Ar. 31. nbonncmcntS'ßcdirigtthgtn: BBotmemento- Preis vränumcrondo! Sierteljährl. S�0Mk.. vwnall. i.io Mk, wöchcnllich 28 Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Slununcr 5 Psg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Scilagc„Die Neue Well' 10 Psq. Post. klbonnemciil: I.Ill Mark pro Monat. Singettagen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Tcutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweis 30. Jahrg. Crfdittot tsgilch außer Olontaas. p. Vevlinev VolktsblÄkk. Die Inlerflons.Gcböbr beträgt für die scchsgcspallcne Kolanes. gelle oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Vcrsammlungs Anzeigen 30 Psg. „Kleine Mnreigen", das setlgedruikie Wort 20 Psg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafftellenan- »eigen das erste Wort 10 Psg., jedes locitere Wort 5 Psg. Worte über läBuch, siabe» zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Ruimner müssen bis t> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben Werdern Die(Jxpedüioa ist bis 7 Uhr abends gedguct, Telegramm.Adresse: ,.S»a!aIlle«i»Ilkat sserUb". �entralorgan der foztaldemokrati fd�en Partei Deutfcblande. Redaktion: 8 LI. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. GegenftoS! Die Reaktion ist seit einiger Zeit wieder besonders geschäftig. Ter gewaltige Stimmenzuwachs der Sozialdemo- kratie bei den Reichstagsivahlcn hat sie in fiebernde Er- regung versetzt. Durch den unaufhaltsamen Vormarsch des Proletariats sühlt sie sich in ihren Privilegien bedroht. Sie bangt um ihre politische Herrschaft, sie zittert um ihre Wirt- schaftlichen Ausbeutungsrechte. Noch kann die Reaktion, gestützt auf die schwarze Demagogenpartci, die unter dem Kirchenbanner des konfessionellen Fanatismus auch betörte Arbciterkolonnen für agrarisch- kapitalistische Interessen ins Feuer zu führen versteht, der zum Klassenbeivusttsein er- wachton Proletariermassen spotten. Noch hat sie im Reiche die Mehrheit für die sinnloseste Rüstungspolitik, für volksaus- plündernde Schntzzöllncrei und für Stcuerschröpfung auf Kosten der breiten besitzlosen Volksmafse. Im preußischen Landtag vollends ist die Macht der Reaktion, auch zu den kultur- widrigsten Attentaten gegen die Schule und die Fortbildungs- schule, gegen Wissenschaft und Kunst, eine geradezu schranken- lose. Aber der geistige, moralische, wirtschaftliche und Politische Aufstieg des Proletariates setzt diesem Ab- solutismus der dünnen herrschenden Schicht denn doch in absehbarer Zeit eine Grenze. Gegen den Ivahlziffernmäßig er- härteten Willen der Volksmehrheit läßt sich denn doch auf die Dauer nicht regieren, wenigstens nicht, ohne die vorhandene Mehrheit in eine erdrückende Mehrheit zu verwandeln und sich der Gefahr einer umso zermalmendercn Katastrophe auszusetzen. Das begreift schließlich auch der dickste Junkerschädel, und unsere Jndustriefeudalen und klerikalen Wölfe im Schafspelz find wahrhaftig nicht begriffsstutziger. Aber wie sich gegen das elementare Frühlingsdrängen der erwachenden Volkskräfte sichern? Das ist die Schicksalsfrage l Und da das Zentrum trotz aller Ruhmredigkeit ebenso gut wie das Schlotjunkertum weiß, daß die religiösen Einlullungsmittel und selbst die braven Jesuiten keinen Schirm gegen das unaufhaltsame Wachstuni der Sozialdemokratie bilden, sucht man sein Heil in einer um so ausschweifenderen„nationalen" Rüstungs- und Konfliktspolitik. Während noch im Jahre 1889 Bismarck nach den Auf- Zeichnungen Crispis Italien die deutschen Kolonien in Afrika zum Kauf anbot— leider vergebens—, gebärdet man sich heute, als hänge Deutschlands Existenz von einer annektions- gierigen Weltpolitik ab. Und während gerade derLiberalismus tut, als sei der Kurs der anatolischen Papiere die Daseinsfrage Deutschlands, ist sich die gesamte Reaktion darin einig, daß das Wettrüsten künftig noch viel tollere Dimensionen an- nehmen muß als vorher. Daß das Zentrum vielleicht— um mit seinen konservativen Busenfreunden einen besonderen Streich durchzuführen— z u n ä ch st an der neuen Militär- Vorlage etliche Abstriche machen wird, um nach den Neu- Wahlen alles Wesentliche glatt zu bewilligen, beweist nicht das gcringstc gegen das einheitliche Bestreben unserer Reaktion, Deutschland vollends in den Malstrom des annektions- wütigsten Imperialismus hineinzusteuern. Von der Aufpcitschung der nationalistischen Instinkte, der Spekulation auf die Abenteuersucht der chauvinistisch erhitzten Volks- massen verspricht man sich denn doch noch eine stärkere Be- nebelung der Geister als von den religiösen Weihrauchdünsten! Im alten Rom verstand man das darbende und murrende Volk durch Brot und blutige Kampfspiele zu bestechen. Bei uns verteuert'man zwar Jahr für Jahr unser Brot und Fleisch— dafür aber rechnet man um so sicherer auf die nervenstachelnde Wirkung ungeheuerlicher weltpolitischer Zirkus- spiele, bei denen die Blüte des Volkes die Rolle der Gladiatoren spielen soll! Das ist der tiefste Sinn unseres Wettrüstens, unserer kolonialen Land- und kapitalistischen Spekulationsgier. Ein frommes Pastorenblatt, die„Evang.-luth. Kirchenzeitung" hat das ja schon vor Jahr und Tag ausgeplaudert! Wenn dabei nicht nur die Volksmasse entkräftet, zerrissen und zur wirt- schastlichen und politischen Ohnmacht verurteilt, sondern auch der Raffgier der besitzenden Klasse eine Orgie bereitet wird, um so besser! Unsere agrarisch-pfäffisch-großkapitalistische Reaktion läßt olle Minen springen. Zur gleichen Zeit, wo sie eine bei- spiellose Agitation für neue ungeheuerliche Rüstungen des Land-, Wasser- und Lnftmilitarismus ins Werk setzt, inszeniert sie auch den Jesuitenrnmmel, treibt sie ihre wüste Stimmungsmache für Ausnahmegesetze, macht sie Behörden und Gerichte scharf gegen den„Terrorismus" der freien Gewerkschaften, unter- nimmt sie ihre dreistesten Vorstöße gegen den Reichstag und das Reichötagswahlrccht. Es verschlägt dabei nichts, daß die Alliierten gegen das Volk zwischendurch auch gegeneinander schlagen, daß das Zentrum hier und Freikonscr- vativ-Nationalliberale dort sich allerhand schilderklirrende Schein- kämpfe liefern. In dem großen Hauptziel, der gemeinsamen Grundtendenz sind sie sich trotz aller gelegentlichen Eifer- süchtelei völlig einig: in der Tendenz, die Massen in Ohnmacht und Rechtlosigkeit zu erhalten und es selbst auf den abscheu- lichsten Aderlaß durch einen Weltkrieg ankommen zu lassen, wenn sich dadurch nur irgend eine Aussicht bietet, des drängen- *£n. aufstrebenden Proletariats wenigstens für eine neue Galgenfrist Herr zu werden! Solch ungestümem Angriff der Reaktion gegenüber ge- bietet es schon der nackteste Sclbsterhaltungsdrang des Proletariats, jede Attacke durch den wuchtigsten Gegen- st 0 ß zu parieren. Es gilt die Massen auszurufen zum Kampf gegen den Rüstungswahnsinn, gegen die weltpolitische Händelsucht, gegen die scharfmacherischen Schreier nach Ausnahme- gcsetzen. Und zu solchem Gegenstoß holt die Reichstags- f r a k t i 0 n auch aus durch ihren Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und g c- Heimen Wahlrechts für alle über 29 Jahre alten Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts für alle gesetzgebenden Körperschaften des Deutschen Reiches! Der sozialdemokratische Antrag, der am Freitag zur Verhandlung gelangen dürfte, richtet sich in erster Linie gegen die unerträgliche Wahlrcchtsschmach in Preußen. Aber darüber hinaus auch gegen die mittelalterlichen Verfassungszustände in Mecklenburg, gegen das sächsische Mehrstimmenrecht des Geldsacks und gegen alle rückständigen Landtagswahlshsteme der bundesstaatlichcn Reichsmusterkarte. Wieder einmal wird die bürgerliche Presse die funkelnagelneue Entdeckung machen, daß die Sozialdemokratie damit nur eine Demonstration bezwecke. Nun, eine Demonstration, hinter der die Leidenschaft von mehr als einem Drittel der gesamten Wählerschaft steht, sollte denn doch nicht so leicht gc- nommen werden! Aber diese Demonstration hat obendrein einen sehr realpolitischen Zweck, sie soll die bürgerlichen Parteien zwingen, Farbe zu bekennen— oder ihnen die Heuchelmaske vom Gesicht reißen! Wer gegen das Wahl- recht der Frau stimmt, bekennt sich zur Entrechtung der größeren Hälfte der Staatsbürger l Die schalen Witzchen, mit denen unlängst der karnevalistische Kölner Spaßmacher des Zentrums im Abgeordnctenhause die geistig wenig beweglichen Expedition: öd. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt MoriNPlatz, Nr. 1981. Mitglieder dieses„Parlaments" entzückte: die Frauen der Abgeordneten verständen ja ihre Männer hinlänglich zu be- einflussen, sind schon deshalb abgeschmackt, weil ja das Zentrum soviel Zölibatäre in Reichs- und Landtag cnt- sendet. Aber auch der Freisinn wird hier zeigen müssen, ob er sich noch länger der längst erwiesenen Notwendigkeit des Frauen- Ivahlrechts verschließt! Und da sich kürzlich gerade in der liberalen Presse eine ganze Anzahl von»vissenschaftlichen Autoritäten dahin geäußert hat, daß in Wissenschaft. Kunst wie in jeder geistigen Betätigung die Schwerkraft des Schaffens in die Zeit vor dem 49. Lebensjahr falle, sollte doch die Logik dem Fortschritt gebieten, nicht gegen den sozialdemo- kratischen Antrag zu stimmen, der das Wahlrecht bereits den Wählern nach vollendetem 29. Jahre einräumen will. Aber auch sonst werden sich die Parteien demaskieren. Wenn die Nationalliberalcn die Kompetenz des Reichstages bestreiten tvollcn, so schlagen sie damit nur sich selbst ins Gesicht, da sie ja früher selbst im Reichstage Wahlrechts- anträgc für die Bundesstaaten— wenn auch ganz unzulängliche— gestellt haben. Wenn aber das Zentrum sich auch diesmal, wie schon früher stets, hinter Konipetenzbedenken verkriechen sollte, so weiß das Volk erst recht, was es von dem heuchlerischen Programmgeschwätz dieser Volksbetrüger zu halten hat! Der sozialdemokratische Wahlrechtsantrag ist der Gegen- stoß gegen die unverschämten Aktionen der Reaktion gegen die Volksrcchte. Wer hier versagt, schlägt sich aus Feigheit oder Perfidie zu den Feinden des Volkes! Und wer von den proletarischen Wählern einen Funken von Selbstbewußtsein und Ehre im Leibe hat, wird bei der ersten Gelegenheit mit diesen Parteien abrechnen I Der Kampf um Hdrianopd. Die Beschießung der türkischen Festung dauert fort, und nur mit Grauen denkt man an das Elend, das üamentlich unter den Bewohnern in der Stadt durch das Bombardement angerichtet wird. Verläßliche Nachrichten vom Kriegsschau- platz liegen nur wenige vor. In Sofia spricht man natürlich schon von beträchtlichen Fortschritten, die die Belagerer ge macht hätten. Bedeutsamer noch wäre es, ivenn den Balkan verbündeten auf der Halbinsel Gallipoli ein entscheidender Erfolg möglich wäre. Denn dann würden sie die Dardanellen straße beherrschen und Konstantinopel auch von der Seeseite her bedrohen können. Vor Tschataldscha herrscht Ruhe und von Skutari wird wieder ein angeblich erfolgreicher Ausfall der Türken gemeldet. Auch über die Verhandlungen und über die Vermittelungs- aktion der Mächte verlautet nichts Sicheres. Doch scheint es als ob die russische Regierung in Konstantinopcl den letzten Vermittelungsvorschlag, den die Londoner Botschafterkonferenz gemacht und dem die bulgarische Regierung im wesentlichen schon zugestimmt hat. nochmals empfehlen wollte. Fortdauer des Bombardements. Sofia, 5. Februar. Die Beschießung von'A d ria- n 0 p e l dauerte gestern in allen Sektoren fort. Vor T sch a- t a l d s ch a verlief der gestrige Tag ruhig. Die Wirkung der Beschießung. Konstantinopel, 5. Februar. Wie amtlich gemeldet wird, hat der Kommandant von Adriauopel gestern abend 7>/z Uhr folgendes Telegramm gesandt: Die Feinde bombardieren die Stadt, 138 Gra- naten und 11 Schrappnels sind in die Stadt gefallen. Acht Ein- wohner wurden getötet und zehn verletzt; 53 Häuser siud in Brand geraten. DaS Bombardement dauert an. Wie Adrianopel belagert wird. In den Hügeln um Adrianopel spricht wieder die eherne Stimme der Geschütze; in diesem Augenblick gewinnen die Aus- führungen eines Sachverständigen, der die Bclagcrungsmcthodc der Bulgaren und die Vcrteidigungsweise der Türken in Adrianopel während der früheren Kämpfe als Augenzeuge beobachten konnte, ein besonders aktuelles Interesse. Denn diese Methoden eines Festungskrieges, so führt Bennet Burleigh im„Daily Tele- graph" aus, weichen in vielem auffallend von den Regeln der Kriegslehrbücher ab. Erprobte europäische Ingenieure haben im Dienste der Türkei jahrelang daran gearbeitet, die Befestigungs- werke Adrianopels zu verbessern; auf allen umliegenden Hügeln wurden große moderne Befestigungen aufgeführt, und die alte Festung wurde zu einem modernen Waffeuplatze ersten Ranges umgewandelt. Man muß in den letzten Kämpfen diese Befesti- gungen beobachtet haben, um ihre Stärke und Widerstandsfähigkeit zu ermessen.„A d r i a n 0 p e l ist für den Feind durch seine Stellung und seine Befestigungen ein stärkerer Gegner als Metz oder Siratzburg. Die Bulgaren setzten dagegen am Anfang nur gegen 200 Geschütze ein und eine Truppenmacht, die der der Garnison nur wenig überlegen war. Aber trotzdem ist es ihnen gelungen, durch zähe Wachsamkeit und ein rücksichtsloses. aber bald zu einem eigenartigen, überlegten System organisiertes Draufgängertum, die äußeren Positionen der Türken eine nach der anderen«aufzurollen". Die Verbündeten, die den Krieg soza- sagen vor ihrer Haustür führen, haben von Anfang an Nach dem militärischen Grundsatz gehandelt, daß alles darauf ankommt, den Feind zu vernichten, mit welchen Opfern das auch verknüpft sein möge. Und das spiegelt sich auch in der Eigenart ihrer Belage- rungsmcthode wider. Die Belagerungstruppen hielten keine be- stimmte Linie, errichteten keine bestimmten Werke und Vcrschan- zungen, die sie unter allen Umständen halten wollen. Ich habe während meiner Tage vor Adrianopel annähernd Zwcidrittel aller ihrer Belagerungsstcllungen besichtigt. Sie liegen fast alle in Deckung hinter einem Hügel oder einer Geländecrhcbung und be- stehen aus länglichen Erdbautcn, die nicht ganz 200 Meter lang sind, bei einer Breite von vielleicht 45 Meter. Die aufgeworfenen Wälle erreichen vielleicht 1,80 Meter Höhe. Jedes dieser Lager verfügt zu seiner Verteidigung über eine Anzahl Feldgeschütze und Maschinengewehre. Die Belagerungsgeschütze dagegen sind gc- wohnlich in Front vor diesen Lagern eingegraben; die dahinter liegenden Werke gewährest jeweils einer oder zwei Brigade» Infanterie bequeme Unterkunft. Durch ihre Anlagen sind diese Lager so unangreifbar, wie Felsen an einer Küste. Dagegen bcob- achteten dje Türken, daß ihr Vordringen auf keine künstlichen Hindernisse stieß, wenn sie sich beim Ausfall in die Geländeftrcckcn zwischen diesen Lagern einschoben. Denn die Verbündeten haben ihre Reserven und übrigen verwendbaren Truppen weiter hinten stationiert, gewöhnlich in Erdhütten oder Zelten. Dagegen sind die Feldgeschütze und die Maschinengewehre so aufgestellt, daß sie bei dem geringsten Alarmzeichen den Feind unter Feuer nehmen können. Die Front der Verbündeten wird Tag und Nacht durch Patrouillen und kleine Jnfanterieposten geschützt, die, in den Boden eingegraben, eine ununterbrochene Beobachtung des Gegners auf- rcchterhaltcn. Der eigentliche Kampf spielt sich nun fast reacl- mäßig in gleichen Formen ab. Von Zeit zu Zeit wird beschlossen, ein bestimmtes Fort zu nehmen oder zu zerstören. Das beginnt damit, daß die Belagerungsgeschütze ihr Feuer auf dieses Ziel kon- zentrieren. Die Bulgaren verfügen über schwerere Belagcrungs- gcschütze, die sie mit der Zeit von den Befestigungen am Schwarzen Meere herbeigeschafft hatten. Aber diese Geschütze sind keineswegs neueren Modells, nur die Haubitzen können als modernere Waffen angesprochen werden. Die Türken verfügen über eine schwerere und überlegenere Artillerie, die in den Hauptwerken aufgestellt ist. Sic antworten nun dem bulgarischen Feuer, aber es gelingt ihnen nicht, den zähen und unermüdlichen Gegner abzuschütteln. Ich habe das dutzende Male immer in der gleichen Art beobachtet. Dann verstärkt sich plötzlich das Feuer der Türken und richtet sich auf jene Geländestreifen, zu denen inzwischen die Verbündeten vor- gedrungen sind. Und jäh erscheinen zwischen den Hügeln der Forts gewaltige türkische Jnfantcricmassen, die stürmisch ins freie Ge- lande vordringen und den Gegner zurückzuwerfen suchen. Diese Kämpfe spielen sich oft auf einer Breite don 3 Kilometer ab. In dichten Linien gehen die Türken vor, aber die Bulgaren und Serben trotzen dem Angriff, und gewöhnlich endet der Kampf in einigen Stunden damit, daß die von drei Seiten von den Belage- rern unter Feuer genommenen Türken zurückfluten, von den Gegnern verfolgt. Dieses Nachstoßen der Belagerer vollzieht sich stets mit der größten Energie und endete bisher regelmäßig cnt- weder mit der Eroberung des betreffenden Forts oder mit der Fest- setzung in einer Stellung, die kaum 180 Mcter'bor dem Fort liegt." Das spielt sich ringS um Adrtanopcl auf allen Seiten ab. Schritt um Schritt haben sich die Verbündeten herangearbeitet; im Süden tzcs Ardajlusses sind dje Lulzgreo auj toje Wejje bis zu b-m Vorort Karagasch t-orgedrungen und beherrschen jetzt die Eisenbahn und den Bahnhof. Weiter nach Süden, jenseits der Maritza, haben sich die Bulgaren auf Gcwchrschutzweite von Adrianopcl eingenistet und nicht geruht, bis ihre langen Lager auf der südöstlichen, nach �onstantinopel führenden Straße errichtet waren. Bcnnct Burleigh ist der Uebcrzeugung. daß durch diese. Art des FestungskriegcS Adrianopel ungefähr eine Woche nach Wiedereröffnung des Kampfes fallen wird. Ter Sieg wird den Verbündeten noch schwere Opfer auferlegen, aber' nach den bisherigen Er- gebnissen der Kämpfe werden die Opfer der Türken vor- aussichtlich noch weitaus größer sein. Bulgarien und Rumänien. Bukarest, 5. Februar. Das Protokoll über die r u m ä nisch � b u lg ari sch c n Verhandlungen ist hier eingegangen. Das Angebot Bulgariens soll zwar, wie an unterrichteter Stelle verlautet, die rumänische Rc- gierung nicht befriediget!, jedoch eine Grund- läge zur Forts iihrung der Verhandlungen bieten. Gegenwärtig sinden Besprechungen statt, deren Zweck es ist, eine Einigung über die Modalitäten für die weiteren Verhandlmwen zu erzielen sotvie darüber, ob die Vcrhaud- langen in Sofia oder in Bukarest fortgesetzt werden sollen. politische deberlicht. Berlin, den 5. Februar 1913. Lltbeiterversichernng, Banarbciterschntz und Abonnenten- Versicherung. Aus dem Reichstag. Am Mittwoch gab die Aus» spräche über das Reichsvcrsicherungsamt dem Genossen Körst en Gelegenheit, die Rechtsprechung des Reichsversich crungsamts uud der Oberversichcrungsämter, der früheren Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung, zu besprechen. Er wies nach, daß die Rechtsprechung im Laufe der Zeit immer ungünstiger für die Arbeiter geworden ist. Auch legte er dar, wie ungenügend die Leistungen der Arbeiterversicherun� sind. Daher ist ganz unangebracht das Prunken mit den vielen Millionen, die für die Ärbeiterversicherung im Laufe der Jahre aufgewendet worden sind. Auch die Unternehmer haben keinen Grund, sich über die angeblich gar zu schweren Lasten für die Versicherung zu beklagen. Die Aufwendungen hierfür bilden nur einen versckwindend geringen Teil der gesainten Produktionskosten. Bezeichnend ist es, daß die Redner der bürgerlichen Par- teien die Beschwerden unseres Genossen über die Recht- svrcchung als berechtigt anerkennen mußten. Sehr schwach >uar die Rechtfertigung, die der Ministerialdirektor Dr. Caspar versuchte. Die Tatsachen, die unser Redner mitgeteilt hatte, kotinte der Herr nicht bestreiten. Er tröstet sich damit, daß die Herren im Reichsvcrsicherungsamt und in den anderen Aemtern den besten Willen haben. Für die Arbeiter aber kommt es darauf au. daß die Rechtsprechung mehr Rücksicht auf die Arbeiterverhältnisse nimmt. Das Zentrum hat wieder die Ausdehnung der Un- sallversicherung auf bestimmte gewerbliche Berufskrankheiten, insbesondere auf das Augenzittern der Bergarbeiter gefordert. Genosse Taubadcl erinnerte daran, daß unsere Fraktion bereits bei den Beratungen der Reichsversicherungsordnung diese Ausdehnung durchführen wollte, das Zentrum aber damals dagegen gestimmt habe. Im übrigen wandte sich unserer Redner gegen den starken Druck der von der Rcichsvcrwaltung darauf ausgeübt wird, daß ja nicht zu viel Invalidenrenten bewilligt werden. Die Folge hiervon ist, daß auch solchen Personen die Rente verweigert wird, die sie nach ihrem Zu- stände unbedingt bekommen müßten. Genosse Silbcrschmidt trat für einen besseren Bau- arbeiterschutz ein. Er konnte sich auf seine Ausführungen im vorigen Jahre berufen und nachweisen, daß die Forderungen der Bauarbeiter in allen Punkten berechtigt und dringend sind. Leider hielt es keiner der Regierungsvcrtrctcr für not- wendig, Red' und Antwort zu stehen. Schließlicki nahm der Reichstag den Antrag auf Aus- dehnung der Unfallversicherung einstimmig an. Bei dem Aufsichtsamt für Privatversicherung schilderte Genosse T a n b a d e l die Mißstände, die die Abonnenten- Versicherung zur Foljje hat. Er ging dabei auch auf die amtliche Denkschrift über diese gemeingefährliche Einrichtung ein. Ihr gegenüber stellte er fest, daß auch die amtliche Aufsicht nicht die Mängel beseitigen könne. Notwendig ist vielmehr daö Verbot der Versicherung. Das Zentrum schloß sich diesen Ausführungen an. Der nationalliberale Abgeordnete Dr. I u n ck dagegen will von einem Verbot nichts wissen, sondern hält es für genügend, wenn jede Abonnentenversicherung unter amtliche Aufsicht gestellt wird. Ministerialdirektor Dr. Caspar erklärte, daß die Regierungen noch keinen bestimmten Vorschlag machen tonnen, sondern die Sache noch weiter untersuchen werden. Die Aussprache wird morgen fortgesetzt. Ein Fsastnachtsstreich. DaS Wolffsthe Telegraphenburcau meldet aus Straßburg einen kuriosen Streich eines Witzboldes, der an die lustige Geschichte vom Hauptmann von Köpenick erinnert: Durch eine gefälschte Depesche wurde heute mittag die ge- samte Garnison StraßburgS uud ein namhafter Teil der Be- völkerung in Erregung versetzt. Am Vormittag traf beim kaiser- lichen Gouverneur ein Telegramm etwa folgeuden Inhalts aus Weißenburg ein:.Seine Majestät der Kaiser wird ab Bahn- slation Weißenburg mit Automobil um 12 Uhr in Straß- bürg eintreffen. Er begibt sich sofort»acb dem Polygon wo er zwischen 12 und 1 Uhr die Garnison alarmieren, wird." Aach dem Eintreffen des Telegramms wurden durch Trommelsigiialo und Eilordonnaiizen die Nichtlasernierten und die Offiziere in die Kasernen berufen. Gegen 12 Uhr rückten Truppen aller Waffengattungen in Felduniform nach dem großen Exerzier- platz auf dem Polygon, wo sich bereits Prinz Joachim von Preußen, die Generalität und der kaiserlickie Statthalter. Graf v. Wedel, eingestellt hatten. Gegen l3/4 Uhr. alö die letzten Truppen bereits angerückt waren, stellte sich auf telegraphische Anfrage in Berlin heraus, daß der Kaiser bereits in Königsberg cingeuoffen sei. In der Stadt hatten sofort zahlreiche Gebäude geflaggt: auch vom Münster wehten die Reichsfarben zum Gruß. Wahrscheinlich wollte der Witzbold in Wcißenburg, der d'as Telegramm abgesandt hat. ausprobieren, wie weit die Svitzen der Behörden in Straßburg über die politischen Er- a'' anisse in Deutschland unterrichtet sind. Er dürfte wohl selbst tänm angenommen haben, daß die weisen Regierenden in Ciraßbnrg gar nichts von der Reise des Kaisers„ach Königs- lrera und seiner Teiliiahme an den dortigen Festlichkeiten er- 'fahren hätten— aber er hat sich geirrt: man hatte tatsächlich in Straßbura in der Fasmachts- und Aschermittwochsstimmung Sie ganze außerstratzburgische Welt vergessen. Heber den Urheber der gefälschten Depesche an das kaiser- liche Gouvernement wird mitgeteilt, daß es ein entlassener Zahlmeisteraspirant der Metzer Garnison namens Keller ist, der sich den frivolen Scherz erlaubt hat. Keller wurde vor einiger Zeit wegen Unregelniäßigkeiten entlassen und ist seinerzeit vom Militärgericht für unzurechnungsfähig erklärt worden. Um nun zu zeigen, daß er vollkommen zu- rcchnungsfähig sei, hat Keller, wie er angibt, den Streich verübt. In der Uniform eines Postbeamten begab er sich mit einem richtig ausgefertigten Depeschenformular ins Gouverne- ment, wo man die Fälschung nicht sobald erkannte. Die De- pesche besagte, der Kaiser komme um 12 Uhr nach Straßburg und werde sich mit Kraftwagen sofort nach dem Polygon be- geben, die Garnison wäre sofort zu alarmieren. Mit der Abschrist der gefälschten Depesche begab sich Keller dann sofort zu einer Straßburger Zeitungsredaktion, um sich seine Zu- rechnungsfähigkeit bestätigen zu lassen. Wieder nichts. Die Kriegsveteranen sollen auch in diesem Jahre wieder leer ausgehen denn wie offiziös verkündet wird, fehlt es an den nötigen Geldmitteln zur Erhöhung ihrer bescheidenen Bezüge. Die geplante Heeres- und Jlottenvernichrung er- fordert so enorme Summen, daß alle sonstigen Ausgaben ein- geschränkt werden müssen. Zwar ist den Veteranen im vorigen Jahre w Aussicht gestellt worden, daß dann, wenn der Etats- abschlnß fiir 1912 ein günstiges Ergebnis haben sollte, die Veteranenbeihilfcn von 120 auf 150 M. erhöht werden würden; aber wie es scheint, hält sich die Regierung an diese Zu- sicherung nicht gebunden, denn sie läßt offiziös erklären: .Um die gewünschte Erhöhung durchführen zu können, war seitens der Reichsregierung vorgeschlagen worden, aus den dem Reich zufließenden Einnahmen ans dem Lcuchtölgesctz 8 Millionen für die Aufbesserung der Veterancnbezüge zu verwenden. Nach dem Gang der Verhandlungen über das Leuchtölgcsetz ist aber mit ziemlicher Bestimmtheit zu erwarten, daß der Reichstag der vorgeschlagenen Regelung nicht zustimmen wird. Da andererseits dauernde Ausgaben ohne entsprechende Deckung nicht gemacht werden, so dürfte leider eine Erhöhung des Veteranenfonds zunächst nicht in Aussicht stehen. Wenn man dann die Absicht hatte, bei der Regelung der Besitz- steuer der Frage näherzutrete», so erscheint dies nach dem Stande der Dinge jedenfalls nicht angängig, da wiederum neue finanzielle An- forderungen an das Reich herantreten werden. Eine Durchführung der angekündigten Wehr- Vorlage verlangt entsprechende Deckung, die zunächst beschafft werden muß. Gegenüber diesen dringenden Erfordernissen wird man die Deckungsfrage für die Veteranensürsorge zurückstellen müssen." Für die armen Kriegsveteranen eine recht bittere Ueber- raschung. Noch vor wenigen Monaten hat die Regicrungs- presse in allen Tonarten versichert, daß der Reichsetat mit gewaltigen Uebcrschiissen abschließen werde, und von agrarischer Seite wurde daran sogar die Hoffnung geknüpft, daß nun- mehr endgültig auf die Erbschaftssteuer verzichtet werden könne. Und nun auf einmal stellt sich heraus, daß man nicht einmal die lvenigen Millionen Mark für die Veteranen übrig hat.. Und damit nicht genug. Die patriotische Zedlitzsche „Post" leistet sich sogar das niederträchtige Vergnügen, die Veteranen noch obendrein zu verhöhnen, indem sie von oben herab den Veteranen vorhält, es wäre von ihnen nicht gerade anständig, wenn sie eine Unterstützung dafür verlangten, daß sie vor 40 Jahren für Deutschlands Ehre mitgekämpft hätten. Das wäre einfach ihre Pflicht gewesen. Die„Post" scheint ganz vergessen zu haben, daß nach dem Kriege Bismarck und eine Anzahl Generäle sehr hohe Dotationen cinpfangen haben, die nach der Logik der„Post" dann auch völlig zu Unrecht ausbezahlt worden sind. Vielleicht verlangt sie nachträglich die Rückzahlung jener hohen Beträge. Staatssekretär Kühn wollte den Veteranen 8 Millionen Mark aus dem Gewinn zuführen, der von der Errichtung eines Petroleumvertriebsmonopols zu erwarten stand. Als dem Staatssekretär im Reichstage vorgehalten wurde, daß man eine Veteranenbeihilfe nicht auf eine derart schwankende Einnahmequelle stützen dürfe, erklärte er, daß er das auch nicht wolle; die Summe würde einfach in den Etat eingestellt werden uud müsse aufgebracht werden. Jetzt plötzlich wird den Veteranen vor Augen geführt, daß sie nichts kriegen können, weil das Petroleimmionopol wahrscheinlich scheitern und alle anderen Mittel für die HecreLvorlage gebraucht würden. Mit flammenden Worten wird jetzt wieder in der Presse der Konservativen und Nationalliberalen, um Stimmung für die neuen Militärvorlagen zu machen, an das patriotische Herz appelliert und an die sogen, glorreiche Zeit des deutsch- französischen Krieges erinnert; aber eine auch nur einiger- maßen anständige Unterstützung der notleidenden Veteranen hält man in jenen Kreisen nicht für nötig. Daß das Volk sich für die Interessen der Regierenden und des Großkapitals opfert, ist ja, wie die„Post" sagt, einfach seine Pflicht. Ter Flottentreiber als Vorspann der Heerestreiber: Der ehemalige Generalissimus des Flottenvereins, Herr v. Keim, der dann später, als das Werk der Flottcntreiberei in der Hauptsache getan tvar, abgehalftert wurde, hat sich nun nlit voller Kraft auf die H e e r e s t r e i b e r e i. die Agi- tation für eine nngeheuerliche Vermehrung der Landrüstungs- ausgaben geworfen. Er fordert nichts geringeres, als daß nun „ohne Verzug au eine umfassende>v ohldurchdachte, sich j e d c r b n r c a u k r a t i sch e n Engherzigkeit e„t° haltende H e c r c s v e r st ä r k u n g herangetreten»verde die„gleichzeitig die vorhandenen o r g a in s a t o r i sch e» Sch w ä ch en und Lücken gründlich beseitige. Mit einem Wort, die neue Wehrvorlage müsse„ganze Arbeit" leisten Die„Forderungen der Armee", die seinerzeit in dem Scherlblatt namens des malkontenten Oisizierkorps erhoben wurden seien nur das„Mindestmaß" dessen,, was verlangt werden müsse. Jutercssant ist. daß Herr Keim in seinem Artikel sogar gegen einen Teil der n a t i o n a ll i b e r a len und der konservativen Presse polemisiert, der von so unerhörten Mehrforderuligeii nichts wissen wollte. Also nicht einmal die lleine Schicht der leitenden nationalliberalen und konservativen Kreise ist oder war wemgsten» bis vor ganz kurzem für die ungeheuerlichen Mehranspruche, 120 oder gar 150 Millionen Mark jährlich, zu haben, die jetzt von dem alten Flottcntreiber verfochten werden! Das ist überhaupt das Bezeichnende für das tolle Rüstungsfieber, das geivisse Interessentenkreise ergriffen hat und von dtz.m yun.auch bereits die Regierung angesteckt ist, daß cs nur w i n z i g e S ch i ch t e n des Volkes infiziert hat und daß man sich trotzdem so gebärdet, als sei die ganze Nation einig in der Vergeudung neuer Mil- liarden für die uferlosen Rüstungszwecke! Wie in der inneren Politik die Zedlitz, Kardorff und Konsorten, die nur eine Handvoll von Wählern hinter sich haben, sich mit einer Anmaßmtg als die Vertreter iveiterer Kreise aufspielen, so versuchen auch die Rüstungsfanatikcr, hinter denen absolut kein größerer Volksteil steht, der Regierung und dem Volk vorzu- spiegeln, daß ihr Rüstungskollcr und ihr imperialistischer Raubzug von breiteren Schichten des Volkes geteilt wird. Aber wenn Herr Keim sich noch so anmaßlich aufspielt, und wenn in derselben Nummer des„Tag" auch der national- liberale Landtagsabgeordnete v o nl R a t h, der ja unlängst auch im Landtag einen verunglückten Vorstoß unternommen. die Interessen der Bankokratie in Anatolten als so ungeheuer wichtige hinzustellen versucht, daß jede wirk- liche oder auch nur vermutliche Schmälerung dieser Interessen für Deutschland die Losung zum Kriege bedeuten müsse, so ist all diesen größenwahnsinnigen Treibereien gegenüber immer wieder festzustellen, daß cs sich hier wie bei Herrn v. Keim nur um die Wünsche und Interessen ganz kleiner kapitalistischer Kreise handelt! Das Volk in feiner ungeheuren Mehrheit will weder von neuen Heeresrüstungen etwas wissen, noch von einem imperialistischen Abenteuer zu Gunsten einiger Börseaner. Die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Nation sind himmelweit verschieden von den Profitinteressen gewisser Bankgruppen und denen der sattsam bekannten Panzerplatten- und Kanoncnpatriotenl Marionetten des Kapitals. Ein Beispiel, wie das Kapital seine Macht in geradezu brutaler Weise zur Anwendung dringt, liefert die oberschlesische Industrie» gemeinde R o h b e r g bei Beuthen. Im dortigen Gemeindeparlament hat aus Grund des famosen Dreiklassenwahlrechts die sog.Gruben-und Hüttenpartei die knappe Mehrheit. Für Roßberg sollte nun kürzlich ein neuer Gemeindevorsteher gewählt werden. Der Kandidat der Gruben- und Hüttenpartei war ein Amtsvorsteher Dr. H u s e aus Roienthal bei Berlin, während der der Zentrums- Partei, ein Rechtsanwalt U r b a n e ck ans Ratibor war. Trotz- dem die Grubenpartei die Mehrheit im Gemeindeparlament besitzt, wurde zu nicht geringem Entsetzen der letzteren doch der Kau- didat der Zenlrumspartei mit 12 von 22 abgegebenen Stimmen gewählt. Die Wahl war zwar geheim, aber trotzdem wurden zwei von der Verwaltung der Heinitzgrube abhängige Ge- meindevertreter ermittelt, die entgegen der Weisung für den Zentrumskandidaten gestimmt hatten, also von dem Recht der freien Meinung Gebrauch machten. Die Rache für diese? Verbrechen folgte auf dem Fuße. In der drei Tage nach der Wahl des Gemeindevorstehers statt- gefundenen Gemeindevertretersitzung machte der kommissarische Ber- lreter davon Mitteilung, daß die Gemeindevertreter Maschinenwärter S ch i ch e w s k i und Oberhäuer Neuinann ihre Aemter als Gemeindevertreter niedergelegt hätten. Beide sind auf derHeinitzgrube beschäftigt und waren die Kandidaten der Grube für die erste Abteilung. Daß die beiden nicht freiwillig, sondern nur unter dem TerroriSmuS der Verwaltung der Heinitzgrube gezwungen wurden, ihre Aemter niederzulegen,»st ein offenes Ge- heimlnS. Kennzeichnend ist auch, daß beide Erklärungen wegen Nieder- lcgnng ihrer Aemter in Schreibmaschinenschrift hergestellt und nur handschristlich von den beiden unterzeichnet waren. Auch hier wird wieder erwiesen, daß die lautesten Schreier gegen den TerroriSmuS iminer noch am besten das Sprichwort: „Wer nichr pariert, der fliegt!" in die Tat umzusetzen verstehen. Unter solchen Umständen sind Gemeinden, wie Roßberg, ohne Gnade der Allmacht des Grubenkapitals ausgeliefert. Die Gemeindevertreter, soweit sie von der Grube abhängig sind und von dieser gewählt werden, sind eben Marionetten, die nach Belieben dirigiert werden._ Der Segen der Futtermittelzölle. Die Stadt Magdeburg besitzt als Rieselfeldanlagc den Guts- bezirk Cörbelitz. Bei Beratung des Haushaltsplanes für Cörbelitz gab Stadtverordneter Reims, nach der„Frankfurter Zeitung", in der Stadweror-dnetensitzung folgendes bekannt: Er habe bei dem Direktor des Gutsbezirts eine Vergrößerung des Viehbestandes an- geregt. Direitor Heitmann Hab? darauf erwidert: Cörbelitz wäre wohl in«der Lage, mehr Großvieh zu züchten, müsse dann aber Futtermittel einfuhren. Die Futtermittelzölle verteuerten die Bich- Haltung jedoch so, daß das Geschäft dadurch für die Gutsverwaltung wieder unrentabel würde. Die voraussichtliche Gestaltung der Viehpreise. Die„Allgemeine Fleischerzeitung" veröffentlicht die Antworten einer Umfrage: Wie werden sich die Biehpreise in der nächsten Zeit gestalten? Etwa 60 Fleischer- Obermeister und Viehkommissioiiäre aus den verschiedensten Teilen des Reiches haben darauf geantwortet und übereinstimmend lautet ihr Urteil mehr oder minder gewiß: die Biehpreise werden in diesem Jahre noch weiter steigen. Alle Antworten berichten von großer Viehknappbeit. Die Großviehzucht geht zurück oder steht still; die Schweinezucht häl nicht mehr»nit dem Bevöllerungszuwachs gleichen«chrrtt— so heißt es in vielen Antworten. Die Regierung hat bei den letzten Fleischeinfuhrdebatteu im Reichstage auch nicht mehr ihre frühere Ausrede vorgebracht, eS sei ein Rückgang der Preise zu erwarten. Um so frivoler ist das Verhalten der Regierung und der agrarischen Parteien, angesichts steigender Preise leine ernstlichen Abwehrmaß- regeln zu treffe»._ Zur Situation in Belgien. Brüssel, 3. Februar.(Eig. Ber.)� Angesichts der jeden VermitteliingSversuch zurücktveisendcn Haltung der Regierung hat neulich B a n d c r v e l d e in einer ungemein entgegenkommenden Rede, voll heißesten Bemühens die Regierung um- zustimmen und die Arbeiterschaft damit vor dem Generalstreik zu bewahren, auch an den König appelliert,„der über die Reichen wie über die Armen regtere" und in der ernsten Situation nicht stumpf bleiben könne, die Verantwortlichen zur Besonnenheit veranlassen möge. In einem heute im„Peuple" erschienenen Artikel schildert Ber t r and den Ernst der Lage, die unfehlbar zum Generalstreik führen müsse, wenn nicht im letzten Augenblick ein Machtwort die Wendung zu einer friedlichen Verständigung hcrb-iführt. Wenn der Ministerpräsident, schreibt Bertrand. starrsinnig bleibt uud das Land leichten HerzenS einer Periode der Unruhe und des Elends preisgibt, dann möge der König den Minister nach Hause schicken und ein Ministerium der Rechten bilden, das den berechtigten Wün,chen des Volkes und der Majorität der Parlamentarier Rechnung trägt. Alle die den Frieden und die Gerechtigkeit wollen, werden diese Geste gutheißen Und Bertrand meint zlnn Schluß, wenn auch. der konstitutionelle König keiner Partei zu- gehört, so hat er gleichwohl in den Augenblicken der Knse das Recht und die Pflicht, im Interesse des sozialen FricbottS und der öffentichen Ruhe zu intcr- v e n i e r e n. In wenigen Tagen könnte cS zu spät dazu sein, wenn die Hartnäckigkeit der Regierung den Volkssturm vielleicht entfesselt hat. Indessen wächst die Bewegung im Lande und die Frage riach dem Kommenden bewegt allenthalben die Gemüter. Die Brüsseler F ö d e r a t i o n hat an die Arbeiter- schast einen Aufruf erlassen, in der auf die Weigerung der Regierung, über die Verfassungsrevision zn diskutieren, ver- »Viesen wird. Die Regierung, heißt es darin»veiter, will keine Politische Gleichheit, sie will das Zwei-, Drei- ui»d Vier- Stimmensystem mit seinem Schwindel und seiner Korruption aufrecht lassen, dagegen dem Volke neue»nilitärische Lasten aufwälzen. Der Generalstreik sei nach allem unvermeidlich. „Bereiten»vir ihn vor. damit er uns keine Not bringe. Unterdrückt alle unnützen Ausgaben, meidet die leeren und törichten Faschingsvergnügungen, enthaltet Euch des Alkohols! Sparen wir, sparen wir gründlich!" Im selben Sinne spricht auch ein von der sozialistischen Föderasion des B o r i n a g e an die dortigen Arbeiter erlassener Aufruf. Die Arbeiter mögen Kaltblütigkeit und Disziplin bewahren. Wenn die Regierung nicht Verirunft annimmt und der Generalstreik unvermeidlich ist, dann müsse der rt ch ti g e A u g e n b li ck abgewartet, d. h. das belgische Proletariat bereit sein. Bis das Signal vom allgemeinen Streikkomitee siicssen Kern der Gcneralrat der Partei bildet) ertönt, bleibe jeder an der Arbeit!„Verliert keinen Tag, keine Stunde I Jetzt ist nicht Zeit zu seiern, sondern zu sparen I" Dies ist die Sprache der Vertrauensmänner in einem Monicnt der Gäruug in einem Arbeiterrevier, in dem die Arbeiter nach den Wahlen spontan in den Streik traten und nur mit Mühe und allen Künsten der Beruhigung zur Arbeitsaufnahme gebracht»verden konnten I Und wie hier so überall. Im C e n t r e. Ivo die Bergarbeiter in einer Delcgiertenversammlung über die Lage berieten, erklärten sich diese für den Streik, doch müsse der opportuile Moment abgewartet werden. Man halte diese Sprache und die Sprache der sozia- listischen Parlamentarier gegen die kaltsinnigen Provokationen der Regierung und ihres Einbläsers Woeste und man mag sich fragen, wer im Ernst der gegenwärtigen Dinge ver- antlv ortungsvoller und besonnener handelt und wer in diesen Umständen zum Kampfe hindrängt. '*• « Brüssel, 5. Februar. tPrivattelegramm des „P o r>v ä r t L".) Das natioirale Streikkomitee vertagte nach eingehender Beratung der Situation die Entscheidung auf nächste:» Mittwoch. ES richtete einen Appell an die Arbeiter, die Disziplin zu»vahren, bis endgültige Parole aus- gegeben sei._ China. Ks Französischer Protest gegen die Unterzeichnung des Anlcihcvertrages. W. Peking, 4. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Als heute der Anleihevertrag unterzeichnet werden sollte, teilte der französische Gesandte den Chinesen mit, daß er seine Zu- stimmung zu der Anleihe nicht geben könnte, wenn nicht alle fretn. den Ratgeber der chinesischen Regierung neutrale Länder vertreten oder Untertanen der einen oder anderen der sechs Mächte wären, uyd in diesem Falle müsse ein Franzose einen der drei Posten er- halten. Der völlig uncrlvartete Schritt erregte in RegierungS- kreisen die größte Bestürzung. Tie Chinesen sehen diesen neuen Einwand im letzten Augenblick in denkbar ungünstigstem Lichte an. Der Einwand des französischen Gesandten ist ganz speziell gegen Herrn Rump gerichtet, den Deutschen, der zum Berater der RcchnungSkammer ernannt worden ist, wofür er nach all- gemeinem Urteil ungewöhnlich geeignet ist. Aach dem Ausbruch des BoLcraufstandes war Rump Schatzmeister der provisorischen Regierung in Tientsin und darauf Chef der chinesischen Zollverwal- tung in Tientsin. Als solcher führte er so überaus befriedigende Reformen ein, daß die Chinesen sie en bloc annahmen. Danach war Ruiirp Rechnungsrevisor der Tsingtau-Eisenhahn, und im letzten Jahre war er RcchnungSrevisor der Scchsmächtcgruppe bezüglich der Vorschüsse, die diese gemacht hatte. Er war auch der Kandidat der Gruppe als Revisor der geplanten Anleihe von 1ö12. Herr Rump hat diese drei Posten zur allgemeinen größten Zufriedenheit altSgefüllt, und China hat seine jetzige Ernennung aus eigenem Antriebe vorgeschlagen. Seine Ernennung»vor seit Wochen öffentlich bekannt, war überall im fernen Osten in allen Sprachen ver- öffcntlicht und bei den Verhandlungen der Bankcngruppr zur Sprache gebracht und genehmigt worden. Man hält cS daher für unmöglich, daß der französische Gesandte davon nicht schon seit Wochen gewußt habe. Die chinesische Regierung ist bereit, an seine Stelle einen Holländer namens Ferguson von der Scezollverwal- zu setzen, hat sich aber vor diesem Vorschlage gescheut, weil die Beiseitesetzung des Herrn Rump eine unbegründet« Herabsetzung des deutschen Prestiges in Asien bedeuten würde. Zum dritten Ratgeber ernannte China den Italiener Ronsi. Die Gesandten der Sechsmächtegruppe traten heute abend zu- sammen und versuchten vergeblich, sich zu einigen. Tie chinesische Regierung hat sich darauf verlassen, vor Neujahr alten Stils, das die Bevölkerung noch immer am ö. Januar feiert, einen Vorschuß zu erhalten. Es herrscht daher die Befürchtung vor möglichen Unruhen der unbezahlten Soldaten. von denen vierzig gestern zu plündern begannen. Die Mehrzahl wurde jedoch sofort verhaftet und hingerichtet. Sozialea. Einfluß der sozialen Lage auf die Tuberkulose. Als eine Magenfrage und eine Wohnungsfrage bezeichnet Professor M. Moss«-Berl,n in einem lesenswerten Artikel d-S von uns bereits früher crivähnten Wertes„Krankheit und soziale Lage" die Tuberkulose. In Konsequenz dieses Standpunktes fordert er. daß alle Maßnahmen, die geeignet sind, eine Verbilligung der Nah- rungSmittel und eine Verbesserung der Wohnungsverhältnisse her- beizuführen, in größerem Umfange bei uns angestrebt werden »offen. Das Material, aus daS er sich stützt, ist so beweiskräftig, daß «Winand, dem es im Ernst um die Bekämpfung der Proletarier� fcänkheit zu tun ist, daxan vorübergehen kann. Daß überhaupt die soziale Lage iW engen Zusammenhang mit det Entstehung der Tuberkulose steht, ist eine Tatsache, die heute wohl allgemein, so- ivohl von Aerzten, wie von Statistikern, Nätionalökonomen und praktischen Politikern anerkannt wird. Bereits Prinzing hat nach- gewiesen, daß die unteren Gesellschaftsschichtcn, die Armen, viel mehr von der Tuberkulose bedroht sind als die Reichen,»veil sie teils wegen der mangelhaften Ernährung, teils wogen des engen Wohncns und anderer Umstände die stattgehabte Infektion viel »veniger zu bewältigen imstai»de seien.„Je besser daher in einem Lande die Lebenshaltung der unteren Volksklasscu ist, desto mehr sind sie gegen die Gefahren der Tuberkulose geschützt, desto geringer wird die Sterblichkeit an Tuberkulose aussallen." Zu dem gleichen Resultat kommen alle anderen Forscher. Nun läßt es sich nicht be- streUen, daß seit einer größeren Reihe von Jahren die Sterblich- keit an Tuberkulose in manchen Ländern, z. B. Preußen, Bayern, England und Wales ständig abnimmt. Daß aber iin besonderen für Deutschland der Rückgang der Sterblichkeit auf den Einfluß der staatlichen Arbeitcrvecsicherung und der Errichtung von Lungen- Heilstätten zurückzuführen ist, bestreitet Mosse. Gerade das Beispiel von England zeige die Unrichtigkeit dieser Annahme, denn dort habe es bisher keine staatliche Arbeiterversicherung gegeben- und auch die Zahl der Volkslungenheilstätten sei eine überaus kleine. Weit mächtiger habe ein anderer Faktor cingeloirkt, dessen Einfluß ausschlaggebend sei. Dieser Faktor werde durch die gewaltige und durchgreifende Reform der öffentlichen Gesundheitspflege und der Wohnungsfürsorge, soivie durch die fortschreitende Hebung der Wirt- schaftlichen Lage des Arbeiterstandes repräsentiert. Die Haupt- Wege zu einer erfolgreichen Bekämpfung der Tuberkulose sieht Mosse in Uebereinstimmung mit Robert Koch u. a. in der Woh- nungsfürsorge und in der Isolierung der Lungenkranken in Krankenanstalten. Ebenso groß»vie der Einfluß der Wohnung ist der der Er- nährung und des Berufs auf das Zustandekommen der Tuberkulose. Allerdings läßt sich die Wirkung dieser einzelnen Faktoren oft nur schtver voneinander trennen, in den meisten Fällen findet eine Summierung der Wirkungen statt. Daß Zeiten der Teuerung einen gewissen Einfluß haben können auf daS Zustandekommen der' Tuberkulose, ist verständlich, denn je teuerer die Lebenshaltung ist, desto geringer ist der Betrag, der nach Abzug der Wohnungs- miete für die Bestreitung des übrigen Lebensunterhaltes zur Ber- fügung steht. Diese Tatsache wird auch durch eintoandfreie Untersuchungen bestätigt. So hat Linden vor einigen Jahren in der „Wiener Klinischen Wochenschrift" Untersuchungen über den Ein- flutz von Notjahren auf die Tuberk»>lose-Häufigkeit veröffentlicht und festgestellt, daß die Kinder, die in den Jahren 1866, tvo in Finnland eine starke Hungersnot herrschte, gezeugt tvaren, zum großen Teil später als militäruntauglich befunden wurden. Auch G r u b e r meint, daß eine länger dauernde merkliche Verschlechterung der Ernährung der breiten Volksschichten aus irgendeinem Grunde eine Wiederausbreitung der Schwindsucht zur Folge haben werde. Mit Recht zieht Mosse aus seinen Untersuchungen den Schluß, daß die Tuberkulose als sozial Bedingte Krankheit erfolgreich nur durch soziale Maßnahmen bekämpft werden kann. Er stellt den Nutzen der Lungenheilstätten keincstmgs in Abrede, macht aber darauf aufmerksam, daß die Kranken, sobald sie in ihre engen Wohnungen zurückkehren, aufs neue der Gefahr der Infektion aus- gesetzt sind. Alles in allem liefert die Arbeit von Mosse aufs neue den Betveis dafür, daß alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose solange ihre volle Wirksamkeit nicht entfalten können, wie nicht Hand in Hand damit eine Verbesserung der so- zialen Lage des Volkes einhergeht. Das sollten sich vor allem die gesetzgebenden Körperschaften und die Regierungen gesagt sein lassen, sie sollten endlich von ihrer Wucherpolitik ablassen, dem Volke gesunde, billige Nahrung und gute, billige Wohnungen ver- schaffen und den Bestrebungen der Arbeiterorganisationen auf Hebung der Arbeiterklasse keine Hindernisse in den Weg legen. Konkurrenzklauseln. 1. 100 000 M. BcrtragSsirafe. Durch Vertrag von 1902 hat die Manufaktuvivarenfirma St. u. Eo. in Berlin für ihr Zweigaeschäst in Buenoö-Aires den Handlungsgehilfen S. gegen cm Gichalt von 12- bis 16 900 M. als Verläufer angestellt. S. ivar fünf Jahre gebunden,»nährend die Prinzipalin berechtigt ivar, jederzeit monatlich zu kündigen. »venn sie einen genügenden Anlaß zu haben glaubte. S. unterwarf sich einer Konkurrenzklausel, wonach er drei Jahre nach Ausscheiden aus seiner Stellung in kein anderes mit St. u. Co. konkurrierendes Haus in den La Plata-Staaten, Brasilien, Deutschland, Frank- reich usiv. eintreten durfte, bei Vermeidung einer Vertragsstrafe von 100 900 M. Im Februar 1904 hatte S. Differenzen mit dem GcschäftsfÄhrer des Ziveiggcschästcs in Buenos-Aires. Es.ivar üblich Ivährend der Hochsaison die im Laufe des Tages nach Mustern verkauften Waren am späten Abend auszusuchen und bereitzu- stellen. S. behauptet, es hätte jeder Verkäufer nur die von ihm selbst verlausten Waren auszusmhen; er habe aber an dem be- treffenden�Tage in seinem Ratio»(Seidenabteilung) überhaupt keine verkauften Waren bereitzustellen gehabt; der Geschäftsführer habe verlangt, daß er sich an dem Aussuchen der von den übrigen Verkäufern verkauften Waren beteiligen sollte. Infolge der Diffe- renzen ist S. mit einmonatiger Frist gekündigt worden. Nach 1?L Jahren hat er mit einem anderen Kaufmann zusammen in BuenoS-Aires ein Geschäft eröffnet, das auch Äoiikurrenzartikel führt. Die Firma St. u. Co. klagte nunmehr einen Teilbetrag der Vertragsstrafe in Höhe von 20 000 M. ein; der Beklagte erhob Widerklage auf Feststellung, daß der Klägerin keine Ansprüche gegen ihn zustehen. Das Landgericht Berlin erkannte zugunsten des Beklagten. Dagegen hat das Kammergcricht den Beklagten zur Zahlung von 20 000 M. verurteilt. ES führt hierzu auS. daß der Vertrag trotz der für den Beklagten ungünstigen KündigungSbestimmunge» gültig ist und daß eS nur darauf ankommt, ob die Klägerin einen erheblichen Anlaß im Sinne des tj 7S des HandelS-GesetzbucheZ zur Kündigung hatte. Ter Beklagte hatte den Austrag erhalten, sich an dem Aussuche» und Bereitstellen von verkauften Waren zu beteiligen. Zur Ausführung dieser Arbeit war er als Verkäufer oerpflichtet, lieber den Umfang und die Art dieser Dienste Ivar im Vertrage nichts bestilnrnt; sie richteten sich nach den Geschäftsinter- essen der Klägerin. Daran, daß das Ansinnen der Klägerin, sich am Aussuchen der Waren zu beteiligen, gleichgültig, ob eS sich um vom Beklagten verkaufte Waren handelte oder nicht, im Interesse der Klägerin log, kann nicht gezgueiselt werden. Da der Beklagte der mehrfachen Aufforderung deS Geschäftsführers nicht nach- gekommen ist. habe die Klägerin einen erheblichen Anlaß zur Ann- digung gehabt. T�e Revision des Beklagten machte geltend, daß es sich um �O��slSmaßig geringfügige Differenzen gehandelt habe, daß der Geschäftsführer jedenfalls daran mitschuldig gelvcscn sei ui:d des- halb von einem erheblichen Anlaß nicht gesprochen»verde» könne. — DaS Reichsgericht hat am DienStag daS BrrufungSurteil auf- gehoben und die Sache au das Kammeraericht zurückverwiesen. (Aktenzeichen: III. 632/12.) 2. Dir Konkurrenzklausel ohne räumliche Beschränkung. In einem von der b. Kammer des Berliner KaufmannSgrrichts entschiedenen Falle handelte es sich um den Angestellten einer Handlung für zahntcchnische Bedarfsartikel. Er war verpflichtet, drei Lahre nach seinem Ausscheiden� überhaupt keine Tätigkeit in derselben Branche, gleichviel an ivelchem Orle Set Welk, auszuüben. — Das Kaufmaniisgericht erklärte dies Abkommen für nichtig, Weil es an einer räumlichen Grenze fehlt. Beklagter müßte entweder außer Landes gehen oder sich in eine andere Branche ein- arbeiten. Diese Zumutung sei eine Unbilligkeit und eine uuzu- lässige Beschränkung des Fortko>»:>»»ens. Der Vertrag sei seinem ganzen Umfange nach nichtig, denn er verstoße gegen die guten Sitten. An einem so umfangreichen Konkurrenzverbat könne der Chef gar kein Interesse haben, zumal»venn die Befoldimg und Stellung keinen ausreichenden Gegenwert bietet. Ein schlechter Rat. In einem vor der I. Kammer deS Berliner KaufmannSgerichis verhandelten Falle war der Kläger von dem Konfektionsgeschäft Fabian am Sonnabend vor Weihnachten entlassen ivorden,»veil er mehrere Stunden zum Zwecke der Stellenböwerbung unerlaubt dem Geschäft fernblieb. Der Prinzipal, bei dem sich der Kläger um Stellung belvarb. hatte als Bedingung für eine Anstellung gc- stellt, daß er einige Stunden gleich zur Probe arbeite. Um sich den Posten nicht entgehen zu lassen, ging G. darauf ein, telephonierte aber vorher an den Beklagten, die Kosten für einen Ersatzmann- am Nachmittag wolle er zahlen. Trotzdem erhielt er die Ent-. lassung-. Sein verdientes Gehalt von 6V M. sollte er trat dann erhalten,»venn er„zun: Ausgleich" quittiere. Der Kläger Wider- stand zwar zuerst, geriet dann aber, wie er in der Verhandlung erklärte, in große Bedrängnis. Sein Taschengeld war durch die Unkosten der Stellenbewerbung aufgebraucht; er hatte weder Geld für die Portis der Bewerbungsbriefe, noch Fahrgeld. Schließlich war auch sein Zehrgeld aufgebraucht, so daß er dem Verhungern nahe war. Er trug seine mißliche Lage jetzt dem„Verband deutscher Handlungsgehilfen" vor. tvo ihm gesagt wurde:„Sie können ruhig unterschreiben. Das Gericht wird den Schein nicht anerkennen." Er erhielt dann die 60 M. gegen Ausgleichsquittung ausgezahlt und widerrief sofort durch Einschreibebrief den Ausgleichsvermerk. In der Verhandlung mußte der Vertreter des Beklagten zu- geben, daß er de» Kläger bei Auszahlung des verdienten Monats- lohnes vor die Alternative gestellt hatte:„Willst Du unterschreiben, oder willst Du nicht? Willst Du nicht, dann bekommst Du jetzt gar nichts!" Der Vorsitzende, Magrstratsrat Techow, betonte auch, daß dies Verfahren keineswegs zu billigen sei. Bei plötzlicher Lösung des Dienstverhältnisses sei es richtiger, dem ausscheidenden Gehilfen das verdiente Gehalt auf alle Fälle zu geben und ihn wegen eventueller weiterer Ansprüche an das Gericht zu verweisen. — Das Gericht kam aber dennoch zur Abweisung des Klägers. Er habe sich selber weiterer Rechte durch die Ausgleichsquittung be- geben. Seine Unterschrift bindet ihn. Das Urteil ist falsch. Wie wir wiederholt dargelegt haben. ist ein Verzicht auf Gehalt nach Z 2 des Loh:cheschlag»ahmegesetzcs nichtig. Es war der Verzicht in: vorliegenden Fall aber auch des- halb ungültig, weil er gegen die guten Sitten verstieß. Durchaus verkehrt war aber der Rat, den der„Verband deutscher Handlungs- gehilfen" erteilte. Der Ang-estellte soll sein Recht auf geradem Wege suchen. Wäre dem Kläger das verdiente Gehalt nicht ge- zahlt, so bätte er auf dieses und auf Ersatz des ihm durch ver- spätete Zahlung zugefügten Schadens klagen können. Dieser Ersatz umfaßte auch z. B. voll den Schoden, den er ctlva infolge verspäte- tcr Mictzahlung erlitten hätte. Auf Vertrauen zu der Recht- sprcchung des hiesigen Kaufmannsgcrichts einen Rat zu bauen, ist um so bedenklicher, als die Zahl der mit Unrecht zuungunsten der Handlungsgehilfen getroffenen Entscheidungen keineswegs ge- ring ist. Keine Bieheinfuhr, aber Menschenimport. Die preußischen Patrioten sind eine ganz besondere Sortc� sie haben die Vaterlandsliebe und die Treue z»: Königsthron und Geldbeutel nicht nur einmal, sondern dreifach gepachtet. Das preußische Volk wird am intensivsten vor jeden: Kulturfortfchrrtt geschützt, die Preußischen Wünsche sind beim deutschen Zollwucher immer ausschlaggebend gewesen. Im besonderen dann, wenn es galt, die Agrarier vor dem aus ihre Vieh- und Getreidepreije „natürlich" verderblichen Einfluß des Auslandes zu schützen. Fast zur gleichen Zeit sind jetzt zwei Uebersichten erschienen, die uns Einblick darüber gewähren, wieviel ausländische ArbeitLhände die preußischen Agrarier importieren. Bekanntlich haben sie seit etlichen Jahren Zug und System in die Sache gebracht. Die Deutsche Arbeiterzcntrale(bis vor einem Jahre Deutsche Feldarbeiter- zentrale) besorgte 1912 rund 83 000 ausländische willige und billige Arbeitskräste! Die„Statistische Korrespondenz" veröffentlicht jetzt aber auch Zählen über eine interessante Kontrolltätigkeit bei den Landratsämiern. Die LandratSämter führen über die ausländischen Arbeiter genau Statistik. Zumeist sind ihre Zahlen allerdings zu hoch, weil sie ganz fchematisch die polizeilichen Anmeldungen der ausländischen Arbeiter zählen. Trotzdem bleiben die Ziffern von großer Bedeutung, zeigen sie doch,»vievicl Arbeiter vom Auslände in den Jahren 1905 bis 1911 nach Preußen gelockt worden sind. Die folgende Tabelle weist uns aus, wie planmäßig Preußen mis- ländische Arbeiter importiert. Zusammenstellung der Ergebnisse über die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Preußen in den Jahren 1905/1911. l) einschl. Niederlande und Dänemark.— 3) einschl. Dänemark. Werden die Gesamtzifsern auch um ein Erhebliches reduziert. es bleiben immer weit über eine halbe Million ausländischer Ar- bcitcr. die Preußen alljährlich braucht, um eine Sicherung gegen anständige Löhne zu haben! Jnwielvcit die Industrie ausländische Arbeiter benutzt, zeigt uns die Statistik der Deutschen Arbeiter, centrale recht deutlich, die darüber getrennt Buch führt, Vermittels ausländische Landwirtschaft Industrie 1909/10 66 210 S7Sl 1910/11 66 927 HZ«? 1911/12 70 726 12 225 Tie Industrie, das ist hier im besondere» die oberschlestsche, verbraucht also alljährlich rund 15 Proz. der von.-der Deutschen Arbeiterzcntrale durch Agenten und Grenzämtcr herbeigeholten ausländischen genügsamen Proletarierl Im ganzen trifft die Prozentziffcr sicher für die Industrie auch zu. Es kann als fest- stehend angenommen werden, daß die preußischen Agrarier, die sonst nichts vom Auslände wissen wollen und nach allen Regeln der Zoll- wucherknnst das deutsche Volk vor billigen ausländischen Produkten zu„hüten" verstehen, nicht genug ausländische Arbeiter bekommen könncnl Ja, Bauer, das ist ganz cl»vas anderes: ausländisches Fleisch, das tan» dem agrarischen Geldbeutel womöglich schaden; ausländische Arbeitskräfte, diL nützen«her dem Juykerporte- monnaiel GewerhrcbaftUcbea. Zuchthäusler und Zuhälter. Wer sich bei den geschworenen Feinden des Volkes in Gunst setzen will, hat nur nötig, eine grobschlächtige Philippika gegen die Gewerkschaften, besonders gegen das Streikposten- stehen vom Stapel zu lassen. Nach dieser Richtung sind in den letzten Tagen erstaunliche Leistungen bekannt geworden. Feudale Herren stellten dabei Schimpfrekorde auf. Ihre Lakaien suchten sie noch zu überbieten. Die Leute, die in ihrer ganzen Wirtschaftspolitik immer noch eine starke Dosis der von ihren wegelagcrnden Vorfahren ererbten Raubinstinkts verraten, stempeln jeden streikenden Arbeiter zum Verbrecher. Ter konservative Abg. Hammer sprach in dieser Verbindung am 3. Februar im Abgeordnetenhause sogar von Zuchthäuslern und Zuhältern. Er verlangte ein Strcikpostcnverbot und wetterte gar gewaltig gegen ein freies Wahlrecht, das Lumpen mit anständigen Leuten auf eine Stufe stelle. Wer im Glas- hause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wir finden, der Herr Hammer war sehr unglücklich in der Wahl seiner Ver- gleiche. Als Schützer und Lobpreiscr der Streikbrecher sprang er in die Bresche. Er will sie durch ein Ausnahmegesetz gegen solidarisch, das heißt anständig handelnde Arbeiter über diese er- heben, die anständigen Arbeiter disqualifizieren, die unan- ständigen zu privilegierten Staatsbürgern machen. Streik- brecher sind aber nieistens Leute minderwertigen Charakters. Gewöhnlich schauen sie auch auf eine wenig rühniliche Ver- gangenheit zurück. Ein unvcrhältnisniäßig großer Bruchteil von ihnen kennt die Zuchthäuser von innen. Genieine Verbrechen vermittelten ihnen die Kenntnis. Angriffe auf das Leben anderer Menschen gehören zu ihren Spezialvergnügcn; Messer, Schlagringe und Schießeisen sind ihre Spielzeuge. Mancher übte sich schon in der Oeffnung fremder Wohnungen ohne Schlüssel und in Abwesenheit des Besitzers. Wie zahlreiche Streikprozesse dargetan haben, bereitet den Kumpanen aus der Zucht gewerbsmäßiger Streikbrecher der Meineid mehr Spaß als Bedenken. Sie haben längst konstatiert: Wir Streikbrecher dürfen einen totschlagen und Meineide schwören!— Spielen die auserlesenen Freunde der Scharsmacher und Junker nicht gerade Streikbrecher, und haben sie nicht zufällig hinter schwedischen Gardinen Wohnung genommen, dann gehört die Zuhälterei vielleicht nicht einmal zu den unanständigsten Geschäften, die sie betreiben. Bei alledem erfreuen sie sich der besonderen Gunst der hervorragendsten Staats- und Gesellschaftsstützen. Kein Wunder, daß sie sich diesen schon als gleichgestellt be- trachten. Ihr Eifer, sich bei Rüpeleien hervorzutun, wird da- durch sicherlich weiter angeregt. Auch noch in anderer Beziehung war der Hinweis des Herrn Hammer auf Zuchthäusler und Zuhälter sehr uu- angebracht. Daß nianche der Staatsstützen ins Sanatorium flüchtet, wenn ihm das Zuchthaus winkt, ändert nichts an der Tatsache, daß er dorthin gehört. Er behält nicht nur die- selben Staatsbürgerrechte wie anständige Leute, sondern sehr oft viel mehr. Das kommt imnier auf die Größe des Geldbeutels an; die Anständigkeit spielt da gar keine Rolle. Und sind etwa die„Edelsten" der Nationen der Zuhälterei abhold? Durchaus nicht! Sic kultivieren sie nur in der gemeineren Form einer sogenannten hl. Ehe. Zu Dutzenden werden die Inhaber adliger Namen in Zeitungen öffentlich an die Meistbietende Dirne als zu kaufende Ehemänner ausgeboten. Manche Dirne kauft sich einen verlumpten„Edelmann" seiner gesellschaftlichen Stellung wegen. Und er nimmt der Dirne schmutzig erivorbenes Geld und übernimmt für dieses eheliche Pflichten. Unbestritten ver- kloppen auch manche„vornehme" Väter mit klingendem Namen aber leerem Beutel ihre mitgiftfreien Töchter an den nieistbietenden„Parvenü", wenn er dutzende Male das Zucht- haus gestreift, seinen Reichtum durch die bedenklichsten Manipulationen erwarb. Zwar benutzt nian in solchen Fällen den Deckmantel der gesetzlichen und kirchlichen Ehe, sie nimmt den Geschäften aber nicht den Charakter des Schachers mit Liebe und Menschenfleisch. Mit solchen unsauberen Geschichten und Elementen in Verbindung gebracht zu werden, das muß und kann die moderne Arbeiterbewegung ganz entschieden ablehnen. Sie hat keine Gemeinschaft mit gemeinen Zuchthäuslern und Zu- hältern. Solche Elemente überläßt sie gern dem Wohlwollen und Schutzeifer der Junker und Junkergenossen. Die GeWerk- schaft will die Arbeiter nach Möglichkeit aus jeder Abhängig- kcit befreien und sie zu dem Bewußtsein der Menschenwürde erziehen. Das ist das beste Mittel, sie vor einem Versinken in moralische Sümpfe zu bewahren. Das geschieht aber nicht durch eine Privilegierung der streikbrccherischen Hintzcbrüder, sie bewirkt das Gegenteil. Lerlin unct ilmgegrnck. Die Tarifbewegung in der Holziudustric. Die Vertragsverhandlungcn wurden gestern unter dem Vor- sitz des Freiherrn von Berlepsch im Lokal der Berliner Handwerks- kammer fortgesetzt. Es waren Vertreter der Arbeiter, zum Teil auch der Unternehmer, aus folgenden Städten erschienen: Berlin, Grotz-Lichterfeldc, Steglitz, Bernau, Brandenburg, Eberswalde, Guben, Luckenwalde, Lübbenau, Potsdam, Nowawes, Spandau, Leipzig, Zeitz, Dresden, Zittau, Groß-Schönau, Hannover, Göttin- gen, Hildesheim, Uelzen, Erfurt, Harburg, Kiel, Lübeck, Lüneburg, Oldenburg und Rendsburg. Der gestrige Verhandlungstag war ausschließlich der Erörterung der Lohnfrage gewidmet. Die Lohnforderungen der Arbeiter wurden von den Vertretern der ein- zelnen Städte vorgetragen und begründet. An jeden dieser Vor- träge knüpfte sich dann eine kürzere oder längere Diskussion. Be- schlüsse wurden nicht gefaßt. Heute werden die Verhandlungen in der gleichen Weise fortgesetzt. Zu diesem Zwecke werden die Ver- treter der übrigen Städte vor der Verhandlungskommission er- scheinen._ Der Kleinkrieg in der Damenkonfektion. Der Schneiderverband hat damit begonnen, für die Berliner Damenkonseckteon Einzeltarifc mit den einzelnen Zioischenmeistern ab- zuschließen. Es ist in einer Anzahl Fällen bereits die nötige Vor- arbeil geleistet, um die Tarife einführen zu können. Die Zwischen- meister, die seinerzeit einem Tarifvertrage durchaus freundlich gegen- über standen, werden nun Farbe bekennen uud zeigen müssen, ob sie bereit sind, die Probe aufs Exempel zu machen und Tarifverträge abzusÄließen. Wie bereits bekannt, haben die Zwischenmeister sich seit einiger Zeit mit den prozentualen Lohnzulagen einverstanden erklärt und murren darüber, daß dieselben nicht bezahlt werden. Soweit uns bekannt ist, erhält ein Teil Zwischenmeister die prozentualen Lohn- zulaaen und der andere nicht. Dadurch entstehen noch größere Differenzen in den Löhnen, die für gleiche Arbeit bezahlt werden, als dies bisher der Fall war. Da die Zwischemneifler nunmehr alle Hebel m Bewegung setzen, um auch in den Genuß der prozentualen Lohnzulagen zu kommen, so bleibt naturgemäß für die Arbeiterschaft d-rantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil versntw.: 1 kein anderer Weg frei, als Tarifverträge mit einzelnen Zwischen- meistern abzuschließen. Allein auf diesem Wege kann einigermaßen für Ordnung in der Damenkonfektion gesorgt werden. Das haben die Zwischenmeister denn auch eingesehen und sie treten daher als Gesamtorganisation dem Einzelvertragsabschluß entgegen. In der letzten Nummer ihrer Zeitung richten sie die dringende Mahnung an die Mitglieder, sich unverzüglich an ihren Vorstand zu wenden, und die vorgelegten Verträge nicht ohne vorherige Verständigung mit demselben zu unterschreiben. Dabei wird dem Schneiderverbaud begreiflich zu machen versucht, daß er die Arbeit bei der falschen Seite anfange. Gerade diese Kritik des Arbeitgeberverbaudes zeigt, daß der Schuciderverband auf dem richtigen Wege ist. Es ist natürlich nichts dagegen einzu- wenden, wenn der Vorstand de§ Verbandes für seine Mitglieder die Verhandlungen führen will, jedoch können die Verhandlungen sich jeweils nur auf den Einzclvertrag beziehen. Wenn die Zwischen- meister dazu Lust haben, so wird sie daran niemand hindern. Auch wird sich der Schneiderverbaud bei seinem Vorgehen in keiner Weise hindern lassen, wie er den Verband der Zwischenmeister auch nicht hindern will, seine Mitglieder in ihm geeignet erscheinender Weise zu vertrete». Dabei kann es unter Umständen nicht ausbleiben, daß das Mitglied infolge der Vertretung des Arbeitgebcrverbandes in Verlegenheiten gerät. Das ist nicht Sorge der Schneider, und mögen die Zwischcnmeistcr sich vorher überlegen, ob sie ihrem Mitgliede damit dienen können. Achtung, Tavatarbeiter! Die Firma Otto Bornkessel, Nordwest. Waldstr. 39, bat den mit ihr al>geschlossenen Tarif dadurch durchbrochen, daß dieselbe die Zigarren zu billigeren Löhnen her- stellen läßt als der Tarif besagt� Als Arbeitswillige sind dort be- schäftigt die Zigarrenmacherin Straskowski und die Wickel- macherin P a u s i n. Die Zigarrenfabrik von Bornkcssel ist als gesperrt zu betrachten. Die grünen Plakate sind ihr entzogen. Arbeiter, R g u ch e r I Kauft nur dort Eure Zigarren, tno das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. klebt Solidarität! Ter Vertrauensmann der Tabakarbcitcr. Achtimg, Friscurgchilfcu! Den Tarif anerlannt haben: K o h n e r t. Wrangelstr. 89; Br e u st e d t, Driesener Str. 1k: Becker, Stolpischestr. 37: Sänger, Weißensee. Straßburgstr. 19. Tarif« liche Abmachungen aufgelöst haben: Adler, Wiener Str. 56 und Pin dt, Neukölln, Schudomastr. 45. Verband der Friseurgehilfen. Deutkches Reich. Kann die Polizei du«- Streikpoftenstehen verbieten? Ter Bezirksausschuß von Arnsberg hatte die Frage zu cnt- scheiden, ob eine Potizeibehördc berechtigt sei, durch eine Verfügung einem Staatsbürger generell das Strcikpostenstehcn zu verbieten und ihn im Falle der Zuwiderhandlung zu bestrafen. Obwohl diese Frage längst von de» verschiedensten höchstinstanzlichen Gerichten verneint ist— die preußische Polizei und Justiz hilft sich be- kanntlich damit,'daß sie es in das subjektive Empfinden des ein- zelnen Polizeibcamten stellt, ob der Verkehr durch einen Streik- Posten gehindert wird oder gehindert werden könnte— wies der Bezirksausschuß den Kläger ab. Es wurde dem Kläger bei der Urteilsvertünduug gesagt, er möMsich an das Obcrverwaltungs- gcricht wenden. Bcrlockcndc Arbeitsangebote nach Badeorten werden jetzt bald wieder in Inseraten der- bürgerlichen Zeitungen erscheinen. Da ist eine frühzeitige Warnung an die Arbeiter, nicht ohne bestimmte Arbeitsbedingungen sich zu verpflichten, sehr not- wendig. Das Verbandsorgatt der Tapezierer beschäftigt sich in einem Artikel seiner ietzteil Nummer mit den Lohn- uud Arbeitsbedingungen speziell der Nord- und Ostscebadeorte und stellt die dortigen Lebens- bedingungen in Parallele zu denen anderer Orte. Was dort gesagt ist, trifft auch fast für alle anderen Arbciterkategorien inehr oder weniger zu. In den Badeorten herrscht im Gegensatz zu fast allen übrigen Orten, wo die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich geregelt sind, noch völlig die Willkür deS Unternehmers, der de» Arbeitsvertrag in der Regel so zu gestalteil sucht, daß der Arbeiter ihm auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist. So ist es z. B. vorgekommen, daß allein in Westerland auf Sylt zwei Arbeiter während einer Saison 321 M. an Lohn eingebüßt haben. Die Arbeiter fahren im Vertrauen darauf, in diesen vornehmen Bädern guten Dienst zu finden jwie ihnen in Inseraten uud von Stellenvermittlern ver- sichert wird) nach dort, ohne sich vorher die Lohn- und Arbeits- bedingungen vertraglich auszumachen. Dort bestimmt dann der Unternehmer den Lohn und die Arbeitszeit. Die Arbeitszeit be- trägt meist 69—66 Stunden wöchentlich bei einem Stundenlohn von 49—59 Pf.; selten lverden höhere Löhne gezahlt und meist nur dann, wenn der Arbeiter die Arbeitsniederlegung ankündigen kann, wenn er Mittel genug zur Rückreise besitzt. Da die Inselbewohner während der Saison soviel verdienen wollen, um die übrige Zeit des Jahres davon leben zu können, sind natürlich die Preise für Kost und LogiS entsprechend gepfeffert. Der Arbeiter muß 16—18 M. des Verdienstes nur für Pension ausgeben, dabei müssen die Arbeiter in Ecken und Winkeln Hausen, weil jeder Raum an Kurgäste vermietet wird. Ein beliebter Trick verschiedener Unternehmer ist eS, den fälligen Lohn nicht oder nicht in voller Höhe auszuzahlen. Eine Klage des Arbeiters ist meist erfolglos, er hat nur uqch Acrger, Scherereien und Unkosten. Das hier Geschilderte trifft besonders für Sylt, Borkum, Norderney zu, aber auch über Warnemünde, Pyrmont, Bad Harzburg sind dieselben Klagen laut gewordep. Die Arbeiter werden daher zur Vorsicht gemahnt. Jeder sollte sich vorher bei seiner Gewerkschaft genau inforniieren und Lohn und Arbeitszeit in einem einwandfreien Arbeitskontrakt vorher ausmachen. Der Arbeiter kommt aber auch nicht in den von ihm erwarteten Genuß des Badetrubels, denn bei der üblichen langen Arbeitszeit ist daran nicht zu denken. TaS Tarifwcsen in der Stcininduftrie. Eine Tarifvermehrung hat der Zentralverband deutscher Stein- arbeiter sSitz Leipzig) im Jahre 1912 zu verzeichnen. Am 1. Ja- nuar 1312 bestanden 298 Tarife für 18 847 beschäftigte Personen, von denen 16132 organisiert waren: am 1. Januar 1913 bestanden 254 Tarife für 27 526 beschäftigte Personen, von denen 21 175 or- ganisiert sind. Die Zunahme der Tarife entfällt besonders aus die Granit- und Pflasterjtein-Jndustric. Für die Arbeiter in den gc- nannte» Kategorien konnten im Vorjahre, besonders in den Ge- bieten Striegan-Strehlen(Schlesien) und Temitz-Kamenz(Lausitz) große Erfolge errungen werden. Die Granitsteinbruch-Besitzer waren bisher zähe Anhänger des wilden Akkordwesens, das eine immense Ausbeutung der Arbeiter zuließ. Die Herren stellten sich kategorisch auf den Standpunkt, Tarifabschlüsse seien in der Hart- stein-Jndustrie nicht möglich. Der Steinarbeiterverband nötigte aber die Herren, sich zu einer anderen Ansicht zu bekehren. So war ein größerer Industrieller ein hartnäckiger Gegner jeglichen Tarif- abschlusse� Aber auch er wurde durch die Geschlossenheit der Ar- beitcr zu anderer Ansicht bekehrt. Nach Unterzeichnung des Tarises setzte er die Baubehörden in Kenntnis, daß er sich mit seinen Ar- beitern über die Lohnsrage geeinigt hätte. Damit gab er den Be- Hörden einen Wink, bei der Vergebung von Aufträgen bevorzugt zu werden. Andere Unternehmer schlugen aus den Tarifabschlüssen besondere Vorteile. Sie setzten be, der Uebernahme von Pflaster- steinlieferungen höhere Preise ein, mit der Begründung, daß die Arbeitslöhne erhöht werden mußten. Für die Sandsteinbranche ist die Einführung eines Normal- tarises für das Königreich Sachsen von sebr großer Bedeutung.— An einigen Tarifabschlüssen ist auch der christliche Keramarbeiter- verband beteiligt. Tie S tri narbeiter können mit der Ausbreitung des Tarifwescns sehr zufrieden sein. Die schönen Erfolge, die sie erzielten, verdanken sie nicht zuletzt dem Umstände, daß der Ver- Ub.Glocke.Be-U>n. Druck U. VerlagtVorwärt-Bnchdr. LerlagSanstalt band in den letzten zwei Jabren 11 999 Mitglieder zunahm und den Unternehmern so eine wirtschaftliche Macht entgegenstand, die sie zur Nachgiebigkeit vcranlaßtc. Ein evangelisches Bereinshaus als Herberge für Streikbrecher. Die Former und Gietzereiarbcitcr der Maschinenfabrik B e i c n in Herne(Westfalen) hatten am 15. Januar die Kündigung ein- gereicht, weil in Güte die Abstellung von Mißständen im Betriebe nicht zu erreichen toar. Am 1. Februar war die Kündigungsfrist abgelaufen und am Montag waren bereits acht Streikbrecher in Aktion. Diese sollten anfänglich in Privatlogis untergebracht wer- den. Sie find jedoch schließlich in das evangelische Ver- cinshaus einlogiert worden. Tie evangelischen Arbeiter dürfen auf diese Einquartierung stolz sein. Der Kampf der Fischdampferviaschinisten in den Unter- weserortcn dauert schon acht Wochen, ohne daß an ein Ende zu denken ist. lieber 79 der Ausgesperrten konnten anderweitig untergebracht werden. Wenn die Reeder nicht bald einlenken, wer- den sie von ihrem alten Maschinenpcrsonal niemand mehr zu sehen bekommen. Die Reeder versuchen den Ausgesperrten obendrein ihr Fortkommen zu erschweren; sie stellen den Maschinisten folgendes Zeugnis aus: „Wir bescheinigen hierdurch dem Herrn... wunschgemäß, daß derselbe vom... bis... auf unserem Dampfer... als... Maschinist bedienstct war. Wir waren sowohl mit den Leistungen sowie Führung sehr zufrieden. Die Entlassung mußte erfolgen, weil infolge einer unannehmbaren Forderung des Zentral verbau des der Maschi- nisten und Heizer die Schiffe aufgelegt werden mutzten." So ist der Entlassene gleich gekennzeichnet. Gegen diese Art von Zeugnissen sollte gerichtlicher Einspruch erhoben werden, damit den Unternehmern plausibel gemacht wird, daß Zeugnisse mit sol- chen Kainszeichen nicht ausgestellt werden dürfen. Welchen Einfluß der Streik aus den Fischhandel hat, geht aus folgendem iviarktbericht hervor: Im Monat Januar betrug der Umsatz in der Auktionsballe nur 4 162 527 Pfund Fische im Werte von 689 986 M-, gegen 7 882 234 Pfund im Werte von 960 766 M. im Dezember 1912 und 6 799 800 Pfund im Werte von 954 382 M. im Januar 1912. Das wäre also in einem Monat ein Minderertrag von rund 399 999 M. Zu beacktcn ist dabei noch, daß jetzt infolge der schlechten Einfuhren die Preise enorm hohe sind, wodurch der unbemittelten Bevölkerung ein wichtiges Lebensmittel erheblich verteuert wird. Nach wie vor ist jeglicher Zuzug von Ma- schinenpersonal nach den Fischdampfern der Untcrweserorte streng fernzuhalten. Auf der Rheinischen Maschinen- und Metallwarenfabrik(Ehrhardt) in Düsseldorf sind die Arbeiter in eine Bewegung zwecks Ver- kürzung und Regelung der Arbeitszeit eingetreten. Die Firma hat nicht nur ein Entgegenkommen abgelehnt, sondern weigert sich auch, mit der von den Arbeitern gewählten Kommission zu verhandeln. Von den beteiligten Arbeiterorganisationen ist beschlossen worden. den Betrieb vorläufig zu sperren. Auch sollen die Ueberstunden ver- weigert werden. Die Firma ist mit Aufträgen, hauptsächich für die Balkanstaaten überhäuft. Wenn der Zuzug fern gehalten wird, muß die Firma den Wünschen der Arbeiter Rechnung tragen. I*ctzU Nachrichten. Cin neuer bulgarischer Armeebefehl. Sofia, 5. Februar.(W. 31. 58.) General S a w o f f hat einen neuen Tagesbefehl an die Armee gerichtet, in dem er erklärt, daß die Türken durch die Art, in der sie die Verhandlungen führten, bewiesen hätten, daß sie nur Zeitgewinnen wollten. Aber sie hätten sich sehr getäuscht, denn diese Zeit sei von der bulgarischen Armee dazu benützt worden, ihre Streitkräfte aus Mazedonien und aus Nordbulgarien, die nicht an den großen Kämpfen in Thrazien teilgenommen hatten, zu konzentrieren und sich reichlich mit Lebens- mittel» und Munition zu versorgen. Wir sind jetzt vollkommen bereit, erklärt der Tagesbefehl, bereiter als vor der Kriegs- erklärung, und um den Widerstand des Feindes endgültig z» brechen, müssen wir ihn von neuem niederschmettern, seine in der Eile zu- sammengezogencn Horden, denen jegliche Begeisterung fehlt, zcr- streuen, den Feind zu Boden werfen und dort auf dem Schlacht- felde ihm die Friedcnsbedingungen diktieren. Die Türken müssen über das Meer gejagt werden. Andauernde Beschicszung Adrianopels. Wien, 5. Februar. Tie„Neue Freie Presse" meldet aus Sofia: Tas Bombardement von Adrianopel dauerte die ganze Nacht vom Dienstag aus Mittwoch in allen Richtungen des Bclagerungsgurtels. Tie Bulgaren nahmen das Dorf P a n u k l i, wo die Festungstruppen einen Ausfall ver- suchten, aber sich in die Festung zurückziehen mußten. Auf die heute tagsüber ununterbrochene Kanonade erwiderten einige Forts gar nicht, andere selten oder resultatlos. Von Mustafa Pascha sieht man den Brand in Adrianopel. Heute nacht rückte die erste Linie der Bulgaren in Gallipoli vor und nahm einige minder wichtige türkische Positionen. Seeschlacht vor den Dardanellen. Rom, 5. Februar.(P.-C.) Zu später Stunde sind bier aus Konstantinopel Depeschen eingetroffen, denen zufolge am Eingange der Dardanellen sich eine neue griechisch-türkische See- s ch l a ch t entsponnen hat, über deren Ausgang noch nichts be- kannt ist. Die französische Eifersüchtelei in der chinesischen Anleihesrage. Paris. 5. Februar, lieber die Verzögerung in der Unterzerch- nung des chinesischen Anleihcvertrags und die Haltung der franzö- fischen Regierung in dieser Angelegenheit veröffentlicht der„Temps" eine Mitteilung, der zufolge der französische Standpunkt in dieser Frage der ist, daß die Ernennung der in dem Anleihevertrag vor- gesehenen drei Beiräte im Einver nehm enzwischen China und den Mächten erfolge, und daß die Befugnisse dieser Bei- rate gesichert seien. China scheint nun aus seiner eigenen Macht- Vollkommenheit und ohne genaue Festsetzung dieser Befugnisse einen Dänen, einen Deutschen und einen Italiener ernennen zu wollen. Die Logik verlangt, daß alle drei Beiräte entweder der Nationalität der Gläubiger oder neutralen Staaten angehören. Tie Frage der Nationalität ist aber nebensächlich und könnte erst später zwischen den Mächten und China geregelt werden. Schwerer Unfall bei einem Fußballwettspiel. London, 5. Februar. iW. T. A.) Bei einem Fnßballwetffpiel in Sunderland ereignete sich heute nachmittag ein schwerer Un- fall. Ans dem Dache eines KoblenschuppcnS standen etwa zwei. hundert Leute und Kinder, um dem Spiele zuzusehen. Platzlich stürzte das Dach ein, wodurch eine Anzahl Personen schwer verletzt wurden. Acht mußten ins KrankcnhguS über- geführt werden.__'_ ßaulSinger 4 Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u.Unterha»u«g»hlJ Kr. 3t. 30. IahtMg. s Seilligr des Amiick" Kerlim DcksM Donverstag, 6. Febrvar M3. R.eickstag. 104. Sitzung. Mittwoch, den 6. Februar 1913, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Dr. Delbrück. Etat des ReichSamtS des Juueru. Dreizehnter Tag. Ministerialdireltor v. Jonquieres: Ich habe vor einigen Tagen in einer Antwort auf die Ausführungen des Abg.<3 ch u m n n u bemerkt, daß in Hamburg vor der Seeberufsgenossenschaft Vertreter der Arbeiter gehört wurden und sicki mit den Vorschlägen der See- berufsgenossenschaft einverstanden erklärt haben, unter ihnen auch Herr Paul Müller, den Sie— wobei ich eine Handbewegung nach der äußersten Linken zu machte— ja wohl anerkennen werden. Herr Paul Müller ist nämlich Vorsitzender der sozialdemokratischen Gewerkschaft. Ich nmß heute richtig st e l l e n. daß mir eine Personenverwechselung unterlausen ist, der betreffende Herr hieß Paul H o f f in a n n. Die Beratung beginnt beim ilapitel Reichsversiche- r u n g s a m t. Abg. Körstr»(Soz.j; Nach§ 547 der Reichsversicherungsordnung hat der Bundesrat die Ermächtigung, auch die B e r u f s k r a n k h e i t e n zu den Betriebs- Unfällen zu rechnen. Die Berufsgcnosjenschaften laufen hiergegen Sturm, indem sie meinen, für die Kranken sei genügend gesorgt. Leider sind erst jetzt die Krankenkassen veranlaßt, über die Gewerbe- krankheiten Aufnahme» zu machen. Aber wenn auch die Berufsgenossen- schaften noch nichts veranlaßt oder noch nichts getan haben, so ist doch durch eine Reihe von auf sozialem Gebiet verdienten Männern vieles festgestellt worden, was als Basis für ein Eingreifen des Bundesrats dienen kann. Die kleine Ortskrankenkasse der Maler mit nur 5000 Mitgliedern hat im letzten Jahre eine halbe Million für die an Blei weißvergiflun gen Er- krankten ausgeben müssen. In derartigen Fällen müßte das Reich oder der Staat eingreifen, zumal es für Bleiweiß einen sehr guten Ersatz, das Diamantweiß. gibt. Als Unfall wird nur ein plötzlich eintretender anerkannt, nicht aber ein mittelbarer, sodaß ein Arbeiter einen Unfall nur sehr schwer zur Anerkennung bringen kann. Ein Holzarbeiter, der sich an einem Hobel verletzt hatte, und der Verletzung anfangs kein Gewicht beigelegt hatte, konnte, als die Sache sich ver- schlimmerte, dies nicht zur Anerkenntnis als Unfall briugen, trotzdem mehrere Aerzte und Sachverständige auf seiner Seite waren. sHörtl hört I) Vor 20 Jahren wurden auch mittelbare Unfälle noch anerkannt, sowie Unfälle auf dem Wege von und zur Arbeit. Vor 9 Jahren war der Begriff bereits sehr eingeengt und auch heute kann man nicht eine bestünmte Erklärung für einen Unfall geben. Leistenbrüche sind von Unfällen ausgenommen, indem gesagt wird, die Anlage zum Bruch sei ja immer schon vorhanden. Daun schaffte man die kleinen Renten für den Verlust von einzelnen Finger- gliedern ab und setzte die Reuten von 15 und 20 auf 10 Proz. herab. Man ging weiter und sagte: kleine Verletzungen werden überhaupt nicht mehr mit Renten bedacht, wenn der Verletzte sich daran gewöhnt hat. Der Präsident des ReichsversicherungS- amtes Dr. Kaufmann warnt in seinem Buch:„Licht und Schatten der Unfallversicherung" vor de», Schablonisieren. In der Praxis wird aber nur schablonisiert. Die Berufsgenossenschaftcn haben alle der Arbeiterschaft ungünstigen Urteile zusammengestellt, und nach dieser Schablone wird ohne nähere Begründung die Festsetzung ge- troffen.(Hört! hört!) Seit dem Bestehen der Versicherung sind die Renten mehrfach heruntergesetzt, für den V e r l u st eines Auges zahlte man früher 40 Proz.. später ZLVl, Proz. und heute 25 Proz. Ich kenne einen Senatspräsidenten, der bereits gesagt hat, mit einem Auge sieht der Mann ja grab' so gut wie mit zwei Augen, der also für den Verlust eines Auges gar nichts zahlen will. Einem Arbeiter, der zwei künstliche Beine hat, wurde die Wohltat gewährt, Schreibmaschine zu lernen, und er konnte nunmehr bei seinem Wohltäter 400 Mark jährlich verdienen. Flugs er- kannte die Berufsgenossenschaft, und das Reichsversicherungsamt trat ihr bei, daß dieser Arbeiter erwerbsfähig ist. sHört! hört!) Wenn das noch zehn Jahre mit dieser Praxis weiter geht, so wird auch ein Arbeiter ohne Arme und Füße, der durch orthopädische Behandlung so weit gebracht ist, wieder am Schraubstock zu stehe», für erwerbsfähig erklärt werden. Die Orthopädie wird dann nicht zum«egeu, sondern zun, Fluch e. Mau hat unsere Versicherung mit einem schönen Mosaikbilde ver- glichen, man darf dem Bild aber nicht zu nahe kommen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) kleines femUeton. Die Findigkeit der Post. Wir begegneten auf der Straße einem Theaterschrift st eller, der also zu uns sprach: „Sagen Sie mal, wird die Findigkeit der Post nicht in Hunderten von Anekdoten verherrlicht?" „DaS wird sie allerdings. Sie soll unter Uniständen Briefe bestellen, deren Adresse geradezu ein Rebus darstellt." „Warum kann sie dann aber eine Postkarte nicht bestellen, deren Adresse durchaus nicht rätselhaft ist?" „Wie meinen Sie das?" „Ich erhielt aus der Schweiz eine Postkarte, die für mich nicht ohne geschäftliche Bedeutung war. Der Absender wußte meine Adresse nicht. Er bezeichnete also nur die Stadt, in der ich wohne, und fügte hinzu, daß ich möglicherweise auch in einem Vorort wohnen könne." „Und Sie erhielten die Karte nicht?" „Gewiß erhielt ich sie. aber so spät, daß sie bedeutungslos ge- worden war." «Und der Grund?" „Sie hatte sich bei ollen mögliche»„Instanzen" herumgetrieben und war von lauter Stempeldrucken und aufgeklebten Zettelcheu ganz buntscheckig geworden." „Und das war nicht nötig, meinen Sie?" „Aber ganz und gar nicht! Wenn der Name eines Theater- fchriftstellers auf der Adresse stand, brauchte man ja nur ein Theater- bureau anzuklingeln. Oder eine Zeitungsredaktion. Es handelte sich ja dock, nur um eine Provinzstadl, wo mau seine Leute keimt." „Theaterbureaus und Zeitungsredaktionen gibt eS im Instanzen- zuge der Post nicht." „Und Sie meinen, daß auch die Findigkeit hübsch an den Instanzenweg gebunden ist?" „Verehrter Freund, der menschliche Scharssinn unserer preußisch- deutschen Beamten ist immer an den Instanzenweg gebunden. Eine Karte, die rechtzeitig ankäme, dabei aber den Jnstanzenzug durchbräche, würde eine Revolution bedeuten. Eine Karte aber, die auf dem vorgeschriebenen Instanzenwege z u s p ä t ankommt, ist ein raffinierter Triumph der bureaukratischen Ordnung." „Ach so l Ich danke Ihnen." „Adieu." Gedenktage. Wir machen augenblicklich eine Zeit der Gedenktage durch. Wir wählen absichtlich einen Ausdruck, den man auch für Krankheiten braucht, weil die Begleiterscheinungen dieser Gedenktage aus einen normalen Menschen wie ein Brechreiz wirken. Um nur ein Beispiel zu wählen: FichteS Name ist augenblicklich in der deutschen Presse sehr„aktuell". In denselben Zeitungen aber, in denen Fichte mit heuchlerischer Ehrfurcht begrüßt wird, wird eine Politik verteidigt, die P o l e n und Dänen um ihrer Nationalität Man weist prunkend auf die ungeheuren Summen hin, die für Versicherungen gezahlt werden: die Berufsgenossenschaften haben in 25 Jahren 1800 Millionen aufgebracht: aber auf den Kopf der Ver> sicherten macht das nur 3 M. Aehnlich lixgt es bei der In- v a l i d e n v e r s i ch e r u n g, wo es 6 M. ausmacht, bei der Krankenversicherung, wo 3900 Millionen im ganzen doch nur 12 M. auf den Kopf der Versicherten betragen, loovon 8M. die Arbeiter bezahlt haben. 2 Millionen werden täglich siir die Versicherung ausgegeben, 000 Millionen Mark im Jahr. Davon zahlen 300 die Arbeiter und von den anderen 300, die die Unternehmer zahlen, erklärte hier einmal eiir Großunternehmer, Herr Schmidt-Altenburg. es mache nicht'/j Proz. der Betriebsausgaben. Die 000 Millionen Mark jährlich verteilten sich auf 24 Millionen Versicherte. Nehmen Sie die Berliner Versicherten, so sind das 2 Proz., und da sehen Sie deullich, daß die Berliner Armen- Verwaltung an ihre Armen ohne Gegenleistung schon mehr zahlt. Die Versicherung ist eben weiter nichts als eine zentralisierte Armenpflege. (Sehl; richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen ist sie ein sehr gutes Geschäft: so weist der Etat der Landesversicherungsanstalt Berlin bei 18,0 Millionen Einnahme 11,4 Millionen Ausgabe, also einen Uederschuß von 7,2 Millionen oder rund 40 Proz. auf. Da muß ja jedem Kaufmann das Herz lachen. Man sagt, der lleberschuß wird ja zurückgelegt, aber wer weiß, wie diese Gelder einmal verwendet werden, die Verletzten bekommen jedenfalls nichts. Früher wurde de» Witwen, wenn der Mann starb, etwas herausgezahlt: das fällt nach der Reichsversicherungsordnung fort, und daran allein hat die Landesversicherungsanstalt Berlin in einem Jahre 737 000 M. gespart und nur 53 000 M. sind an die Witwen und Waisen gezahlt. Man hat ihnen also das Vierzehnfache von dem genommen, was man ihnen gegeben hat. (Hört! hört!) Wir haben gar keinen Grund, uns anderen Ländern gegenüber aufzuspielen. England gibt 280 Millionen Mark jährlich für seine Versicherung aus, wird also in zwei Jahren so- viel bezahlt haben, wie die deutsche Regierung in 18 Jahren. England und die Schweiz haben die Berufskrankheit in ihrer Unfall- Versicherung. Wir müssen darauf achten, daß wir anderen Ländern gegenüber mit unserer Versicherung nicht ins Hintertreffen kommen, und ich möchte mit den Worten des Präsidenten des Reichs- versicherungsamtes schließen, die er freilich etwas anders gemeint hat: Man hüte sich, aus der betretenen Bahn weiter zu schreiten, denn sonst folgt dem Hosianna, das Sie auf die Versickerung singen. das„Kreuzige" der Versicherten.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Bcckcr-ArnSberg(Z.): Ein so abfälliges Urteil über unsere Arbeiterversicherung ist denn doch nicht berechtigt. Wir beantragen, daß möglichst bald nach dem Inkrafttreten des 3. Buches der ReichsversicheruiigSordnung von der Vollmacht Gebrauch gemacht wird, die Unfallversicherung auf bestimmte Berusskrankheiten aus- zudehnen. Insbesondere sollte das Augenzittern der Berg- a r b e i t e r als gewerbliche Berusskrankheil der Unfallversicherung unterstellt werden. Abg. Hepp(natl.) klagt über zu harte Strafen wegen Verstöße gegen Unsällvorschriften der landwirtschaftlichen Berussgenossenschaft Hessen-NassauS. Abg. Behrens(Wirtsch. Bg.) kritisiert in einzelnen Punkten die Ausführung der ReichsversicherungSordnuug. Von gewisser Seite wird auch dort, wo gar kein Bedürfnis für die Errichtung von Land- krankenlasscn vorliegt, z. B. in den Großstädten der westdeutsche» Industrie, für die Errichtung von Landkrankenkassen propagiert. So will der Oberbürgermeister C u n o von Hagen in seiner Stadt eine Landkrankenkasse errichten, obtvohl der Reichslagsabge ordnete Euno hier gegen die Landkranken- kasien gestimmt hat.(Hört! hört!) Was man hier tut, sollte man auch draußen vertreten.(Zustimmung.) Wenn Landarbeiter von der verirrten Kugel eines Sonntagsjägers getroffen oder wenn Wald- arbeiter von einem giftigen Insekt gestochen werden, so sollte man auch diese Unfälle des täglichen Lebens als Betriebsunfälle ansehen und eine Entschädigung dafür gezahlt werden. Abg. Taubadel(Soz.): Wir werden dem Antrag Becker zustimmen. Wir haben schon bei der Beratung der ReichSvcrsicherungSordnung beantragt, daß die Berufskrankheiten als Betriebsunfälle angesehen werden sollen. Damals aber war es gerade die Partei des Abgeordneten Becker, die unseren Antrag abgelehnt hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sparsamkeit ist gewiß eine gute Sache, aber es darf nicht am verkehrten Ende gespart werden. Im Reichs- versicherungsauit spart man jetzt aus K o st e n der armen Invalide nrentner. Es hat an die Laudesversicherungs- willen mißhandelt. Man verbeugt sich vor Fichte und jagt gleich- zeitig die Polen von HauS und Hof. Und Fichte hat nicht allein den Vorzug! Auch sonst werden die großen Toten, denen man die Feier rüstet, mit aller wünschenswerten Gründlichkeit verraten. Wenn erst die Hebbelseier herankommt, werden auch die Theaterjournalisten ihre Gesichter in pietätvolle Falten legen, die sonst dem faulsten Börsenjobbertum und dem korruptesten Schund ihre talentvolle Pflege angedeihen lassen. Man preist den Genius, der mit hartem und keuschem Willen für die deutsche Thcaterkultur stritt, aber man hält es praktisch mit dem Schund, der augenblicklich Kurs hat und das Geld einbringt. Man kann leider nienrand verbieten, in dieser pietätvollen Weise die Leichen der großen Toten zu schünden. Aber man darf vielleicht aussprechen, daß es zun» Speien widerwärtig ist. Der Wagenverkehr in den Weltstödten. Von Zeit zu Zeit werden VerkehrSzählungen in den größten Städten der Erde angestellt, um einen Matzstab einmal für die Größe des Verkehrs überhaupt und ferner für Vergleiche zu gewinnen. Eine genügende Zuverlässigkeit scheint jedoch diesen Ermittelungen nicht zuzukommen, weil die Ergebnisse große Verschiedenheiten ausweisen. Bald soll der Verkehr ans gewissen Plätzen Berlins beispielsweise den aller anderen Orte der Erde übertreffen, bald soll er erheblich hinter andern Städten zurückstehen. Obgleich anzunehmen ist. daß bei diesen Zählungen Zufälligkeiten mitsprechen und auch tatsächlich unergründliche Schwankungen des Verkehrs an derlei Stellen eintreten, so sollte dock wenigstens eine ungefähr richtige Reihenfolge zu erkennen sein. Das ist aber bisher nicht der Fall, und auch eine neue Statistik, die der Präsident eines in Amerika zur Verbesserung des Straßenverkehrs begründeten Ausschusses vorgenommen hat, dürfte kein unbedingtes Vertrauen genießen. � Objektiv erscheint sie allerdings dadurch,'daß New Jork in der Schätzung" des Wagen- Verkehrs einen erstaunlich niedrigen Rang angewiesen erhält. Die Gesamtzahl der in zwölf Stunden des TageS die Straßen- fläche befahrenden Wagen wurde in der Rue de Nivoli in Paris zu 33 232 ermittelt, in der Avenue de l'Opsra zu 29 460, auf dem Boulevard des Italiens zu 20 124, auf dem Boulevard de la Madeleine zu 17 524 und in der Rue Saint Honors zu 16598. Diese Straßenzüge sollen überhaupt die an Wogenverkehr reichsten der Erde sein, da sogar der„Strand" in London nur 16 208 Wagen in der gleiche» Zeit aufweist. Demnächst würde der Potsdamer Platz in Berlin mit 14 221 Wagen folgen, die Friedrichstraße mit 13 479, die Leipziger Straße mit 9590. New Jork hat nach dieser Schätzung keine Straße mit gleich starkem Wagcnverkehr. da in der Fijth Avenue nur 8665, auf dem Broadway sogar nur 3277 Wagen gezählt wurden. Nottzeu. — EinPossenjubiläum. Im Charlottenburger Schiller- Theater hat man zur Belebung der KarmvMtimmnflg. die aber anstalten einen Erlaß verschickt, sie möchten bei der Jnvalidenver' sicherung recht sparsam wirtschaften. Die Folge ist ein kolossaler Rückgang der ausgezahlten Invalidenrente», ja gezahlte Renten werden in der rigorosesten Weise entzogen. (Hört I hört! bei den Soz.) Besonders arg liegen die Verhältnisse im Bereich der Landesversichcrungsanstalt Schlesien. Die Ver- sicherten sagen, daß sie erst auf allen Vieren kriechen müssen, ehe sie eine Rente bekommen..(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Bergarbeiter in Waldenburg hat kürz- lich S e l b st ino r d verübt, weil er keine Rente bekam.(Hört' hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Entrüstung in Schlesien ist denn auch ganz allgemein. Dabei beträgt der alljährliche lieber- schüfe der Landeöversicherungsanstalt Schlesien bereits über 10 Millionen Mark und ihr Vermögen 116 Millionen Mark.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- lraten.) Gewiß müssen die Landesversichernngsanstaltcn über ei» gewisses Kapital verfügen. Aber eS kann dvch nicht der Zweck der Jnvalidcnversichcrnng jein, große Vermögen aufzuspeichern. Biel- mehr soll sie ein Schutz für die wirtschaftlich Schwachen sein. iZu- stimmuug bei den Sozialdemokraten.) Schließlich möchte ich für die Angestellten der BerufSgenossenschasten eine Besserstellung und vor allem die Aufstellung einheitlicher Grundsätze für das Aufrücken der llnterbeamten in die mittleren Stellungen befürworten.(Bravo! bei den Sozialdemolraten.) Abg. Koßmann(Z.): Man sollte bei der Gewährung der Renten möglichst milde vorgehen. Die Rente ist doch schließlich keine Gnade, die gewährt wird, sondern auf die Rente bestehr ein gesetzlicher Anspruch. Das wird nur zu häufig ver- gessen. Meist werden schon ohnehin überlastete Aerzte zur Begut- achtung von Reiitenempfängeril herangezogen. Getadelt muß auch werden, daß von den Versicherungsbehörden Gutachten solcher Aerzte, die von den Versicherten selbst benannt sind, häufig von vornherein minder gewertet werden als die Gutachten anderer Aerzte. Berechtigt ist auch die Klage, daß Arbeiter- und Gewerkschaftssekretäre von den Spruchkammern als Ver- treter der Arbeiter nicht zugelassen werden.— Des weiteren klagt der Redner über zu rigoroses Vorgehen beim Fehleu der Unfallverhiitungsvorschriften in landwirtschaftlichen Betrieben: hier sollten die Berufsgenossenschaften nicht mit Strafen, sondern mit aufklärenden Vorträgen vorgehen, da der Verstoß gegen die Vorschriften hier meist aus Unkenntnis beruht.— Mit der„Ge- wöhnung" an die Unfallfolgen und der darauf basierenden Herab- setzung oder Entziehung der Renten wird viel zu weit gegangen, in manchen Fällen muß man geradezu von Unfug sprechen.— An den Unfällen sind nicht, wie Herr Meyer-Celle hier neulich ausführte, die Arbeiter meist selbst schuld, sondern die lange Arbeitszeit und die geringen Akkord» löhne, die speziell in der Schwereisenindustrie und im Bergbau vorhanden sind. Auch ist im Bergbau darüber zu klagen, daß die notwendigen Schutzeinrichtungen nicht rechtzeitig getroffen oder erneuert werden. Hierauf sollten die Beamten schärfer achten. Ministerialdireltor Caspar: Der Frage der Einbeziehung einer Reihe von Berufskrankheiten in die Unfallversicherung ist das Reichs- amt bereits näher getreten und es finden im Einvernehmen mit dem preußischen Handelsminister Erwägungen statt; es wird jedoch kaum möglich sein, die L u n g e n l e i d e n der Steinarbeiter als Unfälle aufzufassen.— Der Rückgang der Invalidenrenten, den der Abg. T a u b a d e l erwähnt hat, ist nicht aus Sparsamkeits- rückstchten erfolgt, sondern sie war notwendig, weil in vielen Fällen die Bewilligung erfolgt war, ohne daß die Notwendigkeit dazu vorlag.— Der Abg. Kör sie n bedauerte, daß Finger- Verletzungen jetzt geringer bewertet werden wie früher. Es hat jetzt eben eine bessere Erkenntnis über die Erwerbsfähigkeit bei solchen Verletzungen Platz gegriffen. Wenn Herr Körsten daraus folgert, daß in zehn Jahren kaum noch etwas von der ganzen Unfallversicherung übrig sein wird, so geht das entschieden zu weit. Ich weise nur darauf hin. daß im Jahre 1911 nicht weniger als 161 Millionen Mark an Uiisallentschädigung ausgezahlt find. Abg. Silbcrschmidt(Soz.): Die Zahl der Revisionen der Bauten muß als durchaus un- genügend bezeichnet werden, namentlich da auch noch ein Rückgang der Revisionen zu konstatieren ist. Die Unternehmer und ihre Organe behaupten, wir verlangen die verniehrte Kontrolle nur, um durch Baukontrolleure Einfluß ans die Arbeiter zu gewinnen. Tat- sächlich beweisen die Erfahrungen in Bayern mit Bankontrolleuren ans dem Arbeiterstande, daß die Unfallziffer dadurch sinkt. Besonder- groß ist die Zunahme der Unfälle wie auch ihre absolute Zahl bei der T i e f b a u b e r u f s g e n o s s e n s ch a f t. Freilich ist hier die Zahl der Aussichtsbcamten sehr gering. Graf P o s a d o w s t y ver- laugte auf 1090 Betriebe einen Aufsichtsbeamtcn, in der Tiesbauberuss- in den richtigen Faschingsstammsitzen mit dem gestrigen Ascher- Mittwoch erloschen ist, eine Berliner Posse von 1876 ausgegraben. Salingres„R eise durch Berlin in 80 Stunden" hat wie manche andere Posse des gleichen Autors einst das harmlose Publikum der großen Provinzialhauptstadt Berlin mit den ulkigen Abenteuern eines Provinzehepaares in Berlin unterhalten— und unterhält. lustig dekoriert und flott verzapft, selbst noch heute. Aber der Staub liegt trotz aller Modernisierung doch darauf; die Voraussetzungen der alten Berliner Posse sind dahin: die subjektiven im Zuschauer- räum und die objektiven in der Darstellung. So gut das Schiller- Theater seine Sache machte(der starke Beifall bewies eS), es gibt keine Darsteller mehr, die diese verschwundenen Typen urwüchsig nach dem Leben gestalten könnten, und die Kunst des Couplet- Vortrages ist auch dahin.(Ewig schade, denn das Couplet war der letzte volkstümliche Einschlag der Posse, die mit ihm längst dahin ist.) — PalfiS Hinterlassenschaft. Nachdem die Not- konzessionen an die Kapellmeister CortoleziS(für die Kurfürsten- Oper) und Bryk(für daS Theater Groß-Berlin) erteilt sind, werden die beiden Theater ihre Existenz iuiJZiiteressc und auf Rechnung der Milglieder bis zum Ablauf der Saison fortzusetzen versuchen. Herr Palst beabsichtigt das jetzige KomödienhauS wieder der Operette zuzuführen, falls er Geld" und Konzession auftreibt. Herr M o r i S, der Gründer der Kursürsten-Oper, die seinen Händen so bald entglitt, kehrt jetzt als Regisseur dahin zurück, berufen von den Mitgliedern. — Musikchronik. Im Deutschen Opernhause in Charlottenburg wird der Bruno Kittelsche Chor die Aufführung des Deutschen Requiems von B r a h m s, die vor kurzem in der Philharmonie stattfand, am Karfreitag wiederholen. — Vorträge. Berta v. S u t t n e r wird am Montag, den 17. und Mittwoch, den 19. Februar in der Urania über ihre Ein- drücke und Erlebnisse auf ihrer im Vorjahre unternommenen Reise in den Vereinigten Staaten Nordamerikas berichten. � F i I ch n e r S Bericht. In der Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde wird am Sonnabend der Leiter der Deutschen Ant- arktischen Expedition, Herr Dr. Fi Ich n er einen ersten kurzen Be- richt über den Verlaus der Expedition geben. — Ein Erbe deS Prinzregenten. Dem„Lokalanz." wird aus München gemeldet: Das Jagdgewand deS Prinzregentcn Luitpold ist als Vermächtnis an seinen Leibreitlnccht Max Henkler übergegangen. Es besteht aus den kurzen, ledernen Kniehosen, schön gestickten Trägern dazu, Weste, WamS und grünem Hut mit GemS- bart. der allem 309 M. wert ist und vom schönsten Bock stammt, den der Regent je geschossen hat; die Bartfassung hat allein 100 M. gekostet. Zum Gewand gehören noch die Wadenstrümpfe und Nagel- schuhe. AlleS paßt dem Erben vorzüglich, der die gleiche Figur hat wie Bayerns verstorbener königlicher Jagdherr.' Wenn der Erbe nun nur nicht größenwahnsinnig wird Und glaubt, er könne oder müsse Bayern regieren! genosseiischaft existieren Iiei210v0Betriebe» und �Million B e s ch ä f t i g l e» im ganzen nur n e u n Au f s i ch t s b e a m t e. Die Zunahme der Unfälle ist daher ganz ungeheuerlich und daS Rcichsverficherungsamt sollte dafür sorgen, datz die Unfall- aussicht noch verstärkt wird. Dann werden sich viele Unfälle vermeiden lassen. Selbst von Negiemngsseite ist zugegeben wordeix daß 89 Unfälle in der Tiefbauber'ufSgenossenschaft nicht vorgekommen wären, wenn eine bestimmte Schutzvorrichtung vorhanden gewesen wäre. Wir stehen also keiner höheren Gewalt gegenüber. Die Technik der Unfallverhütung schreitet täglich fort, und wenn sie auch noch nicht vollkommen ist, so hat sie doch bereits einen sehr hohen Stand erreicht. Ferner sollte das Reich einen Fonds bereit halten, der Entschädigungen auswirft für Erfinder auf dem Gebiet der Unfallverhütungstechnik. Damit würde sich das Reich ein großcö Verdienst um die Allgemeinheit erwerben. Besonders großen Gefahren sind die Dachdecker und Zimmerer ausgesetzt, die in schwindelnder Höbe ihre Arbeit aus� führen. Die Zahl der tödlichen A b st ü r z e ist ungeheuer groß Auch die Maler, Bauklempner und Tischler, kurz alle Bauarbeiter kommen hier in Betracht. DaS Re' versicherungsamt sollte daher dafür sorgen, daß die Er richtung von Standgerüstcn in weitestem Maße durchgeführt wird. Die Großunternehmer freilich wollen davon nichts wissen. Aber die Kleinmeister, die selbst mitarbeiten, empfinden die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, mit den Arbeitern und sind mit den Arbeitern auch bereits um bessere Schutz Vorschriften vorstellig geworden. Für das Baugewerbe wichtige Be stimmungen der Reichsversicherungsordnung treten demnächst in Kraft. Zu den Beratungen über die neuen Unfallverhütungsvorschriften hat man die Vertreter der Arbeitgebcrverbände, der Innungen und einzelne Arbeitgeber als Fachleute zugezogen. Wo bleiben die Arbeiter? Wir verlangen, daß auch Bertreter der Arbeiterorga- nisationen. der freien und der christlichen, gehört werden. sBeifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. GiesbertS(Z.): Bei uns im Westen wird lebhaft darüber geklagt, datz einzelne Landräte selbst gegen den Willen der KreisauSschüsie die Gründung von Landkrankenkassen durchsetzen wollen. Es besteht eine bestimmte Tendenz, möglichst überall Landkrankenkasscn zu gründen, selbst in Grotzstädten wie Essen. Bei Schaffung der Reichsversicherungsordnung haben wir doch nur daran gedacht, datz diese Institution für l a n d w i r t s ch a f t l i ch e Arbeiter da sein sollte. Auf keinen Fall dürfen die Landkrankenkassen dazu benutzt werden, um in den Städten im Ber ein mit den Betriebskrankenkassen ein Gegengewicht gegen die Orts> krankenkassen zu bilden und die Versicherunsbehörden mit ihrem Geist zu erfüllen. Abg. Astor(Z.) begrüßt die Begründung der Detailistenberufs- genosseiischaft, die sicherlich segensreich wirken werde. Abg. Sachse(Soz.) schließt sich der Beschwerde an. datz verschiedene Industriestädte des Westens Landkrankenkassen errichten. So hat in B o ch u m am 31. Januar die Stadtverordnetenversammlung die Gründung einer Landkrankenkasse beschlossen, obwohl doch Bochum durch und durch Industriestadt ist. Es wurde auf die geringeren Leistungen und auf die mangelhaften Rechte der Arbeiter hingewiesen, aber vergeblich. Die Schuld, datz die Errichtung solcher Landkrankenkassen möglich ist, trägt allerdings das Zentrum.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Caspar bemerkt, datz das Reichsamt des Innern ohne Einfluß auf die Errichtung von Landkranken- kassen sei. Die Resolution Becker-Arnsberg wird einstimmig angenommen. Das Reichsversicherungsamt ist damit erledigt. Es folgt das K a n a l a m t. Abg Hoff(Vp.): Dem ständig zunehmenden Verkehr auf dem Kaiser-Wtlhelm-Känal ist das Lotsenpersonal nicht mehr gewachsen. Es ergeben sich daraus so große Verzögerungen, datz der Nutzen des Kannls überhaupt in Frage gestellt wird. Des weiteren der- langt Redner Besserstellung der Maschinenwärter am Kanal. Abg. Dr. Waldstein(Vp.): Die Anstellungsverhältnisse der Lotsen sind im höchsten Matze reformbedürftig. Die Haftung der Lotsen sollte endlich aufgehoben werden. Ministerialdirektor Dr. v. Jonquiörrs: Die Maschinenwärter sind erst kürzlich in ihren Bezügen erhöht worden. Autzerdem haben sie 1912 eine Teuerungszulage erhalten. Die Haftung der Lotsen können wir nicht aus der Hand geben. Wir haben aber, um die Lotsen nicht zu sehr zu beschweren, einen Vertrag mit einer Ver> sicherungsgesellschaft abgeschlossen. Beim.AufsichtSamt für Privatversicherung* bemerkt Abg. Tauiadel(Soz.): Ein Gesetzentwurf gegen die Abonnentenversicherung, wie der Reichstag gewünscht hat, ist uns nicht zugegangen, sondern nur eine Denkschrift über diesen Gegenstand, die reiches Material über die Schäden der Abonnentenversicherung beibringt. Ich bin durch das Studium dieser Denkschrift in der Ueberzeugung bestärkt worden, daß ein gesetzliches Einschreiten notwendig� ist; denn die gegenwärtigen Gesetze bieten nur in den seltensten Fällen eine Handhabe zum Einschreiten. Die Denkschrift kommt zu dem ganz auffallenden Schluß, datz die Abonnentenversicherung von großer wirtschaftlicher Bedeutung fei und vielen Arbeitern und Handwerkern zum Segen gereiche. Unterlagen dafür sind in der Denkschrift nicht enthalten. Würden wir feststellen können, waS die Versicherten zahlen und was ihnen bezahlt wird, so würde sich herausstellen, datz sie nur dem Geldbeutel der Verleger zum Nutzen gereicht.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die Denkschrift unterscheidet eine sogenannte beaufsichtigte von der unbeaufsichtigten Abonnenten- Versicherung, und will die erstere gelten lassen. Hätte der Verfasser der Denkschrift die Arbeitersekretariate zu Rate gezogen, so hätte er erfahren, datz auch bei der sogenannten beauffrchtigten Abonnentenversicherung die Klagen genau so umfangreich und so berechtigt sind, wie bei der unbeaufsichtigten.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen auch heute noch wünschen, datz die Abonnentenversicherung überhaupt verboten wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Aiarceur(Z.) dankt der Regierung für die Denkschrift. die in fleißiger Weise das Material zusammengetragen habe, so daß man sich ein deutliches Bild über Umfang und Art der Abonnenten- Versicherung machen könne. Im übrigen schließt sich der Redner der Kritik des Vorredners an. Abg. Dr. Junck(natl.) erklärt, der Abonnentenversicherung freund- Ii(her gegenüber zu stehen, als die Vorredner. Es handele sich doch um eine interessante und nicht bedeutungslose Erscheinung, wie auch die Denkschrift anerkenne. Ein Grund, die Abonnenten- Versicherung zu verbieten, könne nicht anerkannt werden, eS handelt sich lediglich darum, die unbeaufsichtigte Abonnenten- Versicherung auf das Niveau der beaufsichtigten zu heben, bei der der Verleger gewissermaßen nur der Akquisiteur für die Versicherungs- geiellschaft ist. ES ist nicht zu verstehen, weshalb die Sozialdemo- kratie den Minderbemittelten den Segen der Abonnenten- Versicherung nicht gönnen will.(Zuruf bei den Sozialdemo- kraten: Segen für die Verlegerl) Es sollte ein Gesetz erlassen werden, das jede Abonnentenversicherung der Staatsaufsicht unter- ��Ministerialdirektor Caspar: Wir sehen in derAbonnenten- Versicherung eine wenig erfreuliche Erscheinung. Das steht in der Denkschrift ausdrücklich drin. Wenn aber trotz der Tatsache. datz die politische Presse fongesetzt die Verbindung von Zeitung und Versicherung bekämpft, bei uns nur so wenig Beschwerden ein- laufen, so beweist das eben, datz die Versicherte» selbst durchaus Da" Haus vertagt hierauf die Fortsetzung der Debatte auf Donnerstag 1 Uhr. Schlutz 7 Uhr. parlamentarifcbea. Reichseisenbahnen. Bei der Weitcrberatung des Etats der Reich seifen- bahnen in der Budgetkommission des Reichstags wurden die sozialdemokratischen Anträge, die allen Unterbeamten der Be- triebsverwaltung eine Zulage gewähren trollten, abgelehnt; ebenso der Antrag, nicht nur den nicht ctatsmäßigen Beamten, sondern auch den Arbeitern eine zehnprozentige Erhöhung ihrer Bezüge zu gewähren. Dagegen wurde ein Zentrumsantrag an- genommen, der einem Teil der Unterbeamten eine Zulage von 1 0() M. und den Beamten eine zehnprozentige Erhöhung geben will. Angenommen wurde einstimmig folgende Reso- lution: „Den Reichskanzler zu ersuchen, noch vor der dritten Lesung des Reichshaushaltsetats einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die ini Jahre 1999 in der zweiten Lesung beschlossenen Gehaltssätze für die Unterbeamten in die Besoldungsordnung ausgenommen werden." Von den sozialdemokratischen Kommisswnsmitgliedcrn wurde folgende Resolution eingebracht: � „Den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, datz den Mitgliedern des elsatz-lothringischen Landtags Freifahrtscheine aus den elsatz-lothringischen Bahnen im selben Umfange, wie sie den Mitgliedern des Reichstags auf allen deutschen Bahnen zw stehen, gewährt werden." Den Mitgliedern des Landtags steht jetzt eine sehr beschränkte Freifahrt zu. Minister von B r c i t e n b a ch gab eine ablehnende Antwort. Für die Reichslande sei die Frage der Freifahrten genau so wie in Preußen und in all den Bundesstaaten geregelt, die von preußischen Bahnen durchzogen werden. Danach werde freie Fahrt nur vom Wohnort nach dem Sitz des Parlaments gewährt. Die sozialdemokratische Resolution fand nach lebhafter Aussprache e i n st i m m i g e Annahme. Damit ist der Etat der Reichseisenbahnen erledigt._ Preußische Steuerpolitik. Die Budgetkommission des preußischen Abgeordneten- Hauses erledigte am Mittwoch den Etat der Steuern und Zölle. Es wurde mitgeteilt, datz die Erträgnisse der Einkommensteuer für das kommende Etatsjahr um 20� Millionen, das sind 4 Proz. mehr als im Vorjahre, höher veranschlagt sind. Es gibt in Preußen 87 Personen, die ein Einkommen von mehr als einer M i l- lion im Jahre haben; ein preußischer Staatsbürger hat ein Einkommen von 181� Millionen jährlich! Aus der Debatte ist hervorzuheben, datz von fortschrittlicher und national- liberaler Seite wieder, aber vergeblich, das Verlangen erhoben wurde, die Land rät e aus der Steuereinschätzung auszuschalten und durch technisch vorgebildete Beamte zu ersetzen. Dabei wurde mitgeteilt, datz 37� Proz. aller Steuererklärungen in den Land- gemeinden und Gutsbezirken nachträglich haben berichtigt werden müssen. Die Konservativen erklärten aber, datz sie die Landräte nur dort ausgeschaltet wissen wollten, wo sie außerordentlich um- fangreiche Geschäfte zu erledigen haben, wie im Westen und in den Jndustriebezirken. Also die Gutsbesitzer des Ostens fühlen sich bei der jetzigen Veranlagungsmethode durch die Landräte sehr wohl, obgleich der bekannte Erlaß des Finanzministers von 1912 fest- gestellt hat. datz das Vcranlagungsgeschäft durch die Landräte nicht in entsprechender Weise ausgeübt wurde. De- Minister wurde gefragt, ob die Regierung die Verab- schiedung der Steuernovelle noch vor der Auflösung des Landtages anstrebe, da diese Novelle doch eine gerechtere Besteuerung möglich machen würde. Minister Dr. L e n tz e antwortete, datz er ja das Zustandekommen der Steuerreform wünsche, datz aber eine Ver- Handlung im Plenum solange keinen Zweck hätte, als nicht eine Vereinbarung zwischen den Parteien zustandekomme. Die Steuer- reform ist also begraben.— Endlich ist noch zu erwähnen, datz auf eine Frage, ob die Stempelabgaben von Erbschaften auch weiter Preutzen verbleiben oder nicht vielleicht vom Reich an sich gezogen werden, der Minister erklärte, datz er davon nichts wisse. Er stellte sich überhaupt so, als ob er von den ganzen neuen Finanzreformplänen des Reiches noch nichts gehört hätte. Jeden- falls, so erklärte er, könnten diese Pläne aber auf den diesjährigen preußischen Etat noch keinen Einfluß haben. Kein Schutz der Dissidentenkinder gegen Rcligionszwang. Nach längeren Debatten, die mehrere Sitzungen ausgefüllt hatten, kam die Unterrichtskommission des Dreiklassen- Hauses am Mittwoch zur Beschlutzfassung über den Antrag des nationalliberalen Abgeordneten Schiffer, der einen Zwang aus Dissidentenkinder, am Religionsunterricht teilzunehmen, gesetzlich ausschließen wollte. Unsere Genossen hatten dazu den Antrag ge- tellt, diesen Ausschluß nicht nur für die Volksschule einzuführen. ändern ihn auch auf die höheren Schulen auszudehnen. Zunächst wurde der sozialdemokratische Antrag mit allen gegen vier Stimmen abgelehnt. Dann fiel ein freikonservativer Antrag, der die Befreiung vom Religionsunterricht abhängig machen wollte von dem Vorhandensein eines angemessenen Ersatzunterrichts, und chlietzlich wurde der von nationalliberalen Kommissionsmitgliedern noch etwas ungemodelte Antrag Schiffer mit 10 gegen 10 Stimmen abgelehnt._ Die Reform der Polizeiverordnungen, die bekanntlich durch einen Antrag des nationalliberalen Abgeord- neten Schiffer angestrebt wird, ist von einer eigens hierzu eingesetzten Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses dahin entschieden worden, datz jede natürliche oder juristische Person, die ein berechtigtes Interesse daran hat. das Recht der Klage gegen Polizeiverordnungen auf Ungültigkeitserklärung besitzen soll. Wenn eine Verordnung vom Oberverwaltungsgericht für ungültig erklärt wird, dann mutz dieses Urteil von derselben Behörde, die die Ver- ordnung erlassen hat, in derselben Weise bekanntgemacht werden. Endlich wurde bestimmt, datz nach 30 Jahren Polizeiver» ordnungenerlöschen sollen, jedoch nicht vor dem 31. De- zember 1920._ Oerbandstag der Zimmerer. Die Tagesordnung, mit deren Behandlung die Sitzung am Mittwoch begann, lautete: Beitragsleistung und Unterstlltzungseinrichtungen. Der Verbandskassierer R ö m e r- Hamburg führte hierzu aus: Hinsichtlich seiner Finanzlage stehe der Verband in der ersten Reihe der deutschen Gewerkschaften. Aber es sei notwendig, Matz- nahmen zu treffen, die nicht nur einen Rückgang der Finanzkraft verhindern, sondern sie verbessern und stärken. Die gegenwärtige günstige Kassenlage sei im wesentlichen durch ein Notgesetz, die Erhebung von Extrabeiträgen, veranlaht. Es handele sich jetzt darum, diesen Ausnahmezustand zu beseitigen und die ordentlichen Beiträge so zu gestalten, datz sie ausreichen, um der Kasse dauernd die Mittel zuzuführen, welche notwendig sind, um die Kämpfe für die Interessen der Mitglieder nach allen Richtungen führen zu können. Der Redner besprach die seitherige EntWickelung der Beitragsleistung und begründete einen Antrag des Vorstandes, der eine wesentliche Aenderung im Beltragswesen vorschlägt. Gegen- wältig hat der Verband 6 Beitragsklassen, entsprechend einem Stundenlohn von 30. 40. 60, 60 und über 00 Pf. Der Beitrag beträgt 40— 0S Pf. für die Haupt- und 5—25 Pf. für die Lokal- lasse. Der Antrag des Vorstandes steht 12 Beitragsklassen vor. be- ginnend mit einem Stundenlohn von bis 35 Pf., steigend um je 5 Pf. bis 85 Pf. und in der 12. Klasse über 85 Pf. Der Beitrag für die Hauptkasse beginnt mit der 1. Klasse mit 40 Pf. und steigt um je 5 Pf. bis zu 95 Pf. in der 12. Klasse. Dazu kommt der Lokalbeitrag von 10 Pf. m der 1. und 2. Klasse, der von zwei zu zwei Klassen um 10 Pf. stewt bis zu 35 Pf. in der 11. und 12. Klasse. «ach dem gegenwärtigen Statut wird der Beitrag für 40 Wochen im Jahre erhoben. Der Antrag des Vorstandes will 44 Beitrags, wachen einführen. Der zweite Verbandsvorsitzende Ecke-Hamburg besprach sehr ausführlich die Unterstützungseinrichtungen des Verbandes. Die vor acht Jahren eingeführte Arbeitslosenunterstützung habe ihren Zweck erfüllt. Als Waffe im wirtschaftlichen Kampf sei sie ge- schaffen. Es liege jetzt die Gefahr nahe, datz die Arbeitslosenunter, stützung aushöre, eine solche Waffe zu sein. Sie belaste die Ver- bandskasse in ungewöhnlich hohem Maße. In der Periode 1910/11 seien 50.00 Proz. und in der Periode 1911/12 sogar 61,98 Proz. der Gesamtausgabe für Arbeitslosenunterstützung verwandt worden. In den unteren Beitragsklassen seien die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung höher als in den oberen Klassen. Das komme daher, datz in den kleinen und ländlichen Orten, wo der Lohn und deshalb auch der Beitrag am niedrigsten sei, die Arbeits- losigkeit einen größeren Umfang und längere Dauer habe, als in den größeren Städten mit höheren Löhnen und höheren Beiträgen. Eine Reihe von Zahlstellen, ja ganze Provinzen hätten einen großen Teil, ja nianchmal sogar ihre ganzen Einnahmen für sie Haupt- lasse und noch mehr allein für Arbeitslosenunterstützung wieder ausgegeben. Es komme auch vor, datz Zahlstellen ihren alten, inva- liden.Mitgliedern, die überhaupt nicht mehr im Zimmererberuf beschäftigt werden, alle Jahre regelmäßig die Arbeitslosenunter- stützung zahlen. Das sei unstatthaft, da die betreffenden Mitglieder nicht aus den im Statut genannten Gründen arbeitslos geworden seien. So wie die Verhältnisse sich entwickelt haben, liege die Gefahr vor, datz sich aus einer Kasse für den gewerkschaftlichen Kampf eine Sparkasse herausbilde, aus der die Mitglieder jedes Jahr die Einlagen wieder herausnehmen. Den Kameraden, welche die Unterstützung in Anspruch nahmen, solle kein Vorwurf gemacht werden, denn sie hätten ja nur ihr statutenmäßiges Recht aus- geübt. Es habe sich aber die Notwendigkeit herausgestellt, datz eine Aenderung eintrete. Es gebe keinen anderen Ausweg aus dem gegenwärtigen unhaltbaren Zustande, als datz mit der Neu- eintcilung der Beitragsklassen auch eine neue Regelung des Unter st ützungswesens eingeführt werde. Der Redner be» gründete einen Antrag des Vorstandes. Derselbe sieht für die Arbeitslosenunterstützung drei der Beitragshöhe entsprechende Klassen vor. Innerhalb jeder Klasse sind die Unterstützungssätze abgestuft nach einer Beitragsleistung von 60, 104, 148, 192, 236 Wochen.— Nach dem geltenden Statut ist diese Abstufung 40, 80, 120, 160 Wochen.— Der Antrag des Vorstandes will also die Karenzzeit verlängern und in jeder Klasse eine neue, höhere Stufe hinzufügen und die täglichen Unterstützungssätze gegenüber den jetzt bestehenden um je 25 Pf. herabsetzen. Die dritte Unter- stützungsklasse des Vorstandsantrages entspricht in ihren täglichen Unterstützungssätzen der gegenwärtigen zweiten Unterstützungs- klaffe und sieht autzerdem in ihrer fünften Stufe einen Satz von 2 M. vqr, während bisher der höchste Satz 1,75 M. betrug. Die Unterstützung soll, wie bisher, für 36 Tage gewährt werden. Die Zeit, auf welche die Gesamtunterstützung entfällt, soll von 52 auf 68 Wochen heraufgesetzt werden. Ein ausgesteuertes Mitglied wird also erst wieder nach einer Beitragsleistung von 53 Wochen bezugs- berechtigt. Für die Diskussion hatten sich schon während der Referate eine sehr grotze Zahl der Delegierten in die Rednerliste eintragen lassen. Deshalb wurde auf Vorschlag des Bureaus beschlossen, zu- nächst eine Generaldebatte über die Referate und die 25g diesem Gegenstande vorliegenden Anträge zu führen und hierzu aus jedem Gau einem Redner das Wort zu geben.— Die Generaldiskussion erstreckt sich auf folgende Fragen: Sollen die Beiträge erhöht und für wie viele Wochen im Jahre sollen sie geleistet werden? Soll der Wochenbeikrag nach dem Stundenlohn oder nach dem Tages- verdienst berechnet werden� Ist die Einrichtung weiterer Beitrags- klaffen erforderlich? Soll der bisher für den Zentralstreikfonds geleistete Beitrag beibehalten werden? Sollen die Beiträge von 5 zu 5 oder von 10 zu 10 Pf. abgestuft werden? Soll die Arbeits- losen- und Streikunterstützung«n Falle einer Beitragserhöhung gleichfalls erhöht werden? Ist die Einführung einer Kranken- und Sterbeunterstützung neben der jetzigen Arbeitslosenunterstützung notwendig? Soll ein Jnvalidenfonds errichtet werden? Ist es möglich, die kranken und arbeitslosen Mitglieder vom Beitrage zu befreien? Einigkeit herrschte darüber, daß eine Beitragserhöhung not- wendig sei und das Unterstützungswesen in richtigem Verhältnis zu den Beiträgen stehen müsse, so datz die gewerkschaftlichen Auf- gaben des Verbandes nicht in die Gefahr kämen, durch die Unter- stützungseinrichtungen beeinträchtigt zu werden. Ueber die hierbei in Frage kommenden Einzelheiten gingen die Ansichten der Redner auseinander. Betont wurde von einigen Seiten, daß die Mitglieder mit einer Verschlechterung der bestehenden Unterstützung nicht zu- frieden sein könnten. Zu dem Antrage des Vorstandes wurden ver- schieden« Aenderungen vorgeschlagen. Vielseitigen Widerspruch fand die Absicht des Vorstandes, die Zeit, in der Unterstützung bezogen werden kann, auf 58 Wochen zu verlängern. Die Diskussion war am Schlutz der Sitzung noch nicht beendet- Sie wird am Donnerstag fortgesetzt. Bus der Partei. Gemeindewahlerfolg. Einen Gemeinderatswahlsieg an der äußersten Südwestccke des Reiches errangen Sozialdemokraten und Fortschrittler gegen das Zentrum bei einer Gemeinderatsersatzwahl für 6 Mitglieder in St. Ludwig(Oberelsaß), nachdem ein erster Wahlgang acht Tage zuvor die Wahl eines Kandidaten nicht ergeben hatte. Die für die Nachwahl vereinigte Liste der Linken(3 Sozialdemokraten und 3 Fortschrittler) siegte mit 321—358 Stimmen, während die unter der Maske eines unpolitischen Bürgerausschusses auftretende Jen- trumsliste mit 259—317 glatt unterlag. Parteiliteratur. Preußische Freiheitskämpfe betitelt sich eine 16 seitige. im Verlag W. Pfannluch u. Co. in Magdeburg erschienene, für Massen- verbreiiung bestimmte Agitationsschrift für die preußischen L a n d t a g S w a h l e n, die im Mal dieses Jahres tattfinden. Sie bringt in Kürze die Geschichte der Kämpfe des tzreutzenvolkes um politische Freiheiten von 1313 und 1848 und schließt daran die Wahlkämpse des preußischen Proletariats ftjt dem Parteitag von Mainz. Im zweiten Teile wird nachgewiesen, datz alle Bevölkerungssckichten mit Ausnahnie der preußischen Junker und ihrer grobkapitalistischen Verbündeten im Zentrumslager und bei den Nationalliberalen ein dringendes Jlderejfe haben, an Stelle des Drciklassenwahlrechts mindesten» das ReichStagswahlrecht zu setzen. Jugendbewegung. Die JugrndauSschüsse werden dringend ersucht, ihre Adressen der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands. Berlm SW. 68, Lindcnstr. 3, sofort mitzuteilen._ Die patriotische Hetze gegen die Arbeiterjugend. DaS neueste Unternehmen des Jungdeutschlandbundes, daS im Gegensatz zu den berüchtigten Kriegsspielen der. g e i st i g e n Er- tüchtigung der Jugend dienen soll, haben wir kürzlich knapp charaklerisiert. Es handelt sich um die Wochenschrist.Jung- d e u t s ch l a n d p o st". die seit Beginn deS Jahres im Verein mit der deutschen Turnerschaft herausgegeben wird. Das achtseltlge Blättchen unterscheidet sich in seiner Aufmachung von den bekannten minderwertigen konfessionellen Juaendblätrern nur durch die Illustrationen. Nebenbei erwähnt sei, datz schon j.'tzt fast em Viertel des Raumes der geschäftlicheu Reklame gewidmet wird. Da» Blättchen soll die Zeitung der ganzen Jugend Deutschlands werden. Mit Hilfe der ihnen in reichem Matze zur Verfügung stehenden Mittel bemühen sich die Herausgeber, die Zeitung in die Masse der Jugend zu bringen. AuS diesem— aber auch noch aus einem anderen— Grunde verdient die„Jungdeutschlandpost" das Interesse der organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen. Schon die ersten Nummern atmen den bekannten kriegerischen Geist der Bundessührer. In jeder Nummer wird in raffinierter Weise eine Kriegsbegeisterung bei der Jugend künstlich zu erzeugen versucht. Daß Wilhelm II. anlästlich seines Geburtstages eine Hul- digung dargebracht wurde, hatten wir bereits mitgeteilt. Neben der shstematischen Bekämpfung der Bestrebungen der Arbeiterschaft werden die Jugendlichen gegen die organisierten Ar beiter selbst in ganz offener Weise aufgehetzt. Wer nicht mit Freuden die neue Militärvorlage begrüßt, wird als Vater- landsfeind erklärt. Deutlicher noch klingt die verhetzende Absicht ans folgender Notiz, die in der neuesten Nummer[5) an der Spitze der Rubrik:«Aus unserem Vaterland" steht: „D. Z. Sozialdemokratie und Jungdcutschland. Der Jung deutschlandbund und seine vaterländischen Ziele sind der Sozial demokratie schon längst ein Dorn im Auge. Jetzt scheinen die Genossen auf den Einfall gekommen zu sein, ihre jungen Anhänger gegen die Jugendwehr mobil zu machen. Aus Halle a. S. wird gemeldet: In der letzten Zeit ist es häufig vorgekommen, daß Abteilungen der Halleschen Jugendwehr auf ihren Uebungs Märschen von Müßiggängern und halbwüchsigen Burschen belästigt und tätlich angegriffen wurden. Dieser Tage nahmen in der Heide diese Angriffe derartig überhand, daß den Führern nichts weiter übrig blieb, als eine Militärpatrouille von den in der Nähe sich befindlichen Schießständen zum Schutz holen zu lassen, da eine Anzahl des Weges kommende Arbeiter ebenfalls gegen die angegriffene Abteilung Stellung nahm. Wir werden uns ihrer schon zu erwehren wissen." Der Berichterstatter des Jungdeutschlandbundes sollte doch wissen, daß sogar weite Kreise des honetten Bürgertums auf die krieg- spielenden Jungdeutschen, die Wälder und Wiesen vernichten und un« beteiligte Passanten in die Gefahr des Erschießen versetzen, nicht gut zu sprechen sind. Unsere Landleute empfinden die kriegspielenden Jungdeutschen längst als eine Landplage, gegen die sie im kommenden Sommer mit dem Dreschflegel vorgehen wollen. Und ist nicht die Schießerei der Jungdeutschen zu einer öffentlichen Gefahr geworden? Hat doch erst kürzlich wieder in allernächster Nähe Halles, in Grüsen- Hainichen, ein Volksschüler, der gezwimgenermasten an einem Kriegsspiel teilnahm, durch die dabei übliche Knallerei ein Auge verloren! Und für das andere besteht die Gefahr der Erblindung I Ist demnach die kindlich-naive Verwunderung über die Anti pathie der Arbeiter gegenüber den Jungdeutschen von dem Berichte erstatter gut gemeint, so muß der Versuch der„Jungdeutschland-Post", die Anhänger der Arbeiterpartei als Müßiggänger und Janhagel hinzu- stellen, als eine ireche Verhöhnung der Arbeiterschaft bezeichnet werden. Die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen sehen, wie not« wendig es ist, auf dieses neueste Blättchen zur Verhetzung der Arbeiter- jugend ein sorgsames Augenmerk zu richten. Dies Jugendhetzblatt darf nicht nur in den Arbeiterheimen, sonder» auch in den Werk« stälten, Fabriken und überall, wo organisierte Arbeiter beschäftigt sind, keinen Eingang finden. Em Induftric und Ftetidcl. Die Entwicklung der Automobilindnstrie. Das Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie, das die JahrcSübersicht der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin bringt, enthält einen bemerkenswerten Absatz über die Entwicklung der Automobilindustrie. Die deutsche Automobilindustrie, auf deren Schultern die Flugzeugtechnik erwachsen ist, hat ihren Umfang im letzten Jahrzehnt fast verzwanzigfacht. Im Jahre 1901 stellte sie in 12 Betrieben 1800 Fahrzeuge und Zubehörteile im Werte von ö,7 Millionen Mark her, im Jahre 19 lv aber in 56 Betrieben 31009 Fahrzeuge und Zubehör im Werte von 109,5 Millionen Mark. Für die jüngste Zeit liegt noch keine amtliche Produktionsstatistik vor Nach der Handelsstatistik führte Deutschland im Jahre 1911 für 46Vg Millionen Mark Motorwagen aus und nur für 11 Vz Millionen Mark ein. Freilich sind diese Summen noch gering gegenüber denjenigen der Automobilindustrie der V e r einigten Staaten. Die amerikanische Automobilindustrie, in der 600 Millionen Dollar angelegt sind, erzeugte in dem letzten Jahre 275 000 Stück inr Werte von 310 Millionen Dollar. Eine einzige Gesellschaft baute 75 000 Wageit. Unter den Staaten, die Automobile nach Amerika einführen, steht Frankreich mit nur 2�2 Millionen Dollar obenan. Im übrigen ist Frankreich auf der ganzen Erde immer noch der Hauplausfuhrstaat; seine Aus- fuhr an Kraftwagen und Zubehör betrug 1911 über 160 Millionen Frank. Freilich ist sie in den letzten Jahren, ver- glichen mit der Zunahme bei den übrige» Produktionsstaaten, säst inS Stocke» gerate». Der Bestand an Kraftiahrzengen in Deutsch- l a n d stellte sich am 1. Januar 1912 auf 70 000 Kraftfahrzeuge. von denen 63 162 zur Personen- und 6844 zur Lastenbeförderung dienten; die Zunahme gegen das Vorjahr betrug über 12 000 Kraft- fahrzeuge(21 Proz.). Die Zahl der Krafträder ist aus 20 000 zurück- gegangen. Unter den Personensahrzeugen dienen 37 Proz. dem Vergnügen und dem Sport. 36,3 Proz. Handels- und Gewerbe- zwecken, 11,2 Proz. Aerzten und Feldmeiiern usw. zur Berufs- ausübung, nur 8,8 Proz. waren Kraftdroschken oder Autoomnibusse; immerhin hat ihre Zahl gegen daS Vorjahr um 1000 zu- genommen. Die Luftfahrzeuge haben sich gegen das Vor- jabr— das ist ein charakteristischer Zug der Eni- Wicklung— von 4327 auf 6844, das ist um 58,2 Proz. vermehrt. Die Anzahl der vom Reich aus militärischen Gründen mit Zuwen- düngen bedachten Kraftfahrzeuge dürfte am Schluß des ersten Fünf- jahrsabirbniites(1908/1913) 825 betragen, für die rund 5 Millionen Mark Unterstützung gewährt sind. In Berlin gibt es etwa 2000 Kraftdroschken, davon 274 elektrische. In London dienen dem öffentlichen Verkehr 2461 Moloromnibusse und 2661 Straßen- bahnwagen. Von 38 Fahrzeugen der Berliner Feuerwehr sind 25 mit elektrischem Antrieb versehen. In Steglitz ist eine Kraft- omnibuSlinie mit elektrischer Kraftzuführung durch Oberleitung in Betrieb genommen. Im allgemeinen beherrscht der Explosions- motor iin Kraftwagenbetrieb völlig das Feld. Nur etwa 2 Proz. aller Kraftwagen in Deutschland sind Elektromobile. In Berlin wird allerdings keine Konzession mehr für Benzindroschken erteilt. DaS bayerische Motorpostwesen unterhält jetzt 53 ständige Jahres- linien und lg Sommerlinien mit 1579 Kilometer Gcsamtbetriebs« länge. 152 Motoromnibusse, 12 Motorlastwagcn und 62 Anhänger lausen auf diesen Strecken. Die Verzinsung des Kapitals beträgt durchschnittlich g,4 Proz., etwaS weniger als im Vdrjahre infolge «iiiiger neuer, zunächst weniger rentabler Linien. Gold- und Silberproduktio» der Vereinigten Staaten. Die Goldproduktion der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1912 wird nach einer vorläufigen Schätzung des Münz- direktor« ungefähr 91.685 Mill. Dollar betragen haben. DaS wären 5,2 Mill. Dollar weniger als die Erzeugung des Vorjahres nach der revidierten Schätzung ausmachte. Unter den Gold gewinnenden Staaten war California mit 20 Mill. Dollar der bedeutendste; dann lamen Colorado mit 18,8 Mill. Dollar. Alaska mit 17.4 Mill. Dollar. Nevada mit 13,8 Mill. Dollar und Süd-Dakota mit 7,3 Mill. Dollar. Alaska und Nevada wechselten 1912 die Plätze m der Reihenfolge der Goldproduzenten. Die S i l b e r gewinnung stellte sich auf annähernd 62.4 Mill. Dollar Feinnnzen oder 1,9 Millionen mehr als 1911. Hierbei war Nevada der führende Staat, dann folgten Utah, Montana, Colorado, Idaho._____ Hu9 der frauenbewcgung. Die englische Arbeiterinueuliga. Am Tage vor der Eröffnung des Parteitages der Labour Vtrty(Arbeiterpartei) hielt die der Partei angeschlossene Arbciterinnenliga, die sich die politische Erziehung und Organ! sation der proletarischen Frauen Großbritanniens zum Ziel gesetzt, ihre Jahreskonferenz ab. Die Konferenz fand in der Caxton Hall in London statt und vereinigte 78 Delegierte, die 55 Sektionen der Liga vertraten. Aus dem Bericht der Organisation ist zu entnehmen, daß die Liga im vergangenen Jahre gute Fortschritte gemacht hat. Die Zahl der Sektionen hat sich etwas verringert, sie beträgt jetzt 102, aber die Zahl der Mitglieder hat um fast 500 zugenommen, so daß die Arbeiterinnenliga nunmehr gegen 5000 Mitglieder zählt. Unter deni Vorsitz Dr. Ethel Benthams kamen die ver- schiedensten politischen und wirtschaftlichen Fragen, die besonders die Frauen angehen, zur Sprache. Dr. Ethel Bentham hielt eine prächtige Eröffnungsrede, in der sie zeigte, wie unmittelbar politische Fragen wie die des Krieges und Friedens und der Lebensmittelzölle die Frauen des Volkes berühren. In bezug auf die neueste Phase des Kampfes um das Frau ensti mm recht bemerkte sie:„Verlieren wir nicht den Kopf, zeigen wir, daß in unseren Herzen und in dem Herzen unserer Partei die feste Entschlossenheit besteht, daß unsere Sache frei von aller Hysterie und Erregung ge- Winnen muß. Brechen wir, wenn es sein muß, die liberale Partei, aber brechen wir sie an der Wahlurne." Zu dem Punkte Frauenstimmrccht wurde ein Antrag angenommen, in dem die Regierung aufgefordert wurde, unmittelbar eine Regierungsvorlage, die den Frauen das Stimmrecht geben würde, einzubringen, so daß diese Bill noch den Schutz des Parlamentsgesetzes genießen würde. Zu einer einstimmig angenommenen Friedens- resolution bemerkte Genossin Bruce Glasier:„Ich wünschte, wir könnten einen Zensus der Frauen der deutschen und französischen Arbeiter erhalten. Dann würden wir wissen, ob sich die Frauen für derartige Fragen interessieren. Wir sind so lange von den schlimmsten Folgen des Krieges verschont geblieben, daß die britischen Frauen wohl selbstsüchtiger sind als alle anderen Frauen in der Welt, indem sie von dem Gefühl beseelt sind, daß sie sich über die auswärtige Politik nicht den Kopf zu zerbrechen brauchen." Andere Rednerinnen forderten zur Bekämpfung der„Pfadfinder" und ähn- sicher bürgerlicher Jugendorganisationen, die den Geist des Militarismus verbreiten auf. Es wurde auch der Vorschlag gemacht, ein jungsozialistisches Bürgerkorps zu gründen. Dr. Marion Phillips, die Sekretärin der Liga, hielt einen anregenden Vortrag über das Thema: Wie Gelder zu öffent- lichen Zwecken erhoben werden können, ohne die Armut zu belasten.(S t e u e r f r a g e.) Sie befürwortete den Ausbau der verschiedenen Eigentunissteuern auf progressiver Grundlage ohne Hinzuziehung der kleinen Einkommen; ferner die Ver- staatlichung der großen Industrien. In bezug auf die Gemeindestcuerpolitik trat sie dafür ein, daß die Zentral- behörde den Gemeinden je nach der Tüchtigkeit ihrer Verwaltung Zuschüsse gewähren müsse und daß nur der kleinere Teil der Gemeindesteuern auf lokalem Wege aufzubringen sei. Die so aufgebrachten Gelder müßten natürlich für die Nation gewinnbringend sein und nicht in Rüstungen und Arbeitshäusern verschwendet werden. Man sehe daher, daß diese trockenen Steuerfragcn mit der internationalen Friedenspolitik aufs engste verknüpft seien. Unter den Fragen, die noch mehr oder weniger eingehend besprochen wurden, befanden sich: Erziehung, Mädchenhandel, gleicher Lohn für gleiche Arbeit(der Männer oder Frauen), Lohnämter, Wohnungsfrage, Ehescheidung. Euq aller Sielt* Der fücbs im Eisen. Am 28. November 1902 wurde in der. N o r d d. A l l g e m. Z e'i t u n g" eine Rede wiedergegeben, in der es heißt es besteht kein Unterschied zwischen demjenigen, der den Gifttrank einem andern mischt und kredenzt, und demjenigen, der aus dem sicheren Ver st eck seines Redaktionsbureaus mit den vergifteten Pfeilen seiner Verleumdungen einen Mitmenschen um seinen ehrlichen Namen bringt und ihn durch die hierdurch hervorgerufenen Seelenqualen tötet." Trotz der tobenden Entrüstung, die sich in der wohlgesinnten Presse breit machte, erfolgte eine Verurteilung des„mörderischen Bogenschützen" nicht, vielmehr wurde der gestellte Strafantrag aus- drücklich zurückgezogen. Warum wohl? Am 4. Februar 1913 verließ wehmütigen Herzens der Chef- redakteur derselben„Norddeufschen Allg. Zeitung" das Moabiter Gerichtsgebäude; waren ihm dort doch wegen Beleidigung 50 Mark Geldstrafe aufgebrummt worden. Der Haupttäler aber, ein Staatssekretär, ging frei aus. Ihn konnte der rächende Arm der Nemesis nicht mehr erreichen, sintemalen ihn der Rasen deckt. DaS unmöglich Erscheinende ist zur Wirklichkeit geworden. Das Organ der preußischen Regierung, die Ablagerungsstätte für ministerielle Geistesblitze auf der Anklagebank— ein Bild, wie es köstlicher nicht auszudenken ist. Zu übertreffen wäre es nur, wenn man sich ausmalt, wie der Staatssekretär v. Kiderlen- W a e ch t e r— wenn er noch lebte— zur Strafe für den von ihm abgeschossenen vergifteten Pfeil hinter Gefängnismauern darüber nachdenkt, welche Seelenqualen er einem seiner Mitmenschen mit dem Giftpfeil bereitet hat. Ja, es ist eine sonderbare Zeit! Ein Elbpächter der Moral und guten Sitten auf der Anklage- bank, ein anderer bereits mit einem Bein im Gefängnis. Denn viel besser wird eS dem konservativen Parteisekretär Jordan- Waren wahrscheinlich nicht gehen. Dieser Kämpe für konservative Kultur hat in einer Broschüre auch einige tüchtig mit Kurare getränkte Pfeile abgeschossen. Zur Strafe dafür beantragte der Staatsanwalt bei der Strafkammer in Güstrow 500 Mark Geldstrafe, der Vertreter des Nebenklägers drei Monate Gefängnis. Die Fällung des Urteils ist schwer, es wird erst am Sonnabend verkündet werden. Es sind wirklich sonderbare Zeiten. Da mag der Teufel noch Strafvcrschärfungen für Beleidigungen fordern, wenn die Gesetze schließlich ausschlagen zu Ungunsten patriotischer und tatbereiter Vorkämpfer des Absolutismus. Eisenbahnunglück in Siebenbürgen. In der Nacht zum Mittwoch ist bei M e d i a s ch in Sieben- bürgen ein Schnellzug mit einem Güterzuge zusammen- gestoßen. Der Zusammenstoß brachte die zwei letzten Zisternen- wagen des Güterzuges, die Petroleum enthielten, zur Explosion. Die Passagiere des Eilzuges sprangen in Schrecken aus dem Waggon. Einer von ihnen zog sich tödliche Brand- wunden zu, die beiden anderen erlitten leichtere Ver- letzungen. Sonst wurde unter den Reisenden niemand verletzt. Ein Bremser des Güterzuges ist gestorben. Der Führer, der Heizer und der auf der Maschine befindliche Lokomotiv- kontrolleur des Eilzuges erlitten schwere Brand- wunden. In dem Schnellzuge befand sich auch der Salonwagen des Prinzen Eitel Friedrich, der von den Festtagen in Rumänien nach Berlin zurückkehrte. Der Salonwagen und seine Insassen blieben unbeschädigt. Der Stein des Anstostes. Eine recht erbauliche Geschichte, die anschaulich die tiefe, inner- liche Religiösilät der Beteiligten erkennen läßt, weiß die„Liü. Korr." zu erzählen. Seit Jahren wird in der Charlottenburger Luisenkirche am Geburtstage des Kaisers ein Fest- g o t t e s d i e n st für die Beamten abgehalten. In diesem Jahre ist durch die Mitwirkung des aus seinein Konflikt mit der Militärbehörde bekannten Pfarrers K r a a tz die ganze religiöse Feier über den H a u f e n g e w o rfe n worden. Die Patrioten, die mit dem Pfarrer sonst gemeinsam zu ihrem Herrn im Himmel flehten, dem Herrscher Erleuchtung und Weisheit zu schenken, haben diesmal gestreikt. Nicht etwa, weil sie in der Zwischenzeit zu den Reichsfeinden übermarschiert sind— o nein!— eines solchen Verbrechens machen sich die braven Schutzleute und Steuerbeamten nicht schuldig. Die Kapelle der Schutzmannschaft war vielmehr bereit, die zu singenden Choräle mit Posaunenmusik zu begleiten. Als die weihevolle Stunde nahte, der Pfarrer, angetan mit Talar und Bäffchen, in der Sakristei auf die Doppelniusik wartete, harrte er vergebens. Ein Blick in die Kirche zeigte ihm, daß er b o y- k o t t i e r t war. Wo sonst an dem Festtage die loyale religiös ge- stimmte Beamtenschaft sich drängte, um an dem kirchlichen Festakte teilzunehinen, gähnte dem Pfarrer düstere Leere ent- gegen. Der Grund? Wer mag den kenne»? Die ,Lib. Korr." erzählt, ein adliger Polizeihauptmann habe mit dem positiven Oberpfarrer der Gemeinde, v. Rieniann, vor dem Festgottesdienste über den Fall Rücksprache genommen und den Beaniten sei von oben her ein kleiner Wink gegeben worden, die Predigt des liberale» Pfarrers Kraatz zu meiden. Aber das kann doch nicht sein, denn das hieße ja zugeben, daß die vielgeriihmte Religiosität der Beamten nur ä u ß e r e r S ch e in sei, daß die Königstreue sofort in die Brüche geht, wenn das amtlich vorgeschriebene Kirchengebet aus dem Munde eines liberalen statt eines orthodoxen Psarrers ertönt._ Aus dem internationalen Spitzelsumpfe. Vor einigen Wochen wurde der russische Ingenieur A l e ch i n unter dem Verdacht der militärischen Spionage in Oesterreich ver- haftet und eine Zeitlaug im Gefängnis gehalten. Die Begleit- umstände dieser skandalösen Affare. die von der chauvinistischen Presse in Rußland natürlich zur Hetze gegen Oesterreich ausgenutzt wird, werfen ein bezeichnendes Licht auf die Kooperation zwischen der russischen und der österreichischen Spitzelwelt, die ungeachtet der politischen Spannung zwischen beiden Staaten in Blüte steht. ES erweist sich, daß der Ingenieur Alechin auf die Veranlassung des bekannten russischen Spitzels S. Weiß mann verhaftet wurde, der zugleich der russischen Geheimpolizei und dem ö st erreicht s che» Ministerium des Innern Spitzel- d i e n st e l e i st e t. Als der frühere Direktor des Polizei- departements Swoljansky im Jahre 1900 die Leitung der politischen Spionage in Oesterreich und in den Valkanstaaten dem Chef der Odessaer Gendarmerieverwaltung, Oberst Budsilowitsch, übergab, warb dieser als Mitarbeiter die Söhne eines Odessaer Bordell- besitzers A. und S. Weißmann an, von denen der eine nach Wien und der andere nach Sofia beordert wurde. Von 1901 bis 1905 leistete S. Weißmann der russischen Polizei wertvolle Dienste und bezog ein Gehalt von 20 000 Rubel im Jahr. Im Jahre 1908 trat er offiziell in den Dienst des österreichischen Ministeriums des Innern. Er gründete für seine Spitzelzwecke zu- erst ein Uebersetzungsbureau und dann ein Auskunstsbureau in Wien, das mit allen Grenzstationen in ständiger Verbindung steht. Wie die„Rjctsch" mitteilt, soll er in den letzten 5 Jahren der öfter- reichischen Regierung wichtige Dienste geleistet und ein Gehalt von 2000 Kronen im Monat bezogen haben. Im Verein mit ihm ist der Uebersetzcr an der Wiener Polizei, Bjelenkowitsch bei der Bespitzelung der in Wien lebenden Russen tätig.— Man kann die österreichische Regierung zu diesen„wertvollen" Mitarbeitern beglückwünschen._ Kleine Notizen. Der TodeSzug des Prinzen Karneval. In Biebrich a. Rh. überfiel der Maschinist Heinrichs, der nachts eine karnevalistische Veranstaltung besucht hatte, morgens, anscheinend in einem Anfall von Eifersucht, seine im Bett liegende Ehefrau und verletzte sie durch Leilhiebe lebensgefährlich. Dann zertrümmerte er seinem vierjährigen Söhnchen den Schädel. Hierauf begab er sich nach der Kaiserbrücke bei Mainz, setzte sich auf das Geländer und gab einen Schuß auf sich ab. Er stürzte in den Rhein und ertrank. Das Spielen mit Feuerwaffen. Auf dem Panzerkreuzer„Moltke" hantierte ein Unteroffizier mit einem Revolver. In der Annahme, die Waffe sei nicht geladen, zielte er im Scherz auf einen Matrosen. Der Revolver war jedoch geladen und die Kugel durchbohrte dem Matrosen die Bru st. Er brach schwerverletzt zusammen und starb im Marinelazarett. Aschermittwoch. Der Fähnrich Kornhammer vom 9. In» fanterieregiment in Würzburg und seine Geliebte, vermutlich die Tochter eines Münchener Fabrikanten, stürzten sich am Mittwochmoraen von der Großhesseloher Jsarbrücke herab. Korn- Hammer war sofort tot, das Mädchen ist lebensgefährlich verletzt. Den Vorgesetzten und sich selbst erschossen. In Kiew hat ein Soldat des Eisenbahnbataillons seinen Kompagnteches er- schössen und darauf Selbstmord begangen. Marktpretse von Berlin am 4. Februar Ivl», nach ErmlNelungen des fönifll. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,70 bis 19,80, mitiel 19.50— 19,60, geringe 19,30—19,40. Roggen, gute Sorte 16,89—16,90, mittel 16,87—16,88, geringe 16,85—16,86(ab Bahn). Futter. gcrstc, gute Sorte 17,30—13,00, miltel 16,60—17,20, geringe 15,90—16,50. Oajer, gute Sorte 18,60—20,40, mittel 17,00—18,50(srei Wagen und ab Bahn). Marklhallenpreise. 100 Kilogr, Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Klelnhdl,) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40, Rindfleisch, Bauchsieisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,70-2,20. Kalbfleisch 1,40— 2.40. Hammelfleisch 1,50— 2.40. Butter 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 4,20—6,00. I Kilogramm Karplen 1,40— 2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechle 1,60—2,60. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,50. 60 Stück Krebse 4,00—24.00. WttterungSübersicht vom 5. Februar 1913. Stationen « So Swinemde tamburg erlin Franks. a.M München Wien ö= Ü| 766 WSW 767WSW 768® 771SW 773', SSO 773, W Letter 3 bedeckt 2! Dunst 2bedeckt 1 Nebel »heiter »che deckt t»K cS- »II En wi Etattonen aparanda Petersburg Scilly Aberdecn Paris 737|SO 743! W 763S 755 Still 768! SO Li Letter bedeckt bedeckt wolkig Regen 2 halb bd tsfsi 15 —4 _2 10 8 7 Wetterprognose für Douuerötag, den v. Februar 1913. Zunächst ziemlich heiter, nachis kühler, am Tage wieder mild bei mäßigen südlichen Winden; später neue Zunahme der Bewölkung mit etwa» Regen. Berltner Wetterbureau. Uewaltullgsstelle Kerlin. C. 54, Finienstr. 83—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1230. 9711 Sonnabend» den 8. Februar nachts 1% Uhr: Allgemeine Versammlung der Kino-Operateure Grotz-Berlins in Wwe. AugustinS Festsälen» Oramenstr. 101». Tagesordnung: I Vortrag des Genossen �rin Carl über:„Aufgaben der moderne» Jugendbewegung".— 2. Diskussion.— 3. Branchenangelegenheiten.— 1. Verschiedenes. „Die Gewerkschaften und die Arbeitsvermittelung", ist olS Broschiire erschienen und in unscrcnt Bureau sowie bei allen Bezirks. lassierern sür 10 Pj. per Stück zu haben. 112/6_________________ Die Ort«. Verwaltung. Verband der Jffater, fiaetrierer, Anstreicher Nur seinem hervorragend feinen Geschmack vcrdault der Kapitän-Kautabak den guten Ruf» den er unstreitig bcsibt. Machen Sie einen I Versuch mit dem echten Kapitan-Kantabai und Sie werden von| seiner Güte überzeugt sein. Verkaufsstellen, wo auch die II. Kautabakdosen gratis ver- 1 absolgt werden, weist gern nach: €3. Röcker, Berlin, Grüncrweg 119(Königs!. 38 Bureau: Melchiorftraße"8, part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Tiliste Berlin. USW. Arbeitsnachweis: Ruckerstraße 9 Fernsprecher: Amt Norden 6708 Sonntag, den 9. Februar 1913, vormittags 9 Uhr: MitKlteciGi'-VSrZaminltinK in der Brauerei Friedrichshain(am Äöuigstor). Tagesordnung: � Der Stand unserer Tarifbewegung. �------- Kollegen! Iii dieser Bersammlnug mitf» jeder Maler und Anstreicher erscheiuen. Wir er- suchen, recht pünktlich um 0 Uhr zu erscheine», da der Saat um II Uhr geräumt werden musi. 137/10» vi« OrtüverwaltuiiF. r m Filiale Groll-Berlin. Freitag, den 7. Februar 1913, abendS SVa Uhr, im Gcwcrkschastshaus(Taal 4), Eugcluser 15: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand der Tarifbewegnng. Berichterstatter: Kollege Wutxk}'. 2. Vcrbaudsangelegcnheilen. 33/7 ZA?" Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches."VE Die Drtsverwaituiix. isaal mit Bühne 200 Personen safsciid. sür Vereine am Sonnabend, de» I. Ättärz. auch Sonniagc vor uns nach Ottern noch frei. E. Gramattes Gesellsebaftsbaus, _ Berlin y., Lergstr. 12. Or.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinienslr. 41, ä;,. 10— 2. ä— 7. Sonntags 10— 12. 3— 1 Ortskrankenkaffe Reimckeildlirf. Reinickendorf, den 15. Januar ISIS. Wir geben hierdurch bekannt, daß sich der Lorstand genannter Kchic ini Jahre 1013 aus solgendc» Per» soncn zusammensetzi: Paul Ncubecker, Berlin, Soldmer Strahe 32, t Vorsitzender. Richard Küster. Rcinickendori, Ko» pc.ihagencr Str. 13, 2. Bors. Karl Liebrenz, Reinickendorf, Brie», zcr Str. 3. 1. Schristsührer. Max Pientka, Hermsdors i. d 27, DUbrechtsir. 83, 2. Schrittiüarer. N. Schmidt, Berlin, Barsuspr. 12, Beisitzer. Kiesewaltcr, Reinickcndors, Winter» slratze lt. Beisitzer John Lütgens, Reinickcndors, Hoppe» stratze 21, Beisitzer. Der Vorstand. 266/17 Neubecker. Liebrenz. Weiler- UWWs- BliioM 3ZverschiedeneHefie ä ZSPf. Das Gcschäsl habe ich von Herrn Blanke käuflich übernommen und werbe bemüht sein, meine Kunden ebenso reell zu bedienen. Faul Rcckzch, 2331b Gerichlsstr. 11. Theater und Vergnügungen Donnerstag, 6. Februar 1013. Ansang VI, Uhr. Kgl. Opernhaus. Kerkyra(Korfu). Kgl. Schauspielhaus. Die glückliche Hand. ZNiinggrützer Strafte. Brand. Theater des Westens. Die beiden Husaren. Deutsches Schauspielhaus. Der Kampf ums Rosenrot. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Ansang 8 Ubr. Deutsches. Der blaue Bogel. Kammerspiele. Schöne Frauen. Urania. Paris und die Königs- schlöjser von Versailles. □ □□ ODO □□□ Hörsaal 8 Uhr: Dr. Heinroth:.Die nordamerikanijche Brautente. Deutsches Opernhaus. Der Wasscn- schmied. Lessing. Rose Bernd." Drianon. Wen» Frauen reisen. Theater am Rollendorfplaft. Die Studentengräfin. Komödienhaus. Der Retter in der Not. Groft-Berli«. Das Fürstcnkind. Berliner. Fllmzauber. Moutis Operetten. Der Frauen- sresser. Kleines. Professor Bernhardt. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen. Schiller D. Emilia Galotli. Schiller- Charlottenburg. Reise durch Berlin in 80 Stunden. Luise«. Und hätte der Liebe nicht... Mctropol. Chausscur— ins Metropol. Rose. Mein Leopold. Herrnfeld. DieAlpenbrüdcr. Wüsten- moral. Casino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Brüdcrlein sein. Spezialt- täten. ReichShallcn. SteMner Sänger. Anfang 8'/, Uhr. Kriedr.. Wild. Schauspielhaus. Der Zaungast. Lustspielhaus. Majolika. Walhalla. Goldener L-ichtfimi. Kolies Capricc. Die Doppcijirma. Die Tochter der Braut. Anfang 8'/, Uhr. NeueS BolkStheater. Diieater«1e» �Veste»-». Reute Donnerntag:, 7'/„ Uhr: Wieckersrokknunx:' SSW /.UM I. ZUale: nie beiiien llussren. Sonni. nachm. 3>/,Uhr: fraueiitresser. Theater am llenilorlplatz 8." An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Die Ltuäentenxrsfin. ae8illöli!-lliöi>!ss.» m. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank i.3 Alt. v.Henncqnin u. Bcbcr. Morgen und jolgcnde Tage: Die Frau Präsidentin. Luisen-Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr:„Und hätte der Liebe nicht...« Schauspiel in 4 Akten von Ii. Kricke- bcrg und Ernst Nitterscldt. Donnerstag, abends 8 Uhr:„Und hätte der Liebe nicht..." Freitag, abends 8 Uhr: Künstler- fest. Festvorstellung:„Heute ist bei uns was los!" Krämer. Michael Ansang g Uhr. Admiralspalaft. EiSballctt: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte» Jnvalidenstr. 57—82. Lediiier-Idesler Donnerstag, abends 8 Uhr: Fruilla Galottl. Freitag, abends 8 Uhr: DI«<3e»el»vt»ter. Elsa. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wolkenkratzer. Sehlller-Tliealer-"ÄT Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Freitag, abends 8 Uhr: Die Scbmetterlinssscblacbt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. vi, Uhr: Brand. atsches Schantiplelhaas 71, ubr: Zum ersten Male der Kampf«ms Rosenrote. OSE=THEATE U Große Frankfurter Str. 132. JVIcin Leopold. BolkSstück tn. Ges. in 3 Akten von Adolph L'Zlrronge. Musil v. Lial. Freitag: Mein Leopold. Sonnabcndnachmittag 4 Uhr: Robinson Crusoe. 1 Metropot-Ttieater Chauffeur- ins Wropoi! Große Jahresrcvue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a. Pf.__ Anfang 8 Chr. Deutsebes Sebauspieta Tragödie des Sophokles: Elektra. Thalia-Theater Gorki: Die Feinde. Cessing-Theater Sonntag, 23. März ExtravorstcIIung: Die Weber. 6. April: Glaube u. Heimat. Deutsche 6per in Charlottenbnrg Beethoven(23. Februar): Fidelio. Montis Operetten-Theater (fr Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der frauenfrerfer. Sonnabend: Der liebe Auguftin. tferrnfeld-Theater Nansen: Eine glückliche Ehe. Zirkus jUbertSehumann. Heute Donnerstag, 6. Februar, abends 7'/, Uhr: Neu! Laurent-Trio Neu! �hendabteilungen (8 Uhr): Ernst Hardt: Der Kampf ums Rosenrote. (Mitgliedskarten a 1,30 sind in den Zahlstellen zu haben.) Gymnastischer Kraft-Akt. Avis! Mr. Laurent, d. amerik. Steinschläger, der seine Faust als Eisenhainmer benutzt, wird heute Abend einige vom Publikum mitgebrachte Feldsteine von ca. 7— 10 Pfd. zerbrechen. 244/5 Jtesidenz-Theater: Francilion. Die Geschäftsstelle:€1. Winkler. Prolongiert! Cttsario« l,ftwen- n. Tiger-CJrnppe Das Tagesgespräch von Berlin. gST" Um 9'/, Uhr:-«3 Der unsichtbare Mensch. Foiies Caprice. Anfang S'l, Uhr. Die drei ZMn- Schlager: In Sachen Kaveustein. Die Doppelsirma. Die Dochtcr der Vraut. Walbsiia-Tbester. WeinbergSweg 19/20. Rosenthol. Tor. Nur noch bis 12. d. MtS.: txoldener Eclchtninn. 2lm 15. Februar: Premiere dsr neuen großen Jabres-Eevue Parole„Walhalla". Urania Wissenschaftliches Theater. TuubcnittraBe 48/10. Donnerstag 8 Uhr: Pari», and die Königs- schiösscr von Versailles. Hörsaal 8 Uhr; Dr. Heinroth: Die nord- nniori klinische Braotento. Casino-Theatep Lotbringer Sir. 37. Täglich 8 Ubr: Allabendlich ansverkanft. Kttirmlschc Heiterkeit: Die Berliner Lokalposse Am grnuen Strand d. Spree. Größter Kassenersolg seit Bestebern I�euc Dop Höhepunkt des Lach-Epfolges! mit Anton und Donat.Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Loi verk. l t— 2 lTbcaterk.) Triantm-Theatcr. Wenn Frauen reisen. Anfang 8 Uhr. Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Heute, Donnerstag, den 5. Februar 1913: Elitetag Bockbierfest in den bayrischen Alpen. Im neuen Saal- Großer Ball. Heute: Keine Fleischnot! Braten eines ganzen Holländer Hastkalbes! Portion 80 Pf. Anschnitt 9 Ehr. 5 Kapellen. 30 bayrische Mad'l. »ut den Jnvat»»er Jnicralr Mberuimmt die Redaktion de» vudlttum gegenüber teiuerlet er Kampf"«ms Rosenrote.>____ nnrang c not.__ I>__ irantttcrilichcr SHtEffc Wlttepp, LcuMii. 2"üt des Lnseratevixil veravtw-i Th. LI locke, Berlin. DruckikLsriagiKsrirärt» Buchdruckerei s, Lerlggtzgpstqlt Paul Singer u- Eo-, Berlin LA, Anfang 7 Hhr. Untres 30 FL Boigt-Theater. Gesundbrunnen, Badftrafte.»8. DonncrSt., 6. Februar 1913, 8'/, Uhr: Gastspiel in Pnhimnnns Theater, Schönhauser Allee 148. König Krause. von Ful. Keller und Herrmami. Kassenerösftiung 7 Uhr. Ailniirnlspnlnst. Allahsndlich: Das neue mit ilurclicchlsg. erkoig autgof. Eisballett | Fürt in St. Moritz 1 1. Akt: Wintersport in 8t. Moritz. 2. Akt: Soiree im Luiushotol. 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung , der kl. Charlotte. Bit 6 U. u.» 103/, halb.Kasa- Preisa. Wein- u. Bier-Abt� Passage-Panoptikum 50 wilde iU/oihor�v fVölUCI Kinder Zirkus Busch. Heute Donnerstag, 6. l�ebruar: abends 7'/, Uhr: Rae Norton, das Phänomen d. Magentrainings, verschluckt 20 Goldfische und die gleiche Anzahl Frösche u. trinkt 50 Glas Bier hierzu in 5— 6 Minuten. Neu! Der mysteriöse Deckenläufer. Der geheimnisvolle Vorgang besteht aus d. Lauf d. Artisten an der Decke der Zirkuskuppel mit d. Kopf nach unten, wobei er in �merklärlicher Weise im Gehen mit den Füßen flach an der Decke haftet Zum Schluß:.Sevilla". Theater Königstadt-Gasino. Ecke Holzmarfl» n. Ale�anderstraste. I Minute v. Bahnh. �annowitzbrücke Tägl. abdS. llß. Sonnt.'Iß Uhr: Pnppchon tadellos. Posse m. Ges. in t Alt— und das groft. Spezialitätenprogramm Led. 1. u. tk.: Programmwechsel. ReiehLhsiien-Thealek' Stettiner Sänger. Neu! Meyers Hosen. \ Humoreske. Anfang 8 Uhr. Concordia-Feslsäie. Inh: M. Wendt u. A. Schütze 64 Andreasstr. 61. Jeden Donnerstag: Große Soiree der allgemein beliebten und bekannten Roffmaons Sänger mit vollständig neuem Programm Anfang 8 Uhr. Frei-Tanz. Vorzugskarten haben Gültigkeit. NIBIes Fest-Säle Dennewitzstraße 15« Jeden Donncrettag: Tanzkräuzchen und Vockbiersest. O. I vom Stamme der Igorroten I Ledend! Dhne Extra-Entree!' Ar. 31. 30. IahtMg. 2. Knlgze des Jormärts" Knlim Wlksdislt. DsUttsIsz, ledw« 1913. Fn der Zeit der fleiichnot ist es in Berlin zu einer beträchtlichen Zunahme des Pferde- fleifchverbrauchs gekommen. Sie hatte schon in der zweiten Hälfte des Jahres löll sich bemerkbar gemacht, war dann in der ersten Hälfte des Jahres 1S12 noch auffälliger hervorgetreten und hat weiter in der zweiten Hälfte von 1312 fortgedauert. Von den in der Berliner Zentral-Rotzschlächterei geschlachteten Tieren sind, nach Aussonderung der zurückgewiesenen, zum Verbrauch gelangt: im Jahre 1311 nur 9306, im Jahre 1912 aber 12389, das sind um 2483 mehr, um ein volles Viertel mehr als in 1911. Die Verbrauchsziffern der vier Vierteljahre waren in 1311: 2ötS, 1946, 1874, 3571, in 1912: 3188, 2736, 2689, 3776. In beiden Jahren zeigt sich eine Abschwächung vom Winter zum Frühjahr und weiter zum Sommer, »vorauf dann zum Herbst und Winter wieder eine Zunahme einseht. Das �ahr 1912 hatte aber in jedem der vier Quartale einen be- trächtlich höheren Verbrauch als in denselben Quartalen des Jahres 1911. Diese Mengen geschlachteten Pferdefleisches werden, wenn auch nicht völlig, so doch zum grossen und vielleicht größten Teil als Nahrung für Menschen verwendet. Die auffallende Zunahme deS gesamten Pferdefleischverbrauches kann man nur daraus erklären, daß die Nachfrage nach Pferdefleisch, daS zu menschlicher Nahrung verwendet werden sollte, stark zugenommen hat. Pferde werden nicht zu dem Zweck aufgezogen, als Schlacht- tiere genutzt zu werden. Man schlachtet solche Pferde, die infolge von Unfällen— ihre Zahl ist im Winter größer als im Sommer— oder aus anderen Ursachen nicht mehr als Reit- oder Zugtiere zu verwenden find. Wenn aber daS Fleisch von Rindern, Schweinen usw. verteuert wird und dann die Nachfrage nach Pferdefleisch zunimmt, macht bald genug auch das Pferdefleisch die Preissteigerung mit. Da wird dann auch mancher Gaul, dessen Arbeitskraft man sonst noch eine Weile länger genutzt hätte, zur Slblacktbank geführt, da- mit er unter Ausnutzung der Konjunktur möglichst vorteilhaft ver- wertet werden kann. Eine Mehrung der Pferdeschlachtungen ist übrigens auch in Reukölln zu beobachten gewesen. Neukölln ist neben Berlin der einzige Ort in Groß-Berlin, der eine Pferdeschlächterei hat. Von den dort geschlachteten Tieren sind lm Jahre 1911 nur 1212, im Jahre 1312 aber 1619 zum Verbrauch gelangt. Die Pferde- schlächtereien von Berlin und Neukölln zusammen haben demnach im Jahre 1311 nur 11118, im Jahre 1912 aber 14 003 Pferde geliefert. Mag sein, daß der weitverbreitete Widerwille gegen Pferde- fleisch, wie oft versichert wird, eine Torheit ist, aber er besteht nun mal. Daß unter dem Einfluß der agrarischen Verteue- rungSpolitik viele diesen Widerwillen zurückdrängen, zeigt, wie bitter die Not der Zeit empfunden wird. Partei- Angelegenheiten. Dritter Kreis. Heute Donnerstag findet im GewerkschaftShause. Saal I, der 2. Vortrag des Genossen Dr. Duncker über.Die wirt- schaftlichen Grundlagen des Sozialismus" statt. Die Teilnehmer werden ersucht, sich pünktlich um SVg. Uhr einzufinden. Weißenscc. Der zweite Vortragsabend des Kursus„Die materialistische Geschichtsaufsasiung" findet heute Donnerstag, den 6. Februar, abends 8 Uhr, im Lokal von Peukert, Berliner Allee 251, statt. Genoffen, die am ersten Vortragsabend nicht anwesend waren, können noch eintreten, da der Vortragende einen Rückblick gibt. berliner JVacbricbten. Vom Dreiklasseuwahlrecht. Wie infolge des Drciklassenwahlrechts für die Gemeinde nur der Gcldsack bestimmt, beweisen die in der Villenkolonie Grunewald in der letzten Hälfte des Monats Januar zur Auslegung gebrachten Gemcindewählerlisten. Die 1038 steuer- Pflichtigen Wähler bringen zusammen die stattliche Summe von 2 Msi 344 M. gegenüber 1 751 934 M. im Jahre 1912 auf. Der höchstbcsteuerte Bürger entrichtet 63 996 M. Steuern. In der ersten Wählerabteilung mit einem Gesamt- ftcuerbetrage von 676 763 M. befinden sich 27 Wähler; der geringste Steuersatz beträgt hier 11 647 M. Die zweite Ab- teilung mit einem Steuerbetrage von 667 937 M. zählt 195 stimmberechtigte Wähler; der höchste Steuersatz beziffert sich auf 11553 M. und der niedrigste auf 3812 M. In der dritten Abteilung, deren 996 Wähler zusammen 662 544 M. aufbringen, entrichtet der' Höchstbesteuerte 3784 M. und der letzte Wähler 3 M. Im Durchschnitt entfällt auf einen jeden Steuerzahler der überaus hohe Steuerbetrag von 1933 M. Diese Aufstellung beweist, daß Grunewald nur von reichen Leuten bewohnt ist._ Vom PslichtfortbildungSschulwescn. Ju den zurzeit von mehr als 35 600 Schülern besuchten städti- scheu Pflichtfortbilduugsschulcu ist die berufliche Gliederung jetzt soweit vorgeschritten, daß bereits für etwa 40 verschiedene Gruppen lbcsondere Berufsklasscn mit aussteigenden Kursen eingerichtet sind. Eine so weitgehende Scheidung der Berufe ist allerdings auch nur bei so gewaltigen Besuchsziffern, wie sie Berlin aufweist, möglich. In den Vororten liegen die Verhältnisse natürlich nicht so günstig. Dort müssen in einer Klasse oft die verschiedenartigsten Berufe vereinigt werden. Um diesem Uebclstande abzuhelfen, sind in den letzten Jahren wiederholt Vorortgemeinden, Innungen usw. an die Stadt Berlin mit der Bitte herangetreten, den Lehrlingen einzelner Berufe, für die in den Vororten keine besonderen Berufsklasscn eingerichtet werden konnten, den Besuch der Berliner Fortbil- dungsschule zu gestatten. Wo der Stadtgemeinde dadurch keine besonderen Mehrkosten erwuchsen, ist diesen Wünschen häufig ent- sprochen worden. Da aber die Zustände auf eine generelle oder gesetzliche Regelung drängen, so hat der Magistrat Berlin auf Vor- .chlag der Deputation für die städtischen Fach- und FortbildungS- schulen bereits im Dezember v. I. beschlossen, mit den Vororten in Bcsprechun�n über eine gemeinsame Regelung der Einschulung einzutreten. Neuerdings scheint man auch in den Vororten zu der Ucberzeugung gekommen zu sein, daß hier eine Einigung unter den Groß-Berliner Gemeinden notwendig ist. denn nach einer lürz- lich erschienenen Zeitungsnotiz soll auch der Magistrat zu Berlin- Schöneberg bei dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe wegen Schaffung einer einheitlichen Organisation der Groß-Berliner Fortbildungsschulen vorstellig geworden sein. t De»„außerhalbsche»" Droschkenfuhrherren ist es bei Rückfahrten von Berlin bekaniiltich verboten, hier Fahrgäste aufzunehmen. Natürlich wurde dies Verbot nicht seilen übertreten und so kam eS, daß Zuwiderhandelnde sich vor Gericht wegen solcher Uebertretungen rr verantworten hatten. In Fällen wurden sie aber reigesprochen, weil nach Anncht des Richters die ftagliche «eftünmung in der Droschkenordnung für den LandeSpolizeibezirk �Berlin nicht deutlich genug abgefaßt fei. Dem ist jetzt durch cilie präzisere Fassung jenes Verbots abgeholfen worden. Der ß 85 hat nämlich den nachfolgenden Zusatz erhalten:„Zur Annahme von Droschkenfahrten innerhalb deS Ortspolizeibezirks Berlin und von diesem aus berechtigten nur die von einer Polizeibehörde des Landes- polizeibezirks Berlin erteilten Fahrausweis«(§ 45)." Aus der Elendsstatistik. Am 1. Februar 1913 befanden sich im städtischen Familienobdach 226 Personen, und zwar 40 Familien mit zusammen 99 Köpfen(darunter 36 Kinder und 17 Säug- linge) und 127 Einzelpersonen. Der Gcsamtbcstand betrug am 1. Januar 36 Personen weniger. Das nächtliche Obdach wurde währeild des Januar von 146 577 Männern und 698 Frauen besucht. Der Tag des geringsten Besuches war der 1. Januar mit 3497 Personen, der des stärksten Besuches der 31. Januar mit 5135 Personen. Gebadet haben in den Brausebädern täglich durchschnitt- lich 617 Personen. Wannenbäder wurden während des ganzen Monats an 717 Männer und 474 Frauen verabreicht. Städtische Bauten. In der letzten Sitzung der Hochbaudcpu- tation übernahm an Stelle des verstorbenen Stadtrats Namslau Stadtrat Masse den Vorsitz. Die Stadträte Dr. Panofsky und Dr. Preuß traten als neue Mitglieder ein. Baurat Ludwig Hoff- mann legte verschiedene Entwürfe für Neubauten vor, die alle von der Deputation mit Einstimmigkeit aiigcnouimen wurden. Ver- schieden« dieser Entwürfe bieten ein gewisses allgemeines Jnter- esse. Da ist zunächst der Plan für eine neue Gemeinde-Doppel- schule an Straße 28b(Sansibarstratzc), der einschließlich des Dienst- und Wohngebäudcs mit Steuerlasse und Gasrevierinspek- tion mit 845 000 M. veranschlagt ist. Ferner sollen a» die Gc- meindcdoppclschule an der Turmstraßc 75 eine Schulküchc und gleichzeitig noch Räume für dFe Zwecke der Fach- und FortbildungS- schulen angebaut werden. Der Kostenanschlag beträgt hier 334 000 Mark. Bei der dreifachen Gemeindeschule in der Ouitzowstr. 115a soll ein Turnhallengebäudc, sowie ebenfalls eine neue Schulküche angelegt werden. Die Kosten belaufen sich auf 84 000 M. Bc- kanntlich gehen die Schulküchen, welche vom Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend begründet sind, vom 1. April ab in die Regie der Stadt über. Bisher bestehen 27 solcher Schul- küchen. Ferner genehmigte die Deputation den Neubau der 4. Ober- rcalschulc in Moabit, die den Namen Kirschner-Oberrealschule führen soll, dessen Kosten auf 982 000 M. veranschlagt sind. Außer- dem wurde der Deputation der Entwurf für den Erweiterungsbau des Kinderaspls in der Kürassicrstratzc 23/24, der 211 000 M. kosten soll, vorgelegt und genehmigt. Dieser Bau ist erforderlich für die Unterbringung des Pflegepersonals der Anstalt, für welches jetzt kein Raum in der Anstalt ist und das deshalb zurzeit in Miets- räumen untergebracht ist. Bon den Späthschen Baumschulen. Der Begründer der Späth- schen Baumschulen, die dem südlichen Teil des Ortes den Namen gaben, ist am 2. Februar im Alter von 74 Jahren verstorben. Als er anfangs der siebziger Jahre seine Baumfchale von dem Grund- stück Köpcnicker Straße 154 nach der Britzer Gemarkung am Ende der heutigen Baumschulenstraße öerlegte, war Treptow noch ein Berliner Vorwerk mit knapp 500 Einwohnern. Der heute über 10 000 Einwohner zählende Ortsteil Baumschulenweg bestand noch Ausgang der achtziger Jahre nur aus ganz wenigen und verein- zeit stehenden Häusern. Die Späthsche Baumschule umfaßt heute rund 000 Morgen Kulturflächc, die sich zwischen dem Teltowkanal und der Königsheide erstreckt. Außerdem besitzt die Firma Späth seit einigen Jahren ein gut 1000 Morgen großes Gelände in Neu-Falkenrehde bei Potsdam und bildet damit die größte Baum- schule Deutschlands. Der jetzt Verstorbene, Laudesökonomicrat Franz Ludwig Späth, übernahm nach umfassenden botanischen Studien im Jahre 1864 den Gärtnereibetricb seines Vaters, den er bald danach zu der ersten deutschen Baumschule umgestaltete. Seine geschäftliche Tätigkeit hat ihm außer äußeren Würden auch das bereits ererbte Vermögen vermehren lassen. Der Besitz der Familie Späth wird heute auf viele Millionen Mark geschätzt. Leider standen die Lohnverhältnisse seiner Arbeiter nicht immer im rechten Verhältnis zum geschäftlichen Erfolge. Doch lag dies weniger an der Geschäftsleitung, als an den Arbeitern selbst. Unter den Gärtnern wurde ein Engagement auf den Baumschulen vielfach als ein solcher Vorzug betrachtet, daß man dafür schon auf etwas Lohn verzichten zu können glaubte. Die gewerkschaftliche Organisation läßt leider bei den Gärtnern noch recht viel zu wünschen übrig. Der Gärtnereibetrieb ist übrigens in der Familie Späth Tradition, er wurde von ihr seit dem Jahre 1720 unnnter- brachen gepflegt, wo der Anfang mit einen: kleinen Terrain am Halleschen Tor gemacht ward. Der jetzige Riesenbetrieb»vird von dem einzigen Sohne des Verstorbenen weitergeführt. Ucbungsfahrt der„Hansa". Das Zeppelinluftschiff„Hansa" unternahm am gestrigen Mittwoch eine längere Uebungsfahrt mit den vom Kriegsministerium zur Ausbildung abkommandierten Ossi« zieren. Die„Hansa" stieg um l'/- Uhr in Potsdam auf, flog über Spandau und Tegel nach Berlin, kreuzte dann längere Zeit über der Biesdorfer Luflschiffhalle und über Johannisthal Nach längerem Rundflug über Berlin flog die„Hansa" über Wannsee nach Potsdam zurück, wo sie um sflz Uhr landete. Selbstmord auS Furcht vor dem Jrrenhause beging am Montag der etwa 40 Jahre alte Hauseigentümer und Musiker an der Berliner königl. Hofbühne Paul Strahlendorf aus der Schönhauser Allee 21. Er wurde von seiner Mutter vergiftet im Bett aufgefunden. Strahlendorf, der in guten Vermögensverhältnissen lebte, hatte sich vor einigen Jahren mit einer erheblich jüngeren Frau verheiratet. Es stellten sich Zerwürfnisse ein, weil St. Ursache zu haben glaubte. an der ehelichen Treue seiner Frau zu zweifeln. Vor etwa Jahresfrist klingelten in aller Morgenfrühe an der St.schen Wohnung zwei Männer. St. selbst fragte die Leute nach ihrem Begehr und erfuhr zu seiner Ueber- raschung, daß cS zwei Wärter der sattsam bekannten Dr. Edelsche» Privatirrenanstalt in Charlottenburg waren, die ihn festnehmen und im unten wartenden AnstaltSauto nach der Anstalt bringen sollten. Die Ehefrau hatte sich in aller Stille mehrere Arztatteste beschafft und in Charlottenburg bei Edel die Jnter- nierung„bestellt". Herr St., ein wohl etwas nervöser, doch gänzlich harmloser Mann, ließ sich aber nicht verblüffen und wies die Anstaltswärter, da diese kein JnternierungZattest vorzeigen konnten, energisch aus seinem Hause. Mehrere Stunden später kamen die Wärter abermals mit dem Auto und mit den Privatarzt- attesten bewaffnet vorgefahren, mußten jedoch wieder unverrichteter Sache abziehen. St. hatte nämlich inzwischen das Polizei- bureau und den zuständigen Kreisarzt aufgesucht und an beiden Stellen die Versicherung erhalten, daß von einer Jatermerungsbedürftigkeit gar keine Rede»em könne. Einige Wochen später ließ sich St. vom Kreisarzt schrist- lich bescheinigen, daß zu seiner Jnternierung im Jrrenhause kein Grund vorliege. Die Furcht vor dem Jrrenhause sowie die eingeleitete Ehescheidungsklage machten aber den Unglücklichen immer nervöser. Zu seinen Freunden hat freilich St. niemals Selbstmordabsichten geäußert. Im Gegenteil sprach er von neuen Plänen für die Zukunft und verhandelte auch wegen Verkaufs seines Hauses. Man sieht hier wieder mal, welcher Mittel sich die Privat- irrenanstalten bedienen und wie notlvendig Schutzgarantien gegen unberechtigte Jittemieruug sind. Gattemuord und Selbstmord. Im Hause Dlanlenfeldestr. 14 wurde in der Nacht zum Mttwoch der 57 Jahre alte Klempner- meister Ludwig Heimeberg mit seiner um ein Jahr älteren Frau Henriette durch Leuchtgas vergiftet aufgefunden. Alle Wieder- belebungsversuche durch Behandlung mit Sauerstoff waren vergeh- lich, da der Tod schon eingetreten Ivar. Wie angenommen wird. hat Heimeberg ohne Wissen seiner Frau die Tat besangen, da er durch verfehlte Bauspelulationen in große Schulden geraten war- Das Ehepaar hinterläßt zwei Kinder, die verheiratet sind. Unfälle beim Untergrundlmhiitmu. Beim Buu der Untergrund- bahn an der Stralauer Straße haben sich am gestrigen Mittwoch- nachmittag gegen 2 Uhr zwei schwere Unfälle ereignet. Beim Brimnenbohrcn flog dem 22 jährigen Arbeiter Erich Dettlow, der auf einem Spreekahn am Habsburger Ufer wohnt, die Kurbel der Kettenwinde ins Gesicht und zerschmetterte die linke Gestchtshälfte fast vollständig. Der Schwerverletzte erhielt auf der Unfallstation am Spittelmarkt die erste Hilfe und wurde dann nach dem Aranken- haus am Friedrichshain übergeführt.— Der Bauarbeiter Gustav Boschinskh aus der Dieffenbachstr. 38 geriet zu derselben Zeit, da er das abgegebene Warnungssignal nicht beachtete, zwischen die Loren eines Transportzuges und die Tunnelwand, sodaß er eine schwere Brust- und Rippenguetschung davontrug. B. mußte nach dem Urban-Krankenhaus übergeführt iverden. Wie uns noch mitgeteilt wird, lassen die Schutzeinrichtungen für Arbeiter bei diesem Bau nicht mehr wie alles zu wünschen übrig. ES ist deshalb gar kein Wunder, wenn sich fortgesetzt Unfälle ereignen. Durch einen Betriebsunfall auf der Pumpstation 5 wurde gestern nachmittag der Heizer Leopold Hahn, Thaerstr. 7 wohnhaft, schwer verletzt. H. wollte einen Ofen mit Kohle beschicken, als durch die ungeheure Hitze plötzlich ein Haken aus der Feuertür heraus- geschlendert wurde und den Heizer am Kopf traf. H. wurde das rechte Augenlid weggerissen und die Stirnwand verletzt. Der Ver- unglückte erhielt auf der nahen Unfallstation am Spittelmarkt einen Verband und wurde dann nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Durch einen Sturz von der Treppe tödlich verunglückt ist DienS- tag abend der 44 Jahre alte Tischlermeister Albert Zimmermann aus der Langcnbeckstr. 13. Zimmermann betrieb seit vielen Jahren mit einem Geselle» eine kleine Werlstatt in der Palisadenstr. 34 und arbeitete größtenteils für Möbelfabriken. Dienstag abend nach 8 Uhr, nachdem der Geselle bereits Feierabend gemacht hatte, brachte er selbst noch einige kleinere Stücke, die im Laufe des Tages fertig geworden ivaren, zu einem Abnehmer in der Palisadenstr. 77 hinüber. Dort mußte er sie in die im 3. Stock des Quergebäudes belegenen Fabrikräume hinauftragen. Be- wohner des Hinterhauses hötten plötzlich auf der Treppe ein starkes Poltern. Nichts Gutes ahnend eilten sie hin und fanden den Meister. der allen bekannt war, auf dem Treppenabsatz zwischen dem zweiten und dritten Stock liegen. Er war mit seiner Last ausgeglitten, mehrere Stufen heruntergefallen, mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen und besinnungslos zusammengebrochen. Die Leute nahmen sich semer an und brachten ihn mit einer Droschke nach der Hilfs- wache in der Koppenstraße. Hier konnte aber der Arzt nur noch den Tod feststellen. Der Unglückliche hatte sich einen Bruch der Wirbel) äule zugezogen. Klingelfahrcr suchten einen Fabrikanten Lindenstraus in der Großen Hamburger Straße heim. Während der Mann geschäftlich verreist war, ging seine Frau nachmittags um 5 Uhr aus, um Be- kannte zu besuchen. Als sie um 9 Uhr zurückkehrte, fand sie die Wohnungstür am Borderaufgang aufstehen. Sie holte den Verwalter zur Hilfe, weil sie fürchtete, daß die Einbrecher noch in der Wohnung sein könnten. Man fand dann aber niemanden mehr darin. Die Klingelfahrer hatten durch die Hintertiire die Räume bereits verlassen. Aus den erbrochenen und durchwühlten Behältnissen hatten sie für über 1900 M. Schmucksachen mitgenommen. Schwerer Unfall auf dem Spandauer Hauptbahnhos. Ein auf- regender Vorfall hat sich Dienstag abend aus dem Hauptbahnhof in Spandau abgespielt. Der Ingenieur Emil Pasewald aus der Börnickerstraße in Spandau war in Berlin gewesen und traf gegen VzIO Uhr mit einem Borortzuge in Spandau ein. Da er es sehr eilig hatte, wartete er das Halten des Zuges nicht ab, sondern ver- suchte abzuspringan, während sich der Zug noch in Bewegung be- fand. Dabei kam P. zu Fall und geriet zwischen Trittbrett und Bahnsteig- und wurde eine Strecke weit mitgeschleist. Nur mit vieler Mühe gelang es, den Verunglückten aus seiner furchtbaren Lage zu befreien. Dem Ingenieur war der rechte Fuß glatt ab- gequetscht worden; außerdem hatte der Bedauernswerte einen Bruch des rechten Oberschenkels und schwere innere Verletzungen davongetragen. P. wurde in bedenklichem Zustande nach dem städtischen Kranlenhause übergeführt.— Ein zweiter Eisenbahnunfall hat sich auf dem Verschiebebahnhof Wustermark ereignet. Dort war vormittags der Eisenbahnbeamte Wroblewsky mit dem Rangieren von Güterwagen beschäftigt. Dabei stolperte er über eine Schiene und kam zu Fall. Unglücklicherweise fiel er zwischen einen Gleis- sträng, aus dem ein von einer Lokomotive abgestoßener Wagen heran- rollte. Der Rangierer wurde überfahren und der rechte Arm voll- ständig zermalmt. Der Schwerverletzte erhielt von einem hinzu» geruscneii Arzte Notverbände und wurde dann mit dem nächsten Zuge nach Spandau geschafft, wo er im städtischen Krankenhause Auf- nähme fand. Fener in einer Gummiwarenfabrik. Gestern nachmittag gegen 1 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Gitschiner Straße 15 gerufen, wo in der Gnmmiwarenfabrik von Meyer u. Falkenhain Feuer ausgebrochen war. Der Brandherd lag in einem Dachraum eines zweistöckigen alten Seitengebäudes, in dem bei Ausbruch des Brandes zwei junge Mädchen beschäftigt waren. Vermutlich war eines der Mädchen mit Schwefelkohlenstoff unvorsichtig vorgegangen, wodurch das Feuer entstaud. Die beiden Mädchen, von denen das eine leichte Brandwunden an einer Hand erlitt, konnten sich durch schleunige Flucht noch in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr griff das Fener sofort mit drei Schlauchleitungen an und es gelang den Löschmannschaften, die teils über die Treppen, teils über eine mechanische Leiter vorgedrungen waren, die Flammen auf den einen Dachraum zu beschränken. Das Hauptgummilager. daS in der darunterliegenden Etage untergebracht ist, blieb vom Feuer verschont. Am Vormittag wurde die Feuerwehr nach der Scharrenstraße 12/13 gerufen, wo ein Monteur beim Reparieren eines Fahrstuhles aus der Höhe des dritten Stocks in den Fahrstuhlschacht gestürzt war. Er wurde in bewußtlosem Zustand in das Krankenhaus Bethanien gebracht._ Vorort- Nacbridrteih Wilmersdorf-Haicusec. Die Voranschläge der Stadtgcmeinde Wilmersdorf für das Rechnungsjahr 1913 schließen in Einnahme und Ausgabe mit 16 771 200 M. ad. Der Betrag hat sich gegen das Vorjahr, Ivo er 16 304 760 M. betrug, im ganzen kaum verändert. Ein Unterschied ist aber infoweit vorhanden, als diesmal auf die ordentliche Ver- waltung 14 885 200 QW. und auf die außerordentliche Verwaltung 1 886 000 M. kommen,»vährcnd im vorigen Jahre auf die ordent- ltche Verwaltung 11 386 750 M. und auf die außerordentliche Vcr- waltung 4 018 000 M. entfielen. In der außerordentlichen Berwal- tung fallen diesmal die Ausgaben jür die Untergrundbahn Weg, die voriges Jahr 2 861 000 M. ausmachten. Daß Wilmersdorf im Vergleich mit anderen Gemeinden zur- zeit verhältnismäßig günstig gestellt ist, zeigen die Ausgaben für Las VolkSschurivesen. fow�e für die Ärmen-, Waisen- und Wlohlfa-hrtSpflcge. In zahlreichen'Äemeinden über- steigen bekanntlich allein die Ausgaben für Unterhaltung der Volksschulen bei weitem die Einnahmen an Gemeindeeinkom- me»steuern. In Wilmersdorf jedoch sind für lül3 als Ertrag der Gemeindeeinioimnensteuer 4 200 000 M. angesetzt. Die Aus- gaben für Volksschulen machen aber nur etwas mehr als den vierten Teil dieser Summe, nämlich 1135 550 M. auS; für Armen-, Waisen- und Arinenkrankenpflege sind 233 800 M. für Wohlfahrts- pflege 128 500 M. als Ausgabe vorgesehen. In die WohlsahrtS- pflege sind einbegiriffen Desinfektionen, Beiträge an Wohlfahrts. vereine und-anstalten, städtische Arbeitsnachweise, Volksbüchereien, Jugendpflege und Ferienkolonien. Kinderheime usw. und Tuber- kulose-Bekämpfung. Die höheren Schulen erfordern nach dem Boranschlag einen Zuschuß von 1 470 000 Ml, also beträchtlich mehr als die Volksschulen. In» Gegensatz zu Chatlotteirburg und Schöneberg, in deren Voranschlag bekanntlich 110 Prvz. Zuschlag zur Staatscinkoinmen- steuer angesetzt sind, will Wiluiersdorf auch in diesem Jahre mit 100 P.rvz. wirtschaften. Jan Vorigen Jahre scheiterte das Bestreben der Grvtz-Berliner Stadtgemeinden, in Rücksicht auf die mißlichen Jinauzverihältnisse den Zuschlag auf 110 Proz. zu erhöhen, wesent- lieh an de», Widerstand'der Wilmersdorfer Stadtverordnetenmehr- heit. Diesmal hat Man gar nicht erst den Versuch einer gemeinsamen Regelung gewagt. Es ist nun zwar sehr fraglich, ob Wik» »nersdorf sich dauernd wird aufs hohe Pferd setzen können. Schon für 1013 erfordert die Verzinsung und Tilgung der Gemeinde- schulden den Betrag von 2 805 501 M., und neue Anleihen, die mit den alten nahe an 100 Mllioncn Mark heranreichen werden, stehen bevor. Allmählich wird auch die Zeit kommen, wo Wilmersdorf sich in den vorab nur von Schon ebem aufgeworfenen Gedanken einer gemeinsamen Grotz-Bcrliner Steucrrcgelung wird fügen müssen, Nenköllu.<-, Der Streit in der Unter stühungs- und Sterbekaffe selbständiger Handwerker soll, wie aus einem vom Vorstand der genannten- Kasse uns übersandten Schreiben zu entnehmen ist, seine Erledigung ge- fanden haben. Dieser Tage habe im Polizeipräsidium zu Berlin eine Sitzung des Vorstandes der Kasse und der in der öffentlichen Protestverfammlung gewählten Kommission stattgefunden, in der ver- einbart worden sei, daß je drei Mitglieder der Kommission und des Vorstandes unter Vorfitz eines Rechisanwolts zusammentreten und sämtliche Beschwerden erledigen sollen. Im übrigen wird betont, daß die Kassenverhältnisse in Ordnung seien. Charlottenbnrg. Eine Erhöhung der Kokspreise um 10 Pf. pro Hektoliter ist mit dem 1. d. M. auf den- städtischen Gaswerken in Kraft getreten, Danach stellen sich die Preise im Einzelverkauf für ein Hektoliter auf Gaswerk lt grober Koks 1,30 M...zerkleinerter Koks 1.40 M.; auf Gaswerk II: grober und zerkleinerter Koks je 1,80 M. Für Artsuhr und. Abtragen des Kols werden die alten Gebühren be» rechnet..,_. Ober-SchSnetveide. Die Ersatzwahlen zur Gemeindevertretung in der dritten Abteilung für. den Genossen Liesegang und den Schankwirt Wesenburg finden am Sonntag, den 10. Februar,' von vormittags Il'/r bis nachmittags 6 Uhr statt.- Die dritte Klasse wählt m zwei Bezirken. Der 1'. Bezirk wird gebildet: Aus allen westlich der Schiller» Promenade und der TriniuSstraße belegenen Straßen, also der Tabbert», Nalepa«, Watt-, Rödern-, Fontane-, Deul-, Helmholtz-, Westend-, Edison-, Siemens-, AntoniuSiirchstraße, Wald- bis zur TriniuSstraße. Zeppelin- bis zur TriniuSstraße, Rathaus- bis zur TriniuSstraße. Goethe- und Bismarckstraße bis zur Schillerprmnenade sowie der Fuststraße und den noch nicht benannten Straßen diese» Teiles und den westlichen Seiten der Schillerpromenade und der TriniuSstraße. Der 2. Bezirk besteht aus allen östlich der Schillerpromenade und der TriniuSstraße gelegenen Straßen mit der ganzen Wilhelminen- hosstraße, den östlichen Seiten der Schillerpromenade und der TrininS» straße, der Frischen-, Klara-. Marien-, Mathilden-, Rathenau-, Luisenstraße, Goethestraßr von der Schillerpromenade bi« zur Groß» straße. Bismarckstroße von der Schillerpromenade bi» zur Groß» straße, von der Schillerpromenade bis zur Frischenstraße, Waldstraße von her. TriniuSstraße bis zur Grenze der Gemeinde. Zeppelinstraße von der TriniuS- bis zür Frischenstraße, Hallenleben-, Kottmeier«. Kepler-, Slaby-, Schloßpark-,. Laufener-, Kunheim» und Bunzelstraße sowie den gesamten Ortsteil Ostend. Wahlberechtigt sind diejenigen Einwohner, welche am 1. Januar 1018 rin Jahr im Orte ansässig waren und in die Wählerlisten ein- getragen find. Als Legitimation gelten die im Januar d. I. zu» gestellten Wähler karten. Das Wahllokal des 1. Bezirks befindet fich in der Turnhalle. Wattstraße; das d«S 2. Bezirks in der Schulturnhalle Frischenstraße Pie Bekanntgabe des Wahltermins so kurz vor der Wahl läßt den Gedanken zu, als habe man die Wähler der dritten Klaste über- rumpeln wollen. Pflicht aller Wähler ist eS. nun erst recht die kurze Zeit zur energischen Agitation für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidatin auszunutzen. Teltow. I» einer recht zahlreich besuchten öffentlichen Lersamustung im Lokal von Bonow referierte Genosse Dr. MoseS. Der Redner forderte am Schluß seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrages über.Der Krieg beginnt von neuem" die Versammelten auf, im bevorstehenden LaildtagSwahlkamps rege ihre Pflicht zu tun. Der Gesangverein Eintracht brachte hierauf«in stimmungsvolles Kampflied zu Gehör der Anwesenden. Pankow. Die Wahlen zum Gewerbegericht sind, nachdem das geänderte Ortsstakut genehmigt ist. nunmehr ausgeschrieben. Zu wählen sind 0 Arbeitgeber upd 6 Arbeitnehmer. Arbeitgeber, wNche ihr Wahl- recht ausüben wollen, muffen sich in die vom 5. bis 18. Februar. von 3 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im Rathaus. Zimmer 43. ousliegende Liste eintragen lassen. Wer nicht in der Liste steht, geht seines Wahlrechts verloren. Für die Arbeitnehmer werden Listen nicht mehr aufgestellt; es genügt eine vom Arbeit- gebet oder von der Polizei ausgestellte Bescheinigung, daß der Arbeiter zurzeit im Bezirk beschäftigt ist oder wohnt. ES wird sich empfehlen, daß die Legitimationen rechtzeitig besorgt werden. Formulare sind- in der GerichtSschreiberei zu haben. Di« Wahl findet am 15. März statt. Die Gewerkschafts-Unterkommi-ssion Pankow-Nieder-Schötchausen.•' Spandau. Der Stadthaushaltsplan für 1913 schließt ob in Einnahme und Ausgabe in ordentlicher und außerordentlicher Perwaltüng mit insgesamt 14 078 140 M. gegen 13 548 140 M. im Borjahre und 12 474 840 M. im Jahre 1911. Auf die ordentliche Verwaltung ent- fallen 11050000 M.<10 520000 M. im Borjahre), aus die außer- ordentliche 8017140 M. Die Einnahmen belaufen sich auf g39S000 M.(gegen 7 483200 M. im Vorjahre), so daß sich der Finanzbedarf auf 3267 000 M.(gegen 2 950 800 M.) stellt. Die Steuersätze erfahren trotz des Anwachsens des Etats keine Erhöhung. ES sollen also weiter für 1913 erhoben werden: An diretten Steuern 150 Proz. Zuschlag zur Staatseinkoinmensteuer(veranschlagte Suinme: 1 237 006 M. gegen 1 191 325 M. im Vorjahre). 208 Proz. Zuschlag zur Grund- und Gebäudesteuer(951400 M. gegen 920 275 M. im Vorjahre). Betriebssteuer nebst 50 Pro,. Zuschlag zu derselben 12 00O M.(wie im Vorjahr). 240 Proz. Zuschlag zur Gewerbesteuer (414 000 M. gegen 360 000 M. im Vorjahr).— An indirekten Steuern sind veranschlagt: Die Biersteuer mir 82 000 M.(77 000 M.), die Hundesteuer mit 37 000 M.. die Lustbarkeilssteuer mit 20 000 M. (23 000 M.), die Umsatzsteuer mit 175 000 M.(wie iin Vorjahr), die Wertzuwachssteuer mit 100 000 M.(75 000 M.). Der Reichszuschuß zu den Gemeindelaften seitens der königlichen Fabriken rst mit 220 000 Di.(gegen 150 000 M. im Vorjahr) veranschlagt. NowaweH. Forderung einer Zahnklinik. In ei, rem vom hiesigen Lehrer- verein kürzlich veranstalteten Lichtbildervorträge über die.Tuberkulose als Volkskrankheit" wies der Vortragende, Herr Lehrer Lorentz-Berlin auch auf die große Bedeutung einer geregelten Zahnpflege in den Schulen in» Kampfe gegen die Tuberkulose hin. In der Diskussion sprach der Schularzt Dr. Hecht leine Uebereinstimmung mit dem Vor- tragenden bezüglich der sanitären Maßnahmen aus und bezeichnete es für wüiischensivert, daß auch die Gemeinde NowaweS rech» bald eine Zahnklinik für Schulkinder einrichten möchte. Da diese Forde- rung von unseren Genoffen im Gemeindeparlament bereits des öfteren erhoben worden ist, so steht zu hoffen, daß in den neuen Gemeindcetat die hierzu erforderlichen Mittel eingestellt werden. Die Umpflafteruug der Priesterstraße vor dem Rathause, die hauptsächlich deshalb ausgeführt wurde, un, das durch die vorüber» fahrenden Fuhrwerke verursachte störende Geräusch zu mildern, hat sich als wenig wirksam erwiesen. Nach wie vor macht sich die durch Fuhrwerke verursachte Erschütterung in den einzelnen Arbeitsräumen unangenehm bemerkbar, und bei Verhandlungen im Sitzungssaale versteht man oft kein Wort des dort Gesprochenen. Besser wäre eS schon gewesen, die Gemeinde hätte* den in Frage kommenden Straßenteil asphaltieren lassen; denn wesentlich billiger alS Asphalt ist das Pflaster aus Kupferschlackensteinen gewiß nicht. Sitzungstage von Stadt» und Gemeindevertretungen. Tcmpelbof. Heute Donnerstag, den 6. Februar, nachmittags 5'/, Uhr, tm Gemeindehause, Dorffiraße. Spandau. Heute Donnerstag, den 6. Februar, nachmittags 4»/, Uhr, im Rathaus. Tagesordnung u. a.: Beschlutzjassung über die Erhöbung der Zahl der Stadtverordneten. Festsetzung der Gewerbegerichtswahlen aus einen Sonntag. Fricdrichsfclde-Karlsborst. Freitag, den 7. Februar, abends v>/, Uhr, in Karlshorst, Schulgebäude, Augusta-Viltortastratze. Diese Sitzungen find össentlich. Jeder Gemciudeiugehörige ist de- rechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohucu. Gerichts- Zeitung* Wie Arbeitswillige arbeite«. Daß die RauSreiherdienste der„nützlichen* Elemente nicht immer anerkannt werden, lehrte eine Verhandlung am 3. Februar vor dern- TchSneberger-Gewerbegericht. Klagten da der Maurer- polier Lenz und ein Genosse gegen die Firma Karl Dörr, Groß- görfchenstraße, wegen 24,30 M. rückständigen Lohn) Lenz hatte sich aus Anlaß des Fliesenlegerstreiks gegen 90 Pf. Stundenlohn als „Leger" angeboten und, wie der Zeuge Vorpahl bekundet«,„nicht z» viel und nicht zu gute" Arbeit geleistet. Da der Bauherr die Rausreitzerarbeit nicht als gut anerkannte, wollte die Firma Dörr keinen Lohn zahlen. Der Einwand, daß der Zeuge Vorpahl sowie ern nicht cruffindbarer Zeuge die Arbeiten«IS„selbständige Meister" übernommen hätten, konnte die Firma rricht vor Schaden schützen, alldieweil die Gewerbegerichte immer noch den als Unter- nehmer ansehen, der ein Gewerbe angemeldet hat, die Arbeiter zur Krankenkasse anmeldet und die Jnvalidenmarken klebt. Der Maurerpolier Lenz hatte somit Glück; er bekam 24,30 M. und noch 8.40 M. für Fahrgeld usw. zum Termin zugesprochen. Respekt vor der Obrigkeit. Achtung vor. der Obrigkeit kann die Behörde dadurch erringen, daß sie nur solche Handlungen unternimmt, die Achtung abnötigen. Im alten Königreich Hannover war man aber der Ansicht, daß daS Behörden wohl mitunter zu schwer falle. Es wurde deshalb ein Gesetz am 25. Mai 1847 publiziert, das den Bürgern Respekt vor der Obrigkeit durch Strafen beibringen will. Nach diesem Gesetz soll mit Geldstrafe bestraft werden, wer sich„einer Behörde gegenüber ungebührlich benimmt". Dies Verbrechen sollte ein Rechtsanwalt St. durch eine Eingabe an die Eisenbahnbehorde begangen haben. Der Eisenbahnarbeiter G. in Göttingen war von dem Pack- meister A. beschuldigt worden, eine Handvoll Tabak aus einer der Eisenbahn zum Transport übergebenen Kiste entwendet zu haben. G.. der diese Beschuldigung für unzutreffend erklärt, strengte durch den Rechtsanwalt St. Privatklage gegen A. wegen Beleidigung an. Die Eisenbahnvcrwaltung verlangte sodann von G., daß er die Klage zurücknehme, andernfalls werde er sofort entlassen. Rechts- anwalt St. sah hierin etwas gesetzlich und moralisch Unzulässiges und schrieb der Eisenbah»rdirektton einen Brief, in welchem er seine Meinung deutlich auseinandersetzte. Die Eisent-olinbehörde stellte darauf Strafantrag gegen den Rechtsanwalt. Aber das Land- gericht Göttingen sprach ihn am 2. März 1912 ftei, da weder ver- suchte Nötigung einer Behörde zu einer Entlassung, noch Beleidi- gung eines Beamten vorliege und der§ 72 des hannoverschen Polizeistrafgesetzes vom 25. Mai 1847 nicht mehr als in Kraft stehend angesehen werden könne. Auf die Revision der Staats» anwaltschaft hob jedoch am 28. Juni 1912 das Reichsgericht das Urteil auf. da letztere Ansicht nicht zutreffend sei. DaS Landgericht GSttmgen hat nun notgedrungen am 28. August 1912 den Rechtsanwalt nach diesem alten vergilbten Gesetze zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte legte dagegen Revision ein., DaS Reichsgericht verwarf jedoch am Dienstag dre Remston. Danach ist es also nicht rechtsirrtümlich, in einer scharfen, nicht beleidigenden Kritik deS Nötigungsversuchs erner hannoverschen Behörde eine„Ungebühr" zu erblicken. Die Bater des Gesetzes von 1347 sind recht fürsorgliche Herren gewesen. Gegen Unrecht sich zu empören, ist Menschenrecht, den Empörer wegen de4 AuS. drucks seinex Gesinnung bestrafen, hannoversche SpezialPflicht der Gerichte.__ Lese- uud Dikkutlerttub.Paul Stuger«. Sitzung jeden 1. und z, Freitag tm Monat, abend« Uhr. im Lokale von Karl Deck. Samartterltratze 17. Röchst« Sitzung: Freitag, den 7. Februar, Vortrag. Gäste willkommen.._. «rbetter.Wauderbrind„Die Naturfreunde». Sitz Berlm.«ander- sahrten am Sonntag, den S. Februar! I. Fürstenwalde— verkenbrück, Abfahrt Schief. Bahnhof 6,47 Uhr vorm. n. Friedrichshagen-Erkner, Absohrt Schlei- Bahnhoj 7,03 Uhr vorm. HI Spaiidau-HeMitgSdors. Abfahrt Lehrter Bahnhof 8.09 Uhr vorm. IV. Motivtour der Photo-Abt. nach Dablewitz. Abfahrt Potsdamer Bahnhof 8,37 Uhr vorm. V. Kautz. darf— Sab-wa. Abfahtt Schlef. Bahnhof- 2.19 Uhr nachmittag». Gast« willkommen.»__ «tnderschutzr-mmissto« von Teltow-Beeskow. Frertag. den 7. Februar, abends 8'/. Uhr, bei Borgmann, AndrcaSstr. S1! Sitzung der KonttolleuttMicn. Zahlreiche» und pünktliches Erscheinen erwartet Die Leuerm. Brlefbaften der Redahtfon. SU tvrllttsche s»rr«ftu«ve stodct LtudenftraS-es, vor««er ZnPP» — B o 6 t fi u I) l—, woaevtäglich von 4 V) dt» Uhr abend», e-nnahend», vou tih bt» S Uhr abend» statt. Jeder für dru Briefkasten bestimmten Antrage ist ein Buchstade und eine zahl als Wertjetche» bctjuskgen. Brieflich» Äutwort wird nicht erteUe Aufragen, denen teine AdonnementSantttnng betgeflis» ist, verde» nicht deantwortet. Eilige Frage» trage man t» der Sprechstunde vor. E. R. Ä-t. Wir halten Sie dazu nicht für verpflichtet- Eine Beschwerde beim Kultusminister in einem anderen Falle ist jedoch zurückgewiesen; wir raten daher zur Zahlung.— Z. 7005. Die Mutter ist nicht verpflichtet, den Namen zu nennen. Eine Bestrafung taim im Weigerungsfall« nicht eintreten. Allerdings ist alsdann die Mutter Ibrem unehelichen Kinde gegenüber zum Unierhalt verpflichtet.— O. I.®. 1. Ja. wenn Ihre srrau einen berechtigten Grund zum Getrenntleben bat; andernfalls«ein. 3. Eine Scheidungsklage ist nicht möglich. Sie müstten Ihr« Frau zur Rückkehr auffordern und könnten im Weigerungsfalle nach beim Amt»« gericht Berlin-Mitte vorausgegangenem Suhneversahren die Klage auf Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft erheben,—.L. D. Z. Rein. — A. P. S. Zur fosortigen Auflösung de» MietSverlrage« Kalten wir Sie zurzeit noch nicht für berechtigt. Machen Sie der Polizei Mitteilung und ersuchen Sie dieselbe um Untersuchung der Wobnutig, Wird erhebliche GefundheitSgesährdung festgestellt, so können Sie fosort ausziehen,— A. G. 5. 1. Ihre Frau kann nicht veranlagt werden, wohl aber Sienach dem Gesamteinkommen der Ehegatten, L. Vom t. 10. 12, ab find Sie steuerpflichtig, sofern Sie bereits im September Arbeit erhalten haben.—- O. H. Ja. Der frühere Zustand mutz aber hergestellt werden,—• I M. 3. 1. und 2 Die Bewilligung der Invalide', rente ist von ärzt« Iichem Gutachten abhängig. Die Krankenrent« wird vom Beginn der 27. Krankheilswoche an gezahlt, 3, Etwa 22.50 M.— M. M. SB. Nein. I. Sch. 27. 1. bis 3,' Sie können fich eine Abschrift des Termins« Protokolls erteilen lassen. Der Antrag ist an das Prozetzgericht— Berlin — zu richten.— Streitfrage 101. 1. und 2. In 6 Jahren.— — Boltastr. 42. 1. In der Regel ja. 2. Sofern es sich um notwendige Wäsche und KleidnngSstücke handelt, nein.— Antonftr. lv. t. und 2. Ja, — D. 31. Der Wirt kann nach Ihrer Darstellung Ansprüche an Sie nicht stelle», 2, Klage JhrerfeitS erscheint mit Rücksicht auf die Zweifel- hasligkeit der Sachlage und aus die Kürze der MietSdauer nicht empfehlenswert,— Dtfstdeut. Die Auflassung steht im Widerspruch mit der Rechtsprechung des Kammergerichis und des OberverwältungS- gerichtS. Da diese Gerichte in Streitfällen in der Regel die letzte Instanz darstellen, können wir nicht raten, so, wie cm- gedeutet, zu verfahren,— P. H. 3. Ja, und zwar 50 Pfennig. — P. S. 36. Wir halten Sie bis einfchliehlich September an den MietS- vertrag gebunden, wenn nicht der Hauswirt ausdrücklich feine Zustimmung zu der Auslösung deS MietsvertrageS zum 1. April erklärt hat,— T. 3S. Leider nicht.— W. G. 64. Die Rechte auS den früheren Karten sind er- loschen, Ihre Anrechte leben wieder aus, wenn mindesten» 200 Beitrags» Wochen aus Grund verfichcrungSpfltchtiger Beschäftigung geleistet sind.— A. L. 1884. 1. Sie erhalten Ihre Anrechte aus Rentenbezug bez«. die Möglichkeit der Heilbehandlung ausrecht. Die Weiterverflcherung ist also empschlenswert 2, Nein,— E. G. Sö- 100. 1. und 2. Die Kasse ist im Recht,— GryphtuS. Nein,— P. 1300. 1, Die Dame ist nicht krankenversicherungSpsltchttg. 2, Der Zahnarzt ist verpflichtet, bi» zur Dauer von 6 Wochen für Kur- und Beipflegungskosten auszukommen, fall» die Dame in die häusliche Gemeinschaft ausgenommen ist. 3. Fall» Monat»- gebalt gezahlt wird, bis zum 15. eine» iedm Monats mit Wirkung zum Ersten de» darauffolgenden Monats,— A. B. IS. New. — H. S. 21. 2 M.— H. B. 1880. 1. Verjährung liegt nicht vor, da noch leine drei Jahre vom Ende des ersten Eteuerjahre« ab gerechnet ver- strichen find. 2. Sofern Sie erst im Laufe de» Oktober zugezogen find, ist die Veranlagung für Oktober unbegründet. Sie können insowest reklainleren. 3. Der 28,85 M. wöchentlich übersteigende Betrag.— R. P. M. 1. Sie können noch Vorlegung der vom Eigentümer unterschriebenen Zession ver- langen. Liegt eine solche vor, so ist sie Ihnen gegenüber rechtswirksam. 2. Das ist nicht notwendig. 3. Ja. 4 Der klagende Gläubiger lönute mit einer Klage aus Anfechtung der Zeffion vielleicht durchd'wgen. Jedoch interessiert die» die Mieter so lange nicht, al» nicht der klagende Gläubiger beim Gericht. eine einstweilige Verfügung dahin erwirkt hat, datz die Miete an den Zessionar zunächst nicht zu zahlen, sondern zu hinterlegen ist. Eine stiasbare Handlung lann je nach den Umständen de» Falles vorliegen, möglicherweise Betrug oder Pfandentziehung.— Karl M. 90. New. — A. W. 19. 1. Der Antrag kann auch zunächst ohne Beifügung de« Attestes gestellt werden. Da« Attest wird aber voraussichtlich nachgefordert werden. 2. Am zweckmätztgsten ja. 3. Bei dem hiesigen Vormundschasts- gericht. 4. Die Eingabe tönne» Sie selber machen oder zu Protokoll de« Gerichtsschreibers erklären. Bestimmte Form ist nicht vorgeschrieben. 5. Reichen Sie ew StundungSgesuch ew. Anspruch aus Erlatz besteht erst dann, wenn deS steuerpflichtigen EwkommenS verloren gegangen ilt.— E. S. 26. 1. 50 Pf, i. Handelt e« fich lediglich um Ladenmtete. 3 M. für da« Kalenderjahr.— F.«9. 2. New, sofern die Stellung ordnungj« mähig aufgekündigt war. Die Klage ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Dtenstaeber sewen Wohnsitz bat, zu erheben.— H. S9. 1. und 2. Unier Ueberreichung deS Schuldtitels Antrag an das Amts- gericht. in dessen Bezirk der Schuldner feinen Wohnsitz hat. 3. Vormund- schastSbestellung sowie Armutszeugnis, Fall» Sie ew letzteres nicht haben, müssen Sie es beim VormundschafiSgericht beantragen,— Z. Z. 109. Eine Klage hat keine Aussicht auf Erfolg.— M.®. 70. 1. und 2. Ja. — H. R. 24. Unbrauchbar. Geben Sie endlich Ihre Adresse äni— R. S. 6. In beiden Fällen erhalten Sie Auskunft beim Verband der Maschinisten und Hetzer, Bureau Gormamistr. 13.— G. P. 54. Arbeiter- Schwimmerbund Berlin-Tegel, Schlleperstr. 30.— Ar. 18. Wenden Sie Kan den Verband der Schneider, Sebaftianstr. 37—33, Ouergeb. II.— Sch. 44. Derartiges Mittel ist un« nicht belannt.— 98. 9. 0« Nein aber dessen Vater._ WasserftaudS-Rackirichten d« LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Thor« Oder, Rattbor , Kroffen , Franltutt Warthe. Schrtmm LandSberg Netze, Vordamm Elbe. Leitmeritz . Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandaufl , Rathenow>) Spree, Svremberg') , BeeSkow V e I e r, Münden , Minden Rhein. MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Hetldrmw Main. Hanau Mosel, Trier am 4. 2. cm 238 86 84 100 96 425 500 492 337 537 235 277 «10 feit 3.2. cm') +44 +1 +» +10 4-2 +24 +56 n* iH «)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel.—*) MSstand - fl eiSsrei.-») Eisgang. Aller und Letne haben mittelgroßes Ho chwafser. 3PlVäjn.om.es\ leistet b I*. i ii m Siedepunkt erwärmter (nicht«•> fcosmw» Santa Lucia Jtfirknnsj-Rotmeln°�- ____________ OertelbslstvdnhBreHi _____ �_________ iicheni|alle»übertreffend.Wohlo*«chmaok( gibt krältinesWSpmegelflhl u. wirkt Sunneretanrngend bei Epkftltun0« Heiserkeit. Ketsrrh und Blutarmut. Man trinke Ihn ohne Oewür»' und ohne Zucker. Käuflich In Apotheken. Drogen und Do|i''a***Jr jeMhlften. Nachihmungen bitte xurflck«iM«lian< FiMOho leSO iim I Todes-Anzeigen SonaldemokratisEheFWahlyerelD LliBeri. Relehstagsvaltreis. Qlrlltzer Viertel. Bez. 207 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Josef Rehse Reichen berger(SttafjC 100, ge. ftorben ist. S10/1S Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den S. Februar, nach- mittag» S'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zcntrai-FriedhoseS w FriedrichSselbe au» statt. Um rege Beteiligung ersucht lder Äoritand. Blüjäldeiiilid'atiNlieFVMeFeiii Iii 8eri Relehstagsvabikreis. KSpenloker Viertel. Bezirk 178. Den Mitgliedern zur Nachricht, bah unsere Genossin Frau Martha Sehenseh Wrangelstr. 29, gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am den 7. Februar, nachm. Uhr, von der Leichenhalle de» Zenlral-Friedhos» in Friedrichsseide au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 210/18 Ter------- SozlaidemoMeherVaUvereio Ld-lBerLReletistags-Vaiilkreis. Am Dienstag, den s. Februar, verstarb unser Genosse Hermmin Horn Reinickendorser Str. S», Bez. 781. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 7. Februar, nachmittag« S'/, Uhr. von der Leschendalle de» Nazareth-Friedhose» in Sleinicken- dors, ikögclftrage. au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 22S/1 Vvi» Vornterntt. Zoz!aIl!mllRFat.Val!l?ei'elii l.den i Berliner Heichstags-Walilkreis. Petereburger Viertel. Bez. 866 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, das, unser Genosse, der Tischler Paul pocker (Mirbach str. 73) gestorben ist. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Februar, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- hall« de« Fried dsse» I» Friedrichs- «n au» stalt. reg« Beteiligung ersucht Ter Vorstand. SoziaideniokratisetierVaiitTerelD l d. B. BerL Reiebslagsvaiilkreis Am Sonntag, den 2. Februar, verstarb unser Genosse, der Gast- Wirt Otto Barnitzke Stargarder Str. 49, Bez. 644b. Ehre seinem Andeuten l Di« Beerdigung findet am Freitag, den 7. Februar, nach- mittag» 4'/, Uhr, von der Halle derGethsemane-Eemewde, Nieder- SchSnhausen-Nordend au» statt. Um rege Betelligung ersucht Ter Borstaud. DentseberNetaljarlieiter-yerbaDd Verwaltungeitelle Berlin. Den Sellegen zur Nachricht. dak unser Mitglied, der Bau- anschläger »ill, Kosinsky gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 6. Februar, nach- mittag» S'i, Uhr, von der Leichen- Halle des Steglitzer Friedhofes. Bergstraße, au« statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schmied Brost Sebuek Retntckendors- Ost, Hansastr. 12, am 3. d.M. an Lungenentzündung. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 6. Februar, nach. mittag» 2'/, Uhr. von der Leichen- halle de» Neuen Reinickendorfer Gcm-wde.Friedhofe», Humboldt, straße, auf statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Betelligung erwartet 112/5 01» Ortsverweltung. Danksagung. Für die rege Tellnahme beim Tode unsere» lieben Bater» sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir allen daran Betelligten uuseren ausrichtigste» Dank. 2327b �VUII u. Frau» Grabownkl. Allgemeine Kranken- n. Sterbe- kaue der deotactaen Drechsler und deren Beroitgenogsen -(ik. H. 88, Hamburg).= Verwaltungsstelle Berlin B. Am 1. Februar verstarb uns« Mitglied R/4 Bogen Sebhbel. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachm. 2'/, Uhr, von der Halle des Neuköllner Friedhofs, Mariendorf« Weg, au» statt. Alle« Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein iicb« Mann, unser guter Vater, der Schristsetzer Karl Fitze am 4. Februar gestorben ist. Ole trauernde Witwe Berta Fibe und Kinder. ll Die Beerdigung findet am Freilag, den 7. Februar, nachm. ä'L Uhr, aus dem städtischen Friedhose in Friedrichsseide statt. Verband der Sübneider n Srhneidertnnen. Filiale Berlin I. Unseren Mitgliedern hiermit zur NachAcht, daß die Kollegin Marths Scheusch am 3. b. Ml», im HU« von 65 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Be«digung findet am Frettag, den 7. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle de» Zentralsriedh ose» in Friedrich»- selbe auf statt. 162/13 Die Orteverwalbing. Arbeller- Radlahrer-Bnnd „Solidarität", Ortsgruppe Berlin. In Erfüllung der traurigen Pflicht geben wir hierdurch allen Mitgliedern bekannt, daß unsere BundeSgenosfin Frau Änna Krüger TU. Abt. am Montag verstorben Ist. Ehr« ihrem«udenkeu! Di« Be«digung findet am Freitag, den 7. Februar, nach- mittags 2>/�UHr, von der Leichen. Halle deS Nazarethkirchhofe» in Reinickendors. Kögelstr., au» statt. Um rege Beteiligung bittet M���e��ent�worstand. Danksagung. Für die herzliche Zeilnamne und Kranzspenden bei d« Beerdigung meine« lieben Manne» Karl Till sage ich hiermit allen Anaehirigen, Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen vom Zentralmagazin der städtischen Gaswerke, dem Verband d« Gemeinde» und StaatSarbeiter, dem Vergnügungsverein.Berolina' und den Stammgästen de» Reslau- rant» Kirchberg meinen herzlichen Dank. 2033b _«lsbeth Till. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlich« Teilnahme bei d« Beerdigung meine« lieben Sohne» und unsere» guten Bruders Viilll Franke lagen wir all«, Betelligten, in». besondere der Dtreltion und den Kollegen der Berliner Kindibrauerei, den Kollegen d« Brauerei Hapooldt, dem Sparverei».Sorgenlos' und .Grüne Eich«' und dem Verband der Brauerei- und Mühlenarbeit« unseren innigsten Dank. Witwe Annes Franke »ebst Kinder». Danksagmiy. die zahlreiche Beteiligung und reichen ikranzspeiizen bei der ve- «rdigung meines lieben Manne«, unsere» guten Vater» WUlieslin Ontscbraldl Hen. sage» wir allen Betelligten, insbesondere den Laubenkolonifte» von Alt-, Reu- und Nord-Lichtenberg und dem Lotterie- verein.Letzter Heller" unseren herz- iichften Dank. 23321 Luise Gntschrnldt nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Tellnahme bei d« Beerdigung meine« guten Manne» Karl Marpann sage ich allen Verwandt« und ve» kannten, sowie de« Kollegen meine» Dank. Im Ramm d« kauernden Hinter. blieb enen. Vitve Luis Rupptner Str.'44. Stoffe für elegant« MaSanzDge, Ulster, Paletot« litr. 4—, 8-, i— M. etc. Damen- KostUmstoffe, Damentuche „Neuheiton" Mtr. 2.—, 8.—, 4— M. etc. Loden 1 Pelerinen Mtl. 1,80, 2,50 M. etc. Schneidermeleter, welche unsere StoSe tadellos u.»chiok verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebet Zutaten eirka 25,-, 80,- M. et».• Tuehlager Koch ck Sseland B. m. b. M. GertraniltBnstr. 20/21 Petrlklrohe. 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