Ar. 27. flbonnemenfe'Bedtnsunseih Abonnements. Preis Lränumerondot Vierteljährig SSO 20., monotl 1,10 20, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nuimner S Pfg. Sonntags- nummer mit illttstrierier Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 2)iari pro Monat, Eingetragen in die Post. Zeitung». Vreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Poflabonnemems nehmen-mi Belgien, Dänemark, 'olland. Italien. Luxemburg. Portugal. nänien, Schweden und die Schweiz. so. Jahrg. vlidtlot«gll» zuLik Klontagi. Berliner Bolksblnll. Die TnferHont'Gebfllir beträgt ftr die fechsgefpaltene KolonÄ- zeste oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und BerfamnilungS-Anzelgen 30 Pfg. „Kleine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. izulässig 2 fettgedruckte Wotte>, sedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlassiellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort S Pfg. Worte über löVuch- itaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmtttagS in der ErpedMon abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adrefiet „SozialdcmoKrat Rerlin". s Zentralorgan der fozi aldemokrati feben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1383. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die S(l)arfma(l)er an der Arbeit. Von jeher haben die Reaktionäre es verstanden, die Tribüne des preußischen Abgeordnetenhauses für ihre gemein- gefährlichen Ideen zu mißbrauchen und von dieser Stelle aus die Regierung scharf zu machen gegen die Arbeiterklasse. Mehr als einmal erscholl von hier aus der Ruf nach neuen Ausnahmegesetzen. Auch jetzt wieder sind die Junker an der Arbeit, um mit Hilfe des Drciklassenparlaments und der Preußischen Regierung ihr Wesen zu treiben. Diese Schäd- linge der Nation, deren Macht in den die Arbeiter entrechtenden Gesetzen, vor allem in dem elenden Dreiklassenwahlsystem mit feiner veralteten Wahlkreiseinteilung wurzelt, scheuen sich nicht, in der schamlosesten Weise Sturm zu laufen gegen die winzigen Rechte des Volkes und mit den Waffen der Lüge und Verleumdung den Kampf um die völlige Knebelung der Arbeiterklasse zu führen. Beseitigung des K 0 a l i ti 0 n s r e ch t s! Ein neues Ausnahmegesetz gegen die Sozial- demokralie, ein Z u ch t h a u s g e s e tz gegen die gewerkschaftlichen Organisationen! Das ist das Ideal, das den preußischen Junkern vor Augen sckwebt. und dem sie mit einem Eifer nachlaufen, der einer besseren Sache wert wäre. Auf dem Wege der Reichsgesetzgcbung können sie bei der jetzigen Zusammensetzung des Reichstages ihr Ziel nicht er- reichen, darüber sind sie sich einig. Deshalb muß der Preußische Landtag herhalten als Resonanzboden für ihre verbrecherischen Anschläge. Und ganz systematisch und ohne Umschweife gehen die Junker auf ihr Ziel los. Im Sommer vorigen Jahres die bekannte Resolution des Herrenhauses, die ein Arbeitswilligenschutzgesetz fordert. Bei der diesmaligen Generaldebatte des Etats im Abgeordnetenhause daS von Herrn v. Arnim erhobene Verlangen nach einem Ausnahme- gesetz gegen die Sozialdemokratie, und endlich am Freitag als Einleitung zu de-- Beratung des Etats des Ministeriums des Innern die dreiste und unverschämte Aufforderung der K a r d 0 r f f und Graf p. d. Groeben nach einem Zucht- Hausgesetz und Ausnahmegesetz zugleich. Wir sind dem Abg. v. K a r d 0 r f f, der den Reigen der Redner eröffnete, dankbar für die Aufrichtigkeit, mit der er das junkerliche Endziel enthüllte, seine Rede wird uns in der Agitation gute Dienste leisten, sie wird auch dem zurückge- bliebensten Arbeiter die Augen darüber öffnen, wohin der 5kurs steuert. Nachdem der sreikonservative Führer Verwahrung da- gegen eingelegt hatte, daß der Reichstag sich in preußische An- gelcgenheiten einmische, da Preußen Herr im Hause bleiben wolle, und nachdem er seiner Sehnsucht darüber Ausdruck ver- liehen hatte, daß der Staatssekretär Delbrück endlich bei dem preußischen Polizeiminister V. Dallwitz in die Lehre gehen möge, holte er zum vernichtenden Schlage gegen die So- zialdemokratie aus. Könnten Worte töten— die Sozialdemokratie wäre tot geredet. Alles, was seit Jahren an törichten und albernen Märchen über sozialdemokratischen Terro- rismus verbreitet ist, all die Lügen, mit denen der Reichs- verband die Presse überschwemmt, trug Herr v. Kardorff zusammen, die krampfhaftesten Anstrengungen machte er, um die Sozialdemokratie als eine im Heugabelsinne revolutionäre Partei zu schildern, und den braven Spieß- bürger graulich zu machen. Zwischendurch gingen mehr oder minder versteckte Angriffe gegen Herrn Delbrück, dessen Sturz die Konservativen planmäßig vorbereiten. Verlangte ihr Redner doch nicht mehr und nicht weniger, als daß der preußische„Geist" auch in die Reichsämter einziehen möge, und erklärte er doch ganz offen, daß es seine Absicht sei, die Reichsrcgierung gegen die Reichstagsmehrheit scharf zu machen. Nicht der Wille des Volkes, das den Junkern bei den letzten Reichstagswahlen eine so schallende Ohrseige ver- setzt hat, soll entscheiden, sondern einzig und allein der Wille der kleinen, aber mächtigen Junkersippe, die von Preußen aus die Geschicke des Reiches zu lenken sich anmaßt. Genosse Hirsch, der unmittelbar nach Herrn v. Kardorff zu Worte kam, rechnete mit dem junkerlichen Draufgänger gründlich ab. War der erste Teil der Rede unseres Genossen einer Schilderung des unheilvollen Einflusses Preußens auf das Reich und einer Betrachtung der trostlosen inncrpolitischen Verhaltnisse des führenden Bundesstaates gewidmet, so brachte der zweite Teil eine eingehende Widerlegung des von dem Scharsmacher vorgetragenen Reichsvcrbandsmaterials. Im Gegensatz zu Herrn v. Kardorff, der sich in ganz allgemeinen Redensarten über sozialdemokratischen Terrorismus ergangen und für keine seiner Behauptungen auch nur den Schatten eines Beweises anzutreten sich bemüht hatte, wies der sozial- demokratische Redner an der Hand aktenmäßiger Darstellungen gerichtlicher Entscheidungen in einer gronen Reihe von Einzel- fällen die verlogene Art des Kampfes gegen die Sozial- demokratte nach, um schließlich zur Offensive überzugchen und dem vermeintlichen lozialdemokratischen Terrorismus Beispiele für wirklichen Terronsmus entgegenzustellen, wie er von kon- servariver Seite geübt wird. Aber was nutzt der aktenmäßige Nachweis in einem Par- lamenl. das keinerlei Beweise gelten läßt, das an die Stelle der Gerechtigkeit die Gewalt zu sehen entschlossen ist! Der konservative Graf v. d. Groeben setzte sich über die von Hirsch angeführten Tatsachen hinweg, indem er sie einfach als nicht vorhanden ansah und spann den Kardorffschen Faden weiter. Ob die Regierung dem Drängen der Konservativen und ihres sreikonservativen Anhangs nachgeben wird, ist aus der Erwiderung des Ministers v. Dallwitz nicht zu entnehmen. Allerdings läßt eine Bemerkung am Schluß seiner Rede, in der er von der Zunahme terroristischer Ausschreitungen spricht, die Möglichkett offen, daß er und die Scharfmacher ein Herz und eine Seele sind. Den Beweis dafür, daß die terroristischen Ausschreitungen von Sozialdemokraten be- gangen sind, trat Herr v. Dallwitz freilich nicht an, er macht es sich noch bequemer als seine junkerlichen Freunde. Was Herr v. Dallwitz sonst noch sagte, bewegt sich in der bekannten Schablone: in Preußen ist ichlles in bester Ordnung. Es lohnt nicht, darauf einzugchen. Nur die Art, wie er seinen Kollegen vom Reichsamt des Innern in der Form maßvoll. aber scharf in der Sache, abkanzelte, wird noch ein Nachspiel in der Oeffentlichkeit haben. Wir sind neugierig, wie das Duell Delbnick-Dallwitz enden, ob der Polizeiminister Preußens oder der Staatssekretär im Reichsamt des Innern als Sieger hervorgehen wird. Daß einer von den beiden, um die Homogenität des Ministeriums nicht zu trüben, ausgeschifft wird, erscheint uns zweifellos. Aus der sonstigen Debatte ist die Absage des national- liberalen Abg. Dr. F r i e d b e r g an die Scharfmacher zu er- wähnen. Herr Friedberg ist ein Gegner von Ausnahmegesetzen, aber bei Leibe nicht aus Prinzip, sondern aus praktischen Erwägungen, weil man damit der Sozialdemokratie doch nicht beikommen kann. Ebensowenig will Herr Marx vom Zentrum die junkerliche Gewaltpolittk mitmachen. Hier scheiden sich die Wege der Schwarzen und der Blauen. Allzuviel Gewicht darf man freilich den Beteuerungen der Nationalliberalen nicht beilegen, und auch auf das Zentrum ist kein Verlaß. Die Sozialdemokratie ist bei dem Kampfe um die Rechte des Volkes in erster Linie auf sich allein angewiesen, sie wird aus der Debatte, die am Sonn- abend fortgesetzt werden soll, die Lehren ziehen und mit erneuten Kräften den Kampf aufnehmen gegen die Attentate der junkerlichen Scharfmacher und zugleich für ein fteies Wahlrecht iu Preußen. llochmalz Kampf? Montag abend 7 Uhr läuft der Waffenstillstand ab und wenn man den Versicherungen der Valkanverbündeten glauben müßte, wäre der Wiederbeginn des Krieges unvermeidlich. Aber noch haben die Kanonen nicht gesprochen und so kritisch die Situation ist, so kurz die Zeit, man kann es doch schwer glauben, daß noch neue entsetzliche Opfer gebracht werden sollen, obwohl die Entscheidung eigentlich schon ge- fallen. Denn die Teilung Adrianopels bedeutet im Wesen ja nichts anderes älS die Aufgabe der Stadt, und dieser Vor- schlag ist nur ein letzter verzweifelter Versuch der Jungtürken, ihr Prestige zu wahren. Und einen solchen Krieg zu ver- hindern, sollte der Diplomatie wirklich unmöglich sein? Unmöglich. wo eS doch jetzt im eigenen Interesse der Mächte liegt— von Erwägungen der Humanität ganz zu schweigenden Ausbruch von Feindseligketten zu verhindern, deren Ergebnisse unabsehbar sind. Selbst ohne neuen Krieg ist die Lage der Türkei ver- zweifelt genug. Der jungtürtische Putsch hat die alten Feind- schaften neu belebt. Nicht nur das Offizierkorps ist gespalten; auch aus den Gebieten der kleinasiattschen Türkei, aus Smyrna, Beirut und Bassora kommen Nachrichten von Unruhen. In solcher Situation würde eine neue Niederlage der Türkei auch in Kleinasien schwere Erschütterungen zur Folge haben, die die mühsam erreichte Einigkeit der Mächte sehr leicht sprengen könnten. Der Abschluß des Friedens ist so nicht minder ein europäisches wie ein türkisches Interesse und die Jungtürken waren schlecht beraten, als sie ihn ver- hinderten. Die wenigen Tage, die seit ihrem unseligen Versuch verflossen sind, haben das Urteil, das wir am Tage der Revolte gefällt haben, nur allzusehr bestättgt. Die militärische Situation. Wenn die Feindseligkeiten wieder aufgenommen werden, wird die Entscheidung kaum an der Tschataldscha-Linie fallen. Die dortige Defensivstellung der Türken ist sowohl nach der technischen Seite wie in Hinsicht des Mannschafts- bestandes— es sollen 150000 bis 160 000 Mann dort vorhanden sein— so stark, daß die Bulgaren einen Durchbruch mit schweren Opfern bezahlen würden. Es wird vielmehr in erster Linie um den Besitz von Adrianopel gekämpft werden. Die Zernierungsarmee wird dort gebildet von der zweiten bulgarischen Armee, die durch zwei serbische Divisionen verstärkt ist. Bis jetzt ist noch kein größeres Fort in den Händen der Belagerer, deren Positionsartillerie trotz aller Ergänzungen noch nicht allen Anforderungen des Festungs- krieges genügen wird. Die türkische Besatzung, über deren Stärke zuverlässige Angaben nicht vorliegen, wird mit ihrem Proviant ziemlich am Ende sein. Andererseits werden die Belagerer, die zum größten Teil auS den ältesten Landwehr- jahrgängen und blutjungen Leuten bestehen, schwer unter den Unbilden der Witterung zu leiden gehabt haben. Die Kündigung des Waffenstillstandes. Koustantinopel, 81. Januar. Die Depesche, mit welcher der Oberkommandierende der bulgarischen Armee General S a w 0 f f dem Generalissimus Mahmud Schewket Pascha die Kündigung des Waffenstillstandes mitteilte, hat folgenden Wortlaut: Ich teile Eurer Exzellenz mit. daß die Verhandlungen in London abgebrochen sind. Ich habe die Ehre, darauf hinzuweisen. daß die Feindseligkeiten gemäß Artikel 4 des Waffenstillstandsprotokolls vier Tage nach Ueberreichung der Kündigung, dos heißt am nächsten Montag, abends 7 Uhr, wieder aufgenommen werden. Mahmud Schewket Pascha antwortete darauf, daß er von der Mitteilung Kenntnis genommen habe. Das Prcßbureau veröffentlicht ein C 0 m m u n i q u ö des Hauptquartiers, welches besagt: Da die Bulgaren den Waffenstillstand aufgekündigt haben, werden wir die Feind- scligkeitcn gemäß Artikel 4 des Waffenstillstandsprotokolls am Montagabend um 7 Uhr wieder beginnen. Die Mächte als Zuschauer! Wie«, 31. Januar. Das„Fremdenblatt" schreibt: Durch den Abbruch der Friedensverhandlungen und die Kündigung des Waffenstillstandes sind neue Komplika» t i 0 n e n entstanden. Die Möglichkeit, daß die Feindselig- ketten wieder ausgenommen werden, ist infolge der Ereignisse nicht gänzlich ausgeschlossen. Aber auf eines ist, wenn nicht alle Anzeichen trügen, zu rechnen: Selbst in dem wohl nicht wahrscheinlichen aber möglichen Falle des neuerlichen Kriegs- Ksrle zur Belagerunq von Adrianopel a uSbrucheS werden die Mächte ruht des Kampfes bleiben, und die< könnten aus Anlaß dieses Kampfes weit gewaltigere Interessengegensätze, als sie did kriegführenden Parteien vertreten, aufeinanderprallen, weichen lnimer mehr der zuversichtlichen Hoffnung. daß das Konzert der Mächte durch einen Wiederausbruch der Feindseligkeiten auf dem Balkan nicht gestört werde» wird. Aufruhr in Adriauopel? Sofia, 31. Januar. Aus Adrianopel hier eingetroffene Meldungen besagen, daß die Lebensmittel in der Stadt nahezu aufgezehrt sind. Alle Einwohner der Stadt verlangen die sofortige Uebergabe der Festung, und es verlautet, daß verschiedene Tumulte stattgefunden haben, wobei mehrere höhere Offiziere erniordet worden sein sollen. Die Antwort der Pforte. Konstantinopcl, 31. Januar. Die gestern überreichte t ü r k i s ch e A n t w o r t n o t e hat folgenden Wortlaut: Ter unterzeichnete Minister des Aeußern hat den Inhalt der Kollektivnote, welche die Botschafter Oesterreich- Ungarns. Englands, , Frankreichs, Rußlands, Deutschlands und Italiens am 17. d. M. seinem Amtsvorgänger zu übermittlen beliebten, zur Kenntnis genommen. Die ottomanische Regierung zögert nicht anzuerlennen, daß der Abschluß d c S Friedens den Wünschen und Jnter- essen der Allgemeinheit entspricht, und sie gibt sich Rechenschaft darüber, daß eä geboten sei, so schnell als möglich dem Kampfe ein Ende zu setzen, den sie keineswegs hervorgerufen hat. In ihrer Mitteilung hoben es die Möchte für nötig erachtet, der Türlei den Rat zu erteilen, der Abtretung der Stadt Adria- nopel an die verbündeten Balkanstaaten zuzustimmen und für die wichtigsten Aegäischen Inseln den Mächten die Sorge zu überlassen, deren Schicksal zu bestimmen� Die kaiserliche Re- gierung glaubt hervorheben zu sollen, daß sie bereits unzweifelhafte Beweise ihrer versöhnlichen Haltung dadurch gegeben hat. daß sie unermeßlichen Opfern zustimmte. Da Adrianopel eine Stadt ist, die vermöge ihres besonderen Charakters in untrennbarem Zu- sammerchange mit dem türkischen Reiche steht, hat das bloße Ge- rücht einer Abtretung dieser Stadt im ganzen Lande eine der- artige Erregung hervorgerufen, daß sie die Demission der früheren Regierung herbeigeführt hat. Nichtsdestoweniger ist die kaiserliche Regierung, um den äußersten Beweis ihrer friedfertigen Gesinnung zu geben, geneigt, sich den, Wunsche der Mächte hinsichtlich jenes Teiles Adrianopels zu fügen, der am rechten Ufer der M a r i tz a gelegen ist, während sie den am linken Ufer dieses Jlusfeö gelegenen Stadtteil mit seinen Moscheen, Mausoleen und anderen historischen und religiösen Denkmälern behielte. Die Er, Haltung dieses Teiles der Stadt unter der direkten autonomen Souveränität ist für die kaiserliche Regierung eine Notwendigkeit, der sie sich nicht entziehen konnte, ohne das Land einer Erschütte- rung auszusetzen, die die schwersten Komplikalion mit sich bringen könnte. Was die Aegäischen Inseln betrifft, gestattet sich die Regierung mitzuteilen, daß, während ein Teil derselben infolge der unmittelbaren Nachbarschaft der Dardanellen für die Verteidigung der Hauptstadt unerläßlich ist, der Besitz der übrigen, einen integrierenden Bestandteil der asiatischen Besitzungen des Kaiserreichs bildenden Inseln, nicht minder unerläßlich ist für die Sicherheit Kleinasiens. Jede Lösung, die dahin zielen würde, die Autorität der Regierung auf diesen Inseln zu verringern, würde das Er- gebniS haben, sie in ebenso viele Agitationsherde zu ver- wandeln, deren Wirkung auf das benachbarte Festland übergreifen würde. Die Folge wäre die Schaffung eines Zustandes der Zer- rüttung gleich demjenigen in Mazedonien, der die Stühe Europas bedrohte und noch immer bedroht. Abgesehen von den bedauerlichen Wirlungen, die eine derartige Losung auf die öffentliche Meinung in der Türkei ausüben mükte, würde sie den Ansichten der Großmächte zuwiderlaufen, denen oie dauernde Herbeiführung der Konsolidierung und des Gedeihens deS türkisch:!, Reiches am Herzen liegt. Infolgedessen könnte die Pforte zustimmen, daß die Mächte da» Schicksal der von den ver- bündeten Balkanstaaten besetzten Inseln festzustellen belieben, indem sie den vorstehenden Erwägungen Rechnung und dafür Sorge tragen, daß die Position der Dardanellen unberührt bleibt, was die Hohe Pforte als eine in den höchsten Interessen Europas ge- legene Angelegenheit betrachtet. Die kaiserliche Regierung ist über- zeugt, daß die Mächte im Geiste der Gerechtigkeit und Billigkeit wohl geneigt sein werden, anzuerkennen, wie groß die Opfer sind, die zu bringe», die Regierung bereits zugestimmt hat, und zuzu- geben, daß die Pforte im Recht ist, wenn sie alle neuen Forde- rungen zurückweist, die von den Verbündeten erhoben werden könn- ten. Die Pforte nimmt mit wahrer Befriedigung Akt von den wohl- wollenden Dispositionen der Mächte und ihren Versprechungen, der türkischen Regierung ihre moralische und materiell« Unter- st ü tz u n g zu leihen, damit sie in die Lage versetzt werde, die Schäden des Krieges zu heilen und die natürlichen Quellen des Reiches für dieses nutzbar zu machen. Zu diesem Behufe ist es unerläßlich, daß die Mächte der Türkei schon jetzt das Recht zu- gestehen, in voller Freiheit einen autonomen Zolltarif einzuführen; ferner auf den Prinzipien des modernen Rechtes beruhende Handelsverträge abzuschließen; endlich die fremden Staatsangehörigen den ottvmanifchen Steuer- gefetzen zu unterstellen, denen die türkischen Untertanen unter- warfen sind und sein werden, und daß die Mächte inzwischen einer vierprozentiaen Erhöhung der Zölle zustimmen. Für nicht weniger unerläßlich hält es die Pforte, daß die aus- ländischen Po st an st alten unter Bedingungen aufgelassen wer- den, die leicht festzusetzen wären, in dem Sinne, daß den, Handel alle Garantien für die notwendige Schnelligkeit und Sicherheit des PostvrekehrS geboten werden. Die Pforte ist weiter der Ansicht, daß eine Erklärung der Mächte, in der sie ihren Wunsch zu erkennen geben, dem Regime der Kapitulationen in der Türkei ein Ende zu setzen, und die Eröffnung von Verhandlungen nach dem Abschluß des Jrie- dens. um gemeinsam zur Durchführung dieses Zieles geeignete Mittel zu studieren, zusammen mit den früher aufgestellten Wirt- schaftlichen Maßnahmen eine Gesamtheit von Maßregeln bilden würden, die die Durchführung der von den Mächten in ihrer Note gemachten Versprechungen ermöglichen. Eine jungtürkische Stimme. Senstantlnope», 31. Januar.„Jeune Türe' führt au», daß der Besitz der Inseln des VrödipelS für die Türkei viel wert- voller sei, als der von Adrianopel. Wenn man daher auch zugeben dürfte, daß die Pforte sich in Verhandlungen über neue Zugeständnisse hinsichtlich deS Wilajet« Adrianopel einlasse. so wäre eS ganz unmöglich, irgendwelche Erörterungen über die Inseln zuzulassen. Ein angeblicher Erfolg. Konstantinopel, 31. Januar. Die Gerüchte über eine Waffentat deS Kreuzers Ha midie' werden von Sabah in folgender Form verzeichnet: Der Kreuzer.Hanstdie". vom Suezkanal kommend. trat nördlich von Astypalee auf vier hellenische Schiffe, brachte drei von ihnen zum Sinken und beschädigte da» vierte, das, um sich zu retten, gezwungen war, aufzulaufen. Oolitilcbe üebcrficht. Berlin, den 31. Januar 1913 Die Fleischdebatte. Aus dem Reichstag. Der zweite Tag der Fleisch- debatte bot das alte Bild, daß Konservative. Zentrum und Nationalliberale geschlossen für den Zollwucher eintreten. Die e ZuschauerlReden des Reichsparteilers Gamp, des Zentrumsmannes efürchtungen, es Matzinger. des nationaftiberalen Bauernbündlers Hefter- mann und Konservativen W e i l n b ö ck hätte man alle mit- einander vertauschen können, so fast aufs I-Tüpfelchen glichen sie sich in der Bekämpfung der fortschrittlichen und sozialdemo- kratischen Verheerungsanträge zum Regierungsgesetzentwurf über dieFIeischeinfuhrerleichterung. Mit Recht verwies der Fortschrittler Koch darauf, daß Herr H e st e r m a n n als Vertreter des Bauernbundes nicht anders spreche, alS früher in AgitationS- reden für den Bund der Landwirte. Die Fortschnttler selbst spielten wieder eine merkwürdige Rolle. Ihren Antrag ver- wässerten sie dahin, daß nur für den Fall und die Dauer eines Notstandes die Suspension der Vieh- und Futtermittel- zplle eintreten solle. Ebenso bekamen sie es fertig, gegen den sozialdemokratischen Antrag auf Aufhebung des Paragraphen 12 des Fleischbeschaugesetzes zu stimmen, nachdem ein einschränkender Zusatz von ihnen in einfacher Abstimmung gefallen. So blieb als Ergebnis der zwei tägigen Debatte nur die Annahme des Regierungs gesetzentwurfes. dem auch die Sozialdemokraten zu- stimmten, obgleich sie sich davon keine besonderen Erfolge dieses Gesetzes bei der Teuerungsbekämpfung versprechen. Konservative und Antisemiten bekamen es fertig, auch gegen diese be scheidensten Maßnahmen zu stimmen. In der Debatte brachte Genosse Schmitt nochmals das Tatsachenmaterial zum Vortrag und polemisierte wirksam gegen den Volksverrat des Zentrums. Frhr. v. G a m p(Rp) gab durch eine Kritik des fortschrittlichen Kommissionsbericht erstatters dem Aerger darüber Ausdruck, daß die Reichspartei infolge ihrer geringen Anzahl nicht mehr in Kommissionen vertreten ist. worauf sich der Berichterstatter W e n d o r f f über dieses„Grüppchen" lustig machte. Gegen Hefter mann(Bauernbund), der nach eigenem Geständnis keine andere Qualifikation für den Polittker mitbringt als seinen Getreidebau, polemisierte Koch von der Volkspartei auf Grund eigener landwirtschaftlicher Erfahrungen. Der letzte Redner Gebhardt erntete Antisemiten im Hause bisher nie gespendewn stürmischen Beifall— auS eitel Dank für das Ende seiner Rede und damit der Sitzung. — Sonnabend 11 Uhr dritte Lesung des Fleischeinfuhrgesetzes. Hinter verschlossenen Türen. Die Fleischenguetekommission ist nach einem Bericht der „Nordd. Allg. Ztg." wieder einmal zusammengetreten. Statt einer detaillierten Mitteilung über den Inhalt der Verhand lungen setzt das Kanzlerorgan nochmals den Zweck dieser Kommission auseinander, um ihre Beratungen vor Miß deutungen zu schützen. Es braucht den Konsumenten aber gar nicht erst versichert zu werden, daß die Kommission nicht Maß- nahmen zur Behebung der augenblicklichen Teuerung be- schließen darf. Die Furcht der Regierung vor einer Linderung der Volksnot ist bekannt genug. Die Kommission, die möglichst selten tagt, hört noch immer Sachverständige aus Land- Wirtschaft, Handel und Fleischergewerbe. Aber niemand darf erfahren, was die Herren auszusagen die Güte haben. Die Furcht vor der Oeffentlichkeit geht so weit, daß man erst nach Abschluß der Vernehmungen über die Verwertung des Ma- terials Beschluß fassen will. Die Kommission wird schon für die gehörige Auslese der Mitteilungen Sorge tragen. Die Regierung kann ganz beruhigt sein; die Fleischenquetekom- misston wird eine Beunruhigung des Publikums nicht hervor- rufen. Dafür bürgen die Zusammenstellung der Kommission und die Art der Verhandlungen. Naumann der Träumer. Herr Naumann ist wieder einmal unter die Propheten gegangen. „Die Linke kommt I' prophezeit er in einem langen Artikel der .Hilfe". Und zwar stellt sich Herr Naumann diese Linke als eine „Volkspartei" vor,„in der Demokratie und Nationalfinn beieinander wohnen, eine breite schaffende Mehrheitspartei mit freien neuen Gedanken". Diese Linke werde kommen trotz aller Zweifel. In der Mengeder liberalen Wähler müsse und werde sich der Gedanke durch- ringen, daß man„ohne Arbeiterforderungen keine politische FortschrittStruppe besitzt, daß ein Liberalismus der Gesättigten keine Elementarkraft ist.' I» den liberalen Wählermasien müsse die Er- keiintniS siegen:„Alle Kultur, die nickit konservativ-klerikal ist, kann im heutigen Deutschland nur mit der Arbeitermasse gemacht werden.' Herr Naumann ttägt alle diese Dinge mit einem so schönen hoff- nungsfreudigen Optimismus vor, als handele eS sich bei ihm um eine eben erst entdeckte politische Heilswahrheit. In WirUichkeit sind diese ZukunstSträume aber nichts als das nun fast zwanzig Jahre alte nationalsoziale Progamm, für das so viele Jahre hindurch Hunderte von begeisterten Raumann-Jüngenr mit tausend Masten in den polilischen Kampf zogen, um sich schließlich aus ge- rettetem Boot in die stagnierenden Gewässer der Fortschrittspartei treiben zu lassen. Und wenn uns jetzt der unverwüstliche Optimist Naumann seine Fata Morgans abermals so illufionSgläubig als politisches ZukunslSparadie« deS Liberalismus vorzugaukeln sucht, so wissen doch alle mit politischen Tatsachen rechnenden Geister, daß der Traum Naumanns heute von seiner Verwirklichung ebenso un- endlich weit entfernt ist, wie vor anderthalb Dezennien. Den» was Herr Naumann al» Mangel an politischer Einsicht deS Liberalismus ansieht, ist nichts als die ganz natürliche Wirkung ökonomischer Triebkräfte, die den Liberalismus einer demokratisch- proletarischen Politik abgeneigt machen. Kapitalisten und Klein- bürger vertreten eben ihr wirtschaftliches Interesse, wie das zum Klassenbewußtsein erwachte Proletariat seine Interessen vertritt. Und so wenig die bürgerlichen Elemente den Lockungen Naumanns folgen werden, so wenig rührt daS klassenbewußte Proletariat die naive Behauptung Naumanns, die 110 Sozialdemokraten im Reichstag würden einen ganz anderen polilischen Einfluß aus- üben, wenn sie,„auf staatssührende Mehrheitsbildung' bedacht. Militarismus und Imperialismus gleich dem Liberalismus mit- machen würden. Um sich mit dem Schein deS Einflusses abspeisen zu lassen, dazu denkt daS Proletariat zu realpolitisch nüchtern; und wie die Sozialdemokratie auf sozialpolitischem Gebiete größere Zugeständnisse durchzusetzen vermöchte, wenn sie gleichfalls dem imperialistischen Wahnsinn erläge, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Denn welches Pressionsmittel bliebe denn der Arbeiterklasse übrig, wenn die herrschenden Klassen die Befriedigung der proletarischen Wünsche verweigerten� Nichts als der Nebergang zur Opposition daS heißt zu der Politik, die ja auch jetzt das klassenbewußte Proletariat treibt! Da ist e« doch schon vernünftiger, daß die Sozialdemokratie ihren Klassenkampsstandpuntt eines unsinnigen Experimentes wegen nicht erst aufgibt, sondern alle Kräfte anspannt. um ihre Organisation und ihren moralischen Einfluß aus die Volk»« Massen soweit als möglich auszudehnen. Versagt dann der Freisinn. io bietet wenigstens die sich täglich mehrende Macht des Proletariats s e I b st die Garantie des schließlichen Triumphes der sozialistischen Arbeiterklasse! Immer derselbe. Herr E. V. Oldenburg auf Januschau, der bei der letzten ReichStagSwahl trotz seiner Geistesgröße in seinem früheren Wahl- kreise Elbing-Marienburg durchgefallen fft, hat am Mittwoch in Marienburg auf der westpreußischen Provinzialversammlung des Bundes des Landwirte wieder sine seiner bekannten, durch un» freiwilligen Humor ausgezeichneten Reden über die politische. Lage gehalten. Nach seiner Ansicht befindet sich zurzeit die Reichswirtschaft in einem schauderhaften.Kuddelmuddel' und daran seien auch die Konservativen und die Regierung mitschuldig— die Konservativen. weil sie viel zu bescheiden seien, die Regierung, weil sie hin und her schwanke. „ES ist", meinte Herr v. Oldenburg,„ein Kardinalfehler der Konservativen, daß sie lange nicht rücksichtslos genug sind. Wenn wir io rücksichtslos austreten wie unsere politischen Geg- ner, dann werden sie Angst vor uns bekommen, und Angst i st die Mutter großer Taten. Wir müssen nach dem Wort bandeln: Auge um Äuge, Zahn um Zahn. Dann werden sich uniere Gegner bar- barisch in acht nehmen. Jetzt falle» sie uns in den Rücken und paktieren mit den Sozialdemokraten, wir aber hauen den faulsten Rationalliberalen heraus. Wir müssen sie sitzen lassen, dann werden wir ein Geschäft mitihnen machen. Wünschenswert ist eS. wenn wir mit dem rechts» Flügel der Notionalliberalen zusammengehen. Für daS Schwanken der Regierung fehlt mir das VerNändnis. In Zeile», wo -in Bismarck die Leine hielt, stellte die Regierung ein Programm auf und hielt daran fest. Aber in dieser Zeit wird viel zu viel Rücksicht auf die Parteien genommen. Die Regierung richtet sich nach den Parleiwünschen und ändert ihr Programm, wenn sie eine Mehrheit für diese Aenderung findet. Bei Betrachtung der inneren Verhältnisse sage ich ganz offen: ich würde einen Schreck bekommen, wenn mich darüber noch etwas er- schrecken könnte. Ich Hab- gelesen, daß der Staats- sekretär Delbrück, der in der Provinz Westpreußen als ihr Ober- Präsident eigentlich viel netter war. im Reichstag gedroht hat, wenn Preußen das WohnungSgeietz nicht einbringe, dann würde er es vom Reich aus eindringen. Zwei Dinge befremde» mich dabei: Er hat gar nichts«inzubringen, das ist Sache des ReichslanzlerS. Wenn ein Untergebener des Reichskanzlers in dieier Form im Reichstage auftritt, dann besitzt der Reichskanzler nicht die genügende Autorität, dann ist etwas faul im Staate Dänemark.' Das alte Lied. Endlich wird der Versuch unternommen, für d i e k o m> meitde Militärvorlage wenigstens den Schein einer Begründung zu geben. Die„Berliner Politischen Nachrichten" des Herrn Schweinbur�, die sich zu solchen Zwecken immer dienstwillig zur Verfügung stellen. bringen einen offenbar vom Kriegsministerium in- spirierten Artikel, in dem zunächst zugegeben wird, daß es Verwunderung erregen müsse, wenn schon wieder eine neue umfassende Militärvorlage in Aussicht stehe, nachdenl erst zwei Jahre hintereinander eine Verstärkung der Armee durch- geführt worden ist. Aber einmal habe Frankreich durch ein neues Kadergesetz sein Heer beträchtlich verstärkt, zum andere» habe der Balkankrieg in ungleich höherem Maße als der russisch-japanische Krieg ein zutreffendes Bild von dem ge- geben, was in einem kommenden Kriege nötig ist. Es ent- spreche durchaus dein Geiste und der stetigen Uebung unserer Heeresverwaltung, solche Lehren ohne Verzug zu beherzigen und daraus die praktischen Schlußfolgerungen für die Aus- gestaltung der Annee zu ziehen. Gerade in dieser bewährten Tradition unserer Heeresverwaltung, stets sich alle Fortschritte der Kriegswissenschast und Kriegskunst anzueignen und so unserer Armee einen Vorsprung vor den konkurrierenden Heeren zu erhalten, habe Fürst Bismarck bekanntlich die sicherste Gewähr für die Erhaltung deS Ariedens erblickt. Auch die jetzt in Aussicht genommene betrachtlicheVer- stärkung unseres Heeres habe daher in erster Linie die Bedeutung verbesserter Sicherung des Friedens. Die Betonung, die auf die Worte«beträchtliche Ver- stärkung" gelegt wird, läßt erkennen, daß die neuen Forde- rungen ganz gewaltige sein werden. Darauf deutet auch der Hinweis hin, daß das Voll eine neue namhafte Ver» sicherungsprämie zu leisten habe. Wenn man aber bedenkt, welchen Schaden das Erwerbsleben durch einen Krieg zu erleiden hätte, so müßten die geforderten Opfer als gering betrachtet werden. Der Artikel schließt mit der Hoffnung, daß die bürgerlichen Parteien einmütig der neuen Heeres- vorläge zustimmen werden. In dieser Hoffnung wird die Regierung nicht getäuscht werden. Alle bürgerlichen Parteien werden sich von der alten, abgeleierten Melodie von der„Versicherungsprämie" ei*> fangen lassen. Man wird sich damit abfinden, daß das Kriegs- ininisterium vor den Hetzern des Wehrvereins kapituliert hat. Dabei ist zu konstatieren, daß weder die Berufung auf das französische Kadergesetz noch die Lehren des Balkankrieges zur Begründung der neuen maßlosen Forderungen unseres Militarismus ins Feld geführt werden können. Aber die bürgerlichen Parteien nehmen in Militärfragen alles, was ihnen von den Zunftmilitärs dargelegt wird, kritiklos als unumstößliche Offenbarung hin. Generalmajor Keim kann triumphieren. Andere Zeiten!_. DaS„Berl. Tagebl.' bringt heule au» einem demnächst erfcher- ««Iben Bu»e Aufzeichnungen des ebemaligen italienischen Mmister- Präsidenten C r i S p i über ein Gespräch, das er im Mal 1389 mit Bismarck führte. Die Umerredung schloß folgendermaßen: Bismarck:„Wollen Sie die deutschen Be- sitzungen in Afrika kauf«»?' Crispi:„Durchlaucht, ich btn �bereit, Ihnen die italienischen zu verkaufen... Die Zeiten ändern sich: damals gab s für die afrikanischen Kolonien leine Abnehmer, seitdem haben wrr den südwestafrikaiiischen Krieg geführt die Italiener den Tripolisraub vollendet und um Ma- rollo wäre beinahe ein Weltkrieg ausgebrochen. DaS Kapital hat eben seitdem gelernt, auch Sandwüsten in ertragreiche Anlagesphären um- zuwandeln, in denen Eisenbahnen mrl Staatsgarantte, Hafen- und Bewässerungsanlagen, unentgeltlich angeeignete Bergwerke durch Ausbeutung einer de» Lande« beraubten und m Sklaverei gestürzten Bevölkerung reiche Prostte abwerfen. Landtagswahlen in Sachsen-Altenbnrg. Am«. Februar finden die Landtagswahlen im Herzogtum Sachien-Mtenburg statt. Was den StaatSminister v. Schaller- Steinwarz. ehedem Gesandter deS Reiches am Hofe M-nelrkL von Abeffinien, veranlaßt hat, FafchingSwahlen anzusetzen, ist nicht bekannt. Ungünstiger für die werttätige Bevölkerung konnte der Wahltermin kaum gelegt werden. Bei den alle drei Jahre erfolgenden allgemeinen Neuwahlen zum Landtage kann die Sozialdemokratie nur auf einen Teilerfolg rechnen. ES wird nach vier Klassen gewählt: Höchstbesteuerte, erste. zweite und dritte Klasse. Von den 32 Abgeordneten, ouL denen der Landtag besteht, entfallen auf die zweite und dritte Abteilung je acht, auf die erste Abteilung sieben und auf die Höchstbesteuerten neun Mandate. Bis auf«in Mandat hatte bisher die Sozialdemo. kratie die Mandate der dritten Abteilung in Händen. Da» acht« Mandat ist einstweilen noch nicht zu erobern, da dieser KreiS fast rem kleinbürgerlich ist. Bei der Wahl vor drei Jahren eroberte die Sozialdemokratie vier Mandate, davon drei auf dem platten Lande, die sie dem Bunde der Landwirte abnahm. Uiu diese drei Mandate— die vier städti- schen Mandate sind sicherer Besitzstand der Partei— ist zwischen den srüheren und den gegenwärtigen Jnbabem der Sitze ein heftiger Xiampf entbrannt. Der Bund der Landwirte hat ein halbes Dutzend seiner bekannten Wanderredner auf die Landkreise losgelassen und seit Januar hält er Tag für Tag Versammlungen iu den Land- orten ab. Die agitatorische Tätigkeit unserer Genossen steht jedoch der Agitation der Bündler nicht nach. Seit Neujahr ist Sonntag für Sonntag der sonst nur einmal im Monat erscheinende„Altenburger Landbote" in doppeltem Format in Stadt und Land verbreitet worden. Jedesmal kommen auf diese Weise SO 000 Flugblätter im Lande zur Verbreitung. Außer den bisherigen Abgeordneten haben serner die Reichstagsabgeordneten Brey m,d Käppler eine Reihe von Versammlungen auf dem Lande abgehallen. Tie Viehzählung in Württemberg hat, wie auch in anderen Bundesstaaten, einen erheblichen Rückgang der wichtigsten Viebgatlungen ergeben. Während bei allen früheren Zählungen eine Zunahme des Rindviehes zu verzeichnen war. wurden diesmal 10 013 Stück Rindvieh— 0,93 Proz. weniger gezählt, als 1907. Im Ganzen wurde ein Bestand von 1 163 109 Stück Rindvieh festgestellt. Viel größer ist der Rückgang' im Schweinebestand, der von 587 185 auf 480 494 Stück sank, sich also um S6 691 Stück oder 10,5 Proz. verminderte. Der Bestand an Schafen geht schon seit Jahrzehnten zurück; die Abnahme ist aber diesmal größer als in irgeno einer früheren Periode. Die Zahl der Schafe ging von 278 337 auf 212 121 Stück oder um 23,8 Proz. zurück. Das statistische Landesamt macht für diesen Rückgang bei den Schweinen die niedrigen Fleiscvpreife von 1912 und die Futtermittelzölle, bei den Rindern die ungünstige Futterernte von 1909 bis 1911 verantwort- lich. ES ist dabei nicht zu übersehen, daß sich mit dieser Erklärung die Fu termittelzölle und die ganze agrarische Wirtschaftspolitik nicht vereinbart._ Die Sparsamkeit der„Notleidenden". Nicht nur das Steuerzahlen ist den Konservativen trotz ihrer an- geblichen Vaterlandsliebe aufs höchste verhaßt, auch ihre Beiträge an die konservativen Wahlvereine entrichten sie höchst nachlässig und mangelhaft. Unserem Breslaner Parteiblatt ist ein vertrauliches Zirkular zugeflogen, das RegierungSrat Grützner, der Vorsitzend« des dortigen Koniervalivcn Vereins an seine Getreuen vericdickl. Er beklagt sich darin, daß iehr viele Mitglieder nur den jährlichen Mindestbeitrag von 50 Pf., im Durckschnitt aber nicht mehr als 1 oder 2 M. im Jahre zahlen und weist demgegenüber auf die Opferwilligkeit der Sozialdeniokrateu hin. 50 Pf. Jahresbeitrag, alio 1 Pf. pro Woche ist freilich nicht viel. Bor allein nicht für Herren, die meist recht hohe Einkommen haben und sich Reit- und Wagenpserde halten. Z« de« Prenhischen Landtagswahle«. Zwei Mitgliederversammlungen der sozialdemokratischen Partei in Elberfeld und Barmen beschästiglen sich mit den bevor» stehenden Wahlen zum preußischen Landtage. Als Kandidaten für den Wohlkreis Elberfeld-Baimen wurden einstimmig die Genossen Wilhelm Gewehr- Elberfeld und Karl Haberland- Barmen aufgestellt._ Ocftcmicb. Dr. Kronäwettcr« •flöten, 31. Januar.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Der alte Äronawetter ist heute im 75. Lebensjahre gestorben. Die Wiener Arbeiterschaft wird diesem echten Demokraten ein gutes Gedächtnis bewahren. .stronawetter war einst der gefeierte Liebling des Wiener Kleinbürgertums, als dieses noch für die Ideale der 48re Revolution schwärmte. Damals faß auch der junge L u e g e r an feiner Seite. Aber das Kleinbürgertum wurde reaktionär, Lneger sein Abgott, und Kronawetter stand bald allein in alter Treue zu seinen Ueberzeugungeit. In den 80er Jahren vertrat er noch einen Wiener Wahlbezirk im Reichsrat und hier hat er zusammen mit Pernerftorffer, der unter dem infamen Ausnahmezustand niedergehaltenen Arbeiterklasse wertvolle Dienste geleistet und unerschrocken die Lockspitzeleien und die Polizeiwillkür gebrandmarkt. Kronawetter war kein Sozialist, aber ein radikaler Demokrat, der am Abend seines Lebens immer mehr zur Erkenntnis kam, daß die Demokratie nur von der Arbeiterklasse erobert werden kann, und an unserem Kampf und Sieg um das gleiche Wahlrecht hat er hoffnungsfreudigen Anteil genommen. Das Wiener Klein- bürgertnm aber, aus dem er einst hervorgegangen, hat den treuen Kämpfer längst verraten und vergessen. Stigbmd. Ablehnung der Homerulebill durch das OberhauS. London, 31. Januar. Oberhaus. Es war Mitter- nacht vorüber, als die Abstimmung über die Homerulebill vorgenommen wurde. Da das Ergebnis nicht zweifelhaft war und andererseits auf Grund der Bestimmungen der Parlamentsakte noch keine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Bill gefällt wurde, so herrschte keinerlei Er- regung im Hause. Die Bill wurde mit 326 gegen 69 Stimmen abgelehnt.__ Wahlunrnhe». London, Ii.-ttonuar. Bei der Parlaments-Ersatzwahl in Londonderry für den Unionisten, Marquis Hainillon, der sein iT mbot niedergelegt hatte, wurde der National ist H 0 g g mit 2Ö90 Stimmer» gegen den Unionisten Oberst P a ten ha m. der 2642 Stimmen erhielt o e w ä h l t. Das Ergebnis ist insofern interesiant. als es den nationalistischen Parlaments- Mitgliedern von Ulster eine Mehrheit von einer stimme gegenüber den Unionisten verleibt.... Infolge der Bekanntgabe des Wahlergebnisses kam eS wer z u großen Unruhen. Anhänger beider Parteien zogen m Scharen singend durch die Straßen. Es kam zu mehreren Zusammen- ,'l ätzen.«>' mehreren Stellen wurde die einschreitende Poltzet m,t Siemen beworfen. Dreihundert Gendarmen zu Pferde gingen gegen die Mainsestanlen vor und zerstreuten sie. Gegen Hogg wurde eine Flasche geschleudert. Truppen sind konsigniert. Marokko. Drohender Aufstand im spanischen Gebiet. Paris, 31. Januar. Wie aus Tanger gemeldet wird. gohrt es unter den Marokkanern der spanischen Zone, nament- lich in der Gegend von EIksar. Die spanischen Behörden be- schlagnahmten in Arzila mehrere hundert Gewehre, die Raisuli für den geeigneten Augenblick in Bereitschaft hielt. Mehrere Scheichs Raisults sollen verhaftet wordeil sein. Auch in der Gegend von Tetuan soll sich eine aufständische Be- tvegnng vorbereiten. pariamentarikdes. Reichseisenbahnen. Ter Etat der Rcichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen wurde am Freitag in der Budgetkommission des Reichstages beraten, wo- bei auch die Abschaffung oder eine Reform der Fahrkarten- steuer angeregt wurde. Minister Breitenbach ist gegen die Abschaffung aus finanziellen Gründen, dagegen würde er für eine Reform sein, wenn dabei die gleichen Erträgnisse garantiert werden. Dem» schloß sich Schatzsekretär Kühn an. Die Fahrkartensteuer bringe 20 Millionen Mark jährlich ein; auf diese Summe könne das Reich nicht verzichten. Dagegen stehe einer AuSgestal- tung der Steuer nichts im Wege, sie müsse aber nicht nur die bis- berigen Einnahmen, sondern womöglich noch eine Steigerung bringen. Gegen diese stimmungmachung für eine Erweiterung der Fahrkartensteuer wandte sich Genosse N o S k c. Genosse Fuchs trat für eine Erweiterung der Rechte der Arbciterausschüsse bei den Reichsbahnen ein und kritisierte es lebhaft, daß den Ausschüssen verboten wird, miteinander in Verbindung zu treten, obgleich die Ausschüsse bei Zusammenkünften nur Arbeitsverhältnisse erörtern würde».— Minister Brcitcnbach meinte, es widerspreche durchaus den dienstlichen Interessen, wenn die Ausschüsse mitein- ander in Verbindung treten wollten. Für 547 Zugführer und 1000 Lokomotivführer fordern die Sozialdemokraten eine Zulage von je 100 M.. ebenso für alle sonst bei den Rcichseisenbahnen angestellten 8025 Unterbeamten. Abg. H a e g y wünschte, daß Beamte, die weniger als 1600 M. Gehalt haben, 150 M. Zulage erhalten sollen. Die Re- gierung bekämpfte diese Forderungen aus finanziellen Gründen und in Rücksicht auf die Bundesstaaten, die solchen Beschlüssen folgen müßten. Außerdem müßte allen anderen Beamten in den Reichslanden, die in der gleichen Gehaltsklasse stehen, die Zulage gegeben werden. Ebenso unannehmbar sei die andere sozial- demokratische Forderung, allen nichtetatsmätzigen Beamten und Arbeitern eine Lohnerhöhung von 10 Proz. zu geben.— Ge- nosse Peirotes wies aber nach, daß die Lebensverhältnisse in Elsaß-Lothringen sehr teure seien, somit die Lohnerhöhungen und Zulagen durchaus gerechtfertigt sind. Sie stellten das Minimum dessen dar, was gefordert und durchgeführt werden müsse. Die Beratung wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Aus der Wahlprüfungskommission des Reichstags. Die Wahl des Abg. P a ch n i ck e- Parchim-Ludwigslust) wurde am Freitag beanstandet und Beweiserhebungen beschlossen. Im kleinsten Wahlkreis des Deutschen Reiches, dem Fürstentum Waldeck, wurde in der Stichwahl der Amtsgerichtsrat Vietmcycr tWirtsch. Vgg.)) mit 6192 Stimmen gewählt. Auf seinen Gegner, den fortschrittlichen Redakteur Nuschle- Steglitz, entfielen 6089 Stimmen. Gegen diese Wahl wurde Protest eingelegt, der sich in der Hauptsache auf folgendes stützt: Der fortschrittliche Kandidat Nuschle wurde von den Antisemiten besonders mit dem Argument bekämpft, daß er— Berliner sei. Nuschke stellte demgegenüber fest, daß er nicht Berliner, sondern— Steglitzer sei! In der Stichwahlbekanntmachung ist nun in einem Amtsblatt im amtlichen Teil bekanntgegeben worden, daß die Stichwahl stattzufinden habe zwischen dem Amtsgerichtsrat Vietmeher und dem Redakteur Nuschke in Berlin. Die Protesterhebcr schließen daraus, daß durch diese falsche Ortsangabe den Wählern dieses Bezirkes gesagt werden sollte: Nuschke ist entgegen seiner Versicherung eben doch Berliner. Dadurch sollen nun Nuschke eine Anzahl Stimmen ent- gangen sein. Mit 7 gegen 7 Stimmen beschloß die Kommission, diesen Vorfall als nicht erheblich anzusehen. Die Prüfung dieser Wahl wird erst in nächster Sitzung zu Ende geführt werden. Die Konkurrenzklausel in der Reichstagskommission. Die Generaldebatte kam in der Donnerstagssitzung zu Ende. Nach einer kurzen Spezialdebatte über den Antrag unserer Ge- nassen vollzog sich das Schicksal über die einmütige Forderung aller Angestellten: Das Verbot der Konkurrenzklausel ist mit 10 gegen 8 Stimmen gefallen. Für ein Verbot stimmten nur die Sozialdemokraten, zu denen sich die Ab. geordneten Marquardt fnatl.) und Behrens sWirtsch. Vgg.) gesellten. Diese„praktische" Angestelltenfreundlichkeit konnte selbst dadurch nicht abgewendet werden, daß unsere Vertreter ihren auf alle Angestellten und Arbeiter im Handelsgewerbe lautenden An trag zunächst beschränkten auf die Handlungsgehilfen und-lehr linge; unsere Genossen erklärten, daß sie sich Anträge für den Schluß der ersten Lesung vorbehalten, die jene Ausdehnung, na- mentlich auch auf alle gewerblichen Arbeiter, bezwecken. Für die am Donnerstag nächster Woche beginnende Spe zialberatung liegen schon jetzt mehrere Anträge vor; sie be- zwecken sämtlich, einem Mißbrauch zu steuern und Härten zu mildern._ Huö der Partei. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung. Zwischen unserem Zittauer Parteiorgan und den konser vativ-klerikal-antifemitischen„B a u tz e n e r Nachrichten", deren politischer Leiter der frühere antisemitische Reichstagsabgeordnete Otto B ö ck l e r ist, wurden wegen der reichsverbändlerischen Kampfesweise wiederholt heftige Preßpolemikcn geführt. Obwohl die»Bautzener Nachrichten" von der„Volkszeitung" in Zittau als dem»roten Zittauer Mops" redete und ihr Gaunerei, Mogelei und Wanzentaktik vorwarf, lief man zum Kadi, als auS Anlaß einer Anzahl Schwindelmanöver gegenüber der Sozialdemokratie dem Blatte ein wenig derb aus die Finger geklopft wuvde. Um aber seinem Treiben die Krone aufzusetzen, klagte nicht etwa der verant- wortliche und wiederholt scharf persönlich angegriffene Redakteur Böckler, sondern ein Mitinhaber der Firma, Hanns Monse. Damit sollte die Widerklage des Zittauer Parteiorgans ausgeschlossen werden. Dagegen wurde natürlich Einspruch erhoben mit dem Hin- weis, daß die Firma nur klagen könne, wenn das kaufmännische Ge- baren in beleidigender Weise angegriffen sei. Denn jedes Zei- tungSgeschäft zerfalle— für jeden Laien erkenntlich— in einen redaktionellen und einen kauftnännischen Teil. Allein der erstere gebe der Zeitung ihren Charakter. Der geschäftliche trete für die Oeffenilichkcit völlig zurück. Die politische Gesinnung eines Verlagsmitinhabers sei für den politischen Charakter der Zeitung ebenso irrelevant wie die eines Setzers. Da es sich aber um politische Polemiken handele, sei Nur der für diesenDeil Verantwortliche auch zur Klageerhebung berechtigt. Das Bautzener Amtsgericht entschied im Sinne des Einspruchs, indem es im Dezember 1912 folgenden Urteilsspruch fällte: Beschlutz! D,e Privatklagen des Redakteurs Hanns Monse in Bautzen, Privatklagers, gegen den Redakteur der„Volkszeitung" Emil Rauch m Züian, Beschuldigten, wegen öffentlicher Beleidigung?. 131/12 und P. 140/12, die hierdurch miteinander verbunden meroen, werden zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens einschließlich der notwendigen AuS- gaben des Beschuldigten fallen dem Privatkläger zur Last. Gründe' Die Beleidigungen werden in einer Reihe von Artikeln in der „Volkszeitung gefunden, für die der Beschuldigte nach§ 20. Abs. 2. des Preßgesetzes als verantwortlicher Redakteur haftet. Diese Ar- tikcl sind im Laufe eines politischen Zeitungskampfes zwischen den »Bautzener Nachrichten" und der„Volkszeitung" erschienen. Alle diese Artikel sind rein politischer Natur. Sie sind Antworten auf antisozialdemokratische Ausführungen der»Nachrichten". ES wird in ihnen lediglich die politische Richtung der.Bautzener Nach- rchten" angegriffen, nicht dagegen die Zeitung in ihrer Gesamtheit. Denn tSelm auch in den Artikeln öfter einfach von den»Bautzener Nachrichten" gesprochen wird, so ergibt sich doch aus dem ganzen Sachverhalte, daß ihre politische Seite gemeint ist. Die Privatklage wird von dem Redakteur Hanns Monse, als dem Mitinhaber der Firma C. M. Monse, in deren Verlag die „Bautzener Nachrichten" erscheinen, erhoben. Diesem ist aber ein Recht zur Stellung deS Strafantrages und demnach auch nach§ 1t der Strafprozeßordnung zur Erhebung der Privatklage nicht zu- zuerkennen, da er nicht als der Verletzte gelten kann. Verletzt er- cheint vielmehr bei rein politischen Kämpfen nur der für den poli- tischen Teil verantwortliche Redakteur, nicht aber der Inhaber der Zeitung, der nur bei beleidigenden Acußerungen über die Zeitung in ihrer Gesamtheit oder über ihren geschäftlichen Betrieb berührt wird. Ebensowenig wie man dem Inhaber die politische Richtung drücklich die Verantwortlichkeit für die einzelnen Teile einer Ze tung aus die einzelnen Teile— Redakteure—. weshalb logischer- weise auch auf diese das Recht, wegen beleidigender Angriffe auf die betreffenden einzelnen Teile der Zeitung die Privatklage zu er- heben, beschränkt werden muß. Nach alledem waren die Privatklagen wegen fehlender Legiti- matioir des Privatklägers, der nicht verantwortlicher Redakteur deS politisch� Teiles der„Bautzeuer Nachrichten" ist, zurückzuweisen. Die Kostcnentscheidung beruht auf tz 503, Abs. 2, der Straf- Prozeßordnung. Die„Bautzencr Nachrichten" versuchen zwar, durch eine Be- schwerd« gegen diesen Entscheid etwas glimpflicher aus der Affäre zu kommen� doch vergebens. Auch die Beschwevdeinstanz entschied in obigem Sinne, womit die Entscheidung des Bautzencr Amts- gerichts Rechtskraft erlangt hat.— Soziales* Die Konsumgenossenschaft als Konzessionsträger. Früher stand das Oberverwaltungsgericht auf dem Stand- Punkt, daß juristische Persönlichkeiten keine Konzession für Klein- Handel mit Spirituosen und für Schankwirtschaft erlangen könnten. In den Konsumgenossenschaften ließ sich deshalb gewöhn- lich der Geschäftsführer die Konzession zum Kleinhandel mit Spirituosen erteilen. So hatte auch im Konsumverein für Wittenberg und Umgegend der Geschäftsführer diese Konzession. Vor einiger Zeü ging dann das Oberperwaltungs- gericht von jener Auffassung ab und nahm an, daß auch juristisch« Persönlichkeiten, u. a. also auch Genossenschaften mit beschränkter Haftung, die Konzession erlange a könnten. Demnächst kam der Konsumverein für Wittenberg und Umgegend um die Konzession für den Kleinhandel mit Spirituosen ein und erhielt sie auch. Der Magistrat zog nunmehr den Konsumverein aber auch zur Konzessionssteuer heran. Die Genossenschaft klagte aus Freistellung, wurde jedoch vom Bezirksausschuß zu Merseberg mit ihrem Ansprüche abgewiesen. Das Oberverwaltungsgericht hob dieser Tage dies Urteil auf und stellte die Genossenschaft von der Konzesstoassteuer frei.— Griindo: Ob die Genossenschaft zur 5konzessionsjteuer hätte heran- gezogen werden können, hänge von den Bestimmungen der Steuer» ordnung ab. Nach ihrem tz 1 unterliege die Erlangung der Kon- zession der Steuer nach den nähereu Vorschriften der tztz 2, 3 und 4 der Steuerordnung. Der tz 2 sehe den Steuersatz vor für die Er- laubnis zu einer neuen Wirtschaft(einem neuen Kleinhandel). tz 3 für den Fall der Uebecnahme einer bestehenden Wirtschaft oder eines bestehenden Kleinhandels durch einen andern Gewerbe- treibenden, und tz 4 für die Erlangung der Erlaubnis zur Er- Weiterung eines bestehenden Betriebes. Von diesen verschiedenen Fällen konnte hier nur tz 3 in Frage kommen, wo di« Voraus- setzung die Uebernahme eines bestehenden Betriebes durch eine» anderen Gewerbetreibende» sei. Diese Voraussetzung sei aber hier auch nicht gegeben, denn den Kleinhandel habe auch früher schon der Konsumverein betrieben. Wenn damals der Geschäftsführer die Konzession Halle, dann sei er nur der Träger der Konzession ge- Wesen, während der Unternehmer des konzessionspflichtigen Be» triebes schon damals der Konsumverein war. Bon einer Uebernahme des bestehenden Kleinhandels durch einen anderen Gewerbe- treibende« beziehungsweise Unternehmer könne deshalb hier leine Rede sein, csomit fehlten die Boraussetzungen einer Anwendbar» keit der Steuerordnung._ Wohlfahrt für Angestellte. Die so überaus fühlbar gewordene LebensmittelteuerunH ließ auch in. den Kreisen der Angestellten die Forderung auf Erhöhung der Gehälter lebendig und laut iverden. In erhöhtem Maße auS Anlaß des Inkrafttretens der Angestclltenversicherung. Selbst in eigenen Kreisen der Unternehmer war man der Ansicht, daß ein großer Teil der Angestellten die Beiträge nicht selbst zahlen konnte. Insofern fand die Forderung auf Erhöhung der Gehälter einen geeigneten Resonanzboden. Bald aber kamen Pfiffig« Unter- nehmer aus den Gedanken, für ihr« Angestellten die Beiträge zu bezahlen. Auf solche Weise glaubte man der Notwendigkeit einer Gehaltserhöhung zu entgehen. Da diese über den Betrag der Ver» sicherungsbeiträge hätte hinausgehen müssen, sparten die Unter» nehmer. wenn sie nur diese zahlten, aber nicht die Gehälter erhöhten. Manche Unternehmer wollten allerdings noch sparsamerwirtschaften. nämlich das eine nicht tun und das andere unterlassen. Der »Deutschs Handelstag", in dem bekanntlich die Größen des Hansa- bundeS die evsie Geige spielen, hatte Verständnis für die Sparwut. Er richtete an die Handelskammern folgendes Rundschreiben: „Nach dem Versicherungsgesetz für Angestellte sind die Bei» träge von den Arbeitgebern und den Versicherten zu gleichen Teilen zu entrichten. In der Sitzung des Vorstandes des Deut- scheu Handelstags vom 4. d. M. wuroe daraus hingewiesen, daß trotz jener Bestimmung Ardeitgckbcr in Erwägung gezogen hätten, die Beiträge, auch soweit sie den Versicherten, obliegen, zu zahlen. Hierfür dürfte in erster Linie maßgebend gewesen sein, daß die Angestellten nicht infolge des Gesetzes einen Abzug vom Gehalt erfahren möchten. Demgegenüber wurde in der Borstandssitzung ausgeführt, daß der Uebernahme der gesamten Beiträge durch die Arbeitgeber auch schwere Bedenken entgegenständen. Die Ar- heiter könnten.dadurch leicht zu. Ansprüchen veranlaßt werden. deren Erfüllung nicht den Wünschen der Arbeitgeber entspreche. Wir richten deshalb an unsere Mitglieder die Bitte, dafür zu sorgen, daß im Kreise der Arbeitgeber ihres Bezirks die«nt- wickelten Gesichtspunkte sorgfältig erwogen iverden." Dieses Rulchschreiben hat nun wieder die HandelÄammer in Duisburg angeregt;.der Geist der Wohltäterei ist über sie ge- kouimen. In der—„Rheinisch-iWestsälischen Zeitung" macht sie den Borschlag, wenn man schon den Angestellten entgegenkommen wolle, dann sei es zweckmäßig, ihnen für den Fall der Berufs- Unfähigkeit höhere als die gesetzlichen Ruhegehaltssätze zu sichern. Und da sei namentlich auf die private» Pensionseinrichtungen zu verweisen, insbesondere auf die Zuschuß- und Zulagekassen. Sicher- lich sei den Angestellten am besten damit gedient, wenn ihnen bei BeuisSiinfähigteit oder, wenn sie sterben, ihren Angehörigen über das gesetzliche Ruhegeld und die gesetzliche Hinte rbliebenenrente hinausgehende Leistungen als Zuschuß; oder Zulage gewährt würden. Da wirft man wieder mal mit der Wurst nach der Speckseite. Jetzt sollen die Angestellten nicht» bekommen. Ihre» vielfach sehr wenig leistungsfähigen Schultern will man noch die Last der Per- sicherungsibei träge aufbürden. Wer für später, wenn sie daS Glück haben, invalide oder gestorben zu sein, winkt ihnen das Wohlwollen der Unternehmer. Allerdings, wenn sie nicht artig sind, sie vorher hinausgeworfen werden, dann haben sie die Anwartschaft darauf verscherzt. Also müssen sie hübsch folgsam und brav sein. Co kostet dem Unternehmertum die Geschichte nichts, aber eS zieht den Wohlfahrtsinebel fester an. Ein neuer Beweis gegen dt« Harmonie der Interessen zwischen Unternehmern und Angestellt«» Gewerkfcbaftlicbcs. Dte„geKeime Verbindung". Es gibt kaum einen Paragraphen des Strafgesetzbuches, auf Grund dessen unsere Regierenden nicht schon einmal der- sucht haben— und sei es mit Hilfe der halsbrecherischsten Auslegungskunststückchen—, gegen die moderne Arbeiter- bewegung vorzugehen. Ein neues Beispiel in diesem Reigen bietet die B r e s I a u e r Polizei. Sie beschlagnahmt Papiere und Materialien des Transportarbeiterverbandes, die sich auf die Reichssektion der Eisenbahner beziehen, mit d«r Begründung, sie sähe die Reichssektion der Eisenbahner als eine strafbare„geheime Ber- b i n d u n g" an. Diese reichlich dunkle Argumentation wird überhaupt erst ungefähr verständlich, wenn man erfährt, daß sie dazu dienen muß, einen völlig ungesetzlichen Eingriff besagter Polizei zu decken. Die Kriminalpolizei darf nämlich Beschlagnahmen und Durchsuchungen im allgemeinen nur dann vornehmen. wenn sie richterlich angeordnet worden sind(§§ 98 und 105 der Strafprozeßordnung). Nun war zwar auch im vorliegenden Falle eine Durchsuchung der Räume des TransportcBbeiter- Verbandes angeordnet, aber diese bezog sich auf Quittungen von einem Streik und hatte mit der Sektion der Eisenbahner nicht daS mindeste zu tun. Nur rein gelegentlich dieser Durch- suchung fand die Kriminalpolizei auch das die Eisenbahner betreffende Material. Wir müßten nun nicht in Preußen leben, wenn die Polizei nicht auf irgendeine Weise versucht hätte, dieses zufällig ge- fundene Miterial in ihren Besitz zu bekommen. Zu welchem Zweck, das lehrt ein Vorgang, der sich 1912 in Essen abspielte: Auch dort beschlagnahmte die Polizei in ganz ähnlicher Weise eine Mitgliederliste der Eisenbahnersektion, um dann— wiederum ein völlig ungesetzliches Vorgehen— die darin enthaltenen Namen der Eisenbahndirektion mitzuteilen, welche nunmehr leichtes Spiel hatte, die Mitglieder des Transport- arbeiterverbandes zu maßregeln. Die Breslauer Polizei sucht also nach einer rechtlichen Handhabe, das Material der Eisenbahnersektion beschlag- nahmen«i dürfen. Dabei fällt ihr Blick auf§ 108 der Straf- Prozeßordnung, der besagt: Werden bei Gelegenheit einer Durchsuchung Gegenstände ge- stmden, welch« zwar in leiner Beziehung zu der Untersuchung stehen, aber auf die erfolgte Berübung einer anderen strafbaren Handlung hindeuten, so sind dieselben einst- weilen mit Beschlag zu belegen. Also eS müssen Gegenstände sein, die auf die Der- Übung einer strafbaren Handlung hindeuten, wie eS z. B. der Fall ist, wenn bei einem Hehler Sachen ge- funden werden, die offenbar von Einbrüchen herrühren. Aber, mein Gott, fragt sich der verblüffte Laie, wie können denn Materialien eines Eisenbahnerverbandes auf ein verübtes Verbrechen hindeuten?— Hier setzt eben die höhere juristische Weisheit der Kriminalpolizei ein. Die Eisenbahnersektion, erklärt sie uns, ist ein„Geheim- bund". Geheimbünde sind nach§8 128 und 129 des Straf- gesetzbuches strafbar, und zwar wird jeder Teilnehmer bestraft. Die gefundenen Papiere weisen auf die Geheimbündelei hin, ergo unterliegen sie der Beschlagnahme. Es ist schwer, bei dieser Deduktion ernst zu bleiben. Ebensogut wre die Reichssektion der Eisenbahner könnte nächstens jeder beliebige Jnteressenverband für einen straf- baren Geheimbund erklärt werden. Es genügt, nur einen Blick auf die§Z 128 und 129 zu werfen, um den ganzen Wider- sinn einzusehen. Der ß 128 bestrast mit Gefängnis bis zu 6 Monaten: „dl« Teilnahm« an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der StaatSregierung geheim gehalten werden soll, oder in welcher gegen unbekannte Obere Gehorsam oder gegen bekannte Obere unbedingter Gehorsam versprochen wird". Nun ist sowohl Dasein wie Verfassung und Z w e ck deS TranLportarbeiterverbandes inklusive der Sektion der Eisenbahner denBehörden auf das genaue st e bekannt; der Verband ist nicht im mindesten bestrebt, seine Existenz geheim zu halten, waS ja schon daraus deutlich hervorgeht, daß er seine Zahlen usw. sogar der a m t l i ch e n S t a t i st i k(!) mitteilt. EtwaS ganz anderes ist es natürlich, ob der Verem die Namen seiner einzelnen Mitglieder geheim hält. DaS ist sein gutes Recht! Die Krimmal- Polizei dürfte auch wissen, daß aus diesem Grunde z. B. das ReichSvereinLgesetz in Z 3 nur eine polizeiliche Anmeldung des Vorstandes vorsieht und daß eben deshalb aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch die Bestimmung des 8 72 gestrichen worden ist, wonach stüher ein eingetragener Verein dem Amtsgericht auf Verlangen ein Verzeichnis der Mit- glieder einzureichen hatte. Der Gesetzgeber erkennt es also als ein ausdrückliches Recht jedes Vereins— sogar eines politischen— an, d i e Namen seiner Mit- glieder vor der Oeffentlichkeit geheim zu halten. Der Transportarbeiterverband ist durch das terroristische Vorgehen der Eisenbahnverwaltung g e- z w u n g e n, die ihm angehörenden Eisenbahnarbeiter so zu führen, daß ihre Namen nicht zur Kenntnis der D i r« k t i o n gelangen. Wenn ihn ein solches Verhalten zum strafbaren Geheimbund machte, so müßte z. B. auch der Hansabund ein strafbarer Geheimbund sein, weil er auf dem platten Lande viele Mitglieder geheim führt, um sie vor dem Boykott der Agrarier zu bewahren. Von einem Gehorsamsgelöbnis im Sinne des 8 128 kann überhaupt keine Rede sein. Ebensowenig trifft 8 129 zu. Dieser bestraft „die Teilnahme an einer Verbindung, zu deren Zwecken oder Be» schäftigungen gehört. Maßregeln der Verwaltung oder die Voll- giehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften". Der Transportarbeiterderband und seine Sektion der Eisenbahner wenden ebensowenig ungesetzliche Mittel an wie irgendeine andere freie Gewerkschaft. Wollte man etwa sich auf den Streik als ein solches berufen, so ist dieser ja durch 8 152 der Gewerbeordnung ausdrücklich als gesetzliches Mittel sanktioniert. Auch scheint es mehr als zweifelhaft, ob in einem Verkehrsstreik jemals eine„Durchkreuzung von Maß regeln der Verwaltung" im Sinne dieses Paragraphen ge sehen werden könnte. Jedenfalls fehlt auch hier das nob wendige Merkmal der Anwendung ungesetzlicher Mittel. Es ist kaum anzunehmen, daß— selbst bei unseren beutigen Zuständen— ein einziges Gericht der Logik der Br sprachen.(Hört! hört! rechts. Zurufe bei den Nationalliberalen.) Sie können die„National-Zeitung" nicht so ohne weiteres von sich abschütteln, denn die„National-Zeitung" ist Ihr ofsizielles Blatt und ist vom Abg. Bassermann wiederholt zu offiziellen Publikationen benutzt worden.(Hört! hört! rechts.) Vor allem bedauern wir die ablehnende Haltung des Staats- sekretärs Delbrück zur Strettpostenresolution der Konservativen im Reichstag.(Sehr richtigl rechts.) Wenn die Staatsgewalt die Arbeitswilligen vor dem Terrorismus der Sozial- demokratie nicht schützt, dann sind die Arbeitswilligen einfach verloren.(Lebhafte Zustimmung rechts.) So wie bisher kann es nicht weitergehe«. Welches Maß von Verwüstungen bereits erreicht ist. wie weit jedes Gefühl für Recht und Ordnung bereits untergegangen ist, zeigen die 2909 Verurteilungen»von Streikenden während des letzten Berg- arbeiterstreiks.(Hört! hört! rechts.) Angesichts dieser Tatsachen muß ich sagen, daß die bestehenden Strafmittel eben nicht aus- reiche«, und das) schärfere Strafmittel notwendig sind.(Stürmische Zustimmung rechts.) Das„Berliner Tageblatt" hat bei Besprechung der Gegensätze zwischen Herrn Delbrück und Herrn Dallwitz gc- schrieben: Herr Delbrück scheine der junge Mann des Herrn v. Dallwitz zu sein. Ach, wenn es doch wahr wäre! (Lebhafte, wiederholte Zustimmung rechts. Anhaltendes Geläcksicr links.) Dan» hätte er im Reichstag« ein« solche Erklärung zur Streikpostenresolution nicht abgeben können, auch nicht seine Erklärung gegen Preußen zu der Wohnungsfrage.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Wir verlangen, daß die preußischen Stimmen im Bundesrat sich unserer Auffassung anschließen. ( Bravo l rechts.)' Ta die nationalen Arbeiter sich des Terrorisinus der Sozialdemokratie nicht mehr erlvehren können, ist es di«: Pflicht der Regierung, sie zu schützen.(Beifall rechts.) Um den Kampf gegen die Sozialdemokratie lsmmt die bürgerliche GesellHaft nicht �ertzW, ' Dieser Kampf asser muf» mit Fe« Machtmittel« FeS StaaieZ durchgefochten werden. (Sehr ivahrs rechts. Unruhe links.) Man hak früher Fon der Sozialdcnwkratie als von einer geistigen Bewegung gesprochen, die mit geistigen Waffen bekämpft werden müsse.(Lautes Lachen rechts. Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Das war ein großer Irrtum.(Sehr richtigl rechts.) Tie Macht der Sozialdemo- tratic beruht nicht aus ihrem Geist, sondern daraus, daß sie nichts anderes ist als der organisierte Terrorismus.(Stürmische Zu- stimmung rechts.) Wenn die Sozialdemokratie mit Reden über- wunden werden könnte, dann wäre sie durch die Reden des Fürsten Bülow überwunden worden. Aber die Sozialdemokratie ist nur dadurch zu überwinden, daß die bürgerliche Gesellschaft v o n a l le n Machtmitteln Gebrauch macht, über die sie noch verfügt. (Bravol rechts.) Man muß es der Sozialdemokratie lassen, daß sie ihre letzten Ziele mit der denkbar größten Offen- h e i t. ja in i t brutaler Offenheit bekennt. Und es bleibt wahr, was der alte Liebknecht einmal gesagt hat. daß der Sozialismus uns gegenüber keine Frage der Theorie, sondern eine Machtfrage sei. die nur auf der Straße, auf dem Schlachtfeld entschieden werden könnte.(Hört! hört! rechts.) Bedenklich ist das Eindringen der Sozialdemokratie in die Gemeidevertretungen. In den preußischen Landgemeinden sitzen bereits 7599 S o- zialdemokraten(Hört! hört! rechts. Bravol bei den Sogial- oemokratcn), in den Stadtgemeinden 2SV9, in den Magi- traten 194 und in den G e m e i n d e v o r st ä n d e n der Land- gemeinden 299 Sozialdemokraten.(Lebhaftes Hört! hört! rechts. Wiederholtes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Dadurch ind weite Kreise der Unterbeamten der Gefahr einer o z i a l i st i s ch e n I n f i z i e r u n g in starkem Maße ausgesetzt. Sehr währl rechts.) Wenn wir auch sonst nicht für eine Ver- tärkung der Staatsaussicht über die Gemeinden sind, so müssen wir hier doch verlangen, daß die Regierung nach dieser Richtung ihre Augen aufhält.(Beifall rechts.) Aus katholischen Kreisen ist früher wiederholt das Wort gefallen: man brauche der katholi- chen Kirche nur die volle Freiheit zu geben und sie werde den Um- turz überwinden können.(Lebhaftes Sehr wahr! im Zentrum. Zurufe: Gebt uns die Jesuiten!) Das ist sehr falsch. In Belgien hat die katholische Kirche die denkbar größte Freiheit und ist mit der Sozialdemokratie bisher doch noch nicht fertig geworden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch in den ireng katholischen Gegenden bei uns. in Köln und München. hat die katholische Kirche die sozialdemokratische Gefahr nicht bannen können.(Sehr richtig! links und rechts.) Die Liberalen haben ein anderes Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Sie verlangen eine volkstümliche Politik und für die Freiheit eine möglichst breite Gasse. Man ist diesen Weg gegangen, erfreulicher- weise nicht bei uns.(Heiterkeit.) Baden hat sich auf die schiefe Ebene einer demokratischen Wahlrefarm begeben. Und während 1993 im ganzen Reich die sozialdemokrati- chen Stimmen um rund 39 Proz. wuchsen, wuchsen sie in Baden mit seiner volkstümlichen Politik um 65 Proz.(Stürmisches Hört! hört! rechts.) Dazu kommt, daß die Sozialdemokrati« in Baden zur ausschlaggebenden Partei geworden, und daß ihr von einem badischen Minister Lorbeerkränze gewunden wurden.(Hört! hört! recht. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Entsetzlich!) Der Ansturm der Demokratie richtet sich gegen Preußen und dieses Haus, weil Preußen nahezu der einzige Staat ist. der mit Nachdruck und Energie an seinem Wahlrecht festhält. Dieser Ansturm würde kein so großer sein, wenn nicht eine Reihe von Bundesstaaten sich auf die schiefe Ebene demokratischer Wahl- reformen begeben hätten.(Sehr wahr! rechts.) Wäre Fürst Bismarck noch am Ruder, es ist mir sehr zweifelhaft, ob die Einzelstaaten dann gewagt hätten, eine derartige Politikgegen Preußen zu betreibe».(Stürmische Zustimmung rechts.) Wir ördern eine energisdje Bekämpfung der Sozialdemokratie und er- inner» an das Sozialistengesetz, für das auch führende Zentrumsabgeordnete gestimmt haben, und das ganz ausge- zeichnet gewirkt hat.(Zu den Sozialdemokraten.) Wenn Sie im Staate die Mehrheit hätten und wir wären in der Minderheit und würden versuchen, Ihren Bebelschen Zukunftsstaat umzu- stürzen, Sie würden unS nicht das Matz von Freiheit geben, daS Sie bei uns haben.(Lachen bei den Sozialdemokraten, stürmische Zustimmung rechts.) Die Selbstachtung zwingt die Staatsgewalt dazu, diesen Kampf aufzunehmen, und es ist ein bedauerliches Zeichen unserer Zeit, daß die Regierung und weit« bürgerliche Kreise da» Gefühl für die Gemeingefährlichkeit sozialdemokratischer Bestrebungen überhaupt verloren haben. (Stürmische wiederholte Zustimmung rechts, Zuruf bei den Sozial- demokraten: Ihre Rede ist gemeingefährlich!) Die Gefahr des Umsturzes kann nur mit einer energischen Offensive bekämpft werden.(Stürmisches Bravo! rechts.) Dieser Geist der energischen Offensive ist die Stärke unserer Armee, und dieser Geist muß auch in die Reichsämter einziehen. (Wiederholter, stürmischer Beifall rechts.) Wir warnen die Regierung(Abg. Hoffmann: Scharfmacher!), jawohl, wir wollen die Regierung scharf machen, daß sie keiner Reichstags- Mehrheit nachläuft. Ein Parlament muß geführt werden. Wenn Fürst Bismarck immer Parlamentsmehrheiten nachgelaufen wäre, das Deutsche Reich wäre heute noch nicht gegründet.(Sehr wahr! rechts.) Mit unserer Mahnung erfüllen wir nur unsere Pflicht gegen unser Gewissen und das Land. Ich wünschte, ich hätte Unrecht. Aber es ist unsere Ueberzeugung, daß über kurz oder lang die starke Hand kommen muß, um daS Land von der Ge- fahr zu befreien, von der eS unzweifelhaft bedroht ist.(Stürmischer, demonstrativer Beifall rechts. Der Redner wird von Mitgliedern der Rechten beglückwünscht.) Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Der Porredner bat die Sozialdemokratie dermaßen tot- geredet, daß ich um Entschuldigung bitten muß, wenn ich für diese Partei noch das Wort ergreife.(Heilerkeit links.) Er hat sich zwar dagegen verwabrt, daß der Reichstag preußische Angelegen- heilen berate, aber er selbst hat von der Tribüne des preußischen Landtags nicht nur gegen den Reichstag und die Reichsregierung, sondern auch gegen andere Bundesstaaten heftige Angriffe gerichtet. Ich bestreite dem Reichstag nicht das Recht, preußische An- gelegenheile» zu besprechen, vor allem das Enteignungsgesetz. durch da» ein Stück Reichsrecht außer Kraft gesetzt wird. Aber wenn man dem Reichstag dieses Recht nehmen will, dann sollte man nicht im Preußischen Abgeordnetenhaus derartig maßloseAnarisse gegen den Reichstag richten.(Sehr wahr I links.) Sie haben es uns übel genommen, daß wir hier oft unserem Bedauern über den unhnlvollen Einfluß Preußens auf die übrigen Bundesstaaten und das Reich Ausdruck gegeben haben. Sie haben sogar unsere Bemerkungen darüber in Flug- blättern verwertet, allerdings ohne Erfolg. Natürlich bedauern wir nicht, daß Preußen als größter deutscher Bundesstaat überhaupt einen maßgebenden Einfluß vefitz», sondern daß diese» Preußen der Junker und Mucker ihn ausübt. (Lachen rechts.— Sehr wahr I links.)— Wie recht wir haben, hat sich in den letzten Tagen mehrfach gezeigt. Wie weit mutz es gekommen sein, well» der Slaatsieketär des Neichsamts des Innern vor dem preußischen Widerstand gegen jede Reform in die O e f f e n t l i ch k e i t flüchtet. Es steht fest, daß ohne die Drohung Delbrücks mit einein Reichswohnungs- gesetz der preußische Wohnungsgesetzentwurf auch jetzt noch nicht herausgekommen wäre. Freilich wird Herr Delbrück auS der konservativen Presse und aus der Rede Kardorffs sehen müssen, daß seine Tage gezählt sind. Die konservativen Ministerstürzer sind wieder an der Arbeit.(Zustimmung links— Lachen rechts.) Auch in der Frage der Einsührung einheitlicher Wahl- urnen bei den ReichstagSwahlen besteht ein Gegensatz zwischen dem ReichSamt und dem Ministerium des Innern. Ich frage den Minister� ob und welche Stellung er in dieser Frage eingenommen hat und erwarte eine klare Antwort I Wir sehen aber auch in Preußen selbst aus dem Gebiet des Innern nicht die geringste Reform! Die Landtagswahlen stehen vor der Tür. Beim Etat für 1912 hat das Abgeordnetenhaus die Regierung ersucht, alsbald die reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Einwirkung von Armenunterstützungen auf öffentliche Rechte auf die preußischen Landtagswahlen zu erstrecken. Wir haben darauf nicht einmal eine Antwort erhalten und ebenso wenig auf den gleichen Beschluß vom 19. Dezember vorigen Jahres. Die Aufstellung der LandtagSwählerlisten. wird über kurz oder lang beginnen müssen, wenigstens in den großen Wahlkreisen. Daß die Regierung ihre Stellung zu diesem Verlangen des Hause» erklärt, ist eine A n st a n d S p f l i ch t.(Sehr wahr! links.) DaS einzige bedeutendere Reformgesetz aus der letzten Zeit ist das Feuerbestattungsgesetz. Aber die AusführungS- Bestimmungen verekeln der Bevölkerung die Feuerbestattung. Sie sind nicht un Geiste derjenigen erlassen, die mir der Regierung daS Gesetz gemacht haben, sondern im Geiste der Minderheit, die eS be- lämpft hat. DaS Kommunalabgabengesetz, die Städte- und Land- gemeindeordnungen sind rückständig, für die heutige Zeit zum Teil gar nicht mehr brauchbar, aber die Regierung will von Reformen nichts wissen. Neberall nur Stillstand und Stagnation! (Zustimmung links.) Um so mehr aber macht sich ein kleinlicher Polizeigeist, eine ichilanöse Politik breit, die der gesunde Menschenverstand oft nicht begreift. Ich erinnere an dre An- bcraumung und Wiederabberaumung der Londtagseriatzwahl in Teltow-Beeskow. Der frühere Abg. Fetisch ist am 24. Oktober gestorben, die Ersatzwahl war für den 12. Februar, also schon reichlich spät, anberaumt. Unter irgend welchen Einflüssen aber wurde dieser Termin wieder aufgehoben, weil— der Provinziallandtag zu dieser Zeit versammelt ist. Jetzt soll die Ersatzwohl kurz vor Ostern statt» finden. Danach wird vielleicht noch eine Sitzung vor Ostern statt- finden und ob wir nach Ostern überhaupt noch zusammentreten, weiß man nicht. Die Regierung hat also erreicht, daß während der ganzen Session der größte WahllreiS der Monarchie unvertreten ist. (Abg. Hammer: Bin i ch denn nicht da?> Herr Hammer. Sie wissen doch selbst, daß Sie nur ein Drittel der Wablmänner hatten und nur gewählt wurden, weil eine Verständigung zwischen Fortschrittlern und Sozialdemokraten nicht zustande ka m. Sie sind eigentlich der einzige Abgeordnete hier im HauS, der nicht die Mehrheit der Wahlmänner für sich halte. Sie haben kein Recht, sich Vertreter des Wahllreiies zu licnnen. Ei» Ruhmesblatt der inneren Verwaltung ist die Zensur. Die Beschwerde gegen daS künstlerisch hervorragende Theaterstück von Rosenow:„Die im Schatten leben!" ist vom Oberpräsidenten zurückgewiesen worden, nicht aus sachlichen Gründen, sondern weil es sich um die Freie Volksbühne, also um ein Arbeiterpublikunr handelte!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS Stück ist in Stuttgart, Frankfurt a. M. und anderwärts öffentlich ausgeführt worden, in Berlin ist«S, angeblich wegen seines aufreizenden Charalters, verboten. Dagegen hat das Oberverwaltungsgericht durch die erfreuliche Aufhebung deS Verbots von WedekindS.Frühling« Erwachen" die schärfste Verurteilung des Berliner Zensors.� ausgesprochen. In der Kommission hat der Minister von einer günstigen Wirkung seiner Anweisungen über» die Handhabung de» ReichsvereinsgestzeS gesprochen, die Zahl der Beschwerden und der vom Oberverwaltungsgericht aufgehobenen BersammlungS- Verbote sollen sich ganz wesentlich vermindert haben. ES steht aber fest, daß heute noch eine unbändige Zahl von Versammlungen ohne jeden gesetzlichen Grund, aus reiner Willkür der Behörden, verboten wird. Auf das Gesuch des Berliner Magistrats um Uebertrogung der WohnungSpolizei hat er neun Monate lang leine Ant« wort bekommen und unerhört ist eS, wie der Teltower Landrat «ine Sussprache mit dem Oberbürgermeister über die Eingemeindung von Treptow ablehnte, angeblich m Wahruiig der Selbstverwaltung. Da sollte die Regierung sich lieber um die Selbstverwaltung in Gemeinden kümmern, die Recht und Gesetz beugen, um das Eindringen der Sozialdemolratie in die Ge- meindcn zu hindern. Nach jahrelangem Kampf ist der Wahlrcchtsraub von Neukölln von dem OberverwaltnngSgericht. entsprechend dem sozialdemokratischen Protest, kassier» worden. Aber was hat dieser Schlag genützt? Gleich nach- her versucht der Magistrat eine neue Entrechtung der Arbeiter, indem er die Stadt gegen Recht und Gesetz als höchste Steuerzahlerin in die Liste einträgt, um alle anderen Wähler herunterzudrücken. Und in Lichtenberg bei Berlin soll der Fiskus als höchster Steuerzahler die gleiche Rolle spielen, obgleich er keine Staatssleuer zahlt, also bei der Aufstellung der Wählerliste gar nicht berücksichtigt werden darf. Die Regierung sollte diesen Städten vor Augen führen, daß eine solche Brüskierung von Recht und Gesetz mit der Selbstver- waltung nicht vereinbar ist. Der Stuf Kardorffs nach einem ArbeitSwilligenschutz« gesetz liegt in dem systematischen Borgeheu der Konservativrn im Einverständnis mit der Rcgirruug. Nach Ihrer Niederlage im Reichs« tage mißbrauchen Sie das Abgeordnetenhaus da*u, die Regierung zu neuen Attentaten auf die Arbeiterschaft scharf zu machen. Die Rede Kardorffs ist allerdings, ebenso wie die Reden der« r n i m, K r e t h— daß die sozialdemokratische Partei sich auS Messerstechern usw. zusammensetze— und S ch o r l e m e r von größtem Wert zur Aufllärung der Massen über den Geist dieses Hauses. Im Herrenhaus haben Sie ja schon vorige» Jahr eine derarUgo Resolution durchgebracht. Das Märchen vom sozialdemokratischen TerrvrismuZ hören wir schon lange genug, aber ein Märchen bleibt eS doch. Zum größten Teil sind alle diese Schilderungen nichts weiter als niederträchtige, gemeine Lügen, die vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie in die Presse lanciert werden, von jenem Reichsverband, über dessen Material das Schöffengericht Branden- bürg das Urteil gefällt hat, daß er ohne B e w e i s den sozial- demokratischen Führer» Unterstellungen mache, falsch eTalsachen und E n t st e l l u n g e n rn seinen Veröffentlichungen bringe, den Kampf herabziehe usw.!(Hört I hört! bei den Soziaidemolraten.) Ich will nur einige Einzelfälle besprechen. Bei der Ruhrstreik- debatte im vorigen Jahre hat der Mmister d-s Inner» von den furchtbaren Dunamitattentaten sozialistischer Streikenden gegen Str.itbrecher in Asseln gesprochen. inzwischen ist gerichtlich festgestellt worden, daß das Attentat sich mich gegen den L o k a l v o r s i tz e n d en des Bergarbeiter- Verbandes richtete, daß unter den acht Angeklagten sieben nicht das geringste mit der sozialdemokratischen Partei zu tun gehabt haben, einer nur vor längerer Zeit einmal ein halbes Jahr Mit- glied aetvesen ist und nur einer dem Bergarbeiterverband angehörte. Do» beweist gerade, daß diejenigen, die durch die Schule der modernen Arbeiterbewegung gegangen sind, an derartigen Taten niemals beteiligt sind. Ebenso bat sich vor Gericht heraus- gestellt. daß an einer Erfurter Terrorismusgeschichte schlimmster Art fast nicht» war. so daß der Angeklagte nur wegen geringfügiger Hänseleien«ine.' ganz kleine Gefängnis- strafe erhielt, ünd die Vorwürfe de» christlichen.Ach. sälischen VoNSblattS' gegen den ginnnererberdand wegen geblichen Terrorismus gegen Nichtverbändler ergab vor Ger, cht. daß die Behauptungen von A bis A Schwindel waren. Ich bestreite nicht, daß auch sozialdemokralische Arbeiter Ausschreitungen begehen, aber das steht in keinen, Verhältuis zu dem Terrorismus, den Sie und Ihre besonderen Schützlinge, die Arbeitswilligen, verüben. Aber wenn ich noch so viele Beweise anführte— Sie würden ja doch bei Ihren Behauptungen bleiben! Der Umfrage deS Handels- tages bei den Handelskammern über die Stellung zum Arbeitswilligen- schütz waren Muster von Terrorismusgeschichte« beigegeben, die eine direkte Anleitung zu Schwindel- antworten waren. Eine ganze Reihe Kammern hat diese Fragen nicht beantwortet. Die Kammer Augsburg hat wohl einen schauerlichen TerrorismuSsall mitgeteilt, von dem aber nachher der Oberbürgermeister und Polizeichef in öffentlicher Sitzung deS StadlmagistratS altenmäßig feststellte, daß nichts Wahres daran sei!(Hört! hört! bei den Sozialdem.) Und so sieht Ihr ganzes Material aus. Setzen Sie doch eine freie Untersuch un g sko mmission ein, der allerdings auch wir und die freien Gewerkschaften angehören müßten, eine Prüfung der einzelnen Fälle durch diese Kommission würde mehr als SS Proz. als erfunden ergeben. Auch die Terrorismusfälle in der Denkschrift zum sogenannten Zuchthaus- gesetz waren ja zum größten Teil unwahr. Sie meinen aber in Ihren Angriffen immer nur die Gewerkschaften und die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften sollten daran denken, daß ein.Arbeitswilligenschutzgesetz" gegen ihre Gewerkschaften ebenso angewandt würde, wie gegen un§. Deshalb sollten Sie mit uns Front machen gegen solche Attentate auf die Rechte der Arbeiter! Die Scharfmacher wissen nichts von den hohen Aufgaben der Er- ziehungs- und BildungSarbeit der Gewerkschaften, sie sehen in ihnen nur Streikorganisationen und die sollen erdroffelt werden. Wir freuen uns der Offenheit, mit der Herr v. Kardorff das erklärt hat! Aber vergessen Sie nicht Ihren Terrorismus l Unter dem Auftuf deS Pommer schen BauherrnverbandeS, der alle gewerkichaft- lich organisierten Arbeiter und alle Bauunternehmer, die solche Arbeiter beschäftigen, brotlos machen will, steht die Unterschrift von konservativen Mitgliedern der gesetzgebenden Körper- schaften! Sie selbst üben den schlimmsten Terrorismus und kommen dann hierher, um über den unseligen zu zetern. In Liegnitz bat die konservative Partei den Boykott über die nicht rechts stehenden Kaufleule verhängt und Ihr Festhalten an der öffentlichen Stimmenabgabe hat ja nur den Zweck, Ihren WahlterrorismuS zu sichern. Sie werden den Reichstag und die Reichsregierung trotz aller Lügen und Verleumdungen der Scharfmacher nicht zu einem neuen Zuchthausgesetz bekommen. ES ist falsch, daß sozialdemo- kratische Führer selbst eine schwere Schädigung unserer Partei durch das Sozialistengesetz zugegeben hätten, sondern nur die furchtbaren Dran salierun gen einzelner, denen eben— so führte Richard Fischer am Grabe Singers aus— Singer Beistand leistete, llnsere Partei aber ist dabei groß und stark geworden und unter einem neuen Sozialistengesetz, das wir nicht wünschen, würde unsere Partei, ebenso wie 1890, kräftiger als früher werden! Sie wollen als Gewaltmenschen mit Ge- walt maßregeln vorgehen. Geistige Waffen wünschen Sie nicht, mit niederträchtigen Lügen fordern Sie Ausnahme- gesetze. Bizepräfient Dr. Krause: Meinen Sie damit Mitglieder des Hauses? Abg. Hirsch: Alle, die Ausnahmegesetze fordern, meine ich. Vizepräsident Dr. Krause: Dann mutz ich Sie zur Ordnung rufen! Abg. Hirsch: � Sie schädigen das Ansehen Preußen?, Sie mißbrauchen die Macht, die Ihnen das Dreiklassenwahlrechl gibt, denn nur unter diesem sind solche Reden möglich und deshalb zeigt uns die Rede Ka�dorffs, daß endlich einmal ein ftciheitlicheS Wahlrecht in Preußen eingeführt werden muß.(Heiterkeit rechts.) Die Berufung des Mi- nisters auf die letzte Wahlrechtsabstimmung trifft nicht zu, denn wenn die wahlrechtsfrenndlichen Parteien hier so vollzählig sind, wie die Wahlrechtsgegner, und wenn nicht Abkommandierungen statt- finden, dann ist hier eine Mehrheit für das geheime und direkte Wahlrecht. Zeigen Sie bei den kommenden Wahlen, von denen wir überzeugt sind� daß sie die letzten unter diesem System sein werden, daß Sie ernst machen wollen mit der Bekämpfung des Terrorismus, indem Sie ihn unterlassen! Wir aber wissen, welch hohe Aufgabe wir zu erfüllen haben. Sie wissen, daß die Sozial- demokratie eine eminent geistige B e w e g un g i st, deshalb verschmähen Sie den Kampf mit geistigen Waffen und rufen nach Gewalt. Wir werden alles tun, um Ihre Pläne zui'chanden zu machen, sollten aber neue Ausnahmegesetze gegen uns zustande kommen, dann tverden wir beweisen, daß nichts imstande ist, die Sozialdemokratie zu vernichten, daß Sie nie mit uns fertig werden, aus dem einfachen Grunde, weil es nicht möglich ist. richtige Ideen durch Gewaltmaßregeln zu ersticken.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. d. Groeben(k.) erklärt den konservativen Boykott als Abwehr, den in L i e g n i tz billigt er, der R e i ch s t a g habe sich nicht in preußische Dinge einzumischen. Delbrücks Drohung gegen Preußen sei unvereinbar mit der Stellung eines Staats- sekretärs zu den Einzelstaaten. Wir greifen aber die Minister nicht persönlich an, denn sie sind von unserem aller- gnädig st en Herrn ernannt.(Lachen bei den Sozialdemo- kraten.— Zuruf: Bülow I) Der Redner fordert �Zlr b e i t s- willigenschutz, die Regierung sei sich der Tausende von Tränen b-wußt, die der Terrorismus der Sozialdemokratie verursacht habe. (Stürmische Zurrffe der Sozialdemokraten.— Abg. Dr. Lieb- k n e ch t wird, weil er diese Aeußerung als eine Schande bezeichnet, vom Vizepräsidenten Dr. Krause wegen.ganz unqualifizierbarer Aeußerungen unter dem Beifall der Rechten zur Ordnung ge- rufen.) Abg. Dr. Friedlierg(natl.) fordert schärferes Vorgehen gegen die Weifen, denen eine Aeußerung deS Abg. Strosser, daß er die welfische Gesinnung verstehen könne, sehr zustatten gekommen sei. Die Polenpolitik geht den Reichstag nichts an. Was ist'S mit den einheitlichen Wahlurnen? Bei großen Streiks reichen Polizei und Militär zum Arbeitswilligenschutz aus, aber bei kleinen kann man das Militär nicht aufbieten. Man sollte die Gewerkschaften finanziell für Streikschäden haftbar machen. Ausnahmegesetze sind heute nicht durchführbar, wir lehnen sie ab. Die Drittelung in den UrWahlbezirken hat das Wahlrecht auf den Kopf gestellt, so daß der weniger Leistende mitunter mehr Recht hat, als der mehr Leistende. Das ist nicht aufrecht zu erhalten. Delbrück hat nicht gedroht, aber Reichs- und Staatsbehörden scheinen doch nicht die richtigen Beziehungen zu haben. Bei den Wahlen müssen die Behörden objektiv sein, denn sie sind für das ganze Volk da. (Beifall bei den Nationalliberalen.) Minister v. Dallwitz: Die welfischen Bestrebungen werden in keiner Weise gefördert. Ein persönlicher Gegensatz zwischen mir und dem Staatssekretär Delbrück besteht in keiner Weise. An der Ausarbeitung des Wohnungsgesetzes war überwiegend das Handelsministeriuni beteiligt und sie erfolgte unter dauernder Mitwirkung des ÄeichsamtS deS Innern. Staatssekretär Delbrück wußte, daß die Veröffentlichung unseres Entwurfs bevorstand und die Deutung der Worte als eine Drohung gegen Preußen kann nur mißverständlich sein. Ueber einheitliche Wahlurnen hat nicht mein Ministerium, sondern nur das Staatsministerium zu entscheiden, dessen Stellung in nächster Zeit bekannt werden wird. Zur Erstreckung des Reichsgesetzes über Armenunterstützung und Wahlrecht auf Preußen war die Zeit zu kurz, denn dazu ist eine Berfassungs- änderung nötig. Die Ersatzwahl iu Teltow-Beeskow mußte verschoben werden, weil infolge der Tagung des ProvinziallandtagL eine aus- reichende Besetzung der Wahlvorstände fraglich lourde. Die Polizeizensur gegen die Freie Volksbühne erfolgt lediglich nach den bestehenden Grundsätzen. Daß der TerroriSmus bei Streiks nicht von Sozialdemokraten, sondern von Arbeitswilligen ausgeübt wird, ist eine etwas kühne Behauptung. Die vieten hundert Bestrafungen zur Zeit des Ruhrstreiks zeigen doch eine große Aus» breitung des Terrorismus.(Beifall rechts.) Abg. Marx(Z.) wendet sich scharf gegen K a r d o r f f, der aber in Zurufen hervorhebt, daß er das Zentrum im Gegensatz zu den Reichsfeinden genannt habe. Die Zukunft wird lehren, daß gerade die Anhänger der Enteignung Staatsfeinde ge- wesen sind. Die Sozialdemokratie ist eine geistige,� antichristliche Bewegung, die lediglich die Konsequenzen aus einem falsch aufgefaßten Liberalismus zieht und deren Bekämpfung itur möglich ist durch Hebung des sittlich religiösen Bewußtseins. Unsere Kirche hat noch nicht die nötige Freiheit. Geben Sie sie ihr und sie wirb sich wie ein Aar zum Himmel erheben.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Das katholische Land beweist die Widerstands- fähigkeit des katholischen Volkes gegen die Sozialdemokratie. Die Kardorffsche Rede ivar eine S ch a r f m a ch e r r e d e, die die Sozial- demokratie als Flugblatt herausgeben könnte, um tausende Anhänger zu gewinnen. Jeher Satz widersprach dem vorigen. Wir verlangen das geheime Wahlrecht für die Gemeinden, bei der öffentlichen Wahl kann die Sozialdemokratie ihren Terro- riSmus spielen lassen. Der Unsittlichkeit muß schärfer entgegen- getreten werden, ebenso verdächtigen Zeitungsinscratcn und dem Kinounwesen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Korfanty(Pole) protestiert gegen den organisierten TerrorismuS, da an dessen Spitze der Reichskanzler stehe. Verschiedene Konservative schämen sich des Enteignnngs- gefetze», das sie in einer schwachen(Stunde mit dem Fürsten Bülow gemacht haben. Herr v. Zedlitz, der immer gegen uns hetzt(Präsident Graf Schwert» rügt diesen Ausdruck), sprach kürzlich von revolutionären Bewegungen unter den Polen. Ja, von nichtpolnischer Seite wollte man die polnische Jugend zu einem Putsch gegen die russische Regierung verleiten, dafür habe ich positive Beweise. Der Sozialdemokratie kann man nur durch ein System von Recht und Gerechtigkeit entgegentreten.(Zu- ruf des Abg. Hoffmann: Wie wollen Sie da8_von diesem Hause erreichen?— Unruhe rechts.— Präsident Graf Schwerin: Ich bitte wirklich, von dem Recht der Zwischenrufe einen etwas mäßigeren Gebrauch zu machen.— Heiterkeit.) Die Gewaltpolitik züchtet die Sozialdemokratie.(Beifall bei den Polen.) Minister v. Dallwitz bezweifelt die Behauptung K o r f a n t y s, daß ihm ein konservativer Abgeordneter eine Aeußerung BLlowZ mitgeteilt hätte, wonach die Konservativen nur ruhig für das Eni- eignungSgesetz stimmen möchten, eS würde ja niemals angewendet werden. Seitdem Korfanty gegen einen AmtSvorstcher vollständig unrichtige Beschuldigungen erhoben hat, mißtraue ich seinen An- gaben. Es wäre eine Schmach, wenn wir ruhig zusehen würden, wie in einer preußiscben Proving der Verkehr mit einem Deutschen als verabscheuungswürdige Schande gebrandmarlt wird.(Beifall rechts) Da? Haus vertagt sich. ES folgt eine große Anzahl per- fönlicher Bemerkungen. Die Abgg. Dr. Liebknecht und Borchardt(Soz.) stellen gegenüber einer Mißdeutung ihres Lächelns bei einer Rede des Abg. Marx fest, daß dieses Lächeln nur der Geschicklichkeit galt, mit der Marx auch bei dieser Gelegenheit eine Ordensdebatte hervorzurufen bestrebt war, daß es aber nicht gegen die auf Zulassung der Jesuiten usw. gerichtete Tätigkeit des Zentrums gemünzt sein(ollte. Abg. Dr. Marx(Z.): Ich habe dieses Lächeln, das sich zwischen Dr. Liebknecht und Borchardt„entwickelt" hat Heiterkeit), auf drei Meter Entfernung gehört.(Allgemeine Heiterkeit). Ich er- blickte darin einen Hohn auf meine Worte. Nächste Sitzung: Sonnabend, 1. Februar, vormittags 11 Uhr: Etat des Innern._____ Schluß 4% Uhr. Fretreltgiöse Gemeinde. Sonntag, den 2. Februar, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17, Neukölln:.Jdealpassage', und Tegel: Schlieper — VormlitagS 11 Uhr,~' ttraße 30: Freirellgiöse Vorlesuni satter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille: Damen und Herren als Gäste sehr willkommen Kleine Frank- Mutter Erde".— lentralverM der Masehinisten, Heizer und Herufsgenossen Deutsehlands. Geschäftsstelle Groß»Berlin, Engelufer 15. MOimste«, Mm o. öerMollkgen in Wische» Kctrieben. Sonntag, den s. Februar ISIS, vormittags tO Uhr: Zwei große Betriebsversammlungen. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Wer vertritt die Interessen unserer Berufsaugehörigen in den Gemeindeparlamenten? 2. Betriebsangelegenheitin. 152/3* Referenten sind die Kollegen Rudolf Schlichting und Max Galle. Die Versammlung der Bezirke Köpenick, Ober-Schöneweide, Grünau, Friedrichshage» und Adlershof findet in Köpenick» Schönerlinder Straße 3, im Lokal von Stippekohl statt. Für alle anderen Bezirke findet die Versammlung in Berlin,„Arminhallen", Kom- mandantenstraße ZU statt.'__ Die Ortsverwaltung. HUT* Von Joh. Schulze, Greiz t. V. kauf. Sic sehr gut und billig neueste "~ I» Ntrmltlmgsstklle Serliu. C. 54, Limenstr. 83—85. Kassierer: Arbeitsnachweis: Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9711. I Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Montag, den S. Februar IvIS, abends 8'/, Uhr, im Bolkshaus Charlottenburg, Rosinenstr. 3: Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Neuwahl der Bezirksleitung. ----- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!■■. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den S. Februar 1913, abendS 7 Uhr, im Lokal von Kirschkowski, Oranienstr. 180: 1W Versammlung aller an Schrallbknaatomatku und Etn,tlbälikell lieschäst. Einrichter in der Zchraubenbrauche. Tagesordnung 1. Erledigung der vom 19. Januar vertagten Versammlung. tussio». 3. Neuwahl deS Vertreters zur Agitationskommissio». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! � 2. DiS. 112/1 Die Einrichter an den Einzelbänken sind ganz besonders eingeladen. vi« Qr-tsverrvsltiinx. ervirla u. verwertet anerk. schnell Civ.-Ing Jacger ä Dr. Breslauer _____________ Berlin, Git«chlne,»lr.l06,n.d.PaL-Amt Das beratende Nachschlagebuch: Patente etc Das beratende Nachschlagebuch:„Wie ntuss'nMf:,. ��elnekrtindungwrdieVe�eNu� Kleiderstoffe für JUamen und Herren Resten. Gewicht u. I. Kommission! Fttr Verkf Herren, Frauen u. Geschäfte ge». Haben Sie tdott' davon Anzug od. Päldtot schick, dauerh. Zutaten Mark an. Moritz Lzband� Promenade Ä, U,(Stadib. Bors.) ?) y Buchhandlung Vorwärts Llndenstr. 69(Laden). Xeaernctaelnnngen: AhhandlongeD und Vorträge zur soziallstiscben Bildung. Herausgregebea von Max Crrnnwald Heft 4 u. 5: Gesetiiehte der sozialdemo- kratisciien Parteiorganisation in Deutschland von 247/6* Wilhelm Schröder. Preis 75 Pf. • Heft 0: Schiller und die Arhelter von Konrad Haenisch. Preis 40 Pf. Hancliester- Anzüge Marke Gambrinns. Warn gefüttert. Strapazlerfest. 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Abänderung erhält solgende Fassung: Die wöchentlichen Beiträge betragen 4'/, Prozent des durchschnittlichen Tagelohns, d. h. sür die A-Klasse.... 1.23 M. 9 9 I, 9 0,96 9 9 9 IT. 9.,.. 0,81 9 9 9 HI. 9.... 0,66 9 ,, IV...... 0,42, ,. Y...... 0,27 9 Artikel H. Vorstehende Statutenabänderung tritt am Montag nach der staluten- mäßigen Bekanntmachung in Kraft. Berlin, den 5. November 1912. S. Gottesmann, Vorsitzender. ff. Keese. Schristsührer. Genehmigt durch Beschluß vom 7. Januar 1913._. Der BezirksanSkchnst»« vertt«. Abteilung H. Wagner. Obige Beitragssätze trete» am Montag, den 3. Februar in Kraft. und tonnen Nachtragsexemvlare im Bureau der Kasse in Empsang ge. nommen werden. 266/16 Der Vorstand. ft. Gottesmann, Vorsitzender. F. Keese, Schriftführer. BuctiMIung Vorwärts Lindensfr. 69 W»M Ein Lehr- und Spielbuch für Jugend, Eltern und Lehrer von Heinrich Pralle. Mit 15 Abbildungen im Text und 17 Tafeln. Preis' 1,50 Mark. man""ä*-""v-tcni navn------- Neukölln. Für den Lnseralenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: VvrwärtH Kuchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co� Berlin ZM V 8,.27. 30. Z Ktllligt des Jsmiu'lf Dttlilttr WlksblM �.,«»3. 1 1 tili ilMIIIM f'lillllM IlWI�agaea�™ Der Parteitag der englischen Arbeiterpartei. (Erster Tag.) -London, 29. Januar.(Eig. Ber.) Der dreizehnte Parteitag fccr britischen Labour Parth wurde heute in der Princes Hall in London unter dem Vorsitz de- Parlamentsmitgliedes Roberts eröffnet. Es waren gegen SOO Delegierte anwesend, eine Zahl, die auf keinem der vorhergehenden Parteitage erreicht wurde, In seiner Eröffnungsrede ging der Vorsitzende Roberts auf die verschiedensten Probleme ein, mit denen die Arbeiterpartei zu rechnen hat. Er betonte die Notwendigkeit der Loyalität aller Parteimitglieder, des„unwandelbaren Doktrinärs' wie des Ar- beiterparteilers, den alte Assoziationen noch anlocken. Er wies darauf hin, daß die Gärung und Aufwallung in den Volksmassen, die charakteristischste Erscheinung der Zeit, in stetem Wachsen be- griffen sei. Daß der Fortschritt der Arbeiterbewegung nicht schneller vor sich gehe, liege vielfach an dem Konflikt der in Vor- schlag gebrachten Nampfesmethoden. Tann ging der Vorsitzende auf die vor kurzem wieder auferwcckte Theorie ein, daß die poli- tische Aktion zu nichts führt und nur die direkte wirtschaftliche Aktion die Ziele der Arbeiterschaft verwirklichen kann. Die Ar- beiterpartei ist hingegen der Ansicht, so führte der Vorsitzende aus, daß beide Kampfmittel die gleiche Berechtigung haben. Nicht allein die Politik, sondern auch der Streik bringt Enttäuschungen. Wir dürfen nicht vergessen, daß wir zur Erreichung unserer Ziele den Staat zuerst vollständig demokratisieren müssen. Wie die parla- mentarische und direkte Aktion aufeinander angewiesen sind, be- weist der große Bergarbeiterausstand des vorigen Jahres. Die parlamentarische Partei blieb während des Streiks ständig in Be- rührung mit der Bergarbeitcrföderation und in dem darauffolgen- den Transportarbeiterstreik verhinderte sie, daß sich die bewaffnete Akacht des Staates so vollständig wie in früheren Fällen auf die Seite der Arbeitgeber stellte. Der Vorsitzende befürwortete die Legalisierung der Verträge zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nchmern, ein Projekt, das vom letzten Gewerkschaftskongreß vcr- warfen worden ist. Er betonte, daß dieser Borschlag dem Streik- recht keineswegs Abbruch tue. Dann ging er auf die Tätigkeit der Partei im Parlament ein, legte ein Wort für das Tageblatt der Partei„The Daily Citizen" ein und skizzierte die nächsten politischen Ziele der Partei, nämlich: die Einführung eines Mini- mallohnes für Landarbeiter, die Lösung der Wohnungsfrage, Ber- staatlichung der Eisenbahnen, des Landes und der Bergwerke. Er befürwortete den behördlichen Ankauf von Ländereien auf Grund einer öffentlichen Einschätzung und die höhere Besteuerung des Wertzuwachses des städtischen Bodens und erklärte, daß er kein „Single-Tarer" sei. Die einzige gerechte„Single-Tax" sei eine abgestufte Einkommensteuer. Zur Wahlrechtssrage bemerkte er. daß sich die Arbeiterschaft nur durch die Einführung des allge- meinen Wahlrechts für alle Großjährigen lvcrde befriedigen lassen. Zum Schluß führte der Vorsitzende folgendes aus: Die Zurück- Haltung, die sich die Mächte in bezug auf den Balkankricg auf- erlegt haben, beweist, daß sie den Ansichten der europäischen Ar- beiterschaft Rechnung tragen. Es ist sicher, daß die herrschende Eifersucht und das Mißtrauen durch das Einverständnis zwischen den Demokratien geschwächt wird. Mc Völker ernennen, wie wegen der Treibereien und des Ehrgeizes der Herrscher und die niedrige Gewinnsucht der Waffenfabrikanten die staatlichen Aus- gaben immer höher steigen und die Sicherheit unerreichbar wird. Was der Arbeiterpartei besonders nottut, ist Einigkeit, Propaganda und Organisation. Der fundamentale Zweck unserer Bewegung ist, das Recht zu arbeiten und zu leben zu erobern. Die Rede des Vorsitzenden wurde verschiedene Male von Suffragettcs auf der Galeric unterbrochen. Im Laufe des Tages mußten mindestens ein halbes Dutzend Mitglieder der militanten Jrauenorganisation aus dem Lokal sanft aber energisch entfernt werden. Nach ihren Reden zu urteilen, hielten sie die Arbeiter- Partei für das Fiasko der Wahlrechtsvorlage mitverantwortlich, und fordern, daß sich die Labour Party fortan nur noch mit dem Frauenstimmrecht beschäftige. Zuerst faßte der Parteitag die Störung mehr von der humoristischen Seite auf. Man lachte und klatschte den ordnungswidrigen Rcfercntiimen Beifall. Ale die Sache aber schließlich zu toll wurde, brachte nur die dringende Für- spräche des Vorsitzenden die Versammlung von ihrem Vorhaben ab, die Galeric räumen zu lassen. Zweifelsohne war die Störung organisiert und möglicherweise wird sie morgen sortgesetzt werden. Den Rest des Tages verbrachte der Parteitag mit der Besprechung des Vorstandsberichts, die nicht vwl Bemerkenswertes zutage förderte.-Williams(Transportarbeiter) klagte darüber, daß verschiedene große Organisationen, wie die der Bergarbeiter und Eisenbahner nur verhältnismäßig kleine, der Zahl ihrer Mit- glieder nicht entsprechende Geldsummen an die Partcikajse abgc- 1 führt hätten. Er verlangte, daß man diesen Organisationen nur die Zahl von Stinimcn gewähre, die der Höhe ihrer Beiträge cnt- spreche. S in i 1 1 i e(Bergarbeiter) wendete sich gegen den Vorschlag und erklärte, weshalb die Bergarbeiter im Rückstand sind. Der große Streik habe viele Bergarbcitergewerkschaften an den Rand des Bankrotts gebracht und in Schulden gestürzt, die erst abbezahlt werden müßten. Die Bergarbeiter würden jedoch ihre Partei- schulden auf Heller und Pfennig bezahlen, sobald sie imstande wären. Ä.-cr Angriff aus oie Bergarbeirer stehe den Transport- arbeitern am allerwenigsten an, denn gerade die Bergarbeiter hätten die Transportarbeiter beim letzen Londoner Streik unter- stützt, obwohl ihre Kassen fast leer waren.— Vom Vorstandstisch wurde alsdann erklärt, daß die Organisationen, die der Parteikassc Geld schulden und wegen des gegen sie erlassenen Jnhibitions- bcfehls die festen Beiträge nicht haben entrichten können, das schriftliche Versprechen abgegeben hätten, die Rückstände zu be- gleichen, sobald die Osbornefrage geregelt sei. Der Antrag Williams wurde abgelehnt. Abgelehnt wurde auch auf Antrag Smillics ein von dem Parteivorstand vorgeschlagenes Organisationsprojekt für Schottland. Bei dem Punkte Zusammenarbeiten mit den Ge- nossenschaften regte Priejtly(Manchester) an, alle Arbeiter sollten sich zur Pflicht machen, den Genossenschaften beizutreten, und die Gewerkschaften-sollten darauf achten, daß nur solche Personen zu Direktoren der genossenschaftlichen Unternehmungen gemacht wür- den. die bereit wären, den gewerkschaftlichen Forderungen in den Genossenschaftsbetrieben Anerkennung zu verschaffen. Von vcr- schiedenen leiten wurde das Vorgehen der Parlamentarier in der Osbornefrage scharf kritisiert. Ein Delegierter meinte, die Regierungsvorlage zum Osborneurteil komme einer Vorenthaltung des Rechts zur politischen Betätigung der Gewerkschaften gleich. Am Schluß der Sitzung wurde die Verlesung eines Beglück-- wünschungStelegramms der Deutschen Sozialdemokratie mit großem Beifall aufgenommen und beschlossen, eine entsprechende Antwort zurückzutelegraphieren._ Jugendbewegung. Kirchenkollekte für katholische Jngendvereink. In ihrer Ausgabe vom IL. Januar veröffentlicht die„Schle- fische Volkszeitung', das Breslauer Zentrumsblatt, die Zuschrift eines katholischen Jugendvereinspräses„für die katholischen Jugend- vereine Breslaus". Darin wird mitgeteilt: „Am vergangenen Sonntag wurde von den Kanzeln der Breslauer katholischen Kirchen eine Kollekte für die katholischen Jugendvereine angekündigt. Und so wird morgen(also Sonntag, 19. Januar. R. d.„V.") in den Pfarrkirchen-der Ruf ertönen: Für die katholischen Jugcndvereine Breslaus wird gebeten!" Nach bewährter Methode sucht dann die Zuschrift die Mildtätig- kcit für die gute Sache noch zu fördern durch einen Hinweis auf die „Fluten der Glaubens- und Sitte nlosigkci t", in deren Anstürmen die katholischen Jugendvcreine als Rettungsinscl stehen. Auch das Heil der Kirche und des Staates wird herauf- beschworen. Und so kann denn die Kollekte losgehen— zur höheren Ehre Gottes und im besonderen Interesse der Zentrumspartei. Em Industrie und Handel. Der Balkankrieg und die dentscheu Sparkassen. Die im Auftrage des Deutschen Sparkassenverbandes heraus- gegebene �Sparkorrefpondenz" schreibt:„Die Monatsstatistik der deutschen Sparkassen ist gegenwärtig besonders geeignet, die öffent- liche Aufmerksamkeit zu erregen. Das Ergebnis der Statistik ist dahin zusammenzusaslen, daß der November 1912 für die deutschen Sparkassen ungünstiger als irgend ein Monat vorher, der Sep- lembei 1911 mit der Marolkopanik eingeschlossen, verlaufe» ist. Der ausschließlich durch die Balkankrisis verursachte Abfluß auS den Sparkasse» ist auf 60— 70 Millionen Mark zu schätzen. Dieses Resultat ist erheblich ungunstiger, als bei der Marokkokrisis, für welche es auf 35 Millionen Marl geschätzt war. Wie damals ist an der Hand des vorliegenden statistischen Materials festgestellt, daß diese Zurückziehung der Spaieinlagen vorwiegend seitens der kleine» Einleger erfolgt ist. Eine vorläufige Berechnung ergab, daß diesmal der DurchfchnittSpoften einer Riickzablung sich auf 261 M. stellte, gegen 255 M. im entsprechenden Monat des Vorjahres. Von 37 der größten be- richienden Sparkassen hatten im November 1911 nur 8 Mehrriick- zabluugen gegenüber Mchreinzahlungen zu veizeichnen, und zwar im Höchstfalle-112 000 M., denen bei den übrigen 29 Mehreinzah- luugen üi Gesamthöhe von über 7 Millionen Mark gegenüber- stanoen. Dagegen hallen im letzten November von diesen selben Sparkassen nur 5 Mchreinzahlungen in Höhe von 690 000 M., während die übrigen Mehrrückzahlungen von über 31 Millionen I auswiesen. Darunter befanden sich mit mehr als 3 Millionen die städtische Sparkasse Berlin, mit mehr als 2 Millionen die städtischen Sparkassen Köln. Magdeburg, Königsberg und die Spar- lasse iu Bremen, mit mehr als 1 Million die städtischen Sparlassen Dresden, Leipzig, Breslau, Stettin." Bailkeufusion in Schlesien. Wieder verschwindet eine alte Privatbank in einem der größeren Bankkm:zerne. Das seit 1817 bestehende Bankhaus F. L. Lands- b e r g e r in Breslau übergibt ihr Breslauer Geschäft dem Schlesischen Bankverein in Breslau, der zur Gruppe der Deutschen Bank gehört. Die Firma Landsberger unterhielt bisher Beziehungen zur Berliner Handelsgesellschaft, die sich noch im Jabre 191 l mit l'/a Millionen an der LandSbergerschen Kommandit- geiellschaft beteiligt hatte. Die Firma wird übrigens nicht ihre volle Selbständigkeit an den Schlesifchs» Bankverein abgeben. Die Berliner Niederlassung soll weiter bestehen bleiben. Nur das fchlesifche Geschält, das Beziehungen zur fchlesifche» Industrie unterhielt, geht auf den Bankverein über._ Hua der Frauenbewegung. Frauen als Wählerinnen. Glänzend hat sich das direkte Frauenwahlrecht zum Gemeinde- rat von Wiener-Neustadt bewährt. Montag fanden die Wahlen im 5. Wahlkörper statt, in dem die Frauen nicht wahlberechtigt sind. Unsere Genossen haben von 10 Mandaten 6 erobert. Am Mittwoch wählte der 3. Wahlkörper. Da hatten unter 1215 Wählern 481 Frauen daS Wahlrecht.. 213 lamen persönlich wählen, die Ledigen und Verwitweten,' 268 Verheiratete mußten durch den Ehegatten ihr Wahlrecht ausüben lassen. Es kam bei der Wahlurne zu einigen drastischen Szenen, als verheiratete Frauen persönlich er- schienen, um ihr Wahlrecht auszuüben und von der Wahllommission zurückgewiesen wurden. „Was, riefen sie: Ich zahle selb st Steuern und wählen soll ich nicht selbst." Eine Wählerin wollte man zurückweisen, bei der sich herausstellte, daß der Mann noch lebt, aber seit zwei Jahren in Amerika weilt. Energisch verteidigte sie vor der Wahlkommission ihr Recht und die Kommission entschied zu ihren Gunsten. Unsere Genossinnen arbeiteten unermüdlich.- Schon am Montag, wo nur Männer wählten, arbeiteten sie in großer Zahl in den Sektionen und bewährten sich noch in der persönlichen Agitation. Am Mittwoch aber war ihr Eifer noch gesteigert, sie wollten der wochenlangen VorbereitungSarbeit die Krone aufsetzen und der Sozialdemokratie möglichst viel weibliche Stimmen gewinnen. Und sie hatten Erfolg. Trotz Frauen Wahlrecht, wurden auch in dieseni Wahlkörper von 10 Mandaten 5 für uns erobert. Das Frauenwahlrccht hat also nicht der Reaktion genützt. Weder Christlichsoziale noch Deutschnationale haben davon profitiert. Run känien noch der 2. und der 1. Wahlkörper zur Wahl. Im 2. haben die Frauen von 715 Wählerstimmen 476, davon direkt auszuüben 166. Im 1. Wahlkörper sind von 705 der Wähler 810 weiblich. Auch in diesen beiden Wahlkörpe?» dürste der Sozial- demokratie noch ein Erfolg winken. Die Genossen und Genossinnen gehen mit Feuereifer an die weitere Agitation und die Genossinnen jubeln, daß das Wahlrecht der Frauen so gut gewirkt hat, obwohl die Arbeiterinnen vom Wahlrecht noch ausgeschlossen sind. Die Frouenwahlrechtsbcwegung iu Oesterreich wird durch diese Wahl einen neuen Jmspuls belonunen. Hervorgehoben sei noch, daß die diesmaligen: Wahlen in Wiener- Neustadt die ersten Proporzwahlen sind. WttteruugSübersich» vom 31. Ja nuar 1013. Wetterprognose für Sonn abend, den 1» Februar IS 13. Zunächst wärmer, vorwiegend trübe mit Niederlchlägen und starken südwestlichen Winden; später zeitweise aufklarend und wieder- etwas fallti -, Max Giesen, Berlin-Moabit Weiße Woche bei Max Giesen Käufer dort in Scharen zieh'n, Denn sie hat sich längst erwiesen' Als Ereignis für Berlin. Zehn Prozent auf weiße Ware! Nutzlos nicht dorthin Ihr lauft; Hier geschieht das Wunderbare, Menschen, kommt und staunt und kauft! Weiße Wäsche aller Arten, Einfach, elegant und schick, Blendend weiße Blusen warten, Bis sie wählt der kund'ge Blick. Tisch- und Hand- und Taschentücher, Wäschestoffe, sehr reell, Weiße Kleider finden sicher Reißend ihren Absatz schnell. 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Es kommen während dieser zehn Tage ganz enorme Posten Waren aller Art, wie: Kleiderstoffe, Waschstoffe, Leinen- und Baumwollwaren, Wäsche zu beispiellos billigen Preisen zum Verkauf, und bitte ich, aufmerksam die Waren und Preise der 12 Schaufenster zu beachten und Artikel, die man in den Fenstern nicht findet, sich doch am Lager vorlegen zu lassen. Wir lassen Tatsachen reden!!! Um uns über die Preisdifferenzen zwischen unserm Verkaufspreis(Selbstkostenpreis-f- lO�o) und dem des alten Verkaufssystenis Gewissheit zu verschaffen, haben wir bei i einer Rc he vön Konkurrenten verschiedene Artikel eingekauft, welche uns eine Kontrolle ermöglichen. Wir haben festgestellt, dass alle diese Artikel erheblich, und zwar bis zu 25 Prozent teurer waren als bei uns! Wer seinen Bedarf an Herren- und Knaben-Bekleidung jeder Art, ob fertig oder nach Mass, bei der H. K. G. deckt, erzielt auf Grund unseres Verkaufssystems, SelbstKostenpreis+ i00/0 ümsatzgebuhr, bedeutende Ersparnisse. 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UeRttS � Tanz-Ttirnier im Admiralspalast Ball verbünd, m. Tanzkonknrrenz um die Meisterschaft von Berlin in Onesfep, Twostop, Boston und Tango, SM- 3 Preise im Gesamtwerte von em- 2000 M. i gestiftet vom Boston-Klub,| der Firma Manoli und dem Ka. de. Wo. Preise sind bis 6 Uhr abends im Kaufhaus des Westens und nachher im Admiralspalast{ ausgestellt. Entree für Ballbesucher lO M. für Preisbewerber— Herr und Dame— 15 M. Zuschauer-| karten(2. Rang) 5 M. Beginn der Tanzkonkurrenz I pritziKe 9 Uhr. Herren im Frack. Damen in Bailtoilette. Zirkus Busch. Sonnabend, den 1 Februar 1913,| abends t'/jUhr: DI« neuen groBen Sensations- Nummern; „Aorial Stars" mit der Schlnßproduktion Der inysterlttso Decken- 1 liiiifer. Lauf dos Artisten an der Decke! der Zirkuskuppel mit dem Kopf j nach unten. Ferner: Nur kurzes Gastspiel!! Hr. J. Hnller. Kopfsturz durch d. Tischplatte. Hd. Dellta dcPOro mit ihren dressierten Kühen.| Frl. Luise Dk), Schulreiterin. Mac Norton ist prolongiert. I Hierzu die übr. Spezialitäten. I Zum Schluß: Prunkpantomime j „Sevilla". AvIk! Sonntagnachm. S'/jU. I „Unter Dnrilla«". Jeder Erwachsene ein Kind unter! 10 Jahren auf allen Sitzplätzen frei.| i■IIIHiHIHHI IIIIMIIHIII1I Falles Caprice. Ansang 8'/, Uhr. Die drei Zaison- Schlager: ---- In Sache» Kaftenstrin:. Tie Toppetsirma.' "> Tie Tochter der Braut. HWPH Der Köhejsynkt des Lach- Erfolges! mit Anton und Tonat Herrnseld in den Hauplrollen. Ans. 8 Uhr. Vorwerk. II— 2(Theaterf.) v«l K«-Vhe» ter Neutöll», Hermannftr. 20. Sonntag, den 2. Februar, t1/, Uhr: lironc und Kessel. Militäi ausnattungskomödie in 4 Akten 16 Bildern) von Howard und Lutz. Moniog, den 3. Februar, 8'/. Uhr: A»i Altar. Schauspiel in 5 Allen von Karl WexeL Tiieste! KünigBtgllt-lZgziiio. Eckeyotzmarkt- u. Aleparideiirratze. l Minute v. Bahnh. Fannowitzbrücke Tagt. abdS.>/z8. Sonnt'Iß Uhr: Puppchon tadellos. Poffc m. Olef, in 1 am— und das groft. Spezialitätenprograinm Jed. 1. u. 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Brauerei- u. Mühlen- arbeiten. verw.BerüIsgenossen. Zahlstelle Berlin. Am 25. Januar 1913, verstarb ganz plötzlich unser Mitglied, der Hilfsarbeltcr Wifü Franke tKindlbrauerei) im Alter von 21 Jahren. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Februar er., nachmittags 3 Uhr. aut dem alten Luisenstadtkirchhos in der Bergmannstraße 48/59 statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider u. Sehneiderinnen. Filiale Berlin I. Todesanzeige. Uuseceu Mitgliedern hieanit zur Nachricht, daß per Kollege Wilhelm(Lutsche am 30. Januar im Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung sindet morgen Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des«imeon-KirchhofeS in Britz, Tempelhoser Weg, aus statt. >62/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transporiarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Aroeiter Emil Glogner am 29. Januar im Aller von 24 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 1. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Bartholomäus- Kirchhofes, Falkenbcrger Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/13 Hie Bezirksverwallung. ! lentraiverband der Maschinisten ju. Beizer sowie Beriilsg.Deutselil. Geschäfsstelle GroS-Berlin. Am Dienstag, den 28. Januar I oerstarb unser Mitglied, Kollege I.�uxust Rijanski. Ehre seinem Anbeuten! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Februar, nach- ! mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhofes in | Fricdrichssclde auS statt. 152/4 Zahlreiche Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltuug. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz unser liebcr�Sodn. Bruder und Schwager, der Schuhmacher Georx Brandt verstorben ist. 2266b Um stille Teilnahme bitten Karl Brandt und Frau. Tic Beerdigung findet am Mon- lag, den 3. Februar, nachmittag? 4 Uhr. von der Leichenhalle des Zenttal-FriedhoseS in Friedrichs- selde aus statt. t. Geschäft: 2. Geschäft: 3. Geschäft: Ro&entbaier Str. 40/41 Gr. Frankfurter Str. 1 10 �Aingsi/'z? a. Hackeseben Markt am StraußbergerPlatz Ecke MagazinsuaCa Zeitungs-AusgabesteUen und Juseraten-Almalfme. Zentrum: Ahbert S a b nisch. Ackerstr. 174, am Koppenplatz. L. Walilbrcls, W.: Gust. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre. £5. und SW.: Heranann Werner. Gneisenaustr. 72. S. Wahlkreis: St. Fritz. Brinzeustr. 31, Hos rechts Part. 4. Wahlkreis: Dften: Robert WengelS, Gr. Frankfurterstr. 120. — Richard H a ck e l b u I ch, Pelersburgerplatz 4(Laden). 4. W'ahlkrels, Südosten: Vaul Böhm. Lausitzervlatz 14/15. S. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos), S. Wahlkreis(Moahlt): Salomen Joseph, eoalzwedelerstr, 8. Wedding: I, H ö n i i ch. Nazarethkirchstrage 49. Kosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm Baumann, Rheinsberaeritr. 67, Laden, Qesnndhrnnnen: Fischer, Bastianftr, 6, Lade», «ehvnhanser Vorstadt: Karl Mars. KreifenHagentr Str. 27. adiershot: Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. 4It.«Iienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickerilr. 6. Baunisohulenveg: H, Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Bernau, Biiutgeutal, Zeue.ruiek, Schünow, Schttn- brück und Buch: Heinrich S r o f e, Mühlenstr. 5, Laden, Bohnsdorf, Falkenberg und Falkenhorst: Paul G e n s ch. Bohnsdorf, KenossenschastshauS»Paradies". 4!lhnrlottcnbnrg: Gustav Scharnberg. Selenheimeritratzi 1 Fiehwalde, Sehrnvekwitz: OskarMaHle, Stubenrauchstt, 99. Frkner, Aieu- Zittau: Ernst H o ssma n», Friedrichshagener ChlNtss ee. Fredersdorf-Fotershageu, Eggersdorf: E. H ö f 1 1 b a r i h, PeterShagcn.__..,_.. Friedenau, Steglitz, Südende, Grt'B- Elchterfelde, Lankwitz: H. B e r n i e e, Mseniir. 5 in Steglitz. 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Z Zastrow, Lea r- 69 1/-, ..« j Zeel 5 OutSylTOc! J, M.Oorodlsk —— N�ntwortlicher Nedatteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den Inseratenteil oerantw.:TH.Gl»cke.Berltn. Druck u. Verlag: Vorwärij�uchdruckeret u. �criägiänpäit Paul Singer U-Co., Berlin SW-, j,«. so. Z. Ktilllge Ks.Fllmilrts" Kerliner Nslksdlatt. w."> �-..-.»>3 kerlin im Schneesturm. Wer geglaubt hatte, der Winter in diesem Jahre würde ohne Schnee vorübergehen, wurde gestern eines anderen belehrt. In den Bormittagsstimden setzte ein Schneewehen ein, das Schnee und kleine Eiskörner den Straßenpassanten ins Gesicht trieb und immer heftiger wurde. Äuf den Straßen eutstand bald eine Glätte, die das Passieren nur noch schwer ermöglichte. Fortgesetzt stürzten Menschen und Tiere. Die Fuhrwerke konnten besonders bei den an- steigenden Straßen nur noch mit Borspann weiter kommen. In den Mittagsstunden waren die Gleise der Straßenbahn derartig mit Scknee verweht, daß der Verkehr vollständig lahmgelegt wurde. Ueberall sah man Straßenbahnwagen stehen, die nicht mehr fort» kamen. Die in dieser Zeit aus den Geschäften und Fabriken kom- Menden Angestellten und Arbeiter mußten bald einsehen, daß es nur eine Möglichkeit gab, um nach Hause zu kommen, daß man sich auf seine Füße verließ. Es dauerte recht lange, ehe man aus den Straßen Arbeiter sah, die sich an die Reinigung der Straßenbahngleise machten. Aber auch diese Arbeit nützte nicht viel, da durch neue Schneemasien die Rillen wieder zugeweht wurden. Stundenlang war der Straßenbabnverkehr unterbunden. In Tätigkeit waren dagegen die Autoommbusse, die tatsächlich gestürmt wurden. Die Aulodroschken waren viel begehrt; es gab bald leine Haltestelle, an der eine Autodroschke aufzutreiben war. Am Nachmittag traten zahlreiche Arbeiter in Funktion, aber ihre Zahl war eine viel zu kleine, um ernstliche Hilfe zu schaffen. Auch die städtische Straßenreinigung brauchte merkwürdig lange Zeit, ehe sie Hilfskräfte stellte, um für den Fußverkehr etwas freiere Bahn auf den Straßen zu schaffen._ Partei- Hngclegcnheiten. Dritter Kreis. Am Montag, den 3. Februar, beginnen für die Mitglieder des Wal?lvereins die Vorträge des Genossen Dr. Hermann Duncker über:„Die Grundlagen des Sozialismus." Die Vorträge finden am 3, 6., lO. und 13. Februar im Gewcrlschaftshause, Saal I, statt. Anfang abends 8>/, Uhr. Eintrittskarten a 20 Pf., gültig für alle vier Borträge, find noch bei den Bezirksführern zu haben. Schmargendorf. Morgen Sonntag, den 2. Februar, vormittags 8 Uhr. vom Restaurant„Waldkater", Warnemünder Str. 14/18 aus: Wichtige Flugblattverbreitung. Strausberg. Am Sonnabend, den 1. Februar, abends SVa Uhr, im Restaurant zur Ritterburg: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom letzten Quartal. 2. Die bevorstehende Landtagswahl. 3. Vereinsangelegenheiten. Hohenschönhausen. Heute Sonnabend von 7 Uhr ab wichtige Flugblativerbl eilung von den Bezirkslokalen aus. Morgen Sonnlag l'/z Uhr. öffentliche Versammlung im Lokal von Robert Schultze, Hauptstraße 8-9. Tagesordnung:„Die Volksgesundheit steht aus dem Spiel!" Referent: Genosse Dr. Moses. Teltow. Heute Sonnabend, abends 8 Uhr, im Lokal von W. Bonow: Oeffentliche Versammlung. Vortrag des Genoffen Dr. Mose« über:„Der Kampf beginnt von neuem." Männer und Frauen, erscheint in Massen in dieser Versammlung. Nicderschönhausen- Nordend. Sonntag, den 2. Februar, früh /. 8>/, Uhr, findet eine wichtige Agiiaiion für den 3. Bezirk statu Die Parteigenoffen sämtlicher Bezirke treffen sich bei Manie. «Stfr ßerlincr Nacbricftten* Zur Treptower Eiltgemeiudungsfrage. Der Landrat des Kreises Teltow wie auch der Provinziallandtag haben bekannt- lich jede Verhandlung abgelehnt, die sich auf die Ein- genieindung Treptows nach Berlin bezieht, und zwar aus dem Grunde, weil der Kreisausschuff sowohl als auch die Provinz jeder Ausgeineindung einer Gemeinde aus dein Kreise abgeneigt sind. Angesichts dieser Begründung sei auf folgende Tatsache hingewiesen, auf die ein Trepioiver Orts- blatt jetzt wieder aufmerksam macht. Als seinerzeit die Ein- genieindungssrage mit Neukölln schwebte, erklärte der HerrLandrat einer Deputation des Treptower Kommunal- Vereins, daß wegen der Eigenartigkeit der dem Kreise ab- gewandten Lage Treptows der Kreis kein allzu großes Interesse au der Selbständigkeit Treptows und am Verbleiben im Kreise habe. Also wenn es sich um eine Eingemeindung Treptows nach Neukölln handelt, hat der Kreis kein allzu großes Interesse am Verbleiben Treptows im Kreise. Und es ist bekannt, daß in diesem Falle die Ausgemeindung Treptows aus dem Kreise von recht einflußreichen Stellen gefördert worden wäre. Also einmal so und einmal so! Wie's gerade trefft! Die Einsendung von Geldbeträgen an die städtischen Kaffen durch die Post findet in erheblichem Umfange statt. Während im Etats- jähr 1999 rund 2 900 909 M. durch 83 200 Postanweisungen eingingen. stieg die Summe im nächsten Jahre auf 4 800 000 M.. die durch 162 000 Anweiiungen eingezahlt waren; im Etalsjahr 1911 wurden durch 176 000 Anweisungen über 5 Millionen überwiesen. ES ist selbstverständlich, daß die Beträge nicht bar von der Post aus- bezablt werden; die Verrechnung erfolgt im Girowege. Der größte Teil der Beträge war sür die Sleuerkassen bestimmt, auf die allein über 109 000 Anweiiungen mit rund 2 150 OüO M. entfielen. Sämtliche Anweisungen lauten beim Zentralbureau des Magistrats ein, das demnach 1911 täglich rund 580 Stück zu vcrbucven hatte. Be- findet sich darunier auch nur ein geringer Prozentsatz mit seblender oder ungenauer Angabe über die Bestimmung der Sendung, so macht dies für die weilverzweigte städtische Verwaltung zeitraubende Ermittelungen nötig und bedeute! für die Zahler oft recht ärgerliche ober von ihnen selbst verschuldete Weiterungen. Im eigenen Jnier- esse der Ein, ender liegt es deshalb, genau anzugeben, zu welchem Zwecke die Zahlung erfolgt. Straßenbahn Wilmersdorf— Charlottenburg— Demminer Straße. Die Große Berliner Straßenbahn richtet eine durchgehende Ver- brndunft von Wilmersdorf. Chariolrenburg, dem Tiergarten und der Friedrichstadt mit der Demminer Straße ein. Von der Invaliden- nach der Brannenstraße ist eine GleiSkurvc eingebaut worden. Nach deren iandeÄpliiiZeilichen Äbnahme wird die Linie Gr SBilnurödort— Sletliuer Bahnhof am l. Februar über die Invaliden- und Brunnen- strahe bis zur Demmmer Straße weiter geführt. Die Wage» ver- kehren von der Uhlandstraße in Wilmersdorf'Mn früh 5,59 b.s 9,59, von dem dorrigen Friedhof 7.57 bis 9,12, von der Demminer Straße von 6.57 bis 10.57 in Abstanden von 15 Minuten. Straßeilfernsprechstcllen zu errichten, har die Tiefbaudeputation in ihrer letzte» Sitzung, wie wir berichteten, beschlossen. Der Ma- gistral hat nunmehr seinen bisher ablehnenden Standpiinkt aufge- aeben und in seiner gestrigen Sitzung beschlosten, die erforderlichen Plätze zur Verfügung zu stelleir_ Grundsätze sür die Ausbildung von Sänglingspflegerinue«. Die große Kommission für die Festlegung einheitlicher Grund« sätze für die Ausbildung von Sauglingspflegermnen tagte Donners- tag im Kaiferin-Auguste-Victoria-Haus zur Bekämpfung der Säug- lingssterblichkeit im Deutschen Reiche. Die Referate hatten die Herren Professor Langstein-Berlin und Professor Jbrahim-Münchcn übernommen. Nach anregender längerer Diskussion kam die Kom- Mission zur Annahme folgender Leitsätze: 1. Es ist notwendig, zwischen der Ausbildung der Säuglings- krankenichwester und der Pflegerin eines gesunden Kindes in der Familie� Säuglingspflegerin) zu unterscheiden. 2. isiir die Säuglingskrankenschwester ist die Ausbildung 2uf zwei Jahre zu bemessen. Von den zwei Jahren soll mindestens ein Jahr der Säuglings- und Kinderpflege gewidmet sein. 3. Die Ausbildungszeit wird durch Ablegung einer Prüfung un einer öffentlich zugelassenen Ansiali beendet. Die Säuglingskranken- schwester soll sodann durch staatliches Diplom geschützt werden. dessen Erteilung die vorherige Ausbildung in der allgemeinen Krankenpflege zur Voraussetzung hat. Die hierfür staatlich erforderte Zeit von einem Jahre soll unter entsprechenden Umständen aui sechs Monate ermäßigt werden. 4. Zur Ausbildung und Prüfung in der Säuglingskrankenpflege sollen nur Säuglingsheime. Kinderkrankenhäuser oder Kinder- abieilungen zugelassen werden, deren Säuglingspflege nach modernen Gesichtspunklen organisiert ist und die einem speziellen Fachmanne — einem Kinderarzt— unterstehen. Die Berechtigung zur Aus- bildung in der allgemeinen Krankenpflege kann auch Kinderkrankcn- Häusern mit geeignetem Krankenmaterial(größere Kinder, chirurgische Abieilung) zugestanden werden. 5. Bei den Uebergangsbeslimmungen soll nicht die Zeit, die von der Bewerberin in der praktischen Säuglingspflege zugebracht wurde, in Rücksicht gezogen werden, sondern die Zeit, die der Ausbildung gewidmet wurde und die Anstall. an der die Ausbildung erfolgte. Im Zweifelsfalle ist durch eine Prüfung an einer der staatlich zu- gelassenen Anstallen der BefähigungSuachweis zu erbringen. 6. Für die Ausbildung der Pflegerin eines gesunden Kindes in der Familie(Säuglingspflegerin) sollen durch behördliche Leit- sätze einheitliche Gesichtspunkte geschaffen werden. Die Aus- bildnng, sür die Nur Säuglingsheime, Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen, deren Säuglingspflege nach modernen Gesichts- punkten organisiert ist und die einem speziellen Fachmanne— einem Kinderarzt— unterstehen und von einer von der deutschen Ver- einigung sür Säuglingsschutz einzusetzenden Fachkommission genehmigt sind, in Betracht kommen, soll mindestens Va Jahr betragen. Sie wird durch Ablegung einer Prüfung an einer der genannten Anstalten beendet. 7. Zur Ausarbeitung eines einheitlichen Lehrplanes soll eine Kommission eingesetzt werden._ Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben. Diesen Ausspruch des Bischofs Heule scheint sich auch die Polizei zu eigen zu machen. Ein hiesiger Arbeiter, der früher Knecht war, aber ieit mehr als fünf Jahren als Brauereiarbeiter tätig ist, als solcher auch in die Steuer- listen eingetragen ist, erhielt bei dem jährlich noiwendigen Umtausch seiner Jnvalidenkarte, aus seinem zuständigen 8b. Polizeirevier ständig die Berufsbezeichnung„Knecht" eingetragen. Er soll eben Knecht bleiben. Eine Beschimpfung der Arbeitslosen leistet sich das„Chemnitzer Tageblatt" in einer Karrespandeuz aus Berlin. Dort wird Bezug genommen auf eine Arbeitslosenversammlung, die Anfang dieser Woche von anarchistischer Seite einberufen war. Mit Bezug auf diese Versammlung heißt es in dem Geschreibsel: „ES ist von städtischer Seite und auch von einem Privat- unternehmen vor längerer Zeit einmal der Versuch gemacht worden, in den Arbeitslosenversammlungen Plakate zu verteilen. daß hier und dort sofort Arbeiter verlangt würden; es kamen drei ganze Mann und die waren derartig unbescheiden, daß sie nickst angestellt werden tonnten. Sie verlangten— zehn Mark pro Tag, da sie fünf Mark durch Betteln all� Tage verdienen könnten. Das spricht Bände." Es ist eine Gemeinheit, in derartiger Weife die Arbeitslosen zu verunglimpfen und sie als arbeitsscheue Subjekte hinzustellen. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall, wie jeder objektiv Denkende erst am gestrigen Tage anläßlich des großen Schneefalles wieder beobachten konnte. Mehr als zuviel arbeiislole Arbeiter boren sich an, um ibre Arbeitskraft bei einem Tagelohn von drei bis höchstens vier Marl zur Verfügung zu stellen. Und Hunderte wurden abgewiesen, weil man ihrer nicht bedurfte. Ein schweres Eisenbahnunglück, dem drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind, ereignete sich Donnerstag nachmittag ans dem Ferngleis Spandau— Cbarlottenburg. Aus der Strecke waren Ar- beiter der Firma Ernst Meyer aus Spandau bis um 5 Uhr damit beschäftigt, im Auftrage des Eisenbahnbetriebsamts I Kabel zu ver- legen. Als sie dann gegen Abend auf dem Bahnlörper nach Hause gehen wollten, brauste plötzlich der D-Zug 15, von Köln kommend, heran. Obwohl der Kolonnenführer einen Warnungsruf ertönen ließ, konnten sich drei der Arbeiter nicht mehr retten, wurden über- fahren und auf der Stelle getötet. Wie später festgestellt werden konnte, handelt es sich um den 51 Jahre alten Arbeiter August Hasse aus Seegefeld bei Spandau, den 39 Jahre alten Arbeiter Paul Sehde aus der Jüdenstraße in Spandau und den 21 Jahre allen Arbeiter Alwin Kasprzak aus Spandau. Die Leichen der drei ge- löteten Arbeiter, von denen zwei Familienväter sind, wurden nach Schildhorn gebracht und eine amtliche Untersuchung eingeleitet. Liebcstragödie in Charlottenburg. In dem Hause Krummestraße 57 in Charlolienburg hat sich in der Nackt zum Freitag ein erschütterndes LiebeSdrama abgespielt. Dort ersckoß der 28 jährige Dr. Phil. Ernst Siegenickmidt seine Geliebte, dre 21 jährige Klavier- und Gesanglehrerin Wally Teichel« mann und sich selbst, lieber die Tat erfahren wir folgende Einzelheiten: In dem Hause Krummestraße 57 wobnte seit Oktober vorigen Jahres die verwitwete Rentiere Teichelman» mit ihrer 2l jährige» Tochter Wally; an ihren Neffen. Dr. Phil. Ernst Siegenschmidt, balle sie ein möbliertes Zimmer abvermietet. Zwischen den beiden jungen Leuten hatte sich ein Liebesverhältnis eistwickelt, das von der Mutter zwar geduldet, aber nicht gern gesehen wurde, weil ihr eine Ehe wegen der Mittellosigkeit der beiden aussicklslos erschien. Wiederboll balte Frau T. versuchi, ihre Tochter zu veranlasse» von ihrem Geliebten zu lassen, doch scheiterten die Bemühungen an dem energischen Widerstande der Liebenden. Dr. S., der in einem Groß- betrieb angestellt war, halte bei der Mutter zwar offiziell um die Hand der Tochter angehalten, war jedoch abschlägig beschieden ivorden. Deshalb wollte er am 1. Februar aus der Wohnung aus- ziehen. Schon seit einigen Tagen zeigten die jungen Leute ein sehr gedrücktes Wesen, ließen jedoch nichts über ihre Absichten ver- lauten. � Am Donnerstag hatten Fräulein T. und Dr. S. einen längeren Spaziergang unternommen und bei dieser Gelegenheit zweifellos den Entschluß gefaßt, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Zur Ausführung dieses Entschlusses benutzten fie die späten Abendstunden, als Frau T. sich mit Belannten im Theater befand. Als die Rentiere gegen 12 Uhr»achis»ach Hause kam, fand sie die Korridortür von innen verschlossen. Nichts Gutes ahnend, benach- rickligte sie den Hauswirt, auf dessen Veranlassung die Polizei die Wohnung öffiien ließ. Den Eintretenden bot sich ein erschütternder Anblick dar. Im Schlafzimmer des jungen Mädchens fand man das Liebespaar tot auf. Fräulein Wally T. wies zwei Schuß- Verletzungen in der rechten Schläfe auf; Dr. S. hatte sich durch einen Schutz in die linke Schläfe getötet. In zurückgelassenen Briefen erklären die Beiden, dah fie eine Trennung nicht hätten überleben können und deshalb den Tod vorzögen. Die Leichen wurden polizeilich beschlagnahmt. Zwei Tragödie» in einem Hause. In dem Haufe Friedrich» straße 26 erschoß sich in der Nacht zum Freitag im dritten Stock ein unbekanntes Mädchen, während sich im vierten Stock die 15 Jahre alte Anna Hoffmann mit Leuchtgas zu vergiften oeriuchtc. Im dritten Stock liegt ein Penfionat. Hier kehrte vor drei Tagen eilt 21 Jahre alter Kaufmann S. aus Brünn mit einer jungen Dame ein, die er für seine Frau ausgab. Das Paar trug sich in das Fremdenbuch als Schiller und Frau aus Konstantinopel ein. Der junge Mann erzählte, daß er geschäftlich hier zu tun habe und von hier aus nach Konstantinopel zurückkehren müsse. Als die junge Dame, die später bekannte, daß fie nicht Frau Schiller sei, erfuhr, daß ihr Begleiter sie uicht nach Konstantinopel mitnehme» wolle, wurde sie sehr traurig und verstimmt. Sie versuchte wieder- holt, S zu bewegen, sie doch nicht allein hier zu lassen, hatte aber damit keinen Erfolg. Freitag abend ging der junge Mann allein aus. AlS er um 11'/« Uhr zurückkam, fand er keinen Einlaß. Auf sein wiederholtes Klopfen wurde ihm nicht geantwortet. Statt dessen fiel in dem Zimmer� plötzlich ein Schuß. Er ließ jetzt öffnen und fand das Mädchen tot auf dem Fußboden liegen. Ein Revolverschuß in die rechte Schläfe hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Wer die Tote ist, weiß man noch nicht. S. gibt jetzt an, daß er das Mädchen schon früher kennen gelernt und bei gelegentlichem Aufenthalt in Berlin wiederholt mit ihr verkehrt habe. Er kenne sie aber nur unter ihrem Vornamen Frida. Briefe habe fie von ihm auch nur unter diesem Vornamen postlagernd erhalten. Das Mädchen habe ihm erzählt, daß sie die Tochter eines Postbeamten sei. Die unbekannte Tote, die nach dem Schauhause gebracht wurde, ist ungefähr 18 bis 20 Jahre alt und klein, hat dunkelblondes Haar, graublaue Augen und etwas Stumpfnase und war sehr fein gekleidet. Sie trug einen weißen Tafthut mit rotem Band und Schleife, eine rosaseidene Bluse und Pelzmantel. An Schmuck trug sie ein Perlenhalsband, eine Perlenkette und erbsengroße Perlenohrringe. Ihre Hutnadeln sind aus Bernstein. Die Wäsche ist„F. B." gezeichnet. Die 15jährige Anna Hoffmann, die bei einem Photographen diente, stammt aus Lichtenberg. Sie war vor Jahresfrist dabei, als in Lichtenberg in einem Kientopp Feuer ausbrach. Wie viele andere Kinder wurde sie damals von erwachsenen Besuchern zu Boden ge- treten und so schwer verletzt, daß sie längere Zeit im Krankenhause liegen mußte. Seitdem war sie sehr nervös und aufgeregt. Gestern morgen fand man die Lebensmüde bewußtlos daliegen. Eine Tochter der Dienstherrschaft, die Kandidatin der Medizin ist, rief sie in das Leben zurück und ließ sie nach der Charitö bringen. Hier hat fich ihr Zustand schon so weit gebessert, daß fie autzer Ge- fahr ist. Durch eine venzinexplesion verbrannt wurden gestern niittag zwei junge Leute, die in dem Fabrikbetriebe von Kirichner in der Brandenourgstr. 16 beschästig: waren. Zwei 16jäkr>ge Lehrlinge wollten sich während der Mittagspause aus einem kleinen Ofen Kaffee wärmen, als derselbe unter lauter Detonation explodierte. Meter- hohe Flammen schössen aus dem geborstenen Oien heraus und hüllten die beiden vor Schreck erstarrten jungen Leute in eine Feuersänle ein. Unter lauten Hllserufen stürzten die beiden Lehrlinge Zankel und Kind, deren Kleider lichterloh brannten, in den Arbeitsraum. wo fie bewußlos zusammenbrachen. Die anwesenden Arbeiter rissen beiden die Kleider vom Leibe und suchten die Flammen durch Auf» Wersen von Tüchern und Decken zu ersticken. Die Lehrlinge, die schwere Brandverletzungen im Gesicht, den Armen und an der Brust davongetragen hatten, wurden nach der Uniallstation in der Komman- dantenstraße und von dort nach Anlegung von Notverbänden in das UrbanlrankenhauS geschafft, wo sie beide in bedenklichem Zustande daniederliegen. Das durch die Explosion entstandene Feuer tonnte von dem Fabrikpersonal gelöscht werden. Bon einem abstürzende« Eisenträger niedergeschmettert. DaS Opfer eines verhängnisvollen Unglückssalles wurde der Sckloffer Karl Purhahn aus der Müllerstratze. P. hatte an einer Eisen- konstruktion, die eine hiesige Firma an einer neuen Eisenbahnbrücke im Zuge der Lebnitzstratze in Oranienburg ausführt, mitgearbeitet. Als er Donnerstagnachmittag das Hochwinden von eisernen Trägern überwachte, löste sich plötzlich die Kette und einer der Träger stürzte in die Tiefe. P. wurde getroffen und zu Boden geschmettert. In schwerverletztem Znstaiide wurde der Verunglückte nach Berlin tranS- portiert und in die Charitö eingeliefert. Todessturz einer Greifin. In der Cuvrystr. 42 wohnt bei ihrer Tochter, einer Witwe Greul, die 83 Jahre alte, seit vielen Jahren verwitwete Frau Alexandrine Jahnke geb. Sckockmann. Die Greisin. war schon sehr lange asthmaleidend. Donnerstagnachmitlag um 50z Uhr sagte sie zu ihrer Tochter und deren Angehörigen, mit denen sie in der Küche zusammen war. sie wolle einmal nach dem nebenan gelegenen Zimmer gehen und dort ein Fenster aufmachen, „um etloas Luft zu schnappen". Bald daraus lag sie tot auf dem Bürgersteig. Die Greisin war aus dem vierten Stock herabgefallen, wahrscheinlich infolge eines Schwindelanfalles, denn Selbstmord- gedanken hatte sie niemals geäußert. Die Angehörigen hatten nichts wahrgenommen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Im Tiergarten erschossen hat sich gestern morgen um Ö'/z Uhr ein junger Mann. Er schoß sich unweit des FloraplatzeS eine Re- volverlugel in die rechte Schläfe, brach sofori zusammen und war bereits tot, als man ihn auffand. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach den, Schauhause gebracht. Der Tote ist nach Papieren, die man bei ihm fand, wahrscheinlich ein 24 Jahre alter Schlächtergeselle Hans Fistler, dessen Wohnung und Familienverhältnisse noch nicht bekannt sind. Arbeiter- Bildungsschule. Die Kurse in National- ökonomie und Redeübung müssen morgen Sonntag, den 2. Februar, wegen Erkrankung des Genossen Gmnwald ausfallen. Reutcr-Abend. Morgen Sonntag, den 2. Februar, abends 6 Uhr veranstalten die Gruppen von Groß-Berlin des Arbeiter-Absti-rnten» bundes in den Arminhallen, Konmiandanlenstr. 58, einen Reurer- Abend. Vortragender ist der bekannte Reuter-Rezitator Wilhelm B u r s. Der Eintrittspreis beträgt nur 20 Pf. Einlaßkarten sind bei den Mitgliedern sowie in der Geschäftsstelle, Engelufer 19. zu haben. Abendkasse findet nicht statt. Zu dem Großfeuer in Reinickendorf, über da« wtr schon kurz berichtet haben, wird uns noch mitgeteilt: Es brannte der große Eisschuppen am Scbäfersee. welcher Eigentum der Siadt Berlin ist und zurzeit verpachtet ist. Das Feuer kani in einen: Schuppen ver- mntlich durch voriätzlicke Brandstiftung zum Ausbruch. Es wurde erst bemerkt, als die Flammen außen an den Wänden emporzüngellen und keme Perionen im Schuppen anwesend waren. Der Pächter des Schuppens. August Raasch, lohnte gerade seine Arbeiter in dem angrenzenden Wiegcichnppen ab, als der erste und dann der zweite Feueralarm erscholl. Die Alarmierung der Berliner Feuerwebr ver- ursachte dann einige Schmierigkeilen. Trotzdem war sie gleichzeitig mit der Reinickendorfer Wehr zur Stelle und griff wirksam an. Der Schuppen konnte avcr trotzdem nicht mehr gerettet werden. Er brannte mit sämtlichen EiZvorräten total nieder. Der Schuppen ist versichert, die Eisvorräte im Werte von 20000 lvt. aber nicht. Hätte man bei der Alarmierung der Berliner Feuerwehr nicht solche Schwierigkeiten auf dem Gemeiiidebureau gemacht, hätte die Wehr • früher eintreffen können. Vielleicht hätte man dann mehr retten können. Um S Uhr abends war der mächtige Eisschuppen nur noch ein großep Schutthaufen. Wegen eines großen Brandes wurden gestern früh 7>/z Uhr 4 Lösch- züge der Berliner Feuerwehr nach der N o ft o ck e r Strohe 3 in Moabit gerufen. Bei ihrer Ankunft stand auf dem geräumigen Hof des Grundstückes eine große Automobilgarage des Automobilfuhr- Wesens von Emil Pohlmann in hellen Flammen. Die Situation war um so bedrohlicher, als in der Nähe der Garage em Fourage- speicher der Getreide- und Fouragchandlung von Johann Ruft steht, der vor allen Dingen geschützt werden mußte. Es waren mehrere Dampfspritzen in Tätigkeit, die gewaltige Wassermengen in die Glut schleuderten. Da die Rauchentwickelung ungewöhnlich stark wurde, inußten nahezu hundert Pferde, die in Stallungen neben und unter der Garage untergebracht waren, ins Freie geholt werden. Die Tiere hatten sich zum Teil schon von den Krippen losgerissen. Obgleich die brennende Garage von allen Seiten unter Wasser genommen wurde, fanden die Flammen doch einen Weg nach dem Fouragespeicher. Größere Posten Heu und Stroh, die auf dem Boden dieses Gebäudes lagerten, fingen Feuer. doch konnte hier die Gefahr bald wieder beseitigt werden. Die Automobilgarage und eine angrenzende Automobilwerkstätte sind vollständig ausgebrannt. Auch zwei Automobile sind durch das Feuer mit zerstört worden. Die zahlreichen Chauffeure und Kutscher haben ihre Garderoben verloren, die sich in den Kleider- schränken in der Garage befanden. Das Feuer entstand durch Ent- zündung von Benzin, als ein Chauffeur ein Automobil in der Garage ankurbeln wollte. Der Chauffeur konnte sich durch schleunige Flucht noch in Sicherheit bringen. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO.. Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5H— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von S— 1 Uhr und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit SOS Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Mendeö Großer Lcrkehrspla» von Berlin und seine» Lororten» Ausgabe 1913. L6X126 om. Preis 4 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung und direkt von A. MendeS Verlag, Berlin SO. 26, Oranienstr. 176(Ecke Adalbertstraße). Fußballspiele dcr�Arbeiter-Turn- und Sportvereine. Am Sonntag fallen sämtliche Spiele infolge der Witterung aus. Vorort-]Saclmcbtei>t Lichtenberg. Mit einem tleincn Intermezzo begann die letzte Stadtverord- netensitzung. Genosse Rössel monierte, daß eine öffentliche Ein- ladung zur KaisergeburtstagSfeier im Namen der Stadtverord- netenversammlung ergangen sei. Dazu sei kein Auftrag erteilt worden. Stadtverordnetenvorsteher Plonz und Herr Bürgermeister Ziethen bemerkten, der Stadt erwüchse» dadurch keine Kosten. Als die Herren aber dann nochmals auf die grundsätzliche Seite der Angelegenheit hingewiesen wurden, gab Herr Plonz zu, daß formell nicht korrekt Verfahren worden sei. Das habe er sich sofort gesagt, als er die Einladung erblickte. Der Borsall weöoe sich nicht wiederholen. Tamil war die Angelegenheit erledigt. Sodann hatte sich das Kollegium Mit einer Vorlage belresfend den chäüssee- mäßigen Ausbau des Weges Tasdorf-Strausberg zu beschäftigen. Der Ausbau erschließt ein umfangreiches Terrain. Lichtenberg ist dabei mit einer Länge von 2420 Metern an seinem städtischen Rieselgut Tasdorf und zwar an landschaftlich hervorragend ge- legencr Stelle beteiligt. Es wird geplant, hier eine Villenkolonie, Erholungsheime und andere Anstalten zu errichten, die sanitären und Wohlfahrtszwecken dienen. Der geforderte Kostenbeitrag für den Wegeausbau in Höhe von 18 500 M. wurde einstimmig be- willigt.— Zustimmung fand auch eine Vorlage, die die Ab- fchaffung des Steuerholsystems und Einführung des Steuerbring- fvstems im früheren Ortsteil Boxhagen-Rummelsburg verlangt. Der Magistrat forderte weiter die Vergrößerung des Magistrats- Sitzungssaales und die Bewilligung der Kosten dafür in Höhe von 1700 M. Die Zustimmung wurde erteilt. Von verschiedenen Seiten erfolgten bei dieser Gelegenheit Anfragen, wie es mit der Vergrößerung des Stadtverordneten-Sitzungssaales ausschaue. Genosse Grauer regte an, eine städtische Turnhalle zu errichten rmd darin Dtauft und Einrichtungen für einen �Stadtverordneten- Sitzungssaal zu beschaffen. Bürgerliche Vertreter verwiesen auf den im Aussicht stehenden Rathausnenbau.— Eine längere Debatte entfesselte die Vorlage betreffend Errichtung einer kauf- männischen PflichtfortbildnngSschule. Unsere Genossen bean- tragten, den Schülern und Schülerinnen �die Lernmittel gratis zu liefern und von der Erhebung eines Schulgeldes Abstand zu nehmen. Mit dem ersteren Antrage fanden unsere Genossen keine Gegenliebe. Für den Antrag, kein Schulgeld zu erheben, waren natürlich viele bürgerlichen Herren bereit zu stimmen. Weil jedoch die Befürchtung ausgesprochen wurde, daß bei gänzlicher Kosten- losigkeit diese auch für die gewerbliche Fortbildungsschule einge- führt werden müsse und dann hierfür der StaatSzuschuß fortfalle, stimmte man einem Antrage zu, der die von den Unternehmern pro Jahr zu tragenden Kosten auf 1 M. pro Vierteljahr bemißt. Ter Forderung der Gratislieferung dev Lehrmittel stimmten die Bürgerlichen aber nicht zu. Unsere Spießer zeigten wieder ein- mal. daß sie nichts verlernt und nichts hinzugelernt haben. Für die von den Deutschnationalen beantragte Differenzierung de» Unterrichts(Fachunterricht für die männlichen Handlungsgehilfen und hauswirtschaftlichen Unterricht für die weiblichen Angestellten) fand sich aber keine Mehrheit. Nach der schließlich angenommenen Borlage sind alle im Stadtbezirk Lichtenberg nicht nur vorüber- gehend beschäftigten weiblichen Handlungsgehilfen sowie Lehrlinge verpflichtet, die KU errichtende kaufmännische Fortbildungsschule zu besuchen. Die Schulpflicht endigt mit dem Schulhalbjahre, welches der Vollendung des 17. Lebensjahres des Schulpflichtigen voraufgeht. Das 51uratorium setzt sich zusammen aus je einem Vertreter der Handelskammer Potsdam, des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, aus. drei Kaufleuten und drei Handlungsgehilfen.— Einen unangenehmen Reinfall erlebte der Magistrat mit einer Borlage, die eine Verstärkung der Heiz- anlagen für verschiedene Räume verlangt. Herr Danneberg teilte unter wachsendem Erstaunen und sichtlicher Verlegenheit des Ma- gistrates mit, daß er die Räume inspiziert habe und konstatieren müsse, daß die Heizung mehr als ausreichend sei. Eine Ersatz- anlage werde gar nicht einmal benutzt. Die Beamten erklärten auch, daß in den Zimmern stets reichlich hohe Temperaturen herrschten. Der Baurat erklärte, die Vorlage sei nach den An- gaben der Heizer und HeizungSingenicurc angefertigt worden. Einstimmige Ablehnung war ihr Schicksal. Die von der bürger- liche» Maiorität beschlossene städtische Hypothekenanstalt hat nicht hie Genehmigung des Regierungspräsidenten gefunden. Er verlangt vor allem, daß Darlehenssucher den Nachweis eines mindestens einjährigen Besitzes des betreffenden Grundstückes zu erbringen hätten, falls ihnen Darlehen gewährt werden sollen. Ferner ver- langt er eine generelle Festsetzung der von den Darlehensnehmern zu entrichtenden Entschädigung für Uniosten. Die weiteren Monitas beziehen sich auf die Bestimmungen über Tilgung, Verwendung der Ueberschüsse und dergleichen. Mit dem Vorschlage des Ma- gistrates. in der Angelegenheit in einer gemischten Kommission erneut zu beraten, war die Versammlung einverstanden. Sodann erklärte sich die Versammlung gemäß einer Borlage für die ganz- liche Auflöjpng der Michaclisklasscn am Pestalozzi-Lyceum mit dem 1. Oltöber 1914 sowie Anstellung von neuen Lehrkräften an dieser Anstalt einverstanden. Schöneberg. lieber die Finanzpolitik der Stadt referierte in der Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Genosse Molkenbuhr. Der Redner zeigte in verständlicher Weise, welche Aufgabe eine moderne Stadt zu erfüllen habe. Besondere Bedeutung müsse dem Sckul- wesen beigemessen werden, das heute analog den in der Gesellschaft herrschenden Klassenunterschieden in Klasseiisckmlen eingeteilt sei. Darunter leide daS Geistesleben, weil den begabten Arbeiterkindern in Ermangelung der nötigen Mittel die höhere Schulbildung vor- enthalten werde. An dieser traurigen Tatsache ändere auch die Ge- Währung von Freistellen nichts, denn nur wenigen Eltern sei es möglich, ähren Kindern auf so lange Zeil Unterhalt zu gewähren. Biel zu wenig würde von den Kommunen auch der Errichtung von Erholungsstätten und-Plätzen, von Wöchnerinneliheimen, Volks- Bibliotheken sowie der guten Volksnnterhallung Beachtung geschenkt. Zwar seien dies alles Einrichtungen, die inS Leben zu rufen in erster Linie Aufgabe des Staates sei. Doch da letzlerer rein gar nichts lue, so müßten die Kommune» diese Aufgaben zu lösen bestrebt sein. Wolle Schöneberg seine Pflichten nach dieser Rtchtung erfüllen. so werde es gleich der Mehrzahl anderer Gemeinden Grotz-BerlinS Mit den vorhandenen Steuermttteln nickt auskommen können. Der Magistrat habe sich bereits entschlossen, die Erhebung eines Steuerzuschlags von 110 Prozent zu empfehlen. Eine große Geld- erfparnis und eine wesentliche Vereinfachung deS Verwaltungs- apparateS würde sich ergeben, wenn die Schaffung eines einheitlichen Groß-BerlinS vorgenommen würde. Doch da eS bis zu diesem erstrebenswerten Ziel noch gute Weile habe, werde auch die sozial- demokratische Fraktion sich mit der Erhöhung des kommunalen Steuerzuschlages von 100 auf 110 Prozent einverstanden erklären. Die AuSführunge» Molkenbuhr s wurden mit großem Interesse verfolgt. Genosse K ü t e r schloß sich im wesentlichen den Darlegungen des Referenten an. Genosse T h i e l i ck e betonte, daß unsere Ber- treter nur dann ihre Zustimmung zu der Erhöhung des Kommunal- steuerzuschlages geben könnte», wenn die Gewähr"dafür vorhanden sei. daß die dadurch entstehenden erhöhten Einnahmen auch für wirk- liche Knlturausgaben verwendet würden. Genosse K ü t e r ersuchte sodann die Mitglieder dafür zu sorgen, daß am Februarzahlabend die Mitgliedsbücher zwecks Kontrolle und Einführung der HauS- kassierung abgegeben werden. Köpenick. Ten Stadtverordneten lag in der letzten Sitzung die endgültige Beratung und Beschlußfassung des Etats für 1913/14 vor. Der Be- richterstatter des Etatsausschusses, Stadtverordneter Dr. Schulze, teilte der Versammlung mit, daß der Etatsausschuß die von den einzelnen Rednern bei der Vorberatung geäußerten Wünsche ein- gehend durchberaten und, soweit als möglich, berücksichtigt habe. Er empfehle die Annahme der Einzel- solvie des Hauptetals. Eine eigentliche Debatte entspann sich nur beim Etat der Gemeinde- schulen und beim Punkt Jugendpflege des Hauptetats. Beini Schuletat wurde von unseren Genossen, die Anfrage gestellt, wie es mit der Beantwortung der von ihnen- in einer der letzten Sitzungen vorgebrachten Beschwerde sei, wonach Kinder einer Klaffe dem Unterricht stehend l-eiwohncir müssen. Weiter rügten die- selben scharf das Perhalten einzelner Lehrpersoncn,-die von dem ihnen zustehenden Züchtigungsrecht allzu reichlichen Gebrauch machen. So soll namentlich an der 1.. 2., 6. und 8. Gemcindeschule übermäßig viel geschlagen werden. In einem Falle sei es wohl selbst dem Schulinspektor zuviel gewesen, so daß dem betreffenden Lehrer das Züchtiflungsrecht entzogen worden sei. Ein anderer Lehrer habe aus freier Straße einem Knaben ins Gesicht geschlugen. Eine Lehrerin hat, nachdem sie ein Mädchen erheblich gezüchtigt, demselben verboten> es seinen Eltern zu sagen. Unser Redner er- suchte, den Dezernenten des'Schulwesens dringend, dafür zu sorgen, daß die Vorgetragenen Fälle untersucht werden und Lehrpersonen, welche sich Ucberschreitungen des Züchtigungsrechts zuschulden kommen ließen, einfach aus dem Schuldienst zu entfernen. Weiter sei cS auch, notwendig, die Klassenfrequenz einzuschränken, denn bei.20 und noch mehr Kindern in der Klaffe sei es einfach unmög- lich, die Kinder in ersprießlicher Weise zu unterrichten. Wenn man jedoch glaubte, daß nach, den vorgetragenen Fällen auch die bürgerlichen Vertreter wenigstens ei». Wort der Verurteilung inden würden, so hatte man sich gründlich getäuscht. Soweit die- elben zu Worte kamen, bekannten sie sich als eifrige Anhänger -er Prügelstrafe. Unseren Genoffen warfen die Herren vor, daß ie die Jugend verweichlichen, ja einzelne taten noch ein übriges, indem sie meinten. cS würde in vielen Fällen noch nicht gemig geprügelt. Treffend erwiderten unsere Genossen, daß von Verweich- lichung der Jugend keine Rede sein könne, denn gerade die Kinder der Gemeindeschulen, die überwiegend aus Arbeilerkreifen stammen, seien schon vom frühesten Alter an dazu verurteilt, ihre Gesundheit und ihr Leben im Dienste der Besitzenden zu Markte zu tragen. Im übrigen habe die Debatte ja zur Genüge gezeigt, daß nicht nur bei der Jugend, sondern vielmehr bei den Er- loachsenen, speziell bei verschiedenen Vertretern der ersten und zweiten Abteilung, noch sehr viel Erziehungsarbeit zu leisten sei. Eine ähnliche Debatte entspann sich beim Kapitel Jugendpflege. Unsere Genossen beantragten, die dazu geforderten 200 M. zu streichen, denn es gehe nicht an, Gelder der Allgenieinheit für Zwecke zu verwenden, die mit Jugendpflege nichts gemein haben, sondern die nur geeignet seien, die Arbeiterjugend ihren Eltern zu entfremden. Die in Hur rast imm-ung geratene bürgerliche Ma- jorität bewilligte auch diese Summ«. Nach Beendigung der Etats- beratung wurde noch dem MagistratSantvag auf Bewilligung von 2000 M. zur Umwandlung des Lagerplatzes an der Ecke der Grünauer und Glienicke! Straße in einen Spiel- und Schmuck- platz zugestimmt. Als letzter Punkt kam der Vertrag mit dem Pro- vinzialschulkollegium betreffend die Seminarübungsschule zur Be- ratung. Die wesentlichsten Bedingungen- des neuen Vertrages sind: sieben'! usiges Schulsystem, Einführung der bei den Gemeindeschulen eingeführten, Lernmittel, Zuweisung von 200 bis 240 Knaben aller Altersklassen, Verpflichtung der Unterrichtsverwaltuna, auf Ver- langen-der städtischen Schulkommission Knaben, welche ein Jahr lang die erste Klasse der UÄbungsschule besucht haben und noch ein Jahr schulpflichtig sind, der von der Stadtgemeinde Köpenäck errichteten- Selekta zur Beschulung zu überweisen, solang« di« Unter. richtsverwaltung keine eigene Selekta errichtet. Die Schüler sollen aus den der Uebungsschule am nächsten gelegenen Stadtbezirken geuoinmeii werden, und zwar zunächst aus der Altstadt, dem Kietz und der Gartenstraße. Der Vertrag wurde, da fast alle von der Stadtverwaltung angeregten Aeniderungen berücksichtigt wurden, angenommen. Gosen bei Erkner. Erheblichen Unwillen rufen die ErziehungSmarimen des hier tätigen Lehrers Herrn Will unter den Eltern eimger Schulkinder hervor. Herr Will, ein junger Mann von etwa 20 Jahren soll die leider noch sehr oft anzutreffende üble Gewohnheit haben, mit dem Stock in der Hand seine Erziehungsaufgaben auszuführen. Ein Elternpaar klagt darüber, daß Herr Will in kurzen Abständen binler- einander ihr sieben Jahre altes Töchlercken mit dem Stock gezüchtigt habe, obwohl ein dringender Anlaß hierzu nicht vorhanden war. Die Mutter deS Kindes setzte sich nach der ersten Strafe mit Herrn W. ins Benehmen, um ihn zu bitten, dock im Interesse der Aufrecht- erhaltung guter Beziehungen zwischen Eltern und Haus von unan« gebrachten Bestrafungen ihres Kindes für die Zukunft Abstand zu nehmen. Um so erstaunter war sie. als das Mädchen erst vor wenigen Tagen mit einer Houtverletzung am Kopf nach Hause kam; das Mädchen erklärte, der Herr Lehrer habe es mit dem Stock über die Stirn geschlagen. Räch den Ursachen der Strafe befragt, erzählte das Kind, daß es beim Beten die Weisung des Herrn Lehrers, das .Amen" erst nach einer längeren Pause am Schlüsse des Gebets auszusprechen, nicht befolgt, sondern e» gleich hinterher gesagt habe. Aus diesem Grunde habe e» von Herrn Will Prügel bekommen. Erschien der Anlaß, der zur Bestrafung deS Kindes geführt, den Ellern schon etwas sonderbar, so erregte es erst reckt lebhasten Unwillen, daß der Lehrer das Tätigkeitsgebiet des Stockes sogar auf den Kopf des Kindes ausdehnen zu müssen glaubte. Ebenso gut hätte das Auge des Kindes erheblich vei letzt werden könne». Die Eltern dcS Kindes versichern uns, daß das Mädchen jetzt von einer wahren Furcht vor dem Lehrer befallen sei und nur mit Angstgefühl die Schule besuche. Es wäre an der Zeit, daß die Schulaufsichtsbehörde sich mit den Erziehungspraktiken des Herrn Will einmal des näheren beichäftige mid ihm die nötigen Weisungen geben würbe, wie er als Pädagoge am besten gute Beziehungen zwischen Eltern und HauS aufrechterhalten könne. Au dieser für jeden Pädagogen erforderlichen Einsicht scheint eS Herrn Will noch sehr zu fehlen. Johannisthal. Eine einzigartige Charakteristik zur Widerfinnigkeit deS heutigen Gemeindeivablrechts lieferte die zu Dienstag, den 28. Januar, an» beraumte Ersatzwahl von zwei verzogenen Gemeindebertretern der 1. Klasse. Einziger Wähler dieser Klasse ist der kömgliche Forst- und EisenbahnfisluS. Selbiger war auch zur Wahl durch einen Vertreter erschienen, um sein Wahlrechi auszuüben; das aber hatte einen Halen. Zunächst war die Besetzung des Wahlvorstandes nötig, der bekanntlich aus dein Gemeindevorsteher als Vorsitzenden und zwei auS der Wählerversammlung zu wählenden Beisitzern zu bestehen hat. Da aber die aus einer Person bestehende„Wählerversamm- lnng" unmöglich zwei Beisitzer hergeben kann, andererseits nach dem Urteil deS Gemeindevorstehers auch nur persönlich anwesende Wähler Vorschlags- und Wahlrecht für den zu bildenden Wohlvorstand haben. mußte von der Wahl, oder richtiger Ernennung zweier Gemeinde- Vertreter 1. Klasse abgesehen werden. Anstatt nun die Konsequenz auS diesem Ausgang der Sache zu ziehen und dem unsinnigen Wahl- gesetz auf den Leib zu rücken, sehen die interessierten Kreise in dem Gemeindevorsteher den Sündenbock und machen diesen für den ent- gangenen Ehrenplatz in der Lokalpresse in_ spaltenlangen Artikeln verantwortlich. Eine Ironie des Schicksals wäre es, wenn die leeren Gemeindestühle 1. Klasse solange leerbleiben müssen, bis durch die Ergänzungswahlen im März 1914 die 3. oder 2. Klasse einen ordent» lichen Wahlvorstand ermöglicht, bei dem auch die 1. Klaffe ihre Stimmen unterbringen kann. Spanvau. Tie Stadtverordnetenversammlung gestaltete sich zu einer Dauersitzung. Dse erste lVorlage betraf den Krankenhausctat. welcher mit 382 897,23 M. abschließt, gegen das Borjahr ein Mehr von 43 782 M. Wie Stadtverordneter Mathias mitteilt, sind 522 Betten vorhanden. ES sind durchschnittlich 192 Betten belegt. während 250 Betten leerstehen, waS hauptsächlich darauf zurück- zuführen ist, daß die hiesigen Krankenkassen infolge des hohen Preises von 3 M. pro Tag viel« Kranke nach?iowawes schaffen. Um den Krankenkassen entgegenzutommen, ist beschlossen worden. den Tarif auf 2,72 M. zu ermäßigen. Der Siechenhausetat schließt ad mit 18 457,25 M., gegen das Vorjahr 1039 M. mehr. Genosse Pieck bemängelt die ungenügende Aufsicht im Ärankenhause. Seine Forderung begründete Redner damit, daß sich ein fieberkranker Mann sowie eine fieberkranke Frau aus dem Fenster gestürzt haben. Beide Etats werden hierauf angenommen. Die erhöhten Straßenbahntarife riefen eine lange Debatte hervor. Genosse Pieper betonte, daß die Erhöhungen nur darauf hinauslaufen, den Arbeitern das Fahren zu erschweren. Die Ar- beiterschast werde dazu gedrängt werden, die Straßenbahn zu boy- kottierc». Man beachte gar nicht, daß die werktätige Bevölkerung heute schon unter der- großen Teuerung zu leiden habe. Eine größere Einnahme werde man durch den erhöhten Tarif nicht er- zielen. Redner ersuchte darum um Ablehnung des neuen und Beibehaltung des alten Tarifs.— Genosse Götze wandte sich da- gegen, daß für die Arbeiterwochenkarten, trotzdem dieselben im Preise erhöht sind, die Umsteigeberechtigung aufgehoben werden soll. Wenn der Arbeiter umsteigen wolle, müsse er sich demnach zwei Wochenkarten lösen. Stadtverordneter Walter gibt namens der Kommunalen Wahlvereinigung die Erklärung ab, daß seine Fraktion für den neuen Tarif stimmen werde. Betreffs der Zeit- karten beantragte er, für eine Linie den Preis von 7 auf 6 M. herabzusetzen. Eine Verteuerung der Arbeiterwochenkarten halt« er nicht für erforderlich.— Stadt v. Weber erklärte, daß die liberale Fraktion den Tarif annehmen werde. Er beantrage jedoch, die Arbeiterwochenkarten auf der kurzen Strecke Eiswerder— Halenfelde beim alten Preise zu belassen.— Stadtverordneter Schob meinte, an die Drohung mit dem Boykott dürfe man sich nicht kehren. Genosse Pieck betonte, daß Berkehrsunternehmen, welche ihre Preise erhöhen, stets Fiasko machen. Wenn Herr Schob sage, daß die Arbeiterschaft bei einem Boykott keinen Einfluß ausübe, so unterschätze er die hiesige Arbeiterschaft. Er möchte davar warnen, diesen Tarif anzunehmen»-Oberbürgermeister Koeltze meinte, wenn der Boykott eintrete, so spare die Stadt Geld. ES werde dann an Wochentagen der Sonntagsbetrieb eingeführt und man spare die ersten Wagen.(Gelächter.) Redner ersucht um Annahme der Tariferhöhungen, anderenfalls könnten solche von der Auf» fichtsbehörde eingeführt werden. Genosse Pieper erwidert dem Oberbürgermeister, daß bei einer Betriebseinschränkung doch kein Geld gespart werden könne, da doch Beamte und Arbeiter bc- zahlt werden müssen.— Nach weiterer Diskussion wurde der er- höhte Tarif mit einigen Aenderungen angenommen. ES kosten also in Zukunft nach der neuen Tarifeinführung Arbeiterwochcn- karten ohne Umsteigeberechtigung für 12 Fahrten 1 M.. Zeitkarten für eine Strecke 6, für zwei 7, für drei 8. für vier 9 und für alle -Strecken 10 M., Schülerkarten für 12 Fahrten 1 M., Schüler- Monatskarten auf der dl-Linie mit Umsteigeberechtigung 2 M. Weiter sind 32 12 Pf.-Slreckcn und 12 20 Pf.-Streckeu eingeführt. Der Straßenbahnetat für die Spandauer Straßenbahn schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 223 740 R. ab. der der Nonnen- dammbahnf mit 232 844.76 M. Stadtverordneter Rupkc bean- tragte, das Anfangsgehalt der Schaffner von 95 auf 100 M. zu er- höhen. Genosse Pieck bemerkte, daß die Erhöhung der Gehälter der Straßenbahner ein alter Antrag der Sozialdemokraten sei, den die neugebackenen Fraktionen jetzt aufnehmen. Die Hunger- löhne der Schaffner müssen abgelchafst werden.— Einer Reihe von Wünschen zu den beiden Etats wurde zugestimmt, ebenso dem Antrag auf Erhöhung des Gehalts der Schaffner.— Für den Ausbau des WröhmännerplatzeS wurden 27 000 M. bewilligt und die Kosten auf zwei Jahre verteilt.— Dann kam die Waldvcr» kaufsangelegenheit zur Sprache, sie führte zu einer gewissen De- monstration gegen den Zweckvcrband. Es kam zum Ausdruck, daß man der ewigen Verhandlungen müde sei. Stadtverordneter Äan- torowicz griff hauptsächlich Dernburg scharf an, den man schon als Halbgott betrachte.— Der Magistrat will auch auf die neue Forde- rung des Zweckverbandes eingehen, unterhalb des Stichkanals das Gelände an der Havel auf 1000 Meter der industriellen Bebau- ung zu entziehen.— Die Versammlung nahm mit großer Mehr- heit den Magistratsbeschluß, auf das neue Anerbieten emzugehen. an, jedoch mit einem Antrag Weber, die Sicherstellung von 2900 Morgen Wald abzulehnen.— Nachdem noch für die Straße 22 27 400 M. und für die Gotha-, Württembergstraße und den Hohen- zollernring 126 000 M. für Regulierungen bewilligt wurden, er» folgte Schluß der Sitzung. Sericbts-Teitimg. Ei« gerichtliches Nachspiel zum Streik bei der«. liegenden Teile zur Last und richten sich nach der Höhe des Obs-Nö Marktpreise von»erlfn am 30. Januar 1913, nach Enwttcllmgen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Betzen, gute Sorte 19, bis 19,60, mittel 10,42—19,48, geringe 19,30—19,36. Roggen, gute. Sorte 16,94—16.95, mittel 16,92—16,93, geringe 16,90—16.91(ab Bahn». Futtcr- gerfte, gute Sorte 17.50— 18,10, mittel 16,80— 17,40, geringe 16�10— 16,70, yofer, gute Sorte 18,60—20,40, mittel 17,00—18,50(frei Wagen und ob Bahn). Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveisebobnen. weitze 35,00— 60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 6,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70— 2,40. Rindfleisch, Bauchsleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,70—2,20. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,10— 3,00. 60 Stück Eier 4,20— 6,00. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2.40. Aalt 1,69— 3)20. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,60—2,60. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Biete 0,80—1.60. 60 Stück Strebte 4,00—24.00. •?! .,111111�1111�� Jlufil litilül r- Firma Haupt-üeschäft: Jemsalemcr Strasse 3Z-35* Ecke Leipziger Strasse, am Donhoffplatz 0 Potsdamer Strasse 2 Tauentzienstrasse 19a Königstrasse 25-26 Friedridistrassc 75 Roscnthalcr Strasse 5 Oranicn- Strasse 161 Die Preise sind bis zu IMMM Man achte genau auf die Geschäfte der alten Stiller- Finna I Gr. Frankfurter Str. 123 Chaussee-Strasse 114 Schöncberg.HeupWr. 14« Neukölln, Bertisir. 25 Charlottenourg: Wümcrsdorfcr Str. 45 teilweise mehr ermassigtl IiM!!!!tS!!iii!!ti!!IMtWM«M!tI!tM->il!!lIM!!iii!MIiR!i>fl!tWNMM«!!MM!!!IIItIII Die froheren Preise rindaef Jedem Paar noch deuftd» wmerktl Extra billig Grosse Posten Herren- und Damen-Stiefel und-Schuhe In besten Qualitäten, unsortiert 6.75 Wert bis su Mark 16.50 mm MWHWMlWDW.W HMW /! Moderne Herren- und Damen-Stiefel Grone Posten erstklass. Fabrikate In vondgl. Quaht., In Boxkalf, Chevreau, schwer» u. braun, Chevreeu ra. Lackbesate, sowie Stiefel m. 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Die Ausgabe der Tparmarkcn für die Ende Juni 1313 statt- findende Sonderfahrt nach Hamburg— Helgoland erfolgt in nach- stehenden Zahlstellen: Volkshaus, Rosinenstr. 3; Porsche!, Kaiser- Friedrich-Str. 82, und bei Dörre, Dankelmannsir. 18. Der Gesamt- preis beträgt 30 M. Dafür wird folgende« geboten: Hin« und Rückfahrt mittels Sonderzug Hamburg— Berlin, Dampferfahrt Ham- bürg— Helgoland, hin und zurück, füx drei Nächte Logis in Ham« burger Hotels, eine Hafenrundfahrt mit Besichtigung eines Ozean« dampfers, eine Fahrt auf der Alster, eine Wagenrundfahrt durch Hamburg, Besichtigung des Elbtunnels, des neuen Rathauses und anderer Sehenswürdigkeiten, Besuch von Hagenbecks Tierpark in Stellingen. Teilnehmer werden in den Zahlstellen bis zum 8. Februar angenommen. Charlottenburger Gewerkschaftskommission. Jugendveranstaltuuge». Tempelhof- Martendorf. Di« arbeitende Jugend besucht am Sonntag, den 2. Februar, die ArbeiterwohlfahrtS-Zlusstellung in Th-rlotten. bürg, Fraunhoserstr. 11/12. Tresspunkt 1 Uhr an der Hochbahnstation Hallcsches Tor. Am Mittwoch, den 5. Februar, findet im Jugendheim in Tempelhos, Kaiser. Wilhelm-Str. 76, ein Vortrag deS Herrn Architekten Neumann über .Moderne Baukunst" statt. Zahlreiche Beiciligung zu beiden Veranstaltungen ist erwünscht. LmN?reup 58 Turmstr. 58 empfehle nach Maß Herren-ßoek u. Sakko-kiige 1 und 2 reihig 4800 8200 8600 6r6r-ir Berren-ilster und-Paletots 1 und 2 reihig rrrsnnö-r »MMMMMMMM 1 < Für beste Verarbeitung und 4 vorzüglichen Sitz bürgt der j gute Ruf meiner Firma. Hervorragende Auswahl in f deutsch u. engl. OlOIien! Fabrikate, in d. neuest. Mustern. Werkstätte mit fest engagiertem Zuschneider im Hause. Lieferant d. Konsumgenostensch. Berlin u. Umgegend. Zöpfe and Perücken Gegr. 1898 Haargench&ft Neukölln, Erkslr. 3 Buchhandlung Vorwärts ----- Lindenstr. 69, Laden----- Wichtig für jeden preußischen Steuerzahler Führer durch das preußische ßtaMStoptZ Vom Arbeitersekretär Rud. 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