf um die Hebung der V o l k s w o h l f a h r t und der V o l k s f r e r h e i t fortsetzen, ohne daß ihr von Istvstk- lüsternen Kapuallsten und avancementslüsternen Militärs Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Sie seufzt schon heute devartig� unter der.Steuerauspliinderung zu- gunsien des Militarismus, daß sie auch nicht einen Pfennig neuer Rüstungsausgaben bewilligt sehen will. S Tie Regierung w e l v das. Aber die Regierung fühlt h nicht als Mandatar des Volkes, als Sachwalter der olksinte reffen, sondern als das Instrument der herrschenden Klaffe. Und da nicht einmal diese herrschende Klane in ihrer Mehrheit(obwohl sie doch überhaupt nur eine kleine Minder- heit der Nation bildet), sondern nur kleine Schichten dieser besitzenden Klasse sich für das tolle Weiterrüsten ins Zeug ge- legt haben, wäre es unbegreiflich, wie die Regierung dem Drängen dieser an Zahl so minimalen Elemente nachgeben könnte, wenn man nicht wüßte, welch unheimlichen und ge- meingefährlichen Einfluß gerade diese Schichten, die Ver- treter des anlagehungrigen Börsenkapitals, unsere unersätt- lichen Panzerplattenpatrioten und unsere abenteuerlustige Soldateska, auszuüben vermöchten. Aber dank ihres Person- lichen und diplomatischen Einflusses, dank ihrer Konnexionen in den einflußreichsteil Regierungskreisen, dank ihrer draufgängerischen Rührigkeit verstehen sie die Presse und die Oesentlichkrit mit wichem Lärm zu erfüllen, daß selbst be- dächtigere Elemente in der Regierung sich durch ihre un- verfrorenen Manöver täuschen lassen. Hinzu kommt freilich, und das ist das�Ungeheuerlichste, daß nicht nur die Regierung unter der Suggestion dieser Kreise steht, sondern auch die bürgerlichen Parteien. Da diese bürgerlichen Parteien ja keine ausgebreitete Organi- sation und vor allen Dingen keine demokratischen Vertretungs- svsteme besitzen, gelingt es stets den scharfmacherischen Drauf- gängern, den Einfluß an sich zu reißen. So kann die Re- gierung mit Recht annehmen, daß selbst ibre neuesten Rüstungspläne bei der Mehrheit aller bürgerlichen Parteien Unterstützilng finden werden. Die Konservativen fühlen sich von Hause aus identisch mit dem Offizierkorps, das in seiner Mehrheit ja ihren Kreisen entstammt. Tie Nationalliberalen sind nichts als die Vertreter jener industriellen Kreise, die für den Kanonen- und Panzerplatten-Patriotismus schwärmen. Das Zentrum aber hat sich der imperialistischen Politik mit Haut und Haaren verschrieben, um der Freuiidschaft der Re- gierung und der Konservativen nicht verlustig zu gehen. Es weiß, daß sein Einfluß mit dem Augenblick gebrochen wäre, wo der Wille des Volkes wirklich oberstes Gesetz würde. So- wohl seine agrarischen wie seine Verpfaffungsbestrebungen würden in einem Zeitalter der Kultur rettungslos der Ver- nichtung anheiinfallen. Deshalb ist das Zentrum, diese ch r i st l i ch e Partei, zur festesten Säule der Völrerverhetzung, der Rüstungs- und Knegspolitik geworden. Wohl stimmte es 1874. 1880 und 1887 gegen die Militärvorlogen, wohl enthielt es sich noch 1888 der Abstimmung, aber vou 1890 ab gehört es bei jeder Rüstungsvorlage zu den Jasagern. Ein einziges Mal noch, bei den Kolonialforderungen 1906, riskierte es ein Nein; aber die Wahrnehmung, daß der Liberalismus jeder- zeit gewillt ist, auch in militärischen Fragen in die Bresche zu springen und eine Mehrheit bilden zu helfen, trieb ihm den letzten Funken Oppositionsgeist aus. Das Zentrum geht setzt mit Rüstungsfanatikern und tneltpolitischen Abeiiteurern t/urch dick und dünn. Ihm, der christlichen Partei, ist der Krieg ebenso zu einem unvermeidlichen Bestandteil der „göttlichen" Weltordnung geworden, wie den anderen bürget- lichen Elementen, denen der Völkermord als das trefflichste Mittel der Bereicherung und der Befesstgung ihrer Klassen- ausbeiltungsherrsckfast ist! Und der Freisinn? Auch der war einmal oppositionell. Aber seit geraumem stimmt auch er für jede Heeres- und Blarmevorlage. Zwar hat der Freisinn noch am 30. März 1911 eine Resolution eingebracht, die vom Reichskanzler vor- langte, daß er seine Bereitwilligkeit zur Verhandlung er- klären solle, sobald von einer anderen Großmacht Vorschläge für eine gleichzeitige und gleichmäßige Begrenzung der R ü st u n g s a u s g a b e n gemacht würden— das war aber eine diplomatische Rückendeckung, die ihn nicht abhalten wird, auch der neuesten Heersvorlage seinen Segen zu erteilen! Es gähnt eben die ganze Kluft einer Weltan« s ch a u u n g zwischen den kapitalistischen Parteien und der vom Proletariat vertretenen s o z i a l i st i- schen Weltanschauung. Und je mehr das Prole- tariat an Kraft gewinnt, eine je größere Gefahr es für die Aii3bentu!igs„ordnung" unserer kapitalistischen Gesellschaft bildet, desto einiger werden sich alle b ü r g e r lichen Parteien in dem Bestreben sein, dem Moloch Militarismus immer unermeßlichere Opfer zu bringen und mit vollen Segeln in weltpolitische Konflikte hineinzusteuern. Solche Konflikte können zwar be, schlimmem Ausgang auch der kapitalistischen Gesellschaft schwere Wunden schlagen; aber die Furcht vor der Ausbreitung der sozialen Demokratie und vor der Ablösung der kapitalistischen Gesellschaft durch den Sozialismus ist doch nock) weitaus größer, als das Grauen vor dem unbekannten Schicksal, das ein Weltkrieg herausbeschwören könnte. Einzig das klassenbewußte Proletariat steht dem kata» strophalcn Wettrüsten mit unversöhnlicher Feinschast gegenüber. Es bildet die einzige Friedensgarantie. Nur sein Arm vermag den dem Abgrund zurollenden Wagen aufzn- halten. Kleinmütigen Geistern und zagen Phantasten mag das als verzweisclte Situation erscheinen. Dem kämpf- gestählten und kampffreudigen Proletariate selbst aber wird diese unerbittliche Tatsache kein Schrecknis fein. Denn in demselben Maße, wie sich der reaktionäre Verschweißungs- Prozeß aller bürgerlichen Parteien vollzieht, vollzieht sich auch die Organisierung und der geistige Läuterungsprozeß des Proletariats. Wohl sind die Militärausgaben seit dem Jähre 1872 von rund 300 Millionen Mark aus 2000 Millionen Mark jährlich im Jahre �913 gestiegen. Wohl hat sich in demselben Maßstabe auch die Last der Steuerausplünderung der Volksinassen vermehrt. Aber in noch stärkerem Maße hat das auch die Sammlung der proletarischen K l a s s e n k a m P f a r in e e beschleunigt. Wie klein war das Häuflein der sozialistischen Streiter, das sich in den siebziger Jahren ziisammengefiiiiden hatte, und wie gewaltig stehen heute bereits die sozialistischen Organisationen dal Mustert die deutsche Sozialdemokratie zurzeit doch weit mehr als eine Million politisch organisierter Parteiangehöriger, zählen doch die freien Gewerkschaften bereits mehr als 2.') Millionen Mitglieder. Und wenn wir die sozialistische und gewerkschaftliche Presse zusammenrechnen, so wird das pro-- letarische Evangeliiim bereits mehr als vier Millionen Abonnenten verkündet! Für uns natürlich sind das erst bescheidene Anfänge. Das Proletariat siebt erst am Anfang seiner Kämpfe! Zu den vorhandenen Millionen sozialistischer Klassenkämpfer müssen neue Millionen geschart werden! Und jeder ein- zelne dieser Kämpfer hat sich mit Kampfesmut und Opfer- sreudigkeit zu wappnen, um in den kommenden schweren Zeiten seinen Mann zu stehen für die Ideale des Proletariats, für das Kulturevangeliilm des Sozialismus! Hie imperialistischer Völkermord, hie proletarischer Be- sreiungskamps wird die Losung der Zukunft sein! Zn Erwartung der türkischen Rote. Die Antwort der neuen türkischen Machthaber wird für Mittwoch erwartet. Die Verzögerung erklärt sich aus dem Bedürfnis dcS neuen Regimes, Zeit zu gewinnen, um sich einigermaßen einzurichten; als äußerlicher Grund für die Verzögerung wird der Umstand angeführt, daß daS Ministerium deS Aeußern noch nicht definitiv besetzt sei— ein charakteristischer Umstand, der zeigt, welche Schlvierigkeiten die neue Regierung zu überwinden hat. In der internationalen Presse werden auch starke Zweifel an der Stabilität der neuen Re- gierung laut— auch der Drcibuudgenossc Italien stellt sich der Herrschaft der Jungtürken sehr feindselig gegenüber— und unsere Meinung, daß die Offiziersrevolte im Volke selbst wenig Widerhall findet, wird heute auch in einer Konstan- tiuopeler Korrespondenz der„Voss. Zeitung" bestätigt, in der es heißt: „Um die letzte» Vorgänge zu beurteilen, mutz man wissen, daß die siegreiche Revolution nur sehr geringen Anklang bei der Bevölkerung findet. Die Leute sind des aus- sichtölosen Kriegszustandes müde und haben sich durch das Votum der Nationalversammluog wie von einem Alb» d r u ck b e f r e i t gefühlt. NureinkleineSHäufleinex- altierterPersonen fühlt sich dadurch in seinem patriotischen Empfinden verletzt und will den Kampf unter allen Umständen fortsetzen, trotz der erschreckenden Leere der Staatskasse, trotz der ungenügenden Verprovianticrung der Truppen und der fütz kriegerische Operationen nicht eben gün- stizen WitterungSverhällnisse. Man darf ruhig be- Haupte», daß Enver Bey in diesem Falle ganz und gar nicht daS Gewissen der Nation vertritt und daß die Bewunderung, die er vorübergehend erregte, viel mehr seiner Verwegenheit als der Sache galt, für die er diese einsetzte." Aber gerade der rein militärische Charakter der neuen Regierung ist es. der die Friedensaussicht so schlecht gestaltet. Die Jungtürken bestehen darauf, Adrianopcl und die Aegäischeu Inseln, die größtenteils in der Gewalt Griechen- lands und Italiens sind, zu behaupten, und in diesem Sinne wird auch ihre Antwort an die Mächte gehalten sein. WaS dann. erfolgen Wird, ist noch ganz im Ungetvissen. Die Balkanstaaten sollen beschlossen haben, die Verhandlungen abzubrechen, falls die türkische Antloort die Abtretung Adria- uopels verweigere. Aber das ist zunächst eine der vielen Drohungen, deren Konsequenz, die Wiederaufnahme des Krieges, erst gezogen würde, falls die Verniittlungsattion der Mächte endgültig scheiterte. Aber hier machen sich trotz aller Be- mühlmgcn die Gegensätze zwischen Dreibund und Dreiverband wieder stärker geltend. Dazu kommt, daß die rumänische Regierung mit ausgesuchter Gewissenlosigkeit gerade die jetzige Situation dazu ausnutzt, um ihren Erpressungsversuch an Bulgarien dringender zu betreiben. Und darauf hoffen ja die Jungtürken, daß es ihnen gelingen wird, in Ausnutzung dieser Gegensätze das schon verlorene Spiel nochmals gewinnen zu können. Aber es ist ein Spiel mit dem europäischen Frieden, das da gespielt werden soll; denn ist erlt der Balkankrieg von neuem er- öffnet, dam, sind die Aussichten, ihn zu lokalisieren, schlechter als je. Deshalb lastet auf den Regierungen der Großmächte die schwerste Verantwortung und insbesondere die deutsche Regierung hat die Pflicht, unbekümmert um die Hetzereien eines Teils bei- bürgerlichen Presse, ruhig und besonnen mitzu- wirken, um den F r i e d e ir z u r e t t c n. Die Raltung der Mcdte. Cinc Erklärung der dcntschcn Regierung. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt:„Soweit' die neuen E r e i g n i s f e i n K o n st a n t i n o p e l von der europäischen Presse mit Ernst und Einsicht gewürdigt werden, tritt überall der Gedanke hervor, das Wichtigste für die weitere BeHand- lung der Orientwirren sei die Bewahrung der Einigkeit unter den Großmächteii und die Fortfetzimg ihrer ge- meiilfamen Arbeit zur Wiederherstellimg des Friedens. Dazu gehört vor allem das Festhalten an der bisher heobachteten Neutralität. Tatsächlich besteht kein Grund zu der A n n'a h m c, daß einzelne Mächte dcis Konzert verlassen w o l t en, um in die Entwickelung der Dinge im Orient nach eigenem Ermessen einzugreifen. Für ein gemeinsames Auftreten Europas kommen Z w a n g s m a ß r e g e l n gegen die Türkei.nicht in Frage. Sie würden mit den Grundsätzen der Neu- tralität nicht in Einklang stehen und könnten bedenkliche' Folgen haben. Es bleibt, im Interesse der Einigkeit unter den Großmächten, nur das Weitergehen auf dein Wege ge- in einsam er diplomatischer Einwirkung, um neue Feindseligkeiten zu verhüten oder, falls dies un- möglich, sie örtlich und zeitlich ein- zufchränkeil." Die Aussassung in Paris. Paris, 27. Januar.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Ter„Temps" meldet aus London, daß die Verbündeten den unverzüglichen Abbruch d e r V e r- Handlungen beschlossen haben. Die Note wird niorgen redigiert und am Mittwoch- oder Dienstagabend dem türki- scheu Delegierten übergeben werden. Ter russische Bot- schaftcr, Graf Benkendorsf, hatte gestern eine lange Unter- rednng mit G r e y, der die Notwendigkeit, eine isolierte Improvisation zu vermeiden, betonte. Aus K o>l st a n t i n o p e l meldet der„Temps", in Syrien und Armenien herrsche große Au s r e g u n g: in Konstantinopel selbst sei jeden Augenblick eine Gegen- revolution zu befürchten. Die Türken seien von der moralischen und materiellen Hilfe Deutschlands zu einem ehrenlmften Frieden überzeugt. In seinem Leitartikel meint das Blatt, trotz des Willens der Großmächte wäre eine Aufrollung der asiatischen Frage möglich. Bisher fei die Einigkeit aufrechterhalten geblieben. Die Situation würde sich aber ändern, wenn durch blutige Konflikte in einem türkische n Reichstcil tiner Regierung materielle oder moralische Berrmtwortungen auferlegt würden. Da die Türkei von der neuen Negierung nichts Günstiges zu erwarten hätte, sollten die Per- kündeten Geduld bewahren und nicht durch jähe Anfnahme der Feindseligkeiten Schwierigkeiten für Europa schaffen. Dies sollte die Botschafterkonferenz den Berbündeten zu verstehen geben. Geschieht dies mir der ge- uügenden Klarheit und Einigkeit, so kann gehofft werden, daß dies befolgt werde. Im anderen Falle freilich wi alles zu �befürchten. Die letzten Sätze sind offenbar auf die rufst- fchen Provokationsabsichten gemünzt. Ruhigere Auffassung in London. ''�'London, 27. Januat.(P ri v a t t e le g r a M m des „V o r w ä r t S") Iii unterrichteten Kreisen wird die Drohung der Balkan st aaten, die Verhandlungen abzubrechen. als Bluff bezeichnet. Es wird darauf hingewiesen, daß außer Bulgarien keiner der Balkanstaaten von der Wieder- aufnähme der Feindseligkeiten noch etwas zn hoffen hat und man glaubt nicht, daß Serbien und Montenegro viel Lust der- spüren, die Suppe zu essen, die Bulgarien allein eingebrockt hat. Im schlimmsten Falle dürste eS jedoch noch eine Weile danern, ehe der Waffenstillstand zu Ende kommen kann. Auch ist mit dem Druck zu rechnen, den die englische Regierung zweifelsohne auf die Verbündeten ausübt. �. „Times" schreiben heute, eins der Mittel, die Kriegs- gefnhr zu beschwören, sei, jedem möglichen Friedensstörer konsequent G e l d m itt e l abzuschlagen. Ein anderes Mittel sei, durch wohlüberlegte, doch feste Vorstellungen allen beteiligten Parteien M ä ß i g u n g aufzuerlegen. Augen- blicklich wären derartige Vorstellungen namentlich in Bukarest am Platz.. Rumäniens Drängen. Bukarest, 26. Januar. Da die bulgarische Regierung das Ausmaß der Rumänien zu gewährenden Konzessionen bisher amtlich in Bukarest noch nicht mitgeteilt hat, so ist der rumänische Gesandte in London, Mischu, beauftragt worden, dcni bulgarischen Delegierten Dancw mitzuteilen, daß die rumänische Regiming diese amtliche Mitteilung dringend erwarte. London, 27.' Januar. Wie das Reutersche Bureau er- fährt, sind die Besprechungen zwischen Dr. Danew und dem rumänischen Gesandten Misch n heute vormitiag wieder aufgenommen worden und werden nach einer .aus rumänischen Kreisen stammenden Mitteilung in freundschaftlicher Weise fortgesetzt. In rumäni- scheu Kreisen wird in Abrede gestellt, daß Rumänien bei der vorgeschlagenen Aenderung der Dobrudschagrenze Bali- s ch i k Und S i l i st r i a beansprucht. Die Stellung Rußlands. Petersburg, 23. Januar. Die halbamtliche„Rossija" schreibt: '„Ungeachtet der neuen Lage in Konstantinopel hat sich die Hal- tung der' Mächte gegenüber dem Balkänkricg, die in der der 'Pforte überreichten Kollektivnote zum Ausdruck gebracht wurde. nicht geändert. Die russische Regierung ist sich mehr ols je der Notwendigkeit bewußt, dem Kriege ein Ende zn mache«, und wird keine Mühe- scheuen, um dieses Ziel zn erreichen. Wir haben Grund zu der Zinnahme, daß ganz Europa einmütig dasselbe Ziel verfolgt. E» er- wartet von dem neuen türkischen Kabinett, das das Vertrauen der Mächte braucht, denselben vernünftigen, v gr sö n l'i che n Und mit den Lcbcnsinteressen der Türkei übereinstsmmenden Geist, dcw jüngst das Kabinett K i a m i l Pascha an den Tag legte, daS so unerwartet vom Schauplatz verschwunden ist. Die Drohung der ßalbanftaaten. London, 26. Januar. Wie das Reutersche Bureau er- fährt haben die Balkandelegierten ein Komitee eingesetzt, dem ein Vertreter jeder Delegation angehört, um ein Sckzreibeil aufzusetzen das der türkischen Mission zugestellt werden, soll. F» diesem Schreiben soll der türkischen Mission der Ae- jchllltz der Balkan delegierten, die Per- Handlung et;, ab zu brechest, mitgeleilt werden. Der Entwurf' der Note.wird morgen einer neuen Konferenz der Telcgich-ten vorgelegt werden, auf der auch der genaue Z e.i t p n n k t ihrer U e b e r r e i ch n n g. festgesetzt werden wird. Man weiß indessen noch nicht, ob die seit drei Wochen suspendierten Verhandlungen mit der Ueberreichung der Note ihr Ende erreicht haben werden oder ob noch ein kurzer Ze i t r a u m zwischen der Ueberreichung und dem Abbruch der Verhaiidlnngen liegen wird. Alle diese Einzelheiten werdcn morgen geregelt werden. Nach Ansicht der Ver- bündeten sind nicht sie es, die die Perhandlungen abbrechen; die Verantwortlichkeit für den Abbruch bleibe bei den Türken, da der Wechsel des Kabinetts und die ottomanischen Manifeste klar gezeigt hätten, daß die Antwort an die Mächte negativ ausfallen werde. Die serbische Ansicht. Belgrad, 2(3. Januar. Das Regisrungsorgan., Samou- prava" führt in Besprechung der Konstantinopeler Ereignisse aus: Es fragt sich, welche Richtung die weiteren Ereignisse auf dem Balkan nehmen werden und. welchen Einfluß der Staats- streich aus die allgemeine europäische Lage haben wird. Da das ' neue Kabinett einer dem klugen Rate der Großmächtie feindlichen Umwälzung seine Entstehung verdankt, müßte es.logischerweise die Note der Großmächte ablehnen. Bei der gegenwärtigen politischen Lage ist es schwer, die Absichten und politischen Kombinationen der neuen Regierung zu verstehen. Sicher aber ist, daß die Balkan st aaten von ihren Forderungen nicht zurücktreten werden. Im Bewußtsein seiner Stellung gegenüber der des Gegners wird der Balkanbund in seiner Haltung ausharren, um das Ziel, das er sich gesteckt, zu erreichen. Die türkifebe Hntwort. Konstantinopel, 26. Januar. Nach dcm� ersten Eindruck von den Ereignissen am Donnerstag hat S t a m b u l sein gewöhnliches Aussehen wieder angenommen. Es herrscht vollständige Ruhe.' Nichts läßt darauf schließen, daß sich Ereignisse von solcher Tragweite vor drei Tagen zu- getragen haben. Hakki Pascha hat das Portefeuille des Aeußcrn zurück- gewiesen. Prinz S a i d H a l i in soll bereit seim es zu über- nehmen. Seine Ernennung wird heute der Sanktiou des Sultans unterbreitet werden. Der Ministerrat berät über die Antwortnote an dieMächte, welche wahrscheinlich nach der endgültigen Ernennung eines Ministers des Aeußern überreicht werden wird. Nach einer Erklärung des Großwesirs wird die Note in versöhnlichem Tone gehalten sein, da die türkische Regierung wünscht, den Kontakt mit den Großmächten auf- rechtzuerhalten und weiter mit ihnen zu verhandeln.— Es wird versichert, daß die Z e i t n n g s- und D e- p e s ch e n z e n s u r, die bereits ein beträchtliche Abschwächnng erfahren hat, ganz aufgehoben werden soll.(?) Das Blatt „J f h a m", welches als zienilich unparteiisch gilt, warnt die Negierung, den Mächten eine abschlägige Ant- wort zu geben, denn mau dürfe nicht ans eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit zwischen dem Dreibunde und der Tripelentcnte rechnen. Das Blatt spricht von einer drohenden .Haltung der Tripelentente und meint, bevor die Türkei einen entscheidenden Sckstag führe, solle die Pforte den Mächten in mehr informatorischem Sinne antworten und Erklärungen über die Vorschläge und Versprechungen der � Mächte verlangen. Den Blattern zufolge hielten einflußreiche Mitglieder des j u n g t ü r k i s ch e n Komitees eine V e rs a mm-- lung ab, in welcher beschlossen wurde, daß Adrian opel und die Inseln des Archipels niemals abgetreten werden dürften. Borbereitungen zur Abreise. London, 27. Januar. Das Reutersche Bureau erfährt, daß Oberst I o st o f f, der militärische Ratgeber der blikganschen Mission morgen London verläßt, um sich nach Tschataldscba zu begeben. Die bulgarischen Delegierten erklären, die serbische Mission gebe morgen, die bulgarische Mittwoch und die griechische am Donnerstag ein Frühstück zu Ehren der andern Balkan- delegierten und die Veranstaltungen bezeichneten das Ende des Auscnthnltts der Delegierten in London. Erregung in Indien. London, 27. Januar. Das Reutersche Bureau meldet ans Calcutta: Die Musel m anen balten Versammlungen zu- gunsten- der jungtürlischen Partei ab und fassen Resolutionen, in denen sie die Wiederaufnahme des Krieges verlangen, und das grauenhafte Schweigen Europos und die Untätigkeit Englands gegenüber den bulgarischen Ueber- griffen verurteilen. Die fleilchpreiie steigen. Schon für den Dezember vorigen Jahres war ein erneutes An- steigen der Preise einzelner Fleischsorten auS den Ziffern der amt- lichen preußischen Statistik abzulesen, nachdem der Oktober und November einen ganz geringen Preisrückgang gebracht hatte. Die neuen Zahlen der»Statistischen Korrespondenz" für die Fleisch- preise in der ersten Hülste Januar dieses JahreS zeigen nun deutlich, daß die Flcischnot erneut im Steigen begriffen ist- Nur bei Rindfleisch blieben die Kleinhandelspreise gegenüber der zweiten Hälfte des Dezember auf der gleichen Höhe von t,8J M. für 1 Kilo. Dagegen erhöhte sich der Preis für Kalb- fleisch und Hammelfleisch um 3 Pf, für Schweinefleisch und Speck um 2 Pf. Diese Steigerung im Laufe einzs halben Monats ist außergewöhnlich groß. TaS wird noch deutlicher, wenn man die diesjährigen Preise mit denen vom Januar 1912 vergleicht. Man zahlte für ein Kilo in Pfennigen: 1912 ISIS wehr Rindfleisch... j 69 383 14 Kalbfleisch... 187 206 19 Hammelfleisch.. 169 19t 22 Schtveinefleisch. 146 185 39 Speck..... 169 217 48 Pferdefleisch.. 77 90 13 Gegenüber diesen Zahlen kann man nur die Tatsache unter- streichen, daß die TeuerungSiiiaßnahmen der Regierung völlig ver- sagt häbeni Anstatt aber die Bekämpfung neu und verstärkk in Angriff zu nehmen, zögert die Regierung sogar mit der Anwendung der bereits beschlossenen Maßregeln. Dabei lehren die bisher be- kannt gewordenen Ziffern der Viehzählung vom 1. Dezember 1912. daß überall ein starker Rückgang deS Viehbestandes stattgefunden hc>� Wenn da? Angebot nicht durch die erleichterte Einfuhr von Vieh und Fleisch wesentlich vermehrt wird, ist daher mit einem weiteren starken Steigen der Preise zn rechnen. Schon jetzt sind Schweinefleisch und Speck 40 bezw 45 Pf. pro Kilo teurer als im Januar 19l2, wo. mit Recht über Fleischnot geklagt wurde. Nach dem Rezept deS LändwirtschaflSminister» soll sich allerdings die Be- völlerunA daran gewöhnen, mehr Gesd für ihre Nahrung auszugeben. Die jetzigen Preise machen es aber der großen Masse des Volkes bis in den Bürgerstand hinein überhaupt, nn m ö g li ch, Fleisch zu ge« nießen- Das Volk muß hungern und die Regierung und die agrarischen Parteien tuen im Junkerinteresse nichts gegen daS Elend, das die Volksgesundheit untergräbt, �eit daS preußische Abgeordnetenhaus bei der Fleischteuerungsdebatte die Regierung zum untätigen Zuschauen ermahnte, stellt sich die Re- gierung zu allen Forderungen deS Volkes harthöriger als je. Auch in dieser Frage ist das Dreiklasscnhaus das ärgste Hemmnis. Die Landtagswähler werden das nicht bei den Neu« ivahlen vergessen._____ Das Schicßssi der engiiichen Wahirechtsvoriage. London, 23. Januar.(Eig. Ber.) Die Wahlrcchtsvorlage ist tot.' Der bestimmte Beschluß des Kabinetts, die Vorlage zurückzuziehen, liegt zwar noch nicht vor: aber jedermann ist es klar, daß es nutzlose Zeit- Verschwendung wäre, mit der Beratung einer Vorlage fort- zufahren, über der das Damoklesschwert des Einspruchs des Speakers schwebt. Es ist nämlich in letzter Stunde heraus- gekoinmen,.daß das Aufpfropfen des F r a u e.n st i m m r e ch t s auf die Vorlage gegen die Geschäftsordnung des Unterhauses verstößt, die nicht zuläßt, daß eine Vorlage iij der Komiteeberatung so einschneidend verändert wird, daß. sie einen ganz anderen Charakter als den ursprünglichen annimmt. Der Speaker hat sein Urteil darüber, ob die Annahme eines der Fraueiistinimrechts-Amendements die Vorlage nichtig mache, zwar noch nicht gefällt, aber aus den Aeußerimgen, die er letzten Donners- tag fallen ließ, kann man mit Bestimnithcit schließen, dgß die Einverleibung eines der Amendenients oder gewisser RegiertingS- amendements später seinen Einspruch hervorrufen wird. Sticht allein das Frauenstimmrecht bedroht das Schicksal der Vorlage. Der Einspruch deS Speakers würde auch erfolgen, wenn ein wichtiges Regierungsamendement angenommen würde, das dio sogenannten„Beschäftigungswähler" ausmerzen soll. Ursprung- lich stand in der Vorlage, daß jeder entweder dort, wo er wohnt, oder dort, wo er ein Geschäft hat, wählen könne. Nach näherer Prüfung kani die Regierung jedoch zur Ueberzeugung, daß diese zweifache Oualifikation zu unlauteren Wahlmanöveru führen könnte, weshalb die Vorlage im Komitee entsprechend verändert werden sollte. Der Regierung scheinen nur zwei Wege offen zu stehen. Entweder läßt sie es auf den Entscheib deS Sreakers an- komnicn und nimmt den Kampf mit dem Hüter der parla- mentarischen Tradition auf, oder sie läßt die Vorlage fallen und bringt eine neue ein. Aber beide Wege führen nirgends wohin. Durch den Kampf mit dem Speaker würde sie ihre Position nur schwächen und so viel Zeit verlieren, daß sie ihre Gesckiäfte bis zum nahen Endo der Legislatur- Periode nicht bewältigen könnte. Brächte sie eine Neue Vor- läge ein, so würde diese Vorlage nicht den Schlitz des Parla- mentsgesetzes genießen, da der Zeitrallm, der verstreichen muß, um eine Vorlage dem Vetorecht der Lords zu entziehen, von dem Tage der ersten Lesung an gerechnet wird. Unter diesen Uniständen wird sie es wohl vorziehen, die ganze ver- fahr.ene Wahlrechtsvorlago fallen zu lassen und mit der Vor- läge zur Abschaffung der Piuralwähler fortztlfahren. die die zweite Lesung hinter sich hat und die ihr ein vor kurzem mit einem Aemtchen belohnter Getreuer für den Fall warm ge- halten hat, baß der WahlrechtSvorlagc unterwegs ein Malheur passieren sollte. Man muß gestehen, daß die ganze Sache wie ein voraus- bestimmtes Manöver aussieht, um die Frauen zn prellen. Sollte sich unter der Horde der geriebenen Überale». Juristen. die die parlamentarische Prozedur wie ihre Westentasche kennen. nicht ein einziger gesunden haben, der den Einspruch des Speakers voraussah? Es scheint unglaublich. Hatte Herr Asquith, als er den Frauen das großmütige Versprechen gab. den eingetretenen Fäll gar im Auge? Weshalb war die Rc- gierung so sehr darauf erpicht, sich durch die Vorlage zur Ab- schaffung der Pluralwähler den Rücken zu decken? Die libe- ralen Blätter schieben die Schuld natürlich dem bösen Schicksal in die Schuhe, aber die Frauen behaupten mit vielem-Recht. daß dem Schicksal in dieser Affäre von gewisser Seite wert- volle Helferdicnste geleistet worden sind. Den meisten Libe- ralen wird die Entwickelung der Dinge nicht unangenehm sein. so traurige Gesichter sie auch machen mögen. Bietet sich doch in der nächsten Session jetzt eine treffliche Gelegenheit, die .Wahlrcchtsvorlage wieder einzubringen, die dann, von den Lords verworfen, bei den nächsten Parlamentswahlen eine gute Wahlparole liefern würde.' -- �-»....i«. * London, 27. Januar. Die W a h lr e ch t S b i ll ist zvrück gezogen worden. Bevor Premierminister Asquith den Entschluß der Regie- rung, die Wahlrcchtsbill fallen zu lassen, bekannt gab. ersuchte er den Sprecher, zu erklären, welcher der eingebrachten Abändc- rungsanträge zur Wahlrcchtsbill im Falle seiner Annahme den Charakter der Bill so gründlich ändern werde, daß es notwendig werden würde, eine neue Bill einzubringen. Der Sprecher wies in seiner Antwort darauf hin, daß drei alternative, das Frauenstimmrecht betreffende AbändcrungSanträge eingebracht worden seien, welche die gegenwärtige Wählerschaft um elf bezw. sechs bezw. anderthalb Millionen Frauen vermehren würden. Nach seiner, des Sprechers, Anficht, würde die Annahme jedes ein- z e l n e n dieser Abändcrungsanträge die Bill derartig verändern. daß sie zu einer neuen Bi ll werden und damit ihre. Zurück- zichung nötig sein würde. Daraufhin erklärte Asquith, daß unter diesen Umständen und angesichts der den Anhängern des Fraüenstimmrcchls gegebenen Zusicherungen die Regierung die Bill fallen lasse. Angesichts der' Entscheidung des Sprechers sei es. auch zwecklos, die Debatte über den Abänderungs- antrag Greys fortzusetzen. Als persönlicher Gegner des F r a u e n st i m m r e ch t s bedauere er. daß die Frage nicht zur Abstimmung gekommen sei, denn er habe dieser Abstimmung nie- mals mit Besorgnis entgegengesehen.(Beifall und Heiterkeit".) Da es unmöglich sei. führte Asquith weiter aus, über die das Frauenstimmrecht betreffenden AbänderungSanträge zu de- battiercn, habe die Regierung gemeint, daß sie gerechtcrweisc Mit der Verhandlung der anderen Bestimmungen der Bill nicht fort. fahren solle. Es bliebe daher noch die Frage übrig, was weiter zu geschehen habe.(Rufe von den Bänken der Opposition: Legen Sie die Frage den Wählern vwrl) Wenn auch die Regierung der Ansicht sei, fuhr Asquith fort, daß sie in der laufen- den Session keine weiteren Anträge in der Wahlrcchtsfrage stellen könne, so bedeute dicS doch nicht, daß sie die Absicht ausgebe, init der Wahlrechtsreform fortzufahren, falls und wenn immer sich die Gelegenheit dazu biete. Tie Negierung beabsichtige auch, die Frage des M i ßst a n de s d e r Pluralftiwmeu noch i» dxx j sich ihre Vertreter mit de» Führern der ausichlaggebende» biirgen'ichcn Parteien ins Benehmen, und gewisse Herren vom Zentrum, d»e einer Zukunft entgegen- plicken, sind zu den ikttimen Verhandlungen immer gern bereit. Ott fitldet die Aussprache ir.»ch echter DiploMatetisilte in, vertrauten und animierten Kreise eines Soupers statt. Da wird nun alles ab- gemacht, und wenn die Hez-»en am späten Abend wieder in ihre Automobile steigen, dann har der Herr Reichskanzler die Bewilligung schon so gut wie in der Tasch»?. Das Konterfei, daS die«Köln.. Korresp." von der Taktik der Zentrumsgrößen entwirft, stimmt bis ins kleinste. Bislang ist daS Zentrum noch»'ivi. jeder größeren Hceresvorlage nach diesem schönen Rezept ve rfahren und sie wird auch dies- mal unzweifelhaft die gleichen Pia de wandeln. Tie neue Konkurrent'.-Volksbersicherung. Am Sonnabend wurde die G ründung der Deutschen Volks- Versichenings-Aktieiigeiellschasl vollzog icu. Die neue Aktie, igesellschaft, die mit behördticher lliiterstiitzung uv l�r dem Beistand des Reich«- lanzlers in« Leben tritt, soll bekanntt. ck die von den Gewerkschaften und Genoffeuschanen der Arbeiter n aSgehcnde VolkSsürsorge von voruhemn lahmlegen. Man hofft dal uubcaueme Untcriiehmen der Arbeiter auf diese Weise zu vereitet'N. SO LcbeiisversicherungS- gese llschaflen haben«in Grundkapital»on 2 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, um die amtlich protezrierte neue VoliSversicheruiig zu finanzieren, deren Aufgabe sein soll;: �die in den Organisationen der Arbeiter, der Arbeiterinnen, der Ha»»werker, der Bauern, der kleinen Gewerbetreibende»„nd Angcstell.'en ruhenden Kräfte der Berbilligung und weitesten Verbreitung de» Volksversichttung dienst- bar zu machen". Die Satzung beschränkt dtzir Verzinsung des Aktie»- kapitalS aus i Proz. Diese Beschränkung, soll dadurch gesichert werden, daß die betreffende SatzungSvorschris'< nur mit Zustimmung de« Reichskanzlers abgeändert werden kann. Der Reichskanzler wird für diese Bolksversicherung einen Reichskoinm�ijar und einen Stellvertreter bestellen. Der Reichskommissar soll' darüber wachen, daß die Zweckbestimmung deS Unternehmet,« gesicheust bleibt. Er ist des- halb mit iveitgehenden Befugnissen ausgestattet. Im Anschluß an die Gründung lonftituicti« sich der Aufsicht«- rat. Zum Vorsitzeilden wurde SiaatSminister Dg. Graf y. P o f a- d v w L k y gewählt._ Tie schwarze JnternationakLI- . Die dem Trierer Bisckof Korum nahestehenden �PetruS-Blatter" vnngen jn chtet soeben erschienenen Nr. 17«ine Philippika gegen die herrscheude' mober.iiistische Richtmlg' nn JtatholiziSnUkZ. Es sji, erklärt her Verfasser, eine weitverbreitete Empfindmig, daß man sich in katholischen Kreisen«»ich t mehr so ehr l ich usnd o ffen" aussprechen dürfe, wie etwa vor zwanzig und dreißig Jahren. An einer anderen Stelle wird gesagt, daß die im. katho- tischen Lager bestehenden Gegensätze niemals beseitigt werden könnten.durch diktatorische Schlußruie und durch Verriifserkläruug der die Gegensätze Prüfenden, dir brulaler Vergewaltigung gleich- kommt." Zugleich beschäftigt sich der Verfasser, ein„Kämpe aus Windt- Horst« Zeiten", mit dem„Nationalismus, richtiger Uebernationalis- ilius". Er schreibt:, 4 „Daß unsere junge Generation, wie auch die alte, durch und durch deutsch ist, ist gut und begrüßenswert. Nicht begrüßensivert aber ist es, daß sie so„deutsch" geworden ist, daß sie in einzelne» Fällen Wahrheit und Gerechtigkeit gegenüber den nichtdeutschen Nationen vermissen läßt. Nicht begrüßenswert ist eS vor allem, wenn auch Kqthollken in der Theorie und noch mehr in der Praxi«, den Nationalismils über den Katholizismus stellen, wenn sie nur eine nationale Kultur, Literatur und Kunst anerkennen und wenn sie nicht begreisen, daß Radikalnatiottalismus und Katholizismus direkt unvereinbar sind, und daß der. wellumspannende katholische Gedanke hoch, selbst über dem berechliglen nationale» steht."_ Südafrikanisches Fleisch für das Militär. Der badische Schlachthofdirektor Haas sn Offenburg macht i» der„Allgem. Fleischerztg." einen durchaus annehmbaren Vorschlag zur Versorgung de« deutschen Heeres mit gutem Rindfleisch,' dessen Durchführung, wevn sie auch keine gründliche Abhilfx der jetzigen Fleischteuerung bietet, doch immerhin die Nachfrage auf dem deutschen Fleischmärkt um etwas vermindern würde. Er empfiehlt. nämlich, j das Deutsche Reich oder die Militärverwaltung möge im südwestafrikanischen Schutzgebiet einen modernen Schlacht- und Vieh- Hof mit Konservenfabrik errichten und die dort gewoimeiien Fleisch- Produkte zur Versorgung der deutschen Armee verwenden. Herr Haas begründet seinen Vorschlag in folgender Weise: „Durch die billigen Einkaufspreise der Schlachttiere würde eine solche Anlage sich in kurzer Zeit als sehr rentabel erlveisen. Der MtlilärfiskuS würde dadurch bei richtiger Ansbaiiung Millionen von Mark in seinen Ausgaben ersparen. Die Verproviantierung der Festungen und teilweise Verpflegung der Soldaten auch rn Friedenszeiten mit Kvnserpenfleisch könnte durchgeführt werden. Durch eine derartige Maßnahnzc würde in erster Linie die Kolonie Deutsch-Südwestafrika wirtschaftlich erstarken mid den von ihr er- hofften Nutzen für daS Mutterland erbriiigen. Zum anderen würden viele Millionen Mark, die jetzt für Fleisch ins. Ausland gehen, in deutschen Händen bleiben. Und endlich würde durch die reichliche Veriveudüiig von Büchsenfleisch der Fleischmärkt im In- lande entlastel." Der Vorschlag ist sicherlich annehmbar. Die südwestafrikanischen Farmer, die über die mangelnden Absatzgelegenheiten für ihre Rinder klagen, gewännen ein vorteilhaftes Absatzgebiet, und die Militär- Verwaltung kpnnte Millionen mi ihren ÄnSgaben für Fleisch sparen; aber die Herren Agrarier werden auS Gründen des Profit? allerlei gegen emi solche Maßnahme einzuwenden haben— und an ihrem Widerspruch ivird der. Vorschlag zweifellos scheitern! Tic Fleischer sind die Presse. Während die Fleischerpreffe sich sehr wenig rücksichtsvoll über die Konstunenlen äußert, die die Oeffnung der. Grenzen für die Flcischcinfuhr fordern, scheinen die Herren Fleischermeister selbst sehr empfindlich.. gegen jede Preffckritik zu sein.;Jn einer Sitzung der A l t o.u.a e r. Fteischeruimmg-war. über die Fleischt«>»Mng geiprochejiii worden. Die Berichte über diese Sitzung'scheinen aber den Fteischern nicht recht gefallen zu haben.. Ja einer späteren Versammlung be- schloß die Innung daher, hie Berfchterstäster' nur unter der BS- diiigung zuzulassen, daß die Berichterftaltung in einer Form erfolg«, die bei den Fleischermristern keinen Anstoß errege. Die Altonaer Tagespresse quittiert diese Unverschämtheit mit einem Verzicht auf die Berichterstattung über die Versamnilungen der ehrenwerten Innung,' TÄahlrechtskonflikt in Kovurg-Gotha. Der gemeinschaftliche Landtag für Koburg-Gotha sprach sich mit großer Mehrheit für die Einführung, de? direkten Wahlrechts mis. Nur die Konservative» stimmten gegen den Antrag der Versassungs- kommisfion die Regierung um alsbaldige Borlage einer ent- sprechenden Wahlreform zu ersuchen. Der Minister erklärte daraus namens der Regierung, daß sie einem solchen Antrage nicht ent- sprechen werde. Eher werde er, der Herr Minister, von seinem Posten weichen, als eine die Einführung des direlten Wahlrechts fordernde Vorlage einbringen.___ Tisziplinarverfahre« gegen den Bremer Volksschul- lchrcr Sonnemaun. In der seit' IV Monaten schwebenden DiSziplinaruntetsuchung gegen den Lehrer Somiemann ist jetzt die. Hauptverhondluiig aus den 10. Februar angesetzt, ivordett. Dem angeschuldigten Lehrer wird vorgeworfen, daß er in einigen Versanmilimgen der Arbeiter. jugend Reden gehalten habe, die mit seiner Stellung als Lehrer nicht zu vercilibaren sein sollen._ Ein Trama auf dem Lande nannte mit Recht der Genosse Hoffmann am Sonnabend im Ab- geordnetenhause die Behandlung der 18jährigen Dienstmagh in Asckpurwen in Ostpreußen. Dieselbe wurde nicht, wie es irrtümlich in unserem LanvtagSbericht heißt, 11 Tage, sondern 40 Tage lang ohne jede« gerichtliche Urteil in« Gesangnis geworfen, weil sie wegen schlechter Behandlung den Dienst verlassen hatte, obwohl das Gericht der Ansicht war. daß.der Fall besonders leicht lag" und daS deshalb nur aus einen Verweis erkannt hatte I Der ungarifcke Maklrecktsliampf. Budapest, 26. Januar. Der sozialdemokratische P a r t e i k o n g r e ß hat beschlossen, daß die Sozialdemokraten sich an den Wahlen nicht beteiligen sollen, falls der Entwurf zur Wahlresorm ohne Mitwirkung der Opposition zustande käme. Auch wird die Parteileitung ermächtigt, den Generalstreik a» einem vou ihr zu bestimmeuden Tage zu verfügen. Italien. Der Reformist Bonomi als Finanzministcr? Rom, 23. Januar.(Eig. Ber.) Mehrere italienische Zeitungen, an erster Stelle der„Avant!", haben seit einiger Zeit die Nachricht gebracht und auf ihr bestanden, daß Giolitti stch mit der Absicht trage, noch vor den Parlämentswahlen das Portefeuille des Ministeriums des Innern aufzugeben. Der Grund wäre plausibel genug. Giolitti ist 7V Jahre alt und man härf sich nicht wundern, wenn es ihm nachgerade zu viel wird,. Ministerpräsident zu sein und gleichzeitig die innere und die auswärtige Politik allein zu. leiten, wie er das heute tut. Der bisherige Finanzministcr Facta würde dieser Version zufolge. Minister des Innern werden, lvas den Vorteil hätte, die Wahlbündnisse mit den Klerikalen zu erleichtern, hei denen Facta lieb Kind ist. Giolitti, behielte die Präsident.. sdjoft ohne Mimsterportefeutlle..was in der italienischen Politik wiederholt vorgekommen ist.' Um aber l Kabmekt nicht einen allzuscharfen Ruck nach rechts zu(st ocn, was für die Mahlen nachteilig sein' könnte, würde man& �„Avancement' des antidemokratischen Facta dadurch ausgEi �chen, daß man den Refdrmisten Bonomi zum FinanzminM ,r'nncl'te:. �-3 kann sein, daß dies vorzeitige an die große Glocke hangen der Absichten Giolittis(vorausgesetzt, daß er wirklich diese Absichten hat), ihn von deren Verwirklichung ab�'ält. I�onvegen. Der Ministerwechfel. lshristiania, 23.. Januar.(Eig. Ber.). Das K onservative Ministerium B r a t h i e hat nunmehr bei Erössnung) de? neu- gewählte» Parlaments die Konsequenzen au« der Niet erläge bei den allgemeinen Wahlen gezogen. Es tritt von der Leitung der politischen Geschäfte des Landes zurück, gefolgt von d«z u Hohn der Gegner und beladen mit dem Fluch der eigenen Parteig) mosscn. Eine tölpelhaftere Politik als' die des jetzt zurückt« bendcn Ministeriumsjhat eine ftmservative Regierung wohl kaum i amtils gemacht. Eiu einziges Jahr der Mißgriffe und Miß A rfalge hat die konservative Herrschaft erschüttert. Von einer Major'1 täts- Partei kehren die Konservativen in das neue Storthing als �.eine hoffnungslose Mjnderheit zurück, der"Nichts üt rig bleibt als den Liberalen das Heft auszuliefern. Der augenblicklt erkrankte G u n n a r K n u d s e n hat vom Könige den Austrch g erhalten, die neue Regierung zu bilden. Damit kehren die Liberalen wieder zur Macht zurück. Man würde indes einen groben Fehler begehen, wollte man diese». Wechsel, in. den Ministerposien gleich als einen Systemwechsel an- sprechen. Als in Dänemark tue Konservativen vor mehr als einem Jahrzehnt mit ihrem Latein zu Ende waren, trat ein Systemwechscl ein. Auch in' Schweden' bereitete sich vor i)h Jahren etwas ähn- liches vor, obgleich es einstweilen' noch fraglich ist, ob für die Ar- beiterklasse etwas dabei herauskommen wird. In Norwegen ist von einem S.y st e m w echsel zurzeit kaum die Red e. � Die Liberalen nehmen zwar eine gewisse O p p o s i t i o n s- st e l l u N g z» der g r o ß k a p i t a l i st i s ch e n Politik der Konservativen ein. Aber sie sind auf dem Gebiete der S o- zialreform weder zuverlässiger noch weitblickender als ihre konservativen Gegner, und. in der Rüstungsfrage sind sie ebenso bereit, dem Militarismus die Millionen in den weiten Rachen zu werfen. Das Ministerium Knudsen wird nun in den nächsten Tagen sich dem Parlament vorstellen. Ob mit einem Programm, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich wird man sich mit dem Fortwiursteln begnügen- ftlsrokko. Neue Kampfe. ■' Mogador, 26. Januar. Eine Harka der Anflu? ist gestern noch heftigem Artilleriekampf, dem ein Sturmangriff folgte, zurückgeworfen worden.' Die Marokkaner hatten starke Verluste; auf französischer Seite sind mehrere Soldaten gefallen und etwa zwanzig verwundet worden. Paris» 27. Januar. Ueber den Kampf mit den Anslus vim 25. Januar wird noch gemeldet, daß die Kasbah diese? Stammes von den Franzosen eingenommen wurde. Die Anslus flüchteten nach heftigem Widerstände und ließen in der Feste große Lebens- nMehporräie. �Waffen und Munition und sogar Werkzeuge zur saMtt ÄünM' zurück. Die Verluste der Franzäfen betrugen sieben Tote und sicbcnuuddrcißig Verwundete, unter den letzteren drei Offiziere. Hus der Partei« Dir neue„Humanit?". Am Sonnabend ist das Zentralorgan unserer französischen Bruderpartei zum erstenmal sechsseitig herausgekommen. Damit ist der erste große Schritt zum Ausbau der„Humanitö" getan. Wenn das Ver- sprechen,.das die Leitung der„Humanste" gegeben hatte, so rasch erfüllt werden kounte, so liegt das daran, daß eine von ihr aus- geschriebene Anleihe von 200 vvv Fr. innerhalb 6 Monaten überzeichnet wurde. Schon die Ankündigung der Vergrößerung des Blattes hat bewirkt, daß das Blatt in der letzten Zeit mehrere Tausend neue Abonnenten erhalten hat. Der gesamte RedaklionS- dienst hat eine Reorganisation erfahren. Die„Humanitü" beschäftigt nun im ganzen 28 Redakteure. Außerdem arbeiten eine große ?lnzahl von bekannten Genossen, wie Sembat, Bracke, Maurice Allard, Dubreuilh, Eachin, de Prössensö regelmäßig mit. Die Gesamsteitung behält Jaurö«, der täglich eine kurze Uebersicht schreibt. Um der Neuorgailisation auch äußerlich Anödruck zu verleihen, ist die„Humanste" vor wenigen Tagen auS ihrem bisherigen, etwas dürftigen Lokal in der Rue Croissant in stattlichere Räume, die in der Rue Montmartre 142 liegen, umgezogen. polireUicbes, Ocrlcbtiichcs ulw. Abgewiesen. Tie recht zweifelhaften Erfolge verschiedener Polizeibehörden gegen den Arbeilerturnerbund haben auch der Polizei in Hau- n o ver sch- Münden keine Ruhe gelassen; sie wollte partout auch den Mündener Verein Freie Turnerschaft für politisch erklären lassen. Erst wurden das VereinSstalut und daS Mitgliederverzeichni« ein- gefordert, ünd al« der Vorstand dieses ungesetzliche Berlange» ab- lehnte, erging ein Strafmandat in Höhe von 15 M. Dem Ver- leidiger loar es aber ein Leichtes, die Beiveiösühruna der Polizei zunichte zu machen, und so kam denn auch da? Schöffengericht zu einer Freisprechung. Legen öle Cuttbariteltsfteuer. Eine große Temonstrationsversammlung gegen die Lustbar-. keitssteuer, wie sie vom Berliner Magistrat und den bürgerlichen Stadtverordneten geplant wird, fand Montagnachmittag im Reich«- Hallen-Theater statt. Sie war von mindestens 1000 Angestellten der Varietö-Thcater, der Berliner Musiker, der Künstler und Konzrrtagenten und privater Artisten-Vereinigungen besucht. Es sprach zuerst in einem sehr scharf'mit Witz und Gründlichkeit ver- sehenen Referat der Vorsitzende de? ArtistenvcrbandeZ, Herr Konorah. Nach ihm kamen die Vorsitzenden bezw. Vertreter der einzelnen Verbände zum Wort. Sie waren alle mit dem Ne- ferenten einmütig in der schärfsten Verurteilung der n e u e n' A u f l a g c d c r L u st b a r k e i t S st e u e r. Tie Stadt- verordnete«, die sämtlich, besonders soweit sie im Ausschuß, der hierfür eingesetzt ist. eingeladen waren, glänzten bis auf ein Mit- giied der sozialdemolratischen Fraktion, den Genossen Grun- Wold, durch Abwesenheit- Genosse Gr unwald vertrat dann, nachdem Referent und Vcrbändler zu Worte gekommen waren, den Standpunkt, den die sozialdemokratische Fraktion in dieser Frage einnimmt, er befürworte!� eine energische und rücksichtslose Agitation und Organisation gegen die geplante Steuer und fand für diese seine Auffassung und seine Propaganda den großen Bei- fall der Versammlung. Zum Schluß wurde eine entsprechende Re- soiution..angenommen, in der die Steuer al? volksfeindlich, un« sozial und bevifSfeintzlich gebrgndmarlt wird. 6 �wcrkrchaftlicbes. Die Vertn.�s Verhandlungen im Rotsgewerbe w rden wieder aufgenommen I Ccit d�r ,t 1)5. Januar, an welchen: Tage die Unternehmer durch ihr f jw j)tC Arbeiter unannehmbares. Ultimatum die Aerhaiwlur.gcn zum Scheitern gebracht haben, ist in beiden Lagern nr it der unabwendbaren Tatsache des Kampfes am le>. Febru nr gerechnet worden. Es soll nun aber nochmals der Verj? ich gemacht werden, die Verhandlungen fortzusetzen, und zw ar hat Herr».Berlepsch, der im Jahre 1908 schon e jnmal mit ziemlichem Erfolge im Holzgewerbe als Vcrmct tler und Schiedsrichter gewirkt hat, hierzu die Initiative Lrgriii en. Auf eine Anfrage des Herrn».Berlepsch an beids Parteren, ob unter seiner Leitung eine weitere Vor- harF lluug stattfinden könne, ist von den Arbeitern sowohl Wuz von den Unternehmern eine zusagende Antwort erteilt l»�' rden. Das hat dazu geführt, dag die Parteien durch Hk /rrn». Verl e p s ch zur Fortsetzung der Verhandlungen sp x den 3. Februar eingeladen worden sind.— Ob sich dabei i.bcr die zwischen den beiderseitigen Organisationen bestehenden grundsätzlichen Streitpunkte eher als bisher eine Einigung wird erzielen lassen, muf; abgcivartet werden. In den materiellen Fragen ist noch nicht die geringste Annäherung zu verzeichnen, und wenn die Unternehmer der einzelnen Orte sich nicht dazu bequemen, den Arbeitern Entgegenkommen zu zeigen, werden leider auch die Bemühungen unparteiischer Vermittler den Ausbruch des Kampfes nicht zu verhindern vermögen. Berlin und elmzegend. Zuö Bewegung im Ftieseulegergcwerbe. Ditz streikmden Fliesenleger und Hilfsarbeiter setzten gestern in gutbesprhter Versammlung die am Sonnabend abgebrochbne Debatte über Annahme oder Ablehnung der llnterncbmervorsibläge fori. Eine Anzahl Diskussionsredner kritisierte mit scharfen Worten das VerHaKen der Unternehmer. Auch imirde wieder betont, die Arbeit, nur dmm auszunehmen, wenn sofort eine Lohn- erhöbyng von 2 Pf. pro Stunde bewilligt würde. Die Streitenden würden sich aber in ihrer Mehrzahl schließlich mit den materiellen Zugeständnissen zufrieden geben, wenn die Uilteniehincr ibren Stand- pimktz bezüglich des Fahrgeldes sowie des Endtermines des ab- zuschsließendeu Tarises ändern würden. Stege mann stellte am SchitUtz der Diskussion verschiedene Irrtümer richtig. Er sowie Bergmann ersuchten bei der Abstimmung genau zu erwägen, wa-I im Interesse der Allgemeinheit das beste sei. Werde beschlossen, den. Kampfs weiter zu führen,� so müsse man sich vergegenwärtigen, daß er in verschärftem Maße zu führen seü Zu den persönlichen Opfern, die wohl jeder einzelne ge-cn auf sich genommen habe, würden sich in der Zukunft rtf ite schwerere gesellen. Daher sei es notwendig, daß jeder nach vollster Ueberzeugnng seine Stimme abgebe. An der nunmehr folgenden geheimen A b st i m m u n g be- heiligten sich 623 Streikende, wobei allerdings bemerkt werden muß, 'daß die Zahl der kontrollierten Streitenden ganz erheblich höber ist, an der Abstimmung also nicht alle Streikenden beiciligt sind. 271 der abgegebenen Stimmzettel lauteten auf nein, S1 auf j a, während ein Zettel weiß war. Durch diese Abstimmung sind die Vorschläge der Unternehmer abgelehnt und der Streik muß fortgesetzt werden.— Die Streikleitung forderte noch auf. die Bewegung mit der gleichen Energie als bisher weiterzuführen. Verschiedene bürgerliche Blätter waren nur der Berichterstatmng über ' die Streikbewegung wieder einmal recht voreilig. Das„Berl. Tgbl." und andere Zeimngen brachten Notizen, nach denen die zwischen den Parteien gevflogenen Verhandlungen von Erfolg gewesen seien. Auch wird berichtet, daß der Ausstand beendet fei. Diese Nach- richten sind jedenfalls von interessierten Unternehmern in die Presse lanciert worden, um die Ocffentlichkeit zu täuschen. Falls die Unter- nehmer ihren Standpunkt nicht ändern, denken die Streikenden nicht daran, die Arbeit wieder auszunehmen. Deutlcdcs Reich. Die Arbeitsverhältnisse der Bauarbeiter auf Helgoland. Auf der Insel Helgoland werden Millionen für Befestigungswerke verwendet. Die verschiedensten Hoch- und Tiefbaufirmen sind seit Jahren mit Hunderten von Arbeitern bei diesem Befestigungswerke tätig. Die Arbeiten werden von sogenannten fliegenden Firmen ausgeführt, die die Arbeiter am stärksten ausnutzen. Das kann nun auf Helgoland besonders geschehen, weil dort ein Stamm eingesessener Arbeiter fehlt, dem daran liegt, daß wenigstens keine Verschlechterungen der Lohn- und vor allem' der Arbeitsbedingungen eintritt. Auf Helgoland sind nur Zugereiste beschäftigt. Ist schon die allgemeine Lage der Bauarbeiter auf Helgoland keine rosige, so ist sie bei der Tiefbauffrma H a g e m a n n- Harburg besonders schlecht. Diese Firma zahlt für Arbeiter 50 und für Gesellen 65 Pf. Stundenlohn, während mit den übrigen Firmen ein Vertragslohn für Arbeiter von 65 Ps. und für Gesellen von S0 Ps. vereinbart ist. Die Firma Hagemann hat es seinerzeit ab- gelehnt, den bestehenden Tarifvertrag für sich als verbindlich anzn- erkennen. Um die niedrigen Löhne der Firma Hage mann recht zu würdigen, muß beachlet werden, daß die Miels- und Lebens- mittelpreise besonders hoch sind. Unterwirft sich der Arbeiter aber nicht bedingungslos den Anordnungen der Firma und ihrer Vertreter, dann wird er nicht nur entlassen, sondern er kommt auch noch aus die schwarze Liste. Die Firma hat die Arbeiter sogar in Baracken untergebracht, die ans Anordnung der Polizei geschlossen werden mußten. Erd- und Bauarbeiter werden davor gewarnt, sich für die Tief- bauarbeiten auf Helgoland und ganz besonders für die Firma H a g e m a n n, Harburg, anwerben zu lassen; Hagemanit sucht in allen Gauen Deutschlands Arbeiter. Der Streik der Steinarbeitcr in der Südhannoverschen Basalt- steinindustrie, der ebenso schnell, wie er entstanden war, wieder be- endet war, scheint von neuem auszubrechen. Bei der Lobnzahluug am Sonnabend war es mit dem Frieden schon wieder vorbei, den» die meisten Arbeiter protestierten gegen die Verkürzung der alten Alkordsütze und erklärten, daß sie am Montag die Arbeit nicht wieder aufnehmen würden, wenn die alten Akkordsätze nicht Weiler gezahlt würden. Zur Aufklärung darüber. weLhalb den Arbeitern ein Abzug an den bisher gezahlten Akkordsätzen gemacht worden ist, erklären die von dein Streik betroffenen Firmen Hermann Wegen er und S. Sander Söhne, beide in Hannover, folgendes: .Das Bohren und Sprengen des Materials lag bisher mit im Akkord der Arbeiter. Dadurch, daß die Firmen nun Bohr- Maschinen aufgestellt haben, fällt das Bohren für die Arbeiier fort und sie können daher diese Arbeit auch nicht bezahlt er- halten, da ja die Maschinen den Firmen auch Verzinsung und Amortisation und BetriebSuukosten verursachen. Die Arbeiter wollen sich aber mir der Einführung der Bohrnraschuien absolut nicht einverstanden erklären und behaupten, daß sie ihnen nur Schaden brächten, und daß Sprenglöcher, die mit der Maschine gebohrt sind, längst nicht die Wirkung hätten und auch nicht ent- sprechendes Material brächten als die Sprenglöcher, die sie früher selbst gebohrt haben. Diese Behauptung entspricht ober nicht den Tatsachen. Die Dinge liegen Hzielniehr ganz anders. Lei einer gestern abend vorgenommcnsn Sprengung wurde folgendes Resultat erzielt: Mittels der elektrisch betriebenen Bobrinaschinen wurden fünf Lohrlöcker gebohrt und sämtliche fünf Schüsse wurden auf einmal elektrisch abgeschossen. Hierdurch wurden in einem Moment über "veräntwTRedäst.: Alfred Wieletzp. Neukölln. Inseratenteil verantw. ZOO Kubikmeter Steine koSgekost. Solche guten Resultate sind bei früheren Sprengungen der Arbeiter mit'Bohrlöchern von Hand niemals erzielt worden. Allein darin, daß mehr Material los- gelöst wird, und die Arbeiter es schneller, beauemer und in größerer Menge erhalten als früher, liegt der Vorteil für die Arbeiter, da die fertig bearbeiteten Pflastersteine pro Kubikmeter bezablt werden. Allerdings koste: eine solche Sprengung, wie sie gestern borgenommeu wurde, vielmebr als früher, nämlich rund 200 Mark. Nur darum, daß den Arbeitern ohne ihre Mühe mehr Material gelietert wird, den Firmen aber dadurch größere Unkosten entstehen, hielten sie es für angebracht und für gereckt, einen kleinen Teil von dem bisher gezahlten Akkord ab- ziehen. Würde aber der bisherige Akkord bestehen bleiben, dann lvürden die Firmen nur Schaden von der Einführung der kost- spieligen Maschinen haben. Die Arbeiter würden aber einen solchen Vorteil durch die Maschinen haben, daß es den Firmen nicht möglich lväre, den Lohn zu bezahlen, den die Arbeiter aus Grund des alten Akkordes zu fordern hätten. Es kann aber jetzt jeder Arbeiter bei geringerer Mühe als bisher mindestens denselben Lohn wie früher erzielen, da durch die Maschinen erheblich mehr Material zur Verarbeitung geschafft wird. Sollren die Arbeiter aus ihrem Standpunkre verharren, so sind die Firmen gewillt, ihre Betriebe ruhen zu lassen oder nach Möglichkeil andere Arbeiter einzustellen." Aus alledem geht hervor, daß sich jetzt auch in der Stein- Industrie, wie früher schon in so vielen anderen Industrien, ein Kampf der Arbeiter gegen den„eisernen Kollegen" abspielt. Ein Blick hinter die Kulissen. In der Automobilsabrik von E. N a ck e in Coswig in Sachsen war am 5. Mai v. I. ein Streik ausgebrochen, der mit seltener Heftigkeit geführt wurde und der Firma N a ck e ungeheure Opfer kostete. Um nun seine lieben Arbeitstvilligen an den Betrieb zu fesseln, ließ N. ein Plakat mit folgendem Inhalt am schwarzen Breit der Fabrik anschlagen: „Die Streikunterstützung, welche ich vom Deutschen Industrie- schutzverbaiid erhalte, werde ich seinerzeit mit denjenigen, welche in meiner Fabrik während des Streiks gearbeitet habe, teilen, derart, daß ich von dieser Hälfte ein Viertel den Meistern und drei Viertel den Gehilfen austeilen lasse, sobald die Gesellschaft den Betrag mir nach Beendigung des Streikes ausgezahlt hat." Dieses Versprechen hat N. später auch noch in einem Flugblatt wiederholt. Vor dem Gewerbegericht Meißen-Land, welches für Coswig mit zuständig ist, sollte nun am 25. Januar d. I. in einer Klagesache gegen die Firma Nacks ein junger Mensch, der während des Streiks der Firma als Nausreißer gedient hatte, die Erklärung abgeben, daß er auf alle weiteren Ansprüche an die Firma verzichte. Darauf ging er aber nicht ein, sondern wies ans das von N. bei Ausbruch des vorjährigen Streiks abgegebene Versprechen hin, das bis heute noch nicht eingelöst worden sei; er wolle den Anspruch an die event. noch zur Auszahlung gelangende.Streikunter- stützluig" nicht aufgeben. Hierzu erklärte der Vertreter der Beklagten, daß Naike vom Jndustrieverband selbst noch nichts er- halten habe und infolgedessen auch noch nichts habe auszahlen können. Der damalige Streik wurde am 20. Juni v. I. beendet. Also über ein halbes Jahr nach seiner Beendigung ist die Firma immer noch nicht im Besitz derVer- bandsunter st ützung, auf die sie wahrscheinlich schon vor seinem Ausbruche rechnete. DaS läßt auf argen Dalles in der Kasse des Schutzverbandes schließen. Mit dem„Schutz", den er seinen Mitgliedern zu gewähren verspricht, dürfte es somit nicht weit her sein und es wird wohl so mancher Unternehmer, der im Vertrauen aus den in Aussicht sichenden„Schutz" seine Arbeiter wegen einer geringfügigen Lohnforderung in den Streik treibt, eine Enttäuschung erleben!_ Tie sozialdemokratische Koalitionsfreiheit. Bei der Hetze, die die Scharfmacher augenblicklich besonders stark gegen das Koalition-recht treiben, wird der bürgerlichen Presse eine Meldung aus Frankfurt a. M. über Beeinträchtigung der Koalitionsfreiheit durch Gewerkschafter willkommen sein. Läßt sich doch die„Köln. Ztg." in ihrer Nummer 90 vom 24. Januar unter der Ueberschrijt, die wir dieser Notiz vorangestellt haben, schon in zwei ausführlichen Telegrammen über das„unerhörte Verbrechen", das Angehörige der freien Gewerkschaften gegen einen Nattonal- Getverkscha irler begangen haben sollen, berichten. Der Fall bat die Oeffentlichkeir schon einmal beschäftigt. Im Monat November vorigen Jahres legten einige Zimmerer bei einem Frank- surter Baugesch'äst die Arbeit nieder, weil sie mit einem Kameraden nicht zusammen arbeiten wollten. Die Mitglieder des Zimmerer- Verbandes warfen ihm u. a. vor, Stteitbruch begangen zu haben; als Polier auf einer anderen Arbeitsstelle hat er übermäßig an- getrieben und das Ueberstundenwesen gefördert und gegen den Verband gearbeitet. Die früheren Arbeitgeber entließen R u p p sso heißt der Mann), um die anderen Zimmerer zur Weiter- arbeit zu bewegen. Aus diesem Lorgang machte» im No- vember die Forichrittler einen Terrorismusfall der Sozial- demokraten, den sie in ihrer Agitation bei den Stadtverordneten- wählen, die damals in Frankfurt a. M. geführt wurden, breit und entstellt behandelten. Auch in der Stadtverordnetenversammlung wurde in zwei Sitzungen ausführlich der„Fall R u p p" behandelt. Die Stadlverwallung wurde veranlaßt, eine Untersuchung vorzu- nehmen, wozu den Grund die Tatsache bot, daß in Frankfurt a. M. Arbeiten der Stadl nur an solche Unternehmer vergeben werden sollen, die das KoalitionSrechl der Arbeiter anerkennen. Die Untersuchung ergab— das muß zunächst festgehalten werden—, daß nur der Bauführer die Behauptung ausstellte, die Zimmerer hätten wegen der politischen Agitation Rupps nicht mit ihm zusammen arbeiten wollen. Dieser Bekundung eines Mannes standen die Aussagen von 10 Zimmerern gegenüber, daß die Weigerung des Zusanuncnarbeitens nur auf das Verhalten gegen die Gewerkschaft zurückzuführen sei und daß in den ganzen Verhandlungen die an- gebliche politische Agitation Rupps mit keinem Worte erwähnt sei, weil sie den Kameraden gar nicht bekannt war. Es ist direkt das Gegenteil der Tatsachen, wenn die„Kölnische Zeitung" in ihrem Bericht behauptet, daß die sozialdemolratischen Stadtverordneten bei den Debatten im Stadtvarlament die Mitglieder des Zimmerer- Verbandes preisgegeben hätten. Sie konnten und haben mit guten Gründen, auch unter Berufung auf Brentano, das Recht der Gewerkschafter verteidigt, nicht mit jedem Kollegen zusammen arbeiten zu wollen. Wenn jetzt auch Zimmerer bei der Firma Holzmann, die Nupp eingestellt hm, die Arbeit niedergelegt haben, um nicht mit diesem zusammen zu arbeiten, so nehmen sie nicht mehr für sich in Anspruch als die Angehörigen anderer Berufe auch tun. Diesen Standpunkt haben die Vertreter des Verbandes auch in der SchlichtnngSkommijsion vertrete» und sie haben die Mitwirkung bei der Sitzung des Schiedsgerichts, dessen Entscheidung der Arbeitgeberverband angerufen hat. abgelehnt. Sie behaupten mir Recht, daß das Verhalten ihrer Kameraden keinen Verstoß gegen den Tarifvertrag bedeute und daß sonach von einer Sperre deS Verbandes gegen die Firma Holz mann nicht die Rede sein könne. Die anderen Arbeilerbeisiger des Schiedsgerichts, die Vertreter des Bauarbeiierverbandes und der christlichen Organisation, erkannten den Standpunkt der Vertreter des Zimmererverbandes als berechtigt an und lehnten ihre Beteiligung an der Schiedsgenchtsverhandlung ebenialls ab. Wenn trotzdem das Schiedsgericht, das nur aus dem Borsitzenden des Gewerbegerichts und dem Vertreter der llnternehmerverbände bestanden hat, den Zimniererverband zur Aushebung der gar nicht angeordneten s p e r r e verurteilt hat, so ist dasein Fehlspruch. Mit der Beeiulrächtigung der Koalitionsfreiheit durch die Zimmerer ist es alm nichts. Sie weigern sied inwl, mit R u p p ' zu arbeiten, weil er Milglied des Hirsch-Dunckerschen Verbandes ist, i rh.Gi«ke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstah sondern weiker gegen die Interessen der Arbeiter mehr als einmal gefreveli hat. Eine Ardcitsloscnzählung haben auch dieses Jahr im Januar die Gewerkschaften in der Stadt Gotha vorgenommen. Es wurde folgendes Resultat ermittelt: Gauznrbeitsloje 102(gegen 140 im Vorjahr), 93 männliche, 4 weibliche." 59 Personen waren verheiratet und hatten 91 Kinder zu ernähren. Weiter kamen 20 Nichtvoll- beschäftigte<11 Verheiratete) mit 17 Kindern in Betraft und durch Krankheit ertverbslos waren 23 Personen. Das sind inklusive der Ehegalten und Kinder über 300 Personen, die kein Einkommen aus Arbeitsverdienst zu verzehren haben und zum allergrößten Teil in elender Lage sich befinden. Zehn von den Arbeitslosen waren schon länger als ein Jahr ohne Beschäftigung; sie beziehen kleine „Renten" aus Unfall-, Alters- und Invalidenversicherung. Infolge der milden Witterung ist dieses Jahr die Etendsziffer nicht um vieles größer, ober für eine Stadt mit 40000 Einwohnern immer noch groß genug. Daß eS auch im allgemeinen eine viel größere Arbeftslosigleit in Gotha und Umgegend gibt, beweisen zwei Stichproben aus den Mitteilungen des städtischen Arbeitsnachiveises: In der Woche vom 12. bis 18. Oktober 1912 haben da um Arbeit nachgefragt 40? Personen. von denen aber nur 35 neue Stellen erhalten konnten, da unter den 138 offenen Stellen keine passenden vorhanden waren. Aehnlich war eS in der Woche vom 18. bis 24. Januar d. I. Von 6Z offenen Stellen konnten 25(mit 12 männlichen und 13 weiblichen Personen) besetzt werden, während sich 333 arbeitslose Personen (276 männliche und 107 weibliche) als arbeitslos gemeldet hatten! Junge Leute und insbesondere weibliches Personal werden Haupt» sächlich bei dem städtischen Nachweis verlangt. Ein anderer außer dem landwirtschaftlichen Arbeitsnachweis besteht jedoch nicht in Gotha, weshalb die Gewerkschaften sich mit�dem Gedanken der Er» ricktung eines eigenen Nachweises tragen. Schließlich gibt die aus- genommene Statistik auch Ansichluß über das Alter der Betroffenen und die W o h n u n g s v e r h ä l r» i s s e. Unter 30 Jahre all sind 51, von 30 bis 60 Jahre 46, zwei Arbeitslose waren schon 80 Jahre alt. In Schlafstelle waren 12 Personen: von I bis 3 Räume be- ivohnten die Mehrzahl der Befragten. Mietpreise: 72 bis 360 Mark pro Jahr. Ekusland. Ter österreichische Metallarbeiterverbanb, die größte ösicr» reichische Gewerkschaft, hat, trotz Kriegsgefahr und sonstiger Nöten, nach Beendigung der Krisenjahre wieder einen ansehnlichen Auisticg zu verzeichnen. Vom 1. Januar bis 30. November stieg die Mit» gliederzahl von 56121 auf 61 300. Der Zuwachs um 5179 kommt zum größten Teil auf das Gebiet von W i e n, das mit 38 300 volle Fünfachtel des gesamten Mitglicderstandes zählt. Im Hauptuidu» striegebiete, den Sudetenländcrn, wurde die Entwickebung noch immer durch den tschechischen Separatismus gehemmt, den: das internationale Bankkapital, das dort herrscht, zu hohem Danie verpflichtet ist. Doch stieg der Mitgliedersiand in Teutschböhmen von 4368 ans 5178, und selbst im tschechischen Gebiete Böhmens von 834 aus 981, in Mähren und Schlesien von 3855 aus 4280.— Tie Einnahmen betrugen 1 318 000, die Ausgaben 1 282 500, das Vcr» mögen stieg aus 1 155 300 Kronen. 555 000 Kronen wurden für Unterstützung, 36000 Kronen für B i l d u ng s zwecke, 250 000 Kronen für die vier Fachblätter(deutsch, polnisch. tschechisch und italienisch) ausgegeben. Tie Ausgaben sür Lohn» kämpfe betrugen 172 800 Kronen.Dabei war ein Stomps in der Nesselsdorfcr Waggonfabrik, der von den Separatisten begonnen war. aber, als sie sich völlig unfähig gezeigt hatten, von den Zentral» verbänden zu Ende geführt werden mußte. Insgesamt zählte man Streiks in 170 Betrieben mit 6932 Beteiligten, Aussparrungen in 14 Betrieben(1449) und Lohnbewegungen ohne Kampf in 563 Betrieben(26 876): zusammen 752 Betriebe und 35 254 Arbeiter. Tie T a r i f b e w c g u n g ist in stetem Wachsen. Ende 1912 waren 390 Verträge für rund 80 000 Arbeiter in Kraft. In wenigen Wochen soll in Wien sür viele Zehntausend«, darunter 45 000 Metallarbeiter, die Entscheidung über die ArbeitSbedintfung«» fallen.— In der Metallindustrie gibt eS noch drei weitere Zcnt raiverbände(Gießereiarbeiter, Goldschmiede usw.. Maschinisten) mit rund 12 OOO Mitgliedern und rund 316 000 Krön« Einnahmen._ Tic russischen Arbeiter und der Balkankrieg. Der Aufruf des Internationalen Gewerkschaftssekretariats über die Unterstützung der Gewerkschaften in den Balkanstaaten hat in Petersburg regen Widerball gesunden. Es ist beschlossen, zu diesem Zweck Sammlungen in den Fabriken zu veranstalten und den Ar- heitern der Balkanstaaten die Mitteilung zu senden, daß die russischen 'Arbeiter, aus eigener Erfahrung mit den schweren Folgen der Ver- nichlung der Gewerkschaftsorganisationcn vertraut, die Unterstützung der Gewerkschaften in den Balkansiaaten als ihre ureigenste Pflicht, als die Pflicht der gesamten Arbeiterklasse betrachten. Aus demselben Anlasse wurde auf einer Rtosienversammlung der Arbeiter in einem Petersburger Bezirk eine Resolution angenommen. die die Unterstützung der Arbeiterorganisationen am Balkan auch deshalb empfiehlt, weil dieser Akt der Arbeitersckudarität gleichbedeutend ist mit einem Protest der Arbeiter gegen den Balkankrieg. Hetzte Nachrichten. Kompromistncigung in der Fyagc Adrianopels. Konstantinopcl, 27. Januar.(P. ck) Man ist hier in der �-rage Adrianopels zu einem Kompromiß geneigt, das sich im wc- scntlichcn im Rahmen des Ncutralisiepungsvorschlages Sir Edwarh Greys bewegt. Ter Widerstand der Pchorte wird in diesem Moment nicht zuletzt durch die Verschärfung de:: Beziehungen z>visctias von China„bedrängte" Land anzunehmem Allerdings er- Slärte Herr Ssasonow am 26. April v. I. in der Duma, von «einem Protektorat über die Mongolei könne nicht die Rede lein, da es für Rußland nur eine Last bedeuten werde. Unter- »es aber hat die russische Diplomatie Vorkehrungen getroffen, die das unter chinesischer Souveränität stehende Land völlig von Rußland abhängig nwchen und es ans eine Stufe stellen kM't den mittelasiatischen„Schutzstaaten" Cbiwa und Buchara. Rußland hat bereits, obgleich der größte Teil der mongolischen Fürsten den Pakt zwischen den Kreaturen Rußlands und der russischen Regierung nicht anerkennt und zu China hält, die nichtigsten Städte mit seinem Truppen besetzt, die Bildung einer mongolischen Armee begonnen, die Zivilvenvaltung an sich gerissen und bei dem offiziellen Empfang der mongoli- scheu Scnddrgesandtschaft in Petersburg die Existenz'der „autonomen" Mongolei öffentlich anerkannt. Als vor etwa zehn Jahren derselbe russische Agent Djordschief, der jetzt die mongolische Gesandtschaft führte, an der Spitze einer tibe- ta irischen Gesandtschaft in Petersburg eintraf, betrachtete Eng- land dies als eine Verletzung der chinesischen Obcrhoheits- rechte, iind entsandte eine Expedition nach Tibet, um deu Sonde, bestrebnngeu des Dalai-Lama, des geistlichen Oberhauptes des Laudes ein Ende zu setzen. Nun aber, wo der von Rußland gekaufte Hutuchtu, das geistliche Oberhaupt zweier mongolischer Stämme, denselben Schritt unternimmt, setzt es sich, um die Existenz der Entente mit Rußland aus- recht zu erhalten, über den russischen Rechtsbruch gegenüber China ebenso hinweg, wie über die russische Raubwirtschaft im Norden Persiens. Hier wie dort opfert England die Interessen seiner asiatischen Politik und seines Handels den immer zunehmenden Ansprüchen seines Enten lege nassen' Ruß- land, allerdings nicht ohne cntsprecheiA>: Kompensationen' in seinen Einflußsphären einzuheimsen. Das jetzt von Rußland au sich gerissene Gebiet, das einen Flächenraum von iy2 Millionen englische Quadratmeilen umfaßt, schließt die Kette der wtzt unter russischem Einfluß stehenden Länder, die sich längster sibirischen Grenze vom Paunrplateau bis zur Mandschurei hinzieht. Tic Provinz Iii grenzt an das rnssische Semiretscheniskgebiet und ist stratc- giich wie wirtschaftlich am wichtigsten. Der mittlere Teil der Mongolei, das eigenlliche Ehalcha, wird vom Süden und Süd- osten von der Wüste Gobi begrenzt, der östliche Teil, die Pro- vmz Ehailar, gebt schon zur Mandschurei über. Tie Grenzen des neuen russischen Schutzgebietes liegen vorläufig noch uickft fest. Sie hängen einerseits ab von den Ansprüchen,'die Japan außer der Mandschurei auch in der Mongolei stellen wird, andererseits von dem Machtbereich der sogenannten mongo- tischen! Regierung, die vorläufig nur über ein Zehntel des gowaltigei, Gebietes verfügt. Trotz dieser Einschränkungen' wird das Ucbereinkominen Rußlands init dein Hutuchtu wohl als Waffe zur Unterwerfung der gesamten äußeren Mongolei angeuxmdet tverden, da Ehina, innerlich noch nicht gefestigt und durch wüste Strecken von der Mongolei getrennt, vor- läufig kauiu imstande sein wird, dem Eindringen'der russischen „Protektoren" Einhalt zn gebieten, die auch den ihnen fvmd- lich gegenüberstehenden mongolischen Stämmen ihren„Schutz" aufzwingen werden. Die Handhabe hierzu bietet ihnen das Abkommen, das am 21. Oktober(3. November) 1912 vom ehemaligen russischen Gesandten in Peking Korostowez mit einigen mongolischen Fürsten abgeschlossen, und ain 26. Dezember auf Befehl des Zaren von, Senat veröffentlicht worden ist. Obgleich das Abkommen, wie erwähnt, nur mit einem kleinen Teil der mongokkschen Häuptlinge gegen den Willen der großen Mehr- heit getroffen wurde, beginnt der Vertrag mit dem Hinweis ans den„im ganzen Volke zum Ausdruck gelangten Wunsche", sich von China selbständig zu inachen, den Hutuchtu als Ober- Haupt anzuerkenneu und zu Rußland in Beziehungen zu treten. In dem Vertrag selbst übernimmt die russische Regie- ruug, die mit solcher VirkuoKät die Autonomie Finnlands vernichtet und mit Füßen tritt, die Verpflichtung, die Autonomie der Mongolei zu schützen, und ihr vor den Ansprüchen Chinas beizustehen. Deutlicher noch kommt das russische Pro- tekrorat in 17 Artikeln des Protokolls über die Rechte der russischen Untertanen in der Mongolei zum Ausdruck. Ohne daß den Mongolen gleiche Rechte in Rußland gewährt tverden, räumt dieses Protokoll den russischen Untertanen nicht nur das Recht auf zollfreien Handel ein, es liefert ihnen auch die ninfangreicheu Ländereieu, die Forsten und die reichen Natur- schätze des Landes aus. Die russische Regierung darf nach Gutdünken Konsulate einsetzen, Truppen ins Land bringen, Faktoreim einrichten usw. Verhandlungen mit dem Aus- lande, also auch mit Ehina, finden stets über Petersburg statt. Russische Untertanen genießen das Recht der Exterri- torialität und unterstehen dem Gedichte des russischen Kon- suis oder Konsulatsvertreters. Wie ans diesen Stichproben hervorgeht, erwirbt die russische Regierung nicht nur alle poli- kleines femUetoir Wovon leben die Orchester? Solche Frage erscheint auf den ersten Blick recht überflüssig. Man wird aber schnell eines besseren belehit, loenn man ein- wirtlich befriedigende Antwort geben soll. Vergegenwärtige man sich doch einmal, welche ungeheure Ausdehnung der moderne Musilbetrieb genommen hat. In ollen Cafes, größeren Restaurants usw. spielen große und kleine Kapellen. Fast in jeder größeren Kneipe sinden täglich musikalische Abendmiterhaltungen siatl. Wohl in keinem Haushalt besser Situierter. die doch Haupt- sächlich als Konzerlbesucher in Betracht kommen, fehlt ein Klavier. Für die Befriedigung des Musilbedürsiiisses ist also reichlich Gelegenheit geboten. lind dennoch sinden in jedem Winter z. B. in Berlin rund 6000 öffentliche Konzerte. GciangS- und Kammermusikabende statt. Weiter ist es kein Ge- hcimniS, daß der größere Prozentsatz der Besucher dieser Ver- unstoltungen über Freikarten verfügt. Wovon leben nun eigentlich die Beranstalter dieser Konzerte? UnS liegen� Angaben vor über die finanziellen Verhältnisse eines der größten und bekanntesten Berliner Sinfonieorchester. Eine Subvention von der Stadt, wie sie z. B. das Philharmonische Orchester erhält, um Ivährend des ganzen Jahres billige Bolls- und Sinfoniekonzcrte zu veranstalten, bezieht es nicht. ES ist zu seiner Existenz also völlig auf die Einnahme aus eigenen Konzerten " tzltfiiionatlich während seines Berliner Winteraufenthaltes gibt das Orchester ein großes Sinfoniekonzert unter Heranziehung eines bekannten Dirigenten von Ruf und erstklassiger Solisten. Der Dirigent erhält für seine Mühewaltung 1000 M. pro Konzert, die Solisten in, Durchschnitt zusammen 800 M. Ferner wird da« Orchester, i,, dem für gewöhnlich nur 75 Musiker tatig sind, meist um'20—25 Künstler verstärkt, die zusammen eswa 500 M. erhalten. Die Reklame durch Anschläge an den Lltfatziaulen erfordert eine »nsgabe von rund 150 M. vorsichtig gerechnet. Addieren wir nun alle du Kosten, so eraibt sich sür das Sinfoniekonzert eme Ausgabe- iunime von 2450 M. Sjicriu müssen nun nock, die laufenden Unkosten pro Tag gezählt werden.' Diese betragen rund 850 M. für Besoldungen fc« Orchesteraugeste lllen. Beleuchtung und Miete de--iwnsertsaales usw. «so kostet ein Sinfonieabend zunächst 3350 M.- Der dem Orchester zur Verfügung stehende Saal faß» rund 1500 Personen. Nehmen «vir»u» den günstige,, Fall an der aber nur alle Jubel, ahre em- «nal eintritt,'ämtliche Billetts seien ,u einem durchlchmttltcken Preise von 2�50 M. pro Stück verausgabt worden, so ergäbe sich daraus eine Emnabme von 5750 8» Dem Orchester verbleibt alw zunächst e.n Bruitoüberschuß von 400 M. Hiervon aber müssen sehr oft«och bis zu 200 M. und mehr Tantiemen für aufgesuhrte Werke nock lebender oder nicht schon vor 30 Jahren verstorbener Aon'.ponrstea gezahlt werden. Diese besonderen Unkosten erhöhen sich nicht selten noch um 500 Mark und mehr, wenn bei der Aus- sübrung von Oratorien und Chorwerken ein gemieteter Chor mrt- wirkte. Wird da« alles berücksichtigt, so sieht man leicht ein. da« dein Orchester ans der Veraiistaltung eines SinsoniekonzerteS in den «leifteir Fallen em'"�r oder mmder großes Defizit erwächst. D.e popu ar-u«°"ntagskonzerle bei kleinen Preisen decken gewöhnlich die Unlostcn. Aeußerst profitabel werden sie dagegen sür das Orchester, wenn sie sogenannte Gastdirigenten leiten. Diese erhalten, zumal wenn sie m der musikalischen Welt noch keinen Ramen haben, von der Orchesterverwaltung»sich« cm(R Pfennig 1 Honorar, müssen vielmehr bis zu 2000 M. sür jedes Konzert be- zahlen, das sie dirigierten. Wahre Goldgruben für daS Orchester sind die Solisten- begleitungSkonzerte. Der Ehrgeiz von Sängern und Birruosen beiderlei Geschlechts drängt sie danach, in Berlin, der Zentrale des deutschen und auch iirternationalen Musiklebens, ein Konzert mit Begleitung der hier bestehenden großen Orchester ge- geben zu haben. DaS ist für ihr späteres erfolgreiches Fortkommen von größter Bedeutung, ja sogar direkle Notwendigkeit. Kein Wunder, daß sich die großen Konzertinstitute diese Zwangslage zunutze machen und von den Solisten für ihre Mitwirkung bei Konzerten ungeheure Summen verlangen. 1000 M. sind da das mindeste, was sie bezahlen müssen. Und da solche Begleitungskonzerte fast jeden Wochentagabend stattsindei», kann man leicht berechnen, welche Summen den Orchestern daraus zufließen. Ziehen wir nun die Schlußbilanz, so kommen wir zu dem ge- wiß merkwürdigen Ergebnis, daß die großen Privatorchester auf keinen Fall existieren können von den Veranstaltungen, die sie in eigener Regie treffen. Vielmehr leben sie von den enormen Beträgen, die ihnen Gastdirigenten und Solisten zahlen müssen für die Ehre, mit ihue» konzertieren zu dürfen. Das ist eine bedenkliche Erscheinung, ein Krebsschaden des heutigen Musikwesens, der aber im Wesen unserer kapitalistischen GesellschastSordnung begründet ist. Es werden ja keine Konzerte veranstaltet, um daS Mufikbedürsnis des Volkes zu befriedigen, um der wahren Kunst Dienerin und Förderin zu sein, nein, nur um Profite zu machen. Die Musik ist heute wie alles andere ein Gegen- stand von Handelsgeschästen. Wer über genügend Geld verfügt, ein großes Orchester zu bezahlen, der bekommt eS für seine Zwecke zur Verfügung gestellt. Arme Künstler dagegen, und wären sie noch so genial, müssen zusehen, wie sie ohne Orchester fertig werden und wenn sie darüber zugrunde gingen. ES ist wahrhastig kein Wunder, daß unser moderner Musilbetrieb unter solchen Zuständen mehr und mehr verflacht. Theater. König!. Schauspielhaus:„W i e s e Ich e n", Lustspiel von Leo Lenz. DaS königl. Schauspielhaus, das seine Abhängig- keit vom Hose durch konsequenten Boykott alles dessen, was in den letzte» Jahrzehnten irgendwie künstlerisch bedeutsam geschaffen wurde, manifestiert, pflegt, da eS ganz ohne Novitäten nun einmal nicht geht, sein Publikum im Laufe der Saison durch einige zeitlose Kindlichkeiten zu erfreuen. Wer verkramtes Spielzeug aus dein Winkel vorholt, um eS aufzulackieren und als neue Ware�feilzu- bieten, ist da ein hoch willloinmener Mann. ES gilt, den« Backfisch zu gefallen. Auch wo er im Personenverzeichnis der an- genommenen Stücke nicht selbst� erscheint, herrscht doch sein Geist darin, gibt den Maßstab des Erlaubten und Geziemenden. Das Lenziche Lustspiel, einer Erzählung der französischen Schriftstellerin Gyp nachgebildet, paßt sich dem überlieferten Niveau trefflich an. Sem„Wieselchen"— schon der süße Name sagt'S— ist ganz das unichuidsvoll naive und vorlaut plappernde Geschöpf, das schon in hundert Lustspielen henimlief, um schließlich immer nach Verdienst mit einem ritterlichen FreierSmann beglückt zu werden. Jeder schwärmt sür sie, der alle Diener, den sie pufft, der Hdrr Papa, der ihr„quellfrischen Humor" attestiert, ein abgeblitzter Offizier und vor allem der edle Onkel Gaston. der, als er nach Koniödienart gerade zehn Millionen erbt, dein Nichtchen eine davon zum Geschenk macht und dann auf Reisen geht. Mit seinen 40 Jahren glaubt der Kleinmütige nicht mehr recht daran, daß ihn ein 17jähriges Mädchen lieben köime. bischen und strategischen Vorteile, die mit der„friedlichen! Durchdringung" dieses gewaltigen Gebietes verknüpft sind, es unterwirft auch die meist aus Nomadenstämme bestehende Bevölkerung der Willkür und schrankeulojen Ausbeutung der russischen Einwanderer, schafft sür den wucherischen russischen Handel eine Monopolstellung und liefert'die unermeßlichen Ländereien und Naturschätze des Landes der Habgier des russischen Kapitals Dem letzten' Uinstaude ist es zuzuschreiben, daß die russi- sche Bourgeoisie trotz ihrer Besorgnis wegen der möglichen Komplikationen, den Raub der Mongolei miit Freuden be- grüßt. Ter russische Ausfuhrhandel ist nicht einmal in der Möngolei konkurrcnzsähig, das hat die„Moskauer Handels- erpcdition nach der Mongolei" in ihrem kürzlich erschienenen Bericht festgestellt. Tonach haben die russischen Kauslcute in der Mongolei, und zivar gerade die großen Handelshäuser, durch rücksichtsloseste Bewuchcruiig der Mongolen deren Ver- trauen verscherzt.„Unsere Lage aus dem mongolischen Markte, wenilgsteiis in der nördlichen Mongolei, ist zweifellos in den letzten Jahren stark erschüttert worden: chinesische Kausleute, in Massen in diese Gebiete vorgedrungen, sind inzwischen hier schon die Herren der Lage geworden' und haben unseren Handel auf den zweiten Platz gedrängt: unsere Manufaktur, Lederindustrie, Metallwareu usw. verschwinden allmählich vom inongolischen Markte und werden durch solche chinesischer, amerikaillschcr, deutscher und englischer Herkunft ersetzt. In den Gegenständen der Masseneinfuhr werden Wir auf der ganzen Linie zurückgedrängt." Schon vor der Verkündmig der iiiongolischeu„Autonomie" haben die russischen Kaufleute, nach den Feststellungen derselben Handelsexpedition, luie in einem eroberten Lande gehaust, der gutmütigen Bevölkermig ihr schlechten Waren zu horrenden Preisen aufgezwuugcm Monopole an sich gevisseni usw. Nun, nach der Einverleibung der Mongolei vor der ausländischen Konkurrenz geschützt und uä allen Machtmitteln kolonialer Eroberer ausgerüstet, werden die russischen Händler und sonstige Freibeuter«nit verdoppelter Energie gegen die mougolisckie Bevölkerung vor- gehen, und sie alle Schönheiten der ursprünglichen Kapitals- akkumulatioii an eigenem Leibe spüren lassen. Bildete jetzt bei einein Teil der Mongolen das Vordringen der chinesischen Kolonisten, der Anbau der bisherigen Viehweiden den Grund ihrer Abneigung gegen China, so werden die Mongolen jetzt, wo die Russen nicht als Kolonisten, sondern als Herren und Ausbeuter ins Land kommen, erkennen, daß sie den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben haben. Drohte ihnen bisher nur die Gefahr, aus einein Noinadcnvolk in Ackerbauer verwandelt zu werden, so droht ihnen jetzt, neben der Bewilcherung durch die russischen Händler, die völlige Vertreibung vom Grund und Bodein und die Verwandlung in willenlose Sklaven der großen russischen Kapitalsgesellschaften', die jetzt bereits zu Spottpreisen gewaltige Landstriche mit sämtlichen Mineral» reicht ümern vom Hutuchtu erworben haben. Betrachtet man neben diesen wirtschaftlichen Ergebnissen des russischen Vorgehens gegen die Mongolei die allgeineiuen weltpolitischen Konsequenzen', so gewinnt man ein Bild, das mit dem an die Spitze dieses Artikels gesetzten Ausspruch Bismarcks, das als Dogma der deutschen Tiplomatie ange- sehen werden kann, im denkbar schärfsten' Widerspruch stobt. Es tmrd nickst nur ein ungeheueres Gebiet von dein Welt- markte abgeschnitten und der wucherischen kolonialen Aus- beutling des russischen Kapitals ausgeliefert, auch die damit verknüpfte Schwächung Chinas und die nun eingelostcte Auf» toilung der chiuesischen Außenländer ist eine Tatsache von weit- Bei seiner Heimkehr stellt sie ihm denn auch einen jungen Aristo» traten als künftigen Verlobten vor. Aus lauter Mitleid, weil er sonst von seinen Schulden nicht loskäme, gedenkt das gute Kind. ihm ihre Hand samt ihrer Million zu schenken. Natürlich— er hat es ja dazu— löst Gaston die Wechsel des hoffnungsvollen Jüngling; ein und sie entdeckt, daß sie nie einen anderen liebte als den Onkel. So darf man mit Beruhigung in die Zukunft blicken. Die flotte Darstellung ließ die altmodische Dürftigkeit des Textes weniger aufdringlich erscheinen. Sehr frisch war Clewing in der Figur des Ohms und Fräulein H e i s l e r als Naive. dt. Notizen. — Ein Filmarchiv hat die U r a u i a ins Leben gerufen. Es soll sämtlichen Lehranstalten Groß-BerlinS wissenschaftliche Film« zur Verfügung stellen. Apparate und Räumlichkeiten sollen kostenlos dargeboten werden. Dies Archiv, a» dessen Leitung neben der Direktion auch Lehrer und ein technischer Fachmann beteiligt sind, wird den Schnleii reiche Hilfsmittel zum llnterricht liesern können.— Eine kinemalogrophische Studienge s ellschaft, die Wissen» schaft, Kultur und Schule befrlichten lvill, ist im Zusammenhange mit der Treptow-Steriuvarte in der Bildung begriffen. — D i e Karriere eines Strasprofessor«. Professor Julius Wolf hat einen Ruf auf den volkswirtschaftlichen Lehrstuhl der Charlottenburger Technischen Hochschule erhalten und angenommen. Herr Wolf, der einst in Zürich dozierte, machte vor Jahren durch ein Buch gegen den KathedersozialiSmus einige« Aufsehen. Das Machwerk wurde von den ernste» bürgerlichen Nationalökonomen veniichtcnd rezensiert: am vernichtendsten freilich von der preußischen UnterrichtSverwaltung, die ihn als sogenannten Strasprofessor an die Universität Breslau berief. Ivo er als kapitalistischer Klopffechter ein Gegengeivicht gegen den damals noch ernste»»nd sozialpolitisch interessierten Sombart zu bilden hatte. Herr Wolf hat dieses Ge- schüft auch eifrig wahrgenommen. Jetzt also läßt ihn die Regierung an die Stelle Herkners avancieren. HerknerS Salz war ja auch schon längst dumpf geworden � aber Herr Wolf als Nachfolger, das ist schon Bittersalz. Die Austeilung von Jaßnaja Poljana. Nach dem letzten Willen des Grafen Leo Tolstoi sollte sein Gut unter die dort wohnenden Bauern verteilt werden. Wie die Moskauer Blätter. berichtein dürste die Verteilung in ein bis zwei Monaten stattfinden. Die Gräfin Tolstoi selbst behält 201 Morgen Land, den Bauern sollen 884 Morgen zufallen, für welche? Land die Söhne Tolstois den Betrag von 400 000 Rubel erhalten. Die Parzellen werden nicht als freies Eigentum, sondern nur zur unentgeltlichen Nutz- nießung überlassen. — Militärische Wasserflugzeuge. Die Marine» beHorden der Vereinigten Staaten armiten mit besonderem Nach» druck darauf hin. die Marine mit einer großen Anzahl von Flug» zeugen auszurüsten: nach den bisherigen Bauplänen erhalten fortan alle großen Schlachtschiffe und Kreuzer besondere Wasserflugzeuge. Eine neue Erfindung des Kapitäns Washington Chamber hat die Verivirklichung dieser weitgehenden Pläne ermöglicht. ES handelt sich um einen großen Schleuderapparat, der, durch Luftdruck nnd Elektrizität betriebe», die Hydroplane direkt von Bord niit einer Geschwindigkeit von 40 Meile» in der Stunde in die Luft sozusagen hinausschleudert. Die Flugzeuge gewinnen dabei die nötige Zeit. um ihre eigene Motorenkraft wirksam zu machen. Später können diese Hydroplane, die die Amerikaner wegen ihres bootSartigen UnterbaucS»Fliegerboote" getauft haben, auf dem Wasser»landen". kragmder welipoliiischer Vedcukung', die au? das gesamk Wirtschaftslaben Europas zurückwirken bürste. Trotzdem schämt das Bismarcksche Dogma auch jetzt noch in Deutschland Anhänger zu finden. So machte der Leitartikler der„Kreuz- zcitung", als die mongolischen Angelegenheiten in ein eut- scheidendes Stadnmr traten, der russischen Diplomatie den unverhllllten Vorschlag, sich gegen eine ernstliche Kriegsgefahr in Ostasien nrit den„beiden benachbarten Kaisermächten", d. h. nnt Deutschland und Oesterreich, zu verständigen.„'Nur muß diesmal Fürsorge getroffen werden, daß die guten Dien st e, die man Rußland für den Fall von Verwickelungen in Lstasien gern leisten wird, von Rußland nicht ebenso schnell wieder vergessen wird, wie nach dem japanischen Kriege." Diese freundliche Offerte des führenden konservativen Organs zeigt, daß man mindestens in den Kreisen der deutschen Junker nichts einzuwenden hätte, die Interessen des deutschen Handels nv China preiszugeben, und die Interessen eines .Rillronenvolkes gegen etliche Konzessionen seitens Rußlands zu verschachern'. «* * Eiu Friedensanerbieten Chinas. Peking, 27. Januar.(Meldung deZ ReuterWen Bureaus.) Duanschikai.hat gestern dem Hutuchtu ein Telegramm als Antwort auf dessen Erklärung geschickt, daß die Mongolei nicht wieder mit China vereinigt werden könne. Duanschikai sagt in dem Telegramm, er habe dem Hutuchtu bereits erklärt, daß Urga nicht von China getrennt werden sollte. Nachdem er dem Hutuchtu dann Blutvergießen, Barbarei, Plünderung und Brandstiftung vorgeworfen hat, fährt er fort: Alle Banner der inneren und äußeren Mongolei mit Ausnahme derer in nächster Nähe von Urga, die durch Eure Soldaten terrorisiert werden, wünschen sich der Republik anzuschließen und sind gegen Euch. Zahlreiche Mongolenhäuptlinge sind nach Peking gekommen und haben diesem Wunsche Ausdruck gegeben. während die Kommandanten und ihre Soldaten in den Provinzen um die Erlaubnis bitten, gegen Euch marschieren zu dürfen. Wir aber wünschen Blutvergießen zu vermeiden und haben das chinesische Volk überredet, zu beraten, ob nicht eine fried« liche Lösung zu erzielen ist. Ich hoffe daher, daß Ihr die Lage sorgfältig überlegen werdet. Die Republik bietet Euch ehrliche und freundliche Verhandlungen, die Fmderung und Ausbreitung des Buddhismus und die Erhaltung des Friedens im ganzen Lande an._ hökilche„Verpflichtungen". Die württembcrgische Streitfrage behandelt in der„Neuen Zeit" Genosse K a u t s k y in einem Artikel, dem wir das Folgende entnehmen: ..... Der Hinweis auf die„verfassungs- und geschäftsordnungs- mäßigen Pflichten" ist nichts als eine wohlklingende Redensart, hinter der nicht das mindeste von sachlichem Inhalt steckt. Das fühlt auch der Fraktionsvorstand selbst, und so gesellt er dazu noch ein weiteres Argument: Sollte die Sozialdemokratie durch Fernbleiben von der Eröfnungsfeier„ihre Rechte gefährden oder künftige Ansprüche unterminieren? Dann würde sie prole- tarische Rechte und Interessen in unverantwortlicher Weise ver- letzen". TaS klingt ebenso schön wie der Hinweis aus die verfassungs- mäßigen Pflichten; aber auch hier hört der Vorstand dort auf, w> er eigentlich erst recht anfangen sollte. Wie er sich damit begnügt, im allgemeinen von Pflichten zu reden, die Verfassung und Ge- schästsordnnng auferlegen, statt diese Pflichten im einzelnen darzu- legen, so vergißt er auch hier, zu zeigen, welche Rechte gefährdet, welche künftigen Ansprüche unterminiert, welche proletarischen Rechte und Interessen verletzt wurden, wenn unsere Fraktion der monarchischen Zeremonie der LandtagSeröffnung fernblieb. Der entrüstete Hinweis darauf, daß diese Verletzung eine„unverant- wortliche" gewesen wäre, trägt zur Erhellung der dunklen Andeu- tungen nichts bei. Vergeblich versuchte ich, sie aus der Sprache schwäbischer Kammerdiplomatie in verständliches Deutsch zu über- tragen. Ein böswilliger Kritiker könnte vielleicht meinen, dem einen öder anderen unserer württembergischen Landtagsabgeovdneten schwebe die Aussicht vor, einmal zur Rolle eines schwäbischen Mille- rand oder Briand berufen zu werden, und diese„künftigen An- spräche" würden„unterminiert", wenn man durch Fernbleiben von der Eröffnung das Wohlwollen des Königs verscherze. Diese bös- willige Deutung liegt mir fern, indes jede andere versagt, und so bleibt mir der Tiefsinn der„unterminierten künftigen Ansprüche" verschlossen. Wer eS gibt ja noch ein anderes Argument, idaS das erste stützt und kräftigt. Der Fraktionsvorstand erklärt: Wenn wir prinzipiell jede Teilnähme an monarchischen Zeremonien ablehnen, ziehen wir uns den Unwillen der„bürgerlichen Landtagsmehrheit" zu, von der„die Ablehnung der Pflichten seitens der Sozialdemo- kratie zu einer Schmälerung ihrer Rechte ausgeschlachtet werden" wird. Woraus der Schluß zu ziehen: Wir müssen also an monarchi- schen Zeremonien teilnehmen, weil dies der Weg ist,„unsere Rechte stets wirksam verteidigen" zu können. Das sagt uns nicht ein nationalliberales Elaborat, sondern ein« Rechtfertigungsschrift sozialdemokratischer Abgeordneter. Diese Anschauungen eingehend zu widerlegen, ist wohl über- flüssig. Wem in unserer Partei könnte noch verborgen sein, daß die Gegnerschaft>der„bürgerlichen Landtagsmehrheit" nicht daher rührt, weil unsere Abgeordneten bei der Eröffnung deS Landtags fehlem sondern daher, weil sie die Interessen des Proletariats ver- treten, indes die Mehrheit die seiner Ausbeuter vertritt. Dieser Gegensatz wird und muß wachsen, um so mehr, je energischer unsere Wgeordneten ihre Pflicht erfüllen und die Rechte des Proletariats„wirksam verteidigen". Sicher vermögen sie das nicht aus eigener Kraft allein; aber ihre Stütze bildet nicht das Wohl» wollen der bürgerlichen Landtagsmehrheit, sondern die Macht und Energie des Proletariats, das hinter ihnen steht. Es ist grund- verkehrt, wenn ihnen das Wohlwollen des Königs und der bürger- lichen Mehrheit höher steht als die Macht und Energie deS Proletariats, so daß sie unbedenklich, um jenes Wohlwollen zu gewinnen, diese Macht schwächen, indem sie Handlungen begehen, von denen sie wissen müssen, daß sie die Einheit des Proletariats stören und Zwist in sei?« Reihen hineintragen. DaS liegt so auf der Hmid, daß daS Vorgehen des Vorstandes der württembergischen Lanotagsfraktion völlig unbegreiflich er- scheint. Nicht an seinem guten Willen zweifeln wir, die Jnter- essen des Proletariats zu wahren, sondern an seiner Fähigkeit, sich über lokale Einflüsse hinwegzufctzcn, die seinen Blick beengen. Anders ist sein Borgehen nicht zu verstehen. Nun könnte man aber einwenden: Wenn der Partcifriede ein so kostbares Gut, warum dann die Fraktion nicht gewähren lassen? Gewiß ist eS sinnlos, zu erwarten, die Sozialdemokratie könne durch Teilnahme an monarchischen Demonstrationen Vorteile für das Proletariat gewinnen. Wer wenn solche Demonstrationen ganz bedeutungslos sind, die Einigkeit&£ Kartei dagegen höchst sichtig, (ff«5 da nicht höchst unzweckmäßig, sich über daS Vorgehen der Fraktion zu erregen, statt jene sonderbaren Schwärmer mit einem bloßen Achselzucken abzutun, die als moderne Posas glauben, der Weg zur Gedankenfreiheit und noch manchem anderen führe durch das Königsschloß? Das könnte man ja tun, wenn die monarchischen Temonstra- tionen in jeder Beziehung bedeutungslos wären. Sie sind es aber nur als Mittel, die Interessen des Proletariats zu wahren. Dagegen versagen sie keineswegs als Mittel, das Proletariat zu fchwä che n. Tie Kraft, die das Proletariat in seinen Kämpfen entwickelt, hängt nicht nur von seiner p h Y s i s che n und ökonomische n. sondern auch vou seiner moralischen Macht ab, von dem Maß an Kraft, das es sich selbst zutraut und das seine Gegner bei ihm vermuten, wie vou dem Maße au Kraft, das diese Gegner bei sich selbst cnlpfindcn und das Proletariat ihnen beimißt. Dabei wirkt aber die Tradition stets zu seinen Ungunsten,-'da es eine auf- kommende Klasse ist, deren.überkommenes Kraftgefühl aus den Zeiten ihrer Schwäche stammt; indes die Kraft der Gegner aus dem gleichen Grunde stärker scheint, als sie ist. Diesen falschen Schein zu zerstören, ist«ine der wichtigsten Aufgaben unserer Tätigkeit. Das geschieht aber am wirksamsten durch Demonstra- tionen der Kraft. So schädlich eS wirkt, eine Kraft demonstrieren zu wollen, die man nicht besitzt, so unerläßlich, alle Kraft zu zeigen, über die man verfügt. Eines der kräftigsten moralischen Machtmittel, über das unsere Gegner verfügen, ist das Ansehen der monarchischen Staaisgewalt. Dies Ansehen zu stärken, steht im direkten Widerspruch zu den Aufgaben einer proletarischen Partei. Nichts aber vermag der Monarchie höheres Ansehen, den Anschein größerer Kraft zu ver- leihen, als wenn ausgesprochene Republikaner ihr huldigen oder auch nur zu huldigen scheinen. Aus dem Scheine der Kraft entspringt oft mehr Macht als aus wirklicher Kraft, und der Schein der Untertänigkeit bisheriger Gegner erhebt den Herrn, dem gehuldigt wird, oft mehr al» wirkliche Untertänigkeit gedanken- loser Untertanen. Wenn Sozialdemokraten an monarchischen De- monstrationen teilnehmen, hebt das die Monarchie noch in ganz anderer Weise, als wenn es Leute tun, bei denen man bisher daran gewöhnt war und die es rein geschäftsmäßig taten. Es bedeutet einen Sieg des Trägers der bürgerlichen Staatsgewalt über die im Kampfe gegen diese Staatsgewalt auskommenden Volks- schichten. Es erweckt in den Massen den Anschein unserer Uobcr- zeugung von der unerschütterlichen Kraft der Monarchie und von der Aussichtslosigkeit der Bestrebungen nach reiner Demokratie. Es besagt also sehr wenig, wenn Genossen, die an Gonarchi- schen Demonstrationen teilnehmen, darauf hinweisen, ihre republi- kanischen Anschauungen würden dadurch nicht erschüttert. Gerade deswegen, weil sie Republikaner sind, erhöhen sie um so mehr die dein Proletariat feindlich gegenüberstehende Staats- gewalt im Volksbewußtsein, wenn sie unter einem Schwärm von Hoflakeien auftreten und mit diesen zusammenwirken. Wir müssen den falschen Schein zerstören, als sei die bürger- liche Staatsgewalt eine Macht so unwiderstehlicher Art, daß sich alles vor ihr beuge, auch die Sozialdemokratie. Nicht als Vasall der heutigen Machthaber, sondern als Faktor, der bestimmt ist, eine noue Staatsordnung zu begründen, fühlt sich das klassen- bewußte Proletariat, und es verlangt von seinen Vertretern in den Parlamenten, daß sie dementsprechend auftreten." Hus Induftnc und F>andd. Börsenunrnhe. Die politischen Ereignisse lassen die Börsenspekulanten wieder in erneute Unruhe geraten. Mit den FriedenSaussichtcn war eine allgemeine Befestigung der Aktien- und Rentenkurse eingetreten. Die Spekulation hoffte wieder auf durch keine politischen Zwischen- fälle und kriegerischen Verwickelungsmöglichkeiten gestörten Ge- schäfte. Auch eine gewisse Erleichterung des Geldmarktes war dadurch eingetreten. Das Metallgeld begann langsam aus den Privatkassen ängstlicher Leute in die Depots der Banken und Spar- institute zurückzufließen. Die Ausweise der Zentralnotenbankcn zeigten größere Goldbestände. Kreditgeld wurde zu geringerem Zinsfuß an den Börsen gehandelt. Die Berichte über günstige Abschlüsse in der Schiffahrt, neue Rckordziffern in der Montan- industrie taten ein übriges, geradezu eine Hausse stimmung an den Weltbörsen in der Mitte der vergangenen Woche zu erzeugen. Die Nachricht vom Sturz deS Kabinetts Kiamil in Könstantinopcl und von der Stockung der Friedensverhandlungen haben dies Bild mit einem Schlage geändert. Der Börsenhausie am vergangenen Mittwoch folgte eine Der oute am Freitag. Die Kurse stürzten. der Zinsfuß zog an. Die Tatsache gewisser Gegensätzlichkeiten zwischen Deutschland und den übrigen europäischen Mächten bei dem Vorgehen auf dem Balkan ist dazu angetan, diese Börsenver- stimmung zu stärken. Die Unsicherheit über den Ausgang des Balkankrieges übt so von neuem einen Druck auf Industrie und Handel aus. Sollte, sie länger anhalten, so wird auch die Geldkrise wieder den Grad erlangen, der beim Jahreswechsel zu einer Lähmung des Wirtschaftslebens führte und der heute kaum über- wunden ist._ Zur Eutwickclung des englischen Außenhandels. Eine Veröffentlichung des englischen Handelsministeriums zeigt das Wachstum des Handels mit den wichtigsten europäischen Ver- kehrslän-dern. Danach wurden an ganz oder wesentlich be- arbeiteten Waren aus-'bnd eingeführt in KXX) Pfd. Sterl.(zu 20.43 Mark): I. Ausfuhr aus England nach tS81 1911 Frankreich...... 13 221 17 038 Deutsches Reich.. 9 310 24 089 Belgien....... 2 728 5 154 Niederlande...... 13320 14 365 II. Einfuhr nach England aus Frankreich...... 17 789 31 740 Deutsches Reich.. 13 583 41 325 Belgien....... 5 816 13 216 Niederlande...... 5 153 23 898 Diese Zahlen zeigen eine Steigerung deS Handelsverkehrs mit den genaimten Staaten auf mehr als das Doppelte tu 30 Jahren. Während aber die Ausfuhr englischer Waren nur um etwas über die Hälfte(57 Proz.) zunahm, stieg die Einfuhr nach England auf das Zweieiuhalbsache(um 160 Proz.). Die Ausfuhr wurde von der Einfuhr 1881 um knapp 3.8 Mill. Pfd. Sterl. überstiegen. 1911 aber um 50.5 Mill.. ein Zeichen der riesigen Schnelligkeit, mit der sich die Enlwickelung Englands zum Vermittler- und Rentnerftaat vollzieht, der imstande rst. teils an Frachten, teils an Zinse» und dergleichen auS dem Auslände weit größere Werte zu beziehen, als er ihn, in Form eigener Waren zurückgibt. Interessant ist auch die Verschiebung der Stelle, die die ein- zelnen Staaten einnehmen. Die Ausfuhr Englands„ach Frank- reich ist nur um 29 Proz.. dre englische Einfuhr von dort um fast 30 Proz. gestiegen, der Gesamthandel um 57 Proz. Dagegen wuchs die englische Ausfuhr nach dem Deutschen Rerche um 151 Proz,. die Einfuhr vou da gar um L04 Proz., hat sich also mehr als verdreifacht. Die deutsche Ausfuhr nach unseren sämtlichen Schutzgebieten(50,2 Mill. Diark) war nicht ganz 4 Proz. unterer Ausfuhr nack England(1336,4 Mill. Mark), ganz abgesehen von dem großen Anteil der auf den Bedarf der dort stationierten Beamten und Soldaten entfällt, also keinen Gewinn, sondern(wegen des weil größeren Bedarfs) einen Verlust des deulichen Wirlichasls- gcbietes darstellt. Die englische Ausfuhr nach Belgien hat sich iast, die Einfuhr von dort weil mehr als verdovpelt. Dagegen blieb die Ausfuhr nach de» Niederlanden fast stationär(-ff 8 Proz.), während die Einfuhr von da sich nahezu verfünffachte(-ff 364 Proz). Im Gesamthandel ist an Stelle Franlreichö das Deutsche Reich an die erste Stelle getreten._ Soziaice. Der Polizcivigilant Janotta vor dem Gcwerbcgericht. Die Klage des früheren Polizeivigilanten Willi Janotta, Christincnstr. 32. gegen die Hoielinhaberin Frau Feibig wurde von dem Getverbegericht nach Vernehmung des Kriminalbeamten Wild und dessen Ehefrau abgewiesen. Der Kriminalbeamte Wild sagte als Zeuge au?, er habe den Kläger Janotta ost im Kiinnnaldienst mit verwandt. Er sei bei der Ermittelung und Ergreifung von Einbrechern mit tätig gewe'en. Für diese Dienste sei er vo» den Behörden bezahlt worden. Ihn habe er der Frau Feibig, nnt der er durch Kontrolierung ihres Betriebs bekannt geworden sei, enipfohlen. Er babe sür de» Kläger eine rubige Slellnng suchen wollen. Im Horel hätte er dann ja weitere Wahrnehmungen bezüglich verdächtiger Personen inachen können. Die Frau des Kriminalbeamten bekundet, sie habe die Verinittelungen mit der Beklagten geleitet, den Kläger in ihrem Hotel unterzubringen. Ein festes Gehalt habe ihm Frau Feibig nicht versprochen,, andern gesagt, er wäre nur auf Trink« gelber angewiesen. Er sei auch damit einverstanden ge- weien. Denn vor allein habe er darauf gesehen, wieder in den Besitz von Papieren zu gelmigen. weil er dann auch anderwärts leichter eiue Stelle erhalten hätte. Nötigung und Erpressung ei» JnnungSrecht? Die„Deutsche Fleischer-Zeitung"(Nr. 2l) ist über unsere Dac» leguiig in Nr. 21 des„Vorwärts" aus der Haut gefahren, daß die in Breslau von� der Fleffcherinnung versuchte Strafandrohung von 20 M. gegen Jiiiiuiigsrnitglieder zur Verhülung der Anpreisung billiger Fleischverkäuse nach der ReichSgerichlsentscheidung ein Er- presiungSversuch ist. Einen große» Kübel lräftiger Schlaipsivorte gießt die„unparteiische Tageszeitung für das Fleischergewerbe, Viehhandel und Viehzucht" deshalb über uns aus. Es könne gar keine Rede davon sein, daß Erpressung vorliege, denn einmal sei Drohung im Sinne des Erpressnngsparagraphe» nicht die Drohung mit einem Uebel, zu dessen Ainueiidung man befugt ist. Und ferner liege auch nicht das Anstreben eines„rechtswidrigen Vermögens- Vorteils" vor. Die Innung wolle für sich dock gar keine Ver- mögensvorteile und wolle nur eine„VermögenSschädigung von den Mitgliedern, die zu Schleuderpreisen verkaufen, abwenden." Der„Deutschen Fleischcr-Zeitung" muß die in der Presse und im Reichstag lebhaft erörterte Rechtsprechung deS Reichsgerichts über angeblich von Arbeitern begangene„Erpressungen" völlig entgangen sein. Sonst könnte sie ihre enlahmen Ein- Wendungen nicht erheben. Dos Reichsgericht hat.pielsweise einen ehrlichen Arbeiter, der im Auftrage seiner Kollegen einem Tischler- meister schrieb:„Wenn Sie die tariflich abgeinachten Lüdne nicht zahlen, so wird am 2. Mai die Sperre über Sie verhängt", mit sechs Monaten Gefängnis wegen ErpressungSversuchS verurteilt. Dem Einwand, die Arbeiter seien ja zu einer Sperre(wie nach allerdings irriger Ansicht der.Fleischer-Zeitung" die Innung zu Geldstrasenondrohung) berechtigt, setzt es die Ansicht entgegen: DaS trifft zu, aber auch die Drohung mit einem Uebel, daS auSzu- sühren man berechtigt ist, bleibt eine Drohung im Sinne des Er» presiungSparagraphen. Ferner ein„rechiswidriger Vermvgeiisvorteil" werde erstrebt: freilich habe sich der Meister zu den tariflichen Pi eisen verpflichtet, gegen den Lohn werde von den Arbeitern auch Arbeit ge- leistet, aber trotzdem sei ein Vormögenevorteil vorliegend, und dieser sei„rechtswidrig", weil die Arbeiter kein Recht auf Beschäfti- gung hätten. Wir haben dies und ähnliche Reichsgerichisurteile scharf genug als ungebeuerliche kritisiert, aber sie entsprechen noch heute der Rechtiprechung des Reichsgerichts. Und da liegt kein Grund vor, weshalb gegen Fleischermeister der Fleischerinnung nicht juft ebenso strafrechtlich vorgegange» werde als gegen die Arbeiter. Die Fleischernieister haben kein Recht auf böhere Preise. Die Straf- androhmig erfolgt, um solche sür alle oder einige Fleischermeister berbeizusührc».. Damit sind alle Talbestandsmerkmale der versuchten Erpressung erfüllt. Das mag dem Organ für teure Flcischpreise UN- angenehm sein. Es bleibt trotzdem richtig. GencKts-Leitung. Raffinierte, aber straflose Wahlfälschung. Am 2. Januar vertagte, wie unsere Leser sich entsinnen werden, daS Reichsgericht die Entscheidung in einer Anklagesache. in der in erster Instanz wegen Wahlfälschung auf 3 Monate Gefängnis er- kannt war. Der Sachverhalt war folgender: Wegen Wahlfälschung wurde am 24. August 1912 vom Landgericht Karlsruhe der Krankenkasscnrechner Stefan Schweikert zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt/ In dem Orte Wiesenthal war Geineindcvcrtrctcrwahl. für welche sowohl die„Zentrums- und ver. einigte Bürgerpartei" als auch die reine..Zentrumspartei" Listen aufgestellt hatte. Ter Angeklagte. Anhänger der letzteren, ließ eine größere Anzahl Wahlzettel der Gegenpartei, jedoch mit zweien rncht gleich bemerkbaren Aenderungen drucken, sie heimlich und bei Nacht solchen Wählern ins Haus schmuggeln, die als Anhänger der be- treffenden Parteien ihm bekannt waren. Er erreichte dadurch seine Absicht. Denn 16 solcher Stimmzettel, die unbesehen rn die Wahlurne gelegt worden waren, wurden für ungültig erklart. Das Wahlergebnis wurde dadurch allerdings nicht geändert, seiner Revision machte der Angeklagte geltend, daß der ß ICiS auf seine Tat nicht anzuwenden sei. weil dieser nur wir der eigentliche» Wahlhandlung spreche, seine Handlung aber lediglich sich auf Bor- bereitungcn zur Wahl beziehe- Der Reichsanwalt war der Ansicht. daß§ 108 überbaupt denjenigen treffen wolle, der das Rechtsgut der Wähler, ihren Willen zum Ausdruck zu bringen, verletzt. Er beantragte die Verwerfung der Revifion. Die Auffassung des Reichsanivalts, daß solche freilich recht berwerfliche Manipulationen als strafbare Verstöße gegen§ 103 Str.-G.-B. zu betrachten feien, bezeichneten wir Ixt dem Bericht über die Verhandlung für keineslvcgs bedenkcnfrei. Das Reichsgericht hat jetzt das verurlcilende Erkenntnis auf- gehoben und den Angetlagtcn freigesprochen. Zur Begründung wurde angeführt: „Ein dem 8 103 entsprechender Tatbestand ist nicht gegeben. denn es liegt keine Aenderung des Wahlergebnisses vor. Die Sache ist geii�u so zu beurteilen, als wenn jemand am Wahllage über den Kandidaten ein falsches Gerücht verbreitet hätte. Auch dies ist nack> den destehenden Gesetzen, die insofern eine Lücke aufweise, r. nicht zu bestrafen."(1. ll. 1046/l2., Pferdefleisch statt Rindfleisch. Der Wurstfabrikant Paul Grand trieb seit längerer Zeit einen flotten Handel mit Wurstwaren. die er besonders an Schankwnle ,n Rculölln und Tempelhof verkaufte. Die Schankwirte waren der Meinung, imfe e-Z sich um teilte Rind- und Schlveinewurst handelte und zahlten den hierfür üblichen Marktpreis. Tatsächlich war Pferde- fleisch beigemischt. Es wurde Änkloge gegen Grand wegen Per- gehens gegen das Nahrung Smittelge fetz undBe- trug es erhoben. Das Schöffengericht Neukölln der» urteilte den Wurstfabrikantcik zu IVO Mark Geldstrafe. Das Ende des Schapiro-Prozesses. Das Reichsgericht verwarf am Sonnabend die Revision des Redakteurs der..Mainzer Neuesten Nachrichten" Heinrich Hirsch in Mainz. Dieser war bekanntlich im Juli ll)l2 vom Landgericht Darmstadt weg«n Beleidigung der früheren Polizeiassistentin Frau Dr. Schapiro und des Beigeordneten Berndt zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war. nachdem ein früheres aus sechs Monate Gefängnis lautendes Urteil des Landgerichts Mainz auf die Revision des Angeklagten vom Reichsgericht am 20. Januar 1V12 aufgehoben worden war. Ferner verwarf das Reichsgericht die Revision desselben An- geklagten zu zwei Monaten Gefängnis. Diese Verurteilung war vom Landgericht Mainz am 22. Mai 1912 verhängt, weil dem Beigeordnelen Berndt Bruch seines Worts vorgeworfen war. Versammlungen. Verband der Fabrikarbeiter. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Sonntag ihre Generalversammlung ab. Den Geschäfts- bericht erstattete Bruns, der eingangs seiner Ausführungen eine Uebersicht gab von der allgemeinen Lage des Berufs, sowie von den Streiks, Lohnbewegungen und sonstigen Ereignissen, die im Lause des letzten Quartals, bezw. deS letzten Jahres zu verzeichnen waren. Der Kassenbericht von der Hauptkasse vom IV. Quartal 1912 ist folgender: Einnahme und Ausgabe bilanzieren mit 43 309,45 M. Für Unterstützungen wurden allein ausgegeben: Für Durchreisende 302.40 M., an Arbeits- lose 3 963.00 M., für Kranke 8 749,— M., für Rechtsschutz 103.95 M., für Gemastregelten-Unterstützung 1 024,80 M., an Umzugsgeld 679,20 M., an Sterbegeld 810,— M.. an Streik-Unterstützung 1351,50 M., für Notlagenunterstützung 25 M., zusammen 17 0l4,45 M. Einnahmen und Ausgaben der Lokalkasse betrugen 60 826,60 M. Der Markenkonsum vom 3. Quartal beträgt 106 501, der vom 4. Quartal 109 209, bleibt ein Mehr von 2703 Marken. Bei der Lokalkasse betrug der Markenkonsum im d Quartal 41 639, im 4. Quartal 46 968, bleibt ein Mehr von 5329 Marken.— Im Jahres- bericht sind folgende Ergebnisse festzustellen� Eintritte 1911---- 3465, 1012— 3160, zusammen 6625. Markenkonium 1911— 379 821, 1912— 419 116, ein Mehr für 1912 von 39 295 Marken. Uuterstüyungen für 1911-=- 129 968,89 M.. für 1912= 81 633,75 M.. insgesamt 233 569,59 M.; darunter für Streik 98 637,21 M. Lokalkasse 1911 = 30 905,03 M., 1912— 46 968,20 M., Zunahme 16 063,23 M. Wie der Referent erklärte, können diese Feststellungen als erfreu- lich bezeichnet werden. Eine Neuerung im Verband sind die Mahn- kommissionen, die sich vorzüglich bewährt haben. Demnächst soll eine Konferenz dieser Kommissionen stattfinden. Eine Uebersicht von den Bewegungen ergibt folgendes Bild: ES wurden geführt insgesamt Bewegungen: 73. Davon entfielen auf die Chemische Industrie 11, aus die Gummi-Jndustrie 5, aus die Kunststein-Jnduitrie 7, auf die Schollplatlen-Jiidustrie 4, auf die Papierpappenindustrie 2, auf diverse Industrien 7, außerdem ivar der Verband mitbeteiligt bei 37 Kämpfen anderer Industrien. Insgesamt waren an den Bewegungen beteiligt 3313 Personen, darunter 668 Frauen respektive Mädchen. Die Gliederung der Bewegungen ist wie folgt: Angriffsstreiks 6, Abwehrstreiks 3. Ohne Arbeits- einstellung im Angriff 27, in der Abwehr 3.— Ueber die 37 Mitbeteiligungen sind genaue Angaben über die Art der Bewegungen, ob Angriff, ob Abwehr nicht zu machen. Mit Ausnahme von 3 Veweguttgen bandelt es sich um Streiks.— Erreicht wurde duriv Angriffsstreiks für 185 Beteiligte eine Lohn- erhöhung von 279,36 M. pro Woche, für den einzelnen 1,51 M Durch Bewegungen ohne Arbeitseinstellung wurde erreicht: Arbeitszeitverkürzung für 12>8 Beteiligte um 5025 Ttunden pro Wocbe, oder den einzelnen 4,1 pro Worbe. Lohnerhöhungen: für 1327 Beteiligte eine Zulage von 1592.27 pro Woche, 1,20 M. für den einzelnen. Zuschläge iür Ueberstunden für 962 Beteiligte. UTarif- abschlüsse, worunter 657 Beteiligte arbeiten. Bon den Abwehrstreiks find zwei völlig, einer teilweise verloren gegangen. Insgesamt wurden für Unterstützungen in den Jahren 1911/12 Nind'/�Mill.M. ausgegeben, darunter für StreikS 100 000 M. Jedenfalls zeigte sich, wie der Redner zum Schluß erklärte, daß die Organi- sation eine gute Entwickelung genommen hat, die hoffentlich auch in der kommenden Zeit anhalten wird. Es folgte eine längere Diskussion, die sich im wesentlichen um Grenzstreitigkeiten drehte. Es wurde dabei zum Ausdruck gebracht, daß es genüge, wenn ein Arbeiter überhaupt in einer modernen Kampforganisation organisiert sei, man solle in dieser Frage möglichst weitherzig und nicht kleinlich sein. Ferner berichteten einige Redner über die gelben Gewerkvereine, deren Wirken man im Auge behalten müsse. In den Sieniens-Werken hätten sie allerdings ihresi Höhepunkt bereits erreicht. In solchen Betrieben jedoch, wo du Gelben noch nicht eingezogen Kien, solle man auf der Hut sein.— Einzelne Redner sprachen die Hoffnung anS, daß man im Fabrik- arbeiter-Verband mit der Zeit wohl noch zu Betriebsorganisationen kommen werde. � Nachdem sich noch die Versammlung gegen drei Stimmen für den Ausschluß de» Mitgliedes Wolter ausgetprochen hatte, wurden die Wahlen vorgenommen. Es imirden gewählt: als erster Vor- sitzender Bruns, als»laffierer Rühle, als Revisoren Lange, Witt stock und Wolfis Als Beisitzer für chemische Arbeiter K ä b i tz, für Gummlarbeiter P r i e b e, für Seifenarbeiter Poch, für Spandau Strehlke, für Köpenick Schubert, für Char- Artlenburg Pohl.- Huö der frauenbeiveZung. Frauendiciistplätze. Die Kraae eines weiblichen Dienstjahres spukt immer mehr in den Röpsen der bürgerlichen Frauenwelt herum. Roch immer hat man sich aber nicht geeinigt, wie man denn eigentlich dte heran- wachsenden Frauen während dieser ZeN beschäftigen wurde. Meist besieht die Neigung, die jungen Frauen irgend einem.ioztalen" Beruf iKraukenpflege. Kindersürsorgej zuzusuhren. Der.Verein zur wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande J�eurt nun die Abucht zu verfolgen, die Frauen landwirtichaitlicher Arbeit zuzunihren. Die �r°uend.ens.p.ätze- dieses Vereins wollen e�tn emem Die Stätten sollten sich durch intensibe Bodenausnutzung. Obst- und Gemüseberwertung. Kleintierhaltuug usw. selbst Einnahmen verschaffen. UnS scheint tue Justitutionf mehr die Heranziehung billiger Arbeitskräfte, die sogar ihren Unterhalt noch bezahlen müssen, als die Förderung der Weib- lichen Jugend zu bezwecken. Die vorgeschriebene„Maidenkleidung" soll dabei wohl über diese unentgeltliche Ausbeutung an denFrauen- dienstplätzen hinwegtäuschen. Leseabende- Britz-Buckow. Der Leseabeud findet uniständehalber am Donnerstag. den 30. d. M., abends b'/z Uhr, bei Becker, Chausseestr. 97, statt. Genosse G. Simon über: Die Frau in der bürgerlichen und in der sozialistischen Weltaiischanuug. Johannisthal. Heute Dienstag. 8'/z Uhr, im„Arbeiterheim", Fräu- lein Dr. Wygodzinsli über Kinderkranlheiten. Adlershof. Heute Dienstag, abends 8'/» Uhr, Bismarckstr. 11: Vor- trag der Genossin S i e d e l- Neukölln. Aufruf heißt— soziale." wirtschaftliche unW Gegend fordern, � die für sie geioäblt wurden. Lrlefkaften cler Kedahtfon. Tie luristische Sprechstunde findet L i n» e n st r a v e LS, vorn vier Treppe» — F a h r st u p I—, wochentäglich von 4>z, bis Uhe abend», SonnadendS, von t'z, bis K Uhr adendS statt. Jeder für den«rieftaflen bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen detznfstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteUt. Anfragen, denen keine AbonnementSgutttung bekgefiigt ist, »erden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man tn der Sprechstunde vor. H. H. 18. Wir raten zur Zahlung des DlfferenzdelrageS, da wir den Reisenden zur Rückgängigmachung der Bestellung ohne Zustimmung der Firma nicht sür berechtigt balten.— A. N. 10«. 1. Nein. 2. u. 7. Da« gegen wird sich nach Ihrer Dmstellung nichts machen lassen. 3. Beim Ämlsgericht. tn dessen Bezirk der Bater verstorben ist. 4. Etwa 20 Marl. 5. Erscheint nicht notwendig. 6. Erscheint zu hoch berechnet. Die Halste dürste angemessen sein. 8. Das könnte als Einverständnis ausgelegt werden. S. Nein. Mündliche Erklärung Ist ohne Rcchtsbcdeutung.— M. K. 700. 1. u. 2. 11. E. nein. 3. Die Rosten richten sich nach dem Objekt, welches das Gericht sestsetzt.— G. K. 35. Die Krankenver- stcherungspslicht besiebt nicht. Die Jnvalidenmarken sind nur dann zu ver- wenden, wenn die Frau nicht an den vorbergehenden Tagen der Woche anderweit arbeitet.— Preuße. U. E. ja, stellen Sie einen Antrag beim Rcglmentsloinmandeur.— Zl.©. 80. Falls die schriftliche Einwilligung verweigert wird, ist nach Lage der Sache ein Antrag beim Bormundschajts- gericht ratsam.— O. 33. Wenn der Sohn Eigentümer ist, nein.— G. R. 100. 6 Wochen zum Ouartal, wenn nichts anderes vereinbart ist. — SÖ. ft. 1887. Verjährung liegt nicht vor. Ihre Frau ist zadlungs- Pflichlig. Urteil wäre in 14 Tagen zu erwarten, sall» die Firma jetzt Klage erhebt. — 68 450. Sowohl die Anzeige wegen Meineid, als auch die Anzeige wegen wissentlich falscher Anschuldigung würde voraussichtlich zu leincr Ver- urteilung lühren.— Pflicht 1. Zunächst soll Ihre Mutter beim Armen- Vorsteher die Erteilung eines Armeiialtesles beantragen, und nach Erhall desselben beim Landgericht, in dessen Bezirk Ihr Vater seinen Wohnsitz hat, den Antrag aus Bewilligung des Arnlenrcchts und Beiordnung eines Rcchlsanwalls zum Zwecke der Erhebung der Unterhaliungsllage. Die Höbe des Unierbaltsbelrages, den Ihr Vater zu zahlen vcrpjlichtet ist, lätzt sich erst beurteilen, wen» die Höhe seines Verdienstes bekannt ist.— beim Bureau des AbgeordnetcnbauseS a».— Streithähne. S>e».. n jchvn angeben, bei welcher Gelegenheit die Bemerkung gefalleu ist. - Streitfrage 112. Nein.— M. Z. 550. 1. und 3. Ja. 2 Aem. G. Sl. 1>. Verein für Feuerbestattung. Berlin, Breitestr. 5.— M. S. 10» e» Handelsschule und kaufmännische Fortbildungsschule sür Mädchen uinetf Leitung der Kausniauiiichast Berlin, Direktor»Dr. Knork, Burgstraße-5, 121/.— 2 Uhr.— M. F. Transportarbeiterverband. Sektion:.paus« uns Gcschästsdiencr, Berlin, Alte Leipziger Str. 1.— M. St. 40. Wir haben vor dergleichen Rassen so ost gewarnt, daß wir es ablehnen, noch j im citt» zelnen daraus einzugeben Sind in der Regel Privatumernchmcn, der ijch Vorstand oder Direktor nennende, Gründer dieser Kassen,— — P. P. 100. 1.. 2. und 3. Reichen Sie eine Beschwerde beim Magiitrat ein. i. und 5. Für den Fall der Kürzung oder sür den Fall, daß Sie nachweisen lönnen. daß Ihnen durch eine ungünstige Auskunft anderweite Stellungen unterbunden werden, können Sie beim Gewerbegericht Klage erheben.— St. 2. Rein, es empfiehlt sich in solchen Fallen die Weiter- Versicherung.— R. P. 45. Derartige Handlungen reichen m der Regel zu gerichtlichen Schritten nicht aus.— P. A. 303. Sie sind zahluuat- pstichiig die Gesellschast kann den 28.85 M. pro Woche übersteigenden«c. trag beschlagnabmen.— Bcrsicherung 13. Leider nicht.— G. W. 80551. 1, 2. und 3. Für den Fall der Psändustg konnte Ihre Frau mit Aussicht aus Erfolg intervenieren. 4. Es ist das persönliche Vermögen anzugeben. 5 und 6. Wenn sich erbebliche Gesundheitsgefäbrdung nachweisen lagt kann aus Pertragslösmig gellagt werden. Der Eigenlümer ist schadenersatzpflichtig. — Troschke 23. 1. Mit Vollendung des 21. Lebensjahres. 2. Nein. G. St. 53. 1. Die Maiseicr ist 1889 in Paris beschlossen worden. 2. AuS der Bibel ist dieses Zitat nicht.— W. Sl. 200. Suvch Miasmen an dunklen Stellen. Zur Beseitigung wird Lichtung und waschen mit letchlcr Salmiaklösung empfohlen. 1. Notar. 2. Kosten richten sich nach dem Obsekt.— K. 76. 1. Nur dann, wenn ein Schcinvertrag vorliegt oder der Vertrag in betrügerischer Absicht geschlossen ist. 2. Nein.— R. H. 17. Sie sind an den Versichermigs- vertrag bis 1922 gebunden, sosern nicht der unter§ 6 III 1 erwähnte Fall eintritt.— ff. O. 31. Ja.— Frl. Sch. 30. Die Geschenke können nicht zurückgejordert werden, ei» Abzug vom Lohn ist unstatthast.— D. ff. 13. Ja, ob für die übrige Zeit weniger zu zahlen ist, hängt von der Höhe des Mietszinses ab.— ff. Z. 32. Falls Ihnen Sachen gc- psändet werden, können Sie Intervenieren. Der Lohn Ihres Mannes ist wegen Kosten mir insoweit pfändbar, als er 28,85 M. die Woche übersteigt. — 20. 20.„Ave Maria" ist unendlich ost komponiert; bekannt sind u a. die Kompositionen von Schubert und Flolow(tn der Oper„Stradclla"). — ff. K. 20. Wenn der Mietsverlrag aus eine bestimmte Zeitdauer ge- schlössen ist und eine Kündigimgssrist nicht vorgesehen ist, erlischt er mit Ablauj des Zeitpunktes. ohne daß eine Mndigung vorausgeht.— 0). T. 110. Nach formalem Recht ja, wir hallen aber die Ausübung des Zllchligungsrechls in einem solche» Falle nicht sür angebracht, — Z. 20. 12. 1. Nein, sosern Sie eine gewerbliche Tätigkeit ausüben. 2. In 80 Jahren.— 20. t». 100. Läßt sich nur beantworien, wenn wir wissen, wie hoch die Miete für Wohnung und wie hoch sür Geschäjts- lokaliiäte» ist,— G. 20. 100. Wenn Herausgabe verweigert wird, bleibt nur Klage übrig.— R. H. 94. Sosein keinerlei Nachlaß in den Besitz der Tochter gelangt ist,»ein.— M. F. 75. Sie können Rückzahlung des Geldes sowie angcmesiene Entschädigung für die letzten zwei Jahre fordern, — Tl>. B. 04. l. An dein Tage sinden die Petitionen und Anträge aus dein Hause Erledigung. 2. Unter dem Ministerium Schwerin im Ab- geordnetenhause eiiigesührt und dann aus den Reichstag übernommen,— 81. U. 5. Nein.— P. B. 100. Die Gülcrabsertlgungsstelle des Pots- damer Bahnboses gibt sichere Austunst.— F. St. 27. Das erfahren Sie durch schrislliche Anfrage beim Bellwer Weilerburcau, Juvalidenstr. 42.— V. R.. Neukölln. Wir ralcn Ihnen, Ihr Geld zu beHalle» und in der Kliiiit Ziegelstr. 19, Ambulatorinni sür Sprachstörungen, Heilung zu suchen, Sprechzeit: 3—4 Uhr nachmittags, außer Mittwochs und Sonnabends.— Franz Langoich. Gc'chäjlscinpschluugen lehnen wir ab.— Beelitz 105. Bis 20 Jahre und darüber.— Kqifhaiiker Nr. 25. Sie wenden sich am besten an die Hmisinipettoren beider Häuser. Die Aussicht scheint aber sehr gering.— 20. H. 300. Wende» Sie sich an den Verband der Gemeinde- arbeiler, Engeluser, Abt. Sanitätsarbeiter.— 91. 39.., Papier. Zeilung". Dessauer Str. 2.— M. 79. Nach Hamburg 5. Beim Strohhaus« 82. Volkslürsorge 2t.®.— H. St. 20. Durch die Expedilion des„Vor- wärlS".— H. 20. 99. Umgekehrt I— 201. lt. 987. Nein — R. Z. 88. 1. Wenn die RichlungSsührung fahrlässig, ist es möglich. 2.- Diese Mittel hat ein Arzt tzu otzt ordnen.— 91. P. 09. Die Adresse genügt.— F. Ho. 7. Zentrale sür Auswanderer Berlin VV, Karlsbad 9/10. Legen Sie die süns Fragen dort vor.— O. Z. 28. Wenden Sie sich an den Verband der Hausangestellten Berlin, Michaeltirchplatz 1 II.—«r. St. 10. Mit KreiSarztallest beim Polizeipräsidium. Lehrstelle in der Charitö. Zeit: 3 Monale. Kosten clwa 350 M.— F.(ö. 1879. Berliner Verein sür Ferienlolonien. Lmsenstr. 36 4—6 Uhr.— ff. G. 18. Der Vsastenipiegci ist von Eorvin.— G. B. 100. Nein, war Landtags- abgeordneter.— ff. M. 1882. Im Kinderhaus, Blum-nstr. 78.— F. R. Der Verein ist uus nicht bekanirt.— H. St. 100. Ganz verschieden In einem der Bureau» ansragen. 2ldreßbuch II. Teil. — ff. ffltert. Es gab ein preußisches Zweitalerslück, daS out der Reichs- Währung einging— 9l. H. 23. Charlolicnburg, KönigSdamm(Minerva). — I G. 129. Nicht zu crmilleln— R. G. 770. Nicht quacksalbern, sondern einen 2lrzt fragen.— St. Ort. 48. 1. Lsscnbacher Frauenirankem Kerliutl Asyl-Vereill für Obdachlose. Seit unserer Bekanntmachung vom 7. Oktober 19l2 sind folgende Beiträge bei uns eingegangen: Legate und Stiftungeii: 10 000 M. Max Meher. 3000 M. Herrn. Schayer. 500 M. Frau Ida Feist geb. Reichenheim. 54,90 M. Zachert, wettere Rate. ffinnialige Beiträge: 500 M. Verband der Berliner Kohlengrog- Händler. 400 M. Tb. Moste. 300 M. Banldirellor V. Manliewiez d. Oslar Nelke. 100 M. Dr. W. Roienstem z. Erinnerung an Frau Valcska Rosen- stein, Gust. Rosenbaum d. Mb. Rosen- bäum, Friedr. Vortmann. 90 M. gl. H. 75 M. Steinhandel Jos. Rosen- tbal durch Oskar Heymann u. Co. 60 M. Freiherr von Tbiclmann, W. Seeger-Steglitz. 50 M. Karl Seliaiohn. Karl Stiebel, Heymaun Welter u. C« 40 M.«. C. 33,85 M. Sammelbüchse des Asyls, 80 M. Emilie Müller. Elbe. 25 M. E. Eß- linger, von den Kollegen des Werkes der 2l. E.-G. Baumstr., 2lbt. Latus, 20 M. Geh, Rat Lesser, Felix Misch, Direktor Louis Henschcl, Ungenannt, Elise u. Klara Davidsonmcbst 36 Paar Strümvien. 10 M. A. von einem ehem. 2lb. d.„Neuesten Nachrichten", Frau Eh. Heinemann, Geh. Rat Dr. Georg Eger, Fr. Klara Meyer-Dres- den, A. L. Rücheisberg. Fr. Melters- hausen, E. Rogift, Frau L. Reichard, Patenianwali Max Wagner, Karl Gernsheim-München. 7,50 M. Bier- lasse d. Firma Krebs u. Co. 7,35 M. Wahlbezirk 739 5 M. S. K. z, Ge- buristag v, Gustav Thölde, Karl Zweig. 4,50 M. Ungenannt. 3 M. G. Ettlich, Frau Blankenburg, Sllice Israel(zweimal), Marg. Wernicke, E. L. Penset 2 M, Fit St Golck. 1 M, Richard Neter. SleujahrSablösiinaen: 300 M. Geh, Kommerzienrat Arnhold. 1 M. Franz Reffet. Jahresbeiträge: H. Hoffmann- Jauer, Gustav Stühler, Justizrat Marlin Seiigsohn, Beruh. Casparius. Wir sagen den geehrten Spen. dern herzlichen Dank und bitten, weitere Beiträge lind Zeichnungen an unseren Schatzmeister Herrn Sl. Hirlchseld, Berlin XV.. Fasanenstr. 33. Postschecktonto 2969 oder an dessen Siellvertreter Herrn Kommerzienrat Dr. Arons, Mauerstr. 34, Postscheck- konto 1163 des Bankbause» Gebr. Arons, einzusenden. Getragene Klei- dungsslücke lassen wir durch unsere Bolen oder durch die Pakelsahrt gern abholen. Berlin, den 27. Januar 1913. Der Verwallungsrat. Spezialarzt 1 f. Haut-, Harn-. Frauenleiden, I j nerv. Schwäche, Bcinkranke jeder I Art, ff hrlich.Hat«> Kuren in I Iiis.«Wksiis V Untersuchung., Fäden i. Harm usw. Ffiedriclislr. 81,«SSJ Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Separates Tamenzimmrr. Vsrnskmo vekleMukS fertig und nach Maß erhalten Sie in der modernen Mass- Schneiderei J. Kurzbers auf Wunsch Wochenrat» v Rosenfhalcr Strasse 86 i. Etage. Frankfurter Allee 104 Ecke Friedrichstrasse. Reinickendorfer Sir» 6 Weddingplatz. Cteffi»--' s, Enselhardf Caramel-Bier alkoholarm ärztlich empfohlen Diätetisches Gesundheitsbier FlascKe 10 Pf. Oberall Känflkh. ■,■! � rv Ein neues, gutes Kochrezept Sin Maggi'z Suppen-Würfel Reis mit Tomaten soder Srbs. Srbs mit Schinken usw.) für 10 Pf. wird sein zerdrückt, mit 100 Gramm Gries vermischt, mit'/z Liter Wasser gl«, gerührt und unter fländigem Umrühren etwa 20 Minuten zu steifem Brei g-kochl. Dielen läßt man abkühlen, vermengt ihn dann mit 1-2 Löffeln geriebener Semmel und einem gut verquirlten Eigelb. Nun formt man daraus nach Belieben Frikandellen. Buletten und dergleichen und brät diese in gutem Btatfeu von allen Seiten schön knusprig.- Man wird von dem snten, fleischtthnliclien Geschmack überrascht»ein J DeulscherlMarbeiler- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, das; unser Mitglied, der Metall- arbciter !Vlllner am 24. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute Dienstag, den 28. Januar, nach- mittags 3 Uhr, non der Leichen- balle des Thomas- Kirchhofes in Neulälln.Hcrniaiiustratzc, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 111/15 Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider u. Schneiderinnen. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, das; unsere Kollegin kmma Lepczinski am 24. Januar im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dicnslagnachmitlag 4. Uhr von der Halle dcS Zionslirchhoses, Nordend- aus statt. 162/3 Die Ortsverwaltung. Am 25. Januar verschied nach kurzem aber schwerem Kranken- lager mein inniggeliebter Mann und guter Vater 2235b Fritz Bellln. Um stille Teilnahme bittet Die trauernde Gattin: Emma Bellln. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittags 4 Ubr, von der Leichenhalle des /-sentralsried- hoses in Friedrichsscldc aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheide» meines lieben Mannes Karl Schulz sage ich allen Freunden und Be- kannten, ganz besonders den Händlern Berlins und auswärts sowie den Genossen dcS 383. Bezirks des vierten Kreises herzlichen Dank. 5A Witwe Selmln. Oskar Wollburg T rauer- Magazin Berlin N., Brunnenstralle 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hiite etc. Anfertigung nach Haß in 12 Stunden. • Aenderungen sofort.* Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands —— Ortsvcrwaltnng Berlin.- Mittwoch, den£0. Januar 1913, abends 8'/z Uhr, in Wilkcs Eewtsiilen, Scbastianstr. 39; General-Versammlung. Tagesordnung: 76/3 1 Dorstandsbericht und Bericht deS Geich äjtSsührerS. z. Wahl der Kommissionen. 3 Lerschmelzungssrage mit dem Blumenarbeiteroerband. Bei der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mit. glieder dringend notwendig. ver VorntanN. Verwaltung Berlin Mglikbkr-NtchtWlWktu Perlmutter-, Horn-, SteinnuBknopf- Arbeiter und Arbeiterinnen. Mittwoch, den 29, Januar, abends 6'/z Uhr, im Gewerkschaftshause sSaal II), Engelufer 15. Tagesordnung- 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Branchen- kouimission. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Bodenleger. Mittwoch, den 29. Januar, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeln/er 15, Saal 4 sArbeitslosensaalj. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 2. Dahl eines Kouiniijsionsmitgliedes. 3. Branchenangelegenheiten. Korbmacher. Donnerstag, den 30. Januar, abends 8 Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engelnfer 15, Saal 4 sArbeitslosensaal). Tagesordnung: l. Bericht der Branchen- und Zentraltommisslon Und Neuwahl derselben. 2. Branchenangelegenheiten. Stellmacher. Donnerstag, 30. Januar, abends 8Vo Uhr, im„Rosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: I. Wahl der Delegierten zur Generaloersamm- lung. 2 Bericht und Neuwahl der Kommission. 3. Bericht und Neuwahl der Zeutralkolmnission. Mitgliedsbuch legitimiert in alle« Versammlungen. 78/6 Die Ortsverwaltung. Meiler-Kelnnebeits- Mlielbek ZZverschiedeueHefte h 20Pf. 3a Stelen Stnnoen Die Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich l Heft für 10 Pf. k MM Elltale tireL-BerUn. Donnerstag, den 30. Januar 1913, abends 8'/, Uhr» im Gewerkfchastshaufe, Saal 4, Engelufer 15: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Bericht für das Bierteljahr 191:!. Berichterstatter.- Kollege Ho s s m a n n. 3. Neuwahlen: a) Orts- Verwaltung! h) Revisoren; c) Delegierte zur GewerkschaftSkommission i ä) Bibliothekskommisjion. 4. Bericht über den Stand der Doris- bewegung. Berichterstatter: Kollege W utz t y. 33/4 Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches! nie Ortaverwaltang. Ntwaltungsstkllt irtlin. C. 54, linienflr. 83—85. £>9 � � f Ä** M A � st**— t* l A.• Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Mittwoch» de« 29. Januar 1913, abends 8'/z Uhr: ßezirksverfammlUDg für Moabit im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24. Neuwahl der Bezirks Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen W. Siering. 2 leiiung. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Ble OrtsTerwaltnng. Mittwoch, de» S9. Januar 1913, abends 9 Uhr: Bratichcn-Versammlung der chirurgischen Branche im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Sttatze 11/12. Tagesordnung-. 1. Jahresbericht der Branchcnkammijfion. 2. Neuwahl der Branchen- kommission. 3. Verschiedenes. Dw Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert die Anwesenhett ledcs Kollegen._ Mittwoch, 29. Januar 1913. abends pünktlich S Uhr: Versammlung der Metallschleifer, Galvaniseure, Hilss- arbeiter und Arbeiterinnen in den Arminhallcn, Kommandantenstr. 58/39(großer Saal). Tagesordnung: 1. Bortrag dcS Genossen Dr. M o s e S:.Die Arbeiterschaft und der Geburtenrückgang in Deutschland". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Wahl von drei KommissionSmitglirderu. 4. Bcr- bandsangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt k ES ist Pflicht, dafi alle Kollegen in dieser Versammlung erscheinen. Mittwoch, den Ä9. Januar 1913, abends S'/z Uhr: BranclKti-Vtrfaiiiiiitiitig der Schmiede, Kesselschmiede und Autogenschweitzer in Boekers Jestsälen, Weberstraße 17. i..Das A. Wusch ick. Tagesordnung: Koalitionsrecht in Gefahr!" 2. Branchenangelegenheiten. 3. gnügungskomitees. 4. Verschiedenes. Äollek Referent: Kollege Neuwahl des Ver- egenl Der Besuch der Vranchenversammlungen lägt in jeder Be- ziehung sehr viel zu wünschen übrig; wir hosten, dafi die Beteiligung in dieser Hinsicht eine bessere wird. Mitgliedsbücher find mitzubringen und am Eingang des Saales vorzuzeigen. Mittwoch, den Ä9. Januar 1913, abends Uhr: ftHtglieeUr-Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und ver- wandten Berufsgenossen in Dresdener Garten» Dresdener Straße 45. Tagesordnung: 1. Die letzten Tarifverhaudluiigen. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheilen und Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht der Kollegen, in dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen. 111/14 DM- Mitgliedsbuch legitimiert. Ble Orisverwaltnng. ©Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Sanpensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt• Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgom. Bedienung. r {DJe, neue y&toäßm MrhkitOzi,.56 Sellin. Ordentliche General-Versammlung am Mittwoch, den S. Februar 1913, abends 8>/. Uhr, im großen Eaaie der Berliner Bockbrauerei, Abt. II, E h a n s s e e st r. 64. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2234b' 2. Wahl für die ausscheidenden Bor- standsmiiglieder. 3. Wahl der Revisoren. 4. Wahl für die Ersatzpersonen. S. Anträge. 6. Verschiedenes. Der Eintritt ist nur gegen Vor- zeigen des Kassenbuches geftatteL Der Torstand, Stoffe für elegante MaBanzQge, Ulster, Paletoto Mtr. 6-, j.-l M. etc! 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Bettfedern und Daunen Von ksioem zweiten GeschSfl, das an Privste liefert auch nur annähernd erreicht Gleiche anderweitige Angaben aind unwahr-__ 'vtwntwrUlK-rNchslttUr: Slfrtd Wirlrp«, KcMllll. Lür den gnseratenteit verantw.: Si.Qltotfs.fttilin. Druck u.AeriägI VorwärN Daa CasohBt« haaeoht 26 Jahre. IfBuÄbi-udscsi u. Vorlag0aflMsH«MwÄr�To.. Bttliv ita»miw 2. Stilaje in Lmiirls" Krilimk gdllisliliitt „lüentenhMri!". Taß d!e Wcwcrkschaften in unheimlicher Weise Kie moralische und physische Gesundheit des Volkes bedrohen, hat der schon einiger- maßen bekannte Professor Ludwig Bernhard entdeckt. Die Tchacsmacher reichen ihm dafür die Palme der Wissenschaft. Daß die Bebauptung Bernhards das Gegenteil der Wahrheit ist, geinert die Vertreter kapitalistischer Interessen nicht. Die Haupt- sache ist: sie dient ihren Zwecken! Professor Bernhard fühlt sich als Retter des Vaterlandes. Mit drobcnd erhobenem Zeigefinger warnt er bor den Folgen der Sozialversicherung. Er betrachtet sie gewissermaßen als einen moralischen Sumpf, in dem Sclbstverant- wortlichkeit und Ehrlichkeit erstickt und schließlich auch die körpcr- lichc Tüchtigkeit der Arbcitcrscbost untergraben wird. Das Volk leidet angeblich an einer durch die Sozialversicherung verschuldeten, sich seuchcnartig verbreitenden.Rentenhysterie". In einer Schrift: „Unerwünschte Folgen der deutschen Sozialpolitik"*) hat Bernhard seine großartigen Entdeckungen und Reformvorschläge nieder- gelegt. Hören wir, was hinter der Theorie von der Rentenseuche steckt. In den letzten Jahren sind von Kenntnis wenig angekränkelte Aerzte aus den Gedanken gekommen, daß die Aussicht, eine Rente erlangen zu können, zu Simulation von Leiden verführe. Noch schlimmer aber sei, daß viele Objekte einer Rentensucht suggestiven Einflüssen unterlagen; deren Folgen seien psychische Störungen, die weiter nervöse Erkrankungen ltraumatischc Neurose) verursachten. Den Gewerkschaften niacht Bernhard den Vorwurf, daß sie die „Rentenhysteric" förderten, weiter aber auch die sozialen Einrich- tungen parteipolitisch mißbrauchten. Zu dem erstcren Vorwurf schreibt er:„In einem Lande, in dem viele Millionen Menschen in einheitlicher Weise versichert sind, richten sich natürlich immerfort viele Millionen Augen auf den geldspendenden Vcrsichcrungs- Mechanismus. Jede Lücke im Aufbau wird erspäht und ausge- nutzt, jede Möglichkeit wird erprobt und wird schnell in den breiten Massen wohlbekannt. Und diese„Orientierung" der Massen ist keineswegs auf den Zufall angewiesen, sondern vollkommen oraa- nisiert. Heute haben die Arbeiterverbände, und zwar sowohl die sozialdemokratischen wie die anderen Verbände ihre„ständigen Vcr- tretcr" am ReichsversicherungSamt; Sekretäre, von denen nicht nur die Arbeiter in de» Prozessen unterstützt werden, sondern durch die auch die Presse niit Material versehen und die Mitglieder des Reichstages orientiert werden." Die den armen, vielfach unbeholfenen, meist gcsetzcsunkundigen Unfallverletzten von den Gewerkschaften dantenswerterweise ge- leistete Hilfe soll einen Anreiz zu Simulationen gegeben, die Ver- breitung nervöser Erkrankungen gefördert haben! Also seien die Gewerkschaften verantwortlich für die Rentenseuche! Wie steht es denn mit den behaupteten„unerwünschten Folncu der Sozialpolitik" und deren Ursachen in Wirklichkeit? Professor Bernhard beruft sich aus eine reichhaltige medizinische Literatur. Sic soll eine erschreckliche Ausbreitung der Renten- seuchc dartun. Aber das Material iit wenig einwandfrei. Das konstatiert selbst wieder Bernhard, nämlich dann, wenn ärztliche Untersuchungen seine Beweisführung nicht zu stützen vertnö-uui. Verschiedene Erhebungen haben nur eine verschwindend kleine Zahl von traumatischen Neurosen festgestellt. Das soll ein Manko in der E'hebungsart sein. Was nicht paßt, taugt nicht. Solche Methode erhöht sicher nicht den Wert der übrigen wissenschaftlichen Feststellungen, bei denen eine der anderen widerspricht. Bald soll man glauben, den meisten Rentenansprüchen läge Simulation zu- gründe. Ja, man hört sogar, daß der Schwindel planmäßig be- trieben und gefördert werde.„In Oberschlesien zum Beispiel gebe es erfahrene Rcntcnbezieher, die geradezu Unterricht erteilen in der Simulation der traumatischen Neurose. Und selbst wenn nicht direkt„Unterricht" erteilt werde, brächten die Verhältnisse es mit sich, daß der deutsche Arbeiter heute allenthalben Gelegenheit findet,„sich zu informieren". So werden unerhörte Verdächtigungen ausgesprochen. Die Beweisführung schenkt man sich. Schließlich ist ja nichts Positives behauptet worden. Das soll„voraussctzungslose Wissenschaft" sein. Tie Behauptung von dem großen Umfange von Simulationen wirft Bernhard übrigens selbst bald wieder über den Haufen durch die Feststellung, daß sich Simulation schwer, oft überhaupt nicht nach- weisen lasse. Selbst cachierte Experimente der untersuchenden Aerzte sollen da vollständig versagen, so bekundet Bernhard: „„So warnt z. B. Schuster'die Aerzte davor, ein starkes, mit plumpem Hinstürzen verbundenes Schwanken deshalb für simuliert zu erklären, weil es„gar zu abenteuerlich, grotesk und gemacht aussieht"; denn die Hysteriker machen beider Untersuchung oft genau denselben Eindruck. Ja, es gibt kaum eine Erscheinung. die beim Hysteriker nicht ebenso wie beim Simulanten beobachtet wird." Man hat geradezu ingeniöse Apparate und Methoden aus- gedacht, mittels deren falsche Angaben des Patienten aufgedeckt werden sollten. Alle diese Methoden haben den Fehler, daß sie unter Umständen bei uninteressierten Hysterikern genau das gleiche anschincnd bloßstellende Resultat liefern können, wie bei Simu- lauten."" Wundern muß nian sich nur. daß trotz dieser Feststellung mit unfehlbarer Sicherheit ein starkes Vorherrschen der Simulation „festgestellt" wird. Die Wissenschaft versagt, subjektive Auffassung und Voreingenommenheit soll dafür als gläubig hinzunehmende Beweisführung gelten.� Es gehört eine starke Portion Leicht- gläubigkeit dazu, dein Herrn Prof. Bernhard zu folgen. Beweist er doch im folgenden Kapitel seiner Schrift, daß die Simulation eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spiele, die größere Gefahr in der Suggestion als Vehikel nervöser Erkrankungen zu suchen sei.„Je genauer die Aerzte die verschwimmende Grenze zwischen Simulation und Hysterie studierten, je mehr Material sich an- sammlte, um so entschiedener wurde die Ucberzeugung, daß den hysterischen, den nervösen„Rcntencrkrankungcn" eine weit größere Bedeutung zukomme, als der Simulation, lind man bezweifelt beute nicht mehr, daß in der Verbreitung der hvsterischen. neurajthe- iiischcn hypochondrischen Erscheinungen eine Gefahr liegt." liegt." Nach solchen widersprechenden Feststellungen mutet es eigen- artig an, wenn Professor Bernhard sich moralisch über Unfallocr- etzte entrüstet, die eine Rente erstreben, weil sie eine Beschädigung ihres Körpers erlitten, ohne daß schwerwiegende, das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit erheblich störende Folgen nachwirken. Solche Entrüstung ist insbesondere dann deplaziert, wenn ipan nicht grundsatzlich und entschieden das arbeitslose Einkommen der Divi- dendcnschlucker bekämpft. Jeder Unfallverletzte hat Opfer gebracht im Dienste des Allgemcinintercsses. Kein gleiches Verdienst stützt die Ansprüche der Aktionäre. Ter Kampf Bernhards gegen die Sozialpolitik läuft aber darauf hinaus, aus Kosten des Unsallver- letzten die Renten jener für die Produktion überflüssigen und nutz- losen Elemente zu steigern. Taß die nervösen Erkrankungen Unfallverletzter im Zunehmen begriffen sind, ist eine Tatsache, für welche Bernhards Schrift nicht die wesentlichen Besiimmungsfaktoren herausstellt. Neben de» rein objektiven Ursachen, die in der Veränderung der Arbeitsmethoden und der gesteigerten Intensität der Arbeit beruhen, kommt ein Moment subjektiver Natur in Betracht, das die Berufsgenossen- schasten verschulden. Es war von jeher ihr Bestreben. Unfallver- letzte vom Rentengenutz auszuschließen, mindestens die Renten sehr niedrig zu halten. � naturgemäß die Sorge Unfall- verletzter, erhöhte ihre Reizbarkeit und die Einvfänglichkeit für suggosnve Einflüsse. Je mehr cie Unteriichmer die Rentenquctscherei ausbauten, systematisierten und mir Hilfe von Bertraucnsärzlen •) Berlin, Verlag von Julius Springer. 1813. i.yg M. rücksichtslos durchführicn, mußten auch die nachteiligen Folgen bei den Unfallverletzten schärfer in die Erscheinung trete». Der Schrecken der Rentenquetsche ward der beste Nährboden für„seelische Jnfek- tion",„traumatische Neurosen"—„Nenteruhlssterie". Diese nabc- Iiegen.de Tatsache, sowie die der ganz allgemein gesteigerten Empfänglichkeit für nervöse Erkrankungen, wovon ganz natnr- gemätz Unfallverletzte nicht ausgeschlossen sind, würdigte Professor Bernhard gar nicht. Die Schriften von Acrztcn, die dies darlegen. leimt er wohl nicht. In die Tendenz seiner Schrift passen sie aller- dings nicht hinein. Er folgt lediglich jenen famosen, durch Schars- uiächerhctze und Rcgicruugsukase großgezogenen Simulations- riechcrn, die es gar fertig gebracht haben, Personen einen Tag vor ihrem infolge infolge Invalidität cingetretencii Tode für völlig erwerbsfähig zu schreiben. Bernhards Reformvorschläge sind, zum Teil wenigstens, sehr geeignet, das Uebcl ßu verschlimmern, nämlich, die Unfallverletzten nocki mehr in Angst, Sorge und Unruhe zu versetzen� und da- durch bedenkliche physische Rückwirkungen auszulösen. Er fordert die Aufhebung der Kostenlosigkcit des Verfahrens in Unfall- rentciisachen. Angeblich ich sogar die Sozialdemokratie mit der Einführung von Gebühren einverstanden. Bernhard beruft sich dafür auf den Abg. Hoch, der am 2l. März 1912 iin Reichstage erklärt habe:„Wir haben sogar zugestanden, daß den Arbeitern die Kosten für das Gutachten(des vom Arbeiter bezeichneten Arztes) dann auferlegt werden können, wen» die Behörde der Meinung ist, das Gutachten werde nicht nötig sein." Professor Bernhard vergißt dabei einen wesentlichen Umstand. Hochs Erklärung ist keine grund- sätzliche Erklärung für die Einführung von Gebühren, sein Zuge- ständnis sollte Unfallverletzten nur ermöglichen, ihre Ansprüche überhaupt durch das Gutachten eines unparteiischen, von ihnen erwählten Arztes stützen zu tönncw. Tie Einführung von Gebühren für das ganze Pcrsahrcn würde den Verletzten die Geltendinachung von Ansprüchen sehr erschweren; sie sollen ja auch abschreckend wirken. Weiter befürwortet Bernhard die planmäßige Einführung der Kapitalabfindung an Setlle dauernder Renten. Die Kapital- abfindung soll geradezu als Gesundungselixier wirken. Wenn man dem Verfasser glauben dürfte, dann wären die meisten Unfall- verletzten i» dem Augenblicke, in dem sie eine Kapitalabsiiidung in der Tasche hätten, von allen Unfallfolgen plötzlich und gründlich ge- heilt. Am besten dürfte diese Medizin den Unternehmern bekommen; sie erspart ihnen Unfallkostcn. In denjenigen Kreisen, die, ohne einzelne Schäden als fast unvermeidliche Begleiterscheinungen zu übersehen, die Verhältnisse mit nüchternen Blicken und sozialem Verständnis überblicken, wird Professor Bernhard mit seinen Bestrebungen wenig Gegenliebe finden. Er muß sich schon mit dem Beifall derer begnügen, die alles durch Scharfmacherbrillcn anschauen. Ter Vorzug der Schrift ist ihre unverkennbare Einseitigkeit, die ihr allzu scharf den tendenziösen Stempel aufdrückt. Wäre, was Bernhard schreibt, „Wissenschaft", so wäre die„Wissenschaft" eine gefällige Dirne für Kapitalsinteressen. Es ist aus dem literarischen Markt selten oder vielleicht nie eine Schrift erschienen, die mit mehr Vor- eingenommenheit mit den tatsächlichen' Verhältnissen Schindluder treibt als die Bernhardsche. Konftreu; der Schiffsnissschinisten und Hcher. Am Sonntag trat im Berliner Gewcrischaftshause eine Kon- scrcnz zusamnien, die der Verband der Maschinisten und Heizer sür seine in der Binnenschiffahrt aus der Elbe, der Oder und den märkischen Wasserstraßen beschäftigten Mitglieder einberufen hatte. Die Konferenz war von 40 Delegierten sowie von Vertretern des Haupworstandes und der Gauleitung besucht. Nach Eröffnung der Konsercnz erstattete Gauleiter D Y r r- lich den Jahresbericht. Er bezeichnete den Fortschritt, den die Organisation im Jahre 1912 gemacht hat, als eine» sehr erfreulichen. Es hat sich ein reges Organisationsleben in allen Gebieten der Schiffahrt entfaltet. Tic Mitgliedschaft hat nicht nur in ihren alten Gebieten zugenommen, sondern sie hat mich in Betrieben Fuß gefaßt, die ihr sonst ver- schlössen waren. Die Mitgliederzabl betrug am Schluß des Jahres 1911 2129, Ende 1912 waren es 2540. Das jst eine Zunahme von 420 Mitgliedern. Neu aufgenommen wurden im Gebiet der Elbe, Saale und Havel 383, der Oder und Warthe 571, der Kanalschifs- fahrt 149, zusammen 1103 Aufnahmen, denen ein Abgang von 683 gegenübersteht. Es ist also noch eine erhebliche Fluktuation zu verzeichnen, doch ist sie nicht mehr so groß wie früher.— Das System der Vertrauensmänner hat sich gut bewährt.'Ohne das- selbe hätten die Funktionäre ihre Arbeiten nicht in dem Ilmfange erledigen lönnen, wie es geschehen ist. Die Agitationsarbcit war eine sehr rege.. Es wurden 203 Versammlungen abgehalten, und Zivar 38 im Gebiet der Elbe, 145 an der Oder und im Stcttincr Hafen, 14 an den märkischen Masserstraßen, 6 an der Warthe. Mehrere Lohnbewegungen wurden geführt. Tie bedeutendste war im Stettincr Hafen, wo es zum erstenmal gelang, einen erfolg- reichen Vorstoß zu machen. Es kam zum Abschluß eines Tarifver- träges mit den Reedereien. Im ganzen wurden im Laufe des Jahres 8 Tarifverträge abgeschlossen. 672 Agitationsbroschüren und 32 000 Flugblätter wurden verbreitet, von denen die meisten die Lohnbewegung im Stettiner Hafen und die im November ein- geleitete allgemeilic Lohnbewegung betrafen.— Ter Kassenbericht zeigt gleichfalls ein erfreuliches Bild. Die Einnahmen betrugen 49 920,39 M., die Ausgaben 47 217,85 M., der Bestand am Jahresschluß 2702,54 M. Das Vermögen der Kasse bcläuft sich auf 10 968,99 M. Für Unterstützungszwecke wurden ausge- geben an Arbeitslose 3563 M., an Kranke 2595 M., bei Sterbe- fällen 395 M., an Streikende 409 M., an Ausgösperrte 296 M., an Gcmaßregelte 96 M., für Umziehende 5l3 M., sür Rechtsschutz 1454 M.— Ein Zeichen sür den geistigen Fortschritt der Mitglieder ist die rege Benutzung der Bibliothek, namentlich die immer größer werdende Nachfrage nach Werken der Nationalökonomie, Geschichte, Naturkunde usw. Am Schluß seines Berichts ging der Redner auf die Diffe- renzcn ein, welche zwischen dem Verbände der Maschinisten und Heizer und dem Transportarbeiterverbande bestehen. Im Novcm- der habe der Transportarbeiterverband eine Reichskonferenz seiner Biniierschiffersektion nach Hamburg einberufen. Tie Tagcsord- nung sei auch für die Maschinisten und Heizer sehr wichtig ge- Wesen. Trotzdem sei der Verband der Maschinisten und Heizer zu der Konferenz nicht eingeladen worden. Diese Unterlassung habe der Verband der Maschinisten und Heizer als einen Bruch des zwischen beiden Verbänden bestehenden Kartcllvcrhältnisses angesehen und der Meinung Ausdruck gegeben, daß ein Zusammenarbeiten mit dem Transportarbeiterverbande nicht mehr möglich sei. Das Vcr- halten des TranSportarbeiterverbandcs erkläre sich dadurch, daß et den Verband der Maschinisten und Heizer nicht für existenz- berechtigt halte. Der Transportarbeiterverband beanspruche alle in der Binncnjchissahrt Beschäftigten iür sich. Demgegenüber müsse betont werden, daß der Verband der Maschinisien und Heizer nicht r't kxistcnzbcrechtigt, sondern notwendig sei. Es sei ausgeschlossen, laß der Trar.epertarbeitcrverband die Interessen des Maschinen- Personals in wünschenswerter Weise vertreten könne. Der Verband der Maschinisten und Heizer befinde sich in stetiger Vorwärts- entwickelung. er labe keinen Grund, sich mit dem Transport- arbcirerverbande zu verschmelzen. Die Mehrheir unserer Mit- giieder fühlt sich>» unscrer Organisation überaus wohl.(Sehr richtig!) Sollte der Kampf in der beiderseitigen Presse weitere Kreise ziehen und der Transportnrbciterverband mit Grenzstreitig- keiten gegen den Verband der Maschinisten und Heizer auftreten. so kann ich, sagte der Redner, erklären: Wenn der Transport- arbeiterverband in der Lage ist, uns 18 Mitglieder abzunehmen. so können wir ihm 100 Mitglieder abnehmen. Die Wünsche, die der Transportarbcitcrverband uns gegenüber hat, werden sich nicht erfüllen.(Beifall.) Diskussion über den Geschäftsbericht befaßte sich vorwiegend mit Einzelheiten geschäftlicher irnd önlicher Natur. Hinsichtlich des Konflikts mit dem Transportarbeiterverband stellten sich alle Redner auf den vom Referenten vertretenen Standpunkt. Scheffel vom Hauplvorstand sagte,.er bedauere da? ge- spannte Verbättnis zwischen beiden Verbänden, aber die MaschiniNen und Heizer könnlen von ihrem Standpunkt nicht abgehen. Es heiße. sie seien schuld an dein Konflikt, denn sie hätten eine Aussprache der beiderseitigen Vorstände über den Gegenstand des Konflikts abgelehnt. Dies sei zwar richtig, es habe aber guten Grund. Seck>S Tage vor der angesetzten Sitzung der beiden Vorstände habe das Organ des Transportarbeiterverbandes„Der Seemann" so scharfe Angriffe gegen den Verband der Maschinisten und Heizer gebracht, daß diese sagten, jetzt habe die Sitzung keinen Wert mehr. So bedauerlich der Konflikt auch sei. jetzt mußten sich die Maschimjten und Heizer ihrer Haut wehren, was ihr gutes Recht sei. In den Tranöportarbeiterverband würden sie sich nicht hinüberziehen lassen. Grcnzsireitigkeiten zwischen beide» Verbänden könne es nicht geben. denn die Grenze sei ganz scharf gezogen: Ueber Deck der Trans- Portarbeiterverband, unter Teck der Verband der Maschinisten und Heizer.(Beifall.) Die allgemeine Lohnbewegung im Gebiet der Elbe, Oder und mörkische» Wasserstraßen bildete den Gegenstand, mit dem sich die NachmittagSsitzung der Konferenz beschäftigte. Es handelt sich um die Bewegung, welche gemeinsam vom Verband der Maschinisten und Heizer und dem Transportarbeiterverband geführt wird. Die Verhandlungen, welche beide Verbände wegen ihrer Forderungen mit dem Arbeitgeber- verband für Binnenschiffahrt führten, zeitigten am 29. Dezember eine Erklärung des Arbeitgeberverbandes, wodurch er sich bereit erklärt, die bestehenden Vereinbarungen aus drei Jahre zu verlängern unter folgenden Bedingungen: Die Löhne werden um 6 Mar? pro Monat erhöht. ES wird eine paritätische Kommissioil mit einem unparteiischen Vor« sitzenden eingesetzt, die statistische Erhebungen über die Beschäftigungs- und Ruhezeiten während der Fahrt der Schiffe machen soll. Diese Erhebungen sollen während des ganzen Jahres 1913 gemacht werden. Auf Grund derselben soll Ende 1913' eine feste, den Betriebsverhältriffen der einzelnen Stromgebiete angepaßte Regelung der Arbeitszeit vorgenommen werden. Sollte die Äoirunission schon früher feststellen, daß Mißstände allgemein vorbanden sind, so wollen die betreffenden Arbeitgeber sokort Abhilfe schaffen. Die Arbeitgeber sind bereit, die Wünsche bezüglich der Ueberstunden, Reisevergütung und Effcltenversicherung gruppenweise zu regeln. Die Antwort aus diese Erklärung wollte der Arbeitgeberverband biS zum 15. Januar haben. Der Transvorlarbeiterverband hat am 13. und 14. Januar zu dieser Erklärung Stellung genommen. D yrrlich gab einen sehr eingehenden Bericht über die Ver- Handlungen mit den Unternehmern. Die Maschinisten und Heizer Hütten nicht früher zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen lönnen und deshalb gleich gesagt, daß er seine Antwort erst am 28. Januar geben könne. In Uniernehmerkreisen habe man behauptet, das sei eine Vcrschleppiingspolitik. Da am 15. Januar noch keine Erliärung der Maschinisten und Heizer vorlag.� so hat das Maschinen- personal in den Großbetrieben der Elbichiffahrl die Kündigung er- halten. Auf der Oder hat die Firma Cäsar Wollheim an alle ihre Maschinisten und Heizer die Frage gerichtet, ob sie mitstrecken würden, wenn es zum Streik käme. Alle Kollegen haben einmütig mit„Ja" geantwortet.— Der Redner ersuchte die Konserenz, zu den Vorschlägen der Unternehmer Stellung zu nehmen. Die Kon- ferenz habe das letzte Wort zu sprechen. In der sehr ausgedehnten Diskuision trugen Redner aus allen Gebieten ihre Wünsche über die Gestaltung des Arbeitsverhältisiffes vor. Was die Erklärung der Unternehmer bietet, wurde allgemein als ungenügend bezeichnet. Vor allem wurde betont, daß an der Forderung der Nacht- und Sonntagsruhe festgehalten werden müsse._ Nach mehrstündiger Aussprache beleuchtete Scheffel von, Hauptvorstand die Situation nach allen Richtungen. Er wies darauf hin, daß sich der TranSportarbeiterverbaud durch die Resolution seiner Schifferkoiifereiiz seinen Mitgliedern, den Unternehmer« und der Ocffenilichkcit gegenüber festgelegt habe. Davon könne und iverde er nicht zurückgehen. Der TranSportarbeiterverbaud habe bis jetzt immer erklärt.' die Nacht- irnd Soimlogsruhe sei das Kampf- objekt. Iii seiner Resolution erkläre er sich zwar noch dafür, aber er habe doch der Erklärung der Unternehmer zugestimmt, welche die Nackt- und SonniagSruhe nicht bewilligt. Der Transportarbeiter- verband habe durch den Beschluß seiner Schiffahrtskoiifereiiz seinen früheren Standpunkt vcrlasscn ohne darüber mit den Maschinisten und Heizern zu sprechen. Durch diesen Beschluß sei die Situation sehr erschwer! lvorden. Die Durch- führuiig der Nacht- und Sonntagsruhe würde schon schwer sein, wenn beide Organisationen gemeinsam daiür kämpfen. Nachdem der TranS« portarbellerverband durch seinen Beschluß bekundet habe, daß er den 'Kampf nicht wolle, könne der Verband der Maschinisten und Heizer die Veraiilwortimg nicht auf sich nehnien, allein den Kampf auszunehmen. den der Traiisportarbciterverband vermeiden wolle. Aus diesen Gründen und mit Rücksicht ans die ganze Situation empfahl Scheffel Leitsätze, die bei deii weiteren Verhandlungen mit dem Arbeilgeberverband maßgebend sein sollen. Nach einer weiteren Debatte, die erst um l/zlv Uhr abends endete, wurde» die Leitsätze mit alle« gegen zwei Stimmen au- genommen. Der Borsitzende stellte fest, dag die beiden Delegierten nur deshalb dagegen stimmten, weil ihnen die Leitsätze nicht weit genug gehen. Die angenommenen Leitsätze lauten: Das Angebot der Arbeitgeber vom 29. Dezember 1912 bc- deutet zwar eine Verbesserung der bisherigen Verhältnisse, kann aber als ausreichend nicht betrachtet werden. Der Eiiisetzung einer paritätischen Kommission zwecks Vornahme statistischer Erhebungen und Begutachtung über die Dauer der täglichen Arbeitszeit ist zuziistimmen. Es soll anerkannt werden, daß sich die Arbeitgeber bereit erklärt haben, Mißstände allgemeiner Art auf Grund der Feststellungen sofort zu beseitigen. Es ist jedoch unmöglich, eine langfristige Ver- einbarung abzuschließen ohne Garantie dafür, daß die sehnlichst erwartete nächtliche Ruhepause eintritt. Die Gewährung der Nachtruhe ist dringend erforderlich. Sie kann aber unter Berücksichtigung der Verhältnisse der einzelnen Wasserstraßen als Uebcrgangsstadium bis auf 5 Stunden reduziert werden. Die Nachtruhe muß eine ununterbrochene sein und ist an Dampfer und Mannschaft gebunden.— Die in Aussicht gestellte Lohn- erhöhung von 5 M. monatlich ist uiizureichend. Die Beratung über die Lohnfrage, Regelung des UeberstundenwesenS, Reise- Vergütung und die übrigen Wimsche des Maschinenpersonals sind am besten gruppenweise zu regeln. In der Sitzung am Montag wurde zunächst die Arbeitsnachweisfrage behandelt. Aus dem Referat, welches K uh l ma n n- Hamburg erstattete, ist zu entnehmen, daß der Arbeitgeberverband für die Binnenschiffahrt im Jahre 1906 einen Arbeitsnachweis in Hamburg mit Nebenstellen an anderen Schiffahrtsplätzen errichtet hat. Dieser Arbeitsnachweis hat aber eine erhebliche Bedeutung vis jetzt nicht erlangt. In der Hauptsache lomuii für das Personal der Binnenschiffahrt die private Arbeitsvermittelung in Frage und tos Arbeitsuchen in Gastwirtschaften, tvo Arbeitgeber und Schiffs- führer verkehren. In mehreren Orten an der Oder besteht daS «unwürdige System der Schiffermärkte. Das arbeitslose Schiffs» personal findet sich dort in bestimmten Gastwirtschaften ein, wo die Arbeitgeber erscheinen, um sich das benötigte Personal auSzu- suchen. Allen diesen unwürdigen Zuständen in der Arbeitsver- Mittelung ein Ende zu machen durch Errichtung eigener Arbeits- tiachweise ist das Bestreben des Verbandes. Einen dahingehenden Auftrag hat die borige Konferenz der Gauleitung erteilt. Die Gauleitung ist dem dadurch nachgekommen, daß sie in Stettin »einen Arbeitsnachweis errichtet hat, der gut floriert. Vorarbeiten �.ur Errichtung weiterer Arbeitsnachweise sind gemacht. Die Ar- deitSnachweiSfrage kann aber nur dann befriedigend gelöst werden, wenn es sich die Kollegen zur Pflicht machen, zum Arbeitsuchen nicht mehr in die Gastwirtschaften und zu den privaten Vcrmitt- lern zu gehen, sondern nur den Arbeitsnachweis der Organisation gu benutzen. Dem Referat folgte eine längere Diskussion, in der die gegen- wärtigen Mißstände der ArbcitSvermittelung an Beispielen auS dem Leben beleuchtet wurden. Hierauf beschäftigte sich die Konferenz mit der Beratung der eingegangenen Anträge, von denen die folgenden angenommen wurden: DaS schon einmal erschienene Agitationsblatt ist nach Be- darf, jedenfalls aber nach Schluß eines jeden Vierteljahres heraus- zugeben.— Ein Statutenanhang für die Mitgliedschaft Elbe-Odcr- Havelschiffahrt soll herausgegeben werden.— Arbeitsnachweise sind baldigst ins Leben zu rufen und hat jedes Mitglied jährlich eine ArbeitSnachweiSmarle zu 75 Pf. zu kleben. Stein- Glogau wurde einstimmig als Angestellter im Gau- tbureau gewählt. Die Wahl des Mitgliedschaftsvorstandes hatte folgendes Ergebnis: D Y r r l i ch- Berlin, Krebs- Dresden, P r ü tz- Schönfließ, Pasche- Bernburg. K u r r e ck- Ohlau, M o r d st e i n- Breslau. Schulz- Breslau, K r a h n° Wolfshorst. Letto-Fiddichow, S t ä h n k e- Tschicherzig, B a u tz- Hamburg. .K u h l m a n n- Hamburg, Bansemar- Hamburg, Richter- Lföagdeburg, Stark- Brandenburg. Im Anschluß an ein von Krebs-Dresden erstattetes Referat über Rechtsschutz entstand eine Aussprache über einige Fälle, in denen der Verband Rechtsschutz gewährt hat. Damit war die Tagesordnung erledigt. In einem Rückblick auf den zur Lohnbewegung gefaßten Beschluß betonten Gauleiter Dyrrlich und Verbandsvorsitzender Scheffel, daß die Lohn- kommission, gestützt auf den Beschluß der Konferenz, die Interessen der Kollegen mit besten Kräften vertreten und so viel wie irgend möglich herausholen werde. Es gelte jetzt, die Bewegung zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Hus aller Melt. Erstklassige Börsengauner. Der alte Börsentrick, faule Gründungen durch feudal klingende Kamen zu verbrämen, ist wieder einmal mit bestem Erfolge geübt worden. Vor einiger Zeit wurde in Paris mit dem gehörigen Tamtam eine südspanische landwirtschaftliche Hypothekenbank ge- gründet. Das Geld derer, die nie alle werden, floß in breitem Strome in die Kassen der Bank— bis eines Tages zahlreiche Leidtragenden die VerwaliungSräte der Bank wegen Betruges anzeigten. Die Untersuchung hat, wie der„Malin" meldet, ergeben, daß von den Gründern dieser Bank ver- schtedene betrügerische Machenschaften verübt . und durch die Ausgabe von heute wertlosen Obligationen französische Kapitalisten um mehrere Millionen gebracht wurden. Unter den von dem Unter- suchungSrichter beschuldigten VcrwaltungSrätcn befinden sich mehrere hervorragende spanische und französische Persönlichkeiten, so der che- 'mälige spanische Senator Carracossa. der Konservator des Versailler Schlosses be Nolhac, Graf de Chambure und der Bankier Pegueigtrot. Präsident des BerwaltungSrateS war �is zur AnSgabe der Obligationen der spanische Botschafter in Paris, Perez Caballero» gegen den jedoch wegen seiner exterrito- rialen Stellung eine gerichtliche Untersuchung nicht eingeleitet werden konnte._ Ein streitbarer General. Auch New N o r k hat jetzt seine HounSditch-Affäre, die dort großes Aufsehen erregt. Der in der New Aorker Gesellschaft sehr bekannte General Sickles steht unter dem Verdacht, Staats- gelber veruntreut zu haben und es war daher seitens der New Aorker Staatsanwaltschaft ein Haftbefehl gegen ihn er- lassen worden. Als der General davon Kenntnis erhielt, ver- barrikadierte er sich in seinem in der 5. Avenue gelegenen Hause und erklärte der Polizei, daß er ein unberechtigtes Eindringen in sein HauS nicht gestatten werde. Sollte die Polizei eS dennoch wagen, sich mit Gewalt Einlaß zu ver- schaffen, so werde er nicht zögern, von seinen Waffen Ge- brauch zu machen. Nur über seine Leiche führe der Weg in sein HauS. Der General bewaffnete alle Be- d i e n st e t e n, die ihm treu ergeben sind und verproviantierte sich mit großen Mengen Lebensmitteln, so daß die Polizei, die das Gebäude augenblicklich belagert, diese Belagerung wohl noch einige Tage wird fortsetzen müssen. Bisher konnte sie sich nämlich noch nicht entschließen, sich gewaltsam den Weg in das HauS zu bahnen; sie will vielmehr versuchen, den General auf gütlichem Wege zum Nachgeben zu veranlassen._ Katastrophe auf der Nciv Jorker Hochbahn. Ein schweres Unglück hat sich unweit der dritten Avenue auf der New Aorker Hochbahn ereignet. Dort stießen zwei Züge aufeinander, wobei durch den entstehenden Kurzschluß mehrere Wagen in Brand gerieten. Etwa 20 Passagiere wurden hierbei schwer verletzt. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle und brachte die erste Hilfe. Die Passagiere ließen sich in wilder Ausregung an den Pfeilern der Hochbahn hinunter. Die Retter hatten Mühe, die in wilder Panik flüchtenden Frauen und Kinder vor weiterem Unheil zu bewahren. Eine Frau wurde wahnsinnig, zwei andere Personen konnten nur noch als verkohlte Leichen aus dem brennenden Wagen herausgezogen werden. Der Löusi ist los! In einem Theater der Pariser Vorstadt Belleville wurde Sonn- abendabend eine Pantomime gespielt, in deren Schlußszene ein Löwe hinter einem Gitter vorgeführt werden sollte. Infolge eines VersebenS deS Maschinisten erschien der Löwe jedoch außerhalb des GitterS. Unter der dicht gedrängten Zuschauermenge ent« stand eine Panik, und alles stürzte dem Ausgange zu. Der Löwe, den das Geschrei erschreckte, sprang in eine Pro- szeniumSloge und von dort in das anstoßende DirektionS- zimmer. Von hier wurde er durch den Tierbändiger in den Käfig zurückgetrieben. Mehrere Frauen und Kinder erlitten im Gedränge Verletzungen._ Eine Zeutrumöstütze gebrochen. Der frühere Inhaber des katholischen Gesellen- Hauses in Esien-Rüttenscheid, Gastwirt Ferdinand Groß, hat in Verbindung mit einem Obersaktor der SpeditionS- firma Van Eupen eine Unmenge Güter auS dem Bahnhofslager« schuppen der vorgenannten Firma an sich gebracht. Die Spiz- bübereien wurden ganz planmäßig betrieben und verteilen sich über einen längeren Zeitraum. Gestohlen wurden ganze Kisten Zigarren, Branntwein, Stoffe," ganze Ballen Tücke, Butter, Fleisch, Ge- flügel usw.'» ja sogar ein Klavier, eine. Zimmer ein rich- tung und ein Ersschrank. Den größten Teil der Sachen hat Groß erhalten. Den Mann hat seine Frömmigkeit-nicht- gehwdskt, die Hehlerei im-Großen zu-betreiben. Er ist in Essen als strammer Kämpe gegen den Um- it u r z st a d t b e l a n n t und gehört vielen katholischen Vereinen an. DaS Gericht schickte den frommen Gauner wegen gewerbsmäßiger Hehlerei aus 1 Jahr 1 Monat in- Zuchthaus und verfügte seine sofortige Verhaftung. Sein Komplize erhielt l Jahr 5 Monate Gefängnis_ Betrügereien eines Mönches. Große Aufregung hat in Florenz die Verhaftung deS dort sehr bekannten Paters Alles sio Bellanri vom Heiligen- Geist- Kloster hervorgerufen. Der Berhosiete ist inzwiichen überführt worden, zwei Basreliefs, die der Kirche deS KlostxrS geboren. heimlich verkaust zu haben. ES handelt sich um zwei Madonnenbilder, die man anfangs dem Rosielini und Jacopo della Ouercia zuschrieb, von denen aber jetzt die Sachverslänvigen sageir, daß sie nur der Schule dieser beiden Meister entstammen. Dem- gemäß ist auch der Wert der gestoblenen Kunstwerk?, den man erst ans eine halbe Million Lire bezeichnete, ganz wesentlich geringer. Der biedere Mönch verkaufte beide Kunstwerke für zusammen 80(X1 Lire an einen Tischler, dem er eine Erklärung gab, daß die Objekte sein freies Eigentum seien. Durch dieses Schriilsinck wurde seine Schuld außer Zweifel gestellt. Der Tischler soll in gutem Glauben gehandelt haben und ist bereits in Freiheit gesetzt worden. Die Basreliefs hat er für 18(XX) Lire einem Antiquar verkauft, in dessen Besitz die eine Madonna beicklognahmt wurde; die a»d«rc will er an einen Fremden verkauft haben. Kleiue Notizen. Eisenbahnunglück. Wie unZ aus Hameln gemeldet wird. entgleiste am Sonnabendabend in der Nähe der Slation Diel- missen ein Perionenzug der Kleinbahn. Der Zugführer M u n, rn fand bei dem Unglück den Tod, fünf Reisende erlitten mebr oder iveniger schwere Verletzungen. Neubaueiiistur; in Warschau. Durch den Eiusturz einer Wand der im Bau befindlichen öffentlichen Bibliothek in Warschau sind am Sonntag mehrere Menschen ums Leben gelommen. Bisher wurden fünf Tot? geborgen. Dammbruch am Mississippi. Etwa 100 englische Meilen von B i ck s b u r g entfernt ist am östlichen User des Mississippi ein Schutzdainm in einer Länge von 200 Fuß geborsten. Die Wasserfluten überschwemmten eine Fläche von etwa! 000 Ouadratmeilen und vernichteten die Saalbestände. Hundert« von Familien flüchteten an höher gelegene Plätze. Menschenleben hat die Flur bisher nicht gefordert. Schwerer Grubenunfall. Im Egmontschacht der Schlesischen Kohlen- und Kolswerte in Gottesberg verunglückten Montag moxgen bei der Einfahrt der Frühschicht durch zu schnelles Auf- setzen des Fördertorbes einige Bergleute. Drei Mann wurden schwer v e r l e tz t in das Waldenburgsche KnappschaftS- lazarctt übergeführt. Dynamitattentat anf der Pariser Untergrundbahn.. Auf der im Bau befindlichen unterirdischen Strecke Jnvalidenplatz der Nord- süd-Stadtbahn ereignete sich'eine in böswilliger Absicht durch eine Sprengmine herbeigeführte Explosion. Ein großer Teil der fast fertiggestellten Tunnclarbeiten wurde zerstört. Wäre dix Sprengpatrone nur einen Meter weiter vom Fundort der Spuren gelegt worden, so wäre die EaSleitstng nächst dem großen Magazin von Bonmarche explodiert und es wäre eine Katastrophe von ungeheurem Umfang erfolgt. Ter Straßenkörper des Bonmarche wurde schwer beschädigt. Fliegcrunglück. Bei einem Probeflug auf dem Flugplatze Branderhaid bei Aachen stürzte der.Flieger Robert Pelz auS Johannisthal aus zehn Meter Höhe, gh und.war sosort-fot. rot-: va; bedeutsamste Such unserer Zeit! floimii Dngtll Bit sslsche Rertnuing (tDae bringt der Arieg ein?) preis: Gebunden l.25 Mark Vita, Deutsches Verlagshaus, Verim-Charlottenburg rvas dje presse sagt: Deutschland: England: Um was handelt es sich? Da« vucb will de» ZZewcii e» bringe», daß beute in einer Weir, die von de» unverieylichen Zusammenschlüssen eine» incer- nationalen Arbeite. undAapieai. markte» regiert wird, der ttlili. rariimu» unfruchtbar werden mußte. Denn beurzurage werden vermdzenSschwankunzen da» durch bervoraebrachr, daß die türeianisse auf der einen Halste de» wrddaU«' sofort zur Aennr. ni« der ander» gelangen, wir leben eben in einer wpoch« der Welrentwickiuna, wo da« viel- rerzweigre Srfcem einer weit. Wirtschaft nicht zu durchbrechen iss. Die Uederlezenbeir einer ptation hängt nicht langer ron ihrer militärischen vor- herfichast ab, und weh« der» jenigen, die«ine ander« durch kriegerische Sewalt in ihrer ruhigen, wirtschaftlichen U!»r» Wicklung stört. Sie wird am«i» gcnen Leibe die Wunden sparen müssen, die ste«inet andern schlug, so unbeirrbar sind heute die Wechselwirkunzen der weit- politische» Zusammenhänge. Die hervorragendsten Rririker erklären, daß dieses-Vuch eine Revolution der Weltpolitik bedeutet. beweist folgendes: l. die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung der leyten 40 Jahre hat«knen neuen Zustand des Finanzwesens der ganzen tvelt herbeigeführt: einen gleich. zeitigen und gleichmäßig abgestimmten Bankzinsfuß, und Börsen, die in den großen Ivirtschaftsmittelpunkten der Welt sofort auf jede» Breignis reagieren. 2- Infolge dieser gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit ist es für eine große Vlation unmöglich geworden, eine andere zu schädigen, ohne selbst dadurch zu leiden. 2. Rriegerische Mittel können zwischen großen Nationen nicht mehr in gleicher Weise wie in vergangenen Zeiten benuyt werden: He gibt keine Konfiskation mehr; die Rente der Staatspapiere steht in den kleinen Staaten höher als in den großen 4. Auch unsere Industrie ist abhängig vom Rredite Europas. 5. der auswärtige Handel ist ebenso auf inländischem,«je auf ausländische» (französischem und englischem) Gelde aufgebaut. 6. diese Erwägungen zwingen zum wohlwollenden Verständnis unu zur geschäft»- mäßigen Zusammenarbeit aller Nationen. ZU haben in allen Buchhandlungen! �Kölnische Zeitung".«Kh» D ailp Ntäil" Der Leser wird zugebe», daß hier die Friedentsrag« in neuer und gr>»>dsälz!ich einieuchcender Weise behandelt ist. Der A-rn. Punkt, von dem die centwickiung autgeht, die dcm stiege ent- gegenwirten muß, nämlich die internationale verknüpiung de» Kredit», ist in der»inschiäzigen jCüeracur bisher so schart noch nicht dettachtet ward«». It» ist erlrischend zu l-se«, wie in dics-r unsenkimentalen, praktische« weise daraus bingewiesen wird, daß, i» nrebr die gegenleitig« finanzielle Adbänzizkeir zu- nimmt, der Arieg.«i»«ine rein geschäftliche Spekulation, not- wendigerwcise mehr und mehr unproprabei wird. „Der rag",»rrlin. ... Dies« lkrkenntni«, die auf unzweifeihast richtigen öko. nomische» Iktwägiiimc» beruht, muß, da» ist die Abfichr de« vuchc». in die(tuc.Slovoxeuj. wenn man da« Such gelesen bat südlt ma» nicht dloß sei»« Wr-gicr befriedigt: man ist bestürzt und-«tzbckr. Ki ist ,4« Ttpich, de Toulouse-,„jchc.»i« »_ ,» CIN drastischer Autdruck irgend. tcel-hee bekannter«inwände gegen den Ariea. IC» ist viel. mebr—«» erscheint rielmehr ai»«ine neue Denkleistung, ein eiiidrinziichen Aüdnb«>r"V1" revolutionäre» Werk voil her- leidigten Sedanteiigang»«orragender vedeurung, ein« I.ift»..i-/4./.f,Iichere» 3nt«r II voUstänSizt wegsezuna der kon» ventionelle» Ansichten üderwelc. Politik— ein« Leistung, die an die»pochemachend« „ientst«hungd»rArr«n"auf dem Seb.et, der Vioiogi, gemahnt, A ein Such hat in dlesemZahr- bu»d»tr mehr Aufmerksamkeit erregt und anregender gewirkt al»„Die falsche Aechnuncs'. Ikine bescheidene Veröffentlichung eine« unbekaniiten Verfasser», hat sich dasselbe allmählich seinen weg bi« zu den vordersten Aeihen gebahnt... Da» Werk ist zu einer bedeutsamen Roll« gelangt i» den gegenwärtigen lkiörrerungen über Rüstungen und Schiedtgerichte. „Daily chroniele". Mr. Angell zwang all« auf- richtigen.keser zu tiner voll. ständige» Revision der alten s«. griffe in bezug auf die ganz« Arieztfraze..... Die falsch« Rechnung" ist in der Tat ein« sehr preitwerte Haibkronen-Autgad« — die preitwerreste unserer Zeit in Europa. „Edinburgh Review". Mr. Anzell'» Srundgedank« kannnichtdtstrirren werden, und wenn die Tatsache»...»oj1' ständig begriffen sind,«>rd««>n der Dipiomari« zu e'"" Sründ- lichere» Umwälzung kommen. ai» diejeiiiS« Jidw. Arankrelch: „«.o a. t p t ch« de Touiv»,». In diesem Augenblick, wo in Europa gesäbtlichc w-ff'nru.« erschallen, erwecken die von Mr. Norman Ang.U m-r einer eindringlichen Aübndeit ver teidigrcn Sedankengäng« Icidensch-frlich-re« denn Uebrigen«.-üt-eb-ur- schon jemand wagen � � �r»r«n'�d..Ä»"n%A�.U SeiSfÄch aus die ll!nrs»,iduns«n "im i-lzr«n Augenbilä! läßt sich hie Stimm, der beunnihizteii a.naiizw-irvernehmen:„iesgilr, teil Aredir wirderberzusteUrn!" tust si-— und man lenkt rer- föhnlich ein. . Mr. Angell» Geist gleiche einer schar,«n Alinae. aber er handhabt si, wi»»in wissen. lcha stier, nicht wie»in Areuz- fahrer. lkr hält kein« predigt. sondern»> beiebrt. Sein �uch ist kein» Anwalrred«, sondern «in« vtw«i»sührung. $ i4t IMP ■H&IHwUC iHtßüU&ß» Sn&Htt* �itv Jyßnir fP..J\ P�. 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Daß die vorgeschützten Ablehnungsgründe der fach- tlchcn Begründung entbehren, daß kommunale Werke sich in Wirk- lichkcit sehr gut rentieren und dadurch der Allgemeinheit zum Borteile gereichen, das beweist Dr. ing. Fr. Grcineder-Köln im Journal für Gasbeleuchtung Nr. 51 1912. Er veröffentlicht dort Rentabilitätsberechnungen, denen die finanzwirtschaftlichen Ergeb- nissc von 128 Elektrizitätswerken zugrunde liegen. 197 Werke sind im Besitze von Gemeinden, 21 werden von privaten Gesell- scdaftcn betrieben. Die Werke erzeugen über ein Drittel der zur- zeit nutzbar abgegebenen Energie. Ferner bringt Grcineder die Ergebnisse von 37 ausländischen Elektrizitätsuntcrnehmen. Bei diesen sind aber die finanziellen Ergebnisse der Gemeindewerke mit denen der Privatunternchmcn zusammengeworfen, weshalb wir diese Angaben unberücksichtigt lassen. Bemerkt mag nur werden, daß die zusammengefaßten Ergebnisse der ausländischen Werke hinter den Rentabilitätsziffcrn der dcutscheli kommunalen zurückstehen. Wie der Verfasser hervorhebt, bezeigen die privaten Werke, bc- sonders wenn sie nicht gut rentiere», eine große Abneigung gegen die Bekanntgabe ihrer finanzwirtschaftlichcn Resultate. Es dürften daher hauptsächlich besser rentierende private Unternehmen sein, die das erforderliche statistische Material lieferten. Trotzdem treten die kommunalen Werke aus dem Rahmen des Rentabilitätsbildes als die bei weitem am vorteilhaftesten wirtschaftenden heraus. Die erfaßten 128 deutschen Werke erzielten im Gesamtdurchschnitt 19— 11 Proz. Bruttogewinn und zirka 4,5 Proz. Nettogewinn vom Anlagekapital. Einschließlich der Werke, die keine Angaben machten, schätzt Dr. Greineder den Bruttoübcrschuß auf 19 Proz., den Netto- Uberschuß auf 4 Proz. Für die privaten und kommunalen Werke getrennt und nach Größenklassen geordnet, geben wir über die nach dem Anlagekapital ermittelten Ucberschüsse folgende Aufstellung: Energieabgabe Gemeindcwerke Privatgesellschaften in Millionen Zahl UeberschüsseinProz. Zahl UeberschüsseinProz. Kilowatt brutto netto brutto netto über 29 4 15.33 7.94 3 19.21 4.14 von 29—19 11 13,92 6,82 2 7,28 5.19 . 19-7 4 13.1» 9.11__— . 7-5 7 13,56 6,98 2 7,63 1.72 B— 3 11 12,82 5.54 1 11.92 2,25 . 3—2 12 11,95 4,82 1 8,90 5,35 . 2-1 17 11,57 4,18 4 7,31 3,36 . 1—0,75 6 13,63 6,05 8 10,82 4,95 . 0,75—0,50 7 11,08 3,44 1 4,18 0,43 . 0,50—0,80 17 10,24 3,29 2 2,56 2,25 , 0,30-0,15 11 10,38 8,18 2—— Die Uebersicht stellt zwei Tatsachen einwandfrei heraus. Erstens die höheren Ueberschüsse bei den kommunalen Werken in Vergleich mit den Ergebnissen der privaten Unternehmungen und dann das Wachstum der Ueberschüsse mit der Zunahme der Energie- abgäbe, wie das scharf und klar bei den Gemeindewerken in die Erscheinung tritt. Die mis der Reihe fallende hohe Rentabilität bei Werken mit 9,75— 1 Million Kilowatt Energieabgabe erklärt sich wahrscheinlich aus Zufallsgründen. Angaben darüber enthält die Statistik leider nicht.' Bei den Privatgesellschaften schwankt die Rentabilitätsziffer viel mehr. Die Ursache davon dürfte jedenfalls in der unter- schicdlichen Finanzpolitik der Unternehmer zu suchen sein, wobei sehr oft spekulative Erwägungen von bestimmendem Einfluß sind. So große Bedeutung man diesem Moment auch zumessen mag, an der Tatsache, daß die kommunalen Werke sehr vorteilhaft wirt- schasten. in der Rentabilität den privaten Unternehmen mindestens nicht nachstehen, ist nach den vorstehenden Angaben nicht mehr zu Sweifeln. Das erhöht ihren Haupworzug, der darin besteht, daß die erzielten Gewinne nicht in die Taschen der überflüssigen Aktiv- gmre fließen, sondern der Allgemeinheit zugute kommen. Dr. Greineder liefert weiter noch eingehende Älachweise über bic Rentabilität des Gas- und Elektrizitätswertes der Stadt Düsseldorf. Danach ergibt sich für die Jahre 1892 bis 1919 ein durchschnittlicher Nettoüberschuß in Höhe von 8,62 Proz. beim Gas- Werk und von 4,15 Proz. beim Elektrizitätswerk. Für das Be- Iriebsjahr 1919 hat sich das Verhältnis zugunsten des Elektrizitäts- Werkes verschoben. Dieses lieferte einen Nettoüberschuß in Höhe von 5,22 Proz., das Gaswerk einen solchen von 8,19 Proz. Hervor- zuheben ist noch, daß es sich bei den Gas- und Elektrizitätswerken nicht um ganz einfache, leicht zu leitende Anlagen handelt, sondern um solche, deren Betrieb tüchtiges kaufmännisches und technisches Personal erheischt. Solches heranzuziehen, ist eine Hauptaufgabe der Verwaltungen. An Gehältern darf dabei natürlich nicht ge- knausert werden. Die kaufmännische Leitung der Werke irgend- einem Sekretär zu unterstellen, wäre gerade so verkehrt, als wenn auf die Anstellung eines tüchtigen technischen Leiters verzichtet würde. Am besten dürfte es sein, mit der Gesamtleitung eine Person zn betrauen, die kaufmännisches Geschick mit technischer Fähigkeit verbindet. Daß sich im Gefüge der Kommunawerwaltungen gewerbliche Unternehmen mit guten Erfolgen bewirtschaften lassen, da« können unsere Genossen an der Hand der vorstehenden Aufmachung den Aesnern kommunaler Betriebe nachweisen. Partei- �lngelegenbeiten. Dritter«reis Heute abend 8'/, Uhr findet in den«rmin. hallen. Kommandantenftr. 58/59 eine Volksversanimlung statt. ReichstagSabgeordneter Genosse Scheidemann spricht über: Patriottsche Falschmünzerei. Charl-tteuburg Am Mittwoch, den 29. Januar, abends Vjfi Uhr,«" Lokal von Theten,«aiser-Friedrich-Straße 45b, Mit- gttederversammlung der 4. Gruppe de» WahlvemnS, Aus der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Stadtverordneten Genossen W. Richter über:„Die kommende Landtagswahl." Riedw-Schöneweide. Heute Dienstag, abends 7 Uhr. Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen au». Am Donnerstag, den 39 d. M., abends 8'/„ Uhr. findet im MrtShauS„Loreley ,_ eine öffentliche Versammlung statt. Referent ist Genosse Heinrich i» t r o b e l. «arlShorft. Dienstag, den 28. d. MtS.. abends 8'/, Uhr- Mitgliederversammlung im Restaurant.Fürftenbad"(Jnh- Bartels). 1. Vortrag des Gemeindevertreters Genossen P i n f e l e r: „Wie werden die Interessen der ärmeren Bevölkerung in der Ge- meinde Friedrichsfelde-Karlshorst gewahrt?" 2. Diskussion. 3. An- träge. 4. Mitteilungen. Die Bezirksleitung. Potsdam. Auf die heute abend im„Friedrichsgarten" statt- findende öffentliche Volksversammlung, in der Frau Regine Fried- länder referieren wird, sei nochmals hingewiesen. LerUner iVaebnebten. Aerzte für einen Waldgürtel von Groß-Berlin. Die Aerztekanimcr der Provinz Brandenburg hat zu der Frage der Schaffung eines Waldgürtels für Groß Berlin in folgender Resolution Stellung genommen: „Zur Reinigung der Luft von Groß Berlin, welche durch das Zusammenwohncn von Millionen Bürgern und durch zahlreiche industrielle Betriebe ständig verdorben wird, ist ein großer Waldgürtel dringend notivendig. Die Sorge für dessen unversehrte Erhaltung und Pflege darf nicht abhängig sein von der niehr oder weniger hohen finanziellen Leistungs- fähigkeit der Gemeinden von Groß-Berlin. sondern ist Aufgabe des Staates, dem die Gesundheit aller seiner Bürger am Herzen liegen muß. Aus diesem Grunde bittet die Aerzte- kammer den Herrn Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, dafür Sorge tragen zu wollen, daß bei einer in Frage stehenden Verwertung des Grunewalds und anderer in Betracht kommenden Forsten in erster Linie die Rücksicht auf die Gesundheit von Groß-Berlin gewahrt wird." Der Vorstand wird diese Resolution dem Landwirtschafts- minister übermitteln._ Wir kommen desinfiziere»!" Eine Zwangsdesinfektion wurde vor einigen Tagen im Hause Alvenslebenstraße 17 ausgeführt. In einer Familie Lehmann, die dort wohnt, war vor Weihnachten ein sechsjähriger Knabe an einer Halsentzündung erlrankt. Der zu Rate gezogene Arzt fürchtete, daß es sich um Diphtherie handeln könnte, und nahm daher schleunigst eine Serumeinfpritzung vor. Er ließ auch den Rachenbelag untersuchen, doch konnte er nach zwei Tagen die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Erkrankung harmlos war. Weitere ärztliche Hilfe schien nicht mehr nötig, und da« Kind wurde auch so rasch gesund, daß es schon am Weihnachtsabend wieder außer Bett«war. Ein voller Monat war seit jener Erkrankung vergangen, da meldeten sich eines Morgens um 8 Uhr bei der Familie Lehniann zwei Männer mit den Worten:„Wir komnien- desinfizieren". Frau Leh mann, die allein zuhause war, antwortete ihnen, sie wolle ja gar nicht desinfizieren lassen.„Sie wollen nicht!?"„Nein I Unser Junge hat nur Halsentzündung gehabt, und er ist auch schon seit vier Wochen wieder auf."„Dann müssen wir zwangsweise desinfizieren!" wurde ihr gedroht. Sie ließ sich zunächst noch nicht einschüchtern, auch nicht durch die Androhung, daß man einen Schutzmann holen werde. Während die beiden Desinfektoren zum Polizeibureau gingen, lief Frau Lehmann zn ihrem Mann, der in der Nachbarschaft an seiner Arbeitsstätte war. Als sie wiederkam, standen die Desinfektoren wartend vor der Wohnungstür. jetzt mit einem Schutzmann.„Hören Sie mal," sagte dieser,„Sie haben doch gestern dem Beamten er- klärt, daß Sie desinfizieren lassen loollen."„Ich? Bei mir ist kein Schutzmann gewesen." Inzwischen war Herr Lehmann von seiner Arbeitsstätte herbeigeeilt. Auch er lehnte ab. desinfizieren zu lassen. „ES hat keinen Zweck, sich zu weigern," belehrte ihn einer der Des- infektoren,„gemacht wird es do ch." Um festzustellen, welcher Schutzmann bei Frau Lehmann gewesen sei» sollte, wollten alle mit- einander zum Polizeibureau gehen. Da lenkte Frau Lehniann ein, sie habe nicht Luft, sich weitere Scherereien machen zu lassen, man möge desinfizieren, wennS denn durchaus sein solle. Mit einem ärgerlichen„Na, also!" gingen die Desinfektoren an ihre Arbeit. Die Betten wurden eingepackt, weil diese nach der An stalt geschafft und dort desinfiziert werden mußten. Auch Bettwäsche, Kleidung. Teppich usw. sollten mitgenommen werden, doch weigerte Frau Lehmann sich, sie herzugeben. Einer der Desinfektoren machte sich über das Zimmer her, in dem der Knabe gelegen hatte, und desinfizierte es von oben bis unten nach Vorschrift. Im Schweiße seines Angesichts arbeitete er den ganzen Vormittag hindurch. Als Herr Lehmann zum Mittagessen heimkam, war der Desinfektor noch da. Herr Lehmann hatte von dem Arzt auf tclephonische Anfrage die Versicherung erhalten, von ihm sei die Desinfektion nicht beantragt worden. Er ging jetzt zum Polizeibureau, um zu fragen, wie man ihm noch nach vier Wochen die unerbetenen Desinfektoren habe auf den Hals schicken können. Ein Beamter nahm ein Aktenstück vor.„Na, hier steht'S doch: HanS Lehmann, vier Jahre, Scharlach". Da ging dem Frager ein Licht auf.„Mein Junge heißt Kurl," an! wartete er.„er ist sechs Jahre alt und hat nicht Scharlach gehabt. Da muß also ein Irrtum passiert sein." Dem Beamten dürfte jetzt ebenfalls ein Licht aufgegangen sein. Er ließ sich ober nicht auf lange Verhandlungen ein, sondern suchte zu beschwichtigen: „Seien Sie doch zufrieden, Ihre Wohnung ist ja desinfiziert. das ist sehr gesund". Verdrießlich ging Lehmann nach seiner Wohnung zurück, in der immer noch der Desinfektor tätig war. Als er dem Desinfektor sagte, es sei offenbar ein Jrrtuni passiert, schien den das gar nicht zu überraschen. Lachend antwortete er, so etwas sei schon mal vorgekommen. Der Desinfektor be- endete sein Werk und empfahl sich mit der Miene eines Menschen, der gewissenhaft seine Pflicht erfüllt hatte. Als er das Haus ver- lassen wollte, begegnete ihm ein Mann, der ihn anrief:„Na, nmi wird wohl bei uns auch desinfiziert?"„Bei wem denn?"„Na, bei Lehmanns." Ein paar weitere Fragen brachten des Rätsel» Lösung- In demselben Hause wohnt noch eine andere Famili Lehmann und diese hatte die Desinfektion bestellt. DaS Haus ist so groß— es hat neun Ausgänge— und wird von so vielen Personen bewohnt, daß die eine Familie Lehmann von der anderen nichts wußte. Ter Desinfektor meldete jetzt frohlockend der ersten Frau Lehmann:„Wir haben den Richtigen I Nun muß der bluten l" So kamen endlich auch die richtigen Lehmanns noch zu ihrer Desinfektion, aber allerdings nicht mehr an diesem Tage, weil es wohl schon zu spät dazu war. Wie es möglich war. daß die Desinfektoren an die unrichtigen Lehmanns gerieten, das bedarf„och der Ausklärnng. Es ist ein Glück, daß die Stadt Berlin seit mehreren Jahren die Desinfektion in kleinen HauShaultungen ohne weiteres unentgeltlich ausführt. Die unrichtigen Lehmanns könnten sich sonst daraus gefaßt machen, daß sie auch noch die Kosten des Irrtums zu bezahlen hätten, den andere verschuldet haben. Die neue Stadtfahne. Die Stadt Berlin hat sich eine neue Fahne zugelegt, die in der Mitte einen kleinen schwarzen Bären zeigt. Gestern wurde das städtische Wahrzeichen zum ersten Male seinem Zwecke zugeführt, was vielfach mit guten und schlechten Witzen koinmentiert wurde. Den verstorbenen Staatsanwalt Steinbrecht läßt auch der„Lokal- Anzeiger" nicht schlafen. Aus dem am Sonnabend im Zoologischen Garten abgehaltenen Presseball hat Alfred Holzbock neben anderen bekannten Persönlichkeiten auch den Staatsanwalt Steinbrecht ge« sehen, was er pflichtschuldigst dem Lesepublikum des„Lokal-Anzeiger" erzählt. Allem Anschein nach hat der Festartikelschreiber seinen Artikel in der Geisterstunde geschrieben, in der ihm der vor zwei Jahren Verstorbene erschienen ist. Freude herrschte gestern unter der Schuljugend, weil aus Anlaß von Kaisers Geburtstag die Schule ausfiel; ihrem Aerger dagegen gaben viele Perjonen Ausdruck, die durch die am 27. Januar oe- liebten Absperrungen vielfach Uimvege machen mußten, um ihrer ge« schäftlichen Tätigkeit»achgehen zu können. Durch die Explosion eines Kachelofens tödlich verunglückt ist die 75 Jahre alte Rentenempfängerin Luise Malkowsky, geborene Neuber, ans der Stralaner Str. 35. Die Greisin, die im zweiten Stockwerk des Vorderhauses bei Verivandten wohnte, heizte Sonnabend früh den großen Kachelofen im Wohnzimmer tüchtig mit Steinkohlen ein. Sie setzte sich dann neben dem Ofen auf eine Fußbank. Plötzlich gab es einen lauten Knall, der Ofen explodierte und mehrere Kacheln flogen im Zimmer«mher. Durch eine Kachel wurde die alte Frau am Hinterkopf getroffen. Sie trug aber nur eine scheinbar un- wesentliche Verletzung davon und schenkte dieser nur wenig Be- achtung. In der Nacht zum Sonntag bekam sie aber heftige Schinerzen. AIS auf ihr Stöhnen ihre Nichte herbeieilte, fand diese die Greisin in den letzten Zügen liegen. Ein durch die Ver- letznng hervorgerufener Gehirnschlag hatte ihrem Leben ein Ende ge« inacht. Ein Arzt, den man herbeirief, konnte nur noch ihren Tod feststellen. Automobilunfall. Sonntagnachmittag wurde der Oberhofbaurat v. Ihne von einem Automobilunsall betroffen, der glücklicherweise ohne ernste Folgen verlies. Gegen 3l/3 Uhr nachmittags wollte der Chauffeur des Privatautomobils, in dem sich Herr v. Ihne befand, in schneller Fahrt die Kreuzung des Hohenzollerndamms und des Fehrbelliner Platzes passieren, als plötzlich ein Straßenbahnwagen der Linie 91 vor dem Automobil herannahte. Der Chauffeur, der das Tempo des Straßenbahnwagen-; unterschätzte, versuchte die Schienen»och zu passieren, doch wurde das Automobil vom Vorder- Perron des Straßenbahngefäqrtes angefahren und so heftig beiseite geschleudert, daß die Fenster des Autos zertrümmert wurden. Durch die umherfliegenden Glassplitter erlitt Herr v. Ihne, der sich allein im Kraftwagen befand, Verletzungen an der Oberlippe und an der linken Wange, so daß er sein Heim aufsuchen und sich in ärztliche Behandlung begeben mutzte. Das Aulomobil wurde ziemlich stark beschädigt, während an dem Straßenbahnwagen der Vorderperron eingebeult wurde. Eine aufregende Szene spielte sich in der Nacht zum Sonntag auf der Wache des 69. Polizeireviers in der Uferstr. 18 ab. Auf Ver« anlassung einer unter Sittenkontrolle stehenden Frau hatte«in Schutzmann dieses Reviers in der Kvsliner Straße den wohnungslosen dreißigjährigen Monteur Paul Szasranski arretiert. Nachdem der Sistierte schon auf dem Wege zur Wache starken Widerstand ge- leistet hatte, ergriff er in der Wachtstube eine Bank und wollte da- mit einen der Schutzleute niederschlagen. Als der Bedrohte hinzu- sprang und den Sistirtcn erfaßte, biß ihn dieser in den linken Zeige« finger. Im nächsten Augenblick zog der Monteur eine Flasche auö der Tasche und trank ein Quantum Salzsäure. Unter der Ein- Wirkung des Giftes wurde er bald besinnungslos und mußte von der Unfallstation in der Lindower Straße nach dem Virchowkranken» haus gebracht werden. Der verletzte Schutzmann erhielt auf der Unfallstation in der Badstraße die erste Hilfe. Selbstmord in einer Antomobildroschkc. Auf einer Fahrt durch Wilmersdorf hat sich Sonntagnachmittag eine noch unbekannte, ettva dreißig Jahre alte Frau in einer Autoniobildroschke erschossen. Die Frau nahm in Schöneberg eine Automobildroschke und gab als Ziel eine Straße in Wilmersdorf an. Als sich das Automobil am Bahnhof Hohenzollerndamm befand, hörte der Chauffeur im Innern des Wagens einen Schuß fallen. Er hielt sofort an und sah zu seinem schrecken, daß sich die Insassin eine Revolverkugel in die Schläfe gejagt hatte. Mit derselben Droschke brachte er die Schwer« verletzte zu einem in der Nähe wohnenden Arzt. Der Tod war aber inzwischen eingetreten. Die Leiche wurde von der Polizei beschlag- nahml und nach der Leichenhalle in der Berliner Straße gebracht. Die Erschossene trug einen grauen Mantel, einen grauen Rock und »ine blaue Bluse. Die Wäsche trägt die Zeichen B. S. Eine lustige Nacht kam einem Banineister ziemlich teuer zu stehen. Der Fremde besuchte am Sonntagabend mehrere Lokale der Friedrichstadt und endete schließlich in den Armen einer lebens« lustigen Dame. Mit dieser setzte er seine Zechgelage so lange fort. bis er sanft entschlummerte. Als er erwachle, war seine Begleiterin verschwunden. Mit ihr sein Portemonnaie, die goldene Uhr mit Kette und alle Schmucksachen. Sein Gesamtschaden beläuft sich auf über 899 M. Die Diebin, auf die jetzt die Kriminalpolizei fahndet, beschreibt der Bestohlene als ungefähr 25 Jahre alt und inkttclgroß mit einem runden, vollen Gesicht und dunlem Haar. Sie trug einen schwarzen Hut mit Fasanenfedern. Eine raffinierte Räuber!» treibt seit einigen Tagen im Norden Berlins ihr Unwesen. Es handelt sich um ein siebzehnjähriges Mädchen, das sich Luise Koch nennt und in einem hiesigen Waren- hause angestellt sein will. Die K. betreibt zwei verschiedene Arten von Diebereien. Zunächst beraubt sie kleine Kinder, die zum Ein- kaufen forlgeschickt worden sind, auf der Straße. Ferner tritt sie als hungernde Bettlerin auf. Sobald sie in einer Wohnung Einlaß gefunden hat. markiert sie plötzlich die Ohnmächtige und die eut- stehende Aufregung benutzt die dreiste Person dann, um Wertsachen zu stehlen. Die Räuberin ist dadurch zu erkennen, daß sie ein schwarzes Trauerllcid und einen schwarzen Hut trägt. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich in der Nacht zum Montag im Hause Graunstraße 25. Dort fiel der Schneider Rühlte, als er seine Wohnung aufsuchte, die Treppe hinunter und erlitt eine» Schädelbruch, der seinen Tod herbeiführte.— Der fünfjährige Pflegesohn Willi Krasemann des Arbeiters Gustav Krieger wurde auf der Kreuzung der Lange- und Andreasstraße durch einen Straßenbahnwagen der Linie 63 überfahren. Der Knabe trug einen Schädelbruch, einen Beckenbruch sowie eine Verletzung am linken Oberarm davon. Der Ein- und Ausbrecher Frlix Godorr, der seit längerer Zeit bereits gesucht wurde, konnte gestern morgen festgenommen werden. Man führte ihn zur Woche des 7. Polizeireviers in der Novalis- slraße. Als der Schutzmann Sachse ihn hier einer Leibesvisitation unterzog, versetzte ihm Godorr plötzlich einen wuchtigen Stoß gegen den Unterleib und stürzte sich mit einem Hechtsprung durch das Doppelfenster des Wachzimmer in de» Hof hinab. Durch Glas- splitter verletzt und über und über mit Blut bedeckt brachte man ihn nach der Charitö, wo er als Polizeigefangeitcr Aufnahme fand. Godorr war bei dem Ueberfall ans den Wächter in der Saicringschen Fabrik und bei ciitein Geldschranicinbrnch in ein Bangeschäst in der Müllerstraße sowie bei mehreren Schlägereien beteiligt. Der Mäuiierchor„Fichte siieorginm" veranstaltete am Sonnlog- abend in der Singakademie sein zweites Winterkonzert. Der zirka 199 Sänger zählende Berein verfügt über ein gutgeschultes, aus- geglichenes und, da er wenig unter der die Leistungen so manches ArbeltergesangvereinSLeeintrZchtigendenMitgllederslukiuation zu leiden dat. exalt eingesungeS Stimmenmaterial, das der ruhigen und sicheren Führung des Dirigenten. Herrn Gervais willig folgt. Höhepunkt und Prüfstein des Könnens war der Vortrag der von Franz Bültner vertonten Dichtung»Ritt zur Freiheit" fEwiges Ziel) von Franz Dietrich. Das in ungestüm vorwärtsdrängendem Tempo gehaltene Kraft und Feuer atmende Chorlied, das vom Deutschen Arbeiter- Sängerbund mit dem ersten Preis bedacht worden ist, kam in Berlin zum ersten Male und zwar überaus wirksam und hinreitzend zu Gehör. Die Sänger wurden der schwierigen Tondichtung sowohl nach der gesangstechnischen Seite wie auch in bezug auf das Herausarbeiten ihres Stimmengehaltes durchaus gerecht. Nach dieser hervorragenden Interpretation durch einen Einzelvereiii kann man nur wünschen, die wuchtige Komposition auch einmal im Vortrage eines grosten kombi- nierten Massenchores zu hören. Gleichwertig neben dieser Leistung auf dem Gebiete des Kunstgesanges steht die Fähigkeit der Fichte-Georgiuia- Sänger, die schlichten, gemütvollen Weisen des Volksliedes vorzu- tragen. Das alte„Zu Straßburg auf der langen Brü�" von Hilpert, die schmerzlich- schwermütige Vertonung von Chamissos„Es geht bei gedämpfter Trommelklang", das Äärtner Volklied„O Dirndle tief drunV im Tal" kamen, da Text und Melodie Sänger wie Hörer in gleicher Weise ergreifen, ausgezeichnet zur Geltung. Besonderes Lob verdient hierbei die feine und diskrete Be« Handlung der Pianopartien. Recht gut gelangen auch die anderen Nummern des reichhaltigen Programms. So die mit Orgelbegleitung vorgetragene Chorpartie„Weihe des Gesanges" aus Mozarts„Zauber- flöte", das„Ständchen" von Franz Schubert mit Allsolo und Flügel- begleitung,„Der Gondelfahrer" gleichfalls von F. Schubert.„Die Kirschenballade" von Kämpf,„Die Warnung vor dem Rhein" von Neuniann und„Der sakrische Baß" von Koichal. Eine vorzügliche Solistin hatte der Verein in Fräulein Gertrud � a h n k e, die über eine volle, unifangreiche und wohllautende Allstimme verfügt. Der Beifall, den die Sängerin für den Vortrag der Arie„Darf ich es glauben" aus der Oper„Die Favoritin" von Donizetti sowie für die drei Lieder von Wolf, Rückauf nnd Kaufmann erntete, war wohl verdient. Eingeleitet wurden die beiden Teile des Konzerts durch je einen meisterhaften Orgelvortrag— die Phantasie über„Weinen und Klagen" und über Bach von Franz Liszt— des Herrn Adolf Haensgen. Als Ganzes zeugt das Konzert von dem ernsten Streben und den großen Fortschrillen, die der Arbeitergesang in einer Verhältnis- mäßig kurzen Spanne Zeit aufzuweisen hat. Was vielleicht zu einer Kritik Anlaß geben könnte, wäre die Zusammenstellung des Pro- gramm«, das eine gewisse Einheitlichkeit vermissen ließ. Das ist wohl auf daS Bestreben zurückzuführen, möglichst vielseitig auf den Plan zu treten. Immerhin sollte man bedenken, daß manches, was man mit seinem Anklänge an den Liedertafelstil in dem Saale eines großen Vergnügungslokals mit in den Kauf nimmt, in einem nur der Kunst geweihten Räume deplaziert erscheint. Auch wäre es vielleicht angebracht, daß für die künstlerisch gewiß hoch- stehenden Vorträge auf der Orgel Hörern, die dieses klangreiche Instrument nur von dem ihnen fremd gewordenen Choralgesang der Kirche her kennen, eine kurze erläuternde Einführung zu geben. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 24. d. M. wurde in der Gemarkung Falkenhagen bei Seegefeld ein etwa 22—24 Jahre alter, anscheinend den besseren Ständen an- gehöriger Mann erschossen aufgesunden und nach der Leichenhalle in Falkenhagen gebracht. Die Leiche war bekleidet mit braunem, weichem Filzhut mit schwarzem Band, graugrünem Anzüge mit dunklen Streifen, zweireihigem Jackett, braun gestreiftein zwei- reihigen Ulster, grauen Strümpfen, schwarzen Schnürschuhen mit Doppelsohlen, blau gestreiftem Serviteur, weißem Kragen, dunkel- rotem Selbstbinder, weißleinenem Hemd gez. dl. K., grauen Trikotunterhosen, weißleinenem Taschentuch mit Monogramm M. K. Da« K. darin ist schwarz umrandet, mit drei Blumenkreuzen und schwarzer AuSpnnktierung versehen. Ber der Leiche wurde ein kleines Bücher- Verzeichnis oben gestempelt„I. KalinowSki, Ob. Tertia", ein Zettel mit der Aufschrist„Große Gasse 8", eine silberne Rem.-Uhr und 20 Pfennige gefunden. Zweckdienliche Mitteilungen nimmt, jede« Polizeirevier und der VI. Kr.-Bezirk mündlich und schriftlich zu LöS IV. 45. 13. entgegen. Einen schweren Verlust hat die Freireligiöse Ge- meiude Berlins durch den Tod ihres Vorsitzenden Otto Ariederici erlitten. Derselbe ist am Sonnabendabend 8 Uhr im 72. Lebensjahre verstorben. Friederici war 26 Jahre 1. Vor- sitzender der Gemeinde und hat sich in dieser Zeit mit seltenem Fleiß und Aufopferung um die Gemeiude— der er schon vor seiner Vorstandszeit IVj Jahrzehnt als Mitglied angehört hat— verdient gemacht. Politiich stand er als einer der letzten der alten FortschrittS-Demokraten der Philipps-Lenzmannschen Richtung nahe, die schon lange vorher zu Grabe gelragen wurde. Ein großer Schuppcnbrand kam in der Nacht zmn Sonntag am Maybachufer 62/53 auf Neuköllner Gebiet zum Ausbruch. Als man die Gefahr bemerkte, stand der große Schuppen schon voll- ständig in Flammen. Außer der Neuköllner Feuerwehr eilte auch ein Löschzug der Berliner Wehr zu Hilfe, der aber nicht in Tätigkeit zu treten brauchte. Die Neuköllner Löschzüge griffen das Feuer mit drei Schlauchleitungen an, konnten aber nicht verhindern, daß der Schuppen vollständig niederbrannte. Die Ursache des Feuers war nicht mehr festzustellen, doch vermutet man Brand st iftung.— Die Friedenauer Feuerwehr hatte Sonntag nachmittag in der Rheinstratze 6/7 einen größeren Dachstuhlbrand zu bewältigen. Das Feuer zerstörte einen Teil vom Dachstuhl des Gartenhauses.— Die Berliner Feuerwehr hatte am Sonntag in der Rastenburger Str. 22 einen Automobilbrand und in der Kleinen Andreasstr. 12 einen größeren Kellerbrand zu beseitigen.__ Vovort- JNfacbricbtciK Sic Abteilungslisten für die bevorstehende Landtags- ersatzwahl des Kreises Teltotv-Beeskow-Wilmersdorf liegen von heute, den 28. Januar, ab drei Tage bis 30. Januar während der Dienststunden in den Gemeindebureaus der eiw zelncn Orte aus. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Listen sind innerhalb dieser Zeit der Auslegung schriftlich einzureichen oder zu Pro tokoll zu geben. Die Listen liegen aus in: Zllt-Glieiticke. Inn Gemeindeburcau während der DIenftstunden. Briv. Im Wahlbureau, Chausseestr. 50(Einwohner-Meldeamt), von S—l Uhr vormittags und 2—4 Uhr nachmittag«. Lankwitz. Im Ralhause, Zimmer 24, von S Uhr vormittags bis 3 Uhr Nachmittags. Marieudorf. Im Ratbause. Zimmer 14. von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und von S— 7 Uhr abends. Schmargendorf. Im Rathaus-, Zimmer 3, von vormittags 8'/, Uhr dt« abends 7 Uhr.. � �„ Schmöckwitz. Müggelheim, Zeuthen. Im Gemekdevorsteheramte zu Schmöckwitz. Zehlendorf. Im Eemeindebureau. Hauptstr. 38. Zimmer 8, von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Charlottenburg. In der Sitzung der Gewerkschaftskommiffion hielt zunächst Genosse Dr. Bruno Borchardt einen mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Vortrag über das Thema:„Neuere Anschauungen über die Natur der Sonne." Hierauf besprach Genosse Wilhelm Richter die Tatsachen, die. Veranlassung gaben, daß die städtische ArbcitSlosenfürsorge im hlcsigen istadtparlament abgelehnt wurde. Gerade das wichtigste, was die erste Vorlage auszeichnete, die Zu- schlisse an die Gewerkschaften, fehlte in der neuen Vorlage, die im wesciitlichen die Errichtung einer städtischen Arbeltslosenversichc- runaskassc bezweckte. Redner ging auf den Artikel 4 der Borlage „in und kritisierte die darin enthaltenen Bezugssatze, die man schon wie minimale bezeichnen müffe. Trotzdem seien diese Sätze "Verantwortlicher Repstteur: Alfred Wielcpp� Neulölln. Für de» den Liberalen noch viel zu hoch gewesen. Die jetzigen Angriffe> der liberalen Presse, daß die sozialdemokratische Fraktion die Sache hintertrieben habe, werde hoffentlich bei den im nächsten Jahre stattfindenden Stadtverordnetenwahlen fortgesponnen wer- den. Die Arbeiterorganisationen würden demgegenüber jedoch ihren Mann stehen; es sei, zu hoffen, daß in baldiger Zeit doch etwas für die Arbeiterschaft auf diesem Gebiete herauszuholen fei.! In der anschließenden Diskussion bezweifelt Genosse Flemming die Hoffnung des Referenten, denn nach Lage der Dinge würde sich an der Zusammensetzung der Charlottenburger Stadtverord- netenvcrsammlung wenig ändern. Im übrigen verspricht sich Red- ner mehr von einer Reichsarbeitslosenvcrsicherung, als wie von einer kommunalen. Genosse Dr. Borchardt meinte im Gegensatz zum Genossen Flemming, daß man auf eine Arbeitslosenversiche- rung von Reichs wegen noch lange warten könne, deshalb sei es angebracht, die Agitation für die kommunale Arbeitslosenversiche- rung nicht ruhen zu lasse». In dieser Sache teilte Genosse Flem- ming noch mit, daß der Gewerkschaftsausschuß sich veranlaßt ge- sehen habe, über den ganzen Hergang der Charlottenburger Arbeitslosenversicherung von Anfang bis zu Ende eine Broschüre herauszugeben, die zum Preise von 16 Pf. an die Gewerkschaften abgegeben wird.— Unter„Gewerkschaftliches" machte Genosse Richter bekannt, daß der Metallarbeiterverband sich erboten habe, 56 Sparkarten zu einer Fabrt von Berlin bis Helgoland mit ein- tägiger Rast in Hamburg(Ende Juni) an uns abzugeben. Diese Fahrt koste 36 M. und es werde zu diesem Zwecke wöchentlich 1 M. auf die Sparkarte gezahlt. Teilnehmer mögen sich bis 1. Februar an Genossen Richter, Osnabrücker Straße 4, wenden.— Es fehlten in der Sitzung nur die Sattler. Schöveberg. Uebcr Bildungsbestrcbungen der modernen Arbeiterbewegung referierte in einer in den Neuen Rathaussälen tagenden öfient- liehen Versammlung Genosse Pieck- Steglitz. Der Redner führte in überzeugender Weise den Anwesenden vor Augen, wie die herrschenden Klassen ihre eigentliche Pflicht, auch den ärmeren Volksklassen eine umfassende Bildung angedeihen zu lassen, schnöde vernachlässigen. Diese Lücke suche die immer umfassendere Bil- dungsarbeit der Arbeiterklasse auszufüllen. Aufgabe eines jeden Arbeiters sollte C4, sein, die Bildungsausschüsse als ein Glied der Parteiorganisation aufs kräftigste zu unterstützen. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage ermahnte Genosse M o h s die Zuhörer, das Gehörte nicht spurlos vorübergehen zu lassen, sondern die Veranstaltungen des örtlichen Bildungsaus- schusses zu unterstützen. Auch sollten die einzelnen Genoffen rühriger als bisher Hilfe leisten durch ernste Mitarbeit. Teil- nehmerkarten zu dem am 2g. Januar einsetzenden Bildungskursus über„Die wirtschaftlichen Grundlehren des Sozialismus". Vor- tragender Reichstagsabgeordneter Rühle, sind bei den Bezirks- führern zu haben. Einem verhängnisvollen Irrtum ist am Sonntag nachmittag das 36jäbrige Dieiistmädwen 2. zum Opfer gefallen. Die L., die in der Hauptstraße in Stellung ist. hatte nachmittags ihre Eltern besucht. Da sie sich nicht ganz wohl fühlte, wollte sie einige Pillen nehmen, die in der Hausapotheke der Familie gegen Magenübel aufbewahrt wurden. Das Mädchen vergriff sich jedoch und nahm sechs Arsenik- Pille», welche der Arzt ihrer kranken Schwester verordnet hatte. Als die L. die Wohnung ihrer Eitern verlassen hatte, begann das Gift feine Wirkung auszuüben und sie brach auf der Straße bewußlloö zusammen. Die Erkrankte wurde noch der Schöneberger Hilfswache in der Vorbergstraße geschafft, wo der Arzt ihr den Magen aus- pumpte und die Ueoerführung nach dem Schönebrrger Kranken- Haufe veranlaßt?. Dort liegt sie in bedenklichem Zustande da- nieder. Teevtow-Baumschulcnweg. Ueber den preußischen Parteitag referierte Genosse Groger in einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. In seinem Vortrage zeigte der Redner, wie rechtlos nicht nur die Industrie- und Landarbeiter, sondern auch der sogenannte Mittelstand ist. Wenn auch das Interesse für die preußische Politik in dem letzten Jahrzehnt größer geworden sei. genüge dies noch lange nicht, um die erbärmlichen abgrundtiefen Regierungs- maximen in ihrer ganzen traurigen Größe zu erkennen. Er zeigte durch drastische Beispiele, wie immer noch durch die VerwaltungS- Praxis alle Gesetze, selbst wenn sie so gut wären, wie sie arbeiter- feindlich sind, zum Wohle der Funker und Genossen und zum Schaden des Volkes ausgelegt würden. Nur durch straffe Orga- nisation könnte die reaktionäre Feste niedergerissen und freiere Zustände erkämpft werden. Nach dem beifällig aufgenommenen Vortrag beteiligten sich u. a. die Genossen Karow und Schulz in zustimmendem Sinne an der Diskussion. Britz. Arg verschnupft scheint eS einige bürgerliche Vertreter zu haben, daß unsere Vertreter in der Geiieralversommlung des Wahlvereins über kommunale Aligelegenheilen Bericht erstatteten. Dieselben Herren, die es als selbstverständlich betrachten, daß sie in Grund« besitzer» und Bürgervereinen über alle Verhandlungen au« der Ge- meindevertretung berichten, möchten unseren Vertreten» vorschreiben, worüber sie ihren Pauteiyenossen Mitteilung machen sollen. Zwar mußten die Herren unseren Genossen zugeben, daß ihre Berichterstartung in der Wahlvereinsversammlung objektive Unrichtigkeiten nicht enthalten habe. d«ch sei„Form" und„Ton" worin sie es getan, verletzt worden. Es scheint, als ob es den bürgerlichen Vertretern der Be� richl des„Vorwärts" angetan hat, in welchem gesagt wird, daß die Gemeinde Britz auf dem Gebiete des ArmenunterstützungswesenS etwas Großes leisten wolle, allerdings nicht für OrtSarnie. sondern für den vor 16 Jahren von der Bildfläche plötzlich verschwundenen Gemeindevorsteher Regling. der 666 Mark erhallen soll. Doch darin dürfen die bürgerlichen Vertreter, die ficd bei jeder xbeliebigen Sache in die geheime Sitzung flüchteten, wirklich nicht so zimperlich sein. „Form und Ton" wird von ihnen in solchen Sitzungen gegenüber allem, was nach Arbeiterbewegung riecht, mitunter so sehr verletzt, daß unsere Vertreter viel eher Grund hätten, sich darüber zu be- schweren. Wurde doch in einer der letzten Kommissionssitzungen der Antrag der Baugenossenschaft„Ideal" betr. Zetchnung der Garantie- summe mit einem wahren Jndianergeheul von den bürgerlichen Mitgliedern abgelehnt. Die Herren trieben e» in ihrem Eiser sogar so weit, daß sie den Bürgermeister nicht einmal zum Worte kommen lieben. Diese Art. sich in die geheime Sitzung zu verschanzen, um von hier in unpassender Weise die Geschäft« der Gemeinde zu er- ledigen, werden unsere Genossen überall, wo sich ihnen Gelegenheit hierzu bietet, zu brandmarken suchen. Hohen-Schönhause«. Die Beitragsordnung zur Ärauch- und Regenwasserkanali- fation, wonach die Anlieger 06 Proz. und 66� Proz. der Kosten zu tragen haben, ist in der Gemeindevertretung nach längerem Widerstand einiger bürgerlichen Herren angenommen worden. Von sozialdemokratischer Seite wurde beantragt, einen Zahlungsmodus festzulegen, der Teilzahlung der Beiträge ermöglicht, weil eine große Anzahl von kleineren Besitzern nicht in der Lage ist, die Summen mit einmal auszubringen. Vor Eingemeindung des Gutsbezirks in die Landgemeinde haben überhaupt keine Bestim. mungen bestanden, welche die Anliegerbeiträge regelten. Di« be- soldete Gemeindeverwaltung hat auch darin Wandel geschaffen darum sind den Grundbesitzern diese Reallasten gänzlich unerwartet gekommen. Die von iener Seite aufgestellten Forderungen betreffs Siraßenpslasteruug. Beleuchtung usw. find, nachdem die Art der Ausbringung der Kosten beichlossen ist, völlig verstummt. Tagegen erhebt sich jetzt ein wütendes Gojchrei gegen die Gemcindevertre- tung. Das Lokalblatt, welches sich eine Zeitlang die erdenklichste Mühe gegeben hatte, der Urbelkerschaft einzureden, daß �ic sozialdemokratischen Vertreter sich nicht als solche betätigen, macht jetzt vor der Sozialdemokratie graulich Den Gemeindevorsteher bezich- tigt es als„besten Freund' der Sozialdemokraten, welcher, um einige reiche Leute zu treffen, die große Masse der kleinen Grund« besitzer zur Abschlochlung ausliefere. Dann bejammert es, daß der Grundbesitz angeblich in immer größerem. Umfange durch Ankauf kommunalisiert werde, während die von der Gemeinde getroffenen Teuerungsmaßnahmen den Anfang für die Venvirtlichung der Ideale der Umsturzpartei darstellen! sollen. Mit einem Appell wendet es sich dann an die Gesellschaft, um der„Konfiszierung" des Be» sitzes Einhalt zu tun. Hat dieses Blättchen bisher sich den Anschein der Arbeiterfreundlichkeit zu geben versucht, so zeigt es jetzt unver- bohlen seinen reaktionären Charakter. Das ist für die Arbeiter- schaft, in deren Wohnungen das Blättchess mitunter noch anzu- iresfen ist, nicht ohne Belang. Wittenan-Borsigwaldc. Aus der Gemeindevertretersitzung. Der Amtsvorsteher Witte machte zunächst Mitteilung von der regelmäßigen Kassenrevision, bei der im Dezember ein Lestand von 296 666 M. festgestellt wurde, am 26. Januar d. I. war ei» ein solcher von 185 660 M. vorhanden. Eine längere Debatte zeitigte der Punkt: Erhebung einer Klage gegen die Gemeinde Tegel wegen rückständiger Unter Haltungsbeiträge an das Verbandskran» kenhaus der Gemeinden Reinickendorf-Wittenau-Tegel. Letztere weigert sich, die anteiligen Kosten für die zu ihren Einwohnern gerechneten Insassen des fiskalischen großen Tegeler Strafgcfang- nisses zu leisten, da das Gefängnis eine selbständige Anstalt sei, mithin die Gefangenen nicht als Gemeiiidecinwohner zu betrachten wären. Wie Herr Witte erklärte, sei eine Einigung über diesen strittigen Punkt bisher nicht möglich gewesen. Im Vertrage sän�t- licher beteiligten Gemeinden sei nur von Insassen öffentliwer Anstalten, z. B. der Irrenanstalt Dalldorf, die Rede, die den Ge. meindcn nicht zugerechnet werden sollten; Gefängnisse gehörten nicht zu diesen öffentlichen Anstalten. Herr Witte konnte den ablehnenden Standpunkt Tegels nicht verstehen, da eine erheb- liche Anzahl gerade tuberkulöser Strafgefangener etwa auf dein Wege des ihnen zur Heilung erteilten Strafurlaubs im Verbands- krankenhause verpflegt würde. Der Vorstand des Krankenhauses verlangt jetzt Vollmacht durch die beteiligten Gemeinden, da er nicht selbst klagen könne. Genosse Liebelt erörterte kurz die ablehnende Ansicht der Tegeler Vertretung, auch die unserer dort gen Genossen; man hätte dort doch leinen Nutzen von der Anstalt. höchstens den der sehr minimalen Steuerleistung weniger dort wohnender Aufseher. Von diesem Gesichtspunkt aus verstehe er das Verhalten der dortigen Vertreter. Indessen erscheine ihm nach dem Inhalt des vorgelesenen Paragraphen jetzt klar genug, dag Tegel zahlen müffe. Von anderer Seit« wurde auch noch hervor- gehoben, daß bei den damaligen Verhandlungen ausdrücklich auf die Unterhaltspflicht der Gemeinden verwiesen worden sei, und daß kranke Gefangene einfach auf die Straße gesetzt werden könnten. wenn das Krankenhaus sich ihrer nicht annehmen würde. Eine Anfrage des Herrn v. Borsig, wer schließlich für die kranken Gefangenen die Kosten zahle oder der Gemeinde zurückerstertt«, wurde leider nicht genügend beantwortet. Herr Witte kam so» dann noch auf die schlechte Fahrverbindung mit dem in Neinicken» darf ungünstig gelegenen Krankenhaus zu sprechen, auch auf das mangelnde Entgegenkommen der Großen Berliner Straßenbahn, die stets gleich große Zu- und Ueberschüsse scben möchte; schließlich scheine auch bei den Tegelcrn eine gewisse Antipathie gegen das Berbandskrankenhaus zu herrschen, da man Kranke anstatt nach dort lieber nach dem Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße in Berlin schaffe, wo man noch dazu direkt vorfahren könne, ivaS in Reinickendorf nur mit Umständen verknüpft sei. Vor ver- schiedcnen Vertretern wurde noch bemerkt, daß der Gemeinde Tegel schließlich doch wohl daran liege, zu einem gerickitlichen Urteil zu glangen, um die Rechtslage gegenüber dem Verbandskrankenhaufe festzustellen. Die Vertretung beschloß, dem Klagebegehren beizu- treten.— Die Aufstellung eines iransportablen Wartehäus» ch e n S an der Straßenbahnhaltestelle„Hauptstraße" hatte die Ver- tretung schon einmal beschäftigt; die damit befaßte Baukommission schlägt jetzt die Ausstellung vor; die Kosten(1466 M.) trägt die Wittenauer Bodenaktiemgesellschaft, die Unterhaltungskosten(156 M. jährlich) die Gemeinde. Di« R-»wendigkeit wurde allgemein aner» kannt und die Zustimmung erleilt. Zu längeren Auseinandersetzungen gaben zum Schluß noch zwei Schreiben Anlaß, die zwischen Wittenau und Berlin gen-echselt wurden in Sachen der allbekannten Differenzen wegen der Stall- baulichkeiten auf den, Terrain der Irrenanstalt und der Entschädi. gungs- resp. Vergleichsverhandlungen. In dem Antwortschreiben des Berliner Magistrats vom 21. Dezember wird u. a. das Wittenaucr Angebot von 26 606 M. als ungenügend bezeichnet; ein« Verpflich» tung Berlins zur Entfernung gewisser Baulichkeiten resp. zur Zah. lung von Anliegerbeiträgen könne nicht anerkannt werden. Herr Witte erklärte hierzu, daß nach diesem negativen Resultat er nunmehr als Polizciverwaltcr genötigt fei. die Entscheidung über seine ferneren Maßnahmen und über die Berliner Beschwerden dem Land» rat zu übergeben. Ter Vertreter Berlins, Herr Direktor Schöne- b e r g. verwies auf die Notlage Berlins zur Zeit der Anlage des AmnioniakabwässerrobrS, wo von der ursprünglichen Forderung von 66 666 M. auf 18 666 M. l)erabgegangen wurde. Demgegenüber vertrat Herr Witte nochmals seinen Standpunkt.— Am Schluß der Sitzung forderte Genosse Liebelt noch Errichtung einer Be- dürfnisanstalt am Endpunkt der Straßenbahn nnd Bahnhof Wittenau, sowie bes�re Sicherung und«erbauung der öffentlichen Hydranten und Gasleitungen, damit bei Unglücksfällen die Ge- me'nde vor Schadensansprüchen bewahrt bleib«. Durch Schlacken. Ausschüttungen und Umpflasterungen will der Gemeindebaumeifter Abhilfe schaffen. Betreffs der Bedürfnisanstalt will Herr Witte noch mit dem Eisenbahnfiskus verhandeln. Nehmt Einsicht in die Gemeindewählerlisteu, die nur noch bis z u m 30. I a n u a r in den Gemeindeburean« auSliegen. Ueberzeuge sich jeder davon, ob er auch in der Lifte vermertt ist. damit er bei einer eventuell stattfindenden Wahl auch sein Wahlrecht ausüben kann. S�vhannisthol. Wer nickt dl- Seit bat die varmittagS von S—l Uhr emelndeamt ausitegende WSblerlis,- selb«, einzuleben, betraue die Genossen Restauraieure Gabin. Trauimaiin. S-nstleben, Barbter Hossiuano od« Lagerhalter Steuer mit der Einsichtnahme. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankow. Heute Dienstag, den SS. Januar, nachmittags 5 Uhr. im Rathause. Grünau. Mittwoch, den LS. Januar, abends S'/, Uhr, im Gemeinde- hause, Mittelktrabe Aus der Tagesordnung steht u. a.: Nachbewilligung lür die Prioalichutc.. , Rosenitial. Donnerstag, den 30. Januar, abends 6 Uhr. in der «Än.Schön edÄ-K Uhr in Waltinger« KurbauS. Aul der Tagesordnung steht u.a. die«asscrversorgung. Diese Siqungen stnv sssenUick. Jede, Gemeinde, ngehocige ist de- rechtigt. ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Zenrealvervanb d/r Meischer. Heute DIm,ta� aBellbj g,, uhr. in den„Musil-r�alen". Kalffr-Wilhewi.-str. lSm: General-�ter» s a m m l u o g. Mitgliedsbücher bezw. Karten sind mitzubringen. tigt es als„veiierr �rcunu