Ur. 35. BbonDemeots-Bcdlnanngcn: JIBomtfmenl?. Preis tnräraunerani«: NertelZSHrl.".SO SKf., tnonolL 1,10 Süt, w-jchentluS 28 Pf 8- ftci WS H Adresse: „SuUKtrnokrat ßtrlli". Zcntralorgan der fozialckmokratf fehen Partei Dcutfd�lands. Kedahtion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Dienstag, den 11. Februar 1913, Expedition: 8Ll. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. gottesgnaäentüwliches im 20. Zahrhunäert. Wilhelm II. hat am Sountag vor einer Berliner Studenten Versammlung eine Rede über den Zusammenbruch von Jena und die Befreiungskriege gehalten, die die liberale Presse auf den Plan gerufen hat. Hat doch Wilhelm II. die originelle, in keinem noch so rückständigen Gcschichtswerk vertretene Auffassung bekundet, daß Preußen 1806 dem Ansturm Napoleons erlegen sei. weil dem preußischen Volke seine sittlich-rcligiöse Lebens anschauung abhanden gekommen gewesen sei, und ixt cs 1813 den genialen Korsen überwunden habe, weil es inzwischen Pen Glauben an seinen Gott wiedergefunden habe. lieber die völlig vage Phantastik dieser— Geschichtskonstruk, iion kann man Glicht einmal sagen, denn auch die willkürlichste sisesehichtskonstruktion setzt doch immerhin einiges Gefühl für historische Tatsachen voraus!— ganz individuellen, lediglich aus allerpersönlichsten psychologischen Eigentümlichkeiten und höfischen Illusionen erwachsenen Vorstellungsweise braucht man wirklich nicht erst viele Worte zu machen. Es ist der Geist des oft genug ge, kennzeichneten Gottesgnadcnglaubens, der alles geschicht liehe Geschehen Preußens auf dynastische Einflüsse zurück führen zu können glaubt. Da Friedrich II. Freidenker war. hat nach der Vorstellunasart Wilhelms II. das preußische Volk seinen Gott verloren gchavt. Und so weiter! ES ist aber charakteristisch für die Oberflächlichkeit und den Mangel wirklich historischen Verständnisses auch unserer liberalen Presse, daß sie, statt das unglaublich verzerrte Geschichtsbild energisch zurechtzurücken, nichts Besseres gegen den ausschweifenden Subjektivismus des heutige» Repräsentanten des HoHenzollernschen Gottcsgnadenglaubens vorzubringen weiß, als gelegentliche Weisheitssprüchlein anSerer preußischen Potentaten, des alten Fritzen oder auch Friedrich Wilhelms III., so wenig diese beiden sich auch sonst an Begabung tmd Weltanschauung miteinander vergleichen lassen. Wir selbst haben die sich„wissenschaftlich" gebärdende hohen zollernsche Geschichtsschreibung so oft als Geschichtsklitterung und Legende zurückgewiesen, daß wir es wirklich für überflüssig halten, uns mit der so ganz persönlichen Ansicht Wilhelms II. noch ein- mal besonders auseinanderzusetzen. Diese Seite des Gottcsgnaden- tümlichen verdient ja auch kaum noch besondere Beachtung. Handelt es sich doch um längst Bekanntes und längst nach Gebühr Ge- würdigtcs. Dagegen verdient ein anderes Kapitel des Gottesgnadcntüm lichen einige Glossen. Melden doch die Zeitungen, daß nun„cnd° lich* auch die Verlobung der einzigen Tochter Wilhelms II. bevor- steht. Und zwar werde allem Anschein nach Herzog E r n st A u g u st von Cumberland der Eidam des deutschen Kaisers sein. Auch diese dynastische Familienangelegenheit könnte uns total gleichgültig sein, wenn es sich nicht darum handelte, daß unter Um- ständen die ohnehin keineswegs geringe Zahl der deutschen Landes- väter durch diesen Familienakt um einen neuen Landesfürsten ver mehrt werden dürfte. Denn die angekündigte Vermählung bc deutete ja nicht den Abschluß eines„Hcrzensbundes", sondern einen dynastischen Schachzug, bedeutete, daß die halbe Million Braun schweizer wahrscheinlich mit einem neuen Herzog beglückt werden würde! Das unselige Braunschweig besaß ja seit 1886 keinen angc- stammten Landesvatcr. Als der damals regierende Herzog Wil- Helm starb, wäre der eigentliche Thronfolger der ehemalige Thron- folger von Hannover, Ernst August, gewesen. Der aber war ja seit 1866 aus. Deutschland verwiesen, dieweilen Preußen Hannover annektiert hatte. Der jetzige Heiratskandidat Ernst' August ist der S 0 h n des des Landes ver- wiesenen Ernst August des Acltercn. Preußen hat die Einver- lcibung Hannovers inzwischen gründlich verdaut und kann gern dem Sohne des Enteigneten den Anspruch auf die Thronfolge in Braunschweig einräumen, umsomehr, da dieser junge Cumberländer zu dem Hohenzollernhause Verschlvähert werden soll! Dem Braunschweiger Volk soll also großes Heil widerfahren. Zwar ist sein Wahlrecht ebenso elend wie das preu- ß i s ch e, zwar hat die b r a 11 n s ch lo e i g i s ch e Polizei dem um sein Bürgerrecht kämpfenden braunschweigischen Proletariate die blutigsten Straßen schlachten geliefert— aber dafür soll cs jetzt statt des Regenten wieder einen angestammten leibhaften Landesvatcr bekommen, der obendrein eine Hohen- zollernprinzessin zur Frau hat! Welch sonderbare Gottesgnadentümlichkeitcn im 26. Fahr» hundert! Weil der König von Preußen seine Tochter an den Sohn eines vor 46 Jahren des Landes Verwiesenen verheiraten will, sollen 066 666 Reichsdeutsche auf einmal ungefragt und ungewollt einen Landesvater kriegen! Wir stecken wirklich noch abgrundtief im Mittelnltezk Kampfe und Fricdenswünklje. Auf Gallipoli, vor Adrianopel, Tschataldscha und Skutari wird heftig gekämpft. Tic Meldungen über den Er- folg widersprechen sich. Aber wichtiger als die Berichte über diese jedenfalls nicht entscheidenden Kämpfe ist cs, daß die Türkei sich neuerdings um eine Vermittlung der Mächte bemüht. Zwar wird der Nachricht in Konstanti- nopel entschieden widersprochen— begreiflicherweise, denn der Rest der kriegerischen Stimmung würde vollständig schwinden, wenn die neuerliche Bitte um frieden in itcr Armee bekannt würde. Aber die Nachricht wird von London und Paris aus bestätigt und hat sehr viel innere Wahrschcin- lichkeit für sich. ttente der Belanerunq von Skitfari. Türkische Truppen UlenrenegpinEP mll Serben QO »Türkische Vorposlenlinie 0 5 10 15 Km. -(Munäimg. Die Kämpfe auf der ßalbinfel Gallipoli. Äonstantinopel, 10. Februar. Seit Sonnabend nacht ist keine amtliche Mitteilung über die kriegerischen Er- e i g n i s s c erschienen. Tie Meldungen der Blätter stellen übereinstimmend fest, daß die Lage für die türkischen Truppen überall gut ist. Nach der Beschießung der bulgarischen Stellungen bei Silivri haben sich die Bulgaren in das Innere der Stadt zurückgezogen. Die Stadt wird jetzt von der Panzerkorvette Jdjlalije beschossen. Reisende, die aus den Dardanellen hier angekomnieu ind, berichten, daß die vorgestrigen K ä m p f c bei M a l t c p e auf der Halbinsel Gallipoli sehr erbittert gewesen seien. Die Bulgaren seien zu Hunderten tot und verwundet gefallen: die Türken hätten rund 30 Gefangene gemacht und nur zwei Tote und etwa 30 Verwundete gehabt.(?) Ein Teil der Verwundeten sei schon fortgeschafft worden. Eine Anzahl von Geschützen sei von den Bulgaren im Stiche gelassen. Bei T s ch a t a l d s ch a sollen zwölf Bulgaren gefangen genommen ein, die hierher übergeführt worden sind. Eine bulgarische Siegesmeldung. Sofia, 10. Febmar. Zu den vorgestrigen Kämpfe n b c i B u l a i r meldet die Agence Bulgare: Der Ä a m p s am Sonnabend war sehr erbittert; nach einem stürmischen Angriff der Bulgaren wurden die Türken, die in beträchtlicher Stärke am Kampfe teilnahmen, zur F l u ch t in der Richtung auf Bulair gezwungen. Tic Wirkung der bulgarischen Artillerie und des Sturms der Infanterie auf die Feinde war vernichtend; diese erlitten außerordentlich schwere Verluste und ließen auf dem Schlachtfelde eine Fahne, Geschütze, Maschinengewehre, Waffen mit viel Munition und zahlreiche Tote und Verwundete zurück. Unter den Toten befanden sich zwanzig türkische Offiziere. Auf bulgarischer Seite sind 412 Soldaten und fünf Offiziere verwundet worden. Zwei Offiziere sind tot; die Zahl der getöteten Soldaten ist noch nicht festgestellt worden, doch scheint sie unbedeutend zu sein. Die Kämpfe an der Tschataldschalinic. Konstantinopel, 10. Februar. Ein offizielles Com- munique besagt: Unsere Truppen, die sich bei Derkos befinden, besetzten, ohne Widerstand zu finden, die verschanzten Stellungen des Feindes. Der linke Flügel, der vorrückte, um den Feind auf den Höhen von Omarli anzugreifen, zwang zwei feindliche Regimenter sich zurückzuziehen. Der Feind griff unsere Stellungen am Großen See an und besetzte unsere Deckungen, aber unsere Truppen erwiderten lebhaft das Feuer und nahmen sie wieder ein. Die bei Scharkoej ans- geschifften Truppen kamen in einen Kampf mit dem Feinde und fügten ihm einen Verlust von 200 Toten zu. Ein bulgarischer Offizier wurde gefangen genommen. Das Bombardement von Adrianopel dauert fort, aber nur noch sehr schwach. Tic Belagerung Adrianvpels. Sofia, 0. Februar. Nach hier eiugctroffeueu nicht offiziellen Meldungen unternahm ein türkisches Rc- giment heute einen Ausfall au der Ostfront von A d r i a n 0 p e l, wurde jedoch zurückgeschlagen. Äonstantiuopcl, 10. Februar. Nach Meldungen türkischer Blätter haben die Bulgaren gestern abend die B c- schießung Adrian op Als ei»gestellt. Hufnahme der Kämpfe um Skutari. Cctinje, 9. Februar. Amtlich wird bekannt gegeben: Ter rechte Flügel der Kolonne des Generals Martinowitsch befetzte das Dorf D i 0 11 s S i s unterhalb der Befestigungen des T a r a b 0 s ch. Ter linke Flügel, welcher am Ufer des Skutarisees vorrückte, gelangte fast bis Siroka. Die Truppen des Zentrums rückten bis auf 200 Meter gegen die Ver- schanzungcii�am Tarabosch vor, nachdem Aufklärungsabtei- lungen die Stacheldrahtzäiine an zwölf Stellen zerstört hatten. Von Sirokagora und Oblika aus wird der Tarabosch un- ausgesetzt b 0 in b a r d i c r t. Eine serbische Truppcnabteilung unter dem Kommando des Obersten Popowitsch und drei montenegrinische Bataillone mit Maschinengewehren und Kanonen rückten gegen Brdica vor und griffen den Feind heftig an. Nach den von der Armee des Kronprinzen ein- getroffenen Nachrichten sind die Türken auf der ganzen Linie geschlagen worden. Ter große Bardan jolt sei bereits besetzt. Gestern gefangen genommene Türken bestätigen das Gerücht, daß Hassan Riza gefallen sei und daß in Skutari Vi a 11 g e l an Lebensmitteln fühlbar werde. Sie erklärten jedoch, daß Munition im Ueberfluß vorhanden sei. Weitere Erfolge der Montenegriner. Cetinje, 9. Februar.(Aus amtlicher iiiontbnegrinischer Ouelle.) Ter kleine B a r d a n j 0 l t, eine wichtige türkische Position, die der Feind stark befestigt hatte und von wo aus er seit zwei Tagen Widerstand leistete, wurde von den Montenegrinern besetzt. Ter Feind zog sich in gänzlicher Unordnung gegen die Stadt zurück. Die Monte» negriner schafften schweres Geschütz auf die eroberte Position, von wo sie spätere Kämpfe und einen Sturm aus Skutari unterstützen können. Eetinie, 10. Februar.(Aus amfticher niontcuegrinischer Ouelle.) Nach dreitägigen erbitterten Kämpfen, die a« die Einnahme des Bardanjolt geführ! wurden, belaufe» sich die Verluste der Montenegriner auf etwa 2500 Tote und Ver- wnndcte, auf feiten der Türken sind etwa 4000 Man» gefallen, die auf dem Schlachtfelde liegen. Auf dem T a r a b o s ch uud bei B r d i tz a wütet der Kampf seit drei Tagen. Obwohl . die Truppen gegen Befestigungen zu känipfen haben, die mit starken Drahtzäunen umgeben sind, rücken sie doch schrittweise mit Erfolg vor. Mehrere Verschanzungen sind genommen; -die beidevseÜtigen Verluste sind sehr lemp- 1'indlich, doch sind die genauen Verlustziffern mit Rücksicht dtirauf. daß die erbitterten Kämpfe noch fortdauern, noch nicht festgestellt worden. €rlvcken der Ciirhei um Vermittelung, Paris, 10. Februar. Aus London wird dem „Tcmps" bestätigt, daß der türkische Botschafter Sir Edward Grey gebeten habe, eine Initiative zu- gunsten des Friedens herbeizuführe». Auf die Er- klärung Greys, daß er hierzu bereit sei, falls die Türkei ein amtliches Ansucht« stelle, antwortete der türkische Bot- schafter, er sei nicht angewiesen, ein förmliches Ansuchen aus- zusprechen, sondern lediglich eine Initiative bei den Mächten anzuregeu, deren Sache es sein würde, diese Juitiative zu er- greifen oder nicht. Grey bemerkte, daß unter diesen Um- ständen ein genauer gefaßtes türkisches Au- s u ch e n notwendig sei. Tie Auffassung in Konstantinopel. Konstantinopcl, 10. Februar. Die Annahme einiger 'Morgenblätter, daß die- Entsendung des ehemaligen Groß- wesirs Hakkt Pascha nach London die unmittelbare Wiedereröffnung der Friedensverhandlungen bedeutet, eilt den Möglichkeiten voraus, die sich an diese Entsendung knüpfen können. Die Pforte scheint jetzt jedenfalls entschlossen zu sein, direkte Verhandlungen mit den Balkanstaaten nicht mehr zu führen, da sie von der Aussichtslosigkeit dieser Bemühungen fest überzeugt ist. Vielleicht dient der Aufenthalt Hakki Paschas in London der dortigen Botschafterversamnilung als wichtiger informatorischer Behelf. Der frühere Großwesir, der wohl bald wieder zu einer aktiven Rolle berufen werden wird, ist über die Absichten der Pforte auf das genaueste unterrichtet. Der offiziöse„Tan in" schreibt: Was die Möglichkeit betrifft, zur gleichen Zeit Krieg zu führen und z» verhandeln. so weisen wir diese nicht zurück. Allgemein herrscht aber hier die Meinung vor, daß die Pforte nur durch B e r m i t t e l u n g der Großmächte um den Frieden verhandeln könnte. Die Haltung der Mächte, Die„Nordd. Allg. Zeit." schreibt: Der von allen Mächten gehegte Wunsch, die Wiederauf- nähme der Feindseligkeiten in Thrazien vermieden zu sehen, hat sich nicht verwirklichen lassen. Unerschüttert aber ist das Veihhältnis der Mächte unteres n- ander geblieben. Mach wie vor geht ihr Bestreben auf m ö g- kichste Beschränkung und Abkürzung der kriegerischen Ereignisse, auf zweckdienliche Mitarbeit an einem baldi- gen Friedensschluß und auf gemeinsame Lösung der sie dabei interessierenden Fragen, die von der Versammlung der Botschafter in London vorbereitet wird. Zur Erreichung dieser �'Ziele bleiben die Mächte solidarisch in der Be- wahr u u g ihrer Neutralität und des europäischen Einvernehmens. �■'- Maffenvetchastungen in Konstantinopcl. itonstantinopel, 9. Februar. Die Polizei hat neun b u l g a- rische Staatsangehörige ausgewiesen. Außerdem ver- haftete sie etwa zweihundert Bulgaren aus Maze- dornen, von denen vierzig nach Anatolien geschickt wurden. Das bulgarische Exarchat ist wegen deren Freilassung eingeschritten. Ausweisung eines französischen Korrespondenten. Koustantinopel, 9. Februar. Die Pforte beschloß, den K o r r e- spondenten des„M a t i u" C u i n et wegen seiner falschen und tendenziösen Berichte, namentlich über angebliche Streitigkeiten unter den türkischen Truppen bei Tschataldscha, auszuweisen. nochmals die Klaffeniiiftiz. „Da die böse Sozialdemokratie nun einmal nicht mehr in der Zivangsjacke eines drakonischen Ausnahmerechts steckt, muß das gemeine Recht die erforderlichen Handhaben der ge- lvünschten Fesselung darbieten. Und da das gemeine Straf- recht mit seinen Normen nun einmal nicht darauf zu- -geschnitten ist, speziell gegen die Sozialdemokratie Waffen herzugeben, niuß man diese Normen fein sauber- l'i ch durch j uri sti s ch es Dehnen und Pressen für den Zweck zurechtrenken. Noch haben wir, die Vertreter heutiger Staats- und Gesellschaftsordnung, die richterliche Gewalt in Händen: mache n mir davon rücksichtslos Gebrauch gegen die Todfeinde unseres Staates und unserer ' Gesellschaft, ehe die soziale Revolution uns ans Messer liefert I So etwa denken die bewußtesten und ehrlichsten Köpfe deutschen Richter st an des, denen die übrigen hongr6 roalgrd nachgiebig folgen." Dieses außerordentlich bezeichnende Wort hat Genosse L a u d s b e r g am Montag in seiner Rede zum Reichsjustizamt im Reichstage der unverdienten Vergessenheit entrissen Und wieder einmal der Oeffentlichkeit und zugleich den Akten des Reichstages überführt. Das Wort stammt aus dem Munde eines der geschicktesten bürgerlichen Juristen, des in- zwischen verstorbenen Reichsgerichtsrats Mittelstaedt, der eS im Jahre 1898 der Hardenschen„Zukunft" anvertraute. Mittelstaedt selbst ist klug und kritisch genug, sich mit dieser Auffassung nicht zu identifizieren. Er kennzeichnet sie vielmehr als die Auffassung aller„stark gouvernemental gerichteten Gemüter heutigen deutschen Richterstandes" und gibt zu, daß derartige Strömungen deutscher Justiz die Stellung der Ge- ichte. den Glauben an ihre Unparteilichkeit zerstören, daß vor ällenk der politische Gewinn, den die Strafjustiz auf diesem Wege einzuheimsen vermeint, ein völlig wertloser ist." Damit ist das Vorhandensein einer Klassenjustiz ärgster Art, das die bürgerlichen Redner zum Justizetat immer wieder mit dem vollen Brustton edler Entrüstung bestreiten, offen und ehrlich zugestanden, und zwar von einem, der ganz genau Bescheid weiß, und der seine Pappenheimer kennt. Denn die Sozialdemokratie ist nicht eine zufällig zusammengelaufene Gesellschaft zufällig übereinstimmender Politiker. sondern sie ist der politische Ausdruck der unterdrückten Arbeiter- klaff«, der alle anderen Parteien bei aller sonstigen Verschiedenartigkeit als die Vertreter der herrschenden bürger- lichen Klassen geschlossen gegenüberstehen. Die Urteile gegen die Sozialdemokratie qualifizieren sich damit ohne weiteres als Urteile der Klassenjustiz. Auöb Genosse Landsberg hat heute wieder bereitwillig zugestanden, daß es sich dabei nicht um eine persönlich ge- wollte und bewußte Rechtsbeugung handelt; er hat zu- gegeben, daß er in seiner langen Tätigkeit als Rechtsanwalt den guten Willen der Richter zur Gerechtigkeit fast niemals zu bezweifeln Anlaß gehabt habe. Aber er hat doch auch, ge- stützt sowohl auf zuverlässiges Material als auch auf schlüssige Deduktionen, denen das Haus mit großem Interesse zuhörte, den überzeugenden Beweis geführt, daß die Richter ungewollt und unbewußt ihren Klassenanschauungen und ihren Klassen- Vorurteilen zum Opfer fallen, leider immer zum schweren. verbitternden und aufreizenden Nachteil für die Arbeiter. In einer ähnlich unerfreulichen Lage wie die Arbester im allgemeinen befinden sich heute, wenn auch nur aus rein polittschen Gründen, noch vielfach die Polen in Preußen. Deren Redner, der Rechtsanwalt Trampczynski. ver- mochte deshalb auch aus dem Vollen zu schöpfen, als er die Parteilichkeit der preußischen Justiz polnischen Angeklagten und polnischen Rechtheischenden gegenüber geißelte. Der Fortschrittler Ablaß wandte sich gegen die Be- strebungen, zum Zwecke der Bekämpfung von Schmutz und Schund in Literatur und Kunst Gesetze zu machen, durch die die Richter zur Entscheidung über ethische und ästhettsche Streitfragen berufen würden. Er wies ferner auf die interessante Tat- fache hin, daß der.Bund der Landwirte, ein politischer Verein, ins Vereinsregister eingetragen sei. Der Staatssekretär Lisco redete sich damals heraus, daß die Justiz dafür nicht verantwortlich gemacht werden könne, da die zuständige Verwaltungsbehörde keinen Einspruch gegen die Eintragung erhoben habe. Ein bequemer Standpuntt, der im Fort- gange der Debatte wohl noch kräftig angefochten werden wird. Zw Vohmiligsttage. Wie oft hat der Reichstag bereits die Wohnungsfrage erörtert! Wie viele Vorschläge zur„Lösung" der Wohnungsfrage haben die bürgerlichen Sozialpolitiker bereits gemacht! Auch unsere Partei hat es seit jeher nicht an Anregungen zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse und an der Förderung aller Bestrebungen fehlen lassen, die auf dieses Ziel gerichtet sind. Das hat unsere Partei getan, obgleich sie nicht im Zweifel darüber war und ist, daß die Wohnungsfrage in Wahrheit nicht so„gelöst" werden stann, wie es die bürgerlichen Sozialpolitiker darstellen. Die Wohnungsfrage hat eine zwiefache Bedeutung: Sie heischt auf der einen Seite Matznahmen, die den Grund- und Boden- Wucher einschränken und den Bau preiswerter Häuser mit guten Wohnungen für die große Masse de» arbeitenden Volkes möglichst erleichtern. Die Wohnungsfrage ist aber auch ein Teil der Lohn- frage, und hier heißt es, den Einfluß der Arbeiter und ihrer Ver- bände auf die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse immer mehr zu verstärken, um die Löhne zu erhöhen und es dadurch den Arbeitern zu ermöglichen, die Miete für gute Wohnungen zu be- zahlen. Die Vorschläge der bürgerlichen Sozialpolitiker zur„Lösung" der Wohnungsfrage sehen von der Bedeutung der Wohnungsfrage als eines Teils der Lohnfrage ganz ab. Sie beziehen sich nur auf den Bau guter und preiswerter Wohnhäuser für die große Masse des arbeitenden Volkes. Auch die Sozialdemokraten beteiligen sich an diesen Bestrebungen, weil sie dazu beitragen, die Mißstände im Wohnungswesen hier und dort wenigstens einigermaßen zu mil- dern. So ist es gekommen, daß der Reichstag am 21. Mai 1912 einstimmig jene bekannte Erklärung mit den Grundsätzen ab- gegeben hat, nach denen das Reich den Bau von guten und preis- werten Wohnhäusern fördern soll. Jetzt kommt es darauf an, auch die Regierungen zu einem tatkräftigen Vorgehen gemäß jener Erklärung zu veranlassen. Dies sollte eigentlich keine große Mühe machen. Der Grund- und Bodenwucher— wenigstens der städtische— ist angeblich nirgends beliebt. Selbst die Junker haben sich über den Grund- und Boden- Wucher in den Großstädten schon oft gewaltig entrüstet. Trotzdem mußte bei den Debatten der vorigen Woche unser Redner im Reichstage, Genosse Göhre, feststellen. daß wir noch sehr weit voei den in jener Erklärung geforderten Maßnahmen entfernt sind. Die Reichsver- waltung weigert sich, die Angelegenheit in vollem Umfange in die Hand zu nehmen, da die Einzelstaaten nach ihren besonderen Verhältnissen gewisse Teile der Wohnungsfrage regeln wollen. Der größte Bundesstaat. Preußen, versagt hier, wie in allen Fragen der Volkswohlfahrt. Deshalb forderte Genosse Göhre. daß die Wohnungskommission des Reichstages, die jene Erklärung des Reichstages vorbereitet hat, bestehen bleibt, um den Kampf für die Maßnahmen des Reichs auf diesem Gebiete welter zu führen. Eine große Rolle spielte im Reichstag der Entwurf eines Wohnungsgesetzes, den— wie wir ausführlich be- richtet haben— die preußische Regierung vor einigen Tagen veröffentlicht hat. Genosse Göhre erinnerte daran, daß die preußische Regierung einen derartigen Entwurf bereits im Jahre 1994 veröffentlicht hat und trotzdem nichts daraus geworden ist. Auch jetzt ist zu befürchten, daß wir in Preußen nicht das erreichen werden, was notwendig ist. Im preußischen Dreiklassenhaus herrschen infolg« des schmäh- lichen DreitlassenwahlrechtS die volksfeindlichen Parteien, die von den Geldleuten gewählt werden. Diese„Volksvertreter" sind von den Grund- und Bodenwucherern abhängig. Wie können solche Leute ernstlich gegen den Grund- und Bodenwucher vorgehen? Dazu kommt die Herrschaft der Grund- und Bodenwuchcrer in den Gemeindevertretungen, für die nicht nur ebenfalls ein Dreiklassen- Wahlrecht besteht, sondern auch die Bestimmung gilt, daß ihre Mit- glieder mindestens zur Hälfte Hausbesitzer sein müssen. Trotzdem haben verschiedene Redner der bürgerlichen Parteien die Veröffentlichung des preußischen Entwurfs als eine— Tat gefeiert und verlangt, daß zunächst abgewartet werden müsse, was in Preußen in bczug auf die Wohnungsfrage erreicht werde. Ganz besonders entschieden traten für das Recht der Einzelstaaten, ge- wisse Teile der Wohnungsfrage zu regeln, die Junker ein. Das ist begreiflich, da in Preußen bei der jetzigen Wirtschaft ihr Vorteil unter allen Umständen gewahrt wird. Ist doch auch in dem preußischen Wohnungsgesetzentwurf keine einzige Bestimmung cnt- halten, die sich gegen den Grund- und Bodenwucher der Agra r i er richtet. Wenn also in Preußen wirtlich unter den jetzigen Ver- Hältnissen etwas zustande kommen sollte, dann würde das für die Agrarier ganz ungefährlich sein. Die Verhältnisse im Wohnungswesen sind aber derart, daß möglichst bald cingegriffen werden muß. Deshalb können sich die Arbeiter im Reiche unmöglich durch die Junkerwirtschaft in Preußen zurückhalten lassen. Sie müssen vielmehr darauf dringen, daß unter allen Umständen die notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden. Das Reich darf nicht warten, bis es Preußen gefällt, in dieser Frage mit genügenden Maßnahmen vorzugehen. Das Reich muß eingreifen und alles da» durchführen, was zur Besserung der Wohnungsfrage geeignet ist. politiscbe Gcbcrflcbt. Berlin, den 10. Februar 1918. Der Bauetat im preußischen Abgeordnetenhause. Im preußischen Dreiklassenhause wurde am Montag der Bau- etat wciterberaten. Der konservative Abg. v. M altzahn richtete gegen den Staatssekretär Delbrück aufs neue heftige Angriffe. Das Wohnungsgesetz müsse eine preußische Angelegenheit bleiben, in die man sich nicht hineinreden lassen wolle, denn man wolle seine Frei- heit behalten. Die Konservativen hielten an der kaiserlichen Bot» schaft von 1881 fest und machten damit bessere Sozialpolitik als „andere Leute"!— Der nationalliberale Abg. Dr. Röchling stellte sich auf den gleichen Standpunkt. Auch er erklärte die ge- setzliche Regelung des Wohnungswesens für eine Landessache und bildete den kostbaren Satz, daß beim Dreiklassenhaus mindc- stens ebenso viel sozialpolitisches Verständnis zu finden sei, wie bei den Reichsämtern. Die Debatte drehte sich sonst zumefft um die Frage, ob durch den neuen Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin. von dem der Fortschrittler Lippmann übrigens ausführte, daß er eigentlich ein Kleinschiffahrtswcg sei, die englische Kohle auf dem Berliner Markt zum Nachteil der obcrschlesischen bevorzugt werden würde. Obgleich das Wasserstraßengesetz von 199S den oberschlefi- schcn Kohlenbergwerken zusichert, daß eine solche Benachteiligung durch entsprechende Frachttarife verhindert werden solle, kündigte der Verkehrsminister v. Breitenbach an, daß abermals 49 Mil- lionen Mark zur Verbesserung der Schiffahrt auf der oberen Oder angelegt werden sollen.— In der Debatte war auch die Rede von der Errichtung eines eigenen Bauten-Ministeriums; jedoch sprach sich der Minister gegen die Trennung der Kanalverwaltung von der Eisenbahnverwaltung aus. In der Einzelberatung trat Genosse H o f f m a n n für die Ar- beiter der Wasserbauverwaltung ein und kritisierte scharf die völlig grundlosen plötzlichen Entlassungen einiger Dutzend Familien- Väter, die schon seit 5—15 Jahren bei der Wasserbauverwaltung in Swinemünde beschäftigt waren. Er hatte den Erfolg, daß der Unterstatssekretär an diese Entlassungen gar nicht glauben wollte und sie auch nicht billigte.— Genosse Hoffmann kam auch noch darauf zurück, daß die fortschrittlichen Redner den Minister mit Erfolg gebeten hatten, den Arbeitern den Beitritt zum Hirsch- Dunckerschen Gewerkverein zu gestatten, und er trat dafür ein, daß den Arbeitern ihr Vereinigungsrecht unverkümmert gewährt bleibe, gleichgültig in welchem Sinne sie es ausüben wollten. Zur deutsch-englischen Flottenfrage. Zu der Erklärung des Staatssekretärs des Reichsmarineamts über die Flottenfrage meldet die„Köln. Ztg." in einem anscheinend offiziösen Telegramm aus Berlin folgendes: „Entsprechend der alles überragenden Bedeutung der Frage der deutsch-englischen Beziehungen und der Flottenrüstungen beider Länder, werden die Aeußerungen, die der Staatssekretär v. Tirpitz gestern in der Budgetkommission über das Verhältnis beider Flotten getan hat, oder vielmehr der kurze Auszug aus seinen Darlegungen, der durch die Press« geht, heute in Deutschland wnd England aufs lebhafteste besprochen. Soweit man die Mitteilungen des Staatssekretärs— daß ein Verhältnis von 19:18 zwischen der deutschen und der englischen Schlachtflotte für die nächsten Jahre an- nehmbar sei, und daß er von seinem Ressortstandpunkte keine� Bc- denken dagegen habe— politisch ausgebeutet oder in ihr eine über- raschende Neuigkeit erblicken will, greifen die Kommentare daneben, Sie gehen von falschen Voraussetzungen aus, einmal als ob Herr v. Tirpitz ein„Flottenäbkommen" habe ankündigen wollen, zum an. dern, als ob er etwas habe mitteilen wollen,>oas bisher unerhört gewesen sei. Glücklicherweise ist in der deutschen Presse diese Auf» fassüng nur vereinzelt. Richtig faßt man unsers Erachtens die Mit- teilnngen auf, wenn man davon ausgeht, daß die Auslassungen des Herrn v. Tirpitz an sich weder etwas Neues bieten, noch etwa gar einen veränderten Standpunkt der deutschen Marinepolitik ankmr- digen wollen. Man muß sich ins Gedächtnis zurückrufen, daß der englische Marineminister Churchill am 13. März vorigen Jahres von diesem Verhältnis zwischen den beiden Flotten ge- sprachen und es für die nächsten Jahre und für die Dreadnought- klasse für annehmbar erklärt hat. Dieser Erklärung seines eng- lisch« n Kollegen schließt sich Herr v. Tirpitz an, indem er auch für uns diese Relation für die nächsten Jahre für annehmbar erachtet. Man hat seinerzeit bei uns viel von dem Verhältnis zwei zu drei beider Flotten gesprochen, was ungefähr dasselbe ist. wie das Verhältnis 19: 18. Der Grundgedanke war dabei kein anderer wie der, der den gestrigen Aeußerungen des Staatssekretärs zugrunde lag, daß bei diesem Verhältnis dem englischen Flottenmachtbedürf- nis sein Recht wird, und daß Deutschland dabei eine Flottenstärke hat, die den Angriff auf uns zu einem Risiko macht, das ein Gegner sich zweimal überlegt, ehe er es eingeht, das also für uns das not- wendige Mindestmaß an Schutz bildet. Das ist der„Risikogedankc" des deutschen Flottengcsetzes, der seine Erfüllung allerdings erst bei der Durchführung des Gesetzes, also 1929, gefunden haben wird. Er findet in dem 2: 3 oder 19: 16 seinen Ausdruck. Ein solches Ver- hältnis läßt sich nicht in bezug auf Einzelschiffe aufstellen, sondern nur in bezug auf Verbände, und dies.ist erst möglich, nachdem sich England eine feste Organisation von Linienschiffverbänden ge- schaffen hat. Dabei kann immer die Einzelqualität der Schiffe auch in diesem Verhältnes, wie es z. B. die Durchführung jedes Flotten- gesetzes für Deutschland und England mit fünf deutschen gegen acht englische Linienschiffsgeschwader schaffen wird. Schwankungen her« beiführen. Aus Gründen des derzeitigen englischen Linienschiffs» baues wird das erwähnte Verhältnis für die nächsten Jahre be- stehen bleiben, die Geschwaderverbände bleiben 5:8. Es wird noch Anlaß sein, auf die Angelegenheit zurückzu» kommen und dabei der Schwierigkeiten eines eigentlichen„Flotten- abkommens". von dem jetzt fälschlich gesprochen wird, zu gedenken. Einstweilen sei festgestellt, daß die Bezeichnung eines gegenseitigen Verhältnisses wie des jetzt festgestellten als zweckmäßig und seine vorläufige Beibehaltung, entsprechend den von beiden Seiten er- folgten Erklärungen, eine Grundlage schafft, auf der sich eine frird- liche Verständigung über alle möglichen sonstigen Probleme erreichen lassen wird. Darauf kommt es in erster Linie an. nicht auf die Er- strebung eines utopischen„Abkommens", das aus noch zu be- sprechenden Gründen hen Keim zu großen Schwierigkeiten und Reibereien bergen würde.__ Wieder eine nationalliberale«inigkeitskomödie. Die gestrige Sitzung des Zentralvorstandes der nattonalliberalen Partei im Reichstag hat nach bekanntem Rezept wieder mit der üblichen Konstatierung der Einheitlichkeit der nationalliberalen Partei geendet. Einberufen war die Sitzung um den Streit Ludewig» Schiffer zu schlichten und den Mitgliedern des Zentralvorstande« Gelegenheit zu bieten. sich über die gegensätzlichen Strömungen in der eigenen Partei auszusprechen. Die Besorgnis, daß es zu ernsten Konflikten kommen könne, hatte aber die leitenden Größen bewogen, schon vorher eine große Versöhnungsaktion zwischen dem Gehcimrat Ludelvig und den» Oberverwaltungsgericht«. rat Schiffer einzuleiten; und nachdem beide in bekannter Weise ihren Streit für ein großes Mißverständnis erklärt und sich gegenseitig halbe Ehrenerklärungen ausgestellt hatte», konnte die Aussprache über die sogenannten»inneren Angelegen- Heitel»' auf ein Minimum eingeschränlt werden. Tatsächlich waren diese.innerenAngelegenheiten' dann auch erst als zweiter Punkt auf die Tagesordnung gesetzt, und fte wurden gar schnell da- durch erledigt, daß der Geschäftsführende Ausschuß folgenden von der Versammlung mit heiterem Verständnis genehmigten An- trag stellte: .Der Zentralvorstand beauftragt den GeschästSführenden AuS- schuh, eine Kommission einzusetzen, welche Vorschläge für eine zweckmäßige Regelung der Beziehungen zwischen dem Zentral- bureau und de» Geschäftsstellen im Lande im Interesse einer wirksamen Aufrechterhaltung der ParteidiSziplin auszuarbeiten und dem Zentralvorstande bei seinem nächsten Zusammentreten zu unterbreiten hat." Bei der Aussprache wurde den Parteifreunden besonders auch eine bessere Disziplin in der Benutzung der Presse ans Herz gelegt Es wurde dabei festgestellt, daß die.Süddeutsche National- liberale Correspondenz" und die.Hamburger Nach- richten' als außerhalb der Partei stehend betrachtet werden. Eine Mitarbeit an diesen Organen sowie die Benutzung gegnerischer Blätter zur Erörterung von inneren Parteifragen laufe dem Interesse der Partei zuwider. Da diese Begrabung deS Streites in einer Kommission jedoch als einziger Gegenstand der großen Beratung allzu winzig erschien, war außerdem ein großes Referat des Herrn Basser mann über die.auswärtige Politik. Landesverteidigung und Kostendeckung" auf die Tagesordnung gesetzt worden. das diesem Führer der Fraktion Drehscheibe einen willkommenen An- laß bot. wieder mal allerlei.Richtlinien' für die nächste Zu- kunft zu skizzieren. Mit bekannter vaterländischer Begeisterung führte er aus, die ganze internationale Lage nötige zu gewaltigen militärischen Anstrengungen, wie sie vielleicht einzig daständen in der Geschichte. Das deutsche Volt sei reif genug, für sich in An- spruch zu nehmen, selbständig zu prüfen, ob die Vorschläge der Re- gierung für die Erhaltung der Schlagfertigteit unserer Wehr aus- reichend sind. Die nationalliberale Reichstagsfraktion habe die Ge- nugtuung, daß die Forderungen, die sie schon 1011 und 1012 er- hoben, nunmehr verwirklicht werden sollen durch die neue Wehr- Vorlage, die in nächster Zeit dem Reichstage vorgelegt werde. Was die Deckungsfrage anlange, so sei der Weg vorgezeichnet, durch den im Vorjahre angenommenen Besitzsteuerantrag Bassermann- Erz- berger. Greife die Regierung mit fester Entschlossenheit zu. dann, aber auch nur dann, werde sie die vorhandenen Schwierigkeiten überwinden. Abg. Basiermann schloß mit dem Hinwels auf die starke nationale Bewegung im deutschen Volke und die freudige Opferbereitschaft, die sich überall kundgebe. Unsere Zeit sei richtig gekennzeichnet mit dem Wort: Bismarck ist nicht tot, Bismarck lebt, aber nicht in der Regierung, sondern im Volk l Schließlich wurde folgende von den Herren Bassermann, Fried- berg und Schifferer in hehrer politischer Uebereinstimmüng gemeinsam eingebrachte Resolution angenommen: Der Ernst der Zeit erfordert mehr als je zum Schutz unserer nationalen und wirtschaftlichen Interessen eine kraftvolle, stetige und zielbewußte auswärtige Politik. Zu ihrer Durchführung be- darf eS zunächst einer zeitgemäßen Reform des auswärtigen Dienstes, der durch Beseitigung der Herrichenden Exklusivität allen dazu geeigneten Kräften unseres Volkes zugänglich zu machen ist. Vor allem ist aber eine schleunige und gründ- liche Verstärkung unserer Wehr unumgänglich jf n o t w e u d i g. Im Einklang mit dem Standpunkte, welchen die ReichtagStraklion bei der Ouinquennats-Vorlage des Jahres 1011 und bei der Milirärvorlaae des JahreS 1912 tinaeuormnen hat, f fordert der Zentralvorswnd'die Durchführung bei; a l lg e m e i n e n Wehrpflicht und alle Maßregeln, welche zur Beschleunigung der Mobilmachung und der Sicherung einer kraftvollen Offensive dienen, und begrüßt mit Genugtung den Entschluß der Verbündeten Regierungen, dem Reichstag eine diesen Gesichts- punkten entsprechende Vorlage zu unterbreiten.(Berstärkung der Kaders, der Artilleriebespannung und Formierung von Kavallerie- Divisionen im Frieden, serner Schaffung einer deutschen Luftflotte für Heer und Flotte.) Eine gar lustige Komödie I_ Pulverdam�f und Profit! Die Kriegshetzerei ist ein lohnendes Geschäft I Die wütendsten Chauvinisten, die jeden Tag andere Nationen in Grund und Boden wünschen und das eigene Volk nationalistisch zu fanatifieren ver- suchen, liefem den»Feinden' mit Vergnügen Mordwerkzeuqe und Schießbedarf. Und die Geschäftspatrioten können mit dem Erfolg ihres hetzerischen Eifers zufrieden sein. Fleißig kaufte das Ausland zu erhöhten Preisen Waffen und Munition. Im Jahre 1012 wurden aus Deutschland 18710 Doppelzentner Feuerwaffen ausgeführt, genau doppelt soviel, als im Jahre vorher. Glänzender noch war das Pulvergeschäst. Die Ausfuhr an Sprengstoffen, Schießbedarf und Zündwaren, die für 1011 in der Statistik mit 142 71ö Doppelzentner im Werte von 38 Millionen Mark verzeichnet steht, ergab im letzten Jahre 212 650 Doppelzentner im Werte von 64.5 Millionen Mark. Der Menge nach stieg die Ausfuhr um fast 50 Proz., dem Werte nach aber um 70 Proz. So wird der Feind gegen da» heißgeliebte Vaterland ausgerüstet! Das bringt doch was ein! Wie noch be- mertt werden mag, ist die Einfuhr— auch wir kaufen und erhalten natürlich von den„Gegnern' Mord- und Zerstörungswerkzeuge— zurückgegangen. Bei den Feuerwaffen von 2128 Doppelzentnern auf 2111 Doppelzentner, und bei den Pulverwaren-von 7040 auf 6854 Doppelzenmer. Selbstverständlich sind die Geschäftspatrioten geschäftlich neutral. Sie liefern an jeden Staat die besten Waffen, die allerbest« Munition. Das heimtückische Rußland gehört genau so gut zu den Kunden unserer Mordsmittelindustrie wie das»perside' Albion. Di« Hauptabnehmer sind natürlich zurzeit die an dem Balkankrieg interessierten Staaten: die Türkei. Rumänien. Bulgarien, Griechenland. Auch Oesterreich- Ungaiu hatte große Bedürfnisse. Und der Mahnruf:»Völker Europas, schützt Eure heiligsten Güter!' hinderte das vaterländische Gewisien unserer Kricgspatrioten auch nicht, Japan und China mit den neuesten Errungenschaften der modernen Geschütztechnit zu versehen. Der Nationalismus ist den Geschäfts- Patrioten ein gutes Mittel zur Mehrung ihres Profits. Je mehr die Staaten sich befeinden und für den befürchteten Weltkrieg rüsten, je höher steigen die Dividenden der Waffenfabriken. Mufi man weit zurückgreifen? Wenn eö gilt, die geradezu handgreifliche Existenz der K l a i s e n j u st i z aus der Welt zu leugnen, ist unserer bürgerlichen Prefle auch die fadenscheinigste Ausflucht recht. Freilich, das massen- haste Tatsachenmaterial ist nicht zu widerlege»: so muß denn irgend« wie daran herumgcmälelt und seine Bedeutung abgeschwächt werden. Wie das gemacht wird, zeigt die.Natiolial-Zeitung' vom 8. Februar, daS die Rede des Genossen Cohn zum Justizetat mit folgenden Worten kritisiert: ..Die klassischen Beispiele der..Klassenjustiz' holt er lder Redner) aus der sozialdemokratrichen Rüstkammer hervor: Arbeits- willige. Moabiter Prozesse und Fall Eulenburg. E» jst inimerhin bemerkenswert, daß der Genosse, um recht kräftig verdammen zu ft»«nen. so weit zurückgreise» muß i» die gute alte oert." Es kann hier ganz davon abgesehen werden, daß„die gute alte Zeit", aus der diese Fälle stammen sollen, die Jahre 1000—1912 sind i— ist doch recht erfreulich, wenn die»Skational-Zeitung' plötzlich so umstürzlerisch geworden ist, daß sie die Neuzeit erst mit 1913 be- ginnen läßt. Aber die Ironie deS Schicksals will es. daß in genau der gleichen Nummer der Fall des Regimentskommandeurs Hennigst in Zweibrücken glossiert wird, der einen Redakteur auf offener Straße geohrfeigt hat und von dem Kriegsgericht in Landau mit 50 Mark bestraft worden ist.„Eine billige Ohrfeige" nennt das die»National- Zeitung". Sie meint: „Der Oberst behauptete, daß er sich nicht anders habe Helsen können, und seine militärischen Richter müssen wohl diesen Stand- pnnkt gewürdigt haben, denn anders ist die niedrige Strafe für einen U eberfall in aller Oesfentlich- keit nicht erklärlich. Zugegeben, daß der Oberst gereizt war und für die Ehr« seines Osfizierkorps einzutreten sich ver- pflichtet hielt, konnte er nicht den Weg der Klage besidreiten, die zweifellos der Staatsanwalt im öffentlichen Interesse erhoben hätte, wenn es galt, die politische Neutralität des Osfizierkorps zu beweisen? Oder hielten sich die Offiziere für zu gut. sich ihre Unschuld von einem bürgerlichen Gericht bestätigen zu lassen? Diese Ausübung des Faustrechls ist gewiß nicht geeignet, Sympathie zu erwecke», vielmehr drängt sich unwillkürlich die Frage auf, welche Strafe der Schrift st eller er- halten hätte, wenn erden Obersten auf ossener Straße in dieser brutalen Weise angegriffen und tätlich beleidigt hätte." Man braucht also, um die Existenz der Klassenjustiz zu be- weisen, wirklich nicht auf die»gute alte Zeit' vor 1013 zurück- greifen._'. Ein Schildbürgerstreich. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte die Chemnitzer»Volks- stimme" einen Artikel, in dem das Verhalten der sächsischen Regierung gegenüber der Petitionskoinmission des Landtages kritisiert wurde. Die Kommission wollte sich im Dresdener Schlachthofe das Schächten ansehen. Da kam die Regierung und erhob auf Grund einer ganz veralteten Bestimmung der Verfassung Einspruch beim Stadtrat in Dresden. Der Landtag darf nach dieser Bestimmung nur mit der Regierung direkt verkehren. Die Petitionskommission fuhr daraus nach Halle und orientierte sich auf dem dortigen Schlachthof über das Schächten. Diese Vorgänge wurden in der„Volksstimme' ent- sprechend kritisiert. Das gefiel dem Chemnitzer Oberstaatsanwalt nicht. Er erhob Anklage und die Strafkammer verurteilte den ver- antwortlichen Redakteur Seisarth zu einem Monat Ge- f ä ii g n i S. trotzdem die als Zeugen geladenen LandtagSabgeordnelen erklärten, sie hätten das Vorgehen der Regierung als eine BrüSkie- rung der Abgeordneten aufgefaßt. Ungarn. Der Wahlrechtskampf. I Budapest, 8. Februar.(Eig. Ber.) Nun hat der par- lamentarifche Wahlrechtsausschuß die Beratung der von allen Seiten angefeindeten Wahlrechtsvorlage begonnen. Ohne alle Opposition, nur aus Mitgliedern der Rc- gierungspartei bestehend, soll dieses 40gliedrige Komitee nun das Gesetz zustande bringen, welches dem arg zerklüfteten Lande Ruhe schaffen soll. Wer diese Männer, die in den Wahlrechtsausschuß gewählt wurden, genau kennt, muß jede Hoffnung aufgeben, denn ihnen fehlt selbst der Wille, etwas Gutes zu schaffen. Jst nun die Arbeiterklasse darüber im Reinen, daß bei den Beratungen des Wahlrechtsausichusses sür sie nichts Er- sprietzliches herauskommt, um. so mehr darüber, daß die -ÄgtwtiouMür— dew- bevorstehenden Generalstreik im ganzen Lande nicht nachläßt. Die industriell e n Arbeiter sind bereits für die kommenden Kämpfe mobilisiert, Fabrik- und Werkstättenkonfcrenzen, Branchenversammlungen und ösfentliche Massenmeetings werden abgehalten, und der Massenstreik wird in diesen Versanunlungen vorbereitet. Auch die l a n d w i r t s ch a s t l i ch e n Arbeiter sind ganz Feuer und Flamine für den Massenstreik. Wenn auch die Stuhlrichtcr die angemeldeten Versammlungen mit der Tagesordnung„Der Massenstreik" meist verbieten, lassen sich die begeisterten Bauern doch nicht abhalten, in aller Stille für den letzten Kanipf des Proletariats zu wirken. Wohl cr- schweren die Gendarmen auch diese geheimen Beratungen der landwirtschaftlichen Arbeiter, aber dies treibt dieselben nur noch zu größerein Eifer an. Und auch unter der Erde rumort es: die Berg- arbeiter Ungarns, SOlXK) an der Zahl, die durch das ver- altete Berggesetz noch immer vom Koalitionsrecht ausg» schlössen sind, stehen auf der Seite ihrer industriellen Brüder. Es ist mehr als gewiß, daß bei Ausbruch des Massenstreiks diese schwarzen Sklaven ihren Herren den Gehorsam Verden. In allen Gegenden des Landes, selbst dort, wo noä) nie das Wort„Sozialismus" ausgesprochen wurde, finden politische Versammlungen statt, in welchen die Wahlrechts- vorläge besprochen wird. Sehr wirksam für die Agitation sind die in Millionen von dcinParteivorstand herausgegebenen Flugschriften, die in allen Sprachen des Landes erscheinen. Solche Flugschriften wurden verbreitet 1 Million unter den industriellen Arbeitern in deutscher und ungarischer Sprache, 1 Million unter der Landbevölkerung in ungarischer und deutscher Sprache. 1 Million unter den Bergarbeitern in ungarischer, deutscher, slawischer und rumänischer Sprache und y2 Million unter den Soldaten,„die Proletarier im Waffen- rock", in ungarischer und deutscher Sprache. Das letzte Flug- blatt wurde von der Staatsanwaltschaft konfisziert, die Ver- teilung war aber schon erfolgt, und das Budapester Korps- kommando sah sich gezwungen, in einem Tagesbefehl die Soldaten bei strengster Strafe vor der Annahme und dem Lesen der Flugblätter zu warnen. Die Regierung hat es nicht an Versuchen fehlen lassen. -den Streik zu verhindern oder wenigstens au parieren. Die Behörden sind durch amtliche Rundschreiben aufgefordert worden, der Arbeiterbewegung und den Versammlungen größte Aufmerksamkeit zu schenken. Durch ein vertrauliches Rundschreiben der Regierung sind die Behörden noch aufgefordert worden, bei Ausbruch des Streiks selbst mit den äußersten Mitteln einzuschreiten, um Ruhe und Ordnung„um jeden Preis" aufrechtzuerhalten. In der Hauptstadt und in großen Industriestädten wurde den Soldaten verboten, Schankwirtschaftcn zu besuchen, in denen Arbeitervereine tagen oder Arbeiter verkehren. In der Hauptstadt wurde das seit undenkbar langen Zeiten dort liegende Husarenregiment Nr. 32 verlegt und ein serbisches Regimenr in Budapest einquartiert. All diese Vorkehrungen und Rüstungen der Regierung sind natürlich nicht imstande, die Arbeiter von ihrem Vorsatz abzubringen. Andererseits versucht es die Regierung wieder. die Sozialdemokratie im Guten zur Ausgabe ihrer Pläne zu veranlassen. So wird geflissentlich von Regierungskreisen die Nachricht kolportiert, der„radikale" Teil des Wahlrechts- ausschusses werde große Begünstigungen für die industrielle Arbeiterschaft beantragen, und die Regierung beabsichtige, diesem Verlangen zu entsprechen. ItaUeni Abwehr eines Anschlags der Senatoren auf de» Arbeiterschntz. Rom, den 8. Februar. tEig. Ber.) Das am 22. Dezember 10lS von der italienischen Kammer angenoinmene Gesetz über die Fabril- i n s p e l t i o n hatte vorher im Senat etile durchaus reaktionäre Ab- änderung erfahren: unter dem Bortvand, das Eindringen der Jnspel- toren in die Privatwohnungen der kleinen Unternehmer zu verhindern hatte der Senat die Worte des Entwurfs loeggestrichen, die den Beaniten freistellten, die mit den Werkstätten zusammenhängenden Nebenräume zu inspizieren. Ohne dieses Recht wäre die Fabrik- inspektion der kleinen Betriebe praktisch so gut wie wertlos gewesen, da den Unternehmern nichts leichter war, als die gesetz« widrig beschäftigten Kinder oder Frauen beim Erscheinen der In« spektorcn in den Nebenräumen zu verstecken. Run haben aber die vom Reichsarbeitsrat auszuarbeitenden Ausführungsbestimmungelt, die durch königliches Dekret Gesetzeskraft erlangen, das vom Senat verkürzte Recht wieder hergestellt. Im Reglement, dessen Entwurs soeben vollendet worden ist, heißt es nämlich, daß die Inspektion der Nebenräume freisteht, falls die Inspektoren begründeten Verdacht haben, daß in diesen Räumen der Beweis für Gesetzesübertretungen verborgen gehalten wird. Darum handelte es sich ja gerade l Gerade diese heimliche Stätte des Unternehmeridylls wollte der Senat vor profanen Augen sicherstellen l Sugland. Daö Unterhaus zur deutsch-cnglischen Flottenverstäudiguug. London, 10. Februar. Unterhaus. Der Nationalist M i d d l e m o r c richtete an den Ersten Lord der Admiralität, Churchill, die Anfrage, wie stark nach dem gegenwärtigen Bauplan der vollständige Besitzstand der deutsazen Flotte an Drcad'noughts im April 1913 seilt werde und eine wie große Anzahl britischer Schisse erforderlich sein werde, um den Uleberlegcnheitsstandard Endlands, wie er ain 18. März 1912 festgelegt worden sei, aufrechtzuerhalten. Churchill er- widerte, daß die Zahl der deutschen Drcadnoughts einschlicß- lich der Schlachtkreuzer zur genannten Zeit auf 25 berechnet werde, die gesamte britische Flotte werde dann einschließlich der Schiffe Neuseelands, Australiens und- der beiden Lord Nelsons, aber ausschließlich der von den malayischen Staaten und der von Kanada in Aussicht genommenen, 4 3 D r e a d- n o u g h t s besitzen. So werde der Uebcrlegenheitsstandard gewahrt sein, wenn die dem Parlament im vorigen Jahre an- gekündigten Baupläne durchgeführt fein werden. Ckwa. Rüstungen gegen die Mongolei. Urga» 0. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen« agentur.) Der Aufklärungsdienst der mongolischen Regierung hat festgestellt, daß die chinesische Regierung jetzt sür einen Krieg gegen die Mongolei über 40 000 Mann jeder Waffengattung Verjügt, die an den Grenzgebieten zusammengezogen sind. Japan. Weitere Vertagung des Parlaments. Tokio, 10. Februar. Nach einer eilig zusainmenberufenen Miniiterkonferenz ist heute das Abgeordnetenhaus, alS eS im Begriffe war, sich zu versammeln, durch einen kaiserlichen Erlaß vertagt worden. Die dem ParlameniSgebäude benachbarte» Straßen sind von einer leidenschaftlich erregten Menge überfüllt; Gendarmen unterstützen die Polizei bei Llufrechterhastung der Ordnung. �.. ,v- HnicHba. Armeerevolution in Mexiko., Mexiko, 9. Februar. Eine Armecrevolution ist ausgebrochen. Die Truppen haben den Nationalpalast und die wichtigsten öffentlichen Gebäude besetzt und patrouillieren in den Straßen. Gustavo M a d e r o wurde zum Gefangenen gemacht. Mexiko, 9. Februar. Nach längeren Straßenkämpsen hat die Regierung teilweise wieder die Oberhand gewonnen. Bis jetzt dürften etwa 159 Mann getötet worden seirz. Auf feiten der Regierungspartei fiel General Billar. Präsident Madero befehligte zeitweise persönlich die ihm ergebenen Truppen. Der größere Teil der Armee scheint der Regierung treu geblieben zu sein. Die Haltung der Artillerie ist zweifel- hast. Die Regierung hat wieder von dem Nationalpalast Besitz ergriffen. Die Insurgenten setzten Felix Diaz und den General Bernardo Rcyes in Freiheit. Mexiko, 10. Februar. Im Verlaufe der Kämpfe gingen die Artillerie und der größte Teil der Truppen zu D i a z über. der Herr der Situation zu sein scheint. Diaz ist ein Neffe des früheren Präsidenten. Nach den letzten Telegrammen halten sich Präsident Madero und die Minister noch im Nationalpalast, um den sich die blutigsten Kämpfe abspielen. Unter den Verivundeten befindet sich auch der Kriegsminister. General Gregorio Rucz. zwei Hauptleute und drei Leutnants sind im Eoastguard-Palast tödlich verwundet worden. Nach einer anderen Meldung sollen sie von ihren eigenen Soldaten getötet worden sein, weil sie versuchten, diese von einer Ver- einigung niit den Rebellen abzuhalten. Diaz hat erst nach heftigem Widerstand das Arsenal einnehmen können. Auch aus anderen Orten werden R e v olu tion«-Auf- stände gemeldet. Mexiko, 10. Februar.(Meldung der„Associated Preß".) Felix Diaz. der am Sonntag noch ein zum Tode verurteilter politischer Gefangener war. besitzt jetzt tatsächlich die Gewalt in Mexiko; er hat drei bis vier Waffenarscnale und Pulver- fabriken in seinem Besitz. Madero wurde am Sonntag bis 10 Uhr abends in dem Nationalpalast belagert, den er um diese Zeit mit den Ministern verließ. Seine Familie floh auf die japanische Gesandtschaft. Schon früher ivurde in diplomatischen Kreisen offen erzählt, daß Madero nicht imstande wäre, die Ausländer mit den. ihm zur Verfügung stehenden Kräften zu schützen. Es verlautet, daß Diaz a»» Madero ein Ultimatum gerichtet habe, in der Form, daß er ihn wissen ließ, wenn er sich nicht ergäbe, so würde er den Palast in die Lust sprengen. Die Stadt ist ruhig. Jedoch sollen Sonntag nacht 250 Per- sonen getötet und mehrere hundert verwundet worden sein. Nach späteren Meldungen ist Madero mit seiner Familie auf die Nachricht hin. daß General Blanquct mit einer Streit- macht angekommen sei und sich weigere, gegen Diaz zu kämpfen, westwärts an die Küste zu geflohen. Die Brücken zwischen Mexiko und Toluka sind verbrannt worden. Der Sohn des Generals Reye. Rodolfo Reye, beging aus Schmerz über den Tod seines Vaters Selbstmord. New Aork, 10. Februar. Wie aus Mexiko gemeldet wird, hat sich F e Ii x D i a z, der Nesse des verstorbenen. Präsidenten Diaz, zum Präsidenten ptgUgmUxt und Maderg als Feind der Republik erklärt. Gewerkfcbaftlicbes. Berlin und Qmgcgctid. Tie Tarifbewegung im Malergcwcrbc. Nicht um Entscheidungen zu treffen, sondern um einen Bericht über den bisherigen Stand der Tarifverhandlungcn entgegcnzu- nehmen, waren die Maler und Anstreicher zu einer Versammlung eingeladen worden. Ter Riesensaal der Brauerei Friedrichshain war überfüllt. Kopf an Stopf gedrängt lauschte man mit ge spanntem Interesse den Ausführungen des Referenten Jacobe it, der einen Uebcrblick über die stattgefundencn Verhandlungen gab. «lieber die Vcrbanöl«ingcn selbst hat der„Vorwärts" fortlaufend berichtet.) Den Ausführungen des Redners tonnte man eutnchmcn, das; die Verhandlungen von beiden Parteien mit aller Schärfe und zäher Ausdauer geführt wurden. Durch alle Anträge der Unternehmer zog sich wie ein roter Faden der reaktionäre Gedanke, der auf eine Vernichtung der Arbeiterorganisation und mithin eine völlige Rcchtlosmachung der Arbeiter hinzielte. Tic Anträge der Unternehmer zeigten, dah man es mit Leuten zu tun habe, die an Rückständigkeit und reaktionärem Empfinden nichts zu wün- schcn übrig ließen. Alle Untcrnehmcranträge mußten aber schließ- lich unter den Tisch fallen, denn selbst die Unparteiischen sahen ein, daß derartige, das Arbeitsverhältnis so«norm verschlechternde Anträge nicht angenommen werden könnten.— Nachdem der Redner das Verhalten der Unternehmer scharf verurteilt hatte, wies er aus den Ernst der Situation hin. Die Arbeiter hofften zwar, daß die Tarifbewegung ohne Stampf beendet werde. Tics sei jedoch nur möglich, wenil man in den Fragen des Lohnes sowie der Arbeits- zeitverkürzung von den Unternehmern ein genügendes Entgegen- kommen gezeigt werde. Werfe man den Arbeitern aber den Fehde- bandschuh zu, so würden sie ihn aufnehmen und nötigenfalls um die Erringung ihre Rechte kämpfen. Die lebhafte Diskussion bewies, mit welch großem Interesse die Maler und Anstreicher die Tarif- Verhandlungen verfolgt haben. Es wurde darauf hingewiesen, daß in Berlin unter allen Umständen an den gestellten Forderungen festgehalten werden müsse. Zugunsten der kleineren Städte dürfe inan nicht wieder davon ablassen. Die«Organisation müsse aber auch auf eine energische Bekämpfung der Akkordarbeit hinwirken. Der Hauptwert müsse auf eine gerechte Regelung der Aicheitsnach- Iveisfragc gelegt werden. Die obligatorische Einführung des pari- tätischeu Arbeitsnachweises sei ein Lebensnerv für die Arbeiter. Akit aller Deutlichkeit müsse man den Unternehmern zu verstehen geben, daß an der geforderten Arbeitszeitverkürzung unter allen Umständen festgehalten werde.— Um die Scharfmacherpläne der Unternehmer zuschanden werden zu lassen, gebe es nur ein Mittel, das sei ein fester Zusammenschluß in der Arbeiterorganisation. Die Versammlung stimmte dann einmütig folgender Rcso- lution zu: „Die am Sonntag, den 9. Februar in der Brauerei„Fried richshaiu" versammelten M a l e r und Anstreicher Groß Berlins nehmen von dem Verlauf der bisherigen Tarifvcrhand- lungen Kenntnis. Die Verstnnmeltcn sind nach wie vor der Ansicht, daß eine Arbeitszeitverkürzung für Grotz-Berlin eine un- bedingteNbtwendigkeitist. Ferner stehen die Versammelten auf dem Standpunkt, daß angesichts der auf das höchste gestiegenen Lebensmittelpreise eine angemessene Lohnerhöhung unbedingt ein- treten muß. Weiter erklären die Versammelten, daß sie nur dann ein Interesse an dem Reichstarif haben können, wenn die Lebensfrage der im Beruf Beschäftigten dadurch» gehoben wird. Um dieses.Ziel zu erreichen, verpflichten sich die Versain- mcltcn mit ihrem ganzen Können— da nur durch eine gute und straffe Organisation bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden können,— für die Erstarkung der O»gani- sation zu wirken. Sie verpflichten sich, dafür zu sorgen, daß alle mach Fernstehenden für den Verband gewonnen werden." Vorsitzender M i e tz beleuchtete nochmals das Bestreben der Unternehmer. Wenn jeder Arbeiter voll und ganz seine Pflicht tue, dann werde man den kommenden Tagen mit aller Ruhe ent- gegcnschcn können. kommen gezeigt. Bei der Regelung der Akkordarbeit suchten die Unternehmer eine Acndorung der bisher geltenden Tarifbeitim- mung herbeizuführen. Schließlich erklärten sie sich aber mit der alten Fassung des betreffenden Paragraphen einverstanden. Der neue Tarif soll auf drei Jahre abgeschlossen werden, also bis 31. März 19lg Gültigkeit haben. lieber diese Verhandlungen berichtete Stcgemann am Montag nachmittag in einer gutbesuchten Versammlung der Streikenden. Nachdem er die allgemeine Situation im Gewerbe einer eingehenden Erörterung unterzogen hatte, plädierte er im Namen der Kommission für Annahme der Porschläge. auch die geinachten Vorschläge niemand persönlich befriedigten, s sei die Annahme unter den gegenwärtigen Verhältnissen das best« Wenn . gegenwärtigen Verhältnissen das beste. !1h der g c h c i m c n A.b st i in mung beteiligten sich 671 Streikende. 1 8 l Stimmzettel lauteten auf ja, 189 auf nein, 13 waren ungültig,«sonach haben die Arbeiter mit großer Mehr- heit den Vorschlägen der Kommission zugestimmt. Die Zustimmung der Unternehmer war bei der«Streikleitung noch nicht eingetroffen. Heute mittag 2 Uhr werden die«streikenden in einer Ver- sammlung noch zu der Frage Stellung nehmen, ob und wann die Arbeit wieder aufgenommen werden soll. Drohender Lohnkampf in der Berliner Herren- konfektion. Wie in der Sonntagnummer des wurde, sind die Verhandlungen in der Vorwärts" kurz berichtet Berliner Herrenkonfektion resultatlos abgebrochen worden. Den berechtigten Lohnforderungen der Arbeiter setzten die Unternehmer ein glattes Nein gegenüber. In den nächsten Tagen finden seitens der bestehenden Gau- tarifämter neue Verhandlungen über die Lohn- und Arbeitszeitfrage statt. Am 22. Februar werden die zentralen Verhandlungen fort- gesetzt und wird eventl. ein«Schiedsspruch der Unparteiischen gefällt. Das letzte Wort haben dann die Arbeiter. Sie werden darüber entscheiden, ob die Zugeständnisse ihren Forderungen entsprechen. Die Rohrleger und Helfer, organisiert im Deutschen Metall- arbciterverband, nahmen in einer Versammlung, die am Sonntag- vormittag in den Andreas-Festsälen stattfand, Stellung zum Ablauf ihres Tarifvertrages. Wilhelm Siering referierte. � Er legte unter anderem dar, wie sehr die Lage der Rohrleger beeinflußt wird von der Bewegung im Baugewerbe, wo noch alles unentschieden ist. Sehr zu bedauern sei, daß die Rohrleger in zwei großen Gruppen den Unternehmern gegenüberstehen. Freilich seien die Unternehmer auch nicht einig, denn die Frage des Arbeitsnachweises hat in ihrem Lager manchen Zwiespalt hervorgerufen. Für die Rohrleger im All- gemeinen Metallarbeiterverband läuft der Tarifvertrag am 1. April ab, für die Rohrleger im Deutschen Metallarbeiter- verband würde der bestehende Vertrag, wenn nicht gekündigt, ein Jahr weiter laufen. S i e r i n g empfahl nun im Namen der Siom- Mission, die sich mit der Lage der Dinge eingehend beschäftigt hat, den Tarifvertrag, der mit dem Arbeitgeberschutzverband abgeschlossen ist, sowohl als auch die abgeschlossenen Einzeltarife zu kündigen. Die Kommission ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß mit der Kündigung der Verträge den Interessen der Rohrleger am besten gedient ist. In der Diskussion stimmten fast alle Redner den Vorschlägen der Kommission zu; nur vereinzelt wurden Bedenken geäußert. Der Lorsitzende erklärte dann, daß man die Tarifverhandlungen der anderen Gruppe durchaus nicht stören werde; jene mögen zeigen, was sie gelernt haben. Eine Einheitsorganisation für die Rohrleger tnüsse angestrebt werden, damit auch in der Frage deS Arbeits- Nachweises eine Regelung erfolgen könne. Man solle aber nicht vergessen, daß ein großer Teil der Rohrleger und Helfer noch un- organisiert sei und dem Deutschen Metallarbeitervcrband zugeführt werden müßte. Die Kündigung der Tarifverträge wurde von der Versammlung nach den Lorschlägen der Kommission beschlossen. Tic Bewegung im Fliescnlegergewerbc. Vor fünf Wochen wurden die Fliesenleger und Hilfsarbeiter von den Unternehmern in den Streik getrieben. Einmütig und gc- schlössen wurde die Arbeit niedergelegt, weil die Unternehmer eine Arbeitsordnung herausgaben, die durch eine Reihe ganz rigoroser Bestinunungcn wesentliche Verschlechterungen für die Arbeiter brachte. Obgleich die Arbeitsordnung zurückgezogen wurde, weiger- ten sich die Unternehmer hartnäckig, anderen berechtigten Forderun- gen der Arbeiter Rechnung zu tragen.* Am Sonnabend fanden nun abermals Verhandlungen zwischen beiden Parteien unter Vorsitz des Magistratsrats v. Schulz statt. Bezüglich der Lohnfrage hielten die Unternehmer ihren letzten Vorschlag aufrecht. Danach soll der Lohn für Fliesenleger ab 1. April d. I. um 2 Pf., ab 1. April 1914 ebenfalls um 2 Pf. und ab l. April 1915 um 1 Pf. steigen. Er würde demnach am 1. April 1913 97 Pf., am 1. April 1914 99 Pf. und am 1. April 1915 1 M. betragen. Der Stundenlohn für geübte Hilfsarbeiter der Fliesenbranche soll 76 Pf. betragen. Für' Bauarbeiter im ersten Jahre des Eintritts in die Branche 69 Pf., im zweiten Jahre 65 Pf. Gegen den am 31. Dezember abgelaufenen Tarifvertrag ist dies eine Erhöhung der Lohnsätze um Pf. Den Hilfsarbeitern soll weiter eine analoge Lohnerhöhung— jedoch nicht über 2',!> Pf. pro Stunde— gewährt »«den, wenn der Verband der Baugeschäftc am 31. März den Bauarbeitern eine Lohnerhöhung gewährt. Bei der Vergütung des Fahrgeldes und der Laufzeit haben beide Parteien ein Entgegen- Nicht die geringste Lohnerhöhung wollten sie bewilligen. Am Sonntagmittag nahm eine von über 3999 Konfektions- schneidern und-schneiderinneu besuchte Versammlung Stellung zu der jetzt geschaffenen Situation. Friedrich Kunze erstattete Bericht über die Verhandlungen am 5. und 6. Februar. Die Unternehmer hätten erklärt, daß eine Lohnerhöhung nicht eintreten könne, denn in der Berliner Konfektion würden schon die höchsten Löhne gezahlt. Die Konfektionäre suchten weiter darauf hinzuwirken, daß sämtliche Berliner Lohntarife nwglichst einheitlich gestaltet würden. Für die Arbeiter käme jedoch in erster Linie eine genügende Lohnerhöhung in Frage. In der vom Verband ausgearbeiteten Statistik hätten die Unternehmer gefunden, daß ein Konfektionsschneider im Jahre 2899 Mark verdient habe. Daraus suchten sie dann den Nachweis zu erbringen, welch hohe Arbeitslöhne sie zahlen. Ihnen sei aber das Malheur passiert, daß die 2899 Mark nicht ein Konfektions schneider, sondern ein Zuschneider verdient habe. Unter welchen Umständen dieser Lohnsatz erreicht worden sei, habe man unberück- sichtigt gelassen. Dieser Lohn sei nun— wenn er selbst von mehreren Arbeitern verdient würde— keineswegs zu hoch und könnten die Herren Konfektionäre schoir noch etwas zulegen. Ihnen könne es doch gleich bleiben, wieviel ein Arbeiter ver- diene, man setze doch nur die Preise für das einzelne Stück fest. Was ein einzelner verdiene, könne auch bei der Beurteilung der Situation nicht in Frage kommen. Maßgebend sei die Lage der Allgemeinheit und diese komme mit den jetzt gezahllen Löhnen nicht zurecht. Weiter teilte Kunze mit, daß. die Konfektionäre jetzt in einem Verbände vereinigt sind, der über ganz Deutschland ver- zweigt ist. Diesem jungen Verbände sei jedenfalls viel daran ge- legen, einmal einen Kampf zu riskieren. Wenn man glaube, einen Kampf wagen zn können, so sollten die Herren aber damit rechnen, daß ihnen die Arbeiter als starke Macht gegenüberstehen. Es wäre der unerschütterliche Entschluß der Arbeiter, ohne eine ent- sprechende Lohnerhöhung di� Bewegung nicht zu Ende zu führen. Bei den Verhandlungen habe ein Vertreter des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins die übrigen Äommissionsmitglieder in eine recht üble Lage gebracht. Habe dieser Stollege doch erklärt, in den ersten Tarifklassen könne man mit den bestehenden Lohnsätzen auskommen. Die»Arbeiter seien anderer Meinung. Man verlange allgemeine Lohnzulagen, die der Ehre und dem Ansehen der Organisation ent- sprechen. Wenn man zum Verhandeln gehe, müsse man sich klar darüber sein, was man sage und auch verantworten könne. Sollten sich derartige Dinge bei den Verhandlungen nochmals abspielen, so müßten die Vertreter des Verbandes die logischen Konsequenzen ziehen. Habe doch ein Vertreter deS Gewerkvereins kaum so viel Dutzend, als ein Verbandsvertrcter Tausende von Mitgliedern zu vertreten. Die Tarifvorlagen seien doch nicht zum Spaße ausgearbeitet worden, sondern aus voller Ueberzeugung. Dies sollten sich auch die Herren Konfektionäre vergegenwärtigen. Sollten diese ihren Widerstand gegen jede Lohnerhöhung nicht aufgeben, so müsse er durch einen Druck der Arbeiterorganisation gebrochen werden. Seien die Arbeiter einig und geschlossen, so würde bei den Konfektionären auch die Vernunft einkehren. Schuster vom Gewerkverein bedauerte in der Diskussion, daß sich ein Vertreter seines Verbandes zu einer solch unüberlegten Handlungsweise hinreißen ließ. Aus den Ausführungen der übrigen Diskussionsredner war zu entnehmen, daß man bestrebt ist, die Re- wegung ohüe Kampf zu beenden. Wenn aber die Konfektionäre nicht nachgeben wollten, so müsse ihnen beigebracht werden, wie berechtigt die Forderungen der Arbeiter wäre�. Man fei auch zum Kampf g e r ü st c t. Krienke ging zum Schluß noch einmal auf die Lage im all- gemeinen ein. An Beispielen wies er nach, daß in München und anderen süddeutschen Städten verhältnismäßig höhere Löhne gezahlt würden als in Berlin. Die Stimmung der Versammlung kam schließlich in der ein- stimmigen Annahme nachstehender Resolution zuni Ausdruck: „Die am Sonntag, den 9. Februar, in der Brauerei Friedrichs- Hain tagende, von über 3999 KonfektionSschneidern be- suchte öffentliche Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dein vollständig jede Lohnaufbesserung versagenden Verhalten der Arbeitgeber in der Berliner Herrenkonfektion. Die Arbeiter bedauern um so mehr das Verhalten der Arbeit- geber, als notorisch seit dem Abschluß der jetzt bestehenden Tarife die Lebenshaltung der Bevölkerung ganz bedeutend verteuert ist. Da sich die Forderungen in den bescheidenen Grenzen von 19 Proz. halten, waren die Arbeiter um so mehr berechtigt, auf verständiges Entgegenkommen von seilen der Arbeitgeber zu rechnen. Unter diesen Ilmständen empfindet es die Arbeiterschaft als Hohn, wenn erklärt wird, daß an eine Lohnerhöhung nicht gedacht werden kann. Nachdem den Versammelten von der Verhandlungskommission Bericht erstattet ist, erklären sich dieselben mit der Kommission ein- verstanden und sprechen derselben ihr volles Vertrauen aus. Die Versammelten erklären nachdrücklichst, daß sie den Wunsch haben, die Lohnbewegung auf friedliche Weise zur Erledigung zu bringen. Ebenso energisch weisen die Versammelten aber auch die Zu- mutung der Arbeitgeber zurück und machen insbesondere auch die- selben für eine notwendig werdende Arbeitseinstellung verant- wortlich. Die Versammelten verpflichten sich, alles aufzubieten, um die bisher noch Indifferenten der Organisation zuzuführen und so alles zu tun, um die Lohnbewegung zu einem für die Arbeiter- schaft günstigen Ergebnis zu führen." Pfennig. Als Durchschnittslohn kommen 56�3 Pf. heraus. 19 Ar. dciter arbeiten ständig in Akkord. Der Durchschnittswochenlohn beträgt 39,36 M. Die Ilnternchmer halten sich an den tariflich fest- gelegten Minimalsatz und weigern � sich, darüber hinauszugehen. Ueberstunden werden im Durchschnitt mit etwa 35 Proz. Äuft'chlag vergütet. Der neue Vertragsentwurf fordert für alle in der Berliner Trcibriemcnbranche beschäftigten Arbeitskräfte eine Arbeitszeit von 53 Stunden pro Woche. Am 15. März 1914 soll die wöchentliche Arbeitszeit auf 52«stunden reduziert werden, und zwar derart, daß am Sonnabend nur noch 7 Stunden gearbeitet wird, ohne daß für Lohnarbeiter ein Lohnabzug eintritt. Zur Regelung>der Akkordarbeit— deren radikale Beseitigung noch nicht zu erwarten ist— sind besondere Bestimmungen getroffen. In den Betrieben, wo auch im Akkord gearbeitet wird, ist den Aktordarbcitcrn der festgelegte Stundenlohn zn garan. tiercn. Tiefer Garantielohn ist auch in all den Fällen zn zahlen, wo der Akkordarbcitcr nicht fortlaufend lvcitcrarbeiten kann. Ter Mindestlohn für Sattler beträgt 65 Pf. pro Stunde. Alle zurzeit im Betriebe beschäftigten Arbeitskräfte erhalten bei Abschluß des Vertrages eine Lohnerhöhung von 19 Proz. Hilfsarbeiter, welche sich die Fähigkeiten eines Sattlers erworben haben, und die mit «Sattlerarbeiten beschäftigt werden, sind nach denselben Grundsätzen wie gelernte Arbeiter zu cutlohnen. Ueberstundcn dürfen nur in den dringendsten Fällen gefordert und geleistet werden; aus keinen Fall darf die Ucbcrzeitarbeit innerhalb eines Monats an mehr als 6 Tagen verlangt werden. Für Ucberftunden wird ein Zuschlag von 25 Proz., für Nacht- und Sonntagsarbeit ein solcher von 59 Proz. gezahlt. Als Nachtarbeit gilt die Zeit von 8 Uhr abends bis 7 Uhr morgens. Auf diese Zuschläge haben auch Akkordarbeiter Anspruch. Bei Montagearbeiten außerhalb der Vorortgrenze wird neben dem Montagezuschlag ein Spesengcld gezahlt, das sich er- höht, wenn der Arbeiter am Ausführungsort der Arbeit für Nacht- logis sorgen muß. Außer dem Fahrgeld 3. Klage ist auch die Fahr- zeit dem Lohn entsprechend zu bezahlen, wenn sie in die gewöhnliche Arbeitszeit fällt. Jedem Arbeiter, sofern er ein Jabr im Betriebe tätig ist, wird während der Sommermonate ein Urlaub von einer Woche bei voller Bezahlung gewährt. Bei Bedarf von Arbeits- krästen ist der Arbeitsnachweis des Verbandes der«Sattler und Portcscuillcr zu benutzen.«Sämtliches Werkzeug ist vom Arbeit- geber zu liefern. Der alte Vertrag war auf 3 Jahre festgelegt, der kommende darf, wie der Referent betonte, nicht länger als 2 Jahre laufen. Dem Referat folgte eine längere Diskussion, die mit der.Annahme dieser Vorschläge endigte._ Achtung, Tabakarbciter! In der Zigareitensabrik„Oreudi", Inhaber W. Singer u. Co., haben sämtliche, leider unorgani- sierte, Packerinnen den Betrieb verlassen. Ten?lkkordpackerinncn wurden Abzüge von 25— 33 Proz. von den ohnehin niedrigen Akkordsätzen zugemutet. Tie bisher im Zeitlohn � beschäftigten Packerinnen für Handarbeitszigarettcn sollten diese jetzt ebenfalls zu so niedrigen Akkordsätzen packen, daß auch sie auf ein Weiter- arbeiten im Betriebe verzichteten. Seitens der Firmeninhabcr wird nun versucht, die sreigcwordencn Plätze mit branchcnunkun- digen Mädchen zu besetzen. Wir ersuchen, von jeder Arbeits- annähme in genanntem Betriebe abzusehen. Die Firma Bornkessel, Waldstr. 39 III, verstößt an- dauernd gegen die Lohnsätze des Tarifs. Als Arbeitswillige fun- gieren die Rollerin«Straskowski und die Wickelmacherin Paus in. Der Firma Bornkessel sind die grünen Plakate entzogen und gilt dieselbe als gesperrt.— Arbeiter, Raucher! Kauft nur dort Euren Bedarf an Zigarren ein, wo das grüne Plakat, unterschrieben Alwin«Schulze, vorhanden ist. liebt Soli- darität! Der Vertrauensmann der Tabakarbciter. Streik in der Teppichbranchc. Die Kcttcngarndruckcrci und -Setzerei Franz Schmidt in Oberschönetveidc wollte in der Setzerei den Lohntarif der Konkurrenzfirma Paul«sakomon zur Ein- führung bringen. Tic Setzerimum hätten hierdurch einen 15- bis 29prozentigen Lohnabzug erfahren. Alle Seherinnen, 32 an der Zahl, verweigerten die Annahme des neuen Lohntarifcs und es kam zur Arbeitsniederlegung. Nach sechstägigem Streik sperrte die Firma am 8. Februar ihre ganze Arbeiterschaft, zirka 199 Per- soncn, aus, vorläufig bis zum 13. Februar. Sollten aber die Seherinnen die Arbeit nicht aufnehmen, so verlängert sich die AuS- fpcrrung. Tic Parlamentskrise in Japan. Tokio, 19. Februar.(W. T. B.) Als S a i o n j i, der Kührep der Opposition, gestern abend im königlichen Palast war, übergab ihm der Kaiser ein Reskript, das ihm befiehlt, sich zu bemühen, die außerordentlich schwierige politische Lage zu mildern, womit gesagt sein sollte dah die Partei der Seihukwai das Mißtrauens- Votum fallen lassen sollte.- Daraiifhin beriet«saionji tmk den Parteiführern. Das Resultat der Beratung ist anscheinend eine Spaltung der Partei der Seipukwai. Diejenigen. welche für die Aufrechtcrhaltungdes Mißtrauens- Votums sind, wurden von dem Führer der Kokumiuto-Partel unterstützt, der sagte, er würde ein eigenes Mißtrauensvotum ein- bringen, wenn die Seipukwai das»hrige fallen ließen. Trotz emeS starken Polizeiaufgebots sammelte sich heute eine große Menschen- menge in der Nähe des Parlamentsgebäudes. Die Mtnisteriellen wurden ausgepfiffen und auf die Oppositionellen wurden Hochrufe ausgebracht. Schliehltch gelang es der Polizei, die Menge zu zer. streuen. Fünfzehn Personen wurden dabei verletzt. Inzwischen hatte» sich die Mitglieder der Seihukwai-Partei aus den Balkons des Parlamcntsgebäudes versammelt; auf die Frcudcnruse des Voltes antworteten sie mit Hochrufen, die mit Rufen wie:„In Rußland handelt man so!"„sind wir in Rußland?" abwechselten. Um 1 Uhr nachmittags wurde dann, wie bereits gemeldet, dag kaiserliche Reskript:-über die Vertaauna des Hauses verlesen. Lerem kW. t Alfre�Wielepp, Denfällff, Inseratenteil verantw.i Uh. Glocke. Berüül Druck u. Verlag: Vorwärts Buchör. u. VerlagsanstaU DaulSingerchEo�BerlinLÄ�. Hierzu 2 Beilage» u-Unterhaltunssbl. Tarifbewegung der Treibriemensattler. Die Treibriemcnsattler bereiten eine Tarifbewegung vor. In einer am Sonntag abgehaltenen außerordentlichen Mitgliederver- sammlung referierte E. Schulze über die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Treibriemcnsattler. Es sind in Berlin 31 Finnen vorhanden, von denen etlva 22 für die Bewegung ernstlich in Äc- kracht kommen, die übrigen sind fast nur ganz kleine Betriebe. Die Organisationsverhältnissc sind sehr gute. Bon 139 Arbeitern sind 122 organisiert, darunter 116 länger als 6 Monate. Die längste Arbeitszeit beträgt 59, die kürzeste 53 Stunden in der Woche. Ter höchste'ermittelte Stundenlohn beträgt 74 Ps., der niedrigste 38 14 Letzte Nachrichten. Zurückgeschlagener Angriff der Türken. Sofia, 19. Februar.(W. T. B.) Uebcr den Versuch der Türken, bei P o di m a Truppen zu landen, werden folgende Einzelheiten bekannt: Gestern früh um sieben Uhr erschienen zwei Kreuzer, zwei Torpedoboote und sechs Boote, van Karaburun kam- mend, vor dem Dorfe Podima und schifften 259 Mann aus. DaS zehnte Bataillon der bulgarischen Küstcnwache griff trotz des Feuers der Kreuzer die Türtcn an, die unter Zurücklajsung von 25 Toten und 16 Gefangenen in Unordnung wieder auf die Schiffe flohen. Auf Seiten der Bulgaren wurden drei Mann getötet und achtzehn vcrwuitdck. Gegen ein Ubr nachmittags stachen die türkiscken Schiffe wieder in See.— Alle Versuche der Türken, bei Tschatald- scha die Offensive zu ergreifen, sind gescheitert. Sie wurden mit großen Verlusten zurückgeworfen. Das Bombardement von Adria- nopcl wird erfolgreich fortgesetzt. Tie rumänische Äricgspartei an der Arbeit. Bukarest, 19. Februar. �P. E.) Gestern fand hier eine von der Kriegspartei einberufene, äußerst zahlreich besuchte Versamm- lung statt, in der mehrere Redner energisch für die sofortige Mobilisation der ru manischen Armee eintraten. Eine da- hingehende Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach Schluß der Versammlung durchzog eine zahlreiche Menschenmenge die Straßen der Stadt. Eine vor der bulgarischen Gesandtschast geplante Demonstration wurde jedoch durch das rechtzeitige Ein- greifen der Polizei verhindert. ir.35. 3V. Jahrgang. 1. Öeilngt des Jonontls" Kerlim NslksdlR Dienstag, lt. Februar M3. Quittung. Im Monat Januar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: 3. M. B. Wilmersdorf 50.—; 4. Filiale Berlin 3.10; H. Berlin v. d. Arb. d. Fa. Enziger 100.—; Köln Reg. W. 20.—: 7. Falkenberg O./S. A. L. 5,—; Breslau Ost u. West 2. Ou. 1857,16: 8. hannov. Kr. Rest 2. Halbj. 1912 3130 8. Silvester- feier P. Müller, Luclenwolde, Rest.„Kreuz u. Euer" 3,—; Bez. Bommern f. 14 Kr. 1. Ou.(Stellin 604,17, Randow-Greifenbagen 633,33, Usedorn-Wollin 143,82; Greifswald-Griinme» 100,50; Stralsund-Rügen 214,11, Anklam-Demmin 27,27, Stolp-Lauenburg 4. Ou. 28,02, 1. Ou. 36,51; Naugard-Regenwalde 20,16; Pyritz-Saatzig 16,20; Greifenberg-Kammin 13,80, Reustettin 23,26; Bülow- Schlawe 12,60) Sa. 1874,34; 11. Bez. Els.-Lothr. f. 7 Kr. 1. Ou. Mtkirch-Thann 10,62, Gebtveiler 30,42, Rappoltsweiler 64,20; Strastburg-Land 93,38, Zabern 13,20; Erstein-Riolsheinl 4. u. 1. Ou. 70,44; Straßburg-Stadt 4. u. 1. Ou. 408,60) Sa. 690,86; 6. sächs. Kr. 2. Ou. 4400,—; 13. Dorn Bobbau, Kr. Dessau 69,—; 14. V. d. Verbandsmitgl. d. Zeitungsabt.„Vorwärts" 250; Berlin M. 28. Zentralhalle 6,—; 11. sächs. Kr. a Cto. 300,—; »Wahrer Jakob",„Reue Zeit",„Gleichheit" pr. 1912 100 000,—; 13. Berlin Dr. 2. A. 100,—; 16. Altona f. Binnenschiffer 2. Ou. 16,80; Berlin„Ungenannt" 3333 4,—; 17. Berlin M. Fr. Alte Jakobstr. 10,—; Württemberg f. 2 Kr. 2. Ou.(Backnang 83,92, Ravensburg 53,07) Sa. 136,99; Reust j. L. a Cto. 2. Ou. 800.—; A. B. C. Kaulsdorf 10.—; 18. 5. schl.-holst. Kr. 2. Ou.b55.62i 21. Dessau-Zerbst 2. Ou. 739,05; Konstanz-Ueberlingen 2. Ou. 129,50; Hening-Argentinie» 5,—; 24 Mannheim 11. bad. Kr. 2. Ou. 1329,39; 25.„Vorwärts"-Ueberschust 4. Qu. 1912 61394,90; Bez. Ostpreusten f. 17 Kr. 1. u. 2. Ou.(Königsberg-Stadt 1662,97, Königsberg-Land 445,70; Tilsit-Niederung 126,54; Labiau-Wehlau 107,07; Ragnit-Pillkallen 74,25; Guinbinnen-Justcrburg 72,44; Memel-Heydekrug 36,11; Rastenburg-Friedland 35,53; Oletzlo- V'tjcf 15,60; Osterode-Neidenburg 13,11; BrauuSberg-HeilSberg 12,88; Heiligenbeil-Pr. Eylau 6,48; Stallupönen-Goldap 6,09; Senöburg-Ortelsburg 2,82; Angerburg-Lötzen 2,58; Allensteiu-Rvssel 1,44; Pr. Holland-Mohrungen 1,02) Sa. 2622,63; Bez. Dresden f. 8 Kr. 2. Ou.(Bautzen 366,44, Dresden-A. 1493,—, Pirna 2382,51) Sa. 4241,95; 27. Offenburg 7. das. Kr. 2. Ou. 120,31; 8. u. 10. fchleSw.- holst. Kr. 2. Qu. 2600.—; Neustadt- Säckingen 103,—; 28. Lörrach 4. bad. Kr. 2. Ou. 103,62; v. einem Freund d. prol. Jug.-Bew. 40.—; 30. M.-Gladbach 141.17; 8. bad. Kr. 2. Ou. 100,80; 9. bad. Kr. 2. Qu. 735,77; 31. Karlsruhe 10. bad. Kr. 2. Ou. 572,39; 15. sächs. Kr. a konto 1000,—; 16. sächs. Kr. a konto 2000,—; 4. schlesw.-holst. Kr. 2. Ou. 65,05; Berlin NW. 87 R. B. 3,—; Helm, Barcelona 1.—; Knabe 3,—; Berlin A. B. 50,—; H. H. 50,—; 21. P- Hansaviertel 3,—; Gr.-Berlin a konto s. 8Kr. 20000,— Darunter: Ges. b. d. diesmal. Silvester- Auktion Rausch, I. Abt. 5. Kr.. 2,40, a. d. Sechserk. v. Busch u. Bost f. Landtagswahl 4,60, f. d. Itandtagswahl v. d. Arb. d. Fa. Senger u. Stockwald 5,35, Warnst-Casprich 50,—, A. B. Mister 1.—, v. d. Lackierern v. Zwie- tusch 20,—, Sparv. Immer Vorwärts z. Landtagswahl 9,40. Handelshilfsarb. d. Warenhauses Greifenhageu, Bruimenstr. 17/18, z. LandtagSwahl 20,—, Gutenberg 25,20, Berling, Spedition Lausitzer Platz 4/5. 5,70. Berlin, den 10. Februar 1913. Für den Parteivorstand: Otto Braun, Lindenstr. 3. Wir haben unter Nr. 7918, A. Gerisch, F. Ebcrt. O. Braun. Berlin. Lindenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin ein Postscheckkonto und ersuchen daher dringend, alle Geldsendungen mittels Zahlkarte auf unser Postscheckkonto zu bewirken. Es können daraus) an jedem Postschalter Beträge bis 10 000 M. portofrei für uns eingezahlt tverden. Zählkarten mit cinge- drucktcr Adresse senden wir auf Wunsch zu. kleines feuilleton. Bon Anno dazumal! Augenblicklich gehen die Wogen der patriotischen Begeisterung über das„glorreiche" Jahr 1813 sehr hoch. An allen Ecken und Kanten des Reiches Zverdcn die Helden von damals gefeiert und würden ztveisellvs unter den ihnen ge- spendeten Lobsprüchen ersticken, wenn sie noch lebte». S. M. hielt in Königsberg eine„grostartige" Rede und bedachte darin auch den Rebellen gegen den König von 1813. General Aorl. mit reich- lichem DankpathoS. War der ein braver tüchtiger Mann, ein Vorbild jedes Vatcrlandsfreundcsl Vor 100 Jahren aber psiffs anders. Unsere servile bnrgcr- liche Presse, die heute Purzelbäume vor patriotischem Gefühls- „zwcckmästig", am 22. Januar 1813 seine Residenz von Berlin nach Breslau zu verlegen, von too er später den„Aufruf an mein Volk" vom Stapel liest. Er setzte in Berlin eine Ober-Regierungs- kommission ein mit folgendem?luftrag:„Sie soll aber insbesondere die sreundschastlichen Vclchallnissc mit den kaiscrl. franz. Militär- behörden sorgfältig erhalten, die bisher durch das gerechte und zu- vortommende Benehnicn des Herzogs von Castiglionc(Marschall Angcrcau) bestanden haben." Die lieben Bürger von Berlin wurden ermahnt, recht sehr auf licbcnSioürdigcn und frcundnach- barlichcn Umgang mit den französischen Alliierten zu achten!— Armer �orl, hätte man dich damals gepackt! Altberliner Trinlsitten. In früheren Jahrhundcrlcn wurde noch mehr gezecht als heule. Namentlich die Bürger in den Städten tranken sich gern einen Rausch an. da es andere Zerstreu- ungcn wenig gab. Auch die Bürger Berlins machten darin keine Ausnahme. Wurde in einem Bürgcrhause eine Festlichkeit ab- gehalten, so galt es als Ehrensache, dast sich jedermann einen ordentlichen Rausch antrinke. Ein Mensch, Ider sich hei(filier derartigen Gelegenheit nicht betrunken hätte, oder ein Gastgeber, der nicht so viele alkoholische Getränke angeschafft gehabt hätte. dast sich seder einen ordentlichen Rausch antrinken konnte, wäre einfach als ein ganz ungehobelter Mensch angesehen worden und gcwist zu keinem Feste mehr eingeladen worden. Aber nickst nur in den Wohnungen wurde tüchtig gezecht, auch in den„Trink- stubcn", in den Herbergen, im Ratskeller und in den anderen Wirtshäusern vertilgten die Gäste die Humpen Bier und den Wem in grasten Mengen. Wie andcröwc, so kamen auch in Berlin allerlei Verordnungen heraus, die sich gegen das unmästige „Saussen" richteten, aber ein großer Erfolg scheint damit nicht erreicht worden zu sein. Einmal, im Jahre 1335, wurden die Berliner, die ihre.Hemden, Schuhe und Hosen vertranken, vom Rate imt Strafen bedroht und etwas später kam«ine Verordnung heraus, wonach die„Trinkstuben" im Sommer um 10 Uhr und im Winter um 9 Uhr geschlossen tverden mutzten. Als auch diese Verordnungen gegen die Trunksucht der Berliner nichts ausrichten konnten, verfiel der Rat der Stadt auf cmc eigenartige Idee. An den verschiedensten Punkten der Stadt sollten Käsige ausgestellt werden, in die die Betrunkenen in der Nacht von den„Stadtkncchtcll" und von den Nachtwächtern eingesperrt werden sollten. Der Gedanke kam auch bald zur Ausführung,»nd fa wurden bald in der Nähe der am meisten, besuchten„Trinkstuben" Käfige oder, wie sie damals hießen, Narrcnkistcn aufgestellt als Arrestlokal für die Betrunkenen, �ehr angenehm war der Schlaf in diesen.Narrcnkistcn" freilich nicht, denn die Schläfer mutzte» KeicKstag. 108. Sitzung. Montag, den 10. Februar 1913, nachmittags 2 U h r. Am BundeSratStifch: Kühn, Dr. L i s c o. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wahlprüfunge». Den Anträgen der Kommission entsprechend wird die Wohldes Abg. Held(natl.) für gültig ertlärt und über die Wahl des Abg. v L i e b e r t(Rp.) Beweiserhebung beschlossen. Es folgen einige Rechnungssache n, die debatteloS dem Rechnungsausschust überwiesen werden. Dann wird die Beratung des EtatS des Reichsjustizamts fortgesetzt. Abg. Dr.Ablast(Vp.): Gegen den Vorwurf einer Klaffenjustiz müssen auch meine Freunde unfern Richterstand in Schutz nehmen. Ebenso unbe- dingt mutz der Vorwurf der Rechtsbeugung gegen die Schwurgerichte zurückgewiesen werden, der von einem Landgerichlspräsi- deuten in der„Juristenzeituiig" erhoben wurde, und zwar in einer so schwer beleidigende» Form, dast ick, keinem Laien raten möchte, sich ähnlich über Urteile von gelehrten Richtern auszusprechen. — Das sogenannte sittliche Normalempsinden darf unmöglich die Grundlage der Rechtsprechung über künstlerische und literarische Dinge werden; deshalb darf die Mitwirkung von Sachverstän- digen bei solchen Dingen nicht eingeschränlt, sondern mutz er- weitert werden. Mit dem Begriffe des„normal sittlich empfindenden Menschen" mutz in der Rechtsprechung aufgeräumt loerden.— In der Frage des Zwangsvergleiches außerhalb des Konkurses bin ich ganz mit den Ausführungen des Kollegen Beizer vom vorigen Sonnabend einverstanden. Notwendig ist ein Schutz der gutgläubigen Geschäftswelt gegen die Gefahr des Ab- schlusses von Rechtsgeschäften mit heimlichen Geisteskranken. Nach der Judikatur des Reichsgerichts müssen Banken, die mit einem heimlich Geisteskranken ein Geschäft abgeschlossen haben, im guten Glauben, er sei nicht geisteslrank, ihm den daraus für ihn ent- standenen Schaden ersetzen. In dieser Art der Rechtsprechung liegt keine Vernunft.(Sehr richtig!)— Die Heranziehung von Frauen zum Schöffenamt sollte eine selbstverständliche Konsequenz ihrer bewährten Mitarbeit in der Jugendfürsorge sein.— Der Minister des Innern in Preußen hat die Polizeibehörden angewiesen. die Amtsgerichte darauf aufmerksam zu mache», daß die dem Deutsche» Aerztevereinsbund anaehörigen Vereine nicht in das Äereinsregister einlragungsfähig seien. Entsprächen die Amtsgerichte und dann auch die Landgerichte dieser Anregung nicht, so sei an den Minister zu berichten. Das ist ein ganz unerhörter Eingriff der Verwaltung in die Rechtspflege.(Sehr richtig! linls.) Jedes Amtsgericht wird osfentlich Mannes genug sein, der Verwal- tungSbehörde bei dein Versuch der Einmischung in die Rechtsprechung gründlich die Tür zu weisen.(Zustimmung links.) Herr v. Dallwitz scheint zu glauben, daß auch der Sekretär des Reichs- j u st i z a m t S sein s u n g e r Mann sei. Der Bund der Landwirte ist eingetragen worden, obwohl er ein politischer Verein ist. Warum wirkt Herr v. Dallwitz nicht aufklärend gegen- über Herrn v. I a g o w, damit er hier einen Einspruch erhebt. Auch der Reichs verband zurBekämpfung derSozial- d e m o k r a t i e ist eingerragen worden, ohne daß der Polizeipräsident v. Jagow Einspruch erhob. Welche Haltung würde er aber wohl einnehme», wenn ein oppositioneller politischer Verein seine Eintragung beantragte. Beim Amtsgericht Charlotten bürg ist der„Verein reichstreuer Männer für Wilmersdorf und Umgegend" eingetragen worden, auch feine nach der Eintragung vorgenommene Satzungsänderung, daß kein Mitglied einer freisinnigen oder sozialdemolrati scheu Partei in den Verein aufgenonnnen werden darf. In der Begründung zu dieser Aenderung hat sich der auf dein harten Boden ausruhen, und dann wurden die»Narren» listen" auch als Ablagcrnngsstättcn für mancherlei Schinntz benutzt. Am schlimmsten toar freilich am Marge n das Erwachen: denn nicht nur, dast die Slrastcnjugend den Eingesperrten verhöhnte, bewarf und bespritzte, manchmal wartete auch bereits die strafende Gattin drausten. Indessen allzulange scheinen diese„Narren- listen" nickt existiert zu haben, sie wurden wieder weggeschafft, manche Zeitgenosseil behaupten, weil die Berliner solider geworden seien, andere sagen, weil— zu viele Ratsherrcn eingesperrt werden mutzte»., Theater. Lessing-Theatcr: Die gioße Liebe. Schausvicl von Hein rich M ann. Von Heinrich Mann wird in gewissen Kreisen mit einem Aufwände von Superlativen, wie sonst nur etwa über Wedekind gesprochen. Von Zeit zu Zeit liest man dilhyrainbische Ergüsse, in denen er als Pfadfinder ans neuen Bahnen, als Künder irgendwelcher ganz besonders kostbar-lompliziener Scelenzüge der „Modernen" gepriesen wird. Wer das bestreitet, verrät dainit angeb« lich dasselbe innere Banausentm». wie jene, deren stunipfcr Blick in den geinalten Marionetten der Wedekindschen„Pandora",„Hidalla" usw. nicht Lebcnsoffenbaruilgen von ungeahnter Tiefe zu sehen vernrag I Ein Novellist von individuellen,, wenn auch nicht großzügigem Gepräge, ermangelt Man» in seinen bis- Herigen dramatiichcn Versuchen einstweilen jeder eigenen Physiognomie. Er hat da nur Programme; er will das In- cinanderichillern, Sichwandeln und Zerfließen von Gefühls- komplexen, das Strömen und Gleiten der Slimmunge», das in den oft scheinbar so unvermittelten Umschlägen des Handelns zutage tritt, darstellend wiedergeben, die unsichtbaren Hintergründe sichtbar machen. Wer wollte das nicht? Was für Meister dieser Kunst waren Ibsen und Hauptmann in vielen ihrer Werke. In den Mannschen Dramen aber spürt man allein die Absicht und die Prätention. In seinem vom Hebbel-Theater ausgeführten Drama„Die Schauspierin" waren allerhand theatralische Requisiten Sardouschen Genres mit verwendet— wie es hieß: als äußerer Notbehelf, in Anpassung an dein noch nicht zum vollen Verständnis bloß innerer Geschehnisse herangereisten Bühnengeschniack. Das neue Schauspiel „Die große Liebe" enthält sich solcher Tricks, da wird es dadurch noch nicht genießbarer. Bald hier bald dort wird es etwas an- getippt, wovon der Hörer meint, es müsse irgend eine Art dramatischer Bedeutung haben, sich als ein fortwirkendes Moment einfüge» in den Plan des Ganzen. Aber immer wieder sieht man sich düpiert. Nichts ist im tieferen Sinne motivierend vorbereitet; willkürlich wechseln die Aspekte der Figuren. Daß eine im korrupt frivolen Milieu ihrer Gesellschafts- klaffe ausgewachsene Weltdame die überspannten Erwartungen, die der obligate Held, ein genialer Komponist, in ihre Liebe setzr, nicht erfüllt, nach kurzem Glückstraume ihm entgleitet— das ist der ganze Inhalt. Dabei verbleiben sie und er in gleich interesseloser Unbestimmtheit. Die schönen Komplimente der Dame an den Künstler, seine Musik sei ihr ein umwälzendes, gewalttgeS„Er- lebnis" gewesen, lassen erst vermuten, es sei aus eine Satire ästhetischen Snobismus abgesehen; und dieser Eindruck wird dura, die Flirttalente, die das Genie in dem Salon betätigt, noch be- stärtl. Im Handumdrehen ist aber alles plötzlich heiliger Ernst. Der Künstler hat entdeckt: er kann nicht leben, wenn sie nicht seine Fra» wird! Sie soll sich also scheiden lassen! Auch sie ist hoch- begeistert, wiewohl sie sich die»acke weniger schmierig vorgestellt. Im zweiten Akt zeigt sie Bedenken mitleidiger Rücksichtnahme. ES scheint ihr undankbar, den Gatten, dessen blind unterwürfige Liebe sich stets so leicht betrügen ließ, durch das Verlangen offizieller Scheidung schnöde zu kränken. Auch ein alter herzbrechend seufzender Verehrer Verein selbst als politischer bezeichnet, trotzdem ist sie ohne Einspruch der Verwaltungsbehörde vorgenoininen worden. Man sieht, wohin die Mitwirkung der Verwaltungsbehörde bei der Rechts- pflege führt. ll»i so schärfer muß Widerspruch erhoben werden, wen» die Verwaltungsbehörde sogar corunr legem(dein Gesetze zuwider) sich einen Einfluß zu sichern sucht, wie eS durch den Erlaß des preußischen Ministers des Innern geschehe» ist. Das muß das Vertrauen zur Rechtspflege unter graben. Es tväre verhängnisvoll, wenn eS dazu käme, daß man im Volke sagte, die preußischen Richter haben nur ihrer lleberzeugung zu folge»— und den Weisungeil der Verwaltungsbehörde. Recht darf nur gesprochen werden ohne Ansehen der Partei und der Person.(Lebh. Bravo! b. d. Vpt.) Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Lisco: Ich erkenne an, daß die Frage der Behandlung der Rechtsgeschäfte mit Geistes- kranken, deren Krankheit nicht bekannt ist, außerordentlich schwierig ist; wir sind in Erwägungen über diese Fragen begriffe».— Wenn ein Verein auf Grund des§ 21 des B. B. G. in das Bereinsregister eingetragen ist und dadurch die Rechtsfähigkeit erlangt hat. so ist jeder Staatsbürger berechtigt, wenn er glaubt, die Eintragung ist zu tturecht erfolgt, tveil der Verein wirtschastliche Zwecke verfolgt, beim Anus- und Landgericht die Löschung anzuregen. Von diesem Rechte jedes Staatsbürgers hat der preußische Minister des Innern Gebranch gemacht. Darin kann man doch nickt den Versuch eines Eingriffs in die richterliche Unabhängigkeit erblicken. Wen» politische Vereine ihre Eintragung beantragen, muß sie erfolgen, wenn die Verwaltungsbehörde keinen Einspruch erhebt. Das ist bei dem Antrag des Bundes der Land- Wirte nicht geschehen; der Antrag ist der Verwaltungsbehörde mit» geteilt worden. Sie kann, aber sie muß nicht Ein» s p r n ch er h eb en. Diese Sache geht also lediglich den Minister des Innern etwas an, die Justizbehörde hat damit gar nichts zu tu». Abg. v. Trampczynski(Pole): Bei der Interpellation über das Enteignungsgesetz war der Herr Staatssekretär des Reichsjustizamts leider nicht hier. Ich mache ihn daher heute darauf aufmerksam, daß das preußische Enteigmmgsgesctz mit Reichsgesetzen in Wider- spruch steht.— Zu keiner Zeit und an keinem Orte ist so viel Mißbrauck mit Beleidigungsprozessen in öffent» lichem Interesse geübt ivorden, als bei den Streikprozessen im Ruhrrevier. Für die Worte:„Pfui I Streikbrecher!" sind mehrere Wochen Gefängnis verhängt worden. Dabei ist das Wort „Streikbrecher" überhaupt leine Beleidigung, und das „Pfui!" ist ja beinahe p a r l a in e n t a r i f ch.(Heiterkeit.) Bewußt wollen die Richter das Reckt sicherlich nicht beugen; sie verstehen aber das Enipfinden des Volkes nicht. Darunter haben wir gerade in den polnischen Landesteilen zu leiden: gerade bei uns werden die Richter— gewiß nicht alle. eS gibt�uch bei uns objektive Richter— dadurch direkt Partei- l i ch.«ie verstehen es nicht, sich den Einflüssen ihres Milieus zu entziehen. Das wäre anders, tvenn in den Kollegialgerichten auch polnische Richter mitwirkten. Statt dessen wird ganz systematisch seit 30 Jahren in polnischen Landestcilen kein polnischer Richter angestellt. Die Rechtspflege ist in Preußen ebeir Nebensache, nur aus die Gesinnung kommt es an. Die Beamten, auch die richterlichen, werden bei den Wahlen wie die Schafe an die Wahlurne geführt, und es wird scharf kontrolliert, wie sie stimmen.(Zustimmung bei den Polen.) Abg. Landsvcrg(Soz.): Der Abgeordnete Belzer hat neulich gegen die Zulassung einiger Rechtsanwälte protestiert. Es war bisher unter den deutschen Rechtsanwälten nicht üblich, den Kollege» als Konkurrente» zu bc- trachten. Jeder ehrenhafte Kollege ist uns willlommen. Unwille besteht in RechtSanwaltSlreisen nur darüber, daß frühere Richter und Staatsanivälte, die sich in ihrem Beruf aus besonderen Gründen nicht habe» halten können und von der Aiiwaltskainmer abgelehnt werden, dann vom Ehrengerichtshos in Leipzig als Anwälte zu» wird mir pietätvoll schonender Geduld behandelt. Sie möchte niemand wehe tun. Die große Liebe darf alles Mögliche, nur nicht beleidigende Schroffheiten von ihr verlangen. Wieder auf ganz andere Tonart ist der letzte Akt geftinunt. Der neue Freund, der sie zum Rendcz» oouS mit ihrem Gatten in ein Nizzaer Welthotel begleitet, sieht sie da in ihrem eigentlichen Rollensach, wie sie im Strom alter»nd neuer zweidemiger Belanntschasien mit unnerkennbarem Behagen plätschert. Umständliche Schilderungen des Hoteltreibens sind eingeslickk, bis endlich der Enttäuschte von seiner einstigen Göttin definitiven Abschied nimmt und beide einiges Rührende in der Er- innerung von ihrer großen Liebe jagen. Auch die glänzende Kunst der D u r i e u x in der Hauptfigur vermochte über die klaffenden Risse und Lücken nicht hinwegzutäuschen. Ein Teil deS Publikums demonstrierte au, Schluß durch energisches Zischen. dt. Notizen. — Eine Hebbelfeier der Berliner Freien Studenten- schuft wird am 22. Februar 2� Uhr im Deutschen Theater anläß- lich des hundertsten Geburlstages von Friedrich Hebbel stattfinden. Nach einer musikalischen Einleitung wird Julius Bab eine Gedenk- rede halten, an die sich die Aufführung von„Gyges und sein Ring" anschließen wird. — K u n st a b e n d. � Die„Steglitzer Literarische Gesellschaft" veranstaltet am 18. Februar im LogenhauS zu Steglitz einen Hans H y a n- A b e n d. Der Autor wird Bor- schiedenes aus seinen letzten größeren Werken lesen. — Der Wandel der Elemente. Den Professoren Collh und Patterson von der Universität LeedS ist es gelungen, nach vielen Versuchen Helium und Neon durch die Einwirkung deS elektrischen Stromes aus Wasserstoff zu gewinnen. Sie haben damit eine Um- änderung der Elemente erreicht, die bisher als unmöglich erachtet wurde. Bereits vor einigen Jahren hatte Ramsay gesunden, daß Radium in Helium vertvandelt werden könnte, und der Forscher hatte durch die Einwirkung von Oiadinm auf Kupfer Lithium erzeugt. (Man wird genauere Berichte abwarten müssen, ehe man die Trag« weite dieser Erfindung einzuschätzen vermag.) — Scott am Südpol? Nach einer Depesche deS„Globe" aus Neu-Seeland hat Kapitän Scott den Südpol am 18. Januar 1913 erreicht. Auf der Rücklehr zur Basis wurde seine Expedition in, Schneesturm verschüttet. Scott und seine Begleiter kamen sämtlich um.(Da die Nachricht anderweitig noch nicht bestätigt ist und sie offenbare Widersprüche enthält— wenn alle umkamen, wer sollte dann die Erreichung des Südpols melden?— kanir man hoffe», daß sie nicht in volle», Maße zutrifft.) — Was man nicht karikieren kann. Der berühmteste Karikaturenzeichner der Welt zeichnete die Karikatur eines„Damen- Hutes". Die Zeichnung war so gelungen, daß er selbst beinahe lachen mußte; aber als er sei» Werk semer Frau zeigte, lächelte sie nicht einmal.„Gefällt eS Dir nicht?" fragte der Künstler erstaunt. „Gefallen?" sagte die junge Frau,„natürlich gefällt er mir. Das ist der reizendste, entzückendste Hut, den ich in meinem Leben sah. Wozu vergeudest Du eigentlich sonst Deine Zeit zu Karikaturen. wenn Du so schone Sachen machen kannst! Sofort gehe ich zur Modistin.mid lasse mir diesen Hut machen." lind sie tat es. Und der Meister iveiß heute, daß mau alles karikieren kann, nur nicht einen.Damenhut".... gelassen werden. So war eS der Fall Bei einem Berliner Staatsanwalt, der bis über den Hals in Schulden steckte, von einem Betniger ein gröstcreZ Darlehen erhalten hatte, und dann gegen denselben Betrüger als Staatsanwalt auftrat. Selbstverslniidlicki war der Mann unhaltbar, als der Sachverhalt herauskam, und er mustte ans seinem Amt ausscheiden. Die Zulasiung eines solchen Mannes durch den Lhreugerichtöhof ist geradezu unerhört. Die deutsche Rechtsanwaltschaft soll kein Abladeplast sein für Bau- schutr aus anderen Berufen.— Sehr wünichenswert wäre es, wenn der StoatSselrctär durch Abänderung der Zivil- Prozeßordnung das E x i st e» z m i n i in»i m von 1500 Mark— eine Summe, die den beuligen Berhältnissen bei weitem nicht mehr entspricht sSchr richtig!) auf 2500 M. erhöhen ivürde.— Die lieber- lastung des Ncichsgerichrs meinte der Staatssekretär, könne nur ge- hoben werden entweder durch eine Vermehrung der Zahl der Senate oder durch eine Abänderung der Zivilprozeßordnung. Damit meinte er jedenfalls eine abermalige Erhöhung der Re- V i s i o n§ f u m m e. Gegen eine solche Absicht legen wir von vorn- herein Verwahrung ein.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wenn die Zahl der Prozesse zunmunt. muß selbstverständlich die Zahl der Richler vermehrt werden. Ich überschäste wirklich nicht den Wert der Recht- sprechung beim ReirbSgeriibt. Jcdensalls aber hat es eine gewisse Bedeutung, wenn das OberlandcSgerickit eine Instanz über sich weiß, die seine Enischeidungen nachprüft. Es gibi Oberlandes- gerichte, bei denen die Sachen, die keiner Nachprüfung unterliegen, tteberfachen genannt werden, weil man in solchen Fragen frisch von der Leber urteilen kann.(Heiler- keit rind Hört! hörlij Diese Bezeichnung besagt genug! sie beweist, dost erhebliche Beweisauträge der Parteien ganz anders ge- würdigt werden, wenn die Revision zulässig ist.— Herr Holtichke ?at neulich seine Zufriedenheit mit einer englischen Einrichtung bekundet, die sich bei seinen Gesiiliiungsgenosieii leider immer dann zeigt, wenn jenseits des Kauals irgend etwas Rückständiges ein« geführt wird, er hat uns mit epischer Breite vorgetragen, daß man dort die Prügel st rase für Zuhälter und Kuppler eingeführt habe. Mir scheint es sehr naiv, wenn man glaubt, daß diese Ver- vrecherkategorien durch Einführung der Prügelstrafe verschwinden würden. Denken Sie au da? Beispiel Dänemarks, wo der würdige �ustizmiuister A l b e r t i die Prügelstrafe einführte— beinahe wäre er ihr selb st zum Opfer gefallen(Heiterkeit) — und wo man sie nach einigen Jahren wieder abgeschafft hat. Wenn überhaupt eine körperliche Strafe abschrecke» könnte, dann müßte eS doch in erster Reihe die T o d e s st r a f e tun. Aber hat man schon mal die Erfahrung gemacht, daß in Ländern, wo die Todesstrafe abgeschafft ist, mehr Mordtaten begangen werden? Die Statistik beweist doch das Gegenteil. Gegen Kuppler und Zuhälter geht man am sichersten vor, wenn man dafür sorgt, daß die soziale Lage der erwerbstätigen Frauen eine bessere wird, und diesen Verbrechern so die Objekte für ihre Betätigung entzieht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wie wenig maßgebend übrigen? für unsere Zustände die von dem Abg. Holtschke zitierten englischen Verhandlungen sind, beweist die von ihm angeführte Aeußernng des englischen KriegsmimsterS, er sei zwar ein Gegner der Prügelstrafe, aber ganz lasse sich die Prügelstrafe aus der Armee nicht beseitigen. Ich hoffe, daß Herr Holtschke lein Anhänger der Prügelstrafe in unserer Armee ist. (Abg. Dr. OcNel: Doch!) Der Resolution Schiffer über das Vorkaufsrecht von Gemeinde, Staat usw. bei Zwangsversteigerung von Grund st ücken werden wir zr, stimme». Sie erinnern sich an den Fall, den Herr Schiffer an- führte. Ein Hypothekengläubiger hat auf einem Grundstück, das «inen Werl von etwa 50 000 M hat, eine Hypothek von 80 000 M. Er bringt das Grundstück zur Zwangsversteigerung, ist dabei der einzige Bieter und bekommt für das Gebot von 1000 M. das Grundstück, hat also für sein Darlehen ein Aequivalent bekommen. da-Z den Wert der 80000 M. erheblich übersteigt. Nun konimt aber das schönste. Der arnie ausgepfändete Schuldner, der sein Grundstück losgeworden ist, kommt wieder in besiere Vermögens- verhältniffe und nunmehr macht der Ersteher des Grundstücks auf Grund des Darlehensvertrages, der zwischen ihm nnd dem Schuldner bestanden hat, seine Forderung von 20000 Mark Rest gegen den armen Teufel geltend, und in vielen Fällen ist das Geld in solchen Fällen dem Gläubiger zugesprochen worden. Dagegen wendet sich die Resolution. Bedauerlich ist, daß eine solche Resolution überhaupt nötig ist. Meines Erachtens könnte schon auf Grund der bestehenden Gesetze, weil der betreffende Gläubiger z. B. zweifellos gegen die guten Sitten handelt, gegen ihn vorgegangen werden. Bedenklich ist bei der Resolution nur, daß auf Grund eines Mißstandes ein Gesetz gefordert wird. Eine solche GelegenheitsgesetzeSmacherei ist selten gut. und bedenklich ist serner, daß nur eine Art des unmoralischen Erwerbes herausgegriffen werden soll, während es viele andere ebenso schlimme gibt, die unbeanstandet bleiben. Ferner ist zu berücksichtigen, daß die preußische Regierung geneigt ist, alle Besugnisse, die sie bekommt, zu mißbrauchen. Würden wir ein Gesetz gegen die Schundliteratur machen, so würde sie sicher auch das„Kapital" von Karl Marx darunterstellen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Bleiben doch heute so viele dramatische Kochonnerien frei, während Hauptmanns„Weber" erst vom Ober- Verwaltungsgericht freigegeben werden mußten und trotzdem immer wieder verboten wurden. IInS wäre am liebsten, wenn das Vor- laufsrecht aus die Gemeinde» beschränkt bliebe, jedenfalls werden wir für die Resolution stimmen aus unserem Bestreben heraus, den Grundbesitz der Gemeinden zu vermehren. Im übrigen hat ja neulich Graf Westarp erklärt, die Zustimmung zu einer Resolution bedeute noch gar nichts, man könne sich ja nachher, wenn gesetzgeberisch etwas daraus werde, immer noch aus den entgegengesetzten Standpunkt stellen.(Heiterkeit.) Nun einige Worte zur Behandlung unschuldig Verhafteter. Ganz typisch ist der Fall des Sattlers Mielke, der wegen Mord- verdacht zwei Monate in Untersuchungshaft saß. Seine Unschuld stellte sich in solcher Weise heraus, daß alle Vorbedingungen zur Entschädigung erfüllt waren. Bewilligt wurden ihm als Ersatz für entgangenen Gewinn beim Handel mit WeihnachtSbäuinen 75 M., als Auslagen für den Umzug 40 M., und Vertcidigungskosten 24 M. Von dieser Summe wurden aber noch abgezogen Ersparnisse an Verpflegungskosten während der Haft 37,50 M. Und die Beschwerde hiergegen wurde vom preußischen Justizmiiiister verworfen. (Zuruf links: Unerhört!) Von denen, die nicht unschuldig in Unter- snchungshast gesessen haben, verlangt also der preußische Justiz« minister wohl noch nachträgliche Bezahlung der Verpflegung. (Heiterkeit.) Wenn wir hier über Klassenjustiz klagen, wird das Be- stehen derselben von anderer Seite bestritten; Herr Warmuth meinte, unsere Klagen entspringen nur dem Haß der Sozialdemokratie gegen bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung. Er mag feine Mah- nungen zum Vertrauen an feine nähere Umgebung richten. Herr Lieber», der ihm ja nahe steht, hatte wegen Beleidigung die Verurteilung eines Redakteur« in Baden nur zn 25 M. Geldstrase erreicht, und seine Berufung wurde von der Karlsruher Strafkammer verworfen. Da schrieb die Korrespondenz deö Reichsverbandes zur Vekämpsuiig der Sozialdemokratie,„im Großblocklaud Baden muß ein Gegner der Sozialdemokratie schon zufrieden sein, wenn er überhaupt eine geringfügige Bestrafung eines Genossen durchsetzt. Hier wird den badischen Richtern direkt der Vorwurf der Parteilichkeit gemacht. Wir erheben den Vorwurf der Rechtsbeugung durchaus nicht. Der Sinn unseres Vorwurfs der Klassenjustiz ist, daß die Richter unfähig sind, sich von Auschauuiigcii und Vorurteile» freizumachen, die sie mit der Muttermilch eingesogen haben. Das hat auch Herr Kollege Beizer zugegeben, als er sagte, die Richter gehören den bevorzugten Klassen an und sind von ihrem Milieu abhängig. Auch einige andere Redner, die sonst gar keine Abneigung gegen Banalitäten haben(Heiterkeit links), sagen, »das ist ja ganz selbstverständlich, niemand kann aus seiner Haut heraus." Weshalb nimmt man ober die Richter nur aus einem b< stimmten Milieu, warum muß lvenigsteus in Preußen ein Referendar den Nachweis eines bestimmten, gar nicht unbeträchtlichen vermögen» sübren, um zugelassen zu werden, weshalb befördeit man mit Vorliebe Nichter. die sich in politischen Prozessen bemerkbar gemacht haben. Wenn ein Fanatiker mit beschränltem Gesichtskreis unter dem Banne des Ein- druckcs steht, das Slreilposleusleben sei ein fürchterliches Verbrechen und müsse verboten werden, so lächelt man über derartige Tor- heilen und sagt, es sind Früchte einer Weltansckauniig, die nicht gerode mit großen geistigen Unkosten erkauft ist.(Sehr gut I) Vom Richter aber muß man verlangen, daß er sich redlich bemüht, Herr aller Vorurteile zu werden, die er mit der Müiter- milch oder im Kreise Gleichgesinnter eingesogen hat. Jeder Richter sollte sich die Worte des alten preußischen Richters Borne ni an» im Prozeß Jacob! ins Herz graben:„Je größer die Kluft ist, die mich von einem politischen Gegner trennt, der als Angeklagter vor mir steht, um so sorgsamer gehe ich zu Werke, um so ge- wissenhafter prüfe ick mich, wenn ich zu Gericht sitze." Der ReichSgerichtSrat Mittelstadt meinte dagegen, die Richter sind Vertreter der heutigen Staats« und Gesellschaftsordnung und s o l l e n i h r e M a ch t gebrauchen, ehe die Todfeinde dieser Ordnung, die Sozialdemokraten, die Macht in die Hände bekommen. (Hört! hört!) In der„Post" erhebt ein Richter gegen die Staatsgewalt den Vorlvurf, die Gefahren der sozialen Revolution zu mißachten, Streiks schüren nach ihm den Klassenhaß, er ruft auf zur Scharung um das monarchische Banner, damit wir nicht allmählich der Revolution enlgegensiechcn. Gnade dem Sozialdemokraten, der in die Hände eines solchen Mannes gerät! An diesen Artikel mußte ich denken, als ich das Urteil der BreSlancr Strafkammer las, das aus Anlaß der letzten Reichstagswahl über den Arbeiter- sekretär S l o w i g und mehrere Gefährten verhängt wurde. Sie waren in einem Dorfe der uilgesetzlichen Handhabung beini Wahlakt entgegengetreten und hierbei hatte Slowig dein Wahlvorsteher, der sich entgegen einem Ministerialerlaß auf die Anweisung seines Land- rats berief, gesagt: Das ist ja alles Unsinn, wa? Sie da reden, Ihr macht auf den: Lande die Gesetze, wie Ihr wollt. Wir loerden Euch das anstreichen! Als sie auf Anweisung des Wahlvorstehers von etwa 20 Leuten hinausgeworfen waren, hatte Slowig zweien derselben zugerufen: Ihr wollt Arbeiter sein? Pfui! Schämt Euch I Wegen HaussriedenSbrnchS wurden alle verurteilt, Slowig mit drei Monaten Gefängnis und wegen der Beleidigung des Wahl- Vorstehers noch mit vier Wochen und wegen der Beleidigung der beiden Arbeiter mit zwei Wochen Gefängnis.(Lebhaftes Hört l hört I) Das Urteil wirft ihm Vor. er habe lediglich in frivoler Weise seine Machtstellung als Abgesandter der sozialdemokratischen Wahlleitnng zeigen wollen. Das Reichsgericht konnte an den tatsächlichen Feststellungen nichts ändern und mutzte die Revision verwerfen. Ich stehe nicht an, zu erklären, eS ist ehrenvoller, solche Strafen zu empfangen, als sie z u verhängen.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) In einem anderen Orte wollten zwei Arbeiter, die als Kontrolleure im Wahllokal waren, es nicht dulden, daß aus einer K a k e s b ü ch s e, �ie als Wahlurne diente, die Wahlumschläge der Reihe nach herausgenommen und übereinander geschichtet wurden. Sie wurden wegen Anmaßung eines öffentliche» Amtes und Bedrohung eines Beamten angeklagt und mit vier Monaten Gefängnis bestraft.(Leb- Haftes Hört I hört I) Obwohl sie lediglich aus dem idealen Beweggrunde, das Wahlgeheimnis zu schützen, gehandelt hatten. Einen Rektor dagegen, der einem Wähler den Wahlzettel entrissen hatte und ihm einen konservativen aufdrängen wollte, beantragte der Staatsanwalt, nur mit einer Woche Festung zu bestrasen, weil seine Beweggründe ideal gewesen seien.(Große Heilerkeit bei den Sozialdemokraten.) Und die Strafkammer sprach ihn über- Haupt frei.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dieselbe Strafkammer sprach auch einen Wahlvorsteher, bei dem die un- geheuerlichste Wahlfälschung durch eine Reihe einwand- freier Zeugen erwiesen war, mit der Begründung frei, die Bot- würfe seien so unglaublich, daß man diese Hand» lungen dem Angeklagten nicht zutrauen kann. (Lebhaftes HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Straf- kammer scheint eine Filiale der barmherzigen Brüder zu sein.(Heiterkeit.) Noch ein paar Worte zur Streikjustiz. In allen Ständen gilt es als oberstes Gesetz, daß der einzelne sein Jntereffe gegen das der Gesamtheit zurückzustellen hat, und die Richter haben hierfür bei organisierten Aerzten, bei Fabrikanten, die sich einem Unternehmerring anschließen, bei Kaufleuten und Handwerks- meistern, Verständnis; überall lassen sie den Gemeinstnn gelten. Für Versehlungen von Arbeitern aber, die der Ansicht sind, daß auch ihre Klasseiigenosieu G e m e im s i n» haben müssen, hat man in weiten Richterkreisen kein Verständnis,(«ehr wahr! bei den Sozial- demokralen.) Der Arbeiter sieht den Arbeitswilligen selbstverständlich als unlauteren Konkurrenten an. genau mit demselben Recht wie der Handwerker und Bauer ihre Berufsgenosseu, die unter einem angemessene» Preise verkaufen. Es kommt hinzu. daß wenn eine Lohnbewegung von Arbeitern siegreich durchgeführt wird, an den Früchten dieser Lohnbewegung die Arbeitswilligen in demselben Maße teilnehmen wie die Streikenden.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten) Die Arbeitswilligen wollen also, daß andere für sie die Kastanien aus dem Feuer holen. DaS sind natürlich Erwägungen, die eine starke Erbitterung bei den organisierten Arbeitern gegen die Arbeitswilligen erzeugen. Ferner kommt hinzu, daß die Richter, die doch sonst sehr gut den geringen Bildungsgrad der Arbeiter kennen, bei solchen Slreikvergehen auf einmal verlangen, daß sie ihre Lebensweise voll- ständig einrichien nach dem Rezept des seligen Herrn Knigge. DaS bewestt eben, daß sie sich nicht genügend bestreben, die Klassen- Vorurteile, von denen sie beherrscht werden, zu bekämpfen. (Sehr ricknig! bei den Sozialdemokraten.) Die harten Strafen erkläre» sich hauptsächlich aus der Antipathie der Richter gegen den Streik(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten) und aus der Vorstellung. daß die Handlungen. die man so hart bestraft, geeignet sind, den Unternehmern Arbeits- willige zu entziehen.(Erneute Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Wegen der Worte„Pfui, Streikbrecher!" werden Ivochenlange Gefängnis st rasen verhängt. Unternehmer aber, die die Unfallverhütung außer Acht lassen, kommen mit ganz geringen Strafen weg. Bekannt sind ja auch die lächerlich geringen Strafen bei Verstößen gegen das Kinderschutzgesetz, die so minimal sind, daß es für den Unternehmer viel rentabler ist, sie aus sich zu nehmen als die Verpflichtungen zu erfüllen, die da» Kinderschutzgesetz an ihn stellt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemo« kraten.) In M a g d e b u r g hat sich ein Fall zugetragen, der eine« geiviffen komischen Anstriches nicht entbehrt. In einem Ge- spiäch zwischen einen, Streikenden und einem Arbeitswilligen sagt dieser: Ich war früher im Verbände, jeyt bin ich eS nicht, worauf der Streikende zur Antwort gibt:„Das ist schlimm genug, Du Individuum".— Ich bemerke, daß ich weder in diesem oder iu irgend einem anderen Falle aus Grund von Zeitungsberichten vor- trage, ich hatte mir überall die Urteile kommen lassen.— Für diese Bemerkung wurde der Streikende bestraft mit einer Woche Gefängnis.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Der AmtSanwalt halte zwei Wochen beantragt„mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit des Vorfalles".(Hört l hört I bei den Sozialdemo- kraten.— Zuruf: Wie war es aber mit dem Arbeitswilligen, der jemand erschossen bat!) Auf diesen Vorfall wollte ich gerade kommen. Unter den Arbeitswilligen an einer Holzwarensabrik in Burg bei Magdeburg befand sich auch einer von den Leuten, bei denen die Arbeitslust immer erst dann erwacht, wenn andere Leute in den Streik treten. Ich will durchaus nicht behaupten, daß jeder Arbeitswillige ein Lump sein muß, aber sicher find da» solche Elemente» die immer erst dann ar- beiten, wenn es gilt, ihren Standesgenossen in den Rücken zu fallen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dieser Mann trug innner einen Revolver mit sich, obgleich ihm nichts ge- schehen war und prahlte damit in Wirtschaften. Eines Abend« stand er spät vor seiner Haustüre und konnte nickt hinein, da er keinen Schlüssel mit hatte. Es kamen Arbeiter vorbei, die er gar nicht kannte, die mit dem Streik nickt« zu tun hatten. Einer voii diesen ruft ihm zu: Du kannst wohl nicht hinein, wir sollen Dir wohl helfen? Die Antwort lautete: Ihr habt wohl lange keine blauen Bohnen in einen gelvissen Körper- teil bekommen. Das verbaten sich die Leute. Nun behauptet der Arbeitswillige, einer von den Arbeitern sei init dem offenen Messer in der Hand auf ihn zugegangen. Diesem Arbeiter wurde vor Gericht das b e st e L e u m n n d s z e u a n i s als eines sehr ruhigen Mannes ausgestellt. Auck wurde in seiner linken Rocktasche ein geschlossenes Taschenmesser gesunden. Der Arbeilsivillige aatle zwei Schüsse abgefeuert, von dein einen war dieser Arbeiter getroffen. so daß er nach kurzer Zeit starb. Der Staatsanwalt stellt sich auf den Standpunkt, der Arbeitswillige sei völlig glaubwürdig, er habe in vermeintlicher Notwehr ge- handelt und müsse freigesprochen werden. Die Freisprechung erfolgte dann auch. (Hört! hört I bei den Sozialdenwlratenl) Zwei Zeugen, die unter ihrem Eide bekunden, daß der Erschossene sich lediglich darauf be- schränkt hatte, sich den Gebrauch gemeiner Reden zu verbitten, lehnte der Staatsanwalt mit Rücksicht auf geringe Wideripruche, die in der Verhandlung zutage getreten waren, ab. vor allem aber deshalb, weit sie Pa r l e ig e n o i s e n des Erschossenen seien.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist dock unerhört, daß zur Kenn- zeichnung einer solchen Argumentation sich kaum Ausdrücke finden lassen, die stark genug sind. Wie würde es irgend einer von Ihnen empfinden, wenn man ihm die Neigung zutrauen wollte, einen wissentlicken Meineid zugunsten eines Parteigenossen zu leisten. In dieser Argumentation liegt auch eine große Gefahr. Es gibt zweitello« unter den Arbeitswilligen rohe gewalttätige Elemente, und wenn diese sehen. daß sie straflos sich die größten Ausschreitungen zuschulden kommen lassen dürfen, daß man den Zeugen der Gegenseite kein Wort glaubt, was sollen dann fiir Zustände bei uns in Deutschland einreißen.(Sehr ricklig!) Solche Vorfälle geben uns das Recht, zu sagen— daß Richler und Staatsanwälte nickt immer— mehr lagen wir nicht— ihre Vorurteile bei Ausübung ihres Berufs zu- rnckstellen. Das gibt uns das Recht, ja, es legt uns die Pflicht auf. von einer Klassenjustiz zu sprechen.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Ick sckließe mit der Hoffnung, daß es uns gelingen möckte. durch unsere Beschwerden beizutragen zur Verminderung der Menlchenopser. über die unsere Rechlspreckung hier hinweggeht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bolz(Z): Ich gebe zu, daß unverständliche Urteile gefällt werden, aber gegen das Uebermaß der Kritik von sozialdemokratischer Seite müssen wir uns wehren. Die Klagen würden auch nicht verschwinden, wenn die„weltsremden" Rickter ersetzt würden durch ihre berufenen oder unberufenen Kritiker. Auch verstehe ich nicht, wie ein Mann, der selbst in der Praxis steht, solche schwere Anklagen gegen deutsche Richter auf Grund von Zeitungsberichten erheben kann.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Sie haben dock gehört, daß der Vorredner da» nicht getan hat!) Unser Richlerstand ist zu ge- sund, als daß ihm eine solche Kritik schaden könnte.— Gegen Verträge, durch die das über die pfändbare Grenze hinan«- gehende Gehalt der Angestellten den Ehefrauen überwiesen wird, müssen die Gläubiger geschützt werden. Ich teile die Hoffnung des Staatssekretärs nicht, daß hier allein schon die Rechtsprechung die vorhandenen Mißstände beseitigen wird.—» Redner regt eine Revision des Gesetzes über die Gesellschaften mit beschränkter Hastung an. um den vielen schwindelhasten Untcr- nehinungen, die jetzt die Form der G- m. b. H. wählen, das Hand- werk zu legen. Es ist bezeichnend, daß die Zahl der Konkurse unter den G. m. b. H. besonders hoch ist, ein schlechtes Zeichen für die Solidität vieler dieser Gründungen. Ohne jedes bores Geld werden manche dieser Gesellschaften unter hochtönendem Titel gegründet. Niemand kümmert sich darum, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Bareinzahluugen auch wirklich geleistet werden, ob die Sach- einlagen nicht zehnfach überschätzt sind.(Zustimmung im Zentrum.)— Bei der Beratung des KolonialbeamtengeietzeS stimmte die Regierung dem Gedanken zu, das Wiederaufnahmeverfahren im Disziplinarprozeß zuzulassen. Redner fragt an, wie es mit der Erfüllung dieser Zusicherung stehe. Hierauf vertagt das HanS die Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr. Vorher kurze Anfragen und namentliche Abstimmungen. Schluß C'/« Uhr._ Hbgeordmtenhauö* 129. Sitzung Montag, den 10. Februar 1918, vormittags 11 Uhr. Der Bauctat. (Allgemeine Besprechung.) Abg. v. Maltzahn(k.) behält sich die Stellungnahme zur Main- und Weserkanalisierung vor. Der AnSban der unteren Oder könnte die von Stettin auf den Berliner Markt kommende» Produkte zugunsten der fchlestschen beeinträchtigen, die Konkurrenz Hamburgs uöügt aber dazu �Stettin zu schützen. Die Wohnungsfrage ist ein sehr wichtiger Bestandteil der sozialen Frage. Eine Reform deö Wohnungswesens durch ein Gesetz ist dringend notwendig, aber durch ein preußisches Gesetz. Die Auffassung des Reichsamts deS Innern, daß das Reich eintreten könnte, wenn Preußen versagte, ist praktisch und verfassungsrechtlich irrig.(Sehr richtig! rechts.) Das Gebiet des Reich« enthält dafür viel zu viel Verschieden- Herten. Es muß bald was geschehen; die Provinziallandtage sollten über das Wohnungsgesetz gehört werden, ebenso die Handwerks- nnd Handelskammern. Das Reich aber darf sich diese ihm nach der Reichsverfassung nicht zustehende Aufgabe nicht a n in a ß e n.(Beifall rechts.) Wir lassen uns in preußische Angelegenheiten auch nicht durch ein Rahmengesetz deS Reichs hineinreden, wir wollen unsere Freiheit behalten. (Lebhafter Beifall rechts, Beifallsrufe von einigen Nationalliberalen.) Unsere Sozialpolitik ist begründet in der kaiserlichen Botschaft von 1881, und damit glauben wir besiere soziale Arbeit zu leisten als andere Leute.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. König(Z.): Holland beabsichtigt mit Belgien eine MaaS-Kanalisierung zu baue», Belgien fordert aber dafür Hollands Zustimmung zum Rhein-MaaS-Scheldc-Konal, und diese Zustimmung sst von der holländischen Regierung bereits in ihrer Kammer erklärt worden. Präsident Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz: Diese DetailauSführungen gehören nickt hierher. Abg. Dr. König(Z.): Ich will ja nur wissen, welche Stellung Preußen zu der Frage nimmt.(Zwischen dein Redner und dem Präsidenten entspinnt sich eine längere Unterhaltung über da«, was Abg. König sagen wolle und dürfe, die damit endet, daß er weiter darüber sprechen kann.) Der Kanal würde der westdeutschen Industrie neue Absatzgebiete schaffen und einen neuen Weg nach einem»eu- tralen Hafen eröffnen. Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitcnbach spricht, wie immer, von der Journalistentribüne abgewendet und ist nur äußerst lückenhaft zu verstehen. Er scheint den Abg. v. M a I tz a h n über die Zukunft Stettins zu beruhigen, über die geplante Reorganisation der Bauverivaltung Auskunft zu geben, wobei namentlich den unteren und mittleren Beamten erweiterte Befugnisse erteilt werden und Hoch- bauämter zusammengelegt werden dürften. Abg. Dr. Röchling(natl.) llonnschi, daß der Rhein-Hamiover-Kanal möglichst bald östlich verlängert werde, und zwar nach HildeSheim und Braunschweig. Die Mainkanalisierung darf nicht von Hollands Zustimmung zu den Rheinschiffahrtsabgaben abhängig gemacht werden. Wir sind für ein eigene» Bautenministerium denn unsere Eisenbahnen sind genug Arbeit für ein Ministerium und für die Wasserstraben mich mehr geschehen. Auch uns scheint landeS- gesetzliche Regelung des Wohnungswesens bester. Der bundesstaatliche Charatter des Reichs mich aufrecht erhalten bleiben. Es ist nicht zu bezweifeln, das; der preußische Landtag von demselben sozialen Geist erfüllt ist lvie die Reichsämter. (Lebhaftes Bravo I bei den Nationalliberalen und rechts.— Abgeordneter H o f f m a n n: Aber!!) Der Redner tritt dann für Kanalisation der Weier ein. Abg. Roscnow(Bp.): Die Trennung der Bau- von der Eisen- öahnverwaltnng wäre für Handel und Verkehr, die sich erfreulich heben, verderblich, weil jetzt zwischen Kanälen und Bahnen ein Tarifausgleich stattfindet. Graf K a n i tz hat im Reichstag kanal- freundlich gesprochen. Nun, Sie haben den Mittellandkanal bei Hannover trotz einem Königswort und Ihrer Königstreue an die Leine gelegt— lasten Sie ihn jetzt endlich loS und bauen Sie ihn bis nach Magdeburg. Was geschieht aber mit den seither avanzierten Kanalrebellen? Werden die dann wieder auf die alten Stellen versetzt?(Sehr gut I links.) Berlin hat für lLMillionen ein Hafenterrain am Stettiner Großschiffahrtsweg errichtet, aber die Regierung stellt unmöglich zu erfüllende Anforderungen und verzögert die ganze Sache ungemein.— Der Redner bespricht dann einzelne Nessortangelegenheuen. Minister v. Breiteubach: Die Hafenberhandlungen mit Berlin sind abgeschlossen. Eine Trennung der Kanal- von der Eisenbahn- Verwaltung ist unmöglich. Die staatlichen Baubeamten dürfen Nebenarbeiten nur übernehmen, wenn dienstliche Interessen darunter nicht leiden. Die Regierungspräsidenten trachten, eine Beeinträchtigung der Interessen der Privatarchilekten zu vermeiden. Den Arbeitern der Wasserbauverwaltnng ist die Möglichkeit gegeben worden, der Eisenbahnpensionskasse beizutreten. Auf eine Anfrage des fortschritt- lichen Redners erklärt der Minister noch, daß die Verwaltung gegen den Beitritt der Arbeiter zu Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften nichts einzuwenden habe. Abg. Lippmann(Vp.) behandelt nochmals die Differenzen zwischen den Interessen Steltins und denen der oberschlesischen Montanindustrie. Von einem Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin kann man gar nicht sprechen, denn er kann nur von OOO-Toimen- Schiffen befahren werden, dagegen können von Hamburg nach Berlin LOO-Tonnen-Kähne, auf der Elbe sogar von ISOl) und auf dem Rhein von 3000 Tonnen fahren. Damit ist die allgemeine Besprechung beendet. Inder Einzelberatung spricht über Arbeiterverhältniste Abg. Hoffmann(Soz.): Die Bauräte und Geheimen Bauräte lassen es häufig genug an Wohlwollen gegen die Arbeiter fehlen. Kurz vor Weihnachten sind von der Swinemünder Strombauverwaltung 40 Arbeiter entlassen worden und am 4. Januar weitere 16. alles Familienväter mit mehreren Kindern und mit jahrelanger Beschäf- tigung bei der Stronihauverwaltung. Die Arbeitszeit ist eine lange, die Lohnberechnung können die Arbeiter nicht k 0 n- trollieren, Arbeiterausschüsse bestehen auch nicht, und das ist die Ursache, daß solche Härten vorkommen können. Wir er- warten von dem Staat als Arbeitgeber, daß er künftig nicht Familienväter, die 5. 10 und 15 Jahre im Dienst stehen, zwischen Weihnachten und Neujahr aufs Pflaster setzt. Der fortschrittliche Redner beklagte sich hier, daß Arbeiter, die Hirsch-Dunckerschen Gelverkschaftsorganisationen angehören, entlassen werden, als ob sie sozialdemokratischen Gewerkschaften angehörten. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt:„Heiliger Florian, verschon' mein HauS, zünd' andere an", sondern wir verlangen, daß den Arbeitern überhaupt nicht das Recht der Vereinigung ver- kümmert werde. Wir schmunzeln nicht, wenn es gegen christ- liche oder Hirsch-Dunckersche Gewerkschaften geht, bitten Sie aber auch, nicht zu schmunzeln, wenn gegen freie Gewerkschaften vor- gegangen wird, wie es leider alle Tage der Fall ist. Unterstaatssekretär Eocls van der Briigghcn: Es kann sich bei der Entlassung doch wohl nur um Saisonarbeiter gehandelt haben, denn ivir nehmen auf unsere Arbeiter die größte Rücksicht und ver- bessern ihre Lage andauernd. Wir haben sogar eine Erhöhung der Unterstützungen ins Auge gefaßt und die Zulage der Eisenbahn- arbeiter nach längerer Dienstzeit eingeführt. Unseren Arbeitern geht es durchaus nicht schlecht. Abg. Hoffmann(Soz.): Ich bin dem Regierungsvertretcr dankbar, wenn er erklärt, daß derartige Entlastungen nicht vorkommen sollten: aber eS ist Tatsache, daß diese Entlassungen vorgekommen sind, und daß die entlastenen Fainilienvätcr. fünf, zehn und fünfzehn Jahre dort ge- arbeitet hatten. Die Entlastung wurde ihnen nicht einmal vorher angekündigt, auch der Restlohn wurde ihnen nicht einmal ausgezahlt, das sind gelviß Härten, denen abgeholfen werden könnte. Nach weiierer unwesentlicher Debatte vertagt sich das HauS. Abg. v. Arnim-Züsedom(k.) ersucht als Vorsitzender der Budget- komnnssion, den Mittwoch für ihre Arbeiten freizugeben, da sie erst in sechs Wochen mit dem Etat fertig werden könnte, wenn sie weiter, wie bisher, an drei Abenden in der Woche bis Vzl.2 Uhr nachts arbeitst, was auch eine große Anstrengung ist. Abg. v. Pappcnhcim(k.) ersucht, den Mittwoch nicht sitzungsfrei zu lassen, da das Plenum noch sehr viel zu tun habe. Die Vertreter aller Fraktionen stinnneu dem Wunsch des Abg. V. A r n i m zu. Abg. Hoffmnnn(Soz.): Auch wir sind diesmal in der glück- lichen Lage, Herrn v. Arnim zustimmen zu können.(Allgemeine Heiterkeit.) Vizepräsident Dr. Krause: Das Haus wird am Schluß der morgigen Sitzung darüber entscheiden. Nächste Sitzung: Dienstag 10 Uhr vormittags: Weiter- bcralimg des BauetatS. Schluß 4>/s Uhr. f Hus der Partei. Ausschluß aus der Partei. Vom Bezirksvorstand in Frankfurt a. M. wurde der Modell- schrciner Lud tu ig Kentner, geb. 28. März 1885 in München, zurzeit wohnhaft in Hamburg, aus der sozinldemokraiischen Partei auegcschloüen. Kentner bat im vorigen Jahre in Nied a. M neben andnen Manipulationen Parteigelder veuiiureut. Der„Vorwärts" hat bereits vor Monaten vor Kentner g-.ivarnt. IvslrreiUebea, Eeruvtiübe» ulev. Staatsmiwalt und sozialdemokratischer Redakteur. In einer Bei Handlung gegen den Redakteur Genossen Bruno Kühn vorn„Goihaer Bolksblatt" vor der Straftainmer des Land- genchtö in Gotha erklärte der Erste SlaatSaiiwalt Kiese Wetter, daß eine Gefängnis st rase sür de» Angeklagten deshalb angebracht iei, weil e r das Beleidigen als ein Ge- werbe betreibe und leichtfertig Berichte ver- öffentliche. dieBeamtenbeleidigungen eiit halten, In einem Bericht aus Ohrdruf waren einige Unrichtigkeiten ent- halten, so daß Kühn ivegeu Beleidigung eincS Schutzmaliiis, der einen rabiaten Bettler verhaftet hatte, zu 2 Woche» Gefängnis verurteilt wurde. Das Gericht hatte keineu besonderen Wert auf das Slrafregister des Angeklagten gelegt. Auf Antrag des Staatsanwalts ivurde aber Pause gemacht, damit die Borstrafen genau ermittelt werden konnten, worauf der öffentliche Ankläger sich dann stützte, oblvohl die Strafen auf Grlind von Preßprozessen bis z w ö l f I a h r e zurücklagen. Die Aeiißerungen des Herrn Staatsanwalts warfen ein be- zeichnendes Licht auf seine.Objektivität". Jugendbewegung. r1 Unwürdig, tauglich— Landsturm. Im vergangenen Jahre brachten unsere Genossen Schulz uuld Dr. Frank im Reichstage eine Angelegenheit zur Sprache, die den Terrorismus und die Engherzigkeit der preußischen Schul- und Militärbehörden drastisch beleuchtete. Es haude'lte sich um den Sohn unseres Genossen Düwell. Der junge Mann hatte als Kaufmannslehrling einen Mvdungtverein für Jugendliche ge- gründet. Unter dem bekannter scharfen Wind, der Ende 1909 gegen die proletarische Jugendbewegung einsetzte, wurde auch dieser Verein für politisch erklärt. Gegen Düwell wuvde ein Verfahren wegen Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes eingeleitet. Das Urteil lautete auf 0 M. Geldstrafe. In der Begründung des Urteils wird auch die politische Stellung des Baters des Angeklagten betont. Der Bater sei ein bekannter Sozialdemokrat, daraus sei zu schließen, baß der vom Sohn gegründete Verein ebenfalls politische Zwecke verfolge. Mit der Verurteilung war die Sache aber noch nicht erledigt. Der junge Düwell hatte sich privatim auf das Abitu- rientenexamen vorbereitet. Sein Gesuch um Zulassung zur Prüfung wies die Schulbehörde zurück, zunächst, weil ein Strafverfahren gegen ihn schwebe und später endgültig, weil er wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes bestraft Wauden sei. Hieraus ergebe sich ein Mangel an sittlicher Reife, der ihn der Zulassung zum Abiturtentenexamen unwürdig mache. Beschwerden gegen den Entscheid waren erfolglos. Die Schulbehörde hatte aber nicht verhindern können, 4>a& Düwell an der Handelshochschule immatrikuliert wurde. Um nun hier sein Studium beenden zu können, beantragte er auf Grund eines wissenschaftlichen Befähigungsnachweises bei tder Militär- behörde die Ausfertigung eines Berechtigungsscheines zum ein- jährig-freiwilligen Dienst und Zurückstellung vom Militärdienst auf 3 Jahre. Unter Berufung auf die Entscheidung des Provinzial- Schulkollegiums verweigerte die Militärverwaltung die Ausstellung des Scheines. Die vorgesetzten Instanzen und auch der Kriegs- minister bestätigten die Maßnahme der Militärbehörde. Düwell mußte sich zur Stammrolle.melden und wuvde sofort als tauglich zur Infanterie ausgehoben. Sein erneutes Gesuch um Zurück- stellung zwecks Beendigung seine» Studiums wurde dann auch von der Königlichen Ersatzkommission dcS zuständigen Bezirks Lichtenberg prompt zurückgeiviesen. Kurz vor der Generalmusterung kam die Angelegenheit im Reichstag zur Sprache. Der Kricgsminister zog es damals vor, die ganz« Verantwortung für das Vorgehen gegen Düwell dem Provinzial-Schultollegmm zuzuschieben. Als das geschah, hatte er selbst schon eine Beschwerde Düwells zurück. gewiesen. Bei der kurz �darauf abgehaltenen Generalmusterung wurde Düwell ohne körperliche Untersuchung auf 1 Jahr zurück- gestellt. Das war im Sommer 1912. Anscheinend war die Militär- Verwaltung aber schon zur Ansicht gekommen, Düwell sei überhaupt militäruntauglich. Am 4. Januar 1913 wurde der Bater des Delin- quentcu. Genosse Düwell, von �der Königlichen Landwehruispcktion Berlin I ganz plötzlich telephonisch gebeten, seinen Sohn doch sofort zu einer außerterminlichen Musterung in das Landwohrbezirks- gebäude zu senden. Der Bitte wurde entsprochen. Nach kurzer Untersuchung fand der Arzt, Düwell sei dienstuntauglich; er wurde dem Landsturm ohne Waffe überwiesen. Nun hat der Berechtigungsschein für Düwell natürlich keinen praktischen Wert mehr. Daß der untersuchende Arzt bei der außerterminlichen Musterung sür Düwells körperliche Mängel, die man bei der ersten Musterung durchaus nicht finden konnte,«in ver- ständnisvolleres Auge hatte, ist sehr erfreulich, aber für die Schul- und Militärbehörde ist'die ganze Affäre wohl kaum erfreulich. An- sehen haben sie nicht dabei erworben. Buq Industrie und Handel. Burbach— Eschwciler. Die bereits früher von uns angekündigte Jntcressengemein»- schaft zwischen der Burbach-Eich-Düdelinger Aktiengesellschaft und dem Eschweiler Bergwerksverein ist jetzt in allen finanziellen Einzelheiten festgelegt. Am Anfang dieses Monats haben die Auffichtsräte beider Gesellschaften Planen zugestimmt, dt« dahin- gehen: Der Vertrag soll auf 30 Jahre, beginnend mit dem 1. Juli 1912, abgeschlossen werden. Den Aktionären des Eschweiler Berg- Werksvereins soll bis 1910 eine zehnprozentige Dividende, bis 1920 eine solche von 12 Proz. und für den Rest der Dauer dos Vertrages. also bis 1942, eine Dividende von 14 Proz. gewährleistet werden. Die Burbach-Eich-Düdelinger Aktiengesellschaft ist verpflichtet, auf Verlangen die Aktien des Eschweiler Bergwerksvereins bis zum Juli 1942 zum Kurse von 250 Proz. zu übernehmen. Der Auf- sichtsrat des Eschweiler Bergwerksvereins soll um sechs Mitglieder aus den Reihen des Burbacher PerwaltungSratcs vermehrt wer- den, während aus dem Eschtveiler Aufsichtsrat drei Mitglieder zur Wahl in den Burbacher Verwaltungsrat vorgeschlagen tverden. Der Konzern B u r b a ch ist erst vor zwei Jahren durch Per- schmelzung des Luxemburger Bergwerks- und Saarbrückener Eisen- Hüttenvereins mit dem Elcher Hüttenverein und dem Eisenhütten- Aktienverein Düdelingen entstanden. Er besitzt große Walzwerks-, Stahlwerks- und Hochofenanlagen. Nach Fertigstellung neuer, bereits im Bau begriffener Anlagen wird der Konzern die höchste Beteiligungsziffer im Stahlwerksverband haben. Um den erforder- lichen Brennstoffbedarf für immer sicher zu stellen, schließt er die Interessengemeinschaft mit dem Eschweiler Bergiverks- verein, der bei einer jährlichen Förderung von 2,0 Millionen Tonnen Kahlen gerade den Bedarf Burbachs decken kann. Syndikatssornen in der Bralinkohlcnindnstrie. Nachdem vor nicht langer Zeit das Mitteldeutsche Braunkohlen- syndikat zerfallen ist, droht auch dem Niederlausitzer Art- kettshndikat die Auflösung, und zwar durch den Austritt der „Ilse- Bergbau-Akticngesellschaft". Die Produzentiii der bc- kannten„Jlse"-Briketts hatte von jeher eine Sonderstellung im Syndikat: sie durfte ihre Erzeugnisse unter eigenem Namen, nicht als Syndikatsmarke verkaufen: für den Berliner Markt>var ihr außerdem eine besonders große Absatzziffer eingeräumt worden; schließlich behielt sich die„Ilse" eine kurze Kündiguiigsfrist vor. Den vom Syndikat beschlossenen PraduktionSeinschränkungen will sich die Jlse-Gesellschaft nun nicht mehr fügen; auch scheint sie ihre Lage am Berliner Markt durch die niedrigeren Augebote mittel- deutscher Brikcttfirmen, die mit der Auslösung des Mitteldeutschen Syndikats auftraten, für gefährdet zu halten. Welche Bedeutung der Austritt der„Ilse" für das Niederlausitzer Syndikat haben würde, geht daraus hervor, daß„Ilse" über 25 Proz. der Syndi- katsbeteiligungen besitzt. Bei einem so bedeutenden Außenseiter scheint der Bestand des Syndikats gefährdet, obgleich die Jlse-Ge- sellschaft gemäß ihrem Bertrage auch nach ihrem Austritt bis zur Auflösung der Gesellschaft(spätestens aber bis 1923) zu den Syndi- latSunkostcn mit 2 M. pr» 10 Tonnen beitragen muß. CkricKts- Leitung. Folge« der Fürsorgeerziehung. Weil er in das Gefängnis wollte, hat ein 20jähriger Fürsorge- zögling eine vorsätzliche Brandstiftung begangen, die ihn nun gestern vor das Schwurgericht des Landgerichts II führte, vor welchem gestern eine neue Tagung begann. Aus der Untersuchungshaft wurde der Fürsorgezögling Willi Freund vorgeführt.— Der Angeklagte hatte kaum das Straf- mündigkeitsalter erreicht, als er zum ersten Male vor deni Straf- lichter stand und wegen mangelnder Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlungsweise freigesprochen wurde. Bald darauf wurde er zu einem Verweise und dann zu 14 Tagen Gefängnis verur- teilt. Diese Strafe kam jedoch nicht zur Vevbützung, da er der Fürsorgeerziehung überwiese» wurde. Nach wenigen Tagen fluch- tele er und schlug sich zu Fuß bis nach Böhmen durch, wo er sich. mit Revolver nud Dolchmesser bewaffnet, einer Räuberbande an- schloß, die dort das Land unsicher machte. Als 14jähriger Junge kam er dann völlig verwildert wieder nach Hause. Hier bekam er nach wenigen Tagen mit einem Freunde wegen einer Kleinigkeit Streit. Cr zog einen Revolver hervor und schoß den Freund nieder. Er wurde wegen dieser Tat zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Diese Strafe wurde später in einem Wiederaufnahmever- fahren in 3 Monate Gefängnis umgewandelt. Auch die Verbüßung dieser Strafe wurde ausgesetzt und der Jugendliche der Erziehungs- anstalt überwiesen, aus der er bald wieder ausbrach. Er verübte zahlreiche Einbrüche, jedoch wurde auch die hierfür gegen ihn er- kannte Strafe ausgesetzt. Kaum in die Erziehungsanstalt zurück- gebracht, brach er wieder aus, verübte Einbrüche und zündete drei Strohmieten an. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, daß er alle diese Straf- taten begangen habe, da er lieber ins Gefängnis als in eine Er- ziehungsanstalt wollte. In der Anstalt werde nur geschlagen und dies habe ihn in seiner Ehre zu tief gekränkt. Er habe sich deshalb vorgenommen, so lange Straftaten zu begehen, bis er nicht mehr in die Erziehungsanstalt gebracht werden könne.— Tatsächlich brach der Angeklagte dann bald wieder, zum vierten Male, aus der Erziehungsanstalt aus und wanderte zu Fuß bis an die französische Grenze, um sich für die Fremdenlegion anwerben zu lassen. Hierzu kam es jedoch nicht, da er wegen verschiedener in Lothringen ver- übter Einbrüche gefaßt und in Zabern verurteilt wurde. Aus dem Gefängnis kam er wieder in die Erziehungsanstalt in Strausberg, von der aus er zu dem Landwirt Hcnze in Zinndorf bei Strausberg gebracht wurde. Am Abend des 2. Oktober v. I., wenige Stunden nach seinem Dienstantritt, lieh er sich von einem Knecht eine Schachtel Streichhölzer, zündete die Scheune an und flüchtete von neuem.— Vor Gericht erklärte der Angeklagte, daß er die Brand- stiftung nur begangen habe, um«ruf möglichst lange Zeit ins Ge- fängnis zu kommen, da«r in der Erziehungsanstalt furchtbar ge- schlagen worden sei.— Der Gerichwarzt Dr. Marx bekundete, daß der geistig etwas minderwertige Angeklagte ganz erhebliche mo- ralische Defekte aufweise, die man früher mit dem jetzt nicht mehr angewendeten Begriff„morst insanity" bezeichnete.— Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß, wurde der Angeklagte zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt._ Ein Ausgebot von 080 Zeugen ist in einem Betrugsprozeß mobilgemacht worden, der gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsdireltors Delkeskamp seinen Anfang nahm. Die Anklage unter dem Rubrum Jacobs\u Gen. richtet sich gegen 6 Personen: den Inhaber eines Detcktivbureaus Fritz Jacobs, dessen Ehefrau Hedwig Jacobs, den Zeichner Karl Jaeglvr und drei Angeklagte, die in der Form falscher AuÄunftertcilung Beihilfe zu einigen Betrugsfällen— es handelt sich um mehrere hundert Einzelfälle, geleistet haben sollen. Ein siebenter Angeklagter, der Kaufmann Hans Dube, der in dem Strafverfahren eine hervorragende Rolle spielt, ist nicht erschienen. Wie es heißt, soll er sich in einer Irren- anstalt befinden. Jacobs betrieb früher in Neukölln, später in der Reichenberger Straße, ein Darlehns- und Hypotheken-Bermittelungsgeschäst. Auch Dube betrieb ein solches Geschäft zuletzt in der Prenzlauer Straße. Jacobs hatte außerdem in der Besselstraße das Finanzgeschäft „Cito" eröffnet, das später von Dube übernommen wurde. Jacobs begründete dann in der Friedrichstraße eine Auskunftei und er- teilte für Dube Auskünfte über die Vermögenslage der Dar- lchenssucher. Bei dem jetzigen Strafverfahren handelt es sich um zahlreiche Darlehensschwindeleien, bei denen Jacobs, Dube und Jaeger Hand in Hand gearbeitet haben und von den übrigen Auge- klagten unterstützt sein sollen. Jacobs und Dube erließen in Hun- derten von Zeitungen Inserate, wonach sie Kapital zu vergeben hätten. Sie stellten auch den sich Meldenden die Beschaffung von Geldern in ziemlich sichere Aussicht, obgleich sie nach den Ermitte- lungen der Anklagebchörde weder selbst Gelder besaßen, noch Geld- niänner an der Hand hatten. Die Hauptsache war. daß die Dar- lehnssucher.einen bestimmten Betrag für Porto und Auskunfts- gebühr einzuzahlen hatten. War dies geschehen, so hatten die Darlehnssucher das Nachsehen; sie wurden dann unter allerlei Ausflüchten hingehalten,- manchmal wurde ihnen mitgeteilt, daß die Auskünfte über sie schlecht ausgefallen seien, es wurde die Stellung eines Bürgen verlangt und dann eine nochmalige Gebühr für den Bürgen erhoben. In den sämtlichen zur Anklage gestellten Fällen des vollendeten bezw. versuchten Betruges soll es nicht zur Aus- Zahlung von Geld gekommen sein. Verschiedene Grundstücksbesitzer, namentlich Landwirte, die Gelder für Hypotheken suchten, sollen von Jacobs um erhebliche Beträge geprellt worden sein.— Der Prozeß dürfte etwa 0 Wochen für die Verhandlung in Anspruch nehmen. Ueber das Urteil werden wir berichten. Der Schnapsteufel. Ueber die Bluttat, die sich in der Stacht zum 30. September 1912 in der Lütticher Straße ereignete und anfänglich aiS Mord angesehen wurde, soll nun am 11. Februar vor«dem Schwurgericht des Landgerichts III verhandelt werden. Unter der Anklage der Körper- Verletzung mit Todcserfolg wird der dislang unbestrafte Arbeiter Hermann Ackermann sich zu verantworten haben. Einem von ihm begangenen Roheitsakte ist die Frau Emma Klarner, die einen üblen Lebenswandel geführt hat und dem Schnapsteusel verfallen war, zum Opfer gefallen. Der Angeklagte'hatte in stark ange- trunkenein Zustande mit zwei anderen jungen Leuten die Klarner an der Ecke der See- und Amvumer Straße getroffen. Sie war so betrunken, daß sie sich allein nicht von der Stelle bewegen konnte. Es fand dann ein fortgesetztes Schnapstrinken statt, in dessen Ver« kauf der Angeklagte in rohester Weise die Klarner mit den Fäusten ins Gesicht schlug und schließlich eine schnapsgesüllte Flasche aus ihrem Kopf zertrümmerte. Die K. trug eine stark blutende Wunde am Hinterkopf davon, sie fiel zu Boden und wurde von Ackermann in hilfloser Lage liegen gelassen. Am nächsten Morgen wurde ihr« Leiche auf einem-Baupkatze vorgefunden. Die Wunden in der Gegend des Hinterhauptes waren an und für sich nicht allzu schwer, nach dem Gutachten der Sachverständigen ist anzunehmen, daß die Gesamtheit der Mißhandlungen in Verbindung mit der auf die Trunksucht der K. zurückzuführenden Erkrankung des Herzens und der Nieren den Tod der K. zur Folge gehabt hat. Das Milien, in dem sich diese scheußliche Nachtszene abgespielt hat, ist ein so widerwärtiges, daß die Verhandlung unter Ausschluß der Oefsentlichkeit stattfinden wird. m Alkoholarm- Aerzflich empfohler Das beliebteste am Markte Todes-Anzeigen SozIalöemoHeherWaUverein UUerlJeiEhstagswaWkreis. GSrlitzer Viertel. Bez. 205 1. Den Mitglieder» zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Friedrieh Fuhrmann Liegnitzer Str. 19 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 12. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deS Thomas- Kirchhofes in Neukölln,, Hermami. strafie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/2_ Der Borstand. SozialdeoiokratiseberWalilvefeio l.d.Ueri.ReicbstagswaMkreis. Petersburger Viertel. Bez. 358. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Hutmacher Merl fileiebrodt Pettenkoserstr. 4 b, gestorben ist. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Februar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fricdhoss in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Der Vorstand. Statt besonderer Meldung. Am Sonnabend verschied nach längerem, schwerem Leiden meine liebe Mutti, meine gute Tochter, unsere Schwester und Schwägerin Frau Gertrud Michaelis geb. ülarjtaii Kopenhagener Strotze 75. Um stilles Beileid bitte» Die trauernden Hinterbliebenen L. A.: Max und Cerline Beer, Gaudystr. 15. Die Beerdigung findet am Mitt. woch vormittag 10'/, Uhr, von der neuen Halle des jüdischen Fried- Hosts in Weitzensee, Lothringen- strotze, aus statt. 2393b ÄzialdeiuellratiWHaiilvereiii I. d. S. Bfirl. ReichstagswaWkreis Am 8. Februar verstarb unsere Genossin Kerlrud Michaelis Kopenhagener Str.75.—Bezirk577. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. d. Mts., vormittags 10' j, Uhr, von der neuen Halle des Jüdischen Friedhofes in Weitzensee, Lothringenstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/7 Der Borstand. Verband der Maier, Lackierer ete. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz der Kollege Kmil Schweisei tGesuvdbrunnen) am Sonnabend verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Februar, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Sophien-Kirchhoses, Gesund- brunnen, Freienwalder Strotze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Xmold Hermann verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 11. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Auserstehungs- Kirchhoses in Weitzensee aus statt. 137/9 Bio Ortsverwaltung. Deutsclter Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Fraaz Sobanski am 7. Februar an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den lt. Februar, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian-Kirchhoses in Reiuickendors, Hilmboldtstratze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 112/13 Die Ortsverwaltung. Deutseber Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Stellmacher (Zeisler Pankow, Schnüdtstr.(i, im Alter von 19 Jahren gestorben ist. Ehre seinemAndenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 12. Februar, nachmittags o'/.j Uhr, von der Halle des 3. Pantower Gemeindefried- hoses in Schönholz aus statt. 79/2 Die Ortsverwaltung. Verband der Hebneider u. Schneiderinnen. Filiale Berlin I. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, datz der Kollege Karl kanxenan am 9. d. Mts. im Alter von 32 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Februar, nach- mittags't-A Uhr, von der Halle des 2. Stadtischen Friedhofes in Schönebcrg, Lylhstratze, aus statt. >92/15 Die Orlsvorwaltunz. Deutseber sransptarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Graß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Droschken- sührer Aupsi Süiidermann am 8. Februar im Alter von 65 Jahre» verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Diens- tag, den 11. d. M., nachm. 3'/� llhr, von der Leichenhalle des Helländs- sriedhoses in Stahnsdorf aus statt. 62/1 Oie Bezirksverwaltung. Statt besonderer Meldung. Am 9. d. MtS. verschied nach kurzem, schwerem Leiden meine inniggeliebte Frau u. liebe Mutter Helene Richter geb. Gädicke im Alter von 37 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt mit der Bitte um stille Teilnahme an Richter nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. Februar, nach- mittags'l-A Uhr, von der Halle des Zenttaisriedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 2404b Kliimeu- und KtliUsbindem von RohcH Meyer,* Jnh.: P. Oolletz Mariaunenstr. S. Tel. Mpl. 346. Zenlral-KrankED- u. Sterhekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin 6. Frauen-Sterbekasse. Am Freitag, den 7. Februar, verstarb unser Mitglied, Frau Fmms Lpriiigsluhhe |au Blasenleiden. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am 1 Dienstag, nachmittags 31/, llhr. von der Halle des neuen'Naza- reth- Kirchhofes, Neinickendors, Kögelslratzc, aus statt. 1 257/7 Tie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Maurers Marl Itelimaim spreche ich hierdurch dem Deutschen Bauarbeitcr-Berbande, allen Genossen und Genossinnen des 4. Wahlkreises, 274. Bezirks, sowie dem Genossen Wilow für die ergreijcnde Grabrede und allen Bekannten, Freunden und Verwandten meiiic« innigsten Dank aus. tza Witwe Anna Lehmann. Höbelfabrlk„Berolina4- Eingetragene Genossenschast mit bc- schränktec Hajtpflicht. Montag, den 24. Februar 1913, abends 6 llhr, im Geschästslokal: (■cuei-z»ivcre>«iniulii,,|;. _ Tagesordnung: I.Bilanz. 2. Statutänderung. 3. Wahl des Vorstandes und des AussichtSratS. 4. Geschäftliches. Die Bilanz liegt bei uns zur Ein- ficht aus. ic>3/l Oer Vorstand. H. Krebs. Karl Müller. Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* J. Kurzhers, Hass-Sciinelderel Rosenthaler Str. Nr. 36. I Heekeieber Markt Frankfurter Allee 104, parterre Ecke Fritdcmtr. RelnickendorferStr. Nr. 4. I am WeddingplaU W'-'i i f.$ Mr- mef ?;&;> W"W (DJc, neue. Oeutscher Kolzarbeiter-Verband. --------------- Verwaltung Berlin.——- Mittwoch, de» 12. Februar, abends 81/, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Komdinierte Versammlung der Ortsverlvaltung mit der Kontrollkommission. Donnerstag» den Iii. Februar, abeudS 8 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Gemeinsame Versammlung sämtlicher Merlißatt-Ztertritueusleute unb der Delegierten zur Generalversammlung. Tagesordnung: Bericht über die Bertragsverhandlungo» uud Stellungnahme zu dem gefällten Schiedsspruch. Stockardeiter! Heute, Dienstag, de» lt. Februar, abends V Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Wahl der Delegierte» zur Generalversammlung und Berbandsangclegenhcite». Bezirk Charlottenburg. Heute, Dienstag, de» ll. Februar, abcndS 8 Uhr, im BottshauS, Rosineiistr. 3: Mitglieder-Versammlung:. Tagesordnung: Wahl der Delegierte» zur Generalversamuilung und Berbaudsangelcgenheiten. Bezirk Tempelhof, Wlariendorf u. WZarieufelde. Mittwoch, lÄ. Februar, abends 0 Uhr, bei Löwenhagen, Maricndorf, Chauffcestr. 27: Gewirks- Versammlung. 79/1 Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage im.Holzgewerbe.— S. Lcrbaudsaiigclegenheite«. vis Ortsverwaltung« Peek& Cloppenburg Spezialhaus für moderne Herren- und Knabenbekleidung Gertraudtenstraße 25- 26- 27 Konfirmanden-Anzüge Fertig am Lager Kat. Nr. 22W 2245 2246 2247 2248 2248 2250 2251 2252 2253 2254 2255 2256 2261 2262 2263 2264 2265 2266 2267 2268 2263 2273 2271 2272 2273 2274 2275 2276 2277 2278 2267 2258 2239 Schwarxer Cheviot.............., Geripptes, schwarze» Kammgarn Geripptes, schwanes Kammgarn.............. Schwarzer, derber Cheviot, solide Ware.......... Schwarzer, derber Cheviot solide Ware.......... Eleganter, schwarier Kammgarn-Cheviot......... Schwaner, eleganter Tuchkammgam- Anzug........ Melton-Chcviot, iußerst haltbare Ware........... Melton-Cheviot. äußerst haltbare Wate........... Schwarzes Tuchkammgam. elegante, keine Ware...... Feiner, schwarzer Melton-Cheviot. tonügliche Ware.... Feiner, schwarzer Melton-Cheriot. vorzügliche Ware.... Schwarzer Mellon-Chcviot, mit seidenem Spiegel, mit Borde eingefaßt, sehr elegant................ Dunkelblauer, solider Cheviot................ Blauer, solider Kammgarn-Cheviot............. Blauer, reinwollener Kammgarn-Cheviot.......... Blauer, reinwollener Kammgarn-Cheviot.......... Reinwollener, blauer........................... Eleganter, reinwollener Melton-Cheviot.......... Eleganter, reinwollener Meiton- Cheviot.......... Reinwollener Melton-Cheviot, iußerst haltbar....... Reinwollener Molton- Cheviot, iußerst haltbar....... Blauer, reinwollener Diagonal- Cheviot, eleganter Anzug... Dunkelblauer, reinwollener Diagonal- Cheviot........ Dunkelblauer, reinwollener Diagonal-Cheviot•....... Melton-Cheviot, elegante, glatte Ware ,«•...••••" Dunkelblauer, sehr solider Cheviot............. Dunkelblauer, sehr solider Cheviot Glattes, dunkelblaues Diagoeal-Kammgam......... Hocheleganter, feiner Melton-Cheviot............ Dunkelblauer, iußerst haltbarer Cheviot...••••••. Melton-Cheviot. prima Qualitit. eleganter Aiuug,... Jünglings- Smoking- Anzüge Schwarzes Tuchkammgarn, vorzügliche Ware, mit srid. Schal Schwarzer, vorzüglicher Mdton-Cheviohmitseidenem Revers Feiner Melton-Cheviot. auf Seide gelüitert. mitaeidenem Schal Brustweite in cm 68-70 M. 11.— 16.— 20.— 22.— 24.- 28.— 28.— 57.— 59.— 39.— 47.— 50.— 53.— 16— 20.— 20.— 22.- 22.- 26.- 28.— 28.— 30.— 50.— 31.— 33.— 33.- 37.— 39— 41,— 42.- 44.— 50.— 37.— 47.— 53.- 72-76 M. 12.— 17— 22.— 24.— 26.- 56.— 51— 40.— 42.— 42— 50— 53.— 56— 17.— 21.— 22.— 24.- 24.- 25— 30.- 31.— 33— 33— 34.- 36- 36— 40.— 42.— 44.— 45— 47.— 51- 40,— 50.— 56— 78-82 M. 11— Hz 26.— 28.- 33.— 34— 43— 43.— 56.— 39.— 11- 21- 24— 26,- 26.- 51.— 33.- 54,- 36- 36.- 37- 39.- 39— 43— 45— 47.— 49.— 31.- 51— 43.— 53.— 59.— 84-86 M. 14.- 20.- 26- 28.- 30.- 35.- 36- 45.- 47.- 48.- 36.- 59.« 62.- 20.- 24.- 21- 28.- 28.- 31- 51- 56- 31 38.- 39- 41.- 41.- 4�.— 47.- 50- 52.- 54- 59.- 45- 56.- 63.- Vorzüglicho PaBformsri n Nur oigone Erzeugnisse 'gtmfrnrfuate Redakteur: Slkreb Mel-Pv. Neulöllv. Lux Heg verantv.: Hr. 35. 30. Jahrgang. 2. Wim Ks Jmüärts" ßtrlintt WIKM Nienslas, II. Itkmt 1913. Von der fiirlorge für hungernde SchuIIiinder. lieber den Wert der Schulspeisung Ivill in Berlin die vom Magistrat eingesetzte Schulspeisungskommission sich dadurch ein tlrteil bilden, daß sie den Einfluß auf die tlörper- cntwickelung der beteiligten Kinder feststellen läßt. Nachdem in der letzten Sitzung der Kommission dieser Gedanke angeregt worden war, hat die Schuldeputatio» die Leiter der Gemeindeschulen und der Hilfsschulen ersucht, die Lehrerkollegien um ihre Mitwirkung gu bitten. Sie hofft, daß Lehrer und Lehrerinnen sich bereit finden lassen werden, von Zeit zu Zeit das Körpergewicht der mit Mittagessen gespeisten Schulkinder zu ermitteln. Es ist erfreulich, daß die Schulspeisungskommission sich über die Wirkung ihrer Fürsorge für hungernde Schulkinder zu unterrichten sucht. Möge das Ergebnis der Feststellungen ihr ein Ansporn sein, den Kreis der an der Speisung zu beteiligenden Kinder immer mehr zu erweitern. Bei dieser Gelegenheit wollen wir an die Kommission eine Bitte richten. Zu Helene Simons Broschüre über„Die Schulspeisung in Groß-Berlin" war vom Rathause aus an die Presse eine Gegen äußerung versandt worden, die in dem Satz gipfelte:„Kein wirklich bedürftiges Schulkind Berlins, dessen Eltern die Speisung in den Kindervolksküchen mit städtischer II n t e r st ü tz u n g wünschen, entbehrt einer war'men M it ta g S k o st." Die Kommission sollte einmal festzustellen versuchen, aus welchen Gründen viele Eltern für ihre Kinder die Teilnahme an der angebotenen Freispeisung ablehnen. Ein Grund, der sehr häufig den Ausschlag zu geben scheint, ist die Scheu vor der den Eltern aufzuerlegenden Verpflich« tung, die entstandenen Kosten eventuell zurück- zuerstatten. Daß die Eltern diese Verpflichtung durch schrift- liche Erklärung zu übernehmen haben, darüber belehrt die Schul- depritation sie im voraus durch eine Mitteilung, die nach einein uns vorliegenden gedruckten Formular so lautet: „Nach Meldung des Herrn Rektors erhält Ihr Kind kein warmes Mittagessen. Wir sind bereit, zu veranlassen, daß Ihrem Kinde wochentäglich eine Mittagsniahlzeit von der Kinder- Volksküche verabreicht wird; es bleibt aber vorbehalten, die für die Speisung Ihres Kindes entstandenen Kosten von Ihnen ein- zuziehen, wenn sich bei unseren Ermittelungen herausstellt, daß Sie in der Lage sind, diese Summe zu erstatten. Wir ersuche» Sie, durch Unterschrift der nachstehenden Erklärung zu bekunden, daß Sie mit der Speisung Ihres Kindes unter der gegebenen Be- dinguug einverstanden sind, und mitzuteilen, bis zu welchem Zeit- Punkt Sie die Speisung beantragen." IlnS ist versichert worden, daß noch gegenwärtig zu der Mit- tcilung an die Eltern das Formular'mit diesem Wortlaut benutzt wird. Beachtung verdient darin der Satz:„— wenn sich bei unseren Ermittelungen herausstellt, daß Sie in der Lage sind, diese Summe zu erstatten." Nur zu oft dürfte da ein Vater oder eine Mutter fürchten, daß nach mehreren Wochen der Freispeisung die Armen- kommission bei erneuer Prüfung zu einem anderen Urteil gelangt, so daß dann Kostenrnckerstaltung gefordert wird. In der erwähnten Gegcnäußerung auf Simons Broschüre wurde versichert, die Erfüllung 'ber von ben Eltern, eingegangenen Verpflichtung sei bisher in Fein em Fall gefordert worden. Wir glauben aber, daß schon die Auferlegung einer solchen Verpflichtung geeignet ist. rechtest abschreckend zu wirke». In der letzten Sitzung des Ver- bandes der Waisenpflegerinnen teilte eine Lehrerin mit, daß von fünf zur Freifpeisung vorgeschlagenen Kindern vier ausgeschlossen worden seien, weil die Eltern sich weigerten, die ihnen vorgelegte Erklärung zu unterschreiben. Will nicht die Schulspeisungskommission einmal feststellen, wie groß in ganz Berlin die Zahl dieser Weigerungen ist? Wir finden. daß der Wert der Einrichtungen zur Fürsorge für hungernde Schul- linder doch sehr fragwürdig ist, wenn dann in Bedürftigkeit geratenen Eltern von vornherein ein solches Abschreckungsmutel entgegen- gehalten wird. Vielleicht liegt hierin eine Erklärung dafür, daß die Schulspeisungskommission an ihren Freitischen sehr viel weniger Kinder versammelt, als man es bei der Größe Berlins und an- gesichts der Bedürftigkeit vieler Kinder erwarten sollte. Wissen möchten wir auch, ob nach- erfolgter Unterschrisröverweigerung irgend jemand sich weiter darum kümmert, wie die ErnährungS- Verhältnisse der aus solchem Grunde von der Freispeisung aus- geschlossenen stinder sich gestalten. Wenn Eltern durch die Kosten- eiuziehungSdrohung abgeschreckt werden, was wird dann aus den hungernden Kindern? Friedrichshagen. Der gemeinschaftliche Zahlabend fällt ausnahmsweise aus, dafür finden die Einzelzahlabende in den bekannten Bezirkslokalen statt. KöuigS-Wustcrhausen. Der Zahlabend für den Bezirk Königs- Wusterhausen findet am Mittwoch, den 12. Februar, bei Gebert, Luckenwaldcr Straße 5, statt. Bezirk Wildau bei Rodanek und Deulsch-Wusterhausen bei Großmann. Zeuthen. Die Mitgliederversammlung des Wahlvcreins findet am Mittwoch, den 12. Februar, in Miersdorf bei Krüger statt. Da eine wichtige Tagesordnung zu erledigen ist, wird um vollzähliges Erscheinen ersucht.__ ßcrllnev Nachrichten. CV,v parte!- Angelegenheiten. Dritter Kreis. Gemeinsame Zahlabende halten folgende Ab- teilungen ab: 2. Abt. Für die Bezirke 111a bis 114 und 231. Vortrag des Genossen Dr. Moses über:„Der allzureiche Kindersegen im Arbeiter- Haus".. 3. Abt. Für die Bezirke 216— 22va in den Rittersälen. Ritter- straße 75. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Adolf Ritter. 1. Abt. Für die Bezirke 221—223 in den Rittersälen. Vortrag des Reichslagsabgeordneten Genossen Fritz Zubeil. 5. Abt.' Für die Bezirke 221— 226a bei Juliuk Julius Gliesing, Wasser- torstraße 68. Vortrag de» Genossen Hildebrand. 8. Abt. Für die Bezirke 236, 216—212, 216 und 219a im Gewerkschaftshause. Saal 1. Vortrag des Reichslagsabgeordneten Genossen Haberland über:„Die Kampfansage der Reaktion und die Aufgabe der Sozialdemokratie". 16. Abt. Für die Bezirke 236. 231, 238, 239. 250-2ö1a im Englischen Hof, Neue Roßstr. 3. Vortrag des Genossen Ucko. Fünfter Kreis, Hl. Abteilung. Mittwoch, den 12. Februar: Gemeinsamer Zahlabend aller Bezirke bei Sengespeick, Keibelstr. 39. Genosse Eugen Nosemann, spricht über:„Die Sozialpolitik und ihre Feinde". Johannisthal. An, Mittwoch, den 12. Februar: Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins im„Arbeiterhcim". Tagesordnung: Die bevorstehende Landtagswahl u. a. m. Steglitz-Friedenau. Heute Dienstag, abends 83IA Uhr. findet bei Schellbase. Steglitz. Ahornstraße loa. der letzte Vortragsabend des Genossen E. Däumig über:„Deutsche Literaturgeschichte des 19. Jahr- Hunderts" statt. Steglitz. In den Abteilungsversammlungen am Mittwoch wird über daL Thema:„Kirche. Religion und Sozialdemokratie" ge- sprachen Referenten sind Dr. Hanauer. B. Rausch. Frau Käte Duncker und Dr. Herrn. Duncker. T. Abt. Schellhase. II. Heizmann. III. Albrechtshof(Zimmer 1), IV. Dahl(©übende). Bohnsdorf. Mittwoch, den 12. Februar, abends 8Vz Uhr, Mitgliederversammlung in Villa Slahl. Tagesordnung: 1.'Bericht der Gemeiudevertreter. 3. Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalver- sammlung.: 3...Bereinsangelegenheiten. 1. Verschiedenes. Arbeiter-Schwimmsport. den letzten Jahren haben sich die Arbeiter, die schwlinmkundig find, immer mehr aus den bürgerlichen Schwimmvereinen zurückgezogen und sich zu selbständigen Arbeiterschwimmvereinen zusammengetan. Zu einer einheit- lichen Zusainmenfassung aller Arbeitcrschwimmvercine ist es noch nicht gekommen, obwohl eine solche angesichts der behörd- lich geförderten'Jungdeutschlandbund-Bewegung nicht mehr zu umgehen sein dürfte. Daß auch Arbeiterschwimmer etwas leisten können, dafür lieferte ein Schauschwimmen, das am Sonntag der Schwimm- verein„Welle" in der städtischen Volksbadcanstalt an der Schillingsbrücke abhielt, einen neuen Beweis. Das Pro- gramm war mit 22 Nummern fast zu reich, gewährte aber erfreulicherweise auch dem Sportspiel erheblichen Nauru. .ftlein-Elschen Strohbach als Spreenixe und zwei Liliput- schwimmer sagten artige Verse her, und dann spritzten stundenlang die Wasser, daß der dreigezackte Poseidon feine helle Freude haben mußte. Zu dem Männerstreckentauchen wurden bei verdimkelter Halle im Nacken des Schwimmers befestigte elektrische Länipchen benutzt. Wie sich auch das weibliche Element im Wasser immer wohler fühlt, bewies das sehr gelungene Danienschwimmen, bei dem acht Damen in Trachten einen famosen Reigen tanzten— Pardon schwammen. Bewunderung erregten das Gruppenspringett, ein mit 21 Schwimmern besetzter Lampionreigen, und zum Schluß sechs vortrefflich gestellte, mit dem Scheinwerfer leider etwas zu schlvach beleuchtete lebende Bilder aus Poesie und Prosa des Schwimmers. In ehrlicher Anerkennung und Bcgeiste- rung klang es durch die Halle: Frei Naß! So schön der Sport ist, hat er doch auch seine Schatten- feiten, die heute noch nickst genügend gewürdigt werden, weil man erst in allerneuester Zeit unternoinmen hat, Sport und Leibesübungen wissenschaftlich zu erforschen. Das führte der Privatgelehrte Kurt Biging am Sonntagabend in einem vom Arbeiterschwimmcrbund, Kreis I, in der Neuen Philharmonie, Köpenickerstr. 96. arrangierten Vortrage über die„Mechanik des Sports" näher aus. An zahlreichen Lichtbildern zeigte der Vortragende die bedenklichen Seitensprünge, welche nicht richtig betriebener Sport iin menschlichen Organismus macht. Sport jeder Art soll kräftigen. Wird aber Sport tibertrieben oder von individuell nicht entsprechend befähigten Personen geübt, so erreicht er das Gegenteil des Gewollten, die vor- schnelle Ermüdung und Schädigung des Körpers. Es fei ein noch nicht geklärtes Phänomen, daß Sport jeder Art die Nierentätigkeit beeinflusse und daß sich in der Eiweißaus- scheidung förmlich patbologische Erscheinungen zeigen, die mit dem Krankheitsbild schwerer Nierenleiden, ohne deren Cha- rakter zu tragen, fast völlig übereinstimmen. Bekannt ist die große Einwirkung des Sports auf den Blutkreislauf. Auch hier kann durch Uebertreibung unendlich geschädigt werden, da ein zu schneller Blutuinlauf die Herzmuskulatur ver- größert. sogar unheilbaren Herzklappenfehlcr' verschulden kann. Leider»verde ja heutzutage viel Sport aus Eitelkeit und Ehrgeiz getrieben. Vom hygienischen Standpunkte müsse daher die Rckordjägerei, die den Sportmenschen ebenso wie den Sport selbst verhunzt, streng verurteilt werden. Die vor- geführten Lickstbildkurven in der Pulsfrcguenz zeigten be- sonders die Schädigungen bei Sportslenten, die möglichst hohe Leistungen erzielen wolle», ohne jede Rücksicht, ob der Körper die ihm zugemutete Bravonr vertragen kann. Der Vor- tragende, der seine Studien auch an Herzkranken Athleten geinacht hat, mahnt zu vernunftgemäßem, gesundheitlich aus- gleichendem Sport und hofft, daß man hierfür gerade in ! Arbeiterkrciscn, wo ja der Sport um feiner selbst willen be- I trieben wird, immer mehr Verständnis finden werde. Um das Hochzcitsgeschcuk für das Äronpriuzeiipaar haben sich die preußischen Städte sehr bemüht. Die Arbeite», die einen be- sonders künstlerischen Charakter haben sollten, gehen jetzt ihrem Ab- schluß entgegen, obwohl das Kronprinzenpaar seit mehr als acht Jahren verheiratet ist. Der geschäftssührende Ausschuß preußischer Städte nahm an, Sonnabend den Bericht über den Stand der Sache ent- gegen. Es wird darüber berichtet: „Der silberne Tafelschmuck besteht aus 2615 silbernen Stücken und 556 Gläsern. ES sind 163 Schmuckstücke,� 563 Schüsseln, Brotkörbe, Terrinen, Kasserolen, Saucieren, Salzgesätze und Teller, sowie 1139 Kleingeräte, zu deren transportfähiger Ver- Packung 36 Kasten angefertigt werde». Bei der Gesamtposirion des Schmuckes wurde berücksichtigt, daß auch bei kleineren Tafeln, so auch bei runden Tischen, jedes- mal ein in sich abgeschlossener Tafelschmuck zur Verfügung steht. Auck können die einzelnen Stücke als Zimmerschmuck dienen. Ein Vergleich der Anfcrtigungszeilen hervorragender kllnst- lerischer Arbeiten aus den leistungsfähigsten Kunstperiodcn früherer Jahrhunderte rechtfertigt die für die Arbeit erforderlich gewesene längere Zeit." Bemerke» möchten wir hierzu, daß die MitM der Gemeinden bestimmungsgemäß nur im Interesse der Gemeindcangehörigcn ver- wendet werden dürfen. Von dieser Bestimmung wird nur dann ab- gewichen, wenn es sich um Hilfeleistung für besonders Bedürftige handelt, wen» beispielsweise Gemeinden oder ganze Landesteile von großer Not heimgeiucht werden. Daß das Kronprinzenpaar zu den Bedürftigen gerechnet werden kann, wird doch im Ernste niemand be- Haupte» wollen. Mißstände im Jrrenwesen. Der Magistrat Berlin hat eine Petition an die beiden Häuser des Landtages gerichtet wegen der Mißstände im Jrrenwesen, die hervorgerufen sind durch die über das vorhandene notwendige Maß weit hjnausgeliende Jnanspruch- »ahme der Anstalten durch die Polizei für ihre angeblich gemein- gefährlichen Kranken und durch den Mangel einer rechtlichen Grundlage soioohl für die Fürforgepflicht in solchen Fällen, als auch überhaupt für die zwangsweise Jntcrnierung von Geistes- kranken. Die Landarmenverbände der Stadt Breslau, des Herzog. tums Lauenburg, der Hohenzollernschen Lande haben den Anschluß an. die Petition zugesagt. Dje serner aufgeforderten Landes. dircktoren und Landeshauptkuie der preußischen Provinzen haben sich aus den Standpunlt der Petition gestellt und wollen ei» ge- meinsamcs Vorgehen erwägen. Tic Bureauangestcllten der städtische» Betriebe beschäftigten sich in ihrer letzten Versammlnng mit der Angestelltenüersicherung und nähmen Nach sehr reger Tcbailc folgende Entschließung ein- stimmig an: ..Tic oin 5. Februar 1613 im„Roscnthaler Hof" sehr gut besuchte Versammlung der in den Rcvierburcaus der städtischen Gaswerke beschäftigten Burcauongcstellten beauftragen die Brau- chenleitung des Verbandes der Bureauangestcllten, bei der Stadt- Verwaltung dahin zu wirken, daß die Beiträge zur Angestelltenvcr- sicherung vom 1. Januar 19(3 ab in voller Höhe von der Stadt- verlvattung übernommmen werden. Die Versammelten sowie alle Angestellten empfinden den Abzug des halben Beitrages als eine schwere Schädigung ihres sehr niedrigen E i n k o in in c n s und erwarten von der sozialen Einsicht der städtischen Behörden, daß diesem Zustande ein baldiges Ende gemacht wird. Tie Versammelten nehmen mit Genugtuung den Entschluß der städtischen Versammlnng von Eharlottenburg entgegen und geben sich der Hosfkhmg hin, daß diesem Beispiel der Berliner Magistrat folgen wird." Eine Razzia wurde gestern morgen in einer Gastwirtschaft in der Friedrichslraße von der Polizei veranstaltet. Insgesamt wurden 76 Männer und 19 Frauen zur Wache sistiert. Elf Frauen und ein Mann wurden in das Polizeipräsidium eingeliefert. Ein neuer Abstellbahnhof für den Potsdamer Fernverkehr soll bei dem Betriebsbahnhofe Schöneberg mit einem Kostenaufwande von 1 685 696 M. errichtet werden. Neben seiner Reparaturwerlstatt am Sachsendamm besitzt der EisenbahnfisluS hier noch ein aus- gedehntes Gelände zwischen Priesterstraße und der Weichbildgrenze von Tempelhof. Wegen zweifachen kindcrmordes ist der 22jährige Schlosser Gerhard Bärwald aus der Urbanstr. 68 festgenommen worden. Bärwald, der mit seiner Geliebten zusammen wohnte, lvirdl beschuldigt,'nachein- ander zwei von seiner Braut geboreneu Kinder sofort nach der Geburt erstickt und in einem Kachelofen verbrannt zu haben. Bär- wald hat die beiden Verbrechen eingestanden. Daraufhin wurde auch seine Braut aus ihrer Wohnung heraus verhaftet. Sie gab an, daß sie von der Beiseiteschaffung der ermordeten Kinder erst später erfahren und dann ihren Bräutigam nicht habe anzeigen wollen. Diese Darstellung bekräftigte auch Bärwald durch seine Aussagen. Das Mädchen wurde daraufhin vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Im Anschluß an der Vernehmung wurde eine Durchsuchung der Behausung des Paares vorgenommen. Im Kachelofen in der Stube, in dem beide Leichen verbraunt worden sind, fand man noch einige Knochenüberreste des zuletzt geborenen Kindes. Diese wurden beschlagnahmt. Bärwald wurde dem Untersuchungsrichter vor« geführt. Landung eines Freiballons in Johannisthal. Nahe dem Flug>- platz Johannisthal ist Sonntag nachmittags gegen 5 Uhr der Frei- ballon„Münster" des Münsterischen Vereins für Luftfahrt nieder- gegangen. Der 1686 Kubikmeter fassende Kugclballon war um 11 Uhr in Münster aufgestiegen. Bei dem ziemlich starken West- wind hat der„Münster" die 166 Kilometer lange Strecke in kaum 6 Stunden zurückgelegt. Eine hundertjährige Hospitalitin. Unter den Insassen des Friedrich- Wilhelms-Hospitals der Stadt Berlin in der Palisadcnstr. 37 be- findet sich die unverehelichte Dorothea Augustina Singe, die am 26. d. M. ihr 166. Lebensjahr vollendet. Sie genießt seil dem Jahre 1962 städtische Anstaltspflege, nachdem sie seit 1383 von der Berliner Annendirektio» lausende Unterstützung erhalten hatte. Die Jubilarin ist die Tochter der Bürger und Schuhmacher Johann Gottlieb Singe- scheu Eheleute in Sora» N./L. Die Singe ist seit drei Jahren bett- lägerig und nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Mit Rücksicht hierauf wird man von einer persönlichen Ehrung anläßlich ihres 166jährigeii Geburtstages Abstand nehmen müssen, es sollen ihr von jetzt ab Amichmlichkcite» in der Beköstigung gewährt werden. Ein früherer Oberleutnant vcrbaftet. Unter dem dringenden Verdacht des Kautiönsschwindels ist der 49 Jahre alle Ober- lcutnant a. D. Wilhelm Gaugcr, der in der Potsdamer Straße in einem Pensionat wohnte, verhaftet worden. Gauger ist ei» Opfer seiner Spielleidenschaft geworden. Er verlor im Spiel ein be- trächtlichcs Vermögen, bis auf einen auch nicht unerheblichen Teil, der seiner Verfügung entzogen und sichergestellt wurde. Als ihm vor einem Vierteljahr das bare Geld ausgegangen war, gründete er ein„Patentverwertungsinstitut", mietete im Bürohaus Börse zwei Räume und stellte mehrere Buchhalter und Kassierer an. denen er zusammen gegen 1596 M. Bürgschaften abnahm. Als er dieses Geld in der Tasche hatte, kümmerte er sich nicht weiter um sein „Institut", ließ die Räume, für die er die Miete auch noch nicht bezahlt hatte, lcerstehen und fuhr, wieder vom Spielteufel gepackt, nach Monte Carlo, wohl in der Hoffnung, sich dort„sanieren" zu können. Aber das Glück blieb ihm dauernd abhold. Mit leeren Taschen kehrte er»ach Berlin zurück. Inzwischen hatten sich seine Angestellten an die Kriminalpolizei gewandt, die Gauger jetzt ver- hastete und dem lliitcrsuchungSrichtcr vorführte. Einsam gestorben ist ein Greis in der Schönhauser Allee. In dem Hause Nr. 158 e hauste für sich allein in Stube und Küche seit 11 Jahren der jetzt 86 Jahre alte Privatmann Georg Elfrath, der von seinen Ersparnissen lebte und sich seinen Haushalt selbst be- sorgte. Man weiß nicht, ob er irgend welche Angehörigen hat und sah nie, daß er Verkehr pflog, auch den Nachbarn gegenüber war er sehr zurückhaltend. Seit ach: Tagen kam der Greis nicht mehr zum Vorschein. Die Nachbarn, die ihn sonst fast jeden Tag gesehen hatten, teilten das der Wirtin mit. und diese ließ gestern die Woh« nung öffnen. Jetzt fand man den alten Mann tot in seinem Bette liegen. Nach dem Gutachten eines Arztes ist er au Altersschwäche gesto rben. Das Vrandnngliick in der Briickenstraßc hat ein Todesopfer gs- fordert. Der am Sonnabend nachmittags bei einer Spiritus- cxplosion in der Damenhutfabrik von S. Hirsch, Brückenftr. 6 b. schwer verbrannte 32 Jahre alte Hutmacher Max Friedrich aus dep Prinzenstraße ist in der Nacht zum Sonntag im Krankenhaus Bethanien seinen Verletzungen erlegen. Friedrich war unvcrhei» ratet und erst seit kurzer Zeit in der Damenhutfabrik beschäftigt. lieber die Ursache der Explosion haben auch die weiteren Nach- forschungen nichts Bestimmtes ergeben.— Auf Brandstiftung wird ein Brand zurückgeführt, der in der Nacht zum Sonntag in einer Wohnung in der Möckernstr. 71 zum Ausbruch kam. Die Feuer- wehr stellte drei Brandherde fest, die miteinander nicht in' Verbindung standen.— Gestern morgen wurde die Feuerwehr zweimal nach dem Hause Strclitzcr Str. 67 im Nordcu Ber- lins gerufen, und in beiden Fällen war dort der Dachst uhl des Hauses in Brand geraten. Das erste Feuer wurde gegen 3 Uhr morgens bemertt. Die Feuerwehr griff mit einer Schlauchleitung ein und beseitigte die Gefahr innerhalb einer Stunde., Zwischen 6 und 7 Uhr erfolgte dann erneuter Alarm nach derselbe» Brand- stelle. Wie sich herausstellte, brannte wieder ein Teil des Dach- stuhles; auch diesmal mußte mit einer Schlauchleitung längere Zeit Wasser gegeben werden, um das Feuer zu ersticken. Die Ursache der beiden Brände ist nicht ermittelt. I» der Gefahr des Ertrinkens schwebten am Sonntag drei junge Levte der„Pfadfindertruppe", die, anscheinend um Zeugnis ihres Wagemutes abzulegen, vyr dem Lokal Waldidyll- in Schmöck- witz die dünne Eisdecke betreten chatten. Einer her �Pfadfinder" kam einer offenen Stelle zu nahe und versank. Bei dem Versuch, den ins Wasser Gefallenen zu retten, versank auch der Aelteste, ein etwa 17jähnger junger Mann, in der Flut, während es dem dritten, einem 13�-14jäbrigen Biirschchen, gelang, sich in Sicherheit zu bringen. Zum Glück hatten einige am Ufer weilende Gäste des LolalS den Unfall beobachtet. Nach Ueberwindung größerer Schwierig« leiten gelang es einigen beherzten Männern, die allzu lühneu„Pfad« find»" dem naffen Element zu entziehen und dadurch vom Tode deS Ertrinkens zu retten. Vergiftet hat sich gestern nachmittag der 29 Jahre alte Galvaniseur Fritz Lausch, dessen Wohnung noch nicht ermittelt werden konnte. Lausch trank in einem Weinrestaurant an, Potsdamer Platz eine Zyankalilösung und brach sofort bewußtlos zusammen. Angestellte deS WeinhauseS brachten ihn nach der Hilfswache in der Eichendorff« straße, wo der Arzt noch Gegenmittel anwandte, die aber ohne Erfolg blieben. Lausch starb kurz nach der Aufnahme. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiesen. Vorort- JSachricbtein Steglitz. Die Suche«ach liberalen Wahlmännern wird durch den„Ver- «jnigten. Wahlausschuß der Fortschrittlichen Vollsparlei und deS Rationalliberalcn OrlsvereinS zu Steglitz" mit einer Skrnpellostg- keit betrieben, wie man sie politischen Organisationen nicht zutrauen sollte. Sozialdemokraten werden es jedenfalls nicht verstehen, wie man jemand das Ehrenamt als Wahlmann antragen kann, von dem man nicht einmal weiß, welchen politischen Ansichten er huldigt. Bei den Liberalen scheint man weniger wählerisch zu sei», sonst hätte eS dem Wahlausschuß nicht passieren lönne», daß er sich auch an einen o r g an i s i.« r ten Sozialdemokraten mit der. Bitte wendet, sich für die Landtagserigtzivahl als liberalen W a h l m a n n ausstellen zu lassen. Wenn das Anschreiben des Wahlausschusses beginnt:„Aus den uns vorliegenden Wählerlisten der LandtagSwahl vom Jahre 1908 geht hervor, daß sie bei jener Wahl in lr beraten, Sinne gewählt Hab-»," so läßt das au' zweierlei schließen: entweder ist diese Wählerliste falsch, oder es liegt überhaupt keine vor, dem, der Genosse hat 1908 selbstredend sozialde..m akratisch und nicht„in liberalem Sinne" gewählt Daß Sozialdemokraten liberale Kandidaturen ablehnen, ist ja selbst- verständlich; vielleicht liegt aber in dieser leichtfertigen Werbung von Wählmännern die Erklärung für die Unzuverlässigleit der Liberalen bei Stichwahlen: Die Wahlmänner sind eben nicht liberal, sondern nur von liberalen Organisationen aufgestellt, und von solchen Leuten kam, man natürlich keine prinzipielle Politik erwarten. Mit dem reaktionären Dreiklassenparlament rechnete Land� taasabgeordneter Genosse Borchardt am Freitag in einer öffent- lichen Wählerversammlung im„Albrechishof" gründlich ab. Seine vorzüglichen Darlegungen, die hoffentlich auf den Ausgang der . LandtagSerfatzwahl befruchtend wirken,, klangen aus in die Miah- nung, die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Genossen. Hofer nach Kräften zu fördern, denn nur die sozialdemokratische Partei und ihr'Kandidat bürgen dafür, daß die Reaktion in Preußen ge- krochen würde. In der Diskussion sprach ein Gegner, dessen Dar- legungen aber mit dem Thema absolut nichts zu tun hatten. Der Vorsitzende forderte zu reger Agitation für die Wahlmännerwahlen (20. Februar) uuf, zum Abonnement aus den„Vorwärts" und Bei> tritt zur Organisation. Mit begeistertem Hoch auf die Soziak demokratie schloß' die gutbesuchte Versammlung. Friedenau. Die Einstellung deö Berkaufs von russischem Fleisch hat, wie in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung der Bürgermeister misteilte, der Gemeindevorstand auf Vorschlag der zuständigen Kommission beschlosseil.' GemeinLeschöffe Lichthetm führte begrün- dend aus. daß der Versuch, fremdes Fleisch am Ort einzuführen, als mistkungei, anzusehen sei, weil die zum größten Teil dem besseren Mittelstände angehörende Bevölkerung Friedenaus in bezug auf ihre Fleischnahrung zu sehr verwöhnt sei.»Den Friede »auer Frauen kommt es." so sagte Herr Lichtheim,»auf den Preis absolut nicht an; die Hauptsache ist die, daß die Qualität la ist." Das dem so ist, hält Herr Lichtheim dadurch für erwiesen, daß der Absatz, des eingeführten Fleisches ständig zurückgegangen ser, so daß es sich zuletzt gar nicht mehr beokohnte,-die verhältnismäßig hohen Transportkosten dafür aufzuwenden. Genosse Richter protestierte entschieden gegen den Beschluß des Gemeindevorstandes. Daß der Absatz zurückgegangen, sei richtig. Dies habe aber seinen Grund darin, daß der Friedenauer Bevölkerung von den ischlächtern das russische Fleisch systematisch verekelt worden sei. Die Gemeinde- behörden hätten eine viel schärfere Kontrolle des Verkaufs aus- üben müssen, um dem planmäßigen Vorgehen der Schlächtermeister wirksam entgegentreten zu können. Dem gemeingefährlichen Treiben dieser Herrschaften gegenüber hatte vie Gemeinde die Pflicht, den Verkauf in eigener Regie zu betreiben oder den Ber trieb der Konsumgenossenschaft zu übertragen. Die bürgerlichen Vertreter schwiegen sich in der Angelegenheit aus.— Der dies jährige Kaiseraeburtstags-Festjchmaus für die Auserwählten des Geldsacks hat den Steuerzahlern 338 M. gekostet.— Eine ausgedehnte Debatte rief ein Antrag des Gnmeindeverordneten Finke hervor, wonach eine Teilung der unteren Klassen des Reform-Real- gh'mncifiums gefordert wird. Der Antragsteller hob hervor, daß es ein unwürdiger Zustand sei, in diesen Klassen, wie es jetzt ge- schehe, 54- Kinder unterrichten zu lassen. Lehrer und Schüler litten aufs schwerste unter diesem Zustande und die Gemeinde habe es sich selbst zuzuschreiben, wenn die Lehrer schon verhältnismäßig früh den Pensionseinrichtungen der Gemeinde zur Last fallen würden.. Bürgermeister Walger hielt es für bedenklich, dem An- trag Finke Folge zu leisten. Errichte man erst neue Unterklassen. so sei man nach einigen Jahren gezwungen, diese Klassen zu voll- ständigen Schulen auszubauen. Dies sei für die Gemeinde ein Risiko, da man nicht wissen könne, ob die fortschreitende Proletari- sierung der westlichen Vororte vor den Toren Friedenaus Halt machen würde. Der Antrag Finke fand trotz dieser Befürchtungen des Oberhauptes Annahme.— Ein Antrag des Gemeindevorstandes, eine Gemeindesparkasse zu errichten, wurde dem Finanzausschuß überwiesen- Schmargendorf. . In einer außerordentliche» Mitgliederversammlung referierte im Lokal von Goetsch(Waldkater) der Genosse Max Groger über die bevorstehende Landtags- und Gemeindewahl. Der Redner forderte am Schluß seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrages die Verfaimnelten auf: im bevorstehenden Wahlkampf rege ihre Pflicht zu tun. Sodann gab der Vorsitzende Genosse RÄ die zu tvählenden Wahlmännerkandidaten bekannt. Es sind zu wählen: im 1. UrWahlbezirk Max Goebel, Rohrleger, im 2. Ur- Wahlbezirk Karl Schmidt, Maurer, und Theodor Reck, Arbeiter, im 3, Urwahlb'ezirk Karl Förster. Maurer- Zur Gemeindevertretung sieht der Buchdrucker Genosse Paul Müller zur Wahl. Am Schlüsse förderte der Vorsitzende die Versammelten auf. intensiver wie bis- her für den Ausbau unserer Organisation zu agitieren. Ober-Zchöneweide. Der Etat der Gemeiude für das Jahr 1913 schließt nach dem Voranschlage in Einnahme und Ausgabe mit 2 101 450 M. ab. Von dii-sei- Summe werden gedeckt durch eigene Gemeindeeinnahmen, (Gebühren und Staatsbeiträgen 781 8S0 M., so daß durch. Steuern mnrf, 1319 600 M. aufzubringen sind. Diese setzen sich zusammen aus Einkommensteuer(135 Proz. Zuschlag wie im Voriahrc) 546 750 Mark Grundwertsteuer(3 R. vom Tausend des gemeinen Wertes der bebauteo und 6 M. vom Tausend der unbebaute»- Liegen- schaften) 376 000 M., Gewerbesteuer 300 000 M., Umsatzsteuer ßftOOO M., Wertzuwachssteuer 5000 M., Bier- und Brausteuer 22000 M.. Luitbarkeitssteuer 2260 M.. Hundesteuer 7000 M-. Betriebssteuer 600 M. Von den einzelnen Spezialetats erfordern Zuschüsse: Allgemeine Verwaltung 251 900 M., Straßen- und Btückenverwaltung 225 500 M.. Arnienwesen 50 700 M.. Feuerlöschwesen 10 300 M., Volksschule 448 625 M., Realgymnasium 76 940 Mark, Höhere Mädchenschule 3100 M., Gemeindefriedhof 18 050 M. Als einzige Gemeindeanlage, welche einen Ueberschuß ergibt, kommt das Wasserwerk Ostend in Frage, derselbe ist mit 11 500 M. veranschlagt: es ist dies wohl auch nur dem Umstände zu danken, daß der WasserprciS dieselbe» horrenden Sätze aufweist, wie sie im alten Ortsteil für das von Rummelsburg bezogene Wasser gelten. Für die Verzinsung und Tilgung der von der Gemeinde bislang aufgenommenen Anleihen im ursprünglichen Betrage von 6 533 500 Mark ist in diesem Jahre die Summe von 406878,01 M. aufzu- bringen. Ter Etat konnte bei dem bisherigen Einkommensteuer- zuschlag nur durch möglichste Beschränkung der Ausgaben balan- ciert iverdcn. Einen ganz gewaltigen Aufwand erfordert das Schulwesen, hier dürfte die Gemeinde im Verhältnis zu allen Gemeinden Groß-Berlins wohl an der Spitze stehen. In diesem Jahre muß in Kürze mit dem Bau der 5. G e in e i» d e s ch u l e begonnen werden, welche einen Kostenaufwand von 700 000 M. er- fordert. Für die öffentliche Gesundheitspflege der Ge- meinde kommen»achstehende AuSgabepostcn des Etats in Betracht: für 40 Freistellen in verschiedenen Kinderheilstätten 2700 M., Gewährung von Freikarten an die Schüler der Flußbadeanstalten 500 M., für die Verabreichung eines warmen Frühstücks an arme Schulkinder 1200 M., für Besoldung der Schulärzte 1900 M. und für Schulzahnpflege 600 M. Die Einrichtung der Bereitstellung von Klassenräumen in den sechs Wintermonaten zur Anfertigung der Schularbeiten für solche Kinder, denen zu Haus Aufsicht und auch erwärmte Räumlichkeiten mangeln, ist wieder vorgesehen; es werden zur Entschädigung der beaufsichtigenden Lehrer 700 M. gefordert. Für die Zwecke der Volksbibliothek in Verbindung mit ver öffentlichen Lesehalle werden 1610 M. ausgeworfen. Nicht vergessen sind die obligaten Beihilfen an die Kirchengemeinden in Höhe von 4000 M. Eine respektabele Ausgabe stellen die Kreis- st e u e r n dar, die nicht weniger als 144 500 M. betragen. Gegenleistungen erhält die Gemeinde hierfür recht wenig; die Gemeinde hat im Gegenteil den Kreis von großen Lasten befreit, indem sie die gesamte Kreischaussee in der Ausdehnung des Ortes über- nommen hat. Die von der Gasanstalt Oberspree in diesem Jahre an die Gemeinde zu leistende Abgabe beträgt 7000 M.; die Einnahmen aus dem Wochenmarkt sind mit 9500 M. veranschlagt und diejenigen aus den Gemeindeablagen mit 8800 M. Tempelhof. Dem Drängt« der hiesigen Ortskrankenkasse auf Hergabe der Schulaulen zu den hygienischen Vorträgen, die von der Zentral- kommission der kkrankenlassen Berlin» und der Vororte veranstaltet werden, hat der Gemeindevorstand endlich nachgegeben. Alle größeren Gemeinden Groß-BerlinS stellen schon seit Jahren für dies« Vorträge die Aulen zur Verfügung, nur in Tempelhof mußten diese in den Restaurationen abgehalten werden. Stets wenn unsere Genossen die Hergabe der Aulen im Dorfparlament befürworteten, wurde der Einwand erhoben, daß die Schuldeputation hiermit nicht einverstanden sei. Jetzt scheint die Gemeindeverwaltung anderer Ansicht geworden zu sein. Wie dringend nötig die jahrelang geforderte, jedoch immer wieder abgelehnte Errichtung eines Gewerbe- und, Kaufmannsgerichts war, geht am besten auS der Zahl der im ersten Halbjahre anhängig ge- machten Rechtsstreitigkeiten hervor. Sie betrugen beim Kaufmanns- gericht 13 und beim Gewerbegericht 109. Zu Protokoll gegeben wurden 92, während 17 Klagen schriftlich eingingen. Vom Vor- fitzenden wurden 110 und unter Zuziehung der Beisitzer 33 Termine abgehalten. Heber den bisherigen Berkauf russischen Fleisches lag der letzten Gemeindevertrctersitzung ein umfangreicher Bericht vor. Danach sind von den beiden VerlaufSstellen der Konsümgenosseiffchaft innerhalb der Zeit vom 13. bis 80. Januar für 16 032 M. russisches Fleisch verkauft worden, wohingegen durch die Schlächter in der Zeit vom 4. November 1912 bis 12. Janur 1913 nur für 8678 M. vertrieben wurde. An der Gegenüberstellung dieser Zahlen ist zu erkennen, daß ein Bedürfnis nach billigem Fleisch in größerem Umfange vorhanden ist, als von bürgerlicher Seite zugegeben wird, und daß es lediglich an den GeichästSpraktiken gewisser Schlächter gelegen hat, wenn seinerzeit der Anschein des Gegenteils erweckt wurde. Genosse Pinseler betonte, daß mindestens 75 Zentner Fleisch pro Woche notwendig wären, um dem Bedürfnis Rechnung zu tragen. Die Schläckiiermeister sind jetzt in Zorn darüber geraten, daß ihre»sauberen" Pläne, den Käufern das Fleisch zu verekeln, durch das bereitwillige Eingreisen der Konsumgenossenschaft vereitelt wurde, sie suchen daher überall einen Angriffspunkt. Kennzeichnend ist eS besonders für das Ge- meindeoberhaupt, daß er in der einen Minute Verwahrung dagegen einlegte, von einer»großen politischen Tageszeitung"— gemeint ist der„Vorwärts"— als Gegner des russischen Fleischverkaufs hinge- stellt zu werden, in der nächsten Minute aber mit einer Schärfe gegen den konsumgenossenschaftlicben Vertrieb zu Felde zog. die an Objektivität jede Spur vermissen ließ. Es erübrigt sich, noch be sonders zu betonen, daß man sich scheute, aus den oben mitgeteilten Zahlen die Nutzanwendung zu ziehen und die Garantie ver Ge- meinde für das wöchentlich abzunehmende Fleischquantum von 30 auf 50 Zentner zu erhöhen. Friedrichsfelde. Die Gaswerksfrage führte in der letzten Gemeindebertretersitzimg zu einem Zusammenstoß der Anhänger und Gegner eines kommu- nalen Gaswerks, wie er in gleicher Heftigkeit bisher noch nie zu ver- zeichnen war. Die Oeffentlichkeit erhielt dadurch endlich einmal einen Einblick in daS widerliche Spiel, das da von gewisser Seite getrieben wird. Wir begreifen jetzt auch, daß begründete Ursache vorliegt, die Materie dauernd geheim zu behandeln I Der Sachverhalt ist folgender: Der Besitzer eines Nachbargrundstücks des künftigen Gaswerks hatte Einspruch erhoben. allerdings verspätet, und war deshalb zurückgewiesen worden. Damit nicht einverstanden, wollte er den Instanzenweg durchlaufen, um zu seinem vermeintlichen Recht zu kommen. Zwar würde der endgültige Entscheid kaum zweifelhaft sein aber die Gaswerksangelegenheit doch eine Verzögerung erleiden. weil der KreiSauSschuß nicht früher die Konzession zur Errichtung der Gasanstalt erteilen kann, bis das Einfpruchsversahren erledigt ist. Das aber möchte der GaSwerkSauSschuß vermeiden, um recht- zeitig mit der GaSlieseruug beginnen, zu können. Deshalb suchte man eine Verständigung mit dem Einsprucherhebenden. Dieser war auch bereit von der weiteren Verfolgung absehen zu wollen, wenn man ihm eine Mitbenutzung des Gleisanschlusses des Gaswerks ge- statten wolle. Diese Sachlage suchten nun die Gegner eines eigenen Gaswerks auszunutzen, um dem GaSwerkSauSschuß Schwierigkeiten zu bereiten. Obwohl ftüher einem anderen die gleichen Zu- geständnisse gemacht worden waren, schützte man vor. erst über die Tragweite derselben klar werden zu wollen. Man gab also unumwunden zu. bei der früher genehmigten Vorlage jm unllaren gewesen zu fem. Aber d,e an den Tag gelegte Entrüftuna entbehrte jeder inneren Wahrhaftigkeit. In der Hiye des Gefechts entschlüpfte dem Bürgermeister und einigen anderenen Gegnern des eigenen Gaswerks daS Geständnis, daß die am 28. Dezember in der geheimen Sitzung erfolgte Zustimmung für die Kündigung des Gas- lieferungSvertrageS mit dem Gaswerk Oberspree nur eine Komödie war. Die Herren taten es m der stillen Erwartung, daß dieses Privatunternehmen mit emem günstigen Angebot kommen werde. wodurch die Gaswerksgegner eine Stärkung ihrer Position er- hofften. Nach dieser Enthüllung konnte man nicht mehr an die Aufrichtigkeit dieser„Vertreter" glauben, so sehr sie auch durch Schreien ihre durstigen Argumente zu verbessern suchten und so unanständig sich— milde gesagt— einige von ihnen auch aufführte». Da einige Gemeindevertreter der vorgerückten Zeit wegen bereits weggegangen waren, nahmen die Gaswerksgegner wohl an auf dem Umwege der Ablehnung des zur Beratung stehenden Vergleichs das Gaswerk zu Fall bringen zu können. Es gelang ihnen glücklicherweise nicht; sie blieben mit dem Bürgermeister an der Spitze in der Minderheit. Die Anhänger eines eigenen GaS- Werkes werden aber aus dem Vorkommnis lernen auf der Hut zu sei», denn, wie eine Andeutung im Veilauf der Debatte erkennen ließ, sind auch noch andere Kräfte im Spiel. Treptotv-Baumschuletiweg. Das terrorisierte Amtsblatt.„Es ist nun einmal so, ziehst Du nicht meinen Strang, so schlage ich Dich tot.— Es ist also leider dahin gekommen, daß ein Geschäftsmann seine Meinung nicht offen äußern darf." Mit diesen Stoßseufzern begibt sich der „Treptower Anzeiger" auf die Flucht in die Oeffentlichkeit. Er flüchtet aber nicht etwa vor den bösen, so oft zu Unrecht des TcrroriSmus beschuldigten Sozis, sondern vor seinen eigenen Freunden und Gesinnungsgenossen, wenn es in diesen Kreisen so etwas überhaupt gibt. Sie wollen ihm den Brotkorb höher hängen, weil er im Verdacht steht, nicht in allen Einzelheiten des häusliche» LebeuL mit ihnen durch dick und dünn zu gehen, trotzdem er auf den Luxus einer eigenen Meinung schon längst verzichtet hat, wie er jetzt mit den Worten selbst zugesteht, daß er„bei großen Fragen, die die Einwohner beschäftigen als Sprachrohr diente, wohlweislich aber die eigene Meinung zurückgehalten" habe. Und trotzdem hat er's verdorben, zuerst'mit den Meistern vom Hackbeil. Die nahmen Anstoß daran, daß er in dem auS einer Berliner Zeitungsfabrik stammenden allgemeinen Teil des Blattes eine harmlose Notiz brachte, die eine Rüge ob der verschiedenartigen Fleischpreis« ent- hielt, sich aber keineswegs aus den Ort selbst bezog. Flugs strafte die neugebackene Treptower Fleischerinnung das Blatt mit Entziehung von Aufträgen und nannte in seiner freundliche!, Mitteilung das Blatt gar mit den„Umstürzlern" in einem Zuge. Kaum hatte sich das Blättchen mit den Herren Fleischermeistern ausgesöhnt— dem, es darf wieder ihre welterschütternden Ver« sammlungsberichte bringen—, kommt schon ein anderer, der eben- falls mit der Hungcrpeitsche droht. Diesmal ist es der„Grund- besitzerverein des mittleren und Berliner Ortsteils", der die Freundschaft kündigt. Dabei ist der Anlaß noch harmloser, als im crsteren Fall. Deni Vorsitzenden paßte es nicht, daß im„Treptower Anzeiger' in der Eingemeindungsfrage anonyme Eingesandts er- schienen. Da das Blatt aber trotz des hierüber ausgesprochenen Unwillens der Herren Hauspaschas sich die Entscheidung über Auf- nahm« oder Ablehnung einer Einsendung vorbehielt, ist es jetzt dem Grundbesitzerverein„nicht mehr möglich, das Unternehmen durch Aufträge weiter zu unterstützen". DaS bedeutet: Verlust von Druckaufträgen, nur weil der Buchdrucker in seinen redaktionellen Entschließungen nicht nach der Pfeife jedes Auftraggebers tanzen kann. Bei Sozialdemokraten würde man solch Verhalten unter „schlimmsten Terrorismus" verbuchen, die bürgerlichen Herren aber betrachten dies als ihr selbstverständliches Recht. Adlershof. In der letzten Sitzung des Gewerkschaftskartells gab der Obmann einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit im Jahre 1912. Der Unterkommission angeschlossen find 13 Verbände mit zirka 1800 Mit- gliedern. Nicht mehr vertreten find der Verband der Gemeinde- arbeiter und Schmiede, letzterer durch die Verschmelzung mit dem Metallarbeiterverband. Außer einem Gewerbegericht sei im Berichts, jabre auch die Entstehung eines Kaufmannsgerichts am Orte zu ver zeichnen. Die Wahlen der Vertrauensmänner zur Angestelltenver» ficherung feien unter sehr starker Beteiligung vor sich gegangen. Der Verband der Tabakarbeiter habe in seinem Kampfe der talkräftigen Unterstützung des Kartells bedurft. Die Delegiertenwahlen zur OriS- krankenkasie seien durch ministerielle Verfügung für ungültig erklärt worden. Auch für dieses Jahr ständen der organisierten Arbeiter- schast große Ausgaben bevor. Besonders gelte es. die Kollegen deS Bäckerverbandes zu unterstützen, da leider im Orte viel Ware aus Bäckereien urngesetzt-werde, welche die Forderungen deS Verbände» nichr anerkennen. E« seien dies speziell Betriebe aus Nachbar« orten... Da auch der nationale Jugendbund am Orte bereits Blüten treibt, sei es Pflicht, unsere Jugendlichen auf die Einrichtungen der Arbeiterschaft aufmerksam zu machen und sie denselben zuzu» führen. Als Obmann wurde wieder Äronewald, Hoffmannstr. 17. als Kassierer Plake und als Schriftführer Ziege gewählt. Herzfelde. Die Gemeindevertretung hatte in ihrer letzten Sitzung zunächst zu dem Antrage des Kreises betreffend Anschluß an das projeklierte Kreiswasserwerk Stellung zu nehmen. Der Vorfitzende, Gemeinde- Vorsteher Jgler, empfahl die Annahme des AnirageS. In der sich daran anschließenden Diskussion wurde ausgeführt, daß eine An- nähme deS Antrages nicht zweckmäßig sei, weil erstens keine Kanalisation vorgesehen und zweitens die Gemeinde aus pe« kuniären Gründen vorderhand dazu noch nicht in der Lage wäre. Nachdem die Kreisvertreter eingehend die Borteile, die sich auS dem Anschluß an daS Werk ergeben würden, hervor» gehoben und für die Annahme des Antrages plädiert hatten, wurde der Antrag mit 7 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Darauf erklärte Herr Regierungsbaurat Mirau, daß dem Anschluß seitens der hiesigen Gemeinde nichts im Wege stehe und derselbe trotz des ab- lehnenden Beschlusses der Gemeindevertretung erfolgen werde. Nach dieser Erklärung kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen; eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Schließlich wurde der Antrag, später nochmals über diese Angelegen- heit zu verbandeln, von der Vertretung angenommen.— In der am folgenden Tage stattgefundeneit Sitzung wurde in die Vor- besprechung des Gemeindeetats für das Rechnungsjahr 1913/14 ein- getreten. Der Boranschlag belauft sich in Einnahme und Ausgabe auf 80 000 M. Die Kommunalsteuerzuschläge werde» jedenfalls von 125 Proz. auf 133 Proz. und die Realsteuerzuschläge von 190 Proz. auf 200 Proz. erhöht werden. Spandau. Auf dem Nonnendamm macht sich infolge feiner ständig wachsenden Einwohnerzahl ein immer dringenderes Bedürfnis nach großen Versammlungsräumen bemerkbar. ES zeigte sich dies wieder am Sonnabend in einer überfüllten Versammlung hei Kant, in welcher Genosse Dr. Karl Liebknecht unter stürmischem Beifall Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Ab- geordneten im Reichstag und Landtag erstattete.— Es stehen uns auf dem Nonnendamm nur die Lokale von Kant. Siemensstr. 34. und Marsant. Märkischer Steig 6. zur Verfügung. Die Restaurateure Lange und Müller haben ihre Unterschnften zurückgezogen, weshalb die Arbeiterschaft deren Lokale m Zukunft streng meidet. Weihensee. Gegen de« hiesige« Wochenmarkt machen�die Gewerbetreibenden mobil, weil derselbe� ihnen angeblich viel Schaden bereite. Zwei Besitzer von Warenhäusern lollen des Marktes wegen bereits Konkurs gemacht haben, so behauptete wenigstens einer der Beteiligten. Auch' sollen die hiesigen Gewerbetreibenden unter der Konkurrenz der nahen Großstadt leiden, die Wagen und Autos der großen Warenhauser sind ihnen ein Dorn im Auge. So lauten die Klagen fast in jeder Veriaminlung der Gewerbetreibenden. Ganz anders denkt aber das kausende Publikum, insbesondere die Arbeiterschaft, die mit ihrem wenigen Verdienst haushalten muß. Vieles, was der-Arbeiter kaufen will, findet er auf dem Wochenniarkt billiger und besser; auch das übrige Publikum macht aus diesem Grunde 'eine Einkaufe in Berlin und den Warenhäusern. Wenn der hiesige Gewerbetreibende sich danach richtet, dann braucht er den Markt und die Berliner Konkurrenz nicht zu fürchten. KaulSdorf. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich in vergangener«acht die bei dem Mobelfabnkanten Albrecht, Hermannstr. 4. bes-bästigt gewesene 47jahrige Wirischafterin. Dauernde Krankheit scheint di? Ursache der Tat gewesen zu sein.' Vorher hatte die LevenSmüde ihre An- gelegenheiten in Ordnung gebracht und Abschiedsbriefe an eine in Spandau wohnende Schwester sowie Bekannte geschrieben, Mühlenbeck. Aus der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung bracht« es die Mehrheit tatsächlich fertig, den im Dezember gefaßten Be- schluß: Ablehnung des Antrages Pfarrer Gurr um Bewilligung von 50 M. aus der Gemeindekasse für die Jugendpflege, umzu- werfen und dennoH zu diesem Zweck 30 M. zu bewilligen. Ferner wurden für einen rleinen Dienftrauni dem früheren Gemeindevor- steher Müller pro Monat 40 M. bewilligt. Der Verkauf der Pappeln soll nicht erst ausgeschrieben, sondern mit den schon vor- handenen Bewerbern in Verhandlung getreten werden. Ueber die Beamtenversicherung, welche von der Gemeinde übernommen wer- den soll, wird in der nächsten Sitzung verhandelt. Desgleichen wurden noch einige Anträge betreffs Llrmenunterstützung vertagt. Potsda«. Die letzte Stadwerordnetenfitzung setzte einige Etats für 1913 fest. Beim Armenetat sind die Ausgaben gegen das Vorjahr um über 7000 M. geringer. Im ganzen betragen sie 2l3 000 M. Ob die geringeren Aufwendungen im Armenetat ihre Ursachen in einem Zurückgehen der ärmeren Bevölkerung haben, oder darauf schließen lassen, daß die Armenpflege zum Nachteil der ärmeren Bevölkerung eingeschränkt wird, kann im Augenblick nicht untersucht werden. Der Etat der Oberrealschule brachte eine längere Debatte, die dadurch hervorgerufen wurde, daß das Lehrerkollegium der Realschule kürzlich an die einzelnen Stadtverordneten ein Zirkular versandt hatte, worin es die Mißstände, die in der Schule herrschen, beleuchtete und die Stadtverordneten ersuchte, dafür zu sorgen, daß durch einen Neubau diese Mißstände beseitigt würden. Dieses Zirkular sollte„eine Flucht in die Oeffentlichkeic" darstellen, weil angeblich der Magistrat der Sache trotz" wiederholter Hinweise keine Beachtung schenke. Der Mogistrat gab zu. daß hier Mißstände herrschen und daß diese ihm seit längerer Zeit bekannt seien. Da jedoch auch ähnliche Mißstände in der Charlottenschule an der Tagesordnung sind, soll erwogen werden, kür welche der beiden Schulen zuerst ein Neubau geschaffen werden muß. Der Platz ist bereits vorhanden, es handelt sich um zwei Grundstücke in der Jägerallee, die von der Stadt ge- kauft worden find. Eine Magistrotsvorlage verlangt die Zustimmung der Stadtverordneten zur Erweiterung des Eisenhardt-KrankenhauseS auf dem Grundstück des städtischen Krankenhauses und zur Um- Wandelung des Auguste-Biktoria-KrankenhauseS in ein Sicchenheim. Die Mittel hierzu sollen der Beutel- Stiftung entnommen werden. J.ur Vorbereitung der Angelegenheit wurde eine siebengliedrige ommission gewählt. Ein statistisches Bureau soll errichtet werden, welches mit der' Stadtbücherei verbunden wird. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Wilmersdorf. Mittwoch, den 12. Februar, abends ö Uhr, in der Aula der Viktoria-Luilenschule, Uhlandstraße. Aus der Tagesordnung steht u. a. die Beratung des Etats. Buckow. Mittwoch, den 12. Februar, abends 7'/, Uhr, im Koseinschen Lokal, Ehausseest, ahe. Pelershagen. Heute Dienstag, den 11. Februar, abends 6 Uhr, lm Lokal von Breseke. Diese Sitzungen sind öfsenUlch. Jeder Gemelndeangehörlge ist de» rechtig«, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Tins aller Welt. Ein blutiger Exzeß. Zu einem folgenschweren Zusammenstoß zwischen offen- bar betrunkenen Arbeitern und Sicherheitsbeamten kam es am Sonnabendabend in dem Orte P e l p l t n bei Dirschau. Als mehrere Arbeiter, die während Streitigkeiten ein Gast- lokal demoliert hatten, auf dem Marktplatze der- haftet werden sollten, stürzten sich etwa 50 bis 60 Mann auf den erschienenen Gendarmericwachtmeister und den Amtsdiener. Die Beamten zogen ihre Säbel. wurden jedoch mit Füßen getreten. Der Amtsdiener erhielt e i n e n M e s f e r st i ch. AlS die Menge weiter auf die Beamten eindrang, machte der Gendarmeriewachtmeister. nachdem er die Angreifer vergeblich gewarnt hatte, von der Schußwaffe Gebrauch, wobei er die beiden Haupt- exzedenten. die Arbeiter H e r o n und Schwager er- schoß; ein dritter, der Bruder d e S H e r o n, hat schwere Säbelhiebe erlitten. Der Ort, in dem das bedauerliche Vorkommnis passierte, ist ein Eldorado des Junkerfusels und der Pfaffen. Bei der letzten Neichstagswahl wurden in dem Kreise, zu dem Pelplin gehört, ganze 374 Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben._ Die weiße Bestie. In Houston im Staate Missisfippi lynchte die erregte Volks- menge am Sonnabend einen Neger, den man der Erinordung einer weißen Frau verdächtigte, weil man bei ihm Schmucksachen der Getöteten vorfand. Bereit» am Freitag hatte man einen anderen Schwarzen aus ähnlichem Grunde zu Tode ge- lyncht. Der Neger wurde an einen eisernen Pfahl gebunden und sodann mit Teer begossen, um als lebende Fackel verbrannt zu werden. Eine Schwester der Ermordeten zündete das Feuer an. Niemand verwehrte der fanatischen Menge ihr grausame» Treiben, bis der Vaier des Gelynchten sich einen Weg durch das Volk bahnte und seinen Dahn durch mehrere Revolverschüsse von seinen furchtbaren Qualen erlöste. Der Dichter von Gottes Gnaden auf dem Fleischmarkte. In Nr. SV des„Berliner Tageblattes" findet sich unter den drei Seiten füllenden Heiratsinseraien auch folgendes: Geistig hoch st stehender, jüd. Herr. Jnh. altrenom. Firma, Dichter von Ruf, w. baldig« Ehe mit nur wirkl. intellig., bildschöner Dam«, a. Ia reit g.. sehr vermag. Hause. Nur Damen, die diesen Anforderungen zu entspr. glaub, u. die sich dessen wohl bewußt sind, was i. Hanno». Bund Gattin eine» Künstler» v. GotteS Gnaden bedeute, wollen vertrauensv. unjer Chiffer usw. Wenn oer„Künstler von Ruf" und Chet einer Firma lvtelleicht in Gsiefelschmiere oder Barchent) seine Auswabl unter dem an- gebotenen Weiberfleisch gemacht hat. wird sein DicktergeniuS einen gewaltigen Ansporn erhallen. Er dichtet dann vielleicht nach dem Vorbilde Friedrich Rückerts einen neuen„LiebeSfrühling". in dem er seine Srkoreqe sogen läßt:._ , Er ist gekommen, kaut Inserat bei Masse; Er saß so stolz auf edlem Flügelrösse. Er prüfte kritisch Mitgift und Moneten, Und ob ich auch fromm singen kann und beten. Und da ich ihm gefiel vom Kopf, bis zu den Waden, Wurd' ich'ne Dichtersfrau von Gottes Gnade». Zerstörungswut der Suffragetten. Die Telegraphenleitungen zwischen Glasgow und London sind am Sonnabend durchgeschnitten worden. Die Unterbrechung des gesamten Verkehrs zwischen den beiden Handel»- zentren dauerte mehrere Stunden. Zuerst hielt man die Stürme für die Ursache der Zerstörung, aber die Untersuchung ergab, daß auch die unter dem Erdboden liegenden Leitungen nicht arbeiteten. Die Einschaltapparate, die mit der unterirdischen Telegraphenleitung in Verbindung stehen, waren böswillig vernichtet und die Lust5eitungen mit Scheeren zerschnitten worden. ES herrscht kaum ein Zweifel, daß dieses Zerstörungswerk von An- hängerinnen des Frauenstimmrechts ausgeführt worden ist. An- hängerinnen des Frauenstimmrechts haben übrigens am Sonntag auch in mehreren großen Klubhäusern London» und im Palast des Prinzen Christian zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg in Poll Mall Fensterscheiben zertrümmert. Vatikanischer Despotismus. Der Vatikan scheint entschlossen, die Macht seiner Herrschaft über die Geister mit täglich mehr erdrückender Wucht fühlen zu lassen. Jetzt ist der Erzbischof von Pisa, Kardinal Masfi, genötigt worden, die von ihm herausgegebene„Zeitschrift für Physik, Mathe- matik und Naturwissenschaften", an der die wenigen eine Wissenschaft- liche Tätigkeit entfaltenden Katholiken Italiens, Männer, wie der Erdbebenforscher Pater Alfani und der allerdings mit Lourdeswasfer geweihte Mediziner Pater Gemelli, mitwirkten, aufzugeben. Mit der nächsten Nummer stellt die Revue ihr Erscheinen ein. In dieser vom Vatikan erzwungenen Tatsache will man die Strak« dafür sehen, daß der Erzbischof eine der Zeitungen des Trusts begünstigt und protegiert hat. Auch die Zeitschrift für neuscholastische Philo- sophie soll demnächst dem vatikanischen Despotismus zum Opfer fallen: außer dem unfehlbaren Papst braucht im katholischen Loger niemand zu denken und zu philosophieren I turze Di« feuchten Element ge- einer Meldung des wurde dort der Re- Dezember v. I. als Die Wirkimg der Predigt. Ein englischer Prediger ging über Land. Als er über eine weite Wiese schlenderte, stürmte ein Ochse heran, und der Mann GotteS kletterte auf einen Bamn. Der Ochse stand eine volle Stunde unter dem Baum und ivartete. Der Geistliche begann zu beten und der Ochse legte sich nieder, warf aber manchmal einen wütenden Blick nach oben. Da kam dem Geistlickien der rettende Gedanke, er begann seine Sonntagspredigt herzusagen. Und siebe da, das Tier siel in einen tiefen Schlaf und der Geistliche konnte ent- schlüpfen. Er dankte Gott, daß er ihm die Gabe der Rede ver- liehen habe.-_ Fliegerleben. Man schreibt unS: Im„Vorwärts" Nr. 34, Beilage S, ist in dem Artikel„Fliegerleben" von einem„mammonSgewaltigen Kommerzienrat" die Rede, dessen Töchterlein eine romantische Heirat mit dem Flieger WienczierS geschlossen hat. Dieser Kommerzienrat ist der Buchhändler Bernhard Meyer, der durch die Abonnenten- Versicherung seiner Zeitschrist„Nach Feierabend" und durch seine Prozesse gegen sozialdemokratische Blätter auch in weiteren Kreisen bekannt geworden ist._ Kleine Notizen. ' Eine gefährliche Landung. Auf einem Fluge von Döberitz nach Hennigsdorf erlitt am Sonnabend der Flieger Sablatnig, der in Begleitung de» Oberleutnants zur See B e r t r a m sich be- fand, bei Heiligensee einen Defekt an seinem Flugzeug. Der Apparat stürzle in einen Ausläufer der Havel. Bei dem Sturze erlitten die beiden Insassen schmerzhafte Berietzungen. Die Trümmer de« Flugzeuges konnten aus dem borgen werden. Ei« RegieningSasseffor verhaftet. Nach „Verl. Tageblatt" aus K ö S l i n(Pommern) gierungSasiessor L. verhaftet, der bis Mitte juristischer Hilfsarbeiter beim Polizeipräsidium in Kiel tätig war. Dorr sollen Akten über«ine Landesverrats- affäre verschwunden sein. Dieser Liebesdienst wird dem Assessor zur Last gelegt, der eine hohe Summe dafür einge- heimst habe. Ueber Bord gespült. AIS der Fischdampfer„Juno" der Bremerhavener Reederei Bosse sich am Sonnabend in der Nähe von Helgoland Befand, wurden von einer Sturzsee drei Matrosen über Bord gerissen. Alle drei Mann stirb ertrunken. Hungersnot in Rußland. Aus Samara wird gemeldet, daß in zwanzig Gemeinden eines Kreises dieses Gouvernements große Hungersnot herrscht. Die Regierung wurde gebeten, schleunige Abhilfe treffen zu wollen, da löOOOO Menschen aufs bitterste bedroht sind; bisher sind jedoch keine Gegen- maßregeln getroffen worden. Grudemmglück. Wie aus Dortmund berichtet wird, er- eignete sich am Montag auf Zeche Kaiserstuhl ein schweres Unglück. "wei Bergleute gerieten unter einen mit Steinen schwer beladen«» agen und wurden überfahren. Ihre Verletzungen warm so schwer, daß sie kurze Zeit darauf verstarben. Bmfkasten der Redaktion. Sic itttlttHUt S»rca>ft»»oc findet LindenstraSeSS. Nor« vier S«»»en — Fadrftndi—, w-chentägli« von 4 Mi diS 7 Mi Ufte a»end»,«-nn-dend». von 4M> diS S Uhr abend» sio«. Jeder für den vrirftaNen deltimmte» Änfraoe ist ei» Bnaftade und eine Zahl al» Mertzllchen»etjuffigen. Sriefliihe«»i«»ri >»ird nicht erteilt. Anfragen, denen kein« Ad»nnemen»«a»iti»«» deigefbg« ifi, ,erd«a nicht dcantinariet. Eilige grageo trage man in der Svrrchftnnde var. W. B 600. Arbeiter- Touriftcnverem« genießen leider kein« Fahrpreisermäßigung. Wenden Sie sich an Heys«. Boyenstr. Ig, oder an Wählisch. Skaliher Str. 22.— Kochkunst. Städtische Kochlchulen, Duncker- straße 65/68 und Hussiienstr. 4/5.— M. F. 382. An dle MefchättSstelle der Gemeinde, Pappelallee 15 17.— E. P. 15. 1. Bestellung beim Pföriner am Portal N. 2. EbensallS beim Pförtner am Hauptemgauge. 3.„Bolksfürsoige". AktiengeseUichast, Hamburg, Am Strohhause 32. — Herr 26. 1. Nur den PjlichtteU. 2. Nein, falls uicht im Testament die Besugnis festgelegt ist. 3. Scheiitullgen würden bis zur Höhe des Pflichtteils ansechlbar sein. 4. und 5. Wenden Sie sich an die Buchhandlung Vorwärts.— H. L. 23. Sie wenden sich in der Angelegenheit am zweck. mägigueil an einen Palentauwatt.— Cr. F. 100. Eine Mürzung der Rente wäre dann möglich, weuu der Argt teilweise ErwerbSsähigkeit begut- achten würde. Bei der Beurteilung der Frage tonnte die Tätigtcit Einfluß ausüben.— I. R. 1. und 2. Nein. 3. und 4. ES kann Beschwerde beim Hauptmann erboben werden.— H. H. L. 15. Sie können schon jetzt den Slntrag aus Invalidenrente slellen. Wenden Sie sich am zweck- mäßigsten an das Arbeitersekrelgrial, Berlin, Engeluser l4/l5.— Memel 40. Die Frage läßt sich nur beantlvorten, wevn Sit augeben. wie hoch der MietSzmS iilr die GeschästSräume und wie hoch Wohnränm« ist.— p. 284. Herausgab« de» RadeS noch wr die Nach Ihrer Darstellung sind Sie weder zur zur Zahlung von«0 Mark verpflichtet. Kreuzberger Harmonie m j-d- a.-s-b. Sonnabend, den 15. Februar 1013 in der Brauerei Uappoldt, Hasenheide, Ecke Gräfestraße: » KostümsFest ü Zigeunerleben auf der Pußta. Anfang 0 Uhr. SB/S_ Einlaßkarte 50 Pf, r fromme r. örn Qucb der flbwebt von 6. flmort -------------- Preis 1 Mk. billige Agitationsausgabe 79 Pffl« Die 143 Seilen starke Broschüre weist in ihrem Inhalte auf! Einleitung, Sittlichkeit, Kindceschändung.§ 175, Du sollst nicht stehlen, GcschästZkatholtsches, Körperverletzung, Totschlag und Mord, Meineid, Klöster,„Der Greiser", Pjarrer Münsterer von Pondors. Der MeincidSpsarrer von Kolbermoor, Der Stier von Prutting, Ein Bild aui dem christlichen Familienleben, Das unsittliche Schulbad, katholische Leichenverbrennung, Gesährdung der Sittlichkeit durch einen frommen Kalender, Sonderbare Sttrhlsestc, Schnaps sür Kinderschändüng, Die. gerettete Sittlichkeit, Der gestohlene Psarrer usw. Der Berfas er schreibt in seiner Einleitung, daß er den mildesten Titel gewählt habe. Buchhandlung Vorwärts tiindeustrafte 60. Kranzspenden sowie sämtliche* Blumenarrangements liefert schnell und billig Panl vre»»«, Lindenttr.69, Tel. Mpl. 7203. «mit lim« Ohne Anzahlung! Steine Kassierer! Teppiche, Portieren, Gardinen, StoreS und alle Arten Decken. Offerle erbeten unter B. lOO. „VorwärtS'spedition, Ackerftr. 174.* Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69 i. Die gemeinsamen Vorschriften u.d. Verfahren. Preis 40 Pf. Dieses Heft enthält auch die Formulare, wie sie bei der Einrichtung von Klagen und Eingaben zu vorwenden sind. ii- Die Krankenversicherung. Preis 80 Pf- in- Die Gewerbe- Unfallversicherung. Pr. 80 Pf. iv. Die landwirtschaftliche Unfallversicherung. Preis 40 Pf. v. Die Invaliden- u. Hinter- bliebenenversicherung, Preis SO Pf. Die Qesetzesführer sollen dem Laien Oelegenheit geben, sich in diesen Gesetzen zurechtzufinden. Sie sind deshalb von Sachkennern in leichtverständlicher Form verfaßt und werden zu möglichst billigen Preisen abgegeben, damit sie jeder Versicherte sich anschaffen kann. Nur wer mit dem Inhalt der Gesetze vertraut ist, kann sich und seine Familie vor Schaden bewahren. Aooh durch dio..VorwlrU"- Speditionen zu oezlehen. Herren- und Dameustoffe »u Spottpreisen! Tucb-Ageiitur. YorekstraBe IS. I Besuch wirklich lohnend! Haffe Meyer Dresdener Str. 12S/129 Kaffee 1 0 u. 1 5, Bier, i)tO. u. bunt.l 0. ca. 80 Zeitungen; Billard Sid. 60 Pf Zahlstelle der Freien Volksbühne. Intenliir- Extra-Verkauf! 1 pÄkSich- Erbstüll- Bettdecken mii Volar,} a I36 485- Erbstüll-Stores j§35 jfib..(bisher bis 10 hl.). mit Volant 6 bis 9 M). Teppich-Spezialhaus LHF* Emil efivre Berlins. Seif t8B2 nur Oraniesislr. 158 iSll (enorm billiger Angebote) OV gratis und franko.-Mtz LÖWEN BSE RE SIND AUF DER HÖHE ■r" 5507/1 c.i.<53«00 51. 1911'12 M. 3000C« M. Export nach allen Weltteilen. »n Kannen, Siphons, Flaschen überall käuflich odur Fcr.ispr. Nord. 1037.0— 1037? Löwen- Brauerei A,-G., H.-riir» K. Siems Kraftfleisch muß jede sparsame Hausfrau kaufen. Billigster und nahrhafterTafelaufschnitt, hergestellt aus garantiert prima frischem Bindfleisch. Zu haben In fast sämtlichen einschlftgt�eii Geschäften. Lt. Analyse des Herrn Dr; A. Lansforth, beeidigter Oe- rlehts-Chemlker, enthält „Siems KraftlleischM alle natürlichen Bestandteile des rohen Fleisches, überragt letzteres an Jftthrwert und Ist leicht und fast restlos verdaulich! -ii&nUVtüC-ntfJ+iU&iß. «&l£�(Mftv'�fvn'-iliStHf (iflßP..P\ P....? �» »» iinniMiiiiiiinintu -ift jßmCTMW-tCfWjiPuJ? Tanzlehrer-Verband„Solidarität" Berlins und Umgegend(gegr. 1892). Geschäftsstelle: WithetBä Scheel, Sö. 33, Wränget-Straße 107 Telephon: Am» Moritzplatz, Nr. 1038t. 198/1* Der Tanzlehrer- Verband empfiehlt seine Mitglieder für alle vorkommendeu Gelegenheiten, als: Erteilung von Tanzunterricht, Einstudierungv. Gesellschaftstänzen, Kostüm-Quadrillen sowie zur Leitung von Tanzfestlichkeiten. DER VORSTAND. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Äp8,:* 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 1 Spezialarzt s. Haut-. Harn-, Fraueuleiden. ncrv. Schwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in u. Co. konz. Laboraf. s. Blut- Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, ÄÄ. spr. 10—2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mäftig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Iis. Homeyer Heute und morgen 17/3* Legehühner, garant. junge, beste üeger,«jl«I verkaust ¥. Wegner, � ,2 IN. Berlin SO, Martanneustr. 34. um»;......> 1 H. Weltmann Nachf. Stefan Esders BERLIN C Kaiser-Wilhelm-Str. 41-42 Spandauer Strasse 70-71 Damen- Kostüme Mark 32.— 38.— 45.— «*— 55— 65— 75— IJiniiiinniillHIinnnnniiniiiiHiiinilllinillimiiniiillllliiBiimiillllllMiiiuuini� | Meine Damen- Konfektion, nur| M eigenes Fabrikat, ist erstklassig in be- M 1 zug auf Verarbeitung und Passform f J bei erstaunlich billigen Preisen. U f Bevor Sie den Einkauf Ihrer Frühfahrs- s G Garderobe vornehmen, besuchen Sie M | bitte meine Lager, ohne Kaufzwang J Die Kostüme sind In den Grössen 40 bis 50 vorrätig Reklame-Kostüme /§ � aus reinwollenem blauen oder sdiwarzem Serge und Fan- laslejlojf, auf Seidenfutler M. / j— ßj� beachten Sie dieses KosfDm ! in meinem Schaufenster Kostüme nadi Mass von M. 79.- an. Das Haus hat keine Zweigniederlassung in Berlin. CBeatcr. Dienstag, 11. Februar 1913. Ansang 71/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Figaros Hochzeit. «gl. Schauspielhaus. Der ZluS- iauichleutnant. Deutsches. Der lebende Leichnam. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Aniang 8 Ubr. Nrauia. Die Welttnacht des Eisens. Kammerspiele. Schöne Frauen.- Scfniig. Die große Liebe. Ndniggräher Strohe. Die süns Frantsurter. Deutsches Opernhaus.' Eugen Lnegin. Schiller O. Uricl Acosta. Schiller- Eharlattenburg. Reise durch Berlin in 80 Stunden. Drianon. Wenn Frauen reisen. Dheater am Siollendorfplatz. Die Ztudcnleiigräsin. NomiidienhauS. Die Generalsecke. Wroh-Berlin. Das Fürstenlind. Kurfürstenoper. Der Kuhreigen. Berliner. Filmzauber. MoutiS Operetten. Der liebe Augustin. Dheater des Westens. Die beiden Husaren. Deutsches Schauspielhaus. Ter gute Rns. Kleines. Prosessor Bernhardi. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchcn. Luisen. Und hätte der Liebe nicht... Metropol. Chauffeur— ins Rctropol. Rose. Mein Leopold. Herrnfeld. Die Alpenbrüder. Wüsten- moral. E.asino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Brüderlcin sein. Speziali- täten. Rcichshallen. Meyers Hosen. Ansang 8'/, Uhr. Friedr.- Wild. Schaiispielhaus. Der Zaungast. Lustspielhaus. Majolika. Walhalla. Goldener Leichtsinn. Folios Gatit icc. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Ansang Hll, Ubr. Ncncs Bvlkstheater. Helden. Anfang 9 Uhr. AdwiralSpalaft. EiSballeti: Flirt in St. Moritz. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57— 62. Deutsches SchaaMpielhaati 8 Ubr: Der gute Ruf. Moutls Operetten-Theater (fr Neues Theafai-/- Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der liebe Augustin. Schiller-Theater O.IC«: Dienstag, abends 8 Uhr: Uriel Acosta. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Donuerslag, abends 8 Uhr: Drlel Acosta. Schiller-Theater Chabrü?rB' Dienstag, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Mittwoch, abcndS 8 Uhr: llrtet Acosta. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. s uhr: Die fünf Frankfurfrr. SRMidenz-Thealer.ui. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank!. 3 Akt. o.Hcnneguinu. Bebet. Morgen und folgende Tage: Tie Frau Präsidentin. Mr am NolleDdoilplatz S. An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Die Ltlldentenxrafiii. Thealer des Westens. 8 Uhr: Die beiden Luisen-Theater. Dienstag, abends 8 Uhr:»Und hätte der Liebe nicht..."«chau- spiel in 4 Alten von E. Krickeberg und Ernst Rttterseldt. Mittwoch, abends 8 Uhr:»Und hätte der Liebe nicht..." Donnerstag, abends 8 Uhr:»Und hätte der Liebe nicht..." OSE=TKEATE Große Frankiurler Str. 132. JVIeut Leopold. 1 — Volksstück m. Ges. in 3 Akten— von Adolph L'Arronge. Musik v. Bial. Mittwoch: Mein Leopold. IMi Königstadt-Gasino. Ecke Holzmarkt- u. Al-randerstraße. 1 Minute d. Lahnh. Hannowitzbrücke äägl. abds. VjS, Sonnt'/.e Uhr: Pap|>clien tadellos. Posse m. Grs. in 1 Akt— und das groß. Spezialitätenprogramm Fed. 1. u. 16.: Programmwechsel. �Valkslla-Idester. WeinbcrgSweg 19/20. Rosenthal. Tor. Sonnabend, 15. Februar, 7'/. Uhr: Premiere „Parole Walhalla". Große Jahres-Revue. Heute 8'/, Uhr: (»oldcner ll-eiehtsinn. MWl-Thealer Ühsufteur- ms Zlletropol! Große üahresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a. G. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. �asaage-�anoiMW 50 wilde iWeiberr1 | vom Stamme der Igorrotcn. Lebend! Ohne Extra-Entree! Admiralspaiast. Allabendlich: Das neue mit durchschlag. Erfolg aufgef. EiSballOtt | Flirt in St. Moritz I 1. Akt: Wintersport in St. Moritz 2. Akt: Soiree im Luxushotel. S.Akt: Japanisches Fest Unter Mitwirkung der kl. Charlotte. 1 Bis 6 U. u. v. 10*/. halb.Kass- | Preise. Wein- u. Bier-Abt. 1 Zirkus Wer! Sehuitiann. Heute Dienstag, 11. Februar, abends 71/, Uhr: Ohne Honkurrenz! Hegelmann-Truppe 7 I-nftvoltlgcure 7 Neu! Der Hann mit der eisernen Hand. Prolongiert! C&sarios L.öwcn- u. Tlger-Grnppc ~ Um O'l, Uhr; TBÖ Der unsichtbare Mensch. 4 Bilder aus Indien. Zum Schluß: Der Brand des Palastes. :: Berliner ��VIVU Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes Doppel-Konzert! Musikc. Kalsor-Frana-Heglments, Dirig.: Oberm. Hocker. — Zillerthaler und Tegernseer Sänger— Schuhplattler und Jodler! Instich voo Drei-KöDigsliier, dem köstl aller Miineli. Dcppelliiere. Anfang 8 Ahr. Klntrltt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Neue Welt Arnold 8chols Hasenheide 108/114 Heute, Dienstag, den II. Februar 1913: Prämiierung des kleinsten Damen-Ohrs 3 bare Geldpreise: 50, 30, JfcO M. Abnormitäten ausgeschlossen. 5 Kapellen. 30 bayrische MadM. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf.. Voranzeige! Mittwoch, den 12. Februar 1910: Extra»Prämiierung I Prämiiert wird |>er größte Kahlkopf. 3 bare Geldpreise; 30, S«, 10 M. Ab 8 Uhr: Ein beispielloser Erfolg! Die grellen Spezialitäten. 9 Uhr: Harry Waiden in seiner Groteske .Der Herzog von Westminster." MM» Der Höhepunkt des Lach- Erfolges! mit Anton und Tonat Hettnfclb in den Hauptrollen. Ans 8 Uhr. Vorverk. 11—2 fTheaterk.) Casino Theater Lotbringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich anüverkanft.' 8törml»che Heiterkeit! Tic Berliner Lokakposse Am grünen Strand d. Spree Größter Kassenersolg seit Bestehen Urania Wissenschaftliches Theater. TanbenstraSe 48/49. Abends 8 Uhr: Koustr.-Ing. A. Kessner: Die Weltmacht dea Elaena. Zirkus Busch. Heute Dienstag. 11. Februar. abends V'/jUhr;_ MT Letzte Woche!~VHI Daa Knde de» Krieges zwischen Mac Norton u. seinen Fröschen u. Goldfischen steht nahe bevor, da Genannter anderweit, fest verpflichtet ist. Neu! Neu! Der mysteridse Decken Ihufer. Eum Schluti: Die grolle Prunk-Pantomime „Sevilla". Folies Caprice. Ansang 81/« Uhr. Die drei Saison- Schlager: In Sachen Kahenstein. Die Doppetfirma. Die Dochter der Braut. Trianon-Tliealer. Wenn Frauen reisen. Ansang 8 Uhr._ Voigt-Theater. tsesundbrunuen, Badftraste S8. Morgen Mittwoch, 12. Februar 1913: Stolz und Idebc. Schauspiel in S.Akten von Rod. Fels. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8>/, Ubr.. Boranzeige! Montag, 17. Febr. Benefiz jür Paul Uding: ssörsters Trade. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Neu! Meyers Hosen. Humoreske. �nfäng s Uhr. Liwntwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Lur den Lnferatentettoerantw.: TH.Glöcke, Berlin. Druck u.Lerlag: PorwartS -zur»en ZnNatt ver Fn.er.ite ndc»ui>n>ni die Revartion dem Bublitum gegenüber keinerlei -------------------------- JZcranttDotiunq.____ Buchdruckeret n. Verlagsanftalt Pauk Singer«.Co.. Berlin Nr. 35. 30. Iahrgaug. 3. Sfilnjf i>es Jormärts" fctlinn MksblM. Aievstag. 11. Febrvitk 1913. HB die gesetzliche Wartezeit nicht erfüllt. Gegen dieses Urteil>vu.ri»e « iweite« Male mit Erfolg Rcviiion beim Reiil�vcrsichcrungs � �* 1 amt eingelegt. Eine Versammlung der Brauereiarbeiter und in den Brauereien beschäftigte» Handwerler füllte am«sonntag den grotzen Saal im „MarmehauS". Die vom Magistrat vorgeschlagene Biersteuer wurde dort einer sachkundigen Kritik unterzogen. Der Referent, Stadt verordneter Adolf Ritter, beleuchtete dieses kommunale Steuer Projekt nach allen Richtungen. Der Ausschuß hat der Biersteuer bereits zugestimmt. Sollte sie von der Stadtverordnetenversamm lung angenommen werden, dann ist— wie der Referent im einzelnen nachwies— das Braugewerbe mit einer neuen Last belegt. die es abwälzen wird auf die Gastwirte und diese werden sich wieder an den Konsumente» schadlos halten. Aber auch den in den Brauereien beschäftigten Arbeitern wird die Lohnaufbesserung wesentlich erschwert, wenn die Unternehmer aus eine neue Steuer- belastung hinweisen können. Deshalb haben die Brauereiarbeiter begründete Ursache, sich gegen die geplante Bierstcuer zu erklären. Etzel, der Borsitzende des Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter, verwies darauf, datz diese Steuer wieder, wie die 1909 beschlossene Biersteuer, eine große Beunruhigung im Braw gewerbe hervorrufen und für die Arbeiter Arbeitslosigkeit zur Folge haben werde. Die Berliner Brauereiarbeiter stehen jetzt in einer Lohnbewegung. Sie erwarten, daß es ihneir gelingen werde, die Wünsche endlich erfüllt zu sehen, die beim letzten Tarifabschluß un- berücksichtigt blieben. Das wird sehr schwer halten, wenn sich die Unternehmer darauf berufen können, daß sie durch die Biersteuer eine neue Belastung erfahren haben. Unter diesen Un, ständen wird ein Kampf in der Brauindustrie unvernieidlich sei. Weiter führte der Redner aus, wenn die Steuer in der vorgeschlagenen Form durchgeführt werden sollte, dann würde sie so enorme Erhebungskosten verursachen, daß von dem Ertrage nicht viel übrig bleibt. Die Art der Steuererhebung würde eine er- hebliche Störung im Vertriebe des Bieres mit sich bringen und für die Bierfahrer, die bei der Steuerabfertigung lange warten müsten, die ohnehin schon sehr ausgedehnte Arbeitszeit noch weiter verlängern. Anstatt abends um 8. würde ihr Arbeitstag dann vielleicht erst nachts um 12 Uhr zu Ende sein. Litfin, der Borsitzende des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte zeigte, daß durch eine neue Steuerbelastung die schwächeren Existenzen sowohl unter den Brauern wie unter den Gastwirten schwer geschädigt, ja zum Teil ruiniert werden, denn den Großbetrieben sei es natürlich leichter, alle Schwierigkeiten zu über- winden, als den Inhabern kleiner Betriebe. Die Ausführungen der Redner, die alle in einen lebhaften Protest gegen die kommunale Biersteuer ausklangen, wurden mit lebhaftem Beifall aufgenoinmen.— Die Protestresolution gegen die geplante Steuer fand einstimmige Annahme. Eine weitere von, Deutschen Transportarbeiterverband ein- berufene und sehr stark besuchte Versammlung tagte im„Deutschen Hof", Luckauer Straße IS. Der Referent, Stadtveordneter Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d ging auf die kommunalpolinschen und steuerpolitischen Verhältnisse Berlins ein. Er schilderte, durch welche Einflüsse und Machinationen Berlin beengt werde, so daß die Stadt tatsächlich sich in einer unangenehmen Lage befinde, besonders wo es sich um Steuern und Abgaben handele. Er erklärte, wohl annehmen zu dürfen, daß die Brauereiarbeiter mit der sozial- demokratischen Stadtverordnetensraktion einverstanden sind, die einmütig sich gegen jede Biersteuer gewendet habe.(Lebhafter Beifall und Sehr richtig!) Es sei ganz zweifellos, daß die Brauereien versuchen werden, die Steuern teils auf die Schultern ihres Personals durch Lohnreduzierung usw., teils auf das konsumierende Publikum durch Verteuerung bezw. Verschlechterung des Bieres abzuwälzen. Die Folge davon würde ein verstärkter ScknapSgenuß fein. Es sei un- verständlich, daß man gerade jetzt, in der Zeit der allgemeinen Teuerung und des großen Notstandes, nüt einer derartigen Vorlage kommen könne. Ob eine genügende Anzahl Liberaler hinter der sozialdemokratischen Fraktion stehen werde, sei fraglich. Diese allein aber könne die Vorlage nicht unmöglich machen, wenn nicht das Publikum draußen und besonders die Arbeiterschaft die volle Kraft dagegen einsetze. Den außerordentlich wirkungsvollen Ausführungen des Redners folgte stürmischer Beifall. Der zweite Referent Karl Schulz besprach die Nachteile, welche den in den Brauereien tätigen Arbeitern aus der Steuer entstehen würden. Den Brauereiarbeitern drohe durch die beabsichtigte Bier- steuer teils Entlassung, teils vermehrte Arbeit und Scherereien und des weiteren wird der Deklarationszwang zur Folge haben, daß die Bierkutscher um ihre Prozente konrmen und eine große Einbuße an Verdienst erleiden. Sache der Arbeiter sei es, Mann für Mann gegen diese Steuer aufzutreten, vor allem aber sollte sich jeder Brauereiarbeiter seiner Organisation anschließen.(Großer Beifall.) Nach einem zündenden Schlußwort des Vorsitzenden Werner wurde auch hier einstinnnig eine in, Sinne der geinachtei. Aus- führungen gehaltene Resolution angenommen. Soziales. Von der vollen Kompottschüssel. Einen zweijährigen verzweifelten Kampf um die Erlangung der Invalidenrente führte eine arme mit Krampfanfällen behaftete Näherin aus Breslau gegen die Landes-Versicherungsanstalt Echlesic». Jetzt ist ihr endlich durch das Eingreifen des Brcslauer Arbeitcrsekretariats die Rente in Höhe von 9,85 M. monatlich zugesprochen worden. Ter Fall ist von prinzipiell wichtiger Bc- deutung für alle Bersicherungspflickfiigen. I», Scptcutber 1919 stellte die Näherin den Antrag auf Be- hiilligung der Jnvalidenrentc. Sic hatte im ganzen 298 Marken geklebt. Die Versicherungsanstalt lehnte die Rente mit der Bc- gründung ab, weil die gesetzliche Wartezeit trotz der 298 geklebten Marke» nicht erfüllt sei, und zwar seien von den 288 Marke» b9 in Abzug zu bringen, weil die Antragjtcllcrin schon seit Mitte August 1995 nicht mehr das geseblich vorgeschriebene Berdirnst- drittcl erreicht habe und demnach seit dieser Zeit überhaupt nicht mehr versicherungspslichtig war. Die gegen diesen Bescheid Venn Arbeiterschiedsgericht eingelegte Berufung wurde zurückgewiesen. !Fn dem Urteil heißt es:„Die Antragstellerin sei mindesten» seit Mitte August 1995 dauernd erwerbsunfähig, denn die Krampf, anfalle seien täglich drei- bis viermal nach dieser Zeit bei ihr aufgetreten. Nach der Praxis in anderen Rentensachen muß in derartigen Fällen dauernde Eewcrbsunsähigkeit von dem Zeitpunkt an angenommen werden, wo die Anfälle täglich auftreten." Trotz- dem der Nachweis geführt wurde, daß die Klägerin von 1998 bis 1998 als Heimarbeiterin tätig war. wurde die Gewährung der Rente abgelehnt. Hiergegen wurde Revision beim Reicho-Versiche- rungsamt eingelegt. Ihr-wurde stattgegeben, weil die Feststellung, daß die Klägerin täglich drei bis vier Krcnnpfansälle gehabt habe. durch das Aktenmaterial nicht gerechtfertigt werde,«cdenkcnfrci -sei ferner nicht, daß schon ein täglicher Krampst,,, fall die Erwerbsunfähigkeit nach sich zici't. Mit dieser Belehrung halte sich das Schiedsgericht Breslau zum zweitenmal in,t dem Antrage auf Bewilligung der Rente zu beschäftigen. Fetzt auf einmal war «s der Meinung, daß der Beginn der Evwcrbsunfählgkcit nicht Mitte August, sondern erst Oktober 1999 eingetreten sei. Bis dahin sind aber auch nur 197 Marlen geklebt worden und damit ivfin dritten Termin vor dem Schiedsgericht erhielt die Antrag stellerin endlich die Rente vom 1. Oktober 1999 ab in Höhe von 9,85 M. monatlich zugesprochen. Und um so ein geringes Objekt, um so ein paar lumpige Groschen streict sich die 115 Milliancn Mark Vermögen besivrndr Landes-Versicherungsanstalt Schlesien über zwei Jahre lang mit einer armen kranken Näherin herum. Gut bezahlte Beamte müssen jahrelang ihren ganzen Sckiarfsinn anstrengen, um zu er- gründen, wie einer kranken, ausgemergelten Arbeiterin die Rente verweigert werden kann. Dieser Fall zeigt Wieder einmal. Welche Bewandtnis es mit der..vollen Kompottschüssel" hat und wie es mit der sozialen Fürsorge für die Arbeiterschaft in Wirtlichkeit aussieht. Die Schubvorschriften in offenen Bcrlaussstcllen sollte Herr Röstcl, der Geschäftsführer eines größeren Schuh- geschäfts in Frankfurt a. O., übertreten haben. Und zwar wurde ihm vorgeworfen, er habe Angestellte des Geschäfts solange bc- schäftigt, daß nicht die ununterbrochene Ruhezeit herauskam, welche 8 189c der Gewerbeordnung für die Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter erfordert, die in offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(5tvntor) und Lagerräumen tätig sind. Der Angetlagte machte demgegenüber gcltciw, daß es sich hier um eine Art Inventur oder doch um eine Neueinrichtung handele. Es käme ihm so§ 1396 zugute, welcher unter Ziffer 2 bestimme, daß die Bcstimlnunzzcn des§ 139c keine Anwendung fänden für die Aufnahme der gesetzlich vorgeschriebenen Inventur sowie bei Neueinrichtungen und Umzügen. Die Strafkammer in Frankfurt a, O. als Berufungsinstauz verurteilte jedoch den Angeklagten zu einer Geldstrafe und führte aus: Von einer gesetzlich vorgeschriebenen Inventur könne vor- liegend kein« Rede sein. Es bleibe bloß die Frage, ob es sich um eine„Neueinrichtung" im Sinne des 1896 gehandelt habe. Es stehe nun fest, daß Angeklagter nach seinem Eintritt in das Gc- schüft vielerlei anders angeordnet habe, als bisher war. Die Mehrarbeit sei nun bei dieser Gelegenheit hcrausgetommen durch Un, sortieren. Aufräumen und Umbau von Regalen, Das falle nicht unter den Begriff der„Neueinrichtung" gemäß§ 1396 der Gewerbeordnung. Eine Umsortierung und dergleichen sei keine Neueinrichtung. Es liege demnach eine strafbare Uebertretung des § 139c vor. Das Kammergcricht stellte sich am Montag auf denselben Standpunkt wie das Landgericht und verwarf die Revision des Angeklagten R. als unbegründet. Zur Hausbcsitzerfrage. In Dortmund war am 14. und 15. November 1911 im 6. Wahl- bezirk der dritten Abteilung die Ersatzwahl eines Stadtverordneten vorzunehmen. Für gewählt crllärt wurde der katholische Arbeiter- sekretär Landtagsabgeordneter Gronowsky. Erfordernis war in diesem Bezirk die Wahl eines Hausbesibers. Der sozialdemokratische Parteisekretär Klupsch focht die Wahl an,'weil Gronowsky erst am Nachmittag des ersten Wahltags, nämlich am 14. November, als Eigentümer des Hauses, als dessen Besitzer er angesehen werden wollte, in das Grundbuch eingetragen worden sei. Da niemand feststellen könne, wieviel Stimmen vor und wieviel Stimmen nach der Eintragung G. in das Grundbuch abgegeben worden seien, so sei eine Feststellung der gültigen Stimmen und damit der Majorität im vorliegenden Falle un- möglich. Deshalb müsse die Wahl für ungültig erklärt werden. Die Stadtverordnetenversammlung erklärte aber die Wahl Gronowskhs für gültig,-indem sie davon ausging, daß der Zeit- Punkt der Feststellung des Wahlresultats maßgebend sei. Der Bezirtsauoschuss zu Arnsberg wies die Klage des Genossen Klupsch ab. Er erachtete gleich der Stadtverordnetenversammlung die Wahl des Herrn Gronowsky für gültig. Am Freitag hotte das Obcrverwaltungsgcricht zu entscheiden, vor-dem Rechtsanwalt Dr. Behrend die Klage vertrat. Dasselbe entschied, daß die Vorentscheidung zu bestätigen sei. Maßgebend sei der Zeitpunkt des Sckilufscs der Stimmabgabe. Zu dieser Zeit sei aber Gronowsky bereits cing-ctragencr Hauseigentümer-gewesen. so daß die Voraussetzungen seiner Wählbarkeit erfüllt gewesen seien._ Hus der frauenbewegung. Der Grburtrnruckgnng in Arbeiterfamilien. Im Reichstage und im Landtage hat man sich wieder einmal über das Thema des Geburtenrückganges unterhalten. Um den Kernpunkt der Frage, um die Wechselwirkungen zwischen der wirtschaftlichen Lage der breiten Schichten und der Volksvcr- mehrung ging man von bürgerlicher Seite vorjickstig herum. Der Vertreter der Medizinalverwaltung erklärte:„Bei der Frage, wor- auf die Abnahme der Geburtenziffer zurückzuführen ist, find die ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Lebens nicht in Rück- ficht zu ziehen, im Gegenteil gibt jeder zu. daß sich der ganze Wirt- schaftiichc Zustand iinscrcs Volkes in den letzten Jahrzehnte» in weitem Maße gehoben hat." Der Herr Miiiiftcrialdirektor über- sieht hierbei, daß die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse fast ausschließlich einer dünne» Obcrschickst zugute gekommen ist, für die große Masse der Arbeitcrvcvölkerung reichte die nach schweren Kämpfen erzielte Steigerung des Lohn- einkommens meist nicht einmal hin,»n, die Steigerung der Lebensmittel- und Mietpreise sowie die Erhöhung der Steuern und sonstigen Lasten auszugleichen. Von einer Besserung der Lebens- Haltung kann gar keine Rede sei», obwohl eine solche schon gerecht- fertigt wäre in, Hinblick auf die höheren Anforderungen, die im modernen industriellen Betriebe an die Arbeitskraft des ein- zelnen gestellt werden. Der Ministerialdirektor Dr. Kirchener glaubte einen besonderen Trumpf auszuspielen, als er„fest- nagelte", daß der Geburtenrückgang im Osten Berlins, dem Ar- bciterviertcl der Reichshauptstadt, am größten sei. Wenn der Herr Medizinaldircktor über die Einkommens-, Wohn- und allgemeinen Lebensverhältnisse der Grotz-Berlincr Arbeiterschaft genauer in- formiert wäre, würde er sich über den Geburtenrückgang in diesen Kreisen Ivohl kaum„och wundern. Er hätte sich nur an den frühen Morgenstunden oder am Abend vor dem Eingänge einer Fabrik in Berlin Oodcr an einer der wichtigsten Straßenkreuzungen jcnesEkodt- Viertels aufstellen und die Scharen der Männer und Frauen auf ihrem Wege zur Arbeitsstätte beobachten sollen. Hier Iiätte er wohl rasch begriffen, welche Unmengen von Frauen durck, die schwere Fabrikarbcit ihrem Berufe als. Mutter entzogen und für denselben überhaupt physisch untauglich gemacht werden. Ferner hatte der Vertreter der Medizinalverwaltung unzählige Frauen sc bei, können, die schon beim Morgengrauen ihre oft»och außer- ordentlich jungen und zarten Kinder zu einem Kinderhort oder in private Pflege bringen, um sie am Abend, nach beendeter Arbeitszeit, wieder abzuholen und mit»ach Hause zu schleppen. Noch größer ist die Zahl derer, die iyrc Kinder zu Hause, ost ohne jede Pflege und Bewachung, sich selvst überlassen müssen. Iliilcr solchen Umstände» bedeutet tatsäckstich jede Geburt ei» Unglück sür die Eltern. Die Verhütung der Empfängnis entspringt zwar dem klare» Willen, keine Kinder in die Welt zu setze», sie hat aber ihren tieferen Grund in den allgemeinen wirtschastlickicn und sozialen Verbaltmsscn. Warum will man plötzlich den Arbeitersamilien dos verbieten, was bisher ein Privileg tz e r lv o h l h a b c n d c r e u Schickitc n der Bevölkerung war! Allerdings sind die Motive, die bei den oberen Zebntansend zur Beschräukung der Kinderzahl fuhr- ten, anderer Art. Hier herrscht ein solches Luxusbcdürfnis und c,ne derartige UeppigkeU. dah jeder Familienzuwachs schon deshalb un- erwünscht ist. weil er die Dame des Hauses an der Erledigung der ..gesellschastlichc» Verpslichtungen" und am Amüsement zeitweil, g hindert. Der Ministccialdirektor Dr. Kirchener hat gegen den Ver- kaus antikonzeptioneller Mittel in Arbeitervierteln gewettert. Warum eigentlich! Ist es der Medizinalverwaltung etwa unbe- kaniit, daß alljährlich unzählige Damen der besseren bürgerliche» Gesellschaft nach Belgien reisen, aus dem einfachei, Grunde, weil dort eine Strafbestimmung für Abtreibung nicht existiert!? Bicken doch die belgischen Aerzte ihre guten Dienste ganz offen ,m Inseratenteil der in„bessercl," Kreisen Westdeutschlands gelesenen Tagespreise an! Eine Arbeiterfrau kann sich freilich keine Reise nach Lüttich oder Brüssel und keine Nachkur in Scheveningen oder Osteude leisten!_ Leseabeude. Potsdam. Heute Dienstag, 8'/, llhr, im Lokal Glaser, Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Bortrag des Genossen Staab. Versammlungen— Veranstaltung«». lieber Hygiene des Wochenbettes und des Reugeborene» spricht aus Veranlassung des Vereins für Volkshygiene am Freitag, den 14. Februar, abends genau 8 Uhr. in der Aula des Wilhelm« Gymnasiums, Eingang durch die Bellevnestraße 15, Geheimrat Prof. Dr. Franz, Direktor der kgl. Universitäts-Frauenklinik. Zutritt un- entgeltlich._ Geriebts-Zeitung. Der 15Z�jährige Raubmörder Peyoldt vor dem JugendgerichtShof in Plauen. Zu dem von uns bereits am Sonntag gemeldeten Urteil tragen wir noch nach: Am 4. Januar erschlug der Ib�jährige Kauftnannslehrliiig Walther Petzoldt den 15jährigcn Kurt Gode mit dem Beile im Keller seiner elterlichen Wohnulig. Die Tat erregte weit über die Grenzen hinaus großes Aufsehen. Petzoldt hatte im katholischen Jiinglingsvereiu Gelder unterschlagen und auch sonst nicht einwandfrei gehandelt. Er wußte keinen anderen Ausweg, als den der Gewalt. Deshalb erschlug er seinen Arbeits- kollcgen, der von der Post Geld geholt hatte. In der Gerichts- Verhandlung erklärte der Täter bezüglich seiner Mitglieds6)aft im Jungdeutschlandbund Plauen, daß ihm diese Wanderungen und Exerzitien immer sehr erregt hätten. Auck) habe man dort den jungen Leuten von der hohen militärischen Laufbahn erzählt, die ihnen die Aussicht biete, einmal Offizier zu werdcn. Und daran Hab« er immer denken müssen. Daneben hat Petzoldt auch fckfiechte Literatur, wie Kriminalromane, Jndianergeickiicksten usw. gelesen. Das Urteil warf, wie bekannt, wegen vorsätzlichen Mord, schweren Raub. Unterschlagung und Betrug die höcksstc Strafe von fünfzehn Jahren Gefängnis aus. Die Aussage bezüglich des Jungdculsckfiandbundcs zeigt die Gemringesährlickstcit dieser Soldaten- und Krirgsspielcrei. Gegen Mißhandlung des BereinsrechtS Aufgehobenes Verbot einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel. Auf dem Gehöft einer Witwe im Mansfclder Kreise sollt« im Sommer 1912 eine öffenUiche Versammlung unter freiem Himmel stattfinden. Die nach dem Rcichsvcreinsgesetz für eine solche Versammlung erforderliche Genehnuguug wurde mit der mageren Begründung versagt: wegen der Lage des Grundstücks. seiner Größe und Beschaffenheit sei von der Abhaltung der Ver« sammlung eine Gefährdung der öffentlichen S>6>erheit zu be» fürchten. Das Grundstück habe nur einen- Zugang von der Straße. Den Mitbewohnern werde der Zutritt erschwert. Auch herrsche ein lebhafter Verkehr auf der Straße. Ter Vcraiiftaltcr, Kreisvertraucnsmann Genosse Wilhelm Ehristange, erhob Beschwerde. Nachdem diese verworfen war, wandte er sich mit einer weiteren Beschwerde an den Regierung»- Präsidenten zu Merseburg. Dieser erachtete die polizeiliche Ver- botsverfügung für gerechtfertigt. Er meinte: das Grundstück um» fasse nur einen Raum von anderthalb Ar und es feien Stall und Scheune vorhanden. Es müsse mit der Möglichkeit einer Feuers- gcfahr gerechnet werden. Jedenfalls habe mit einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit gerechnet werden können. Nunmehr klagte Genosse Ehristange durch Rcchtsamvalt Dr. Kurt Rosciifcld beim Obervcrwaltungsgerickit. Zur Begründung des-Rechtsmittels wurde geltend gcuiacht, daß unter den obwaltenden Umständen von einer Gefährdung der öffentlichen Si6)erheit keinesfalls die Rede fei» könne. Das Oberverwaltungsgerickit gab der Klage am Sonnabend statt, hob die Beschtverdebefcheide' auf und fetzte die polizeiliche Verfügung, durch welche die Gcuchmigung für die Versammlung versagt worden war. außer Kraft. Das Obcrvcrwaltungsgericht führte zur Begründung kurz aus: Zur Begründung der Annahme der Gefährdung der öffentlichei, Sicherheit könnten allgemeine Er- wägungen nicht geiiügen. Es müßten Tatsack, en vorliegen, die ein« Gefährdung der öffentlichen Sicherheit als nahe bevorstehend er- scheinen hießen. Die Gründe, die im vorliegenden- Falle geltend gemacht worden seien, könne der Gerichtshof nickst für durchgreifend erachte». Das Verbot sei somit als ungerechtfertigt außer Kraft zu sehen. Astarktp reise von Berlin am«. Februar ISUX nach Ermitlckunge» des lönigl. PolizeiprüildiumS. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorle 19,01 bis 19,00. mittel 19.12—19,48, gelinge 19.20—19,00 Roggen, gute(soile 00,00-10,70, mittel 00,00-00,00, geringe 00,00- 00,00(ob Bahn). Futter- fltrflc, fliite Sorte 17,20—18,00, mittel 10,00—17,20, geringe 15,80—10,10. Haser. gute Soile 18,10-20.20. mittel 16,80-18,20(fiel Wagen und ad Bahn). Markthallenpreis«. 100 ZAIogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebohiien. Meitze 25,00— 60,00. Linien 35,00—60,00. Karrosseln(Kleiuhdl.) 6,00—10,00, 1 Kilogramm Rindsteisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindsidich. Bauchfleilch 1,30—1.80. ischweuiefleisch 1,60—2.20. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1.50—2,40. Butter 2,40— 3,00. 60 Stück Eier 1.00— 6.00. 1 Kilogramm Karpicu 1.40—2.40. Aale 1.60— 3.20. Zander 1.40-3.60. Hechle 1.60-2.80. Barsche 1.00— 2.40. Schleie 1.60—3.20. Bleie 0,80-1.60. 60 Stück Krebse 1.00— 24.00. SSttterungöüderstchr vom 4«. Februar lvtZ. Wetterprognose für Dienstag, den II. Februar 1013. Ziemlich heiler und am Tage müd bei mäßigen weftlichen Winden keine erheblichen Niederschlage. H.& P. Uder, Tabak-GroBhandlnng: und Tabakfabrik. Spezialität; Nordliüuser Kautabak von d. A. Kanewasker, strimm a Trlepcl 1 Stats frisch zu den äuliersten Engrospreisen. ■ Amt IV, 3014., Die Entdeckung des Nordpols von Robert E. Peary, Mit einem Geleitwort von Theodor RoOSCVClt Mit über 10O Bildern nach photograph. Aufnahmen. Es gelang uns, noch eine Anzahl Exemplare dieses Prachtwerks zu erhalten, die wir unseren Lesern für den Preis von abgeben. 3,50 M. gut gebunden ===== Zu beziehen durch------ «IiÄIq UM limW. 63 SaspteMcs i...UM". Ci�arebfen Kurprinz. Z plg Fürsten...... 4« Welt-Hatht S. Auto Klub. 6 Acro-Klub..10» mJBZ Ligarette Stück 1 Pfennig. ©ßruchbandageo, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Snnpensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt• Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N, Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fachgam. Bedienung. Stoffe für elegante MaBanzDge, Ulster, Paletote Mtr. 4.—, 6.—, 8.— M. etc. Damen• Kosttimstoffe, Damentuche „Neuheiten" Mtr. 2.—, 3.—, 4.— M. etc. Loden f. Pelerinen Mtj. f,50, 2,50 M. etc. Schneldermeieter, welche unsere StoSe tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebst Zutaten zirka 25,-, 30,— M. etc.* Tuehlager Koch 4 Seeland G. m. b. H. Gertramlteflstr. 20/21 ��7 «Serleib-Institut !A.Borchard»,gricbriif)ftr.ll5, 'Oranb-Xor. Tel. Ntd. 10854, verleiHtFrack-.Smofing-.GeHrockanzüge in verschied. Preislag. bis z. elegantest. Genre, sehr grobe Ausw. Mätz. Preise. dscles Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Plg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen B Pfg.; das erste Wort(lettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Getragene Herrengarderobe. Leihhaus Brunne» strahe 70. 283951* Betten. Stand 3,—. Brunnen- ftraße 70, im Keller. 1200SI* GardinenlSlcppdeifenIPorlierenI Tiichdedcn I aubergewöhnlich billigt Vorwärtsleser 5 Prozent Rabatt extra! GardinenhauS Brünn, Hacke« scher Martt 4(Bahnhos Börse). SonntegS geöffnet._* Federbetten, Stand 10,00, 15,00, 22,00, seinsie Branlbetlen, Winter- palefotS, Wäsche spottbillig. Psandleib- Haus Küsirinerplatz 7. 2S3IK' Borsabrige eleganleHerrenanzüge wid ValcfotS aus seinsten Magstolien 20— 40 Marf, Hosen 6—14 Mark. BeriandbauS Germania, Unter den Linden 21.__* Hermannvlao 6 PlandleibhauS. Jedermanns Kausgelegenheif. Extra- billige Jackettanzüge. Gedrockanzüge. WinterpalctolS. Herrenulster. Herren- boien. Riesenauswahl PelzstolaS. Allerbllligster Bettenoerfaul. Per- mtetungsbelt. AuSsteuerbelten. AuS- steuerwäsche. Reichhaltiges Portieren- lager. GardmenauswahL Teppich« auswabl. Plülchti'chdecken. Siepv» deckenlager. Goldsachen. Taschenuoren. Wandudren. Wandbilder. Waren- Verfalls ebcnsallZ SonntagZ. Tevpiche!(seblerhasle) in allen Gröben, soft sür die Hilsle deS WeneS Tevvichlager Brünn. Hackeicher Marfl 4. vahnboi Börse.(Leier deS »vorwärts" erballen ö ProzeM Rabalt.) Sonntags geöfinetl Taschenbuch sür Gartenfreunde Ein Rafjjeber sür die Pflege und sachgemätze Bewirlschastnng deS häuS- lichen Zier-, Gemüse- und Obst. gartenS von Max HeSdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text» adbildungen. Preis 3.50 Marf. Expe- dition vorwärts, Lindenslr. 83. Ztukivaichfasser, Zober, Sitz- Wannen. Badewannen. Spezialsabril Reichenbergerstrabe 47. Leiern 5 Proz Ohne Geld 0,50 wöchentlich: Gar- dlnen, Portieren, Tcppiche, Decken, Uhren, Bilder, Möbel, Polsterwaren. Betten. Wäsche, Kinderwagen. Besuch oder Postkarle. MeiselS(selbst), An.- dreasstrab«4(Schlesischer Bahnhof),* Brennholz, osenseriig, Bnche, Erle oder Kiefer, 10 Säcke(1 Meier Inhalt) 3.—! Anzündeholz 20 Säcke 3,60, 10 Säcke 5,—, stet Keller. Säge- wert Heinrich Scholz, Lohmühlen- straße 4, Movitzplatz 781. 2746,ft* Lethhans Morfhptat« 58 a! faulen Sie spottbillig von Kavalieren wenig getragene Jackeftanzüge, Roch Kostümen, Kleidern(hochelegant). Große Posten PelzstolaS, Pelzgarnt- füren, früher bis 200, jetzt 20—75 Mark. GelegenbeiiSkäuse in Uhren, Ketten, Ringen, Wäsche. Betten, enorm billig. nur Moritzplatz 58a I._ 29383 Betten, Stand 11,00, 16,00, hoch» feine 21,00. Spottbillige Herrenuhren, Damenuhren, Ketten, Gehrock- anzüge. Damenlleider, Damenröcke. Leihhaus Ofteti, Königsberger- snage 19. S2K" Garderoben, hängen gebliebene, billig abzugeben 3—12 und 3— 5 Iärberei, Weißensee, LangShans- slrafle 4._______, tl42 Litta uerS berühmte Nähmaschinen, Teilzahlung, kulanteste Bedingungen. Gebrauchte Maschinen spottbillig. Ska- litzerstrage 39, Warschauersirabe 85.' las-»»»«- w. Tüll Bettdekteu, volle Beligröbe trbstüll, retchgestickt, mit Volant !35. Englisch Tüll 1.65, Tüllbett. ückwände 6.50. Jnoentur-Ausnahme- reise. TeppichhauS Emil Lesevre. Zranienstraße 158. 2954 K» Zehn Prozent Rabatt im In- veniurausverkaus. Totalansverkauf von ang-l schmutzten Gardinen, SkoreS, Künstler- gardinen, Bettdecken, Rouleaus jetzt sabelhaji billig._ G aroinenreste, Fenster 1,55, 1,95, 2.45, 2.85. 3.50, 4.25, 5,50, 6,75 usw. E. Wcibenbergs Gardinen- und TeppichhauS, Große Frankfurter- ftraße 125. im Hause der Möbel- sabrik an der Koppenstraße. | Kleine Anzeigen Uabatt im In--Uiübel! Kür Bramleule günstigste Vollständige gute Winschast ver- Zä Gelegenheit, sich Möbel anzuschnssen läuslich, Prachtwandbilder, Gaslrone. absal! i— � Mit klemiter Anzabluna aebe schon Konigsbergerstraße 11, vorn I links, Kehr, Fischer.__ 26/2 ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bl( 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrassc 69, bis 5 Uhr angenommen. Tcppiche mit Webefehlern 7,50, 9,50, 11,50, 13,50, 16,50, 19,50,22,50, 25,50, 29,50 usw. TeppichhauS Große Frantsurferstraße 125, im Hause der Möbelfabrik._ Restbestände, 1—3 Fenster Tuch 9,50, 11,50, 14,50,18,00 usw. Portieren- haus. Große Frantfurterstraße 125. Tuchdeiten.Leinendecten, Plüsch- decken 1.35, 1,65, 1,35, 2,45, 2.85. 3,65, 4.25. 4,85, 5,50, 6,75, 8,50, 3,70 bis 45 Mark. Steppdecken. Gitniliseide, vor- nehme Ausführung 3,75, 4,66, 5,75, 6,50, 7,85, 9,50, 12,50, 14,50 usw. Große Franksurterstraße 125, im Hause der Mobelsabrtk. Dlwandecken, zurückgesetzte, 3,35, 4,75, 5.65. 6,50, 8.25. 9,75. 12,50, 15,50 biS 50,00. Läuferstoffe, Möbelftosfe. ui--- leumreste, Schlafdecken und Reise- decken, jabelhast billig. Große Frant- surterstraße 125, im Hause der Möbel- sabrik._ L911K' Monaks-Garderoben-HauS verkaust spottbillig wenig getragene Jackeftanzüge, Gebrockanzüge, Smo- Teppiche iFarbeniebler), Gar- dlnen, Steppdecken, enorm billig. Mauerboss, Große Frantinrier. tiraße 2, parlerre. Vorwärtsleser 10 Prozent I_ 2929a* Nähmaschinen sämtlicher Systeme wöchentlich t,00 ohne Anzahlung. Postkarte. Teschke, Boxhagenerstr. 41, Laden._ 25/17* Reichgestickte Tischdecken in Filz. tuch 1,35, viktorialuch 2,85, Plüsch 4,35, Kochelleinen 2,65. Inventur- Räumungspreise. Teppichhaus Emil Lesövre, Oranienstraße 158. 2353K* Qeschäftsverkäufe. Gxistenz. Drechslerei, passend sür Drechsler, Tischler oder Stellmacher. mit erstllalsiger Kassekundschast, ver» käuflich.(Preis 3000,—.) Offerten „Ii. 1" Haupiexpedition des»vor» wärts". 23 90b Seifeiigeschäft aufgabehalber sehr billig verkäuflich Steglitz, Schildhorn- straße 85. 238% Restaurant krankbeitsweaen verkäuflich. 50/,. viele vereine und Zahlstellen. Offerten unter„N. 1" »n Hauplexvedlnon des„vorwärlS". Lokal» Parteiverkehr, 40 Jahre bestehend, Miete 54,—. 18 Halbe, schöne Wohnung. Auskunst Man- teustelstraße 40, Schultheiß. f-113 Sonfitüten, gutgehend, existenz- faRfl, wegen großer Umstände ver- käuflich Kottbuserdamm 22.-f27 IKödef. Möbel ohne Geld!«ei kleiner Anzabiung Aeben Wirtlchailen und einzelne Stuck- au, Kredit unier äußerner Pretsnotierung, auch Waren aller Art. Der ganze Oben taust bei uns. Kreilibmann u. Eo„ Koppen- ftraße 4.(Sckilenlcher Babndoi.i" Pltischsofa 40.00. Chaiselongue 18,00, Wachstuchtijch 10,00, englische Betten 25,00. Walter, Stargarder- ftraße 18._ 772* Möbelhandlung Mariannen- ftraße 25, billige Preise. Teilzahlung /e stattet..Vorwärts'leser 3 Prozent liabait. 33»« Möbel! Für Brautleute günsttgfte Gelegenheil, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleinster Anzahlung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher PretS. llebervorteilung daher ausgelchloffen. Bei KrankbeiiS- füll-ii und ArbeilSIofigkeit auerkannl größte Rücklicht. Möbelgeschäft M Gotdftaub, Zoffenerftraße 38. Ecke Gncisenauftrage. 2301K* Möbet-Eohii, Große Frantsurter» strotze 58, nahe Kaiserstraße. Woh- nungS-Einrichtungen aus bequeme Teilzahlung. Stube und Küche An- zablung von 15 Mark an. Einzeln« Möbelstücke Anzahlung von 5 Mari an. Moderne Schlafzimmer. Speise- zimmer, Herrenzimmer. In bunten Küchen riesengroße Auswahl. Liefere auch nach auswärt«. Abzahlung wöchentlich, monatlich, ganz nach Wunsch. Größte Rücksicht bei Krank- heit und ArbeilSIofigkeit. Borzeiger dieses Inserats erhält beim Kauf 5 Mark gutgeschrieben. Sonntags 12—2 geöffnet. L330K* Teilzahlung und Tausch. Reelle» Möbelgeschält iiesert Möbel sllr Stube undKacheintt20 M. Anzabiung. kleinste Raten. Auch einzelne Model. Aeliere Möbel werden in Zahlung genommen und gegen moderne umgetauscht. Teppiche, Portieren, Läufer usw. ohne Anzahlung. Offerten Postlagerkarte 12 Postamt 22. 70K* Arbelter-Mnfterwohnnngen.Für jedermann leicht erwerbbar, sehr billig, auch gebrauchte Möbel, gut erhalten, große Auswahl, Teilzahlung gern gestattet. Kassenpteis Z.nsvergüluii> kleine Anzahlung, bequeme Abzal lung nach Wunsch der Käufer. Gabbert Tischlermeister, Acker- (trotze 54. Kein Abzahlungsgeschäft, Nustbnnmwirtschaft. moderner Stil, aparte Küche, spottbilliger Ge- legenheiiskaus, Lennerts Möbel- spelcher, Lothringerstraße 55, Rose»- thaler Platz. 16K* Moebef< Boebel. Oranien- straßejMorttzvlatz) 58, Fabrikgebäude, liefert als Svezialttäl! Ein- und Zwetziinmer-Einrichlunaen. Größte AuSivahl. 9 Etagen in 2 Fabrik- gebäuden. Billigste Preise, Ein Zimmer nitd Küthe 230,—, 335.—, 407,—, 475,—, 496,—. 537,—. 574—, 003.-. 651,— bis 1000,—. Zwei Ztmhur und Küche 445, 536,—, 640.—, 090,—, 756,—, 895,—, 939,— 1035,—, 1105,— bis 2000,—. Schlafzimmer 189.—, 262,—, echt Eiche 343,—, 371,—, 434,—, Wohnzimmer, modern 215,—, 268,—, 306,—, 341,—, Speisezimmer, echt Eiche. 341.—. 414,-, 475,—, 562,—, Herrenzimmer 334,—, 424,—, englische Beliftelle mit Malratze 40,—, Trunieau, geschliffen 36,—, Ptüschsosa 68,—, Umbau 50,—. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Füns Jahre Garantie. Eventtiell Zahluitqscrleichterungen. Geöffnet 8—8. Sonntags 12—2. Kein Laden Berkans im Fabrikgebäude. 19K* Möbel-Rolre. Bestrenommierkcste Möbelfabrik Iiesert Herren-, Speise- und Schlafzimmer, sowie Ein- und Zweiziiitincrwobiiung mit Küche von 200 Mark an(Teilzahlung geftattet), zu Katalogprelsen mit geringem Aufschlag. Transport frei. Verliehen gewesene Möbel besonder» billig. Hermann Nolle. Tischlerinnungs- meistcr. ZionSkirchstraße 38/39.* Privatleuten, Stube mit reizen- der Küchcneinrichtung. Teppich. Krone, alles noch nett, sehr billig verkäuflich. .fiänblcr verbeten. Raban, Sem« weitierstraßc 1, III.___ 25/15 N u s/ bn»m w i r l sch a f t. bildschöne Stube, herrliche Kücheneinrichtung sür jeden annchnibarei, Preis ver- käuflich. Händler verbeieu. Bauer. Große Franksurterstraße 85. eine Treppe.___ 22o/18 Elegantes Plüichsofa, Nußbaum- wittjchast. fast neu. Privatleuten billig. Zorn d o rse rstraße 4 1, Liese._ Bildschöne moderne Nuß- baumwirlschast, alles noch neu. passend sür Brautleute, sür jeden annehmbaren Preis. Glas, Rosen- Ihalerstrafte 57. vorn fU rechts. ikliisstellung! modernster, sar- biger Küchen, jetzt 30 Proz. billiger. Fabrik Skalitzerstraße 25, an der Hochbahn. 73K Musikinstrumente. Piaitinos. Harmoniums, Flügel jeder Preislage, gebrauchte 120.00 an, Tetlzablung. Scherer, Chauffee straße 105. 534K* Nuffbnumpianino, Prachtion, Gelegenheit. Tismnr, Badstraße 42/43. Pianino, seltene Gelegenheit. schwarz, 250 Mark, großen Ton, fast neu, verkäuflich Warschauerstraße 53 s, Menzel. 86K Pianino, Miete 6,—, Teilzahlung Overholthaus, Schlegel» 15,— an. straße 30. 25/14 BIftler. Bilder. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als dirett Fabrik bei Btlder- Bogban, Weitimetstet straße 2. 2248K FahrrSder, Fahrradveririeb„Groß-Berlw' hat in seinen Geschästen Neue Schön- hauserslraße 9, Brunnenstraße 145, Badstraße 9, Müllerstraße 13, Turm- straße 25, Charlottenburg, Spandauer- berg 29. allergrößte Auswahl und kolossal billige Preise. Beste Bezur quelle für jedermann. Neue Fahr- räder, ohne Gummi 29,— an, mit Gummi 35.—. 42.—, 48.—. 55.—. Gebrauchte 10.— an. Lausdecken 1,75 an, MebirgSretsen mit extra starker Lauffläche 4,50, 5,50, 6,50, Lustschläuche 1,75, 2,25, 3,—, Sättel 1,45, Karbidlatetnen mit groger Blende 1.50. 1,75, 2.25. 3.50, Oel- laternen 0,65, 1.—, Rucksäcke 0,60, Gepäckträger 0,60, Pedale 0,65, Ketten 0,95, Engländer 0,20, Schraubenzieher 0,05. Reparaturen ektrlsche Taschen lampen und Taschenseuerzeuge.» Fahrräder, Teilzahlungen, größte Auswahl, billigste Preise. Lothringer» ftraße 40. Filialen: Steglitz, Schloß. straße 116. Wilmersdorf, Uhland, straße 100. Charlottenburg, Kant- straße S7. 1203K* Herrenfahrrad, neu erhallen (Jahresgaranlie). billig, billig I Weber. straße 42, Onergebäude. 24/4" Erstklassige Fahrräder. Monat«. rate 10 Mark. Louis Barth. Brücken- straße 10a, I. Etage. 79ffi* Kaufgesuche. Plattiiobtälle. Gramm 5,70, Att- gold, Silber, Zabngebiffe. Stanniol. Oucckfilber bis 3,85 taust höchstzablend Blümel, Schmelzerei, August- straße 19 III. fZ» Höchftzahleud, M-tall-, Zabn. gtbisse. Platinabfall, Gold, Silber Oueckfilber Metalltchmelze Chtistionat.' Kövenickerftrage 20a(gegenüber Mantcuffclstratze). 1112* Stanniol, Metalle. Spezialgeschäft. Elsafferstratz- 66. S7K* Zahngebifle, Gold, Silber. Treffen. Plaiina laust höchst, ahlcnd Blumen. reich. Biuniienslraßc 3, Rosentbaler Tor. K8K* Silberschmelze kaust gegen beste Bezahlung Gold. Platin. Zadngebisse, Oueckstlber, Stanniol, Staubgold, Polierschliff. Säinlliche gold- und stlberbaltigen Räckstände, sowie alle Metalle. Wwe. Marie Nleper. Nur Köpenickerstraße 157._ 29559.* . Kaufe Frauenhaare, ausge- käntmlc. Zahle höchste Preise. Kasla, Neukölln, Erlstrage 3.* AOhrradankatif, höchstzahlend, Weberstraße 42. Zahngebifle, Zahn bis i.2ö. Platin- absälle 5,75, Goldsachen, Silbersachen, Kehrgold, Goldwatten, Ouecksilber, Stanniolpapier, Zinn 3,80, Kupfer 1,25, alle»Metalle* höchstzahtend. Edelmetall> Eintaussbureau Weber« straße 31. 20ft* Platinabfälle, Zahngebisse. ' uecksilber, Stanniol �WWWM» M.. �. Gold ewkaus, Sllber, Quecksilber, böchstzablend Müller, Seitomer. straße 10._ 23396* Münzen, Briefmarken laust Großmann, Spandauerbrücke 2. 26/3* Unterricht. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort« geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht ertellt. Auch werden Uebersetzungen an- Sesertlgt. G. Swienly- Liebknecht barloltenburg. Stuttgarterplatz 9 Gartenbaus III. 44K* Technische Kurse Regierungs- Baumeister Dr. Werner, Inhaber, Schinkel-Akademte, Berlin, Neander- straße 3 und Rathenowerstrage 3. Dr. Jng. Werner s technische Kurse, Berlin, Reanderslraße 3, und Rathenowerftraße 3. 5K* Kassabuch verloren am Mittwoch, 23. Januar, nachmittag» 5» im Süd- ringzuge von Halensee nach Friedenau. Gegen Belohnung von 10 Mari ab- zugeben Halensee, Joachnn-Frledrtch- straße 37/38 bei der Brandenburgstchen Karosseriesabrik. 25/16 Verschiedenes. Festdichtungen. surterstraße 67. Große Zrank- 973K* Patentanwalt Weiset. GUschiner. ftrage 94a. Patentanwalt Müller. Gillchiner. ftraße 81. 2433K* «unststopseeei von FrauKotosky Schlachteniee. Kurftratze 8 III. Pfandleihe H-inerSdorserstraßel4, nahe der GreisSwalderstraße. 103Lb' Haararbeiten, serlig, schick, spott- billig. Turbane 0,95 bts 8,00, Zöpfe (70 Zentimeter lang) 7,75, 18 Locken 3,45. Alle» garantiert echtes Men- scheuhaar. Auch Anfertigung aus eigenem Haar. Haarspezialist Schröpel, Kotlbuserdamm 83/85, erste Etage, Eingang Sanderstraße. Kein Laden. Damenbedienung. 2890K* Kniiststopferet Große Frantinrier- ftrage 67. 23g9K* Kurbelstickeret. He, Iiting, Schiller- Promenade 31. Neukölln 3144.* Strümpfe werden neu- und an- gestrickt, verkauf von Wolle, speziell lochweigwolle. Stricken aus Maschine lehrt gründlich. Berkaus oon Strick- Maschinen erstklassig. Clement, Ramler- straße 27 2538K* Handwäscherei Frau Kubatch, Köpenick. Flemmwgstraße 9, wascht schonendst, sauber Laien, Leibwäsche, 4 Handtücher 0,10. Kein Ver lauschen. Abholung Donnerstags._ 24016 �Walch�stäl�Breschke. Köpenick. Parrisiusstraße 18. liefert schneeweiße. Im Freien getrocknete Wasche. Bier Handtücher 0,10. Abholung Donners- tags.__ 2400b wird Handwäscherei schonendst gewaschen. Fielen ge- trocknet. Laken. Leibwäsche, vier Hand- tücher.«uns Taschentücher 0,10. Ab. holung Donnerstags. Lehmann. Köpenick, Kaiserin- Auguste> Viktoria- straße 18.______ 2402b Handwäscherei Dcicke, Cöpenick Dahlewitzerstraße 1, liefert schneeweiß chlorsrei, im Freien getrocknet. Loten! Leibwäsche, 4 Handtücher 10, Ab- holung täglich. Nähinafchinenreparatnren jach» gemäß schnell und billig, auch außer «m Hause. Bellmann, Gollnow» straße 26. 205651» Wohnungen. Prachtwohnunge», drei, zwei Zimmer, Loggia, Bad, Mädchen» zimmer, 48,00, 30,00. Kolonie» straße 63. 1-27* Eine Stube und zwei Stuben und Küche zum 1. April zu ver» mieten. Charlottenburg, Schiller» straße 83. 2372b* Reinickendorf. Raschdorflstr. 104 1. drei Zimmer sofort zu vermieten. Bi« 1. April mietest ei. Nähere» bei Raasch, Raschdorffstraße 106. 2338b Sehlakstellen. MSblierte Schlafstelle. 2 Freunde. bei Elew, LItthauerslraße 4, vorn III. Möblierte Schiasstclle, 2 Herren. Oranienstraße 180. II links. 2399b Mietsgesuche. Suche leere Stube sofort. Offerten unter H. 82 Petersburgerplatz 4. Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Tvvogravhfeher. Modell A und B(Parleigenoffe), sucht in Partei- druckeret oder ähnlichem Betriebe so» fort Kondition, ganz gleich wohin. Offerten unter L. 1 an die Hauptexpedition de».Vorwärts*. 2403b SteNenangehote. Arbeiterinnen, bessere Russen» kittel, Spielhöschen, gute Preise, ver- langt Schröder, Schererstraße 7. 196 Zeitungsfrauen sofort verlangt. Walter Witwe, Kronenfttaße 2. Blnfeunäherin im. außerm Hause verlangt Littauer, Rosenthalcrslr. 65. Frau zur Pflege bei krankem Herrn. Lortzingstraße 42, Schönborn. kuclidruckmasckineokadl-ik Repsratu rw erkstätte sucht tüchtigen Cbermonteur eeent. Werkmeister, welcher im Bau und Reparainren von Flach-, Rolalions» und Zweilourenpressen bewandert. Dauernde Stellung m. Monatssalatr. Sofortige Angebote mit kurzgelaßten Mitteilungen über bisherige Tätigkeit mit..cbermonteur W. A. 3243" an Rudolf Messe,©erlin S\V., zu richten. Sirengst« Diskretion zugesichert.» Belsichcrunqs-Besellschaftt gut eingesührt. sucht sürWasserteitung«- branche tüchtige Akquisiteure und »ermittler bei angemessenen Bezügen. Off.„E. D." Annoncenbureau Kochstratze 3. 23916 Ächtung! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Lohn- diflerenzau sind gesperrt: P'»»' Uslal?,l»rheltvi- zsllor Mrunoken die Propeller- werke«»i-uck,,. Renköll«. Naumburaer Strafte 4S. � l�ttr KlHteiiiuacher birFsrma Coulnlck