Ur. 30. Hbonnementz-fteäiWftgkkl: NboiinciucntS- Preis Brämimotnnfi«! Bicrtcljährl. 3,30 Mk,, monatL 1,10 Mk,. wöchcnllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonniaas- iiummci mit illusirierlcr Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Poit- klbonnernenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poji-ZenuugS. PreisUftk. Unter Kreuzband für Dcutichland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Motiat, PostabonnernenlS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die TftffrtjonS'Gfbflfjf Crträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» Zeile oder deren Raum 60 P>g„ für Volitifche und gewerkschaftliche Vereins- und BerfaninrlungS-Anzeigen SO Pig, „Kleine Hnicigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schtafftcllenan- zeigen das. erste Wort 10 Pfg., jedeZ wertere Wort 5 Pfg, Worte über lä Buch- Itabcn zählen für zwei Worte. Inserate lür die nächste Rümmer iinissen bis b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Cridftlnt Wich außsr montags. Vevlinev Volksbl�kt. Telegramm-Adresse: „Ssaiallltmoflkai»irlii»". �entralorgan cler foziAXdcmckrutitthcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moristplaf!, Nr. 198Z. Mittwoch, den 3. Februar 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstraose 69. Fernsprecher: Amt Morifiplatz. Nr. 1984. vor ernsten Lntkcheiclungen. Brüssel» 1. Februar.(Eig. Ber.) Die Entscheidung in der Revisionsdebatte— und mit ihr die Entscheidung über Frieden oder Generalstreik in Belgien— naht. Herr v. Broqueville sprach vergebens viel, um zu versagen. An sänglich diplomatisch verhüllt, wie es die gezierte Staats mannpose dieses aalglatten Ministers liebt, klang das Nein in der Freitagsrede des Ministers schon ganz ungeziert und kräftig durch. Noch steht die Abstimmung aus. noch klanimert sich die Hoffnung derer, die um den Frieden bangen, die der Anwendung der furchtbaren Waffe des Generalstreiks nur unter dem Andrang der letzten, äußersten Notivendigkeit zustimnien wollen, an den Strohhalm einer Einsicht, die die Regierung oder die Männer, unter deren Einfluß sie handelt, noch im letzten Moment ergreifen und die Land und Volk vor endlosen Opfern und schiveren Sorgen belvahren könnte. Die parlamentarischen Vorkommnisse der letzten Tage lassen freilich glauben, daß das Schicksal entschieden ist, daß die Regierung, unbekümmert um ihre sentimentale Versicherung, den„Frieden" des Landes zu»vollen, hartnäckig bleiben und die Arbeiterschaft zum äußersten, zum General streik treiben tvird. In der Tat, ein kurioser Friedensapostel, dieser Herr von Broqueville. Man muß ihn nur genauer besehen. Man muß sich die Phasen und Wendungen der Debatte über die Vcrfassungsrevision so recht vor Augen halten, um die Fricdensgesinuung dieser Regierung in ihrer ganzen Fülle und Qualität kennen zu lernen. Bekanntlich hat Herr von Broqueville mit einer sehr öligen Rede— in der manche Leute den Friedenszweig haben schlvimmen scheu»vollen— begonnen, die das bcruhintc „Giusions"— laßt uns über die Sache plaudern— des Ministers Hclleputte wieder in Schtvung brachte, aber schon die ministerielle z>veite Rede schlug einen anderen, wesentlich kriegerischeren Ton an, der so ziemlich alle günstigen Aus- sichten begrub. Da tvar es dann A n s e e l e. der in einer Prächtig bildhaften, in wahrhaftem Pathos strahlenden Rede den Fehdehandschuh aufnahm und die Broquevillesche Kriegs- crklärung mit einem„Es lebe der Generalstreik" männlich quittierte. Andere sozialistische Sprecher folgten ihm im gleichen Ton. In diesem Stadium der Sachlage nahm der Führer der Liberalen, H y ni a n s, das Wort, um mit eben solchem rhetorischen wie juristisch- politischem Geschick das Pluralsystem abzuschlachten und das Heraufkoinmen des gleichen politischen Rechtes als unabweisliche Notwendigkeit zu demon- slrieren. An diese Rede schloß Hymans, die Verwerfung des sozialistischen Antrags auf Zulassung der Verfassungsrevision zur Tagesordnung vorwegnehmend, den Vermittelungsantrag auf Erneuerung einer parlamentarischen S t u d i e n k 0 in m i s s i 0 n, die die Lösung des gesamten belgischen Wahlrechtsproblems vorbereiten und in die Wege leiten sollte. Dieser Antrag erschien, so wenig er dem Wunsch einer offenen und klaren Lösung der Sachlage entsprechen niochte, doch als ein Ausiveg— oder wenigstens als ein Ver- sprechen und eine Hoffnung auf einen solcken. Diese Hoffnung getvann noch eine präzisere Form, als ein Mitglied der Rechten, der klerikale Deputierte Melot, den Vorschlag H»)- mans aufnahm und ihn als eine für beide Teile zu bewillkomm- nende und befriedigende Lösung sympathischbegr üßte. Von dem Redner persönlich apostrophiert, erklärte hierauf Van der Velde, nachdem er schon seinerzeit ausgesprochen hatte, daß die Arbeiterschaft während der Beratung der Lionstituante»vegen einer der Modalitäten des gleichen Rechtes — ob etwa das Wahlrecht nach den Sozialisten vom 21. oder nach den Liberalen vom 25. Jahre zu gewähren sei— nicht in den Generalstreik treten würde, daß er für seine Person nicht zögern würde, zu einer fried- lichen Lösung auf der Basis des Hymansschen Vorschlages die Hand zu bieten. Und er fügte hinzu, daß»vohl die Delegierten der Arbeiterschaft über einen fornicllen Vorschlag zurzeit zu entscheiden hätten, daß er aber überzeugt sei, daß sie angesichts eines solchen Austveges— wenn das Parlament die Wahlrechtsfragc einer Kommission zum Studium überantlvorte � vom Generalstreik absehen »vürden. So standen die Dinge, als die verknöchertste Intoleranz und Jntransigenz in der Person des altklerikalen Führers W 0 e st e den schtvebenden Vermittelungsfaden mit einer kategorischen, jeden Kompromiß scharf abweisenden Rede zerschnitt. Es war eine Ueber-Broquevilliade von dem Zurück- »veichcn vor der„Drohung", eine pathetische Warnung an die Rechte, sich nicht„von Konzession zu Konzession" treiben zu lassen. Nachgeben in der Wahlrechtsfragc ist Herrn Woeste eine„Abdankung", wie ja auch schon der Kabinettschef die Verwerfung des Antrages auf Diskussion der Verfassungs- revision im Namen der parlamentarischen und gouverne- mentalen Autorität forderte. Nach dem altklerikalen Raben- gekrächz kam dann noch die geschniegelte Salonintransigenz des Ministers zu Worte. der gleichfalls den Weg der „Konzessionsmacherei" ablehnte, zu der ihn Vanderveldes ruchlose Geschicklichkeit verlocken wolle.... Und während Herr von Broqueville nach den Wahlen vom 2. Juni mit großartiger Geste die Regierung Broqueville als eine Rc- Serung der„Mäßigung", frei von Parteigeist und Engherzig- tt, ja als die Regierung vorgestellt hatte, die den Ehrgeiz habe, die Regierung„aller" zu sein, erklärt nun der Minister ein halbes Jahr später, sich nicht von einer Minorität „tyrannisieren" lassen zu wollen.— Und wofür tyrannisieren? Daß die Regierung ettva das allgcineine, gleiche Wahlrecht stracks proklamierte? Durchaus nicht! Daß die Regierung den sozialistischen Antrag, über die Abänderung der Verfassung zu diskutieren, oder»vie es in der umständlichen parlamentarischen Sprache heißt: Die Ver- fassungsrevision zur Tagesordnung zuzulassen, akzeptiere? Noch immer nicht! Es handelt sich wahrhaftig um nichts anderes, als eine„Kommission" zu ernennen, die das Wahlrecktsproblem zu„studieren" hätte! AberHerr v. Broqueville ist ein zu gerissener Staatsmann, um sich von Vandcrvelde und Hynians herumkriegen zu lassen. Es ist ihm nur zu klar,' daß wenn die Regierung A sagt und die Kommission ernennt, sie dann auch dem B der Verfassungsrevision nicht entgeht!— Daher darf nichts„studiert"»verden. Was nun die„Tyrannei" der Minorität betrifft: es ist richtig, daß die Verfassungsrevision von den Sozialisten und Liberalen verlangt»vird. Aber außer dem Klerikalen Melot und dem unabhängigen Klerikalen Theodor, der sich gleichfalls am vergangenen Freitag für die Einsetzung der Kommission nicht nur, sondern für die Wahlreform überhaupt ausgesprochen, zählt die Rechte noch eine Reihe von Gegnern des Pluralsystems, so die Deputierten V�rhaegen, Bethune u. a. und nur die wirklich reaktionäreGruPpe un» Woeste stellt sich starr und unbelveglich gegen die Wahlreform. Sie scheint die Oberhand zu haben. So mag»nan die Situation anfassen, von»vclcher Seite und wie man will, man koinmt zu dem unabiveislichen Schluß, daß die Regierung mit selten unverantwortlicher Frivolität auf die Verschärfung des Zustandes zuarbeitet und die Arbeiter zum Aeußersten treiben»vill. Wohl hat Herr von Broqueville unerinüdlich die„General- streik d r 0 h u n g" ins Treffen geführt, vor der die Regierung, ohne Schaden an ihrem Ansehen zu nehnieu, nicht zurück- »veichen dürfe. Mit der Aufnahine des Antrages Hymans hat die Opposition die Verwerfung des Antrages auf Diskussion der Verfassungsrevision als ein koit accompli hingenommen und der Regierung damit goldene Brücken für eine Ver- ständigung gebaut. Vandervelde hat erklärt, auf keinem knappen Datum bezüglich der Verfassungsrevision zu bestehen, die Frist von einem Jahre, von 15 Monaten zugestanden; er hat quasi Bürgschaft übernommen, daß die Arbeiter»vegen der Altersgrenze in keinen Generalstreik treten»vürden unv er hat endlich der Anschauung Ausdruck gegeben, daß die Einsetzung einer Studienkommission ein Schritt auf dem Wege friedlichen Ver- Handelns werden könnte. Der Geschichtsschreiber, der auf Grund der parlamentarischen Debatten von 1913 diesen Wahlrechts- kämpf der belgischen Arbeiterschaft schreiben tvird,»vird nicht behaupten können, daß ihre parlamentarischen Vertrauens- männer es an Bedachtsamkcit und Besonnenheit der Taktik haben fehlen lassen, um das letzte zu verhindern. Wenn die Regierung nicht im letzten Augenblick den Weg der Ver- Mittelung betritt und die Arbeiter, die seit Monaten in »vunderbarster Disziplin ausgeharrt haben und Getvehr bei Fuß gestanden sind, mit ihrer brutalen Uuvcrsöhnlichkeit zum Generalstreik ztvingt, so wird alle Verantwortung auf diese Regierung zurücksallen, die jeden Versuch einer parlamentarisch- friedlichen Lösung unerbittlich verbarrikadiert hat. Die Arbeiterschaft Belgiens steht indessen auf der Wacht und bereitet sich unablässig und ernsthaft auf das anscheinend Unvermeidliche vor. Donnerstag hat die Brüsseler Föderation über die Lage beraten und anfangs der Woche tritt das all- geineine G e n e r a l st r c i k k 0 m i t e e zur Beratung zu- sammcn.— A»n Dienstag, um zu demonstrieren, daß die Arbeiter unbeeinflußt voni flotten Karncvalstreibcn Brüssels dem Kampf um ihr politisches Recht alle freie Zeit und ihre stete Sorge »veihen,»vird sich die sozialistische Arbeiterschaft vor der Kammer ein Stelldichein geben. Die belgische Arbeiterschaft rüstet— rüstet ernsthaft. Strasieiidc»ionstratio»icn. Brüssel, 4. Februar.(Privattelegramm d e S„Vor« wärts".) Die heutige von der Brüsseler Organisation veran- staltete Demonstration für eine Revision der Verfassung und des Wahlrechts dauerte»vährend der ganzen Sitzung des Parlaments an. Die das Parlament umgebenden Straßen waren alle durch starke Polizeikordons abgesperrt. Die Menge wurde von der Polizei Mcinatisch von der Abspcrrungslinie abgedrängt, um die Massen zu zerstreuen. Gegen 2 Uhr vereinigte sich die Menge unweit der Kammer in der Rue des Colonics, wo die ankoinmende sozialistische Fraktion st ür misch begrüßt wurde. Die Menge zog dann mit der Fraktion durch den dichten Karnevals- trubcl unter Licdersingcn und Rufen, wie„Nieder mit Woeste I", „Hoch der Streik!" und„Revision der Verfassungk", durch die Stadt in das Voltshaus, wo vom Balkon die Abgeordneten Del- Porte und Huysmans smvie der Senator Elbers den Widerstand der Regierung brandmarkten. Die Arbeiter mögen zum Streik bereit sein, aber das Signal abwarten, damit das ganze Proletariat Belgiens den Kampf gleichzeitig und gemeinsam antrete. Die Redner schloffen mit den Worten:„Es lebe der Streik!", die von der Menge brausend wiederholt wurden. Man hatte die Gendarmerie sowie ein kolossales Polizeiaufgebot in Be« reitschaft gestellt..» ver Aieäerbeginn des Kampfes» Dem Ablauf des Waffenstillstandes ist die Aufnahme der Feindseligkeiten auf dem Fuße gefolgt. Vor Adrianopel haben die Bulgaren mit dem Boinbardement begonnen und auch auf der Halbinsel Gallipoli, vielleicht auch vor Tscha- taldscha haben Vorpostengefcchte stattgefunden. Größere Aus- dehnung scheinen die Feindseligkeiten vorerst nicht gehabt zu haben und es bleibt wahrscheinlich, daß Verhandlungen über die Abtretung Adrianopels fortgeführt werden. Der Beginn der Feindseligkeiten. Wien» 3. Februar. Die„Rene Freie Presse" meldet ans Sofia: Ihr Korrespondent erfährt authentisch, daß soeben, nm 8 Uhr 7 Min., die Kanonade von Adrianopel begonnen hat. Von feiten der Regierung wird diese Mit- teiluug bestätigt. Fortsetzung des Bombardeinents. Sofia, 4. Februar. Nach nichtamtlichen Meldungen hat die Beschießung A d r i a n 0 p e l s gestern abend 8 Uhr begonnen und ist mit Unterbrechungen bis heute früh fort- gesetzt»vorden,>vo die Beschießung wieder lebhafter ein- setzte. Einige Stadtteile von Adrianopel sollen in Flammen stehen.(?) Die türkische Meldung. Konstantinopel, 4. Februar, 4 Uhr nachmittags. Ein vom Ministerium des Innern ausgegebenes Coinmuniqus bestätigt. daß die Bulgaren gestern um 7>/z Uhr abends auf der Ost- und Südseite der Festung Adrianopel das Artillerie- und Jnfantcriefeuer und das Bombardement auf die Stadt eröffnet haben. Die türkischen Truppen erlvidcrten das Feuer. In der Stadt herrscht Ruhe. Die Feindseligkeiten haben auch auf der Halb- insel Gallipoli begonnen. Bulgarische Kavallerie griff die türkischen Vorposten an. Es geht das Gerücht, daß heute nachmittag die Feindseligkeiten an der T s ch a t a l d s ch a- linie begonnen hätten. Fortdauer der Verhandlungen. London, 4. Februar. Die„Times" melden aus Kon- stantinopel: Wenn auch die Feindseligkeiten wieder begonnen haben, so schließen diese doch erneute Friedens» Verhandlungen nicht aus. Das Volk ist der Hoffnung, daß der Krieg nur kurze Zeit dauern würde; im übrigen verhält sich das Volk apathisch und erwartet in nächster Zeit bestimmte Resultate. Bulgarische Unterhändler in Konstantinopel? K 0 n st a n t i n 0 p e l, 4. Februar. sMeldung des Wiener K. K. Tel.-Korr.-Bur.j Einem bisher anderweitig nicht be- stätigten Gerücht- zufolge sollen demnächst halbamtliche bulgarische Delegierte in Konstantinopel eintreffen, um über die Lösung der Adrianopeler Frage zu verhandeln. Für die Fremde» Adrianopels. Konstantinopel, 3. Februar. Die Botschafter teilten der Pforte ein Gesuch der Konsuln in Adrianopel um Festlegung einer neutralen Zone mit, in welche die F r e m d e n sich flüchten könnten. Der Großwesir erklärte sich bereit, diesem Ersuchen stattzugeben; vor allem ist jedoch die Zustimmung der Bulgaren erforderlich. Bulgarische Greueltaten. Die„H u m a n i t e", unser Pariser Bruderblatt, beröffent» licht die Kopie eines offiziellen Berichts,' der einem Konsulat in Saloniki erstattet worden ist. Er behandelt die Schreckenstaten, die von den„Befreiern" des Balkans an der mohammedanischen Bevölkerung der okkupierten Gebiete verübt worden ist. Wohl sind es nicht reguläre Txuppen, sondern„Banden", die diese Greuel angerichtet haben, aber diese Irregulären waren für Serben und Bulgaren willkominene Helfer, und sie sind von den militärischen und zivilen Autoritäten geschützt»vorden. Schließlich scheint diesen das Treiben doch über den Kopf gewachsen zu sein, und so ist eS zu erklären, daß sich die bulgarische Regierung jetzt entschlossen hat, gegen einen der schlimmsten Wüteriche, Dumbalakow, dem sogar das Präfektenamt von Langasa anvertraut worden wart vorzugehen. Man hat jetzt ein paar hundert der patriotischen Banditen verhaftet. Man»vird etliche von ihnen vielleicht für einige Zeit in den Kerker stecken, am Ende gar einige, die der Regierung besonders unbequem sind, aus edlem Gerechtigkeitssinn füsilieren. Daß sich aber das Blut und das Elend, das die fest. genommenen Uebcltäter aus dem Gewissen haben, zu dem Blut und Elend des regulären, völlerrechtsgemäßcn,„ritterlichen'' KriegZ tvie ein Tropfen zum Ozean bechält, darüber Mrden sich ordnungsliebende Bürger nicht aufhalten. Der Abglanz der natio- nalen Siegestaten in den vaterländischen Heldcnbüchern ist immer fleckenlos. Der Konfulatsbericht erzählt zunächst einiges von den Serben: Plünderungen, Zerstörungen, Massakers. Die Zähl der albanischen Ortschaften, die von den Serben vollständig oder zum Teil systematisch zerstört worden sind, beträgt 31. Die von Kristo von Kumanowo, Ssiro Diliof von Ucsküb, Alexandrowos von Jstip u. a. geführten Banden plünderten alle Ortschaften der Distrikte Kratovo und Kotschana, steckten sie in Brand und metzelten die gnze mohammedanische Bevölkerung nieder. In Schujovo und Mcscheli wurden alle Türken massakriert, weitere LOO in Vötreni. In Bodganitza wurden 30 Türken in einer Moschee eingesperrt. Nachher ließ man sie heraustreten und machte einen nach dem anderen nieder. Im Distrikt von Kavadar wurden von insgesamt W Dörfern 34 zerstört. Die Türken, die sich zum'Teil durch ein an eine Bande gezähltes Lösegeld gerettet glaubten, wurden von einer anderen Bande niedergemacht. In D r e n e- wo wurden alle Bewohner getötet. Zwischen diesem Ort und Palikura hat man eine Reihe Gräber gefunden, aus denen Köpfe hervorragten. Sie gehören zu den Gemarterten, die lebendig begraben worden sind. Der Bericht geht dann zu den Bulgaren über. D e d o Dutschow. unterstützt von Tanc Nikokolof-Katam- s i l o w und M i ch a i l o w. operierten von der bulgarischen Grenze her. Ueber die Hälfte der Pomak-Bevölkerung(muselmanischc Slawen) wurde getötet, andere zum Empfang der Taufe gezwungen. In vier Dörfern des Distrikts von Toliran wurden alle, die sich der Taufe widersetzten, getötet. In Serres wurde ein bulgarischer Soldat von einem Unbekannten getötet. Die Truppen nahmen das zum Vortvand, die Häuser zu plündern, die Männer zu ermorden, die Frauen und jungen Mädchen zu schänden. Diese Vorgänge dauerten sieben Stunden. In Wisocka, einer Ortschaft von 40V Häusern, lieh der obengenannte Dumbalakow Svo Musel- manen massakrieren. Die Frauen und dieMäd- che n über 13 Jahre wurden vergewaltigt. In einem andern Dorf wurden die Männer in einem Schlachthaus an den Fühen aufgehängt und gleich Tieren ge- schunden. In den Bezirken von Doliran nnd Kilkisch kamen unerhörte Grausamkeiten von. Ein Arzt, Dr. M e d o s ch i d, er- klärte sich zur Taufe bereit, um sein Leben zu retten. Er wurde auf den Namen Nikola getauft und nachher getötet. Seine Frau wurde das Opfer eines bulgarischen Offiziers, der zur Bande ge- hörte. In Kurkolowo wurden alle Männer, Frauen und Kinder getötet. Nur die 20 schönsten jungen Mädchen wurden geschont. Aber sie muhten sich taufen lassen und hernach rissen die„Bctehrer" sie einander aus den Händen. Ein Mädchen, das sich widersetzte, wurde getötet, nachdem sie von der ganzen Bande genotzüchtigt worden war. In Eschekli bei Kilkisch wurden nach der Plünderung und Einäscherung des Dorfes und. der Niedermetzelung der Männer 13 junge Mädchen geschändet und lebend be- graben. In Petrowo ergriff eine Frau, die die Schändung ihrer Tochter ansehen muhte, ein Gewehr und schoh auf die Bulgaren. DaS war das Signal zu einem ollgemeinen, erbarmungslosen Ge- mctzel. Alle Frauen und jungen Mädchen wurden in einem Kaffee- Haus eingesperrt, das hierauf in Brand gesetzt wurde. Keine einzige entkam. Die Frauen und Mädchen von Kurkolowo wurden in einer Moschee verbrannt. Man kann sagen, dah kein einziger von den verbündeten Armeen besetzter Ort verschont ge- blieben ist. Uebcrall sind dieselben Akte wilder Barberci begangen worden und werden noch immer begangen. Die Türken, die in den Hauptorten des Innern gewohnt hatten und dort im Ber- trauen auf die von den Behörden der Sieger gemachten Ver- sprechungen geblieben waren, fliehen und vergrößern die Zahl der FlüKtlistge, die sich in Saloniki gesammelt haben. ein grauer Sünder. In der Sitzung des preußischen Abgeordneteichauses vom 3. Februar d. I. las Herr v. Zedlitz einmal wieder den Fort- schnttleru gehörig die Leviten wegen ihres Wahlbündnisses mit der Sozialdemokratie. Er suchte ihnen zu suggerieren, daß sie von der Sozialdemokratie unwiirdig behandelt würden. ..Die Sozialdemokratie traut ihrern Bundesgenossen so wenig, daß sie alles schwarz auf weiß von ihm haben will," rief er ans. Auf den Zuruf eines sozialdemokratischen Abgeordneten: „Bei Ihnen würde das nicht einmal genügen," antwortete er unter dem Beifall der Rechten stolz:„Sie werden in diese Lage auch niemals kommen." Herr v. Zedlitz hat nicht immer die Ab- ncigung gegen sozialdemokratische Stich- w a h l h i l f e gehabt, die in seinen gestrigen Worten zum Ausdruck gekommen ist. Bei der Reichstagswahl des Jahres 1887 kandidierte er im ersten Berliner Wahlkreis und kam mit dem Freisinnigen Klotz in die Stichwahl. Er er- hielt 7007, Klotz 7882 Stimmen. Den Ausschlag gab die Sozialdemokratie, deren Kandidat 2176 Stimmen erhalten hatte. Für die Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien gab der sozialdemokratische Parteivorstand damals die Parole aus:„Unterstützung derjenigen Kandidaten, die für die Bei- beHaltung des Reichstagswahlrechtes und für die Aufhebung des Sozialistengesetzes stimmen." Zwischen Haupt- und Stichwahl fand nun im ersten Berliner Wahlkreis eine kon- servative Wählerversammlung statt, in der Frhr. v. Z e d l i tz und der damalige konservative Reichstagsabgeordnete, spätere Staatssekretär v. K ö l l e r sprachen. Ueber den Inhalt ihrer Reden berichtet die„P o st" in ihrer Nummer vom 2. März 1887. Danach hat zunächst Herr v. Zedlitz den Versammelten auseinandergesetzt, die Freisinnigen seien so unzuverlässige Menschen, daß ihr Versprechen, für oder gegen ein bestimmtes Gesetz zu stimmen, keinen Anspruch aus Berücksichtigung habe. Wörtlich heißt es in dem Bericht:„Tie, die darauf rechnen, in diesen Freisinnige» die festesten Verteidiger des jetzigen allgemeinen, gleichen, geheimen Wahlrechts und der Auf- Hebung des Sozialistengesetzes zu finden, die könnten sich ge- waltig täuschen, wenn gerade in der Stunde der Entscheidung der populäre Wind anders geht." Man sieht, Herr v. Zedlitz war sehr besorgt darum, die 2176 sozialdemokratischen Wähler des ersten Berliner Reichstagswahlkreises vor einer Ent- täuschung durch seinen freisinnigen Gegner zu bewahren. Es kommt aber noch schöner. Nach Herrn v. Zedlitz sprach Herr v. Kölker. Nach dem Bericht der„Post" hat er unter anderem gesagt: „Und nun noch cinWorlandreSozialde mo k raten. Ich will Ihnen nur eine Frage vorlegen: Glauben Sie wirklich, dah eine Partei, die wie die Freisinnige zerschmettert am Boden liegt, in der Lage sein wird, Ihre teils berechtigten, teils modi- fizicrbaren Wünsche in Erfüllung zu bringen? Wird ein Reichs- tag, der auf nationalem Boden steht und einig ist mit den Per. bündelcn Regierungen, nicht viel eher in der Lage sein, dies zu tu»? Diese Frage legen Sie sich vor, nicht in Persammlungen, wo Sie von Ihren Führern aufgehetzt werden,, sondern daheim bei der Frau und den Kindern, für deren Wrchl Sic zu sorgen haben..... Ich bin der Ueberzeugung, eine große Menge von denen, die sich Sozialdemokraten nennen, würde auch hier ihre Stimmen abgeben für Herrn von Zedlitz, und daran werden sie recht tun im Interesse ihrer Frauen und Kinder." Herr v. Zedlitz war Ohrenzeuge dieses Werbens uni sozialdemokratische Stimmen. Wie verhielt er sich? Trat er Herrn v. Köller entgegen, erklärte er, daß er von Sozial demokraten nicht gewählt sein wolle? O nein, er nahm viel mehr, wie der Bericht sagt,„auch seinerseits Veranlassung, zu erklären, daß er im Falle einer Wahl energisch für die Interessen der Arbeiter ein treten w e r d e". Aber geholfen hat ihm sein Bekenntnis zur Ar beiterfreundlichkeit nichts. Die Sozialdemokraten ließen ihn kräftig durchfallen, und seitdem verzichtet Herr v. Zedlitz auf sozialdemokratische Stichwahlhilfe und ist entrüstet über Parteien, die sie annehmen. Politische(Übersicht. Berlin, den 4. Februar 1913. Polizeiliches. Selbst der begeistertste Lobredner der Polizei wird, wenn er objektiv ist, nicht zu behaupten wagen, dah die Polizei bei der am Mittwoch fortgesetzten Beratung dds Etats des Ministeriums des Innern im preußischen Abgeordnetenhause besonders gut abgeschnitten hat. Namentlich waren es unsere Genossen Ströbel, Lieb- k n e ch t und H o f f m a n n, die zahlreiche Fälle landrätlicher und polizeilicher Willkür zur Sprache brachten und dadurch schlagend bewiesen, daß wir in Preußen in einem Polizeistaat in des Wortes wahrster Bedeutung leben. In eingehender Weise übt« zunächst Ströbel Kritik an der landrätlichen Verwaltimg. Das von ihm beigebrachte Material lehrt, dah die Landräte sich in Preußen als kleine Könige fühlen, die in ihrem Kreise unumschränkt schalten und walten und einen weitgehenden politischen Einfluß ausüben, den sie in konservativem Parteiinteresse mißbrauchen. Nicht weniger scharf war die Kritik Liebknecht? an der Polizciverwaltimg in Berlin, in der noch immer das Lockspitzel- nnwesen in vollster Blüte steht und wo die ausländischen Arbeiter völlig der polizeilichen Willkür unterworfen sind. Kein Wunderl Wie der Herr, so's Gescherr! Dieser Ausspruch unseres Genossen H o f s m a n n ist durchaus zutreffend. Kein anderes Parlament der Welt würde es sich gefallen lassen, daß der verantwortliche Minister auf alle Anklagen der Opposition schweigt. Ja, in keinem anderen Parlament könnte ein Minister auch nur noch einen Tag im Amte bleiben, wenn ihm. wie es Herrn v. Dallwitz passierte, klipp und klar Unwahrheiten nachgewiesen werden. Der Minister hatte gestern dem Polen Korfanty diesen Vorwurf gemacht, aber der gab ihm den Vorwurf zurück, und in der Tat scheint es, als ob der Minister, ge linde gesagt, von seinen Untergebenen falsch unterrichtet worden ist. Einem preußischen Polizeinnnister schadet das allerdings nichts. Im Gegenteil, seine Stellung wird um so fester, je unparlameiitarischer er auftritt, und Herr v. D a l l w i tz, der sich dem fortschrittlichen Abg. Menke gegenüber einfach jede Kritik seiner Ämtshandlungen verbittet, hat bei der reaktionären Mehrheit von vornherein ge wonnencS Spiel. Nach einer fulminanten Anklagerede unseres Genossen Hoff- mann, der die Polizeiverwaltung in den Provinzen zum Gegen stand seiner Besprechung machte und u. a. drastisch illustrierte, wie in Königsberg unter den Augen der Polizei die Ausbeutung der Prostituierten in Bordellen floriert, vertagte das HauS die Weiter- beratung auf Donnerstag._ Schorlemer zum Kottektiviste» ernauut. Wo— sagt das Protokoll des Herrenhauses. Dort sah gestcnr ein hoher Adel sich nicht nur beunruhigt, wie jüngst durch die Einfuhr einiger Eisenbahnzüge mit russischem Fleisch, nein — weggeschwemmt von der roten Flut, die Herr Schorlemer durch sein Wassergesetz entfesselt hat, so daß sie die Wälle deS alten und befestigten GmndbesitzeS umzureißen droht. DaS sind keine rhetorischen Floskeln. So und nicht anders sprachen in öffentlicher Sitzung die Grafen Plettenberg und Droste- Vischering, dessen erlauchter Name sonst wohl nur die Reklamedruck- fachen des Katholikentags ziert. Und warum Räuber und Mörder? Weil das Gesetz die Besitzer von Wasserkräften u. a. verpflichtet, gegen nicht zu knappe Entschädigung sich auch Veränderungen an ihren Wafferläusen gefallen zu lassen, wenn der Betrieb von Triebwerken. die von ihnen bewegt werden, dies erfordert. Dieses bißchen Erfüllung kapitalistisch- industrieller Notwendigkeit ergrimmte den Fürsten zu Salm und Horstmar über alle Maßen und Herr Schorlemer und Herr Eydow, die sonst durch die schönsten Herr-im-Hause-Phrasen die Scharfmacher entzücken, mußten alles Ernstes erklären, daß sie weder Sozialisten sind, noch daß das Wassergesetz den Kollektivistenstaat herbeiführe, kurz, daß sie mit Leinert und Hoffmann in der Tat wirklich weder verwandt nach verschwägert sind. ChovalereSk wie immer, erklärte der Salm-Horstmar, wenn der Industrielle Leute in seinen Park schicken dürfe, um die Wasserleitung für da? Triebwerk nachzusehen, so öffne das dem O b st-, Fisch- und Wilddieb st ohl Tür und Tor. Die Arbeiter werden sich diese Junkerworte wohl merken, wenn die Junker- und Junker- genossen jetzt ihre Stimmen verlangen! Nachdem man sich ausgeschimpft, fanden sich gegen das Gesetz nur— 7 Stimmen. Wandelt sich das Herrenhaus etwa in einen sozialdemokraliichen Parteitag? Wie wird dem Salm, dem Pleiten- berg und dem Droste? Noch eine nette Kleinigkeit ist zu erwähnen. Kardinal Kopp setzte sich für die Aufrechterhaltung gewisser vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Wasserpolizeirechte hannoverscher Städte ein. weil den Hannoveranern für ihre Rechte ein Königöwort verpfändet sei: Und die zeitgemäß e Wahlreform, HerrKardinal? Erst Mitte März tritt das Herrenhaus wieder zusammen. Auf der Tagesordnung stehen die Vorlagen über das Schleppmonopol und die ländlichen Pflichtfortbildungsschulen in den westlichen Provinzen._ Eine Faschingsleistnng. Daß sie mit ihrem das Verbot des Streikpostenstehens fordernden Antrag so glänzend durchgefallen sind, hat die großen Strategen der Konservativen arg verschnupft. Sie hätten gar zu gerne der Arbeiterklasse einen derben Hieb ver- setzt und sich sogleich den großinoustriellen Scharfmachern als die unentwegten Vorkämpfer für das heilige Naturrccht der unbeschränkten Ausbeutung empfohlen, um sich deren zahlungsfähige Gunst zu sichern. Es ist deshalb ganz be- greiflich, wenn jetzt, nach der Ablehnung des Streikposten- Verbots, die konservativen Blätter niit erhöhtem Eifer für den wirksamen schütz der sogenannten Arbeitswilligen gegen den„S t r e i k t e r r o r i s m u s" eintreten und sich die ver- rstcktesten beßtiffsjuristischen Peweissührungen leisten, um darzukun, daß das deutsche Strafrecht höchst mangelhaft ist und dringend der Bereicherung durch einige schöne Para- grapheu gegen den„S t r e i k ü b e r m u t" bedarf. Wie selbswerständlich ist, erweist sich auf diesem Gebiet das ehrsame Organ der Kanitze, Putlitze, Malkewitze, Jtzcn- plitze und anderer„Jtze", die„Kreuz-Zeitung". als weitaus am leistungsfähigsten. In dem Leitartikel ihrer heutigen Morgenausgabe versucht einer ihrer Spezialjuristen unter Aufwendung der kuriosesten Rabulistik nachzuweisen: 1. daß es eigentlich gar keine Ausnahmegesetze gibt, und deshalb auch das geforderte Gfeietz gegen den„sozialdemokratischen Terrorismus bei Arbeitseinstellungen" nicht als Ausnahmegesetz gelten könne: 2. daß, genau genommen,— das deutsche Zivil- und Strafrecht voller Ausnahmegesetze wimmelt, uno es deshalb auch gar nichts ausmacht, wenn noch ein solches Gesetz hinzu- kommt. Den Beweis erbringt dieses juristische Genie des ehemals Hammersteinschen Blattes dadurch, daß er aus dem Bürger- lichen Gesetzbuch und aus dem Strafgesetzbuch allerlei Ab- weichungen von der Regel zusammenträgt und diese als „Ausnahmegesetze" hinstellt, gegen die kein Mensch irgend- welche Einwendungen gehabt habe. Der Kniff ist so kindisch, daß es sich kaum lohnt, ein Wort darüber zu verlieren. Daß im bürgerlichen Recht wie im Strafrecht bei der Vielgestaltig- keit der Verhältnisse Ausnahme- und Sonderbestimmungen notwendig sind, ist selbswerständlich. Solche Ausnahme- bestimmungeu aber mit politischen Ausnahme- g e s e tz e u auf eine Stufe zu stellen, ist Unsinn. Wir würden deshalb auch die ehrsame„Kreuz-Zeitung" un- geschoren lassen, wenn nicht einzelne Ausführungen so be- lustigend sind, daß wir sie als Beitrag zur Faschingsheiterkeit unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. So heißt es zum Beispiel in dem ersten Teil des Artikels, wo nachgewiesen werden soll, daß es gar keine Ausnahmegesetze gibt, sondern „das Ausnahmegesetz lediglich ein juristi- scher Schulbegriff" sei. Und weiter dreLexParsifall Ein Schutzgesetz für ein einzelnes Bühnenwerk stellt sich auf den ersten Blick als der reine Typus des Ausnahmegesetzes dar. Aber weit gefehlt, daß das von den Verfechtern des Vorschlages anerkannt würde. Man hat nicht bloß versucht, dem Gesetzesvorschlage eine allgemein gehaltene Form zu geben, man vertritt auch mit voller Wärme der Ueberzeugung den Standpunkt, daß die Ausnahmestellung hier nicht im Gesctzcsschutz liege, sondern in dem weihevollen Charakter der Bühnenwerkes und in der von seinem Schöpfer für die Aufführung gegebenen Bestimmung, die eine besondere gesetzliche Berücksichtigung erforderten. Aehnliche Beispiele lassen sich noch viele geben, von den Gesetzesakten republikanischer Gemeinwesen an, durch die die Angehörigen entthronter Dynastien aus dem Heimatlande ver- bannt werden, bis zu den zahllosen Sondervorschriften auf dem Gebiete des öffentlichen und des Pribatrcchtes, die der Eigenart gewisser Verhältnisse Rechnung zu tragen bestimmt sind. In derselben Spalte unten kommt dagegen derselbe Ge» setzeskundige zu der Ansicht, daß eigentlich die ganze deutsche Gesetzgebung aus Ausnahmegesetzen bestehe. Er sagt wörtlich: „So ist denn unsere ganze Gesetzgebung von Bestimmungen durchsetzt, über deren Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit kein Zweifel besteht, die aber rechtlich den Charakter von Ausnahme- gesetzen tragen." Was für Ausnahmegesetze sind das? Das juristische„Kreuz-Zeitungs"-Genie sieht in seiner Weisheit eine solche naseweise Frage voraus und erklärt: Die eine Gruppe umfaßt Fälle, wo eine an sich straf» bare oder doch unsittliche Handlung durch die Verletzung emeö besonderen Pflicht- oder Vertrauensverhältnisses in besonderem Maße strafwürdig wird. Dahin gehören zum Beispiel gewisse SittlichkeitSverbrechen oder Vergehen von Beamten, Geistlichen, Lehrern, Aerztcn, ferner Körperverletzung, Nötigung, Freiheits- beraubung, Unterschlagung, Hausfriedensbruch, die in Mißbrauch der Amtsgewalt begangen sind. Eine weitere Gruppe enthält Straftaten, die ihrem Begriffe nach gewisse persönliche Eigenschaften des Täters vor- aussetzen, zum Beispiel Rechtsbeugung, Bestechung, Unterlassung der vorgeschriebenen kaufmännischen Buchführung. Verletzung der Wehrpflicht oder der Zeugen- und Geschworenenpflicht. Bei der dritten Gruppe tritt der Charakter eines Ausnahmegesetzes ganz besonders hervor. Es handelt sich da um Handlungen, die an sich straffrei, nur gewissen Tätern gegen- über verfolgt werden. So wird die Offenbarung von Privat- geheimnissen nur bei Rechtsanwälten, Aerztcn, Verteidigern. Notaren usw. bestraft, nicht bei Beamten oder bei Privat- Personen sß 300 St.-G.-B.). So ist denn bewiesen, erstens, daß es eigen t- lich gar keine Ausnah in egestze gibt, und zweitens, daß es außerordentlich viele Ausnahmegesetze gibt. Doch das genügt der be- grisfsjuristischen Leistungsfähigkeit des scharfsinnigen Herrn noch nicht. Er beweist drittens auch noch, daß nicht das Ver- bot, sondern gerade das N i ch t v e r b o t des Streikpostenstehens ein Ausnahmegesetz darstellt. Pathetisch erklärt er dann zum Schluß:„Umgekehrt wäre es eine neue und äußerst bedenkliche Besonderheit. wenn der Gesetzgeber aus Scheu vor dem Schemen des Ausnahmegesetzes ein aus achlichen Gründen geböte nesVorgehen von ich ablehnen wollt e." Wahrscheinlich ist der Artikel gestern der„Kreuz- Zeitungs"-Redaktion aus Köln zugegangen, wo Rosenmontag gefeiert wurde: ober muß sie sich denn auch noch von dort Faschingsartikel schreiben lassen? Die Gelegenheitsleistungen der Kalcksteine und Zepeline genügen doch. Die Wünsche der Großindustriellen. Der Zentralverband deutscher Industrieller hat sich in seiner letzten Ausschuhfitzung sowohl mit dem verbot deS Streikposten- tehenS als auch mit dem Gesetzentwurf über die Aenderung der Konkurrenzklausel beschäftigt. So sehr der Verband auf der einen Seite die ablehnende Haltung des Reichstages zum Verbot des Streikpostenstehens verurteilt, ebenso lebhaft tritt er für die Beibehaltung der Konkurrenzklausel. ja für eine Verschärfung deö Znstandes auf diesem Gebiete ern. Er verlangt außer der Konventionalstrafe noch Ersatz eines weiteren Schadens. In der Enlschließung heißt es nach ven.Berliner Politischen Nachrichten': „Die Versammlung hält eS für geboten, daß allgemein gegen alle Handlungsgehilfen ohne Ausnahme im Falle der Verletzung der Konkurrenzklausel ein Anspruch aus Erfüllung oder neben der Konventionalstrafe auf Ersatz des weiteren Schadens gegeben wird, daß ferner der neue Prinzipal neben dem das Konkurrenz» verbot verletzenden Handlungsgehilfen für Vertragsstrafe und weiteren Schadenersatz als Gesamtschuldner haftbar ist, weim er gewußt hat oder wissen mutzte, daß der Handlungsgehilfe durch den Eintritt in seinen Dienst, eine bestehende Karenzderpflichtung verletzt." Werden die Handelsangestellten den Herren, die am liebsten die völlige Versklavung der Angestellten und Arbeiter haben möchten, hierauf die richtige Antwort geben? Ein Nasenstüber für Kardorff junior. Der Eproh und parlamentarische Erbe des Scharfmachers und Gründers v. Kardorff, Herr v. Kardorff junior, hat von der„Karlsruher Zeitung" einen offiziösen Nasenslüber er» halten. Herr v. Kardorff der Jüngere hat im Abgeordneten- hause am 31. Januar Baden wegen seiner allzu„demokratischen" Wahlreform und der allzu konzilianten Haltung seiner Regierung der Sozialdemokratie gegenüber derb gerüffelt und es hierauf zurück- geführt, dah Baden mit seiner frevelhaft volkstümlichen Politik die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen ganz unVerhältnis- mäfiig vennehrt habe. Die.Karlsruher Zeitung" weist nun in halb- amtlicher Auslassung diesen Angriff des längsten Redners der kleinsten Partei des Abgeordnetenhauses als unbefugte Einmischung in einzelstaatliche Angelegenheiten zurück. ES ist possierlich, dafi Herr von Kardorff, der sich in der preußischen Duma über die Eingriffe des Reiches in preußische Landes- angelegenheiten so entrüstete, nun von einem anderen Bundesstaat darauf aufmerksam gemacht wird, daß sich diese anderen Bundes» staaten die arrogante Kritik deS preußischen Scharfmachers entschieden verbitten!_ Wahlrechtsverschlechterung in Schwarzburg-Rudolstadt. Die schon angekündigte Wahlrechtsverschlechterungsvorlage wurde am Dienstag von der Regierung dem schwarzburg-rudolstädtischen Landtage überreicht. Der Landtag soll künftighin aus 24 Ab- geordneten, bisher 16. bestehen, und zwar aus je einem Vertreter 1. der Staats« und Gemeiudebeamten. Geistlichen und Volksschullehrer, 2. de« Handels und der Industrie, 3. der Land» Wirtschaft, 4. deS Handwerks. S. der Arbeiterschaft, 6. der Steuer- zahler mit höherem Einkommen, 7. der Stadt Rudolstadt, 8. der übrigen Städte der Oberherrschaft, S. der Landgemeinde deS Land» ratsamtSbezirkS Rudolstadt, 10. der Landgemeinde deS LandratSamtS- bezirkS Königssee. 11. sämtlicher Gemeinden der Unterherrschaft, 12. aus. einem Rechtskundigen. Der Rest von 12 Abgeordneten soll auS allgemeinen Wahlen hervorgehen. Das Wahlrecht soll ferner insofern verschlechtert werden, daß die Wahlberechtigten ein Jahr laug im Besitz der schwarzburg-rudol» städtischen Staatsangehörigkeit sein müssen, sechs Monate ihren Wohnsitz am Orte der Listenaufstellung haben und mit den Gemeinde» und StaatSsteuern nicht länger als ein Jahr im Rückstände sind. Außerdem soll jeder über öS Jahre alte Wähler eine Zusatzstimme erhalten. Die Obstruktion soll nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Der Landtag soll beschlußfähig sein, wenn tvenigstenS zwei Drittel der Abgeordneten anwesend sind. Wenn infolge Beschlußunfähigkeit des Landtag? eine gültige Abstimmung über eine Regierungsvorlage nicht stattfinden kann, soll innerhalb einer Woche eine erneute Beschlußfassung herbeigeführt werden. in der nur die Hälfte der Abgeordneten anwesend zu sein braucht. Bei Abänderung deS Grundgesetzes bedarf es der Anwesenheit von drei Viertel der Abgeordneten und der Zustimmung von zwei Dritteln der abstimmenden Abgeordneten. Wenn die Zeiten nicht so ernst wären, möchte man an einen Fastnachtsscherz glauben, den sich die Regierung mit der Mehrheit deS Landtages erlaubt._ Karnevalspolitik in Elsast-Lothringen. AuS Straßburg kommt die Nachricht, daß der dortige Polizeipräsident, zum Entsetzen aller Hurrapatrioten, das Singen von Nationalhymnen während der FastnachtStage v e r- boten habe. Anscheinend richtet sich das Verbot in erster Reihe gegen das Singen und Spielen der französischen National- Hymne, der Marseillaise, und des bei den Tlsoß-Lothringern und— Wilhelm II. beliebten französischen Militärmarschcs„8»inKr» et Meuse" und der„Marche Lorraine". Aber einem gesunden praktischen Sinne und einer anerkennenswerten Regung der Parität folgend hat die Polizeibehörde der reichsländischen Hauptstadt zu- gleich, um jeden Anreiz zu solchen, wie er zu glauben scheint Vater- landsfeindlichen Kundgebungen von vornherein auszuschließen, auch den Gesang deS.Heil dirim Siegerkranz" über die FastnachtSzeit kurzerhand verboten, fo daß in zahlreichen Wirt- fchaften an den Karnevals tagen das folgende Plakat prangte: „Laut P o l i z e i v o r s ch r i f t ist in den Karnevalstagrn fol- gendes strengstens verboten: 1. Das Spielen und Singen von National» Hymnen sowie demonstrative Lieder und Märsche; 2. Das Tragen von militärischen und geist- l i ch e n Uniformen, Fahnen, deucn ein demonstrativer Zweck zugrunde liegt. Zuwiderhandlungen haben strengste Bestrafung zur Folge." Und da soll ein Vaterlandsfreund in der Westmark nicht in Aufruhr geraten I Empört schreibt die bürgerlich-demokratische«Straß- burger Neue Zeitung": „Am 27. Januar sollen wir„Heil Dir im Siegerkranz" fingen und am 1. Februar wird eS verboten. Da soll sich ein anderer auskeimen als wir. Im übrigen sind wir gute Patrioten und lassen uns vom Wirt unserer Stammkneipe auf keinen Fall ver- bieten, ob wir die Nationalhymne singen wollen oder nicht, und so erklären wir rund herau«: Wir haben am 27. Januar„Heil Dir im Siegerkranz" gesungen und wir singen morgen und über» morgen: Falchingsheil 1" Es lebe die bürgerliche Demokratie mit.Heil Dir im Sieger- kränz" am Fasching!_ Qngarn. Bor dem Generalstreik. Budapest, 3. Februar.(Eig. Ber.) In Ungarn wird intensiv an den Vorbereitungen für den Generalstreik ge- arbeitet. Am letzten Sonntag fanden wieder in der Provinz 22 Versammlungen statt, in lvelchen die Bürgerschaft sich mit den Arbeitern solidarisch erklärte. Am Donnerstag, den 6. Februar, beginnt der Parlamentsausschuß seine Beratungen über das WahlrechtSgesctz. Aus diesem Anlaß hat der Partei- vorstand für Mittwoch abend in der Hauptstadt und Umgebung 41 Volksversammlungen einberufen, da angenonimen wird, daß der Generalstreik schon am 6. Februar seinen Anfang nimmt. Der Parteivorstand verschickt heute wieder ein Flug- blatt nach allen Gegenden, welches die Aufschrift trägt: „Rüstet zum Generalstreik!" Dies Flugblatt wird in ungari- scher, deutscher und slawischer Sprache herausgegeben. Am Sonntag beschloß der Fabrikantenbund eine Eingabe an den Reichstag, worin er die Regierung auffordert, in das neue Wahlgesetz die Bestimmung aufzunehmen, daß jeder industrielle Arbeiter, der das 24. Lebensjahr erreicht hat und zwei Jahre in einer Gemeinde seßhaft ist. das Wahlrecht besitzen soll. In einem hauptstadtischen Bezirk ist durch das Ableben eines Abgeordneten eine Neuivahl notwendig. Sämtliche oppositionellen Parteien beabsichtigen, dort einen Kandidaten gegen die Regierung aufzustellen, und der Sieg der Opposition ist geiviß. Großes Interesse wird auch der Verhandlung entgegen- gebracht, die am 17. Februar ihren Anfang nimmt. Bekannt- "ch hat der gewesene Staatssekretär Desh im vorigen Jahre den Ministerpräsidenten Lukacz mit dem Titel belegt, daß er der größte Panamist der Welt sei. Der Ministerpräsideni Hai die Klage gegen Desy erhoben. Hauptstädtische Blätter ver- öffentlichen jetzt Desys Beweismaterial. Seine Beschuldigungen zerfallen in fünf Hauptgruppen. Die erste bezieht sich auf einen mit der Ungarischen Bank- und Handelsgesell- schaft abgeschloffenen Vertrag über die Pachtverlänge- rung des Salzgefälles, den Lukacz seinerzeit als Finanz- minister, wie Desy behauptet, unter der Be- dingung verlängert haben soll, daß die Bank drei Millionen Kronen, die sie dem Aerar hätte abführen sollen, der Wahl- kasse der nationalen Arbeitspartei überlasse. Unter ähnlichen Bedingungen sollen auf die Südfrüchteauktion und die Unter- stützung der Hausindustrieartikel bezügliche Verträge ver- längert worden sein. Die zweite Gruppe bezieht sich auf Geldsendungen an die Obergespane, die dritte auf eine Affäre der Pakettransportgesellschaft, die vierte auf den Verkauf eines Hauses des Herrn v. Lukacz an den Staat, die fünfte auf die Stellung des Herrn V. Lukacz als Präsidenten der Klassenlotteriegesellschaft. Ein offiziöses Communiquö versucht, diese Anklagen mit der Behauptung zu entkräften, daß Desy längst erledigte und erörterte Angelegenheiten neu aufwärme. Die Hauptverhand- lung wird ja erweisen, wer recht hat. Italien. Blutig« Unruhe« und Generalstreik in Neapel. Genua, 4. Februar. lPrivattelegramm des„Vorwärts".) In Neapel, wo durch eine Regierungsverordnung die kommunale Verzehrsteuer um fünf Millionen jährlich erhöht wurde, ist es zu Unruhen gekommen. Vierzig Personen wurden verwundet, darunter Soldaten und Polizisten; 100 Verhaftungen wurden vor« genommen. Der General st reik wurde erklärt und soll so lange fortgesetzt werden, bis die Stadtverwaltung zurücktritt. Spanien. Anärchistenhetze in der liberalen Acra. Paris, 4. Februar. Nach einer der„Agcnce HavaS" über Ccrbere zugegangenen Meldung aus Hurtva wurde daselbst eine „anarchistische Verschwörung" gegen die spanische Regierung ent- deckt. Drei Anarchisten wurden verhaftet, und zwar der Lehrer an der von Jerrer in Barcelona errichteten modernen Schule. Francisco Sanchez, dann ein gewisser Emiliano Barral und der Portugiese Antonio Oliviera. England. Beinahe eine neue Niederlage. London, 4. Februar, silnterhaus.) Die Regierung hätte heute nachmittag bei der Beratung des Gesetzes betreffend die Trennung der Kirche vom Staat in Wales beinahe eine Niederlage erlitten. Der AbänderungSantrag der Opposition, durch den die Einziehung von kirchlichen Pfründen eingeschränlt werden soll, wurde nur mit 248 gegen 220 Stimmen ab- gelehnt. Die Unionisten waren in unerwarteter Stärke erschienen und als die Abstimmung erfolgte, herrschte große Auf- regung. Als endlich das Abstimmungsergebnis bekanntgegeben wurde, gaben die Ministeriellen ihrer Erleichterung durch Beifallsrufe Ausdruck, während die Oppositionellen riefen, man solle die Bill fallen lassen. EKlna. Endgültiger Abschluß der Sechsmächte-Anleihe. Peking, 4. Februar. Die Sechs in ächte-Anleihe ist nunmehr zum Abschluß gekommen. Die Anleihe führt den Namen „Slüprozentige ReorganisationS-Goldanleihe der chinesischen Re- gierung von lgt3". Der Anleihebetrag ist 25 Millionen Pfund Sterling(500 Millionen Mark). Die Banken werden Sl-'prozen- tige Gotdbonds ausgeben. Mit einigen unwesenilichen Vorbehalten soll der Anleihebetrag ausschließlich für folgende Zwecke verwandt werden: Erfüllung der Verbindlichkeiten der Zentralrcgierung, Rücklauf der ausstehenden Provinzialanleihen, Bezahlung von Ent- schädigungen für die Verluste, die infolge der Revolution entstanden sind, Entlassung der Truppen, Rückkauf eines bestimmten Betrages von Roten der Zentralregicrung und der Provinzen, Zahlung der laufenden Verwaltungsausgaben und Reorganisation der Beb- waltung der Salzzölle. Die Bankengruppe verpflichtet sich, zwei Millionen Pfund Sterling sofort vorzustrecken, woraus sie Schatz- scheine in Kürze ausgeben wird. Die Anleihe läuft auf fünfzig Jahre, jedoch hat China das Recht, sie nach sechsmonatiger Kündi- gung al pari zu konvertieren oder zurückzukaufen. Der Rückkauf der Anleihe beginnt nach fünfzehn Jähren. Der Uebcrnahmepreis der Anleihe ist 6 Proz. unter dem Nominalwert der Bonds, die in London nicht unter Sülh Proz. und in Paris nicht unter 97� Proz. ausgegeben werden sollen. Die chinesische Regierung verpflichtet sich, innerhalb der nächsten sechs Monate keine weitere Regierungs- anleihe aufzunehmen und auch keine Anleihe abzuschließen, für die die Salzzölle haften, ohne der ScchSmächte-Bankengruppe ein Optionsrecht zu gewähren. Ein Teil des russischen Anteils an der Anleihe soll in Belgien emittiert werden, während der japa- nische Anteil, wie erwartet wird, zum großen Teil in London emittiert werden wird. Die Ernennung deS Dänen Olsen, frühe. ren ZollkommissarS in Tientsin, zum zweiten Generalinspektor der Salzsteuer und die Ernennung des Deuffchen Komp zum Super- revisor der chinesischen Rechnungskammcr ist bestätigt worden. Für da« Anleihedepartement, das China einrichten will, wünscht es die Ernennung eines italienischen Jinanzmannes von euro. päischem Ruf. Der Anleihevertrag wird von den Vertretern der Banken, dem Premierminister und den Ministern deS Aeußern und der Fi- nanzen unterzeichnet werden. Tie Anleihe ist von der ersten AuS- gäbe der Bonds zu datieren. Die Anleihe ist durch die Salz- steuer völlig gedeckt. Da auch alle künftigen Ueberschüsse der Seezölle für den Dienst dieser Anleihe verwendet werden sollen, so wird eine entsprechende Summe von der Salzsteuer für sonstige Bedürfnisse der chinesischen Regierung verfügbar. Wenn die Lage des Geldmarktes oder andere Ursachen die Ausgabe der Bonds verzögern, so wird die Bankengruppe China weitere zwei Millionen im Februar und drei Millionen im März vorschießen. China hat eine Rcchnungskammer für die Anleihe und ein Jnspektorat für die Salzsteucr einzurichten. Die Salzsteuer wird reorganisiert werden. In die Verwaltung der Salzsteucr wird kein Eingriff stattfinden, solange die Verpflichtungen regelmäßig erfüllt werden. Aber wenn Rückstände eintreten, wird die Verwaltung der Salz- steuer nach einer angemessenen Frist von der Seezollverwaltung ausgeübt und die Einnahme für Rechnung und im Interesse der Gläubiger verwaltet werden. Bis zur Reorganisation der Salz- steuer verpflichtet sich die chinesische Regierung, daß drei Provinzen monatlich Summen in Höhe der Verpflichtungen an die Banken zahlen werden. Diese Zahlungen sollen aushören, wenn die Salz- steuer in einem Jahre ausreicht, den Dienst der Anleihe zu decken. Vorbereitungen für einen Feldzug gegen die Mongolei. Mulden, 4. Februar. Wie der Petersburger Telegraphen- Agentur aus chinesischer Quelle gemeldet wird, erhielt der General- göuberneur Aus Peking den eüdgültigcn Plan beireffend das Verfahren in der Mandschurei und Mongolei. Dem Befehlshaber der Armee und den in der Mandschurei und Mongolei befehligen- den Offizieren wird vorgeschrieben, die für die Operationen in der Mongolei nötigen Truppen allmählich an die Grenze der Nord- Mongolei zu verlegen. Als Zeitpunkt für den Beginn der Ope- rationen ist der März bestimmt. Huö der Partei. Kauf sozialdemokratischer Wahlstimmen. In Wandsbek war im vorigen Sommer ein Oberbürgcr- meister zu wählen. Die Wahl war auf Lebenszeit ausgeschrieben worden, weil man annahm, daß der alte, für das Bürgertum durch Wahlrechtsraub und andere Dinge verdiente Oberbürgermeister Rauch wiedergewählt würde. Aber eine Gruppe bürgerlicher Poli- tiker war dem alten Herrn aus persönlichen Gründen gram und während das ganze Bürgertum die Vorbereitungen für einen Fackel- zug aus Freude über die Wiederwahl des alten Bürgermeisters traf, lieh sich die Mehrheit desselben Bürgertums gegen Rauch ge- Winnen. Auf Lebenszeit gewählt wurde der junge Bürgermeister Fischer aus Forst. Das Unglück konnte dann wegen eines Form- fthlers noch korrigiert werden und bei einer zweiten Wahl wurde der Bürgermeister Rodig-Potsdam gewählt. Wegen der sonderbaren Formen, in denen die Fischerpartc'r bei dem ersten Wahlgange agitiert hatte, mußte sich jetzt der Tier- arzt H a r t m a n n vor dem Landgericht Altona verantworten. Der Staatsanwalt hatte im öffentlichen Interesse An-' klage wegen Beleidigung des sozialdemokrati- schen Stadtverordneten Bruhns erhoben. Als Zeuge sagte Bruhns aus, am 15. Mai lurz vor der Wahl sei Hartmann zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, wie sich die sozialdemo- kratische Partei zu der Wahl stelle. Bruhns verweigerte die Aus- kunft, da die Beschlüsse geheim zu halten seien. Nachdem noch hin und her geredet, rückte dann Hartmann mit folgendem Angebor heraus: Es stünden Bruhns 1000 M. für die sozial- demokratische Agitationskasseund 200 M. a l s Lohn für seine Bemühungen zur Vcrfügung, wenn es ihm gelinge, die sozialdemokratische Partei oder w e n i g st e n s 250 sozialdemokratische Wähler zur Wahl Fischers zu bestimmen. Bruhns wies diesen Be- stcchungsversuch natürlich entrüstet zurück. Zwei bürgerliche Herren hatten während der Unterredung bei Bruhns die von ihm ber- waltete Ortstrankenkasse revidiert und sie sagten aus, daß Bruhns sehr erregt zu ihnen ins Zimmer getreten sei und auf ihre Fragen von dem Bcstcchungsversuche erzählt habe. Aber der Angeklagte leugnete. Er habe sich im Auftrage des Fischerschcn WahlkomitecL nur nach der Stellung der Sozialdemokratie erkundigen wollen. Erst als er keine befriedigende Antwort erhalten, habe er ganz am Schluß und, wie er selbst sagt, ganz unvermittelt ohne Anlaß einen „Bluff" gebraucht und von den 1000 M. gesprochen, mit denen nun tüchtig agitiert werden müsse. Wie er zu der unsinnigen Aeuße- rung kam, weiß er selbst nicht anzugeben. Der Staatsanwalt sah darin auch nur faule Ausreden und beantragte zum Schutze der Reinlichkeit der Wahlen eine Geldstrafe von 150 M. Rechtsanwalt Dr. Herz, der Vertreter von Bruhns, schloß sich dem Antrage auf Bestrafung an. Aber das Gericht fand in den alten Protokollen noch eine kleine Unstimmigkeit zu der jetzigen Aussage von Bruhns. Es handelte sich zwar um eine Nebensächlichkeit, die mit dem Thema nichts zu tun hat. Aber das Gericht zog daraus den Sckstuß, wenn auch die Wahrhaftigkeit Bruhns nicht angezweifelt werden könne, sei doch immerhin die Möglichket eines Mißverständnisses nicht-aus- geschlossen. Deshalb wurde Hartmann freigesprochen. polireittefie», Gerichtliches tikw* Zu sechs Monaten Gefängnis wurde am Sonnabend der verantwortliche Redakteur der„Dziennik Robotniczy", unseres polnischen Parteiblattes, Thcophil Blott aus Kattowitz, von der Strafkammer in Beuthen verurteilt. In einem Artikel soll zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert, das Kasernenleben verächtlich gemacht und die Offiziere sollen beleidigt worden sein. Hua Industrie und Kandel. Kapitalsanlage in Deutschland. Eine Berechnung in der„Franks. Ztg." sucht festzustellen, welche Kapitalien jährlich in Deutschland zu produktiven und kommerziellen Zwecken bereitgestellt werden. Die Statistik kann allerdings nur den Teil der Kapitalsanlaae erfassen, für de» eine besondere juristische Form sAltiengesellschast, Gesellschaften m. b. H.) gewählt wird. Die Hingabe von Kapitalien aus rein privatem Wege ist in der Auf- stellung nicht enthalten. Aber trotzdem gibt die Statistik ein Bild von der Bewegung der Kapitalsanlagen, scheidet man nach fest- verzinslichen Werten(Staalspapieren, Kommunalanleihen, Pfand- briefen und Jndustrieschuldverschreibungenj und Dividendenpapieren sAktien), so wurden angelegt: 1901/2 1906/6 1907/8 1908 1909 1911 1912 Millionen Mark FestverzinSbar 2193 2712 2234 3210 3813 2494 2726 Aklic»... 398 9V5 919 815 1053 972 1276 Insgesamt. 2591 3707 3153 4025 4866 3466 4002 Bei aussteigender Konjunktur werden Aktien bevorzugt, da sie hohe Erträgnisse erwarten lassen. Während oder nach einer Krise. in der die Dividendenpapiere durch ausbleibende oder niedrigere Er- trägnisse entwertet werden, bevorzugt der Kapitalist die Anlage in Papieren, die ihm eine feste, von vornherein garantierte Rente bieten. DaS Jahr 1908 z. B. zeigt bei einer Zunahme der Gesamt- anlagen einen Rückgang bei de» Aktien. Neben diesen durch den Konjunkturverlauf bedingten Schwankungen ist deutlich eine allgemeine Tendenz in der Bevorzugung der Aktien erkennbar. Das erklärt sich einmal durch die starke Entwickelung der deutschen Industrie in dem letzten Jahrzehnt, die not- wendig einen vermehrten Kapitalsbedarf hervorruft. Aber hinzu tritt auch das subjektive Bedürfnis des Kapitalisten nach mög- lichst hoher Verzinsung seines Kapitals. Auch der Bedarf des Reiches, der Bundesstaaten und der Kommunalverbände an Anleihen ist stark gestiegen. Aber bei der Bevorzugung von Dividenden- papieren durch die Kapitalisten wird es den öffentlich-rechtlichen Verbänden immer schwieriger, ihren Geldbedarf zu decken. Versicherung gegen Fahrkartenverlust. DaS Versicherungswesen kennt keine Schranke für ihre Tätigkeit. Zu den neuesten Unfällen, und Verlusten, denen fich die Versicherung jetzt annehmen will, ge- hört der Fahrkartenverlust. Da die Bahnverwaltungen, die Straßen- bahnen usw.-für Monats- oder Jahreskarten bei Verlust keinen Ersatz leisten, derartige Verlustfälle aber fast täglich vorkommen, fo ist dem „Archiv für Vcrsicheruiigswissenschast" zufolge die Allgemeine Unfall- Versicherungsgesellschaft in Wien auf die Idee gekommen, diese neue Versicherung in ihren Tätigkeitsbereich miteinzubeziehen. Die Gesell- schast zahlt nach ihren VersicherungSbedingungen nicht Geld aus, sondern verabfolgt eine Ersatzkarte. Um nicht zur Unachtsamkeit an- zuregen, verfällt die Versicherung jedesmal bei einem Schadenersatz. Eine Bereinigung der städtischen Milchgroßbetriebe Deutschlands ist in Berlin gegründet worden. Den Vorsitz übernahmen der Direktor der Molkerei C. Bolle A.°G. und der Direktor der Zentral- mölleret Hannover. In der osfiziellen GründungSnotiz verweist die Berciniginig auf das Bestreben der Milchgroßbetriebe, die Bevölke- rung mit Milch von einwandfreier Beschaffenheit zu versorgen, sagt aber nichts über ihre wirtschaftlichen Ziele, die doch offenbar der Vereinigung weit mehr am. Herzen liefen als die Sorge für die Konsumenten. Hoffentlich tritt die Bereinigung nicht mit einer neuen Preissteigerung hervor. GcwerkfchaftUcbca. Scharf macber-Hrchcnnittwocb. In dem soeben erschienenen Geschäftsbericht der H a u p t- st e l l e deutscher?brbeit gebe r verbände wird mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit der Ilutcrstiitzung der Gelben in der deutschen Ärbciterbelvegung betont. ..Die Arbcitgeberschaft kann eine Richtung unter der Arbeiter- schaft, die die sozialdemokratische VerhetzungSpraxis nicht nur mit Worten, sondern wirklich mit einer ihr entgegengesetzten Praxis bekämpfen will, mir begrüßen. Es zeugt von einer unheilbaren Verranntheit in getoerkschastliche Ideen oder von einer offensicht- kichcu Unehrlichkeit, wenn dem Arbeitgeber aus einer Forderung solcher w-i r t s ch a f t s s r i c d l i ch c r Bewegung ein Vorlvurs gemacht wird. � Dieser Ncucniwickelung wirlschaftsfriedlicher Bestrebungen steht leider eine Ncuenttvirkelung radikaler wirtschaftS st ö r e n d c« Tendenzen unter der A nge st eilten- schaft gegenüber. Dem Vuj'.d technisch- industrieller Be- amten ist der Verband deiuscher Techniker nachgefolgt. Im kaufmännischen Lager ist neben dem Bunde kauf- ni ä n n i s ch e r Angestellten, der eine Gründung des Bundes der technisch-industriellcn Beamten ist, eine neue Gewerkschaft im Allgemeinen Verbände der Deutschen Bankbeamten cnt- standen. Auch in die übrigen Vereine— in Industrie und Handel sind von etwa 1 2(>l> 000 Angestellten rund 720 000 organisiert— frißt sich der Gewerksckaftsgedanke offen und heimlich immer inchr ein. �Es gilt vielfach schon als rückständig, wenn ein Verein neben Angestellten auch Prinzipale als Mitglieder zuläßt. DaS ist jeden- falls eine treffliche Illustration zu dem gewünschten Aus- gleich der Klassengegensätze. Es ist nicht rntfcrnt ein Angriff auf das Kvalitionsrccht— abgesehen davon, daß es ei» solches Recht gar nicht gibt— wenn der Arbeitgeber Elcuicnte, die sich in bewußtem Gegensatz zu ihni stelle», nach Möglichkeit vom Betriebe fernhält, s!) Das ist vielmehr eine Wahrung seines Hausrechts und ein Gebot der Sclbstcrhaltung: der kategorische Imperativ der Pflicht für ihn als den für das Unternehmen der- antwortlichen Leiter. Wäre der Vorwurf berechtigt, dann müßte er auch gegen den Staat erhoben werden, der jetzt in erfreulicher Energie dazu übergeht, solche Angestellte, die sich Angestellten« gewerkschaften angeschlossen haben, von der Beschäftigung in Staatsbetrieben auszuschließen. Wir haben gezeigt, daß es starke Schlachtreihen sind, die sich dem Unternehmer im Kampfe um die Arbeitsbedingungen entgegenstellen. Es war höchste Zeit, daß die Arbeitgeber diesen Angriffen gegenüber auch ihre Reihen schlössen. Die amtliche Statistik verzeichnet insgesamt 3085 Arbeitgeber verbände mit 132 000 Mitgliedern und 4,3 Million beschäftigter Arbeitern. Trotzdem gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, unr die Arbeitgeber zusammenzuschließen. Von unserem Ideal, die gesamte Arbeiterschaft in fachlichen und gemischtgewerblichen Ber- bänden lückenlos zu vereinigen, sind wir nock weit entfernt. Ganze Industriezweige glauben noch des Zusammenschlusses entbehren zu können. Es gilt also, neue Verbände zu gründen und für die be- stehenden neue Anhänger zu gewinnen. Neben dieser äußerlichen Agitationsarbeit gilt es aber zugleich, die Verbände immer wirk- samer auszubauen, sie imnier mehr zu vertiefen und zur Erfüllung ihrer Zwecke geeigneter zu machen. Diese nach innen gerichtete Arbeit ist nicht immer dankbar! sie muß aber geleistet werden, denn auf Zahlen allein gründet sich kein Zusammenhalt, sondern auf den Geist kommt es an, von dem der Verband und die Mit- glieder getragen sind. Dieser Geist, der Korpsgeist, ist vor allem ausschlaggebend, wenn die schwerste Abwehrmaßnahme, die Aus- spcrrung vorgenommen werden soll. Die Aussperrung muß in erster Linie von der gemeinsamen Ueberzengung aller Mitglieder und von denr unbedingten Vertrauen der Mitglieder zu den An- ordnungen der Verbandsleitung beherrscht sein. Wo auch nur eine einzige Firma sich ausschließr, oder nur widerwillig oder init einem Hintergedanken sich beteiligt, trägt die Aussperrung schon Pen Keim des Mißerfolges in sich. Ganz verfehlt aber ist es, einen Aussperrungsbcschluß in der Erwartung zu fassen, daß er doch nicht zur Ausführung komme und die Androhung dieser Maß- nähme genüge, um den Abbruch der Bewegung herbeizuführen. Eine solche Annahme wäre direkt verhängnisvoll. Mag es sich um eine Gesamtaussperrung oder eine prozentuale oder mag es sich nur um eine Aussperrung der Organisierten handeln: in jedem Falle erfordert die Vorbereitnng, Durchführung und Kontrolle eine mtcnsive Kleinarbeit, die die Maßnahmen des Verbandes und auch das Verhalten� der einzelnen Firmen bis ins kleinste regelt. Auf der anderen Seite wäre es falsch, die taktischen Maßregeln des Verbandes auf eine längere Zeit im voraus festzulegen, die eigenen Maßnahmen richten sich bekanntlich auch ini Kriege immer nach den jeweiligen Maßnahmen des Gegners. Aus diesem Grunde läßt sich auch kein allgemeines Schema aufstellen. Die Er- sahrungen aber, die ein Verband bei der Durchführung der Aus- sperrung gemacht hat, den anderen Verbänden, die vor einer solchen Entscheidung stehen, zugänglich zumachen, wird sich die Hauplstelle besonders angelegen sein lassen." Im weiteren Verlauf wird in dem Geschäftsbericht Sturm gegen die Tarifvertrüge gelaufen. Es ist unerfindlich, daß namentlich die christlichen Ge- werkschaften, die durch die Tarifvertragspolitik praktisch an die Wand gedrückt werden, nicht die Kraft finden, energischer, ins- besondere unter Zuhilfenahme des politischen Einflusses, den sie haben, dagegen vorgehen. Wir empfehlen diese Entwickelung des Tarifvertrages der ernstesten Beachtung unserer Regie- r u n g, die doch die Interessen der Allgemeinheit zu wahren be- rufen ist, denn sür die Allgemeinheit besteht hierin eine Gefahr, deren Tragweite gar nicht abzusehen ist. Der Tarifvertrog führt, das zeigt diese Entwickelung,'zum Arbeitsmonopol, das Arbeits- Monopol zum Koalitionszwang, der Koalitionszwang zur politi- scheu und wirtschaftlichen Beherrschung der Allgemeinheit durch die organisierte Lohnarbeiterschaft. Es ist bedauerlich, daß selbst ein Teil der Arbeitgeber sich durch Schlagworte hat eiuschiichtern lassen und die Forderung auf Erlaß eines Verbots des t r e i kp o st e n st e h e n s aus Opportunitätsgründen fallen gelassen habe, weil sich im gegenwärtigen Reichstage keine Mehr- heit für ein solches Verbot finden und außerdem ein Verbot den Sozialdemokraten nur ivillkommenen Agitationsstoff liefern würde. Solche reinen Persönlichkeitsgründe sollten in emer so ernsten Frage nicht ausschlaggebend sein. Die Macht der Gegner wächst von Tag zu Tag, immer neue Volkskreise sucht die Sozialdemokratie in den Dienst ihrer staats- feindlichen Tätigkeit zu stellen. Neben den politisch organisierten Streitkräften bedient sie sich der gewerkschaftlichen Mithilfe und, namentlich in letzter Zeil, in immer größerem Umfange auch der Konsumvereine zur Durchführung ihrer poli- tischen und wirtschaftlichen Ziele._ Es ist bekannt ge- worden, daß zwischen den sozialdemokratischen Gewerkschaften und der Verwaltung der Konsumvereine ein regelrechtes Abkommen über die Mithilfe der letzteren bei Gewerkschaftsstreils durch Wirt- schaftlichen Druck auf den Unternehmer besteht. Wie die Sozial- demokratie den jugendlichen Nachwuchs heranzuziehen sucht und ivie sie neuerdings durch die sogenannte Volksfürsorge mit dem Mittel einer Volksversicherung ihren Einfluß in geradezu unab- sehbarer Weise noch erweitern will, ist ebenfalls bekannt. Da gilt es für die Arbeitgeber fest zusammenzuhalten, sich nicht zu zersplittern und zu bekämpfen, sondern gemeinsam Front zu machen gegen den gemeinsamen Feind. Die Arbeitgeberverbände erstreben den wirtschaftlichen Frieden, der ja für die Unternehmung Lebensbedingung ist, sie wollen und sollen aber auch gerüstet sein, wenn sie angegriffen werden und darum gilt auch für sie das Wort, das jüngst so treffend die Stellung des Deutschen Reiches gegen seine politischen Widersacher kennzeichnete: F r i e d f e r t i g u n d kriegsbereit." Dre scharfmacherischen Unternehmer scheinen sich trotz der Silfe der ,. Gelben" in arger Bedrsngnis zu fühlen. Deshalb Werantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil Veranitv.:" wird die Regierung um Hilfe angefleht. Diese kann aber auch incht so. wie sie vielleicht gern möchte. Die Regierung dürfte allmählich einsehen, daß das Verbot des Streikposten- stehens eine zweischneidige Waffe ist, denn schließlich hat weder der Breslauer Handabhacker in Schutzmauusimiform, noch die uniformierten Mörder des bcdanernSluertcn Hermann den bedrängten Arbeitgebern Hilfe bringen können. Der letzte Rettungsanker dürfte die H i n V e g a r d e sein. Oder ist dies Bollwerk der bürgerlichen Gesellschaft auch schon geborsten V Wenn August Hintzc den Geschäftsbericht der Ärbeitgcbervcrbäude liest, ivonach die große Mehrzahl der Angestellten in kaufmännischen und technischen Industrie- betrieben, ja selbst die Bankbeamteil sich gelverkschaftlich organisiert haben, dann dürfte er die Hoffnung aufgeben, mit seinen„Siebenmonatskindern" den organisierten Arbeitern mit Erfolg in den Rücken fallen zu können. Die Arbeitgeber, auch die scharfmacherischen Spielarten, werden sich wohl oder übel an den Gedanken gewöhnen müssen, daß den Arbeitern dasselbe Recht zusteht, sich wirtschaftlich und politisch zu organisieren wie den Arbeitgebern. Anständige Arbeit- geber, über die der Bericht lamentiert, haben das auch längst eingesehen._ Berlin und Omgegcnd. Ein Streik bei der Allgemeinen Elcktrizitäts- Gesellschaft. In der A. E.-G., Bruunenstraße, sind den Arbeitern der Bah»- fabrik erhebliche Abzüge gemacht worden. Verhandlungen, die zlvecks Beilegung der Differenzen gepflogen werden, haben zu keinem befriedigenden Resultat geführt. Es haben deshalb zunächst 350 Mann die Arbeit niedergelegt. Wie die Dinge sich weiter ent- wickeln werden, ist vorläufig nicht abzusehen. Da der Streik eine Stockung im Betriebe herbeigeführt hat, mußten außer den Streikenden bis jetzt schon weitere 400 Mann die Arbeil ruhen lassen. Die Tarifbewegung in der Holzindustrie. Die am Montag aufgenommenen Verhandlungen über die Arbeitszeit und den Äblanfstermin der Verträge wurden gestern unter dem Vorsitz des Freiherrn von Berlepsch den ganzen Tag hindurch fortgesetzt. Heute soll über die Lohnerhöhung verhandelt werden. Da der Kreis der Teilnebmer an diesem Teil der Be- ratungen ein größerer ist, worden die Verhandlungen, die bisher im Abgeordnetenhaufe geführt wurden, in das Lokal der Berliner Hand- werkskanimer verlegt._ Tic Tarifücwcgung im Schncidergcwerbc. Die in der Herrenkonfektion beschäftigten Höfen- und Westenschneider sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Um die in der Hosen- und Westenschneiderbranche noch sehr verbefserungs- bedürftigen Verhältnisse einer Aenderung zu unterziehen, soll den in Frage kommenden Unternehmern ein Tarifvertrag zur Annahme vor- gelegt werden. Eine von den Arbeitern gewählte Kommission hatte eine umfangreiche Tarifvorlage ausgearbeitet, die einer Versammlung am Montag zur Beschlußfassung unterbreitet wurde. Krinke vom Verband der Schneider brachte die Vorlage zur Verlesung und er- läuterte die einzelnen Tarifpositionen.— In der Diskussion wurden noch mehrere Wünsche vorgebracht in bezug auf die einzelnen Tarif- Positionen. Lebhafte Klage wurde geführt über die minimalen Löhne, die von vielen Unternehmern noch gezahlt werden., Nach unwesentlichen Abänderungen erklärte man sich einstimmig mit dem vorgelegten Tarifentwiirf einverstanden. Da die gestellten Forderungen sich in minimalen Grenzen bewegen, werden die Unternehmer ihre Zustinnnung zum Tarif loohl nicht versagen. Achtung. Töpfer! In der„Berliner Morgenpost" werden unter Chiffre Töpfer zum Anlernen von Fliesenarbeiten gesucht. Wir warnen unsere Kollegen vor Annahme derartiger Angebote, da es sich nur um Streikarbeit handeln kann. Die Verbandsleitung. veubkebes Reich. Streik in der Solinger Stahlwarenindustrie. Wie telegraphisch aus Solingen gemeldet wird, sind dort die Schlacht-, Brot- und Plattenmesser-Reider in einen Lohn- kämpf getreten. Weil die Hauptversammlung des Fabrikantenvereins das neue Preisverzeichnis der Reider nicht anerkennen wollte, hat der Solinger Jndustriearbeiterverband über 124 Firmen die Sperre verhängt._ Die Arbeiter der Leipziger Automobilindustrie haben ihren am 1. April 1913 ablaufenden Tarifaertrag gekündigt. In Betracht kommen Schmiede, Stellmacher, Sattler und Lackierer, etwa 200 Per- sonen.- Eine Konferenz der Handsticker, die am 2. Februar in Schnee- berg im Erzgebirge tagte, faßte den Beschluß, in allen Bezirken des deutschen Textilarbeiterverbandes, wo Handsticker tätig sind, Branchenkommissionen zu wählen, die sich dann eine Zentrale schaffen sollen. In gemeinsamer Arbeit sollen Erhebungen über Löhne und Arbeitsbedingungen vorgenommen und Lohntarife auf- gestellt werden. Mit größerem Nachdruck als bisher soll für die Erzielung gleicher Löhne für gleiche Leistungen gearbeitet werden. Die Bezahlung der Hilfskräfte, der Ankauf des Garns durch den Sticker und die Bezahlung für den Gebrauch der Fädelmaschine wird grundsätzlich verworfen. Alle Stickereiutensilien und Bedarfsartikel (so wird in der Resolution weiter verlangt) sind von dem Unter- nehmer zu liefern. Das Ausbessern der Waren nmß ebenfalls auf Kosten der Unternehmer vorgenommen werden. Die Arbeitsverhält- nisse in der Slickereiindustrie werden von den Unternehmern durch- aus willkürlich festgesetzt, sie erfordern dringend eine Regelung. Tie Tarifbewegung der Holzarbeiter ist in Lübeck in ein eigen- artiges Stadium getreten. Die große Mehrheit der Lübecker Holz- arbeiter ist bei Möbelfabrikanten beschäftigt. Der mit ihnen ab- geschlossene Tarif ist jetzt um ein Jahr verlängert worden. Sollte nun die vom Arbeitgeberschutzverband geplante Aussperrung perfekt werden, so würde in Lübeck nur ein Bruchteil der Holzarbeiter daran beteiligt sein, was für den Verlauf der Dinge von erheblicher Bedeutung ist. HusUnd. Die Amsterdamer Buchdrucker nehmen am heutigen Tage die Arbeit wieder auf. Die Bewegung endete mit einem Vergleich. Der Streik der französischen Schiffsoffiziere gewinnt an Aus- dehnung. Wie aus Marseille telegraphisch gemeldet wird, haben sicki dem Streik der Offiziere des Dampfers„Kanada" auch »och die Offiziere des Dampfers Germanice" derselben Gesellschaft angeschlossen. Die Gesellschaft machte jedoch bekannt, daß die„Kanada" den Hafen verlassen werde, da es ihr gelungen sei, neue Offiziere anzuwerben._ Soziales. Die praktische Erfahrung des Oberversicherungsamtes hat sich in dem Streitfall des Häuslers Wilhelm Koß in Branden- bürg zugunsten des Klägers vorteilhaft bewährt. Im August 1903 geriet K. in eine Häckselmaschine und verlor den Mittel- und Ringfinger der rechten Hand. Man gewährte ihm 12)� Proz. Unfallrente, und die Bcrufsgenossenschaft wollte nun auch die Auf- Hebung dieses lltcntcntciles durchsctzes. Mau ermittelte, daß der mit dem Vorbescheid der Berufsgenossenschaft unzufriedene Be- rusungsiläger als Forstarbeiler den üblichen Tagelohn verdiene Tb. Glocke, Berl'U. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdr.u. Verlagsanjmlt� und nachteilige Folgen des Unfalles nicht mehr vorhanden seien, dct sogar der K. die Hand zur Faust ballen könne. Vertrauensarzt und Gerichtsarzt hielten die Rente reis Zur Aushebung. Im Gegensatz zu den Anschauungen der Acrzte beließ das Potsdamer Oberver- fichcrungSamt in seiner Sitzung vom Montag dem K. die Rente, da es sich von der Ueberzengung leiten ließ, daß Personen mit solchen Vcrkrüppcluiigcn der rechten Hand ans dem Arbcitsmarkt viel schwerer Beschäftigung finden und viel geringer eingeschätzt werden als Leute mit normalen Gliedmaßen. Es habe darauf keinen Einfluß, ob 51. gegenwärtig deusclben Lohn verdient wie andere Waldarbeiter. Die praktische Erfahrung des Oberversiche« rnngsamtes fei dafür maßgebend gewesen, dem K. die Rente zu belassen. Klagen gegen eine Straufifedernfabrik. Mit dem Prokuristen der Straußfedcrnfabrik R. Ruhemann, Herrn F. Ruhemann(Kommandantenstraße), bat die Kammer 2 des Gcwerbegcrichts recht viel Arbeit. Die Verhandlungen über die außerordentlich hohe Zahl von Klagen, die gegen diese Firma angestrengt werden, sind infolge des Auftretens des Herrn Ruhe- man» oft mit erregten Austritten verbunden. Auch gestern kam es wieder während der Verhandlung über einen Rechtsstreit zu rocht unliebsamen Auftritten. Fräulein Sch. war in einer von der Firma Ruhcmann u. Co. gemieteten Wohnung als Akkordarbeitcrin beschäftigt. Mit noch mehreren Arbeitern war sie ausschließlich sür die Firma R. tätig. Zuletzt hatte sic� etwa einen Meter lange Besatzitreifen(auf Gaze geuähic kleine Straußfedern) hergestellt. Zehn Dutzend nahm ihr die Firma nicht ab, weil diese nicht zu ihrer Zufriedenheit her- gestellt sein sollten. Fräulein Sch. klagte deshalb vor dem Gewerbegericht auf Zahlung von 99 M. Lobn sowie die Abnahme der fertigen zehn Dutzend Besatzstreifen. Der Vertreter der beklagten Firma, Herr Ruhemann, wendete zunächst Unzuständigkeit de? Gewerbegerichts ein. Die Klägerin habe einen eigenen Gewerbebetrieb und habe ihr Gewerbe bei der Gewerbedeputation angemeldet. Sic kaufe die Zutaten selbst und arbeite noch für andere Firmen sowie für Private. Die Klägerin bestritt diese Angaben. Sie wies ferner durch eine Zeugin nach, daß sie nur für die beklagte Firma ge- arbeitet habe. Das Gericht erklärte sich für zuständig. Nunmehr beantragte der Vertreter der Beklagten Abweisung der Klage und im Wege der Widerklage, die Klägerin zur Zahlung von 141 M. Schadenersatz für verdorbene Ware zu verurteilen. Der gerichtliche Sachverständige, Herr A. Tobias, bekundete, daß ein Verschulden der Klägerin nicht vorliege. Die Fehler wären in erster Linie auf das geringere Material zurückzuführen, das Kläge- rin von der Beklagten erhalten habe. Der Sachverständige wurde fortwährend durch Dazwischenreden des Herrn Ruhemann unterbrochen. Der Vertreter der Klägerin bat den Vorsitzenden, Magistratsrat Dr. Marguhn, das zu ver» Kindern. Der Vorsitzende erwiderte:„Wir sind schon fertig." Der Vertreter der Beklagten bezog diese Worte wohl nicht darauf, daß das Gutachten zu Ende sei, sondern meinte, der Vorsitzende habe ausgedrückt, das Gericht sei schon mit dem Urteil fertig. Er lehnte darauf den Vorsitienden wegen Besogrnis der Befangenheit ab. Dies Ablehnungsgesuch wurde nach kurzer Beratung u�ter Vorsitz des Magistratsrats Wölbling zurückgewiesen. Als nun die materielle Verhandlung fortgesetzt werden sollte, beantragte der Vertreter der Beklagten, die Verhandlung so lange auszusetzen, bis über den Ablehnungsantrag ein rechtskräftiges Erkenntnis vorliege. Das Gericht wies diesen Antrag zurück. Daraus lehnte der Vertreter der Beklagten dcit Borfitzenden zum zweitenmal wegen Befangenheit ab. Das Gericht ging über diesen Antrag zur Tagesordnung, weil es die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß der Antrag nicht ernstlich, sondern lediglich gestellt sei, um bei» Prozeß weiter zu verschleppen. Nun packte Herr Ruhcmann seine Akten zusammen und verließ den Sitzungssaal. Die Verhandlung wurde in seiner Abwesenheit zu Ende geführt. Auf Grund des Sachverständigen» gutachtcns wurde die Beklagte verurteilt, an die Klägerin die ge» forderten 99 M. zu zahlen. Die Widerklage wurde kostenpflichtig abgewiesen. letzte Nachrichten. Noch keine Nachricht von Tschataldscha. Konstantinoyel, 4. Februar, 7 Uhr abends.(W. T. B.) Vi» zur Stunde ist keine offizielle Meldung eingetroffen, welche die von den türkischen Abendblättern verbreiteten Gerüchte von der Wieder» aufnähme der Feindseligkeiten an der Tschataldschalinie und auf Gallipoli bestätigen. Abberufiilig der türkischen Friedensunterhändler. Konstantinopel, 4. Februar.(W. T. B.) Die Pforte hat den ottomanischen Bevollmächtigten in London die Weisung erteilt, London zu verlassen. Das Handschreiben Kaiser Franz Josefs. Wien, 4. Februar.(P.-C.) Wie die„Zeit" von besonderer Seite erfährt, dürfte sich das Handschreiben des Kaisers Franz Josef vor allem mit der durch den Balkaukrieg eingetretenen Lag« in Eu r o p a befassen. Es ist durchaus möglich, daß sich als nächste Folge des Handschreibens die Rückgängigmachung der getroffenen Vorsichtsmaßregeln ergeben könnte. Bc- sondere Vorschläge in dieser Hinsicht dürften jedoch in dem Hand- schreiben nicht enthalten sein. Eine Kricgssteucr für die Besitzlosen. Turazzo, 4. Februar.(W. T. B.) Ohne vorherige Ankündi- gung haben die serbischen Behörden mit dem heutigen Tage als Kriegsabgabe einen elfprozentigen Zuschlag auf die Einfuhrzölle gelegt, und zwar auf salz, Petroleum. Streichhölzer, Alkohol, Zigarettenpapier, Zucker. Kaffee, Schokolade, Olivenöl, Bier, Flaschenwein, ätherische Oele und Liköre. Die Un» Zufriedenheit unter der muselmanischen Bevölkerung über die er- heblichc Erhöhung ist sehr groß. Ein Strasantrag gegen den Abgeordneten Wetters. Straßburg, 4. Februar.(W. T. B.) Gegen das von dem Rcichstagsabgeordnetcn Wetterle herausgegebene Blatt„Le Nouvelliste d'Alsacc-Lorraine" in Colmar hat. wie der„Elsässcr Kurier" mitteilt. Staatssekretär Zorn von Bulach Strasantrag erhoben. Das Blatt hatte in einem Artikel in der Nummer vom 13. vorigen Monats auf den in der„Täglichen Rundschau" dem Abgeordneten Wctterle gegebenen Rat, er möchte lieber in Frank- reich bleiben, geantwortet, man könne gerade so gut gewissen anderen Leuten sagen, sie möchten in Deutschland bleiben, und hinzugefügt: „sie kehren dorthin zurück, aber erst dann kehren sie zurück, die Schlaumeier, wenn sie mit einer guten fetten Pension ausgerüstet werden, die ihnen der elsaß-lothringische Steuerzahler berappt, dieser gute Kerl". Ein Bombenattentat. London, 4. Februar. Wie das Rcntersche Bureau aus Fu» tschau meldet, wurde auf den neuen Zivilgonvernenr Tschang eine Bombe geworfen, durch die 30 Personen getötet oder verwundet wurden, während der Gouverneur unverletzt blieb. ßäulSinger& Eo., Berlin SW. Hlerzü3 Beilage» u-lllltertzaltungsh� Dr. 30. 30. Zahtgavs. 1. Mze des JuruWs" ßttlintt WsM. Mittlvch, 5. FtblMt 1913. Mgeorcknetenkaus. 125. Sitzung. Dienstag, den 4. Februar 1S1Z, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Dallwitz. Etat des Ministeriums des Innern. Die Beratung beginnt beini Titel Landräte. Abg. Wenke(Vp.): Die Landräte lassen ebenso wie die Amts- Vorsteher bei den Wahlen und in der Handhabung des Vereins- und Versamrnlungsrechtes jede Objektivität der- t>> ilie u. Wenn der Minister meine Klagen darüber als freie Er- findung bezeichnet hat. so weiseich diese Bemerkung als unerhört zurück.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Ströbel(Soz.): Die wichtigste Person in dem durch und durch plutokratischen volksfeindlichen preußischen Verwaltungssystem ist der Laudrat, der Vertrauensmann der Großgrundbesitzer imid auch der Vertrauensmann, der Geschäftsträger des «robilen Kapitals. Welche unheilvolle Rolle die Herren in 'der Verwaltung spielen, geht schon daraus hervor, daß die Hälfte ver rund 500 Landräte Abgeordnete in den Provinziallandtagen sind. An den Kreisblättern erscheint kein einziger Artikel ohne die Willigung des Landrats, und diese Kreisblätter bilden fast den einzigen Belehrungsstoff für Millionen auf dem Lande. Und l>a wagt man es, der Sozialdemokratie vorzuwerfen, sie scheue den Kampf mit geistigen Waffen, sie wolle ihren Anhängern von anderer Seite ausgehenden Lesestoff fernhalten.(Heiterkeit t>ei den Sozialdemokraten.) Wie es uur die Bildungsbestrebunaen der Herren Machthaber hier und im Reiche bestellt ist, beweisen Ihnen die Bibliotheken der Kriegervereine und der Kasernen, soweit dort überhaupt etwas Lese- oder Bildungsstoff vorhanden ist. Wer- gleichen Sie damüi einmal die Bibliotheken der Gewerkschaften und der sozialdemacratilchen Vereine.(Sehr wahr! bei den Sozial- Demokraten.) Der Herr Landrat gebietet auch über den Krieger- verein, und daß dieser zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verwandt, wird, ist ja bekannt. So hat einmal ein Laudrat am letzte» j£age vor der Wahl einen Vortrag über die Wahlprogramme der Parteien im Kriegerverein gehalten, natürlich ganz objektiv, und um diese objektive Wirkung noch zu erhöhen, dann noch 20 M. für dick Kasse des Kriegervereins gespendet. Der Herr Landrat ist auch der Vorsitzende in Steucrsacheu, die doch eigentlich mit Politik nichts zu tun haben. ES ist aber Tatsacke, da!t die Steuerzahler fürchten, bei Betätigung einer freien Wieioung wurden sie schärfer zur Steuer herangezogen, als wenn sie brave Ordnungsstütze» im Sinne des Herrn LandratS wären. Der Oberverwaltungsgerichtsrat G r o c e k hat in den Preußischen Jahrbüchern offen ausgesprochen, dem Landrat müsse das gnte Einvernehmen mit den einflußreichsten Insassen des KreiseS wertvoller erscheinen als die Steuer.(Hört! hört! bei den Sozial- dcmokratrn.) Dem Landrat muß der Vorsitz in der Steuerein- fchätzungSkonmlission genommen werden, die Sleuereinschätzung darf nicht durch irgendwelche persönlichen Beziehungen beeinflußt Werden.«Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Der Landrat ist auch der Gebieter der Gendarmen und der Gendarm kann unerbittlich streng sein bei politisch An- rüchigcn, unter Uniständen aber auch beide Augen zudrücken. Rameutlich die Gastwirte fühlen sich außerordentlich bedrückt, weil der Landrat Vorsitzender des Kreisausschusfes ist, der konzessio- uierendcn Behörde für die Gastwirte. Der behördliche und landrät- liche Terror, der den Gastwirten gegenüber geübt wird, ist ja »otorisch.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Landrat bat auch fast absolute Machtvollkommenheit darüber, wer Orts- vor st eher oder Beigeordneter werden soll, und Leute, die im geringsten Verdacht stehen, die Interessen der All- gemeiilheit zu vertreten, erscheinen ihm natürlich ungeeignet. Die Landräte gehen aus den Negier ungöreferendaren helvor. ivobei nicht die Tüchtigkeit eine Rolle spielt, sondern aller- Hand Konnexionen, ob der Betreffende Korpsstudent gewesen ist, ob Rescrvcofsizier, ob er vom Adel ist oder nicht. ES gibt nicht einen einzigen Landrat. der auch nur linksliberal wäre, und aus hundert konservative Landräte entfällt etwa ein rechtsnationallibcraler. Die kleines fcuilleton. Berliner Bolks-Chor: Melodramcu-Abcnd, gegeben von Tilla D u r i c u x und Leo K e st e n b e r g. Was Richard Wagner in seinen fälschlicherweise„Musikdramen" genannten Bühnenfeslspieleu zu höchster künstlerischer Bollendung brachte: die Griechen halten eS schon vorgezeichnet in ihren mit Musik verbundenen Tragödien. Aus die neuere Zeit übertragen, heißt„Melodrama" aber doch etwas anderes, nämlich eine inmitten der bewegten Handlung eines Schau- fpiclers auf sich selbst beruhende Szene, in der es die Instrumental- riiusil übernimmt, alle Empfindungen auszusprechen, für die der menschlichen Sprache die Mittel der Verdeutlichung fehlen. Die Kerkerszene in Beethovens„Fidelio", Byrons„Manfred" mit Schumanns Begleitmusik, vollends die orchestral leidenschaftlich bewegte lounderbare Liebesszene im zweiten Akt von Wagners »Tristan und Isolde":— da? sind Melodramen im modernen Sinne. Daß Rousseau in seinem idyllischen„Pygmalion" neuer- dings den ersten Anstoß zu der melodraniatischen Gattung gegeben, sei nebenbei bemerkt. Schumann war es dann, der zum ersten Male. verschiedene Balladen neuerer Dichter melodramatisch behandelte. Ihm folgte Franz LiSzt mit Bürgers„Lenore". und schließlich haben sich einige moderne Komponisten(Max Schillings, Richard Strauß u. a.) dieses Genres bemächtigt. Die Bezeichnung „Melodrama" deckt sich hier eigentlich nicht mehr mit dem griechischen Begriff und noch weniger mit seiner ihm durch Beethoven. Schu- mann und Wagner aufgeprägten Vertiefung. Wenn dort den sprechenden Personen Zurückhaltung vor der orchestralen Begleitmusik geboten ist, hat hier der Rezitator der Wortdichtung die Führung. Die Musik, nicht eigentlich zur Sache gehörend, also sehr wohl entbehrlich, wird sich immerhin auf die Unter- malung lyrischer und seelischer wie äußerlich dekorativer Momente zu beschränken haben. Nähme sie größeren Anteil on der Dichtung, so könnte sie leicht eher störend als fördersam wirken, was z'. B. bei Schillings Musik zu Wilden bruchs „Hcxenlieo" der Fall ist. Die raffinierte theatralische Technik, mit der"diese„Ballade" gemacht ist. verleitet leicht dazu, am äußerlich bomvaslisckien Tiradentum kleben zu bleiben. Eine um so ansprechendere_ verinnerlichte Leistung war die Jnter- prelalion, die Frau Durieux dem Hexenlied zu teil werden ließ. Weniger gelang ihr dies bei Bürgers „Lenore". Manches erschien etwas farbloS: die Charakterisierung der Tochter und Mutter entbehrte der Deutlichkeit. Auch die Auf- sassung Wilhelms als Geist mit verändertem Sprechton scheint mir logisch unmotiviert zu sein. Wilhelm muß sprechen, wie er im Leben sprach. Durchaus eigenartig schön wirkte der Vortrag von Ttnny- s o n s hypersentimentalem Gedicht„Enoch Ardcn", womit ja ein modischer Sprechvirtuose wie Ernst Possart allüberall billigen Effekt macht. Um aber dem Gedicht einen wirksameren Abschluß zu sichern. so wäre es vielleicht empfehlenswert, diesen bei den Worte» EnochS: Liicmand solle erfahren, zu geben. Leo K e st e n b o r g S meisterhaft Nationalliberalen sollten nicht verlangen, daß die Beamten auch nationalliberal sich betätigen dürfen, sondern auch freisinnig, ja daß sie auch das selbstverständliche Recht hätten, sich als Sozial- demokraten zu bekennen.(Lachen rechts.) Das geht in Ihr Gehirn natürlich nicht hinein, aber das Rad der EntWickelung wird «ich über Sie hinweggehen. Der Vertreter des Zentrums, Herr G r o n o w s k i, hat gestern darüber geklagt, daß unter den Landräten nur 62 Katholiken seien. Aber es handelt sich hier doch nicht um konfessionelle, fondern um politische F va g e n: wir wollen die Verwaltung demokratisieren, wir wollen den proletarischen Arbeitermassen, die Herr Gronowski immer zu vertreten vorgibt, Einfluß und Anteil an der Verwaltung gewähren. Das sollte doch für einen Arbeitervertreter, auch wenn er dein Zentrum augehört, der einzig mögliche Standpunkt sein. Wie sehr sich die Landräte als politische Beamte im Dienst der Konservativen fühle», dafür nur ein Beispiel: Als Herr v. G e r l a ch als Regierungsreferendar sich häufig mit Beschwerden gegen einen Amtsvorsteher, der dem Alkohol allzusehr huldigte, befassen mußte, und dem Landrat gegenüber äußerte, der Mann sei gar nicht zu halten, da erwiderte der Landrat wörtlich: Sie haben eigentlich ganz recht, aber der Mann muß Amtsvorsteher bleiben, denn ohne ihn kriegen wir in dieser Ecke des Kreises niemals konservanve Wahlen zu stände. Darauf ver- steht er sich.(Lebhaftes Hört I hört l bei den Sozialdemolraten.) Die Landräte sind also nichts als die Kcrntruppe der preußischen Reaktion. und wenn sie einmal Opposition machen, ist es agrarische Opposition, wie wir bei dem Kanal gesehen haben. Er wurde auch nicht gebaut trotz des damals verpfändeten Königswortes, und die Landräle purzelten die Treppe hinaus; ein lebendiges Zeugnis dafür ist ja der gegenwärtige Minister des Innern. Die Regierung unterwirft sich eben der Junkerdiktatur. Was die Landräte sich dem Volke gegenüber herausnehmen, zeigt ein Fall aus dem Kreise Wittenberg, wo ein Gewerkschafts- festzug mit Rücksicht auf die gefährdete öffentliche Sicherheit ver- boten wurde. Der Landrat bestätigte das Verbot mit der Be- gründung, daß solche Demonstrationen die Förderung„der ver- b r e ch e r i s ch e n auf den gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, auf die Beseitigung des KönigStums und die Wehrlos machung des Vater- landes gerichteten Bestrebungen der Sozial- demokratie" bezwecken. Das müsse die berechtigte Erbitterung der ehrenhaften königstreu und patriotisch gesinnten Bevölkerung hervorrufen, was leicht zu Streitigkeiten führen könne. Gezeichnet ist dies Schriftstück v. T r o t h a. Es ist eine unerhörte und un- sinnige Anmaßung, die sozialdemoiratischen Arbeiter für minderen RechlS zu erklären, wie es in krasser Weise vor einigen Tagen hier ja auch Herr v. K a r d o r f s zum Ausdruck gebracht hat. Im ganzen Reich haben die Konservativen nur 8 Proz. der Wähler aus die Beine gebracht, denen 35 Proz. sozialdemokratische Wähler gegenüber- stehen, und diese winzige lächerliche Minderheit von 3 Proz. nimmt sich heraus, die Schmälerung der verfassungsmäßigen Rechte der Arbeiterklasse zu fordern! Vom gewaltsamen Umsturz durch die Sozialdemokratie schreibt der Landrot v. Trotha in seinem Erguß. Zunächst hat der Reichstag mit gewaltiger Mehrheit festgestellt, daß die preußische Enteignungspolitik ein rechts- und verfassungS- widriger U m st u r z a k t ist. Diese Kennzeichnung empfinden die Herren als eine schmerzliche Züchtigung und deshalb haben sie so aufgeschrien, deshalb fordern sie die Rechtlosmachung der Volks- Mehrheit, deshalb die Aufputschung der preußischen Regierung gegen die Reichspolitik! Dann ist das schöne Wort von den ReichSfeinden geprägt worden. Es kann sich einmal schwer rächen, wenn man den größten Teil des deutschen Volkes einfach als Reichsfeinde bezeichnet.— Weiter behauptet Herr v. Trotha, wir wollten das Vaterland wehrlos machen. Gerade wir forderten ja von jeher die Volks- bewaffnung und, die militärische Jugenderziehung. Sie haben darüber gespottet, und erst als unsere Jugendorgaui- sationen geschaffen worden sind, haben Sie Gegenorganisalionen mit militärischer Jugenderziehung ins Leben gerufen, die Sie allerdings auch wieder politisch mißbrauchen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Und wenn wir als vaterlandslos beschimpft werden, weil wir gegen frivole Kriegszettelungen sind, so geschieht uns das nur zur Ehre.(Präsident Graf Schwerin ruft den Redner zur Sache.) Diese wahnwitzige, diese der Stimmung nachgehende Wiedergabe der Musik erhöhte den Ein- druck des Ganzen. v. ü. Futurismus in der Musik. Aus London wird uns geschrieben: Henry Wood führte mit dem verstärkten Oueens-Hall-Orchestcr die sinfonische Dichtung„Prometheus" des Russen Alexander S c r i a b i n e(1871 in Moskau geboren), zweimal nach- einander auf, nur unterbrochen durch Beethovens Violinkonzert. Als Grund wurde angegeben, daß es allseits verlangt worden wäre, weil sowohl Kritik wie Publikum das komplizierte Werk unmöglich nach einmaligem Hören verstehen könnten. Das ist eine kühne, nachahmenswerte Neuerung.„Prometheus" wirkt trotz des großen Talents, das der Koniponist in der Orchester- technik zeigt, gequält vom ersten bis zum letzten Takt. Die Größe des Programms— Prometheus bringt den Menschen nicht nur das Feuer, sondern das Leben mit Freud und Leid, Heldentaten und Sünde— sucht Scriabine durch eine neuerfundene Tonleiter, die an Debussy erinnert, durch großen Lärm und Gesuchtheit des Ausdrucks zu bewältigen. Das Publikum hat diese Futil- ristenmusik trotz zweimaliger Ausführung saust abgelehnt. Scriabine verlangt, daß die Musik von Beleuchtungs- e f s e k t e n begleitet wird; der hierzu erfundene Apparat („Klaviatur des Lichtes") funktioniert jedoch noch nicht zufrieden- stellend, und so blieb unser Sehsinn davon verschont. Nun fordert Scriabine in seiner allerneuesten Musik, die uns bis jetzt noch er- spart geblieben ist, auch die Mitarbeit des G e r u ch s s i n n e s, und die Wiedergabe seiner Kompositionen soll für die Zuhörer und Ausführenden einen Gottesdienst bedeuten. Scriabine, der ein be- geisterter Theosoph ist, verzettelt leider seine starke Begabung für das Orchester in gesuchten Klangsensationen. Der„weiße Sklavenhandel" in New Aork. Einen furchtbaren Einblick in den Umfang und in die Einzelheiten des New Dorker Mädchenhandels gibt ein Bericht, der jetzt von S. H. London ver- öffentlicdt worden ist und in Amerika das größte Aufsehen erregt. S. H. London hat im Auftrage der Regierung eingehende Nach- sorschungen nach dem Wesen dieses schwunghaft betriebenen Handels mit„weißen Sklavinnen" angestellt; er steht auch in Beziehungen zu dem kürzlich von Rockefeller begründeten Institut zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Aus den Einzelheiten des Berichts geht her- vor. daß die„Sklavenhalter", fast ausschließlich Männer, durch die Ausnutzung ihrer Opfer und durch Verkäufe ini Jahre nicht weniger als rund 240 Millionen Mark verdienen. Die Zahl der in New Aork weilenden„Sklavinneu" wird auf 265 000 geschätzt.„Diese Mädchen werden regelrecht versteigert; als Käufer treten die Besitzer zweifelhafter Häuser auf, die die„Ware" besichtigen und sich dann gegenseitig überbieten. Wenn das Publi- kuin alle die grauenhaften Tatsachen dieses Handels kennen würde, würde eine allgemeine Empörung diesen Schandsleck der Zivilisation mit einem Schlage tilgen. 05 Proz. der Mädchen, die in New Aork verschwinden und von der Polizei alS verschollen augesehen werden, sind die Opfer dieser Sklavenhalter. Neiv Aork allein beherbergt ihrer mehr als die ganzen übrigen Bereinigten Staaten. Die Verdienstmöglichkeit, die sich durch den Besitz oder die verbrecherische Auspeitschung der Gemüter gerade durch die von den Landräten verbreitete Presse hat doch nur den Zweck, damit sich an dem Brande weite Kreise kapitalistischer Sippen ihr Süppchen kochen, damit aus dem Blute der Massen Gold gemünzt wird.(Lachen rechts.) Der Tatendrang des Volkes lechzt nicht nach Krieg, sondern er ist auf edlere Ziele gerichtet. (Präsident Graf Schwerin verweist den Redner auf den Titel Landräte und bittet, allgemein politische Erörterungen z«, unterlassen Von den Landräten wird das Volk nicht als gleichberechtigter Faktor betrachtet. Dort gilt die Anschauung, die auch in der„Deutschen Tageszeitung" zum Ausdruck kommt, die sich gegen die„Wohlfahrtspflege zugunsten der niemals zufrieden werdenden Unterklasse des Handlangertums" wendet, wodurch nur immer größere Begehrlichkeit gezeitigt werde. Diese Auffassung ver- treten übrigens nicht nur die Junker und Landräte, nicht nur die „Deutsche Tageszeitung", sondern ähnlich hat sich auch Herr Schmieding von der uationalliberalen Partei und Herr Professor Hasse, der Alldeutsche, geäußert, der eS für ganz verkehrt findet, diese Handlanger, diesen eigentlichen Kulturdünger, als Kulturmenschen und gleichberechtigt zu behandeln.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn das Volk sich gegen eine solche Auffassung wendet, wird es von den Herren Landräten als verbrecherisch und umstürzlerisch gckennzeichncr. Und dann der Vorwurf der Begehrlichkeit. Wenn in sechs Jahren 6t18 reichste Leute ihr Vermögen um 7500 Millionen verniehrt haben, um 1250 Millionen Mark pro Jahr, und sie sind noch nicht zufrieden, so zeugt das nicht von der Begehrlichkeit der Arbeiter, der Handlanger, sondern von der Begehrlichkeit der Be- sitzenden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn an- gesichtS solcher Tatsachen die Landräte uns verbrecherischen Umsturz und Begehrlichkeit unterschieben, so verwahren wir uns gegen diese unerhörten Beschimpfungen. Präsident Graf Schwerin: Sie dürfen dem königlichen Land- rat nicht unerhörte Beschimpfung vorwerfen; ich rufe Sie zur Ordnung. Abg. Ströbel: Ich habe die Ausführungen des Landrats von Trotha schon so charakierisiert, daß ich auf einen schärferen Ausdruck verzichten kann. Diese Landratserlasse. Landratsblätter, KriegervereinSschriftcn und dergleichen sprechen vom Patriotismus und meinen damit die nackte st e kapitalistische Profitgier, sie sprechen vom Vaterland und wollen das eigene Volk in Elend und Recht- l o s i g k e i t erhalten, sie sprechen von der heiligen Ordnung und wollen nur ihr Portcmomiaie füllen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie haben ja die Herr- schaft, Sie haben die Macht der Ausbeutung, Sie sind die Besitzer des großen Portemonnaies und wehren sich gegen die sogenannten Einbrecher, die ebenfalls einen höheren Anteil an der Kultur er- ringen wollen. Herr v. Kardorff, der hier ebenfalls mit den Worten Patriotismus, heilige Ordnung und dergleichen Unfug gc- trieben hat. sollte doch daran denken, daß gerade Angehörige seiner Partei als b l u t i g st e Gründer entlarvt wurden!(Sehr gut! bei den Sozialdemötraten.) Die Regierungsorgane geben sich zum Büttel des agrarisch-industriellen Geldsacks her; das ist eine viel schlimmere Korruption, als die seinerzeit von L a s k e r beklagte. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Minister wetteifern mit den Trotha, Zedlitz, Kardorff und Konsorten im Zetern gegen die Bolksrechte. Wir danken Ihnen für diese innersten Seelen- bekennlnisse. Fahren Sie nur so fort, aber wundern Sie sich nicht, wenn Sie Wind säen und Sturm ernten. Auch in Preußen wird die Weltgeschichte zu ihrem Rechte kommen, auch hier werden die Attentate gegen die Reckte des Volkes die rächende Nemesis herauf- beschworen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Korfanty(Pole): Der Minister v. Dallwitz, dieser Oberste aller Staats st ützen, scheint eine merkwürdige Auffassung vom Parlament zu haben. Dem Abg. Wenke verbietet er die Kritik, uns sagt er, wenn wir artig seien, würde das Eut- cignungSgesetz nicht angewendet.(Präsident Graf Schwerin: Si� dürfen sich jetzt mit dem Minister nur als dem Vorgesetzten der Landräte beschäftigen.) Die Polemik des Ministers gegen uns und gegen die Linke, überhaupt seine Kampfesweise gegen seine Gegner ist sehr bezeichnend.(Präsident Graf Schwerin: Sie gehört aber nicht hierher!) Der Redner bespricht eine frühere Auseinander- setzung zwischen ihm und dem Minister über oberschlesische Landrats» und Amtsvorstchcrstreiche. Einer der betreffenden Landräte sollte in der kritischen Zeit auf Urlaub gewesen sein, aber ich konnte von ihm unterzeichnete Versa mm lungsu läse aus dieser Zeit vor- Ausnutzung einer weißen Sklavin eröffnet, beträgt in New Jork im Jahre ungefähr 10 000 M. und in anderen Teilen der Union, wo Mädchen seltener sind, 20 000 M. Aus dem Auslande werden Frauen zu Hunderten eingeführt und die Verdienstmöglichkeiten, die sie den Unternehmern bieten, sind so groß, daß man diese Sklavinneu erster oder zweiter Kajüte reisen läßt, um Schwierigkeiten mit den Ein» wanderungsbchörden zn vermeiden. Und ähnliche Verhältnisse herrschen auch in Europa, die Polizei allein ist überall dagegen machtlos." Notizen. — Ein neuer T h e a t e r z u s a m in e n b r u ch. Zu den vielen Theaterpleiten, die Berti n in letzter Zeit getroffen haben, gc- sellt sich eine neue: Direktor P a l f i, der unter seinem Sccpter die verkrachte Kurfürstenopcr und das gleichfalls kurz nach der Gründung in Konkurz geratene Theater Groß-Berlin vereinigte, hat seine Kon- zession niedergelegt. Man hofft beide Theater mittels Notkonzession iveiterzusnhren. Herr Palfi hat die Viertelmillio» Mark, die der Rckordpleilcdirektor Lothar ihni für die Ueberlaffuitg des Neueil Operettentheaters auszahlte, in der aussichtslosen Kurfürsienoper, deren Personal er mitübernommen hatte, mid dem ebensowenig ge- iviilubringenden Groß-Berlin zugesetzt. — Alex. M o i s s i bringt an seinem Balladenabe nd am 6. Februar außer dem Hcxenlied von Wildenbrnck Bürgers„Lenore", Goethes„Braut von Kormth",„Belsazar" von Heine und Balladen von Kopisch, Liliencron und Eichendorff zum Vortrag. — Reinhardts Zirkuslheater lebt wieder auf. Im Zirkus Schumann sollen Ende Februar wieder„König Oedipus" und Anfang März„Jedermann" aufgeführt werden. Das größere G r ö u I a n d. Nach einer Reihe von Karten, die in der Dänischen Geographischen Zeitschrift veröffentlicht sind und die Ergebnisse der unglücklichen Expedition von MhliuS Erichsen aus den Jahren 1006 bis 1008 zur Darstellung bringen, besitzt Grönland in östlicher Richtung eine weit größere Ausdehnung, als früher angenommen wurde. Bisher wurde die Größe dieses sechsten Erdteils auf 2 200 000 Quadratkilometer veranschlagt, während sie uach der neuen Kenntnis auf rund O8/« Millionen Quadratkilo meter geschätzt wird. — Drahtlose Telegraphie auf einer Polar» fahrt. Amundsens Expeditionsschiff„Fram" wird für seine neue, auf mehrere Jahre berechnete Fahrt ins Nordpolarmeer, mit einem Apparat für drahtlose Telegraphie ausgestattet werden. Man hofft mit deren Hilfe in dauernder Verbindung mit der Station in Spitz- bergen bleiben zu können. — 652 G e w e h r s ch ü s s e. i n der Minute. In der ame- rikanischen Armee wird ein neues automatisches Schnellfeuergewehr erprobt, eine Erfindung EoltS. Ein Schütze kann mit diesem Ge- wehr in einer Minute 652 Schüsse abgeben. Das Gewehr ist nur wenig schwerer als das gelvöhnliche Armccgewchr und wird beim Schießen auf ein kleines Dreigestell aufgelegt. Wenige Soldaten sollen ausreichen, um mit dieser Waffe die Feuerwirkung einer ganzen Kompagnie zu erreichen. legen. Darauf fJiimeg Herr b. Dallwitz, so behandelt er seine Gegner! sHört! hört! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Er Hai mir nachgesagt, daß ich die staatlichen Behörden lächerlich machen wolle— och das tun sie schon s e l b st!(Sehr gut! bei den Polen und Sozialdemokralen.) Ter Minister hat gegen mich persönliche Jnvelliven gerichtet. Er behauptet, ich hätte mich erbeten, ein Schrift- stück ihm vorzulegen und das nicht getan, also quasi gelogen. Ich hatte aber nur erklärt, daß ich das Schriftstück in einem früheren Zeitpunkt besessen hatte. Und so objektiv polemisiert der Minister auch sonst. , Es wurde in der Tat eine Versammlung bei Beulhen unter freiem Hinimel verboten, weil die Notdnrstverrichtung einiger hundert Menschen auf dem kleinen Grundstück und den angrenzenden Aeckern Beschädigungen anrichte n könnte.(Hört! hört! bei den Polen und Sozialdeinokraten.) Ich habe das vor 3 Jahren wörtlich aus den Akten verlesen, der Amtsvorstcher bestreitet es und legt den Minister mit diesem preußischen Geistesblitz hinein. Aber 5 Personen sind bereit, zu beeiden, daß sie die Verfügung gelesen haben! Der Minister beschwert sich, daß ich seine brieflichen Auf- forderungen nicht beantlvorlet hätte. Nun, ich warte heute noch auf Antwort meiner 1S10 an den Minister gerichteten Beschwerden über Verletzungen des Versammlungsrechts. (Hört! hört! bei den Polen.) Und einmal hat er mir die Grobheit zugeschleudert, ich verlangte ein Rundschreiben, wonach allen An- trägen Korfantys ohne Prüfung stattzugeben sei. Da müßte ich mir selb st was vergeben, wenn ich diesen Minister, der mit seinen Erfolgen wohl kaum Ehre und Ruhm ernten wird, mit einer Antwort beehren würde.(Beifall bei den Polen.) Minister des Innern v. Dallwitz erwidert erregt, daß Korfanty laut stenographischen Protokollen der Parlamente immer von einem solchen Versammlungsverbot in Borkenhain gesprochen habe, das aber nirgendwo, weder in früher genannten, noch in den gestern von Korfanty genannten telegraphisch herbeigezogenen Akten vor- banden sei. Heute sagt Korfanty, der sich damals im Reichstag laut Protokoll zur Vorlage des Verbots bereit erklärte, sie aber unterlassen hat, daß es sich nicht um Birkenhain, sondern um Neu- d e k handle, das in einem ganz anderen Kreis liegt. Diese ganz neue Behauptung kann ich jetzt nicht prüfen. Meine seinerzeilige Erklärung, daß ein hier angegriffener Landrat auf Urlaub sei, stimmte, nur kann er vielleicht doch zwischendurch mal amtiert haben. DaS Urteil über die Gewissenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Genauigkeit Korfantys überlasse ich diesem Hause.(Lebhafter Beifall.) Abg. v. Goßler(k.): Die Linke klagt immer über die Landräte, kann aber trotz aller Spionage kein Material vorbringen. Sie wollen den Landrat nicht entpolitisieren, sondern als Staatsbürger ent- rechten, während sie für Ihre Beamten und Lehrer volle BewegungS- freiheit fordern. Wir könnten uns ja dahin einigen, daß der Landrat nichi Hetzen soll. Aber auf den Landrat, der das Vertrauen der Sozialdemokratie genießt, wird Herr S t r ö b e l warten können, denn die Landrätc imi heute, unbekümmert um ihre Partei, ihre Pflicht, getreu ihrem Eide für die Monarchie und gegen die Sozialdemokratie einzutreten. In schwierige Situation kommen sie allerdings bei einer niodernen Koalition zwischen Liberalen und Sozialdemokraten! Die Landräte sind die Eck st eine der preußischen Monarchie. Wir danken ihnen auch für ihre eifrige Tätigkeit im Interesse ihrer KrciSeingesessenen.(Lebhafter Bei- fall rechts.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Hosfmann(Soz.) bedauerh hierdurch verhindert zu sein, die Taten eines dem Haufe angehörenden Landrals und des Bürger- meislerS von Fiddichow vorzubringen, die die Berechtigung unserer Klagen nachweisen würden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, geschenkt wird Ihnen nichts! Abg. Korfanty(Pole): Ich habe nicht Neudek statt Birkenhain unterschoben, sondern Neudek ist e i n z w e i t e r F a I l, in dem ich die Akten beibringe(der Redner hatte sie früher dem Minister vor- gelegt), inn die Glaubwürdigkeit des Birkenhainer Falles, in dem ich die Akten nicht mehr habe, zu stützen. Ich habe dem Mini st er drei mallln Wahrhaftigkeit nachgewiesen, sein Vorwurf trifft mich nicht. Das Kapitel„Landräte� wird bewilligt. Die Polizeiverwaltung von Berlin. Abj}. Dr. Bcll-Essen verbreitet sich über die Ausbildung der Kriminalpolizei und ihre Beziehungen zur Presse, wobei manchmal mehr in Sensation gemacht, als Erziehung geleistet werde. Der Redner fordert Vereinheitlichung und Zentralisierung der Kriminalpolizei in Deutschland. Unterstaatssckretär Holtz erwidert auf eine Anregung de? Vor- redners, daß kräftig an einer Verbesserung des Erkennungsdienstes gearbeitet werde. Ministerialdirektor Freund spricht über die Veröffentlichungen der Presse aus dem Gang der Untersuchung von Verbrechen und erklärt, daß die mitunter sensationellen Artikel nicht von der Kriminalpolizei herrührten, sondern von den Reportern auf andere Weise, durch Herandrängen an die Zeugen und durch be- sonders gute Honorierung derartiger Mitteilungen beschafft würden. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) mißbilligt zunächst die Verkürzung der Berliner Schutzleute um die Weihnachtsgratifikationen, die bei der gegenwärtigen Teuerung be- sonders schmerzlich empfunden werde. Wir müssen das anerkennen. obgleich wir sonst dem Gratisikationswesen wenig sympathisch gegen- über stehen, weil es zur Korruption und zur einseitigen Benach- teiligung von weniger beliebten Beamten benutzt werden kann. Ueber die Beratungen der vor einiger Zeit in Berlin abgehaltenen Polizei- konferenz haben wir authentische Nachrichten bisher nicht bekommen. Auch ich bin für eine Vereinheitlichung der Kriminalpolizei, schon da- mit der Vorsprung deS Verbrechertums, das sich der modernen Technik bedient, nicht auch noch durch Zuständigkeitsstreitigkciten der Polizei vergrößert wird. Die Errichtung einer deutschen Kriniinal- Polizei, deren Bewegungsfreiheit nicht durch Landesgrenzen gehemnit wird, könnte ganz nützlich wirken, wobei wir aber natürlich nicht außer acht lassen, daß die Kriminalpolizei in der Kriminal- Politik nur eine untergeordnete Rolle spielt, während die Hauptfrage die der Vorbeugung ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Unsere Parteipresse, mit. dem„Vorwärts' an der Spitze, hält sich von sensationeller Aufbauschung kri- m i u e l l e r Ereignisse völlig fern. Die Veröffentlichungen aus dem Gange der Untersuchung aber sind meistens derart, daß sie nur aus den amtlichen Bureaus der Kriminalpolizei stammen können. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß solche Indiskretionen recht häufig vorkommen. Dieser öffentliche Mißstand wird um so größer, je mehr diese Veröffentlichungen unzulässig sind. Gewiß, die Oeffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse, über wichtige Vorgänge auf kriminellem Gebiet Kenntnis zu erhalten. Das soll aber von der Behörde durch wirklich zuverlässige Berichte an die gesamte Presse, ohne Unterschied der Partei, mitgeteilt werden. DaS Lockspitzelwesen innerhalb der Kriminalpolizei tritt vor Gericht öfter hervor. Es handelt sich dabei zumeist nicht um fest angestellte Leute, sondern um„Achtgroschenjungen". Man könnte vielleicht aus dem Wesen des Verbrechens und der Kriniinal- Polizei heraus es als ein notwendiges Uebel betrachten, daß die Kriminalpolizei derartige unsaubere Elemente benutzt. Höchst be- dcnklich aber ist, daß sich die Kriminalpolizei ihre Spitzel e r st zu recht macht, wie das erst heute vormittag wieder in einer Verhandlung in Moabit zutage trat, wo die Mutter eines jungen Menschen aus ganz guter Familie, der einmal gestrauchelt war und dem die Kriminalpolizei dann sagte, man werde ihm nichts tun, wenn er sich in ihren Dienst stelle, diese Tatsache in höchst glaubwürdiger und auch von anwesenden Kriminalbeamten nicht angezweifelter Art mitteilte.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten..) Besonders gern benutzt die Krimmalpolizei hierzu auch S o m o s c x u e l l e, die den Richter fürchten müssen. In den Pro- »esien gegen Gastwirte wegen Ueberschreitung der Polizeistunde ist dtsonderS oft konstatiert worden, daß Kriminalbeamte irgendwelche Leute nach der Polizeistunde in Wirtschaften schicken, um zu ber- suchen, noch etwas zu trinken zu bekommen.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Gegen solche Dinge müßte doch der eiserne Besen in Anwendung kommen. Dr. Bell hat eine Verbesserung des Legitimation S- Wesens verlangt. Nirgendwo in Kulturstaaten wird soviel nach Legitimation gefragt wie bei uns, und dabei ist dieses Stück Papier natürlich leicht zu stehlen oder nachzumachen. Ich protestiere aber hiergegen den völlig rechtswidrigen Legitimationszwang für ausländische Arbeiter, die der Polizeiwillkür rettungs- los ausgeliefert find, wozu die Legitimationskarte das Hilfsmittel ist. Aber sogar ausländische Arbeiter, die seit Jahrzehnten in Deutschland arbeiten, werden aus ihrer Arbeitsstelle herausgcriffcn und gezwungen, sich mit der Feldarbeiterlegitimation zu versehen. Leider hat hier sogar das Oberverwaltungsgericht versagt, indem es sich mit vollendeter Sophistik auf die Rechtlosigkeit der Ausländer berufen hat. Nun zum Polizeipräsidenten von Berlin! Mitte Januar d. I. ist unserem Genossen Dr. GustavEckstein die Lehrtätigkeit an unserer Parteischule unter Androhung der Ausweisung verboten. In einem Kulturlande wären solche Polizeibrutalitäten nicht möglich. Leider besteht ja kein Rechtsweg dagegen, man kann zurzeit nur die Faust in der Tasche ballen. Die Neuorganisation der Polizeireviere mag an sich nicht unpraktisch sein. Aber davon abgesehen— die Vorteile werden nur eintreten können, wenn die Rtzpierbureaus ins Zentrum der Reviere kommen. Dies ist der Berliner Stadtverwaltung zu- gesagt worden. Aber auf das schärfste muß ich tadeln, daß diese Umorganisierung vorgenommen wurde ohne jede Befragung der Berliner Bürgerschaft, ohne jede Rücksicht auf sie! Das ist man ja allerdings gewohnt. Als einen Zweck der Reform bezeichnet der Polizeipräsident auch Erhöhung der Bereitschaft, Schla�fertigkeit, Stoßkraft der Polizei usw. Das soll natürlich nur einen Einschüchte- rungsversuch gegen Arbeiterdemonstrationen be- deuten. Denn die größere Bereitschaft geschlossener Mafien soll in Anwendung kommen bei Demonstrationen sozialdemokratischer Ar- beiter. Hat sich denn aber irgend etwas ereignet, was dies recht- fertigen könnte? Es gibt gar keine ruhigere Bevölke- r u n g als die Berliner. Der Pariser, der Londoner Polizeipräsident würden verwundert sein, wenn sie einmal hier wären, über die geradezu ideale Berliner Bevölkerung. Und gegenüber einer solchen Bevölkerung spricht man von einer Vermehrung der Stoßkraft und Schlagfertigkeit der Polizei I Es handelt sich hier um OrganisatimiSvorbcreitungcu gegen den inneren Feind. Herr v. I a g o w scheint an RevolutionSphantasien zu leiden, und er meint wohl, wie der Januschauer:„die Angst ist die Mutter großer Taten'. Mit seiner ganzen Art hat Herr v. Jagow sehr Erhebliches geleistet zur Verstärkung der Agitation für die Sozial- demokrarie, zugleich aber auch für die Blamage des preußischen Geistes, der endlich verschwinden muß und verschwinden wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. K-psch(Vp.) wundert sich weniger darüber, daß man die Berliner Stadtbehörden über die Großreviere nicht gehört hat, als über die Nichlanhörung der Vorsteher der Polizeireviere. Die kleinen Reviere sind besser. Minister des Innern v. Dallwitz: DaS Komman do der Schutz- Mannschaft ist gehört worden. Vorläufig handelt es sich um Er- probung der zwei Großreviere, die sich zu bewähren scheinen. Ein drittes ist genehmigt.— Auf eine Anfrage des Abg. v. Pappen- heim(k.) gibt der Minister dann noch Auskunft über die Ver- einbarungen mit den Nachbarstaaten über die Verfolgung der Zigeuner. Eine Beschwerde des Abg. Trimborn Fr., Gr. Hamburgerst. 37 Gust. Nobert, Potsdaraerstr.llSa H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Peter-Scbley, Wilh., Zoisenerstr.l 1. c Berufskleidung 1 Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. RoterLaden,Schöneb.,H»np{str.l08 ( B�erbreuerelen.Blerh. Hanf ff Rejctienbenimtr. 176 IlUllill Adniiraistr. 38 ü.l9a Arthur Roemer, K«Ub. Sann 101 Walter Rohr, Anklamerstr. 28. Kaz Sander, Dunkerstr. 23. Otto Schmidt, Adalbertstr. 27. Heinr, SdmbertBoxh. Chauss. 5/6 SlkorskiWeiEenue, HeuitrsilorItrilr.il R. Schade, P alias-St.S Fit O u.NO Paul Sorge, Proskaueratr. 21 Rieh. Schenk MaÄS8. P. Schinauer, Anklamerstr. 15. H. Spillmann, Grüner Weg 115. (tait&T Tanpltz, Prinzen- Allee 61. Carl Tennert, Schlesischestr. 19. F. Tiedemann, Boxh.-R., Kantatr 47. Typban1"ulenuüen!nSUt.47a W.Malloscfaky.Oberbaumst.a, B«p c Flrbaralen, WJaohor. GroB-Damptwäscherei „Spraanlxa" Berlin SO., Foraterstr. 6-6 Tadellose Wäsche! Billigste Preise Ch. Engelhardt Neukölln FQitlen in allen Stadtteilen Groß-Berlina. "�"r't'onkordiiiT�m O. Naefe Färberei o. ehem. Wäscherei f. Herren- u. Damengarder. Läden in allen Stadtteilen l Berlin, Rixdorf.Schöneberr n crcl 1 der. 1 llan 1 ÄS G. KuUiek, Färb., Wäscherei Fil.GasUTÄdolfst. I. Wei6enbürgerst.41 SwineuöDderstr. 56, Weddingstr. 9 Mäller40a, KenköllD.lIermanaatr. 37-38 FUchhandlungen "Neukölln K. Christ, Elbingerstraße 58. Ph. Christ, Petersburgerstr. 4 a. Darge, O.» Finowstr- 5. Thilo Dorgerloh, Lithauerstr, 23 St. Dorszewski, Ebertystr. 29. W. Dörr« Schivelbeinerstr. 27. August F enger, Grünauerstr. g Feyerherm, F., Alt-Boxhagcn II. W. Friedmann, Nklln., Wartliestr.7. Oskar Frö&lidi, Oißlingstr. 10. WillyGerldce.Petersburgerstr.Sl Albert Golz, Frankf. Allee 121. Fr. Gerlacb, Tauroggenerstr. 1 a. Gustav Girre, Walderaarstr. 21. Rob.Glene,Weiie>see,Gait.4dolfstr.l3 OttoOrubeHoohTs?. Gosinile, Rieh. Än. OetJönnaDn'iÄwiiÄ: O. Gleich, Neakölln, Hoheatollerapl. 7 R. Grieger, Charl., Cauerstr. 19. F. Gutschmledt, Koloniestr. 32. Heinrich Höhne, Skalitzerstr. 97. ianik, C. Kap8frnic5ker- Fr. Jeatsch.Keilbs.DsciBlS.PIeiseh, Warst ff. Fleisch- u. Wurstw. __ Mantenffelstr. 102. Heinr. jöchiuann, Ziethens«. 41. Wilhelm Kita, Kniprodestr. 118. F. Klarholz, Pintschstr. 6. Fritz Klein, Kottbuierdamm 12. Bruno Keller huuÄi. Otto Koch, Alte Jacobstr. 17. Fritz Koebke, Kl. Andreasstr. 11. Bruno Kusche. Frnchtstr. 28. ErnatKolbe,0.112.Woichselstr.l5 Königsbergerstr. 87. ff.Fleisek- a. Warstwaraa H.Kops, Keiaiekead.. Residenstr. 154. H Kunert, Sohönebg. Gothenst.dl A. Lange, B«ioichdf.,S9»/, Rtbalt. I. Alßianilßr 8[o.. Badstr. 55. Hermann- Platz 3. Liefert, d. Konsumgenossenschft. B. aco. Landsberger- Allee 29. ( Kohlen. Kokn, BpIkatU) SUmon, A. R-, Kohl«abhf. Weddiig Karl Werner, Neuk. Göthestr. 10 c Kolonialwaren J Babel A Hanke, WilinaekeratT. 47. G.Behrens, Schöneberg Ak&ziöMtr.9 Bndach, Franx, O, Goßlerstr. 23. Georg Burow, Stromstraße 39. Gg. Feist, Nkl., Weserstr. 4. Emil Huflar Tischler-Innungsmeister Prinzenstr. 34 Möbelfabrik Gartenst.52. Schmidt, Otto QlDhpbll 10 Gneisenaustr. 18 0 UlLülny, n. eig.TuckI.-Tapz. Wk9t. 1.8chaiiter,0b.SchÖDeweide,Edi8oast.59 Schwanke, Rixdf.,Hermannstr.229 5teiDßniang.Evc Idemarstraße 72 EckeManteuffelstr. Ch.Tennigkeit,El8aßerstr. 21. c IMSbel-Tranaoopt J P.Enders,Ga«i!ei«asl7«,T.Krfit 411«. Heinr. Kaufmann, Linienst. 145. J. Lange, Ritterst. 96. Mptz. 4195. Paul Schur, G.oi.b.H.,Dir1[jenitr.Bg.S2. c lolkapoien D G. Oollsch. P«lba§erat.2g.E.KaiaBl«rtt Milch-Schmidt Neukölln Hermannstr. 53, Hcriuannstr. 95-06. Berllneralr. 75 Bergstr. 157 ultzow, Job., Müllerstr. la- Emil Quade G. Scharnow, Oranienstr. 45. R.Schmelz,be?�rhsta ja Schönemann, G.,Nkiia., 8erI.»St.7I Schumacher.O., Tegel, Berl.-St.»a. K. Schmidt, WciSea««« Laggfatiutr.66 Max Storch, Elbingerstr. 100. A.Tronner, Willulaurub, lUtfUtr. 13. Uhren-Klinik, Branaea- E.Beraaatnt Wegner, R. Nkll. Bergstr. 56. c Vepslchepungen D �Deutschland1' Berlin Ärbciterveraicherung— Schützea- Sterbekaszenvcrsicherg. strafte 3. "Friedrfch" Wilhelm" BoHln WS, Bebrenstr 68-6» LebeDfi-,SterbekaR«en-iLArbfliterr«i»ickg. Mit u. ohne ärztl. Untersuchung Jahre�Monats-�oobepbeUr� .Iduna'zu Halle a.S. Berlin, Charlottenstr. SS Volks- und Lebensversicherung. l' Wapenhiusop a Wilh. Herrn. Lesser EoIoojI.64 Schöneberg KoUiiiill Bei jedem Einkauf Rabattm.l c Weine, Liköre u. Fruchtaifte ) j Ä5eli3a.g;| I 60 Filialen in allen Stadt eilen.| �nflPQfi Großdestülation oUUrdU. Oranienstr. 207 Kfal(ow.Fr.rwwic,c,str-47-- ,.EinielT«rb.i.Eiigr.Fr»i»»a. | ÖTSßd. ,ZnrSonne-, P. Freudenbert MfelW-, Wollw., T i aibUGlUlüMi Chauseeestr. 67. MCardotc Beusselstraße 76 . Ual UclS Tauroggenerat. lö | Georgi, Ernst sfaSli Hoppe, E., Scharnweberstr. 62. Julius John Juncker, Carl Klein, Höchstestr.16, N.O.II. Robert Kutsche, Gubenerstr. 66. Fr. Ollwetakl, Alte Jakobatr. 137. MflD8ctoltKrn.t.2 Schrom, Lina, Mirbachstr. 31. Hermann Meyer, SchiTelbelueTSt II- L. Schneider, Weberstr. 61. Albert Vogt ( Wild u. Befiagel J C.Dittmann BerfedJr.ti. P. Hildebrandts9?«. Schmidt, E., Spandau, HsveUt.« Zaatrow, Un4»b«rgeraü»«lll�ü2!- f Zahit-Atellep] M?GorödI,kl.ß>!'->'-dl.««a°«a.l,''' O HillerWciniiicisterst.lO/l lT.Nd.<638] Wetter München Wien 774® 769® 5 Siegen 4, bedeck» 6 bedeckt Sbebeckt Sjwolkig 4 bedeckt -e-? ei K» i? «lattoaen iCS'» cc s u i§ Wetter Im- Haparanda 737_ Petersburg 749 3 Scllly 760® Aberveen Paris SSO L 1>•./■! 4 Schnee t bedeckt ffi, 4 bedeckt .ol'S® Medeckt 774 SS® 3 bedeckt —5 11 s . 9 Wetterprognose für Mittwoch, den 5. Februar 1913. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mlt weiteren Ncgensällen und ziemlich siarten südwestlichen Winden. Berliner Aetterbureau. ...................... man........' u— in nimm [ Todes-Anzeigen SozisIdemokratischerY/atiMn f,(iJ.Berl.ßelebstagswalill(reis. Den Mltgliedem zur Nachricht, ..... enosse, der Fahrstuhl- daß unser sührer kobert Cannon (Bezirk 220a) gestorben ist. Ehre feinem Andenken k Dir Beerdigung findet heute Mittwoch, de» 6. Februar, nachmittags 21/, Uhr, von der Leichen- Halle des Neulöllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorjer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht voi» Vorstand. Sozialdemokrat. Wabivereiii L den 4. Berliner ReiElislaßs-ffahlkreis. Frankfurter Viertel. Bez. 274. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Karl Lehmann Strausberger Str. 43, gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Februar, nach- mittags'/z3 Uhr, von der Leichen- Halle des ZeniralsriedhoseS tn Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht St0/t7_ Der Vorstand. a Bentscliep Bauartieiterverband. Zwcigvereln Berlin. Am 3. Februar starb unser Mit- glied, der Maurer Karl Ledmana (Bezirk Nord-Ost). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Februar, nach. mittags 2'/, Uhr, von der HaNe des Zentrai-FriedhojeS in Fried- richSsetde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser juln- Bater, Sohn, Bruder und Schwager Franz Nickel nach langem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung sindet morgen Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhoseS, Müllerstraße, aus statt. Im Namen der Hinterbliebenen Anna Nickel, Hussitenstr. 75. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dajz meine liebe Frau �nna Krüxer geb. Frltsch am 3. d. M. gestorben ist. Um stille Teilnahme bittet Helmut Krüger. Die Beerdigung findet Freitag. den 7. Februar. Nachmittags uhr von der Kapelle der Nazar-th.G-meind-, R-inicken- dors, Kögeistraß«, auS statt. 76.1 Sozialdemokratisclier Wahlverein f. d. 4. ßerl. BefEhstagswahlkrels. Gürlitzer Viertel. Bez. 207 II. Den MIlglledern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Slrbciier Lese? kskss Rclcheuberger Straße 100. ge- starben ist. 210/16 Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet morgen Donnerstag, den 6. Februar, nach- mittags 8'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoseS in grlcdrichSfeioe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. SozialdemokralischerWalilvereln Britz-Buckow. Am Sonntag, den 2. Februar, verstarb am Herzschlag unser Mitglied, der Zigarrenhändler Karl Mittag im 71. Lebensjahre. 201/2 Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. Februar, nach- mitiagS 3Uhr, aus dem Gemeinde- Friedhof tn Britz stall. Der Borftand. Deutsetier Transportarbeiter-Yerlianfl. Bezirksverwaltung GroB-BerDn. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher Richard Qohlke am 1. Februar im Alter von 34 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den S. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Neuköllner Gemeinde« Friedhofes, Mariendorser Weg. aus statt., 61/1o Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltun Deutseher Hletailarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Huxo Bergmann Fennstr. 41 am 30. Januar'an Lungenleiden gestorben ist. � Ferner den Kollegen zur Nach- richt. daß unser Mitglied, der Klempner Kar! König Neukölln, Äicbrichstraße 10 am 1. Februar an Lungenleiden ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 5. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de« neuen Jatobi-Kirchhole» in Neu- kblln, Hermannftraße au» statt. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner Franz Hecht Wiener Sir. 63, am 2. d. M. an Herzschlag. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Februar, nach- mittags 3 si, Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-FriedhoseS tn FriedrichSfclde aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 112/3 Oie Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutseben Wagenbauer. Am Sonntag, verschied plötzlich der Klempner den 2. Februar, unser Mitglied, krana Hecht (Wiener Str. 63.) Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Februar, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Halle dcS ZentralsriedhoseS in Friedrichs- feldc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Bez. 17. Deutseber Bolzarbetter-Terband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Frnst Kalff Wllmersdors, Babelsberger Str. 43, im Aller von 43 Jahren ge- ftorben Ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 5. Ftbruar, nach- mittags 3'l, Ubr, von der Halle des Wilmersdorser Gemelndesricd- hose» in der Berliner Straße aus stall._ Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Faul Qrfitzniacher —, Berliner von 34 Jahren whcn- Schönhausen Str. tll, im Alter 00 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 6. Februar, nach- mittags 4 Ubr, von der Halle de« Hohen-Schönhauser Gemeinde- ftiedhoscs in der Gärwerftraße aus ftgtt. Um rege Beteiltgiing ersucht 78/16 Die Ortsverwaltung. Gestern abend 6 Uhr verstarb nach lurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser treu- sorgender Vater, Bruder, Onkel und Schwager, der Schmied Ernst Schuck Im 38. Lebensjahre. Berlin-Reinickendorf, Hansastr. 12. Die ltestrauerndcn Hinterbliebenen Frau Berta Schuck gcb. Reich. Ernst Schuck. Martha Schuck. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 6. Februar, nach- mittags 21/, Uhr, von der Leichen- balle des Neuen Reinickendorfer Klmeinde-FriedhoseS, Humboldt- ilrabe. aus statt. 76A PlllsehmÄntsI fonti bl» 11211«OGst bl« 186 M. aoml via 3M M. tetxt ao«. jetzt 58 M. fem IOO MT ||t-i aonetb.SöM. sovßt b 55M. sonst d.»645. UlSlflr-jitzt» H. jotzt IHH.|e»n»,««»t,»6« II. Brutkcn.lraß» ar. Fraokturler Str 20. SoObneber,. Ilanptsti 10. K«WWWWWWWWW«MMM«M«WM««MMMWMWMWWWW!WMM«WWWMM«» MWMMWWWMM� Mitfwodi Donnerstag 4 Pelerinen Taqe iuiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiUiiiiiiiiiiiiimiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiüiilTmriTn'r'««in v niiiiiiiiiii Freitag Sonnabend Ausnahme-Preise für Loden-Pelerinen Sämtliche Lodensfoffe sind vor der Verarbeitung imprägniert worden Grau oder grünlich Strichloden, ganz vorzügl. imTragen, Kapuze abknöpfbar, mitTragbändern, Anndurchgriffen u.Taschen Für Herren und Damen Für Knaben und Mädchen Spezial- Marke: Langen uo«. m«m 13.80 xso«m 16.25 Spezial-Marke: f0.0™. 7.20«wiriiep?«»?! 9.60 r\ 1»£. r\ II Längen 70, 80 n. 90 cm m__ 100 u. 110 cm � sts Qualltat II: Länge» 120 bis ISO cm.>,•.. Elnhelteprels 0.95 Qualität II. Einheitspreis........ 4.10 Einheitspreis. J.DÖ mmuhuhiMM Am Lager grosse Mengen edit engl. Gummi-Mäntel Q (Single) in allen Grössen..................................... s.. e.............. Einheitspreis w BaenSohn Chausseestraße 29-30 rißERLlN j H Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 Schöneberg, Hauptstr. 10 iiimititnnnmniniinHnnwmmm Hauptkatalog Nr. 46(Neueste Modert) kostenlos. V tt » H S Z 1 Theater und Vergnügungen nnn Mittwoch, 6.«Februar 1913. Anfang 8'/, Mr. Berliner. Philotas. Der zerbrochene Krug. Anfang VI, Ubr. ftgl. Opernbaus. Alba. «gl. SchauiPielhauS. Der AuS» taufch-Leutnant. «öniggraber Strafte. Brand. Zirkus Biiich. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Borstellung. Anfang 8 Ubr. Deutsches. Romeo und Julia. «ammerspiel». Schöne Frauen. Urania. Paris und die ZlönigS» IchlSsfer von Versailles. Höilaal 8 Uhr: Dr. Bcrndi:.DaS Problem der Gefchiechllichteit''. Deutsches Opernhaus..Eugen Onegin. Lriiing. Gabriel Schillings Fluch! Trianon. Wenn Frauen reilen. Theater am Nollendorfplaft. Die Siudcniengräsin. «omödienhaus. Der Retter in der Not. Groft-Äerltn. Das Fürstenlind. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Berliner. Film, auder. Monti» Operetten. Der Frauen- sreffer. «leines. Professor Bernhardl. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Pnppchen. Schiller O. Hedda Gabler. Schiller- Tharlotienburg. Uriel Acosta. Luise». Und HSIte der Liebe nicht... Metropol. Chauffeur— WS Metropol. Rose. Mein Leopold. Herrnseld. DteAlpenbrüder. Wüsten- moral. Easino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. «polio. Brüderlein sein.. Speziali- täten. ReichShallen. Cavallena scholti- cana. Anlang 8'/i Uhr. Friede.. Wild. Schauspielhaus. Der Zaungast. Sustspielbaiis. Majolika. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Folies(taprice. Die Doppelsirrna. Die Tochter der Braut. Anfang 8',. Ubr. «eueS«oitStheater. Helden. Anfang g Ubr. «dmiralSpalnft. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.« Sternwarte. Invaliden ftr. S7—«S- Seblüef-IlieMerll.V.� Mltwoch, abend» 8 Uhr: «»die»-. DonuerStaq. abends« Uhr: Kmllia tialottl. Freitag, abend» 8 Uhr: Die Oe»chwI»ter. El««. Schiiler-Tlieaier Mittwoch, nachmittags 3.10 Uhr: Wallensleins Lager. DI» Pioooloniini, Mittwoch, abend» 8 Uhr: Uriel Acoe-ta. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Reite durch Berlin in 80 Stunden. Frdltag, abend» 8 Uhr: Die Sdunctterlliigssctilacbt. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. MeriaderKicirätzerMe vi, Uhr: Brand. Deutncheei SchaaMpielhaa« 8 Ubr: Der gute Ruf. Theater am Holleniörptt 8. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Die Stuäentengrükin. Kesillöiu-Iliöglös. s«dt. Die Frau FrAsillenlio. (bladams la Präsidontc). Schwanl t. 3 Akt. v.HeniicqutN u. Veber. Morgen und folgende Tage: Tie ftfrnu Präsidentin. Montis Operetten-Theater (sr. Neues Theater). Amt Norden IUI. 8 Uhr: Der frauenfrefrer. Sonnabend: Der liebe Auguftin. Luisen-Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr:„Hub hätte der Liebe nicht.. Schauspiel in 4 Alten von E. Kricke- berg und Ernst Ritterseldt. Donnerstag, abends 8 Uhr:»Und hätte der Liebe nicht.._ I0SE=THEATE| Grotze Franffuitei Str. 132. Mein Leopold. — Voltsstück m. Ges. in 3 Akten. von Adolph L'Arronge. Musik v. Bial. Donnerstag: Mein Leopold. Wrepol-Thester Chaullenr-itis JHetropol! Große JahrcSrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto �eutter a. G. mit D. Ansang 8 neuem Repertoire. Rauchen gesiattei. «WM von ttökspunkt Uo« S.svh.cnfokgvsZ mit Anioi, und Douat Herrnfelp in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr,«orverl. N— 2 lTbeaterk.) Trlanou-Tiieaier. Wellll Frauen reisen. Anlang 8 Uhr. Urania Wissenschaftliches Theater. TanbcnatraBe 48/49. Mittwoch 8 Uhr: Paris und die Könlgs- ■chltfSNrr von VerMaUlea. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Berndt: Das Problem der Geechleohtllchkelt. Voigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstrafte S8. DonnerSt., S. Februar 1913, 3'/« Ubr: KS«!» Kntiist.""S'i MlJf'■ von ttul. Keller und Herrmann. Kasseneröffnung 7 Boranzel Benestz sür' Stota nn Uhr. Freitag. 7. Februar: ' Krahmer: ige! Freitag. Frl. Hedwig d Liiebc. Germania-Prachtsäle N., Chaussoostr. 110. K. Richter. Heute Mittwoch: Paul Mantheys lustige iSänger. Eintritt 30 Ps. Urcitunz. Vorzugskarten gelten.— Morgen Donnerstag: Großes Sockbier-ßonzert. m Ansana 8 Uhr. Ein Nachdem frei Tbentcr des Westena. ZMA Wiedereröffnung-chWW Korgcn Oonncrstng, den 6. Febrüar. Zum 1. Male: Die beiden Hutaren. Ab 8 Uhr: Die srandloeen Spezialitäten. 0 Uhr: Berlins Liebling I Harry Waiden in seiner Groteske „Oer Herzog von Westmineler.'1 Polles Capriee. Anfang 8'/« Uhr. Die drei Saison- Schlager: In Sachen Hallen stein. Die Doppclfirma. Die Dochter der Braut. vosino-Tkoatan Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Allabendlich nnnverkauft. 8türml«che Heiterkeit! Die Berliner Loiaiposse Am grünen Strand d. Spree. Größter Kaffenerfolg seit Bestehen. Brauerei Friedrichshain Am Königstor........... SjaT" Heute mittwoeb: Elitetag I-WdW Das grollte und amüsanteste Bayerische Bockbierfest: Auf der Alm! Gratisverlosung von 300 Wertgegenstttuden. Jeder Besucher erhält ein Los gratis. Anfang 8 Uhr. Entree 80 Pf. :: Berliner;; Konzerthaus Ü»®1011" MaueretraBe 82.— ZimmerelraBe 90/91. Gpoße« Doppel-Konzert! Musikc. des L. Gardc-Kegiments z. F., Dirig. Oberm. Grat, —- Zillerthaler und Tegernseer Sänger—- Schuhplattler und Jodler! Anstieli tod DrekKööigstiier, im köstl. aller Ineti. Doppelbiere. Anfang 8 Ehr. Eintritt 50 Pf.. Anfang 8 Ehr. Neue Welt Arnold ScholE Hasenheide 108/114 Heute, Mittwoch, den 5. Februar 1913: Elitetag! Große Extra«Präm!ierung! Prämiiert wird Die größte naure Ourke. 8 bare Geldpreise: 80, 80, lO M. Anfang 7 Uhr. Entree 80 Pt Im neuen Saal: Großer Ball. dl*8 Voranzeige! Donnerstag, den 6. Februar 1913: Keine Fleischnot! Braten eines ganzen bolländ. Mastkalbes. _ Portion 80 Pf. 9 Zirkus Merl Schumann. Heute Mittwoch, 5. Februar, abends 71/, Uhr: Neu! Laurent-Trio Neu! Gymnastischer Kraft-Akt. Mr. Laurent, der amerikanische Steinschläger, benutzt seine Faust als Eisenhammer u. zerbricht Feldsteine, welche vom hochverehrten Publikum mit» gebracht werden können. Prolongiert I Cäsarios XiOwen- u. Tiger-Gruppe Berlins gräßto Attraktion. IM- Um 9',. Uhr;"VC Der unsichtbare Mensch. /,«. Sonnt.'Iß Uhr: Puppehen tadellos. Posse m. Ges. in 1 Alt— und das roft. Spezialitätenprogramm cd. 1. u. 18.: Programmwechsel. z' keledsdalleo-Ihesler Stettiner Sanger. Zum letzten Hulc: Anfang 8 Uhr. Admiralspalast. Allabendlich: Da* neue mit durchschlag. Erlolg aufgef. ElSballelt | Flirt in St. Moritz| 1. Akt: Wintersport In St. Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotei. 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung der kl. Charlotte. iBIsBU. u. v. 10% halb.Kass- Prelse. Wein- u. Bier-Abt. Fitz den Jndalt der Jnferalr gbernimml die Redaktion vrw Publikum gegenüber teiurrlei Berantwortuug. Deutscher Tabakarbeiter-Verband " Ortsverwallnng Berlin.— Zigarettenindustrie! ttt Arcitag, de« 7. Februar 1913, adeudS 8 Uhr. findet sllr alle in der——— Zigarettenindustrie beschäftigten Arbeiter«. Arbeiterinnen eine Branchen- Versammlung. Bei Bockcr, Berlin, Weberftrafie 17, statt. Tagesordnung: l.»Die Vozialpolitik des Reichstages." Referent: Reichstags- abgeordneter H ü t t m a n n. 2. Bericht Her Sektionsleitimg. 3. Nculöahl der Sektionsleitung. 4. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen! In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden, pünktlich zu erscheinen. 187/2 Die SektionSlcitung. Hausarztverem Ost Tonnerstag, den 6. Februar 1913, abends Uhr, in der„Urania", Wrangelstr. 11— IS: Öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Böses über; „Der ßllju reiche Kindersegeu im Arbttterhails!" Diskussion. Fragebeantwortung. Ausnahmen für den Verein werden in dieser Versammlung"entgegen- genommen sowie auch beim Vorsitzenden Karl Röbel, Kopcrnikusstr. 0, i._ 282/5* Gegen die Polenpolitik! 3« unserem Verlage ist erschienen: Cie prenRische Polenpolitik. V°n Hermann Wendel. PreiS 1,20 M. Ungekürzte BereinSausgabe SO Pf. Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 69. Deutscher Holzarbeiter-Verband. ——— Verwaltung Berlin.■ Laden- und Kontormöbelbranche! Heute, Mittwoch, den 3. Februar 1913, abends 81/, Uhr, bei Hemel, Holzmarktstrasie 31: Vertranensmänner- Versammlung. Tagesordnung: l. Bericht des ObmanneS. 2. Bericht der Werkstatt- Vertrauensleute. 3. Verbandsangclcgcnheitcn. Die Ortsverwaltuug. Ktichenmöbel streicht billig, Spengler, Samariterstr. 7. 55792. � Haben Sie Sloff? Ith fertige davon Anzug od. Paloto t nach Mass, schick, daaerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband� .Neue Promenade 8, II.(Stadtb. Bors.) y Heines Werke ■ 3 Lände 4 Mark■ Buchhandlung Vorwärts KREDIT FEDER Zentrale: Brannenstrasse 1 I.Filiale: 1 II. Filiale: Frankfurter| Kottbuser Allee 89| Damm 103 gibt bei jedem Mebel-Elnkauff 30 Monate Ziel flnznlilung.n"hÄ Komplette Wohnungs- EINRICHTUHGEN Einzelne MSbelstücke Polster- u.leder-Mfibel !! Grösste Auswahl!! Konrimanden-Striat für Knaben u. Mädchen Herren- Damen- Garderobe Kinder- Kleidung W11U Ernst, Küpenicker StraBe 55 b, I, Amt Mpl. 14 089. 6r. Auswahl! Bill. Preiset Vorzeiger dieser Annonce er» hält lO Proz. Preisermäßigung, vi». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«'SSÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte WortZO Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. | Kleine Anzeigen ANZEIGEN (Gr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, tür die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Getragene Herrengarderobe. Leihhaus Brunnenstratze 70. 283951* Federbetten, Stand 10,00, 15.00, 22,00, seinfic Brautbctten, Winter» Palctots, Wäsche spottbillig. Psandlelh- baus Küftrinerplatz 7._ 2931fi* Borjahrige eleganteHerrenanzüge und ValetotS au» seinsten Matzstoficn 20— 10 Marl, Hosen 6—14 Mark. VersandbauS Germania, Unter den Linden 21.* Herniannvlai! S VtandleibbauS. Jedermanns Kaujgelegenheit. Extra- billige JadeUanzüge. Gebrodanzüge. Winterpaletots. Hcrrenulster. Herren- boten. Ricsennuswahl Pelzstoias. Allerbilligster Betieitverkaus. Ver- mietungsbelt. Aussteuerbettcn. Aus- steuerwäsche. Reichhaltiges Portieren- loger. Gardinenauswabl. Teppich- auSwahl. Plüichtitckdeden. Steppdeckenlager. Goldsachen. Taschenuhren. Wanduhren. Wandbllder. Waren- verkaus ebenfalls Sonntags.* Teppiche!(jehlerbaste) in allen Grötzen, sast für die Hälsle des Wertes Teppichtage: Brünn. Hackescher Markt 4. Babnbos Börse.(Leier des »Vorwärts- erkalten ö Prozent Rabalt.) SonnlagS geöflnet!' (vardinenl Steppdecken! Portieren! Tischdecken! außergewöhnlich billig! Vorwärtsleser ö Prozent Rabatt extra I Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher Marli 4(Bahnhoj Börse). Sonntags geöflnet._* Taschenbuch für Gartenfreunde Ein Ratgeber jür die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung deS häuS- licheit Zier-, Gemüse- und Obst- garienS von Max HeSdörfer. Zweite ocrmebrte Auflage. Mit 137 Text- abblldungen. Preis 3,50 Marl. Expe- dition Vorwärts, Lmdenstr. 69. �MonatSanzLge, Palelots, großes Lager, jede Figur, taust man am billigsten beim Fachmann; jede Aendernng nach Wunsch in eigener Werkstatt. 5 Prozent billiger sür Vorwärtsleier. Fürslcnzclt, Schneider- Meister, Rosenthalerstraße 10.__* Teppiche lFarbensebler). Gardinen, Steppdecken, enorm billig. Mauerbofl, Große Franksurier- siraße 9, parterre. Vorwärtsleser 10 Prozent!_ 2929k' 1000 neue Nähmaschinen. Prima Langschifl sür Familie 55 Mark, Ab- zahlung 75 Mark ohne Anzahlung. öellmann, Gollnowstraße 25, nahe • j andsbergerstraße._ 2057fi* " LeihhanS»Brunnen- und Per- tausgeschäj!. Letten, Stand 9,—, Lrunncnstratzc 118, Ecke Usedomstraße �Reichgestiekte Tischdecken in Filz. such l,3ö, Viktoriatuch 2,35, Plüsch 4 35 Äochelleinen 2,65. Inventur- Rau'mungspreise. T-PPichhauS Emil Lesövre. Oramenstraize 158. 29�" Grnndbegrtste der Polittk, von Friedrich Stampicr. Gebunden 3 M. Buchhaitdlung Vorwärts, Linden- strage 69(Laden) Betten. tsland 9,—. Brunnenstraße 70, im Keller._ 1200K* Tüll-Bettdecken, volle Bctlgröße Erbslüll, reichgestickt, mit Volant 3.35, Englisch Tüll 1,65, Tüllbetl- rückwände 6,50. Jnventur-Ausnahme- preise. Teppichbaus Emil Leseore� Oranienstraße 158. 2954K' Monatsanzüge und Winter- Paletots von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockanzüae von 12,00. Fracks von 2,50, sowie für korpulente Figuren. Neue Garderohe zu stauneud billigen Preisen, auS Pfandleihen ver- sallene Sachen kaust man am billigsten bei Naß, Mulackstraße 14�__* Bronzegastronen, Gaszuglampen, Hangegaspendel, GaSwand- arme. Moderne HängcgaSkronen, Gaskocher. Jnventm preise. Zurück- gesetzte Muster spottbillig. Schrocdcr, Hochstraße 43. l4K* Pferdedecken, reine Wolle, Stück 3 Mark, wasserdicht bezogene 10 Mark, Kamelhaardecken gegen Rheuma 12,50—23,50. Gebrüder Pflaume, Berlin, Friedrichstraße 205. 2969K' Bette« 1 Prachtvolle Betten, rosarote Inletts 6,75! 9,75. Brautbetten 12,73, 15,75, 18,75. Daunenbetten 1975, 22.50. Prachtvolle Aussteuer- Wäsche. Teppiche. Portieren. Gar- dinen. Tischdecken. Stores. Tüll- decken. Steppdecken. Uhren. Ketten. Schmucksachen. Paletots. Anzüge spottbillig! Pfandleihe Paul Krüger. Brunncnstraße 47._ l?®* Ohne Anzahlung, 50 Pfennig Wochenrate an, liefere Bilder, Wand- Uhren, Teppiche, Gardinen. Portieren, Tischdecken, Steppdecken. Strengste Diskretion zugesichert. Aus Wunsch Auswahlsendung. Bestellungen er. bitte Postlagerkarte 9, Postamt 102. Seiferthähne 4,00, flottfingende 6.00—20,00. Zuchtweibchcn 1,50. Schützenstraße 11/12 I. 21113* Sciferthähne, Kollergluck, Wasserroller. Schreiber, Brunnenstraße 145. GescIiSftsverltllufe. Langjähriges Zigarrengeschäst krankheitswegen spottbillig zu ver- lausen Elsaßstraße 9. Weitzensee.* Damenhutarbeiter kann sich gute Existenz gründen durch Kaus einer kleinen Fabrikation mit guter lang- jähriger Kundschaft. Offerten 2. 4 Haupterpedition des„Vorwärts". Konfitüren- Geschäft, gutgehend, verkaust billig Ortel, Münzstraße 30, Eingang Schönhauserslraße. 59K Restaurant. Garten, zwei Kegel. bahnen, mehrere Vereine, billig zu verkaufen. Miete 1200. Reinicken- dors, Hoppestraße 24, am Bahnhoj Schönholz. � �59» Milchgeschäft, Preiswerl, krank. heiishalbcr verkäuflich Lippehner- straße 37. 21/9 Model. Englische Wohnungseinrichlung, Slube, herrliche Küche, alles noch neu. sabelhajt billig. Glas, Rosen- thalerstraße 57, vorn III rechts. Model ohne Geld! Bei kleiner Anzahlung geben Wirttchasten und einzelne Stücke aus Kredit unier äußerster Preisnotierung, auch Waren aller Art. Der ganze Offen taust bei uns. Kretschmann u. Co., Koppen- straße 4.(Schlesiicher Bahnbot.)* Möbel-Nolte. Bestrenommierteste Möbelfabrik liefert Herren-, Speise- und Schlafzimmer, sowie Ein- und Zweizimmerwohnung mit Küche von 200 Mark an(Teilzahlung gestattet), zu Katalogpreiscn mit geringem Zlusschlag. Transport frei. Verliehen gewesene Möbel besonders billig. Hermann Nolte, Tischlei innungs- meister, Zionslirchstraße 38/39.* Tischlermeister gibt Möbel aus Teilzahlung bei beliebiger Anzahlung zum Kassenpreis. Stets Gelegenheits- täuse in gebrauchten und zurück- gesetzten Möbeln. auch aus Teil- Zahlung. Nachweis von Kunden wird gut honoriert. Offerten Post« amt 90.Postlagerkarte 44-. Mahagoni- Talon! hervorragend schöne Ausführung, 650,—. Nuß- baumpianmo, kreuziaitig, erstklassiges irilat, regulär 450,—, jetzt 350,—. abrik Skalitzerftraße 25, an der ochbahn._ 9.ft* Metallbetten, zwei, modern, Kinderbett spottbillig verkäuflich Zossenerstr. 10, Hutgeschüst. 19/4' Privatleuten verlause englische Nußbaumwirtschast, noch neu, mit hochmodernen Küchcmnöbelo, Küchen geschirr, Gaskrone, Teppich 195,—, säulentrumeau 30,—, Umbausosa 40,—. Avram, Neue Schönhauser- straße 11, H. Händler verbeten. Moderne Nußbaumwirtschast, sast neu, Plüschsosa, Umbau. Händler verbeten. Zorndorferstraße 4, I, Liese. Nußbaumwirtfchaft mit reizender Kücheneinrichtung, sämtlichem Zu- behör, 190.—, prachtvolles Umbau- sosa 45.—, Facetlrumeau 30.—. Nur Privatleuten. Rabau, Weinmcister- straße 1. HL 31/7 Musikinstrumente. Harmoniums, diverse, wenig ge< brauchte, räumungshawer billig ab- zugeben. Schiedmaher, Potsdamer- straße 27L. 25/12 Bilder. Bilder. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als direkt Fabrik bei Bilder« Bogdan, Weinmeistei straße 2. 2248K Berichterstatter! Duisburg. Indem wir allen Bewerbern unseren verbindl. Dank aussprechen, teilen wir höfl. mit, daß der Posten besetzt ist. 21 Clemens Hengsbach& Co., Druck und Verlag der„Niederrheinischen Arbeiter-Zeitung", Hiwshmeilelle» für„Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Habniich, Ackerstr. 174. 4V. G. Schmidt, Kirchbach str. 14. O. R. Hackelbusch. Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppen» straße 82. R. Weiigels, Gr. Frankfurter Str. 120. XO. L. Zucht, Jntmanuelkirchstr. 12. I. Renl. Barnimstr. 42. IK. W. Baumann, Rheinsberger Str. 67. H. Fischer, Baftianstr. 6. Karl Mars, Greisenhagener Str. 27. I. Hönisch, Nazarethkirchstr. 49. H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Tietz, Jnvalidenstr. 124. L. Dechand, Rubeplatzstr. 24. MW. Salomo» Joseph, Salzwedelerstr. 8. SiVV. H. Blcruer, Gneisenaustr 72. Taehn» Hagelberger Str. 27. 8. Tt. Friv, Prinzenstr. 31. H. Lehmann, Kottbuser Damm 8. SO. Paul Böhm. Lamitzcr Platz 14il5. P. Horsch, Engeluser 15. .Adlerabot. Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. ItanniBchnlenweg. H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I, Borsigwalde. Paul Kienast, Ränschstr. 10. Cbarlottenbnrg. Gustav Scharnberg, Sesenheimer Str. 1. I'rieilriebtibagen. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 13. Grünau. Franz Klein. Fried richstt. 10. .Jolianniaelial. Pielicke, Kaiser- Wilbelm-Platz 6. Karlshorst. Richard Küter, Rödelstr. 9, II. Köpenick. Emil Wisiler, Kietzerstr. 6, Laden. Uchtenberg. Otto Teikel, Wartendem str. 1. Xiecker-i�eiiönew�eiUe. Wilh. Unruh. Brückenstr. 10. Xowawes. Wilhelm Javve. Friedrichstr. 7. Obcr-Schöneweidc. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17 II Pankow. Otto Ristmann, Müblenstt. 30. Beiniekendorl. P. Gursch, Provinzstr. 56, Laden. Nenkölln. M. Heinrich, Redarftr. 2. Conrad. Hervlannstr. 50. C. Rohr. Sieginedltr. 28/29. Knimnelsburg. A. Rosenkranz, Alt-Boxhag«n 56. Schöneberg. Wilhelm Bäumler, Martin-Luther-Str. 60 im Laden. Spandau. Köpven. Breitestr. 64. Steglitz. H. Bernsee, Alsenstr. 5. Xenipelhof. Joh. Krohn. Borussiastr. 62. Treptow. Robert Gramenz. Kiesbolzstr. 412, Laden. Weiliensee. Fuvrilinnu. �edanslr.!05. Schillert. Berliner Alle- 253. Wilmersdorf. Paul Schubert, Wilbelmsoue 27._ Fahrräder. Herrenfahrrad, Damenfahrrad, 30,—, Freilausrad, unbenutztes, allen Zubehörsachen, Karbidlaterne. Frank- surter Allee 104, Kollege Grosser.* Kaufgesuche. Küchenmöbel streicht billig Mathes, Lychenerstraße 9.* Gefunden u. verloren Piatinabfälle, alte Goldsache», Bruchgold, Silber, Gebisse, alte Uhren, Kebrgold, Goldwatten, Quecksilber, Stanniol sowie sämtliche Gold Silber-, piatinbalttgen Rückstände kaust Broh, Edelmetalljchmeize, Berlin 8, Kövenickerstraße 29. Teleph.Moritz Platz 6958. 290411* Platinabfälle, Gramm 5.70, All- gold, Silber. Zabngebiffe. Stanniol. Quecksilber bis 3,85 kauft höchstzahlend Blümel, Schmelzerei, August- straße 19 III._ fll* Höchstzatilend, Metalle, Zahm gebisse. Pialinabfall, Gold, Silber, Ouecksilber.MetallschmelzeChristjonat. Köpenickerttraße 20a(gegenüber Manleuffelstraße). 1/12* Stanniol, Metalle,«pezialgeschäsl. Elsasserstraße 66. 57K* Münzen, Briefmarken kaust Großmann, Spandauerbrücke 2. 21/3* �, Zahn bis 1,25, Plattn- absälle 5~75, Goldsachen, Silberlachen, Kehrgold. Goldwatten, Quecksilber, Stanniolp apier, Zinn 3,80, Kupfer 1L5, alle.Metalle' höchstzahlend. Edelmetall- Einkaussbureau Weber- straße 31. LOK* Unterricht. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- g-ichrittene. einzeln oder im Zirkel. wird onglischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebersetzungen an- gejertigt. G. Swienty- Liebknecht Charlottenburg, Stuttgarterplatz 9 Gartenbaus III._ 44K* Biolinunterricht nach doppelt fördernder Methode erteilt erfahrener Künstler. Eine Stunde Einzelunter- richt 1,25,-/, Stunde 75 Pfennig, für 2 Schüler pro Stunde 2 Mark. Unter- Weisungen zum Zweck des Solospiels vor großem Publikum pro stunde 3 Mark. Offerten unter Z. 2. paupt. expedition des.Vorwärts'. 1L41K- Verschiedenes. Jescheck Ensemble,«chlager aus Schlager I Bornholmerstraße 9a.* Patentanwalt Wejset, Gitschiner- straße 94».___ Patentanwalt Müller, Gitschiner. straße 81.___ 2439K* «unitstopferei von FiauKotoSkb Schlachteniee. Kurstraße 8 III. �Pfandleihe Heiuersdorjerftraße 14, nahe der Greisswalderstraße. l098b* Verloren goldenes Kettenarm» band von Skalitzerftraße bis Wiener« straße. Ecke Krünauerstraße, oder im Straßenbahnwagen 46 gegen'/,9 Übe abends bis Kaiser-Fried richsttaße. ab. zugeben gegen Belohnung. Thalwitzer, Slalitzerstraße 43. fll3 Vermietungen. Wohnungen. Balkonwobnuug, zwei Stuben, Küche, Gartenhaus 2 Treppen, 32,00,< ruhiges Haus, Kleine MarkuSstroßeff. Ideal- Passage, Neuköllns Wobnungen von zwei Zimmern mit Küche, Bad, Warmwasserversorgung, Zentralheizung und Entstäubungsan- läge(Drehrolle im Hause) sehr preis. wert zu vermieten. Auslunst Weichselslraße 8, vorn I rechts und III links. 102/2* Neukölln, Bahnhof Kaiser- iriedrichstraße. Zwei Zimmer mit üche, Bad, Warmwasserversorgung (Drehrvlle im Hause), sehr preis- wert zu vermieten Brusendorfer. straße 2/5. 102/3» Okerstraste 17, Neukölln: Zwei Dreizimmer- Wohnungen, parterre, mit Warmwaffer-Versvrgung sosort billig zu vermieten. Näheres beim Verwalter. 60K* Schlafstellen. Frenndliche Schlafstelle vermielet jeine, Neukölln. Jansastraße 3, an kaiser-Friedrichstraße._+27 Möblierte Schlafstelle Bei Schlund, Neukölln, Zietenstraße 55.+62 �.rheitsmarkt. Ltellenangedote. Marmor-Handschleiser und Zu- sammensetzer verlangt Biesenlhäler- straße 10. 2323b Tamenwäsche, geübte©ändj. Näherin. Barth, Kastanien-Allee 5. �'*0 Blusennäherinnen im Hause, Stepperm, Zusammensetzerin außenn. Binkler, Hermannstraße 78.__ "" Sauber Döring. +83 Mamsells Kostümröcke. arbeiten Außerm Hause. Brunncnstraße 146 Blusennäherin im Dünsche!, Remickendors� straße 26, 1. sc sucht Hoppe- +59 JöÜcItSRäntftBs verlangt Franz. Netersburaerstraße 20._ t —"Jünaere?- Mädchen oder ältere Frau iui Bormittags. Meldung beim Portier. Schöneberg. Munchener. straße 27.__* t'QRc De/ 1 1______________________—-----------------------___■"O.'|.: 'WfiwtwtMet fic�ttcuv: Aljred Gielexx, LevWo. Lür d-» Lnjergtenteil verantW.: TS. Glvilr, Berlin. Drllikg.Beriogi LsrkesrtH«llSdrucksrei u. BerlggzgMtt Ualll Swgtt it. S&, SSäm AH, lt. 30. 30. IahrMK. 3. Sfilnof des Joniiirb" Knlim MM WittVoch. 3. Ftbratt l9l3. Sie Kiersteiler im kiuzichust angenommen! Wie an dieser©teile vorausgesagt war, Icmntc der Fortgang der Ausschußbcratung über die Biersteucr nur durch Gewalt- �reiche erzwungen werden. Am Montag nachmittag sind diese >E!ewaltstre.rche von Herrn Cassel und seiner getreuen Gefolgschaft Prompt und exakt ausgeführt worden. Die Herren der bürgerlichen Fraktionen, die noch in der letzten Sitzung an den Materialien des.ivümmerers kein gutes Haar gelassen hatten, die Herren im besonderen, die mit den Brauereien direkt verhandelt hatten, so daf; die Brauereien noch in letzter Stunde eine umfängliche und. tvie es scheint, recht beweiskräftige Denkschrift gegen den Kämmerer '-und seine Berechnung losgelassen hatten,— sie alle folgten Herrn Hassels Wink getreulich, und ihre sachliche Beunruhigung war mit einem Schlage verschwunden, als Herr Cassel erklärte, mit irgend iwclchcr..Verschleppung" komme man nicht weiter, und als einer feiner Getreuen erklärte, diesem Zustande müsse„ein Ende gemach t" werden. Das Ergebnis war denn auch, daß, wie gesagt, sich die bürgerlichen kritischen Gewissen vollkommen be- ruhigten, und daß ein sozialdemokratischer Antrag, den Magistrat um nunc zuverlässigere Berechnungen zu ersuchen� mit allen gegen die svzialdemokratischcn Stimmen abgelehnt wurde. » Bei den entscheidenden Abstimmungen über die Steuersätze im § t der Vorlage ergab sich dann anr Montag— selbstverständlich gegen die Sozialdemokraten, die jede wie immer geartete Bier- stcucr ablehnten— für untergäriges Bier ein Satz von 30 Pf. pro Hektoliter und für obergäriges Bier «in solcher von 10 Pf. Diese Sätze bedeuten gegenüber der Magistratsvorlage eine Herabsetzung der Steuersätze von 40 bezw. bO Proz. Tie Magistratsvertrctcr hatten schon vorher zu diesen Anträgen erklärt, daß der Magistrat seine Stellung zu diesen An- trägen sich um so mehr vorbehalten müsse, als er erst abwarten wolle, was aus der Lustbarkeitssteucr herauskäme. Der Kämmerer im besonderen aber erklärte, daß mit solchen Sätzen an einen Aus- gleich des bisherigen Malzsteuerzuschlages nicht zu denken sei. Bei diesen Sätzen würde nicht einmal das gegenwärtige Steuerergebnis ihc'rauskonunen. Hiernach könnte es scheinen, als ob es dennoch zu einer Diffc lrcnz zwischen Magistrat und bürgerlicher Mehrheit über diese Steuer klommen könne. Aber es wäre sehr verfehlt, wenn sich die Berliner Bevölkerung durch diesen Schein- wieder zur Ruhe bringen ließe, denn gerade das ist die Taktik der Garde des Herrn Cassel, durch eine solche scheinbare Abschwächung der Steuer einerseits und durch eine ebenso scheinbare Opposition gegen den Magistrat anderer- seiks die Steuer letztlich um so sicherer in den Hafen zu bringen. Eine Hoffnung besteht freilich noch, daß das Plenum der Stadtverordnetenversammlung in seiner bürgerlichen Mehrheit mehr Einsicht und Verständnis beweist als die bürgerlichen Ausschußvertreicr, und. daß man sich im Plenum auch in den bürgerlichen Reihen nicht durchweg mit einem lediglich rechnerischen Protest begnügen wird. Um in den bürgerlichen Reihen die Oppo- sition, die ztveifellos vorhanden ist, zu stärken, gilt es aber, daß jetzt die Berliner Bevölkerung, im besonderen- die Gastwirte, die Gasthausange st eilten, die Brauereiarbeiter und die bierverbrauchcnde Bevölkerung sich erneut zu einer energischen Opposition aufraffen. Die sozialdemokra- tischen Stadtverordneten haben auch im Ausschuß ihr möglichstes versucht, die Steuer zu bekämpfen und zur Ablehnung zu bringen. Aber gegen eine geschlossene Zweidrittelmehrheit der bürgerlichen Fraktionen, die der gewalttätigen Dressur des Herrn Cassel immer wieder glänzend und ohne Murren folgen, können die besten fach- liKen Argumente nichts ausrichten. Partei- Hngckgcnbeitcn. Zur Lokalliste. I n Neumühle- Niederlehme B.-B. sind die Lokale von Riedel und Domschke sfrüher Müller) für die organisierte Arbeiter- schast nack wie vor gesperrt. In Lankwitz hat das Lokal I. DohnS Festsäle, Kaiser- Wilhelmstr. 34, den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber, Herr Uhlmann, weigert sich, sein Lokal der organisierten Arbeiterschaft iiur Verfügung zu stellen; das Lokal ist daher von der Lokalliste zu treichen und als gesperrt zu betrachten. Die Lokalkommission. Teltow. Heute Mittwoch, den 5. Februar, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung bei Bonow. Tagesordnung: Aufstellung der Wahlmänner zur bevorstehenden Ersatzwahl. ßcrlincr Nachrichten. Die Einteilung der Stadt Berlin für die Wahl zum Zlbgcorduetenhause ivcist in einigen Wahlbezirken nicht un- erhebliche Abweichungen gegenüber der Wähl im Jahre 1908 auf. Im ganzen sind für die diesjährigen Wahlen 1-168 Ur- Wahlbezirke gegen 1125 im Jahre 1908 vorgesehen. Damals waren zu wählen 7677 Wahlmänner, in dicsein Jahre sind es 7811. Diese Urwahlbezirke und Wahlmänner verteilen sich nach einer Mitteilung der„Lossischen Zeitung" wie folgt, wobei die entsprechenden Ziffern des Jahres 1908 in Klammern angeführt sind: I. Wahlbezirk 92(97) UrWahlbezirke, 491(514) Wahlmänner n.„ 92(104)„ 453(541) III.„ 85(95). 433(488) IV.„ 86(89)„ 466(490) V.„ 97(101)„ B01(541) VI.„ 140(139)„ 740(742) Vn.„ 153(124)„ 830(677) VIII. 156(173)„ 815(925) IX.. 147(108)„ 790(592) X.., 164(177) ,. 886(967) XL„ 118(88)„ 660(486) XII... 138(129)„ 746(714) Berlins Bevölkerungsbilanz für das Jahr 1912. Die Bevölkerungszahl Berlins ist vom Statlsti- fchen Amt der Stadt für Ende 1912 auf 2 095030 berechnet worden. Da das Jahr 1912 mit der Bevölkerungszahl L 081 015 begann, so ergibt sich ein Zuwachs von nur 10 985. Das ist wieder weniger als für das Jahr 1911, wo die Wevölkcrung sich noch um 12 138 Personen vermehrt hatte. Der Zuwachs kommt zustande aus dem Ileberschnh der Geborenen über die Gestorbenen und dem Ueberschuß der Zu- gezogenen über die Weggezogenen. Der Zuzugsüberschuß bleibt allerdings in manchen Jahren aus. und das Wände- rungsergebnis ist dann ein Defizit. Lw Lahre 1912 MMN gebo.ren MM Minder Zfew schließlich Totgeborene) und starben 31713(einschließlich Totgeborene), so daß ein Geburtenüberschuß von 12217 blieb. Im vorhergehenden Jahre waren noch 41834 Kinder geboren worden und 33 956 Personen gestorben, woraus sich ein Geburtenüberschuß von 10 878 ergab. Das Jahr 1912 hat trotz weiteren Rückganges der Geburten» zahl doch mit einem höheren Geburtenüberschuß abgeschlossen. weil diesmal die Sterblichkeit, vor allem die Säuglingssterblichkeit, geringer als im Vor- jähr war. Für die Statistik der Zu- und Wegzüge werden seit An- fang 1912 nicht mehr die Listen der Polizeireviere, sondern die Originalmeldungen als Grundlage benutzt. Das Statt- stische Amt nimmt an. daß diese Aenderung zu einer erheb- lichen Beeinflussung des Ergebnisses geführt habe, so daß man hier die Zahlen diesmal nicht ohne weiteres mit denen des Vorjahres vergleichen könne. In der Tat sind im Jahre 1912 bei den Zuzügen wie bei den Wegzügen ganz unge- wöhnlich hohe Zahlen herausgekommen. Nach den Meldungen (die bei den Wegzügen durch Zuschlag für unterbliebene Mel- düngen, wie üblich, erhöht wurden) wären für 1912 in Rech- nung zu stellen 337 517 Zugezogene und 338 773 Weg- gezogene, gegenüber nur 271 451 Zugezogenen und 270 191 Weggezogenen für 1911. Hiernach hätte Berlin sich für 1912 aus den Wanderungen keinen Ueber- schuß, sondern ein Defizit zu buchen gehabt. Die Zahl der Weggezogenen ging diesmal um 1262 über die der Zugezogenen hinaus, während im vorhergehenden Jahre 1260 Personen mehr zu- als weggezogen waren. Dieser Unterschied zwischen den Jahren 1911 und 1912 hat dann auch das Zuwachsergebnis beeinflußt. In 1911 kam zu dem Geburtenüberschuß von 10 878 der Zuzugs- Überschuß von 1260, so daß der gesamte Bevölkerungszuwachs 12 138 betrug. In 1912 dagegen wurde der höhere Geburten- Überschuß von 12 247 um das Zuzugsdefizit von 1262 gekürzt, so daß diesmal der gesamte Zuwachs sich, wie schon erwähnt, ans nur 10 985 stellte. Man sieht, daß Berlins Bevölkerungs- bilanz für 1912 nicht besonders günstig war. Wenig großstadtwürdige Erscheinungen Preten bei den an- haltend niedergehenden Schnee- und Regenmassen der letzten Tage an einzelnen in den Vororten gelegenen Haltestellen der elektrischen Straßenbahn in Erscheinung. Infolge mangelhafter oder gar nicht vorhandener Pflasterung sinden sich, namentlich in weniger be- bauten Straßenzügen, oft Pfützen oder aufgeweichte Bodenstellen von solchem Umfange, daß der wartende Fahrgast entweder in einem See oder Sumpf stehend den anrollenden Wagen erwarten muß. Ließe sich da nicht eine Abänderung schaffen? Durch Warte- hallen, wie sie in anderen Städten(auch schon in einzelnen west- lichen Vororten) bestehen? Eventuell genügten auch ein paar Granit- oder Kunststeinfliesen, die den Wartenden wenigstens einigermaßen vor nassem Schuhzeug und Erkältungskrankheiten mancherlei Art schützen könnten. Bei den stattlichen Dividenden der Berliner Elektrischen Straßenbahn ließen"sich doch sicherlich ein paar bescheidene Aufwendungen in dieser Richtung machenk Das HeimathauS am Bahnhof Börse, das sich„HeimatlhauS für Stellung suchende Mädchen" nennt, ist schon öfter in-der Oeffent- lichkeit Gegenstand von Beschwerden gewesen. Bei einer Besichtigung fanden wir Zustände vor. die trotz einer gewissen Ordnung und Sauberkeit nur zu deutlich erkennen ließen, daß man es hier mit einer unsozialen und hygienisch recht bedenklichen Einrichtung zu tun hat. Das Ganze trägt den Charakter einer auf niedrigster Stufe stehenden, den notdürftigsten Lebensbedingungen gerecht werdenden Massenhcrbergc, und wieder ist es, wie in der von uns genügend gekennzeichneten Wohnungshöhle am Krögcl, der F i s k u s, der gegen hohe Miete— hier 4500 M. pro Jahr für zwei Stadtbahnbögen— seine Räume hergibt zum Zusammen- pferchen allcrärmster Personen. Die Zustände im Heimathaus sind auch deshalb dem Schuldkonto des Fiskus zuzuschreiben, weil er ungeachtet der hohen Miete zu keiner Renovierung zu bewegen ist. Die gewöhnlichen Pflichten des Hauswirts kennt der Fiskus nicht. Die Einrichtungen des Heimathauses sind denkbarst einfach, förmlich ashlartig, bieten eben gerade Schutz gegen Wind und Wetter. Jedes Fleckchen ist, um Geld zu bringen, auf das äußerste ausgenützt. An den Tischen in den beiden Tagesräumen haben die 120 Personen, auf welche das Heim berechnet ist, überhaupt nicht Platz. Meist sind es aber 150 Frauen und Mädchen, die hier unterschlüpfen. Vielfach müssen sogar noch Unterkunft suchende Mädchen abgewiesen werden, ein Beweis, wie groß die Not ist. Am meisten haben uns die beiden Schlafsäle zu interessieren. Ge- wiß gibt es in Berliner Privatwohnungen armer Leute noch schlechtere Zustände. Hier bei einer allgemein zugänglichen Ein- richtung wirkt das ganze Milieu nichts weniger als anheimelnd. Jeder Schlafsaal enthält 60 Betten, uralte eiserne Bettstellen mit Matratze, Kopfkissen und Oberbett. Davon liegen 40 Bettstellen zu ebener Erde, 20 sind auf einem eingebauten hölzernen Hängeboden, zu dem eine schmale Holztrcppe hinaufführt, untergebracht. Auf dem Hängeboden ist die Mittelhöhe so, daß man eben aufrecht stehen kann. Zu den seitlich unter dem Bogen stehenden Betten kann man nur in starl gebückter Stellung ge- langen. Die Wohnungspolizci beanstandet das nicht, weil ja Freund Fiskus der Vermietungskapitalist ist. Zu jedem Bett ge- hört ein Kleiderständer und ein niedriger verschließbarer Schrank, dessen Schlüssel gegen 50 Pf. Pfand ausgehändigt wird. Der eine Schlasiaal hat einen schmalen Streifen Oberlicht, durch den ständig bei schlechtem Wetter Wasser auf die Diele tropft. Einige Rheumatismusbetten stehen dicht an-den zugigen Fenstern. Jedes Nachtlager kostet 30 Pf. Sechs Betten, die je 50 Pf. kosten und in abgeschlossenen Kabinen stehen, sind für„anspruchsvolle" Gäste reserviert. Auch das Hauspersonal, das aus den Heimgäsien cnt- nommen und bei freier Beköstigung bezahlt wird, hat eigene Kabinen. Recht hübsch und wohnlich, im Verhältnis zu dem „Bienenkorb" elegant, ist das Zimmer der Hausdame. Der Vcr- jicherung, daß Ungeziefer hier zu Seltenheiten gehört, darf man wohl etwas mißtrauisch gegenüberstehe». Ein Mißstand liegt darin, daß fast jeden Abend, da der Andrang stark ist und die 120 Bettstellen nicht ausreichen, im Speiiseraum etwa 30 Stroh- säckc aus dem Fußboden ausgebreitet werden. Hier müssen die Lctztgemcldeten schlafen, bis eine Bettstelle frei wird. Ein Dutzend Blcchschüsseln bilden die Waschcinrichtung. Mit Hand- tüchcrn soll es sehr mätzig bestellt sein, lieber das Essen wird keine besondere Klage geführt. Es gibt für 10 Pf. Kaffee und zwei Schrippen, für 20 Pf. Mittagessen, in dem das Fleisch natürlich nicht leicht zu entdecken ist, für 5 Pf. eine Schmalzstulle, für 10 Pf. eine Butterstulle usw. Eingeschriebene Hcimgäfte, die nach lö Ur glWds ajiianficn, müssen tzc«, vssycMn HMsgeijt 5 U. bezahlen. Irgendwelcher Arbeitszwang, besteht nicht, aber Löhn« drückerei bei denen, die hier Personal suchen, macht sich bemerkbar. Das Bemerkenswerteste ist, daß das Heim seinen Namen nur zum Teil verdient. Es hat sich hier nämlich seit langen Jahren— das Heim besteht fast drei Jahrzehnte— ein Stamm älterer und alter Frauen eingelebt, die ganz allein stehen und tags über ar- beiten gehen. Sie sind die besten, promptesten Zahler. Der sonstige Zuzug, mehr als die Hälfte, kommt zumeist von aus- wältigen Städten, wenig vom platten Lande. Im Jahre suchen rund 3000 weibliche Personen das Heim auf. i Alles in allem ist also das Institut weiter nichts als ein mit seinen dürftigen Einrichtungen vollständig veraltetes und un- hygienisches Geschäftsunternehmen unter Vereinsslaggc. Es geht hier wie überall bei derartigen Heimen: die Gehälter ver- schlingen mehr als-die Hälfte der Einnahmen. Man kann also hiernach berechnen, daß an Schlafgeld und Essen ganz hübsch verdient wird. Werden die Vereinsdamen von ihren GehaltSbezügen auch nicht reich, so haben sie doch ihr Auskommen, und das ist ja bei allen diesen Gründungen die Triebfeder. Wieder- holt ist der Verein an den Magistrat herangetreten wegen Ueber- nähme des Heims auf die Stadt; jedesmal vergebens. Die Not- wendigkeit eines solchen Heimathauses, das aber einen ganz andc- ren Anstrich erhalten mutz, ist sicher anzuerkennen, um so mehr, als der Verein unter den heutigen Zeitverhältnissen seinem Zweck längst nicht mehr gewachsen ist. > Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat Januar nächtigten im Männer-Asyl 15179 Personen, wovon 7135 badeten, im Frauen- Asyl 2394 Personen, wovon 935 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Kolberger Str. 30. Der Wahlprüfungsausschuß deS ZweckverbandeS Groß-Berlin hat das Mandat des Berliner Kämmerers Dr. Böß als Vertreter der Stadt Berlin für den Verband sür ungültig erachtet, weil dieser noch nicht ein Jahr in Berlin ansässig bezw. ihm nicht vor seiner Wahl das Bürgerrecht dortselbst verliehen sei. Dazu lttzrd aus dem Rathause berichtet: Nach dein§ 16 des Zweck- Verbandgesetzes für Groß-Berlin sind mit� Ausnahme der Beamten des Verbandes alle Angehörigen der bereiligten Ge» meinden und Landlreise wählbar, welche die Wählbarkeit für de» Gemeindevorstand oder die Gemeindevertretung beziehungsweise den Kreistag besitzen. Der Besitz des Bürgerrechtes ist kein Erfordernis der Wählbarkeit zur Verbandsversammlung, wie auch der Kommentar des Gesetzes von Ledermann, Brühl und Gorda» betont. Für die Wahl des Kämmerers Böß seitens der Stadt Berlin genügt also die Tatsache, daß er in Berlin seinen Wohnsitz hat, während der Slaatssekretär a. D. Dernburg, der in der Villenkoloiiie Grüne- wald seinen Wohnsitz hat, nicht Angehöriger der Stadt Schöueberg ist, die ihn zum Mitglied der Verbandsversammlung� gewählt hatte, mithin nach Ansicht der Zweckverbandsversammlung aus diesem Grunde nicht wählbar war. Daß jeder, der gewählt werden soll, erst ein Jabr Einwohner der ihn wählenden Stadt sein muß oder sonst das Bürgerrecht nach einem Gcmeindebeschluß erst durch Verleihung erhalten muß, würde eine im Gesetz nicht vor» gesehene Eim'chränlung des passiven Wahlrechtes bedeuten. Im Ausschuß wurde von sozialdemokratischer Seite geltend gemacht, i)\i§ 16 sei so auszulegen, wie ihn im Falle Dernburg die Minderheit ausgelegt hatte. Da das Oberverwaltungsgericht noch nicht entschieden habe, sei kein Anlaß, von der durch die Konsequenzen im Falle Böß noch klarer als richtig sich herausstellenden Ansicht abzugehen. Die übrigen Mitglieder des Ausschusses vertraten indes den Standpunkt, man müsse schon jetzt den Fall Dernburg als Präzedenzfall betrachten. Ballonfahrten. Am Donnerstag, Freitag und Sonnabend, den 6., 7. und 8. Februar finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauplstädten Europasauf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Be- lohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebcnen Instruktion ge- maß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgl und an die angegebene Adresse sofort telcgraphisch Nachricht sendet. Der HauSpascha, der selber seine Mieter exmittiert, ist in Verlin keine Seltenheit. Will ein Mieter, der keine Miete zahlen kann oder dem Wirt sonstwie unbequem geworden ist. nicht guiwillig ausziehen, dann hebt man ihm Tür und Fenster aus. Dieses Mittel, eine Wohnung dem Insassen zu verleiden, ist auch gegen eine Mieterin angewendet worden, die mit einem dreijährigen Kinde eine elende Dachstube des Hauses Ackerstr. 33 beivohnte. Ende Dezember hatte sie noch ein zweites Kind zur Well gebrawt, doch starb dieses schon nach elf Tagen. Durch Schwangerschaft und Wochenbett war die Mutter so heruntergekommen, daß es ihr nicht möglich war, die restierende Miete ohne weiteres zu zahlen. Herr Zcidler, der Gatte der Hauseigentümerin, forderte sie in der vierten Woche nach ihrer Entbindung auf, jetzt einen Teil der Mieisschuld abzutragen. Als sie das nicht tat, ließ ei» Mitglied der Hauswirtsfamilie die WohnungStür ausheben, und am anderen Tage wurde dann a u ch n o ch das Fenster ausgehoben, Die Mieterin versuchte, noch ein paar Tage in der Wohnung zu bleiben, indem sie Tür und Fenster mit Decken verhängte. In der Jamiarkälle war aber ein längerer Aufenthalt nicht möglich, so daß sie sich nach einer anderen Wohnung umsehen mußte. Anfang Februar holte sie dann ihre Habe ab, die im Hause zurückgeblieben war. Ueber diese Be« Handlung einer erst vor kurzem auS dem Wochenbett aufgestandene« Mutter ist man im Hause, wie in der Nachbarschast empört. Bom Eiscnbahnzugc überfahre» und getötet wurde gestern nach- mittag Vz2 Uhr in der Nähe des Bahnhofes Kaiser-Fricdrickistraße in Neukölln ein Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden tonnten. Wie uns berichtet wird, hatte der Uebcrfahrene einen von Treptow kommenden, in den Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straße ein- fahrenden Zug beuutzt. Kürz vor der Einfahrt wurde dem Fahrgast beim Hinauslehnen aus dem Fenster von dem herrschenden Sturme der Hut vom Kopfe geweht. Als der Zug hielt, stieg der Fahrgast au jener Seite der neuen Kanalbrücke, wo gegenwärtig noch Auf- schüttungen von Erdmassen vorgenommen werden, aus, um seinen Hut wiederzuerlangen. Hierbei ist der Suchende von einem heran- nahenden Zuge erfaßt und getötet worden. Befremden erregte es, daß der mit Lappen zugedeckte Tote gestern abend noch an der Unfallstelle lag. Ein falscher Kassierer'der Berliner städtischen Feuersozietät treibt seit einiger Zeit wieder sein Unwesen. Er erscheint bei den HanS- Wirten, Verwaltern oder Pförtnern, angeblich im Auftrage der Sozietät, um die fälligen Prämien einzuziehen, und erbeutet jedes- mal iniudesteiis 20 M. Wie die Kriminalpolizei jetzt crnüttelt hat, ist der Schwindler ein 35 Jahre alter aus Magdeburg gebürtiger Versicherungsagent Otto Thiele, der arCch früher schon einmal diese Gaunerei betrieb. Thiele wurde damals verhaftet und zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Bevor er diese Strafe ganz verbüßt hatte, erhielt er aus besonderen Gründen einen Urlaub, lehrte aber nach dessen Ablauf nicht wieder zurück. Der Schwindler gibt sich nicht einmal die Mühe, die Sozietätsguitwngen auch nur einigermaßen nachzuahmen. Er schreibt sie entweder ganz mit der Hand aus ein einfaches Blatt Papier, oder er benutzt gewöhnliche OuittungSformutare. wie man sie bei jedem Papierhändler kaufen kann. Wahrscheinlich wird sich der Schwindler nicht aus dir Sozietät beschränken, sondern auch für alle anderen Versicherungen„kassieren" gehen. Es sei daher bor ihm gewarnt. Der Müggelsee wieder gesperrt. Allzu kurze Eisbabnfreuden waren den Anhängern des Wintersports diesmal beschieden. Am vergangenen Sonntag war die mächtige Eisfläche des Müggelsees in diesem Winter zum ersten Male für den Eissport freigegeben worden und bereits am Montag mutzte er wieder gesperrt werden, da infolge des eingetretenen Tau- und Sturmwetters das Betreten des Sees recht gefährlich geworden ist. Auch das Betreten des Wannsees, des Gruncwaldsces und des Tegeler Sees ist verboten. Von einem Omnibus überfahren und schwer verletzt wurde am Dienstagabend vor dem Hause Linienstrahe ö ein Kutscher der Firma Nestle. Der Mann geriet so unglücklich unter den Omnibus der Linie 32, datz ihin ein Vorderrad über den Kopf ging. In schwerverletztem bewußtlosen Zustande wurde der Aermste nach dem Krankenhaus Fricdrichshain geschafft. Den Tod auf den Schienen suchte und fand gestern nachmittag in Neukölln ein noch unbekannter, ungefähr 25 bis 30 Jahre alter Mann, der seinem Acutzercn nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Der Lebensmüde warf sich in der Nähe der Gas- anstalt vor die Lokomotive eines Südringzuges. Er wurde von der Maschine erfaßt und so stark verstümmelt, datz er auf der Stelle verschied. Die Leiche des unbekannten Selbstmörders wurde nach dem Schauhause in Berlin gebracht. Ausweispapiere wur- den bei diesem nicht gefunden, bis auf eine Mictsquittung auf den Namen R. Schmelz, die N. Stierling unterzeichnet ist. Der Tote hat dunkelblondes Haar, einen stark gestutzten Schnurrbart und trug einen braungrauen Anzug und schwarze Zugstiefcl. Vorort- IVsadmcKtetr. Schöueberg. Aus der Stadtverordneteuversammlung. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der auf Herbeiführung eines Zusammenschlusses von Grotz- Berlin abzielte, war das Hauptinick der Tagesordnung. Ueber die Debatte, die er hervorrief, sowie über die einstimmige Annahme haben wir Dienstag berichtet. Ans der Tagesordnung standen noch mehrere Angelegenheiten von allgemeinem Interesse. Das Ortsstatut der Psli cht- Fort- b i l d u li g S s ch« l e für Mädchen, das zur Beschlutzfassung vor- lag, lehnt sich im allgemeinen an das Berliner Statut an. Die Schülerinnen sollen in die drei Gruppen der ungelernten Ar- beiterimicu, der gelernten Arbeiterinnen und der kaufmännischen Angestellten eingeteilt werden, und dementsprechend wäre auch der Lehrplau zu gestalten. Den Haus wirtschaftlichen Unter- richt, der allen Schülenimen gleichermatzen not tut, möchte Stadtv. Bamberg(liberale Fraktion) zu einem nur fakultativen Lehrgegeustand gemacht sehen. Tagegen forderte Stadtverordneter Dr. Jacobti(freie Fraktion), datz auch dieser Lehrgegeustand obligatorisch werde. Daran müsse man schon deshalb fest- halten, weil für Grotz- Berlins Gemeinden eine möglichst einheitliche Gestaltung der Fortbildungsschulen zu wünschen sei. Genosie M o h s begrützte es mit Befriedigung, datz nun auch für Mädchen die Pflicht-Foribildungsschule zustande kommen soll. Ans erneute Darlegung der hinreichend bekannten prinzipiellen Stellungnahme der Fraktion zur Frage der Pflicht- Fortbildungsschule verzichtet er. Der Entwurf des Statuts ivurde einem Ausschuß überwiesen.— Zur Beschaffung billigen Fleisches durch die Gemeinde waren im Herbst 20000 M. bewilligt worden, die seitdem als Betriebskapital beim An- kauf ausländischen Fleisches gedient haben. Inzwischen ist auch aus dem Inland, aus Schleswig, ein Fleischangebot gekommen. Der Magistrat, der in Uebereinstimmung mit der Deputation zur Behebung der LebenSmitteltcuerung darauf eingehen will, ersuchte die Stadtverordneten um Erinächtigung, jene 20 000 M. auch hierzu zu verwenden. Die sozialdemokratische Fraktion beantragte Erhöhung um weitere 10 000 M. bis auf 30 000 M. Ueber einen ersten Ankauf, den auf Wunsch der Deputation der Magistrat bereits vor Erteilung der jetzt beantragten Genehmigung in Schleswig gemacht hat, berichtete Stodlv. B i s ni a r k'(tib. Frail.). Das Fleisch sei von den am Vertrieb beteiligten Schlächtermeistern Schönebergs sehr gelobt worden, so datz man Fortsetzung der Versuche nur empfehlen könne. Stadtv. L i n i c u s(freie Frakt.) äutzerte Besorgnis, datz die Gemeinden durch Ankauf auch von inländischem Fleisck, die Fleisch- preise in die Höhe treibe» werden. Die sozialdemokralische Fraktion erklärte sich im Prinzip einverstanden mit dem Plan des Magistrats. Genosse P e t e r s v n regle an, nach dem Vorgang Berlin? den Fleischverkauf an Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft zu übertragen. Mit Schlächtermeistern werde man vielleicht — ähnlich, wie bei dem russischen Fleisch— wieder schlechte Erfahrungen machen. Der in der Mogistratsvorlage aus- gesprochene Gedanke, zu den Viehproduzenleu Schleswigs in ein dauerndes Vertragsverhältiiis zu treten, werde durch einen Ausschuß nachgeprüft iverden müssen. Daß das Inland allein den Bedarf an Vieh und Fleisch nicht decken könne und weiter a u s l ä n d i s ch e s Fleisch angekauft werden müsse, sei selbstverständlich. Das ist, wie Oberbürgermeister Dominicus ausführte, nach wie vor auch Meinung des Magistrats. Er hofft aber, durch Ankauf inländischen FleiscbeS die Landwirte Schleswigs zu einer Steigerung der Vieh- Produktion veranlassen zu können. Die Erhöhung des Betriebsfonds auf 30 000 M. erklärte Stadlrat Bergmann für unnötig, weil schon bei 20 000 M. der Ankauf sich glatt abwickele. Der Antrag wurde dcknn zurückgezogen. Genosse M o l k e n b u h r sah sich den Vorschlag einer engeren' Verbindung der Gemeinden mit den Produzenten näher an. Um die Fleischpreise herab- zudrücken, seien die Gemeindeil zur Einmischung in den Fleisch- Handel geschritten, weil Zollermätzigung für ausländisches Fleisch nur bei Ankauf durch Gemeinden gewährt wurde. Nun habe sich in letzter Zeit bei inländischen Viehproduzenten das Bestreben gezeigt, Großstädte zum Ankauf von Vieh auf längere Zeit zu festen Preisen zu gewinnen. Man wolle so die S t ä d t e, die ja dann beim Sinken der Preise das Fleisch nur mit Schaden verkaufen könnten, für hohe V i e h p r e i s e interessieren. Auf eine An- frage Molkenbuhrs erwiderte Stadtrat Bergmann, datz Frachterinätzigung für die Fleischlieserungen noch nickt bestehe. Ob der Magistratsantrag in einem Ausschutz zu beraten sei oder nicht, darüber wurde lange hin und her gestritten. Von unseren Genossen beteiligten sich an der Debatte noch Bernstein, der Annahme des Magistratsantrages empfahl, sodann O b st und H o f f ni a n n, die nochmals Uebertragung des Fleischverkauss auf die Konsum- genosseuschaft anregten. Die Borlage wurde einem A u s s ch u tz überwiesen, dem unsere Genossen Obst, Peterson, Reiche angehören. — Die Vorlage über Einrichtung einer W o h n u n g s p f l e g e und W o h n u n g s a u s s i ch t kam aus einem Ausschutz zurück. Stadtv. Peine(lib. Frakt.) berichtete über das Beratungs- ergebnis, durch das an dem Entwurf des Magistrats nicht viel geändert worden ist. Die Versuche unserer Genossen. im Ausschutz wesentliche Verbcsserungen durchzusetzen, sind erfolglos geblieben. Genosse M o h s stellte daS mit Bedauern fest. Angesichls der Aussichtslosigkeit, im Plenum mehr zu erreichen, werde die Fraktion ihre Anträge jetzt nicht wiederholen. Unser Redner kündigt aber an, datz zu günstigerer Zeit die Anträge wiederkehren werden. Die M a g i st r a t.H v o r l a g e wurde mit den vom Aus- schütz beschlossenen Aenderungen angenommen. Sin Ehcdrama hat sich am gestrigen DieiiStagnachmittag gegen S Uhr in der Tempelhofer Straße abgespielt. Es wird hierüber folgendes berichtet: Der 28jährige Bildhauer Max Rössel, Kolonnen- stratze IS wohnhaft, lebte seit einiger Zeit mit seiner 2S jährigen Ehefrau in Unfrieden. Vor etwa vier Wochen hatte nach einem Streit Frau R. die Wohnung ihres Gatten verlassen und ihr sechs Monat altes Kind mitgenommen. R. versuchte wiederholt eine Aus- iöbnuna herbeizuführen. Frau-R. hatte unterdessen eine Auswarte- stelle in der Tempelhofer Stratze angenommen, und hier versuchte 8L an mehreren Tagen der vorigen Woche seine Frau zu sprechen. �veräfltvöMcher�»edäktevr: Alfrcp Wielepp, Neukölln. Für den ohne daß ihm die? gelang. Am gestrigen Nachmittag gegen 6 Uhr verließ Frau R. die Wohnung ihres Dienstherrn, als ihr der Gatte vor der Haustür entgen trat und eine Unterredung von ihr forderte. Das Ehepaar lehrte nun in den Hausflur zurück und beide unter- hielten sich längere Zeit miteinander. Im Verlauf des Zusammen- seins zog der Bildhauer einen Revolver aus der Tasche und richtete die Mündung gegen die Frau. Die Waffe versagte jedoch und Frau R. ergriff die Flucht, aus der Stratze wiederholt um Hilfe rufend. Der Bildhauer schoß sich hieraus in die Schläfe. Er wurde mittelst Krankenwagen nach dem Schöueberger Kraukenhause gebracht, wo er bald darauf seinen Verletzungen erlag. Charlottenburg. Zur Hebung des Fortbildungs- und Fachschulwesens ist der Stadtverordnetenversammlung nicht allein eine Vorlage des Magi- strats unterbreitet worden, die eine gesamte Neuorganisation auf diesem Unterrichtsgebiete vorsieht, sondern der Magistrat forderte von den Stadtverordneten auch die Zustimmung zur Schaffung einer neuen Stelle für einen besoldeten Stadtrat, dem das Fortbildungs- und Fachschulwesen unterstellt werden- sollte. Die Wandlungen, welche diese Vorlage durchmachte, sind nicht un- interessant. Einmal verlautete in der bürgerlichen Presse— schon che die Mogistratsvorlage bekannt war—, datz man den Führer der liberalen Fraktion zum Stadtrat machen möchte, und zwar zu einem besoldeten Stadtrat. Angeblich sollte das für den Herrn, den die Liberalen schon vor Jahren gern unter den besoldeten Magi- stratsmitgliedern gesehen hätten, auch ein Entgeld dafür sein, datz der liberale Fraktionschef nicht zum Bürgermeister gewählt werden konnte.— So weit die bürgerliche Presse, die ja die Stimmungen und Absichten im liberalen Lager besser kennen mutz als wir, und die deswegen auch die neu geforderte Stadtratsstelle mit dem bereits vorhandenen Bewerber dafür in ursächlichen Zusammen- hang gebracht hatte.— Als dann die Vorlage den Ausschuh be- schäftigte, tauchte bei den bürgerlichen Stadtverordneten der Wunsch auf, neben dem einen besoldeten Stadtrat auch noch zwei un- besoldete Stadträte dem Magistratskollegium cinzuver- leiben. Dieser Wunsch verdichtete sich zu einem Beschlutz, der ober beim Magistrat auf lebhaften Widerstand stietz. Wahrscheinlich hat der Magistrat übergenug an den Stadträten, welche die bürger- lichen Fraktionen bisher aus ihrer Mitte genommen, dem Magistrat als„frisches Blut" zuführten! Er winkte also jedem neuen „Segen" dieser Art energisch ab und�überlietz es der Stadtver- ordnetenversammlumg, sich mit diesen Tatsachen abzufinden. Neue Ausschutzberatungen fanden statt. Die bürgerlichen Vertreter wollten sich mit einem unbesoldeten neuen Stadtrat neben dem be- soldeten begnügen, aber der Magistrat blieb fest, er wollte auch von diesem verminderten Zuwachs des Magistrats nichts wissen. Ihn ahnt jedenfalls nichts Gutes von der ihm dann bevorstehenden neuen„Erwerbung". Da blieb dann den Liberalen nichts anderes übrig, als klein beizugeben. Sie verzichteten auf den unbesoldeten Stadtrat und stimmten im Ausschutz für die ursprüngliche Magistratsvorlage, die dann auch mit knapper Mehrheit angenommen wurde. Außerdem «wurde einer Resolution zugestimmt, welche den Magistrat ersucht, der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage, die die Ver° Mehrung der Maaistratsmitglieder um einen unbesoldeten Stadtrat vorsieht, zu unterbreiten.— So wird sich denn dieser heitere Kampf um einige neu« Stadtratsmandate, der sich aus der so ernsten Frage der Hebung des Fortbildungs- und Fachschulwesens entwickelte, in Wohlgefallen auflösen. Für unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung schied jede Neben- oder Personenfrage bei dieser so überaus wichtigen Angelegenheit aus. Das eine steht fest: Für das Fort bildungs- und Fachschulwesen mutz dringend bald etwas getan werden. Wir sind der Meinung, datz mit einem neuen Direktor für das gesamte städtische Fortbildungs- und Fachschulwesen das- selbe erreicht wird als mit einem neuen besoldeten Stadtrat. Dringen unsere Genossen mit dieser Ansicht in der Stadtverord- netenversammlung nicht durch, so werden sie es an ihrer Hilfe, auf andere Weise die schleunige Hebung des Fortbildungs- und Fachschulunterrichts zu ermöglichen, nicht fehlen lassen. Ein viel begehrter Posten scheint der des Stadtshndikus von Charlottenburg zu sein. Als näpilich für den zum Bürgermeister gewählten bisherigen Syndikus zur Bewerbung um den Posten auf- gefordert wurde, meldeten sich nicht weniger als 8 8 Bewerberl Lockte dieselben die Stadt Charlottenburg oder das Amt an sich oder das Gehalt? Bielleicht auch das letztere; denn die Stelle ist mit einem Salär von 10 0Y0— 13 7150 M. ausgestattet, so datz der Stadt- shndikus von Charlottcnburg höher dotiert wird, als manche Ministercxellenz in deutschen Kleinstaaten.— Unter den Kandidaten befanden sich 20 Stadträte, 18 höhere Gemeindebeamte, 16 Bürger- mcister, 16 Gerichtsbeamte, 8 Regierungsräte, 4 Staatsbeamte, 4 Rechtsantvälte und 2 Privatbeamtete. Der mit der Vorwahl be- auftragte Ausschutz der Stadtverordnetenversammlung hatte mit der Sichtung und Prüfung dieser Bewerbungen eine reiche Arbeit zu bewältigen, deren Ergebnis war, datz vom Ausschutz der Stadt- verordnetcnversammluiig der Stadtrat und Syndikus Sembritzky aus Königsberg zur Wiahl empfohlen wurde.— Unter den zur engeren Wahl gestellten Kandidaten befand sich auch der Vorsitzende des Charlottenburger Gewerbe- und Kaufmannsgerichts Magistrats- rat Landsberger. Der unter städtischer Aussicht stehende Verkauf des frischen mssischcii Fleisches findet vom b. Februar ab nicht mehr durch die hiesigen Schlächter, sondern durch die K o n s u m g e n o s s e n s ch a st f ü r B e r l i n und Umgegend statt. Die Genossenschaft verkauft das Fleisch an jedermann in zwei besonders dazu eingerichteten Läden, und zwar Horst weg 32 und Nordhausener Str. 22 täglich zu den ortsüblichen Geschäftsstunden. Außer- dem findet Dienstag und Sonnabend jeder Woche im städtischen Eleischschauamt, Spreestr. 30. Berkauf russischen Fleisches durch die onsumgeiiostenschaft statt. Die Preise stimme» mit den Berliner Preisen überein. Hohen-Schönhanse». Ein braver Kämpfer ist der hiesigen Organisation in dem Tischler Paul Grützmacher durch den Tod entrissen worden. Immer wenn es galt, Parteiarbeit zu verrichten, war Grlltzmacher auf dem Posten, um seine volle Kraft zur Verfügung zu stellen. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den S. Februar, nachmittags 4 Uhr, auf dem Gemeindefriedhof. Hauptstraße, statt. Die Mit- glieder deö Wahlvereins werden ersucht, dem Toten durch rege Teil- nähme die letzte Ehre zu erweisen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeiudevertrewngen. Mariendorf. Donnerstag, den 6. Februar, nachmittags b Uhr, im Ratbausiiyungssaal, Kaiserstraßc. Maylsdorf(Ostbahn). Am Donnerstag, den 6. Februar, abends 7 Ubr. Lankwitz. Am Donnerstag, den S. Februar, abends 6 Uhr st,, Sitmimssaal deS Ratbames. Tagesordnung- Feststellung des.s-ausbaltS. planes sür das Rechnungsjahr 1313. Herzielde. Mittwoch, den 5. Februar, nachmittags S Uhr. im(Be. m emdehause am Kirchvlatz. Kalkbcrge Rüdersdorf. Frestag, den 7. Februar, abends 8 Uhr im Köppenschen �aale.' Diese Sitzungen sind Sfscnttich. Jeder Ecmeindcan gehörige ist be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen."'" � Hus der Frauenbewegung. Patriotische Kellncrinnen-Ausbeutuug. Die Patrioten rüsten zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig, allwo der große Stemklotz. Bölkerschlachtdenkmal gc- naiint. im Oktober d.& eingeweiht werden soll. Um das Jubi- läumsjahr würdig zu begehen, hat man u. a. auch eine große Aus- Lnjergtenttii verant«.: Th. Glocke, Berlin. Drucks Pxrlag lBorvärt» stellung, bie Baufachausstellung, Seranstalief, die im Mai eröffne? werden soll, natürlich versehen mit vielen Bierhallen, um den patrio- tischen Durst ßschen zu können. Damit aber dies vaterländisch? Beginnen auch den kapitalistischen Gesellschaftsanstrich erhalte, sind die Heben, die die teutschen Humpen kredenzen sollen, unter einen Vertrag gestellt, der ganz und gar in den Rahmen des patriotischen Schwindels patzt. Wir wollen ihn, da er kein unübles Kultur- dokument unserer Zeiten darstellt, hier ganz abdrucken. Er lautet: „Geschäftsordnung und Abkommen zwischen Herrn Baumeister Georg Kühn und Herrn �Oskar Scherff in Wahren bei Leipzig, Bureau: Mühlenstr. 15, und Fräulein.... geboren am.... Engagement ab 1. Mai 1013 bis auf weiteres, event. 31. Ok» tober 1913. Engagiert als Kellnerin für Ausschank..Franziskaner auf der Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig 1913. Kleidung: Schwarzer Rock, Hemdenbluse, weiße Schürze, schwarzer Selbstbinder, Haar auf der einen Seite gescheitelt. Lohn: Keinen. Kost: Keine. Wohnung: Keine. Kündigung: Drei Tage. Zu melden: Bureau von Baumeister Geor� Kühn in Wahren. Mühlenstr. 15.. Einzutreffen: Am 30. April 1913, früh 9 Uhr, event. aus Ver. langen in der Zeit vom 1. April bis 30. April 1913; deshalb stets 8 Tage vor dem 1. April Aufenthaltsort angeben. � Jeder Anordnung des Herrn Kühn oder des Herrn Scherff oder deren Stellvertreter ist unbedingt Folge zu leisten. Alles Rauchen innerhalb des Betriebes ist untersagt. Während der Gsschäfiszeit ist es verboten, sich zu den Gastest zu setzen. Die Kellnerinnen haben sich untereinander mit Sie anzureden. Für jede Kellnernummer sind 50 Ps. zu hinterlegen, welche bei der Vertragsauflösung zurückerstattet werden. Verloreue Nummern müssen ersetzt werden. Jede Kellnerin hat täglich früh 30 Pf. Bruchgeld ahzusührcn. Die Handservietten müssen gegen Hinterlegung von 50 Pf. pro Stück bei der Wäschemamfell jeden Tag geholt und bei Ge* schäftsschlutz wieder abgeliefert werden. Bei Vertragsabschluß sind als Garantie für pünktliches Ein- treffen und Angaben des Aufenthaltsortes 15 M.(fünfzehn Mark) zu hinterlegen, welche bei Vertragsauflösung zurück- gezahlt werden. Die Kellnerinnen haben das ihnen zugeteilte Revier in peiM lichster Ordnung zu halten, abends nach Schluß die Tische ab- zudecken, Stühle hochzustellen, ferner sich morgens beim allgc- meinen Reinigen der Menagen und sonstigen auf den Tisch gohörigen Gegenstände zu beteiligen, sowie Tische und Stühle von Staub zu befreien. Diese Arbeit mutz jedoch früh>�9 Uhr laut Ausstellungsvertrag fertig sein. Jede Kellnerin hat sich auf ihre Kosten eine Ausstcllungs-Dauer» karte zu lösen, welches durch Vermittelung der Herren Kühn oder Scherff zu geschehen hat. Der Betrag hierfür ist bei Vertragsabschluß zu entrichten. Jede Kellnerin hat genügendes Wechselgeld resp. Barbestand mit- zubringen, da nur gegen bare Kasse Waren abgegeben werden. (Jede Zuwiderhandlung zieht sofortige Entlassung ohne Lohn oder sonstige Entschädigung nach sich. Alle Nebenabmachungen sind ungültig. Wahrcn-Leipzig, am.... Unterschrift der Arbeitgeber: Unterschrift des Arbeitnehmers:" , Lohn keinen, Wohnung keine, Kost keine; dafür aber 15 M. anzahlen für die Ehre, den teutschen Patrioten teutsches Bier kredenzen zu dürfen. Dazu Bruchgeld zu zahlen, gleichviel ob etwas zerbrochen wurde oder nicht. Und vor allen Dingen: die Kellnerinnen müssen sich von ihrem Gelde eine Ausstellungs- karte kaufen, sie, die auf dem Ausstellungsplatze ihrer Arbeit nach- gehen müssen. Wo sollen sie denn das Geld zu alledem hernehmen, wenn sie ehrlich und anständig bleiben wollen? Das alles kümmert die Prozentpatrioten nicht, für die ja der ganze Jubiläumsrummel nichts weiter ist als ein profitables Geschäftchen!— Und das zetert dann in seinem Klübchen über die Unsittlichkeit des Volkes. Eine Zentralstelle für die Fragen Beruf und Ehe bcabsichii�t der Verband fortschrittlicher Frauenvereuie zu schaffen. Die Zentralstelle soll dem Verband angegliedert werden, aber frei und selbständig ihr eigenes Arbeitsgebiet behandeln. Auf einer Kon- ferenz Ende Januar(an der u. a. Rosa Kempf, Marie Stritt, Re- netta Brandt-Wyt, Hulda Maurenbrecher, Wally Zeplcr teil- nahment wurde folgender Arbeitsplan ausgestellt: 1. Schaffung eines Archivs durch Sammlung von Material über alle das Problem Beruf und Ehe berührenden Fragen, unter Berücksichtigung aller Frauenberufe. 2. Nutzbarmachung und Ver- breitung dieses Materials durch Herausgabe einschlägiger Schrif- ten, sowie durch Veröffentlichung von Artikeln und Notizen in der Presse. 3. Ausleihen des Materials und Auskunftcrteilung. 4. Ausarbeitung von Eingaben und Denkschriften an die maß- gebenden Behörden, um Gesetzgebung und Verwaltung in dem Sinne zu beeinfluffen, datz die Verbindung von Beruf und Ehe erleichtert wird. 5. Anregung zur Schaffung von Einrichtungen der Selbsthilfe(genossenschaftlicher und gewerkschaftlicher Art), welche die Verbindung von Beruf und Ehe erleichtern. Lese- und Diskutierklub„Südost*. Heule Mi.ltivoch bei Neidhardt. Görliper Str. 58: Sitzung. Vortrag. Gäste willkommen. Neukölln. Morgen Donnerstag, abends 3 Uhr, sindet in den Passage- Festsälen, Bcrgslr. 151,152. eine BezirlSversammlung des Zentral- verbandes dcrHandlungSgehilscn statt. Genosse Redakteur Emil Eichhorn wird über daS Thema„Vor hundert Jahren" sprechen. Gäste willkommen. KriefKaften der Kedahtfoii. Tie ItitllHMt e»«sftll»dc, ladet L l n d- n st r a st e«v. vorn vier Treppe« — Vahr st»hl—,»oochcnta glich von tU. vis IVi Uhr abends. Eonnabend«, bon tV, bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den«ricflasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und etile Zahl alS Merkzeichen detzufüge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Ansragen, denen kctne«oonnementsauiliang beigeiiig, ist, verden nicht beantwortet, ikilige Fragen trage man»n»er Evrechstunde vor. F. T. III. Wenden Si- sich mit Ihrer Anfrage unter Angabe Ihrer esse nrt hie« ÄerllN 8vv. 08.— N. 9'. Tsf«» — 1000. 1. DaS Bureau oer.vuajuuv" m* iöir. 11/13. Das Nähere dort 2 Ist Sache der Vorsteher der einzelnen Aemter, wo auch Meldungen entgegengenommen werden.-- Angestellter. Eine Beratungsstelle für werdende Mutter ist in Neukölln, Steinmctzstr. 113. Mittwochs von 10-11 l'br und Sonnabends von 7-d Ubr.- M. M. 100. Die uneheliche Tochter Ihrer Schwester ist gleichfalls erb- berechtigt.— No. H.«t-»"tsetellten Sach° verhalt ist zu entnehmen, dast die 1000 1c. zur Abfindung der Unterhalts» anspräche der unehelichen Kmdcr gezahlt suid. Der Mutter stand daher ein Eigciitiimsrccht an dein Gcldc nicht äu. vielmehr haben mir die beiden unehelichen Kinder Anspruch aus die 1030 M— K. M. 700. New. — Franz. Hat sich der Pcruncter mit der Rückgängigmachung de? Per- träges einverstanden erklart, dann sind«le zur Räcksorderung berechtigt. bis 13,30. mittel Abb— Iv, 4. geruige 19.50-13.53 Roggen, gute«orte 00,00—16.90. mittel 00,0�0000, geringe 00,00- 00,00(ab Sahn), owter. gerste. gute Jorte 17,o0— 18,10, imitet 15,80-17.40, gerwge 15.10— IS.M Haier, gute Sorte 18,50-20,40, mittel 17,00—18.50(srei Wagen und ab �Ma r kth all enpr eise 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—60,00. Sbcisebohncn, Meitze 35 00—50 00. Linien 3o,00— 60.00. Kartoffeln(JlIernhM.) O.Oft-lO.OO. 1 Kilogramm Rindfleisch, von derKevcke 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchsteisch 130—180. Schwemeiieisch 1.70-2 Ü0. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelsleisch i 50—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 4,20— 6,00, 1 Kilogramm Karpsen 1,40-2.40. Aale �O—ZLO. Zander 1.40—3.60. Hechte 1.60—2,60. Sari»- 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.50. 60 Stück Krebse 4.00— 24,00.____ � Buchdrücke«1 u. Verlagsanstalt PaulSinger».Co., Berlin SsL.