V». 39. Bbonncmcnts-BfdingBrtd«!!: SlBonnrairnl#- Prois trämimcrnnio; Sicrtcljätjil. 3,j0 Ml, mouatl. 1,10 Ml,, w-'chenMch 28 Pfg. frei ins Haus. G��elne Nummer 5 Pfg, Souuiags. mnnmet mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Nette Welt" 10 Pfg, Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Etnartrligen in die Post-Zeltungs- Prct.ttfte. Unter Kreuzband tiir Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabvnnemenlS nehmen an: Belgien. Diittemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, nättten, Schweden und die Schweiz, 30. Jahrg. Die Tnlertions» Gebühr Beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- geile oder deren Raum W) Psg„ für politische und gewerlschaftliche Vereins. lind Lersnmmlttngs-Anz eigen 30 Pfg. „Kleine Mmeigen", daS fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 settgedruckle Worte), jedes weitere«ort 10 Pfg. Etellengeiuche und Schlasslellenau» zeigen das erste Wort 10 Psg,. jedes tveitere Wort ö Psg. Worte über ISBuch. i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Exvezilion abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geWiet. Sichel»! lagllch auEcr Msbligl. Vevlinev Volksblnkk. Telegramm> Adresse: „S»?lalllll»»lint»ill»". Zcntralorgan der fozSaldemokratifchcti parte« Deutfcblands. Redaktton: 631. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morissplass, Nr. 1»8Z. llach Kblaus äes Aaffenstillstanckes. Sonntag noch haben die Vertreter der Großmächte Schritte in den Hauptstädten der Balkanstaatcn unternommen und zur Fortsetzung der Verhandlungen geraten. Vergeblich. Bulgarien hat geantwortet, die Verhandlungen könnten nur wieder ausgenommen werden, wenn die Türkei Arianopcl ab trete. In letzter Stunde kommt nun die Nachricht von einem neuen Vermittelungsvorschlag der Londoner Botschafter� konferenz. Tarnach soll der bulgarischen Regierung vorge schlagen werden, einen mit religiösen Hoheitsrechten ansge statteten Vertreter des Sultans in Adrianopel anzuerkennen, wenn die Türkei bedingungslos sich damit einverstanden er- klärt, daß die Großmächte das Schicksal Adrianopcls bessim- mcn. Die bulgarische Regierung hat sich nach einer Reuter- Meldung mit dieseni Vorschlag einverstanden erklärt. Jedenfalls darf man hoffen, dckß die Feindseligkeiten keinen großen Umfang und keine große Tauer haben werden. Allerdings könnte eine arge Komplikation entstehen, wenn die Bulgaren nicht nur Adrianopel angriffen, sondern auch an der Tschataldscha- Linie und auf Gallipoli vorgingen. Berichten doch auch heute wieder verschiedene Meldungen von den schweren'Zerwürfnissen innerhalb des türkischen Offizierskorps, die die militärische Widerstandskraft der Türkei gerade an dein gefährdctstcn Punkte sehr Zweifel- Haft erscheinen lassen. Der neue Vermittelungsvorschlat,. London, 8. Februar. Das offiziöse„Reutersche Bureau" ist zu der Erklärung ermächtigt worden, daß Bulgarien durchau.6 bereit sei, den Vorschlag der Mächte anzunehmen. Es ist damit einverstanden, daß ein Vertreter des Kalifen, der mit religiösen Hoheitsrechten ausgestattet ist, in Adrianopel, und zwar in deni Stadtteil, der die ottomanischcn Heiligtümer um- saßt, residieren soll, nachdem die Festung an die Ver- b ü n d e t c n übergeben wo r d e n i st. Die Ausfassung in London. London, 3. Februar.(P r i v a t t c l e g r a m m des »,V 0 r w ä r t s".) Die Hoffnung, daß noch in letzter Stunde eine Wiederaufnahme der Feindselig- leiten verhindert werden würde, ist allgemein auf- gegeben worden. In einem optimistisch gehaltenen Tele- gramm aus Sofia berichtet der Korrespondent der„Times", dort sei man der Ansicht, daß eine g ä n z l i ch e D e m 0 r a l i- sation des türkischen Heeres bei Tschatald- s ch a die Jungtürken in letzter Stunde z u m N a ch g e b cn bewegen werde. Man glaubt in London, daß der Kampf, falls er ausbrechen sollte, auf alle Fälle nicht lange währen wird. Aus Konstantinopcl wird dem„Daily Telegraph" berichtet, daß die türkischen Befehlshaber alle Vorbereitungen zum Kampfe treffen und daß dieser mit einer Wildheit geführt werden würde, von der der erste Teil des Krieges keine Ahnung gebe. Bemerkenswert sind die Ausführungen der „Daily Chroniclc", die meint, daß der Angriff der Bulgaren wahrscheinlich nicht auf die starke Festung Adrianopcl mit ihrer disziplinierten Garnison erfolgen werde, sondern auf die demoralisierten Truppen bei Tschataldscha. Damit wäre die Möglichkeit der Einnahme K 0 n st a n t i n 0 p e l s, die Vertreibung der Türken ans Europa und die Auflösung der türkischen Herrschaft in Asie»'gegeben. Das Blatt fragt, ob es nickt Zeit sei, daß die beiden europäischen Mächtegruppen sich über das Schicksal der Türkei in Asien verständigten. Die Intervention der Mächte in Sofia. Sofia, 3. Februar. Die bei der bulgarischen Regierung unternommenen Schritte der Botschafter der Mächte hatten die Forin eines freundschaftlichen Rates und waren keineswegs energisch gehalten. Die Botschafter rich- teten an die bulgarische Regierung die Anfrage, welche Privilegien sie den Ottomanen in Adrianopel zu be- willigen bereit seien, falls die Stadt von den Türken abge- treten würde. Heute abend werden die Minister darüber be- raten, welche Antwort den Mächten auf.diese Frage zu geben ist. Die bulgarische Kricgsankundigung. Sofia, 3. Februar.(OZeldung des Wiener K. K. Tclegr.- Korresp.-Bureaus.) Wenn die Regierung um 7 Uhr abends nicht davon verständigt ist, daß die T ü r k e i die K 0 l l e k- t i v n 0 t c der Mächte unverändert annimmt, werden vor Adrianopel unverzüglich die Feindselig. keiten wieder beginnen. Die Häfen V a r n a und B u r g a s werden für die Handelsschiffahrt als geschlossen erklärt, da in der Nähe der beiden Häfen schwimmende Minen ausgelegt sind. Neue Forderungen. Paris, 3. Februar. Dr. D a n e w erklärte eineni Redak- teur des„Temps": Wenn die T ü r k e i nach der Wiederaus' nähme der Feindseligkeiten unsere F r i e d c n s b c d i n g u n- gen nicht sofort annehmen sollte, dann werden wir territoriale und finanzielle Nachtragsforderungen stellen. Wir werden einen Zugang zum Marmara- in e e r verlangen und die von uns geforderte Kriegsent- s ch ä d i g u n g erhöhen. Im übrigen wird es, welche An- erbieten die Türkei auch machen wird, keinen W-a f f e n- st i l l st a n d mehr geben. Wir haben bereits zwei Me- natc verloren, wir wollen das nicht von neuem anfangen. Wir werden unseren Armeen nach der Unterzeich- nun g des endgültigen Friedens Einhalt ge- bieten. Ueber die b u l g a r i s ch- r n m ä n i s ch e n Verhand- lungcn sagte Dr. Danew: Wir haben den Rumänen das Anerbieten gemacht, daß wir unsere Grenzen nicht befestigen wollen, ohne ihnen das Recht zu bestreiten, ihre eigenen Grenzen zu befestigen. Wir haben ihnen sogar versprochen, die südlich von Silistria gelegenen übrigens wenig bedeuten- den Forts zu schleifen. Das ist ein entscheidender Beweis für unsere dona fides, das ist eine teilweise Preisgebung unserer Souveränitätsrechte, das bedeutet, daß wir dort eine militärische Inferiorität hinnehmen, das zeigt unwiderleglich, daß wir keine bösen Absichten hegen. Wir haben Rumänien einen Gcbietsvorteil angeboten durch die Abtre- tung zweier Dreiecke, welche in das rumänische Gebiet hinein- reichen, sowie durch die Abtretung eines Küstenstrichs südlich von dem rumänischen Hafen Mangalia. Schließlich haben >vir alle Forderungen Rumäniens betreffs der K u tz ö- Wallachen in Mazedonien bewilligt und haben sogar zu- gegeben, daß deren Schulen und Kirchen in dem neuen bul- garischen Gebiet mit Unterstützung der rumänischen Regie- rung erhalten werden können. Wir hoffen, daß wir auf diese Weise einen n e u� n P a t r i 0 t i s m us, einen Balkan- Patriotismus, schaffen werden, daß Griechen, Bul- garen, Serben und Rumänen überall auf dem Balkan sich zu Hause fühlen. Ter Zwiespalt in der türkischen Armee. Köln, 3. Februar. Nach einer Konstantinopeler Depesche der„Kölnischen Zeitung" ließ S ch ü k r i Pascha, der Verteidiger Adrianopels, erklären, er werde nach Schluß des Krieges nach Konstantinopel kommen, um wegen der Ermordung Nazim Paschas abzurechnen. Auch Marschall Fuad Pascha erkundigte sich nach dem Namen einer großen Anzahl von �Offizieren, die wegen der Ermor dung Nazims gestraft werden sollcm Weiterhin fordert die k u r d i s ch e Kavallerie der Selimlje-Kaserne von Skutari die Hinrichtung der Mörder Nazims und w e i- g c r t sich, die Befehle des Kriegsministcrs auszuführen, der sie auffordert, in ihre Hcimatsstädte zurück- zukehren. Enver Bei, der /ich in das Hauptquartier von Hademköj begeben hatte, um die Armee zu gewinnen, mußte zurückkehren, da man ihn g e w a l t s a m hinderte, aus seinem Kraftwagen auszusteigen. Es gilt als z u s p ä t, d i e Empörung innerhalb des Heeres zu d ä m P fe n. Vertagung der Botschafterkonferenz. London, 3. Februar. Die Botschafter hatten SVj Uhr nachmittags auf dem Auswärtigen Amt eine Zusammenkunft mit Staatssekretär Grey, die nur eine halbe Stunde dauerte. Der einzige Grund für die kurze Dauer der Zusammenkunft war der, daß�tatsächlich nichts zu erledigen war. Und die Botschafter kamen zu dem Entschluß, daß es zwecklos sei, vor Donnerstag wieder zusammenzukommen, wenn nicht ein besonderer Anlaß vorliege. Eine ostcrreichisdje Mahnung. Wien, 2. Februar. Das»„F r e m d e n b l a t t" schreibt: Im Interesse des Friedens und der auf die Beendigung des K r i e g s z u st a n d e s gerichteten Bemühungen Europas ist es unbedingt notwendig, daß die Türkei, die sich in der Antwort auf die Kollektivnote der Mächte entgegenkommend gezeigt hat, auch demRatederMächtesichvollkom- m e n anschließt, da die Mächte nicht von der Auffassung abgehen werden, die sie in der K 0 l l e k» tivnoteniedergelegt haben. Andererseits werden die Mächte keinen Druck auf die Balkan st aaten aus» üben, um sie zur Annahme der türkischen Vorschläge zu vor- anlassen, die ja bisher den Wünschen der Großmächte nicht vollständig entsprechen. Die Türkei schießt nicht zuerst. Konstantinopel, 3. Februar. Die türkischen Friedens- bevollmächtigten haben Befehl erhalten, erst nach Wieder- eröffnung der Feindseligbeiten von London abzureisen. Eine offi- ziöse Note erklärt: die türkischen Truppen seien angcwie- sen worden, nicht früher zu schießen, als bis die Bul- garen nach Ablauf der Kündigungsfrist des Waffenstillstandes zu schießen beginnen. Tie Pforte hat es für nötig gehalten, diese Weisungen zu erteilen, damit die öffentliche Meinung überzeugt werde, daß die Verantwortung für den Wiederbeginn des Krieges ausschließlich auf die Verbündeten falle. Expedition: 831. 68» lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morifcplafc, Nr. 1984. Der Abschluß des Prochaskn-Schwindcls. Wien, 3. Februar. Ter österreichisch-ungarische Kon- sul in Prinzrcnd Prochaska ist abberufen und nach Südamerika versetzt loorden. Bulgarien und Rumäuicn. Paris, 2. Februar. Ter Korrespondent des„T e m p s" in B u k a r e st will aus guter Quelle erfahren haben, daß in deni bulgarisch-rumänischen Zwist eine Entspannung eingetreten und eine Verständigung als gewiß an- zusehen sei. Die Verständigung werde aus folgender Grund- läge erfolgens Rumänien werde auf die Abtretung inehrcrcr Punkte verzichten, bei welchen sich das bulgarische National- gesühl unnachgiebig zeigen würde, dagegen werde Bulgarien über die von Danew in London vorgeschlagenen Zugeständ- nisse hinausgehen und wahrscheinlich in größere Ge- b i e t s a b t r e t u n g e n an der Küste des Schwarzen Meeres einwilligen. Die Festung S i l i st r i a würde geschleift werden, aber bulgarisch bleiben. Die beiden Regierungen wünschen, daß das angestrebte Abkommen die Grundlage für eine dauernde Freundschaft bilden möge. vom„goldenen Boden" des Handwerks. Jüngst ist im Verlage von Gustav Fischer, Jena,*) ein Werk erschienen, dessen Verfasser sich die interessante Aufgabe gestellt hat, das Einkommen der Handwerker im Stadtkreise Hannover zu ermitteln. Tie erzielten Resultate be- stätigen von neuem, daß es mit dem„goldcncn Boden" des Handwerks sehr windig bestellt ist und daß die Tendenz zur Proletarisierung sich auch bei der Masse der großstädtlschen Handwerksmeister feststellen läßt. Leider hat sich der Ver- fasser darauf beschränkt, die E i n k 0 m m c n der Handwerker zu untersuchen., Ein viel' deutlicheres Bild des Handwerker- daseins hätte er erhalten, wenn es ihm möglich gewesen wäre, durch Aufnahme von Haushaltsrcchnungen und Verbrauchs- statistiken auch die Aufwendungen der Handwerksmeister für ihre Lebenshaltung zu ermitteln. Eine solche' Arbeit hätte gewiß ihre Schwierigkeiten gehabt und wäre nur bei einer beschränkten Anzahl typischer Handwerksbetriebe durchfuhr- bar gewesen, aber was schließlich bei Hunderten von Beamten- und Arbeiterhaushaltungen möglich war, wird sich auch bei selbständigen Handwerksmeistern ermöglichen lassen. Als Material für seine Erhebungen hat der Verfasser die Daten der Steuerbehörde der Stadt Hannover genommen. Er ist sich aber klar darüber, daß dieses Material nicht ganz einwandfrei ist, weil zweifellos die Steuererklärungen der Handwerker zum größten Teil das wirklich erzielte Ein- kommen nicht richtig angeben. Man tut daher gut, bei den iiiitgeteilten Einkoinmenszahlen einen entsprechenden Auf- schlag in Anrechnung zu bringen; Sachkenner halten einen Aufschlag von 10— 20 Proz. für berechtigt. Im ganzen wurden die Steuererklärnngen von 4621 Handwerkern, also eine ganz crheblick)e Zahl, benutzt. Die Gewinnung des Materials geschah in der Zeit vom 1. April 1900 bis 31. März 1910. Der Verfasser hat aber auch die Vermögen der Handwerks- mcister nach den Ergänzungssteuerlisten untersucht. Außer» dem hat er Angaben über die Einkommensverhältnisse der Gesellen und Lehrlinge gesammelt, sowie über deren Arbeitsverhältnisse Erkundigungen angestellt. Merkwürdigerweise hat Dr. Vogel sich hierbei an„Ver- treter der einzelnen wichtigeren Handwerker", den Ober- meistern der Innungen nämlich, gewandt und dort Auskunst über die Lage der Gesellen und Lehrlinge eingeholt. Dicss Methode der Materialbeschaffung ist außerordentlich bedenk- lich, denn die Herren Mcister haben ein Interesse daran, dia Löhne und Arbeitsverhältnisse der bei ihntzp beschäftigten Arbeiter möglichst g ü n st i g darzustellen. Es war daher nötig, wenigstens durch Rückfrage bei den Arbeitern resp. deren gewerkschaftlichen Organisationen die Angaben der Jnmmgsmeister zu kontrollieren. Das ist unterblieben. Die Uiltersuchiillgcii Dr. Vogels ergeben nun ein sehr trauriges Bild der Einkommensverhältnisse der großen Masse der Handwerksmeister. Das geht schon daraus hervor, daß von den 4621 selbständigen Handwerkern 4130, also fast 90 Prozent, unter 3000 M. Einkommen ver- steuerten. Nur 491 Handwerker, 10,63 Prozent, habe» ei» Einkommen von mehr als 3000 M. angegeben. Das ist ein recht ungünstiges Ergebnis. Noch düsterer wird das Bild, wenn man zur Betrachtung der Einzelheiten übergeht. Da ist zunächst die Gruppe der 4130 Handwerker mit unter 3000. M. Einkommen. Der Verfasser hat hier die Frage nach dem typischen Einkommen durch die Ermittelung des sogenannten Medianwertes, also des Einkommenssatzes. über den 50 Prozent der Handwerker nicht hinauskommen, während die anderen 50 Prozent nicht unter ihn hinabsinken, zu beantworten gesucht. Er stellt dai�iber folgende Tabelle auf, worin der Medianwert durch Fettdruck hervorgehoben sei. Es erzielten: •) Einkommen der Handwerker im EtadtlxeiS Hannover, von Dr. Karl Vogel. Verlust....... 2 selbständige Handwerker 0— 420 M. Einkommen 20 420- 660 600— 900 900-1050 1050-1200 1200—1350 I3SO-ISOO 1500—1650 1660—1800 1800-2100 2100-2400 2400-2700 2700-3000 29 214 405 743 427 612 293 337 412 283 188 164 4180 selbständige Handwerker Hiernach wäre also ein Eiwkomnien von 1300—1500 für die stadthannovecichen Handwerksmeister typisch. Diese Summt verschiebt sich auch dann nicht, wenn die Handwerker mit einem Einkommen von über 3O0O M. mit berücksichtig werden. Auch Dr. Vogel betont, daß das„autzerorde n-t lich gering" ist, er glaubt aber das ungünstige Ergebnis durch den Hinweis verbessern zu können, daß dieses geringe Einkonunen doch„durchaus nicht typisch, sondern vielmehr aus besonderen Umständen" zu erklären sei.„Häufig werden wohl in dem Betriebsjahre, das für die Veranlagung in Frage kommt, mehr oder minder große Verluste vorgelegen haben wie denn in zwei Fällen das Einkommen überhaupt ein negatives war. Oft handelt es sich auch um junge Selbständig? und um Anfänger, die noch keinen angemessenen Gewinn er- zielt haben. Endlich finden wir recht kleine Einkommen bei alten oder invaliden Meistern, deren Gewerbebetrieb einen ganz unbedeutenden Umfang hat und die wohl in der Haupt jache von ihren Angehörigen unterhalten werden." Diesen Auslassungen können wir eine Beweiskraft nicht zugestehen, denn umgekehrt werden sicher ebenso oft g ü n st i g c Umstände das typische Einkommen nach oben beeinflussen. Ferner muß berücksichtigt werden, daß in sehr vielen Fällen auch der Verdienst der Handwerker f ra u e n in den angeführten Einkommenszahlen enthalten ist. Dr. Vogel führt 52 Fälle an. wo die Handwerkersrauen durch allerhand Nebenbeschäftigung, durch Kleinhandel, als Ausi wartefrau usw. das Einkommen des Mannes vergrößerten. In Wirklichkeit dürfte jedoch die Zahl der Handwerkerfrauen, die durch Verkäuferdienste im Geschäft des Mannes oder durch andere Arbeiten im eigenen Betrieb zum Einkommen bei tragen, bedeutend größer sein. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die Eiu kommen oller einzelnen Handwerker anzuführen; wir wollen uns daher auf einige wenige Fälle beschränken. Pro zentual am günstigsten stehen mit ihren Einkommensverhält nissen da die Schorn st einfeger und die Gerber, die alle über 3000 M. Einkommen haben. Allerdings ist hier bei zu berücksichtigen, daß die ersteren ein privilegiertes Hand werk ausüben und die Gerber nur mit 1 selbständigen Meister vertreten sind, ein Schluß auf die allgemeine Lage des Gerberhandwerks also nicht gut gezogen werden kann. Das- selbe trifft für die Büchsenmacher zu, die nur durch 2 der- treten sind, von denen einer über 3000 M. verdient. Ein hohes Einkommen haben dann noch die Maurer. Von diesen er- zielen 41,94 Prozent über 3000 M. Es folgen dann die Seiler mit 33 Prozent, die Goldschmiede mit 31 Prozent, die Fleischer mit ebenfalls 31 Prozent, die Konditoren mit 27 Prozent, die Zimmerer mit 26 Prozent, die Metallgießer mit 25 Prozent, die Steinhauer auch mit 25 Prozent und die Bäcker mit 22,97 Prozent. Untersuchen wir nun noch, wie sich die Einkommens- Verhältnisse bei der Masse der Handwerker im einzelnen gestalten, den Bäckern. Fleischern, Barbieren. Klempnern, Malern, Maurern, Schlossern, Schneidern, Schuhmachern, Tapezierern und Tischlern. Von diesen stehen am günstigsten da, außer den Maurern, die Bäcker und die Fleischer. Der höchste Einkommens st atus wurde bei den Mau- r e r n gefunden. Nicht nur liegt der Medianwert am höchsten(in der Stufe von 2400— 2700 M.), auch 65 von 155 Selbständigen, das sinsi fast 42 Prozent, haben mehr als 3000 M. steuerpflichtiges Einkommen. Ebenso ist es mit der Vermögenslage der Maurer. 65 Maurer haben Ver- mögen versteuert, bei 60 von ihnen konnte ein Vermögen über 6000 M. festgestellt werden; es betrug im Mittel 50 000 bis 1006 000 M. Im ganzen hatten die 60 Maurer 6 161 655 M. Vermögen. Das ist in der Tat eine glänzende finanzielle Lage. Die Zahlen zeigen aber auch, wie enorme Gewinne die Boden- und Häuserspekulation in der modernen Großstadt den Herren Maurermeistern in den Schoß wirft. Sie zeigen weiter, wie unberechtigt der Wider- stand gerade der Maurermeister gegen die Lohnforderungen der Bauarbeiter ist. Daß die Lage drr Hanliiverksmeister aus dem Nahrungs- mittelgewerve, der Bäcker und Fleischer, günstig ist, ist allgemein bekannt. Die vorliegende Erhebung bestätigt das. Die Einkommensübersicht der 344 Bäcker zeigt einen Medianwert von 2100— 2400 M. Bemerkenswert ist aber, daß rund 23 Prozent der Bäcker über 3000 M. Einkommen erzielen. Fast 56 Prozent der Bäcker m ei st er sind zudem Hausbesitzer, was wohl die Art des Betriebes mit sich bringt. Bei den 271 Fleischern liegt der Median- wert ebenfalls in der Gruppe 2100—2400 M. Von diesen Hand- werkern überschreiten fast ein Drittel(31 Prozent) ein Ein- kommen von 3000 M. und fast die Hälfte von ihnen(48,7 Prozent) haben ein oder mehrere Häuser. Ein Fleischer er- reichte das höchste der verzeichneten Einkommen, beinahe 50000 M. Man sieht also, daß auch bei den teueren Vieh- preisen die Herren Fleischermeister immer noch ein einträg- liches Geschäft zu machen verstehen. Erheblich ungünstiger sind die Schlosser, die Klempner und die Maler gestellt. Tie 165 S ch l o s s e r m e i st e r er- reichten iin Mittel 1656— 1800 M.; nur 11,52 Prozent erzielten mehr als 8006 M. Einkommen. Bei den 134 K 1 e m p- nern stellt sich der Medianwert auf 1500— 1650 M.; nur 7,46 Prozent kommen höher als 3000 M. Tie 351 Maler haben denselben Medianwert(1500— 1650 M.); nur 7,41 Proz. haben mehr als 3000 M. Einkommen. Ein nocki geringeres Einkommen haben die Tischler und die Tapezierer. Die ersteren<392 Meister) hatten ein mittleres Einkommen von 1350— 1500 M. und nur 6,63 Prozent von ihnen haben mehr als 3000 M. Die 224 Tapezierer kamen nur auf 1200—1350 Mark und nur 4,02 Prozent über 3000 M. Können schon die zulebt ausgeführten Handwerker zu denen mit wahrhaft proletarischem Einkommen gerechnet werden, so erst recht die Barbiere, die Schneider und die Schuhmacher. Die 296 Barbiere erzielten im Medianwcrt 1200—1350 M. und nur 1,35 Prozent von ihnen erreicht ein Einkommen von mehr als 3000 M. Zweifellos hat dieses niedrige Einkommen seinen Grund in der großen Zahl der kleinen selbständigen Eristenzcn, die auf eine bc denkliche Ueberfüllung dieses Handwerks hinweist. Tie eigentlichen Proletarier unter den Handwerkern sind aber die Schuster und die Schneider. Sie erreichen im Durch schnitt das niedrigste Einkommen mit 1050—1200 M 41 Schneider, das sind 7 Prozent, kommen nicht cinmalüberdasExistenzminimumvon900M hj n a u s. Immerhin winkt wenigstens den kapitalkräftigen Schneidermeistern die Möglichkeit, ein höheres Einkommen zu erzielen. Das sind aber nur verschwindend wenig, denn nur 3,69 Prozent verdienten über 3000 M. Nicht viel besser ist es mit Jim Gesellen bestellt. Davon arbeiten in Hau nover 700— �0. Diese leiden hauptsächlich unter einer überaus M n ge n Arbeitslosigkeit, denn das Schneiderhandwerk ist vor allem Saison Handwerk. Selbst Dr. Vogel gibt zu, daß der Geselle nach allen Erfahrungen durchschnitlich nur 7� Monate im Jahre Beschäftigung hat. Die übrige Zeit ist er arbeitslos. Da ist es erklärlich, daß die in der Saison mitunter erzielten verhältnismäßig hohen Löhne arg zusammenschrumpfen, wenn man sie auf das Jahr umrechnet. Der Verfasser schreibt: „Es ist nicht zu erfassen, was der Geselle in der stillen Zeit tut, ob er sich irgendwelche außerhalb seines Bc rufes liegende Beschäftigung sucht oder ob er tatsächlich— wie manche annehmen— die Ueberschüsse aus der guten Zeit auf die schlechte verteilt. Sehr wahrscheinlich scheint uns diese letztere Annahme nicht." Am unerfreulichsten ist das Bild bei den Schuh mache r n. Nur 3 von 648, also noch nicht VL' Prozent, haben über 3000 M. Einkommen. Dagegen bleiben 119 oder 18 Prozent unter dem s e l b st vom Staat als notwendig erachteten Exi st enz minimum von 9 00 M. Ter Medianwert liegt in der Gruppe von 1050 bis 1200 M. Das Schuhmacherhandwerk steht somit am ungünstigsten von allen Handwerken da. Die G e feilen haben ein klein wenig höheres Einkommen als die Schneidergesellen. Nach den Ermittelungen Dr. Vogels kommen sie im Mitel auf 1200 M.(?), gegen 1150 M. bei den Schneidergesellen. Im ganzen betrachtet, bildet die Arbeit Dr. Vogels eine lehrreiche Illustration zum Zerfall des städtischen Handwerks. Tie große Masse der Handwerker— daran ist. selbst wenn man zu den mitgeteilten Einkommenszahlen noch einen Aufschlag von 20 Prozent rechnet, nicht zu zweifeln— lebt in durchaus unzulänglichen Einkommcnsverhältnissen. Mit dem so viel gerühmten„goldenen Boden" des Handwerks ist es für die meisten Gewerbe endgültig dahin, und je weiter die kapitalistische, großindustrielle EntWickelung fortschreitet, desto weniger ist es den Handwerkern möglich, sich zu einer einträglichen Position emporzuarbeiten. Da quält man sich nun seit Jahrzehnten, Idurch allerhand Palliativmittelchen dem Handwerk auf die Beine zu helfen; der Erfolg ist so gut wie Null. Die meisten Handwerker leben noch immer unter kümmerlichen Daseinsbcdingnngen, die kaum besser, in vielen Fällen sogar ungünstiger sind, als die der städtischen Fabrik- arbeiter. Statt aber den Handwerkern die Wahrheit zu sagen, 'uchen die Herren Mittelständler sie über ihre wirtschaftliche Lage zu täuschen. Tie Sozialdemokratie ist ehrlicher. Sie zeigt den Handwerkern, wohin die Reise geht und daß es auch für sie keine andere Rettung gibt, als den S o z i a l i s- m u s. Untersuchungen von der Art der Dr. Vogelschen sind in all ihrer Unvollkommenheit die besten Beweise dafür, daß wir auf dem rechten Wege sind. Lege» SozialdemohraleD und Polen. Unter diesem Zeichen stand auch der dritte Tag der General- debatte zum Etat des Ministeriums des Innern, die der Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) mit einem Klagelied über das Eindringen der Sozialdemokraten in die Gemeindevertretungen, namentlich in Schleswig-Holsteinund Frankfurt a.M.eröffnete Dort besteht bekanntlich kein Dreiklassenwahlsystcm wie in den östlichen Provinzen, sondern ei» allgemeines Zensuswahlrecht. Herr v. Zedlitz aber will, daß auch dort da» Dreiklassenwahlsystem«ingeführt wird. Dahinzielende Bestrebungen sind ja schon seit längerer Zeit im Gange, unsere Genossen werden deshalb aus den Zedlitzschen Provokationen die richtige Lehre ziehen und dafür sorgen, daß jeder Anschlag auf ihr verhältnismäßig freies Wahlrecht zuschanden wird. DaS Märchen vom sozialdemokratischen Terrorismus spielte in der Rede des frei- konservativen Führers«ine untergeordnete Rolle. Natürlich verbreitete er ich auch über die? beliebte Thema, aber nach den Ausführungen seines -gelehrigen Schülers v. Kardorff vom Freitag blieb ihm darüber nicht mehr viel zu sagen übrig. Unk so mehr wetterte er gegen den Reichstag, dem er die denkbar größte Mißachtung entgegenbringt. Kein Wunder! Ist es ihm doch trotz krampshaftestcr Anstrengungen bisher nicht gelungen, unter dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht irgendwo eine nennenswerte Stimmenzahl auf ich zu vereinigen! Aber etwas höflicher hätte er trotzdem sein können- Sein Ausspruch, der Beschlutz des Reichstags habe für die preußische Polenpolitik so viel Bedeutung, als wenn er beschlossen hätte, die Sonne soll nicht mehr scheinen, zeugt nicht gerade von der guten Kinderstube, deren er und seine Freunde sich rühmen. Wenig Aufmerksamkeit fand die Rede des Abg. G r o n o w s k i vom Zentrum. Wenn dieser sogenannte Arbeitervertreter die Tribüne besteigt, so weiß man, was er sagt; seine ganze Kunst erschöpft sich in namenlosen Verhetzungen und Beschimpfungen der sozial- demokratisch gesinnten Arbeiter, und da er die gleiche.Rede schon seit Jahren hält, so benutzt die Mehrheit des HanseS die gute Gelegen- heit, sich in den Wandelgängen und Restaurationsräumen zu erholen. Diesmal wurde die Erholungspause dadurch verlängert, daß nach Gronowski Herr Hammer das Wort ergriff, um in albernen Phrasen gegen die Sozialdemokratie zu toben, die Polizei gegen die Arbeiterbewegung anzurufen und das Dreiklaffenwahlsystem als ein mittelstandssrcundliches Wahlrecht anzupreisen. Und dieser Herr fühlt sich beleidigt, wenn man ihn nicht ernst nimmt. Nachdem der Pole S e y d a die begründeten Beschwerden seiner engeren Landsleute zur Sprache gebracht hatte, die der Minister Dallwitz wie immer als nicht berechtigt bezeichnete, hielt als dritter Freisimisredner Herr S ch e p p eine Schaulelredc der Art, wie man sie von diesem durch konservative Hilfe in den Landtag gewählten„Fortschritts"«™»» gewöhnt ist. Voll Ausnahme- gesetzen wollte er nichts wissen, dafür besaß er den eigenartigen Geschmack, jene„geistige" Bekämpfung der So- zialdemokratie zu verherrlichen, durch die Herr Eugen Richter sein politisches Renommee zu ruiniere» verstanden hat. Bezeich- nenderweise verwahrte Herr Schepp den Fortschritt auch lebhaft gegen den von Strosser geäußerten furchtbaren Verdacht, daß der Freifinn am Ende doch noch bei der bevorstehenden Landtagswahl mit der Sozialdemokratie ein Wahlabkommen treffen könne. Dem folgenden Redner, unserem Genosien Liebknecht, sollte dann wieder einmal das Wort abgeschnitten werden. Aber das Zentrum scheute sich diesmal doch, bei dem Heldenstücklein mitzutlm. etliche seiner Abgeordneten erhoben sich zwar für den Schlußantrag, duckten sich dann aber, wie Herr Schmedding, auf sozialdemokratische Zwischenrufe hin wieder schleunigst nieder. Da- gegen gelang es dem Zentruni bei der Gegenprobe— die bei dem zweifelhaften Resultat erfolgte— nicht, einige besonders beleibte Mitglieder trotz physischer Hilfeleistung zum Auffteheu zu bringen. Demnach fiel der Schlußantrag, so daß Liebknecht noch einmal eine gründliche Abrechnung mit den blauen Scharfmachern vornehmen konnte. Er sprach den Kardorff, Zedlitz und Groeben den freudigen Dank der Sozialdemokratie aus. für ihre prächtige agitatorische Unterstützung zur Llufpeitschung der Volksmaffen und überschüttete diese Beschirmer der armen terrorisierten.Arbeitswilligen" mit beißendem Hohn. Aber Liebknecht unterzog auch die ganze inner- politische Lage einer scharfen Analyse, wobei er besonders die Reichs- tagssprengungSgelüste des Zentrums auf ihre arglistig reaktionären Motive hin untersuchte. Mit einer Flut persönlicher Bemerkungen endete die General- debatte. Doch dürfte am Dienstag die Debatte über die Landräte und die Polizeiverwaltungen noch zu mancherlei Nachlese Veranlassung geben._ polltifcbe CUbcrficht. Berlin, den 3. Februar 1918. Herrenhaus kontra Waffergesetz. Das ist natürlich nicht etwa so zu verstehen, als ob daS Wasser- gesetz gestern im Herrenhaus abgelehnt worden wäre. Schließlich ist es doch keine Wahlreform oder so ein Teufelsblendwerk. Aber es legt, wie der Graf Mirbach-Sorquitten mit großer Deutlichkeit fest- stellte, dem heiligen Privateigentum Beschränkungen auf! Und für wen geschieht daö Unerhörte? Für ein sogenanntes Gemeinwohl? Noch schöner! Darüber kann die einstimmige Annahme durch das andere HauS der doch wahrlich nicht Gemeinen nicht hinweghelfen, umsoniehr, als das Höchstbedenkliche zu verzeichnen ist, daß auch die Sozis mit dem ganzen Dreiklassenhaus für das Gesetz gestimmt hatten. Der Sorquittener also lehnte es ab und bedankte sich über- Haupt für die Tortur der viel zu vielen gesetzlichen Fürsorge. DaS fehlte noch, daß er in seinem Stall anschlagen müßte: Graf Mirbach wird besttast, wenn er das und das tut oder nicht tut. Sonderbar malt sich in diesem blondbäctigen Kopf die Welt I Auch die Oberbürgermeister, wenigsten« der Krefelder, Dr. Johansen, wollen nichts von dem Gesetz iwissen, das nur neue Prozeßgelegenheiten schaffen werde. Aber schließlich nahm man doch 183 Paragraphen an; nur änderte man einiges, sodaß das Abgeordnetenhaus sich nochmals damit zu befassen haben wird. Morgen DienStag, Weiterberatung. Die Verschleppnnpstaktik in der Elektrifierungs- kommission. Die Elektrisierungskommission hat zehn Sitzungen darauf verwendet, endlose Diskussionen zu führen und durch immer neue Anträge die Zeit zu vertrödeln, ohne zu einem ab- schließenden Resultat zu gelangen. Trotz aller Erhebungen. Besichtigungen und Debatten ist das Resultat der Beratung ein negatives geblieben. Die Kommission ist schließlich b i s auf weiteres vertagt worden l Nochmals soll die Frage erörtert werden, ob nicht der Zweckverband Groß-Berlin an den Kosten beteiligt werden kann. Auch will man zunächst beobachten, welche Folgen eine Tariferhöhung bei ver- bessertem Dampfbetrieb hervorruft. Da die Strom- lieferuitg nicht durch ein privates Werk erfolgen sollte. Hatte» sich die Regierung bereit erklärt, ein eigenes Kraftwerk an- zulegen. Aber auch das gab den Verschlcppungstaktikeru in der Kommission nur den Vorwand, neue Experimente zu fordern: es soll jetzt der g e m i s chte Betrieb erprobt werden. eine Verbindung staatlicher Organe mit privaten Unterneh- mungen. Schließlich verlangte man noch Versuche mit einer allerneuesten Lokomotive. Bemerkenswert und für die zielbewußte Opposition des Zentrums charakteristisch ist seine Forderung, die Tarif erhöhung sofort einzufühlen, um beurteilen zu können, ob und welche Abwanderung dadurch von den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen erfolgt und ob sich dann die elektrische Be- triebsform noch lohnt! Immer krasser tritt hervor, daß es den Gegnern der Elek- trisierung lediglich auf Verschleppung der ganzen An- gelegenheit ankommt. Teils aus Gründen eines politischen Sck)achergeschäfts— das Zentrum könnte ja die V e r p f a f- fung der Fortbildungsschule einhandeln— teils aus Rücksichten materieller Natur. Wohl noch nie ist eine Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses so stocktaub gegen alle Erklärungen der Regierung und so skeptisch gegen )ie Bekundungen aller ihrer Sachverständigen gewesen, wie die Elektrisierungskommission. Und während man so tut, als trage man Bedenken, ein erhebliches Kapital falsch anzu- legen, spricht letzten Endes aus allen junkerlich-klerikalen Be- denken hauptsächlich der Haß gegen den Wasserkopf Berlin, dessen nächtliche Freuden doch auch so mancher stramm staatserhaltcnde Konservative und fromme Zentrums- mann zu schätzen weißl_ Die Selbstlosigkeit des Dreiklastenparlaments. Diese vom Minister anerkannte Eigenschaft wird dem hohen Hause nicht von allen Staatsbürgern zugeschrieben. Prof- Andreas Voigt an der Akademie in Frankfurt a- M. läßt sich über diesen Punkt in seinem Buche.Mathematische Theorie de« Tarifwesens", in denen er die Schönheiten mancher Tarife überhaupt und die des preußischen Einkommensteuertarifs im besonderen untersucht, also vernehmen. S. 37.(Es ist davon die Rede, daß der Stcuertarif grundsätzliche Verstöße gegen die Progression enthält, dann heißt es wörtlich weiter):.llebrigenS rührt ein Teil der Verschlechterungen von parlamentarischen KonunissionSbcschlllffen her. Die Regierungs- Vorlage war formal insofern besser als der definitive Tarif, als in ihr die Progression bis 30 OVO M. Einkommen fortschritt, hier frei- lich mit S Proz. abbrach. DaS Festhalten des dreiprozentigen Steuerfußes gerade auf den Stufen, an denen die Mehrheit der Parlamentarier interessiert war, läßt den Ge- danken kaum unterdrücken, daß diese auch ihren eigenen Vor» teil nicht ganz aus dem Auge verloren ha be n." Ebbe in der Kaste des �keichsverbandes. Dem Reichsverband gegen die Sozialdemo» lratie muß es sehr elend gehen. Es ist bekannt, daß eine be» güterte Dame in Böhmen der.österreichischen Sozialdemokratie 160 000 Kronen vermacht hat. Voller Wehmut nimmt der Reichs- verband in Nr. 3 seiner Korrespondenz von dieser betrüblichen Kunde Notiz und preßt sich folgenden Schmerzensschrei ab: .... Aeußerst selten liest man in den Zeitungen, daß eine Persönlichkeit, die mit Glücksgüteru im Ueberfluß gesegnet war, eine wirklich große Summe für einen nationalpolitischen Zweck vermacht hätte. Damit würde das finanzielle Rückgrat von Organisationen, die den stampf gegen die Sozialdemokratie ak-Z ihre Hauptaufgabe betrachten, wesentlich g e st ä r k t werdend Wir glauben, da« das Geheimnis, wanim lein Reicher daran denkt, dem Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie ISO 000 M. zu vermachen, ziemlich leicht zu ergründen ist. Man will sein Geld doch zweckentsprechend verwendet sehen. Dah aber das Unternehmen der Herren v. Liebert und v. Zedlitz nicht das geringste gegen uns ansrichten kann, hat das immense Wachstum unserer Partei seit der etwa zehnjährigen Existenz des Reichs Verbandes selbst denen offenbart, die für eine erfolgver« sprechende Bekämpfung der Sozialdemokratie in sogenannter patriotischer Begeisterung oder um einen Titel zu erlangen, vielleicht eine grötzere Summe riskieren würden. Geld und nochmals Geld. Die nationalliberale Parteikasse ist leer, und doch bedarf sie dringend des Zuflusses. So schickt denn der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei einen Notschrei nach dem anderen hinaus, nicht nur an die Kommerzienräte, Fabrikanten, Gruben- und Hütten- besitzer, sondern auch an die Bergleute des Saar- und RuhrrevierS. Und damit das Zahlen besser von statten geht, fügen sie gleich eine Zahlkarte für das Postscheckkonto der nationalliberalen Partei bei. DaS Anschreiben lautet: „Berlin W. 9, im Januar 1913. Schillingstratze 9. Hochgeehrter Herr und Parteifreund! Wenn wir in ernster Zeit uns bittend an die Freunde im Reiche wenden, so geschieht es aus der Ueberzeugung heraus, dah wir mit ihnen allen in der unablässigen Sorge für des deutschen Vaterlandes Wohl eins sind. Diese Sorge fordert im Hinblick auf die hochgespannten internationalen Beziehungen und in Ansehung unerfreulicher innerpolitischer EntWickelungen erhöhte Aufmerk- samkeit, aber auch entschlossene, opferwillige Mitarbeit gerade der naiionallibcrale» Partei, die es den Erfordernissen nationaler Politik gegenüber an sich nie hat fehlen lassen. Je stärker und Weilhin sichtbar heute internationale Macht- ansprüche hervortreten, um so fester wird die Partei zum Reiche stehen müssen, dem sie in dessen Geburtsstunde und auf seinem Werdegange unvergängliche Dienste leisten durfte. Das ist weiterhin auch notwendig gegenüber der Entwickelung, die sich im Änschlutz an die verfehlte Rcichsfinanzreform seit dem Jahre 1909 im Innern vollzogen hat. Was immer besorgte Vaterlandsfreunde vorausschauend fürchteten, es ist durch die Wahlen im Januar 1912 übertroffen worden. Eine starke Welle der Unzufriedenheit hat die Sozialdemokratie mit 110 Mandaten in den Reichstag zurückgeführt; an die Stelle des Blockes ist das Zentrum als führende und ausschlaggebende Partei getreten. Wenn diese Partei in diesen schweren Zeilläusen au« Anlag der mutwillig aufgerollten Jesuitenfrage Reichskanzler und Bundesrat das Vertrauen aufsagt und zugunsten einer inter- riationalen, dem Reiche feindlichen Organisation nationale Interessen schädigt, dann sind alle Kräfte zu sammeln, um die Weiteremwickelung des Reiches auf unbedingt nationaler Grundlage z» sichern. Heftige Kämpfe sind zu erwarten, in denen es starken Rüstzenges bedarf. Dazu gehören mit in erster Linie reichliche Geldmittel, um den wachsenden Anforderungen aus dem Lande nach materieller und rednerischer Unterstützung genügen zu können und diejenige Ausklärungs- und Werbearbeit in ausgiebigster Weise zu leisten, die heute mehr denn je erforderlich ist. Wenn Sie mit uns der Ueberzeugung sind, dast die nationalliberale Partei gerade in dieser ernsten Zeit eine nationale Notwendigkeit ist, dann dürfen wir auch wohl Ihrer Opferwilligkeit vertrauen und Sie bitten, uns mit einem Beitrage zu unterstützen, dessen Höhe die angefügte Wahlmarke angibt, ohne damit Ihrer Selbsteinschätzung eine Schranke zu ziehen. Es dürfte sich empfehlen, den beiliegenden Postscheckschein, welcher nicht frankiert zu werden braucht, zur Einzahlung zu verwenden und ihn ausgefüllt am nächsten Postschalter abzugeben. Auch können Einzahlungen bei der Deutschen Bank und der DiSkontogesellschast Berlin auf Konto Nationalliberale Partei betätigt werden. Mit parteifreundlichein ffirutz Der Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei. Bassermann, Dr. Friedberg, Dr. Vogel, M. d. R. M. d.«. Präs. d. 2. sächs. Kammer. Auf der oberen linken Seit« des Schreibens ist eine Wahlfonds- marke im Betrage von drei Mark mit dem Bildnis R. v. Bennigsens ausgeklebt. Die nationalliberale Partei erwartet also von den Bergarbeitern, datz sie einen Jahresbeitrag von mindestens 3 M. leisten. Sonst können die Unternehmeragenten nicht genug über die Ausbeutung der Arbeiter zu sozialdemokratischen Parteizwecken klagen._ Tie Landtagstvahlen in Lippe. Die vier Stichwahlen der dritten Abteilung am Sonnabend, den 1. Februar, an denen die Sozialdemokratie beteiligt war, haben der Partei keinen weiteren Mandatsgewinn gebracht. ES ist den Liberalen möglich gewesen, durch die Daransetzung ihrer letzten Kräfte diese Mandate noch einmal zu behaupten. Der überraschende Erfolg der Sozialdemokratie im ersten Wohlgange schreckte die Liberalen auf und veranlasste sie zu einer äußersten Kraftanstrengung. Unsere Partei wird alio wie bisher im lippischen Landtage nur durch einen Abgeordneten vertreten sein. In drei von den sieben Kreisen hatten die Hauptwahlen bereits die Entscheidung gebracht, in den übrigen vier standen unsere Genossen mit Fortschrittlern zur Stichwahl,— die Konservativen und die Reserven hatten den Ausschlag zu geben. DaS Ergebnis ist: Hanptwahl Stichwahl Soz. Lib. Kons. Soz. Lib. 1. Kreis 1008 863 290 1LS5 1286 S Kreis 1369 1457 268 1613 1946 6 Kreis 612 885 680 855 1097 7. KreiS 1422 1345 518 1559 1647 An den Zahlen aus den einzelnen Ortschaften läßt sich feststellen, das; nur vereinzelt verärgerte Konservative uns ihre Stimme gegeben haben, dag sie aber in der Haupt- fache bei der bürgerlichen Fahne geblieben sind oder überhaupt nicht gewählt haben. Die Liberalen haben sich im Stichwahlkampfe als die Beschützer von Thron und Altar, als die treuen Freunde des„angestammteir Fürstenhauses- aufgespielt. Die Zeitung des„entschieden liberalen" Reichstagsabgeordneten Dr. Neu- mann-Hofer feierte now am Tage der Wahl den Fürsten, weil er sich durch das Geschenk einer Klarinette an ein Patenkind einen „treuen Untertanen erworben" habe. Daneben sei hier ein P r L b ch e n aus einem offiziellen liberalen Flugblatte ge- boten, das ebenfalls aus der Druckerei des genannten Reichstags- abgeordneten hervorgegangen ist: „Die Sozialdemokratie bedroht jeden Staatsbürger in seinein Eigentum, will ihm Haus und Hof, Hab und Gut, alles, waö er von seinen Bätern ererbt und durch Fleih erworben und aus Sparsamkeit zusammengehalten hat. wegnehmen, um es zum Staatseigentum zu machen, damit auch alle diejenigen Leer- gänger und Durchbringer der Grast st ädte mit- zehren können, die es nach den Ersparnissen unserer fleistigen lippischen Landsleute und Ziegler gelüstet." Diese Mätzchen zeigen zur Genüge den Verfall des Liberalismus. Ein ultraulontaner Steuerskandal in Bayern. Durch eine Verbandlung vor der Strafkammer des Landgerichts Deggendorf sNiederbayern) kam ein niedlicher klerikaler Steuerskandal ans Tageslicht. Der in Arnsdorf, einem kleinen Landstädtchen prak- tizierende Arzt und bezirksärztliche Slellvertretsr Dr. Ha über, I der von 1899 bis 1905 Mitglied der Zentrumsfraktion des bayrischen Landtags war, hat früher eine Kapitalrente von 500 M. und später, nach dem Inkrafttreten der neuen Steuergesetze, eine solche von 744 M. versteuert. Als Gesamteinkommen(einschliestlich Kapital- renke) hat er nur 3044 M. angegeben. Jeder Kenner der Verhält- nisse hätte darüber stutzig werden müssen; nur die Steuerbehörde »ahm diese lächerliche Steuererklärung des ultramontanen Führers auf Treu und Glauben hin. Aber dem Dr. Hauber, der sich im Landtag mehr durch blinden Fanatismus als durch Gaben des Geistes ausgezeichnet hatte, wurde seine Ruhmredigkeit zum Verhängnis. Im August vorigen Jahres kaufte er ein Landgut bei Starnberg und liest durch ein ihm nabestehendes Zentrumsblatt er- zählen, er habe dafür 60 000 M. in Pfandbriefen angezahlt. Ein „guter Freund" Haubers sandte die Zeitungsnummer mit einem entsprechenden Vermerk dem zuständigen Rentamt, das nun wohl oder übel der Sache näher treten mustte. Als es bei dem Defrau- danten Nachfrage hielt, war dieser darauf bedacht, sich durch einen neuen Schwindel aus der Schlinge zu ziehen. Zu diesem Zweck wandte cc sich an das Bureau des niederbayerischen christlichen Bauernvereins, der zum Pichlerschen Flügel des Zentrums gehört. Dem Bureau flunkerte er vor, eS handle sich um einen Bauern, der fein Anwesen um 60 000 M. gekauft habe, die er bisher nicht ver- steuert hatte. Er wolle nun wissen, ob sich der Bauer nicht auf einen Ausländer berufen könne, oder ob der Sohn vielleicht sagen könne. er habe sich das Geld geliehen. Sekretär des niederbayrischen christlichen Bauernvcreins ist der ehemalige Zentrumsabgeordnete Bühl. Dieser, ein früherer An- gestellter der christlichen Bauernorganisation des Dr. Heim, gab den Rat, der Sohn des Bauern solle dem Rentamt vorschwindeln, das Geld habe ihm ein ausländischer Verwandter zur Verfügung gestellt. Wege» dieser Geschichte wurde gegen Bühl ein Straf- verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet, das jedoch wieder eingestellt worden ist. Inzwischen hatte sich aber der Staatsanwalt der Sache an- genommen. Er hielt Haussuchung bei Dr. Hauber ab und fand in dessen Geldschrank weitere 47 000 M. in Pfandbriefen. Vor der Straskammer muhte Dr. Hauber seine Steuerschwinde- leien zugestehen. Der Staatsanwalt hielt ihm vor. Steuerdesrau- dation sei nicht milder zu beurteilen als Betrug oder Diebstahl. Er beantragte, als Strafe den zehnfachen Betrag der hinterzogenen Steuer zu erheben. Das Urteil wird am 23. Februar verkündet. Pfarrer-Lyrik. Im Wochenblatt für die katholischen Pfarrgemeinden Münchens, das die vereinigten Stadtpfarrer als Hilfsmittel für die Groststadt- feelsorge gegründet haben und das unter der Redaktion des Geistlichen RateS und Stadtpfarrers Becker im Verlag des Katholischen Presse- Vereins erscheint, las man jüngst folgende dichterische Leistung: Lastt mit der Zeit uns geizen. Das Heim mit Liebe heizen. Zum Zürnen niemand reizen, Dann blühet unser Weizen Auch heuer Anno dreizehn, Gesegnet mit drei Kreuzen. Als gute Bibclkenner sollten die vereinigten Münchens doch wissen, dast das„Dichten" und menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf. Darum sollten sie in ungeschminkter Selbsterkenntnis das Dichten unterlassen. Stadtpfarrer Trachten des Rußland. Ei« Sozialist als Präsident des finnischen Landtags. Helsingfors, 3. Februar.(W. T. B.) Zum Präsidenten des Landtags wurde mit 80 Stimmen der Sozialdemokrat T o k o i gewählt. Der frühere Präsident Svinhufoud erhielt 68 Stimmen. Htncnka. Ter Senat der Bereinigten Staaten gegen Roosevelt. Washington, 2. Februar. Der Senat hat mit zwei Drittel Majorität eine Resolution angenommen, in der befürwortet wird, die Amtsdauer des Präsidenten auf sechs Jahre zu verlängern, eine Wiederwahl jedoch' a u S z u s chl i e st e n. Während der Debatte wurde darauf hingewiesen, dast diese Mast- rcgel sich gegen etwaige Bestrebungen Roosevelts nach einer dritten Präsidentschaft richtet. Die Resolution geht jetzt an daL Repräsentantenhaus. China. Der Zusammentritt des Parlaments. Peking, 27. Januar.(Meldung der„Agence d'Exfteme Orient'.) Die Einberufung des chinesischen Parlaments war für die Mitte des Februar 1913 beschlossen worden, doch hat der Ministerrat seine Eröffnung auf Mitte März verschieben müssen, da sich die Wahlen zum Parlament in die Länge ziehen. Auanschikai hat aus diesem Grunde zwei Erlasse veröffentlicht, in denen er die Wähler zur Beschleunigung der Wahlen auffordert. Im ersten tveist er darauf hin, dast die provisorische Konsti- tution, die Einberufung der Kammern innerhalb von 10 Monaten Vorsicht. Außerdem seien die Wahlgesetze seit April 1912 ver- öffentlicht und die Wahlausschüsse bereits seit dieser Zeit konsti- tuicrt. Zahlreiche Provinzen fordern jedoch die Hinausschiebung des Schlusses der Wahlen, die provisorisch bereits am 10. Januar go- schlössen wurden. Der Präsident mahnt zur Eile, da es unbedingt notwendig ist. dost sich die Abgeordneten spätestens Ende März zur Eröffnung des beiden Kammern in Peking einfinden. In dem zweiten Erlast beauftragt er die Provinziallandtage am 10. Februar zusammenzutreten, um die Wahl von Senatoren unverzüglich vorzunehmen, damit beide Kammern sobald wie mög- lich in Peking einberufen werden können. )Ziis der Partei. Der sozialdemokratische Frauentag findet in diesem Jahre am 2. M ä r z statt. Sind an einzelnen Orten passende Lokale für den 2. März schwer zu bekommen, können die Versammlungen auf den 8. März verlegt werden. Sozialdemokratie und JnbiläumSrummel. In Königsberg veranstalteten am Sonntag die Partei- genossen aus Anlast der Jahrhundertfeier der Befreiungskriege und der bevorstehenden Kaijertage eine Demonstrationsversammluiig, in der Genosse H a a s e über die Befreiungskriege und über die deutsche Volksfrciheit sprach. Der Andrang der Masse» war so grost, dast die Versammlung trotz des herrschenden Schneesturmes ins Freie verlegt werden mustte. Die von etwa 3000 Personen besuchte Ver- sammlung nahm einen prächtigen Verlauf, trotz des Unwetters. poUreillch««» GcrichtUchcs ulw. In den Fußangeln des Preßgesetzes. Bei Würdigung des Aufsehen erlegenden Urteils gegen die LandtagZabgcordneten Borchardt und Lcincrt hatte die„Königs- berger Volkszeitun g", wie auch zahlreiche andere Blätter, Auszüge aus der schriftlichen Urteilsbegründung gebracht, ehe das Urteil rechtskräftig war. Ihr wurde deshalb wegen VergclMs gegen Z 17 des Prestgesctzes der Prozeß gemacht und der Verant- wortliche des Königsberger Parterblattes erhielt 50 M. Geldjtrase. Der Staatsanwalt hatte 200 M. deantragt. Tragikomisches bei Lieferung von Arbeitswilligen. In Essen besteht eine Firma, die Rheinland-Westfalen mit Arbeitswilligen versorgt, Ihr Geschäftsführer ist ein Herr Lange. Beim vorjährigen Fuhrmannsstreik in Duisburg wollte dieserHerr nun die einem Unternehmer gelieferten Arbeitsivilligen kontrollieren. Er und ein Mitkontrolleur kamen aber zu einerjnächtlichenStimde, in der die„nütz- lichsten Elemente des Staates" bereits schliefen. Da die Kontrollcure dem Unternehmer auch nicht mehr ganz nüchtern erschienen, so trieb dieser die Eindringlinge schließlich mir einem Stück Holz vom Hofe. Herr Lange fühlte sich nun aber nicht durch diese ihm angetane Schmach beleidigt, sondern stellte Strafontrag gegen den verant- wortlichen Redakteur der Essener„Arbeiterzeitung". die den Vorfall satirisch behandelt hatte. Der Staatsanwalt bekundete auch das nötige Verständnis' für die Sache und erhob die Anklage im öffentlichen Interesse. Am Freitag hatte die Strafkammer in Essen hierüber zu befinden. Obwohl nun der Fuhr- Unternehmer unter seinem Eide aussagte, mit einem Stück Holz ivahllos auf Lange und seinen Begleiter geschlagen zu haben, um sie vom Hofe zu bringen, auch Lange selbst zugab, betrunken ge- wcsen zu sein, erfolgte doch die Verurteilung des Angeklagten zu 1 00 Mark Geldstrafe. Jugendbewegung. Arbeiter-Jugend. Aus dein Inhalt der soeben erschienenen Nummer 3 des fünften Jahrganges heben wir hervor:„Ihr sollt nicht falsches Zeugnis reden!"— Vom Reichstag. Wie er arbeitet.(Zur Staatsbürger- künde.)— Das Herz und die Mutgefätze. Von A. Lipschütz.(Mit Abbildungen.)— Fort mit dem Politikparagraphen. Von M. Peters.— Aus der Jugcndbclvcgung. Die Gegner an der Arbci. Vom Zftiegsschauplatz. Usw. Beilage: Ausreißer. Erzählung von John William Nylander.—(Etwas über Musikpslege(Schluß). Von A. Quist. Krähwinkelhistorie. Gedicht von Rtargarete Bculler.— Von der Schönheit der Natur. Bon Adolf Bruno.(Mit Abbildungen.)— Lessing.(II. Der freie Schriftsteller.) Von E. Hoernlc.— Wissenswertes von der Sprache.— Des Vaters Taschenuhr. Erzählung von Aug. Wysocki._ Sozialea. Schadenersatz' wegen verspäteter Heransgabe der Jnvalidenkarte. Die Frau des Arbeiters L. war über zwei Monate ohne In. validentartc, deren Herausgabe Ihr ftüherec Arbeitgeber her- weigerte. Frau L. war vom 4. September bis 31. Oktober 1912 bei dem Restaurateur Haack als Aufwartefrau mit einem Lohn von monatlich 15 M. beschäftigt. Die Jnvalidenkarte hatte sie nicht am Tage des Austritts aus der Beschäftigung, sondern erst am 2. Januar 1913 erhalten. Sic forderte dieserhatb durch Klage vor der Kammer 6 des Gcwrrbegerichts einen Schadenersatz in Höhe von 31 M. In der gestrigen Verhandlung gab die Klägerin an, sie habe die Aushändigung ihrer Jnvalidenkarte wiederholt gefordert, der Beklagte habe jedoch die Aushändigung verweigert. Einmal habe er ihrer Tochter einen Zettel mitgegeben, auf dem geschrieben stand, dast Beklagter die Karte erst dann herausgeben würde, wenn sie ihm das Geld für die geklebten Marken schicken und ihr Mann 20 Pf., die er dem Beklagten angeblich schuldete, bezahlen würde. Ohne Karte habe sie nirgends Arbeit bekommen können, auch auf dem Arbeitsnachweis habe man sie nicht eingetragen. Am 2. Ja- nuar, als sie die Hilfe der Polizei habe in Anspruch nehmen wollen, hätte der Beklagte ihr die Karte zugesandt. Der Beklagte gab an, er hätte nicht gewußt, daß er verpflichtet wäre, für eine Frau, die täglich nur etwa drei Stunden bei ihm beschäftigt wäre, Marken zu kleben. Die Klägerin habe ihm die Karte auch nicht beim Antritt der Stellung, sondern erst bei ihrem Austritt gc- geben. Er habe dann keine Marken zu Hause gehabt und hätte der Klägerin gesagt, sie möchte die Karte am folgenden Tage ab- holen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Das Gericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung der geforderten 31 M. Es sah als erwiesen an, dast die Klägerin sich öfter um die Karte beworben habe. Ohne Karte habe sie keine Arbeit bekommen können und hätte Anspruch auf Schadenersatz. Gast- und Schankwirtschaftcn. Wie die nun vorliegenden Nachweisungen dartun, ist die Zahl der Gast- und Schankwirtschaften in Preußen, in denen geistige Getränke verabfolgt werden, im Jahre 1911 wieder etwas zurück- gegangen, von 193 979 im Jahre 1910 auf 133 602 im Berichts» jähre. Dagegen ist die Zahl der„alkoholfreien" Schankwirtschaften von 8659 auf 3130 gestiegen. Der erwähnte Rückgang entfällt aber ausschließlich auf die Städte. Auf dem Lande hat sich die Zahl der Alkohol vertreibenden Betriebsstätten um etwa 136, nämlich von 90 768 auf 90 964 erhöht. Demnach entfällt auf die Städte ein Abgang von 573 Wirtschaften mit Alkoholausschank. Die Zahl der nur Branntwein im Kleinhandel vertreibenden Betriebsstätten ist von 22 637 auf 22 352 zurückgegangen. Von dem Abgang ent- fallen auf die Städte allein 219 Betriebe. Die Verschiebungen er- klären sich anscheinend aus dem stärkeren Rückgang des Schnaps. konsums in den Städten. Sie beherbergen auch die meisten „alkoholfreien" Wirtschaften, nämlich 6299 während auf das Land nur 2831 entfallen. Verhältnismäßig ist die Zahl der „alkoholfreien" Wirtschaften noch gering. Sie macht erst 4,5 Pro;. (1910: 4,3 Proz.) aller Betriebsstätten aus. Ermittelt man, auf wieviel Einwohner eine Gastwirtschaft entfällt, dann ergeben sich folgende Resultate: Im Jahre 1906 kam auf 173 Personen eine Wirtschaft, im Jahre 1911 eine solche auf 196 Personen. In den Städten stieg in derselben Zeit die zu einer Wirtschaft erforderliche Kopfzahl von 153 auf 173, auf dem Lande von 195 auf 223. Hier- bei sind aber die„alkoholfreien" Wirtschaften mit einbegriffen. Berücksichtigt man nur die Betriebe mit dem Ausschank geistiger Getränke, dann stieg die für eine Wirtschaft erforderliche Per- soncnzahl im Gesamtdurchschnitt von 195 aus 232, in den Städten von 170 auf 222 und auf dem Lande von 222 auf 243. Di« aus einen Betrieb mit Brannttveinvertricb im Kleinhandel entfallende Personenzahl erhöhte sich nur von 1712 auf 1779, in den Städten von 993 auf 1069, auf dem Lande von 4320 auf 4431. An der Bevölkerungszahl bemessen, ist der Rückgang der Bc. triebe, in denen geistige Getrände verabfolgt werden, in den Städten am größten. Daß nicht Konsumvcrmindcrung diese Er- scheinung erklärt, geht schon aus dem schwachen Rückgang der nur Schnaps im Kleinhandel ansschänkenden Betriebe hervor. In der durch die voraufgestellten Ziffern zum Ausdruck kommenden Ent, Wickelung machen sich großkapitalistische Tendenzen bemerkbar. Auch das Gastwirtsgcwerbc wird mehr und mehr Großbetrieb. In den Städten errichten Brauereien große Bicrpaläslc. die Dutzende von Kleinbetrieben überflüssig machen. Die tatsächlichen Verhältnisse werden übrigens durch die Statistik noch verschleiert. Die Filialbetricbe der Brauereien oder anderer Unternehmungen, wie z. B. Aschinger in Berlin, werden als selbständige Betriebsstätten gezählt. Das sind sie oft nicht einmal technisch, Wirt- schaftlich aber gehöre» sie bestimmt zusammen, bilden ein Unter- nehmen, das großkapitalistisch betrieben wird. In den vorstehenden Angaben sind übrigens mir die ständi- gen Gast- und Schanktvirtschchaftcn berücksichtigt worden. Außer diesen werden auch bei besonderen Gelegenheiten, bei großen Festen, Paraden, Manövern usw. Schankwirtschaften vorübergehend betrieben. Solcher wurden im Jahre 1911 18 917 gezählt, im Jahre vorher 18 188. Bemerkenswert hierbei ist nur, daß bei diesen besonderen Gelegenheiten Alkohol unbedingt Trumpf zu sein scheint. Im Jahre 1910 wurden nämlich bei den besonderen Gelegenheiten 508 alkoholfreie Betriebe gezählt, im Jahre 1911 deren nur noch 442. Man erzielte da Wohl keine ermutigenden Erfolge. Hurrapatriotismus und Alkohol, vor allem Schnaps, ge- hören nun einmal zusammen. GewerhrcbaftUcbea. ■frdbeutcrtimi im Hrbcitgeberverbandc. Außer den Arbeitern drohen die Herrschaften vom Arbeit- geberverband auch den Lieferanten mit der Hungerpeitsche. Zk suchen nach berühmten alten Mustern ihren Kassen, mit denen es nicht am besten zu stehen scheint, durch einen organi- sierten Raubzug aus die Taschen der Kaufleute auszuhelfen. Der„Arbeitgeberverband für das Maler-, Anstreicher- und verwandte Gewerbe in Rheinland und Westfalen" versendet an die Lieferanten dieses Rundschreiben: „Sehr geehrter Herr! Ter Beginn eines neuen Geschäftsjahres steht bevor und da- nnt die Erneuerung der Ihnen bekannten Vorzugskartcn. Trotz des Beschlusses des Händlcrverbandcs, keine Karten abzunehmen, ist der Erlös noch in keinem Jahre so hoch gewesen wie in diesem Jahre. Es zeugt dies einmal von einer straffen Disziplin unserer Mitglieder, die unsere Parole:„Ohne Porz ugskarlc keinen Auf- trag" immer mehr befolgen; zum anderen von einer erfreulichen Einsicht unserer Lieferanten, die durch Lösung der Karten bc- kündet haben, daß sie hierdurch mitarbeiten wollen an einer Gc- sundung und Gesundeishaltung unseres Gewerbes. Diese Herren haben eingesehen, daß die«durch Tarifverträge dem Erwerbe vom Arbeitgeberverband erkämpfte Ruhe auch ihnen zugute kommt, indem durch Streiks und Aussperrungen verursachte Arbeits- und damit Materialaussälle wegfallen, unsere Kollegen hierdurch weiterhin finanziell gestärkt werden und ihren Verpflichtungen weit besser nachzukommen vermögen, wie eine durch Streiks und Aussperrungen geschwächte Arbeiterschaft. Ganz besonders gilt dies im kommenden Frühjahr. Am 15. Fe- bruar laufen bekanntlich die Tarifverträge ab und die Gehilsen- schaft, die in den letzten Jahren sowohl in numerischer wie finan- zieller Beziehung außerordentliche Fortschritte gemacht hat, wird, nach d«n bisher bekannt gewordenen erorbitant hohen Forderun- gen zu urteilen, alles versuchen, uns und daniit auch unsere Liefe- ranten zu schädigen. In diesem Kampfe gehören Händler rmd Malermeister, die ein gleiches Interesse an dem Wohlergehen des Gewerbes haben, zusammen und«in Beitrag zur Rüstkammer des Arbeitgebervcrbandcs durch Lösung der Vorzugstarten ist deshalb sicherlich kein unbilliges Verlangen. Da wir eine Liste aller derjenigen Lieferanten, die Borzugs- karten bezogen und diejenigen, die Karten nicht bezogen haben, drucken lassen, um sie jedem einzelnen unserer Mitglieder zu- stellen zu können, bitten wir uns auf beiliegender Postkarte an- geben zu wollen, wieviel Karten Sic für 1913 benötigen und auf welchen Namen die Haupt- und eventuell Nebenkarten anszu- stellen sind. Jede Firma muh. erst im Besch einer Hauptkarte zu 29 M. sein, che für weitere Vertreter Nebenkarten zu je 19 M. ausgestellt werden können. Da uns im vergangenen Jahre häufi- gcr Klagen zu Ohren gekommen sind, wonach Reisende infolge der gleichen Farben der Karten für 1911 und 1912 Mißbrauch ge- trieben haben, haben wir für 1913 graue Karten als Hauptkarten und dunkelblaue KartAr als Nebenkarten herstellen lassen. Sollten wir bis zum 15. Dezember d. I. nicht im Besitz Ihrer Bestellung sein, so dürfen wir wohl annehmen, daß Die keine Karten wünschen. Mir der Verkaufsvereinigung des Bezirks IV der Vereinigten deutschen Tafclglasgroßhändlcr sind VerHand- 'hingen im Gange über Erneuerung des mit demselben getätigten Vertrages, wonach Vorzngskartcn von den Mitglivdern der Vcr- einigung nicht verlangt werden dürfen. Sollten Sie bisher Vorzugskartcn von uns nicht bezogen haben, und aus dem Vorstehenden deren Berechtigung nicht er- kennen, so sind wir gerne bereit, Ihnen kostenlos die Broschüre „Weshalb soll joder Lieferant eine Vorzugskarte haben" zuzu- senden. In der Hoffnung, bald von Ihnen zu hören, zeichnet in vor- züglicher Hochachtung.. Der Vorstand des Arbcitgcbervcrbandes� für das Maler-, Anstreicher und verw. Gewerbe in Rheinland und Westfalen, E. V. E. Weimer, Vorsitzender. Dr. Egelsch, Syndikus." Zills dem Brandbriefe geht hervor, daß die Lieferanten sich diesem unerlaubten Zwange fügen. � Was sollen sie auch schließlich tun? Die Konkurrenz ist groß und es ist nicht zu erwarten, daß sich ein Staatsanwalt findet, der auf diese an Erpressung grenzenden Praktiken die Handhaben des Gesetzes anwendet. Anders läge die Sache, wenn es A r b e i t e r wären, die auf einem solchen Wege zu einem Kriegsschatze zu konnnen fnchten. Ta würde der öffentliche Ankläger nicht lange auf sich warten lassen. Wer erinnert sich in diesem Zu- saminenhange nicht, welcher Apparat von Staatsgewalt oft in Bewegung gesetzt wurde, wenn die Arbeiter mal eine Harm« lose Sammlung Veranstalteteten? Nichtsdestoweniger bleibt dieser Ausweg der Unter- nehmer, zu einem Kampsfonds zu kommen, blamabel. Unter keinen Umständen ist er geeignet, der Mitwelt Achtung oder gar Respekt vor der Untcrnehmerorganisation beizubringen! Ter vom Standpuirkt der Pinselmeister beklagenswerte Um- stand, daß smarte Handelsreisende mit den aufgezwungenen Karten„Mißbrauch" getrieben haben, zeigt schon, wie lässig die Brandschatzung enipfguden wird. Es muß da allerdings die Frage entstehen: Wenn schon die Vorzeigung einer vor- fahrigen Karte als„Mißbrauch" bezeichnet wird, welchir Aus- druck ist dann fiir das Vorgehen der Arbeitgeberverbände am Platze?___ Berlin und Umgegend- Tie Tarifbewegung in der Holzindustrie. Die am 16. Januar gescheiterten Verhandlungen wurden gestern wieder aufgenommen. Unter dem Vorsitz des Freiherrn von Berlepsch traten die Parteien im Abgcordnetenhausc zu- sammen. Es wurde eine sehr ausführliche Generaldebatte ge- pflogen, die hauptsächlich ans die Frage des Ablauftermins der abzuschließenden Verträge und aus das Maß der von den Unter- nehmern zu gewährenden Arbeitszeitverkürzung sich erstreckte. Tic Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Tarifbewegung in der Dekaturbranche. Für die in der Berliner Dekaturbranche beschäftigen Arbeiter ist unter Mitwirkung des Einigungsamtes des Berliner Gewerbe- gerichts nach mehrmaligen Verhandlungen zwischen den beteiligten Organisationen der Arbeiter und der� Vereinigung der Dekatur- anstaltsbesitzer Berlins ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Der- selbe sieht für alle Beteiligten eine LohnauMesserung von 1 M. pro Woche vor. Außerdem sind vorgesehen eine Verkürzung der Arbeitszeit um täglich eine halbe Stunde, Regelung der Bezahlung der Ueberstunden für Außcnarbeiter, sowie � Verbesserungen der Urlaubsvcrhältnisse. Der neue Vertrag läuft bis zum 31. De- zember 1915._ Dcutfchcs Reich. Der Streik bei der Hamburger Hochbahn erfolgreich beendet. Die allgemeine Beteiligung der Hochbahnangestellien am Streik hat diesen sehr schnell einen Erfolg gebracht. Am f. Februar wurde der Betrieb notdürftig mit Aufsehern und Streckenarbeitern aufrecht erhalten. Abends 7 Uhr stockte er völlig. Tie Angestellten riefen schließlich die Leitung des Transportarbeitcrvcrbandcs zur Vcr- Mittelung an. So kam noch am späten Abend des 1. Februar "isträntwlRedalt� Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw, eine Verhandlung zwischen einer Kommission der Angestellten und der Direktion zustande. Die Direktion erklärte sich schriftlich bereit, die vorgenommenen Maßregelungen zurückzunehmen. Die Wieder- einzustellenden müssen erklären, nicht gegen die Gesellschaft agitieren wollen. Die Strasverfügungen sollen eingehend geprüft werden. Bis Mitte Februar soll die Antwort ans die Gchaltsfordcrnng vor- liegen; die Direktion Ivolltc sich erst Mitte März dazu äußern. Diese Zugeständnisse wurden von den Angestellten angenommen. Am Sonntag um 11 Uhr vormittags verkehrten die Hochbahnzüge wieder fahrplanmäßig. Tic Direktion ist das Opfer des bekannten Scharfmacher- irrinms geworden, daß die Fernhaltung oder Vernichtung jctzer Organisation der Arbeiter das Unternehmertum vor Ueber- raschungen sichere. Es handelt sich bei dem Ausstand in Hamburg um einen sogenannten„wilden" Streik. Das streikende Personal ist zum größten Teil unorganisiert, da die Direktion nur Nicht- organisierte einstellte und ihren Angestellten den Anschluß an die Organisation aufs strengste verbot. Tie Gründung einer söge- nannten Fürsorgekasse, zu der die Angestellten ganz enorme Bei- träge zahlen sollten, die sie natürlich bei ihren geringen Gehältern nicht auszubringen vermochten, hatte unter den Angestellten eine große Unzufriedenheit und Erregung hervorgerufen und schließlich ein Vorgehen der Angestellten verursacht. Diesen Vorstoß hat die Direktion mit der Maßregelung von 19 Angestellten beantwortet, die ein Bittgesuch an die Direktion unterzeichnet hatten. Tie Nach- richt von der Maßregelung bewirkte, daß die Angestellten mitten in der Nacht zum Sonnabend ihre Tätigkeit einstellten und daß im Laufe dieses Tages auch die übrigen bis auf einige Werkstätten- arbeiter und das Aufsichtspcrsonal sich ebenfalls dem Streik an- schlössen. Nun mußte sich die Direktion dazu bequemen, mit dem Deutschen Transportarbcitervcrband zu verhandeln, der daraufhin die Forderungen des Personals vertrat und neben einer allgemeinen Lohnerhöhung die Anerkennung der Organisation forderte. Tie„heiligsten Güter des Vaterlandes". Der konservative Abgeordnete Strosser rief im Abgeordneten- hause am Sonnabend nach einem Gesetz zum Schutze der Arbeits- willigen, um die„heiligsten Güter des Vaterlandes" zu verteidigen. Von welcher Art diese„heiligsten Güter der Nation" sind, kann man jetzt wieder an der A n S s p c r r u n g in d e r ll n i o n g i e ß e r e i zu Königsberg studieren. Eine Reihe Streikbrecher sind immer noch mit Dolchen und Revolvern bewaffnet, obwohl sie bereits wiederholt großes Unheil angerichtet haben. Dieser Tage hat ein 22 Jahre alter Hintzebruder wieder eine Schießerei veranstaltet. Er befand sich in einer Kneipe und benahm sich hier ungebührlich; schließlich zog er einen scharfgeladenen Revolver hervor und bedrohte damit die Gäste. Er wurde aber veranlaßt, die Waffe einzustecken. Darauf ergriff er jedoch ein Bierseidel, schlug damit einem Monteur ins Gesicht und z e r- schmetterte dem Manne das Nasenbein!! Hierauf ergriff der brutale Bursche die Flucht; er wurde jedoch verfolgt. Als ihm seine Verfolger hart ans den Fersen waren, zog er wiederum seinen Revolver und feuerte einen Schuß ab. Die Kugel streifte den Hut eines Mannes und richtete glücklicherweise sonst keinen Schaden an. Wie leicht aber hätte hier ein Menschenleben vernichtet lverdey können. Die Staatsstütze wurde nunmehr einem Schutzmann übergeben, der sie zur Polizeiwache schaffte. Und solche Elemente werden als die„heiligsten Güter des Vaterlandes" be- zeichnet. Für sie wird noch ein größerer gesetzlicher Schutz verlangt. Achtung, Schifsszimmcrer! Ans der Werft von Caesar Woll- heim in Cosel bei Breslau sind sämtliche Holzschissbauer wegen Lohndissercnzcn ausständig geworden. Die Schifsszimmerer aller- orts wenden dringend ersucht, den Zuzug von Schiffszimmercrn nach Breslau streng fernzuhalten. Das Schicksal einer Hirsch-Dnnckerschen Tabakarbciter genofsenschaft. Unter dieser Tpitzmarke wird der„Westdeutschen Arbeiter- Zeitung" geschrieben: Vor einiger Zeit gründete eine Anzahl Mit- glicder des Hirsch-Tunckerschen Tabakarbcstcrverbandcs unter Führung des Zentralvorsitzenden Stephan und des General- sekretärs Hofs eine Tabakarbcitergenossenschaft mit dem'sitz in Heidelberg. Die Herstellung dör Zigarren sollte in Hockcnhcim (Badens geschehen. Das Unternehmen wurde ins Leben gerufen „aus Grund der traurigen Arbeitsverhältnisse", wie auf Drängen arbeitsloser Mitglieder des Gewcrkvercins der Zigarren- und Tabakarbciter. Nachdem man nun einige Wochen in Hockcnhcim fabriziert hatte, kam eines guten Tages der Generalsekretär und erklärte dcjn verblüfften Arbeitern, die Filiale solle nach Leimen lBadcn) verlegt werden. Unter den Gründen, die nach seiner Angabe zü diesem Schritt veranlaßt haben sollten, verdient der eine besonders hervorgehoben zu werden, daß in Leimen die Ar- beitslöhne billiger seien als in Hocken hei in, mit unter sogar 1 M. pro Mille!! Daß durch dieses Vorgehen die Hockenheimer Ortsgruppe des Hirsch-Dunckcrschcn Verbandes völlig durcheinander gckonimcn ist, versteht sich am Rande. Aber man fragt sich unwillkürlich: Wie ist so was möglich? Auf der einen Seite will man durch die Gründung der Genossenschaft die trauri- gen Arbeitsverhältnisse verbessern und verlegt zu dem Zweck die Genossenschaft an einen Ort mit noch billigeren Ar- beitslöhne» als in Hockenheim! Auf der einen Seite will man arbeitslosen Mitgliedern des Gewerkvercins Arbeit geben und wirft sie dann nach kurzer Zeit mitten im Winter wieder aus hie Straße. Derartige Manipulationen haben mit gewerkschaftlichen Prinzipien wenig zu tun. Die Blätternder Hirsch-Dunckerschen Gewerkvcreine täten gut, in der Oefsentlichkeit klarzulegen, wie es sich mit diesen Vor, gängen verhält.___ Eine Bewegnng für den Nennstnndentag. Ein größerer Kamps steht in dem kleinen Städtchen Groitzsch bei Leipzig bevor. Die Arbeiter aus fünf Betrieben haben an den Verband der Schuhmacher den Antrag gestellt, die neunstündige Arbeitszeit einzuführen. Verhandlungen lehnten die Unternehmer in Groitzsch ab, sie beauftragten jedoch den Jndusiric-Schutzvcr- band(Sitz Drsden) mit der Führung der Unterhandlungen. Tic Verhandlungen verliefen resultatlos, da die gemachten Zu- geständniffe der Unternehmer zu gering waren. Sie machten folgendes Angebot: Die Arbeitszeit(bisher im Winterhalbjahr 58fi Stunden, im Sommerhalbjahr 59� Stunden, zwei Betriebe 58?i Stunden) bleibt bestehen. Am 1. Juli 1913 tritt eine Ver- kürzung aus 58 Stunden ein. Nachdem von den Vertretern der Arbeiter darauf hingewiesen wurde, daß ein solches Angebot un- diskutabel sei, wurde ein weiteres Angebot gemacht, ab 1. April 1914 die Arbeitszeit auf öTA Stunden zu beschränken. Tie Vcr- kürzung soll lediglich an Sonnabenden eintreten, an den übrigen Wochentagen soll die zehnstündige Arbeitszeit bestehen bleiben. Für dieses Zugeständnis wurde von den Arbeitgebern gefordert, auf Ansuchen der Fabrikanten an drei Sonntagen im Jahr zu arbeiten 'und für zehn Ueberstunden aus den Zuschlag zu verzichten. Wie zu erwarten, lehnte eine Versammlung der Arbeiter diese Vor- schlüge fast einstimmig ab. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Kündigung am 1. Februar einzureichen und aus die Durchführung der neunstündigen Arbeitszeit bestehen zu müssen. Sollten die Fabrikanten aus ihrem Standpunkt verharren, ist eine Arbeits- niederlegung unvermeidlich, die zirka 499 Arbeiter und Arbeite- rinnen umfassen wird. Arbeitsangebote von den Schuhfabriken in Groitzsch sind zurückzuweisen. �_ Ter Vauschloffertarif in Stuttgart ist von den Unternehmern gekündigt worden. Im Jahre 1911 kam es nach einem mehrwöchent- lichen sehr erbittert geführten Streik zum Abschluß eines Tarifs, : Ihi ßispft-, ffletSn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanitatt der am 1. April dieses Jahres abläuft. Der Streik bot damals den Christlichen eine weidlich ausgenützte Gelegenheit, sich als Streik- brecherlieferanten en gros zu etablieren, wobei sie sich noch eine ungeheure Blamage zuzogen, da die kostspielig Herbeigelotsen Streik- brecher die eingearbeiteten tüchtigen Gesellen nicht ersetzen konnten. Jetzt haben die Unternehmer den Tarif gekündigt, wahrscheinlich in der Absicht, das Bestebende nach rückwärts zu revidieren. Tas dürfte ziemlich schwer werden, und wenn die Unternehmer aus der letzten Tarifbewegung nichts gelernt haben, so müßten sie eben nochmals gezwungen werden, einzusehen, daß organisierte Arbeiter eine ein- mal errungene Position nicht so leicht preisgeben. Die Tariskündi- gung im schlossergewerbe Stuttgarts durch die Unternehmer läßt aber darauf schließen, daß auch an anderen Orten und in an-deren Baubranckien die Unternehmer aggresjiv gegen die Arbeiter vor- zugehen gewillt sind. Hinter dem Angriffsplan steckt wohl niemand anders als der Unternehmerverbaiid für das Baugewerbe. Hustand. Streik von SchiffSoffizieren. Aus Marseille wird gemeldet: Tie Tanipfer-Compagnic Äbre hatte ihren Offizieren eine Ge- Haltserhöhung zugesagt, indessen diese nicht ausöezahlt. Am Sonn- abend weigerten sich nun die Offiziere des Dampfers„Kanada"» der mit 500 Passagieren zur Ausreise nach New Dori bereit war, den Hafen zu verlassen. Sie fordern Inkraftsetzen des Regle- ments für Schisfsofsiziere, das infolge des letzten Ausstandes der cingesckricbcnen Seeleute ausgearbeitet wurde und von den übri- gen Schifssgcsellschasten angewendet wird. Der Streik zieht jetzt »«eitere Kreise. Am Montag sind die in Havre stationierten Dampfer„Maurctania" und„Madonna" van ihren Ofsizicrcn ver- lassen worden. Die Streikenden wollen sich mit ihren Kollegen von dem Dampfer„.Kanada" solidarisch erklären. Einignngsver- suche waren ohne Erfolg. In der amerikanischen Stahlindustrie steht ein RiesenauS- stand bevor. Obgleich der Stahltrust vorbeugend einige Lohn- erhöhungen bewilligte, hat der Verband der Stahlwcrksarbeiter einen Aufruf zu einem Generalstreik in den Walzwerken des Trusts im Bezirke Pittsburg erlassen. Wenn es nicht noch vorder zu einer Einigung kommt, würden 46 969 organisierte Arbeiter in den AuS- stand treten. Die Arbeitsniederlegung soll noch in dieser Woche erfolgen. Siegreicher Eisenbahnerstrcik. Die Angestellten der Canada-Pacific-Babn habe« einen Streik siegreich durchgefochten. Es sind ihnen infolgedessen höhere Löhne bewilligt worden. 1*ctzU pjaebnebten. Briands Stellungnahme zur Wahlrcform. «Paris, 3. Februar.(W. T. B.) Ministerpräsident Briani» empfing heute eine Abordnung des Komirces der republikanischen Vereinigung für die Wahlrefor m und erklärte, er werde vor der Senatskommission und vor dem Senat für die Hauptbestim- mungcn des von der Kammer angenommenen Entwurfs eintreten. Die Abänderungsanträge über die weniger wesentlichen Punkte deS Gesetzentwurfs werde er annehmen, voransgesetzt, daß die Ver- tretnng der Minderheiten gesichert bleibe.— Vor der Senaiskom- mission gab Briand dieselbe Erklärung ab, worauf die Kommission fast einstimmig beschloß, ihre früheren Beschlüsse aufrechtzuerhalten. Tie Fortsetzung des Krieges unvermeidlich? Sofia, 3. Februar.(W. T. B.) Ter„Mir" weist die Vorwürfe zurück, daß die Bulgaren mit übertriebener Hast handelten. Diese Vorwürfe, so schreibt das Blatt, sind nicht verdient. Denn die Langsamkeit in den Verhandlitngen. die dem Lande ungeheure Opfer, die selbst die des Krieges über- treffen, auferlegte, durfte nicht ins Unendliche fortgesetzt wer- den. Es genügt, daran zu erinnern, daß Bulgarien wegen der Halsstarrigkeit der Türkei mehr als eine halbe Million Mann auf dem Kriegsfuß erhält, um die Notwendigkeit der von der Negierung getrofsenen Entscheidung zu verstehen. Ta die Türkei der Kollektivuote der Mächte nicht nachgegeben hat, konnte niemand von den Mächten verlangen, daß diese zu Zwangsmaßnabmen gegemiber der Pforte ihre Zuflucht nehmen. Tic Wiederaufnahme des Krieges ist daher unauS- blciblich. Und dann wird es sich nicht mehr um das Wilajet Adrianopel handeln, sondern es wird nur von Konstanti» nopel und den Tardanellen zu sprechen sein. Türkische Klagen. Paris, 3. Februar. Ter türkische Delegierte Reschid 'Pascha erklärte einem Sondcrbcrichterstaticr des„Matin": Nie- mals ist ein BcsicgtcrmitgrößcrerHärtebehandelt worden. Wir haben keinerlei Beweise von Sympathie erhalten, keinen«Akt der Unparteilichkeit gesehen, kein Wort der Freundschaft gehört. Vae victis, das war der einzige Ruf, der an unser Ohr klang. Europa wird die Haltung, die es uns gegenüber beobachtet hat, noch bedauern. Der Friede, den es uns aufzwingen will, wird ihm später einmal teuer zu stehen kommen. Serbische Hilfe gegen Skutari. Turazza, 3. Februar. Von der serbischen Armee wur- den hier gestern 1300 Mann mit reichlichem Proviant eingeschisfk. Man nimmt an, daß sie sich nach Alcssio begeben, um sich mit den anderen Streitkräften zu vereinigen, gegen Skutari vorzu» rücken und gemeinsam mit den Montenegrinern zum Sturm gegen die Stadt vorzugehen. Serbisch-bulgarische Verständigung. Belgrad, 3. Februar.(W. T. 23.)„Tngovinski GlaSnik" erfährt, daß zwischen Serbien und«Bulgarien ein neues Einvcr- nehmen getroffen worden sei, wonach«Bulgarien für die großen von der serbischen Armee im bulgarischem Interesse in Thrazien und vor Adrianapel gebrachten Opfer territoriale Kompens a- tioncn in Mazedonien an Serbien erteilt habe. Explosivnskatastrophc. Bern, 3. Februar.(W. T. B.) In Scebach bei Zürich er- tc heute nachmittag in der Fabrik der ekitrothermischen Werke eine gewaltige Explosion. Während der Fabrikdirektor Kühne damit beschäftigt war, einen Versuch mittels Wasserstoffgases vor» zunehmen, explodierte der Rezipient, wobei Kühne getötet wurde. Tas Fabrikgebäude wurde durch den«Brand völlig zerstört. Der Sachschaden wird auf 106 090 Fr. geschätzt. Gestrandeter Dampfer. London, 3. Februar. iW. T. B.) Ter große Frachtdampfer „Haddonhall" ist auf der Fahrt von Liverpool nach Kapstadt in der Saldanha-Vay(Südafrika) aus den Strand geraten und befindet sich in gefährlicher Lage. Drei Eingeborene sind er- trunken. Die Mannschaft soll in Sicherheit sein. Zwei Kinder ertrunken. Eilenburg, 3. Februar.(«W. T.«B.) In D edelwitz sind die acht Jabrc alte Tochter des Lehrers Wurm und die ein Jahr ältere Tochter des Fabrikbesitzers Bunge auf dem Eise eingcvrochen und ertrunken. HaulSniger& Co.. Berlin 2W. Hierzu SBeilagcn'u. Nnterhaltungsbl, Rr. 29. 30. Jahrgang. 1 Icilngt des Jonaiirts" Sftliii« McksM Dienstag. 4. Februar 1913. Mgeoränetenkaus. 124. Sitzung. Montag, den Februar ISIS. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Dallwitz. Holtz. Der Etat des Ministeriums des Innern. Dritter Tag der allgemeinen Besprechung. Abg. Frpr. v. Zedlitz(st.): In der Eingemeindungsfrage sind Rechte der Stadt Berlin durch die ihr entgegengesetzten Entschei- düngen der höheren Selbstverwaltungsbehörden nicht verletzt worden. Der Kreis Teltow hatte gewichtige Gründe zur Ablehnung. Mit der Grlcdigung des Wohnungs Polizeigesuchs hätte sich der �/perpräsident mehr beeilen können. Die Baupolizei war seiner- zeit der Stadt Berlin angeboten, aber sie hat den richtigen Zeitpunkt, zuzugreifen, versäumt, indem sie die gerechtfertigten Bedingungen der Slaalsregierung ablehnte.(Sehr wahr! rechts.) Gewiß muß die Aohnungspolizei ausgebaut werden. Bon einem Stillstand der Gesetzgebung für die innere Verwaltung, von Rückständigkeit usw. Mt keine Rede. Eine nützlicheWirkung der Sozialdemo- k r a t i e im B e r l i ner Rathaus kann höchstens in ihrer Gegnerschaft gegen den Forlschritt liegen, aber sonst ist das immer stärkere Ein- dringen der Sozialdemokratie in die Gemeinde- v�ertretungen höchst gefährlich und das ist besonders in S ch l e s w i g- H o l st e i n zu befürchten, wo nicht das Dreiklassen- Wahlsystem besteht, ebenso ist das in Frankfurt a. M. Da mich überall das bewährte, sichere, altprcufsische Trciklasscnwahl- recht cingesührt werden. (Beifall rechts. Lachen links.) An dem Anwachsen der Sozialdemokratie ist die unerhörte liberale Steuerhetze schuld.(Lebhafte Zu- stüiiluung rechts.) Der ReichstagSbeschluß hat für unsere Polenpolitik so viel Be- dcutung, als ob er beschlossen hätte, die Sonne soll nicht mehr scheinen.(Seht gut! und Heiterkeit rechts. Hört! hört! links.) An dem revolutionären Eharakter der Polenbcwegung kann gar kein Zweifel sein. Die innere Kolonisation in der Ostmark ist ein Ä u I t u r w e r k ersten Ranges. Leben und Kultur steht heute dort dank Preußen auf einer ganz anderen Höhe als in der glorreichen polnischen Republik.(Sehr wahr I rechts und bei den National- liberalen.) Der Reichstag' hat sich einen schweren Uebergriff über seine Befugnisse, einen Eingriff in unsere geleistet. Wir weisen das zurück, auch im Interesse des Reichstags, den ein Eingreifen in die Rechte der Bundesstaaten nur herabsetzen könnte. Wir lvahren damit die Interessen auch der anderen Bundesstaaten, denen der Reichstag als ein unitarischer Konvent sehr unangenehm werden könnte.(Zustimmung rechts.— Abg. H o f f m a n n: DaS fürchten Siel!» Der Reichstag hat nicht zu verwalten, er macht alljährlich Hunderte Gesetzesparagraphen und hat die üble Gewohnheit, über alle Dinge Resolutionen zu fassen.(Abg. Hoffmann: Zensor des Reichstages!) In der' Wilhelmstr. 10 und auch sonst fehlt es an Männern, die selbstbewußt genug siud, sich dem Parla- «eutarismns nicht anzupasscn; diesen Männern fehlt natürlich die Fähigkeit, die Sozialdemokratie zu überwinden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das können Sie wohl!) Ich bin weder Reichs- kanzler noch Staatssekretär des Innern. Herr Delbrück hätte sich sagen müssen, daß seine verwunderliche Erklärung über das Wohnungsgeietz, die als Flucht in die Oeffentlichkcit auf- gefaßt loorden ist, zu Mißverständnissen Veranlaffung geben würde; hat sie doch in der Tat zu Gerüchten über einen Gegensatz zwischen Delbrück und Dallwitz, über Krisen in der Reichsleitung und ähn- lichcu Dummheiten geführt. Darüber, daß gegenüber anderen Arbeitern ein gewaltiger sozialdemokratischer Terrorismus herrscht, besteht gar kein Zweifel.(Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.) Wen» bei einem einzigen Streik 17lX> Fälle von Be- sirafungen wegen sozialdemokratischen Streikterrors vorgekommen sind, so ist das ein Beweis von ganz unglaublichem Terrorismus. In dein Abg. Cassel hat die Demokratie selbst den juristischen Scharfsinn betäubt, wenn ihm die Zahl der Verurteilungen nicht die Notwcndigkeir gesetzlicher Bestimmungen noch vor der Strafgesetz- rrvision beweist. Wir dürfen die Arbeitswilligen nicht einein KoalitionSzwang preisgeben. Die Gewerkschaften bekämpfen wir nur, so lange sie sich nicht zu ihrem eigenen Vorteil von dem kleines feuilleron- Ter größte Bahnhof der Welt. Demnächst wird der neue Leipziger Hauptbahnhof seinen Ruhm, der größte Bahnhof der Welt zu sein, an Amerika abtreten und sich damit begnügen, bis auf weiteres der größte Bahnhof Europas zu setzt. In New Jork soll der inonumentale Riesenbau emgeweiht werden, der künftig alö der New J o r k e r Z e n t r a l b a h n h o f ein Denkmal bildet für das gewaltige Wachstum des amerikanischen Verkehrswesens. Zusammen tiiit den Kosten des Grundstückes, das eine Fläche von 32 Hektar uinfaßt, hat diese monumentale Anlage alles in allein rund 000 Millionen Mark gekostet. Weder die neue noch die alte Welt hat ein ähnlich gewaltiges und zugleich auch wirklich großartiges Gebäude aufzu- weisen. Der Bahnhof umfaßt zwei Stockwerke, auf dem oberen laufen auf 42 Schienenpaaren die Schnellzüge ein, auf dem witteren auf ebensoviel Schienenpaaren die Vorortzüge. Die mächtige Halle bietet 1043 Eisenbahnwagen eine gedeckte Unterkunft. Die Anordnungen sind so getroffen, daß die Passagiere sich erst dann aus die Perrons begeben, wenn die Züge wirklich ein- laufen bis dahin halten sie sich in den mächtigen Wartehallen auf. Es ist nicht oft. daß sich bei amerikanischen Riesenbauten die Ge- waltigkeit der Dimensionen mit einer harmonischen Schönheits- Wirkung vermählte, aber bei diesem Bauwerke haben die Architekten auch nach den Aussagen nichtamerikanischer Kritiker dieses hohe und seltene Ziel erreicht. Der Bau ist fast ausschließlich aus Stein und Stahl errichtet. Der Höhepunkt der Raum- tvirkimg wird in der großen Zentralhallc, der Wartehalle für das Publikum, erreicht. Hier erliegt man zunächst der Majestät der Dimensionen, wird an einen riesenhaften Dom erinnert und lauscht erstaunt dem weithin hallenden Echo. Die Deckenwölbung ermög- licht eine kunstvolle Abtönung des Lichtzuflusses-, man hat das söge- schickt ausgenutzt, daß die Decke in ihrer Beleuchtung den Eindruck eines unermeßlichen Raumes erweckt. Inmitten dieses weiten Raumes scheint nun ein Bild des Himmels zu schweben. Die Äirltitig wird hervorgebracht durch zwei breite Goldstreifen. Die Streifen versinnbildlichen den Aequalor und die Ekliptik: und zwischen ihnen gruppieren sich 2500 Sterne von verschiedener Größe. Die größeren unter ihnen, die die Sternkonstellationen wiedergeben. werden elektrisch erleuchtet. Eine Kincmatographischc Studiengcscllschaft wurde am Sonntag in der Treptow-Steruwarte begründet. Die Hauptziele dieser Ge- sellschaft sind: Die Herstellung von wissenschaftlichen Unterrichts- und Kulturfilms zu fordern und gleichzeitig die Veredelung der Volksunterhaltungsfilms� herbeizuführen. Auch soll ein Filmarchiv über die wertvollen Alifnahmen auf wissenschaftlichem Gebiete an- gelegt werden, endlich wird beabsichtigt,' ein kinematographisches Museum, daS alle Errungenichasten der Kinoindustrie enthält, ins Leben zu rufen. Besondere Prciie sowie Stipendien sollen zu Neu- schaffuugcn anregen.— Zahlreiche Gelehrte nahmen an der Sitznng teil. Zum Vorsitzenden wurde der Direktor der Treptow-Sternwarle Dr. Archenhold gewählt, der auch Aufschluß über die Ziele der Ge- ftklschaft gab. sozialdemokratischen Unkraut befreien.(Abg. Dr. Liebknecht: Sie reden ja äCuatsch I) Die Gewerkschaften sollten für Streikschäden haftbar sein. Im sozialdemokratisch verwalteten Kanton Basel hat man das Slreikposteiislchen verboten.(Abg. Liebknecht: Ist ja falsch!) Da wird das doch auch bei uns möglich fein. Die National- liberalen des Reichstages lassen es an der nötige n Schärfe gegen die Sozialdemokratie fehlen. Ich hoffe, daß die Schwärmerei des nationallibernlen Abgeordneten Marirer für die süddeutsche Volkskrankheit des Großblocks vereinzelt bleiben wird.(Abg. Hoffmann: Rotkoller!) Ich bedauere die Haltung des Reichstagszentrums.(Zuruf von der Mitte: Die Zukunft lvird uns recht geben I) Noch nie ist eine Partei, mit der man ein Stichwahlbündnis ein Jahr zuvor ge- schlössen hat. so loegwerfend mißtrauisch behandelt loorden, wie der Fortschritt vom Sozialdemokratischen Prcußentag.(Abg. Hoffmann zur Volkspartei: Erst verfolgt er die National- liberalen, jetzt Sie!) Das ist das denkbar schlimmste kaudinische Joch. Demokratisierung soll gegen die Sozialdemokratie helfen? Und Baden?— Gegenüber dem demokratischen Austurm des Südens muß unsere Eigenart aufrechterhalten werden und zu unserer Eigenart gehört unser Wahlrecht! Die Neuordnung des Wahlrechts darf nur so erfolgen, daß es auf lange Jahre hinaus dem demokratischen Ansturm standhält. Zwei Grundgedanken müssen bei der Reform des Wahlrechts festgehalten werden: die Stimme» müssen nach ihrem w i r k i ch e n Gewicht g e w e r t e t und der Einfluß des Mittelstandes muß gestärkt werden. Es wäre eine Negation der Gerechtigkeit, wenn man Ungleiches durch ein gleiches Wahlrecht als gleich bewertet.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. GronowSki(Z.): Herrn Kardorff bemerke ich, daß die Zen- trumspartei stets nur nach ihren Grundsätzen und nach sorgfältiger Gewissensforschung zur Abstimmung schreitet. Die Herren v. Kar- dorff und v. Zedlitz sind entrüstet, daß der Reichstag sich mit preußischen Angelegenheiten befaßt hat. Dann sollten sie selbst doch nicht in solcher Weise, wie sie getan, sich in R e i ck s a n g e l e g e n- Herten mischen. Damit dient man nicht dem Zusammenarbeiten von Reich und Staat. Herr v. Zedlitz nennt das EntcignungSgesetz eine nationale Notwendigkeit. Aber es ist nichts weiter als eine Anleihe bei dem sozialdemokratischen P a r t e i- Programm.(Sehr richtig I links und im Zentrum.) Wir halten die Polenpolitik für verderblich und verfehlt; wer die Macht hat, soll sie nicht mißbrauchen. Sehen Sie doch nach Portugal, was da alles unter der Firma„Staatswohl" geschieht. Durch Aus- nahniegesetze schaffen Sie mir Märtyrer, bei den Polen sowohl wie bei den Sozialdemokraten. Herr v. Kardorff und Herr v. Zedlitz verlangen stärkeren Schutz der Arbeitswilligen und wollen deshalb das Slreikpostenstehen verbieten. Das wäre nur ein Privileg für die Fabrikanten und Untern eh in er. Das Koalitionsrecht ist nicht anwendbar, wenn als äußerstes Mittel nicht der Streik erlaubt ist. Und wie willen Sie die Arbeitswilligen schützen, die g e g e n ihren Willen ausgesperrt werden. In solchen Fällen sollte der Regierungspräsident vermittelnd ein- greifen, nicht aber, wie es geschieht, zur G r ü n d u n g g e l b e r Gewerkschaften auffordern. Die gelben Gewerkschaften sind nur Puppen in der Hand ihrer Vorgesetzten.— Herr Liebknecht verwahrte sich dagegen, daß die Sozialdemokratie ordensfeindlich sei. Nun, ihre Feindschaft gegen die Kirche und das Christentum ist ja notorisch i in Düsseldorf haben erst jetzt wieder die Sozialdeinokratcn sich gegen die Anstellung katholischer Krankenschwestern gewandt.— Der Abg. Hirsch bat selbst zugegeben, daß sozial- demokratischer Terror vorkommt. Gerade dieser Terror ist schuld, wenn heute im Bürgertum Stimmung für ein Ausnahmegesetz vor- handen ist.(Sehr richtig! im Zentrum.) Was soll denn Ihr Spielen mit der General st reikidee? Arbeiter gewinnen Sie dadurch nicht, aber das Bürgertum verbittern Sie.(Zustimniung im Zentrum.) Sie haben den großen 31 uhrbergarbeiter- streik mit seinem Gefolge von Not und Elend heraufbeschworen, getragen von den, Gedanken, das rhcinisch-wcstfälische Industrie- gebiet zu einem Exerzierplatz für sozialdemokratische M a ch t g e l ü st e zu machen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Hirsch berief sich darauf, daß bei dem Dynamit- a t t e n t a t in Asseln unter den acht Angeklagten sich nur c i n gewerkschaftlich organisierter sozialdemokratischer Arbeiter befand. Aber wir klammern uns nicht an die Ziffer. Der Geist, den Sic durch Ihre revolutionäre Presse in die Arbeiterschaft hineintragen, muß geradezu solche Verbrechen hervorrufen.(Zustimmung im Zentrum.) Die Schuldigen der TerroriömuSprozesse sitzen in den Nach der geschäftlichen Auseinandersetzung wurden einige inter- essante Films und Diapositive gezeigt. Dr. Archcuhold erläuterte astronomische Diapositive und Films, Prof. Eberlei» bewies an Hand eines Filnis, daß sich der Kinematographie auf dem Gebiete der Tier- Heilkunde segensreiche Bahnen öffnen; Prof. Glatzel zeigte sehr inter- essante Dispositive aus dein Reiche der Ballistik; Dr. Regcner erntete reichen Beifall durch Vorführung der Schokoladen- und Marzipan- fabrikation und Prof. Kemsies zeigte und erklärte äußerst lehrreiche schulhygienische Films.— Der Studiengesellschast sind bereits wissen- fchastliche Filnis für daS Museum überwiesen worden; zum Ausbau des Museums sind auch schon namhafte Beträge gezeichnet. Theater. Skeues Volkstheater(Versuchsbühne):„Feindliche Seelen", Schauspiel von Paul Hyacinthe L o y s o n. Lohson, der, früher selbst katholischer Geistlicher, in der modernistischen Be- wegung eine hervorragende Rolle spielte, schildert in diesem vor fünf Jahren in Paris zum ersten Male aufgeführten Stücke den Kampf eines Freidenkers und Gelehrten um die Seele seines in den Wahn- Vorstellungen des.Katholizismus aufgewachsenen Töchterchens. Man wird zugeben müssen, daß die Umsetzung des typischen Konflikts in ein dichterisch-individuelleS, das verborgene Geflecht intimer seelischer Beziehungen aufdeckendes Gebild dem Autor nicht gelungen ist. Den Personen, vor allem dem Freidenker selber, fehlt es an Hintergründen und Nuancen, sie erscheinen zu sehr als bloße Eiulleidungen des allgemeinen Standpunktes, de» sie zu vertreten haben. Die Dis- kussionen überwuchern. Auch kommt man von dem Eindruck nicht los, daß dieser Ungläubige, der doch ein eminenter Forscher sein soll, in seinem Streben, Florenee aus den Schlingen fanatischen Aberglaubens zu befreien, recht wenig Intelligenz beweist. Wenn er dem Kinde, für dessen seelische Gesundheit er fürchtet, näher kommen wollte, dann war es sicher das Verkehrteste, ihrem katholische» seinen Atheisten-Katechismus unvermittelt gegen- überzustellen. Was soll das arme Wesen im Widerstreite solcher Dogmen anfangen? Hätte eS nicht genügt, die schlummernde Denkkraft im Kind allmählig anzuregen, sie auf die Grenzen, die Wissen und Glauben scheiden, hinzuweisen und so EntwicklungSpro- zesfe in ihr einzuleiten, die dann notwendig die Grundlagen naiv anbetender Befangenheit zerstören mußten? Daß sie Denken lerne, den Mut gewinne, Maßstäbe freien Denkens auch an die fromme Ueberlieserung anzulegen: darauf konnte es ihm verständigerweise doch allein ankommen. Freilich bätte bei solchem Verhalten seines Helden der Verfasser auf manche feiner theatralischen Pointen verzichten müssen. Indes bei allen Einwänden, die so erhoben werden können, hat das Werk durch die Bedeutsainkeit des dargestellten Konflikts den freiheitlichen Sinn, in dem eS ihn behandelt, und die Fülle sozial- charakteristischer Streiflichter, ganz zweifellos ein starkes Interesse und fand beim Publikum, das zum großen Teil aus Mitgliedern der Neuen Freien Volksbühne bestand, lebendigen Widerhall. Daniel Servan hat in langjähriger Ehe mit feiner Frau niemals über Glaubensdinge gesprochen, auch gegen die geistliche Erziehung seines Kindes zunächst nichts einzuwenden gehabt. Erst die Symptome krankhafter Frömmelei, die er, von einer langen ForschungS- reife heimgekehrt, bemerkt, rüttelt ihn aus feiner schweigenden Redaktionen, und diese Leute haben die Strafen mitvcrdient. (Beifall rechts.) Abg. Hammer(k.) verteidigt den Kreis T e l t o w und die Provinz Brandenburg gegen den Abg. Cassel. Berlin wird sehr gut be- handelt. Was hat der Kreis Teltow alles für Lasten! Den Auto- verkehr Berlin-Potsdam. den Teltowkanal, die Krankenhäuser I Da sollen ivir uns die zahlungsfähigsten Gemeinden entziehen lassen? Der Oberbürgermeister von Berlin muß seinen s e l b st- gefälligen Ton aufgeben. Hat er sich etwa wirklich beim Minister über den Landrat, seinen Kollegen, beschtvert? Waruin will man den Berliner Beamten und Lehrern verbieten, im Vorort zu wshnen? Ein Boykottgesetz ist nötig, sagt die Strasrechts- komniiision, der Herr v. LiSzt angehört; auch der Arbeilswilligen- sckmy gehört nicht erst ins neue Strafgesetz. Handwerkerbriese an mich äußern sich entrüstet über Dr. D e l b r ü ck, der gegen die Sozial- demokratie nickt mehr aufzutreten wogt, seitdem er mit ihr die zu ganz fürchterlichen Folgen führende elsäs fische Verfassung gemacht hat. Ueberhaupt ist die ganze Haltung Dr. Delbrücks ganz außerordentlich m e r k iv ü r d i g. Der 3ied»er erwähnte dann verschiedene Terrorismusfälle, in denen die Gerichte versagt hätten, oder wo ein Koalitionszwang ausgeübt worden sei. Der „ V o r w ä r ifs" boykottiert doch auch Försters Halber st ädter Würstchen! Der Baseler sozialdeniolratische RegieriingSpräsident hat seine Verzweiflung über den Terrorismus seiner Genossen ge- äußert. Da muß gesetzlich eingegriffen werden. Wir brauchen auch mehr Gendarmen. Waruin hat man in Moabit nicht schon am ersten Tag Karabiner gegen das feige, aufgehellte Gesindel aus- gegeben? Stur energifch zugreifen, dann ist gleich Zug in der Kolonne! Der Vergleich zwischen Sieichstags- und Landtags- leistiingen beweist die Güte unseres Wahlrechts, wo nicht der süns- uildzwanzigjährige Zuhälter ebenso Wähler ist wie der erste Beamte. Das Dreiklassenwahlrecht liefert eine großartige Mittel- standsmehrheir. Der Mittelstand wünscht kein geheimes Wahlrecht. Wer es ehrlich meint niit dem Mittelstand, muß das Dreiklassenwahlrecht anfcechterhalten!(Beifall rechts.) Abg. Dr. Sei, da(Pole) spricht über die Lastenverteilung zwischen Gutsbezirken und Landgemeinden und schildert Schikauierungen der polnischen Bevölkerung durcki VerwallnngSbehörden, darunter auch die Wahl in Schwctz. Die Rimdschreiben des Deutschen Wahlaus- schusses gingen im Eiiflierständnis mit den Behörden darauf aus, durch planmäßige Fernhallung und Ausschließung der polnischen Wähler von der Wahl die Wahl zu fälschen, so daß der Land- rat v. H a l e m schon zweimal zu Unrecht als gewählt proklamiert wurde. Hält der Minister diesen Landrat des Vertrauens der Kreis- eingesessenen für würdig? Der Stedner führt des weiteren Klage über eine schikanöse und gesetzwidrige Handhabung des VereinSrechts. Durch all folche Dinge werde die polnische Bevölkerung in Erregung gesetzt, die durch die Aiiwenduiig des EnteiguungsgesetzeS noch ge- steigert wird, ' Minister des Innern v. Dallwitz: Daß die bsi der Wahl des Landrats v. Haler» vorgekommenen Uiiregelmäbigkeiteil nicht ge- rügt worden sind, ist unzutreffend, ES ist auch unrichtig, daß der Landrat v. Haler» diese Ilnregelmäßiglciten veranlaßt oder aiich nur um sie gewußt hat. Von den Rundschreiben hat der Landrat nichts gewußt, sie werden ja den Reichstag be- jchästigen, es hat keinen Zweck, vier weiter davon zu sprechen. Der Minister spricht dann über die Geschicke des nationalen Boykotts in Posen, der schon nach 1863 von der polnischen Liga, ja schon ,840 betrieben sei. Die Enteignung war doch 1008 prinzipiell entschieden, d a härte die Erregung äuftrelen können. Da der Verkauf von polnischem Gut an Deutsche als Volksverrat hin- gestellt wurde, mußten wir zur Enteignung greifen. Lassen Sie Ihre Agitation, dann werden wir zu solchen Maßregeln nicht gezwungen sein.(Sehr gut! rechts. Oho! bei den Polen.) ,,,, Die Billigung gelber, d. h. nationaler Gewert- s ch a f t e n, durch einen Regierungspräsidenten, die der Abgeordnete Gronowski getadelt hat, vermag ich nicht z n m i ß b i l l i g e n, denn sie sind, ebenso ivie christtichen Gewerkschaften ein Gegen- gewicht gegen die Sozialdemokratie.(Beifall rechts.) — Dem Sieichstag wird die Konzcssionierungspflicht der Kinos vor- geschlagen werden. Hoffentlich beschließt er sie. Abg. Dr. Schcpp(Vp.): Die Berliner Lehrer und Beamten dürfenauS Gesiindheits-und anderen Rücksichten auch außerhalb Berlins lvohnen. Die Vororte schreiben ihren Beamte» auch vor, daß sie dort wohnen müssen, was will also Herr Hammer? Wenn kräftige Vorstöße k la Kardorfs die Sozialdemokratie umbringen könnten, müßten Reserve auf. So passiv er früher war, so stürmisch wird er jetzt und stößt dabei natürlich überall auf zähen Widerstand. Die Kleine von seinen Worten im Innersten verletzt, zieht sich scheu und spröde in sich zurück. Ein paar Jahre streichen in eineni Leben völliger Eiltfrentduiig hin; da bricht, nachdem Serba» die letzten VermittelungSversuche des srenndlichen Abbö abgewiesen, bei einem leidenschaftlichen Streit der Eltern die schwächliche, herzkranke Florenee ohnmächtig zusammen; und ans dem Krankenbett, in den Schauern des nahenden Todes entringt sich ihr vor dem erschütterten Vater das Belenntnis, daß sie nach langem Widerstände sich zu seiner Ueberzengung durchgerungen, sie sterbe ohlie Glauben an einem Gott nnd ein Jenseits. Ihre letzten Worte find eine Bitte au die Eltern, einander versöhnt in Liebe die Hand zu reichen. Amalie Wagner fand in der Rolle der Florenee, vor allem in diesen Szenen des letzten Aktes, die so leicht ins glatt Lar- mohante hätten fallen können, Tone überraschend echter rührender Naturlvahrheit. Die anderen Figuren waren gut besetzt. Et. Notizen. — Das Theater des Westens wird nunmehr am Donnerstag, 7Vz Mr, und zwar mit der Operette„Die beiden Husaren" lviedcr eröffnet werden. — D e r K a p e l l m c i st e r Guarneri von der Wiener Hos- oper hat seinen Posten ohne Kündigung ausgegeben. Daraufhin ivurde der große Bann über ihn verhängt: d. h. er wurde für koiltraktbrüchig� erklärt..Keine Bühne, die dem Direklorenverbaudc angehört, Varf ihn wieder anstellen. Diese Brollosmachung eines Künstlers charakterisiert das ganze Sklavcnwesen unserer Bühnen- Verträge. Gnarueü hat wiederholt um seine Entlassung gebeten, ioeil man seine lünstlerischen Forderungen nicht ersüllle— aber die Di- rektion bestand auf ihrem Schein. Will umgekehrt eine Direktion einen Künstler vor der Zeit loswerden, so hat sie Mittel genug. In Berlin z. B. wiiilt S. M, mit dem Finger und Paur geht. — Neue Dramen, StrindbergS belaimtestcr Roman„D a s rote Z i m m e r", mit dem er seine literarische Karriere eröffnete. ist(wohl mit dcS Dichters Zustinnnung) dramatisiert loorden und soll nächstens in Stockholm anfgeführt werden. Solche nachträglichen Dramalisimmgeir bekannter Romane haben sich in der Regel nicht als Gewinn für die Bühne erwiesen. Man denke nur an Zola. — D e r s ch w e d i s ch e E r f i n d e r iL a v a l ist im 68. Lebens- jähre in Stockholm gestorben. Die bekannteste seiner Erfindungen ist die überall verbreitete Milchzentrifuge. — Siegfried bei Kronprinzeils. Im„März" wird folgende„wahre Geschichte" erzählt: Partenkirchen. Rodelbahn, Kronprinzensöhne. Schiicejude». Eine alte Schnecjüdin zu ihrem Sprößling:„Geh. Siegfried, zum kleinen Prinzen, sag: Königliche Hoheit, wie alt bist du?" Siegfried geht.„Königliche Hoheit, ich soll fragen, wie alt Du bist." »Sechs Jahre, Du frecher Judenjunge." sie die„Tag"-Arilkel des Freiherrn tx Zedlitz tot�emricht Häven. Bei der iieg-niwärtigen äutzeren L-ige dürfke es nicht zu empfehlen sein, daß sich ein Teil des Vvlls als Bürger zweiter Klasse fühlt. Die Sozialdemokratie lebt von den Fehlern ihrer Gegner. So als Tessendorf die Feindschaft zwischen Lassalleanerir und Eisenachern, als die Umsturzvorlage den Parteistreil um die Agrar- frage beseitigte. Gegen ein Verbot des Streikposten- stehens hat sich auch der frühere bayerische Minister v. Land- na nn in der„Deutschen Juristenzeitung" ausgesprochen, dem Sie doch gewitz nicht Neigung für die Sozialdemokraten zutrauen werden. Auch Graf Posado wsky erklärte, die Sozial- Demokraten würden nicht durch Solinger Klingen, sondern durch solo nische Weisheit überwunden werden.— Daß wir bei den LandtagSwahlen mit den Sozial- demokraten zusamniengehen werden, ist eine böswillige Behauptung oes Abgeordneten Maurer; die auf unserem Preutzentage gefatzle Resolution und die dort vom Abg. F i s ch b e ck gemachten Aus- -ührungen beweisen deutlich, daß wir nicht unter das kau- o i n i s ch e Joch kriechen werden.— Auf die Klagen des Abgeord- neten Menke über Uebcrgriffe schlesischer Amtsvorsteher meinte der Minister, sie seien frei erfunden und hier nur aus Agitationsrück- sichten angebracht. DaS ist ein ganz unerhörter Borwurf sLebhaftes Sehr richtig l bei der Volkspartei), zumal der Minister die vom Kollegen Menke selbst erlebten Fälle gar nicht untersucht hat.— Uebcr den Wahltermin in Teltow-Beeskow erklärte der Minister keine Aufklärung geben zu können und Herr v. Pappen- heim rief dazu: Das fehlte noch. Der �Minister hat aber dem Parlament Aufklärung zu geben.(Zustimmung bei der Volkspartei.) lnter dem öffentlichen Wahlrecht leidet besonders der Mittelstand; geben Sie, wenn Sie dem Mittelstand dienen wollen, ein geheimes Wahlrecht, das auch die Schule im liberalen Sinne vorwärts bringt.(Beifall bei der Volkspartei.) Minister v. Dallwitz erklärt, datz dem Abg. Dr. Schepp diese Kritik an seiner Erwiderung auf Menke nicht zu- stehe,(Lebhaftes Oho! links.— Abg. Menke: Was, dem Volks- Vertreter soll eine Kritik am Minister nicht zustehen?— Unruhe.) jawohl, nicht zustehe. Der Minister wiederholt dann seine ÄuS- führungen gegen den Abg. Menke, daß dieser ihm seine Klagen vorher mitgeteilt hätte, wenn es ihm um sachliche Prüfung statt um Bekundung seiner Abneigung gegen die Amtsvorsteher oder um Agitationsbedürfnisse zu tun gelvesen wäre. Da er das nicht getan, so sagte ich weiter, wäre sein Material vielleicht so beschaffen, wie das des Abg. Korfant y vor zwei Jahren, das sich dann als ganz unhaltbar erwiesen hat. Ich habe also gegen den Abg. Menke nicht den Vorwurf erhoben, den mir Abg. Schepp zuschreibt.(Bei- fall rechts.) Ein Schlußantrag wird gegen die Kon sedativen, Frei- konservativen(mit Ausnahme des Freiherm v. Zedlitz) und einiger Zentrumsmitglieder und Nationalliberalen abgelehnt. Die große Mehrheit des Zentrums stimmt gegen den Schlußantrag. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Fast alle Redner sind über die Sozialdemokratie her- gefallen, und da ist es bezeichnend, daß die Herren von der Rechten es versucht haben, uns die Erividerung abzuschneiden. Aber das ist ja bei Ihnen schon Gewohnheit.(Redner ist bei der großen Unruhe des Hauses schwer verständlich.— Vizepräsident Krause klingelt wiederholt, um Ruhe herzustellen.— Abg. Hoffmann(Soz.j ruft: Die können sich noch gar nicht beruhigen über ihren Neinfall I) Die Sozialdemokratie hätte sich nicht träumen lassen, daß sie ei» solches Glück haben würde, solche Agitationsreden von ihren schärfsten Feinden hier zu bekommen, wie von den Herren v. Kardorff, v. Zedlitz. Graf Groeben und manchen anderen. Wir werden mit diesen Reden die besten Geschäfte machen. Wir werden sie als Agitationsschriften zur Propaganda hinaussenden und sind gern bereit, Herrn v. Kardorff ein Autorhonorar zu zahlen. (Heiterkeit links.) Diese petrefakte politische Auffassung, die man in ausgedonnert theatralischer Pose sich vor der ganzen Welt hat enl- wickeln sehen, erleichtert uns unsere Aufgabe ungemein. Man sagt, wir leben nur von den Fehlern unserer Gegner. Unsere Wurzeln liegen viel tiefer, in den gesellschaftlichen Zu- st ä n d e n und in der menschlichen Natur. Aber ungemein erleichtert wird uns die Arbeit durch die Nückständigkeit unserer Gegner.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch iin Reichstag finden wir die Ansätze zu dieser Hetzpolitik. An demselben Tage, an dem hier die Scharfmacherrede von Graf Arnim-Züsedom gehalten wurde, hielt Graf Westarp seine entsprechende Rede im Reichstag. Das war abgekartetes Spiel. Im Reichstag hat allerdings die freikonservative Partei diese Scharfmacherei nicht mitmachen können. Sie hätte es jedenfalls sehr gern gewollt. Aber sie istsoklein geworden, daß sie es dort nicht mehr wagte. Das mag der Grund sein, warum sie hier mit doppelter Wut losschlägt. Zu einem Teil ist sie zu ihrem Vorstoß durch die letzten Vorgänge im Reichstag, besonders durch das Mißtrauen gegen die Regierung wegen der Ent- eignungSfrage bewogen worden. Dieses Mißtrauen ist aber auch ausgesprochen durch das Zentrum, und so war die Rede des Herrn v. Kardor.ff zum guten Teil gegen daS Zentrum ge- richtet. Das Zentrum hat ja im Reichstag die Möglichkeit, durch eine dräuende Gebärde die ganze Regierung unmöglich zu machen und die ganze parlamentarische Maschine lahmzulegen. Sie aber können nicht mehr eine Mehrheit nach Ihrem Belieben bilden. Wir sehen auch, wie das Zentrum der Regierung hter und da ein Bein stellt, so beim Petroleummonopol, so bei der Ver- schleppung d.er Elektrisierug der Stadtbahn. Sie möchten eben den ihnen unbequemen Bethmann Hollwe g los ivcrden. Zwar könnte man in bezug auf ihn das Wort„dies Kind, kein Engel ist so rein" umändern in„dies Kind, kein Engel ist so schwarz".(Heiterkeit.) Aber trotzdem, sein Verhalten in der Je- suitenfrage heischt blutige Sühne. Mit Ihrer Forderung nach Beseitigung des Jesuitengesetzes haben Sie ja recht, nur dürfen Sie sich dabei nicht als Palnoten aufspiele». Die Zentrumspolitik wird ja viel kommentiert. Das Zentrum ist die Sphinx, von der man keine Antwort erhält, oder wollen Sie uns klaren Wein darüber einschenken, ob Sie aus die Auflösung des Reichs- tag es hinarbeiten.(Große Heiterkeit). Wir habqn dabei nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinn en.(Lachen im Zentrum). Bei Ihrer Politik des ewigen Wechselns geht Ihnen ans die Dauer der Atem aus, Sie können sie bei einer politisch aufgeklärten Bevölkerung aus die Dauer nicht treiben. Es scheint, als ob das Zentrum bei irgend einer kleinen Gelegenheit den Reichstag will auseinander- treiben lassen. Auch die Konservativen und die Regierung möchten den Reichstag lieber heute als morgen loswerde» Sie wollen aber wohl abwarten, bis etwas mehr Ruhe in der aus- wältigen Politik eingetreten ist. Wir Sozialdemokraten haben keine Veranlassung, uns vor der Politik des Zentrums zu fürchten, loohl aber wollen wir ihr Versteckspielen und ihre innere Unehrlichkeit immer und immer wieder vor der Oeffentlichkeit aufdecken. Die Neigung, den Reichstag nicht zu alt werden zu lassen, erklärt sich ohne weiteres aus der schroffen Dissonanz zwischen Preußen und dem Reich, wo die Sozialdemo- lratie ein zwanzigmal stärkerer Faktor ist als hier. Auf die Dauer aber ist eS unmöglick, in Preußen anders zu regieren, wie im Reich. Das ist eine Selbstverständlichkeit; gegenwärtig sehen wir einen Zu- stand bei dem ein Pferd vor und eines hinter dein Wagen gespannt ist. Das na» vorwärts ziehende Pferd ist nicht sehr kräftig, denn leider haben wir im Reichstag nicht die Mehrheit, aber das nach rückwärts ziehende ist recht kräftig, und so sehen wir. wie wir in Deutschland rückwärts kommen. Der Minister des Innern meint, daß hier vorzugltches geleistet wird(Sehr richtig! rechts.) Wenn dieses Lob nur einmal von einer anderen Stelle käme, als vom preußischen Abgeordneteuhause ,.»* s-inem jungen Mann, dem Minister des Innern.(Präsident Graf "* in er in erklärt diesen Ausdruck für unpassend.) Ich habe nut 5e?rn v Kardorff zitiert.(Präsident Graf Schwerin: Herr tz. Kardorff hat diesen Ausdruck mcht gebraucht, sondern emen Zeitungsartikel zitiert.) Nun Tatsache ist jedenfalls, daß die Minister in Preußen im wesentlichen nichts anderes sind, als die ausführenden Organe der Mehrheit dieses Hauses, speziell der Konservativen. Sehr häufig sind hier Fragen der Reichspolitik erörtert Wordelp sehr häufig ist hier gehetzt w o r d en zum Umsturz der Reichsversassung, wie haben Sie(nach rechts) unter Führung des Herrn v. Heydebrand gegen die elsässische Verfassung ge- hetzt I(Präsident Graf Schwerin: Sie dürfen einem Abgeordneten nicht vorwerfen, er habe gehetzt!) Bei den Etatdcbatten lassen Sie die gesainlen Reichsangelegenheiten Revue passieren. Daß der Reichstag das gute Recht hat, sich mit Preußen zu befassen, sollten Sie doch nicht bestreiten, da Sie doch die preußische Politik maß- gebend haben wollen für das Reich. Dann muß sich doch der Reichstag mit allem beschäftigen, was mit Preußen zusammenhängt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das im Reichstag gefaßte Mißtrauensvotum gegen die Regierung istJhnen unbequem, weil Sie daraus erkannt haben, daß im Reichstag ein Wille vorhanden ist, gegen die Regierung vorzugehen und sich durchzusetzen. Es will Ihnen nicht in den Kram paffen, datz der Reichstag der preußischen Regierung einmal die Faust gezeigt hat. Der Minister v. Dallwitz hat den Staatssekretär Delbrück nicht gerade der Unwahrheit geziehen. Aber seine Rede am Sonnabend zeigte doch ein ganz außergewöhnliches Maß von Wut. Er ist ja aus verschiedenen Gründen mit Herrn Delbrück sehr un- zufrieden, vor allem, weil sein Schriftwechsel über die Wahlurnen bekannt wurde. Als man diese Frage anschnitt, hat er keine Antwort erteilt. Inzwischen hat er erklärt, er gäbe keine Erklärung ab, weil es sich um Indiskretionen handele und das preußische Ministerium noch nicht gesprochen habe. Aber er kann nicht bestreiten, daß die sämtlichen angeführten Tatsachen richtig sind. Er ist also nicht ge- willt, das zu tun, was notwendig ist, um ein geheimes Wahlrecht durckizusetzen. Sehr unangenehm war es ihm auch, daß die volle Abhängigleit der Reichspolitik von der preußischen aufgedeckt wurde. Bekannt war das ja längst. Aber die Form, in der sie sich äußert, die Wege, welche die Vertreter des Reiches nehmen inüffen, ehe sie in der Reichspolitik die Initiative ergreifen können, waren doch nicht so bekannt. Es ist ausgedeckt, daß die preußische Politik sich als ein Hemmschuh an die Politik des Reiches legt. Besonders unangenehm war dem Minister die Sache mit dem Wohnungsgesetz. DaS klang tatsächlich wie eine Drohrede, wie ein Pronunziainento, wie eine Flucht in die Oeffentlichkeit. Ob der Staatssekretär Delbrück gewußt hat, datz die Veröffentlichung des Wohnungsgesetzes unmittelbar schon bevorstehe, darüber kann man zweifelhaft sein. Ich möchte meinen, daß doch erst die Flucht Delbrücks in die Oeffentlichkeit die Veröffentlichung deS Entwurfs beschleunigt hat, und daß die Vorlage des Wohnungsgesetzes erst durch den Druck des Reiches auf Preußen erreicht worden wäre. Wer schließlich bei diesem Duell Dallwitz-Delbrück ohne Binden und Bandagen auf der Strecke bleiben wird, werden wir ja sehen. Jedenfalls ist charakteristisch, daß die Konservativen nicht so scharfe Worte gegen das Zentrum gefunden haben, wie die ReichSpartei. Die Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien sind zwar sehr scharf, aber in der Gegnerschaft gegen die Rcichregierung sind sie sich einig, und daSGrab wird bereits geschaufelt, in das Bethmann H o l l w e g und Delbrück gelegt werden sollen. Wir Sozialdemokraten können uns nur freuen über die fchäu- mende Wut, die die Aktion des Reichstags in der Enteignungsfroge hier ausgelöst hat. Das Reich soll an die Kette gelegt werden oder besser gesagt, da es längst an der Kette liegr, die Kette soll etwas kürzer gemacht werden. Darüber sind sich auch die Herren von der konservativen Partei einig, die sich drüben „Reichspartei" nennen. Eine ReichSpartei, die Sturm läuft gegen das Reich vom Preußischen Abgeordnetenhaus aus.(Sehr gut I bei den Soziaidemolraten.) Eine Reichspartei, die lieber das Reich in Scherben schlagen möchte, als dulden, daß eS auf diesen Wegen weiter geht, eine ReichSpartei, die zeigen will, daß daS Reich sich immer mehr als ein verlängertes Preußen enthüllt. Die Reichsfreundschaft der Konservativen ist ja seit langer Zeit bekannt; ihr Sündenregister ist in den Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe aufgedeckt worden. Ihnen ist das Reick ein not- wendiges Üebel, damit das Rcichsheer ihre heiligsten Güter schütze. Ihr ganzer Theaterdonner zeigt nur Ihre Unsicherheit und daß daS Reich anfängt, Ihnen über den Kopf zu wachsen. In der Presse wurde die ehrliche Weltanschauung Herrn v. Kardorffs gelobt. Ja, die Herren sind ehrlich bereit, dafür zu sorgen, daß die breiten Massen der Bevölkerung politisch entrechtet, Wirtschaft- lich ausgebeutet, sozial und politisch unterdrückt werden. Ob es aber eine besondere Ehre ist, eine solche Politik offen zu vertreten, möchte ich doch nicht entscheiden. Als Anwalt und Kriminalist könnte ich versucht sein, statt Ehrlichkeit�cin Wort zu gebrauchen, das das Gegenteil von Scham bedeutet.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) In demselben Atemzug, mit dem Graf v. d. Groeben A»S- nahmegesetze gegen die Sozialdemokratie forderte, hat er mit fast tränenerstickter Stimme eine rührselige Rede über die Tränen der Arbeitswilligen gehalten, die der Sozialdem«kratie zur Last fielen. Diese Tränen des Grafen v. d. Groeben und das Lachen, mit dem Sie das Sündenregister bestätigten, daß Abg. Menke aufzählte, war eine Kennzeichnung dieses Hauses, wie sie schöner nicht gedacht werden kann. Es gab dabei eine stürmische Szene, aber das ist ganz selbstverständlich, daß Menschen, die kein Fischblut in den Adernjjabe», bei einer derartigen„ehrlichen" Szene die Galle überläuft.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die deutsche Sozialdemokratie wird und kann nicht auf ein Gebot aus dem Dreiklassenhause verschwinden, dazu ist sie eine viel zu naturnotwendige Erscheinung. Deswegen werden alle Ihre Versuche, die Sozialdemokratie zu vernichten, scheitern müssen. Wenn jemand sich stark fühlt in seiner Weltanschauung, in seiner Begeisterung und Politik, wenn er beweisen will, daß er für wirklich große Ideale kämpft, dann fühlt er sich stark genug, mir allen anderen Mächten fertig zu werden. Aber Sie starke Männer fühlen sich nicht stark genug, mit der Sozialdemokratie fertig zu werde». Sie rufen nach dem Polizeiknüppel, nach Gewalt an Stelle des geistigen Kampfs. Liegt darin nicht ein vollkommenes Eingeständnis Ihrer inneren Ohnmacht'! Ich brauche nicht das nnparlamentarische Wort eines berühmten italienischen Ministers darüber zu zitieren, wer mit dem Ausnahmeznstand regieren kann.(Sehr gut! links.) Die Ausführungen der„Kreuzzeitung", daß für das deutsche Volk die brutalste Gewaltpolitik eigentlich die humanste Politik sei, erinnert an eine Bemerkung, die der Abg. Hammer heute tat, als er auf einen Zuruf Hoffmanns bei seinen Worten über die Annexion von Treptow zugab, daß er allerdings sonst kein Gegner von Annexionen sei. weil sonst Preußen nicht in seiner heutigen Größe bestünde! Herr Strosser hat ja zugegeben, daß die Konservativen dann und wann bei Wahlen mit der Sozialdemokratie zusammengegangen sind, für welche Wahrheil allerdings ihm bereits von den Haupt- gewaltigen der konservativen Partei der Kopf gewaschen wurde.'(Hört! hört.' links.) Es ist wahr, daß Sie allen Anlaß hätten, mit Rücksicht auf d, e a u s w ä r t i g e n G e f a h r e n sich etwas mehr an Ihre rnnerpolmschen Pflichten zu erinnern. Die Zeit kann kommen, wo Sie das deutsche Volk mehr brauchen alsdastäglicheBrot und in derselben Zeit treiben Sie eine Politik der Provokation uud der politischen Verhetzung, deren Folgen allerdings kaum geeignet sein werden, uns Neuwahlen zum Reichstag fürchten zu lassen I(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Ihr Geschrei nach einem ArbeitSwilligenschntzgesetz hat im Reichstag ein klägliches Fiasko erlitten: ganze 53 Stimmen haben Sie erhalten, wenn auch gewiß manche Narionalliberale bereit Ivären» für ein solches Gesetz zu stimmen. Sie verwahren sich immer dagegen, daß Bohkottanfforderungen einzelner Konserbaftven Ihrer Partei an die Rockschöße gehängt werden, aber die 2000 Verurteilungen, die von einer rücksichtslosen Klassenjustiz mit Hilfe des systematischen Denun- ziautentums der christlichen Gewerkschaften im Ruhrrevier zustande gebracht wurden, sollen ausschließlich aus Verschulden der Sozial- dcmokratie zurückzuführen sein! Wohl können auch sozialdemo- kratische Arbeiter Ausschreitungen begangen haben, aber schuld daran ist die ganze Unterdrückungspolitik, die gegen die Arbeiter überhaupt und am schlimmsten gegen die Bergarbeiter geübt wird. Gerade der Abg. Gronowski weiß genau, daß der alte Bcrgarbeitervcrband alles getan hat, um die Arbeirer von dem Streik unter ungünstigen Umständen abzuhalten, aber die Aufregung war schon zu groß.(Abg. Hoff mann: Und dazu der Verrat der Christlichen!) Von dem Streikbruch der Christlichen spricht Gronowski nicht, umsoweniger, als seine Richtung sick im Saarrevier gegen den Streikbruch der Berliner Richtung wenden mußte, woraus dre Berliner zu ihrer Verteidigung mit einem Flugblatt antworteten, das die Christlichen im Ruhrrevier zur Verteidigung ihres Streikbruchs gegen die freie Gewerkschaft verbreitet hatten. Herr S t r o s s e r feierte den Preußenadler und Herr Marx vom Zentrum griff dieses Bild auf. Er erklärte, daß wenn man der Kirche die volle Freiheit gäbe.— womit wir vollkommen ein- verstanden sind—, sie sich gleich einem stolzen Adler gen Himmel schwingen würde. Run, denken Sie eigentlich nie daran, daß der Adler nicht nur der König der Tiere, sondern auch ein recht g e» fährliches Raubtier ist?(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) In den Debatten dieser Tage hat sich die vollkommene Unver« einbarkeit unseres Deutschen Reiches und dieses j un k e rli ch e n Preußens erwiesen. Sie möchten, daß Ihr Preußen über daS Reich siege. Wir wollen, daß daS Reich siegt und an die Stelle Ihres junkerlichen Preußens ein freies Preußen trete, damit das Reich, vom preußischen Joch befreit, aufatmen und dem Wohl deS Volkes dienen kann. Dazu brauchen wir allerdings ein freies Wahlrecht (Lachen rechts), das Sie uns nicht konzedieren wollen, Zedlitz will eS rückwärts redigieren, sodaß überhaupt keine Sozialdemo- kraten gewählt werden können und v. Dallwitz hat sich dieser Politik des„Nun gerade nicht" angeschlossen. Aber die mündigl ge- wordene Bevölkerung ist entschlossen, sich das freie Wahlrecht zu nehmen. Ihr Geschrei aber nach Polizei. Staatsanwalt und Aus- nahmegesetze zeigt die ganze Hohlheit Jhrer Herr- s ch a f t und daß Ihre Tage gezählt sind, sodaß trotz Ihrer gewalttätigen Neigungen in absehbarer Zeit das preußische Volk sich von der Herrschaft der ungekrönten Könige befreien und an Stelle der Ausbeutung der politischen Unterdrückungen und der preußischen Polizeiwirtschast eine den Jnter» essen des Volkes entsprechende Regierung setzen wird. Zur Er- reichung dieses Zieles werden uns Ihre Sünden und Scharf- machereien die allerbesten Werkzeuge sein und deshalb danle ich nochmals von ganzem Herzen den Herren v. Kardorss und v. Zedlitz für ihre Reden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nicht für 5 Pfennig Angst haben wir vor Ihnen und all Ihren Drohungen, die wir viel mehr von der k o m i s ch e n, als von der ernsten Seite auffassen. Die Tatsache, daß sich die gesamte Debatte wieder ganz ausschließlich um die Sozialdemokratie gedreht hat, hat wieder einmal vor aller Welt demonstriert, welche Macht die Sozialdemokratie darstellt. Die Sozialdemokratie ist stark, stärker als Sie denken. Sie aber sind schwächer als Sie denken und der Sieg wird auf unserer Seite sei».(Lebhaftes Bravo l bei den Sozialdemokraten, Lachen und Unruhe rechts.) Ein Schlußantrag wird angenommen, das Gehalt des Minister? bewilligt. Es folgen persönlicheBemerkungen. Abg. Korfnnty(Pole) erwidert dem Minister auf die Beschuldi» gnng, da§ angekündigte Material über ein oberschlesischeS Per» sammlungsverböt nicht vorgelegt zu haben, mit Nennung der Akten» zahlen des Bezirksausschusses Oppeln. Der Minister könne sich überzeugen, wie ihn seine Beaimen angelogen hätten. Abg. v. Campe(natl.) erwidert dem Abg. Frhr. v. Zedlitz, daß der nationalliberale Abg. Maurer keine Großblockpolitik empfohlen habe, hätte er es getan, so würde er sich in Widerspruch mit der Fraktion gesetzt haben. Abg. Dr. Schepp(Bp.): Nach der Verfassung habe ich als Ab- geordneter das Recht, i» diesem Hause Kritik zu üben. Daß ich dies nicht in unzulässiger Form getan habe, beweist der Umstand, daß der Präsident nicht eingegriffen hat. Ich weise also die Behauptung des Ministers, daß meine Kritik mir nicht zugestanden habe, zurück. (Bravo! links.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) bemerkt, die Rede Liebknechts hätte dnran erinnert, datz morgen Faschingsdienstag sei. (Heiterkeit rechts.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Auf diese geistreiche Pointe ist Frhr. v. Zedlitz nach langem Brüten über einen Zuruf gekommen, den ich ihm bei einer seiner Bemerkungen gemacht hatte, datz seine Rede in den Fasching passe.(Hört! hört! links.- Abg. Hoffmann: Daher der Gedanke! � Heilcrkeit links!) Uebrigenö gibt es ja auch einen Aschermittwoch, den Katzenjammer werden Sie(nach rechts) haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Eine Reihe von Etatstiteln wird obne Erörterung bewilligt. Nächste Sitzung: Dienstag, den 4. Februar, vormittags 11 Uhr: Etat des Innern. Schluß 5V, Uhr._ £)n sozialpolitischer Mchdlich. Heute vor 22 Jahren erließ der König von Preußen folgenden Erlaß an den preußischen Handelsministcr: „Bei Meinem Regierungsantritt habe Ich Meinen Entschluß kundgegeben, die fernere EntWickelung unserer Gesetzgebung in der gleichen Richtung zu fördern, in welckvr Mein in Gott ruhender Großvater Sich der Fürsorge für den wirtschaftlich schwächeren Teil des Volkes im Geiste christlicher Sittenlehre angenommen hat. So wertvoll und erfolgreich die durch die Gesetzgebung und Ver, tvaltung zur Verbesserung der Lage des Arbeitcrstandes bisher ge- troffenen Maßnahmen sind, so erfüllen dieselben.doch nicht die ganze Mir gestellte Ausgabe. Neben dem weiteren Ausbau der Arbeitcr-Vcrsichcrungsgesetz- gcbung sind die bestehenden Vorschriften der Gewerbeordnung über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter einer Prüfung zu unterziehen, um den auf diesem Gebiet laut yelwordenen Klagen und Wünschen. soweit sie begründet sind, gerecht zu werden. Diese Prüfung hat davon auszugehen, daß es eine der Aufgaben der Staatsgelvalt ist, die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die Wirt- schaftlichcn Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung gewahrt bleiben. Für die Pflege des Friedens Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind gesetzliche Bestim- »iuiigcn über die Formen in Aussicht zu nehmen, in dciicn die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung genlcinsainer Angelegenheiten beteiligt und zur Wahr- nehmung ihrer Interessen bei Verhandlung' mit den Arbeitgebern und mit den Organen Meiner Regierung befähigt werden. Durch eine solche Einrichtung i,t den Arbeitern der freie und friedliche Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden.w ermöglichen und den Staatsbehörden Gelegenheit zu geben, sich über die Verhältnisse der Arbeiter fortlaufend zu unterrichten und mit den letzteren Fühlung zu behalten. Die staatlichen Bergwerke wünsche Ich bezüglich der Fürsorge ür die Arbeiter zu Musteransialten entwickelt zu sehen, und für den Privatbergbau erstrebe Ich die Herstellung eines organischen Verhältnisses Meiner Bergbcamten zu den Betrieben, behufs einer der Stellung der Fabrikinspektionen entsprechendc» Aussicht, wie sie bis zum Jahre 1865 bestanden hat. Zur Vorberatung dieser Fragen will Ich. daß der Staatsrat unter Meinem Vorsitze und unter Zuziehung dcrjenigel, jach, funitge« Personen zusammenircke. welche Ich dazu derufen wcrdc> Die Ausivahl der letzteren behalte Ich Meiner Bestimmung vor. slnter den Schwierigkeiten, welche der Ordnung der Arbeiter- Verhältnisse in dem von Mir beabsichtigten Sinne entgegenstehen, Nehmen diejenigen, welche aus der Notwendigkeit der Schonung der heimischen Industrie in ihrem Wettbewerb mit dem Auslande ssch ergeben, eine hervorragende Stelle ein. Ich habe daher den Relchskanzlcr angewiesen, bei den Negierungen der Staaten, deren Industrie mit der unseligen den Weltmarkt beherrscht, den Zu- lammeutritt eiuer Konferenz anzuregen, um die Herbeiführung gleichmäßiger internationaler Regelungen der iÄrenzen für die An- forderungen anzustreben, welche an die Tätigkeit der Arbeiter ge- Sn- dürfen. Der Reichskanzler wird Ihnen Abschrift Meines an ihn gerichteten Erlasses mitteilen." Der Erlaß an den Reichskanzler ging dahin: ..Ich bin entschlossen, zur Verbesserung der Lage der deutsche» Arbeiter die Hand zu bieten, soweit die Grenzen es gestatten, tvclche Meiner Fürsorge durch die Notwendigkeit gezogen werden, die deutsche Industrie auf dem Weltmarkte konkurrenzfähig zu er- Valien und dadurch diese und der Arbeiter Existenz zu sichern. Der Rückgang der heimischen Betriebe durch Verlust ihres Absatzes im Auslande würde nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Ar- beiter brotlos machen. Die in der internationalen Konkurrenz begründeten Schwierig- leiten der Besserung der Lage unserer Arbeiter lassen sich nur durch internationale Verständigung der an der Beherrschung des Welt- Marktes beteiligten Länder wenn nicht überwinden, so doch ab- schwächen. In der Ueberzeugung, daß auch andere Regierungen von dem Wunsche beseelt sind, diese Bestrebungen einer gemeinsamen Prüfung zu unterziehen, über welche die Arbeiter dieser Länder unter sich schon internationale Verhandlungen führen, will Ich, daß zunächst m Frankreich, England, Belgien und der Schweiz durch Meine dortigen Vertreter amtlich angefragt werde, ob die Regie- rungcn geneigt sind, mit uns in Unterhandlung zu treten behufs einer internationalen Verständigung über die Möglichkeiten, den- senigen Bedürfnissen und Wünschen der Arbeiter cntgegenzu- kommen, tvelche in den Ausständen der letzten Jahre und ander- weit zutage getreten sind. Sobald die Zustimmunig zu Meiner Anregung im Prinzip gewonnen sein wird, beauftrage Ich Sie, die Kabinette aller der Regierunger. welche an der Arbeiterfrage den gleichen Anteil haben, zu einer Konferenz behufs Beratung über die einschlägigen Fragen einzuladen." Die Erlasse wurden als Anbahnung eines kräftigen Staats- sozialismus bezeichnet. Was ist aus ihnen geworden? Eine internationale Konferenz hatte schon seit dem Jahre 1876 die Schweiz wiederholt angeregt. Die Folge des internationalen Arbciterkongresscs von Paris im Jahre 188g war die Anbahnung der internationalen Arbeitcrschutzkonferenz, die in Berlin vom Ib. bis 29. März 1830 tagte. Ihr Ergebnis war eher eine Hemmung als ein Vorlvärtstreiben auf sozialpolitischem Gebiet. Man einte sich auf folgendes als zu erstrebende Ziele: Allgemeine Sonntags- ruhe für alle Industriearbeiter, Minimalalter von 12 Jahren für die Beschäftigung von Kindern in Fabriken, Verbot der Kinder- Nachtarbeit in Fabriken und Sechsstundentag für die Kinder bis 14 Jahren, Verbot der Nachtarbeit und Zchnstundentag für die jugendlichen Arbeiter von 14 bis 16 Jahren, Diaximalarbeitstag und Nachtarbeitsvcrbot' für Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren; sowie rücksichtlich der Arbeiterinnen über 16 Jahre: Ärbeitsverbot für Wöchnerinnen während 4 Wochen, Verbot der Arbeit unter Tage, Verbot der Nachtarbeit und Elfstundentag, Die Berner Konvention vom 26. September 1996 brachte dann ein Ver- bot der gewerblichen Nachtarbeit in allen gewerblichen Betrieben, in denen mehr als 19 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden; die Nachtruhe soll mindestens 11 Stunden umfassen. Noch kläglicher fast wurde die Erfüllung des in dem Erlaß an den Handclsminister zum Ausdruck gebrachten Programms zum Scheitern gebracht. Der Anspruch der Arbeiter auf gesetzliche Gleich- berrchtigung wurde vom Zentralverband deutscher Industrieller aufs lebhafteste bekämpft. Er hat es durchgesetzt, daß die Regierung zu seinem Handlanger zur Verkümmerung der schmalen Rechte der Arbeiter wurde. Das Koalitionsrecht ist auf allen Ecken und Enden durch Gesetz und Rechtsprechung eingeengt; noch stärkere Einschnü- rungen sind im Gange. Ten Bergarbeitern ist klar gemacht, daß die..Musteranstalt" sich dadurch auszeichnet, daß das Verhältnis der Arbeitgeber zu den Arbeitern statt eines Rechtsverhältnisses ein Machwerhältnis ist, bei dem die Unternehmer die Arbeitsbedin- gungen diktieren, und daß gegen Regungen der Arbeiter nach Besse- rung der Lohn- und Arbeitsbedingungen Polizei, Militär und die Rechtsprechung mobil gemacht ist. Zeit, Dauer und Art der Arbeit warten heute noch auf eine gesetzliche Regelung. Tie Scharfmacher haben auf diesem Gebiete den Kaiser nieder- gerungen. Am 2. Juli 1896 triumphierte der Generalsekretär des Zentralvcrbandes, Herr Bueck, in einem Schreiben an den Spinner- könig v. Hassler(Augsburg),„das, wir endlich Herrn v. Berlepsch klein bekommen haben". Der neue Handelsminister Brefeld ver- sprach, Ruhe in der sozialpolitischen Gesetzgebung eintreten zu lassen. Ter Staatssekretär v. Posadowsky zeigte sich als unter- würfigcr Vasall des Zentralverbandes. Er erbat von ihm im Juli 1899 12 999 Nl. zum Zwecke der Agitation für den„Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses"(Zucht- hausgcsetzentwurf). Er bereitete die Schritte zur Erdrosselung des Koalitionsrechts vor. Seine Nachfolger, v. Bethmann wie Del- brück, wandeln die ihnen vom Zentralverband vorgeschriebenen Wege: es soll bei der„Pause" auf sozialpolitischem Gebiet bleiben. Das staatssozialistische Roß des Kaisers ist vom Zentralverband abgesattelt. Zeit. Tauer und Art der Arbeit harren noch heute nach 22 Jahren einer hinreichenden gesetzlichen Regelung. Statt Erfüllung der wirtschaftlichen Bedürfnisse ist künstliche Verteuerung der Lebenshaltung getreten. Tie„gesetzliche Gleichberechtigung der Arbeiter" steht noch heute lediglich auf dem Papier. Sek IParleilag der englischen Meilerparlei. (Dritter Tag.) London, 31. Januar.(Eig. Bcr.) Als erster wichtiger Gegen- stand kam am dritten Tage ein Antrag zur Veröffentlichung, in dem das Gowerkschafiskartell von Tarlington forderte, daß in Zu- kunsi kein Kandidat der Arbeiterpartei d i c U n t e r- .st ützungvou Politikern an nehmensollte, dieni cht Mitglieder der Arbeiterpartei sind, und auch leine nKandidatenunbleineOrganisation unter- stützen sollte, die der Arbeiterpartei feindlich gesinnt sind. Dazu war ein Amendement gestellt worden, das mit sozialistischen Organisationen eine Ausnahme machen wollte. Die Verhältnisse, die Mefem'Antrag zugrunde liegen, dürften allgc- mein bekannt sein. Die Mehrheit der englischen Arbeiterparteilcr waren bis vor kurzem liberale; viele sind es heute noch. Es fällt ihnen schwer, sich von den mannigfaltigen Beziehungen, die sie zu der liberaalcn Partei haben, zu befreien und so kommt «s denn ziemlich häufig vor, daß sie mit Liberalen zusammen auf derselben Tribüne erscheinen. Tas passiert sogar solch unentwegten Sozialisten wie Lansbury. Weit schlimmer aber als diese Unter- stützung, die die Liberalen den Arbeiterparteilern angodeihen lassen, 'st die Unterstützung, die Arbciterpartciler den Liberalen und manchmal gegen, einen anderen Avbeiterparteiller angedeihen lassen. Dann kommt es vor, daß ein Liberaler in einem Wahlkreise für den Ar- bciterkandidaten, in einem anderen gegen den dortigen Arbeiter- kandidaten spricht Daß solche Verhältnisse verwirrend und für die Arbeiterpartei schwächend wirken müssen, ist Aar. Der Antrag wurde nur kurz diskutiert und dann wuvde zur Tagesordnung über- gegangen. Reform des Parteitages. Zu diesem Punkte hatte die Bergarbeiterföderation folgenden Antrag gestellt: „Wir beantragen, daß der Parteitag der Arbeiterpartei seine Aufmerksamkeit mehr den drängenden politischen Fragen zuwendet, -damit diese hinreicheich diskutiert werden und sich der GeWerk- schaftskongreß mit wirtschaftlichen Fragen und allen anderen die Gewerkschaften angehenden Angelegenheiten, die nicht politischer Art sind, befassen kann." McKerrell(Bergarbeiter): In der Arbeiterbewegung Großbritanniens kommt viel zu viel Verdoppelung der Arbeit vor. Die Arbeit sollte mehr geteilt werden. Das Notwendigste ist, daß wir von der Tagesordnung des Parteitages alle Punkte streichen, die schon auf-dem Gewerkschaftskongreß besprochen worden sind. Anstatt eine Menge verschiedener Fragen nur oberflächlich zu be- sprechen, sollten wir einige wenige Fragen gründlich diskuticrem Die Funktion dieses Kongresses ist, die öffentliche Meinung über wichtige politische Fragen aufzuklären. Twist(Bergarbeiter): Es wäre angebracht, wenn die Dele- gierten nur solche Anträge einbrächten, auf die es wirklich ankommt. Die Partei verliert dabei, wen-n der Parteitag seine Zeit mit Familiengezänk vertrödelt. Weshalb brachte uns das Jahr 1996 solch große Erfolge? Weil wir damals die Aufmerksamkeit der Ar- beiter auf einige große Fragen, wie den Tafsvaleentscheid lenkten. Sanders(Fabische Gesellschaft): Wenn wir an den drei Tagen, die der Parteitag dauert, drei große Fragen besprechen könnten, würde der Partei besser gedient sein. Aber die vorliegende Resolution ist zu unbestimmt, als daß sie uns helfen könnte. Nach meiner Ansicht sollten vor dem Parteitag die Organisationen zuerst befragt v-erden, welche Fragen als Hauptfragen zu diskutieren wären. Parlamentsmitglied C I h n e s: Die Resolution drückt nur einen frommen Wunsch aus. Ich hätte es gern gesehen, wenn ein Antrag eingereicht worden wäre, der dem Vorstand einen bestimmten Auf- trag erteilt. Man hätte vorschlagen sollen, der Vorstand mochte sich mit dem Parlamentarischen Komitee des Gewerkschaftskongresses zur Regelung der Frage in Verbindung setzen. Parteisekretär Henderson: Was hier angeregt worden ist, ist vom Parteivorstand schon versucht worden. Schon früher hat sich der Vorstand mit dem Parlamentarischen Komitee in Verbindung gesetzt; dieses hat es aber stets ausgeschlagen, die Diskussion rein politischer Fragen aus dem Gewerkschaftskongreß fallen zu lassen. Wir faßten darauf den GedP'ken, die Jahrestonserenzen der Ar- beiterpartei, der Gewerkschaften und der Gewerkschaftszentrale zu verschmelzen. Aber, wie Sie wissen, haben die beiden letzten Or- ganijationn den Vcrschmelzungsantrag verworfen. In dieser Ver- schmelzung sehe ich jedoch den einzigen Ausweg. Der vorliegende Antrag wird uns nicht weiter bringen. Die Resolution wurde darauf angenommen. Versicherungsgesetz. Zu diesem Punkte Waren eine Reihe Anträge gestellt worden. Der wichtigste war der von den Dockarbeitern gestellte, in dem ver- langt wurde, das bestehende Krankenversicherungszjesetz rückgängig zu machen, um es ohne Beitragspflicht wieder auszurichten. Der Antrag fand Annahme; verworfen wuvde hingegen ein von der Fabischen Gesellschaft hierzu gestelltes und von Beatrice Webb be- gründetes Amendement, in dem folgende Forderunge» zur Per- besserung des bestehenden Gesetzes gestellt wurden: Auflösung der Kassen, die von den kapitalistischen Volksversicherungsgescllschaften gegründet worden sind; Organisierung der entrechteten Postkassen- Mitglieder in Grafschaftskassen; Erlassung der Beitragspflicht für diejenigen, die weniger als 29 Schilling die Woche verdienen, Ar- beitslose und Gelegenheitsarbeiter; Regierungsgarantie für die Kassenleistmngen; Ausdehnung der ärztlichen Hilseleistung auf die Frauen und Kinder der Versicherten. Von einer Textilarbeiterorganisation war ein Antrag gestellt worden, in dem die Gewerkschaften aufgefordert werde», die Volks- Versicherung selbst zu organisieren. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Krieg und Frieden. Einstimmig und ohne Diskussion nahm der Parteitag entschieden gegen de» Krieg und den Militarismus in allen seinen Formen Stellung. Die von Dr. Marion Phillips(Arbeiterinnenliga) ein- gereichte Resolution lautete:„Der Parteitag protestiert gegen den Militarismus in allen seinen Formen, erklärt, daß es im Interesse der Arbeiter der ganzen Welt ist, daß sie jeden Druck auf die Re- gierung ihres Landes ausüben, um Streitigkeiten zwischen Nationen auf schiedsgerichtlichem Wege �beizulegen, und fordert die Frauen und Mütter der Arbeiterklasse auf, in dieser Arbeit mitzuwirken, indem sie ihren Kindern die Bodeutung der internationalen Ar- beitersolidarität und die Notwendigkeit beibringen, die nationalen Kräfte, die heute für den Militarismus ausgegeben wenden, für das große Werk, die Lasten der Armut von den Schultern der Ar- beiter aller Länder zu heben, zu verwenden." Ein Antrag zugunsten der Verhältniswahl wunde nach kurzer Diskussion dem Vorstand zur Beratung überwiesen. Parlamentarische Politik. Ganz zum Schluß des Parteitags kam es noch zu einer hitzi- gen Debatte über die Politik der Arbeiterpartei im Parlament. Die Gewerkschaft der Elektriker hatte zu diesem Punkte folgende Resolution gestellt:„Ter Parteitag mißbilligt die Untätigkeit, die von den Arbcitermitgliedern deS Unterhauses in bezug auf die Arbeiterintercssen entfaltet worden ist." Kinniburgh(Elektriker): Die Arbeiter im Lande sind mit der Arbeiterpartei unzufrieden. Es wird zuviel parlamentarischer Kretinismus getrieben. Ich verlange als revolutionärer Sozialist, daß unsere Vertreter im Parlament-, wie es Keir Hardie häufig ge- wünscht hat, mehr als Propagandisten, denn als Gesetzgeber auf- treten. Was uns die Arbeiterpartei verschafft hat, hätte uns die liberale Partei auch ohne Arbeiterpartei verschaffen können. Die Paria- mentarier haben die Fühlung mit den Masjen verloren; sie können sich nicht mehr in die Lage des Mannes versetzen, der nur zwanzig Schilling und weniger die Woche verdient. Hat ein Arbeiterparteiler gegen die Teesteuer protestiert? Haben sie nicht alle für die zweite Kammer, für das neue irische Parlament gestimmt? Haben sie etwas getan, um die alte Belastungslinie für Schiffe wieder her- zustellen? Wenn ihre Arbeit in zwanzig Jahren nicht-mehr ver- mag, dann kann das Volk lange auf Erlösung warten. Butler(Regierungsarbeiter): Die Verhältnisse in den Re- gierungsbetrieben sind heute schlechter denn je zuvor. Als wir nur drei Vertreter iln Parlament hatten, gelang es uns, unsere Löhne von 21 auf 23 Schilling zu erhöhen. Das war-unter einer konser- vativen- Regierung. In der liberalen Aera mit 49 Arbeitervcr- tretern im Hause sind unsere Löhne um ganze drei Pence gestiegen; und für die drei Pence haben wir die drei Tage Ferien verloren, die wir früher hatten. Diese Resultate zeugen nicht davon, daß sich unsere parlamentarischen Vertreter unserer Sache sehr tätig an- genomnien haben. Henderson(Parteisekretär): Weshalb haben die Kritiker der parlamentarischen Fraktion nicht gesprochen, als der Bericht der(ftomon zur Debatte stand? Wenn wir jetzt noch Zeit hätten, tonnte ich dem Vorredner beweisen, daß die von ihm vertretenen Arbeiter weit größere Borteile durch das Eingreifen der Arbeiter- Partei erzielt haben, als er angegeben hat. Der beste Beweis, daß wir unsere Pflicht getan haben, sind die Resolutionen, in denen uns dm Regierungsarbeiter für unsere Dienste gedankt haben. P e tt(Regieruiigsarbeiter): Tie Arbeiterpartei ist stets für uns eingetreten, wenn wir sie aufgefordert haben. Wir haben nie bessere Freunde als sie im Parlament gehabt. In dieser Session haben Arbeiterparteilcr nicht weniger als 61 Fragen über die Zu* stände in Regierungswerkstättenl an die Minister gestellt. Wardrose(Eisenbahner): Niemand kann mich anklagen, kein guter Sozialist zu sein. Ich gehöre sowohl der I. L. P.-wie der B.-S.-P. an. Ich muß aber sagen, daß die Regierungsar-beiter viel schlechter daran wären, wenn wir keine Arbeiterpartei im Parka- -ment-hätten. H a m m o nd(Postangestellter): Ich vertrete hier nicht-weniger als 89 999 Regierungsarbeiter und kann daher mit größerem Recht als Vertreter dieser Arbeiter rc-dcn als jeder andere. Die Arbeiter- Partei hat uns im Parlament große Dienste geleistet. Als sich- vori- ges Jahr die Regierung weigerte, unseren Wunsch, ein Komitee zur Untersuchung unserer Lohnverhältnisse sofort einzusetzen, zu er- füllen, war es der Einfluß der Arbeiterpartei, der den Premier- minister innerhalb sechs Tage zur Räson brachte. Butler ist wahr- lich der letzte, der sich über-die Arbeiterpartei beklagen sollte. Als er Wegen- seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit von der Regierung aus einer ihrer Werkstellen entlassen worden war, war es die Arbeiter» Partei, die seine Wiedereinstellung erzielte. Die Arbeiterpartei mag uns nicht gefallen-, aber bedenken wir, daß fi« mir der Reflex der Arbeiterbewegung im Lande ist und das nur sein kann. S m i l l i e(Bergarbeiter): Die Arbeiterpartei ist keine rcvo- lutionäre sozialistische Partei. Ich wünschte, sie wäre es. Wenn sie es wäre, wäre die Kritik, die wir gehört haben, vollkommen gerecht- fertigt. Die Arbeiterpartei ist ein Kompromiß zwischen den Sozia- listen und den Gewerkschaftern und weist natürlich alle Schwächen, eines Kompromisses auf. Aber sie hat der Arbeiterschaft sehr wert- volle Dienste geleistet. Es hat in den letzten- Jahren keinen Streik gegeben, in den sie nicht hilfreich eingegriffen hätte. Auch uns ist sie in unserem großen Kampfe tätig beigestanden, waS um so an- erkennenswerter ist. als manche Parlamentarier überzeugt waren, daß die Politik der Bergarbeiter verfehlt sei. Es ist ein verwerf- liches Beginnen, hier eine Partei in Grund und Boden zu kritisieren, für die wir noch die Massen im Lande gewinnen-wollen. Die Resolution wurde darauf mit allen gegen 14 Stimmen ver« fem Der nächste Parteitag wird in Glasgow abgehalten- wevdentz Sericdts- Leitung. Zu einem Ohrfeigengefccht zwischen zwei Aerzten kam es nach einer Verhandlung, welche die 6. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz dcö Landgerichtsrats v. Schmiedeberg beschäftigt hatte. 4 Als Kläger trat der praktische Arzt Dr. Ehrmann gegen den Dr. Saling aus Köpenick auf. Gegenstand der Klage bildete der von dem Beklagten erhobene Vorwurf. Dr. Ehrmann habe sein Ehrenwort gebrochen. Die Beleidigung war in. der öffentlichen Gemeindevcrtr-etersitzung gefallen, Das Schöffengericht Köpenick war zu einem freisprechenden Urteil gekommen. Die Bcrufungsstrastammer hob dieses Urteil jedoch auf und verurteilte Dr. Saling zu 399 Mark Geldstrafe. Schon während der Verhandlung war es zu sehr erregten Auseinandersetzungen gekommen, die sich nach Beendigung der Sitzung auf dem Korridor fortsetzten. Ehe jemand dazwischen-springen konnte, war plötzlich zwischen Kläger uvd Beklagten die schönste Prügelei im Gange, bei der gegenseitig hageldicht Ohrfeigen fielen. Erst durch das Eingreifen des Gerichtsdieners konnten die beiden temperament» vollen Herren getrennt werden. Ein Bcrnsteinprozcß. Ein großer Bernsteinprazeh begann gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Schmidt. Angeklagt sind t. Kaufmann Adolf Brumby in Duisburg; 2. Kaufmann Emil Fricke in Essen; 3. Bernstein- drechslcr Hermann Bach in Ruhla; 4. Bernsteindrechsler Franz Schwalm in Danzig; 5. Bernsteinwarenfa-britant Gustav Wendefeier in Danzig; 6. Karl Dargatz in Stolp; 7. Kaufmann Walter Mocllcr in Berlin. Die ersten fünf Angeklagten werden des Betruges(jegen den preußischen Fiskus, vertreten durch die königlichen Bernstemwerke in Königsberg, beschuldigt. Der preußische Staat besitzt ein sogenanntes Bernstein-Regal und gibt den Bernstein an die gewerbetreibenden Kreise nur unter ganz besonderen Bedingungen und unter Auf- stellung besonderer Kautelen gegen mißbräuchliche Durchbrechung dieses Regals ab. Die Angeklagten sollen es nun verstanden haben, unter allen möglichen Vorspiegelungen-die königlichen Bernstemwerke zu täuschen, indem sie den ihnen gelieferten Roh- bernstein nicht nur im eigenen Betriebe verarbeiteten, sondern die Abfälle, die sie zurückliefern mußten, insofern widerrechtlich verwerteten, daß sie sie an Moeller lieferten, der die Abfälle dann mittels des Ambroidverfahrcns zu sogenanntem Preßbernstein, der einen ganz ansehnlichen Preis hält, umwandeln ließ. Den Betrug gegenüber dem Fiskus erblickt die Staatsanwaltschaft in der Vor- spiegelung folgender Tatsachen: 1. der Absicht, den zu liefernden Rohbernstcin im eigenen Betriebe zu verarbeiten; 2. in der Auf- gäbe von Bestellungen und in der Angabe eines tatsächlich nicht vorhandenen Bedarfs, um das Material weiter liefern zu können; 3. in der unrichtigen Führung d£r Kontrollbücher; 4. in der Anfertigung von Fabrikaten für Kontrollzwecke; 5. in der Abliefe- rung extra eingekauften Abfalls.— Der Angeklagte Dargatz, der früher Prokurist des inzwischen verstorbenen Bernsteinwarcn- und Pretzbernsteinfabrikanten Edmund Wrstphal in Stolp war. soll letzterem Beihilfe geleistet haben, insbesondere durch Täuschung der Beamten der Bernsteinwerke bei den Revisionen, durch unrichtige Darstellung der Sachlage in Eingaben. Der Angeklagte Moeller ist der gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Hehlerei beschuldigt, in- dem er jede Gelegenheit zum Ankauf der nur zur Verarbeitung bestimmten Regierungsware ausgenutzt und sie mit großem Ge- winn an Zwischenhändler und Ambroidfabrikanten weiter ve»- kauft haben soll. Er soll auch die übrigen-Angeklagten durch Ver- sprechungen, Ueberredung usw. zu den Straftaten bestimmt haben, ihnen auch Beihilfe geleistet haben.— Der Angeklagte Bach ist ferner angeklagt, durch eine fortgesetzte Handlung von falschen Urkunden zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht zu haben, diese falschen Urkunden sollen von Moeller angefertigt worden sein. Es handelt sich dabei um die Benutzung von Postpaketadressen, aus denen bei dem Absendervermerk ein falscher Name vorgedruckt war, bezw. um die Tatsache, daß Moeller bei der Ueberwcisung von Geldbeträgen durch die Post Anwcisungsforinulare benutzte, auf welchen er ücn Namen des Einzahlenden falsch angegeben hatte. Die Tatsache, daß die Untersuchung vier Jahre gedauert hat und die Anklage 499 Seiten umfaßt, beweist schon, daß es sich um höchst verwickelte technische und Rechtsfragen handelt. Da die Straf- kammer nur dreimal in der Woche verhandeln kann, wird sich der Prozeß voraussichtlich über mehrere Wochen hinziehen. Wir wer- den seinerzeit das Urteil mitteilen. Die Verhandlung findet im kleinen Schwurgerichtssaal statt. Eingegangene Dnickrchriftcn. Ter Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrist. Wien, 4. Februar 19l3. Jahrgang VI, Hest 5. Karl Renner: Der Schlüssel! Die Länder oder die Lehrer? Ernst Garami(Budapest): Der Wahlrcchiskampi in Ungarn. Friedrich Engels: Die Bcmcgungcii von 1847. Friedrich Adler: Die Klastenaliederung der Wahlberechtigten. Karl Richter: Das Fahr 1913 und die Holzindustrie. Olio Giöckel: Der Kamps um das Koaliiioiisrecht der StaalSangestellteN. Adolf Braun: Arbeitslojigteit. Dr. Siegsried Fustic (Augergefild): Aerzte und Krontcnkastcn. MakthiaS Elberich: Sine Er» widerung. Adelheid Popp: Minna KauISly. Loses Luitpold Siemz Wicland, der Revolutionär. | Todes-Anzeigen Sozialdemokratisclier Wählverein i. dl Herl. Reichstags-Wahikreis. unser Am 1. Februar verstarb Genosse, der Schlosser �uxust 8ckrgt? Malplaquclstr> 38. Bezirk 78!). Ehre seinem Zliidcnkcu: Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Salle des neuen Nazareth Kirchhoses in Reinickendors-Wcst, Kögelstraßc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/20 Der Vorstand. Am 2. Februar verstarb unser Genosse, der Steinmetz Otto ttsnscklce Kolonicstratze 31, Bezirk 826». Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Februar, nach- mittags 1 Uhr, vom Traucrbause aus nach dem städtischen Fried- Hof, Müllerstratze, Ecke Seestratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutseher Metallarbeiter- Verband Verwaltunesstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Elektro- Monteur l�ars i�asmussea am I. Februar an Bauchfell- cntzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, 4. Februar, nachmittags 3'l2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Matthäi- Kirchhofes in Schöneberg, Prieslcrweg. aus statt. H Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser �uxust Lckratx anr l. Februar an Lungen- schwindsucht. Die Beerdigung findet am Dienstag, 4. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth- Kirchhoses in Reinickcndors-Wcst auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 112/2 vis Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksvcrwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unjet Kollege, der Droschken- sllhrcr Rudolf Becker am 31. Januar im Alter von S4 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Februar, nach- miltagS 2 Uhr. von der Leichen- Halle des städtischen Gemeinde- Friedhofes, Friedrichsseide, aus statt. 61/, 4 Um rege Beteiligung wird ersucht. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Droschken- sührer keopold Brätsch am 1. d. Mts. im Alter von Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. d. Mts., nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Gemeinde- sriedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Den Mitglieder» zur Nachricht, datz unser Kollege Karl Schünemann am 31. Januar im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. d. M., nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- Halle des Siidwest-FriedhofeS in Swhnsdors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Zentral-Verhand der Töpler u. Beruisgenossen Deutschlands. Filiale Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz am Sonnlag, den 2. Februar, der Kollege Oskar Bolle (Bezirk Osten) im Mtcr von 26 Jahren an Lungenleiden verstorben iit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmillng 3 Uhr von der Leichenhalle des Zentralsried- hojcs in Fricorichsfclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 132/2 Her Vorstand. Zentralverband der Steinarbeiter. Zahlstelle Berlin. Am 2. Februar starb unser langjähriges Mitglied und derzeitiger Gauleiter, der Steinmetz Otto Hanschke an der Berufskrankheit im Alter von 36 Jahren. Ein unermüdlicher, rastloser Kämpfer ist in ihm dahin- geschieden.- 171/1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Miitwochmittag 1 Uhr vom Trauerhause, Kolonicstratze 31, aus aus dem städtischen Friedhof in der Seestratze, Ecke Alüllerstratzc(Eingang Seestratze), statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. Am Sonntag, den 2. Februar starb unser liebes Töchtcrchen und Schwester UMm Lambrecht. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. d. Mts., nach- mittags S'l, Ubr, vom Neuköllner Friedhof an, Mariendorser Weg aus statt. 12» Um stille Teilnahme bitten Die ticftraurigen Eltern, Neukölln, Brusendorferstratze 2. Sozialdemokrat. Wahlverein f.den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Görlitzer Viertel. Bez. 197 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Klemper Franz Hecht Wiener Str. 53, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. Februar, nach- mittags 31;., Uhr, von der Leichen- balle des Zcntral-FricdhoseS in Friedrichsselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 219/15 Her Vorstand. Verband d.Gemeinde- u. Staatsarh. Filiale Groß Berlin. Unseren Mitgliedern richt, datz der Kollege Karl zur Till, welcher im Betriebe der städtischen Gaswerke, Zentralmagazin, bc- schästigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Dienstag, de» 4. Februar, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- halle des Nikolai-Kirchhoses in der Prenzlauer Allee 7 aus statt. 33/6 Die Ortsverwaltung. SB Deutscher Textilartieiter-Verhand Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollge, der Posamcnticr Karl Marpmaiin im Alter von 53 Jahren gc- storben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 4 Uhr, aus dem BcgräbniSplatz der Frau- zösischen Gemeinde in Pankow, Wollankstratze, statt. Rege Beteiligung wünscht 195/3 Die OrtSvcrwaltung. Beutscher Bauarheiterverhand. Sektion der Putzer. Unseren, sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer biermit zur Nachricht, datz unser Mitglied Nattfc gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. Februar, nachm. 3 Uhr. aus dem Kirchhos der ZionS-Gemeinde in Nieder-Schön« Hausen-Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht 149/12 Oie örtl. Verwaltung. Verband der Steinsetzer, Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Rammer kraiw Grabowski am 31. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute Dienstag, nachmittags 2L< Uhr, von der Halle deS städtischen Friedhoses, Müller-, Ecke See- stratze, aus statt. Rege Beleiiigung erwartet 175/4 Der Borstand. Am 2. Februar verschied nach langen schweren Leiden unser ge- liebter Sohn Richard Häuf. Um stille Teilnahme bitten Die Elter», Geschwister, Frau u»d Kinder. Die Beerdigung findet von der Halle der Zionsgemeinde in Nordend um 3 Ubr statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, guten Vaters und Schwiegervaters Belarleh Höhr sagen wir allen Verwandten und Be- kannten sowie den Genossen des 67. und 69. Bezirks, den Kollegen des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes, Zweigverei» Berlin, dem 2. Wahl- verein und den Patienten der Heil- stälte Beelitz unseren herzlichsten Dank. Witwe Borothea Kühr 2316b liebst Kindern Beutscher Roizarheiter-Verliand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern datz unser Kollege, arbeiier zur Nachricht, der Klavier- Olv Olsen Bergmannstr. 12, im Aller von 52 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andeiike»! Die Beerdigung jindet morgen Mittwoch, den 5. Februar, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Halle des Heilig- Kreuz« Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 78/15 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, datz meine liebe Frau, unsere gute Mutter Bartram geb. Telchert am 2. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag von der Leichenhalle des Friedhofes der Lazarus- gemeinde in Ahrensfelde aus statt. Um stille Teilnahme bittet Aiartln Bartram 2317 nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baiers, des Gastwirts tlulius Duchaufour sagen wir hiermit allen Freunden mid Bekannten sowie dem Wablverein, dem Arbeiler-Gesangvercin„Sanges- Infi", dem Arbeiter-Radsahrervercin „Frisch aus"-Grünau sowie dem Vcr- bände der Gast- und Schankwirte von Adlershos und Umgegend unseren innigsten Dank.«5» Witwe Baehanlonr nebst Kindern. Grünau, Januar 1913. Den Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz unser lieber Brüder, Schwager, Onkel Luxen Sckübel nach langem Leiden am Sonn- abend, den 1. Februar, srüh 4 Uhr, sanst cntschlnscn ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 6. Februar, nach- mittags 21/, Uhr, von der Leichen- balle des Neuköllner Friedhojs, Mariendorser Weg, aus statt. 12A Die Anverwandten. Vornehme Danksagung. 3«a Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Albert Nieß sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Deutsche» Teicphonwcrke und dem Deutschen Metallarbeiter- verband unseren herzlichsten Dank. Oie trauerncken Hinterbliebenen. Danksagnns:- Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres lieben Vaters. des Schneiders Beinrieh Rülke sagen wir allen Bclanntcn, insbesondere der Firma Kühne, � seinen Kollegen, dem Verband der Schneider, der Kranken- und Sterbc-Zuichutzkassc, den Genossen des 6. Wahlkreises, dem Spar- und Vergnügungsverein„Blüh u. Gedeih", dem Lotlerieverein„Gemütlichkeit", de» Laubenkolonisten der Kolonie „Sandkrug". den Mietern des Hauses Graunsir. 25, sowie seinen Freunden der A. E. G. unseren herzlichsten Dank. Witwe Anna Rülke 2315B nebst Kindern. f�pezialarzt f. Haut-. Harn. Frauenleiden. nerv. Schwäche, Beiukranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in fr. Homeyer-V Untersuchung., Fäden i. Harn usw. frieilrtclistr. 81,«Ä. Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Deparates Damenzimmer. BskSeiduns fertig und nach Maß erhalten Sie in der modernen Mass- Schneiderei J. Kurzberfi auf Wunsch Wochenrat» ■ I Inventur- Extrapreise für Buntpersische doppelseitige Diwandecken e M. 5,85—8,75(iÖ-Is'm.) einfachere Qualität 43S 48S Bunte Pi wan- decken. Kodcrne lß8S(bisher kleine Mnsterl" 27 M.) Mokett-.Tisch- 'decken 8 75 (bisher 15 H.) Rosenfhaler Strasse i. Etage. Frankfurter Allee 104 Ecke Friedrichstrasie. Reinickendorfer Str. 4 Weddingplati. Lieferwagen und alle Räder Paliiadenstratze 191. Sorten 2284b Teppich-Spezialhaus Lmr Emil efövre Berlin S. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Habe nirgends Filialen! ifrtt (enorm billiger Angebote) gratis und franko. Deutseher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den S. Februar IBlß, abends 8V2 Uhr: Nertranensmanner-Uerjammlungen der Hezirke«ud Hranche«. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Aufstellung der Kandidaten- liste für die Delegierten zur Generaloersammlung. 4. Verbandsangelegenheiten. Jede Werkstatt mutz vertreten sein.'-chW Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: vrecbkler, Treppengeländer- und k-uxusmöbel- brancke. Korden bei Diihling, Brunnenstr. 79. Esten bei Roftu, Gubener Str. 19. Südosten und Südwesten bei Perfike, fflittevfir. 123. Sin fet2er im Gewerkschaftshause. Engeluser 14/15, Saal 9. Geladen sind sämtliche Kollegen der Firma Gnnraii in Hcnnigidors. IModcUtircbkl* abends 8 Nhr bei Waldt, Pslugstr. 5. StcUmachcr bei Hummel, Sophienstr. 5. ?aloufiearbeiter abends«-/z Uhr bei Walter. Adalbertstr. 62. KikUn- und Koffermacher gÄÄÄtÄ.-r Korbnuchef bei Krause, MuSlaucr Sir. 29. Bürftenmacker bei Preust, Holzmmktstr. 65. Kammacher bei Preust. Holzmarvstr. 65. Oerlmutt-, Horn- u. Steinnußarbeiter um« Uhr bei Ernst Dhomas. Melchiorstr. 5. Kt-mirvArhe.itev abends 8 Uhr im Gewerkschaftshause» Engel» tuavterarfet�r Ufei; 14< 3jmmer 4 �beitslosensaal). BUdciTabmcnmacber um 6 uhr bei Wähltsch. 22. Bodenieger im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 2,«Uhr. Vergolder im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15. Saal 19. Scbirmmacber abends 8 Uhr bei Hermel. Holzmarktstt. 21. Doniterstag, de» tZ. Februar: Stockarbeiter' CifcbUr. Südwesten n. Westen: in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5/7. Süden: bei Glicsing, Wasfertorslr. 68. Südosten tu. Ii: im Lokal Südost, Waldemarftr. 75. Esten i: bei Kluge, Langestr. 53. Esten Ii: bei Huth, Warschauer Str. 6l. Esten Iii: bei Bergmann, Boxhagcner Str. 26. Eestiiehe Vororte: bei W. Schulz, Lichtenberg. Kronprinzen- stratze 47, Ecke Scharuweberjlratze. Nordosten: bei Mertmami. Gr. Franifnrter Sir. 16. Jede Sargliichlere! mutz einen Vertrauensmann nach dieser Ver- saminlimg senden. Bosenthaler und Schönhauser Vorstadt: bei Obiglo, Schwedter Stratze 23. Weddiug und Moabit: bei Kaczarowski, Ravenestr. 6. Welßeusee: im Prälaten, Lehderstr. 122. Abends 5>/„ Uhr. Neuköiiu: im Ideal-Kasino, Wcichsclitr. 8. Srhöneberg;: um 51/. Uhr bei Kuschke. Meininger Str. 8. Ghariotteaburg-: bei Thunack. Wielnndstr. 4. Küchcnmöbclbrancbc bei Knörig. Sin der Stralauer Brücke 3. Kautifcbler. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei G rasthoff, Lidmiraistratze 18 o. Bezirk L: Esten bei Bratuer, Weidcnweg 85. Bezirk 8: Norden und nördliche Vororte bei Glieschc, Kopenhagener Str. 74. Bezirk 4: Gesnudhrunnen, Wedding und Moabit bei Sachse, Lindower Stratze 26. Bezirk 5: Nenköiln; bei Schenk, Rosenstr. 24. jVlöbel- u. Stubipolierer sowie sVlagaSinai-beiter Esten: bei Boekcr, Weberstr. 17. Südosten: im Märkisch«» Hof, Lldmiraksir. 18c. Norden: bei Günther, Brunnenstr. 96. i�ascbinenarbeiter iu den Prachtsälcn Alt-Berli». Llumenstr. 19. abends 6 Uhr in Hermcls Bcrcinshaus. Holzmarllstr. LI. KfMweltll.cher BeMteur: AlfreZz Wiclepp, Neukölln. Für den Lnseratentxil derantw.! Tb. Glocke. Berlin. Drucku. Verlag: LorwärtS jöuchdruckerei v. Verlagsanstalt Paul Singer».Co., Berlin LÄt. ft».»Mm 2. i(8 Jotmürtj" f nldift plbliliilt»-»»»-•» Cin Grabitein fSr Paul Singer. Zu einer würdigen Feier gestaltete sich die Enthüllung des Denkmals, das die Genossen von Grog-Berlin und vom 4. Reichs- tagswahlkreis insbesondere in dankbarer Erinnerung unserem verstorbenen Paul Singer gestiftet haben. Etwa löllll Personen mögen bei dem Akte, der sich am Sonntagvormittag auf dem städtischen Friedhofe zu Friedrichsfelde vollzog, zugegen gewesen sein. Vertreten waren auch die Fraktionen des Reichstages, des Landtages und der Stadtverordneten. Zu Fügen des verhüllten Denkmals waren prächtige Kränze und Palmenwedel niedergelegt worden, so u. a. vom Verband Groß-Verlin, vom 4. Reichslogswahlkreis, von der Vorwärts- Druckerei, vom Arbeiter-Samariterbund, vom Lese- und Diskutier- klub„Paul Singer", sowie von den Angehörigen des Verstorbenen. Prächtig nahm sich das frische Grün in der starren kalten Winter- natur aus, und die roten Schleifen hoben sich lepchtend von der weißen Schneedecke ab. Tie Feier leitete der Männerchor-Ost ein, der sehr stimmungs- voll das Lied:„Ich warte Deiner" zum Vortrag brachte. Er- greifend klang der Gesang durch die Stille des Friedhofes und in stummer Andacht lauschten die Teilnehmer, unter denen auch die nächsten Verwandten und Freunde des Toten sich befanden, den feierlichen Klängen. Hierauf nahm Genosse Eugen Ernst das Wort zu einer ein- drucksvollen, zu Herzen gehenden Ansprache: „Zwei Jahre sind nun vergangen, seit die Trauerbotschaft das deutsche, ja das internationale Proletariat erschütterte: Unser Paul Singer ist tot. Zehntausende gaben an diesem Sonntag ihrem toten Führer und Freunde schmerzbewegt das letzte Geleit. Und als er hier an der Seite seiner alten Kampfgenossen Auer und Liebknecht eingebettet wurde, gingen all die Tausende entblößten Hauptes an seinem Grabe vorbei, so der Liebe und der Per- ehrung eines ganzen Volkes Ausdruck gebend. Heut grüßen wir in Ehrfurcht noch einmal sein Gedächtnis, gedenken noch einmal unseres großen Toten. Zwei Jahre sind vergangen und wir alle haben das Bewußtsein, daß der unerbittliche Tod eine schmerzliche Lücke in unseren Reihen gerissen, daß damals ein wahrhaft Großer unter uns zu Grabe getragen wurde. Wie ost wurde seiner in Liebe und in Bewunderung gedacht, wie oft auf seine Taten ver- wiesen. Und doch müssen wir eingestehen: Wie wenig können wir ihm doch wiedergeben von all der Aiühe und all der Hingabe, die er uns in seinem Leben geweiht. Aber wir sagen es noch einmal: Wir danken ihm auch heute noch aus wehem Herfen und wir lieben ihn, wie wenige sich rühmen können, von dem Volke geliebt zu werden. Und wenn es für seine hier anwesenden Ver- wandten, wenn es für seinen Bruder, mit dem ihn innige Zu- neigung verband, wenn es für sie einen Trost gibt, so das Gefühl, daß ihr Schmerz geteilt wird von Millionen treuer Herzen, die ihren verstorbenen Freund und Führer nie vergessen»erden. Worte mühsam verhaltenen Schmerzes erklangen hier auf dem Friedhof, als vor zwei Jahren die Vertreter des internationalen Proletariats an seinem Sarge standen und ihm den letzten, wehen Scheidegrutz widmeten. Aber doch auch Worte des Stolzes waren es, daß ein so reines, lauteres Herz für uns geschlagen, daß dieser selbst- lose, tapfere Mann unserer Sache gedient. Paul Singerl Sein Leben war ein großer, immerwährender Kampf und darum war es kostbar zu nennen! Wo immer seine Stimme erklang, da lauschten die Massen, da wußten sie, daß dort in heißer, leidenschaftlicher Weise ihre Ideale vertreten wurden. Wir aber wußten alle, daß dort auch ein Verteidiger wahrer Menschenliebe sprach. Und wie oft hat Paul Singer Werken der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe das Wort geredet, wie oft selbst Tränen der Not getrocknet und ist bei Krankheit und Elend helfend eingesprungen. In unauslöschlichen Lettern steht sein Name verzeichnet in der Geschichte vieler wohltätigen Anstalten, wie das Berliner Asyl u. a. Ueberall, wo es galt Not zu lindern. Armen beizuspringen, da war Paul Singer bereit. So hätte sich allein dadurch sein Bild leuchtend hervorgehoben, wärck sein An- denken gewahrt geblieben. Und doch war sein Wunsch GuteS zu tun und die Leiden anderer zu lindern, der Tugend größte nicht von ihm. Paul Singer hat größeres getan, als abzugeben von dem, was ihm des Lebens Gunst gegeben. Paul Singer gab sich selbst dem Volke, dem sein Herz gehörte. Sein ganzes Leben widmete er dem arbeitenden Volke, jede Stunde, jede Minute zerrieb er sich in Sorge um dessen Wohl. Dieses Leben voll Güte war auch ein Leben heißen Kampfes. Schon als Jüngling schloß er sich der demokratischen Bewegung an, hoffend, daß diese die Menschheit aus den Fesseln befreie. Und als der eisige Sturm des Aufnahme- gesetzes über Teutschland hinwegraste, als so viele Hoffnungen brutal zertreten und hunderte erbarmungslos von Haus und Hof gejagt, aus dem Kreise ihrer Familien gerissen wurden, als eine Aera schrankenloser Willkür und Verfolgungen eintrat, da litt es unseren Paul Singer nicht länger, nur mitzufühlen mit der Be- wegung, der schon längst sein Herz angehörte. In dieser schweren Stunde der Partei, als uns der tückische Feind am schlimmsten bedrohte, als das arbeitende Volk völlig rechtlos und wehrlos ge- macht war, da trat er kühn und entschlossen in die Schranken. Als so viele schwankten und mutlos wurden, da warf er alle An- nehmlichkeiten des Lebens verächtlich beiseite und hatte nur den einen Wunsch, Kämpfer zu sein gegen Gewalt und Unrecht. Nicht einen Augenblick hinderte ihn bängliches Zaudern, nur Kämpfer wollte er sein für die Rechte des Volkes. Das war der Taten größte von ihm. Das war es, was ihn so verwachsen ließ mit dem Volke, war es. was ihm die Liebe und die Verehrung des arbeiten- den Volkes sicherte. Von diesem Augenblick an schlang sich um beide das Band felsenfesten Vertrauens, das durch nichts er- schüttert werden konnte. Und das Vertrauen bewährte sich. Blieb Paul Singer doch bei aller Verehrung der einfache, schlichte Mann, der teilnahm an den kleinen Sorgen und Mühen der Arbeiter, an den frohen und ernsten Stunden der Genossen. Keine Einrich- tung im Berliner Parteileben ist getroffen, ohne daß sein Rat eingeholt, seine Erfahrung benutzt wurde. Paul Singer war auch ein Muster von Pflichttreue, ein Bei- spiel von Freundestreue. In all den Jahren, die er der Partei gewidmet, hat er sich bewährt als der tapfere, der kluge, der nimmer verzagende Kamerad. Bei aller Klarheit und aller Ab- gefchloffenheit seiner Weltanschauung, bei aller Entschiedenheit, mit der er seine Ansichten vertrat, fühlte man doch den Geist der Versöhnlichkeit, der sein ganzes Leben beherrschte. Daher auch der große Kreis seiner persönlichen Freunde. Aber wie versöhnlich er den Freunden gegenüber war, so bitter haßte er das Unrecht, das dem Volke angetan. Nie erlahmte er in dem großen Kampfe für de» Volkes Wohl. Jede Stunde nutzte er aus, für die Enterbten einzutreten, für sie zu kämpfen. Und wie oft rief cr den Herrschenden Worte des Zornes äu, sefcte ißnen mit beredtem Wund I auseinander, wie das arbeitende Volk sich müht und plagt, wie I dort Elend und Hunger Hansen, wie die Massen nichts haben von oll den Errungenschaften der Kunst und des Wissens, wie ein Tag dem anderen gleicht in namenloser Pein. Wie oft warnte er mahnend, daß das Polt nicht länger darben will, daß es mitgenießen will von dem Sonnenlicht des Lebens, daß es nach Befreiung lechzt. Da horchten die Massen auf, hörten sie doch von ihm verkünden, was sie selbst gedacht und gefühlt hatten. Doch die Herrschenden blieben, wie immer taub gegen die Mahnung; standen sich doch zwei Welten gegenüber, die sich nicht mehr verstehen konnten. Als Paul Singer 18t>6 im Reichstag die Fäulnis der Zustände geißelte, da hatten die Herrschenden keine andere Antwort, als daß man ihn hinauswies aus der Stadt, an deren Verwaltung er so lange Jahre in der selvstlosesien Weise mitgewirkt. Heimatlos wurde er gemacht, nur weil er dem arbeitenden Volke diente, weil er es erretten wollte aus der Mühsal, die es erdrückt. Geächtet um des Volkes willen, das vergaß ihm das Volk nie. Treue um Treue. Und als Niedertracht und Tücke versuchten, diesen lauteren Eharakter zu schmähen und zu besudeln, als politische Rachsucht ihn mit giftigem .Haß verfolgte, da standen die Massen zu ihm in unwandelbarer Liebe und Treue. Paul Singer hat damals schwer gelitten, aber wir können wohl mit Stolz sagen: Wer von den Herrschenden kann sich solcher Liebe rühmen und wie Ivenige der Mächtigen sind es, die sich solcher Treue eines Volkes gewiß sind. Ja, sie waren un- löslich verbunden: Paul Singer und das arbeitende Volk. Und so ruhten denn die Genossen des 4. Kreises wie auch die Genossen Groß-Berlins nicht, bis sie ihrer Liebe und ihrer Verehrung für unseren Toten einen für alle Welt sichtbaren Ausdruck geben konn- ten. Ein Ausruf soll das Denkmal sein für uns, ein Mahnruf für die Jüngeren, fest zu stehen zu dem Ziel, sür das er sein Lebenlang gerungen. In geradezu genialer Weise hat der Bild- Hauer Prof. Starck diese Aufgabe gelöst, das Bild des Verewigten festzuhalten. Einfach und schlicht, gleich dem Toten, ist auch das Denkmal. Hochaufgerichtet steht der Obelisk da als ein Symbol der Größe dieses Mannes. Ruhig und fest auf den Boden ruhend, blickt er weit hinaus in die Ferne, als sähe cr den Tag nahen, den Tag, den der Tote so sehnsüchtig herbeigewünscht, der Tag der Völkerfreiheit und des Völkerglückes. Noch ist der Tag nicht da; aber dieser Tag kommt, das ist uns heilige Gewißheit. Dann aber wird das Volk hinauswandern nach der Stätte, wo so viele tapfere Männer ruhen; dann wird es auch an die Gruft unseres Paul Singe: treten und jubelnd rufen: Paul Singer, wir haben erreicht, was Du gewollt, für was Du gekämpft. Wir danken Dir noch einmal für all die Sorgen, die Du um uns gehabt; für all die Liebe, die Du uns gewidmet. Wir danken Dir aber nament- lich für den harten Kampf, den Du für uns geführt, damit das Dichterwort zur Wahrheit werde: Ein freies Volk auf freiem Grund. So wird das Volk seine Toten ehren, in Treue und in Ehrfurcht. Und so übergeben wir denn dieses Denkmal der Obhut der Berliner Arbeiterschaft. Es falle nun die Hülle!" Die Hülle fällt, und in seiner schlichten Schönheit bietet sich das Denkmal den Blicken der Anwesenden dar. Ein sechs Meter hoher Obelisk aus Lavastein reckt sich trotzig und frei empor, und zeigt an seiner Stirnseite in Form eines Bronzemedaillons den charakteristischen wuchtigen Kopf unseres verstorbenen Genossen Singer, der lebenswahr und sprechend ähnlich die Züge des Toten wiedergibt. Einmütig waren die Anwesenden in der Anerkennung des Kunstwerkes, das den Prof. S ta r ck- Wilmersdorf zum Schöpfer hat. Und als wir in Betrachtungen versunken an der Grabstätte standen, kam uns eine kleine Episode aus dem Wahlkampf von 1903 in Erinnerung. Es war im Saal der Bockbrauerei am Dempelhoser Berg, in einer beängstigend dichtgedrängten Ver- sammlung, wo Genosse Singer sich in packenden Worten an die Wähler des 2. Reichstagswahlkreises wandte. Er kam dabei auf die niederträchtigen Anwürfe gewisser Gegner zr; sprechen und sagte, unter dem stürmischen �Jubel!«r Versammlungsbesucher: daß, wenn man auf der Straße einen Kothaufen sehe, man nicht hinein- trete, sondern einfach ausweiche. Ebenso mache er es mit seinen Verleumdern, die an ihn nicht heranreichten, dessen Leben wie cin aufgeschlagenes Buch vor aller Welt daliege. Ja, sein Leben war ein aufgeschlagenes Buch, in dem die Seiten angefüllt waren von Opfermut, Hilfsbereitschaft und rast- loser Arbeitsfreudigkeit und aus dem uns als leuchtendes Beispiel der Mann entgcgenblickt, dem seine Getreuen in dankbarer Er- innerung dieses Denkmal setzten. Für Groß'ßerlln! Die Schöneberger Stadtverordnetenver- s a m iil l u n g verhandelte gestern über den Antrag der s o z i a l d e ni o k r a t i s ch e n Fraktion, der aufs neue die Forderung aufstellte, Berlin und die Vororte zu einem G r o ß- B e r I i n zu vereinigen. Der An- trag lautete: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, aus Anlaß der zurzeit stattfindenden Verstand- lungen betreffs Eingemeindung von Treptow in Berlin sich init den Behörden der anderen Vororlgcmeinden uin Berlin in Verbindung zu setzen, um die immer dringender gewordene administrative oder m i n d e st e n s steuerpoli- tische Vereinigung von Berlin mit seinen Vororten bei der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften Preußens eindrucksvoll zu betreiben." Genosse Ed. Bernstein, der den Antrag begründete, wies einleitend hin auf die kürzlich voni Berliner Oberbürger- meister Mermuth angestimmte Klage über das städtefeindliche Verhalten der Regierung. Der Antrag ist, so führte unser Redner aus, kein spezifisch sozialdeinokratischer. Er verlangt etwas, worüber die ganze Stadtverordnetenversammlung einig ist, und betrifft eine Forderung, die auch schon früher von den Liberalen vertreten wurde. Es handelt sich dabei um einen Gegensatz der Gemeindeinteressen und der Regicrungspolitik sowie der Haltung der Provinziallandtagc und der Kreise. Schon die Regelung der Stcucrfragc in den Gemeinden erfordert eine Zusammenschließung zu einem Groß-Berlin, weil die Gemeindevertretungen sonst sich nicht zu der notwendigen Er- höhung des Steuerzuschlagcs entschließen wollen. Der Zweckverband Groß-Berlin hat eigentlich keine derErwartungen erfüllt, die er rege gemacht hatte. aber alle Befürchtungen, die an ibn geknüpft wurden, scheinen sich bewahrheiten zu wollen. Wir brauchen eine organische Verbindung zwischen Berlin und den Vororten, nichr eim: nur mechanische. Ich will den Kreisen nicht unrecht tun, auch ihnen soll ihr Recht werden. Aber gehören die Gemeinden Groß-Berlins organisch zu den Kreisen oder or- ganisch zu Berlin? Unser Antrag verlangt, Schritte zu tun, die eine Eingemeindung anbahnen. In Eng- land hat eine konservative Regierung den Londoner„Graf- schaftsrat" geschaffen, der direkt von der Bevölkerung nach gleichem Wahlrecht gewählt tvird. In Preußen ist man eng- herzig genug, das"Zustandekommen eines Groß-Berlin zu hindern. Bei einer administrativen Bereinigung Berlins und der Vororte würde die Verwaltung erleichtert und auch an Kosten gespart werden. Wir müssen, wenn nicht sogleich die Eingemeindung, so doch mindestens eine Verein- heitlichung gewisser Aufgaben der Gemeinden verlangen. Das Mißgebilde des Zweckverbandes bedeutet nicht eine Erweiterung, sondern eine Verengerung der Selbst- Verwaltung. Wir wünschen und fordern, daß der Magistrat Schönebergs an die Gemeinden Groß-Berlins herantritt, um die Schaffung eines Groß-Berlin zu betreiben. Der Ausschuß des P r o v i n z i a l- L a u d t a g e s hat sich grundsätzlich gegen jede Eingemeindung ausgesprochen. Diese Leute werden uns immer wieder nicht nur ein„Wir können nicht", sondern» auch ihr„Wir>v o l l e n n i ch t" entgegensetzen. Aber die Groß-Berliner Genieindcn müssen sich regen. Schon gegen- über dem Plan des Zwcckvcrbandes hätten die Ge- meindcvertrctungen und die Bevölkerung Groß-Berlins einmütig crkläreir müssen: Das genügt u n s n i ch t. Was damals nicht geschah, muß jetzt geschehen. Einzelne Gemeinden werden sich ausschließen, aber die große Mehrheit wird zustimmen, vor allem Berlin. Hier gilt es, den Tag zu nutzen und die Gelegenheit zu ergreifen. Sorgen Sie dafür, daß die Abstimmung über unseren Antrag eine einheitliche D e m o n st r a t i o n Schönebergs wird und daß sie iv i d e r t ö n t in Groß-Berlin? Nach dem sozialdemokratischen Redner ergriff Ober- bürgermeister D o m i n i c u s das Wort, um namens des Magistrats eine Erklärung abzugeben. Ter Magistrat steht, so führte cr aus. nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die administrative Vereinigung der Gemeinden Groß-Berlins dringend w ü n s ch e n s w e r t ist. Die Frage ist aber für ihn die, ob von dem in dem Antrag xnipfohlenen Vorgehen zurzeit ein positiver Erfolg zu erwarten ist. Gegenüber dem Widerstand des preußischen Abgeordnetenhauses ver- spreche» wir uns ni cht s d a v o n. Auch eine steuer- politische Vereinigung Groß-Berlins erscheint uns sehr er- wünscht. Aber die Einigkeit, die in dieser Frage im vorigen Jahr bei den Magistraten der Vororte zustande kam, besteht i» diesem Jahre zwischen ihnen nicht mehr. Unter diesen Uni- ständen erwarten wir auch hier keinen Erfolg von dem gc- wünschten Vorgehen. Wir fürchten vielmehr, daß dabei eine Zerrissenheit der Gemeinden konstatiert werden könnte, die dem Ziel des Antrages nicht nützlich wäre. Diese schroffe Absage des Oberbürgermeisters fand bei keiner Fraktion der Versammlung Beifall. Für die„liberale Fraktion" erklärte Stadtverordneter Z o b e l sich einverstanden mit der T e n d c n z des Antrages, die durchaus der früher von Liberalen gegenüber dieser Frage eingenommenen Haltung entspreche. Anders könne es werden, wenn ein anderer G e i st in den Gemeinden herrschte und nicht immer gefürchtet würde,!daß- bei einem Zustandekommen Groß- Berlins �— Stadtverordnetenmandate eingebüßt werden. Bernsteins Freunde hätten die Probe machen und in allen Ge- meinden Groß-Berlins diesen Antrag einbringen sollen. Zweifelhaft schien Herrn Zobel, ob j e tz t e t w a s zu erreichen sei.. Darum beantragte er. durch Eßischiebung der Worte„zu gegebener Zeit" dem Magistrat freie Hand für ein späteres Vorgehen zu lassen. Auch der Redner der„Freien Fraktion". Stadtverordneter I a tz o w, bezeichnete ein Groß-Berlin als das„einzig Wahre". Er bedauerte die ablehnende Haltung des Magistrats. Von der Hinausschiebung auf„gegebene Zeit" fürchtete cr eine Vertagung auf den N i m m e r m e h r s- tag. Bedenken hatte er gegen den Passus des Antrages, daß die Vereinigung„minestens stenerpolitisch" sein solle. Er wünschte, daß einfach die administrative Vereinigung gefordert werde. Das Ergebnis der Debatte wurde vom Genossen Bern- stein dahin zusammengefaßt, daß eine einmütige Kund- gebung zustande kommen müsse. Werde die Sache richtig bc- handelt, so sei zu hoffen, daß sie nicht bei den Gemeindebehör- den bleiben, sondern auch die Bevölkern» gh in ein- ziehen werde. Die Betonung der„st eucrpolitische n" Seite könne aus dein Antrag g e st r i ch e n werden. Der Zusatz„zu gegebener Zeit" werde als Verschleppung erscheinen. Mindestens bedeute er eine Abschwächung, durch die diese ganze Kundgebung beeinträchtigt würde. Nachdem Stadtverordneter Zobel seinen Zusatzantrag zurückgezogen hatte, wurde der Antrag unserer Genossen e i n st i m m ig a n g e n o m m e. Die erfreuliche Einmütigkeit dieser Kundgebung wird hoffentlich dem Magistrat ein Anlaß sein, seine Meinung zu ändern, um der durch den Antrag an ihn gerichteten Auf- forderung Folge zu leisten. Partei- �ngelegenkeiteu. Steglitz-Friedenau. Heute, Dienstag, den 4. Februar, abends 8'/? Uhr, findet bei Schellhase, Steglitz, Ahornstr. 15a, der dritte Vortrag des Genossen Däumig über:„Deutsche Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts" statt. Eintrittskarten sind im Vortragslokal zu haben. Schmargendorf. Morgen, Mittwoch, den 5. Februar, abends S'/a Uhr, im Restaurant Waldkater, Warnemünder Str. 1ö/16: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Stadtv. M. Groger über die bevorstehenden Landtags- und Gemeindewahlen. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen._ ßcrlincr Nacfmcbtcn* Bortragsknrse für Erzieher in Fnrsorgeanstalten. Aus dem Rathause wird berichtet: In Anerkennung der Be- deutung, die einer gründlichen Ausbildung der bei der Fürsorge- erziehmig tätigen Erzieher zukommt, veranstaltet die städtische Waisendeputation zurzeit einen Ausbildungskursus für ungefähr 29 ErziehungSgehilsen. Hausväter usw.. die auS Fürsorgeanstalten aller Landesleüe geladen sind. Der Kursus wurde heute früh im Stadthanse durch den Vorsitzenden der Waisendeputation, Stadtrat Düring, um 9 Uhr mit einer kurzen Ansprache begonnen. Daran schloß sich der erste Vortrag des Direktors Knaut, unter dessen Leitung der sür die Dauer einer Woche berechnete Kursus ftattsindet. Die Arbeit des Kursus ist so geteilt. regelmäßig vormittags von 9—1 Uhr in wechselnder Reihen« folge Vorträge ans dem Gebiete der Erziehungsarbeit stattfinden. während die Rach.mittage für Besichtigungen bestimmt sind. Abends findet regelmäßig eine zweistündige Dislussion statt. Von den in Aussicht genommenen Vorträgen verdienen hervorgehoben zu werden em siebenstiindiger Znllus des Anstaltsarztes Dr. Seelig über die ärztliche Fürsorge und namentlich über die Erkenntnis und Beein- flussung der vielfachen Grenzzustände der Psychopathie, Vorträge des bekannten Direktors der Groß-Rosener Anstalt P. Roth über die Psychologie Jugendlicher, des Direktors Plaß-Zehlendorf über die Arbeitserziehung schulpflichtiger Zöglinge, des Direktors Knaut über „Erziehungsgrundsätze",„Die Persönlichkeit des Erziehers" usw. Ter berüchtigte„Mötsch" hatte schon am Sonnabend die Grotz-Berlinex Verkehrsstratzen in einen Sumpf verwandelt. Als am Sonntag der Regen dazu kam, wurde es noch schlim- wer. Die Straßenreinigung hielt Sonntagsruhe und setzte erst in der Nacht wieder lebhafter ein. In den Vorstädten lagen bis weit in den Montag hinein sehr erhebliche Schneemassen, die bald schwarzgraue Farbe annahmen, sich zum Teil in Schlammfluten auflösten und den Fahrdamm zum Morast machten. Die Hauptstraßen waren ja einigermaßen frei, in den Seitenstraßen sah es greulich aus. Ein kräftiger Sturm unterband vollends den Sonntagnachmittagspaziergang. Auch ans den kaum begonnenen Eisbahnfreuden wurde natürlich ' nichts. Selbst auf der Müggel und anderen Seen hatten sich nur wenige Sportbegeisterte eingefunden. Muß man desinfizieren lassen? Wir berichteten in Nr. L3 über eine Desinfektion, die infolge Verwechselung zweier Faniilien Lehmann bei den unrichtigen Leh- manns ausgeführt worden war. Hierzu teilt ein Leser unseres Blattes uns das Erlebnis einer anderen Familie mit, die vor einiger Zeit gleichfalls durch den un erbetenen und unerwarteten Besuch von Desinfektoren überrascht wurde. Da in dieser Familie seit langem überhaupt niemand krank gewesen war, so wurde den Desinfektoren geantworlet, das fei wohl eine Verwechselung. Sie riefen einen Schutzmann herbei, aber auch diesem wurde erklärt, daß ja jeder Anlaß zu einer Desinfektion fehle. Hinterher stellte sich heraus, daß ein bei der Familie wohnender Schlafbursche aus einem Ort zugewandert war, in dem Erkrankungen an Granulöse vorgekommen waren. Er selber war niemals an Granulöse erkrankt, aber die Polizei be- fürchtete wohl eine Einschlcppung der Krankheit durch ihn. Bei Granulöse ist Desinfektion vorgeschrieben, die sich nalürlich nicht nur auf krank gewesene Personen zu erstrecken braucht. Weil die Zu- Wanderung des Schlafburschen schon vor mehreren Monaten erfolgt war, so nahm die Polizei schließlich davon Abstand, auf nachträg- licher Ausführung der Desinfektion zu bestehen. Unter Hinweis auf diese Desinfektionsgeschichte wird uns die Frage vorgelegt, ob die Desinfektion hätte erzwungen werden können. Erzwungen werden kann sie allerdings unter Umständen auch dann, wenn in der betreffenden Familie niemand krank gewesen ist. Nach den Vorschriften des Seuchengesetzes kann die bei bestimmten Krankheiten vorgeschriebene Desinfektion auch für Gegenstände und gläume angeordnet werden, von denen anzunehmen ist, daß sie mit Krankheitsstoff behastet siitfr Wer den polizeilichen Anordnungen zuwiderhandelt, läuft Gefahr, sich strafbar zu machen. Vermutlich hat die Polizei auch bezüglich des Mannes, der aus jener durch Granulöse verseuchten Gegend zugewandert war, angenommen, daß seine Sachen mit Krankheitsstofi behaftet seien. Auch bei dem, der nicht selber krank gewesen ist, wäre das immerhin möglich. Wundern muß man sich nur darüber, daß diese Annahme erst so spät, nach- dem mehrere Monate seit der Zuwanderung vergangen waren, noch entstanden ist._ Zahlreiche Wasserrohrdrüche sind in den letzten Tagen während des Tauwetters gemeldet worden. In mehreren Fällen sind dadurch Ueberschwemmungen entstanden und in° einigen mußte sogar die Feuerwehr einschreiten, um weitere Gefahr zu beseitigen, unter anderen am Brandenburger Ufer 1, in der Oberwallstr. 16a und Prenzlauer Allee 26. In der Jnvalidenstr. 129 hatte der Sturm ein Firmenschild gelockert und die Buchstaben herabgerisseii. In der Eisenacher Straße Ecke Akozienstraße hatte der Wind ein großes Schaufenster der Butterhandlung von Reichelt zertrümmert. Die vielgerühmte Findigkeit der Post scheint, wie so vieles unter dem Szepter des Herrn Kraetke, auch schon der Vergangenheit anzugehören. Sie stolpert oft über Einfachheiten. Ein gemein» niitziger Berliner Verband sandte dieser Tage die von ihm heraus- gegebene Zeitschrift an sämtliche Reichstagsabgeordnete unter ihrer Berliner Privatadresse nach Maßgabe des amtlichen Verzeichnisses. Die Würde war neben den sonstigen Titeln abgekürzt mit ,M. d. R." bezeichnet. Diese Abkürzung ist allgemein bekannt. Nur die Postverwaltung scheint sie nicht zu kennen oder zu ignorieren. Sie sandte ein paar Dutzend Briefe, die unter der angegebenen� inzwischen veränderten Privatadresse nicht bestellbar waren, mit detjt Vermerk„unbekannt verzogen, nicht ermittelt" an den Absender zu- rück. Auf die Idee, die' Briefe nach dem Reichstagsgebäude gehen zu lassen, sind die„findigen" Kraetke-Jünger nicht gekomme». Oder liegt hier wieder mal ein engherziger Bureaukratismus vor, der das „M. d. R." für„Mitglied des Reichstages" offiziell nicht anerkennt? Einen Spielerklub überraschte die Kriminalpolizei in der Nacht zum Sonntag bei„voller Arbeit". In seinem Hause am Belle- Allianceplatz 3, das auch einen Ausgang nach der Gitschiner Straße hat, richtete ein Herr Müller vor mehreren Jahren im hohen Erd- geschoß und im Untergeschoß elegante Räckme für den„Geselligkeits- klub Belle-Alliance" ein. Im Untergeschoß liegen die Küchen und Wirtschaftsräume, im hohen Erdgeschoß die Gesellschaftssäle, deren Fenster nach dem Hof hinausgehen und sehr fein ansgestattet sind. Außer einem Bibliothek- und Schreibzimmer findet man vorn einen Spielsaal mit den Vorrichtungen für Puff, Dame und andere Spiele, in einem hinteren Räume einen Baccarat- tisch. Am Eingang am Belle-Allianceplatz weist ein ganz kleines Schild mir der Aufschrift„G. C. B. A." und einer Klingel auf den Klub hin, in dem sich allabendlich Mitglieder und Gäste aus den Kreisen der Künstler, Kaufleute und Rentiers vereinigten. Schon vor zwei Jahren beschäftigte der Klub einmal die Kriminalpolizei. ohne daß es zu einem Strafverfahren kam. Seitdem war der Klub in der Aufnahme der Mitglieder und der Einführung von Gästen sehr vorsichtig. Dennoch beklagten sich in der letzten Zeit bei der Staatsanwaltschaft wieder mehrere Leute, die große Verluste erlitten hatten. Die Kriminalpolizei beobachtete deshalb den Klub wieder andauernd. Es war aber jetzt sehr schwer, sich Zutritt zu verschaffen, ohne Mitglied oder geladener Gast zu sein. In der Nacht zum Sonntag gelang eS den Kriminalbeamten aber doch, die Spieler zu überraschen. Sie trafen gegen 30 Personen, die eifrig beim Spielen waren, und stellten alle fest. Es gelang auch noch Würfel usw. und bares Geld zu beschlagnahmen. Einige Spieler fanden noch Zeit. ihre Würfel zum Fenster hinauszuwerfen. Sie fielen aber auf dem Hofe gerade den Kriminalbeamten vor die Füße, die dort zur Be- obachtung aufgestellt waren. Unter den Ueberraschten befanden sich trotz der Vorsicht des Klubs mehrere Personen, die der Kriminal- Polizei als Spieler bekannt find. Gegen den Besitzer der Klubräume. den Hauseigentümer Müller, und die Spieler wird ein Strafverfahren eingeleitet. Im Tiergarten erschossen hat sich Sonntag früh der 63 Jahre alte Schankwirt Otto Barnitzke aus der Stargarder Straße 49. Barnitzkc betrieb in den letzten Jahren hintereinander mehrere Schank- lokale, die jedoch alle schlecht gingen. Uebcr 14 Tage tot in ihrer Wohnung gelegen hat die 49 Jahre alte Answärterin Frau Ida Mozanle geb. Marx, die für sich allein eine Stube im Erdgeschoß des Seitenflügels im Hause Reichenberger Straße 156 bewohnte. Frau Mazanke lag wegen eines schweren inneren Leidens längere Zeit im Urban-Krankenhaus. Am 11. v.M. wurde sie von dort nach ihrer Wohnung entlassen. Hausgenossen sahen sie zurückkehren, hörten dann aber nichts mehr von ihr. Sie nahmen an, daß die Mieterin Bekannte aufgesucht habe und zur Er- holung sich bei diesen aufhalten würde. Ein Bruder der Frau wunderte sich schließlich, daß seine Schwester sich nach ihrer Entlassung ans dem Krankenhause noch nicht halte bei ihm sehen lassen. Er wollte sie deshalb Sonntag vormittag in ihrer Wohnung aufsuchen, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Als er hörte, daß man seine Schwester schon seid über 14 Tagen nicht mehr im Hause gesehen hatte, ließ er die Tür zv ihrer Wohnung durch einen Schlosser öffnen. Ein starker Ver- wesungsgeruch strömte ihnen beim Betreten der Stube entgegen. Fron Mazanke lag, schon ganz in Verwesung übergegangen, auf dem Fußboden. Nach dem Befund scheint sie nach der Entlasscing aus dem Krankeiihause vom Schlage gerührt worden zu sein und seitdem tot dort gelegen zu haben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhanse gebracht. Protest gegen den zwangsweisen Religionsunterricht der Dissi- dcntcnkindcr. Das Kulturkarlell Groß-Berlin hatte am Sonnlag eine öffentliche Versammlung zum Schutze der Dissidentenkinder gegen staatliche Vergewaltigung in der Viktoriabranerei in der Liitzowsiraße einberufen. Die Verhandlungen leitete Stadtrat Dr. Penzig-Charlottenburg. Er erklärte, daß es der Gewissens- freiheit widerspreche, wenn man die Kinder von Dissidenten mit Polizeistrafen zur Teilnahme am Religionsunterricht zwinge. Bis- her habe sich dieser Zwang auf die Volksschulen erstreckt. Durch eine Verfügung des Provinziatschulkollegiums vom 27. Juni 1919 sei dieser Zwang auch auf die höheren Schulen ausgedehnt worden. Bis zum Jahre 1897 habe das Kammergericht zugunsten der Dissi- denten in solchen Streitfällen entschieden. Seitdem habe sich aber seine Rechtsprechung geändert. Vor anderthalb Jahren habe das Kulturkartell in einer Petition an den Preußischen Landtag um Be- frciung der Diisidentenkinder vom Religionsunterricht an den Schulen ersucht und als Ersatz die Unterweisung in der ReligionSgeschichte und Morallehre empfohlen. Das Herrenhaus habe diese Petition zwar eingehend geprüft, aber auf Grund unrichtiger Voraus- setzungen schließlich doch abgelehnt. Die Difsidenlenfrage sei dadurch wieder aktuell geworden, daß der Antrag Schiffer- Hackenberg, der gleichfalls die Befreiung der Dissidentenlinder von dem konfessionellen Zwangsunterricht bezwecke, zur Zeit im Abgeordnetenhause verhandelt werde. Es gelte alles aufzubieten, um eine Erledigung der Frage im Sinne der Gewissensfreiheit her- beizusühren. Professor Anschütz erläuterte die juristische Seite der Frage. Seiner Ansicht nach könne dem Staate das Recht nicht bestritten werden, die Dissidentenkinder in den Volksschulen zur Teil- nahine am Religionsunterricht zu zwingen. Dagegen sei die Aus« dehnung dieses Zwanges auf die höheren Lehranstalten im Gesetz durchaus unbegründet. Das Provinzialscvulkollegium berufe sich aus die Schulordnung, die sich aber der Verfassung zu unterordnen habe. Die jetzige VerwaltungSpraxis bedeute eine schwere Schädigung der Gewissensfreiheit. Professor Dr. Eckholt vom Komitee„Konfessions- los" forderte zur Teilnahme an der Kirchenaustrittsbewegung auf. Im letzten Jahre sollen in Berlin allein etwa 16 009 Personen aus der Landeskirche ausgeschieden sein. Nur durch Aufgebot großer Massen könne den Gegnern der Gewissensfreiheit im» poniert werden. Landtagsabgeordneter Hoffman» polemisierte gegen die Ausführungen des Professor Anschütz und trat energisch für die Trennung von Schule und Kirche ein. Als Mitglied der Unter« richtskommission, welcher der Antrag Schiffer-Hackenberg jetzt vor- liegt, teilte der Redner mit. daß die Aussichten im Augenblick wenig günstig seien. Es werde sich wohl in der Kommiision eine geringe Mehrheit finden, im Plenum würde der Antrag aber durch Ab- konimandierung einer entsprechenden Anzahl von Zentrumsabgeord« neten sicher abgelehnt werden. Als Antwort daraus soll die Aus- tritlspropaganda so energisch betrieben werden, daß bald daraus eine Viertel Million Austrittserllärungen zu verzeichnen seien. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die vom Kulturkartell Groß« Berlin veranstaltete stark besuchte öffentliche Versammlung zum Schutze der Dissidentenkinder gegen den zwangsweisen Besuch des konfessionellen Religionsunter- richis bittet die beiden Häuser des Preußischen Landtages dringend. den Antrag Schiffer-Hackenberg.„Kinder, die keiner Religions- gemeinschast angehören oder einer solchen, für welche ReligionS- Unterricht an der Volksschule, die sie besuchen, nicht erteilt wird. können gegen den Willen des Vaters oder anderer Erziehungsberech- tigten zum Besuche des Religionsunterrichles nicht angehalten werden". ihre Zustimmung erteilen zu wollen." Im Apollotheater gibt Harry Walden wieder einmal eine Gastrolle. Diesmal produziert sich Herr Walden als eine Art Ver- wandlungskünstler, als welcher er in der Groteske:„Der Herzog von We st min st er" auftritt. Dieser Einakter, der von einem Herrn Hugo Mark, binter dem sich der verstorbene Rechtsanwalt Marcuse verbergen soll, und von Walden verfaßt sein soll, ist teilweise ein Detektlvstllck, in dem Walden die Doppelrolle als ein unter dem Namen Herzog von Westminster verfolgter Hochstapler und als ein eben in den Ehestand getretener Rittergutsbesitzer Palm mimt. Die junge Frau Palm leistet dem von der Polizei gesuchten Verbrecher Hilfe beim Entweichen vor den Kriminalbeamten, die sich übertölpeln lassen. Walden bewies bei dieser Gelegenheit sein Schauspieler- talent und fand sich mit den beiden Rollen gut ab. Dem Einalter ging die Suppssche Operette„Die schöne G a l a t h e e" voraus, in der Philo Wolf die Galathee recht nett darstellte. Volkstümlich-wiflenschaftliche Birträge über die Alkoholfrage ver- anstaltet vom Arbeiter-Abstinentenbund finden in der Zeit vom 7. Februar bis 14. März im Berliner Gewerkschaftshaus, Engel- ufer 15, statt. Der Eintrittspreis für den Einzelvortrag beträgt 10 Pf., für alle 6 Borträge 30 Pfennig. Ein Ausschank von Ge° tränken findet nicht statt. Es sprechen am Freitag, den 7. Februar, Gen. Dr. med. I. Moses:„Alkohol, Kinderreichtum und Kindersterb- lichkeit". Freitag, den 14. Februar, Gen. S. Katzenstein:„Kinder- schütz und Alkohol". Montag, den 17. Februar, Parteisekretär K. Hanisch:.Abstinenzbewegung und Presse". Freitag, den 23. Februar, Redakteur H. Weiß:„Kunst und Alkohol". Freitag, den 7. März, Reichstagsabgeordneter Georg Davidsohn:„Alkoholis- mus und Alkoholkapital". Freitag, den 14. März, Gen. Aug. Neu- mann:«Aufgaben der Gememde iin Kampf gegen den Alkohol". Die Vorträge beginnen pünktlich 8 Uhr abends. Karten sind zu haben in der Geschäftsstelle des Bundes Engelufer 19, sowie zu Beginn der Vorträge. Verloren wurde Somiabenbabend in der Friedenstraße bis Frank- furter Allee eine Krimmerstola. Der Finder wird um Abgabe gebeten Friedenstr. 65, Hof 3 Treppen. Vorort- JVacbncbtcn. Schöneverg. Neues von der Schönebcrgcr Straßenreinigung. Die Verwaltung hat schon seit einiger Zeit Versuche mit einer elektrischen Automobil- Kehrmaschine für die Kopsstempflasterstraßen angestellt. Diese Maschine unterscheidet sich von der von der Berliner Straßen- reinigung erprobten elektrischen Kehrmaschine dadurch, daß sie zwei Motoren und einen Wasserbehälter von 0.7 Kubikmeter Fassungs- vermögen besitzt. Nachdem die Versuche zur vollen Zufriedenheit der Verwaltung ausgefallen sind— die neue Maschine leistet das Zwei- bis Dreifache einer mit Pferden bespannten Maschine—, hat >ie Schoneberger Straßenreinigungsdeputation die Anschaffung von zwei weiteren Maschinen beschlossen. Diese Maschinen sollen zwar auch zwei Motoren, jedoch zunächst keine Sprengvorrichtung erhalten, weil nach den angestellten Versuchen die Wirkung der Spreng« Vorrichtung der ersten Maschine auch für die beiden anderen mit ausreichend ist, falls für ein örtliches Zusammenarbeiten aller drei Maschinen Sorge getragen wird. Mit diesen drei Maschinen können sämtliche Kopfsteinpflasterstraßei: Schönebergs gereinigt werden. Eine weitere Neuerung, welche für die Allgemeinheit von größerem Interesse sein dürfte, gelangte am Sonnabend bei der Be- seitigung der Schneemcngen des letzten Schneefalls zur Erprobung. Die Straßenreinigungsverwaltung hat einen der vorhandenen eisernen Schneepflüge verartig verändern lassen, daß sein Vorder- gestell mit dein Vorderteil der neuen elektrischen Automobil- kehrmaschine zu einem elektrisch betriebenen Automobilschneepflug zu- sammengesetzt werden kann. Diese Mascvine wurde aus der Haupt- straße und in einigen Straßen des Schöneberger Westens praktisch ausprobiert und hat zur allgemeinen Zufriedenheit gearbeitet. Vor allem ist wichtig, daß diese Maschine bedeutend schneller wie die mit Pferden bespannte Maschine arbeitet und jederzeit verwendungs- bereit ist, wogegen bekanntlich die Herbeischaffung von Pferdematerial sowohl zur Nachtzeit, als auch dann, wenn die Pferde an entsernteren Arbeitsstätten beschäftigt sind, mit Schwierigkeiten verbunden und höchst zeitraubend ist. Todessturz aus dem dritten Stockwerk. Ein eigenartiger Unfall hat sich am gestrigen Montagvormittag in dem Hotel„Goldener Schlüffel", Feurig- Ecke Kolonnenstraße abgespielt. Der 29jShrige Sattler Wilhelm Hanitz, der in dem Gasthof angestellt ist, halle sich in das dritte Stockwerk des Hauses, wo große Strohvorräle auf- gestapelt liegen, begeben, um dort zu schlafen. Infolge einer unvor- sichtigen Bewegung rutschte H. aus und fiel durch die Fensterscveibe hindurch aus die Straße hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach dem Schoneberger Krankenhaus geschafft, wo er bald nach seiner Einlicferung verstarb. Lichtenberg. In den dauernden Kommisfioncn und Deputationen, deren Wahl in der letzten Stadtverordnetenversammlung vorgenommen wurde, sind unsere Genossen vertreten: Pelitionsausschuß: Ritter, Rößler und Ludewig; Rechnungsausschuß: Günther, Elias, Linke, John; Ausschuß zur Prüfung von Stadtverordnetenwahlen: Grauer: Düwell, Tempel: Ausschuß für regelmäßige Kassenrevisionen, Cohn, Ludewig, Witzle, Stöbcr, Linke: Bau- und Verkehrsdeputation: Jaffke, Heckerl, Grauer, John, Ritter; Deputation der stüdtiscben Werke: Diiwell, Jobn, Günther. Kertscher, Kreysing; Dcpnlalion für die Kanalisation außerhalb der Ringbahn: Hecken, Kerticher, Abraham; Deputation für die Kanalisation innerhalb der Ringbahn: Stöber, Eisenstädt, Nuffert, Witzke; Deputation für die Verwaltung des RieselguteS: Grauer. Kertscher. John. Tempel; Grundeigentumsde- putation: Grauer, Jaffle. Tenipel. Abraham; Park- und Friedhofs« deputation: Witzke, Elias, Lenzner. John und als Bürgerdeputierter Hermann Müller; Straßenreinigungs- und Fuhrparksdeputalion: Rößler. Peterhansel, Elias. Witzke. ferner als Bürgerdeputierler Paul Brühl; Deputation für die höhere Mädchenschule: Linke, Rössel, August Becker. Ritter; Feuerlöschdeputalion: Linke, Günther. Pilz, Rössel; Einquartierungsdeputation: Abraham, Ludewig. Nuffert. Cohn; Deputation für die höhere Kiiabeiischule: Düwell, Peter hensel, Linke, Rössel; Vorstand der städtischen Sparkasse: Düwell, John; Deputation für die Fortbildungsschulen; Peterhausel, Ritter; Kraukenhausdeputation: Grauer, Jaffke, Heckert, A. Becker, Sander; Gesundheitsdeputation: Ritter, Rösseler, Kreystng, Jaffke; Kom- Mission für soziale Angelegenheiten: Ritter, Peterhansel; Kom- Mission für den Ralhausnenbau: Grauer, Heckert, Düwell, Tempel, John; Kommission betreffend die Errichtung einer Betriebslranken- lasse: Ritter, Linke, Peterhansel, Rössel; Schuldeputation: Grauer; Stadtwappenkommission: Grauer, Cohn: Kommission betreffend Ab» schreibungen bei den städtischen Werken: A. Becker. Kertscher, Tempel, Witzle; TeuerungSkommission: Nuffert, Elias, Günther, Ritter. Marienfelde. In der Gemeindevertretcrfitzung wurde der Etat für daS Rechnungsjahr 1913 festgesetzt. Es sollen erhoben werden 110Proz. Zuschlag zur Staatseii,komme»stcuer, 225 Proz. zu den Geiverbe- steuerNassen 1 und 2, 180 Proz. der Klassen 3 und 4. AIS Grund- wertsteuer werden 3 M. pro Mille des bebauten und unbebauten Grundbesitzes erhoben. Der Gemeindevorsteher bezieht neben seinein Gehalt von 6000 M. eine DienstaufwandSenlschädigung von 1200 M. Für Ortsreklame sind 1500 M. angesetzt, der Aushang am Pols- damer Borortsbahnhof kostet allein 700 M. Es sind AnsichtSpost- karten vom Ort angefertigt, welche an die größeren Geschäfte des Ortes unentgeltlich abgegeben werden. Die Lustbarkeitssleuel ist auf 1000 M., die Hundesteuer auf 1200 M. veranschlagt. Tie Umsatzsteuer, welche im vergangenen Jahre zirla 5000 M. brachte, ist mit 10 000 M. eingesetzt. Der Gemeinde- Vorsteher hofft auch das hiesige Kloster, daS eine große Wäscherei betreibt, zur Gewerbesteuer heranziehen zu können. Der gesqnite Etat balanziert mit 672 800 M. Die Oeffentlichkeit scheint für unsere Vertretung nur in beschränktem Maße zu existieren, denn von einer regelrechten Beratung des Etat« kann nicht geredet werden; bei einzelnen Positionen wurde sogar beantragt, die Oeffent- lichkeit auszuschließen. Zum 1. April sollen drei Nachnchntzleute mit einem AnfangSgehall von 1500 M., steigend bis 2100 M., angestellt werden. Der Vorsteher teilte noch mit, daß nun endlich Aussicht vorhanden fei, daß der hiesige Bahnhof eine Halle erhält. Zum Ausbau der Kaiser-Allee soll eine Anleihe von 175 000 M. aus« genomnien werden. Die Gemeindewählerliste enthält 655 Wähler, davon gehören 4 zur ersten Klasse, 41 zur zweiten und 610 zur dritten Klasse. Petettshag«,- Fredersdorf. Nrbcr die bevorstehende» LandtagSwahlcn referierte in einer im Lokal zum alten Dessauer in Petershagen abgehaltenen öffentlichen Versammlung Genoffe Max B a r h. Am Schluß seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referats forderte der Redner die Ver- sammelten auf, nicht nur im kommenden Wahlkampfe nach Kräften ihre Pflicht zu tun, sondern durch massenhaften Eintritt m die Or- gonisation des Proletariats mit dazu beizutragen, daß diese Junker- feste baldigst gestürzt werde.— In der Dislussion wicS Genosse Hesselbarth darauf hin, daß der Bildungsausschuß am 16. Februar einen Kunstabcnd veranstaltet, für dessen Besuch jeder nach Kräften Sorge tragen möge. Hohen- Schönhausen. „Die Bolksgcsundheit ist in Gefahr" lautete das Thema, welches Genosse Dr. Moses in einer öffentlichen Versammlung behandelte. Redner ging besonders auf die Ursachen des Geburtenrückganges in Deutschland ein und kritisierte in derber Weise die Maßnahmen, welche von der Regierung dagegen unternommen worden sind. Er schloß seinen Vortrag mit einer eingehenden Erläuterung der Gc- fahren des Alkoholgenusjes. Die wegen des sehr schlechten Wetters nicht gerade gut besuchte Versamnilung spendete dem Referenten lebhaften Beifall. Gegner waren trotz der Ankündigung ihres Besuches nicht erschienen. Rosenthal. Aus der Gcmeindevcrtrctersitzung. Zunächst war eine nochmalige Vergebung der Chaujsierung der Kastanienallee erforderlich, weil ein Unternehmer ein zu niedriges Angebot abgegeben hatte und dann von der Ausführung entbunden sein wollte. Unser Genosse schlug vor. Bedingungen zu schaffen, die auch eine Garantie dafür bieten. daß die Arbeiten ohne Verzögerung ausgeführt werde». Die Arbeit wurde für 17 680 M. der Firma Körner übertragen.— Zwei Kaufgeldforderungen zweier Landwirte gaben Anlaß zu einer längeren Debatte. Hierbei äußerte sich der bürger- liche Vertreter Walter über die vor Weihnachten be- willigte Teuerungszulage an die Arbeiter und Beamten der Gemeinde in recht abfälliger Weise; er meinte, diese Summe sei nutzlos verausgabt.— AIS kulturell rückständig bezeichnete cS Genosse M i l b r o d t, daß im Mutlerdorfe einzelne Baucrngehöstc vorhanden seien, die von der modernen Einrichtung des Wasserwerks noch keinen Gebrauch gemacht haben. Da es gerade die reichsten Landwirte waren, die sich bcn dieser gemeinnützigen Einrichtung ausschlössen, beantragte die WasserwerkSkommission: zur Erhöhung der RentabNität deS Wasserwerks einen Mindestverbrauch pro Viertel- jähr von 30 Kubikmetern(7.50 M.) vorzuschreiben und 2,50 M. Wasser- messermiete zu erheben. Gegen diesen Vorschlag zogen einzelne Hausbesitzer heftig zu Felde, doch gelangte derselbe gegen die Stimmen der bäuerlichen Vertreter zur Annahme.— Ein Antrag der RettungSgesellschaft der Wasscrsport-Vereine von Verlin und Umgegend auf Gewährung einer Beihilfe wurde abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit übte Genosse Milbrodt Kritik an dem Verhalten des Gemeindevorstehers und forderte denselben auf, das bewilligte Geld für die Arbeiter-Sainariterkolonne abzuführen.— Die Er- höhung der Zahl der Schöffen und Gemeindeverordneten, die Ein- sübrung eines kollegialischen Gemeindevorstandes sowie die An- siellung eines besoldeten Schöffen wurde einer Kommission überwiesen, der auch unser Genosse Milbrodt angehört. Bernau. In der letzten Stadtvcrordneten-Bersammlung wurde über einen Antrag unserer Genossen verhandelt, der vom Magistrat eine Vor- läge betreffend die Einführung der Grundsteuer nach dem gemeinen Wert fordert. Genosse Helbig betonte, dah vor drei Jahren derselbe Antrag bereits von unseren Genossen gestellt, aber von der bürger- lichen Mehrheit abgelehnt worden sei. Die finanziellen Verhältnisse Bernaus gebieten, daß nach weiteren Einnahmequellen Umschau ge- halten werde. Mit Recht könnte verlangt werden, daß die Grund- stücksbesitzer, deren Besitztum durch die neugeschaffenen Einrichtungen, wie Krankenhaus, Wasserwerk, höhere Schulen usw. bedeutend im Werte gestiegen seien und ferner infolge der noch zu errichtenden Kanalisation, sowie deS Elektrizitätswerkes weitere Steigerung er- fahren, ihren Vermögensverhällnisien entsprechend herangezogen werden. In der sehr langen Diskussion sprachen sich die Bürgerliche» gegen die augenblickliche Einführung der Grundwerlsteuer aus. Unsere Genossen Krüger und Knöschke führten noch aus, daß bei Einführung der Steuer die Mietshäuser gegen die jetzige Veranlagung entlastet würden, wohingegen die Villengrnndstücke ihrem wahren Werte nach zur Versteuerung kämen. Der Antrag wurde wieder abgelehnt und zwar mit 14 gegen die 8 Stimmen unserer Genossen. Die Bürgerlichen gaben als Grund der Ablehnung die schlechte wirtschaftliche Lage des Grundstückmarktes sowie die Härten an, welche sich für die industriellen und landwirtschaftlichen Grundstücke durch die Einführung der Grund- wertsteuer ergeben würden. Auf die Anfrage des Stadtverordneten Schulze, welche Schritte der Magistrat zur Errichtung einer städtischen Sparkasse sowie einer Fortbildungsschule unternommen habe, »vurde vom Bürgermeister erklärt, daß die Kommission für die Sparkasse wohl eine Menge Material gesammelt habe, dieses aber nach seiner Ansicht nicht genüge. Die Einrichtung verursache auch wesentliche Kosten, da neben den erforderlichen Beamten auch ein Bau für die Kasse notwendig sei; eS müßten daher noch weitere Verhandlungen hierüber gepflogen werden. Auch die Errichtung der Fortbildungsschule erfordere erhebliche Kosten: hauptsächlich fehle es an Personen, die eine schnellere Erledigung solcher Aufgaben voll- ziehen könnten. Also mehr Bcamtenpersonal. Alsdann stimmte die Versammlung für die Magistratsvorlage, wonach der Bauflucht- linienplan für die Lohmühlenstraße von der Basdorfer Straße bis zur Wallstraße eine Breite von 20 Meter erhalten soll. Ferner wurde dem Ankauf zweier 1 Hektar 10 Aar und 07 Quadratmeter großen Wiesen zum Preise von 12 701,55 M. zugestimmt. Eggersdorf(KrelS Niederbarnim). Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung ein- stimmig, den Chausseebau Fredersdorf— PeterShagen— Eggersdorf auszuführen. AlSdann stimmte die Vertretung dem Anschluß an das Kreiswasserwerk unter den vom Kreis festgesetzten Bedingungen zu. Herr Lehmann hatte beantragt, für den verzogenen Vertreter der zweiten Klasse Herrn Haase in Bälde eine Ersatzwahl vornehmen zu laffen. Sonderbarerweise zog der Antragsteller seinen Antrag wieder zurück. Unser Genosse verhielt sich, da die Sozialdemokratie hier nicht in Betracht kommt, bei der Beratung über diesen Antrag passiv. Ein bürgerlicher Vertreter meinte, daß die Bürgerlichen bei der vorigen Wahl geschlafen hätten. Potsdam. Die Milchpflege in den hiesigen Gemeindeschulen ist erst im Eni- stehen begriffen. Die Mittel, die bisher dafür ausgeworfen worden sind, stehen bei weitem nicht mit dem Bedürfnis im Einklang. Die meisten Schulen haben im Vorjahre erst im Herbst mit der Milch- pflege begonnen, in der Annahme, daß zu dieser Zeit das Bedürfnis ein größeres sei als in den wärmeren Jahreszeiten. Im Vorjahre sind in der Genieindeichule 1— 071 Liter, Gemcindeschule II — 082 Liter, Gcmeindeschule III— 513 Liter, Gcmeindeschule IV — 540 Liter, Gemeindeschule VI— 450 Liter, Gemeindeswule VII — 685 Liter, Gemeindeschule VIII= 600 Liter, in der Uebungs- schule— 235 Liter, in den katholischen Schulen— 520 Liter, in der Hilfsschule— 250 Liter Milch verabfolgt worden. Tie bedürf« tigen Kinder werden von den Lehrern beztv. Lehrerinnen vorgeschlagen und vom Schulleiter und Schularzt auserwählt. Hieibci entscheidet der körperliche Zustand, welcher auf Unterernähning, Blutarmut, Nerven- schwäche, Schwächezustände nsw. schließen läßt. Auch wird fest- gestellt, ob die Väter der Kinder arbeitslos sind, ob Krankheit in der Familie herrscht, ob die Mütter Witwen oder die Kinder Voll- waisen sind und dergleichen mehr. Für das laufende Jahr sind 2450 M. in den Etat eingestellt worden. Diese Summe ist natürlich nicht ausreichend, denn in den Gemeindeschulen sind nur wenige Kinder, die der Verabfolgung von Milch nicht bedürftig sind. Seitens der Schulleiter wird denn auch mit Nachdruck für das Beibehalten und den Ausbau der Milchpflege eingetreten. Man beabsichtigt, jetzt im Winter im Bedarfssalle den Kindern warme Mitiagskoft zu verabfolgen, die aus der Volksküche des Vaterländischen Frauen- Vereins beschafft werden soll. Eine Umfrage im Dezember des Bor- jahres hat ergeben, daß 14 Knaben und 0 Mädchen gar keine oder nicht an allen Tagen warme Kost erhielten. Diese Zahlen dürften natürlich keineswegs stimmen, denn wer das Elend und die Not, die auch zun» Teil in den PotSdainer Arbeiterfamilien herrscht, leimt, weiß, daß täglich eine größere Anzahl mittags nichts Warmes zu essen hat._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Neukölln. Donnerstag, den K.Februar, nachmittags 5 Uhr, im Rathause. Berliner Str. K3. neuer Sitzungssaal. Waidmaunsluft-Lübars. Mittivoch, den 5. Febmar, im Gemeinde- bureau, KurhauSstr. 12/13. Mühlenbeck. Mittwoch, den 5. Februar, abends k'/z Uhr. beim Gast- wirt Müller. Tagesordnung a. a.: Beschlußsassung über Mittel für die Jugendpslege. Diese Sitzungen sind öffcnilich. Jeder Gcmcindcangchörige ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Tins aller Melt. Mordanschläge gegen Arbeiterführer. Ein ähnliches Verbrechen wie die Ermordung des Spielhöllen« befitzers Rosenthal hat sich am Sonnabend in Jersey City in einem dortigen Salon abgespielt. Zwei Männer betraten den Salon und feuerten ohne weiteres zwei Schüsse auf Thomas Conay, den Führer der Arbeiterparteien ab. Conah sank sofort leblos zu Boden. Seine beiden Mörder entflohen. Eine Anzahl Passanten, denen sich auch bald Polizisten anschlössen, nahmen die Verfolgung der Täter auf, die auf ihrer Flucht fort- gesetzt auf ihre Verfolger Schüsse abgaben. Nach hartnäckigem Kampf gelang es, sie gefangen zu nehmen. Die Mörder sagten auS, daß sie b e st o ch e n seien, eine gewisse Person zu ermorden, die aber nicht mit Conay identisch ist. Man nimmt mit Bestimmtheit an, daß es sich um den bekannten Arbeiterführer Bürge handelt, der schon wiederholt mit dem Tode bedroht wurde. Bruderkrieg. Die Bewohner zlveier in der Nähe von P i n e i r o(Spanien) gelegenen Dörfer stehen seit längerer Zeit im offenen Kriegszustand. Am Sonnabend entspann sich zwischen den feindlichen Nachbarn ein regelrechtes Gefecht, in dessen Verlauf über 500 Schüsse g e- wechselt wurden. Auf beiden Seilen gab es viele Tote und Verwundete. Erst einem verstärkten Gendarmerieaufgevot gelang es mit großer Mühe, die Kämpfenden zu trennen. Russisches. Die Stadt Kaluga beschloß kürzlich, elektrische Straßen- beleuchtung einzusühren, fand aber einen heftigen Gegner dieses Planes in dem Gouverneur Fürst G o r t s ch a k o w, der von der Macht der Elektrizität die merkwürdigsten Vorstellungen hat. Der Gouverneur verlangte zunächst, daß die hölzernen Masten für die elektrischen Lampen entfernt und durch eiserne ersetzt werden sollten. In einem späteren Befehl bestiminte der Gouverneur, alle Stützen müßten mit Petroleumlampen beleuchtet iverden I Die Stadt sandte darauf eine Deputation an ihn ab, die erklärte, daß die Petroleumlaternen völlig überflüssig wären, weil das elektrische Bogenlicht sie ganz und gar überstrahlen werde. solle also so gütig sein und seinen Befehl zurücknehmen. .........»f"" � H' � v"' Er Aber der Fürst ließ sich auf nicht« ein; er glaubte nicht an die Eiektrizitäl. „Ich habe es befohlen, und es soll so bleiben. Ich erlaube nicht eher, die Elektrizität zu eröffnen, als bis ich sehe, daß die Stadt geneigt ist, meinen Wünschen einen Schritt entgegenzukommen/' Die Stadt begriff, daß man in solchen Fällen nachgibt und ließ 280 Petroleu in laternchen an den Masten an- bringen. Daraufhin durfte die Station eröffnet werden. Und so schwimmt Kaluga denn jetzt im Licht I Allerdings— der Anblick ist sehr seltsam: von der Höhe der Masten ergießt sich ein Meer von Bogenlicht; aber darunter leuchten trübe, rötliche, kleine ver- räucherte Petroleumlämpchen I Diese sonderbaren Lichteffekte sind recht malerisch, sonst aber nur geeignet, Spott und Hohn hcrvorzu- rufen. Die Tatsache, daß der Gouverneur an die Elektrizität nicht glaubt, kostet die Stadt 3000 Rubel! Kleine Notizen. Eiseilbahnunfall in Oberschlcsien. Auf dem Bahnhof O s w i e c i m fuhr ain Sonntag nachmittag ein Personenzug auf einen auS« fahrenden Güterzug auf. Ein Passagier wurde schwer, zwei Reisende und drei Zugbeamte leichter verletzt. Eifersuchtsdrama. In E s ch w e i l e r hat am Sonntagabend ein Arbeiter ein junges Mädchen, das er in Begleitung eines anderen jungen Mannes antraf, aus Eifersucht erschossen. Alsdann brachte er sich selber mehrere Schüsse bei, so daß et hoffnungslos daniederliegt. Pauit im Kinotheater. Bei einer Explosion in einen» Kinemato- graphen im Ausländerviertel im Osten von NewUork entstand eine Panik. Zwei Frauen erlitten lebensgefährliche Quetschungen, zwölf P e r s o n e n ,. die zu Boden getreten worden waren, mußten ins Kranlenhaus gebracht werden. Der Brand konnte gelöscht werden, ohne daß er größeren Sachschaden angerichtet hätte. Mordtat einer Balleteusc. An» Montag früh erstach eine Balle- teufe in Mirbach den Automobilhändlcr Meyrel. jie Täterin wurde verhaftet._ Eingegangene Druck Ick riften. Die Konkurrenztlansel nebst seiner Denkschrift für den Reichstag. Bon P. Lange. 03 S.— Handlungsgebilsen-Verlag, Berlin C. 25. „Xenieii." Monatsjchrist für Literatur und Kunst. Januarhest. 00 Pf. Zeilien-Verlag, Leipzig. Die falsche Rechnung. Was bringt der Krieg ein? Von Norman- Ungell. 1,25 M. Vita. Deutsches VerlagShaus, Charlotienburg. „Zentralblatt für Gewerbehygiene", herausgegeben von Dr. F. Curschmann, Dr. R. Fischer und Dr. phil. E. Franckc. Jährlich 12 Hcste. 15 M. Der Haarausfall. Von Dr. A. Kann, t M. O. Coblcntz. Berlin W. 30. Ein arktischer Robinson. Von Kapitän Mikkelsen. Lieseruttg t. Er« scheint in 18 Lieserungen zu je 50 Pf. F. A. BrockhauS, Leipzig. Marktpreise von Berlin a»n I. Februar 1913, nach Ermiiielungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,82 bis 19,90, mittel 19,00—19,74, geringe 19,50—19,58. Roggen, gute Sorte 10,98-17,00, mittel»0,94—10,90, geringe 10,90-10,92(ab Bahn). Fuiter- aerste, gute Sorte 17,50—18,10, mittel 10,80—»7,40, geringe 10,10—10,70. Hafer, gute Sorte 18,00—20,40, mittel 17,00—18,50(frei Wagen und ab Bahn). Warkthailenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Spcijebohncn, weihe 35,00—50,00. Linien 35,00—00,00. Kartossein(Kleinhdl.) 0,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70— 2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,70-2,20. Kalbfleisch t. 40— 2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butler 2,20-3,00. OOElück Eier 4,20— 0,00. t Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,00— 3,20. Zander 1,40-3,00. Hechte 1,00-2,00. Barsch- 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00—24,00. Wttterungsübersicht vom 3. Februar 1913. ktationen Swinemde. tamburg erlin Franks. a.M München Wien II Bf 754 S 750« 755® 703 SW 766 763 SW B Settel 2wolkig 3 wolkig 3bedcckt »bedeckt Obcdeckt 2iwolkig »0« d II wS> «lattonen S s II I5 daparanda ictev8Bmg:749D - 5 B u S« Scilly Aberdeen Paris 700 W 746®®» 70SSW Settel 2Schnec Owolkig Obcdeckt 2bcdeckt «ö« c« h —5 10 6 9 Wetterprognose für Dirnstag, den 4. Februar 1913. Ziemlich mild, zeitiveise ausklareud, aber voriviegend trübe mit öfter wiederholten Niederschlägen und starken südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserftands-Rachrichtcn der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau >)-si bedeutet Wuchs,— Fall.— a) Unterpegel.—•) Eisstand — 4) Treibeis.— Nach heutigen telegraphischen Meldungen haben Leint mit Mosel miitclgroße» Hochwasser. Orts- Kraukenkasse der Stellmacher. III- Abänderung zum Statut der Ortökrankenkasie der Stellmacher. § 27 Absatz 1 wird wie folgt abgeändert: Die wöchenllichen KaifenbeitrSge betragen 4 Proz. deS durchschuiltlichen Tagelohnes und zwar für die Mit- glieder der Lohnllasse l 0.90 Mark II 0.72. . III 0.48. Porstchcnd« Abänderung tritt mit dem ersten Montag nach der stalulen- gemäßen Bekanntinachung in Kraft. Berlin, den 22. November 1912. bl. Nisobert, Oeorg Lrouting, Vorsitzender. Schriitsührer. Genehmigt durch Beschluß vom 14. Januar 19>3. Berlin, den 19. Januar 1913. Der Beztrk,?aiisschutz zu Berlin. Abteilung II. Wagner. Abänderungen sind im Kassen- lokal erhältlich. II a 1. 13. 2311b r Stoffe für elegante Haßanzüne, Ulster, Paletots Mtr. 4.—, 6.—, H. etc. Damen- Kostümstoffe, Oamentuche „Neuheiten" Mtr. 2.—, 3—, ♦■— M. etc. Loden f. Pelerinen Mt». 1,60, 2,50 M. etc. Schneidermeister, welche unsere Stoffe tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nobst Zutaten zirka 25,-, 30,— M. etc.* Tuohlager Koch& Seeland G. m. b. H. CertraudteBStr. 20/21 ¥is-4-¥itder Petrikircho. SIND AUF DER HÖHE . JalireHuiNNaez: »SO,!J CM.«tun hl. mi, iz«a.3aooo«*i. Export nach allen Weltteilen. Löwen-Bock In Kannen,. Siphon.i I laschen Uberall käuflich oder Fcrrgpf» Nord. lOS-'*—- 10 372. Löwen- Brauerei' A.-G., BtrlinN. H.Pfau, Wagisl ®cr"u Dipckseiistraße 20 zwischen Bahnhos Aleranderplatz und Polizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Siefetant für alle Krankenkassen. macht schon seit über 25 Jahren Suppen. - Suppenwürfel sind infolge ihrer Vorzüge weit verbreitet und überall beliebt. 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Der Eintritt ist nur gegen Vor- zeigen des Kassenbuches gcstaticL Oer Vorstand. Kranzspenden sowie sämtliche* Blumenarrangements liefert(chnell und billig Paul Gross, Lindenstr. 69, Tel. Mpl. 7203. Heute und morgen 17/3» Legehühner, garant. junge, beste Leger, Sil II] vertonst F. Weener, � 12 U»' Berlin SO., Mariannenstr. 31 (ÜMsie firal SSi"'1'"' Ohne Zlnzahluug! Keine Kassiere» I Teppiche, Portieren, Gardine», Stores und alle Arten Decke». Offerte erbeten unter K. lOO. ,Vor>värts"spedition, Ackerstr. 174.* ReukersWerke - 3 Bände 4 Marl• Buchhandlung vorwärts Engelhardt Caramel-Bler alkoholarm ärztlich empfohlen Diätetisches Gesundheitsbier Flasche 10 Pf» vbmii HivtUdk der W Mittwoch, den S. Februar, abends 8'/z Uhr: General-Versammlung bei Boeker» Weberstraße 17. Tagesordnung: i. Kassen- und Geschäftsbericht vom IV. Quartal ISIS. 2. Erstattung des Jahresberichts pro 1912. 3. Neuwahl der Ortsverwaltung. 1. Ver- schiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.-------- leo/i Vollzähligen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. ttr Dttmltullgsstelie Serlm. C. 54, Limenstr. 83—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1937. Amt Norden 185. Slmt Norden 1239, 9711. Donnerstag, den«. Februar ISIS, abends 8 Uhr: Oefftl. Metallarbkitervelsammlliiig im grossen Saale des Moabiter Gesellschaftshauses, Wiclefstraße 24. Tagesordnung: Vortrag des Veichstagsabgeordnetkn Dr. Quarck üw- Das kommende Zuehthausgesetz. Zahlreiche Beteiligung erwartet 112/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. _ Gau Berlin und Umgegend. | Sonntag, den 9. Februar 1913, vormittags pünktlich 10 im Gewerkschaftsliause(Saal 1): Ausschuß-Sitzung für den ganzen Gan. Tagesordnung: 1. Aufnahme von vereinen. 2. Wahl der Revisoren der Kontrolleure. 3. Bundesangelegenheiten. Der Vorstand, Uhr, (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hattpflicht) Am DieiiStaq. den 11. Februar 1913. abends 8 Uhr, in DrappS Festsälen, Tegel, Bahnhofstraste 1: Urdentliehe Ceneral-Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Verlesung des Revisions- bcrichts. 3. Bereinsangelegenheiten. 102/15 Zutritt nur gegen Vorzeigung der grünen Legitimationskarte. Ter Vorstand. Der Aufsichtsrat. Kar Uchtenberg. Hugo Köhler. Friedrich Hülle. I. Massa, Vorsitzender. Cigarctten Beste Qualitäten n Zwelgvercin Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranclie. Gipsbanbrauche Vabihpntzer, Träger uad Kabihspanner. Mittwoch, den 3. Februar 1913. abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jusclstraste 10: MgNeüer Versammlungen. Tagesordnung: 1. Neuwahl deS Branchenvorstandes und Vorschläge zum Seltionsleiter. 2. Bericht über die aus dem VerbandStage zur Verhandlung gekommcnen Anträge der Spezialbranchen. 3. Branchcnangelegcnhciten. Pflicht aller Kollegen ist es zu erscheinen. 110/13 Die hielitionsIeUnng. Berlin 80. 16, engel-Qfcr 5. Takak-Großhandlnng und Takakiabrik� Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. H.& P. Uder, Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufor. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche be- 7««• a m 10 4 4 a e« zu Originaipreiseil« Siyät6ll6tl Amt 4, 3014. kannten Marken Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Vager.— Gegen 30 Pfennig ans 10 Ps. Anweisung srei. Ohne Zweifel die bequemste».wirksamste Hilfe. Ter Schmerz ist in 3 Min. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält«aiicyljäure u. indischen Hansextralt.) UttgCr in WÜFZbUrg. Berlin(20 Ps.): Lalomon- gpotbeke, Charlottenstratze SI.— Lreit» Apotheke, Barntmstr. 33.— Wo nicht, zu Haben: Hosen-Apotheke, Würzburg. Theater und Vergnügungen Dienstag, 4. Februar 1913. Anfang TIq Uhr. Kerlhra(Korsu.) Wieselchcii. Kgl. Opernhaus. 8 gl. Tchauspielhaus. Deutsches. Der blaue Vogel. Zirkus Busch. Gala-Vorstcllung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Ansang 8 Ubr. Königgrätzer Strafte. Die fünf Franlsurter. ilranta. Die Weltmacht des Eisens. Hörsaal 8 Uhr: Die Pflanzliche Nahrung. Deutsches Opernhaus. FigaroS Hochzeit. Lelnng. Das Prinzip. Triauon. Wenn Frauen reisen. Theater am Nollendorfplaft. Die Studentengräsin. Romödicnhaus. Der Reiter in der Rot. Kammerspiele. Maria Magbalene. tSroft-Berlin. Das Fürstenftnd. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Berliner. Filmzauber. Montis Operette». Der Frauen» fresser. kleines. Professor Bernhardt. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lnstspielhaus. Majolika. Thalia. Puppchen. Schiller O. Uriel Acosta. Schiller-Charlotteuburg. Reise durch Berlin in 80 Stunden. Luisen. Und hätte der(Liebe nicht... Metropol. Chausseur— WS Metropol. Rose. Mein Leopold. Herrufeld. Die Alpenbrüder. Wüsten» moral. Gaftno. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialftäten. Apollo. Brüderlein sein. Speziali- täten. Retchshallen. CavaUeria schufti- cana. Anfang 8'/« Uhr. Fricdr.> Wilh. Schauspielhaus. Der Zaungast. Walhalla. Goldener Leichtfinn. Folies Caprice. Die Doppetsirma. DteTochter der Braut. Ansang 8'l, Uhr. Neues Volkstheater. Michael Kramer. Anfang 9 Uhr. Admiralspalaft. Eisbull eil: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. 67— �2- Sehiller-ThealerO.lSu: Dienstag, abends 8 Uhr: IJricI Acosta. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Donnerstag, abends 8 Uhr: Emilla Galotti. Schiller-Theater ChCn.en' Dienstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: vis lleise durch Serlin in 80 Stunden. Mittwoch, nachmittags 3.10 Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini, Mittwoch, abends 8 Uhr: LTriel Acosta. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Reise durch Berlw in 80 Stunden. Dontsches Schansplelhau» 8 Uhr: Der gute Ruf. IM® am Noüentlflrfplatz S. t allen Tagen der Woche 8 Uhr: Ms Studentengräfin. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Theater in der KöDiggrätzer Straße s Uhr: Die fünf Frankfurter. Montis Operetten-Theater (jt. Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der fraucnfrelTer. Residenz-Theater, i m. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank i. 3 Akt. v.Henneguin u. Leber. Morgen und folgende Tage: Die Frau Präsidentin. Luisen-Theater. Dienstag, abends 8 Uhr:„Und hätte der Liebe nicht.. Schauspiel in 4 Alten von E. Kricke- berg und Ernst Ritterseldt. Mittwoch, abends 8 Uhr:„Und hätte der Liebe nicht..." Donnerstag, abends 8 Uhr:„Und hätte der Liebe nicht.._ OSE=THEATE Grotzc Franksurler Str. 132. Min Leopold. Volksstück m. Ges. in 3 Alten von Adolph L'Arronge. — Ansang 8 Uhr.— Mittwoch und solgendeTagc: Mein Leopold. JÄetropol-Theater Chauffeur- ius JCetropol! Große Jahresrcvue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a. O. mit gänzlich neuem Repertoire. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. mupn Der Höhepunkt des Lach-Erfolges! mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrolle». Ans. 8 Uhr. Vorverl. 1t— 2(Theaterk.) keichshaüen-Theater Stettiner Sanger. Zum vorletzten /Haie: Anfang 8 Uhr. Urania Wissenschaftliches Theater. Tanbeneitraße 48/40. Dienstag 8 Uhr; Die Weltmacht des Eisens, Hörsaal 8 Uhr: Die pflanzliche /Vahrung. Trianon-Theater. Wenn Frauen reisen. Anfang 8 Uhr TiT I Sängerchor Wedding« d. O.A.-SB. Gau Berlin n. Umgegend Gr. Wiener Maskenball am Sonnabend, den 8. Febr., abends SVa Uhr, in den Germania- Prachtsälen, Chausseestraße 110 K! Allerlei Volksbelustigungen� Festzug der Zigennerkönigin Preziosa.— Prämiierung der schönsten Damen- u. der originellsten Herrenmaske Während der Kaffeepause: Vorträge des Volksängers Herrn H. Eewandowsky Um 12 Uhr: Demaskierung Eintritskarte ÖO Pf.(inklusive Tanz). Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Heute, Dienstag, den 4. Februar 1913: Elitetag! Prämiiert werden die ähnlichsten Damen-Zvillinge. 3 bare Geldpreise: 50, 30, 20 M. Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Damen über 16 Jahre l Legitimation ist mitzubringen! Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. BV Voranzeige! Morgen Mittwoch, den 5. Februar: Elitetag! ExtrasPrämiierung! prsmiieriing to größten sauren Gurke. 3 bare Geldpreise: 30, 20, IG M. :: Berliner:: Konzerthaus MauersiraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Heute: Ein lustiger Fastnachtsabend. 3- TVT vi o 1 It"/» I A UM 9£Z ga SS-»»M rm flV �?___...__ � � I 1,... r**. 4\ d. I T d v fTfS Musiko. Kaiser- Pranz-Begiments, Dirig.: Oberm. Becker. Musikc. 1. Garde- Dragoner-Regts., Dirig.: Oberm. Baarz der Zilierthaier und Tegernseer Sänger, Schuhplattler und Jodler! Direktor Starp. Tanzkrttnzchen, l'anzmusik von S Kapellen! Jeder Besucher erhält ein originelles, wunderhübsches Angebinde. Eintritt 1 M. Abonnements und Passepartouts 50 Pf. Nachzahlung. Anfang 8 Uhr. Ende 3 Uhr. Alle Vergünstigungen aufgehoben! Wirtshaus>»-->> Stadtbahnbögen (früher Schlppannowskl) (Bahnh. Börse) Spandaner Brdcke(Bahnh. Börse) Bock-Jubel und Trubel SÄÄ«. gflP bei freiem Entree! Traiieuf Walter Seyring,!.r"herReichshatien, jetzt noch Konzerthaus„zum Hofjäger". Zirkus IjUbertSehumann. Heute Dienstag, 4. Februar, abends 71/, Uhr: Neu! Laurent-Trio Neu! Gymnastischer Kraft-Akt. Avis: Mr. Laurent der amerikanische Steinschläger benutzt seine Faust als Eisenhammer u. zerschlägt Feldsteine, welche vom Publikum mi tgebracht werden können. Prolongiert I Cftsarloo Ettwen- n. Tiger-Gruppe die wildeste Dressur d. Gegenwart Um O'l, Uhr:-MB Der unsichtbare Mensch. Ab 8 Uhr: Ein sensationeller Erfolg der groBen neuen Spezialitäten. 9 Uhr: Harry Waiden in der Groteske „Der Herzog von Westminster," Voigt-Theater. Gesundbrunnen, Badstrafte 38. Mittwoch, 5. Februar 1913, 8'/4 llbr: «olksst. mit Ge. KüNlg KrllUjt. in 4 Akten. von Iul. Keller und Herrmann. Kasscncröflnung 7 Uhr. Voranzeige! Freitag. 7. Februar: Benefiz für Frl. Hedwig Krahmcr: 8tolz und Eiebc. Voigt-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Jede» Nienstag Donnerslüg: Großes bayerisches Bockbierfest mit sensationell. Prämierungen. Drelse 13, 10 n. 5 H Bedienung durch ecbf bayr. Madl'n. Kapelle des urkomischen 8sppl Weluiieii Mönche... Vollständig neue Dekorationen! —:' Stimmung!:—. Ansang 8 Uhr. Entree 20 Ps SB wilde lU/oi hör Männer IvvölUul Kinder vom Stamme der Igorroten,] Lebend! Ohne Extra-Entreei Zirkus Busch. Heute Sonntag, 4. Februar: abends 7'/» Uhr: Prolongiert! Prolongiert! Mac Kdrton das Phänomen d. Magentrainings, gen. d. menschliche Aquarium, Verschlingt nach wie vor 20 Goldfische und 20 Frösche und trinkt hierzu 50— 100 Glas Bier. Neu! Md. Oelita der Oros's Neu! O dressierte Kühe. Oer mysteriöse Deckenläufer. Zum Schluß: „Sevijjia". Folies Caprice. Anfang 81/, Uhr. Die drei SMu-Zchlager: In Zachen Kastenstein. Tie Doppelfirma. Die Dochter der Braut. Msi Königstadt-Casino. Eck« Hotzmarkt- u. Alc�anderstraße. 1 Minute D. Bahnh. Fannowibbrücke Tagt. abdS.'Iß, sonnt.'I fi Uhr: Puppchen tadellos. Posse m. Ges. in 1 Akt— und daS grost. Spezialitätenprogramm Jed. 1. u. 18.: Programmwechsel. Wslkalls-Ilieatef. Weinbergsweg 19/20. Rosenthal. Tor, Nur noch bis 12. d. Mts.: Goldener Leichtsinn. 3lm 15. Februar; Premie.c der neuen großen Jahres-Revue Parole„Walhalla". Casino-Theaiep Lothringer Str. 37. Täglich 8 Ubr: Allabendlich ausverkauft Stürmische Heiterkeit! Die Berliner Lolalpossc Am grünen Strand d. Spree. Gröfltcr Kassenersolg seit Bestehe». � Heute Münchener Faschings- Redoute im Admiralspalast mit Maskenzwang für Herren und Damen. Demaskierung um 2 Uhr. Balltoilette oder Kostüm. Herrenkarten 10 M» Damenkarten 6 M. Zuschauerkarten 3 M. Dominos und Maskon leihweise an der Garderobe. Tischbestellungen rechtzeitig erbeten. Für den Inhalt der Jniera,e äberniiuint die Redaktion dem Lublikum gegenüber keinerlei Verantwortuuz. !C vi»■-.....— Zkrontwortücher Nchatteur: Alfred Wiriepp, Neulövn.' Für den Jnjeratentelt veranttv.: Th-Gioite.BerUa. Krudu. Vertag:«orwärt» u. ittecioesanftatt Paut Smaer u-üo», LerUv AZt Nr. 29. 39. Iahrgaag. I foiliiit des Jorntts" Derlim loMIntt. Dirnskg, 4. ftbtii« 1913. Oerbandstag der Zimmerer. . Snt grofecn Saale des Berliner Eewcrkschaftshauses, der zu 5--!em Zwecke festlich geschmückt war, wurde am Montagvormittag wie-0. Generalversammlung des Verbandes der Zimmerer Deutsch- ilands eröffnet. x- Verbandsvorsitzende Schräder- Hamburg erinnerte in feiner Eröffnungsrede daran, daß in wenigew Tagen 30 Jahre verflossen sein werden, seit in Berlin der Grundstein für die Orga- der Zimmerer Deutschlands gelegt wurde. Fast ein �.ccnschenalter hindurch habe die Organisation trotz mancher �zindcrviffc und Schwierigkeiten die Aufgaben erfüllt, die ihr bei Der Gründung gestellt wurden. Wo immer es möglich war, habe sie ww wirtschaftliche Lage der Zimmerer Deutschlands verbessert. Wenn die Wünsche und Ziele in dieser Hinsicht nicht immer erreicht worocn seien, so liege die Schuld nicht an der Organisation, sondern an de n Tausenden von gleichgültigen und teilnahmslosen Berufs- genossen, die dein Verbände noch fernstehen. Doch es sei zu hoffen, wag oiich diese Kameraden endlich zum Klassenbewußtsein erwachen mno sich dem Verbände anschließen. Aber auch in anderer Hinsicht im diese G cne ra lv c r sa m m I u n g von großer Bedeutung. Sic sei zu ciner� ungewöhnlichen Zeit einberufen. Der Grund dazu sei der, Daß es in diesem Jahre voraussichtlich nicht ohne Kampf abgehen Es sei deshalb nicht zweckmäßig, mit der Abhaltung des -cherbandstages bis zu dem statutenmäßigen Zeitpunkt, kurz vor r>der nach Ostern, zu Wörtern Vielleicht werde sich wegen der Lohn- bcwegung in einigen Wochen die Einberufung eines außerordcnt- wichen Verbandstagcs nötig machen. Für die frühere Einbcrusung des gegenwärtigen Verbandstages sei auch der Umstand maßgebend gewesen, folß die Bcitragsfragc noch vor dem 1. März neu geregelt werden müsse, da die vor zwei Jahren beschlossenen Erträbeiträge bis zum Dezember 4012 erhoben werden durften. Der Redner Jjieß die Teilnehmer der Generalversammlung herzlich willkommen |Und teilte mit, daß als Vertreter der dänischen Brudcrorganisation re r o m- P e t c r s e n- Kopenhagen der Zimmerer Oesterreichs Wes sc l tz-Wien, der schweizerischen Organisation Schräder- Basel anwesend sind. Die bolländische und die ungarische Zimmerer- organisation haben Begrüßungsschreiben geschickt, weil sie durch eigene Organisationsarbeitcn an der Entsendung von Vertretern behindert sind. Zur Leitung der Verhandlungen wurden gewählt: als Vor- sitzende Schräder- Hamburg und K n ü p f e r- Berlin, als Schriftführer S t e f f e n- Bremen und E n g e l b r ech t- München. Nachdem sich das Bureau konstituiert hatte, nahm Witt- Berlin das Wort. Er verwies darauf, daß der Vcr- bandstag bereits zum sicbcntcmnal in Berlin tagt, er gab einen kurzen Ucbcrblick über die Entwickelung der Arbeiterbewegung in Berlin und hieß die Delegierten namens der Berliner Kameraden Willkoiitmen. Die Tagungszcit wurde auf 9—1 und 3—7 Uhr festgesetzt. ocn igab Geschäftsbericht des Borstandes Schräder-.Hamburg. Er sagte u. a.: Die Befürchtung, daß die vom vorigen Verbandstage beschlossene Beitragserhöhung einen Mückgang der Mitgliodcrzahl bringen würde, sei nicht eingetroffen. Es habe sich gezeigt, daß der Verband nicht nur keine Mitglieder verloren, sondern in den beiden letzten Jahren rund 9000 Mitglieder gewonnen habe. Auch die Zahlstellen hätten sich vermehrt. In tdicscr Zeit sei der Verband auch in Gegenden eingedrungen, wo er vordem noch nicht Fuß gefaßt hatte.— Der Redner gedachte der verschiedenen Versuche von reaktionärer Seite, das Koalitionsrecht Idcr Arbeiter einzuschränken durch Verschärfung des Z 153 der Gewerbeordnung. Wenn sich auch der Reichstag jetzt gegen diese Bestrebungen erklärt habe, so dürfe man doch nicht hoffen, daß in dieser Hinsicht alle Schwierigkeiten überstanden seien. Es sei zu erwarten, daß die Versuche, das Koalitionsrecht zu beschränken, aus dem Gebiete des Strafgesetzbuches erneuert werden. Die Polizeibehörden, namentlich in Preußen, hätten versucht, Zahlstellen des Verbandes zu politischen Vereinen zu stempeln. In einigen Fällen hätten die betreffenden Zahlstellen leider versäumt, gegen Gerichtsurteile, welche der Polizei Recht gaben. Berufung cinzu- legen. Sollte die Behauptung der Polizei, daß sich bestimmte Zahl- «stellen mit politischen Angelegenheiten beschäftigen, zutreffen, dann sollten die betreffenden Kameraden das unterlassen. Für die poli- tische Betätigung habe die Arbeiterschaft ihre politischen Organi- fationen. Der Redner gab einen Uebertlick über die Lohnbewe- gungcn und Tarifverträge, worüber wir im Vorbericht schon die wesentlichsten Mitteilungen gemacht haben. Er bemerkte hierbei, es sei unter den gegenwärtigen Verhältnissen so, daß die kleinen Lohnkämpfe, die alljährlich Tausende von Mark kosteten, abnehmen, daß dagegen die großen Tarifkämpfe, die alle drei Jahre wieder- kehren, immer weitere Ausdehnung annehmen und Millionen von Mark kosten. Im Zusammenhang mit den Lohnbewegungen ständen die Entscheidungen des Zentralschiedsgcrichts, die ja in manchen Fällen so ausgefallen seien, daß die Arbeiter nicht damit zufrieden fein könnten. Sollte eine derartige oder eine ähnliche Einrichtung wieder eingeführt werden, dann müsse sie etwas anders geftaltei werden.— Es seien noch einige Worte über die internationalen Beziehungen der Zimmerer zu sagen. Ein fester Zusammenschluß sei noch nicht vorhanden. Die Bruderorganisationen im Auslände liätten in derselben Weise zugenommen wie die deutsche Organi- fation. Es sei notwendig, daß die internationale Verbindung der Zimmerer eine feste werde. Der Redner wünscht, daß ein Beitrag, vielleicht 1 oder'A Pf. für internationale Zwecke festgesetzt werde. Schließlich besprach er die Ergebnisse der Arbeitslosenunterstützung, bezeichnete dieselbe als reformbedürftig und sprach die Hoffnung aus, daß die Generalversammlung de» Weg finden werde, aus dem mian vorwärts komme. R ö w e r- Hamburg, der den Kassenbericht erstattete, machte leine Reihe geschäftlicher Ausführungen zu dem gedruckt vorliegenden, von uns im Auszuge wiedergegebenen Bericht. K u b e- Berlin gab den Bericht des Ausschusses. Er ging auf die vom Ausschuß erledigten Angelegenheiten ein und bemerkte, daß gegen die Kassenführung keine Beschwerden vorlagen, weil alles in Ordnung war. Bring mann- Hamburg, Redakteur des„Zimmerer", ver- wies, um die Zeit nicht mehr als nötig in Anspruch zu nehmen, aus den gedruckten Bericht über das Vcrbandsorgan. Aus demselben geht hervor, daß Beschwerden über die redaktionelle Haltung des „Zimmerer" nicht eingegangen find. Die Diskussion erstreckte sich zunächst auf den Bericht des Vcbbandsvorsitzendcn. Kam in c r- München führte unter anderem aus: Solange die Tarifschlichtungsinstanzen bestehen, seien sie von den Kameraden ziemlich skeptisch beurteilt worden. Man habe gesagt, die ganze Ein- richtung sei mehr oder weniger Komödie. In den letzien betden Jahren sei es etwas besser geworden, aber die Urteile der Schieds- gcrichte brächten doch nicht das. was die Arbeiter von ihnen gehofft haben, um zu ihrem Recht zu kommen. Mit der Abnahme der Bau- Konjunktur habe auch die Taristreue der Unternehmer abgenommen. Sic hätten vielfach besondere Vereinbarungen mit den Arbeitern getroffen, um geringere Löhne als der Tarif festsetzt, zu zahlen. In solchen Fällen entscheide das Schiedsgericht nur, daß der bc- k reffende Unternehmer den Tarif verletzt hat; aber nicht, daß er ldic Lobndiffcrenz nachzuzahlen hat. Die Arbeiter müßten also den Lohn erst beim Gewerbcgcricht einklagen, wo sie aber nur dann Erfolg baben, wenn sie bei der ersten Lohnzahlung Einspruch er- Hoben baben. Auch von den nachfolgenden Rednern lamen noch mehrere auf Kie Tarifschiedsgerichtc zu sprechen, Sie verwiesen! auf Einzelfälle, wo die Entscheidungen im Widerspruch mit den Rechtsanschäuun- gen der Arbeiter zugunsten der Unternehmer ausgefallen feien. Die Arbeiter müßten sich überlegen, ob sie an derartigen Einrich- tungen noch ferner teilnehmen könnten.— Ferner wurden in der Diskussion Wünsche hinsichtlich der Agitation ausgesprochen. So meinte ein Redner, wenn die Bezirke der Gauleiter verkleinert würden, so wäre es möglich, die Agitation besonders nach der Rich- tung hin zu betreiben, daß die Fluktuation abnehnie und die auf- genommenen Mitglieder wenigstens zum größeren Teil dem Ver- bände treu bleiben.— Hinsichtlich des polizeilichew Vorgehens gegen einige Zahlstellen bemerkten mehrere Redner: Es werde schwer halten, die Berührung politischer Angelegenheiten in Zahl- stellenversammlungen so streng zu meiden, wie es nach Ansicht der Polizei geschehen solle. Wenn beispielsweise über die Lebens- Haltung der Arbeiter gesprochen werde, so müsse man doch auch die Ursachen der Lcbensmittclteuerung erörtern und damit komme man schon auf ein Gebiet, welches nach polizeilicher Auffassung politisch sei. Derartige Aufklärungen unter den Mitgliedern zu verbreiten, gehöre aber zu den Ausgaben, auf welche die GeWerk- schaften nicht verzichten könnten. Man werde also in jedem Falle die Entscheidungen der Gerichte gegen das Verlangen der Polizei herbeiführen müssen. Zu Beginn der Nachmittag.ssitzung wurde die Diskussion über den Geschäftsbericht unterbrochen und ein Vortrag des.Genossen v. E l m über die „VolkSfürsorgc", der als sechster Punkt auf der Tagesordnung steht, Vorweggenom- men, da der Referent zu anderer Zeit nicht abkommen kann. v. E l m verwies zunächst darauf, daß die Versicherungsgesellschaft „Volkssürsorge" bis jetzt noch nicht in Funktion treten konnte, weil ihre Pläne und Tabellen vom Aufsichtsamt nocks nicht gc- nehmigt sind. Besondere Schwierigkeiten habe das Aufsichtsamk bis jetzt nicht gemacht. Einige Aenderungen der Tabellen seien verlangt worden. Das pflege aber auch bei anderen Gesellschaften zu geschehen. Nach dem gegenwärtigen Stand der Angelegenheit könne erwartet werden, daß die„Volksfürsorge" die Genehmigung des Aufsichtsamtes bekomme. Erst nachdem das geschehen, könne der Betrieb eröffnet werden. Der Redner gab eine eingehende Darstellung der technischen Grundlagen und der Organisation der „Volksfürsorge". Sie werde alle Arten der Versicherung betreiben, die auch von anderen derartigen Versicherungsgesellschaften betrie- ben werden. Aber die„Volksfürsorge" könne und werde für die Versicherten erheblich mehr leisten als die bestehenden Versicherungs- gesellschaftcn, da die Verwaltungskosten der„Volksfürsorge" be- deutend billiger seien, denn sie zahle keine hohen, Gehälter und Tantiemen an Direktoren und Aussichtsrätc. Das Aktienkapital solle sich nur mit 4 Proz. verzinsen. Auch bei den Akquisitions- kosten werde die„Volksfürsorge" viel billiger fortkommen als andere Gesellschaften. Während die„Viktoria" für jede Aufnahme 5,96 M. zahlt, glaube die„Volksfürsorge" mit 30 Pf. auszukommen. Für die Einkapicrung der Beiträge rechne die„Volkssürsorge" auf die ehrenamtliche Mitarbeit der in der Arbeiterbewegung tätigen Genossen, denen eine geringe Entschädigung für ihre Mühewaltung zugebilligt werden solle. Weiter ging der Redner auf den ver- sicherungstechnischen Aufbau der„Volkssürsorge" ein und zeigte, daß hier alles nur daraufhin berechnet sei, den Versicherten so viel wie möglich zu bieten. Die heutigen sogenannten Volksversichc- rungen der Privatgesellschaften dienen nicht dem Volksinteresse, sondern schädigen es. Wir dürfen uns nicht, wie die kapitalistischen Gesellschaften, an den Beiträgen der Aermsten der Armen bereichern. Das wäre unmoralisch. Die jetzt bestehenden Gesellschaften können uns unsere Einrichtungen nicht nachmachen; denn diese Gesell- schaften wollen Gewinn erzielen, wir aber nicht. Der Redner ging auf die Einwendungen der Gegner und die Gründungen ein, welche der„Volksfürsorge" Abbruch zu tun bestimmt sind. Da werde nun alles Mögliche versprochen, was aber nicht gehalten werden könne. Um die„Volksfürsorge" von vornherein an gewissen Stellen in Mißkredit zu bringen, sei die Behauptung aufgestellt worden, sie stehe in Verbindung mit der Sozialdemokratie. Das sei eine Unwahrheit. Wir bauen ein Werk auf, das dem Volke dient. Das Aufsichtsamt wird uns ja sehr genau daraufhin kontrollieren, ob wir in unserem Geschäftsbetrieb mit der Sozialdemokratie in Ver- bindung stehen. Das dürfen wir nicht, weil es das Gesetz ver- bietet, und das wollen wir auch nicht. Den Volksiuteressen dienen wir am besten, wenn wir unser Unternehmen mit keiner Partei ver- quicken. Aber die geplante sogenannte nationale Volksvcrsicherung, zu welcher der Direktor des Aufsichtsamtes die Anregung gegeben hat, ist eine politische Gründung. Unter den Fittichen des Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wird mit den schmutzigsten Mitteln gegen unsere„Volksfürsorge" gekämpft. Aber trotzdem hat unsere Sache eine große Zukunft. Wir brauchen die Konkurrenz der nationalen Versicherung nicht zu fürchten, denn bei uns sind die Interessen der Versicherten viel besser gewahrt wie bei irgend einer anderen Gesellschaft. Wir beschränken uns nicht auf die Mitglieder der Gewerkschaften und Genossenschaften, sondern jeder, ob Mann, ob Frau, ist uns willkommen. Die Ge- werkschaster und Genossenschaster aber werden ihren Stolz darin setzen, allen Widerständen der Gegner zum Trotz, ein Werk auf- bauen zu helfen, welches den Interessen des Volkes dient. Sie werden ihre Organisationen in den Dienst der„Volkssürsorge" stellen. So wird es uns trotz aller gegen uns ausgestreuten Lügen und Verleumdungen gelingen, in der„Volksfürsorge" ein Werk zu errichten, auf das die Arbeiterschaft stolz sein kann.(Starker Beifall.) Das Wort zu dem Vortrage nahm niemand. Der Vorsitzende Schräder bezeichnete es als selbstverständlich, daß die Mitglie- der des Verbandes für die„Volksfürsorge" arbeiten werden, sobald dieselbe ins Leben getreten ist.(Zustimmung.) Hierauf gab K r em s e r- Frantfurb a. M. den Bericht der Mandatprüfungskommission. Es sind anwesend 135 Delegierte, 18 Gauleiter, 4 Vertreter des Zentralvorstandes und der Vorsitzende des Ausschusses, der gleich- zeitig die Generalkommission vertritt. Außerdem sind drei Ver- treter ausländischer Zimmererorganisationen anwesend.— An den Bericht schloß sich eine längere Diskussion über einige Delegierten- wählen. Nach Schluß derselben wurden alle Mandate, dem An- trage der Kommission entsprechend, als gültig erklärt. Hieraus nahm der Verbandstag die Debatte über den Geschäftsbericht wieder auf. Sie war nach kurzer Dauer erschöpft. Dann erhielt der Verbandsvorsitzende Schräder das Schluß- wort. Er ging auf verschiedene Ausführungen der Diskussions- redner ein, die sich auf innere Verwalkungsangelcgcnheitcn bezogen. Ferner betonte er, er sei hinsichtlich der politischen Betätigung von einigen Rednern mißverstanden. Er l>abe nicht gesagt, daß sich die Kameraden nicht politisch betätigen sollen. Im Gegenteil: sie sollen es; aber in den Verbandsversammlungen solle leine Politik betrieben werden. Dazu sind die Parteiorganisationen da, in diesen mögen sich die Kameraden betätigen. Das liegt in ihrem Interesse. Auf diese Pflicht müssen sie aufmerksam gemacht wer- den, ohne daß in den Versammlungen der Zahlstellen Politik ge- trieben wird. Wenn das beachtet werde, dann könne die Polizei keine Handhabe zum Vorgehen gegen die Zahlstellen finden. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Rm Induftne und Handel. Berliner Baukvcrkehr im Jahre 1912. Bon den Berliner Großbanken hat noch keine ihre Abschlüsse für 1912 veröffenllicht. Trotzdem läßt sich bereits jetzt ein Anhalt für die Entwickelung des Berliner Bankverkehrs im verflossenen Jahre gewinnen und zwar durch den Geschäftsbericht der Bank des Berliner Kasse»Vereins A.-G. Diese Bank wurde im Jahre 1850 von Berliner Bankiers gegründet. Sie hat den Zweck, die täglichen Abrechnungen zwischen den Berliner Bankfirmcn zu erleichtern. Jede Bank mußte ohne diese Vermittlelungsstelle täglich durch eigene Boten Schecks, Anweisungen, Rechnungen, Wechsel oder Wertpapiere an jede einzelne andere Firma, mit der sie in Geschäftsverbindung steht, übersenden, einziehen und begleichen lassen. Abgesehen von der großen Zahl des dazu nötigen Personals bedürften die Banken auch eines großen Vorrats an Bar- geld. Das Geld würde dabei unnötig zwiscken mehreren Firmen hin- und herlaufen, was durch Berechnung aller Forderungen an einem Ort vermieden werden kann. Der Kaflenverein übernimmt für seine Mitglieder diese Verrechnung. Jede Firma übersendet täglich ihre Forderungen an den Kassenverein, der in seinen Bureaus das Konto der Zahlungsverpflichteten Firmen belastet. Was sonst durch die tatsächliche Ueberbringung der Barsumme geschehen müßte, leistet hier die einfache Buchung. Auch die nicht verrechneten Summen werden nicht durch Barzahlung sondern durch Schecks des Kassenvereins ausgeglichen. Welche Ersparnis an Bargeld und Zinsen dadurch eintreten, mögen die Ziffern für 1912 zeigen. Es wurden insgesamt für 24,6 Milliarden Mark Anweisungen ein- geliefert und davon 22,4 Milliarden oder 91 Proz. durch bloße Ver- rechnungen ausgeglicheu.(Im Jahre 1893 betrugen die Gesamt- einlieferungen erst 8,5 Milliarden.) Der Gesamtumsatz der Bank stieg gegen das Vorjahr von 69 Huf 72 Milliarden. Brutto- und Reingewinn stiegen ebenfalls; die Dividende wurde von 6'/, auf 7 Proz. heraufgesetzt._ Scheckstempel und Scheckverkehr. Während in nichtdeutschen Staaten der Scheckverkehr stark ent- wickelt ist und immer mehr zunimmt, ist in Dentschland auch im letzten Jahr der Scheckumlauf wiederum zurückgegangen. Diese Tendenz widerspricht der natürlichen Entwickelung, denn mit der Zu- nähme der wirtschaftlichen Umsätze müßte auch die bargeldlose Ans- gleichung der Zahlungen auf dem Wege des Scheckverkehrs wachsen. Der Rückgang in Deutschland wird nur durch die 1309 geschaffene Wechselstempelstcuer verursacht; er ist rein politisch, nicht ökonomisch bedingt. Im Jahre 1910 wurden noch 38 Millionen Stück Scheck und Bank- quittungen versteuert; im Jahre 1911 waren es nur 31,7 Millionen und im vergangenen Jahre gar nur 30,8 Millionen. Berücksichtigt man dabei, daß seit 1910 das Wirtschaftsleben kräftiger aufleble und das verflossene Jahr eine Hochionjunklur zeitigte, dann ist der Rückgang um so auffälliger. Uebrigens durchkreuzt diese Steuer, die dazu nur die-geringe Summe von 3 Millionen M. im Jahr einbringt, das eigene Bestreben der Regierung, den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu fördern. Die kürzlich bekanntgegebene Ver- mehrung der kleinen Reichsbanknoten wäre so gut wie überflüssig, wenn das Reich nicht durch den Scheckstempel die bargeldlose Zahlungs- ausgleichung durch Schecks einschränken würde. Auch in diesen kleinen Dingen zeigen sich die Schädigungen der Reichsfinanzreform. Klus der frauenbemgung. Jiu-Jitsu als weibliches Erziehungsmittel. Zu dem Programm des Pfadfinderinnentages, der am Sonntag in Berlin stattfand, gehörte auch eine Uebung in Eichkamp. Die bürgerliche Presse weiß darüber zu berichten, daß zu den Spielen— und zwar als eine Art Höhepunkt— die Vorführung des I i u- Jitsu, des bekannten japanischen Ringkampfes, gehörte. Die ver- schiedenen Griffe, die sich gerade nicht durch zarte Behandlung deS Angegriffenen auszeichnen, sollen von den jungen höheren Töchtern sehr exakt ausgeführt worden sein. Wir beglückwünschen die bürgcr- liche Welt lebhaft zu dieser neuesten Erziehungsmethode für junge Mädchen und hoffen, daß die erlauchten Zuschauerinnen Gräfin Dohna-Schlobitten, Frau v. Hopfgarten, Fräul. v. Gierke u. a. mit regem Interesse und vieler Freude den graziös-weiblichen Bewegungen gefolgt sind. Daß die Damen für das Leben in unseren Arbeiter- jugendheimen weniger Sympathie hegen, ist uns bei der ganz andersartigen Beschäftigung der proletarischen Jugend jetzt voll ver- ständlich._ Versammlungen— Veranstaltungen. Die Uebcrwindung der Nervosität durch Erziehung. Unter diesem Titel veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Mutter- und Kindes- recht einen Zyklus von fünf Vorträgen. Referentin: Kathi Lötz. Diese Vorträge werden vor allem die Erziehimg in den grund- legenden ersten sechs Lebensjahren behandeln. 1. Vortrag: Gesunde Lebensbedingungen für das Kind, Mittwoch, den 5. Februar, 8l/a Uhr, im Humbser Bräu. Tauentzienstr. 7. Zylluskarten für 2 M., Einzelkarten für 50 Pf. an der Abendkasse. ßriefbaften der Redahtion. Die luristische Sprechstunde stndet Linden st raste L», vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochrntäglich von tZ-, bis 7Vi Uhr abends, EonnadendS, von 4>z. bis 6 Uhr abends stall. Jeder für dcn Bricflastrn bcstinimtrn Slnsrage ist ein Ivuchstade und eine Saht als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht rrleilt. Anfragen, denen keine AbonnrmentSquiNung beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. B. R. 26. 1. Ja. Der freihändige Verkälts ist ohne Zustimmung des Schuldners nicht zulässig. 2. Kosten richte» sich nach dem Wert der Gegen- stände.— E. 2. Ein Scheidungsgrund scheint, soweit ersichtlich, nicht vor- zuliegen. Sie können nur nach beim Amtsgericht voraufgegaiigcnc» Sühne- Verfahrens Klage aus Wiederherstellung der ehelichen Gcmeinjchast erheben. — K. 8. 1. Unseres Ch achtens ja. 2. Nein. 3. Ja, Sie können es auch selber verdecken. 4. Sosern erreichbar, können Sie Prinatklage erheben. 5. Den Besuch können Sie euipsangen.— Wedding 509. Bei einem solchen Anlaß ja. 2. Etwa eine Woche.:!. Ohne Beweismittel nein. 4. Die Aussage der Zeugin würde voraussichtlich maßgebend sein.—- — B. K. 2525. Das können wir nicht aus uns nehmen. Chemische Waschanstalt.— M. R. 27. Wir würden nicht Mitglied Iverden.— C. O. 15. Tierarzneischulc, Luisenstraßc.— Mcmel. Noßstraße 7. Dienstag. Mittwoch und Freitag von 7—9 Uhr.— W. M. 21. Aus dem Polizeipräsidium. Kosten gering.— K. 100. Mit warmem Seifen- oder Sodawasser so lange bürsten, bis die Leine, die ans ein Brett ge- wickelt wird, rein ist.- Unwissend 12. Die Institute sind Landes- anslaltcn. Der König leistet ans der Ziviltiste einen größeren Zuschuß.— B. 70. Aber, aber vielleicht lassen Sie sich im Zoologischen Garten Aus- tunst geben.— P. T. 333. Wenn Sie in einem gewerbliche» Betriebe tätig sind, die Kasse des Beruses. Melden Sie sich bei der Ossenbachcr Frauenlasse, Hinz. Prinzenstr. 66.— V. M. 7757. 1. und 2. Nein. — B. Z. 12. Mit einem Arzt sprechen.— Streitfrage. Die Summ- ist wie angegeben, genannt.— S. D. 43. Schreiben Sie an bas Städtische Bauamt.( öctrisst Nord-Südbahn.)— I. G. N. 3923. Technische Hochschule, Charlottenburg, Berliner Straße.— O. K. 218. Die Ursachen können verschieden sein, fragen Sic einen Arzt.— F. T 26. Uns iit die Gesellschaft nicht bekannt.— N. Z. 28. Freier Nuderbund. Geschäftsstelle: Ehartottenburg, Sophie-Charlonen-Straße bei Dolle.— I. M. 100. Der Rhein.— A. H. 57. Die Bedingungen, unter denen Lehrlinge in die Gemeindeverwaltungen eingestellt werden, sind verschieden. Zu erfahren durch direkte Anfrage.— P. P. In der Pslicht-Fortbildungs- schule, Langestr. 33, Dienstag und Freitag von st, 3 Uhr ab.— 31. B. 111. Stistuiigsdeputation des Magistrats, Postftr. kb. Dort erfahren Sic das Nähere.— G. 51. 18. Im Adreßbuch, II. Teit, finden Sie diese Zeil, mgen. —eorockanzüge. Winlerpaletols. Herrenulstcr. Herren. boten. RiesenauSwahl Pelzstolas. Allerbilligstcr Beitenverkauj. Ber- miclungSbett. Nussteucrbetten. Aus- sleuerwäsche. Reichhaltiges Portieren- Inger. Gardmenauswadl. Tevpich- auSwahI. Plüiwtiickidccken. Stepp. dcckenlager. Goldsachen. Taschenuhren. Wanduorcn. Wandbilder. Waren- verlaus ebensalls Sonntags.* Teppiche!(jeblerbasle) m allen Srößcn, jait sür die Hülste des Wertet Tevvichlager Brünti, Hackescher Marti 4, Bahnhof Börse.(Leier des »Vorwärts' erhalten ö Prozent Rabatt.) Sonntags geöfinet!' Bette», Stand 9,—. Brunnen« straße 70, im Keller, 1200R* Setferthähne und Weibchen ver- laust Prinzcssiiinenstraße 12, III links. 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