Ur. 26. flbonncmcntS'Bedingun�n: Abonnements- Preis brännmerand»! Lierteljährl. L.M Ml, monatl. I,l0 Ml, wöchenllim 2S Pfz. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pig. SonntugS- nnmmer mit illustrierter ZonntagS- Beilaae„Die Zicuc Welt"]6$ig. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singclrazen in die Post-ZcilungZ- Preisiiilc. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige?lusland 3 Marl pro Monat, PostabonnementS nehmet! an: Pelgien, Dänemarl, Holland, Italien, üursniburg, Pornigal, kulnänien, Schweden und die Schwcij, 36. Ilchrg. VIe Inlei'tlong.eebilhi' keträgt für die sechsgelvaltcne Aolonel- «eile oder deren Raum 60 Pig„ fftt politische und gewerkschaiwche Bereu, S- Und PersatnimungS-Anzeigen:« P-g, Kleine Anreizen", das settgedruelte Wort 20 Big, csulässig 2 settgedniilt- Wortes, zedeS weitere Wort 10 Piz. Etellengeiuche und Schlasltellenon- zeigen das erste Wort 10 Pfg,. jede? wertere Worts Pfg. Worte über ISBuch. staben zäblen für zwei Worte, Inserate tiir die nächste Nummer müssen bis » Uhr naMmittags in der ibrpedition abgegeben werde». Die Erpeditiou ist bis 7 Uhr abcndS geöffnet, erlchillit täglich auScr tilontägs. Verlinev VolksblÄkt. Telegramm- Adresse: .�«liiltlkmbüräl Ktllio", ZcntruXorgan der foztaldemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: SöQ. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morrnplati, Nr. IS8Z. Freitag, den 31. Januar 1913. SxpedMon: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Mortttplati. Rr. 1984. Line entgegenkommende Zinwort der Türkei. Donnersiagnachmittag 3 Uhr hat der türkische Minister des Auswärtigen dem österreichißchen Botschafter die Antwort der Pforte aus die Note der Mächte überreicht.„Lieber den Krieg als die Abtretung von Zilbrianopel und der Aegäischen Inseln", das war das Programm, mit dem die Jungtürken Kiamil Pascha gestürzt und den Friedensschluß vereitelt hatten, Wenige Tage haben genügt, um die Jungtürken zu über- zeugen, daß ihr Beginnen fruchtlos gewesen ist, daß die ver- zweifelte Lage des Landes— und sie ist durch ihren Putsch noch verzweifelter geworden— ihnen die Durchführung ihres Programms unmöglich macht. Tie Antwort der Türkei sucht nicht mehr Adrianopel zu restten. Die Jungtiirken verzichten auf einen Teil der Stadt und sind bereit, die Befestigungen von Adrianopel zu schleifen. Ebenso fordern die Jungtürken nicht mehr die volle Aufrcchterhaltung ihrer Herrschaft über die Aegäischen Inseln; nur noch für jene vier, die die Dardanelleneinfahrt beherrschen, verlangen sie die Souveränität der Türkei, für die andern sind sie bereit, Autonomie zu- zugestehen. In der Jnselfragc würden so die Forderungen der Mächte beinahe vollständig erfüllt sein. Die Mächte wollten bekannt- lich sich die Entscheidung über die Inseln vorbehalten. Die Jungtürken wollen zuerst sich darüber vergewissern, wiS diese Entscheidung ausfallen wird. Erfüllen sie auch nicht be- dingungsloS das Verlangen der Mächte, so sind ihre Be- dingungen doch solche, daß sie kein Hindernis für den Friedensschluß abzugeosn brauchten. Nur wenig anders steht es um Adrianopel. Hier war den Türken auch in der Note der Mächte die Souvcräniräl über die heiligen Orte der Stadt zugesagt. Sehr toeit geht die Forderung der Jungtürken übe'r diese Zusage nicht hinaus. AdrianopÄ hört auf jeden Fall auf, em Punkt von strategischer Bedeutung für die Türkei zu sein. Tip Jungtürken sind nur noch darauf bedacht, ein wenig ihr Prestige zu retten, ihren Putsch noch halbwegs nachträglLch zu rechtfertigen. Daß der Zustand, wie ihn eine Teilung über Adrianopel schaffen würde, aller Voraussicht nach vur ein provisorischer wäre, daß in wahr- scheinlich nicht zu langer Zeit die Bulgaren Herren der ganzen Stadt würden, daß dieses Provisorium, so lange es besteht, nur ein Hindernis für die Anbahnung guter Be- Ziehungen zwisches der Türkei und den Balkanstaaten bildete, sehpn wohl die jungtürken selbst ein. ES ist ein Vorschlag der Verzweiflung, geboren aus der Erkenntnis der Unmöglichkeit, den Krieg nochmals mit Aussicht auf Sieg aufnehmen zu können, und der Unmöglichkeit, dasselbe zu tun, was die alte Regierung tat, nämlich ganze Arbeit zu machen, den europäischen Besitz zu liquidieren und so noch die einzige schwache Mög. lichkeit zu schaffen, in Kleinasien die Regenerierung deS Reiches zu versuchen. Die jungtürkische Antwort ist eine Halbheit und in der Politik führen Halbheiten zu Mißerfolgen. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß die türkische Note das äußerste an Entgegenkommen leistet, was unter den gegebenen Umständen dieser Regierung noch möglich war und eine solche Ant- wort hätte l»or 48 Stunden sicher als Basis für weitere Verhand- lungen dienen können. Kommt sie jetzt zu spät? Die verbündeten Balkandelezierten haben den Waffenstillstand gekündigt und Herr Dr. Danew erklärt die Wiederaufnahme der Ver- Handlungen ohne die Abtretung Adrianopels und der Inseln für unmöglich. Trotzdem wird man sich schwer entschließen können, an dieses Unmöglich wirklich zu glauben. Nach dieser Antwort der Pforte müßte es denn doch nicht allzu schwer sein, den Friedensschluß auf dem Balkan durch diplomatische Mittel zu erreichen. Die türkische Note. � K»nstantinovtl. 30. Januar.(Meldung der „Agence Havaö".) Hcute nachmittag um 3 Uhr hat der Groß- wesir dem österreichisch-ungarischc» Botschafter die Ant- w 0 r t.n 0 t e d r r T ü r k e i überreicht. Tie Note„t u, ftnem gern 5)i igten Tone gehalten und füllt vier Bogen, ette». Uebcr den Inhalt verlautet folgendes: Tie Pforte besteht da- rauf, dieienigen Teile von A d r i a n 0 p e l zu behalten, in welä�n die heiligen Orte der Mohammedaner liegen. S'c'st bereit, das rech c Ufer der Marina abzutreten. Was die Inseln ,m Aegäischen Meere anbetrifft, so wünscht d.e Türkei aus stratcgiichen Gesichtspunkten ihre Souveränl- tat über diejenigen� In, cln aufrechtzuerhalten, welche in der Nahe lh.rer»uste liegen. Jedoch überläßt sie den Machten die Bestimmung des Regimes, unter welches dic,e Inseln gestellt werden, ollen,«ie nimmt Kenntnis von den Zusagen der Machte, ue in der Entwickeluiig des Landes zu uutcrstjitzcii. Zum«chlutz kommt sie noch' einmal auf die religlöien und hlstorlichen iSrundc zurück, welche die Türkei twingeu, deu Teil von Adnauopel zu behalten, welcher die den Muselmanen heiligen Orte enthält. Jedoch erklärt sie sich bereit, die Befestigungen von Adrianopel zu schleifen. Wien, 30. Januar. Uebcr die Note verlautet, wie dem Wiener K. K. Telegr.-Äorresp.-Burcau aus 5konstantinopcl gemeldet wird, weiter, daß für Adrianopel die T u n d s ch a als Grenze vorgeschlagen wird, wobei den Bulgaren ein Teil der Stadt überlassen wird. Bezüglich der Inseln heiße es in der Note, daß die 4 I n s e l n vor der Ein- fahrt in die Tardanellen der Türkei verbleiben müßten. Was die anderen Inseln betreffe, so sei die Pforte bereit, ihnen A u t 0 n 0 m i e nach Art der des Libanon oder der Insel Samos zu gewähren. Eine Erklärung Tanrws. London, 30. Januar. Dr. Danew erklärte einem Ver- treter del! Reuterschen Bureaus im Namen der Verbündeten, die Autwort der Türkei sei nicht geeignet, die Grundlage für neue Verhandlungen zu bilden. DieVer Handlungen würden ohne die Abtre-tung Adrianopcls und der Inseln nicht wieder a u f g e no m m e n werde». Im übrigen müsse die Abtretung vor der Wiederaufnahme des Krieges stattfinden. Der erste Kanonenschuß werde die Be- dingungen der Verbündeten ändern. Dr. Danew gab diese Erklärung nach seiner Rückkehr von einem Besuch im Auswärtigen Amt ab. Eine günstigere Ausfassung. Paris, 30. Januar.(P r i v a t t c l e g r a m m des „P 0 r w ä r t s".) Ein Balkandelegierter erklärte dem Lon- doner Korrespondenten des„Temps", daß die türkische Antwort unerwartet gemäßigt sei. Sie über- nehme im wesentlichen das Adrianopeler Projekt Kiapnl Paschas. Ein Ausschub der Abreise der Delegierten sei nur möglich, wenn Sir Edward G r e y sie anriete. Der Korre- spondent berichtet, daß in einer hcutiflen Unterredung niit einem Balkaudelegierten der französische Botschafter in London, Camb'on. geraten Hobe, zu warten. Tie Serben, Montenegriner und einige Griechen seien dazu ge- neigt, während die Bulgaren und der griechische Minister- Präsident Venizelos kriegerisch gesinnt seien. Jedenfalls ist augenblicklich noch eine schwache Hoff- nung auf Vermeidung der Feindseligkeiten gestattet. Die Balkandelegierten. London, Zg. Januar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, werden von den M i t gk i e d e r n. der griechischen, serbischen und montenegrinischen Mission Skuludis, Wesnitsch und Popowitsch noch einige Zeit in London bleiben, um mit dcnc Aus- wältigen Amt und den Botschaftern Fühlung zu behalten. Der bulgarische Delegierte Madjaroff wird über die bulgarischen Ilster- essen wachen. Venizelos wird am Sonnabend nach Paris ab- reisen und von dort nach Wien, Belgrad und Saloniki fahren. Die Kündigung des üdaffcnftilirtandes. K 0 n st a n t i n 0 p e l, 30. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Balkanverbündcten haben den W a f f c n st i l l st a n d von hcute 7 Uhr abends ab gekündigt. Bulgarien und Rumänien. London, 29. Januar. In dem von Mischu und Danew aus gesetzten Protokoll fordert Rumänien eine Grenzlinie, die sich von Turtukai, einem Punkt an der Donau, ungefähr zwanzig Wieilen westlich von S i l i st r i a bis B a l t s ch i k am Schwarzen Meer erstreckt. Rumänien verlangt ferner Garantien für die Autonomie der Schulen und Kirchen der Ku tz 0 mala che n in dem Gebiet, das Bulgarien zufallen wird. Es wird erklärt, daß Rumänien diese Zugeständnisse verlange mit Rücksicht auf die grossen durch den Krieg hervorgerufenen Aenderungen des politischen Gleichgewichts, die für die zukünftige Freundschaft zwischen Bul- garten und Rumänien weitere Garantien für Rumänien crfordcr- lich machten. Das Protokoll gibt endlich an, was Bulgarien zuzugestehen willens ist. Wenn diese Meldung zutrifft, so hätte Rumänien nach rechter Erpresserart die eingetretene Krise zu einer ausserordentlichen Er- höhiing seiner Forderungen ausgenützt. ?0!'0' Januar. Während die offiziöse Presse über die rumänischen Forderungen schweigt, verurteilen einzelne oppositionelle Blätter das Vorgehen Rumäniens in den schärfften Ausdrücken. In der Oefsentlichkeit herrscht über das Vorgehen Rumäniens große Erbitterung. Ein bulgarischer Armeebefehl. Sofia, 29. Januar. General S a w 0 f f hat folgenden Tages- befehl an die Armee gerichtet: Aus dem Gange der Friedensverhandlungen geht klar hervor, daß der Feind nicht einen Zoll breit des Landes abtreten will, das von unseren siegreiche» Ar- meen erobert worden ist. Sollen die Helden von Kirkkilisse, Bunar Hissar, Lille Burgas und Tschataldsch« diese Beleidigung der rühm. reichen bulgarischen Armee hinnehmen, ohne sie zu vergelten? Bereitet Euch deshalb für neue Siege vor, und beweiset mit Eurem unwiderstehlichem Vorwärtsstürmen dem Feinde und der ganzen Welt, daß das bulgarische Vaterland mehr Rücksicht verdient. Tic Konflikte in der türkischen Armee. Paris, 30 Januar. Nach einer K 0 n st a n t i n 0 p e l e r Meldung des„Matin" seien bei den Kämpfen im Lager von Tschataldscha zwischen den Anhängern des ermordeten Kriegsministers N a s i m Pascha und den j u n g t ü r k i- scheu Offizieren 42 Offiziere getötet oder verwundet worden. An dem Kampfe hätten sich nament- lich die t s ch e r k e s s i s ch e n Bataillone beteiligt, die die Ermordung ihres Landsmannes Nasim rächen wollten. Ter bulgarische AktionSplan. Paris, 39. Januar. fP r i v a t t e l c g r a m m des„Vor- tvärts".) Der hier angekommene türkische Finanzminister Theodoross erklärte einem Korrespondenten des„Temps", er beabsichtige, mit der französischen Regierung und den Banken zwecks Vorbereitung eines Abschlusses einer Anleihe sofort nach dem Friedensschluß in Verbindung zu treten. Die Verbündeten würden zunächst sicher daS unhaltbare Adrianopel angreifen. Das nach dem Fall der Festung ver- fiigkir werdende Belagcrungsmaterial würde nach Tschataldscha transportiert werden, das dann erst angegriffen werden würde. Eine türkische Offensive sei ausgeschlossen. Buk- garten werde entschieden eine Kriegsentschädigung sor- dcrn. Da im Kriege 2ö 999 Mann gefallen seien, so seien für die Hinterbliebenen etwa 19 Millionen Frank auf die Dauer von 29 bis 39 Jahre notwendig. Das Kriegsmaterial sei grösstenteils be- schädigt und der halbe Viehbestand verloren gegangen. oö9 999 Mann der� Armee seien zu ernähren und zu besolden. Ter Verlust der europäischen Provinzen, die der Türkei nur 18 Prozent Einnahmen brachten, aber 26 Prozent Ausgaben verursachten, verbessere ja die türkische Finanzlage. Tie Balkanstaaten könnten 199 Millionen otiomanischer Schuld sowie die Kilometcrgarantien für die Eisen- bahnen übernehmen. Das Finauzelend der Türkei sei eine Legende. Das erste ffiißtrauensvotani. Der Beginn der gestrigen Rcichstagssitzung brachte dem Kanzler das erste MisstrauenSvotuin durch die deutsche Volksvertretung. In namentlicher Abstimmung erklärten sich 213 Abgeordnete gegen die Polenenteignungspolitik des Kanzlers. Nur 97 Stimmen traten schützend vor den Kanzler und 43 Allzuvorsichtige drückten sich um eine klare Stellungnahme durch den blauen Ent- haltsamkeitszettel. Der Kanzler, der schon am Donnerstag der Kritik aißgewicheu war, fehlte natürlich auch gestern. Er kann sich diese Nichtachtung der Volksvertretung leisten, da er seine Stütze ausserhalb des Hauses hat. So wird das Mißtrauensvotum auch keine augenblicklichen politischen Folgen nach sich ziehen. Der Kanzler lvird in seinem Amte bleiben und die ihm anbefohlene Polenpolitik weiter verfolgen. Aber nutzlos war die Abstimmung doch nicht. Der Reichstag konnte dokumentieren, daß er mit der Hakatistenpolitik der Regierung nichts zu tun haben will. Die Isolierung des Kanzlers bedeutet für ihn eine moralische Niederlage» die aus die Dauer doch nicht ohne Einfluß bleiben wird. Und auch da? ist nicht ohne Wert, daß von dem deutschen Volke durcki diese Abstimmung der schmähliche Verdacht genommen ist, es könnte mit der Polenpolitik cinver« standen sein. Die Abstimmung erhielt nicht dadurch ihr charakteristisches Bild, daß die Rechte— zu der ja. ohne daß man es besonders sagen müßte, auch die Nationalliberalen gehören— geschlossen für, das Zentrum und die Sozialdemokraten geschlossen gegen Bcthmann stimmte, sondern dadurch, daß die F 0 r t s ch r i t t l e r sich um ein deutliches Ja oder Nein herumdrückten. Ihre 43 Stim- men bedeuteten für den Ausfall der Abstimmung iiichts. Aber wie soll man ihr ganzes Verhalten anders deuten, als daß sie vor den Beschlüssen des preußischen Junkerhauses kapitulieren? Ihr Techtelmechtel mit den Nationalliberalcn macht die Fortschritts- partci immer reaktionärer. � Den Hauptinhalt der gestrigen Verhandlungen bildete der Gesetzentwurf für Zollerleichterung bei der Fleischeinfuh r, der den Reichstag in zweiter Lesung beschäftigte. Ucber die Fleisch- not ist so oft und so viel gesagt und geschrieben worden, daß die Redner des Hauses selbst beim besten Willen nichts Neues hinzu- fügen können. Und doch muß das oft Gesagte immer wieder wiederholt werden, bis endlich das längst Notwendige geschieht. Genosse Simon legte auf Grund von amtlichen Berichten und Statistiken den Umfang und die Ursachen der Teuerung dar. Herold vom Zentrum, Böttger von den Nationalliberalen, Arnstadt von den Konservativen setzten den beweisenden Tat- fachen, die unser Genosse angeführt hatte, die alten agrarischen Phrasen entgegen. Der Fortschrittler F i s ch b e ck begründete die fortschrittlichen Anträge. Er polemisierte zunächst geg�i die agrarischen Parteien, und spottete mit Recht über eine Wirtschaftspolitik, die sich nur bei gut' Wetter bewährt, aber bei der geringsten Miss- ernte zu schwerer Belastung des Volkes führt. Aber daß auch die Fortschrittler nicht in erster Linie die Not der breiten Massen des Volkes leitet, zeigt Fischbecks Bekämpfung der sozialdemskraitschen Anträge, die eine zeitliche Grenze für die Zollerleichterung über- Haupt nicht gesetzt wiren wollen, und die für die Gewährung der Vergünstigung auch an Konsumgenossenschaften eintttben. Die Furcht im1 der kommunalen LebenZmitieWersorgung steckt dem Fortschritt so in den Gliedern, daß seine Anträge die Einfuhr- crleichtcrung bereits zum 1. April ISIS(statt 1914) beenden und von diesem Termin ab die Nichtvnrechnung der Vieh-, Fleisch- und Futtermittelzölle dem freien Ermessen des— Bundesrats überlassen wollen. Auch die von den Sozialdemokraten geforderte Aufhebung dcS§ 12 des Fleischbeschaugcsctzes will die Volkspartei durchaus iroch durch eine gesetzliche Bestimumng über Ort und Art der Unter- suchung einschränken. Noch unklarer ist die Position der Fort- schrittler durch die halbagrarischcn Erklärungen einzelner ihrer Mitglieder, die außerhalb des Hauses sogar gegen die Erleichte- rangen gesprochen haben. Unter dem Gelächter der Rechten konnten einzelne agrarische Redner sich in der Debatte darauf berufen. Zum Schluß der Sitzung versuchte ein Unterstaatssekretär vergeblich, die Rcgicrungsgründe durch Zitate aus Bcthmann Hollwegschen Reden zu kräftigen. Heute erfolgt die Fortsetzung der Debatte Her hollZlichsche Imperialismus und [fillltarismus. Man schreibt uns aus Rotterdams Zwei Jahre sind es nun schon, da wurde, wie vielen noch erinnerlich sein wird, der holländische Militarismus und im allgemeinen die internationale Lage der Niederlande Plötz- lich eilt Hauptthema der Diskussion in der westeuropäischen Presse. Es handelte sich damals um die sogenannte Küsten- verteidigungsvorlage der holländischen Regierung, den Plan, einen Millionenfonds zu griinden zum Ausbau der toten Wehrmittel des Landes, und zwar in der Hauptsache der Küstenverteidigungsmittel und der Marine. Es sollte zum Beispiel an dem nördlichen Scheldeufer zu Vlissingen ein modernes Panzerfort erbaut werden, das imstande wäre, die holländische Neutralität im Falle eines Krieges auch auf deni weiten Scheldefluß, dem Zugang nach Antwerpen, zu wahren. Die belgische Presse, unterstützt von der englischen und fran- zösischen, erhob damals einen großen Lärni, weil der Vorsatz der holländischen Regierung angeblich in Widerspruch sei mit den Verpflichtungen, die die niederländische Regierung 1839 bei der Unabhängigkeitserklärung Belgiens auf sich ge- nonimen hatte. Es wurde von belgisch-französisch-englischer Seite die Behauptung aufgestellt, die geplanten Befestigungen hätten unverkennbar den Zweck, die holländische und die belgische Neutralität bloß einem englisch-französischen Angriff gegenüber sicherzustellen, einem deutschen Coup gegenüber hätte» sie keine Bedeutung, und folglich sei die Vorlage schließlich im Interesse des deutschen Militarismus, indem sie den Mächten der Tripcl-Entente(England und Frankreich) iin Kriegsfalle die Aufgabe erschweren würde, die belgische Neutralität zu wahren und die holländische Küste zu einem Vorwerk der deutschen Befestigungen gestalten würde. Kurz: die Küstenverteidigungsvorlage, die zirka 42 Millionen Mark für die Küstenverteidigung und zirka 22 Millionen zum Ausbau der Marine vorschlug, war ein Symptom der EntWickelung, die auch die kleineren Staaten unwiderstehlich in den Strudel des imperialistischen Zeit- alters mit seinen maßlosen Militärausgaben und der zu- nehmenden Gefahr eines Weltkrieges mitreißt. Nun ist zwar die Küstenverteidigungsvorlage in der Form, wie sie damals vorgebracht wurde, allem Anschein nach fallen gelassen worden. Wenigstens ist sie noch nicht iin Parlament behandelt worden und die Regierung hat sich auch dahin ausgesprochen, daß diese Form bedeutend ge- ändert werden sollte. Aber diejenigen, die schon die Hoff- iiung hegten, die Opposition gegen den Entwurf habe die Regierung veranlaßt, ihre militärischen Forderungen niedriger zu stellen, sind gewiß durch die neulich stattgefnndene Debatte in der Zweiten Kammer bei der Besprechung des Kriegsbudgets, ziemlich schroff aus diesem Traum aufge- rüttelt worden. Es hat sich da nämlich gezeigt, daß der holländische Militarisnius eine gewaltige Erhöhung der Militäraus- gaben vor hat und daß der Widerstand gegen diese Erhöhung immer schwächer wird. Während die Ausgaben für den Landmilitarismus im Jahre 1999 erst 28� Millionen Gulden betrugen, beträgt das Kriegsbudget für 1913 bereits 33 Millionen und der Kriegsminister Colyn, ein ehemaliger Offizier des indischen Heeres, der von der ganzen kapitalistischen Presse, der liberalen besonders, über die Maßen gefeiert wird, hat mit großer Offenherzigkeit erklärt, das Kriegsbudget würde in ein paar Jahren die Höhe von 49 Millionen Gulden, unge- fähr 67 Millionen Mark, erreichen! Unter den 33 Millionen. die jetzt schon bewilligt worden sind, komnit nun aber ein Betrag von fast 2 Millionen für Kllstenverteidigung vor und man sieht daraus, daß die holländische Regierung die Küsten- Verteidigungspläne durchaus nicht hat fallen lassen, sondern daß diese bloß in einer anderen Form durchgeführt werden sollen. Denn man kann absolut sicher voraussagen, daß in jedem folgenden Budget eine größere Summe für den ge- nannten Zweck aufgenommen werden soll. Es kommt aber noch eins hinzu, das der Debatte über das Kriegsbudget dieses Mal eine größere Wichtigkeit, auch international betrachtet, verleiht. Den heutige holländische Kriegsminister hat auch eine Reorganisierung der Armee durchgeführt, die einen voll- ständigen Bruch bedeutet mit den halbwegigen und lahmen Versuchen des letzten Jahrzehntes, die das Ziel hatten, die holländische Armee allmählich in ein Milizheer, nach dem Muster des schweizerischen, zu verwandeln. Wir sagen Ver- suche, die auf halbem Wege stehen blieben und im voraus lahm waren. Denn die besitzenden Klassen haben nie ernst- hast den Versuch gemacht, ein Volksheer zu bilden. Sie können dies auch ihrer ganzen Klasselage nach unmöglich wollen. Und bloß die Oberherrschast der kleinbürgerlichen Klassen, die seit dem Wahlgesetz von 1896 einen maßgebenden Einfluß besitzen und die der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht widerstreben, hat andererseits die im voraus zum Scheitern verurteilten schwächlichen Lolksheerversuche ge- zeitigt, die der Armee vom militaristischen Standpunkt sicher keinen Vorteil gebracht haben. Unter dem Einfluß des europäischen und des niederländischen Imperialismus hat sich nun definitiv ein Umschwung vorbereitet: die jetzige Neu- Organisation bedeutet, im Anschluß an das neue Milizgesetz von 1912, wodurch die jährliche Aushebung der Rekruten auf 24 990 erhöht wurde, den ersten Schritt zur Herausbildung einer Zwar noch nicht sehr zahlreichen, aber jedenfalls schlag. fertigen Armee, die wirklich im Notfalle plötzlich mobilisiert werden kann und die die Volksmilizschalen gänzlich abge- ftrcift, Es sollen jetzt 24 Jnfanterieregimenter zu je drei BatMonen gebildet werden und für diese 24 Regimenter, statt der früheren 12, sollen schon m der Friedenszeik alle st In der elften Stunde, als noch ein Zuhörer, dem es wohl Hilfsmittel sowie der Wesamtbestand der höheren und draußen zu kalt war, auf der Tribüne saß, erledigte man auch noch niedrigeren Führer anwesend sein. Also ein sehr bestimmter Schritt in der Richtung einer kräftigeren stehenden Armee. Nun ist es zwar ausgeschlossen, daß sogar diese Armee im Ernstfalle imstande sein würde, die Neutralität der Niederlande wirklich zu wahren, das heißt für jede Groß macht das Ueberschreiten der Grenzen zu einer wirklichen Gefahr zu gestalten. Dies könnte erst der Fall sein bei einem wirklichen Volksheer, einer Miliz, die im Notfalle über eine halbe Million und mehr bewaffnete Männer verfügen würde. Aber die besitzenden Klassen werden jedenfalls die jetzt reorganisierte Armee noch weiter ausbauen und sind bereit, dem Militarismus noch bedeutend größere Summen iir den Schlund zu werfen. Die Ursache dieser Erhöhung der Ausgaben und der Kräftigung des holländischen Militarismus zu Lande liegt nun aber nicht allein und sogar nicht in der.Hauptsache im Mutterlande und in der europäischen Gefahr. Sie findet sich vielmehr auch in dem Bedürfnis der holländischen Bourgeoisie, ihr Kolonialreich, Niederländisch Indien, mit seinen unermeßlichen Schätzen und seinen zirka 49 Millionen Einwohnern, sicherzustellen. Die holländische besitzende Klasse bezieht einen sehr großen Teil ihres wachsen de» Reichtums aus dei� indischen Besitzungn. Indien ist für sie ein unermeßliches Terrain zur Investierung ihrer über- flüssigen Kapitalien. Bei weitem der größte Teil des ver- fügbaren holländischen Kapitals wird nach Holländisch-Jndien exportiert. Der Besitz des indischen Archipels erweckt nun in den besitzenden Klassen einerseits das Bestreben, die Unab- hängigkeit Hollands in Europa sicherer zu stellen und andererseits zum Ausbau der Verteidigungsmittel des indischen Reiches. Nun ist es ausgeschlossen, daß die Verteidigung des ge- waltigen indischen Archipels je durch den holländischen Militarismus stattfinden könnte. Die Bourgeoisie hat denn auch bereits die Lösung auf- gestellt und zum Teil durchgeführt: Indien, das heißt die Massen der ausgebeuteten indischen Bauern, müsse selbst die Kosten seiner Verteidigung tragen.' Ein militärischer Fach- mann hat neulich in einer großen Revue eine Berechnung aufgestellt, wie groß sich diese Kosten in den nächsten Jahren gestalten werden. Zur Verteidigung des indischen Reiches bedürfe man einer Marine von wenigstens 5 oder 6 Schlacht- schiffen des größten Typs, Superdreadnoughts von zirka 26 999 bis 27 999 Tonnen Gehalt, ferner einer großen Tor- pedoflotte, einer ausgezeichneten Luftflotte, kurz, eines Materials, wodurch man imstande sein würde, jeden möglichen Angreifer, der sich immer sehr weit von seinen eigenen Häfen entfernen müßte, zu vernichten. Dann wäre noch ein javanischs Volksheer einzurichten, ausgerechnet ein Volks- Heer, das der Bourgeoisie im Mutterlande den größten Ab- scheu einflößt. Das indische Budget sei imstande, die Kosten dieser gewaltigen Rüstungen zur See und auf dem Lande zu tragen, weil es in einigen zwanzig Jahren bis auf eine Milliarde Gulden— zirka 1799 Millionen Mark— erhöht werden könnte. Zwar sind diese Forderungen noch nicht durchgeführt. aber es besteht kein Zweifel darüber, daß die holländische Bourgeoisie in den koinmenden Jahren der indischen Be- völkerung, über welche sie unumschränkt herrscht, neue un- geheuere Militärlasten aufbürden.wird. Es besteht also eine sehr deutliche Wechselwirkung zwischen den beiden Erscheinungen, dem Ausbau des holländischen Militarismus und dem kolonialen Imperialismus der holländischen Bourgeoisie. Beide bilden ein Ganzes und das holländische Proletariat, das die Bürde des Militarismus zu tragen hat. hat vielleicht nirgends den Zu- sammenhang zwischen beiden Erscheinungen, dem Mili- tarismus und der Kolonialpolitik, so deutlich vor Augen, Bekämpfung beider Erscheinungen des Kapitalismus wird immer mehr seine höchste Aufgabe, gerade wie das in den Großstaaten der Fall ist._ poUtifchc Ckbcrficbt Berlin, den 80. Januar 1913. Fiskus und Zweckverband. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Donnerstag bei der Beratung des Forstetats auch mit der Frage der Waldverkäufe an den Zweckverband Groß-Berlin. Es ist bekannt, daß der Fiskus ganz ungeheure Preise, Baulandspreise von Groß-Berlin für seine Wälder fordert, und daß es aus diesem Grunde bisher noch nicht zum Abschluß des Geschäftes gekommen ist. Leider fehlt eS nicht an Scharfmachern, die einen Druck auf den Fiskus ausüben und ihn zwingen wollen, noch höhere Preise von Berlin zu fordern, nicht weil die Wälder einen so hohen Wert haben, sondern weil angeblich Berlin so hohe Preise zahlen kann. In diesem Sinne äußerte sich Abg. v. B r a n d e n st e i n(k.). in dessen Worten nur allzu deutlich der Haß gegen den.Wasserkopf' Berlin zum Ausdruck kam. Ihm traten die Abgeordneten Ziethen(fk.). Cassel(Bp.), Hirsch(Soz.) und Rosen ow(Vp.), die sämtlich dem Zweckverbande als Vertreter angehören, entgegen. Aus ihren Reden ging deutlich hervor, daß sie sehnlichst den Ankauf der Wälder wünschen, daß sie aber auf keinen Fall ge- neigt seien, die Wucherpreise zu zahlen. Hoffentlich zieht der Fiskus aus dieser Einmütigkeit der Zweckverbandsvertreter, die den verschiedensten Parleien und den verschiedensten Gemeinden an- gehören, die Konsequenz und geht von seiner exorbitanten Forderung ab. Daß diese Hoffnung begründet ist, ließ der Vertreter des Lnndwirtichaftsministeriums durchblicken, der sich zwar zur Sache selbst nicht äußerle, aber doch einige charakteristische Andeutungen machte. In der sonstigen Debatte über den Forstetat, die sich in Einzel- heilen verlor, regte Genosse Borchardt eine Verpachtung der Jagden an und kritisierte gleichzeitig die jämmerliche Bezahlung der Waldarbeiter. Verschiedene Redner forderten eine Besserstellung der Forstbeamten. Der Landwirtschaftsministcr Frhr. v. Schorle m er entpuppte sich wieder als Reaktionär, indem er gegen die Orgnni- sationsbestrebungen der Foist- und Waldarbeiter zu Felde zog und das Märchen vom sozialdemokratischen Terrorismus anstimmte. In einer Abendsitzung wurde der Forstetat zu Ende beraten Vor leeren Bänken rodet man stundenlang über Försterwünsche Der Minister stellt sich freundlich dazu. Als aber der Fortschrittler Büchtemann verlangt, daß zum Verkauf von Domänen nicht nur die Zustimmung von S. M., sondern auch die des Landtags eingeholt werde, lehnt der Freiherr v. Schorle mer trotz man- cken eindruckvollen staatsrechtlichen Hinweises Büchtemanns„grund- sätzlich" ab. Der Freikonservative Spinzig spricht über die Forstarbeirer, aber nur, um Borchardts Angaben als unhaltbar hinzustellen. Liebknecht antwortet kräftig unter dem Unmut der Junker, daß die� Forstarbeiter dieses Interesse der Drei- klassenmehrheit zu würdigen wissen werdeol den Etat der Scchandlung. Was wird aus der Stadtbastnelektrifierung? In der Stadtbahnclektrisierungswmmission des Abgeordneten» Hauses haben die Konservativen nach Schluß der Diskussi'on den wohl kaum zulässigen Antrag gestellt, die Regierungsfordcrung abzulehnen und nur 9 Millionen(statt 59) für bessere Dampf- lokomotiven und Versuche mit elektrischen Trieblokomo- tiven zu bewilligen— wenn sie die Regierung anfordert. Die Beschlußfassung über alle Anträge wurde vertagt. Ter Präsident des Kaiserlichen Aufsichtsamtes als Gründer der„Deutschen Volksversicherungs-Attien- gesellschaft!" Nachdem in der agrarischen und auch in der Versicherungs- presse schon wiederholt Andentungen erfolgt sind, daß eine hervorragende Persönlichkeit im Kaiserlichen Aufsichtsamt die Gründung der„Deutschen Volksversicherungs-Aktiengesellschaft" veranlaßt habe, bezeichnet jetzt offen die Nr. 44 von„Wall- manns V e r s i ch e r u n g s z e i t s ch r i f t" den Präsidenten des Kaiserlichen Aufsichtsamtes als den eigentlichen Gründer dieser Gesellschaft. Zugleich erhebt sie gegen ihn die Anklage, daß er zugunsten seiner Gründung parteiisch verfahre. In dem Artikel.Gemeinnützig" in Nr. 44 der genannten Zeitschrift heißt es nämlich:.Waruin also haben die Privatgesell- schaflen diesen Schritt getan? Wenn man der Vorgeschichte der letzten Gründung nachgeht, so gelangt man zu eigentümlichen Er- gebnissen. Es ist kein Geheimnis mehr, daß der Vater des Ge- dankens nicht bei den Direktoren der gründenden Gesellschaften zu suchen ist. sondern— im A u f s i ch t S a m t, ja, daß die Idee dem Kopfe seines Präsidenten entsprungen ist. Ein kleines Häuflein von Versicherungsdirektoren, denen der Plan enthüllt wurde, begeisterten sich für ihn, und der Rest— machte mit, weil er sich eben nicht ausschließen mochte. Man kann unmöglich fehlgehen, wenn man die leitenden Beweggründe des Herrn Präsidenten auf politischem Gebiete sucht. Er wollte der Sozialdemokratie mit ihrer.Volkshilfe" ein Paroli bieten. Man wird es auch verstehen, daß ein Mann in solcher Position sich auch politisch betätigen und auf seinem eigensten Felde dem Vaterlande einen großen Dienst erweisen möchte, als welcher jedes Zurückdrängen der Sozialdemokratie unleugbar auf- gefaßt werden müßte; und ebe»so wird man es verstehen, wenn er, nachdem er sich einmal in der Angelegenheit engagiert hat, seine ganze Macht und alle erlaubten Hilfsmittel zu ihrer Förderung einsetzt. Fraglich ist eS uns aber, ob diese Agitation soweit gehen darf, daß sie die gerade ihm unterstellten privaten Versicherungsunterliehmusgen in ihrer Existenz gefährdet. Und als höchst bedenklich müssen wir es bezeichnen, wenn sie da- hin führt, daß mit ungleichem Maß gemessen wird, daß ad boo Dinge als zulässig erachtet werden sollen, die man sonst nicht er- laubt haben würde. Nach unserer juristischen Ueberzeiigung ist keine Gesellschaft, weder eine Aktien- noch eine sonstige Gegenseitigkeitsgesellichafl in der Lage, fich auf Grund ihrer Satzungen mit einem Teile ihres Vermögens an einer Gründung der fraglichen Art zu beteiligen. Wir wissen, daß in betreff der Aktiengesellschaften unsere Ansicht nicht überall geteilt wird. Unbediizgl fest aber und unwider- sprachen steht sie bezüglich der Gegeriseitigkeitsgesellschasten. Sie müßten also zum Zwecke ihrer Beteiligung eine Statulenändermrg vornehmen, und viele würde der Genehmigung de« AussichtSamle« unterliegen. Wenn wir richtig unterrichtet sind, hat man den Herrn Präsidenten hierauf aufmerksam gemacht und die Antwort hat gelautet: Selbstverständlich! Eine solche Sachtungsänderung wird aber ohne weiteres genehmigt werden.— Tun hätten wir es wohl einmal erleben mögen, daß eine Gegetiseitigkeitsgesellschaft aus ihrer eigenen Haut heraus den Drang verspürt hätte, sich mit Kapital an einer beliebigen Aktlengesellschast, die vielleicht sicherer auf den Beinen stand, als die jetzige Gründung, zu beteiligen und zu diesem Zweck die Genehmigung des Kaisarl. AussichtSamts nach- zusuchen. D i e Verfügung des Kaiserl.. Aussichtsamts hätten wir lesen mögen! Was aber dem einen recht ist, ist dem andern billig. und der Zweck heiligt die Mittel." Die Verantwortung für diese Anschuldwjrnlgen müssen wir natürlich der Redaktion von Wallmanns„Versicherungs- Zeitschrift" überlassen. Ob sie richtig sind, wird sick ja bald herausstellen; denn sind sie unrichtig, wird der Angegriffene sicherlich nicht schweigen. Aus der sozialdemokratischen ReichS'tagsfraktion. In der Fraktioussitzung am Mittwoch ersckiieu als Gast der Ge- noffe Ham-ju-kia, von dem Vorsitzeuden Genosse, r Bebel herzlich begrüßt. Der chinesische Genosse hielt in französischer Sprache«ine kurze Rede, m der er seiner Freude Ausdruck gab. unter den be- rnfensten Vertretern des deutschen Proletariats n«ileii zu dürfen. Er sei weder Vertreter der Regierung der neue.n Republik, noch Delegierter irgend einer Partei. Er bandle nur für feine Person als Republikaner und als Sozialist in, Interesse der j-unge» Republik. die von ihren Nachbarn im Osten und im Westen bedroht sei. So- wohl Japan als au» Rußtand sähen der demokratisti»«» Entwlckelung Chinas mit schelen Augen zu. Sie fürchteten eine Rückwirkimg auf ihre eigenen Bolksgenoffen. Es gälte, der jungen Repudlik die Sympathien der zivilisierten Welt zu erringen und z* erhalten und allen gehässigen Ausstreuungen wirksam enigegenzMretten. Ham-fu- tia hat sich daher die Aufgabe gestellt, sowohl ,n Europa, als auch in Amenka parlomenlarisaie Gruppen der Freunde der Republik China ins Leben zu rufen. Er wendet si» zu diesem Behufe au» an die fortschrittlichen Parteien der bürgerlichen Uiilen; in erster Linie jedoch an seine sozial.sl.schen G�innungsgenonen Es ist ihm auch gelungen, in England. Frankreich. Belglen und Portugal der- artige interfraktionelle parlamentarische Gruppen ,»« Leben zu rufen, denen die führenden Genosicn der betieffrnden Länder. wie Keir Hardie, Mac Donald. �auro-., Prvyenss, Vander- velde usw.'angehören. I«. �"reich und Italien seien derartige Gruppen im Werden begr.»-.,, wenigstens habe er bereits zustimmende Erklmungen maßgebender Mitglieder der dortigen Parlamente ehalten. Er hoffe, dag Deutschland nicht zurückbleibe und in erster Lmie rechne er dabei auf die Unter- stützuna der deutschen Sozialdemokratie. Darum bitte er die sozial- demokratische ReichstagSfrakrion,»hm die weitgehendste moralische �"�Geiwffe� Bebel dankte dem Genossen Hain-jn-kia für seine Bus- fübrnngen. Er versprach die moralische Unterstützuiig der republi- kanit'che" Bestrebungen M China. Mit Worten des Dankes für die freundliche Aufnahme und für die gegebene Zusicherung verabschiedete sich Genosse Hain-ju-kia von der Fraktion. Erfolge der agrarischen Wirtschaftspolitik. Die soeben vom Kaiserl. Siatislischen Amt veröffentlichten Fest- stellungcn der JahresdurchschniltSpreise unserer wichtigsten Agrar- Produkte zeigen eine beträchtliche Steigerung der Getreide-, Vieh- und Vutterpreise während der letzten Jahre. Die nachfolgende Uebersicht läßt die Veränderungen klar und deutlich hervortreten. ES sind zunächst die Preise des letzten FahreS mit denen des Vor- jahres zusammengestellt. Durchweg sind sie gestiegen. Ein weiterer Vergleich der Jahre 1905 und 1912 zeigt die Steigerung seit Geltung des neuen Zolltarife-Z. Ferner ist die Preisveränderung, durch Er« Mittelung des Durchschnittes der Preise in den sechs Jahren 1907/12 und dem Jahrfünft 1902/07 dargestellt. Dabei tritt die von den Schwankungen in den einzelnen Jahren nicht beeinflußte Preis« erhvhung nach dem Wirksamwerden der höheren Zölle in ihrer Ge- samlheit plastisch hervor. Die eingestellten Preise gelten immer für dieselbe Ware nach den Notierungen an denselben Börsen. Es kostete danach ein Doppelzenwer: 1912 Roggen... Weizen... Hafer.... Mais.... Gerste fBrau«). .(Futter«) Ochsen... Schweine... Kälber... Hammel... Butter.... Raffinade.. KartoffelspirituS Rüböl.... Heringe... Schmalz... Deutlich gepriesenen Mark 185,8 217,— 189,7 186,1 179,8 164,4 166,2 147,4 198,5 166,— 262,7 46,9 33.2 66,1 .. 45,6 .. 108,7 zeigen sich Schutzes der 1911 Mark 168,3 204,— 168,3 167,6 165,91 138,3/ 153,7 114,2 183,3 151,— 255,— 46,7 24,6 63,5 89,5 94,8 1905 Mark 151,9 174,8 142,7 148,— 140,8 137,5 132,— 153,9 139,1 235,2 43,— 25,3 45,5 35,2 76,3 Durchschnitt d. Fahre 1902/07 Mark 144,8 170,7 144,7 141,7 132,2 133,4 119,5 149,1 134,3 228,3 45,9 24,8 49,2 85,2 86,9 de? vielentsetzliche 1907/12 Mark 177,2 214,1 171,— 171,8 163,31 144,9/ 147,— 127,6 177,3 149,4 247,4 43,6 28,4 64,5 36,8 106,4 die unheimlichen Wirkungen nationalen Arbeit". Eine Teuerung ist das Resultat. Die Zollschraube hob das gesamte Preisniveau. Nur der Preis für Zucker ist im Durchschnitt der letzten Jahre gesunken. DaS aber erklärt sich aus den Beschlüssen der Zuckerkonvention und der Herabsetzung der Zuckersteuer. In welcher Weise die Fleisch« und Getreidepreise hinaufgetrieben wurden, läßt die folgende Zusammenstellung noch näher erkennen. Es kostete ein Doppelzentner: im Jahre 1905: Getreide 149,5 M. Fleisch 140.4 M. » 1911:. 168,7,, 150,4, .„ 1912:„ 187,1.. 169,5. Durchschnitt 1902/07:. 127,6., 134,1. 1907/12:„ 173,7.„ 150,3. Die Tabelle umfaßt alle Getreide- und Fleischsortcn und zeigt die ermittelten Durchschnittspreise. Im letzten Jahre ivar also im Vergleich mit 1905 teurer: Ge- treide um 25 Proz., Fleisch um 18 Proz. Vergleicht man aber den Durchschnitt 1902/07 mit dem der Jahre 1907/12, so ergibt sich für Getreide eine Verteuerung um ungefähr 36 Proz. und für Fleisch eine solche von 12 Proz. So verteuert der„Schutz der nationalen Arbeit" die Lebens- Haltung der Arbeiter; denn die Lohnerhöhungen bleiben in den meisten Industriezweigen beträchtlich hinter diesen Preissteigerungen zurück. Die Verwendung der„Nationalflugspende". Die Sammlung zur Förderung des deutschen Flugwesens, die unter dem Namen der Nationalflugspende veranstaltet wurde, trug von vornherein das Gepräge militaristischen Wetteifers und chauvinistischer Großmannssucht. Nicht darauf kam es an, die Flugtechnik zu entwickeln und auch einem künftigen Verkehr in den Lüsten die Bahn zu bereiten, sondern daraus, das Flugwesen Teutschlands als eine neue Waffe des Militarismus so zu fördern, daß der Vorsprung anderer Länder nicht nur erreicht, sondern womöglich überflügelt werde. Die Sammlung hat einen Ertrag von 7)4 Millionen Mark er- geben. Und die Art. w»e nun die Verwendung dieser Summe ge plant ist, beweist von neuem, daß die nationale Flugspend« nichts sein soll als ein Hilfsfonds für militaristische Zwecke. Es wurde nämlich einstimmig vom Verwältungsausschuß beschlossen, in erster Linie ein« möglichst große Anzahl von Fliegern auszubilden. Die Auswahl und Ausbildung dieser Flieger bleibt den Flugzeugfabriken selbst überlassen, doch soll den Fabriken und Fliegern nach Voll- endung ihrer Ausbildung ein Durchschnittsersatz in Höhe von 8000 M. geleistet werden. Diese Summe soll für jeden Flieger aus- geworfen werden, sobald er oder die ihn ausbildende Fabrik den Nachweis erbringt, daß er den Anforderungen des F e l d p i l o t e n- examens gewachsen ist! Weiterhin soll für die Leistung eines jeden Stundenfluges eine Grundprämie von 1000 M. gezahlt werden; bei einem Dauerfluge soll für jede vollendete weitere Stunde der Betrag um 1000 M. erhöht werden. Man hofft durch diese Prämien- znhlung an Flieger und Fabriken den aviatischen Tätigkeitsdrang energisch anzustacheln und zugleich durch diese Fluglcistungen, sei es bei Flugveranstaltungen, sei es bei Ueberlandflügen, die Stim- mung für den Luftmilitarismus auch weiterhin zu stimulieren. Ein« weitere Aufgabe des Nationalflugfonds soll in der A n- legung von Flugstützpunkten über das ganze Reich be- stehen. Das heißt: die Nationalslugspende will nur einen Bei- trag für diese Flugstützpunkte leisten, die erforderlichen tveiteren Summen aufzubringen, soll den in Betracht kommenden Städten überlassen bleiben. � Erst in allerletzter Linie sollen die Millionen der Nationalflug« spende auch dazu dienen, eine Zentral st elle für die Nach« Prüfung neuer Erfindungen auf ihre praktische Brauch- barkeit zu schaffen. Ob die Zentralstelle Energie, Einsicht und Mittel genug disponibel halten wird, um wirkliche Neuerungen der Flugtechnil auch dann, wenn sie nicht direkt einen Nutzen für den Militarismus bezwecken, entschieden zu fördern, erscheint recht fraglich. Denn je stärker die durch die Nationalflugspende und die militaristischen Ausgaben großgepäppelte Flugzeugindustrie für Heereslieferungen sein wird, je größer das in diesen Unter- nehmungen angelegte Kapital, desto größer wird der Widerstand gegen Neuerungen werden, die die alten Anlagen geeignet sein würden. Nur wenn ein neues würde, das sich fürs Bombenwerfcn Zwecke besser eignete, ftls die heutigen Systeme unserer Flug, Maschinen, dürft« es wohl auf eifrige Unterstützung aus den Mitteln der Nationalflugspende rechnen! Aus dem württembergischen Landtag. Am Mittwoch, den 29. Januar, wurden die beiden Kammern des württembcrgischen Landtages bis auf weiteres vertagt. Tie Ausschüsse und Kommissionen müssen zunächst ihre Arbeit tun. Die Kommissionsberalung deS Etats dürste drei bis vier Wochen in An- spruch nehmen. Schneller dürfte die Kommission arbeiten, die den Gesetzentwurf über die Pensionsrechte der Körperschaftsbeamten sowie über die Unfallfürsorge für Körperschaftsbeamte vorzu- beraten hat. Was außer den Etatsdebatten sonst das Parlament verhandelt, ist bald aufgezählt. Eine Anfrage der Sozialdemokratie nach dem Stand der Neckarkanalisation bezw. die Aufforderung zu Verhandlungen mit Baden ohne Rücksicht auf den Verlauf der Ver- Handlungen mit Holland über daS Stromabgabengesetz entfesselte homerische Kämpfe, nach deren Abschluß die Zuhörer so klug wie zuvor waren. Den infolge des schlechten Herbstes 1912 notleidenden Weingärtnern Württembergs wurde von allen Parteien Hilfe zugesichert. Ob den vielen schönen Worten auch entsprechende Taten folgen werden, muß die Zukunft lehren. Wieder ein Spionageprozcfl. Im Spionageprozeß gegen den Kaufmann Wilhelm Ewald wurde der Angeklagte heute vom Reichsgericht wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu sieben Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Wie die Verhandlung feststellte, hatte sich der Angeklagte von der englischen Admiralität als Spion anstellen lassen und ihr sieben Berichte und Zeichnungen über geheimzuhaltende Gegenstände ausgeliefert. „Der Redakteur Richard Barth in Berlin ist wegen Beleidigung des Dr. Ludwig m Berlin durch Urteil des Königlichen Landgerichts I, Strafkammer 9, zu Berlin vom 15. Oktober 1912 zu 200 M.— zweihundert Mark— Geldstrafe, im NichtbeitreibungSfalle für je 10 M.— zehn Mark— zu einem Tage Gefängnis kostenpflichtig verurteilt. Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Angeklagten zur Last gelegt."_ franhmcb. Die Affaire Du Paty de Clam. Pari?, 30. Januar. Die für morgen angekündigte Kammer- debatte über die Angelegenheit des Oberstleutnants Du Paty de Clam wird sich allem Anschein nach ziemlich bewegt gestalten. Außer dem früheren Kriegsminister M i l l e r a n d dürfte auch dessen Bor- gänger M e s s i m y das Wort ergreifen, Messimy fand sich bereits veranlaßt, daS Beispiel Millerands nachzuabmen und in der sozio- listisch-radikalen Gruppe Aufklärungen über seine Rolle in der Ange- legenheit Du Paty de Clam zu geben. Er erklärte, daß er von dem Schreiben eines seiner Ordonnanzoffiziere, in dem Du Paty de Clam eine Zusage über seine Wiedereinstellung in die Armee erteilt worden war, keinerlei Kenntnis gehabt habe, und verlas sodann einen von ihm an Du Paty de Clam gerichteten Brief, in dem er dessen An- suchen um Wiedereinstelliing in die Landwehr für Friedenszeiten ablehnt._ Freisinn und Bündler. �Jm..�?blkrelse Sangerbausen. EckartSberga haben nach Mtlterlungen der naiionallibcralen.Sangerhäuser Zeltung" dicier Tage Verhandlungen über die Aufstellung der Kandidaten tur die bevor, teh->.d-n Landtagswahlen stattgefunden. Die Berhand- lungen hatten das Ergebnis, daß die Vcreinbarnnq, die leit Jahren zwuchen den liberalen Parteien, das heiß: dm Nationalliberalen rmd tfOd�rittlem«nb vem®ltl,b � Landwirte besteht, erneuert wurde. Demnach wurden,„als gemeinsame Kandidaten aller burger- lichen Parteien im Wahlkreise" die bisherigen Abgeordnete» Frei- guisbesttzer sjäh erre- Leubingen(lomervaiiv) und Bürgermeister K» o b loch. sangerhanim ernstimm.g wieder aufgestellt, DaS bündleri, che Organ Wahlkreiws drückt seine aufrichtige Freude darüber aus, dav die Sammlung agxx bürgerlichen Parteien ge« lungen sei, während die nalionallikierale„Sangerh Zta" die Auf- stellung gar als„ein Zeichen politischer Reife der' monarchischen Parteien' preist....... . Bei solcher Grundsatzfest'gkeit fft es begreiflich, daß die Fort- schnttler nicht durch das»kaudmilche Joch" der sozialdemokratifchen Gtichwahlbedingungen kriechen wollen.; Die„Penetration pacifique" des Lohndrückers. Aus Paris wird uns geschrieben: Seit einiger Zeit beliebt ein Teil der bürgerlichen Presse sine wüste Fremdenhetze, oder ge- naucr Deutschenhetze. Die royalistische„Action Fran?aise" hat ein schreckliches Spionagesystem aufgedeckt, das sich unterschiedlicher Molkereiangestellter, Tierbändiger usw. bedient, der„Matin" beschränkt sich mehr aufs kommerzielle Gebiet, was vermutlich einträglicher ist.— Nun hat der Deputierte E n g e r a n d an den Arbeitsminister eine Anfrage über die Zahl der in den Erzbergwerken der Depar- lements Calvados, Manche und O i n e beschäftigten Ausländer gerichtet. Es handelt sich da um die Gruben, die zu einem be- deutenden Teil im Besitz des deutschen Kapitals(Thyssen) sind. Was aber bringt die Antwort des Ministers? In den in Betracht kommenden Gruben sind im ganzen 583 Ausländer beschäftigt. Davon sind 322 Spanier, 127 Italiener, 54 Griechen und 32 Marokkaner. Der Kapitalismus, ob französisch oder deutsch,»nacht eben nicht in„nationaler Solidarität", sondern holt seine Arbeitskräfte womöglich aus Ländern mit niedrigerer Lebens- Haltung. Auffallend ist die Zahl der Griechen, die in Frankreich ein neues Element in der industriellen Armee darstellen, am merk- würdigsten aber daS Einrücken der Marokkaner. Der marokkanische Lohndrücker ist die erste Frucht der Marokkopolitik, die das französische Proletariat mit seinem Geld und seinem Blut bezahlt. Kelgien. Tie Wahlrcchtsdebatte in der Kammer. Brüssel, 30. Januar. Die Deputiertenkammer setzte heute die Beratungen über die Verfassungsrevision fort. Der Sozialist Vandervelde erklärte, daß die Arbeiter eventuell bereit seien, nach dein Vorschlag des Liberalen Hymans die Wahlrechtsfrage einer Kommission zu unter- breiten, um einen Generalstreik zu verhüten. Vandervelde appellierte auch an den König, sich für eine Verständigung einzusetzen. Woeste lehnte aber ein Kompromiß ab, da alle Bemühungen zu dem gleichen Wahlrecht führen müßten, das er prinzipiell verwerfe. Italien. Eine Meuterei in Libyen. Rom, 28. Januar.(Eig. Ber.) Wie der Korrespondent deS „Avanti" aus Bologna durch Privatbriefe aus Homs in Libyen erfährt, haben daselbst in der ersten Hälfte des Januar die Soldaten eines Bataillons Bert'aglieri gemeutert, indem sie sich weigerten, dem Befehl, nach KiSrata zu marschieren, Folge zu leisten und ihre Ent- lassung in die Heimat forderten. Die Soldaten wurden don einem .Grenadierregiment umzingelt und unler Eskorte von Maschinen- igen zu entwertelf gewehren nach Misrata geführt, wo sie in Erwartung des O ugzeug erfunden Strafverfahrens interniert wurden. Der Major des Bataillons ,, uuch unter Anklage gestellt worden, weil er die GehorsamSver« Weigerung hätte voraussehen und durch energische Maßnahmen ver- hindern müssen! Meutereien in Libyen haben nun freilich viele vorausgesehen, und die energischen Maßnahmen, durch die man sie hätte verhindern können und sollen, sind auch kein Geheimnis: man brauchte bloß die erschöpften und des Lagerlebens müden Soldaten rechtzeitig in ihre Heimat zu entlassen. Vielleicht stellt man den Major Rossetti gerade deshalb unter Anklage, weil er dies ein« gesehen hatte! Clnna. Das Finauzkomplott gegen China gescheitert. _ Der chinesischen Zähigkeit ist da» Bankkonsortium der sechs Mächte unterlegen. Die Anleiheverhandlungen mit dieser mächtigen Finanzgruppe waren zwar schon im Noveinber des vorigen Jahres zum Abbruch gekommen, weil Rußland und Japan— die beiden Staaten, die aus eigenem nicht einen Groschen zu leihen haben mit �der Anleihe Forderungen verknüpften, deren Ge« Währung die Selbstentmannung Chinas dedeutet hätten. Der Druck des britischen Auswärtigen Amtes bewirkte aber, daß die chinesische Regierung erneut mit dem SechS-Mächte-Konsortium in Verhandlungen trat, die auch schließlich zu einer Verständigung auf folgender Basis führten: Die Anleihe im Betrage von 500 Mit. lioncn Mark sollte mit 5 Pvz. verzinst werden, die Rückzahlung ft i IS Jahren beginnen und nach 50 Jahren vollendet sein. Als Zii» Äsicherheit dienen die Erträgnisse der Salzsteuer; im Falle diese ni cht genügen, soll die chinesische Regierung verpflichtet sein, von den Einkünften von vier näher bezeichneten Provinzen zehn Millionen T. aelS für die Zins- zahlung zu reservieren. Ein Vorschuß von 40 M,\ll. Mark sollte sofort gegen Staatskassenscheine gegeben werden. Vierzehn Tage »ach Unterzeichnung des Vertrages hatte die AuSsi hreibung der Anleihe zu geschehen und wenn außergewöhnliche Umstand v dies unmöglich machten, waren monatliche Vorschüsse von je.40 Msi Ikonen Mark zu leisten. Diese Bedingungen glaubte die chinesische Regierm lg akzeptieren zu dürfen. Im letzten Moment der Unterhandlungen t'am es jedoch wiederum zu Differenzen wegen der Ernennung deS» isländischen Finanzministers, den China selbst ernennen will, unlr wegen der Zahlung der Vorschüsse, die die Banken nur immer erst' dann gewähren wollen, wenn sie es für nötig erachten. ES ist erklärlich, daß der Finanzminister über diese im letzten Augenblick gemachten Schwierigkeiten sehr ungehalten war. Er suchte Rat b» i seineu Ministerkollegen, In einer kurz darauf folgenden Kabineh issitzung wurde der endgültige Abbruch der Verhandlungen mit dem Sechs- Mächte-Konsortium beschlossen und ihm dies am 19. Jamuv r mitgeteilt. Durch diesen energischen Entschluß hat China nun zwar, keine Anleihe erreicht, Wohl aber die Uneinigkeit, die Schwächung, tr enn nicht die Auslösung dieser wucherischen Finanzclique. Der englis ch° deutsche Teil der Gruppe ersuchte jetzt den Finanzminister,(die Anleiheverhandlungen wieder zu eröffnen. Dabei gibt er seine reitschaft kund, für seinen Teil eine Anleihe ohne Zeitverlust zu gl)- währen, Mit dem endgültigen Bruch mit dem Sechs-Mächte-Konsortium hat sich China die Möglichkeit geschaffen, mit anderen Finanz- syndikaten in Verhandlung zu treten. Da»nan aus allen Plätzen deS internationalen Geldmarktes sicher ist, daß das riesige Asiaten- reich eine reichlich spendende Milchkuh ist, so fehlt es nicht an An- geboten. Eine belgische Finanzgruppe hat 300 Millionen Mark angeboten unter der Bedingung, daß für dieses Darlehen ausgedehnte Minengercchtigkeiten bewilligt werden. Diese Klausel brachte den belgischen Bankiers eine glatte Ablehnung. Ein amerikanisches Konsortium ist unter viel liberaleren Bedingungen bereit, sofort 20 Millionen in barem Gelde v».-zuschießen. Hierüber wird zurzeit noch verhandelt. So brennend wie am Ende des vorigen Jahres scheint die Geld- not der chinesischen Regierung momentan nicht zu sein. Der für eine leere Staatskasse schwierige NeujahrStag, an' welchem in China, altem Brauche gemäß, alle JahreSreSmungen und Gehälter der Staatsbeamten bezahlt werden müssen, ist glücklich vorüber. Dann machen sich die wirtschaftlichen Folgen der llinwälzung de? vorigen Jahres in den öffentlichen Kassen sehr günstig bemerkbar. Handel und Gewerbe haben in den kurzen Monaten einen beispiellosen Aufschwung erlebt, an dem der FiSkus seinen Anteil hat. Diese günstige Wendung stärkt die Position der chinesischen Regierung bei der Suche nach Anleihen und gestattet ihr, günstige Angebote abzuwarten. )Zbgeoränetenkaus. 121.(Abend-)S itzang, Donnerstag, 30. Januar, abends)18 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer, Kommissare. Anwesend sind etwa 24 Abgeordnete. Ter Forstetat. Abg. Schwaback(natl.)' bespricht masnrische Angelegenheiten. Abg. Bllchtemann(Vp.) prüft die vom verstorbenen Abg. Borg- mann(Soz.) zuerst in eurem Antrag behandelte� Frage, ob Forst- Verkäufe der Genehmigung des Landtags bedürfen. Der dies fordernde Antrag wurde damals abgelehnt. Der Redner tritt für diese Forderung ein, die man mit Gesetzen von 1808/09, aus der Zeit des schmählichsten Zusammenbruchs des alten Regime be- kämpft. In einem alten Gesetz wird auch Domänenverkauf mit zur Tilgung drückender Staatsschulden gestattet, darüber gehen Sie ruhig hinweg. Wies trefft! Es ist eben der moderne Geist des Spclulierens in die Regierung eingezogen.(Sehr wahr! links.) Es ist bei den Forstverkäufen eben viel bequemer, die Ge- uehmigung des ZiviltabinettS einzuholen, als die deS Landtags. Aber man sollte auch auf anderen Gebieten modernen Geist zeigen I (Beifall links.) Landwirtschaftsminister t>. Schorlemer betont„ausdrücklich die Richtigkeit der Auffassung der Königlichen Staatsregierung." wo- nach es unzulässig sei, die Genehmigung TeS Landtags zu Do- mänenverkäufen einzuholen. Die Einnahmen werde» bewilligt. Bei den Ausgaben spricht Abg. Ernst(Vp.) über Stellenzulagen und Beamtenwünsche. Jedem Staatsbeamten gebührte ein Erholungsurlaub. Abg. Dr. Schrijdcr-Kasscl(natl.) erörtert die Lage der Förster, die dieser Etat verbessere. Abg. Biichteman» lVp.) spricht über die Verdrängung der alten Förster durch wissenschaftlich vorgebildete. Es sollen doch nicht nur Försterssöhne angestellt werden! Abg. Braemer(k.) verbreitet sich über das Dienstland der Förster usw., ebenso noch mehrere Redner, denen Landwirtschafts- minister Dr. Frhr. v. Schorle ni er möglichste Berücksichtigung zusagt. Abg. Jmbusch(Z.) wünscht eine umfassende Darlegung der Dienstverhältnisse der Forstarbeiter, wie sie z. B. letzthin von der Reichspostverwaltung für ihre Beamten dem Reichstag vorgelegt wurde. Abg. Spinzig(fk.): Der Lohn der Arbeiter soll sich möglichst stetig an eine mittlere Linie halten, aber er kann nicht mit den Ueberschüssen eines Betriebs in ein Verhältnis gebracht werden. Er polemisiert gegen den Abg. Borchardt. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Das ist keine Widerlegung der Ausführungen meine» Freunde? Borchardt! Entscheidend mutz sein die Masse der Arbeit, ihre Be- zahlung und die Arbeitszeit. Hierüber aber hat Borchardt ae- sammeltes Material der zuständigen Arbeiterverbände vorgebracht. Was soll es dagegen bedeuten, daß im Wahlkreis des Borredners es den Waldarbeitern gut gehe. Von den Mißständen hat er nicht gesprochen, denn er fühlte sich als der berufene Vertreter der von Borchardt angegriffenen Behörden und Beamten, nicht der Ar- beiter. Das mögen die Wähler Spinzigs beurteilen.(Gelächter rechts.) Herr v. Pappenheim, Sie guter Agitator für uns, es muß auch solche Käuze geben, wie?lbg. Spinzig und �oiel(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Redner verweist auf den Mangel an Nachtquartieren für die Arbeiter und au A r b e i t e r a u s s ch ü s s e n, die andere Bundesstaaten haben. Es ist bezeichnend, daß dieses HauS über die Förster stundenlang spricht, über die Arbeiter aber gar nicht, oder wenn schon, so nur unter Angriffen auf die Soz ialde niokrate n, die sich der Arbeiter annehmen. Sie machen sich zum Mundstück der Arbeitergegner und der Interessen der Regierung. Die Forstarbeiter werden daraus die nötige«. Ihnen nicht angenehmen Konseqwenzen ziehen!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Forstetat wird bewilligt, ebenso ohne Debatte der der Seehandlung. Das Haus vertagt sich. Freitag, den 31. Jairuar, 11 Uhr: Etat deS Ministeriums deS Innern. Schluß nach Uhr. Sevi erkfckaftUckes. Clebcr neue Hg'itattonQf ormcn der Clmftlichen hitrb aus dem Sächsischen Erzgebirge berichtet: Dort arrangiert die G eistlichkeit sogenannte Hansoätcrversainin- lungen, um die f.rmcit Erzgebirgler, die bei den Reichstags- Wahlen nicht so wollten wie die Geistlichkeit, siir die Kirche und die„staalSi» chaltende Idee" neu zu gewinnen. Tie Geist- llchkeit hat crty aint, das; der wahre Hort der Reaktion die christlichen� G�.verkschaften sind, demgemäß nnterbreitet sie ihren Vcrsam nilungen diese Resolution: »Tie ��rsaininclieii Hausväter erkennen die Notwendigkeit an. das� iH e zahlreichen christlichen und nationalgcsiniiten Ar- heiter Seht atz und Stärkung sinden in einer christlichen Lrgani- sation 0� o versprechen, eine solche christliche Organisation, wie sie in da� christlichen Gewerkschaft seit Jahren an vielen Orten iinsereS Vaterlandes in Segen wirkt, mit allen. Kräften zu fordern/" Die/ g neue Methode für den Dummenfang findet begreif!/ dicrhietse den begeisterten Beifall der Unternehmer. Bei dy. Ausbeutung der Arbeitskräfte fragen sie den Teufel danach, ob einer Christ, ob Judo oder Heide ist. Aber die „Ehr? jtlichorganisierten" sind ihnen immer die bequemsten Aus? eutungsobjekte. Aber ach, die Geistlichkeit hat mit ihren Dr-x qnisationsbcstrebuiigen bejainmerswcrt wenig Glück. Deutsches Reich. 3/ ic Arbeitsverhältnisse der Eise», Metall-, Modell- �/crkzeug-, Revolver- und Automatendrcher Deutsch- lands. Die Drehbank und die Werkzeugmaschinen sind wichtige Be- standteile der modernen Metallindustrie. Ohne eine gut eingerichtete Dreherei kann heute kein Betrieb der Metall- und Maschinen- industrie auskommen. Unter den Metallarbeitern nehmen daher die Dreher einen der ersten Plätze ein. Es ist deshalb ganz natürlich, daß ihren Arbeitsverhältnissen besondere Beachtung geschenkt wird. Dem Rechnung tragend, hat der Mctallarbeiterverband, dem im Jahre 1911 über 59 999 Dreher angehörten, eine Enquete über die Arbeitsverhältnisse dieser Bernisgruppe veranstaltet, deren Resultat soeben in eingehender Darstellung der Leffentlichkeit unterbreitet wird. Den eigentlichen Ergebnissen ist ein Abschnitt: Geschichtliches uud Zeitgemäßes über den Dreherberus vorangestellt, der Einblick in die EntWickelung des Gewerbes gibt, ans die vielen neuen Er- findungen in Werkzeugmaschinen und Drehbanken hinweist und die Schädigungen bespricht, die die moderne Arbeitsweise an dem Dreh- bankbau und Automaten im Gefolge hatte. Durch die ausgegebenen Bciriebsfragebogcn sind 9563 Trehereibetriebe mit 63 491 beschäs- tigten Personen erfaßt worden. Tie persönliche Befragung erstreckte sich auf 34 789 Dreher aller Art. Tie Ordnung des Stoffs erfolgte für alle wichtigeren Punkte zunächst nach den Bezirken des Ver- bandes, ferner nach Landesgebieten in politischer Einteilung und schließlich nach Städten mit einer größeren Zahl öcteiligtcr Berufs- genossen. Die meisten Betriebe und Personen sind im Königreich Sachsen ermittelt worden, nämlich 663 Betriebe und 11 431 Per- soncn. Mit mehr als 399 Betrieben und mehr als 7999 Personen ist außerdem Berlin und das Rheinland vertreten. Von den Städten haben Berlin, Chemnitz und Dresden die meisten Betriebe und Personen. Mehr als 1999 Berufszugchörige sind außer in den ebengenannten Orten in Augsburg, Bielefeld, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M., Köln, Magdeburg, Mannheim und Stuttgart. ES lvurdcn 6 Berufsartcn erfragt: Eisen-, Metall-, Modell-, Werk- zeug-, Revolver- und Autoinatcndreher. Die Arbeiterinnen sind bc- sonders ermittelt, ebenso die Lehrlinge. Von den 63 491 erfaßten Personen waren 34 971— 55,98 Proz. Eiscndrehcr, 4884— 7,69 Proz. Metalldreher. 149— 0,24 Proz. Modelldreher, 2752= 4,34 Proz. Wcrkzcugdrcher, 6378— 10,05 Proz. Rcbolberdreher, 1195— 1,73 Prozent Automatendreher, 286— 9,45 Proz. Dreberinnen, 8476= 13,35 Proz. Lehrlinge und 4499— 7,07 Proz. Hilfsarbeiter. Auffallend ist an diesen Zahlen der große Prozentsatz an Lehrlingen. Eine Verhältnisberechnung mit der Zahl der Dreher ergibt, daß auf je 199 Dreher im Durchschnitt 16,7 Lehrlinge kommen. Besonderen Wert haben die Bearbeiter der Statistik auf eine umfassende Feststellung der Arbeitszeit und Löhne der Dreher und Maschinenarbeitcr gelegt. Es hatten eine Arbeitszeit von 57 und weniger als 57 Stunden 32 918— 50,4 Proz.. 58 und 59 Stunden 1 1 464— 18,1 Proz., 60 Stunden 17 974= 28,3 Proz., und mehr als 69 Stunden 2935— 3,2 Proz. Also 68,5 vom Hundert hatten eine Arbeitszeit von weniger als 69 Stunden die Woche und nur 3,2 Proz. sind länger als 69 stunden die Woche tätig. Die Feststellungen über die Entlohnungssorni er- gaben, daß 19,69 Proz. der Dreher in Zeitlohn, 53,97 Proz. in 'Akkord und 26.34 Proz. teils in Zeit-, teils in Akkordlohn beschäftigt sind. Die Grundbedingung für das moderne Akkordshstem, die kal- kulative Meßbarteit der Arbeitsleistung, ist für das Drchcrgcwerbe vorhanden; es ist daher ganz natürlich, daß die Akkordarbeit in diesem Berus in überwiegendem Maße vorherrschend ist. Die Löhne sind nach zwei Richtungen hin festgestellt worden. Zunächst aus den Ergebnissen der Betriebssragebogen, serner aus den persönlichen Mitteilungen der Dreher. Aus den Betriebsfrage- bogen wurden die Stundenlöhne für 14 373 in Zeitlohn und für 38 175 in Akkord arbeitende Personen festgestellt. Von den in Zeit- lohn beschäftigten Drehern und Maschinenarbeitern haben einen Verdienst bis 39 Pf. 4167— 29,0 Proz., von 31—40 Ps. 4946— 28,2 Proz., von 41— 50 Ps. 3581= 24,9 Proz., von 51— 60 Ps. 1572 — 10,9 Proz. und mehr als 69 Pf. 1997— 7,0 Proz. Einen Stundcnverdienst von mebr als 69 Pf. hat danach ein geringer Bruchteil der erfaßten Dreher. Auch der Prozentsatz der Personen mit einem Verdienst von 59 Pf. die Stunde ist nicht groß. Dabei ist zu beachten, daß die besseren Löhne einiger Großstädte die allge- meinen Verhältnisse in eineui günstigeren Licht erscheinen lassen. Eine Betrachtung des Akkordverdienstes gibt ein erfreulicheres Bild. Von 38 175 Akkordarbeitern verdienten die Stundb bis 39 Ps. 1611 4.3 Proz., von 31—49 Ps. 3469 9.1 Proz., von 41—59 Ps. 8399 ~ 21,7 Proz., von 51—60 Pf. 10 774— 28,2 Proz. und von mehr als 69 Pf. 14 921— 36,7 Proz. Mit einem Akkordstundenlohn von mehr als 59 Ps. sind also 64,9 Proz. ermittelt worden. Weitere Abschnitte in der Broschüre behandeln das lieber- stundenwesen, die Schichtarbeit, die Lohnzahlung, die Kündigung des Slrbeitsverhältnisses, die Tarifverträge und die Akkordarbeit im DrehergewÄcbe, das Gruppen- oder Kolonnenshstem, das Mehrbank- system, die Hilfsarbeitersragc, die Werkzeugfrage, das Arbeiten mit Schnelldrehstühlen, die Bezahlung fehlerhafter Arbeit, den Unfall- schütz und die sanitären Einrichtungen in den Betrieben.?lus dem Gebiet der Ventilation ist den berechtigten Anforderungen nickt ein- mal in einem Drittel der Betriebe Rechnung getragen, je 199 mit guter Ventilation versehene Betriebe stehen 215 gegenüber, die eine solche nicht haben. In 36,5 vom Hundert der Betriebe fehlen An- kleidcräume, in 32,8 Proz. mangelte es an einer ordentlichen Wasch- Vorrichtung. Die persönliche Befragung der Dreher und Maschinen- arbciter erstreckte sich neben den Löhnen auf das Alter, den Fa- milienstand, die Arbeitslosigkeit uud Krankheit der Befragten inner- halb eines bestimmten Zeitraumes u. a. m.; auch vier Haushaltungsrechnungen von Drehern sind in der Schrift enthalten. Also auch die soziale Lage der Dreher und Maschinenarbeiter ist behau- delt worden. Der Metallarbeitcrverband hat so durch diese Bro- schüre die Verhältnisse einer wichtigen Arbeitergruppe der Eisen- und Metallindustrie gfsenbart. Ter Bäckerverband im Jahre 1912. Nach der vorliegenden Jahresabrechnung war die Mitglieder- zunähme unter den gelernten Bäckern die größte, während die Kon- diwren sehr viel schwerer für die gewerkschaftliche Organisation zu oeiomiien sind. Der Verband batte im Jahre 1912 eine Zunahme �Lerantw. Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw, von 3593 Mitgliedern zu verzeichnen, darunter 363 weibliche. Nach dem Streik in den Dresdener Schokoladenfabriken stellte sich ein ziemlicher Verlust an weiblichen Mitglicbsrn ein. der allerdings in andercn Jndustrieorten wieder ausgeglichen wurde. Iluler den Mit- gliedern sleheu prozentual die Bäcker mit 68,8 Proz. au erster Stelle, Arbeiterinnen sind 16,3 Proz. der Mitglieder, Hilfsarbeiter, 8 Proz., Konditoren 5,6 Proz. Im Bcrichtsjakue fanden 88 Lohnkämpfe statt, die sich auf 82 Orie in 842 Betrieben erstreckten: 5656 Beschäftigte waren an diesen Bewegungen beteiligt. 66 dieser Lohnbewegungen verliefen ohne Streik und durch 51 dieser Bewcgungeu wurden für 2649 Be- teiligte Tarifverträge mit den ilnlernebmcrn abgeschlossen. Von den 29 Lohnkämpfen verliefen 13 Angriffsstreiks erfolgreich, 4 hatten einen Teilerfolg und 3 waren erfolglos. Für 1796 Berufsgenossen wurde die wöchentliche Arbeitszeit um insgesamt 19 473 Stunden verkürzt, was für die einzelne beteiligte Person eine wöchentliche Arbeitszeilverkürzung vvn 6 Stunden ausmacht. Für 4927 an den Lohnkämpfen Beteiligte wurde eine wöchentliche Lohnznlage von insgesamt 7121 M. erreicht, durchschnittlich für jeden Beteiligleu 1,43 M. pro Woche. Zu diesen durch Lvhnkämpfc er- rungencn Lohnerhöhungen kommen noch die tariflichen Erhöhungen, die auf Grund der in früheren Jahren abgeschlossenen Tarife im BerichtSjabre in Kraft traten, so daß insgesamt für 14 581 Personen Lohnausbesserungen im Betrage von 14 763 M. erreicht wurden. Dazu kommen noch sonstige Vorteile aus den Lohnkämpfen, so für eine kleine Anzahl Beseitigung von Kost und Logis beim Meister. Für 1129 Personen wurden Ferien erreicht. Tie Lohnkämpfe er- forderten im Berichtsjahre nickt die außerordentlichen Mittel deS Vorjahres. Immerhin mußten 19 Proz. sämtlicher Einnahmen dafür aufgewendet werden. Die Unterstützungen stiegen bedeutend. Es wurden nahezu 299 999 M. dafür verausgabt. Die Einführung der Staffel- beitrüge hat sich gut bewährt. Nach dem Kassenabschluß zählte der Verband einen Ueberschuß von rund 117 599 M. Ter Kasienbestand in der Hauplkasse hat sich um rund 95 999 M. gesteigert, die Be- stände in den Zahlstellen um 22 599 M. Der Verband kann also mir den im Vorjahre gemachten Fort- schritten sowohl in bezug auf die Mitgliederzahl als auch in den Er- folgen bei Lohnkämpfen und ebenfalls in seiner finanziellen Leistungs- sähigkeit zufrieden sein._ Tic Arbeitslosigkeit der Privatangestclltcn im Jahre ISIS. Aus den jetzt vollständig voriiegenden Veröffentlichungen deS reichsstatistischen Amtes im„Reichsarbeitsblalt" ergibt sich, daß an die Berichterstattung des Amtes zu Anfang deö Jahres 1912 angeschlossen waren 13 Verbände mit 384 199 männlichen und 44 299 weiblichen, zusammen 428 493 Mitgliedern, während am Jahres- schlusse 14 Verbände mit 485 731 männlichen und 45 989 weiblichen, zusammen 531711 Mitgliedern angeschlossen waren. Die Angestellten- organisationen sind also im verflossenen Jahre um l93 2l3 Mit- glieder oder um 24 Proz. gewachsen. Ein sehr erheblicher Zuwachs, der leider eine wesentliche'Kraftentsaltung der zum größten Teile auf dem Boden der Harmonielehre stehenden Verbände nicht im Ge- folge hat. Der Umfang der Stellenlosigkeit ist bei den Angestellten natur- gemäß weit geringer als bei der gewerblichen Arbeiterschaft, denn aus 199 Mitglieder entfielen im vierten Vierteljahre 1911 1,2 Stellen- lose und im gleichen Zeitraum des vergangene» Jahres 1,4 Stellen- lose. Zu Beginn des Jahres waren 5476 Stellenlose vorhanden, am Schlüsse 6287. Stellenlos wurden im Lauie des Jahres 33 869 Mitglieder und in Stellung traten 34 929 Mitglieder. Insgesamt waren 8952 Angestellte 379 727 A'age stellenlos, sodaß ein Auge- stellter durchschnittlich 41 Ta�e stellenlos war. Wenn also die Stellenlosigleit nicht so häufig ist wie bei den Arbeitern, io ist doch die Dauer erheblich länger. Die 8952 Stellenlosen erhielten für 318 512 Tage 470 020,07 Marl Unterstützung, sodaß die Angestellten- verbände durchschnittlich pro Tag 1,43 Mark cstellenlosenunter- stützung zahlen._ Zur Aussperrung der Mafchiuisten auf den Fifchdampsern der Unterweserorte ist zu berichten, daß die Reeder nach wie vor jede Verständigung ablehnen. Sic sind aber Irampshaft bemüht. Arbeits- willige herbeizuschaffen. Vor einigen Wochen wandten sie sich an den Arbeitsnachweis der Zahlstelle Hamburg des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer. Als ihnen keine Arbeitskräfte vermittelt wurden, kamen Vertreter der Reeder nach Berlin. um�Arbettswillige in den Kaickemmen aufzustöbern. Es kam auch ein Transport von zirka 39 Mann zusammen. Als diese Arbeitswilligengarde aber bei Licht besehen wurde, scheute man denn doch zurück, damit die Reise nach Geestemünde anzutreten. In der Zwischenzeit haben verschiedene Dampfer ihre erste Reise beendet mit allerdings geringen Fängen, andere schiffe haben erheblichen Schaden am Kessel und an der Maschine erlitten: einige dieser Schiffe konnten bis heute die Ausreise noch nicht wieder an- treten. Andere Dampfer mußten ausländische Häfen wegen Maschinenschadens anlaufen. Die Schiffe sind fast sämtlich nur mit einem Maschinisten und� an Stelle des zweiten mit einem Oberheizer besetzt. In ganz besonderer Weise wird hier von den Behörden den Reedern Vorschub geleistet, das besagt die den Tatsachen wider- sprechende Erklärung des Ministerialdirektors v. I o n q u i s r e s in der Neichstagssitzung vom 25. Januar: Es wäre ein Mangel an M a i ch i n i st e n vorhanden, deshalb habe der Herr Reichs- kanzler die Erlaubnis erteilt, an Stelle de» zweiten Maschinisten einen Oberheizer treten zu lassen. Die Reeder haben zur Weihnachts- zeit die gesamten Fischdampfermannschailen ausgesperrt; diese find bereit, unter Einhaltung des Tarifcs zu fahren und es besteht daher kein Mangel an Maschinisten. Nach wie vor wird dringend ersucht, jeglichen Zuzug von Maschinenpersonal nach Bremerbaven, Geestemünde und Nordenham fernzuhalten. Besonders an die Heizer ergeht die Aufforderung, leine Stellung auf einem Fischdampfer anzunehmen. Die Brauereiaricitcr in Augsburg haben in stark besuchter Versammlung den mit 25 Brauereien im Jahre 1919 abgeschlossenen Tarif zu kündigen beschlossen. Die Vertrauensleute wurden beauf- tragt, unverzüglich einen neuen Entwurf aufzustellen und einer nächsten Versammlung vorzulegen. Nuslanck. Die Bergarbeiter des Bassin Pas de Calais, du Nord und d'Anzin beschlossen, die Zahlung der Beiträge an die Konföderation cinzu- stellen. Am 26. Januar fand im Stadthaus in D o u a i(Pas de Calais) ein Kongreß der Bergarbeitcrsyndikate von Pas de Calais, du Nord und von Änzin statt. Als Präsident fungierte der Abgeordnete Bergarbeilerführcr Lamendin. Ferner waren anwesend die Führer L a n c e l l c, Sorianr, Billette und B a s l p, Bürgermeister von LenS und Präsident der Bergarbciterorganisation von Pas de Calais. 179 Delegierte der drei Kohlenreviere nahmen an dem Kongreß teil. G o n i a u x führte aus, daß der Kongreß deshalb einberufen.sei, um Front zu machen gegen die Gründung neuer Syndikate, wo schon Bergarbeiter- syndikate bestehen. Es wurde iodonn folgende Tagesordiumg an- genommen:„Nachdem man die Funkiionäre der nationalen Föderation in der unerhörtesten Weiic angegriffen hat und diese Kameraden B a r t u e l und G e o r g c l verleumdete, nachdem man gegen di- Gründung und Anerkennung des neuen Syndikats vrotestiene gemäß den Weisungen des vereinigten Kongresses von Aldi, beschließt der Kongreß, seinem Wunich Ausdruck gebend, sich der C. G. T an- zuschließen und ersucht das vereinigte Komitee, die Beiträge, welche man ihm vorschreibt, in Empfang zu nehmen. Ferner wird beschlossen, dem internationalen Bergarbeiterverband weiter anzugehören, ferner sich an den Komitees und internationalen Kongressen zu beteiligen und die Beiträge nach den Mitgliederverhältnissen zu zahlen. Versammlungen. Zentralverband der Hutmacher. Tio Zahlstelle Berlin hielt am Mittwoch ihre Ouartalsversammlung ab. Aus dem Jahres- bericht wäre hervorzuheben, daß die Maifeier in Berlin eine : Th.Gl»ckt,Berl'N. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchvr.>4 BertagsanstaU starke Beteiligung aufwies und an Boden zweifellos gewinnt. DeS weiteren wurde die Frage der Tarifverträge erörtert, wobei �es sich herausstellte, daß die übergroße Mehrheit für Tarifverträge ist und dem Abschluß von solchen auch zustimmen usirtv wenn eS sich als notwendig erweisen sollte. Es wurde auch in eine Propo-- ganda für die Erhaltung der Sonntagsruhe eingetreten, um den Gegnern derselben entgegenzuwirken. Eine Bewegung zur� Er- ringung einer kürzeren Arbeitszeit lcs wird noch vielfach 9',!! Stun- den gearbeitet) fand nicht die Billigung des Zentralvorstandes, der die Zeit der Balkanwirre» nicht als günstig für ein derqrtiges Unternehmen betrachtete. Ter K a s s c n bericht vom 4. Ouartal zeigt folgendes Bild: Einnahme: 11914,78 M, Ausgabe: 19929,39 M., bleibt Bestand: 985,39 M. Lokal lasse: Einnahme: 2213,37 M>. Ausgabe: 561,98 M.. bleibt Bestand: 1652,29 M. Agitätiönssonds: Ein- »ahme: 893,93 M., Ausgabe: 225,25 M., bleibt Beitaud: 578,38 M. Jahresabschluß: Gesamteinnahme und-ausgäbe bau 191*3; Einnahme: 46 967,89 M., Ausgabe: 38 838,94 M. Für Unter- st ü P u n g s z w c ck c wurde ausgegeben: au Arbeitslose 1! 219.59 Mart, au erwerbslose Kranke 5159,90 M., au Durchreisende 121,60 Mark, Umzugsunterslützung 107,30 M., Sterbegeld 580 M.. Streikunterstützung" 429 M.. an Gemaßregelte 54 M., Aussctzunterstützung 146 M. Der Mitgliederbestand am Schlüsse des Geschäftsjahres betrug: 1115. Eine längere Debatte entfesselte die Frage der' V'e r s ch m c l- z u n g mit dem Verband der Blumen-, B l ä t t e r- uud F c d e r a r b e i t e r uud-Arbeiterinnen. Es kam seitens der meisten Redner dabei zum Ausdruck, daß man dem Ge- danken der Verschmelzung sympathisch gegenüberstehe, jedoch den Zeitpunkt noch nicht für gekommen hält, um diese Frage befrie- digend zu lösen. Folgende Resolution fand cin'timmige'Annahme: „Die Mitgliederversammlung aller in der Hutbranche be- schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins verkennt durch- aus nicht den Wert der Jnduitricvcrbände und steht der Bildung solcher Verbände sbmpathisch gegenüber. Sie muß aber nach Lage der jetzigen Situation den Anschluß des Blumen- und Blätterarbeitcrverbaudes vorläufig ablehnen und ersucht die Hauptverwaltung, zunächst den Zusammenschluß mit dem K ü r s ch n e r V e r b a u d anzusireben und zu vollziehen, um dann später ans den Anschluß der Blumen- und Blätterarbciter zurückzukommen." Am Schlüsse der Versammlung wurde dann noch die Vor- standswahl vorgenommen. Letzte ftaclmebteti« Liberaler Anstand. Stuttgart, 30. Januar.(Privattelegramm deS „V o r w ä r t s".) Zu einem scharfen Konflikt kam es beute auf dem Stuttgarter Rathaus zwischen den bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie. Nach der Vereidigung der neugewühlten Bürgerausschutzmitglieder sollten die Wahlen des Präsidiums vorgenomme>i werden. Tie Sozialdemokraten als stärkste Fraktion des Bürgerausschusses ver- langten den Dbmannsposten, der Anspruch wurde aber von den verbündeten Zkationalliberalen und der Volkspartei a b- g e l e h nt. Auch der Posten des ersten Vizeobmanns wurde der Sozialdemokratie verweigert. Gewählt wurde zum Ob- mann der nationalliberale Dr. Wälz, zum ersten Vize- Präsidenten der neu eingetretene Rechtsanwalt Dr. P a y e r II., der Sohn des früheren Kammerpräsidenten. Daraufhin verliest die sozialdemokratische Fraktion unter Protest den Sitzungssaal. Nur das Bürgerausschutzmitglied Landtags- abgeordneter Dr. Lindemann verblieb als einziger Sozial- deniokrat im Sitzungssaal. In Abwesenheit der sozialdemokratischen Fraktion wählten die bürgerlichen Parteien den Genossen Fischer zum zweiten Vizeobmann. In der folgenden gemeinschaftlichen Sitzung des Bürgerausschusses und des Gemeinderats tMagistrat) protestierte Genosse Fischer energisch gegen seine Wahl zum Vizeobmann, die entgegen seinem ausgesprochenen Willen vorgenommen worden sei. Er betrachte die Wahl als Beleidigung seiner Person und seiner Partei. Im Auftrage der Fraktion des Bürgerausschusses legte sodann Genosse Vehr scharfen Protest gegen die Behandlung der Sozial- demokraten auf dem Stutgarter Rathaus ein. Die Fraktion verließ darauf demonstrativ den Saal. In der Gemdhdc. ratsfraktion sprach Genosse Dietrich, der gleichfalls aufs schärfste gegen die Entrechtung der Sozialdemokraten pro- testierte. Auch die Geiiieinderatsfraktion verließ alsdann den Sitzungssaal._ Entweder— oder. London, 30. Januar.(W. T. B.) Die Balkandelegicrtcn haben das Reutcrsche Bureau davon in Kenntnis gesetzt, daß die Türkei auf dem Schlachtfelde die Friedenspräliminarien unterzeichnen müsse, ehe weitere Verhandlungen möglich seien. Tie Türkei in der Defensive. Konstantinopel, 39. Januar.(Meldung des Wiener k. k. Tele- graphen-Korr.-Burcaus.) In diplomatischen Kreisen findet man die Note der Pforte versöhnlich und den Mächten gegenüber eut- gegenkommend, aber man ist der Ansicht, daß nach der Kündigung des Waffenstillstandes, die die Situation vollständig ändere, die Note'sozusagen wirkungslos bleibe, da die Feindseligkeiten am Montag 7 Uhr abends wieder beginnen sollen. Amtliche Kreise der Pforte erklären, daß selbst nach Ablauf der Kundigungssrist die Türken keinen Angriff machen, sondern sich lediglich verteidigen würden, wenn die Balkanverbundeten zuerst ap- greisen sollten. Allerdings könnten sich in der Zwitchenzeit sehr viele Dinge ereignen, die einer Wiederaufnahme der iiemdielig- leiten vorbeugen würden. Er must geschluckt werden. Paris. 30. Januar.(W. T. B.) Nach einer offiziösen Mit- teilung hat sich der Ministerrat im Hinblick aus die morgige Kammerdebatie über die Angelegenheit diw Obcriileutnaiits d u P a t y de C l a m dahin ausgesprochen, oatz das Wiederan- stellungsdekret nicht zurückgezogen werden könne, doch werde du Paty de Clam mit einem Dienstbrief versehen' werden und nur im Falle einerMobilisierung irgendeinen Posten erhalten. Exzesse englischer Frauenrechtlerinnen. Tuildec, 39. Januar.(W. T. B.) Während der Feierlichkeit aus Anlaß der Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt an den Premierminister A S q u i t h kam es zu Tumulten. Asquuh wurde, als er auf eine an ihn gerichtete Ansprache erwidert«, an- dauernd von Anhängerinnen des F r a u e n st> m>n- rechts unterbrochen. Eine Frau, die Asquith einen Ber- räter nannte, wurde unter großem Lärm hinausbefördert. Als man dann fortfuhr, eine der Temonstrantinnen nach der anderen hinauszuschaffen, packte die Frauen der Schrecken. Sie ergrifsen vor ihren Verfolgern die Flucht und wollten von einer oalene zwanzig Fuß tief hiuaüspringcn. Man hielt sie jedoch noch im letzten Augenblick zurück. Schließlich ließ der Tumult nach, und Asquith konnte weiter sprechen._ Haul Singer � Co., Berlin LW. Hierzu t Beilage» v.llntkrhaUu«gShl. Sr. 26. 30. 1. Stilajc des Lmiirts" fittliiitr Freitag, 31. Januar 1913. Reichstag. 1V1. Sitzung. Donnerstag, den 30. Januar ISIS, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Zunächst niemand, dann Kühn, V. Schorl-mer. Aus der Tagesordnung steht zunächst die namentliche Ab- st i m m u n g über den Aulrag Brandys sPole):.Die Zulassung der Enteignung polnischer Gutsbesitzer für die Zwecke der preußischen Ansicdelungskominission durch den Herrn Reichs- kanzler entspricht nicht der Auffassung des Reichstags� Der Antrag wird mit 213 gegen 97 Stimmen bei 43 Stimm- Enthaltungen angenommen.(Lebhaftes Vrapo! bei den Polein) Es folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betreffend vorübergehende Zolkerleichtcrung bei der Fleisch- einfuhr. Die Kommission beantragt unveränderle Annahme deS Gesetzes. ES liegen verschiedene Anträge A l b r e ch t(Soz.) und Genossen dor, die dahin gehen, die Beschränkung der Zollerleichterungen auf die Zeit bis zum 31. März 1914 zu beseitigen, die Er- leichterunge.r auch K o n s u m g e n o s s e n s ch a ft e n und anderen gemeinnützigen Unternehmungen zu gewähren und den EiugangSzoll vollständig zu er ft alten; ferner hinzu- zufügkn.die gleichen Vergünstigungen gelten vom 1. März ISIS ab auch für die Einfuhr von lebendem Vieh aus dem AuS» lande". Außerdem beantragen die Sozialdemokraten eine Resolution auf unverzügliche Vorlegung eines Gesetzentwurfes, durch den unter Aufhebung von 8 12 des FleischbeschaugesetzeS die Einfuhr von frischem und gefrorenem Fleisch aller Art ohne an- hängende innere Organe auS dem Auslande gestattet wird. Die Freisinnige Volkspartei beantragt, dieser Re- solution hinzuzufügen sofern in dem ProduktionSlande eine den in Deutschland geltenden Bestimmungen entsprechende Untersuchung des zur AuSflchr nach Deutschland bestimmten Fleisches durch deutsche beamtete Tierärzte zugelassen ist. Eine zweite sozialdemokratische Resolution will eine Erweiterung der Erleichterungen für Vicheinsuhr dahin, daß auch die Einfuhr lebenden Rindviehs und lebender Schweine au» den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Frank- reich, Oesterreich-Ungarn, Rußland. Kanada und Argenlinien nach Schlachthöfen mit Bahnanschluß und unter der Bedingung gestattet wird, daß das eingeführte Vieh innerhalb vier Tagen nach Ein- treffen geschlachtet werden muß. und daß diese Bestimmungen auf alle Genieinden ausgedehnt werden. Eine dritte sozialdemokratische Resolution wünscht die baldigste Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch den die Zölle aus Futtermittel aufgehoben werden. Die Abgg. Ablaß und Genossen(Vp.) beantragen die Zoll- erleichterungc» nur bis zum 31. März 1913 zu gewähren, unter der Voraussetzung, daß der Bundesrat von da ab ermächtigt wird, all- gemein die Zölle für Schlachtvieh und Fleisch sowie für Jungvieh. Magervieh und Zuchtvieh ganz oder teilweise außer Hebung z» fetzen, und serner den, Gesetzentwurf einen § 2 einzufügen, tvonach vom 1. April 1913 ab die Zölle auf Futter- mittel außer Hebung gesetzt werden. Der Präsident Koempf teilt mit, daß die Abstimmung über die erste sozialdemokratische Resolution auf Antrag des Grafen Westarp und Genossen(k.) eine namentliche sein wird. Abg. Simon(Soz.):* Was der Gesetzentwurf bietet, ist nicht einmal ein Trop fen auf einen heißen Stein. Wir Sozialdemokraten haben in der Kommission versucht, dem Entwurf eine Fassung zu geben, durch welche wenigstens die schlimmsten Mißstände beseitigt werden. Aber weder die Regierung noch die Parteien ließen sich zur Zustimmung bewegen. Daß der vorliegende Entwurf völlig unzureichend ist, haben nicht nur zahlreiche Stadtvcrtretungen und der Hansabund, sondern auch der geschäftSsühreude Ausschuß des Handelsvertrags- Vereins erklärt. Es kommt also wieder ein Gesetz zustande, das keinerlei Abhilfe bringt. Hätte ein Unbelciligter den Kommissionsverhandlungen beigewohnt, so hätte er die Kommission wohl für eine zur Untersuchung der Rentabilität der Landwirtschaft gehalten, denn nicht von der Not des Kleines feuületon. Parsifal unter den Spielern, lieber die Parsifal-Generakprobe, die im Theater von Monte Carlo stattfand, bor geladenem Publikum und angeblich ohne Presse, wird nun doch referiert. Die deutschen Kritiker finden die Aufführung kitschig und langweilig�(nicht ennnal pikant oder frivol, sagt einer, der nicht auf seine Kosten kam). In der.Franks. Ztg." wird der Eindruck dahin ztUammengefaßt: .Alles in allem eine durch und durch ohernhastc Anstührung, die unter dem üblichen Niveau von Monte Carlo blieb und mit den Bayreuthdr und Münchener Spielen keinen Vergleich zuläßt. Ober- ammergau in monegassischer Aufmachung... Von irgendwelcher Weihescslspielstimmung spürte man keinen Hauch, und ein Dämchen aus Nizza, das den Parsifal dein Korso vorgezogen hatte ging des Schicksals der Kundry und des Amsortas ungeachtet von einem würdevollen englischen Herrn begleitet, ins Cafs de Paris" Die.Tägl. Rundschau" bemerkt dazu:„Es ist eine tragische Eronie der Weltgeschichte, daß das Jahr, in welchem wir Richard Sagners 100. Geburtstag feiern werden, mit einer solchen Farce eröffnet werden konnte. Die vollkommene, durch SensatiouSlnst und Geldgier genährte Kulturlosigkert unserer so viel gepriesenen Gegenwart gibt sich damit in einem geradezu unübertrefflichen Bei- Dem" kapitalistischen System, das die Kunst zun, Geldgeschäft degradiert, kann natürlich niemand entrinnen. Auch Richard Wagner nicht, der die.Nibelungen" mit starker ontikapltalistischer Tendenz begann. Wer diese Zusammenhänge fühlt(wenn auch noch nicht durä'schaut), soll nicht jammern, sondern mithelfen, daß die Kunst (jede Kunst) vom Fluche de- Goldes befreit werde, daß der Künstler frei zum Volke spreche... m Wer aber das Bayrcuther Monopol für..Parstfal aufrech,. erhalten will(wofür sich eben 18 000 Unterschriften, die Prinzen nicht mitgerechnet, in einer Petition an den Reichstag erklärt haben) be- treibt reaktionär-romanlische Kunstpolitik. flieht auS dem Bereich der Wirklichkeit, durch die wir hindurch müssen. Und herrscht in Bayreuth nicht dasselbe Geld— wenn auch in anderer Form— alStn Monte Carlo? Ist cS wirklich die geistige Elite der Nation. d,e sich dort zu Weihespiclen vereinigt? oder sind es nicht vielmehr— n» ganzen— die Privilegierten des GeldiackS. die gleichgültigen Genießer, die ihre innere Leere durch die ganze Welt schleppen? Schließlich wird daS Volt deS.Parsifal" entraten können, ob in Bayreuth oder in anderen Theatern. Das Weihcspiel mag ein großes Kunstwerk kein(in Wahrheit ist es ein seniler' Ausklang) oder nichl, dem EniPfinden deS Proletariais liegt es unendlich fern.«Iber es ist bezeichnend für die Kulturellen unserer Zeit, daß sie eine nach ihrer Meinung erhabene Kimstschöpfung für eine lleinc Anzahl reservieren wollen, die da? Geld zu der teueren Pilgerfahrt bekitzi und keine weitere Borbcdiiigung zu ersüllen hat. um inS Aller- heiligste einzudringen. Wagner hat in seinen ,ungen Jahre» solche Asterkultur glühend gebrandmarkt— aber freilich unter dem Druck der KapitalSherrschast Kunst und Volk nachher nicht mehr zusammenschmieden können. Der Siegfried Proletariat wird erst vollenden, was er einst ersehnte. Volkes, sondern von der der Landwirtschaft wurde geredet, die Landwirtschaft sollte nach den Ausführnngen der Regierimg und der alten Blockparteien, denen sich die National- liberalen anschlössen, dem Ruin verfallen, wenn die Zollerleichterniigen durchgeführt würden. Mit erfreulicher Offenheit wurde zu- gestaiiden, daß die Getreide- und Vichzölle geschaffen seien, um die Preise zu heben und auf der Höhe zu halten. Bei den Ver- Handlungen über den Zolltarif wurde das b e st r i t t e n, da be- hauptete mgn, das Ausland trage den Zoll. Heute gestehen alle die verteuernde Wirkimg des Zolles z». Als wir im Fahre 1806 um Abhilfe wegen der Teuerung interpellierten, bezeichnete der Land- wirtschastsminister V. Podbielski den Znstand als vorüber- gehend und fuhr fort,„ist er dauernd, so muß er beseitigt werden". 1900 interpellierten wir wieder und der Laiidwirtschaftsminister v. A r n i»i gab seiner Ueberzeugniig Ausdruck, daß die Bich- und Fleischnot bereits gelöst sei. Alz ,vir 1997 von neuem inter- pellierten, erwiderte der damalige Staatssekretär V. B e t h m a n n H o l l w e g, daß einer vorübergehenden Erscheinung wegen Maßnahmen, wie sie der sozialdemokratische Redner verlangte, nicht ergriffen werden dürfen. Bei unserer erneuten Interpellation im Jahre 1911 antwortete Herr v. Bethmann Hollweg, damals schon Reichskanzler, daß zähe und entschieden an der Wirt- schaftspolilik fe st gehalten werden müsse. Diesen Standpunkt hat die Regierung auch heute noch, die Erleichterungen werden nur bis zum 1. April 1914 in Aussicht gestellt. Aber vorübergehend scheinen mir nur die Staatssekretär« und Minister zu sein, die zu der Teuerung sprechen und sie als vorübergehende Erscheinung bezeichnen. Die Teuerung selb st ist geblieben und hat sich noch verstärkt, und sie wird so lange vorhanden sein, als mit dem geltenden Wirtschaftssystem nicht ausgeräumt sein wird.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat freilich erklärt, an dem bewährten Wirtschaftssystem werde nichts geändert iverden, unter ihm sei der Wohlstand gestiegen und der Arbeiter sei im Stande gewesen, in erhöhtem Maße Fleisch zu kon- sumieren.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Man behauptet nun, an der Teuerung seien die Zölle nicht ichuld. Die Preise seien früher noch höher gewesen und außerdem sei die Teuerung international. Dazu käme, daß im Ausland nicht genügend Fleisch vorhanden sei. Dann würde ja erst recht die Abschließima der Grenzen gar keinen Sinn haben. Gewiß sind die Preise für Lebensmittel in allen Ländern bedeutend gestiegen, aber es kommt darauf an: wie steht zu einer bestimmten Zeit der Preis der Lebensmittel in Deutschland zu den Preisen im Ausland in der gleichen Zeit?(Sehr richtig I) Und da stellt sich heraus, daß die Preise im Ausland zwar auch gestiegen, aber immer noch wesentlich billiger sind als bei unS.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) In Berlin waren die Fleischpreise 1912 ungefähr 26 Prozent höher als in England und 1913 hat die Steigerung der Fleischpreise sich noch weiter fortgesetzt. In de» Ländern ohne Schutzzoll sind die Preise der Lebensmittel erheblich geringer als in Deutschland, und zwar ziemlich genau um die Beträge der Zölle. Nebe» den Zöllen hat auch unser Einfuhrscheinsystem einen großen Teil der Schuld an der Teuerung. Von 1894 bis 1912 sind fast 000 Millionen Rückvergütungen der Zölle auf Einfuhrscheine gezahlt worden.(Hört I hört links.) Unter der Teuerung leiden nicht nur die Arbeiter sondern auch die Beamten und weite Kreise des Bürgertums. Auch die nicht sozialdemokratischen Arbeiter Nagen über die Teuerung. Aus einer Konferenz der katholischen Arbeiterselretäre in D ü s s e I- d o r f hat unser Kollege Giesberts 1908 eine Resolution ver treten, in der sehr energisch dagegen Front gemacht wurde, daß die breiten Volksmassen weiter belastet würden. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und dem Zentrum überwiesen. Trotz- dem hat das Zentrum und Herr Giesberts mit ihm der kleinen und der großen Finanzreform zugestimmt, durch die die breiten Volksmafien weiter belastet worden sind. Jetzt kündigt die Regierung eine neue Militärvorlage an. Präsident Kaempf ersucht den Redner, sich mehr an die Sache zu halten. Abg. Simon: Ich betone nur, daß die Regierung- durch eine Besitzsteuer 60 Millionen aufbringen und für die Militärvorlage 100 M i l i o n e n ausgeben will. Dadurch werden weitere Belastungen auf die unteren Schichten des Volkes gewälzt, und auch dazu wird da? Zentrum die Hand bieten. Vorteil von dem bisherigen Wirt- schastSsystem hat nur der Großgrundbesitz gehabt, es ist nicht eine Gesetzgebung zum Schutze der Landwirtschaft, sondern zur B e- reicherung der Großgrundbesitzer. Die ganze Ein- kommcnvermehrung entfällt bei der Landwirtschaft auf die Groß- grundbcsitzer und dasselbe trifft in noch schärferem Maße für die Vermögen zu. 700 Großgrundbesitzer mit über 100 000 M. Einkommen haben innerhalb 13 Jahren ihr Vermögen um 2236 Millionen Mark vermehrt. (Hört I hört!) Für die kleinen Landwirte wirkt dieS Wirtschaftssystem geradezu ruinös. Das hat sich besonders auch bei der Tabak- steuer gezeigt. Präs. Kaempf: Ich bitte Sie wiederholt, sich an den zur Ver- Handlung stehenden Gegenstand, vorübergehende Zollerleichtenmgen für Fleisch, zu halten. Abg. Simon(fortfahrend): In der Kommission ist der ganzeKomplexdergsragen der Zollpolitik aufgerollt und behandelt worden,(«ehr richtig! bei den Sozialdemolratcn.) Auch bin ich der Meinung, daß wenn man die Teuerung überhaupt erfassen will, man sich nicht auf die Fleischtenerung allein beschränken darf.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Daß Ihnen(nach rechts) diese Ausführungen unangenehm sind, glaube ich ja.(Lachen rechts.) Aber bleiben ivir bei der Fleischtencriing. Bei Gelegenheit unserer Interpellation über die Fleischteuerung wurde bestrilten, daß eine Unter- ernährung der' Arbeiterbevölkerung stattfindet. In Nürnberg, einer Stadt mit vorwiegender Arbeiter- bebölkerung, belrug 1896 der Fleischkonsum pro Kops der Bevölkerung 79,83 Kilogramm. Von da ab ist er s y st e m a t i s ch zurückgegangen und betrug 1911 n u r n o ch 6 4,2 4 Ki l o- gramm.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Dabei muß man berücksichtigen, daß innerhalb dieser Zeit der Fremdenverkehr in Nürnberg außerordentlich zugenommen hat, und auch sicher die reichen Leute ihren Fleischkonjum wegen der Verteuerung deS Fleisches nicht vermindert haben, so daß also der Fleischkonsum der arnien Bevölkerungskreise jedenfalls noch eine bedeutend größere Einschränkung erfahren hat. Ich empfehle Ihnen auch ein kleines Schriftchen einzusehen, das die Schulspeisungen in Groß-Berlin behandelt. Dort wird der Nachweis erbracht, daß insbesondere in den SZ o r o r t e n. wo viele Arbeiterfamilien wohnen, eine ungeheuer große Anzahl von Kindern weder warmeS Frühstück noch warmes Mittagessen bekommt. Bayerische Bezirksärzte haben serner festgestellt, daß in nicht weniger als 13 Bezirken Bayerns ein ganz gewaltiger Rückgang des Fleischkonsums auch bei der ländlichen Bc- völkerung zu verzeichnen ist, und daß teilweise große Unter- ernährung herrscht. Der bayerische Minister Frhr. v. Soden hat zwar diese Berichte als übertrieben bezeichnet, aber daS will wenig sagen, da er selb st Agrarier ist und dem schwarzblauen Ministerium Hertling angehört. Wie gering der Fleischkonsum in Arbeiterfamilien ist, beweisen auch einige mir vorliegende HaushaltSstatistiken. So betrugen die Einnahme� eines SpezialarbeirerS in einer Schuhfabrik mit Nebeneinnahmen, Rückvergütung aus dem Konsumverein, Abvermieten usw. 2118,79 M., also wöchentlich 40,74 M., die Ausgaben betrugen 40,61 M. Ein sächsischer Arbeiter hatte 19,74 M. Einnahmen wöchentlich und 24,77 M. Ausgaben.(Hörtl hörtl) Dagegen verdiente ein Tagelöhner in Cincinnati in den Vereinigten Staaten 63 M. wöchentlich, mit Frau zusammen 108,67 M. und seine Ausgaben für Nahrungsmittel, Miete, Versicherung und dcrgl. betrugen 66,76 M. wöchentlich. Nur für Lebensmittel gibt der amerikanische Arbeiter pro Kopf seiner aus 4 Personen bestehenden Familie täglich 1,50 M. aus, der Niini- berger Arbeiter 46� Pf. und der sächsische 42 Pf.(Hört I hört!) Für Fleisch allem gab der amerikanische Arbeiter 46�/» Pf. per Kopf und Tag aus, der Nürnberger 12� und der sächsische 6 Pf. (Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Das sind die Folgen Ihrer Wirtschaftspolitik. So lange das I u n k e r t u m herrscht, wird an diesem Elend nichts geändert werden. Die Macht des preußischen Junkertums liegt verankert in dem preußischen Drei- klassenwahlrecht. Für die Furcht der Regierung vor dem Junkertum spricht auch die Tatsache, daß ein Gutachten, daS, wie ein Bremer Kaufmann im„Vo'rwärtL" Kaempf. Nein,— er ist nicht parteiisch. Aber jetzt wieder, bei der Rede deS witzigen Wendel, hat sich die ganze Dürftigkeit des Mannes gezeigt. Der Staatssekretär v. LiSco verläßt mit seinen Kommissaren den Saal, er brüskiert, er pfeift ganz offen auf die Herren, die ihre Reden nun den Stenographen diktieren dürfen. Ganz abgesehen davon, daß daS gesellschaftlich ungezogen ist... also schön. Wendel ist ausgelassen witzig, er ist bielleicht der Schlagfertigste im Reichstage(wozu eben nicht viel gehört), er zeigt die Fehler der Polenpolitik, er zitiert den Freiherr« vom Stein, der tot ist.... Der tote Freiherr wird zur Ordnung gerufen. Wirklich. Keinem seiner Freunde geht auf. wie armselig diese Taktik des Herrn Kaempf ist: er hakt sich in jeden gut pointierten Satz ein, er beschnüffelt jedes fix abgeschnellte Wortspiel, er doziert lehrhast, er verwahrt sich, er kann nichl dulden, er nimmt nicht an, daß—. Er glaubt nicht, daß er im Augenblick bessere? tun kann. Ein deutscher Mann. Nochmals: er ist kaum parteiisch, sicherlich nicht bewußt. Die- selbe kleinliche Oberlehrertonart behält er durchweg bei. Erwachsene Menschen dürfen nicht über den Kaiser sprechen, nicht über eine Pflichtvergeffenheit irgend jemandes, der alte Herr setzt die Grenzen deS ParlainentariSmns fest... Freisinnig, aber konsequent. Wie nichtig, wie dumm ist daS alles. Zu einer Zeit, in der der Freisinn absolut an die Wand gedrückt wird, weiß ein Kauf- mann, ein Mann des praktischen Lebens nichts Besseres, als seinen Feinden mit schmalzigem Pathos und belehrenden, schulmeisternden Worten Hilfe zu leisten. Ein Manu, der aufrechte Träger der Prnsidialgelvalt deS Reichs- tags und des Roten Adlerordeus IV. Klaffe. Tie heilige Feme von heute. Der deutsch-schwedische Schriftsteller Adolf Paul, dem neuerdings seine Tragikomödie..Drohnen" verboten wunde, schildert im„März" seine Erlebiiisse mit der Berliner Zensur. Er zeigt, wie diese wohltätige Einrichtung korrumpierend auf die Theater wirkt(wie alle solche Polizeimaß- nahmen). Herr Paul berichtet: „Ein Verbot macht Geräusch und erzielt oft das Gegenteil vom Mundtotmachen. Also geräuschlos in die Versenkung mit dem unliebsamen Stück, wenn's irgend geht! Und— meistens geht es. In den Thcatcrkanzleicn erwachsen dem Zensor so viele frei- willige Helfershelfer—, die Feigheit und die Kriecherei so manches Berliner Dramaturglein ist meistens größer als ihre Unfähigkeit, Stucke zu beurteilen, und die Thcatcrdircktorcn haben so viele bose Gewissen! ... nämlich so viel« Unrcgelmäßiglcitcn im Betrieb, die die Polizei einem durch die Finger sehen kann, und die zu ebenso vielen Schikaiieir verwandelt werden könnten! Wehe dem, der zu trotzen tvagt! Run will ich keinesfalls behauplcn. daß die Polizei mit Schi- kaucil droht! Sic rechnet höchstens mit der latenten Angst davor und profitiert dovmt im stillen,— mehr lja' sie nicht nötig! Da sind zum Beispiel die fcucipolizeiliclicn Vcrordnuiigcn. die stets der Polizei eine handhabe zum Einschreiten bieten könnten! .. WWN die W gll Ihrep Strenge gehandhabt weiden WüxdkN. dürfte in den wenigsten Theatern Berlins gespielt werden! Es gilt also sefym deswegen, mit der heiligen Hermandad gut zu stehen! Früher hatte ich manchmal den Zensor im Verdacht. Stücke freizugeben, unter der Bedingung, daß ste nicht gespielt werden dürften! Und— gar manchem Thcaterdirektor traute ich zu. um des lieben Friedens willen darauf einzugehen!„Hintenherum" war damals die Losung! Jetzt heißt's:„RauS mit dem Flederwisch und tüchtig deg Federfuchsern aufs gotteslästerliche Fell geklopftl" Notizen. --- K u n st ch r o n i k. Die Zeitschrift„Der Sturm' zeigt auf ihrer neuen Ausstellung(Königin-Augusta-Str. 61) Gemälde von Robert D e l a u n a y; ferner zum Gedächtnisjder verstorbenen Malerin Julie Baum eine Auswahl ihrer Gemälde; endlich zum erstenmal in Deutschland Gemälde und Zeichnungen des Italieners Ardengo S o f f i c i.— Die Ausstellung m der A l a d e m i e der K ü n st e wird Sonntag geschlossen und zwar um 6 Uhr. — Der Leiter der deutschen Südpolarexpe- d i t i o n, Filchner, ist von Buenos Aires über Genua nach Berlin zurückgekehrt. Man wird jetzt also über die Ergebnisse seiner Expc- dition genaueres erfahren. — Mouarchenerziehung imVarietv. König Friedrich August von Sachsen hat bei seinem offiziellen Besuch in Leipzig auch ei» großes Varietö besucht. Denkt mal, ihr guten Bürger, in großer Uniform und mit Gefolge. Der bürgerliche Journalist sieht bereits die Morgenröte einer neuen Zeit anfsteigen und schreibt(er heißt Kurt Pinthus) auS„Berliner Tagebl.": „König Friedrich August hat inmitten einer festlich gekleideten, fröhlichen Menge n»? allen Klassen des Volkes in der Stunde, als er auf der mit Scheinwerfern grell beleuchteten Bühne anmutige Tänzerinnen, einen Vortragskünstler, stählcrn-gelenkige Eqnilibristen, Kriegergruppen aus wirllichen Menschen und kinematographische Er- eigmsse sah, mehr vom Wesen unserer Zeit erlebt, als ihm die Vor- trage seiner Minister bieten können." Denn warum? „DaS VarietS hat sich zu einem Spiegelbild unserer wirren. bastigen, grotesken und erhabenen, exakt arbeitenden und doch gcnuß- reichen Zeit geschaffen." Also: man mache das VarietS fü» Monarchen obligatorisch~ dann kann'S nicht mehr fehlen. — EinMetor von besonderer Größe wurde Donnerstag früh 4 Uhr 30 Minuten in Halle a. S. beobadbtet. Das Meteor, das sich am südlichen Himmel von Westen nach Osten bewegte, er- schien so groß wie ein halber Mond und hatte auffällig starleS Licht. — Ein zeitgemäßes Museum. Der New Yorker Museumsleiter Dr. Robinson will ein Museum gefälschter K u nstw e rk e gründen. Es sollen darin nicht bloß die Fälschungen, mit denen das New Yorker Metropolitan-Museum hineingelegt worden ist, sondern auch Kunstwerke aus dem Besitz der bckaimiesicn amerilanische» Sammler gezeigt werden. Die Namen der Besitzer sollen natürlich verschwiegen werden. verichtet, von einer Deputation deZ ReichZgesundheitSamtS in Bremen über die hygienisch einlvaiidfreie Beschaffung gesrorener Hammel erstattet wurde, in der Oeffentlichleit bisher nicht bekannt geworden ist.(Hört! hört!) Im Frühling v. I war danach eine Deputation des Reichsgesundheitsamts in Bremen und ist Zeuge gewesen, wie eiugesührtes australisches Gefriei fleisch aufgetaut und tierärztlich untersucht worden ist. Ich frage die 9te gierung, ob ihr von diesem Gutachten irgend etwoS bekannt ge� worden ist. Auf die Dauer kann keine R gierung gegen das Volk regieren. Die Empörung über diese Politik nimmt ständig zu und wird dazu führen, das; es auch mit der Mach! des Junkertums ein Ende haben wird.(Lebh. Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsidenr Kaempf erteilt dem Redner nachträglich zwei OrduungS rufe wegen des Ausdrucks„J o l l iv u ch e r in e h r h e i t" und de Ausdrucks„Die Regierung regiere gegen das Vol k" (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Heroldv a r n m I) Wir halten grundsätzlich fest an unserem Wirtschafts s y st e m. Das hält uns aber nicht ab, f ü r diese Vorlage zu stimmen, weil wir darin keine Durchbrechung des gegenwärtigen Wirtschaftssystems erblicke». Eine wesentliche Folge unseres Wirt schaslssystems ist. daff die deutsche Landrvirtschast in der Lage ist, fast den ganzen Fleischbedarf de-Z Inlandes zu decken. Wenn die Viehbestände zum Teil zurückgegange n sind, wie die Vieh zählung ergeben hat, so ist das noch eine Folge der Dürre vom vorigen Jahr. Was den Antrag der Vvlksparter anlangt, so ist es wunderbar, daff diese Partei, die sonst so groffen Wert auf die Rechte des Reichstags legt, hier imeder eine neue Befugnis in die Hand des Bundes- rats legen will. lSehr gut I rechts.) Im übrigen lehnen wir auch i it- haltlich den Antrag ad. Ebenso hallen«vir die Aufrechter h a l t u n g des§ iL des FleischbeschaugesetzeS als einziges Mittel, um festzustellen, ob Fleisch von gesunden Tieren ein- geführt wird, für dringend notwendig. Die eigentlichen Futter- mittel sind so wie so zollfrei. Aufferdem würden wir einen Ein- uahmeausfall von 67 Millionen Mark haben, die wir lediglich R uff- l a n d schenken würden.(Zuruf links: Unglaubliche Logik!) Sonst wäre eS ja gar nicht versländlich, daff das Aus- land so groffes Interesse an der Herabsetzung unserer Zölle zeigt.(Zustimmung im Zentrum.) Die gestellten Anträge aus Beseitigung der Futter mittelzölle und au' weitere Zollerleichlerungen dienen lediglich den Interessen des A u s l a n d es. D e s b a l b werden w i r sie ablehnen (Beifall im Zentrum.) Die Teuerung, die auch wir anerkennen, sollte man nicht zur Agitation benutzen. sondern alle Parteien sollten sich über die Mittel zur Abhilfe verständigen.(Bravo! im Zentrum.) Vizepräsident Paaschs teilt mit. daff die Abstimmung über den Antrag Ablaff auf Autzerhebungsetzung der Futtermittelzölle auf Antrag F i s ch b e ck(Vp.) eine namentliche sein wird. Abg. Dr. Böttger(natl.): Die Maffnahmen, die der Gesetz entwurf bringt, stellen nur ein Provisorium dar, und desbalb werden meine Freunde ihm z u st i m in e n. Die soffaldemokratiickien und freisinnigen Anträge dagegen wiirden eine Durchlöcherung unserer bewährten Wirtschaftspolitik bedeuten, und deshalb lehnen wir sie ab. Unsere Wirtschaftspolitik hat zu vermehrtem Wohlstaud aller Bevölkerung Skreise geführt, und wir haben daher keinen Anlaff, sie zu verlassen. Die Freisinnige Volkspartei will ja das argentinische Gefrierfleisch nicht jo unbedingt zulassen wie die sozialdemokratische, denn sie ivollen beamtete Tierärzte nach Argentinien schicken zur lleberwachuug der Untersuchung. Was würden diese Beamten für eine staatsrechtliche Stellung haben! Auf diesem Wege kann uns nicht geholten werden. Tie Frage der F u t t e r m i t t e l z ö l l e wolle» wir iv o h l w o l l e n d behandeln, aber der gegenwärtige Moment in der alleruugeeignetste ibre Beseitigung anzuregen, ckckebhafter Widerspruch bei der Volks Mrtei.) Ohne ausreichenden Schutz iviirde unsere Landwirtschaft die Viehzucht einschränken müssen, und wir wiirden niiS von dem Ideal, die Bevölkerung durcb die heimische Fleisckiproduklion zu ernähren, ffnmer weiter entfernen. A» einer Abnahme des Konsums der Arbeiterbevölkerung bat auch die Landwirtschaft lein.Interesse, ein L a n d w i r t s ch o f t s in i n i st e r, der Enthaltsamkeit predigt, hat seinen Zweck verfehlt. Wir loerden stets für eine Gesetzgebung ein treten, die den inneren Markt stärkt und jedem daS Seine gibt. (Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Äriistndt(f.): Bo» einer Fleischnet kann feine Rede fein. (Hört! hört I und lautes Gelächter links.) Daff zurzeit eine F l e i s ch t e u e r u n g vorhanden ist, geben wir ohne toeileres zu. Wir wären auch gern bereit, Minel zu bewilligen, um den Inlandsmarkt entsprechend zu organisieren, aber die vor- geschlagene RegiernugSinaffnabme halten wir für unvereinbar mit dem Zollgesetz von 1902. ließet die Futtermittelzölle habe ich schon früher ausführlich gesprochen, und da es in diesem Hanse nicht üblich ist, sich zu iviederholen(Heiterkeit), will ich das nicht tun. Man hat gesagt, die Suspendierung der Futtermittelzölle hätte den ganzen Roistand verhindert.(Sehr richtig! links.) Aber wie war es bei der Suspendieruug des KartofselzollS V Sie ist keineswegs den Ronsuinenien zugute gekommen.(Sehr richtig! rechts.) Der gröffte Teil der Futtermittel gehl auch heute schon zollfrei ein. Sie würden auch durch eine solche Maßnahme nur eine Entwertung der laudwirtschastlichen Produkte herbeiführen.(Sehr richtig I rechts.) Der Antrag der Volksvartei, jder auch Zölle auf Jungvieh, Mager- Vieh und Zuchtvieh beseitigen will, ist höchst bauernfeindlich. Die Bauern sind doch in der Hauptsache die Viehzüchter. Der Antrag würde höchstens den Viehhändlern und einigen Groffgrund- besitzet n nützen. Ich wlinoere mich, daff der Antrag auch unter- schrieben ist von dem Abg. v. Schulze-Gaevernitz, der sich vor der Wahl in einer Broschüre für Viehzölle erklärt hat.(Hvrt! hört! rechts.) Und auch Herr Kiel steht unter dem Antrag, der sich öffentlich gegen eine Einsuhr des Geirierfleisches aus- gesprochen hat.(Hört I hört! rechts.)— Mit dem§ 12 steht und fällt für uns das Fleischbeschaugejetz. Das einzige Mittel zur Hilfe ist die Vermehrung der einheimischen Produktion, zu der vor allem die innere Kolonisation nötig ist; diese kann nur durch eine nationale Wirtschaftspolitik gestützt werden.(Bravo! rechts.) Abg. Fischöeck(Vp.): Der Entwurf ist aus der Kommission genau so dürftig herausgetomnie», lvie et hiueingesandt worden ist. Wie soll man auch an Abhilfe denken, weim hier von der Tribüne des Reichstages herab tiefgründig untersucht wird, ob eine F l e i s ch n o l oder eitte F l e i s ch t e u e r u n g Vorhände» ist. Der Fleischmaiigel i st ganz unbestreitbar; daS zeigt auch die im Auftrage des Deutschen Städteiages von Prof. Silbergleit bearbeitete Statistik, deren Bearbeiter über die von agrarischer Seite er- folgten Angriffe erhaben ist.(Sehr richtig I bei der Vp.) Gibt man auch den Fleischmaiigel zu. so sagt man doch, ja, wenn wir nicht die Dürre gehabt hätten, so hätte unsere Landwirtschaft ausgereicht, uns mit Fleisch zu versorgen. Eine Wirtschaftspolitik, die stets gutes Wetter voraussetzt, um ihre Aufgaben zu erfüllen, kau» überhaupt einpacken(Sehr richtig I bei der Vokksparlei). Unsere Wirtschaftspolitik ist auch dein Ziele, unsere gesamte landwirtschaft- liche Produktion zu steigern, entgegengesetzt, denn Viehzucht und Körnerbau können nicht gleichzeitig gefördert werden.— Man verweist auf die Zollfreiheit einzelner Futtermittel. Aber cs ist eine bekannte Talsache, daff Preiserhöhungen einzelner Futtermittelarten auch Preiserhöhungen bei den andern Futtermitteln nach sich ziehen. Herr Herold hat wieder einmal pen alten Ladenhüter untergeordneter agrarischer Agitatoren im Lande vorgebracht, die Zölle erhöhten gar nicht die Preise. Ich alaube nicht, daff es selbst drauffen noch viele Leute gibt, die das „ l a u b e n.(Sehr gut! links.) Neulich hat ja Dr. Delbrück ans- drücklich zugestanden, daff die Getreidezölle den Zweck hätten, die Ketreidepreff'e zu erhöhen. Einen Schutz der Landwirtschaft wollen wir auch aber die Bevorzugung des Groffgrund- de iit, es m u ff aufhören, man muff endlich auch an den t e i n b e f i tz denken.(Sehr war! links.) Der vorliegende Gesetz- -..twuri kuriert nur an einem Symptom herum. Grundsätzlich sind ttir mit dem Vorstand des StädtetogeS der Ansicht, daff den«tädten dauernd nicht die Last auferlegt werden kann, für die Fleisch- Versorgung der Bevölkerung zu sorgen. Schließlich kommt es noch dahin, daff vom Natvaus geblasen lvird: Morgen all- gemeines K n ö d e l e s s e».(Heiterkeit.) Der gewerbliche Mittel- stand würde unter dieser Konkurrenz der Städte schiver leiden. (Sehr richtig!) Solche Maffnahmen sind nur Wasser aus die Mühlen der Sozialdemokratie. Sie haben ja auch den Mut gefunden, zu beantragen, daff den Städten noch mebr Aufgaben zugewiesen werden, als der Entwurf das vorsieht. Wenn sie auch die Konsumvereine da einbeziehen wollen, die ja eigentlich keine Organisationen der Allgemeinheit sind, so jedenfalls deS- halb, weil sie diese Konsumgenossenschaften in der Hand haben.— Unser Antrag auf Suspension der Viehzölle gilt nur für die Zeiten des Notstandes.— Der Einfuhr von Gefrierfleisch können wir nur unter der Bedingung zustimmen, daff das Fleisch im Ausland von deutschen Beamten untersucht wird. Will daS Ausland das nicht gestatten, kann es uns eben sein Fleisch nicht schicken. Der Antrag Ä l b r e ch t betreffend die freie Einfuhr lebenden Rindviehs usw. geht uns z u weit. Ich bitte Sie unseren Anträge zuzustimmen, sie bieten einen praktischen Weg zur Bekämpfimg der Teuerung. Unlerstaatssekreiär Richter wendet sich gegen die Anträge der Freisinnigen; die Aufhebung oder Suspension der Futtermiitelzölle ist um so weniger angebracht, als unsere Futtermilleb ernte im letzten Jahre sehr gut gewesen ist und infolge dessen auch die Preise niedrig sind. Zum Antrag auf Aufhebung des Z 12 deS FleischbeschaugesetzeS bemerke ich, daff das Neichsgesnndheitsamt festgestellt hat. daff die Ein sührung mit den inneren Teilen sehr leicht möglich ist bei Hammeln, und etwas schwieriger möglich, aber doch möglich bei Rindern. Talsächlich werden auch australische gefrorene Hammel ein geführt, und da die Fleischer es zu verkaufen sich weigerten, hat Wilmersdorf einen städtischen Berkauf eingeführt. Die Äufhebmig des 8 12 würde eine schwere s a n i t ä r e S ch ä d i g u n g der Be- völkerung bedeuten; denn man muffte dieselben Er leichternngen der Fleischbeschau wie dem ausländische» auch dem inländischen Fleisch zugestehen. Dann würde aber durch die un begrenzte Einfuhr ausländischen gefrorenen Fleisches der Preis des Fleisches so gedrückt werden, daff die Fleisch- Produktion nicht, mehr lohnt. Dann würden wir die heimische Bevölkerung kaum noch zur Hälfte niit eigenem Fleisch ver sorgen können. Das würde eine schwere Gefahr für den Fall einer Krise, oder eines Krieges bedeuten.(Bravo! rechts.) Die Weiterberatung wird vertagt ans Freilag 1 llhr.(Auffer- dem Fortsetzung der ziveiten Beratung des Etats des Reichsamts des Jimern.) Schluß 6'/z Uhr._ Hbgeordmtenbaus* 121. Sitzung. Donnerstag, den ZO.Januar 1913, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Schorle in er. Die Genehmigung zur Bernehnurng des Abg. K r e t h als Zeuge in einem Zivilprozeff wird erteilt. Der Forstetat. Abg. Weißcrmel(k.) begrüßt das erfreuliche Steigen der Forst- erträgniffe. Abg. Heine(natl.) begrüßt, daff die Forstverwaltmig möglichst viel Holz an die Eiienbahnverwaltuiig verkauft. Abg. Spinzig(fk.) trägt Beauitenwünsche vor. Abg. Borchardt(Soz.): Im Vorjahre hat man uns vörgelvorfe», daff wir keinen Fach- mann zu diesem Etat hätten spreche» lassen. Geben Sie uns das allgemeine Wahlrecht, dann werde» wir auch dafür sorgen, daff ein fachmännisch vorgebildeter sozialdemokratischer Abgeordneter hier ist.(Sehr gut! bei den Soziasdemokraten.) Ich möchte, da ich nicht Fachmann bin, um einige Äufkläriingen biiien. Die lieber- schiisse der Forstverwaltung beruhen auf den Erträgnissen des Holzbaues, die aber in den verschiedenen Regierungsbezirken sehr verschieden sind. Die östlichen Gegeliden. die ganzen Provinzen Ostpreuffen. Westprentzen, Posen und der östliche Teil von Poinmern, bleiben wesentlich unter dem Durchschnitt, außerdem noch der Regierungsbezirk Kassel. De» Durchschnitt überichreiteii chlesien, Brandenburg und der westliche Teil von Pommern Worauf beruht das? Wie gut sich die Staatssorsten rentieren, geht daraus hervor, daff man für sie die Bildung eines Ausgleichsfonds als überflüssig bezeichnet hat, loeil die Einnahmen gleichmäßig und Schwankungen ausgeschlossen wären. Wie steht eS aber mit den Löhnen der Arbeiter? Im ganzen werden 172 000 Arbeiter beschäftigt, Männer, Frauen und Kinder. Nach einer Mitteilung des Ministers im Vorjahre waren 98 OOO Männer in den Forsten durchschnittlich nur 59 Tage im Jähre beschäftigt. Es handelt sich also nur um eine Nebeubeschäsligung. Dainit darf man aber die niedrigen Löhne, die gezahlt werden, nicht eulschuldigen. Weim ein Privatuuleruehmer sagen würde: Ihr seid auf diese Nebeubeschäftigniig bei mir an- gewiesen, deshalb zahle ich Euch keine höheren Löhne, so würden ivir das eine Ausnutzung der Notlage nennen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich will hoffen, daß das nicht der Sin» der Worte des Ministers geivesen sein soll. Die Löhne betragen nur in fünf Regierungsbezirken im Westen über 3 Mark, dagegen in drei Regierungsbezirken noch nicht einmal 2 M.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Löhne sind im allgemeinen un Osten viel niedriger als im Westen. Der Staat zeigt sich eben nicht als Vater seiner Arbeiter. sondern richtet sich nach den ortsüblichen Löhnen ohne Rücksicht ans die ivirklichen Bedürfnisse der Arbeiter. Alles in allem: die Wald- arbeiter sind trotz der geivaltigen kleberfchüffe der Forstverwaltung unzureichend bezahlt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Im Borjahre hat der Zentrumsabg. Busch unsere Aussührungen hierüber augegriffen, aber seine Erwiderungen beweisen nur, daff hier Debatten geführt werden, ohne daff man einen Blick in die Druck- fachen tut, ohne daff man zuhört und ohne daß man wirklich eine Ahnung von der Sache hat. Der LandwirtschastSminifter hat darauf hingewiesen, daß die Löhne Ivesentlich gestiegen seien. Der Tagelohn habe 1901 1.46 M. bis 2.59 M., 1910 1,90 bis 3.32 M. betragen. Die Berwallmig tue schon alles, was sie könne. Abg. Busch sagte, nörgeln ist leicht, besser machen ist schwer, auch das ollte heiffen, daß schon alles mögliche geschieht. Ich sollte aller- Vings meinen, bei einem lleberschuff von 80 Millionen könnte die Forstverwaltung ihren Arbeitern höhere Löhne zahlen. Wenn die Verivaltung wirklich alles tut. waS sie kann, so kann der Gedanke nur sein: sonst behalte» wir leine Ueberschiisse übrig I Wenn Sie das aber zugeben, dann geben Sie auch die Richtigkeit der sozialdemokratischen Lehre zu. die besagt ja gerade, daff beim kapitalistischen Belriebe die Arbeiter nicht befriedigt werden können, daff die Ueverschiiste auf einer ungenügenden Bezahlung der Arbeiter beruhen, daff die ganze kapitalistische Gesellschaft auf der A u s b e u t u n g d e r A r b e i t e r beruht.(Sehr richtig' bei den Sozialdemokraten.) Der Landwirlschaflsrninister hat sich ferner besonders viel daraus zugute getan, daff er sagte, ivenn nachher die Mittel in den Etat eingestellt und bewilligt werden sollen, dann lehnen die Sozial. demvkraten den ganzen Etat ad. Eine Bewilligung des EiatS würde aber die Zustimmung zu einem Zustande bedeuten, in dem die Ar- beiter nicht befriedigt werden und in dem das Elend der Arbeiter verewigt werden(oll.(Sehr richtig! bei den Soziald.) Ob wir den Etat bewilligen oder nicht, Sie sagen ja: wir tun schon alles was wir können, mehr können wir nicht tun, das Elend der Arbeiter muff bleiben..Weshalb sollen wir da den Etat bewilligen? ehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weim ich jetzt einige Einzel- alle vorbringe, so ist das Ihnen ja gewiß nicht angenehm, aber Sie machen es ebenso. Beispielsweise beim Justizetat werden nur Einzelfälle angeführt. Sie konnten stch dort nicht die Portemonnaleschmerzen Ihrer Wähler verkneifen. Deshalb haben ivir für einen Etat, für den nur 0,2 Tage angesetzt waren, 2,0 Tage verwenden müssen. Nicht die laugen Reden der Sozialdemokratie, sondern Ihre eigenen P o r t e in o n n a i e s ch m e r z e n sind es gewesen, die die Ber» zögerung herbeigeführt haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemo» kraten.) Die geheimen Akten über die Beamten müssen unbedingt beseitigt werden, alle Parteien verlangen das. Wenn Sie nur energisch wären, würden Sie es auch erreichen können. Wie rück-- sichtslos die Berwaltiing vorgeht, lehrt ein Fall im Regierungsbezirk Danzig, wo ein schon 17 Jahre tätiger Forstanfseher in bitterster Kälte im Winter mit seinem kranken Kind seine Wohnung verlasse» mußte und nur bei einem mitleidigen Palen Ausnahme(and. Das Landwirtschastsministerilim sah darin allerdings keine Härte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mit welchem Terrorismus die Verwaltung vorgeht, lehrt der Fall des Arbeiters Scheele in L a u e n b u r g. Er lvurde aus dem Forstdienst entlassen, weil er Mitglied unseres Verbandes ist. Er fand darauf Arbeil auf einem Bau als Maurer und wurde dann von dem Maurermeister auf einem von ihm gepachteten fiskalischen Stein» brnch beschäftigt. Da kam vor einigen Tagen ein F ö r st e r zum Maurermeister und verlangte die Entlassnng Scheeles, sonst würde e-s üble Folgen für ihn haben. Hierüber beschwerte man sich bei dem Forstrat Müller in Hildcsheim. Der erklärte aber, man habe dem Maurermeister die Entlassung Scheeles nicht abverlangt, sonder» nur angeraten.(Zuruf bei Leu Sozialdemokraten: klnerihört I) Für eine Entlassungs forderung läge für die Verwaltung nach den Pachlbedingungen keine Handhabe vor. Wenn der Gebeimrat Müller zum Terrorismus greift, soll er doch wenigstens so viel Eourage haben, dieses offen zu bekennen. Aber auf solch heuchlerische und feige Art sich zu verteidigen, ist» eines preußischen Beainten doch nicht würdig.(Lebhafter Beifall bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Lüders(fk.) wünscht bessere Wege in den Forsten. Abg. TürckeSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Berlin will aber gar kein Geschenk; es ist bereit, einen angemessenen Preis zu zahle»; verwahrt sich aber�dagegen ausge b e u te t zu wer- den. Berlin will gar keine tootwetBoticUe für sich i�. ausholen. Ter Fiskus fordert für 11200 Hektar 1-8 Millionen Mark, das find für den Quadratmeter 1.59 Mark. Der Fiskus »leint, das sei sehr billig; m Wirklichkeit sind das Baulandpreifc. Und dabei will der FiskuS. statt den ganzen Wald der Stadt zu übcreianen gewisse Teile nock? behalten, um mit ihnen Grund- (t ck s s p e k u l a t i o n zu krelbem Nach dem sonst vom FiSkuS angewandten Maffstab fur den Wert seiner Wälder, würde ein Nutzuugöwert von c>70 000 M. herauskommen, das find kapitalr- icrl 12 Millionen Mark. Berücksichtigen wir. daß der Boden in der Provinz Branden- bürg beffer ist als im Staatsganzen, so würde, selbst wenn er hier viermal so gut lst�als �sonft, auch nur ein Prei� von�4v bi bei 50 M i l l i o n e n M a r k gerechtfertigt ericheinen.(Hör« horkl den Sozialdemokraten.) Der Staat treibt also Grund- stücksspekulation in demselben Augenblick, wo die Regie- rung in der Begründung des WohnungsgesetzentwurfeS sehr scharfe und treffende Worte gegen die Gruiidstückssvckulation findet, Ema Berechnung des Kommerzienrals Ha ber land crg'bl. daff d« Forderung de* Staates in der Tat bedeute mm Meine fct der Beratung de? ZwcckpertdandSgesetzs? geäußerte Ansicht, daß der Ztaat sich in dem Iioeckderband nur einen z a d l u n g o s ä d i g c n Ä ä u f c r für seine Wälder der- sch,:sieii wolle, bestätigt sich jetzt. Das Argument, daß Berlin ja uur IM Proz. Gemeindesteuern crl)ebc, und den Preis also sehr wohl bezahlen, könne, trisft nicht zu, denn man darf natürlich für den Wald nicht mehr verlangen, als er wirklich wert ist. Außerdem ist zu bedenken, daß die zum Ztveckverband gehörenden Vorort- gemeinden finanziell zum größten Teil sehr schlecht gestellt und und nur deshalb nicht die hohen Gemeindesteuern mancher Stadt im Osten der Monarchie einhcben, weil sie durch die Gefahr der Abwanderung ihrer Einwohner nach den besser gestellten westlichen Berliner Vororten daran gehindert werden. In merkiourdigem Widerspruch zu dem Versahren des Staates gegen- über dem Zwcckvcrband steht sein Entgegenkommen gegen eine Privatgesellschaft, die Charlottenburger Wasserwerke, die in den letzten fünf Jahren Dividenden von 12 bis 2 2,8 Proz. gezahlt bat. Der ist ein weites Waldgcbict zu viel billigerem Prei. als er jetzt gefordert wird, verpachtet worden, obgleich diese Gesellschaft doch dem Grunewald das Wasser entzieht. Von Groß-Berlin aber fordert man unerschwingliche Preise. Man läßt sich eben auch wieder, wie so oft, von' der Feind- schaft gegen den Wasserkopf Groß-Berlin leiten.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Man beruft sich darauf, was der Staat für Berlin tue. Nun, in Groß-Berlin wohnen ungefähr eben- soviel Einwohner wie in Ostpreußen, West- p r e u ß e m il u d Pommern zusammen. Der Staatszuschuß für diese Provinzen ist aber weit höher, als was Berlin vom Staat bekommt, lim- so mehr muß der Staat für den Waldverkauf ein annehindarcs Gebot machen, als es sich um Interessen des ganzen Staates handelt. Man klckgt so oft' über den Rückgang der Mi- litärtauglichkeit in den Großstädten, aber' man erschwert zugleich den Gemeinden, ihrer Bevölkerung die Gelegenheit zur Erholung in frischer Luft zu sichern. So trägt der Staat selbst dazu bei, die Militärtauglichkeit herabzusetzen. Der Zweckverband wird sich trotz gewisser Pressenotizen von keinen anderen Rücksichten leiten lassen, als von sachlichen. Der Fiskus bat das allergrößte Interesse an dem Verkauf des Grüne- Waldes an den Zweckverband, den der Staat ja eigens zu diesem .Zweck geschaffen hat. Tie Drohung des Herrn v. Branden- stein, daß der Staat eventuell den Wald parzellieren würde, wird auf die Gemeinden Groß-Berlins keine Wirkung ausüben, denn die Gemeinden und ihre Vertreter können es mit ihrer Pflicht nicht vereinbaren, einen Preis zu zahlen, der das Drei- bis Vier- fache des Wertes bedeutet. Wenn Sie sich von diesen Gründen leiten sassen, dann, boffe ich wird es trotz aller Schwierigkeiten zu einer Verständigung kommen, l Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Rosenow(Vp.) spricht in demselben Sinne und wendet sich insbesondere gegen das unwürdige V e r st e ck e n f p i e l der Regierung, die mit dem Preise nicht berausrücken wolle. Sberlandforstmeister Wescner beschränkt sich auf die Mit- teilung, daß die schwebenden Verbandlungen mit dem Zweckverband einen"allseits befriedigenden Abschluß erwarten lassen. Näheres kann eben wegen des Schwebens der Verhandlungen nicht mitgeteilt werden. Die weitere Beratung wird auf heute �8 Uhr abends vertagt. Die noch auf der Tagesordnung stehenden Beamtenpetitionen werden aus Antrag des Abg. Dr. Sch röder- Kassel(natl.) noch mols an die Kommission zurückverwiesen, da durch neuere Beschlüsse des Reichstages über Beamtcnibesoldungen eine neue Situation ein- getreten ist. Schluß 4ss Uhr. parlamentariscdes. Tos Petroleummonopol vorläufig gefallen. Tie Sitzung der Reicftstagskommijsion brachte am Donuerstag für die erste Lesung zwar eine Entscheidung, aber keine Klärung der Angelegenheit. Zunächst ging die Generaldiskussion über die Versorgung? form. vb Reich?r«giemvnopos, ob Vertrieb?g«s«ll- schafl oder gemischte Gesellschaft, noch eine geraume Zeit weiter. Ein Vertreter der Fortschrittlichen V o! k? p a r t e i trat für die gemischte Betriebsform ein. Vom Zentrum wurden an die Regierung Anfragen gestellt wegen der im„Petersburger Herold" veröffentlichten Statistik über die russische Produktion und wegen der Fassung der vi» major- Klausel in einigen von der Regierung abgeschlossenen Vorverträgen. Diese'Klausel soll so abgefaßt sein, daß als höhere Gewalt schon gilt, wenn die Produktion der Gesellschaft an Rohöl wesentlich zurück- gegangen ist. Bemerkenswert aus der Debatte sind noch folgende Punkte: Ein Vertreter der Fortschrittlichen Bolkspartei sprach sich gegen das Monopol überl>aupt aus, weil er fürchtet, daß es höhere Preise für die Konsumenten bringe. Der Sprecher der Konservatipen hat jetzt tvesentlich mehr Spm- pathien als in der vorigen Woche für einen Antrag des Zentrums auf Erlaß eines kleinen Kartellgesetzcs und weniger Zuversicht in der Versorgungsfrage. Und der Staatssekretär Kühn bemerkte, daß auch bei anderer als der von der Regierung vorgeschlagenen Organisation des Monopols ein Gewinn für das Reich sich ergeben könne, daß aber der Gewinn für das Reich nur sekundäre Bedeutung habe und die Sicherheit der Versorgung der Konsumenten mit preis- wertem Petroleum die Hauptaufgabe bleibe. Ausführlich wuxde auch der Gedanke erörtert, eine S u b- k o m m i ss i o n einzusetzen, die die nötigen Vorarbeiten für die zweite Lesung erledigen sollte. Man einigte sich schließlich.dahin, erst zur Abstiinpiung über den 8 1 zu schreiten und dann erst über die Frage der Subkommission zu entscheiden. Die Austimmung gestaltete sich nun folgendermaßen: Es wurde zunächst abgestimmt über einen Zusatzantrag der Konservativen zu§ 1 Abs. 1, in dem das Prinzip des Rcichsmonopols enthalten ist. Die Konservativen beantragten einen Zusatz dahin, daß dem Reichs- Monopol nur dann zuzustimmen sei, wenn an diesem Reichsmonopol auch die Organisationen der Detaillisten beteiligt werden. Obwohl kurz vorher der Abg. E r z b e r g e r sich in energischer Weise gegen den Antrag der Freisiirnigen, die Detaillisten am Monopol zu be- teiligen, gewandt hatte, mit der Begründung, daß man unmöglich auch die Kleinhändler mit dem Risiko des Monopols belasten dürfe, stimmte nun auch das I e n t r u m geschlossen für den Antrag der Konservativen, der die Kleinhändler am Monopol beteiligen will. Offenbar geschah diese Schwenkung in der Absicht, den ganzen 8 1 und damit den ganzen Monopolgedanken zu Fall zu bringen, da ja unsere Fraktion den konservativen Antrag als unannehmbar bezeichnet hatte. Der Znsatzantrag der Konservativen wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten a'nge- nommen; diese batten vorher erklärt, daß sie für ein reines R e i ch s r e g i em o n o p o l seien, in dessen Rahmen natürlich kein Platz für eine finanzielle Beteiligung der Tetaillisten wäre. Diese könnten zwar beim Reichsregiemonopol an'der Verwaltung beteiligt werden, nicht aber am finanziellen Risiko. Nun tvurde abgestimmt über den Abs. 1 des 8 k der Regierungsvorlage m i t dem vorher angenommenen konservativen Zusatz. Für die so geänderte Re- gierungsvorlagc stimmten nur die Konservativen und die beiden liberalen Parteien. Die Mehrheit, gebildet vom Zentrum und den Sozialdemokraten, lehnte sie ob.. Damit wa r in der c r st e n Lesung die entscheidende Bestimmung, Ein- sähruiig eines Rcichsmonopols, abgelehnt. Run entspann sich eine lang« Geschäftsordnungsdebattc darüber, ob überhaupt»och eine zweite Lesung in der Kam- Mission stattfinden könne, nachdem der entscheidende 8 1 der Regierungsvorlage gefallen ist. Die Kommission beschloß sodann gegen die Stimmen des Zentrums eine zweite Lesung des Entwurfs, und zwar, weil über den Titel und die Ueberschrift des Entwurfs noch nicht abgestimmt war. Es wivd demnach in der nächsten Woche die zweite Lesung de? Entwurfs mit erneuter Debatte und Abstimmung über§ l der Regierungsvorlage beginnen. . Aus der Watilprüfungskammission des Reichstages. Das Mandat des Abg. K ö'I s ch(natl.) für den Wahlkreis Osfenburg wurde am Donnerstag für ungültig erklärt, nach- dem sieben Stimmen kassiert warben waren. Me dem GewMtew abgezogen werden mußten. Damit fehlten dann dem Abg. Kölsch drei Stimmen an der Mehrheit. Im Wahlkreis Kassel unterlag bei de» letzten Wahlen der Antisemit Lattmann, der nicht einmal mehr in die Stichwahl kam In dieser siegte Genosse Hüttmann mit 22 830 Stimme» geger 22 183 Stimmen, die auf den nationalliberalen Stichwahlkandi- In dieser siegte Genosse Hüttmann egen daten entfielen. Die Antisemiten legten Protest gegen die Haupt- Wahl ein und zwar bemängelten sie, daß der JnnungSausschuß in Kassel zur Stimmabgabe für den nationalliberalen Kandidaten aufgefordert habe. Sie verlangten, daß 2700 Handwerkerstimmen: dem nationalliberalen Kandidaten abgezogen und dem Lattmann zugezählt werden sollten. Auf diese antisemitische Unverfroren» beit ging die Kommission natürlich nicht ein/ DaS Eingreifen des Jnnungsausschusscs wurde mißbilligt, die JnnungSbrüder sind überdies bereits vom Regierungspräsidenten zurechtgewiesen wor- den. Noch toller war der andere Protestgrund, der dahin ging, daß nach Beginn des Wahlaktes auf den Straßen noch immer Flugblätter verteilt worden sind, was gesetzlich verboten seil Diele Protestbehauptung erweckte in der Kommission stür- mische Heiterkeit. Die Wahl HüttmannS wurde dann einstim« m i g für gültig erklärt.>_____, Aus den Kommissionen deS DreiklasienhauseS. In der Budgetkommission wurde beim Medizinalciat die Frage des Geburtenrückganges besprochen, wobei der Minister auf Anregung des Berichterstatters die Aeußerung des Geheimrat E l st c r tadelte, daß der Geburtenrückgang immer mit einer gewissen Höhe der Kultur zusammenfalle. Ob die Regierung gegen den Geburtenrückgang etwas tun wolle, konnte der Minister noch nicht sagen, weil die Benckite der Regierungspräsidenten noch nicht eingetroffen sind. Die Kommission beschloß übrigens, im nächstjährigen Etat höhere Mittel zur besseren Vorbildung der Hebammen aufzuwenden, um auf diese Weise die Säug- lingssterblichkeit zu bekämpfen.— Eine lange Debatte wurde über das Verhältnis der?lerzte zu den Krankenkasse w geführt, wobei sich das fortschrittliche KommisstonSmitglied zürn Sprecher des Leipziger AerzteverbandeS machte. Der Standpunkt der Krankenkassen wurde nicht vertreten, weil ja bekanntlich diese wichtige Kommission keinen Vertreter der größten Partei Preußens in ihrer Mitte hat. Interessant ist, daß eiü Konservativer in der Tätigkeit der Aerzteorganisation eine Bedrückung von Ar- beitswilligen erblickte, während der Fortschrittler auSrief, daß es zum Glück nur sehr wenig deutsche Aerzte gebe, die nicht standestreu seien.— Der Staatsbeitrag zur Bekämpfung der Krebskrankheit wurde von 3000 auf 10 000 M, erhpht. Es schwebe» Erhebungen darüber, ob eine biologische Anstalt zur Erforschung der Ursachen der GeisteSkrankheiien gegründet werden soll, da mem ans diese Weise vielleicht auch viel für die Heilung von Geistes» krankheiten tun könnte. Die Handels- und Gewerbekommission beschaf- tigte sich u. a. mit Petitionen, die die A ch t stun d e n s ch i ch t für den oberschlesischen Bergbau,: di? Einsetzung einer Untersuchung- l- kommission für die dortigen gesundheitlichen Zustände und die Eir- berufullg des Gesundheitsbeirates verlangten. Die Kommission beschloß über die ersten beiden Punkte Ucbergang zur Tagesorlf- nung und über de» dritten Punkt Ueberweisung zur Erwägung Der Staatsregierung wurde dagegen das Ersuchen der Bäcker- mei st er zur" Berücksichtigung überwiesen, die verlangen, daß die in der Bäckereiverordnung über die räumliche Beschaffenheit von Bäckereibetrieben festgelegten Erleichterungen nicht nur für be» fristete Zeit, sondern für die ganze Stand dauer des be» treffenden Hauses gewährt werden. Eingegangene vruckschriften. »Preußische Jahrbücher.« Hest 11. Bd. 151. Herausgegeben»o# H. Delbrück. EAchünt jeden Monat.. Vierteljährlich 6 M. G. Stille, Berlin NW. 7. Man achte genau auf die Geschäfte der allen Sfiller-Firma! Da der Andrang in den Nachmittagsshmdcn sehr grotz ist, bitten wir, zum Einkauf mdglichst die Vormittagsstunden zu benutzen» Bouillon-Würfel zeichnen sich durch feinen, natürlichen Fleischbrühgeschmack aus. Nur mit kochendem Wasser fiber* gössen, geben sie augenblicklich delikate Bouillon. 1 Würfel für eine große Tasse. 5 Würfel 20 Pfg. Bei der jetzt herrschenden Kälte besonders wertvoll I S! A.Wertheim® Gr« in« Ii« ff« Leipziger Sir. König-Str. �z�pL Rosenihaler Strasse Oranien-Strasse Versand-Abteilang: Leipziger Str. 132/37 Soweit Vorhanden. Inseriertes Obst, Gemüse, Gänsefleisch, Wild und Fische können nicht zugesandt werden* Kolonialwaren Fleischwaren Moselwein Bordeauxwein Punsch-Extrakt Gem. Backobstpfd. 28, 40, 50 pr. Kalif. Pflaumen p» 22,28.34 pi. Kalif. Pflaumen8�8 45, 50,62 pt. Entsteinte Pnaumenpfd.50, 58 pr Kalif. Birnen pra. 40, 50, 60 pt. Kalif. Aprikosen p» 45,65,80 pr. Kalif. Pfirsiche p». 38, 42, 52 pr. Kirschen»»»«?, prund 60, süss 45 pr. Amerik. Ringäpfel pra. 28, 42 pr. Italienische Prünellen pra. 80 pr. Feigen.......... pruna 23 pr. Budapester Mehl.. rru-a 28 pr. Oi>mpia-Auszug-Meh! pru°d23 pr. Kaiser-Auszug-Mehl pruna 20 pr. Weizenmehl 000.. pruna 17 pr, Weizenmehl...... pruna 16 pr Kartoffelmehl.. pruna 16, 18 pr. Weizenpuder...„. pruna 28 pr. Maismehl........ pruna 23 pr. Rotwurst...... pra. 55. 85 pr. .Jagdwurst......... pra. 1.10 Landlcberwurst..... pra. 1.00 Feine Leberwurst... pruna 1.15 Pasteten-Leberwurst pruna 1.25 Bauernmettwurst... pruna 1.25 Teewurst........ pruna 1.30 Zervelat- u. Salamiwurst pral.35 Schinkenwurst..... pruna 1.40 Rollschinken ��pLa 150 Schinkenspeck{P/ÄlVra!1 125 Fetter Speck ext» aiok.p/una 1.05 Landschinken MnÄi" 1-35 Freitag und Sonnabend Kranzkuchen nach Gothaer Art m. Cremefüllung stück 45, 90 pr, 1.35 Obermoseler... v, rusche 65 pr. 191 1 Wellensteiner.?>. 82 pr. 1911 Bullaycr.. pi..ohe 1.10 1 91 1 Enkircher.>/. p,»-!.« 1.30 1 91 1 Trabener Königsberg 1.60 1906 Trabach.Schlossberg 1.85 Rheinwein ßbein-Heason-Oau-PfaU. 1911 Maikammerer■/. n 68 pt 1 91 1 Weinhcimer v. p>»>°i>, 85 pr. 1908 Bodcnhcimcr..•/, vi 1.00 1911 Gutcnbergcr Lay& 1.30 1909 Rüdesheimer.>/. n 1.40 1905 Johannisberger& 1.70 1 909 Les-Bessannes v. n. 85 pr. 1 907 Castillonnais>/. n. 92 pr. 1909 Cru du Marin v, n.. 1.00 1907 Chat, Tcrrefort.«/. n 1.20 1907 Chät.Charron.. v. n. 1.40 1907 Chit. Pontct Canet f1}. 1.85 Kognak Kognak-Verschnitt..>/. n. 1.25 Fein. Kognak- Verschnitt � 1.80 Deutscher Kognak W8in?/®,|j1u 2,30 Feiner deutscher Kognak 2.75 Deutscher Kognak gcJ0.£a � 3.00 In DeatschUud terdgaetteUt '/. Fl 2.10 V. FI. i 1.10 '/. Fl. Feiner Kaiser-Punsch.. Feiner Burgunder-Punsch Feiner Arrak-Punsch... Feiner Rum-Punsch_____ Glühwein-Extrakt.. Arrak-Punsch........? VjPL Rum-Punsch......... Ubn Ständiger Verkauf: «/, FL Fl. .. 2.10 4.00 )Vi J* I. 1.60 J. G. Monnet& Co. 3.40 Rum und ArraK Jamalca-RumVer'.�iu1.20,l.80 VeryfincstoldJamaica-RumS.SO Jamaica-Rum Versohnitt 2.59 Batavia-Arrak ver.0hmtt fi 1.90 Feiner Jamaica-Rum fi 3.20 Batavia-Arrak Verl,ohniU 2.50 Kaiser-Punsch... Fr. Nieuhaun Kaohfg. Burgunder-Punsch Fr. Nienhaus Nachfs:. Burgunder-Punsch J. Selluer Burgunder-Punsch Erven Lucaa Boll Ananas-Punsch mit Ananasgcheiben.. Arrak-Punsch j. B.-.i 1.85 3.50 Rum-Punsch j. Ban.i 1.85 3.50 2.00 3.75 2.10 4.00 2.40 4.25 2.00 3.75 Frisches Fleisch pfana 1.05 Pfaaa 1.00 Kalbsheule s«»»»».. Kalbsrüchen i«.......... I Kalbsbrust pra. 80» Spitze 95 rr. Kalbshamm u. Bug pe a 80 n. Schweinehotelettes f a 1.10 Schweinefilet....... rr.>a 1.25 Kamm und Schuft.. rma 1.00 Rüchenfett.........»».a 70 pr. Kass. Rippespeer pra. 95«. 1.10 Ä. 1.40 99 99 Roastbeef c-a 1.00» Ochsen-Schmorfleisch pra. 1.00 Brust u. Fehlrippe pf..a 80 pr. Kamm u. Querrippe pra 70 pr. 7 a!g..... Pfand 50»•a.(*Uu»B 60 Pf. Hammelheule.» pra 95 pr. DicheRippe85» Dünnung70 pr. Pökelrinderzunge pra. 1.20, Brust 1.00 Rauchfleisch>.'K.ch» 1.20,z.l'Rnl.l5 Fische, Wild, Seemuscheln... iMstsck 30 pr. Schellfische pr»»« 18, 25, 35»r Kabeljau». Kopf, i»«»»» Puch pra. J8 pr Seelachs o.Kopfi.«»»» ruch. pra. 17 pr Goldbarse........ rr»»« 22 Pf. Rotzungen........ Pf»a 30 pt. Ibachs In(nnz.B Fi.ch.n... Pfand 65 pr Zander............. pr»»« 85 Pf Lebende grosse Schleie.. Pfand 1.15 Lebende Plötzen Pfand 48 rr. Leb. Karpfen 90 pr Schneehühner sm-K 88 pr. 1.10 Birkbäbne 1.95, BirKhennen 1.80 Fasanenhähne..•• s«««» 3.65 Fasanenhennen». 1.60,2.50 Gänse gofromn..... Pfand 60, 70 pr Tilsiter Puten cuhn») Pfand 85 Pf. Ungarische Puten Hahn« Pfand 90 Pf-, H*nB»n Pfand 1.00 Sappen- a. Brathühner 1.60«• 2.75 Enten........ sueK 2.25«. 3.50 Perlhühner........«««en 2.50 K«nU RBeKon Blntt Rax.at Hirsch u. Wildschwein 1.10 1.00 0.70 0.35 Hasen »••Irolft 3.25 ki» 3.75 Zentralverband der Masehinisten, Heizer und Berufsgenossen Deutschlands. Geschäftsstelle Groß» Berlin» Engelufer 15. MWnijlkN, Heiler«. Keriifskollesen in städtischen Kelrieben. Sonntag» den ii. Februar 1913, vormittags 10 Uhr: Zwei große Betriebsversammlungen. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Wer vertritt die Interessen unserer Bernssangehörigen in den Gemeindeparlamenten? 2. Betriebsangelegenheitin« tm* Referenten sind die Kollegen Rudolf Schlichting und Max Galle. » Die Versammlung der Bezirke Köpenick, Ober-Schöneweide, Grünau, Friedrichshagen und Adlershof findet in Köpenick, Schönerlinder Straße 5, im Lokal von Stippekohl statt. Für alle anderen Bezirke findet die Versammlung in Berlin,„Arminhallen", Kom- mandantenstraße SO statt. Die Ortsverwsltung. E. G. m. b. H. Zentrale: Lichtenberg, RiNcrgutstr. 19/Z6. Heule: Seefische Infolge Zugverspätung war es nicht möglich, die Seefische am Donnerstag heranzubringen. Wir sind infolgedessen gezwungen, die Seefische heute zum Verkauf zu bringen. Schellfisch... PerPtd. 30 fi Schollen...... perPtd. 26p{. Seelachs(ohne Kopt) 22„ Kabliau(ohne Kopf).„* 22„ iltr-l ===== Verwaltung Berlin.===== Einsetzer. Sonntag, den S. Februar, vormittags 10 Uhr. im Gewerkschafts- Hanfe, Engelufer 14/1S(Saal 3): Srsnelien-Versammlung. Tagesordnung: 1.„Die Unfallversicherung«od» der neuen Reichsveritcherungs. ordnung.- R'serent: Arbeii-rsefr-lär Geuoss- Link. 2. Bericht über die VerlragSverhandlunaen. 3. Wabl der Delegierien zur General- veriammlung. 4. Branchenangelegenheiten. SSmtliche als Delegierte vorgeschlagene Kollegen müssen anwesend sein. 78/3 Die OrtarSrwaltnng. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. 134/1 Sonntag, dm S. Februar, vormittags 1« Uhr, in Schmidt« Festsiilen, Prinzenallee»3: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genosse» Hans Weber 2. Lohnbewegungen. 134/2 PorBtand. I Verkant nnr Im Fabrlkgebande! 9 MSie sparen Geld! öbel direkt in der ■■35 Wenn■ Sie| Möbelfabrik| I H. Walter» Willi Maaß,Ä 3l! Bj kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgcbilnde— eigene■ Tischlerei und Polstere!.— AufWunsch Teilzahlung. 35 MH Permanente Musterztmmer-Ausstellung.m 35 Oegen die Polenpolltilil In unserem Verlage ist erschienen: Die preußische Polenpolitik. V°n Hermann Wendel. PreiS 1,20 M. Ungefürzie VereinSauSgabe 00 Ps. huekkunrllunx Vorwärts, Llndenstriike 69. 1.-f------------ �Um zahlreiches und pünftlicheS Erscheinen ersucht_______ ° Der Vorstand.________ Kgrantw-rtllcher Nedastevr:«lfreh«ielepp, Reukoll». Zür des Lnfevatmtsil»erantw.i Ik. Visits. Mrfin. �n«ill.U«l«i iöorvht> vuSibrvckem u. kirriagsanfM Hzäiö smg» Ltrli« 9». Dr. 26. 30. ZahrgWA. 2. DkilU des Jotmirls" Kerlim WlksdlÄ Ittitaü, 31. ImiBflt 191B. Die kommunale ürbeltslolenvertlcberung In Groß'ierlln. In den preußischen gesetzgebenden und Berwaltungs-Körper- schaften, wo die Liberalen in der Minderheit sind, beteuern sie mit sehr viel Zungenfertigkeit ihre Arbeiterfreundlichkeit. Tort, wo ihnen die Möglichkeit gegeben ist, diese in die Tat umzusetzen, ver- sagen sie hoffnungslos. Der beste Beweis für das mangelnde Wohlwollen der Liberalen den Arbeitern gegenüber ist die Frage der endlichen Einführung der Arbeitslosenversicherung auf kommunaler Grundlage in Groß-Berlin. Vor etwa zwei Jahren brachten unsere Stadtverordneten und Gemeindevertreter in fast allen Gemeinden, einschließlich Berlins, eifan Antrag in Form eines»Statuts der Arbeitsloscn-Unter- stützungsordnung der Gemeinde" ein. Tamit war für alle Gc- meinden Groß-Berlins eine einheitliche Grundlage zum Handeln gegeben. Zu Taten reichte die bürgerliche„Arbeiterfreundlichkeit" nicht aus. Abgesehen von den prinzipiellen Gegnern dieser Ver- sicherungsart— und wie wenig Liberale gehören nicht dazu—, wurden hauptsächlich von allen bürgerlichen Gemeindcvertretern finanzielle Bedenken gegen die Durchführung vorgebracht. Es entsteht die Frage: Sind diese finanziellen Bedenken be- rechtigt? Die Konimission zur Prüfung und Vorbereitung der kom- munvlen Arbeitslosenversicherung in Neukölln hatte im Januar 1912 den Beschluß gefaßt: Einen Organisationsplan auszuarbeiten und bei dem Zwcckverband zu beantragen, seine Kompetenzen be- Hufs Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung in seinem Geltungsbereich zu erweitern. Der Organisationsplan sowie der Vcrtcilungsplan über die Kosten soll von der Kom- Mission aufgestellt und dem Zwcckverband zur Beratung über- wiesen werden. Ausschlaggebend für diesen Beschluß war folgende Erwägung: Würde für einen einzelnen Ort eine Ansässigkeitsfrist als Bedingung vorgeschrieben werden, kämen bei der ständigen Umsiedelung der Groß-Berliner Arbeiter von einer Gemeinde in die andere viele um den Genuß dieser Einrichtung. Ebenso wenn bestimmt werden sollte, daß nur jene Arbeiter bezugsberechtigt wären, die am Orte wohnen und arbeiten. Dieser Beschluß ist ge- faßt worden im Anschluß an den Z 3 des von unseren Genossen vor- geschlagenen Statuts, in dem es heißt:„Bedingung für den Be- zug... ist, daß der Arbeitslose mindestens sechs Monate in der Gemeinde wohnt.... Auf diese sechsmonatige Frist ist diejenige Zeit anzurechnen, die unmittelbar vorher in? einer Gemeinde Groß- Berlins ohne Unterbrechung zugebracht worden ist, falls diese Ge- meinde in gleichartiger Weise eine solche Arbeitslosenunterstützung gewährt und auch in gleicher Weise die Wohnzeit in anderen Ge- meinden anrechnet." Der Leiter des statistischen Amtes der Stadt Neukölln. Dr. Büchner, hat dem Auftrage der Kommission entsprechend diese statistischen Unterlagen zur Einführung einer kommunalen Arbeits- loscnversicherung für Groß-Berlin als Material unterbreitet. Die Untersuchungen erstreckten sich über Umfang und Zahl der zu Ver- sichernden und über die Höhe der anteiligen Kosten der cinzelnest Gemeinden..•.-., Diese statistischen Nachweisungen beanspruchen nur als Schätzungen angesehen zu werden, sie haben jedoch weit über den Rahmen Neuköllns hinaus allgemein« Bedeutung. Schon die Feststellungen über die Zahl der invalidenversiche- rungspflichtigen Arbeiter beiderlei Geschlechts in Groß-Berlin kann Nur eine Schätzung sein. Für die Aufstellung sind statt der Berufszählung die Mitgliederzahlen der einzelnen Krankenkassen zugrunde gelegt. Für die einzelnen Gemeinden Groß-Berlins ver- bietet sich die Benutzung der Krankenkassenzahlen deshalb, weil diese Zahlen nur die am Orte selbst Beschäftigten angeben. Für Groß-Berlin fiirdct dagegen unter den einzelnen Gemeinden ein Ausgleich statt, so daß in der gesamten Mitgliederzahl auch die Gc- samtheit der in Groß-Berlin wohnenden Krankenkassenpflichtigen enthalten ist. Hiernach sind in der Mitte des Jahres 1911 10M000 (655 009 männliche und 411000 weibliche) Krankenkassenmitglieder ermittelt worden. Für den Kostenanschlag einer Groß-Berliner Arbeitslosen- Versicherung ist das Jahr 1911 zugrunde gelegt. Der Beschäftigungs- grab war in dem Jahre nach den Nachweisungen nicht ungünstig. Arbeitslos waren 4,4 Proz.(im Vorjahre 4,2 Proz.) der Gewerk- schaftler. von denen etwa 44,7 Arbeitslosenunterstützung erhalten haben. Die Kosten einer Gesamtarbeitslosenunterstützung für Groß- Berlin sind wie folgt berechnet: Zuschuß zur Selbstversicherung der organisierten Arbeiter, Es sind im Jahre 1911 verausgabt worden: M. ») Von den freien Gewerkschaften Groß- Berlins bei 296 795 Mitgliedern und 26o 283 gegen ArbeitSlosig- keil versickerten Mitgliedern......... 1963 955 b) Bon den christliche» Gewerkschaften Groß-Berlins bei 6162 Mitgliedern und 1818 gegen Arbeitslosigkeit versickerten Mitgliedern........... 12620 •) Bon den Deutschen(Hirsch-Dunckerscheu) Gewerkvereinen bei 7366 Mitgliedern und 7288 gegen Arbeitslosigkeit versicherten Mitgliedern.--•■••... 32142 d) Vom Allgemeinen Deutschen Mctallarbcitcrverband bei zirka 2300 Mitgliedern und 2000 gegen Arbeitslosig. keit versicherten Mitgliedern......... 18 696 e) Vom Katholischen Arbeiterverein bei 5231 Mitgliedern und igög gegen Arbeitslosigkeit versicherten Mit- gliedern................ 6 342 I) Vom Berein der Deutscheu Kausleute bei 7110 Mit» gliedern und 6600 gegen Arbeitslosigkeit versicherten Mitgliedern.......... 15 244 g) Vom Deutschi, ationale'n HandlüngSgehilfenverband bei 9296 Mitgliedern und 8686 gegen Arbeitslosigkeit ver- sickerten Mitgliedern..... 9 847 d) Vom Verband Deutscher'Handlungsgehilfen bei 6745 M'-g l-dern und 5059 gegen Arbeitslosigkeit ver- sicherten Mrlgliedern............ 5192 i) Vom Deutschen Technikrrvcrband bei 1816 Mitgliedern und 15.o gegen Arbeitslosigkeit versicherten Mit- gliedern....... �. 9 863 k) Vom Bund kechnifch. industrieller Beamter bei' 5076 Mitgliedern und 43.0 gegen Arbeitslosigkeit ver- sicherten Mitgliedern...... IU_ 14393 Bon den 10 gr?bwn Organisationen oder ÖrganisationS- aruppen mit 34.6 897 Mitglledern und 304 447 aeacn Arbeitslosigkeit versicherten Mitgliedern insgesamt. 2 087294 Nach den von unseren Genossen beantragten 50 Proz. Zuschuß zu dem Unterstützungssatz der Gewerkschaften würde der zu leistende Anschuß der Gemeinden Groß-Berlins für da* Jahr iqh rund 1000000 M. betragen. Dieser Betrag verringert sich indessen, weil alS Porbedingung für den Genuß der städtischen ArbcitSlosenunter- stützung ein halbjähriger Wohnsitz in Groß-Berlin verlangt wird. Es dürfte dadurch eine Verminderung von 10 Proz. eintreten, so daß der kommunale Zuschuß an die Organisierten im Jahre 1911 sich auf etwa 900 000 M. stellen würde. Wie die Erfahrungen in anderen Gemeinden gezeigt haben, sind die Kosten der für die Nichtorganisierten bestimmten Fürsorge- zweige(Zuschüsse zu den Entnahmen der gesperrten Sparguthaben und fakultative Arbeitslosenversicherungskasse) nicht erheblich. Es dürften dafür nennenswerte Aufwendungen nicht entstehen. Soweit über die Arbeitslosenversicherungskasse Schätzungen möglich sind, läßt sich folgendes sagen: Die Nach- Weisungen des statistischen Amtes von Neukölln rechnen nach den Erfahrungen anderer Städte, die nur als sehr bedingt gelten können, da die Groß-Berliner Berhälnisse nicht ohne weiteres mit anderen Städten verglichen werden können, mit einem Ausgabe- Posten von 50 000 M. für laufende Ausgaben und 400 000 M. für einmalige Ausgaben. Der Beitrag ist auf wöchentlich 25 Pf. vor- gesehen, der sich bei zweijähriger Nichtinanspruchnahme der Kasse auf 15 Pf. pro Woche verringert. Ausnahmeberechtigt sind Arbeiter beiderlei Geschlechts, die mindestens ein halbes Jahr am Orte woh- nen, während der letzten 2 Jahre regelmäßig beschäftigt waren(I) und nicht dauernd arbeitsunfähig sind. Bei 26wöchentlicher Bei- tragszahlung erwerben die Mitglieder der Kasse nach einer Warte- zeit von einer Woche Anspruch auf Tagegelder von 1 M. bis zur Höchstzahl von 60 Tagen im Rechnungsjahr. Dazu soll dann noch ein Zuschuß aus dem kommunalen Arbeitslosenfonds von 50 Proz. ~ 0,50 M. kommen. Eine rege Inanspruchnahme dieser Kassenart dürfte in Groß-Berlin nicht zu erwarten sein. Nach den Berechnungen wird für das 1. Geschäftsjahr der Groß- Berliner Arbeitslosenversicherung in Ansatz gebracht werden müssen: 1. als laufende Ausgabe s) Zuschuß zur Selbstversicherung der orga- nisiecten Arbeiter........ b) Zuschuß zur Entnahme von gesperrten Sparguthaben......... c) Zuschuß zu den von der Arbeitslosen- versicherungskasse ausgezahlten Beträgen Als laufende Ausgabe überhaupt... 2. Als einmalige Ausgabe zur Errichtung einer Arbeitslosenversicherungskasse...... Die Verteilung der Lasten der Groß-Berliner kommunalen Arbeitslosenversicherung wird für die einzelnen Gemeinden sicher nicht ohne Interesse sein. Folgende Maßstäbe kamen für die Be- rechnung in Betracht, nämlich nach Maßgabe 1. der Bevölkerung, 2. der Mitgliederzahl der Krankenkassen, d. h. der am Orte woh- denen Arbeitsgelegenheit, 3. der Einkommensteuerkraft, 4. der ge- samten Steuerkraft(d. h. Steuerkraft aus Einkommen-, Grund- und Gebäude- sowie Getverbesteuer), 5. des Mittels aus Bevölke- ung und Einkommenssteuerkrast, 6. des Mittels aus Bevölkerung und gesamter Steuerkraft. Davon ist der Maßstab nach der Be- völkerungsziffcr deswegen ausgeschieden worden, weil sie nicht im richtigen Verhältnis zur Arbeitslosigkeit steht. Aber auch, wenn die Mitgliederzahl der Krankenkassen zugrunde gelegt wird, wäre eine einseitige Belastung einzelner Gemeinden die Folge. Da z. B. in Berlin die Zahl der vorhandenen Arbeitsgelegenheiten eine sehr große ist, würden die westlichen Vororte zu wenig und Berlin zu sehr belastet werden. Auch der Wohnort der Arbeiter kann mit Rücksicht auf die Ueberbürdung der wenig finanzkräftigen Arbeiter- wohnsitzgemeinden nicht maßgebend sein. Als geeignet verbleibt somit nur der Maßstab auf die Steuerkraft allein oder auf Steuer- kraft und Bevölkerungszahl. Und von diesen erscheint der Maß- stab der gesamten Steuerkraft als der geeignetste. Nach diesem Matzstab würde sich der Beitrag für die einzelnen Gemeinden für das Jahr 1911 folgendermaßen verteilen: 900000 M. 10 000. 50000. 960500 M. 400000 Wie der BerteilungSplan deutlich zu erkennen gibt, sind die erforderlichen Koste» für eine kommunale Arbeitslosenversicherung in Groß-Berlin auf der Grundlage des von unseren Genossen zur Beschlußfassung cingebrochlen Statuts keine so erheblichen, daß der Plan daran scheitern könnte, wenn ein Wille dazu vorhanden ist. LemeinÄevertreteflionferen?. /Die in den Gemeindeverwaltungen des Kreises Nieder- barnim tatigen sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter hielten am Mittwoch im Eafe Bellevue in Lichten- bcrg eine Konferenz ab, an der auch Funktionäre der Kreisorgani- sation teilnahmen. Es waren 156 Teilnehmer aus 49 Orten an- wesend, und zwar 39 Stadt-, 88 Gemeindeverordnete, 21 Bezirks- leiter und 8 Mitglieder des Kreisvorstandcs Der erste Punkt der Tagesordnung lautete; Das Finanzwesen der Gemeinde. Der Referent D ü w e I l- Lichtenberg erledigte sich seiner Auf- gäbe in einem Inständigen Vortrage, dem wir die folgenden wesentlichsten Gesichtspunkte entnehmen. Die Gemeinden sind in der Hauptsache angewiesen auf die Zuschläge zur �Staatsein- kommensteuer. Ferner kommen in Frage Gebühren für Kanali- sation. Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerke. Seit den Gemeinden die Mahl- und Schlachtsteucr durch Gesetz� abgenommen ist, gehen sie mehr und mehr zur Erhebung von Realsteuern über. Gegen diese wenden sich die sogenannten Hausbesitzer, die in Wirklichkeit nichts anderes sind, als die Verwalter des Kapitals ihrer Hypo- thekengläubiger. Es wird geklagt, der Grundbesitz müsse infolge der Steuerbelastung zusammenbrechen. Diese Klage ist nicht be- gründet. Ter durch die Spekulation künstlich gesteigerte Wert der Grundstücke, die durch die Steuerpolitik des Reiches bedingte Einschränkung des Wohnungsbedürsniffcs der Arbeiterbevölkerung sind die hauptsächlichsten Ursachen, die neben den Schwierigkeiten auf dem Geldmarkt die Hausbesitzer in der Möglichkeit, die Steuer abzuwälzen, stören. Eine Verringerung der Grundsteuer würde die Grundbesitzer nicht entlasten.— Ein Mangel des Kommunal- abgabengesetzes ist es, daß die Steuerpslicht physischer Personen nicht am Ort ihrer gewerblichen Niederlassung, sondern am Wohn- ort erfüllt wird. Die Folge davon ist, daß in den Fabrikortcn nur die steuerschwachen Bevöllerungsschichten wohnen, wodurch die Gc- meinde geriyge Einnahmen, aber große Ausgaben, insbesondere für Schullasten und andere soziale Einrichtungen hat. Die steuer- kräftigen Fabrikbesitzer dagegen wohnen im Pillenort unter ihres- gleichen. Diese Gemeinden haben nur geringe soziale Leistungen nötig und kommen deshalb mit niedrigen Einkommensteuer- zuschlagen aus, während die aus stcucrschwachen Einwohnern be- stehenden Gemeinden weit höhere Zuschläge erheben müssen, wenn sie ihren Aufgaben gerecht werden wolle». Auf diese Weise hat sich in Groß-Berlin eine weitgehende Verschiedenheit in der Höhe der Gemeindesteuersätze herausgebildet. Das ist ein unhaltbarer Zustand, der beseitigt werden müßte durch Vereinbarungen der Gemeinden untereinander, am bestcii aber durch Zusammenlegung der wirtschaftlich zusammengehörenden Gemeinden. Die Ein- kommenjteuer leidet an dem Uebelstand, daß sie zuweit nach unten, auf die niedrigen Einkommen greift, die Progression nach oben aber zu schwach ist. Unsere grundsätzliche Forderung geht dahin, daß die Einkom- men unter 3000 M. steuerfrei bleiben, die großen Einkommen aber progressiv stärker als jetzt herangezogen werden. Wenn wir diese grundsätzliche Forderung zurzeit nicht durchsetzen können, so müssen wir doch bei den Etatsberatungen in Form von Resolutionen un- seren grundsätzlichen Standpunkt zum Ausdruck bringen. Unsere Steuerpolitik muß dahin gerichtet sein, daß wir solche Steuern, welche die finanziell Schwachen belasten, abschaffen oder ihre Ein- fllhrung verhindern, daß wir aber für solche Steuern eintreten, die möglichst auf starke Schultern abgewälzt werden können. Die Ver- teilung der Realsteucrn auf bebaute und unbebaute Grundstücke läßt sich nicht nach einem Schema regeln. Dabei müssen die ört- lichen Verhältnisse berücksichtigt werden. Im allgemeinen ist zu beachten, daß der unbebaute Grundbesitz, wenn er nicht nach dem gemeinen Wert besteuert wird, kein Interesse an der Bebauung hat. Eine solche Besteuerung unbebauten aber für die Bebauung geeigneten Grundbesitzes mag mancher als ungerecht cnip- finden, der vielleicht ein Stückchen Laubenland sein eigen nennt und nicht die Absicht hat. damit zu spekulieren. Aber in solchem Falle müssen die Interessen des einzelnen zurücktreten hinter die Interessen der Allgemeinheit.— Hinsichtlich der Gc- meindceinkommensteuer sind viele unserer Parteigenossen der An- ficht, wir müßten uns gegen die Erhöhung derselben wehren, weil jeder Steuerpflichtige ohne Ausnahme durch sie belastet wird; man ist deshalb mehr für Erhöhung der Grundsteuer, in der Meinung, sie belaste nur den Grundbesitz Dies ist nicht ganz richtig, denn die Grundbesitzer wälzen die Steuer nach Möglichkeit aus die Mieter ab. Unser grundsätzlicher Standpunkt ist der, daß die Aus- gaben der Gemeinden möglichst aus der Einkommensteuer zu decken sind, diese aber, wie schon gesagt, gerechter geregelt werden muß als es nach dem gegenwärtigen Gesetz möglich ist. Wenn, wie es oft geschieht, bürgerltche Gemeindevertreter sich gegen Aufwen- düngen zu notwendigen sozialen Einrichtungen wehren, weil dazu kein Geld vorhanden ist, dann müssen wir für Erhöhung der Gc- meindeeinkommensteuer eintreten, falls ein anderer Weg, die er- forderlichen sozialen Einrichtungen zu schaffen,-nicht vorhanden ist. Uebrigens belastet ja die Einkommensteuer die starken Schul- tern doch mehr als die schwachen. Weiter ist nach Möglichkeit dahin zu streben, daß Gas- und Elektrizitätswerke sowie Verkehrsmittel für die Gemeinde nutzbar gemacht werden. Natürlich darf dabei nicht hinausgegangen werden über die Preise, welche die gleich- artigen Privatunternehmungen fordern. Oft entsteht in den Ge- meinden die Frage, wie wir uns zur Anleihepolitik zu stellen haben. Wenn Ausgaben für Verbesserung der Schulen, Straßen, Kanalisation, Kranlenpflege und andere soziale Einrichtungen nicht anders gedeckt werden können als durch eine Anleihe, dann sollen wir für Anleihen eintrete»!. Eine Gemeinde, welche Schulden! unid gute soziale Einrichtungen hat, ist reicher als eine schuldenfreie Gemeinde ohne oder mit unzulänglichen sozialen Einrichtungen. Unter allen Umständen mutz es unsere Aufgabe sein, für soziale Verbesserungen in der Gemeinde zu arbeiten und die bürgerlichen Vertreter zu veranlassen, auf diesem Wege mit uns zu gehen. Aber nie dürfen wir vergessen, daß wir unter allen Umständen, auch in der Gemeinde, Sozialdemokraten sind.(Beifall.) In der„. Diskussion wies Fuhrmann- Weißensee darauf hin, daß das Elektrizitätswerk der Gemeinde Wcißcnsee seine jetzt zum erstenmal erzielten Ueberschüsse zur Herabsetzung des Strompreises verwenden müsse, um die Konkurrenz des städtischen Elektrizitätswerks Neukölln be- stehen zu können. We solle man sich in solchem Falle verhalten, wo das Elektrizitätswerk der Gemeinde infolge der Konkurrenz einer anderen Gemeinde keinen Ueberschutz abwirft.— Wenn die pro- grcssive Einkommensteuer, nach oben verstärkt, eingeführt werdmi sollte, dann würde das den Gemeinden mit einer steuerschwachen Einwohnerschaft wenig helfen. Wenn die Einkommen unter 3000 Mark steuerfrei blieben, was sollten dann die Gemeinden machen. in denen es nur wenige Einkommen über' 3000 Mk. gibt. Un- gerecht sei die Steuer, welche die Gemeinde an den Kreis zu zahlen bat. Die Eingemeindung der kleinen, leistungsunfähigen Gemein- den müsse angestrebt werden, bis wir schließlich zu einer Gemeinde Groß-Berlin kommen. Unsere Partei habe sich nicht genug damit beschäftigt, wie die gemeinsame Einziehung und Verteilung der Steuern in allen Gemeinden Groß-Berlins durchgeführt werden kann. F r e n z e l- Friedrichsfelde fragt, wie wir uns zur Hunde- steuer zu stellen haben. Kubig-Pankow meint, in manchen Gemeinden sei die Rück- standigkeit größer als im preußischen Staat. In Pankow sei manches Gute erst durch Erleuchtung von oben, auf Veranlassung des Landrats durchgeführt worden, weil die Gemeindeverwaltung sich darauf berief, daß sie kein Geld habe. Es dürfte sehr schwer sein, unsere grundsätzliche Steuerpolitik mit einer erfolgreichen Gemcindepolitik zu vereinen. Acrmeren Gemeinden sei es nicht möglich, ihre Schullastcn aus den laufenden Einnahmen zu decken. Da müßte der Staat eingreifen. Mit wenigen Ausnahmen hätten alle Berliner Vorortgcmcinden Ursache, diese Forderung zu erheben. Die Erhöhung der Zuschläge zur Einkommensteuer stoße immer aus den hesligstcn Widerspruch bei den Vermögenden, die bei solchen Gelegenheiten immer mit dem Fortzng drohen. Sollte das ein- treten, dann mütztesi wir aber die zurückbleibenden iteuerschwachen Einwohner noch weiter mit Zuschlägen belasten, um die Aufgaben der Gemeinde erfüllen zu können. So führe also unsere grundsätzliche Politik, die uns zur Erhöhung der Einkommensteuer ver- anlaßt, nach und nach zu unhaltbaren Verhältnissen. Wir könnten aus diesem Dilemma nur dann herauskommen, wenn wir die Ge- meinden von Groß-Berlin zur Erhebung von einheitlichen Steuer- sähen drängan. Düwell bemerkte im Schlußwort: Wenn Einkommensteuer- zuschlüge die einzige Möglichkeit seien, um soziale Einrichtungen durchzuführen, dann müßten wir ihnen zustimmen. Wie das in den einzelnen Fällen zu machen sei, das könne hier nicht festgestellt werden. Wenn das Neuköllner Elektrizitätswerk, ohne die Arbeits- löfmc zu drücken, den Strom billiger liefern könne als das Weißen- seer Werk, dann sei dieses überflüssig. Die Gemeinde solle mit ihren Betriebscrnlagen doch nicht kapitalistische Politik treiben. Wenn wir immer daran denken, daß wir auch in der Gemeinde Sozialdemokraten sind, dann werden wir über manche Schwierig- Zsiten hinwegkommen, auch über die Hundesteuer. lieber „Kommunale Schulpolitik" sprach Dr. O ua r ck- Frankkurt a. M. Er führte in 1M>stündigem Vortrage u. a. aus: Die Schule sollte ein Institut zur Bildung und Erziehung der Jugend sein, sie ist aber im Klassenstaat ein Mittel zur Dressur der Volksjugend, um diese den Herrschaftsbedürfnissen des Massenstaates dienstbar zu machen. Das Schulunterhaltungs- gesetz von 1906 stellt das ungeheuerliche Prinzip auf, daß die Schüler nicht nach ihrer Fähigkeit, sondern nach der Zufälligkeit ihrer Konsession in zwei Teile geschieden werden. Dadurch soll das Volk unter den Einfluß der Kirche gebracht werden. Zchs nominelle Selbstverwa l tu ngs recht der Gemeinden wird besonders aus dem Gebiet des Schulwesens sehr stark beeinträchtigt durch Eingriffe der Staatsorgane. Wir müssen dahin streben/daß die Schulen, wie es ursprünglich der Fall war, wieder unter die aus- schließliche Verwaltung der Gemeinden kommen. In die Schul- verwaltungskörperschasten kommen wir nicht hinein, denn der Staat hat sich im Gesetz von 1906 das Bestätigungsrecht auch für die kommunalen Schulkomissionen gesichert und Sozialdemokraten wer- den niemals bestätigt. Wir haben also nur die Möglichkeit, in der Ekemeindevertretung Einfluß auf das Schulwesen auszuüben. Da ist es unsere Aufgabe, für den Ausbau der Schulorganisation ein- zutreten. Es mutz verlangt werden, daß, abgesehen von den ganz kleinen Gemeinden, die achtklassige, mindestens aber die sieben- klassigc Volksschule eingeführt wird. Für körperlich schwache und kränkliche Kinder sind Waldschulen einzurichten. Wir haben einzu- treten für Herabsetzung der auf die einzelnen Klassen fallenden Schülerzahl und gegen die leider noch zu häufig geübte Prügel- Pädagogik mancher Lehrer, die in vielen Fällen durch Ueberlastung mit einer zu großen Schülerzahl zu erklären ist. Wir müssen die unentgeltliche Lieferung der Lehrmittel fordern. Den Gegnern dieser Forderung können wir sagen: Die Lehrmittel sind für den Schüler dasselbe wie die Waffe für den Soldaten. So selbstver- ständlich es ist, daß der Staat den Soldaten die Waffen liefert, so selbstverständlich ist es auch, daß unter der Herrschaft des Schul- zwanges den Schülern die Lehrmittel geliefert werden. Wo wir immer können, da müssen wir auch die Gesundheitspflege der Schüler fördern. In dieser Hinsicht dürfen wir uns nicht mit der Erfüllung äußerer Vorschriften begnügen. In Parteikreisen gibt man sich manchmal zufrieden mit der Einführung von Schulärzten. Doch diese leisten in der Praxis oft sehr wenig. Nicht selten be- deutet die Anstellung eines Schularztes nichts anderes, als daß durch sie ein junger Arzt einstweilen versorgt wird, bis er eine ausreichende Privatpraxis hat. Die Volksschüler haben nur einen geringen Vorteil durch die Anstellung von Schulärzten. Die Tätig- tcit des Arztes beschränkt sich meist darauf, die Schulkinder einmal im Jahre zu untersuchen und den Fragebogen auch auszufüllen, den preußischen Fragebogen, der auch in unserem Kreisen eine große Nolle spielt. Wir müssen eine wirkliche Ge- sMtljeitSpslege der Schultliider verlangen. Ten Fragebogen mag der Arzt ausfüllen. Die fortlausende gesundheitliche Beaufsichti- gung und Gesundheitspflege der Kinder wird besser von Kranken- sckmrstcrn oder Schulschwestern ausgeübt, die hierfür ausgebildet sirfd. Diese müßten in ständiger Verbindung bleiben mit den ibrer Pflege anvertrauten Kindern und auch den Eltern mit Ratschlägen bezüglich der Behandlung der 5iinder zur Seite stehen. Ausbau und Vervollkommnung der Volksschule muß unsere Aufgabe sein. Tagegen müssen wir uns, wo wir immer können, der Einführung von Mittelschulen widersetzen; denn wo sie eingeführt werden, da wird die Volksschule zur Armenschule herabgedrückt. Wo Mittel- schulen bestehen, da wird für die Volksschule nichts mehr getan und der Weg zur Einheitsschule wird dadurch versperrt. Hinsichtlich unserer Stellung zur höheren Schule ist in der Partei eine gewisse Wandlung eingetreten. Bis vor kurzem war unser Standpunkt der: Um die höheren Schulen haben wir uns gar nicht zu kümmern, das ist eine Angelegenheit der besitzenden Klassen. Diese Ansicht herrscht nicht mehr vor. Es ist nicht zu verkennen, daß auch die böhere Schule unser Interesse berührt, und daß wir uns auch um sie zu kümmern haben; denn die höheren Schulen sind nicht bloß Anstalten für die oberen Zehntausend, sondern es gibt Minderbemittelte, auch Arbeiter, die sich von ihrem Lohn, oft mühsam, so viel absparen, um ihre Kinder in eine höhere Schule zu schicken. Wir müssen auch schon deshalb uns für die höhere Schülc interessieren, weil sie ein Glied der Voss uns erstrebten Einheitsschule ist. Wir müssen dafür sorgen, daß die Möglichkeit ds Uebergangs begabter Volksschüler auf die höhere Schule und der Besuch der letzteren durch Arbeiterkinder erhalten und aus- gedehnt wird. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Freistellen in höheren Schulen nicht erst nach Bitten und Eingaben als Almosen gegeben werden, sondern die Freistellen müssen ohne weiteres den begabten Volksschülern zufallen.— Jetzt, wo wir vor den Landtagswahlen stehen, ist die beste Gelegenheit, alle Ziele unserer Schulreform auf die Tagesordnung zu setzen und zu propa- gieren. fLebhaster Beifall,) Zur Diskussion über den Vortrag wurde das Wort nicht gewünscht. Zum Schluß nahm die Konferenz eine von T a r n o w- Frkdrickrshagen eingebrachte Resolution ein. Sie lautet: „Wir halten die Errichtung einer kommunalen Zentralstelle für notwendig und ersuchen den Parteivorstand in Erwägung darüber einzutreten." Hiid der Partei. Die Sozialdemokraten Hessens hielten letzten Sonntag in Offenbach eine Fraucnkonferenz und eine Konferenz der I ug c n d a u s sch ü s s e des Großherzogtums Hessen ab. Die Fraucnkonferenz war von 77 Delegierten, darunter 34 Frauen aus allen Teilen Hessens besucht. �Genossin Luise Zietz- Berlin referierte über die Frage:„Wie gewinnen und wie schulen wir die Frauen für die politische Bewegung?" Nach einer sehr lebhaften Diskussion über die zahlreichen Anregungen, die der Vortrag gegeben, wurde be- schloffen, Frauendiskusswnsabenbe zu schaffen zur besseren theoretischen Schulung der Frauen, wie zu ihrer Heran- bilduiig zur praktischen Mitarbeit im Interesse der Arbeiter- bewcgung. Besonders wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, partcigenössische Frauen auszubilden für die kommunale Tätigkeit. in der Armenpflege und in den verschiedenen Gemeindever- waltungLkörperschaften, die die Kommunalgesetzgebung in Hessen möglich mache. Die Konferenz der Jugendausschüssc war von HZ Delegierten beschickt. Nach einem Referat des Landespartei- sekretärs Neumann wurde bi� Gründung eines Jugendagitationsbezirks für Hessen beschlossen. Als Vorort wurde Offenbach und als Leiter Parteisekretär Neumann bestimmt. Nach dem eben- ialls beschlossenen Regulativ soll alljährlich eine Konferenz des -n�irts abgehalten werden, zu der jeder Ort zwei Delegierte {«chen kann, W« welcher einer möglichst ein Jugendlicher sein soll. Die Bezirksleitung soll die Agitation systematisch betreiben, bei den Erwachsenen das Verständnis für die Jugendbewegung fördern, Auskünfte und Anregungen geben und das für die Bewegung wichtige Material sammeln. Gemcindcwahlerfolgc. Bei den Stadtverordncienwahlen in B r a u n s ch w e i g, die am Dienstag und Mittwoch stattfanden, errangen unsere Genossen in der dritten Wählerklasse einen vollständigen Sieg. Von den 46 700 Steuerzahlern der Stadt sind nur 13 500 wahlberechtigt, da das Wahlrecht und das Bürgerrecht mit 7,50 M. erkauft werden müssen. Nur 0,36 Proz. der Steuerzahler gehören der ersten, 2,34 Proz. der zweiten, aber 97,3 Proz. der dritten Wählerklasse an.- Dabei haben die 2,7 Proz. Bürger der ersten und zweiten Klasse 24, die 97,3 Proz, der dritten Klasse nur 12 Stadtverord- nete zu wählen. Der Wahltamps war außerordentlich heftig. lieber 90 Proz. der Wähler gaben ihre Stimme ab. Die vier so- zialoemokratischen Kandidaten wurden gewählt. Bei der durch die vollzogene Eingemeindung der Stadt Lech- Hausen-nach Augsburg notwendig gewordenen Er- g ä n z u n g s w a h t zum G e m e i n d e k o l l e g i u m eroberten unsere Genossen im Bezirk Lechhausen drei Sitze, während das Zentrum nur zwei und die Liberalen nur einen Sitz er- hielten. Der Erfolg der Sozialdemokratie ist um so höher ein- zuschätzen, als oas, Wahlrecht an die Entrichtung einer Bürgerrechtsgebühr von 60 M. geknüpft ist. Die sozial- demokratische Fraktion im Augsburger Gemeindekollegium ist nun 9 Mann stark._ Aus der amcritauischen Partei. Die Mitgliederzahl der Partei der Vereinigten Staaten hat sicki in folgender Reihe entwickelt: Im August I90l gegiündet; keine genauen Berichte über die zwei ersten Jabre. 1903 war die Miigliedeizahl 15975; 1996 26 784; 1909 41 479; 1910 58 011; 1911 84 716 und 1912 117 984. Al'o ein Wacdsmin auf fast dos Siebeneinhnlbfacbe in nenn Jahren. Die Zunahme des letzlen Jahres ist um 4000 größer als der ganze Milgliederstand im Jahre 1907. Fremdsprachige Nationalgruppen gibt es jetzt acht: die böhmische, finnische, ungarische(1912 gegr.). jüdische(desgl.), italienische, polnische, skandinavische(Schweden. Norweger. Dänen), südslawische(Slowenen, Serben. Kroaten). Am 1. März d. I. kommt die deutsche Gruppe hinzu. Die Auslage des„Appeal to Reason* betrug im Jahre 1901 im ganzen 8 175 400, 1906 waren es 17 814 700 Wochen- nummern; 1910 28 288 100 und>912 36 091 400. Das macht eine Erhöhung der durchschuiltlichen Auslage von 157 200 auf 694109. Vom Rastalter Dcnkmalfonds. Die Gelder, welche zur Schmückmig und Unterhaltung des Sainmelgrabes und Denkmals der 1849er Slandrechlsopfer geipendei werden, stehen unter der Verwaltung eines Komitees. Soeben gibt der Rechner Franz Peter in Achern(Baden) den Kassenberichl für das Jahr 1912: Einnahmen: Von Sozialdemokraten in Neukölln (diuch A. Gk.)......... 19,— M. Von W, Bode in Hamburg.... 29,— Zins(38/4 Proz.)......... 41,64„ Saldovorlrog vom 1. Januar 1912., 1086,22„ Summa.. 1175,86 M. Ausgaben: Grabkranz........... 8,— M. Gärinerlohn.......... 12,—„ Porto.............—,95„ Summa.. 20,95 M. Vortrag auf neue Rechnung 1154,91 M, Dieser Beirag ist bei der Spartasse Achern laut Sparbuch ange- legt. Um weitere Zujcndungen an die Adresse des Rechners wird gebeten._ Parteiliteratur. Die Polendcbatten im Reichstage, bei denen Genosse Wendel so überaus nachdrücklich den Standpunkt der Sozialdemokratie ver- trat, geben Anlaß, auf eine Schrift hinzuweisen, die wertvolles Material zur Polenfrage liefert. Es ist dies die 86 Seiten starke, im Verlag der Vorwärtsbuchhandlung erschienene Broschüre„Die preußische P o l e n p o l i t i k" von Hermann Wendel. Der Preis der Schrift beträgt 1,20 M. ungekürzte Vereinsausgabe 60 Pf._ Personalien. Eine Verstärkung der Redaktion erfährt am 1. April d. I. das„H a r b u r g e r V o l k s b l a t t". Als dritter Redakteur wurde der bisherige Expedient und Berichterstatter H. B e r i n g gewählt._ poHzetlichts, Gcrichtltchca ukw. Prcßprozesse gegen den„Bvanti". Rom, den 28. Januar.(Eig. Ber.) Gegen unser Zentral- organ sind nicht weniger als fünf Prozesse anhängig gemacht worden wegen seiner Artikel und Karikaturen nach dem Blut- bao von Roccagorga. Er soll durch sie zum Klassenhaß und zum Aufstand aufgereizt, soll das Heer uns die Institutionen vcrächt- lich gemacht haben und solche bösen Dinge mehr. Der Titel eines Artikels„Staatliche Mörder" ist inkriminiert, weiter eine Kari- katur, in der ein Offizier eine Fahne und einen Galgen schwingt, weiter ein Bild, das einen auf Arbeiter schießenden Soldaten darstellt. Alles in allem können einige 10 Jahre Geiänanis dabei herauskommen! Jugendbewegung. Folgen eines„SchiilcrumnövcrS". Man schreibt unS aus Halle: Die jugendliche Kriegsipielerei, die in jüngster Zeit schon viel Unheil angerickitel und Blutopfer gefordert bat, brachte über die Familie des Barbierherrn Fexer in Gräfeichainickien bei Halle schweres Unglück. Am 2. September veranstaltete der Lehrer Emil H je n s ch aus Gräienbainicheii ein fogenaimtes Schnlermanöver, an dein auch der zwölfjährige Sohn des Barbierherrn Fritz F e x e r teilnehinen mußte, da es sich um eine„Schulfeier" bandeln sollte. Lehrer H i e n i cö, der mit der Leitung der F'ier beauftragt worden war, soll den daran teilnehmenden 150 bis 200 Schülern erlaubt haben, Schußwaffen mitzubringen, damit das Sedanfest „dierichtige Weihe" bekomme. Auchdem lSjährigenSchülerMattbeisoll er genallet babcn. eine richtige Pistole nnl einem Piston zum Annetzen des Zündhüichens mitzubringen. Maithei lud seine Schuß- waffe, machte damit Uiinnn und Schießversuche, wobei er die Pisloie scherzhaft nach dem Gesicht des kleine» Fexer richtete. Lcvterer ver- bot sich den Unfug und schlug schließlich nach Ms Waffe. Dabei traf er unglückliche! weise den Hahn»nd brachte die Waffe zum Ent- laden. Durch die Explosion des Zlindhütchens wurde dem F ein e t iv a v i e r M i l l i in e t e r g r o ß e s S t ü ck Kupfer in das linke Auge g e t r, e b e m Der Junge kam in die UiiiversiiätS- klinik nach Halle, wo nach längerer Krankheit und Operation fest- gestellt wurde, daß das linke Auge völlig erblindet i st und das rechte Auge eveult. in Mitleidenschaft gezogen werden tönne. Der Vater deS Knaben klagte nun vor der Zivilkammer des Landgerichts Halle gegen den Lebrer Hiensch auf Schadeneriatz und berief sich u. a. auf§ 839 des B. G,-B., wonach ein Beamter, der leine Pflicht verletzt, zum Schadenersatz verpflichtet ist. Der Lehrer habe durch die Aufforderung zum Mitbringen von Waffen und durch ungenügende Beaufsichtigung der Schüler sehr lässig gehandelt. Es wird veriangt, die Zahlung eines Schmerzensgeldes von mindestens 1500 M. und für den Knaben vom 15. Lebensjahre ad eine Jahresrente von 300 M. Obwohl in der Sacke schon mehrere Termine stattgefunden haben, ist vorläufig noch nicht abzusehen, wann das Urteil gefällt wird, da es noch fraglich ist, ob die vor- gesetzte Behörde des Beklagten nicht noch den sog. Konflikt erhebt. Immerhin mögen sich die Jungdeutschlandschwärmer den Fall recht dringend zur Warnung dienen lassen. Blutdürstige Jugcndcrzieher. Die in M ü n ch e ii- G l a d b a ch im Voltsvereins-Verlaa(seit 1, Januar unter Ausschluß der Oeffentlichkeit �) erscheinende talho- liscke Jugeiidzcilichrifl„Eseuranken" orientiert ihre jugend» lichen Leier in einer besonderen„Rundschau" über die politischen Tagesereignisse. Von welcher Güte diese Aufklärungen im allge- meinen sind, davon kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man(>»> Okloberhefi l912> liest: in Marokko erhält Frank- reich„für sein falsches Verhallen gegen Deutsch» l a n d seine Strafe." Ueber die Balkanfrage werden die Leser in folgender Weise orientiert(Oktober- und 2. November- Heft 1912): „Hoffen wir. daß es in der Türkei endlich zur Aufteiluvg oder ähnlichem kommt. Das Gebilde hat kein Recht, zu existieren". „Ideal genommen, ist ja die V e r n i ck t u n g und das Ver- schwinden der inohammedainjchen Türkei zu wünschen und zu begrüßen.. ES ist dabei zu beachten, daß der Nachdruck auf die„ m o» h a m m e d a n i i ck e" Türkei gelegi werden soll. Heißt es dock an einer anderen Stelle über Japan:. wenn es gelingt, es zu christianisieren, wird eS das junge, starke, pulskräsiige Herz der Menschheit werden". In dieselbe Kerbe haut schließlich auch noch der vielbelamiie Herr Erzberger in einem Artikel über „Kolonialberuse". Er preist darin den Berus des Missionars als den idealsten Kolonialberuf und begründet daS mit den Worten: .... und dock legt uns die Ertverbung der Kolonie auch die Pflicht der Christianisierung derselben auf". Nach diesen Proben wird es nicht meor verwundern, daß die „Efeurailken" in die allgemeine Kriegshetze einilimmen und sich dabei(im 2. Okloberdeft 1912) folgende bluiiüustigen Redensarten zu« schulden kommen lassen: „Ich begreife Oesterreich nickt, wie es so zukeben kann. Es muß mit Militär einschreiten, mit Säbeln und Kanonen und Blut den Balkanbündlern diktieren, wie sein Einfluß aus den Balkan gewahr! und seine Jineressen bis an das Sckwarze und Giiechiiche Meer gesickert werden, nicht mit Federn und Tinte und den wässerigen Diplomaten." Wirkungsvoll ergänzt werden diese Ausführungen durch die AnS- laffungen der Zeitschrift über die TodeS st rase anläßlich des Wiener Juristentages. Da heißt es im Oktvberbeft 1912: „Wir haben noch keinen zwingenden Grund, von der Praxis der Bibel und der ganzen bisherigen Menschheit abzuweichen, und ewiger Kerker ist schlimmer als Tod."— Die„Efeuranken" gelten als die beste katholische Jugendzeilschrift. Man wird also an den Spruch denken dürsen:„Wenn das geschieht am grünen Holz, was soll's am dürren werden?" /Zug Industrie und Kandel. Krise in der schweizerischen Stickerciindustrie. In der schweizerischen Stickerei industrie Heerschi seit Wochen eine empfindliche Geschästsstockung als offenbare Folge der Wirren auf dem Barkan und der allgemeinen Kriegsgefahren, die bereits ZV Betricbseinschräiikungen auf der ganzen Linie und teilweise auch zu Arbeiterentlassungen geführt hat. Verschiedene Stickerei- fabriken haben den Betrieb ganz eingestellt und die Arbeiter ent- lassen, andere die tägliche Arbeitszeit zum Teil bis auf 7 Stunden herabgesetzt öder die Zahl der wöchentlichen Arbeitstage auf 5 oder 4 reduziert. Eine Arboner Stickereifabrik hat an den ersten fünf Wochentagen die acht- und am Sonnabend die nur drei- stündige Arbeitszeit. Eine St. Galler Firma hat von 12 Schiffli- stickmaschinen nur noch 2 bis 3 in Betrieb. Von überallher wird über Massenkündigungen uno Entlassungen von Stickereiarbeitern berichtet. Dabei sind die Preise uno demeliisprcchend die Löhne sehr gedrückt, so daß auch die weiterbeschäfiigtcn Arbeiter und Arbeiterinnen, ganz abgesehen von der ungenügenden Beschäftigung, nur einen geringen Verdienst erzielen. Es ist kvirkliche kapita- listische Anarchie, wenn miiten in Dieser Krise von der Gründung einer neuen Aktiengesellschaft mit 370 000 Fr. Aktienkapital in Krontal bei St. Gallen zur Erstellung einer neuen Stickereifabri! mit 20 Automat-Schifflimaschinen berichtet wird. Der Verein der sckpveizcrischen Stickereiexporteure hat be- schloffen, die Betriebseinschränkung in der Schifflistickerei zu unterstützen und nur den ihren Betrieb einschränkenden Maschinen- besitzern Arbeit zu geben, vorausgesetzt, daß die Besitzer von miiidenstens 50 Proz. aller Schifflimoschirien der Schweiz und de» Vorarlbergs die Einschränkung durchführen. Ein großer Teil der Stickereifabrikanten in oer Schweiz wie im Vorarlberg hat sich in der Tat bereits für die Betriebseinschränkung erklärt. Die K r i s e n k a s s e der Untcrnehmerorganisation der Stickereiindustrie hat bereits ihre Untcrstützungstätigkeit aufge- nommen und sie gewährt auch der Arbeitslosenkasse des freien Tcxtilarbeiterverbandes einen Zuschuß bis zu 60 Proz. der von dieser geleisteten Unterstützung, im Maximum bis zu 1,50 Fr. täglich. Bemerkenswert ist. daß insgesamt das Geschäftsjahr 1912 für die schweizerische Stickereiindustrie ein gutes mar und der Ausfall im Export nach den Vereinigten Staaten durch erhöhte Aus- fuhr in andere Länder wettgemacht werden konnte. Jedenfalls können die Stickereikapitalisten die gegenwärtige Krise mit Zluhe ertragen, während die besitzlosen Arbeiter das ganze Elend der Krise zu tragen haben. Höchste Kreditaiispannung der Oesterrcichisch-Ungarischcn Bank. DaS Wiener Noieninsliint mußte infolge� der«riegswirren im Jabre 1912 enorme Beträge den Baiiken und Svarkasien. die von den Em- legern beslürim wurden, zur Bersügnng stellen. Die Bank belaß Ende 1912 diskontierte Wechsel kür 1341 Millionen Kionen, daS ist 199 Millionen mehr als im Porjahre, An beliehenen Wertpapieren (Lombard) halte die Bank 355 Millionen Kronen(168 Mill-onen mehr als im Vorjahr!). Natürlich stieg der Banknotenumlauf be- deme, id und zwar um 275 Millionen ans 2816 Millionen Der Melallschutz sank um 128 Millionen auf 1508 Millionen. Die Atlio- näre und der Reservefoiids beziehen 40 Millionen Reinerlrcig. Sozialea. Vom Schlachtfeld der Arbeit! Nach den vom Neichsversicherungsamt im„Neichsarbeits- blatk" veröffentlichten Hauptergebnissen der Unfallversick�- rumi für das Jahr 1911 betrug die Zahl der neuen U n- fälle für die im Jahre 1911 zum ersten Male Entschödi- gung gezahlt wurde, 132 114 gegen 13114 im Vor- jähre. Von den entschädigten Unfällen hatten 9 4 43 den Tod zur Folge. An 19 617 Hinterbliebene Getöteter wurde im Rechnungsjahr zum ersten Male eine Rente gezahlt. Darunter befinden sich 6373 Witwen(Witwer), t2 953 Kinder (Enkel) und 291 Verwandte der aufsteigenden Linie. Die An- zahl sämtlicher zur Anmeldung gelangten Un. fälle, beträft 716 584. *) Die Zeitschrift ist seitdem aus dem Postvertrieb zmückge- zogen I Schon diese vorläufige Mitteilung zeigt, daß abermals der Blutstrom auf dem Schlachtfeld der Arbeit gestiegen ist. Und trotzdem werden alle auf Verminderung der Unfälle gerichteten Anträge der Sozialdemokratie abgelehnt! Tie Weihnachtsgratifikation vor dem Gewcrbcgericht. 1. Gegen die Bersicherungs-AttiengeseUschaft»Deutschland" klagte der frühere Angestellte B. vor der Kammer 1 des Gewerbc- gerichts auf Zahlung eines Teiles der Weihnachtsgratifikation im Betrage von 82 M. Der Kläger war vom März 1911 bis 39. No- vember 1912 als Mtenhefter bei der beklagten Gesellschaft in Stellung, An Gehalt bezog er monatlich 85 M. Wie Llläger in der gestrigen Verhandlung angab, erhielt er im ersten Jahre seiner Tätigkeit eine Weihnachtsgratifikation, oie ihm deshalb auch für das Jahr 1912 bis zum Tage seiner Entlassung zustehen müsse.— Der Vertreter der Beklagten beantragte Abweisung der Klage. Dem Kläger stehe kein Recht zu, eine Weihnachtsgratifikation zu fordern. Diese wurde nur verabfolgt, um den Angestellten auf- zumuntern und zur ferneren Dienstbeflissenheit zu bewegen. Zwei als Zeugen vernommene Beamten der Beklagten sagten aus, daß mit dem Kläger beim Engagement über die zuzahlende Grati- fikation nicht gesprochen wäre. Es sei üblich, daß alle Beamten— wenn sie Weihnachten noch im Dienste der Beklagten stünden— eine Gratifikation erhielten. Das Gericht verurteilte die Beklagte zur Zahlung der ge- forderten 82 M. Das Weihnachtsgeld— über dessen Zahlung zwar eine vertragliche Bestimmung nicht getroffen n/, Uhr, im Krematorium, richtstratz« 37/38, statt. Ge- iügeinelne Orstkrankenkasse zu Berlin. Am Montag, den 27. d. M. verschied nach langem, schwerem Leide» unser Burcaubeamter Herr Otin Schneider im SS. Lebensjahre. Der Verstorbene, welcher seit 2. Mai 1910 in unserer Verwaltung tätig war, war ew Vorbild treuester Pflichtersüllung. dessen Andenken wir in Ehren halten. Ter Vorstand. «. Piehl. Vorsitzender. Die Einäscherung findet am Freitag, den 31. Januar, nach- 5itt°/-4-,.UHrimKr°m°t°rium. Gerichtftr. 87— 38 statt. DentseherMetallarbeiier-yeiiiand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Elektro- monteur Meß Romintener Str. 13, gestorben ist. Ehr« seine« Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Februar, nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Fried- hoseS in FriedrichSselde auS statt. Rege Beteiligung erwartet 111/20 Ble Ortsrerwaltunj. Iferband der treien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Adlershof und Umgeg. Am Dienstag, den 28. Januar, verstarb an Herzschwäche unser Mitglied Julius Duehauffour Grünau, Köpenicker Straße 79. Ehre seine« Andenke»: Die Beerdigung findet beute, am 31. Januar, nachm 3»/. Uhr. von der Hall» des Grünauer Ge- mewdefriedhoseS aus statt. 72/6 Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale Schöneberg. Am 27. d. M. verstarb unser Mitglied Richard Calld. Ehre feinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des zweiten SchSneberger siädtischen Friedhofes(Blanke Hölle) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/5 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- nnd Begräbnis- kasse Ihr Frauen nnd Mädchen In Deutschland. ( Eingeschriebene HilsSkasse Str. 26.) Verwallungsaielle Berlin IV. Nachruf. Am 27. Januar verschied im 22. Lebensjahr nach langem Leiden unser Mitglied, Fräulein 282/3 LIise Weihe. Ehr« ihrem Andenk«« k Beutscher Bolzarheiter-Yerhand. Zahlstelle Berli«. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unserKollege, der Stockarbeiter Louis Klose Glienicke a. d. Nordbahn, Sur« sürstenstr. 59, im Wer von 53 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 31. Januar, nach- mittags Ist, Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Glienicker Gemeindesriedhose statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/10 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder, der Gärtner Paul Wexner im Alter von 22 Jahren nach schweremLeiden sanst entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Elter« und Geschwister. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, 1. Februar, um 4 Uhr von der Halle des Zmtral-FriedhofeS in FriedrichSselde auS statt. 3A Alle» Freunden, Verwandten und Bekannten die traurig« Nach- richt, daß mein lieber Mann und Bater, der Kutscher Karl Rienit? durch Unfall plötzlich verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Di« Beerdigung findet heute 2 Uhr aus dem Stahnsdorf«: Friedhose statt. un Teilnahme und die reichen' Kranz Für die vielen Bewei »g. eise herzlicher ; Kranzspenden bei der Beerdigung mewes geliebten Mannes und guten Vaters Fritz Bellin sagen wir allen Verwandten. Freun- den. Bekannten und Kollegen unseren herzlichsten Dank. 38?' Emma BclUn und Sohn. Keakailn. Zentralkrankenrasse der Maurer usw.»Grundstein zur Einigkeit». Sonntag, den 2. Febr., vorm. 10 Uhr, im l-ohal von 0. Well, filrohhotetr. 41 Mitgllederversammllmg. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom IV. Ouartal 1912 und Jahresbericht. 2. Wahl der OrlSverwaltung. 3. Verschiedenes in Kaffenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. 149/5 Die örtllohe Verwaltung. dhtCt+fW&Ctß Äw JXaM -sn« IHf Änisf» Ctci.Cjvj. föjihw&niuy Zur niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiniiiiiuiauuui Anzüge Neuesie Modelle ein- u. zweireihig, aus blauem«.schwarzem Cheviot, erstklassige Verarbeitung, hervorragende Stofje, vorzügliche Passsorm M. 15.50 17— 20— 22— m.25._28_ 33— 35- M. 39— 44— 48- Kleider Gr. Auswahl apart. Neuhellen, sehr preiswert m. 19— 25- 32— 38- •ssasSMSMafaiBsoatisaaiiasitisantsasssststiisssaitMafNaMMinsa« | Schuhe, Hüte, Wäsche | Handschuhe, Krawatten In reicher Auswahl zu sehr bitligen Preisen H. Weltmann Nachf. Stefan Esders Kaiser-Wilhelm-Str. 41-42 BERLIN C Spandauer Strasse 70-71 Das Haus hat keine Zweig- Niederlassung in Berlin Damen- Lackschohi letzt nur 5" en öanzlicher Aufgabe der ÖarlottentxBrterFsnaJe Nehringsft 54. bSekla�anste aulseraewötalkh bi!|erj{|iiÄüf Noch nie dagewesene ödedenheÄi winsohn ..jitetr d-->-. n' a.',- � '".Ä KOSenttlölersfr.: Gr Frönkfurrer�fn: Chariotteicburö; ' 40-41 11 0']. Neririo�slr, 3? rtaevesoerf."".-_r75f»;« ■ Damensilefel Irbeiter-fiadfahrer- Bßiid Solidarität Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, de« 2. Febnlar. 2. Abt.: 1 Uhr: Wannsee(Fürsten- & Abt.: 1 Uhr: Müggelheim (TroppenS). 4. und 7. Wt.: 1 Uhr: SilmerS- darf(GesellfchastShauS). S.Abt.: 2 Uhr: Steglitz(Birten- Wäldchen). 6. Abt.: 12st, Uhr:«teglltz(Birken- Wäldchen). 8. Abt.: Ist, Uhr: Zehlendorf (Miek) 10/5 «tartS a« de« bekannten Stelle«. Hört! Hört: Regenschirme Lederne; von S.öO an von 8.50 an. Vorwärts- Bibliothek Der Prinzipienreiter Eine Erzählung * aas dem Jahre 1840 Von Wilhelm Bios Preis gut gebunden 1 M. Der neue Band. Deutscher Ortsgrappe Groll-Berlin. System„Roller" Ortsgruppe OroQ-Berlin. Die Größe einer etenographieohen Organisation ist zurzeit noch abhängig von der ataatlichen MonopoUsierong und den materiellen Mitteln, über welche sie cor Propaganda verfügt Arbeiter und Genossen, laßt Euch daher nicht durch große Zahlen blenden! Die RoUersche Stenographie ist 25 Pros, kürzer als das System Stolze-Schrey und bedarf nicht hinterher der Erlernung«chwierigerer Oberstaken. Für die Arbeitersohaft kommt als vollkommenste Eorzsohrikt die Rollersohe Stenographie, hervorgegangen aus der Arendssohen, in Betracht, deren leichte* Aufbau am eohnellsten sur praktischen Verwendung bel&higt. Biene nnentgeUllche(Jnterrlchtsknrse fflr Damen nnd Herren besinnen: HoDlig. 1 iietar*!'/* KIÄSKSk* Abt. Charlottenbnrc, » n Blsmarckstr. 88, Wernlcke. Abt. er.-Iiiehterfeide* * w Ferdlnandstr. 10, Schiller. Abt. Zentrum, h n Kalserstr. 88, llgerhelm. Abt. Gesnndbrnnnen, n n Dranthelmer Str. 4, Frltsoh. Abt. Südost, r: » n Moskauer Str. 25, H. Frladrtafc. 4. 8. Freitag, 1 1. J. Cmdeuer Abt. Moabit, p Str. 19, KOhlertiDtto. form 10 Dtir; sodmldwu�iß!' sabmao». Der Cnterrfcht Ist nnentseltllcb, die I-ehrmltto! kosten 8 H., für Juscndllche*,50 M. Anmeldungen können achriftlioh, auch tu Beginn des Unterrichts in den Lokalen erfolgen. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsgruppenlcitung. Richard Wolf, Beriln-Pankow, Rordbahnstr. 8. 266/ IS Snaelhardt Special /feil Flasche 10 Pf. Ueberau käuflich! Gin QmUtälsbm Redakteur: Alfred WielePP, Neukölln Für den Jnjeratentetlverantw.t TH. Glocke, Berlin. Drucku.'öerlag: BorwartS�chdruckerei u.«erlag-anitalt Paut�mger».Eo� iverun-.». Nr. 26. 30. Zahrgssz. 3. Dtilaze Ks.Awiirls" Kerlim NsllisM lreitaz. 3l. IlUluar lNZ. Lanilrat, Regierung und die Stadt Berlin. Zur Treptolver Eingemeindungsfrage nimmt nun auch das„Teltower Kreisblatt" Stellung und sucht das Ber- halten des Landrats von Teltow zu verteidigen. In dieser Vor- tcidigungsschrift heißt es u. a.: »Schon seit Jahr und Tag verhandelt Berlin mit Treptow in der Eingemeindnngöfrage. Aber erst im vergangenen Monat. nachdem es mit Treptow grundsätzlich einig zu sein glaubte, isi es zum ersten Male an Kreis und Provinz herangetreten. Der Kreisausschutz hat mit Rücksicht darauf, datz die bisherigen Ber- Handlungen über seinen Kopf hinweg geführt worden sind, und weil erst neuerdings die Königliche Staalsregierung ihre frühere Erllärung, wonach Eingemeindungen nach Berlin nicht mehr er- solgeu können, wiederholt hat, grundsätzlich jede Verhandlung abgelehnt. Das- selbe zu tun war auch Treptow dringend empfohlen worden unter ausdrücklichem Hinweis darauf, dasi anderenfalls lediglich neue Erregung und neue Zwietracht zwischen Berlin und Kreis gesät werden würde. Wenn unter diesen Umständen der Vorsitzende des Magistrat? von Berlin den Versuch macht, den Vorsitzenden des KrciS- ousschusieS entgegen dein Willen der Kreisverwaltung zu münd- lichen Verhandlungen zu bestimmen, so mutzte er sich wohl selbst sagen, datz er damit zu keinem Ziele kommen konnte. Wenn im übrigen die Darstellung, die in der Presse von den Vorgängen gegeben wird, durchblicken lätzt, als habe der Landrai einen Empfang des Lberbürgermelsters abgclcbnl, so widerspricht die? der Wahrheil. Der Herr Oberbürgermeister hat mit dein Landrat„kurzer Hand" einen Termin zur mündliche» Verhandlung vereinbaren wollen. Ties ist vomDandrat unter Hinweis auf den mitgeteilten 5�reiöauSschutzbeschlutz abgelehnt worden." Demgegenüber hält sich das Nachrichteuoml de» Magistrats für ermächtigt, den Wortlaut der zwischen den Beteiligten gewechselten Schreiben— ohne weitere Erläuterung— zu veröffentlichen. Der Magistrat von Berlin richtete unter dem 11. Januar an den Landrat des Kreises Teltow folgendes Schreiben: „Der Gemeindcvorstand i» Treptow hat uns mitgeteilt, datz die Gemeindevertretung in ihrer gestrigen Sitzung den Beschluh gefaßt hat,„datz sie dem— Ew. Hochwohlgeborcn seinerzeit mit- getetlten— Antrage der Stadt Berlin vom 11. Dezember 12 auf Vereinigung der Landgemeinde Berlin-Treptow mit der Stadl- gemeinde Berlin vorbehaltlich der zu vereinbarende» Be- dingungen grundsätzlich zustimmt". Nachdem diese Kundgebung vorliegt, ist eS für uns voii� Wert, Ew. Hoch- wohlgeboren darzulegen, welche Stellung die Stadt Berlin angesichts der nunmehrigen Sachlage einzunehmen gesonnen ist. und welche für den Kreis bedeutsamen Momente unsererseits dabei in Er- örterung zu bringen sind. Der unterzeichnete Oberbürgermeister wird sich gestalten, demnächst kurzer Hand mit Ew. Hochwohlgeborcn wegen de? Zeitpunktes der danach erwünschten Unter- reduilg in Verbindung zu treten. Nach dem Ergebnisse dieser Besprechung werden wir uns erlauben, weitere Mitteilung folgen zu lassen." Hierauf ging nachstehende Antwort von dein Vorsitzenden des KreiSauSschusies beim Oberbürgermeister Wermuth ein: „Euer Exzellenz beehre ich mich auf das gefällige Schreiben vom 11. d. MtS. zu erwidern, datz ich zu meinem Bedauern autzer stände bin, iu die gewünschte Unterredung über die Eingemeindung von Treptow nach Berlin einzutreten, weil ich mich dadurch in Widerspruch zu dem Euer Exzellenz bekannt gegebenen KreiSauS- schutzbeschlutz vom 17. v. MtS setzen, statt ihn pflichtqeinätz aus- führen würde. Der RreiSoiiSschuß kann sriiierseils von diesem Beschlutz, der grundsätzlicher Natur ist, nicht zurücktreten. Er würde dainit seiner bisherigen in langen Jahren bewährten Politik uinreu werden." Ein einmal gefatzter Beschlutz kann nicht für alle Ewigkeit gelten zumal Umstände eintreten können, die eine Aufhebung eine? gefahlen Beschlusses oft zur gebieterischen Notwendigkeit machen. Jni vor- liegenden Falle liegen neue Beschlüsse zweier Gemeinden vor und es hätte nicht von vornherein jedwede Verhandlung unmöglich gemacht werden dürfen. Daran ändert auch nichts der Hinweis auf eine Rede des früheren Oberpräsidenten jetzigen Kultusministers Trott zu Solz, die ain 2«Z. Februar 1909 gehalten wurde und in der jedwede Eingemeindung von Vororten»ach Berlin abgewiesen ivird. Im jetzigen Spezialfälle liegt ei» Antrag auf ollgemeine Ein- gemeindung von Vororten nach Berlin gar nicht vor, sondern lediglich wird die Eingemeindung Treptows nach Berlin ver- langt, eine Forderung, die nach Lage der Sache nur ab- gelehnt werden kann, wenn man die beiden Ge- mein den aufs schwerste schädigen will. Unsere Kommnnalfreisinnigen im Roten Hause werden auS dieser Sachlage von neuem erkennen können, in welch schwierige Lage sie die Stadt Berlin gebracht haben, als sie seinerzeit unter dem Minister Herrfurth sortgesetzt erwogen und berieten, als dieser Minister die Stadt Berlin zu einer grotzzügigen Eingemeindung direkt veranlatzte. Damals wurde der Zeitpunkt von unseren Frei- sinnigen verpatzt, als die StaatSregierung die Eingemeindung ��De�'inzwischen geschaffene Zwcckverband kann nicht das leisten, waj ei» wirkliches Grotz-Berlin leisten würde. Aber abgesehen selbst hiervon, eine Eingemeindung der Gemeinde Treptow nach Berlin ist so dringend, datz ein weiterer Aufschub die Gemeinde noch mehr schädigt, als das bisher schon der Fall war. » Anch die offiziöse„Berliner Korrespondenz' äutzert sich zu den Vorwürfen, die in dieser Sache und in der Angelegenheit, betreffend die Ueberiragnng der Wobnnngspolizei der Regierung gemacht worden sind. Sie will nicht gelten laffen, datz es nur llcbelwollen gegen Berlin sei. das ihr Verhalten bestimme. Die Regierung be- müht sich krampfhast, diese Ansicht zu zerstreuen. Sowert es sich insbesondere um die Ueberlragung der Wohnungs- Polizei auf die Siadt Berlin bandelte, sucht die Regwrung die Tauche, datz sie die Stadt Berlin 7 Monate ohne Antwort gelassen hat. aus die sonderbarste Weise zu entschuldigen. Sie lätzt in der „Berliner Korrespondenz" erklären- »Die Brüskiernng wird darin gesehen, datz die Staatsregie. r.mg euren Antrag des Magistrats auf Ucberrragung der Woh- nungöpolizet von M.tte Juli w I. bisher sachlich unbeantwortet gelassen hat. Hlerzii hat der Minister des Jiinern in den, HaiiS» haltsauSictiutz des Abgeordnelenhauses ausgeführt, datz dieser Antrag erne baldige Erledigung schon aus dem Grunde aus- schlietzen mußte, weil er von einer Denkiwrist begleitet war. die sich geg�u die Uebenveliiing der WobnungSaufsichr auf die Stadt aussprach und zu deren.Eistzelaussührungen der Magistrat nach seinen eigenen"brigen noch keine Srellunq genommen Halle: gleichwohl habe der Oberprasident. dem der Antrag einge- reicht war. die Poltzeiprasidenien ,n den bei der Errichtung von Wohnungsämtern beteiligten Städten fu Gutachten herangezogen. Das gesamte Material sei»n Ministerium des Innern erst vor kurzer Zeit eingelausen. 63 ungesäumt in Behandlung genommen worden, und wcrSi. m bereit« eingeleiteten koin- «tssarischea Verhandlungea mu den zugleich betelligtcn Mi« nisterien der öffentlichen Arbeiten und für Handel und Gewerbe beraten. Ter Minister bezeichnete hierbei den Antrag nach be- stimmten Richtungen hin als diskutierbar, wenn auch seine Durch- führung großen Schwierigkeiten bei der Abgrenzung der Woh- nungspolizei von Bau- und Gesuildheilspotizei begegne. Diese Darstellung ivird zur Genüge kennzeichnen, datz eine Brüskierung des Magistrats durch die SraatSregierung in dieser Angelegenheit cbeusowenig erblickt werden kann, wie die Staatsregierung sich durch den Magistrat zu Borliu für brüskiert erachtet hat, wenii dieser bei einer Reihe von Anfrageii der Regierung seine Be- aiilwortuiigsfristeii weil über die hier in Betracht kommende Zeit- spanne hinaus erstreckt hat." Die Regierung klammert sich hier an der dem Antrage des Magistrats beigelegte» Denkschrift eines Magistratssekretärs, die wegen ihrer Rückschriltlichkeit in der Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung von unserem Genossen Heymann charakterisiert worden ist. Wenn die Regierung keine anderen Ausreden hat, ihr Verhallen zu rechtfertigen, so steht es sehr schlimm um ihre Verteidigung, und jeder Unbefangene bekommt den Eindruck, die Regierung hat keine Gründe, um ihre Haltung zu rechtfertigen. Höchst belustigend. ist endlich folgender Satz in dem offiziösen Rechtfertigungsarlikel: „Wenn endlich angedeutet wird, datz Berlin sich„bei dem Waldgeschäft, das der FlSkuS mit dem Zweckverband machen will," der angeblichen„Brüskierung erinnern uiid sein Verhalten danach einrichten" werde, so wird übersehen, datz der Fiskns kein Interesse an dem Waldverkaus hat, dieses Interesse vielmehr auf feiten der im Zweckveibande vereinigten Koiiimlinen besteht, deren Bevöllerung durch den Waldgürtel ihre Erholiiiigs- slätle fiiideil soll." Diese Aeutzcrungen sind allerdings das stärkste Stück, daZ die Regierung sich leistet. Man höre:„Der Fislus hat lein Interesse am Waldverlauf." Und dabei weitz nahezu jedeS Kind, datz der Zweckverband vorzugsweise gegründet worden ist, um dem Fiskus für teures Geld die Wälder abzukaufen, damit dieselben für die Grotz-Berliner Bevölkerung erhalten werden. Noch heute wird ge- handelt und gefeilscht, um den Fiskus zu veranlassen, die Preise einigermatzen dem Objekt angemessen festzusetzen, obwohl der Fisklis selber die Pflicht hätte, die Wälder für die erholungsuchende und steuerzahlende Bevölkerung zu erhatten. Aber der FiSkuS hat lein Interesse an dem Waldverlauf! I bewahre! Zum Streit um die Woh nungspolizei wird der „Vossischen Zeitung" aus Kreisen der städtischen Verwaltung Berlins geschrieben: „In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses und in der „Berliner Korrespondenz" ist die Behauptung aufgestellt worden, datz der Antrag des Magistrats auf Ueberweisung der Wohnuiigspolizei vom 16. Juli 1912 von einer Denkschrift bcgleiiet gewesen sei, die sich gegen die Uebertragung der Wohnungspolizei aus die Stadt ausgesprochen habe. Diese Behauptung ist unverständlich: das gerade Gegenteil ist der Fall. Die Denkschrift des Magistrats- assessorS Dr. Siegel bezeichnet auf der in Frage kommenden Stelle Seite 18 gerade das Fehlen jeglicher Polizeigewalt auf seilen der Stadt als einen bedauerlichen Mangel, der sich unangenehm fühlbar mache. Sie erwägt nur, ob auch ohne Polizei eine kommunale Wohnungsaussicht möglich sei, und kommt mit Einschränkung zu einer Bejahung der Frage. Die Devkschrist schlietzt auch die fragliche Erörterung mit den Worten:„Wenn wiederum ein Gesetzentwurf über das Wohnungswesen eingebracht wird, so wird es fich empfehlen, datz die Stadtgemeinde die Forde- rung erhebt, datz den Gemeinden durlbweg die zur Durchführung der Wohnungsaussicht nötigen polizeilichen Zwangsbefugnisse über- trogen werden." Die Denkschrift steht daher durchaus nicht zu der Ansicht des Magistrats in irgend einem Gegensatz und konnte in keiner Weise gegen den Antrag des Magistrats auf Uebertragung der Wohuungspolizei verwertet werden." Der Provinziallandtag nahm dann in seiner gestrigen Sitzung nochmals Veranlassung— wiederum einstimmig— sich grundsätzlich gegen jede Eingemeindung von Provinzial- gebiet in den Bereich der Stadt Berlin mit aller Entschiedenheit auszusprechen und deshalb auch die wiederholt nach- gesuchte Aufnahme von Verhandlimgen wegen der Ueberlassung von Treptow unbedingt abzulehnen. Was zu erwarten war. Gerade im Provinziallandtag war schon bisher der grötzte Widerstand gegen jede Eingemeinduiig von Orten der Provinz nach Berlin geleistet worden, was für die Regierung Anlatz genug war. sich ohne weiteres den Wünscbel, der von den Agrariern beherrschten Provinzialvertretung zu fügen. Partei- Ungelegenkeiten. Zur Lokalliste. 4. KmS. Die Residenzsäle. Landsberger Str. 3l, In- Haber F. Walterstcin, stehen jetzt der organisierten Arbeiterschaft zu allen Veranstaltmigeii zur Versügung. In Nauen B.-T. steht uns nunmehr auch das Lokal Zum grotzen Stein, Juh. Lapcr, zur Versügung. Die Lolalkommijsion. Steglitz-Friedcnau. Heute Freitag, den 31. Januar, abends 8'/z Uhr, findet bei Heizmann, Steglitz, Florastr. 2a. der L e h r- abend für junge Parteigenossen statt. Genosse D ä u m i g wird über„Die Enlwickelung zum Sozialismus" vor- tragen./ PcterShagen, Fredersdorf und Umgegend. Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 4 Uhr. im Lolal„Zum alten Desiauer" in Petershagen, Heiinickendorser Strotze: Oeffentliche Vcrsaminlung. Tägesordnung: Die kommeiiden prentziichen LandtagSwahlcn, die Rechte und Pflichte» der werktätigen Bevölkerung hierzu. Referent: Genosse Max Barth. Zu obiger Versammlung findet am Sonntagvormittag eine Handzettelverbreitung statt. Das Material ist spälestens am Somi- abend abzuholen in Peiershagen bei A. Claas, Bruchmühlenstratze: in Fredersdorf bei Grosse. Lerliner I>iackrickten. Die Stadtverordneten unterbieten sich gesteril über das Projekt der Z u s a m m e n- legun� der Polizeireviere mit dem Herr v. Jagow die Bevölkerung Berlins überrascht hat. Eine Anfrage freisinniger Stadtverordneter ersuchte den Magistrat um Aus- kunft. was er da tun wolle. Stadlverordneter Knau er führte zur Begründung eine Reihe von Bedenken an, die ihm ailsgestotzeil sind. Auch das findet er bedenklich,� datz bei längeren Wegen zu den Polizeiwachen künstig die Schutzleute vielleicht— weniger Sistierungen vornehmen werden. Stadt- rat Hainburg er suchte die Vorzüge berauszustteichen, die diese neueste Jagowsche Reform seiner Meinung nach hat. Einspruch dagegen zu erheben, habe der Magistrat keinen Anlaß. Weniger freundlich äußerte sich Stadtverordneter B r y, doch faßte auch er die Polizei nicht allzu unsanft an. Genosse Liebknecht bescheinigte diesen Rednern, daß die Berliner Polizei mit ihnen znfriedeit sein könne. An sich sei gegen die Revierzusanimenlegung nicht viel einzuwenden, aber der Hauptgrund und Häuptzweck dieser Maßregel müsse vor der Oeffentlichkeit festgestellt werden. Unser Redner wies auf die politischen Motive hin, die Herrn v. Jagow den Wunsch eiitgegeben haben, die„Schlagfertigkeit" und rtoßkraft" der Polizei zu steigern. Ihm komme es darauf an, bei Streiks oder Demonstrationen die Po» l i z e i leichter mobilisieren zu können. Zu einem! praktischen Ergebnis konnte die Debatte nicht führen, die Stadtverwaltung hat ja in Berlin über das Polizeiwesen nicht zu entscheiden. Mit der Erklärung des Magistratsvertreters war die Anfrage erledigt. „Herr iin Hause" zu werden, sollte die Stadtverwaltung nicht nur für das Polizeiwesen anstreben. Auch in der Be- tätigung auf dem Gebiet der Sozialpolitik ist ihr mehr Selbständigkeit zu wünschen, aber hier, wo sie sie haben könnte, überläßt sie am liebsten anderen das Feld. Kenn- zeichnend für die Stellung, die gegenüber solchen Aufgaben! der Berliner Stadtfreisinn einzunehmen liebt, ist der Streit iini die Forderung eines kommunalen Arbeits nach- weises. Einen kleinen Schritt auf dem Wege zu ihrer Er- süllung bedeutet der gestern vorgelegte Magistratsantrag, dem Zcntralverein für Arbeitsnachsweis die Beihilfe aus dem Stadls äckelwieder zu erhöhen, aber dafür nunmehr auch der Stadtgemeinde niehr Einfluß auf die Geschäftsführung zu sichern. Genosse D u p o n t zeigte, daß nur eine vollständige Uebernahme in die Regie der Stadt den oft beklagten Mängeln des Arbeitsnachweises abhelfen kann. Sie sei um so not- wendiger, weil dieses Institut unter privater Leitung immer mehr in ein reaktionäres Fahrwasser zu geraten drohe. Gegen den Antrag der sozialdemokratcischcn Fraktion, den Magistrat um baldigste Uebernahme des Arbeitsnachweises zu ersuchen, wandte sich Oberbürgermeister Wermuth. Er warnte vor Uebereilung und suchte zu beschwichtigen durch die Erklärung, daß die Kominunalisierung deS Avbeitsnachweises nicht auf die Dauer von der Hand zu weisen sei. Der Antrag unserer Genossen fand bei den Freisinnigen keine Unter- st ü tz u n g und wurde von ihnen nicht mal der Ueberweisung in einen Ausschuß für wert gehalten. Einen, Ausschuß wurde die Magistratsvorlage überwiesen. Weiter ist Berlin in einer anderen Verstadtlichungsfrage vorgerückt. Tic Vcrstadtlichung des Rettungs» Wesens, die so oft von unseren Genossen gefordert wurde, ist beschlossene Sache. Gestern legte der Magistrat den Plan für die nunmehr durchzuführende Neuordnung wes Rettungs- Wesens vor. Daß die Gegner der Verstadtlichungsidee wenigstens hier sich endlich eines Besseren haben belehren lassen, stellte Genosse Wey! mit Befriedigung fest. Den Stadtverordneten Sachs verdroß es, dem Freisinn seine s P ä t e Einsicht vorgehalten zu sehen. Zu einer Debatte über kommunale Boden- Politik kam cs aus Anlaß eines Magistratsantrages über G r u n d st ü ck s v c r k ä u f c. Gegen die Veräußerung von Grundbesitz der Stadt erhoben unsere Genossen Ewald und A r o n s lebhasten Einspruch, indem sie auf den Ausweg der Erbbaupacht hinwiesen. Die freisinnige Mehrheit, die hier noch nicht zur Einsicht gekommen ist, beschloß den Verkauf. Ter Fortbezug russischen Fleisches durch die Gemeinden Groß-Berlins über den 1. April hinaus� ist durch die endlich erteilte Genehmigung des Landwirt- schaftsministers bis zum 1. Oktober gesichert. Mit dieser Ge- nehmigung ist zwar der Weiterbezug des ausländischen Fleisches den Sommer hindurch sichergestellt, aber ein be« sonderes Entgegenkommen gegen die großstädtisch? BevLIkc- rung bedeutet die Antwort des Landwirtschaftsministers nicht. Wenn der Fleischbezug ein wirklich vorteilhafter sein soll, so muß die Gemeinde größere Bewegungsfreiheit haben. Und diese Bewegungsfreiheit kann nur in der Bewilligung eines längeren Zeitraumes für die Einfuhr ausländischen Fleisches liegen. Nur dadurch ist es der Gemeinde möglich, günstige Abschlüsse zu machen, die'den Gemeindeangehörigen zugute kommen. Bon einem Minister, der den Gemeinden den Rat erteilt, mit Viehgenossenschaften langjährige Verträge zu schließen, müßte man eigeptlich ohne weiteres erwarten, daß er die verlangte Genehmigung auf einen längeren Zeitraum ekteilt, als es geschehen ist. Soweit es sich um den Umsatz des eingeführten Fleisches handelt, nmß festgestellt werden, daß die großstädtische Be- völkerung heut schon selber herausgefunden hat, daß die Qualität des eingeführten Fleisches mit dem des hiesigen Fleisches sich jederzeit messen kann. Die Fleischermeister, die anfänglich bestrebt waren, der Bevölkerung den Genus� des russischeil Fleisches zu verekeln, haben sich mit der Zeit über- zeugen müssen, daß das Publikum sein Urteil sich selber bildet. Und wir haben erleben müssen, daß es Fleischermeister gegeben hat, die es sich angelegen sein ließen, sich russisches Fleisch zu verschaffen, um es der Kundschaft als hiesiges Fleisch zu verkaufen. Uns ist ein großes Warenhaus bekannt, das vor einiger Zeit recht bedenkliche Praktiken angewendet hat, um im Besitz größerer Mengen russischen Fleisches zu gelangen. Seitdem der Magistrat dazu übergegangen ist, den Fleischverkauf in zahlreichen Läden betreiben zu lassen, ist den Wünschen der breiteren Massen der Bevölkerung zum erheb- lichen Teile Rechnung getragen worden. Erinnert sei noch daran, daß in letzter Zeit der Magistrat bestimmt hat, daß Fleisch ohne Knochen mit IV Pf. Aufschlag pro Pfund ver- kauft werden kann, um auch die Klagen über zu große Knochenbeilagen zu beseitigen. Sodann sollen auch gehacktes Rind- und Schabefleisch sowie gepökelte Zungen, Eisbemo und Spitzbeine verkauft werden dürfen. Die vom Magistrat festgesetzten Preise sind immer»och erheblich niedriger als sie sonst für das hiesige Fleisch gefordert werden, und cs kann nur gewünscht werden, daß die Bevölkerung von der zu ihren Gunsten geschaffenen Einrichtung uwglichft ausgiebigen Ec« Bram!) mo�f.'Der Verkauf erfolg! In Läd'en, lit d'cnen l>e- sondere Plakate auf das ausländische Fleisch hinweisen. Der größte Teil der Läden ist von der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend bereit gestellt worden, zu denen in Kürze einige weitere hinzukommen werden. Der Stillstand in der Entwickelung der Berliner Verkehrs- unttel mit eigenem Bahnkörper. Ein Stillstand in der Ver- kehrsentwickelung der öffentlichen Verkehrsmittel der Reichs- Hauptstadt mit eigenem Bahnkörper, der Stadt- und Ringbahn wie der Hoch- und Untergrundbahn, wurde von uns für das Jahr 1912 festgestellt. Diese Beobachtung beschäftigt die Fach- »velt und weitere Kreise fortgesetzt. Man fragt sich nach den Gründen. Bei der Hochbahn werden verschiedene Ursachen ins Feld geführt. Mehr als die Hälfte der Abnahme glaubt man auf die Abwanderung der Raucher zurückführen zu müssen. Als weitere Gründe werden angeführt der Umbau und das Umsteigen beim Gleisdreieck, die Störung des Verkehrs der Untergrundbahn in der inneren Stadt durch den Wasser- cinbruch im vergangenen Sommer, der steigende Wettbewerb eines anderen Schnellverkehrsmittels, des Automobilonniibusses. Man glaubt, daß das Publikum sich den billigeren Verkehrs- initteln, der Straßenbahn und dem Pferdeonmibus zuwendet. Für den Stillstand der Entwickelung bei der Stadt- und Ringbahn dürfte keiner dieser Gründe geltend gemacht werden können. Hier dürfte in erster Linie die steigende Unzufrieden- heit mit der langsamen und veraltenden Art der Beförderung erheblich mitwirken. Schulferien 1913. Die Ferien an den Unterrichtsanstalten im Amtsbereich des Provinzialschulkollegiums von Berlin sind für das Schuljahr 1913 wie folgt festgesetzt: Zu Ostern schließt der Unterricht am Mittwoch, den 19. März, und beginnt lviedcr am Donnerstag, den 3. April. Zu Pfingsten schließt der Unterricht am Freitag, den 9. Mai, und beginnt am Freitag, den 16. Mai. Bei den Sommerferien schließt die Schule am Freitag, den 4. Juli, und beginnt wieder am Dienstag, den 5. August. In Groß-Berlin beginnt der Unter- richt aber erst wieder am 12. August. Im Herbst ist Schluß am 27. September, Wiederbeginn am 15. Oktober, in Groß- Berlin am 8. Oktober. Vor Weihnachten schließt der Unter- richt am 23. Dezember und beginnt wieder am 6. Januar. Der goldene Fahrstuhl. Man erinnert sich, wie die Beziehungen der bürgerlichen Presse zu den bürgerlichen Spielklubs vor Jahren autzerordentlich plastisch dadurch dargestellt wurden,.daß ein reicher Börsen- und Spicljobber für einen bekannten Klub der bürgerlichen Prelle das Geld für die Einrichtung eines Fahrstuhls erlegte. Etwas AehnlicheS, nur weniger massiv und weniger durchsichtig, wird uns aus bürgerlichen Kreisen mit der Bitte um warnende Veröffentlichung mitgeteilt. Nach diesen Mitteilungen, die für wahr zu nehmen wir allen Grund haben, sollen einige Berliner bürgerliche Blätter, die aber selbst in diesen Kreisen und darüber hinaus als minderwertig bekannt sind, darum über merkwürdige Vorgänge in einem Spielklub in der Bellevuestraße sich in verdächtiges Schweigen gehüllt haben, weil ihnen auf dem nicht mehr ungewohnten Wege einer regelinätzigen Annoncenzufuhr eines Zigarren vertreibenden Mitgliedes des Klubs der Mund gestopft wurde. In dem gekenn« zeichneten Klub sollen auf mehr oder weniger offene Art wie schon früher, so ganz besonders in den letzten Wochen, Hundert- tau sende verloren worden sein. Wenn man bedenkt, wie- viel Tausende von Familien arbeitender Menschen sich tagauS, tagaus abrackern müssen, um nur ein Tausendstel cineS solchen einzigen Spielabeudverlustes zu erobern, so wird man es be- greifen, wenn wir der Zuschrift aus bürgerlichen Kreisen hier gern den Raum für ihre Veröffentlichung dargeboten haben. Schwerer Zusammenstoß zwischen Straßenbahn und Feuerwehr. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Feuerwehrgefährt und einem Straßenbahnwagen spielte sich gestern vormittag gegen 9'/.. Uhr an der Ecke der Prinzen- und Sebastianstraße ab. Ein Zug der Feuerwache 2 in der Köpenicker Straße kehrte von einem Brand in der Sebastianstraße zurück und wollte aus der Sebastianstraße in schnellem Tempo in die Prinzenstraße einbiegen. In dem Augen- blick, als der Wagen des Brandmeisters v. Fricken, der nach Ab- löschung des Brandes als erster fortgefahren war. um die Ecke bog, kam ein Straßenbahnwagen der Linie 37 von der Köpenicker Straße in der Richtung Äreuzberg in ziemlich schneller Fahrt. Da an der Siraßenkreuzung sich Glatteis gebildet hatte, vermochte der Fahrer des Feuerwebrwagens Kosnacki die P>erde nicht mehr zu zügeln und der leichte Wagen prallte mit voller Wucht gegen den Motorwagen. Bei dem Zusammenstoß wurde Brandmeister v. Fricken, der Fahrer Kosnacki und der Milfahrer Welck auf das Pflaster geschleudert, wobei der Brandmeister eine leichte Rchpcnquetschung und Kopf- Verletzung, der Milfahrer eine Kopfverletzung und der Kutscher eine schwere Rippenquetschung und innere Verletzungen davontrug. Die drei Verunglückten wurden nach der Uniallstation in der Kom- Mandantenstraße gebracht, wo der Arzt nach Anlegung von Not- verbänden den Brandmeister v. Fricken und den Mitfahrer Welck in ihre Wohnungen entlassen konnte, während Kosnacki in das Urban- Krankenhaus geschafft werden mußte. Einen schaurigen Fund machte Mittwoch der Verwalter eines Hauses in der Königgrätzer Straße. Als er über den Flur ging, entdeckte er am Fuß der Treppe ein Paket aus braunem Packpapier. Er öffnete es und fand darin die Leiche eines neugeborenen Mädchens, die er dann er Revierpolizei übergab. Im Schauhause wurden bei der vorläufigen Besichngung Spuren eines gewaltsamen Todes an der kleinen Leiche festgestellt. Die Packpapierbülle enthielt einen aufgeklebten Zettel, dessen Aufschrift aber unleserlich ge° macht worden ist. Die Leiche war außerdem in weißes Leinenluch mit roter Kante eingewickelt. Ei» Eisenbahnunfall hat sich Mittwoch vormittag in her Nähe des Bahnhofs Eharlottenburg zugetragen. Der 35jährige Ran- gierer Leonhard Engelhardt aus der Kaiser-Allee 119 in Friedenau, der auf der genannten Station angestellt war. befand sich gegen L Uhr morgens auf dem Wege nach seiner Arbeitsstätte. Als er die Stadtbahngleise überschritt, wurde er in der Nähe des Loko- motivschuppens von der Maschine eines ihm entgegenkommenden Personenzuges, dessen Annäherung er nicht bemerkt hatte, erfaßt und umgestoßen. Obwohl der Zug fast augenblicklich zum Stehen gebracht werden konnte, war der stiangierer doch bereits unter die Lokomotive geraten und ein Rad war ihm über das rechte Bein gegangen, das fast Völlig vom Körper abgetrennt worden war. Der Schwerverletzte wurde von Bahnbeamten nach der nahen Un- fallstation gebracht, wo ihm Notverbände angelegt wurden. Von dort aus wurde E. wach dem Kcankenhause Westend geschafft. Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Mittwoch abend auf dem Bahnhof Papestraße ereignet. Dort versuchte der SOjährige Schmied Hermann Schroeder aus der Feurigstraße 44 in Schöne- Vera auf einen Stadtbahnzug aufzuspringen, der sich eben in Bewegung gesetzt hatte. Sch. kam jedoch dabei zu Fall und geriet »wischen die Trittbretter der Waggons und den Bahnsteig. Glück- kicke oweise konnte der Zug bald zum Stehen gebracht werden. Unter aroner Mühe gelang es den Verunglückten aus seiner ge- käbrlich-n Lage zu befreien. Der Schmied hatte schivere Kopfver- letzungen und Quetschungen am ganzen Körper davongetragen. Er erhielt auf der Hilfswache in der Vorbcrgstraße Notverbände und wurde dann nach dem Echöneberger städtischen Krankenhause ge- schafft. In eine gefährliche Situation geriet am gestrigen Donnerstag- nachmittag der Arbeiter Walter Köhler, Neue Jakobstr. 5 wohnhast. K., der in der Fabrik von Hartmann in Neukölln angestellt ist, wollte nach Feierabend ein Bad nehmen und begab sich in den Vaderaum. Während er das heiße Wasser aus dem Kessel abließ, versah er den Badeofen wieder mit Kohle». Dabei schloß er jedoch aus Unacht- samkeit die Ofenklappe, so daß die Gase in den Raum eindrangen lind K. im Bade betäubten. Ein zufällig hinzukommender Kollege fand Köhler bereits bewußtlos auf. Der von der nahen Unfall- station herbeigerufene Arzt rief Köhler mittels Sauerstoffapparales ins Leben zurück und veranlaßte seine Ueberführung in das Krankenhaus. Schweinefleisch aus Schleswig-Holstein hat die Stadt Schöne- berg für die Einwohnerschaft besorgt, das am Sonnabend zum Verkauf eintrifft. Die Abgabe des Fleisches an das Publikum soll durch die Schöneberger Fleischermeister zu billigeren Preisen als bisher erfolgen. Großfeuer. Gestern abend kurz nach 6 Uhr gerieten einige am Schäfersee in Reinickendorf gelegene Eichchuppen in Brand. Da das Feuer auf eine danebenliegende Schweinemästerei und auf einige Wohnhäuser in der Residenzstraße überzuspringen drohte, erbat sich die Reinickendorfer Feuerwehr die Hilfe der Berliner Feuerwehr, die dann auch mit zwei Löschzügen anrückte. Den vereinten Kräften gelang es, das Feuer auf den Brandherd zu beschränken. Die Ursache des Brandes war bisher nicht festzustellen. Bei den Lösch- arbeiten zog sich bedauerlicherweise ein Feuerwehrmann durch Aus- gleiten auf der Leiter eine Fußverletzung zu. Vorort- Ptodmcbten. Lichtcnverg. Daß die postalischen Verhältnisse in Lichtenberg beinahe auf der Höhe eine? hinterpommerschen Dorfes stehen, wird durch eine neue Entscheidung der kaiserlichen Oberpostdirektion wieder einmal dar« getan. Im Auftrage der Stadtverordnetenversammlung und ent- sprechend zahlreich geäußerten Wünschen aus der Bürgerschaft hatte der Magistrat in mehreren Eingaben die Einführung der Telegramm- Nachtbestellung erbeten. In der Antwort zeigt sich die Verwaltung wieder vollständig auf der Höhe der ihr eigenen Argumentation. Da die Interessierten wissen, daß nachts nicht ausgetragen wird. bestellen sie natürlich keine Telegramme. Und nun konstatiert die Oberpostdirektion, daß»von den nach den Bestimmungen der Telegraphenordnnng auch während der Nacht zu be- stellenden Telegrammen nach dem Jahresdurchschnitt noch nicht ein Stück auf den Monat entfalle". Die Antwort ist ver- blüffend genial. Gerade so wie die ablehnende Antwort in bezug auf die geforderte Rohrpostverbindung. Kaufleute, Industrielle und Private bringen ihre eiligen Postsendungen nach Berlin, weil Lichtenberg der Eilbeförderung ermangelt. Mit unbekümmerter Seelenruhe stellt dann die Oberpostdirektion fest: In Lichtenberg werden nur wenige Eilsendungen aufgegeben, mithin erübrigt sich die Anlage einer Rohrpostverbindung I Aber die Postdirektion läßt Gnade vor Recht ergehen und sie bestimmt:„Um jedoch den dort- seitigen Wünschen entgegenzukommen, wird vom 1. Februar ab versiichsweise die Telegrammnachtbestellung eingeführt werden. Sollte sich jedoch nach längerer Zeit herausstellen, daß von der Ein- Achtung kein ausreichender Gebrauch gemacht wird, so müßte sie wieder aufgehoben werden. Die Auflieferung von Telegrammen kann beim Post- ami in Berlin-Lichtenberg während der ganzen Nacht erfolgen."— Der Postdireltion wäre übrigens zu empfehlen, den Schalterdienst etwas mehr den gesteigerten Verkehrsaniprüchen anzupassen. Die Aufgabe eines Einschreibebriefes, die Einzahlung von Geldern, der Einkauf von Postwertzeichen bedingt oft eine Warlezeit von'/z— 1 Stunde. Ganz besonders sind die Annehmlichkeiten an der Post, wenn jemand an einem Schaller eine halbe Stunde gewartet hat und er wird dann zum anderen Schalter geschickt, um Freimarken zu erlangen, obwohl beide Schalterschilder den Verkauf von Postwertzeichen an- zeigen. Eine solche Behandlung des Publikums ist einfach unpassend. Die Post ist des Publikums wegen eingerichtet, dessen dürfte auch die verehrliche Direktion sich bewußt sein. Einen schrecklichen Tod hat am gestrigen Donnerötagmiitag der dreijährige Kurt, der Sohn des Arbeiters Wnißke aus der Seume- straße gefunden. Die Mutter des Kindes hatte einen Waschtrog auf den Boden der Küche gestellt und ihn zur Hälfte mit kochendem Wasser gefüllt. Der Knabe, der in der Nähe spielte, näherte sich dem Troge rückwärts und stürzte in das Wasser. Ein sofort hinzu- gerufener Arzt ordnete die Ueberführung nach dem Auguste- Viktoria-Krankenbause an, wo der Kleine jedoch kurz nach seiner Emlieferung verstarb. Steukölln. Bon einem Automobil überfahren. Als am gestrigen Donnerstag- mittag die 35jöhrige Frau Zienecke, Hermannstr. 232 wohnhast, ln der Bergstraße einen Pserdeomnibus verlassen und den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde sie von einer in raschem Tempo heran- nahenden Aulodroschke überfahren. Die Berunglückle, die eine Ge- Hirnerschütterung und Oberschenkelbruch davongetragen hatte, fand im Krankenhause Buckow Aufnahme. Eharlottenburg. Ein Einzelverkauf von russischem Rinder- und Schweinefleisch findet am Sonnabend im Charlottenburger Fleischschauamt, Spreestr. 39, zu den bekannten billigen Preisen statt, und zwar vormitrags von 9 bis 12 Uhr und soweit der Vorrat reicht, nachmittags von 2 Uhr ab. Lldlershof. In die Wählerliste zur Gemeindcvcrtrctcrwahl sind im ganzen 2499 Wähler eingetragen. Von diesen gehören lS45 der drillen, 537 der zweiten und nur 9 Wähler der ersten Abteilung an. Auf das Wahlrecht übertragen bedeuten die Ziffern, daß ein Wähler der ersten Abteilung in Adlershof mehr als b9mal soviel Recht wie ein Wähler der zweiten und 2 befindliche deutsche Dampfer „Magdeburg" ist brennend in den Hafew von La Caruna ein- gelaufen. Der Mannschaft gelang eS im Verein mit der Hafen- feuerwehr, nach mehreren Stunden de» FcuerS Herr zu werden. Das ganz« Innere des Schisfes ist jedoch zerstört. Jugendveranstaltunge«. Neukölln. Sonntag, den 2. Februar: Wanderung nach Fichtenau (Besuch der Grabstätte der Dichterin Klara Müller- Jahnke). Fahrgeld 40 Pf. Absahrt Hmnannstraße 7,28 Uhr, Berg- und Kaiscr-Friedrich-Slraßc entsprechend später._ eingegangene Druchlchnften. Ton der„Neuen Zeit" ist soeben das l8. Heft de? 31. Jahrgangs «schienen. Aus dem Inhalt des Hefte« heben wir hervor: Die Präsidenten- wähl in Frankreich. Von Compsre< Morel.— Das sozialiüische Votinn bei der amerikanischen Präsidentenwahl. Von Hermann Schlüter.— Internationale Finanz und Politik in China. Von Th. Rothstein(Londons.— Treitschkes Briese. Von Fr. Mehring.— Literarische Rundschau: Paul Louis, I-o Parti Socialiste en France. Von G. Stiekloss.— Zeitschriften- schau. Von a. s. Feuilleton der.Neuen Zeit» Nr. dg: Ueber Sprache und Stil. Von Fr. Mehring. Ein Küiistlerroman. Von Otto Wlltner. Drei Gestaltungen deS Prometheus. Von G. G. Ludwig.— Bücherschau: Hermann Wagner, DaS dunkle Tor. Konrad Hänisch, Schiller und die Ar- veiter.— Lose Blätter: Zehnmal mehr als Goethe. Die„Neue Zeit" erfchelut wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Prelle von 3,25 5JJI. pro Ouarwl zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hcst tostet 25 Pf. Sliis Nntnr ii»d Gcisieswelt. 57. Die Entwickelung des deutschen Wirtschaftslebens im leiiten Jahrhundert. Bon L. Pohle. — Ilv. Das astronomische Wellbtld im Wandel der Zeit. Von S. Ovvenheim.— lK7. Tie Fuiikeutelegraphie. Bon Thurn.— 179. Driirichlands Stellung in der Weltwirtichaft. Von P. Aiudt. — 197. Einführung i» die Jufinitcsimalrechnnng. Von G. KowalcwSk, — 379. Experimentelle«vstammungs- und BererbungSlehre. Von E. Lehmann.— 885. Mahr und Messen. Von W. Block.— 887. Differential- und Integralrechnung. Von M. Lindow.— 391. Grund- lagen der«lettrotechnik. Von A. Roth.— 392. Michelangelo. Von E. Hildebrandt.—»02. Das Teutichtum im UuSland. Bon R. Hoenigcr. Einzelbd. 1 M., geb. l.25 M. B. vi. Teubner. Leipzig. Wahlkreis Ueikermünde-Nsedom-Wollin. Die Landsmannschaft ersucht Parteigenossen und-Genossinnen, welche auS dem Wahlkreis gebiidl und hier wohnen, sich in der am 2. Februar Im Lokale von Roddgu Borsigstr. 24, nachmittags» Uhr tagenden Versammlung au« Parteiinlera einzufinden. Sirbeitertouriftenverein„Dir Naturfreunde«, OrlSarupPe Berlin Sonnlag. den 2. Februar, Wanderungen: I, LudwigSselde— Siethernescc— Trcmsdors— Michendorf: Absahrt nach Ludwigsselde vom Anhalter Bahnhof früh 6,15 Uhr<». Klasse).— II. Scharmützelsee, Glublg-, Spring, und Mclangsee(mit Schlsttschuben); Abfahrt vom Görlitzer Bahnhof früh 7,20 Uhr nach Ächarmützelsee(4. Klasse). Arbeiter> Wanderverein„Berlin". Sonntag, den 2. Februar: Tour nach Britz— Buckow— Rudow— AdlerShof— Nieder-Schöneweide— siorst- Haus Kanne— Marienthal— Neukölln. Tresspunkt 9—9'/, Uhr: Endstation der Stratzetlbahiilinie Nr. 28 in Britz, Martendorf« Allee lSchuIIHcig- Quelle).— Gäste willkommen. Marktpretse von Berlin am 29. Januar 1913, nach Ermstteluugen bei königl. PolizeiprSstdimnS. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,54 bis 19,60, mittel 19,42—19,48, geringe 19,30—19,36 Roggen, gute Sorte 16.90—00,00, mittel 00,00—10,00, geringe 00.00-00,00(ab Bahn). Futter- oerste, gute Sorte 17,50— 18,l0, mittel 16,80—17,40, geringe 16,10—16.7». Hafer, gute Sorte 18.60—20,40, mittel 17,00—18,50(frei Wagen und ab Bahn). Markthallenpretse. 100 Skilogt. Erbsen, gelle,»um Kochen 30.00—50,00. Sveisebohnen, weitze 35.00— VOM Linien 85,00— 6n.0» Kartoffeln(Kletnhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rtndsteisch, von der iteulc 1,70-2,40. Rindfleisch. Bauch, ieisch 1.40-1.80. Schweinefleisch 1,70—2.2». Kalbfleisch 1.40-2,40. Hammetfleisch 150—2.40. Butter 2,10-3,00. 60 Stück Eier 4,20— 6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1.60— 3,20. Zand« 1,40-3,60. Hechte 1.60—2,60. Barsche 1.00-2,40. Schleie 1,60-3, 26 Bleie 0,80-1,60. 80 Stück Krebse 4,00—24,00. WitterungSüberficht vom 30. Januar 1913. Ctoflanoi Sei» ä E|'s 3 c äI-S Ji 11�* Swlnemde. 773 SD tamburg 708 SD erlin 1 772(D Franks. a.a»i 766«D München Wien Bettet »bester 4 bester 2 halb bd. t. bester 3 wotlcill 1 wottenl a»K = 5. äH g* -12 S -11 —5 —10 -8 Ctotiantn SB 1: £| taparanda cterSburg Sctlly Aberdem PariS 762 NO 77l WNW 758'« W 753i>s 769p Wetter 2 wolkenl 3Schnee 4 wolkig »bedeckt Ibcdeckt c"• ff? «J, —16 —8 8 6 6 766, 0 772,0910 Wetterprognose für Freitag, den 31. Januar 1913. Trocken und zunächst vorwiegend heiler bei strengem Frost und srischcn südöstlichen Winden; später gelinder und langsam zunehmende Bewölkung. Berliner Weiterbureau. Wasserstauds-Rackirichten der LandeSanflall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wekterburea Wasserstand» M e m e l, Tllfit P r e g e l, Jnslerburg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Krossen , grankuirl Warthe, Echrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') , Rathenow Spree, Evremberg') , LceSlow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximlltanSa» „ Kaub Köln Neckar, Heilbrom» Main, Hanau Mosel, Tri« am 29. 1. am 208 90') 90') 100 82 303 456 450 359 449 189 330 211 seit 28. I om'l — 24 +6 -8 —31 — 1 —45 —48 —8 —12 —31 —23 — 1 _»> ')+ bi-deiitet Wuchs,— Fall.—') Nnterpegel.—•) EiSstmid —•) Oberhalb der Stadl Eisstand.') Treibeis.') Eisgang. Krlefkasten cler Reäakttan. Tie Iiuifiliiijt epreflitlBiidc finde« Sinvtnflrotzecg, vorn vier rreppe» Natzrstubt—, ivochenlö glich von vis 71«, Uhr nhendS, SonnadendS, von 4M, bis II Uhr abend» ftai«. Jeder für den«rlcltasttN bcsitmmtrn«nsragc ist ein Bnchuade und eine zahl al» Mertzeichen beijusllgrn. Briefliche Zinnvoll •»le» nich, erttU«.«lnfr-ge». denen»cine«bounementognttmng betgesiig, ist. «erben nicht beantwortet,(ringe Fragen trage man tn bei Sprechstunde mir. W R. 555. Die nächilichen Störungen brauchen Sie nicht zu dni.ien. Falls Aussorderung zur llnterlajsung er, olglos bleibt und Sie Ihre Behauptung beweise» können, crslbeint eine Klage aus VerlragSlösung durch- sührbar.— 8, Ä. 15. In dpr Regel ja, jedoch nur den Werl des im letzten Monat zerschlagenen Geschirr«.— H. P. 100. Erscheint nicht au-- rcichend.— 81.®. 59. Der LohnauSsall reicht zuni Steuererlaß nicht a»Z. — 0.•» Rebt— P. W.#6. 1. fffe find auch dem erstgeborenen Kinde gegenüber»mterdaltung«pflichtig> 2. Etwa 6 Mark wöchentlich. 3. Ja. —(f. B. ai. Nein.— H. W. 19. 1. Nein. 2. Ja.— P. W. 8. 1. Sin privatrechtlicher Vertrag genügt, mutz aber sormgerecht sein. Ein Psandvertrag würde mangels körperlicher llebergabe rechtsuuwirksasi sein. Es ist ratsam, einen Rechtsanwalt oder Notar mit der Abfassung des Ver- träges zu beaustragen. Di« Kosten richten sich nach dem Objekt. 2. Hinter- legen Sie die Miete für die beiden Monate.— G. lt. WO. Wenn Sie die übernommene Schuld bezahlt haben, sind Sie unseres Erachtens zur Herausgabe der Sachen nicht verpflichtet.— Ewald Wulff. Ter Mietsstempel beträgt für die fragliche Zeit eine Alark. — W. 81. 1000. Der Steuerbetrag kann noch eingefordert werden.— N. St. 102. Durch Testament.— H. N. 2». Ihre Frau soll sofort reklamieren, soweit die Steuer für das Steuerjahr 1311 in Frage kommt. — A. Z. 1. Nein. Zuständig ist das Polizeipräsidium. 2.. 3. und 4. Ja. 5. und S. Nein.— 2t. 47. Die Vorschriften über den Ladenschlutz sinden Anwendung. Jedoch kann die Schankkonzession erteilt werden.— H. F. II. 1. Ja. 2. Ohne Zustimmung des Eigentümers nicht zulässig. 3. Der Eigentümer kann die entbehrlichen Sachen einbehalten. Falls er eine da- hingehend« Erklärung abgibt, ist die Entfernung der Sachen strafbar.— (f. C. H. 100. 1. In der Regel 1 Proz. 2. In zwei Jähren,»«ginnend mit vblaul des Kalenderjahres, in dem die Forderung entstanden ist. 2. Ja.— vi. W. 10. 1. Ja. 2. Nein. — G. B. 131. Die Frage lätzt sich nur nach Einsichtnahme in den Miets- »ertrag beantworten.— F. 30. Nein. Sie können nur die Ausstellung 1 einer Freipolice fordent.— lt. v. 100. Es käme nur est» Antrag auf Wiederaufnahme de» Versahren« in Frage, ein solcher erscheint aber au»« sichtslos.— Braunschwetg 1883. 1., 2. und 3. ES kann gegen alle Beteiligte bi» zu einem Jahre erkannt werden. 4. Auch daS wäre möglich. 5. Unter geWilsen Umständen ersolgt Brotliefcrung. Der Betreffende muh sich mit dem WahlvercinSvor stand in Verbindung fetzen. 6. Um der- artige Albernheiten kümmern wir uns nicht.— Str. LOO. Etwa 20 M.— Sät. T. Zoll. Richten Sie eine Anfrage an das Zoll- amt unter Angabe der Menge, die Sie beziehen wollen.— X. Ja. — L. P. 2. Die Forderung ist verjährt, sofern nicht vor Ablauf v. I. der Anlräg auf Erlaß eines Zahlungsbefehls bei dem Gericht eingegangen ist. — 21. R. 100. Das veranlatzt die Polizei, der Adressen anzugeben sind. — H. R. 03. Die Fassung genügt. Es ist aber ratsam, den Satz„Ver- mögen besitze ich nicht" fortzulassen, sowie das Datum über die Unterschrift zu setzen. Die Zuziehung von Zeugen ist nicht erforderlich. DaS Testament kann dem Gericht überreicht werden. Geschieht daS nicht, so mutz es unmittelbar nach dem Ableben eingereicht werden.— H. P. III. 1. Nein. 2. DaS Mädchen kann auch einen anderen Arzt konsultieren. 3. Tie Kur- und Verpflcgungskosten ist die Herrschaft zu tragen verpflichtet. 4., S. und 6. Nein, sofern das Mädchen ordnungsmätzig gekündigt hat. 7. Nein. 8. Fragen Sie beim Verband an. 9. Leider setzt das Gesetz eine bestimmte Arbeitszeit nicht sest. 10. Ja, sofern die Behauptung bewiesen werden kann.— L. 841. Ihre Schwiegermutter soll ein Gesuch um Gewährung ...... sie richten. Eine Verpflichtung, R. 3. 3. Nein. von Ratenzadlungen an die GerichtSkasie richten. hierauf einzugehen, besteht sür die Kasse nicht. - ll. F. 100. vom IS.«mn 1.— P. 20. 1. Ja. 2. New. — N. St. 73. Die Hinzuziehung von Zeugen ist nicht erforderlich, aber zulässig.— F. B. 1334. Die Zahlungsklage kann dem Schuldner auch im Gelchäst zugestellt werden.— G. K. 10. DaS Geld ist sicher. — C?. H. 27. Es ist keiner der beiden zahlungspflichtig.— W. D. 1 880. Sie sind zahlungspflichtig. Durch einen Einspruch gegen den ZahiungS« befchl verursachen sie lediglich Mehrkosten.— Aengstliche 100. 1. Ja. 2. Ob ein mündlich geschlossener Mietsvertrag vorliegt, lägt sich erst nach näherer Kenntnis des Sachverhalts beurteilen. 3. In vier Jahren, beginnend mit Ende des Kalenderjahres, in dem der Anspruch entstanden ist.— 2l. K. 00. Haben keine Verwendung. — P. P. 13. Der Anwalt ist zur Durchführung des Psändungsverfahrens verpflichtet. 2. Die Kosten fallen dem Schuldner zur Last. 3. Die Bc» schlagnahme kann nur durch die Strasbehörde erfolgen, wenn begründeter Verdacht vorliegt. 4. Nein.— R. Tchm. 33. Ihre Angaben reichen zur Beurteilung der Frage nicht aus.— A. 200. 1. Ja. 2. Der Mann würde pflichtteilsberechtigt bleiben. 3. lim die Erbsolge auszuschalten, ja. - 2l. M. 07 237. Nein.— Wild. Schauspielhaus. Der Zaungast. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Jolies Caprice. In Sachen Katzen- stein. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Ansang 8'/, Ubr. Neue» Volkstheater. Helden. Ansang 3 Nlir. 2ldmiratspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. �' Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Sehiller-XheateFO.IS: Freitag, abends 8 Uhr: Urlel Acoata. Donnabend, nachmittags 3,15 Uhr: Zopf irnd Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: W olkenkratser. Donntag, nachmittags 3 Uhr: ]>as Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: L'rlet Acosta._ Sehiller-Theaierc�en- Freitag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Donnabend, nachm. 3,10 Uhr: Wallenatelns Tod. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König Lear. Sonntag, abends 8 Ubr: Die Schmetterlingsschlacht, Berliner Theater. Filmzauber. 8 Uhr: uhr: Bif fmiflranhfiirtfr. Deutsches Schanspleihaas 8 Ubr; Ter gute Ruf. sttr am»olieniloriplatz 8. An allen Tagen der Woche 8 Uhr vis Studentengräfin. Theater des Westens. Wiedereröffnung Sonnabend, I. Febr. Zum 1. Male: Die heldeu Husaren. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der fraucnfrelTer. Residenz-Theater, s»r. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidento). Schwank i. 3 Akt. o.Henneguin u. Veber. Morgen und solgende Tage: Tie �rau Präsidentin. Luisen-Theater. Freitag, abends 8 Ubr; Gastspiel: Melanie Spielmnnn: Nora ober: Sin Puppenheim. Schauspiel in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. Deutsch von I. Engeroff. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Ter Wunschpeter und das Glüctsglasmäunlein. Sonnabend, abends 8 Uhr: Gastsviel Melanie Spiclmann: Nora oder: /z8, Sonnt'/.B Uhr: Zwei rote Rosen. Burleske m. Gelang— und das „reff. Spezialitätenprogramm Jed. 1. u. 16.: Programmwechsel. mit 2l«ton und Touat Herrnfeld m den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Borverf. 11— 2 /Theaterll 'Hüchdruckerei u. BerlagSanWt�Paul Swger u-To� Berlin SÜL Admlralspalast. Allabendlich: Das neue mit durchschlag J Erfolg aufgef. EISbaliGtt Flirt in St. Moritz I Akt: Wintersport In St. Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel. 3. Akt: Japanisches Fest 1' Unter Mitwirkung , der kl. Charlotte. | Bis 6 U. u. v. 10'/, halb.Kass- | preise. Wein- u. Bler-Abl. Trlanon-Theatep. Wenn Frauen reisen. _ Ansang 8 Uhr.. Reichshailen-Theater Stettiner Sänger. Zum 6 letzten Haie: Äat den Jnuaii oer Jn'eraie ■berntmmi nie Jt eo a tt tan öem i'ubltfum gegenüber fewerlet Berontioorruna llt. 26. 30. IahkMg. 4. ßfilojt dkg„Hotraiitls" fttliiitt iloltedlslt. Mag, 31. Za«M 1913. StadtverordneteD-Oerfammlung. 4. Sitzung vom Donnerstag, den 30. Januar 1S13, nachmittags S Uhr. Vorsteher Michclet eröffnet die Sitzung nach Uhr und vcr- antatzl zunächst die Einführung des für den verstorbenen Stadtv. Geh. Baurat Herzbcrg(Fr. Fr.) zum Mitgliede der Versammlung gewählten früheren lnach Ablauf seiner 6 Jahre Wahlzeit nicht wiedergewählten) unbesoldeten Stadtrat? königl. Baurats Rum- s p ö t t e l. In den A u s s ch u h für die Vorlage betr. die Wohnung?- Pflege und Wohnungsaufsicht hat die sozialdemokratische Frak. tion Grunwald, Heimann. Dr. Rosenfeld, Wen- aels, Wurm delegiert; Vorsitzender des AusschusieZ ist Stadw. s ö k e l a n d(A. L.). Einstimmig ist in der Ausschuhberatung die Magistrats- Vorlage zur Annahme gelangt, welche behufs schnellerer bau- licher Erschliehung des Scheunenviertels die Ge- Währung einer Hypothek von 2 Millionen Mark an den Verein „Neue Freie Volksbühne" zum Bau seine? am Bülow. platz projektierten eigenen Theater» und außerdem einige Modifikationen des mit den Eigentümern des Schcunenviertels abgeschlossenen Vertrages vom 18. Januar 1311 vorsiebt, so die Verlängerung der Frist für die Rückzahlung des Restkaufgeldes vom 1. Januar 1916 bis 1. April 1919 und seine Verzinsung mit 4 Proz. Referent ist Stadtv. L i e b e n o w(A. L.) Stadtv. Groncwaldt(A. L.): Die Errichtung de? Theaters im Scheuncnviertcl können wir ja alle nur freudig begrüßen. Sehr verdrossen aber bat die neue Vertragsklausel wegen der Frist- Verlängerung. Die Sanierung des Viertels ist nicht mit diesen 2 Millionen, sondern nur durch strikte Ausführung der früher ge- faßten Beschlüsse zu erreichen. Ohne weitere Debatte wird der AuSschußvorschlag ange- n o m m c n. Auch die Magistratsvorschläge wegen Errichtung von Bau- l i ch k c i t e n auf den städtischen Gütern und wegen Baues eines A n s ch l u tz g e l e i s e S vom Güterbahnhof Großbeeren find in der Ausschutzberatung nach längerer Erörterung schließlich einstimmig angenommen und die Kosten mit 297 259 M. bewilligt worden. Die Anfuhr der Baumaterialien soll schon im Laufe des Winters beginnen. Ohne Diskussion tritt die Versammlung den Ausschuß- beschlüssen bei. Von der Neuen Linken ist am IS. Oktober v. I. folgende Anfrage eingebracht worden: „Ist dem Magistrat bekannt, daß der Polizeipräsi- beut eine Zusammenlegung der Einzelreviere �u Großrevieren beabsichtigt? Welche Stellung gedenkt er dazu cinzunehmen? Nachdem der Magistrat sich bei Herrn v. Jagow erkundigt und von diesem ausführliche schriftliche Auskunft erhalten hat, ist letztere der Versammlung zugleich mit der Erklärung der Bereit- Willigkeit zur Beantwortung der Anfrage zur Kenntnisnahme mit- geteilt worden. Stadtv. Dr. Knaucr lN. L.): Berlin hat den größten Teil der nugeheiircii Kostenlast für die Polizei zu tragen, und seine Bürger- schuft ist schon deshalb an der neuen Maßnahme sehr interessiert. Entsprungen sein soll sie den Bestrebungen, Ersparnisse zu machen. Ob dem Urheber genügende Praxis beiwohnt, muß dahingestellt bleiben. Der erste Teil der Reform will die Schaffung von Be- zirksämtern, dient also der Dezentralisation. Anders steht cS mit der Absicht, die bestehenden 117 Polizeireviere in 42 Großreviere zusammenzulegen. Das ist eine Zentralisation, unter der die Sicherheit des Publikums ebenso wie die Raschheit de? Geschäfts- ganges leiden muß. Von der Neuerung sind die Schutzleute in den beiden versuchsweise eingerichteten Großrevieren keineswegs entzückt; auch die Polizeioffizicre können von der Verringerung der Chance zum Avancement als Reviervorsteher kaum besonders erbaut sein. Die in der Denkschrift des Polizeipräsidenten für die „Reform" angeführten Gründe erscheinen mir nicht stichhaltig. Da? Motiv, große Polizeiaufgebote schneller zur Stelle zu haben, trifft auch nur für ganz seltene Ausnahmefälle, nicht aber für die Regel »u. Namentlich aber bleibt es rätselhaft, wo die Ersparnisse her- kommen sollen; schon die Kosten für die erforderlichen größeren Räumlichkeiten machen sie illusorisch. Hoffentlich werden die Interessen der Bürgerschaft bei der Durchführung der Maßregel voll berücksichtigt werden. Stadtrat Hamburger: Ein« unmittelbare Einwirkung auf diese organisatorische Maßnahme der Polizei steht der Stadt nicht zu. Mir icheint das Leitmotiv der Begründung ein sehr gesundes: tiinlichstc Ausnutzung der vorhandenen Kräfte. Der Sicherheitt- dienst und die allgemeine Polizeivcrwaltnng sollen streng getrennt werben; die Befugnisse der Großreviere sollen im Interesse des -t.uoii.uni« eine Ausdehnung erfahren. Damit wird dem Publi- lum unleugbar ein Dienst erwiesen. Die Sparsamkeit steht da> bei dem Polizeipräsidium nicht im Vordergründe. Die Be- hauptung einer Verminderung der Sicherheit ist haltlos, denn bis jetzt i)at sich im Sicherheitsdienst absolut nichts geändert. Die kleine Unbequemlichkeit des weiteren Weges für einen Teil der Burgcrichaft mutz in den Kauf genommen werden. Stadtv. Vry(ST. L.): Die endliche Trennung von Polizei und Sicherheitsdienst können wir nur mit Freuden begrüßen. Es wird einen wirklichen �ort,chritt für unser ganzes Berliner öffent- liches und'Privatleben bedeuten, wenn in Zukunft nur noch die eigentlichen«icherheitSbeamtcn llnlwrm tragen. In den meisten Einzelheiten können wir der Begründung, die uns der Polizei- Präsident gegeben hat, nur beistimmen. Stadtv. Dr. Liebknecht(Soz.): Wir können uns dem Vcr- trauensvotum nicht anschließen. Es handle sich„jcht darum, Sparsamkeit obwalten zu lassen, memt der Polizeipräsident; am Schlüsse stellt er aber schmunzelnd fest, daß er 100 000 M. Erspar- n'Iie zu machen gedenke. Seine sonstige Begründung ist nach vielen Seite» sehr bedenklich. Die Bürgerschaft besorgt Belastung durch die größeren Entfernungen. Der Polizeipräsident beweist uns nun aber, daß trotz der Verringerung der Reviere die Eni- sc rnu»gen geringer geworden sind!. Bei dem Wachstum der Be- vol crung, pej h,,,. Zunahme der Geschäfte sollte man doch weit eyer ein« Vermehrung der Reviere erivarteu. Immerhin ließe «mW« hervorgetretenen Mißständen auch in anderer Weise bei- ~ t �bcn die Revierbureau« die denkbar ungeeig. neme uige an den Grenzen ihrer Bezirke. Bisher sind nur zwei Räumstchkeiten'�".'�� worden; da konnte der Polizeipräsident i Zentraler Lage beschaffen. Aber wird das i�ne MittcAu�'�" 40«roßreviercu der Fall fein? Durch &critT\Zr' W er sich geradezu»'oralifch ver- ?. in Bewegung zu setzen, damit die �''ii'Sen-VureauS ,« per Mitie der Großreviere liegen. 1 welche Rolle in der Begründung der �!>??»tnianns«baft«n iviekt �-��enheit, Wucht und Stoßkraft der PolizeimannichaNen spielt. Diese Bemerkuna ,eiat den poltti- ü st r a t i o n e» und dergl. Wir wissen, wenn tnir™ die Moobitcr Krawalle deiikeu. wie die Polizei darunter gelitten bat daß die Offiziere und Beamten stch vorher nicht genügemd Aa. nt und vcr- staiwigt hatte». Ob e»i ui'isormi-rlcr oder ein ,,»t« armierter Beaaner herumläuft, erscheint in,« nSensüchlich. Polizei ist Polizei. »et Argumentation de» Dr. Knauer, her befüM, � nS | Sistierungen nicht vogen-ommen werden könnten, weil dem Polizei- ; beamten der Weg zu weit sein werde, stehe ich verständnislos gegen- über. Es wird bei uns nicht zu wenig, sondern zu viel s i st i e r t, die Leistungen des Beamten werden nach der Zahl der Sistie- rungen beurteilt. Wir können jetzt nicht nachprüfen, wie weit die neue Maßregel wirklich eine Besserung der Zustände herbeiführen kann; wir können daher auch keine Verantwortung für die künftige Ge- staltung der Dinge nbernebmen. Andererseits ist die geradezu demonstrative Betonung der Maßregel gegen die Arbeiterbewegung nicht im geringsten geeignet, uns sachlich zu beeinflussen, denn wir haben keine Angst vor der Berliner Polizei, auch wenn sie ihre Streitkräfte noch besser als heute gegen den inneren Feind mobili- siert. Immerhin haben wir die lebhafte Besorgnis, ob das Berliner Polizeipräsidium, das sich schon in so vielen B�iehungen als un- sähig erwiesen hat, hier wirklich etwa» Ersprießliches geleistet hat. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Dr. Knauer tritt in seinem Schlußwort einigen Aus- führuugen des Magistratsvertreters und de? Stadw. Brh entgegen. Die Mißstände in einer Verwaltung könne der Außenstehende leichter erkennen, als wer mitten in dieser Verwaltung stehe. Den politischen Gesichtspunkt, den Stadw. Dr. Liebknecht geltend ge- macht, in diese Frage hineinzutragen, hält Redner für verfehlt. Tatsache sei, daß in dem Großrevier Monbijouplatz— Alexanderplatz die Prostihition zugenommen habe. Damit ist die Anfrag« erledigt. An da? Schulgebäude der V i k t o r i a s ch u I e soll auf dem Grundstück der Luisenstädtischcn Oiberrealschule ein Anbau er- richtet werden, der für beide Anstalten neue Unterrichtsräume bietet. Die Kosten sind auf 87 000 M. veranschlagt. Stadw. Dr. AronS(Soz.): Wir sind für die Vorlage, möchten aber zugleich folgendes hervorheben: Der Berliner Stadtschulrat erklärte schon 1826, Berlin brauche 8 höhere Töchterschulen. Wir werden erst im nächster Zeit diese Zahl erreichen, welche schon 1326 für notwendig gehalten wurde. Die bestehenden privaten höheren Töchterschulen werden sich auf die Dauer kaum halten können. Gesetzliche Verpflichtungen hat ja die Stadt Berlin nur für das niedere Schulwesen, während da? höhere Sache des Staates ist. Für Berlin hat der Staat ganze drei höhere Töchterschulen eingerichtet, eine schon an sich sehr geringe Zahl. Die eine dieser Schulen, bisher in der Kleinbeerenstratze gelegen, wird jetzt in den äußersten Westen verlegt; die zweite, in der Kochstraße, soll nach dem äußersten Süden verlegt werden, was nur beweisen würde, welchen Einfluß die Tempelhofer Gründer, Haberland und Kalle- gen, auch auf die staatliche Unterrichtsverwaltung haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Stadtschulrat Michaelis: Die Nugustatschule In der Klein- beerenstrage wird nach dem Terrain deS Botanischen Garten? ver- legt; über das Schicksal der Elisabcthschule in der Kochstraße ist unS noch nichts bekannt. Daß Berlin auch aus dem Gebiete des höhe- reu Töchterschulwesens organisatorisch vorgehen will und wird, ist wohl auch dem Vorredner nicht unbekannt. Die Vorlage wird angenommen. Für Burcauzwccke schlägt der Magistrat jetzt, nachdem die Mietung des Hauses Stralauer Straße 44/45 von der Versammlung abgelehnt worden, die M i e t u n g von Räumen im Hause SpandauerStraße 65/67 und Neuer Markt 13/14 vor. Der Mietvertrag soll auf fünf Jahre bei einem jährlichen Mietpreise von 25 000 M. abgeschlossen werden. Stadw. Brackeienlloet-0st, Wilksste. KS. Sonnabend, den 13. Februar lS13, abends 9 Uhr, im Versammlungszimmer der Bäckerei: Kevenri-VerZAmmhuis. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und ilufl fichtsrates. 2. Vorlegung und Genehmigung der Bilanz. 3. Bericht über die stattgesundenc gerichtliche Revision. 4. Neuwahl des Vorstandes und Ausfichtsrates. S. Statutenänderungen U. Anträge. *5. Verschiedenes. Die Bilanz liegt Im Kontor, Wilke straße 62, für die Genossen zur Ein sicht aus. 102/12 vvr Torstand. Engel. Marsche). Dr.Siminel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, SS. 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4 I Ziehung 6. Februar 7« Schlesische Pferde-a<4• loüerie Loseäl Mk, 3842 Gewinne. 150 000 Loie. _ Porto u. Liste 25 Pf. extra. Gessmtwert Mark Lose empfehlen und versenden Lnd. Müllen C° («obin Berlin C.,.Ju«*«, — Telegr.-Adr.. Gluoksmiiller. mm Lose auch in durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. M Mi Tiroler Joppen........ 4.75 Tiroler Hosen......... 3.40 Rofe Wesfen........... I.95 Seppl HQfe grün....... 85 Pf. Tiroler Gürtel.......... I.90 �»andfräger...........©OPf. Bauernhemden....... S.20 Wadensfufzen......... I.40 Brixentheiler Bua Knöplen, imll.Lederhcse m. grün. SflcKerei, Wadenstutzen JL.5U Chausseesfraße Z0/30 Gr. Frankfurter Sfr. ZO BERLIN Oogr.lSOl 11 Brdckensfraße 11 Schönebera Hauplsfr. lO S Zeitungs Ausgabe stelle« und Jnseraten-Annahme» l�enti-um: Alber! x> a b n i s ch. Ackerftr. 171, am iloppcnplatz. S. IVitl-IIrici!.,\V.: Gust. Schmidt, Kirchbachltr. 11. liochparterre. L und S\V.: Hermann Werner, G:i?iienau|lr. Ts. 8. Wahlkreis: St. F r i d, Vrinzenstr. 31, Hof rechts Part. 4. Wulilkreiüi: Oit- n: Stöbert Wenzels. Gr. Frank, urterjtr. 12U. — Richard H a ck e l b u s ch, Petersburgervlatz 1(Laden). 4. Wahlkreis. Süd o st e tt: Paul B ö b m. LiUtiibervlatz 11/15. ». Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmaiiueltirchitr. 12(Hos).„ ö. Wahlkreis(Moabit): Solomon Joseph, Salzwedelerstr. o, Weddinz,: I. H ö n i i ch. Razaretblirchslrage 19. l!ose»thiller und Oranienburger Vorstadt: WUhelw Bau m au», Rheiusbergerilr. 67. Laden. <»esnn,ibrannen: Fiicher, Basiianstr. 6, Laden_ Srhiinlianser Vorstadt: Karl Ä a r s. Greisenhagencr vir. 27. A dlershof: K a r l S ch w a r z I a j e. BiSmarckilr. 50. Vit-tliienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickerür. 6. kiaai»seh»iei>rveg: H. Hornig, Marientbalerltr. 13. I. tternan. Küntgentäl. Zepernick, Schönow, Schön« brück und Buch: Heinrich B r o i e, Mühlenitr. 5. Loden. Bohnsdorf, Valkcnbei'g und �'alkenhorst: Paul G e n s ch, Babnsdors, GenofscuichastsHaus.Paradies'. � Chnrlot< cn bnrg: Knitav Schar nderg. eoeienheimeritrahe t Bichwalde, Schmöckwitz: O s t a r Ä! a H l e, Stubemauchstr. 99. tSr k»er, lX'en- Zittau: Ernst H o jsman u, Friedrichshagener Chaussee. k'redersdort-Beterskagen, Kilggersdork: E. H v s e I b a r l y, Peiersbag-u.. �. Vricdenn», Steglitz, Siidende, Grt.ß- Idchterfelde, Lankwitz: H. Berns ee, Alsenilr. 3 in Slegtiy. Friedrichshagen, Fichtenau, Kahnsdorf, Schönelche, Kl.-Schönebeck: Ernst W e r 1 in a n n, Köpenicker Strage IS. Gr>i»an: Franz Klein, Friedrichslr. 10. dohaiwiisthai, Rudow: Max G o n s ch u r, Partstr. 6. Karlshorst: Richard Küter, Rödelstr. 9, II. Königs- �4 nsterhansen, Wildau: Friedrich Baumann, Bapnbosflr. 13. Köpenick: Emil W ifller. Kietzerilr. 6, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, tlolienschönhaneeil; Otto S e i l e I, Warlenbergstrafle 1(Laden). Klahlsdorf. Kuuisdorf, Itiesdorl: P. H e ß b e r g. Kauls» dors, Ferdinandstratze 17. slariendorf: August Leip, Ebaufleestr. 296. Hos. Marienfeide: Emil Weincrt, Berliner Str. III II. henenhagen, Hoppegarten: Gustav L e y, Wolterstrasze. ?üeniiöiln: M. Heinrich, Neckar str. 2, im Laden; Neukölln, Britz: Rohr. Siegsriedstratze 28/29. Niedcr-Lchnie: Karl Freitag. % ieder-Schönew eide: Wilhelm Unruh, Brückenslr. 10, II. � owawes: Wilhelm I a p p e, Friedrichslr. 7. Ober-Schöneneide: Alsred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, II. Fankow, ttziederschönliansen, Nor ch, Provinzitr. 56, Laden. Rni»n>eishnrg, Rönhagen, Stralau: A. R o s e» l r a n z. All« Boxvagen 56. Schenkeudorf b. Königs. Wusterhausen; Ehr. H a N t s ch! e, Dors- slratze 10. Schöncherg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 69. im Ladern Spandau, l�ouncndaimu, Staaken, Seegefeld und Faikenhagen: Koppe n, Breitestr. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst, Rermsdorf, Hohen- Äeuendorf, JBirkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuichstrajje 10. Teltow: Wilhelm Bvnaw, Teltow, Berliner Str. 16. Tempeihof: Iah. K r o h n, Borussiastr. 62. Treptow: Rvb. Kramenz. Kieshalzstraße 412, Laden. Weiüensee, Ueinersdorl: K. F u h r m a n n, Sedanstr. 105, Part. Wilmersdorf, liaiensee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wipelmsaue 27. Zeuthen, Miersdorf: Ernst H Üt t i g, Zeuthen, MierSborser Str. lt. Sämtliche Parteiliteralur sowie alle wissenichaitlichen Werte werben gelieiert. VerkZuie. Hermaniivlao 6. Pfandleibbaus. Jedermanns Kausgelegenheit. Extra- billige Jacketlanzüge. l«erruckanzüge. WintervaletolS. Herrenulster. Herren- boien. Riefenauswahl Pelzstolas. Allerbilligster Letlenoerkauf. Ber« mielungsbett. Aussleuerbetten. Aus- steuerwäsche. Reichhaltiges Portieren- lager. Gardmeiiauswabl. Tevvich- auswabl. Plüichtiichdecken. Stevv« deckenlager. Goldsachen. Tafchenudren. Wandudren. Wandbilder. Waren- verkauf ebenfalls SoimlagS.* Tevvicüe l(jebleraatlej m allen Grötzen, fast für die Hälfle des WerieS TevviÄlager Brünn. Hackeicher Marti 1. Babnbof Börse.(Leier des „Vorwärts» erbnlten 5 Prozeni Radart.) Sonntags geöfinell» Betten. Stand 9,—. Brunnenstraste 70, im Keller. 1200K» Gardine»! Steppdecken! Portieren! Tischdecken I austergewöhnlich billig! Vorwärtsleser 5 Prozent Rabatt extra I Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher Marli 1(Bahnho, Börjc). Sonntags geöffnet.________* Getragene Herrengarderobe. Leihhaus Brunnenstraste 70. 2S39K* Federbette», Stand 10,00, 15.00, 22,00, seinste Brautbctlen, Winter- Paletots, Wäsche spottbillig. Psandleih- Haus Küstrinerplatz 7._ 293lK' Borjabrige eleganteHerrenanzüge and PaletotS aus ieinsten Magnofien gg— 40 Mari, Hosen 6—11 Marl. VeriandbauS Germania, Unter den Linden 21.* Monats-Garderoben Hans verkaust spottbillig wenig getragene Fackettanzüge, Gebrockanzüge, Smo- tinganzüge. Frackanzüge, Ulster, Bein- Neider, auch Bauchanzüge. Prinzen- stratze 28, I(EckhauS Rittcrstrastc). Jnlettstosfe. Riesenauswahl. Nähen. umsüllen gratis. Kursürstenstratze 21, Reinecke. Bettenreinigung Deckbett 1.25, Kissen 0.50. Freitransvort— Fnleltwäscherei._ 2850K* Jährlich nur einmal Jnvenlur- Räumuiigsverkauf im Tepvichhaus Emil Lcjevre, Oranienstraste 158. Extraliste gratis._. 2915K Große Diwandecken 1,35, bunt- periiich, doppelseitig 5,85, Pa. Plüsch 16,85, Dilvanrückwände, rcichgestickt cl75. Jnventur-Extrapreis. Tcppich- hauS Emil Lesevre, Oranienstraste 158. Pferdedecken, reine Wolle, Stück 3 Mark, wasserdicht bezogene 10 Mark, Kamelhaardecken gegen Rheuma 12.50—23.50. Gebrüder Pflaume, Berlin, Friedrichstrastc 203. 296951» Bronzegaskronen Gaszug- lampen, öängegaspendcl, Gaswand- arme. Moderne HängegaSkronen, Gaslocher. Jnveutui preise. Zurück- gescpte Muster spottbillig. Schroedcr. Hochstraste 13. 11K* Zehn Prozent Rabatt im Iu- venlurausverkaus. Totalausverkauf von ange- schmutzten Gardinen, Stores, Künstler- gardincn, Bettdecken, Rouleaus jetzt sabelhast billig._ Gardinenreste, Fenster 1,55, 1,95, 2,15, 2,85, 3,50, l,2o, 5,50, 6,75 usw. E. Weistenbergs Gardine»- und TeppichhauS, Graste Franksurter- straste 123, im Hause der Möbel- sabrik au der Koppenstraste.__ Teppiche mit Webcfehlern 7,50, 9,50, 11,50, 13,50, 16,50, 19,50, 22,50. 25,50, 29,50 usw. TeppichhauS Graste Frantsurierstraste 125, im Hause der Möbelsabril___ Restbestände, 1—3 Fenster Tuch- porlieren, Plüschportieceu, Madras- Portieren, neueste Muster, Fenster 2,85, 3,50, 3,95, 1.85, 5,75, 6,50, 7,50, 9,50, lt. 50, 11,50,18,00 usw. Portieren- haus. Graste Franksurterstraste 125. ivkodet obne Geld! Bei llciner Anzahlung geben Wirtichasten und einzelne Stücke aus Kredit unter äusterfter Preisnotierung, auch Waren aller Art. Der ganze Ollen laust bei uns. Kretlchmann u. Eo., Kovpen- straste 4.(Schlcnicher Bahnhoj.)' Tuchdecke», Leinendecken, Plüsch- decken 1.35, 1,65, 1,95, 2,15, 2,95, 3.65, 4,25, 1,85, 5,50, 6,73, 8,50, 9,70 bis 15 Mark. Steppdecken, Similiscide, vor- nehme Aussührung 3,75, 1,85, 5,75, 6.50, 7,85, 9,50, 12,50, 11,50 Ulw. Graste Franksurterstraste 125, im Hanse der Möbelsabrik._ Diwandecke», zurückgesetzte, 3,95, 4,75, 5,65, 6,50, 8,25, 9,75, 12,50, 15,50 bis 50,00. Läuferstofse. Möbelstoffe, Lino- leumresle, Schlasdecken und Reise- decken, sabelhast billig. Graste Frank- surterstraste 125, im Hause der Möbel- sabrik. 291 IK* Radsahrerkarte». Wir empseblen Rad- und Anto-Fahrern Straubes Karle 1200 Quadrat- Meilen um Berlin. 2 Teile a I>50 Mark. Nördliche Hälfte der Provinz Branden- bürg reicht bis Steltm-lleckermünde, südliche Hälfte bis Halle-Leipzig- Dresden- Görlitz. Buchhandlung VorivärlS, Lindenftraste 69(Laden). Mouatsanzüge uno Winter- palelols von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockanzüge von 12.00, Fracks von 2,50, sowie für torvulenle Figuren. Reue Garderobe zu ftauneud billigen Breiien, aus Pjandleiben oer- salleue Sachen kaust man am billigsten bei Rast, Mutackllraste 14.* Tambouriermaschiuen Hake- meyer, alleiniger Fabrilant Bell- mann, Gollnowstrape 26. Preise billig, Abzahlung günstig. 205951* Geschäftsverkäufe. Milchgeschäft, Familienexistenz, Tageskasse zirka 60 Mark, verkaujt alleinstehende Witsrau, Preis 1300,—. Neukölln(Bahnhos), Hermannstr. 110, Waller. 162 Möbel. Moderne Nustbaumwirtschaft, gutes Plüschsoia, Umbau, Kommode. Zorn- dorserstraste 1, Liese._- 18/13 Möbel-Gelegenheits-Käuse spottbillig, neue gediegene Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, Schlas- zimmer(eiche) 288,—, komplette Wohnzimmer 132,— bis 240,—, Chaise» longue 24,—, Sosa 38.—, Trunieau 33,—, Schreibtische 40,—, Bettstellen 25,—. Riefenauswahl. Möbelspeicher Neue Königslraste 8g, 4 Etagen. Teilzahlung gcslallet. Auch Sonn- tagS.__ 219/1* Vollständige Wohnungseinrichtung, alles noch neu, für jeden annehm- baren Preis. Glas, Rosenthaler- straste 57, vorn III. 11/9* Möbelhandlung Mariannen- straste 25, billige Preise. Teilzahlung gestaltet.„Vorlvärts"leler 3 Prozent Rabatt. 39K* Möbel- Lechner, Spezial-Möbel- Haus, aus Kredit und gegen bar. l. Geschäft: Briinnemtraste 7, am Rosentbaler Platz. 2. Geschäft: Müller- straste 171, Ecke Fennstraste,«lube und Küche'Anzahlung von 15.— an. Einzelne Möbelstücke, Anzahlung von 5.— an, Riesen-'Auswahl. Gröstte Kulanz. Borzeiger dieses Inserats erbält beim Kauf von 50.— an 5.— gutgeschrieben. Liesere auch nach aus- wärts.«anntags geöffnet von 12—2 Uhr. Kunden, die ihr Konto bei mir oder in fremden Geschästen be- glichen haben, erhalten bei mir sür denselben Wert Kredit ohne An- zahlung. Sonntags geöffnet von 12 bis " Uhr. 2721K* Möbel-Gohn, Graste Franksurter- strage 58, nahe Kaiserslraste. Woh- nungs-Einrichtungen aus bequeme Teilzahlung. Stube und Küche An- zablung von 15 Mark an. Einzelne Möbelslücke Anzahlung von 5 Mark an. Moderne Schlaszimmer, Speise- zimmer, Herrenzimmer. In bunten Küchen riesengroste Auswahl. Liesere auch nach auswärts. Abzahlung wöchentlich, monatlich, ganz nach Wunsch. Gröstte Rücksicht bei Krank» hcit und Arbeitslofigkeit. Vorzeiger dieses Inserats erhält beim Kons 5 Mark gutgeschrieben. Sonntags 12— 2 geöffnet._ 293051* Teilzahlung. Reelles Möbel- geschäst liefert Möbel für Stube und Küche mit 20 M. Anzahlung, tlewste Räten. Auch einzelne Möbel.'Acltere Möbel werden in Zahlung genommen uns gegen moderne umgetauscht. Teppiche, Portieren, Lauser usw. ohne Anzahlung. Offerlen Postlagerkarte 12 Postamt 22.__'-*96451* Nustbaumwirtschaft. bildschöne Stube, herrliche Kücheneinrichtung sür jeden annehmbaren Preis oer- käuslich. Händler verbeten. � Bauer, Grone Franksurterstraste 85, eine Treppe. 18/11* Vorderzimmer, 2 Herren a 15 Mark, Rosenthalerstraste 11/12 III. �Möbliertes Zimmer mit Kaffee 16,00, süns Minuten vom Bahnhof, Ludwig, Neukölln, Ringbahnstraste 20. LchlsfsteUen. Möblierte Schlafstelle sür Herr», eventuell mit Bad. Frau Griesert, Sibwedterslraste 76._ 173 Schlafstelle, freundliche. Herrn, vermietet Romatzki, Dresdenerstrasta 107/8, vorn II._ 2238l) Möblierte Schlafstelle, zwei Herren. Belzigerstraste 23 bei Kopeykv. Freundlich möblierte Schlafstelle an Herrn oder Dame. Neumann, Neukölln, Pflügerstraste 61. 2259b Möblierte SchlasslelleoderZimmer verniieiet an Herrn Frau Tuchen, Posenersiraste 12.____ III Möblierte Schlafstelle zum Erstens 13,00 mit Kaffee, Langcftraste 87, vorn ll llnls, Nähe Schlesische» Bahnhos. 1-11 j ArbeitsmarktJ Steilenangebote. Klavierspieler SonnabendZ, Sonntags verlangt MnSkauerstr. l8. Frauen, welche grasten Bekannten« kreis haben, wird durch Verkauf eines Kansumattilels Gelegenheit zu gutem Nebenverdienst geboten. Offerten ?. 1 Hauptexpediliou des.Vorwärts* Selbstäudig arbeitender Former sür ITetaUgieBereL möglichst mit Massenherstellung aus Forur- Maschinen vertraut, wird sür dauernde Stellung nach auswärts gesucht. Off. unt. S. 4 an die Expcd. d. Bl. erb. Khliiinig! Holzariieiier. Wege» Streik oder Lohn» difkcreiizeii iiud gesperrt: Für Holzarbeiter aller Branchen die Propeller- werke Garuda, Neukölln, Raumburger Straste 4�. Für Kistenmacher dieFirmd Coulnick& Co., Reichen« berger Str. lö'y, und Uias X'achf.. Zeughofftr. 3, Das Berliner'Arbeitswilligen» vermittelungsbureau d. gelbe» .Handwertcrichiistverbandes*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher» iunung und der Wagenfabri» kanten, Kaiser-Franz-Grenadier» Platz. Zuzug cht streng fernzuhalten. vie v.-tvveru'sltuog kerlin«leg veutscden ttalrardeilerverdsnäc» Verantwortlicher Ncdalteur: Atlrej, Wiejcpp. ZtcuMll. Lür den LnZeratenteil verantw.: TH.Elscke, Berlin. Druck u. Verlag:BorwärtA töuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.£o„ Berlin LÄ