|tr. 34. klbonnementz-tieäingungen: Moiineuicnts- Prci» vränumcrmidoi 3�0-Vtl., monatl. 1,10 Mf., wöchciulich 2B Pfg. ftci ins HauS. Cinjefiic Summer 5 Pfg, LoniuagS- uuranicr mit illuflriertcr Sonntags» Beilage„Sic Nene Seit" 10 Pfg, Polt- ?16oru;cmem: 1,10 Mar! vro Monat. Eingelragen in die Pofi- Zcitimgs- Preislille. Unter krenzdand liit Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mar! xro Monat. Postabonnenients nehmen an: Belgien. Diinemar!, Holland, Italien, Ituremburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. VWDt lsglich außer montags. Verlinev VolKsblskk. die Insertion;-Lebiihr beträgt für die sechSgespaliene Kolonel- geile oder deren Raum W Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» lt»d Verslunntlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Steine Zsnoeigcn". das settgednlikte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Eiellengesttche und Schla'stellenan. geigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Sorte über 10 Buch- staben zählen für zwei Sorte. Iitseraie für die nächste Summer inüsjen bis l» Uhr nachtnitiags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Sldteffe: uSoaialßrraohrat ßcrllg". Zentralorgan der foztaldemokratifcben Partei Dcutfchlands. Rcdahtion; SM. 68, Llndenstrassc 69, Fcrnsprechcrt Amt Moriltplai?, Nr. 1988. Mittwoch, den 20. Januar 1913. Gxpcdition: SM. 68, Linden Strasse 69. Ferusprcchert Amt Morihplatz, Nr. 1981. Die mriegsfähigkeit der Cürkei. Am Tage des Ausbruchs der jungtürkischen Revolte wurde hier gesagt, daß dieser Putsch ein Zeichen der Zersetzung sei und eine weitere militärische Schwächung der Türkei bedeute. Jetzt meldet das Wiener hlorrespondcnzburean, daß in der Armee vor Tschataldscha ernste Zlvistigkeitcn zivischen den Jungtürken und ihren Gegnern entstanden seien, die zu einen: blutigen Konflikt geführt hätten. In Paris will man sogar wissen, daß Abku Pascha an der Spitze des vierten Arinec� korps nach Äonstantinopel marschiere, um die Ermordung des Kriegsministers zu rächen. Es handelt sich bis jetzt bloß nur um Gerüchte. Toch spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Jungtürken, die erst vor einem halben Jahre von einer Offiziersliga gestürzt worden sind, noch zahlreiche Feinde im Offizierkorps haben. Wenn es tatsächlich angesichts des Feindes zu offenen Kon- flikten kommen sollte, dann braucht ja über die Bedeutung solcher Vorfälle kein Wort gesprochen zu werden. Eine Armee, in deren Offizierkorps solche Zerwürfnisse herrschen, ist zur KriegSführnng unfähig. Diese Unfähigkeit bestätigen auch alle unparteiischen Berichte aus Konstantinopcl. So schreibt der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung": Die große Masse des türkischen Volkes steht den neuesten Ereignissen mit voll ständiger Apathie gegenüber. Bis auf den kleinen Raum in der Hohen Pforte und ihrer un- mittelbaren llmgebung war kaum etwas von der Umwälzung zu bemerken. LLaS nun? Wird das Kabinett Mahmud Schefket den Krieg mit dem Balkanbund fortsetzen und zu den alten Ge- fahicn solche neuer und vielleicht noch ernsterer Natur hinzugesellen? Mahmud SchefketS feste Absicht mag die Fortsetzung deS Krieges gewesen sein, aber unter dem Druck der Verantwortung, die er nunmehr auf sich genommen hat und angesichts des Zu st an des der türkischen Armee und der Finanzen wird der neue Grotzwesir sich schnell ernste Rechenschaft ab- legen müssen. DaS, was der Türkei zur Stunde noch eine gewisse Existenzberechtigung verleiht, ist einzig die Armee. Diese Armee ist durch die verschiedenen Staatsstreiche halb zerfressen. Die Ereignisse von vorgestern haben den ZcrsetzungS Prozeß nur noch vermehrt. Das Blut der neun getöteten Offiziere wird alles eher, nur nicht versöhnend Wirken, es wird den Samen für neue Militärputsche abgeben. Die Uebernahme der Staatsgewalt durch Mahmud Schefket und seine Anhänger hat die gegenwärtigen Bedingungen� der türkischen Annee nicht zum Vorteil verschoben. Ihr Ofsensivgeist ist gebrochen. Dieser unumstößlichen Tat- saHe wird auch der neue Großwesir trotz seines oder vielleicht gerade wegen seines unleugbaren Patriotismus sich nicht verschließen. Vielleicht, daß das neue Regime auf eine Spaltung im Konzern der europäischen Großmächte spekuliert. Eine irrige Berechnung. Gewiß wird man der Richtung, die den der Türkei aufgezwungenen Frieden zu korrigieren trachtet, ein menschliches Mitgefühl nicht versagen können; ob aber der eingeschlagene Weg der richtige war. bleibt sehr zu bezweifeln. Anstatt schärfer zu werden, stumpfen sich dieVerteidigungs- mittel der Türkei immer mehr ab. Viele hohe und intelligente Offiziere kehren sich mit Abschen von den Blutlachen ihrer gefallenen tiamcraden weg. Auch Mahmud Schefket wird einen baldigen Rrie'den zu schließen gezwungen sein, denn die Drohungen Rußlands, die türkischen Schwarze-Meer-Hafen Trapezunt, 'Samiun und Sugnndschak. den Kohlenhafen der Heraklea-Bergwerke zu Beleben sind ernst. Außerdem liegt dte Befürchtung vor. daß die bedeutsame arabische Frage bald mit voller Wucht einsetzt." Unter solchen Umständen ist es natürlich, daß die B a l k a n- st a a t e n sich auf weiteres Abwarten einrichten, lind dies um so eher, als auch zivischen ihnen im Falle der Wieder- aufnähme des Krieges noch eine Reihe von Abmachungen gc- troffen werden müssen. Die Bulgaren brauchen die militärische Unterstützung Serbiens und Griechenlands, und diese beiden Staaten knüpfen daran anscheinend die Bedingung gewisser Zugeständnisse: Bulgarien soll seine Ansprüche auf Saloniki zugunsten Griechenlands, sowie auf einige Gebiete zugunsten Serbiens aufgeben. Solche Regelung bedarf einiger Zeit. während der die Balkanstaaten kaum losschlagen werden. Damit ist auch für die diplomatischen Verhandlungen unter den Mächten Zeit gewonnen, und es kann immerhin als ein günstiges Aioment betrachtet werden, daß Herr von Beth- mann H 0 l l iv e g im Reichstag bei der Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Bassermann in so entschiedener Form die Behauptung dementieren lassen konnte, daß zwischen verschiedenen� Machten cm Plan für die Aufteilung der asiatischen Türkei bestände. Die Zustände in der Türkei sind allerdings durch den jungtui kische,, Putsch so kritisch geworden, das Eintreten unvorhergesehener Zivischenfälle so leicht mög- lich, daß die Situation nach wie vor bedrohlich genug bleibt. und was heute ausgeschlossen erscheint, morgen Wirklichkeit werden könnte. Zwistigkeitcn in der türkischen Armee. Äonstantinopel, 27. Januar.(Meldung des Wiener Ä. K. T�clcgr.-Llorrcsp.-Burcans.) Hartnäckig um- lausende Gerüchte besagen, daß in der A r in e e vor Tschataldscha zwischen Anhängern der Jiingtnrkcn und denen des srühcren Äriegsininisters Nasim Pascha ernste Zwistigkeiten entstanden seien. Es sei sogar zu einem blutigen Konflikt unter den Truppen gekommen. Eine authentische Bestätigung der Gerüchte fehlt.— T a l a a t B c i hat sich heute früh nach Tschataldscha begeben. Eine Bestätigung? Petersburg, 28. Januar.(P.-C.) Ein von: russischen Botschafter in Konstantinopel, Herrn v. G i e r s, hier ein gelaufenes Telegramm bestätigt die Gerüchte von Zwistigkeiten zwischen den Anhängern der Jnngtürken und denen Raziiii Paschas. Wiederholt sei es bereits zu blutigen Zusammen stoßen gekommen. Die Rote der Balkandclcgicrtcn. London, 28. Januar. Wie das Rentersche Bureau er fährt, traten die B a l k a u d e l c g i e r t c 11 heute nachmittag 2-H Uhr zusainineii und koiiscrierten über drei Stunden. Während dieser Konferenz setzten sie eine Note auf und uiiterzeichneten sie, die sie den Türken zu überreichen beabsichtigen. Ungeduld in Bulgarien. Wie», 28. Januar. Der„Politischen Korrespondenz" wird aus Sofia gemeldet:„Man hat hier den Eindruck gewonnen, daß auf eine baldige Beantwortung der Kollcktivnotc der Mächte nicht zu hoffen sei. Dieklage wird infolgedessen allgemein ungünstig beurteilt, und die Geneigtheit zum Abwarten der weiteren Eni- Wickelung, die nach dem Umsturz in Konstantinopel anfänglich Platz gegriffen hatte, ist einer ungeduldigen Stimmung gewichen. An amtlicher bulgarischer Stelle besteht die Ansicht, daß die Fortsetzung des Krieges nun als kaum mehr abwendbar erscheint." Gegen einen russischen Eiiimischnngsvcrsnch. Paris, 28. Januar.(P r i v a t t e l e g r a in m des „V 0 r w ä r t s".) Es wird immer deutlicher, daß Frank- reich durchaus nicht gewillt ist, eine selb ständige Intervention Rußlands gegen die Türkei z u u n t e r st ü tz e n. Vielmehr macht sich die Ver- stimmung gegen jede Separataktion immer mehr geltend. Gestern wandte sich der klerikale Graf de Mun gegen jedes Sondervorgehen. Heute beschäftigt sich gar der Leitartikel des„Temps" mit der rnssisch-polittschen Frage. Wenngleich in panslawistische Redensarten eingewickelt, besagt diese un gewöhnliche Einmischung in die innere russische Politik im jetzigen Augenblick nichts anderes, als Rußland möge vor seiner eigenen Tür kehren. Russisches Toppclspiel? Paris, 27. Januar.(Eig. Bcr.) In der„Hnmanitö" schreibt heute Jaurvs: „Das Spiel der Diplomatie ist recht dunkel und oft genug verdächtig. Ich weiß zum Beispiel aus sicherer Quelle, daß dieselbe russische Regierung, die die Türkei zur Preisgabe Adrianopels mit Drohungen zwingen will, bor wenigen Wochen Adrian opel als den Schlüssel zu Konstantinopel ansah, der nicht ausgeliefert werden dürfe. Infolge eines Gutachtens des General st abcs gab die russische Regierung den Bulgaren im schneidend st en Ton zu verstehen, daß sie ihnen nicht erlauben würde, Adrian opel zu nehmen. Die rumänische Erpresserpolitik. Wien, 28. Januar. Die„Nene Freie Presse" meldet ans B u k a r e st: Morgen vormittag findet abermals ein M i n i st e r r a t unter dein Vorsitz des Ministerpräsidenten Majoresco statt, in welchem der Stand der bulgarisch- r u m ä n i s ch e n Differenzen besprochen werden wird. Auch die K a in m e r wird morgen eine Sitzung abhalten, nachdem die für gestern anberaunit gewesene Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit nicht stattfinden konnte. Eine Jnter- pellation von konservativer Seite über die auswärtige Lage wird infolgedessen erst in der morgigen Sitznilg eingebracht werden. Wie uns dazu ein Privattelegramm ans Köln meldet, schreibt die Köln. Ztg." offiziös: „Zum Stande der rumänisch- bulgarischen Vorhand- lnngen, die mehr und mehr wieder in den Vordergrund des Interesses treten, sei bemerkt, daß diese Verhandlungen zweifellos wieder in Fluß gekommen sind, ver- mutllch ans Grund neuer Weisungen, die D a 11 e w von seiner Regierung erhalten hat. Ein Ergebnis läßt sich noch nicht feststellen. Es scheint aber, daß man sich in Konstantinopel einem Irrtum hingeben würde, wenn man mit einem für die Türkei vorteilhaften bulgarisch- r u nt ä n i s ch e n Zerwürfnis rechnen würde." Flüchtig. Konstantinopel, 28. Januar. Der zweite Kammer Herr des Sultans R c s ch t d Bei ist freigelassen woxden und soll sich jetzt unter englischem Schutz befinden. Mehrere An- Hänger des früheren Kabinetts, darunter der Solln des früheren Scheik-ül Islam Mukhtar Bei haben sich an Bord eines russischen Dampfers geflüchtet. Auch dem'Sohne des gewesenen Groß- Ivesirs Kiamil Said soll es gelungeil sein, zu flüchten. Tie Kriegsgrcuel. London, 28. Januar. Unterhaus. In Erwiderung auf eine Anfrage über die Grausamkeiten, welche, die Ber- bündeten in Mazedonien verübt hallen sollen, sagte Staatssekrclär Greh:„Ich habe meinen Ausführungen vom Iii und 21. d. M. nur hinzuzufügen, daß der bulgarische Ministerpräsident erklärt hat, die bulgarischen regulären Truppen hätten keine Aus- schrcitungen begangen; etwaige Handlungen bulgarischer Bauden seien im direkten Gegensatz zu den A n 0 r d- nu ngeu des Hauptquartiers geschehen." Walter Guiniieß fragte, ob die britischen Konsuln die Angelegenheit nicht unter- suche n könnten, oder ob sie tatsächlich gefangen wären, wie es der französische und der deutsche Konsul in Äawalla gewesen sein sollten. G r c y erwiderte:.Wir können nicht erwarten, daß die britischen Konsuln während eines Krieges in der Lage sind, alle Vorgänge zu überwachen." Zu den Anfragen, die eine Veröffentlichung aller Konsularberichte dringend wünschen, erklärte Grey:„Im vorigen Jahre machte man mir Vorwürfe, weil ich mich weigerte, Nachrichicn über die türkischen Ausschreitungen in Mazedonien tvährend des italienisch-türkischen Krieges zu veröffentlichen. Man bcbauptctc, ich nähme die Türken in Schutz; ich beobachte jetzt genau das gleiche Verhalten. Die Berichte enthalten Nachrichten, von denen einige begründet scheinen, andere jedoch Gerüchte sind. Alles ist unauflöslich mit einander vermischt. Ich habe geglaubt, es sei das beste, Nachrichten, die begründet scheinen, derjenigen Rc- gicrung vorzulegen, die direkt oder indirekt in der Lage ist, diese Gebiete zu beaufsichtigen. ES würde nicht im öffentlichen Interesse liegen, gegenwärtig weiter zu gehen. Falls wir es doch täten, würden wir weit über das hinausgehen, was andere Regierungen in dieser Sache tun. G u i n 11 e ß fragte Greh weiterhin, ob er bei den Regierungen Griechenlands und Bulgariens daraus dringen wolle, daß die Schuldigen bestraft würden, falls die Angaben über Ge- walttätigkeiten der Griechen und Bulgaren bei der Besetzung von Katvalla sich als wahr erweisen sollten. Grey erwiderte, es sei dem Fragesteller bereits bekannt, was hinsichtlich dieser und anderer Meldungen getan worden sei, er wolle hinzufügen, daß in dem ein- zigcn Falle, in dem die empfangenen Mitteiliingen die Namen van Irregulären enthalten hätten, die Gewalttätigkeiten verübt haben sollen,- eine weitere Mitteilung an die in Frage kommende Regie- rung gerichtet werde. Der britische Gesandte sei angetvicsen worden, im?!amcti seiner Regierung die Hoffnung auszusprechen, daß diejenigen, denen Exzesse nachgcwicscn werden, n a ch Recht und Gesetz behandelt werden. Li» koniervativer Exzeß. Für die Wahlagitation. Fast zur gleichen Zeit, als im Reichstage die konservativen Größen Graf Westarp und der dicke Oertcl, in der preußischen Duma der Graf Arnim ihrer wahren Gesinnung gegen die Arbeiter- schast Ausdruck verliehen, indem die erstcren die Regierung zu einer Verschlechterung des KoalitionsrechtcS durch ein Verbot des Streik- postenstehens, der letztere zu einer Neuauflage des Sozialistengesetzes anreizten, veröffentlichte das berüchtigte Ocrtel-Organ, die „Deutsche Tageszeitung" einen Artikel, der an stupidem Haß gegen die Arbeiter so ziemlich alle ähnlichen bekannten Aeußerungen jener Seite in den Schatien stellt. ES handelt sich da um ein langes Elaborat eines konservativen Zeitgenossen in der MonatSbcilage„Zeitfragen" der „Deutschen Tageszeitung" vom 20� Januar, das die bezeichnende lfeberschrist trägt: „Die Begehrlichkeit der Handarbeiicrklassc imd der Mittelstand." DeS Geschreibsels kurzer Sinn ist der. den„staatöcrhaltenden" „geistigen Mittelstand" etwas mehr mit dem Zuckerbrot der Sozial- Politik zu ködern, dagegen der„angeblich hungernden", in Wirklich- lest aber„immer mehr Lohn, immer höheres Lustquanimn und immer weniger Arbeit heischenden Masse" kräftig den Hungerriemen anzuziehen und ihr die Faust aufs Auge zu drücken. Die Un- verfrorenheit dieses ehrenwerten Oertel-Genossen atmet so echt den konservativen Geist den Arbeitern gegenüber, daß wir dieser Clique nur dringend raten, ihn mit der gleichen Offenheit demnächst auch in ihren Wahlflugblättcrn zum Ausdruck zu bringen, Sie wird dann bei der Prcnßentvahl ihr blancS Wunder erleben unter den Arbeitern. ES heißt da z, B.: .. Wie es heute vielfach i» Großstädten den Malern und Bildhauern, Musiklehrern und Theaterleuten ergeht, ist geradezu anklagend für unsere Kulturhöhe. die den Handlanger verwöhnt, dagegen die höhere Arbeit verhungern läßt." „All diesen gebildeten Berufen steht der gewöhn- lichstc und nnwissendste Handlanger brillant in sicherer Wochen- einnähme gegenüber." Das„verdient heute ernstliche Beachtung und um so mehr, als die einseitig übertriebene„Ar- b e i t e r f ü r s 0 r g e", die nuentwegte Wohlfahrtspflege zugunsten der niemals zufrieden werdenden Unterklasse des Handlangcrtnms und der Tagclöhncrklasse nur Hohn und Spott... und die immer größere Begehrlichkeit der also Befürsorgle» durch Lohntreiberei und Lustquantumssteigernng gezeitigt hat"... Treffend hat im bayerischen ReichSrat General b. Pflaum unlängst die ganze zwecklose Fürsorgesucht gegen- ü ber der u 11 st i ll b a r e n B e g c h r l i ch k e'i t d eS heutigen ArbeitertumS erörtert: ..Solange der Arbeiter jemand sieht, der es besser hat als er— nach seiner Meinung— bleibt er eben unzufrieden, und es wird auch immerzu Leute gebe», die ein Interesse daranhaben, diese Unzufriedenheit zu benutzen. Nur durch rücksichtslose Strenge kau» heute noch die Autorität gesichert und Neigungen entgegengetreten»Verden, die sobald nicht aus der Welt zu schassen sind." Der konservative Nassenmensch zitiert dann neben anderen einen mnerikanischen Professor über„denHandarbeiterwert Unseres Maschinen- Zeitalters" und kirüpft daran die folgenden höchsteigenen offenherzigen Bemerkungen, „das; je mehr die Maschine leistet und die früher so»vichtige und schaffcnSfrohe Handarbeit zurückgedrängt wird, die verbleibenden handgrifflichen Leistungen n»r angepasit bescheidene Ansprüche er- gebe» können. In Wirklichkeit fordert aber dieses entwertete Haudlangertum die ungerechtfertigste» Löhne mit fortgesetztem Haudaufhaltcn, um eben bequemlich über die Berhältuisse der llnterklaffen sich ausleben zu können, statt mit zniiächstliegcuder Sparsamkeit sich i» das veränderte Ergebnis der wirtschaftlichen Entwickclung im Gcsaintintercffc einzufügen." „Die Handarbeiterklasse kennt nur„Forderungen"; für die Pflege der nationalen Werte fehlt eS da aus Prinzip an Willen und Verständnis, weil eben der alleinseligmachende proletarische Zukunftsstaat das Ideal der roten Politik bleibt. Darum allernächste Fürsorge zur Kräftigung der M i t t e l k l a s s e iin weitesten Sinne, weil dies die n ü tz l i ch st e S ch i ch t für den Staat und seine Erhaltung in» abhän- gigen Interesse beider ist, während die fortgeschrittene Uiivcrfrorcnhcit des Handlaugertums bereits die dauernd uuhalt- baren und wirtschaftSschädlichcn Proletnrierwonnen& la Ncu-See- la»d(8 Stunden Arbeit bei 8 M. Nornialtngelohn und drei Halb- fciertnge pro Woche) herbeiwünscht, so das? nur noch die getriiffcltc» Kapaunen als Lcibesfürsorge zu diesem famosen Ziikunftsdaseln des Proletariats verbleiben"... Krassere Unverfrorenheiten als von einem nur mühsam die deutsche Sprache radebrechenden Edelmenschen sind der- ausgeplünderten Volksmehrheit kaum jemals ins Gesicht geschleudert worden I Und ausgesucht im Organ jener schmarotzenden Minderheit, die sich von der Arbeit dieser Beschimpften ernähren, durch Brot-, Fleisch- und Schnapsrenten sich von den„Handlangern" alimentiereu lätzt. Wir danken der„Deutschen Tageszeitung" für dieses ausgezeichnete AgitatiouSmaterial. Diese Sippe muß wirklich glauben, daß die Arbeiter eine Hundeseele haben, wenn sie meint, daß ihr solche Be- schiinpfmigen nicht bei den nächsten Wahlen heimgezahlt werden! flußerordentlkller Parteitag der ungarischen Sozialdemohratie. B u d a p e st, 26. Januar.(Eig. Ber.) Der alißerordentliche Parteitag fand heute unter sehr starker Be- teiligung der Partei- uird Gewerkschaftsdelegierten statt. AuS der Hauptstadt und auS allen Gegenden des Landes waren Delegierte anwesend. Von den ausländischen Bruderparteien waren erschienen: V a n d e r s in i s s e n aus Belgien, A u st e r l i tz aus Oesterreich und Vukseg auS Kroatien. Die sozialdemokratische Partei Deutschlands hatte ein BegrüßungStelegramm gesandt. Die Eröffnungsrede hielt Parteisekretär B u ch i n g e r. In markigen Worten machte er die erschienenen Delegierten auf den hohen Ernst der Situation auf- merksam, sie auffordernd, sich jedweder leidenschaftlichen Erregung zu enthalten und ruhig und besonnen, wie es ernsten, entschlossenen Männern gebührt, ihre Beschlüsse zu fassen und dieselben dann zu halteir. Unter tosendem Beifall der gesamten Delegierten polemisiert der Vötfitzende sodann gegen die Regierung; die Parteileitung ist von dem Ministerpräsidenten insofern verleumdet worden, als er be- hauptete, die Parteileitung reize die Massen des Volkes auf, ent- .ziehe sich aber feige der Verantwortung. Die Parteileitung befasse sich weder einzeln noch insgesamt mit Gllterschacher. sie verkaufe weder Bergwerke noch Besitzungen au den Staat, betreibe keine Häusermaklerei und baue keine Vizinalbahnen, auch dulde sie in ihrer Mitte keine Panamisten. Die Regierungsmitglieder da- gegen hätten Grund, sich gerade wegen solcher Taten der Verant- wortung zu entziehen. Nicht die Parteileitung ist es, die die breiten Massen des Volkes aufreizt. Aufreizung dagegen war eS, was am g. Juni des vergangenen Jahres im Reichstage geschah. Aufreizung ist es, daß die Löhne so niedrig, die Lebensmittel so furchtbar teuer, daß die Kultur im Lande auf so niedrigem Niveau steht. Die Parteileitung übernimmt jederzeit die Verantwortung für ihre Taten, wird sich aber auch nicht das Recht nehmen lassen, die Regierung für ihre gesetzwidrigen Handlungen zur Rechenschaft zu ziehen. Tie Genossen Vandersmissen, Austerlitz und Bukseg hielten Be- grüßungsansprachen. DaS Referat zu dem einzigen Punkte der Tagesordnung:„Kampf gegen den RegierungS-Wahlrechtscntwnrf" hatte Genosse Ernst G a r a m i. Die Rede löste unbeschreibliche Begeisterung aus. Wie ein Manu erhob sich am Schlüsse der Rede der gesamte Kongreß und stimmte die Marseillaise an. Die vorgelegte Resolution, die ohne jede Aenderung einstimmig angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: Der am 26. Januar l0t3 abgehaltene außerordentliche Partei- teitag der sozialdemokratischen Partei Ungarns stellt fest, daß der Wahlrechtsreformenttvurs der Regierung Lukacs weder das vom Könige in feierlicher Weise mehrmals gegebene Versprechen einlöst, noch den von der gegemvärtige» und den bisherigen Regierungen übernommenen Wahlrechtsverpflichtungen entspricht. Dieser Gesetz- entlvurf bietet weder das allgemeine, noch das gleiche Wahlrecht, entbehrt der geheimen Abstimmung, stellt den gegenwärtigen rechtsräubcrischen Zustand nicht ein und befriedigt die Interessen der landivirtschaftlichen und gewerblichen arbeitenden Klassen. mögen diese Kleinbauern, Landarbeiter, Bürger oder gewerbliche Arbeiter sein, nicht im entferntesten Maße. Der Parteitag fordert daher die organisierte Arbeiterschaft auf, daß sie gegen diesen Entlvurf ohne Aufschub den schärfsten Kampf aufnehme und diesen solange fortsetze, bis dieser Entwurf und die Regierung, deren Wortbruch ihn schuf, verschwinden.— Der Parteitag stellt mit Befriedigung fest, daß dieser Kampf schon begonnen und nimmt mit Freude zur Kenntnis, daß an diesem Kampfe auch angesehene Schichten der Bürgerschaft teilzunehmen gedenken. Der Parteitag � erklärt sich bereit zum gemeinsamen Kampf, nicht nur mit der vereinigten Opposition des Parlaments, mit welcher ihn auch die gemeinsame Vereinbarung bezüglich des Wahlrechts verbindet, sondern er pust zu gemeinsnmeni Kampf auch die in ihren Interessen schwer ge- schädigte gesamte Bürgerschaft auf. Der Parteitag fordert zum gemeinsamen Sturm gegen den Wahlrechts- e n t w u r f der Regierung Lukacs sämtliche fortschrittlich gesinnte Schichten der Bevölkerung. Ungarns auf.— Der Parteitag er- mächtigt die Parteileitung, diesen Kampf mit allen Waffen zu führen, die sie für gut findet, und fordert die Parteileitung auf, im gegebenen Moment den auf das ganze Land sich erstreckenden Massenstreik zu verkünden. Um dies zu ermöglichen, fordert der Parteitag die Parteileitung, sämtliche Organe und Organisationen der Arbeiter- bewegung auf, die Vorbereitungen zum Massenstreik im ganzen Lande, bis aus die kleinsten Details sich erstreckend, zu treffen und dem von der Parteileitung ergehenden Aufruf sofort Folge zu leisten. Der Parteitag ermächtig! die Parteileitung, alle auf den Riasienstreik Bezug habenden Verfügungen zu treffen. Nach alledem erklärt der Parteitag: Falls trotz dieses Kampfes der Arbeiterschaft dieser Gesetzentwurf unter dem Schutze von Baionetten und durch die im geschlossenen Kreise staltfindenden Verhandlungen dennoch de», Lande aufoktroyiert wird, nimmt die sozialdemokratische Partei an den auf der Grundlage dieses Gesetzentwurfes basierenden Wahlen n i ch t t e i l mit ihren eventuellen Wahlberechtigten. Mit der ganzen Kraft ihrer organisierten Massen wird sie vielmehr die vereinigte parlamen- tarische Opposition unterstützen, um eine Revision des Wahlgesetzes zu erreiche». Die Partei wird alle Kraft daran setzen, daß diese Regierung und ihre Partei vernichtet und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht innerhalb der kürzesten Frist zum Gesetze erhoben wird." Bevor über die vorgelegte Resolution abgestimmt wurde, er- hoben sich der Reihe nach die Vertreter der Eisenarbeiter, der Holz- arbeiter, der Bekleidungsindustrie, der graphischen Fächer, der Lebensmittelbranche, der Vorkehrsarbeiier, um ihre Zustimmung zum Generalstreik zu erklären. Dieselbe Erklärung gaben Parteivertreter aus West- und Südnngarn, auS den Komitaten diesseits und jenseits der Donau und der Theiß, zuletzt auch die Vertreter der verschiedenen Nationalitätsparteien ab; alle versicherten Krieg bis aufs Messer gegen die Regierung führen zu wollen. Genosse B o l a n y schloß mit einer begeistert aufgenommenen Schlußrede den außerordentlichen Parteitag. Auf alle politischen Kreise hat diese gewaltige Kundgebung einen mächtigen Eindruck gemacht. PoMXxkhc CkberHebt Berlin, den 28. Januar 1913. Reichsgesundheitsamt und neue Militärvorlagen. AuS dem Reichstage. Der Reichstag hat ain Dienstag die am Sonnabend begonnene Aussprache über das Reichsgesundheitsamt fortgesetzt, aber noch nicht beendet. Auch dieses Reichsamt hat eine Fülle von wichtigen Auf» gaben zu erfüllen. Auf die Lage der Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen gingen die Redner fast aller Parteien ein. Und das aus gutem Grunde. Haben doch die Erhebungen über die Lage dieser Arbeiter geradezu un- erhörte Zustände aufgedeckt. Der Regierungsvertreter, Präsident des Reichsgesuudheitsamtes Dr. B u m m, erkannte dann auch an, daß hier eingegriffen werden müsse. Aber— die Angelegenheit liegt beim Reichskanzler, die Erwägungen schweben noch. .Genosse Antrick erinnerte die Herren daran, daß er bereits vor zwölf Jahren die Mißstände nach- gciviesen habe. Damals mußte er über sich die heftigsten An- griffe wegen seiner Behauptungen ergehen lassen. Er wies eingehend nach, daß die amtlichen Erhebungen durchweg zeigen, wie berechtigt seine damaligen Behauptungen über die Mißstände auf diesem Gebiete sind. Auch die Regierungen und die bürgerlichen Parteien hätten schon längst Kenntnis von den Mißständen haben und die nötigen Maßnahmen da- gegen durchführen können. Daß sie dies nicht getan haben, ist in der Tat eine schwere Unterlassungssünde. Jetzt hat unsere Fraktion wieder einen Antrag eingebracht, der alle die Maßnahmen aufzählt und fordert, die hier notwendig sind. Der nationalliberale Abgeordnete Dr. Thoma suchte mit .großem Eifer seine Partei gegen den Vorwurf zu schützen, den Genosse Antrick auf sie wie auf die anderen bürgerlichen Parteien wegen ihrer ablehnenden Haltung vor zioölf Jahren gerichtet hatte. Der Herr hat sich aber arg verhauen. Ge- nosse Antrick wird ihm dies in dem weiteren Verlauf der Aussprache zeigen. Genosse I ä ck e l besprach in einer temperamentvollen Rede die Gesundheitsschädiguugen, welche geivisse Arbeiten in der Baumwolliveberei und das Lumpenlesen in der Kunstwoll- fabrikation zur Folge haben. Hoffentlich wird das Reichsgesundheitsamt diese Beschwerden gründlich untersuchen und die dagegen notwendigen Maßnahinen vorschlagen. Aus der weitereu Aussprache sind die Ausführungen über die Arbeiterverhältnisse in der Schwereisenindustrie hervor- zuHeben. Sie bestätigen, was Genosse Spiegel bereits ain Sonnabend dargelegt hat. Ferner»vurden die K i n d e r st e r b l i ch k e i t, die Miß- stände im Hebammenwesen und im Apotheken- Wesen, die Abnahn, e derGeburten usiv. besprochen. Dabei gingen mehrere Redner auch auf die Ernährung der Kinder und auf die Bedeutung ein, die die Zufuhr guter und billiger Milch hat. Dies veranlaßte den Abg. H o e s ch von den Konservativen,„handelspolitische Maß- nahmen" gegen die große Einfuhr von Milch aus dem Aus- lande zu fordern. Den armen Leuten soll die Milch auch noch durch einen Schutzzoll verteuert werden. Das ist die Art, >vie die Konservativen die— große Kindersterblichkeit bekämpfen. Sehr bedauerlich ist das Ergebnis der Aussprache über die M a u l- u n d 5t l a u e n s e u ch e. Die Hoffnungen, daß »vir endlich ein Mittel zur wirksameren Bekämpfung dieser schiveren Schädigung bekommen»Verden, hat sich nach der Versicherung des Regierungsvertreters leider noch immer nicht erfüllt. Um so notivendiger wäre eine sachgemäß durchge- führte Viehversicherung, die wenigstens den beteiligten Vieh- züchtern den durch die Seuche verursachten Schaden ganz ersetzt und dadurch erst die Voraussetzung für ein tatkräftiges und frühzeitiges Vorgehen gegen die ersten Zeichen der Seuche schafft. Leider hat die bürgerliche Mehrheit des Reichstages einen solchen Antrag vor wenigen Tagen abgelehnt.— Zu Beginn der Sitzung wurden mehrere„kleine An- fragen" beantwortet, darunter auch die des Genossen Dr. Gradnauer über die zu erwartende Militärvorlage. Die neue Erhöhung der Militärausgaben»vird kommen. Wieviel dafür verlangt»Verden wird, das— soll das Volk erst später erfahren. Jetzt könnte die Höhe der dem Volke zugemuteten neuen Lasten für den Militarisnlus gar zu „aufhetzerisch"»virken. Morgen kommt die'Interpellation der Polen über die Eirteignungen zu»' Sprache._ Arbeitsplan des Reichstags. Der Seniorenkonvent befaßte sich am Dienstag mit dem Arbeitsplan des Reichstags für die nächsten Tage. An» Mitt- woch steht die Polen-Interpellation auf der Tagesordnung. Voraussichtlich»vird der Reichskanzler die Beantwortung der Interpellation ablehnen. Nach den neuen Bestimmungeil der Geschäftsordnung»vird die Besprechung auf Antrag aus dein Hause heraus aber trotzdem stattfinden. Am Donnerstag soll dann das Gesetz über die Zollerleichterilng bei der Fleisch- einfuhr in zweiter Lesung beraten werden. Dann wird die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern zu Ende geführt. Im Anschluß daran gelangt der sozialdemokratische Wahlrechts- Initiativantrag zur Verhandlung.— Von verschiedenen Seiten»vurde der Wunsch ausgesprochen, auf die Redner einzlltvirken, sich möglichst der Kürze z»l befleißige»». Et'ne Zentruinsaktion gegen Herrn v. Bethmann Hollweg. Die polnische ReichstagSfraktion hat eine Interpellation loegen der Enteignung polnischer Gutsbesitzer eingebracht, die an den Reichskanzler die Frage stellt, was er zu tun gedenke,„um dieser mit dem Geiste der Reichsverfasiung und niit der Reichsgesetzgebung.... unvereinbaren Maßnahme entgegenzutreten". Diese Interpellation ist auch von einem guten Schock Zentrumsabgeordneter unterzeichnet worden. Sicherlich wird ja auch das Zentrum, das sich im preußischen Abgeoidnetenhause mit Eiuschiedeiiheit wie gegen die preußische Polenpolitik überhaupt, so vor allen Dingen auch gegen die Enteignungspolitik erklärt hat, sich im Reichstag in seiner Gesamtheit für die polnische JMerpellation ins Zeug legen müssen. Daß sich die Sozialdemokratie der Jnter- pellaiion anschließen wird, versteht sich von selbst. Aber auch der Freisinn wird nicht umhin können, trotz aller etwaiger hakatistischer Regungen den Vorstoß der Polen zu unterstützen. Damit würde die ungeheure Mehrheit desReichstags die preußische Politik des Reichskanzlers desavouieren, ganz gleich, ob es bei einer bloßen Aussprache bleibt oder ob die Er- örterung in der Abstimmung über einen speziellen Antrag ihren handgreiflichen Ausdruck findet. Daß die Polen, die ja im Grunde nur ein Anhängsel deS Zentrums bilde» und ihr Vorgehen völlig den ultramontanen Wünschen anpassen, überhaupt eine solche Interpellation eingebracht Kaden, belveist die Kampfeslust des Zentrums. Das Zentrum läßt seinen Fehdeansagcn in der Presse die parlamenta- rische Tat folgen! Herr v. Bethmann Hollweg erfährt die dringende Mahnung, den Zentrumsivünscben schleunigst entgegen zu koinmen. Und zlvar wird nickt nur das Zentrum in Preußen die bereits ja von Herrn v. Schorlemer halb in Aussicht gestellte Verpfasfung der Fortbildungsschule durchzudrücken suchen, sondern auch Zugeständnis sein derJesuitenfragel Altnativnallibcralc und Konservative. Die Sehnsucht der Allnationalliberalen nach einer Jntereffen« gemeinschaft mit den Konservativen hat sich in letzter Zeit merklich abgekühlt. Nicht deshalb,»oeil die Friedberger und Fuhrmänner zu besserer Erkenntnis der politischen Lage gekommen sind und ihre reaktionären Pläne vorläufig zurückgestellt haben. DaS staats» männische Selbstgefühl der Herren hat sich nicht im geringsten ver- mindert, und nach wie vor fühlen sie sich dazu berufen, eine weit größere Rolle im politischen Leben Deutschlands zu spielen wie jetzt, das heißt, sie fühlen sich für einen recht hohen und gutdotierten NegierungSposten prädestiniert. Wenn dennoch seit kurzem ihre Werbung um die Gunst der Konservativen beträchtlich schwächer ge- worden ist, so erklärt sich das erstens auS der kühlen Germgichätzung, mit der die um Heydebrand sie behandeln, und zweitens aus dem Bestreben der Konservativen, die industriellen Scharfmacher Rhein- land-Westfalens in ihre Netze zu locken. Vor allem hat die vor kurzem von Herrn v. Heydebrand in Düsseldorf gehaltene Rede die Allnationalliberalen verschnupft; dei»n gerade das rheinisch-west- fälische Jndustrierevier betrachten sie als ihre Spezialdomäne. Herr Fuhrmann hat denn auch für nötig gehalten, in seiner vor drei Tagen in Essen gehaltenen Rede sich scharf gegen die Heydebrandsche Agitatton im Jndustrierevier zu wenden und die Großindustriellen vor den konservativen Lockungen zu warnen. Nach dem„Hannov. Cour." sagie er: „Wenn Heydebrand in seiner Rede vor 8 Tagen in Düffel- dorf die Industriellen umworben habe, so werde er hier wenig Gegenliebe finden. Es sei bezeichnend, daß in dem offiziellen Bericht der Konservativen Korrespondenz die wohlwollenden Aeußerungen HeydebrandS über die Industrie gefehlt hätten. Er erinnerte an Heyde- brands Wort in Bielefeld vor zioei Jahren, das Maß der Freiheit, das die Industrie bedürfe, könnte ihr nie»in vollen Maße durch die Kon« servativen gewährt werden. Die Vertreter des National- liberalismus seien Träger deS Persönlichkeitsgedankens. Nicht die Massen wolle der Liberalismus herrschen lassen, wohl aber wolle er es möglich machen, daß aus den Massen jeder emporsteigen könne, der tüchtig sei, und hier liege der Gegensatz der Liberalen zu den Konservativen, die für die Konservierung der bestehenden Macht einträten. Um eine gedeihliche Politik in. Preußen»»nd im Reich gegenüber der Sozialdemokratie ermöglichen zu können, müsse ein geioisser Ausgleich der bürgerlichen Parteien herbeigeführt werden. Wenn man der Landwirtichaft ihr Wohlergehen gerne wünsche und an ihre Interessen nicht rühren»volle, so müsse doch auch eine gleiche Berücksichligung der industriellen Jntereffen gefordert werden. Daß die Konservativen der Industrie nicht immer wohlwollend gegenüber« treten, habe die letzte Beratung deS WasfergesetzeS be- wiesen. Eine dauernde Beseitigung der Fleiichnot könne nur durch eine umfassende innere Kolonisalioii erzielt»verde»», die an vielen Stellen freie Bauern an Stelle des Großgrundbesitzes treten lasse. Gleichberechtigung von Jndllstrie und Landwirtschaft fn Stadt und Land müsse die Parole sein. Wer mitten im Handel. Gewerbe und Industrie stehe, der sehe die Dinge aus dem Weltmärkte anders an als ein Ritterguts- besitzer auf dem Lande." Militaristischer Zahlenschwindel. Im„März" schreibt Hermann Fricdcmann über die ziffernmäßigen Aufinachungen unserer Nüstungstreiber: „Folgende Rechnung stainmt vom Generalmajor Keim: Von den gesamten Staatseinnahmen werden für Heer und Flotte auf- gewendet: In Deutschland 16 Proz.; in Rußland 23, Frank- reich 26. Großbritannien 40, Schweiz 26 Proz. Schier aufreizend billig ist unsere Wehrmacht." Wer Elatberechnungen kennt, wird bei den 16 Prozent nur- flüchtig erstaunen und rasch den Irrtum des Generals begreisen. Das deuische Budget unterscheidet sich von denen anderer Länder dtlrch riesige Bruttobeträge. Da im Durchschnitt der letzten sechs Jahre Heer und Flotte in allem mindestens 1300 Millionen kosteten, hätte,»ach Keimscher Rechnung, der deutsche Haushalt rllnd acht Milliarden jährlich verbrauchen müssen; mehr al» 20 Proz. des Volkseinkommens. Natürlich ist davon keine Rede; aber der Fehler durchsichtig. Das Reich(als solches) hatte im vorigen Jahre einen Etat von 2,7 Milliarden; rund 1 Milliarde ent- fällt auf Erlverbsausgaben und Matrikularumlagen, kommt also nur rechnerisch in Frage. Preußen, zur gleichen Zeit, verbrauchte Ilvv Millionen bei einem buchmäßigen Etat von 3,745 Milliarden; entsprechend die übrigen Staaten. Rechnet man die Bruttobeträge zusammen, so ergibt sich die Riesensumme von 8,5 Milliarden; im Jahre 1606: 7,5. Daher also stammen KeimS acht Milliarden. Tatsächlich ausgegeben, d. h. für allgemeine StaatSzwecke aufgewendet sind im letzten Jahre dreieinhalb, fünf Jahre früher etwa drei Milliarden: durchschnittlich 3'/«. Von dieser Summe aber sind 1300 Millionen nicht 16. sondern 40 Proz. Man könnte meinen, der Rechenfehler gelte für die anderen Länder in gleichern Maße: das trifft nicht zu. Der Abstand zwischen Brutto- und Neltoetat ist dort verhältnismäßig gering: ES fehlen die großen ErlverbSausgaben lEisenbahn lj wie die verzwickten Matrikularunrlagen." Seitweit der„März". In Wirklichkeit entsprechen die Zahlen des Herrn Generalmajors Keim noch viel weniger den Tatsachen. Denn»venn man sämtliche militaristischen Ausgaben hinzurechnet, wozu doch auch die Ausgaben für die Militärpensionen, die Kolonien- und die Zinsen derjenigen Schulden gehören, die für niilitaristischcn Zwecken dienende Anleihen kontrahiert worden sind, so betragen die Militär- ausgaben nicht 1300 Millionen Mark im Jahre, sondern 2000 Millionen. Die Militärausgaben machen dann aber nicht 40, sondern ca. 60 Proz. der Reichs- und Staatsausgaben aus, während Herr Keim nur 16 Proz. zugibt! Für 122 Millionen Mark Einfuhrscheine. Mittels Einfudrschöine ist im Kalenderjahr 1912 der Zoll im Betrage von 122 Millionen Mark bezahlt worden gegen 194,4 Mil- lionen im Jahre 1911 und 122,4 Millionen im Jahre 1919. Von den 122 Millionen des Jahres 1912 kamen 89,9 Millionen Mark auf Weizen und Spelz, 17,4 Millionen Mark auf Hafer. 13, S Millionen Mark auf Roggen, 8.1 Millionen Mark auf andere Molzgerste. 0,3 Millionen Mark auf Buchweizen und 9,4 Millionen Mark auf Raps und Rübsam.— Diese 122 Millionen Mark müßten eigentlich für Zoll in den Kassen des Reiches sein, statt dessen sind sie in die Taschen der Agrarier geflossen._ Wahlterrorismus bei den Beisitzerwahlen zur Angcstrlltenversicherung. DaS Sammelbecken der reaktionären Angestelltenverbände, der »Hauptausschuh für die staatliche Pensionsversicherung", versucht ganz offen die kürzlich gewählten Vertrauensmänner, die in den nächsten Wochen die Beisitzer zu den Organen der Versicherung zu wählen haben, durch nacktesten Terrorismus zur Abgabe eines dem Haupt- ausschuh genehmen Stimmzettels zu bewegen. Er hat, wie uns leider jetzt erst bekannt wird, durch Rund- ichreiben vom 11. Januar 1913 seinen Ortsvereinen folgende An» Weisungen erleilt: „... Da die Stimmzettel spätestens am 29. Februar in dem Besitz der Vertraüensmänner sein werden, so ist dringend anzuraten, von diesem Tage ab eine ununterbrocheneBearbertung der Verbrauensmänner durchzuführen. In der Zeit vom 29.-24. Februar muh deshalb täglich bei den Vertrauensmännern persönlich vorgefragt, täglich müssen sie. zur Ausfüllung und Absendung der Stimmzettel angehalten werden. Da die Siiiniuzeltel bereits vorgedruckt geliefert werden, so wird bei täumigen Vertrauensmännern der besuchende Vertreter den Umschlag mit dem ausgefüllten Stimmzettel verlangen und ihn dann selbst in denBriefkasten stecken.... Es wird toohl am zweckmähigsten sein, wenn die in Nachbar- und ländlichen Kreisen wohnenden Vertrauensmänner kurzerhand zu einer»dringenden Besprechung in Sachen der Aemterwahlen zur Reichsversicherungsanstalt" eingeladen werden. In der Sitzung. zu der die Vertrauensmänner die Stimmzettel mitbringen müssen, wird deren richtige Ausfüllung besprochen und aus- geführt sowie die Absendung an den Präsidenten der Reichs- Versicherungsanstalt veranlaht." Auf diele unverschämte Weise sollen nicht nur die Erwählten de« Hauplausschusses, sondern auch die sehr zahlreichen unorganisierten Vertrauensmänner„bearbeitet" werden. Das Wahlgeheimnis, das im Gesetz ausdrücklich garantiert ist, wird damit illusorffch ge- macht. Wenn so gewählt wird, sind die Wahlen ungültig. Was sagt der Präsident der Reichsvers icherungSanstalt dazu?_ Die Fleischeinfuhr aus dem Ausland. Die Einfuhr an frischem Rindfleisch ist von 42999 Doppelzentnern im November auf 32999 im Dezember zurückgegangen. Damit über- steigt sie die Einfuhr des Dezember im Jahre 1911 nur noch um 19 999 Doppelzentner. An.der Einfuhr von Rindfleisch des letzten Monats sind wieder in erster Linie beteiligt Dänemark mit 14 799, die Niederlande mit 8178 und Ruhland mit 5979 Doppelzentnern. Es folgen Schweden und Frankreich mit weniger als 2999 Doppcl- zentner. Die Einfuhr von frischem Schweinefleisch hat eine kleine Steigerung erfahren: sie betrug im Dezember 48 837 Doppelzentner gegen 39 690 Doppelzentner im Monat vorher. Zum Vergleich sei angeführt, dah im Dezember des Jahres 1911 nur 1291 Doppel- zentner Schweinefleisch eingeführt wurde». Die Zulassung von Schlachtrindern aus de» Niederlanden zur Abschlachtung in öffentliche» Schlachthöfen groher Städte verursachte eine Einfuhr von 3937 Stück, das bedeutet einen Rückgang von fast 2999 Stück gegenüber dem thionat vorher. z Der Rückgang der Fleischeinfuhr, der auf die Preissteigerung zurückzuführen ist, erscheint nicht verwunderlich. Er beweist nur, wie ungenügend die RegierungSniahnahmen gegen die Teuerung sind. frankrdch. Ein Tag der Ohnmacht. Paris, 25. �Januar.(Eig. Ber.) Nicht von dem Anfall soll hier die Rede sein, der gestern dem in einem liebermaß politischer Geschäftigkeit abgehetzten Ministerpräsidenten B r i a n d für einige Augenblicke das Bewußtsein raubte, als er vor einem inißgestimmten Haus die Leerheit einer aufge- dunsenen Regierungserklärung vergeblich mit einen: ebenso leeren Kommentar zu bedecken sich gequält hatte. Die Ohn- macht, die der gestrigen Kammersitzung das Kennzeichen auf- drückte, war politischer Natur und ihr Opfer war die bürger- lichc Politik überhaupt. Aus dem glorreichen Sommer, über dem die Sonne Poincarös leuchtete, ist ein eisiger Winter des Miß- Vergnügens geworden. Dieser Witterungsumschlag vollzog sich mit überraschender Schnelligkeit. Was ist seine Ursache? Die geringe Beleihung von radikalen Größen init Ministerporte- feuillcS? Eine Ermannung des Radikalismus, um die„Be- ruhigungspolitik" anzugreifen, die ihn einen Machtpostcn nach dem anderen hat verlieren lassen? Das Bedürfnis nach einer Revanche für die Wahl von Versailles? Eines nur ist sicher: nämlich die unfreundliche Reserve, worin sich die Linksradikalen zurückzogen, während fast die ganze radikale Presse von Paris noch immer Poincarö zu Ehren in die Jubelposaunen stieß und sich bemühte, auch das neue Ministerium im großen nationalen Triumphzug ungefährdet durchzuschmuggeln. Das erste Zusammentreffen der Regierung und der Radikalen ist nun merkwürdigerweise so ausgefallen, daß beide Teile gleichermaßen verprügelt das Kampffeld verlassen haben. Und dies, weil sie es schon kampfunfähig betreten hatten. Die oppositionellen Radikalen verrieten ihre Desorganisation schon dadurch, daß sie für ihren linken Flügel Herrn Franklin-Bouillon vorschickten, einen banalen und ungeschickten Redner, der sich zum Gaudium der Progressisten als wahres enfant terrible erwies, wogegen der Sprecher ihrer gemäßigten Gruppe, der einstige Polizei- präfekt Andrieux und Verfasser der bekannten Memoiren — ein prächtiger Vertretqlk der radikalen Demokratie, dieser ehemalige Boulangist und Lockspitzelzüchter!— den Schwindel pompöser Regierungsprogrammc, die immer wieder dieselben, nie beschlossenen„Reformen" ankündigen, wohl blutig der- höhnte, aber mit semem Angriff auf den Proporz die ganze Jämmerlichkeit der radikalen Bezirkspolitiker, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, entblößte. Aber schlimmer noch schnitt B r i a n d ab. Und doch hätte er durch eine entschiedene Erklärung für die Wahlreform eine günstige Situation für sich erringen können. Der Vor- kämpfer des Proporzes B e n o i t halte klar ausgesprochen, worauf cS bei der Reform ankommt: das Prinzip des Quotienten. Und Jaurös hatte unter dem Beifall aller Proportionalisten den Radikalen mit ivahrhaft zlvingeilder Beredsamkeit gezeigt, daß ihre eigene Rettung als politische Partei von der Annahme der Reform abhängt. Briand aber Wich jeder unzweideutigen Aeußernng über die Hauptfrage! aus, offenbar in der Furcht. seine radikale Hilfs- truppe abzuschrecken und hielt den Radikalen dafür eine Moralpauke über politischen Idealismus, die in seinem Munde einen verstimmend falschen Klang be- kommen mußte. Da ihm die gewohnte Resonanz fehlte, geriet er bald in Verwirrung, wiederholte dieselben Plattheiten immer wieder und trat plötzlich ab. Der Applaus von einem Halb- dutzend Deputierten wirkte wie Hohn. Der Präsident erklärte die Diskussion für geschlossen, ohne daß— ein in der parlamen- tarischen Geschichte der Republik einfach unerhörter Fall— eine Tagesordnung vorgelegt worden war. Schließlich brachte Briand— unter dem Einfluß seines Unwohlseins auf die Sentimentalität des Parlaments— ein mageres Vertrauensvotum heim. Die Radikalen stimmten teils für ihn, teils cnt- hielten sie sich. Das Ministerium lebt nur noch von ihrer Feigheit, nicht von der eigenen Kraft. Ein Amnestieprojekt. Paris, 23. Januar. Im Ministerrat wurde ein Amnestie- Projekt in großen Zügen angenommen, das in sehr weitem Um- fange auf Ivegen politischer und Preßdelikte, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und Streikvergehen Verurteilte Anwendung finden soll. Belgien. „Es lebe der Generalstreik!" Man schreibt uns aus Brüssel unterm 26. Januar: In einer von Kampffreude und Begeisterung getragenen Massenversammlung hat gestern die Brüsseler Arbeiterschaft in ihren Wortführern der Regierung, die sich anschickt, mit einem volksbedrückenden Militärgesetz anzurücken/ aber sich selbst einer Diskussion über die Abänderung der schmäh- lichen Wahlrechtsordnung bezw. der Vcrfassungsrevision wider- setzt, die Antwort gegeben. Es war dieselbe Antwort, die A n s e e l e am Donnerstag auch im Parlament Herrn von Broqueville zugerufen, als sich dieser in einer kaltsinnigen und provokatorischen Kriegserklärung— diesmal ohne die Illusion einer„offenenTür"— vorzuspiegeln, rundweg gegenden von den Sozialisten gestellten Antrag, die Verfassungsrevision zur Tagesordnung zuzulassen, rundweg aussprach. Ihre Rede, Herr Minister, sagte dort Ansecle, ist eine Kriegserklärung, ist eine Ohrfeige ins Gesicht des Volkes. Das Volk wird den hingeworfenen Handschuh aufheben und mit dem General- streik antworten. Und wie aus Ansceles Munde in der Kammer, so ertönte am Sonnabenb aus dem Munde der Brüsseler Arbeiterschaft während und nach Anseeles Rede der Ruf:„Es lebe der Generalstreik I"— Mit seiner hin- reißenden, mit der Seele des belgischen Arbeiters so vertrauten Volkstümlichkeit forderte Anseele die Brüsseler Arbeiterschaft zur unermüdlichen Vorarbeit für den so gut wie unvermeid- lichen Generalstreik auf. Den verbrecherischen Absichten der Regierung wird ein grandioser, aber zuverlässig friedlicher Generalstreik antworten I Mögen die, die heute drei und vier Stimmen besitzen, dann drei- und viermal so viel arbeiten, wenn die 500000 Proletarier die Arme kreuzen werden... „Wenn in Wochen der Ruf zu dieser stillen Schlacht an Euch ergehen wird, werdet Ihr bereit sein?" fragte Anseele. Wie aus einem Munde stürmte dem Redner aus der Versammlung ein brausendes„Ja!" entgegen, ebenso wie auf seinen Schlußruf:„Es lebe der Generalstreik!" ein tausend- stimmiges Echo antwortete.— lieber das Militärprosekt und die von der Regierung geplante Militarisierung Belgiens sprach Bandervelde, der unter nicht minderer Spannung und Begeisterung der Zuhörer mit der ebenso militärfreund- lichen wie wahlrechtsfeindlichen Regierung abrechnete. DaS glänzend verlaufene Meeting, das von Herrn v. Broqueville wohl weiter als„Drohung" gescholten werden wird, spiegelte Willen und Kampfstimmung der Brüsseler Arbeiter. BnBland. Eine Milliardenanleihe in Sicht! Wie aus Brüssel berichtet wird, soll in allernächster Zeit eine russische Riesenanleihe im Auslande realisiert werden. Einige Blätter behaupten, die Anleihe werde eine Milliarde Franken betragen. Für die„Vorbereitung" der Anleihe soll die den russischen Bestrebungen zugängliche Presse(zu ihr gehört bekanntlich der größte Teil der französi- scheu bürgerlichen Presse) das runde Sümmchen von zwei Millionen Franken erhalten, die unter 84 Zeitungen und Zeitschriften verteilt werden sollen. Marokko. Wie das französische Protektorat befestigt wird. Mogador, 27. Januar. Bei der Einnahme ihrer Kasbah durch die Franzosen haben die Anflus etwa 399 Mann verloren. Paris, 28. Januar. Aus Mogador wird gemeldet, daß beim Sturme auf die Kasbah der Anflus ein Major gefallen ist. Auf Befehl des Generals Brulard wurde die Kasbah mit Dyna- mit in die Luft gesprengt. Paris, 28. Januar. Nach einer Meldung aus Taurirt wurde eine von Taurirt nach Gcrsif abgegangene Karawane in der Nähe von Ain Dressa von aufständischen marokkanischen Räubern über- fallen und ausgeplündert. Zwei Begleiter der Karawane wurden von den Angreifern getötet. Hifd der Partei. Außerordentlicher Provinzialparteitog für daS westliche Westfalen. In Ahlen im schwarzen Münsterlande tagte am 26. Januar ein außerordentlicher Parteitag für das tvestliche Westfalen, der sich in der Hauptlache mit dem Landtags- wahlrechtSkampf und mit den bevorstehenden Land- tags wählen beschäftigte. Vom allgemeinen Parteivorstand war der Genosse Müller und vom Landesvorstand der Genosse Ernst aus Berlin anwesend. Der Genosse L e i n e rt- Hannover ent- wickelte in großen Zügen die Geschichte deS Landtages und des WahlrechtskampfeS in Preußen, und er ging des näheren aut den Stand der Frage nach dem besseren Preußen- Wahlrecht ein, sowie ans die Frage, wie wir die Wahl- arbeit einriwten müssen, um die bestmöglichste Wirkung zu zielen. Der BezirkSvcrtreter, Genosse König- Dortmund, konnte erfreuliche Zahlen über die EntWickelung der Wahlorganisationen vor- bringen und mitteilen, daß die Genossen im Bezirk gewillt und in der Lage seien, den Wahlkampf mit aller Energie zu führen. Im weiteren wurde das Organisatioiisstatut sür den Bezirk nach den Be- schlüffen des allgemeinen Parteitages und sonstigen Umständen ent» sprechend abgeändert. Den Bericht vom Internationalen Kongreß in Basel gab der Genoffe K l u p s ch- Dortmund. Von einigen Genossen wurde die Art der Wahl des Delegierten— durch die Bezirkökommiffion— bemängelt. Die Mehrheit fand dies aber durch die Umstände, die vorlagen, genügend crllärt. Ein Scchzigjähriger. Genosse Ulrich-Osfcnbach beging am 28. Januar seinen 6 9. Geburtstag. Genosse Ulrich ist in Braunschweig geboren. seit 1873 aber in Ofsenbach wohnhaft. Dem Reichstag gehört Ulrich mit dreijähriger Unterbrechung seit 1899 an, 28 Jahre ist er Mitglied des hessischen Landtages und im Jahre 1896 wurde er als erster Sozialdemokrat in das Offenbacher Stadtparlament gewählt, wo die Sozialdemokratie jetzt die Mehrheit besitzt. Ulrich ist der mandatsälteste deutsche Landtagsabgeordnete unserer Par- tei; er ist ein verdienstvoller Vorkämpfer unserer Bewegung, dem seine Ueberzeugung insgesamt etwa zwei Jahre Gefängnis ein- getragen hat._ Zur Vergrößerung der„Humanite" wird auS Paris geschiieben: Seit Sonnabend erscheint die „Humanits" statt vier— sechs Seiten stark. Diese quantitative Ver> änderung bedeutet in qualitativer Beziehung. eine Revolution. So unentbehrlicki sür den politisch Denkenden die Kenntnis der Artikel war, worin Jaurös, Sembal und andere führende Persönlich- keiten des französischen Sozialismus die Ereignisse der französischen und der internationalen Politik behandelten und welche Beden- tung auch der Anzeigenteil für die Aktion der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen hatte, so war doch infolge des mangelnden Raumes eine ausreichende und systematische Information der kLeser auf allen die moderne Arbeiterschaft interessierenden Gebieten einfach unmöglich, und der Käufer der„Humanits" war beinahe gezwungen, nebenbei noch ein bürgerliches Informationsblatt zu kaufen, um die Gegenstände selbst, die in der„Humanits" der sozialistischen Kritik unterworfen wurden, kennen zu lernen. Diesem Uebelstand hilft nun die Bergrötzerung des Blattes, die bekanntlich durch eine Obligationsanleihe in der Höhe von 299 999 Fr. ermöglicht worden ist, erfreulich ab. Der Textraum ist durch die Relorm tatsächlich verdoppelt. Zugleich ist der redaktionelle Betrieb vollständig umgestaltet worden. Besonders der Auslands- teil hat durch die Einrichtung eines regelmäßigen Depeschendienstes (Berliner Korrespondent ist Genosse Dr. W e i l l, dem ja die Ehre einer patriotischen Anrüpelung schon zuteil geworden ist) gewonnen. Der lokale, der literarische Teil und das Feuilleton sind gleichfalls ausgebaut. So kann die. Humanits" auch in zeitungStcchnischer Hinsicht den Kamps gegen die Borgeoispresse wohl bestehen. Diese neue Periode— die dritte ihrer Geschichte— ist mit einer energische» Propaganda eingeleitet worden. In der ganzen Stadt schreem CamelotS unter Kontrolle von Vertrauensmännern das Blatt ans, farbige Plakate und Volksversammlungen tun ein übriges. Unsere französischen Genossen dürfen gewiß sein, daß die herzlichsten Wünsche der sozialistischen Internationale den Kämpfer „Humanits" begleiten, der jetzt in neuer Rüstung auf der Bahn vorwärts schreitet._ Zum Parteitag der englischen Arbeiterpartei. London, 27. Januar.(Eig. Ber.) Am 29. dieses Monats wird in London der dreizehnte Parteitag der Arbeiterpartei stattfinden, dem am 28. die achte Jahreskonferenz der„Womens Labour Lcague"(Arbeiterinncnliga) vorangehen wird. In dem soeben er- schicnencn Jahresbericht des Partcivörstandes sind folgende inter- essante Angaben enthalten: Die Arbeiterpartei ist bekanntlich eine Organisation von Organisationen und nicht eine politische Arbeiter- Partei im kontinentalen Sinne. Die Mitgliedschaft der der Partei angeschlossenen Organisationen betrug am Ende des Jahres 1912 1 889 491 gegen 1 339 992 im vorhergehenden Jahre. Daö Wachstum der Mitgliedschaft ist ausschließlich auf das gewaltige Anschwellen der Reihen der Geiverkschafter ini letzten Jahre zurückzuführen. Unter de» angeschlossenen Organisationen befanden sich im Jahre 1912 139 Gewerkschaften(gegen 141 im Jahre 1911), 79 Gewerk- schaftskartelle(gegen 83 im Jahre 1911) und 67 lokale Arbeiter- Parteien(gegen 66.im Jahre 1911). Für den Rückgang in der Zahl der Gewerkschaften ist hauptsächlich die Verschmelzung ver- schieden« Organisationen im vergangenen Jahre verantwortlich. Außer diesen Gebilden gehören der Arbeiterpartei noch an: die „Jndependent Labour Party" mit 28 000 Mitgliedern, die Fabische Gesellschaft mit 3237 Mitgliedern, die Arbeitcrinnenliga mit 3999 Mitgliedern und ein Konsumverein mit 1973 Mitgliedern. Dcks Gesamteinkommen der Partei im Jahre 1912 betrug 7349 Pfund Sterling und die Gesamtausgabe 19 392 Pfund. In der Ausgabe steckt ein Betrag von 6999 Pfund, den die Partei in dem seit dem Monat Oktober erscheinenden„Daily Citizen" angelegt hat. Ob sich das Blatt rentieren wird oder halten kann, kann natürlich noch nicht angegeben werden. Dem Anscheine nach haben die Annoncenagenten, die dos?lnnoilcengcschäft der Zeitungen in Eng- land beherrschen, das Blatt boykottiert; denn der„Daily Citizen" bringt fast keine Annoncen. Unter diesen Umständen wird cS wohl einen langen und harten Kampf kosten, ehe der Bestand dieses Arbeiterblaltes gesichert ist. Mit der Agitations- und Organi- sationsarbeit sieht es nach wie vor noch sehr heikel aus. Die Partei gab in iem Berichtsjahr nur eine neue Flugschrift heraus. Es ist jedoch ein zaghafter Anfang init der EntWickelung der Wahlorganisatianen gemacht worden. Im Berichtsjahr wurde ein Betrag von 174 Pfund für lokale Arbeiterparteien ausgeworfen, die dauernd einen Organisator(Wahlagentcn) anstellen. Im ver- gangenen Jahre hat der Partcivorstand 31 Kandidaten für ver- schiedene Wahlkreise genehmigt; außer diesen hat er noch eine Reihe Kandidaten auf der Liste, sür die noch kein Wahlkreis gefun- den worden ist. Aus den Berichten über die im Jahre 1912 ab- gehaltenen nationalen und internationalen Konferenzen und Kon- grosse ist besonders der über den Friedenskongreß zu Basel her- vorzuheben, der mit den Worten schließt:„Ihre Delegierten stimmen darin übcrein, daß diese Konferenz von gewaltiger Bedeu- tung und Wichtigkeit war und teder von ihnen ist der Ansicht, daß sie die prächtigste internationale Zusammenkunft darstellte, an der er teilgenommen."_ Ein Demoiistrationsstreik in Riga. Am 29. und 21. Januar wurden in sämtlichen Fabriken Riga» Aufrufe des Zentralkomitees und des Rigaer Komitees der Sozial- demokratie Lettlands verbreitet, die die Arbeiter aufforderten, am 22. Januar, dem Gedenktag der russischen Ro«olution, durch einen Proteststreik gegen die Kriegsgefahr, die Hinrichtungen, die Nieder- nietzelung streikender Arbeiter, die Verfolgung der Arbeiterorgani- sationen uDv. zu protestieren. Der Streik begann am Morgen des 22. Januar. Schon um 8 Uhr stand die Mehrzahl der Fabriken still. Die Arbeiterviertel waren wie ausgestorben. Auch die Straßen der inneren Stadt waren menschenleer. Ueberall defilierten berittene Polizei- und Militärpatrouillen. Um 4 Uhr wurde es in den Arbeitervierteln lbhafter. Lange Züge manifestierender Arbeiter erschienen auf den Straßen, hier und da tauchten rote Fahnen aus. Um 6 Uhr ver- anstaltete die Nachtschicht der Waggonfabrik„Phönix" und einiger anderen Fabriken eine revolutionäre Manifestation, die von der Polizei mit Rovolverschüssen auseinandergetrieben wurde. Etwas später fand in einem anderen Stadtviertel eine Demonstration unter zahlreicher Beteiligung der Arbeiter statt. Einige Schutzleute in Zivil gaben, als die Menge zu demonstrieren anfing, zu provo- katarischen Zwecken einige Schüsse in die Luft ab, worauf eine Polizeiabtcilung aus einem Hinterhalte hervorstürzte und eine Salve auf die Demonstranten abgab. Etwa 39 Personen wurden verhaftet und unter starker Bedeckung zur Polizei geführt.— Insgesamt streikten an diesem Tage i» Riga 60 000 Arbeiter, mehr als am 1. Mai.— polizeiliches, gerichtliches ufw. Preßprozesse. Zu 50 M. Strafe wurde vom Schöffengericht Leipzig Genosse L'i e p m a n n als verantwortlicher Redakteur der»Leipziger Bolls- zeitung" verurteilt, weil in unserem Leipziger Parteiblatt ein nicht organisierter Steinarbeiter als„teuere Person" und„streitsüchtiger Staatsanwaltsschützling" bezeichnet worden war. Eine scharfe, aber gerechte Kritik hatte die„Rordhäuser Volks- zeitung" an der Priigelpädagogik geübt, die der Redaktion ans einigen Orten des Verbreitungsgebietes gemeldet worden war. Es erfolgte Anklage und, obwohl der Wahrheitsbeweis lückenlos er- bracht wurde, kam das Gericht doch wegen formaler Beleidigung zu einer Verurteilung des verantwortlichen Redakteurs. Genossen Pabst, zu 399 M. Geldstrafe. GewerkfchaftUcbea. Egoismus und Solidarität. Das Unternehmer- und Scharfmachertuiu rettete aus der Phraseologie des Manchestertums einige Schlagworte, mit denen mau sich der Arbeiterschaft gegcniiber als Maral- Prediger und nationalökonouiischer Wissenschaftler aufspielt. Hierher gehören die Schlagwarte von der„Freiheit der Arbeit" und der..Selbswerantwortlichkeit". Was steckt da- hinter? Tie wirtschaftliche Entwickelung hob sogar für den Unternehmer die Freiheit der Arbeit in gewissem Sinne auf. Kartelle, Syndikate usw. weisen dem einzelnen Unternehmer den Umfang seiner Produktion an, bestimmen die Verkaufs- preise und verteilen oft auch die Absatzmärkte. Für den Unter- nehmer reduziert sich die„Freiheit der Arbeit" in wachsendem Maße darauf, seine Arbeiter so schlecht zu behandeln als ihm beliebt, oder ihm durchzusetzen die Verhältnisse gestatten. Auf das Recht, Herr im Hause zu lein, pocht er nur den Arbeitern gegenüber. In die Festsetzung der Arbeitsbedingungen möchte er niemanden hineinreden lassen: die» Auswahl der Arbeiter erklärt er für sein alleiniges, unveräußerliches Recht. Selbst- herrlich will er darüber entscheiden, welche Arbeiter er be- schäftigen will, welche nicht. Ter Staat als Arbeitgeber beansprucht noch größeren Spielraum für die Willkür. Er nimmt das Recht in An- spcuch, Staatsbürger, die nicht einer von der herrschenden Gesellschaft gebilligten Gesinnung sind, von der Beschäftigung in Staatsbetrieben auszuschließen.- Er maßt sich weiter an, für die Gnade, Staatsbeamter zu sein, eine Verzichtleistung auf andere staatsbürgerliche Rechte zu verlangen. So ver- stehen die Vertreter der herrschenden Gesellschaft ihr Recht von der Freiheit der Arbeit. Ten Arbeitern wandeln-sie es in die Pflicht zu jeder Arbeit um. Tas Streikrecht ist den Unternehmern ein Greuel, der Streikbruch natürlich eine lobens- und schützenswerte Tat. Tie kapitalistische Moral will dem eiirzelnen Arbeiter sogar verbieten, sich der Gemein- schaft mit Solidaritätsbrechern zu entziehen. Es kommt vor, daß organisierte s�bcitcr ihre Kündigung einreichen, weil in dem Betriebe einige solcher Zeitgenossen Aufnahme ge- funden haben, deren Tätigkeit und Gegenwart Widerwillen erregt. Befürchtet der Unternehmer von dem Weggang der Organisierten eine Profiteinbuße, weil auf ihre fachliche Tüchtigkeit das Prosperieren des Unternehmens beruht, daiul bequemt er sich wohl dazu, unter dem Angebot, die Soli- daritätsbrccher zu entlassen, eine Zurücknahme der Kündigung zu erlangen. Wird das Angebot akzeptiert, wogegen gar nichts einzuwenden wäre, dann erhebt sich in der gewerk- schaftsfcindlichen Presse ein lärmendes Entrüstungsgetue über sozialdemokratischen. Tcrrorismns. In Wirklichkeit haben die betreffenden Arbeiter von der Freiheit der Arbeit einen nur sehr bescheidenen Gebrauch gemacht. Wenn der Unternehmer das Recht hat, zn kündige», wenn ihm die Nase eines Ar- beiters nicht paßt, warum sollten Arbeiter nicht kündigen dürfen, uin der Gegenwart von Elementen mit lumpigem Charakter zu entgehen? Tas Terrorismusgeschrei wegen solcher Vorfälle entspringt Heuchelei oder der durch kapita- lisches Interesse bedingten Inkonsequenz. Am widerlichsten gebärden sich dabei die Christen. Erklären doch sie es für gerechtfertigt, Arbeiter wegen ihrer politischen Gesinnung von der Beschäftigung auszuschließen oder zu maßregeln. Wie bei dem Schlagwort von der Freiheit der Arbeit, zeigt sich die zwiespältige Moral bei dem von der Selbstver- antwörtlichkeit. Man hört es im Kampfe gegen die Sozial- Politik. Ter Arbeiterschutz und die Arbeiterversicherung wirken angeblich demoralisierend. Sie sollen das selbstver- antwortlichkeitsgefiihl ersticken, die Spannkraft lähmen, die Sorge um das Fortkommen aufheben, zu Sorglosigkeit und Leichtsinn verführen. Betrachtet man die Praris, so ist unschwer zu erkennen, daß die Unternehmer die Betätigung der Selbstverantwortlichkeit und der Sorge um das Fortkommen mit allen Mitteln der kapitalistischen Tyrannei bestrafen. Tie Arbeiter aber, die sich dabei als Hausknechte des Kapitals gebrauchen lassen, preisen sie als Edelinge der Nation, und wenn es die charakterlosesten Elemente sind. Unter der Herrschaft des Kapitals ist der einzelne Ar- bester ohnmächtig, ein Objekt der ungehemmten Profitgier. Nur in Gemeinschaft mit seinen Arbeitsbrüdern, seinen Klassengenossen, kann er sich gegen die Angriffe des Kapitals schützen. Tie Solidarität wird zn einer Pflicht aus Selbst- verantwortlichkeitsgefiihl. Ter Arbeiter weiß: verläßt er sich auf die Gnade des unbarmherzigen Kapitals, dann würgt es ihn zn Boden, drückt sein Einkommen unter das Existenz- minimum herab, verurteilt ihn und seine Angehörigen zu Not und Entbehrung, untergräbt ihrer aller Gesundheit, stürzt sie frühzeitig ins Grab. Tie Verhältnisse machen die Solidarität zu der das Allgemeininteresse am besten schützenden Bürgertugend. Kein schlimmeres soziales Ver- gehen, als die Solidaritätsbrecherei. Und dabei steht der Streikbruch' obenan! Sein Beweggrund ist in den meisten Fällen schmutziger» verächtlicher Eigennutz, jener Eigennutz, der auf Kosten anderer Vorteile zn ergattern sucht. Besten- falls entspringt die unverantwortliche Handlungsweise des Streikbrechers mangelnder Einsicht: immer aber Hhädigt sie die Arbeitsgenossen und ist dem Allgeineinwohl nachteilig. Die Unternehmer aber machen den Streikbrecher zn einem Staatsbürger besonderer Güte. Sein gemeines oder mindestens doch schädliches Tun soll durch Ausuahlnegesetze geschützt und prämiiert werden. Und das nennt man wieder: die„Freiheit der Arbeit" schiitzen! Tatsächlich soll der Streikbrecherschutz die Freiheit der Ausplünderung schiitzen, die Profitmacherei fördern. So versteckt sich hinter all der kapitalistischen Unwahrheit, hinter dem Moralisieren der herrschenden Gesellschaft, hinter seiner Phraseologie von der Freiheit der Arbeit Und Selbstverantwortlichkeit das brutale Bestreben, jede Freiheit und Selbstbestimmung zu unterdrücken, die Arbeit zu knechten, dem Kapital in seiner Jagd nach Profit jedes Hindernis aus dem Wege zu räumen. Berlin und Qmgcgrnd. Tie Tarifbewegung der Kostümschneider. In gntbesuchter Versammlung nahmen die Kostümschneider und Schneiderinnen einen Bericht über den gegenwärtigen Stand der durch die erfolgte Kündigung des Tarifs eingeleileten Lohnbewegung entgegen. Der Referent Friedrich Kunze gab einen Rückblick über den seit vier Jahren bestehenden Tarif für die Kostiimbranche und erklärte, daß nichl alle Arbeiter den Gebrauch von dem Tarif ge- macht haben, den sie machen konnten und sollten. Daß oft nicht mehr erreicht würde, liege vielfach an den weiblichen Arbeitern, die die Erwerbsarbeit nur als eine vorübergehende ansehen und daher der Organisation nicht den nötigen Wert beimessen, sowie die gegebene Siluation nicht mit dem nötigen Ernst betrachteten. Mit dem vor gelegten Tarif, in dem neben einer generellen Lohnerhöhung bor allem Werl auf eine Verkürzung der Arbeitszeit gelegt wurde, hätten sich bereits drei Sitzungen der llutcrnchmer- und Arbeiter- Vertreter beschänigt. Hätten die Ilnternebmer auch in der Lohufrage einige Zugeständniise gemacht, io wehrten sie sich entschieden gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Arbeitervertreter betoiiten demgegenüber, auf eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht verzichren zu könne». Bringe doch sie lange Arbeitszeit große Gesahren in sittlicher und gesundheitlicher Hinsicht. In der ersten und zweiten Sitzung fei es zu einer Einigung über die beiden Hauptpunkte nicht gekommen. Um die Verhandlungen aber nicht zum Scheitern kommen zu lassen, habe die Ortsvcrwaltung des Verbandes den Unternehmern eine schriftliche Erklärung unterbreitet, die den grund- sätzlichen Standpunkt der ganzen Angelegenheit präzisierte. Die Unternehmer hätten längere Zeit über den Inhalt der Erklärung allein beraten, schließlich aber den darin enthaltenen Lohnsorderungen zugestimmt, wenn die Arbeiter, die auf eine Verkürzung der Arbeits- zeit gerichtete Forderung fallen lassen würden. Kunze gab nun- mehr das lepte Angebot der Unternehiner bekannt und ersuchte, die gemachten Vorschläge einer genauen Prüfung zu unterziehe». Tollte mau die Vorschläge u i ai t amiebmen, so müsse man sich vergegenwärtigen, daß es dann zum Konflikt kommen könne. In einer sehr lebhaft geführten Debatte wurden die von den Unternehmern gemachten Zugeständnisse als viel zu gering bc zeichnet. Man führte die in Großstädten des Auslandes gezahlten Löhne zum Beweise dafür an, wie wenig in Berlin noch gezahlt werde. Mehrere Redner verlangten, daß unbedingt au der Ver- kürzirug der Arbeitszeit festgehalleii werde. Auch müsse die Be- zahlung der Feiertage gesorbert werden.~ Schließlich gelangte jedoch uachstehelide Rciolution mit Überwiegender Mehrheit zur Annahme: „Die in den„Arminhallen" tagende K o st ü in s ch n e i d e r- V e r s a m m l u n g erklärt sich nach Kenntnisnahme des Berichts über die bisherigen Verhandlungen mit ihren Vertretern dahin einverstanden, daß die Verhandlungen an der Frage der A r b o i l s z e i t v e r k ü r z n u g nicht scheitern sollen und beauftragt ihre Vertreter, dahin zu wirken, daß entsprechend einer Verzichtleistung in'dieser Hinsicht unter Berücksichtigung der derzeitigen Wirtschaftslage im neuen Lohntarif a n g e m e s s e n e Lohnsätze festgelegt werden. Die Versammelten erklären ausdrücklich, daß sie zu diesem Entschluß nur deshalb kommen, weil die derzeitige Wirtschaftslage es notwendig macht, augenblicklich mehr aus die Steigerung des Lohnes Ritcksichl zu nehmen und erwarten daher, daß arbeiigeberieits das von der Arbeiterschaft in dieser Hinsicht ge zeigte Entgegenkommen gewürdigt wird." Aach Annahme der'Resolution wurden die Tarifberatungen weiter sortgesetzt. Die Arbeiter werden dam: zu dem Gesamttarif nochmals Stellung nehmen und sich durch eine Abstimmung für dessen Ablehnung oder Annahme entscheiden. Achtung, Töpfer! Wegen Tarifbruch und Beschäftigung von Wilden sperren wir hiermit die Firma Max Meißner. Berlin, Reinickendorser Straße 48. In Betracht kommt der Bau Schul- strnße lIL, Berlin, Bauherr Lude. Die Verbandsleitung. Deutliches Reich. Cine gelbe AngcstclltcuvcreinSgrundung. Die mitteldeutschen Metallindustriellen versuchen jetzt nicht nur den freien Arbeitcrgewerkschaslen gelbe Gründungen entgegenzu- stellen, sondern sie versuchen nach gleichen Methoden die Be- strebuiigen der Augestelltengewerkschasten zu hemmen und niederzu- schlagen. Von den Jndustriebcamten haben sich in den letzten Jahren die Techniker am meisten gerührt. Erst im Bund der technisch- industriellen Beamten und dann im Deutschen Technikerverbaud haben sie gewerkschaftlichen Berbandsformen zugestrebt. Diese E»t- Wicklung hat sich nicht ohne Widerstände durchgesetzt. Im Deutschen Technikerverbände sind die Reaktionsbcstrebuugen jetzt so stark ge- worden, daß der Beschluß des Kölner Verbandstages, den Streik als notwendige Waffe auch für das Gewerkschaftsleben des Technikers zu erkläret», widerrufen wird. Die Staats- und Gemeindetechniker sind vor den Behörden zu Kreuz gekrochen, sie haben auf daS Streik- recht verzichtet. Die Unternehmer selbst haben nun einen neuen Vorstoß ge- macht, um die RadikalisierungStendenze» unter den Technikern aufzuhalten. In Hannover ist am Sonntag ein gelber Technikerverein aus der Taufe gehoben worden. Er nennt sich„Standesvereiu dcutschnationaler Techniker". Tie Satzungen unterscheiden sich nicht von den übrigen gelben Statuten: politisch wird gegen die Sozial- demokratie Stellung genommen, gewerkschaftlich der Streik natürlich abgelehnt und die Juteresseuharmonie zwischen Unternehmern und Angestellten propagiert. Die Geldquellen dieser Gründung sind: der Reichs- perband zur Bekämpfiliig der Sozialdemokratie und der Arbeitgcberverband der mitteldeutschen M e t a I l i ii d n st r i e l le» 1' Nicht weniger als zwei Reichs- verbandssekretäre, K o in o l l und V o g e l e r, und ein R e- gierungsvcrtreter waren bei der Gründungsversammlung anwesend. Die„Gründer", die ihren Namen hergegeben haben, unterließen ferner nicht, das Interesse der Unternehmer an diesem neuen„Standesverein" zu betonen. Die Unterschriften zu dieser neuen Standesvereinigung sind in denselben Kreisen gesammelt worden, die auch die Revision des Kölner Verbandstagsbeschlusses durchgesetzt haben. Man sucht der Auseinandersetzung mit den Unternehmern auszuweichen.— Die Neu- gründnng wird ebensowenig die EntWickelung der Angestellten- bewegnng zur Gewerkschaft aufhalten, wie die übrigen gelben Vereine die Entwickelung der Arbeiterbewegung aufhalten können. Tic christliche Strcitbrechervermittclung geht weiter. In Sarstedt bei Hannover haben in der Herdfabrik A. Voß die freiorganisierten Metallarbeiter die Kündigung eingereicht. Die Firma hatte für ihren Betrieb einen gelben Werkverein gegründet. Die Beamten und Meister de-Z Betriebes veranlaßten die Arbeiter, in diesen Werkverein einzutreten, trotzdem dies nach einem Einigungsprotokoll niid nach Verhandlungen mit der Organisation untersagt war. Den Arbeitern wurde wegen Arbeitsmangel gekündigt. Während der KündigungSzeit aber wurde ihnen nahegelegt, in den Werlverein einzutreten, dann könnten sie weiter arbeilen. So sind im Laufe der Zeit vierzig Arbeiter unter den nichtigsten Vor- wänden entlassen worden. Da sich die Firma nicht zur Beachtung der Vertragsbedingungen verstehen konnte, kündigten die Metallarbeiter zum 25. d. M.— Der christliche Melallarbeilerverband„billigt" nun dieses Vorgehen nicht: er gibt eine andere Sachdarstellung und sagt er könnte für seine Mitglieder den Streik nicht befürworten Damit nicht genug, wurden von Minden i. W. aus christliche Metallarbeiter nach Sarstedt vermittelt. Ein oom christlichen Verbände v-m Menden nach Sarstedt übermittelter Arbeiter zog es nach Aufklärung der Situation vor. dort nicht Arbeit zu nehmen Ein zweiter Arbeiter aus Menden erklärte, daß er vor acht Tagen auf Veranlassung der chrtstllchen Organisation-Zleituiig die Arbeit in Menden niedergelegt habe. Er habe mit einer größeren Zahl aus- gesperrter Arbeiter»ach Sarstedt fahren sollen. Da sicti weitere Arbeiter noch nicht gemeldet hätten, sei er zunächst allein auf Kosten des christlichen Verbandes nach Hannover geschickt und von dort durch einen Beamten des �Verbandes mit einem Schreiben nach dem Betriebe von Voß in Sarstedt gesandt worden. Auch dieser Arbeiter erklärte, von der Sachloge nicht unterrichtet zu sein und bei der Firma nicht Arbeit nehmen zu wollen. Dem christlichen Metallarbeiterverband wurde das Ungeheuerliche der Sache bor- gestellt, und der Angestellte berfprach auch, weitere Arbeiter nicht mebr zu schicken. Trotzdem kamen wenige Tage darauf abermals zwei Mann aus Menden. So vermitteln also die Ehrisilichen ohne Scham Streikbrecher auch nach anderen Orlen. Uebcrstundcnwirtschaft in einem Stantsbctricbc. Aus Wilbelmshaven wird uns geschrieben: Im Ressort II der Kaiserlichen Werst Iverden seit einiger Zeit von etiva 200 Arbeitern täglich mebrere Ueberstnnden zu machen verlangt, ebenso mußte Sonntags 0— 12 Stunden gearbeitet werden. Man begründet diese Matznahmen mit starker Arbeitsanhäufung. Von einer Bremer Privativerst sind sogar 30 Arbeiter entliehen, die zu ihrem Lohn einen erhöhten Zuschlag und 3 M. Auslagegebührcn pro Tag er- halten. Ob an die betreffende Privatwerft noch eine Vermittelungs- gebühr bezahlt wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Die über- mäßige llcberstnndenwirtschast ist um so bedauerlicher, als in Wil- helmshaven und der benachbarten Arbeiterstadc Nüstringen augenblicklich eine starke Arbeitslosigkeit herrscht und vielen Familien- vätern ein Verdienst erwünscht wäre. Hierfür scheint der Wcrftvcr- lvaltnng leider das nötige Verständnis zu fehlen. Zahlen beweisen! Alle drei Jahre finden für die Arbeitcrausschüsse der Münchener städtischen Betriebe die Neuwahlen statt. Es ist das ein Gradmesser, welchen AnhängerlreiS die einzelnen Organisationsrichtuiigen baben. Wenn cS nämlich auf die Sprüche ankäme, so würden die Christ- lichen auch jetzt noch, wie vor einem Jahrzehnt, die größte Mit- gliederzahl haben. Auch bei der Wahl des Aibeiterausschusses am 26. Januar für die größte Gruppe, das Stadlbauamt, glaubten die Christlichen einen Erfolg für sich herausschlagen zu können. Breitspurig schrieben sie' in einem hanebüchenem Flugblatt folgendes: „Zahlen beweisen! Zeigt am Wahltage durch eine lebhafte Wahlbeteiligung, daß unser Verband bei den Arbeitern des Sladtbauamtes einen großen Einfluß ausübt, daß wir nicht ein paar Dutzend, sondern Hunderte von Mirgliedern in diesem Getriebe allein haben." Hätten die Macher ihre Blamage vorausgeahnt, und daS hätten sie müssen, wenn sie auch nur einigermaßen die Zeichen der Zeit zn deuten verstünden, so wären sie wohl etwas bescheidener aus- getreten. Bei der Wahl im Jahre 1010 erhielten die Christlichen 419 s40 Proz.s. der freie Verband der Gemeinde- und Staatsarbeitcr 634(60 Proz.) der abgegebenen Stimmen. Der freie Verband er- hielt 7, die Christlichen 1 Mandat und zwar jenes der Stadt- gärtneret. Bei der am 20. Januar � 1013 erfolgten Wahl wurden für den freien Verband der Gemeinde- und Staalsarbeiter 852, für die Christlichen 248 Stimyieii �abgegeben. Tie freie Organisation konnte infolgedessen 218 Stimmen mehr buchen, während die Christlichen 171 Stimmen verloren. Das prozentuale Verhältnis stellt sich folgendermaßen: die freie Organisation 78, die christliche Organisation 22 Proz. der abgegebenen Stimmen. Air Mandaten erhielt der freie Verband iviedcr 7, der christliche lviedcr ein Mandat und zwar wieder jenes der Stadtgärlnerci. Hätten jedoch nur fünf Wähler anders gestimmt, so wäre auch dieses letzte Christen-Mandat zum Teufel gegangen. Da auf Grund bestimmter Beobachtungen behauptet werden kann, daß der christliche Mitglicderstand bei den Arbeitern des Stadt- bouamtcS im Hochslsalle die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen erreicht und in änderen städiischcil BetNeben fast auf den Mann nachzuzählen ist, wie viele Leute der christlichen Organisation an- gehören, so muß die Angabe, daß die Christen in den Münchener städtischen Betrieben über 550 Mitglieder zählten, als eine glatte Unwabrheit bezeichnet werden: die Christlichen mögen froh fein, wenn sie wirklich 300 zahlende Mitglieder zusammenbringen. Denn „Zahlen beweisen"! Vor einigen Tagen fand auch die Wahl des Arbeitcrausschusses beim Elektrizitätswerk statt. Dort verloren die Christlichen ihr letztes Mandat. Auch die Hirsch-Dimckerschen büßten von den zwei Mandaten eines ein und schon ein Wähler hätte genügt, um auch das letzte Mandat der Hirsche zu Fall zu bringen. Tic Arbeiter- ausschüsse für das Gaswerl und für die Straßenbahn wurden be- reilS im Vorjahre gewählt; sie sind ausnahmslos von frei- organisierten Arbeitern besetzt. Im Laufe der kommenden Woche erfolgt noch die Wahl für den Holzhof, den Marstall und das Votksbad. Auch dort liegen die Verhältnisse so, daß die freie Organisation den Sieg davontragen wird, obwohl diese an sich ganz kleinen Betriebe nicht von der Be- dcutung sind.>oie die großen industriellen Unternehmungen der Stadtgemeindc. Für die freiorganisierten Arbeiter nicht nur in München, sondern in ganz Deutschland muß dieser Wahlausfall ein Ansporn sein, die nur noch wenigen der christlichen Organisation angehörenden Gemeinde- arbeiter restlos für den freien Verband zu gewinnen. LrCtzU Nachrichten« Tic Balkandclegierten packen ihre Koffer. London, 28. Januar. Wie das Reuterscke Bureau er- fährt, haben die Delegierten der Balkanverbüitdeten ihre Note dem Aeltcsten der Telcgicrten, N o w a k o w i t s ch, übergeben, der sie R e s ch i d Pascha'überreichen soll, sobald er es für angebracht hält. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Note morgen überreicht werden wird. Die Delegierten der Verbündeten meinen, daß sie mit der tlcberreichung der Note ihre Mission in London beendet haben. Ter Tag ihrer Abreise ist indesseu noch nicht festgesetzt worden. Vcnizelos reist vor Ende der- Woche nach Athen ab. Tie Mehrzahl der Delegierten tvird London wahrscheinlich in wenigen Tagen verlassen. Nach Reuters Informationen erwähnt die Note das Ende des Waffenstillstandes nicht. Ueber diese Frage werden die Rc- giernngen und die Oberbefehlshaber im �elde enticheiden. Millemnds Rechtfertigungsversuch. Paris. 28. Januar.(W. T. B.) I" der republikanisch-sozia- listischen Gruppe der Kammer gab der frühere � Kriegsminister Millerand Aufklärungen über die Wiederemstellung Tu Paty de Clams. Tie Gruppe sprach im Einvernehmen mit Millcrand die lleberzeugung aus. daß es wünschenswert fei. diese Angelegen- heit in der Kammer zur Sprache zu bringen, und beauftragte den deputierten Violette, am nächsten Freitag an den Kriegs- minister E t i c n n c darüber eine AnfraHe zu richten. Tic autonome Mandschurei. Mulden, 28. Januar.(W. T. B.) Für pjc Mandschurei ist das Amt eines Oberkoinmandierenden der Streilträfte und das eines Residenten geschaffen worden, der in wichtige» diplomatischen Fragen selbständig entscheiden und mit den Ver- tretern des Auslandes verkehren soll. Folgenschwere Tynamitrxplosion. Jelissawrtpol(Transkaukasien), 28. Januar.(W. T. B- Auf den Kupferwcrkcn der Gebrüder Kundnrow wurden durch eine Dynamitrxplosio» sechs Leute getötet. Ein zweistöckiges Gebäude wurde völlig zerstört._ Lerantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Id- Gwcke, Bevim. Druck».Verlag: BorwärtsBuchdr. u BerlagsanstaU Gaul Smger Z- Co., Berlm 8 W. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhalt»«»»� m*m i Keilllge des„Usmiitls" Derliller Usldsdllllt. R.eickstag. 9S. Sitzung. Dienstag, den 28. Januar 1913, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Dr. Delbrück, Bumm. Kurze Anfragen. 2lbg> Vasscrman»(notl.) fragt, ob dem Reichskanzler bekannt ist, daß in China jeder höheren Elementarschule eine fremde Sprache und zwar in der Regel die englische gelehrt werden mutz und ob der Reichskanzler bereit ist, bei der chinesischen Regierung für eine Gleichstellung der deutschen Sprache einzutreten. Geheimrat Dr. tlchmann: Auf den chinesischen Elementarschulen kann englischer Sprachunterricht eingeführr werden, doch mutz er nicht eingeführt werden, auch kann an Stelle der englischen eine andere Sprache gelehrt werden. Die deutsche Regierung hat bereits die nötigen Schritte getan, damit von dieser Möglichkeit zu- gunsten der deutschen Sprache ausgiebiger Gebrauch gemacht wird. Abg. Basscrmann lnatl.) fragt, ob dem Reichskanzler die Ber- gewaltigung des deutschen Ansiedlers S t ö s s e l in Marokko durch französische Truppen bekannt ist und ivelche Schritte zur Wahrung der Interessen des Geschädigten und zu seinem Schutz ge- schehcn sind. Geheimrat Dr. Lehmann: Die erste Frage ist zu bejahen. Auf die zweite ist zu erwidern, datz Stössel sich in Sicherheit und in Freiheit befindet. Der Vorfall wurde sofort nach Eingang der tele- graphischen Meldung bei der französischen Regierung zur Sprache ge- bracht. Die Verhandlungen schweben gegenwärtig und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Abg. Bassermann snatl.) fragt, ob dem Reichskanzler Mitteilungen darüber geworden find, datz England. Frankreich und Rutz- , l a n d bestimmte Vereinbarungen über eine Ab- grenzung der gegenseitigen Interessensphären in den armenische», syrischen und arabischen Gebietsteilen der Türkei getroffen haben und welche Stellung der Reichskanzler gegenüber solchen Vereinbarungen einzu- nehmen gedenkt. Geheimrat Dr. Lehmann:. Dem Reichskanzler sind Gerüchte bekaimt, nach denen mehrere Mächte sich über die Abgrenzung der Interessensphären in der asiatischen Türkei geeinigt haben sollen. (Hört! hört!f Irgend welche amtlichen Mitteilungen liegen darüber nicht vor. Umgekehrt lassen dagegen unzweideutige und Vertrauens- würdige Erklärungen seitens der Vertreter der genannten Grotz- mächte das Vorhandensein derartiger Vereinbarungen als aus- geschlossen erscheinen. Abg. Dr. Gradnauer(Soz.) fragt, ob der Reichskanzler Auskunft zu erteilen in der Lage ist, ob und inwieweit die angeblich auf amt- lichen Informationell beruhenden Zeitungsmeldungen der Wahrheit entsprechen, datz die Verbündeten Regierungen neue umfassende Militärforderungen, auch abgesehen von dem Ausbau der Luftflotte, durchzuführen beabsichtigen. Major Hoffmann: Die verantwortlichen Stellen der Reichs- regierung sind sich darüber einig, datz unsere Rüstung zu Lande erneut einer Verstärkung bedarf. jHört! hört!» Ueber den Umfang der vorzuschlagenden Verstärkung können zurzeit noch keine Mitteilungen gemacht werden, da der Bundesrat noch nicht darüber beschlossen hat.(Lachen.) Etat des Reichsamts des Innern. Elster Tag. Die Beratung wird beim Kapitel„NeichsgesundheitS- a»i t" fortgesetzt. Hierzu verlangen eine sozialdemokratische und eine polnische Resolution Untersuchungen über die gesundheitlichen Verhältnisse der Bergarbeiter. Eine freisinnige Resolution wünscht, die Errichtung eines Instituts für die wissenschaftliche Erforschung der Milchwirtschaft zu erwäge». Eine sozialdemokratische Resolution verlangt eine» Gesetzentwurf, der die Verhältnisse des Pflege-, Massage- und Bade- x e r s o n a l regelt(Prüfungswe>en, Unterstellung unter die Gewerbe- ______.----------' Kleines feuilleton. Das schmerzlose Sterben. Ist das Sterben so furchtbar, wie cS in der Literatur oft dargestellt und im gewöhnlichen Leben oft ge- glaubt wird t Die Frage hat sich mancher vorgelegt. Der Berliner Prof. C. A. Ewald suchte in einein in Wien gehaltenen Vortrag eine Aulwort darauf zu geben, der wir folgendes entnehmen: Man kann unbedenklich behaupten, datz fast niemand sich des Augenblicks seines Todes bewutzt wird und die Empfindung eines TodcSschmerze« hat. Nicht daS Sterben, sondern die vorausgegangene Krankheit ist es, die einzelne Sterbende fast bis zum letzten Augenblick dulden lätzt. Aber dann wird auch ihnen das Bewutztl'ein umnachtet, der Engel des Todes umhüllt ihre Seele mit dichtem Schleier und trägt sie davon. Ich habe in meinem Berufe viele Hunderte von Menschen sterben sehen und an vielen Sterbebetten gesessen— ausnahmslos wiederholt sich dieselbe Erfahrung: bewutzt- und schmerzlos gleiten ue in den ewigen Schlaf hinüber. Gebärden, die auf Qual und Schmerz hindeuten�: der so gefürchtete Todeskainpf, das fürchterlich klingende Rasseln über den Lungen, das oft tagelang andauert, er- scheinen uns schrecklich, � dem Kranken respektive Sterbenden sind sie es nicht, weil er sich zu allermeist bereits in jenem apathischen Zustand befindet, in dem alle Eindrücke in verringerter Energie oder gar nicht mehr empfunden werden. Aber weil sie eine Qual für die Umgebung des Sterbenden sind, sollte man in Kranken- Häusern Sorge tragen, datz desondere �terdezinliner eingeri�tet werden. Die Kranken auf den allgcmerncn»älen sterben zu lassen und allenfalls einen Schirm bor das Bett zu stellen, ist im höchsten Matze inhuman und grausam, llnd was für dn� Krankheiten gilt, das gilt auch für den Tod durch Unglücksfalle,«owert uns Nach- richten darüber zu Händen sind— es handelt sich um Perionen, die wieder ins Leben zurückgerufen wurden,«st das Empfinden im Augenblick des Ertrinkens, des AbstürzenS, des Verblutens keineswegs auf den Tod gerichtet oder sich in einer Todesgefahr bewußt, sondern luird entweder von gleichgülsigen oder sogar von augenehme» Vorstellungen in denen allerlei Vorkoiiimniiie des früheren Lebens mit vollster Deutlichkeit auftauchen, eingenommen. Daraus mag sich dann der Mythus entwickelt haben, datz dem Er- Winkenden sein ganzes verganaenes Leben mit Blitzesschnelle in dem Moment des Sterbens an dem inneren Auge vorüberzöge. selbst von denen, die von einer Kugel plötzlich durch den Kopf geichassen oder unter dem Messer der Guillotine gefallen oder von elektrischen Funken gciöter sind, lätzt sich auf Grund physiologiicher Ersehn,»ge» nui Sicherheit annehmen, datz ihr Tod völlig schmerz- los erfolgt rst. Mvnr. Kammermusikabend der ArbeiterbildungS- schule. Mehr und mehr scheinen sich Kunstbestrebunqen innerhalb der Berliner Arbeiterschaft auf die Pflege edler Musik zu konzen- lriere». Die Ursache für dies Symptom liegt zunächst in, rapide» Rückgang der örtlichen und allgemeinen Theatcrverhälrnisse. Fehlt es schon überhaupt am»wachs neuer gediegener Theaterstücke, so wird es nachgerade immer schwieriger, Dramen zu siudeu, die den Anschauungen und ethischen Zntereyen der Arbeiter halbwegs ent- gegenlo minen. Eine � weitere �AA�sskett besteht, infolge einer ge- wissen Gebundenheit der«chauspielcr darin, datz es immer weniger gelingt, gediegene Darsteller für die Mitwirkung z» gewinnen. Die ordnuiig, Minimallöhne und Alterszulagen, Dienstzeit von acht Stunden, wöchentliche Ruhepause von 36 Stunden, Beseitigung des Kost- und Logiswesens, Sommerurlaub, Ruhelohn und Hinter- bliebenenversorgung usw.) Abg. Dr. v. Ealker(natl.): In Preußen angestellte Erhebungen über die Lage des Krankenpflegepersonals haben geradezu erschütternde Resultate gezeitigt. Durchschnittlich geht die Arbeitszeit über 14 Stunden hinaus, bis zu 17 und 18 Stunden. Mit erschreckender Deutlichkeit zeigt sich auf diesem Gebiete die Notwendigkeil reichsgesetzlicher Regelung. Sehr gern würde ich im Sinne der sozialdemokratischen Resolution gleich bestimmte Borschläge machen. Das geht jedoch nicht ohne weiteres. So können wir nicht sofort die Arbeitszeit ein- schränken. ohne die Kranken zu schädigen, weil es an Personal fehlt. Wir müssen erst die Grundlagen schaffen. Die Kranken- Pflegerinnen dürfen nicht mit Stubenrcinigen, Fensterputzen usw. be- schäftigt werden, dann werden gar manche Studentinnen sich in den Dienst der Krankenpflege stellen. Viel Idealismus und Opfer- mut unserer Frauen betätigt sich auf diesem Gebiet. Wir treiben geradezu Raubbau mir diesem Idealismus und hätten längst schon die Pflicht gehabt, hier gesetzgeberisch vorzugehen.(Bravo!) Abg. Baron Knigge(k.): Der Geburtenrückgang ist be- sonders in den Grotzstädlen enorm. Der Bauern- und sonstige Mittelstand bildet den Jungbrunnen der Großstädte. Wo die in e i st e n sozialdemokratischen Stimmen abgegeben wurden, ist der Geburtenrückgang am größten. iAbg. Westarp: Hört! hört! Heiterkeit ber den Sozialdemokraten.) Meine Heiinalprovinz steht an der Spitze der Geburten(Brovo! rechts) und hat am wenigsten de» Lockungen der Sozialdemokratie nachgegeben. Dort Ivo R e l i g i o n zu finden ist, ist so gut wie kein Geburten- rückgang vorhanden.(Bravo! rechts.) Abg. Großer(Vp.) wünscht eine Verschärfung und Vereinheit- lichung der W e i n k o n t r o l l e. Wenn das Weingesetz überall streng und gleichmäßig durchgeführt wird, genügt es. Abg. Sosinsty(Pole) begründet die Resolution seiner Partei mit den außerordentlich ungesunden Verhältnissen der Bergarbeiter Oberschlesiens, unter denen die Krankenziffer eine furcht- bar erschreckende ist. Auch die U n f a l l z i f f e r ist auf den oberschlesischen Gruben noch größer wie sonst im Bergbau. Das kaiserliche Versprechen, Zeit, Dauer und Art der Arbeit so zu regeln, datz die Gesundheit der Arbeiter und ihre Ansprüche aus gesetzliche Gleichberechtigung gewahrt bleiben, ist in Oberschlesien weniger er- süllt worden wie in anderen Gegenden Deutschlands. Die Ueber- schichten in der Großindustrie gehen in die Millionen. Abg. Dr. Bnrckhardt(Wirtsck. Vg.): Dem Verlangen nach einer obligatorischen Ausbildung des Pflegepersonals stimmen wir zu. Minimale Lohnsätze festzusetzen wird bei der Vcrschiedenartigkeit der Perhältnisse nicht möglich sein. Datz Mißstände auf diesem Ge- biete bestehen, ist zweifellos. Hoffentlich kommt das VersicherungSgesetz für die in den Krankenhäusern Beschäftigten bald zur Verabschiedung. Die Konzession zum Betriebe einer Krankenanstalt sollte nur erteilt werden, werni die Gewähr ausreichender Fürsorge für das Krankenpflegepersonal gegeben ist. Notwendig wäre auch die Errichtung staatlicher Kranken- pflegeschulen. Aus die sog. S ch w e st e r n h e i m e, die vielfach Kuppelei treiben, sollten die Behörden mehr achtgeben.— Die Apotheker wünschen Niederlassungsfreiheit. Das geht nicht, dann wären die Taxen nicht mehr aufrecht zu erhalten und die Preise der Arzneien würden viel teurer. Das richtigste wäre die Verstaatlichung der Apotheken, aber daran ist ja nicht zu denken. Für die Bekämpfung des Geheimmittelschwindcls wäre jedensalls eine Mehrheit im Reichstage zu haben. Präsident des RcichSgesundheitSamles Bumm: Eine reichsgesetzliche Regelung des Hebamme ntoesens hält der Bundesrat nicht für angängig, docki find Grundsätze für die gleichmätzige Regelung der HauptgesichtSpnnkte, die dabei in Betracht kommen, vom Reichsgeinndheitsamt ausgearbeitet, sie■ werden im Reichsgesundheitsamt beraten und dann den Bundesregierungen mit- aeteilt werden. Sie sollen sich beziehen auf die Erfordernisse der Zulassung zum Hebammendienst, die Ausbildung usw. Der Kranken- und Invalidenversicherung sind die Heb- ammen allerdings nicht unterworfen, doch hat der Bundesrat die Befugnis, die Invalidenversicherung auf sie auszudehnen; bisher ist Musikpflege ist da weit besser dran. Der Reichtum an erst- klassigen Werken jeder Gattung ist unerschöpflich. Ihm entspricht der Reichlum an ausübenden Künstlern ersten Ranges, denen fast aus- nahmslos eine freie Selbstbestimmung ihre Betätigung in Konzerten für die Arbeiter wesentlich erleichtert. So sehen wir denn die Musik- pflege einen immer breiteren Boden gewinnen. Und konstatieren ferner ihr Wachstum in die Höhe und Tiefe eines mitgehenden Ver- stehenö und lebhaften Interesses. Dieser Kammermusikabend— nebenbei gesagt: eine der schönsten und ergiebigsten Darbietungen der ArbeiterbildungS- schule I— beweist es. Eine gewaltige Masse Zuhörer erfüllte den großen Saal in Kellers Neuer Philharmonie. Viele mutzten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen: aber sie taten es gern in Erwartung sublimster Kunstgenüsse, die von acht hervorragenden Jnstrunzentalisten, darunter iveltberübmten Künstlern, lote Florian Z a j i c, Heinrich G r ü n f e l d. Oskar Schubert u. a. geboten wurden. Mozarts herrliches Ouintctt und Beethovens einzig bilderreiches Septctt (Opus 26, im Jahre 1800) geschrieben umrahmten das Pro- gramm, das außer vier anderen Kammermusikstücken des unsterblichen Salzburger Meisters Lieder von Beelhoven und Weber brachte. Fräulein Elsa D a n k e w i tz be- währte sowohl in den zwischen 1810 bis 1816 ent- ftandenen Schottischen Gesängen(mit Triobegleitnng: die Professoren Zajic, Grünfeld und Schubert), wie in WeberS Liedern(mit Klavierbegleitung) weiche» Vollklang ihrer ausgeglichenen Sopranstimme und wirksamen künstlerischen Vortrag. Offensichtliche Hingebung und meisterhaste Ruhe von Seiten der Zuhörer ließ die Darbietungen der Konzcrtgeber in wundervoller Klangschönheit sich offenbaren. o. K. Humor und Satire. Patrioten- Moral. .Naziin Pascha ist bei dem Aufstand erschossen worden und wie unS versichert wird, hätie die Kugel leinen größeren Schädling der. Türkei aus dem Weg räumen können."«Die Post." Wer die erhab neu Mandarinen Dort oben zweifelnd sonst besah, Wer schweigend, mit gleichgültigen Mienen Verharrt bei ihrem ,.Hip hurra!" Wer uicht daS Maul weit aufgerissen, Wenn grab' das ihre offen stand— Der ward auf dem Papier verbrannt Und in den Höllenpsuhl geschmissen. Denn also klangen ihre Töne: Die Obrigkeil, sie ist von Gott, Und wer sie stürzt, geliebte Söhne, Gehört natürlich auf's Schafott. Doch machen gar beim Militäre Tendenzen dcstrultiv sich breit, Dann. Tod und Teufel, schnell bereit Zum scharfen Schusse die Gewehre! Und mm? Ach ja, die Dardanellen Sind fern und auch der Bosporus; Es kriegen schmatzend die Rebellen Jetzt von der.Post" den Brudcrkutz. das nicht geschehen, weil sich große Schwierigkeiten betreffs der Beitragspflicht ergeben, da ja Arbeitgeber im eigentlichen Sinne des Wortes nicht vorhanden sind. Es schweben indessen neue Erwägung:» über den Gegenstand. Die hohe Hingebung des Krankenpflegepersonals, die ein Redner berührte, erkennen auch wir an; es liegt auch im Interesse der Krankenpflege, datz das Personal nicht überlastet wird. Im Mai 1910 sind Erhebungen über ganz Deutsckland veranstaltet worden, die sich über 6000 Krankenanstalten mit 430 000 Betten und 64 000 Krankenpflegern erstreckte. Es hat sich ergeben, datz tatsächlich eine st a r k e Arb eits üb er l astung des Krankenpflegerpersonals vorhanden ist, die Arbeitsbereitschaft dauert durchschnitt- li ch 14 S t un d en, aber auch biS zu 16 Stunden, die eigentliche Arbeitszeit 11 Stunden, aber auch 12 und 13 Stunden. Ebenso stellt der Nachtdienst strenge Anforderungen, die Ruhepausen und der Urlaub sind sehr knapp bemessen; das weibliche Personal steht noch schlechter als das männliche. Freilich unterstehen die meisten Krankenpfleger nicht der Gewerbeordnung, sondern gehören religiösen Verbänden an. Das Reichsgesundheitsamt hat eine Reihe von Vorschlägen unter- breitet zur Besserung de». Lage des Krankenpflegepersonals. Eine einheitliche Regelung stößt auf grotze Schwierigkeilen, weil es sich sowohl um öffentliche wie private Anstalten handelt und weil nicht alle Krankenpflegerinnen gewerblich tätig sind, sondern zum Teil religiösen Verbänden angehören. Unsere Vorschläge sollen eine Mindestruhezeit ermöglichen, einen freien Ausgehetag und einen jährlichen Erholungsurlaub. Auf daS Kosl- und Logiswesen sowie auf die Löhne haben sich die Erhebungen nicht erstreckt, weil man nicht alles auf einmal machen kann. Auf dem Gebiete der Säuglingssterblichkeit ist bereits viel geschehen, wenn allerdings auch noch viel geschehen kann. Immerhin ist es gelungen, die Säuglingssterblichkeit von 20 Prvz. auf 16 Proz. herabzudrückcn. Abg. Antrick(Soz.): Als ich vor 12 Jahren die Aufmerksamkeit zum ersten Male aus die Lage der Krankenpfleger lenkte, erhob sich ein Sturm der E n t r ü st un g, sowohl hier im Hause, wie in der Presie. Man zieh mich sogar öffenllich der Unwahrheit. Dieser Kampfallergegen mich hielt mich nicht ab, immer wieder aus die außerordentlich elende Lage des Krankenpflegepersonals und die darauf basierenden geradezu himmelschreienden Mißstände in den verschiedenen Heil- änstalten hinzuweisen. Vor 12 Jahren stand ich allein. Heute scheint es anders zu sein. Ich traute meinen Ohren kaum, als ich Herrn van Calker so warm für das Krankenpflegepersonal ein- treten hörte. Gerade die Nalionalliberalen und ihre Presse haben mich vor 12 Jahren in der niederträchtig st en Weise an- gegriffen. Vizepräsident Dove: Diese Charalierisierung der Angriffe gegen Sie bezieht sich doch nicht auf Mitglieder dieses Hauses. Abg. Antrick: Sie bezieht sich auf alle diejenigen, die damals in der schäbigsten Weise den Kampf gegen mich geführt haben, sowohl inner» halb, wie außerhalb dieses Hauses.(Vizepräsident Dove ruft den Redner zur Ordnung.— Abg. Dr. O e r t e l begrüßt dies mit einem freudigen Zuruf.) Glauben Sie, Herr Dr. O e r t e l, die Mißstände sind dadurch aus der Welt geschafft, datz ich zwei oder drei Ordnungsrufe erhalte?(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur die Abgeordneten und die Presse, auch die Regierun gsvertrerer sind damals mit denselben Argumenten gegen mich vorgegangen. Heute haben alle bürgerlichen Parteien ihr warmes Herz für das Krankenpflegepersonal entdeckt und auch von Regierungsseile wird zugegeben, datz die Verhältnisse tatsächlich so liegen, wie ich sie im Jahre 1900 schilderte.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich begreife nicht, woher man damals deii Mut nahm, etwas, was feststand, abzustreiten. Jetzt wird zu- gegeben, datz eine Neuregelung der Verhältnisse notwendig ist. Im vorigen Jahre wurde eine entsprechende Resolution ange- nommen, aber geschehen i st nichts.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Zu dem betreffenden Antrag heißt es unter den Entscheidungen des Bundesrats: «Erwägungen schweben noch!" Wie kommt's, datz die dressierte Meute Diesmal nicht tiefmoralisch kläfft? Es Ivitter» ein Engrosgeschäft Die nationalen Handelsleute. Den Krieg, sie säugten ihn wie Ammen. Den Frieden hatzt der Marodeur. Nun schürte Enver Bei die Flammen, Und der Profit winkt— aber sehr! Wenn sich die Völker massakrieren, Gebraucht man sehr viel Blei und Stahl. Hingegen braucht man die Moral, Das Volk im Frieden zu barbieren! kau. Notizen. — Von den Berliner Theaterpleiten. Die Krise des Friedrich-Wilhelmstädtischen Schauspielhauses ist jetzt in das literarische Stadium eingetreten. Die Hausbesitzer und der Pächter streiten sich in den Blättern, ob Herrn Nordaus Schulden 360 000 oder bloß 180 000 M. betragen und ob er bald geht oder noch weiter schwimmt.— In einer Gläubigerversammlung des Theater? G r o tz- B er l i» wurde vom Konkursverwalter mit- geteilt, datz die Aussichten für die Gläubiger sehr schlecht sind. Eine Million Forderungen fallen ganz ans und für den Rest ist auch schlecht gesorgt. Das Theater ivar schon bei der Eröffnung bankerott, da das Zugstück ausblieb.(Die„deutschen Dichter" Leipziger und Kadelbnrg hatten sich ihre» Schmarrn aber gehörig bevorschussen lassen.) Die Schauspieler spielen schon ohne Gage— den Gründern und Schiebern wird aber sicher nichts abgehen. — Vorträge. In der Gesellschaft für positiv! st is che Philosophie spricht am 31. Januar abends 8 Uhr Herr R. Goldscheid über das Thema„K u l t u rp e r s p e k t i v e n" (Technische Hochschule. Hörsaal Nr. 60). Gäste haben freien Zutritt. — T h e a le r ch r o n i k. Im L e s s i n g- T h e a t e r müssen wegen Unpäßlichkeit des Herrn Marr die für Mittwoch und Sonn- rbend angesetzten Aufführungen von„Rose Bernd" verschoben werden; statt dessen geht„Das Prinzip" in Szene. — Hans P f i tz u e r als—Beckmesser. Ein lustiger Bühnenzwischensall hat sich in S t r a tz b u r g ereignet. Man gab dort die Meistersinger. Im zweiten Akre bekam der Darsteller des Beckmesser einen so starken Schwindelanfall, daß er nicht mehr aus- treten tonnte. Man beruhigte das Publikum und sorgte für Ersatz. Nach einer halben Stunde Pause ging die Aufführung weiter. Den Beckmesser spielte jetzt der Operndirektor Hans Psitzner, der eben noch dirigiert hatte, zu Ende. Er hatte sich schnell den Bart ab- nehmen lassen und gab nun, von einigem Stimmmangel abgesehen, einen vorirefflichen Beckmesser. — Patriotismus. Dem gewöhnlichen Menschen ist das Vaterland, wo ihn sein Vater gezeugt, seine Mutter gesäugt und sein Pastor gefirmelt hat; dem Kaufmann, wo er die höchsten Prozente ergaunern kann, ohne von dem Staat gepflückt zu werden; dem Soldaten, wo der Imperator den besten Sold zahlt und die größte Insolenz(Unverschämtheit) erlaubt; dem Gekehrten, wo er für seine Schmeicheleien am meisten Weihrauch oder Gold crniet; dem ehrlichen, vernünftigen Manne, wo am meisten Freiheit, Ge- rechtigleit und Humanität ist. Also findet der letzte nur selten scin.Vaterland."*(Seymei.Apvlrhphcn.)' JTnb nach den Ausführungen des Herrn Gehelmrats B u m m stimmt daS. Dem Reichskanzler liegen die Ergebnisse der Statistik vor und wir sollen warten, bis er einmal Zeit haben wird, sich darum zu kümmern. Das wird lange dauern, wenn der Reichstag nicht endlich mehr Dampf dahinter macht. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe schon vor 12 Kahren als Ursache der Mißstände die mangelhafte Ausbildung des Personals, die überlange Arbeitszeit und die schlechte Entlohnung bezeichnet. Roch 1902 wollte kein Geringerer als Graf Posadowsky dem Reichstag überhaupt die Kompetenz be st reiten, diese Frage zu verhandeln. Heute sogt das Gesundheitsmnt, die Sache liegt dem Reichskanzler vor. Im nächsten Jahre wird der Reichskanzler sagen; Wir haben sie an das Reichsgesundheitsamt zurückverwieien, damit es Erwägungen anstelle. Auf Grund der Ergebnisse der Erhebungen hätte die Reichsregierung schon längst einschreilen und dem Reichstag eine Vorlage machen müssen. sZustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was die Erhebungen ergeben haben, war der Regierung schon seit zehn Jahren bekannt. Was mir als Privatmann mög- lich war zu erforschen, hätte die Regierung viel leichter feststellen können. Ich habe jahrelang innner wieder neues Material vor- gebracht, die Regierung mußte zugeben, daß meine Angaben zu- treffen, aber gerührt hat sie sich nicht und wird es nicht eher tun. als der Reichstag sie dazu zwingt. Die große Mehrzahl des Pflegepersonals arbeitet weit länger als 10 bis 1 1 Stunden. Hier hat Geheimrat Bunin, das Ergebnis der amtlichen Feststellung zu rosig dargestellt. Auch eine Statistik der Organisation des Personals des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes konimt zu dem Ergebnis, daß 46 Prozent des Pflegepersonals 12 bis 14 Stunden, 39 Prozent 14 bis 17 Stunden bc- schästigt sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dienst- freie Zeit gibt es in 1S7 Lnstalten mit 612 männlichen Pflegern und in 439 Anstalten mit 4054 weiblichem Pflegepersonal über- Haupt keine.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Neben den, Tagesdienst kommt dann vielfach noch Nachtdienst in Betracht, wobei sich das grauenhafte Resultat ergibt, daß 110 Pfleger und 447 Pflegerimren eine Arbeitszeit von 30 bis 40 Stunden hatten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie steht eS nun bei dieser Arbeitszeit mit der Entlohnung? Die amtliche Statistik scheint es nicht der Mühe für wert gehalten zu haben, danach überhaupt zu fragen oder man hat sich g e- schämt, diese Dinge in die Oeffentlichkeit kommen zu lassen. Noch beute werde» Anfaugslöhne von zehn Mark gezahlt. (HörtI hört I bei den Sozialdemokraten.) Bei einer Erhebung, die sich auf 2000 Personen erstreckt, wurde festgestellt, daß 71 Proz. 30— 75 M. Gehalt bekomme». Auch in Irrenanstalten, wo der Dienst besonders schwer ist, gibt es Anfangslöhne von 10— 15 M. und die Bezahlung ist überhaupt im Verhältnis zn der langen Ar- beitszeit ganz erbärmlich. Di« Folge dieser schlechten Entlohnung ist natürlich ein sehr häufiger Wechsel des Personals. Darunter leiden nicht nur die Pfleger, sondern auch ganz besonders die Kranken.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) So wurden i>n Virchow-Kran kenhause anfangs 1911 beschäftigt 678 Personen, der Zugang betrug 910, der Abgang 888 Personen. (Hört I hört I) In Moabit wurden 263 Personen beschäftigt, der Zugang betrug 255, der Abgang 258. In den Irrenhäusern ist die Fluktuation ebenso groß. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, ist man nun auf den ingeniösen Einfall gekommen, nicht etwa die Arbeitszeit zu verkürzen, bessere Bezahlung, Beköstigung und Behandlung einzusühren, sondern man sucht durch Prämien das Personal an die Anstalt zu fesseln. So whalten in einer Anstalt Wärterinnen nach 30 Jahren 50 M. Prämie, lach weiteren 30 Jahren 76 M. und nach weiteren drei Jahren t00M.— dann müssen sie also bald 100 Jahre alt werden, um in den Besitz der Prämie zu kommen. In Württemberg werden nach fünfjähriger Dienstzeit 200 M., nach sechsjähriger Dienstzeit 1000 Mark Prämie gewährt. Der Württembergische Minister von Pischek begründet dieses damit, daß nach 6 jähriger Dienstzeit das Pflegepersonal f o ausgemergelt sei, daß es ganz un- .»öglich sei, es noch weiter zu behalten. Aber was soll der Mann mit 1000 Mark anfangen? Wer die Verhältnisse ennt, weiß doch, daß heutzutage ein mit so geringem Kapital ge- gründetes Geschäft meist in kurzer Zeit zu Grunde geht. In großen Krankenanstalten in den Hauptstädten ist das Pflege- personal vielfach gezwungen, Wohnungen zu beziehen, die geradezu ein öffentlicher Skandal sind. Vor 12 Jahren habe ich hier angenagelt, daß in einem Berliner Kranlenhause Wärter Kellerräume zur Wohnung angewiesen bekommen. Damals wurde gesagt, das sei nur vorübergehend, aber heute ist mir mitgeteilt worden, daß noch jetzt die Wärter in den Kellerräumen Haussen. (Hört! hört!) Außerordentlich mangelhaft ist die s o z i a l e Für- sorge für daS Krankenpflegepersonat. 10 000 Personen entbehren überhaupt jeder sozialen Fürsorge. Vielfach tritt sie erst nach zehn- jähriger Beschäftigung ein. Dabei ist festgestellt, daß fast niemals Krankenpflegerinnen länger als zwei, drei Jahre im Dienst aus- halten. In einem Krankenhause mit 120 Schwestern waren nach Ablauf von 10 Jahren noch 12 davon beschäftigt.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Verhältnisse in den Schwesternheimen sind jedenfalls sehr traurig, wie ein Geheimer Regierungs- und Medizinalrat Dr. H e ck e r festgestellt hat. Auch dort gibt es Arbeits- zeiten von 11 bis IS'/.j Stunden, mit N a ch t d i e n st 16'/, Stunden.(Hört I hört I) In einem Falle hatte eine junge, sehr kräftige Schwester in Württemberg den Dienst in einem Krankhaus zu versehen, wo 15 bis 20 Betten belegt waren. Außer der Schwester war nur noch ein Dienstmädchen vorhanden, die Schwester mußte selbst kochen und den Garten bestellen. Für all diese Arbeit erhielt sie ein Gehalt von 300 Mark.(Hört! hört!) Nach vier Jahren kehrte sie völlig gebrochen in ihre Familie zurück. In der Irrenanstalt Buch bei Berlin sind 1906 bis 1903 drei Pfleger und drei Pflegerinnen geisteskrank geworden, mehrere andere haben infolge Ueber- anstrengung Selbstmord begangen. Von den barmherzigen Schwester» sterben 73 Proz. an Tuberkulose, während sonst der Prozentsatz unter den weiblichen Personen 30-43 Proz. beträgt. Seitdem ich vor zwölf Jahren den Blick auf diese Berhältnisie ge« lenkt habe, sind zwar� durch die Arbeit des Staats- und Gemeinde- arbeiterverbandes wesentliche Verbesserungen herbeigeführt morden, aber trotzdem sind die Verhältnisse noch außerordent- lich schlecht und dringend der Verbesserung bedürftig. Die Frage ist durchaus spruchreif. Es handelt sich nicht um eine Parteifrage, sondern hier könnten sich alle Parteien zusammenfinden, um Hand anzulegen an die Verbesserung der Lage des Krankenpflegepersonals. Es bandelt sich hier um eine Frage der öffentlichen Moral und Kultur, die kann man nicht mit schönen Worten lösen, da muß die Hand ans Werl gelegt werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Nur durch eine reichsgesetzliche Regelung, wie sie unsere Resolution wünscht, kann hier Besserung herbeigeführt werden. In England, Australien und Neuseeland sind die Forderungen, die unsere Resolution aufstellt, zum Teil schon durchgeführt und zum Teil schon überholt. Dort ist durch die Praxi? bewiesen, daß eine achtstündige Arbeitszeit bei Ein- führung deS Drcischichtsyslems in solchen Krankenhäusern sehr wohl möglich ist. Wir stehen in Deutschland vor der höchst traurigen Tatsache, daß, um kranke Menschen gesund zu machen, Tausende junger Menschenkinder krank werden müssen, oft in der Blüte ihrer Jugend dahingerafft werden. Das ist ein geradezu beschämender S»stand für unsere Sozialpolitik. Sorge» Sie durch einstimmige Amiahme unserer Resolution dafür, daß endlich durch eine reichs- aeieifliche Regelung dem skandalösen Raubbau an Leben und Ge- sundheit des Pflegepersonals Einhalt geboten werden kann.(Leb- basier Beifall bei den Sozialdemokraten.) Aba GicsbertS(Z.) geht auf die Zustände in der Groß- . i e n in d u st r i e ein. Die BundesralSverordnung für Hütten- und «ansiwerke bat nicht vermocht die U e b e r st u n d e n zu vermindern und �ie Arbeitszeit zu verkürzen. Im Gegenteil, die Zahl der Uebcrstundeu ist erheblich gestregen. Das beweisen die Peroffe.it- lichungen aller beteiligten Gewerkschaften. Die KrankheitS- ziffer ist in den Hüttenwerken bedeutend höher, als im Durchschnitt aller Betriebe Deutschlands, das beweisen die Ergebnisse der Krankenkassen; genau so verhält eS sich mit den Unfällen. Man sagt, an 62 Proz. der Unfälle sind die Arbeiter selbst schuld. Die Schuldfrage ist aber sehr diffizil, und man sollte nicht ohne weiteres solche Behauptung aufstellen, die gar nicht wahr sein kann, wie auch eine sorgfältigere Prüfung der Unfallstatistik beweist. Die überlange Arbeits- zeit ist die hauptsächlichste Ursache der hohen Unfall- und Krankenziffern.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es kommen Arbeitszeiten bis zu 90 Stunden wöchent- lich für einzelne Arbeiter vor; das kommt in keiner anderen In- dustrie vor; das muß schließlich das beste Menschenmaterial ruinieren. (Sehr richligl bei den Sozialdemokraten.) Die Unternehmer behaupten freilich, es werde tatsächlich nur neun Stunden gearbeitet, das andere entfalle auf Pausen. Warum sträuben sie sich denn dann gegen den Achtssimdentag? Wenn der sonntägliche Ruhetag nicht möglich wäre, so wäre der Achtstundentag die unumgänglich notwendige Folge. Die Herren von der Eisenindustrie sollten nicht das bißchen Arbeiterschutz einzuschränken suchen, sie sollten vielmehr entgegen- kommen, daß die notwendige Ruhezeit auf zehn Stunden ausgedehnt werde. An den Staatssekretär richte ich die Bitte, sich auf den internationalen Tagungen vertreten zu lassen, wo über die Eillsühriing des Achtstundentages in der Eisenindustrie beraten wird. Die Eijenindustrie darf nicht einen Ausnahmezustand iu den Arbeitsvcrhältnisien aufrecht erhalten.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Blankcuhorn(natl.) wendet sich gegen ein Verbot des Obstweins als Haustrunk, das durch reichsgerichlliches Urteil ausgesprochen ist. ES werden dadurch die kleinen Obstbauern ganz erheblich geschädigt. Abg. Lcube(Vp. sauf der Tribüne unverständlich)) scheint sich gegen einige Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzes zu wenden. Abg. Jäckel(Soz.): macht auf die Gefahren der Arbeit in der Weberei aufmerksam. Der Baumwollstaub gelangt durch den Mund in die Atmungs- organe und verursacht Erkrankungen dieser sowie der Berdauungs- organe. Auch die Schiffchen, die von Hand zu Hand wandern, sind sehr geeignet, Infektionskrankheiten. Lungentuberkulose. Syphilis und andere zu verbreiten. Die englische Regierung hat eine Äom« Mission zur Untersuchueg dieser Frage eingesetzt, und diese hat be- richtet, daß zwar ein Fall von llebertragung einer Krankheit durch Schiffchen nicht direkt nachweisbar, aber in mehreren Fällen sehr wahrscheinlich ist. Es ist ja auch selbstverständlich, wenn der Faden an dem Schiffchen mit dem Munde durchgesougt werden muß. Notwendig ist dies keineswegs, denn es gibt Schiffchen, bei denen das Durchsangen des Fadens automatisch geschieht. Deshalb sollten die anderen Schiffchen wegen ihrer Gesundheitsgesährlichkeit Verbote» werden. Ich bemerke noch, daß in England die Baumwoll- Weberei ausdrücklich unrer die gesundheiisgefährlichen Industrien ge- zählt wird.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Dann will die Aufmerksamkeit des ReichsgesundheitsamtS noch auf die Kunst- Wollfabrikation lenken. Hier ist das Lumpensortieren in der Heimarbeit, z. B. in Crimmitschau, sehr gesundheitsgefährlich für die betreffenden Arbeiterfamilien und sollte überhaupt verboten werden. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Hier gehen wertvolle nationale Kräfte verloren, für deren Erhaltung zu sorgen die Re- gierung verpflichtet ist.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Poppe(Z.) wendet sich ae�en zu rigorose Anwendung der S t a l I k o n t r o l l e, die für die klernen Viehhändler oft erdrückende Unkosten mit sich bringe. Für diese hohen Kosten sollten die Leute entschädigt werden. Abg. Dr. Thoma(natl.) spricht für«inen Antrag Ablaß, der den Reichskanzler ersucht, die Errichtung eine« Instituts für die wissen- schaftliche Erforschung der Milchwirtschaft erneut in Erwägung zu ziehen. Es muß däsür gesorgt werden, daß die Molkereirückstände rationeller verwertet werden. Es ist geradezu sündhaft, wieviel Eiweiß hier an die Schweine verfuttert wird, während wir sllr Millionen Eiweiß aus dem Ausland kaufen. (Sehr richtig.) Herr A n t r i ck bat meinen Freunden vorgeworfen, sie hätten ihn in der niederträchtigsten Weise wegen seines Eintretens für das Pflegerpersonal angegriffen. Dabei hat damals Prinz Schönaich-Carolath, der für die Nationalliberalen sprach, ausdrücklich anerkannt, sdaß der Abg. A n t r i ck sich ein V e r d i e n st damit erworben habe, daß er die allgemeine Aufmerksamkeit aus diese Mißstände ge- lenkt habe.(Hört! hört!) Abg. Blunck(Vp.) betont die Notwendigkeit einer Zentrale zur Erforschung der Milchwirtschaft. Die ganze Kohlenprodultion in Deutschland hat noch nicht die Hälfte des Wertes der Milchproduktion. der 1912 3'/z Milliarden erreichte.(Hört! hört! recht«.) Diesen kolossalen Aufschwung hat die Milchproduktion ohne jeden Zoll- schütz genommen.(Lebh. Hört! hört! links. Alle Fachleute erkennen die Notwendigkeit einer solchen Zentrolanstalt an: daher sollte sich die Regierung diesem Wunsche nicht länger entziehen.— Redner wünscht weiter vorbeugende Matzregeln gegen einen even- tuellen Wiederausbruch der Maul- und Klauenseuche. Eine reichsgesetzliche Regelung des Schutzes für das Krankenpflege- personal haben auch meine Freunde im vorigen Jahre verlangt. Leider schweben auf diesem Gebiete seit zehn Jahren noch immer Erwägungen. Der sozialdemokratische Antrag bringt b e a ch t e n s« werte Anregungen, wir können uns aber nicht jetzt schon auf alle einzelnen Punkte festlegen. Eine einheitliche, also reichsgesetzliche Regelung deS Heb- ammen Wesens halten auch wir für notwendig.— Es sollten serner im nächsten Jahre Mittel ausgeworfen werden zur Unter- stützung der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiterr. (Beifall bei der Bolkspartei.) Abg. Hoesch(f.): Neben der Milchproduktion steht auch eine außerordenilich.leigende Milcheinfuhr. Dieses braucht nicht als un» veränderlich hingeuoinnre» zu werden, man wird vielmehr an Wirt- schaftliche Maßnahmen denken müssen, die heimische Milchprodukrion zu beben. Statt des von der Bolkspartei verlangten Reichsinstituts zur Erforschung der Milchwirtschaft sollte lieber ein preußisches errichtet werde», das mit anderen großen Instituten Preußens zu- sammenwirken könnte. Präsident des Reichsgesundheitsamts Bumm: An der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche darf die deutsche Landwirtschast nicht irre werde».(Zurufe rechts: Sie ist schon irre geworden.) Im Jahre 1911 hatte die Seuche einen Umfang wie nie zuvor, ist aber durch die Maßnahmen der Regierung erheblich eingeschränkt worden. Hierauf vertagt sich das Hau«. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr.(Interpellation Brandys(Pole) über die Enteignung polnischer Gutsbesitzer). Schluß 8/«7 Uhr._ parlamentavifcbcö» öJcßcii die Ostnkarkenzulage.— Rcichspostetat. Der im Jahre 1907 gewählte Hurra-Reichstag bewilligte für die Postbeamten in den mit polnischer Bevölkerung durchsetzten Be- zirkcn der preußischen Lstieeprovinzen eine Extrazulage— die Ostmarkenzulage— die 10 Proz. des Gehalts beträgt. Durch diese Zulage sollen die Postbeamten für die hakatistische Politik, also zum Kampf gegen das preußisch- Polentum eingefangen werden. Die preußischen Beamten in den erwähnten Bezirken erhalten Pie Zulage sogar aus Grund einer gesetzlichen Bestimmung im preußi- scheu Besoldungsgesetz. Der im vorigen Jahre neugewählte Reichs- tag strich die Ostmarkenzulage im Postetat. Im Etat für 1914 fordert die Regierung wiederum 1,1 Million, um die Ostmarten- zulage zahlen zu können. Es kam deshalb am Dienstag in der Budgetkommission des Reichstages zu lebhasten Auseinander- setzunge».«taatssckretäc Kraetkc gab sich die erdenklichste Mühe, die Bewilligung der Ostmarkcnzulage zu erzielen, und glaubte dabei, der Kommission vormachen zu können, die Ost- markcnzulage stelle kerne politifch« Maßregel bau. Diesem Versuche krakcn die Genossen Noskc und Ledcbour energisch, entgegen. Für eine Besserstellung der unteren und mittleren Post-' beamten trete die Sozialdemokratie ein, wie sie erst in voriger Woche bewiesen habe; aber polizeiliche Korruptions» zulagen lehne sie ab. Wenn die Regierung den am vorigen Freitag gefaßten Beschlüssen für Erhöhung der Unterbcamten» gchälter beitrete, erhalten alle eine Äufbcsscrung ihres Einkom» mens. Der Hinweis, die Ostmarkenzulage sei deshalb gerecht» fertigt, weil die Beamten in den gemischtsprachigen Bezirken viel- schwereren Dienst haben, könne schon deshalb nicht gelten, weil inr Westen Deutschlands ebenfalls hunderttausende Polen wohnen, ohne daß die Postbeamten auch dort«ine Zulage erhalten; ebenso- wenig in Lothringen, Masuren usw. Die hakatistische Politik durch» Reichsaufwendungen zu fördern, müsse strikt abgelehnt werden� die Ostmarkenzulage sei e i n e gehässige politische Maß-» regel und die famose Praxis der Benoaltung, Postbeamte pol» nischer Nationalität nach der Provinz Sachsen und nach dem Westen zu versetzen, bedeute eine geradezu unverantwortliche Erschwerung des PostverkehrS.— Diesen Darlegungen traten auch Redner de» Zentrums und der Polen bei. während Konservative, Na» tionalliberale und Volksparteiler für die Ostmarkenvorlage plä» dierten und dabei mit kühner Stirn zu bestreiten suchten, daß die- Zulage aus politischen Gründen gefordert ivird. Da Zentrum, Sozialdenwkraten und Polen die Mehrheit bilden, die Ablehnung der Zulage also sicher war, versuchte der Nationalliberale Beck. die zur Bewilligung von besonderen Unterstützungen der Verwaltung gewährte Summe von rund 3,7 Millionen Mark um die als die Ostmarkenzulage geforderten 1,1 Millionen zu erhöhen, also, aus Umwegen die Ostmarkenzulage in den Etat hineinzuschmuggeln. Aber das Manöver mißlang. Nach langer, teilweise scharfer De- batte wurde die Ostmarkenzulage abgelehnt, ebenso der An- trag Beck. Angenommen wurde eine Resolution, die die Ein» führung von Kinderzulagen für verheiratete Post« beamte fordert; abgelehnt ein nationalliberaler Antrag, der für die außerhalb Preußens wohnenden Reichspostbeamten, die eine höhere Staatssteuer als in Preußen zahlen müssen, ein Ausgleich schaffen will.. Bei der Weiterberatung des Postetats verlangte Genofs«» Ebert darüber Auskunft, wann endlich die in Aussicht gestellte Denkschrift über die P e n s i o n s k a s s e der Postbeamten erscheint; ferner, wann Rcichsarbeiterausschüffe für die Arbeiter im Postbetrieb eingeführt werden und ob Aussicht vorhanden ist, daß die tatsächlich geleistete Arbeitszeit auf das Besoldungsdienst- aler angerechnet wird. Die Denkschrift wird erscheinen; im übrigen war die Regierungsantwort eine ablehnende. Die Beratung wird am Mittwoch fortgesetzt werden. Herr v. Dallwitz. In der Budgetkommission des DreiklassenhauseZ stand Dienstag der Etat des Ministeriums des Innern zur Beratung. Dabei wurde der Polizeiminister über die Enthüllungen zur Wahl- urnenfrage interpelliert, die Genosse Fischer im Reichstage vorgebracht hatte. Herr Dallwitz wußte darauf nichts anderes zu antworten, als daß jene Enthüllungen auf einem Vertrauens- bruch beruhten, daß die von Fischer zitierten Aeußerungen des Ministeriums des Innern längere Zeit zurückliegen und ihr Zeit- Punkt nicht bezeichnet sei und daß er über die Sache selbst nichts sagen dürfe, weil er sonst die amtliche Schweigepflicht verletzen würde! Uebrigenö erklärte er, käme es ja nicht auf die Haltung eines einzelnen Ministeriums, sondern auf die des Ge» samtministeriums a». Von fortschrittlicher Seite wurde die llebertragung der Woh» n u n g Z p o l i z e i auf die Stadt Berlin verlangt. Der Minister antwortete unter manchem Hin und Her mit einem ziem- lich kategorischen Nein, so daß sogar ein Freikonservativer bei An- erkennung aller„Schwierigkeiten" doch ein bißchen mehr Eni- gegenkommen für die Stadt Berlin wünschte. Der Minister wandte sich gegen die Kritik, die Oberbürgermeister Mermuth in der Ver- zögerung eines entsprechenden Gesuchs der Stadt Berlin durch die Staatsregierung geübt hatte, und zwar erzählte Herr v. Dallwitz hierbei, daß ihn daran keine Schuld treffe, weil dem Gesuch der Reichshauptstadt eine Denkschrift beigefügt worden sei, in der die llebertragung der Wohnungspolizei als unangebracht und dergleichen bezeichnet war. Die Erhebungen über diese Denkschrift hatten die Verzögerung der Antwort verursacht. Da doch nicht anzunehmen ist, daß der Gesuchssteller selbst, nämlich der Berliner Magistrat, die Gewährung seines Ansuchens als bedenklich bezeich- net haben dürfte, drängt sich die Frage auf: wer denn dies getan haben könnte und da das Gesuch auf seinem Weg in das Ministe- rium jedenfalls das Polizeipräsidium passiert haben muß, wird man vielleicht bald erfahren, wer diese Denkschrift in die Akten hinein» gebracht hat. Ein Zentrumsmann beschwerte sich über die enormen Beiträge. die die Städte zu den Polizeikosten leisten müssen. Darauf ant- wartete ein Regierungskommissar recht fröhlich, daß ja die Städte von den Rechtsmitteln gegen die Festsetzungen der Regierungen Gebrauch machten, daß sie aber beim Obcrverwaltungsgericht ge- wohnlich nicht viel Glück damit haben.. Das Oberverwaltungs- gericht mag sich für diese Anerkennung bedanken.— Die Nationalliberalen forderten eine bedeutende Erhöhung der Position zur Fürsorge für die sittlich gefährdete Jugend, wofür in den Etat 30 000 M. eingestellt sind. Diese Erhöhung soll auf Beschluß der Kommission im nächsten Etat vorgenommen werden. Soziales. Drei Monate stellungslos wegen eines schlechten Zeugnisses. Daß der Angestellte durch das Zeugnis eines ihm übelgesinnter, Prinzipals in einen schwere» Existenzkamps schuldlos geraten kann, zeigte sich in der letzten Verhandlung vor der 2. Kammer des Ber- liner Kaufmannsgerichts. Die Klägerin war etwa ein Jahr lang als Filialleittrin niii einem Monatsgehalt von 55 M und einem kleinen Prozentsatz vom Verkauf bei der Scifenfirma Wasservoael tätig gewesen. Bei ihrem Abgang erhielt sie statt eines Zeugnisses nur eine Arbeits- bescheinigung. Auf ihre Reklamation wurde dem Zeugnis hinzu- gefügt:„Wir haben ihr gekündigt, weil sie für uns nicht geeignet war." Da die Führung im Zeugnis gar erwähnt war» so nahmen alle Prinzipale, bei denen sich die Klägerin bewarb, an. sie hätte sich Unredlichkeiten zuschulden kommen lassen, und das junge Mädchen blieb stellungslos. Erst durch Urteil des Kauf- mannsgerichtS mußte die Beklagte gezwungen werden, der Filial- leiterin ein Zeugnis auszustellen, das sich auch über Führung und Leistung ausspricht. Das neue Zeugnis, das die Firma nunmehr ausstellte, lieh zwar an Ausführlichfcit nichts zu wünschen übrig; der Text war aber so abgefaßt, daß. wie der Vorsitzende in der Verhandlung meinte, mehr die personliche Verärgerung der Ge- schäftsinhaber über ihre Verurteilung als eine objektive Beurtei- lung der Klägerin zum Ausdruck kam. Nach dem Ergebnis der Verhandlung hatte die ,Zrma der Klägerin in der Tat nichts weiter vorzuwerfen, als daß Frauen erzählt haben sollen, Frl. S. Hütte ihre Firma„schlecht gemacht". Mit Recht wies der Verhandlungs- leiter daraus hin, daß es doch sehr gewagt sei. das als bare Münze zu nehmen, was Ila.schjuchtige Frauen beim Einkaufen als Neuig- keil zu berichten wlp en. Die Klägerin beteuerte auch, nie ein böses Wort über die Firma geäußert zu haben. Sie erklärte, daß ste wahrend K-r l-tzigen Stellungslosigkeit ihre ganzen Ersparnisse aufgebraucht hatte und jetzt von einer guten Freundin ausgenommen worden pn. ö u Nach Lage der Sache hätte die Verurteilung der Betlagten«. folgen müssen. Die letztere zog es. um einem Urteilsspruch S"-»t- lwh�n, vor, in eine gütliche Einigung zu willigen. Sie stellt du: Klägerin ein Zeugnis aus. in iveichem die anstößigen stellen ent- ternt suid. und zahlt für de Zeit der Stellungslosigkeit cm« bar« Entjchadigung von 175 Mark Lnenigeltliche Ueberstuiidcnarbclt— kein Gewohnheitsrecht. Eine interessante Entscheidung von prinzipieller Bedeutung ist jetzt in der Berufung vom Landgericht Rostock entschieden worden. Ein Werkmeister nmr jahrelang in einem Betriebe tätig und hatte dort, trenn viel zu tun war, U eberstunden gearbeitet und Sonn- tagsarbeit geleistet, ohne besondere Bezahlung zu verlangen. Eines TageS kam es jedoch zu Differenzen, die den Arbeitgeber veran« faßte», dem Werkmeister rechtswidrig verdienten Lohn vorzuent- halten. Nunmehr weigerte sich der Werkmeister, die Ueberarbeit weiterhin gratis zu verrichten und wurde deshalb sofort entlassen. In der Verhandlung berief sich der beklagte Arbeitgeber auf das hier eing-bretene Gewohnheitsrecht, das Landgericht verneinte jedoch ein solches mit folgender Begründung: Jeder Angestellte, der Jnter- esse für das Geschäft hat, leistet ohne besondere Vergütung auch Dienste, zu denen er nicht direkt verpflichtet ist, erwartet aber natür- lich, daß sich der Dienstherr auch entgegenkommend erweist. Eine unbedingte vertragsmäßige Verpflichtung zur Leistung von Extra- diensten ohne Vergütung kann auch nicht daraus gefolgert werden. daß der Arbeitnehmer dieselben jahrelang ohne besondere Vergütung geleistet hat. ES ist durchaus verständlich, daß Kläger für den ihm rechtswidrig entzogenen Lohn sich dadurch schadlos hielt, daß er Arbeiten nicht leistete, zu denen er seiner Ansicht nach vertragsmäßig nicht verpflichtet war. Wohnungsfürsorge in Baden. Seit kurzer Zeit macht die badische Regierung durch einen staatlichen Wohnungskommissar den Gemeinden in der Wohnungs- frage ernsthafte Vorstellungen. Die Städte, welche Wohnungskom- nrisstonen haben, richten nun diese zur gründlichen Behandlung der Wohnungsuntersuchung ein. Am 10. Januar hat der Stadtrat zu Offenburg beschlossen, daß zu Mitgliedern der Wohnungskommission auch Frauen berufen werden sollen. Kürzere Arbeitszeit— unverminderte Produktion. Tie starke Betricbseinschränkung, die in der österreichischen Textilindustrie, namentlich den Webereien, wegen der Absatzstockung auf dem Balkan eingetreten ist, hat ihren Zweck nicht erreicht. Die Unternehmerorganisationen geben jetzt bekannt, daß in der kürzeren Arbeitszeit ebensoviel Ware fertig wird, als sonst in der längeren! Wenn aber die Arbeiter eine Verkürzung der Arbeitszeit verlangen, wird immer eingewendet, daß dann die Produktion nicht gedeckt 'wäreli Gerichts-Zeitung, Ein psychologisches Rätsel. Eine ganz unerklärliche Tat lag einer Anklagesache zugrunde, welche gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsrats Hallcrvorden beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurde der Schlossergeselle Karl Schräder vor- geführt, um sich wegen Vergehens gegen den überaus selten in Anwendung kommenden Z 139 deS Strafgesetzbuchs zu verantworten. Nach dem Wortlaute dieses Paragraphen macht sich der- jenige strafbar, der von de«. Vorhaben eines gemeingefährlichen Verbrechens Kenntnis erhält und es unterläßt, zu einer Zeit, zu welcher die Verhütung des Verbrechens noch möglich ist. der Be- lwrde oder der bedrohten Person Anzeige zu machen.— Die jetzige Anklage hat eine Vorgeschichte, die schon im April v. I. Gegenstand einer Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts III war. Damals war der Bruder des jetzigen Angeklagten, der Lljährige Paul Schröder wegen versuchten Mordes, begangen an seiner Geliebten, der Stickerin Hedwig Kaul, angeklagt. Als Motiv der Tat gab Paul Sch. seinerzeit an: er habe von anderer Seite erfahren, daß seine Braut mit einem anderen Manne Be- ziehungen angeknüpft habe. Die Geschworenen nahmen seinerzeit nur versuchten Totschlag an und das Gericht verurteilte ihn zu i'/a Jahren Gefängnis, die er augenblicklich verbüßt. Aus dem Gefängnis heraus erstattete Paul Sch. gegen feinen eigenen Bruder eine Anzeige wegen Vergehens gegen den«j 139, welche das jetzige Strafverfahren zur Folge hatte. In dieser Anzeige behauptete Paul Sch., sein Bruder habe offenbar ein großes Interesse daran gehabt, daß er aus dem Leben scheide, denn er habe ihn tatsächlich nur in seiner Absicht bestärkt, anstatt zu versuchen, ihn davon ab- zubringen. Offenbar habe sich sein Bruder nur in den Besitz der von ihm hinterlassenen Sachen setzen wollen. In der gestrigen Verhandlung machte der Angeklagte Karl Sch. in seiner Vernehmung Angaben, die wiederholt allgemeines Er- staunen hervorriefen und ein ganz eigenartiges Bild seines Cha- rakters gaben. Ohne auch nur eine Spur von Reue oder Mit- gefühl zu zeigen, erzählte der Angeklagte folgendes: Am Abend des S. Oktober 1911 sei er mit seinem Bruder in einem Lokal zu- sammen gewesen. Als ihm dieser sagte, daß er keine Lust habe, noch weiter zu leben, da er in ein Strafversahren verwickelt sei. habe er ihm erzählt, daß seine Braut mit einem gewissen Pachollck ein Liebesverhältnis unterhalte. Sein Bruder habe nun gesagt: »Jetzt ist es ganz aus und die Hedwig mutz mit!" Nachdem sein Bruder die ganze Nacht auf dem Stuhl gesessen und gegrübelt habe, habe der Bruder ihn am nächsten Morgen gebeten, seinen Anzug zu versetzen, damit er sich einen Revolver kaufen könne. Er habe dies auch getan und beide seien dann nach der Wcinmeister- straße gegangen, wo sie sich einen guten Revolver aussuchten.— Me Paul Schröder übrigens behauptet, babe ihm sein Bruder ge' raten, einen recht guten Revolver zu nehmen und auch selbst Sie Munition ausgesucht.— Der Angeklagte erzählte dann weiter, daß beide, nachdem sein Bruder seine Braut nach der Ecke Friedrich- und Mittelstraße bestellt hatte, in Berlin herumgebummelt seien. Kurz vor dem Zusammentreffen mit der K. habe ihm sein Bruder dann seine Uhr und Kette sowie einen AbschiedSbricf an seine Mutter ausgehändigt. Vorher hätte sich sein Bruder auch noch Photographicren lassen. Als die K. kam, habe sich sein Bruder verabschiedet und sei mit dem Madchen in die Straßenbahn ge- stiegen, um nach Tegel zu fahren, wo die Tat verübt werden sollte. Wie die Beweisaufnahme ergab. ,st Paul Schröder tatsächlich nach dieser Zusammenkunft nach Tegel gefahren und hat dort im Walde mchrrre Schüsse auf seine Braut abgegeben, die das Mädchen schwer verletzten. Er selbst jagte sich ebenfalls eine Kugel in die Ächläfe. Beide wurden wieder hergestellt, die K. verstarb jedoch bald darauf infolge einer Krankheit. � m ,,, Völlig rätselhaft war auch das Verhalten deS Angeklagten nach jenem letzten Zusammentreffen mit seinem Bruder. Der Ange- klagte kam ganz ruhig, als ob nichts geschehen sei.»n die Wohnung seiner Mutter, bei der zufällig auch die Muster seiner Braut weilte. Nach einer kleinen Weile äußerte er plötzlich:»Jetzt hat sich Paul erschossen I" Als Frau Schröder laut auf,chrie und zusammenbrach, erklärte er:..Na. es ist doch besser er ist tat, als wie er kommt in» Gefängnis; übrigens hat er die Hedwig auch mitgenommen!" Nunmehr schrie auch die Mutter der Braut auf und erkundigte sich angstvoll nach dem Schicksal ihrer Tochter. Als sie fragte, ob nichts vielleicht doch nocht etwas zu retten sei. ant- wartete der„Gemütsmensch":„Ich wette um meinen Kopf, daß beide schon tot sind!" und händigte seiner Mutter den Abschieds- irief seines Bruders ein. Wie die Beweisaufnahme ferner ergab, hat der Angeklagte 5ltrz nach der Xat die ihm von feinem Bruder übergeahenen Sachen' verieht.— Der aus dem Gefängnis vorgeführte Paul Schröder bekundete u. a.. daß i ein Bruder offenbar seine verstorbene Braut fälschlich der Untreue bezichtigt habe. Ter Angetlagtc mußte schließlich zugeben, daß er Sie a nur einmal mit dem Zeugen Pachollek auf der Straße gesehen habe. Der Borsitzendc versuchte u, zu Herzen gehenden Worten auf b«« Angeklagten einzuwirken, um aus, hm herauszubekommen, was « sich eigentlich bei der ganzen Sache gedacht habe. Der Ange- �lfte zeigte jedoch leinen« Gemütsbewegung und erklärte nur immer ivieder: daß er nicht gewußt habe, sich strafbar zu machen. Der Staatsanwalt beantrag!;- mit Rücksicht darauf, daß die Verhandlung ein fast nicht glaubliches Bild moralischer Verworfen- hcit aufgerollt habe, eine Gefängnisstrafe von VA. Jahren. Das Gericht erkmurle diesem Antrage gemäß auf VA Jahre Gefängnis, da die Verhandlung den vorhandenen Verdacht, daß der Angeklagte seinen Bruder habe beseitigen> vollen, nach verschiedenen Richtungen hin bestärkt habe. Eine Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten wäre wohl am Platze gewesen._ Ein gerichtliches Nachspiel zu einem Kellnerstrrik. In der Hochstr. 21 befindet sich ein großes Restaurant mit Garten. Dieses hat Ockonom Donath von.der Löwcnbrauerei ge- pachtet. Das Essen, das den Kellnern und dem Hilfspersonal der» abreicht wurde, war, wie eine große Anzahl Zeugen unter Eid be- kündeten, zumeist ungenießbar. Oft bestand das Essen aus übrig- gebliebenen Resten des porige« Tages, so daß es stark roch. Die Fleischreste waren gewöhnlich schon in Fäulnis■ubergegangeiv. Die Wurst, die den Kellnern und dem Hilfspersonal gegeben wurde, war Landleberwurst, sogen.„Leut.ewurst", die vollständig sauer schmeckte, so daß sie ungenießbar war. Die Kellner und das Hilfspersonal verlangten deshalb, daß ihnen anstatt des Essens ein Menagegeld gezahlt werde. Der Wirt lehnte das Uber rundweg mit der Er- klärung ab: Es werde für das Personal nicht extra gekocht, es er- halte dasselbe Essen wie er, seine Familie und seine Gäste. Daß im heißen Sommer bisweilen Fleischreste, die man doch nicht fort- schütten könne, in Fäulnis überorberi, sei zu entschuldigen, das komme in jeder Familie vor. Die iteUnxr und das Hilfspersonal, die sämtlich Mitglieder des GastWi-'tsgrvilfcnverbiindcs waren, wandten sich an diese ihre Organisation. Aus Beschluß der letzteren legten die Kellner und das Hilfspersonal eines Abends dir Arbeit nieder. Als Frau Donath die» erfuhr, hptzcrte sie:„Die Hunde müssen verhungern, es kann ihnen nicht schlecht genug gehen." Inzwischen war Oekonom Donath selbst im Letfal erschienen. Eine Anzahl Genossen, die in diesem Lokal verkehrw», machten ihrem Aerger über die Behandlung'der Kellner durch WoGe Luft. Donath kam mit diesen Leuten in argen Streit. Wähueuddem führte er eine große Dogge, ein sehr böses Tier, an> der Leim: mit sich. Kellner Paul Langer, der nicht zu den Ausständigen gehörte, war am folgenden Abend als Gast in das Donathsche.Lokal ge- kommen. Nachdem er ein Glas Bier getrunken und bezahlt chatte, verteilte er Flugblätter des Gastwirtsgehilfenverbandes an die an- wesenden Gäste. In den Flugblättern war die Ursache des Aus- standeS, die beleidigende Acußerung der Wirtin und außerdem mit- geteilt, daß Donath einen großen bissigen Hund auf seine Gäste hetze. Donath stellte deshalb gegen Langer Strafantrag. Dieser wurde, obwohl die in dem Flugblatt enthaltenen Tatsachen im wesentlichen von zahlreichen Zeugen bestätigt wurden, vom Schöffen- gericht wegen Beleidigung zu 39 Mk., wegen Hausfriedensbruchs zu 29 Mk. Geldstrafe verurteilt. Gestern hatte sich aus Anlaß der von Langer eingelegten Be- rufung die 6. Strafkammer des Landgerichts III mit der Angelegen- cheit zu beschäftigen. Die Beweisaufnahme hatte dasselbe Ergebnis wie vor dem Schöffengerichte. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Behrcnd, beantragte die Freisprechung, da die in dem Flugblatt enthaltenen Mitteilungen im wesentlichen erwiesen seien, der An- geklagte im übrigen in Wahrnehmung berechtigter Interessen ge- handelt habe. Der Staatsanwalt Dr. Goldnick beantragte Ber- werfung der Berufung. Nach längerer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rosenthal, folgendes Urteil: Der Gerichtshof hat aus der Beweisaufnahme die Heber- zeugung gewonnen, daß das Essen wohl bisweilen, aber nicht durch- weg ungenießbar war. Daß Fleischreste vom vorhergegangenen Tage verabreicht wenden, kommt in allen Restaurationen, ja selbst in Privatfamilien vor. Es hätte den Kellnern der Beschwerdeweg freigestanden. Wenn eingewendet wurde, der Wirt hatte daS Recht der stündlichen Kündigung, so stand dies Recht doch auch den Kellnern zu. Daß im Hochsommer Fleischreste in Fäulnis übergehen, ist nichts Absonderliches. Die Aeußerung der Frau Donath erklärt sich aus ihrer großen Erregung. Daß der Wirt die Dogge auf Gäste gehetzt habe, ist unwahr. Es ist von allen Zeugen bekundet worden, daß der Wirt die Dogge an der Leine geführt habe. Wie der Zeuge Donath versichert hat, hat er den Hund zu seiner eigenen Sicherheit mit sich geführt. Der Gerichtshof ist der Ansicht, es handle sich bei dem Ausstand in der Hauptsache darum, dem allgemeinen Bestreben, die Hauskost durch bare Bezahlung abzulösen, Vorschub zu leisten. Andererseits hat der Gerichtshof erwogen, daß der Angeklagte die Mitteilringen des Flugblattes für wahr halten konnte, und daß er. obwohl er niemals Kellner bei Donath war. doch selbst Kellner und Mitglied'des Gastwirtsgehilsenverbandes ist. in Wahrnehmung be- rechtigter Interessen gehandelt hat. Der Angeklagte war daher von der Anklage der Beleidigung freizusprechen. Tagegen mußte der Angeklagte'das Bewußtsein haben, daß der Wirt die Verteilung von Flugblättern in seinem Lokal, deren Inhalt sich gegen ihn richte. nicht dulden werde. Die Verurteilung zu 29 Mk. wegen Hauö- friedensbruchs mußte deshalb aufrechterhalten werden. /üus der frauenbewegung* Jahrbuch der Frauenbewegung 1913. Herausgegeben von Dr. Elisabeth Altmann-Gotthenier.(Teubner, Leipzig. 271 Seite». 3 M) Das Jahrbuch des Bundes deutscher Frauenvereine erscheint nunmehr im zweiten Jahrgang. Seinen Wert hat es in erster Linie als Sammlung der Adressen aller wichtigen Verbände und Bereine innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegung. An historischem Material bringt das Jahrbuch diesmal Aufsätze über die Organisation deS Bundes deutscher Frauenvereine, eine Chronik der Frauenbewegung im Jahre 1911/12. die Siltlichleitsbetvegung, die FrauenstimmrechtS- bewegung, die Organisation der weiblichen Jugend, die Kranken- pflege und ihre> Reform, die Frauenliteratur des vergangenen Jahres usw. Unseren in der proletarischen Frauenbewegung tätigen Genossen und Genossinnen übermittelt daS Buch für die Agitation nötige Kenntnisse der Organisation. Geschichte und Strebungen inner- halb der bürgerlichen Frauenbewegung. Leseabende. Tempelhof. Heute Mittwoch S'/« Uhr Bei Becker, Berliner Straße 11/42. Genossin Mathilde Wurm spricht über»Die Frauen der heutigen Gesellschaft". Hus aller Cftelt» Tie Pariser Apachen. Ein mit großer Frechheit ausgeführter Raubanfall hat sich vor den Toren von Paris ereignet. Ein elektrischer Straßen- bahnwagen wurde Montagnachmittag gegen 6 Uhr, also am hellen Tage, in Noisli-le-iec von sechs Banditen über- fallen, die den erschreckten Schaffner mit vorgehaltenem Revolver zwangen, ihnen seine Tageseinnahme von etwa Ä) Fr. anSzubändigell und sich dann an die Ausraubung der Passagiere machten. Während sie noch damit beschäftigt waren, die Fabrgäste auszuplündern, bemerkten einige in der Nähe weilende Polizisten den Vorfall und eilten herbei, um die von den Banditeu Bedrängten zu be- freien. Es entstand ein lebhafter Nevolverkampf zwischen den Polizisten und den Banditen. Schließlich gelang eS den Polizisten, drei Banditen kampfunfähig zu machen und zu der- haften, währeild die itbrigen entflohin. Als der Wagen von Noisy-le-sec wieder nach Paris zilrücksahren sollte, wurde er vorsichtshalber Vau drei Polizeibeamten in Zivil begleitet. Diese Vorficht erwies sich auch als sehr angebracht. denn nach kurzer Zeit sprangen die entflohenen drei Banditen Wiederaus denWagen und versuchten, die Ausplünderung der Fahrgäste fortzusetzen. Die Polizeibeamten in Zivil zogen aber sofort ihre Revolver, und nach einer längeren Schießerei gelang eS, auch noch die letzten drei Banditen festzunehmen. ES handslt sich durchweg um Burschen von 18—29 Jahren, die offenbar durch die Lektüre von Nick Carter und sonstigeti Schauerromanen zu ihrem Raubzug veranlaßt worden sind Mobilisierungsfreuden. Unser Reichenberger Parteiblatt, der.Vorwärts', ver- öffentlicht zwei Briefe von Reservisten aus dem Js«.- gebirge, die eingezogen und nach Bosnien transportiert ivurden. Der eine schildert die sechstägige Bahn- und SchiffSreise, auf der eS nur zweimal zu essen gab. In der Bahn konnte das Volk in Waffen nicht schlafen, weil es stehen mußte, auf dem Schiff nicht,»veil es da ein Volk— in Wanze«war. Und übereinstimmend schildern beide, wie sie in den bosnischen Baracken aufeinandergepfercht sind und wie es da nichts gibt als Patriotismus, allerhöchsten Dienst und vor allem— Läuse! London ohne Strastenbahn. Infolge eines Defektes in der elektrischen Zentrale für die Stromlieferung der Straßenbahnen stockte Montagabend der ge- samte Londoner Straßenbahnbetrieb. 1299 Straßen- bahnwagen standen zu gleicher Zeit in allen Stadtteilen Londons still und zwar gerade zu einer Zeit, als der Verkehr besonders leb- hast war. Es kam daher zu zahlreichen Zwischenfällen. Speziell ivurden durch die Anhäufung von elektrischen Straßenbahnwagen die Arbeiter einer Fabrik gehindert, aus der Fabrik herauszukommen. Zwischen den Arbeitern und den Angestellten der Straßenbahn kam es infolgedessen zu einer Schlägerei, die durch das Eingreifen der Polizei geschlichtet werden mußte. Kleine Notizen. Durch Grubengase getötet. In einem Bergwerke bei Kieles wurden zwei Arbeiter durch plötzlich vorbrechendö Grubengase betäubt. Ehe Hilfe gebracht werden konnte, waren die beiden bereits erstickt. Schwerer Betriebsunfall. Auf der Eisenbahnstrecke Sanger- hausen-Güsten fuhr in der Nacht zum Dienstag ein Güterzug einem anderen in die Flanke. Mehrere Wagen kamen durch den Anprall zur Entgleisung. Dabei wurde der Schaffner Haase getötet und ein Zugführer verletzt. Bonden Suffragetten. Drei Anhängerinnendes Frauenstimmrechts wurden in Dublin verhaftet unter der Beschuldigung, Dienstag früh sechzehn Fensterscheiben des Schlosses von Dublni, der offiziellen Residenz des Vizekönigs von Irland, eingeworfen zu haben. Die drei Angellagten ivurden zu einem Monat Zwangsarbeit verurteilt. Schwere Gasvergiftungen. In einer Gießerei in Mülheim an der Ruhr war ein Arbeiter, um Reparaturen auszuführen, in eine Ventilgrube gestiegene Hierbei wurde er durch ausströmende Gase betäubt. Ein Mitarbeiter, ein �eizer und ein Ingenieur, die zu seiner Rettung herbeieilten, wurden durch die Gase gleichfalls be- täubt und stürzten in die Grube. Von den Verunglückten, die in ein Krankenhaus gebracht»verden mußten, ist bereits einer an Gasvcr- giftung gestorben. tottr IIIAilrtM. UtruMnngssttlle Kerlin. C. 54, Finienstr. 83—85. Berwaltnng: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1387. Amt Norden 1öS. Amt Norden 1239, 3714. Tonnerstag, den 30. Januar tS13, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshausc, Saal 4, Engelufer 15: Klempner- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über dle Verhandlung mit den Arbeltgebern betreffs des Tarifvertrags.— 2. Diskussion. Die Versammlung wird pünktlich um« Uhr eröffnet» da um Uhr der Saal anderweitig vergeben ist. Donnerstag, den 30. Januar 1918, abends 8 Uhrt Branchen-Versammlung der Drahtarbeiter Berlins und Umgegend im Lokal von Merkowski, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Dtellungnahiiie zu unserem Tarif. Referent: Kollege Mans. — 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheine» aller Kollegen._ Donnerstag, den 30. Januar 1013, abends 8 Uhr: Versammlung der Mechaniker, Uhrmacher, Optiker, somit aller in den mechanischen Kttritben beschäst. Kolleginnen«. Kollegen in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Adolf Cohen.— 2. Diskussion.— 8. Verbands- und Branchenangelegenbeiten. =-==� Mitgliedsbuch legitimiert.----------------- Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Tonnerstag, den 30. Januar 1013, abendS 8 Uhr: == Versammlung sämtlicher in den Eisengießereien beschäftigten Former it. Berufsgenossen in den Borussia-Sälen, Ackerstr. 6/7. Tagesordnung: Fortsetzung der Versammlung vom 1k. Januar.— Branchen- angclegenhcilen.— Verschiedene«. .....- Mitgliedsbuch legitimiert.■■.= Zahlreiches Erschein«> wird erwartet. Die 11. ordentliche Generalversammlung des Gesamt- Verbandes findet laut Bekanntmachung des Vorstandes in Nr. 4 der„Metallarbeiterzeitung" in Breslau am 16. Juni d. I. und den daraiiffolgendeu Tagen statt. Diejenigen Mitglieder der Verwaltungsstelle Berlin, die zu dieser Generalversammlung Anträge stellen wolle» uild wünschen, daß dieselben in den Bezirksversammlungeu und der Generalversammlung der BerwaltuugssteUe Berlin zur Diskussion gestellt werden, müsse« bis spätestens 10. Februar ihre Anträge bei der hiesigen Ortsverwaltnng einreichen. Iii, IS vlv Ortoverwal tauf. Franz Abraham £amb. Meflsini-u.Römeptrank-Kell, K 4, Barlelatr. 8», Femgp. KgBt.13708 1 Bestes alkoholfreie! GetrBnk. Berlin 0,Rudolfstr.4. Erscheint 2 ma wöchentlich. Bezugsquellen-Verzeichnis« Si-Si f Wrbelte�Bekleidung Bambiuxar Laden, Charl.1W«Hil.69 C Äntö-Fafeyschuleii-� *0 o t,-v, n Gr. Krankfurterstr. 44 OGiUVC Eintr.tägl,, Toilz.gest. y Bäckeptilen, Konditor� Biottner's Großbäckerei Geschäfte In Berlin, ChaplottenbupB, ScHSnebepg, Wllmepsdopf.| Friedr. Barz, Landso. Allee 14« K. Biedermann, Gryphiusstr. 18. Paul Deily, Markusstraße 15. | örot-P abrik„ Vorwärts' �HermannJJllrich��ög�� Franz Faulwetter, Mantenlfelitr.C?. E. Freyer, Blnmenstr. 72, E.Markiuilr Georg Genz, Memelerstr. 20 M. Gruschka, Königsbergerst. 35 m iiankß's Efotbääeißi 7» OescHMfte In allen Stadtteilen Berlini und in Rixdorf. Gegründet 189«. Hoppe'sNnchf.Kramarek�Adalbirtst.Se Ernst Küster, Frankf. Allee 197. Ladenthin, D.w. Franz Ludwig, Kochhannstr. 35 Emil Lieske, Grüner Weg 122. August Mante, Ebertystr. 57. Keraiann Markau, Rigaerstr. 107 Mattke, Gipsstr. 9. E. Mertins, Heichenbergerst. 168. E. Martin, Gleimstr. 55. Fritz Mülle, Gräfestr. 4. Alfred Müller, Brunnenstr. 87. Roman Nowak, Wienerstr. 8. Friedrich Oste, Madaistr. 10. Herrn. Proell, Nonnendamm. Friedrich Probst, Andreasstr. 51 Bäckerei„Nordstern" Inb.: Gast. Müller Filialen i. verschied. Stadtteilen Reinh. Assmus, Gerichtstr. 10. Gustav Bersug, Weidenweg 80. A. Diepow, Tauroggenerstr. 12. Haeberlein, Trepl., Graeti-Bonchestr Prinz Handjeriestr.2 Nkl.G. Wolf f. Klahn,H.,NklIn.KaiBer-Friedrichst.236 '~ Neukölln I., Hermannst. 119. KroningiAdler-Örogeric.Ramleratr.?. P. Lehrke.KoltbuscrÖammS 1-8 2JFarf ub Alfr. Marsch, Culmstr. 37. Rathaus-Drogerie, Nklln- Donan�tr. 24. Neukölln Prenzel. Prinzenstp. 103 Hoffmawn Fr. Schlussnuss, Liebauerstr. 22. Hugo Schultz, Müllerstr. 166a.. Hyg. Gummiw., Photogr.-Artikel. SäÖßlSllßrprSlr. 7 Thormeyer. Werder-Drogerie, Brilr.Budowerst. 5a Zobel, Georg, N, Ackerstr 50 � Beerdlg�Angt., Sarqm,) BredlowKbersvalderst.l6Wi)rtberst.25 Otto Büttner, Neak()lln,RiDgbahnst 3 2. BFicrhn? Nklla., HohenzolIernpl.il . rialiicl Buckow a. Bild. Krankeuiatts. Blny Cnphf Oppelnerstr. 1 mflA I UlilS Frankfurter-Allee 170 Hanisdi,Wei£ea.seePreDElancrProin.l9l Iiiekel, Fr., Gr. Hamburgerst. 37 Gust. Nobert, Potsdamerstr. 115a H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Peter-Scb ley, Wilh., Zomncratr. 1 1. Wllfhan Neukölln . ülliu!!, Nanseust. lTeLNenk.289 � Berufskleidung) Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. RoterLaden,Scböneb..Qanptstr. 108 � Bierbraueralan, Blerh. � Ranfft ReictisntiergerstF, 176 flulllll Admiralstr. 38 u.l9a IAkt.-Brauer.Potsdam.Eig.Niederl. Berlin SW, Tempelhofer Ufer. 15 Brandenbarg a.E.Wilhelmsdorferstl 10 Spez. Potsd. Stangenbier BeiiiiliiSeliSi; Arthur Roemer, Kottb. Damm 101 Walter Rohr, Anklamerstr. 26. Max Sander, Dunkerstr. 23. Otto Schmidt, Adalbert str. 27. Heinr. Schubert Boxh.Chauss. 5/6 Slkorski.Weißeniee.Heineradorferitr.l! R. Schade, P aliss-St.O Fil. O u.NO Paul Sorge, Proskauerstr. 21 Rieh, schenk mÄ38. P. Scfainauer, Anklamerstr. 15. A. Schreier, Urbanstr. 61. H. Spillmann, Gruner Weg 115. 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Ucbervölkerte Quartiere ohne Luft und Licht dilden eine der Hauptquellen für die Verbreitung von Schwindsucht und anderen Krankheiten. Nicht nur in lAroßstädtcn. Die Untersuchungen des Vereins für Sozial- Politik und die Enquete der evangelischen Pastoren haben denen, die bis dahin nicht daran glauben wollten, gezeigt, daß das Wohnungselcnd auf dem platten Lande zum mindesten an das in Großstädten heranreicht, und daß die sittlichen, mit dem Behau- sungsclcnd verbundenen Gefahren dort noch stärker sind als in Städten. Zahlreiche ärztliche Arbeiten, von Kassen erhobene Woh- nungsenqueten und Berichte der Gewcrbeinspcttoren lassen keinen Zweifel über die Gcmcingcfährlichkcit der heutigen Bchausungs- art. Und für die gesundheitlichen und sittlichen Forderungen Hohn- sprechenden Räumlichkeiten müssen geradezu Wucherpreise bezahlt werden. Anerkannte selbst das sächsische Ministerium unter dem 31. März 1993, daß für Arbeiterwohnungcn höchstens ein Sechstel des Arbcitcreinkommcns verwendet werden dürste, so. haben wir heute damit zu rechnen, daß auch für völlig unzulängliche Wohnun- gen häufig ein Viertel bis ein Drittel des Einkommens vom Ar- beitcr bezahlt werden muß. Seit Jahrzehnten hat die Sozialdemokratie auf die Notwendig- keit gesetzgeberischen Eingreifens hingewiesen. Wiederholt ist im Reichstag von der sozialdemokratischen Fraktion beantragt, Nor- m a t iv b e st i m m u n g c n bezüglich der Beschaffenheit dej Wohnungen rcichsgcsetzlich aufzustellen; zur Durchführung eine Woh- »ungs lnspektion zu schaffen und ein Rcichswohnungs- amt einzurichten. Tie Debatten im Parlament hatten noch im Jahre 1999 nur das Ergebnis, daß die Rcichsregicrung auf landcs- gesetzliche Maßnahmen hinwies. lind was ist seitens Preußen geschehen? Eine gesetzliche Regelung ist in der Thronrede vom 8. Januar 1991 für erforderlich erklärt. Im preußischen Abgeordnetenhaus ist die„Regelung der Wohnungsfrage für eine derwichtigsten Aufgaben unserer inneren Politik" vom Ministertisch aus anerkannt. Aber abgesehen von der Bereitstellung von unzulänglichen Mitteln zum Bau von Woh- nungen für Arbeiter und Beamte ist nichts geschehen; und auch diese Mittel wurden weniger in der Absicht gefordert, für gute Wohnungen zu sorgen, als in der, Arbeiter und Untcrbeamte noch mehr in Abhängigkeit erhalten und die politische Betätigung bei Wahlen leichter kontrollieren zu können. Endlich 1994 erschien ei n sogenannter Gesetzentwurf zur Verbesserung der Woh n u n g s v e r h ä lt n i s s e. Er war weit entfernt, dem Hebel die Wurzel abzugraben. Ter preußische Parteitag der Sozialdemokratie hat sich noch in demselben Jahre ausführlich mit diesem durchaus unzulänglichen Vorschlag befaßt. Gleichzeitig lief das Spekulantentuin und die HauSagraricr gegen das Gesetz, als zu weitgehend, Sturm. Die Bodenrcntner siegten. Die preußische Regierung ließ den Gesetzentwurf in der Versenkung verschwinden. Inzwischen hatten auch weitab von der Sozialdemokratie stehende Richtungen die Dringlichkeit eines RcichswohnungsgesetzeL erkannt. In der letzten Session des Reichstags hatten die auf dem Gebiete des Wohnungswesens herrschenden Mängel, die aus ihnen folgenden, die Gesundheit der Arbeiterklasse und des Mittelstandes schwer bedrückenden Schäden unsere Fraktion abermals veranlaßt, die Einbringung eines Gesetzentwurfes zur Regelung des Wohnungswesens zu verlangen, der insbesondere N o r m a t i v b c st i m m u n g c n über die Beschaffenheit der Woh- nungen und die Durchführung der W o h n u n g s i n s p e k t i o n sowie die Schaffung eines Reichs-Wohnungsamts ent- halten soll. Der Initiativantrag wurde als Resolution zum Etat des ReichSamts des Innern wiederholt. Ter Reichstag überwies diese Resolution sowie Resolutionen, die vom Zentrum, den Nationallibcralen, der polnischen Fraktion und der Wirtschaftlichen Vereinigung über denselben Gegen- stand eingebracht waren, einer K o m m i s s i o n. Trotz des auf diesem wichtigen sozialpolitischen Gebiete völlig ablehnenden Vcr- Haltens der Regierung, die abermals die Landesgcsetzgcbung für zuständig für die Regelung auf dem Gebiete des Wohnungswesens ansprach, schlug die Kommission einstimmig dem Reichstag nachstehende drei Resolutionen zur Annahme vor, die auch v o m Plenum am 22. Mai 1912 einstimmig beschlossen wurden: I. Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag in der nächsten Tagung Gesetzentwürfe, betreffend Regelung deS Wohnungswesens vorzulegen, die folgende Grundzüge ent- halten:.„ 1. Mindc st Vorschriften über Beschaffenheit und Be- Nutzung der Wohnungen(Lage, Luftraum, Zufuhr von Licht und Luft in die Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumc, Zahl und Anlage der Avorte, Schlafstcllcnwcsen usw.) unter'Anpassung an die besonderen Verhältnisse in Stadt und Land. 2>. Vorschriften über eine amt- liche WohnungSaufsicht durch Orts- bczw. Bezirks- und Landeswohnungsämter mit einem R e i ch S w o h n u n g s a m t als Zentralstelle für das gesamte Wohnungswesen. 3. E r r i ch t u n g von Pfandbriefan st alten im Anschluß an die Landes- Versicherungsanstalten zu dem Zweck, um unter Reichsgarantie nach festen Normativbestimmungen möglichst hohe Pfandbriefsdarlchen auf Hausgrundstücke mit Kleinwohnungen sowohl an Baugenossen- schasten als auch an Privatpersonen zu gewähren. 4. Regelung ®ohnuitgsiiachwcisweseits. 5- a"äbrarrU i>cä Erbbaurechts zum ausgiebigeren Gebrauch desselben im Interesse des Kleinwohnungsbaues. ®"biini>e'en Regierungen zu ersuchen, die Ergeb- Visse der WohnungSaufsicht. des Standes des Woh- vungs- und Bodenmarktes, der Wohnungsmicten und der Bautätig- Zeit ,ahrl,ch zu veröffentlichen �.1- Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, in geeigneter Weise daraus hinzuwirken, daß im Wege der Landesgesctz- gebung der Bau von Kleinwohnungen gefördert werde: 1. durch Festsetzung von N o r m a t i v b e sti m m un g e n über Bodcnauftellung. Bebauungspläne und Bauordnungen behufs Verbilligung und Erleichterung des Kleinwohnuugsbaues ,owie zwecks weiträumiger Bebauung und Dezentrali,ation der Beseelung, unter Anpassung an die beson- deren Verhaltnisse m Stadt und Land; 2. durch Gewährung von Steuer- und Ab g a b c u c r l e i ch t e r u n g e n an die Bc- sttzer von Häusern mit Kleinwohnungen sowohl seitens des Staates wie der Kommunen; 3. durch Gewährung des EnteianunaS- rechts an die Kommunen zur Beseitiguna von ickweren Mißständen im Bebauungs- und Wohnungswesen. Die rcichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens schien also im Marsche zu sein. Das von den Regierungen, voran der prcußi- scheu, sorgsam behütete Eoudcrintercsse der Monopolisten an Grund und Boden bat aber dafür gesorgt, daß abermals ein Stillstand eintrat. In der Budgetkommission wurde dem Staatssekretär Delbrück wegen der Untätigkeit auf diesem Gebiet von allen Par- tcicn arg zugesetzt. Er gab eine Erivideruug, die dahni aufgefaßt wurde: wenn Preußen nicht bald einschreite, werde die Reichsgesetz- gebuug vorgehen. Um dieselbe Zeit flüchtete der Oberbürgermeister von.Berlin, der frühere Staatssetretär Wermuth, mit der Klage darüber in die Ocffentlichkeit, daß die preußische Regierung das dringende Ersuchen des Magistrats, der die Schaffung eines koni- munalcn Wohnungsamts vorschlug und die Regierung um lieber- tragung der Wohnungspolizei auf die Stadt ersucht hatte, völlig unbeantwortet ließ. Das war am Donnerstag letzter Woche. Am Sonnabendabend veröffentlichte, wie wir bereits mitteilten, der „Reichsanzeiger" den„Entwurf eines Wohnun gs- g'esetzes", der dem nächsten Landtag vorgelegt werden soll. Was bringt der Entwurf? Er bleibt noch weit hinter den Forderungen des Entwurfs von 1994 zurück und ist absolut ungeeignet, etwas Wesentliches zur Milderung des Wohnungselends beizutragen. Er klingt wie eine Verhöhnung des Wohnungslcids. Die Vorschriften des Entwurfs beziehen sich auf Vau- gelände, baupolizeiliche Vorschriften, Woh- nungsordnungcn und Wohnungsaujsicht. Keine einzige positive Borschrift über Beschaffenheit der Wohnung ist in ihm enthalten. Abgesehen von dem Verlangen, daß für Gemeinden mit mehr als 19 999 Einwohnern eine Wohnnngsordnung von der Polizei zu erlassen ist und daß für Gemeinden mit mehr als 199 999 Einwohnern ein Wohnungsamt zur Durchführung der Wohnungsaufsicht errichtet werden muß, enthält er im wesentlichen lediglich dem Belieben der Polizeibehörde anhcim- gestellte allgemeine Ermächtigungen. Artikel I befaßt sich mit Vorschriften über das Baugelände. Während bisher nach dem Wortlaut des Fluchtliniengesetzes die Ortspolizcibehörde die Festsetzung von Fluchtlinien nur aus Rück- sichten des Verkehrs, der Feuersicherhcit und der öffentlichen Gc- sundhcit verlangen konnte, soll sie künstig die Festsetzung von Flucht- linicn verlangen können,„wenn die von ihr wahrzunehmenden poli- zcilichen Rücksichten oder die Rücksicht auf das WohnungSbrdürfui die Festsetzung erfordern". Es sollt ferner darauf Bedacht gc- nomnien iverden,„daß in ausgiebiger Zahl und Größe Plätze(auch Gartcnanlagen, Spiel- und Erholungsplätze) vorgesehen, daß für Wohnzwecke Baublöcke von angemessener Tiefe und Straßen von geringerer Breite entsprechend dem verschiedenartigen Wohnungs- bedürfniffe geschaffen werden, und daß durch die Festsetzung Bau; gelände entsprechend dem Wohnungsbedürfnisse der Bebauung er schlössen wird". Die im Entwurf von 1994 vorgesehene Vorschrift ist nicht aufgenommen, nach der Ermäßigungen für Anliegerbeiträgc stattnudcn können, wenn es sich um Bauten mit gesunden Wohnungen für minderbemittelte Familien handelt. Die Ausdehnung der Lex Adickes, die für Frankfurt a. M. die zwangsweise Umlegimg(Ver- koppclung, Konsolidation) von Grundstücken zuläßt, soll sü? hie gesamte Monarchie Geltung erhallen. Artikel II schreibt vor, daß baupolizeiliche Vorschriften ins- besondere regeln können: 1. die Abstufung der baulichen Aus- nutzungswerte der Grundstücke; 2. die Ausscheidung besonderer Ortsteile, Straßen und Plätze, für welche die Errichtung von An- lagen nicht zugelassen ist, die beim Betrieb durch Verbreitung übler Dünste, durch starken Rauch oder ungewöhnliches Geräusch Ge- fahren, Nachteile oder Belästigungen der Nachbarschaft oder des Publikums überhaupt herbeizuführen geeignet sind; 3. der Verputz und der Anstrich oder die Ausführung der vornehmlich Wohnzwecken dienenden Gebäude uud anderer an Straßen und Plätzen liegenden Bauten." Es sollen ferner für die Herstellung und Unterhaltung der Ortsstraßcn abgestufte Vorschriften(Verkehrsstraßcn, Wohn- straßcn) gegeben iverden können. Es soll also, was heute in der Regel der Polizei schon zusteht, auch künftig in ihr Ermessen gelegt werden. Artikel III behandelt die„Benutzung der Gebäude". Es müssen danach für Gemeinden und Gutsbczirke uiit mehr als 19 999 Einwohnern W o h n u n g s o r d n u n g e n— allgemeine Vorschriften über die Benutzung der Gebäude zum Wohnen und Schlafen— erlassen werde», für kleinere Gemeinden können solche Wohnungsordnungcn erlassen werden. Nirgend— selbst im Gegensatz zu den winzigen Vorschriften des Gesetzes von 1994 — bestimmte gesetzliche Vorschriften über Luftraum, Zufuhr von Licht und Luft, Zahl und Anlage der Aborte usw.— überall nur Festlegung des schon heute bestehenden polizeilichen Bc- liebcns. Artikel I V wiederholt die Bestimmungen des Gesetzcutwurfs von 1994 über die Durchführung der Wohnungsaufsicht. Diese soll, aber unbeschadet der Befugnisse der Ortspolizeibehörde, dem Gemeindcvorstand obliegen. Für Gemeinden mit mehr als 199 999 Einwohnern muß ein Wohnungsamt errichtet werden, das mit der erforderlichen Anzahl beamteter Wohnungsaufsehcr besetzt sein muß und dem auch ehrenamtlich tätige Personen als Mit- gliedcr angehören können. Für �kleinere Gemeinden kann die Errichtung eines solchen Wohnungsamts vorgeschrieben iverden, auch sollen mehrere Gemeinden gemeinsam ein Wohnungsamt bil den kömren. Finden sich Mängel bei der Ausübung der Wohnungs- aufsicht vor, so soll zunächst Abhilfe durch Rat, Belehrung oder Mahnung versucht, eventuell die Polizeibehörde um Einschreiten er- sucht werden. Nichts zur Bekämpfung der Mietskasernen, nichts über ein Mindestmaß von Luft und Licht, kein Entcignungsrecht zugunsten der Gemeinde, keine Wahrung der Selbswerlvaltung der Gemein- den, keine Aufhebung der kommunalen Vorrechte der Haus- und Grundbesitzer? In der Tat ein Entwurf, der weniger als nichts zur Beseitigung des Wohnungselends bringt. Von Preußen ist auf diesem so wichtigen Gebiete keinerlei Fortschritt zu crivarten. Die Gesetzgebung des Reichs wird im Interesse der Gesundheit seiner Einwohner nunmehr entschieden vorgehen müssen. Am 22. Mai 1912 war der Reichstag über die Notwendigkeit eines schleunigen Eingreifeik seitens des Reichs einig. Wird die Verhöhnung. die der sogenannte Wohnungsgesetzentwurf aus Preußen seinen Be- strebungen«»gedeihen läßt, die Einigkeit ausheben? ?iigeiiÄbewegiiiig. Eine Kaiserhuldigung. Der Bund I u n g d e u t s ck, l a n d gibt in Semeinschaft mit der Deutschen Tumerichaft seit dem 1. Januar die Wochenschrift: „Jungdeutichland-Post" heraus. Die neueste Nummer(4) widmet Wilhelm II. aus Anlaß seines Geburtstags eine volle Seite. Sie wird ausgefüllt von einem großen Brustbildnis Wilhelms IL. dem eine Huldigung angehängt ist. in der es heißt: „Der Eintritt in das 55. Jahr ist für unseren Kaiser von be- sonderer Bedeutung, wird er doch darin sein 25jähriges Herrscher- fiibiläum feiern. Ein Bierteljahrhmidert un unterbrach euer Arbeit und Sorge für das Wohle r gehen des deutschen Volkes! Jungdeulschland bringt seinem Kaiser zu seinem Geburtslage dankerfüllte, freudige Herzen dar, die in Treue für ihn uud das Vaterland schlagen, und bindet in den Strauß seiner Glückwünsche neben die Blumen der Liebe und Ehrfurcht noch die der Hoffnung, auf daß er noch lange in Glück und Wohlergehen zum Segen des Reiches regieren möge, sc, es im Frieden, sei es, wenn er es für gut hält, i m Kriege. Juiigdeutschlaud steht allezeit zu ihm!".... Im. Interesse der Klärung ist es gewiß erfreulich, dag die Deutsche Turuerschaft sich offen zu den dynastischen und kriegeriichen Bestrebungen ihres neuen Bundesgenossen bekennt. Hoffentlich wird dies freimütige Bekenntnis, das eine Kämpfansage gegen die Friedens- und Demokratisierungsbestrebungen der Arbeiterklasse darstellt, auch von den Arbeitermitgliedern der Deutschen Turuerschaft beachtet und gebührend gewürdigt. )Zi8S Induftrie und Kandel. Rußlands Petrolemuerzeuguug. Nach einem Bericht des„St. Petersburger Herold" ist die Naphihaproduktion Rußlands im Jahre 1912 gegen daS Vorjahr nicht gestiegen. Gegen daS frühere Jahrzehnt besteht also noch immer ein großer ProduktionSausfall. Es wurden erzeugt: 1991: 799 Millionen Pud, 1012: 599 Millionen Pud. Nach den Produltioustätten verteilt sich die Ausbeute: 1912 1991 Bakuer Gebiet....... 460 971 Grosnyi.......... 95 35 Tscheleken......... 12— Maikop.......... 9— Ferghanagebiet....... 4— Embagebict.......■ 1~ Im ganzen in Rußland 599 799 Der Rückgang trifft also allein das Bakuer Gebiet, und zwar die vier alten Bakufelder. Die Abnahm- der Ausbeute auf diesen Bakufeldcrn ist auf die allmähliche Versiegung der Quellen zurück- zufuhren. Die starke Verminderung der Ausbeute, trotzdem man intensivere Bohrungen vornahm, zeigt deutlich, daß man mit der Taisache einer vollständigen Versiegung dieser Naphthagebiete rechnen muß, da die Ausbeute sich ständig verringert. Die anderen Navhtha- gebiete, deren Erschließung erst in den letzten vier Jahren in An- griff genommen worden ist. zeigen auch noch nicht die Erträguisse, die man anfänglich von ihnen erhofft hatte. DaS Grosnyigcbut lieferte im Vorjahr eine größere Naphthaausbeute. Durch neue Bohrungen glaubt mau die Produltion wieder zu heben. Immerhin ist wenigstens in den»ächsien Jahren mit keinem wachsenden Export zu stetigen Preisen aus den russischen Petroleumgebieten zu rechnen.____ Die Pakctpoft in Nordamerika. Die Post der Vereinigten Staaten von Nordamerika Hat am 1. Januar 1913 eine?keucrung eingeführt; sie übernimmt die Be- fvrderung von Paketen. Der Pakeidienst lag bisher in den Händen der„Expretzgesellschaflen", mächnger Gruppen von Kapiialisten, die ein glänzendes G-schäsi machten. Sie verteilten bis zu 59 Prozent Dividenden und außerdem noch sogenannte„Melonen", wie es bei amerikanischen Finanzmäunern hcißl. aus aufgespeicherten Ueber- schüsscn. Diese Expreßgesellschaftcu sind zugleich große Geldinstitiltc, sie befördern auch Geldsendungen, stellen Kreditbriefe aus usw. Die Vereinigten Staaten haben diese Erpreßgesellschaflen nicht aus- gekauft, haben ihnen keine Entschädigungen gezahlt, sondern sind einfach als Konkurrent aufgetreten. Einen Verkauf lehnten die Ge- sellschaften rundweg ab. Als sie auch die Herabsetzung der hoben Gebühren verweigerten, forderte das Publikum die öffentliche Paket- post. Durch diese letzten Kämpfe hat die Palelpost zugleich eine Riescineklame erhalten, und daS Geschäft der Paletpost hat sofort im ersten Monat einen gewaltigen Umfang angenommen. Niemand zweifelt daran, daß die mächtigen Expreßgesellschaflcn dieser Kon- kurrenz nicht gewachsen sind; denn sogar ein großes Defizit in den ersten Jahrei: will für die Post nichts bedeuten. So werden die Privatgeiellichaftcu das Feld räumen müssen, ohne Auslauf, ohne Entschädigung. Die Post hat sofort billige Raten eingeführt; sie bezahlt und behandelt ihre Angestellte» weit besser als die Expreß- gesellschasten._• ßrleffiarten der Rcdafttion. Die lurlftildjc EprciWunde findet L t» d e» st r a v e 69, vor« vier Treppen — J a Ii r st ii I» t—, wochcutäguoi von 4M> bis V/t Ml)t abends, Connabeiidö, von t N.. vio 6 Uhr abends fta». Jeder für den Brieslaften desiinimien Anfrage ist ein Äuchstabe uud eine Zuiu als Merlzelche» beizusiige». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Aufragen, denen keine AdonnemeutLiiutitung beigefügt ist, verde-, nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. M. H. 12. 1. Vor gleichen Kassen ist so viel geivanil, daß Anfragen wirtlich nicht mehr am Platze sind. 2. Haiisarzwcrei». Geschöftsstellc: August Kuhnert, Neulölln. Stuttgarter Str. 54.— W. Gehre. Hamburg ö. BeimStroh- Hause 32.„Vostssursorge" A.-G.— Redner. Die Art Akademien find sehr „vorsichtig" zu beachicu. Wer logisch denleu ran», behält sein Geld.— St. B. 21. 1. Nordöstliche Bangewcrlsbcrussgenosscnschast, Berlin, Schäser- straßc 14. 2. Nein. 3. Das Gewerbe nmtz bei der Äcineind-hchörde an- gemeldet werden. 4. Beschwerde beim Iustizininislcr, eventuell Antrag ans gerichtliche Entscheidung an de» Strafsenat des Kammergcrlchls. Entscheidet dieser jedoch zu Ihren Ungunsten, so entstehen 59 M. Kosten. — BSulf-Teterow. Stein.— Streitfrage 19?. Die Abhebungen können auch im Kriegsfälle erfolgen.— 2?i. G. 32. 1. Derartige Aus- künste erteilen wir grundsätzlich nicht. 2. Ja. 3. Der Bater.— H. 33. Die Angaben reichen nicht aus, kommen Sic in die«prechstunde— H. 39. 1. 9>a. 2. Nein, in der Regel sind die Firmeuinhaber damit einverstanden. 3. Ja, soweit die Lohnforderung 28,85 M. Pro Woche übersteigt.— (£. K. 79. Die Auffassung Ihrer Ehcjrau ist zutreffend, sojcrn der Junge im Mai 1999 emgeschuil ist.— 2t. Z, U. i. Ein Tag bis 6 Monate. 2. und 3. Nein. 4. Beim Zusammenleben in 6 Monaten, andcrensalls das heißt beim Gctrennlicben in zehn Jahren, vom Tage der Kennlnis ab gc- rechnet.— St. M. 100. Ja.—-}3l. H. Friedrichs kelde.«ie können Nachlieserimg brauchbarer Kartoffeln oder Ersatz des Wertes fordern. Für den Fall der Weigerung inüßlen Sie Klage beim Amtsgericht Lichtenberg erheben.— B. 1913. Die Zustimmung des Vormundes ist nötig. Die Abmachung gilt ober nur für die verstrichene Zeit. 2. Ja. 3. L» der Regel nicht. — Graelistr. 5. 1. Aus Ansrage ja. 2. Nein.— Lcgeter 27. Ja. eventuell durch Klage. Falls die Erben EigeMumsubcrgang au die Frau behaupten, sind sie dafür beweispflichtig.— G. D. 77. 1. Ja. 2. Jeder- zeit bis zur Fällung des Urteils. Die Rücknahme geschieht jedoch im Interesse der Kostenersparnis vor Stattfinden des Termins.—®. 397. Nach erlangter Großjährigkcil jederzeit.— R.$. 53. Zurzeit liegt unseres Er- achtens ein Scheidmigsgrund nicht vor.— Berwalter 75. Sie sind nur verpstichtet, die Meldungen nach Vollziehung weiterzugeben.— Gharl. 4. ES mutz 290 Wochen gewartet werden. Außerdem müssen auch 299 Bei- tragSwochen geieistel fein, bevor die Rechte anslebel!.— P. 3. 1885. 1. Die Mutter wurde in dem Falle daS Kind behalten. 2., 3. und 4. Sic bleiben bis zur Grotzsährigleit des Kindes, soscrn es nicht vorher seinen Unterhalt selbst erwirbt, miterhaltmigspflichlig, je nach Ihren Ein- kommens- und L e rmö g ensoerh ältnissen.— Vi. R. 1888. Nein. — Hayna». Die Beschwerde halten wir sür aussschtsloS.— Misch- ehe 15. Die Kirchensleuer konnte eingefordert iverden.— E. Z. 88. Sie sind zahlungspflichtig.— M. 100. Nein, die Eltern können anderweit bestimmen.— Bü. F. 76. U. E. ja; die Klage mühte beim Land« gericht Berlin I anhängig gemacht werden. Es ist aber ratsam, zunächst eine Eingabe oder Ausstellung Ihrer Ansprüche an den Staatssekretär des Ncichalolonialamts, für den Fall der Ablehnung an den Reichskanzler zu richten.— H. R. 39. 1- Nur dann, lvcnn die Heimarbeiterin in einer Gemeinde wohnt, luo die Versicherungspflicht für dieselbe durch Orts- statut festgelegt ist. In Berlin wohnhaste Heimarbeitermuen unterliegeu der KrantenuersicherungSpflicht. 2. kte dlUM,«e»N die Witwe selber invalide im Sinne des Gesetzes ist.' Arbeiter- Bildungsschule. Donocrstafir, den SO. Jannar. abends S'/i Uhr, im Schnlloka), Grenadierstr. 37: Generalversammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Kovisoren. 2. Anträge. 3. Schulangelegenheiten. 4. Verschiedenes. VW" Mitgliedsbuch legitimiert. _ Beitrage mttasen bezahlt werden. 6/4* irt Am Donnerstag, den 30. Januar, nachmittags 5 Uhr, findet im groben Saale d. Spandauerbergbranerei, beim Kollegen Slegn�cier, eine M Allgemeine große N�rsammlung sämtlicher Gast- rntb Schmikmirte ssharlotteilburgs statt, wozu wir freundlichst einladen. Tagesordnung und Referenten werden in der Versammlung bekannt gegeben. Zur Besprechung gelangen nur örtliche Angelegenheiten. Einbernfer: 72/5* Die jNeunerkommission der Gastwirte Charlottenburgs. Hausarztverein Nord-Ost. Mittwoch, den 58». Januar, abends 8'/, Uhr, in den ��„Union-Festsälen", Greifswalderstr.{8581—58563: Öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Bortrag des Genossen vr. Moses über; „Der allzu reiche Kindersegeu im Arbeiterhaus!" Diskussion. Fragcbeantwortung. 281/17 Eintritt frei k Ausnahmen sllr den Verein werden in dieler Versammlung entgegen- genommen sowie auch beim Borsitzenden Otio Wölke. Brunnensir. 84. Verdsnä äer Jftaler, Sacklerer, Ansfreleher Bureau: Melchiorstraße 28, pari. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. 7illsls 3erUn. USW. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9 Fernsprecher: Amt Norden 6708. Donnerstag, den 3». Januar, abends 8V2 Uhr, in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Strafte»6,»7: MitgliederaVersamnilung Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten(Stichwahl) zur 11. ordentl. Generalversammlung. 2. Verbandsangelcgenheiten. Laut Wahlreglement dürfen nur die Kollegen sich an der Wahl beteiligen, die mit ihren Beiträgen nicht länger als vier Wochen im Rückstand oder denen die Beiträge gestundet sind. 137/5* Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet vis Ortsverwaltunx. Otavistraße 33-39, Querstraße au der Müllerftraße, sind In neu erbauten Häusern mit Hofgärtrn(Teppichtlopsplatz und Müllkästen im separate» Hos. Keller-Etngang) 1 lmd 2 Zlmmrr-Wiihnimgrll mit Warmwasserversorgung per sofort oder 1. April ISI3 billig zu vermieten. Zu erfragen im Verwaltungsbureau, Nr. 35/36. 267/18» Kliimrn- und kranjbindkrtj von Boderl Meyer,• Jnh.: P. Golletz Mariannenftr. a. Tel. Mpl. 346. Ortskrankenkasse für Pankow. Der Vorstand für da? Jahr 3613 besteht aus folgenden Herren: Otto Risimailu. Berlin- Pankow, Mühlenstr. 30, Vorsitzender. Karl Lubig, Berlin-Panlow, Kaiser» Friedrichs! r. 13, stelloertr. Vors. Rechtsanwalt Hofer» Berlin-Pankow, Malermeister Graf.,, Richard Beinroth,». Hermann Lüdicke, Berlw, Paul Goseman»,„ Paul Stolle. Benno Ullrich, Berlin-Tegek. Qtt<>«iüinann, 266/l2 Vorsitzender. Jnh.»rlvtrinann. 1 gnöreasstrabe 26- Fernspr. 12348 Königst. empfiehlt den geehrten Vereimn und Gewerljchastcii Saal mit Nebenräumen für Veriammlungen und Festlichkeiten. Kegelbahn noch einige Tage frei. WU-tZlWvIilöitksu.KIgsliläsgs. Tonnerstag, den 30. d. M., abends 8 Uhr: lleuerai-Versaimniuiig der Zahlstelle Berlin bei Boeker, Weberstrafte 17. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom vierten Quartal tS!2. 2. Bericht und Neuwahl der OrtSverwaltung. S. Wahl einer Statulenberatungslommission. 4. Ber» schiedeneS. liegltlmatlon: Mltglledsbnch. 71/1 I. A.:«.Schröder. Theater und Vergnügungen Mittwoch. 23. Januar 1313. Anfang?>/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Tannhäuser Kgl. Schauspielhaus. Wieselchen. Deutsches. Hamlet. ZirkuS Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Die Weltmacht des Eisens. Hörsaal 3 Uhr: Dr. W. Berndt: Träger der Fortpflanzung im Zcllstaat. Deutsches Opernhaus. Tiefland. Triauon. Wenn Frauen reiten Theater am Nollendorfplatz. Die Studentengräfin. Lesung. Das Prinzip. Kaminerspiele. Schöne Frauen. Koniggräner Stras/e. Die sllns Franksurter. Groft-Berli». Das Fürstenkind. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Rus. Bertiner. Filmzauber. Montis Operetten. Der Frauen- fresier. Kleines. Professor Bernhardt. Residenz. Die Frau Präsidentin. Tbntia. Puppchen. Luisen. Und hätte der Liebe nicht.... Metropol. Chausseur— ins Metropol. Komödienhaus. Die GeneralSecke. Rose. Mein Leopold. Herrilfeld. DieAlpenbrüder. Wüsten- moral. Schiller 4>. Wolkenkratzer. Schitlcr-Eharlotienburg. Die SchmettcriingSschlacht. Easino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Brüderlein sein. Speziali- täten. Rcichshallen. Lavalleria schult!- van». Anfang 8'/, Uhr. Lusti'PielhauS. Majolika. Friede.- Wilb. Schauspielhaus. Der Zaungast. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Folies Capriee. 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Die Frau Präsidentiu. (Madame la Präsidente). Schwant i. 3 Akt. v.Hennequin u. Veber. Morgen und folgende Tage: Die Iran Präsidentin. Luisen-Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr:.Und hätte der Liebe nicht.. Donnerstag abends 8 Uhr: Gast. spiel: Helanle Splclmann: Nora. Freitag, abends 8 Uhr: Nora. Gastsviel: Melanie Spielmamt. 0H-7NHtta! Große Frantiurlei Str. t32. 1>Iem I�eopolcl. Volksstück m. Ges. in 3 Akten von Adolph L'Arronge. Musik von Zi. Bial.- Ansang 8 Uhr. (Zu d. heut. Vorst, sind sämtl. Billetts bereits vergeben.) Morgen und folgende Tage: Mein Leopold. Ketropol-Theater Chauffeur- ins JÄetropol! Große Jahresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto I?eutter». O. rw* Sänzlich neuem Repertoire I Abends 8 Uhr. Raucken gestattet. Walhalla-Theater WeinbergSweg 13/20. Rosenthal. Tor. Allabendlich 8'/. Ubr: Goldener Feichtßnn. Trianon-Tbeater. Wenn Frauen reisen. Anfang 8 Ubr. Brauerei Friedrichsliain am KUnigstor. 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Großes Doppel-Konzert! Musikc. des S. Garde-Regiments z. F., Dirig. Oberm. Grat, —— Zillerthaler und Tegernseer Sänger—— Schuhplattler und Jodler! Anstieli von Drei-Kinigsbier, dem köstl. aller Miiiieb, Doppelbiere. Anfang 8 Ehr. Eintritt SO Pf. AnfanV 8 Ehr. Abends ab 8 Uhr! Eetztc Woche! des grandiosen Programms. Metsa Ritschie Comp. Knill und Kroll. Darlus Yana. S'/a Uhr: „BrüdeFleiii fein". Alt-Wiener Singspiel von Jul. Wilhelm. Musik v. Eeo Fall. Usw. Folies Capriee. Ansang 8'/, Uhr. Die drei Snifon- Schlager� In Sache» KnUcnsiciu. Die Doppeisirina. Tie Tochter der Brant. » Schliiß Ailleiisös Das prachtvoll gelogeue Etablissement, welches vollständig renoviert wird, ist an beiden Pfingst-Feiertagen M-MÜI Der Höhepunkt des Lach-Erfolges! zum Fröh-Konzert an große Vereine zu vergeben. Außerdom empfehle das Etablissement den geehrten Vereinen aur Abhaltung von Sommerfesten unter kulanten Bedingungen. Anfragen bitte zu richten an E. 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Ecke Hotzmarkt.«. Aleranderstraße. 1 Minute o. Bahnh. Jannowibbrücke Sägl. abdS.-,,8. Sonnt'Iß Uhr: Zwei rote Rosen. Burleske m. Gesang— und das groß. Sprziatitätenprogramm Jed. 1. u. 16.: Programmwechsel. Osslno-Theolo� Lotbringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Die ilkue Fokatposte: Zltt» grünen Strand der Spree! Sonntagnachmitlag 4 Uhr: Der Heimatlose. Admiralspalast. Allabendlich: Das neue mit durchschlag. Erfolg au, gek. ElSballett [Flirt in St. Moritz I 1. Akt: Wintersport. in St. Moritz. 2. Akt: Solree im Luxushotel. 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung . der kl. Charlotte. Bis B U.u.*10'/, halb Kass- 1 Preise. Wein- u. Bier-Abt. Germania-Prachtsäle N., Chausseestr. 110. K. Richter. Heute Mittwoch: Paul Mantheys lustige �Sänger. Ansang 8 Uhr Eintritt 3« Ps. Nachdem Ereltanz.- — VorzugSlarten geilen.— Morgen Donnerslag: Großes Kockbier-Kouiert.\ Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein liir Sehöneherg. Bezirk 11. Am 25. Januar verstarb unser Mitglied, der Stxinbiidhauer �osepK vübeler im Alter von 48 Jahre». Ehre seinem iilndcnre»! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle deS städtischen Friedhofes an der Blanken Hölle aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 15/2 Ter Vorstand. Treffpunkt für Mitglieder des Aefangvcreins.Schöneberger Männerchor" um 3>/, Uhr beim Gastwirt Fintel. ZeotraiTereiii der Bildhauer Deulsehlands. Verwaltung Berlin. Am 25. Januar verstarb unser Mitglied, der Steinbildhauer �osepb vvbeler. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 29. Januar, nach- mittags S'/i Uh>. auf dem Schöne- berger Friedhof(Blanke Hölle) statt. Um Beteiligung ersucht 20/2 vei- Vorstand. SozialdemokratiseherWahiirerein liederbarnini. Bezirk Reinickendort-West. Am Sonnabend, den 25. d.MtS., verstarb unser Mitglied, der Bäcker- meister Hugo Wurst Eichbornstr. 72. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute nachmittag» 2 Uhr vom Trauer- hause au» statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 240/5 Der Borstand. Beiitscher Buchbinder-Verbaod. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, das; unser unser lang- jähriges Mitglied, der Kollege Max Schubert Äalanterieardeiter, nach kurzem Krankenlager ge> starben ist. Der Verstorbene war jederzeit bereit, die Interessen der Organt- sation zu vertreten und bat sich dadurch die Achtung der gesauuen Kollegenschaft erworben. Wir werden sew Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Freitag, den 3l. Januar 1913, nachmittag» 4 Uhr, aus dem Heilig-Kreuz-Kirchhos in Marien- dors statt._ Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag Mtser Kollege lüchsrä Wagner Plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Januar 1913, »achmittags 4 Uhr, aus dem neuen Michael-Kirchhos in Britz statt. Ferner starb nach kurzem Krankenlager nnscre Kollegin Martha Haake. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Januar 1913, nachniittags 2'/, Uhr. au, dem städtischen griedhos IN Friedrich». selbe statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 2M Tie Lrtsvrrwalning. Zeutral-Kpanken- u. Sterhekasse der Tapezierer. Ftllalo HcbOnpbers. lonntÄfiH"£" 3" erstarb unser laiigjabrige» Mitglied widert Wilke. W'dct am Donnerstag, den 30 IXanuar nachmittags 2>/, Uhr Halle de» städtischen Frtedbosee (Blanke Hölle) au» Natr �'° Uu, rege BeteUtgung ersucht 178/3 Die Ortaverwaltung. Nachmf. Am 24. Januar verschied tm 40. Lebensjahr unser Mitglied Beliiiiilin Bslist. Ehre seinem Andenken: Verband der Gastwirlspehlllen. Ortsverwaltung Berlfn I. Freireligiöse Gemeinde Berlin, Unseren Mitgliedern und Freunden haben wir die tiefbeträbende Mitteilung zu machen, daß unser erster Vorsitzender, Herr Otto Frieder ici am Sonnabend, den 25. Januar, abends 8 Uhr, im 72. Lebensjahre sanft verschieden ist Die Freireligiöse Gemeinde erleidet dadurch einen kaum ersotzlichen Verlust. Der Verstorbene hat 26 Jahre lang; die Gemeinde mit beispiellosem Fleiß und Eifer, mit rührender Aufopferung und persönlicher Hingabe an die Sache geleitet. Er war uns das Vorbild eines in Wort und Tat überzeugungstreuen, konsequenten Freidenkers. Der Vorstand und die Gemeinde schulden ihm über den Tod hinaus nie erlöschenden Dank und wollen diesen durch begeistertes Wirken in seinem Sinne betätigen. 55/3 Die Einäscherung findet im Berliner Krematorium, Gerichts tr. 37/38, beute Mittwoch, den 29. d. M. um 3 Uhr statt Der Vorstand d. Freireligiösen Gemeinde I. A.: Adolf Hoff mann, II. Vorsitzender. Heines Werke ReukersWerke . 3 Bin»« 4 Blatf Buchhandlung Vorwärts 3 Bände 4 Blatf• Buchhandlung vorwärts Deutscher Netailarbeiter-yerbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Zeug- schmied Kanl Wildelau Wafimannstr. 34a, am 26. d M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 80. Januar, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des St. Markus- Kirchhofes inWilhelmSberg-Hohen- Schönhausen aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Former Faul Wagner Grannstr. 35, am 26. d. M. an Blinddarmentzündung. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Januar, nachmiitaaS 4 Uhr, von der Leichenhalle de« FriedenS-Kirch. hoses in Nordend» Nieder- Schönhausen aus statt. Ehre ihrem Andenke»: Rege Beteiligung erivartet 111/17 Die Ortsverwaltung. Leineweber »««litt c Rosjstt. 34 Usllnisctz«« Lisehmavkt 4-6 Ats-Hnsft.> Alpentrachten für Herren, Damen und Knaben in großer Auswahl. Der Spezial- Katalog über ORIGINAL- TRACHTEN, einzelne Kleidungsstücke und Schmucksachen wird gratis und franko zugesandt «,»»»»»» y«», s. 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Januar, nachmittags 4 Uhr, vo» der Leichen- Halle des neuen Jakoblklrchboses in der Hermantistr. 99—115 zu Renkölln au» statt. 3Z/����i�rtsven»3ltun�� Verband d. Brauerei- u.lhleu- arbeiteru. verw. Berufsgenossen, Zahlstelle Berlin. Den Kollegen diene zur Nach- Acht, daß am 25. Januar unser langjähAge« Mitglied, der Flaschen- kellerarbelter Fritz Bellin (Schulthetfi IV) im Alter von 33 Jahren an der ProletaAer- krankhett gestorben ist. 42/8 Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. Januar, nach- mittags 4 Uhr, aus dem städt. FAedhos In FAedrichiselde statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaltung. Verband der Haler. Lackierer etc. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern zur NachAcht. daß der Kollege zureltos Wandke (Bezirk Osten) verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 30. d. M., nach- mittag» 3 Uhr, aus dem städtischen FAedhos, Gerichtstraße, statt. Um rege Beteiligung eAucht 187/6 Die Ortsverwaltung Deutseber Transportarbeiler-Verband. Berlrksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fensterputzer Paul Dahle am 25. d. Mts. im Alter von 22 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. d. Mts., nach. nachmiltags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Martusgemeinde- Fi iedhose«, Wilhelmsberg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/11 Oie Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Teil- nehmern meinen besten Dank. Miwe Minna Simon. Am 27. Januar verschied„ach langem Leiden meine geliebie Frau und Mutter 76 As Rosalie Bartsch geb. Weidemann. Um stille Teilnahme bitten 0>e trauernden tlinterbüebenen. Die Beerdigung findet am! Donnerstag, den 30. Jan., nach- mittag» 3 Uhr, von der Halle des Sebasttan-Ktrchhoss au» statt. Danksagung. Für die so überaus reiche Teil- nähme sowie für die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter 76.'i Else Wilhelm sagen wir allen Beteiligten, insbe« sondere dem Bäcker- Gesangverein „Morgengrauen' unseren herztichsteii Dank. Franz Wilhelm nnd Fran. Danksagung. Für die vielen Zeichen liebevoller Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutier und Großmutter rrau Marie Schmidt geb. Schlange sprechen wir allen Teilnehmern unse verbindlichsten Dank auS. Ine besondere danken wir Herrn Schütte für seine trostreichen Worte am Sarge der Verstorbenen, dem Vorstand der Schuhmacher> tzlssoziatton vor dem Halleschen Tore und dem Gesang- verein„Kreuzberger Harmonie- für die erwiesenen Ausmerksamleiten. Namens der Hinterbliebenen Otto Schmidt, Bergmannstr. Iii. Extra- AbtellnnK 1 1. Gesch.: Berlin W., Mahren- 1 StraBe 37a(2. Haus von der 1 Jerusalemer StraBe). |II.Geech.: Berlin NO., Groficl Frankfurt. Str. 115(2. 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In der letzten Zeit gingen wieder KlaAn von vielen Leuten ein, die behaupten, daß sie durch das Bankgeschäft geschädigt war- den seien. Es ergab sich, daß besonders auch hiesige Obstgrotzhändler an englischen Minenpapieren viel Geld verloren lauten. Das Ergebnis der Ermittelungen veranlaßtc die Staatsanwaltschaft, Horstmann festnehmen zu lassen. Verzweiflungstat auf offener Straße. Vor dem Hause Friedrich- straße 248, unweit des Bcllc-Alliance-Platzes, beging Montagabend ein junger Mann einen Selbstmordversuch, indem er eine größere Dosis Verona! zu sich nabm. Er brach sofort bewußtlos zusammen und wurde nach der nächsten Unsallstation gebracht. Von hier aus mußte er in das Kranlenhaus am Urban übergeführt werden. Wie die polizeilichen Ermittelungen ergaben, handelt es sich um den 22 Jahre alten wohnungslosen Handlungsgehilfen Georg Köhler, der durch Arbeitslosigkeit und Krankheit zur Verzweiflung getrieben worden ist. Wegen eines Nervenleidens hatte er schon in einem Krankenhaus Aufnahme gefunden, aus dem er Montag wieder entlassen wurde. Nachdem er den ganzen Tag über mittellos. umhergeirrt, verübte er abends den Selbstmordversuch. Der Bankdieb Gustav Brüning, der seit 7 Monaten die Verfol- gungsbehörden und die Oeffentlichkeit beschäftigt, ist seit gestern morgen wieder in Berlin und im Untersuchungsgefängnis unter- gebracht.:"'t Großfcuer in der Oranienstrasse. Ein überaus gefährlicher Brand kam in der Nacht zum Dienstag in einer Großdestillation an der Ecke der Oranien- und Adalbertstraße zum Ausbruch. Kurz vor Kl Uhr flog plötzlich eine der großen Schaufensterscheiben ans die Straße und gleichzeitig schössen gewaltige Flammen aus dem Lokal, das erst vor acht Tagen einen neuen Besitzer erhalten hatte. Als die Feuerwehr eintraf, bildete die ganze Destillation ein einziges Feuermeer und die Flammen schlugen bis zur Hoho des zweiten Stocks außen«m Hause empor. In der ersten Etage, in der sich eine Privatspeiseanstalt befindet, hatten die Fenster- kreuze schon Feuer gefangen. Angesichts dieser bedrohlichen Situa- tion gab der Brandmeister sofort noch eine Nachmeldung„Mittel- feuer", worauf vier weitere Löschzüge anrückten. Der Brand war inzwischen auf ein Zimmer der Speiseanstalt übergesprungen und hatte einige Möbelstücke, Betten und Gardinen ersaßt. Die Ae- wohner hatten sich noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht. In die oberen Etagen drangen sofort mehrere Mannschaften vor, die die erschreckten Mieter beruhigten. Auf diese Weise konnte eine Panik vermieden werden. Die Ablöschung des Feuers erfolgte mit drei Rohren. Die Großdestillation ist in ganzer Ausdehnung vollständig ausgebrannt. Auch die Decke des Lokals mußte teilweise auf- gerissen werden, da sich das Feuer in dem Zwischengebält festgesetzt hatte. Erst gegen 3 Uhr konnte die Wehr den Brandplatz wieder verlassen. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ließ sich nichts Bestimmtes ermitteln. Ursprünglich nahm man an, daß eine Gas- explosion erfolgt sei, doch wurde später die Gasleitung intakt vor- gesunden. Das Feuer muß sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit ausgebreitet haben, denn als um!4l Uhr der Wächter daS Haus revidierte, zeigte sich noch nichts Verdächtiges. Deutscher Arbciter-Sängcrbund. Gau Berlin und Nmgegend. Die diesjährige Generalversammlung fand am Sonntag im Gewerk- sckaftshause statt. Der Vorsitzende gedachte der im letzten Jahre Verstorbenen, besonders des langjährigen Schriftführers Siggelkow. Die Versammlung ehrte das Andenken derselben durch Erheben von den Plätzen. Sodann erläuterte der Vorsitzende den gedruckt vor- liegenden Jahresbericht. Der Besuch der Maifeier war ein guter. Besonders erfreulich sei das rege Interesse fijr die BezirlsübungS- stunden int Gegensatz zu dem Besuch derselben in Berlin. Auch die Chorführerschule erfreue sich eines guten Fortschritts. Die Haupt- arbeit im kommenden Jahre sei die Agitation unter den zwar or- ganisierten uns aber noch fernstehenden SangeSbrüdem, um dieselben zu uns heranzuziehen. Unter den vorliegenden Anirägen waren es hauptsächlich zwei, welche eine längere Debatte hervorriefen. Der erste bezweckt eine andere Vertretung und Ersatz der Ausschuß- sitzungen durch vier Generalversammlungen, während der andere eine Verminderung der AuSschußsitzungen und Verbindung derselben mit den Uebungsstunden wünscht. Beide Anträge wurden einer Kommission in Gemeinschaft mit dem Vorstande überwiesen. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: 1. Vors. Paul Kuvfer, 2. Bors. Klahde, 1. Kassierer A. Seikrit. 2. Kassierer Julius Steffens. 1. Schriftführer Otto Engel, 2. Schriftführer Paul Schneider. Bei- sitzer Gustav Wutzky. Das Sängerfest wird wieder in Schloß Weißensee abgehalten. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende, daß die Vereine sich recht rege an der Agitation beteiligen. Der Berliner Bolkschor wird am Montag, den 3. Februar, 8'/- Uhr, in HappoldtS Konzertsaal einen Melodramenabend veranstalten. Es ist dem Volkschor gelungen, für diesen Abend die Mitwirkung einer unserer belannlesten Bühnenkünstlerimien, T i l l a Durieux, zu gewinnen. Unter pianistischer Mitwirkung von Leo Kestenberg wird die Künstlerin folgende Gedichte sprechen: Wilden- bruch:„DaS Hexenkind", Musik von Schillings, Bürger:„Lenore". Musik von Liszt, Tennhson:„Enoch Arden", Musik von Richard Strauß. Vorort- JVadmcbtem Tchöneberg. BildungSkursus. Der BildungSauSschuß hat einen Vortrags- kursus eingerichtet, in dem Genosse Rühle die wirtschaftlichen Grundlage» des Sozialismus näher darlegen wird. KursuSanfang ist heute Mittwoch, den 29. Januar, abends 8'/z Uhr, im kleinen Saale der„Neuen RathauSsäle", Meininger Strohe 8. Zur Ver- vollständigung dieses Kurses schlichen sich zwei Vorträge des Genossen G r o g e r über praktische OrganisalionSarbeit am S. und 14. März an. Teilnehmerkarten, für alle �echs Vorträge 60 Pf., sind lkJ den Bezirksführern und der Gewerkschaftslommission erhältlich. Ohne Karte kein Zutritt. Friedenau. Die Mitgliederversauimluiig deö Wahlvereius nahm, nachdem sie von dem Bericht dcS Genossen Budrah als Kassierer Kenntnis genommen, Stellung zu der bevorstehenden LandtagSwahl im Kreise. Genosse Hagen gab einen kurzen Rückblick über die Parteitage der Fortschrittlichen Vollspartei und der preuhischen Sozialdemokratie. Er betonte dabei, daß es unmöglich sei, mit einer Partei, die vor der Verwirklichung ihrer eigenen Programmforderungen Angst habe, paktieren könne. Er nehme bestimmt an, dah jetzt, nach der Tagung der Fortschrittler, die verteufelt viel Aehnlickkeit mit einem Kalho- likentage hatte, auch die Genossen um Bernstein und Eisner von ihrem Glauben an die politische Ehrlichkeit deö Freisinns kuriert seien. Die Genossen O. Meyer und Kamrowski äuherten sich in demselben Sinne. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen H. Pöhlmann und Hagen gewählt. Treptow'Baumschulenweg. Ein dreister Einbruchsdiebstahl wurde im Hause Baumschulen- strahe 94 verübt. Während der Abwesenheit einer dort wohnenden Familie brachen zwei Klingelfahrer i» deren Wohnung mit Erfolg ein. Sie erkundigten sich erst bei den Nachbarn, ob die Wohnungs- inhaber bald wieder kämen, da sie mit diesen sprechen mühten; sie verliehen nun scheinbar das Haus, um später wieder vorzusprechen. Doch müssen sie sofort wieder Kehrt gemacht haben, um den nun genügend.aufgeklärten" Fall zu erledigen. Als bald darauf die Hausfrau mit ihrer erwachsenen Tochter heimkehrte, sah sie sich in dem Halbdunkel des Korridors einem Manne gegenüber, der an ihr vorüber das Weite suchte. Ehe sich die beiden Frauen noch von ihrem Schrecken erholt hatten, wurden sie von dem zweiten Ein- brecher beiseite gestehen und auch dieser konnte flüchten. Die dann von den Frauen sofort eingeleitete Verfolgung hatte leider keinen Erfolg. Die Diebe entkamen durch die Bahnüberführung nach dem Plänterwald zu. Die Spitzbuben erbeuteten für einige Hundert Mark Wertsachen. Stralau.• Weber das Thema:„Die Landtagswahlcn" sprach in der Generalversammlung des Wahlvereins Gemeindevertreter Genosse Aschendorf. Der instruktive Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Aus dem Geschäftsbericht ist unter anderem zu ent- nehmen, dah ein Mitgliederbestand von 438 zu verzeichnen ist. Der Kassenbestand betrug am 1. Januar 164,96 M. Von den 164 Bänden der Bibliothek wurden 131 im letzten halben Jahre ausgeliehen. Unter„Verschiedenes" berichteten die Gemeinde- Vertreter Gebcl und Aschendorf über örtliche Angelegenheiten aus der Gemeindevertretung. Tempelhof. Im Berein für gewerbliche und wirtschaftliche Zwecke unternahm dieser Tage der Vorsitzende des Vereins den Versuch, den Kranken- kästen etwas am Zeuge zu flicken und deren Vorstände in Mchkredit zu bringen. Auch die Tempelhofer Krankenkasse gehöre z. B. zu denjenigen, die ein gar.merkwürdiges" Zahlenverhältnis ergeben. Während die persönlichen VerwaltungSkoslen der Berliner Orls- krankenkasse im Jahre 1963 pro Kopf 3,10 M. betragen, hätte Tempelhos 7,04 M. zu verzeichnen; im Jahre 1911 hätten dieselben immer noch 5,30 M. betragen. Wie nun von einwandfreier Seite mitgeteilt wird, ist der Herr Vorsitzende insofern zu diesem sonder- baren Rechencxempel gelangt, als er die sächlichen und persönlichen Verwaltungskosten der Kasse zusammenwarf, diese haben sich tat- sächlich aber von Jahr zu Jahr verringert— sie betrugen im Jahre 1911 nur 3.47 M. Uebrigens weih dieser Herr auch ganz genau, dah die Kasse im Jahre 1901 nur einen Mitgliederstand von 1190 gehabt hat. im Jahre 1908 zählte sie bereits 3000 und gegenwärtig gar 7000 Mitglieder. Auch von unparteiischen Arbeit- geben, wird zugegeben, dah die Kasse, welche neben teilweise niedrigeren Beiträgen als Nachbargemeinden über einen Reserve- fonds von 147 409 M. verfügt und auch in bezug auf Leistungen mit jeder anderen Kasse einen Vergleich, wohl auSzuhalten vermag. Sollte der Herr Borsitzende wieder mal Gelegenheit suchen, Signale für die Krankenkastenhetze anszustohen, so möge er sich vorher erst genügend informieren. Obcr-Schönetveide. Die von der Gemeindevertretung beschlossene Einrichtung der Berufs- und Armcnamtsvormundschaft tritt mit dem 1. April d. I. in Kraft. Für alle im Gemeindebezirk»ach dem 1. April 1913 geborenen unehelichen Kinder ist somit nicht mehr ein Einzelvormnnd zu bestellen, sondern diese Funktion wird einem voir der Gemeinde- Verwaltung vorläufig im Nebenamt anzustellenden Beamten, dem sogenannten Berufs- oder Generalvormund, übertrage»; die Aus- Übung der Vormundschaft erstreck« sich eventl. bis zur Volljährigkeit der Mündel. Die ArmenamtSvormundschafts wird ebenfalls nur von einer Person ausgeübt und zwar für alle Minderjährigen, welche durch den Armenverband Berlin-Ober-Schöneweide im Wege der öffentlichen Armenpflege unterstützt werden; die Vormundschaft soll gelvöhnlich mit dem 18. Lebensjahr des Mündels enden. Für die Einführung dieser Einrichtungen war mahgebend, dah eine zweck- entsprechendere Wahrnehmung der Interessen der Mündel herbei» geführt werden soll; daS System der Einzelvormünder hat hierin sehr oft versagt. Die Gemeinde wird durch ihre Verwaltungs- organisation in der Lage sein, gerade in der ersten Zeit nach der Geburt eines unehelichen Kindes sofort durch Heranziehung des Alimentationspflichtigen die ersten UnterhaltSkosten sicherzustellen. Man hofft auch, durch diese Einrichtung der gerade in unserem Orte so grohen Säuglingssterblichkeit der unehelichen Kinder wirksam begegnen zu können, indem durch eine wirtsame Beaufsichtigung die Pflege dieser Kinder geregelt wird. Friedrichshagen. AuS der Gemeindevertretung. Als Kreistagsabgeordnete wurden Bürgermeister Dr. Stiller und Verordneter Gude gewühlt. Genosse Barth erhielt 4 Stimmen. Vom Bürgermeister wurde bekannt ge- geben, dah die Arbeiten bei der Seeterrasse bis auf einige An- Pflanzungen ziemlich beendet feien und dah der Schmuckplatz zum Frühjahr der Oeffentlichkeit übergeben werden kann. Eine aus- gedehnte Debatte entspann sich bei der Errichtung der PflichtfortbildungSschule. Bürgermeister Dr. Stiller t.ilte hierzu mit, dah diese Angelegenheit die Vertretung schon be- schästigt habe. Inzwischen sei durch Umfrage festgestellt worden, vah 120 junge Leute für den Besuch der Schule in Betracht kommen, worunter jick, etwa 30 ungelernte Arbeiter befänden. Die Swul- dauer sei auk drei Jahre vorgesehen. Am 1. April d. I. soll der Unterricht begmnen; eS müssen olle jungen Leute, welche die Schule bereits am 1. Oktober 1912 Verlaffen haben, ebenfall« daran teil- nehmen. Von Jahr zu Jahr wird eine Klasse neu zugefügt, so dah am 1. April 1915 die Schule vollständig sei. Da« Schulgeld beträgt uro Jahr 6 M, es ist von jedem Arbeitgeber für jeden bei ihm be- scbämalen Schüler halbjährlich a 3 M. im voraus zu entrichten. Der Unterricht soll von 3—8 Uhr nachmulagS stallfinden. Da die m-niermia zur Schule eine» Zufchuh gewährt, glaubt der Gemeinde- mirüand mit 800 M. im Etat auszukommen. In der sich rniOfalieKendeii Diskussion sprachen sich fast alle Redner für - Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den die Errichtung der Schule auS. Genosse Miele Bemängelte, dah der Unterricht bis abends 8 Uhr ausgedehnt werden soll. Er sei der Meinung, dah die Stunden möglichst in die Arbeits- zeit fallen mühten. Daher schlage er bis 6 Uhr, spätestens aber 7 Uhr vor. Der Bürgermeister empfahl, diese Anregung dem Kura- torium zu überweise». Vom Vertreter Geselbracht wurde beantragt, den Voranschlag auf 1000 M. zu erhöhen. Die Vorlage auf Er- richtung der Pflichtfortbildungsschule sowie der Zusatzantrag wurden einstimmig angenommen. In das Kuratorium wurde u. o. Genosse Grau gewählt. Ein Antrag des Naturheilvereins, als Beihilfe zur Unterhaltung des Luftbades am Kurpark 100 M. zu bewillige». fand Annabme. Ter Naturbeilverein verpflichtet sich, alle Scbul- linder uiientgeltlich aufzunehmen, sofern der Schularzt die Benutzung des Bades empfiehlt. Auf Antrag des GemeindeborstandeS wurden 10000 M. und 10 Proz. Aufgeld zun, Reservefonds zur Uebernahme von Atlien der Kommnnalbank bewilligt. AIS letzter Punkt stand noch ein Antrag des GemeindcvorstandeS auf der Tagesordnung, welcher 300 M. als Stiftung für hilfsbedürftige Kriegsveteranen fordert. Des weiteren sollen allen hiesigen bedürftige» Veteranen uiiter 2000 M. Einkommen die Steuern erlassen werden. Genosse Tornow bemerkte hierzu, dah wir nicht gegen eine Unterstützung der Veteranen seien. Wir verlangen aber, dah der Staat in erster Linie verpflichtet sei, für die Veteranen zu sorgen. Aus diesem Grunde wäre er und seine Freunde gegen den Antrag. Die An- träge des Gemeindevorstandes werden gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Die Geme'mdewählerliste weist diesmal in der ersten Abteilung 46 sl912 53) Wähler, in der ztveiten Abteilung 537(576) Wähler und in der dritten Abteilung 2543(2726) Wähler auf. An Gesamt- steuern solle» von den 3129 Wählern 564 693,91 M. eingehen. Der höchste Steuerzahler ist in der ersten Abteilung die Stadt Berlin mit einem Steuerbctrage von 63 176 M., die zweite Abteilung beginnt mit einem Steuersatz von 1063,30 M. und die dritte Abteilung mit 183,11 M. Bohnsdorf. In der letzten Gemeindevertretersitzung sollte der Gemeinde- clat für 1913 beraten werden. Nachdem der Gemeindevorsteher die einzelnen Positionen desselben vorgelesen halte, lehnten es unsere Genossen ab, in die Beratung des Etats einzutreten. Als Be- gründung für ihr Verhalten bemerlten sie, dah es ihnen unmöglich sei, die verlesenen Zahlen/ im Kopf zu behalten. Unsere Genoffen stellten den Antrag, diesen Punkt zu vertagen und bis zur nächsten Sitzung jedem Vertreter eine Abschrift des Etats zuzusenden. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. In der vorigen Sitzung wurden bei Beratung eines Schulhausbaues unsere Genossen be- auftragt, mit der Arbeiterbaugenossenschaft„Paradies" wegen un- entgeltlicher Hergabe eines Grundstücks für Schulzwecke zu ver- handeln. Genosse Schiffte teilte nunmehr mit, dah es die Bau- genvssenfchaft„Paradies" vorläufig ablehne, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, obwohl dieselbe nicht abgeneigt sei, der Gemeinde später entgegenzukommen. Die Gründe zu diesem Verhalten seien folgende: Die Genossenschaft habe die Ansicdclungsgenehmigung für ihre zu erbauenden Einfamilienhäuser, und zwar für 65 Woh- nungcn nachgesucht. Wie der Verwaltung zu Ohren gekommen sei, macht der Kreisausschuh die Ansiedelung davon abhängig, dah die Genossenschaft ein Schulgeld von 15 000 M. zahlen müsse. In der Diskussion über diesen Bericht stellte sich nun heraus, dah der Schösse Herr Lahinert, als Grundstücksnachbar der Genossenschaft, Einspruch gegen die Ansiedelung erhoben hat, weil er befürchtete, dah die Gemeinde die«chullasten nicht werde tragen können. Persönlich glaubte er geschädigt zu werden dadurch, dah ihm die Kinder seine Feldfrüchte niedertreten könnten. Auf diesen Einspruch hin hat nun ein Lokaltermin stattgefunden, dessen, Ergebnis noch«b- gewartet werden muh. Wie aber Herr Lahmer« mitteilt, sei ihm bei Rücksprache auf dem Landratsamt gesagt worden, dah die Sache am besten so zu machen ginge. Vom Genossen Scholz wurde diese Handlungsweise in längeren Ausführungen als arbeiterfeindliche Gemeindepolitik gekennzeichnet. Genosse Schiffte machte auf die letzten Beschlüsse der Budgetkommission des Reichstages betreffs Wohnungstvesen aufmerksam, wo man Millionen zur Förderung des Kleinhausbaues für Beamte und Arbeiter bewilligt habe; hier würden großzügige Pläne der Baugenossenschaft auf unerhörte Weise illusorisch gemacht. Obwohl vom Gemeindevorsteher wie von den bürgerlichen Vertretern die Arbeiterfcindlichkeit bestritten wurde, fühlte doch jeder Zuhörer aus der ganzen Debatte heraus, dah den Herren wenig daran liegt, wenn viel Arbeiterfamilien zuziehen. Am Schluß der Sitzung kam es noch zwischen dem Schöffen Lahmer« und dem Oberlehrer Bierbach, welcher im Nebenamt die schriftlichen Arbeiten der Gemeinde erledigt, zu sehr scharfeir Aus- einairdersetzungen, in deren Verlauf Herr Bierbach schließlich er- klärt«, von Stunde an die Arbeiten nicht mehr weiter machen zu wollen. Es soll daher aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung die Anstellung eines Sekretärs gestellt werden. Ueber Wohnungskultur referierte in der letzten Mitglieder» Versammlung des Wahlvereins Genosse Dorner. An der Diskussion beteiligten sich verschiedene Redner, die speziell die Arbeilerkolonie» der Grohindustriellen Krupp und Schwartzkopff einer lebhaften Kritik unterzogen. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Witwe des ver- storbenen Genoffen Bernhard Langhop den gröhten Teil der reich- haltigen Bibliothek ihres Mannes dem Wahlverein vermacht habe, wofür der Borsitzende seinen Dank aussprach. Die Genossen Schiffte und Schulz gaben einen ausführlichen Bericht von den letzten Ge- meindcvertretersitzungen. Der BildungSauSschuh veranstaltet am Sonntag, den t6. Februar einen Kunstabend: Lieder zur Laute. Billetts a 30 Pf. sind bei den Funktionären zu haben. PotSdam. Aus der Stadtvvordnetenfitzung. Eine Magistratsvorlage ver- langt Nachbewilligung von 616,77 M. für die Renovierung Jxr Nikolaikirche. Für diesen Zweck hat die Stadt als Mitpatronin der Kirche bereits früher in zweimaligen Raten 14 000 M. bewilligt. Die Stadtverordneten lehnten diese Vorlage ab. Wenn bei der Be- rechnung der Kosten der Renovierung Fehler unterlaufen seien, so sei das nicht Schuld des Magistrats und außerdem bleibe es dann auch nicht bei dieser einen, Nachbewilligung, sondern es ständen noch weitere in Aussicht. Der Schlamm der Ktärstation ist bisher zum Teil von dem Elektrizitätswerk verbrannt tvorden, zum Teil wurden daraus unter Zusatz von Braunkohle Biuletts angefertigt, die mit 45 Pf. pro Zentner verkaust wurden. Die Abnahme des Schlamms seitens des Elektrizitätswerks wird geringer, während der Schlamin zunimmt. Es sollen deshalb mehr Briketts als bis- her fabriziert werden. Hierzu macht sich der Bau eines weiteren Schuppens zum Trocknen nötig, wofür 6000 M. bewilligt wurden. Die Brandenburger Vorstadt erhält die schon lange gewünschte Be- dürfnisanstalt. Sie soll an der Ecke der Alten Luisen- und der Auguste-Viktoria-Strahe errichtet und mit einer Wartehalle der elektrischen Straßenbahn verbunden werden, wofür 8600 M. aus- geworfen wurden. Ein im vergangenen Jahre verstorbenes Fräul. Emilie Knochenhauer hat der Stadt 41 000 M. mit der Maßgabe vermacht, daß diese Summe zum Besten epileptischer und auaen- kranker Kinder verwendet wrrd. Ein« Anleihe von 600000 M wird von dem Verlagsbuchhändler Rudolf Mosse ausgenommen' Die Abschlußprovision beträgt% Proz. und die Verzinsung iV, Sßr0i Wahrend die Stadt die Anleihe nach 5 Jahren kündigen kann ist dies bei dem Darlehensgeber erst nach 10 Jahren der Fall Die Straße I der Berliner Vorstadt erhält den Namen Secstrake Die Milchpfleae in den G-meindeschulen erfährt eine Erweiterung.' Die Erfolge, die mit der Milchpflege erzielt worden sind, haben ihre Notwendigkeit dargetan. � Es werden für 1913 2450 M bereitgestellt. Die untersten Steuer, tusen von 420 bis 660 M werden aufgehoben. Diese Aushebung hätte eigentlich schon längst' erfolgen sollen, denn die Kosten, die die Erhebung dieser Steuer verursachten, waren höher als die Erträge aus der Steuer. Nur dieser Umstand hat den Magistrat veranlaßt, diese Steuer fallen zu lassen. Die Vorlaa«. die die Steuerbefreiung der mit dem Militärehren» gnseratentett verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» zeichen oder Eisernen Kreuz auSgezeichneken Veteranen borßeM, war zurückgezogen worden. Rosenthal-Wilhelmsruh. Militarismus, Imperialismus und Kapitalismus lautete da« Thema, über daS- Gen. ElajuS-Berlin in einer im Lokal von Millbrodt tagenden öffentlichen Versammlung referierte. Die Dar- leguugen des Redners fanden bei den Äersammelten lebhasten Beifall. Spandau. Bollsschule und KriegSspiele. Auf Anordnung der SchuloussichtZ- Behörde wurden von den hiesigen Volksschulen im Sommer und Herbst vorigen Jahres im Stadlwalde Kriegsspiele veranstaltet, um die Voltsschüler für den Jungdeutschlandbund und andere patriotische .Jugendvereine zu begeistern. Da die Spiele unter Leitung von Lehrern, teilweile auch während der Sckmlzeit stattfanden, wurden viele Eltern in den Glauben versetzt, daß die Kinder dorm teil- nehme» mühte». Wie selbst bürgerliche Zeitungen berichteten, muhten die Lehrer bei diesen Spielen manchmal energisch einschreiten, um die Kinder, welche mit Slöcken aufeinander losgingen, auseinander zu bringen. Ende Septeniber nahm auch der zwölfjährige Sch. der 5. Gemeindeschule gegen den Willen seines VaierS a» einem Kriegs- spiel teil und zog sich bei einem unglücklichen Fall einen kompli- zierten Bruch des recknen MiitelarmS zu. Der sie Aufsicht führende Lehrer, der niehreraMundert Kinder zu beaufsichtigen hatte, legte eiiieli Nolverhand mid schickte den Knaben in Be» gleitimg zweier Kinder auf die Suche nach einem Arzt. Nachdem die Kinder von zwei Aerztcn abgewiesen waren. erklärte sich nach langem Suchen Dr. Gonlermann bereit, einen Gipsverband anzulegen. Tiotz sorgfälliger ürzllicher Behandlung läßt sich der Arm nicht ganz gerade sirecken und wird jedenfalls nicht wieder die volle Gebrauchssähigkeit erlangen. Der Vater des verunglückten Knaben verlangte in einem Schreiben an den Magistrat Erstallluig der Kurkoiie» und suchte auch die Stadt für eveniuell später eintretenden Folgen des Unfalls haftbar zu machen. Nach langem Warten erklärte sich der Magistrat endlich bereit, die 24 M. betragenden Kurkosten a»S„Billigkeitsgründen" zu bezahlen, lehnte aber jede weitere Haftpflicht ob. Nach einer Neichsgerichlsentschei- dung ist die Stadt auch gar nicht verpflichiet, für außerhalb der Schule vorkommende Unfälle der Schüler auf�liloniiiien. Wollen also die Eltern der VolkSschiiler ihre Kinder vor Unfällen bewabren, so dürfen sie dieielben nicht an Kriegsipielen teilnehmen lassen; eine gesetzliche Pflicht hierzu besteht nicht. Eine Erhöhung der Straßenbahlitarife verlangt eine abermalige Magislralsvorlage. Der neue Tarif soll eine neue Zoneneinleilung von>0- 15» und 20>Pfeni,ikstrecken bringen nnd zwar je 32 10» und l5-Psen>i>g- und 15 20-Pfeniligstrecken. Bisher lofteien die meisten Sirecken lO Pf. und nur einzelne 15 Pf. Ferner sollen die Arbeiter» Wochenkarten erhöht werden und zivar für l2 Fahnen an Werk» tagen ohne Umsteige» von 80 Pf auf 1 M. Die Vorlage wird da- durch schiiiackvast zu mache» gesiichl, oah Arbeitcrnionar-karten ein- geführt werden sollen. Dee Magistrat scheint gar nicht zu wissen, dah viele Arbeiter nicht in der Lage sind, Moualskarten zu kaufen und auch dieselben infolge plötzlich eilllretender Arbeitslosigkeit oft nicht abfahren können. Es bleibt abtnwaricn. ob die Stadtverord- neten diesmal den beanlrogten Fahrpreiserböbimgen ihre Zustimmung erteilen._ Siftungstage von Stadt- nnd(Semcindcvcrtretnngen. Tegel. Heute Mittwoch, den 29. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Ge» meindehause. Lichtenberg. Donnerstag, den 30. Januar, abends 6 Uhr, im Rat» Hause. Mölliiidorssstratzc. Spandau. Morgen Donnerslag, nachimitags 4'/, Uhr. im Rathauie. Aus der Tagesordnung steht u. a.: Antrag des Genossen Pieper, die Ge- wcrbegerichiswahl ouf einen Sonntag zu verlegen; Emsührung eine« städtischen Arbeitsnachweises Temprtbof. Donnerstag, den 30. Januar, abends>/,S Uhr, im Ge- mewdcsitzungSzimmer, Dorjslr J2. Diese Siyungcn sind Sssenllich. Jeder GcmcindeangchSrigc ist be» rechtigt, ihnen al» Zuhörer bciznwohncn. Jugeudveranstaltunge». Tempelhof- Mnriendorf. Heute Mittwoch den 29. Januar, abends 8 Uhr, findet im Jugendbeini, Kaiser-Wilhelm-SIr. 76, ei» Vortrag des Herrn O. Schlaver über„Stenographie" statt. Die arbeitende Jugend ist hierzu ganz besonders eingeladen.— Es crsolgt autzerdem daselbst die Ausgabe der Billetts sür die am 3. Februar slatlsind>ndc kiiiemalographische Vorstellung im Apollo< Lichtspicltbealer, Mariendors, Ebausseeslratze, Ecke Martaroscnftratze. Die Eltern der fchnlcntlasscncn Jugend werden gebeten, ihre Söhne und Töchter aus beide Veraiistaltuiigen ausmerksam zu macheu. Lese- und Diskutierklub„Südost-. Heule Mittwoch bei Neidbardt, Görlitzer Str. 58: Gencrawersammlung und' Vortrag. Gäste willlommen. Marktpreise von Verlin am 27. Januar liMS. nach Ermittelungen des käntgl Polizeipräslbinnis. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,54 bis 19,60, mittel 19,42—19,48. geringe 19,30—19,36 Roggen, gute Sorte 17,03—17,05, mittel 16,99—17.01. geringe 16,95- 16,9? �ib Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 17.60—18,30, mittel 16,90-17,50, geringe 16.20—16,80. Haser, gute Sorte 18.70—20,40, mittel 17,20—18,60(stet Wagen und ab Bahn), M a r k t h a l l e n p r e i j e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. Sveisebohnen, weiße. 35.00— 50 00. Linien 35.00—60.00. Kartoffeln sKIeiichdl.) 6,00-10,00. 1 Kilogramm Nindsieilch. oon der Keule 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchflessch 1,40-1.80 Schweinefleisch 1,70-2,20. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—240 Butler 2 10-3.00. 60 Stück Eier 4,40—6.00. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2.40. Aale 1,60—3,20. Zander 1.40— 3,60. Hechte 1.60— 2,80. Barsche 100_ 240. Schiere 1,60— 3,20. Biete 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,50-24.Öa »tattonen SLttteruugStiberslcht vom 28. Januar lvl». 4!«= if! II PI" i ? Qcuer Swinemde. 770 NNW Hamburg 1769 03» Berlin 17709J Franks. a.M 766 NO München!766W Wien>766 NNW 3j heller 2 wolkig 2woltlg 1 bedeckt 2 Nebel 2 bedeckt »« d* Ii w3> -2 —3 3 -1 -2 0 «raNoncn * ff Ss, Sß - kL euer >aparando 777 NNT lcterSburg 763jONO Scilly Aberdeen Paris 7525 7S2>SSO 761;2«0 2woIkenI »bedeckt 2bedeckt 6 dedeckt I bedeckt t* £3 -28 —10 10 5 5 i WVNNW 2 b(6cal r»' i Wetterprognose für Mittwoch, den«». Januar l»iz. Trocken und viclsach heiter, etwas kälter bei ziemlich Irischen Nordost» lichen Winden. or»vfle?»-..,„ berliner» elt erbureau. «Sasserstands-Rach richte» der LandeSanstall tür Gewässertunde. mi>gete>Il vom Berliner Wetterburea« Wasserstand M e m- l. Tllfl« D r e a e l, Jnsterdurg Weichsel Thor» Oder. Ralibor Krossen Frantiurt Warthe. Schrlmm m. LcmdSberg «• k e, Vordamm Elbe, Leitmeritz Dresden Barbh , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandau') » Raibenotv') Spree, Svremberg') . Beesww Weser, Münden , Minden Rhein, MaxiinillanSau , Kaub Köln Neckar. HeilbroiM Main. Hanau Mosel. Trier am 1 seit 27 1.1 26. l. ern 248 71') 100») 146 84 412 528 466 383 508 243 321 253 ern1) +16 — 7 -4 +56 -1 -18 —10 —12 +19 +16 _ z +9 -53 >)+ bedeutet Wuchs.— searr —«) Oberhalb der Stadt Elstt»«? n_______ "Buchdrucker« u. Verlagsanst�li'P�ülSmgkr u. Ea, —») Unterpegel.— Treibet». ♦) Elsga! •) Eisstand. rlin SWT*