Ur. 34. flbonncmcntS'Bcdinglindfll: SbonncnientS- PrciS tuanumcranlifl! BicrtcljShrl. 3,30 Mk,. monall. 1,10 ÜRt, irochcnüich 28 Psg, frei ins baus. Einzeln« Annulier S Pig, Somitags« numincr mit illuiirierlcr Sonntags- Voilagc„lLic Nene Welt" 10 Pffl, Post- SüoniicmeiU: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post> Zcitungs- Preisliste, Unter Nreuzdand ,ür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat, Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Däncmar!, Holland, Italien, Luxeniburg, Portugal, nätucn, Schweden und die Schweiz, 30. Jahrg. kklchclnl isgli»»Mk lüoiiUgi. Verlinev VolKsblcrkk. Die Tnfertions' Gebühr Cehfigt für die scchSgcspaltcnc flolonrt- geile oder deren Raum 00 Psg„ für polnische und gcwcrlschasttichc Vereins- und Persoiiinitungs-Anzeigen 30 Pia. ,, Klein- Mnzeigtn", das setigedruckte Wort 20 Psg,(zulüsstg 2 settgcdruckte Worte), jedes weitere Wort lO Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes tvcNere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buch- staben zählen sür zwei Worte, Jnseraie lur die Nächsie Nummer müssen bis b Uhr nachmittags in der Erpediüon vbgegcben werden. Die Ervcdition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adrcffe: ,.s«»i,ietiii»>!m»tk»»". Zcntvalorgzn der foziatdemokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morivplati, Rr. 1983. Sonntag, den 9. Februar 4913. Expedition: SM. 68» Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplap. Nr. 1984. lüeichsseincke! Von jeher hat das Deutsche Reich keine schlimmeren und gefährlicheren Feinde besessen als die ostclbischen Junker Preußens. bis war die von junkerlichen Interessen diktierte Politik Preußens, die die Auflösung des alten Deutschen Reiches in erster Linie mit hat herbeiführen helfen. Es waren preußische Junker, die durch unfähige Diplomatie in den Kabinetten, und durch unfähige Strategie und Taktik auf den Kriegs- schauplätzen das deutsche Lnnd zur Beute Napoleons machten. Es waren preußische Junker, die, das deutsche Volk nach der Besicgung des französischen Eindringlings belohnten mit der elenden Demagogenpolitik der heiligen Allianz. Preußische Junker haben das Bürgerblut zu vetantwortcn, das am 18. März für den edlen Zweck, ein einheitliches Deutsches Reich zu schaffen, geflossen ist. Die rachsüchtige Politik des habgierigen und brutalen preußischen Junkertums war es in erster Linie, die den mit deni Blute des 18. März ge- düngten Saatboden einer deutschen Reichseinheit rück- sichtslos zerstampfte. Die preußischen Junker sind es gewesen, die sich bis zuletzt gegen die schließlich mit Blut und Eisen herbeigeführte Einigung Deutschlands ge- sträubt haben. Und preußische Junker sind es bis auf den heutigen Tag, die immer erneut und mit zäher Feindschaft gegen den Reichsgedanken alle Versuche, eine einheitliche Reichsgesetzgebung zu schaffen, zu verhindern und zu durch- kreuzen wissen. Nach der Taktik abgefeimter Spitzbuben aber schreien diese selben ostelbischen Reichsfcinde hinter der Sozialdemo- kratie her: Haltet den Dieb! Wo immer diese edle Sipp- fchaft nur eine Sozialistenverfolgung iji die Wege leiten kann, sei es unter den politisch erleuchteten Hinterlassen eines ostpreußischen ÄutsbezirkS, sei es in der parlamentarischen Probierstube für die reaktionären Anschläge der preußischen Junkerpolitik, im preußischen Landtage, sei es in dein vcr- haßten Parlament des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, überall suchen sie ihre schniutzigen An- griffe auf die Sozialdemokratie mit der schwarzwcißroten Flagge zu decken, überall beschimpfen sie die Sozialdemokratie als Reichsfeinde. Nun hat die Sozialdemokratie gewiß ihre ernsten Vor- behalte gegen die Art und Weise der neudeutschen Reichs- gründung erhoben, und sie macht sie auch heute noch geltend, wo sich nur die Gclogenheit dazu bietet. Aber gegen die Schaffung eines einlieitlichen und freiheitlichen Deutschen Reiches hat die Sozialdemokratie Iveder in früheren Zeiten Einwände erhoben, noch versagt sie sich heute der Mitarbeit an der Umgestaltung des heutigen Scheinreiches von preußischer Junker Gnaden zu einem wirklichen Einheitsstaatc. Das beweist die fleißige Mitarbeit der Sozialdemokratie an der Gesetzgebung des Dcutsckjen Reiches, das beweisen vor allen Dingen ihr stetes Drängen, ihre unausgesetzten Anregungen im Sinne reichsgesetzlicher Regelung wichtiger Angelegen- heiten des deutschen Volkes. Bei den ausgedehnten Debatten zum Reichsamt des Innern, die jetzt ihren Abschluß gefunden haben, hat es kaum rinen einzigen sozialdemokratischen Redner gegeben, der für die besondere/ Sache, die er im Namen der Sozialdemokratie rxrtrat, nicht immer und inuner wieder das gesetzgeberische Eingreifen des Reiches verlangt hätte. Mochte es sich um die Schiffahrt oder um die Schulfrage, um die Berggesetz- gebung oder um. eine Frage der Volksgesundheit handeln, immer wieder verlangten die Sozialdemokraten das Ein- greifen des Reiches, weil nur dadurch eine einheitliche Rege- lung für das Gesamtgebiet des Deutschen Reiches im Sinne der Ver�nheitlichung und der materiellen und kulturellen Hebung des deutschen Volkes zu ermöglichen ist. Sozial- demokrat.en sind eben keine engherzigen und kurzsichtigen Partikul.aristen, die lieber das große Ganze leiden lassen, ehe sie auch nur irgend ein gleichgültiges, überlebtes, unberech- tigtes Vorrecht des Einzelnen aufgäben. Aon diesem erhöhten Gesichtspunkte aus gewinnt die unerwartete und leidenschaftliche Debatte, mit der die Be- ratun-g des Reichsamts des Innern am Freitag abschloß, ihre panz besondere und außergewöhnliche Bedeutung. Aus dem Reichstag heraus ist den ostelbischen Reichs- feinden, die im preußischen Landtage, dem elenden Produkt des elendsten aller Wahlsysteme, ihr unlauteres und freches -Spiel mit den vornehmsten Bürgschaften der Reichseinheit treiben, eine Antwort gegeben worden. Der Staatssekretär -Delbrück hat es auf seine Weise getan. Dieser Herr hat nicht gerade das Format eines hoinerifchen Helden modernen Stils. Er ist ein verbindlicher Bureaukrat. der niemandem wehe tun möchte und selbst schärfere Vorstöße mit höflichen Worten so einzuölen sich bemüht, daß sie nicht allzusehr ' schmerzen. Um so mehr wird es die ostelbischen Reichs- feinde auf der rechten Seite des Reichstages kränken, daß selbst Herr Delbrück vorübergehend die lammherzige Ge- lassenheit, die seines Wesens Kern ist. soweit hat fahren lassen, wie es ihm als konservativem Manne und aktivem Minister überhaupt möglich ist und die Konservativen mit einigen wohlgezielten UnHöflichkeiten traktierte. Aber die eigentliche Antwort wurde den Reichsfeiiiden bon einem Sozialdemokraten gegeben. Genosse Lcdebour hat die Firma Westarp, Arendt u. Co. mit so kräftiger Faust und solcher wohlangebrachten Unbarmherzigkeit zurechtge- schüttelt, daß den Herren buchstäblich der Atem ausging. Wie ein Fisch, der auf dem Trocknen liegt und noch einmal krampfhaft nach Lust schnappt, so stammelte der„Reichs"- parteiler Schultz-Bromberg am Ende die Bemerkung, daß er— nichts mehr zu bemerken habe! Als das Reichsamt des Innern vor Wochen zum ersten Male auf der Tagesordnung des Reichstags stand, war es ein Sozialdemokrat, Genosse Fischer, der durch seine Ent- hüllung über den vergeblichen Bittgang des Staatssekretärs des Reiches zum preußischen Polizeiminister den preußischen Reichsfeinden die patriotische Maske vom Gesichte riß. Die Entlarvten haben ihren Aerger über diese unbequeme De- Maskierung vor Abschluß des Karnevals vergeblich zu be- täuben versucht. Weder ist es ihnen durch ihre Ablcug- nungen, noch durch ihren Streikpostenvorstoß im Reichstage, noch durch ihre Attacke, die sie im preußischen Landtage gegen den Reichstag ritten, gelungen. Sie sind entlarvt, die scheinheiligen Heuchler, die schon ihre verrosteten Leiern stimmen, um zur Jahrhundertfeier der Befreiung Deutschlands von einen: auswärtigen Feinde patriotische Lieder zu singen, und die doch im innersten Herzen genau solche Reichsfeinde geblieben sind, wie sie es schon vor hundert Jahren waren. Die Landtagswahlen stehen bevor. Möge das deutsche Volk, vor allen Dingen aber das preußische Arbeitervolk seine Waffen schärfen, um in diesem Jahre die Befreiung Deutsch- lands von seinem gefährlichsten inneren Feinde, von seinem ostelbischen Junkertum, ein kräftiges Stück zu fördern! Das ist die würdigste Art der Jahrhundertfeierl Der Balkankrieg. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz besagen, daß das geplante oder nur vorgespiegelte Umgehungsmanöver E n v e r B e i s unterbleibt. Dagegen scheint es sicher zu sein, daß sowohl Türken als Bulgaren ihre Stellungen auf der Halb- insel Gallipoli zu verstärken suchen und dort die Ent- scheidung bald fallen muß. Das Bombardement von Adrianopel wird fortgesetzt und die Bulgaren behaupten. daß die Festung bald sturmreif sein werde. Türkische Verstärkungen sür Gallipoli. Koustantinopel, 8. Februar. Das 10. Armeekorps, welches sich hier befand, ist samt seiner Kavallerie und Artillerie heute nach Gallipoli abgegangen. Die Einschiffung erfolgte in Ordnung auf den Kais von Stambul und Galata auf'15 Transportschiffen, welche gestern abend und nacht ab- dampften. Der Marincminister sowie Enver Bei sollen auch nach Gallipoli abreisen. Es scheint, daß infolge der Kriegsoperationen in Gallipoli die Landung einer größeren Truppenmacht in Rodosto vorläufig verschoben worden ist. Schreckensszenen bei der Flucht. Wien, 8. Februar. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel: Die türkischen Bewegungen nach Galli- poli wurden von zahlreichen griechischen Banden beobachtet und belästigt. Infolgedessen wurden die griechischen Bürgermeister und Notabeln der geräumten Ort- schatten als Bürgen nach Gallipoli mitgenommen, die Ort- s ch a f t e n selbst durch Beschießung der Kriegs- schiffegänzlichzerstört. Alle Einwohner flüchte- ten in wilder Panik nach Gallipoli, zum Teil auch auf dic� dorthin bestimmten Truppentransportdampfer. Da- bei kam es nach den Erzählungen hier angekommener Flücht- lrnge.wiederholt zu Schreckensszenen. Zahljr eiche Boote kenterten infolge der Ueberlastung. Hunderte von Personen ertranken, darunter viele Soldaten. Erst dicht vor Gallipoli gelang es dem türkischen Kommandanten, die Massenflucht zum Stehen zu bringen und den nachrückenden Bulgaren bei Bulair ent- gegenzutreten. Vor Tschataldscha. Konstantinopel, 8. Februar. Ein offizielles Coinmuniqu'6 besagt: Ter Feind setzt die Rückwärtsbewegung bei Tscha- t a l d s ch a fort. Es kam zu mehreren Zusammenstößen, die mit dem Rückzug der feindlichen Truppen endeten. Jnsbe- sondere war bei dem Dorfe Plaja der Kampf ziemlich er- bittert. Das Kriegsschiff„Jdjlalije", das vor Büjük-Tschek- medje liegt, richtete das Feuer seiner Geschütze gegen die feindlichen Stellungen. Die feindlichen Streitkräfte, die damit beschäftigt waren, auf den Höhen südlich des Dorfes Kamilo in der Umgebung von Gallipoli Befestigungen und Verschanzungen zu errichten, wurden von den Geschützen unserer Landtruppen und unserer Flotte beschössest. Die Beschießung Adrianopels dauert Tag und Nacht fort, ohne bedeutenden Schaden anzurichten. Die Konsuln in A d r i a n 0 p e l erneuerten bei den hiesigen Botschaftern die Bitte, es möge entweder eine neutrale Zone geschaffen werden, die es den Ausländern ermöglicht, außer Schußweite zu bleiben, oder es möge den Ausländern gestattet werden, Adrianopel auf dem Wege über die bulgarischen Stellungen zu verlassen. Ein Flug über die Tordauellen. Rom, 7. Februar.„Secolo" bringt eine ausführliche Echilö dcrmig des Fluges der beiden griechischen Militär» flieg er Mutusis und Maraitimis über die Dardanellen, aus der folgende Einzelheiten zu erwähnen sind: Der griechische Torpedojäger„Velos" fuhr dein Wasserflugzeug eine Stunde vor» aus. Um 9 Uhr 29 Minuten— der Torpedojäger befand sich ge» rade zwischen Lemnos und Jmbros— erschien der Hydroplan hinter der Purnia Bai in der Richtung nach Samothrace und passierte Jmbros in der Richtung auf die Dardanellen, um alsbald über der Halbinsel Gallipoli zu verschwinden. Um 11 Uhr 39 Minuten wurde der Hydroplan von neuem fichtbar, der„Velos" fuhr ihm entgegen, und eine Schaluppe brachte den inzwischen auf dem Wasser niedergegangenen Hydroplan und die beiden Offiziere ai» Bord. Die Flieger ertlärten, der Flug habe jede Erlvartung über- troffen. Sie-hätten zweimal die Halbinsel Gallipoli im Zickzack gekreuzt und die türkischen Stellungen leicht et* kennen können. Die Halbinsel sei ihnen wie ein ungeheures Wastenarsenal erschienen. Die Flieger erreichten die Halbinsel bei tiap Suwla, passierten die Stadt Maidos und überflogen die Dardanellen zweimal. Als sie sich über Nagara befanden, konnte Maraitimis mit dem Fernrohr sich über die feindliche Festung orientieren. Auch über die bei Nagara versammelte türkische Flotte konnten die Flieger Feststellungen machen. Die Flieger hatten ursprünglich in Mudros niedergehen wollen, ein Motordefekt zwang sie aber zur vorzeitigen Landung. Der Flug dauerte rund zwei Stunden und dehnte sich über 189 Kilometer aus. Flecktyphus. Belgrad, 7. Februar. Wie die„Politika" meldet, ist außer in Negotii! auch in Zajecar und Kujazevae unter den türkischen Kriegsgefangenen Flecktyphus ausgebrochen. In diesen drei Städten sind bisher insgesamt 499 türkische Soldaten erkrankt. Katzenjaminer in Oesterreich. Aus Wien wird uns vom 7. Februar geschriebekik Es herrscht keine Kriegsstimmung mehr in Oesterreich. und die patriotische Begeisterung, mit der man zu Beginn des Konflikts mit Serbien so viel Staat machte, hat sich gründlich verflüchtigt. Niemand zieht mehr zum Deutsch- nieisterdenkulal, um dort das Prinz Eugen-Lied anzustim- men, und in den Varietss wird nicht mehr zur Erhöhung der weinseligen Stimmung das„Gott erhalte" gesungen: es ist aus. gründlich aus mit dem Wahn von einer Leidenschast in Oesterreich für Krieg und Eroberungen. Ganz im Gegen- teil: der gesamten Bevölkerung hat sich ein ganz schreck» l i ch e r Katzenjammer bemächtigt und nur Erbitte» rung mischt sich noch in sie über die ungeheure Nasführung, die sich die Machthaber mit den Interessen des Volkes heraus» genomnien haben. Verstummt sind auch die mannigfachen Balkanspezialisten, die jeden Tag auf Grund von„Jnforma- tionen von besonderer Seite", wie der offiziöse Urspring ihrer Vorspiegelungen schamhaft genannt wurde, die euro- päische Welt mit der Ankündigung alarmierten, die Geduld Oesterreichs sei wieder einmal zu Ende und das oder jenes „werde sich die Donaumonarchie unter keinen Umständen bieten lassen", denn davon hänge ihre gesamte Zukunft ab (von was allem hing nur während dieser Zeit der Irrungen! und Wirrungen die Existenz Oesterreichs ab): den publi» zistischen Stabstrompetern der österreichischen Kriegspartei, die so vielfach auch in der reichsdeutschen Presse ihr Unwesen treiben, hat die EntWickelung der Dinge die Rede völlig verschlagen. Die Bevölkerung in Oesheffreich-Ungarn hat aber nur noch die Frage ans den Lippen: welcher Teufel die österreichischen Machthaber denn geritten haben mag, daß sie Hunderte und Hunderte von Millionen um nichts und wieder nichts hinausgeworfen, eine schwere Wirtschaftskrise über das Reich gebracht und in dem ganzen Feldzug aber auch nicht das geringste erreicht haben. In Wahrheit wird man in der Weltgeschichte lange suchen müssen, um eine derart sinnlose Politik zu finden, der sich Oesterreich-Ungarn in dein gegen- wärtigen Balkankonflikt hingegeben hat. Wohin es mit der Politik des Ballplatzes gekommen ist, zeigt sich schon-in der Wertung des Handschreibens deS Kaisers Franz Josef an den Zaren als eines Beweises, daß die Erhaltung des Friedens nun gesichert sei— welche Ucber- schätzung jener Zeremonie sich dadurch nicht beirren läßt, daß eigentlich kein Mensch weiß, was in dem Handschreiben stehen mag. Aber wie wunderlich sind doch die Wege dieser öster» reichischen Politik! War denn jemals eine andere Störung des europäischen Friedens zu befürchten als die. daß sich Oesterreich in die Balkanhändel mischen werde? Tie Kriegs- gefahr hätte Oesterreich also auch ohne das große Aufgebot seiner militärischen Machtmittel, das die ganze Volkswirt- schaft zerrüttet hat, bannen können: es hätte sich nur zu ent- schließen brauchen, sich der zweck- und nutzlosen Einmischung zu enthalten. Der Friede war iin Grunde nur durch Oester- reich gefährdet: und nun sind die Schwarzgelben glücklich, daß er nicht mehr gefährdet sei! Offenbar denken sie sich die Sache so, daß sie hätten gezwungen werden können,„zum Schwert zu greifen" und nun Gott auf den Knien danken dürfen, daß jener„Zwang" aufgehört habe, daß sie niemand mehr in den Krieg hineintreibe. Aber wer hätte denn Oester- reich zwingen sollen, einen Krieg anzufangen, in dem unter & Umständen die ganze europäische Welt hätte verwickelt werden können? Heute wird doch niemand bezweifele daß die eigentliche Forderung Oesterreichs nach Bildung eines selb- ständigen Albaniens, das Serbien den Zugang zum Meere sperrt, viel einfacher von statten gegangen wäre, daß die Er- fullung dieser Forderung innerhalb der Großmächte eigent- lich schon vorweg gesichert war. Wenn die österreichischen Machthaber gezwungen werden könnten, auf die Frage, w o- für sie eigentlich gerüstet haben, und was insbesondere mit der A u frechter Haltung der Rüstungen, da doch die albanische Frage schon entschieden ist, bezweckt werden soll: sie würden mit der Antwort Wohl in größter Verlegenheit rün! Aber welche Gemütsverfassung mnß sich der öfter- mchischcn Bevölkerung bemächtigen, wenn sie diese verbreche- tische Vergeudung des Nationalvermögens sieht, wenn sie die schweren Bedrängnisse dieser nun Monate währenden Mo. bilisim/ng fühlt und absolut nicht erfahren kann, wofür das alles eigentlich aufgeböten werde! Ist es nicht schon der Gipfel der Albernheit, daß sich Oesterreich die schwersten Opfer auferlegt um Albaniens willen, und daß die Oester- reicher jeden fußbreit Boden, der den Serben für die Al- banesen abgenormnen wird, geradezu mit Gold pflastern müssen! Es ist wahrhaftig kein Wunder, daß sich die anfäng- liche Begeisterung(die freilich auch damals auf die' kritikloseil Müßiggänger der Großstadt und auf die bekannten deutsch- nationalen Fibelpolitiker beschränkt blieb) nun in den greu- lichsten Katzenjammer verwandelt und die Aufregung über die„frechen Serben" sich in Empörung über die gewissen- losen österreichischen Machthaber umgesetzt hat. Diesen Wandel der Stimmung empfindet am schmerz- lichsten die schwarzgelbe Kriegspartei, die von Franz Ferdi- nand bis Leopold Mandl(das ist der Ballplatzschmock, der in der„Vossischen Zeitung" sein Unwesen treibt) reicht und die nun über das Abflauen des kriegerischen Geistes wehmütig klagt. Es ist freilich wahr, daß der alte Kaiser den kriegs- lüsternen Herrschasten das Konzept gründlich verdorben hat, und deshalb kann sich die spezifische schwarzgelbe Presse in Anspielungen über das„verdammte Ruhebedürfnis", das „oben herrsche", auch Nicht genug tun. Tatsächlich ist die Berchtoldsche Politik in dem Widerspiel zwischen der Kriegs- Partei, auf deren Geheiß die Rüstungen begannen, und dem Kaiser, für den wieder auf die Erhaltung des Friedens gewirkt wurde, zugrunde gegangen, und so kommt es, daß Oesterreich, das sich auf dem Balkan neue Freundschaften, neue Handelsverbindungen hätte schaffen können, bei dem Handel nun leer ausgeht, und als neuer Peter Schlemihl da- steht. Es ist keine Rede mehr von einem neuen Handelsvertrag oder Handelsbündnis mit Serbien, keine auch von der internationalisierten Bahnverbindung mit Saloniki: der ganze große Aufwand ist für Albanien vertan, über dessen Lebensmöglichkeitcn die Anschauungen aber überall sehr ge- teilt sein dürften. Wohl sind die Schwarzgelben dafür be- kannt, daß man ihnen alles mögliche einreden kann, aber der vollkommene Mißerfolg der Politik, die soviel ins Spiel brachte und doch ganz leer ausgeht, ist zu deutlich, als daß er auch von ihnen übersehen werden könnte. Deshalb Nach dem kurzen Fasching des patriotischen„Aufschwunges" der allgemeine Katzenjammer)_ Aber es werden nicht nur immer Quentlein m die Wage des Rechts geworfen. Es gibt auch robustere Naturen unter den Richtern, es gibt unter ihnen Leute, die in ihrer Gesellschaft eine besondere Rolle spielen»vollen, die äks Politiker, als Agitatoren täkig sind, die den Ehrgeiz haben, in der herrschen- den Klasse, zu der sie gehören, eine bedeutende Rolle zu spielen. Wenn ein solcher Mann ani Abend bis spät in die Nacht hinein niit Eifer und Leidenschaft, und oft genug auch mit verbitternder Gehässigkeit von Mann zu Mann für die politischen Interessen seiner Klasse oder seiner Partei- sagen wir: für die fllotwendigkeit des Arbeitswilligen schutzes!—'gekämpft hat, und wenn er dann am nächsten Morgen einem politischen Gegner— sagen wir: einem Streikposten, der einen Arbeitswilligen beleidigt hat!— als Richter gegenübersteht, wer wagt die Behauptung, daß dieser Richter ohne Ansehen der Person und ohne' Klassenvorurteil zu richten imstande ist? Die bürgerlichen Redner bemühten sich, die Kennzeichen der heutigen Klassenjustiz, die unglaublichen Urteile gegen streikende Arbeiter, die groben Vergewaltigungen der ge- sunden Vernunft in den Urteilsbegründungen zu leugnen oder auf allgemein menschliche UnVollkommenheit zurückzuführen: vor allem gab der redegewandte nationalliberale Kammer- gerichtsrat Schiffer für diese Argumentation das Stichwort. Aber seine noch so spitzfindige Dialektik täuscht keinen Sozial- demokraten über die Zwiespältigkeit und das zweierlei Maß hinweg, denen die Rechtsprechung solange rettungslos aus- geliefert ist, wie es herrschende und beherrschte Klassen gibt. politische deberttckt. Berlin, den 8. Februar 1913. Klassenjustiz oder menschliche UnVollkommenheit'{ Aus o e m Reichstag. Tggtäglich sitzen in Hunder ien von Gerichtshöfen Tausende von gelehrten Männern, legen das Gesicht in ernste Falten, wälzen Gesetzbücher und — sprechen„Recht". Sang- und klanglos verschwinden die meisten der weisen Richtersprüche und ihre oft so sehr be- klagenswerten Opfer im Orkus, der Vergessenheit. Wieviel Unrecht unsere Rechtsprechung Tag für Tag verübt, unge- wollt und ungesühnt, wer kann es ermessen? Keine Statistik gibt darüber Auskunft. Nur von Zeit zu Zeit steht einer auf und greift aus der Fülle täglicher und alltäglicher Richtersprüche einige heraus. Scheinbar wahllos, scheinbar zufällig setzt er neben das Urteil aus der Großstadt eines aus der Kleinstadt, neben einen Richterspruch von Berufsrichtern einen, an dem Laienrichter initgewirkt haben, neben ein Urteil, aus dein mildes Ver- stehen und liebevolles Wohlwollen spricht, ein anderes, aus dem der eisige Hauch kalker Härte und mitleidloser Rück- sichtslosigkeit weht. Aber allmählich spürt man, daß die Einzelfälle, die der Redner aufzählt, nicht Einzelfälle sind, daß sie alle zu einander gehören, daß sie alle als die ver- schiedenen Züge eines einzigen großen Bildes miteinander notwendig sind, wenn das Bild für jedermann klar erkennbar zutage treten soll. Es ist kein schönes Bild, und mancher wendet sich schaudernd ab, wenn die häßlichen, grauenerregenden Züge der Kl a s s e n j» st i z mit jedem Worte härter und nnver- kennbarer in die Sehweite rücken. Und es ist keine augc- nehme, aber leider eine bitter notwendige Aufgabe, der sich die sozialdemokratischen Redner zum Etat des Reichsjustizamts alljährlich im Reichstage unterziehen müssen. Am Sonnabend hatte Genosse Cohn diese Aufgabe zu erfüllen, es gelang ihni, mit sicherer Hand die harten Linien des ab- stoßenden Bildes zu zeichnen. Wir behaupten nicht, daß der einzelne Richter bewußt und aus Parteilichkeit das Recht bricht. Wir nehmen im Gegenteil an, daß jeder Richter nach bestem Wissen und Ge- Willen zu handeln sich bemüht, und daß selbst bei den er- schkeckendsten Urteilen persönlich von der Richtigkeit und Not- wendigkeit seines Spruches überzeugt ist. Aber der einzelne Nichter kann sich nicht seiner Klassenvorurteile entschlagen. Es hängt nicht von seinem Willen ab, ob er unter dem Ein- sluß seiner Klassenanschauungen und Klasseninteressen handeln will oder nicht. Wie unwillkürliche Muskelbewegun- gen unseres Körpers sich vollziehen, ob wir wollen oder nicht, ivie es höchstens von der besonderen persönlichen Veran- lagung und von Krankheitszuständcn abhängt, ob diese Be- ivegungen heftiger oder milder vor sich gehen, so wird auch der einzelne Mensch unwillkürlich von den Interessen und treibenden Kräften seiner Klasse. beeinflußt, und allenfalls der Grad der Beeinflussung, nicht diese selbst, wird von seinem besonderen Temperament und seiner persönlichen Be- sonderheit bestimmt.„. Uni gefährlichsten wird dieser allgemeine Klasseninstinkt, wenn er in der Rechtsprechung sein Spiel treibt. Angeblich steht die Rechtsprechung über aller menschlichen Unvollkomnienheit. angeblich richtet die Göttin Justitia ohne Ansehen der Person. Dieser Frrtum wird um so gemeingefährlicher, weil es sich bei den Rechtsfragen stets um Streifragen, oft um Streit. traaen schwierigster Art handelt, so daß jedes kleine Ouent- wen Klgssenvoruxteil den. NichterspruH stark beeinflußh Geburtenrückgang und Sozialdemokratie. Der konservative Abg. v. d. Osten, im Nebenamt Landrat des Kreises Königsberg i. d. Neumark, hat eine ganz neue Ent- deckung gemacht, die er am Sonnabend im Abgeordnetenhause bei der Beratung des Wedizinalwesens vortrug. Wie an allem Elend in der Welt, so sollen auch an dem Geburtenrückgang die— Sozialdemokraten die Schuld tragen. Herr v. d. Osten behauptet'dreist und gottesfürchtig, daß der Geburtenrückgang dort am größten sei, wo die Sozialdemokratie die meisten Stimmen erhalte. Die Tat- ache an sich mag richtig sein, aber sie erklärt sich aus wirtschaftlichen Gründen. Die meisten Stimmen bringt die Sozialdemokratie in den Jndustriebezirken auf, und hier finden wir den stärksten Ge-- burtcnrückgang. Will man da ernstlich Wandel schaffen, so ver- bessere man die Lage des Volkes und sorge für gute Arbeiterschutz- gesetze. Wer freilich, wie die konservativen Junker, auf dem Standpunkt steht, daß Unterernährung und verkehrte Wirtschafts- Politik nur Schlagworte seien und wer es fertig bringt, die Re- ligiosität mit dem Geburtenrückgang zu verquicken, der legt ein so trauriges Zeichen sozialpolitischer Einsicht an den Tag, daß von ihm selbst beim besten Willen keine Hilfe zu erwarten ist. Aehnlich tiefstehend war die Rede des Abg. Wagner(freik.), der der Ansicht Ausdruck gab, daß die Not als Ursache der Prosti- tution fast gar nicht in Betracht käme. Er berief sich zum Beweis auf die Erscheinung, daß sehr viele Prostituierte früher Dienst- mädchen waren, die keine Not kennen. Daß es neben der mate- riellen Not auch noch andere Ursachen für die Prostitution gibt, läßt sich nicht leugnen. Was aber speziell den Umfang der Dienst- boten an der Prostitution betrifft, so empfehlen wir Herrn Wagner, sich einmal mit den interessanten Untersuchungen von S t i l l i ch und anderen zu befassen. Vielleicht wird er dann Die Straßburger Faschingsposse. Es ist ein eigen Ding um unsere militärpatrwtische Presse. Während sie einerseits zu beweisen sucht, daß an der Marm- Posse in Straßburg die Militärbehörden keine Schuld haben, sondern ausschließlich die keine Zeitungen lesenden, von der Fastnachtsstinimung beherrschten Zivilbehörden, sucht sie andererseits dsrzutun, daß eigentlich solche Täuschungen wie in Straßburg gar nicht vorkommen können, da für die Be- förderung und Ablieferung kaiserlicher Telegramme peinliche Vorschriften bestehen. Mit breitem Behagen werden alle diese Bestimmungen über die Einlieferung dieser Telegramme, die Benutzung besonderer Formulare, die Buchung in den Re- gistern, die Kennzeichnung durch die Buchstaben L. 3.. die Ablieferung an den Adressaten usw. aufgezählt. Wie es scheint, will man dadurch dartun. wie schön alles von oben herab vorbedacht und geordnet ist; in Wirklichkeit beweist man jedoch nur, wie kopflos in Straßburg verfahren worden ist. Als es hieß:„Der Kaiser kommt!" ging eben alle Uebcrlegung flöten. Für gar manchen der hohen Herren in Straßburg dürfte übrigens die lustige Geschichte noch ein recht ernstes Nachspiel haben. Wie die„Milit.-Pol. Korresp." aus Hofkreisen berichtet. soll sich der Kaiser sehr unmutig über den Vorfall in Straß- bürg geäußert und u. a. gesagt haben:„Ja, lesen denn die Herren keine Zeitungen? Da stand es doch groß und breit drin, wo ich gewesen bin." Vom Militärkabinett ist auch ein Bericht aus Straßburg eingefordert worden. endlich eines vesiercu belehrt und hilft mit seinen Freunden, die Gesindeordnungen zu beseitigen und Schützgesetze für die Dienst boten zu schaffen. Unserem Genossen S i r ö b e l Vax es ein leichtes, den Unsinn, den die v. d. Osten und Wagner verzapften, zn widerlegen und nochmals den unanfechtbaren Beweis dafür zu' erbringen, daß fast ausschließlich soziale Momente Schuld tragen an dem Geburten rückgang, der Prostitution und ähnlichen Erscheinungen. Montag: Bauetat. 1«: 1«. lieber die Aufnahme der— allerdings sehr unbestimmten und verklausulierten— Erklärung des Staatssekretärs des Reichsmarineamts in E n g l a n d wird unS gemeldet: London, 8. Februar(Privattelegramm des„Vorwärts"). Die Erklärung des Staatssekretärs von Tirpitz hat hier allgemeine groß Befriedigung hervorgerufen. In allen Blättern findet man freundschaftliche Bemerkungen über Deutschland, lieber die Tragweite der nur in allgemeinen Umrifien bekannten Erklärimg ist man hingegen g e t ei l t e r Ansicht. Die d e m o kr a t i s ch e Presse hofft zuversichtlich, daß die deutsch-engl�sche Flottenrivalität nun zu Ende sei. Das Organ der Arbeiterpartei schreibt, daß eS undenkbar sei, daß die englische Regierung das Anerbieten Deutsch lands nicht annehme. Die„Times" und andere Blätter weisen darauf hin, daß Churchills Vorschlag, das Stärkeverhältnis der deutschen und englischen Schlachtflotte auf 10 zu 16 festzusetzen, gemacht wurde, ehe die letzte deutsche Flottenvorlage eingebracht wurde. Neberhaupt sei es angebracht, sich die Rede Churchills vom 18. März genau anzusehe». Man werde dann finden, daß der Grundsatz 16 Dreadnongths zu 16 sehr wesentliche Einschränkungen erfahre. Es heiße in. der Rede, daß, wenn Deutschland bei dem be- vorstehenden Flottengesetz verharren und keine unerwarteten Ereignisse in anderen Ländern eintreten sollten, der Maßstab in bezug auf die Dreadnougths. nicht in bezug auf die ganze Flotts für die nächsten vier oder fünf Jahre eine bequeme Richtschnur bilde. Ferner hätte Churchill darauf hingewiesen, daß sich das Verhältnis zuungunsten Englands verändern müfie in dem Maße, wie die englischen Vor-Dreadnoughts an Kampfwcrt verlieren würden.— Man ist sich somit noch nicht klar, was deS Staatssekretärs v. Tirpitz Worte genau bedeuten, ob sie mehr ausdrücken als den Wunsch, das Stärkeverhälmis der Klotten der beiden Länder in freundschaftlicherer Weise als bisher zu diskutieren. Wenn sie nicht mehr bedeuteten, so wäre den unter den Steuerlasten seufzende» Völkern wenig ge- Holsen. Auch wir haben ja durchaus vor Optimismus gewarnt. Und wir wiederholen abermals: eine Verständigung über ein Verhältnis der deutsch- englischen Dreadnoughtstärke von 10: 16 bedeutet nichts»veiteres, als die ohnehin selbst- ver ständliche Tatsache, daß Deutschland bei seinen kolossalen Mehranfdrderungen für den Land- und Luftmilitarismus vorläufig an kein forciertes Marinewett- rüsten denken kann und daß auch England heilfroh sein muß seine enormen Mehraufwendungen für seine Flotte wenigstens für die ersten Jahre nicht weiter erhöhen zu müssen. Die „Verständigung" bestünde also schließlich in nichts anderem. als der Anerkennung oh n e h i n gegebener Not- wendigkeiten. Die ganze„Aktion" scheint für Deutschland darauf hinaus- zulaufen, die abenteuerlichen Mehrforderungen für den Land- und Luftmilitarismus in milderem Lichte erscheinen zulassen, Als ob es nicht gerade höchste Zeit wäre, durch eine Verständigung mit Frankreich die erneute mili- taristische Riesenschröpsung überflüssig zu machen! Nationalliberaler Eiertanz. Einen geradezu komischen Eindruck macht das Phrasen- hafte Hin- und Hergerede, mit dem die nationalliberalen Blätter die Haltung der nationalliberalen Reichstagssraktion bei der Abstimmung über den konservativen Antrag auf Ver- bot des Streikpostenstehens zu verteidigen und zu ent- schuldigen suchen. Wie bekannt, hätte die große Mehrheit der nationalliberalen Fraktion weit lieber für, als gegen das Verbot gestimmt: die Rücksicht auf die Arbeiter— auch die liberalen, klerikalen und sogar die meisten„gelben" Ar- beiter sind Gegner des Verbotes— die in manchen national- liberalen Wahlkreisen des Westen und Südens ein ernstes Wort bei der Reichstagswahl mitzusprechen haben, verhinderte jedoch so manche Mitglieder der nationalliberalen Fraktion, diesem Gefühl bei der Abstimmung Ausdruck zu geben, zu- mal die Fraktionsleitung sich aus taktischen Gründen für die Ablehnung des konservativen Antrages ausgesprochen hatte. Aber wohl ist es den nationalliberalen Machern keineswegs nach diesem Votum: denn die nationalliberalen Großin- dustriellen und Großaktionäre, allen voran der Zentralver- band deutscher Industrieller und die Handelskammern in den Jndustrierevieren des Westens und Sachsens, haben sich wiederholt ganz energisch für das Verbot des Streikposten- stehens ausgesprochen, und die nationalliberale Partei ge- braucht die Subventionen und Geldunterstützungen dieser Zahlungsfähigen äußerst nötig. Die nationalliberalen Parteipolitiker sind dadurch in eine fatale Lage gekommen. Sie suchen sich nun aus dieser jetzt dadurch zu befreien, daß sie ihren Gönnern versichern, im Prinzip wären sie ebenfalls entschieden für das Verbot des Streikpostenstehens, aber der Antrag wäre von den Konservativen im ungerechten Moment ohne vorherige Fühlungnahme mit den Sbationalliberalen eingebracht worden, und zudem wäre die Form dieses An- träges so mangelhast gewesen, daß seine Annahme nichts genutzt hätte. Die Bekämpfung des Streikterrorismus müsse „organisch" durch Ausbau des allgemeinen Strafrechts er- solgen usw. Charakteristisch für dieses Entzschuldigungsgestammel ist folgendes Geschwätz der„Nationalk. Korrespondenz": „Würden bei Durchführung des Vorschlages des Zentral- Verbandes vor allem auch die Arbeit�ber geschädigt, so würde auf der anderen Seite das Verbot gggeu den Terror und für den Arbeitswilligenschutz nur wenig nützen. Die Gewerk- schaften besitzen— darauf ist ja im Reichstag besonders vom Staatssekretär Delbrück hingewiesen woüden->- noch eine ganze Reihe anderer Mittel, um auf Arbeitswillige terroristisch cinzu- wirken. Hierher gehören der Boykott in gesellschaftlicher Hin- ficht, die Weigerung, mit Arbeitswilligen oder Andersorgani- sierten zusammenzuarbeiten, und endlich die ganze Fülle von Drangsalierungen, denen der Arbeitswillige oder Andersgesinnte in seinem häuslichen Leben, in der Wohnung, in geselligen Ver- einen, seine Frau unter den anderen Frauen, seine Kinder unter den anderen Kindern ausgesetzt sind. Danach- müßte ein Gesetz, das das Streikpostenstehen verbietet, in seiner praktischen Wir- kung völlig versagen, ein großer Aufwand wäre nutzlos vertan. und zu allem käme noch der Spott der Gewerkschaften und Sozialdemokraten, denen es willkommen wäre. Gesetz und Staat auf so billige Art ein Schnippchen schlagen zu können. Daß dadurch die Staatsautorität nicht gestärkt würde, brauch wohl nicht besonders hcworgehobcn zu werden. Diese Gedankengänge waren es, die die Naionalliberalen und wohl auch noch andere Parteien zur Ablehnung der konservativen Rcsolutwn veranlaßt haben." Weit ehrlicher als das offizielle Organ der nattonallibe- ralen Partei ist das Blatt der Altiiationalliberalen� die„Alt- nationall. Korrespondenz". Sie erklärt ganz offen das Verhalten der nationalliberalen Reichstagssraktion fi.ii: einen taktischen Fehler: „Durch einen konservativen Antrag, den der Ahg. Gras Westarp begründete, ist der Reichstag mit der Frage einet' solchen gesetzlichen Verbotes beschäftigt worden. Er hat mit erdrückender Mehrheit den konservativen Antrag abgelehnt, nachdam die Reichsregierung durch den Staatssekretär Delbrück eine scharfe Ablehnung des Gedankens hatte aussprechen lassen. WU bedauern außerordentlich, daß damit diese wichtige Angelegenheit eine Behandlung erfahren hat, die sie nach ihrer Bedemtunv nicht verdiente und die in unseren gewerblichen Kreisen'Uvd weit darüber hinaus das niederdrückende Gefühl verbreitet.bat, als mangele es der Reichsrcgierung wie dem Parlament an tenntnis der drohenden Gefahr, an Energie und Entschluhkra�sb. Der Zentrumsabgeordn»te Irl, der die Notwendigkeit eines ver- stärkten gesetzliche» Schutzes der Arbeitswilligen anerkannte, ba- klagte, daß die Form des konservativen Antrages ihm die' Zw- stimmung unmöglich mache. Es ist auch sonst bedauert worden� daß die Art des konservativen Vorgehens, das absichtliche Unter- lassen jeder notwendigen vorhergehenden Fühlungnahme, die stark parteiagitatorische und aggressive Begründung, eine Ver- , ständigung sehr erschwerten. Trotz alledem hätte es sich ermöglichen lassen müssen, in einer eingehenden sachlichen Besprechung zn einer größeren Klärung und Annäherung der Anschauungen der Parteien wie der Regierung zu kommen." Das Gerede beider Richtungen beweist nur allzu sehr, wie wenig Verlaß auf den ganzen Nationalliberalismus, den Bassermannschen wie den Fuhr mannschen. ist. Der Ein- schränkung des Koalitionsrechts der Arbeiter find beide Richtungen geneigt. Tie Gelben gegen das Streikposteuverbot. Den Konservativen passiert das Malheur, daß sie auch von ihrem treuestrn Schildknappen, dem gelben Werkverein, in der Frage eines Ausnahmegesetzes gegen die Streikposten Verlasien werden. Die neueste Stummer des.Bund'(vom 9l Februar) beschäftigt sich in einem Leitartikel mit den Reichstagsh erhandlungen über den .Arbeitswilligens chutz Räch einer Rekapt�ulierung der Verhandlungen erklärt der.Bund": »In der Oeffentlichkeit ist vielfach der? Eindruck erweckt worden. als ob die Werkvereine auf dem Boden d a° konservativen Antrags ständen und ebrnfäll« ein Ausnahmegesetz gegen das Streikposten- stehen.verlangten. Auch Graf Westarp dl-des sich in seiner Rede zur Begründung seines Antrags auf die i klagen der Werkvereine über den sozialdemokratischen Streilterrori tmus. Aber so sehr die Berliner Werkvereine diesen StrcikterroriSn»us bekämpfen, so ent- schieden haben sie sich von vornherein gegctr ein Ausnahmegesetz zur Einschränkung der Koalitionsfreiheit und zum gänzlichen Ver- bot des Streikpopenstehens erklärt. Denn eün solches Gesetz würde zweifellos nur der Sozialdemokratie neues Wlasser auf ihre Mühlen leiten. Richtig ist freilich, daß der Sekretä.: der vaterländischen Arbeitervereine, Herr Heuer, an die»ationailliberale Partei einen offenen Brief gerichtet hat, mit der Litte, d em konservativen An- trage aus Verbot des Streikpostenstehens die Zustimmung zu geben. Aber dieses Schreiben ist lediglich im Austrage der vaterländischen Arbeitervereine geschrieben worden. Die LSerkoereine stehen ihm ganz und gar fern." Prinzipiell lehnen die Gelben demnach, wie aus dieser Aenßerung deS.Bund' hervorgeht, Einschränkungen des KaalitionsrechtS nicht ab. Im Gegenteil: am Schlüsse des Artikels wird noch einmal mit allem Nachdruck betont: .Aber wir wollen kein Ausnahmegesetz und üe.ine Beschränkung der Koalitionsfreiheit., denn solche verfehlten Maß- »ahmen führen der Sozialdemokratie Scharen von Anhängern zu und stärken sie, anstatt sie zu schwäche n." Wir wollen um die Gründe der Gelben nicht rkchten; wesentlich ist, daß auch sie sich gegen die konservativen S'charsmachereien wenden. Das Ergebnis der Hamburger Bürgersch,»ftswahl. Mit zwei Stichwahlen, die an dem bisherigen Mantdatsbesitz der Parteien nichts änderten, haben am Freitag die allgemciinen Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft ihren Abschluß gefunderr. Gewählt sind 10 Sozialdemokraten, 9 Bereinigte Liberale und LI! Mitglieder dar alten Fraktionen<7 Rechte, 1 Zentrum und 7 Linke); zusammen 40 Abgeordnete, womit die halbschichtige Erneuerung der Bürger- schaft. die alle drei Jahre stattzufinden hat. hergestellt ist. soweit die allgemeinen Wahlen in Betracht kommen. Weitere 40 Mandate werden noch bei den Privilegiertenwahleu vergeben, die a.m 18. Fe- bruar für die Grundeigentümer und aiu 28. Februar für die Noiaöeln stattfinden. Bei den Notabclnwahlen hat unserx Partei nichts, bei hen Grundeigentümerwahlen wenig zu schassen. Ammer- hin beteiligt sie sich auch an den letzteren, bei denen sie ein vor sechs Jahren errungenes Mandat zu verteidigen hat. Die Wirkung des Klassenwahlrechts, unter dem Hamburg nun seit de« Wahlrechtsumsturz von.1008 zum dritten Mal gsvahlt hat/ läßt sich dahirrMatUmenftlssen, daß der Zweck, die Arbeiter durdr ein raffiniert qerQckile ierte» Stimmen wer«. tungssystcm um dcn- Erfo1g.thres Stimmenzuwachses zu b e> trügen, gelungen ist: von 32, hv Proz. aller abgegebenen Strm- nun. die 1907 auf die Kandidaten der Arbeiterpartei entfielen, stieg die Sozialdemotoatie diesmal auf 44,39 Proz. Und trotzdem gelang eS ihr nicht, auch nur ein einziges Mandat mehr zu er- halten! Das zeigt.dh- ganze Hinterlist dieses Wahlsystems. Die Entrechtung der Arbeiter wirkt um so schlimmer, als ohnehin schon, infolge der erschwerenden Bedingungen, unter denen das Bürger-- recht zu erwerben ist, nur etwa der dritte Teil aller Hamburger Reichstagswähler bei dem sogenannten„allgemeinen' Wahlen zur Bürgerschaft stimmberechtigt ist. Tas Ergebnis der Altenburger Laudtagswahl. Der neugewählte alteuburgische Landtag setzt sich nach dem nun- mehr vorliegenden Endergebnis wie folgt zusammen: 14 Abgeordnete des Bundes der Landwirte, sieben Sozialdemokraten, drei fortschritt- liche Volkspartei, drei Reichspartei, zwei Nationalliberale, ein Partei- loser, ei» RechtSliberoler, ein Freikonservativer.— Die Sozial- demokraten behaupteten ihre bisherigen sieben Sitze; während die fortschrittliche Bolkspartei einen Sitz von den Rationalliberalen er- oberte. Freifinnige Wahlrechtsfeinde. Ein weiterer Beitrag zu den bereits vorhandenen Beweisen, daß der bürgerliche Liberalismus dort, wo er an der Macht ist, das Wahlrecht verhunzt, wird aus K o b u r g berichtet. Dort wird die Stadtverordnetenversammlung ausschließlich aus Fortschrittlern und Natwnalliberalen gebildet, und der Oberbürgermeister ließ sich im vergangenen Jahr als.wirklich liberaler' Kandidat gegen den offiziellen nationalliberalen Kandidaten in den Landtag wählen. Bisher war nun das Gcmeindewahlrecht— infolge eines Beschlüsse« der freisinnig- nationalliberalen Stadtverordnetenversammlung— an die Erstattung eines Bürgergeldes von 80 M. gebunden. Auf Drängen der Arbeiter und vieler kleinen Bahn- und Postbeamten wurde jedoch vor kurzem das Bürgergeld auf 10 M. ermäßigt. Infolgedessen bewarben sich auch viele Arbeiter um das Bürgerrecht. An diesem Zuwachs der Gememdewähler scheint aber. der freisinnig-' liberalen Verwaltung Koburgs recht wenig zu liegen. Man holte also, um sich des Andranges der Arbeiterwähler zu erwehren,, den Paragraph 35 des Gemeindegesetzes* vom Jahre 1867 hervor. nach dem die Bewilligung des Bürgerrechtes auch von dem Nachweis der wirtschaftlichen Exrstenz s c ch c r- h e i t deS Bewerbers abhängig gemacht werden kann. Und zwar-- so heißt«s in dieser Bestimmung—.mnsien auch nach menschlicher Voraussicht die Umstände und Ver- Hältnisse erwarten lassen, daß der erwählte Rohrungszweig dem Auf- zunehmenden und desien Familie hinreichenden Unterhalt nachhaltig gewähren müffe.'« Auf Grund dieser vorsintflutlichen Bestimmung, die den Armen willkürlich seiner politischen Rechte in der Gemeinde beraubt, wurden eine Reihe voll Bürgerrechts. Gesuchen, die von Arbeitern ausgingen. zurückgewiesen. Und zwar mit der Begründung, daß»du Be- treffenden«in Einkommen von unter 1000 M. befitzen und dem- zufolge die genügenden Subsistenzmittel nicht befitzen'. An sich mag der Koburger Magistrat recht haben, wenn er memt, ein Einkommen von weniger als 1000 M. garantiere nicht einen hin« reichenden Unterhalt für eine Familie. Aber dann müßte konsequenter- weise die Stadtverwaltung in erster Linie dafür sorgen, daß die in ihrem Dienste stehenden Familienvater, die jetzt noch ein wöchent- liches Einkommen von 14 bis 13 M. haben, zumindest 1000 M. er- holten.— Ohne diese Konsequenz bleibt die wirtschaftliche Erkenntnis dieser, freisinnig-liberalen Stadtverwaltung lediglich eine sich gegen die«rvesterschaft richtende Entziehung des Gemeindewahlrechts. Kriegsgerichtliche Milde. Vor dem Kriegsgericht der 3. bayerischen Division in Landau lPsalz) fand gestern vormittag die Verhandlung gegen den Oberst und Regimentskommandeur Henigst vom 22. Infanterieregiment in Zweibrücken, der wegen leichter, vorsätzlicher Körperverletzung, in Tateinheit mit öffentlicher tätlicher Beleidigung angellagt war, statt. Der Anflöge liegt der bekannte Angriff deS Obersten aus den Redakteur Loth in Zweibrücken am 5. Januar dieses Jahres zugrunde, bei dem der Oberst Henigst dem Redakteur Loth einen Schlag aufs Ohr versetzte. Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten, ent- sprechend dem Antrage des Anklagevertreters zu 50 M. Geldstrafe, event. fünf Tagen Gefängnis. Der Angeklagte nahm die Strafe an. Lelgien. Die Revlsicm ist tot! Es lebe die Revision! Brüssel, 7. Februar,(ßig. Ber.) Das heutige Kammer- Votum war keine Ueberraschung. Die von Van'dervelde im Namen der sozialistischen Fraktion noch vor der Abstimmung verlesene Erklärung spricht von der Verwerfung des Antrages als von einer vollendeten Tatsache. Fehlt indrs dieser Sitzung die Sensation einer Ueberraschung, so. wirkt die formelle Ent- scheidung mit nicht geringerer Wucht, denn s« markiert ein geschichtliches und politisches Moment, die Geburtsstunde ernster, entscheidungsvoller Ereignisse. Die Vertrauensmänner des sozialistische!» Proletariats ganz Belgiens werden nächsten Mittwoch zusammentreten und das Losungswort für den Kampf gebei». Aber wie Vandervelde in der Erklärung sagte: Die Entscheidung, das Signal zum Kampf war von allem Anfang on von dem Votum der Majorität bestimmt. Dieses Votunr nun besagt nicht nur, daß die Regierung keine Revision will� daß sie die politische Ungleichheit der Staatsbürger weiter bestehen lassen, das Schwindelwahlrecht aufrecht erhalten will. Es besagt auch: wir, die Majorität, wollen nicht einmal mit Sozialisten und Liberalen über die Revision diskutieren.; wir ver- werfen jeden Ausweg, jede Vermittelung, jeden Vorschlag einer friedlichen Lösung. — Herr v. Broqueville sagte neulich: Der Generalstreik ist eine Drohung. Eine Regierung darf eiuer Drcchung nicht nachgeben. Vandervelde. zur äußersten Konzession entschlossen. erklärte, daß die Schaffung einer parlamentarischen Studien- kommission die Möglichkeit bieten würde, die„Drohung' des Generalstreiks aus der Welt zu schaffen. Diese Kommission hätte die Regierung zu nichts verpflichtet, ihr jede Freiheit für ihre Entscheidungen gelassen; sie bedeutete mit einem Wort nichts anderes, als daß die Regierung ein paar Par- lamentariern das Problem der Verfassungsrevision zum Studium überantwortet hätte. Der Vorschlag ist praktisch- politisch so harmlos, daß ihn ein Klerikaler der Majorität zur Annahme empfiehlt. Und als ihn die Regierung verwirft, meint er, man möchte an ein Mißverständnis glauben— so wenig läßt sich die Abweisung motivieren. In der Tat ist die herausfordernde Handlungsweise der Regierung so wenig zu rechtfertigen, daß ein liberales Organ, die äußerst doktrinär- liberale und generalstreiksfeindliche „Etoile Belge", die sogar mit Herrn v. Broqueville marschierte und die Regierung unterstützt hat in der famosen Auffassung, vor der„Drohung' des Generalstreiks nicht zurückzuweichen, in ihren letzten zwei Nummern die Verantwortung für die kommenden Dinge der Regierung zuwälzt. Die entscheidende Sitzung verlief sehr bewegt. Nach der Rede des Sozialisten Denis ertönte minutenlanger Beifall, auch von den Bänkm der Liberalen. Die sozialistischen Deputierten brachen in den Ruf:„Es lebe der Generalstreik!'-aus. Während der Rede des Genossen Huysmans kam es zu stürmischen Zwischenrufen, als der Redner die frühere Wahl- reformfteundlichkeit des Jusüzministers aktenmäßig nachwies. Der christlich soziale Abbü Fonteyne wieder stieß mit den Klerikalen heftig zusammen, denen er ihre edle Kampfeöweise vorhielt. Auch sonst gab es genug Lärmszenen, in denen die Zwischenrufe und Reden ungehört versanken.— Bon den ver- schiedenen„Erklärungen", die nach der Abstimmung ab- gegeben ivurden, ist die des christlichsozialen D a e n s zu ver- merken, der sein Einverständnis mit den Sozialisten in der Wahlrechtsfrage aussprach. Zur Abstimmung selbst haben wir unserer telegraphischen Meldung hinzuzufügen, daß. von den 184 anwesenden Deputierten 99 gegen den sozialistischen Antrag a«f Diskussion der Verfassungsrevision stiinmen, 83, nämlich die Sozialisten und sämtliche Liberale und 2 Zklerikale sich der Stimme enthielten. Die Abstimmung war namentlich. Bei gewissen Namensnennungen und Verrätern ihrer Vergangenheit gab es entsprechende Ausrufe. Die Erklärung Vandcrveldes. die wir bereits tele- graphisch meldeten, wurde in Ruhe angehört. Die Akklamation der Sozialisten nach der Verlesung war von größtem Ein- druck. Stürmisch ertönten die Rufe durch den Sitzungssaal: toch das Wahlrecht! Hoch die Revision! Ein sozialistischer eputierter. Genosse Bologne, schwang in Ermangelung einer Fahne ein rotes Schnupftuch. Italien. Die Ursachen der Unruhen in Neapel. Rom, den 0. Februar.(Eig. Ber.) Neapel, die größte Stadt Italiens-, hat der Regierung in politischer Hinsicht nie Anlaß zu Besorgnissen gegeben. Die zwölf Wahlkreise, in die man die Stadt in Hinblick aus ihre„zuverlässige" Gesinnung eingeteilt hat (Mailand, mit nur 120 000 Einwohnern weniger verfügt über 8 Mandates, haben stets, mit einziger Ausnahme des Sozialisten Circo tti. Rcgierungskandidaten ins Parlament geschickt; trotz leidlicher Industrialisierung besteht keine beachtenswerte Gewerk- schaftsbeweAUMg; die sozialistische Partei hat keinen Einfluß im öffentlichen Leben: Neapel war für die Regierung eine bequeme Stadt, trotz aller Sorgen, die sein Elend, seine kommunale Miß- Wirtschaft und sein Verbrechertum bereiteten. Welchen Ursprungs und welchen Wesens war nun die Be- wcgung vom t und 2. Februar, die mit der Proklamicrung des Generalstreiks begann, um mit einem Straßenkrawall und zahl- reichen VandalsSmen zu enden? ES war eine echte Volksbewegung, die sich jeder Disziplinierung durch proletarische Organisationen entzog und die Last ihres impulsiven Ursprungs in der starken Beteiligung des Lumpenproletariats mit sich schleppte. Im Gegen- satz zu den zahl«eichen kurz aufflackernden Unruhen der letzten Jahre hat aber die letzte Bewegung einen leidlich klaren politischen Charakter und dürfte auch eine viel größere Nachhaltigkeit auf- weisen als diese. In der Tat sind neue Volksversammlungen für den 9. d. M. angesagt und die Bewegung dauert in der Um- gebung Neapels forü In mehreren Fabriken wird der Ausstand, trotz der Prollamierung des Endes durch die Ärbeiterkammer. weiter fortgescht, so in der staatlichen Tabakfabrik, deren Direktion die Wiederemstellusg mehrere! Arbeiterinnen«rweiget hat.'. Wie in Rom, so verwaltet in Neapel die..AegkMlg den städtischen Oktroi und cnlastet dafür die Stadt von'einem Teil' der den Kommunen obliegenden finanziellen Leistungen. Bqi- dem Bedürfnis nach neuen Einnahmen, das sich im Anschluß ajn den Krieg dringend fühlbar macht, hat sich nun die Regierung gerade Neapel zu einem fiskalischen Experiment ausgesucht, von- dem sie sich«ine Mehreinnahme von 5 Millionen jährlich versprach.� Die durch königliches Dekret von heute auf morgen verfügte' Matztiahme ist zweifacher Art: einmal wird die Oktroilinie. Neapels. auf mehrere Arbcitervororte ausgedehnt, dann wurden' die Verzehrungs- steuern auf Artikel des Massenkonsums ungeheuer erhöht. Vor- orte, die man in schmählicher Weise sich selbst überlassen hat und die keinen einzigen Vorteil der Stadt genießen, keine Stxaßen» beleuchtung, keine Trams, keine gepflasterten Straßen haben-, sollen die Abgabenlast der Großstadt teilen, und außerdem sollen die armen Leute, die Arbeiter und die ebenso elenden Kleinbürger ihre ohnehin unzureichende Nahrung noch- mehr einschränken, weil die Regierung ihnen-die Volksnahrnngsmittel, den Fisch Und daS Obst, maßlos verteuert I Gegen diese Maßnahme, deren plötzliche Einführung allerdings durch die Umstände geboten war, aber trotz- dem die Bevölkerung noch mehr erbitterte, richtete sich die Temon- stration am vorigen Sonntag, bei der es einige 40 Verwund et e auf beiden Seiten gab. Auch die Polizei hat Opfer des Krawalls zu beklagen, da der neapolitanische Haß gegen den Polizisten brutal zutage trat.-- Die Regierung muß einsehen, daß Neapel schwerer pss die anderen Städte an den Kriegsfolgen trägt, daß durch' die Bank- krise sein kleiner Handel ruiniert ist, daß die Verschuldung und Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern und Kleinbürgern unerträglich geworden ist. Diese Februartage haben gezeigt, daß das� Volk sich gegen neue Steuerlasten wehrt, weil es sie nicht kragen kann, weil es sich durch sie in seiner materiellen Existenz bedroht sieht. Sieht die Regierung das ein, so wird sie das Dekret zurückziehen und wird die Stadtverwaltung auflösen, weil sie' das Vertrauen der Mehrheit nicht besitzt und die schnödeste Cliquenwirtschaft dar- stellt. Unterläßt die Ncgicrung diese Maßnahmen, so werden die Unruhen den Ansang einer langen Reihe bezeichnen, und die. Stadt Neapel ein für allemal aus der Zahl der politisch bequemen und gut dressierten Städte streichen.''- ©cfoweden. Aus dem Reichstage. Stockholm, 7. Februar.(Eig. Ber.) Die sozialdemokratische Fraktion hat. am 5. Februar in beiden Reichstagskammeru Anträge auf Untersuchung der Möglichkeit, den gesetzlichen Mini- m a l l o h n und den A ch t st u n d e n t a g in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr einzuführen, eingebracht. Die gesetzliche Fest- legung des Minimallohncs denkt sich die Fraktion in der- Meise, daß Lohnämter eingesetzt werden, die aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeiter und der Bureaukratie bestehen und die ortsüblichen Minimallöhne festlegen sollen rcsp. können, womit aber kein Ver- bot, höhere Löhne durch Kampf zu erreichen, verbunden werden soll. Wir vermögen nicht an eine die Arbeiternrtcrejsen wahr- nehmende Lösung dieses Problems auf so breiter Gru.Nd- läge zu glauben, da die Gesetzgebung die Lohnämter doch nur mit Bestimmungen verquicken wird, die den Arbeiteriüteressen direkt entgegenstehen werden. Der vorliegende Antrag bedeutet zuilächst jedoch nur eine Anregung, die unter Umständen nicht wert- 103'st- I Japan.■ Die Vertagung fccf Parlaments. Als die neue Regierung am 31. Januar'das ÄbgcordneMhauS vertagte, mochte sie wohl die Absicht haben, die Geister zu beruhigen, -um Zeit zu gewinnen, die Angriffe durch Ausarbeitung eines volkstümlichen Programms zu widerlegen. Allein die Erörterungen waren aus Sand gebaut. Die-in der Kammer vertretene Bourgc.ojsie ist offenbar fest entschloffen, die Allmacht der Militärkaste zu brechen. Beim Wiederzusammentritt der Kammer am 5. Februar.setzte die Opposition mit einem energischen Angriff ein, in dessen Berläuf es zu Szenen kam, die an ungarische Beispiele erinnern..-. Der neue Finanzminister Makatsuk-i legte der Kammer seinen Budgetvor schlag für das Jahr 1913/14 vor. Er ist vorsichtigerweise in dem Rahmen gehalten, den sich sein Vorgänger Mamamoto gc- steckt hatte. Die gesamten Einnahmen und Ausgaben weiden-auf SR) Millionen Yen veranschlagt. Die gewöhnlichen Einnahme� weisen gegen das Vorjahr eine Steigerung von 27 Millionen Ben auf. ein PluS. das auf die-wlrtschafliche Prosperität zurückgeführt wird. Wer andererseits sind die außerordentlichen Einnahmen- /um 19.7 Millionen zurückgegangen, sodaß der reine Ueberschuß der Ge- samteinnahme nur etwa 7,5 Millionen Yen beträgt. Wie sein Borgänger, so erklärte auch Makatsuft in- feigem Expose, das Programm der gegenwärtigen Regierung sei striktste Sparsamkeit und administrative Reformen, wodu-rch ein jährlicher Gewinn von 50 Millionen Ben zu erwarten sei. Um ihr Ziel zu -erreichen, wolle die Regierung auf Hinaus schiebung dcx öffentlichen (Bahn-)Bauten drängen. Dadurch hoffe sie, die Ausgaben noch unter die Boranschläge zu reduzieren. Nachdem der Finanzminister geendet hqtte, erhob sich her Mini- sterpräsident Kat su r a. um seine Programmrode- zu-.halten. Klugerweise redete er hauptsächlich nur über die auswärtige Politik, die in der Kam/mer selten Unstimmigkeit cytfacht. Allein die Vor- ficht des Diplomaten sollte nicht'den gewünschten' Erfolg bringen. Kaum hatte Katsura geendet, so erhob sich der frühere Bürgermeister von Tokio. Jzaki, und-beantragte im Name» der Seiyuiai-(Partei). der Regierung, die Mißbilligung auszusprechen. In seiner Begrün- düng des Verlangens griff er den Ministerpräftdenten in heftigster Weise persönlich an. ÄatsuraS Vergangenheit mache ihn für den Posten an der Spitze des Kabinetts vollständig unmöglich. Eine derartige Sprache und der Antrag selbst bodeutct-in einem sonst-so lammfrommen Parlanient wie das japanische eine revo- lntionäre Tat. Katfuras Antwort auf die Angrisse hatte keinerlei beruhigende Wirkung. Ihm sollte eines der Mitglieder der neuen Partei Äatsuras, Schimada, folgen. Der Chef der Regierung mußte sich nicht viel von der Redegewandtheit seines Parteigängers ver- sprechen, denn noch ehe er die Tribüne erreicht hatte, zog Katsura ein kaiserliches Handschreiben aus der Tasche, das die Kammer auf Pünf Tage vertagte. Dieser Streich wirkte wie eine Bombe. In ungeheurer Erregung verließen die Volksverteter das Haus, um-sich außerhalb desselben mit einer Menge Sympathiejieren-der zu versammeln. Das Volk blockierte die Zugänge zum Parlament und brachte den Mit- gliedern der(oppositionellen) Sciyukii(-Partei) laute Ovationen dar. Die regierungssreundlichen Abgeordneten wurden aus ihren Wagen gestoßen, es wurde sogar versucht, sie in den Kanal zu tauchen.— Ein wenig versprechender Ansang für das Haupt der Militärkastc. Da Katsura bei seinem Regierungsantritt erMit-hat, konstitutionell regieren zu wollen, bleibt, ihm nichts weiter übrig, als das Parlament a-ufzüloson. Das ist um so wahrscheinlicher, als er eine neue Partei aus seinen Anhängern. bilden will.■' r.f Die Verhandlungen in der Holzindustrie. Ein Schiedsspruch! Am Freitag haben die Parteien unter dem Vorsitz des Frciherrn v. B e r l e p s ch bis in die späten Nachtstunden hinein ihre Arbeiten fortgesetzt. Erst Sonnabendmittags war der Unparteiische imstande, seinen Schiedsspruch zu fällen. Hiernach werden die in Frage kommenden Ver träge nickt, wie die Unternehmer wollten, auf drei, sondern ans vier Jahre abgeschlossen. Tagegen wird ihrem Wunsch auf Verminderung der Zahl der bestehenden Vertragsgruppen insofern Rechnung getragen, als die im Jahre 1914 ab laufenden Verträge um ein Jahr verlängert werden. In den fraglichen Städten wird für dieses Jahr eine Lohn- erhöhung um 2 Pf. pro Stunde bewilligt. Ferner soll über die Erneuerung- öex iin Jahre 1916 ablaufenden Verträge schon im Jahre 1913 verhandelt werden. Es werden somit künftighin in der Holzindustrie zwei Gruppen von Vertrags- orten mit je gleichem Ablaufstermin und vierjähriger Ver- tragsdauer bestehen. Ter Schiedsspruch besagt weiter, daß das im Jahre 1911 von der zentralen Schiedskommission beschlossene Vertrags- iiiustcr, welches inzwischen voil der Generalversammlung des Arbeitgeber-Schutzverbandes abgelehnt worden ist, künftighin als Norm für den Abschluß örtlicher Verträge gelten soll, ohne daß jedoch ein Zwang zur Anwendung aller Bestim- mungen ausgeübt werden darf. Wo es den beiderseitigen Interessen dienlich ist, sollen paritätische Arbeitsnachweise er- richtet werden. Das iin Jahre 1907 vereinbarte Muster- regulativ für paritätische Arbeitsnachweise soll von den Zentralvorständcn in der nächsten Zeit einer Revision unter- zogen und dann für neu zu errichtende Arbeitsnachweise in Anwendung gebracht werden. Weiter enthält der Schieds- spruch präsize Vorschriften für einen besseren Ausbau des Schiedswcscns. Ter wichtigste Teil des Schiedsspruches bezieht sich auf die Verkürzung der Arbeitszeit und die Lohnerhöhungen. Bekanntlich hatte der Arbeitgebcr-Schutzverband den Grund- satz aufgestellt, daß in den Städten, in welchen die Arbeitszeit jetzt 54 Stunden und weniger beträgt, eine Arbeitszeit- Verkürzung nicht in Frage kommen kann. Eine Lohn- crhöhuklg, und zwar in Höhe von 1 Pf. pro Stunde, welcher jeweils ani 1. Oktober der Jahre 1913, 1914 und 1915 gewährt werden soll, hatte der Arbeitgeber-Schutzverband zugestanden. Der Schiedsspruch des Freiherrn v. Berlepsch geht nicht unwesentlich über diese Zugeständnisse hinaus. Es ist in allen Städten eine Arbeitszeitverkürzung zugestanden worden. So wird die Arbeitszeit in Berlin, die bisher 51 Stunden pro Woche beträgt, am 1. Juli 1913 auf 5V Stunden reduziert. In Lbipzig und Dresden wird am gleichen Zeit- Punkt, in München, Potsdam und Spandau am 1. Juli 1916 die Arbeitszeit von 52 Stunden auf 51 Stunden verkürzt; in 5 Städten, die bisher 53 Stunden Arbeitszeit hatten, er- folgt eine Verkürzung auf 52 und in 11 Städten eine solche von 54 auf 53 Stunden. Selbswerständlich erfolgt auch in allen anderen Städten eine entsprechende Arbeitszeit- Verkürzung. Schon bei früheren Vertragsabschlüssen ist in einzelnen Fällen eine Regelung der Arbeitszeit für die Dauer von zwei Vertragsperioden erfolgt. Dieser Gedanke ist diesmal weiter- geführt worden in der Weise, daß mit wenigen Ausnahmen für alle Städte eine Regelung der Arbeitszeit bis zum Jahre 1921 erfolgte, während der Vertrag im übrigen nur bis zum 13. Februar 1917 läuft. Diese Arbeitszeitregelung bedeutet, daß für eine Reihe von Städten eine weiter e Arbeits- z e i t v e r k ü r z-u n g innerhalb des Zeitraumes von 1917 bis 1920 eintritt. Dadurch wird erreicht, daß zu diesen! Zeit- Punkt, abgesehen von drei kleinen Orten, die dann noch 33 Stunden arbeiten, die Arbeitszeit in den Vertragsorten nur h ö ch st e n s 54 Stunden beträgt. Die Stundenlöhne werden in allen Orten am 1. März 1913 und am 1. Mäpg 1914 um je 2 Pf. erhöht. Für die große Mehrzahl der Städte tritt am 1. März 1915 eine weitere Lohnerhöhung ein, die an einigen Orten 2 Pf., in den»leisten 1 Pf. pro Stunde beträgt. Grundsätzlich wird ausgesprochen, daß für jede Stunde Arbeitszeitverkürzung als Ausgleich eine Lohnerhöhung uin einen Pfennig eintritt. Einschließlich dieses Ausgleiches schwanken somit die Stunden- lohnerhöhungen fi/r die vierjährige Vertragsdauer zwischen 5 und 7 Pf. Um.diese Beträge werden auch die in den Ver- trägen festgelegten Minimal- bezw. Durchschnittslöhne erhöht und ebenso finden diese Lohnerhöhungen auf die Akkordtarisc und Akkordpreise entsprechende Anwendung. Da für B e r l i n insgesamt einschließlich des Ausgleiches für eine Stunde Ar- beitszeitverkürzumg eine Lohnerhöhung um 5 Pf. pro Stunde in Betracht, kommt, so würde das einer Erhöhung der Akkordpreise um etwa 7Proz. entsprechen. Mit dem. gefällten Schiedsspruch ist die Tarif- b e w c g u n g in der Holzindustrie noch nicht beendet. Zunächst ist her Schiedsspruch den Vertretern der örtlichen Parteien unterbreitet worden. Gestern nachmittag hatten sowohlj)er Deutsche Holzarbeiterverband als auch der Arbeit- geber-Schutzvc'rband ihre Städtevertreter nach Berlin be- rufen, die, natürlich in getrennten Versammlungen, über die Annahme des Schiedsspruches berieten, lieber die definitive Annahme oker Ablehnung entscheiden aber die örtlichen Parteien, direkt. Es ist in Aussicht genommen, die Ver- sammlungen zu diesem Zweck allgemein am 12. Februar stattfinden zu lassen; über ihr Ergebnis läßt sich im voraus schwer eine. Vermutung äußern. Aber selbst wenn der Schiedsspruch überall angeiionimen werden sollte, wäre damit die Tarifbewegung noch nicht be- endet. Es sind noch eine ganze Reihe von Punkten vorhanden, die der Erledigung harren. Ueber diese soll, unter der Vor- aussetzung, daß die Schiedssprüche angenonimen werden, zu- nächst örtlich verhandelt werden. Es wurde vereinbart, daß etwa dann noch sich ergebende Differenzen den Zentral- vorständen unterbreitet werden, welche sie, eventnell unter Mitwirkung des Freiherrn v. Berlepsch als Unparteiischen, entscheiden sollen. Mit Rücksicht darauf, daß die in Betracht kommenden Verträge am 13. Februar ablau.», der Arbeit- geber-schutzverband die für diesen Zeitpunkt bevorstehende Aussperrung bereits öffentlich angedroht hat und die Unter- nehmer in einzelnen Städten auch schon ihren Arbenern ge- kündigt haben, wurde beschlossen, daß bis 1. März weder Aus- sperrungen noch Streiks inszeniert werden dürfen, voraus- gesetzt, daß die Versammlungen der Städtevertreter am Sonnabend den Schiedsspruch annehmen. Die Dinge liegen nun in der Holzindustrie so, daß die Gefahr eines großen Kampfes, der in der letzten Zeit recht nahe gerückt schien, weniger groß erscheint; ganz abgewendet ist aber dieseGefahr nicht. Nicht nur. daß die Annahme der Schiedssprüche noch keines- Wegs gewiß ist; unter den noch zu erledigenden Streitpunkten befinden sich manche, die noch Anlaß zu sehr scharfen Aus- einandersetzungen geben dürften. Man wird also die nächsten Wochen abwarten müssen, ehe inan definitiv beurteilen kann. ob die Tarifbewegung in der Holzindustrie einen friedlichen Verlauf nimmt. Gewerfcrcbaftlicbca. Berlin und dmgegend. Tie Tarifbewcgung der Gemeindearbeiter. In einer außerordentlich stark besuchten Generalversammlung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbciter, die am Freitag- abend im GewcrkschaftshauS stattfand, berichtete Emil W utzky über den Stand der Tarifbewcgung. Als der Verband im vorigen Sommer die Frage aufrollte, ob es nicht möglich sei, zu tariflichen Vereinbarungen zwischen der Organisation der Ltzc- beiter und den Gemeindeverwaltungen in Groß-Berlin zu ge- langen, war er sich der großen Schwierigkeiten, die im Wege standen, wohl belvußt. Der Tarifvertrag ist für die Arbeiter die Voraus- fetzung für ein leidliches Arbeitsverhältnis in den Gemeinde- betrieben und sogar eine bittere Notwendigkeit, um Sicherungen zu schaffen gegenüber den zahlreichen Vorgesetzten und Beamten. Ein großes Hindernis auf dem Wege zu einem Tarifvertrag liegt in der Haltung der Liberalen in den Gemeindevertretungen. Sie unterstützen die beliebte Verschleppungstaktik der Behörden, so daß die Geduld der Arbeiter auf eine harte Probe gestellt wird. Der Redner besprach eingehend die Bemühungen der Verbandsleitung, den Berliner Magistrat zu einer bestimmten Stellungnahme in der Frage der Tarifverträge zu veranlassen. Ein Verbandsver- treter habe schließlich»ersucht, bei dem Oberbürgermeister vor- stellig zu werden, sei aber nicht vorgelassen worden. Eine Unter- redung mit Stadtrat F i s ch b e ck, dem Dezernenten für Arbeiter- angelegenheiten, ließ die Frage der Tarifverträge noch offen, aber Herr F i s ch b e ck erklärte doch, daß eine Erhöhung der Löhne nach der Bewilligung der Teuerungszulage selbstverständlich sei, freilich dachte er dabei nur an die am schlechtesten gestellten Arbeiter, wäh- rend der Verband eine allgemeine Lohnerhöhung fordert. In den Vororten ist die Frage der Tarifverträge auch nicht weiter gediehen wie in Berlin. In Charlottenburg wird die Angelegenheit nach dem Muster von Berlin möglichst hinaus- geschoben. In Neukölln war die Stimmung erst etwas freund- licher, dann wieder abweisend. In Lichtenberg wurden Ver- Handlungen mit der Organisation vom Magistrat abgelehnt, dagegen beschloß man in der Sitzung der Gemeindevertreter, der Frage der Tarifverträge näher zu treten.— Auf der ganzen Linie liegen die Tinge nock im„Stadium der Erwägungen", aber die Arbeiter lvcrden nicht nachlassen, ihre Forderungen geltend zu machen,. wenn auch die Liberalen mit den übrigen Parteien das„schlachte Beispiel" für die Privatindustrie fürchten, das die Gemeinden dadurch geben sollen, daß sie mit Arbeiterorganisationen Tarifverträge abschließen. Eine lebhafte Diskussion setzte nach dein Bericht ein. Sehr übel vermerkt wurde von mehreren Rednern, daß der Verbands- Vertreter bei dem Oberbürgermeister nicht vorgelasien wurde.- Der Verbandslcitung zollte man für ihre Tätigkeit viel Anerkennung. aber sie wurde von einigen Seiten auch getadelt, daß sie nicht scharf genug vorgehe. Energisch forderte man eine allgemeine Lohnerhöhung. Als Mangel bezeichnete ein Redner, daß kein Vertreter der städtische n Arbeiter iin Berliner Rathause sitze. W u tz k h lncndete sich in seinem Schlußwort auch gegen den Lorwurf eines treten habe. Ten in der Diskussion gemachten Vorschlag, mit den Hirsch-Dunckerschen,. die unter den Straßenreinigern großen An- hang haben, enger zusammenzugehen, lehnte W utzky ab, denn man habe bereits zu schlechte Erfahrungen damit gemacht. Er empfahl zum Schluß den Versammelten, nicht der Verbandslcitung allein alle Arbeit der Tarifbewegung aufzubürden, sondern miizu- wirken, jeder in seinem Kreise und im Interesse aller, besonders auch die Unorganisierten heranzuziehen. Die folgende Resolution fand einstimmige Annahme in bei! Versammlung: „Die Generalversammlung der Filiale Groß-Berlin am?. Flt- bruar 1913 entnimmt aus dem Bericht der Ortsverwaltung, dZß der im September 1912 bereits von den Arbeiterausschüssen und der Gewerkschaftsleitung eingereichte Antrag aus Abschluß tarKs- licher Lohn- und Arbeitsbedingungen bei den in Frage kommen- den Stadtverwaltungen Groß-Berlins nicht die ernste Würdigung findet, welche diese soziale Forderung verdient. Es verlogitet weder etwas.von einer Stellungnahme der Magistrate, noch ist den Arbeitcrvertretungeu bis jetzt eine definitive Rückäuß-irung bezüglich der vor Monaten übermittelten Anträge zugegaryAen. Die Versammelten mißbilligen eine solche schleppend«: Be- Handlung ihrer wohlbegründeten und berechtigten Anträs�c auf Abschluß eines Tarifvertrages unter gleichzeitiger Erböhnvg der jetzigen Löhne auf das lebhafteste. Sie stellen noch�einmx,l fest, daß die städtischen Arbeiter entschieden an diesen Fordc-rungen festhalten, und beauftragen die Ortsverwaltung, zur Förderung derselben unverzüglich erneut bei den Herren Oberbürgerureistern vorstellig zu werden." lieber die nächsten Resultate der Bewegung werden.die Ver- trauensmänner unterrichtet werden. In gemeinsamer Beratung wird man dann die Richtlinien festlegen, die geeignet scheinen, in der Tarifbewegung Fortschritte zu machen. Drohender Lohnkampf in der Berliner Herrenkonfektion. Die in der Berliner Herrenkonfektion bestehenden Tarif- Verträge sind bekanntlich von den Arbeitern am 1. De zember zum 1. März d. I. gekündigt worden. Von den Arbeitern wurden neue Tarifvorlagen ausgearbeitet, die den in Frage kommenden Unter- nehmern unterbreitet wurden. Die Lohnforderungen bewegten sich in mäßigen Grenzen und betrugen durchschnittlich 10 Proz. Aus Grund der neuen Tarifvorlagen fanden am S. und 6. Februar Verhandlungen zwischen Vertretern beider Parteien statt. Die Verhandlungen mußten resultatlos abgebrochen lverden, da die Unternehmervertreter keinerlei Zugeständnisse, in bezug auf die Lohnfrage machten. Die Arbeitervertreter erklirrten daraufhin, daß unter diesen Umständen alles weitere Verhandeln zwecklos sei. Von feiten der Unternehmer wurde dann erklärt, daß diese ihren Austraggebern nochmals Bericht erstatten wollen. Sollten die Unternehmer ihren Standpunkt ändern, so werden die VerHand- lungen nächste Woche wieder aufgenommen werden. Die Situation ist in diesem Jahre eine andere als bei der Lohnbewegung 1910. Während damals mit den Unternehmern einzeln verhandelt wurde, sind jetzt sämtliche Finnen der besseren Engroskolyfektion— auch die tarissreien— in einer Organisation vereinigt. Geben die Unter- nehmer ihren ablehnenden Standpunkt nicht auf, so dürfte der Kampf unvermeidlich sein. _________ H l________- Heute. Sonntag mittag, werden die bebviligten Arbeiter in Diskussionsredners, daß G l o ck e in der Berliner Stadtverordneten- leiner Versammlung in der Brauerei Friedrichshcrin Stellung nehmen Versammlung die Gcmeindearbeiter in ungenügender Weise ver-> zu dem bisherigen Ergebnis der Verhandlungen.__ � 1.1 x„antw. Redakt.:«lfretz W,e1cpp. NeuMrü Inseratenteil verautw.:«h. Glocke. Verl. u. Druck u. Verlag: Vorwärts BÜchdr. u. VertagsanstaU Paul Singer& Co.. Berlin SW. Oeut'/cbes Reich» Achtung, Maschinisten uich Heizer! Die Maschinisten und Heizer der Elbe- und Odeikschisfahrt und auf den märkischen Wasserstraßen stehen in der L ehnbewegung. Arbeitsangebote von den Rcedereici, der Elbe, Oder, �»avcl, Saale, märkischen, Wasserstraßen sind strikte abzulehnen. Säau/liche Schisfahrtsbetriebc obiger Wasser- straßcn sind für organisiertes Maschinen- und Äesselpersonal ge- sperrt. ZcntrÄliverband der Maschinisten und Heizer. Achtung! Former nmd Gwßcreiarbcitcr! Veranlaßt durch fortgesetzte Lohnabzüge und Echikanicrung der Kollegen sowie Brüskierung der Orgaustsation, sind die All um iniu in form er der Firma Rudolf Rautenbach in Solingen in den Streik e i n g cM r e t n. Zuzug von Formern und Gießerei- arbeitern ist von«ol innren fernzuhalten. Tie Ortsvcrwaltung. HuslaVid. Obligatorisches Z Schiedsgericht in Arbeitskonflikten? Christiania, 7. Fcffruar.(Eig.©er.) Tie neue(liberale) Regierung Norwegens hat z beschlossen, den von ihrer Vorgängerin dem Parlament unterbreite teil aber nicht erledigten Antoag auf o b l i- gatorische Verm'ittelung in Arbeitskonflikten zurückzu- ziehen. Tie bürgerliche Presse meldet, daß die Regierung bcab- sichtigt, an Stelle der obligatorischen Vermittelung das obliga- torische Schieds gericht zu fordern. Das würde zwar nur dem Programm der sinkenpartei entsprechen, aber doch ein Schlag ins Gesicht sowobl für die Unternchmerorganisationen als die Arbcitcrgcwerkschafiei i bedeuten, die beide cnischiedcn daS obliga- torische Schiedsversat zccn a b l e b n e n. Die konservative Regierung begnügte sich daher n zit der Forderung der obligatorischen Vcrmittc- lung; nur in gewiss cn Fällen, wenn besondere Interessen der All- gemeinheit aus dem Spiel ständen, wollte sie das schiedsgerichtliche Verfahren angeordn et wissen. Die Linkcnpartei, die die bürgerlichen und bäuerlichen Mittelschichten vertritt, sieht aber in den Kämpfen zwischen Arbeitern und Unternehmern eine Belästigung und will nun mit H ist je der Gesetzgebung diese Kämpfe aus der Welt schaffen. Gegen diese Unterbindung der gewerkschaftlichen Aktion und Bureaulratisieru gg der Arbeitsverhältnisse wird sich die norwegische Arbeiterschaft zuxr Wehr setzen. Die Liberalen verfügen allerdings über die parlan wntarrsche Majorität, so daß sie augenblicklich die Macht babcn, il)r Ziel zu erreichen. Ein derartiges Gesetz würde jedoch wahrschei alich dazu beitragen, seine Schöpfer bei den nächsten Wahlen wegzusstgcn. TrCtzU JVaebnehten. D je Kämpfe vor der Tschataldschalinic. Sofia» 8. Februar. Die türkischen Truppen rückten gestern aus der Ts cha t a l d scha l i n i e in drei Richtungen vor. Eine aus sechs Bptailloncn bestehende Kolonne marschierte, unterstützt von der Art Illerie des Forts Giaur-Bajir utld den Kanonen zweier Kreuzer un d zweier Torpedoboote, welcher vor Bujuk-Tschckmedsche verankert lugen, um 9 Uhr früh gegen die bulgarischen Truppen, lvelche die Positionen bei Arnautköj besetzt hielten. Diese warfen den Feind durch einen energischen Angriff gegen die Brücke von Bujuk-Tsck dekmedsche zurück. Eine zweite, aus zwei Bataillonen bestehende, Kolonne rückte vorgestern von Baktscheichköj vor, zog sich aber vor dem Infanterie- und Arttllerieseuer der Bulgaren über den, Karasu'zurück, obnc den Gegenstoß abzuivarten, zu dem die Bulgaren sich anschickten. Endlich setzte sich ein türkisches ReHimwat mit einer Mitraillcuscnabteilung und einer Gcbirgs» batteräc von dem Torfe Guktscheli her in Bewegung, wurde aber von den bulgarischen Truppen mit dem Bajonett angegriffen und zu einem Rückzug in größter Unordnung gezwungen, wobei e» seine. Toten und Verwundeten aus"dem Schlachtfelde zurückließ. Außerdem sind alle Versuche der Türken, auf der Linie Jenidzeköj» La*xrköj in der Gegend von Derkos zur Offensive überzugehen, gescheitert: der Feind ging überall in seine ursprünglichen Stel- lungen zurück. Während des ganzen Tages machten bulgarische Ftugzeuge Erkundigungsflüge iivpr Iber Tschataltsschalinie. Reformpläne der neuen türkischen Regierung. Konstantinopel, 8. Februar.(W. T. B.) Der Minister des Inneren äußerte sich in einem Interview über die vielen Tages- fragen dahin, daß die Gerüchte, wonach der Ministerrat den F r i e- densschluß auf Grund der Abtretung Adria- nopels unter einfacher Zulassung eines Vertreters des Kalifen oder eines Naib es Sultans beschlossen hätte, vollständig unbegründet seien. Das gegenwärtige Kabinett sei ent- schloffen, die nationale Würde aufrechtzuerhalten. Das Zugeständnis eines Naib es Sultan wäre keine Kompensation für die natio- nale Würde. Diese Frage werde entweder durch Blut entschieden werden oder die ottomanische Souveränität und die ottomanische Flagge werden aufrechterhalten werden. Der Minister dementierte in kategorischer Weise die Gerüchte von Zwistigkeitcn in der Armee. Der Geist der Truppen in Adrianopel sei ausgezeichnet. Der Minister setzte sodann die Grundzüge des im Mini- sterium des Innern in Vorbereitung befindlichen Entwurfes be- treffend die Reformiernng der Wilaje'tsverwal- t u n g ausciander. Die Reformen, welche den lokalen Bedürfnissen jeder Provinz nach deren sozialer und wirtschaftlicher Lage ent- sprechen, würden im Wege provisorischer Verordnungen eingo- führt werben. Sofort nach Veröffentlichung des Gesetzes würden im ganzen Reiche Gcneralrätc einberufen werden, ein vier- gliedriger Ausschuß des Generalrats werde dauernd beisammen bleiben, um die Durchführung der Beschlüsse der Generalräte zu kontrollieren. Das Gesetz sichere die ottomanischc Staatseinheit. Die Regierung werde ausländische Fachmänner zur Durchführung der Reformen in allen Ministerien be- rufen.- Der Minister kündigte dann noch die bevorstehende Ver- ösfentlichung ines Gesetzes an über die Anerkennung der Beer- eine als juristische Personen, lvelche Eigentum er- .werben können. Das Gesetz werde die Schaffung einer Boden- kreditbank und von Baugenossenschaften erleichtern. Eine offiziöse englische Stimme zur Frage der Rüstungs- Verständigung. London, 8. Februar.(W. T. B.) Die„Westminster Gazette" betont, daß die auswärtige Lage die Flottenfrage beherrschen müsse. Das Blatt hofft, daß gewisse deutliche und notwendige Tendenzen künstig aus beiden Seiten berücksichtigt werden. Es ist besser für uns, so heißt es weiter, daß Deutsch. land seine Interessen und seine Macht gleichmäßig über die Welt verteilt hat, wie wir selbst, als daß es in einem einzigen Meere mit seiner gesamten Flotte eingeschlossen ist mit der Front gegen die Macht, die ihr den Ausgang zu versperren scheint. Andererseits ist es besser für Deutschland, daß wir eine Seemacht mit kleiner Armee und soweit als möglich mit freien Händen in der europäischen Politik bleiben, als daß wir durch seine Seerüstungen veranlaßt werden, eine Kon- tinentalmacht mit einem starken Heer und festländischen Bündnissen zu werden. Diese Erwägungen müssen die Politik beider Länder bestimmen. Wenn man sie im Auge behatte, dürfte es nicht schwer sein, an einer beständigen Politik fest- zuhatten, die beiden zusagt. Hierzu 4 Beilage«. $r.34. 30. Ifljjrgttiig. I KtilU des Jornötts" letlinn lolMlatt. Sonntag, 9. Febrnar t9l3. Keickstag. 107. Sitzung. Sonnabend, den 8. Februar 1913, vormittags 11 Uhr. Am BundeSratstisch: Dr. LiSco. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt das Wort zu einer Erklärung Abg. Dr. Ocrtcl(k.): Meine Ausführungen in der Sitzung vom 16. Jamiar über die Stellung des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Innern zur Bekänipfung der Sozialdemokratie find dahin aufgefaßt worden, daß ich dem Reichskanzler und dem Staatssekretär des Innern Mangel an persönlichem Aiut vorgeworfen hätte. In meiner Abficht hat das nicht gelegen. Beiden habe ich eine entsprechende Erklärung zugleich init meinem Bedauern über das Mißverständnis abgegeben, und stelle das hiermit öffentlich fest.(Große Heiterkeit links.) Etat des Reichsjustizamts. Die allgemeine Beratung fetzt ein beim Titel„Staats« sekrctär". Hierzu liegt eine Resolution Bassermann(natl.) vor, die dem Staat und dem Reiche sowie den Gemeinden bei allen Zwangsversteigerungen von Grundstücken ein kurz befristetes Bor- kaufsrecht einräumen will, sowie eine Resolution Dr. Beizer(Z.), die einen Gesetzentwurf über den Zwangsvergleich außerhalb des zkonkurseö wünscht. Abg. Dr. Cohn(Soz.): Meine Freunde werden den Titel„Staatssekretär" nicht b e» willigen, nicht etwa, weil wir gegen die Person des gegen» wältigen Staatssekretärs erhebliches einzuwenden hätten, sondern daü entspricht unserer Stellung zur heutigen Gesell- schaftsordnulig und Regierung, lieber den außer- gerichtlichen und Zwangsvergleich beabsichtige ich ebenfalls nicht zu reden: wenn die Regierung eine entsprechende Vorlage einbringen will, werden meme Freunde sie wohllvollend prüfen. In der Tat kann ja dadurch die infamierende Wirkung, die jeder Bankerott hat, gemildert werden. Biel wichtiger aber ist ein anderer Gegen« stand, der auch mit einem gerichtlichen Bankerott zusammenhängt, ich meine die Erscheinung der Klassenjustiz, die einen Bankerott unserer Justiz nach der Meinung weiter Volks- kreise darstellt. Die konservativen Parteien versuchen ja, die Er- scheinung der Klassenjustiz überhaupt aus der Welt zu reden, und in diesem Bestreben vereinigen sich mit ihr sogar Arbeitervertreter der christlichen Gewerkschaften. Das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften verlangt neue oder doch zum mindesten schärfere Anwendung der bestehenden Bestinrinun- gen gegenüber dem Terrorismus.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Graf W e st a r p hat hier geradezu das Loblied des braven Arbeitswilligen gesungen, der vom bösen Sozialdemo- kraten gehindert werde, seine gesetzliche und ethische Pflicht, um seine Familie zu ernähren, zu erfüllen. Die wahre Natur dieser nützlichen Elemente der Arbeitswilligen ist doch etwas anderes und in zahlreichen Gerichtsverfahren ist festgestellt worden, mit was für einer Sorte von Menschen nian es bei diesen Arbeitswilligen zu tun hat, die heute hier und morgen da das »behördlich geschützte Amt" eines Arbeitswilligen versehen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nur ein Beispiel. In einem der vielen Prozesse anläßlich des Bergarbeiter st reiks im Ruhrgebiet stellte sich heraus, daß eines dieser nützlichen Siebenmonatskindcr zunächst mit 4 Jahren Zuchthaus wegen schweren Diebstahls vorbestraft war, dann mit 2 Jahren 6 Wochen Zuchthaus wegen Drohung und Beleidigung, dann« wieder mit 1 Jahr Zuchthaus, und so folgten noch eine Reihe schwerer Strafen. In einem Fall haben diese„ruhigen, ordentlichen Arbeiter" in Lübeck eiu Bordell demoliert und bei der Verhandlung äußerte einer der Beteiligten seelenruhig:„Lübecker Blut ist ooch keene Buttermilch". Die Vermittelung von Streik- blechern ist heute ein Geschäft Wiesedes andere, es ist ein moderner Menschenhandel. Die Arbeitswilligen selbst stecken einen Lohn ein. der meist über das weit hinausgeht, was ehrliche, anständige Arbeiter bekommen. Außerdem genießen sie strafrechtliche Privilegien, einen besonderen Schutz der Staatsanwaltschaft, der sogar über den hohen Beamten hinausgeht. Im Ruhrrevier bekam von derselben Kammer ein Arbeiter wegen Beleidigung des Regierungspräsidenten 60 Mark Geld st rase, ein anderer wegen Beleidigung von Arbeitswilligen zehn Tage Gefängnis.(Hört! hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn die Konservativen und die christliche GewerkschaftS- presse der Meinung sind, daß das bestehende Recht gegen den so- kleines Feuilleton. Literatenelend. Unlängst hat ein Komitee von illustren Namen— darunter auch eine Prinzessin— einen Aufruf für die nicht unbekannte Dichterin Else L a s k c r- S ch ü l e r. die sich in größter Not befinde, erlassen. Zahlreiche„erste" Zeitungen, die wegen ihrer Börsenkursberichte ausschließlich vom kapitalistischen Bürgertum gehalten werden, haben jenen„Appell an die Wohl- tätigkeit" verbreitet. Jetzt, nach Verlauf mehrerer Wochen, ver- ösfcntlicht das„Berliner Tageblatt" das Resultat der bei ihm ein- gelaufenen Gelder: Zwei ganze Leute schickten zusammen ganze 11,6 Mk.! Ein kläglicheres Fiasko läßt sich nicht wohl denken. Und doch sitzen in Berlin allein viel hundert Nabobs, die ein Vermögen von Millionen kommandieren. Protzen, die sich nicht eine Minute besinnen, Tausende hinauszuwerfen, wenn es gilt, ihrer Groß- mannssucht zu schmeicheln oder ihrem Nervenkitzel zu frönen! Für das darbende Kunstprolctariat aber haben sie nichts übrig— häch- stensalls einige Bcttelgroschcn, wie sie sie einem gewerbsmäßige» Schnorrer aus der sogenannten besseren Gesellschaft niemals zu verabreichen sich getrauen würden. Ab und an verspürt die großkapitalistische Presse freilich auch selbst den Ehrgeiz, etwas für die Literatur und Kunst zu tun. So bat beispielsweise gerade das„Berliner Tageblatt" seinen Lesern schon zwei Dichtertalente aus dem Handwerkerstande vorgeritten. Das letztemal war's ein Schneider aus der Mark. Vorzugsweise wurde da seine blondgermanische, schöne kräftige Männlich- keit in höchsten Tönen gepriesen. Man ahnt, warum. Weiter ward aber nicht mehr von diesem Meister Zwirn vernommen. Der andere— einige Jährchen zuvor— war Z i m m c r- malcr seines Zeichens. Nachdem man ihn auf den dornigen Weg des Schriftstellers verleitet hatte, wurde er seinem Schicksal über- lassen. Als er dann vernünftigerweise zu seinem erlernten Beruf zurückkehrte und die Firma Mosse um Arbeitsaufträge anzugehen wagte, wurde ein Kostenanschlag von ihui eingefordert. Da aber noch ein anderer Malermeister sein ohnehin schon niedriges An- gebot unterboten hatte, so war nichts zu machen. O ja— die Kunst geht nach Brot! Wozu ist denn aber schließlich die Deutsche Schiller- ft istung in Weiinar? Nun, sie besitzt ein großes Vermögen, das fortlaufend durch Schenkungen vermehrt wird. Habe» doch zuletzt anläßlich der hundertfünszigjährigcn Gcburtsfcicr Schillers deutsch- amerikanische Frauen allein eine Picrtclmillion Mark beigesteuert! Seitdem aber ein Mann des Rcdaktcurstandcs zun, Generalsekretär erkürt wurde, scheint die Würdigkeit noch peinlicher abhängig gc- macht zu sein von der„vaterländischen Gcsinnungstüchtigkcit". Nicht, ob ein Dichtersmann unterstützungsbedürftig, sondern ob er sich sic's uvtz immer patriotischer Tugenden befleißigt hat, ist ent- genannten StreiktcrroriSmuS nicht ausreichend angelvandt werde, so lehrt die tägliche Erfahrung nicht nur bei großen Arbeitskämpfen, sonder» bei den kleinsten Aussperrungen schlagend dasGegenteil. DaS ist gerade ein Hauptbestandteil der Klassenjustiz, daß das be- stehende Recht besonders scharf angewandt wird, sobald es sich um Arbeiter handelt. Das hat auch ein Blatt, wie die„Soziale Praxis" des Professor Franke bestätigt. Für das Wort Streikbrecher hat sich ein Normalmaß zur Bestrasung herausgebildet, das offenbar unter dem Einfluß der Hetzereien von scharfmacherischer Seite im Laufe der Zeit in die Höhe gegangen ist. Während es vor 15 Jahren 1 Woche Gefängnis, vor 8 bis 10 Jahren 14 Tage Gefängnis betrug, ist das jetzige Normalmaß 4 Wochen Gefängnis, nur beim Rnhrrevierprozeß erhöhte es sich aus 6 Wochen bis 2 Monate.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten). Bei Beleidigungen von Arbeitswilligen ist im Gegensatz zu anderen Beleidigungen für die Staatsanwaltschaft st e t s das öffentliche Interesse gegeben. Bei einem Streik, der bei einer Groß-Berliner Kartonfabrik ausbrach, wies eine Arbeiterin de» Vorwurf, daß sie Streikarbeit geleistet habe, zurück und erwähnte dabei, daß vielleicht eine andere im Hause wohnende Frau die betreffende Streikarbeit gemacht habe. Diese Aeußerung wurde der anderen grau hinterbracht, sie stellte Strafantraz wegen Beleidigung. und der Staatsanwalt erhob die Anklage im öffentlichen Interesse.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Ruhr- revier wurde Anklage erhoben gegen einen Bergmann, weil er in einerArt gepfiffen habe in Anwesenheit von Arbeitswilligen, daß es iv i e Pfui! geklungen habe.(Hört I hört I bei den Sozialdeino- kraten.) Gegen einen weiteren Bergmann,»veil er das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" in Gegen« wart von Arbeitswilligen gesungen hatte. Man»nuß aus diesen und ähnlichen Borkanmniissen zu dem Schluß kommen, daß die Justiz nicht so von dem Bestreben ausgeht, den Sachverhalt womöglich klar zu stellen und die Zumessung von Schuld und Sühne gerecht zu bemessen, als von ihr an sich ganz fernliegenden Erwägungen im Jnterelie der Staatshoheit und Staats- raison. Im Ruhrrevier entschuldigte sich ein Staatsanwalt gegen den Vorwurf der ungenügenden Vorbereitung der Anklage damit, die Staatsanwaltschaft habe bei diesem Streikprozeß in, Nuhrrcvier höhere Pflichten zu erfülle» gehabt.(Hört! hört! beiden Sozialdemokraten.) Die besondere Beschleunigung sei notwendig ge- wescn, um das moralische Gewissen der Streikenden zu stärken. Ein besonderes Kapitel ist die Anwendung des ErpressungSparagraphcn auf die Auseinandersetzungen zwischen Organisierten und Nicht- organisierten. Es ist einer ruchlose» A u S l e g u n g s k u n st ge- lungen, gegeimber ehrlichen Arbeitern, die ihrem Verbände Mit- glieder zuführen wollten, die ihre Kollegen auf die Pflicht zur Organisation aufmerksam machten, den Erpressungsparagraphcn zur Anwendung zu bringen. Seitdem das Reichsgericht damit den Anfang gen, acht hat. gehen die unteren Gerichte prompt mit. Dieses Ein- schwenken der unteren Instanzen kennzeichnet die außerordentlich militärische Schulung unserer Beamten.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Die Tatsache, daß ein paar Maurer nicht mit einen, anderen zusammenarbeiten wollten, der früher wegen großer Beitragsschulden gestrichen war, dann versprochen hatte, wieder bei- zutreten, aber dies Versprechen nicht hielt und an den Delegierten der Organisation die bekannte Aufforderung des Götz von Berlichiugen richtete, genügte dem Gericht in Nordhausen, zwei Maurer wegen versuchter und vollendeter Erpressung zu zwei Monaten Gefängnis zu verurteilen. (Hört! hört!) Es wurde angenommen, daß es sich nur darum gehandelt habe, dem Verband einen rechtswidrigen Vermögensvorteil, nämlich durch Zuführung der Beiträge, zu verschaffen. Besonders interessant ist. daß die Anklage in diesem Fall vertreten wurde von einen, Staatsanwalt, der als Haupt- agitator des nationalen Wahlvereins mit dem Ver- langen nach erhöhtem ArbeitSwilliaenschutz und Bekämpfung der Sozialdemokratie im ganzen Wahlkreise umherzieht. Man wird eS den Nordhäuser angeklagten Arbeitern nachfühlen, wenn sie zu einem Gerichtshof nicht übermüßiges Vertrauen haben, dessen Mitglieder zum erheblichen Teil ebenfalls diesem nationalen Wahlverein angehören. Die Volkskreise werden immer zahl- reicher, die angefichtS derartiger Exzesse der Judikatur den Glauben an die unbewußt ungleiche Behandlung von Arbeits- willigen und.Streikterroristen", von Angehörigen der höheren und niederen Klassen verlieren. Wie eS in den Köpfen derartiger Richter aussieht, bat Helmut v. G e r l a ch in den Erinnerungen ans seiner Reserendarzeit sehr treffend dargelegt. Er erzählt da, wie scheidend für die Gewährung einer„Ehrengabe" aus der Schiller- stiftung. Anderweitige Stiftungen? O, es existieren noch verschiedene. Eine der jüngsten ist die F a st e n r a t h- S t i f t u n g in Köln. Zwar hat der Testator ausdrücklich bestimmt, daß für die Juwcn- dung einer Ehrengabe aus dem Zinserträge des Kapitals weder konfessionelle»och parteipolitische Standpunkte in Frage gezogen werden sollen. Dabei ist der jeweilige Kölner Bürgermeister Kurator der Stiftung. Und i» der Praxis hat sich bisher gezeigt, daß unter Umgehung der wichtigsten Paragraphen des Stiftungs- statuts Autoren, auf die man ein Auge geworfen hat. vorher brief- lich eingeladen wurden, sich an der Bewerbung um ein Stipendium zu beteiligen. Die bürgerliche Presse hütet sich wohlweislich, irgend- eine Kritik an solcherlei Praktiken zu üben. Und noch ängstlicher ist sie bemüht, die Schriftsteller im Gefühl der Abhängigkeit vom Perlegerkapitalismus zu erhalten. Solange jene sich aber nicht gewerkschaftlich organisiere» gegen jedwede kapitalistische Aus- beutung, wird zu dem Mittel öffentlicher Aufrufe zur Rettung einzelner gegriffen werde». Und das Ergebnis wird, wie im Falle Lasker-Schüler. immer ärmlich und immer beschämend sein. Theater. Deutsches Theater. Der lebende Leichnam. Von Leo Tolstoi. Die Aufführung war eine Meisterleistung Rein- Hardts und seiner Schauspieler. Wer daS aus Tolstois Nachlaß herausgegebene Stück gelesen oder es in der vorjährigen Darstellung des Neuen Volkstheaters gesehen hat, dürfte von dem Abend nicht eben viel erwartet haben. Die Hemmungen schienen unüberwindlich. Wenn Tolstois anderes(unvollendetes) Nachlaßdrama„Das Licht scheinet in der Finsternis", das seine tiefften GewissenSkämpfe wider- spiegelt, durch einheitliche Konzentration bei allem Fehlen dramatischer Handlung die Hörer bis zun, Schluß in Spannung hält, fehlt dem „Lebendigen Leichnam" ein solcher Einheit gebender Zusammenhang. DaS Stück zerstückelt sich; und wie die Szenen alle Augenblicke den äußeren Schauplatz wechseln, springt auch die Schilde- rung von Gegenstand zu Gegenstand. Daß der im Herzens« grund so zart empfindende, so liebenswürdig gütige Fredja der in klarer Erkenntnis der eigenen Lebensunfähigkeit seiner Frau zu einer glücklicheren Ehe mit einen, besseren Mann verhelfen will, sich dennoch, unter Berufung aus seinen Wahrhaftigkcitssinn, der Erfüllung der notwendigen Scheidungsformalitätcn widersetzt und lieber zur Komödie eines scheinbaren Selbstmordes greift, erscheint i», Bilde dieses Unglücklichen als fremder Zug, setzt das Mitgefühl für ihn herab. Niemand erfährt, warum der Selbstmordbetrug Fedjas Geivissen weniger belastend dünkt als die Aussage vor Gericht. Der Schwächling, den wir noch verstehen und lieben konnten, erhält so gerade an dem entscheidenden Punkte Züge eines rein pathologischen Narren. ein Amtsrichter auf die Frage, ob er auf dieselbe Strafe erlcnnen würde, wenn er hintereinander die gleiche Tat von Arbeitern und von Studenten. Zerstörung von Eigentum im Rausch und Miß- Handlung zu beurteilen hätte, erwidert hat: Das würde ich selbst- verständlich nicht tun, denn in einem Falle� handelt es sich doch um einen übermütigen Streich überschäumender Jugendlust und in de», andere» um den Ausfluß angeborener Roheit ungebildeter Elemente.(Lebhaftes Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Das ist wohl 25 Jahre her, aber die tägliche Erfahrung lehrt uns, daß derartige Auffassungen zwar in den UrteilSgründcn nicht mit derselben Klarheit und Brutalität aus- gesprochen, aber jedenfalls von den Richtern gehegt werden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Das beweist der Fall aus neuester Zeit wieder, wo in Erlangen zwei Studenten, die einen Arbeiter aufs r o h e st e mißhandelt hatten, von dein Schöffengericht zu 40 und 50 Mark G e l d st r a f e verurteilt wurden, während nninittclbar darauf dasselbe Gericht einen �A r- heiter, der nachts auf der Straße einem Studenten einen Stock- hieb versetzt hatte, auf drei Monate ins Gefängnis schickte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Ungleichheit in der Rechtsprcchimg tritt auch hervor, wenn es sich um Anklagte von besonderem Stande oder besonders privilegierte Beamte handelt. Ein Amtsrichter in Ilmenau nannte einen Angeklagten den frechsten ver- logensten Gauner von Ilmenau, der keinen Anspruch auf Glaub- Würdigkeit habe. Wegen Beleidigung deshalb verklagt, wurde er freigesprochen, das Gericht war der Meinung, ein Richter dürfe sich so ausdrücken. Ein Schankwirt gab wegen Uebertretung der Polizeistunde angeNagt an, er habe die Gäste aufgefordert, das Lokal zu verlassen und sogar einen Schutz- mann hereingeholt, um sie hinauszubefördern. Ans Verschen war ein anderer Schutzmann geladen, und der Richter erklärte den Einwand des Angeklagten als ganz unverschämte freche Lüge. In der zweiten Instanz stellte sich die unverschämte freche Lüge als Wahrheit heraus, und der Angeklagte wurde freigesprochen. Er stellte nun Strafantrag gegen den Richter, aber Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt lehnten ein Einschreiten ab. Bei einem Streit, den ein Richter mit der Chemnitzer „Volksstimme" hatte und der zur Privatklaae gegen den Redakteur führte, erklärte das Gericht ganz offen, wir müssen auch auf den Stand des Privatklägers Rücksicht nehmen.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten) Ich erinnere auch an den noch immer unerledigten Fall des Fürsten Eulenburg, dem es immer und immer wieder gelingt, milde Richter und Staatsanwälte zu der Auffassung zu bringen, daß er den Aufregungen einer Schwurgcrichtsverhandlung nicht gewachsen sei. llebrigenS wird mir mitgeteilt, daß seine Krankheit ihn nicht hindert, noch immer Amts- Vorsteher und als solcher auch Chef der Sittenpolizei zu fein.(Große Heiterkeit.) Zu welchen komischen Sprachverrenkungen diese Sucht, hoch und niedrig verschieden zu behandeln, führt, hat ein K o n s i st o r i a l r a t bewiesen, der in einer Sache verschiedene Zeugen zu vernehmen hatte. An einen Arbeiter schrieb er:„Ich habe Sie als Zeuge zu vernehm, Sie haben sich da und dort einzufinden. Für den Fall de§ Nichterscheinens werden Sie mit 30 M. Strafe belegt." An einen Kasse nrndanten schrieb er:„Ich muß Sie als Zeuge vernehmen. Wollen Sie sich bitte usw." Von den 30 M. Strafe ist nicht mehr die Rede. Dann hatte er auch einen L a n d r a t zn laden und an diesen schrieb er:„Ich bin beauftragt, Sie als Zeuge zu vernehmen. Würde» Sic die Güte haben. eine Zeit zu bestimmen, die Ihnen zusagt, am besten in meiner Wohnung?"(Heiterkeit.) Endlich mußte er auch einen Regier» ngspräsidenteac laden, Man sieht förmlich die geschlossenen Hacken, mit denen er das Schreiben diktiert hat, wenn man liest:„ E u e r H o ch w o h I g e b o re n bin ich beauftragt als Zeuge zu vernehmen. Würden Sie die Güte haben, eine Zeit zu bestimmen, m der ich S i e in I h r e r Wohnung in Potsdam aufsuchen kann".(Große Heiterkeit.) Besonders auffallend ist die Rückstchtaufnahme der Justiz aus die Staatsraison, auf dem Gebiete der Beamtenbeleidigungen(Sehr wahr bei den Sozialdemokraten). Die Justiz fühlt sich offenbar als Teil der ganzen Staatsverwaltung und glaubt, die Verpflichtung zu haben, auf Wahrung der Staatsautorität zu halten, auch wenn sie im kleinsten Gliede in der Person irgend eines Schutzmanns angegriffen wird. Solche Erwägungen haben aber natürlich mit den eigentlichen Aufgaben der Rechtsprechung nichts zu tun. In B e u t h e n in Oberschlesien hatte eine Frau einen Sergeanten beschuldigt, er hatte sie, als er dienstlich in ihrer Wohnung war, vergewaltigen wollen. Gewiß eine schwere Beleidigung, aber die Frau bewies bor Gericht selbst durch ihr Dennoch, all' diesen im Bau des Drama» und in der Charakter- zeichnung liegenden Mißverständnissen zum Trotz, hauchte die Auf- führung des Deutschen Theaters den Einzelheiten eine wunderbare Beseeltheit ein. So gab es. wenn auch das Ganze nicht zur Einheit zusamnienwuchs, doch Eindrücke von einer Intensität, wie sie der Zuschauer selbst bei Kunstwerken hohen Ranges in guter Darstellung nicht oft empsängt. Die raschen, bei verdunkeltem Theater durch die Drehbühne erfolgenden Verwandlungen paßten in ihrem Tempo vortrefflich zu der skizzenhaft vorüberhuschenden Art der Szenen. Nach einem kurzen Auftakt im Haufe von Fedjas verlassener Gattin, rollt sich auf der Bühne das farbig bunte Bild einer russischen Orgie auf. zu der.Zigeuner ihre wild-fröhlichen und sentimentalen Weisen singen.' Taumel, umschlagend in llcbcr- fättigung, Melancholie und Sehnsucht. Das ist die Welt, in die sich Fedja flüchtete. M o i s s i übertraf fich in der Rolle selbst. Wie ver- schlössen scheue Schwärmerei, vorn Schmutz leichtsinnigen Treibens unversehrte Lauterkeit in jedem Worte, jeder Miene durchschimmerte, wie das müde blassd Antlitz bei dem Zigeunerlied vom Abendrot verklärte, daS war von unwiderstehlichem Reize der Wahrheit. Ebenso überzeugend prägte sich die hoffnungslose Willensschwäche aus. In allen Stadien des Niedergangs blieb diese Kraft unmittelbarer Versinnlichung sich gleich. Die beiden Mütter aus der feinen Ge- sellschaft wurden von Rosa B e r t e n s und Margarete Kupfer glänzend dargestellt. Lucie Höflich zeigte in der Figur von Fedjas Gattin ganz eigenartige, aus den Tiefen quellende Leiden- schaft: die zärtliche Liebe und vornehme Zurückhaltung des Freundes, der ihre Hand gewinnt, fand überraschend feinen Ausdruck sin Spiele Winter st eins. Wollte man alles Lobenswürdige erwähnen, der lange Zettel müßte abgeschrieben werden. Sogar kleinste Episoden- figuren waren bis zu ganz individueller Plastik herausgearbeitet, so um ein Beispiel zu nennen, Herrn Eberls verbummelter Maler, der nur in mitfühlendem Verständnis die Erzählung FedjaS in der Herberge mit anzuhören hat. dt. Humor und Satire. Nach dem Fafchrng. Wenn nun der Fasching aus is, wißt'r, Darf sich auch der Herr Kriegsminister Nicht länger mehr so zieren Und muß sich demaskieren. Er hat im Separee gemunkelt Und brünstig hin- und hergeschunlelt Mit unser» Nationalen— Nun geht eS an's Bezahlen! Die Maske fällt. Au l Diese Pleite! Die Gente drücken sich beisette— DaS Ende vom Gekose: DaS Boll bezahlt die Echose!(Michc I.) Benehmen, daß sie hochgradig hysterisch war und trotzdem wurde sie auf zwei Jahre ins Gefängnis geschickt.(Hrntt hört I bei den Sozialdemokraten.) Daß Unternehmer mit anderem Maße ge» messen werden als Arbeiter, ist für diese Klassenjustiz selbstverständlich. In Hamburg wurden von demselben Gericht gegenüber Unternehmern, die den Mitgliedern ihrer Organisation mit der Materialsperre, dem Boykott in nacktester Form, gedroht hatten, ein Einschreiten von der Staatsanwaltschaft abgelehnt, weil eS sich lediglich um ein im wirtschaftlichen Kampf erlaubtes Mittel handle; Beamte des mit ihnen im Streit liegen HolzarbeiterverbandeS, die über einen Betrieb die Sperre verhängt hatten, wurden zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.en Worten ausgehändigt:„Du dummes Kalb, nimm diese» Zettel". Er wurde wegen Beleidigung verklagt, und das Gericht sprach ihn frei, indem es der Molivicruna des Staatsanwalts folgte, der Angeklagte habe aus edlen Motiven gehandelt. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich bin gespannt, wie die Herren, die hier immer vortragen, daß die Richter sich von rein objektiven Erwägungen leiten lasse», diese Behauptung mit der neuesten EntWickelung unserer Justiz noch vereinbare» wollen. Auf dein Gebieüe des Strafvollzuges haben sich Beispiele ereignet, die uns die Schamröte ins Gesicht treiben müsse. Ich er- innere an den Beamten, der im Ruhrgebiet einen Säugling mit ins Gefängnis bringen ließ— er hat sich nebenber damit eine Freiheitsberaubung zuschulden kommen lassen, die mit Zucht« hauS zu bestrafen wäre. Im Ruhrrevier hat ja die Klassenjustiz überhaupt Orgien gefeiert. Die Untersuchungshaft ist systematisch ohne Ansehen des Falles aus nicht in der Sache liegenden Gründen angeordnet worden, „um den Ernst der Sache und der Strafe der Bevölkerung vor Augen zu führen". Die Behandlung der Untersuchungsgesangenen mußte natürlich z« wünschen übrig lassen, da die Gefängnisse für eine solche Masse nicht ausreichen konnten. Wir kommen da zu Zu« ständen, wie sie von der russischen Unrechtspflege unter der Entrüstung aller wahren Menschenfreunde festgestellt worden sind. Die Handhabung der Untersuchungshaft bewegt sich in derselben Richtung wie die Rechtspflege überhaupt, die Rechtspflege wird aus einem Institut zur Ermittelung der Wahrheit zu einem B- r w a l t u n g s i n st i t u t. Die Untersuchungshast als Massenerscheinung läßt sich garnicht anders als aus politischen Gründen erklären. Das Schlimmste ist, daß die Richte« sich dem Mißbrauch der polizeilichen Gewalt fügen; das erschüttert das Vertrauen zu den Richtern am meisten, dag sie ohne eigene Prüfung blind die Polizeiorgane und die Staatsanwaltschaft und deren Anordnungen durch ihre Unterschrift decken. Das einfache Volk muß den Eindruck bekommen, als ob die Justiz eben auch nur ein Teil der Verwaltung ist. Daß die Untersuchungshaft in ihrer jetzigen Gestalt nicht aufrecht zu erhalten ist, ist die einhellige Meinung aller namhaften Juristen, und auch der tSOS hier vorgelegte Entwurf zur Aenderung der Strafprozeß« ordnung spricht das klar aus. Da die Reform des Strafprozesses noch in weite Zukunft gerückt ist. so sollte man überlegen, ob man bei diesem schreienden Mißstand nicht mit einem besonderen Gesetz eingreifen soll. Die Tendenz zur Verhängung der Untersuchungshaft wird bei politischen Prozessen noch verschärft, da wird sie auch ohne weiteres über Jugendliche verhängt, was eine finnlose Barbarei ist.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere an den Moabiter Prozeß. Die beste Rosine in ihm. die Petroleuse, die einem Polizeileutnant eine Petroleumlampe ins Gesicht geworfen haben sollte, war die Frau Reinhard, die man auch wochenlang in Untersuchungshast behalten hatte, und in der Hauptverhandlung er- gab sich, daß es eine schwerkranke Frau war, die nicht verhandlungsfähig war, so daß ihr Fall von den anderen abgetrennt werden mußte. Dieser Fall bietet das Gegenstück z» dem Fall Eulenburg. Im Fall Eulenburg will man dem Angeklagten keine Uligelegenheiten bereiten, im Fall Reinhard aber wohl der Staatsanwaltschaft; auch dieser Fall ist jetzt nach L'/z Jahren noch immer unerledigt.(Vizepräsident Dr. P a a s ch e ersucht den Redner, nicht auf einzelne Fälle. die der richterlichen Beurteilung unterliegen, einzugehen.) Ich füge mich, aber gerade deshalb mußte ich den Fall Rein« ba'rd vorbringen, denn er unterliegt eben nicht der richterlichen Beurteilung, und wird vielleicht so lange hinausgeschoben, bis er verjährt ist. Auch der Fall Sattler ist der richterlichen Be« urteilung bereits entzogen. Frau Sattler war auf die Denunziation eines ungenannt bleiben wollenden Zeugen hin angeklagt und in Untersuchungshaft genommen, aus einer festen Wohnung von ihrem Mann und ihren Kindern fortgenommen wegen Flucht« Verdachts. Und die Staatsanwaltschaft begründete den Fluchtverdacht damit, daß sie einmal mit 10 M. wegen Uebertretung der Straßen« vioNzen. — Vorträge im Institut für Meereskunde: Montag. Dr. H. Spcthmann: Das Gesamtbild der europäischen Küsten(aus- verkauft); Dienstgg, Oberlehrer G. Schulz: Deutschlands Seevögel »nid die Bestrebungen für ihren Schutz; Freitag, Dr. L. Brühl: Eis und Kälteindustrie in der Fischerei. — Musikchronik. Im DeutschenOpernhauS gastiert am Dienstag als Tatjana in«Eugen Onegin" die Petersburger Künstlerin ikenia D o r l i a c. — Die Zirkusvorstellungen deS Deutschen Theaters(im Zirkus Schumann) sind auf Mittwoch, den 2S. Februar(„König Oedipui') und Mittwoch, den 5. März(«Jedermann") festgesetzt. Ter Verkauf beginnt Sonntag, den 9. Februar, im Deutschen Theater. Montag, den 10. Februar, bei A. Wertheim. — PaurS Abschiedsprotest. Zwischen dem plötzlich in llngnade gerateüen Kapellmeister Paur und dem Generalintendanten Hülsen, der seine Künstler zu decken hätte(sollte man meinen), hat sich ein gerührter Abschiedsbriefwechsel abgespielt. Herr Hülsen be- schränkt sich auf die landläufige Phraseologie, aber Paur bemerkt unter anderem: «Ich bedauere lebhaft, daß ich mich veranlaßt fühlen mußte, plötzlich aus dem Verbände Ihres vortrefflich geleiieten Instituts auszuscheiden; die seht freundliche Aufnahme, der ich mich bei meinem Antritt der Stillung als erster Kapellmeister am königl. Opernhanse von Ihrer Güte sowie von der Ihres vortrefflichen Künstlerpersonals, der Presse und de? Berliner Publikums zu erfreuen hatte, macht mir das Ausscheiden aus meiner Tätigkeit doppelt schwer." Intendant, Künstlerschast, Preffe, Publikum— alles piepe. Paur hat).setnem König" nicht gefallen. — Eine Beran staltung für Else LaSker-Schüler, in der die Pianistin Ella Jonas-Stockhaufen, der Kammersänger Baptist Hoffmann und der l2 jährige Violinvirtuose LaSzlo Jpoly auftreten werden, findet Sonntag uin 4 Uhr im Harmoniumsaal statt. Else LaSter-Schüler wird aus eigenen Werken vorlesen. — Berichtigung. Die Berliner Erstaufführung von Ernst Hardts Drama„Der Kampf ums Rosenrote" fand nicht, wie versehentlich in der Sonnabendnummer stand, im Deutschen Theater, sondern im Deutschen Schauspielhause statt. — Eine Blumen« und Pflanzenauöstellung ver- nnstaltet die„Deutsche Gartenbaugesellschaft" im Landwehrosfizier- kasino in Charlottenburg am 12. Februar. Insbesondere werden Orchideen, Rosen, Flieder, Schneebälle und andere Treibsträucher. ferner Tulpen, Maiblumen und Azaleen in einzelnen Gruppen wie auch in dekorativer Verwendung vorgeführt. Die Eröffnung erfolgt Montag mittags 2 Uhr. — Radiotelegraphische Verbindung der Ost- s e e k ü st e n Die Telegraphenverwaltunslen von Schweden und Rußland beabsichtigen, eine radiotelegraphische Verbindung zwischen den Ostseelüsten einzurichte». Polizeiordnung„aus Anlaß eines Streiks" und mit 13 M. aus einem ähnlichen Anlaß bestraft war. Die Strafkammer hielt die Untersuchungshaft aufrecht, erst das Kammergericht hob sie auf. Der drwgende Verdacht gegen Frau Sattler verdichtete sich in der Haupt- Verhandlung— zur Freisprechung. Auch ihre 16jährige Tochter, die ebenfalls freigesprochen wurde, wollte die Staatsanwalt« fchaft mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe, die im Maximum sechs Wochen Gefängnis fein konnte, in Haft nehmen.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wenn es sich um die E n t s ch ä d i g u n g unschuldig er- litten er Untersuchungshaft handelt, ist der Fiskus na- tllrlich recht schäbig. Wie sich die Behörden zum gewerblichen Arbeiterrecht stellen, ersieht man aus der Instruktion für einen Gendarmen, der ans Jnsterburg nach Tilsit geschickt wurde, mit der Aufforderung:„Sie werden hiermit nach Tilsit zur Unterdrückung eines Streiks gesendet. Karabiner ist mitzubringen."(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wenn solche verkehrte Auffassung besteht, daß ein Gendarm dazu da ist, einen Streik zu unterdrücken, kann man sich nicht wundern, wenn es bei Arbeitseinstellungen zu Zusammenstößen zwischen den Strei« kenden und den so falsch informierten Polizeibeamten kommt. Die Kriminalpolizei fühlt sich geradezu als Schutztruppe der Unternehmer. Das zeigte sich auch in Leipzig, wo Kriminalbeamte als Kutscher verkleidet die Wagen einer bestreikten Firma fuhren, und bei Zusammenstößen mit den Streikenden sich dann als Beamte legitimierten. Damit kommen wir schon von der heimlichen zur unheimlichen Tätigkeit der Polizei, von der legalen zur illegalen, vom Spitzrltum zum Lockspitzeltum. Manche Richter haben ja eine merkwürdige Auffassung über die Ehrenhaftigkeit eines Spitzels, so sagte in Breslau ein vor- fitzender Richter zu den Geschworenen:„Dem Zeugen Erdmann ist nachgesagt worden, ein Polizeispitzel zu sein. Ich stehe nicht an. zu erklären, daß er e i n e h r e n b a f t e r M a n n ist. ES ist durchaus ehrenhaft, der Polizei Dienste zu leisten, und daß er das getan hat, spricht nicht gegen ihn. sondern für i h N."(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Im März v. I. hat der Staats- fekrctär Delbrück hier gegen mich für Herrn v. Dallwitz die Erklärung abgegeben:„Es ist ausgeschlossen, daß ein preußischer Ressortchef Beamte, die schwerer Verbrechen überführt find, pflichtwidrig im Amte hält". Ich hatte derartiges nämlich vom preußischen Minister des Innern v. Dallwitz behauptet. Ich will nun nicht an die Fälle Mahlow, Naporra, Jhring, erinner», auch nicht daran, daß die Mostsche„Freiheit", die in jeder Nummer zum Königsmord aufforderte, mit dem Geld des Berliner PolzeipräsidtumS gedruckt worden ist, sondern ich will nur von Fällen auS der Amtszeit deS Herrn v. Dallwitz sprechen, Kriminalkommissar Schöne hat 1906 aus den Paßveständen des Polizeipräsidiums ein Exemplar genommen, mit falschem Namen versehen, und einem russischen Staatsangehörigen übergeben, damit er nach Rußland fahre, und dort für Deutschland spioniere. Anderenfalls drohte er ihm die Ausweisung an. Kriminalkommissar Schöne hat also eine schwere Urkundenfälschung begangen. Trotzdem war er bis zum Anfang lvIS im Dienste, und wurde zur Dekoration vor« geschlagen, und hat auch den Roten Adlerorden 4. Klasse erhalten. Weiter: der Polizeiaffestor H a n s ch in Essen hat einen ihm unterstellten Beamten dazu bestimmt, in die Geschäfts« räume des Steigerverbandes einzubrechen, die Mitglieder« liste zu entwenden, und er hat dann diese Liste dem Arbeitgeberverband gegen Bezahlung für 1900 M. aus« gehändigt. Was mit dem Gelde geschehen ist, weiß man nicht. Auf die eingelegte Beschwerde ist dieser Polizeiaffesior im Disziplinarwege zwar mit einer Geldstrafe belegt worden, aber im Amte ist er geblieben, trotz der im vorigen Jahre vom Staatssekretär Delbrück abgegebenen Erklärung. Aber„wie soll man die Diener loben, kommt doch das Aergernis von oben". Ich habe hier einen Brief an den Ministerpräsidenten v. Manteuffel, worin auf den Polizeirat S t i e b e r hingewiesen wird, daß er wohl die geeignete Persönlich- keit ist, eine Verschwörung anzustiften, um dem Pliblikum dann das langentbehrte Schaustück einer aufgedeckten und bestraften Ver- schwörung zu geben. Unterzeichnet ist der Brief von dem König Friedrich W i l h e l in IV. Also ein königlicher Lockspitzel. (Unruhe rechts.) Ein preußischer König als Jnstigator(Anstifter) einer der gemeinsten Lockspitzeleien in der Ge« schichte.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Un- ruhe rechts.) Das Probestück des Herrn Stieber war der Kölner Kommunistenprozeß, in dem einer der Hanptangeklogten Karl Marx war. Die Lockspitzelei ist also geradezu zu einer Staatsinstitution geworden; durch solche immer wiederholten Tat- fachen muß natürlich in immer weiteren Volkskretsen das Vertrauen zur Rechtsprechung schwinden, llustiti» fundamentum regnomm! (Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Königreiche.) Aber diese« Fundament ist verschüttet und es wird langer und schwerer Arbeit bedürfen, um es wieder auszugraben und wieder zu Ehren zu bringen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Beizer(Z.): Die Angriffe des Vorredners gegen den Richterstand gehen zu weit. Er hat es so dargestellt, als ob Richter und Siaatsanwälte eigentlich eine Bande von Ver- blechern sind. Gegen diese übertriebenen Angriffe des Vorredners muß ich protestieren.(Bravo I rechts und im Zentrum.) Die Aktion zur Entlastung des Reichsgerichts ist erfolgreich gewesen. Aus die Reform des Strafgesetzbuchs werden wir noch gut zehn Jahre zu warten haben; daher wäre es gut, schon vorher eine Lücke auSzu- füllen und der Gesellschaft einen größeren Schutz gegen g e i st e s« kranke Verbrecher zu gewähren. Die Neuregelung der Ge- bühren für Zeugen und Sachverständige ist dringend geboten. Weiter frage ich, wann ein neueSSpionagegesetz kommt. — Eine Sichtung der Polizeiverordnungen ist dringend nötig; e» gibt Polizeiverordnungen, die direkt gegen ein Reichsgesetz ver- stoßen.— Der Resolution Bassermann, die Reich, Staat und Korn- munen ein Vorlaufsrecht bei Zwangsversteigerungen geben will, kann ich mich nicht freundlich gegenüberstellen. Wenn Staat und Gemeinden ein Grundstück baben wollen, werden sie es in der Regel zu angemessenem Preise erhalten können. DaS Vorlaufsrecht aber würde den Gemeinden die Macht geben, ihnen mißliebige Käufer auszuichließeii.— Schließlich empfehle ich unsere Resolution, die ein Gesetz über den Zwangsvergleich außerhalb des Konkurses wünscht. Der gesamte Millelstaiid und fast die gesamte Anwaltschaft halten ein solche« Gesetz für notwendig. Bei der ersten Etaiberatung hat Dr. P a a s ch e ausgeführt, daß die Streikprozeffe viel mehr Mitläufer und Anhänger der Sozialdemokratie schaffen als die sozialdemokratische Propa- ganda. Ein Streikender wurde verurteilt, weil er einein Arbeitswilligen die mysteriösen Worte zugerufen hatte: Oui Out. au Wau. Kautz Kautz.(Große Heiterkeit.) Ich bin weit entfernt, zu glauben, daß die strengen Urteile in den Ruhrrevier. Prozessen Ausfluß einer Klassenjustiz sind. Aber die Rilbter können sich dem Eiufliiß ihres Miltriis nicht entziehen.(Zuruf bei den Sozialdemolrote»: Daraus entspringt eben die Klaffenjusttz> Di« Urteile wären kaum so streng ausgefallen, wenn die Richter den, Milieu im Ruhrgebiet entzogen gewesen wären: BöseS Blut macht eS. daß bei Erhebung öffentlicher Anklagen auf den Stand des Angeklagten Rücksicht genommen wird. Such das S ch n ü f f e l n nach dem Verfasser von Zeitungsartikeln sollte bleiben. Es ist wahrttch fchttmm, wenn hochstehende Beamte nicht wissen, waS daS erste Gebot der Ehrenpflicht für eine deutsch« Re- daklion ist. Dann frage ich den Staatssekretär noch, wie es mit dem Prozeß E u l e n b u r g steht. Der eine Belastungszeuge soll gestorben sein. Es müßte doch alle« geschehen, um den Prozeß noch zur rechten Zeit zur Berhandlung zu bringen. Staatssekretär Dr. LiSco: Im Dezember vorigen Jahres hat erneut eine Untersuchung über die Verhandlung»« und Haftfähigkeit de» Fürsten Eulenburg stattgefunden; es ergab sich, daß er weder verhandlungS- noch hafttfähig war. Sein Gesundheitszustand wird dauernd kontrolliert, und wenn eine Aenderung eintreten wird, wird eine erneute Verhandlung stattfinden.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ämtsvorsteher in Liebenberg ist er nicht. Die Angriffe des Abg. Dr. Cohn auf die Richter weise ich zurück. Das Vertrauen zu den Richtern im Volke ist so groß, daß solche Angriffe nicht maßgebend sind.(Zurufe bei den Sozialdemo- kraten: Na, na!) Das Volk vertreten nicht bloß Sie. Zum Volke gehören wir auch. Daß Herr Cohn über einen früherenTräger der preußischen Krone Ausdrücke gebraucht hat, wie wir sie haben anhören müssen, kann ich nur tief bedauern.(Zustimmung rechts.)— Die Bedenken gegen die Einführung eines gerichtlichen Zwangsvergleiches sind sehr erheb« lich. Immerhin sind wir bereit, die Sache weiter zu prüfen. Ein Entwurf über die Neuordnung der Gebühren für Sachverständige und Zeugen ivird dem Hause noch im Laufe der Session zugehen. Ein Antrag auf Einführung von Diäten für Schöffen und Geschworene liegt dem Bundesrat vor; ein Entwurf wird dem Haufe hoffentlich demnächst zugehen können.(Bravo!)— Mit der Ausarbeitung eines neuen und verschärften Spionagegesetzes sind wir beschäfttgt. Abg. Dr. Schiffer(natl.): Die Beweisführung der Sozialdemo- kraten für das Vorhandensein einer Klassenjustiz ist brüchig. Ich erinnere an den Fall der hohen Bestrafung eines Regierungs« Präsidenten gegenüber der geringen Bestrafung eines Arbeitswilligen» den der Abg. Cohn vorbrachte. Wäre es umgelehrt gewesen. halten Sie(zu den Sozialdemokraten) sicher gesagt: Der Arbeiter wird natürlich höher bestraft als der hohe Beamte. Daß dies hier nicht geschehen»st. beweist doch, daß die Richter nicht nach dem Stande des AngeNagten sehe». Also Sie sehen, Ihr Material kann auch gegen Sie verwandt werden. In daS pflichttreue Streben unseres RichterstandeZ nach Unparteilichkeit setzen Sie nach Ihren früheren Erklärungen ja auch keinen Zweifel und was sonst noch übrig bleibt, ist schließlich die recht alte Wahrheit, daß niemand aus seiner Haut herauskann. Sie würden als Richter proletarische Klasteiijustiz treiben. Jeder ist ein Kind seiner Zeit, seiner Umgebung, seiner Traditionen, bei Ihnen würden z. B. Revisionisten und Radikale ganz andere Urteile fällen. Für uns kommt eS darauf an: sind unsere Richter beflissen, sich dieser Herrschaft der Umgebung usw. nach Möglichkeit zu entziehen und sind sie so geschult, daß ihnen dabei ein großer Erfolg nicht versagt ist? Und da sind wir der Meinung, daß gerade die Tradittonen unseres Richterstandes ihn dazu befähigen. Daß im einzelnen Fehlurteile vorkommen, daß auch Richter wie alle Menschen irren, daß unsere Justiz Mängel hat. gibt jeder zu. Aber auch dagegen muß rch mich wenden. daß aus einer gehäuften Darstellung von Einzelfällen allgemeine Schlüsse gezogen werden. Wir müssen wieder ein gesunde« Verhältnis zwischen Recht und Volk herstellen. Unser Reichsjustizamt entspricht nicht ganz der Stellung, die bei seiner Schaffung bezweckt war. Die in ihm vorhandenen hervorragenden Kräfte kommen nicht zur Geltung. Sehr bedauerlich ist, daß wir noch 10 Jahre aus die Reform des Strafgesetzbuches warten sollen. Di« Frage de« Streikposten st ehens sollte rein praktisch, losgelöst von allen politischen Nebengedanken, gelöst werden. Die Zulassung der Lehrer zu Schöffen und Geschworenen wird allgemein verlangt. Der Schutz des Wahlgeheimnisses muß ge« sichert werden. Den verbrecherischen Irren darf unser Volk unter keinen Umständen noch zehn Jahre ausgeliefert sein. Die Zustände sind so schlimm, daß sie gar nicht schlimmer werden können. Sehr bezeichnend spricht das Volk von den Jagdscheinen, die diese Eni« mündtgten haben. Auch darf eS nicht vorkommen, daß reiche An« geklagte für geistesgestört erllärt werden, aber nachher Vernunft genug beweisen, um eine behagliche, geachtete gesellschaftliche Stellung einzunehmen. Dabei muß das Gefühl der Rechtssicherheit im Volke schweren Schaden leiden. Der Schutz der Ehre sollte aus dem Strafgesetzbuch herausgenommen und besonders geregelt werden. Auch die Frage der Erpreffuna au« Röttgllng müssen dabei neu geprüft werden(Bravo l bei den Nationalliberalen). Abg. Holtschke(lons., auf der Tribüne fast unverständlich) pro» testiert gegen die Behauptung einer Klassenjustiz und plädiert aus« sührlich für die Einführung der Prügelstrafe. Abg. Warmuth(Rpt.) spricht für einen erhöhten Schutz der Gläubiger. Die Gerichtsvollzieher sollten angewiesen werden, nicht zu lasch vorzugehen. Andererseits muß auch der mittellose Schuldner geschützt werden. Pensionen und Altersrenten müssen vor d«- Beschlag« nähme geschützt sein. Des weiteren befürwortet er eine von seiner Partei eingebrachte Resolution, die Versllgung über den Miet« und Pachtzins dem Hypothekengläubiger gegenüber bei ZwangSver- steigerungen auf das laufende Kalendervierteljahr zu beschränken. Redner wendet sich dann gegen die Bestrebungen auf Abschaffung der Todesstrafe, die da« deutsche Volk nicht verstehen würde. Abg. Bietmeyer(Wirtsch. Vg.) bestreitet das Vorhandensein einer Klassenjustiz und wünscht, daß die Richter pensioniert werden, bevor sie zu alt werden.., Abg. Dr. Haegy(Els.-Lothr, g.) beklagt sich darüber, daß der Abg. Wetterle mit 2 Monaten Geiängni« bestraft wurde, weil er Karilaturen über einen deutschen Gyrnnastalprofessor in seinem Blatte veröffentlicht. Diese Strafe stand in gar keinem Verhältnis zu der Geringfügigkeit des Delikts; eS wäre sehr wohl angegangen. Wetlerlo den Schutz des§ 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zuzubilligen. Hierauf vertagt daö Haus die Weiterberatung auf Montag 2 Uhr(vorher Wahlprüfungen, Rechnungssachen). Schluß 3 Uhr._ Mgeoränetenbaus. 128. Sitzung, Eon nabend, 8. Febru ar, vorm. 11 Uhr, Am Ministertisch: v. Dallwitz. Das Medizinalwesen. Abg. v. d. Osten(f.) will die schlechte Bezahlung der Kranken- Pflegerinnen nicht bestreiten, aber das.Hauptgewicht liegt auf dem Gebiet der christlichen Nächstenliebe. Die traurige Er« schemung des Geburtenrückgangs darf nicht vom Parteistandpunkt. sondern muß vom nati onalen Standpunkt betrachtet wer- den. Mit Schlagsvorten wie Unterernährung und verkehrte Wirt- schaftSpolitik löst man die Frage nicht. Tie Lebenslage des Volkes hat sich gehoben. Materielle Güter allein machen nicht reich,'dem Reichtum verlei-ht erst der Mensch, hex jh» besitzt, den wahren Wert.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Der Rückgang der Sterblichkeit kompensiert nicht den Geburtenvück- gang, sondern verschleiert ihn n�r. In Berlin gehen die Ge« burten schneller zurück, al» die Sterblichkeit und ohne Zuzug von außen würde Berlin langsam entvölkert. Der Geburtenrückgang ist dort am größten, wo am meisten sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden sim> und dort am geringsten, wo das Volk nochreligioS ist.(Hort! Hort! rechts.) Der Geburten« rückgang bedeutet immer«inen Niedergang der Kultur. Di« Taten dar Sozialdemokraten fttmmen nicht überein mit de.n Worten des Zlbg. S t r ö b e l, daß die Sozialdemokratie ein möglichst starkes uno zahlreiches deutsches Volk Wunsche. In dem soziawemokratischen „Marli sckie n Volkskalender finden sich gerade solche Inserate, wi« sie Abg. S t r ö d e l gebrand markt hat und der Sozialdemokrat Dr. « r u b p a ch e r- Zürich empfiehlt in einer Brofchüre 70 Mittel zur Verhütung des Kindersegens. Also mindestens ein Teil der Sozial« demokratte beurteilt diese Frage vom engsten sozialdemokratischen Standpuntt au». Es sollte ein« Kommission zum Studium dieser Frage eingesetzt werden. ES besteht die Gefahr, daß wir dem An« stur vi der Slawen unterliegen.— Der Redner verurteilt dann scharf die KampseSwerse des Leipziger Aerzteverbandes. die die der Sozialdemokratie Nock, ffbertrefse. Der Leipziger Ver» band hat auch einen Koalittonszwang ausgeübt und durch seil, Shrenwortstsstem verletzt er seine sozialen Pflichten. Gm ärztlicher Streik gefährdet wichtige allgemeiue Interessen, ist also verwerflich. Zwar nicht in Berlin» qher in der Provinz hat der Lolpziger Per» bixnfo die UcBcrmaAt und könnte sie gebrauchen. Mr erkennen aber an, daß eine Milderung des Kampfes eingetreten ift. Eine VerstaaMchung des Aerztewesens wurde den Tod der freien Persönlichkeit bedeuten, deshalb lehnen wir sie ebenso ab, wie die Uiücrstellung der Aerzte unter das Machtgebot deS Leipziger Perba ndcs.(Beifall rechts.) Äbg. Lorstcr(ff.): Den Frieden zwischen Aerztcn und Kranken- kaffcn sollte man besonders in Köln predigen. Äbg. Tr. Wagner({!.): Das großstädtische Wohnung s- e lend�das die Tuberkulose fördert, kann man nicht den Agrariern in die Schuhe schieben. UebrigcnS hat Virchow schon 1847 festgestellt, daß auch bei miserablen Wohnungsverhältnissen die Tuber- knlosesteMichkeit gering sein kann. Gegenüber dem Abgeordneten S t r ö b e l bemerkt der Rodner, daß in den Universitätsstädten bei- nahe eine Entwöhnung vom Alkohol festzustellen sei.(All- gemeine Heiterkeit.) Herr Ströbel muß wissen, daß unsere Ge- richte Trunkenheitsexzcffe milide beurteilen, auch bei Arbeitern. l Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ter Impfzwang bewährt sich glänzend. Die Not kommt als Ursache der Prostitution fast gar nicht in Betracht; die meisten Prostituierten waren Dienst- mädchcn, leiden denn die Not? Wir sind nicht mehr das Jahrhundert des Kindes, sondern der Furchtvor einem Kinde. Vielleicht würde es helfen, wenn der Staat alle unehelichen Kinder zur Er- ziehung übernehmen würde. Dann würde auch die wünschenswerte Rückslut von der Stadt auf das Land eintreten.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Mugdan(Vp.) wirft dem Abg. v. d. Osten vor, daß er sich auf die ärztefeindliche Presse gestützt habe. In diesem Streit gehen die Krankenkassen mit den BctriebSkrankenkasscn und sogar die Konservativen mit der Sozialdemokratie Hand in Hand. Der Leipziger Verband macht sich bei seinem Vorgehen nur den Bund der Landwirte zum Muster.(Hört! hört! und Heiterkeit linZS.) Der Redner tritt aussührlich für die freie Arzt- wähl ein, gegen die sich die Kassenbcnvaltungcn nur aus FiSkalis- imxS sträuben. Er tritt dann für die Verbesserung der Lage der Krankenpflegerinnen ein und bedauert, daß in der Armee die Mili- tärarztstellcn zum großen Teil nicht besetzt sind. Der Bund deutscher Krankcnpslegepersonen hat sich für den Kriegsfall zur Verfügung gestellt, ift aber abgewiesen wovoen.(Hört! hört!) Abg. Ströbel(Soz.): Ich habe bereits gestern nachgewiesen, daß von den ärztlichen Vereinsorganen mit dem Generalstreik gedroht worden ist. Wenn sich auch Konserdative und Betricbskrankenkassen dem Widerstand gegen dlc Acrztefdrdetungen des Leipziger Verbandes angeschlossen haben, so beweist das doch, daß diese Forderungen in der Tat unerfüllbare sind. Selbstverständlich wäre es das beste, wenn Acrzte und Krankenkassen miteinander im Einklang und Ver- trauen lebten. Aber leider ist das gegenwärtig nicht der Fall. Ich weife es zurück,' daß Abg. Mugdan den Widerstand der Krankenkassen gegen die freie Arztwahl auf Fiskalismus zurückführt. Neben der geistlichen Kraukcnpflegc ist die weltliche unentbehr- lich, und so gut wie die Aerzte anständige Bezahlung beanspruchen, so gut gebührt sie auch dem Kranke»Pflegepersonal. Wir Zvcrdcn stets dafür eintreten. Dem Abg. v. d. O st e n gegenüber stelle ich fest, daß ich selbstverständlich den Geburtenrückgang auf eiuen Komplex von Ursachen zurückgeführt habe, aber wer kann bestreiten, daß auch die Ursache dabei ist, daß weite Kreise des Volkes nicht die Möglichkeit haben, ihre Kinder anständig und all gemessen zu erziehen und daß die Geburtenzahl zu- nehmen würde, sobald eine Verbesserung der materiellen Lage des Volkes herbeigeführt würde? Daß tn England die Geburten- zahl, wie Abg. v. d. Osten ausführte, trotz dem Freihandel nicht gestiegen ist, beweist gar nichts, solcher» maßgebend ift, daß Eng- land ein entwickelter Industriestaat ist und deshalb der Geburten- rückgang dort ebenso zu verzeichnen ist, wie in Belgien, hier trotz dem Ueberwiegen des Katholizismus. Daß der Geburten- rückgang dort groß ist, wo die Sozialdemokratie besonders stark ver- treten ist, beweist nur, daß diese Gegenden von einer besonders stark industrialisierten Bevölkerung bewohnt sind, und daß bei der industriellen Bevölkerung der Geburten- rückgang stärker ist. bestreiten wir gar nicht. Herr v. d. Osten hat keinen Beweis dafür beigebracht, daß Geburtenrückgana immer einen kulturellen Rückgang bedeutet. Will man etwa behaupten, daß es ein Kennzeichen der Kultur sei, wenn irgendwo recht viel Kinder gebore» werden? Auch wir beklagen den Geburtenrück- gang, aber ihm ist nur abzuhelfen dadurch, daß den breite» Bolksmassen ausreichende Lebensbedingungen gewährt werden. Dies ist aber von den großen Parteien sowohl. hier als im Reichstag noch immer verhindert worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber der Beschuldigung des Abg. v. d. Osteil.�daß auch die sozialdemokratische Presse zur Per- breitung empfängnisverhütender Mittel beitrage, verweise ich nur auf die großen Blätter der staatserhaltenden Presse. l Widerspruch rechts— Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Jeder Blick in diese Blätter ist ein Beweis für die Richtigkeit meiner Behauptung. Die im„V o r w ä r t s- B c r l a g" erschie- nene Broschüre, die v. d. Osten genannt hat, kann hier gar nicht mit jenen Ankündigungen auf eine Stufe gestellt werden. Wenn schon einmal aus sozialen, hygienischen und allen möglichen anderen Gründen der Wille vorhanden ist, Geburten zu verhüten, dann ist es, so sagt jene Broschüre, rationeller, Mittel zu verwenden, die die Befruchtung von vornherein unmöglich machen.(Hört! Hütt! rechts.) Das sagen auch viele Aerzte, und es ist selbstverständlich viel richtiger, als nachher lebensgefährliche Versuche zur Abtreibung zu machen. Es gibt in der Tat gesundheitliche Rück- sichten genug, die dem Arzt zur Pflicht machen, eine Fehlgeburt herbeizuführen, wenn Einpfängniö eingetreten ist, zum Beispiel bei tuberkulösen Frauen. Da kommen solche Mittel in Frage, von denen die im..Borwärts-Verlag" erschienene Broschüre spricht. Auf einen Zuruf hat ja übrigens Herr v. d. O st e n er- klärt, daß er die Broschüre nicht gelesen habe.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist sehr bezeichnend für Sie. die Sie Ihre Angriffe auf irgendwelches Reichsverbandsmaterial stützen. Am Schluß d'cr Broschüre beißt es: Außer den angeführten dringenden Gesundheitsrücksichten, gibt es auch noch andere, weniger gesundheitliche, als sozial wirtschaftliche Gesichtspunkte, die besonders bei der ärmeren Bevölkerung eine Verhinde- r u» g z u häufiger Schwangerschaften nötig machen können. lHört! hört! rechts.) Solange die Wohnungen so eng sind, daß in ihnen kaum Raum für zwei Personen, gc- schweige denn für eine größere Familie ist, solange die Arbeiter- flauen so bald nach der Geburt ivieder in Arbeit gehen und dem Neugeborenen die natürliche Nahrung vorenthalten müssen, solange Massen von Proletaricrkindcrn schon im ersten Jahr untergehen oder später an englischer Krankheit, Skrophulose usw. leiden müssen, so lange wird kein Einsichtiger— Sic(nach rechts) sind also nicht gemeint!(Heiterkeit bei den sozialdemokrateil) an einer Vermeidung zu häufiger tochwanger- schaften in der ärmeren Bevölkerung Anstoß nehmen können. Die Sozialdemokratie steht auf dem Standpunkt, daß der Ge- burtcnrückgang nur durch die Beseitigung seiner Ursachen ver- mieden werden kann, aber von jenen Inseraten der bürgerlichen Blätter hält sich unsere Presse fern. Abg. v. d. Osten hat die Verstaatlichung des Aerztewesens als den Tod der freien Persönlichkeit erklärt. Diese Worte werden sich die Staatsbeamten merken müssen.(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) Sie töten allerdings durch Ihren Terror die freie politische Persönlichkeit im Staatsbeamten, aber daß die Verstaatlichung des Aerzteberufs die Aerzte selbst schädigen könnte, das können Sle nicht nachweisen. Erst dann würoc der Arzt, be- freit von dem Streben nach ständiger Steigerung seines Ein- kommcns, ja vielfach erst nach einem halbwegs ausreichenden Ein- kommen überhaupt, keinen Unterschied in der Behandlung von Krankenkassen- und begüterten Patienteil machen müssen.— Der Abg. Dr. Wagner hat bestritten, daß die Tuberkulose eine Proletarierkrankheit ist. Das ist aber schon von vielen Aerzten, zuletzt von dem von mir zitierten Professor Mosse festgestellt worden. Dieser bat auch die dringende Notwendigkeit umfassender Wohnungsrcform betont. Wenn die einflußreichen Parteien dieses Hauses es nur gewollt hätten, hätten wir längst. ein gutes Wohnungsgesetz. Sie tragen die Vcrantwortuna dafür, daß das Hausbesitzer- Privileg in den Gemeinden noch nicht beseitigt ist. Bei meiner vom Abg. Dr. Wagner in Zweifel gezogenen Darstellung der Mav- burger Studentenkrawalle babe ich mich auf die dortige bürgerliche „.Hessische Landeszeitung" gestützt, die festgestellt hat, daß die Un- ruhen entstanden sind, weil die Polizeistunde für dt« Wirtschaften am Faschingsdtenstag auf 1 Uhr festgesetzt worden war. Ich habe nicht bestritten, daß auch in der Studentenschaft gegen den Alks- holismus gekämpft wird und auch in Marburg ernst strebende wissenschaftliche Studentenvereine bestehen. Aber andererseits steht fest, daß gewaltige Summen angelegt wurden, um in Marburg Studentenkneipen in großer Zahl in» Leben zu rufen, und daß so manche Existenz dort auf den Alkobolismus der Studenten gegründet ist. Ich habe auch nicht die Not als einzige Ursache der Prostitution hingestellt, sondern nur als eine Haupt- Ursache und daö kann nicht bestritten werden. Angehörige der besitzenden Klassen, die, vielleicht aus pathologischer Veranlagung, da? Bedürfnis fühlen, sich dem anderen Geschlecht hinzugeben, wer- den nicht zur Prostitution herabsinken, aber daß Dienstmädchen, die vielleicht aus Unkenntnis Kinder bekommen, entlassen werden, obdachlos dastehen, die Kinder Pflegemüttern übergeben und dafür schwer bezahlen müssen— daß die auf den abschüssigen Weg ge- raten, der zur Prostitution führt, ist sehr leicht erklärlich.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Gewiß kommt auch De- generation und pathologische Veranlagung in Frag«, aber auch die Degeneration hat ihre sozialen Ursachen und ist häufig eine Folge wirtschaftlicher Rot.— Wenn Sie den Vvlksseuchen ernstlich zu Leibe gehen wollen, so kurieren Sie nicht an den Shmpwmen herum, sondern beweisen Sie Ihr« ernste Absicht, in- dem Sie gegen die Ursachen kämpfen, helfen Sie uns, für die Hebung der breiten Massen des Volkes einzutreten.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmedding(Zentr.) billigt die Stellung Ströbcls zum Geburtenrückgang nicht. Hierbei kommen auch moralische GesschtS- punkte in Betracht. Wir bedauern, daß über«in derartiges Thema hier so ausführlich gesprochen wurde. (Beifall im Zentrum.) Die allgemein« Besprechung ist damit beendet, in der Einzel- besprechung werden nur lokale und Beamtenfragen besprochen. Der Bauetat. Beim Ministergehalt findet die allgemeine Besprechung statt. Abg. Schmedding(Zentr.) billigt es, daß die Mainkanalisation nicht von der Einführung der RheinschiffahrtSabgaben abhängig gemacht wird, hofft aber, daß der Minister sich um die Zustimmung Hollands zur Einführung von Schiffahrtsabgaben Wetter bemühen Iverdc. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fkZ: So erfreulich die Vollendung des Großschiffahrtsweges Bcrlin-Stetfln ist, so ist doch zum Ausgleich für Schlesien eine weitere Verbesserung des Oderlaufs zu fordern. Minister v. Breitrnbach: Der Verkehr auf der Oder hat sich dank den Verkehrsverbcsserungen über Erwarten gesteigert. In kürzester Frist wird ein neuer Entwurf über den Ausbau der Oder unterbreitet werden. Abg. v. Bülow-Homburg(natl.) spricht üb« die Notwendigkeit der Erbauung gesunder und billiger Kleinwohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Montag tt Uhr. Schluß sX Uhr._ Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Rönigl. Opernhaus. Sonntag: Lodengrin.(Ansang 7 Uhr.) Mon- tag: Kerlyra. Dienstag: Figaro« Hochzeit. Mittwoch: Die Stumme von Porticl. Donnerstag: Tristan und Isolde.(Anfang 7 Uhr.) Freitag: Stnsonie-Konzcrt. Sonnabend: Die Hugenotten. Sonntag: Kerthra. Montag: Fidelio.(Ansang 7>/, Uhr).., Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der große König. Montag: Wiesclchen. Dienstag: Der Anstauschlcuwant. Mittwoch: ISIS. Doimers- taa: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: Freund Fritz Sonnabend: Kotz von Berlichlngen.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Der AuStauschleutnant. Montag: Minna von Barnhelm.(Ansang 7'/? Uhr.) Deutsche» Opernhans. Soiintagiiachnnttaa 3 Uhr: Fidelio. Abends: Far und Zimmermann. Montag: Der Waffenschmied. MenStag: Eugen On-gin. Mittwoch: Oberau. DomrerStag: Eugen Onegin. FreUag: Ties- land. Sonnabend: Der Waffenschmied. Sonntag: Eugen Onegln. Montag: Fidelio.(Ansang 8 Uhr.), � � n«r., Deutsches Theater. Sonntag: Der lebende Leichnam, lllonlag: König Heinrich IV., 1. Teil. Dienstag: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Der blaue Vogel. Donnerstag: Der lebende Leichnam. Freitag: Konig Heinrich IV., 2. Teil. Sonnabend; Der blaue Vogel. Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: Der lebende Leichnam.(Ansang 7'/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Schöne Frauen. Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Schöne Frauen. Freitag: Mein Freund Teddy. Sonnabend, Sonntag, Montag: Schöne Frauen. (Anfang 8 Uhr.) Lesiing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: G aube und Heimat. Mends: Die große Liebe. Montag: Der Biberpelz. Dienstag: Die große Liebe. Mittwoch: Rost Bernd. Donnerstag: Die große Liebe. Freitag: Hcdda Gabler. Sonnabend: Das Prinzip. Sonntag: Die groß- Liebe. Montag: Die Weber.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabendnachmittag 3'/, Uhr: Philotas. Der zerbrochene Krug. �.. Kleines Theater. Sonntagnachmttiag 3 Uhr: Und da§ Licht scheinet in der Finsternis.. Maboudlich Prosessor Bernhardt.(Ansang S Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. Abends: UAil Acosia. MoNtag: Der Misanthrop. Die Schule der Frauen. Dienstag: Uriel Acosia. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donners. tag: Uriel Sicofta. Freitag; Bolkenkratzei. Sonnabend: Der Kompagnon. Sonntag: Wolkenkratzer. Montag: Uriel Acosta.(Anfang 8 Ubr.) Schiller< Theater Gharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Abends: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Montag: Uriel Acosta. Dienstag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Mittwoch: Uriel Acosta. Donnerstag, Freitag:. Die Reise durch Berlw in 80 Stunden. Sonnabend: Uriel Acosta. Sonntag, Montag: Die Relsc durch Berlin in 80 Stunden.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich. Wtlhelmftädt. Schausptclliaus. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Das Leuinantsmündel. Allabendlich: Der Zaungast.(Ansang 8'/, Uhr.) Sonnabcndnachmittag: Die Räuber. Theater in der KöniggräNer Strahc. Sonntag: Brand.(Ansang 7'/, Uhr., Montag-:- Hedda Gabler.-Dienstag: Dl» füns Franklurtcr. Mittwoch: Brand.(Anfang T/, Uhr.) Donnerstag: Die fünf Frankfurter. Freitag und Sonnabend i Brand.(Anfang 7st, Uhr.) Sonntag: Die füns Frankfurter.(Anfang 8 Uhr.) Montag: Brand.(Ansang 7'/, Uhr.) Tria»on Oper. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends und Montag: LtsU» maria. D.tenstaa: Der Kuhreigen. Mittwoch- nachmittag 8 Uhr: Der Troubadour. SlbenbS: KtsUa war!». Donners- tag: Der Kuhreigen. Freitag: Ltella nraria. Sonnabendnachmittag 8 Uhr: Der Troubadour. AbendS: Das Glöckchen de« Eremiten. Sonn. tag: Das Glöckchcn des Eremiten. Wontag:. Unbestimmt.(Ansang S Uhr.) Theater dcS Westens. Sonntagnachmtttag S1/« Uhr: Der Frauen» sresscr. Allabendlich: Die beiden Husaren.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntaanachmittag 3 Ubr: Die goldene Eva. Abend» und Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Mein Leopold. Sonnabend: Zapsenstreich. Sonnlag: Mein Leopold. Montag: Der Widerspenstigen Zähmung.(Ansang S'l, Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Berlin— Hamburg— New Uork. Abends und Montag, DlenStag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Und hätte der Lleb« nicht... Sonnabend: Nora. Sonntag Und Montag: Und hätte der Liebe nicht...(Ansang 8 Uhr.) Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Wüstenmoral. Di« Alpenb rüder. (Ansang 8 Uhr.) Metrovol-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Tata Toto. All» abendlich: Chauffeur— ins Metropol l(Ansang 8 Uhr.) Theater Groß-Berliu. Allabendlich: Da» Fürstenkind.(Anfang 8 Uhr.) Urania> Theater. Sonntag und Montag: Pari« und dl« König«- schlösscr von Versailles. Dienstag: Die Weltmacht des EisenS. Mittwoch bis Sonntag: Paris und die König»schlösser von Versailles. Montag: Un- bestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Admiralspalaft. Eisballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang g Uhr.) , Retchshallen-Theater. Allabendlich: Meyers Hosen.(Ans. S Uhr, Sonntag« 7-/. Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmlttag 3'/, und allabendlich 7'/, Uhr: Aalavorstellung. ZirkuS Schumann. Sonnlagnachmittag Sst, Uhr und allabendlich , Uhr: Galavorstellung. Königftadl-Kaswo. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Pasiage-Thcater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialttäten. Wintergarten. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Spezialitäten. abendlich g Uhr: Spezialiläten. Avollo-Tdeater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Spezialttäten. abendlich 8 Uhr: Brüderleln fein und Spezialitäten. Folies Gaprice. Allabendlich: Die Doppelsirma. Die Tochter d« Braut.(Ansang 81/, Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich: Goldener Leichtsinn.(Ansang «'/« Uhr.) Rus. 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Mze Ks Jotiüärts" ßcrlintt AlksM ZMntag, 9. Februar 1913. Verbandstag der Ammerer. Äack ffiröffnurut der Sitzung an> Sonnabend legte die Kont- Mission ihre Lorschläge über Beitrüge und Unterstützungen vor. Römer- Hamburg erstattete Bericht über die Arbeiten der Kommission. Sic hat in einigen Punkten einen Mittelweg zwischen oen bisherigen Bestimmungen und den Anträgen des Vorstandes ciiweschlageii. Während der Beitrag bisher für 40 Wochen im Jahre geleistet wurde und der Vorstand 44 Wochen beantragte, schlägt die Kommission 42 Beitragswochen pro Jahr vor. Nach dem jetzigen Statut kann die Arbeitslosenunterstützung für 36 Tage nur einmal in 52 Wochen bezogen werden. Der Vorstand hatte 58 Wochen beantragt, die Kommission schlägt 56 Wochen vor. Nach dem geltenden«tatut wird für die ersten sechs Tage der Arbeits- losigkeit keine Unterstützung gezahlt. Diese Bestimmung fällt jedoch fort, wenn ein vorhergegangener Fall von unterstützter Arbeits- lofigkeit noch nicht über zwölf Tage zurückliegt. Die Kommission macht den Verbesserungsvorschlag, diese Zeit auf 24 Tage zu ver- längern. Hinsichtlich der Beitragssätze empfiehlt die Kommission den Antrag des Vorstandes. Danach sind zwölf Beitragsklassen (bisher fünf», den Stundenlöhnen entsprechend, einzurichten, und zwar: Die Streikunterstützung beträgt nach dem jetzigen Statut 1,86 bis 2,66 M. pro Tag. Nach dem Kominisjionsvorschlage sollen in der ersten Lohnklaffe 2 M. pro Tag gezahlt werden und dieser Satz in jeder Lohnklaffe um 16 Pf. steigen bis zum Betrage von 3,16 M. in der zwölften Lohnklaffe. Dazu kommt in allen Klaffen fiir jedes Kind ein«atz von 26 Pf.(bisher 15 Pf.l. Im ersten Jahre der Mitgliedschaft sollen die Unterstützungssätze um 40 Pf., im zweite» Jahre �um 20 Pf. pro Tag gekürzt werden.— Den Familien der Streikenden, welche abreisen, wird eine tägliche Unterstützung von 40 Pf. in der ersten Beitragsklaffe gewährt. Der Satz steigt von Klaffe zu Klasse um je 10 Pf. bis 1,50 M. in der zwölften Beitragsklasse, außerdem für jedes Kind 20 Pf. pro Tag. Für die Arbeitslosenunterstützung schlägt die Kommission in Uebereinstimmung mit den Anträgen des Vorstandes die Ein. führung von drei Klassen vor. Zur ersten Unterstützungsklasse sollen die erste bis vierte Lohnklasse, der zweiten Unterstützungs- klaffe die fünfte bis siebente Lohnklasse und der dritten Unter- stützungSklasse die achte bis zwölfte Lohnklasse angehören. Die Unterstützungssätze sind in allen Klassen abgestuft»ach Beitrags- leistungen von 60, 102, 144, 186, 228 Wochen. Der niedrigste Unterstützungssatz beträgt in der ersten Klasse 50 Pf., in der zweiten 15 Pf., in der dritten 1 M. pro Tag und steigt in allen Klassen von Swfe zu Stufe um je 25 Pf. bis zum Höchstbetrage von 1,50 M. in der ersten, 1,75 M. in der zweiten, 2 M. in der dritten Klasse. Der Wochenbeitrag der erkrankten Mitglieder soll 15 Pf. in der ersten, 20 Pf. in der zweiten, 25 Pf. in der dritten Unter- stützungsllaffe betragen._ Die Frage, ob für die Berechnung des Stundenlohnes zur Festsetzung der Beitragsklaffe der Tagesverdienst zugrunde zu legen sei, hat die Kommission offengelassen.— liebet diese Frage entstand im Plenum eine Debatte, in der besonders Witt- Berlin und auch K n ü p f e r- Berlin den Standpunkt vertraten, daß der für den Beitrag maßgebende Stundenlohn in der Weise berechnet werden solle, daß der Tagesverdienst mit„10" dividiert wird. Zur Begründung dieses Standpunktes wurde geltend ge- macht, in Zahlstelle» mit zehnstündiger Arbeitszeit könne bei ge- ringerem Stundenlohn ein gleicher Tagesverdienst erzielt werden wie in anderen Zahlstellen nnt neunstündiger Arbeitszeit und etwas höherem Stundenlohn. ES sei eine Ungerechtigkeit, wenn in solchen Fällen die Mitglieder der einen Zahlstelle in die höhere, die der anderen Zahlstelle aber in eine niedere Beitragsklaffe kämen.. Durch Abstimmung wurde die Berechnung nach dem Tages- verdienst abgelehnt. Es ist also der wirkliche Stundenlohn für die Beitragsleistung maßgebend.— Ohne weitere Debatte wurde dann die Vorlage der Kommission in namentlicher Abstimmung mit 90 gegen 45 Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen im ganzen angenommen.— Die beschlossenen Aenderungen treten am 1. März in Kraft mit Ausnahme der neuen Sätze der ArbeitSloscnuuter- stützung. Diese gelten vom 1. Juli ab.— Weiter wurde auf An- trag der Kommission beschlossen, der nächsten.Konferenz der Vor- stände aller Gelverkschaften die Frage zur Entscheidung vorzu- legen, wie es im Falle einer Mobilmachung oder eineS Krieges mit der Arbeitslosenunterstützung zu halten sei. Hierbei gab Kube-Berlin den Bericht der Kommission, welche sich mit der GehaltSregulierung der Angestellten beschäftigt hat. Die Ävmuiission schlägt folgende Gehaltsskala vor: Für den ersten Vorsitzenden, den ersten Kassierer und� den ersten Redakteur 2700 M. Anfangsgehalt, steigend um 100 M. jähr- lich bis 3600 M., für die übrigen sechs Mitglieder des Hauptvor- standes 2500 M. Anfangsgehalt, steigend um 100 M. jährlich bis 3400 M., für die übrigen Angestellten im Hauptbureau 2400 M. Anfangsgehalt, steigend um 100 M. jährlich bis 2800 M., für die Gauleiter 2200 M. Ansangsgehalt, steigend um 100 M. jährlich bis 3000 M. Die Angestellten der Zablstellen sollen den Gau- leitern im Gehalt gleickgcstellt werden. Sollten sich einzelne Zahl- stellen weigern, diese Gehaltssätze zu zahlen, so soll die Differenz aus der Hauptkasse beglichen werden. Der Vorstand soll der nach- sten Generalversammlung eine Vorlage machen, wonach die Ge- hälter der Zahlstellenangestellten auf die Hauptkasse übernommen werden unter entsprechenden Gegenleistungen der Zahlstellen.— An Diäten sollen gewährt werden bei Reisen auf Kosten der Haupt- kasse täglich 9 M., bei Reisen innerhalb deS Gaues täglich 8 M.— Die Entschädigung des Ilusschußvorsitzenoen soll von 200 auf 300 Mark jährlich erhöht werden.— Der Vorstand soll AnstellungSver- träge für die Verbandsangestellten ausarbeiten und sie der nächsten ordentlichen Generalversammlung vorlegen.— Ten Angestellten, die seit drei Jahren und länger keine Gehaltserhöhung bekommen haben, soll eine einmalige Zuwendung von 200 M. und denen, die seit zwei Jahren keine Gehaltserhöhung erhielten, eine einmalige Zuwendung von 100 M. zuteil werden. Diese Vorschläge sollen vom 1. Januar d. I. ab gelten. Die Kommissionsvorschläge wurden ohne Debatte mit großer Mehrheit angenommen. Hierauf beschäftigte sich der Verbandstag mit der Beratung der noch nicht erledigten Anträge, die sich meist auf geschäftliche Formalitäten der Organisation beziehen.— Angenommen wurde ein Antrag, welcher den Zentralvorstand beauftragt, eine Vorlage auszuarbeiten für die Versicherung derjenigen Mitglieder, die im Dienste der Organisation einen Unfall erleiden. Ein anderer Antrag, der gleichfalls Annahme fand, wendet sich gegen rolle Gebräuche und wüste Ausschreitungen von auS der Zunftzeil stammenden Vereinigungen fremder Zimmerergesellen und bedroht Mitglieder, welche sick an derartigen Verbindungen oder Ausschreitungen beteiligen sollten, mit dem Ausschluß au» dem Verbände. Es wurde beschlossen, daß der Sitz des Bvrstandes in Hamburg bleibt. Der bisherige Zentralvorstand lourde cn bloc ein- stimmig wiedergewählt. Er besteht aus dem ersten Vorsitzenden Schräder, zweiten Vorsitzenden Ecke, ersten Kassierer Römer, zweiten Kassierer Friedrichs, Schrift- führcr Wolgast und Schumann, Redakteur B r i n g m a n n, Beisitzer S p e r l'i n g und Sckiönfeldcr.— Der Sitz des AuS- schuffes bleibt in Berlin, als sein Vorsitzender wurde K u b e ein» stimmig wiedergewählt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Die Generalvcrsämm- lung wurde aber nicht geschlossen, sondern vertagt, um nach einigen Wochen wieder zusammenzutreten zur Entscheidung über die Lohnbewegung. From-Peterfen- Kopenhagen und W e s s c I h- Wien hielten Ansprachen, in denen sie die Solidarität der von ihnen ver- tretenen Organisationen mit den Zimmerern Deutschlands be- tonten. Ter Vorsitzende Schräder warf einen Rückblick auf die Er- gebnisse des Verbandstages. Im Hinblick auf die Lohnbewegung gelte eS, die Rüstkammern des Verbandes noch einmal durchzusehen und. wo es notwendig sein sollte, zu ergänzen und zu stärken. In der Erwartung, daß die Generalversammlung wieder ein gutes Stück zum weiteren Vorwärtsschreiten der Organisation bei- getragen habe, schloß der Redner mit einem dreifachen Hoch auf den Verband. WafferftaudS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau + bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel.—•) EiSstand. *) eisfrei.— Eisgang. DaS Hochwasser im Aller« und Leinegebiet nimmt langsam ab. XOXlDQDC roaocDDoamcDaaoaxxxxnacaaDDüroDcxri Die noch vorhandenen fovenliir ftcslbcsläiide bieten eine ganz besonders Günstige Gelegenheit zu enorm billigen Einkäufen .............................................................................................................................................................................................................................. Für enutausstottunga Hemöentuch 30 e-» treH.... stock ron 20 Meter Fertige Bettbezüge Deekbeitu.aKi»»., tertijgentht Louisianatuch Mr'eine Wieclie.. 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Q-uartal Tagesordnung: 4, Mitteilungen, 2, Geschäfts-, Staffen-, SlrbeitSnachlveiS. und Bibliotheksbcricht pro 1312, 3, Neuwahl der BezirlSocrwaltung und der RevifionSkommission sowie Ersatzwahl für ein Mitglied zum Hauptvorstand, 4, Wahl einer Beschwerdekoinmission für den Arbeitsnachweis. 5. Erledigung eingegangener Anträge und GctchästlicheS, d?B, Legitimationskarte sowie Mitgliedsbuch sind mitzubringen und zwecks Kontrolle resp. Abstempelung am Eingang zum Versammlungslokal vorzulegen, Ohne Karte und Mitgliedsbuch kein Zutritt. Wer über acht Wochen mit feinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls leinen Zutritt. G!/!9 Die Bczlrksverwaltang. 3.21.: Aug, Werner. Bczirhövcrwaltutig Groß-ßerlin. Mitglieder des AtilWen Triiilspirttlrbeittr-Ncrbaiidts»Iis siiilitlilheii Krailereitit»a Ztiederlagen Kerlws»«» Umgegeild. Heute Sonntag, den 9. Februar, mittags 1 Uhr, im Deutschen Hof, Luckauer Str. 13» grohcr Saal(Nähe des Moritzplatzes): dech Pnteßmskmmimg. Tagesordnung: Die in Aussicht genommene Kommunal-Kierdestenernng fnr Kerlin und welche Nachteile erwachsen der in den Krauereieu tätigen Arbeiterschaft als auch der konsumierenden Arbeiterschaft im allgemeinen dadurch? Referent: Stadtverordneter Genosse Rechtsanwalt fiClirt RoSenfeSd. Diskussion und Befchliihfassung. Kollegen! Schon wieder werden wir durch eine drohende Besteuerung des Bieres in unserer Existenz bcumuhigt, nachdem die Wunde», welche die Durchsübrung der letzten Biersteucreinsührung im Jahre 1303 ge. schlagen hat, noch nicht einmal vernarbt find. Es gilt deshalb Protest zu erheben gegen diese geplante Biersteucr für Berlin und ist es Ehrensache jedes Brauereiarbciters, in dieser Versammlung punktlich zu erscheinen, Braurreiarbeiter, Kutscher und Mitfahrer k Zeigt durch Massenbesuch dieser Versammlung, daß Ihr die Gefahr, welche für Euch heraufbeschworen wird, begriffen habt. VW" Keiner darf fehlen.-VB 61/18 Die Branchenleituns. Bäckerei-Geflosseüsclialt Berlin. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Kattpflicht. Glogauer Str. 28. Sonntag, den 23. Februar 1913, mittags l'/a Uhr, bei Krone, Liegniher Str. 18: Ordentl. General-Versanimlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes u, des lllussichtSrateS sowie der Nevistons- bericht über die vorgeschriebene gefetz- liche Revision. 2. Diskuffion und Befchlußfaffung über die Bilanz, 3. Neuwahl deS Vorstandes und des SlusfichlSrateS, 4. GefchästlichcS, Der Vorstand. 102/18 Richard Linder. Ludwig Ertl. Kranken- u. Sterbekasse der Fuheherrenz Kutscher und verwandte:'. BernfSgeiiossen „LlntraeUt", E. tz. 2sr. 80. �.nvei'ei'ckSatllolie lZenersl-Verssmmllmg am Montag, den 10. März 1913, abends 8sti Uhr, ur Schulz'„Prachtsälen", Königs- graben 2, Ecke Münzstrafie. Tagesordnung: 1, Vorlegung und Beschlutzsaffung über die neue Satzung, 2. Verschiedenes. 2342b Der Borstand. August Böser, Vorsitzender. ,tt M4. Eingetragene Genosienschast mit bcfchränkter Haftpflicht, Montag, den 24. Februar�nach» mittags bstz Uhr, in den Betriebs- räumen, Frankfurter 2lllce 130: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bilanz, 2. Neuwahl. 3. Anträge. 102/20 Der Borstand. J. Baep ejistr.kSprtS",,.. Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidiing. E'ea- Paletots. Einseg- nungs-Anrüge. Großes Stafflager zur Anfertigung nnch Maß. Allcrbilligste streng ' feste Preise. Dentseher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Montag, den 10, Februar 1913, abends SVo Uhr: Mitglieder- Nersammlnugeu für folgende Kezirke und Kranchen: Tagesordnung: Wahl der Delegierten zur General-Versammlung und Verbandsangelegenheiten. kiickenmöbelbrancbe �ilekter. Sitickssosten onck Wostva: im Hofjäger-Palast. Hascnheide S2/S3. «itNei»: bei Eicko, Schonlcinstr, 0, b»ii«i«stpi» 1:>m �olal»Südost«, Waldcmarstr. 75. «Uelvsten II:>m Neichenbcrger Hof. Neichenderger Straffe 147. «stvn I: bei Merkowsti, Andreasttr. 26. Osten II: bei Grunwald, Memelcr Str. 67, Osten III: in den„Prachtsalru des Ostens«. Frankfurter Allee 151. Oostlirlie Vororte: in der Ricbe«t- Brauerei(früher Löwen» Brauerei), Frankfurter Allee 53. A'oraoste»: bei Mcrkmau». Groffe Frankfurter«tr, 16. Aoreten: bei Obiglo, Schwcdter Straffe 23, Weonin» unIöbel- u. BtuklpoUerer sowie 1>Iagazinarbeiter. Osten: in den»Fürstenbcrger Fettfälen«, Frankfurter Allee 106, Silldosten: im Märkischen Hof. Admiralstr. 13c. Bortrag des Kollegen Ritsch ke über:»Soziales Empfinden und Handeln". Kordon: im Swinemündcr GesellschaftShanö, Swincmüuder Slr, 42. Bortrag des Kollegen K noll über:»Klaffeiijustiz und Gefängnis» wcfen". Modell- und fabriktilckler � Drcd>ricr-, Treppengeländer- und Luxusmöbcl- branche abend» 81/, Uhr, in Wittes FestfSleu, Sebastian- V, 39 l�asckinenarbeiter. Bezirke: Osten, Oestllche Vororte nnd Weißensee in den Prachtfalen des Ostens, Frankfurter Allee 151/152. Mittwoch, den 12. Februar: Bezirke: TempelhoC, Baricndort und Marlenfelde, abends 6 Uhr bei Löweuhagen, Mariendorf, Ehauffecstr. 27. Tagesordnung:„Die gegenwärtige Lage im Holzgcwerbe". Mitttvoch, den IÄ. Februar, abends 8'/« Nhr: Kombitnerte Bersammluug der Verwaltung mit der Kontrollkommission bei Boeker, Weberftr. 17. Donnerstag, den 1». Februar, abends 8 Uhr, bei Keller, Koppenslr. 23: Gemeinsame Versammlung sämtlicher Wcrkstatt-Vertrauensleutc und der Delegierte« zur Gencral-Versammlung. WiMU imL, Kopf sowie der ganze Körper wurden leichter. es stellte sich die frühere Körperwärme ein verbunden mit einer Arbeits- undLebensfreude, über die ich feit Jahren nicht mehr verfügte. Heitigelistadt,€». 1,., Oberinspektor. Reichels Wacholder-Extrakt Marke„Medico" ist niemals ausgewogen, fmibcm garantiert retu und frisch nur in Original-Packunge« ä M, I.ZV, S.5V und jür längeren Gebrauch gioffe Blechkaime isehr vorteilhasy M,(».— in den Drogerien und Apotheken erhältlich, wenn nicht, wende man sich an Otto �©icSieS, Berlin 43, Eisenbalmstr. 4. 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Obwohl kein Stand in Preußen-Deutschland sich solch weit- gehender staatlicher Fürsorge auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet erfteut wie der ländliche und städtische Grundbesitzer, klagen doch beide immer wieder über eine nicht mehr erträgliche Belastung und suchen stets von neuem Gesetzgebung und Verwaltung für sich in Bewegung zu setzen. Tatsächlich wirkt aber gerade der wirtschaftliche Schutz deS Staates dahin, die Schwierigkeiten in der Lage des Grundbesitzes zu erhöhen und dadurch das Verlangen nach weiterem«Schutz" wachzurufen, dessen.'Gewährung wieder als Belastung wirken mutz usf. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen mutz eine Erhöhung des Schutzzolls und der agrarischen Produkte eine Steigerung der Bodenpreise hervorrufen und für den nächsten Besitzer diesen Schutz wieder illusorisch machen. Den Schaden hoher Grmrdstückspreise wird derjenige um so unangenehmer empfinden, der bei dem Erwerb aus Kredit angewiesen ist. Die ökonomischen Verhältnisse regen aber geradeswegs zu einer Kreditaufnahme an. Die durch Verkauf der agrarischen Produkte oder durch die Miete er- Hielte Rentabilität ist im allgemeinen höher als der für den Kredit zu zahlende Zins. So ist es für den Landwirt rentabler, ein Gut im Werte von 200 000 M. zu kaufen und nur 100 000 M anzuzahlen, statt nur ein Gut im Werte von 100 000 M. zu er- werben und den vollen Kaufpreis bar zu erlegen. Diese zu- nehmende Verschuldung wird weiter durch dert Staat angeregt, der— um die Verschuldung zu mindern— Geld an Grundbesitzer zu besonders billigem Zins ausleiht. Auch für Grundstücke auf städtischem Boden wird seit einiger Zeit ein von den Kommunen bewilligter Kredit angestrebt. In mehreren Orten bereits sind städtische Anstalten für zweite Hypotheken errichtet worden. In den Städten wird die zunehmende Belastung nicht durch Schutzzölle, sondern durch die ohne Zutun der Hausbesitzer erfolgte Wert- steigerung des Bodens verursacht. So lange Privatbesitz an Grund und Boden besteht, Zins- und Profitrate von einander abweichen, wird daher auch die Verschuldung des Grundbesitzes zunehmen. Neben den staatlichen und kommunalen Matznahmen für Bereit- stellung von Bodenkredit blüht in wachsendem Matze das private Kreditwesen für das Jmmobiliengewerbe. Die Hergabe von Leih- geld an Grundbesitzer wird dabei von allen denen bevorzugt, die eine stetigere Rente und eine grötzere Sicherheit der Anlage verlangen. Für den Hypothekenbefitzer bildet das Grundstück selbst ein Pfand, das er bei völliger Zahlungsunfähigkeit im Notfalle selbst erwerben kann. Unr den Hypothekengläubigern eine noch grötzere Sicherheit zu geben und das Jmmobilienkreditgeschäst zu mobilisieren, bilden sich auch hier Zentralinstitute als Vermittler zwischen Gläubigern und Schuldnern. Die Hypothekenbanken geben auf Grundbesitz Leihgeld, das sie selbst als Bankinstitute von anderen privaten Geld- gcbern aus dem Kreditwege erhalten. Den eigenen Kreditgebern räumen sie aber nicht ein Anrecht aus den Gegenwert eines be- stimmten Grundstückes ein; vielmehr finden diese ihre Sicherheit nur in der Kreditwürdigkeit der Hypothekenbank selbst. Die Bank zahlt auch nicht bares Geld, sondern gibt auf Grund des von ihr beliehenen Besitzes Obligationen(Schuldverschreibungen oder Pfandbriese) aus, die als Wertpapiere gehandelt werden können. Die Höhe des.Pfandbriefumlauses und der bewilligten Hypotheken werden sich daher bei diesen Instituten ungefähr entsprechen., Die BeleihungStätigkeit der Hypothekenbanken ist nun in erster Linie abhängig vom Kapitalmarkt. Alle Schwankungen des Geldmarktes drücken sich in der Zu- oder Abnahme des Hypothcken- bestandes und des Pfandbriefumlaufes aus. Je mehr das Leihkapital zu industriellen Zwecken absorbiert wird, um so mehr sinkt der Absatz von Pfandbriefen und damit die Möglich- keit, Hypotheken zu bewilligen. Hochkonjunkturjahre be- deuten daher immer einen Rückgckbg der BeleihungStätig- keit. In Zeiten der Krise wächst dagegen das Bedürfnis noch sicherer, wenn auch weniger hoher Verzinsung; den Hypothekenbanken Iverden grötzere Summen zur Verfügung gestellt und sie können ihre Hypothekenausgabe vermehren. So zeigte das Jahr 1905 eine Zu- nähme des Pfandbriefumlaufs um 516 Millionen Mark. In den Konjunkturjahren 1906 bezw. 1907 fiel die Neuausgabe auf 366 be- ziehungsweise 237 Millionen. Im Krisenjahr 1903 schwoll sie da- gegen aus 537 Millionen an. Von 1909/1910 an sinkt in- dessen die Neuausgabe von Obligationen wieder; die Hochkonjunktur macht sich geltend. Im Jahre 1912 erfolgte sogar der bedeutende Sturz auf 200 Millionen(gegen 522 Millionen Einnahme im Jahre 1911). Der Hypotheken- bestand zeigte ungefähr den gleichen rapiden Absturz; er nahm im Jahre 1912 nur um 272 Millionen zu(gegen 573 im Jahre 1911). Neben dem grötzere» Bedürfnis der Industrie nach Leihkapital machten sich im vergangenen Jahre auch die polittschen Verwicklungen für daö Hypothekengeschäft hemmend bemerkbar. Der Balkankrieg führte zu der bekannten Lähmung des Geldmarktes, zu auherordent- lich hohem Zinsfutz und einem Kurssturz gerade der festverzinslichen Werwapiere(Staatspapiere. Pfandbriefe). Mutzten schon Staat und Kommunen bei so teuren Geldverhältnissen auf die Auf- nähme von Anleihen verzichten, so traf das für die privaten Hypothekenbanken noch mehr zu. Während der Obligationen- umlauf im ersten Halbjahr noch um 195 Millionen(gegen 372 in der gleichen Zeit des Jahres 1911) zunahm, stieg er in der zweiten Hälfte 1912 nur um 5 Millionen(1911: 150 Millionen.) Dieser geringe Zuwachs ist indessen allein durch ein Institut(die Berliner Hypotheken- bank) verursacht worden, das bei der Neuansgabe seinen Pfandbrief- LlnSiutz über da» gewohnte Matz(von 4 auf 4l/z Proz.) heraufsetzte. Neben dem Rückgang des Pfandbriefumsatzes wirkte im ver- gangenen Jahre auch die Lage des Terrain- und Baumarktes nicht gerade anregend zur Hergabe von Hypotheken. Während sonst die Kriegsfurcht zur Kapitalsanlage in Immobilien treibt, hielt diesmal die Depression im Baugeschäst davon ab. In vielen Grotzstädten lag die Bautätigkeit danieder, worin sich erst jetzt wieder eine Aendernng durchzusetzen scheint. Nach der von uns benutzten Statistik der„Franks. Zeitung" nahm bei 13 von 37 Hypothekenbanken der Hypothekenbestand sogar um 22 Millionen ab. Ein Rückgang des Gewinnes und der Dividenden ist trotzdem bei kaum einer der Hypothekenbanken eingetreten. Die Einnahmen setzen sich bei diesen Anstalten wesentlich aus den Einzahlungen zu- sammen, die natürlich keine Einschränkung erfuhren. Soweit Hypo- theken verlängert oder neu bewilligt wurden, konnten die Banken bei der allgemeinen Geldmarktanspannung noch eine Erhöhung der Bergüngungen durchsetzen. Unter den Bestrebungen, die von den Hausbesitzern selbst zum Schutze gegen Verluste eingeschlagen worden sind, ist in der letzten Keil viel die Miewerlustversicherung genannt worden. Den Anlatz dazu bildete die schwierige Situation beim Allgemeinen Deutschen MietversicherungSverein in Berlin. In d»f»r Woche(am 12. Februar) soll über das weitere Schicksal des Vereins in einer autzerordentlichen Generalver- sammlung der Mitglieder des Vereins entschieden und über eine eventuelle Liquidation(Auflösung) der Gesellschaft Beschlutz gefatzt werden. Die Auflösung des Vereins wäre keineswegs ein Beweis für die Undurchführbarkeit der Mitverlustversicherung. In Schweden besteht sogar ein ziemlich ausgedehnter Zweig dieser Versicherung. Die finanziellen- Schwierigkeiten des deutschen Vereins find viel- mehr erweislich durch besondere Organisationsmängel hervor- gerufen worden, die zum Teil so schwerwiegender Art waren, datz das Kaiserliche Aufsichtsamt für Privatver- sicherung zum Eingreifen Anlatz fand. Auf den Druck dieses Amts hin ist auch der Rücktritt des alten Direktoriums und die Amtsniederlegung des Borsitzenden deS Aufsichtsrats zurückzuführen. Die Geldgeber hatten sich zum grötzere» Teil die Sub- direktionen an den grötzeren Orten vorbehalten und durch weitere günstige Verträge feste Zuschüsse für die Unterhaltung der eigenen Filialen zusichern lassen. So trat der mehr als merkwürdige Zu- stand ein,- datz zum Beispiel die, Hauptdirektion die Bureaukosten der Subdirektionen trug. Durch Zubilligung hoher Provisionen, die übrigens nicht nur die Prämienzahlungen, sondern sogar die Tantienren des einen Direktors kürzten, wurden die Ein- nahmen des Vereins weiter stark reduziert. Schlietzlich müssen die Subdirektoren durch für die Versicherten billige Vertragsabschlüsse den Verein schwer belastet haben. Die finanzielle Reorganisation soll zunächst durch die in den Satzungen vorgesehenen Prämiennach- schutzzahlungen und durch Heranziehung des Garantiesonds herbei- geführt werden. Die Mietsverlustversicherung selbst bietet keine ver- sicherungstechnischen Schwierigleiten. Die Zahl der leerstehenden Wohnungen in einer Stadt ist statistisch erfatzbar, die Risikowahr- scheinlichkeit für die Gesellschaft und den Versicherten der Berechnung zugänglich. Gelingt es der Gesellschaft, durch Heranziehung der Haus-undGrundbesitzerorganisationen— mit denen der bestehende Ver- ein in hartem Kampfe lag— einen grötzeren Umfang des Geschäfts- kreises herbeizuführen, und sichert sie sich durch Uehernahme des Vermietungsgeschäfts der leerstebenden versicherten Wohnungen noch die Kontrolle über die Versicherten, so kann diese Versicherung die Position der Hausbesitzer wesentlich stärken. Der Ersatz des Miets- Verlustes Uetze den Hauswirt das Leerstehen einer Wohnung weniger empfinden, wodurch die Mieter dann den Hausagrariern vollends ausgeliefert wären._ Hua der Partei. Parteiliteratur. Im Verlag von I. H. W. Dich Aachs, in Stuttgart ist soeben erschienen als Nr. 26 der Kleinen Bibliothek: 1813 bis 1819. Von Kalisch nach Karlsbad. Bon Franz Mehring. Aus dem Inhalt heben wir hervor: I. Der Aufruf von Kalisch. 2. Land- wehr und Landsturm. 3. Der Frühjahrsfcldzug. 4. Der Waffen- stillstand. 5. Der Hcrbstfcldzug. 6. Ter Winterfeldzug 7. Der Friede. von Paris. 8. Der Wiener Kongretz. 9. Die hundert Tage.' 10. Der Deutsche Bund. 11. Die Karlsba�dcr Beschlüsse. 12. Ergebnisse.— Preis broschiert 75 Pf., gebunden 1 M. Vercins- prcis 50 Pf. Witt kritischer Sichtung der überreichen Literatur, namentlich auch des archivalischcn Materials, das in den letzten Jahrzehnten von bürgerlichen Forschern ans �Tageslicht' Lefö�ert... worden is� schildert der Verfasser die p rc u tz i fch- de u t fchc Geschichte von-1807 bis 181.2(Band 25.—' 1 8 0 7— 1 8 1 2. Bon Tilsit nn'ch Tn'u r o'g g.en.) und' in einem hiewänschlietzenden Bande die Periode von 1813 bis 1819. Sein Zweck war nicht nur, gegenüber der Jubiläumsliteratur, die gegenwärtig mit mehr oder minder gefärbten Darstellungen den Büchermarkt überschwemmt, ein getreues Bild der Ereignisse zu geben, sondern ebenso das historische Wesen des preutzischen Staates den deutschen Arbeitern verständlich zu machen, deren Emanzipa- tionskampf in diesem Staate den gefährlichsten und gehässigsten Gegner findet. Dazu eignet sich die Periode 1807 bis 1819 mehr als jeder andere Abschnitt der preutzischen Geschichte. poUsetliches» Gerichtliches ulw. Preßprozessc im Monat Januar 1913. Im letztverslossenen Monat sinld achtzehn gegen unsere Redakteure anhängig gemachte Prozesse mit einem abschlietzendon Ilrteil bekannt gowovden. Das Resultat ist folgendes: 2 00 5 M. Geldstrafe, 2 Wochen Gefängnisstrafe und 5 Tage Untersuchungshaft; in zwei Fällen kam es zur Einstellung des Verfahrens und in einem Fall wurde die Klage endgültig abgewiesen. Die höchste Geldstrafe war 790 M., die niedrigste 20 M. Im Monat.vorher(Dezember 1912) wurden in 17 Prozessen 17 Monate Gefängnis? und 1240 M. Geldstrafen verhängt._ Die sächsische Regierung gegen die Chemnitzer„Bolksstimme". Im Dezember vorigen Jahres begab sich die Beschwerde- und P e ti t io n sde pu tativ ii..lder Zweiten sächsischen Kammer nach Halles um ijn dortigen Schlachthofe einen Eindruck über die Methode des Schächtens zu gewinnen. Den von den Landboten begehrten Anschauungsunterricht hätten sie auch am Sitze des Landtags, in Dresden, genietzen können. Aber die sächsische! Regierung hatte dem Rat der Stadt Dresden unter Hinweis auf einen früheren Recherungserlatz wissen lassen, datz den Landesboten ohne Kenntnis, Zustimmung und Vermittelung der Regierung keinerlei Vorgänge in einem kommunalen Institut oder Betriebe vorgeführt und auch dahingehende Mitteilungen nicht gemacht �werden dürften. Die„Volksstimme" behandelte diese Sache satirisch in einem Artikel, der am 13. Dezember erschien. Aber die Regierung fühlte sich beleidigt und stellte Strafantrag. Am Freitag war der Ver- antwortliche der„Volksstimme", Genosse Seifarth, vor die zweite Strafkammer des Chemnitzer Landgerichts geladen. Ver- schiedene Stellen des Artikels waren Gegenstand der Anklage. A. a. war darin von der angestammten Weisheit der sächsischen Regierung und davon gesprochen worden, datz die Regiernngs- Maschine schleunigst zu funktionieren begann, was in Sachsen ein sonst ganz ungewohnter Vorgang sei usw. Der Oberstaatsanwalt beantragte strenge Bestrafung, während der Verteidiger die Satire als eine gewisse Form der Sprache bezeichnete, die man verstehen müsse und Zubilligung des§ 193 und Freisprechung beantragte. Das Gericht verurteilte den Genossen Seifarth wegen öffentlicher Beleidigung zu der harten Strafe von einem Monat Gefängnis und den üblichen Nebenstrafen.__ Jugendbewegung. Eine Kaiserliche Werft gegen die„Arbeiter-Jugend".. Der Oberwerftdirektor der Kaiserlichen Werft in Wilhelms- Häven hat an' das schwarze Brett folgenden UkaS anschlagen lassen: Kaiserliche Werft Wilhelmshaven� Tagesbefehl zum Aushang Nr. 21. Dienstag, den 4. Februar 1913. Aushängedauer bis zum 31. März 1913. Es ist festgestellt worden, datz Lehrlinge ohne Genehmigung des Ressortdirektors dem Arhefter-JugenÄund angehören und somit gegen§ 3 Ziffer 4 des Lehrvertrages verstötzen haben. Die betreffenden Lehrlinge sind mit einem Verweis bestraft worden, gleichzeitig haben sie ihren Austritt aus genanntem Berein nachzuweisen. Die Genehmigung zum Beitritt in den Arbeiter-Jugend- band wird aus etwaiges Ansuchen nicht erteilt werden. Da nach den Ermittelungen neuerdings die Mitgliedschaft zum Arbeiter-Jugendbund mit dem Abonnement auf die Zeitung „Arbeiter-Jugend" gleichbedeutend ist, wird auch diese Art Mit- gliedschaft verboten. Verstöße hiergegen werden in Zukunft in jedem einzelnen Falle mit Entlassung bestraft werden. gez. Eckermann. Was die Werftleitnng hier verlangt, ist wahrlich zu viel. Die Lehrlinge sollen den Nachweis ihres Austritts aus einem Verein erbringen, der gar nicht existiert I Der vermeintliche Arbeiter- Jugendbund besteht nur in der Phantasie der Werstleitung! Mit dem Verbot des Abonnements der„Arbeiter-Jugend" aber wird die Werftleitung nur das Gegenteil des gewollten Zweckes erreichen. Es ist eine alte pädagogische Wahrheit, datz man der Jugend nur etwas verbieten braucht, um zu erreichen, datz es mit wahrer Begeisterung getan wird. Weder das reaktionäre Reichsvereinsgesetz noch die noch reaktionärere Gewerbeordnung gibt der Wcrftverwaltung das Recht, ihre Lehrlinge vorn Abonnement einer Zeitung abzuhalten. Der Lehrvcrtrag konnte also einen solchen Versuch nicht rechtfertigen. Schlietzlich aber mutz jeder Kampf gegen die„Arbeiter-Jugend" aufhören, wenn die Arbei t cr� Eltern die A roeite r�-Jug e nd" fftboiz, nicren, um sie ihren Kindern zu geben. Industrie und Kandel. Die Manipulationen des Zuckertrusts. Äie Interessenten des Z u ck c r t r u st s in Schweden sind durch einen Rcgierungsantrag auf Herabsetzung des Zucker- z o l l s soeben in große Nöten geraten. Der Antrag der Regierung fordert die sofortige. Herabsetzung des Zuckerzolles von 14 auf 10 Ocre pro Kilogramm, wozu weitere Herabsetzungen für die näch- stcn Jahre in Aussicht genommen werden, so daß im Jahre 1918 der Zoll 7 Oere pro Kilogramm betragen würde. Zu diesem Ergebnis ist die Regierung durch die Arbeiten einer für diesen Zweck eingesetzten Kommission gelangt, die ein ausgezeichnetes Material über die Machinationen des Trusts zutage gefördert hat. Bei der Fusion der Zuckerfabriken zu der jetzigen Trustorganisation. die infolge des hohen Zolles ein absolutes Monopol erreicht hat, ist eine ungeheuerliche Ueberkapitalisierung des Trusts erfolgt. Das Aktienkapital des Trusts beträgt nicht weniger als 346 Proz. des eingezahlten Kapitals der früheren Zuckerfabrik- gesellschaften und 259 Proz. des für den jetzigen Betrieb benötigten Kapitals. Der Zweck der Hebung war eine Täuschung der Oefscnt- lichkeit, um die höchstmöglichen Wucherpreise für den Zucker heraus- pressen zu können, ohne eine prozentual auffällige Dividende aus- zuschütten. Im Jahre 1912 zum Beispiel haben die schwedischen Konsumenten Monat für Monat 73 Oere— 80 Pf. pro Kilogramm Zucker bezahlen müssen, während der Preis in Deutschland zwi- scheu 48— 56 Pf. pendelte. Der hohe Zollschutz ermöglichte diese Manipulationen, deren Ende jetzt bevorsteht. Die Rcgierungs- kounnission hat durch umfangreiche Erhebungen die Produktions- tosten in Dänemark und Deutschland festgestellt und ist zu dem Ergebnis gekommen, datz die Dänen 160 Kilogramm Raffinade um 11 Oere teurer produzieren und dennoch 23 Proz. Dividende ausschütten, während die deutsche Produktion um 3,80 Kr. Pilo 100 Kilogramm billigex produziert. Neben der Ueberkapitalisierung des'Trusts soll eine mangelhafte Betriebskonzcntration die schwe- dische Zuckerproduktion- beeinträchtigen. Die Monopolstelluiig des Trusts hat eben das Interesse an Bctriebsvcrbesserungen cinge- schläfert. Das sozialdemokratische Mitglied der Kommission, Palmstieruä, verlangt, daß der Zoll innerhalb einer längeren Ucbergangszeit bis auf 3 Oere pro Kilogramm herabgesetzt wird. Dieser Zoll würde ungefähr den natürlichen Mehrkosten der schwedischen Zuckerpro- duzenten entsprechen. Darüber hinaus will unser Parteigenosse einen Zollschntz nicht zulassen; er erklärt gegenüber der Kam- missionsmchrheit, die diese Mehrkosten auf 4 Oere pro Kilogramm gegenüber Deutschland veranschlagen, datz 1 Proz. auf Fracht und Spesen dranfgehen, so datz ein Zuckcrzoll von 3 Oere nach cnt- sprechender Uebergangszeil vollauf genügt, den einheimischen'Pro- duzenten den beabsichtigten Schutz zu gewähren. Im übrigen müsse dann die freie Konkurrenz über den Markt entscheiden.— Die Zuckerintercssenten und ihre Handlanger in der Presse schreien Zeter und Mordio über die vorliegenden Anträge und versuchen, die Untersuchungscrgebniffe der Kommission zu verdächtigen. Ins- besondere fürchten sie eine spätere Konkurrenz Deutschlands auf dem schwedischen Zuckermarkt, und sie suchen daher, die Löhne in der deutschen Zuckcrindustrie niedriger erscheinen zu lassen als sie sind. Da die Zahlen der Kommission fast ausnahmslos amtliche Zahlen sind, wird ihnen dieses Manöver wohl kaum gelingen. Die Konjunktur im Bergbau. Der Aufsichtsrat der Berg- wcrks-Akticngesellschaft„C o ns o l i d a t i o n" in Gelsenkirchcn schlägt die Verteilung einer Dividende von 23 Proz. gegen 19 Proz. im Vorjahr vor,__ Soziales* Der gemeinsame Abort als Erziehungsmittel. Der am 5. August 1904 von der preußischen Regierung veröffentlichte Wohnungsgesetzentwurf enthielt trotz seiner völlig unzulänglichen Vorschriften zur Steuerung des Woh- nungselends immerhin weitergehende Vorschriften als der am 25. Januar 1913 veröffentlichte Entwurf. So sah er die Möglichkeit von Steuerleichterungen für den Bau von Klein- Wohnungshäusern vor und enthielt Mindestvorschriften, die an Mietswohnungen im Interesse der Gesundheit und Sitt- lichkeit vom Gesetzgeber gestellt wurden. Beides fehlt dem jetzigen Entwurf. Diesen Mangel können die Hausagrarier, die gegen jene recht zahmen Mindestvorschriften Sturm liefen, sich als Erfolg anrechnen. Als Mindest-Luftraum waren im Entwurf von 1994 19 Kubikmeter bei-4 Quadrat- meter Bodenfläche für Wohn- und Schlafräume von Per- sonen über 19 Jahren vorgesehen. Eine völlig llnzureichend'e Vorschrift! Geht doch die hygienische Forderung selbst für Gefängnisse auf mindestens 39 bis 35 Kubikmeter Luftraum. Aber der Versuch, überhaupt einen Mindestluftraum zu schaffen, genügte zu einer leider erfolgreichen Empörung der Hausrentner. Ihren besonderen Zorn hatte in dem Entwurf von 1994 das Verlangen erregt, daß für jede Wohnung für eine ge- meinschaftliche Haushaltung von zwei oder mehreren Per- sonen ein„eigener Abort" vorgeschrieben war. Ein höherer Richter führte über diese im gesundheitlichen Interesse dringende Forderung bittere Beschwerde. In einein seiner ererbten Häuser in Berlin XO. befänden sich nur gemeinsame Klosetts. Das Haus werde unvermietbar werden. Durch das Wohnungsgesetz würde er„förmlich expropriiert". Der Vorsitzende des preußischen Landesverbandes der städtischen Haus- und Grundbesitzervcrcins, Justizrat Dr. Baumert, nahm diesen Ausbruch des Ingrimms der kochenden Richterseele in seiner Kritik des Wohnungsgesetzentwurfs auf und kritisierte in gleicher Weise die Abortsvorschrift. Er nannte sie eine,'einem Vermögensraub gleichende Vor- schrift". Gründe der Reinlichkeit oder der Ansteckungsgefahr könnten für diese Vorschrift nicht maßgebend sein, auch nicht die Befürchtung, daß durch Benutzung eines gemeinsamen Aborts Unfrieden entstehe. Das gemeinsame Klosett wirke geradezu als ein Erziehungsmittel zur Friedfertigkeit. Er schrieb: „Sollte nicht gerade eine gemeinsame Benutzung erzieherisch auf die Friedfertigkeit Wirten? Denn wenn eine Familie drei- mal wegen Unfriedens gezogen ist, sollte sie dann nicht viel fried- fertiger werden?" Der jetzige Wohnungsgesetzentwurf hat vor diesen Gründen kapituliert. Die Motive erkennen freilich an, daß das Interesse der Bekämpfung typhöser Krankheiten der ge- meinschaftlichcn Benutzung von Aborten entgegenstehen. Bescheiden begnügt er sich aber mit dem Vorschlag, daß eine durch Polizeiverordnung zu erlassende Wohnungsordnung die Zahl und Beschaffenheit der erforderlichen Aborte vor- schreiben kann. Mindestvorschriften über die Beschaffenheit und Be- Nutzung der' Wohnungen sind erforderlich. Das hat ja ain 22. Mai vergangenen Jahres der Reichstag einstimmig an- erkannt. Freilich haben ja die Konservativen, wie jüngst Graf v. Westarp im Reichstage erklärte, damals nicht die zur Erkenntnis ihrer Abstimmung erforderliche Einsicht ge- habt. Möglich, daß sie auch jetzt wieder auf dem Standpunkt stehen, ein gemeinsames Klosett, zum mindesten ein polizeilich geduldetes, erziehe zur Friedfertigkeit, ja die Staats- und Gesellschaftsordnung werde untergraben, wenn den dringend- sten sanitären Forderungen durch gesetzliche Mußvorschriften Nachdruck verliehen wird. Gras von Westarp meinte, er und seine Freunde seien lernbegierig. Vielleicht verwenden sie mal die Zeit, die sie stiller Zurückgezogenheit widmen, zum Nachdenken über die Frage, ob der sich nicht gegen seinen Nächsten arg versündigt, der selbst gesetzliche Mindestforde- rungen für Wohnungen so wie sie hintertreibt. Der preußische Handclsminister und die Krankenkassenangestellten. Der Verband der Bureauangestcllten hatte, da die Behörden vielfach in rigoroser Weise die Schließung selbst größerer Orts- krankcnkassen betreiben, wegen des Schicksals der dadurch existenz- los werdenden Kassenangestellten beim preußischen Handelsminister Vorstellungen erhoben. Das Resullat ist folgender vom 18. Januar 1913 datierter und jetzt veröffentlicher Erlaß des Ministers an die Regierungspräsidenten: „Nach§ 399 RVO. in Verbindung mit Artikel 32 Einführungs- gesetz zur RVO. endigt das Vertragsverhältnis zwischen den Krankenkassen und den Angestellten spätestens 12 Monate nach Mitteilung des Beschlusses des Obcrversicherungsamtes über die Auflösung oder Schließung einer Krankenlasse, frühestens im Augenblick der Schließung oder Auflösung. Da infolge der Er- richtung allgemeiner Ortskrankenkassen und Landkrankenkassen zahlreiche Krankenlassen sich auflösen werden oder geschlossen werden müssen, so ist in den Kreisen der Kassenangestellten die Befürchtung laut geworden, daß bei dieser Gelegenheit zahlreiche Angestellte brotlos werden könnten, weil im Gegensatz zu Z 290 RVO. die neue Kasse eine Verpflichtung zur Uebernahme der Beamten nicht habe. Im Hinblick auf die Vorschrift des Artikels 32 a. a. O., wonach die Versicherungsträger geeignete Angestellte, die infolge der Neu- ordnung bei einer Krankenkasse entbehrlich werden, bei Annahme von Hilfskräften möglichst berücksichtigen sollen, ist diese Befürch- ching zwar nicht begründet, immerhin wollen Sie die VersicherungS- ömter auf diese Vorschrift aufmerksam machen und anweisen, in geeigneter Form auf die demnächst zu wählenden Vorstände der neuen Krankcnkassen einzuwirken, daß sie Beamte, die für die Verwendung bei der neuen Kassenverwaltung in jeder Beziehung geeignet erscheinen, weiter verwenden. Insbesondere würde es nicht der Billigkeit entsprechen, wenn bei dieser Gelegenheit alte verdiente Beamte ausgeschlossen würden in dem Bestreben, durch Einstellung junger Arbeitskräfte die VerwaltungSlosten zu ermäßigen."_ Hiid der frauenbewegung. Sie versagen völlig. In der„Wiener Arbeiter-Zeitung", dem Organ der öfter- reichischen Genossen, berichtet ein Arzt über den Wert der Aus- bildung von„Damen" für den freiwilligen Samariterdienst. Nach einer Skizzierung der Tätigkeit dieser Damen, die oft die Kranken- pflege nur als angenehmen Zeitvertreib, als eine Art Sport be- trachten, heißt es in dem Bericht: Und so bildet denn die Gesellschaft vom Roten Kreuz alle diese hilfsbereiten Damen, deren Namen sogar in manchen TageS- zestungen veröffentlicht werden, aus für den„Ernstfall", den Krieg, den jede von ihnen mit angenehmem Gruseln fast herbeisebnt, denn dann werden sie zu all der hübschen Spielerei auch noch Ruhm und Ehren ernten. Man wird sie rufen, wird sie brauchen, sie werden zeigen, was sie gelernt haben, und das Vaterland wird ihnen gerührt danken. Aber der„Ernstfall" war da; Scharen von Samariterinnen haben sich zur Zeit des blutigen, menschenmordenden Balkankricges in den Feldspitälern eingefunden und hätten die Feuerprobe bestehen sollen. Sie haben sie nicht bestanden. Darüber sind sich alle unsere Chirurgen einig, die jetzt über ihre Erfahrungen auf dem Kriegs. schanplatz berichten. Prof. A. Fraenkel und auch Prof. Clairmont, Primarius Dr. v. Frisch und alle anderen, die hier in Friedenszeiten „Samariterinnen" heranbilden, können vom bulgarischen Kriegs- schauplatz nur traurige Dinge über die Leistungen der edlen Helfe- rinnen melden. Nicht nur an Geschicklichkeit und AuS- bildung fehlte es, nein— was viel schlimmer ist—.auch an Dienstbereitschaft. Disziplin und Gehorsam. Zu groben Verrichtungen wollte sich keine der Damen bequemen, die mußten die mit Arbeit überbürdeten Aerzte selber besorgen; den Anordnungen der Chirurgen wollte auch keine folgen. Wer durfte eS wagen, ihr in barschem Tone etwas zu befehlen? So übel ging es bei der Krankenpflege zu. daß. als beim Abschied einer der österreichischen Chirurgen der Königin von Bulgarien einiges über diese Uebelstände anzudeuten wagte, sie, die Organi- satorin der Pflege der Verwundeten, erwiderte:„Ich weiß eS, die Damen gehören nicht in die Spitälerl' Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß dieses völlige Ver- sagen der bulgarischen Samariterinnen nicht deren nationalen Eigentümlichkeiten zuzuschreiben ist, sondern einzig und allein dem Umstand, daß sich„Damen" eben nicht plötzlich in ernsthafte, brauch- bare Menschen verwandeln können. Und wenn Proseffor Clairmont das jämmerliche Benehmen der bulgarischen Samariterinnen wuchtig als das Debacle— die beschämende Niederlage— der Frau bezeichnet, so wäre vielleicht der Ausdruck Frau beffer durch„Dame" zu ersetzen. Die„Dame" gehört in den Salon, auf den Rennplatz, ins Theater, überallhin, wo dem Ernst des Lebens geflissentlich aus dem Wege gegangen wird. Dorthin aber, wo ernste Arbeit und Einsatz der ganzen Persönlichkeit gefordert werden, gehören ernsthafte Berufsmenschen, einerlei, welchem Geschlecht sie angehören. Darum fort aus unseren Spitälern mit den tändelnden, sen- sationslüsternen Gräfinnen, Baroninnen und gelangweilten Welt« damen, fort mit den Kursen des Roten Kreuzes und all dem Geplänkel und der Wichtigtuerei, für die der Ort, auf dem sie sich abspielen, denn doch zu ernst ist! Aufgabe des Staates ist es viel- mehr, sich die Heranbildung einer möglichst großen Zahl tüchtiger Berufspflegerinnen angelegen sein zu lassen, die bei drohender Kriegsgefahr eine Ergänzung ihrer Kenntnisie für. den Felddienst in kurzen sachlichen Kursen sich leicht und rasch erwerben könnten. Andere als diplomierte, im Beruf stehende Pflegerinnen sollten zur Pflege der im Kriege Verwundeten überhaupt nicht zugelassen werden; denn eS handelt sich hier um Leben und Gesundheit von Menschen, um schaurige und folgenschwere Situationen, deren Ernst nur der erfassen lann, der den Ernst des Lebens schon kennen ge- lernt hat._ Versammlungen— Veranstaltungen. Neber„Probleme der Prostitution" spricht im Bund für Mutter- schütz am Mittwoch, den 19. Februar, 8 Uhr, Dr. med. Iwan Bloch im Architektenhause, Wilhelmstr. 92. Karten a 3, 2 u. 1 M. bei A. Wertheim und an der Abendlaffe. Hus aller Gleit. Das große JVHßverrtändms. Eine in ihren Folgen ganz unabsehbare Gefahr ist durch die StaatSmännigkeit des Chefredakteurs der„Deutschen Tageszeitung" glücklich verhütet worden. Es hätte nämlich nicht viel gefehlt, daß die umfangreiche Person des Herrn Dr. O e r t e l in einem Duell den Kugeln des Herrn v. B e t h m a n n H o l l w e g und des Herrn Dr. Delbrück als Zielobjekt gedient hätte. Und es muß gesagt werden, daß daS ein Ehrenhandel mit u n- gleichen Waffen gewesen wäre. Man braucht nur einmal im Geiste unseren Reichskanzler und Dr. O e r t e l nebeneinander zu stellen, dann wird man erkennen, daß Dr. Oertel bei einem Pistolenduell mit Bethmann immer der Leidtragende sein wird. ES wäre ja vielleicht möglich gewesen, ausgleichend einzugreifen, indem man mit Kreide den Körperumfang des Reichskanzlers auf dem Leibe des Herrn Dr. Oertel markiert hätte, aber das wäre nur ein höchst unsicherer Notbehelf geblieben. Daher ist es recht er- freulich. daß dank der politischen Einsicht des Herrn Dr. Oertel der Konflikt glücklich beigelegt worden ist. Nach dem Ehrenkodex der bürgerlichen Klassen hatte Herr Dr. Oertel seinen beiden ministeriellen Gegnern eine nur mit Blut abzuwaschende Schmach angetan. In das Fell des Löwen gehüllt, rief er ihnen in der NeichStagSsitzung vom 16. Januar zu: „Aber ich kann das eine nicht verhehlen: meine politischen Freunde und ich haben diese Ausführungen deshalb besonders be- dauert, weil sie uns leider den unverwischbaren Ein- druck machen, daß der Herr Staatssekretär und der Herr Reichskanzler, den er mit angeführt hat. in dem unvermeid- lichen Kampfe gegen die Sozialdemokratte nicht das Mark, den Mut und die Entschlossenheit zeigen werden, die dringend notwendig ist." Das verschnupfte natürlich die beteiligten Minister nicht wenig; in der Sitzung am Sonnabend erhielten sie aber glänzende Genug- tuung. Inzwischen hat der vermeintliche Löwe das Fell, mit dem er die Herren schreckte, abgelegt und de- und wehmütig er- klärte er: ich bin ja gar kein Löwe, sondern nur der mit der Kognakmarke geeichte Dr. Ernst Georg Julius Oertel. bei dem man's nicht so genau nehmen muß. Die schallende Heiterkeit, die seiner Erklärung folgte, belehrte ihn denn auch, daß man ihn wirklich nicht so ernst nimmt. ES war also wieder einmal daS große Mißverständnis, dem diesmal Dr. Oertel zum Opfer fiel. Alles ist wieder gut; beim nächsten Reichskanzleressen wird auch Dr. Oertel mit unbeschädigtem Körperumfange zugegen sein._ Hei lewet noch! In seiner Rede zum RcichSjustizamt am Sonnabend wies Genosse Cohn auch auf die unerhörte Verschleppung des Eulenburgprozesse'S hin. Herr Phili steht unter dem dringenden Verdacht des Meineides und damit vor der wenig an- genehmen Aussicht, auf seine alten Tage noch ins Zuchthaus wandern zu müssen. Aber der Glückliche findet eine milde Justiz. Als ob sich bei ihm und für ihn alle die christliche Milde konzentrierte, auf die die preußische Justiz bei Urteilen gegen streikende Arbeiter und beim Strafvollzug gegen stillende Mütter mit altrömischer Strenge verzichtet. Genosse Cohn fragte unter allgemeiner Aufmerksamkeit des Hauses, ob Herr Eulenburg, der angeblich gesundheitlich so schwach ist. daß er den Gefahren eines Strafprozesses nicht ausgesetzt werden darf, vielleicht zum Kapitel des Schwarzen Adlerordens in 'Berlin geweilt habe. Genosse Cohn behauptete ferner, daß Eulen- bürg gesund genug sei. um die Funktionen eines AmtsvorsteherS von Liebenberg und damit auch die der Sittenpolizei auszuüben. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts ließ schnellstens Er- kundigungen darüber einziehen, ob Eulenburg als Amtsvorsteher tätig ist. Wie ihm berichtet wurde, ist dies nicht der Fall, lieber die Beteiligung EulenburgS am Kapitel des Schwarzen AdlerordenS sagte Herr LiSco dagegen nichts. Wie steht'S damit? Die Oeffent- lichkeit hat ein lebhaftes Interesse daran, zu erfahren, wieweit der Angeklagte Eulenburg wieder hergestellt ist, um der unparteiischen Justiz endlich Gelegenheit zu geben, ohne Ansehen der Person ein unparteiisches Urteil zu fällen.— Verheerungen durch einen Orkan in Großbritannien. Ein furchtbarer Orkan wütete in der Nacht zum Sonnabend in Nordengland. Irland und Wales. In Renton bei Dumbarton trat der Leven über seine Ufer und setzte eine Anzahl von Fabriken unter Wasser. Mehrere hundert Arbeiter find infolgedessen ge- zwungen zu feiern. Die großen Werke von Armstrong und Whitworth bei Rewcastle sind beschädigt worden. Auch in North und South ShieldS wurde großer Schaden angerichtet; auf dem Tyne haben Schiffszusammenstöße stattgefunden. Der telegraphische Berkehr ist in einem großen Teile des Landes gestört. Fliegerleben. Dieser Tage ist der bekannte Flieger WienczierS wegen Meineids und betrügerischen Bankrotts zu 2'� Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Prozeß entrollte ein seit- sames Bild aus dem Fliegerleben. Wicnczicrs, in seinem früheren Berufe Rennfahrer, war einer der ersten deutschen Flieger, die im Jnlande von sich reden machten und auch im Ausüinde erfolgreich Fliegerwetlbewerbe bestritten. Als Antoinette-Flioger umkreiste er zuerst das Straßburger Münster, und in Berlin stellte er 1910 auf einem Bleriotapparat den lange Zeit unbestrittenen deutschen Höhenrekord von 1560 Metern auf. Auch auf dem großen deutschen Rundflug legte WienczierS mehrere Etappen zurück. Er war ein Flieger von Klasse, einer der schneidigsten Pioniere des deutschen Flugsports. Daneben machte er freilich auch durch sein Gigerltum von sich reden. Daß sein Name dann von der Liste der sich hervorragend betätigenden Flieger verschwand, erregte bei den Beobachtern der neuen Flugkunst Erstaunen. Die Prozeßverhandlungen ergaben jedoch die Erklärung. Wiencziers war mit seinen Arbeitgebern, den Flugfirmen, in dauernde Differenzen geralen. Nach seiner Darstellung, die wohl nicht ganz unbegründet ist, deshalb, weil die Flugzeugfirmen ihn als eine Art Versuchskarnickel betrach- teten, und ihn durch einen Kontrakt, den er unbedacht unter- schrieben, zwingen wollten, ausschließlich Apparate zu fliegen, bei denen er in noch höherem Grade sein Leben riskierte, als das ohnehin beim Flugsport üblich. So wurde er kontraktbrüchig und ging in den Dienst anderer Firmen über. Sein letzter Chef, der Geldgeber einer Leipziger Flugzeug- fabrik, ein mammongewaltiger Kommcrzienrat, hatte nun ein junges lebenslustiges Töchterchen, mit dem WienczierS anbändelte. Der Vater Kommerzienrat soll nach der Behauptung des Ange- klagten darin nichts Anstößiges gesehen, im Gegenteil die auf Heirat abzielende Liebelei anfangs begünstigt haben. Dann aber kam es zum Krach zwischen dem fliegenden Glücksritter und dem Bater Kommerzienrat, so daß Wiencziers seinen Goldfisch kurz ent- schlössen nach London entführte und dort heiratete. Der überrum- pelte Schwiegerpapa gab diesmal programmwidrig nicht seinen Segen, sondern übernahm im Gegenteil die Kontraventions- forderung einer gegen Wiencziers klagenden Firma, die sich aus geradezu fabelhafte Summen belief. Gute Freunde von Flieger-» kollegen und Möchtegern-Schwiegersöhnen des Kommerzienrats scheinen dabei auch ihre Rolle gespielt zu haben. Wiencziers aber, der dem Wetter nicht traute, hatte vorher schleunigst seine Flieger-- gewinstc einer alten„Freundin" verschrieben, die den jugend- lichen Sportsmann in früheren Zeiten der Dürftigkeit trotz ihrer mütterlichen Reife mit ihrer Gunst beglückt und mit ihren Erspar- nissen jahrelang über Wasser gehalten hatte. Wiencziers behauptete, daß diese alte Freundin allen Anspruch auf derartige Sicherstellung ihrer durchaus reellen Forderungen gehabt habe. Aber der unerbittliche Vater seiner in London an- getrauten Frau präsentierte dem Gericht Briefe Wiencziers an seine-damalige Braut, aus denen hervorging, daß der Angeklagte sich gegen die gerichtlichen Ansprüche seiner Gläubiger— also letzten Endes des unversöhnlichen Herrn Schwiegerpapas— im Interesse oer beabsichtigten Eheschließung sicher- stellen wollte. Das brach dem kühnen Eroberer der Luft und wenig spröder Frauengunst das Genick. Trotzdem der Angeklagte gar be- wcglich seine Verdienste um die inzwischen ja so„national" ge- wordene Fliegerei schilderte und unter heißen Tränen daran er» innerte, daß er doch dereinst als mooerner Ikarus auch Klein-PariS auf gebrechlichem Flugzeug— dem Tode kühn ins Auge schauend — überflogen habe, verurteilte ihn das Schwurgericht zu 2�. Jahren Gefängnis. Die mit dem Leben spielende Bravour des Abenteurers fand keine Gnade vor den Augen des Gerichtshofes, der das bürger- liche Eigentum selbst in der dubiosen Form der flugkapitalistischen Spekulationswut rücksichtslos beschirmen zu müssen glaubte. Das Opfer selbst kann einem leid tun. Schwer mag es dem gefeierten Helden von gestern ankommen, morgen als der gemeine Verbrecher statt des romantischen Flugdreß den plumpen Straf- lingskittel zu tragen. Wer weiß, wie ihm das Los gefallen wäre, wenn stürmische Zeiten der pedantischen Justitia den Arm gelähmt hätten! Ist doch gar mancher gefeierte Held der Kriegsgeschichte aus keinem besseren Ton geknetet gewesen. Unsere kapitalistische Moral trägt eben einen Januskopf! Festnahme eines Millionenschwindlers. Die Pariser Polizei verhastete am Freitag einen ganz außer« gewöhnlichen Abenteurer, dessen Lebenslauf den kühnsten Roman in den Schatten stellt. Es handelt sich um den öOjährigen Ex- Mönch Henriot Bounoust, der unter der Maske eines Missionars, eines Bischofs, eines PatriarchS von Jerusalem, eines Wanderpredigers der evangelischen Kirche und Hunderter anderer Titel jahrelang ungestraft die größten Schwindeleien begehen konnte. Er wanderte ietzt auf die Anzeige einer Frau I o s s e r a n d in daS Gefängnis, die er um die Kleinigkeit von drei Millionen Franks geschädigt hat. ES war Bounoust vor mehreren Jahren gelungen, das Vertrauen des BaterS der Frau Josterand zu erringen, so daß derselbe sich sogar betören ließ, ihm die Vormundschaft über die damals noch unmündige Frau Josserand zu übertragen und ihn gleichzeitig zum Verwalter des über zehn Millionen Frank betragenden Vermögens einsetzte. Nach dem im Jahre 1909 erfolgten Ableben des Herrn Josserand verwaltete nun Bounoust daS Vermögen so gut, daß beute beinahe drei Millionen Frank von dem ihm anvertrauten Gelde fehlen. Auch sonst hat der Verhaftete, wie schon ein- gangS erwähnt, jahrelang von Schwindeleien gelebt, deren Umfang vorläufig noch gar nicht zu übersehen ist. Der Germersheimer Alarm. Der„Franks. Ztg." wird geschrieben: Die Straßburger Aschermittwochsparade erinnert an ein ähnliches Stücklein, da» sich im Jahre. 1870 während der Mobilmachung in GermerSheim ereignete. Für diese Festung hatte ein Speyerer Bürger König Drahthindernisse zu tiefem, auf deren Absendung man in Germers- heim sehr drängte. Eine telegraphische Anfrage über den Verbleib der Lieferung wurde vom Bahnhofkommandanten in Speyer be- antwortet,„König selbst trifft mit nächstemguge ein". Infolge eines Mißverständnisses gelangte diese Depesche aber nicht an den Jngenieurosfizier, sondern direkt an den FestungSkom- Mandanten, der mit einem Stabe von Offizieren schleunigst sich in Gala st e ck t e, um den Landesherrn am Bahnhof zu empfangen. Der biedere Speyerer Bürger war noch lange stolz über seinen da- maligen Empfang in GermerSheim. Kleine Notizen. Vermißte Wintersportler. Bier Münchener Skifahrer, die eine Skifahrt nach KarwendelhauS unternommen hatten, werden seit Dienstag abend vermißt. Rettungsexpeditionen sind bereits ab- gegarten. �ie 21jährige Tochter des Gärtners Dettmann in Cronsforde wurde heute morgen etwa 20 Meter von der Crons- 'order Chaussee tot aufgefunden. DaS Mädchen war vorgestem in Lübeck und ist von dort zu Fuß nach Hause gegangen. Unterwegs wurde eS von einem Mann angefallen und mit einem Knüppel erschlagen. Der Täter ist noch nicht ermittelt Schweres Grubenunglück. In der Llohlengrube Rufford bei Mansfield sGrafschaft Nottingham) stürzte infolge Bruchs einer Kette ein mit 800 Gallonen Wasser gefüllter Behälter aus einer Höhe von 150 Meter in einen Schacht herab und tötete dreizehn dort arbeitende Bergleute. BootSunfälle. Ein Torpedoboot stieß Freitagabend auf der Reede von Brest mit einem Fischereiboot zusammen, das ohne Lichter fuhr. Die Barke sank sofort. Bon der Besatzung konnte nur ein Mann gerettet werden.— AuS Liverpool wird gemeldet. daß bei einem Sturm am Freitagabend auf dem Mersch ein der Hafenverwaltting gehörendes Boot kenterte. Ein Mami wurde ge» rettet, zehn Personen dürften umgekommen sein.,_ � Brückcncmsturz. Wie aus Ronen gemeldet wird, stieß Freitag abend ein Frachtkahn gegen den Pfeiler der die Ortschaften St. Pierre und Andrs verbindenden Seinebrücke, die zum größten Teil ein» stürzte. Ob dab«i Möschen umgekommen sind, ist noch nicht fest» gestellt. filiÜil Todes-Anzeigen j��|| SozialdemokraLWalilverein[.den 4. Berliner fieicbstags-Walilkfeis. Petersburger Viertel. Bezirk 354. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Genosse, der Kutscher kiedsfl! försler Fmnls. Allee 145, gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Moittug.i den 10. Februar, nachmittags l'/a Uhr, von der Halle dcSZentralsriedhoses inFriedrichs- selbe auS statt. Um rege Beteiligung ersucht- 211/1 Ter Vorstand. Beuter Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Riebard Foerster am 6. Februar im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 10. d. Mts., nachm 2 Uhr,' von der Leichenhalle des städt. ZeniratsriedholeS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht St/20 Oie Bezirksverwaltung. SozialdemokratiscberWablverein {. d. 6. Bert. Reiebstagswahikreis Am 8. Februar verstarb unser Genosse, der Steindrucker Fritz Darge Hochstr. 29a— Bezirk 807. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung stndet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Philippus-Apostel- Kirchhose» nach dem städtischen Friedhos, Miillersttatze, Ecke See- straße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Verband der Uüiograpben. SteiDdrnekeru.verwandten Bernte sDrutschcr Sencseldrr-Bund). Am S. Februar verstarb unser lege und Mtglied, der Stein» cker F:rite Darge im Atter von 50 Jahren an einem Lungenleiden. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Philippus-Apostel-FriedhoseS� Müllerstr. 44/45, au» statt. Bie Verwaltung der Filiale I. Invaliden-Boterstützungskasse d. Steindrueker n. Lithograpben. Die Beerdigung des am 6. d. M verstorbenen SteindruckerS Fritz Dange findet statt am Dienstag, den 11. Februar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus» Apostel- Kirchdoses, Müllerstratze. 22b7S TaS Komitee. Allen Freunden und Bekannten die tiestraurige Nachricht, dar mein lieber Man»,. unser guter Pater, der frühere Zigarrenmachcr und Schankwirt 42A Hermami Werner Wilhelmshavener Str. 25 am 6. Febr. plötzlich verstorben ist. Ida Werner und Kinder. Die Beerdigung findet am Kontag, den 10. Februar, nach. mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoss in Friedrichs» leide aus statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dast meine liebe Frau, Mutter und Schwieger- mutter 16A Emiile Ganzer g-b. Schulz am Freitag früh 3 Ubr, nach schweren Leiden sanst entschlafen ist. Beerdigung Montag nachmittag 3>/,Uhr, von der Halle ocs neuen Panlower Friedhofes. Schönholzer Heide. Um stille» Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen Friedrich Ganzer und Kinder Paiilow, Br-hmestr. 15. Deulseberlletallarbeiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht. dast unser Mitglied, die Arbeiterin Luise Roloff am 5. Fabruar an Arterienverkalkung gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 412/12 vi« vrtsverwaitung. Sozialdemokratischer WahlvereiD (.18. Herl. Reiehstags-Wahlkrels. Todes- Anzeige. Am 7. Februar verstarb unser Genosse, der Gastwirt Ferdinand Hiesei Franseckistr. 42. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Februar, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause nach dem Geihsemanc-Kirchhose in Nieder-Schönhausm-Nordend statt. Um rege Beteillgung ersucht vee Vorntand. Allen Bekannten die traurige Nachricht, daß am 7. Februar mein inniggelicbter Mann pefdinand Kiesel nach kurzem schweren Leiden sanst ctiischlafen Ist. Um stilles Bellei» bittet Frau fiuguste Kiesel geb. Pohle. Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Franseckistr. 42, au», nach dem Gethscmanekirchhos(Nordend) statt. Verband der Buch- und Stein- dmckerei- Hülsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltnng Berlin. Am 6. Februar verstarb nach schwerem Lechen unser Mtglied �nns Tschöpe im Alter von 33 Jahren. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Februar, nach- mittag« 2 Uhr, aus dem Elisabeth- Kirchhos in Pankow, Wollanl. straße, statt, 27/7 Bio Brtsverwaltung. Verband d. Brauerei- u. Mühlenarbeiter u. verw.Berulsgenossen. Zahlstelle Berlin. Am 8, Februar 1913 verstarb unser Kollege, der Fahrer Ksrl KrUger (Borussia-Brauerei) im Alter von 50 Jahren. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den lt. Februar, nach» mittag» 4 Uhr, aus dem Rummels» burgcr Gemeinde- Friedhos in Fnedrichssclde, Rummeisburgcr Straße, statt. Um zahlreiche Bcieiliguna ersucht Tic Qrtsvcrwaltung. Den Teilnehmern bei der Beerdi- meines lieben Bruders Eugen» -sonders dem Schwimmklub Hecht, dem Zigarrenhändlerverew Neukölln und der Allgemeinen Kranken» und Sterbckasse der deutschen Drechsler (Hamburg) sür die erwiesene Teil» »ahme und Kranzspenden den herz- lichsten Dank. 38! Im Austrai. Rtchae! Zm Austrage �er Ange�rigen � Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm« bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, des Tischlers Barl BI», spreche ich hierdurch allen Kollegen, Genofien, sowie sewen Tischgenossen meinen innigsten Dank auS. 2374b Witwe Anna Bix nebst Anverwandten. Für die vielen Beweise herz- Ilcher Teilnahme bei dem Hin- scheiden meines geliebten Mannes tapli Wollheim spreche ich hierdurch meinen herz- lichsten Dank aus. 23/13 Berlin, im Februar 1913. �osslie Wollheim. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes Paol Bocher sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Kollegen, dem Holzarbeilerverband, denGcnossen vom 4. Wahlkreis und dem Gesang- verein meinen herzlichsten Dank. 2338b. Wwe.»targareie Rocher. Danksagung. Für die herzlich« Tellnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels, des«teinschleisers 2387b Josepl» Rehse fugen wir hiermit allen Freunden und Bekannten sowie den Genossen deS 4. Wahlkreises, demß/otterieoerew .Hoffnung- und dem Lithographischen Institut de» Herrn Moser unseren innigsten Dank. Im Namen der Hinterbliebene» Karl Rehse und Frau. Vorussia Vier Frankfurter Alle« 113 frfrifcfyend Alkoholarm� JßeRömmlic� Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Schwester und Schwägerin Frau Martha Sehensch spreche ich hierdurch allen Kollegen, Genossen und Genossinnen, sowie der Firma S. Klein,.insbesondere dem Genossen Wieloch, desgleichen der Genossin Fahrenwald sür die er- greisenden Grabreden, auch allen Bekannten und Freunden, meinen innigsten Dank aus. 12A Im Namen der Hinterbliebenen Peter Fluckc. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, uiiscres guten Bruders Hei'msnn Horn sagen wir alle» Perwandten. Freunden und Bekannten sowie den Arbeiterinnen der Galvanischen Metallpapiersabrik, insbesondere den Kollegen der Ab- teilung Verbleierei der Firma Berg- mann, Berlin- Rosenthal, unseren herzlichsten Dank. 7SA Sdum Mim Fertig am Lagert &EbtO[k-flnziigß67oü;«:36M WinHniügÄMM | Fradt- Anzüge«: SHO» Selnkliliierilio: 8« Fertige schwane Kleidung j für Knaben und Jünglli ü in griiBter Auswahl Feine Maß- Anfertigung| t: in ea. 10 Stunden Baer Sohn Kleider- Werke Berlin. Gegr. 1891. ChiusieestiaSe 29—30. II, Brliekeniliaee II, Sr. Frankfurter Str 20. SohDneberr Haunlsfr 10. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, JiÄ 10—2. 5—7. Sonntage IG— 12. 2— 4 ttl Feuerbestaltung mit allem Zubehör und Gebuhren M. 160,— maatcnlTelatr. III Inh. Emil Richter Fernspr.; Amt Moritzpt. 5582] Ausführt. Broschüre gratis Institut für Massage HoiBluttbider, elektrische Behandlung Medlkomeehanlsche Uebungen für Krankenkaettscn nnd Private. 5S25L C. 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Zur Legittmation stnd die Mtglleder deS Verbandes mit einer Mitgliedskarte versehe», die für das laufende Quartal von grüner Farbe mit braunem Aufdruck ist und am nächsten Zahlabcnd zur Ansicht auSliegt.— WahlvereinSbücher gelten nicht als ZluSweiS sür die Zu- geHörigkeit zur gcwertschastlichen Organisation..._ ,. I"1 Zur Beachtung diene, daß von Hirsch-Dunckerichcr und christlicher Organisation ähnliche LegitimalionS- karten verausgabt werden: man lasse sich dadurch nicht tänschen. � Im übrigen bitten wir die Partei- und Gewertschastsgenossen. unseren Mdgliedslarten Beachtung zu schenken, da unser Vorgehen gegen den Kostzwang, an dessen Stelle eine Barentschädigung gefordert wird, all- seiliger Unterstützung bedarf.____ Der H oratand. Ä, LÖWEN BIERE SIND AUF OER HÖHE Jahrfsumsaty,; 1<102'3 c.V 43 W)0 M. 1VU 12/» Ubr, im großen Saale des Herrn Salzmann. BaSdorfer Straße: O-ffeniliche Ver- sammlung. Tagesordnung:„Auf zum Kampf gegen Junker und Pfaffen'. Referent: ReichstagSabg. Karl Giebel-Berlm. LerUner I�acbricbten. Di« Geschichte des Strastendurchbruchsprojekts von der Vöststraße nach der Viktoriastraße zwecks Entlastung der Leipziger Strahe wird in Erinnerung gerufen, wenn wir lesen, dafj nach bürgerlichen Blättern der Kaiser bei einem kürzlichen Besuche des»n der Viktoriastraße wohnenden Gehennrats Dr. Simon dem Inhaber des HauseS erklärt habe» soll:„Daß Sie hier ihr schönes und so stilles Haus behalten konnten, haben Sie mir zu verdanken: denn ich habe mich gegen jenen Turchbruch erklart." Noch Lage der Sache ist kaum anzunehmen, daß der Kaiser sich so geäußert haben kann. Die Sachlage ist nämlich die folgende: Von den Gemeindebehörden wurden zwecks Ent- lastung der Leipziger Straße verschiedene große Verkehrs- Projekte entworfen, uin zugleich auch die Untertunnelungs- Projekte der Großen Berliner Straßenbahn zunichte zu machen, welche die Leipziger Straße schwer gefährdet hätten. Unter diesen Verkehrsproiekten befand sich auch das Durch- bruchsprojekt der Voßstraße. Urber diese städtischen Projekte fanden wiederholt im Minilterlum Konferenzen statt. In einer solchen Konferenz, die den Abschluß der Beratungen bildete, wurden in Gegenwart und unter Zustimmung des Kaisers die vorgelegten Projekte, insbesondere das Poß- straßenprojekt gutgeheißen. Vom Oberbürgermeister Kirsch- ner wurde dabei dem Kaiser gegenüber das Versprechen ab- gegeben, daß dieses Projekt von den Gemeindebehörden auch ausgeführt werden würde. Diese Ausführung scheiterte aber an dem Widerstand zahlreicher Magistratsmitglieder und schließlich auch bei der Mehrheit der Stadtverordneten, an- geblich der hohen Kosten wegen, in Wirklichkeit aus anderen Gründen. Als der Oberbürgermeister Kirschner sehen niußte, daß er von den Gemeindebehörden schmählich im Stiche ge- lassen wurde, sah er sich am 1. Dezember 1910 zu folgender Erklärung veranlaßt: „Ich habe(bei einer Konferenz mit dem Kaiser), gestützt auf wiederholte, anfänglich einstimmig«, dann nahezu einstimmige Beschlüsse der technischen Kommission, der Vcrkehrsdeputation, geglaubt, eine Erklärung abgeben zu müssen, an der ich heute noch kein Wort bereue. Wenn ich wiederum in die Lage versetzt werden würde, mich einer ähnlichen Situation gegenüber zu sehen, würde ich es der Würde der Stadt für entsprechend halten, wenn ich eine solche Erklärung wiederholte. Aber, meine Herren, ich habe«s erfahren, daß ich da zu weit gegangen bin. Ein Oberbürgermeister von Berlin hat nicht die Stellung, daß er, im Vertrauen auf den Gang, den die Dinge in der städtischen Verwaltung bisher genommen haben, bindende Erklärungen ab- geben kann." Aus dieser Erklärung geht neben der Bitterkeit über das Verhalten der Gemeindebehörden deutlich hervor, daß der Oberbürgermeister den Aussichtsbehörden und dem Kaiser, die das Voßstraßenprojekt wünschten, Versprechungen über die Bereitwilligkeit der Gemeindebehörden, das Projekt auch auszuführen, glaubte machen zu können. Aus diesen Gründen muß entweder ein Mißverständnis der kaiserlichen Aeußerungen vorliegen oder aber der Kaiser muß seine ursprüngliche Ansicht über das Voßstraßenprojekt später geändert haben. Oeffentlich ist aber hierüber nie etwas bekannt geworden._ Der Ausschuß des GchutzverbandeS für die Grunewaldseen trat am Freitag in Nikolassee zu einer Sitzung zusammen, zu der die Stadt Berlin den Magistratsassessor Riß als Vertreter entsandt hatte. Der Vorsitzende Geheimrat Kerp wandte sich mit besonderem Nach- druck gegen die Praxis der Charlottenburger Wasserwerke, dem Publikum die Meinung einflößen zu wollen, daß sie an der Senkung des Wasierspiegels keine Schuld trüge. Daß dies der Fall sei, wäre von Technikern, Geologen und Botanikern einwandfrei festgestellt worden. Profefior Dr. Gräber als Vertreter der Freien Vereinigung für Pflanzenkunde, bestätigte die hinsichtlich der Vegitation erhobenen Befürchtungen. Der gegenwärtig traurige Zustand der Kiefern und Erlenbestände im Grunewald sowie daS Absterben de» die Seen umgebenden Schilfe? sei ausschließlich auf die von den Wasser« werken beförderte Anstrocknung der Seen zurückzuführen. Nach Mitteilung eines anderen Redner» habe die mit dem Nikolassee in Verbindung stehende Rchwiese unverkennbar unter der Verdichtungstätigkeit der Wasierwerke zu leiden. Nicht weniger als 38 Brunnen seien gegenwärtig in dem Grundwasser der Wiese, in der sich infolge der Wasserentziehung Spalten und Risse von 1 Meter Tiefe und bi» zu 40 Zentimeter Breite gebildet hätten. Kommerzienrat v. Krottnauer sprach die Meinung aus, daß die Wasserwerke überhaupt nicht die Absicht hätten, den Schlachtensee aufzufüllen. Totsächlich tragen die bisher an den Uferrand geführten beiden Zuflußröhrew von denen das größere überhaupt noch keinen Tropfen Wasser in den See geleitet habe, nur den Charakter eines Beruhigungsmittel». In der Versammlung wurde schließlich der dringende Wunsch laut, die Wasserwerke durch Lösung der Verträge feiten» der Gemeinden auS dem Bereich der Seen zu entfernen. Leider bestehe jedoch wegen der langen Dauer der Verträge vor- läufig keine Aussicht, dieses wirksamste Mittel zur Anwendung zu bringen. Die Nachricht von der verfehlten Spekulation der Stadtsynode in Mühlenbeck soll nicht zutreffen. Die Synode soll nicht die Ab- ficht haben, das teuer gekaufte Gelände wieder zu veräußern. Dem- gegenüber wird uns weiter mitgeteilt, daß vorläufig an einen Verkauf nicht gedacht werden kann, weil das Gelände viel zu teuer gekauft ist. Es kostet durchschnittlich 1200 M. pro Morgen ohne die Zinsen und Zinscszinsen. In der Nähe ist besseres Land jetzt mit 600 M. pro Morgen verkauft worden. Die Gefahr der Ueberschwemmung ist nicht beseitigt; zurzeit steht ein Teil des an den Mühlenbcckcr See grenzenden Geländes unter Wasser. Die Pankower Rieselfelder liegen in allernächster Nähe und bedeutend höher als das Friedhofsgelände. In die Haare geraten sind sich der Regimentskommandeur des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments und der Vorstand des Vereins ehemaliger Kameraden dieses Regiments. Der letzt- genannte Verein hat de» Zweck, die ehemaligen Kameraden des Regiments unter seine Jahne zu sammeln und die„Treue zu Kaiser und Reich" zu pflegen. In diesem Streben wird der Verein von dem Regiment unterstützt. Das aktive Offizierkorps des Regiments ist dem Verein zugehörig, indem man die Mitglieder des Korps zu Ehrenmitgliedern ernannt hat, die bei festlichen Gelegenheiten den Verein mit ihrer Anwesenheit beehren. Weil ein Vorstands- Mitglied mit dem Regimentskommandeur nicht in der üblichen devoten Weise verkehrte und der Verein nicht gleich den vom Kom- mandcur bestimmten Mann zum Vorsitzenden wählte, erklärte der Oberst mit dem gesamten Offizierkorps seinen Austritt aus dem Verein. Darüber herrscht große Trauer bei den ehrsamen Krieger- vereinlern. Sie beschwören den Oberst, doch nicht böse zu sein und wiederzukommen. Vielleicht kriegen sich die treuen und aller- treuesten Kriegervercinler wegen dieser Sache auch noch in die Haare. Ein Revolverkamps spielte sich gestern vormittag gegen 10 Uhr im Hause Friedrichstr. 230 zwischen einem Schutzmann und einem Geisteskranken ab. Der letztere, der 34 Jahre alte frühere Kellner Hans Hanck wurde durch einen Schuß in die Brust jebensgefährlich verletzt und in bedenklichem Zustand in das Urbaiikrankcnhaus ein- geliefert. Der Schutzmann Bock vom 36. Polizeirevier hatte den Auftrag erhalten, den gemeingefährlich geisteskranken Hanck, der längere Zeit in einer Irrenanstalt interniert und aus dieser ent- wichen war. im Hause Friedrichstr. 250. wo H. wohnte, festzu- nehmen. Der Beamte fand auch Einlaß in die Wohnung, in der er den H. antraf. Die Aufforderung des Schutzmannes, zur Wache mitzukommen, beanlwortete H. dadurch, daß er einen bcreitgehal- tencn Revolver hervorzog und auf den Beamten anlegte. Dieser kam aber seinem Angreifer zuvor und gab aus seiner bereits enl- sicherten Browningpistole einen Schuß auf H. ab. Schwer in die Brust getroffen, sank Hanck blutüberströmt zu Boden. Er ivurde nun sofort nach der nächsten Rettungswache und von dort nach dem Urbankrankenhaus gebracht. Di« Verletzung ist gefährlich, doch hoffen dl« Aerzte den Patienten am Leben zu erhalten. Vom Standesamt ins Gefängnis mußte gestern vormittag eine 43 Jahre alte W'twe P. Die Frau wurde zur P-rbützung einer fünfmonatigen Gefängnisstrafe wegen Betruges und Unter« schlagung von der Lichtenberger Polizei gesucht. Erst jetzt entdeckte man sie, als sie in Neukölln mit einem Arbeiter K. einen neuen Bund fürs Leben schloß. Auf gestern vormittag war die standes- amtliche Trauung festgesetzt. Eine Stunde vorher aber wurde die Braut von der Neuköllner Kriminalpolizei in ihrer Wohnung ver- hastet. Sie schilderte nun ihre Lage und bat um die Erlaubnis, sich zunächst trauen zu lassen. Diese Bitte wurde dann auch be- willigt. Von zwei Kriminalbeamten begleitet, begab sich das Paar nach dem Standesamt, wo die Zeugen bereits lvarteten. Nach der Trauung ging der junge Ehemann nach Haufe, während seine Frau nach dem Strafgefängnis abgeführt wurde. Ein Bamphr der Großstadt wurde von der Kriminalpolizei uu- schädlich gemacht. Es ist ein 34 Jahre alter Musiker und Masseur Max Witte, dessen schändliches Treiben viele uiierfahrcue und anständige Mädchen ins Verderben gebracht hat. Witte hatte es besonders auf Mädchen vom Lande abgesehen, die erst kurze Zeit in Berlin,»och unerfahren und vertrauensselig lvarcn. Er sprach Mädchen aufs Geratewohl an und fand bald die heraus, die er für „geeignet" hielt. Diesen näherte«r sich als Freier. Bald nahm er ihnen uuter allerhand Vorspiegelungen ihre ganzen Ersparnisse ab. Wenn sie dann nichts mehr besaßen, so schickte er sie, nachdem er sie verführt und um ihre Stellungen gebracht hatte, auf die Straße, um sich von ihnen ernähren zu lassen. Scham und Furcht hielten die meisten Opfer ab, das Scheusal anzuzeigen. Endlich wagten cS doch cinige Mädchen, gegen ihn vorzugehen, und Witte erhielt eine längere Gefängnisstrafe. Nachdem er diese vor zwei Jahren verbüßt hatte, trieb er es nur noch ärger als früher. Wieder fand er viele Opfer, bevor es möglich wurde, ihn abermals uno jetzt wohl auf lange Zeit unschädlich zu machen. Ein Mädchen widersetzte sich seinem Ansinnen, auf die Straße zu gehen und ver- langte, um aus seinen Händen wegzukommen, das Sparkassenbuch zurück, das es ihm anvertraut hatte. Als er sich weigerte, es her- auszugeben, ging es zur Polizei. Beamte paßte» nun au der Sparlasse auf und rechneten richtig damit, daß bald Geld abge- holt werden würde. Gestern kam auch ein Mann. Es lvar aber nicht Witte. Man ließ ihn Geld erheben, folgte ihm unaufsällig und sah, daß er dem Gesuchten an einer Straßenecke den Betrag aushändigen wollte. Jetzt griffen die Beamten zu und brachten das Scheusal hinter Schloß und Riegel. Mehrere Opfer des Ver- hafteten wurden jetzt bereits ermittelt. Andere werden ersucht. sich zu melden, damit der Verbrecher endlich die Strafe bekommt, die er verdient. Zu dem Unfall in der LuxnSpapierfabrik von Mancs in der Lindenstr. 3 ersucht unS die Firma um folgende Mitteilung: Der Werkmeister Schubach entfernte unbrauchbar gewordene Teile aus einer Prägemaschinc und ersetzte sie durch neue. Dann ließ er, bei abgenommener Schutzvorrichtung, das Getriebe anlaufen. Als er im Innern ein störendes Geräusch hörte, beugte er sich in die Maschine hinein, um mit dem Ohr die Ursache festzustellen. Dabei wurde sein Kopf von der Rotationswelle erfaßt und gegen den Prägctisch gedrückt. Man bemerkte zwar den Unfall sofort und stellte die Maschine ab. Es war aber schon zu spät. Dem Ver- unglücktcn war der Schädel völlig zerquetscht worden. Er gab noch schlvache Lebenszeichen von sich und wurde noch dem Urbaxyj kranlcnhause gebracht. Dort starb er, ohne das Bewußtsein wieder- erlangt zu habe». Bon einem Lastwagen überfahren. Ein tödlicher Straßenunfalt ereignete sich am Freitagnachmittag gegen 3 Uhr in Lichtenberg. Der zweijährige Bruno Berner, der touhn eines Arbeiters aus der Eitelstr. 70. spielte mit mehreren Kindern auf dem Damm. Dabei lief das Kind vor einen Lastwagen, dessen Kutscher daS schwere Gefährt nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte. Das linke Vorder- rad ging über den Oberkörper des Knaben hinweg, der auf der Stelle verstarb. Die Leich« wurde polizeilich beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Die Inhaber der Berlagsbuchhandlung Kanter u. Mohr ver- haftet. Einem außerordentlich raffinierten und geschickt in Szene gesetzten Schwindel sind seit einigen Monaten viele Sortiments- buchhändler im Reich zum Opfer gefalle». Seit einigen Monaten liefen bei vielen Hunderten deutscher SortimcntsbuchlMdler und auch solchen in Oesterreich und der Schweiz schriftliche Bestellungen ein, und zwar auf Postkarten, die alle in Berlin aufgegeben waren, und in denen Werke von bekannten Architekten gegen Nachnahme bestellt wurden. Diese großen illustrierten architektonischen Werke. welche namentlich von Bau-, Zimmer- und Maurermeistern und Technikern gelesen werde», siwd von der Firma Kanter u. Mohr, Verlagsbuchhandlung. Gothenstr. 4 in Schöneberg hergestellt und haben einen Ladenverkaufspreis von etwa 75 bis 150 M. Natür« lich mußten sich die Sortimenter an die obengenannte Verlags- buchhandlung in Schöneberg wenden, die dann auch sofort daS Werk an sie gegen Kasse absandte. Effeltuierte dann der Sorti- menter in der Provinz das Werk per Nachnahme, so kam die Sen- dung mit dem postalischen Vermerk zurück:„Nachnahmesendung unbestellbar, da Adressat unbekannt". Hierdurch erlitt der bc- treffende Verlagsbuchhändlcr in der Provinz einen erheblichen Schaden, da er das Werk per Kasse gekauft und die Schöncberaer Verlagssirma dasselbe natürlich nicht zurücknahm. Der Zufall wollte es nun, daß zwei Sortimenter in einer größeren süddeutschen Siadt auf diese Weise hineingefallen waren, und am Biertisch er» zählten sie einander das ihnen widerfahrene Pech. Sie wandten sich schließlich an den �Vorstand der Sortimentervereinigung, und dieser forderte in der Fachzeitschrift ähnlich Betrogene auf, sich zu melde». Eine große Anzahl derartig Hineingefallener sandte nun die Bestcllcrkarten an die Zentralstelle und es wurde festgestellt, daß die Handschrift auf allen Karten ein und dieselbe sei. Nun wollte es wieder der Zufall, daß ein Schreiben der Firma Kanter u. Mohr bei der Sortimentervereinigung eingelaufen war. und man entdeckt« eine große Aehnlichkeit zwischen der Handschrist de» Schreibers dieses Briefes und desjenigen der Bestellerkarten. Der Verdacht verstärkte sich, weil ja die Firma Kanter u. Mohr die Ver- leger des bezogenen architektonischen Werkes waren, und so wurde die Angelegenheit der Schöncberger Kriminalpolizei übergeben. Die Behörde hielt nun am Freitagnachmittag eine Haussuchung bei der Firma Kanter u. Mohr ab, die viel belastendes Material er- gab und zur Verhaftung der Inhaber, der Herren Strobel und Drögcl, führte. Die Firma Kanter u. Mohr hatte früher einen guten Klang in der Buchhändlerwelt. Sic befaßte sich fast aus- schließlich mit dem Verlag architektonischer Werke und galt als sehe solide. Vor etlva zweieinhalb Jahren zogen sich die Herren Kanter und Mohr vom Geschäft zurück und verkauften dasselbe an du jetzigen Inhaber, die bei ihnen bisher als Buchhändlergehilfen tätig gewesen waren. Eine geisteskranke Frau, deren Persönlichkeit festzustellen noch nicht gelungen ist, wurde gestern nachmittag in der Dorotheenstraße angehalten. Leute, denen ihr Gebaren auffiel, machten einen Schutzmann auf sie aufmerksam, und dieser brachte sie nach der Charitö. Die Frau, die sich wahrscheinlich heimlich von ihren An- gehörigen entfernt hat, kann selbst nicht sagen, wie sie heißt und wo sie wohnt. Ihrem Aeußeren nach scheint sie dem Arbeiter« stände anzugehören. Sie ist ungefähr 60 Jahre alt, hat grau» meliertes Haar und trug einen schwarzen Rock, eine schwarzwollene Taille, eine schwarze Schürz« und ein kariert«? Umschlagetuch. Bor der Tiir seiner Geliebken ersHoß sich gestern der 23� Jechrc ölte Handlungsgehilfe Arthuz Kuatz aus acc Friedrichsfelder Straße 31. Ein schweres Brandunglück ereignete sich gestern nachmittag in der Dainenhutfabrik von S. Hirsch in der Brückciistrahc Kli. Als dort der 32 Jahre alte Hutmacher Max Friedrich aus der Prim zcnstraße in einem Fabrikationsraum in der ersten Etage mit einer Spiritusflasche hantierte, kam die Flasche plötzlich zur Explo- fion. Es entwickelte sich eine lange Stichflamme, die sofort die .�leider des Mannes in Brand setzte. Im nächsten Augenblick war Friedrich in helle Flammen gehüllt und ein zweiter Arbeiter, der in demselben Raum arbeitete, konnte sich nur durch schleunige Flucht in Sicherheit bringen. Friedrich erlitt namentlich am Ober- körper schwere Berbrennungcn und mutzte auf Anordnung eines Arztes von der Feuerwehr nach dem Krankenhaus Bethanien ge- bracht werden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Die Ge- Walt der Explosion war übrigens so grotz, datz durch den Luftdruck eine grotze Schaufensterscheibe des Hutgeschäftes an der Stratze eingedrückt wurde. Auch sonst gingen mehrere Fensterscheiben in Trümmer. Wodurch die Explosion verursacht wurde, steht noch nicht fest.— In der Schöneberger Stratze 20 wurde fast gleichzeitig ein Arbeiter Wirsing durch kochenden Teer so schwer verbrannt, datz er nach dem Elisabcthkrankenhaus transportiert werden mutzte. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern auf dem Grundstück Schleswiger Ufer ö aufgefunden. Aus dem Landwchrkanal gelandet wurde gestern vormittag in der Nähe der Schleuseninsel ein unbekanntes, ungefähr 25 Jahre altes Mädchen, dessen Persönlichkeit sich nicht feststellen lietz. Die Tote, die ihrem Aeutzeren nach dem Mittelstande angehört zu haben scheint, ist ungefähr 1,70 Meter grotz. hat dunkelblondes Haar und trug weitze Wäsche mit den Buchstaben K. E., ein graues Korsett, weitze Strümpfe und schwarze Halbschuhe. Die Oberkleidung war durch Schiffsschrauben zerrissen und nicht zu erkennen. Bon zwei goldenen Ringen, die sie trug, hatte einer einen blauen, der andere einen roten Stein.— Aus der Spree gelandet wurde an der Gotzkowskybrücke die Leiche eines ungefähr 2S bis 30 Jahre alten Mannes, der seinem Aeutzeren nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Papiere, die über die Persönlichkeit des Toten Aufschlutz geben könnten, wurden bei ihm nicht vorgefunden. Der Tote ist 1,65 Meter grotz und schlank, hat ein bartloses Gesicht und dunkles, kurzgeschnittencs Haar und trug einen dunklen Jackett- anzug, einen Gummikragcn mit schwarzem Schlips, schwarze Strümpfe und ebensolche Schnürschuhe. Tie Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Bororte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Vorträge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt zu diesen Borträgen ist für jedermann unentgeltlich. Am Donnerstag, den 13.. Februar, sprechen in den nach- benannten Gemeindeschulen über das Thema:„Gesundheitspflege «von Nase und Ohr" Herr Dr. W. Brunck in der Gemcindeschule Rigaer �?tr. 81/82; Herr Privatdozcnt Dr. Haike in der Gemeinde- schule Waldenserstr. 25/26; Herr Dr. S. Selbiger in der Ge- meindeschule Eberswalder Str� 10; Herr Professor Dr. H. Gra- bower in der Gemeindeschule Skalitzer Str. 55/56. Am Freitag, den 14. Februar, sprechen in den nachbenannten Gemeindeschulen über das Thema:„Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen" Herr Dr. Bab in der Gemeindeschule Tilsiter Stratze 4/5; Herr Sanitätsrat Dr. A. Nathan in der Gemeinde- schule Paukstr. 17; Herr Dr. P. Richter in der Gemeindeschule Pasteurstr. 5; Herr Sanitätsrat Dr. Grosser in der Gcmeinoc- schule Bergmannstr. 28/20 am Marheineke-Platz. In Boxhagen-Rummelsburg in der neuen Schule, Marktstratze, spricht am Dienstag, den 11. Februar, Herr Dr. E. Levin über da» Thema:„Gebiet der Geschlechtskrankheiten". In Eharlottenburg in der 12. Gerneindefchulc, Sophi�Char- lottenstratzc, spricht am Mittwoch, den 12. Februar, Frl. Dr. H. Prager-Heinrich über das Thema:„Entstehung und Verhütung von Frauenleiden". stNur für. Kranen.).____■:........ In Cöprnick in der Torotheenschule in der Freiheit spricht am Dienstag, den 1k. Februar, Herr Dr. E. Meyer über das Thema: „Ursachen und Verhütung der Schwindsucht". Am Montag, den 10. Februar, spricht Herr Dr. W. Friedländer über das Thema:„Geschlechtskrankheiten und ihre Ver- hütung" in Friedenau im Gymnasium am Maybachplatz. In Lichtenberg spricht am Tonnerstag, den 13. Februar, in der Gemeindeschule, Äronprinzenstr. 10, Herr Dr. M. Halle über das Thema:„Hals-, Iiasen- und Ohrenkrankheiten". In Mariendorf in der Aula des Gymnasiums, Kaiferftr. 17/21, spricht am Donnerstag, den 13. Februar, Herr Dr. Keil über das Thema:„Geschlechtskrankheiten und ihre Verhütung". In Neukölln in der 0/10. Gemeindeschulc Äaiser-Friedrich- Stratze 4 am Hermannplatz spricht am Freitag, den 14. Februar, Herr Dr. Keil über das Thema:„Fortschritte in Erkennung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten". In Pankow in der 2. Gemeindeschulc, Grunowstratzc, spricht am Donnerstag, den 13. Februar, Herr Dr. v, Rutkowski über das Thema:„Nervosität mid Ernährung". In Ncinilkendorf-Ost in der 3. Gemeindeschulc, Lette- Allee 26/27, spricht am Mittwoch, den 12. Februar, Herr Dr. A. Callmann über das Thema:„Schutz gegen Magen- und Darm- crkränkungen". In Reinickendorf-West in der 5. Gemeindcschlile, Augusta- Biktoria-Allee 37, spricht am Donnerstag, den 13. Februar, Herr Dr. Bodländcr über das Thema:„Die Fortschritte aus dem Gebiet der Erkennung und Behandlung der Geschlcchtskraukhciten". In Schönebcrg in der 10/11. Gemeindeschule, Feurigstr. 57. spricht am Dienstag, den 11. Februar Herr Professor Dr. M. Joseph über das Thema:„Aus dem Gebiet der Haut- ünd Geschlechts- krantheitcil". In Steglitz in der Gemeindeschulc in der Plautagcnstr. 8/0 spricht am Mittivoch, den 12. Februar, Herr Dr. W. Holtheim über das Thema:„Tuberkulöse- und Lungcukrankheitcn". In Tegel in der Gemeindeschulc. Trcsckowstr. 26/31, spricht am Dienstag, den 11. Februar, Herr Dr. Rehfisch über das Thema: „Herzleiden und Erwcrbsfähigkcit". In Tempelhof in der Gemeindeschulc, Friedrich-Wilhclm- Stratze 11/13, spricht am Mittwoch, den 12. Februar, Herr Dr. N. Braun über da» Thema:„Chronische Beinlciden und ihre soziale Bedeutung". In Wcisienscc in der Gemeindeschulc, Langhansstr. 120, spricht am Freitag, den 14. Februar, Herr Dr. Chajes über das Thema: „Berhütung und Bekämpfung der Geschlechiskrantheiten". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. Arbciter-Äilduligsschule. Die Kurse in?! a t i o n a l- Ökonomie und Rede Übung nehmen heule(Sonntag) ihren regelmäßigen Fortgang. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unciitgcltlickier Bc- Nutzung für jedcrmilnu, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von bVi— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 0—1 Uhr und 3— 6 Uhr. In dein Lesesaal liegen zurzeit 615Zeituugcn uud Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Die Mechanik beim Sport lamet da« Thema des Privatgelehrten Kurt Aiging, das heute in einem Lichtbildervortrag, arrangiert vom Arbeiter-Slbwimmerbund Kreis I. in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Strasse 06, behandelt wird. Sporlfreunde sind auf diesen Vortrag besonders hingewiesen, zumal der Eintritt nur 20 Pfennig beträgt. Anfang des Lonrages um 7 Uhr. Wegen eines Dachstuhlbrandcs wurden am Freitagabend die Mcbt-pn von Berlin und Scköueberg nach der Bülowstr. 101 alarmiert. Es aelaua den Brand � schnell zu löschen. Angeblich soll der Brand unter Umständen ausgekommen sein, die auf grobe Fahrla„,gkelt und Brandstis una schliessen lassen.— Wegen einer Gasvergiftung wurden w der letzten Rächt Samariter der Feuerwehr nach dem Mmisterwn für Handel und Gewerbe gerufen. Am Leipziger Platz 11 hatte ein Mädchen versucht, sich mit GaS zu vergiften. WiederbelebungS- versuche waren von Erfolg. Vorort- Nacbncbtem Neukölln. Tie Stadtverordnetenversammlung hielt am Donnerstag eine kurze Sitzung ab. Im Einvernehmen mit der Schuldcputation bc- antragte der Magistrat, das Schulgeld für die cvangclifche Prä- parandenanftalt von 120 M. auf 150 M. zu erhöhen. Stadtv. Dr. Fürst iSoz.) bekämpfte diese Absicht uud führte aus, datz das Schulgeld einer Präparaudenanstalt möglichst niedrig gehalten werden müsse, damit die Erzieher der Jugend soweit als möglich aus unbemittelten Volkskreisen sich ergänzen könnten. Da im Klasscnstaat Preutzcn Vertreter der Arbeiterschaft nicht in die Schulvcrwaltung hineinkämen, forderte Redner namens seiner Fraktion vom Magistrat Aufklärung darüber, warum überhaupt die Schulgelderhöhung vorgenommen werden solle und ob die Eltern der jetzigen Präparandcn allgemein eine solche tragen könnten. Das alles würde am besten noch geprüft, weshalb die Einsetzung einer Kommission von 6 Stadtverordneten und 3 Ma- gistratsmitgliedern am Platze sei. Stadtv. Klebe fand ein Schul- geld von 150 M. keineswegs zu hoch; schon seit vielen Jahren sei das so. Bürgermeister Dr. W c i n r c i ch war natürlich derselben Meinung; er meinte, das Schulgeld für die Neuköllner Praparan- deuanstalt halte unter den Anstalten der gleichen Art eine gesunde Mitte. Datz die Kinder Unbemittelter dadurch vom Lehrerbcruf ausgeschlossen werden, das berührte diesen Schuldezernenten nicht. Die bürgerliche Mehrheit der Versammlung dachte ebenso; sie lehnte die Kommissionsberatung ab und stimmte dem Magistrats- antrage zu. Der Markt st andgeldtaris wurde wieder wie bisher festgesetzt: für jedes Quadratmeter einer Verkaufsstelle auf dem Frühmarkt 10 Pf., auf den Wochenmärkteu 20 Pf.; aus dem Heu- und Strohmarkt für ein einspänniges Fuhrwerk 10 Pf., für ein zweispännigeS 15 Pf. Die Genehmigung des Tarifs soll beim Bezirksausschutz auf unbestimmte Zeit nachgesucht werden. Für das R a d i a l s y st e m N o r d w e st(Hermannstratzej bewilligte die Versammlung 45 500 M. zur Ergänzung und Verstärkung des Kanalnetzcs. Die Vergebung der Arbeiten für die Asphaltic- rung der Kaiser- Friedrich st ratze(zwischen Elbestratze und Hcrtzbcrgplatz) und der Rcststrecken der H er m a n n st r a tz e wurde genehmigt. Die Gebührenordnung für die Geneh- migung uud Beaufsichtigung von Be- und Entivässerungsanlagcn im Stadtkreise Neukölln fand debattelose Zustimmung. Nach statt- gehabter Prüfung durch den RcchnungSausschutz lag der Rechnungs- abschlutz für 1011 vor. Das Ordinarium hat einen lieber schütz von 453 152,81 M. ergeben.. Im Depositorium befanden sich am Schlüsse des Berichtsjahres 5 833 882,08 M., in den Sammelfonds 3 580 648,05 M. Tempelhof. Aus der Gemeindevertretung. Bei der Wahl eines Mitgliedes zur Schulsparkasse kam Genosse Schmidt auf die Angriffe zu sprechen, denen er ausgesetzt gewesen sei, als er vor einiger Zeit in der Gemeindcvertretersitzung gegen diese Schulsparkassen Front gemacht habe. Es wurde in diesen Angriffen u. a. gesagt,«schmidt habe nur mit Scheingründen gegen diese Kassen gekämpft, die sich nicht aufrechterhalten liehen. Man gehe in der Annahme nicht fehl, datz der Grund zu diesem Vorgehen nur in der Befürchtung liege, die Kinder könnten die Groschen in den Schulsparkasscn an- legen und dadurch der neu gegründeten..Volksfürsorge" entzogen werden. Demgegenüber betonte Schmidt, datz die sozialdemokrati- schen Vertreter schon vor Jahren aus die Verwerflichkeit dieser Hebung des..Sparsinns" hingewiesen hätten, als an die„Volks- sürsorge" noch gar nicht gedacht worden sei. Den Eltern falle es oft sehr schwer, die Groschen abzustoßen. Ein groher Teil sehe die Beseitigung dieser Schulsparkaffen als eine Wohltat an, um de» fortwährenden Wünschen der Kinder aus dem Wege zu gehen. Diese Hebung des„Sparsinus" verfehlte seinen sittlichen Wert und ziehe den Klassenunterschied bereits in der Volksschule grotz. Nach Rücksprache mit Pädagogen konnte Genosse Schmidt in der Sitzung mitteilen, datz auch diese die Schulsparkassen als ein nichtcrzichc- rischcs Mittel gelten lassen und er sich nur aus diesem Grunde dagegen gewandt habe. Ihm wurde erwidert, die Mängel seien bereits bei der Errichtung dieser Kassen zur Sprache gebracht worden und die Mehrzahl der Gemeindeverordneten stehe auf dem Standpunkt der Beibehaltung.— Nachdem Anstände bei der Colditz- Stratze(zwischen der Teltowkanalbrücke und der Burggrafen- tratzc) durch die Terraingesellschaft beseitigt worden sind— es fehlten die Baumschützer, die Stratzcnschildcr und die Gas- leitung!— erfolgte deren Abnahme durch die Gemeinde.— Einige andere Strahcnangelegenheiten, darunter die Abtretung von 725 Quadratmeter Land zum Ausbau der Attilastratze, die zum Frühjahr erfolgen soll, sowie die Angebote der Grunackschen Erben wegen Beteiligung an dem Ausbau der Schönebergcr Stratze, die bisher nicht zur Zierde der Gemeinde Tempelhof gehört, stehen für die Gemeinde durchaus günstig. In der geheimen Sitzung wurde über die Aufnabme weiterer Anleihen zum Bau der Gemeinde- Doppelschulc Beschluh gefaßt. Köpenick. Der Arbcitcrturnvercin„Eiche" hält seine Turnstunden in der städtischen Turnhalle, Müggelheimcr Stratze, ab. Zurzeit wird in drei Abteilungen geturnt: Dienstag und Freitag Männerabteilung, Mittwoch und Sonnabend Jugendabtcilung und Donnerstag Damen- abteilung. Die Turnstunden beginnen abends 8 Uhr und enden Punkt 10 Uhr. Personen über 14 Jahren werden als Mitglieder aufgenommen. Als neue Abteilung ist eine Altersricge gegründet worden, welcher alle über 30 Jahre alten Turner angelHren. Ten Freunden der Turnerei ist yiec Gelegenheit geboten, sich z» bc- tätigen. Die Väter und Mütter werden gebeten, ihre Söhne und Töchter»ur in den Arbeiterturnverein„Eiche" zu schicken. Auch die erwachsenen Turner sollten der„Deutschen Turncrschaft" den Rücke» kehren und dem Ardeitertuuiverein beitreten. Montag, den 10. Februar, findet die erste Turnstunde der Altersricge statt. Serickts-Teitung. Reichsanwaltlicher Kampf gegen die Jugend. Bekanntlich hat das Reiäisgericht am 28. Juni 1910 in der Strafsache gegen unseren veranttvortlichen Redakteur Weber und gegen den Genossen W i l d u n g anerkannt, daß unsere am 27. Mai 1909 an die Turnivarte und Bor- tnrncr der Arbeiterturnvcrcinc in Preußen gerichtete ö f f c n t- lichc Aufforderung dem Gesetz entsprach und keine Aufforderung zum Ungehorsam gegen rechtsgültige Gesetze oder behördliche Verordnungen war. Unsere Aufforderung ging dahin,„den Anordnungen der Behörden, welche die Erteilung von Turnunterricht gegen Entgelt oder die unentgeltliche Erteilung von Turnunterricht an nicht mehr schulpflichtige jugendliche Personen auf Grund der Kabinettsorder vom 10. Juni 1834 und der Ministerialinstruktion vom 31. Dezember 1839 verbieten, keine Folge zu leisten." Das Reichsgericht anerkannte, daß der Kultusminister und die Behörden, deren Verfahren wir kritisiert hatten, nicht aber der„Vorwärts" gegen das Gesetz verstoßen habe. Gegen diese Entscheidung lief das preußische Ministerium Sturm. Die Untcrrichtsverwaltung erließ freilich unter dem 4. März 1911 eine Berfügung. nach der die Behörden nun- mehr die vom Reichsgericht anerkannte Rechtsprechung beachten soWen. Aber es wurden eine Reihe von Fällen bekannt, in denen die Schulbehörde entgegen dem Gesetz und der Recht» sprechung des Reichsgerichts gegen Turnlehrer und andere Per» sonen Strafen teilweise bis zu mehreren 1000 M. festgesetzt haben soll. Die Vorkommnisse wurden im Reichstag und Landtag besprochen und der ungeheuerliche Zustand beleuchtet, daß es gegen solche Strafverfügungen keinen Rechts- weg in Preußen gibt. Aus Anlaß von Anträgen unserer Genossen und von nationalliberaler Seite über diesen Gegen- stand trat eine Kommission im Abgeordnetenhaus zusammen. Diese lehnte den Antrag unserer Genossen aus Rückerstattung entgegen dem Gesetz verhängter Geldstrafen ab, nahm aber einen Antrag an, der den Rechtsweg gegen schulbehördlichc Zwangsversügnngen fordert. Der Bericht ist im Dezember 1912 von der Kommission erstattet. In der Kommission wurde erklärt, ein Senat des Reichsgerichts wolle von der erwähnten Ansicht des Reichsgerichts ab- weichen; in einigen Monaten würden die vereinigten Strafsenate sich mit der Frage beschäftigen. Die vereinigten Senate haben nun wie uns be- richtet wird, am 6. Februar in der Tat die Entscheidung des Strafsenats vom 28. Juni 1910 umgeworfen. In der Entscheidung ist erklärt, entgegen der Ansicht des zweiten Strafsenats kam es bei Entscheidungen aus der Kabinettsorder von 1834 nicht auf den Gesichtspunkt des Ergänzungs- oder Ersatzuntcrrichtes an, sondern einzig aus die Frage, was unter „Jugend" zu verstehen sei. Es sei die Erlaubnis der Schul- auffichtsbehörde ohne Rücksicht auf die Art des Unterrichtes überall da erforderlich sei, wo Personen Privatunterricht erhalten sollen, die in„noch s ch u tz b e d ü r f t i g e m Alter" seien. Die Eiltscheidnngsgründe liegen uns noch nicht vor. Man darf gespannt sein, wie in diesen das Reichsgericht seinen Umfall zugunsten der falschen Anschauung des preußischen Kultusministers zu begründen versucht. Erst wenn die Gründe ini Wortlaut vorliegen, wird sich genauer ermessen lassen. welche Tragweite zuungunsten der arbeitenden Jugend diese Entscheidung haben kann. Der auf Betreiben des Kultusministeriums und der mit einem Haufen von Mitarbeitern arbeitenden Reichsanwaltschaft herbeigeführte Umfall des Reichsgerichts bildet sicher kein Ruhmesblatt in der reichsgerichtlichen Rechtsprechung. Es beweist ferner auch, wie recht unsere Genossen im Reichstage mit dem Antrage haben, die Geldmittel für Vermehrung einer Reichsanwaltsstelle abzulehnen. Es ist arg, daß vom Reichs- tag noch mehr Mittel erfordert werden, uni die Rechtsprechung in Strafsachen noch ungünstiger zu beeinflussen. Vom Kolbeschen Wiederaufnahmeverfahren. Die Wiederaufnahme in der Dabendorfcr Mordaffäre von» Kammergcricht bestätigt. Wie vor einigen Tagen mitgeteilt, hatte die 2. Strafkammer des Landgerichts II dem von der Staatsanwalt- schaft gestellten Antrage auf Wiederaufnahme des Verfahren» gegen den Brunnenbauer Gustav Kolbe stattgegeben unÄ die Wiederaus- nähme zuungunsten de» Angeklagten für statthaft erklärt. Gegen diesen Beschlutz war vom Verteidiger beim Kammergcricht mit der Begründung Beschwerde erhoben, daß kein„glaubwürdiges außer- gerichtliches Gestänidnis" seitens des Kolbe vorliege. Der Strafsenat de» Kammergericksts hat sich mit Recht«dieser Ausfaffung nicht an- geschlossen uird die Zulössigkeit des Wiederaufnahmeverfahrens bc- stätigt. Auf 15 Jahre Gefängnis von einem Jugendgcrichtshof erkannt. Plauen i. B., 8. Februar. Ter 15 Jahre alte Kaufmannslrhr» ling Paetzold von hier, der am 4. Januar seinen 14 Jahre alten Lchrtollcgen Gate durch Beilhicbc tötete und ihm 650 M. Geschäfts- gclder raubte, wurde, wie die„Neue Bogtl. Ztg." meldet, vom Jugendgericht des hiesigen Landgerichts ivegen Mordes in gemeinsamen Zusammenhange mit schwerem Raube, Unterschlagung und Betruges zu«der höchsten zulässigen Strafe von 15 Jahren Gefäng- nis verurteilt. Paetzold hatte Vcreinsgelder unterschlagen und sich von seinem Onkel zur Deckung de» Mankos 40 M. geliehen und um diesen Betrag decken zu können, hat er den Raubmord verübt. „Geehrter Herr Streikbrecher." Wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen ist vom Landgericht Bochum am 14. Oktober 1012 die Bergmanusehesrau Anna Schleising verurteilt tvordcu und zwar zu 2 Wochen Gefängnis. Sie I)at am 13. März einen Brief in sehr schlechtem Deutsch an einen Arbeitswilligen geschrieben und ihn darin angeredet:„Geehrter Herr Streitbrecher!" Dann hat sie nach den Feststellungen des Ge- richts in dem Briefe des weiteren höhnische Bemerkungen über den Adressaten gemacht und bezüglich seiner Ehefrau eine kränkende Andeutiuig gemacht. Dieser Brief wurde nachts unter die Türe des Adressaten geschoben. Tic R e v i s i o n«der Angeklagten gegen das harte Urteil wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Graf und Gräfin. Der Streit zwischen dem Grafen Hans v. Pfeil und seiner geschiedenen Gattin, jetzigen Baronin Stephanie von Römer, geb. Heim, wurde gestern noch einmal vor dem Schöfsengencht Berlin. Schöncberg unter Vorsitz des Assessors Guttstadt aufgerollt. Gras Hans v. Pfeil hatte die Beleidigungsklage gegen seine geschiedene Ehefrau angestrengt. In einem am 28. Juli 1012 statt- gefundenen Termin in einem Alimenwtionsprozesse lwt die Auge- klagte eine Aeutzerung getan, die dahin aufzufassen war:„Wenn der Graf Pfeil nicht falsch geschworen hätte so wären die ganzen Prozesse nicht nötig geivesen und die ganze Ehescheidung wäre viel schneller zu Ende gewesen." Tic Angeklagte hat Widerklage erhoben. Diese gründet sich darauf, daß Graf von Pfeil in demselben Termin ge- sagt habe:„«Seine Ehefrau habe ihn mit«schmutz beworfen und Verleumdungen gegen ihn in die Presse gebracht.—Die Angeklagte erklärte, daß sie durch diese Bemerkung de» Grafen Pfeil provoziert worden sei; ihre Bemerkung beziehe sich auf cme eidesstattliche Ber- sichermw, in der der Gras bestritten habe, sie mißhandelt zu haben. Im Gegensatz hierzu finde sich in dem Entscheldungsurieil des Ober- landcsgcrichtS zu Breslau> vom„b. Marz 1006 im Ehescheidung»- vrozetz folgender Satz:"H" �alle reicheir die Bekundungen der Zeugen aus. um sur da» Elcrlcht die Uebcrzeuguug zu begrün- den, datz der Beklagte der Klägerin in der Zeit vom Oktober 1001 bis Ende Oktober 1003 in einer ganzen Reihe von Fällen Mis'hand- tunge», über die sich Näheres nicht mehr feststellen ließ, zugciügt hat." Nach- längerer Vcryand.ung, die sich teilweise recht lebhaft gestaltete, erging das Urteil dahin: Tie Angeklagte, der an sich der schütz de»§ 103 zugebilligt wurde, hat mit ihren Worten den Privatklägcr herabsetzen wollen und die Absicht der Beleidigung gehabt. Dasselbe gilt vom Privatklägcr. Der Gerichtshof hat er- wogen, datz beide. Parteien in wenig vornehmer Weise ihr« Ehe- streitigkeite» in, die Ocffcntlichtcit zerren und in Berücksichtigung aller in Betracht kommender Momente die Angeklagte zu 300 M. Geldstrafe cventl. 30 Tage Gefängnis, den Privatkläger zu 100 Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Allgemeine Familien sterbekasse. Heute Zahl- und Ausnahmelag "0n und verw. Berufsgenosten km M a6{"M S'10 m Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Schönebcrg.-Montag, den 10. Februar, nachmittags 6 Uhr. im Ratbaus..�ur Beratung stehen die Haushaltspläne, Festsetzung der Gemeinde- stcucrzuschlägc und der Kanalgebuhr sür das Jahr 1013 sowie Erstattung deS VerwaltuugsberichlS. Pankow. Am Dienstag, den 11. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Rathausc, Breitest!. 25/'26. Adlershof. Am Montag, den 10. Februar, abends 6'/, Uhr, im Sitzungssaale deS Gemeindeamts. BiSmarckstr. 1. Tiefe Sitzungen sind össcnUich. Jeder GrmcindcangchSrigc ist be> rechiigl, ihnen als Zuhörer bcizuivohncn. Arbcitcr-Zamaritcrbund. Kreis Brandenburg. ttehrabcnd haben in dieser Woche: Berlin. 2. Abteilung am Montag bei Dasc, Brunncnstrage 151, abends 8'/z Uhr. � S�ch ö'n c b c r g. Llnr Donnerstag bei Hacndcl, Vorbcrgslr. S, abends N o w a w c S. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abends 8 Uhr. S ch ö n e w c i d e. Am Montag bei Schulze, Siemensslr. 12, abends Friedrichshagen. Am Donnerstag, Fricdrichstr. 60, 2. Hof, abends 8% Uhr. Berlin. Heute SondcrkursuS bei Schulz, Königsgrabc» 2, von 3 bis 5 Uhr nachmittags. Die Kreisleitung. Paul Hackclbusch, Berlin O. 112. Brkfharten der Redahtion. Max Meier. Stoinniel». Sic sind noch sür die Zeit bis Ende Kalenderjahr 10! l kirchensteuerpslichlig.— Pr. St. und G. 51. Der Mietsstcmpel ist richtig berechnet.—!1t. H. 3 1. l. Ja, sofern auch der Mann zur Zahlung der Kosten austerstande ist. 2. An den Armenvorsteher des Bezirks. 3. In zehn Jahren bei Ketrenntlebeu, in sechs Monaten bei sortgesetztem Zusauimenlebeii. 1. Ja, salls mindestens sechs Monalc in die Zeil des Gelrenntlebens fallen. 5. Falls der Ehemann Herausgabe der Kinder verlangt, können Sie beim Vormundschastsgericht einen Antrag stellen, daß Ihnen die Kinder belassen werden.— O. 51. Nein. - P. 2t. 3758. Nein.- E. M. 83.»enden Sie sich an die Armen- Verwaltung.— H. B. 35. 1. Amtsgericht Berlin-Mitte, Neue Friedrich- ftraße 12/15. 2. 30 Pf. 3. Werden eingefordert.— Frida Nr. 3. Unter- liegt der Vereinbarung mit dem Zahlungspflichtigen.— Lankwitz LI. 1. Nur dann, wenn es sich um eine Steuerschuld, die nicht länger als 'It Jahr rückständig ist, oder um Unterhaltsschiilden handelt, andernfalls nur dann, wenn und insoweit das Gehalt 125 M. monatlich übersteigt. 2. u. 3. Nur im etwaigen Termin zur Ableistung des Ossenbarungseides. A. N. 97.. 1. Nein. 2. Unseres ErachtenS ja. 3. Nur dann, wenn die Ersparnisse von der Frau herrühren. 4. Die Mutter und Geschwister erben zusammen die Häljle. Die Hanshaltungsgegenstände verbleiben jedoch sämtlich der Frau. S. u. 6. Gütergcincinschajt besteht in der Ehe nicht, sojern sie nicht durch Ehevertrag vereinbart ist.—u kaujcn.'sRau wird reell und billig bedient. Wenig getragene, teilweise aus Seide, von Kavalier cn»nr kurze Zeil getragene Jackettanzüge. Rack. anzöge, Gebrockanznge, Frackaliznge, Smokitiganzüge, Paletots. Ulster. Hofen, einzelne Fracks und Smokings werden zu billigsten Presse» oerkaust. 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