Ar. 83. BbeBMaatsHMbunttt: KSonnmai»•»übmwamki: SJO Ml. Bunafl. UOBtt, wSchenlüih 28 Pf«, frei-»« Hau». Smjeine Stummer« Pfg. KmuuogK- nummer mit illustrierter KonntogS- Beilage.Die Reue Well' 10 Pfa. Pofi- Wonnement: l.10 Mark pra. Monat. Eingetragen iu die Poft-Zeituna»- BretSliste. Unter Kreuzband für Dcutichlcmd und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für dag übrige glugland S Mark pro Monat. Postadonnementg hmeu am Belgien. DSnemark, emburg. Portugal, ; und die Schweis. 30. Ztchrg. vi»«« agil»»La Verlinev VolKsblstk. Ble Irfffflons-GfbJHr detrügt für die fechggest>Mene kolonel- »elle oder deren Raum so Pfg. für jjolitische und aewerlfchaflliche SetcinS. und 35 ctfnmnuungg.Sliy eigen SO Pfg. ■Klein« Mnzeigen". da» fettgednulie IBott 30 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte iL orte>. jedes weitere Wort 10 Pfg. Gtelleiraesuche und kchlafstellenan- eigen da» �~- »eigen .. erste Wort 10 Psg. Jede» weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei«Sorte. Inserate für die nächste Rümmer müssen big 6 Uhr nachmittag» in der Erpedltion obgcgeben werden. Die Erpedition ist hi» 7 Uhr abend» geöffnet, relegramm-«dreffo Lellw". Zcntmlorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfcblaiids. Redaktion: 85Q. 68, Llndcnetraaoc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. 1386. Sonnabend, den 8. Februar 1913, Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. 1384. RöUungsvcrfiandigung und AettiMen! Es ist noch in aller Erinnerung, daß seinerzeit England Dutschland den Vorschlag gemacht hatte, sich mit ihm über di. Mariner üstungen zu verständigen. Während die Sozial- deiokratie diesen Vorschlag, ohne seine Bedeutung irgendwie zu überschätzen, entschieden befürwortete, war es der Reichs- kazler von B e t h m a n n H 0 l l w e g. der sich in einer langen Rede geradezu lustig machte über die naiven Opti- rillten, die sich einbildeten, daß zwischen den im Marinerüsten nteinander wetteifernden Mächten eine Verständigung zu e sielen sei.� Die ganze Weishdit des deutschen Reichskanzlers bsiand schließlich in dem Sprüchlein: Wer nicht mehr mit- knme, wessen finanzieller Atem zu kurz sei, der müsse eben h sinnlosen Wettrüsten auf der Strecke bleiben! Inzwischen hat sich in Deutschland eine Wandlung vozogen. Der Staatssekretär von T i r p i tz hat in der Bigetkommission Erklärungen abgegeben, die sich nicht un- wentlich von dem Standpunkt des Herrn von Bethmann Howeg unterscheiden. Offiziös wird darübet berichtet: Die Budgetkoinmission des Reichstags setzt« heute die Be- ltung des Marineetats fort. Dabei gab der Saatssekretär deS ltswärtigen Amts, v. Jagow, über die auswärige Lage Er- trungen ab und betonte, daß die Beziehungen zu den Mächten, imentlich auch zu England gute seien, eine Erklärung, die mit : friedigung ausgenommen wurde', und die gestrigen AuS- fhrungen deS Staatssekretärs des Reichsmarineamts bestätigte. Der Staatssekretär deS Reichsmarineamts, Großadmiral /»Lirpitz, ging auf die Ausführungen deS englischen Marine- Äisters vom März vorigen JahreS näher ein, daß ein B e r» 'iltnis von 13:16 zwischen der de ut scheu und 'er englischen Sch,I achtflotte für die nächsten ahre akzeptabel sei und vertrat seinerseits den Stand- unkt, daß auch er als Le.iter seine» Ressorts hier- legen keinerlei Bedenken haben würde. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts ist also nun- ihr der Auffassung, daß tatsächlich eine Verständigung zischen England und Deutschland über die marinistischen Zstungen möglich und empfehlenswert ist. Allerdings muß tr bemerkt werden, daß die Verständigung, von der Herr n Tirpitz sprach, keineswegs einen S t i I l st a n d auch r der marinistischen Rüstungsschraube bedeutet. 'nn das Verhältnis von 10: 16 würde ja auch dann noch thanden sein, wenn England und Deutschland ihre Flotten- lken verdoppelt hätten! Handelt es sich doch nur um i Proportionalverhältnis, aber keinewegs um die Fest- lung einer bestimmten Rüstungsstärke. Aber selbst wenn t annehmen wollten, daß das von Herrn von Tirpitz als n g l i ch hingestellte, aber noch keineswegs verein- br t e Uebereinkommen die Feststellung des Status stuo idem Sinne bedeuten sollte, daß ein Hinausgehen über die jyeit erreichten Flottcnstärken beider Länder nicht beab- figt sei, so würde das noch keineswegs ausschließen, daß n auf technischem Gebiete ein Wettrüsten entstände, i in bezug auf Stärke und Qualität der Panzerungen, 6ße des Aalibers und Durchschlagskraft der Geschosse jener bttlauf fortgesetzt werden würde, der den weit- 'rnden Nationen Teutschland und England bis jetzt so viel Liarden gekostet hat! Aber wenn das auch nicht der Fall te. so müßte doch konstatiert werden, daß zurzeit ein Zu- ch bei uns in Deutschland erreicht ist, der es als ganz s geschlossen erscheinen läßt, daß sich infolge einer hen Verständigung zwischen England und Deutschland die 1 rund eine halbe Milliarde sich belaufenden Marineaus- en vermindern würden I Denn allein die Ersatz- ,1 t e n werden schon in ein paar Jahren den r e i n a n t 0- .tischen jährlichen Neubau von drei ülachtschiffen bedingen, dazu den Ersatzbau zahl- ver kleinerer Kampfschiffe! Nichtsdestoweniger sei hier betont, daß die Sozialdemo- ke diesem ersten und noch dazu so unzureichenden Versuch, e Verständigung zwischen Deutschland und England her- biführen, keineswegs abweisend gegenübersteht. Ja, wir b chten es wohl mit Recht auch als einen Erfolg des r sichtslosen proletarischen Drängens, diich endlich auch die herrschenden Klassen in England und Tschland wenigstens zu einem ersten tastenden Versuch des Elgcnkommens und der Verständigung genötigt sehen! luf der anderen Seite freilich kann uns nichts ferner Iii, als diesen ersten, unter dem Druck schwerer ptischer und.ökonomischer Notwendig- f ee n zustande gekommenen Verständigungsversuch be- sois herauszustreichen. Die Dinge liegen doch speziell für Dchland so, daß in dem Augenblick, wo von der deutschen Reung unter Zustimmung aller bürgerlichen Parteien Mi Rüstungen für den Land- und für den Luft- mn-ismus gefordert werden, die sich aus annähernd IbMillionen Mark jährlich belaufen wei, natürlich keine Mittel vorbanden sind, um auch für dttasiermilitarismus weitere Kredite zu fordern. Schon die aheliegendste finanzpolitische und militärpolitische L en 0 m i e bedingt es. daß nicht zu gleicher Zeit a l militaristischen Forderungen bewilligt werden können, di« unsere Weltpolitiker erstreben. Schon deshalb liegt es für die Regierung sehr nahe, im Interesse des Ausbaus des Land- und LuftmilitariSmuS die Forderungen unserer Panzerplattenpatrwten zu vertagen. Ob und wann auch unser Wassermilstarismus wieder einmal den Zeitpunkt ge- kommen glaubt, um besonders exorbitante Forderungen zu erheben und über alle derzeitigen Verständigungen hinaus seine Ansprüche geltend zu machen, ist eine Frage der Zukunft. Allerdings auch ein« Frage, die ganz wesentlich von der Stimmung der Nation selbst abhängt! Die Sozialdemokratie wird in einer solckjen Situation natürlich erst recht ihren sicherlich dann nicht i leichter in die Wagschale fallenden Einfluß aufbieten, um einen Rückfall in das öde maßlose Wettrüsten um jeden Preis ! zu verhüten! Außer der Nachricht über das in den Bereich der Mög- lichkeit gerückte Abkommen über die Marinepolitik sind auch Nachrichten verbreitet, die ein Entgegenkommen Englands . gegenüber den deutschen kolonialpolitischen iPlänen in Zentralafrika in Aussicht stellen. Ins- besondere habe England nichts dagegen, wenn Deutschland in Zentralafrika seine.Interessen" wahrzunehmen und zum mindesten eine Verkehrsverbindung zwischen seinem West- und ostafrikanischen Kolonialbesitz herzustellen suche. Diese Mel- dung würde nichts anderes besagen, als daß dem deutschen Volke wahrscheinlich neue erhebliche Ausgaben für seine afrikanischen Kolonien und neue afrika- nische Spekulationseisenbahnbauten bevor- ständen, daß also unsere Kolonialpolitik erneut erhebliche Forderungen an die Steuerzahler stellen würde, deren Wirt- schaftliche Borteile für die Volksgesamtheit mehr als zweifelhaft wäre! Das Fazit der ganzen diplomatischen Verlautbarungen wäre also kurz in folgende Sätze zusammenzufassen: Eine vorläufige Erhöhung der Marine lasten ist nicht beab- sichtigt. Es soll fürs erste bei der runden halben Milli» a r d e jährlicher Ausgaben verbleiben. Dagegen soll der Ausbau deS Land- und Luft Militarismus in um so be- schleunigterem Tempo betrieben werden. Die Kosten dafür werden sich bei der dem Reichstag demnächst zugehenden Vor- läge auf 126 bis 156 Millionen Mark jährlich belaufen. Außerdem ist es wahrscheinlich, daß auch in nicht zu ferner Zeit die Kolonialpolitik erhöhte Ansprüche an den Reichssäckel stellen wird. Wie diese kolossalen militärischen Neuforderungen ge- deckt werden sollen, steht noch dahin. Aber selbst in dem aller- günstigsten Falle, daß die besitzlose Klasse vor neuen Be- lastungen bewahrt bliebe, brächte es die Defizitwirtschast unseres Reichsetats mit Naturnotwendigkeit mit sich, daß bei einem Nachlassen der wirtschaftlichen Konjunktur entweder die alte uferlose Pumpwirtschaft von neuem mit Hochdruck aufgenommen wird, oder aber daß neue Ader- läss« an der nichtbesitzenden Klasse durch neue in- direkte Steuern unausbleiblich sind! » Einzelheiten über die»ene Milstärvorlage. Die.Tägl. Rundschau" hat erfahren, daß die.Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht nach den Vorschlägen dei GeneralstabS in der Form erfolgen soll, daß eine jährliche Mchreinstellung von IS vllv bis S0 333 Mann in das stehende Heer festgesetzt wird. Das ist nach genauen statistischen Berechnungen die Zahl derjenigen Tauglichen, die derzeit nicht zur Einstellung gelangen. Diese Ver. mehrung des stehenden Heeres an Mannschaften soll dazu verwendet werden, die noch fehlenden dritteu Bataillone bei 18 Regimentern aufzustellen. Ferner ist beabsichtigt, den niederen MannschaftSetat der 73 Bataillone des HeereS, der ohne Unteroffiziere nur 432 Mann beträgt, vollständig fallen zu lassen und alle Bataillone deS deutschen HeereS auf den hohen und mittleren Etat zu bringen. Endlich wird die Erhöhung der Srtilleriebespannung gefordert, wo- durch ebenfalls eine Mehreinstellung von Mannschaft notwendig ist. Dagegen wird vorerst von der von sachverständiger Leite schon lange gewünschten Umorganisierung der Feldartillerie in die Vier» Geschütz-Batterie Abstand genommen werden, da sich der gegen- wärtige Zeitpunkt für eine organisatorische Aenderung in dieser Beziehung nicht eigen«. Die neue Militäworlage wird weiter die Stäbe der Kavallerie-Divisionen schon für die FriedenSzeit fordern, und die Aufstellung von Radfahrtruppen bei jeder Kavallerie- Division. Im unmittelbaren Zusammenhange mit der neuen Militär- Vorlage steht die Absicht der Militärverwaltung, die Grundsätze für die Einstellung Militärpflichtiger zu ändern, die im ß 28 der Wehrordnung vom Jahre 1888 vorgesehen sind. Man denkt daran, bei der Musterung sämtliche für den Kriegsdienst taugliche Leute für„tauglich" zu erklären, indem die unbedingt Tauglichen als „tauglich 1", die minder Tauglichen als„tauglich 2" bezeichnet werden. Es wären dann bei der Einstellung zuerst sämtliche Leute mit dem Prädikat 1 der Armee zuzuführen, und bei Bedarf die ältesten von„tauglich 2" heranzuziehen, bis zur Vervvllständi- gung des Bedarfs. Die bisherige Handhabung der Aushebung habe die bedenkliche Folge, daß durchaus taugliche Leute in die Er- satzreserve abgeschoben' wurden...... Außer den vorerwähnten Forderungen dürfte die neue Militärvorlag« noch eine Reihe kleine. rer Wünsche der Armee enthalten, deren Umfang im gegenwärtigen Augenblick noch nicht festzustehen scheint. Die von vielen Seiten geforderte militärische Ausbildung der Ersatzreserve wird nicht verlangt, da das Gutachten des GeneralstabS ein ablehnendes ist." Die„Tägl. Rundschau", der die Verantwortung für diese Mit- teilung überlassen werden mutz, versichert noch, daß die neue Mili- tärvorlage erheblich mehr Ausgaben verursachen wird, als die beiden letzten Vorlagen von den Jahren 1910 und 1212 z u- s a m m e n. Für die Deckung käme außer der vom Reichsschatzamt ausgearbeiteten Vermögenszuwachssteuer die Erbanfallsteuer und eine Wckhrstcuer in Frage. ver turkisch-bulgarische Ilirjegsschauplal?. Die Entscheidung des zweiten Aktes der Kriegstragödie liegt in politischer wie in militärischer Hinsicht in Thrazien. Hier haben Bulgaren und Serben den Angriff auf A d r i a- nopel wieder energisch aufgenommen und suchen zunächst durch eine rücksichtslose Beschießung von Forts und Stadt einen etwa noch notwendigen Sturmangriff auf die Haupt- punkte der Befcstigungslinie vorzubereiten. An der-Tscha- taldscha- Linie ist es bisher nur zu Vorpostengefechten gekommen. Ein Offensivvorstoß der Bulgaren gegen die jetzt gut befestigte und verteidigte Linie wäre mit einem zu großen Die milifarlsche Lage auf dem ösHichen Balkan-Kriegsschaupfafe Risiko verknüpft. Andererseits sind die Türken aber doch nicht so stark, um ihrerseits zum Angriff vorzugehen oder gar einen Vorstoß zum Entsatz Adrianopels zu wagen. Dafür scheint die jungtürkische Heeresleitung aber etwas anderes zu Planen. Sie muß. schon aus politischen Gründen, wenigstens den Versuch einer Offensive machen. Daher ist E n v e r Bei mit der Armee, die bisher bei Ismail an der kleiw asiatischen Küste in Reserve stand, bei Rodosto gelandet, um von hier aus den Bulgaren an der Tschataldscha-Linie in die rechte Flanke zu kommen. Die Stärke der Enver Bei zur Verfügung stehenden Truppen betragt 20000, nach anderer Lesart 80000 Mann. Die Bulgaren sollen Gegenmaßregeln getroffen und ihr Hauptauartier um 50 Kilometer von Tschataldscha zurück nach TscherkaSkoj verlegt haben. Auf der Halbinsel G a l l i p o l i. mit deren Besitz auch die Beherrschung der Dardanellen verbunden ist, stehen 45000 Türken unter dem Befehle Fachni Paschas. Sie haben die Aufgabe, die Dardanellcnforts und die Werke von Bulair zu schützen. Ein Teil der bulgarischen Armee, seine Stärke wird auf 40 000 Mann beziffert, war nördlich von Bulair konzentriert worden. Am Dienstag sind die türkischen Truppen, die nörd- lich Bulair standen, von den Bulgaren hinter die Befestigung� linie zurückgeworfen worden. Weitere Kämpfe um den Besitz dieses Schutzwallcs der Halbinsel, die dann kaum noch zu halten wäre, sind zn erwarten. Diese Bedrohung der Dar- danellen, die, wenn sie erfolgreich ist, die Meerenge, das Marmarameer und damit Konstantinopel der griechischen Flotte ausliefern würde, ist in politischer Hinsicht noch bedeutungs- voller wie das Schicksal Adrianopels. Das türkische Umgehungsmanöver. Nonstantinoprl, 6. Februar. Die Bulgaren haben sich auf die Linie von Tscherkesköj zurückgezogen. Man glaubt, daß dieser Rückzug den Zweck Hot. der durch die ge- plante Landung türkischerTr Uppen in Rodosto beabsichtigten Flankenumgehung zu entgehen. Uebcrall Kämpf. Sofia, 7. Februar. An dem gemeldeten Kampfe südlich des Kawakflusses nahm auch die t ü r k i s ch e Flotte teil. Fhr Feuer fügte aber den bulgarischen Truppen keine Verluste zu. Bei T s ch a t a l d s ch a gingen mehrere türkische Infanteriebataillonc, von der Artillerie der Forts unterstützt, gegen das Torf I z z c d i n vor und versuchten auf das rechte Ufer der Kara-Su zu gelangen. Sie wurden von den bul- garischen Vorposten zurückgeworfen und kehrten mit empfind- liehen Verlusten in ihre Stellungen zurück.— Die B e s ch i e> ßung Adrian opels dauert fort. Adrianopel und Skutari. Sofia, 7. Februar. Amtlichen Nachrichten zufolge ist die fortdauernde Beschießung AdrianopelZ erfolg- reich. Die englische Sanitätsmissio» und die Mission der jüdischen Humanitären Organisationen sind angewiesen worden, sich angesichts der in wenigen Togen zu er- wortenden Kapitulation Adrianopels zur Abreise dahin bereit zu halten. •*' Vor Tschataldscha sind bisher nur unbedeutende Dorpostengefechte vorgekommen, welche resultatlos verlaufen M'd. „Mir" meldet, daß der Kommandant von Skutari Essad Pascha getötet sei und sein Nachfolger seit gestern mit den Belagerern über die Uebergabe Skutaris ver» handle, tvclche stündlich zu erwarte n sei. Serbische Hilfe. Konstantinopel, 7. Februar. Aus den Dardanellen ein- treffende Reisende erzählen, daß griechische Trans- portdampfer den Versuch machten, serbische Trup- Pen an der G a l l i p o l i gegenüberliegenden K ü st e zu landen. Die Truppen seien in Saloniki eingeschifft wor- den mit der Angabe, daß sie für Durazzo bestimmt seien. Aus Gallipoli sind gestern zahlreiche muselmanischeFlücht- l i n g e an Bord des Lloyddampfcrs„Bukowina" hier ein- getroffen. An der Küste des MarmarameereS. .Konstantinopel, 7. Februar. Das Kanonenboot„Z o h a f" bombardierte gestern nochmals M h r i o f i t o. das die Bulgaren kurz vorher besetzt hatten. Die bulgarische Artillerie erwiderte das Feuer. Tie Bulgaren haben auch Schar köj besetzt. Die Behörden von Myriofito wurden an Bord des „Zohaf" gebracht und nach Gallipoli befördert. Vvrpostengefechte. Konstantinopel, 7. Fobruar. Wie amtlich aus Kalikratia gemeldet wird, haben die türkischen Truppen gestern die Station Bai t sche i sch k ö j an der Bahnlinie nach Tschataldscha sowie die dem rechten Flügel der türkischen Armee gegenüber ge- liegen en Höhen besetzt. Die türlischen Erkundungsabteilungen sind mit dem Feinde in Fühlung. Kein Fremdenschut» in Adrianopel. Sofia, 6. Februar. Tie Gesandten einiger Troßmächie wurden heute bei dem Ministerpräsidenten Gcschow wegen de» Verlangens der Konsuln in Adrianopel vorstellig, daß eine neu- träte Zone festgestellt werde oder �daß ihnen und den f r e m- den Kolonien die Ermächtigung gegöbcn werde, die Stadt z n v e r I a s s e n. Der Ministerpräsident antwortete,«daß«s k c i n e Präzedenzfälle dafür gebe, daß Konsuln oder anderen Per- soncn gestattet werde, einen belagerten Platz zu verlassen, und daß auch ernste Gründe dav bulgarische Generalquartier verhinderten, den Konsuln und den fremden Kolonren in Adrianopel den Auszug oder die Errichtung einer neutralen Zone zu gestatten. Demi niemand könne dafür bürgen, daß nicht ver- sehentlich Granaten in diese Zone fielen, was für das Militär groß« Schwierigkeiten zur Folge haben würde. Ein Ministerwechfrl. Konstantinopel, 7. Februar. Der Evkafminifter Hoiri Pascha ist zurückgetreten, weil er, wie verlautet, die Ver- antwortung für die Leistung der Vorschüsse aus dem Re- scrvefonds der Pakufgüter an die Regierung nicht übernehmen wollte. An die Stelle Hairis tritt interimistisch der Justizminister Ibrahim Pascha._ Der Kampf um die lllacht. Alle Vertuschungsversuche helfen nichts. Der u n h a l t- bare Gegensatz deS Junkerregiments in Preußen zu den Verhältnissen in, Reiche tritt bei jeder Gelegenheit zutage. Der Reichstag hat am Freitag noch seine ganze Sitzung mit der Aussprache über die Wohnungsfraas ausfüllen müssen, obgleich die Parteien am Tage vorher der Meinung waren, daß sie die Angelegenheit ganz kurz erledigen könnten. Der Grund für die unerwartete Ausdehnung liegt denn auch nicht, twtz ihrer Wichtigkeit, m der WohnungssrägS, auf die wir noch zurückkommen, sondern darin, daß die Junker diese Gelegenheit zu einem Vorstoß gegen die Reichsverwaltung und den Reichstag benutzten. Mit dieser edlen Aufgabe war wieder Graf v. Westarp betraut worden. Als Vorwand benutzte er die Aeußerung des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern, daß das Reich eingreifen müsse und werde, falls die Einzelstaaten— das heißt tatsächlich Preußen— in der Wohnungsfrage auch fernerhin versagen sollten. Ter Herr Graf ist angeblich über diese Erklärung des Staatssekretärs aufs höchste entrüstet. Er sieht darin eine unentschuldbare Versündigung gegen— den preußischen Geist: das Reich dürfe sich unter keinen Um- ständen in die Verhältnisse Preußens einmischen', es müsse die Rechte der Einzelstaaten genau so achten, wie die Einzel- staaten die Rechte des Reiches. Diesen Vers wiederholte später übrigens auch der sreikonservative Abgeordnete r e n d t. Jl)nen trat in treffender und glücklicher Polemik Genosse Ledebour mit dein Nachweis entgegen, daß die preußischen Junker ganz und gar nicht die von ihnen jetzt so sehr ge- priesene Verfassungstreue bekunden, wenn es gilt, ihren Vorteil auch im Reiche zu wahren. Er erinnerte daran, daß die Junker im preußischen Treiklassenhause noch in den letzten Tagen die preußische Regierung ausgefordert haben, ihren Einfluß auf die Reichsverwaltung rücksichtslos zum Vorteil der in Preußen herrschenden Clique und zmu Schaden des ganzen arbeitenden Volkes auszunutze»«. Wie überall, so haben auch hier die Junker eine doppelte Moral. Wie eS ihrem Vorteil entspricht, sind sie bald für, bald gegen die Ver- fassung.- So haben die Junker es seit jeher gehalten. Und die Herren in den Reichsämtern sind es ja nur zu sehr gewohnt, sich nach dem Junkerregiment in Preußen zu richten. Auch Herr Delbrück hat diesen Gehorsam seit jeher betätigt. Er bemühte sich denn auch, jetzt den Junkern zu versichern, daß er es mit seiner Erklärung über das Wohnungsgesetz gar nicht so schlimm gemeint habe. Damit erreichte er aber bei den Junkern gär nichts. Für sie ist allein entscheidend, daß der Staatssekretär daran ge- dacht hat, sich in dieser Frage nicht ganz nach ihrem Willen zn richten. Und es handelte sich ja durchaus nicht um die Wohnungsfrage allein. Der Staatssekretär, meinen die Junker, läßt überhaupt die erwünschte pupillavijche Sicherheit vermissen. Hätte er sonst mit dem preußischen Ministerium des Innern wegen der einheitliche». Wahlurnen in Konflikt kommen können? Jeden nennenswerten sozialpolitischen Fortschritt verhindert Preußen. Und gerade jetzt wollen dessen Junker nur absolut zuverlässige Handlanger. Es drängt die Steucrfrage. Und schließlich droht die Wahlreform in Preußen. In allen diesen und vielen weiteren Fragen sind die Junker um ihre Machtstellung besorgt. Sie sehen überall Feinde. Das Junkerregiment widerspricht bereits so sehr den Bedürfnissen unserer Zeit, daß es auf allen Gebieten die EntWickelung hemmt und für das arbeitende Volk unerträg- lich geworden ist. Je eifriger sich daher die Junker als die Retter, als die einzig wahren Hüter des Vaterlandes auf- spielen, um so weitere Kreise des arbeitenden Volkes er- kennen in ihnen die schlimmsten Feinde unseres Vaterlandes. Ter Staatssekretär kennt natürlich sehr genau den Ernst der gegenwärtigen politischen Lage und er wecß, daß ihm mit dem Vertuschen nicht geholfen ist. Deshalb scheute er nicht davor zurück, auf den„grundsätzlichen" Gegensatz zwischen ihm und dem Grafen Westarp, das heißt, zwischen der Reichs- Verwaltung mit dem Reichskanzler an der Spitze und dem Junkerregiment in Preußen einzugehen: die Junker wollen in Preußen und im Reich bei allen Fragen auch fernerhin einzig und allein ihren Vorteilen folgen und nicht die ge- ringste Rücksicht auf den Willen des deutschen Volkes nehmen, wie er sich in der jetzigen Zusammensetzung des deutschen Reichstags zeigt. Das Reich muß sich, das ist der„Grundsatz" der ostpreußischen Junker, der preußischen Junkerwirtschaft fügen: alles, was dem im Wege steht, muß beseitigt werden. Das geht aber nicht mehr: die 110 Sozialdemokraten im Reichstage machen es unmöglich, daß die Pläne der Junker wie früher verwirklicht werden. Daher steuern die Junker auf einen Konflikt des jetzigen Reichstags mit dem Reichs- kanzler und dem Staatssekretär des Innern los, wobei sie selbstverständlich auf die H i l f e des Zentrums rechnen und wohl auch rechnen können. Ihr ganzes Auftreten ist, wie Genosse Ledebour den Herren unter Zustimmung nicht nur der Sozialdemokraten zurief, nur Stimmungsmache für die Wahl des preußischen Dreiklassenhauses sowie für die Auflösung deS Reichstags. Aus diesem Grnnde krönen sie stets ihre Angriffe gegen den jetzigen Reichstag und gegen die Reichsverwaltung mit dem Sammelruf: Gegen die Sozial- demokratie, neue Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse und ihre Organisationen! Hier will die Reichsverwaltung nicht mitmachen. Sie will offenbar nicht alles auf eine Karte setzen: das Spiel ist ihr zu gefährlich. Auch das Lockmittel eines Kampfes gegen die Sozial- demokratie übt nicht einmal auf die Reichsverwaltung mehr die von den Junkern gewünschte Wirkung aus. Die jetzt maßgebenden Herren in der Reichsverwaltung haben gelernt. daß mit Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie nichts auszurichten ist. Der Kampf der Arbeiter um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen ist keine Erfindung der Sozialdemo- kraten, sondern das naturnotwcndige Ergebnis der Wirt- schaftlichen EntWickelung. Deshalb müssm sie den Forderungen der Arbeiter mehr und mehr Rechnung tragen, soll nicht die Sozialdemokratie immer stärker und schneller an- wachsen. Das rief der Staatssekretär des Innern den Junkern zu, und das läßt begreifen, daß es ihm graut vor den Folgen, die ein Kampf mit Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemo- kratie haben muß. Denn daß ohne den Druck der Sozial- demokratie eine segensreiche soziale EntWickelung unmöglich ist, das weiß der Staatssekretär des Innern selbstverständ- lich, wenn er es auch nicht aussprach. Was er aber sagte, war trotzdem eine klare Absage an Grafen v. Westarp und seine politischen Freunde. Das Auftreten des Staatssekretärs Dr. Delbrück er- innert an die letzte Rede, die in« Reichstage sein Amtsvor- gänger Graf Posadowsky als Staatssekretär gehalten hat. Auch Graf V. Posadowsky erklärte damals den oft- preußischen Junkern, daß er ein„grundsätzlicher" Gegner ihrer Politik sei. Er wolle kein Minister gegen, sondern für die Sozialpolitik sein. Herr v. Delbrück hat am Freitag dasselbe, wenn auch mit anderen Worten gesagt. Graf v. Posadowsky war kurze Zeit nach jener Rede aus seinem Amt ausgeschieden worden. Wie es Herrn v. Delbrück er- gehen wird, das wird di« Zukunft sehr schnell zeigen, Die Arbeiterschaft kann mit guter Zuversicht den wetteren Verlauf der Dinge abwarten. Wie es auch immer kommt, ob die Herrselzende Klasse die Sozialdemokratie bekämpft nach dem Rezept der ostpreußischen Junker oder nach dein de.' jetzigen Staatssekretärs und des jetzigen Reichskanzlers: unter allen Umständen wird die Sozialdemokratie weiter und weiter erstarken, bis sie ihre Aufgabe vollständg erfüllt hat. Aber freilich— je besser die Arbeiter ihre Verbände ausgebaut haben, je eifriger sie die Aufklärung betreiben, je tatkräftiger sie für ihr gutes Recht eintreten, um so schneller werden sie das unhaltbare schmähliche Junkerregiment in Preußen und im Reich beseitigen und freie Bahn schaffen für eine jegens- reiche EntWickelung unseres öffentlichen Lebens. Daher gilt es geriistet zu sein für die be- v o r st e h e n d e n Kämpfe. Bei der L a n d t a g s w a h l muß die Stimme des arbeitenden Volkes trotz aller Hemm- nisse durch das Treiklassenwahlsystem laut und deutlich er- schallen. Und wenn unsere Gegner in der nächsten Zeit eine Neuwahl des Reichstags haben wollen, nun gut. dann muß sie so ausfallen, daß sie die Beseitigung des Junkerregiments erst recht beschleunigt. Die Hlchermlttmschz-Mobllllatlo)) In Straßburg. Die Welt lacht wieder. Und ihr Lachen klingt wie Hohngelächier, noch maliziöser, noch schriller, als vor einigen Jahren über die bc- rühmte Köpenickiade des Schuhmachers Voigt, der an der Spi�e seiner„zehn Mann" ungeniert die Köpenickcr Stadtkasse plünderte. Und die Welt hat leider ein Recht, auf Kosten des deutschen Milita- rismus und des deutschen RegierungSshstemS zu lachen; denn«in Geistesgestörter, ein unzurechnungsfähiger entlassener Zahlmeisitr- Aspirant hat mühelos die höllssten Spitzen der Verwaltungs- nie der Militärbehörden im reichsländischen Straßburg getäuscht und die ganze Straßburger Garnison niitsamt dem Prinzen Joachim und dem Statthalter auf die Beine gebracht. Alle haben sich leicht durch de» keineswegs besonders schlauen Trick eines UnzurÄ- nungSfähigen täuschen lassen! Der Witzbold, nnt Namen Wolttr. hat an sich selbst von Weißenburg auö ein Telegramm gerichtrt. und dessen Text dann so geändert, daß es folgenden Wortlallt erhielt: „An das Kaiserliche Generalgouvernement,, Garnisot- Hauptwache. Straßburg. Die gesamte Garnison ist von der Hauptwache aiuS sofort zu alarmieren. Ich treffe im Kraftwagen um 12 Uhr auf dem Exerzierplatz Polygon ein. Wilhelm I. B.f Mit diesem Falsifikat geht er, nachdem er sich in den Anzug eines Postboten gesteckt hat, nach der Garnison-Hauptwache und b>bt dort das Telegramm ab. Und nun verläuft alles, wie der gtist- gestörte Zahlmeister-Aspirant es sich gedacht und es beabsichtigt hatte. Die Meldung wird genau nach Schema k' weitergegeben, Generalkommando und Statthaltcrei geraten in größte Aufregung. Eilordonanzen und telegraphisch« Befehl« fliegen hin und her. Weit- hin erklingt das„Tä— tätätä, tä— tätätä!" deS Alarmrufs— und nun folgt«in Schauspiel, das die„Straßbuvger Neue Zeitung" recht anschaulich folgendermaßen schildert: „Durch die Hohenlohestraße saust, lvas der Gaul lere» kann, ein einzelner Reiter. Dahinter Begleiter. Größte( le. Der Vorderste treibt unaufhörlich voran. Es ist Prinz Joach ai, der von deS VaterS Ankunft ebenfalls gebärt und nun als OW' leutnant die Mobilmachung mitmacht. Das war zweifellos die Höhe des Witzes, den sich Wolter leistete, daß er Statthalter und Prinz hinaus aufs Feld brachte. Prinz Joachim nahm sich nicht einmal Zeit zum Mittagessen, wie man erfährt. Es reichte gerade, um in die Uniform zu schlüpfen. Das Frühstück blieb unberührt, und ein Lakai machte sich ein Gewissen davauS. seinen Herrn so wenig innerlich vorbereitet da draußen zu wissen- Er brachte ihm Brötchen nach. Doch schien der Prinz wenig Hunger zu haben, denn er winkte ab. ... In weitem Umkreis um den Polygon stellten sich die Truppen auf, um nach 1 Uhr mit der Parade zu beginnen. Die einzelnen Musikkapellen nahmen gegenüber den Fürstlichkeiten Aufstellung und ließe» ihre Regimenter zugweise vorbeidefilieren. Inzwischen war aber ein Telegramm vom Kaiser aus Königsberg eingetroffen, in dem dieser seinem Sohn. Prinz Joachim, seine Ankunst dortselbst mit. teilte. Nun war guter Rat teuer. Offensichtlich war man das Opfer einer Mhstlfikation geworden. Es wurde deshalb der Befehl erteilt, die Truppen sollten wieder in ihre Kasernen ein- rücken. Die ganze Militärverwaltung war auf den Schwindel eines gutüberlegten und wohl- durchdachten FastnachtSscherzeZ horeinge- fallen." Jawohl, gründlich hereingefallen! Zwar hatten alle patriotischen Zeitungen tagelang vorher davon berichtet, daß der Kaiser am S. Februar in Königsberg sein und dort an der Jahrhundert- seier teilnehmen werde, doch keiner der hohen Herren weiß etwa» davon oder denkt daran. Die Folgen der Fastnacht beherrschen alle Köpfe. Auch ist der Inhalt dcS Telegramms recht kurtos! Seit ivann weiden denn solche Telegramme an die Garnison-Hauptwache gerichtet, statt an den Gouverneur oder den Kommandanten Und dann die Anweisung, von der Hauptwache aus die Garnison z«: alarmieren! Ist daS der richtige militärische Weg, oder hat die Alarmierung nicht ebenfalls durch die dazu berufene oberste Kominandostelle am Platze zu geschehen? Zudem läßt»der Witzbol� Wolter den Kaiser sagen:„Ich treffe ein", während der Kaisen immer im plurulie msjesUtieus von sich spricht. ES scheint abe:, daß die bloß« Ankündigung,-der Kaiser werde zur Jnspizievung der Garnison eintreffen, solche Verwirrung angerichtet hat. daß man an eine auch nur oberflächliche Prüfung der Echtheit deS Telegramms gar nicht gedacht oder etwa auffteigewde dunkle Zweifel rasch unter- drückt hat. Auch die Tatsache, daß die Art der Beförderung und das Aussehen der Depesche nicht den Bestimmungen entspricht, die für die jlebermittelung von Staatsoepeschen gelten, fällt nicht auf— alles ist im höchsten Maße aufgeregt, die gewöhnlichen Begriffe von Zeit und Raum sind futsch! Der ganze Vorfall ist so sehr bezeichnend für die Art und Weise, wie nervös bei uns gearbeitet und regiert wird, daß die Meldung, der Kaiser sei, als er von dem Geschehnis erfahren habe, sehr ungehalten gewesen, recht begreiflich erscheint. Und noch ärgerlicher soll man in den hohen militärischen Kreisen Berlins, im Kriegs. Ministerium fein, ist doch dcr Borfall durchaus keine Emp- fehlung für die vorbereiteten neuen enormen HeereSvorlagen; denn er beweist kaum, daß in der so hochgepriesenen Armee kaltblütige Ruh« als eine der nötigsten Eigenschaften per Truppenführer gilt. Das scheinen denn auch die Herren selbst und die ihnen zur Verfügung stehende„vaterländische" Presse zu fühlen; denn bereits verkünden verschiedene für oie neuen Heeresvorlagen eifrig agitierende Blätter, daß die Militärbehörden nicht diegeringsteSchuldan demSchauspiel in Straß- bürg treffe, nur die Zivilbehörden hätten sich als lurvös erwiesen. Die Organisation der Armee und ihre Bereitschaft hätte sich vielmehr aufs gländzendste bewährt. Co schreibt die„Rhe�-Destf. Ztg.". ..In Empfang genommen hat diese Sendung ziveifelboS eine untergeordnete Persönlichkeit. Denn es ist nicht anzunehmen, datz irgendein Beamter sofort bis in die Zimmer des General- kommandos vordringen konnte. Diese untergeordnete Persönlich- keit hat dann das Telegramm entweder der Adjutantur oder einem der anwesende» Generalstabsoffiziere ausgehändigt. Man ver- setze sich in die Lage dieses Herrn: Größte Eile ist not! Jede Verzögerung bedeutet verlorene kostbare Zeit. Das Telegramm scheint durchaus echt und in dem Bestreben, die glänzende Organisation unserer Alarmvorschriften vor aller Welt zu zeigen, meldet der elektrische Funke die an- acblich allerhöchste Entschließung an das Gouvernement, die Kommandantur, das StadthalterpalaiS, Polizeipräsidium, kurzum an alle zuständigen Behörden. Ein Dutzend hohe Behörden haben bereits Kenntnis, durch die Festung hallen die Alarnrsignalc. Alles eilt dem Sammelplatz zu. Ueberall herrscht fieberhafte Tätigkeit und Aufregung. Die dem Generalkommando unter. stellten Instanzen handeln in der Eile blindlings. Denn wer einmal einen solchen Alarm mit den hohen Anforderungen an alle Dienststellen mitgemacht hat. weiß, daß zu langem Ueberlegen nicht viel Zeit bleibt. In einer ganz anderen Lage aber befinden sich die Zivil- behörden. ganz besonders der Statthalter- In allernächster Beziehung zum Statthalter- Palais steht dasawtliche W o l f f sch e Telegraphen- bureau, das bereits zu diesem Zeitpunkt die Fahrt des Krön- Prinzen zum Bahnhöf, um seinen kaiserlichen Vater zu empfangen, zu melden wußte. Auch auf dem Polizeipräsidium und dem Be. zirkspräsidium'fand man in langen Stunden keine Zeit, darüber nachzudenken, daß in Königsberg ein offizieller Festakt stattfindet, der unmöglich durch eine plötzliche Eingebung des Kaisers über den Haufen gc- warfen werden kann. In der Alarmierung als solcher also war an sich nichts Außergewöhnliches. Daß aber alle anderen Behörden vollständig versagten, ist im höchsten Grade betrüblich." Der Geniestreich des Straßburger ehemaligen Unteroffiziers Wolter ist übrigens, wie unser Straßburger Parteiblatt meldet, nicht der erste, den er losgelassen hat. Bereits voriges Jahr gc- long eö ihm. die Militärbehörde van Metz durch ein ähnliches Telegramm zu düpieren. Es stand im Telegramm im Text»Auf aller"; diesen Text änderte er um in:..Auf Allerhöchsten Befehl ist der Vizefeldwcbel Wolter sofort nach Berlin zu bringen." Sein Streich, nach Berlin zu kommen, ist ihm denn auch gelungen. Am anderen Tage befand er sich bereits auf der Bahn nach Berlin. I» Berlin wurde er aber von der Militärbehörde auch nicht für ge- sund erklärt. So kam er denn wieder nach Straßburg und zeigte der gesamten Garnison, wie geisteszurechnungsfähig er ist. Weiter wird gemeldet, daß vor kurzem bereits einmal per- sucht worden ist. die Straßburger Garnison durch eine gefälschte Depesche zu alarmieren. Auf der Hauptwache sei aber der Unfug, der beabsichtigt war. sofort bemerkt worden. Wolter soll übrigens die Absicht gehabt haben, nach Wilhelms- haben zu fahren, um dort die deutsche Flotte zu alarmieren. Diese Absicht vermochte er nur deswegen nicht auszuführen, weil er das notwendige Reisegeld nicht auftreiben konnte. Der Generalstreih unvermeidlich. Brüssel, 7. Februar.(P r i v a t t e l e g r a m m des „V o r w ä r t s".) Heute hat die Majorität der Kammer ihre Unbeugsamkeit durch ein Votum besiegelt. Gegen die(Stimmen Der Linken wurde von der Rechten eine Diskussion de� Revision der Verfassung verworfen. Nachdem noch die sozialistischen Abgeordneten Denis und Huysmans gesprochen hatten, gab V a n d e r v e l d e un- mittelbar vor der Abstimmung eine Erklärung der sozialisti- sehen Fraktion ab, in der unter anderem gesagt wird: Wir kennen Eure Absichten, Ihr die unseren. Wir sind auf un- screr Hut, seid Ihr auf der Euren. Wir haben alles getan. die Arbeiter zu besänftigen, Zornausbrüche zu verhüten und unsere Delegierten vom Streik abzuhalten, weil wir ihn zu verhindern hofften. Wir haben zu Sessionsanfang hier er- klärt, daß es von der Majorität abhängig sei. ob das Signal zum Generalstreik gegeben werde. Wir verlangen nun von der Arbeiterklasse, das Losungswort abzuwarten und weder durch Ausschreitungen noch vorzeitige Streiks den Erfolg der Bewegung zu kompromittieren. Auf die Verwerfung der Revision antworten wir mit dem begeisterten Ruf: Hoch die Revision I Hoch das Wahlrecht! Die sozialistische Fraktion brach dann in minutenlange stürmische Hochrufe auf die Revision, das Wahlrecht und den Streik aus. In einer gestrigen Sitzung der Brüsseler Organisation wurde eingehend die Situation beraten und die Vorschläge und Maßnahmen für den nunmehr unvermeidlichen Streik diskutiert. » q. * „Es lebe der Generalstreik!" Zu der schon telegraphisch gemeldeten Demonstration schreibt uns unser Korrespondent aus Brüssel: Der Faschingdienstag ist in Brüssel ein richtiger Feiertag. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, alle Welt promeniert im bürgerlichen oder Faschingskostüm durch die Stadt. Auch die Brüsseler Föderation der Arbeiterpartei forderte die feiernden Arbeiter zu einem Spaziergang auf. Statt aber in der engen unteren Stadt sich herumzudrängen, wurde den Arbeitern für ihre Promenade die schöne breite Rue Royale und der öffentliche königliche Park empfohlen. Als aber die Arbeiter gegen'/z� Uhr aus den Vororten herauskamen, gar nicht etwa in Kolonnen, sondern einzeln wie andere Spaziergänger auch, siehe, da waren die Gitter des könig- lichen Parkes geschlossen und die ganze schöne breite Rue Royale mit Polizisten abgesperrt, der Wagenverkehr unter- krochen, die TramwayS sausten an den Haltestellen vorbei ohne anzuhalten und jedweder Passant, der sich nicht als Deputierter, Briefbote oder Journalist ausweisen konnte, wurde meist höflich, manchmal grob, aber immer unerbittlich an- gewiesen, um so und soviel Seitengassen zurückzugehen, sich rechts oder links zu verziehen, aber jedenfalls vom Schauplatz zu verschwinden. Die Rue Royale und die Anlagen bilden nämlich die Grenzen der geheiligten„neutralen Zone", die an Tagen von Arbeltermanisestationen oder Arbeiter„spaziergängen" durch einen Polizistengürtel von der Außenwelt abgeschnitten wird. Diesmal aber geschah noch ein übriges: es wurden nicht nur die Straßenzugänge zur neutralen Zone abgesperrt, sondern ein großer Teil dieser Straßen selbst dem Verkehr entzogen. Zu- dem: in den Höfen der Ministerien war die Gendarmerie in Bereitschaft, in drei Gendarmeriekasernen standen die Pferde Gesattelt.... Die Bewachung des Parlaments war verstärkt, auf den Tribünen Gendarmen und Polizisten in Zivil. In den Schlössern der Parlamentstore steckten die Schlüssel, im Falle usw. Indes geschah nichts anderes, als daß die Arbeiter in Gruppen in den an die Kammer anstoßenden Seitenstraßen herumstanden und Wahlrechtslieder und die„Internationale" sangen und ihren Wünschen nach Revision der Ver- f a s s u n g in entsprechenden Ausrufen Ausdruck verliehen. Das ganze lächerliche Polizeiaufgebot hatte also nur den Zweck gehabt, zu verhindern, daß diese Rufe und Gesänge in den geheiligten Luftraum der neutralen Zone, bis zu den Ohren Herrn v. Broquevilles oder gar denen deS Königs dringen. Einer Truppe von Demonstranten ist es indes doch geglückt, bis zum königlichen Palais vorzudringen und dort das Wahlrecht hochleben zu lassen, welche Freveltat aber von einer in der Strategie des„Chargierens" wohl- bewanderten Polizei alsbald zu Ende geführt wurde.— Wer anfangs die Taktik der Polizei ohne Wissen ihrer tieferen Absichten beobachtete, mochte überhaupt schlechthin an einen Faschingsscherz denken. Man bemerkte nämlich, wie die Polizisten auf Befehl der Kommissäre die in den Straßen angesammelten Gruppen von einer Halben Stunde zur anderen immer um ein Stück weiter von der neuttalen Zone abdrängten, so daß, wäre dem Spiel um Vz5 Uhr durch den Kammerschluß nicht ein Ende gesetzt ge- wesen, die„neutrale Zone" so allmählich.die halbe Stadt hinuntergedehnt worden wäre. Aber wie gesagt, es war endlich Kammerschluß und um'/«ei Uhr erschien die sozialistische Fraktion, die die Rue Royale überquerend in die unweit von der Kammer gelegenen Rue des Colonies einbog, wo sie von den mittlerweile zu einer kompakten Masse ver« einigten Demonstranten stürmisch mit den Rufen auf das Wahlrecht, auf die Revision und den Generalstreik empfangen wurde. Bon dort ging es in flottem Tempo durch die Stadt, in der sich eben der lebhafteste Karnevalstrubel zu entfalten begann. Während des ganzen Marsches ereignete sich nicht der geringste Zwischenfall, obgleich die Straßen schwarz von Menschen waren und der Zug unzähligemalo die größten, lebhaftesten Verkehrsadern zu überqueren hatte. Den ganzen Weg klang der kräftige Arbeiterchor durch die Stadt, ununter- brachen klangen die rhythmisch ausgestoßenen Rufe: Revision! Revision! Nieder mit Woeste! und immer und alles über- tönend das„Vivo la gröve!"(Es lebe der Streik) durch die bunt belebte abendliche Stadt. Vor dem Volkshause hielt der Zug, wo er den runden Platz füllend, in andächtiger Stille den vom Balkon gehaltenen Reden lauschte. Aus der „neutralen Zone" mit Polizistengewalt verbannt, klang dort, im Herzen der Volksquartiere, in den Ruf der Redner ein- stimmend, der tausendstimmige Chor:„Es lebe der Streik!" politische(leb erficht. Berlin, den 7. Februar 1913. Ter Geburtenrückgang vor dem Abgeordnetenhanse. Das preußische Abgeordnetenhaus hat in einer Dauersitzung am Freitag die Beratung de» Etats deS Ministeriums des Innern ein gut Stück gefördert. Am interessantesten war hierbei die Debatte über das Gesundheitswesen. Bekanntlich ist die Medizinalabteilung seit kurzem vom Kultusministerium losgelöst und dem Ministerium des Innern angegliedert worden. Ob das ein Fortschritt ist, bleibe dahingestellt. Notwendig wäre die Schaffung eines besonderen Medizinalministeriums. Erst dann würde der Gesundheitspflege die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt und die traurigen Zustände beseitigt werden können, unter denen ganz besonders das Proletariat leidet. Daß die gesundheitlichen Zustände der Bevölkerung viel zu wünschen übrig lassen, darüber herrscht unter allen Parteien völlige Uebereiiistimmung. Nur über die Ursachen gehen die Meinungen auseinander. Mit dem bloßen Jammern über den Rückgang der Geburten ist es nicht getan, wenn man nicht seine Ursachen unter- sucht m>d auf Mittel zur Abhilfe sinnt. Dieser Aufgabe unterzogen sich die Abgg. M u g d a n lBp.), der mit Recht gegen das Zentrum den Vorwurf erhob, daß es bei der Verabschiedung der Reichs- Versicherungsordnung die sozialdemokratischen und fortschrittlichen Anträge niedergestimmt und insbesondere versagt habe, wo es sich um die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit handelte, vor allem aber Genosse Ströbel, der in mehr als einstündiger, durch die geschickte Zusammentragung des Materials äußerst wirk- samen Rede den Zusammenhang Zwischen sozialer Lage und Krank» heit an der Hand der neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse erörterte. Mit Recht konnte unser Fraktionsredner den Rückgang der Ge- burten, die Kindersterblichkeit, die Tuberkulose und die Geschlechts- k-ankheiten auf unsere wirtschaftlichen Verhältnisse zurückführen und gegen die schwarzblaue Mehrheit den Borwurf erheben, daß sie durch ihre Politik der Verteuerung der Lebensmittel und durch ihre Un- tätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungswesens die Berelendung des Volkes fördere. Mit aller Schärfe wandte sich S t r ö b e l auch gegen die von der Regierung geplante Absicht, durch Polizeimaßnahmen der Abtreibung der Leibesfrucht und der Konzeption entgegenzutreten. Er forderte statt dessen eine größere sexuelle Aufklärung der Ve- völkerung. Vorher hatte Liebknecht sich eingehend über die Kriminalität und über den in vieler Beziehung noch so rückständigen Strafvollzug in Preußen ausgelassen und«ine Aenderung der Art der Gefängnis» arbeit sowie eine Reform der Unfall- und Invalidenversicherung für Gefangene gefordert. Ein anderes Kapitel des Etats gab unserem Genossen Leiner t Gelegenheit, die sortgesetzten Wünsche der Konservativen auf eine Besserung der Veteranensürsorge als Heuchelei zu brandmarken, in- dem er nachwies, daß gerade die Vertreter dieser Partei eine aus- reichende Veteranenfiirforge verhindert haben. Am Sonnabend hofft man endlich mit dem Etat des Mini« steriums des Innern fertig zu werden. Landtagswahl in Sachsen-Altenbnrg. Die bis jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse der Wahlen vom 6. Februar bedeuten eine entschiedene Niederlage deS ReichsvcrbandeS gegen die Sozialdemokratie. Die Reichsverbandskandidaten sind überall durch die sozialdemokratische Mehrheit geschlagen worden. Die städtlichen Wahlkreise in der dritten Abteilung wurden mit übergroßen sozialdemokratischen Mehrheiten behauptet, und in Alten- burg-B. sowie in Meuselwitz haben in der IL Abteilung die Fort» schrittler mit Hilfe der Sozialdemokraten die ReichSverbandSkandi- daten geschlagen. In zwei von den vier ländlichen Wahlkreisen ist zwar der sozialdemokratische Vormarsch zum Stillstand gekommen; im 3. und 4. ländlichen Kreise, deren Ergebnisse noch nicht voll- ständig vorliegen, ist jedoch ein starkes Fortschreiten der Slimmenzahl zu erkennen. Im 6. und 1. Landkreise ist die Stimmen- zahl um etwa 20(1 gesunken. Das Wahlergebnis ans dem so scharf umstrittenen 4. ländlichen Kreise steht wie gesagt noch au». Nach den vorliegenden Abstimmungsergebnissen dürfte auch diese» Mal wieder, wie 1010, die Entscheidung an einigen Stimmen hängen. Von den Sozialdemokraten sind gewählt:Böhme,Dikrelter. Metzschke, Wunderlich. Faulian und Pietz sch. In Altenburg-A. wurde Metzschke mit 1137 gegen Kase sReichsverb> 623 Stimmen gewählt. In Llltenbnrg-B. Wunderlich 1994 gegen Jnesch 389, Ditreiter im 2. städtischen Kreise mit 2099 gegen Gehr sReichsverb.) 414. Im 5. städtischen Kreise Böhme 1307 gegen Oelje 287. Im 6. ländlichen Kreise Faulian 812 gegen Kraft 722. Ein Steuer-Dementt. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" tritt in ihrer Ausgabe vom Freitagabend den Meldungen entgegen, die in der letzten Zeit über die kommenden Stenern in der Preise verbreitet worden sind. Die amtliche Note besagt: „Im Laufe der letzten Wochen sind mehrfach in der'Presse anscheinend aus hiesigen Korrespondenzen stammende Aussätze er- schienen, welche teils beionders die Nsichsschatzverwaltung berührende Fragen sBesitzstcuer, Stempelsteuer, Leuchtölgesetz, Bete» ranenbeihilfe u. a.s betrafen, teils allgemein sich mit den Finanzen des Reiches und den Finanzvläncn der Reichsleitung für die nächste Zukunft beschäftigen. Um Mißverstäiidnissen vorzubeugen. ist festzustellen, daß keiner dieser Aufsätze amtlichen Ursprungs ist." Besser wäre es allerdings gewesen, wenn sich.die Reichsschatz- Verwaltung entschlossen hätte, endlich einmal der Oeffentlichleit über ihre Absichten reinen Wein einzuschenken. Bürgerstolz und Streikbrccherschntz. Bei der Budgetberatung in der Hamburger Bürgerschaft Kurde am Mittwoch die Duellaffäre de? Senators v. Bereu- berg-Goßler. die vorigen Sommer einige Sensation ervegie, zur Sprache gebracht. Die liberalen Redner Dr. Wcx und Dr. Petersen vertraten den Standpunkt, daß ein wegen Duell- Vergehens bestrafter Senator nicht im Amt bleibe» könne, auch wenn die Strafe im Gnadenwege erlassen sei. Denn jsiri Hamburger Senator verkörpere einen Teil der Staatssouvcrüwität und es vertrage sich nicht mit dieser staatsrechtlichen Stellung, wenn er sein Amt nur noch der Gnade des Königs von Preußen verdanke. Senator Dr. Die fiel versuchte die heikle Frage durch einen senti- mental-pathetischen Wortschwall zu umgehen, indem er die Duell- fexerei, zu der sich sein Kollege hergegeben, als unveräußerliches Bürgerrecht für jede» Senator in Anspruch nahm. Bon sozial- dmokratischer Seite beteiligten sich die Genossen Dtengele und Stötten a» der Debatte. Stengele meinte, die Frage, wie die sogenann!« bessere Gesellschaft ihre Raufhändel ansfechte, sei gleich- gültig; nicht gleichgültig könne es aber sein, wenn ein Mann. der zu nützlicher öffentlicher Tätigkeit berufe» sei. sich der Gefahr aussetze, durch die Kugel eines adeligen Raufbolds aus dieser Tätigkeit hinweggerissen zu werden. Dem müsse eventuell durch die Vorschrift, daß die Senatoren de» bunten Rock gleich beim Amtsantritt auszuziehen haben, vnrgebeugt.. werden. Dagegen sei die liberale Schlußfolgerung, daß jeder Konflikt mit dem Gesetz zur Amtsniederlegung zwinge, nicht anzuerkennen. Weder ein Senats- noch ein Bürgerschaftsmitglied dürfe wegen solcher Kon- flikte für unwürdig erklärt werden. Dieser Meinung stimmt« auch oer Redner der Fraktion der Linken bei. während die Wortführer der Rechten und des Zentrunis die„Tapferkeit" deS Senators priesen, mit der er die„Bürgerehre" gegenüber dem Grafen Äönigsmark verteidigt hatte. Worauf ihnen Stalten entgegnete, daß ein Bürger und ein Senator erst recht doch vor allem die Gesetze zu achten hatte. Die Mehrheit der bürgerschaftlichen Gesetzgeber dachte darüber aber offenbar anders, und so blieb es bei dieser Aussprache. Ganz anders denkt das hanseatische Bürgertum natürlich, wenn Gesetze nicht von Senatoren, sondern von— organisierten Arbeitern übertreten werden. Das zeigte sich, älS im weiteren Verlauf der Budgetberatung vom Genossen Bartels die Scharf- macheret der Hamburger Handelskammer als wüste tendenziöse Hetze gebrandmarkt wurde. Die Handelskammer Hat bekanntlich in ihrem letzten Jahresbericht eine Verschärfung der Strafgesetze gegen Streikende und insbesondere Gefängnisstrafe von einem Jahr gegen das Streikpo st en stehen gefordert. Das„Material", das diese Forderung begründen soll, ist, wie Genosse Bartels nachwies, den durch ihre Terrorismuslügen übel berufenen„Hamburger Nachrichten" entnommen und stellt die Tat- fachen geradezu auf den Kopf. Erst neuerdings, beim Ausstand des Personals der Hamburger Hochbahn, hat dieses Blatt wieder geschwindelt, die Streikenden hätten die Kabelleitung zerstört, ob- wohl davon kein Wort wahr ist. Auf alles dies blieben die Scharf- macher in der Bürgerschaft zwar die Antwort schuldig, aber an der Forderung des verstärkten Streikbrecherschutzes halten sie fest. Lkwa. Die Anleiheschikanen. London, 6. Februar. Wie da» Reutersche Buvean erfährt, hat der chinesische Gesandte in London ein Telegramm au» Peking erhalten, demzufolge Hitch für die Anleiheverhandlungen neue Instruktionen und die Ankunft Chang Tung YoanS abwartet. Chang Tung Uvan. der Vizepräsident des FinanzratS, ist zum Finanzvertreter China» in England ernannt worden nnd wird mindesten» solange dort bleiben, bis China die augenblicklichen finanziellen Schwierigkeiten überwunden hat. Wegen der dringen- den Notwendigkeit, die schwebenden Schulden vor dem chinesischen Neujahr, das auf den heutigen Tag fällt, zu begleichen, erhielt die chinesisch« Regierung einen Vorschuß von 7SOOOO Pfund Sterling. Diese Summe stellt die letzte Rate der chinesischen Fünf- Millionenanleihe dar, welche erst später fällig wäre. England und der Fall Rump. London, 3. Februar. Im Unterhause richte!« der Nationalist Ginnell an Staatssekretär Grey die Anfrage, ob der von der SechLmächtegruppe China aufgenötigte An- leiheentwurf die Ernennung der von den einzelnen Be- teiligten für die wichtigsten Stellen der Ueberwachung der Steuer-, Rechnungs-, Anleihe» und EisenbahndcpartementS Chinas vorge- sehen«» Personen umfasse und ob der Minister die vorläufige Ernennung deS Deutschen Rump zum Chef der neuen chine- fischen Rechnungskammer gebilligt habe. Ginnell machte darauf gegen Rump gewisse EiMvendungen. Grey erwiderte: ES ver- steht sich von selbst, daß die Ernennungen für die chinesischen Departements bei der Reorganisation der Anleihe nur nach Besprechung mit den Dertvetern der interessierten Mächte geschehen können. Meine Antwort auf die letzte Frage ist negativ. Mir ist nichts darüber bekannt, daß Rump für den Posten nicht befähigt ist. Soweit die britische Regierung unterrichtet ist, sind die Er- nennungen bis jetzt noch nicht vollzogen. flus der parte!» Die in Stockholm lebenden deutschen Parteigenosse» treffen sich in«dem dortigen sozialdemokratischen Verein„Vorwärts*. Auskunft erteilt Genosse K. V. K. Jansson, Drottninggatan 67, Aufgang B, 8 Tr., sowie der Vorsitzende Genosse Otto Stitz, Stock- Holm, Nybrogatan 8._ Parteiliteratur. Teuerung, Warenpreise und Goldprodultion von I. Karsli. Heft 7 der„Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung". Herausgegeben von Max Grunwald. Verlag von Kaden«. Co., Dresden. Preis 50 Pf, CkwcrkfchaftUcbee. Dk tßdbixt* Tcrdm rtnd keim 03obtf*hrt»- einrlcbtungcn. So«ntschtrd«» Donneretagabend da» S e w e r b e' gericht in Berlin- Ober- Schöneweide durch rechtskräftiges Urteil. Wie bei der Firma Siemens u. HalSke it a. so ist auch im Betrieb« der Akkumulatorenfabrik-Aktiengesellschaft. Werk Berlin-Ober-Schöneweide, ein g e l b er UnterputzungSverein nach dem rühmlichst bekannten Muster de« ehemaligen gelben Häuptlings Rudolf L e b t u S gegründet worden. Wer bei genannter Firma in Arbeit tritt, muß dem»Unterstützungsverein" beitreten. Als Eintrittsgeld werden 25 Pfennig erhoben, außerdem jedem Arbeiter wöchentlich 25 Pfennig als Beitrag vom Lohn einbebalten. Auf Rückzahlung dieser Beiträge erhob der Gürtler Max E.(vertreten durch den Angestellten des MetallarbeiterverbandeS Behrenbeck) Klage ver dem werbegertcht in Berlin-Ober-Schöneweide. Kläger war vom 2. Oktober 1911 bis 6. Januar 1918 im Betriebe der Beklagten beschäftigt. Wie er angab, ist er gegen seinen Willen veranlaßt worden, dem»Unter stützungSverein" beizutreten. Gegen seinen Willen seien ihm ferner allwöchentlich 25 Pf. als Beitrag für diesen Verein vom Lohn einbehalten worden. Er beantrage die HeranSzahlung der Beiträge, denn die Ab züg« seien ungerechtfertigterweise gemacht worden, auch verstoßen die gemachten Abzüge gegen die guten Sitten. Die Einstellung in den Betrieb der Beklagten sei von dem Beitritt zu dem gelben Verein abhängig ge- macht, der Beitritt also erzwungen worden. Die gemachten Abzüge vom verdienten Lohn seien ein Verstoß gegen den§ 115 der Gewerbeordnung. Nach genanntem Paragraphen sei der Gewerbetreibende verpflichtet, die Löhne seiner Arbeiter in Reichswährung zu berechnen und bar auszuzahlen. Alle anderen Vereinbarungen und Ver träge, welche dieser Bestimmung zuwider liefen, seien nach Z 117 der Gewerbeordnung als nichtig zu betrachten. AuS diesem Grunde beantrage er, die beklagte Firma zu verurteilen, die während der 66 Wochen seiner Beschäftigung einbehaltenen Beiträge im Gesamtbetrage von 16,50 M. zurückzu- e r st a t t e n. Der Vertreter der Beklagten beantragte A b w e i s u n g der Klage. Die Firma sei zu den Abzügen berechtigt g« Wesen, denn eS handele sich um eine WohlfahrtSein� r i ch t u n g im Sinne des Z 117 der G.-O. Auch sei ja der Kläger mit dem Abzug der Beiträge einverstanden gewesen. DaS Gericht verurteilte die Beklagte, an den Kläger die geforderten 16,50 M. zu zahlen. In der Begründung deS Urteils wurde hervorgehoben, daß das Gericht der lieber zeugung sei, die gemachten Abzüge wären ohne jede Rücksicht auf die Höhe des Lohnes— zu unrecht erfolgt. Der Unter stützungsverein. für den die Beiträge vom Lohn einbehalten wurden, sei keine Wohlfahrtseinrichtung, wiesle der Z 117,2 der G.-O. bezeichnet. Der Unterstützungsverein wäre in erster Linie als Gegenorganisation gegen die freien Gewert schaften gegründet wordeu. Nur das äußere Gesicht sei das einer Wohlfahrtseinrichtung. Mithin seien die Abzüge zu unrecht erfolgt und hätte die Beklagte zur Herauszahlung der Beiträge verurteilt werden müssen. Eine ausführliche Begründung deS Urteils wurde der schriftlichen Ausfertigung vorbehalten._ Berlin und Umgegend. Terrorismus im Dachdeckergewerbe. Die Berliner Arbeitgeber im Dachdeckergowerbe werfen ohne langes Besinnen alle Dachdecker aufs Straßenpflaster, welche sich weigern, Mitglied der gelben Organisation oder wie die Arbeit- geber und auch die Angehörigen dieser Organisation sich nennen, der„Freien Vereinigung der Dachdeckergesellen Groß-Bcrlins", zu werden. Würden die Arbeiter nur annähernd mit solchen Mitteln arbeiten oder gearbeitet haben, um Mitglieder für ihre Organi- sation zu gewinnen, wie würden die Unternehmer nach Polizei und Staatsanwalt, nach Knebelungs- und Zuchthausparagraphen schreienl Die Arbeitsverhältnisse sind im Dachdeckergewerbe leider derartige, daß die Arbeiter nicht imstande sind, genügend Widerstand zu leisten. Am 20. Januar hielten die Mitglieder des Arbeit- geberverbanoeS für das Dachdeckergewerbe von Berlin eine Ver- sammlung ab. In dieser Versammlung referierte der Schriftführer des Arbeitgeberverbandes, Herr Gregor j r., in einem instruk- tiven Bortrage über den Verlauf deS Berliner Streiks. Nach diesem Vortrage wurde dann folgender Beschluß gefaßt: „Andere Gesellen als die der Freien Vereinigung dürfen auf keinen Fall eingestellt werden. Vom 1. März 1913 ab dürfen zentralorganisierte oder keiner Organisation angehörende Ge- sellen aus keinen Fall beschäftigt werden." Weiter kam noch zur Sprache, daß Mitglieder des Arbeitgeber. Verbandes zentralorganisierte Gesellen beschäftigen, und zwar zirka 400. Die Mitglieder wurden aufgefordert, oerartige Ge- sellen sofort zu entlassen; sie unterstützten damit die Kasse der aus» gesperrten Gesellen und schadeten sich damit selbst. Wer Gesellen brauche, möge sich an den Leiter des MeistcrarbcitsnachweiseS wenden. Wenn die Unternehmer ahnen würden, auf welchem Vulkan sie tanzen, sie würden ihre Handlungsweise anders einrichten. ..Jedes ehrbare Handwerk braucht auch ehrbare Handwerker." Diesen Ausspruch haben.die Dachdeckcrmeister zu wiederholten Malen getan. Im Dachdeckergewerbe sind jetzt die Unternehmer aber dabei, die Gesellen zu Heuchlern zu erziehen. Doch wird auch bei diesen wieder d-e Stunde komme», wo sie ihr Haupt frei er- heben rönnen; dann werden die Unternehmer erfahren, daß sie sich verspekuliert hatten, und daß sie auch nicht auf das Gros der„Gelben" rechnen können! Wohl können sie das Wort ver- bieten, niemals aber den Geist töten! der ftuttsttsthe» Gr- zlichste Einführung der Nacht- veutlches Reich. Dem Kampf um die Nachtruhe in der Binnenschiffahrt. Der Unternehmerverband für die Binnenschiffahrt versucht in der Presse, die Verantwortung für den folgenschweren Kampf in den Stromgebieten der Elbe, Saale, Havel, den märkischen Wasser- stratzen und der Oder auf die Vertreter der �Arbeiter abzuwälzen. Er sagt jetzt, er habe niemals das Zugeständnis gemacht, eine Regelung der Arbeitszeit im Jahre 1914 vorzunehmen. Aus dem Verlaufe der Verhandlungen ist dagegen einlvandfrei nachzuweisen, daß die Vertreter der beiden Arbeiterverläiwe die Unternehmer nicht im unklaren darüber gelassen haben, und daß die Unter- nehmer denn auch klar und bestimmt erklärten: es soll 1914 eine Regelung der Arbeitszeit vorgenommen werden, ja, sie versprachen sogar eine Regelung in diesem Jahre. Eine Delegiertenversammlung der Schiffer erkannte das An- erbieten der Unternehmer in der Lohnfrage für das Elbegebiet an, erklärte aber die Zusage für die Oder und die märkischen Wasser- straßcn für nicht genügend, zumal eine dreijährige Vertragsdauer in Vorschlag gebracht wurde. Sie stimmte weiter dem Vorschlage des Unternehmerverbandes bezüglich Einführung der Nacht- und Sonntagsruhe zu. soweit sich der Vorschlag auf die Zusammen. WwVBQ MlftitmtjfWn tPtW Hebungen bezog. Da aber die und Sonntagsruhe dringend erforderlich ist, könnte ohne genügende Garantie dafür, daß den Wünschen der Mannschaft in genügender Weise Rechnung getragen wird, einer dreijährigen Verlängerung der Vereinbarungen nicht ohne weiteres zugestimmt werden. AuS der nun folgenden Korrespondenz zwischen dem Unter- nehmerverband und den Arbeiterverbänden geht denn auch nicht hervor, daß der Unternehmerverband der Ansicht war, die Mann- schaften wurden auf die Regelung der Arbeitszeit verzichten. Die Unternehmer haben am 29. Dezember die Arbeitszeitregelung für das Jahr 1914 zugesagt, und am 28. Januar haben sie diese Zu- sage zurückgezogen. Diese Tatsache läßt sich nicht auS der Welt schaffen, und die Unternehmer haben demnach die Verantwortung, wenn e» jetzt zum Kampf kommt. Die Unternehmer begründen ihre Haltung jetzt mit dem Hin- weis, daß sie einseitig belastet und deshalb der Konkurrenz durch die nicht im Unternehmerverband organisierten Reeder nicht stand- halten könnten. DieS trifft nicht zu; die Organisationen haben in den übrigen Betrieben ebenfalls Mitglieder, sie würden auch dort für die Regelung der Arbeitsverhältnisse eintreten. So hat der Transportarbeiterverband bei den Mitgliedern de» Unter- nehmerverbandeS fast 6000 Mann organisiert, und bei den Unter- nehmern, die nicht dem Unternehmerverband angehören, über SOOll Mitglieder. Der Unternehmerverband sucht die Sache jetzt so darzustellen, al« wenn die Mannschaften eine Kraftprobe veranstalten wollen. Aus dem Verhandlungsgang geht unzweideutig hervor, daß die Vertreter der Arbeiter alles versucht haben, um eine Einigung zu erzielende t Kampf hat schon auf der ganzen Linie eingesetzt; die Mannschaften, di« zu � zu Hause find, verweigern die Aufnahme der Schiffahrt, die anderen Mannschaften werden die Fahrzeuge am IL. Februar verlassen. Eine ganze Zahl von Unternehmern hat sich bereit» an die Or- ganisation gewandl, um Verträge abzuschließen; sie wollen die Forderung der Nachtri-kc erfüllen. Di« Christen als Wahlfälscher. In Königsberg i. Pr. fand dieser Tage die Wahl des Gehilfen- auSschusse» für die Zwangsinnung de» Maler« und Lackierergewerbes statt. Bisher hatten die Christen den Ausschuß besetzt. Diesmal be- teiligte sich auch der Zentralverband der Maler und Lackierer an der Wohl. Diese hatte eine recht rege Beteiligung aufzuweisen, und da» Wahlkomitee konstatierte, daß 1S2 Stimmen abgegeben worden wären. Man war über die große Anzahl von Stimmen verdutzt da soviel Wähler gar nicht anwesend waren. Als darüber Zweifel geäußert wurden, wurde eine. Auszählung der Wähler vorgenommen die ergab, daß nur 133 stimmberechtigte Personen anwesend waren. ES waren also zu viel Stimmen abgegeben worden. Jetzt kon- statierte der Vorsitzende des ZentralberbandeS, daß an den Tischen der Christen doppelt Stimmzettel ab- gegeben worden wären! Die Christen mußte» das auch eingestehe«! Sie hatten ihre schwache Position durch ein wenig Wahlschwindel aufbessern wollen. Unter Kontrolle des Zentral Verbandes wurde eine nochmalige Abstimmung vorgenommen, und die ergab, daß für den steten Verband lOL, für die Christen 29 Stimmen abgegeben waren. Die Christen waren also unter- legen; bei dieser Niederlage haben sie sich eine arge Blamage zu- gezogen._ Für die Arbeiter der Kaiserlichrn Werft Wilhelmshaven ist vor einiger Zeit est, neuer Lohntarif in Kraft getreten, der für die Handwerker keine Aufbesserung dringt, dagegen den Minderent- löhnten, wie Helfer, Anstreicher, Nieter, Stemmer, Magazinarbeiter, MaterialstnauSgeber, SchifsSkammer-, Kanalarbeiter usw. eine Er- höhnng deS Stundenlohnes um 1— 2 Pf. bringt. Etwas besser sind einige Kategorien der Monatelvhner wie BureauhilfSarbciter, Tele. phonisten, Hausmeister, Feuerwehrmänner. Werftwächter usw. weg- gekommen, ldie 2,60—7,60 M. monatliche Zulage erhielten. Leider st auch jetzt wiöder der Wunsch des ArbeiterauSschusseS um Ein- ührung der durchgehenden Arbeitszeit abgelehnt worden. Eine Arbeiterdemonstration auf der Bremer Werft. Wie bürgerliche Blätter berichten, veranstalteten die gesamten Arbeiter der Aktiengesellschaft Weser in Bremen am Donnerstag eine gewaltige Demonstration. AuS Anlaß der Beisetzung eines vor wenigen Tagen auf der Werft tödlich verunglückten Kameraden blieb die gesamte Arbeiterschaft, ungefähr 4000 Mann, ohne vor- herig« Benachrichtigung der Arbeit fern und folgte dem Ver- torbenen zum Grab«. Ter Betrieb auf der Werft, die gerade jetzt außerordentlich stark beschäftigt ist, ruht« deshalb vollständig. Eine Lohnbewegung der Strick- und Wirkhaudschuhbranche ist in den Chemnitzer Landbezirken im Gange. Es handelt sich darum, eine einheitliche Lohnzahlung zu erreichen. In dieser Be- ziehung herrschte bisher die größte Willkür. Den Fabrikanten ist chon im Herbst mitgeteilt worden, daß sie bei ihren neuen Kalkulationen erhöhte Löhne in Rechnung stellen sollen, um dem Vorwand zu neuer Ablehnung der Arbeiterforderung zu begegnen. Angesichts der allgemeinen Teuerung ist eine Lohnaufbesserung dringend nötig. Die Unternehmer versuchen jedoch, die Verhand- lungen auf die lange Bank zu schieben. Der Textilarbeiierverband strebt zunächst eine Verständigung auf stiedlichem Wege an. Eua der frauenbewegung. liebet„Schule und Kind" prach Genossin Anna Blos am 3. Februar im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Die Referentin zeigte, wie die Schule stets im Zusammenhang mit der Kirche gestanden habe. Sehr lang« galt jeder Fortschritt freier Erziehungslehve als revo- lutionäre Tat. Sogar die Fröbelfchen Kindergärten wurden nock, im 19. Jahrhundert als sozialistisch bezeichnet. Auch heute nock; 'teht die Vollsschule unter dem Geisteszwang der Kirche. Die Lehrerausbildung in den Seminaren hemmt jede frei« Bewegung der jungen Leute, trennt sie von der sozialen Umwelt. In letzter Zeit hat sich freilich, nicht zuletzt durch den Einfluß der Arbeiter- bewegung. manche Besserung in den Schulverhältnissen durchgesetzt. Ist doch in Stuttgart eine Sozialdemokratin sbie Referentin) in den Ortsschulrat hineingewählt worden. Aus den Erfahrungen, die sie als Mitglied des Stuttgarter OrtsschuIratS wie auch in ihrer früheren Tätigkeit als Lehrerin gesammelt hat, führte die Nednerin zahlreiche Beispiele für den unfreien, kirchlich und ge- chichtlich tendenziös gefärbten Unterricht an. der in der Volks- schule den Kindern heute geboten wird. Sollte die Volksschule auch nur annähernd der Ausgabe genügen, alle Kräfte und Fähig. leiten des Kindes zu entwickeln, so müßten zunächst die schweren Mängel abgestellt werden, unter denen sie noch heute leidet. Be- kannt sind ja die Klagen über die Schädigungen der Schüle� durch die"Ueberfüllung der Klassen, die Ueberlastung von Lehrern. die oft über 120 Schüler»nglerch unterriibftn müssen, d«n Lehrer- mangcl aui dem Lande, den schlechten Zustand vieler Schutgcbäude. die weiten Schulwege usw. Wenn in Preußen für einen Volks- chüler durchschnittlich 63 M.. dagegen für einen Schüler der höheren Schulen 279 M. und für einen Studenten gar bis über 1200 M. vom Staate zugeschossen werden, so kann wohl die Arbeiterschaft die Abstellung dieser Schäden fordern. Um zu be» greifen, welche Resultate unsere Volkschnle erzielen kann, mutz man die Lebensumstände der Schüler aus dem Proletariat in Betracht ziehen. In Stuttgart waren 81 Proz. aller Volksschüler unterernährt und über 40 Proz. davon hungerten direkt. Zu Hause haben viele Kinder keine genügende Aufsicht; oft genug müssen sie neben ihrer Schularbeit bis zum späten Abend im Hauehakk Lekfen, ftetnere Geschwister stwmflflchttge«, Kranke pflege« unt> all« diese übermäßige Arbeit unter schweren körperlichen Entbehrungen leisten. Wahre kleine Helden des Lebens findet man unter diesen Proletarierkindern. Auch hier zeigen sich Wege der Besserung: die Anfänge einer Schulspeisung, die Anstellung von Schulärzten und-Schwestern. Wie müßte die Schule beschaffen sein, die unserer Auffassung einer allseitigen Ausbildung der Kräfte des Kindes entpricht? Zu- nächst haben wir die Einheitsschule zu erstreben, die gemeinsame Ausbildung der Kinder aller Gesellschaftsklassen. Der Beginn des Unterrichts müßte in ein etwas höheres Lebensalter verlegt, da- gegen durch obligatorische Kindergärten Vorarbeit für die Schule geleistet werden. An den gemeinsamen Unterbau wäre dann ein Oberbau anzugliedern, der in zwei getrennten Zweigen die Schüler entweder für einen praktischen Erwerv oder für akadenstsche Studien vorbereitet. Auch hier dürfte nicht der Geldbeutel der Eltern, sondern die Begabung deS Schülers den Ausschlag dafür geben. Die Vorbedingung wäre volle Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel, auch die Uebernahme der Verpflegungskosten durch die Schule selbst. An die Stelle der Lernschule muß die Arbeits- schule treten, die auch die manuellen Kräfte des Kindes entwickelt. Am Gartenbau und in Wanderungen sollte Naturerkenntms ge- pflegt, durch Turnen, Tanzen und Singen die Jugend in Freudig- keit erhalten erhalten werden. Erst in einer solchen Schule könnte davon die Rede sein, die Kinder zu allseitig entwickelten freien Menschen heranzubilden; erst dann wäre erfüllt, was Ibsen forderte:„Die Jugend klopft heute an die Tür und heischt ge- bieterisch die Erfüllung ihrer idealen Forderungen, zu einem tüchtigen Menschengeschlecht erzogen zu werden." An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskussion, in der auf die Pflicht der Mütter hingewiesen wurde, den Unter- richt ihrer Kinder mit zu überwachen und den in der Schule gepflegten antisozialen und hurrapatriotischen Tendenzen entgegen- zutreten._ Frauenseminar für soziale Berufsarbeit. Am 80. Januar bat sich in Frankfurt a. M. ein Berein„Frauenseminar für soziale Be- rufSarbeit" konstituiert. DaS Seminar stellt sich die Aufgabe, weibliche Arbeitskräfte für den Dienst des Staates, der Gemeinden, der Kirche und der privaten Vereine heranzubilden und zwar durch Unterweisung in der praktischen Arbeit sowie durch theoretischen Unterricht. Die Ausbildung dauert bei durcbichnittlich 30 Wochen- stunden 2— 8 Jahre. DaS Schulgeld beträgt 300 M. jährlich. Auf- genommen werden Mädchen und Frauen über 18 Jahre, die ein Lyzeum oder eine neunstufige Mittelschule erfolgreich besuchten, oder eine gleichwertige Ausbildung nachweisen können. Die Ausbildung umfaßt alle Gebiete sozialer Fürsorgearbeit, soweit sie für Frauen in Betracht kommt, den theoretischen Unterricht in Hygiene. Er- ziebungslebre, den einschlägigen Gebieten der Staats« und Ver« waltungslehre, im Armenwesen und Unterricht in Handfertigkeit und Bureautechnik. Ein Bedürfnis nach gut ausgebildeten weiblichen Arbeitskräften für soziale Berufsarbeit ist wohl vorhanden. Wir können nur wünschen, daß der Verein und daS Seminar stet» ihr Ziel,„die Hebung des VerständnisieS für sozialpolitische Erscheinungen", im Auge behalten und daS durch Vermeidung ontisozialdemokratischer Tendenzen beweisen. Die Wahl der Lehrkräfte und die nähere Aus- arbeitung deS LehrplanS werden davon Kunde geben. Nichts wäre schädlicher, als wenn man den Schülerinnen, die später mit dem Proletariat zusammenarbeiten sollen, von vornherein den Blick durch eine parteipolitische Brille trüben würde. Letzte Nachrichten* Der Waljlrcchtskampf in Ungarn. Budapest, 7. Februar.(Eig. Ber.) Der Wahlrechts- ausschuß hat programmäßig seine Beratungen begonnen. Das Interesse des ganzen Landes richtet sich jetzt auf diese Be- ratungen. Der Wahlrechtsausschuß wird täglich vormittags Sitzungen abhalten. Die Arbeit dürste sehr langwierig werden, jedoch ist ein Uebereinkommen in diesem Ausschuß gesichert und es wird dort zu keinem Konflitt kommen. Da- mit ist steilich das Schicksal des Wahlrechtsentwurfes noch nicht entschieden. Das letzte Wort hat daS Volk. Der Ministerpräsident Lukacz hat gleich in der ersten Sitzung des Ausschusses erklärt, daß der Gesetzentwurf in seinen Haupt- formen unverändert bleiben muß. Graf Tisza veröffentlichte dieser Tage einen Artikel, worin er wohl zugibt, daß im Interesse der industriellen Arbeiterschaft Erweiterungen des Wahlrechts notwendig er- schienen, im Interesse des nationalen Staates müsse jedoch die Wählerzahl beschränkt bleiben. Es herrscht die Meinung, daß der Wahlrechtsausschuß die Altersgrenze der Wähler auf 30 Jahre belassen, daß aber die Bestimmung, wonach in- dustrielle Arbeiter nur dann Wähler sind, wenn sie zwei Jahre bei demselben Unternehmer arbeiten, fallen werde. Es wird angenommen, die Regierung mache diese Konzession, weil die industrielle Arbeiterschaft den Generalstreik vorbereitet und die Regierung diesen fürchtet. Die sozialdemokratische Partei hat am Dienstag ein Flugblatt an die Soldaten herausgegeben. Dasselbe wurde konfisziert, jedoch hatten die Soldaten in den Kasernen bereits ihren Teil in Empfang genommen. Am Freitag gibt die sozialdemokratische Partei ein Flugblatt an die Werkarbeiter heraus, das in ungarischer, deutscher, slawischer und rumäni- scher Sprache abgefaßt ist._ Schwierigkeiten in der albanischen Frage. London, 7. Februar. Wie das Reutersche Bureau hört, haben die Botschafter bei ihrer gestrigen Sitzung die albanische Frage besprochen. Viele Erwägungen über den großen Umfang des Gegenstandes führten dazu, daß die Diskussion nur ganz allgemein gehalten wurde. In manchen Kreisen hat man das Gefühl, daß nach verschiedenen Richtungen hin die Lage In angemessener Weise nur an Ort und Stelle behandelt werden kann und daß xz hierfür vielleicht notwendig sein wird, eine internationale Kommission ein- zusetzen.__ Die Seuche unter den türkischen Kriegsgefangenen. Belgrad, 7. Februar.(W. T. B.) Wie die„Pvlitika" meldet. ist außer in Negotin auch in Zajecar und Kujazevac unter den türkischen Kriegsgefangenen Flecktyphus aufgetreten. In diesen drei Städten sind bisher insgesamt vierhundert türkische Soldaten erkrankt._ Ein französisches Motorboot gesunken. Dover» 7. Februar.(P. C.) Das französische Motorboot „Lewynski" ist heut- früh im Kanal gesunken. Der Kapitän wurde gerettet. Die aus wer Mann bestehende Besatzupg ist er- t ru>�e n. Opfer des Tropenkollers. Lissabon, 7 Februar.(P.£,) Wie aus Lourenco Marques gemeldet wird, ist der Wasseringenieur Tissot plötzlich vom Tropen- Zoller befallen worden In diesem Zustande hat er seine aus Deutschland geburtige Frau sowie seine Tocbter erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Bevorstehender Eisenbahnerstrcik in Nordamerika. New Äork, 7. Februar.(W. T. B.) Dreißigtausend Angestellte der Ostbahnen haben fast einstimmig für den Ausstand gestimmt. UttäntwTRedakt.:«lfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Üb- Glocke, Werft n. Drurl u. Verlag: Vorwärts Puchfrc. u, VerlagsanstaU Paul Singers Co., Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen u. anterhaltungSbl. i,.3s. MZchM-. i. Keilllge dkg Jormiittö" Ifrliiict lolfeMalt. Rexcbstaöf. tvs. Sitzung. Freitag, den 7. Februar 1918, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. Delbrück. Etat des Reichsamts des Innern. Fünfzehnter Tag. Die Beratung wird beim auherordentlichen Etat„Förderung der Herstellung von Kleinwohnungen: 4 Millionen Marl" fortgesetzt. Abg. Dr. Jäger(Z., auf der Tribüne unverständlich) scheint für eine einheitliche Regelung der Wohnungsfrage im Reich sich auszusprechen, die durch die preußische Vorlage keines« Wegs überflüssig geworden sei. Abg. Gotting snatl.): Wir hoffen, daß die Arbeiten deS Reichs- tages auf dem Gebiete der Wohnungsfiirsorge nicht vergeblich sein werden, und daß die einzelstaatlichen Gesetzentwürfe später in einem Reichswohnungsgesetz zusammengefaßt werden, in welchem die vom Reichstag mehrfach ausgesprochenen Wünsche zur Gellung kommen. Diese Entwickelung müssen wir abwarten. Wichtiger erscheinen uns für den Moment Maßnahmen zur Hebung des Kredits für die Hausbesitzer, was durch Schaffung eines Reichspfandbriefamts geschehen könnte. Das Reich könnte auch entsprechende Einrichtungen von Einzelstaaten oder von Städten unterstützen. Abg. Graf Westarp(k.): Die Wohnungsgesetzgebung, soweit sie sich auf die Wohnungsaufsicht bezieht, ist meines Erachtens Sache derEinzelstaaten.(Sehr richtig! rechts). Die Wohnungsaufsicht ist Sache der Polizei, und auch nach dem jetzt in Preußen geltenden Recht kann die Polizei weitgehende Verordnungen in dieser Richtung erlaffen. Auch der Staatssekretär steht nach seinen Erklärungen in der Budgetkommiision auf demselben Stand- Punkt und meinte, für das Reich komme nur ein inhaltlich wenig bedeutungsvolles Rahmengesetz in Frage. Er teilte mit. daß in Preußen Verbandlungen über ein Wohnungsgesetz schweben, und fügte hinzu, falls Preußen in diesem Jahre nicht eine Vorlage ein- bringe, werde die Reichsgesetzgebung eingreifen. Mit dieser Er« Ilärung können meine politischen Freunde sich nicht einver- standen erklären. Formell hat das Reich die Befugnis zur Erweiterung seiner Zuständigkeit. Die Zuständigkeit darf aber keines- wegs mit der Begründung erweitert werden, daß der Inhalt der Landesgesetzgebung auf einem ihr vorbehaltencn Gebiet den Reichsorganen nicht genügend erscheint. Deshalb müssen wir uns auch gegen die gestrig« Aeußerung des Grafen Po fadowsky wenden, wenn das preußische Gesetz den Be- dürfnissen des Volkes nicht genüge, müsse das Reich eingreifen. Das Reich hat keine Kontrolle über den Inhalt der Gesetze der Einzel- siaaten. sLebhafte Zustimmung rechts, Widerspruch und Hört I hört l links.) Die Erklärung des Staatssekretärs gewinnt noch erhöhte Bedeutung durch den Zeitpunkt, in dem sie abgegeben wurde. In Preußen waren die Verhandlungen fast bis zum Ab- schlutz gediehen, und Preußen hatte seine Geneigtheit zur Ein- bringung eines Gesetzes zu erkennen gegeben. Trotzdem kündigte der Staatssekretär das eventuelle Eingreifen der Reichsregierung an. Es vergeht kaum eine Woche, ohne daß meine Freunde hier dagegen protestieren müssen, daß der Reichstag in einzelstaatliche Angelegenheiten einzugreisen sucht. Mit dem Reichsberggesetz, mit dem Mißtrauensvotum in der Enteignungs- Politik, mit dem sozialdemokratischen Antrag aus Aenderung des Wahlrechts in den Einzelftaaten suchen die Sozial- d e m o k r a t e n an der Verfassung der Einzelstaaten zn rütteln. Sie haben ja auch ganz offen den Zweck, die Bundesstaaten ab- zuschaffen und ein einheitliches Reich mit parla« >n entarischer Regierung zu bilden. Das kann ihnen nicht auf einmal gelingen, und deshalb versuchen sie andauernd a n den Grundlagen der Verfassung zu rütteln. lLinkS: Hui hui) Um so bedauerlicher ist eS. daß der Staatssekretär durch seine Erklärung diesen Bestrebungen Vorschub leistet. ■ Der Redner spricht sich dann für eine Erweiterung des Erbbau- rechtes auS; der Vorschlag. daS Reich solle Bürgschaft für zweite Hypotheken übernehmen, erscheint ihm dagegen sehr bedenklich. kleines Feuilleton. Die Kosten der Lebenserhaltung und der LebcnSvcrnichtung. Der Durchschnittswert eines Menschenlebens ist kaum zu er- mittein, da er nach der körperlichen und geistigen Fähigkeit zu großen Schwankungen unterliegt. Es ist daher eine sehr oberflächliche Schätzung, ivenn eine der größten LebensversicherungS- gesellschaflen kürzlich das Ergebnis einer neuen Statistik dahin zusammenfaßte, daß der jährliche wirtschaftliche Verlust an vcrmcidbarcn Todesfällen mit 6 Milliarden Mark gering veranschlagt sei. Der bekannte Oberst GorgaS, dessen Verdienste um die gesundheitlichen Verhältnisse unter der Arbeiterschaft am Panamakanal anerkannt worden sind, hat damit die Grundlage zu einer weiteren ähnlichen Berechnung gegeben, die allerdings einer Verallgemeinerung nicht fähig ist. Danach wird die Kostenersparnis durch Lebensrettung an den Arbeitern auf der Landenge von Panama auf rund IV M. pro Person und Jahr geschätzt. Der Präsident Jordan von der Slansord-Universität hat nun auch die Kehrseite der Medaille in Betrachtung gezogen, indem er berechnet hat. wieviel die Vernichtung eines Menschenlebens kostet. Er kann damit selbstverständlich nur die Ausgaben meinen, die von den einzelnen Staaten� für den Kriegsfall gemacht werden. Jordan kommt zu dem Resultat, daß es im moderneu Krieg ungefähr 60 VW M. kostet, einen Menschen zu töten. Auch ein solches Mittel niutz mit einer großen Unsicherheit behaftet sein, da sich im Verlauf eines Krieges nicht allein um die zuvor geschehenen Ausgaben handelt, auch nicht ausschließlich um solche, die unter allen Umständen notwendig sind, wie die der Er- nährung und Verpflegung, sondern noch um besondere Ausgaben je nach der Lage des KtiegSschauplatzes. Beim Burenkrieg beliefen sich bei'pielsweiie die Rosten für die Tötung eines Menschen aus nahezu 160 000 Mark. Es hat danach den Anschein, daß die Er- hallung von Menschenleben immer noch billiger ist als ihre Ver- nichtung. und darin liegt ein gewisser Trost. Die Anhänger des Weltfriedens werden daraus weitere Gründe herleiten, während andererseits die Leute, die den Krieg für ein unvermeidliches oder sogar unentbehrliches Uebel hallen, behaupten werden, daß gerade die Höhe der Kosten für die Tötung eines Menschenlebens abschreckend, also eigentlich gleichfalls zur Erhaltung von Menschenleben wirkl Theater. Deutsches Theater:„Der Kampf umS Rosen. rote" von Ernst H a r dt.(Die Buchausgabe erschien im Insel- Verlage.) Aller llterarlscher Stoffwechsel vollzieht sich scheinbar im Kreise:— Abgetanes kehrt wieder. Das lernt man an diesem Schauspiel und mochte stch wehmütig des(Älaubens an eine grad- linige EntWickelung des allerzungst deutschen Dramas cntschlagen. Vor zwanzig Jahren und mehr wimmelte es von Romanen und Theaterstücken, in denen ,mmer wieder bis ,uin Ucberdruß der Konflikt zwischen Klndesgehor,am und elterlichem Starrwillen. »wischen Liebe und Pflicht behandelt wurde. Und nicht minder oft begegnete man da dem ewigalten Künstlerproblcm in dem" Kon- trost zwischen Genie und Talent, zwischen Mansardenelen'o und wohlhabiger Schwelgerci. Und das alles kehrt uns nun in Hardts Schauspiel wieder!„Käthe", die� warmherzige, opferwillige Ding. Staatssekretär Dr. Delbrüi' Die von mir in der Kommission abgegebenen Erklärungen haben zu Mißverständnissen und Mißdeutungen Anlaß gegeben, und außerhalb dieses Hauses sind Angriffe von solcher Schwere gegen mich gerichtet worden, wie ich sie nicht für möglich gebalten hätte. Angriffe, die die Grenzen einer sachlichen Kritik weit überschritten haben. Ich muß deshalb- etwas eingehender darauf zurückkommen. Bereits im vorigen Jahre habe ich bei der Beratung dieses Titels erklärt, die verlangte reichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens würde in Materien eingreifen, die den Bundesstaaten überlassen sind und ihnen verständigerweise überlassen bleiben müssen. Ich fügte hinzu, die Hoffnung, daß die Bundesstaaten auf diesem Gebiete vor- gehen werden, habe sich bisher nicht erfüllt, und ich müsse zu- geben, daß große Mißstände bestehen. Ich schloß dann mit den Worten:„Wenn die Bundesstaaten weiterhin versagen, werden w i r wohl an die Regelung dieser Frage herangehen müssen.(Hört! hört! links.) Ich habe also damals meinen Standpunkt mit etwas anderen Worten genau so präzisiert wie in diesem Jahre in der Budget- kommission. Kein Mensch innerhalb und außerhalb dieses Hauses hat an dieser Erklärung Anstoß genommen. Sie ist hingenommen worden als das Anerkenntnis für ein dringendes Bedürfnis aus dem Gebiete des Wohnungswesens und dafür, daß, was an mir liegt, geschehen soll, um diesem Bedürfnis abzuhefen. Der Reichs- tag hat eine Kommission von 21 Mitgliedern eingesetzt und diese hat e i n st i m m i g eine Resolution angenommen, in der eine reichs- gesetzliche Regelung aller der Fragen verlangt wird, die nach der Erklärung des Grafen Westarp nicht in ein Reichsgesetz gehören, und die Resolution verlangt ferner, die ReichSleitung solle ihren Einfluß geltend machen, damit die Bundesstaaten eine Reihe von Fragen fördern, die ganz unbestritten nicht zur Kompetenz deS Reiches gehören. Die Kommission, in der Mitglieder der Rechten fleißig mitgearbeitet haben, wollte also über den Staatssekretär des Innern hinweg ein Reichsgesetz, ohne das Re- sultat der Verbandlungen abzuwarten, die ich in Aussicht gestellt habe; und diese Resolution ist dann hier im Reichstage einstimmig angenommen worden.(Lebhaftes Hört I hört I links.) Der Bundes- rai, der keinerlei Stellung für oder wider die Sache genommen hat. hat sie dem Reichskanzler überwiesen. Ich habe, den mir von, Bundesrat gegebenen Weisungen entsprechend, bei den wichtigsten Bundesstaaten angefragt, und die Antwort bekomme», daß die An- gelegenheit bereits zweckentsprechend geregelt sei. Inzwischen hatte Preußen bereits die Initiative ergriffen und die Verhandlungen aufgenommen. Preußen erklärte, es halte aus diesem Grunde ein Einschreiten deS Reiches nicht für notwendig. Die Absicht, den Gesetzentwurf noch vor Pfingsten zu veröffentlichen, konnte nicht ausgeführt werden. Der Gesetzentwurf, das kann ich versprechen, wird aber im Herbst vorgelegt werden. Es ist selbstverständlich, daß die Sache jetzt uicht mehr auf die lange Bank geschoben werden kann. In der Budgetkommission habe ich das auch erklärt und meinen Standpunkt nochmals präzi- siert. Dort wurde mir vorgeworfen, ich hätte die Sache auf Preußen abgeschoben. Das ist jedoch nicht der Fall. Weite» wurde mein guter Wille zur Förderung der Angelegenheit bezweifelt. Darauf habe ich geantwortet, daß eine reichsgesetzliche Regelung in Angriff genommen würde, wenn Preußen nicht vorgehen sollte. In. der Kommission wurde immer wieder die Frage angeschnitten, was geschehen würde, wenn ich mein Versprechen nicht erfüllen könnte. Darauf habe ich erklärt, die Sache ist sehr Knfach; kann ich mein Versprechen nicht erfüllen, dann wird eS eben ein anderer Staatssekretär einzulösen suchen. DaS ist der einzige Weg, den ein Staatssekretär in einem konstitutionellen Staate gehen kann. Man hat in dieser Frage auf einen Konflikt zwischen dem Minister V.Dallwitz und mir geschloffen. Der preußische Minister ist in dieser Frage allein überhaupt nicht zuständig, und eine derartige Ansicht ist voll- kommen verfehlt. An anderer Stelle hat man mir vorgeworfen, ich hätte durch mein Verhalten in der Budgetkommission eine Verbeugung vor der Sozialdemokratie gemacht.(Zuruf: Schrecklich I> Auch das ist irrig. Wenn ich eine Verbeugung gemacht habe, so ist es gegeir den Reichstag gewesen, nicht aber gegen eine einzelne Partei. Man hat diese Sache in Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen gestellt. Herr O e r t e l hat mir aus meinem Verhatten den Vorwurf der mangelnden Entschlossenheit, der mangelnden Offensive, beinahe der das heute diesem gehört, morgen an einen anderen abgegeben wird, „Robert Brück", der nihilistisch sich gebärdende„Sozialdemokrat", ..Vult", das S«h:anlragt nnd haben schon immet die Not der Veteranen anerkannt.(Beifall vechtS.), Ein Schlußantrag loird angenommen. Abg. Leinert«Svz.) stellt in persönlicher Bemerkung gegenüber dem Abg. es t r o s s e r fest, daß er nicht gesagt habe, die Groß- Grundbesitzer hätten kein Herz, sondern sie hätten durch die Ab- lehnung der Erbschaftssteuer eine Erhöhung der Veteranenbeihilfen unmöglich gemacht. Wenn Strosser daraus schließt, daß die Großgrundbesitzer kein Herz haben, so ist das seine Sache.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe auch nicht von einzelnen, sondern von Parteien im Reichstag gesprochen, die Portemonnaie- Interessen voranstellten und habe nicht gesagt, daß das Reich nichts bezahle, sondern daß Preußen nichts dazu gebe.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das Medizinalwescn. Abg. Heckenroth(f.) wünscht Hebung des Hebamnrenstandes und der Lage der Krankenpflegerinnen, um auch auf diese Weise der Säuglingssterblichkeit abzuhelfen und etwas Sonne in das schwere Dasein der Krankenschwestern zu bringen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Faßbender(Z.) schließt sich an, begrüßt die Ver- ösfentlichung des Wohnungsgesetzentwurfs als eine Borarbeit zu energischer Bekämpfung der Tuberkulose, meint, daß die impf- gegnerische Agitation am besten dadurch bekämpft würde, daß bei der Impfung mit aller Vorsicht vorgegangen würde und wünscht Zentralinstitute zur Krebsforschung, sowie energisches Vorgehen gegen Alkoholismus, Geschlechts- und Stoffwechselkrankheiten als Entartungserscheinungen. Minister v. Dallwitz: Die Hauptsache für die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit ist die Belehrung der Mütter durch die Heb- ammen, die möglichst günstig gestellt werden sollen. Die Dienst- Verhältnisse der Krankenpflegerinnen können bei ihrer Verschieden- artigkeit nicht von oben herab geregelt werden. Die Beschwerden gegen Jmpfärzte kommen meist von notorischen Jmpfgegnern. Das ist zu bedenken. Abg. Dr. Urning(natl.) empfiehlt dem Leipziger Aerzteverband. dafür zu sorgen, daß auf dem Laude sich genügend viele A e r z t e ansiedeln und wendet sich gegen den Erlaß des Ministers des Innern über die Erlangung der Rechtsfähigkeit der ärztlichen Bereine, der einen Eingriff in die Rechtspflege darstelle. Der Geburtenrückgang ist auf die Abnahme des Willens, Kinder zu bekommen, zurückzuführen. Das ist eine Art Mode- krankheit. Im Interesse unserer Stellung in der Welt müssen istaat und Gesellschaft dafür eintreten, daß der Geburtenrückgang nicht fortschreitet. Unmittelbar wirksame Mittel zur Abhilfe waren Hebung des Hcbammenstandes, Steuererleichterungen für kinder- reiche Väter, Fürsorge für Schwangere. Wöchnerinnen und die fugend, Wohnungsgesetz, innere Kolonisation und nicht zuletzt die Erziehung eines heroischen Geistes im Volke. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Dallwitz erklärt, daß der Erlaß über die Rechts- sähigkeit einwandfrei sei. Abg. Lüdicke(fk.) rügt die Uebertreibungen deS an sich nützlichen Leipziger Aerzteverbandes und spricht dann über Bäder, Medizinstudium und Schulzahnpflege. Abg. Dr. Mugdan(Vp.) erklärt, daß nur der Selbstwille. der auf einer strengeren Auffassung der Pflichten der Eltern gegen die Kinder beruht, den Geburtenrückgang verschulde. Die Säug- lingSsterblichkeit mutz bekämpft werden, aber da hat das Zentrum bei der Reichsversicherungsordnung versagt. Die Landkrankenkaffen, die ihre Leistungen obligatorisch machen, sollte der Staat unter- stützen. Dem Aerztekonflikt sollte durch Tarifverträge ein Ende gemacht werden. Leiter der Medizinalabteilung Geheimrat Dr. Kirchner: Bei dem Rückgang der Sterblichkeit braucht uns der G e- burte n ruckgang nicht zu beunruhigen. Auch die Säuglings- sterblichkeit geht zurück. Solange noch die Bevölkerung ständig zunimmt, hat die Sache noch keine Gefahr und wird unsere Wehr. sähigkeit noch nicht beeinträchtigt. Es ist zuzugeben, daß es besser ist, wenn in einer Familie nur sechs Kinder geboren werden und gedeihen, als wenn zwölf geboren werden, von denen ti oder 8 bald wieder sterben. Eine gewisse Beschränkung der Geburtenziffer kann ethisch sein, aber bei dem wachsenden Wohlstand, wo von einer Unterernährung gar keine Rede sein kann, ist der Geburtenrückgang auf einen höchst verwerflichen Gebrauch von Mitteln gegen die Empfängnis und zur Zerstörung der Frucht im Mutterleibe zurückzuführen. AuS den Zeitungen sehen wir,'daß sich gewissenlose Menschen ein Ge» werbe daraus machen, derartige Mittel zu verbreiten.(Abg. Hoff- mann: nur in bürgerlichen Zeitungen!) Der Geburten- rückgang ist in Groß-Berlin größer, als irgendwo sonst in Deutsch- land, und in Berlin wieder nicht im Westen, wo angeblich die reichen Leute wohnen, sondern im Osten, wo die Arbeiter wohnen am größten.(Hört! hört!) Der Redner wendet sich dann scharf gegen die Kolportag« von Drucksachen, die Verhütung der Empfäng- nis und dergleichen mehr empfehlen, spricht über die schweren Ge- sundhcitsschädigungen durch absichtlich herbeigeführte Fehlgeburten und über die bedauerliche Zunahme des Kindbettfiebers. In den p o ln i s ch e n Gegenden gibt es so gut wie keinen Geburtenrückgang. (Hört! hört!) Abg. Ströbcl(Soz.) 5 Von uns ist immer schon gefordert worden, daß dem Heb- a m m e n w c s e n größere Aufmerksamkeit zugewendet und dafür staatliche Mittel in größerem Umfang aufgewendet werden. Ueber die außerordentlich traurige Lage der Krankenpflege- r.i n ii c n ist insbesondere auch von unserer Seite, so vom Abg. A n t r i ck, im Reichstag eingehend gesprochen worden. Rur 13 Pro- zent der Krankenpflegerinnen haben eine kürzere Dienstzeit als 11 Swnden, und häufig werden die freien Stunden auch noch zur Unterrichtserteilung benutzt, sowie das Pflegepersonal auch noch zu Nachtwachen herangezogen. Dabei sind die Löhne außerordentlich niedrig. Wir können jetzt auch feststellen, daß unsere energischen An- rcgungen aus umfassende S chu I g e su n dh ei tsp fl e g e mehr und mehr von allen Kreisen aufgenommen werden. Herr Ar- n i n g hat dem Leipziger Aerzteverband gedankt, daß er vor einem allzu zahlreichen Zustrom zum ärztlichen Beruf gewarnt hat. ES ist aber doch festgestellt, daß, namentlich auf dem platten Lande, nicht zu viel, sondern zu wenig Aerzte sind. Das ärztliche Studium und der ärztliche Beruf sollten überhaupt nicht lediglich vom Standpunkt der Versorgung und des guten Einkommens be- trachtet werden, sondern es sollte auf den Bedarf an Aerztcn Be- dacht genommen werden. Die einzige vernünftige Lösung ist frei- lich die Erfüllung der programmatischen Forderung der Sozial» dcmotratie, das ganze Aerztewesen zu verst.aatlichen und den Aerzten ein angemessenes und anständiges Gehalt zu zahlen. Wenn eö sich um das höchste Gut des Volkes und des ein- zelnen Menschen, um die Gesundheit handelt, dann darf ihre Pflege nicht zum Gegenstand der Spekulation auf ein gutes Einkommen gemacht werden. Roch mehr gilt das vom Apothekerwesen. Es ist doch eine Ungeheuerlichkeit, daß die Krankenkassen und die leidende Menschheit jährlich Millionen und Millionen an die 'Monopol besitzenden Apothekeninhaber bezahlen müssen, während die Medikamente für�einen winzigen Bruchteil des Verkaufspreises hergestellt werden. Solche Zustände sind eines vernünftigen und kultivierten Staatswesens überhaupt unwürdig. Das Medizinalwcsen müßte eigentlich selbständig und sein Direktor ein sozial vorgebildeter Arzt sein, damit nicht nur an den Symptomen herumkuriert, sondern eine großzügige Verhütung der Bolkskrankheite» in Angriff genommen werde. Professor M o s s e hat in einer ganz neuen«chrift festgestellt, daß die Tuberkulose in der Tat ein« soziale Krankh eit ist. die ebenso sehr aus sozialer, als auf individueller Disposition beruht. Wie kann der Regiemngs- kommissar erklären, daß von einer Unterernährung gar keine Rede sein könne! Wie kann daS ein Arzt sagen. Er mutz doch wissen. daß ig Preußen immer noch 40 Proz. der Bevölkerung ein Ein- kommen von weniger als 00,0 Mark, der ollergrößte Teil eins unter 1SW M. hat, und daß bei der heutigen Teuerung eine Familie, die nicht einmal 1S M. Einkommen hat, sich uu- möglich eine Wohnung leisten kann, die nicht eine Höhle der Tuberkulose ist, und eine Nahrung, wie sie bei schwerer kövper- licher Arbeit unentbehrlich ist. Wir erheben schärfsten Ein- spruch gegen diese Aeußerung des Regierungsvertreters!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Erhöhung d.eS Lebensniveaus der arbeitenden Bevölkerung ist die beste Verhütung der Tuberkulose. Freilich müßte das in allen Abteilungen des Ministeriums erkannt und danach gehandelt werden. Die Verbesserung der Lebenslage der Volksmassen ist in Wahrheit eine nationale Pflicht. Pro- fessor Masse weist auch nach, daß die staatliche Arbeitevversicherung keinen Einfluß auf die Senkung der Tuberkulosesterblichkcit hat, denn diese ist auch in England eingetreten, wo diese Versicherung bis vor kurzem fehlte. Wenn es Ihnen wirklich ernst ist mit der Hebung der Volksgesundheit, dann dürfen Sie nicht mehr gegen die Bestrebungen der Arbeiterklasse eifern! Die zur Tuberkulosebekämpfung erforderliche weitgehende Wohnungsfürsorge wäre nur möglich, wenn in Preußen mehr Mittel für Kulturzwecke vörhanden wären. Eine amtliche Statistik beweist, daß in Hamburg der Progentsatz der Tuber- kulosesterblichkeit beträgt: bei einem Einkommen von 900 bis 1200 Mark 6 Proz.. von 1200 bis 2000 M. 4,25 Proz., von 2000 bis 3500 M. 2.27 Proz.. von 3500 bis 5000 M. 2,08 Proz., von 5000 bis 10 009 M. 1,26 Proz., von 10 000 bis 25 000 M. 0,7 Proz.! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Lebensmittel- tcuerung leistet der Tuberkulose Vorschub. Ist doch nachgewiesen, daß von dem Gesamteinkommen für Nahrungs- mittel verwendet werden müssen: bei einem Einkommen von 1200 Mark 55 Proz., von 3000 bis 4000 Vi. 38 Proz. und von über 5000 Mark 30 Proz.! Wer den Volkskrankheiten entgegentreten will, muß die Lebensmittelverteuerung und indirekte Besteuerung be- kämpfen. Masse schließt:„Die Tuberkulose ist eine Magen- frage und eine Wohnungsfrage und alle Maßnahmen, die geeignet sind, eine Verbilligung der Nahrungsmittel und eine Verbesserung der Wohnungen herbeizuführen, müssen in großem Umfang angestrebt werden."(Hört! hört! bei den Sozialdeni» kraten.) DaS ist ganz unser Standpunkt; freilich die lächelnden Herren Agrarier hier wollen davon nichts wissen, denn sie ver- dienen bei den hohen Preisen.(Sehr wahr! links.) ES muß' den Kommunen die Möglichkeit gegeben werden. Wohnungen für die Minderbemittelten zu bauen. Das sollte auch das Z e n t r u vi begreifen, dessen feindliche Haltung gegen Berlin in der Frage der Waldverkäufe sich direkt gegen die Gesundheit von Millionen richtet. Zur Wohnungspolitik gehörte natürlich auch die Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs in den Gemeinden, davon aber wollen Sie alle nichts wissen. 1911 betrugen die Ausgaben der Krankenkassen für Mutter- und Kinderschutz nur 6,7 Millionen Mark bei 357 Millionen Mark Gesamtausgaben, also nur ein Zwerundfünfzigstel. Es müßte Sch wangerenunter st ützung eingeführt, die W ö ch- nerinnennnterstützung auf mindestens acht Wochen aus- gedehnt werden, auch auf dem Lande, was die Regierung seinerzeit im Reichstag als gänzlich unannehmbar erklärt hat.(Hört! hört! links.)— Die Geburtenzahl ist außerordentlich stark zurück- gegongen; seit 1876 von 47,1 vom Tausend auf 21,6 vom Tausend im Jahre 1911, aber das ist nicht nur in Berlin zu verzeichnen, sondern in allen Landesteilen, auch in dem vom Regierungs- kommissar rühmend hervorgehobenen Osten! Es läßt sich daher nicht leugnen, daß es hauptsächlich soziale Ursachen sind, die den Geburtenrückgang bedingen. Und die größte Sorge der herrschen- den Klassen ist, daß, wenn die Entwickelung so weiter geht, der Militarismus Gefahr läuft, nicht mehr das erfor- derliche Rekrutenmaterial zur Verfügung zu haben. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die WohnungSverhält- nisse sind besser gsworden, aber sie liegen noch sehr im argen. Dazu kommt das Streben auch der Arbeiter, ihre Kinder möglichst vor dem eigenen traurigen Los zu bewahren, und ihnen eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. DaS können sie aber nur, wenn sie eine Beschränkung in der Kinderzahl eintreten lassen. Dieses gesteigerte soziale Verantwortlichkeitsgefühl ist auch ein Beweis für unsere Erziehungsarbeit. An sich wünschen wir den Geburtenrückgang nicht. Wir wollen, daß das Volk, dem wir angehören, dessen Sprache wir sprechen, dessen Kulturgüter wir schätzen, möglichst zahlreich und möglichst machtvoll ist. Aber wir können den einzelnen Personen keine Vorschriften machen. Verdächtige Anzeigen werden von sozialdemokratischen Zeitungen nicht aufgenommen, vielmehr sehen wir gerade in der gesinnungstüchtigen Presse ganze Spalten, ja, ganze Seiten wenig einwandfreier Annoncen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Weshalb ist denn da die Regierung längst nicht vor- gegangen? Freilich, sie hätte in die Annoncenplantagen der staatSerhaltenden Presse einbrechen müssen, und das Blatt, das sich auf diesem Gebiete am meisten unrühmlich aus- zeichnet, ist der„B e r l i n e r L o k a l a n z e i g e r". der ja am Hofe unzerschnitten gelesen wird.(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Ein absolutes Verbot antikonzeptioneller Mittel ist nicht angebracht. Gewiß kann man Mittel verbieten, deren Ver- Wendung dem menschlichen Körper schädlich ist, aber harmlose, nicht gesundheitsschädliche Verhütungsmittel müssen zulässig sein. Nur um Gottcswillen keine Moralhcuchelei! � DaS gilt auch von den Geschlechtskrankheiten, die in unseren» Volke eine unheimliche Verseuchung angerichtet haben. Die Zahl der Geschlechtskranken wächst mit der Größe der Städte. Wenn diese Zahl aber auch auf dem Lande kleiner ist, so ist daS keineswegs auf eine größere Sittlichkeit zurückzuführen, sondern darauf, daß der Seuchenherd, die getverblicke Prostitution auf dem Lande fehlt. Gewiß ist die Zahl der geschlcchtskranken Arbeiter sehr groß, aber dreimal so groß ist die Zahl der g e s ch l c ch t S- tranken Studenten, und von diesen waren 45 Proz. be- reits als Schüler infiziert. ES liegt also kein Grund vor. sich über die Unsittlichkeit der Arbeiterschaft moralisch zu entrüste». Alle vernünftigen und tauglichen Mittel zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten sollten angewendet werden. Der Ä l k o h o l i s- in u S, der bei der Verbreitung dieser Krankheiten eine große Rolle spielt, wird von der Arbeiterschaft in der schärfsten Weise be- kämpft. Hätten Sie unsere Jugendorganisationen nicht zertrümmert, so hätten wir auf diesem Gebiet viel Unheil verhüten können. Wie die Jugend der besitzenden Kreise sich beträgt, haben wir in den letzte» Tagen in Ma r b u r g gesehen, wo wegen ander- weitiger Festsetzung der Polizeistunde 299 Studenten Schutzleute mißhandelten und die Fenster der Polizeiwache mit Pflastersteinen ein- warfen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie werden ja gelinde davonkommen, und ich wünsche ihnen auch gar keine harte Strafe. Aber es soll mit gleichem Maß gemessen werden. iSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) AuL diesen Kreisen gehen später die Staatsanwälte und Richter und auch die Regierungsvertreter hervor.(Heiterkeit.) Auch aus dem Gebiet der sexuellen Aufklärung mutz mehr als bisher geschehen. Blaschko und Fischer sehen in einer frühen Elze das beste Mittel gegen die Geschlechtskrankheiten. Wenn man aber die Lebens. Haltung verteuert, dann macht man es den Arbeitern unmöglich, frühe Ehen einzugeben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dann muß er zur Prostitution greisen. Durch Traktätchen. durch Moralpaukereien und durch das Perhorreszieren fleischlicher Sün- den ist noch niemals einxls erreicht worden. Erst wenn sich eine freie und gesunde Auffassung von gcschlecht- lichen Dingen durchgesetzt hat. wird sich jeder Mann davor schämen, von der gewerbsmäßigen Prostitution, diesem Seuchen- Herd der Geschlechtskrankheiten, Gebrauch zu machen. Wir Sozial- demokraten täuschen uns allerdings darüber nicht, daß die Pro- stitutio» erst mit dem kapitalistischen System beseitigt werden kann. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dieses System erzeugt die Nachfrage. Wer ,'flr Gekde wühlt, hat da» Bedürfnis, sich Menschenfleisch zu kaufen. Auf der anderen Seite muß die prolc- tarisierende Tendenz des Kapitalismus das Angebot erhöhen. Selbstverständlich gehört auch ein gewisser Hang zu diesem Laster mit dazu. Diese elenden und traurigen Zustände werde» erst mit der Beseitigung des kapitalistischen Systems selbst fallen.(Ironische Zustimmung rechts.) Ihre rückschrittliche Politik wird eS allerdings zuwege bringen, daß wir die Massen für den Sozialismus noch früher gavinnen, so daß wir höchstwahrscheinlich e i n i g« Jahr- zehnte früher gerade durch Ihre Tätigkeit unser Ziel er- reichen. Wer aber mit uns der Meinung ist. daß das kapitalistische System fallen mutz) der mutz mit uns gemeinsam an seiner Bc- seitigung arbeiten.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) DaS Haus vertagt'sick). Abg. Bredt-Marburg(fk.): Ich bedauere, daß es mir durch den Schlußantrag unmöglich gemacht ist-)(Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Abg. Hoffmann: Der Schluß- antrag ist ja noch gar nicht gestellt!) Dann wird es mir morgen vielleicht unmöglich sein, nachzuweisen, daß der A I k o h o l m i ß- brauch in Marburg außerordentlich abgenommen hat. (Stürmische Heiterkeit.) Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. Schluß 5X> Uhr. parlamentarisckes. Die Reichstagswahl in Rordhausen. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags befaßte sich am Freitag mit dem Protest, der von fortschrittlicher Seite gegen die Wahl des Genossen Dr. Cohn eingelegt wurde. Bei der Stichwahl siegte Genosse Dr. Cohn mit 8244 Stimmen gegen 6796, die auf den Fortschrittler Dr. Wiemer entfielen. Der Protest behauptet, daß zugunsten des Genossen Dr. Cohn amtliche Wahlbeeinflussuiig geübt worden fei. So sollen— immer nach der Behauptung des Protestes— Amtsvorsteher die Weisung geben haben, entweder Dr. Cohn oder gar nicht zu wählen. In der Tat sind auch in verschiedenen Orten viele Wähler der Stichwahl fern- geblieben. Am Tage vor der Stichwahl sind Wahlaufrufe im Kuvert versandt worden. Diese Kuverts trugen den mit einem Gummistempel hergestellten Aufdruck:„Grafschaft Hohenstein". Der Stempel war aber an der unteren rechten Eck' des Kuverts angebracht. Dadurch sollte der Eindruck erweckt worden sein, als ob die Aufrufe vom Landratsamt kämen. Einzelne Gemeinde- Vorsteher sollen denn auch die Aufrufe an die Amtstafel geklebt haben. Tie Protestpunkte wurden als erheblich erklärt. In einigen Fällen sind, nach dem Protest, auch die Krieg-.rvereine auf- gefordert worden, für Dr. Cohn zu stimmen, in einem Orte sogar unter dem Versprechen der Verleihung e i n e-s Fahnen- band es für den Verein. Das Jahnenband ist mittlerweile über- reicht worden. Auch die Agitation der Kriegervereine wurde als erheblich erklärt. Die Entscheidung fällt erst in der nächsten Sitzung.— Eine ziffernmäßige Aufstellung der beiden Referenten ergab, daß durch den Protest, selbst wenn er erwies»,» werden sollte, die Mehrheit des Abg. Dr. Cohn nicht erschüttert werden kann. DaS Jugendgerichtsgesetz in der Kommission deS Reichstags. Den Beschlüssen der Kommission: Heraufsetzung des Straf- Mündigkeitsalters auf 14 Fahre, bedingte Verurteilung und Rehabilitation hat bereits früher die Reichsregierung ihr Unan- n e h m b a r entgegengesetzt. In der letzten Sitzung(Freitag) nahm Staatssekretär Dr. L i s c o zu Beginn der Verhandlungen noch ein- mal Gelegenheit, diese ablehnende Haltung— wenigstens bezüglich des zweiten und dritten Beschlusses— namens der Verbün- deten Regierungen auf daS entschiedenste zu betonen. Alle weitere Arbeit werde zwecklos sein, wenn die Kommission bei diesen Be- schlüssen verharre.— Dem Wunsche des Staatssekretärs, daß die Kommission ihre Beschlüsse„och revidieren werde, begegnete Ge- nosse Stadthage ii unter Heiterkeit der Kommission mit der Erklärung, daß die Sozialdemokraten vorläufig noch auf eine bessere Einsicht der Regierung rechneten, während Wey er-Her- ford(natl.) mit bereitwilligem Eifer den Umfall seiner Fraktions- genoffen in Aussicht stellte, um das Gesetz als Ganzes nicht zu ge- fährden. Eine längere Debatte entstand sodann bei§ 1 Absatz 2 des Gesetzentwurfs, der als jugendlich im Sinne de» Gesetzes an- steht, wer noch nicht 18 Jahre alt>ist. Unter Begründung eines fortschrittlichen Antrages auf Aenderung diese» Paragraphen und Streichung von§ 13 deS Entwurfs vertrat v. Liszt(Vp.) den Standpunkt, daß ein Beschuldigter, der das 18. Lebensjahr vollendet, die Straftat aber vorher begangen hat, auch später noch als Jugendlicher behandelt werden solle. Die Regierung widcr- sprach dieser Forderung, erklärte es aber für selbstverständlich, daß ein Beschuldigter auch über das 18. Jahr hinaus vor das Jugendgericht komme, sofern das Verfahren noch vor diesem Zeitpunkte gegen ihn eingeleitet sei. Stadt Hagen verlangte Kautelen, um den Schwierigkeiten zu begegneii. die sich aus der Streichung des § 13 ergeben würden,«schlietzlich zogen die Jorifchrittler ihren Antrag zurück.— Nachdem ein Antrag Fehrenbach(Z.), in den 88 55. 56 und 57 Str.-Ä.-B. an Stelle des 12. das 14. Lebensjahr einzusetzen, gegen die konservativen Stimmen angenommen worden war. gelaugte 8 1 des Gesetzentwurfs zur Annahme. Bei§ 2. in dessen Beratung sodann eingetreten wurde, drehte sich die Debatte zunächst um die von sozialdemokratischer und fort» schrittlicher Seite beantragte obligatorische Einführung der Jugendgerichte. Es stellte sich heraus, daß die verschiedenen Auf- fassungen hierüber nicht zum letzten mit durch den Ilmstand be- dingt wurden, daß über den Begriff der Jugendgerichte, ihre Zu- sammensetzung und Funktionen noch verschiedene Ansichten bestehen. Tie Regierung widersprach dem Obligatorium lebhaft unter Bc- rufung auf allerhand verwaltungstechnische Schwierigkeiten und wurde dabei von einem Zentrumsrcdner unterstützt, während Sozialdemokratie. Fortschrittler und Nationalliberale sich für da-.- Obligatorium erklärten. Eine Abstimmung hierüber soll erst später in Verbindung mit anderen Abstimmungen vorgenommen werden. In der Petitionskomusission des Reichstage» wurde am Freitag über eine Petition verhandelt, die die Aus- de h nu na der Nachbarortstaxe im Postverkehr auf 25 Kilometer im Umkreise von Berlin fordert. Mit 13 gegen 19 Stimmen wurde beschlossen, die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Auch beim Telephon verkehr sollte ein Umkreis von 25 Kilometer um Berlin für die Sprechtaxe gleichmäßig festgesetzt werden. Ueber diesen Teil der Petition ging die Kommission gegen die Stimmen der Sozialdemokraten zur Tagesordnung über. Eine zweite Petition betraf die SchulgefundheitS- pflege. EL wurde verlangt, daß das ReichSgesundheitsanU gesetzgeberische Rechte erhalten soll, daß die Anstellung von Schul- ärzten allgemein eingeführt werde, und daß eine einheitliche Grundlage für die schulstatistischen Erhebungen festgelegt wird. Nach sehr umfangreicher Debatte wurde die Petition der Regierung als Material üverwiesen. Zu einer interessanten Auseinandersetzung kam eS bei den Petitionen, die von den freien Gewerkschaften, den Hirsch-Duncker- scheu, den Christlichen und der polnischen Berufsvereinigung aus- gehen. Die Petitionen begründen und fordern die Herab- sctzung der Arbeitszeit in Hütten und Walz- werken, die Beseitigung des Ueber st unden- unwesenS. die Erhöhung der Mindestruhepaufcn nach Wechselschichten und Verbot der Frauenarbeit iu diesen Betrieben. Nach langer Debatte wurden sämtliche Peti- tionen dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen, und zwar gegen zwei konservative Stimmen» AJandorf&C Belle-Alliancestr. Grosse Frankfurterstr. Brunnenstr. Kottbuser Damm Kolonialwaren R®l«............ 18, 20, 25«. Victorfa-Erbsen............ pmnd lg?.. alS«. �piund 22" Erbsen Erbsen................. Pfand 1@pt Bohnen w«ta................... mnd Linsen......~.pf«>d IS, 20, 25" Gries.................... Pfand 20, 24" Böhmische Baumen..... pf/t Uhr. Fricdr.- Wilh. Schauspielhaus. Der Zaungast. Lustipielhaus. Majolika. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Folies Eaprice. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Ansang 8'/, Uhr. Neues Bolkstheater. Helden. Ansang 9 Ubr. AdmiralSpalast. EiSballctt: Flirt in St. Moritz. ».' Sternwarte, Jiwalideuftr. 57—82- Oeutacbee SchanspleUiaiis 6 Uhr: Der gute Ruf. Sebiiief-IbeslerD.Tb-mer' Sonnabend, abends 8 Uhr: WoIIienkratiE«»'. Sonntag, nachmittags 0 Uhr: Das Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Uriel Acosta. Montag, abends 8 Uhr: Misanthrop. Die Schule der Frauen. Sehiller-Theater Chabrü!£en Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die, Jüdin von Toledo:- Sonntag, abends 8 Ubr: Die Reise durch Bertin in 80 Stunden. Montag, abends 8 Uhr: Urlel Acosta. Berliner Theater. Filmzauber. 8 Uhr: Merio der Könisirlitzef Straße 7-/, uhr: Brand. Theater des Westens. 8 Uhr: Die beiden Ifasaren. Sonnt, nachm. 3';4Uhr: Frauenfresser, Montis Operetten-Theater (jr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der liebe Augustin. "u�Residenz-Theater.uhr Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank i.3 Alt. v.Henneqnin u. Beb er. Morgen und folgende Tage: Tie Frau Präsidentin. Sonntag. 16. Februar, nachm. 3 Uhr: Der Schlaswagenkontrollenr. Theater am NßUeDdoripiatz S. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Die Studentengräfln. S'/sll.: Schülervst. IphigenieaufTauris Luisen-Theater. Sonnabend, nachm. 4 Uhr; Kindervorstellung- Ter Wunschpeterund das vflültsgtasmännlei». Abends 8 Uhr: Berlin— Ham- bürg— New Kork. Gr, romantisch- komisches AnSstaltungsslück von Ernst Nilterfeldk, Musik v. Georg RunSky. ose-Tn�ie Große Krankfurler Str, 132. Nachinlttags 4 Uhr: Robinson Crnsoe. Abends 8 Uhr: Mein Leopold. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die goldne Eva. Abends 8 Uhr; Mein Leopold. Zirkus Wert Schumann. Heute Sonnabend, 8. Februar, abends 7'/, Uhr: Debüt! 7 Hegelmauns. Die besten Luftvoltigeure der Welt! Neu! Der Mann mit der eisernen Faust. Prolongiert! Cüsarlos Löwen- n. Tiger-Gruppe IM- Um 9-/. Uhr:-W» Der unsichtbare Mensch. Sonntag, den 9. Februar: a gr. Vorstellungen Zi In beiden Vorstellungen: Der unsichtb. Mensch. Walhalla-Theater. Weinbergsweg 19/20. Rosenthal. Tor. Nur noch bis 12. d. Mts.: Goldener Kelcbtslnn. Am 15. Februar: Premiere der neuen großen Jahres-Revue Parole„Walhalla". Zirkus Buseh. Heute Sonnabend, 8. Februar, abends 7'/, Uhr: Neu! Oer mysteriöse Deckenläufer. Nur n. kurze Zeit: Das Magen- Phänomen 3Iac Morton. Herr Burkhardt-Foottit, Schalreiter a. d. VoUblüter Donald. Ferner das gesamte grobe Gala- Programm. Zum Schluß: Die grobe Prnnk-Pantomlme „Sevilla". Avis! Sonntagnaehm. 3l/aU.: „tinter Gorlilas". Metropol-Theater Chau||eur- ins letropol! Große JaHreSrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Ott« Reutter a. G. mit gänzlich neuem Repertoire Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Morgen nachm, 3 Uhr: Tot» Toto. Theater Königstadt-Gasino. Ecke Holzmarkt- u. Ale�anderitrasie. 1 Minute v, Bahnh, Fannowitzbrücke Tägl. abdS.'Iß. Sonnt'Iß Uhr: Pnppchcn tadellos. Posse m. Ges. in 1 Alt— und das groff. Spezialitätenprogramm Jed. 1. u. 16.: Programmwechsel. MM» De»' Höhepunkt des Lach- Erfolges! mit Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Borverl. 11—2(Theaterk.) Vellii!»-Theater Neukölln. Hermannstr. ao. Sormtag. Ansang 7'/. Ubr: Gastsp, v, Walt. Graevenitz: Kasernen- lutt. Militärschanspiel in 4 Allen von Stein und Söhngen, Moniag. Anfang 8>/z Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld"VoikSst. m. Ges, in 3 Ali, V. Ludwig Anzengruber. Llou" :: berliner:: KonxertTlÄUL MauerstraSe 82.— Zimmersfrabe 90/91. GreSSes Oeppel-iCenzert! Musikc. des Ä. Gardc-Uegiments z. F., Dirig Oberm. Grat, —— Zillerthaler und Tegernseer Sänger—■ Schuhplattler und Jodler! lostieh von Drei-Königshier, dem köstl. aller Münch. Doppelbisre. Anfang 8 Uhr. Fintritt 59 Pf. Anfang 8 Uhr. Urania Wissenschaftliches Theater. TaubenstraBe 48/49. Sonnabend 4 Uhr: Aufs Matterhorn! 8 Uhr: Paris und die Königsschlösser von Versailles. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Donath: Das Gebiet der kleinsten Aetherwellen.(Ultraviolett.) Trianon-Tüealer. Wenn Frauen reisen. Anfang 8 Uhr. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Tilgllcb: Ab 8 Uhr; Ein beispieUoser Erfolg! lohn Hamilton, Schnellmaler The Villions, Radfahrer. The Comedy Meistere, Ges.-Quartett. 9 Uhr; Harry W aldea in seiner Groteske „Der Herzog von Westminster." jit Bockbierfest in den bayerischen Alpen. Wunderbare Alpendekoration. 5 Kapellen. 30 bayrische Mad*l. Anfang 7 Ühr. Entree 30 Pf Alexanderplatz Unter den Linden Moritzplatz Hasenheide Heute und folgende Tage: „Der u Eine Liebestragödie im Spreewald in 3 Akten von Urban Gad. In den Hauptrollen; die Düse der Kinokunst und vom Kgl. Schauspielhaus Berlin. Wen- Anlf nh rnng. ___ Anßerdem:---— in allen fünf Union-Theatern Neueste und erlesenste Lichtkunst-Spiele Dramen, Humoresken, Naturschilderungen. :: Neueste Tagesereignisse Voigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstraffe 38. Morgen Sonnt., 9, Febr,. nachm. 3 Ubr: Kean oder Genie u. Leidenschaft. AbendS 7 Ubr: Köms Krmst.""S", von Iul. Keller und HerrmanN. Kaffencröffnung 10 Ubr. �g88ggg-�ZN0pli!iW sl> Mille Seidel Wmn \ vom Stamme der Igorroten.l Lebend! Ohne Extra-Cntree!' Folies Caprice. Ansang 8'/« Uhr. Die drei Zaison- Schlager: In Sache» Kaüenstein. Die Doppeistrma. Die Tochter der Braut. ReiMsiiei!-Theater Stettiner Sänger. Neu! Meyers Hosen. Humoreske. Anfang 8 Uhr. Casino-Theater Lolbrinzer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Allabendlich anttverkanfi. Stüriiil»chc Heiterkeit! Die Berliner Lokalpoffe Am griitten Strand d. Spree. Grösiter Kaffenersolg seil Belieben, Admii-nispataat. Allabendlich: Das neue mit durchschlag Erfolg aufgef. MgllSlt I Flirt in St. Moritz| l Akt: Wintersport in SL Horilz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung der kl. Charlotte. Bis 6 U. u. v 10'/« halb.Kass.'- Preise. Wein- u. Bier-Abt.| ffut nen Inhal»»er Fnierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei B-rantwortung. Achtung! Achtung! Sonntag, den 9. Februar, nachmittags IV2 Uhr: Protest- yersamsnlung tut Marin eh aus, Brandenburger Ufer 1 (zwischen Waisen- und JannowiNbrücte). Tagesordnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten Genossen Adolf Ritter über: Die Annahme der Kommnnalbicrsteuer im Steuerausschuß und ihre Folge» für die in de» Brauereien Beschäftigten. 2. Beschlutzfassung. Kollege»! Erscheint in Masse» in dieser Bersamnilnug. Es gilt, energischen Protest ein- zulegen gegen die die Interessen der Braucrciarbciter so schwer schädigende kommunale Bierstcuer. Mso nochinais Kollege», agitiert für einen Massenbesuch dieser Pcrsammlnng! WM" Kein Mann darf fehlen!"WD Verband der Brauerei- und Mnhlenarbeiter, Ortsvcrwaltuug Berlin. Deutscher Metallarbeiter-Berband, OrtSverwaltung Berlin. Verband der Böttcher» OrtSverwaltung Berlin. _ Verband der Maschinisten und Heizer» Ortsverwaltung Berlin._ Verband der Maler, Sackierer, Anstreicher U8V. Bureau: Melchiorstraße 28, pari. Fernsprecher Ami Mpl. Nr. 4787. Filiale Berlin. Arbeitsnachweis: Rückerstraß« 9 Fernsprecher: Amt Norde» 6708 Sonntag, den 9. Febrnar 1913, vormittags 9 Uhr: JVUtglteder-Versammliuis: in der Brauerei Friedrichshain(am Königstor). Tagesordnung: ----- Der Stand unserer Tarifbewegung.=== Kollegen: In dieser Versammlung muß jeder Maler uud Anstreicher erscheine«. Wir er- suchen, recht pünktlich um 9 Uhr zu erscheinen, da der Saal um ll Uhr geräumt werden muß. ,37/10«_________ Die Ortsverwaltung. ßczirhsverwaltung 6roß-ßcrUn. Mitglieder des DeuWil Transxortiirbkitrr-Ncrbliildes aus stmtlilhtn Kraiiereie« m» Niederlageu Kerlius-«» Umgegend. Sonntag, den 9. Febrnar 1913, mittags 1 Uhr, im Dentschen Hof, Luckauer Str. 13» großer Saal(Nähe des Moritzplatzes): 'Grosse Moteßoersammlunz. Tagesordnung: Die in Aussicht genommene Kommunal-Kierbesteuerung für Serlin und welche Nachteile erwachse« der in den Krauereien tätigen Arbeiterschaft als auch der konsumierenden Arbeiterschaft im aUgemeinen dadurch? Referent: Stadtverordneter Genosse Rechtsanwalt ßr« Klirt RoSenfeidt Diskussion und Beschlußfassung. Kollegen! Schon wieder werden wir durch eine drohende Besteuerung de! BiereS in unserer Existenz �«—-e».---- v._..i,— a,,...,,.......>----- �-'-e 1909 ge« Biersteuer Brauerriarbeiter, Kutscher und Mitfahrer l Zeigt durch Massenbesuch dieser Versammlung, daß Ihr die G-sahr, welche sür Euch herausbeschworen wird, begriffen habt. MF" Reiner darf fehlen.~Wn 61/17_ Die Gsea- Malztier „fetrmalfaa" ■«silE V-,, j,'«NchsHW N«rvorr�«n0e, Ltirkune-g-trjnll. eatnhiUlg. alkoholarm, exlrakireich. appetitanregend, äntlieh emplohlen pro Flasche 20 Pf. m*lle" einschlägigen Geschälten käuflich oder bei der men-pmereUtiZi,. Flasclienbier-Abieilung P«ra5pr�ordei�037MO371�O3n Verband der Schneider. Filiale Berlin I. Scbaftianftr. 37/38. Ouerg. II. Telephon: Amt Morihplah.»737. Herrkli-Konfektionssliilitider. Sonntag, den». Februar 1913. mittags Präzise IS Uhr. i» der „ Braueret FricdrtchShain. Am Friedrichshai» IS-SSt Offentl. Konfektionsschneider- u. Schneidermnen-Versammlnng. Tagesordnung: Der gegenwärtige Stand unserer Lohn- bewegung und die Angebote der Arbeitgeber. Rerserent Kollege Brlenke.— Verschiedenes. 162/14 Es ist unbedingte Pflicht jedes Kollegen und jeder Kollegin, in dieser Versammlung zu erscheinen. Niemand darf sehlen! Sonntag, den S. Februar, vormittags 1» Uhr» ebenfalls in der Brauerei Friedrichöhain: Sitzung der Vertrauensleute. g(f- Jedes Geschäft muß vertreten sein."MU Die Iteinini«8lOn der Herrenkonfektion. Gesellschaft. +52« BramS. Humorist, Lortzingstraße 9.___ H.& P« Uder, Ing'Ä'l: Tabak-Großhandlnng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q.£. Kanewacker, Qrimm 9t Triepel. = Stets krisch zu den äußersten En/frospreisen.----- -■ Amt IV, 3014.' Möbelfabrik Hoffnung. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. -—.«erlin.«rautftr. 52.- »Mm 23. Februar, vorm. 10 Uhr. t. unseren Geichästsräumen, Krautst.52: Leneralveroammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des»Vorstandes und des »AussichtSrateS. 2. Genehmigung der Bilanz. 3. Neuwahl des Gesamtvorstandes und des»AussichtSrateS. 102/19 Der Torstand. r Nenollltllkgssttlle Kerlin. C. 54, Linienstr. 83—85. Berwaltung: Telephon: Amt»Jiorbcn 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714 Montag, den ID. Febrnar 1919, abends 9'/z Uhr: SezirkS'Versammlntiif für Ober-Schöneweide, Nieder- Schöneweide, Johannisthal und Umgegend im Lokale von Prochowski, Obcr-Schöneweidc, Rathausstr. 18 ÜV(gegenüber der»Post)."�8 Tagesordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zum Gewerbegericht. 2. Neuwahl der Bezirksleitung. Ohne Zl!txlleck«bneb kein Zutritt! Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Dienstag, den 11. Februar 1913, abends 9 Uhr: Irsnoken- Versammlung nn, H.NixdorfjFraükiurterAll. 197,5° eBab. { Hau«- u. 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Drucku.Lerlag: vorwärts jöuchdruckerei«.BerlagSanstalt Paul Sing» u.«0w verlin LW. *•» 30 3. Deilllge des„ArMs" Kerlilter WIKsdlM. Leber öen llmküng/z Uhr: Volksversammlunng bei Kant, Siemensstrahe. Tagesordnung:«Reichstag und Landtag". Referent: Genosse Dr. «.Liebknecht._ ßcrlincr Nacbncbtcn. In der Dubrow. In der nächsten Umgebung Berlins wird durch die Speku- lationssucht des Fiskus der Wald leider immer dünner. Man mutz schon weite Touren machen, um in der Mark noch wirk- lich schönen Wald zu bewundern. Wiederholt Häven wir zum regen Besuch des romantischen, stellenweise urwaldähnliltjen Blumental bei Strausberg mit dem herrlichen Gamengrund geraten. Nicht minder enwschlenswert ist selbst für milde Wintertage, wenn kein Schnee liegt, ein Ausflug in die Dubrow hinter Königs-Wusterhaufen. Die Dubrow ist seit Jahrhunderten königliches Jagdrevier, und preutzische Könige suchen sich zum Jagdvergnügen nicht gerade die schlechtesten Forsten aus. Hier jagte schon der Grotze Kurfürst. Unter dem„Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I., der im Schloß Wusterhausen von seinen schweren Regierungssorgen aus- ruhte und die sogenannten Tabakskollegien abhielt, kamen die Dubrower Reiherjagden in Schumng. Die Dubrower sjotst ist von der Natur wie geschaffen zum Reihcrgrund. Meilen- weit sind die nächsten Eisenbahnlinien entfernt. Da Wald- chausseen gänzlich fehlen, hat auch das moderne Auto keinen Platz. Selbst die nächsten Dörfer Pätz. Gräbendorf, Prieros und Klein-Köris sind weltentlegen. Die Forsthäuser Frauen- see, Sauberg. Dubrow und Neubrück bilden die einzigen menschlichen Ansiedelungen. Auf den Seen, welche die Dubrow durchschneiden, ist der Verkehr auch nur gering. Fährt man mit dem Dampfer oder Motorboot nach Teupitz durch den Hölzernen See und die Smölde, so ist man über» rascht von der traumhaften Stille dieser Gewässer, von den hochragenden Ufern und ihrer fast schwermütigen Waldein- samkeit. Mit vortrefflichem Instinkt haben sich die Reiher an der Nordseite der langgestreckten Smölde angebaut. Seit Jahrhunderten halten sie hier ihre berühmten Horste besetzt, haben sich auch durch das Jagdfieber der Menschen nicht ver- treiben lassen. Unter dem Soldatenkönig wurden die Reiher mit dem Falken gejagt und„gebeizt". Abgerichtete Falken stiegen in der Luft über den Reiher, schössen auf ihn herab und drückten ihn zur Erde, wo er von den Jägern in Empfang genommen, mit einem Ring„gebeizt" und nsieder in die Freiheit entlassen wurde. Später wandelte sich die aus dem Mittelalter entlehnte Sitte der Reiherbeize in regelrechtes Morden der Vögel aus dem Nest heraus, ein Vergnügen eigener Art, wie es nun mal höfischem Geschmack entspricht und sich, übrigens auch noch in anderer Form, ja bis in die neueste Zeit erhalten hat. Aus edlem Weidwerk ward ein Massenabmurksen mit Pulver und Blei. Alljährlich in der zweiten Hälfte des Juli wird es in der Dubrow an der Smölde lebendig. Dann ist die Brut am besten schutzfähig. Die noch nicht recht flüggen jungen Reiher stehen kreischend aufrecht in den Nestern, geben ein treffsicheres Ziel und werden einfach zu Dutzenden heruntergeknallt. Die Reiherhorste be- finden sich stets in den Wipfeln alter Eichen. Hier sieht man sie zu Hunderten dicht beieinander. Manche Eichen tragen nur ein Nest, andere drei und vier. Alle aber leiden beträchtlich unter der nichts weniger als sauberen Wirtschaft der Reiher- familien. Sie sterben langsam ab und vermehren durch Entlaubung die Schußfähigkeit. Fällt der junge Reiher vor dem Flüggewerden aus dem Nest, so überlassen ihn die Alten seinem Schicksal. Mitunter stürzen auch ganze Nester, die den Storchncstern ähneln, herab. Schön sieht es also in dieser Reiherkolonie nicht ans, doch ist die Beobachtung des Treibens der Tiere ungemein interessant. Wer mit der Görlitzer Bahn bis Grotz-Besten fährt, von da über die Gallunsbrücke am Pätzer Vordersee vorbei nach Forsthaus Sauberg wandert, erhält dort meist ohne Schwierigkeit die Erlaubnis, durch das Wildgatter nach Forsthaus Dubrow und zu den Reiherhorsten zu gehPi. Den Rückweg nimmt man an den Seen. entlang südlich über Forst- Haus Neubrück nach Bahnstation Grotz-Köris oder nördlich über Prieros nach Bahnstation Friedcrsdorf. Beide Wege sind gleich großartig. Der Wildreichtum ist derart, datz kein besonderes Glück dazu gehört, auf Hirsche oder gar auf ein Rudel vierbeiniger Schwarzröcke zu stoßen. Allgemeine Ortskrankcnkasse für das Versicherungsamt Niederbarnim. Der Kreistag des Kreises Niederbarnim, der kürzlich tagte, faßte neben einer Reihe anderer wichtiger Entscheidun- gen den Beschluß, für den ganzen Umfang des Versicherungs- amtes Niederbarnim eine allgemeine Ort sk ranken- k a s s e zu errichten. Der Dezernent, Regierungsassessor Dr. Bormann, berichtete unter Zugrundelegung des ermittelten Zahlenmaterials über den Stand der öffentlichen Kranken- Versorgung im Kreise und erläuterte im Anschluß daran ein- gehend die Gründe, die für die Errichtung einer allgemeinen Ortskrankenkasse sprechen. Im Kreise Niederbarnim bestehen zurzeit 98 Kassen, von denen 34 auf Grund der Reichsver- sicherungsordnung aufgelöst werden müssen. Da auch die- jenigen Ortskrankenkassen aufzulösen sind, mit denen die Be- zirke dieser Kassen vereinigt werden sollen, so ergab sich hieraus für den Kreis Niederbarnim eine völlige Neuorganisation des Krankenkassenwesens. Auf Grund eingehender Ermittelungen sei der Kreisausschutz dazu gekommen, dem Kreistage die Errichtung einer allgemeinen Ortskrankenkasse vorzuschlagen. Der Kreistag lehnte den von dem Anitsrat Wrede-Schönweide gestellten Antrag, eine besondere Land- krankenkasse zu errichten, ab. Dürfte auch gegen eine Zentralisation der Ortskranken- kassen an sich nichts einzuwenden sein, so muß es doch als ein ganz unerhörter Eingriff in die Selbstverwaltung der be- stehenden Kassen bezeichnet werden, wenn ein Beschluß von solch weittragender Bedeutung zustand? kommen konnte, ohne datz die Organe der bestehenden Kassen auch nur gehört wurden, ja datz ihnen nicht einmal eine einzige Mitteilung über dies Vorhaben gemacht wurde. Es erscheint dies um so unverständlicher, als bekanntermatzen die Mehrzahl der Ortskassen bei dem Versicherungsamt den Antrag auf Zu- lassung oder auf Ausgestaltung zur sogenannten allgemeinen Ortskasse gestellt haben: ein Bescheid darüber ist den Kassen noch nicht zuteil geworden und so mutz ein solches Vorgeben den schärfsten Widerspruch herausfordern. Der Eifer für eine solche Zentralisation erscheint auch um so befremdlicher, als bislang dieselbe Behörde recht wenig dazu getan hat, wenn es sich darum handelte, dem sich gerade im Kreise Nieder- barnim recht breit machenden I n n u n g s u n f u g zu be- gegnen, der sich darin betätigte, Jnnungszwergkassen zu gründen. Es dürfte angebracht sein, daß die Kasienorgane diesem Streich mit dem allerschärfsten Protest begegneten, denn alles was bislang zum Wohl der Versicherten geleistet wurde, ist der Arbeit aller Beteiligten in den Selbstver- waltungsorganen der einzelnen Kassen zu danken, die jetzt in einer recht sonderbaren Art beiseite geschoben werden. Parl-unkntarischrn Bestich erlnelt gestern das städtische Obdach durch eine Anzahl van Mitgliedern des Abgeordnetenhauses. Sie fanden alle? vorzüglich eingerichtet und sollen selbst die Abendsupve gekostet haben. Um das Obdach richtig kennen zu lernen, hätten sie auch eine Nacht auf den Pritschen durchkosten sollen. Umfangreiche Fiittrrdcfrandationrn beim 1. Garde-Dragoner- regimcnt bildeten den Gegenstand einer Anklage, die gestern das .Kriegsgericht der Garde-Kavalleriedivifion beschäktigte. Auf der Anklagebank sah der Sergeant Klage von der 1. Eskadron des 1. Garde-Dragonerreginiciit.?. ES wurde ihm militärisch geartete Unterschlagung von Proviant anS den Futterinagazinen in Tempel- bor zur Last gelegt. Seit etwa drei Jahren war der Angeklagte Futtermeister. Er bekam als solcher noch eine Zulage, kam aber trotzdem mit seinem Gelbe nicht recht anS. Um aus den Geldver- leaenheiten herauszukommen, setzte er sich mit dem Kasernen- arbeiter S. in Verbindung, der ihm öfter kleinere Summen vor- streckte. Während deS letzten Manövers sandte er ihm schließlich fünfzig Mark. S. Balte aber recht schlechte Aussichten auf die Wieder- erlangung der verliehenen Gelder. Der Futtermeister wollte nun mit einem Schlage seine Schulden los werde» und gleichzeitig etwa? Geld für die Zostinst in der Toiche haben. Er lies; sich' zu S.t iebnnge» ver- leiten, die nicht allein für ihn verhängnisvoll werden sollten sondern auch für andere beteiligte Perionen. K. kam mit S. dahin nberein, Hafer, der vom Tempelhofer Proviantamt abgeholt wurde und für die Pferd« der Schwgdr»» bestimmt«gr. auf dem Hof« eines Kohlenhändlers Sch. in Tempelhof dirigieren zu lasten und ihn an Sch. zu verkaufen. Den Dragonern, die den Wagen zu fahren hatten, wurde vorgespiegelt, der Hafer sollte verkauft werden, um aus dem Erlös Erbsen für die Regimentspferde einzukaufen. So wurde denn im Oktober die erste Fuhre Hafer zu Sch. gefahren. Es waren im ganzen 49 Zentner. In gewissen Zeitabsländen folgten dann noch zwei weitere Wagenladungen, so daß im ganzen 129 Zentner Hafer unterschlagen und an Sch. verkauft wurden. Kar den Zentner wurden 7 M. gezahlt, so daß im ganzen etwa 849 M. bei den Schiebungen herauskamen, S. erhielt nun auch die vorgestreckten Gelder heraus und außerdem bekam er für_ seine»ärztlichen Bemühungen" einen kleinen Anteil bei dem Ge- schäft. Wären die Schiebungen nicht im Dezember entdeckt worden, so hätte der Angellagte'sicher noch manche Fuhre fiskalischen Haser nach dem Hofe des Sch. transportieren lasten. Er wurde dann verhaftet. Nach den Angaben des Beschuldigten stammen die defraudierten Hafervorräte aus der Manöverzeit. Die letzte Lieferung konnte nicht mehr beglichen werden, weil inzwischen die Verhaftung des Futtermeisters angeordnet worden war. In der gestrigen Ver- Handlung vor dem Kriegsgericht bat der Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Ulrich um recht milde Strafe für seinen Klienten. K. habe ein reumütiges Geständnis abgelegt und sei infolge seiner Schulden auf die schiefe Bahn geraten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis und erkannte außerdem auf Degradation sowie auf Versetzung in die zweite Klasse des SoldatenstandeS.. Unter der Anklage der fahrläffigen Tötung eines Patteute» da städtischen Anstalt in Buch hatte sich vor dem Kriegsgericht der kgl. Kommandantur der Musketier DobrinSki zu verantworte». Vor seiner Einstellung ins Heer war der Angeklagte Wärter iu der städtischen Heilstätte in Buch. Unter den Pattente» befand sich seinerzeit auch der Hausdiener Jahn. I. litt an Rückenmarks- erkranknng und war bererts vollständig verblödet. Da er sich häufig verunreimgte, mußte er viel gebadet werden. Eines Nachmittags lag er auch wieder in der Badewanne, als der Angeklagte, der I. bediente, plötzlich abberufen wurde. Er drehte schnell den Hahn der Mischbatterie an der Wanne auf, so daß halb kaltes und halb heiße« Wasser in die Wanne laufen mußte. Als kurz darauf ein anderer Wärter den Baderaum betrat, lag der Patient fast bewußtlos im Bad. Das Wasser wies eine Tempe» ratnr von 55 Grad Wärme auf. Man holte I. sofort ans der Wanne heraus, und am anderen Tage starb er. Der Körper deS Unglücklichen war bis zu jener Slelle an der Brust, bis zu der er im Wasser gelegen hatte, verbrüht. Man glaubte nun, daß der Tod des Mannes infolge der Verbrühung herbeigeführt sei, und gegen B. wurde daraufhin die Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht wurde so« wohl seitens des Beschuldigten als auch fei'enS eines Wärters, der als Zeuge vernommen wurde, bekundet, daß die Mischbatterie an der Badewanne nicht immer ordnungsgemäß funktionierte. Die als Sachverständige geladenen Aerzle erklärten übereinstimmend, daß die Verbrühung allein den Tod des I. nicht verschuldet hätte. Der Patient sei an jenen Tagen in einem derart krankhaften Zustand ge- wefen, daß man stündlich sein Ableben erwartete. Wohl könne der Tod durch die Verbrühung beschleunigt worden sei». Die eigent» liche Todesursache sei wohl eine Herzlähmung gewesen. Das Gericht ließ auf Grund dieser Gutachten die Anklage wegen fahrlässiger Tötung fallen, nahm nur fahrlässige Körperverletzung an und ei/ kannte auf die milde Sühne von 29 M. Geldstrafe. Der Zentralfriedhof der Stadtsynode in Mühlcndeck soll wieder veräußert werden. Die Spekulation mit dieienr großen Grundstück ist vollständig fehlgeschlagen. Das Grundstück eignet sich nicht zu Begräbniszwecken, es liegt zu tief, ist Ueberschwemmungen ausgesetzt und hat infolge der Nähe des Rieselfeldes der Gemeinde Pankow einen so hohen Grundivasierstand, daß die Särge schwimmen würden. Der Klage der Stadisynode gegen Pankow auf Einstellung bezw. Beschränkung ist kein Erfolg beschieden gewesen. Durch die Wachsamkeit eines vierjährigen Mädchens unschädlich gemacht wurde ein dreister Einbrecher in der Andreasstraße. Der „Arbeiter" Paul Äaufholz, der schon wiederholt bestraft ist. stieg abends spät, während ein Schankwirt mit seiner Frau vorn im Geschäftsraum zu tun hatte, durch ein Fenster in die am Hof im Erdgeschoß gelegene Wohnung ein und war gerade dabei, alles Mit- nehmenSwerte zusammenzupacken, als das vierjährige Töchtcrchen deS Ehepaares erwachte. Die Kleine sprang aus dem Bett, lief im Hemdchen nach vorn und sagte den Eltern, daß ein fremder Mann in der Wohnung sei. Der Wirt und einige Gäste eilten nun nach hinten und sahen gerade noch, wie der Einbrecher sich mit der Beute zum Fenster hinausschwang. Sie ergriffen ihn noch an einem Bern, zogen ihn wieder in die Wohnung hinein, nahmen ihm die Beute, die er zum größten Teil in den Taschen, auf dem Leibe und unter den Kleidern verborgen hatte, ob, gaben ihm eine Tracht Prügel und brachten ihn dann nach der Rcvierwache. Die Kriminalpolizei führte den Ertappten dem Untersuchungsrichter vor. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einer königlichen Equipage ereignete sich in der Nacht zum Freitag an der Ecke der Dorotheen- und Neustädtischen Kirchstraße. Der Wagen, in dem sich Flügeladjutant. Korvettenkapitän Freiherr von Paleske be- fand, verjiichte kurz vor einem Straßenbahnwagen der Linie Ü die Schienen zu kreuzen. Es erfolgte ein Zusammenstoß beider Gefährte, bei welchem die Equipage schwer beschädigt wurde. Korvettenkapitän von Paleske kam mir einigen Hautabschürfungen davon.— Ein anderer Zusammenstoß zwischen einem Moloromnibus und einem Müllwagen ereignete sich am Freitagmorgcn um 9 Uhr am Haus« vogteiplatz. Der Molorbns 6559 der Linie 2 wollte den HanS- vogteiplatz passieren, als ein in schneller Fahrt sich befindlicher Müllwagen herankam. Der Kutscher vermochte die Pferde nicht mehr zum Stehe» zu bringen und so erfolgte ein heftiger Zusammenstoß, bei welchem die Deichselstange des Müllwagens dem Chauffeur Friedrich Schnlenburg. Schreinerstr, 15, wohnhast, in den Unterleib drang. Sch., der schwere innere Verletzungen erlitten hatte, wurde nach der Unfallstation am Spittelmarkt und von da in die Klinik am Mariannen-Ufer geschafft. Ein tödlicher Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag auf'dem Grundstück Lindensir. 3. Im zweiten Stock des Quer- gebändes im dritten Hof befindet sich die Luxuspapierfabrik von Mancs u. Co. Dort war der Maschinenmeister Schubach mit der Ausbesserung einer Prägemaschine beschäftigt. AIS er den Kopf in das abgestellte Werk hineingesteckt hatte, um den Fehler besser sehen zu können, kam ein Arbeiter an der Maschine vorbei und berührte durch einen Fehltritt einen Hebel, durch den das Werk in Bewegung gesetzt wurde. Ehe der Meister seinen Kopf zurückziehen konnte, halte ihn das Getriebe erfaßt und total zerquetscht, so daß schon nach kurzer Zeit sein Tod einrat. Ein Arzt konnte nicht mehr helfen. Der so auf schreckliche Weise ums Leben Gekommene hinterläßt drei kleine Waisen, da seine Frau vor Weihnachten plötzlich verstarb. Fußballspiele der Arbciter-Turn- und Sportvereine. Am Sonn- tag finden folgende Spiele statt: Fichte 17— Fichte 9 in Reinickendorf, Rütli- und Thuner Straße: Fichte 1— Spandau in Treptow. Köpenicker Landstraße.— Die Spiele beginnen um 3 Uhr nach- mittags. Vqrloren gegangen ist am Freitag vormittag ein Pakct, ent- ballend eine Lötlampe, Lötkolben. Blechschere und Auflrciber, aus dem Wege Prinz-Heinrich-Straße in Pankow nach Berlin, Carmen- Sylva-Siraße. Da der Verlierer schon 13 Wochen arbeitslos ist und die Gegenstände ersetzen muß. wird der Finder gebeten, da» Paket tu der Parteispedilioa Pankow. Mühlenstr. 80, abzugeben. Vorort- Nadmcbtcih Lichtenberg. Stabtuerordnctenwalilen. Die alte Majorität der Interims- Stadtverordnetenversammlung hat bekanntlich die Wahl des Ge- nassen Glöckner im 2. Bezirk der L. Llbtcilung, sowie die deL Genossen Dill im 18. Bezirk der 8. Abteilung sür ungültig er- klärt. Glöckners preußische.Untertänigkeit" soll um einige Tage zu kurz gewesen sein. Bei dem Genossen Dill wurde damals die Bollwertigkeit als Hausbesitzer verneint. Nunmehr hat der Magi- strat die Nachwahlen ausgeschrieben. Im S. Bezirk erfolgt sie am Montag, den 24. Februar, von mittags 12 Uhr bis nach- mittags 6 Uhr. Das Wahllokal ist das Restaurant von Hugo Pritzel, Jungstraße 33. Für den 18. Bezirk der 3. Abteilung ist die Wahl auf Sonntag, den 2 3. Februar, angesetzt worden. Gewählt wird von mittags 12 Uhr bis nachmittags 7 Uhr. Für die Wahlen sind die für 1V12 aufgestellten Wählerlisten maßgebend. Alle in dieser Liste eingetragenen Wähler haben das Stimmrecht. Es muß dafür gesorgt werheih daß keiner von ijncn der Wahl fern bleibt.<�,ri Weihensee. Abgewiesen worden sind die Grundbesitzervereine.1884" und .Alt", die sich gegen einig« von der Gemeindevertretnng gefaßten Beschlüsse beschwerdeführend an den Minister gewandt hatten. Ins- besondere betraf e» die Beschlüsse über Heranziehung der Anlieger zu den Kosten der Bnrgersteigregulierung. die Einrichtung des SauglingStrankenhauseS sowie deZ Ledigenheimes. Den Beschwerde- führern ist jetzt der Bescheid geworden, daß. wenn die Gemeinde- Vertretung im Interesse der Allgemeinheit Beschlüsse fasse, dagegen nichts eingewendet werden könne. Denuiach scheint die Massen- Produktion von Beschwerden durch die beiden Grundbesitzervereine auch.da oben" schon als Oueruliererei bewertet zu werden. In HauSbesitzcrkreisen erwartet man weiter sehnlichst die Erledigung der Einsprüche gegen die KanalisationsleitiingSkosten, die schon llmger als ein Jabr schweben und dadurch den Hausbcsitz mit einem hohen Ge- bührensatz belasten. Auch hier liegt die Schuld an den beiden Grund- besitzervereinen, die für kein Verhandeln und keine Einigung ernstlich zu haben sind. Nieder-Schöueweide. In der Gemeindevertcetersihung teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die Firma Küssen u. Söhne, an die die Gemeinde wegen mangelhafter Ausführung bei der Friedhofskapelle eine Schadens- crsatzforderung von 4008 M. gestellt hat, in Konkurs geraten sei. Die Vertretung beschloß, die Forderung beim KoilkurSverwalter anzumelden. Die Anleihe von 12 000 M. zum Ausbau des Spiel- Platzes wurde von der Krcissparkasse bewilligt. Am 1. Februar ist die offizielle Abnahme der neuen Alarmeinrichtung erfolgt, mit diesem Tage hat die Alarmierung mittels Hupe aufgehört. Dem Antrage deS Turnvereins Nicdcr-Schöncweidc, ihm statt drei vier Turnabende zu gewähren, wurde auf Anraten des Genossen Bengsch stattgegeben; dies jedoch nur auf Widerruf, falls sich noch ein anderer Turnverein um die Mitbenutzung der Gemeindeturnhalle bewerben sollte. Im Etat sind 400 M. für Jugendpflege borge- sehen; die Anfrage unseres Genossen, ob diese 400 M. mit dem seinerzeit vom Pfarrer Brexendorf, Vorsitzenden des nationalen OrtSvercin« für den Pfadfinderbund, gestellten Antrag identisch seien, wurde bejaht. Genosse Bengsch erklärte, unter diesen Um- ständen nicht für diesen Betrag stimmen zu können, da sonst noch andere Vereine ähnliche Anträge stellen könnten. Lege man jedoch diese 408 M. als Fonds an, woraus auch andere Vereine oder Personen, die sich mit der Jugendpflege beschäftigen, zur� Beschaffung von Gerätschaften oder sonstigen Materialien schöpfen können, so seien auch die sozialdemokratischen Vertreter dafür. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Daß unsere Genossen recht hatten, sollte sich aleich zeigen. Ter Gemeindevorsteher teilte mit, daß der Verein Frauenhilfe sich eine weibliche Hilfskraft ange- stellt hat, die die Beaufsichtigung der weiblichen Schujjugcnd über- nimmt und auch bei den Schularbeiten behilflich sein solle. Die Angestellte soll 1800 M. Gehalt bekommen. Der Verein beantragt nun, daß die Gemeinde 588 M. zusteuern möge. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Haushaltsvoranschlag für das Jahr 1813 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 532 152,58 M.. daö ist gegen das Vorjahr ein Mehr von 85 672,26 M. Aus dem vorher- gehenden Rechnungsjahr sind 68 888 M. übernommen gegen 28 888 �Lark im Vorjahre. Das Ordinarium der OrtSkanalisation schließt in Einnahme und Ausgabe mit 48 428,77 M. ab, hier ist ein Minus von 2W8,86 M. zu verzeichnen. Der Etat der ÄemeindegaSanstalt balanciert mit 182 888 M. Die Gesamtsumme der der Gemeinde gehörigen Kapitalien. Legate und Stiftungen nach dem Stande vom 1. Januar 1913 beträgt 834 265,69 M-, die Gesamtschulden betragen nach dem Stande vom 1. April 1912 2 388 581 M. Der Gcmeindesteuerzuschlag für das Steuerjahr 1918/14 ist auf 188 Proz., der Zuschlag zur Gewerbesteuer für die 1. und 2. Klasse »uf 288 Proz., sür die 3. und 4. Klasse auf 158 Proz. festgesetzt. Die Gemeindegrundsteuer beträgt für die bebauten Grundstücke 2,4 und die der unbebauten 4,8 vom Tausend. Ober-Schöneweide. Die Schuldeputation für die Volksschulen scheint ein recht stark entwickeltes GerechtigkeilSgefühl ihr eigen zu nennen. Allgemein ist bekannt, wie mannhaft diese Deputation eS seiner Zeit hinnahm, als der Gemeindevorsteher, ohne irgend welche Mitteilung kurzerhand eine Verfügung der Regierung in die Tat umsetzte, und dem Arbeiterturnverein die Benutzung der Gemeindeturnhallen entzog. Dieselbe Schuldeputation hat danach allen möglichen Vereinen die Schullokale zur Verfügung gestellt und der neueste Streich ist der, daß dem Ruderverein Jungdeutschl und der Zeichensaal der dritten Gemoindeschule als Versammlungsraum überlassen wurde. Dieser Verein ist ein Schoßkind deS honetten örtlichen Bürgertums. Wenn auch seine Leistungen mit dem Sport, wie er von normalen Staatsbürgern gepflegt wird, nichts gemein hat. so gibt er doch ver- schtedenen Personen, welche sich um ihn bemühen, reichlich Gelegenheit, sich bei den hohen Persönlichkeiten, welche dem Verein bei gelcgent- lichen Veranlassungen aufgepsropt werden, in empfehlende Gr« inneruna zu setzen. Die Einwohnerschast des Orte? hat alle Ursache. gegen diese Maßnahmen der Schuldeputation den schärfsten Protest cinzulegen, zumal aus dieser Körperschaft geflissemlich alle Elemente ferngehalten werden, denen an wirklich gesunder Entwicklung der Schulverhältnisse gelegen ist. Die Vertreter der Arbeiterschaft werden Gelegenheit nehmen, viese Zustände in der Gemeindevertretung ent- sprechend zu brandmarken. Mariend orf. Mit der Anlegung eine» BoltSParkS und dem Erwerb der hierfür erforderlichen Grundstücke beschäftigte sich die letzte Gc- meindcvertretersitzung. Begründend für die Vorlage wicS der Vorsteher darauf hin. daß seit langer Zeit in der Bürgerschaft der Wunsch rege sei. eine Erholungsstätte sür die Einwohnerschaft und zugleich einen Anziehungspunkt des OrtS zu schaffen. Ein Grundstock für einen solchen Park sei bereits in dem im Besitz der Gemeinde befindlichen, an der Rirdorfec Straße gelegenen Leh- mannschen Gelände vorhanden. Wollte man jedoch etwa» Ersprieß- licheS schaffen, so sei der Ankauf des an der Chaussee- und Aldrccht- straße gelegenen Vorlandes notwendig. Ihm sei es nun gelungen, den Ankauf zum Abschluß zu bringen; er unterbreite das Projekt daher der Vertretung zur Prüfung und Beschlußfassung. Zum Anlauf des ganzen Terrains sei eine Summe von 2 317 888 M. erforderlich Die Herstellung de» Parks erfordere etwa 188 888 Mark und die Anlegung und Regulierung der Straßen 489888 Mark Zinsen und sonstige Unkosten würden insgesamt eine Aus- aabe für den Park. Straßenregulierung und da» übrig Meibende Kallland Pen 3 310 000 R. erfordern. Der Park wurde eine Größe von 78 Morgen haben; an Bauland würden im Norden des Parkö an der Albrechtstratze 4360 Ouadratruten und im Süden 1625 Ouadratruten an der Torfstraße verbleiben. Lege man den im Orte zu erwartenden Verkaufspreis zugrunde, so ergebe sich, daß der größte Teil der Ausgaben durch die zu erwartende Ein- nähme für Baustellen gedeckt werde. Da das Projekt aus laufen- den Mitteln nicht zur Durchführung zu bringen sei, empfehle er der Vertretung, im Prinzip dem Plane zuzustimmen und zu diesem Zweck die Aufnahme einer Anleihe in der geforderten Höhe zu beschließen.— In der Diskussion sprach sich Gemeindevertreter Sauer dahin aus, daß er die Verantwortung für ein derartiges Millioncnprojekt nicht übernehmen könne, er bitte um Vertagung der ganzen Angelegenheit, bis die Vermehrung der Gemeinde- Vertretung durchgeführt sei. Auch die Herren Th. Noack und E. Noack wandten sich gegen den Plan. Herr Schöffe Pohmer be- antragte, die ganze Angelegenheit zur näheren Prüfung einer aus Sachverständigen zusammengesetzten Kommission zu überweisen. — Genosse R c i q a r d t verwies darauf, daß man seit Jahren danach strebe, im Interesse der Gemeinde etwas zu schaffen. Er und seine Freunde hätten die Sachlage genau geprüft. Durch die Kommissionsberatung solle das Projekt nur verschleppt rcsp. be- erdigt werden. Ueberdies müsse das. was in Lankwitz geschaffen orven sei, in Mariendorf möglich sein, noch dazu, wenn man in etracht zieht, daß das in Maricndorf dafür vorgesehene Terrain von der Natur besonders begünstigt sei.— Genosse Weber wandt« sich besonders gegen die Ausführungen des Herrn Sauer. Wenn derselbe seine Zustimmung zu dem Projekte davon abhängig mache, um erst zu sehen, ob und in welchem Matze die Haus- bcsitzer dadurch belastet würde», so sei das nackte Interessen- Politik.— Herr Jahn, der gleichfalls gegen die Vorlage sprach, behauptete sogar, daß er seit Zustellung derselben zwei schlaflose Nächte verbracht habe.— Am Schlüsse der sehr ausgedehnten De- batte hielt der Gemeindevorsteher den bürgerlichen Vertretern vor Augen, daß speziell sie und die Kreise, die hinter ihnen stehen, es gewesen seien, welche seit seinem Amtsantritt ihn auf diesem Wege vorwärts gedrängt hätten; um so größer sei jetzt sein Erstaunen über ihre sonderbare Stellungnahme. Wenn man noch länger mit dem Projekt warte, werde cö um so teurer werden. Im Jahre 1918 sei es möglich gewesen, daö ganze Terrain sür den Preis von 698 888 M. zu erstehen. Der Etat für das nächste Jahr werde so gestaltet sein, daß mit einer Stcuererhöhung nicht gerechnet zu werden brauche. Im übrigen ersuche er die Vertreter dringend, die Generaldebatte jetzt zu beschließen und seinem Vorschlage zu- zustimmen. Er habe die Angelegenheit deshalb in öffentlicher Sitzung vorgelegt, um der gesamten Einwohnerschaft die Stellungnahme der"Vertretung bekannt werden zu lassen. Unsere Ge- »offen und ein Teil der bürgerlichen Vertreter stimmten hierauf dem Vorschlage des Vorstehers zu und lehnten den Antrag auf Verweisung in eine Kommission ab. Hierauf wurde in geheimer Sitzung hie Spezialberatung über diese Angelegenheit weiter ge- pflogen. öpnnda». Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst mit der Einrichtung einer Nachrichtenstelle, welche dein Magistrat unterstehen soll und wesentliche Nachrichten an die Presse übermitteln soll. Wie Stadtv. Kalte mitteilt, handelt eS sich dar»»,, eine Verbindung zwischen den Stadtverordneten und der Presse herzustellen. Es soll vermieden werden, daß einzelne Zeitungen durch grobe Vertrauensbrüche Milteilunaen aus geheimen Sitzungen usw. bringen. Genosse Pieck beantragte. daß auch der„Vorwärts", der hier einen großen Leserkreis habe und seit langen Jahren auch vom Magistrat eingehend gelesen werde, unter den in der Vorloge aufgeführten Zeitungen, denen Nachrichten zugehen sollen, aufgenommen werde. «Stadl«. Statte macht darauf ausmerkiam, daß die Borlage nur zur Kenntnisnahme vorliege. Die Versammlung erklärt sich mit der Einrichtung der Rachrichtenstelle einverstanden. Den'Straßenbahnangestevten sollen die AlterSzulagen vom l. Januar 1913 wie in anderen städtischen Betrieben von Tag zu Tag gezahlt werde». Stadtv. Schob beantragte, die Zulage vom 1. Juli d. I. zu zahlen. Genosse Pieck macht darauf aufmerksam, daß seine Partei schon immer für Aufbesserung der miserablen Lohne der Straßenbahner eingetreten sei. Beschlossen wurde, die Zulage schon am 1. Juli 19l2 zu zahlen. Eine Magistratsvorlage verlangt» die Zustimmung dazu, daß die Zahl der Stadtverordneten vom 1. Januar 1914 ab von 48 auf 54 vermehrt wird. Die Einteilung der Wahlbezirke für die dritte Wählerabteilung soll bestehen bleiben und nach Abschluß der Steuer- Veranlagung revidiert werden. Hierzu lag ein Antrag de? sozial« demokratischen WahlvereinS vor, für die Wahlen der ersten und zweiten Wahlabteilung gleichfall« die Bezirkswahlen, wie bei der dritten Wahlabteilung, einzuführen. Stadtv. Walter bemerkte hierzu: Die gemischte Kommission habe sich für Vermehrung der Zahl der Stadt- verordneten ausgesprochen, empfahl aber, den Antrag des Wahl- Vereins abzulehnen. Stadtv. Ruhl stellte im Auftrage der der liberalen Fraktion den Antrag, für die zweite Abteilung die Bezirkswahlen einzuführen und hierzu drei Lokale im Inner» der Stadt und einS auf dem Nonnendamm in Aussicht zu nehmen. Genosse Pieper sprach sich für Vermehrung der Stadtverordnetenzahl aus. Er hält gleichfalls die Einführung der Bezirkswahl für die zweit« Abteilung unbedingt sür erforderlich, wenn auch die Zahl der Wähler zurückgegangen sc». Genosse Pieck brandmarkte das Wahlrecht als ein ganz elendes. 48 Wähler mit dem großen Geldsack der ersten Abteilung hätten jetzt soviel Recht wie die 21 888 Wähler der dritten Abteilung. Im weiteren Verlauf der Debatte kam eS noch zu einer persönlichen scharfen Debatte zwischen den Stadtvv. Schob und Weber. An- genommen wurde die Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten von 48 auf 54, gleichzeitig der Antrag Ruhl, für die zweite Wahl- abteilung 4 Wahllokale einzurichten. Der Antrag, die Gewerbegerichtswahlen an einem Sonntag stattfinden zu lassen, wurde von Genossen Pieper be- gründet. Die Wahlbeteiligung an einen, Sonntag fei viel stärker, weil die Wähler keinen Lohnausfall hätten. Stadtv. Weber gab die Erklärung ab, daß die Liberal« Fraktion für die Sonntagswahl eintreten werde. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt, weil einige.liberale" Stadlverordnete sich bei der Abstimmung drückten. Die Einrichtung eines städtischen Arbeitsnachweises soll nach einem Beschluß der gemischten Kommission und deS Magistrat« eingeführt werden. Die Einführung einer Arbeitslosenversicherung ist vom Magistrat abgelehnt' ivorden. Stadtv. Kantoroivicz ist der Meinimg. daß die Arbeitslosenversicherung nur gelöst werden könne. wenn sich die Groß-Berliner Gemeinden zu einem gemeinsamen Vorgehen zusammenschließen. Es sei aber immerhin schon ein Fort- schritt, wenn der städtische Arbeitsnachweis eingeführt werde. Genosse Pieper erklärte sich für Einsührung eines städtischen Arbeitsnachweises, trat aber gleichzeitig auch für spätere Einführung der ArbeitSlosenversichcrung ei». Stadtv. Katte erklärte namens der Kommunalen Bereinigung, daß dieselbe gegen die Einführung der Arbeitslosenversicherung sei. Der fleißige Arbeiter, der immer Arbeit habe, wurde hierdurch durch Zahlung von Beiträgen zuaunsten der arbeitsscheuen Elemente und der gewollten Arbeitslosigkeit belastet werden. Die Errichtung eineS städtischen Arbeitsnachweise« wurde beschlossen. Für oen Neubau der 3. Gemeindcschule in der Birkenstraße wurden 399 288 M. gefordert. Nach langer Diskussion und Bor- bringung zahlreicher Wünsche wurde beschlossen, die Borlage zu nochmaliger Beratung an die Kommission zurückzuweisen. Für Regulierung der Straßen in der Unigebung de« neuen Rat- hauseS werden 146 888 M. bewilligt. Nach Erledigung einer R.eihe weniger wichtiger Vorlogen wird in die geheime Sitzung eingetreten. FretreltftiSi««eiueiude. Sonntag, de» S. Februar, vormittag« 9 Uhr, Pappel-Alle« tb/l?, Netikolln:.Jdealpassaa»', und Tegel- Schlicper- straße 38: gretrelialös» Vorlesung.— Bormtttag« 11 Uhr. Kleine Frank- surler Straße 6- Vortrag von Herrn Dr. M. Brie:.Goethes Faust.»— Nachmittag« 3 Uhr. Papell-Allce 15: Gedächtnisfeier für O. Friedcrict Gedächtnisrede Herr Waldeck Manasse.— Damen und Herren al« Gäste sehr willkommen. Allaemrtne Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29), Hamburg. Filiale Berlin 5. Sonnabend, 8. Februar, abends S'/j Uhr, bei Hossmann. Dragonerstr. Ii: Mitgliederversammlung. Gerichts-Rettung» Verein„Arbeiterjugendheim für Berlin und Umgegend" vor dem Kammergericht. Genosse Rechtsanwalt Tr. Kurt Rosenfeld war bekanntlich al» Vorsitzender bcS Verein« Arbeiterjuaendheim für Berlin und Um- gegend wegen Uebertretung des VereinSgesetzcS vom Schöffen- gericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Landgericht I barte seine Berufung verworfen. S« wurde dem Angeklagten zum Vor- wurs gemacht, daß er ein Verzeichnis der Vorstandsmitglieder und die Natzungen deS Vereins nicht dem Polizeipräsidenten eingereicht habe, obwohl e« ein politischer Verein sei. Genosse Rosenfeld halte sich dazu nicht sür verpflichtet erachtet und betont, der Verein. der lediglich Gelder zur Errichtung von Jugendheimen sammele, sei kein politischer Verein. Das� Landgericht übernahm NU« für seine Auffassung, daß cS sich doch um«inen politischen Verein Handel«, im wesentlichen die Gründe des Urteils deS Ober-Bcr- waltungsgcrichtö, das seinerzeit den Verein„Arbciterjugendheim" sür eine» politischen erklärt hat. Das Kammergericht verhandelte gestern über die vom Ange» klagten eingelegte Revision. Der Angeklagte rügte besonders, daß der Vorderrichter den Begriff dcS politischen Vereins im Sinne des tz 3 des VereinS- gesetze« nicht richtig gewürdigt babe und daß er außer acht gelassen habe, daß für die Feststellung, ob ein solcher Verein vorliege, da die Tätigkeit de« Vereins selber entscheidend sein müsse. Ter Verein hat« sich aber darauf beschränkt, Gelder zur Beschaffung von Jugendheimen- zu sammeln. Der zweite Strafsenat deS Kammergerichts verwarf die Revl- fion mit folgender Begründung: Festgestellt sei vom Landgericht. daß der Verein Jugendheim zum mindesten einen Teil der Funk- tionen der Jugendausschüsse übernommen habe und daß er durch sein Wirken bezweckte, die Ziele der«ozial-demokratt» zu fördern. ÜXirin sei aber mit Recht vom Landgericht eine Förderung von politischen Interessen und eine Einwirkung auf politische Angelegen- heitcn gesehen worden. Werden nun die auf Bekämpfung der Sozialdemokratie abzielenden Jugendvercine auch unter Slnklage gestellt werden oder gilt als RechtSfatz: entgegen dem Gesetz kommt eS auf die politische Richtung des Angeklagten an?__ Ein kranker Zeuge. An einem krankhafte» Gedächtnisschwund litt ein Zeuge, der gestern in eincr Verhandlung vor der 18. Strafkammer d«S Landgerichts l erscheinen mußte. Angeklagt tvcgcn Beihilfe zum Glücks- spiel war der Echanktvirt Karl Schönwalder. Vor einiger Zeit lief von einer Frau I. bei der Kriminal- Polizei eine Anzeige ein, in welcher diese erklärte, daß ihr Mann seit» ganzes Geld in dem Lokal des Angeklagt eir beim Wetten auf französische Pferde verliere. Al« Zeuge hierfür war ein Friseur Otto Menzel angegeben, der vor dem Untersuchungsrichter eidlich vernommen, die in der Anzeige behaupteten Dinge bestätigte. In der gestrigen Verhandlung erklärte dieser Zeuge plötzlich, daß er den Angeklagten überhaupt nicht kenne. Als ihm von dem Vor- sitzenden vorgehalten wurde, daß er dich schon in dieser Sacke und sogar eidlich vernommen worden sei, erklärte der Zeuge, daß er vordem noch niemals das Kriminalgericht betreten habe inw er auch weder vernommen worden sei, noch einen Eid geleistet habe. Als ihm der Vorsitzende nunmehr sein« Unterschrift in dem Protokoll vorwies, erklärte der Zeuge, daß dies allerdings seine Unterschrift sei, er könne sich jedoch nicht darauf besinnen, jemaW vernommen worden zu sein. Wenn die« der Fall sei. so könnt er jedenfalls nur Unsinn ausgesagt haben, denn er wisse von fr« ganzen Sache nichts. Auf Fragen des Vorsitzenden erklärte der Zeuge dann, daß et öfter solche„Zustände" habe, er könne dann nicht arbeiten und fahre gewöhnlich in diesem Falle zu seinen Eltern, um sich vier Wochen lang auszuschlafen.— Von dem Verteidiger wurde für den Fall, daß das Gericht auf die früher« belastende Aussage des Zeugen Gewicht legen würde, der Antrag gestellt, den Zeugen auf seinen Geifteszustand beobachten zu lassen. Das Gericht hielt jene Aussagen jedoch für völlig unglaubwürdig und erkannte auf Freisprechung des Angeklagten. Hub aller(Zielt« Ter verliebte Pfarrer. In England erregt zurzeit die recht sonderbare Geschichte von dem Pfarrer K n i g h t aus L e e d ö nicht wenig Aufsehen. Am 19. Januar deS Jahres meldeten die Zeitungen, daß am vorher- gehenden Tage der Pfarrer Knight von den Klippen bei Flam- borough in« Meer hinabgestürzt sei. Es hieß, der Pfarrer habe in der einbrechenden Dunkelheit eine photographische Aufnahme mit Blitzlicht machen wollen, als ihm im Beisein seiner Frau da» Unglück erreichte. Frau Knight lief dann zum nächsten Bauernhof, wo sie von dem Absturz berichtete. Trotz eifrigen SuchenS am Fuße der abschüssigen Felsen war von dem Pfarrer nicht» zu finden. Man war jedoch allgemein überzeugt, daß Pfarrer Knight tot sei. Zu seinem Andenken wurde in der Kirche eine Totenfeier veranstaltet und der Hilfsprediger schrieb ihm im Gemeindcboten einen rührenden Nachruf, in dem eS bicß:„Unser lieder Pfarrer hat unS ein Beispiel hinterlassen. Sein Lebenswandel war schön und rein und ein paar Jahre der von ihm geleisteten Dienste sind hundert Jahre alltäglicher Arbeit wert. Was un« nottut, ist die Inspiration eines Lebenswandels wie des seinigen." Verschiedene Umstände trugen jedoch dazu bei. daß Zweifel an der Richtigkeit der von Frau Knight erzählten Geschichte auftauckten. Ein Barbier in LeedS berichtete, daß sich am Tage vor dem Absturz ein Mann, der unzweifelhaft der Pfarrer gewesen sei, bei ihm die langen Haar« kurz scheren ließ, was dem Kunden ein ganz andere» Aussehen verliehen habe. Ferner verschwand mit dem Pfarrer eine junge Dame, die alS Lehrerin in der Sonntagsschule der Gemeinde seit längerer Zeit mit dem Seelsorger auf äußerst freundscbaftlichem Fuße stand. Man erinnerte sich wieder der engen Beziehungen, die zwischen den beiden Verschwundenen bestanden und schöpfte Verdacht, der sich als vollauf begründet«wie», al» plötzlich die Nachricht eintraf, daß sich der Pfarrer Knight mit seiner Ge- liebten auf dem nach Australien fahrenden Dampfer„Ballarat" befindet. Nun beichtete Frau Knight. daß die Geschichte von dem Absturz erfunden sei. E« stellte sich heran», daß die arme Frau seit längerer Zeit von dem frommen Seelsorger auf« brutalste mißhandelt worden war, daß sie mehr al» einmal mit dem Tode bedroht worden, daß er sie gezwungen, ihm nach Flamborongh zu folgen, wo er sie auf der Klippe einfach verlassen habe. So voll- ständig hatte der Pfarrer seine Frau terrorisiert, daß sie selbst nach seinem Verschwinden noch seinen Willen tat. Wie� die Geschichte bis jetzt steht, wird man dem H i I f s. prediger seine Sympathie nicht vorenthalten können. Ein größere» Pech als die Empfehlung, au» dem Lebenswandel des Pfarrer» Knight Inspiration zu schöpfen, könnte wohl keinem Sittenhüter passieren. Zwei deutsche Militärflieger ins Meer abgestürzt. Eine Fliegertragödie, bei der zwei Flieger ihr Leben ein» büßten, wird uns auS Danzig gemeldet. Kapitänleut- nant Jenctzky und Obermas chini st enmaat ...... 10 Uhr in Putzig Dieckmann, die Freitagvocmittag auf dem Flugzeug..Westpreußen" zu nach Stolp aufgestiegen waren, mus einem Uebcrlandflug mußten wegen widriger Winde bei Neustadt umkehren und in Danzig landen. Sie stiegen um 4 Uhr zur Rückfahrt nach Putzig wieder auf. Uebcr dem Meere bei Z o p p o t brach Plötzlich der eine Flügel deS Flugzeugs, das inS Meer stürzte. Beide Flieger fanden den Tod in den Wellen. DaS Flugzeug ist noch nicht geborgen. Der entsetzte Kronprinz. Von den Kaisettagen in Königsberg berichtet eine KönigSberger bürgerliche Zeitung folgende Episode: Am Uorck-Denkmal wandte sich der Kronprinz an die dort auf- gestellten Kriegervereinler mit kurzen Ansprachen. Einen jungen MagistratSanwärtcr fragte der Kronprinz, wa§ er wohl für ein Ge- halt beziehe.»Neunzig Mark monatlich, kaiserliche Hoheit I' Der Kronprinz sah den jungen Mann darauf entfetzt an und fragte ihn wie erleichtert aufatmend:»Aber eS steigt doch noch Was ihm bejaht wurde. DaS Entsetzen deS Kronprinzen beweist, daß ihm gar nicht be- kannt ist, wie überaus niedrig die Gehälter der Unterbeamten sind. Natürlich kann er sich keinen Begriff davon machen, in welch großem Rotstande das Voll lebt, wenn er gelegentlich mal an Festtagen jemand stagt, wie hoch sein Gehalt sei. Meine Notizen. Der Flieger WienczierS wegen Meineid verurteilt. Nach sieben« tägiger Verhandlung vor dem Schwurgericht in Leipzig wurde am Donnerstag der bekannte Flieger WienczierS wegen betrüge- rischen Bankrotts und Meineids unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Jahren sechS Monaten Ge» IS n g n i S und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Vier konats der erlittenen Untersuchungshaft wurden auf die Strafe au« gerechnet. Die Mitangeklagte Frau Hensel wurde wegen Beihilfe zum Bankrott und Fästchung eidesstattlicher Versicherung unter Zu- billigung mildernder Umstände zu sechS Monaten Gefängnis verurteilt, von denen ein Monat auf die Untersuchungshaft an- gerechnet wird. Ein schwerer Diebstahl. Au» dem Postamt Dornach«Elsaß) wurde in der Nacht zum Freitag von Einbrechern ein K ä s s e n- schrank g e st o h l e n und mittels eines zweirädrigen Karrens fortgeführt. Man fand den Schrank erbrochen auf einer Wiese bei Hirzbach. Ueber den Umfang der Beute, die den Dieben in die Hände gefallen ist, ist noch nichts Genaues bekannt. Grubeukatastrophe iu Japan. In einem Bergwerk in der Nähe de» japanischen OrteS Fukuoko wurden 150 Mann infolge einer Minenexplosion verschüttet. Man hat keine Hoffnung, den Unglücklichen Hilfe bringen zu können. Der New D orker Polizeisumpf. In New Jork wurde am Donnerstag der P o l i z e i h a u p t m a n n Walfh, der eingestand, Be st echungS gelber angenommen zu haben, vom Dienst ent- hoben, ebenso ein Polizeiinspektor und zwei andere Polizeihauptleute, die Walsh in seinem Geständnis ge- nannt haben soll. Der Fall Walsh wird am Montag vor die Grand- jury kommen._______ Jugendveranstaltungea. Neukällu. Sonntag, den S. Februar, pünktlich Uhr, spricht im „KarlSgarten". KarlSgarienflr. 6—10, Herr Dr. C. Liebknecht tprakt. Arzt) über: Serielle Hngiene. Die arbeitende Jugend wird ersucht, sich an dieser Veranstaltung zu beteiligen. Lichtenberg. Am Sonntag, den 9. Februar, fii Arbeiter- WobisahrtSauSsttllung statt. Treffpunkt p VI, Uhr am Bahnbos Frankfurter Allee. Fahrgeld bcv Alle jugendlichen Arbeilerümen, Arbeiter und L sind bierzu eingeladen. Veranstaltung zu beteiligen. Lichtenberg. Am Sonntag, den 9. Februar, findet ein Besuch der Arbeiter- WobisahrtSauSsttllung statt. Treffpunkt pünktlich uachmittagS -'-■""—" beträgt 30 Pf. i Lehrlinge Lichtenberg» find bierzü eingeladen. Nowawes. Die Arbeiterjugend von NowaweS untennmmt am Sonn- tag, den 9. Februar, einen Spaziergang nach Machnower Schleuse. Die ___________ r________ Y.- tlJU.. i("V.. 5«. Wrtlw» OY«Vi MI lllav die Touren(Sächsische Schweiz. Mariische Schweiz EberSwalde._ Waide, Mdersdorser Kalkberg« usw.) Die Eltern wollen ihre erwachsenen Söhne und Töchter ganz besonder« aus diese Veranstaltungen aufmerksam machen. Liederbücher nicht vergessen. ßrlefhaften der Redaktion. Tie t»r>stts«e epreqftunde findet rindeuftraSe KS, voru biet Treppe» — Fahrstuhl—, wochenlüglia, von Vfr bis 7% Uhr abends, Connadcnds, von«Ih H» 6 Uhr abend» statt. Jeder für de» Brieftafte» destimmten Sinfrag« ist«ia Bnchftabe»ab eine Saht als Merkzeichen dctzufitgcn. Briefliche Antwort wir»»ich! rrteitt. Anfragen, denen keine Abannemenlsantttunz beigefügt ist, »erde» nicht beantwortet. ikUige Fragen trage man t» der Vprrchstunpe vor. Recherche. 1. und 2. Nein.— F. ft. 777. 1. Die Frau kann iiitcr« »enteren. 2. Sofern die Kinder die Räume gemietet haben, nein. 3. Eine Verpflichtung, derartige Fragen zu beantworten, besteht nicht. 4. Solch« Verträge wären anfechtbar.— F. K. 8K. 1. Nein. 2. Bei der Anmeldung. 3. Ja, soweit die Mittel nicht etwa zur Beschaffung von Aus» steucr gebraucht weiden, 4. Aus Ersorderu des StandeSbcamr n ja. S. Ja. — St. M. 44. Leider ja.- R.«. 87. An da« Gericht, in dessen Be- zlrk Ihr Schwiegervater verstorben ist.— A. 5. Ja. sofern der Unfall im Dienst passiert ist. Andernfalls besteht, wenn die Pensionsberechtigung vor- Händen und Dienstunjähigkeit eingetreten ist, Anspruch aus Pension.— — R. 431. 1. Auf Verlangen de! Vormundes bezw. des Vormund« schaftSgerichtS. ja. 2. Ja. Z. Bis zur Auseinandersetzung gelten die mcr Kinder als Mitinhaber.—<£. 17. 1. Nur dann, wenn Krankheit vorliegt. Die durch die Schwangerschaft entstehenden Beschwerden gelten nicht als Krankheit im Sinne des Gesetzes. 2. Die Wöchneriniienunterftützung ist während der Dauer von sechs Wochen zu gewichrcn.— K. G. 150. Die Klage erscheint durchführbar und ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk zu machen. Der Gerichts- 1. Es erfolgt häufig Be- Ueberliefert.— A. 233. 1. Der Eigentumer erscheint schadenersatzpflichtig. 2. Die Weiterversicherung in der von Ihnen erwähnten Weife ist zweckmäßig. Der Umtausch mu! vor Ablauf von zwei Jahren erfolgen.— I. B. 35. Der Mietsstempel ist richtig berechnet. Zum Abdruck Hl ganzen Tabelle reicht der Raum des Brteskastens nicht aus. Zur Erstattung des Stempels sind Sie nur dann verpflichtet, wenn im MietSoertrage vorgesehen. — E. H. 1000. Die Aussage könnte nachteilig sein. Lasten Sie des- wegen eine Vernehmung Ihrer Zeugen durch den Anwalt beantragen.— Marktpreise von Berlin am 6. Februar 1013, nach Ermittelungen deS lönigl. Potizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte t9,6e bi» 19,70, mittel 19,16—19,54, geringe 19,30—19,38. Roggen, gut» Sorte 00,00—16,80, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Lahn). Futter gerjte, gute Sorte 17,10—18,20, mittel 16,60—17,30, geringe 15,80—16,50. Safer, gute Sorte 18,60—20,40, mittel 17,00—18,50(jrei Wagen und ab zum Kochen 35,00—60,00. von der Keule Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleisch 1,10-2,10.'Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,10-3,00. 60 Stück Eier 4,20— 6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,10—2,10. Aale 1.60—3,20. Zander 1.10-3,60. Hechte 1.60—3.00. Barsche 1,00-2.40. Schleie 1,60-3,30. Biete 0,80-1,50. 60 Stück Krebse 1.00-21.00. M a r k t h a l l c n p r« i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe 30,00—50,00. Sveiscbohnen. weiße 35,00— öO.OO. Linsen Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00—10,60. 1 Kilogramm Rindfleisch 1,70-2,10. Rindfleisch. Bauchfteisch 1,30-1,80. WasscrstandS-Nachrichte» ')+ bedeutet Wuch». •) Eisgang. Nnterpegel.— � Eisstanl Dauer vom s. bis 10. Februar ~An2&ttcpe imtiMiimiimiitimimiiiiiiiimmiiiittziimfittiunutMU für S3erren~ und MiMiiiiiitüitMppüpteiipipppteittpitisiippkMepHeitwnteeiiitefeiptpipitriiiptpittziitniMiiluittiilttttltttnennmnuMptuptninmiiitziimumtpuHfifimtinwprmpUMiiHstitiHttitmtntfmüstmuMriptfwsunmiutmuiMMUHiitKmTyiRTmiUUffPf Herren-Jackeff- Anzüge; 1 Z.2L Herren-üac�ett- Anzüge 2.1.75 Herren-Jackeft- Anzüge SifÄÄ6'*". a�. D" 2.7.50 Herren-Jackeft- Anzüge 22.50 Herren-Jackeft-Anzüge.!n.Y0sn*2,.c.r,Auv 46.75 Jüngl.-Jackeft-Anzüge Ch*vM"- 11,50 Jün g I.- Jackeft-Anzüge 17.so Jüngl.-Jad�eö-Anzüge 2.4.50 «Ztär in unerreicht großer Auswahl| MtMtttuiMiniiutMiiiiiMNtlUilitiMiiiiunMtmiititniuniiitpiiiiiMtiiiiilirMiiitmNHsiniiiMii'imitiittmtinHmfiiitiittmtumttftmmiMtfttiititiiKnninimmitiiliiiiiiiiiiiifliHHiwnitnivftiKtiiiittimnmmiiinniMiMmmimiif Bleaderwerisle Cl�ausseestraße 2.0, 3© Or. FranhLfurter Str. 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Mathieustraße 13. 200,161* Silavierkursus. Erwachsenen Schncllmelhode. Monatspreis 3.00. Klavierüben frei. 20 Klaviere. Musikakademie Oraniensiraße 147. Moritzpiatz, Unionibealer.__ 23/2 Für die Verwaltungsstelle Kassel des Metallarbeiter-Verbaudes wird zum baldmöglichsten Antritt ein weiterer 112/9* Beamter rar die llgltatlon gesucht. Die AnstellungZbedingungen find die im Verbände üblichen. Eine süusjährige ununterbrochene Witgliedschasi im Verbände und guter Gesund- heilszustand ist Voraussetzung. Reflekliert wird nur aus eine tüchtige Krast, die mit der Entwickewng des Verbandes und seiner inneren Eimichiungen voll vertraut ist und auch die allgemeine Arbeiterbewegung kennt, rednerische Befähigung besitzt und durchaus schrijlgewandt ist. Kollegen, die mit Eisolg schon ähnlichen Posten bctieidei haben, erhalten den Vorzug. In dissem Falle Gehali nach Uebereintunsi. Aus dem Bewerbungsschreiben muß Alier, Beius, Dauer der VerbandSzugcbörigkeit und die bisherige Tättgkeit in der Arbeiterbewegung hervorgehen. Eine Probearbcii über das Thema: „Wie agitiert und organisiert man am ersolgreichsten in der Klein- und in der Großindustrie V* ist dem Bewerbungsschreiben beizusügen und alles bis spätestens itä. Februar 1913 einzusenden an Poien taimult Weisel, Gttschin«» ftrage 94a.__ Pan»tanwatt Müller. GUIchiner» straße 81._ 2439K* Kuniistopferei von grauKotoSty Schlacktteniee. Kurstraße 8 III. Pfandleihe Hei»ersdorserltraßel4. nahe der Grcisswalderstraße. 1038h* Vermietungen. �Vshnunxen. Okerftrafte 17. Neukölln: Zwei Dreizimmer. Wobnungen, parterre. mit Warmwasser-Periorgung sofort billig zu vermieten. Näheres beim Berivaller. 60St* N i cSerichonhnuieu, Wrangel- firaße 41 II Drei große Zimm«, Erker, Loggia. Bad, 630 Mark. Große Berliner,«iemensbahn. 2348b* Schlafstellen. Schlafstelle. Bierente, Dresdenerstraße 107. 23/2 I �.rbeitsmarkt. 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Während die Aeltesten der Kaufmannschaft in ihrem neuesten Jahresbericht der Auffassung Raum geben, datz eine weitere Konzen- lration im Baukgewcrbe in Gestalt der Aufsaugung von Provinz- bankcn durch die Berliner Großbanken nicht zu erwarten sei, voll- zieht sich bereits wieder eine bedeutungsvolle Bankcnvcrschmelzung: Die Bank für Handel und Industrie(Darmstädter Bank) nimmt die Brcslauer Disko nto-Bank in sich aus. Die Breslauer Diskonto- Bank begann im Jahre 1370 mit einem Aktienkapital von ö Millionen Mark zu arbeiten. Seit 1896 erstrebte sie durch ein ausgedehntes Filialsystem einen größeren Geschäftskreis. Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts war das Kapital auf 50 Millionen erhöht worden. Im Jahre 1902 konnte die Selbständigkeit der Diskonto nicht aufrecht- erhalten werden. Die Bank gab die 1896 gegründete Berliner Niederlassung an die Darmstädter Bank ab, setzte ihr Aktienkapital bis auf 2S Millionen herab. Gleichzeitig schloß sie einen Vertrag nrit der Dartnstädter Bank, daß sie für 10 Jahre auf eigene Filialen in Berlin verzichte und alle Berliner Geschäfte der Darmstädter über- trage. Bei den Erncuerungsverhandlungen dieses Vertrages ist nun die offizielle Verschmelzung der beiden Institute beschlossen worden. Zur Begründung dieses Schrittes weisen die Verwaltungen der Banken darauf hin, daß zwei andere Großbanken in Schlesien festeren Fuß gefaßt hätten: Die Dresdener Bank durch Aufnahme der Breslauer Wechsler- Bank und die Deutsche Bank durch Vergrößerung des ihr nahestehenden Schlcsischen Bankvereins.„Unter der Flagge einer Großbank geführt" würde die Breslauer Dislonto-Bank die Konkurrenz gegen diese Institute mit größerem Erfolg bestehen können. Die Breslauer Dislonto-Bank steht durch etwa 1t Filialen in Schlesien mit der schlesischen In- dustrie in engen Beziehungen. Sie verfügt über ein Kapital von 28 Millionen, das sich unter Hinzurechnung des verwalteten auf etwa 120 Millionen beläuft. Die Darmstädter Bank besitzt 160 Millionen Aktien— und etwa 915 Millionen gesamtes ber- waltetes Kapital. Die Verschmelzung der Institute geschieht durch Mionaustausch und Barausschüttung an die Aktionäre der Breslaner Diskonto-Bank. Eine Kapitalserhöhung der Darmstädtcr Bank ist einstweilen nicht beabsichtigt. Gleichzeitig veröffentlicht die Breslauer Diskonto-Ban! ihren Abschluß für 1912. Danach ist ber Bruttogewinn von 3,99 auf 4,23 Millionen gestiegen. Wiederum soll eine Dividende von 6 Proz. ausgeschüttet werden._ Film-Konvention. Die internationale Film-Konvention ist nicht von langer Dauer gewesen. Die deutschen Fabrikanten verlangten das Recht, den Filmverleihern(die sich zwischen Fabrikant und Kinobesitzer schieben) außer vereinbarten Rabattsätzen noch einen besonderen Rabatt von 5 Proz. zu gewähren. Da das die ausländischen Konventions- Mitglieder ablehnten, traten sämtliche deutsche sowie einige aus- ländische Filmfabrikanten auS. Darauf erklärten die in der Kon- vention Verbleibenden, daß sie an die Firmen(Verleiher und Theater) überhaupt nicht liefern würden, die von den Ausgetretenen Films bezögen. Dieser Beschluß, der durch einen Boykott der auS- ländischen Firmen die im Inland hergestellten Films verdrängen würde, scheint aber noch kein endgültiger zu sein. Vorläufig hat inan eine aus Fabrikanten, Verleihern und Theaterbesitzern de- siehende Kommission gewählt, die den Konflikt auS der Welt schaffen soll._ In der Eisenindustrie scheint die Hochkonjunktur trotz der politischen Wirren anzuhalten. Nach den Ermittelungen deS Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen« erzcugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Januar 1913 insgesamt 1609 700 Tonnen gegen 1566 000 Tonnen im Dezember 1912 und 1385 500 Tonnen im Januar 1912. Der Januarversand des Stahlwerksverbandes belief sich auf 530 000 gegen 478 000 Tonnen im Vorjahr und 532 000 Tonnen im Dezember 1912. Konjunktur in der Großschiffahrt. Der AufsichtZrat der Deutsch« Australischen Dampfschiffahrtsgesellschaft beschloß die Ausschüttung einer vierzehnprozentigen Dividende gegenüber elf Prozent im Vorjahre._ Eingegangene Druchfchriften. Die Wunder der Natur. Liefer. 19—22. Erscheint w 68 Liefer. a 60 Pf. Bong u. Co, Berlin W. 57. Grundrist der sozmle« Hygiene, von Dr.«. Fischer. 14 R, geh. 14,80 M. I. Springer, Berlin W. 9. Das Einigungsamt. Herausgegeben von M. v. Schulz, Dr. Prcnner und A. Rath. I. Springer, Berlin V. 9. Jährlich 12 Hefte. IKIliltM mit Hoscu- Btrecker VZ Pf. gpr 1 Me- trockaer 95"• 1 Tflbfett mit SteingVt- einlage Porzellan 1 Kaffeekanne 95 pi. 1 Milchtopf ÄÄse95 pf. 4 Paar Tassen ,GoW; 95 Pf. 6 bunte Dessertteller„. 95 pf. 6 bunte Speiseteller... 95 Pf. 1 Satz Töpfe mit GoUrand 95 Pf. 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