N-.28. Kboniiementz-Keäinslltigen: •Tfioiinornrnt?- Preis drämiuierand«: Lüerleliirhrl. 3J10'.Kf., monotl. 1,10 Mi, Ir-öchliUIich 28 Pfg. frei ins•■öauS. Cinjciiic Nununer 5 Pfg, Sonnlagz. miimnpt mit illustricrtcr TomUagS- SFcilagc„Die Sicuc 25clt" 10 Pia. Posl- Kfcouiu'ir.i'tU: 1,10 Marl pro Monat. Oinaeiragen in die Posi-ZoitunpS- Prcislistc. Unter«Ucnzfmiid fiit Sculjchlanb und Lcsierreich- Ungarn V Marl, ffit das übrige Ausland S Marl pro Monal. PostabonnemenlS nehmen au: Selgien, Dünemark, Holland, Italien, purcmburg, Portugal. Sluuiünien, Schweden und die Schwc.j. Crlchtfnt tägliä) außer Msntagt. Verlinev VolKsblntt. 30. ZichkA. Die Tnlfrtlons-GeWUf beträgt für die sechsgespaltene Kolonet. geile oder deren Raum SO Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Pcreins- und BersammlungS-Anzeigcn 00 Pfg, „Uteine Xnreigen", das fettgedrurkle Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckt- Worte), jedes weitere Wort 10 Pig, Elellcngesuche und Schlafslellenan zeigen daS erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Worts Pfg. Worte über ISBucil. 1 laben zählen für zwei Worte, Jnscrale ur die nächste Nummer müisen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geofsnet, Telegramm- Adresse: «SsÄalileinsIlrat ßerila", Zentralorgan der fozialdcmohratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SAl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonntag, den Ä. Februar 1013. Expedition: 8Al. 68» lindenstrassc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. GiiicHsipkl? Während die schwere Krise in der auswärtigen Politik noch immer fortdauert, sind auch die inneren Zustände in Teutschland nichts weniger als geklärt. Und manche Anzeichen sprechen dafür, daß»vir auch im Innern b e>v e g t e r c n Zeiten entgegengehen, sobald erst die äußere Lage etwas geklärt ist. Der Kampf, der zwischen dem Gencralstab und der Reichs- regicrung, dann zwischen dem Rcichsschatzamt und dem Kriegs- niinisterium geführt worden ist, hat mit der bcdingungs- losen Kapitulation vor den„Forderungen der Armee" geendet. Noch weiß man nicht, was die neue Militärvorlage bringen wird, aber schon gehen die Mutmaßungen ins Riesenhafte. Nachdem erst 191 i 140 Millionen, 1912 (iüO Millionen für die nächsten fünf Jähre dem Militarismus bewilligt worden sind, soll die neue Vorlage eine jähr- l i ch e Mehrausgabe von 100 bis 130 Millionen bringen. Dies wirft alle bisherigen Finanzpläne über den Haufen. Unter den Regierungen herrscht über die Deckungs srage offener Zwiespalt. Im Gegensatz zu den Regierungen Cüddcutschlands, Sachsens, Oldenburgs und noch anderer Kleinstaaten ist die preußische Regierung als Wächterin der konservativ-klcrikalen Steuerscheu gegen jegliche Besitzsteuer und vor allem gegen die Erbschaftssteuer. Ihrem Veto hat sich Herr v. Bethmann Holl weg selbstverständlich gefügt. Ter Mann, der angeblich über den Parteien steht, hat sich dafür mit Recht von einem sächsischen offiziösen Organ sagen lassen müssen, daß er aus parteipolitischen Gründen handelt. Das ist ja freilich nichts Ucbcrraschendes; denn in allen Dingen, auf die sie wirklich Werl legen, ist die preußische und damit die Rcichsregierung Wachs cht den harten Händen der Junker. Tie Denaturierung der Erbschaftssteuer zu einer Vor mögenszuwachssteuer, die den Großgrundbesitz weiter st c n erfrei läßt, ist die klägliche Ausflucht einer Politik, deren höchste Sorge die Wahrung des agrarischen Privilegs aus Steuerfreiheit ist. Aber dieser verächtliche Rückzug der Regierung ist nicht das einzige, was an den kommenden Steuerfragen interessiert. Ist doch das eine absolut sicher, daß die 100 bis 150 Millionen, die gebraucht werden, trotz aller feierlichen Versprechungen nicht allein von den Bc sitzenden lverden gefordert werden. Es ist heute schon sicher. daß ein Teil der neuen Steuern indirekte und V e r k e h r s st c u c r n sein werden, die die V 0 l k s in a s s e n tragen müssen. Zugleich mit den n e u e n O p f e r n für den Militarismus bereitet sich ein neuer Steuerraubzug vor. Ein neuer Steuerraubzug, kaum vier Jahre nach dem Raub der halben Milliarde, in den Zeiten einer unerhörten, durch die agrarische Wucherpolitik erzeugten Teuerung, nach einer Wahl, in der die Zweidrittel- Majorität des deutschen Volkes ein vernichtendes Verdikt über diese Politik gefällt hat! Die geschlagenen Schwarzblauen sind aber mit dieser neuen Provokation noch lauge nicht zufrieden. Sie haben dank der Geduld des preußischen Volkes, die noch immer das Dreiklassenwahlrecht erträgt, die Macht in Preußen. Aber sie wollen auch die Macht im Reiche und im Reichstag wieder unumschränkt besitzen. Und diese Wiedereroberung sucht jetzt das Zentrum planmäig vorzubereiten. Es bcnützt den Vor- wand des Jcsuitengesetzes. UM seine Wählerniasscn auf- zupnt'chcn, um seine bäuerliche Gefolgschaft und auch die christlichen Arbeiter in jene Sulturkampfstimmung zu vcr- setzen, in der sie die schlveren Verbrechen des Zentrums an den Lebensinteresscn des Volkes vergessen und es ihnen schwarz vor den Augen lvird. Kommt dann die neue Militärvorlagc. so wird das Zentrum sie natürlich nicht prinzipiell verwerfen.— so„unpatriotisch" sind ja die Klerikalen beileibe nicht—. sondern es wird sie„gewissenhaft prüfen". Und dann wird es. wenn es die Situation für günstig hält, an den Forderungen Abstriche vor. nehmen— gerade in einem solchen Ausmaß, daß die Re- gicrung, die ja in diesen Dingen unter der Diktatur der Militäi kreise steht, zur Auflösung des Reichstages schreiten muß. Das Zentrum hat bei einer solchen Auflösung vor allem dank der veralteten-äiahlkreiseinteilung nicht viel zu riskieren, aber sehr viel zu gewinnen. Sein Verhältnis zu den Konser- vativen lvird durch sein reichsst-judlichrs Verhalten keinen Moment getrübt lverden.-razu ist die Gemeinschaft zwischen den Reaktionären von der schwarzen und blauen Couleur viel zu eng. Und die Blauen wissen st-hx wohl, daß sich in dem neuen R 0 i ch s t a g e s ch 0 n alles finden lv i r d. ..In Anbetracht der geänderten Situation" worden die Echlvarzcn genau so wie nach der Auslösung 1893 und 1900 wieder alles bewilligen, was s i c früher als unannehmbar bezeichnet hatten. Denn unterdessen ist ja das Wahlgeschäft, wenn ihre Rechnung in Erfüllung geht, gemacht. Die Nationalliberalen lverden in ihrer Tölpelhaftigkeit schon die Geschäfte des Zentrums besorgen. Sie werden mit Hurra auch für die ausschweifendsten Forderungen des Militarismus stimmen und den Wahlkampf gegen die „antinationale" Sozialdemokratie in der Tat, und nur mit Worten gegen das Zentrum führen, lind die Fort- scki rittler werden sich als Anhängsel des National- liberalismus auch im Reiche erlveisen, wie sie es jetzt schon in Preußen tun. Damit hätten die Schlvarz- blauen gewonnenes Spiel. Zwar ist die Hoffnung, die festen Schlachtrcihen der Sozialdemokratie zu erschüttern und ihre Wählerzahl zu verringern, völlig eitel. Aber den Schwarzblauen handelt es sich um Mandat c. lind sie rechnen, daß eine isolierte Sozialdemokratie dank der liberalen Einfalt um einige Mandate gebracht werden könnte. Eine geringe Verschiebung genügt aber, um die alte schwarzbin nc Majorität wieder herzustellen. Und der Sieg es preis ist lockend genug. Dieser Reichstag würde die neuen Handelsverträge zu schließen haben, bei denen ja die Milliardengewinue der Agrarier auf dem Spiele stehen. Und Ivenn auch die Nationalliberalen sichere Schutzzöllner sind, so ist es doch noch schöner, wenn die schwarzen und blauen Agrarier unbeküm- wert um industrielle Interessen den Zotttarif allein diktieren können. Dann ist auch das Schreckgespenst der Erbschafts- st e u c r endgültig gebannt und auch für die S t e u e r a u s- Plünderung der Massen der Weg eben so frei, wie für die Zollausplünderung. Und schließlich wird die schwarzhlaue Diktatur im Reichstag auch schon für die nötige Homogenität der Regicrung sorgen, auf daß die noch immer versprochene W a h l r e f 0 r m in Preußen den Konservativen und Kle- rikaleu auf den Leib geschrieben werde. Fällt so dem Zentrum entsprechend der Natur der Verhält- nisse die Aufgabe zu, durch seine Schcinopposition im Reiche die Tinge einer Krise zuzutreiben, so sorgen die Konservativen unter- dessen für die nötige G e s ü g s a m k e i t der Regicrung. Herr v. K a r d 0 r f f hat ja im preußischen Landtag mit dankenswerter Offenheit die sauberen Pläne enthüllt. Der Herr ist freilich kein sehr geeigneter Wortführer der herrschenden Klassen. Er ist der Sohn jenes 5lardorff, dessen Name niit der Schandtat jenes Verfassungsbruches vom Dezember 1902 so nnig verknüpft ist, durch den dieZollwuchermehrheit die Geschäfts- ordnung des Reichstags niedertrampelte, um ihren Raub in Sicherheit zu bringen. Der Mann, der heute nach dem Zucht- Hausgesetz schreit, das den Arbeitern jede Verbesserung ihrer Lebenshaltung immöglich machen soll, sollte daran denken, daß er seinen Reichtum und seine soziale Stellung etwas allzu unverschämt ausnutzt. Verdankt er doch nichts der eigenen Arbeit, sondern ist er doch nur der glückliche Erbe des Ver- niögens, das seinem Vater jene Gründerpraktiken des Jahres 1873 eingebracht haben, die das schmutzigste Kapitel deutscher Vermögenserwerbimg bedeuten. Aber charakteristisch ist eS schon, daß sich die konservative Meute diesen Mann zu ihrem Wortführer erkoren hat. Herr v. Kardorff hat das konservative Ideal proklamiert, daß die Reichsrcgiernng der„junge Mann" der preußischen Minister sein müsse, wie ja diese preußischen Minister nie etwas anderes sein dursten, als die Laufburschen der preußi- scheu Junker. Er hat sehr deutlich, umtost von dem Beifall der Konservativen, von Herrn v. Bethmann die bedingungs- lose Unterwerfung unter die Gebote der Dreiklassenmänner verlangt. Und was Herr v. Dallwitz dazu gesagt und ge- schwiegen hat, das zeigt, daß das preußische Mini st e- rinm und die Konservativen völlig ü b e r e i n> st i ni m e n. Während so das Zentrum im Reiche für die neue Majorität sorgen soll, wollen die Konservativen durch ihren Stur in lauf für die neue Majorität die neuen Minister schaffen. Und ist dies Werk e r st gelungen, dann sind auch die Tage gekommen, in denen die konservative Gewaltpolitik gegen die Arbeiterklasse erprobt werden kann. Ob die Ereignisse wirklich diesen Verlauf nehmen lverden, steht noch dahin. Tic auswärtige Lage ist außerordentlich gespannt und die dunklen Pläne setzen eine ruhige auswärtige Situation voraus. Ihr Gelingen rechnet niit der Tölpclhaftig- keit des Liberalismus, von dessen nationalliberalcr Spielart besonders erwartet wird, daß er wieder einmal das Geschäft der Schwarzblauen besorge. So sicher dieser Faktor in die Rechnung eingestellt werden kann, so unsicher ist dagegen der dritte und schließlich wichtigste Faktor. Wird das deutsche Volk wirklich sich überrumpeln lassen und der reaktionären Sippe nochmals das Heft in die Hand geben? Hier hat die Rechnung das Loch. Und die Aufgabe der Sozialdemokratie wird es sein, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß bei dem Hazardspiel, daS da gespielt werden soll, schließlich Rot g c- iv i n 11 t! Ito letzter Stunde. Tic Haltung der Mächte. Köln. 1. Februar. Tie„Kölnische Zeitung" meidet aus Berlin: Tie Konstaiitinopeler Meldung des Wiener K. K. Telegr. Corr.-Burcaus, nach welcher in den dortigen diplo- inatischeii Kreisen geglaubt lvird, daß ein g e m e i 11 s a m e r Schritt der Mächte bei der Pforte bevorstehe, beruht aus einem I r r t u in. Genieinsain-e Schritte sind unseres Wissens jetzt weder der Pforte noch den Balkanstaaten gegenüber geplant. Eine Einwirkung ans die Erhaltung des Friedens kann auch in einer anderen Weise geschehen, über die die heutige Botschafterve r.sanr in lung in London beschließen lvird. Entgegen den Geriichten ist es nicht zu befürchten, daß die Botschasterversamnilniig sich gegen- wärtig freiwillig anssckjalte oder sich ausschalten lasse. Die Mächte werden bis zum letzte it Augenblick tätig sein, u»1 einem W i e d e r a u s b r n ch des Krieges e 11 t g c g e 11 z n lv i r k e n. Deutsch- land ist. was die Ratschläge an die Balkanstaaten betrifft, nach unseren Erkundigungen bereits mit gutem Bei- spiel vorangegangen. Tic Auffassung in Sofia. Sofia, 3t. Januar. Die türkische A 11 t Iv 0 r t n 0 t e üurd hier zwar an maßgebender Stelle als unbefriedigend bezeichnet, doch ist der allgemeine Eindruck derselben nicht «r r-l? �"günstig. Diplomatische Kreise sind sogar der .uisicht, daß ans dein Inhalt der Antwortnote auf eine weitere Nachgiebigkeit der Türken geschloffen werden tonne, so daß die Möglichkeit weiterer Ver- a' n> r 11 0? u nicht ausgeschlossen sei. l'toch achtundvierzig Stunden und dann haben die Kanonen das Wort, wenn nicht doch noch in letzter Stunde eine Verinittelunß erfolgt. Eine solckie lvird von der Bot- schafterkonferciiz in London erwartet. Wird sie Erfolg haben? Trotz aller tönenden Reden ist weder bei den Balkanstaaten noch bei der Türkei die Begeisterung für den Wiederbeginn des Massenmordes groß und die türkische Regicriuig Hot noch nicht das letzte Wort gesprochen. Tie Möglichkeit für die Verhinderung des Krieges ist aber immer noch vorhanVen, aber sie ist recht schwach geworden. Erklärungen Danclvs. London, l. Februar. Dr. Tanew sagte dar seiner Abreise einem Vertreter des Rcuterschen Bureaus, das bcmerlcnSwcrtcslc an der Lage sei die Einigkeit der Mächte, und die Tatsache, daß niemand den Wunsch hege, sich die schwierige Lage der Dinge im nahen Osten zunutze zu machen. Er sei überzeugt, daß alle Mächte ohne Ausnahme den Frieden wünschten, und er schätze ihre Bemühungen, einen Ausgleich zu fördern. Dr. Danew wieder- halte dann, daß die in der Antwortnote der Pforte auf- gestellten Bediiigungen unannehmbar seien. Ei» Zeichen der Entspaitnung. Wien, l. Februar. Wie das„Fremdenblatt" meldet, wird sich Oberstleutnant Prinz Gottfried Hohenlohe nach Petersburg begeben, um dnii Zaren im Auftrag des Kaisers Franz Joseph ein Handschreiben zu überreichen. Tic Uebcrbringung dieses Handschreibens soll den gut freundschaftlichen B e z i c h u n- gen Ausdruck verleihen, die zwischen den Höfen von Wien und Pclersburg herrschen. Serbische Wünsche. Belgrad, 1. Februar.„Stampa" fordert die Regicrung auf, »och vor Fortsetzung des Krieges ein Einvernehmen mit Bulgarien anzustreben derart, daß dieses als Gegenleistung für die Teilnahme der serbischen Armee am Kampfe, um Adria- nopel und die Tschatahdschalinicn in eine Ausdehnung der serbischen Grenzen bis nach Saloniki hin ein- willige. Ein türkischer Arincebcsehl. Koustautinopcl, l. Februar. Der Generalissimus Lzzct Pascha hat an alle Korpskommandanten der Armee einen Tagesbefehl gerichtet, in dem er zunächst seine Ernennung zum G e n e r a l l i s s i m u s mitteilt und dann sagt: «Im Vertrauen auf den Beistand �rud die augeborcnc, ganz hervorragende Tapferkeit der türtische» Armee Hove ich diesen hohen Posten angenommen, dem ich meine ganze Existenz weihen werde. Ihr alle wißt, daß unsere Feinde sehrgrausam gegen uns Handel», dadurch, daß sie höchst ungerechte Forderungen stellen. Leben und Zukunft des Vaterlandes und die historische Ehre der Nation sind heute unseren Händen anvertraut. Die Hoffnung und das Leben der Nation beruhen darauf, daß die Mannschaften und Offiziere mit Todesverachtung ihr Leben der Erfüllung ihrer Pflicht als Soldaten weihen. Das Schicksal ruft uns heute auf, das Vaterland und die Regierung zu verteidigen. Latzt uns beweisen, dast wir würdige Söhne unserer Vorfahren sind, und das; das ottomanische Blut nicht ver- siegt ist. Eine Nation, die entschlossen ist, für ihren Glauben und für ihr Vaterland zu sterben, hat immer Erfolg und lebt ewig." Friedrnsbestrcbungcu. Paris, l. Februar.(Privattelegramm des „V orwärt s".j Der„Temps" berichtet aus Berlin, daß zwischen dem französischeil Botschafter C a m b o n und dem Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt. Zim«ler- mann, wiederholte Konversationen stattgefunden haben, die einen günstigen Eindruck auf beiden Seiten hinterließen. Deutschlands Rolle bezüglich des Einvernehmens zwischen den Mächten bestehe absolut fort.— Aus London wird ge- meldet, daß Paul Cambon mit Dr. D a n e w eine Unterredung hatte, in der er darauf drang, gegenüber der Note der Türkei einen versöhnlichen Standpunkt einzunehmen. Dr. Danew versicherte die Friedensliebe Bulgariens, wies aber darauf hin, daß die Fortsetzung des italienischen Krieges die Verhandlungen in Ouchy auch nicht gehindert hätten. Kriegsfolgen. Belgrad, 3l. Januar.„Politica" meldet, daß unter den tür- lischen Kriegsgefangenen in Negotin der Fleck- t y p h u s ausgebrochen sei. Von 342 Erkrankten seien bisher 142 gestorben. Auch der die Kranken behandelnde serbische Arzt sei gestorben. Da die Krankheit sich auch unter der Bcvölke- rung von Negotin ausbreite, herrsche eine Panik in der Stadt. Sie Aussichten eines iPetroleuimnonopols. Ter scharfen Kritik deS Petroleummonapvl-Gesetzentnrurfes durch fast alle Parteien des Reichstages bei der ersten Beratung im Plenum ist nun vor wenigen Tagen die Ablehnung des Mono- Pols in der Kommission gefolgt. Ter Z 1 des Gesetzentwurfes, der dem Reich ein Monopol für Einfuhr, Herstellung und Großhandel überträgt, ist damit gefallen. Aber wie wenig diese Abstimmung ein wirkliches Bild von den Sympathien für ein Monopol über- Haupt gibt, geht schon daraus hervor, daß die Mehrheit der Kom- Mission sich an die durch die Geschäftsordnung geschaffene Möglich- keit hielt, nochmals über den Gesetzentwurf zu verhandeln und zu beschließen. Die Ablehnung in der ersten Lesung erfolgte durch die Sozial- demokratie nur, weil der§ 1 mit einem Zusatz belastet war, der ein reines Reichs Monopol von vornherein ausschloß. Dieser Zusatz ging dahin, daß die Organisationen der Detaillisten an dem Monopol beteiligt sein sollen. Er war eingebracht worden von den Konservativen, die sich wieder als angebliche Mittelstands- freunde betätigen wollten. Und obivohl das Zentrum grundsätz- licher Gegner des Monopols ist, stimmte es diesem Zusatz zu, um dann da? ganze Gesetz abzulehnen.>das nun auch für die Sozial- demokratie unannehmbar war. Diese unehrliche Sabotage- Politik des Zentrums, die sich auch sonst noch mehrfach bei den Verhandlungen deutlich zeigte, konnte allerdings nur durch die unentschlossene Haltung der Liberalen Erfolg erlangen. Auch die Liberalen stimmten merkwürdigerweise dem Zusatzantrag der Kon- servativen zu, obgleich sie über die Stellung der Sozialdemokratie nicht im Zweifel sein konnten. Trotz der völlig prinzipienlosen Haltung des Zentrums,— die so eigenartig ist, daß man trotz aller Ableugnung die nahen Beziehungen des Zentrums zum Direktor der deutschen Tochter- gesellschaft deS Trusts zur Erklärung heranziehen muß— wird die nächste Lesung zeigen, daß eine Mehrheit grundsätzlicher Anhänger des Monopols in der Kommission vorhanden ist. Tie Sozialdemokratie kann allerdings nur für ein Monopol in Reichsregie stimmen. Da die Liberalen selbst erklärt haben, daß ihnen auf die Form nicht so viel ankomme, liegt eine Annahme im Bereiche der Möglichkeit. Die Sozialdemokratie wird weiter verlangen, daß dem Reichstage ein weit größeres Mitbestimmungsrecht bei der Organisation und Beaufsichtigung des Monopols zugestanden wird, als der jetzige Entwurf Vorsieht. Schließlich kann sie auch nicht darauf verzichten, sichere Garantien dafür zu erlangen, daß die Versorgung des Reiches gesichert und die Konsumenten vor Preiserhöhungen bc- wahrt werden. Denn der Verhütung der Konsumentenausbeutung soll ja das ganzle Gesetz dienen. Keine Partei sollte es auf sich nehmen, dem Volke auch nur geringe indirekte Abgaben neu auf- zubürden, wo die alten hart genug auf allen Schultern lasten. Die Sozialdemokratie kann jedenfalls nicht die Hand zu einer Verteue- rung eines gerade von den Aermstcn gebrauchten Existenzmittels bieten, politiscke(leberficht* Berlin, den 1. Februar 1913. Fleifcheinfuhr und Gesundheitsamt. AuS dem Reichstag. Die dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend vorübergehende Zoll- erleichterungen bei der Fleischeinfuhr hat der Reichstag am Sonnabend schnell erledigt. Genosse Dr. O u a r ck kennzeichnete noch einmal die Volks- feindliche Haltung der Zollwuchermehrheit gegenüber dein herrschenden Notstand. Besonders wichtig waren seine Mit- teilungen darüber, wie sich der Kleinbauernstaat Bayern auf der einen Seite und die Reichsverwaltung unter dem Drucke des Junkerstaates Preußen auf der anderen Seite zu der Bieheinfuhr aus den Schtveizer Kantonen Schwyz und Appen- zell verhalten haben. Bayern war sehr lebhaft für die Einfuhr von Vieh aus diesen Bezirken besorgt. Das Reich da- gegen versuchte, diese Einfuhr zu vereiteln. Es kam aber zu spät, da Bayern bereits mit den beiden Kantonen in Ver- bindnng getreten war. Die b ärgerlichen Redner begnügten sich mit einigen unwesentlichen Bemerkungen. Dann nahm der Reichs- tag einstimmig die Vorlage an. Unsere Fraktion hat einen ihrer Anträge aus der zweiten Lesung noch einmal eingebracht, da das Ergebnis der Abstimmung in der zweiten Lesung zweifelhaft war. Der Antrag ersucht den Reichskanzler, bei den Verbündeten Regie- rungen dahin zu wirken, daß in derselben Weise wie für die großen Städte die Einfuhr von frischem Fleisch und Schlacht- vieh in allen Gemeinden zugelassen wird, in denen die erforderlichen Schutzeinrichtungen gegen Verbreitung der Viehseuchen vorhanden sind. Die Abstimmung ist namentlich und findet anl Tonnerstgg statt. Nach der Annahme des Fleischeinsuhrgtzsetzes setzte der Reichstag die Beratung des Etats für dasReichs- amt des Innern fort. Zum Gesundheitsamt sprachen noch mehrere Redner. Genosse D i t t m a n n ergänzte die Reden der bürgerlichen Abgeordneten, die für den Schutz der Säuglinge und Wöchne- rinnen eingetreten sind und die Abnahme der Geburten beklagt haben. Bei der Aenderung der Arbeiterversicherung haben die Sozialdemokraten zweckmäßige Vorschläge zum Schutze der Säuglinge und Wöchnerinnen gemacht: die Parteien der bürgerlichen Redner haben sie aber abgelehnt. Dieselben Parteien verteuern durch die Wucherzölle die Lebenshaltung des arbeitenden Volkes und erschiveren dadurch die Ge- burtenzunahme. Ferner begründete unser Redner den Antrag unserer Fraktion, daß der Reichskanzler eine Untersuchung der gesundheitlichen Verhältnisse der Bergarbeiter und der ge- sundheitlichen Vorkehrungen auf den Bergwerken veran- stalte. Schließlich ging Genosse Dittmann auf die schweren Schädigungen ein, die die Verseuchung der Wupper durch Abwässer zur Folge hat. Von den bürgerlichen Parteien beschäftigten mehrere Redner sich mit den Ausführungen des Genossen Antrick über die Verhältnisse der Krankenpfleger und Krankenpflege- rinnen. So arg, wie Genosse Antrick es geschildert habe, seien die Mißstände nicht. Genosse Antrick führte genaue Zahlen für seine Behauptungen an und wies so nach, daß er in keiner Weise übertrieben habe. Dann antwortete er dem Abg. Dr. T h o m a von den Nationalliberalen. Der Herr hatte sich vor einigen Tagen gewaltig entrüstet darüber, daß Genosse Antrick an die Anwürfe erinnert hat, zu denen sich vor 12 Jahren auch Nationalliberale gegen ihn wegen seiner Rede über die Miß- stände in den Krankenhäusern haben hinreißen lassen.' Dem- gegenüber behauptete Dr. Thoma, daß damals die National- liberalen die Rede des Genossen Antrick als eine verdienstvolle Tat bezeichnet haben, die Vorwürfe des Genossen Antrick gegen die Nationalliberalen also unbegründet seien. Auch diesem Herrn wies Antrick nach, daß die Sache sich so verhält, wie unser Genosse behauptet hat. Der damalige national- liberale Redner, Dr. Endemann, hat in der Tat in der an- gegebenen Weise auf die Rede des Genossen Antrick geant- wartet. Abg. Dr. Thoma wußte, daß Genosse Antrick ihm bei dieser Gelegenheit entgegentreten werde. Trotzdem glänzte er am Sonnabend durch Abwesenheit. Die biologische Anstalt für Forst- und Landwirtschaft so- wie das Patentamt wurden schnell abgetan. Beim Reichs- versicherungsamt wurde die Verhandlung auf Mittwoch per- tagt. Auch die Abstimmungen über die Anträge zu den er- ledigteu Abschnitten finden erst Mittwoch statt. Ter Etat des Ministeriums des Innern. Der zweite Tag der Etatberatung unterschied sich wesentlich von dem ersten. Indes wurde auch am Sonnabend noch über sozial- demokratischen TerroriSmuS weidlich gezetert, aber dies Thema be- herrschte doch nicht die ganze Debatte, wie eS am Freitag der Fall gewesen war. Wie die Kardorff und Graf v. d. G r o e b e n, so erscheint auch dem Fortschrittler Cassel das rote Gespenst in Gestalt sozial- demokratischen Terrors. Auch für ihn gilt es als feststehende Tat- fache, daß die Sozialdemokratie das Arbeitsverhältnis vergiftet. Allerdings ist auch er. ebenso wenig wie die Kardorff und Groeben in der Lage, auch nur den Schalten eines Beweises für seine Be- hauptung zu erbringen. Darin freilich unterscheidet er sich von den junkerlichen Scharfmachern, daß er neue Strafgesetze oder gar Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie rundweg ver« wirft. Und auch insofern stach seine Rede wohltuend von der der Vertreter der Rechten ab, als er der Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter wenigstens einiger- maßen Gerechtigkeit widerfahren ließ. Daß sich Herr Cassel im übrigen ausführlich mit den Berliner Verhältnissen be- faßte und den Minister wegen der Brüslierung des Magistrats der Reichshauptstadt zur Rechenschaft zog. ist bei der maßgebenden Stellung, die er als Führer des RathausfreisinnS ein- nimmt, wohl als selbstverständlich anzusehen. Obwohl die Ausführungen Cassels nichts weniger als ein Eni- gegenlommen oder gar eine Sympathie für die Sozialdemokraten bewiesen, hielt es der Konservative Strosser doch für angebracht� von einem Wahlbündnis zwischen Fortschrittlern und Sozialdemo- traten für die Landtagswahlen zu faseln und seinem Verlangen nach Rückkehr der Zeiten Ausdruck zu verleihen, wo ein Fischbeck die Sozialdemokraten von der Tribüne deS Landtags herab mit Strolchen und Wegelagerern verglich. Daß Herr Strosser über die gestrigen Festnagelungen unseres Genossen Hirsch in einen Zustand von Raserei verfallen ist. zeigt der Ausfall, den er sich gegen das Brandenburger Schöffengericht wegen dessen Kritik deS Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie leistete. Was dieser konservative Vielredner, bei dessen Rede selbst seine Freunde schleunigst die Flucht ergriffen, sonst noch zusammensaselte, war ein Sammelsurium aller möglichen Ladenhüter. Bald schimpfte er auf die Automobile, bald auf die Kinos, dann wieder auf die un- sittlichen Theaterstücke, zu denen er auch das hochsiltliche.Frühlings Erwachen" von Wedekind rechnet, und schließlich erging er sich in Wahnvorstellungen über ein Bündnis der Nationalliberalen mit den Sozialdemokraten in Hannover gegen die Weifen— ein Märchen, das der Nationalliberale v. Campe gründlich zerstörte. Wiederholt griff auch Herr v. D a l l w i tz in die Debatte ein, einmal um ein Loblied auf die Selbstlosigkeit des Dreiklassen- parlaments erschallen zu lassen, das in dieser Tugend von keinem Parlaments diesseits und jenseits deö Ozeans übertroffen werde, und sodann um alle Angriffe auf seine Verwaltung als völlig halt- los zu bezeichnen. Hieran wird man freilich nach den Proben laudrätlicher Willkür in Schlesivig-Holstein, die der Däne Nissen zum besten gab, und nach der Schilderung des Abg. Wenke(Vp.s über die Art, wie die Amtsvorsteher mit dem Vereinsgesetz um- springen und wie sie die Gastwirte schikanieren, schwer glauben können. Am Montag geht die Debatte weiter. Teuerungsdebatte im Herrenhause. Das Herreuhaus hat am Freitag das Gesetz, wo- durch in den westlichen Provinzen für die ländlichen Fort- bild-ungsschulen, die dort von den Kreisausschüssen errichtet werden können, der Besuchszwang eingeführt wird, an die Kommission zurückverwiesen und das vom Treiklassenhaus ab- geänderte Moorschutzgesetz angenommen. Die Petitionen der Altpensionüre um Besserung ihres Loses wurden von wegen der„Finanzlage" n�sien Papierkorb geworfen. Am gestrigen Sonnabend überwies man der Re- gierung mit ziemlich energischer Befürwortung die Petition des Handelstages um stärkere Vertretung von Handel und Industrie"in den Kreistagen. Von Arbcitervertre- t u n g ist natürlich keine Rede. Tann aber wurde von der Teuerung gesprochen. Und wie! Ten Anlaß gab eine Petition um Zollerleichterungen. Einfuhrerlaubnis für Ge- frierfleisch und dergleichen. Herr Graf von der Schulen- burg-Grünthal haben noch nichts von einem Fleisch- Mangel zu bemerken geruhk. Was Statistik und linker- crnährung und Rückgang der Geburten! Der Herr Graf hält sich lieber an den biederen Schlächtermeister, der ihm sagt, daß die Arbeiterfrauen sich gar nicht mehr mit Kock)- fleisch begnügen, es gehe gar nicht mehr unter Karbonade. Ter gräfliche Herr Leibschlächtermeister ist wohl recht unglücklich darüber, daß er mehr Karbonaden und weniger abgetriebenes altes ßuhfleifch verkauft. Wieviele Arbeiterfamilien sich das Fleisch in dieser Zeit der selbst von Bethmann und Schorlemev anerkannten Fleischteuerung abgewöhnt haben, das ficht den Grünthaler nicht an. Tie Leute können ja im Herrenhaus nicht erwidern... Den Ruin der Landwirtschaft sieht Se. gräfliche Gnaden vor sich und ein Attentat in dem Ver- langen nach Aufhebung der Iuttermittelzölle, Hochdero sind beunruhigt— vielleicht mundet der Sekt und die Austern nicht mal mehr. Und warum diese Katastrophe? Wegen der grundstürzenden Maßnahmen des Herrn von Schorlemer. denen dann der Königsberger Oberbürgermeister K ö r t e nachsagt, daß sie gar keinen Einfluß auf die Preise üben können. Gleichzeitig spricht dieser wackere Vertreter der städtischen 5konsumentenbevölkerung von den trüben Ersah- rungen, die die Städte bei diesen geringfügigen Maßnahmen gemacht haben. Aber dainit sind die Fähigkeiten dieses Herrn noch nicht erschöpft: dieRegierung habedieStädte zur Einfuhr russischen Fleisches gezwungen, ruft er vor den entzückten Fideikommißbesitzern aus, und wenn sie am Ende gar noch bei einer Getreideteuerung von den Städten verlangen würde, daß sie Brot backen, so wäre das schon Kommunismus! Dieses begab sich vor den Edlen und Erlauchten am 1. Februar 1913. Aber sie bereicherten auch die ökonomische Wissenschaft durch ein ganz neues Forschungsergebnis. Tie (nicht vorhandene) Teuerung ist nach dem Schulenburger die Folge der— Lohnsteigerungen. Ja, sind denn die Löhne der Ochsenknechte und der Weiber, die auf den Gütern über die Ferkel wachen, so gestiegen, seitdem sich das Deutschtum unserer Junker in der jährlichen Einfuhr von einer halben Million Russen und Galizier austobt? Die Frage stellte keiner. Mit Schulenburgs und Körles Reden war die Sache erledigt und die Petition flog unter den Tisch.— Montag: Wassergesetz._ Reichsregiernng und preußische Junkeranmaßungen. Die osfiziöse„ N o r d d. A l l g e m. Z t g." sucht den Ein- druck der Blamage abzuschwächen, der ihr durch die Reichs- tagsabstimmung über die verfassungs- und gesetzwidrige preußische Polenenteignungspolitik beigebracht worden ist. Unter Berufung auf den Fürsten Bismarck und eine aller- höchste Botschaft vom Jahre 1886, die gar nicht in Frage kommt, müht sie sich, dem Reichstag das Recht abzusprechen, über Respektierung von Reichsverfassung und Reichsgesetzen zu wachen, die doch durch die Anmaßungen namentlich des preußischen Junkerparlaments so schwer gefährdet und verletzt morden sind. Diese armseligen Ausflüchte vermögen natürlich in keiner Weise den Eindruck der vernichtenden Nieder- läge abzuschwächen, den die preußische Hakatistenpolitik— vertreten durch Geldsackparlament und Regierung— im Reichstage erlitten haben. Wenn Preußen seine von der Vertretung des deutschen Volkes mit erdrückender Mehr- h e i t ausgesprochene Politik der Gesetz- und Ver- fassungs Widrigkeit fortzusetzen wagen sollte, so haftet ihr untilgbar das Odium der Gesetz- und Verfassungs- Verletzung an! Erstaunlich ist es nur, daß das offiziöse Organ die Rechte der Volksvertretung des R e i ch c s so ohne weiteres preisgibt. ohne gleichzeitig gegen die ebenso empörenden wie lächerlichen Anmaßungen Verwahrungen einzulegen, die im p r e u ß i s ch e n Abgeordnete n Hause dem Reiche gegenüber geltend gemacht worden sind, und zwar von Vertretern von Parteien, die aus eigener Kraft bei dem gleichen Wahlrecht auch nicht einen einzigen Wahlkreis zu erobern vermöchten!_ Ein Liebesdienst Hertlings für Bethmann. München, 1. Februar jW. T. B.) Die.B a y e r i ch e S t a a t S- zeitung" schließt ihren heutigen Leitartikel, der sich mit der Heeresvorlage befaßt, mit folgender Mahnung an die Parteien: So einleuchtend diese Gedankengänge sind, so scheint ihnen doch der Weg zum Verständnis jener Kreise oersperrt, die die öffentliche Meinung beeinflussen, versperrt durch die Wirrsal, die unser politisches Leben erschwert und die edelsten Kräfte unseres Volkes zermürbt. Wer immer aber in den kommenden Togen über die Heeresvorlage spricht oder schreibt, sei sich klar darüber, daß hier eine Frage des Deutschen Reichstages harrt, die über den Interessen steht, in deren Bannkreis die Parteien sich sonst befangen fühlen, eine Frage, die würdig nur in Einigkeit und Geschlossenheit gelöst werden kann. Ob diese Mahnung eines Ministers beim Zentrum Gehör finden wird, steht noch dahin. So einfältig ist das Zentrum noch nie gewesen, Bewilligungen anders als gegen Machterhöhungen zu gewähren und mit Phrasen läßt es sich nicht einwickeln. Das überläßt es den Liberalen: es selbst hält stets avf bare Zahlung. Neuwahlen zur Hamburger Bürgerschaft. Alle drei Jahre muß sich die Hälfte der 160 Mitglieder der Bürgerschaft einer Neuwahl unterziehen. Und zwar werden von den zur Wahl stechenden 80 Mitgliedern 20 von den Grundeigen- tümern, 20 durch sogenannte Notable und 40 in allgemeinen Wahlen gewählt. Von den letzteren wählt das Stadtgebiet diesmal L6 Mitglieder und vier Bezirke des Landgebiets je ein Mitglied. Am Freitag fanden die allgemeinen Wahlen statt, die in der Stadt nach dem 1906 geschaffenen Ztoeiklaffenwahlrecht, das mit Pro- portionalwahl, Listenwahl und allen cchikanen ausgestattet ist, vorgenommen werden: im Landgebict nach einem für alle Bürger gleichen Zensuswahlrecht,-�ie sogenannten alten Fraktionen, die 1906 durch Einführung des Klassemoahlrcchts den brutalen Wahl- rechtsraub begangen haben, hatten diesmal im Stadtgebiet ins- gesamt 10, die Sozialdemokratie 10 und die Vereinigten Liberalen (die bürgerlichen Gegner des Klassenwahlrechts) 7 Sitze zu ver- tcidigcn. Die Vorschlagsliste» aller drei Gruppen für das Stadt- gebiet enthielten für diese 40 sitze insgesamt 125 Kandidaten, so daß 85 durchfallen mußten. Die Vorschlagsliste der sozialdcmo- kratischen Partei enthielt 17 Namen. Tie Träger der ersten acht davon gehörten der Bürgerschaft schon an Ter Wahlkampf wurde seit Wochen sehr fleißig geführt. Die sozialdeinokratischeii Kandidaten besuchten nahezu sämtliche bürgerliche Versammlungen im Stadt- und Landgebict, deren Zahl un- geheuer war. Und da überall freie DlSkussion gewährt wurde. konnten sie auch in diesen Versammlungen eine eifrige Propaganda siic unjers Sache entölten. Außerdem fand eine große Anzahl soziald'tMokraüscher Versammlungen! statt. Außer mchreren all- gemeinen Flugblättern sind Sonderflugblätter für die Landbevölkc- runy, für die Beamten und für die Volksschullehrer von der Partei verteilt worden. In den vier Landbezirken hat die Sozialdemokratie diesmal auch eine sehr eifrige Wohlarbeit entfaltet. Die vier ersten Kandidaten der städtischen Vorschlagsliste kandidierten auch im Laudgebiet. Und im Landgebiet haben wir diesmal auch ganz aus- gezeichnete Fortschritte gemacht. In einem Bezirk kommen wir in die Stichwahl. Im Stadtgebiet haben wir unsere Stimmen von 240 849(1907) auf 213 800 erhöht, dank dem famosen Klassenwahl- recht aber nur unsere 10 bisherigen Sitze behaupten können. Und zwar sind uns aus der zweiten Klasse 8, aus der ersten 2 Mandate vugefallen, während wir 1907 aus der ersten Klasse 1. aus der zweiten 9 Mandate erhielten. Es wurden wiedergewählt die Ge- nassen Stolten, Krause, Hoffmann, Stubbe, Grünewald, Schaumburg, Schräder und Wein- Heber und neugewählt H ü f f m e i e r und W i n n i g. Auch die Liberalen behaupteten ihre 7«Atze im Stadtgebiet, und die alten Fraktionen erhalten wieder ihre 19 Sitze im Stadtgebiet. Aus dem Landgebiet haben die alten Fraktionen, die drei Sitze zu ver- teidigen hatten, zwei Sitze wiedererhalten; in einem Bezirk sind sie mit den Liberalen in ziemlich aussichtsloser Stchwahl, im vierten Bezirk stehen wir mit den Liberalen in Stichwahl. Die neu- gegründete hamburgisch-konservative Vereinigung hat so wenig Stimmen(11000) erhalten, daß sie keinen Sitz erhielt; ebenso fiel eine Vorschlagsliste der Frucht- und Gemüsehändler aus. Nicht ge- wählt ist auch der bekannte„Hamburger Nachrichtew'-Redakteur H ü b b e, über dessen blamablen Prozeß kürzlich berichtet wurde. Das Resultat zeigt, daß das Klassenwahlrecht, das geschaffen ist. die Sozialdemokratie auf ewig zu kontingentieren, feine Schuldigkeit getan hat. Ueberall Rückgang des Viehbestandes. Die nun auch aus Sachsen vorliegenden Ergebnisse der letzten Brehzählung vervollständigen das bereits bekannte betrübliche Bild von der EntWickelung des Viehbestandes. Im Vergleich mit dem Jahre 1907 war im Jahre 1912 in Sachsen die Zahl der Pferde von 171 700 auf 175 200 gestiegen. Bei Rindern dagegen zeigte sich ern Rückgang von 731 500 auf 702 000 oder um 29 300 Stück. Der Bestand an Schafen verminderte sich von 00 100 auf 55 400 oder um 10 700. Die Zahl der Schweine sank um 89 200 auf 055 300. Und auck weniger Ziegen wurden jetzt gezählt, nämlich nur 132100 oder 11 800 weniger als im Jahre 1907. Slellt man für die Haupt« tächlich in Betracht kommenden Viehsorten, Schweine und Rinder, die Ziffern aus dem Jahre 1907 mit denen für 1912 in Vergleich, dann ergibt sich die folgende Uebersicht. Es wurden gezählt: Rinder Schweine 1907 1012 1907' 1912 Sachsen... 731 528 702 049 744 515 055 300 Württemberg. 1 173 122 1 103 109 537 185 480 494 Baden... 073 140 049105 558 278 470 094 Bayern... 3 725 420 3 554117 2 050 222 1 800 090 In den vier Staaten zusammen ist die Zahl der Rinder um -34 800= 3,8 Proz. zurückgegangen. Der Rückgang der Schweine niachl mit 483 700 Stück 14,2 Proz. aus. Diese Ziffern bekommen erhöhte Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß gleichzeitig die Be- völkerung stark zugenommen hat. Unbekümmert um die für die Volksgeiündheit bedrohliche Erscheinung, die allerdings den Jnter- essenten dauernd hohe Preise garantiert, känipfen die Agrarier für den Fortbestand der Futrerniiltet-, Bich- und Fleischzölle sowie für die Erschwerung der Einfuhr durch Grenzsperren und allerlei schikanöse Bestimmungen. Fünfzig Mark für vierzehn Schlachten! Der Kaiser hat dem 75jährigen Kriegsveteranen Heinrich Dabow in Burg(Spreewald) eine einmalige Unterstützung von 50 M. aus seiner Privatschatulle zahlen lassen. Die Vorgeschichte dieses Gnadenaktes ist folgende:„Der Veteran Dabow, der nach Ausweis seines Militärpasses im deutsch-französischen Kriege 1870/71 40 Schlachten mitgeschlagen hat, bezieht zwar den Ehrensold von 10 Marl monatlich, lebt aber in äußerst dürftigen Verhältnissen, dieEnde vorigen Jahres geradezu verzweifelte wurden, da seine betagte Ehehälfte das Augenlicht verlor. Eine glücklich überstandene Operation brachte der Frau Dabow die Sehkraft zwar wieder, die alten Leute mußten aber zur Be- zahlung der bedeutenden Operationskosten die Ernährerin der Familie, ihre gute Milchkuh verkaufen. Infolge des Fehlens der Milch, die bisher der Hauptbestandteil ihrer Nahrung gewesen war, wurden Dabow und Frau krank und elend. In dieser höchsten Not richtete der Veteran ein Bittgesuch an den Kaiser und erbat eine Unter« stützung von 300 M. zur Wiederbeschaffung der verlorenen Kuh und eine laufende Veteranenrente von 30 M. monatlich. Dieses Bitt- gesuch verdient insofern als klassisch bezeichnet zu werden, als es mit folgendem Zitat begann: „Ew. Kaiserl. Majestät I Hier ist mein Haupt, ich hab's für Euch gewagt in 14 Schlachten!" DaS Gesuch hat jetzt seine Erledigung durch oben erwähnten kaiserlichen Gnadenakt gefunden. Daß ein solches„Gnaden"- Gesuch überhaupt notwendig wurde, welcher Lohn den Kriegs- invaliden zu teil wird. Wenn das schon den Invaliden von ehedem so geht, wie würden dann erst die Opfer eines neuen Krieges betteln müssen!_ Der Gipfel der Rcntenquetfchereik Welchen großen„Segen" die bürgerlichen Parteien mit der neuen Rei-hsversicherrrngsordiiung der Arbeiterklasse gebracht haben, ist nirgends deutlicher zu sehen als an dem Etat der Landes- versicherungsanstall Schlesien. Auf Grund der höheren Beiträge wurden acht Millionen Mark mehr eingenommen! Weil keine Rückzahlung an die Frauen Berstorbener und an die Mädchen, die stch verheiraten, mehr erfolgt, wurden 800000 Mark ge- spart. Gegenüber diesen 8 800 000 Mark im Einnohmekonto belrug die Ausgabe für die Wilwen und Waisen jährlich nur 120000 Marti Schon der bisherige Ueberschutz der Anstalt betrug bei 15 Millionen Mark Beiträgen jährlich 5—0 Millionen Mark; das Vermögen der Anstalt ist auf Il5 Millionen Mark angewachsen. Aus dteseni Nieienvermögen erhalten die schlesischen Magnaten billige Hypotheken für ihre„Arbeiterwohnhäuser". Das eigene Geld lassen diese Patrioten profitabler in der Industrie arbeiten. Kapitalistische Wohlfahrtseinrichtunge». Nach den großen Grubenkatastrophen der letzten Jahre konnte man regelmäßig in der dem Kapital dienstwilligen Presse schwülstige und unehrliche Litaneien lesen, in denen geschildert wurde, wie sehr die Unternehmer bemüht seien, das Elend der„braven Berg- knappen" und ihrer Angehörigen zu lindern. Wie es um diese Fürsorge des Grubcnkapitals wirklich bestellt ist, zeigt folgende Schilderung unseres Dortmunder Parteiblattes: wS3oii einer JiücffidjtörojiQfeit, jjjg Uou{einer üb< Schlagwetteriairropqe aus„Achenbach" getöteten Bergleute. Wurde doch den in der Kolonie wohnenden Witwen, soweit sie keinen Angchorlgen mehr aus der Zeche haben, der für sie die Wohnung übernimmt, am-1. Januar von, Kolonieverwalter eröffnet, daß sie am 1. �ebruar die Wohnung räumen müßten. uns diese Meldung zuging, da trauten wir unseren Augen nicht. Wir konnten cs nicht glauben, daß man aus„Achenbach" wirklich so rigoros, so brutal gegen die armen Hinterbliebenen der im Dienste des Kapitals gefallenen Bergleute vorgehen würde, zumal doch erst wenige Wochen seit der gräßlichen Katastrophe ins Land gezogen sind. Unsere angestellten Nachforschungen haben jedoch obige Meldung bestätigt. Der Zechenverwaltung scheinen aber nachher selbst einige Bedenken gekommen zu sein. Eine Witwe (Oesterreicherin), der man auch am 21. Januar die Wohnung für den 1. Februar kündigte, wurde beim Betriebsführer vorstellig und hat man ihr denn auch gestattet, bis zum 1. März in der Wohnung bleiben zu dürfen. Dadurch wird ja die Handlungsweise in etwas gemildert. Aber als rigoros, als brutal müssen wir es nach wie vor bezeichnen, daß man überhaupt erst gegenüber den armen, noch schmerzgebeugten Witwen eine solche Anordnung traf. Wenn wir auch von der Verwaltung von„Achenbach" kein soziales Verständnis verlangen, aber soviel Taktgefühl gegenüber den Witwen mutzte sie schon besitzen, um eine solche Anordnung erst gar nicht zu treffen. Oder sollte der Kolonieverwalter aus sich heraus ohne Kenntnis der Verwaltung von„Achenbach" gehandelt haben?" Schweden. Neichstagsarbcit. Stockholm, 31. Januar.(Eig. Ber.) Die ersten zwei Wochen der Reichstagssession pflegen in Schweden eine Unzahl Initiativ- antrüge der Reichsboten zu zeitigen. Auch in diesem Jahre haben die Abgeordneten von diesem Rechte ausgiebigen Gebrauch ge- macht, denn nicht weniger als 293 solcher Anträge ivaren einge- gangen. Die meisten wandern natürlich in den Papierkorb,»ach- dem sie in der permanenten Kommission vorgelesen worden sind. Es ist ja auch unmöglich, diese Antragsproduktion ernsthaft in die parlamentarische Rahmung einzustellen, um so mehr, als nicht etwa die Partei fraktionen alleinige Träger der Antragswut sind, sondern meistens die einzelnen Abgeordneten. Auch die sozial- demokratische Fraktion macht in dieser letzteren Hinsicht keine rühmliche Ausnahme. Denn wenngleich sie über die Einbringung wichtiger Anträge beratet und beschließt, läßt sie dennoch ihren einzelnen Mitgliedern Freiheit, auf eigene Faust Antragspolitik zu treiben. So hat man es diesmal erleben können, daß, während ein Fraktionsmitglied einen Antrag auf Beseitigung der Ausgaben für die Hofhaltung des Königs aus dem Staatsbudget stellt, einige seiner Fraktionskollegerr fast gleich- zeitig auf dem vom König gegebenen Hoffeste herum- schmarotzten. Der Antragsteller erklärte aber belustigender- weise, er wolle seinen Kollegen die Teilnahme an dem Hoffeste nicht verwehren, weil sie gewissermaßen ein Studieninteresse am Hof- ball haben können! Wenn ein solcher Antrag von der Sozial- demokratie oder einem ihrer Vertreter eingebracht wird, dann wäre zum mindesten von allen anderen Fraktionsmitgliedern zu fordern, daß sie dem Tamtam fernbleiben, wenn sie nicht schon aus politischen Reinlichkeitsgründen auf die unwürdige Schma- rotzerei verzichten wollten. Die aus dem Reichstage hergegangenen Initiativanträge be- treffen die verschiedensten Gebiete. Zu der Verfassungsfrage liegen eine Reihe von Anträgen vor; von sozialdemokratischer Seite sind u. a. wichtige Anträge bezüglich der Steuergesetzgebung einge- gangen. Die Erhöhung der Erbschaftssteuer wird gefordert, ebenso die Erhöhung der Einkommens- und Vermögenssteuer zur Deckung der Staatsausgaben für die geplante Altersversicherung. Aus konservativen Kreisen stammen Anträge auf Vermehrung des Mili- tär- und Marinebudgets usw. Eine wichtige Aktion ist von sozialdemokratischer Seite ein- geleitet worden durch einen Antrag gegen das Schutzzollsystem. Es wird eine Untersuchung der Entwickelung der schwedischen Handels- Politik gefordert mit dem Freihandelssystem als Ziel. Regierungsseitig ist zunächst das Staatsbudget vorgelegt worden, das keine erheblichen Abweichungen von früherer Praxis etkennen läßt. Der Militarismus schluckt nach wie vor den großen Teil der Staatseinnahmen. Angekündigt ist bereits ein« Vorlage zur Einführung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung, die hoffentlich ein wenig mehr sozialpolitisckje Einsicht verraten wird, als die von der konservativen Regierung eingesetzte Kommission sie bekundet hat. Das ist nur so mehr zu erwarten, als von feiten des Ägl. Kommerzkollegiums, dem bisher das Arbeitsstatistische Amt unterstellt war, eine eingehende Kritik an der Kommissions- Vorlage geübt und beachtenswerte Verbesserungsvorschläge gemacht worden sind. Auch in anderen Fragen sind wichtige Anregungen und For- dernngen der Regierung zu erwarten, so daß dem Reichstage eine recht große Arbeitslast auch in diesem Jahre bevorsteht. Ob für die Arbeiterschaft was wesentliches herauskommt, steht noch dahin. Es gewinnt den Anschein, als ob ein großer Teil der Liberalen �fich am liebsten für ein Zusammenwirken mit den Konservativen �entscheiden möchte, und auch die Regierung macht nicht den Ein- druck, als ob sie das verhindern will. Spanien. DaS Reformprogramm. Der Abgeordnete Luis M o r o t e teilt in der„Humanite" den Inhalt einer Unterredung mit, in der ihm der Ministerpräsident Graf Romanones das Programm darlegte, das er den Kam- mern vorlegen will. Im Vordergrund steht die Sozialpolitik: Gesetze über Gewerkschaften, Kollektivverträge, Gewerbeaufsicht, Ueberwachung der großen Unternehmungen, Schaffung eines Ar- beitsministeriums. Der Staat soll sich im Streikfall auf Vermitte- lung beschränken.— Weiter Reform der Staats- und Gemeinde- finanzen: Reform der Grundsteuer auf Grundlage der Wert- zuwachsbcsteuerung im Sinne von Lloyd George.— Das Gc- richtsbarkeitsgesetz, das die Rechtsprechung militarisiert, soll aufgehoben, das Militärstrafrccht reformiert, die Todesstrafe aufgehoben werden.— Als Grundproblem gilt der Regierung die Kirchenpolitik. Die Regierung habe in letzter Zeit 48 neue Mönchsorden ferngehalten. Das Bereinsgesetz soll diese Fragen lösen. Die Verhandlungen mit Rom versprächen große Vorteile. Die Cortes sollen baldigst zusammentreten. Graf Romanones er- klärte, er fürchte den Kampf nicht. Spanien habe aufgehört, eine Ausnahme in Europa zu sein. Seite an Seite mit England und Frankreich wolle es für den Fortschritt arbeiten.— Ein wunderschönes Programm. Nur— wir erinnern uns, vor Jahren von dem„Demokraten" Canalejas noch schönere Worte gehört zu haben. Man weiß, was daraus wurde. Hoffentlich wird es diesmal besser und ehrlicher. China. Eine Denkschrift über die Anleihe. Peking, 31. Januar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, haben die Gesandten der sechs Mächte nach ihrer heutigen Zusammenkunft dem chinesischen auswärtigen Amt den Entwurf einer Denkschrift übermittelt, die die chinesische Regierung aus Wunsch der Mächte in die an die sechs Mächte zu richtende Note aufnehmen soll. Tic Denkschrift enthält die endgültige Verpflichtung, drei ausländische Beiräte in der Verwaltung der Salzzölle, im Rechnungsdepartement und im Anleihedepartement zu ernennen. Der Anleihevcrtrag setzt einen Zinsfuß von bX Proz. fest. Die Anleihe ist nach fünfzehn -Jahren al pari louvcrtierbar. Marofefte. Vernichtung einer französischen Abteilung.''■ Paris, 31. Januar. Eine größere marokkanische Abteilung« die vom Oued-Nnn herkam, hat in der Nacht zum 10. Januav nordwestlich von Adrar eine Abteilung Schützen angegriffen, die heldenmütigen Widerstand leistete, jedoch unter schweren Verlusten unterlag. Ein Leutnant und drei Unteroffiziers wurden getötet. Eine Rekognoszierungsabteilung von 350 Ge» wehren hat die Verfolgung ber Feinde anfgenommei� Hue der Partei. Der diesjährige Parteitag wird in der Woche vom 24. bis 30. August in Jena ftattsinden. Auf die Tagesordnung wird u. a. die S t e u e r f r a g e gesetzt werden, für die zwei Referenten bestellt werden. Der ParteiauSschutz, der am 31. Januar in Berlin tagte, hat sich in allen diesen Fragen den Vorschlägen des Parteivorstandes angeschlossen. Personalien: Genosse Karl Winkelmann in Bremen, bisher Vorsitzender des Böttcherverbandes, ist zum Parteisekretär für Olden-- burg-Ostfriesland gewählt. Der bisherige Parteisekretär. Genosse Schulz, ist vom Parteivorstand als zweiter Druckereirevisor an- gestellt worden.— Zum Geschäftsführer für die kaufmännische Ab- teilung des„V o l k s b l a t t e s" in H a l l e wurde Genosse Herzig aus Bochum gewählt, der dort seit 10 Jahren in der Parteibuch- Handlung tätig war.— Genosse Konradin Schräder auS Magde» bürg hat die Geschästsleitung der„Mecklenburgifchen Volkszeitung" in Rostock übernommen.— Sozialee. Schwarze und blaue Kinderfabrikatio». Sie zanken sich wieder einmal, bie Schwarzen und die Blauen; jetzt über das Kapitel Geburtenrückgang in Deutschland. Die, Zentrumsgelehrten weisen— es ist jetzt modern geworden— alle Tage daraus hin, baß nur noch die fromme christliche Ehe zur schrankenlosen Kinderfabrikation oie notwendigen Voraussetzungen besitze. Die sozialdemokratischen Ehen dagegen gingen darauf auS, den Staat durch Empfängnisverhütung und Kindervermeidnng planmäßig zu ruinieren. Den Blauen, so ungefähr von der Sorte „Rheinisch-Westfälische Zeitung", ist natürlich der Gedanke,� daß die ewig unzufriedenen Arbeiter wieder einmal„antinational" sein sollen, durchaus sympathisch. Z-ur sehen sie in dem Zentrums- Programm üppigster und schrankenlosester Kinderfabrikation die Gefahr körperlich und geistig minderitvertiger Arbeiter und hoher Soziallasten. Das patzt diesen Leuten natürlich gar nicht in den Kram. Die„Kölnische Bolkszeitung" wieder zetert darob und meint, das schlimmste sei dabei, daß solche Aeußerungen in einer „ausgesprochenen patriotischen" Zeitung stünden: „Das hat gerade noch gefehlt! Alles, was kein Geld mehr verdienen, nicht mehr Soldat sein und sich nicht mehr„rassekrästig" fortpflanzen kann, wird vernichtet! Unzweifelhaft haben wir dann sofort eine erhebliche„Volksverjüngung", eine enorme Sterblich- keitsverminderung, eine beträchtliche Steigerung der durchschnitt- lich im Menschen vorhandenen Pferdekräfte, eine riesenhafte Per- kleinerung aller Lasten für Alte, Sieche, Irre. Tuberkulöse, Arme, Rentenempfänger usw., vermutlich auch für Geistliche und Kirchen- bauten......" Wenn zwei sich zanken, erfährt der Dritte die Wahrheit. Die Zentrumsleute, die es den Geistlichen ihrer eigenen Religion ver- bieten, natürliche Menschen zu sein, verlangen, daß der niedrigst entlohnte Arbeiter sinn- und verstandeslos Kinder über Kinder in die Welt setzt. Die ganze Arbeiterklasse soll ein großer Kar- nickelstall werden; und das alles um angeblich religöser Gründe willen. Die Leute der„Rheinisch-Westfälischcn Zeitung" wünschen das absolute Zeugungsverbot für alle„alten Leute". Es sei ja natür- lich den einzelnen Familien lieb, die alten Verwandten lange zu, behalten, aber man könne vom volkswirtschaftlichen und mili- tärischcn Standpunkte aus sagen, daß darin kein Vorteil des Gesamtvolkes läge! Die Leute wollen die Kinderproduktion nach kapitalistischen Zuchtprinzipien durchgesetzt haben. Die Schwarzen und die Blauen reden gleicherweise mit einem Riesenonstvand von Moralsauce, Sittlichkeitspflästerchen und Ethik über den Nachwuchs des deutschen Volkes. Die Verelendung des Volkes betreiben sie aber durch künstliche Erhöhung der Lebens- haltungskosten und suchen durch parteiische Gesetze und Recht- sprechung dem Arbeiter das Recht der Gleichberechtigung zu rauben. Die preußischen Gefängnisse. Nach einer soeben im„Reichsanzeiger" veröffentlichten Ge- fängnisstatistik hatten die Strafanstalten und Gefängnisse beider Verwaltungen zusammen im Rechnungsjahre 1911/12 einen täg» lichen Durchschnittsbestand von 51 549 Gefangenen. Räch dem end- gültigen Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 belief sich die Bevölkerungsziffer Preußens auf 40105 219 Einwohner. Legt man diese Zahl zugrunde, so entfallen auf 100 000 Einwohner 128,34, die sich in Zuchthäusern oder Gefängnissen befanden. Bei einem Vergleich mit den entsprechenden Zahlen für das Vorjahr, in dem der tägliche Durchschnittsbestand in den Gefängnissen der Justizverwaltung 31 095 Gefangene(darunter 8094 Untersuchungs- gefangene), in den Strafanstalten und Gefängnissen der Verwaltung des Innern 21 153 Gefangene, nämlich 11 222 Zuchthaus- und 9931 Gefängnis-(darunter 1238 Untersuchungs-)Gefangene, in den Anstalten beider Verwaltungen zusammen 52 248 Gefangene be- tragen hat. zeigt der Durchschnittsbestand in den Gefängnissen der Justizverwaltung eine Abnahme um 929 Gefangene und auch der Tagesdurchschnitt in den dem Ministerium des Innern unterstellten Zuchthäusern sowie der durchschnittliche Gesamtbestand an Gefan- genen der Strafanstalten und Gefängnisse beider Verwaltungen einen kleinen Rückgang. Die Statistik zeigt ferner, daß die Zahl der Gefängnisinsassen in den W i r t f ch a f t s k r i s e n j a h r e n erheblich zunahm, wäh- rend sie in wirtschaftlich günstigeren Jahren sank. Die Zahl der weiblichen Gefängnisinsassen sank seit dem Jahre 1892/93 fast un- unterbrochen. Auch die Zahl der jugendlichen Strafgefangenen hat im Laufe der letzten 12 Jahre eine Abnahme erfahren. Gegen die Arbeitslosen. Wie seinerzeit schon berichtet, hat der Stadtmagistrat von Nürnberg zwar einen Betrag von 30 000 M. zur Errichtung einer Arbeitslosenversicherung rn den Etat eingesetzt, aber mit der Be- stimmung, daß die Mittel ihrem Zweck zugeführt werden dürfen. wenn der bayrische Staat die gleiche Summe als Zuschuß leistet. Da hieran unter dem jetzigen Regime nicht zu denken ist, kostet die Nürnberger Rathausfreisinnigen ihre soziale Großtat keinen roten Heller. Damit ist aber den Arbeitslosen nicht gedient, uno da gerade jetzt die Arbeitslosigkeit in Nürnberg rapid zunimmt, beantragten die Sozialdemokraten im Gemeindekoellginm bei der Etatberatung, die 30 000 M. für Gewährung von Unterstützung an Arbeitslose zu verwenden und eine Kommission einzusetzen, die aas Nähere bezüglich Höhe der Unterstützung. Kontrolle der Ar- beitslosen usw. zu regeln bätte. Der Antrag wurde aber von den Freisinnigen, Nationalliberalen und Mittelständtcr» in holder Eintracht uiedergestinimt, ebenso der weitere Antrag, im nächst- jährigen Etat die gleiche Summe in den Etat einzusetzen und die Arbeitslosenversicherung ohne Rücksicht auf das Verhalten der Staatsrcgierung durchzuführen. Es geht nichts über die liberale Arbeiterfreundlichkeit. -- Gewcrkfcbaftlicbea. Sin ßrudcrrchtnatz. �ie Arbeiterfeinde Iiaben die Gewohnheit, alle Begriffe nach ihren Bedürfinsfen bald so bald fo zu deuten. So auch den Begriff des Terrorismus. Vernunftgemäß kann nian darunter nur die aus unlauteren, egoistischen Beweggründen unternommenen Gewalttäligkeiten oder Geistesknebelungen verstehen. Um so verwerflicher ist der Terrorismus, wenn er die Verhinderung berechtigter, idealer, deni Gemeinwohl dlencnder Bestrebungen zum Ziele hat. Tie Merkmale solchen Terrorismus tragen alle von den Gegnern der GeWerk- schaften gewollten und eingeleiteten Maßnahmen an sich. Das .bindert die Jnteressenpolitiker aber nicht, ihr terroristisches Vorgehen gegen die Gewerkschaften als einen„Kampf gegen den Terrorismus" zu deklarieren. Ein nettes Beispiel von solcher Falschmiinzerpolitik gab der Junker v. Kardorss am Freitag im Reichstage. Er sieht die Erbschaft der Junker, das ungehenimte Recht aus Ausbeutung der Arbeiter, durch die gewerkschaftliche Organisation gefährdet. Also müssen diese vernichtet werden, llnd er schwadroniert über Terrorismus liegen Arbeitswillige. Zur Ueberwindnng des vorgetäuschten Terrorismus, in Wirklichkeit, um die Gewerkschaften in der sozialen, dem Gemeinwohl förderlichen Arbeit zu stören, be- kannte er sich als Terrorist der Tat. Er forderte alle Macht- mittel des Staates gegen die Arbeiterschaft. In pathetischer Böse ließ er den Schrei nach dem starken Manne ertönen, der mit brutaler Faust ehrliche Arbeiter knebeln und streikbreche- risches Gesindel schützen soll. Für den Geisteskampf hatte der sich über Terrorismus entrüstende, terroristische Gewaltpolitik fordernde geschästennichende Junker nur Spott und Hohn. Mit Zuchtbaus und Schießprügel will er den Kampf gegen die Organisation der Arbeiter führen, das heißt gegen eine friedlich soziale EntWickelung. In mühevoller, opferreicher Arbeit kämpfen die GeWerk- schaften gegen Rot und Elend, gegen Ausbeutung und Mcnschenvernichtung. Ter Junker fordert Pulver uild Blei, schreit nach dem starken Manne, der diese Bewegung nieder- knüppeln soll! In edler Dreistigkeit wagt das Junkertum auch uoch solche Gewaltpolitik gegen ideale Bestrebungen und für seine egoistischen Zwecke von der Parlamentstribüne aus als einen Kampf gegen den Terrorismus zu empfehlen! In diesen Rahmen paßt es auch, daß Frechlinge der Station den Boykott Andersgesinnter als sittlich erlaubt, ja als preisenswert verteidigen. Das ganze Junkerregiment ist eine sortlaufende Kette deS Terrorismus! Gewaltstreiche ihrer Vorfahren machten die Junker zu Besitzern des Landes. Ge- waltpolitik usurpierte ihnen das Recht des Gesetzgebers. Tie Gesetze treten sie mit Füßen, wo sie ihnen hinderlich sind. Den Landarbeiter!? verweigern sie Staatsbürgerrechte. Als Ersatz dafür dürfen sich die Ausgebeuteten beschimpfen, mißhandeln, ja totschlagen lassen. Ter Landsklave, der von dem Vereins- recht Gebrarlch?nacht, wird init der Hungerpeitsche bedroht. Unter der Aufsicht von Vögten müssen die Landarbeiter nach der Anordnung der Junkerterroristen ihr Wahlrecht ausüben. In seinem Bereiche dlildet der Junker keinen Schinimer eigener Meinung. Er unterdrückt, ii? der Wahl der Mittel von keinem Bedenken gehemmt, jedes ideale Streben, wei?n es neineu Portenioimaieiiiteressen widerspricht. Alles was der Junker an terroristischen Taten verbricht, das umgibt er niit dem Glorienschein„staatserhaltender Ordnung". Jeder Ver- lisiich, sich des Terrors der Junker und Junkergnossen zu er- wehren, stigmatisieren diese als cinei? Terrorversiich gegen die göttliche Weltordnung. Das Ziel der Gewerkschaften ist darauf gerichtet, de?n wehrlosen Arbeiter Schutz und Schirm gegen Ausbeutung, Unterdrückung lind Gewissei?szwai?g zu sein. Das erklärt den wütenden Haß, n?it dein sie von den Junkern verfolgt werdei?. Daß die Terroristen dabei iiber Terrorismus heuchlerisch sich entrüsten, u?acht die Sache ebensowenig neu wie reizvoll. Demagogen ui?d Gewalthaber führten den Kampf mit u?i- la?ltcren Mitteln zu ihren uillauterei? Zwecken immer lmter der Devise: Gegen Demagogentlim und Umsturz! Jetzt finden sich als tapfere Ordmlngsritter Hinzebrüder u n d Junker z u s a m m e n. Sie sind einander wert! Glück auf zum Bruderschmatz! Berlin und Omgegend. Lchrzeitverlängcrung im Blumenbindereigetverbe. Das Blumenbindcrcigelvei.be bat sich erst edva während der letzten vier Jahrzehnte zu einem selbständigen, von der Gärtnerei losgelösten, mit eigenem Berusspersonal arbeitenden Gewerbe her- ausgebildet. Früher wurden die Binderciarbciten von Gärtner- gc Hilfen nebenher mit geleistet, oder von weiblichen Angehörigen des Gärtnercibesitzers. Heule, wo die Gärtnereien zumeist in die Vororte und umgebenden Dörfer der Großstädte verdrängt sind, unterlsalten die Gärtner nur noch selten eigene Blumengeschäfte; dieser Nebcnbetrieb ist ausgegeben und ein selbständiger Haupt- betrieb anderer Unternehmer geivordeu, die zumeist die eigeiitlichc Gärtnerei gar nickt erlernt haben. Tas Herstellen der Binderei- artii'cl besorgen in diesen Blumengeschäften in der Hauptsache weibliche Arbeitskräfte, die dazu als Binderinnen besonders aus- gebildet werden. Tie Ausbildung selbst erfolgt in einer Lehrzeit, die in ihrer Dauer noch wenig allgemein geregelt ist. Tiefe Lehr- zeit beträgt allgemein ein Jahr, doch kommen auch uoch solche von nur einem halben Jahre vor. Ter nun seit acht Jahren bestehende, gut organisierte Verband deutscher Blunicngcschästsinhaber ist seit einigen Jahren daran, die Lehrzeit allgemein zu ordnen, und zwar will er sie verlängern. In diesen Bestrebungen ist er gar niwi bescheiden, denn ans seinem Verbandstagc schon beschloß er, „mit allen Mitteln danach zu streben, eine einheitliche drei- jährige Lehrzeit durchznfiihren". llnd seitdem sind nach dieser Richtung schon mancherlei Vorstöße unternommen worden, mehr- fach wurde wenigstens schon eine zweijährige Lehrzeit vereinbart. Das Bestreben, eine längere als einjährige Lehrzeit durch- zuführen, rechtfertigt sich aber nach keiner Seite hin. Das Blumen- binden läßt sich in einem Jahre durchaus erlernen, und der so- genannte künstlerische Geschmack ist eine Persönlichkeitssache, die überhaupt nicht erlernt werden kann, die pielmehr jeder einzelne nach seinem Besähigungsgrade besitzt und entwickelt. Eine mehr als einjährige Lehrzeit rechtfertigt sich darum nicht. Tie Blumeirbinderci ist größtenteils ein Saisongewerbe, in der Zeit vom Mai bis Oktober, also rund fünf Monate des Jahres haben die in ei st en Blumenbinde. rinnen überhaupt keine Beschäftigungsgelcgen- heit in ihrem Berufe; in dieser Zeit bewältigt die geringe Arbeit der kleinere Geschäftsinhaber mit seinen Familienangehörigen alleiu, und der größere behält nur die Hülste oder ein Drittel seines P-rsonals. Daher auch der stets iproßc Abfluß gelernter Binderinnen, die ihren Angehörigen nicht so lange Zeit zur Last liegen können, in der stillen Saison andere Bcschäftigungsgclcgcn- besten ergreifen und zumeist bei dieser verbleiben, ivcil sie hier gewöhnlich auch eine kürzere Arbeitszeit»nd sonst bessere Arbeits- Verhältnisse vorfinden. Es muß also sehr dringend davor BerantwZRcdakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantlv.: geloarn! lv erden, aus Lehrzeiten über ein Jahr sich einzulassen. Bei dieser Gelegenheit muß den berestS ausgebildeten htm. in Stellung befindlichen Blumengeschäftsangestellten auch ihre O r. ganisationSpflicht eingeschärft werden. Denn, obwohl für die Blumengeschästsbetriebe schon eine ganze Reihe von Arbeiter- schutzbestimmungen gesetzlich bestehen, kommen diese den An- gestellten dock nur erst selten zugute, weil die unorgauisierten Augcslelllcu sie nicht kennen, und weil ihre Durchführung solange nicht richtig Überwacht werden kann, als die Angestellten das nicht durch die gewerkschaftliche Organisation tun. Die meisten Blumen- binderinnen sind Züchter aus Arbeiterkreisen und damst auch zu- meist von orgaiusierten Gewerkschaftern. Tie zuständige Organi- sation ist der Allgemeine deutsche Gärtncrverein, Sitz Berlin, Luisenufer 1. Deutsches Reick). Hochbahnstreik in Hamburg. Hamburg, 1. Februar.(Privattelegrainin des„Vor- w ä r t s Heute morgen legten sämtliche Angestellte der Hamburger Hochbahn wegen Maßregelung und Lohndifferenzen die Arbeit nieder Der Betrieb ruht. Zuzug, besonders aus Berlin ist unter allen Um- ständen fernzuhalten._ Tie Entlarvung einer sozialdemokratischen Schaucrmär. Unter dieser oder einer ähnlichen vielversprechenden Ueber- schrist bringt die gesamte Zentrumsprcsse einen Waschzettel folgen- de» Jnbalts: „Ohne Angabe von Ort und Datum geht zurzeit durch die ganze sozialdemokratische Presse eine angebliche„Erklärung" des Mitgliedes Anton Weber bom christlichen Mctallarbeiterverband. Weber soll den Sozialdemokraten erklärt haben,„daß er vom christlichen Acetallarveiterverbaiid. Verwaltung Menden, mit noch 14 anderen.stollegen nach Stuttgart gesandt wurde, uni dort bei der Firma„Sanitaria" in Arbeit zu treten. Die Erklärung ist auf dem Bureau des sozialdemokratischen Metallarbeiterverban- des in Hagen sozusagen erschlichen worden. Wie unehrlich und verschlagen die Sozialdemokraten zu Werke geben, um sich Scheinbeweise für nicht vorhaudenen christlichen Streikbruch zu verschaffen, wird in nachstehender Erklärung Webers in aller Oefsentlichkeit entlarvt. Erklürniig. Arn Freitag, den 17. Januar 1913, war ich auf dem Bureau des sozialdemokratischen Metallarbeilerverbandes zu Hagen und bat, in der Meinung, auf dem Bureau des christlichen Metall- arbeiterverbandes zu sein, um Reiseuntcrstützuug. Dort wurden mir und einem Kollegen, der bei mir war, von den Beamten zuerst ein paar Glas Bier traktiert. Man fragte mich nach dem Woher und Wohin der Reise und forderte mir mein Mitglieds- buch ab. Mir wurde dann ein auf der Schreibmaschine berge- stelltes Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt. Mit dessen Jnbalt war ich nicht einverstanden. Der letzte Teil enthielt so viel llurichtigkeiten, daß ich ein Drittel des ganzen Blattes vor Her- gäbe meiner Unterschrift abschneiden ließ. Daß ich, wie in dem mittlerweile in der sozialdemokratischen Presse veröffentlichten Schriftstück steht, von der Ortsverwaltung Menden des christlichen Metallarbeiterverbaildes nach der Firma„Sanitaria" geschickt worden sei, ist unwahr. Dieses Werk ist mir bis heute noch vollständig unbekannt. Ich war der Meinung, in dem Schrift- stück hätte es geheißen, statt„Sanitaria"„Sekretariat", worunter ich unser Verbanössekretariat Stuttgart verstanden habe, wo ich von Menden aus freiwillig hingefabrcn bin. In dem von mir unterzeichneten Schriftstück hat meiner Erinnerung nach das Wort„Arbeitswilligeii" überhaupt nicht gestanden." Zu diesem Artikel erklärt die Verbandslcituut? des Deutschen Metallarbölterverbaiides, Verwaltung Hagen, folgendes: „Das Mitglied des christlichen Metallarbeiterverbaildes hat seine?>on Ulis veröffentlichte Erklärung vollständig frei- willig unterschrieben. Der Porgang spielte sich folgendermaßen ab: Am Freitag, den 17. Januar 1913, kam das Mitglied des christlichen MetaUarbcitervcrbaiides Anton Weber auf das Bureau des Deutschen Metallarbcitcrverbandes in Hagen und bat um Unterstützung. Als er uns auf unser Verlangen sein Verbands- buch zeigte, sahen wir sofort, daß er Mitglied der ch r i st l i ch c n Organisation war. Wir teilten dem Weder nun mit, aus welchem Bureau er sich befinde, und fragten ihn dann, ans welchen Gründen er nach Stuttgart gefahren sei. Weber erklärte uns in Gegenwart von drei Zeuge», er sei mit noch 14 anderen Kollegen auf Befehl der christlichen Streikleitung von Menden nach Stuttgart gesandt worden, um bei der Firma „Sanitaria" in Arbeit zu treten. Es wäre ihnen von der Streikleitung in Menden ausdrücklich crkläri worden:„Wenn ihr nicht nach Stuttgart geht, wird euch die Streik- nnterstützuniz entzogen." So sab das„freiwillige" Abreisen der Mcndener Metall- arbeiter aus. �Weber erklärte uns weiter, sie hätten nicht gc- tvußt, daß in Stuttgart gestreikt wurde; die Meudener Streik- leitung hätte ihnen das verschwiegen. In Stuttgart hätten sie bei der„Sanitaria" nicht in Arbeit treten können, da der Betrieb bereits mit Arbeitswilligen besetzt lvar. Ein Trupp christlicher Mitglieder sei vor ihnen bereits nach Stuttgart gesandt worden. Man habe auf der„Sanitaria" nur noch gelernte Arbeiter brauchen können. Bei seiner Abreise von Stuttgart habe er vom christlichen Metallarbcitcrverband ganze 2 M. Reisegeld b e k o m m e n. Wir fragten den Weber, ob er bereit sei, das uns münd- lich Mitgeteilte schriftlich zu bestätigen. Er erklärte sich sofort dazu bereit. Ferner erklärte er, daß er, sobald er Ar- Veit bekommen habe, der christlichen Organisation den Rücken kehren lvürdc, Als wir die Erklärung mit Tinte niedergeschrieben hatten, las Weber ziveimal die Erklärung genau durch und verlangte Streichung eines Fremdwortes, welches ihm unverständlich war. Wir sind diesem Wunsche iiachgekominen und habe» den ganzen Satz gestrichen. Daiiii wurde die Erklärung aus der Schreib- Maschine ins Reine geschrieben und sie dem Weber wieder vor- gelegt. Weber las die Erkinriing wieder genaii durch und erklärte dann ausdrücklich:„Tas ist wahr, das kann ich unterschreiben." Bevor er aber unterschrieb, haben wir dem Weber ausdrücklich erklärt:„Unterschreiben Sie nur, ivas ioahr ist: entsprechen Ihre Angaben nickt den Tatsachen, dann wollen wir es lieber sein lassen". Weber erklärte wörtlich:„Das kann ich zehnmal unterschreiben; denn was in der Er- klärung steht ist wall r." Wenn nun in der christlichen Ableuguiing gesagt wird, Weber habe das Wort„Sanitaria" als„Sekretariat" verstanden, so erklären wir dieses für eine bewußte Unwahrheit. Durch Zeugen können wir nachweisen, daß Weber ständig von der Firma„Sanitaria" und dem Streik sprach, so daß gar kein Zweifel darüber besteben konnte, daß Weber nicht genau lvutzte, um was es sich handelt. Wie die Erklärung in den christlichen Organen zustande- gekommen ist, können wir uns leicht denken. Als Weber unser Bureau verließ, sagte er: Wenn nun meine Erklärung in Eure Zeitungen kommt, in i r d e s mir schlimm gehen. Man wird mich steinigen." Wir rieten dem Manne, er solle nicht nach Menden gehen, um nicht den christ- lichen„Führern" in die Hände zu fallen. Scheinbar ist dieses nun doch der Fall und haben die Christen dem Manne so lange zugesetzt, bis er die Erklärung unterschrieb. Deutscher Mciallarvcitervcrband, Skmmhung Hagen. __ I. A.: Josef Ernst._ xh. Glocke, Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstall Verlammlungen. Toutschrr Metallarbeiterverband. Die Branche der Eis««» sormer und Berufsgenossen setzte am Donnerstag ihre am 19. d. M. vertagte Versammlung fort. Nachdem einige interne Angelegenheiten erledigt waren, wurden die Zustände in den ein- zeliicn Betrieben besprochen. Am meisten wurde darüber geklagt. daß bei Tisfcrcnzcn wegen Ausschußwaren die betreffenden Ar- beiter nicht immer zu ihrem Reckte kommen. Gerügt wurde auch, daß in manchen Betrieben das lleberstundenwesen eingerissen ist. In den S i c m c ii s w c r k e n am Nonnendamm soll ein Vor- arbeiter sein, der die Lehrlinge unter sich hat und an denselben eine Art Prügelpädagogik ausübt(mit jedem Gegenstand, der ihm in die Hände kommt), die aufs schärfste zu initzbilligen ist. Zum Schlüsse bestätigte die Versammlung uoch die Wahl des Branchcnlciters und wählte ein Ersatzmitglicd in die Agitationskommission. Bcrband der Gemeinde- und Staatsarbeitcr. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Filiale Berlin wurde unter anderem vom Kassierer H o f f in a n n die Abrcch- nung für das vierte Ouartal 1912 erstattet. Dieselbe zeigt für die Lokalkasse eine Einnahme(einschließlich des alten Bestandes) von 93 989,91 M., eine Ausgabe von 22 631,29 M., so daß ein Bestand von 71327,72 M. bleibt. Für Ilntcrstützungszwecke wurden ans- gegeben in Sterbefällen 2707 M., an Kranke 12 267 M., an Ar- beitslose 3289 M., an Gematzregelte 138 M., an Notleidende 9l5 Mark, Rechtsschutz 143 M.— Die Mitglicderzahl ist von 9993 männlichen, 339 weiblichen und 119 jugendlichen auf 9219 mänw- liche, 355 weibliche und 125 jugendliche gestiegen. Das sind im ganzen 9699 Mitglieder. Tie Versammlung nahm die Neuwahl der Ortsverwaltung vor, welche folgendes Ergebnis hatte. Bevollmächtigter: Wntzky. Kassierer: Ho ff mann. Leiter der Agitationsgruppen: Becker, Busacker, Polcnske, Schulz, Zabel. Beisitzer: Gei- p e l, Kiel, K l i p p c r t, N e u m a n n» Scharia», •schnitze, S ch ü n c in a n ii, S ü ß. Ferner wurden gewählt als Revisoren: Hentschke, Krumm. Schabbcl; als Delegierte zur Ge« werkschaftskmnmissiov: Busacker, Dittmcr, Hoffmann, Poleiiske, Scharlau, Wutzky._ lUtzte Nachrichten« Tic Stichwahl cu in Lippc-Tctmold. Tetniold, 1. Februar.(Privattelegramm des„P o r» wärt s".) Bei den heutigen Stichwahlen zum Landtag ver- mochten die Liberalen in der dritten Wählerabteilung ihre vier Landtagssitzc mit knapper Mehrheit zu behaupten. Ein weiterer Gewinn sozialdemokratischer Mandate ist durch den Zusammen- schluß der bürgerlichen Parteien vereitelt worden. Die Wahlen haben aber immerhin bewiesen, daß uns diese Kreise bei den nächsten Wahlen ziisallcil werde». Der lippischc Landtag setzt sich nunmehr ivie folgt zusämmen: 19 Konservative, 2 Nationalliberale, 7 Freisinnige, l Christlich- sozialer und 1 Sozialdemokrat. Ter Besitzstand der Parteien ist demnach unverändert geblieben. Blockade bulgarischer Häsen. Odessa, 1. Februar.(Mcloung der Petersburger Telegraphen- agentur.) Tie russische' Tampfergesellschaft erhielt eine tele- graphische Meldung, daß die bulgarischen Häfen Warna und Burgas geschlossen seien. Jnfolgedesscn'wurden die Reisen nach Bulgarien eingestcUl. Tie bereits reisefertig befrachteten Dampfer begannen wieder auszuladen. Chinesischer Fcldzug gegen die Mongolei. Pcting, 1. Februar. iMeloung der Petersburger Telegraphen. Agciitlir.) In den Kreisen, die dem Präsidenten Juanschikai nahe- stehen, verlautet, daß die Regierung für das Frühjahr eine Ex- pedition gegen die äußere Mongolei beschlossen habe. Durch eiiicu geheimen Befehl des Präsidenten sei der Vizepräsident zum Oberbefehlshaber der Expedition ernannt worden. Knachta, 1. Febrau.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) In Maiatschin ist eine mongolische Miliz organisiert und bewaffnet ivordcn. Tic Rache der Susfragcttcs. London, 1. Februar.(W. T. B.) Eine Anhängerin des Frauen. stimmrcchts zerschlug im Tower von London einen Glasrasten, in dem Orden aufbelvahrt wurden. Sie wurde verhaftet. Der Ken- sington-Palast, der.Hampton Court-Palast und Holyrood-Palast in Edinburgh sind ftir' das Publikum geschlossen worden, da man weitere Beschädigungen befürchtet. , Eisenbahnunsall. * Trier, 1. Februar.(P. G.) Ein schwerer Unfall ereignete sich heute aus der Eisenbahnstrecke zwischen Ehraug und Ouint. Auf der Lokomotive des Personenzuges Trier— Koblenz� platzte da? Sicderohr, wodurch der Lokonioüvfhhrer und der Heizer infolge des ausströmenden siedenden Wassers lebensgefährlich ver- brüht wurden._ Bergrutsch und Schachteinsturz. Przibaiil(Böhmen), 1. Februar.(P. E.) In den letzten Tagen würben vier verschiedene starke Erdstöße registriert. Gestern stürzte infolge eines Bergrutsches ein 29 Meter langer Bergschacht in sich zusammen. Ein Bergmann»mir de schwer verletzt, ein anderer durch das herabfallende Gestein getötet. In der Bevölkc- rung herrscht große Beunruhiguiig. Verhängnisvolle Kesselexplosion. Sosnoivice, 1. Febuar.(W. T. B.> In einer hlengen Fabrik fand eine Kesselexblosion statt. Neun Mal»! erhielten dabei schwere Brandwunden, sechs von ihnen wurden tödlich verletzt, einer ist gestorben.'____ Gefährliche Schießübungen. Paris, 1. Februar,(P. C.l Der„Temps" veröffentlicht eine Depesche aus Belgrad über folgenden geheimnisvollen Vorgang: Eine Bäuerin, die gestern auf dem Markte in Belgrad Einkäufe besargt hatte, wurde auf dem Heimwege nach ihrem Dorfe in einiger Entfernung von der Stadt, von einer Kugel getroffen, ohne daß sie sich crtlärcii konnte, woher die Kugel gekommen war. Der die Schußwunde untersuchende Arzt erklärte, daß die Kugel ans einem österreichischen Gewehr stamme. Die Truppen der Garnison von Semliu, so fügt der„Temps" erläuternd hinzu, die sich täglich an den Ufern der Savc im Schießen üben, vergnügen sich häufig damit, über das rechte serbische Uter binüberzuschietzen. Die Be- wohn er der serbischen Hauptstadt sind infolge dieser Herausforde rung der österreichischen Soldaten sehr erregt. Straßenkampf zwischen Soldaten und einem Tesertcnr. Petersburg, 1. Februar.(P,-C.) � Wie a»S Kiew gemeldet wird, hat dort gestern ein förmlicher Straßenkampf zwischen Sol- datcn und einem Deserteur stattgefunden. Der Deserteur hatte sich in einem Hause verschanzt und schoß fortwährend auf die ihn verfolgenden Soldaten und Ossizicrc. Ein Hauptmann, ein Unteroffizier und zwei Soldaten wnrden im Verlause dieser Schießerei tödlich verletzt. Schließlich gelang es einem Offizier, den Deserteur durch eine ivohlgezicltcn Schuß in den Kops nlederzustrecken._____' �aisl Singer öl Co., Berlin LtV._......... Hierzu 5 Beilage«.. Preußisches Idyll. „Nichts Vessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, Wenn hinten, weit in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen." „Äerr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn: Sie mögen sich die Köpfe spalten, Mag alles durcheinander aehn; Doch nur zu Hause bleib's beim alten." Goethe, Faust I. Kleines feuiüeton» Geschäft und Christentum. Soeben ist ein Komitee gebildet, dos zur Sammlung einer..Nationalspende zum Kaiserjubi- l ä u m für die christliche Mission in unseren Kolonien und Schutz- gebieten" ausfordert. Den Vorsitz dieses Komitees führt von Wedel, der Präsident des Herrenhauses. Unterzeichnet haben außerdem: Gras Schwerin-Löwitz.sVorsitzendcr des Abge- vrdnetcnhausesj, Freiherr von Pechmann(Direktor der Bay- rischen Handelsbank) und andere. Wenn, man an das Christentum der Evangelien denkt, muß man zunächst einräumen, daß die Lehre des Skazarcncrs Karriere gemacht hat. Damals toandte er sich an die Armen und Aermsten und ivuroe von der Staats- g-stvalt als Verbrecher unter Verbrechern gekreuzigt. Heute prome- niert er durch die Oessentlichkeit Deutschlands Arm in Arm mit den Präsidenten des HcreuhauseS und des Abgeordnetenhauses, ehrfurchtsvoll gegrüßt(es ist schtver, keine Satire zu schreiben!) vom Direktor der Bayrischen Handeisbank. Die feudalsten Ver- treter der staatlichen Macht und die goldschweren Vertreter des Großkapitals treffen sich am Kreuz von Golgatha. Ohne Zweifel! das Christentum hat Karriere gemacht. Es fragt sich nur, wie sie ihm bekommen ist, und auch darauf gibt das geistreiche Ko- mitee eine erschöpfende Antwort. Tie Sammlung, die angeblich aus einem religiösen Bedürfnis entstanden ist. wird mit dem be- vorstehenden K.a i s e r j u b i l ä n m ziisammcngekuppelt. Nur in der körperlichen Welt ist die.Kuppelei strafbar. Das Christentum hat man schon so oft. verkuppelt, daß es kaum auffällt, wenn man es wieder einmal mit einem höfischen Fest zusammenbringt. Im Gegenteil: man muß sogar einräumen, daß die Lehre des Naza- reners nicht ohne Borteil in die Schule der Bandkdirektoren ge- gangen ist. Sie ist geschäftstüchtig geworden. Wenn die Herrschaften des Komitees so ohne weiteres zu ihren eigenen Volksgenossen kämen, zu den Volksgenossen, die den be- sonderen Wert ihres sogenannten Christentums am eigenen Leibe erfahren haben, könnten sie sich leicht die Antwort holen:„Schert euch freundlichst zum Teufel, wohin ihr nach Ansicht des Naza- reners zehnmal gehört." Wenn sie aber mit einem höfischen Fest verbündet sind, sind sie zugleich init allen Mächten der Eitelkeit, der Karrieremacherci und des gleißenden Scheins verbündet. Die niedrigsten Instinkte der „sündigen Welt" nzprden entfesselt, um der Ewigkeit zu dienen. Die Posse ist etwas blutig, aber unendlich wirkungsvoll. Anatole France über soziale Kunst. In einer Besprechung des Buche?„L'Art social" von Roger Marx schreibt An a t o l e France im„TempS" u. a.:„Mit welchem Recht raubte eine Minderheit von Bevorrechteten, die dem Zufall der Geburt eine ver- vollkommnete Erziehung und eine besondere Empfindungsfähigkeit verdankten, den Handwerkern und dem Volk die unvergleichlichen Reichtümer, die das Erbteil der Menschheit zusammensetzen und dem, der an ihnen teilhat, unendliche Genüsse verschaffen? Heißt das nicht, die ästhetischen Freuden selbst jenen versagen, die geduldig und anhaltend arbeiteten und litten, um sie zu schaffen, zu erobern oder zu bewahren? Ungerecht und unglücklich, so ist uns stets die Unter- scheidung zwischen den sozialen Schichten erscbienen, die nicht in der Natur begründet ist. Die Ausbreitung der schönen Künste und der Kunstgewerbe geht aus der inneren Verfassung der Gesellschaften hervor. Es entspricht der Würde der Menschheit, daß sie allen denkenden Wesen gestatten, an den edlen seelischen Bewegungen teil- »«ehmen, die durch die Werke der Kunst erregt werden. Es ist lobenswert, wenn man daS Leben der Armen bereichern will, indem man sie lehrt, die Schönheiten der Kunst und der Natur zu ver« stehen und zu lieben. Gleich dem Saft, der den Stamm und die Aeste des BaumeS ernährt und die Frische des Blattwerks, den Farbenglanz der Blüten, den köstlichen Dust der Früchte hervorruft, werden die Lehren der Schönheit, wenn sie von den Handwerkern verstanden werden, ihren durch die entmutigenden Arbeitsmühen verarmten Geist bereichern und ihrem Denken einen reineren Klang verleihen.... .In welcher Vcrirrung schuf man ehedem die Begriffe von höheren und von niederen Künsten? War es richtig, daß die Kunst- gewerbe, als allzusehr in der Materie befangen, sich nicht zur reinen Schönheit sollten erheben können? Durch diese unglückliche Unter- scheidung verarmten die Kunstgewerbe, sie wurden herabgewürdigt und zugleich sahen sich die isolierten und bevorrechteten schönen Künste den Gefahren der Isolierung preisgegeben und vom Schicksal der Bevorrechteten bedroht. Denen, die diese Vorurteile zerstört haben, gebührt hohes Lob. Von nun an werden wir glauben, daß es nicht zweierlei Arten von Kunst gibt. Es gibt nur eine Kunst, die zugleich industriös und groß ist— eine Kunst, die danach strebt, dem Leben Zauber zu geben, indem fie um uns herum die schönen Formen vennehrt, die schöne Gedanken ausdrücken... Bericht der deutschen Siidpolarexpedition. Der Leiter der deutschen antarktischen Expedition, Wilhelm Filchner, der in- zwischen in Berlin eingetroffen ist, hat über die Ergebnisse der Ex- pedition berichtet: Am 30. Januar kam bei 70 Grad 37 Minuten südlicher Breite und 30 Grad 25 Minuten westlicher Länge neues Land in Sicht als eine ungel�eure endlose Eisfläche, die»ach Süden anstieg. Dieser Eisschild verbarg das darunter liegende feste Land, dessen Vor- handensein schon die durch häufigere Lotungen festgestellte schnell abnehmende Meeresticfe angezeigt. Das Inlandeis wies den- selben lotrechten Absturz in das Meer ans, den Bruce auf der schottischen antarktischen Expedition im Jahre 1004 an dem von ihm entdeckten und benannten Coatsland gefunden. Die„Deutschland" verfolgte den Jnlandseisabbrnch, seinem Rande eutlanasahrend, nach Süden und erreichte am 3l. Januar 1012 mittags eine mit Eis glatt übcrsrorene Bucht. Das Inlands- eis bog hier nach NW. um und bildete in einem vorgeschobenen hohen Rücken die westliche Umrahmung der Bucht. Nach Westen zu schloß sich ciuc schwimmende Eismasse, der die Expedition in zlvci Fahrten bis 70 Grad 50 Minuten südlicher Breite und 40 Grad 54 Minuten westlicher Länge gefolgt. Schweres Treibeis zwang die ..Deutschland" hier in zirka 27 Kilometer Entfernung von dem Rande der Eisbarricre zur Umkehr zur entdeckten Bucht. Nach Aufbrechen des sie bedeckenden Eises schritt man hier in 77 Grad 48 Minuten südlicher Breite und 34 Grad 30 Minuten westlicher Länge an die Errichtung der Station, von der aus die Landerkun- düngen hätten geschehen sollen. Infolge einer starken Springflut geriet aber die Eistafel, auf der die Station errichtet worden war, in Bewegung und mit ihr trieb die Station in das offene Meer. Bald darauf bildete sich Jungeis und zwang das Schiff, den Platz aufzugeben, und Nordkurs nach Süd-Georgicn zu nehmen. Der Plan, Süd-lÄeorgien zu erreichen, dort zu überwintern und im nächsten Süd-Frühjahr aufs neue nach Süden auszubrechen, ivard aber zunichte._ Am 0. März kam das Schiff im Eise fest und am 0. März begann auf 75 Grad 4L Minuten südlicher Breite und 32 Grad 10 Minuten westlicher Länge die Eisdrift. Willenlos trieb die „Deutschland" ia dem sie umklamm crad«; Eise, Erst SM 26, Nos vember gelang es, das Schiff aus dem Eise durch Sprengen und unter Benutzung von Rissen und Rinnen zu befreien. Während der EiSdrift wurden umfassende ozeanographikche und meteorologische Beobachtungen vorgenommen, die zu folgenden Er» gcbnissen geführt haben: Tie Weddellsee ist angesichts der Eis- Karriere flacht, senkt sich aber in der Mitte auf 5148 Meter herab und wird nach Norden durch eine Schwelle von wenig über tausend Meter Tiefe vom Atlantik getrennt. Ueber ihr liegt ein tiefcS Luftdruckminimum, die es umkreisenden Winde versetzen das Meer und sein Eis in entsprechende Strömung, die die Schiffahrt auf der Ostseite begünstigt, auf der Westseite erschwert. Weiter wurden erdmagnetische Registrierungen zum ersten Male auf Hochsee vor- genommen. Unter den Mitgliedern der Expedition scheint nach einer Mit- teilung der„Hamb. Nachrichten" zu schließen, kein gutes Einver- nehmen geherrscht zu haben. Es sind der erste Offizier und der Maschineningenieur bereits ausgeschieden, und auch der Wissenschaft- liche Stab soll keine Lust haben, den erneuten Vorstoß mitzumachen. Natürliche Kokarden. Der deutsche Staatsbürger hat ekn Recht, von dem er so gut wie nie Gebrauch macht, ja. von dem er kaum etwas weiß, nämlich das Recht, die Landeskokarde zu tragen. Ja selbst der Unglückliche, dem durch gerichtlichen Spruch die bürger- lichen Ehrenrechte aberkannt werden, lvird kaum darüber aufgeklärt, daß er in der vom Urteil bestimmten Zeit die Kokarde nicht anlegen darf. Gegenwärtig trägt nur das Militär die Kokarde, und zwar zwei, die Landes- und die Reichskokarde und diese in kleinem Format; in stürmisch bewegten Zeiten aber legt auch die Zivilbevölkerung solche an, und zwar möglichst große. Schwarzrot-goldene und schlvarz-weiße Kokarden waren 1848 und in den nächsten Jahren darauf ein allgemeiner, demonstrativer Schmuck und ebenso in der großen französischen Revolution, der sie ja auck ihre Entstehung verdanken. Auch in den Einigungskämpfen Italiens haben die Kokarden eine Reolle gespielt, besonders in den gegen den Kirckenstaat gerichteten. Grün-weiß-rot sind die italienischen Farben, die natürlich im päpstlichen Gebiet nicht gezeigt werden durften. Aber die Freunde der Einheit wußten sich zu helfen. In Italien wächst eine Wassermelone, der Cocomero; sie ist von außen hellgrün und zeigt, durchschnitten, innen den purpurroten Wasserkern, rings umher aber eine weiße Lage. Patriotische Mc- lcnenvcrkäufer wiesen nun wohl durch Inschrift auf ihre Ware bin mit den Worten:„Die Natur hat mir diese Farben gegeben." Dafür revanchierten sich in italienischen Landeskeilen päpstlich Ge- sinnte, indem sie durchschnittene gekochte Eier ausstellten, die die Farben des päpstlichen Gouvernements aufwiesen. Kunst. Ein Sucher des Menschlichen.(Im Salon Casfiercr.) Riax Beckmann, ein Dreißigjähriger, ist auf dem Wege, da» Mensch- liche zu suchen. Er tut es als Maler. Er glaubt sich berufen, mit der Farbe die Erlebnisse der Seele, einer modernen, einer skep- tischen, von der Not der Welt geängsteten und vor sich selber er- 'chreckcnden Seele, sichtbar zu machen. ES gelingt ihm auch, daß wir, vor seinen Bildern stehend, den Eindruck eines sehnsuchtS- vollen, sehr ernsten Pfadfinders zum Menschlichen empfangen. Nur: wir wissen Nicht recht, ob das, lvaS wir da vor uns haben, wirklich Malerei im letzten und höchsten Sinne ist. Ein Manct läßt sich in seinem Eigentlichen nicht erklären; man kann es nur mit den Augen fühlen, was die Größe solcher Kunst gusmacht. Bei Beckmann überwiegt das Psychologische� pox diesem ..»i VIMHaMicher Nochenbericht. � Schiffahrtskämpfe. Die Anlage von gewaltigen Kapitalien in den modernen Groß- Unternehmungen ruft notwendig das Bedürfnis nach Ausschaltung oder wenigstens Milderung der Konkurrenz hervor, damit nicht der Profit der beteiligten Kapitalisten geschmälert oder das Unter- nehmen im Konkurrenzkampf unterdrückt werde. Tiefe Vor- aussctzungcn für Vereinbarungen iimerhalb eines GcwcrbezweigcS treffen in besonderem Mäße für die G r o tz s ch i f fa h r t zu. Tic Kapitalanlagen in einem einzigen Schiff find bei den heutigen Ansprüchen des Verkehrs und den gewaltigeir Leistungen der Sebiffs�autechnik derart groß, daß keine Gesellschaft das Risiko auch nur nicht genügender Ausnutzung solch eines Riesenkörpers eingehen könnte. Nationale und internationale Abkommen gibt es daher in der Schiffahrt der Welt in großer Zahl. Jede Gesell- schaft hat ihren Rückhalt an befreundeten Schiffahrtsunternch- mungen und steht auf Grund besonderer Verträge in Beziehung zu all den Gesellschaften, die ungefähr gleiche Routen befahren. Vereinbarungen über die Höhe der Personen- und Frachtraten flehen dabei an erster Stelle. Aber die Abkommen erstrecken sich auch auf das Verbot oder die Annahme von Fracht für bestimmte Strecken und Häfen. Sehr oft Ivird eine regelrechte Aufteilung der Routen und BcfördcrungSzweige vorgenommen. Jedem Mit- glied des Schiffahrtspool(Abkommen) werden bestimmte Routen, die Häufigkeit des Verkehrs, die Art des Geschäfts(Personen- oder Frachtverkehr) vorgeschrieben. Wie bei einem Jndustrieshudikat erfolgt dabei eine Verteilung nach£uotcii. Eine bestimmte Tivi- dcndenhöhe und jährliche Zuweisungen werden daneben bald der Gc- scllschaft, die eine Route befährt, bald deui Ilnteruchinen, das von dem Betrieb einer eigenen Linie auf der gleichen Strecke absieht, vertraglich zugesichert. Oft richten sich die Abstandszahlunge» einer Linie nach der Höhe des eigenen llebcrschusses. Solchx internatio- nalcn Abkommen, die den Verkehr der Weltteile untereinander nach den privaten Profitinteressen einzelner llntcrnehmergruppcn regeln, sind natürlich von außerordentlicher Bedeutung für die Entwickc- lung der weltwirtschaftlichen Beziehungen. Wohl hängen die Schiffahrtsuntcrnchmungen in ihren Erträgnissen wesentlich von der Gestaltung der Konjunktur ab— die Tarifpolitik der große» Schiffohrtsgesellschaften bildet geradezu einen Maßslab für den Konjunkturgrad—. aber sie vermögen selbst einen große» Einfluß auf die Richtung dieser Wirtschaftsbeziehungen auszuüben. Die Wahl der Hafenorte, der Verkchrshüufigkcit, die Festsetzung der Personen- und Frachtrouten usw. können von außerordentlichem Einfluß werden. Tas gilt vor allem für daS A u ö w a n d e r e r g c s ch ä f t, d. h. die Verniittelung der großen Auswanderermaffen, die für immer ihre Heimat verlassen und. meist von wirtschaftlicher Not gctrie- den, den BcförderungSunternchmcru so gut wie auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Man muß einmal in einem Grenz- oder Hafcnort die Scharen gedrückter Männer, Frauen und Kinder und ihre Behandlung durch die Agenten der Schiffahrtsgesell- schaftcn gesehen haben, und man wird mit einem Blick erfassen, Wie jene Heimatlosen nichts sind als eine Ware, an der die Schiff- sahrlsgescllschaft verdienen will. Wohl tvahren die Regierungen sich selbst einen Einfluß auf das Schiffahrtsgeschäft, indem sie cS der Konzcssionierung unterwerfen. Aber nicht innner erscheint die Gesellschaft als Bittende; die Regierungen machen oft selbst nicht geringe Zugeständnisse, um eine Linienführung mit Bcrüh- ruiig inländischer Häfen zu erreichen. Einen Einblick in die Art solcher Schiffahrtsabkommen, die der Ocffcntlichkcit gar nicht oder nur höchst ungenau bekannt gegeben werden, gewinnt man durch einige Mitteilungen/ über Erneue- rungsvcrhandlungcn des R o r d a t l a n t i s ch c ir T a in p f c r- Verbandes, die in der vergangenen Woche in Berlin statt- fanden. Der Nordatlantische Pool wurde im Jahre 1908 ge- schlössen, nachdem in den Kriscnjahrcn 1997 und 1998 eine scharfe internationale Konkurrenz auf dem Schiffahrtsmarkt eingesetzt und hat man Respekt, vor dem heiligen Eifer, der aus den Gebärden der„Auferstehenden" spricht, vor der Kampfcswut, die in der„Alna- zoncnfchlacht" tobt, vor dem verzückten Rausch, der bei der„Aus- gießung des heiligen Geistes" die Menschen zu Besessenen inacht. Man sieht aber sofort, daß das eigentlich Malerische mit dem Flug solcher Absichten nicht ganz zusammengeht. Wenn man sich solch ein Bild zerschnitten vorstellt, so würde inan kaum vor dem nichtig- stcn der Fragmente so erschüttert stehen können, wie das vor einem Fetzen von Manct oder van Gogh oder Leibi ganz selbstverständlich wäre. Und auch, lvas die Komposition der vielköpfigen Bilder, das Gcgeneinandcrstcllen der Figuren, das Aufteilen der Fläche be- trifft, so wird es uns offenkundig, daß Beckmann noch ein Kämpfen- der, ein Tastender, zur Hälfte ein noch Gefesselter ist. Der Ucber- schwang seiner drängenden Seele hält ihn gefangen. Tiefer Mensch will von sich und seinem Geschlecht immer mehr darstellen, als sein Können ihm gestattet. Er verzeichnet sich, er begeht Mißgriffe in der Farbe, er verlvirrt die Gruppen, anstatt sie zu entllären, er ist gewaltsam, anstatt einfach, er ist auch nicht immer selbständig, er erinnert an Delacroix, an Taumier, an Münch, zulveilcn auch an die Akademie. Er ist noch längst nicht ausgereift; aber er bleibt trotz aller Hemmungen, die auf ihm liegen, eine unserer besten Hoffnungen. Er wird an sein Ziel ge- langen, iveil er ein Mensch ist, der das Menschliche sucht. Selbst die ziemlich überhitzte Art, mit der der Kunsthandel ihn berühmt machen möchte(über das„Lebensiverk" des Dreißigjährigen ist soeben ein ganzes, loohl etwas verfrühtes Buch erschienen), wird ihm nichts schaden können. Beckmann wird die Synthese zivischcn dem Menschen, der sich in ihm gewaltig regt, und dem Maler, als den er sich bestimmt glaubt, zu vollziehen ivisien. In zehn Jahren. vielleicht auch erst in zwanzig, werden wir die Erfülluij�dessen sehen,>oas heute am vollkommensten die Bildnisse, die der eigenen Person und die der Menschen, die er liebt, aufzeigen. kl. Er. Musik. Da« DeutscheOpernhaus hat am Freitag versucht, eines der problematischsten musikalischen Bühnenwerke neu herauszubringen: „ E u g e n O n e g i n" von P. T s ch a i k o w s k y. Seit' Ende der 1870er Jahre vielseits beliebt, scheint es doch all, nählig an Eindrucks- fähigkeit verloren zu habe». Der Komponist ist der Kritik darin zuvorgekomnwn, daß er sein Werk„Lyrische Szenen" genannt hat. In der Tat keine Oper, keine dramatische Entwickelung! Und doch ist es nicht etwa eine Reihe von„Nummern", zu denen irgend eine „Handlung" den Anlaß gibt. Einheitlich ist eS jedenfalls,'sein Ken, die Stimmung des russischen GutshofeS aus der Biedermeierzeit, mit den zwischen tragischein Wühlen und unbekümmertem Dahinleben stehenden Personen, Land und Stadt, Natur und Literatur so eigentümlich verbindend. In der Mitte die Titelfiqur voll Gesühlsweichheil und Rücksichtslosigkeit. zurückhaltend gegen die heiße Liebe Tatjanas und doch immer wieder zu ihr anstürmend. Mit kurzen klagenden Motiven, die dann zu größeren Schwellungen geführt werden, bestreitet der Komponist den Hauptbedarf der musikalischen Dar- stellung, die Stimmungseinheit festhaltend, allerdings in einer allmählich ermüdenden Weise— ermüdend schon deshalb, weil er sich wenig auf Eharalterisierung einläßt. Das Problem der Zer- rissenheit in Onegin hat er kaum angefaßt; nur daß er von dem Leicrmäßigen und Trivialen, über das er nach deutschem Geschmack reichlich verfügt, der Titelpartie besonders viel zuteilt, wohl um das Unfeine und Unvollendete iii Oncgins Wesen anzudeuten. Roch reicher ist die Musik allerdings an eigenen Feinheiten im Bau der Rhtjthmen und Perioden und Siotivvervindungen. Man kommt aber zur Herabsetzung der Passage- und Frachtraten geführt halt«.' In, März 1911 l>cf ier crsie Vertrag ab. Tic Veränderungen im Schis sah rtsvcrkehr, die bereits deutlich bessere Konjunktur ber- unsachten schon damals allerlei Schwierigteiten bei der Verlängerung. Zweimal wurde der Pool provisorisch verlängert, bis Juni 19ll und bis Oktober 19ll. Im Oktober lllll fand eine Einigung zwischen den beteiligten Toinpfcrlinicn statt; die Dauer des Abkommens wurde, sogar auf weitere S Jahre festgesetzt. Welckie Bedeutung der Pool hat, geht daraus hervor, daß ibm die wichtigsten Großschiffahrtsgescllschaftcn Teutschlands. Englands, Hollands, Rußlands, Oesterreichs, Skandinaviens und Amerikas angehören, nämlich: Tie Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd, die Allan Line lseit 1999 in Kanada). America Line. Anchor Line, Atlantic Transport Line, Eunard Line, Tomiiiion Line, Red Star Line, White Star Line lMorgan-Trufii, Layland Line, die Holland-Amcrica Line, ferner die Canadian Pacific Nailway En., die Evmvagiiie Generale TranSatlantiqu«, die fkaiidinavischc Amcrika-Linic und die russische Ostasiatische Dampschiffahrlsgesellschast. Durch den Vertrag wurden die Preise für den Personenverkehr in den ersten beiden Klassen und im Zwischendeck geregelt. Dazu kamen noch besondere Abmachungen, von denen nun ei» Teil durch die Lösung der Canadian Pacific Nailway Co. vom Vertrage bekannt wird. Tic Eanadischc Päc i fi c-E is c nbah n g e sc 1 l scha f t hat sich seit einigen Jahren, gleich mehreren Eisenbahnunternehmuiigen der Vereinigten Staaten, auf das Schiffahrtsgeschäft geworfen, um durch die Be- herrschuug des Eisenbahn- und Schiffswcgcs Tarifkämpfc zwischen beiden Transportmitteln auszuschließen. Während die meisten amerikanischen Transportgesellschaften, die beide Wege beherrschen, nur auf amerikanischein Gebiete tätig sind, hat die kanadische Eisen- bahngcscllschaft auch Linien nach Europa eingerichtet. Ter Grund liegt darin, daß sie zugleich große Land strecken in Kanad besitzt und an der Heranziehung von Kolonisten starkes Interesse hat. Sie unterhielt daher Verbindungen zwischen Liverpool— Kanada und Antwerpen— Kanada. Tie Sondcrintcrcsscn der Kanadagesellschaft veranlahten, daß die Kanadagesellschaft mit ihren europäischen Linien nur in lose Beziehungen zu dem Nordatlantischen Pool trat. Tic Linie Liverpool— Kanada war in den Vertrag überhaupt nicht hincinbezogen worden. Tafür aber, daß sich die Kanadagesellschaft, allerdings ohne Ouotisicrung des Verkehrs, nach den Raten und Provisionen des Pools richtete, war ihr eine Quote am Auslvanderergcschäft von Antwerpen zugebilligt worden. Tie Abfertigung dieser Reisenden erfolgte aber nicht durch die Eanada Pacific, sondern durch die Red Star Line im Auftrage des Pools. Ehe der Sonderbertrag des Pools mit der Canadian Pacific Ende 1912 ablief, forderte diese nun eine bestimmte Quote am cnglischeu Geschäft und das Zugeständnis eigener Schiffe für den Antwer- pener Verkehr. Beides wurde abgelehnt und die Canadian Pacific erneuerte den Vertrag nicht mehr. Zugleich bewarb sie sich bei der österreichischen Regierung um die Konzession für eine Linie T r i c st— Kanada. Für sie liegt dabei ein besonderes Jnter» esse vor, da der Auswandcrerstrom seit einigen Jahren weit stärker aus Südeuropa gespeist wird, während die Bedeutung Nordcuropas für die Auswanderung zurückgeht. Tie Pacific machte der öfter- rcichischcn Regierung klar, daß der bisherige Verlehr zwischen Trieft und Kanada den Ansordernngen nicht mehr genüge, und die tstegic- rnng hat bereits die Konzession erteilt. Damit greift aber die Canadian Pacific in das Bereich des Pools ein, der dort durch eine ebenfalls vom österreichischen Staat subventionierte Schiff- fahrtsgesellschaft, die A u st r i a- A m c ri ca nq. vertreten ist. Die Austria-Americana ist 1998 vom Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie gegründet worden, die einen Teil des Aktienkapitals der Austria besitzen und auch jährlich Zuschüsse leisten. Durch diese beabsichtigte Neugründung ist der Konflikt zwi- scheu Pool und Pacific Co. zum Ausbruch gekommen. Am 89. Januar waren zwar alle deutschen, britischen, französischen, nicht leicht dazu, dem Orchester in seine Künste zu folgen: eS herrscht nichr vor, es läßt den Singftimmen ihre Selbständigkeit und gute Gesanglichkeil. Das gab nun auch Gelegenheit zur Eutfaliung der vielen hübschen Stimmen, über die das„Deutsche" verfügt. Fast alle Darsteller waren uns bereits bekannt. Unter ihnen voran die Sängerin der Tatjana, Heita Stolzenberg, in allem vorzüglich, etwa manches Mühselige in der körperlichen Haltung ausgenommen. Die Partie ihrer munteren Schwester Olga war unzulänglich besetzt. Die übrigen, von Eduard Schüller als Onegin angefangen, machten ihre Sache durchaus ehrenwert. Neu war uns Joseph Plaut in der zutreffenden Darstellung eines fing- und tanz- freudigen Franzosen. Chor und Ballett ebenfalls löblich. Kapell- meister Ignatz W a g h a l t e r hat vielleicht mit Absicht, um das .Lyrische" zu wabren, etwas gar wenig Alzente und sonstige Plastik in die Orchesterleitung hineingebracht. az. Nottzeu. — Das Schicksal des neuen Opernhauses. Durch offiziöse Kanäle versucht man jetzt die Mißstimmung, die die Operuhausfragc überall erregt hat, zu beschwichtigen. Das Aus- schreiben eines neuen Wettbewerbs, heißt es, habe keinen Zweck, da schon beim letzten die Künstler von der ausgestellten Programm- jtizze nicht abgewichen wären. Es müßte eben ein freier, durch kein fesselndes Programm gebundener Weltbeivcrb sein, wird man auf diese Dummheit antworten. Aber wozu? Man will eben keinen Wettbewerb, der etwas anderes als ein kgl. preußisches Klaffentheatcr und Rcpräscntationsbau für wilhelminische Privat- zwecke zu Tage fördern könnte. Im preußischen Etat der Bau- Verwaltung— verlautet weiter— sind nun außer den aus dem Vorjahre noch restierenden Mitteln weitere 199 999 M. eingestellt ivorden, die nunmehr zur Ausstellung eines endgültigen Entwurfs Verwendung finden sollen, der im Ministerium der öfscutlick'cu Arbeiten ausgestellt werden wird. Ter endgültige Entwurf wird dann dem neugeivählten Landtage vorgelegt werden. Ov er jcm verdientes Los findet, im Orkus versenlt zu werden, wo er am tiefsten ist, scheint leider sclir zweifelhaft. — D i e Wicdercröffu u lig des Theaters des Westens mutzte infolge technischer Schivicrigkciten um einige Tage verschoben werden. — Bühne nchronik. Lueic Höflich ist vom Deutschen Theater für drei Aufführungen von Hebbels„Maria Magdalena" verpflichtet worden, von denen die erste Dienstag stattfindet. — Vorträge im Institut für Meereskunde Montag. Dr. H. spethmann: Tie Gestade Italiens(ausverkauft)- Dienstag. Dr. A. Rühl: Eine Reise nach den Vereinigten Staaten' I. San Franzisto; Freitag. Prof. zur Strassen: Bau und Leben der Meerespolypen.— Im S ch l l l e r sa a l. Charlottenburg, hält Hauptmann A. H i l d e b r a n d t am Sonnabend, den 8. Februar abends 9 Uhr. einen Vortrag über das Thema„Lenkbare Ballons und Flugmaschinen Ter Vortrag wird durch zahlreiche Licht- dildcr erläutert. — Humoi; vom Ta gc. In einer Berliner Annonce wird ein neuer Beruf angekündigt:„Achtung! Zum Füllen eines vor- nehmen Wein-Reftawrants werde» clogant gekleidete Paare gegen Vergütung gesucht. Diskretion Ehrensache. Antwort inst Adresse unter... Postamt 9."— In der Münchener„Jugend" stellt ein Berliner K i n o d i r e k t o r die große Geschästssrage:„Führe ich min ztzsfjt fcfß»Parsifgl" odu den Eternickel«Ufr- belgischen, holländischen, russischen, österreichischen und skandina- v.ischen Rcedcrcimitgliedcr des Pools zu einem Einigungsvcrsucht versammelt. Tic Canadian Pacific erklärte aber, auf ihre Lini« nach Trieft nicht verzichten zu können, da sie durch eine Konventio« nalstrasc au die Erfüllung des Vertrages mit der österreichischen! Regicniiig gcblindcn sei. Zu einer Auflösung des Pools lam cS jedoch nicht, ja nicht einmal zu einem Austritt der Eanadia»! Pacific. Picluicor wird diese mit ihren alten Linien im Pool: verbleiben. Trotzdem wird ei» Teilkampf zwischen Pool undt Canadian Pacific entbrennen. Bereits sind die Passagierrateie nach Nordamcrilo unl 89 M. auf 140 DL herabgesetzt worden. Ferner hat die Austria-Americana, die 82 Dampfer besitzt, die Einrichtung einer eigenen direkten Linie Triest-Kanada eingerichtet. Die Hainburg-Amerita-Linic bat sich an die österreichische Regie-- rung mit dem Ersuchon gewandt, ihr alle diejenigen Unterstützungen zu gewähren, die der Pacific gewährt worden sind. Ihre Linie würde regelmäßig lltägig die Personen- und Frachtbcsörderung zwischen Trieft und Boston überirehmen. Der Kampf zielst jetzt bereits weitere Kreise. Wie eine neuere Meldung aus Hamburg berichtet, ist die Allan- Linie, deren Aktieninchrhcit die Pacific besitzt, ans dem Pool ausgeschieden. Tic A l l a n- Linie ist für den Pool von großer Wichtigteit, iocil sie für die Pacific den Verkehr nach, England aufrechterhält. Tie eigenen Schiffe der Pacific, die Europa berühren, sind an Zahl und Größe klein. Ter Austritt der Allan Line, die 27 Dampfer besitzt, trifjt den Pool datier erheblich. Sollte diese Linie, die durch große moderne Schiffe eine starke Anziehungskraft auf die überseeischen Reisenden ausübt, mit Ratcnhcravfetzungcn vorgehen, so wäre ein Ratenkampf unvermeidlich. Am Induftric md ftendd. Film Handel. Seit dein Januar 1912 führt das Kaiserlich Statistische Amt auch eine Statistik der Filin-Ansfuhr und Einfuhr. Nach diesem Material beirug im Jahre 1912 die Einfuhr von belichteiem und imbelichteieiii Film zusammen'239 999 Kilogramm. Da ein Meter Kinofilm sieben Gramm wiegt, so entsprechen 239 999 Kilogramiu Filingeivicht einer Gesamtlänge von zirka 84 Millioiieu Meter. Diese Filmlänge ist mit einem Weü von 82 839 909 M. deklariert worden. Ilm den deutschen Filmkonsum zu berechnen, muß man von dem obigen EinsuhrergebniS die deutsche Filmausfuhr in Abzug bringen. Diese beträgt 144 300 Kilogramm, also zirka 20 Millionen Meter. Der deutsche Filmkonsum stellte sich im Jahre 1912 also aus zirka 14 Millionen Meter. Interessant ist, wie stark die einzelnen Länder an der Filmeinfuhr nacki Deutschland beteiligt sind. Es wurden nach Deutschland im Jahre 1912 eingeführt aus: Großbritannien.... 152 190 Kilogramm Frankreich...... 56 790„. Italien....... 9 300„ Dänemark...... 8 000„ Schweiz....... 4 500„ OesterceichkUngarii... 4 200„ Belgien....... 1 300„ Andere Länder..... 2 900„ Da sich das Aussuhrland nicht immer niit dem Produktionsland deckt, erllärt sich auch, daß Großbritannien dem deutschen Theater ei» solches Ricsenquantuin von Films liefert. Dieses Zahlen- Mißverhältnis ist dadurch zu erklären, daß amerikanische Filiiifabrikat- speziell aber Rohsilin, über England nach Deutschland eingeführt werden. Im Durchschnitt wurden im Onartal 8 579 000 Meier Films nach Deuischland eiiigesührl. An Zoll werden für 100 Kilogramm Fjlni 200 M. erhoben. Die Z o l l e i Ii ir a h m e>r betrugen dem- nach inögesonit 474 800 M. Die Ausfuhr deutscher Films wird mit insgesamt 144 500 Kilogramm angegeben; dies entspricht einer Filinlänge von 20 645 000 Meter.— Aus Deutschland bezogen: Italien..... 36 800 Kilogramm Frankreich.... 42 800„ Großbritannien.. 14 800„ Oesterreich-Ungarn. 1 1 000 Amerika..... 10 100„ Rußland..... 8300 Schweiz..... 5 400 Dänemark.... 3 400„ Andere Länder... 12 300„ Folgen der Politik. Die ungünstige Gestaltung der Konkurs Ziffern, die im ganzcir letzten Quartal 1912 konstatiert werden mußte, hat auch im ersten Monat des neuen Jahres angehalten. Nach einer Zusamiiienstellung der Finanzzeitschiist„Die Bank" wurden im Januar 1913 971 Kon- kurse gegen 768 im Dezember 1912 und 826 im Januar 1911 er> öffnet.__ Ceriebts- Zeitung. Sozialdemokratie und Beamte. Selbstverständlich hat ein Beamter sozialdemokratisch zu wählen, der endlich zu der Ueberzeugung gelangt ist. daß allein die sozialdemokratischen Bestrebungen im Interesse der Gesamtheit liegen. Tas ist sein gutes Recht als Staats- bürger. da auch ihm durch die Verfassung Meinungsfreiheit „garantiert" ist. Es ist seine Pflicht: denn die Wahrheit kennen, sie aber nicht bekennen, ist verächtlich. Die Aus- fordcrung an einen Beamten, sozialdemokratisch zu wählen, ist ein ehrenvolles Zeugnis dafür, daß man die Beamten für der Bildung, der Aufklärung und eigenen Nachdenkens zugängliche Personen hält. Anders denken Leute über diese Frage. die vor der Sozialdemokratie sich fürchten, weil sie die Wahrheit fürchten. Deren Ansichten vertrat unlängst der sreitomervative Ab- geordnete v. Gamp. als er meinte, zur Bekämpfung der Sozialdemokraten würden die Beamten bezahlt. Die Ansicht derer, die die Beamten für verpflichtet halten, nur die Jnter- essen der Unternehmerklasse wahrzunehmen, muß dagegen sein, daß Beamte Sozialdemokraten sind. Freilich steht ihnen dabei die von Gleichberechtigung vor dem Gesetz sprechende Verfassung entgegen. Aber— seit wann haben Arbeiter- feinde sich um den von ihnen auf die Vcksassung abgelegten Eid ackümmert: sie erklären es\a geradezu für eine„Standes- Pflicht" gegen Eid. gegen Gesetz, z. B. Ducllverbrechcn zu begehen. �....... Diese geistige und jittuche Verwilderung, von der die Hetze gegen die Sozialdemokraten getragen ist, macht ein Ur- teil begreiflich, das das Reichsgericht am Freitag über die Frage fällte, ob ein Beamter durch die Ausfor- derung sozialdemokrati/sch zu wählen, be- lcidigtsein könne. Wegen Beleidigung hat daS Landgericht Beuthcn am ö. September v. I. den Kolporteur, Genossen Paul Hanke zu 50 M. Geldstrafe verurteilt, nachdem das Reichsgericht ein früheres auf Freljprcchung lautendes Urteil ans die Revision der Staatsanwaltschaft hin am 28. Juni v. I. aufgehoben haste. Der Angeklagte sandte in der Agitationszelt zu den letzten Reichstagswahlen ein sozialdemokratische� ükiig. Blatt u. a. an den Polizeiscrganten A, dieser fühlte sich dadurch beleidigt und stellte Strafantrag. DaS Gericht hatte objektiv eine Beleidigung für vorliegend erachtet insofern als. das Blatt eine Aufforderung an den Beamten enthalten habe, sich der Sozialdemokratie anzuschließen. Es fei chrenkränkend. einem Polizeibeamten oder überhaupt einem Beamten zuzumuten sich zur Sozialdemokratie zu bekennen. Dennoch hatte das Gericht den Angeklagten, der überdies behauptet hatte, er habe den Schutzmann nicht für die sozialdemokratische Partei gelvinnen, sondern nur über die Ziele der Soziaidemokratic aufklären»vollen, freigesprochen. In der Begründung hierzu sagte das da� malige Urteil, es sei nicht erwiesen, daß der Angeklagte das Beivußtsein gehabt habe, den Polizeisergeanten zu kränken. Zudem habe der Angeklagte vermöge seine/ Stellung ein Interesse daran, neue Mitglieder für die sozialdemokratische Partei zu gewinne»», aiis diesem Grunde sei ihm der Schutz des-§ l9. Strafkammer des Landgerichts ll, unter Vorsitz des Landgcrichtsrats von Sckmncdcberg, hatte sich die 7Whrige Dame gestern wegen Beleidigung der Krifeurfrau Anna Geier aus Bohnsdorf' zu verantworten. Die Angeklagte, deren eigentümliches Treiben schon mehrfach die Gerichte beschäftigt hat. besitzt eine alte in Leder gebundene Bibel, in welcher nach ihrer Behauptung ganz geheimnisvolle Kräfte stecken. Sobald irgend ctlvas in dem Torfe passiert, zicbt sie die ,, Zauberbibel" zu Rate, die ihr dann„antwortet", und zivar gc- schieht dies in folgender Weise. Zwischen den Blättern der Bibel stcckr ein Hausschlüssel uralten Ricsensormats, der durch ein mehr- fach um die Deckel gewundenes blaues Band zusammengehalten wird. Wenn die Bibel ihre prophetische Gabe zeigen soll, hält die Angeklagte den herausragenden Ring des Schlüssels zwischen den Zeigesingerspitzen fest und.richtet dann, nachdem sie ein frommes Sprüchlein hergesagt hat, an die Bibel die Zrage:„Liebe Bibel, sage mir usw." Sobald die Angeklagte dann den Namen des Täters ausspricht, macht die Bibel, nach ihrer Behauptung, plötzlich eine Drehung und fällt zur Erde. Tic Angeklagte glaubt seit Jahren fest an diesen Hokuspokus und hat mit ihrem Aberglauben in dem Dorfe schon viel Unheils angerichtet, indem sie angesehene Ein- wohner aller möglichen Straftaten verdächtigle. Erst kürzlich hatte sich dieselbe Strafkammer mit einer gleichen Sache beschäftigen müssen. Als in dem Dorfe verschiedene Diebstähle verübt wurden. hatte sie ihre Bibel befragt, und dann einen angesehenen Ein- wohner der Täterschaft bezichtigt. Dem Betreffenden blieb, da durch eine derartige völlig aus der Luft gegriffenen Verdächtigung und der heimlichen Verleumdung Tor und Tür geöffnet wurde, schließlich nichts anderes übrig, als die abergläubische alte Frau wegen Beleidigung anzuzeigen. Die Verhandlung endete seiner- zeit mit der Verurteilung der Angeklagten. In dem jetzt zur Anklage stehenden Falle hatte sie wieder die Frau des Friseurs Geier beschuldigt, ihr eine größere Summe, deren Höhe sie nicht nennen wolle aus ibrcr Wohnung gestohlen zu haben. Das aus diese Verdächtigung hin eingeleitete Ermittc- lungsverfahrcn ergab die völlige Schuldlosigkeit der Frau G. In der gestrigen Verhandlung erklärt die Angeklagte, daß sie fest daran glaube, daß die Bibel die Wahrheit spreche. Aus Wunsch des Vorsitzenden zeigte sie dem Gericht auch wieder, daß die Bibel. sobald sie den Namen der Klägerin aussprach, zu Boden fiel. Ties hatte offenbar seine Ursache darin, daß die Angeklagte, nachdem sie einige zwanzig Namen genannt hatte, mit ihren müden alten Fingern die ichwere alte Bibel nicht mehr halten konnte und dann durch gewisse Nervenreflcxc der Druck der Finger aufgehoben wurde, sobald sie den Namen der nach ihrer Meiiniilg verdächtigen Person aussprach.— Das Schöffengericht Köpenick hatte die An- geklagte freigesprocheil, da es zu der Ueberzeugung kam. daß die Angeklagte tatsächlich fest an die„Zaubcrbibel" glaubte, so daß ihr das Bewußtsein der Beleidigung völlig gefehlt habe. Auf die Bc- rusuiig des illcchtsanivalts Klein-Köpenick hob die Straffainmer das Urteil ans und verurteilte die Angeklagte zu 10 Ak. Geldstrafe. Ktos der frauenbewegung. Die Sterblichkeit unter der wcibüchcu Bevölkerung. Das Jahr Ulli zeigte in Preußen iiu Vergleich mit dem Jahre vorher eine bei weitem größere Sterblichleit. wesentlich verursacht durch die starke Säugliiigssterblichkeit im Sommer ISii. Diese ist einmal auf die heiße Witterung, daiin aber auch auf die Teiieruilg zurückzuführcil. Es ist selbstverständlich, daß diese beiden Faktoren nur bei der armen Bevölkerung die Säuglingssterblichkeit so sehr in die Höhe schraubten. Tie»vohlhabende Klasse konnte ihre Kinder in großen, gutgelüfteten Räumen oder durch Reisen gegen die hohe Hitze schützen, und auch die Teuerung lvurdc hier kaum gespürt. Im ganze» hat die Sterblichkeil beim weiblichen Geschlecht im Jahre 1911 eine Zunahme erfahren und zivar um 9 pro 1000 Lebende. Im Geiamtdurchschuitt kamen 1910 auf je UX»<> lebende Frauen 47,5 Gestorbene weiblichen Geschlechts, im Jahre 19l1 aber 58,3. Fast in allen Alterstlosien ist die Sterblichkeit gc- stiegen, eine kleine Abnahme der Gestorbenen zeigt sich nur bei Mädchen von 2—3 und 5—10 Jahren, und bei Frauen von 30—40, 50—00 und 70— 80 Jahren. Bei allen anderen Altersgruppen ist die Zahl der Gestorbenen gewachsen, bei den Säuglingen nm 33,4 pro ,000 Lebenden. Dieses Ansteigen der Sterblichkeit ist um so auffallender, als im Jahre 1910 nicht nnr der Gesamtdnrchschnitt. sondern die Sterblichkeit innerhalb jeder einzelnen Altersklasse gegen das Jahr vorher gesunken war. Im Jahre 1909 starben von 1000 Personen»veiblichcn Geschlechts 40,3 gegen 38,5 im nächsten Jahre. Da hier eine Abnahme von fast 2 aus 1000 zu konstatieren ist, so müssen für die Zunahme der Sterblichkeit um 9 pro 1000 Lebenden im Jahre 1911 ganz besondere Gründe matzgebend sein. Sicht man von der Zunahme der Säuglingssterblichkeit als Folge deS abnormen beißen Sommer« 1911 ab. so bleibt als Hauptnrsache die Teuerung. Diese verschuldet, daß die proletarische Bevölkerung sich nicht mehr ausreichend und kräftig. genug ernähren kann. Die durch Unterernährung geschwächten Körper bieten zudem den Krank- heitsstoffen nicht genügend Widerstand' mid erliegen einer Krankheit viel eher, als bei guter, kräftiger Ernährungsweise. So sehen die Folgen der Steuerpolitik des Deutschen Reiches aus! Leseabende. Lankwitz. Dienstag, den 4. Februar, bei Schulz, Kurfürstenstr. 37 Hus aller Welt. KapttaUrtifeber Kindcrtiiord in der Schweiz. Aus Zürich wird uns geschrieben: Tie besitzenden Klassen in der Schweiz bilden eine einige große Clique, die auch ihre Jugend schon ganz zielbewußt in den Dienst ihrer Sonderintcr» essen stellt. So kommt es zum Beispiel selten vor, daß sich ein studierender Bourgeoisjüngling auf das soziale Gebiet begivt, um da Stoff für seine Doktordissertation zu holen. Unter diesen Um ständen findet dann eine Doktorarbeit>.bcr irgendein soziales Problem»m so großer«. Beachtung. Das erfuhr jetzt auch die Tochter des bekannten, der Sozialdemokratie nahestehcnoen Demo- kraten Th. Wirth, Fräulein Dr. Klara W i r t h, die in ihrer Doktordissertation die K i n d e r h c i m a r b e i t in der aar- gaui scheu Tavakindustrie behandelte. Es ist die Ent- hüllung des im Verborgenen blühenden und behördlich geschützten Kinderelcnds, der gewissenlosesten kapitalistischen Ausbeutung des zartesten und billigsten Menschenfleisches, worüber die mutige junge Doktorin berichtet. Die Verfasserin ermittelte in den Tabakgcmeinden des Kan- tons Aargau von 1179 schulpflichtigen Knaben und 1182 Mädchen 685 Kinde r, gleich, 29 Proz., die mit T a b a k h e i in a r b e i t beschäftigt sind; in einigen Gemeinden steigt aber der Prozent- satz auf 42 bis 57 Proz.! In mehreren Gemeinden waren sogar von 184„och nicht schulpflichtigen Kindern 36 oder 20 Proz. in das Joch der industriellen Heimarbeit gespannt. Dabei scheint diese Kindersklaverei noch ffi stetem Wachsen begriffen zu sei». Aeutzerst charakteristisch für die Stellung und Gesinnung der bürgerlichen Behörden zu der kapitalistischen Ausbeutergesell- schoft ist die Haltung der Erzichungsdirektion des Kantons Aargau gegenüber dieser Enquete. Fräulein Dr. Wirth hatte sie gebeten, ihr Einsichtnahme in die Erhebungskarten der Geineiniüitzi- gen Gesellschaft zu gestatten, die im Jahre 1904 ebenfalls ein« solche Enquete veranstaltet, die Verhältnisse aber als ganz harmlos dar- gestellt hatte. Tic Erziehungsdirektion wies nun das Gesuch ab mit der wahrhaft himinclschreienden Begründung:„Es sei nicht genügend Garantie dafür geboten, daß dabei weder Gemeinden noch einzelne Firmen bloß- gc st eilt»verde u!" Himmelschreiend in der Tat! Dieser Ilntcrrich'tsminister kennt den kapitalistischen Kindermord in seinem Lande ganz genau, aber er läßt die Mörder ruhig gelvsthren und er Hill noch fth» schützend» Hand über sie zur Abwehr indiskreter und rücksichtsloser Kritiker. Und auch die salbungsvolle, von Geistlichen und andern frommen Leuten gebildete und geleitete Gemeinnützige Gesellschaft erscheint in schönster Beleuchtung. Die von ihr veranstaltete Enquete diente nicht der Enthüllung und Beseitigung, sondern der Vertuschung und Erhaltung des Kinderelends zum Vorteile des kapitalistischen Aus- beutertums, mit dem sie sich ebenfalls solidarisch fühlt. Eigen- nützig c Gesellschaft wäre ehrlichere Firmierung als„gemein- nützige". Und endlich lehren diese Vorgänge auch, was für elende, das ganz Volk düpierende Komödien die berühmten bürgerlichen Enqueten sind. Fräulein Dr. Wirth beschaffte sich da» von ihr gewünschte Material durch eigene Haus- und Schnlenqueten. So ermittelte sie, daß rund 5 0 0 Kinder im Alter von 3H bis 10% Jahren und 226 Kinder im Alier von über 10'A bis 14% Jahren die ekelhafte und stanbeiitwickclnde Tätigkeit des TabakauSriYpens in Wohnräumen verrichten, in denen„ein für Ungewohnte ekel- erregender Gestank" herrscht uud die AtmungSorgane der Kinder angegriffen werden. Von 322 hcimarbeitenden Kindern hatten 64 schon kranke Lungen. Von 100 Tabakarbeitern sind 6 2 m i l i t ä r u n t a u g l i ch. Die Arbeitszeit der Kinder ist in 330 Fällen festgestellt worden. Sic betrug 1—3 Stunden in 21,2 Proz. aller Fälle, 3 bis 6 Stunden bei 65,8 Proz. und 6—8 Stunden in 13 Proz. aller junger Heimarbeiter. Mit der Schularbeit zusammen ergeben sich Belastungen bis zu 13 Stunden pro Tag und pro Kind. Die Schule wird die Kinder wobl nicht mehr zu stark anstrengen können— sie»vird zur Nebenbeschäftigung, zur Erholung der armen Kinder! Tic Er ii ährungsvcr Hältnisse passen sich natürlich dem ganzen Milieu an. Kaffee, Kartoffeln, Makkaroni und Sauer- kraut bilden den Speisezettel. Ein ISjähriger Junge machte dar- iiber folgende Angaben: Sonntag: Frühstück: Kaffee und Rösti (gebratene Kartoffeln), Mittagessen: Kaffee und ein Stück Brot, Suppe und Kartoffeln.— M o n t a g: Kaffee und Rösti, Kaffee und ein Stück Brot, Suppe und Kartoffeln.— Dienstag: Kaffee und Rösti, Löwenzahnsalat, Kaffee.— Mittwoch: Kaffee und Rösti, Makkaroni, Kartoffeln und Sauerkraut. Und so weiter. Dabei soll eine Jugend gedeihen, sollen Men- scheu heranwachsen, VatcrlandSvcrteidiger, leistungS- und konkur- renzfähige Arbeiter. Ein furchtbarer Raubbau wird in der kapita- listischen Gesellschaft mit dem arbeitenden Volke getrieben, Ver- brechen größten Stils an Verbrechen gereiht, und der Staat läßt ruhig gcivährcn, rührt keinen Finger dagegen. ?!ur immer drauf k In Lfpzierkorps besteht der Brauck, daß zu Kaisers Geburtstag die nördlichste und die südlichste Garnison einander in mehr oder minder guten Versen autelegrophierLN, Der Gruß der Garnison Lindau lautet in diesem Jahre: „Noch glüht die Fackel, die im Wetterwinkel Gar wild eiitbraniit und lichterloch entfacht, Noch glimmt die Glut, ein Windstoß, und die Flamm« Sucht zügelnd Nahrung über Nacht. Nur zu! Soll uns ein wenig Feuer schrecken? Im Feuer wärmt man sich. Dann wird erst warm Das Herz; heißer rollt da« Blut dann durch die Adem, Nach Wehr und Waffen greift der deutsche Arm. Ilnd jubelnd ziehn wir alle Seit' an Seite Dem Kampf entgegen, frohgemut ins Feld. Nur immer drauf! Es lebe unser Kaiser! Schallt's dann wie heut begeistert durch die Welt." Der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" haben die Verse so gut gefallen, daß sie sie ohne Kommentar zum Abdruck bringt. Eiu schlechter Tausch. Eine eigenartige Degradalion hat der ehemalige marokkanische K r i e g s in i n i st e r C c r n y erfahren: der Mann, der einst als General ein stattliches Heer von dreißigtausend Soldaten kommandierte, ist jetzt— Korporal und zwar beim österreickischen Infanterieregiment„W-Starhemberg" Nr. 54 in O l m ü tz. Cerny stammt nämlich aus einer Dorfgemeinde in Nordmähren. Seine Abenteirrerlust trieb ihn in mancherlei Länder, sckließlich auch nach Marokko, wo er rasch Karriere machte und sich als Soldat derart belvährle, daß man ihn zum„Kriegsministcr" er- nannte. Die Herrlichkeit hielt freilich nickt allzu lange an; Cerny verließ die afrikanischen Gefilde der unbeschränkten Möglichkeiten und kehrte nach der Heimat zurück. Hier aber mußte er zur Assentierung, wurde beim Militär behalten und in das 54. Jnfanteriereginient in Olmütz eingestellt. Er erwies sich dort als simpler Soldat recht brav, so daß er eS in kurzer Zeit zum Korpordl brachte. Kleine Stotizen. Schwerer Grubcnunfall. Am Sonnabsndnachmittag kurz vor Schichtwechsel Ivurde auf dem Hermannschackt bei Helfta der Bergmann F u h l e r t aus Helfta durch einen Sprengschuß getötet und der Bergmann H e l m st e d t aus Wolferode an den Händen so s ch»v e r v e rle tz t, daß er nach dem gewerkschaftlichen Krankcnhause in Eisleben geschafft werden mußte. Die Ehefrau ermordet. In Rubitz(Gera) hat der Arbeiter Otto Weiser seine Ehefrau erdrosselt und die Leiche a n einem Baum aufgeknüpft, um einen Selbstmord vorzutäuschen. ücHUckSs: -Ennafi>i£un$. A.Weriheim Cr« m* b» H« Leipziger Str. IIS-»? König-Str. ÄTc�Äut. Roscnthalcr Strasse Oranien--Strasse In den Lichthöfen: Grosse Wasche �Ausstellung Damen-, Herren- u. Kinderwasche, darunter französische u. Wiener Damen-Wäsche, Bettwäsche, Tischzeuge, Handtücher, Waschestoffe, Taschentücher, Schürzen usw. 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Dr. Quarck(Soz.): Die Regierung ist auch bei diesem Gesetz wieder einmal dem Druck der Agrarier völlig erlegen. Als die ersten Angriffe aus die Matznahmen der Regierung erfolgten, erklärte der Reichskanzler noch in der„Norddeuiscbcn Allgemeinen Zeitung", daß er an dieser Lerbilligungspolitik festhalten müsse, angesichts des unerträglichen Notstandes; die Maßnahmen seien zwar nur vorübergehend, sollen aber vorläufig für zwei Jahre gelten. Damals bekam die Ne- gierung SukkurS aus ZentrnmSkreisen. ES war der Sohn deS Kollegen Spahn, der in der Wochenschrift des Zentrums damals l.iese Maßnahmen als ein außerordentliches Verdienst der Regierung aezeichnele. Wenn die Konsequenzen gezogen würden, so würde das eine Großtat Bethnian» Hollwegs sein. Aber die erste Partei, die die Konsequenzen nicht durchzuführen den Mut gehobt hat, war daS Zentrum. DaS war im Oktober 1012, und heute ist die Regierung langst wieder unter dem Joch der preußischen Junker, genau wie sie sich seinerzeit bei», Fleischbeschaugesetz darunter hat beugen müssen. All die Auseinandersetzungen der Herren von der Rechten über Seuchenschutz, Fleischversorgung und so weiter sind nichts als Umhüllung sür das agrarische Machtgebot: die Agrarier diktieren die Preise und die Verbraucher haben sie zu zahlen. ES war ein b e- schämendes Schauspiel in der Kommission, wie die Ver- treter der Regierung tiefe Reue und Zerknirschung darüber zeigten, daß die Regierung überhaupt de» Mut zu einem solchen Schritt ge- habt habe. Die ganzen Erklärungen liefen darauf hinaus: Je eher wir das Gesetz wieder losbekommen, desto froher ist die Regierung, sie denkt nicht mehr daran, bis zum April 1914 durchzuhalten, auf keinen Fall will sie aber darüber hinausgehen, während doch alle Sachverständigen darin übereinstimmen, daß in Jahresfrist keine nennenswerte Aenderung der Zu- stände erfolgen kann. Dazu kommt, daß man den Staaten, die die Zollermäßigung benutzt haben, von Anfang an Schwierig- keilen gemacht hat. Ich erinnele an das Verhalten gegenüber Frankfurt und die unwürdige Behandlung, die Berlin erfahren hat. Der preußische LandwirtschastSminister bat sich in dieier Zeit der Not sogar die Aeußerung erlaubt, die Bevölkerung müsse sich daran gewöhnen, für Lebensmittel, insbesondere sür Fleisch, höhere Preise auszugeben.(Hört! hört! bei den Sozial- demokrat«,.) Die preußiseb-agrarische Gewaltherrschaft auf das Reich bat bereits zu Unstimmigkeiten zwischen dein Reich und süddeutschen Bundesstaaten geführt. Ich erinnere daran, daß ein würltembergischer Minister sich im Gegensatz zu Preußen sehr stark für die Gestattung der Einfuhr des Gefrierfleisches ein- gesetzt hat. Freilich ist er inzwischen gegangen worden. Aber sogar mit einein Bundesstaat, dessen Agrarfreundlichleit über allen Verdacht erhaben ist. hat das Reich Differenzen bekommen, weil in Preußen das extremste Agrariertum herrscht. Mir ist auS siidderttschen Interessentenkreisen eine erbauliche Historie über einen kleinen Handel mitgeteilt worden, den das Oieich und Preußen mit Bayern ausgesochlen hat. Im Herbst vorigen Jahres teilte die bayerische Regierung der Reichsregierung mit, daß sie eine schon längst gebotene Erleichterung der Viebeinsubr aus den Schweizer Kantonen Schwyz und Appenzell sür nötig halte und vor- nehmen werde, weil diese beiden Kantone vollständig seuchen- frei seien. Es ist das wieder ein eklatanter Beleg für den Mißbrauch, der mit der Seuchengefahr gelrieben wird. Bayern be- schränkte sich auf diese Mitteilung und verfügte kurz darauf die Auf- Hebung der Sperre selbständig. Das war sür einen agrarisch regierten Staat eine Maßregel, der die Vernunft wenigstens nicht ganz fehlte. Aber eben deshalb ereignete sich nun folgendes. Einige Tage vorher ivar auch von der Schweizer Regierung wegen derselben Sache mit Berlin Fühlung genommen worden. Da wußte man natürlich viel besser, was man der Schweiz zu ant- Worten hatte. Herr Delbrück diktierte sofort eine ablehnende Ant- wort an die Schioeiz. Diese Antwort sollte eben abgehen, als auS München die Nachricht eintraf, daß München die Sperre auf- gehoben habe.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Hier halte einmal das exwemste preußische Agrariertum sich mit seinem Einfluß auf das Reich bis auf die Knochen bloßgestellt. Es wurden nach München Vorstellungen erhoben/München hätte leine Maßregel etwas früher mitteilen können, beinahe wäre die cnlgegengescy c Antwort von Berlin abgegangen und das hätte doch einen sehr schlechten Eindruck gemacht. Gewiß, diese ganze preußisch-agrarische Wirtschaft macht überhaupt einen sehr schlechten Eindruck aus da« Ausland.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär wird meine Darstellung ja wohl bestätigen müssen. Bei dieser Vorlage bat die Rechte so staatsfeindlich gehandelt, wie nur denkbar, aber dieselben Leute werfen. der Sozialdemokratie Staatsfeindlichkeit vor und verlangen Ausnahme- gesctze gegen uns. Zu den fortwährenden Slockprügeln auf den Magen will die Rechte nun»och mit neuen EntrechtungS- gesetzcn gegen das Volk vorgehen. Wiffen Sie denn, was Sie in der B e r st i egenhcit Ihrer Herrichergelüste eigentlich tun? Im allei» Ron, sorgten die Herrschenden wenigste,,« dafür, daß Brot und Spiele für die Masse da waren. Die preußischen Agrarier aber wollen das Reich zu A u S n a h m e g e f e tz e n gegen das Volk bringen, daS sie vorher zur Entbehrung g n d Unter- ernährung verurteilt haben. Bei diesem Gesetz war die Sozial- dcmokratie die Regierungspartei und die Konservativen standen in der Opposition. Und zu derselben Zeit hält Herr v. Kardorfs im Landtag»eine herausfordernde Olede. Hüten Sie sich, daß Sie den Bogen nicht zu straff spannen! Ein solches System muß über kurz oder lang zusammenbrechen.(Lebhaste Zu stlmmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Pauly-Cochem(Z.) führt aus, daß die Schafzucht in Deutschland ganz gewaltig gehoben werden könne, die Forstverwal- tnng könnte zu diesem Zweck sehr wohl eineil Teil der Waldungen, die Schälwälder, zum Abholzen hergeben, auch an die Gemeindeit. Dadurch könnte die Fleischproduktion sehr gehoben werden. Abg. Heck(nntl.): Wir erkennen die augenblickliche T e u e r u n g an; die deutsche Landwirtschast ist aber imstande, den inneren Bedarf an Fleisch zu decken, da« haben die Resultate der letzten Viehzählungen ergeben. Der Redner geht weitläufig auf die Landwirtschaft, ihre Existenzbedingungen und Rentabilität ein. Vizepräsident Dr. Pansche ruft den Redner zur Sache. Abg. Heck: Der vorliegende Entwurf ist daö äußerste. Iva? wir zubilligen können, denn von unserer Wirtschaftspolitik wollen wir nicht abgehen. Abg. Arnstadt(k.) verbreitet sich über die innere Kolonisation. (Vizepräsident Dr. Paasche ruft ihn zur Sache.) Wir werden nicht aufhören, sür die innere Kolonisation und die Ansiedler zu wirken. Abg. Krämer(Vp.): Der kleine Bauer hat ein großes Interesse an der Aufhebung der Futter IN ittelzölle.(Vize- Präsident Dr. Paasche: Die gestern abgelehnte Resolution auf Aufhebung der Futtermittelzölle steht heute nicht mehr zur DiS- kusfion.) Dem kleinen Bauer muß es ermöglicht werde», mehr Fleisch zu produzieren; bann wird die deutsche Landwirtschaft unseren gesamten Fleischbedarf decken können. Durch Ihre(nach reckits) Maßregeln wird das nicht erreicht.(Bravo l bei der Volkspartei.) Abg. Löscher(Rp.) wendet sich gegen die Einfuhr von Gefrier- fleisch, das er als minderwertig bezeichnet. Damit schließt die Diskussion. Es ist eine Resolution Albrecht und Genossen(Soz.) ans Erweiterung der Erleichterung der Fleischeinfuhr auf alle Gemeinden eingegangen. Heber sie soll in nächster Woche namentlich abgestimmt werden. Ter Gesetzentwurf wird gegen die Stimmen der Konservativen und A il t i s e in i t e n angenommeil. Etat des Reichsamts des Innern. Zw ölfter Tag. Die Beratung wird fortgesetzt beim Titel„ReichSgcsund- heitLamt". Abg. Dittumnn(Soz.): Die Redner der Konservativen und der R-chten sind für ver- mehrten Säuglings- und Wöchnerinnen schütz eingetreten. Bei der Beratung der Reichsverstcherungs- ordnung haben ihre Parteien unsere Anträge auf varmehrten Wöchnerinnen- und Säugliugsschutz aber ni e d e r g e st i u, m t. Das charakterisiert die Herren. Sie klagten auch über de» G e- burtenrückgang. Dabei ist doch die Einschränkung der Kinder- zahl, die sich viele Familien auferlege», nur die notwendige Folge der vom Zentrum und den Konservativen betriebenen Brotwucherpolitik.(Sehr richtig! links.) Herr SosinSki hat letzthin eine Resolution zur llntcrsuchung der Gesundheits- Verhältnisse der Bergarbeiter in Sckilesien begründet. Was er dort ausgeführt hat. trifft für alle Bergarbeiter zu, vor allem auf die in, Rubrrevier. Ich bitte daher um Annahme unserer Resolution, welche die Untersuchung auf alle Bergarbeiter aus- dehne» will. 1904 wurde vom Reichstag bereits ein dringender Antrag des internationalen Vereins zur Reinhaltung der Flüsse dem Reichs- kanzler zur Erwägung überwiesen. Seitdem ist die Ver- schmutzung der Flußläufe noch größer geworden. Hier- gegen sollte das Reichsgesundheitsamt ein Veto einlegen. Gewiß ist die Frage der Abwässerbescitigung für die Jnduslrie sehr wichtig, aber sie kann doch nicht durch die restlose Verschmutzung der Flüüe gelöst werden, man wird wie in England dazu übergehen müssen, b e- sondere A b w ä s s e r k a n ä l e zu bauen. Ein typisches Beispiel der Verschmutzung durch Fabrilabwässer und Fäkalien bildet die Wupper, die früher kristallklares Wasser hatte. Seitdem die Elberfeld-Barmer Farbwerke ihre Abwässer hineinleiten, lebt heute kein Fisch, kein Frosch, kein Tier mehr in der Wupper, sie fließt blauschwarz dahin wie Deutschland. (Heiterkeit.) Als mir Jndustrieabwäsier in sie geführt wurden. tagte mein Fraltionsgenoffe Scheide mann hier einmal, sie ist so schwarz, daß ein hineingetauchter Nationallibcraler als Zentrumsmann wieder herauskommen würde.(Heiterkeit.) Heule, wo auch die Fäkalien von Elberfeld-Barmen hineinfließen, würde er gar nicht mehr herauskommen, sondern in dem gelblich schwarzen Schlamin stecken bleiben. Natürlich leiden unter der Verpestung des Wassers auch die kleinen landwirtschaftlichen Anlieger, deren Grundstücke entwertet werden. Handelte es sich um Großgrundbesitzer, so würde man bald Ab- Hilfe schaffen; aber die kleinen Landwirte findet man nur beim Steuerzahlen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Das Wuppertal hat wundervolle landschaftliche Reize, die alljährlich Hunderttausende aus nah und fern heranziehen. Auch dieien wird die harmlose Naturfreude durch das verpestete Wasser vergällt. In ihrer Verzweiflung haben die geschädigten Wupper- anlieger jetzt den Kkageweg gegen die Elberfelder Farbwerke be- schritten. Es sollte aber das Reichsgesundheitsamt im öffentliche» Interesse eingreifen. Uebrigens bildet die Wupper nur ein Beispiel. In ganz ähnlickier Weise werden viele Flüsse verpestet und zu Krankheitsherden, zu einer ständigen Gefahr für die Ge- sundheit des deutschen Volkes umgebildet.(Bravo I) Abg. Dr. Gerlach(Z.) wünscht reichsgesetzliche Regelung der Per- Hältnisse deS K r a n k e n p f l e g e p e r so n a l s. Die Resolution der Sozialdemokraten sei seinen Freunden zu schematisch.— Bei der Bekämpfung der Tuberkulose kommt es vor allem dar- aus an, die Ansteckung von Mensch zu Mensch in der Familie zu ver- hüten und die Bevölkerung aufzuklären über die Art ihrer Entstehuiig. Verbreitung und Verhütung. Schon in der Volksschule sollten die Kinder darüber unterrichtet werden. Abg. Haegy(Elf.): Die Verhältnisse deZ Krankenpflege- personal« sind in der Tat verbesseruiigsbedüiftig. Es ist auch richtig, daß m den Schwesternheimen Raubbau mit der menschlichen Arbeitskraft betrieben wird. Redner klagt weiter über die Kon- kurrenz ausländischer Weine, denen gegenüber die Kontrolle des WeingeietzeS versage. Abg. Laux(bayr. Bauernbund) verlangt energische Maßregeln zur Bekämpfung der Schweinepest. Präsident des Gesundheitsamts Bumm: Es sind eingehende Forschungen über die Schweinepest Pom Reichsgesundheitsamt ver- öffenllicht worden. Jbre Bekämpfung ist auch im neuen Viehseuchen- gesetz vorgesehen. Es ist auch von 1010 bis 1911 ein kleiner Rückgang dieser Seuche bereits eingetreten. Abg. Antrick(Soz.): Meine Ausführungen über die Länge der Arbeitszeit des Krankenpflegepersonals muß ich voll ausrecht erhalten.— Daß junge Mädchen aus Stationen, wo geschlcchtS- kranke Männer liegen, beschäftigt werden, kommt heute noch vor. Ich kann das nach wie vor von meinem Standpunkt auS nur als Schweinerei bezeichnen.— Ans einen Mißstand muß ich noch hinweisen. Selbst staatliche Anstalten nehmen Pflegepersonal an, das nicht die geringste Vorbildung hat, ja es wird in Inseraten aus- drücklich darauf hingewiesen, daß Kenntnisse in der Krankenpflege nicht erforderlich sind. Solange selbst staatliche Anstalten mit so schlechtem Beispiel vorangehen, werden die Verhältnisse schwer- lich anders werden. Dann hat„och der Abg. T h o m a einen ganz leichtfertigen Vor- wnrf gegen mich erhoben. Er behauptete, als ich seinerzeit die An- ktagcil gegen die KrankenbaULverwaltungeit vorbrachte, hätte mich kein Nationalliberaler angegriffen, sondern Prinz Schoenaich- Cnrolath habe mir sogar sür mein Austreten gedankt. Erstens war Prinz Schoenaich-Carolath damals gar nicht Mit- glied der nationalliberalen Partei und zweitens hatte ich Bezug geuommeit aus spätere Vorgänge im Jahre 1901, wo in der Tat der nationalliberale Abg. Endemann in bezug aus mich das Wort brauchte: Nur immer k ü h n V e r l e u m d e», es bleibt schon etwas hängen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich stelle also fest, daß nicht ich, sondern der Abg. Thoma frivol ge- handelt hat, indem er einen so infanien Angriff gegen mich richtete. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dave rügt die Ausdrücke„frivol" und„infam". Abg. Herold(Z.) erklärt die Errichtung eines Instituts für lv i s s e ii I ch a f t I i ch e Erforschung der Milchwirtschaft für eine sehr wichtige Aufgabe, die aber nicht das Reich, sondern die Einzelstaateii zu lösen haben. Ahg. Koßmnii»(Z.) klagt über die Verunreinigung der Blies bei Neunkirchei,. die ähnlich sei, wie die vom Abg. Dittmann bei der Wupper beklagte. Damit schließt die Diskussion, lieber die Resolutionen wird im Lause der nächsten Woche abgestimmt werden. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Biologische Anstalt für Land-und ( Forstwirtsch oft" wünscht Abg. Bauman»(Z.), daß die Bienen- züchter mehr unterstützt werden. Es folgt das Kapitel„Patentamt". Abg. Dr. Belli und vergiftet daS Arbeitsverhältnis.(HörtI hört! rechts und im Zentrum.— Lebhafte Zurufe der Sozialdemoltalen.) Die Sozialdemokratie beeinträchtigt vielfach die Freiheit der Arbeit.(Stürmischer Widerspruch bei den Sozialdemolraten.) Ich verurteile auch den politischen Boykott in jeder Fonn, aber bei alledem spreche ich aus, daß uns die Wege des Herrn v. Kardorff nicht weiter bringen. Unter dem Sozialistengesetz ist die Sozialdemokratie ständig gestiegen. Eine geistige Bewegung ist durch ZwangSniaßregelit nicht zu besiegen. Unerhört sind die Angriffe K a r d o r f s S auf den Reichstag und seine Forderung, daß Delbrück der junge Mallii deS Ministers Dallwitz sein solle, schädigt die ReichSeiuheit. Die Rechts- ungleichheit. das verrottete Wahlrecht und die Scharfmacherhetze fördern mir die Sozialdemokratie. Wir würdigen Preußens Verdienste vollauf und wünschen, daß eS wieder moralische Eroberungen in der Welt machen könnte. Dazu gehört aber das Reichstags lv ahlrecht für die Landtags- wählen und eine gerechte innere Politik.(Lebhafter Beifall bei der Volkspartet.) Miiilster des Innern v. Dallwitz: Herr Cassel scheint das Wahlrecht und das Wählen als Selbstzweck zu betrachten und cS für gleichgültig zu halten, toelche Wirkung ein Wahlrecht auf die Aus- Übung der LandeSgeschäfte hat. sodaß daS demokratischeste Lsiahlrecht ohne Rücksicht auf die Eigenart der besonderen LandeSverhältnisse den Vorzug verdiene. Selbst die erbittersten Gegner deS preußische» Wahlrechts wolle» nicht in, Ernst bestreiten, daß die bisher mit diesem Wahlrecht gewählten Landtage sachlich und ersprießlich gearbeitet haben, inSbesonder für die materiellen und ideellen Interessen der minderbemittelten Kreise der Bevölkerung.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Der Minister rühmt dam, die preußische Gesetzgebun» im UmerrichlS-, Steuer- und Kommunalwesen, die die Güte des Wahlrechts beweise, und erklärt mehrmals entschieden, daß die Erörterung der Polenfrage durch den Reichstag dessen Z u st ä u d i g k e i t über- schrei lje.(Bravo! rechts und bei den Natioiialliberalen.) Er erklärt dann, daß er in dem von Cassel anerkanntcn Bestreben, das Reichsvereinsgesctz linparteiiich zu handhaben. nicht uachlasicii werde. Die übrigen Ausführungen des Ministers sind eine Polemik in Sachen der Eingemeindung' von Vor- orten nach Berlin. Was der Landrat und LandeSdircktor in dieser Frage getan haben, haben sie als Komninnalbeamte getan; die Staatsbehörden sind mit der Bitgelegenheit überhaupt»och nicht befaßt gewesen. Die der Stadt Berlin 1891 nahegelegte Ein- gemeindung mehrerer Vororte hat sie abgelehnt. Es ist klar, daß die Interesse» der Kreise und der Provinz bei Einaemeinduiigen gewahrt werden müssen. Das ist keine Beschränkung der Seldstvcr- waltung. Auck» bei der Erledigung des Gesuchs der Stadt Berlin ist Berlin nicht brüskiert worden, denn die WohnungSpolizei betrifft verschiedene Zweige der Verwaltung und dies sowie die Ablehnung eines gleichen Antrages vor zwei Jahren machte eine eingehende Plüsung des Antrages notwendig.(Beifall reckits.) Abg. Nissen(Däne) klagt über antidänische Landrats- Willkür in Stordscbleslvig, auch bei Aufstellung der Wählcrlistc» und über die Verfolguiig der Heimatslosen. Untcistnatssekretär Holtz: Wir müssen hierbei die deutsche» Interessen wahren! Abg. Strosser(k.): Ich würde wünschen, baß C a s s e l S a n t i- sozialistische Ausführungen Eindruck auf seine Frenude machte». Daü Autoschnellfahren und die Schmutzliteratur ttzüsse» bekämpft werden. W e d e ki n d S„F r ü h l i n g S E r w a ch e n"» st ein S ch m n tz st ü ck. Die Kriminalpolizei macht aus einer gewissen Sensationssucht der Presse Mitteikuitgeil aus der Untersuchung von Verbreche«.— Immer nur solle» die Streik- tcrrorisien alles feilt, aber ja keine Sozialdemokraten! Als seinerzeit bei einem Kntscheistreii ich auf dem Wege vom Potsdamer Platz Hierher ins Haus ungeheuerliche Beschimpfungen beobachtete, schimpfte der„Vorwärts" so auf die Terroristen, dab jeder meinen michle, das wären auch keine Sozialdemokraten gewesein Was denn sonst? Wir brauchen unbedingt Borbeugungsmaßregeln gegen den sozialdemokratischenTerror. den ja jetzt Herr Fischbeck hier mit dem Vorgehen von Strolchen und Wegelagerern verglichen hat. Jetzt aber sind Sie Freunde und dämpfen auch Ihren Landtags- wahlkampf. hat ja auch einmal über eine lächerlich klingende Be- gründuug eines Versammlungsverbots in Oberschlesien gesprochen, das er zu besitzen erklärte und uns zur Verfügung stellen wollte. Die Untersuchung hat ergeben, daß nichts Wahres daran war und Abg. Korfanly hat mir trotz wiederholtem Ersuchen, auch durch ein- geschriebenen Brief, das VersainmlungSverbot nicht zur Verfügung gestellt.(Lebhaftes Hört! hört I) •$. DaS Haus vertagt sich. Abg. Kardorff(ff) bemerkt persönlich, daß er nicht nur ein Verbot des StreikposteustehenS, sondern ei» allgrmcincS Arbeits- willigcuschiitzgesetz gefordert habe. Die Äeußerung, daß Herr Delbrück der junge Mau» des Herrn v. Dallwitz sein sollte, war von mir nicht ernst gemeint, sondern nur i» Anlehnung an eine derartige Darstclliuig des„Berliner Tageblatt". Ich will nur, daß entsprechend dem Geist der Berfassuug preußischer Einfluß auch im ReichSamt des Innern zur Geltung komme. (Hurra-Rufe links). Abg. Wenks(Bp.): Ich habe Fälle aus persönlicher Erfahrung vorgetragen. Korfaulhs Behauptungen gehen mich nichts an. Abg. Strosscr(f.) wendet sich gegen die Beurteilung seiner Äeußerung über Schöffengerichtsurtcile durch verschiedene Abgeordnete. darunter auch v. C a in p e. Ich habe nur gesagt, daß ich aus das Reichsverbaudsurteil des Schöffengerichts Brandenburg keinen Wert lege. Sind doch selbst Reichsgerichlsurteile nicht unfehlbar I Abg. Dr. v. Canipc(natl.): Damit hat Abg. Strosscr die Richtigkeit meiner Beurteilung bestätigt.(Sehr wahr! links.) Nächste Sitzung: Montag, den 3. Februar, vormittags 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß: nach 5 Uhr. Der(Parteitag der englische» Arbeiterpartei. Zweiter Tag. London, 30. Januar.(Eig. Ber.) Gleich nach der Eröffnung der Sitzung beschäftigte sich der Parteitag mit der von dem Vorstand aufgeworfenen Frage der Parteidisziplin. Zu diesem Punkte lag eine Resolution des ParteivorftandeS vor, nach der ein Parlamentsmitglied, das außerhalb des Parla- ments die Lersassmng der Partei gebrochen hat, auf Beschluß des vereinigten Vorstandes und der Parteifraktion zeitweilig oder dauernd aus der Partei ausgeschloffcn werden soll. In gleicher Weise soll gegen ein Parlamentsmitglied verfahren werden, dessen Ausführung gegen die Grundsätze und die Politi!, wie sie in den Beschlüssen des Parteitags niedergelegt sind, verstößt oder der beharrlich den kollektiven Beschlüssen der Partei(Parlaments- srakrion) zuwiderhandelt. Bruce Glasier(I. L. P.): Die Frage ist eine der kvichtigsteu, mit denen sich die Arbeiterschaft zu beschäftigen hat. Ich bin der Ansicht, daß im großen und ganzen die Fraktion im Parlament fortschrittlicher gesinnt ist als wie die große Masse der Mitglieder im Lande. Zwar gibt es unter den Parlamentariern vielleicht ein halbes Dutzend, die auf den liberalen, und ein weiteres halbes Dutzend, die auf den konservativen Bänken sitzen sollten. Aber die Hauptsache ist, daß die Partei zusammengehalten wird. Einige möchten sich von der Partei absondern, weil es ihnen nicht schnell genug geht, und andere, weil sie keine Lust verspüren, den Feind zu bekämpfen. Ich halte es für verfehlt, die Parlamentarier zu zwingen, ihr Wort zu halten. Wir müssen uns auf das Ehrgefühl und die Ueberzeugungstreue der Reprä- sentanten verlassen. Das Abwehrmittel, das die vorliegende Rc- solutiou dem Vorstand in die Hand gibt, genügt vollkommen. Will Thorne(Parlamentsmitglied; Gasarbeitcr): Ich habe den Eindruck, daß die Resolution nicht gegen die der libc- raten Partei nahestehenden Parlamentarier gerichtet ist. sondern gegen die fortgeschrittenen sozialistischen Elemente. Wäre der Fall Lausbury nicht vorgekommen, so hätten wir von diesem Antrag nichts gehört. Er wurde verfaßt, bald nachdem ich. Keir Hardie, O'GradY und Snowdeu versprochen hatten, die unabhängige Kau- didainr Lansburys in Bowand Bromlei, zu unterstützen. Ich bin kürzlich durch die Liste der Parlamentsmitglieder gegangen und habe gefunden, daß von den 40 Parlamentariern 27 keine Sozia- listen find und sich nie mit einem Worte für den SdzialiSmus ex, klärt haben. Die dreizehn Sozialisten haben in der Arbeiter- Partei einen schweren stand. In vielen fundamentalen Fragen, wie in Fragen der Oekonomie, ist es uns unmöglich, mit den 27 Nichtsozialisten übereinzustimmen, was zu Gegensätzen in der Praxis führt. In der nächsten Session wird die Regierung die Schulfrage anschneiden. Auch in dieser wichtigen Frage gehen die Meinungen auseinander; denn eine Reihe Parlamentarier ist gegen die weltliche Erziehung, die von einem Parteitag nach dem an- deren gefordert worden ist. Ferner ist da die Frage der Beschäf- tigung der Kinder, in der die Ansichten einiger Arbeiterparteiler von den sozialistischen ganz entschieden abweichen. Ich bin nicht bereit, meine Ueberzeugungen in diesen und anderen Punkten zu opfern und je eher eine Scheidung eintritt und die Arbeiterpartei ein sozialistisches Programm annimmt, um so besser wird es für die Partei sein. Mich hat man bei meiner Organisation des Disziplinbruchs angeklagt. Weshalb ist man nicht ebenso streng gegen andere, wie zum Beispiel Snowdeu und Keir Hardie vorge- gangen, die gleichfalls im Falle Lausbury gesündigt haben. Es wird hier erklärt, daß die I. L. P. von dem Disziplinbruch Snowdens und Keir Hardies benachrichtigt worden sei. Snowden erklärte darauf, daß er davon nichis gehört habe, daß ihm seine Organisation den Tadel wohlweislich verheimlicht habe. Die Debatte wird unterbrochen, um dem Berichterstatter des Geschäftsausschusses Gelegenheit zu geben, dem Parteitag die Be- schlüsse dieses Ausschusses vorzulegen. Unter den Beschlüssen befand sich der Vorschlag, einer Bitte des nichtoffiziellcn„Daily Herald" stattzugeben, der seine Plakate in ähnlicher Weise wie der offi- zielle„Daily Eitizen" im Lokale anzubringen verlangte. Dieser Vorschlag wurde nach erhitzter Debatte mit 643 000 gegen 398 000 Stimmen verworfen. In der darauf fortgesetzten Debatte über Parteidisziplin erhielt zuerst S t r a n k s(Croydoner Gewcrk- schaftskartell) das Wort, der empfahl, daß die Parlamentarier der Partei dieselbe Loyalität beweisen sollten, die sie beständig von den Parteimitgliedern forderten. Anderson(Vorsitzender der I. L. P.): Thorne hat eine unheilvolle und nicht angebrachte Rede gehalten. Ich habe nie etwas von den tiefen Gegensätzen zwischen den Parlamentariern gehört und habe mancher Sitzung zwischen dem Parteivorstand und der parlamentarischen Fraktion beigewohnt. Theoretische Diffc- renzen mögen existieren, aber in praktischen Fragen, wie in den Fragen der Verstaatlichung der Eisenbahnen und der Bergwerke. herrscht vollkommene Einmütigkeit. Die vorliegende Resolution ist nicht durch den Fall Lausbury angeregt worden; ihr Ursprung liegt viel weiter zurück. Wenn wir Disziplin haben wollen, müssen wir sie für beide Flügel der Partei fordern. Porter(Portsmouth): Ich war der Ansicht, daß sich die Resolution gegen die Liberalen in der Partei richtete und nun kommt Thorne und erklärt uns zu meinem Erstaunen, daß sie für die Sozialisten bestimmt sei. Ich gehöre selbst zum linken Flügel der Partei, aber ich meine, wenn Sozialisten wie Thorne auf die unbedingte Anerkennung ihrer Ueberzeugungen bestehen, sollten sie sich nicht als Arbeiterparteiler wählen lassen. Taylor(Londoner Buchdrucker): Ich sehe nicht ein, wie wir die Resolution durchführen können. Auf dem letzten Parteitag waren wir genötigt, das von den Parlamentariern bis dahin abge- legte Gelübde fallen zu lassen. Tiesem Vorschlag wird es nicht besser ergehen. Die Vorstandsresolution wurde darauf mit großer Mehrheit angenommen. Frauenstimmrecht. Die nächste große Debatte entspann sich über die Wahlreform. Zu diesem Thema hatte nach langen Diskussionen im Ge- schästsausschuß der Arbeitervertretungsausschuß von East Haut folgende Resolution gestellt: „Dieser Parteitag bekräftigt seine früheren Beschlüsse in bezug auf das Frauenstimmrccht und bedauert die durch den Entscheid des Speakers entstandene Lage; er ist der Ansicht, daß das Versprechen des Premierministers nur dadurch in hinreichen- der und sicherer Weise eingelöst werden kann, daß die Regierung in der kommenden Session den Mitgliedern des Unterhauses das freie Abstimmungsrecht über eine Frauenstimmrechtsvorlage ein- räumt und daß sich, sollte diese in zweiter Vorlage angenommen werden, die Regierung für die Vorlage in allen folgenden Etappen der Beratung verantwortlich macht. Er fordert die parlamentarische Partei auf, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um in der kommenden Session die Annahme einer Vorlage, die den Frauen ein auf breiter und demokratischer Grundlage fußendes Wahlrecht gibt, zu be- schleunigen." Zu diesem Antrag hatte die I. L. P.. die Arbeitcrinnenliga und die gab if che Gesellschaft folgenden Zusatzantrag gestellt, um den sich die ganze Debatte drehte: „Der Parteitag fordert ferner die parlamentarische Partei auf, gegen jede Wahlrechtsvorlage zu opponieren, die die Frauen nicht einschließt." Thorne(Gasarbeiter) wünscht zu erfahren, welche Stellung der Parteitag von den Abgeordneten verlangt, sollte die Regierung eine Wahlrechtsvorlage für Männer einbringen. Ter Parteitag sollte klipp und klar erklären, ob die Parlamentsmitglieder für oder gegen eine derartige Vorlage stimmen sollten. Sanders(Fabische Gefellschaft): Die Arbeiterpartei ist die einzige Partei, die die Frauen nicht betrogen hat. Im letzten Jahre hieß es in der Resolution des Parteitags: daß keine Wahl- rechisvorlage annehmbar sei, die den Frauen nicht das Wahlrecht gebe. Heute müssen wir erklären, daß uns nur eine Frauenstimm- rechisvorlage befriedigen wird. Parlamentsmitglied Walsh lBergarbeiter): Sechs Partes- tage haben sich zugunsten des Wahlrechts für alle Großjährigen erklärt. Sollen wir nun unseren Grundsätzen untreu werden; sollen wir gegen die Erweiterung des Wahlrechts stimmen, die wir unseren Wählern versprochen haben? Ich bin bereit, alles zu tun, um den Frauen das Wahlrecht zu verschaffen; aber man kann von uns nicht verlangen, daß wir gegen jede andere Wahlrechtsvorlage stimnien, die uns Vorteile bietet. Wardrose(Eisenbahner): Es ist sicher, daß die Antragsteller nicht Gegner des Wahlrechts für alle Großjährigen sind. Ich bin auch sicher, daß die Frauen der Arbeiterklaffe keinen so schlechten Gebrauch von dem Wahlrecht machen werden als die Männer. In der Masse halte ich sie für politisch intelligenter als die Männer. Parlamentsmitglied Snowden(I. L. P.): Was versteht Walsh unter dem Wahlrecht aller Großjährigen? Offenbar nur ein Männerwahlrecht. Aber für die Arbeiterpartei hat dies stets das Wahlrecht für alle Männer und alle Frauen bedeutet. Walsh will den Männern mehr Wahlrecht verschaffen auf Kosten der Frauen, die die ganze Agitation verursacht haben. Das ist nicht gerecht. Die Resolution geht mir nicht weit genug. Wie steht es heute mit dem Frauenstimmrccht? Der Frauenstiinnirechtsvor- läge ist der Schutz der Regierung entzogen worden. Wer auch nur fünf Minuten parlamentarische Erfahrung bat. mutz wissen, daß die jetzt vorgeschlagene Lösung. 6 bis 8 Millionen Frauen durch eine nichtoffizielle Bill zu emanzipieren, ein Unding ist. Ihr Ge- werkschafter wißt wohl, wie Ihr vorgehen müßt, wenn Jbr von der Gesetzgebung etwas verlangt. Ihr fordert schlankweg eine Rc- gierungsvorlagc. Und eine solche Regierungsvorlage müssen wir für das Frauenstimmrccht fordern. Man hält uns entgegen, daß das Kabinett in dieser Frage gespalten sei und daher keine Vor- tage einbringen könne. Wir dürfen es aber nicht zulassen, daß eine Handvoll Leute, die sich das Kabinett nennen, die große dem Frauenstimmrecht freundliche Mehrheit der Volksvertreter daran hindert, ihrer Uebcrzeugung Anerkennung zu verschaffen. Der Zusatzantrag wurde darauf mit 850 000 gegen 437 000 Stimmen angenommen, worauf die ganze Resolution Annahme fand. Die Annahme des Zusatzantrags, über den die Bergarbeiter mit ihren 550 000 Stimmen nicht stimmten, löste lauten und lang- anhaltenden Beifall aus, Annahme politischer Posten. ?;u diesem Punkte hatte das Arbeitervertretungskomitee dön eth folgende Resolution, vorgeschlagen: „Ter Parteitag ist der Ansicht, daß kein Vertreter der Ar- beiterpartci im Parlament und kein Beamter der Arbeiterpartei ein bezahltes Amt irgend einer Art von einer der kapitalistischen Parteien annehmen darf und unverzüglich ausgeschlossen werden muß, wenn er ein derartiges Amt anuinunt." Kavanna(Bauhilfsarbeiter): Die Frage hat nicht nur nationale, sondern auch lokale Bedeutung. Letzthin hat eine An- zahl Mitglieder der Arbeiterpartei Regierungsämter angenommen. Das hat der Partei viele Mitglieder abspenstig gemacht. Die Partei kann die kapitalistischen Parteien nicht bekämpfen und zu gleicher Zeit zugeben, daß ihre Mitglieder in den Dienst dieser Parteien treten. Fox(Bolton): Ein Arbeiterparteiler, der einen Regierungs- polt-u annimmt, �llte die Partei"erlassen. We" die Stimmung in den Wahlkreisen kennt, muß wissen, daß die Praxis von Ar- beitervertreteru, bezahlte Regierungspostcn anzunehmen, die größte Schwäche der Partei ist. Chagger(Genossenschaftsarbeiter): Die Antragsteller sollten uns zuerst die Frage beantworten: Sind sie der Ansicht, daß die ganze lokale und zentrale Verwaltung des Landes in den Händen der Vertreter der Arbeitergeberklasse bleiben soll? Brown(Stahlschmelzer): Ich mißtraue stets den Rcsolu- tionen, die von sozialistischer Seite kommen. Sollen wir die Männer, die wir in diesen Zusammenkünften geehrt, von uns stoßen, tvenn sie einen Regicrungsposten annehmen? Haben wir mehr Vertrauen zu ihrer Integrität und ihrer Ehrenhaftigkeit. Vorsitzender Roberts: Ich bin der Ansicht, daß wir diese Leute an uns fesseln und nicht von uns abstoßen sollten. Parteisekretär Henderson: Die Frage ist nicht so einfach, wie sich mancher vorzustellen scheint. Nehmen wir zum Beispiel den Fall des Mannes, der von den Arbeitgebern gemaßregelt und boykottiert, schließlich eine Anstellung unter der Regierung findet und der der Partei seine Treue bewahren und ihr nach Kräften helfen will. Sollen wir den Mann nun von uns stoßen? Einige Mitglieder sind geneigt, den Abgeordneten mit Mißtrauen zu be- gegnen; sie rechnen es den Parlamentariern aber nicht als Ber- dienst an, daß sie den ihnen gemachten Anerbieten standgehalten haben. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit verworfen. Legalisierung gewerkschaftlicher Verträge. Zu diesem Punkte hatte der Verband der Buchdrucker eine auf dem letzten Gewerkschaftskongreß abgelehnte Resolution ein- gebracht, nach der die zwischen den Gewerkschaften und den Arbeit- gebern eingegangenen Verträge Gesetzeskraft erlangen sollen. Ein Vertreter der Buchdrucker setzte auseinander, daß die Befürchtung, der Antrag könnte das Streilrecht illusorisch machen, unbegrün- det sei. B ea t r i c e W e b b(Fabischc Gesellschaft): Der Antrag würde in jeder Industrie einen Maximal lohn herstellen. Die britischen Arbeiter würden sich in derselben Lage befinden wie ihre Brüder in Neuseeland, die wegen Vertragsbruch ins Gefängnis gesteckt werden können. Was»ottut, ist ein gesetzliches Lohnamt, das für jede Industrie einen Minimallohn festsetzt. Parlamentsmitglied Clynes(Gasarbeiter): Ich möchte die Buchdrucker bitten, den Antrag zurückzuziehen. Die ganze An- gelegenheit bedarf noch sehr der Klärung. Sie ist noch zu neu, cs fehlen noch alle aufhellenden Einzelheiten. Unmöglich ist es ja nicht, die Arbeitgeber zu zwingen, die Verträge einzuhalten; haben wir sie doch durch die von der Regierung anerkannte gerechte Lohn- klausel gezwungen, bei öffentlichen Arbeiten die ortsüblichen Löhne zu zahlen. Aylcs(I. L. P.): Ich meine, daß die gesetzliche Anerkennung der Verträge nicht zu Maximallöhnen führen würde. Besonders geschickte Arbeiter werden stets einen höheren Lohn verlangen können. Eines der größten Uebcl ist, daß man heutzutage kein Mittel hat. um die vielen Vertragsbrüche der Unternehmer zu verhindern. Mi! der Legalisierung der Verträge würde man den Vertragsbrüchigen Unternehmern zu Leibe gehen können. Der Antrag würde schließlich von den Buchdruckern zurück- gezogen Hilfe für den Balkan. Unter großem Beifall wurde am Ende der Sitzung ein Antrag angenommen, den bedrängten Organisationen der Genossen in Serbien und Bulgarien je 100 Pfund Sterling aus der Partcikassc zu schicken und einen Aufruf an die Gewerkschaften zur Unter- stützung der Serben und Bulgaren zu erlassen. IPolitillparagrapI) und Arbeiterjugend. Die unreife Jugend muß vor dem Kampf der Parteien, ins- besondere vor der sozialdemokratischen Verhetzung behütet werden! So etwa rechtfertigten seinerzeit sämtliche bürgerlichen Parteien des Reichstags die Aufnahme des s 17 in das Reichsvcreinsgesetz vom 19. April 1908. Der Paragraph verbietet bekanntlich jugend- lichen Personen unter 13 Jahren die Teilnahme an politischen Vereinen und politischen Versammlungen. Inzwischen sind vier und ein halbes Jahr ins Land gegangen. Hat nun der§ 17 des Reichsvercinsgesetzes die„unreife Jugend" vor der Parteien Kampf. dem heißen, bewahrt? Keineswegs! Im Gegenteil: er war die Fanfare zum Kampf der Parteien um die Jugend. Jede größere Partei hat ihre eigene Jugendbewegung, das Zentrum die katholischen Jugendvercine. die Konservativen die evangelischen Jünglingsvereine, die Freisinnigen ihre besonderen Jugendvercine, und schließlich haben noch alle bürgerlichen Parteien zusammengenommen den Jungdeutschland- bund, die Jugendwehren. Wchrkraftvcreinc und wie diese ausgesprochen politischen Jugendvercine alle heißen mögen. Ter§ 17 hat den bürgerlichen Parteien herzlich wenig Sorge gemacht. Sic wußten von vornherein, daß für sie wie für die gesamte bürgerliche Jugendbewegung der Jugendpolitikparagraph des Rcichsvcreins- gesetzcs nicht existiert. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes ist denn auch im ganzen weiten Deutschland nicht ein einziger Fall bekannt geworden, daß ein bürgerlicher Jugendverein oder eine bürgerliche Jugendveranstaltung für politisch erklart worden wäre. Zwar haben eine Zeitlang die Führer einzelner Jugendvercine den Schein zu wahren gesucht, als wären ihre Vereine unpolitisch. Neuerdings aber halten sie auch das nicht mehr für nötig. So findet sich, um nur e i n Beispiel zu nennen, tn Nr. 1 des laufenden Jahrgangs der„Rundschau. des offiziellen Organs der Nationalvereinigung der evangelischen Junglingsbündnisse Deutsch- lands, ein Artikel:»Die Politik in den christlichen Vereinen der männlichen Jugend". Der Verfaß er. D. von Oertzen. eine her- vorragende Leuchte der evangelischen Junglingsvcreinsbewegung. behandelt das Thema nicht etwa von dem juristischen Standpunkt aus. ob überhaupt Politik»n den evangelischen Jünglingsvereinen getrieben werden soll oder darf. Diese Frage existiert für ihn nicht. Daß Politik in den evangelischen Jünglingsvereinen getrieben werden soll, ist für ihn eme ausgemachte Sache. Er untersucht nur. nach welcher Methode das am wirkungsvollsten geschieht. D. von Oertzen beginnt ungeniert mit folgender Selbstdcnunziation: „Ich habe jetzt in zwei Jahren jefünfpolitische bezw. kirchenpolitische und sozialpolitische Borträgc vor jungen Leuten gehalten. Und viele Hörer haben mir bezeugt. daß sie meinen Darlegungen gerne zuaehört und Gewinn davon gehabt haben. Auch der nachträgliche Verkauf der gedruckten Vorträge ist ein nicht unerheblicher gewesen." Erfolgreich sei die Arbeit indessen nicht gewesen. Tie poli- jische Unterweisung durch Vorträge sei zu oberslächlich. An die Stelle des.einseitig gehaltenen Vortrags" müsse ein.wirk- licher Unterrichtskursus" gesetzt werden, der die Jugend auf den politischen Kampf vorbereitet. Kein Wort findet sich in dem Artikel über das Reichsvercins- gesetz! Tie Leiter der evangelischen Jünglingsvereine pfeifen auf das Gesetz, wie alle bürgerlichen Jugcndpfleger auf es pfeifen. Hat doch auch der Jungdeutschlandbund durch den Mund seines Grün- ders und seiner Führer seine ausgesprochen politischen Absichten in die Welt posaunen lassen. Und dieser politische und ungesetzliche Jugendbund erfreut sich der eifrigsten Unterstützung staatlicher und städtischer Behörden! Vertreter mehrerer Ministerien gehören seiner Leitung an! Ja, die Regierung Preußens selbst hat mit der„staatlichen Jugendpflege" von 1911 den§ 17 des Vereinsgesetzes von 1998 übertreten. Sie hat damit zugleich den Kampf der Parteien um die Jugend verschärft. Zu keiner Zeit ist in Deutschland eine der- maßen starke politische Beeinflussung der schulentlassenen Jugend getrieben worden wie gegenwärtig unter der Herrschaft des Reichs- vcreinsgesetzes! Tie Anhänger der freien Jugendbewegung freilich haben die ganze Schärfe des Sj 17 zu kosten bekommen. Als ein Ausnahme- gesetz gegen die Bewegung der arbeitenden Jugend geschaffen, er- öffnete er eine neue Aera unerhörtester Verfolgungen der nach Bildung und wirtschaftlichem Schutz strebenden jugendlichen Ar- beiter und Arbeiterinnen. Obwohl die Vereine der jungen Ar- bciterschaft in ihren Satzungen die Politik ausdrücklich ausschlössen, obwohl ihre Mitglieder sich die redlichste Mühe gaben, den Be- stimmungen des Gesetzes nachzukommen, machte es den gelehrten Juristen der herrschenden Klassen wenig Gedankenarbeit, die mehrere Jahre alten, ausgesprochenermatzen unpolitischen Jugend- vereine zu politischen zu stempeln, um sie unter das Messer des tj 17 zu bringen. Und den Ausführungsorganen gab der tz 17 das Signal zur rücksichtslosen Verfolgung der freien Jugendbewegung. Harmlose Zusammenkünfte und Spaziergänge Jugendlicher wurden mit Waffengewalt auseinandergesprengt. Jugendliche wurden zur Wache geschleppt, weil sie einen Vortrag über die Gefahren der Schundliteratur anhörten. Vorträge über Schubart, Beethoven und ähnliche Themen wurden für politisch erklärt, noch che der Redner den Mund geöffnet hatte. Junge Arbeiter, die einem nach- gewiescnermaßen unpolitischen Vortrag beiwohnten, wurden be- straft, weil der Vortrag eine Warnung vor der„nationalen" Jugendbewegung enthielt. Und immer mußte der Z 17 herhalten, um das brutale Vorgehen gegen die freie Jugendbewegung mit dem Scheine des Rechts zu umgeben, wenn auch dies Vorgehen noch so ungesetzlich war. So wurden jugendliche„Verbrecher" gc- züchtet! Trotz alledem wurde der Zweck des§ 17 nicht erreicht. Er sollte die Bewegung der jungen Arbeiterschaft vernichten. Aber er war nicht einmal ein Hemmnis für die Entwicklung der freien Jugendbewegung. Im April 1998, bor dem Inkrafttreten des Reichsvcreinsgesetzes, zählte die proletarische Jugendbewegung in Deutschland noch keine 19 999 Mitglieder— heute, nach mehr als vierjähriger Herrschaft des NcichsvereinsgesetzeS, aber über 85 999 Anhänger! Weder als Hemmschuh gegenüber der freien Jugendbewegung, noch als Mittel zur Abschwächung des Kampfes der Parteien um die Jugend kommt heute der§ 17 des Reichsvereinsgesetzes in Betracht. Die ehernen Tatsachen der wirtschaftlichen Verhältnisse sind über ihn zur Tagesordnung übergegangen. Ter§ 17 des Reichsvereinsgesetzes dient heute nur dazu, die Kriminalstatistik der Jugendlichen zu belasten. Die„Arbeiterjugend" verlangt daher mit Recht: Das Wohl der Jugend— von Gründen der Ver- nunft ganz abgesehen— heischt gebieterisch, daß dieser Paragraph, der nichts weiter ist als ein Ausnahmegesetz wider die arbeitende Jugend, möglichst bald in den Orkus befördert wird. Marktpreise von Berlin am 31. Januar 1913, nach Ermiilelungen des königl Polizeipräsidiums. IM Kilogramm Weizen, gute Sorte l£),72 bis 19,80, mittel 19,56—19,64, geringe 19,40—19,48 Roggen, gute Sorte 16,99— 17, M, mittel 16,97—16,98, geringe 16,95- 16,96 lab Bahn), Futter- gerste, gute Sorte 17,50— 18,10, mittel 16,80-17,40, geringe 16,10-16,70. Haser, gute Sorte 18,60—20,40, mittel 17,00—18,50(jrei Wagen und ab Bahn), M a r k t h a I l e n p r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Svciscbobnen, Meitze 35,00—50,00. Linien 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl,) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,40, Rindfleisch. Bauchfleisch 1.30—1,80. Schweinefleisch 1,70—2,20. Kalbfleisch 1.40— 2,40, Hammelfleisch 1,50— 2.40, Butter 2, 20-3,M. 60 Stück Eier 4,20— 6,00. 1 Kilogramm Karp'en 1,40—2,40, Aale 1,60— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,60—2,60. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0.80-1.60. 60 Stück Kreble 4,00—24.00. Todes-Anzeigen WM Isozialileniokralisclier Wahlverein f. 1 6. ßerl. Heichstagswahlkreis. Am 30. d. MtS,, verstarb unser Genosse, der Schlosser Franz Crabowski All-Moabit 37. Bezirk 685g. Ehre seinem Andeute«. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Februar, nach- mittags 2'/« Uhr, von der Halle des städtische» Friedhoses, Mülle,- siratze, Ecke Seeslragc. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/19 vnn Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, datz am 31. Januar unser lieber Vater, der Schlosser Franz Grabowski im 55! Lebensjahre verstorben ist. Die trauernden Hinleiblicbeiieu phlti und fesne GrgdowsKi, Söhne. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4, Februar, nach- mittags i'/, Ulir, von der Kapelle des St. Philippus-Apoftel-Kirch hojes, Müllerktratze 44/45 aus statt. Zozialijemvkrat. Wahlverein für Oeiehsl-Wahlkr. Hiederharnim. Bezirk Lichtenberg. Am 30. Januar verstarb unser Mitglied, die Genossin 8"u Anna Richter gel». Wegner Boxhagcncr Chaussee 13,Gruppe86. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet Montag, den 3. Februar, nachmittags 3 Uhr, von des Halle des Zenlralsricd- böses in Friednchssclde auS stati, Um rege Beteiligung ersucht 14/3 Die Bezirksleitung. Zentral-Kranken- n. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Jtliale Berti» 13. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Franz Krabtwski (Alt-Moabit 37) am 31. Januar natf) langem, schwerem Leiden vcrito:bcn ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Februar, nachmittags 20. Uhr, von der Kapelle des St, Philippus- Apostcl-Fried- hofcS. Seeltr, 44/45,'aus statt. Uni rege Bclcilignng ersucht 2310b via Ortsveewallung. Allen Verwandten, Bekannten und Freunden die traurige Nach- richt, datz unsere liebe Mutter. Grotzmutter und Schwiegermutter Anna Richter geb. Wagner am 30. Januar verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten Die traiicriidenHinterblicbenen, Die Beerdigung findet am Montag, den 3, Februar, nach« mittags 3 Uhr, vou der Leichen- balle des Zeiilral-FriedhosS in Fricdrichssclde auS statt, 73A deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahtsictte Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Einsetzer August Rietze- Charlottcnburg, Pestalozzistr. 76, un Aller von 65 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 3. Fcbrnar, nachm. 3'lt Uhr, von der Halle des Charlotten. burger Gemeinde- FriedhoseS in Stahnsdorj aus statt. >73/11 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein !. tl. 6. ßerl. Relchstagswablkreis Am 30. Januar verstarb unser Genosse, der Schuhmacher Reorg Brandt Wörther Str. 25, Bezirk 519. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des ilgdtischen Fried- hoscs in FriedrichSselde auS Natt, Uin rege Beteiligung ersucht 224/18 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein l.d.6.ßerl. Reichstags- Wahlkreis, Nachruf. Am IS Januar verstarb unser Genosse, der Schlosser Mann Jankowiak Sonncnburgcr Str. 12. Bez. 584. Eftre seinem Andenken! 224/17 Per Vorsthnd. Deutscher Bauarheiterverband. Üwelgverciii Berlin. Am 30, Januar starb unser langjähriges Mitglied, der Maurer AAvbnnicK Röhr (Bezirk Westen). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnlag. den 2, Fcbrnar. nach, mittags i'l, Uhr. von der Halle der Lulhcrgemcinde in Lankwitz au» statt. Um rege Beteiligung enucht Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes 22816 Hermann Posch sage ich alle» Verwandten, Fi eunden, Bekannten und Kollegen meinen herz» lichslen Dank, Wwe. IZaei« Kusch, Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei der Beekdigung meines neben, unve» geglichen ManneS, deS NestauratcurS Franz 8teinfMr sage ich allen Freunden, insbesondere dem Sparvercin Einsach und den Genossen deS 4, Wahlkreises meinen herzlichsten Dank,-.gz Witwe Anna tStoinfülir. Danksagung. Für die viele» Beiveite herzlicher Teilnahme und die reiche» Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Raul Wagner sage ich allen Teilnehmern meinen besten Dank. 23a MulH-ll Wagner nebst Frau, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner geliebten Frau und guten Mutter �osaiie Bartsch 'ugen wir allen Verwandten, Freun- den. Bekannten, sowie den Kollegen der Finna C Carlberg, den Vereinen Wcdding I, Lcdte Hoffnung, A, L. z, K, unseren herzlich sich Dank. 19A Hermann Bartsch nebst Tochter. 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Diese zeigt eine Ein- nähme von 70 534,58 M., eine Ausgabe von 64 852,74 M. und einen Bestand von 5681,84 M., der sich gegen das Vorjahr um 2328,16 M. erhöht hat. Für Unterstützungen wurden ausgegeben: An Kranke 8125 M., an Arbeitslose 11 686 M., Sterbegeld 454 M., an Reisende 1346 M., an Streikende 4211 M., an Gematzregelte 727 M., an Umziehende 425 M., in Notfällen 96 M., Rechtsschutz 46 M.— Die Mitgliedcrzahl bclies sich am Anfang des Jahres auf 2447 männliche, 1675 weibliche, zusammen 3522. Ende 1912 waren vor- banden 2661 männliche, 1166 weibliche, zusammen 3767 Mitglieder. Tie Zunahme beträgt demnach 154 männliche, 31 weibliche, zu- sammen 185 Mitglieder. Die Zabl der jugendlichen Mitglieder ist von 15 männlichen und 18 weiblichen auf 5 männliche und 6 weibliche zurückgegangen. Aus dem gedruckt vorliegenden, vom Vorsitzenden G r u h l er- �änzten V o r st a n d s b e r i ch t ist folgendes anzuführen: Das Jahr 1312 kann weder in wirtschaftlicher noch in sozialpolitischer Hinsicht als gut bezeichnet werden. Von dem allgemeinen Wirt- schastlichen Aufschwung ist bei den Berliner Textilarbeitern nichts zu merken. Namentlich die Ctickerbranche hatte eine so schlechte Saison, dast sich die Zahl der Beschäftigten um etwa 56 Proz. der- ringerte. In den anderen war es Wohl etwas besser, aber von einem flotten Geschäftsgang kann keine Rede sein. Nur in der Dekateur- und Strickerbranche war der Geschäftsgang einiger- maßen befriedigend. Infolge der allgemeinen schlechten Geschäfts- läge hat auch die Agitation nicht so gute Erfolge aufzuweisen wie in vorhergegangenen Jahren. Zieht man die ungünstigen Ver- Hältnisse in Betracht, so liegt kein Grund vor, mit der geleisteten Agitationsarbcit unzufrieden zu sein. Ein erfreuliches Ereignis ist der nach längeren Verhandlungen erreichte Abschluß eines neuen Tarifvertrages der Dekaturbranche, der soeben unterzeichnet wor- den ist. Alle Positionen des Vertrages sind um je 1 M. erhöht, außerdem ist die Lohnsteigerung der Ablicferer von 56 Pf. auf 1 M. erhöht. Die Arbeitszeit ist um eine halbe Stunde täglich verkürzt. Der Urlaub ist um 2 Tage verlängert. Die längste Urlaubsdauer beträgt 12 Tage im Jahr. Der Vertrag läuft bis 31. Dezember 1915. Im übrigen fanden nur einige zum Teil erfolgreiche kleinere Lohnbewegungen in einzelnen Be- trieben statt.— In die Listen des Arbeitsnachweises ließen sich im Laufe des Jahres 884 Personen eintragen. Es wurden 543 Stellen gemeldet und 457 Stellen besetzt. In der Diskussion wurden von mehreren Seiten An- regungcn hinsichtlich einer wirksamen Agitations- und Auf- klärungsarbeit gegeben, deren Berücksichtigung durch den Vorstand der Vorsitzende zusagte. Treue gab den Bericht über die Tätigkeit der Ge- Werkschaftskommission, der ohne Debatte entgegen- genommen wurde.— Ferner stimmte die Versammlung einem Antrage des Vorstandes zu, wonach den Unterkassierern vom 1. Januar d. I. ab VA Pf. für jede abgesetzte-Marke gewährt werden.— Die Neuwahl des Vorstandes erfolgte durch Stimm- zettel. Sie hatte folgendes Resultat: 1. Vorsitzender: Max Gruhl. 2. Vorsitzender: Emil Liebers, 1. Kassierer: Otto Schein, 2. Kas- sicrer: Peter Wintzen, 1. Schriftführer: Adolf Kauerhos, 2. Schriftführer: Simon Unger. Revisoren: Eduard Depta, Ber- told Liebling und Leo Fiedler. Beisitzer zum Filialvorstand: Max Silberstein, Auguste Zcbe und Hermann Siemon. Bildungsaus- schuß: Julius Hoffmann, Max Porath, Wilhelm Ziegler, Otto Weber, Kurt Schön, Gustav Raschpichler, Johann Kämmerer, Her- mann Siemon und Jakob Niemetz. Vertreter in der Gewerkschafts- kommissiön: Robert Blum, Marta Hoppe und Max Silberstein. Das unbedingte Verbot der Konturrenztlansel forderte eine zahlreich besuchte öffentliche Haiidlungsgchilfenversammlung, die der Zcntralverband ocr Handlungsgehilfen am Freitag nach dem vormals Dräselschen Saale einberufe» hatte. Der Zitcichstags- abgeordnete Hoch hatte das Referat übernommen. Seine Mit- teilung, daß die Reichstagskommission das von den Sozialdemo- kraten geforverte gänzliche Verbot der Konkurrenzklausel mit 16 gegen 8 Stimmen abgelehnt hat, rief lebhafte Entrüstung hervor. Ter Referent, der die Kommissionsverhandlungen in großen Zügen schilderte, betonte, daß unsere Parteigenossen, unbeschadet ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen die Konknrrcnzllausel über- Haupt, nunmehr versuchen werden, den Entwurf so zu gestalten, daß sie auf einen möglichst kleinen Kreis von Angestellten nnge- wandt werden kann und daß die noch übrigbleibenden Fälle der Anwendung möglichst günstig für die Angestellten gestaltet werden. Da die Befürworter der Konkurrenzklausel behaupten, diese sei notwendig bei Angestellten in Vertrauensstellungen, so werden die Sozialdemokraten beantragen, daß die Konkurrcnzklausel nur angewandt werden darf bei Angestellten, die mindestens 5666 M. Gehalt beziehen, daß sie nur fiir ein Jahr Geltung haben darf und der Angestellte für diese Zeit mit seinem vollen Gehalt cnt- schädigt wird. Auch bei allen übrigen Bestimmungen des Ent- Wurfs werden die Sozialdemokraten natürlich die Interessen der Angestellten mit voller Kraft vertreten. Es sind noch sehr wichtige Punkte, um die sich der Kampf drehen wird. Unsere Parteigenossen haben jetzt im Reichstage denselben Kampf für die Interessen der Angestellten zu führen, den sie bei früheren Gelegenheiten für die Rechte und Interessen der Arbeiter geführt haben. Dieser Kampf wird um so mehr Erfolg haben, je mehr die Handlungsgehilfen zeigen, daß sie einig und geschlossen hinter unseren Forderungen stehen. Es muß d«n bürgerlichen Parteien gezeigt werden, daß die Handlungsgehilfen, deren Organisationen sich einmütig für das Verbot der Konkurrenzklausel ausgesprochen haben, aus diesem Standpunkt beharren und ihr Recht verlangen. Die Ausführungen des Referenten fanden allseitigen Beifall und die Diskussionsredner stimmten ihnen rückhaltlos zu. Ein- stimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 81. Januar in Haberlands Festsälcn versammelten Handlungsgehilfen und»gehilfinnen nehmen mit tiefem Be- dauern Kenntnis von der Ablehnung des Antrages auf Verbot der Konkurrenzklausel durch die Reichstagskommission. Sie sehen darin eine Brüstierung der Angestellten seitens der Mehrheit der Kommission und erwarten vom Plenum, daß es diesem Be- schlug der Kommission die Zustimmung versagt und dem ein- stimmigen Verlangen aller Handlüngsgehilfenverbänoe nach dem bedingungslosen Verbot der Konkurrenzklausel nachkommt." Zentralverband der Fleischer. Die Generalversammlung der Ortsverwaltung Berlin fand am Dienstag abend in den„Musiker- sälcn", Kaiser-Wilhclm-Stratze, statt. Paul Bergmann er- stattete den Bericht der Verwaltung über das Jahr 1312. Die Organisation hat neue Fortschritte zu verzeichnen, obgleich das Jahr iin Zeichen der Arbeitslosigkeit stand. 1231 Berufsangchörige ließen sich als Arbeitslose einzeichnen, und vermittelt wurden 576 Stellen für Gesellen und 176 Verkäuferinnen. Die Mitglicderzahl der Zahlstelle ist von 1354 auf 1682 gestiegen. Im Jahre 1912 wurden 58 811 Beitragsmarken umgesetzt gegen 45 889 im Jahre 1911 und 21212 im Jahre 1916 und 15117 im Jahre 1968. Die Einnahmen der Ortskasse stiegen von 15 654,97 M. im Jahre 1911 auf 21 474,23 Mark im Jahre 1912. Die Einnahmen der Hauptkasse stiegen von 23 466,46 M. auf 29 676,45 M. im Berichtsjahre. An Unterstützun- gen wurden gezahlt: Reiseuntcrstützung 52 M., Erwcrbsloscnuntcr- stützung 7567,75 M., Gemaßregeltcnunterstützung 283,56 M., Rechts- schütz 193,46 M., Streikunterstützung 253,66 M., lokale Unter- stützungen 891 M. Für den Streik in Neukölln wurden im ganzen 3259 M. ausgegeben.— In Groß-Berlin bestehen jetzt 215 Tarif- vertrüge, davon 135 in Neukölln. Ohne Streik wurden 57 Verträge abgeschlossen. Versammlungen bezw. Sitzungen fanden statt: 13 Mit- glicder- und 9 öffentliche Versammlungen, 19 Vorstands- und 12 Vcrtrauensmännersitzungen. Die beiden Sektionen hielten 45 Versammlungen bezw. Sitzungen ab. Betriebssitzungen fanden 128 statt, Bezirks- und Vorortsvcrsammlungen 23. Ferner nahm die Geschäftsleitung an 43 verschiedenen Sitzungen teil. Die Sektionen der Engrosschlächtcr und der Darmarbeiter haben sich gut entwickelt. Der Agitation unter den Verkäuferinnen ist besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden. Der Beschlutz der Innung, die organisierten Gesellen von: Arbeitsnachweis auszuschließen, war ein Schlag ins Wasser; es ge- lang nicht, die Organisation dadurch zu schädigen. Der Verband hat stete Fortschritte gemacht, was zum großen Teil auch dem gut aus- gebildeten System der Vertrauensmänner zu verdanken ist, wie Bergmann hervorhob. Die Versammlung nahm den Bericht sehr beifällig auf; an der Tätigkeit der Verwaltung wurde keinerlei absprechende Kritik gc- übt.— Die Neuwahl der Ortsverwaltung ergab das folgende Resultat. Gewählt wurden als 1. Vorsitzender Paul B c r g m a nn, 2. Vorsitzender Wilh. Schäfer, Schriftführer Paul Jäschke und Kassierer Jos. S ch n a u b e l t.— Beisitzer: Willy Kästner, Wilh S ch w c n d y, A. R e k o w, Rich. Fräse, O. Bösel. Redl- soren: Fritz I c I l o» e k, Rud. Handle. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) 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Karl Richter.\ «jv. csn � Heute» Sonntag:| PaulHantlieys; jlustige Sänger; Anf. O'l, Uhr. Eintritt 30 Pf. 1 Anschließ. Familien- Kränzchen.[ Im weißen Saale von 5 Uhr ab. SM- Großer Ball.-WS| Jeden Mittwoch: Paul Manlheys i lustige Sänger. Jeden Donnerstag; I Gr. Bockbier- Konzert. I Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Monntag: Tanzkränzchen. C. Xlüle. Aar Ben JuliaU Der Jnieraee überuimmt Die Redaktion de» Publikum gegenüber tetuerlet Berantwortung. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108/114 Heute Sonntag, den 2. Februar 1913: In sämtlichen Sälen (über 10 000 Personen fassend) Bockbierfest in den bayrischen Alpen. 5 Kapellen. 30 bayrische MacTl. Anlang 4 Uhr. Entree 50 Pf. BV Voranzeige! Dienstag, den 4. Pebruar 1913: Prämiierung der ähnlichsten Damen-Zwillinge. Jr„Clou" MmiAPftlrafto ÄO_ 71 :: Berliner:: Konzerthaus MauerslraBe 82.— ZimmerstraSe 90/91. Großes Triple-IConzert! Musikc. Kalser-Franz-Kegimcnts, Dirig.; Oberm. Becker. Husikc. 1. Garde-Dragoner-Regts., Dirig.: Oberm. Baarz der Zlllertbaler und Tegernseer Sänger, Schuhplattler und Jodler! kstieb von Drei-KöDigsbier, dem kostl. aller Miloeb. Doppelbiere. Anfang 4 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 4 Uhr. Dienstag, d. 4. Febr.: Gr. Fastnachtsfeier. Kart, im, Clou" zu haben Wirtshaus i« h» Stadtbahnböyen (früher Schippannon'Hkl) (Bahnh. Börse) Spandaner Brücke(Bahnh. Börse) Bock- Jubel und Trubel i�Ä-ÄeS bei ff-elein Entree!'Wl TraüeüP Walter Seyriiig,"üher«eich8hallen'.ie?2.? nooh Konzerthaus„zum Hofjäger". SchloB Weißensee Das prachtvoll gelegene Etablissement, welches vollständig renoviert wird, ist an beiden Pfingst-Feiertagen zum Früh-Konzert an große Vereine zu vergeben. Außerdem empfehle das Etablissement den geehrten Vereinen zur Abhaltung von Sommerfesten unter kulanten Bedingungen. Anfragen bitte zu richten an E. Nientatin, Christiania- straBe 1)0(langjähriger früherer Oekonom der Brauerei Friedrichshain). 2170b* Mein Urteil steht fest, bnfe Ihr., Wacholder- Ext raff M e d i c o" von aus- gezeichneter Wirlung ist und daher der leidenden Menschheit nicht marin genug enipsohlcn werden kann. Ich bin 53 Jahre all und litt an mangelhaster Llutzirkulalion sowie geringer Tätigkeit der Ausschcidungsorgane. Dadurch stellten sich nervöse Erscheinungen ein wie tilngstgesudl, Unruhe, Herztlopsen. Kopsschmerzen, letztere manchmal so stark, dasi es mir nicht möglich war, zu denken. Auch hatte ich viel an lÄeschwüren zu leiden.— Schon nach kurzem Gebrauch Ihres Wacholder-Extraktes blieben die Kops- schmerzen weg. der Kops sowie der ganze Körper wurden leichter, es stellte sich die srüdere Körperwärme ein verbunden mit einer Arbcits-undLebenSsreude, über die ich seit Jahren nicht mehr versügte. Heiligenstadt. G. L»., Obcrwspellor. Reichels Wacholdcr-Extraht Marke„IHedlco" ist niemals ausgewogen, sondern garantiert rein und frisch nur in Original-Packungen k M. 1.50, 2.50 und für längeren Gebrauch grosie Blcchkanne(sehr vortellhasl) M.<».— in den Drogerien und Apotheken erhältlich, wenn nicht, wende man sich an Gtts Reichel, Berlin 43, Eisenbalmstr. 4. Gold= und Silberarbeiter. Sonnabend, den 8. Februar, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 96/97: Großer Wiener Maskenball. Während der Kaffeepanse: Große UebcrraBchnngcn. «•»»»»» Humoristische Vorträge des UlksTrio.««««««« ''MJ l» Unserem Zahlabendwirt«9 | Ä Panl Schliepliake, S n* Willdenowstratze 1 rir/vRz» Rallmt icilr ausgeführt von einer starken Kapelle unter vJlUUC L/ctlllllLISltV, Leitung des Kapellmeisters Herrn Fischer. Man achte aber scharf aus Wort und Marke „Mebico� die allein für Echt- beit und Güte bürgt. Gardinenhaus Bernhard Schwartz eptawert. Berlin, Wallstr. 13 Gardinen Stores, Portieren. Teppiche ic. Lmzelverkauk zu LuKrospreiseu! Am Dienstag, den 4. Februar, vorn». 40'/, Uhr, UN Speicher(U. tttmuer. Wilmersdorf. Psalzburgcr Str. 19/21 (Straszeubahnlinien Nr 62. 152. 77. 78, H. F, G) Versteigerung gediegener vorzügl. erhalt. Möbel Eichene Eftzimmer Einrichtuna. Wohnzimmer, Bettstellen, Kleiderschränke,«üchenschränkc. Büfetts usw. 2270b ver größtele!! kommt ohne Vorbehalt u.d. Hammer y Din H sk N uft IttJor äLvS— Anfang 9 Uhr. Eintritt 60 Pf. Billetts sind zu haben bei Becker. Prinzenstr. 81, Holtkamp, Fürstenstr. 20, Lobse, Skalitzer Str. 10, Paul, Gubener St- 23 sowie im Bureau der Ortskrankenkasse, Engelufer 15. 282/7 Das Komitee. I £*2 Verein für Frauen u.Mä(lchen der Arbeiterklasse Montag, den 3. Februar, abends 81/- Uhr, in Kellers Xcue Philharmonie, Küpenicker Str. 96/07: „Erziehullgsftagtn"- Kind und Schule. Nesercntin: Frau Anna B l o s- Stuttgart. Gäste willkommen._ 53/4_ Der Borstand Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsverwaltnng Berlin. Branchen-Versammlungen (5pfdjm>|3raitche! Donnerstag, den 6. Februar, abends 8'/, Uhr, im ÄewerkschaftShause, Engeluser 15. S'roil.rioni-iili.'anil,»- Sonntag, den 9. Februar, vonnlltagS 9 Uhr. CktlviieMkllvlUNNje. in Schulz' Prachtsälen. Münzstr 17. Eingang KönigSgraben. N-rtchmir«- und I!rilk°rMrldmchr:"'ÄUÄ™"' bei Graumann, Naunynstrasie 27. Militär-Kranche: Mittwoch, den 5. Februar, abends s Uhr. in den Prachtjälen Alt- Berlin, Blumenftr. 10. fiu°>rm>-s-r». Teppichu-Hki: bei Weihnacht, Krünstr. 21. Mittwoch, den 5. Februar, abends 8'/, Uhr, im GewertschaftShanfe. Engeluser 15. Eistmödel-». LederjiuhlpMm:"»»sS im Graphischen BereinShause, Alexandrinenstr. 44. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 156/4__ Die Branchcnlcltnngen. ii- Her Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 5. Februar: Nkcklinensmälintlirklsilimlllmigkn der Kezirke und Krauchen. Die Versammlungslokale werden am Dienstag bekannt gemacht. Mjtgliedtt-Nkckmmlmgkil: Kezirk Oder-Kchöneweide. Dienstag, den 4. Februar ISIS, abends 8'/z Uhr, bei Varnecke, Wilhelminenhofstr. 18. Tagesordnung: 1. Unsere bevorstehende Darifbewegung. 2. VcrbandSangelegenheiten. 7S/12 Die Ortsverwaltnng. Goldleisteu- Ornudierer» Prester, Kelegeriuneu und Hilfsardetter! Montag, den S. Februar, abends 8'/« Uhr: == Versammlung � im Gewerkschaftshaus, Eingang L, Arbeitslosensaal. verband der Schneider. Sebostianstraße 37/38. Quergcb. II. Filiate Kertiu 1. Telephon: Amt Moritzplatz Nr. 9737. Herren-Konfektion. Montag, den 3. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Schulz, Königsgraben 3 Tersaniinlniig sämtlicher ffosem und Westenschneider. 162/12 Tagesordnung: Beschluhfassung über die ausgearbeitete Tarifvorlage. Vollzähliges Erscheinen unbedingt iioiwendig. Die Kommisston. uhnjpnp; zsilpgöiii.wo pom'vun/hvi -u/z ouho'LunjhvF ZijMZilvZg isvjaz -uhvF ahn p— z' agoZ'g— g moa uzjlsassi uzg/vh n?»uhvg ,az>gmojlt ' i/ttl'astasuzqsoaT'sslpjspnsgHe 81133'3S!,sieul,e� zum Geburtstage die herz- 5K lichsten Glückwünsche. 5K Parteigenossen und Freunde F Bezirk 749. 76A(/> StttbtklijstN-.56 Kerli». Ordentitel»« lZeneral-VersammInng am Mittwoch, den 5. Februar 19tl!, abends«'/, Uhr. im grotzen Saale der Berliner Bockbrauerei, Abt. II. Chausseestr. 64. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2234b'' 2. Wahl für die ausscheidenden Vor» standSmitglicder. 3. Wahl der Revisoren. 4. Wahl für die Ersatz p-rsonc». 5. Anträge. 6. Verschiedenes. Der Eintritt ist nur gegen Vor» zeigen des Kassenbuches gestattet. Der Vorstand. Uir Ha Zweig verein Berlin. Sektion der Stukkateure. Dienstag, den 4. Februar. abendS8Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Saal I: Versammlung. Tagesordnung: 1. Beschluhfastuiig über einen von 120 Kollegen unterzeichneten Antrag, welcher baldigst die notwendige Durchsührung des obligatorischen Arbeitsnachweises fordert. 2. Die Anträge der Konserenz in Franlsurt und der BerbandZtag in Jena. 3. Wahl der SektionSIeitung. 4. Verschiedenes. ES ist Pflicht aller Kollege», zu erscheinen. 140/8« Die Sektlonsleltnng. Deutscher Bauarbeiter-Verband. -Zwcigvercin Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche.* Betonbaubranche Zemnllkm, Emschaler«nd Hilfsarbeiter. Montag, den 3. Februar 1913. abends 8 llhr, bei Sannasohk,. Inselstraste 10; Gipsbaubrauche Kabitzputzer, Träger aud Kabitzspauner. Mittwoch, den 5. Februar 1013. abendS 8 Uhr, bei Jannaschfc Jnselftraste 10: Mitglieder-Versammlungen. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Branchenvorstandes und Vorschläge zum SektionSIcilcr. 2. Bericht über die aus dem Verbandstage zur Verhandlung gelommene» Anträge der Spezialbranchen. 3. Branchenangelegenheiten. Dienstag, den 4. Februar 1013, abends 8 Uhr: iM-teiiiiiiii der Kittioversetzer im Ge-werkschaftShause, Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Johresberlcht der Seltioiislcllung. 2. Neuwahl. 3. Die regeln wie unsere ArreitSvermittelung._ Sonntag, den 0. Februar 1013, vormittags 10 Uhr: Tnii der Sier im Lokal«Kleines Gewerkschastohaus«, An der Stalauet: Brücke S. Der Vorstand des Dentsehen Banarhelter-Terhandea. Zweigverein Berlin. Achtung i Maler. Achtung In der Versammlung am Donnerstag, den 30. Januar, in Kellers Neue Philharmonie, wurden tn der Stichwahl folgende Kollegen als Delegierte zur Generalversammlung gewählt: 137/7 A. Drendel, A. Ehrhardt, W. Schröder und K. Wehrendt. Hausarzt¥8rein Ost. Donnerstag, den 6. Februar 1913, abends H'/j Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 11— IS: Öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Böses über: „Der allzu reiche Ktudersegeu im Arbeiterhaus!" Diskussion. Fragebeantwortung. Ausnahmen sür den Verein werden in dieser Versammlung entgegen- genommen sowie auch beim Vorsitzenden Karl Röbel, KopernikuSstr. 9. 1. Ouergebaude I. 282/5' Der Verein gewährt seinen Mitgliedern nach zwölf- monatlicher Mitgliedschaft hei eintretendem Todesfall freie Feuerbestattung, die amtsärztlichen Atteste, Sarg, lieber- führung, Einäscherung und Aufstellung der Urne. Aufnahmefähig sind alle Personen bis 50 Jahre, welche in einem Orte Groß-Berlins wohnen, doch werden bis 1. Mai 1913 auch Personen über 50 Jahre aufgenommen. Aufnahmegebühr... 1,— Mk. Mitgliedsbuch..... 0,25 Mk. An monatl. Beiträgen sind zu zahlen bei einem Eintrittsalter bis zu 20 Jahren.. 20 Pfennig bis zu 30 Jahren.. 30 Pfennig bis zu 40 Jahren.. 40 Pfennig bis zu 50 Jahren.. 50 Pfennig über 50 Jahre.. 75 Pfennig Freunde der Feuerbestattung in Vororten, welche beitreten wollen und Zahlstellen wünschen, mögen sich wenden au: Fritz Dietrich, Neukölln, Erkstraße la Georg Menning, Berlin, Müllerstraße 134a Karl Simon, Michaelkircbplatz 19. 282/6 99 Bequeme Hauskur ohne Diät Apotheker Klllflbler'S Garantiert unschädlich Berliner Stahlbrunnen M feit S? Jahren von bewährter Heilkraft bei Blutarmut, Bleichsncht, Nervenleiden, Magen-, Darm-, Lever-, Gallenstein-, Meren- und Blasenleiden, Rheumatismus, Gicht, Ischias, Lungenkatarrh, Atembeschwerven, Herzleiden, Leiden der Wechseljahre, Wilepfie, Schlagader- Berkalknug, Zuckerkrankheit .C** •<> ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Einige Erfols-BestätlsuBSen, »i« sie uns täglich einlaufen, sämtlich streng wahrheitsgemäß. Originale können eingesehen werden. Bin sehr aufrieben mit der Brunnenkur, mein Allgemeinbefinden. hat sich enorm gebessert, was bci meinem Körperzustand und I.iU»mnng viel sagen will. Auch den br»nlrb»kten Fettansa.tE habe viel verloren. Neukölln, fie. Januar 1913. Reuterstraße 84. Frau Martha Altmann. Ich litt an großer Blntarmnt und konnte nicht schla- [ Ich bezog von Ihnen 4 Kisten ä 30 Fl. Berliner Stahlbrunnen. Heute sandte ich die leeren Fl. zurück und bitte ! mir den Restbetrag nach Abrechnung der Fracht gütigst ein- zusenden. Ich habe Ihren Stahlbrunnen wciterempfohlen, und wenn Sie von hier noch nicht Aufträge erhalten haben, werden Ihnen solche wohl bald zugehen. Nachstehendes Schrei- den können Sie veröffentlichen, denn sehr viele Patienten wissen von Ihrem Brunnen nichts. Ich habe gelegentlich von einem Pfarrer Ihre Adresse erfahren. Hobensalza. 20. Eeptbr. 1912, W, Drews, Kirchhofstraße 4._ Inspektor. Ich litt seit 30 Jahren an chronlaohem Magen- und Dlohdannkatarrh verbunden mit hartnäckiger Sruhlver fen, auch hatte ich hettlge Magenschmeraen und konnte fast kein Essen mehr vertrogen. Nachdem ich 120 Flaschen von Ihrem ,, Berliner StahlbniDnen'' getrunken habe, habe ich wieder Blut bekommen, der Schlaf hat sich wieder eingestellt und die Magenbeschwerden find besser geworden. Ich bin 61 Jahre alt. Meine Tochter trank 60 Flaschen„Berliner Stahlbrunnen" gegen rhenmatleche Rnokangohmeraen, Schon bei der 8. Flasche machte sich der Erfolg bemerkbar und besserte sich täglich zusehends. Jetzt kann sie sich wieder flink bewegen. Meine Tochter wird die Kur im Frühjahr wiederholen. Wir sind Ihnen sehr dankbar und werden Ihren»Berliner Stahl- bnmnen' mit gutem Gewissen weiter empfehlen. Berlin, 3. Januar 1913. Fr. iL. Zepernlvk, #. Gotzkowskystr. 24, IV. /- Auf Ihre gütige Anfrage teil« ich Ihnen mit, daß ich Ihnen nicht nur die Erlaubnis gebe, sondern ich möchte Sie sogar bitten, meinen xrrten Erfolg mit Ihrem Berliner Stahl- brunnen zu veröffentlichen. Ich danke Gott, daß ich durch Zufall Ihr Inserat in der Berliner Allgemeinen Ztg. vom 18. August oelesen habe, bin ich doch d..rch die Kur so gut geholfen worden. Ich werde Ihren Brunnen überall empfehlen. Berlin, 16. Januar 1913. Gotzkowskystraß« 24 IV. Frau E. Zepernik. Bitte hiermit, die 30 leeren Flaschen abholen zu lassen, da nach Anordnung des Arztes die Kur beendet ist. Mein oelenkrhenmatlemn» hat sich so gebessert, daß ich wenig mehr davon spüre, was ich wohl erst dem Stahlbrunnen ver- danke, denn trotz der Krankenhausbehandlung, der verordneten Lohtannin- und Glühlichtbäder, elektrischer Bestrahlung und Einreibungen der verschiedensten Art wollten Schmerzen und Steifigkeit der Gelenke nicht weichen, teilweise war sogar wieder starke Geschwulst vorhanden, besonders im Knie, daß mir das Gehen schwer fiel und ich schon dachte, wieder arbcits- unfähig zu werden. Nach Gebrauch von 60 Flaschen habe ich richtige Besserung verspürt und jetzt fühle ich mich wirklich wohl. Die Gelenkigkeit hat sich wieder eingestellt; der Appetit war vorher nicht der beste, jetzt aber schmeckt alles ausge- zeichnet und auch an Körpergewicht habe ich zugenommen. Seinerzeit war bei meiner ArbeltsnEtaMgkelt die Diagnose auf Oelenkrhemnatlsmng und im späteren Ver- lauf aus Neuralgie gestellt worden, so daß also beides vor- Händen gewesen ist. Charlottenbnrg, 4. Dezember 1912. Potsdamer Str. 44. Ferdinand Oleiohmar Ihr Berliner Stahlbrunnen ist mir ein sehr lieber Haus- freund geworden, welchen ich nicht mehr entbehren kann. Bei träger Verdannng, Nierenbeaohwerden, I-eberlelden und besonders Gallensteinen hat er mir die unschätzbarsten Erleichterungen verschafft. Eine solche Kur ist mir immer aus- gezeichnet bekommen, zumal dieselbe nicht die geringsten Be- schwerden verursacht und ohne jede Berufsstörung ausgeführt werden kann. Ich hatte stets einige Flaschen auf Lager, um immer auf obige Leiden gerüstet zu sein. Von meiner Aeuße- rung wollen Sie, bitte, durch Veröffentlichung Gebrauch machen zu Nutz und Segen der leidenden Menschheit. llvronke, Prov. Posen, Ecclns, 18. Oktober 1912.___ Pfarrer. Nachdem ich 60 Flaschen von Ihrem Berliner Stahlbrunnen getrunken habe, teile ich Ihnen hierdurch mit, daß er mir sehr gut bekommen ist. Ich war so steif in den Gliedern, hauptsächlich in den Füssen, daß es mir eine Qnal war, wenn ich Freppen steigen oder überhaupt gehen sollte; die Strümpfe anziehen mußte mein Mann mir. Ans einen Stuhl steigen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Dank Ihrem Stahl- brunnen ist mir wieder so leicht und gelenkig in den Füßen, daß sch gar nicht müde werde. Ich werde Ihren Stahl- brunnen daher auch jedem weiterempfehlrn. Berlin, 16. Oktober 1912, Hochstr. 32 d, II._ Frau Marie Schulz. Indem ich Sie bitte, die leeren Flaschen abholen zu lassen, kann ich Ihnen mitteilen, daß Ihr Berliner Stahlbrunnen mein« Magen, und Slreuzs chmerzen gänzlich geheilt hat, «nb spreche ich Ihnen dafür meinen besten Dank aus. Berlin, 15. Oktober 1912,« Korförcr Str. 22. Frau Anna Roek. Ihr Berliner Stahlbrunnen hat meiner Frau bei ihrer Baeedowschen Krankheit wunderbare D.enste geleistet. Als einziges Mitte, ga.t die Entfernung einiger Herz- drUsen. Ihr Stahlbrunnen aber yat meine Frau wierer au> die Beine gebracht, und ich habe ihn schon sehr viel weiter empfohlen. Berlin. 96. August 1919, Prenzlauer Str. 27. stcptung, Blutandrang nach dem Kopfe, heftigen Brenz- schmerzen und allgemeiner Bcrperschväche. Ich konnte zuletzt die Stelle eines Landwirtschaftsinspektors nicht mehr ausfüllen und begab mich 13 Wochen nach Polen zu einem Epezialarzt. Habe Karlsbader. Kifsinger und Marien- badcr Brunnen getrunken, aber dieselben wirkten bei der hart- näckigen Verstopfung nicht genügend. Ihr Stahlbrunnen hat alle anderen Brunnen Lbertroffen, er hat mir außerordentliche Dienste getan und ich kann ihn ähnlich Leidenden nur cmp- fehlen. Ich hatte mir das Leiden durch ein kaltes Glas Bier zugezogeiu Hobensalza. 20. Septbr. 1912, VT. Drews, Kirchhofstraße 4. Wirt chaftsinspektor. Teile Ihnen eerne mit, daß ich den Berliner Stahlbrunnen wegen Appetitlosigkeit und allgemeiner Bftrper- schwäche gettuiucn habe, und hat mir derselbe stets gute Frau E. Gande. Dienste getan. Lentjfe, 27. August 1912. Ich teile Ihnen hierdurch mit, daß ich dank Ihrem Berliner Stahlbrunnen von meinem Blasenleiden sowie Kopfschmerzen gänzlich befreit bin. Berlin, 28. August 1912. Schererstraße 5, II. Frau Hulda Schneege. Ich bestätige Ihnen hiermit, baß mir Ihr Berliner Stahl- brunnen bei Eiterung und Blutung der I-unge sowie bei VerdauungsDeschwerden und Hartlelblgkelt sehr gute mein heutiges guten.Aussehen habe Dienste geleistet hat und i Ihrem Brunnen zu danken .Ich erlaube Ihnen, zum Wohle der Leidenden hiervon Gebrauch zu machen, und bin gern bereit, jedem Anfragenden Auskunft zu erteilen. Bcrl.n, 21. August 1912, Warschauer Str. 46. Frau Ottilie Habenstein. Kann Ihnen mitteilen, daß Ihr Berliner Stahlbrunnen meiner Schwiegermutter von einem Bieren- und Blasen- Lciden geholfen hat. Außerdem hat sie guten AppeUt und gesundes Allgemeinbefinden danach bekommen. Beilin, ifct Augntt 1912. Antwerpener Str. 6. E. Sesohke. Ich bestätige hiermit, daß mich Ihr Berliner Stahlbrunnen vor Iahren von Magen- und I-eberleiden geheilt hat. Im vorigen Jahre aber stellten sich wieder Beschwerden ein, ich fühlte mich krank, es wurde wieder besser, ich war mißmutig, und so wechselte das. Im April habe ich dann wieder die Kur begonnen und bin mit dem Erfolg wieder zufrieden. Die Magen- und I.eberbeschwerden haben aufgehört, die Seitenschmerzen sind bis jetzt fort, ich fühle mich ganz gesund. Wenn Sie von meinem Bericht Gebrauch machen wollen, so würde es inich freuen, wenn hierdurch Leidende gebessert oder noch besser geheilt würden. Mir sagte man vor 4 Iahren, lieber Freund, Ihre Schmerzen können gelindert werden, aber„was zerstört ist an Ihrer I-eber, läßt «irrt, >tahl- Meine Frau wurde schon mehrere Jahre lang in Zwischen- räumen von 2— 4 Wochen von schweren Gallensteinucltken befallen und geplagt, so daß ich mich zu einem Versuch mit Ihrem»Stahlbrunnen" entschloß. Nach Gebrauch von 120 Flaschen ist das Befinden so gebessert, daß wir schon beinahe 1 Jahr kein Heilmittel mehr brauchen. Die Anfälle kommen ja vereinzelt noch wieder, sind aber ganz leichter Natur und alaube ich, daß nach einer noch beabsichtigten Nachkur mit dem Brunnen auch der letzte Rest des Leidens behoben sein wird. Ich werde den»Stahlbrunnen", schon weil er sich so gut und leicht nehmen läßt, stets weiter empfehlen. Tempelhot,>9. August 1912. Berliner Str. 41-42. Friedrieh Kokert, Meine Frau war krank an Herzbeutel-Vassersucht. Alle Medikamente waren vergebens, so daß an iqr Au, kommen nicht mehr zu denken war. Da wurde mir Ihr Stahlbrunnen empfohlen. Nach Gebrauch der vierten Flasche stellt« sich schon Besserung ein und nach Gebrauch der Kiste war meine Frau wieder gesund hergestellt, so daß sie ihre häusliche Arbeit wieder machen kann, wofür ich Ihnen noch nachträglich meinen besten Dank ausspreche. Btreskow, 19. August 1912. Aufseher Friedrich Brunnert. Ihr Brunnen hat mir bei starker Blutarmut, chronischem Darm» und Magenkatarrh. Magenkrampk und Verstopfung gute Dienste getan. Bin ein ganzes Jahr nicht vom Arzt fortgekommen. Nach dem Verbrauch von 30 Fl. fühl« ich mich gestärkt, habe ganz anderen Lebensmut. Essen und Trinken sckmeckt wieder, was ich nur Ihnen zu verdanken habe. .Ich bitte Sie, dies zum Wohle der Menschheit zu veröffentlichen. Nochmals meinen herzlichsten Dank! Berlin, 9. August»912. Liebenwalder Str. 16a. Frau Berta Hildebrandt. Am 8. b. habe ich 90 leere Fla'chen abgesandt. Ihr Stahl- brunnen hat mir gegen Rheumatismus sehr gute Dienste getan, wofür ich bestens danke.„ � Ftchteugrund bei Oranienburg, 9. August 1912. Kaiser-Frledrich-Straße. E. I-andeok. Ich gestatte Ihnen gern, meinen Kurbericht zu veröfsenilichen« denn das darin Gesagt« sind Tatsachen. Fichtengrund, 9. August 1912. E. Dandeok. Teile Ihnen hierdurch mit, daß mir Ihr Berliner Stahl- brunnen sehr gute Diensie geleistet hat, da ich doch jahrelang an Herz- Nervenschmerzen, verbunden mit furchtbaren Hopf» und Magenschmerzen, gelitten habe. Jetzt will ich veriuchen, mir Ihrem Stahlbxunnen gegen Veitstanz bei meiner Enkelin, da ich hoffe, derselbe wird auch gegen diese» Leiden helfen. Berlin, 2. Juni 1912. StolpischeStr. 43, Quergebäudel. Frau Wilhelmine Pftting. Ersuche um Abholung der leeren Flaschen. Der Brunnen hat meiner Frau gegen Nervenschmerzen und mir zur allgemeinen Hebung der Kciperkrätte geholfen. tLhariottenburg, 13. Mai 1912,~~ Wilmersdorfer Str. 107. Paul Hering. Ihr Stahlbrunnen hat aicn bei meinem langjährigen Gelenk- rhenmatismus sowie Blutarmut sehr gut bewährt- Ilm einer Wiedertehr meines Leidens vorzubeugen, bin ich entschlossen, jedes man sich Berliner sich nicht mehr heilen"'. Jedenfalls hatte und ich werde im Bekanntenkreise Ihren brunnen empfehlen. Ltrdtenderg. 13- August 1912. Neue Bahnhofstr. 20. Wilhelm Varls. Seit mehr als 15 Iahren habe ich Ihren Berliner Stahl» brunnen getrunken, und zwar gegen die verschieden- artlgsten, auf nervflser Grundlage beruhenden Leiden. Bei nervösen Verdanungsbesohwerden, verbunden mit grosser Appetitlosigkeit« hat er mir in erster Linie gute Dienste geleistet und eine erhebliche Gewichtszunahme bewirkt. Seitdem bin ich Ihrem Brunnen treu geblieben und greife immer wieder auf ihn zurück,M>enn mein Allgemeinbefinde» irgendwie beeinträchtigt ist. �vleinen Bekannten habe ich Ihren Brunne» stets aufs wärmste empfohlen. Lüden i- Echl., 19. August 1912- Frau NreiS-Rcndant Joh. Anders. Vor 6 Jahren habe ich zum erstenmal Ihren„Berliner Stahlbrunnen" gebraucht. Damals war mein Magen durch Häufiges Ausspülen so geschwächt, daß die Verdauung Varl Jfirsohke. völlig versagte. Nach dem Gebrauch von 30 Fla'chcnStahlbrunaeu war ich wieder völlig bergestellt und konnte alles vertragen. Zwei Jahre später trank ich wieder 30 Flas.en wegen sllgsmeiner Schwäche und Blutarmut, auch ließ ich ein bei mir in � Dien en stehendes schwächliches Mädchen die Kur gebrauchen und der Erfolg war jedesmal vorzüglich. Da ich mich angen- blicklich wieder nicht ganz wohl fühle, so will ich meine Kräfte auffrischen und ersuche Sie daher um 30 Flaschen. ChaUottenbura.>4 August 1912 Eosanderstr. 32. Frau Olga Göhring. Jahr im Frühling und Herbst ein« Trinkkur zu wiederholen. Berlin. 9 Mai 1912, E- Olösenkamp. Eeorgenkirchstr. 1a._ Ihr Stahlbrunnen hat mir sehr gute Dienste getan, l-uft- rShtenkatarrh und Asthma sind gänzlich TerschwauUea, wofür ich Ihnen meinen besten Dank sage. Ich kann es jedem Leidenden empfehlen. Pankow. 9. Mai 1912, Frau Batisch. Grunowstraße 4. Ich kann Ihnen mitteilen, daß sich mein Asthma und Bronchitis bedeutend gebessert haben, wofür ich Ihnen herzlich danke, auch bitte ich zu gleicher Zeit um Abholung der leeren Flaschen. <5hatlottenburg, 3. Mai 1912, Hertzstraße 7. Fra« Erlekampf. Da ich so schwer an Rheumatismus gelitten habe, früher schon mal 11 Wochen und 29 Wochen, daran schwer llrank gelegen habe, so bekam ich im vorigen yerbst wieder den schweren Gelenkrheumatismus, wo ich wieder 7 Wochen von dem Leiden heimgesucht wurde. Ich bat den Arzt, daß er mir doch Ihren Berliner Stahlbrunnen verschreiben möchte, da ich an der Medizin keine Hilfe fände. Und der Arzt verschrieb mir 2 Kisten Ihres guten Stahlbrunnens. Bei der elften F asche fand ich Erleichterung, bei Gebrauch von 60 Flaschen Ihres Stahlbrunnens fühle ich mich, Gott fei Dank, vollständig ge- heilt, wofür ich meinen herzlichen Dank ausspreche und werde bemüht sein, ihn allen Leidenden warm zu empfehlen, da der Brunnen für viele Krankheiten sehr gute Dienste tut. --—•--jig Erlaubnis, me! nzeigen zu veröffentlichen. 12. Schiffbauer Gustav Thiele. Ich erteile Ihnen hierdurch die Erlaubnis, meine Erfolgs- be � ätigung in Ihren Anzeigen zu tttrunemalde, 13- Mai 1912. bei Schönebeck a. d. Elbe. Dn»«It»ae>»«n mit weiteren Hellerioigen koalealoe. Analyse: UalHumchlorid 1.202, Natriumsulfat 20.920, KaliumsuUat 0.172, Uagnesiumsulfat 1.160, Uangansallat 0.14, Btsaakarbonat 2.197 In 10 000 Teilen. Kit Hefttn fflt«rofMBtrli« frei Hau» und ucluntn Me Itetat 5Ia(<ü«t lutfitf. gar Etndtinii»r,s nfolot t5«U(6e SuPtnung, tti«tabtaaftert« SnÄenuna k 15!H«M« Wand 1.50),«t Cocotl« ßrttlliiw WS 80 KlÄ« tn suwmmm lPl'nd 300), fflc mrobinj aber ätufiaab B-Vnktfte 4:10 stlalch.»(Pfund b.M) Ire. tut«nun«Set Kur Pttis lB bot«u*Sw«bltn unb fojien 8(1 Fl.fcht- 10.- Warf,«0 Al-lche» 17.-, au tliBllütn jaiamin« tvoa* a isv 3Infd)tn 30.-. NrnbbtsttN.'itztn bor Zlblanf bon 10 Wochen flnb Matt billiger. II Berliner StahEbriinn0n<((Apotheker«umbier's Erben) g. m. b. h., Berlin NWy Marienstrasse 30. Fabrik gearündet 1885. Fernfprcch-Auschlüffe: Ami Norden S63l und 4832. Gesetzlich geschützt Aerztlich empffohlen Redakteur: Alfreh Wielepp, Neukölln. Für de» Lnjeratenteil verantw.: TH.Glecke, Berlin. Druck u. Verlag:«orwäriß Buchdruckerei u. VeclagSanstalt Vau! Singer u. Sp� PäetlmSÄ g,. 28. 30. ZchM. j KeillM des„Nsmillls" Ktllilltt Wltsbllltt. W«..,Z D.>.«.!'.Z üngeltelltenvei'iicheriing unS Sie StsSt Cbarlottenburg. Der Magistrat von Charlottenburg hat beschlossen, die Beiträge zur Angestelltenversicherung für die der Bersicherungspflicht unter- liegenden städtischen Privatdien st verpfichteten, denen nach den bestehenden Bestimmungen Ruhegeld und Hinterbliebenen- fürsorge von der Stadt zwar gewahrt wird, ein Rechtsanspruch auf diese Bezüge aber nicht eingeräumt ist, vom 1. Januar 1913 ab vor- läufig bis zur nächsten Revision des Normalbesoldungsplanes in voller Höhe auf die Stadtgemeinde zu übernehmen und die Leistungen aus dem Angestelltenversicherungsgesetz auf die von der Stadtgemeinde gewährten Ruhegelder und Hinterbliebenen- beziige in voller Höhe anzurechnen. Die Gesamtsumme der zu ent- richtenden Versicherungsbeiträge beträgt zurzeit rund 70000 M., wovon also auch die nach dem Gesetz von den Angestellten selbst zu tragende Beitragshälfte im Betrage von rund 38 009 M. zu Lasten der Stadt gehen soll. Ferner hat der Magistrat beschlossen, den von der Stadtgemeinde angestellten Schwestern die vertragliche Zusicherung zu geben, dafi ihnen Anwartschaft auf Ruhegeld und Hinterbliebenenrenten aus städtischen Mitteln zu- stehen und die Kündigung vom Vorhandensein eines wichtigen Grundes abhängig gemacht werden soll. Dadurch würden die städti- scheu Schwestern von der Versicherungspflicht befreit werden und die Stadtgemeinde an Beiträgen jährlich ca. 11 000 M. erspart bleiben. Die Stadtverordneten werden nm Zustimmung zu diesen Beschlüssen ersucht. In Berlin harrt die Angelegenheit noch der Regelung. Zeit Wirds aber, daß die Sache geordnet wird. Partei- Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Heute Sonntag, abends 5 Uhr, findet bei Lindstädt, Landsberger Allee ISb, von der 36. Abteilung eine Ver- sammlung statt. Daran schließt sich ein Goetheabend an. Programm 10 Pf. inkl. Tanz. Neukölln. Am Montag, den 3. Februar, abends präzise S'/g Uhr, findet in Bartsch� Festsälen, Hermannstraße 49, der dritte Abend des Kursus:.Die Sozialdemokratie, was sie ist und was sie will" statt. Das Thema, das der Referent Reichstagsabgeordneter Genosse Otto Rühle an diesem Abend behandelt, lautet: Die demokratischen Forderungen. Karten sind noch am Eingang des Saales erhältlich. Lichterfcldc-Lankwitz-Tcltow. Die Fortsetzung des Kursus.Die Technik der preußischen Landtagswohlen" findet Dienstag, den 4. Februar, abends S'/g Uhr, bei Fr. Wahrendorf, Lichterfelde, statt. Das Lolal„Kaiscrhos"" am Kranoldplatz ist für die Arbeiterschaft noch gesperrt. Der Vorstand des Wahlvereins. Steglitz. Freitag, den 7. Februar, abends 8'/, Uhr, im »Albrechtsbof�: Volks- und Wählerversammlung. Tagesordnung: .Das reaktionäre Dreiklaficnparlament". Referent: Landtags- Abgeordneter Julian Borchardt. Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch I Am Mittwoch, abends 7 Uhr, findet für diese Versammlung eine Handzettclvcrbreitung von allen Bezirken aus statt. Johannisthal und Rudow. Der zweite Vortrag über die Technik der Landiagswahl findet am Mittwoch, den 5. Februar, bei Gobin statt. Die Teilnehmerzahl ist unbegrenzt. Fichtenau. Der Bildungsausschuß veranstaltet heute abend im „Gesellicüaftshaus" unter Mitwirkung von Herrn Emil Kühne und Frau Elsa Kühne einen Kunst abend bestehend aus Rezitationen und Liedern zur Laute. Eintrittspreis 40 Pf. Um regen Besuch wird gebeten. Cablow(Kreis Teltow). In Ermangelung eines freien Lokals findet am 8. Februar das Wintervergnügen des WahlvereinS in Zernsdorf in« Lokal von Knorr statt. Anfang nachmittags 6 Uhr. Die Genossen und Genossinnen auch anderer Orte sind hierzu ein- geladen. Zugleich wird die organisierte Arbeiterschaft ersucht, die Lokale in Cablow streng zu meiden. ßerlinev Nachrichten. „Bodenfahrt." Der Winter ist nun doch noch ernstlich ciitgekchrt. Das Elend der Heimloscn nimmt verschärfte Formen an. Seit Monaten wütet das Hausagräriertuni in besonders hervor- ragendem Matze gegen den Verkehr von Obdachlosen in den Stadtvierteln rings um das städtische Obdach, aber zu praktischen Vorschlägen, wie man das Elend eindämmen könne, langt's nicht.„Ihr latzt den Armen sclzuldig werden... dann übcrlatzt ihr ihn der Pein I" Die Hausgötzen, die im Einstreichen möglichst hoher Mietszinscn ihre vornehmste Auf- gäbe erblicken, sind ja auch die allerletzten, die einsehen ivollcn, datz das Obdachlosenelend folgerichtig immer grötzer lverden mutz, je schlechter sich unsere heutigen soziale»: Zustände gestalten. Ob das Asyl der Heimlosen in diesem oder jenem Stadtteil, in der Vorstadt oder weit vor den Toren der Stadt ans freiem Felde liegt, ob wir eine Obdach-Zcntrale oder ein halbes Dutzend Filialen haben— das Elend selbst wird, ohne die Axt an die Wurzel allen Nebels zu legen, immer dasselbe bleiben. Haben nicht auch alle die kleinen Hilfs- mittclchen, ausgemergelte' Obdachlose zur Arbeit zu zwinge«, bisher fast völlig versagt? Der Stroni der Obdachlosen hat von Jahr zu Jahr zu- genommen und man täuscht sich auch in städtischen Kreisen nicht darüber hinweg, datz ivir zum grotzen Teil unter dein Eiuslutz der unerträglichen Lebensniittelnot, einen Zustrom von Obdachlosen haben, wie er vielleicht noch nie dagewesen ist. Es wird nicht zum ersten Mal der Fall eititreteii, datz viele Obdachlose im Asyl überhaupt keinen Platz haben. Wo bleiben dann diese Unglücklichen? Auch die Möglichkeiten, autzerhalb des Obdachs zu nächtigen, sind in den letzten Jahren immer unsicherer geworden. In der wärmeren Jahreszeit gehts ja noch. Da ist in der lauen Sommer- nacht ein Freilager bei„Mutter Grün" bald zurecht gemacht, wenn auch hier die ständige Gefahr vor dem auf- stöbernden Polizeihund droht. Im Winter wird Obdachlosigkeit zur entsetzlichsten Oual. Als Rettungshafen erscheint dem Obdachlosen, der aus irgendtvelchen Gründen dem Obdach fernbleibt, ein Mietshaus, in das er kurz vor dem Erlöschen des Treppenlichtes hineinflüchtet. Hier schleicht er sich Vier- Treppen hoch zum Lorboden hinauf und legt sich auf den harten Fußboden nieder, tvas im Obdachloscn- jargou„Bodenfahrt schieben" heißt. Wer es durchgemacht hat, kennt die fürchterliche Angst, entdeckt zu werden. Jeder Schritt, jedes Türklappen schreckt den müden, nervös zuckenden Körper aus dem Schlummer auf. Und zu der seelischen Pein. zur Kälte auf dem harten Holz kommt oft noch der„Kohlen- dampf", der nagende Hunger. Wie Verhalten sich demgegen- Silber die Hausbewohner? Leider ist hier oft recht wenig Verständnis für soziales Unglück zu finden. Der Obdachlose auf der„Bodenfahrt" tut keiner Fliege etwas zu leide. Er tvürde gar nicht auffallen, wenn er sich nicht zuweilen durch Schnarchen verriete. Was haben nun die Hausbewohner davon, wenn sie einen solchen zufällig entdeckten Schläfer zumHause hinaus in die bitterkalte Winternacht hetzen? Sie schaffen einen Menschen- Hasser mehr, wenn der Unglückliche es noch nicht geworden ist. Und sie legen sich ins weiche warme Nest, während der mitleidslos Davongejagte sich durch die Straßen schleppt, in irgendeiner Ecke niedersinkt, um vielleicht nie wieder auf- zustehen. Nicht immer sind es Volle und Satte, die kein Er- barmen kennen. Möge jeder daran denken, daß gerade in den heutigen miserablen Zeiten niemand vor dem schnellen Sturz nach unten sicher ist. Allerdings haben Staat und Gemeinde, hat die heutige Gesellschaft die Pflicht, für die Opfer zu sorgen, die die heutige privatkapitalistische Wirtschaftsweise erzeugt. Vom Rettungswescn Berlins. Bei der bevorstehenden Uebernahme deS Berliner RettuirgSwesens in die Verwaltung der Stadt wird eine Neuordnung durchgeführt werden, von der für die Rettungsstellen eine bessere Hilfsbereitschaft zu erwarten ist. Daß es bisher, unter der Herrschaft des Aerztevereins und des Kuratoriums der Unfallstationen, hiermit manchmal haperte, weiß man nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch im Magistrat. In der letzten Stadtverordnetensitzung hat allerdings Bürger- meister Reicke aus Anlaß der Magistratstkorlage über die Grundzüge der Neuordnung den bisher am Rettungswesen beteiligt' gewesenen Vereinigungen eine besondere Anerkennung aussprechen zu sollen geglaubt. Auch der neueste Verwaltungsbericht des städtischen Kuratoriums für das Rettungswesen sagt, daß diese Vereinigungen„sich alle Mühe gegeben haben, den übernommenen Verpflichtungen nachzukommen." Hinterher wird aber ausführlich dargelegt, daß eine ständige Aerzte- bereitschaft für alle Rettungswachen in Berlin auf die Dauer nicht zu erzielen gewesen ist. Schon im Jähre 1909, bald nach dem Ab- schluß der Verträge zwischen der Stadt und den Vereinigungen, habe der Aerzteverein Schwierigkeiten gehabt, die Wachen ständig mit Aerzten zu besetzen. Der Mangel an Aerzten, dre diesen Dienst übernehmen wollten, sei so arg gewesen, daß auf ver- schiedenen Wachen wochenlang in manchen Stunden kein Arzt an- wesend war. Auch später, bis in das Jahr 1912 hinein, seien„in einer nicht geringen Zahl von Fällen bei Gelegenheit der städtischen Revisionen, die ja immer doch nur als Stichproben gelten können und daher den wirklichen Sachverhalt nur andeuten, die Wachen ohne Arzt betroffen worden". Teils habe die Wache für diese Zeit nicht mit einem Arzt besetzt werden können, teils habe der Arzt den Dienst nicht gründlich wahrgenommen, und zwar sei nur in ganz wenigen Fällen dringende Ab- Wesenheit als Grund angegeben worden. Mitunter sind solche Vorkommnisse, wie wir in Erinnerung bringen wollen, erst durch den„Vorwärts" zur Kenntnis der Oeffentlichkeit und des Magistrats gelangt. Erheiternd ist die Naivität, mit der in dem Verwaltungsbericht es noch als ein besonderes Verdienst hingestellt wird, daß die Stadt nicht schon früher zu völliger Uebernahme deS Rettungswesens geschritten ist.„Die mancherlei Mißstände und üblen Erfahrungen der letzten drei Jahre wären." sagt der Bericht,„nicht erspart geblieben, und die Stadt hätte sozusagen diese Kinderkrankheiten am eigenen Leibe durch- zumachen gehabt, während jetzt, wenn das Rettungswesen in städtische Verwaltung übergeht, Möglichkeit und Umfang des ärztlichen Dienstes, äußerer und innerer Betrieb, Bedürfnis und Zahl der Wachen, Kosten und Einnahmen der Verwaltung auf Grund einer dreijährigen Beobachtung genau übersehen und be- rechnet werden können". Gewiß, der Stadtverwaltung ist es„er- spart" geblieben,„die Kinderkrankheiten am eigenen Leibe durchzumachen", aber die Bevölkerung weiß von diesen„Kinderkrankheiten" des Berliner RettungSwesenS ein Lied zu singen. Wie sehr die Inanspruchnahme der Rettungswachen zu einem Bedürfnis geworden ist, das zeigt die in dem Verwaltungsbericht mitgeteilte Statistik. Im Jahre 1911/12(1. April 1911 bis 31. März 1912) wurden auf 13 Hauptwachen rund 13 000 Fälle und auf 17 Hilfswachen über 67 000 Fälle gezählt, das sind zusammen mehr als 80 000 Fälle. Außerhalb der Wachen wurden über 4000 Erkrankte behandelt, bei den übrigen 76 000 Er- krankten erfolgte die Behandlung innerhalb der Wachen. Neben 69 000 Erkrankungen äußerer Art wurden 11000 innere Erkrankungen beobachtet. Etwa 400 mal war Geburtshilfe zu leisten und etwa 300 mal wurde bei Selbstmorden oder Selbstmordversuchen eine Rettungswache in Anspruch genommen. Auch bei Massenunfällen wurden Rettungswachen zu Hilfe gerufen, im ganzen 6 mal. Man sieht, daß die Hilfstätigkeit der Berliner Rettungswachen im Laufe der Jahre eine große Bedeutung erlangt hat. Das Rettungsweien Berlins war längst reif dazu, den leistungs- unfähigen Privatvereinigungen abgenommen zu werden. Es hätte ihnen ani besten von vornherein nicht überlassen werden sollen. Für dm Verkehr auf elektrische» Hoch- und Unter, grundbahncn hat der Polizeipräsident v. Jagow eine neue lange Verordnung er- lassen, deren wesentlichste Bestimmungen lauten:„Das Besteigen oder Verlassen eines in Bewegung befindlichen Zuges ist verboten. Beim Einfahren eines Zuges in den Bahnhof haben die Fahrgäste von der Bahnsteigkante zurückzutreten. Die Fahrgäste dürfen die Wagen nur auf den Bahnhöfen, und zwar von den Bahnsteigen aus besteigen und nach diesen hin verlassen. Um den Ab- und Zugang nicht zu behindern, sind während dieser Zeit die an den Wagcntürcn befindlichen Stehplätze freizumachen. Es ist unter- sagt, in den Wagen auszuspucken, während der Fahrt sich aus dem Wagen hinauszulehnen, Gegenstände hinauszuwerfen oder in die Fenfterschlitze hineinzustecken. Personen, die die Ordnung des Bahnverkehrs stören, den Anstand verletzen, durch eine ekelerregende Krankheit, durch unreinliches Acußcre oder aus anderen Gründen die Fahrgäste belästigen könnten sowie trunkene Personen können von dem Aufenthalt auf den Bahnhöfen und von der Mit- oder Weiterfahrt ausgeschlossen und zum sofortigen Verlassen des Bahn- gebictes angehalten werden. Kleine Hunde und andere kleine Tiere dürfen nur mitgenommen werden, wenn sie auf dem Schatze gehalten werden können; sie sind innerhalb des Bahngebiets zu tragen oder kurz an der Leine zu halten und dürfen auf de» Sitz- Plätzen nicht untergebracht iverden. Sie sind von der Beförderung oder Weiterfahrt auszuschließen, wenn Personen durch sie belästigt werden. Gepäckstücke dürfen nur mitgenommen werden, soweit sie nicht durch Ilmfang, Beschaffenheit, üblen Geruch oder Ilnsaubcrkeit die Fahrgäste belästigen oder schädigen können. Scharfe und spitze Gegenstände iz. B. auch hervorstehende Hutnadeln) müssen durch Einhüllen unschädlich gemacht werden. Ausgeschlossen von der Mit- nähme sind alle Gegenstände, durch welche die Fahrgäste gefährdet werden können, insbesondere feuergefährliche und leicht entzündbare Stoffe, Schietzpnlver, geladene Schußwaffen und dergleichen. Nur Jägern und im öffentlichen Dienst stehenden Beamten ist die Mitnahme von Handmunition gestattet. Der Lauf eines mit- geführten Gewehres mutz nach oben gerichtet sein. Gepäckstücke Hörles zzicht auf den Sitzen untergebracht sdep so jn den. Gängen oder an den Türen der Wagen niedergelegt werden, daß sie den freien Durchgang behindern. Lärmen, Singen, Musizieren und jedes anderen Personen lästige Verhalten hat sowohl auf den Bahn- Höfen als auch in den Wagen zu unterbleiben. Das Feilhalten von Waren und Zeitungen innerhalb des Bahngebietes sowie in der Nähe der Ein- und Ausgänge und der Fahrkartenschalter ist verboten, sofern es nicht ausdrücklich polizeilich erlaubt ist. Es ist verboten, die Bahnanlagen, die Wagen sowie die angebrachten Bekanntmachungen und Anzeigen zu beschädigen, zu verunreinigen, zu beschreiben oder zu bemalen. Diese Polizeiverordnung, die übrigens nicht allzu viel Neues enthält, tritt am 1. März 1913 in Kraft. Mit der Schneebcscitigung in den Verkehrsstratzen wurde am gestrigen Tage eifrig vorgegangen. Dabei kam das mildere Wetter erheblich zu statten. Am Nachmittag waren die Hauptstraßen von den Schneemassen vollständig befreit. Jn den Vororten dagegen waren gestern die Wege und die Chausseen in weniger guter Ver- fassung. Gegen die ehrenamtliche Tätigkeit der Postbeamte»». Es ist oft nicht leicht, für die Einkommenstcuer-Voreinschätzungskom- Missionen geeignete und bereite Männer zu finden, besonders in den Außenbezirken ist dies oft- schwierig. Die Gemeinden sind deshalb darauf angewiesen, Hierzu auch die Beamten heranzu- ziehen. Gesetzliche Bestimmungen stehen dem nicht entgegen. Viele dieser Beamten haben auch in uneigennütziger Weise ihre freie Zeit und ihr Wissen in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Da mutz es verwundern, daß neuerdings die kaiserliche Oberpost- d i r e k t i o n den ihr unterstellten Post-und Telegraphenbeamten grundsätzlich die Genehmigung zur Uebernahme eines Amtes als Mitglied der Einkommensteuer-Voreinschätzungskommission versagt. Selbst wenn diese bereit sind, im Interesse des Staates und der Gemeinde sich ehrenamtlich zu betätigen, werden sie gezwungen, die auf sie gefallene Wahl abzulehnen. Dadurch wird diesen Koni- Missionen eine große Anzahl von Personen entzogen, die einer- seits genügend Zeit hätten, das Amt zu versehen, andererseits aber auch mehr als andere das Interesse und die Fähigkeit bc- sitzen, es zum öffentlichen Wohle auszuüben, die sich also sehr gut zu den immerhin nicht ganz leichten Aemtern als Vorsitzende von Unterkommissionen eignen. Die in den Steuerkommissionen tätigen Ehrenbcamten sind vornehmlich im staatlichen Steuerinter- esse tätig, es erscheint deshalb unbillig, daß einem Teil der Staats- beamten die Möglichkeit zur Bekleidung solcher Aemter genommen wird. Es wäre erwünscht, daß den Post- und Telegraphenbeamten die Genehmigung zur Annahme eines der vorgenannten Aemter nur dann versagt wird, wenn besondere dienstliche Gründe es ge- bieten. Jn der Säuglingsfürsorgrstelle I findet im Februar wieder un- entgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt mit praktischen Uebungen— wöchentlich einmal. Meldungen schriftlich oder münd- lich von 2—4 Uhr im Bureau des„Kinderhauses", Blumenstr. 97. Langsamkeit bei der Landesversicherungsanstalt Berlin. Uns wird geschrieben: Seit Jahren wiederholen sich die Klagen der Patienten der Landesversicherungsanstalt Berlin über die Um- ständlichkeit und Langwierigkeit des Geschäftsganges. Beantragt jemand z. B. ein Gebiß, so erhält er nach 8—14 Tagen die Auf- forderung, zur Protokollaufnahme zu erscheinen(natürlich in der Arbeitszeit). Nach abermals 8—14 Tagen erfolgt dann die ärztliche Untersuchung, um festzustellen, ob der Antrag auch gerechtfertigt ist. Dann folgt wieder eine Pause von 8—14 Tagen(in der aber manch- mal noch eine Ergänzung des Protokolls angeordnet wird, die bei der � ersten Aufnahme ebenso gut hätte erledigt werden können), so daß es meist 6—8 Wochen dauert, ehe der Patient überhaupt einem Arzte zur Behandlung überwiesen wird. Da nun je nach der Beschaffenheit des Gaumens und der Schlvierigkeit der Anfertigung noch weitere vier bis acht Vorladungen erfolgen, kann es vorkommen, daß ein Patient ein dutzendmal persönlich erscheinen muß. Da aber jede Vorladung einen Zeitverlust von zirka drei Stunden Arbeitszeit be- dingt(eventuell noch Fahrgeld), so würde jemand bei einem Stunden- lohn von 60 Pf. und zwölfmaligem Erscheinen eine Lohneinbuße von 21,60 Pf. erleiden(was übrigens dem Schreiber dieser Zeilen selbst passiert ist). Außerdem wird aber auch der Erscheinungstermin fast immer verschieden bestimmt, so daß der Arbeiter auch an seiner Arbeits- stelle»och mit allerlei Schwierigkeiten zu rechnen hat, denn eS ist natürlich dem Prinzipal resp. Meister auch nicht gerade angenehm, wenn der Arbeiter ein dutzendmal von der Arbeit wegläuft. Am aller- unangenehmsten ist es aber, wenn jemand während der Arbeits- lostgkeit einen derartigen Antrag stellt, in der Hoffnung, in einigen Wochen die Sache erledigt zu sehen, und wenn er dann so oft von einer neugewonnen Arbeitsstelle wegbleiben muß. Daß dies unter Umständen dazu beiträgt, ihn seine Arbeit wieder verlieren zu lassen, ist zweifellos. Aus allen diesen Gründen ist es dringend zu wünschen, daß in dem Geschäftsgange der Landesversicherungsanstalt eine Aenderung eintritt, dahingehend, daß die Behandlungszeiten in die Abend- stunden von 6— 8 Uhr verlegt werden, wie es bei Privatärzten häufig der Fall ist, und daß auch die Protokollaufnahme möglichst vereinfacht oder durch Fragebogen schriftlich bewirkt wird, sonst wird nämlich die„Wohltat zur Plage". Die meisten Patienten erklären, nachdem sie endlich in den Lefitz ihres Gebisses gelangt sind, sie hätten sich dasselbe lieber auf eigene Kosten machen lassen, wenn sie gewußt hätten, daß die Sache so langwierig ist. Der Durchstich des Spreetunnels ist in Angriff genommen worden. Zehn Arbeiter sind dabei, Brechstangen mittelst schwerer Hämmer in die felsenharte Abschlußmauer zu treiben, welche die nach dem Stralaner Viertel führende Tunnelhälfte bisher ab- dichtete. Die Arbeit geht nur langsam vonstatten. Ein Postbeamter als Spitzbube entlarvt. Der Postbeamte Krüger, welcher verheiratet und Bater von drei Kindern ist, versuchte seinen freien Nachnnttag dazu zu verwenden, um dem Federngeschäft von Karl Heitmann, Lindenstr. 71, Straußenfedern im Werte von über 1400 M. zu entwenden. Krüger soll ein leidenschaftlicher Spieler gewesen sein und wollte sich dadurch eine größere Summe verschaffen. Er erschien am Freitagnachmittag zwischen i'/a und 5 Uhr in dem Laden, gab an, beauftragt zu sein, das Telephon zu prüfen. Kr. machte sich auch sofort im hinteren Raum des LadenS mit den Telephondrähten zu schaffen sowie an einem Nebenapparat und im Kontor des Inhabers. Eine Verkäuferin, die im Kontor anwesend >oar. verließ auf einen Augenblick das Zimmer. Das benutzte der angeblich Beauftragte dazu, aus einer Schachtel, welche auf einem Regal stand, eine Auswahl von Fedeyn zu treffen. Die Verkäuferin bemerkte aber diese Art des Telephonnachsehens durch eine Glas- scheide und machte eine Verkäuferin darauf aufmerksam, datz er schon einige der wertvollsten Federn unter seiner Pelerine verborgen hatte. Ein zufällig vorbeigehender Schutzmann wurde gerufen, der den Dieb, welcher sich gerade empfehle» wollte, festnahm. Das städtische Obdach als ständiges GeschlechtskrankenhauS für Prostituierte. Das ist das Ziel, das eine Magistratskommijsion inS Auge gefaßt hat, die Mittwoch mit dem Kuratorium des städtischen Obdachs tagte. Einstimmig wie seit 23 Jahren lehnte diese Zu- mutung das Obdachkuratorium ab. Von sozialdemokratischer Seite wurde das Projekt besonders vom hygienischen und sittlichen Stand- punkt bekämpft. Das Merkwürdige an dem Projekt der Magistrats- kommifsion ist, alle möglichen und unmöglichen lim- Und Anbauten am Obdach vorzunehmen, statt ein neues und längst notwendiges GeschlechtskrankenhauS für Prostituierte zu bauen. Die Magistrats- kommifsion will nun noch mal schriftlich Fragen an das Obdachkuratorium stellen. Mit einem neuen Trick arbeitet jetzt ein Gauner, der schon seit einem Jahr in Berlin auftrilt, ohne daß cS bisher möglich war, ihn zu fassen. ES ist jener Mann, der gewisse Literaturkeiuitnisse !-,crmt und aucki ungefähr weiß. waS die Angehörigen der ver> fchiedenen Berufskreise zu lesen pflegen. Der Gauner sucht hiernach feine Opfer aus und prellt deren Angehörige mit gefalschlen Quittungen, wenn sie nicht selbst zu Hause find. Aeuerdings benutzt er seine falschen Onittungen auch als Bürgschaft. Er erscheint bei kleinen Geschäftsleuten, erzählt ihnen, daß er in derNachbarschaft wohne, daß seine Frau ihre Kundin sei und fragt, ob sie nicht ihren Schlüssel bei ihnen abgegeben habe. Das wird natürlich verneint, und »tun klagt der Mann, daß ihm das sehr unangenehm sei, weil er nach Hause gemußt hätte, um sich ein paar Groschen Geld zu holen. Seine Verlegenheit erklärt er damit, daß er plötzlich von der EeschäftStonr zurückgerufen worden sei,>veil sein Sohn überfahren und nach der Eharitö gebracht worden sei. Seine sehr bescheidene Bitte, ihm 80 Pf. bis 1 M. zu leihen» wird ihm überall erfüllt, schon mit Rücksicht darauf, weil die Leute glauben, es mir dem Ehe- mann einer Kundin aus der Nachbarschaft zu tun zu haben. Außer- dem gibt er Bnchhändlerguiltungen, die sofort eingezogen werden könnten, zum Pfand. Auch mit diesem neuen Trick hat der Gauner schon eine ganze Anzahl Opfer gefunden. Wegegeld auf dein Eise. Der Spandauer Schisfahrtskanal ist von einer starten Eisdecke überzogen und von der Polizei frei- gegeben worden. Aus. den naheliegenden Stadtteile», besonders vom Wedding und von Moabit, pilgern täglich zahlreiche Ein« Zvohncr nach dem Kanal, um sich nach Herzenslust auf dem Eise .zu tummeln. Viele erleben jedoch beim Betreten des EiscS eine bittere Enttäuschung. Ter FiskuS, der bekanntlich aus allem Geld herauSzuwirtschaften sucht, hat die Eisfläche verpachtet. Die Pächter wiederum suchen möglichst hohe Gewinne zu erzielen. So werden von crioachsenen Schlittschuhläufern 80 und von Kindern Zö Pf. Entgelt gefordert. Während aber in früheren Jahren wenigstens Fußgänger frei und ungehindert auf dem Eise lust- wandeln durften, müssen auch sie jetzt 10 Pf. zahlen. Mit wach- famcn Augen wird aufgepaßt, daß jede Person, die das Eis bc- tritt, ihren ObuluS entrichtet. Zahlreiche Spaziergänger— zum großen Teil Arbeitslose— geben täglich ihrem berechtigten lln- willen darüber Ausdruck, daß sie nicht einmal mehr ungehindert die Eisfläche des Kanals betreten dürfen. Unter dem Verdacht ihr Kind ermordet zu haben, ist am gestrigen Sonnabendnachmittag das�Lljährigc Dienstmädchen Marie iBohnke, die bei einem Professor in der Pfalzburgerstraße in Stellung ist, von der Polizei verhaftet worden. In dem Schlaf- zimmcr des jungen Mädchens wurde ein Kind iveiblichen Geschlechts aufgefunden, dem oic B. in der Nacht zum 20. Januar das Leben gegeben hatte. Wie das Mäochcn angab, ist daS Kind bald nach der Geburt verstorben. Da zlvci hinzugezogene Acrztc jedoch die Todesursache nicht angeben lonntc», ivurde die Leiche beschlagnahmt und die B. als Polizeigefaiigcne nach der Eharile übergeführt. Ei» schwerer Automohilmifall hat sich am Sonnabend nach- mittag gegen 2 Uhr in Moabit zugetragen. Vor dem Hause Tü?m- ftraße 70 ivollte ein Herr Erich Krohn einen an der Haltestelle stehenden Straßenbahnwagen der Linie 8 besteigen. Als er bc- reits mit einem Fuß auf dem Trittbrett stand, wurde er vom Automobilomnibus 1358 der Linie 1l, dessen Führer zwischen dem Straßenbahnwagen und der Bovdsckpvellc hindurchfahrcn wollte, erfaßt urid zivischen Bahnwagen und Auto eingetlemmt. In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Kranken- hause Moabit geschafft, wo festgestellt wurde, daß er einen Bruch des rcchicit Schulterblattes und innere Verletzungen davongetragen hatte. Russisches Fleisch wurde in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag durch Einbruch in einen Laden der Konsinngenossenschaft in der Torsstr. 28u, gestohlen. Durch einen Wächter wurden die ent- fliehenden Spitzbuben mit Hilfe eines Schutzmanns erwischt und »lach der Polizeiwache gebracht. Die Zentraltommission der Krankenkassen Berlins und der Bororte veranstaltet auch in diesem Jahre hygienische Vorträge, die nachstehend ausgeführt sind. Ter Zutritt zu diesen Borträgen ist für jedermann unentgeltlich. Am Montag, den 3. Februar, spricht im Bürgersaal dcö Ber- liner Rathauses Herr Geheimer Medizinalrat Professor Tr. Briegcr über das Thema: Das Wasserheilverfahren(Hydrotherapie i. Am Donnerstag, den 0. Februar, sprechen in den nachbenann- len Gemeindeschulen über das Thema:„Alkohol uni� Gesundheit" Herr Tr. Wegscheidel in der Gemcindcschulc Rigaer Straße 8t/82; Herr SanitätSrat Dr. Hesse in der Gemcindeschulc Waldenserstraße 25/20; Herr Dr. A. Grotjahn in der Gemeindeschule Ederswaldcr Straße 10; Herr Dr. Ehajes in der Gemcindcschulc Skalitzcr Straße 55. Am Freitag, den 7. Februar, sprechen über daS Thema: „Nervenkrantheiten" Herr Dr. K. Mendel in der Gemeindeschule Tilsiter Straße-1/5; Herr Dr. Aronsohn in der Gemeindeschule Pankstraße 17; Herr Dr. E. Fröhlich in der Gemeindeschule Pasteurstratze 5; Herr Dr. W. Pleßuer in dcr Gemeindeschule Bcrgmannstraße 28/29 am Marbeinckeplatz. In Bojrhagcn-Ruinmclsbnrg in der neuen Schule in der Markt straße spricht am Dienstag, den 4. Februar, Herr Dr. P. Frey über das Thema:„Schulentlassung und Berufswahl". In Ebarlottenburg in der 12. Gemeindeschule, Sophic-Char- lotteu-Stratze 00/70, spricht am Mittwoch, den 5. Februar, Herr Tr. B. Pollack über das Thema:„Hygiene deS Auges".. In Fricdeniui, im Gymnasium am Maybachplatz, spricht am Montag, den 8. Februar, Herr Dr. R. Mittcnziocig über das Thema:„Psychiatrie medizinischer und juristischer Art". In Lichtenberg in der Gemeindeschule, Kronprinzenjtraßc 10, spricht am Donnerstag, den 0. Februar, Herr Dr. M. Halle über das Thema:„Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheitcil". In Neukölln in der 0./10. Gemeindeschule, Kaiser-Friedrich- Straße 4 am Herinannplatz, spricht am Freitag, den 7. Februar. Herr Dr. Schönfeld über das Thema:„Hals- und Nascuerkraiikung und deren Verhütung". In Pankow in der 2. Gemcindcschulc, Grunowstratze, spricht am Donncrötag, den 0. Februar, Herr Dr. H. I. Wolfs über das Thema:„Hygiene von Hals, Nase und Ohr". In Reinickendorf-Ost in der 8. Gemcindeschulc, Lettc-Allec 26/27, spricht am Mittwoch, den 5. Februar, Herr Tr. Erzellitzer über das Tkcma:„Schutz und Pflege des Auges". In Reinickcndors-West in der 5. Gemeindeschule, Angusta- Viktoria-Allcc 87, spricht am Donnerstag, den 6. Februar, Herr Dr. O. Kaiscrlin über das Thema:„Wasserheilverfahren"(Hydro- thcrapie). - In Schöneberg in dcr 10./1l. Gemeindeschule, Feurigstratze 01/62, spricht am Dienstag, den 4. Februar, Herr Dr. G. Joseph über das Thema:„Moderne Behandlung der Magen- und Darm- leidenden". In Steglitz' in der Gemeindeschule. Plantagenstr. 8/9, spricht am Mittwoch, den 5. Februar, Herr Sanitätsrat Dr. F. Dorn über das Thema:„Hygienische Maßnahme,, bei Hcrzjtörungen". In Weistensce in der Gemeindeschule. Langhansstr. 120. spricht am Freitag, den 7. Februar, Herr Dr. v. lliutkowsli über das Thema:„Nervosität, Verdauung und Ernährung". Sämtliche Borträge beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. Feuer in der Kaserne dcr Pionier-Bersuchskompagnie. In der letzten Nacht wurde ein Löschzug der Berliner Feuerwehr nach der Kaserne der Pionier-Bersuchskompagnie in der Köpenicker Str. 180 ne rufen weil dort in einem Bureauraum Feuer ausgebrochen war. Es brannte der Fußboden, die Balkenlage und eine Telephonzelle. Unter Benutzung einer Schlauchleitung konnte dw Gefahr in kurzer beseitiat werden. Wodurch der Brand entstanden ,st. steht nocb nbvt fett Fast gleichzeitig folgte ein Feueralarm nach der Wrangel- ttraüe Älö der zuständige Löschzug an dein dortigen öffentlichen Feue meld-r eintraf, stellte sich heraus, daß der Melder böswillig gezogen worden war. Der Unfugst.fter konnte nicht ermittelt werden. Vermißt wird seit dem 26. Dezember v. I. die unverehelichte Verkäuferin Frida Nemack, 80. Juni 1803 Berlin geboren, Steinmetz- straße 38 bei den Eltern wohnhaft gewesen. Dieselbe ist mittelgroß, schlank, Hai dunkelblondes Haar, schmales, längliches Gesicht, blaue Augen und war bei ihrem Foltgauge mit schivarzem Plüschhut mit Reihcrfeder», braunem Ulster. Nerzpelzkragen, loeißer Bluse, grauem Rock, silbernem Gürtel, gez. S. lind weißer Wäsche gez.?. 117. bekleidet uiid trug Korallenohrringe. Die Vermißte, die schon oftmals Selbstmordgedanken geäußert hat, hat auch an dem Tage ihres Ver- schivindens zu ihrem Bräutigam, von dem sie sich gegen 2 Uhr nachts in der Nähe des Kottbuser Tors getrennt hat. geäußert, daß sie sich das Leben nehmen würde. Alle bisher nach dem Verbleib der Vermißten angeftellien Nackfforsckmngen waren ohne Erfolg, auch ist die Leiche einer Frauensperson, die mit der Vermißten identisch sein könnte, nicht ausgesunden worden; es wird daher vermutet, daß sich dieselbe verborgen hält oder verborgen gehalten wird. Ziveckdienliche Angaben, die zur Ermittelung der Vermißten führen könnten, nimmt die Kriminalpolizei, Zimmer 400, sowie jedes Polizeirevier zu Nr. 4503 IV. 30. 12 entgegen. Der Müggelsee ist für die Benutzung frei gegeben worden. Berloren hat ein Hausdiener am 30. Januar auf dem Wege von Linienstr. 214 bis Rosenthaler Tor, von da mit dem Omnibus 44 bis Oranienburger Tor, dann zu Fuß bis Ehmisseestr. 9, einen kleinen Karton mit Adresse Dr. Joleph Eckstein. Prag. Inhalt: 30 kleine weiße Metallknöpfe, die für andere wertlos sind. Dcr ehrliche Finder wird gebeten, da der Verlierer ersatzpflichtig, den Verlust abzugeben bei Kühling, Anklamer Str. 48, Hof I. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Die Vorarbeite» zur Errichtung einer Badeanstalt im Norden von Eharlottenburg� sollen demnächst in Angriff genommen werden. Nachdem sich die Stadtverordneten gelegentlich der Beratung einer Magistratsvorlage betr. Errichtung einer Badeanstalt in der Nürn- berger Straße siiiSriile solche im Norden der Stadt ausgesprochen baben. hat auch die Deputation für Gesundheitspflege sich grundsätz» lich mit der Weiterverfolgung des Plans einverstanden erklärt. Schmargendorf. Die durch den Tod des Vertreters der dritten Abteilung Dr. Nathan notwendig werdende Ersatzwahl zur Gemeindevertretung ist immer noch nicht ausgeschrieben. Schon vor Weihnachten hatte das aus Vertretern diverser hiesigen Vereine zusammengesetzte„Bürger- liche Wahlkomitee" eine lebhafte Agitation für seinen Kandidaten, den Fabrikbesitzer Monard entfaltet. Aber unser über die Grenzen Schmargendorss be— rühmtcs Gcmeindeoberhaupt hat offenbar keine Eile, die Opposition gegen sich zu verstärken. Kürzlich hatten sieben bürgerliche Vertreter die Sitzung der Gemeindevertretung verlasse», sie befinden sich im Konflikt mit dem Herrn Bürgermeister Bischoff. Sozialdeniokraten gehören der Gemeindevertretung nicht an. Die Wähler wissen noch nicht einmal, ob ei» Hausbesitzer- oder Mieter- Vertreter bei dcr bevorstehenden Ersatzwahl zu wählen ist. Wie kraß übrigens gerade in unserem vornehmen Orte das Dreiklassenwahl- unrecht zur Gemeindewahl wirkt, möge man aus nachfolgender Tabelle ersehen. Bon den 1752 Wahlberechtigten der diesjährigen Wählerliste entfallen auf die I. Klaffe. 8 Wähler 0.5 Proz. II... 118„ 6,6„ m... 1656„= 92,9„ Die Steucrleistung der einzelnen Abteilungen ist die folgende: Höchster Niedrigster Steuerbetrag Sleuerbetrag Nk. M. I. Klasse... 85 769.88 7528,00 II..,... 7049.12 851,58 III.„... 842,60 3,00 Also, um„Wähler" der ersten Klasse zu sein, mutz man hier mindestens 7528,60 M. Steuern zahlen, während man mit 842.60 M. Steuerleistung noch zu den drittklasfigen Leuten gehört. Dafür wiegt 1 erstklassiger Wähler 15 zweitklassige auf, und 207 dritt- klassige Wähler sind erforderlich, um den Einfluß eines einzigen erstklassigen„Wählers" zu erreichen! Die hiesigen Parteigenossen wollen in einer am 5. Februar im „Waldkater" stattfindenden Versammlung u. a. Stellung zu dieser Gemeindewahl nehmen. Und es wäre eine dringende Pflicht jedes der so schmählich durch die Dreiklassenschmach entrechteten Arbeiter, Angestellten und kleinen GeschöstSinhaber, sich dem Protest der vrga- nisierten Arbeiter anzuschließen. Tcmpelhof. Zum KreiStagSabgeorduetcn wurde in der Gemeindevertreter- sitzung an Stelle des verstorbenen Amts- und Gemeindevorstehers Mnssehl der neue Gemeindevorsteher Wiescner gewählt. Auch bei dieser Wahl zeigte es sich, daß die bürgerlichen Vertreter nicht ge- schlössen hinler ihm stehen. Hierauf wurde der Erlaß eine? Ortsstatuts für die am 1. April 19l3 zu errichtende Pflichtfortbildungsschule beschlossen. Danach sind alle männlichen Lehrlinge, Gehilfen, Ge- seilen und nngeleriite» Arbeiter verpflichtet, bis zum vollendeten 17. Lebensjahre die Schule zu besuchen, welche Frist in gewissen Fälle»(späterer Antritt zur Lehret bis zum 18. Lebensjahre aus- gedehnt werden kann. Auch soll ein freiwilliger Besuch gestattet sein. Ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten, auch Nichl- reichsangehörigen die Verpflichtung des Besuchs aufzuerlegen, wurde abgelehnt mit der Begründung, daß man sich nicht verpflichtet fühle, dielen Leuten Erziehung und Bildung beizubringen. DaS 0 M. betragende Schulgeld pro Jahr hat der Arbeitgeber zu tragen, die Lehrmittel hat der Schüler mitzubringen. Die vom Genossen Schmidt beantragte Abwälzung des Schulgeldes auf die Gemeinde und Lehrmittelfreiheit lourde abgelehnt. Es kommen zunächst etwa 550 Schüler in Betracht, die in verwandten Berufen zusammen unterrichtet werden sollen. Ungelernte Arbeiter erhalten besonderen Unterricht. Dieser soll verschieden erteilt, nicht aber bis über 8 Uhr abends ausgedehnt werden. Aus denjatrafen sei erwähnenswert, daß die Schuldeputation bis zu 6 Stunden Karzer vorschlug, welche Zeil von unseren Genossen als auch von ärztlicher Seite als eine zu hohe Strafe betrachtet und auf 4 Stunden er- mäßigt wurde. Genosse Frantz rief treffend dazwischen, daß sich diese Stunden vielleicht de-Z Sonntags in der Kirch- zeit verbüßen lassen.— Eine längere Debatte rief dw Platzfrage für das im Park zu errichtende AborthäuSchen nebst Schutzhalle hervor. Während Schöffe Juiig sich für die Hausbesitzer wegen dieses„schwere» Schlages" ins Zeug legte wollte Genosse cschmidt dieses Häuschen getrennt von der Schutzhalle in die Nähe dcr Berliner Slraße und die Schutzhalle in die Milte des Parks gelegt wissen. Nachdem man über die üblen Gerüche debattiert und erwähnt hatte, daß ja nur Hinterwohnungen in Betracht kämen, wurde beschlossen, die Halle am so- genannten Spielplatz der Kinder(in Wirklichkeit ist eS ein Schniutzplatz) an der Parkstraße zu errichten. Wenn die Parkkommission sich einmal einen Spielplatz für Kinder ansehen ivill, dann kann sie sich m den Höfen der in der Nähe liegenden Baugenossenschaft ein Stelldichein geben. Hoffentlich erinnert sich im Frühjahr diese Kommission ihrer Nachlässigleit. Im Osten Tempelhoss befinden sich 180 Schulkinder, ivelche die Schulen in Neukölln besuchen. Neukölln verlangte bisher für jedes Kind 60 M- Schulgeld, jetzt erhöht es diese Summe auf 72 M. Zwar hat eine Benachteiligung deS Ortsteils noch nicht stattgefunden; es sei aber, meinte Genosse Schmidt, an der Zeit, jetzt schon Sorge zu tragen, dort Räume für Schuko zwecke zu mieten. Die Mehrforderimg müßte bewilligt werden. Für bauliche Verälideruiigen im Amtshause, Dorffiroße*42, wurden 0300 M beivlUigr. Der jetzige Sitznngsraum dcr Gemeinde» bertretmig soll zu Kassenzwecken und die vom verstorbenen Ge» nieindevorsteher iniiegehabte Privalwohnuiig nebst angreiizendeir Räumen zum Sitzungssaal umgebaut werden, der auch bei einer Vermehrung der Verirelerzahl(»ind hoffentlich auch der Presse und den Zuhörern) mehr Raum bietet.— Mit der Besoldung des anzu» stellenden Syndikus wurde gefeilscht wie in einer Trödlerbude. Vier Anträge wurden gestellt; davon gelangte derjenige zur Annahme, welcher für den stellvertretenden Amts- und Gemeindevorsteher eil» Gehalt von 6500 M.»nit einer Steigerung von drei zu drei Jahren um 500 M. bis zum Endgehalt von 8000 M. vorsieht. Der neue Herr steht sich anfangs schlechter als seine ihm umergeordneten Bc- amten! Bei dieser Aiigelegenheit kam es übrigens zu einer kleinen Differenz zwischen Dr. Schmidt und dem Vorsteher, der diese aber geschickt zu überbrücken vermochte.— Von der Errichtung einer Landkrankenkasse für den Gemeindebezirk Tempelhof sah die Vertretung ob. Die Kasse sei wegen der in Frage kommenden 086 Dienstmädchen nicht lebensfähig. Wem» auch zugegeben werde, daß durch die weitere Bebauung des Feldes ein beträchtlicher Zuwachs zu erwarten fei, so sei es doch tvahricheiiilich, daß viele Herrschaften wegen dc-s zu zablendcn Krankengeldes ihre Mädchen eullassen unv sich mit Aufwartefrauen behelsen. So sagie der nalionalliberale Dr. med. Richler, der seine Pappenheimer zu kennen scheint. Uebrigens sei es doch unangenehm, wenn ein Dlenstmädchen erkranke und in ihrer Kabuse gepflegt werden müsse; lassen doch selbst in modern angelegten Häusern die Räume für die Dienstmädchen sehr viel zu wünschen übrig. Von der Errichtung einer Allgemeinen Ortskrankeiikasse wurde cb.nfallS Ab- stand genommen, da die bestehende Ortskrankenkasse geregelte Kassen- verhältniffe besitzt, die Leitung eine durchaus gute ist und von der Aufsichtsbehörde keinerlei Bedenken vorliegen. Dieselbe soll nunmehr gemäß der ReichSversichernngsordnung zu einer Allgemeinen Orts- krankeilkasse für Tempelhof ausgestaltet werden. Danach haben die Ausstellungen, die gegen die Kasse in einem hiesigen Verein gemacht wurden, ihre Wirkung verfehlt. Grünau. Aus dcr Gcmcindcvcrtrctersibung. Ter Stcuerbodarf für'daß Rechnungsjahr 1918 wurde wie jolgt festgelegt: 110 Proz. Ge» ineindccinkoilimenslruer, 0,38 Proz. Gemeindegrundjteucr» 197 Proz. Zuschlag zur staatlich veranlagten. Gewerbesteuer der Klassen I und II und 144 Proz. der Klassen III und IV. Der Tarif für herzustellende HauSanschlüssc an oic Straßenleitung dcr Kanalisation beträgt wie im Vorjahr 80 M. pro Anschluß. Die Kanalisalionsgcbührcn wurden von 2,7 Proz. im Vorjahr auf 2,4 Proz. ermäßigt. Tic Kosten dcr Regulierung und Pflasterung dcr Kurfürstcnistratze, welche 20 416 M. betragen, sollen zu zwei Dritteln von den Anliegern aufgebracht meodm Eine ausgedehnte Debatte entspann sich bei der Beratung des Ortsstatuts über die Befreiung der Fußwege von Sckn>ce und Eis. Die Vertretung, die außer unserem Genossen nur aus Hausbesitzern besteht, beschloß mit 7 gegen 3 Stimmten, eine Verpflichtung hierzu den Haus- besitze rn nicht aufzuerlegen� Für die Privatjchütc. die bereits mehrfach Gegenstand öffenllicher Kritik war. wurden außer dem bisherigem Zuschuß von 8500 M. 1130 M. nachgesordert. Der Zu- schütz beträgt pro Kind zirka 100 M. Genosse Mitzner wendete sich nicht nur gegen diese Nachforderung, sondern bemängelte, daß. da dcr Zuschuß auch voraussichtlich in dicscut' Rechnungsjahr»'cht geringer sein wivd, nicht der volle Betrag mit 5000 Ä. etilgcjetzt ist. Ter Uneingeweihte tonne dadurch leicht zu falschen cschlüsten kommen. Eine derartige«chulc sei ein 5lrebsslhaden sür die Ge- ineinde, und es bestehe die Gefahr, daß dieselbe in späterer Ze:t gänzlich von dcr Gemeinde übernommen wird. Die anderen Ber» tretcr bewilligten ohne erhevliche Debatte den geforderten Betrag. Die BelenchtungSikommiisjioi» wurde beauftragt, der inangelhaslcn Beleuchtung des Schulweges,»vclchcr namentlich in den Morgen- stunden viel von Arbeitern benutzt wird, abzuhelfen, ebenso sollen die auf dem genannten Wege befindlichen Stubben, die eine ständige Gefahr bilden, beseitigt werden. Auf eine Anfrage unseres Ge- li offen wurde festgestellt, daß für unentgeltliche Lieferung von Lernmitteln an Kinder unbemittelter Eltern im Durchschnitt in den letzten drei Jahren 75 M. pro Jahr verausgabt sind. Tie Schule zählt jetzt 450 Kinder. Nieder-Schöneweide. In einer gut besuchten öffentlichen Wählerverstimmlung im Wirtshaus„Loreley" resericrte Landtagsabgeordneter Genosse Ströbek. In scharfen llmriffen entwarf der Redner ein Bild der preußischen Zustände. Bei der Cbarakterisierung des elenden Dreiklassenwahl- rechts kennzeicbnele er das verräterische Verhaltendes Zentrums aus Anlaß der WohlrechtSvorlagc. Auch die von den Fortschrittlern ein- genoiniileiie Haltung gegenüber den Stichwahlbedingungen der Sozialdemokratie unterzog Strubel einer treffenden Kritik. Der Vor- trag fand starken Beifall. Nach kurzer Diskussion teilte Genosse D i e s e» e r auf Grund dcr Ilrwahlbezirke mit. daß im ersten Bezirk ein Wäbler der ersten Klasse vorhanden sei. der 54000 M. Steuern entrichte, die zweite Klasse weist 43 Wähler auf mit einem Steuersatz von 2995 M. bis 230 M., in der dritten Klasse befinden sich 492 Wähler. Nicht besser sei das Verhältnis im zweiten Bezirk. Mit der Aufforderung an die Versammelten, im bevorstehenden Wahlkampf zur LandtagSersatzwahl nach Möglichkeit ihre Pflicht zu erfüllen, wurde die Versammlung geschlossen. Weihensee. Kincmatographcnsteucr in Sicht. Den Ruhm, unscreil Ort von dcr Kinosteuer befreit zu scheu, will die Gemeindeverwaltung»ich» auf sich nehmen. Nach einem Beschluß dcr Finanzlommisfioii lollnt Erhebungen vorgenommen werden, wie man am besten die isteuer in Anwendung bringt. Die Kinobesitzer zahlen jetzt twen eine monatliche Lustbarkeilssteuer von 15 M. Lediglich"m den Klnder- beiuch iit den KinoS einzuschränken, soll eme solche Steuer eingesuhrt werden. Daß die Kinos hier zum großen Teil"ur°°" der ärmeren Bevölkerung besucht werden und gerade sie»nt weitere i Lasten bc- droht werden soll/ scheint bis jetzt den V-rren der Fmaii�onimlsiion noch nicht eingeleuchtet zu haben. Die Neuwahl des Obcrbrandmcistcrö hatte, wie uns geschrieben wird, vor einige» Tagen eine �da�»runB_ bct ftcitmntgen Feuerwehr vorzunehmen. Wie es lfietz. sollte der bwherlge Inhaber dieses Postens, der ehemalig- Schöffe H°� ��hmmm.,icht wieder damit betraut werden Zunächst war eme Aenderui g des Statuts crfordcr- lich. Während bisher das«tatut vor,chrieb. daß der Oberbrand- meister Mitglied des Gemeliideverstandeä sein muß. sollte nunmehr der dem Vorstände angehörende Brandmspektor vom Amtsvorster er- nannt werden. I" der betreffenden �euer�„schien als Leiter des Wahlaktes der AmtSvorjteher. Bürgermeister Dr. Woelck. Nunmehr wählten die vorher angeblich unzuftiedeneii braven Feuer- wcbrleuie— meistens Genleindearbeiter—, trotzdem sie einen aus eiiieil anderen Kandidaten lautenden Stimmzettel in dcr Tasche halten ihren alten„Oberbrandmeister" wieder. Ob sie damit recht taten'diese Frage ivird verschieden beantwortet. Hier iind da heißt es daß der Herr Oberbrandmeister sich bisher nur bei einer großen Sache sehen ließ oder wenn eS galt, die Uniform zur Schau zu tragen.— Nach obiger Darstellung gewinnt es den Anschein, als ob die Feuerwehrleute unter dem Druck ihres Vorgesetzten einen Oberbrandmeister gewählt hätten, der eigentlich nicht nach ihrem Wunsche ist. �__ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. �chöneberg. Montag, den 3. Februar il-chm'ttagS 6 Uhr, im Rai. hmlSsitzinigssanle. TageSordiiung u q.: Antrag des Stadtverordnelen Bäumler und Genossen belr. die L e r e i n i g u n g Berlins mit d e o V»r o r t e ,l. B e I ch a s f u« a von inländisch e in l e i s ch. «harlottcndurg. Mittwoch den 5. Februar. uachmiUags b Uhr. im Ralhauje. Diese Sitzungen sind»ficntlich. J-der tz» rccht'Z'. ihnen ai» Zuhörer belzuw-hnr». Mocden-Spielplan den BcrUncr Cbcater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Kerkyra. Montag: Tristan und Äsolde. sAnfang 7 Uhr.) Dienstag: Kertyra. Mittwoch: Aida. Donners- tag: Äerkyra. Freitag: Manon. Sonnabend: Der Rosenkavalier. Sonn- tag: Lohengrin.(Aninng 7 Uhr.) Montag: Kerkhra. stlnsang 7'/. Ubr). Königl. Schauspielhans. Sonntag: Wieselchcn. Montag: Die Rabensteinerin. Dienstag: Wiejelchen. Mittwoch: Der AilStauschlcutnant. Donnerstag: Die glückliche Hand. Freitag: Kolberg. Sonnabend: Don LaickoS. lÄnfang 7 Uhr.) Sonntag: Der große König.' Montag: Wiesclchcn. (Ansang 7'/2 Uhr.) Tentiches Opernhaus. Sonntaanachinittag 3 Uhr: Figaros Hochzeit. Abends: Oberon. Montag: Eugen Oneain. Dienstag: Figaros Hoch- acit. Mittwoch: Eugen �negin. Donnerstag: Der ÜVaffcnIchmied. Frei- tag: Ticjland. Sonnabend: Der Waffenschmied. Sonntag: Zar und Zim- Mennami. Montag: Der Wassenschmied.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag:.König Heinrich IV., ck. Teil. Montag: Jaust.(.Teil. Dienstag: Der blaue Boge!. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Der blaue Bogel. Freitag: Der lebende Leichnam. (Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Der blaue Bogel. Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: König Heinrich IV., 1. Teil.(Ansang TL Uhr.) Kammerspiele. Sonniag: schöne Frauen. Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag: Maria Magdalene. Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend und«omitag: Schöne Frauen.. Montag: Mein Freund Teddy. (Ansang 8 Uhr.) Lessiug- Theater. Soniltagnachmitiag 3 Uhr: Glaube und Heimat. AbeudS t Das Prinzipi Montag: Die versunken« Glocke. Dienstag: Das Hrinzip. Mittwoch: Gabriel Schillings Flucht. Donnerstag: Rose Bernd. Freitag: Die Weber. Sonnabend: Tie gtoye Liebe.(Ansang TL Uhr.) Sonntag: Die grosze Liebe. Montag,: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Somitagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Abends: Filmzanber. Montag iinL Dienstag: Filmzaubcr. Mittwoch- und Soimabciidnachmitlag Uhr: Pyiiotas. Der zerbrochene Krug. Allabendlich: Filmzauber.(Aniang 8 Uhr.) Kleines Tbeater. Sonnlagnachniiltag 3 Uhr: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Allabendlich: Professor Bernhardt.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonutagnachmittag 3 Uhr; Das Konzert. Abends: Uriel Aeosla. Montag: Wolkciikraheir Dienstag: Uriel Acosta. Mittwoch:, Hedda Gabler. Donnerstag: Emilia Galolli. Freitag: Die Siunden. Mittwoch: Uriel Acosta. Donnerstag: Die Reise durch Berlin in 80 Sinn- dem Freitag: Die Schmetterlings ichlackt. Sonnabend und Sonntag: Die Reife durch Berlin in 80 Stunden. Montag: Uriel Acosta.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmsiädt. Schauspielhaus. roimtagnachmittag 8 Uhr: Heimat. Allabendlich: Der Zaungast.(Ansang 8'/, Uhr.) Theater in der Königgräher Strnstc. Sonntag: Die fünf Frank- furtcr. Montag: Brand.« Ansang?'/. Uhr.) Dienstag: Die jünj Frank- sirrter. Millwoch und Donnerstag: Brand.(Anfang 7'L Uhr.) Freitag und Sonnabend: Tie Pills Franksnrter. Sonniag: Brand.(Ansang 7'l2 Uhr.) Moniag; Hcdda Gabler.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Thrater. Svniilagnachmiltag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Allabendlich: Wenn Frauen reisen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolls- Theater. Sonntagnachmillag 3 Uhr: Mutter Land. straße. Abends: Heide». Montag: Helden. Dienstag und Donnerstag: Michael Kramer. Mitiivoch, Freitag,"Sonnabend und Sonntag: Helden. (Ansaug S'L Uhr.) Montag; Mutter Landstraße. Thalia-Theater."Mcibendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr.) Sustspiclhau«. Soimlagnachiniltag 3 Uhr: 2X2�-2. Abends und allabendlich: Majolika.«Ansang 8>/, Uhr.) Komödienhaus. Sonmagnachmiiiag 3 Uhr: Der rote Leutnant. Abends und Montag bis Sonntag allabendlich: Der Retter in der Not. zAnsang 8 Uhr.) �Residenz-Theater.(Allabendlich: Die Frau Präsidentin, filnsang Deutsches Schauspielhaus. Allabendlich: Der gute Ruf. Donners- tag: Der Kamps ums Rosenrot.(Ansang 7-/.. Uhr.) Sonntag und Mon- tag: Der Kamps nmS Rosenrot.(Ansang 8 Uhr.) Gasino-Theater. Sonnlagnachmittag 4 Uhr: Der Heimatlose. All- abendlich: Am grünen Strand der Spree.(Ansang 8 Uyr.) Montis Opcrettcn-Theater. Sonntagnnchniittag 3 Uhr: Der sidele Bauer. Abends und allabendlich: Der Frauensresser.(Ansang 8 Uhr.) Theater am RollendorsplaU. Somuagiiachmittag 3'L Uhr: Die schöne Helena. Allabendsich: Die. Studentengräsin.(Zlnsang 3 Uhr.) Kurfürsten> Oper. Sonnlagnachmitlag S Uhr: Der Freischiitz. Abends: LtsU» maris. Bio»tag: Der Kuhreigen. Dienstag: LlsUs. msris. Mittwochnachmittim 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: SteUa maris. Donnerstag bis Sonntag: Ltella maria. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapscnstrcich. Allabend- lich: Mein Leopold.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Soiiiitagnachmitlag 3 Uhr: Berlin— Hamburg— New Jork. Abends: Und hätte der Liebe nicht... Montag: Nora. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Und hätte der Liebe nicht... Freitag: Heute ist bei uns was los. Sonnabend: Berlin— Hamburg— New Jork Sonntag: Und hätte der Liebe nicht... Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Herrufrld- Theater. Allabendlich: Wüstenmoral. Die Alpenbrüder. (Ansang 8 Uhr.) 4 Urania- Theater. Sonntag und Montag: Paris und die Königs- schlösscr von Versailles. Dienstag: Die Wellmacht dcS Eisens. Mittwoch und Donnerstag: Paris und �ic Königsschlösser von Versailles. Freitag: Die Weltmacht des Eisens. Sonnabend und Sonntag: Paris und die Königsschlösser von Versailles. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Ädmiralspalast. Eisballelt: Flirt in St. Moritz.(Ansang 9 Uhr.) Reichshallen- Theater. Allabendlich: CavaUeria schucktioana. (Ansang 8 Ubr. SonntiigS 7P, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'L und allabendlich TL Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmillag 3'/, Uhr und allabendlich TL Ubr: Galavorstellung. Metrovol-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Tala Toto. All- abendlich: Chaustcur— ins Mctropol I(Ansang 8 Uhr.) Köiiigstadi-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Pasiage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Theater Grost-Berli». Allabendlich: Das Fürstenkind.(Ansang 8 Uhr, Dienstag 7 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich 8 Ubr:«pezialitäte». Avollo-Tbeater. Sonntagnachmitiag 3 Uhr:«pezialiiälen. All- abendlich 8 Uhr: Brüderlein sein und Spezialitäten. FolieS Gaprice. Allabendlich: Die Doppeisirma. Die Tochter der Braut.(Ansang 8'L Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich: Goldener Leichtsinn.(Ansang S's. Uhr.)_ Arbetter-Samariterbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Berlin. 1. Abteilung am Moniag, abends 8'L Uhr, Riliierstr. 75. Vortrag über Frauenkrankheiten, ihre Entstehung und deren Bc- bandlung. Referent: Dr. Siesart. Lichtenberg. Am Donnerstag bei Pickcnhagen, Scharnwebcr- straße 60, abends 8'L Uhr. Neukölln. Am Freitag w der Jdealpassage, Weichselstraße 8, abends 8'L Uhr. Spandau. Am Mittwoch bei Pecziles, Pichelsdorscr Straße 5, abends 8p.. Uhr. M a r i c 11 d 0 r s. Am Montag bei Löwenhagen, Chausseestr. 27, abends 8'L Uhr. Wilhelmsruh. Am Montag bei Bienwald, Rcinickcndors- Ost, Provinzstraße 92, abends 8 Uhr.' N 0 w a w c S. Am Fpeitag in der Fortbildungsschule, abends 8 Ubr. Schöncwcidc. Am Montag bei Schulze,«siemensjtr. 12, abends 8 Uhr. FriedrichsHage». Am Donnerstag, Fricdrichstr. 60, 2. Hof, abends 8'L Ubr. D i c Kreisleitung. Paul Hackelbusch, Berlin v. 112. Briefkasten der Redaktion. Sit luristliche kpreqftundt slnvtt Linden st raste 6», vorn vier Treppen — F a h r st n y l—, Uwchenläalich von iL bis 7!6 Uhr abends, Eonnabends, von iL bis 6 Uhr abends statt. Jrbrr für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzetche» betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Aufragrn, denen keine Abonnementsquittung betgefügt ist, verde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Eprechftuude vor. 8. A. R. 1. und 3. Ein Recht, sosori zu räumen, sieht Ihnen nur dann zu. lvenn die Räume unbewohnbar geworden sind. Die Renovierung müssen Sie dulden, leibst wenn, die Aussührung der Arbeit für Sie störend ist. 2. Das ist nicht noiwendig, es genügt, wenn Sie. sür. den Prozeßsall Ihre Darstellung beweisen können. Wir b»stell eS aber für zweckmäßig, dem Ersuchen de»«genken nachzukommen.—<£. 8. 1« I. Machen Sie dem Gericht eine berichtigende Mitteilung. 2. Ja, sofern Ihr Sohn das 14. Lebenslahr vollendet Hai.— H. R. 18. Ihre Fragen sind unvcr- ständlich.— M. H. 1913. Wir stellen anHeim, uns die aus den Fall Bezug habenden Schrisistücke, insbesondere daS amtsgerichtliche Urteil ein- zusenden. Demnächst weiden wir Ihre Fragen beantworten.— Nr. 10«, Ter Adoptierende soll 50 Jahre alt scin und darf keine ehelichen Abkömm- linge haben. Bon der Vorschrist des Alters kann durch den Justizministcr Befreiung beivilllgt werden.— 310. F. 1. 20 M. Alimeldungsgebühr und 30 M. Erteilungsgebühr. 2. Ja. 3.'Abzeichnung sind et nicht statt. 4. Kauir nur ein Chemiker beantworten. 5. Die baren Auslagen sind zu erstaitcn. —<0. B. 33. Wiederhole» Sie Ihre Anfrage und geben Sie noch an, wie hoch der Mietswert �der Geschäftsräume und derjenige der Wohnräume ist.— R. P. M. 1. Sie sind zur Annahme verpflichtet. Eine Weigerung der Annabme macht die Zustellung nicht unwirksam. 2. Vorläufig müssc!! Sie die Miete cinbehalleii, wenn bis zum 21. 2. 13 ein Psändungs- nnd Ueberweisungsbkschluß folgt, sind Sie verpflichtet, an den Gläubiger Breiiiücke zu zahlen� Wird bis zu dem Zeitpunlt ein solcher Beschluß nicht zugestellt, können Sie wiederum an de» Vermieter zahlen. 3. Ja.— Streitfrage«0. 1. Bei Einkommen von über 3000 M. Fordert die Steuerbehörde jedoch bei einem geringeren Einkommen die Selbst- einschätzung, so ist der Steuerpslichiige zur Abgabe derselben verpflichict. 2. n. 3. Ja. 4. Nein.— Sl. H. 30. 11. E. ja, da ein Verzicht nicht vorliegt. — W. 06. 07. Es liegt Verjährung vor, sofern nicht die im Gesetz vor- gesehenen erschwerenden Momente vorliegen, welche die Straslat als Ver- brechen kennzeichnen.— H. W. 0. Wenn die Ehe wegen des Verkehrs geschieden ist, so steht der Wiederverheiratung das gesetzliche Eheverbot eut- gegen. Hiervon kann durch den Justizmiuister Befreiung bewilligt werden. Der Antrag ist an das Landgericht zu richten.— R. 103. In 2 Jahren, beginnend mit Ende des Kalenderjahres, in dem die Forderung eiitstandeu ist.— A. N. 97. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sie noch au, ivami die Ehe geschlossen und wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist.— O. F. 78. Wir halten Sie nicht für zahlungspflichtig. Schildern Sie Ihre Verhältnisse dem Kreisausschuß.— M. R» 7. Nein WitteruugSLbersicht vom 1. Februar 1913. Elatwnen Swinemdc. Hamburg Berlin Franls. a.M München Wien Gtatwnen H � 30 i?l Haparanda Petersburg Scillh Aberdccn Paris 750 754 744 SW 761 S Wetterprognose für Sonntag, den 3. Februar 1913. Zunächst vielfach heiter, wieder etwas kälter bei ziemlich lebhaften westlichen Winden; nachher neue Erwärmung, Trübung und geringe Nieder- schlüge.» Berliner W e t t c r b u r e a u. WasserstandS-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wcllcrbnreau Wasserstand Memet. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Kroflen „ Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel.—•) Eisflaud. ') Oberhalb der Stadt Eisftand.—'j Treibeis.—') Oberhalb fei: Brücke EiSftand.—') Grundeistrciben. Kompl. Ausstattungen iflr Konfirmanden Wäsche, Strumpfe, Handschuhe, Krawatten, Kragen, Hüte Malm �egir Alexanderplatz 1825 Landsberger " 1 Straße 60-63 Modernes Knudiaus tiXr WÄsclie, Kleidcrstotfe, Seidenstofie, Oarxicn-, Herren- vi. Kinderldeidninff Muster nach Ausserhalb portolrel Für die Einsegnung Verlangen Sie Muster Schwarze Kleiderstoffe Prüf ungs- Kleiderstoffe *Ä0.Uene Po P ey 3.00 2.40 2.15 1.50 Reinwollene Serge bewährte Qualitäten, ca. HO cm breit.. .. 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PI- CO.— Sonntags 12-2 Utir Verantwortlicher Redakteur: Alfred WielePP, Neukölln. Für den Lnjeratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärtß sövchdruckerei n. VerlagSanftalt Paul Singer u. Co., Berlin LM Nr. 28. 30. Iahrgimg. 5. KilM hes Amiirls" KMerAcksM Zonntllg, 2. Fkbniar 1913. ) Ser �entralvefbanÄ Verträge sind eS, die am 31. März ablaufen, während 88 Verträge noch ein bezw. zwei Jahre weiter laufen. Tie ablaufenden Verträge erstrecken sich auf 12S08 Orte mit 9202 Betrieben und 70 721 Zimmerern, von denen 54 345 Verbandsmitglieder sind. Ter vorige Verbands- tag. welcher 1011 in Leipzig stattfand, hat dem Verbände vornehm- lich den Auftrag erteilt, sich auch ferner eingehend mit der Tarif- frage zu beschäftigen und den Llassenbestand auf eine Höhe zu dringen, die gegen alle Widerwärtigkeiten ausreichenden Schutz bietet. Tie Erfüllung dieser Aufgaben hat— wie der Zentralvorstand in seinem für die Generalversammlung bestimmten Ge- schäftsbericht sagt— die wesentlichste Ttäigkcit des Verbandes in den beiden verflossenen Jahren ausgemacht. Aufklärung über die mit dem Tarifwescn zusammenhängenden Fragen ist unter den Mitgliedern verbreitet und der Bestand der Zentrallasse ist auf HM Millionen Mark gebracht worden. Ueberhaupt ist der Verband in den beiden letzten Jahren ein gutes Stück vorwärts gekommen. Er hat besonders au innerer Festigkeit gewonnen. Im 3. Quartal 1012 hätte der Verband die seit seinem Bestehen gröstte Mitglicderzalst aufzuweisen. In 788 Zahlstellen zählte er 65 102 Mitglieder. Wie im 4. Quartal jeden Jahres, so ist auch im 4. Quartal 1912 wieder ein Rückgang der Mitglicderzaljl eingetreten. Ter Fortschritt des Verbandes war in den Jahren 1911 und 1012 ein recht guter. Nach einer im August 1911 gemachten Feststellung waren schon damals 80,92 Pvoz. aller in den betreffen- den Zahlstellen ermittelten Zimmerer Verbandsmitglicder. Das Verhältnis dürfte seitdem iwch günstiger geworden sein. Die Feststellungen von 1910 bis 1912 ergeben, daß das Schwergewicht des Verbandes in den Orten mit mehr als 20 000 Einwohnern liegt. Tie Entwickeluug des Verbandes auf dem Lande befriedigt nicht ganz. Nach der Reichsstatistik entfallen die Hälfte aller Zimmerergesellcn und Lehrlinge auf das flache Land. Hier sind natürlich die Vorbedingungen für eine kräftige Gewerkschafts- bewegung nicht überall gegeben. Die Fluktuation war in den beiden Berichtsjahren noch, recht groß. Es ist jedoch, wie aus den reichhaltigen Tabellen des Berichts hervorgeht, in den letzten zehn Jahren eine beständige Zunahme der Mitglieder zu vcrz'cichnen. Während das Jahr 1903 nur einer Mitgliederzachl von 29 980 schloß, sehen wir am Ende des Jahres 1911 einen Mitgliederbestand von 59 320, der bis zum Schluß des dritten, Quartals 1912— für das vierte Quartal liegt der Abschluß noch nicht vor— auf 65 102 gestiegen ist. Gemäß den Vereinbarungen bei Abschluß der Tarifbewcgung von 1910 hätten zu Beginn des Jahres 1911 in 475 Zahlstellen mit 52 850 Mitgliedern die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich geregelt sei» müssen. Das war aber nicht der Fall. Rur in 400 Zahlstellen mit 44 864 Mitgliedern bestanden Tarifverträge. Im Laufe des Jahres 1911 wurden in 45 Zahlstellen mit 5191 Mit- gliedern Tarifverträge abgeschlossen und für 30 Zahlstellen mit 2885 Mitgliedern war der Dresdener Schiedsspruch als maßgebend betrachtet worden. Für Lohnbewegungen war nach alledem recht wenig Bewegungsfreiheit vorhanden. Ter Umfang der Lohnkämpfe im Jahre 1011 bleibt deshalb hinter früheren Jahren zurück. Im Jahre 1011 wurden 115 Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung erledigt. Sie umfaßten 528 Orte mit 651 Betrieben und 4066 Zimmerern, von denen 3004 dem Verbände angehörten. Von diesen Lohnbewcgun- gen waren, 106 erfolgreich, 3 endeten mit teilweisem und 6 ohne Erfolg.— 152 Lohn bclvegun gen hatten Arbeitseinstellungen zur Folge. Sie umfaßten 322 Orte mit 420 Betrieben, und 3572 Ziminerern, von denen 3032 Verbandsrnitgliedev wareiu Vofi diesen Bewegungen Ovaren 124 Angriffs-, 21 Abtvehrstrciks und 7 Aussperrungen. Ter Erfolg dieser Bewegungen war für 477 Beteiligte eine Verkürzung der Arbeitszeit und für 2637 Beteiligte eine Lohnerhöhung.— Im Jahre 1912 wurden 124 Lohnbewcgun- gen ohne Arbeitseinstellung erledigt. Sic umfaßten 572 Orte mit 506 Betrieben und 3619 Zimmerern, davon 2624 Mitglieder. 91 Bewegungen mit 2807 Beteiligten waren erfolgreich, 21 mit 659 Be- teiligten hatten teilweisen und 12 mit 256 Beteiligten keinen Erfolg. — Zur Arbeitseinstellung kam es bei 159 Lohnbewegungen in 337 Orten mit 361 Betrieben und 3429 Zimmerern, von denen 2954 Mitglieder lvaren. Der Erfolg war für 187 Beteiligte eine Ver- kürzung der Arbeitszeit, für 2934 Beteiligte«ine Lohnerhöhung. Von diesen Bewegungen waren 123 Angriffs-, 23 AbwchrstreilS und 13 Aussperrungen. Insgesamt hat der Verband im Jahre 1911 für�54 187 Mit- glieder Lohnerhöhungen durchgesetzt, und zwar pro Stunde 1 Pf. für 6792 Mitglieder, IL» Pf. für 89 Mitglieder, 2 Pst für 35 987 Mitglieder, 2% Pf. für 40 Mitglieder, 3 Pst für 5346 Mitglieder, 3M> Pf. für 6 Mitglieder. 4 Pf. für 4455 Mitglieder, 414 Pf. für 133 Mitglieder, 5 Pf. für 1228 Mitglieder. 6 Pf. für 164 Mitglieder. 8 Pf. für 22 Mitglieder. Die tägliche Arbeitszeit tvurde für 5543 Mitglieder um Stunde, für 69 Mitglieder um eine Stunde verkürzt.— Die Errungenschaften im Jahre 1912 sind folgende: 54 876 Mitglieder erhielten Lohnerhöhungen, und zwar pro Stunde 14 Pf. 8 Mitglieder. 1 Pf. 6391 Mitglieder, 2 Pf. 40 248 Mitglieder, 21ll Pf. 45 Mitglieder, 3 Pf. 6856 Mitglieder, 4 Pf. 942 Mitglieder, 5 Pf. 386 Mitglieder. Die tägliche Arbeits- zeit wurde für 1185 Mitglieder um}{•, Stunde, für 139 Mitglieder um 1 Stunde verkürzt. Die ArbeitSloseittinterstiitinng ist in den beiden Berichtsjahren in hohem Maße in Anspruch genommen worden. Tie Ausgaben für diese Unterstützung im Jahre 1912 übersteigen erheblich die in dein schweren Krisenjahr 1909 gemachten Aufwendungen, obgleich die Arbeitslosigkeit 1912 nicht die Höhe von 1999 erreichte. Aller- dings fällt ins Gewicht, daß die Generalversammlung 1910 die Unterstützungssätze erhöht hat. Seit ihrer Einführung im Jahre 1905 erforderte die Arbeitslosenunterstützung bis Ende 1912 eine Gesamtausgabe von 2 888 801 M. In den beiden Berichtsjahren beanspruchte die Arbeitslosenunterstützung den, größten Ausgabe- Posten der Hauptkassc; ja, dieser Posten war sogar größer als alle anderen Ausgabe pviten zusammen. ES hat sich gezeigt, daß in den unteren Beitragsktasscn die Arbeitslosenunterstützung in höherem Matze in Anspruch genommen wird als in den oberen. Infolge- dessen besteht in den unteren Klassen ein Mißverhältnis zwischen Einnahme aus Beiträgen und Ausgabe für Arbeitslofeuuntier- stützung. Der Vorstand hält deshalb eine Reform dieses Unter- stützmigsztvcigcs für dringend geboten. Er unterbreitet der Gene- ralverfammluna demcntfprechcnde Anträge und betont, daß dikr Charakter des Verbandes als jtampforganisation durch die Unter, stützungseinrichtungen nicht verwischt werden darf. Ueber die Finanzlage des Verbandes orientiert der ausführliche Kassenbericht. Wir ersehen auS ihm, daß die Hauptkasse im Jähre 1912 eine Einnahme von 2 331131 M. hatte. Ausgaben waren unter anderem: für Streiks und Lohn- bewegungcn 40125 M., für Unterstützung Gcmaßrcgelter 7387 M., für Rechtsschutz 11 135 M., Arbeitslosenunterstützung 671 161 M., Rciseunterstützung 22 336 M.. für verbranntes Werkzeug 2672 M. Das Vermögen der Hauptkassc einschließlich ihres Guthabens bei den Zahlstellen belief sich Ende 1912 auf 4 749 230 M. Aus der Tagesordnung der Generalversammlung und den ihr vorliegenden Anträgen ergibt sich, daß sie eine Reihe wichtiger Arbeiten zu verrichten hat. Daß dieselben im Interesse der Or- ganisation erledigt, und daß sie der tvciteren Förderung des Ver- bandes und feiner Stärkung für oen Kampf um die Verbesserung der Lebenslage seiner Mitglieder dienen werden, dafür bürgt die seitherige Tätigkeit des Zimmererverbandcs. An ckia verekrtvn Ksusfrsuvn»«a Easelckftslaut«! Die Rabattmarken des„Zweckverbandes der Kackermeister". Der unterzeichnete Vorstand sieht sich veranlaßt, der Oeffentlichkeit, hauptsächlich aber den verehrten Hausfrauen, folgendes zu unterbreiten: Unter der Firma:„Zentralrabattsparverein Grotz-Berlin" propagieren die Obermeister der 16 Bäckerinnungen von Groß-Berlin, welche sich den Namen„Zweckverband der Bäckermeister" beigelegt haben, eine neue Rabattmarken-Gesellschaft, vor der wir nachdrücklich zur größten Vorsicht mahnen. In den Schriften, die die Gesellschaft bis dato verteilt hat, und ebenso von den Reisenden der Gesellschaft, die bei den Gewerbetreibenden diese Marken vertreiben sollen, wird behauptet, daß hinter dieser neuen Gründung die 16 Bäckerinnungen von Groß-Berlin stehen und mit ihrem gesamten Vermögen für die eventuellen Spargelder haften! Demgegenüber müssen wir erklären: Daß keine Innung einen Beschluß gesaßt hat, einen neuen und ebenso überflüssigen Rabattfparverein zu gründen oder einem solchen beizutreten, am allerwenigsten aber mit dem Jnnmrgsvermögen zu haften. Nicht einer einzigen Innung lag diese Materie zur Beschlußfassung vor! Abgesehen davon, daß diese Gesellschaft für den Sparer keinerlei Vorteile bietet, birgt deren Gründung möglicherweise die Gefahr der Terrorisierung der Geschäftsleute, insbesondere der Bäckermeister, in sich, wie sie beispielsweise im Lohnkampf der Bäckergesellen 1907 durch Ber- hängung der Hefesperre sich gezeigt hat. ber borftand der„freien Vereinigung der Bäckerroeiiter Berlins und Umgegend". 22745 Christian Zeitler. Johann Fischer. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstahen zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächsteNummer werden in den Annahmestellen lür Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrassc 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkaufe. Betten, Stand 9,—. stratze 70, im Keller. 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