.37. Abonnements-KeMMSt»: ?ffitinnentcnt5- Preis ttänumeranb«: Piertcljährl. 3,30 Mk,. nionatl. 1,10 Ml, IvöchcuUick 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne �umnier 5 Pfg. Sonntags. numnicr mit illustrierter Sonntags- Neilagc„Die Neue Well" 10 Psa, Post- S Entschlossenheit. Darum wird die Arbeiterschaft den Kamps ' führen, wo immer sich nur die Möglichkeit eines Vorstoßes bietet. In diesem Sinne ist auch der Tag unseres Wahlrechts- anträges kein verlorener Tag. Trotz der selbstverständlichen brüsken Absage der Konservativen gegen jede Wahlreform, trotz der kläglichen Ausflüchte des Zentrums und der National- liberalen, sich zum Gedanken des allgemeinen, gleichen, ge- Heimen und direkten Wahlrechts'zu bekeunen, trotz der Ab- lehnung unseres Antrages durch die Mehrheit des Reichstags, trotz der Wahlrechtsverschlechterungen, die kleine Bundes- staaten vorläufig noch unter dem Schutze des junkerlichen Preußens wagen: „Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, In dem wir siegen! Run wohlan!" fcaitt Schuhmeiers Lrmordung. Aus Wien wird vom 12. Februar gemeldet: „Die ganze österreichische Politik beschäftigt heute der Tod Franz Schuhmeiers, der erste politische Mord auf Wiener Boden. Von nichts anderem spricht man hier, unablässig sagt man: Schuhmeicr ermordet— es ist nicht zu glauben! Un- faßbar ist der Gedanke! Wenige Stunden, bevor er den letzten Atemzug getan hat, war er mitten drin in der parla- mentarischen Tätigkeit, und eine Stunde, ehe der feige Meuchelmörder das Leben eines der bekanntesten Männer Oesterreichs geendet, hat Schrchmcier in Stockerau, einem Fabrikorte, der aU Bahnstunden vor Wien liegt, und in dem in wenigen Wochen eine Stachwahl zum Reichsrat für den Heuer jählings verstorbenen Abgeordneten Schlinger vorzu- nehmen ist, dabei geholfen, em neues Ruhmesblatt in den Kranz der sozialdemokratischen Siege zu flechten! Und nun ist er uns entrissen, in sein offenes Auge werden wir nicht mehr schauen, sein befeuerndes Wort nicht mchr hören können! Eines Meuchelmörders Opfer ist Franz Schuhmeier, der SMten einer geworden. Ein Schuß krachte, und das Leben des Wackeren war ausgelöscht. Einer der Wegweiser in der Politik des Reichs und der Stadt war geschwunden! Ein Liebling des Volkes, ein Mann, der wie keiner geschätzt, ge- ehrt und geachtet war von Millionen, war zur Leickze ge- worden. Ein Feind der Arbeiter, ein Verräter an der Klasse, der er selbst angehört, hat seine Hand erhoben. Um meuchlings den Mann hinzumorden, der seine Klassengenossen aufwärts führte, dessen ganzes Leben der Befreiung des Proletariats gewidmet war. Das Unbegreifliche ist nicht darum geschehen, weil Schuhmeier irgend einem Menschen etwas zuleide getan hätte. Weil aber Schuhmeier ein Symbol war. weil er— wie er sich selbst nie genannt hat, was er aber wirklich war, ein Führer der Partei des Proletariats gewesen ist: deshalb hat die verruchte Hand eines Meuchelmörders aus der Prole- tarierklasse die todbringende Kugel abgefeuert. Sie sollte das ganze Proletariat treffen, alle Guten für immer verwunden, aller Proletarier Gemüt zermartern mit dem entsetzlichsten Grame, mit der stärksten Trauer, und deÄsalb wurde der bekannteste Mann aus den Rechen der Wiener Proletarier, der beste, der genannt werden kann, wenn man sagen will, wer von Großen dem Wiener Proletariat entstammt, nieder- gemäht und gemordet! Nur ein Leben von 48 Jahren hat das harke Schicksal Franz Schuhmeier zuteil werden lassen, aber ioas hat er, ein Niininerimider, in dieser Zeit nicht alles götvirkt! Früh be- gann seine Laufbahn im proletarischen Klassenkampfe. Am 11. Juli 1864 ist Schuhmeier als der Söhn eines Band- machergehilfen und einer Wäscherin in Wien geboren. Bloß eine sechsklassige Schule zu besuchen, war chm vergönnt. Er konnte nicht einmal ein Handwerk erlernen. Kaum der Schule entwachsen, mußte er sich in einer Pavierwarenfabrik als Hilfsarbeiter verdingen, um zu dem kargen Haushalt bei- steuern zu können. Aber sein Geist war schon frühzeitig rege, er ging als Hilfsarbeiter in die Fortbildungsschule, las viele Bücher und hörte viele Vorträge. So arbeitete er 14 Jahre in zwei Wiener Fabriken, und trotz Not und Ent- behrung arbeitete er auch unablässig daran, daß sein Geist reicher werde, und so war es naturgemäß, daß er schon als ganz junger Arbeiter von der sozialistischen Gedankenwelt erfaßt wurde und sich in den Strom der Arbeiterbewegung stürzte. Schon in den achtziger Jahren, als der Ausnahme- zustand in Oesterreich wütete, gehörte er zu den Wiener Ver- trauensmännern der Partei. Im Jahre 1888 kam er das erstemal ins Gefängnis— sieben Wochen Untersuchungshaft hatte er zu ertragen. Und dann ereilte ihn noch oft das Los des proletarischen�Kämpsers: eingekerkert zu werden für seine Ueberzeugung. Schuhmeier nahm es immer trendig ans sich. Schuhmeier war einer der bekanntesten Politiker Oester- reichs, und seine hohen Gaben rangen den Feinden nicht weniger Achtung ab, als sie die Arbeiter mit hoher Freude lau d-iesem in allem prächtigen Menschen erfüllten. Es gab s fast kein Gebiet in der Mannigsaltigkeit der Erscheinungen � der proletarischen Bewegung, auf dem Schuhmeier sich nicht glänzend bewährt hat. Cr war ein guter Journalist! Die !„Volkstribüne", das verbreitetste Blatt der Sozialdemokratie ! Oesterreichs, leitete er all die 21 Jähre, die fia besteht. Er 'war ein ausgezeichneter politischer Organisator! Ueber zwei Jahrzehnte war er der führende Mann auch in organisatori- schen Fragen der Partei in Wien. Aber sein Bestes zeigte er als Redner und als Parlamentarier. Wer ihn nicht gehört hat, hat keine Vorstellung von der Eigenart, der Kraft und dem Reiz seiner Rede. Im ganzen österreichischen Parlament — und innerhalb der bürgerlichen Parteien erst recht— gab es keinen glänzenderen, bedeutenderen Redner als Schuh- meier. Er war der Witzigste und Humoristischste und immer fand er das heitere, aber auch treffende Wort, das den Gegner niederschmetterte. Die österreichische Art des- Debattierens und Zwischenrufens war niemand angenehmer als ihm. Mit einer überraschenden Wendung voll Mut gab er dem Vor- witzigen, der ihm in die Rede fuhr, dem Gelächter preis. Aber so gern man Schuhmeier hörte, weil er immer treffsicheren Witz hatte, weil sein Humor niemals versiegte, ebensosehr gefürchtet. war er als Redner, denn der Mann mit der guten Laune tvar auch von tiefem Ernst und seine Rede war aus- gezeichnet auch durch die gründliche Beherrschung des Sach- liehen. Wer eine Rede Schuhmeiers gehört, dem blieb sie unvergeßlich und nicht verbleichen konnte der Eindruck. Er beherrschte alle Töne. Seine Worte und Sätze waren echt wienerisch der Klangfarbe� nach, aber grundverschieden von den Untugenden des Wieners, der Leichtfertigkeit und der Rührseligkeit. Er tonnte den schwierigsten Gegenstand dem Verstände des Zuhörers beibringen, denn seine Rede war immer umflossen von Anmut und sie prägte sich tief in die Seele des Hörers ei». Aber auch der Zorn der Rede des freien Mannes war ihm gegeben, und wuchtiger hat in Ver- fammlung und Parlament niemand gesprochen als Schuh- meier. Und nichts kann erschütternder klingen als eine An- klage gegen Unrecht, die sich Schuhmeiers Brust entwand. Mit der unwiderstehlichen Kraft seiner Rede hat er den ifn- mittelbarsten Erfolg erzielt, der jemals einem Redner im österreichischen Abgeorduetenhause beschieden war. Ter Landesverteidigttngsministcr Latscher verteidigte die Be- gnadigung zlveicr Soldatenschinder. Darauf erhob sich Schuhmeier und in einer Rede voll beispiellosen Zornes, die das Haus so bändigte, daß nicht das geringste Summen im vollen Saale hörbar war, schleuderte er den Minister zu Boden, daß er sich nimmer erhob! Am nächsten Tage ging der Minister in Pension. Auf dem so dürren Boden des österreichischen Parlaments hat Schuhmeicr viel geerntet l Wesentlichen Anteil hatte er an dem Neunstundentäg der Bergarbeiter, und auch in der Fehde gegen den Militarismus, der er im Abgeordnetcnhause das meiste seiner Kräfte zu- wendete, hat er Lorbeeren gcerntet. Die Vernichtung des Ministers Latscher brachte eine Verbesserung des Be- schwerderechts. Daß die Familien der zu den Waffenübungen einberufenen Reservisten Unterhaltungsbeiträge bekommen, ist wesentlich sein Verdienst, und die Arbeiter, die bei den Heereslieferungen beschäftigt sind, verdanken ihm unendlich viel. Im Jahre 1901 ist Schuhmeicr zum erstennial in den österreichischen Reichsrat gewählt worden, für den das Pro- letariat nur das Bettelwahlrecht der 3..Kurie hatte. Aber sofort erzwang er sich ebenso Beachtung und Wertschätzung im ganzen Hause, wie er der gefeiertste Versammlungsredner war. Mit immer wachsenden Majoritäten wurde er von seinem Wiener Stadtbezirke Ottakring in den Reichsrat und in den Gemeiuderat entsandt. Wie im Jahre 1910 der Bürgermeister Lueger, der christlichsoziale Führer, gestorben war, war Schuhmeier der Erbe seines Landtagsmandats. In den letzten' Reichsratswahlen wurde er in zwei Wiener Bezirken, in Ottakring und Leopoldstadt, gewählt. Das zweite Mandat, das er den Klerikalen spielend entwunden hatte, behielt er. Der Mann, der Sachkundige in den großen Fragen der! inneren und der auswärtigen Politik, war aber auch der tüchtigste Kommunalpolitiker Wiens. Er beherrschte dieses Gebiet mit einer unübertrefflichen Vollkominenheit, und er hat für die Stadt Wien den größten Nutzen gestiftet. Tief eingefressen war die Korruption in der christlichsozialeir Kommunalverwaltung Wiens, aber Schuhmeier hob den Schleier vom Schändlichen ab. und vor dem, was er ent- hüllte, sind selbst die Abgehärtesten erschrocken. Tie cv moralisch hingerichtet hatte, versuchten zweimal in Prozessen das Bild zu verwirren, das er von ihnen gezeigt, aber der! glänzende Sieger in dem Prozeß blieb Schuhmeier. Seine letzte Großtat war die Wegfegung deS Wiener Bürgermeisters Neumayer, des Nachfolgers Luegers! Mit. ein paar Worten! hat er den Rücktritt des Mannes erzwungen. Niemand haßten die erbittertsten Feinde der Arbeiter» bewegung in Oesterreich, die Christlichsozialen, pichr als Schuhmeier. Sie standen ehrfürchtig vor dieser proletarisckien Begabung, aber daß ein Proletarier ihre Scheußlichkeiten bloßlegte, daß e r der größte und erfolgreichste Reiniger des öffentlichen Lebens in Wien war, das konnten sie nicht er- tragen. Der Mann, der so sehr die Liebe des Proletariats, des ganzen Standes und die Achtung erworben, die Gradheit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit erzwingen müssen, war gehaßt von denen, die das Volk täuschen, ihre Macht mißbrauchen, von denjenigen, deren Wesen Unehrlichkeit und Verrat ist. Und so ist der treue Freund und Kämpfer das Opfer eines Verräters geworden., Der Meiichelmörder Paul Kunschack ist ein Arbeiter, aber einer, dem es Wonne macht, feine Klasse zu verderben. Er ist 43 Jahre alt und der Bruder des obersten Führers der klerikalen Arbeiterbewegumz in Oester- 1 reich, des auch auf deutschen klerikalen Schaustellungen öfteg worgefjihrtcn Landtagsabgeordneten und Wiener Gemeinde- rats Leopold KunschaH, der bis zu deu letzten Wahlen auch Rcichsrntsabgeordneter war und der zu deu Allerhöchsten im Rate der österreichische» Klerikalen gehört. Den Kampf gegen die klassenbewußte Arbeiberschaft hat dieser Mann auf seine Sahire geschrieben, und diieses traurige Geschäft hat ihn zum 'vertrauten von Fürsten und Kardinälen gemacht. Leopold Kunschack war nun das lockende Beispiel für seinen Bruder, der wahrscheinlich geglaubt hat. daß ihil der Name des Bruders verpflichte, seine Feindschaft gegen die Organisation des Proletariats, die die einzige Bürgschaft für den Aufstieg der Arbeiterklasse ist. auf die entsetzliche Art zu bekunden. Im Jahre 1905 hat Paul Kunschack zum erstenmal die Aufmerk samkeit der Oeffenölichkeit auf sich gerichtet. Er hat nämlich zwei sozialdemokratische Arbeiter der Staatsanwaltschaft an gezeigt wegen Erpressung, und sie wurden wegen Verbrechens zu Kerkerstcafen verurteilt. Damals hat er eine Epoche der Verfolgungen eingeleitet, die bis heute nicht beendet ist. Paul Kunschack trat damals als Metallarbeiter in die Wiener Schuckert-Werke ein, trotzdem er wußte, daß es dort nur organisierte Arbeiter gab. Er wollte die Organisations arbeit, die dort verriichtet wurde, absichtlich stören und hat vor sätzlich die Gelegenheit heraufbeschworen, die ihm die Genug- tuung brachte, daß zwei Arbeiter, die sich für ihre Klassen genossen mühte», in den Kerker geschickt wurden. Es war naturgemäß, daß die Vertrauensmänner der Arbeiter den in die Fabrik neu eingetretenen Paul Kunschack fragten, ob er einer Organisatio» angehöre, und als er das verneinte, ihn belehrten, was alles die Arbeiter dieser Fabrik der Geschlossen- heit der Organisation verdanken. Paul Kunschack gab eine barsche Antwort.— Es war klar, daß die Arbeiter sich weigern mußten, mit einem Organisationsbrecher die Werk- statt zu teilen, und die Folgen hat er absichtlich herbeigeführt. -Nun konnte er den Ruhm ernten, daß die zwei Vertrauens- männer wegen Erpressung ins Gefängnis kamen. Es war das vor acht Jahren, im Jahre 1905. Bei der-Gerichtsverhandlung sagte Paul Kunschack, er fei, weil man ihn auf Verlangen der Arbeiter aus den Schuckert-Werken entlassen habe, vier Wochen arbeitslos ge- wesen. Mehrere Jahre war er dann in den Kruppschen Fabriken in Dernborg beschäftigt, und niemand fiel es ein, ihm etwas in den Weg zu legen. Wenn seinem Leben trotz- dem ungewöhnliche Kümmernisse begegnet sind— nach der Tat gab er sich als ein zur Verzweiflung Getriebener aus—, ein Märtyrer der christlichen Sache war er nicht und konnte er nicht sein, denn der Bruder eines Führers der in Oester- reich mächtigsten Partei braucht dieses Geschick nicht zu dulden. Er konnte und mußte, wenn nicht seine persönlichen Eigen- schaften ihm Hindernisse legten, eine gesicherte Stellung finden. Kein Sozialdemokrat hat das Elend des zum Mörder Gewordenen verursacht, und seine Untat ist nichts als ein politischer Mord, der begangen wurde, um wahnwitzigen Haß gegen die Sozialdemokratie zu befriedigen. Mit bösem Willen hat Paul Kunschack vor acht Jahren seinen Namen in die Oeffentlichkeit gerückt, die Freude an der verruchten Tat hat ihn schon damals zu einem Verbrechen an der Arbeiter- klasse getrieben, und jetzt hat er es zu der grausigsten Untat gebracht: Das österreichische Proletariat für immer aufs schwerste zu verwunden, ihm einen seiner Besten zu nehmen. '�Voller Dencut und mit schmerzerfülltem Herzen stehen Millionen österreichischer Arbeiter an der Bahre eines Kämpfers, die ihrer wenige sind, eines Mannes, den seine ' Gaben und Tugenden zu einem der hervorragendsten Zeit- genossen gemacht haben. Ein ruchloser Feind hat Franz Schuhmeier von uns genommen. Aber unverwelklich ist der Lorbeer dieses Braven, und nie vergessen können die österreichischen Arbeiter, was sie an ihm besessen und verloren haben._ Internationale Spannungen und Oermittelungsverluclse. Die Fortdauer des Krieges äußert ihre Rückwirkung auch in einer Vermehrung der internationalen Spannung. Man kann kaum'mehr daran zweifeln, daß der Versuch durch ein Handschreiben des österreichischen Kaisers an den Zaren eine Verständigung zwischen den beiden Staaten herbeizuführen, gescheitert ist. Der österreichisch- russische Gegensatz in der Frage der Abgrenzung AI- baniens dauert unvermindert fort, die Heere bleiben mobilisiert, prsnr Schuhmeier. Von einem Wiener Genossen wird uns noch über den so zah und brutal aus dem Leben gerissenen Genossen Schuhmeier ge- schrieben: Urwienerisch sah er schon aus; noch ehe er den Mund auftat, mußte man sich denken, wenn man ihn von der Parlaments- oder Gemeinderatsgaleric sah: der kann nur Dialekt reden! Das tat er auch und wie! Lucgcr sprach ja auch nur wienerisch und der jüngst verstorbene alte Demokrat Kronawetter auch. Aber es waren eben doch G'studierte, Doktoren und ihr Wienerisch war nicht mehr so ganz wurzalfest und wenn sie von dem„gebildeten" Wienerisch zum ganz echten übergingen, war es immer ein bißchen Koketterie jbcim Kronawettcr), richtige kalt rechnende Demagogie(beim Luegers. Der Schuhmeier konnte gar nicht anders, als„lcrchen- . fcldcrisch" sprechen, und ich meine, er wird auf dem Stuttgarter Parteitag den Deutschen die Grütze der Ocsterreicher nicht anders als auf gut Oesterreichisch überbracht haben. Wenn er für eine Volksversammlung angekündigt war, dann war sie immer bummvoll, und wenn er im Parlament oder im Gcineindcrat das Wort erhielt, wurden alle Hälse gereckt und wer nicht bis auf den Berg sehen konnte, wo sein Platz war, stand auf und nach ein paar Worten gingen alle Herzen mit und die Köpfe wurden rot?. Unten aber wurde es lebendig. Die Schwarzen mach- Ich Zwischenrufe zu ihrem Unheil und jeder Erwiderung des Schuh- ' mcierfranzl folgte leidenschaftlicher Beifall der Genossen oder schallende Heiterkeit der momentan noch Unbeteiligten. Wenn der . Schuhmeier redete und die Schwarzen zudeckte, konnte man auch oben auf der Galerie nicht„parlamentarisch" bleiben, auf einmal klatschten wir alle wie rasend, bis der blamierte und geärgerte chrisilichsoziale Büchcrfeind Bielohlawck oder ein anderer Luegc- tianer es dem Präsidenten denunzierte und wir oben mit Glanz „geräumt" wurden. �~ Wenn der Geßmann. dco Oberwahlgauncr der Christlich- so'ialcn, der Schulvcrpfaffer und Pensionensammlcr, unten mit all ' d/r lächerlichen Zappclhaftigkcit tobte, die dem polnisch-jüdischen Aussehe» dieses„vereinigten Christen" entsprach, brauchte der Echuhmcicr nur das Zauberwort„Regicrungsrot Spuckcrl!" zu rufen und rettungslos ging der widerliche Mensch im allgemeinen Gelächter unter. Oder er sprach über eine von der Regierung ge- forderte Erhöhung des Kongrua, des staatlich garantierten Mindest- ' Einkommens der Rompfaffen:„Jo. meine Herr n. I Hab in der und so lange dies der Fall ist, bleibt trotz aller Versicherungen die Situation kritisch. Dazu kommen andere beunruhigende Erscheinungen. In Italien scheint man große Lust zu verspüren, die besetzten Aegäischen Inseln für immer zu behalten; von Rußland befürchtet man bei weiteren Fortschritten der Bulgaren auf Gallipoli die Aufwerfung der Dardancllenfrage und zum Ileberfluß hat jetzt Rumänien sich an den Dreibund ge- tvandt, damit auf Bulgarien ein Druck ausgeübt»verde, den rumänischen Erpressungen sich zu fügen. Einen Lichtblick bildet das Ansuchen der Pforte um Friedensvermittlung. Es scheint jetzt festzustehen� daß der türkische Botschafter in London sich an Sir Edward Grey mit einem formellen Gesuch gewandt hat, mit dem sich auch die Botschafterkonferenz am Montag befaßt hat. Es wäre in der Tat höchste Zeit, der abscheulichen Schlächterei und der ständigen Bedrohung des europäischen Friedens ein Ende zu machen. Vor Adrianopel. Sofia, 12. Februar. Der gestrige Tag ist vor Tschataldscha und Bulair ruhig verlaufen, da der Feind keine Aktion unternahm. Die Bulgaren verschanzen sich in ihren Stellungen von Bulair und fünf Kilometer wcst- lich von Tschataldscha. Die Beschieß» ngAdrianopels dauerte den ganzen Tag über mit Unterbrechungen fort. Der Feind erwiderte das Feuer aus schweren Geschützen. Aus Aussagen von Türken, die in dem Kampf um das Dorf Oklali in der Gegend von Tschataldscha ain 9. Fe- bruar gefangen wurden, geht hervor, daß die Bulgaren, die drei Bataillone stark koaren. zwei türkischen Infanterie- Regimentern gegenüber standen. Die türkische Batterie, die bei deni Dorfe Jzzedin Aufstellung genommen hatte, habe von Infanteristen gezogen werden müssen, da die Pferde zu erschöpft gewesen seien. Türkische Gefechtsberichte. Konstantinopel, 12. Februar. Ein amtlicher Bericht besagt: Vorgestern eröffneten die Forts Cataldza und Nassitepe, die zu den Befestigungen von Adrianopel gehören, gegen die feindlichen Batterien eine heftige Kano- nade, die bis zuni Anbruch der Nacht dauerte. Am selben Tage machte der Feind einen überraschenden Angriff gegen unsere Ostfront. Es entwickelte sich ein erbitterter a m p f, der vier Stunden dauerte. Unsere Truppen hielten ihre Stellungen. Feindlickie Aeroplane schleuderten Bomben auf Adrianopel, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Bei Tschataldscha rückten von unserem rechten Flügel ausgeschickte Erkundungsabteilungen bis nordöstlich von den Hügelketten von Akalan östlich von Kalfaköj vor. Nach den Erklärungen zweier bei Tachlitepe gefangenen Bulgaren ist der Feind damit beschäftigt, Befestigungen bei Sinekli zu errichten. Seine Kavallerie soll sich in Tschorlu be- finden: das Hintertreffen und das Gros des Feindes gegen- über unserem linken Flügel halte die Linie Siliviri— Kadiköj besetzt. An der Küste von Bulair hat sich nichts Wichtiges ereignet. Abwartende Haltung? Sofia, 12. Februar. Wie die Agence Bulgare erfährt, ist die letzte Nacht auf dem gesamten Kriegs schau platz ruhig verlaufen. Die türkischen Verluste. Konstantinopel, 12. Februar. Bei den vorgestrigen Kämpfen u m K aw a k bei Bulair sollen die Türken 1 200 Tote und Per- wundste gehabt haben, darunter einige Offiziere. Die Polizei fährt fort, zahlreiche als verdächtig geltende g r i e cht s che Staatsangehörige zu verhaften, um sie aus- zuweisen. Auch eine Reihe von Griechen, Bulgaren und Serben, die ottomanischc Staatsangehörige sind, werden nach Sinope und anderen tleinasiatischen Städten gebracht. Etwa hundert, die sich in den russischen Klöstern von Galata verborgen hielten, wurden in dem Augenblicke verhaftet, als sie in Begleitung eines Kawassen des russischen Konsulats ein russisches Schiff besteigen wolltem Das Gemetzel vor Skutari. Cetinje, 11. Februar. Amtlich werden noch Einzelheiten über die Schlacht auf dem Bardanjol bekanntgegeben. Danach kam es bei der Einnahme des Berges in den Gräben und Schanzen zu einem wahren Gemetzel, das zwei Stunden dauerte. Der Gipfel des Bardanjol war durch dreifache Stacheldrahtzäune Schul' g'lernt, daß der Heiland Lahme gehend und Blinde sehend g'macht bat— aber, daß er s' dafür a Stohlgebühr Hütt' zahl'n lass'n: dös hat uns ka Lehrer und ka Katechet riet d'azähl't!" Oder — wie ich es einmal erlebte— wenn ihm der alte Lueger im Ge- meinderat das Zwischenrufen verbieten will, das bei der Mehrheit so bitteren Schmerz hervorrief und er darauf gemütlich antwortete: „Aba, Herr Bürgamasta, i red' ja nur mit mir selber!"... Traußen in der Kaiserstratze am Neubau, im 7. Bezirk, wo Wien nicht mehr elegant und graziös und künstlerisch ist. sondern eine gräuliche Proletarierstadt, wie jede andere, im Parterre saß er mit dem alten Karl Höger, dem Organisator der österreichi- scheu Buchdrucker, diesem lebenden Stück Parteigeschichte in einem vollgerauchten düsteren Zimmer und redigierte die„Polkstribüne", die allwöchentlich von einem Heer unbezahlter Kolporteure den 70 000 Partcistcucrzahlern ins Haus gebracht wurde. Sie war— und ist — ein urwüchsiges Kampfblatt: zur März- und Maifeier erschien sie früher gar auf rotem Papier, und wie oft hat sie der Staats- anwalt drinnen in dem grauen Haufe auf der Alscrstratze(dem Landgericht) konfisziert! Da sah auch der Okakringer Franzi manch liebes Mal als öffentlich und privat Angeklagter, manch schönen Monat als Verurteilter. Und wurde wohl in demselben Hof spazie- ren geführt, in dem einmal ein Wärterjunge sich an den k. k. Straf- gefangenen Dr. Viktor Adler mit der furchtsam-zutraulichcn Bitte wandte:„Du. Herr Räuber, geh' schäl' mir den Apfel da!" Aber der Witz und die Volkstümlichkeit waren dem Schuhmeier nur Mittel im Kampf, in dem er ein Führer war. Sein ganzes Interesse gehörte der Wienerstadt, ihrer Befreiung von schmäh- lichcr, korrupter Spicßcrhcrrschaft; sein ganzes Interesse aber ebenso den Arbeitern des ganzen Landes. Deshalb war auch gerade der Militarismus sein Spezialgebiet, auf dem er es schließlich zu dem Ruf einer auch von der Heeresverwaltung anerkannten Kapa- zität brachte. Daß vor einigen Jahren endlich die Unterstützung für die Familien der zu Waffenübungen eingezogenen Reservisten eingeführt wurde, war nicht zuletzt sein Verdienst, und daß die Heeresverwaltung wenigstens energisch gegen die Soldaten- Mißhandlungen aufzutreten begann, nicht minder. Er hätte jetzt gewiß bald im Rcichsrat oder in der Delegation das elende Leben der Mobilisierten in Galizicn und Bosnien an den Pranger ge- stellt-- vorbei, vorbei. Die Wiener werden ihn nicht mehr hören und er wird auch nicht mehr, wie bei den ersten allgemeinen, gleichen Wahlen von 1907 zu der Wiener Wahlarbeit noch die in einem hart umstrittenen deutschböhmischen Kreis auf seine starken Schultern nehmen. Uls Führer wird er ersetzt werden können, als Kämpfer nicht! geschützk. Eine serbische Abteilung, welche die Aufgabe hatte, Bvditza zu nehmen, führte Iden Angriff nicht aus, da sie erkundet hatte, daß der Feind über starke Artillerie verfügte. Sic verschanzte sich'deshalb bei Buschati, um die Ankunft von Artillerie abzuwarten. Bei der Einnahme von Buschati»ahm die serbische Abteilung einen türkischen Offizier und 30 Soldaten gefangen!. Die Montenegriner machten in«der Umgebung des-Bardanjol 100 Gefangene. Ein gestrandetes türkisches Kriegsschiff. Konstant, a, 11. Februar.(Meldung der Agence HavaS.) Der türkische Kreuzer„Assar-i-Tewfik" ist auf ein Felsenriff nahe der Karaburun aufgelaufen. Das Vorderschiff steht unter Wasser; die Lage des Kreuzers ist fast hoffnungslos. Die rurnärnrehen forderungwi. Wien, 12. Februar. Des„Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Anläßlich des schleppenden Ganges der Lerhandlun- gen zwischen Bulgarien und Rumänien bat sich Rumänien wiederholt an die Mächte gewendet, damit diese.auf ein beschleunigteres Tempo der Verhandlungen und auf die Erfüllung der rumänischen Forderungen ,in Sofia hinwirkten. Diesem Wunsche Rumäniens entsprechend hat speziell das Wiener Kabinett, unterstützt von Deutschland und Italien, schon wiederholt sich-in S o f i a V e r w e n- d e t und wird es auch weiter an den einschlägigen Bemühun- gen nicht fehlen lassen, die hoffentlich in kürzester Frist zu der auch im wohlverstandenen Interesse Bulgariens liegenden Befriedigung Rumäniens führen werden. Kriegstreibercien in Rumänien. Bukarest, 12. Februar. Die Verhandlungen mit Bulgarien haben begonnen. Die Absicht der hiesigen Regie- rung ist fortdauernd friedlich, solange das jetzige Ministerium die Führung behält. Die Regierung dürste alles versucht haben, um bei den Mächten nicht den Verdacht zu er- wecken, daß sie eine den Frieden gefährdende Politik getrieben habe.(?) Jedoch drängt die oppositionelle liberale Partei zu einem energischen Vorgehen gegen Bulgarien. Ja sogar innerhalb der Regierungspartei niacht sich eine starke kriegerische Strömung geltend. Das jetzige Ministerium dürste also das letzte friedliche sein. Die bisherige Haltung der Bulgaren und diejenige Dr. Danews im besonderen hat die Situation bedenklich erschwert. Die Vermittelung Frankreichs. Paris, 12. Februar. Das„Echo de Paris" schreibt: Mehrere Mächte, darunter auch Frankreich, v e r- Mitteln gegenwärtig zwischen Sofia und Buka- rest, um das Zustandekommen einer freundschaftlichen Ver- ständigung zu beschleunigen. Die Mächte begnügen sich nicht damit, Ratschläge zur Mäßigung zu erteilen, sie bemühen sich auch, eine greifbare Lösung zu finden, und man knüpft an diese Initiative große Hoffnungen. Nach einer durchaus unparteiischen Ansicht würde es billig erscheinen, Runiänien eine Grenzberichtigung zu gewähren, durch die Silistria selbst, jedoch nicht dessen Bannmeile. Bul- garien verbliebe und das rumänische Gebiet um etwa 20 Kilo- meter über seine gegenwärtige Grenze hinaus bis zu einem Punkte nördlich von Kali-Akra am Schwarzen Meer aus- gedehnt würde. Die erste Verhandlung. Sofia, 12. Februar.(W. T. B.) Der bulgarische und der rumänische Delegierte. Saravofs und Ehila. hatten heute nachmittag im Ministerium des Aeußern ihvc erste Unterredung. die eine Stunde dauerte. Die Delegierten tauschten im Laufe der Unterhaltung in der freundschaftlichsten Weise ihre Anschauungen über eme Verständigung in den schwebenden Fragen aus. Oer ö f termchi fch-ru Tfi fchc Gegen fotz. Frankfurt a. M., 12. Februar. Der„Franks. Ztg." wird aus Wien telegraphiert: Die internationale Si- t u a t i o n i st vollständig ungeklärt und die vor- auszusehenden Schwierigkeiten in der Frage der Abgrenzung Albaniens sind in einem von der Diplomatie doch nicht erwarteten Maße eingetreten. Rußland besteht darauf, für seine serbischen Schützlinge noch einen Einfluß zu erzielen, ohne sich mit dem bereits Erzielten zufrieden zu geben. G Tatsächlich hat Oesterreich schon zugegeben, daß die Ser- ben die Städte I p e k und P r i z r e n d erhalten, die fast rein albanisch sind. Rußland will aber noch T s ch a t o v a erlangen und glaubt, daß es ohne dieses Zugeständnis Skutari nicht preisgeben dürfe, wenn die russische Regie- rung nicht nachträglich große Schwierigkeiten haben wolle. Es handelt sich aber in der Hauptsache nicht um diese Stadt. sondern um die Frage der Vorherrschaft auf dem W e st b a l k a n. Die Lsterreichisch-ungarische Diplomatie alaubt bei ihrer Friedensliebe in ihren Zugeständnissen schon soweit g e- gangen zu sein, daß sie weiter zurück nicht mehr könne, und außerdem ist sie der Auffassung, daß jedes weitere Zu- rückweiche« den U e b e r m u t der durch Rußland gedeckten Serben, nur stärken würde. Es ist also äußerst fraglich, ob in diesem letzten Punkte noch eine Nachgiebigkeit erzielt werden kann. (Man sieht also, in Oesterreich beginnt d,e Kriegs- Partei sich wieder zu fühlen. Aber glaubt man in Wien wirklich, daß es möglich toära, einen Krieg zu entzünden wegen der Frage, wem einige albanische oder serbische Nester gehören sollen?)___ PoUtifcb« Ocbcrficht. Berlin, den 12. Februar 1918. Petkuser Roggen und Zebubullenkälber. Das preußische Herrenhaus hatte am Mittwoch feinen großen Tag. Nicht weil einer der erlauchten, edlen oder sehr geehrten Herren eine welterschütternde Redetat vollbracht hatte, sondern weil zu der Versammlung des Deutschen Landwirtschastsrats. der in diesen Tagen die preußische Paerskammer okkupiert hatte. Wilhelm It. in' eigener Person erschienen war. um zu dem Thema:„Maßnahmen zur weiteren Produttions st eigerung der Lundwirtschaft" aus seinen eigenen Erfahrungen als Großgrundbesitzer einiges bei- zusteuern.. Wilbelm IL erzählte in temperamentvoller und gelegentlich scherzhafter Weise, daß es ihm gelungen sei. durch Meliorierung eines Gutes— unter Aufwendung nur mäßiger Kosten— den Ertrag ganz außerordentlich zu steigern, so daß auch der Biehdestand um 50— 60 Proz, bei den Schweinen sogar um 3—100 Proz Hobe erhöht werden können. Damit, meinte Wilhelm II., sei der Beweis erbracht, daß Meliorationsaufwendungen sich reich verzinsten und die deutsche Landwirtschaft tatsächlich in der Lage sei. rhre Produktion derariig zu steigern, daß durch die einheimische Vieh- und Getreide- Produktion der Bedarf deS deutschen Volke? vollauf gedeckt werde. Wir vermögen nicht zu beurteilen, inwieweit die persönlichen Erfahrungen de? Kaisers auf dem einen Gut Beweiskraft für die deutsche Landwirtschaft überhaupt besitzen. Daß durch Meliorationen der landwirtschaftliche Ertrag gesteigert werden kann, stand ja auch vor dem kaiserlichen Versuch außer allem Zweifel. Es scheint deshalb, als ob der Kaiser das Problem der Fleisch- und Getreideversorgung denn doch in seinen volkswirtschaftlichen Zusammenhängen und seiner politischen Kompliziertheil nicht recht erfaßt habe. Die Sache ist doch die, daß der Großgrundbesitz deshalb nicht fo viel Vieh pro- duziert, als er sehr wohl produzieren könnte, weil ihm durch die infolge der Hochschutzzölle garantierten hohen Geweidepreise bei überwiegendem Getreidebau so hohe Gewinnste in den Schoß fallen. daß er die Mrriproduktion hauptsächlich dem Mittel- und Kleinbetrieb überläßt. Ueberhaupt hat ja die Landwirtschaft unter den heutigen Verhältnissen gar kein Interesse daran, das Volk möglichst reichlich mit Brot und Fleisch zu versorgen, da ein reichliches Angebot ja nur zu einer S e n k u n g der Preise führen würde! Wenn unsere Junker und ihr Gefolge dank dem System der Schutzzölle und Grenzsperren für weniger Produkte ebensoviel lösen können, wie für eine größere Menge von Vieh und Getreide— warum sollten sie sich dann um die Versorgung deS Volkes mit reichlichen und wohlfeilen RahrungS- mittel» mühen! Wenn also Wilhelm II. seine Rede mit erhobener Stimme und den Worten schloß, daß jetzt feststehe, daß Deutschland nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft den Nahrungs- mittelbedarf seines Volkes decken könne:„Das können wir und daS müssen wir,' so sollte er auch begreifen, daß cS nicht nur auf die theoretische Möglichkeit ankommt, sondern auch auf die p r a k t i s ch e Durchführung! Da Wilhelm II. so viel Rühmliches von feinem prächtigen Pet- kuser Roggen und seinen Zebubullenkälbern zu erzählen wußte, wäre es ja wunderhübsch, wenn das deutsche Proletariat sich zu erschwing- lichen Preisen an diesem vorzüglichen Roggen und saftigen Zebubullenkalbsvierteln satt essen könnte. Aber' der Vorteil solch rationeller Wirtschaft wird leider nur der kaiserlichen Schatulle, nicht aber den Volksinassen zugute kommen. Ihnen kann nur geholfen werden durch Beseitigung der Getreidezölle und Oeffnung der Gretizeu für fremdes Vieh und Fleisch, denn diese ausländische Konkurrenz ist ja das einzige Mittel, um unsere einheimische Landwirtschaft zu möglichst rationeller Wirtschaft zu zwingen!_ Reichsländisches Beamtenbesoldungsgesetz. Das langumstritteue Beamtenbesoldungsgesetz ist nun doch heute im elsatz-lothringischen Landtag zur Annahme gelangt. Gegenüber dem Regierungsctat wurden für die unteren Beamten 60 000, für die mittleren Beamten 50 000 M. mehr bewilligt, was die sozial- demokratische Fraktion veranlaßte, dem Gesetzentwurf zuzustimmen, obwohl von unserer Seite besonders hervorgehoben wurde, daß bei einigermaßen gutem Willen der bürgerlichen Parteien für die untere» Beamten mehr hätte bewilligt werden können. Auch da? neue Lehrerbesoldungsgesetz fand in dritter Lesung Annahme. Hier zeigte sich, wieviel die bürgerlichen Parteien, namentlich das Zentrum für die Voltserzieher übrig haben. Die Verbesserungsanträge der Sozialdemokratie, die den Lehrer« ein höheres Gehalt als den Schleusenwärtern und Straßenkehrern geben wollten, wurden ab- gelehnt. Selbst ein Antrag, das Grundgehalt der Lehrer aus 1400 M. festzusetzen. Damit die Lehrer auch wissen, wo ihre Freunde Dfind, beantragten unsere Genossen namentliche Abstinnmmg, was den ' Zenlrümlern und GesinnuiigSgenossen sichtlich unangenehm war.— . Bei der.ersten Lesung des' Etat? des Statthalters. Murde die � Streichung der RepräsentaiioiiSgelder des künftigen Statthalters von 200 000 auf 100 000 M. gegen die Stimmen der Fortschritller. die darin eine Schwächung der Stellung des Statthalters sahen, an- genommen._ Schwarze Demagogen. Durch die kleine und mittlere Zentrumspresse läuft ein Ar- tikel, der dem Anschein nach aus der Korrespondenz des betrieb- samen Herrn Erzberger stammt. Es wird von der Angst erzählt, die die Sozialdemokratie vor einer Auflösung des Reichstags habe, eine Angst, die nachgerade urkomische und drollige Formen augc- nommen und bereits soweit geführt habe,'daß die Sozialdemokraten der Regierung aus der Hand fressen. Um die Minister bei guter Laune zu erhalten, hätten die Sozialdemokraten alle höheren Be- amten bewilligt. Es heißt in dem Artikel: „So retteten sie dem Staatssekretär Delbrück den Ministerial- direktor, der die Zollpolitik zu bearbeiten und zu vertreten hat. Seit Jahr und Tag wettern die Genossen gegen die Zölle; hier stimmten sie dafür, daß die zollpolitische Abteilung im Reichsamt des Innern selbständig wird, ihren Einfluß erhöhen kann— nur, um Liebkind bei der Regierung zu sein. Dann gingen sie dazu über, die neue Stelle eines Rcichsanwalts durchzudrücken. daS heißt, eines Staatsanwalts am Reichsgericht. Sonst sind alle Staatsanwälte den Roten ein Greuel; jetzt bewilligen sie einen solchen,'wo er gar nicht dauernd erforderlich ist. Das Zentrum stimmte daher gegen die Stelle, die Sozialdemokraten aber leiste- tcn der Regierung Handlangerdienste." Der alberne Verfasser, dieser Anwürfe ist mit vollem Erfolg bei den Jesuiten in die Schule gegangen. Tie sozialpolitischen Auf- gaben des Reichsamts deS Innern werden von Jahr zu Jahr größer. und cü ist deshalb selbstverständlich, daß man die Beamten nicht verweigern kann, die zur Förderung dieser Arbeiten durchaus not- wendig sind. Deshalb ist auch der neue Ministerialdirektor bewilligt tvorden, gegen die Stimm c u des Zentrums, daS heute in der Sozialpolitik ein�niöglichst lang- sames Tempo wünscht. Gegen die Schaffung eines neuen Reichsanwalts locrbcn unsere Genossen stimmen. Sie haben bereits beantragt, diese Stelle zu streichen.— Weshalb aber der Zorn des Zentrums? Diese Partei, die baS Volk stets belogen hat. treibt gegenwärtig im Reichstag eine Politik der Nadelstiche und erivartet, daß die Sozialdemokratie diese Politik unterstützt. Auf diese Weise würde die Sozialdemokratie zum Spielball in den Händen deS Zentrums. Sich zu dieser Rolle herabzuwürdigen, hat aber unsere Fraktion nicht die mindeste Nei- gung. Und weil nun einige aus purer Bosheit geführte Nadel- stichc dieser schlvarzen Demagogen abgewehrt worden sind, wird die Sozialdemokratie zur— Regierungspartei gestempelt. Die Sozialdemokratie hat durchaus keine Ursache, einer Auf- lösung des Reichstags mit Angst entgegenzusehen, denn sie hat nichts unterstützt, das zum Schaden des Volkes ausschlagen könnte. Aber die BosheitStaktit des Zentrums mitzumachen, fällt ihr nicht ein; denn sobald die Regierung in der Jesuitenfragc nachgibt, be- willigt das Zentrum der Regierung alles, tvas verlangt wird- Wieder ein«miuderschwerer" Fall. Die Auffassungen der Militärgerichte über sogenannte minder- söbwere Taten icheinen norb immer nicht ihren Höhepunkt erreicht zu haben, wie ein Fall beweist, der vor dem Kriegsgericht Halle zur Verhandlung stand. Angeklagt wegen Mißhandlung eincs Unter- gebenen war der Uliteroffizter Georg Günther von dem Kürassier- regiment in Haiberstadt. Als der„Vorgesetzte" am Morgen des 20. Dezember-v. I. in den Stall kam, will er bemerkt haben, daß der Kürassier Künlermann � ein Soldat von gu ter Führung, der im zweiten Jahre dient— ein Pferd nicht schnell genug putzte. Er machte dem.Untergebenen' Vorhaltungen über die Kardätsche, schlug den Mann erst auf den Kopf und dann fünf- bis sechsmal ,ntt der Faust ins Ge- ficht, daß das Zahnfleisch blutete. Dann würgte er den K. noch am Halse, drückte ihn gegen die Krippe und trat ihn mit den, Fuß. Schließlich sagte er noch zu dem Mißhandelten: „So jetzt kannst Du mich melden, die 8 Tage mache ich schon ab'. Der Angeklagte mußte die Tat zugebe», will dabei jedoch in der „Erregung" gehandelt haben.— Der AuUagevei treter meilite, eZ liege eine„Affekthandlung" vor und beantragte gegen den„Vor- gesetzten" 10 T a g e gelinden Arrest. DaS Gericht erkannte dem- gemäß mit der Begründung: Gewiß sei die Strafe sehr milde. da edviesen sei. daß der Angeklagte den K. züchtigen wollte. Die Tätlichkeiten seien auch e r b e b l i ch gewesen, da der Unterosfizier gestoßen, getreten und geschlagen habe, daß die Zähne mit Blut bedeckt wurden. DaS Gericht habe aber angenommen, daß ein minderschwerrr Fall vorlag und deshalb die gelinde Strafe verfügt. velgien. Der Boriuage ist bereit. Unser Brüsseler Korrespondent meldet unS unterm 10. Februar: In einem Monstermeeting sprach am vergangenen Sonntag V a n d e r v e l d e ini Borinage über die durch die Revisions- Verwerfung geschaffene Lage und den Generalstreik. Tausende Bergarbeiter wareil aus den benachbarten Ge- meinden erschienen. Tausende konnten keinen Platz finden. Nach einer kurzen Ansprache im Freien begab sich der Zug ins Versammlungslokal.— Das Datum des Streiks. sagte Vandervelde u. a.. festzustellen, ist Aufgabe des großen Generalstreikkomitees(gebildet vom Generalrat der Partei und den Vertrauensmännern des ganzen Landes). Seit sechs Monaten ist alles getan worden, was menschenmöglich war. um die Regierung von der Gefahr der Situation zu über- zeugen. Wir waren zu den größten Kon- Zessionen bereit. Die Regierung hat nicht gewollt.— Selbst die gemäßigt-liberale Bourgeois- presse muß zugeben, daß die Fraktion keinen Schritt gescheut hat. eine friedliche Lösung zu ermög- lichen. Der Augenblick des Handelns ist sonach gekommen. Und die Frage ist: Seid Ihr bereit?(Hier ruft die Ver- sammlung: Ja! ja I) Und Vandervelde sagt weiter: Ihr seid der Ueberzeuguna, bereit zu sein! Ihr habt Kampf- begeisterung! Aber Ihr braucht Geld, damit Eure Frauen und Kindel- während des Streiks vor Hunaer geschützt sind. Habt Ihr genügend gespart?(Alles ruft: Ja l ja l) Diese Frage, fährt der Redner fort, wird an das ganze proletarische Belgien gestellt werden und das Streikkomitee ivird unter seiner Verantlvortung die Stunde zu wählen haben, damit an einem bestimmten Tage, zur selben Stunde die Arbeiterklasse sagen kann: Man verweigert uns das gleiche politische Recht, wir arbeiten nicht mehr! Das grandiose Meeting, das wieder die Bergarbeiter- schaft als die alte, kampsbegeisterte sozialistische Garde zeigte, schloß unter immer erneuten Hochrufen auf daS Wahlrecht und den Generalstreik. Mehr als je sind die Bergarbeiter kampfbereit und ivie vor Monaten an der Spitze der Bewegung für das gleiche Recht. Der Generalstreik beschlossen! Aus Brüssel wird uns unterm 12. Februar gemeldet: In einer gemeinsamen Sitzung nahmen der Partcivorstand, die Gewerkschaftskömmission und der Vorstand des Genossen- schaftsverbandes folgenden Beschluß an: „Die Sitzung spricht ihr Einverständnis aus mit der Haltung der sozialistischen Äammerfraktion, die im Laufe der Verhandlungen über die Verfaffungsrevision alles getan hat. was in ihrer Macht liegt, um eine versöhnende Lösung zu ermöglichen, konstatiert jedoch, daß die unversöhnliche Haltung der Regierung und der Rechten den Generalstreik un» vermeidlich macht und fordert die Arbeiterklasse auf. die letzte tt Vorbereitungen zu treffen und zeitig die Arbeitsverträge zu kündigen, damit am 14. April im ganzen Lande die Arbeit eingestellt wird". Japan. Der Nachfolger KatsuraS. Tokio, 12. Februar. Admiral Uamamoto hat den Posten des Ministerpräsidenten angenommen. Unruhen in Osaka. Osaka, 12. Februar.-(Meldung des Reuterschen BureauS.) Gestern, am Erinnerungsfeiertage der Thronbesteigung Jimmu TennoS. des ersten Kaisers von Japan, der zugleich der ErinnerungStag der Einführung der Verfassung in Japan ist. fanden bei der Er- öffnungsversammlung eines konstitutionellen Vereins junger Männer Demonstrationen der Menge statt. Die Bersailimlung wurde von der Polizei aufgelöst; alS hierauf eine neue große Versammlung im Nokanoibima Park stattfand und ebenfalls von der Polizei auf- gelöst wurde, griff die bedeutend verstärkte Menge die Bureaus der legierungsfreundlichen Zeituiigen an und versuchte, sie in Brand zu stecken, durcheilte die Stadl, wendete sich gegen die Häuser der regierungsfreundlichen Abgeordneten und zerstörte sie. Die Polizei rief Verstärkungen herbei und ging mit blanker Waffe gegen die Menge vor. Die Unruhen dauerten bis heute morgen an. Hfriha. Eine Palastrevolution in Abefsinien. Addis Abeba, 11. Februar.(Meldung der Agenzia Stefani.) Als gestern nachmittag auf Befehl des Thronfolgers Lidsch Jeassu die Soldaten der Leibwache Meneliks im kaiserlichen Ghebbi ersetzt werden sollten, brach plötzlich Streit aus, weil der Kommandant der bisherigen Leibwache, Fitaurari Gabre Marian, der Menelik seit Beginn seiner Krankheit beivachte, sich weigert«, seinen Platz als Kommandant der Palastwache zu verlassen. Der Streit artete in einen richtigen Kampf aus, der von 6 bis 8 Uhr abends dauert«. Ten Angreifern gelang es trotz wiederholter heftiger Angriff« nicht, in das Ghebbi einzudringen. Die Verteidiger kämpfte» erbittert, obwohl sie bei weitein in der Minderzahl waren. Sie setzten sogar Kanonen und Maschinengewehre in Tätigkeit. Wieviel Personen gefallen und verwundet sind, ist noch»ich« bckanlit. Während der Nacht sorgte tnan durch Bereitstellung starker Truppenabteilungen für den Schutz der Gesandtschaften. Im Europäerviertel hat sich kein Zwischenfall ereignet. Der italienische Geschäftsträger traf Äiwrdnungen. um mehrere italienische Familien, die an einer be- drohten Stelle in der Stadt wohnen, in der Gesandtschaft unter- zubringen. Heute morgen wurde der Angriff auf das Ghebbi nicht wiederholt. Jedoch umgeben viele Taufende von Soldaten den Palast. Amerika. Der Bürgerkrieg in Mexiko. Laredo(Texas). 11. Februar. Hier eingetroffene Berichte be- stätigen,'daß heute vormittag in Mexiko ein Stratzenkampf aus- gebrochen ijt. Die Bundestvuppen eröffneten das Feuer aus die Aufständischen. Die BurtdeStruppc» sind im Besitze von Artillerie und Maschinengewehren. In der Nähe des Nationaltheaters wurde aus die Ausständischen, deren Zahl jetzt 4000 beträgt. Artillerie- seuer eröffnet. Die Bnudestvuppen unter Führung des Generals Blanquet griffen das Arsenal an. Mexiko, 12. Februar. Dar Straßenkanlipf von gestern endete nach sieben Stunden augenscheinlich ohne entscheidenden Ersolg. Tote wurden zu Hunderten gezählt. Die größten, Verluste rührten aus einem, Angriff der Nuraltnuppen aus eine Batterie der Aus- ständischen her, die die Angreifer, Menschen und Pferde, fast voll- ständig aufrieb. Unter den Verwundeten befinden sich auch Zu- schauer, sogar Knaben und Frauen, die sich trotz des drohenden Kampfes der Gefahr ausgesetzt hatten. New Aork, 12. Februar. Nach einem Telegramm aus Mexiko haben heute früh um 7 Uhr die Käinpfe dort wieder begönne»'. An den Kämpfen nahmen auf beiden Seiten Infanterie und Artillerie teil. Mexiko Git». 12. Februar.(W.T.B.) Im weiteren Verlauf des Kampfes sind zwei Granaieu in die Kabelstation e ingeschlag en und haben sie stark beschädigt. Dreihundert Anhänger des Generals Zapata sind in die Siadt eingerückt und haben die Bundestruppen angegriffen___ Maßnahme» der Lereililgtcn Staaten. Washington, 12. Februar. In einer heute früh im Weißen Hause abgehaltenen Konferenz, an der Präsident Taft, der Kriegs- sekrctär, der Marinesekretär und Ossiziere der Armee und Marine teilnähme», ist, beschlösse» worden, heute»och drei weitere Schlachtschiffe nach der Ostküste Mexikos zu senden. Ferner wird Befehl gegeben werden, unverzüglich zwei Tr u ppen t ra ns p o r t schis f e b e r e i tz ust c I l c n, um zum Schutze der Amerikaner und anderen Ausländer Truppen,»ach Mexiko zu befördern, falls die Lage sich dort verschlimmern sollte. Santiago(Kalifornien), 12. Februar. Der Panzerkreuzer„C o I o r a d o" von der amerikanischen Paeisieflotte ist mit dem Konteradmiral Southerland an Bord»ach Mazatlan in See gegangen. Admiral Southerland wird die Bewegungen der amerikanischen Schiffe an der mexikanischen Westküste leite». Washington, 12. Februar.(W. T. B.) Es sind Vorbereitungen getroffen woode», um 25 00 M a r i n e s o I d a t e n nach Veracruz zum eventuellen Entsatz der ausländische» Gesandtschaften zu cn-l- sende». Die 3000 Mann starke erste Brigade der ersten Armeodivision ist angewiesen worden, sich sür eine Expedition dienstbereit zu halte». Zustvalien. Eine bevorstehende wichtige Volksabstimmung. Das Volk von Australien, d. h. die über 21 Jahre alten Staatsangehörigen beider Geschlechter in der Zahl von nahezu 2% Millionen, fast die Hälfte der Einwohner, hat in nächster Zeit über eine bedeutungsvolle Aenderung der Bundesverfassung zu entscheiden. Es handelt sich im wesentlichen um die Erweiterung des Rechtes der Bundesgesetzgebung auf dem Gebiete der G c- werbe- und Sozialpolitik, der Ueberwachung der Kapitalgesellschaften und um das Recht, bestehende Privatmonopole zu nationalisiere», d. h. in Bundes- betriebe zu verwandeln. Da die geforderte» Rechte bereits alle den Einzel st aaten zustehen, handelt es sich also»veniger darum, neue Grundsätze einzuführen, als ihre Verwirklickung im Gesamtinteresse zu sichern. Während heute die Parlamente der Einzelstaaten, deren„Oberhaus" nur von Leute» mit mindestens 1000 M. Einkommen auö Grundbesitz gewählt wird, von ihre« Befugnissen unter dem Einfluß kapitalistischen Gruppen keinen oder ungenügenden Gebrauch gemacht haben, würde das Bundes- Parlament, dessen beide Kammern auf demselben demokratischen Wahlrecht beruhen und Arbeitermehrheiten aufweise», die zu schaffenden Verfassungsbestimmunge» auch in die Praxis übertragen. Es handelt sich dabei um folgendes: 1. Die heute der Bundesgesetzgebung zustehende Befugnis, Gewerbe-»nd Handelsgesetze zur Regelung des Verkehrs zwischen den Staaten oder mit anderen Ländern zu erlassen, soll von dieser Beschränkung befreit, also auch auf die Verhältnisse innerhalb der einzelnen Bundesstaaten ausgedehnt werden. Bestehen soll die Beschränkung auch serner für Staatseisenbahnen, um die partilularistische Furcht vor Einführung des Bundeseisenbahn- shstems zu beruhigen. 2. Die bisher auf ausländische oder Handels- und Finanz- gescllschaften mit einem sich über das ganze Bundesgebiet erstreckenden Geschäftsbetrieb beschränkte Aufsichtsbefugnis des Bundes soll auf alle auf Gewinn ausgehenden Gesellschafte» aus- gedehnt werden. Das Recht'der Regelung, Beaufsichtigung, Auf- lösung soll sich also auch auKdie nur für das Gebiet cineS Staates gebildeten Gesellschaften solcher Art, also mit Ausschluß religiöser, »vohltätiger, wissenschaftlicher u. a. Vereine wie auch der vom Staate oder Kommunalverbändc» geschaffenen Körperschaften er- strecken. 3. Anstatt des jetzt bestehende» Rechts der Vermittelung in Arbeitsstreitigkeiten, die sich über das Gebiet eines Staates hinaus erstrecken, soll der Bund das'Recht erhalten, ein« zugreifen in„Angelegenheiten des Arbeitsverhältnisses und der Arbeitslosigkeit", einschließlich: a) die Bedingungen sür Arbeit und Beschäftigung in jedem Gewerbe oder Berufe; b) Rechte und Pflichten von Unternehmern und Arbeitern; c) Streiks und Aus- sperrunge»; ck) Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten. 4. Ausdehnung des Vermitklungsrechis auf Arbeitsstreitig- keiten bei S t aa t s ba h n e n. Diese Befugnis des Schieds- gerichtshofs war schon im Schiedsgerichtsgesetz von 1904 auSge- sprochen, dann aber vom Höchstgericht für verfassungswidrig er- klärt worden. Dem soll die Verfassungsänderung abhelfe» 4. Regelung von Trusts, Vereinigungeil oder Monopolen in bczug auf Erzeugung. Verarbeitung oder Beschaffung von Waren oder Beschaffung von Diensten. 5. N a t i o n a l i s i e r u n g d e r M o n o p o l e:„Wenn beide Häuser des Parlaments in derselbe» Session mit Mehrheit sämtlicher Mitglieder die Erzeugung, Verarbeitung oder Beschaffung bestimmter Leistungen als Gegenstand eines Monopols erklären, soll das Parlament die Mächt haben, Gesetze zur Erwerbung dieser Unternehmungen durch de» Bund oder nach dessen Vorschrift zu erlassen und die Enteignung alles damit in Verbindung benutzten Eigentums unter gerechte» Bedingungen anzuordnen."— Aus- genommen sind auch hier wieder die Einzlelstaatsbetriebe. _ Die Entscheidung über diese Vorlage wird Zeugnis geben, wie- weit die sozialpolitischen und staatssozialistischen Ideen in den letzten zwei Jahren im australischen Volke neuen Boden gewonnen habe». Eine gleichartige Vorlage ist nämlich in der Volksabstiinmung vom 26. April 1911 mit der gewaltigen Mehrheit von 687 000 gegen 443 000 Stimmen(61 gegen 39 Proz.) bei einer Beteiligung von nur 48 Proz. der Stimmberechtigte» abgelehnt worden. Damals hatte» die Kapitalgesellschaften alle Hebel in Bewegung gesetzt uud mit einem Aufwand von über 2 Millionen Mark das noch ungenügend aufgeklärte Volk zur Preisgabe seiner eigenen Jnter- essen gebracht, wobei auch die Angst vor einer Uebermacht der Bundesgewalt eine Rolle spielte. GewerhrcbaftUcbea» CbnftUcbc Hgitationsart. Die Ortsgruppe Düsseldorf des christlichen„Zcntralverstandes der LerkehrS-, Fabrik- und Hilfsarbeiter Deutschlands", dessen Name länger ist als seine Mitgliederliste in genannter Stadt, veranstaltete am 9. Februar eine Versammlung. Ilm den Besuch der Versammlung zu heben und um Mitglieder zu fangen, waren vorher an ausfindig gemachte Adressen mit Maschinenschrift hergestellte Einladungen er- gangen, die von echt christlicher Agitationsart zeugen. Die Einleitung davon sei hier wiedergegeben: „Lieber Freund und Kollege! Es ist unS' bekannt, daß Tu bis jetzt den Anschluß an Deine Berufsorganisation noch nicht gefunden hast. ES ist uns serner bekannt, daß Du auf Grund Deiner An- schamntgen nicht zur Sozialdemokratie gehörst und auch nicht dazu gehören willst. „Wir möchten Dir nun folgendes zu bedenken geben: Auch Du mußt, durch die Verhältnisse gezwungen, den Weg zur Orga- nisation früher oder später finden. Findest Du diesen Weg nicht durch Anschluß an die christlichnationale Gewerkschaft, so wirst Du, wenn auch gegen Deinen Willen, ihn bei der Sozial- Demokratie finden. Tausenden ist es so ergangen, die später von ihr schwer mehr loskommen konnten. Du mußt dann Dein Geld und Deinen Namen für eine Bewegung hergeben, von welcher Du überzeugt bist, daß sie nicht einmal Dein Bestes will. Sage uns ja nicht, das kommt bei mir nicht vor. Das haben auch schon Tausende vor Dir gesagt und sind von den Sozial- demokratcu dennoch dazu gezwungen worden." Die hier unterstrichenen Stellen sind auch im Original unter- strichen. DaS Zirkular soll anscheinend auch noch dem Zweck dienen. Terrorismusiuaterial gegen die freien Gewerkschaften zu sammeln, denn eS mag schon sein, daß mancher Angsthase seine Indifferenz aus diese gewünschte Art zu entschuldigen sich verleiten läßt. Auf ehrliche Weise, scheinen die Ehristen leine Mitglieder mehr zu be- kommen. Ob aber mit dem Schwenken des roten Lappens noch Er- folge erzielt werden, ist sehr zweifelhaft, Hörstens haben Scharfmacher und Arbeiterfeinde ihre Freude an solchem Tun. In der Oeffenhkichkeit erklären die Christlichen und mit ihnen die Zentrums- Politiker, gegen Beschränkung der Arbeiterfreiheit zu sein, insgeheim aber drehen sie fleißig den Schleisflein. Berlin und CXmgegcnd. Achtung, Metallarbeiter! Die Differenzen mit der Berliner Türschließerfabrik, Rudolf Werth, Kleine Alc.raiidcrstraßc, find noch nicht beigelegt und ersuchen wir, alle Arbeitsangebote dieser Firma nach wie vor zurückzuweisen. Tie Ortsvcrwaltung. Ein Verzweiflungsschrci der Schirmniihcrinncn k Schon des öfteren ist über die Lage der Schirmnäherinnen in Versammlungen und der Presse berichtet wordene Tieftraurig ist ihre Lage. Die Löhne für Stapelware sind elende. Der Arbeits- lohn für billigste Ware beträgt per Dutzend 1,59 bis 2 M. Zur Fertigstellung ist eine Arbeitszeit von 19— 11 Stunden erforderlich. An Unkosten für Material usw. sind 79—89 Pf. zu berechnen, so daß Stundenlöhne von 9—19 Pf. in Frage kommen, und selbst für das bessere Genre erhöhen sich dieselben selten auf mehr als A3 Pf. per Stunde. Wohl ivaren die Löhne vor Jahren noch Ä)— 99 Proz, höher, aber den schutzlosen Heimarbeiterinnen hat man ihr Ein- kommen in der jetzigen Zeit der Teuerung noch um obige Sätze verringert. Hinzu kommt, daß für fehlerhafte Ware. Webefehler im Stoff, die erst beim Spannen hervortreten, die Arbeiterin vc>� «mtwortlich gemacht wird und gezwungen ist, für die fehlerhaften Teile ohne Entschädigung andere einzusetzen, so daß die Arbeiterinnen im Monat tagelange Versäumnisse haben. Eine weitere Schädigung und schlverste Last für die Arbeiterin ist jedoch die Lieferzeit. Jeden Tag inuß in den meistert Geschäften-geliefert werden, imd stundenlanges Warten ist die Regel. Wenn die Arbeiterin früh'' um 8 Uhr die Wohnung verläßt, ist sie selten vor 1 llhr wieder in ihrem Heim. Gewöhnlich geht der Arbeiterin dadurch der ganze Vormittag der- loren und dann muß bei Licht die halbe Nacht gearbeitet werden, um die versäumte Zeit wieder einzuholen, gleichgültig ob Gesund- heit mld Augenlicht hierbei in schwerster Weise geschädigt werden. Eine Verbesserung der Lage ist äußerst schwierig, da alle Be- strebungen, die Arbeiterinnen in der Organisation zusammen- zufassen, bisher nahezu gescheitert sind. Hinzu kommt, daß eine ganze Reihe Elemente in der Branche beschäftigt sind, die niemals zu gewinnen sind, tso Beamrenfrauen in großer Zahl, die nun wieder ganze Beamtenfamilien beschäftigen. Dann auch licht- scheue Elemente, die durch Zwischenmeister ausgebeutet werden. Und derartige Arbeitskräfte werden den anderen Arbeiterinnen gegenüber bevorzugt.. Seitdem nun die Organisationsbestrebungen sich bemerkbar inachen, kommt noch der Versuch der Unternehmer, dieselben im Keime zu ersticken, hinzu. Lassen sich doch die Direktricen, denen die Abfertigung der Arbeiterinnen übertragen ist, dazu verleitete, die Näherinnen, die verdächtig find, organisierr zu sein, in überhebendster Weise zu schikanieren durch überlanges Wartenlassen, Zurückgabe der Arbeit und die häufigere Entlassung bestimmter Näherinnen. Alles in allem! Vom Unternehmertum eines glänzend florierenden Gewerbes werden die armen Heimarbeiterinnen in maßlosester Weise ausgebeutet und zum Schaden gesellt sich noch der Hohn. Ist doch mehrfach von llnteritehtnern vor dem Gewerbcgcricht erklärt worden, den Ar- b e i t e r i n n e n wird n u r Arbeit mitgegeben, iv e n it etwas da ist. Wir haben keine Verpflichtung ihnen gegenüber. Sie können überhaupt froh sein, wenn sie von uns beschäftigt werden. Die Unternehmer halten es noch für eine Gnade, daß sie die Arbeiterinnen bis aufs Blut ausbeuten. Um hier Besserung zu schaffen, wäre es dringend notwendig, die Arbeiterinnen, trotz aller Schwierigkeiten, für die Organisation zu gewinnen. Aber hier kann nicht nur die Organisation wirken, nein, alle Genossinnen und Genossen, die mit Arbeiterinnen der Branche Fühlung haben, sollen hier agitatorisch sich betätigen, um diesen elend entlohnten und behandelten Arbeiterinnen den Gedanken der Organisation einzuimpfen, damit endlich auch die Besserung der Lage der Arbeiterinnen in dieser Branche angestrebt werden kann. Man verweise sie an den Deutschen Holzarbeitcrverband, Zentral- kommission für die Schirmindustrie. Achtung, Töpfer! Die Firma Willi Herzog, Linienstr. 29Z, iiinrd hiermit wegen Umgehung des Lohntarifes gesperrt. In Be- kracht kommt der Bau in Pankow, Binzstraßc. Es darf unter keinen Umständen ein Verbandskollegc dort in Arbeit treten, che die Sperre aufgehoben wird! Ter Vorstand der Filiale Berlin. Zur Nachahmung! Von der Berliner Gauleitung des Tabak- arbeiter-Verbandes wird unS mitgeteilt: Die Tariffirma Rich. Rätz in F i n st c r w a l d e hat mit der Gauleiiung des Verbandes tarif- lich festgelegt, daß die bei der Firma beschäftigten Arbeiter unter Fortzahlung des durchschnittlich erzielten Wochcnverdienstes in jedem Jahre sechs Tage Ferien erhalten. Was werden die Scharf- macher der Tabakindustrie dazu wohl sagen?, DeuvkcKes Reich. Organisatorische Koiizentrationsbcstrcbungcn machen sich in letzter Zeit auch unter den graphischen Arbeitern sehr stark bemerk- bar DaS Bestreben dcS Unternehmertums, das Kampffeld aus- aubreiten, immer größere Arbcitcrmassen in einen Kamps hinein -uneben und die Dauer des Kampfes zu verlängern, Hai auch die zranbifchen Arbeiter veranlaßt, auf eine Verbesserung ihrer Kampf- stellung durch einen Ausbau ihrer Organisation hinzuwirken. Den letzten Generalversammlungen der verschiedenen graphischen Vcr- bände waren schon Anträge zugegangen, die auf die Gründung eines graphischen Jndustricvcrbandcs hinzielten. Diese Anträge fanden in allen Verbänden im Prinzip eine Zustimmung. Eingewendet wurde nur, daß sich vorderhand eine Durchführung der Anträge nicht ermöglichen lasse. Der Zusammenlegung der graphischen Verbände stünden gegenwärtig noch zu viel Hinder- nifsc entgegen. ES wurde auf die zu großen Verschiedenheiten in den Beitragshöhen, den weitverzweigten Unterstützungscinrich- tungen und den weitgehenden Abweichungen in der Gcwcrkschafts- Politik hingewiesen. Unter den graphischen Arbeitern kam aber dadurch das Streben nach einem engeren organisatorischen Zu- sammenschluß durchaus nicht zur Ruhe. Daß dies nicht geschah, dafür sorgte schon die weitere Zuspitzung der auf diesen Zusammen- schluß hindrängenden Verhältnisse. Es fei nur hingewiesen aus den unbefriedigenden Verlauf der letzten großen Bewegung im Stein- druckgewcrbe, der zum guten Teil durch das Fehlen eines Zu- samluenarbcitcns der verschisdenen graphischen Verbände verschuldet worden ist. Auch die Vorgänge im Buchdruckgewcrbe lassen er- kennen, daß dort die tarifgegncrischen Ucbcrscharfmachcr an Ein- fluß gewinnen und daß diese Scharfmacher selbst vor der Anwen- dung der frivolsten Mittel nicht zurückschrecken würden, um eine große Katastrophe im Buchdruckgcwerbc herbeizuführen. Es ist daher erklärlich, daß sich jetzt, wo wieder verschiedene graphische Verbände vor ihren Generalversammlungen stehen, das Streben nach Gründung eines graphischen Jndustriearbciterverbandes, den die Unternehmer so sehr fürchten, mit besonderer istärke bcnicrk- bar, nacht. Die hannoversche» Mitglieder des Verbandes der Litho- graphcn und Stcindrucker haben in ihrer letzten Versammlung nach Anhörung eines Vortrages über»Die Notwendigkeit von Acnderungcn in der Form und der Taktik der Organisation" zur Frage des graphischen Jndustricarbeiterverbandes folgende de- achtenswerte Entschließung gefaßt: »Das Streben des kapitalistischen Unternehmertums geht in neuester Zeit dahin, durch einen immer engeren und festeren Zusammenschluß seiner Organisation seine Macht der organisierten Arbeiterschaft gegenüber gewaltig zu steigern und das Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten zu verschieben. In welchem Maße durch dieses planmäßige Vorgehen des gesamten Unter- nehmertums die strategische Stellung verschiedener Gewerk- schasten schon verschlechtert worden ist, das zeigte im besonderen recht augenfällig der Ausgang des letzten großen Kampfes ini Steindrilckgewcrbc. Diese für die Gewerkschaften so ungemein ungünstige Verschiebung ihres MackitverHältnifseS zu den Unter- nehmcrvcrbänden kann nur dadurch wieder ausgeglichen werden, daß es die Arbeiterschaft dem Unternehmertum gleichtut und ihre einzelnen Berufsorganisationen ebenfalls zu großen machtvollen Jndustrieverbändcn zusammenschließt. In Erkenntnis dieser Sachlage beschließen die hannoverschen Mitglieder des Verbandes der Lithographen und �-teindrucker, die graphischen Arbeiter im allgemeinen und ihre Verbands- kollcgcn im besonderen aufzufordern, erneut mit dem Aufgebot aller Kräfte für einen Zusammenschluß der verschiedenen graphi- scheu Verbände zu einem Graphischen Bunde zu wirken. Uni die von verschiedenen Seiten erhobenen Einwendungen, daß sich ein solcher Zusammenschluß der einzelnen graphischen Verbände wegen der weitgehenden Verschiedenheiten in ihren inneren Einrichtungen, ihren Kassen« und Beitragsverhältnissen usw. nicht ermöglichen lasse, zu entkräften, empfehlen die Hanno- verschen Mitglieder des Verbandes der Lithographen und Stein- drnckcr, den Zusammenschluß aus föderativer Grundlage herbei- zuführen, also einen Bund von Verbänden zu bilden, und zwar in der Weise, daß eine gemeinsame Gcwerkschafts- zentrale gebildet und eine gemeinsame GcwcrkschaftSkasse gc- gründet wird, zu der jeder einzelne Berufsvcrband einen be- stimmten Teil jedes Mitgliedsbeitrages abzuführen hat. Tie Erledigung der besonderen verschiedenartigen Unterstützungs- aufgaben, die nicht unmittelbar mit dem Gewerkschaftskampf zusammenhängen, soll den einzelnen beruflichen llntervcrbändcn überlassen bleiben." Tarif- und Lohnbewegungen im deutschen Lithographie- und«teindruckgewerbc. Der Verband der Lithographen und Steindrucker Hai hereitS mit zahlreichen Firmen, die nicht dem Unternehmervcrbande angehören, Tarife abgeschlossen; der Unternehmerverband ist Gegner einer Tarif- Politik. In mehreren Fällen erstrecken sich diese abgeschlossenen Tarife ans sämtliche Betriebe bestimmter Orte oder Bezirke. Einzel- tarife wurden abgeschlossen in Cannstadt, Hamburg, Pforzheim, Stollberg im Rheinland, Ulm, Elberfeld und Eßlingen. In den Verträgen wird die Arbeitszeit geregelt, Mindestlöhne werden festgesetzt, Ueberslundenzuschläge und sonstige Lohn- und Arbeit?- bedingungen geregelt. In einer Reihe von Verträgen sind auch Ferien vorgesehen.— In Leipzig wurde für alle Notendrucker ein allgemeiner Tarif auf vier Jahre abgeschlossen. Festgelegt wurde die böslündige Arbeitszeit. Miiidestlohn 22 M., steigend bis 29 M. Außerdem sollen die Löhne bis 32,59 M. erhöht werden. Feiertags- bezahlung usw. ist ebenfalls festgelegt. Plrarüw�RedäktÄ' Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil vercmtw� Disferciizen iit der Schuhfabrik E. Liebman«(Hassia) in O f f c n b a ch a. M. Die Firma, die sehr gut finanziert ist und erst kürzlich einen großen Erweiterungsbau vollendete, sucht außer- ordentliche Lohnkürzungen vorzunehmen. In einzelnen Branchen hat sie diese bereits durchgeführt, in anderen sind die Abzüge an- gekündigt. Die Arbeiter, die ihre Vcrtraucnsleiitc bei der Firma hiergegen vorstellig werden ließen, konnten nichts erreichen. Die Firma beschäftigt etwa 499 Leute, sie fabriziert besonders feine Luxuswarc.«ie begründet den Abzug mit den schwierigen Gc- schäftsverhältnisse», den außerordentlich gesteigerten Ledcrpreiscn usw. Tie Arbeiter, die zu 95 Proz. organisiert sind, werden sich diese Lohnabzüge nicht gefallen lassen; läßt die Firma von ihrem Vorgehen nicht ab, so ist der Kampf unvermeidlich. Der Arbeitgeberbund für das deutsche Baugewerbe, Landes- verband E l s a ß- L o t h r i n ge n, hat die Tarifverträge mit den Klempnern und Installateuren gekündigt. Gautarifv erssandlungen im deutschen Malergcwerbe. Am Montag vormittag begannen auch vor dem Gcwcrbegericht München als Gautarifamt unter dem Vorsitz des Gerichtsrats Sartorius die Tarifverhandlungcn für den Gau lila(Bayern und Württemberg). Außer den Gauleitern für Bayern und Württemberg sind noch die Städte München. Nürnberg und Rcgens- burg vertreten, außerdem sind Vertreter der christlichen und Hirsch- Dunckerschen Organisationen anwesend. Die Verhandlungen vor dem Gautarifamt München erstrecken sich über 57 Lohngebictc, dar- unter 33 bayerische. Nach einer längeren Geschäftsordnungsdebattc einigte man sich, in eine Gcncraldiskussion über die Lohn- und Arbeitsbedingungen im ganzen Gau einzutreten. Die Unter- nehmervcrtreter erklärten sich grundsätzlich gegen jede Verkürzung der Arbeitszeit, waren aber damit einvcr- standen, wenn dafür kein Lohnausgleich gefordert würde. Dieser Widerspruch wurde von den Vertretern der Arbeiterverbändc cnt- sprechend festgenagelt. Nach dem von den Unternehmern im Tarif- amt vorgelegten schriftlichen Angebote wollen diese keine Arbeits- zcitverkürzung geben für Ober- und Nicderbahern, Schwaben und Obcrpsalz und nur für Paffau, Tegernsee, Augsburg und Neumartt i. O. je 1 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde, und zwar nicht allgemein, sondern nur aus die bestehenden Tariflöhne geben. Ebenso bieten die Unternehmer für das Vertragsgebiet Württemberg, und zwar LH.Gwcke�erUn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VertagsanstaU für die Orte Friedrichshofen, Gmünd, Göppingen, Hall, Heiden- heim, Heilbronn, Stuttgart, Tübingen und Ulm nur eine Stunden- lohncrhöhung von 1 Pf. an, während das Angebot für Schwenningen sogar eine Verschlechterung von 2 Pf. bedeutet. Der Vor- sitzende des Tarifamts bezeichnete ein solches Angebot nicht für dis- kutabel, da es keinerlei Ausgleich biete für die in den letzten Jahren eingetretenen Tcuerungsvcrhältnisse. Die Arbeitnehmervertrctcr wiesen aus die Ausführungen des Landesvorsitzenden Ramps vom Süddeutschen Maler- und Tünchcrmciitcrverband, der bei den zcn- tralcn Verhandlungen in Berlin bereits 1 Pf. Lohnerhöhung für dieses Jahr und einen weiteren Pfennig für 1914 in Aussicht gc- stellt habe. Damals wurde dieses Angebot für den ganzen Gau gemacht, während man heute nur für 4 Orte 1 Pf. Lohnerhöhung gewähren will. Der Gauleiter für Bayern wies daraufhin, daß besonders in Bayern die schlechtesten Löhne vorhanden sind. München mit 54 Pf. Mindestlohn für 29 Jahre alte Gehilfen, 51 Pf. für Gehilfen unter 29 Jahren und 51 Pf. für Anstreicher. Mit diesen Löhnen steht München an neunter Stelle in Teutschland. Tic Löhne betragen ferner in Bamberg 41 Pf., Bayreuth 49 Pf., Augsburg 45 Pf., Rcgensburg 45 Pf.. Würzburg 43 bczw. 45 Pf. für 29 Jahre alte Gehilfen, für solche unter 29 Jähren wird sogar bis 19 Pf. weniger bezahlt. Wenn die Unternehmer meinen, eine allgemeine Lohncrhöhung könne deshalb nicht gegeben werden, weil diese sonst die minderleistungsfähigen Leute erhalten würden, so sei auch dieses Argument nicht richtig. In Bayern seien 79 Proz. über dem Mindcstlohn bezahlt. Diese würden also, wenn die Lohn- erhöhung nicht allgemein durchgeführt würde, leer ausgehen. Da bei einer solchen Spannung keinerlei Aussicht geboten war, eine friedliche Einigung zu erzielen, wurden die Parteien von den Iln- parteiischen aufgefordert, neue Vorschläge zu machen, da die Forde- rungen und Angebote keine Grundlage zur weiteren Verhandlung bieten. Die Vertreter der Arbeiterorganisationen setzten hierauf ihre Forderungen wie folgt fest: Im 1. Jahre 6 Pf., im 2. Jahre 3 Pf. Lohnerhöhung und eine Stunde Arbeitszeitverkürzung in der Woche. Die Vertreter der Unternehmer blieben jedoch dabei, daß sie jetzt 1 Pf. Lohncrhöhung und 1914 einen weiteren Pfennig geben wollen. Dieses Angebot wurde als undiskutabcl zurückgewiesen. Die Vertreter der Organisationen erklärten darauf, daß sie nun- mehr ihre ursprünglichen Forderungen wieder aufrechterhalten werden. Nach dem Gange der Verhandlungen besteht wenig AUS- sieht, den Lohn und die Arbeitszeit ohne Schiedsspruch festlegen zu können. Husfond. In den Renault-Automobilwerken zu B i l l a n c o u r t bei Paris sind 4999 Arbeiter in den Streik getreten. Die Arbeiter erklären, durch ein von der Fabriklcitung eingeführtes Kontroll- system bei der Handarbeit in ihren Bezügen empfindlich geschädigt zu sein. Letzte Nachrichten. Das Geständnis des Mörders Kunschack. Wien, iL. Februar.(P. C.) Heute wurde das Verhör mit dem Mörder des Äblieordueteu Schuhmeicr, Kunschack, fortgesetzt. Im Laufe des Verhörs stellte es sick, heraus, daß Kunschack, um die Wirkung des Schusses noch gräßlicher zu gc st alten, das Geschoß, ehe er es in den Lauf führte, nach Art der Tumdmngeschosse behandelte, indem er in die St a h l h u I l e z w e i Q u e r s ch n i t t e in achte. Das Geschoß �ging daher bei Berührung mit dem »Kopfe Schuhmeiers in Stücke und zerriß diesen vollständig; der Tod trat auf der Stelle ein. Kunschack war auf das Attentat bereits seit langem vorbereitet; er zeigt auch nicht die geringste Spur von Reue und ist im Gegenteil be- friedigt, daß�das Attentat so gut gelungen ist. Das Leichen- begängnis Schuhmciers findet am Sonntag statt. Abgewehrter Angriff der Bulgaren. Wie», 12. Februar.(W. T. SS.) Die„Neue freie Presse" meldet aus Konstantinopel: Der gestern von den Bulgaren erneute Versuch, bei Jeniköj, südwestlich vom Derkossce, die Tschataldscha» linie zu durchbrechen, wurde nach" heftigem Kanipf siegreich ab- gewehrt. Der Geschützdonner war bis spät abends in den Vororten von Pera hörbar. Türkische Intervention der Mächte. London, 12. Februar.(Meldung des Reutcrschen Bureaus.) T w c s i k Pascha soll vor einigen Tagen um die Intervention der Mächte im Interesse des Friedens ersucht haben. Es wurde ihm geantwortet, daß eine Intervention unmöglich sei, sofern nicht die Pforte Vorschläge unterbreitete, die annehmbar erschienen. Es ist die Ansicht verbreitet, daß Hakki Pascha der lleberbringer neuer Vorschläge sein wird. Ter Bürgerkrieg in Mexiko. Mexiko Citti, 12. Februar.(W. T. SS.) Vier Stunden lang haben die Bundestruppcn fast ohne Wirkung die Stellungen der Aufständischen beschossen. Diese erwiderten das Feuer lebhaft; ihre schweren Geschütze schleuderten Schrapnells und Vollkugcln in den Mittelpunkt des Geschäftsviertels. Die Aufständischen haben ihre Stellung durch Auspflanzung weiterer Feldgeschütze aus einem Ver- einFgebäude befestigt und etwa 3999 bis 5999 Gefangene ans den Gefängnissen befreit und sie bewaffnet. Die Geschosse haben die großen Gebäude im Zentrum der cstadt schwer beschädigt, auf den Straßen liegen Trümmer, und der Kugelregen aus den Maschinen- gewehren klatscht gegen die Häuserwände. Die Aufständischen haben zeitweise ihre Geschütze gegen das Gebäude der englischen Gesandtschaft gerichtet und das Feuer der dort zum Schutze auf- gestellten Geschütze erwidert. Die Pläne, eine Zusammenkunft der Vertreter der beiden Parteien zu ermöglichen, sind gescheitert. /__ Vom Automobil des Prinzen Ernst August überfahren. Karlsruhe, 12. Februar.(W. T. Die Karlsruher Festtage fanden heute abend leider einen bedauerlichen Abschluß durch einen Unfall, der sich kurz nach- Uhr in der Akadcmiestraßc ereignete. Das Automobil des Prinzen Ernu August zu Braunschwcig-Lüne- bura, in dem der Prinz selbst mg. uberfuhr den 16 Jahre alten "(chtliitß Ludwig Gänger, der beim«piclen mit Kameraden blind- linas in das Automobil hineingerannt war. Der Verunglückte trug anscheinend ernste Verletzungen davon und wurde ins Krankenbalis gebracht.__ Zugzusammenstoß. Berlin. 12. Februar.(Amtliche M c'ldung.) Heute mittag gegen 12 Uhr 19 Min. fuhr die von Stadtkyll kommende Lecrfabrt 9677 bei der Einfahrt in Bahnhos Jünkrath aus eine Rangierloko- n-ctive. Schwer verletzt wurde der Hilfshcizcr der Rangierloko- inotivc. Bier Eisenbahnbedienstetc erlitten lcickterc Verletzungen. Materialschaden ziemlich crheblia, Ter Betrieb wurde nur un- erbeblich gestört. Tie Schuldsrage ist noch nicht geklart.____ HaulSinger» vo.. Berlin LW. HierzüllBeiiagen«. UnitzrHaltttitgSbl. Ar. 87. 30. Iahrgavg. 1. AeilU Ks JotMits" ßtrlintt pIMIntl Donuerstag, 13. Februar 1913. Reichötac[. 11V. Sitzung. Mittwoch, den 12. Februar Isis, nachmittags l Uhr. Am BundeSratstisch: Niemand. Oer Maklrecktsantrag. Auf der TageSordnmig steht der von den Sozialdemokraten be- autragte Gesetzentwurf: „In jedem Bundesstaat muß eine auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gewählte Vertretung bestehen. Das Recht zu wählen' und gewählt zu werden haben alle über 20 Jahre alten Reichsangehvrigen ohne Unterschied des Geschlechts in dem Bundesstaate, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Die Zustimmung dieser Vertretung ist zu jedem Landes- gesetz und zur Feststellung des Staatshaushaltsetats erforderlich." Abg. Wels(Soz.): Der Antrag, der Ihnen heute wieder unterbreitet wird, ist Ihnen nicht unbekannt und ebenso wenig das, was wir zu seiner Begrün- dung anzuführen haben. Ein Fortschritt in einer Frage ist bekannt- lich dann festzustellen, wenn man aufhört, die Sache zu diskutieren. So beweist die Tatsache, dast wir immer wieder die alten Klagen vorbringen müssen, wie wenig Fortschritte eö in unserem Vaterlande gibt und wie schwer es ist, für ganz selbst- verständliche Forderungen Anerkennung zu erringen. Wenn ich versuchen wollte. Ihnen die Schlechtigkeiten des preußischen Wahlsystems, auf da? es mir als Preußen zunächst ankommt, im einzelnen nachzuweisen, so hieße das wahr- hastig Kanonen auffahren, um nach toten Katzen zu schießen. Vor dem Richterstuhl der Geschichte, der Vernunft und Gerechtigkeit ist dieses System läng st verurteilt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Trotzdem aber lebt dieses Wahl- recht noch als » eine brutale Tatsache und hat sich sogar ini Laufe der Zeit ein so dickes Fell an- geschafft, daß es völlig unempfindlich geworden ist gegen alle Pfeile. Auch für das Wahlsystem gilt wie für die Menschen das weise Wort: Ist dein Ruf erst ruiniert, bist du gänzlich ungeniert.(Sehr gut I> Gegen das Dreiklassenwahlrecht kann schlechterdings nichts mehr gesagt werden, was nicht schon längst von aller Welt als unbestreitbare Tatsache anerkannt ist. Auch könnte ich mich über diese Frage nicht schärfer und treffender äußern, als es Bismarck seinerzeit in seinem berühmten Ausspruch getan hat, und ich könnte auch nicht die klassische Prägnanz erreichen, mit der die Begründung der preußischen Wahlrechtsvorlage von 1910 einen integrierenden Bestandteil des preußischen Wahl- rechts preisgab, indem sie erkläre:„Das indirekte Wahlverfahren hat sich überleb t." Ich erinnere auch an die T h r o n r e d e von 1908. Hier findet die Sozialdemokratie in ihrer Bekämpfung des preußischen Wahlrechts eine solche Unterstützung, daß ich mich beinahe wundern muß, in welche Gesellschaft sie gekommen ist.(Heiterkeit.) Aber trotz aller ßKeulenschläge lebt der Balg«roch und zeigt sich zäher als je. Stärker als Vernunft und Gerechtig- keit haben sich ja von jeher die Interesse» einer Klasse erwiesen, die auf all' die schönen Dinge pfeift, wenn eS gilt, festzuhalten, was sie erhält.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Das preußische Wahlrecht ist gänzlich veraltet und erledigt als Gegenstand der Diskussion und existiert heute nur noch als eine M a ch t f r a g e.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Freilich haben nicht alle Konservativen so ehrlich wie der Freiherr von Hamm er st ein offen erklärt, daß sie an diesem Wahl- recht festhalten, weil es den Konservativen vor allem nützlich sei.(Hört! hört!) Da sie das Wahlrecht nicht »nehr verteidigen können, verschieben sie das Feld der Diskussion, indem sie unsere positiven Vorschläge zum Gegenstand ihrer Kritik uiachen, und gegen das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht einen Feldzug eröffnen, indem sie behaupten, es sei u n- möglich, ein ideales Wahlsystem überhaupt zu schaffen. Philosophen mit bekümmerter Miene behaupten, da? allgemeine Wahlrecht führe zur Verrohung, man müsse die Stimmen wägen und nicht zählen und was solche philosophische Originalitäten mehr sind. Es gibt aber keine Reform, die man nicht in derselben Weise unter Hinweis auf die sündhafte UnVollkommenheit alles Menschlichen ebenso wirkungsvoll bekämpfen könnte, wie die preußische Wahlreform. Muß man das elendeste aller Wahlsysteme erhalten, weil es nach Ansicht jener Philosophen ein allgemein an- erkanntes, vollkommenes Wahlrecht nicht gibt, muß man im Dreck der Urwelt stecken bleiben, weil man nicht in den Himmel fliegen kann?(Sehr gut I) Man spricht vom rohen Kult der Zahl; aber das Wesen jedes Gesetzes ist es, nicht zu individualisiereu, sondern zu generalisieren. In diesem Sinne gibt es leine ödere Gleichmacherei als das Grundgesetz der Monarchie. Auch ein D u ,n m k o p s kann nach diesem Grundgesetz der monarchistischen Gleichmacherei ein Reich beherrschen. kleines femUetou- Scotts Sxpeclition. Ihre wissenschaftliche Bedeutung. Als am 1. April 1912 der Draht vom fernen Neuseeland die Kunde von der Rückkehr der„Terra Nova", des rschjfses der„Bri- tischen Antarktischen Expedition", in die Welt trug, mit der näheren Meldung, daß Kapitän Scott mit vier seiner Begleiter beim Abgang des«chifsis aus dem Winterquartier von seinem Vorstoß zum Süd- Pol noch nicht zurückgeloescn sei, daß er jedoch bereits am 3. Januar 1912 37 Grad 32 Minuten südlicher Breite erreicht hätte, da be- dauerte»nan Scotts Mißgeschick. Hatte ihn doch Amundsen in dem Wettrennen zum Südpol geschlagen. Man zweifelte indes nicht, daß es Scott mittleriveilc bereits gelungen fem würde, auch seinerseits den Südpol zu erreichen. Diese Genugtuung ist dem lühncn Piomer der Südpolarforschung, der auf seiner ersten Expedition (1901 bis 1904) bereits über den 82. Grad hinaus vorgedrungen loar und seinen Nachfolgern den Weg besonders durch EntWickelung der«chlitten- und sonstige» Methoden gebahnt hatte, in der Tat zuteil geworden: aber die Tragik seines Geschicks liegt darin, daß ihn nicht allzuweit von seinem rettenden Winterquartier entfernt das Unheil erreichte, nachdem er bereits zuversichtlich hoffen durfte. gleichfalls als Polbezwinger Heinizukehren. Und doppelt tragisch wirkt der Umstand, daß Scott mit seinen vier Begleitern just in den Tagen den Tod in der weißen, unendlichen Einöde der Antarktis gc- funden, da sein ischiss mit frohen und guten Nachrichten von ihm in die Kulturwelt zurückkehrte. Robert F. Scotts Name wird für alle Zeiten unter denen der ruhmvollen Polarforscher verzeichnet bleiben, die ihren Drang in cifigc Xbeiteu mit ihrem Leben befahlen mußten. � ijj einstweilen der letzte tn der großen Reihe, die mit dem holländi- scheu Seefahrer Barents begann,„nd die durch die Jahrhundertc über Franklin und Andree bis�zu Mylius Erichsen führt. Und so schmerzlich das traurige Ende Scotts und seiner vier Begleiter auch sein mag, seine mit so grofzcn yossnungeii unternommene Expedi- tiou ist nicht erfolglos geweicn..llcan braucht dabei die Erreichung des SüdpoleS als eine mehr sportliche denn wissenschaftliche Lei- stung nicht einmal so hock» einzuschätzen; aber auch j» geographischer, geologischer, meteorologischer Hinsicht»st von dem wissenschaftlichen Stgbe, der mit ihm ausgezogen war, Bemerkenswertes geleistet öpefe unumschränkt über Millionen gebieten.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Könnte man es zur Not verstehen, wenn auch nicht billigen, wenn ein Teil der Bevölkerung als angeblich unreif von der staatsbürgerlichen Gleich- berechtigung ausgeschlossen lvird, so ist es jedenfalls der Gipfel des Unrechts, Ivenn man auch unter den Gleichberechtigten da noch Unterschiede macht und sagt: Ihr dürft zwar alle wählen, aber du hast so viel Stimmen, du so viel und du so viele. Es bleibt immer lächerlich, wenn man versucht, die unendlichen Ver- schiedenheiten der Individualität, der Bildung usw. in die Zahlen des Einmaleins zu pressen, wenn man sagt: Du verhungertes Genie hast eine Stimme, du Unteroffizier hast mehr Stimme» und du reichgewordener Bäckermeister hast 40 mal so viel Stimmen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Sicher ist doch Herr v. H e y d e- brand zehnmal klüger als viele von seinen Fraktions- kollegen. Ich erinnere nur an sein Wort:„Wir sind doch als Preußen hell genug, um zu wissen, daß kein Gesetz, auch kein Wahlgesetz, ewig sein kann. Diese Dinge müssen sich anordnen im wechselnde» Fluß unserer ganzen politischen Entwickelung, und die Partei, die nichts anderes für sich hätte, als die formalen Bestim- mungen des Wahlgesetzes, würde auf die Dauer keinen festen Bestand haben." Schon durch diese eine Rede hat Herr v. Heydebrand bewiesen, daß er in der Tat zehnmal klüger ist, als eine große Reihe seiner konservativen Fraktionsfreunde. Wenn er aber in einer Fraktionssitznng bei einer strittigen Abstimmung erklären würde: ich bin zehnmal so gescheit wie ihr, darum habe ich auch zehn Stimmen, so würden seine konservativen Parteigänger wahrscheinlich glauben, daß bei ihm plötzlich Geisteskrankheit ausgebrochen sei.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Verrücktheit aber, die sofort erkannt wird, wenn so etwas im kleinen Kreise passiert, wird sogar von nationalliberalen Theo- r e t i k e r n als Ausfluß höchster Staatsweisheit geschildert, wenn es sich um größere Zahlen handelt. Wir Sozialdemokraten sagen, was im engeren Kreise Unvernunft ist, ist es im größeren Umfange erst recht. Ja. es ist eine Unverschäintheit I Und wir wollen beitragen zur Beseitigung dieser Unverschäintheit, darum fordern wir»nit unserem Antrag das gleiche Wahlrecht. Das allgemeine Wahlrecht fordern wir, weil wir der Ansicht sind, daß auch die Frauen nicht vom Wahlrecht aus- geschlossen werden dürfen. Wir erwarten einen wohltätigen Einfluß der Frau im politischen Leben, insbesondere in der Richtung der Bekämpfung des Lebens- mittelwnchers und im Sinne der Friedensbewegung. In allen Parteien vollzieht sich jetzt eine gewaltige Wand- l u n g in bezug auf ihre Stellung zur Frauenfrage von den Kon- s e r v a t i v e n angefangen bis zur Fortschrittlichen Volks- Partei. Die Konservativen, die auf dem Standpunkt stehen, die Frau gehört ins HauS und müsse ferngehalten werden vom Ge- biet der Politik, sind den Frauen entgegengekommen bei Gründung des Deutschen Frauenbundes, bei dem Herr v. Liebert Pate gestanden hat. Dainit haben sie sich in Widerspruch gesetzt mit ihrem Grundsatz: Die Frau gehört ins HauS. Denn der Aufruf zur Gründung des Deutschen Frauenbundes besagt aus- drücklich, daß die Frauen aufgeklärt werden sollen über die politischen Tagesfragen, und diese Aufklärung soll erreicht werden in Wort und Schrift über alle politischen, nationalen und sozialen Fragen.(Hört! hört!) An der Entwickelung dieser Organisation haben mitgewirkt die Herren Kreth, v. Olden- bürg, v. Liebert und auch Dr. A r e n d t. Ferner verweise ich die Herren auf die Erziehung, die sie der gegenwärtig heranwachsenden weiblichen Jugend angedeihen lassen, die wirtlich»licht dazu angetan»st, echte holde Weiblichkeit und häusliches Wesen heranzubilden. Gehen Sie doch daran, mit Unterstützung von Offizieren aller Grade, vom Unteroffizier bis zum Generalfeldmarschall, in den P f a d f i n d e r k o r p s des Jung- deutschlandbundes weibliche Abteilungen einzurichten. Ob das eine Erziehung zur Weiblichkeit ist, lasse»ch dahingestellt. Viel- leicht hoffen Sie, daß wenn die ganze heranwachsende männliche Jugend einmal der Sozialdemokratie mit Haut und Haaren verfallen sollte, sich dann A m a z o n e n k o r p s bilden, um dem Umsturz zu begegnen.(Große Heiterkeit.) Die Absicht mag ja löblich sein, aber Erfolg werden Sie nicht haben. Und vor allem stellen Sie sich damit in Widerspruch mit den Grundsätzen, die Sie sonst be- tätigen, und die auch der K a i s e r in seiner bekannten Rede in Königsberg doppelt unterstrichen hat: DieFrau gehört ins HauS. Auch im Zentrum, das in der Emanzipation der Frau einen Verstoß gegen Grundsätze der christlichen Kirche sieht, wonach der Mann der Frau übergeordnet sein soll, gärt es. Auch dort vollziehen sich Wandlungen in den Anschauungen gegenüber der Frauenbewegung. Schon 1909 beschloß der Vertretertag des Windt- borstbundes. jener Organisation, die dazu geschaffen ist, um die Agitatoren für das Zentrum heranzubilden, mit 331 gegen 8 Stimmen die Frauen zur Mitgliedschaft zuzulassen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also auch das Zentrum wird sich schließlich»nit dem Frauenwahlrecht abfinden. Die Nationalliberalen haben in einem Rundschreiben ihres Zentralvorstandes 1911 ausdrücklich die Hoffnung ausgesprochen, den. Der vorher aufgestellte wissenschaftliche Arbeitsplan konnte fast bis in alle Einzelheiten durchgeführt werden. Die automatisch registrierenden»neteorologischen Instrumente haben einen fortlaufenden Bericht über den Luftdruck, die Temperatur, die Windge- schwindigkeit und Windrichtung gegeben, alles Festftellungen, die für die Meteorologie der südliche,» Halbkugel, vor allein Australiens und Neuseelands, von großer Bedeutung sind. Bemerkenswert ist es, daß an der Roßbarriere bei Kap Erozier die niedrigste, je auf der Erde beobachtete Temperatur»nit 77 Grad Celsius unter Null rcgi- ftriert wurde. Auch über die Natur der furchtbaren Schneestürme in der Antarktis, die deren Eigentümlichkeit sind und in solcher Heftigkeit im nördlichen Polargebict nicht vorkommen, konnten be- deutsame Feststellungen gemacht werden. Die höheren atmosphärischen Lagen find durch kleine Ballons erforscht worden; spezielle Untersuchungen wurden hinsichtlich der Tcmperaturverhältnisse in den größeren Höhen vcnnittelst sclbstrcgistriercndcr Instrumente vorgenommen. Weiterhin wurden fortlaufende Beobachtungen der crdmagnetischen Verhältnisse, gleichfalls mit Hilfe selbstregistricreil- der Instrumente vorgenomme»». Das Südlicht wurde den ganzen Winter hindurch jede Stunde beobachtet; auch die atmosphärische Elektrizität war erforscht worden; die Eisverhältnisse und die Phy- siogrrrphie bildeten andere Zweige der Beobachtungen. Vom Schiff aus ivar mit sieben Schleppnetzen erfolgreich die Tiefseefauna er- forscht worden; man entdeckte einige neue Protozoenarten und legte eine große Saminlung von Arten der antarktischen Tiefscefanna an. Diese naturgeschichtlichcn Forschungen wurden durch kine-' in a t o g r a p h i sch e Ausnahmen wesentlich unterstützt. Es wurden kilometerlange Films aufgenommen, die überaus anschau- lich das Treiben der Vögel und der Tiere dieser Regionen erkennen too wurden z. B. interessante Beobachtungen über das Brut- geichasi der Kaiserpinguinc angestellt. Auch sonst wurde jede PImse des Lebens der Robben, per Pinguine und Eismöwen durch ousgc- zeichnete kineinatographische Ausnahmen festgelegt, und zum ersten Mole gelang es auch, tinematographischc Aufnahmen des Tot- schlägerwalslsches in seinem natürlichen Element zu machen. Selbst während des Winters wurden die tiefscebiologischen Arbeiten nicht eingestellt; durch ein Loch, das in das Eis geschlagen war, versenkte man die Schleppnetze. Diese Arbeiten brachten bcmerkcns- werte Aufschlüjse über die Parasiten der Robben, der Pinguine und anderer Vögel und sogar der Fische. Schließlich machte man mit Hilfe von Pendelbeobachtungen erfolgreiche Versuche zur Erfor- jchung der Schwerkraft, daß der H e r a n z i e h u n g der Frauen zur p o l i t i s ch e»» B e- tätigung größere Beachtung geschenkt werde, und daß die Frauen mehr als bisher zur politischen Mitarbeit m nationalliberalen Vereinen herangezogen werde».(Hört! hört I) Ebenso stehen die Freisinnigen der politischen Betätigung der Frau gegenüber, wenn auch auf ihrem letzten Parteitage manche Gegen» sätze in dieser Frage zutage getreten sind. In der Tat ist es das aUcrschreiendste Unrecht, die Frauen noch weiterhin vom politischen Leben auszuschließen. Denken Sie daran, daß acht Millionen Frauen im Erwerbs- leben stehen, die an verschiedensten Fragen der Gesetzgebung auf das lebhafteste interessiert sind. Auch das Argument kann nicht ziehen, daß die Frauen der a l l g e in e i n'e n Wehrpflicht nicht unterliegen. Denen gegenüber, die erklären, daß daS allgemeine Wahlrecht ein Korrelat der allgemeinen Wehrpflicht sei, nmß betont werden, daß die W e h e p f l i ch t den Frauen»mudestenS ebenso schwere Lasten auserlegt, und auch im Kriege kann man der Frau nicht entraten als Samariterinnen und als Helferinnen. Und es ist noch verdienstlicher, Wunden zu heilen, als Wunden zu schlagen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Genau dieselben Gründe, die für unseren Antrag auf Gc- Währung des Wahlrechts auch an die Frauen sprechen, könnte ich anführen für die Herabsetzung der Altersgrenze auf 20 Jahre. Es besteht kein dnrchlchlagender Grund, das Alter von 25 Jahren als die richtige Grenze anzusehen. Mit 20 Jahren wird man Soldat, mit 21 volljährig, dann ist der junge Mann in»- stände, eine Familie zu gründen, einen Haushalt zu errichten, ein Geschäft zu führen, er verfiigt über Ver» mögen, aber zum Wählen soll er nicht reis genug sein. Die eingehende Betrachtung dieser Frage führt auf einige besondere Schönheiten der preußischen Verfassung. Ihr ß 81 sagt, daß die Mitglieder beider Kammern als Ver» treter des ganzen Volkes anzusprechen sind. Zu diesen Vertretern des ganzen Volkes drüben im Herrenhause zählen auch die 18 Jahre alten Prinzen des Königshauses, die ins Herrenhaus nach ihrer Volljährigkeit berufen werden können. Der junge Mann, der im Königsschloß geboren ist, ist mit 18 Jahren Vertreter des ganzen Volkes, er hat die notwendige Reife dazu; der nicht mit der Krone geborene ist höchstens reif, als Kanon eilfutter sein Leben zu lassen für die heiligsten Güter der Nation. Im Kriege sind auch dlese jungen Leute von 18 Jahren nicht minderwertig, nur im Frieden sind sie unfähig teilzunehmen am politischen Leben des Vaterlandes. Selbst in Ungarn mit seinem sonst so schlechten Wahlrecht sind die jungen Leute mit zwanzig Jahren Wahlberechtigt und mit 21 Jahren wählt man in F r a n k r e i ch. in E n g I a n d, in den Bereinigten Staaten und Italien, auch in B u l» garten, Serbien, Rumänien und Griechenland. (Hört! hört!) Sie werden sagen, unser Antrag geht Ihnen zu weit. Dann könnten Sie ihn ja entsprechend amendieren. Wenn Sie ihn aber als Ganzes ablehnen, so ist das»»ichts, als est n e Ausrede, um einer klaren Stellungnahine auszuweichen.(Sehr wahr I b. d. Sozialdemolr.) Die preußische Regierung hat in dem Entwurf von 1910 selbst die direkte Wahl gefordert. Die U n» moral der öffentlichen Wahl ist von den allerbedeutendstcn Leuten hervorgehoben worden. Ich erinnere die Nationalliberalen an den Aufruf ihrer Partei von 1867, worin M i q u e l und L a s l e r das allgemeine, gleiche, direkte, geheime Wahlrecht für das festeste Bollwerk der Freiheit erklären, worin sie Preußens Geschicke als eng mit den Lebens» bedingungen des deutschen Volles verknüpft hinstellen und sagen. sie werden sie um so glorreicher erfüllen, je weiter und breiter alle Klassen zur Beteiligung herangezogen werden, das beschränkte Dreiklassenwahlrecht habe sich überlebt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man das liest und Herrn Schiffer vor sich sieht oder an Herrn Fr i e d b e r g denk», so könnte man wirklich �ine Konsequenz in der nationalliberalen Partei annehmen, nämlich die Konsequenz in der Entwickelung nach rechts. Man könnte da an das Wort Franz Z» e g l e r s von dem blassen Hintersassen der Demokraten denken, das er einmal in einem Gedicht an Lassalle gebrauchte. Wir werden wohl wieder das Schauspiel erleben wie vor drei Jahren, daß die Nationalliberalen grundsätzlich eine reichs- gesetzliche Regelung der Wahlrechtsfrage für erlaubt erklären, dann aber sagen, sie ist unmöglich. Auch das Fentrum wird ähnlich verfahren. Ich beneide es»im sctne Kunst, aus dein wohlassortierten Lager seiner Grundsätze immer diejenigen herauszusuchen,»nit deren Hilfe»nan auf die weiche Seite fällt. Die Wähler des Zentrums beneide ich allerdings nicht um ihren politischen Scharfblick. Herr Spahn meinte freilich im Jahre 1909, der Reichstag sei in dieser Frage an die Initiative des Bundesrats gebunden. Dainit steht er aber im Gegensatz zu Windthorst und so reaktionären Staatsrechtslehreru wie Professor Arndt und L a b a n d.(Hört! hört! b. d. Soz.) In Artikel 4 der Reichsverfassung ist das Staatsbiirgcrrecht als Gegenstand der Reichsgesetzgebung festgesetz» und daraus folgt ohne weiteres, daß das Reich und zwar aus Initiative des Reichstags jederzeit s für die Bundesstaaten eine Ver» Zu diesen bereits im ersten Jahre der Expeditioy gemachten Untersuchungen kommen nun noch die Ergebnisse der seit dem ver- gangenen Winter angestellten Untersuchungen, die zweifellos eben- falls eine Fülle bedeutsamer wissenschaftlicher Resultate gezeitigt haben werden. In erster Linie dürften hier die rein geographischen Feststellungen stehen, die uns nunmehr vermutlich in den Stand setzen werden, uns ein genaues Bild dieses Teiles der Antarktis, aus dem ja auch Shackleton und Amundsen bedeutungsvolle geogra- phische Ergebnisse mit heimgebracht haben, zu machen. So wird es nunmehr vermutlich möglich sein, den gewaltigen vulkanischen Gebirgszug in allen seinen Teilen genau festzulegen, der sich als Ausläufer der Anden gewissermaßen in der Antarktis von Westen nach Osten über den Pol hinweg fortsetzt, und zu dessen Erkenntnis Amundscns Reise bisher am meisten beigetragen hatte. Hinzu kommen weiterhin die noch zu erwartenden geologischen Studien, die durch Teilexpeditionen bereits im ersten Expeditionsjnhre sehr gefördert worden waren. Jedenfalls sind Scott und seine Begleiter Silvan, Oatcs, Bowers und Unterosfizier Evans nicht vergeblich auf dem Felde der Forschung geblieben. Die Ursachen der Katastrohhe sind immer noch im Dunkeln. Gerade Scott hat für die Entwickelung der Polar. fahrten bedeutendes geleistet und gcrade er hatte die Vorbereitung des etappemveisen Vorstoßes durch Anlage van Depots vortrefflich geordnet. Auch durch die DaMvffchenkunst Amundscns hatte er sich nicht verleiten lassen, sein letztes Vordringen zu beschleunigen. Und so war denn ja auch scheinbar alles gelungen. Freilich war der Verlust der Ponys gleich zu Anfang ein harter schlag, der Verzögerung brachte. Aber im übrigen war die Expedition a>»ch mit Hunden und Automabilschlittcu ausgerüstet. Die schlechte Witterung hemmte dann den Rückmarsch und besonders hielt die» Erkrankung zweier Mitglieder auf. War es Storbut, der sie entkräftet hatte? De» letzten Rastplatz, den Seott bezog, vermochte er nicht mehr zu verlassen, um das wenige Meilen entfernte Depot zu erreiche»». Der Sturm machte es nmuögtich, das Zelt zu ver- lassen. Der Mangel an Petroleum und schließlich wohl auch an Nahrung scheint die Katastrophe herbeigeführt zu habe». Aber rätselhaft bleibt es vorläufig doch noch,»varum so tatkräftige und erprobte Männer so nahe dem Depot» das Rettung bringen mußte, .erlagen,. fassung mit gewissen fundamentalen Grund- sähen verwirklichen kann. sLebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Alle-Z, was dem Neichstagswahlrecht, der Neichsberfassung, der freiheitlichen EntWickelung feindlich ist, konzentriert sich in dein einen Worte P r e u(3 e n.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sazialdemo kraten.) Die Verschlechterung des Wahlrechts in S a ch s e n, die Wahlrechtsentrecktungen in Lübeck, in H a in b u r g, jetzt mit Hilfe der Fortschrntler in R e u tz j. L. und Schwarzburg- Rudolstadt wären unmöglich gewesen, wenn die Regierung Preußens die Worte beherzigt hätte, mit denen Wilhelm l. am 25. Juli 1870 in den Krieg zog:„Er hoffe, daß der Krieg dauernden Friedeir bringe und daß aus der blutigen Saat einer von Gott gesegneten Erde deutsche Freiheitund Einigkeit sprießen werde." Die Sehnsucht nach der Freiheit und die An crkennung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung kam bei den Hohenzollern immer zum Ausdruck, wenn.sie das Volk brauchte». Der Krieg brachte die Einheit. Aber an Stelle der Freiheit kam der Kulturkampf, die Polen Unterdrückung, die Ber- schärfung der Strafgesetznovelle und das fluch würdige Sozialistengesetz. Die Herrschenden feiern in diesem Jahre die Wiedergeburt Preußens, das Jahr des Einsetzens aller Kräfte der Nation zur Wiedergewinnung der Hobenzollernschen Hausmacht. Das Volk wartet noch heute auf den Dank vom Hause Hohenzollern. Wie nach 1870 die Katholiken und Sozialdemokraten verfolgt wurden, so damals die deutschen Patrioten. Friedrich Wilhelm III. hatte am 27. Oktober 1810 versprochen, eine „Repräsentation zu geben... dadurch wird sich das Band der Liebe und des Vertrauens zwischen uns und unserem Volke immer fester knüpfen". Am 7. September 1811 wiederholte er diese Absicht. Am 22. Mai 1815, nach dem Kriege, wurde erklärt, daß die Sicherheit und die Ordnung in den Eigenschaften des Regenten gegründet sei, aber trotzdem wurde das Ber- sprechen der Verfassung wiederholt,„um der preußischen Nation ein Pfand des Verrrauens zu geben". Es hieß:„ohne Zeilverlust soll eine Kommission in Berlin eingesetzt werden, um die Vor- arbeiten zu erledigen." Am 5. Juni 1823 wurde noch einmal dasselbe verordnet:„Um unseren getreuen Untertanen ein neues bleibendes Pfand landesväterlicher Huld und Vertrauens zu geben, sollen Provinzialstände in unserer Monarchie in Wirksamkeit treten." Geschehen ist n ich ts. Am 3. Februar 1347 erklärte Friedrich Wilhelm IV. diese Angelegenheit„für eine der w i ch t i g st e n Aufgaben des uns von Gott verliehenen könig- lichen Berufes. So oft die Bedürfnisse des Staates(neue An- leihen, Einführung neuer, Erhöhung bestehender Stenern) es erfordern, werden wir die Provinzialstände der Monarchie zu einem vereinigten Landtag versammeln". Fast wörtlich ebenso sprach W i l h-e l m II. in der Thronrede vom Jahre 1308:„Ich erkenne darin eine der wichtigsten Aufgaben", allerdings der Gegenwart, während es damals noch des von Gott gegebenen Berufs hieß. Und wie es 1815 hieß, daß die Kommission ohne Zeitverlust eingesetzt oder arbeiten solle, so hieß es 1303 in der Thronrede,„niit allem Nachdruck solle die Angelegenheit betriebe» werden". Versprechen auf Versprechen, aber keine Tat. Erst in diesen Tagen hat der Träger der Krone in Königsberg von den Opfern gesprochen, die daS Volk bringen müsse, von den Banden der Liebe und des Vertrauens sowie der Treue zwischen Fürst und Volk. In den Becher der Jubiläumsbeaeisteruna fiele wohl manch bitterer Tropfen Wermut, wenn der kaiserliche Redner seine Blicke noch weitere 50 Jahre hätte zurückschweifen lassen. Da- mals, als sein Ahn Friedrich II. sich wegen der verlorenen Schlacht bei Kunersdorf mit Selb st mordgedanken trug, betätigte sich der 0 st p r e u ß i s ch e Adel als derselbe Realpolitiker, der er heute noch ist. Am Geburtstag des Königs, am 24. Ja- nuar 1753, löste der Adel die Milizen auf, ohne jeden Versuch des Widerstandes gegen die Russen, und die preußischen Stände huldigten feierlich der Kaiserin Elisabeth und dem Thronfolger Peter, indem sie dem Hohenzollern- könig und seinem Hause ebenso absagten. Es ist ja bekannt, daß Friedrich II. nach dem Siebenjährigen Kriege Ostpreußen �»ie mehr betrat, und daß er dem dortigen Adel im Jahre 1781 eine nach- gesuchte Audienz mit dem Bemerken verweigerte,„daß die oft- preußischen adligen Stände sich nur hübsch zurückerinnern möchten, wie sie sich im Kriege von 1756 betragen haben. Sie haben keine Vaterlandsliebe(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten), mithin können sie nicht verlangen, daß Königliche Majestät welche vor sie habe". Dies nur zur Ergänzung der Jubi- läumsreden in Königsberg. Die offiziöse Presse bemüht sich gegenwärtig, die Welt zu über- zeugen, daß die Verlobung der Tochter des Kaisers mit dem künftigen Herzog von Braunsckweig das braun- schweigische Volk aufs freudigste bewege. Ich wage das zu bezweifeln. Braunschweig besitzt bis heute noch ein Wahlrecht, da« sich an reaktionärer Tendenz mit dem preußischen messen kann. Das wird die Stimmung des Volkes erheblich dämpfen, und man muß sich immerhin fragen, ob man nicht damit rechnen kann, daß in das Glockenläuten und in die T 0 l m i b e g e i st e r u n g des offiziellen Schaugepränges der Einzugsfeier auch der Ruf Die patriotische Nebcrschwemmung. AuS Paris wird uns ge- schrieben: Das Pariser Theatergeschäft handelt jetzt hauptsächlich mit dem Mittel Patriotismus. Seit dem„Coup von Agadir" ist er in steigender Aufnahme. Derzeit bieten ihn von den großen Theatern die folgenden aus: Porta Saint-Martin(„La Flambse" von Henry K i st e m a e ck e r S, der einstmals anders konnte), A m b t g u („Coeur de Franyaise" von dem weniger literarischen B e r n ö d e und Aristide B r u a n t, dem Barden der Apachenlyrik, ehemaligen Chat-Noir-ManneS und jetzigem Schundliteraturfabrikanten), Theater Rsj a sse(„Alsace" vom Sensationsprofessionisten Leroux). Sarah Bernhardt(„Servir" vom Bettdichter und Akademiker Lavedau). Dabei ist eine EntWickelung unverkennbar. In dem älteren Stück Kistemaeckers wird das Umbringen eines Spions— natürlich eines ausländischen— sittlich gerechtfertigt, in der nagelneuen Dichtung des Herrn Lavedau ist der Spion ein Heros— allerdings der Spion für Frankreich. Wo alles das Vaterland liebt, kann aber auch Henry Bern st ein nicht hassen. Er ist ehemals, als der Anarchismus in den Salons Mode war, davonglaufen, als er in die Kaserne einrücken sollte und dafür haben die„Camelots du roi" vor zwei Jahren an ihm mit Pfeifen und Hausschlüsseln grimmige Rache genommen. Er aber wollte seine tätige Reue beweisen und beschloß, sich erstens nachträglich zu stellen und zweitens Frankreich ein patriotisches Stück zu schenken. Das erste hat er unter dem Beistande der erforderlichen Reklamephotographen ohne größere Be- schwerden absolviert. Das zweite bereitet sich vor. Die„BousfeS P a r i s i e n s" werden nächstens Bernsteins„Le Secret" aufführen. Der Autor ist vom heiligen Geist des Patriotismus beschattet worden und flüstert allen Reportern das süße Geheimnis ins Ohr. Zwei Arten von Büchcrliebhabern. Wie die kapitalistische Klassenscheidung auch den Charakter in unerwünschter Weise be- einflußt, das wurde an einem interessanten Beispiel in der kürzlich -in Berlin stattgefundenen Konferenz Berliner Arbeiterbibliothekare � � Tie Arbeiter lesen Bücher, um sich in den Geist unserer großen Denker und Dichter zu vertiefen. In dieser Absicht benützen sie die Bildungsstätten, die von privaten oder öffentlichen Körperschaften errichtet wurden. Anders die Angehörigen der sogen, gebildeten Stände. Manche von ihnen verbinden den ideellen Zweck des Bücher- studiums mit einem eminent praktischen. Sie nehmen die Bücher nach beendetem Studium gleich mit nach Hause! Natürlich, ohne daß der Bibliothekar davon etwas weiß. Es zeigt sich hier, wie durch Zugehörigkeit zur besitzenden Klasse K üblen und Denken beeinflußt werden. Der vorherrschende, stark ausgeprägte Eigentumssinn läßt die Bücherliebhaberei in Biblis- Manie ausarten.»»» ' des rechtlosen Volkes nach einem freien Wahlrecht erschallt. Das wäre freilich eine Disharmonie, aber doch nur die einzige Musik, die die Stimmung des Volkes richtig wiedergibt.(Leb- Haftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Heule noch wartet das Volk auf die Gewährung seiner auf Schlachlfeldern und in Straßenkämpfcn errungenen und ihm wieder genommenen Rechte. Es wäre zu wünschen, daß der Träger der Krone in diesem Jubiläumsjahre sich wieder mehr der Auffastung zuneigt. die er in der Thronrede vom Jahre 1308 zum Ausdruck brachte. Aber zu erwarten i st das nicht. Denn auch der Träger der Krone ist ja nicht und kann nicht sein eine über den Parteien stehende Macht, er ist nur der Bollstrecker des Willens der herrschenden Klassen, die königlicher find als der König, und die ihm die Einlösung seines Versprechens aus Gründen der monarchischen Doktrin untersagen, die Graf B r e ß l e r dereinst so definierte, daß„die konstitutionelle Poppendeckelarbeit ins Kehricht gehöre, zur absoluten Monarchie zurückgekehrt und der Adel wieder hergestellt werde". Noch deutlicher sagt er:„Ehe es zur Ausführung eines Planes kommt, der eine Gewalttatgegen die heiligen Rechte der Krone in sich schließt, lieber Republikl Besser, eine Krone ruht, als daß sie geschändet wird." Das ist die Logik, mit der das Junker- tum die Krone zwingt, ihre Interessen wahrzunehmen. Die herrschenden Klassen trauen sich nicht mehr die Kraft zu, in allgemeinen gleichen Wahlen die Mehrheit des Volkes zu ge- winmm, sondern wollen das Wahlgliick durch Klassen-, Plural- und Privilegiensysteme korrigieren, oder auch durch Gewaltmaß- r e g e l n, wie sie Herr v. K a r d 0 r fs im Abgeordnetenhause verlangte. Er und all die anderen sind aber dabei nur Nachlreter des Herrn V. Oldenburg, der 1805 und noch deutlicher im Dezember 1306 die preußische Auffassung aussprach, als er gegen die süddeutschen Wahlreformen die preußischen Bajonette aufrief.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren, die das Reich unter Kuratel Preußens bringen wollen, die die Bundesfürsten zu Vasallen degradieren wollen, handeln nur nach dem Spitzbubengrundsatz: Was euer ist, ist-meinl Und was mein ist, gehl euch nichts an!" und wollen ihn zun: obersten Rechtsgrundsatz proklamieren. Alle diese Angriffe sind im Grunde nichts anderes als Kämpfe der Herrschenden gegen die aufstrebende Klasse der Arbeiter und ihre politische Vertreterin, die Sozialdemokratie. Was ist aus der Zuversicht geworden, mit der ein Bismarck der Sozialdemokratie entgegentrat, als er sagte, er wäre bereit, ihr eine Provinz abzulreten, um ihre Theorien so rasch als möglich ad absurdum zu führen. Bismarck glaubte wirklich, wenn die Sozialdemokratie sich praktisch in der Leitung eines Staatswesens erproben sollte, werde ihre Unzulänglichkeit zutage lreren, und das Volk sich von ihr abwenden. Heute glaubt das weder Herr v. Beth mann Hollweg, noch die preußische Regierung oder der Hamburger Senat. Sie wissen vielmehr, daß die Sozialdemokratie, wenn sie erst einmal hinaufgekommen ist, nicht wieder hinunterzubekommen i st. Darin liegt eine ehrenvolle Anerkennung und Nützlichkeit und Ausführbarkeit unserer Ideen, zugleich aber auch die Anerkennung, daß von der Herrschaft der Sozialdemokratie nicht das Volk Schaden u befürchten hat, sondern die herrschenden Klassen eine un- -equeme Aenderung ihrer angenehmen Lage befürchten. Darum die Furcht vor dem allgemeinen Wahlrecht.(Sehr wahr I b. d. Sozialdem.) Dabei kann in Preußen meine Partei durchaus noch nicht auf die Mehrheit der Bevölkerung rechnen. Das gleiche Wahlrecht würde in Preußen nur eine ähnliche Gruppierung ergeben, wie hier im Reichstag. Die Gegner des gleichen Wahlrechts rechnen aber offenbar mit einer gewaltigen Stimmenzunahme der Sozialdemokratie, sie haben ehrenvolles Zutrauen zur sieghaften Kraft unserer Propaganda.(Sehr gut l bei den Sozialdemokralen.) Diesem Gegner möchten wir zurufen: Habt doch um gotteswillen ein wenig mehr Courage. Kämpft doch aus dem Boden deS gleichen Wahlrechts. und wenn Ihr verliert, wird die Welt auch nicht darüber zugrunde gehen. Sogar der Reich»- kanzler sollte uns dankbar sein, wenn die Dissonanzen mit Preußen durch uns beseitigt werden. Graf Posadowsky hat diese Dissonanzen als Staatssekretär anerkannt, weil sowohl die Majorität im Reichstage als auch die im Landtage Einfluß auf die Regierung ausüben wrll. Da wird auch ein Stärkerer zerrieben als der gegenwärtige Reichskanzler, zumal, wenn dieselben Parteien in den Verschiedenens Parlamenten ver- chiedene politische Ansichten vertreten.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Den so entstehenden Anforderungen gerecht zu werden. dazu genügt nicht mehr die bekannte Rhinozerushaut des F ü r st e n B ü l 0 w, dazu muß man die Eigenschaften eines Chamäleon haben. Das Dreiklassenwahlrccht ist nickit nur ein Unrecht und«in Unsinn, eS ist auch eine politische Kalamität, für die Re- gierung selbst und für alle Partein, mit Ausnahme der konservativen. Eine Aenderung auf gesetzlichem Wege ist nur möglich, wenn die nationalliberale Partei ihren Widerstand aufgeben wird; aber statt eineS allgemeinen Aufmarsches gegen rechts, sehen wir einen allgemeinen Aufmarsch gegen links. Die Sozialdemokratie geht im Wahlkampfe einer Isolierung ent- gegen, die ihr als Partei sehr nützen wird, aber der Sache der Wahl- reform großen Schaden zufügt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Die Angst vor der Polizei, die Angst vor demTerro- In der einleitend angeführten Konferenz wurde festgestellt, daß im Lesesaal der„Oeffentlichen Bibliothek und Lesehalle"— einer Stiftung des Genossen Hugo Heimann—, während der 13 Jahre ihres Bestehens 2 Bücher entwendet wurden. Aus dem Lesesaal der Königlichen Bibliothek dagegen, zu der man nur nach ausreichender Legitimation Zutritt erhält, verschwanden allein im letzten Jahre 136 Bücher auf Nimmerwiedersehen! Während die Heimannsche Bibliothek fast ausschließlich von Ar- heitern benutzt wird, die ohne jede Legitlmation den Lesesaal be- treten dürfen, rekrutiert sich das Lesepublikum der Königlichen Bibliothek fast nur aus Studenten, Gelehrten, Beamten usw. Nottzen. — Theaterchronik. Die Direktion des Deutschen Schauspielhauses hat ihren Vertrag mit der Freien Volksbühne bis Mitte Mai verlängert. An den Moirtagaben- den und den Sonntagnachmittagen geht Hardts Schauspiel„Der Kampf umS Rosenrote" für die Volksbühne in Szene, während an allen übrigen Abenden der Woche Sudermanns „Guter Ruf" zur Aufführung gelangt. — Ein„Freischütz" ohne Damen. Im Regens- burger Klerikalseminar wurde zum Fasching Webers„Freischütz" aufgeführt, aber— ohne Damen. Der Rezensent des klerikalen „Rcgensb. Anz." freut sich ganz riesig, daß man im bischöflichen Seminar in das„Atrium der sublimen dramatischen Kunst" ein- getreten ist.„natürlich" ohne Damen; obwohl damit das schöne Lied„Wir winden dir den Jungfernkranz" nicht genügend zur Geltung gekommen fem durfte. Er schwärmt von der Ausführung und sagt: daß die..hochphantastische Jmpulsion" so exakt und sicher herausgearbeitet war. daß man„nichts mehr darüber hinaus wün- scheu" konnte.— Wie sollte man auch. — Ein Denkmal für Otto Ludwig wurde in Dres- den auf der Grabstatte des Dichters enthüllt. Es ist«in Gedenk- stein, den Meister Adolf Hildebrand mit einem Rolies geschmückt hat. — Den„W 0 h l t ä te r n" ins Stammbuch. Di« der öffentlichen Wohltätigkeit vom„Berliner Tageblatt" mit dem Erfolg von 11,05 M. unterbreitete Dichterin Else Lasker-Schüler beschwert sich in diesem Blatte über die Art und Weise der Samm- lung.„Es handelt sich, schreibt sie,„«weniger um mich als NM meinen Knaben, dem ich �eses Opfer, das größte meines Lebens, bringe, indem ich weine �ahne streiche. Wie man mich jedoch in einigen Zeitungen zu Markte trägt, empört mich aufs grenzenloseste; ich oanje für dergleichen bettelnde Wohltaten." rismuS der Rechten, die Angst vor den Philistern bei den eigenen Parteigenossen treibt die Liberalen herdenweise ins Lager der Rechten. Dadurch nützen sie uns, denn die Isolierung hat uns noch immer genützt, aber sie schädigen die Sache der Wahlreform und beseitigen den letzten Schein von Hoffnung, daß in Preußen auf dem Wege rubiger innerer Gesetz- gebung ein Fortschritt erreichbar ist. In dieser Situanon halten wir es für unsere Pflicht, alle Möglichkeiten einer gesetz- lichen Weilerentwicklung zu erschöpfen, indem wir den deutschen Reichstag auffordern, dem politischen Notstand in Preußen und anderen Bundesstaaten ein Ende zu machen, freilich nicht auf dem Wege des Antrages P a ch n i ck e, der keinerlei Richtlinien für die Wahl der Volksvertretung gibt, Wir erfüllen diese Pflicht, um mit ruhigem Gewissen der Zukunft entgegensehen zu können. Wir sind friedliche Leute(Lachen rechts. Sehr wahr! bei den Sozial- deinokraten), wir sind Fanatiker der Gewaltlosig- k e i t(Zustimmung bei den Sozialdemokraten), wir sind unverbesserliche Optimisten in der Hoffnung auf die gesetzlich geordnete Erfüllung unserer reif und überreis gewordenen Forderung. Was aber sollen wir jenen Leuten entgegnen, die uns sagen:„Ihr seht doch, daß auf gesetzlichem Wege nichts zu erreichen ist, der König hält sein Wort nicht, die Regierung bleibt passiv, die bürgerlichen Parteien sind teils unwillig, teils ohnmächtig, und die Reichs- g e s e tz g e b u ng versagt." Wie sollen wir die naheliegenden Schluß- folgerungen widerlegen, die sich aus solchen Voraussetzungen ergeben. Sie tagen vielleicht: die praktische Betätigung dieser Folgerungen wäre ein Unglück sür das Slaatsganze und vielleicht auch für meine Partei. Ich bestreite das nicht, aber gerade um dieses Unglück z» verhindern durch eine weit vorausschauende Politik, habe» wir unseren Antrag eingebracht. Sie ahnen ja gar nicht, welche Summe von Haß und Erbitterung in den Massen ausgespeichert ist. nur ein Polizeihirn kann glauben, daß dieser Haß und diese Er« bitterung eine Folge sozialdemokratischer Verhetzung ist. Die Masten wollen sich nicht mehr als Sklaven behandeln lassen, sie verlangen ihren Anteil an den Rechten des Staates und der Ge- sellscbafl. Dieser Bewegung den weilen Spielraum zu öffnen, das wäre wahrhaft konservativ und staatserhaltend. Sich ihr mit brutaler Gewalt entgegenzustemmen, heißt den Grundsatz betätigen: Nach uns die Sintflut. Auf die Dauer können Sie nicht über ein Volk regieren, da? an Gerechtigkeit nicht mehr glaubt, das Ihre Versprechungen ver- lacht, das Sie haßt und Ihnen mißtraut. WaS man die äußere Ordnung nennt, könnten Sie vielleicht noch lange Zeit aufrecht erhallen; aber dieser Zustand wird krank durch und durch, dieses Regiment wird morsch sein, und die schwere Leidens- und Wartezeit, die sie über das Volk verhängen, muß eines Tages zu Ihren, Schrecken ein Ende nehmen. Darum warnen wir, darum raten wir, darum bitten wir: Nehmen Sie unseren Antrag an I Aber mögen Sie beschließen, was Sie wollen, unser Kurs bleibt unverändert, an dem Erfolg unserer Sache verzweifeln wir nicht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Mögen Sie auch nickt an die M a ck t der Masse glauben, wir fühlen sie, sie steht hinter unS, sie treibt uns vorwärts, sie hat trotz aller Verfolgung unsere Partei zur stärksten im Reiche emporgehoben, sie wird endlick auch dieser Forderung zum Siege verhelfen. Wir werden, davon sind wir fest überzeugt, dafür sprechen die Lehren der Geschichte, dafür sprechen die Erfahrungen der Länder aller Welt— wir werden zu unserem Ziel gelangen, und nur darüber haben Sie zu enisckeiden, ob wir dahin gelangen mit Ihnen oder über Siel(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten) Abg. Dr. Spahn: Der Antrag widerspricht dem födera- listischen Charakter des Reichs und wir lehnen es ab, auf seine matzlosen Forderungen im einzelnen überhaupt einzugehen. (Lachen bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Burckhardt(Wirtsch. Vg.): Wir stehen auf demselben Standpunkt, obwohl wir im Abgeordnetenhaus überhaupt u n- vertreten sind und den Wunsch haben, dort vertreten zu sein. Der Antrag dient nur Agitationszwecken. Wir hätten in Preußen längst ein vernünftiges Wahlrecht, wenn es keine Sozialdemokratie, sondern nur eine christlich-nationale Arbeiter- bewegung gäbe.(Stürmisches Gelächter bei den Sozial- demokraten.) Damit schlietzt die erste Lesung. Da ein Antrag auf Kom- missionsberatung nicht vorliegt, wird sofort in die zweite Le- fung eingetreten. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die gähnende Leere auf den Regierungsbänken und auf der Rechten ist ein Beweis für die Notwendigkeit dieser Debatte und unseres Antrages, der den gegenwärtige» schmachvollen poli- tischen Zuständen in Preußen ein Ende machen soll.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.— Großer Lärm rechts.— Zurufe rechts: Schmachvoll?) Wir erleben ja immer dasselbe Bild.(Er- neute Zurufe rechts: Schmachvoll?) Vizepräsident Dove: Ich bitte, die Zulässigkeit dieses Ausdrucks nicht weiter zu bezweifeln. Auf Personen angewendet, würde ich ihn rügen. Aber auf Zustände angewendet, unterliegt er nicht meiner Kritik.(Lebhaftes Bravo I links.— Unruhe rechts.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Wie immer werden Kompetenzbedenken vorgebracht. Am un- verständlichsten ist die Haltung des Zentrums. Wenn die Regierung einen Entwurf vorlegt, will das Zentrum ihm zustiminen. Als ob der Reichstag nicht dieselbe gesetzgeberische Initiative hätte, wie die Regierung.(Sehr richtig! links.) Die Haltung der Rechten ist auch höchst sonderbar. Man denke nur an Schwarzburg- Rudolstadt. Die dortige Regierung hat beim Slaatsrechtslehrer Laband ein Gutachten eingeholt und Laband hat erklärt, daß gegebenenfalls, wenn die Regierung mit dem Landtag nicht regieren kann, die Exekutive des Reiches einsetzen und die Regierung dort auch ohne Budget regieren könnte.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Dieses Gutachten ist in der gesamten kon- servaliven Presse mit Begeisterung begrüßt worden.(Hört, hört! links.) Jetzt aber soll auf einmal das Reich nicht das Recht haben, ein Gesetz, wie wir es vorgeschlagen haben, zu erlassen. So geht die Logik zum Teufel, wenn man nur seine barbarischen Gcwaltinstinkte dem Volke gegenüber durchsetzen kann.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten. Unruhe rechts.) Ich glaube, wenn es sich darum handeln würde, von Reichs wegen gegen Württemberg, Baden, Bayern oder Hessen vorzugehen, so würde sich die Rechte auch nicht so sehr wehren.(Sehr wahr! links.) Aber jetzt wird Zeter und Mordio geschrien, weil es sich um das geliebte Preußen handelt und um M e ck l e n b u r g mit dem Ochsenkopf im Wappen.(Heilerkeit links.) Nicht aus juristischen Gründen, sondern aus politischen Gründen wird unser Antrag verworfen. Im übrigen haben die Herren aus der Rechten sich wirklich niemals an das formale Recht gehalten. Wenn sie nur ihre Forderungen durchsetzten, auf ein bißchen mehr oder weniger Gewalt kam eS nicht an.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ihre juristischen Be- denken glauben wir Ihnen allen nicht, auch dem Zentrum nicht. Diese juristischen Bedenken werden nur vorgeschoben als Wand- schirme, hinter denen man ungestörter seinen politischen Intrigen nachgehen kann.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Ihnen unser Antrag im allgemeinen nicht behagt, weshalb bringen Sie nicht Amendements ein. Aber das tun Sie nicht, Sie wollen nicht, daß sich auf unseren Antrag eine Mehrheit ver- einigt. Wenn das Zentrum wollte, es könnte ebenso mit den Mitteln der stärksten Demagogie und der politischen Intrige vorgehen wie beim Jesuitengesetz.(Großer Lärm im Zenttum.) Vizepräsident Dove: Sie sprechen doch nicht etwa von Mit- gliedern dieses Hauses? Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Selbstverständlich nicht.(Stürmische Heiterkeit.) Ich denke an die Oberen des Jesuitenordens und an die Herren, die jenseits der Alpen sitzen.(Lachen im Zentrum.) Beim E n t- eignungsgesetz war nach Ansicht des Zentrums der Reichstag zuständig. Da lag ihm daran, eine Mehrheit hier zu bekommen, da wollte es sich an der Regierung reiben. Aber hier liegt dem Zentrum nichts an dieser Mehrheit, weil es eben eine Wahlrechtsreform ernstlich nicht will.(Widerspruch im Zentrum.) In den Akten des Abgeordnetenhauses ist dokumentarisch festgelegt, wie weit das Zentrum im Volksverrat gegangen ist, nur weil es in den Armen der Konservativen lag und mit ihnen Brüderschaft ge< trunken hatte zu dem Zweck, gemeinsam das Volk über den Löffel zu barbieren.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.— Unruhe rechts und im Zentrum.) Vizepräsident Dove: Diese Worte können sich aber nur auf Mitglieder des Hauses bezichen.(Stürmische Heiterkeit links.) Abg. Dr. Liebknecht: Oh nein!(Heiterkeit.) Die Sünden, die das Zentrum damals im Abgeordnetenhause begangen hat, werden unvergessen bleiben, und diesen politischen Sünden wird auch die gerechte Sühne folgen. Es hätte sich im Abgeordnctenhause eine Mehrheit für den freisinnigen Wahlrechtsantrag auf geheimes und direktes Wahlrecht gefunden, wenn das Zentrum nicht mehrere Dutzend seiner Abgeordneten abkommandiert ätte.(Stürmisches Hört I hört I links.) Wenn das Zentrum auch ie entscheidende Schuld dafür trägt, daß der freisinnige Wahlrechts- antrag zu Fall kam, die Nationalliberalen haben nicht viel bester gehandelt.(HörtI hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Es ist ein offene« Geheimnis, daß eine Reihe national- liberaler Abgeordneter während der Abstimmung über den Wahlrechts- antrag wohl im Haus, aber nicht im Saal waren.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Vor einigen Tagen hat im Ab- geordnetenhaus der Zsillrumsabgeordnete G r o n o w S k i erklärt, das Zentrum sei mindestens für was geheime und direkte Wahlrecht. Das heißt mit anderen Worten, daß das Zentrum nicht mehr alö das geheime und direkte Wahlrecht für Preußen verlmigk. (Widerspruch im Zenirum.) Wen» man in solchen grundsätzlichen Fragen in einer Debatte, in der dicjGrundsätze der Parteien nieder. gelegt werden sollen, erklärt daß ma» minoestens das geheime und direkte Wahlrecht haben will, so meint mu» damit, daß man darüber hinaus keine ernstlichen Forderungen hat,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokralen. Widerspruch tm Zenirum.) Der Abg. G r o n o w s k i hat vielleicht nicht auS dem Verstände, wohl aber auS dem Herzen des Zentrums heraus geredet,(«ehr gut I bei den Sozioldeniokraten.) Die sreikoniervative Partei wollte, wie die Herren v. Zedlitz und v. Kardorff im vorigen Jahre unter dem schmerz- haften Eindruck der erliueneii Prügel sagten, aus der Niedertage lernen. Aber sie war ja von je die rücksichtsloseste Vertreterin der mechanistischen Staatsauffassimg und der Unterdrückung der Volks- Massen, sie wollte in Preußen auch noch die D r i t t e l u n g der llr Wahlbezirke bei' eilige n, die einzige Bestinniiung, die es ermöglicht, daß in durch und durch proletarischen Bezirken.die Bolksm äffen sich Gehör verschaffen können. Hemd in Hand mit den Natiönalliberalen liefen die� Freikouservativeu dagegen Sturm. Wenn man daran denkt, so weiß man, was hinter den formellen Er- klärungen steckt, mit denen sie sich den Rücken zu decken suchen. Htrr v. Z e d l i tz forderte eine Reform de» tomtyunalen Wahlrechts dahin, daß überall das„alte bewährte Drei- klassenwahlrecht" eingeführt wird.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Diese Partei arbeitet also systematisch auf die weitere Entrechtung des Volkes hin. Und die nennt sich Reichs- Partei. Eigentlich ist es keine Partei, sondern nur eine kleine Kotterie, und wir erwähnen sie nur, weil sie uns die besten Objekte zur Demonstration der Rückständigkeit in Preußen bietet.(Heiter- keit.) Ihr Sturmlauf im Abgcordnetcilhause gegen den Reichstag ist ein Vorgang von historischer Bedeutung. Im vorigen Jahre hat sich der Justizmiiiister B e s e l e r daran beteiligt, in diesem Jahre Herr v. Dallwitz. Und die Konservativen, die beständig gegen das Reich hetzen, bestreiten dem Reiche das Recht, sich um Preußen zu bekümmern. Wo es sich darum handelt, Volks- rechte zu verkürzen und zu verkümmern, hält das Abgeordnetenhaus sich für kompetent, einzugreifen. Der Er- Weiterung der Volksrechte setzt es Schwierigkeiten entgegen. Haben wir es doch erlebt, daß süddeutschen Staaten wegen der Verbesserung des Wahlrechts mit preußischer Gewalt gedroht wurde. Das ist ein unglaublicher Mangel an Verswämlhcit.(Große Heiterkeit und sehr gut I Präsident Kaempf bittet den Reder, sich zu mäßigen.) Auf die Dauer kann Preußen nicht eine durchaus andere Ver- fassung habex,, wie das Reich. Die Spannung zwischen Preußen und dem Reich ist ganz unerträglich geworden. Wir Sozialdemo- kraten haben dort noch nicht den zwanzigsten Teil des parlamentarischen Einflusses wie hier.(Abg. Schultz(Rp.): Gott- s e i d a n k I) Auf die Dauer ist das unhaltbar und diese UnHalt- barkeit ist klar hervorgetreten durch die a r rjo g a n t e Art, mit der Herr v. K a r d o r f f in der Art eines Grandseignenrs gegen das Reich auftrat.(Präsident Kaempf bittet den Redner sich zu mäßigen.) Ich will gern zurücknehmen, daß Herr v. Kardorff wie ein Grandseigneur aufgetreten ist.(Große Heiterkeit.) Das junkerliche Preußen kann mit dem Reich zugleich nicht auf die Dauer bestehen, hier gibt es kein»sowohl— als aucb", sondern nur ein»ent- weder— oder(Lebhaftes Sehr richtig I> Sie möchten dem Volk das Wahlrecht nehmen, ober das Zählrecht lassen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Sie möchten die preußische Polizei in den Reichstag einziehen lassen. Sie stärken, die preußischen Finanzen, um der Erbschaftssteuer im Reich entgegentreten zu können. Die Politik der Sozialdemokratie geht dahin, das Junkerprcußen zu zertrümmern und ein freies Preußeu zu schaffen. (Große Unruhe rechts. Präsident Kaempf: Ich kann nicht zu- geben, daß Six einer Partei dieses Hauses vorwerfen, sie wolle das Reich zertrümmern. Stürmiswe Heiterkeit.) Wir wollen— selbstverständlich bildlich— mit allen Mitteln daS junkerliche Preußen zertrümmern und das Deutsche Reich von dem preußi- scheu Joch befreien.(Unruhe rechts.) Ihre Stellung zu unserem Antrag beweist Ihre Schwäche und Ihren Mangel an Selbstvertrauen, genau so, wie Ihre Haltung im Abgeordnetenhause. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie wollen keine inner- polftische PazifizierungSpolitik, sondern Sie treiben eine Provokationspolitik, um der Bevölkerung mit Gewalt gegenüber zu treten. Elsaß hat ein freies Wahl- recht erhalten, nicht auS liberalisierender Neigung der Negierung, sondern wegen der Spannung zwischen Deutschland und Frankreich, die es nicht erlaubt, einen Staat an der Grenze zu haben, dessen Bevölkerung feindselig bleibt. So greifen inner- und außerpolitische Notioendigkeiten ineinander über. All Ihr patriotiswes Geschrei wird im Volk keinen Enthusiasmus hervorrufen, das Volk wird sich erinnern, daß eS feine Knochen ISIS so gut wie 1870 hat zerschießen lassen, und daß man ihm trotzdem die Gleichberechtigung versagt. Die Gefahren, die in unserer EntwickeluNh liegen, sind durch Ihre Freunde heraufbeschworen, durch die sogenannte preußische Re- gierung.(Präsident Kaempf: Sie dürfen die preußische Regie» runks nicht herabsetzen!) Die wirklich Herrschenden in Preußen sind ja die Herren von der konservativen Partei Arm in Arm mit denen von der Mitte. Wir find entschlossen, das preußische Wahl- recht zu erobern, und wir werden es erobern. Die Sozial- demokralie läßt sich durch Ihr blindes Wüten nicht ins Bockshorn jagen! sie ist entschlossen, mit einer ganzen Welt von Feinden fertig zu werden, sie wird auch mit Ihnen fertig werden.(Leb- haster Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sivkovich(Vp.): Das mecklenburgische Volk hat sich bei den Wahlen in seiner überwältigenden Mehrheit für einen modernen Verfassungsstaat ausgesprochen. Die mecklen- burgische Verfassung stammt aus dem Jahre 1755, sie ist aber nicht ein altehrwürdiges Kleid, sondern ein alter schäbiger Rock, der endlich beseitigt werden muß. Ueberall sonst ist die ständische Verfassung längst zum allen Eisen geworfen worden, nur in Mecklen- bürg besteht sie ininter noch. So kann es auf keinen Fall weiter gehen. Die Bevölkerung Mecklenburgs im Gebiete der Ritterschaft geht ständig zurück.(Hört I hört I links.) Das ist da« furcht- barste Edikt, das über die Zostände in Mecklenburg gefällt werden kany. Wenn alle Mittel erschöpft sind muß der Reichstag helfen. Wir wollen nicht etwa, daß uns nun etwa das Reich sofort ein Wahl- recht aufoktroyiert. Wir sind nach wie vor für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht auch für Mecklenburg, aber wir sind natürlich zunächst auch mit Abschlagszahlungen zu- frieden, vorausgesetzt, daß das Gebilde überhaupt den Nainen einer Volksvertretung verdient. Das bis jetzt von der Regierung vorgeschlagene Repräsentalivsystem verdient diesen Ehrennamen nicht. (Sehr wahr!) Abg. Herzfeld(Soz.): Die Tatsache, daß sich die ausschlaggebenden Parteien im Reichstag bei dieser wichtigsten politischen Frage des Reichs hinter Koiiipetenzbcdenken verstecken, ist ein trauriges Zeichen für die politische Bildung im deutschen Bürgertum.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Wenn man wenigstens den Mut hätte, zu sagen, e« handelt sich hier um die größte politischeFrage für das Deutsche Reich, und da wollen wir die Sozialdemokratie und die breiten Massen des Volkes, die hinler ihr stehen, nieder- halten. Aber Konipetenzbedenken hier vorzubringen, ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Wähler. Deshalb meine ich, wenn wir auch heute im Deutschen Reichstag die Besiegten sein werden, im Lande draußen werden wir die Sieger sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es handelt sich hier um die Macht des Reichstags gegenüber Preußen. Es handelt sich nicht uin das Wahlrecht in Süddeutschland, auch nicht in Mecklenburg. Wenn in Preußen ein demokratisches Wahlrecht kommt, dann brauchen wir nicht bange zu sein um das Wahlrecht in Mecklenburg.' Fällt der Herzog, dann fällt der Mantel nach. Mecklenburg ist nie etwas anderes gewesen, als der Mantel Preußens. Vor einigen Tagen sagte Graf PosadowSkh, wenn der Reichstag ein politischer Faktor sein will, dann muß er imstande sein. seinen Willen durchzusetzen. Sind wir dazu jetzt imstande? Wir haben die einheitlichen Wahlurnen beschlossen, aber Preußen wünscht die Wahlurnen nicht, deshalb bekommen wir sie nicht. Herr Mermuth im Reich wollte die E r b s ch a f t S- st e u e r. Er mußte über die Klinge springen, denn Zentrum und Konservative in Preußen wollen sie nicht. So herrscht Preußen im Reich� Diese Machtfrage zeigt sich auch in der äußeren Politik. Das haben wir erlebt, als hier ansgesprochen wurde, daß unter allen Umständen die Nibelungentreue den österreichischen Verbündeten gehalten werden mllffe. Woher kam das? Weil das Zentrum, unterstützt von seinen Bundes« genoffen, den Konservativen, dies Eintreten für Oesterreich wünschte, da es in Oesterreich seine Interessen besonders gefördert meint. Wohin die Dinge kommen, wenn eine Klasse wie das Junkertum unter ollen Umständen an ihrer Macht festhält, beweisen die Ver- hälmisse in Mecklenburg. Dort handelt eS sich klipp und klar um eine feudale Ständeherrschast. Natürlich ist eS unmöglich, ihr nun ein demokratisches Wahlrecht aufzupfropfen. Da» kann nur der reinste Utopist glauben, der von den tat« sächlichen Machtberhältniffen keine Vorstellung hat. So wahr es ist, daß es in Preußen nicht durch Verhandlungen mit den Ständen zu einer Umwälzung des Staatsrechts gekommen ist, sondern erst durch die Revolution von 1348, so werden auch die Verhandlungen mit den Ständen in Mecklenburg allein niemals zu einer Aufhebung des feudalen Staats führen. Als der König von Preußen vor den Barrikaden den Hut abnahm, da ent« stand auch in Mecklenburg der konstitutionelle Staat; aber als in Preußen die Revolution niedergeschlagen war, wurde er wieder beseitigt. Der Grund war eben, daß in Wirklichkeit die Herr» schaft der feudalen Ritterschaft ganz unerschüttert war. Sie war so unerschüttert, daß sie heute noch bestebt. In Mecklenburg muß der Landesherr die Ausgaben für das Landesregiment be» streiten. Infolge der Zollpolitik im Reiche kommt er nicht mehr auS mit seinen Mitteln, und weil die Junker ihm seit 1910 keine Zu- schüsse mehr bewilligen, deshalb der große Eifer der mecklenburgischen Landesregierung, dem Lande eine Verfassung zu geben. Aber bei allen Entwürfen handelt es sich nur um ein ständisches Wahlrecht. Arbeiter und Mittelstand bleiben rechtlos. (Hört! hört!) Es bleibt nichts übrig, als daß zunächst inPreußen ein demokratisches Wahlrecht durch den Reichstag eingeführt wird. Das wird in dem Moment möglich sein, wo die Klassen draußen, die daran ein Interesse haben, die Macht errungen haben, um den Deutschen Reichstag dazu zu zwingen. Mit dem Reichstagswahlrecht ist ein Dritteil des deutschen Volkes zu einer Macht geworden, ist emporgehoben zu einem Be» wußtsein seiner Macht und Würde. Mit diesem Wahl» recht werden wir weiter ringen um die Seele auch des letzten Mannes im deutschen Volke, und das deutsche Volk läßt sich nicht mehr niederdrücken und in Unkultur halten, das deutsche Volk wird sich in immer größeren Masten und schließlich in seiner großen Mehrheit der Sozialdemokratie anschließen. Dann werden Sie dem Deutschen Reichstag nicht die Zuständigkeit bestreiten können, wenn es sich um die Interessen des Volkes handelt, dann wird der Reichstag dieses Gesetz geben, das daS Wahlrecht bringt.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hofmann-Nudolstadt(Soz.): Unser kleines Land hat ja in der letzten Zeit wiederholt tm Mittelpunkt des politischen Interesses gestanden. Der Grund ist darin zu suchen, daß bei uns ein echter preußischer Junker gegen dos Volk zu regieren versucht.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Er hat es gewagt, einem Landtag mit sozialdemokratischer Mehrheit einen Wahlgesetzentwurs vor- zulegen, der die unglaublich st en Bestimmungen enthält. Wir müßten ja geradezu verrückt sein, wenn wir diesen Entwurf annehmen würden.(Sehr richtig I bei den Soziald.) Es ist schwer, die Leute noch ernst zu nehmen, die bei uns die Politik leiten. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die sozialdemokratische Mehrheit bat bei uns die Regierung niemals gehindert, ihren gesetz- lichen Verpflichtungen als Bundesstaat nachzulommen. Wenn die Regierung nur ein wenig Vernunft und guten Willen ehabt hätte, hätte sie mit der sozialdemokratischen Mehrheit auS» o m m e n können. Aber der Minister v. d. Recke wollte eben nicht. Daher griff er zu diesem erbärmlichen Attentat»» versuch auf die Rechte des Volkes, der aller Vernunft widerspricht.(Unruhe rechts.) Präsident Dr. Kaempf: Sie dürfen von der Tribüne des Reichs» tages herab einer Bundesregierung nicht die Vernunft absprechen. Das ist eine Beschimpfung, die ich nicht zulaffen kann.(Bravo l rechts.)» Abg. Hofmann: Dann schließe ich mit den Worten, daß wir in Rudolstadt bisher von der Vernunft unserer Regierung nur sehr wenig gemerkt haben.(Heiterkeit und Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wurm(Soz.): Ich will nur über einen der tollsten reaktionären Streiche sprechen, der einer gewissen Komik nicht entbehrt. Im reußischen Landtag sitzt ein Fürst von Reuß-Köstritz als Vertreter der früher regierenden Linie. Der junge Herr studiert jetzt und ist 21 Jahre alt. Die Regierung genierte sich offenbar, die beabsichtigte Ver» fassungSpnderung mit seiner Stimme durchzuführen, weil die übrigen Abgeordneten 25 Jahre alt sein müssen. Daher brachte sie ein Gesetz ein, das diesem Fürsten das Recht gibt, bis zum 2ö. Jahre einen Vertreter zu haben. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Das Gesetz wäre hierauf angenommen worden, wenn meine Parteifreunde eS nicht zu ver- hindern gewußt hätten. Was aber tat nun die Regierung? Dieselbe Regierung, die soeben diesen Gesetzentwurf vorgelegt hatte, ließ nun den 21jährigen Fürsten seinen Sitz im Landtag einnehmen.(Hört I hört l links.) Und nun wurde daS bisher leidliche Wahlrecht in ein Fünf klassenwahlrecht umgewandelt I(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur die Nationalliberalen, sondern auch die reußischen Fortschrittler haben für dieses Klassenwahlrecht ge- stimmt.(Lebhaftes Hört I hört l bei den Sozialdemokraten und rechts.) Freilich versuchten nachher die Fortschrittler, diese Herren von sich abzuschütteln. Aber Tatsache ist doch, daß diese Herren als Fortschrittler kandidiert haben. Das neue Wahlrecht bringt außerdem noch eine ungerechte Wahlkreiseinteilung und eine Mehrstimmenrecht. Die reußischen Arbeiter haben auf diesen Wahlrechtsraub die gebührende Antwort gegeben, sie haben den Generalstreik durchgeführt, und am Tage der Wahlrechtsberatung standen alle Fabriken still.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Sie zwingen uns. zu diesen äußersten Mitteln zu greifen. Aber daS Volk wird sich nicht hinreißen lassen, zur unrichtigen Zeit andere Mittel anzuwenden. Aber wenn die Zeit kommt, wird das Volk zu handeln wissen. (Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. In der Abstimmung wird der erste Satz des sozialdemokratischen Antrages gegen die Stimmen der Antragsteller, Fortschrittler und Polen abgelehnt. Für die übrigen Sätze stimmen nur die Antragsteller. Der Gesetzentwurf ist damit in erster und zweiter Lesung abgelehnt und wird nicht zur dritten Lesung gestellt. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr(Justizetat, Postetat). Schluß: S'/z Uhr. parlamentarilcdes. Aus der Wnhlprüfungskommission. Die Wahl des Abgeordneten W a r l o(Zentrum) wurde für gültig erklärt.— Zu lebhaften Debatten kam es bei der Prüfung der Wahl des Abgeordneten Dr. Arendt(ManSseld). Im Wahl» lokal dcS 1. Bezirks der Stadt Eisleben war an der Wahlzelle daS bekannte reichSverbändlerische Schwindelplakat angeheftet, in dem be» haupiet wurde, es seien gefälschte Stimmzettel im Umlauf, die statt auf Arendt auf Arondt lauten. Unsere Genossen beantragten, diesen Protestpunkt als e r h e b l i ch zu erachten, weil daS Plakat an der Wahlzelle, also im Wahllokal befestigt war. Mit 7 gegen 7 Stimmen wurde dieser Antrag abgelehnt.— Die Prüfung der Wahl wird am Donnerstag fortgesetzt._ Die Konkurrenzklausel. In der Miitwochsitzung ist die Beratung des ß 74» des Ent- Wurfs noch nicht zum Abschluß gekomnien. Bon der großen Menge der dazu gestellten Anträge hoben sich aber aus dem Gange der Verhandlungen die Einzclftagen deutlickser ab, die auf eine Mehrheit rechnen können, natürlich soweit die Haltung des Zentrums über- Haupt berechenbar ist. Diesmal ließ es die von allen Seiten an» gegriffenen Grundsätze seines.verbesserten" Antrages fallen und zog sich auf den früheren Antrag zurück, akzeptierte auch die GettungS» dauer von nur einem Jahre für die Konkurrenzklausel. Danach be» steht eigentlich eine große Mehrheit für Beschränkung des Konkurrenz- klauselunwesenS durch: 1. einjährige Geltungsdauer; 2. Zahlung mindestens des vollen Gehalts für die Geltungsdauer. Hiergegen kämpfen nun aber die Regierun gs Vertreter mit aller Kraft an. In der nächsten Sitzung am 18. Februar wird es zur Abstimmung kommen, von der der Wert des Gesetzes für die An- gestellten überhaupt abhängt._ Mariueetat. In der Budgetkommission des Reichstags wurde am Mittwoch bei der Weiterberatung des Marineetats eine lebhafte Debatte über die Stellung und Bedeutung der Deckoffiziere und Unteroffiziere gepflogen. ES lagen mehrere Resolutionen vor. Wir werden zusammenhängend über die am Mittwoch nicht abgeschlossene Debatte berichten. In der Budgetkommisfion des Dreiklassenhauses gab eS am Mittwoch eine kleine Scharfmacherei gegen die pari- tätische ArbeitSver Mittelung. Beim Etat für Handel und Gewerbe bemerkten nämlich nationalliberale und freikonservative Redner, daß die angeblich paritätischen Arbeitsnachweise zu Stütz- punkten für die Sozialdemokratie würden und daß die Sozialdemokratie jetzt auch auf diesem Wege Einfluß auf das platte Land zu gewinnen suche. Vom Zentrum und den Freikonservativen wurde jedoch die Unterstützung der paritätischen und neutralen Arbeitsnachweise gewünscht. Dann wurde der B e r g e t a t beraten. Der Ueberschuß der Staats- bergwerle betrug im letzten Jahre 14.6 Millionen Mark und die Ver- waltung erklärte, daß auch das bevorstehende Etatsjahr einen günsti» gen Ertrag liefern Iverde. Die Debatte beschäftigte sich dann auch mit der Kündigung des Vertrages deS Staates mit dem Kohlen« syndikat, wöbet auch die Frage erörtert wurde, ob eine Ver« teuerung der Hausbrandkohle, wie sie das Syndikat plane, von der Regierung hätte initgemacht werden können. Der Fortschrittler sprach sich unbedingt dagegen aus, auch der Handelsminister; während ein nationalliberaler Redner, allerdings ein Ver« treter des ZechenkapitalS, meinte, daß eine Preiserhöhung der Haus- brandkohle wohl zu tragen gewesen wäre.— Der Ministet antwortete, daß eine verständige Syndikatspolitik« sehr wohltätig wirke» könne, aber man sei schon bis an die äußerste Grenze g e» gangen und habe diese sogar schon teilweise überschritten, und die Regierung könne sich die Freiheit der Preisfestsetzung der Kohle für ihre Bergwerke nicht aus der Hand nehmen lassen. Donnerstag, 1s. Februar 1313. Ansang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Tristan und Ssolde. Ausflug 7'/; Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Prinz Friedrich von.Homburg. Deutsches. Der lebende Leichnam. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Borstellung. Ansang 8 Ubr. Urania. Paris und die Königs- schlösset von Versailles. Kaniiuerspiele.«schöne Frauen. Lessing. Die große Liebe. Deutsches Opernhaus. Eugen Onegin. Königgräyer Strafte. Die süns Frankfurter. Schiller O. llriel Acosta. Schiller- Eharlotteuburg. Reise durch Berlin in 80 Stunden. Drianou. Wenn Frauen reisen. Theater au» Nolleudorfplatz. Die Studeutengrasin. KouiödieuhauS. Die Generalsecke. Groft-Berliu. Das Fürstenkind. Rurflirsteuoper. Der Kuhreigen. Berliner. Filmzauber. Montis Operetten. Der liebe Augustin. Theater des Westens. Die beiden Husaren. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. kleines. Professor Bernhard!. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen. Luisen. Und hätte der Liebe nicht... Metropol. Chausseur— inS Metropol. Rose. Mein Leopold. Herritfeld. Die Alpendrüder. Wüsten- moral. Kasino. Am grünen Strand der Spree. Apollo. Die schöne Galathee. Spezialitäten. Reichshallen. Meyers Hosen. Anfang 8'/, Uhr. Friedr.- Wild. Schauspielhaus. Der Zaungast. Lustspielhaus. Majolika. Walhalla. Alt-Heidelberg. Folies Capriee. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Ansang 8'/, Uhr. Neues Bolkstheater. Helden. Anfang 3 Uhr. AounrakSpalast. Eisballett i Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalideustr. 57—62. 8 Residenz-Tliealer.uhr. Uhr Die Frau Präsidentiu. (Madume la Presidente). Schwank i. 3 Akt. v.Henlicquinu. Veber. Morgen und folgende Tage: Tie Frau Präsidentin. ISfctropot-Theater Chauffeur- ins JKetropol! Große Jahrcsrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a. G. Anjang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. �b 8 Ubr: Ein beispielloser Erfolg! Die großen Spezialitäten. 3 Uhr: Harry Waiden in seiner Groteske „Der Herzog von Westminster." Ufflem Der Höhepunkt des Lach-Erfolges! mit Anton und Donat Herrufeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorwerk. 1l— 2 sTheaterk.) 2lT WaidaHa-TKester. Weinbergsweg 19/20. Roscnthal. Tor. Sonnabend, 15. Februar, 7'/, Uhr: Premiere „Parole Walkalla". Große Jahres-Revue. Heute 8llt Uhr; Alt-Heldelberg. Schiller-Theater 0.1S: Donnerstag, abends 8 Uhr: Uriel Acosta. Freitag, abends 8 Uhr: Wolkenkratzer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Per Kompagnon. Schiller-Theater ChabrÜTn' Donnerstag, abends 8 Uhr: vi« Reise durch Berlin in 80 Stunden. Freitag, abends 8 Uhr� Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Sonnabend, abends 8 Uhr: Urlel Acosta. Berliner Theater. Filmzauber. 8 Uhr Wer in der Königgrätzer Straße 8 uhr- Die fünf Frankfurter. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden l]41. 8 Uhr: Der liebe Augustin. "Theater am Nolleodorlpiatz S. Au allen Tagen der Woche 8 Uhr: Die Studentengräfin. Luisen-Theater. Donnerstag, abends 8 Uhr: - M ,.Und hätte der Liebe nicht...« Schau- spiel in i Allen von E. jtrickeberg und Ernst Rltterseldt. Freitag, abends 8 Uhr:»Und hätte der Liebe nicht...« 6 OSE=ThEATE 1 Theater Königstadt-Casino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstraße. t Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke Tägl. abds.•/■ß. Sonnt>1,6 Uhr: Puppchcn tadellos. Posse m. Ges: in 1 Akt— und das groft. Spezialitätenprogramm Jed. 1. u. 16.: Programmwechsel. Vssino-l'licstSi' Lotbringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Allabendlich ansv erkauft. Stürmische Heiterkeit! Die Berliner Lolalposse Am grünen Strand d. Spree. Größter Kassenerfolg seit Bestehen. Admiralspalast. Allabendlich: Das neue mit durchschlag. Erfolg aufgef. EiSbaliett Flirt in St. Moritz| I. Akt: Wintersport in St. Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel. 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung der kl. Charlotte. Bis 6 U.u.*10'/, haib.Kass.- Preise. Wein- u. Bier-Abt. Große Frantsurter Str. 132. jVlein Leopold. Ansang 8 Uhr. Freitag: Mein Leopold. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Schneewittchen. S Uhr: Zapfenstreich. Trianon-Thealer. Wenn Frauen reisen. Anfang 8 Uhr. Coneordia-Festsäle. Inh.: M. Wendt u. A. Schütze. 64 Andreasstr. 64. Jeden Donnerstag: Große Solree derallgemein beliebten und bekannten HolfoiaDDS Sänger mit vollständig neuem Programm Anfang 8 Uhr. Nach der Erp«, Soiree: � Vorzugskarten haben Tanz. Gültigkeit. Theater des Westens. 8 Uhr: Die beiden Husaren. Deutsches Schauspielhaus 8 Ubr: Der gute Ruf. H?»Mou" ™ 1 Mauarstrafie 82.— Zi :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraSe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes Doppel-Konzert! Husikc. Kaiser-Alexander-Rcg-, Dirig. Kgl. Husikdir. Brase, — Zillertljaler und Tegernseer Sänger- Schuhplattler und Jodler! nstieh vod Drei-Xönigsliier, dem köstl. aller Miineli. Doppelbiere. Anfang; 8 Chr. Eintritt 56 Pf. Anfang 8 Chr. Neue Welt Arnold Scholz Uasenheide 108/114 Heute, Donnerstag, den 13. Febr. 1913: ElitesTag! Im neuen Saal: Gr. Ball. Keine Pleischnotü Braten von 2 ganzen Schweinen. Portion 80 Pf.— Anschnitt 8 Chr.- 5 Kapellen. 30 bayrische MacTl. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Donnerstag, 20. Februar, abends SVj Uhr s Äußerordentllehe General-YersammluDg im grollen Saale des Gewerkschaftshaaseo, Tagesordnung: I#—-.J._ 1 1.._..X.._ zwischen den beiden Msbiibnen. Kartellvertrag Referent: Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt II. Diskussion. Da diese Generalversanunlnng für die Zukunft der Freien Volksbühne entscheidende Beschlüsse zu fassen hat, werden die Mitglieder aufgefordert, zahlreich zu erscheinen. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Der Torstand. Oer Einberufer j. Vertr.: G. Winkler. Nächste Extraveranstaltungen! Operneitravorstelliing: 1.°�- Zar u. Zimmermann. im Deutschen Opernhause zu Oharlottenburg Sonntag, den 16. Härs, nachmittags 8 Chr. Einlallkarten ä M. 1.30. Einführungskonzert zu Cesar Franck's Die Seligpreisungen Sonntag, den 16. März, nachmittags 4 Cbr, im Blüthner-Saal, Lützowstraüe 76. Mitwirkende: Herr Leo Kestenberg: Vortrag: Ctsar Franck's Bedeutung für das Musikleben der Gegenwart. Gesang: Frl. Meta Hotnicka. O r g e 1: Herr Egon Petri. Violoncello: BensMarix Loerensohn. Einlaßkarten k öO Pfennig inkl. Garderobe. 2 Choraufführungen: Cesar Franck: Die Seligpreisungen. Orttndonnerstag, den 20. Härz, abend 8 Chr, im Konzertsaal Friedrichshain. Karfreitag, den LI Harz, abends 7 Chr, „Neue Welt". HihuipVpnitp* Has Blnthner-Orchester 1 Dirigent: nlinü IVlUUC. u der BeriineP Volkschor/ Dr. Ernst Zander. Einlaßkarten im Vorverkauf in aUen Zahlstellen 75 Pfennig, an der Abendkasse M. 1.—. Exlmorslellung im Lessing-Tlieater; Sonntag, 23. März(Ostern), 3 Uhr: Qerhart Hauptmann: Die Weber. Einlaßkarten k M. 1.30 in den Zahlstellen erhältlich.[244/6 Brauerei Friedrichshain Am Königstor.= Im Inseratenteil der gestrigen Nummer des.Vorwärts" ist infolge eines Druckfehlers angegeben: Donnerstag: Elltetag! DM» Wegen Veranstaltung einer Privat-~gMI festlicbkeit fällt jedoch heute das"W gy Bockbiertest ans."WU Nächster Elitetag: Mittwoch, 19. Februar. Relchshallen-Theater Stettiner Sänger. Neu! ____ Humoreske. Anfang 8 Uhr. Urania Wissenschaftliches Theater. Taubcnstralie 48/49. Abends 8 Uhr: Paris und die Königs- schlösser von Versailles Zirkus jlibertSehumann. Heute Donnerstag, 13. Febr., abends 71/, Uhr: Ohne Konkurrenz! 7 Cnftvoltigeure 7 Hegelnianu-Trnppe Neu! Der Bann mit der eisernen Hand sowie Biß Barbara das Wunder weiblicher Kraft. Prolongiert I Cäsarios Löwen- und Tigergruppe, Um 91/, Uhr:"llK* Der unsichtbare Mensch. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, 13. Febr., abends 7'/, Uhr: MM- Nur noch 3 Tage!-MF Bae Korton läßt sich seine Frösche und Goldfische gut schmecken, muß aber sich zum Scheiden von Berlin ent- schließens da er anderweitig verpflichtet ist. Neu! Neu! Der mysteriöse Decken- Ißnfer. Bd. Delita dcl'Oro's 6 dressierte KUhe. Zum Schluß:„Sevilla". Boigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstrafte 58. Donnerstag, den 13. Februar 1313: Gastspiel in Pnhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148. 8toIz und liiebe. Schauspiel in 5 Akten von Rod. Fels. Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8Y< Uhr. folies Capriee. Ansang S'U Uhr. Die drei Saison- Schlager: I« Sachen Kabenstei». Die Doppelfirma. Die Dochtcr der Braut. Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13* Jeden Donnerstag: Tanzkrimzcheu und«ockbierrest. 24156_ C. Mlßle. Passage-Panoptikum 50 wilde Weiber vom Stamme der Igorroten.l ' Lebend I Ohne Extra-Entree![ Männerl Kinder Sur»cn Jubat» ver Juieroie übernimmt die Redaktion de» Publikum gegenüber keinerlei Berautwortuug. «jjretz SSitltSPi Sleulcfla. Für de» Lnseratentsil verantw.: Th. Blecke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts löuchdruckeui u. Berlagsanstalt Laul Singer u. SA, Berlin SÄ, Nr. 37. 80. Zahrgasg. 2. KtilU lies Jormätlf Krlim UcksblÄ DamttsI>>g,I8.!edn«lSlZ. lvsglitrst unä knternierung äer(jeiites- kranken. Der Alugistrat Tvat, wie wir bereits mitteilten,-an den Land- eine Petition gerichtet, welche die Uebernahme der gemeinge- fährlichen, d. l). der unsozialen, insbesondere der verbrecherischen Geisteskranken auf den Staat zum Gegenstand hat. Es handelt sich dabei um eine Forderung, die nicht nur von der psychiatrischen Wissenschaft, sondern auch von sämtlichen Landarmenverbänden Preußens und von beiden Häusern des Landtages selbst in wieder- holten Beschlüssen von der Staatsregierung verlangt ist. Der Magistrat ist der Ansicht, daß mit der Ausscheidung der unsozialen»tranken aus der Provinzial-Jrrenpflege die schwersten, an sich verschieden gearteten Mißstände behoben tocrden, die heut uoch einer gesunde», dem hohen Stande der deutschen Psychiatrie entsprechenden Weitcrentwickelung des Jrrcnwesens entgegenstehen, ja, daß diese Ausscheidung die unumgängliche Porbedingung für eine solche Weitercntwickelung ist. In Ländern mit vorbildlicher Irrcnpflegc, wie England, ja, mich in unserm Nachbarlande Sachsen, ist diese Scheidung bereits seit Jahrzehnten vollzogen. Der Magistrat glaubt um so mehr auf sie dringen zu müssen, als nach der Rechtsprechung des höchsten Reichsgerichtshofcs in diesen Sachen, des Bundesamts für das Heimatlvescn, den Landarmcnverbänden eine Perpilichtung zur Verpflegung solcher Kranken überhaupt nicht abliegt. Dieser Rechtsprechung setzte zunächst die preußische Staats- regierung ihre VerwaltungspraxiS entgegen. Sie stellte sich auf einen anderen Rccbtsstandpunkt und brach den Widerstand der Pro- vinzialverbände. Durch einen Erlaß vom 13. Juli 1904 wies sie die Polizeibehörden an, nötigenfalls die Arnienverbände Zwangs- weise zur Aufnahme solcher Kranker anzuleiten. Diese Pcrwal- tungspraxis lvurdc ein Jahr später durch ein Urteil des höchsten preußischen Gerichtshofes, des Obcrverwaltungsgerichts, sank- tioniert, das in bewußtem Gegensatz zu dem höchste» Reichsgerichts- bof eine Verpflichtung der Landarmenverbände aus Grund der Armcngesctzgebung feststellte. Dadurch ist eine völlige Rcchtsunsicher- heit geschaffen. Diese Vcuvaltungspraxis führte in erster Linie zu einer schweren Schädigung der öffentlichen Jrrenpflcge selbst und einer .Hemmung ihrer EntWickelung im«Sinne der modernen Psychiatric. Während das Gefängnissystcm für Irrenanstalten von der Wissen- fchaft seit vielen Jahrzehnten verlassen ist, nötigen die verbreche- t ischen Kranken die Anstalten zu einem teilweisen gefängnismäßigen Ausbau, lvorauf von den Regierungsbehörden mit aller Energie hingewirkt wird. Da aber die Krankenpflege den Gefängnisein- richtungen natürliche Grenzen setzt, läßt sich doch niemals in einer Irrenanstalt eine so sichere Absperrung erziele», wie in Gcfäng- Nissen. Daher das Streben aller schweren Verbrecher nach der Irrenanstalt und die verhältnismäßig bäusigen Ausbrüche von dort. für ivclchc nicht die Anstalt, sondern das System vcrantivortlich gemacht werden muß. Ein weiterer schwerer Mißstand des preußischen Jrrcnwesens ist die Praxis der Polizeibehörden in bezug auf Jntcruicrung und Fe st Haltung angeblich gefähr- lichcr Geisteskranker: Während im Anfang des vorigen Jahrhunderts nach der preußischen Gesetzgebung eine Unterbringung von Geisteskranken in Irrenanstalten nur vom Gericht angeordnet werden konnte, ist durch die nachfolgende Rechtscntwickelung, ins- bcsrnidery auch durch Ministcrialerlasse aus dem letzten Jahrzehnt nbet Polizei die nur'wenig eingeschränkte Befugnis zur Jnternie- rang beigelegt. Das führt dazu, daß die Polizei alle ihr lästig fallenden Personen mit anormaler Geistesverfassung in den Irren- vnstaltcn interniert. In Berlin insbesondere hat diese Praxis eine große Ausdehnung erfahren, da die Polizeibehörden von den Kom- niunalaufsichtsbehorden in dieser Praxis gestützt werden und da ferner Berlin gegen eine Antoeisung der Aufsichtsbehörde einen Kranken, den es entlassen will, festzuhalten, keine Klage zusteht, wie sie sonst die Provinzen gegen den Oberpräsidenten haben. Bettler, Querulanten und sonstige Lästige, bei denen eine geistige Er- krankung vermutet werden kann, werden in großer Zahl in die Irrenanstalten gebracht, häufig ohne daß auck nur ein Kreisarzt befragt wird. Die Belastung des Etats durch diese Kranken ist auf 999 990 M. jährlich berechnet. Ter Magistrat hofft, mit seiner Petition an den Landtag cnd- lich den Anstoß zu einer die geschilderten Mißstände beseitigenden Reform des Jrrenwesens zu geben. Für Eharaktcriftik über das heute von der Polizei beliebte Ver- fahren der Ucbcrwcisung von Personen in Irrenanstalten seien aus der großen Fahl der Fälle folgende mitgeteilt: 1. Fall Fl. Wird vom b. Polizeirevier ohne kreisärztliches Zeugnis allein mit folgendem Schreiben des Reviers nach Dalldorf gebracht:„I. wurde am 29. 12 der Wache zugeführt, weil er am Schlütersteg die Passanten um Gaben anbettelte; erhalten hatte er nichts. Nach beigefügtem Entlassungsschein ist Fl. am 2. 7. 1912 aus der Irrenanstalt Buch entlassen. Er wird als rückfälliger gc- meingefährlichcr Geisteskranker hiermit der Irrenanstalt Dalldorf übedviesen." 2. Fall I. Nach Aeußcrung des Polizeireviers ein Kaustnann, der von seinen Ersparnissen lebt.„Ein Sonderling, der sich aber still verhält und weder gewalttätig noch gemeingefährlich ist." Er schreibt Briefe an den Reichskanzler, indem er ihn auffordert, abzu- danken und ihm seine Stelle zu überlassen. Der Polizeipräsident läßt ihn daraufhin kreioärztlich untersuchen. Ter Kreisarzt er- klärt:„Ich halte ihn für geisteskrank, aber nicht für gemeingefähr- lich." I. schreibt erneut an den Reichskanzler im früheren Sinne. Der Polizeipräsident legt dem Kreisarzt nahe, daß ihm doch Ge- meingefährlichkeit vorzuliegen scheine. Derselbe Kreisarzt deschei- »igt drei Wochen nach der ersten Untersuchung:„Durch Eingaben an den Kaiser und den Reichskanzler sucht I. die Abdankung des letzteren zu erwirken. Während die Schreiben an letzteren früher in längeren Fristen erfolgten, werden sie jetzt immer häufiger und, obivohl er vom Ehest der 4. Abteilung bereits vcrtvarnt worden ist, dringender. Man ist nicht mehr sicher, ob I. nicht zu ernsteren Mitteln greisen wird, wenn er sich dauernd in seinen Forderungen erfolglos sieht. Ich gebe daher uiein Gutachten dahin ab, daß I. gemeingefährlich geisteskrank ist und der Ucbcrführung in eine Irrenanstalt bedarf." 3. Der Fabrikant Ernst F. ist ein religiöser Schwärmer. Aus dem kreisärztlichen Attest:„F. ist heute nach dem Polizeigelvahr- sam sistiert. weil er, der als geisteskrank erschien, sich wit einem Bittgesuch an Sc. Majestät gewandt hat... er ist orientiert und beantwortet au ihn gerichtele Fragen zweckdienlich. Aus seinen Antworten ergibt sich aber, daß er an phantastischen Wahnideen leidet"(will mit dem Kaiser korrespondieren. Gott habe ihn zum Erlöser der Welt berufen-. Da Sc. Majestät der Kaiser Gegenstand seiner Phantasien ist. muß F. als gemeingefährlich erachtet und deshalb seine Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt im öffentlichen Interesse als notwendig bezeichnet werden." 4. Der Schneidermeister M. wird ohne kreisärztlichcs Attest mit folgendem polizeilichen Ueberwcisungsschein nach Herzberge überwiesen:„M. hat am 11. 12, als der Schutzmann Welker eine dienstliche Recherche bei ihm vornehmen wollte, denselben mit einer Schere bedroht. Da M. vom 10. bis 15. 19. 1912 in der Irrenanstalt Herzberge untergebracht lvar, wird er nach dort übergeführt, gez. B., Polizeiwachtmeister."— Also ein nur fünftägiger Aufenthalt in einer- Irrenanstalt, der doch erweist, daß die Anstaltsleitung geschlossene Pflege nicht für notwendig hält, wird als ausreichend an- gesehen, um einen Polizeiwachtmeister zu ermächtigen, einen ihm geisteskrank erscheinenden Menschen in eine Irrenanstalt zu bringen und damit aus fcmcm Erwerb zu reißen. I Die»leiche rigorose Praxis verfolgt die Polizei bei den Wider- sprüchen gegen die beabsicyligten Entlassungen. Wir erinnern an den der Ocffentlichkeit von früher bekannten Fall Haß, der auf Grund einer im Einverständnis mit dem Herrn Minister des I Innern von dem Polizeipräsidenten erlassenen Anweisung noch ' etwa fünf Wochen in der Irrenanstalt festgehalten wurde, trotz der energischsten und eingehend begründeten Gegenvorstellung der An- slaltsärzte, die ihn für einen harmlosen Kranken erklärten. Welche Anforderungen der Oberpräsident für die Dauer der Jnternierung stellt, ergibt ein auch im übrigen sehr kraß liegender Fall Zeidler, in welchem er auf die Ankündigung der Entlassung eine Ergän- zung des ärztlichen Gutachtens dahin forderte, ob„bei Z. nach seinem Geisteszustände die Willensstärke vorausgesetzt tverden kann. daß er sich außerhalb der Anstalt dcS Genusses von Schnaps und Bier völlig enthalten»verde". Der Magistrat hat darauf die Eni- lassung angeordnet, ohne einen»veiteren Bescheid des Oberpräsi- Kenten abzuwarten. Die Irrenanstalten dürfen nicht zu Für- forgeerziehungsanstaltcn für Volljährige herabgewürdigt werden. Die angezogenen Fälle bilden nicht nur Belege für die magi- stratliche Petition an den Landtag, sondern auch für eine reichS- gesetzliche Regelung des Jrrenlvescns überhaupt. Uns der Partei. Erklärung. Auf die gestrige„Vor>värts"-Notiz:„Ein unzulässiges Bor- gehen" ersuche ich die Redaktion um die Aufnahme folgender Er- widerung: 1. Es ist vollkommen richtig, daß ich daS Presfeburcau ersucht habe, drei Artikel über ein von der Genossin Luxemburg im Ver- läge des„Vorwärts" erschienenes wissenschaftliches Werk an die Parteipresse zu versenden. Wenn die Verfasser der„Vorwärts"- Notiz dagegen„nicht scharf und rechtzeitig genug Stellung nehmen" können, so kann ich nur bedauern, daß sie dieselbe behende Energie nicht im April v. I. gegen den Genossen KautSky aufgewandt haben, als er eine Reihe sckiioerer persönlicher Angriffe gegen mich ebenfalls durch das Pressebureau verbreiten ließ. Ich weiß wirklich nicht, lveshalb ich auf die Galgenleiter klettern soll, während sich Genosse Kautsky. was ich ihm von Herzen gönne, einer ganz unbehelligten Freiheit erfreut. 2. DaS ist um so unbegreiflicher, als meine drei Artikel über- Haupt keine persönlichen Angriffe gegen irgendeinen Parteigenossen enthalte», sondern nur beiläufig zwei Eimvendungen gegen zloei Kritiker des Buches erheben, gegen den einen eine formelle, gegen den anderen eine sachliche. Wie harmlos diese Einwendungen sind. zeigt am besten die„Frankfurter BolkSstimme", gegen deren Kritiker sich die sachliche, also schwerer loiegende Einwendung richtete. Das Frankfurler Parteiblalt beginnt heute, meine drei Artikel abzudrucken. für mich ehrcnvollerlveise sogar als Leitartikel. DaS Gerede der „Vorwärts"- Notiz über die„Austragung innerer Parteistrcitig- leiten" usw. ist dadurch hinlänglich gekennzeicknet. 3. Sie sagt dann noch:„Bei strittigen Fragen blieb es bisher den einzelnen Redaktionen oder einzelnen Genossen mit Namensnennung vorbehalten, jede und jeder für sich ihren Standpunlt und die Argumente für feine Begründung zu entimckelu. Es scheint uns nicht der Würde der Parteipresse zu entiprechen, wenn ihr in strittigen Fragen Standpunkt und Argument aus einer Zentralfabrik im Abonnement fertig zum Abdruck ins HauS geliefert werden." Sehr gut gesagt, sogar ganz vortrefflich! Aber ich bin wirklich keine ..Zentralfabrik im Abonnement", sondert, nur ein„einzelner Genosse mit Namensnennung"� Die Sache ist einfach die, daß ältere Partei- Ickmler, die mir einiges und der Genossin Luxemburg ein noch viel größeres Vertrauen schenken, mir ungefähr sagten:„X in Kolmar und D in Frankfurt haben das Buch der Genossin Luxemburg in Bausch und Bogen als unrichtig verworfen; wir verstehen diese gelehrten Kritiker nichts und auch das Buch ist für uns schwer verständlich. Sagen Sie uns doch in allgemein verständlicher Form, worauf die Genossin Luxemburg hinaus will und geben Sie Ihre Darstellung an das Presseburean, da auch Genossen, denen eine wissenschaftliche Untersuchung unzugänglich ist, doch ein leb- Haftes Interesse an ihren Ergebnissen haben"/ DaS ist der einfache Hergang der-Lache. Meine drei Artikel sind wesentlich eine Inhalts- angäbe des Buches, das ich weder für„richtig" noch für„unrichtig", sondern nur für eine künftige Anregung der theoretischen Partei- diskussion erkläre, die so oder so zu neuen Erkenntnissen führen müsse. Anders wird kein vernünftiger Parteigenosse oder selbst ein ehrlicher Gegner über das Buch urteilen. 4. Die SentimentS der„VorwärtS"-Notiz über die„Würde der Parteipresse" find für mich selbstverständlich unverbindlich. Im gleichen Falle werde ich genau ebenso handeln, gewiß ohne die Hilfe, die mir daS Presiebnreau zu gewähren so freundlich lvar, aber unter Opferung einiger Dutzend Streifbänder nnd einiger Dutzend Dreipfennigmarken. Es tut mir leid, daß ich die Leier unseres Zentralorgans von dieser etwaigen Belastung meines künftigen Budgets unterhalten muß, aber es ist wirklich nicht meine Schuld. F. Mehring. Steglitz-Berlin, 12. Februr 1913. ** » Mit dieser Einsendung fügt Genosse Mehring der ersten Ueberraschung eine �zweite hinzu. Wir haben uns nicht gegen Mehring, sondern gegen ein unzulässiges Verfahren des Presse- burcaus gewandt und durften eigentlich der Meinung sein, daß wir dabei wenn irgend jemandes so die Zustimmung des Genossen Mehring finden werden, der seinerzeit bei Gründung des Presse- bureaus durchaus der Meinung war. es solle keine Zentralstelle für llcbermittelung fertiger wissenschaftlicher oder Parteimeinungen werden. Wir glauben auch, von dieser damals gemeinsamen Ueber- zcugung heute um so weniger abweichen zu brauchen, weil Genosse Mehring objektive Gründe für seine Anschauung selbst nicht beibringt.__ Der Parteitag der dänischen Sozialdemokratie. Kopenhagen, 11. Februar.(Eig. Bcr.) Heute trat hier der diesjährige Parteitag der dänischen Sozialdemokratie zusammen. Die Teilnahme ist eine größere als je zuvor, was aus der politischen Situaiio» zu erklären ist. Die wichtigsten Vcrhandlungsgegcn- stände betreffen die bevorstehenden Reichstagswahlen und die Taktik der Partei, ferner das Parteiprogramm, insbesondere das Agrar- Programm, wozu eine Kommission ein umfangreiches Gutachten ausgearbeitet hat; sodann die Propaganda, die Gcnosscnschafts- belvegung, Organisatioiiaform und-Verhältnisse der Partei, Jugendbewegung usw. Der Bericht des aPrteivorstandes, der vom Genossen Stauning erstattet wurde, legt von einer rüstigen Partei- tätigkcit seit dem letzten Kongreß vor 4 Jahren Zeugnis ab. Die Zahl der Parteimitglieder ist auf 48 344 angewachsen, die sozial- demokratischen Stimmen bei den letzten Reichstagswahlen(1919) stiegen auf 98 718 gegen 93 979 im Jahre vorher, das sind ungefähr 29 Proz. der abgegebenen Stimmen. Die Zahl der Mandate ist jedoch nicht gestiegen, sondern beträgt nach wie vor 24. Dagegen sind bei den Gemcindcwahlcn glänzende Erfolge zu verzeichnen und die Partei hat in den verschiedenen Gemeindevcrlvaltuiigen insgesamt 844 Vertreter. In Kopenhagen wurde 1912 die Hälfte aller Man- date sozialdeiiiokratischcu Kandidaten übertragen. Im Parlament ljt eine ebenso rührige Tätigkcit entfaltet worden und die sozialdemokratischen Vertreter haben einen hoch zu schätzenden Einfluß auf einzelne Gcsctzesvorlagen ausüben können. Leider hat der militaristische Wahnsinn die Parlamentsperiode be- herrscht und das Staatsbudget ist mit Militärausgaben überladen, i so daß wenig Geld für andere Zwecke zur Verfügung steht. polizeiliches, Oerichtliches ulv-, Strafbarer Maifeier-Spaziergang. Genosse D e u p c r in Essen hatte am 1. Mai in einer Früh- Versammlung, die bereits um 9 Uhr zu Ende war, darauf hin» gewiesen, daß um 11 Uhr in einem Vorort eine weitere Leran- staltnng stattfinde. Darin wurde die Veranstaltung clnes Auf- zuges erblickt, als dessen Leiter Genosse Deuper von ver Straf- kammer mit 59 Mk. Geldstrafe belegt wurde. Das Schöffengericht hatte auf Freisprechung erkannt. „Seelenverkäufer." Mit diesem Ausdruck belegte die„Essener Arbeitcr-Zeitung" den Arbcitsvcruiittler Lange. Das Gericht erkannte aus 59 M< Geldstrafe, der Staatsanwalt hatte 299 M. beantragt. Verworfene Revision. Ein aufsehenerregendes Urteil wurde seinerzeit vom Schössen- gcricht in W e i ß w a s s c r gefällt. Der Genosse Arno R e i ch a r d lvurde zu drei Ntouaten Gefängnis verur- teilt, weil er in einer Gemeindcivählerversammlung den Direktor 5tebs von den Bereinigten Lausitzer Glaswerken beleidigt haben sollte. Krebs hatte kurz vorher den Vertrauensmann der Glas- arbeitcr„Balg" und„Trauerkloß" geschimpft und vor der Fabrik waren sozialdemokratische Flugblattverbreiter mit Jauche begossen worden. Für diese Schimpfereien erhielt Krebs vom Schöffen- gericht 19 M. Geldstrafe, Reicharb aber für seine Kritik an den unerhörten Vorfällen drei Monate Gefängnis. Der Staats- anlvatt hatte sogar csii Jalir Gefängnis beantragt. Die Strafkammer in Görlitz als Berufungsinstanz hat da» Urteil bestätigt und das Oberlandesgericht in Breslau hat die eingelegte Revision Vcrlvorsen. Hus Industrie und Kandel. Au der Börse erfolgte gestern von neuem ein Druck auf das Kursniveau. Mit ganz geringen Ausnahmen erlitten sämtliche Wertpapiere Kurs- einbüßen. Betroffen tourdcn insbesondere die Aktien von Montan-, Verkehrs- und Bankunkcrnohmungen. Recht erheblich tvaren die Rückgänge am Kassamarkt. Die Umsätze blieben gering. Am Geldmarkt-zeigte die schlvicrigc Situatwn noch eine Verschärfung.' Neue Erweiterungen des Mannesmalin-Kouzerns. In ihrem letzten Geschäftsbericht sprachen die Manncsmann- röhrenwerke von der Entbehrlichkeit, ja Schädlichkeit der Syndi- zierung. Schon damals verwiesen»vir darauf, daß die Gesellschaft gegen ein Röhrensyndikat nur deshalb Stellung nehme, weil sie die Vertrustung der Röhrenfabrikation anstrebe. Seither hat sie sich neue Werke durch Eingehung von Jnteressengemeinschafte» an- gegliedert. Vor wenigen Tagen erlvarb die dem ManneSmann» Konzern angehörige Gustav Kuntze A.-G- die Firma M.Würfel u. NeuhauL in Bochum. Die Kuntze A.-G. hat vor einem Jahre den gesamten Vertrieb ihrer Produktion(in Göppingen. Gießen und Worms) an ManneSmann sür 39 Jahre übertragen. Die Firma Würfel u. NeuhauS wird künftig als Zweigniederlassung der Kuntze A.-G. ebenfalls ihre Erzeugung an ManneSmann liefern. Ihren direkten Beitritt zur Verkaufsorgani- sation der MamleSmanniverke vollziehen weiter die Gewerkschaft Käfernburg in Elisenhiitte und daS Röhrenwerl Raunhei m. Fusion von Äolvnialgesellschaftcn. Die gestrige Gclreralvcrsammtuug der Schantung» E i s e nb a h n-G c sc l l s cha f t stimmte einem Vertrage zu,>vo» nach die S ch a n t u ri g- B c r g b a u g c s e l l s ch a s t in die Eisen- bohngcsellschast ausgebt. Für die Uebertragung des Bergbauver- mögens werden der Bergvaugesellschaft für 5,4 Millionen Mark neue Aktien der Eisenbahngesellschaft gewährt. Die Eisenbahn- gcscllschaft erhöht ihr Kapital um 9 Millionen Mark auf 09 Mit« lioiicn Mark._ Boykott von Zigarettcntrnstsirmen. Der Gesaintvorstano des Verbandes der deutschen Zigaretten» industrie beschloß laut cineiü Telegramm der„Franks. Ztg." den Ausschluß der Firmen Josetti, Sulima, Delta und Jasinatzi, die bekanntlich dem amerikanischen Tabaktrust angehören. Soziales* Entlassung wegen verspäteter Krankmeldung. Der erkrankte Gehilfe tut zwar gut,, sich möglichst unmillclbar nach dem Fernbleiben vom Geschäft zu entschuldigen, damit der Ehef auch sofort die entsprechenden Dispositionen treffen kann. Aber. cr kann, Ivie am Dienstag eine Entscheidung der 3. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts anerkannte, nicht gleich entlassen wer» den,»venu cr die Entschuldigung einen Tag später abschickt. Klägerin in dem betreffenden Prozeß»var eine Verkäuferin R., die von der Manufakturlvareiifirma L. an einem Montag entlassen wurde, weil sie bereits am Sonntag in den zur Arbeit freigegebenen Stunden fehlte und ihre Krankmeldung erst am Montag gegen 3 llhr ein» traf. Die beklagte Firma stützt sich darauf, daß die Klägerin schon drei Woche» vorher wegen eigenmächtigen Fortbleibens aus dem Geschäft vertvarnt und ihr auch für den Fall des Zuwiderhandeln s die sofortige Entlassung angedroht wurde. Die Klägerin macht da- gegen geltend, daß sie an dem fraglichen Sonntag trank im Bett gelegen haben und nicht imstande geivcsen sei, zu schreiben. Montag früh, als es ihr ctivas besser ging, habe sie sofort die Entschuldigung geschrieben und abgeschickt. Sic ist heute noch kraut und befindet sich auch in ärztlicher Behandlung. Das Kaufmannsgericht verurteilte die Firma zur Zahlung von 162 M. Restgehalt. Daß Klägerin vor drei Wochen mal Verivarnt worden, sei noch kein EntlassungSgrund. auch nicht, daß sie erst am Montag die Krankmeldung abschickte. Eine Bösivilligkcit oder ab- sichtliche Schädigung der Beklagten sei nicht zu vermuten. Ein eigenartiger EntlassungSgrund. In einem vor der 3. Kammer des Berliner KaufmannsgerichtS zur Enlscheiduns�aekommenen Fall hatte dcr'Vatcr des Lehrlings I. eine Anzeige bei der Polizei erstattet, daß der Lehrling mit Haus- dienerarbciten beschäftigt»verde, und daß die Toilette sich in nn- sauberem Zustande befinde. Die Polizei stellte auch aus die An» zeige hin Ermittelungen an. Während sie die Beschäftigung des Lehrlings einwandfrei k-and, stellte sie doch fest, daß d'» Toiletten- Verhältnisse in der Tat unzureichende gewesen waren. Zur Zeit der Ermittelungen war allerdings aucti dieser Mißstand behoben. Der Lehrherr sprach infolge der polizeilichen Untersuchung die sofortige Entlassung seines Lehrlings aus. Er meint, ein Lehrling, dessen Vater zur Polizei läuft und ihn wegen solcher Lappalien anzeigt» könne unmöglich»uciter in dem Betriebe ausgebildet werden. Das »vürdc auch die ganze Disziplin beim andere» Personal untergraben. Das ÄaufmannSgcricht hielt die sonderbaren Einwendungen des Beklagten nicht sür stichhaltig, sondern verurteilte den Lehr- Herrn zur Fortsetzung der Lehre. Der Kläger sei berechtigt gewesen. Ermittelungen durch die Polizei anstellen zu lassen. Solche Fest- stellungcn seien erforderlich geworden, da die Zustände nicht unbe- denklich gey�esen seie», Gerichte-Zeitung. Beamter? Einen unerwartete» Abschluß nahm eine Verhandlung, welche gestern die L. Strafkammer des Landgerichts II beschäftigte. An- geklagt wegen Unterschlagung im Amte und Urkundenfälschung war der Gemcindeburcauassistent Max Leinert aus Zehlendorf. Der Angeklagte war vom 1. April 1900 ab bei der Gemeinde Zehlcndorf(Teltow) als Bureauassistent angestellt. Zu seinen Ob- liegenhciten gehörte u. a. die Bearbeitung der Fundsachen. Ende Oktober 1911 war von der Gattin des Rentiers Votz eine von ihr gefundene goldene Damenuhr in dem Gemeindebureau abgegeben worden. Als sich die Verliererin binnen Jahresfrist nicht meldete fiel die Uhr der Finderin zu. Als diese die Uhr in Empfang nehmen wollte, entdeckte sie sofort, daß ihr eine erheblich minderwertige Uhr unterschoben werden sollte. Die sofort eingeleiteten Ermittelungen führten zu der Feststellung, daß der Angeklagte, als er sich in Not befand, die gefundene Uhr versetzt und dafür die geringwertigere Uhr seiner Ehefrau unterschoben hatte. Um diese Unterschlagung zu vcr- decken, hatte er in der Fundliste die Nummer der gefundenen Uhr ausradiert und imfür die Nummer der von ihm unterschobenen Uhr eingetragen,— Diese in der Not begangene Tat hatte für den An- geklagten sehr schlimme Folgen, da er nicht nur vom Dienste suspen- diert' wurde, sondern auch noch eine Anklage wegen Amtsuntcrschla- gung und Urkundenfälschung zu gewärtigen hatte, bei der nach ss 350 des Strafgesetzbuches als geringste Strafe nur eine Gefängnis strafe von 3 Monaten zulässig ist. Der Staatsanwalt beantragte dementsprechend eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten und 2 Wochen. Vom Rechtsanwalt Dr. Puppe wurde geltend gemacht, daß der An- geklagte infolge eines bei der Anstellung geschehenen Formfehlers überhaupt niemals Beamter gewesen sei. Nach dem vom Landrat genehmigten Ortsstatut der Gemeinde Zehlendorf müssen nach Artikel 1 die Anstellungsurkunden für die Gemeindebeamten von dem Gemeindevorsteher und von einem Schöffen unterzeichnet sein. Die Ailstellungsurkunde des Angeklagten sei aber nur von dem Ge- meiildevorfteher unterzeichnet, so daß sie tatsächlich überhaupt nicht gültig sei.— Das Gericht setzte die Urteilsverkündung auf acht Tage aus. Ter formelle Einwand dürfte schwerlich Erfolg haben. Revolverschießerei. Ein nächtlicher Straßencxzeß, der-den Schubmannsrevolvcr in Tätigkeit gesetzt hatte, führte gestern den Privat-Telephonistcn Paul Teich, dem von seinem Quartiergeber das beste Zeugnis gegeben wird, vor die 5. �Strafkammer des Landgerichts I. Tie Gegend des Scheunenviertels wurde eine Zeitlang nächt- licher Weile durch Fäkalwagen verunreinigt, die einfach den von ihnen abzufahrenden Unrat auf die Straße schütteten. Der Kri- lninalschutzmann Feldmann war von seinem Rebiervorstand bcauf- tragt worden, sich nachts auf einen Beobachtungsposten zu begeben, und es gelang ihin in der Nacht zum 29. Februar 1912 einen solchen Wagen anzuhalten. Seiner Aufforderung an den Kutscher, sofort den Unrat wieder aufzuladen, kam dieser nicht nach. Es kam zum Wortwechsel und da der Kutscher weiter fahren wollte, fiel der Schutzmann den Pferden in die Zügel. Es kam zu erregten Aus- einandersetzungxn, die eine große Menschenansammlung zur Folge hatten. Diese wurde immer größer, als Feldmann die Notpfeife ertönen ließ. Die Menge nahm eine drohende Haltung gegen den Schutzmann an, der sich als solcher durch seine Marke legitimierte. Ein Mann, der der Angeklagte gewesen sein soll, schlug ihn mit dem Stock über den Kopf. In demselben Augenblick hieb der Rutscher auf seine Pferde ein und jagte im Galopp davon. Feldmann schwang sich auf sein Rad und folgte dem Ausreißer. Nun ent- wickelte sich eine wilde Jagd, an der auch die vielen Neugierigen, die sich angesammelt hatten, teilnahmen— freilich nicht im Interesse des Schutzmannes. Dieser mußte schließlich das Rennen aufgeben. Als er, ganz erschöpft, auf seinem Rade umkehrte, wurde er von der Menschenmenge mit Hallo, höhnenden Redensarten und Schimpf- Worten empfangen. Einige schrien:„Haltet den Räuber auf! Der Hund will Kriminalbeamter fein?!" Auch der Angeklagte soll ge- rufen haben:„Das will ein Kriminalbeamter sein? Holt das A.. Vinn Rad!" Gleichzeitig steckte er seinen Spazierstock zwischen die Felgen deS FaHrraöes, auf dem der Beamte faß und hinderte diesen am Weiterfahren. Sodann soll er den Beamten am Rockkragen ge- faßt haben. Da ergriff der Schutzmann feinen Revolver und gab auf den Angeklagten einen Schuß ab, der diesen am Oberschenkel traf und ihn zu Boden sinken ließ. Der Verletzte mußte in das Krankenhaus Friedrichshain befördert werden, wo er zehn Tage zugebracht hat; er war dann noch einige Zeit lang arbeitsunfähig. Später stand er unter der Anklage des Widerstandes und der Beleidigung vor dem Schöffengericht. Er bestritt feine Schuld und behauptete insbesondere, nicht gewußt zu haben, daß der hinter dem Wagen jagende Mann ohne Kopfbedeckung ein Kriminalbeamter war. Das Schöffengericht hielt das Gegenteil dieser Behauptung auch nicht für einwandfrei erwiesen und verurteilt den Angeklagten nur wegen Beleidigung zu 39 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt legte hiergegen Berufung ein. Nach der Beweisaufnahme, die im allgemeinen den oben dargestellten Tat- vestgnd ergab, beantragte Staatsanwalt Zehn Aufhebung des ersten llrteils und Verurteilung des Angeklagten zu 7 Monaten Gefängnis. Hier liege, wie der Staatsanwalt ausführte, wieder einer der in Berlin eben nicht seltenen Fälle vor, wo Leute ganz grund- los gegen einen Exekutivheamten Partei nehmen und ihm sein schweres Amt noch erschweren. Das Vorgehen des Angeklagten stelle beinahe ein Schwurgerichtsdelikt dar und hätte höchst unheilvolle Folgen nach sich ziehe,« können.— Für den Angeklagten führte Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfcld aus, daß nach seiner Meinung durchaus nicht erwiesen sei, daß Teich die Beamteneigenschaft des Feldmann gekannt habe. Die beantragte Strafe sei so ungeheuer- lich, daß er kaum Worte finde, um sein Erstaunen darüber auszu- drücken. Er bitte, diese Strafe einmal mit den Strafen zu ver- gleichen, die bei Studentenexzessen ausgesprochen zu werden pflegen. i— Das Gericht glaubte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte bei dem Vorfall animiert gewesen und ihm ein gutes Zeugnis gegeben ivurde, von einer Gefängnisstrafe absehen zu sollen, verurteilte ihn aber zu 299 M. Geldstrafe bezw. 59 Tagen Gefängnis. Stempelfreiheit aller Grundstücksübertragungen zwischen Eltern und Kindern. Eine wichtige stcmpelrechtliche Entscheidung fällte kürzlich das Reichsgericht. Nach dem Reichsstempelgesetz Tarifstellc IIa ist für Beurkundungen der Uebertragung des Eigentums an im Jnlande gelegenen Grundstücken eine Stempelabgabe von% Proz. vom Kaufpreis oder Wert des Grundstücks zu zahlen. Befreit von dieser Abgabe sind Neberlassungsvrrträge zwischen Eltern und Kindern. Es fragt sich, ob die Befreiungsvorschrift Platz greift für alle Grund- stücksüberlassungen zwischen Eltern und Kindern oder nur für solche Uebertragungen, die als eine vorweggenominene Erbschaft anzusehen find. Das Reichsgericht hat am Dienstag das letztere verneint und alle Grundstücksübertragungen zwischen Eltern und Kindern für stempelfrei erklärt. Im Gegensatz zum Landgericht Berlin und zum Kammergericht verurteilte das Reichsgericht den Fiskus zur Rück- zahlung von 1267 M. Stempelbetrag. Ei» vernünftiges Urteil in Sachen des Streikpostenstehens fällte die Strafkammer des Land- gerichts Düsseldarf. Dort befanden sich im Vorjahre die Arbeiter der Fittingsfabrik von Gebr. Juden im Streik. Der Arbeiter Franz v. Kempen, der sich auf Streikposten befaud, begleitete einen von einem Schutzmann„beschützten" Arbeitswilligen. Der Schutz- mann untersagte dies dem Streikposten, weil er die Begleitung des v Kempen als eine„Belästigung des Arbeitswilligen" empfand und einen Auflauf befürchtete. Der Streikposten kümmerte sich nüit um das Verbot des Schutzmanns und wurde deshalb vom Sckiöffenaericht Düsseldorf-Herresheim zu 29 M. Geldstrafe ver- OXteUt. Das Schöffengericht war der landläufigen Polizeiansicht. daß der Streikposten ohne weiteres die polizeilichen Aufforderungen hatte befolgen müssen. Die Straflammcr als Berufungsinstanz erkannte jedoch auf Freisprechung, obwohl der Schutzmann bekundete, daß ein„Auf- lauf" und eine„Störung der öffentlichen Ordnung" zu erwarten gewesen sei. In der Begründung der Freisprechung hieß es: daß eine bloße Vermutung noch nicht zun, polizeilichen Einschreiten berechtige; das könne nur bei unmittelbarer Gefahr gerechtfertigt werden. Eine unmittelbare Gefahr sei aber in diesem Falle nicht nachgewiesen. Und da in der bloßen Begleitung des Arbeitswilligen eine strafbare Handlung nicht zu erblicken sei, so habe müssen auf Freisprechung erkannt werden-. DaS Urteil spricht eigentlich nur Selbstverständliches aus Aber da solche Selbstverständlichkeiten- in der Streikjustiz schon zu den Seltenheit», gehören, so siiw sie immerhin als einzelne Licht- punkte beachtenswert. Bus der frauenbewegungs Versammlungen— Veranstaltungen. Berti» für Frauen ittck Mädchen der Arbeitrrklaffe. Montag, den 17. Februar. S1/» Uhr. in Kellers Neue Philharmonie. Köpenicker Straße 96: III. Vortrag zum Zyklus Erziehungsfragen:„Kind und Religion". Referent: Reichstagsabgeordneter Paul Göhre. Gäste willkommen. Schöneberg. Heute, Donnerstag, nachmittags 3 Uhr: Besichtigung der Konsumgenossenschaft in Lichtenberg. Treffpunkt: 8/43 Uhr vor der Konsumgenossenfchast m Lichtenberg, Rittergutstraße. Bus aller Gleit. Da» bypnotilcke Clünder. Vor einigen Tagen gaben wir unter der Ueberschrift„Die Wirkung der Predigt" einen kleinen Scherz wieder, den wir einer englischen bürgerlichen Korrespondenz entnommen hatten. In humorvoller Weise war in der Notiz geschildert, wie ein englischer Prediger, der über Land ging, von einem wildgewordenen Ochsen attackiert wurde. Der Gottesmann retirierte in seiner Angst auf einen Baum und hielt, da der Ochse nicht weichen wollte, dem Vier- füßler seine— Sonntagspredigt. Und siehe da, d e r O ch s e schlief ein und der geängstigte Pfarrherr konnte entweichen. Zwar werden in der Schule und Kirche die sonderbarsten Wunderdinge gelehrt, so beispielsweise, daß Jonas viele Tage lang im Bauche eines Haifisches gelebt habe, und das wird auch geglaubt. Aber es gibt unter den Christen auch solche, die viel skeptischer sind, die sogar nicht einmal an die hypnotische Kraft eines Predigers glauben, wenigstens soweit das Einschläfern von V i e r füßlern in Betracht kommt. Eine solche skeptische Natur, der geschäftsführende Direktor des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland, Herr Pastor Stark aus Steglitz, sandte uns einen eingeschriebenen Brief, in dem er uns folgende Gewissens- -ragen vorlegt: 1. Wie heißt der englische Prediger? 2. Wo wohnt er(mit genauer postalischer Adresse)? 3. Zu welcher Zeit hat sich das„hypnotische Wunder" zugc- tragen? 4. Sind Sie in der Lage, auch sonst noch irgendwelche Anhalts- punkte für die objektive Wirklichkeit des Erlebnisses an- zuführen? Wir müssen gestehen, wir waren zunächst baff, denn bekanntlich kann ein Neugieriger mehr fragen als zehn Weise beantworten können. Doch Herr Pastor Stark ist nicht nur neugierig, er ist auch tolerant. Bis zum 18. d. M. will et uns Frist lassen, die Antwort auf seine Fragen zu überlegen. Aber wir brauchen sein Entgegenkommen nicht. Sofort nach Eingehen seines Einschreibe- briefes haben wir uns funkentelegraphisch mit dem eng- tischen Korrespondenten in Verbindung gesetzt und umgehend Ant- wort erhalten. Der Korrespondent ist zerknirscht, er ist einem bösen Irrtum zum Opfer gefallen. Zwar handelt es sich um einen eng- lischen Prediger, jedoch nicht um einen Ochsen. Der vermeintliche Ochse ist vielmehr ein zweibeiniges Schaf; der Schauplatz der Handlung ist auch kein Feld, sondern der Gebekssaal des Seel- sorgers, wo bei der Sonntagspredigt des Gemeindehirten das Schäflein selig entschlummerte. Trotzdem Herr Pastor Stark es nicht extra verlangt, können wir nach unseren Jnfor- mationen noch mitteilen, daß die Predigt in ergreifender Weise die Wunderkraft des Glaubens darlegte, wie sie sich an dem bibli- scheu Daniel so einzigartig bewährte. Bon dem bösen König Darius aus Medien in die Löwengrube geworfen, wurde der strenggläubige gottesfürchtige Daniel von den Bestien nicht zer- rissen, da der Engel des Herrn den Löwen die Rachen zuhielt. Diese Tatsachen hat der Korrespondent etwas durcheinander- gewürfelt und so uns und den geschäftsführenden Direktor des Evangelischen Preßverbandes— angeschwindelt. Manche Pfarrherren müssen aber doch im Besitze hypnotischer Kräfte sein, denn es heißt ja im Licde: War einst ein Pfarrer von Ohnewitz, Der hatte nur eine Predigt in Besitz, Die hielt er dann, jahraus, jahrein, Uick» mancher Knecht, manch' Mütterlein,* Die schliefen sanft und selig ein! Eine Skandalaffäre in Italien. Die römische Polizei verhaftete in der Nacht zum Mtt- woch die Ingenieure Ricciardi und Borrelli, die Er- b a u e r des I u st i z p a l a st e ö. Die Verhaftung ist die Folge von Erinittelnngen einer Untersuchungskommission über den ge- nannten Bau, durch welche Beziehungen zwischen den Verhafteten und dem siüneren Substituten des General st aatSanwalt«, jetzigem LbteilungSchef in der Ber- waltung der StaatSeisenbahnen Eilvestre aufgedeckt wurden. Auch die Verhaftung SilvestreS ist angeordnet, doch ist er bisher nicht zu finden gewesen. Die Blätter melden, daß auch gegen den dritten der vereinigten Bauunternehmer, Ingenieur Mannajolo zu Neapel, ein Hastbefehl erlassen sei. Kleine Notizen. Durch Lehmmaffeu verschüttet. Auf einem LeSmfelde der Guido- Hütte bei L i p i n e bis 7\4 Uhr abends, Sonnadends, von ti-, bis S Uhr abendS statt. Jeder für den Sriefkasten bestimmten«»frage iß ein Buchst-de und eine Sah, als M-rlzctchcn detzufügen. Briesttche Antioor« >vird„ich, erteilt. Aufrage«, denen keine AbonnemeotsanUtuns detgeiüg« ist, verd-n nicht deantwortct. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. P. E. 1883. Vater als auch die drei Söhne.— G. S. 100. 1 und 2. Die Haushallunasgcgenstände verbleiben dem Mann, der übrige Nach» laß, darunter auch Wäsche, Kleider und Schinucksachen jedoch zur Hälfte. 3. Der an der Löftmg unschuldige Teil kann die Geschenke zurückfordern.— F. W. 244. 1. Ja. 2. Standesamt. 3. Kostenlos.— H. Sch. 18.«. für das Kalenderjahr beträgt der Mietsstempel 2,50 M., sür die verstrichene eit bis einschließlich Dezember v. I. ist 1 M. zu zahlen.— Pforzheim. 1. und 3. Versuchen Sie eS mit einem Antrage auf Bestellung eines andern Vormundes, vielleicht Ihres Ehemanns, beim Vormmidschastsgericht. 2. So allgemein läßt sich die Frage nicht beantworten. Dem Bormund steht jedenfalls die Vertretungsbefugnis und die Vermögensverwaltung zu. - K. O. 30. Nein.- Elge Triftstr. 43. t.. 2. und 4. Ja. 3 Nichts. 5. Zweiselhast. 6. Derartige allgemeine Frage können wir im Briefkasten nicht behandeln. 7. Sofern ein Fünftel des Jahresarbeitsverdienstcs ver» lustig gegangen ist, besteht Anspruch aus Erlaß für die sragliche Zeit.— — Zwei Streitende. 1. Steuer derjenigen, die aus Grundstücken oder Gewerbebetrieben in einer Gemeinde, m der sie keinen Wohnsitz haben, ein steuerpflichtiges Einkommen haben. 2. Bon dem Eigentümer des Grund, ibei' stücks bezw dem Gewerbetreibenden. 3. Je nach der Höhe des Emiommens. 1- Ja.�— I. L. lvv. Ja, sosern nicht länger als drei Jahre vom Ende des«lcuerjahres abgerechnet verstrichen sind.— Eggert-Nenköllu. Weitere Schritte erscheinen aussichtslos— W. W. Cbbg. 1. E!ne Ver- pflichtung zur Ueberweisung in eine Hellstätte bat die Landesverstcherungs- anstatt nicht. 2. Ebensalls nicht. Jedoch empfiehlt sich ein Gesuch. 3. Beschwerdcmstanz ist nicht gegeben.— P. W. 33. Falls Sie die Adresse kennen, wenden Sie sich an das Konsulat.— E. M. 83. Sie sind nach Ihrer Darstellung sür die Miete nicht hastbar und berechtigt, jederzeit auszuziehen. sss«-«««»»s-Kss Zur Silberhochzeit unserem Freund und Genossen «lohann Weber und seiner lieben vertrtul Liegnitzcr Str. 10 die herzlichsten Glückwünsche. Einige Freunde u. Gen. am Görtttzer Bahnhof gleich links. SSSSSSSSSSS«« SozialdemokratiseherWatilferelD f. d. 6. ßerl, Reiebstagswahlkreis Am 4. Februar verstarb unser Genosse, der Kranführer Robert Härtel Sickingenstr. 1. Bezirk 693a. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frcitagnachmittdg 4 Uhr, von der Halle des Städtischen FriedhoseS in Friedrichsselde aus statt. Um rege Betelligung ersucht Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deuisehlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Am DienStag, den 4. Februar, verstarb unser Mitglied Robert Härtel Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den!4. Februar, nach. mittags 4 Uhr. von der Halle des Gemeinde-FriedhojeS in Friedrichsselde aus statt. Rege Betelligung erwartet Die Ortsverwaltung. Dentscber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Milglied, der Former Psul Mätschke Ebeityslr. 16 am 10. Februar an Gehirnerweichung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den t4. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des ZentralsitedhosS in Friedrichsseide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 112/15 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe.Irau und liebe Mutter LI«» Kell geb. Nickol am 11. Februar nach schweren, Leiden im Atter von 38 Jahren verstorben ist. DieS zeigen ticsbetrübt an Wilhelm Keil und Kinder. Anna Aickol als Mutter. Die Beerdigung findet an, Freitag, den 14.' Februar, nach- mittags 3>/. Uhr. vom neuen Neu- köllner Kirchhos am Wariendoiser Weg auS statt. Deutseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschäfts- kutjcher �enlingnd Zielke am 8. Februar im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute DonnerSiag, den 13. d. MtS.. nach« mittags 2H. Uhr, von der Leichen- balle des Äiidreas-Kirchhoscs in WtlhelmSberg aus statt. 62/2 Um rege Betelligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die vielen herzliiben Beweise bei der Beerdigung nnjeres lieben Vaters HA Wilhelm Werber sagen wir hiermit allen, besonders dem 6. Wahlkreis unseren herzlichsten Dank. vle trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben MaiincS Ferdinand Kiesel sage ich allen Freunden, Bekannte» sowie dem Dahlverein meinen wnig- sten Dank. 2420b Witwe Angnste Kiesel. Nationale Krankenkasse der deutschen Bold- u. Silberarbeiter u. verw. Berufsgenossen (E. H. S) zu Schwäbiseh-QmUnd. (Ortsverwalt. Schönefaerg-Friedenau.) Dienstag, den 18. Februar. nachmittags präz 4'/, Uhr.- im oberen Saal des Kaiser Wilhelm» Garten. Friedenau, Rheinftr. 65 Z Milgliederversammlung (§ 28 deS Statuts) Tagesordnung: 1. Lahres- und Rechenschaftsbericht vom Jahre 1912.— 2. DiStusfion.— 2. Wahl für die nach§ 23 deS Statuts ausscheidenden Mitälleder deS Vor» ftandes.— 4. Verschiedene». Das Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 282/12 Der Vorstand. I. A.: F. Sende, Bors. Stoffe für elegante MaSanzOgo, Ulster, Paleto s Mtr. 4.—. 6.—, 8.— M. etc. Damen- Kostümstoffe, Oamentuche „Neuheiten � Mtr. 2.—, 8.—,«•— bl etc Loden f. Pelerinen Mtl. 1,50, 2,50 M. eto. Schneldermeieter, welche unsere Stoffe tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebst Zutaten zirka 25,—, 30,— M. etc.• Tuchlager Koch& Seeland G. m. d. H. GerMlmlr. 20/21 SSÄ 13« Für die�iri'-�'�-wri� herzlicher Teilnahme bei der««vMgungmewrt lieben Mannes, unle�gMen Vater-. des Steindruckcrs sprechen wir hierdurch allen Genossen mrd Genossinnen des«. Reichstag«- Wahlkreises, den Kollegen und Mit. arbeitern, dem Verband der Ätho. aravhen und Steindruck« und der Orlstranken lasse, sowie allen Freunden. Berwandten und Bekannten unseren mnlgstc» Dank auS. 27A Witwe IHarie Darse und Kinder. P erwirkt u. verwertet ancrk�schn eil atente etc. ateJKgBaaa�i�aasiwfc BresUuor Pat-Amt AMtt des Mm! Freitag, den 14. Februar, abends SVs Uhr, im„Hofjäger-Palast". Hasenheide SS: Oeffentliche Versammlung «nur flr Kwlllhskiltj des Hausarztvereins. Thema: Allzmeicher Kiodersegtu m der Arbkitechiililie. Dr. Moses. Die Zeutralkommission der Krankenkassen cmpfiehll den HauSarztvrrein wie folgt:„Wir könne« Ihnen de» H»uSarztvereiu als volkstümliche Institution bestens empfehlen.« Der Housorztverein ist kein geschästlicheS Prwawnternehmen. sondern ewe proletarische Ber- cinigung zu gegenseitiger Hilfe bei Erkrankungen der Familienangehörige». IM** Selbstverwaltung durch die Mitglieder.-M> Für den geringen Beitrag von �3fCllUtg pro Woche sind die Frau und sämtliche Kinder versichert. Der Beitrag wird monatlich ans der Wohnung abgeholt. Wir gewähren:_ 882/13 «ÄS freien Hausarzt.«ÄT freie Medizin ÄÄCE Nähere Auskunft erteilen: für den HauSarztveretu Neukölln der 1. Vorsitzende Aug. Kuhnert, Stuttgarter Str. 54; für den Süden die Vertrauensleute«i>. Thurm, Dieffenbachstr. 17(18, A. Riener, Hasenheide 7/8. Zweigverein Berlin. Tonntag, den 16. Februar 1913, vormittags 10 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstraste 29: Mitglieder= Versammlung: aller Sektionen. Tagesordnung: 1. Die Lohnbewegung im Baugewerbe. 2. Wahl des Verbands-AusschusseS. ------------------- Mitgliedsbuch legitimiert!= Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet �krllialtllogskelle Kerlin. C. 54, Fimenstr. 83—85. Berwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kaffierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1839. 9714 Bezirke: Charlottenburg, Moabit, Tiemens-Werke. Lichtbildervortrag o« Freitag, den 14. Februar 1S13, abends S Uhr, ,m große» Saal des StadttheaterS Moabit. „psfli. lils Stsilt liiilj ihre Kunst". Dr. cÄwTener. 112/16 Die OrtSverwaltnng. _ Der Vorstand. Tauers Testsäle OroSe Frankfurter hitr. 85 an der MarelliutetraBe. Sonnabend 15. März frei geworden. Empfehle meine Bereinsztmmer von 30 Perf. an. Sonnabend« im Aprtl u. Mai unter guten Beding»» gen. Ol». Sirnnisl SpeÄlli-�fTt für Hanl- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄÄ. 10— 2. 5—7. BonntaRs 10— 12. 8—4 Konsum-Genossensclialt Berlin u. Ums. B. G. m. b. H. Zentrale: Idehtenberg, Rlttergatstr. 19/26. Heute: Seefisclie* Knurrhahn... per fm. 2S pt Kabliau(ohne Kopf). per Pfd. 24 w. Goldbarsch... n» 24. Seelachs„ n. 24. Brat«Schollen...... p«Ffd. 28 Ft Ferner empfehlen wir: prima eingemachte Früchte. Pflaumen Birnen Reineclauden Mirabellen Blaubeeren Stachelbeeren Preiselbeeren Dreifrucht Kürbis Melange 6-Frucht. in Dosen und Gläsern zu soliden Preisen. Ab Freitag: nachmittag führen wir: Hirschfleisch in nachfolgenden Verkaufsstellen: In Berlin: Norden: Hochstädter Str. 6 Schivelbeiner Str. 9 Swinemünder Str. 33 Togostr. 4 Nord.West: Rostocker Str. 35 Nord-Oot: Bötzowstr. 34 Osten: Zorndorfer Str. 61 Süd.Ost: Manteuffelstr. 91 Süd.West: Kochstr. 62 Westen s Göbenstr. 17 103/2 In den Vororten: Charlottenbnrg: Neukölln s Wallstr. 23 Köpenick: ßorgmannstr. 5 Lichtenberg: Kronprinzenstr. I Wildenbruchstr. 61/62 Schöneberg: Ebersstr. 25/26 Tempelhof: Berliner Str. 39. Der Torstsnd. Verband der Maler, Saehierer, Anstreicher ete. Küchenmöüelbranche. Freitag, den tt. Februar 1913, abends'/37 Uhr: Branchen- Verramtnlungs Tagesordnung: I. Unsere Lohnbeweglllig. 2. Branchenangelegenheiten. 8» dieser Versammlung sind die Kollegen aus de» sächsischen MSbel- fabriken auch eingelaeen. Pünktliches Erschewen ist notwendig. 137/10 Mitgliedsbuch legitimiert. ider Obmann. Stewarboltsr! Sonntag, den 1«. Februar, vormittags 9>/z Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshaufes, Engelufer 13: General-Versammlnng Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Neuwahl der DrlSberftmltimg. 8. Neuwahl zweier Gauleitungsmitglieder. 4. Verschiedenes. Gleichzeitig wird eine flrbeitsIosen-ZZHlung"vs vorgenonimen. Jeder Arbeitslose ist verpflichtet, in der Versammlung zu erscheinen. Wer am Erscheinen verhindert ist, wird ersucht, am selben Tage(16. Februar) eine Postkarte an daS Verbandsbureau der Stcinarbeiter, Engelufer 15 1 ru richten, auf welcher vermerkt ist: 1. Name; 2. Art der Beschäf- tigung; 8. Beginn der letzten Beschäftigung; 4. Ende der letzten Beschäftigung; 5. Dauer der jetzigen Arbeitslosigkeit: 6. Dauer der vorigen Arbeitslosigkeit. Kollegen, sorgt für gute» Besuch und vollständige Zählung der Arbeitslosen. 171/2* Die Ortsverwaltung. Inveiilur- ExlrapreisefOr Buntpersische doppelseitige Diwandecken ä M. 5,85-8,75 einlachere Qualität 435 485 Bant« Di wan- '«lecken. Moderne kleine Mnster 27 M.) MnkoH Tisch- 075(bisher mUniUr(|cc|{en 0 15 M.) Teppich-Sgeziajhaus sar Emil efhre Berlins. Seit 1882 nnr Oranienstr. 158 Habe nirgends Filialen! Rinnogs-EMte (enorm billiger Angebote) MT* gratis und franko."DHI Komiker Schwartz, ßranffuciti Allee 143. b Westphals ff. Pflaumenmas Allerfeinstes, garantiert reines = Delikateß-Pflaumenmus— aus guten Früchten und Zuoker— ohne jeden weiteren Zusatz ca. 10 Pfund-Bo.-Emaille-Eimer kostet nur Mark 2.is unfrankiert, sss Bitte sofort einen Frobeelmer besleUen, raa Gustav Westphal Altona-Hamburg 71, Kl. Gttrtnerstr. 100/8. VH�nomen. 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Es handelt sich jetzt darum, aus diesem Allgemeingut recht viel Geld für die Staatskasse-herauszuschlagen, indem es den dem Zwieckverband angehörenden Gemeinden zu teueren Preisen übereignet toird, unter der Bedingung, es dauernd für die Bevölkerung zu erhalten und auch z» unterhalten. Es zeigt sich immer deutlicher, daß Vorzugs- toeise zu diesem. Zwecke idor Zweckverband ins Leben genesen worden ist. Eine vom Landwirtschaftsministerium ausgegebene Mitteilung über die Verhandlungen am Dienstag besagt: „Bei dc� Verhandlung mit den Vertretern des ZweckverbandeS hat sich die Staat sregslcrnng btveiii erklärt, eine Waldfläche von im ganzen 40 ovo Morgen dem Zweckverdand als Dauerwald zu übereignen. Di« Staatsregierung ist dabei den von den Vertretern des Zweckverbandes geäußerten Wünschen in tveit- gehender Weise entgegengekommen. Den Interessen der Bevöl- kerung ist insofern Rechnung getragen, als eine zweckmäßige Verteilung der Flächen auf die gesamte Umgebung von Berlin stattgefunden hat, daß überall breite Zuwege von den Bahnhöfen nach dem Tauerwald vorsehen sind und daß fast alle Uferstrecken der Havel, des Griebnitzsecs, des Tegeler und Müggelsees und der Dahme in das Dauerwaldgebiet hineinfallen. Der Preis ist auf 53 Millionen Mark bemessen. Damit sollen olle Rutzungen dieses Wvldgebietes einschließlich des Aufkommens aus Pachtverträgen auf den Zweckverdand übergehen. Die Abtretung erfolgt für die Zwecke, die im H 1 Abs. 1 Ziffer 3 des Zweckverbandsgesetzes für Groß-Berlin vom 10. Juli 1311 bezeichnet sind oder mit ihnen in unmittelbarem Zusammen- hang stehen,>vie z. B. Errichtung von Erfrischungsstätten. Da das öffentliche Interesse es notwendig machen kann, ein- Heine Grundstücke wieder für statliche Zweck zurückzuerwerben, und man den Staat in diesem Falle nicht auf den Weg der Ent- eignuwg verweisen kann, will sich der Staat ein Wiederkaufsrecht vorbehalten, wobei Zinsen und Austvendungen erstattet werden sollen.> Aus den Dauertvaldgebieten werden voraussichtlich, soweit sie nicht bereits eingemeindet sind, ähnlich wie bei der Wuhlheide, neue Gutsbezirke gebildet Werdern" Nach diesen Mitteilungeir solle« nicht tveniger den« 53 Mllio- Ne« Mark von der Bevölkerung Grotz-Berlins für 43 033 Morgen Waldflächc aufgebracht tverden, also für einen Zweck, der Aufgabe des Staates ist. Der Staat kann sich nicht von der Pflicht los- lösen, seinerseits für Erholungsmöglichkeit seiner Steuerzahler, seiner Staatsangehörigen zu sorgen. Es geht nicht an. dies« Pflicht auf die Gemeinden abzuwälzen, die ohnehin durch eine verkehrte staatliche Steuergesetzgebung irr finanzieller Beziehung an Händen und Füßen gefesselt sind. Wir würden es schon als ein erhebliches Opfer der Gemeinden Groß-Berlins ansehen,»Venn diese Gemeinden sich zur Aufbringung der Kosten herbeilassen, die durch die Er- Haltung der Wälder entstehen; aber Millionen zum Kaufe der Wälder aufbringen ist unseres Erachtcns eine ganz ungeheuer- iliche Zumutung. In den Kreise« des Zweckverbandes steht man dem Vorschlage der Regierung äußerst pessimistisch gegenüber. Der„Voss. Ztg." wird hierzu folgendes mitgeteilt:„Die vom Zweckverbande ge- wünschte Fläche betrug seinerzeit 15 333 Hektar, wofür 18— 23 Millionen Mark geboten wurden. Jetzt hat sich der-Fiskus das wert- vollste Gebiet berausgeschält, bietet 13 333 Hektar a« und verlangt dafür 53 Millionen Mark, zu denen noch 3 Millionen Mark an Pachtgeldern usw. kämen, also einen ganz erheblich höheren Betrag für zwei Drittel des Gesamtgebietes. Das ollerschlimmste aber sind die Bedingungen, welche die Regierung dem Zweckverbande auferlegt: der<)nSkus behält sich das Wiedcöaufsrecht vor, sobald ein öffentliches Interesse dies erfordert. Also sofern die Regierung irgendwo eine Staatsfabrik, ein«Stadion für Autorennen oder eine neue Bahn anlegen will, muß der Verband das schönste Gelände wieder hergeben. Daß dabei dem Zweckverbande alle Hände ge- Kunden sind, um seinen Aufgaben nachzukommen, z. B. den Klein- Wohnungsbau zu fördern, ist klar. Der Zweckverband darf auch nichts wieder verwerten und veräußern ohne die Zustimmung der Staatsregierung, wozu natürlich erst immer l nieder lange Verhand- lungen notwendig werden. Ferner aber ist z. B. für die Erhaltung des Grunewaldes nicht die geringste Gewähr geböte«, da den Char- lottenburger Wasserwerken die größten Konzessionen gemacht sind und nach den Gutachten der Sachverständigen die Gefahr des völligen Austrocknens des Waldes besteht. Auf der Grundlage dieses Re- igierungsvorschlages erscheint ein Abschluß völlig ausgeschlossen." Wir halten die schlanke Ablehnung des Regicrungsvorschlaaes für selbstverständlich. Partei-TZngelegenkeiten. Wannsee. Sonnabend, den 15. d. MtS., abends /8 Uhr. km Restaurant„Fürstenhof"(O. Ackermann): Versammlung des Wahl- Vereins. Rudow. Am Sonntag, den 16. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von A. Palm: Wahlvereinsversammlung. Bezirk Waidmaunslust und Umgegend. Sonntag, den 16.Februar, nachmittags 4 Uhr, in Birkenwerder im Gesellschaftshaus, Haupt- straße 99: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Lichtbildervortrag des Privatgelehrten Äurt Aiging: Die Ab- stammung des Menschen im Lichte der Entwicklungslehre. 2. Vereins- angilegenheiten und Verschiedenes. Rimtgental. Heute abend 8 Uhr: Zahlabend bei Marx. ßerlimr Nacbmbtcn. Der Umsatz von russischem Fleisch tn den Markthallen und in den unter städtischer Kontrolle stehenden Ladengeschäften ist nach wie vor von erheblichem Umfang. Es ist nicht allein der billige Preis des russischen Fleisches von Einfluß auf das kaufende Publikum, sondern vor allen Dingen die wahrhaft gute Oulität des von der Stadt eingeführten Fleisches. Die anfangs bestehenden Vor- urteile gegen dieses Fleisch sind mehr und mehr geschwunden, der Verkauf hat in den letzten Wochen sogar eine nicht geringe Steigerung erfahren. Im engeren Gebietsteil Berlins sind z. B. verkauft tvorden in der Woche vom 28. Dezember 1912 bis 3. Januar 1913 2799 Zentner, in der Woche vom 4� bis 19. Januar 1913 3379 Zentner, in der Woche voni 19. bis 17. Januar 1913 3971 Zentner, voin 18. bis 24. Januar 1913 3699 Zentner, und in der letzten Woche sogar 3939 Zentner. Wegen der wachsenden Nachfrage will die Stadtgemeinde noch einige weitere Verkaufsstellen im Interesse der Bevölkerung zulassen. Dadurch wird auch einer Anzahl von Schlächtermeistern auf längere Zeit eine sichere Existenz geschaffen. Meldungen nimmt die Markthallen-Direktion, Neue Friedrichstraße 35, sntgegen. Der Konsum des russischen Fleisches beweist, daß die Fortsetzung des Fleischbezuges während des Sommers, wozu die-Stadtgemeinde einstweilen bis zum 1. Oktober d. I. die Genehmigung erhalten hat, notwendig ist und er bietet die Gewähr, daß diese Erlaubnis in weitestem Maße ausgenutzt werden kann. Es ist zu wünschen, daß die Bevölkerung recht regen Gebrauch macht von der in ihrem Interesse getroffenen nützlichen Einrichtung. Ein Kleinbahn-Jdyll. Daß Reisende auch i» der Nähe Berlins noch Zustände auf der Eisenbahn antreffe« können, die sich von weltcntlegenen Gegenden durchaus nicht unterscheiden, zeugte sich so recht am Sonntag auf der Strecke Mittemvalde— Töpchin. Nachmittags, so schreibt uns eine Leserin, hatte in Motzen eine Versammlnng statt- gefunden. Versammlungsbesucher, die abends mit der Kleinbahn wieder zurückfahren wollten, fanden zunächst zu ihrem Erstaunen einen völlig finsteren Wartcraum vor, der eine für drei Personen ausreichende hölzerne Bank enthielt. Hier waren die Reisenden wenigstens vor dem scharfen Wind, der draußen wehte, geborgen. Etwa eine Viertelstunde vor Ankunft des Zuges stolperte ein Mann mit einer Leiter heran, der die an dem Gebäude befindliche Pe- troleumlaterne anzündete. Kaum angezündet, erlosch das Licht wieder, weil die Lampe nicht gefüllt war. Auf allgemeinen Ruf nach Licht antwortete ein Kenner dortiger Verhältnisse:„Er hat die Lampe ja angesteckt, mehr kann der arme Kerl doch nicht tun, wenn kein Petroleum drauf ist, kann sie doch nicht brennen!" Und es soll schon seit langer Zeit kein Petroleum auf dieser La- terne sein, so erzählen Motzener. Ein mit einem Pferd bespannter Milchwagen, sowie ein unbeleuchteter Handwagen mit Milchkannen fuhren im nächsten Augenblick beinahe einige der draußen im Dunkeln stehenden Mitreisenden um. Endlich kam der Zug durch die Nacht herangekeucht. So gut es ging stolperten die Reisenden im Finster« in die Abteile, sie waren froh, daß nun wenigstens einige dicke Stearinkerzen über ihnen in den Lampengläsern qualmten, die eine schwache Beleuchtung ans die Kupeeinsassen fallen ließen. An der nächsten Station Gallun, die auch voll- ständig im Dunkeln lag, lief ein Mann mit einer Stallaterne am Zuge auf und ab und regelte auf diese Weise den Verkehr. Direkt unbehaglich sah es in Gallun lDorf), einer der nächsten Stationen, aus, wo gleichfalls beim Lichte einer Stallaterne ein Mann und eine Frau mit einem Säugling auf dem Arm den Zug erkletterten und sich glücklich priesen, weil das ohne Gefährdung vonstatten gegangen war. Mitteirwalde, die nächste Station, war vollauf beleuchtet, dagegen lag Krummensee, das Dorf am Krummen See, das nur eine Landstraßcnstation hat, wieder in tiefer Nacht. Die Dörfler dort sind sdion froh, wenn sie über- Haupt noch mitkommen. Die nächste Station Schenkendorf lag wiederum in tiefer Finsternis. Nur beim Abfahren entdeckte der eifrige Beobachter ein kleines Tranlicht vor einem winzigen Schalter. Und als die ganze Zuggesellschaft glücklich in Königs- Wusterhausen anlangte, wo dieses Kleinbahn-Jdyll sein Ende er- reicht, atmeten alle erleichtert auf. Gepäckbeförderung auf den Bahnhöfen Westend und Savigny- Platz. Auf den Bahnhöfen Westend und Savignhplatz sind„euer- dings die Fahrkartenschalter mit Abholekarten der„BZBG"(Bahn- amtlich zugelassene Berliner Gepäckbeförderung) versehen worden, die auf Wunsch den Interessenten ausgehändigt werden. An- nahmestellcn, in welchen Schreibaelegenheit zur Ausfüllung der bereitgehaltenen Bestellkartcn vorhanden ist, und von denen aus die schnelle Weiterbeförderung des Auftrages an die Gesellschaft 'erfolgt, befinden sich für den Bahnhof Westend im Zigarren- Geschäft Engel, Spandauerberg 28 und für den Bahnhof Savigny- tplatz im Restaurant Steinke, Savignhplatz Ecke Knesebeckstraße. Luftschiffahrten in Berlin sind schon etivas alltägliches. Das Reichsmarineluftschiff I- I machte gestern nachmittag einen ztveiten Aufstieg, bei welchem es längere Zeit über den östlichen Vororten kreuzte. An Börd befand sich Admiral Müller vom Reichsmarine- amt.— Die„Hansa" machte gestern nachmittag von. Potsdam aus einen längeren Passagierflug, bei welchem sie zahlreiche Schleifen- über Berlin ausführte. Die„Hansa" flog dann über den Grüne- Wald na Potsdam, wo sie sich auf die Havel herabsenkte und mit den Gondeln im Wasser den Fluß bis zur Luftschiffhalle hin- auffuhr. Dann hob sie sich aus dem Wasser und wurde von dess Hilfsmannschaften in die Halle hineingebracht. Hühuerdiebe treiben es in der letzten Zeit wieder sehr arg. Sie beginnen jetzt ihre zweite„Saison". Während sie zur Winter- zeit die Tiere beim Stehlen abschlachten und zur Fleischnntzung verkaufen, suchen sie sie jetzt lebend in die Hände zu bekommen, weil sie als Legehühner wertvoller und augenblicklich sehr ge- sucht sind. Die„Spezialisten" suchen nicht nur die Lauben- kolonisten und andere Viehhalter in der Umgebung Berlins heim, sondern treten sogar mitten in der Stadt auf. So erbeuteten zwei von ihnen in der vergangenen Nacht in der Nähe des Molken- Marktes 63 Rassehühner„Minorka", die das Stück 5 bis 6 Mk. wert sind. Sie wurden bei der„Arbeit" gestört, mußten deshalb den größten Teil im letzten Augenblick zurücklassen, versuchten aber doch noch jeder einen Sack voll mitzunehmen. Mit dieser Lost fielen sie Kriminalbeamten auf, die zufällig des Weges kamen. Als diese sie zur Rede stellten, ergriffen beide die Flucht. Einer, der etwas sch.verfällig war, wurde sofort ergriffen. Der andere wurde mit einem Kraftwagen die Stralauer Straße cnt-- lang verfolgt und an der Neuen Friedrichstraße ebenfalls festge- nommen. Die Ertappten entpuppten sich als„Arbeiter" namens Rebouillon und Brehm, die beide schon bestraft sind. Krankheit und Erwerbsunfähigkeit fyiben den 62 Jahre alten Arbeiter Joseph Jaimoch aus der Pücklerstraße 41 zum Selbst- mord veranlaßt. Jannoch, der in einer Jutespinnerei in der Köpenicker Straße beschäftigt war, litt seit längerer Zeit an Asthma und war seit vier Wochen so krank, daß er nicht mehr arbeiten koiintc. Als seine Frau, mit der er in linderloser Ehe lebte, gestern Abend von ihrer Arbeitsstelle nach Hause kam, fand sie ihn tot auf. Der Unglückliche hatte sich in der Verzweiflung eingeriegelt und an der Tür erhängt. �Ein tötlicher Eiscnbahnunfall hat sich in der Mcht zum Dicus- tag auf der Strecke Berlin— Hamburg zugetragen. Gegen 12 Uhr abends fand ein Streckenwärter auf einem R-evisionsgange in der Stahe von Ncu-Finkenkrug die entsetzlich zugerichtete Leiche eines jungen Mannes auf. Aus vorgefundenen Legitimaticmspapieren ging hervor, daß der Tote der 23jährige Former Franz Galinowsky aus Seegefeld ist. Zweifellos liegt ein Unglücksfall vor. Der junge Mann ist wahrscheinlich, um sich den Weg abzukürzen, über den Bahndamm gegangen und voll einem Zuge überfahren und getötet worden. Die Leiche ist vorläufig beschlagnahmt worden; eine Untersuchung ist eingeleitet. Ein zweiter Eisenbahnunfall hat sich auf der Liebcnwalder Bahn ereignet. In der Nähe der Station Schildow versuchte gegen 7 Uhr morgens ein dem Arbeiterstande angehöriger Mann den Bahnkörper zu überschreiten, als ein Zug von Liebcnwalde herannahte. Der Manu wurde von dem Zuge erfaßt und in weitem Bogen zur cseite geschleudert.'Er erlitt eine Hassende Kopfwunde und schwere innere Verletzungen. Ein aus Mühlen- deck herbeigerufener Arzt legte dem Verunglückten Notverbäuoe an und veranlaßte seinc Ueberführuug nach dem Krankcnhause in Reinickendorf. Die Personalien des Shwerverletzteu konnten bis- her noch nicht festgestellt werde«, Eine»icrkwiirdige Entdeckung machte gestern eine Witwe auS der Hollmannftraße 13. Die Frau pflegt mittags für ein Speise- hauS Essen nach verschiedenen lstelleil zu bringen. Sie benutzt hierzu eiueu Kinderwagen, den sie, wen» sie ihn nicht benötigt, unten im Hausslur stehen läßt. Als sie gestern mittag den Kinder- wage« wieder hervorholte, um die übliche Besorgung zu machen, fand sie darin ein Paket aus Zeitungspapicr. Sie öffnete es und fand nun zu ihrer größten Ueberraschung in dem II in schlag die Leiche eines neugeborenen Mädchens, das, tvic es scheint, von der Mutter gleich nach der Geburt getötet und dorthin gebracht worden ist. Sie übergab den Fund der Polizei, die die kleine Leiche nach dein Schauhause bringen ließ. Wer das Paket dorthin ge- legt hat, ließ sich bisher noch nicht feststellen. Aus dem Wasser gelandet wurde Dienstag abend die Leiche eines Mannes, die gegenüber dem Grundstück Friedrichsgracht 26 im Stadtschleusenkanal aufgetaucht war. Der Tote, der vielleicht schon vier bis fünf Wichen im Wasser gelegen hat, besaß Papiere auf einen 34 Jahre alten aus Wreschen gebürtigen Schneider- gesellen Wenzel Gilbe, man tveiß aber noch nicht, ob das sein eigener Name ist.— Noch nicht sicher festgestellt ist ferner d,e Persönlichkeit eines Mannes, der Dienstag nachmittag in einer Speisctvirtschaft in der Großen Frankfurter Straße 73 eine Tasse Kasse trank und bald darauf im Toilettenraum vom Blutsturz bc- fallen wurde und starb, bevor man ihn auffand. Er gehörte zu den Obdachlosen, die jene Wirtschaft viel besuchen. Papiere, die man bei ihm fand, lauten auf eiiien am 18. April 1855 zu Berlin geborenen Arbeiter Wilhelm Keller. Straßenbahnunfälle. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Mittwcch vor dem Hause Turmstraße 34. Dort lief der 15jährige Willi Dehrn, der das Herannahen eines Straßen- bahnzuges nicht bemerkt hatte, gegen den Vorderperron des Motor- Wagens 1712 der Linie 23, wurde»mgestohen und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, fodaß er in das Moabitcr Kranken- Haus geschafft werden mußte.— Ein zweiter Stratzenbahnunfall ereignete sich vor dem Hause Ebersstraße 35 zu Schöneberg. Der 5jährige Knabe Georg Tetz hatte sich auf das Vordertrittbrett deS Anhängewagens 2686 der Linie 74 gesetzt, stürzte während der Fahrt herab und geriet mit dem rechten Bein unter den Schutz- rahmen, sodaß der Unterschenkel von den Rädern abgetrennt wurde. Das Kind, das außerdem noch einen Bruch des rechten Oberarms erlitten hatte, wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt und dann in das Schöneberger Krankenhaus gebracht. Opfer eines verhängnisvolle» Irrtums. Zu der unter vor- stehender Spitzmarke gestern veröffentlichten Notiz über den Tod eines durch eine Pulvervenvechslung verstorbenen Kiirdes in Reinickendorf teilt uns der Inhaber der Sternapotheke in Ret» nickendorf mit, daß lein Versehen vorliege und die Apotheke keine Schuld treffe. Richtig sei, daß am gleichen Tage sechs K'odeinpulver für einen anderen Kranken angefertigt worden seien. Unrichtig sei aber, daß cwes dieser Pulver verschwunden sei. Dieser Patient habe die vorgeschriebenen sechs Pulver vollstänoig criiaiten. Frau Dreivs habe auch nicht neun Pulver erhalten, cS seien ihr die vom Arzt verordneten acht Pulver vorschriftsmäßig aus- gehändigt worden. Daß das Kind, welche- schwer trank war, an Kodeinvergiftung gestorben sei, sei nicht erwiesen; irgendein Versehen deS rezep- tierenden Apothekergohilfen ist auch nicht von der Polizei fest- gestellt tvordcn. Feuer in einem Asphaltwcrk. Gestern vormittag gegen 13>/z Uhr wurde die Charlottenburger Feuerivehr nach dem Asphaltwerk der Berliner Asphalt-Gesellschaft von Kopp u. Cie. in der Kaiserin- Augusta-Allee 12/13 gerufen. Dort brannte ein Teil der Asphalt- kocherci, und das Feuer war auch schon auf da? Dach deS Gebäudes übergesprungen. Die Feuerwehr griff mit zwei Schlauchleitungen ein und erstickte die Flammen nach kurzer Zeit. Der Brand war da- durch entstanden, daß aus der Feuerung eine Flamme herausge- schlagen war, wobei Asphaltstaub zur Entzündung kam. Von den Arbeitern, die sich bei Ausbruch des Brandes in dem Raum auf- hielten, ist niemand verunglückt. Eine Betriebsstörung tritt bei der Firma nicht ein. Aufgabe» der Gemeinde im Kampfe gegen den Alkohol, lautet das Thema über das Genosse Aug. Reumann morgen abend 8 Uhr im GewerlschaftShause, Engelufer 15, fpricht. Es ist der zweite vom Arbeiter-Abstinnentenbuud veranstaltete volkstümliche wissenschaftliche Vortragsabend.._ Vorort- JSaebnebtem Wilmersdorf-Haleufee. Vom Schulwesen. In Wilmersdorf spielen bekanntlich die zahlungsfähigen Schichten der Bevölkerung eine ganz andere Rolle als im übrigen Groß-Berlin. Dies zeigt sich besonders im öffenllichen Schulwesen. Im Oltober 1912 gab es im ganzen 5998 Schüler und Schülerinnen in den höheren Schulen und 7593 Kinder in den Volksschulen der Stadtgememde. Es kommen noch hinzu 151 Schülerinnen, die die neuerrichtete Mädchen- Mittelschule zur erwähnten Zeit besuchten. Hiervon waren Aus« wärtige an den höheren Schulen 686, an den Gemeindeschuleu 117, an der Mädchenmittelschule 3. Selbst wenn man die Schülerinnen dieser Anstalt außer Betracht läßt, entfallen auf 1339 Einwohner 20,74 höhere Schülerinnen und 33,23 Volksschnlersimen sowie 26,31 höhere Schüler und 29,33 Volksschüler. Zieht man noch in Betracht, daß manche wohlhabende Eltern am Ort ihre Kinder in auswärtige höhere Schulen senden, so kann man ruhig behaupten, daß die Zahl der höheren Schüler in Wilmersdorf die der Volksschiiler erreicht, wenn nicht gar über st ei gt. Bemerkenslvert ist noch, daß die relative Besuchsziffer in den höheren Schulen ständig in die Höhe geht, während sie in den Vollsschulen ständig fällt. Mädchen und Knaben zusammengerechnet entfielen auf 1333 Einwohner 1939 erst 44,11, 1912 hingegen 47,35 Kinder auf die höheren Schulen; in den Volksschulen verringerte sich im selben Zeitraum der Satz hingegen von 66,36 auf 59,56. Die Stadtgemeinde ist natürlich eifrig daraus bedacht, dem zahlungS« fähigen Teil der Einwohnerschaft eine reiche Ausivahl an höheren Schulen zu bieten. Während nur sechs Volksschulen in Wilmersdorf vorhanden sind, gibt es hier, die Mädchenmittelschule eingerechnet, nicht weniger als sechs höhere Mädchenschulen und sieben höhere Knabenschulen(Gymnasien, Realgymnasien, Reformrealghnniasien und Oberrealschnle), alle selbstverständlich mit Vorschulen versehen. Auch scheut die Stadt keine Kosten für den Unterricht in den höheren Schulen. Im nächsten Jahre wird es rund 6533 höhere Schüler und Schülerinnen und rund 8033 Volksschulkinder in Wilmersdorf geben. Wenn man diese Zahl in die Zuschüsse teilt, die nach dem neuen Etat für die Schulen erfordert werden, so wird, die 1Ä> M. Schulgeld. die durchweg für den Besuch der höheren Schulen zu zahlen sind, natürlich nicht mit eingerechnet, jeder Schüler oder Schülerin dieser Schulen der Stadt 227 M. losten, während in den Volksschulen jedes Kind nur 142 M. Zuschuß erfordert. Im Durch- schnitt sitzen in jeder Klasse der höheren Schulen 29, in jeder Klasse der Volksschulen hingegen 41 Kinder. Diese Zahlen lassen erkennen, >vie wenig gerade die Wohlhabenden berechtigt sind, von den Lasten zu reden, die ihnen durch die unentgeltliche Volksschule aus« erlegt ivären. Der Volksschulbesuch ist nur scheinbar frei; die Gemeinde könnte weder höhere noch niedere Schulen unterhalten, wenn nicht auch die Aermsteu durch Steuern und ganz insbesondere durch e n o r in h o h e Mieten, die dem Hauswirt erst die Abführung der steuern ermöglichen, ihr wohlgemessen Teil zu den Kosten der Schulen beitragen würde». Eharlottenburg. Die Beschaffung zweiter-Hypotheken unter Mitwirkung der Stadt hat den Magistrat von Charlottenburg in seiner legten Sitzung beschäftigt. Zur Beratung dieser Frage ist ein Magistratsauöschuh eingesetzt, dem zugleich auch die Beratung über die Veräußerung des umfangreichen städtischen Grundbesitzes zwischen Kaiserdamm, Königsweg, Stadtbahn und Spandauer Bahn zugewiesen ist. Eö handelt sich um das der Stadt bei der Erweiterung der Bismarckstraße vom Staate zugefallene Terrain, namentlich den alten Exerzierplatz, in einer Größe von etwa 33 428 Quadratruten. Ein Verein für Volkskindergärten, der sich die Fürsorge für die unbeaufsichtigten noch nicht schulpflichtigen, körperlichen und geistigen Gefahren ausgesetzte» Großstadtkinder angelegen sei» lassen will, ist am 7. Februar von einer Anzahl Damen und Herren im Char- lottenburger Rathause gegründet worden. Um dem Verein eine breitere Grundlage zu schaffen, soll zunächst ein Werbeaufruf an den wohlhabenderen Teil der Bürgerschaft erlassen und alsdann eine größere öffentliche Versammlung veranstaltet werden. Lichterfelve. Kommunale Verkehrsnöte. In neuester Zeit macht sich wiederum eine große Unzufriedenheit mit den örtlichen Verkehrsverhältnissen bemerkbar, die in Eingaben und Resolutionen an den Gemeinde vorstand zum Ausdruck kommt. Besonders zwei Umstände sind es, die lähmend auf den Ortsverkehr einwirken: die außerordentlich hohen Fahrpreise auf den Kreisbahnen und dann die Verschiedenheit des SlraßenbahnnetzcS in Schmal- und Normalspur. Was die Höhe der Fahrpreise betrifft, so dürste es in Deutschland wohl keine Gemeinde geben, die mit Lichterfelde in erfolgreichen Wetb bewerb treten könnte. So kostet z. B. die östliche Strecke Bahnhof Ost— Bahnhof West mit einer Länge von etwas über S Kilometer 20 Pf.; die Teilstrecken sind relativ noch erheblich teurer. Eine Fahrt vom Händelplatz in Lichterfelde bis Bahnhof Swönhauser Allee, mindestens neun Kilometer, kostet ebenfalls nicht mehr, obwohl diese Linie der Großen Berliner gehört. Der Mißmut der Bevölkerung über die geradezu unverschämt hohen Fahrpreise der örtlichen Bahnen ist daher durchaus berechtigt und Gemeindevorstand wie-Vertretung haben die Pflicht, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln beim Kreis mindestens eine Herabsetzung der Tarife durchzusetzen, wenn ein Einheitspreis von 10 Pf. vorläufig nicht erreicht werden kann. Es wäre aber durchaus ungerecht, nur den Kreis allein und ganz besonders für die heutige, den Ortsinteressen schädliche Verkehrspolitik verant- wortlich zu machen. Die eigentlich Schuldigen sind die G e- m e i n d e n selbst; ehe der Kreis seinerzeit die sog. Siemens- und die Bachstein-Bahnen sLichterfclde-Stahnsdorf) übernahm, konnten sie dieselben erwerben. Aber die in Frage kommenden Genieinden: Lichterfeldc, Steglitz, Lankwitz und Mariendorf konnten sich nicht einigen, die Konkurrenz unter sich, die Kurzsichtigkeit der Bureau- kraten und die engherzigste Kirchturmspolilik haben den gemeinsamen Erwerb dieser Verkehrsmittel leider verhindert. In diesem Moment griff der verstorbene Landrat v. Stubenrauch ein, der in solchen Dingen dann doch einen anderen Weitblick besaß als der Durchschnitt der in Frage kommenden Gemeindehäuptlinge, die Bahnen gingen auf den Kreis über; es wäre auch ungerecht, zu verkennen, daß dieser im Gegensatz zu den Vorbesitzern erhebliche Verbesserungen eingeführt hat. Es gab zu jener Zeit in den bürgerlichen, kommunal- politisch.maßgebenden" Kreisen Leute, die in verblüffender Einsicbts- losigkeit die Uebernahme der Bahnen durch den Kreis bekämpften und sie lieber im Besitz von Privatunternehmern gesehen hätten. Daß die Uebernahme der Bahnen durch den Kreis, nachdem die Gemeinden in so schmählicher Weise der- sagten, das einzig Richtige war und einen Fortschritt in der Richtung der späteren Kommunalisierung bedeutete, kann niemand bestreiten. Außerdem hat der Kreis an der EntWickelung seiner Gemeinden ein gewisses Interesse und schon von diesem Gesichts- punkte aus muß er als Besitzer der Bahnen ganz anders gewertet werden als ein nur sein Profitinteresie kennender Privat- Unternehmer. Nach dem Vertrage der beteiligten Gemeinden mit dem Kreise gehen die in Betracht kommenden Bahnen im Jahre 1944 unentgeltlich und schuldenfrei an jene über. Der Kreis sucht naturgemäß alle für die Verkehrsmittel gemachten Aufwendungen bis zu jenem Zeitpunkt zu tilgen. DaS ist auch der Haken, warum eine Herab- setzunq der Fahrpreise von ihm so schwer zu erreichen ist; man ist dort der Meinung, daß dadurch ein erheblicher Ausfall eintreten und die Tilgung bis 1944 nicht möglich werden könnte. Diese Be- denken des Kreises sind zweifellos gänzlich unbegründet. Infolge neuerlicher Verbandlungen der Gemeinde mit dem Kreis im Anfang de« vorigen Jahres war dieser bereit, eine Ermäßigung der Fahr- preise eintreten zu lassen, wenn die Gemeinden bei Ueber- nähme der Bahnen die noch nicht getilgten Schulden über- iichmen. Dabei muß bemerkt werden, daß der Kreis auf jeden Ueberschuß aus dem Betrieb der Bahnen verzichtet, daß alle Ueberschüsse für die Bahnen verwendet werden. Leider hat damals die Gemeindevertretung in völliger Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse den Vertrag mit dem Kreis abgelehnt, ohne auch nur in eine Diskussion über die Angelegenheit einzutreten. Da aber eine Verbilligung der Fahrpreise eine absolute Not- ivcndigkeit und für die EntWickelung von eminenter Bedeutung ist, muß alles versucht werden, gemeinsam mit dem Kreis eine Basis zu finden, sie in kürzester Zeit herbeizuführen, Steht diese Angelegenheit im Vordergrunde deS Interesses, so bleibt noch übrig die Einrichtung sämtlicher Bahnen auf Normalspur. Der jetzige Zustand mit den verschiedenen Schienenweiten ist auf die Dauer unhaltbar; er beeinträchtigt die Ausdehnung des Bahnnetzes und schnürt den Verkehr gewissermaßen ab. Den Ruhm, die erste elektrische Bahn der Welt zu besitzen, wird die Gemeinde ziemlich hoch bezahlen müssen. Jedenfalls ist auch in dieser Beziehung von Gemeinde wegen insofern gesündigt worden, als den Vorbesitzern der Bahnen der weitere Ausbau nach dem Schmalspursystem gestattet wurde. Lanktvitz. Der Etat der Gemeinde wurde in der letzten Sitzung der Ge- meindeverlretung festgestellt. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 039 000 M. ab; das ist gegen das Vorjahr ein Mehr von 56 000 M. Zuschüsse erfordern: die allgemeine Verwaltung 117800 M., die Polizeiverwaltung 34 300 M., die Armenverwaltung 17 500 M., das Realgymnasium l333 Schüler) 93 800 M., die höhere Mädchen- schule(188 Schülerinnen) 40 300 M,, die Gemeindeschulen(1041 Kinder) 129 300 M., die gewerbliche Fortbildungsschule 3000 M., die Bauverwaltung 3200 M., die Straßenverwaltung 47 700 M., das Feuerlöschwesen 10 000 M., für Förderung gemeinnütziger Zwecke 5500 M. Als Gemeindeeinkommensteuer werden erhoben 115 Proz. Zuschlag; die Grundsteuer beträgt für bebaute Grundstücke 8 vom Tausend und für unbebaute 4 voni Tausend, An Gewerbesteuer werden erhoben für die Klassen 1 und 2 200 Proz,, für die Klassen 3 und 4 150 Proz. Der Schuldenstand Hai sich um 3 200000 M., welche Summe für Pflasterungen, t>en Bau eines Lyzeums und eines Hypothekenfonds aufgenommen sind, vermehrt, er betrögt jetzt 8 533 000 M, Genosse Radike bedauerte, daß der Etat ohne jeden Fortschritt auf sozialem Gebiet aufgestellt sei. In den Schulen fehlten noch verschiedene Ein- richrungen, dh andere Vororie längst haben. Er verlangte, daß Mittel bereitgestellt werden für die Schulzahnpflege, sowie für die Speisung bedürftiger Schulkinder. Der Gemenidevorsteher meinte, daß eS in unjerm Ort wohl kaum Kinder geben würde, welche ohne warmes Frühstück zur Schule geschickt werden, auch sei die Schule nur dazu da. geistige Nahruieg zu verabfolg«:. Jedoch sollen Er- Hebungen über die Notwendigkeit angestellt werden, so daß erforder- lichensalls im nächsten Winter den Anträgen Rechnung getragen werden soll. Weiter wurde von unserm Vertreter das Verhalten des Gemeinde- Vorstehers in Sachen des russischen Fleischverkaufs kritisiert. Da für die Einführung desselben von der Verwaltung nichts getan worden sei, stehe Lankwitz gegenüber allen anderen Vororten isoliert da. Der Gemeindevorsteher habe es nicht einmal für nötig gehalten, auf einen Brief, welchen er(R.) vor acht Wochen an ihn in dieser Sache gerichtet, zu antworten. Aus der anderen Seite werde von der Gemeindeverwaltung alles getan, um die ärmere Bevölkerung von Lankwitz fernzuhalten. Der Bau von kleinen Wohnungen werde durch Bauordnungen unterbunden; würde man denselben fördern, so wäre die geringe bauliche EntWickelung, über welche der Gemeinde- Vorsteher jetzt klage, sicher nicht eingetreten. Die verlangte An- stellung eines Polizeikommissars wurde von der Mehrheit beschlossen. Genosse Radike wandte sich dagegen, da die Kosten des Polizeietats sich seit sieben Jahren verdreifacht hätten, so daß jetzt ein Zuschuß von 47 000 M. inkl. Bureauräumen notwendig sei. Ferner soll ein Ingenieur in der Bauverwaltung sowie ein Nachtwächter mehr angestellt werden. Eine längere Debatte zeitigte das Kapitel Bau- Verwaltung. Das Straßenpflaster, welches vorzugsweise im Orte verwendet wird(Ouaritte und Teerbeton), weist erhebliche Mängel auf; trotzdem schon öfter in Sitzungen hierüber gesprochen worden ist, gibt die Gemeindeverwaltung diesen Pflasterarten den Vorzug, Lankwitz muß hier das Versuchskaninchen bilden zum Schaden der Anlieger und der Passanten. Der Gemeindevorsteher verteidigte das junge Industrieunternehmen, wie es ein Prokurist der Firma auch nicht besser hätte tun können, trotzdem konnte er die Mängel des- selben nicht hinwegleugnen. Trevtow-Baumschulenweg. Das Zkrcmatorium auf dem neuen Gemeindefriedhof am Stich- kanal ist nunmehr im Bau soweit vorgeschritten, daß dieser Tage eine Probeeinäscherung vorgenommen werden konnte. In jeden der beiden Verbrennungsapparate wurde ein Holzsarg mit einer Anatomieleiche eingeführt. Die Einäscherung erfolgte in der nor- malen Zeit von 1'/4 bezw. l'/z Stunde Nunmehr wird mit dem Einbau der Versenkungvorrichtung und dem weiteren Ausbau der unteren Räume begonnen werden. Ferner dürfte in nächster Zeit die Gemeindevertretung die Gebühren und die Gebrauchsordnung für die Feuerbestattung festsetzen. Da diese Ordnungen aber wiederum der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden bedürfen, ist an eine Inbetriebnahme der Anlage bor Ende April wohl kaum zu erhoffen. Karlshorst. Eine recht sonderbare Auffassung vom Wesen der Elternabende scheint die hiesige Schulverwaltung zu haben. Für die 4. Volks- schule ist am Mittwoch, dem 19. Februar, abends 7'/z Uhr, ein Elternabend geplant und zwar aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Befreiungskriege. Das Programm dieses Abends ist ausgefüllt mit Deklamationen und Gesängen, die mit dem Fühlen und Denken der übergroßen Mehrzahl der Eltern nicht in Uebereinstimmung zu bringen sind. Soll etwa der Zweck der Veranstaltung sein, auf die Eltern der Kinder einen erzieherischen Einfluß im hurrapatriotischen Sinne auszuüben? Wir hoben bisher bei Elternabenden Veranstal- tungen gesehen, bei denen eine Verständigung über die Fragen zwischen Schule und Haus und ein möglichst gutes Einvernehmen zwischen den Eltern und den Lehrern herbeigeführt werden soll Dieser Zweck wird bei der in Frage kommenden Veranstaltung bedauerlicherweise in Frage gestellt. Motzen(Kreis Teltow). Einen guten Verlauf nahm hier eine öffentliche Versammlung. in welcher die Genossin Rüben über das Thema:„Preußen, die Brulstätte der Reaktion", referierte. Die eindringliche Charakteristik unserer sozialen Zustände durch die Reserentin löste bei den Ver- sammelten großen Beifall aus. Am Schluß erklärten vier Anwesende ihren Beitritt zum Wahlverein. Bernau. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete Gen. Kubig den Bericht vom Preußentag, hieran anschließend gab der Referent nähere Details über das LandtagSwahlrecht und betonte zum Schluß, daß es uns gelingen muß. auf dem platten Lande lozialdemokratische Wahlmänner durchzubringen. Dann machte der Vorsitzende Mitteilungen über die Hausagitation und ersuchte die Genossen, am kommenden Sonntag zu der für diesen Zweck statt- findenden Flugblattverbreitung sich zur Verfügung zu stellen. Mit einem Appell an die Mitglieder, der Bezirksleitung im kommenden Wahlkampfe tatkräftig zur Seite zu stehen, damit die Kandidaten unserer Partei als Sieger aus dem Wahlkampfe hervorgehen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Borgsdorf. Neber die Gewaltpolitik der herrschenden Klassen referierte in einer im Lokal von Meißner tagenden öffentlichen Versammlung Ge- nosse Weber. Die treffenden allgemein verständlichen Ausführungen wurden von den zahlreich Versammelten mit lebhaftem Beifall auf- genommen. Am Schluß der Versammlung ersuchte der Vorsitzende die Anwesenden, die Worte des Referenten zu beherzigen und in die Reihen der Organisation einzutreten. Nowawes. Der Bahnumbau ist soweit vorgeschritten, daß auch das letzte Gleis für die Wannsee- und Stadlbahnzüge in der Richtung Berlin— Potsdam zwischen den Stationen Neubabelsberg und Nowawes hochgelegt ist. Seit Sonntag früh verkehren daher alle Züge auf dem hochgclegten Bahnkörper. Mit der Sperrung des letzten Niveaugleises ist-somit endlich ein Verkehrshindernis be- seitigt worden, das sich mit dem zunehmenden Wachstum des Ortes immer mehr fühlbar niachte und besonders fü� die Passanten beim Ueberschreiten der Gleise eine stete Unfallgefahr bildete. Noch am letzten Donnerstagabend entgingen drei Personen beim Ueber- schreiten der Gleise im Zuge der Bülowstraße mit knapper Not der Gefahr, vom Eisenbahnznge erfaßt zu werden. Erst als der Lokomotivführer das Warnungssignal gab, wurde der diensttuende Bahnbeamle auf die drohende Gefahr aufmerksam und schloß schnell die Schranken. Die letzte Sitzung deS Gewerkschaftskartells nahm den Jahres- bericht des Ausschusses entgegen. Aus demselben ist zu entnehmen, daß die Maifeier im Jahre 1912 besser besucht war als im Vorjahr. Ausgesperrt wurden 132 Gewerkschaftsgenossen insgesamt 581 Tage. Auch der Besuch der AuslunstSabende war ein sehr reger. Es wurden 223 Auskünfte erteilt. Die Zahl der angeschlossenen Gewerkschaften betrug am Ansang deS Jahres 23, ausgeschieden sind die Schmiede durch Uebertritt in den Metallarbeiterverband, hinzugekommen die Steinsetzer und Bnreauangestellten, so daß jetzt dem Kartell 24 Ge- werlschaften angeschlossen sind. Die Jahresabrechnung ergab eine Einnahme von 2984,11 M., eine Ausgabe von 1855,54 M. In den Kartellausichuß wurden folgende Genossen gewählt: Herrn. Reinfeldt, erster Vorsitzender; Traugott Förster. Kassierer; Willi Biete, Schrift- führer; Otto Müller, zweiler Vorsitzender. Alle Zuschriften sind an Genossen Reinfeldt, Großbeerenstr. 74, II, zu richten. Des weiteren wurde ersucht, den am Freitag, den 14. Februar, im Lokale Korts, Kaiser-Wilbelm-Straße 23. beginnenden Kursus des Arbeiter-Steno- graphen-BundeS zu beachten. Potsdam-Nowawes. Mit der Errichtung einer Walderholiingsstätte in Nenbabelsberg beschäftigte sich eine Versammlung des Walderholungsstäitenvereins Potsdam-Nowawes im Potsdamer Rathause. Ter Versammlung lagen drei Projekte vor, von denen das erste die Errichtung eines soliden Fachiverkbaues mit anschließender Liegehalle, das zweite die Aufstellung einer sogenannten Döckerschen Baracke aus Holz auf dem vom Forstsiskus pachtweise zur Verfüg«..� gestellten zwei Hektar großen Waldkomplex hinter dem Jnvalidenheim in Neubabelsberg vorsieht. Das dritte Projekt besteht in einem Angebot des Roten Kreuzes aus Ueberlassung einer Baracke zum Preise von 300 Mark. Die hygienischen Vorbedingungen für die Projekte sind insofern günstig, als die Möglichkeit eines Anschlusses der zu errichtenden Baulichkeiten an die Wasserleitung sowie an das Kanalisations- netz der Gemeinde NowaweS gegeben ist. Die Kosten für den Fach- wcrkbau sind auf 25 300 Mark, für die von einer Spezial- firma angebotene moderne Holzbaracke mit kompletter Ein- richtung dagegen auf etwa 21 000 Mar! veranschlagt. Da die dein Erholungsstättenverein zur Verfügung stehenden Mittel augenblicklich nur 19000 Mark betragen, so sah man von einer definitiven Entscheidung über die Art der Bauausführung ab und beauftragte die vorbereitende Kommission, sich nochmals mit den maßgebenden Stellen zwecks Erlangung weiterer Vorschläge in Verbindung zu setzen. Berichtet wurde, daß ein Fabrikdirektor für den genannten Zweck bereits 15 000 M. gespendet hat. Vom Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose sind 4000 M. Beihilfe in Aussicht gestellt und es ist außerdem Hoffnung vorhanden, daß auch die Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg sich zu einer lausenden Geldunterstützung bereitfinden lassen wird, wenn der Plan erst einmal verwirklicht ist. In der Erholungsstätte, für die vorläufig nur Sommerbetrieb in Aussicht genommen ist, sollen nicht nur rekonvaleszente Mitglieder der Krankenkassen in beiden Orten, sondern auch andere, von den beiden Gemeindeverwaltungen überwiesene Personen beiderlei Geschlechts Aufnahme finden. Mit- glied des Vereins zur Errichtung einer Walderholungsstälte kann jeder werden gegen Zahlung eines Mindestbeitrages von jährlich 1 Mark. Spanva». Den Parter- und Gewcrkschaftsgenosscn zur Kenntnisnahme, daß die unentgeltliche Rechtsauskunft von jetzt ab nicht mehr vom Ge- Nossen Härtung, sondern regelrecht an jedem Donnerstag, abends von 3 bis 8 Uhr im Bureau Breite Str. 34, 1 Treppe, von einem Sekretär erfolgt. Es wird erwartet, daß diese Einrichtung für die Spandauer Arbeiterschaft von Nutzen sein möge. Das Gewerkschaftskartell Spandau. Der Ausschuß. I. A.: R. Appoldt. Zu einer großen Demonstration gestaltete sich die am Dienstag- abend im„Neuen Stadt-Theater" abgehaltene öffentliche Versamm- lung, in welcher Reichstagsabgeordneter Genosse Philipp Scheide« mann über„Patriotische Falschmünzerei" sprach. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der große Saal überfüllt und immer neue Scharen von Versammlungsbesuchern rückten heran. Mittler- weile war der Saal, die Bühne, die Ballons und alle Winkel und Ecken von über 2500 Personen so dicht besetzt, daß die Polizei den Saal absperren mußte. Vor dem Lokal sammelten sich noch etwa 1500 Personen an, die teilweise bis zum Schluß der Versammlung ausharrten. Genosse Scheidemann kam in seinem Vortrag zuerst auf die Hundertjahrfeier zu sprechen; er schilderte, wie die Junker 1803 feige das Vaterland verraten haben. Nicht die sogenannten Edelsten der Nation seien es gewesen, die in den Freiheits« kämpf gezogen, sondern das deutsche Volk, das man durch allerlei Versprechen geblendet, um nachher schnöde zu betrügen. Die Vaterlandsliebe verkörpere sich bei den sogenannten Patrioten und im Profit. Der Redner streifte alsdann die Teuerung und entrollte die derselben zugrunde liegenden Ursachen. Nach einer Charakteristik unserer weltpolitischen Lage, des Rüstungstaumels der modernen Staaten, der Reaktion, die die Arbeiterklasse zu entrechten sucht und die Sozialdemokratie unter ein Ausnahmegesetz gestellt sehen möchte, richtete Scheidemann einen feurigen Appell an die Versammelten, sich in die Reihen der Sozialdemokratie einzugliedern und für Frei« heit, Gleichheit und wirtschaftliche Wohlfahrt kämpfen zu helfen. Langanhaltender Beifall folgte den Ausftihrungen des Referenten, der es vortrefflich verstanden hatte, die Zuhörer zu fesseln und zu begeistern. Eine Diskussion fand nicht statt. Genosse Völker teilte noch mit, daß Genosse Liebknecht am 25. Februar im Neuen Stadt-Theater in einer großen Versammlung sprechen wird was großen Jubel hervorrief. Der Konsumverein hält am 20. Februar gleichfalls daselbst einen Lichtbildervortrag ab. Eine Explosion erfolgte vorgestern in der Sauerstoffabrik der Jndustriegasgesellschaft in Hakenfelde, Rauchstraße, wo an einer Trockenflafche unter Druck eine Reparatur ausgeführt werden sollte. Der Maschinist Nischel sowie der Arbeiter Bowiak wurden durch aus« strömendes Aetznajron an den Händen und im Gesicht so schwer ver« letzt, daß ihre Ueberfllhrung nach dem Spandauer Krankenhaus an« geordnet werden mußte. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Köpenick. Freitag, den 14. Februar, im RathauSsaal. Alt-Glie»icke. Freilag, den 14. Februar, nachmittags S Uhr. Fran�.-Buchholz. Heute Donnerstag, den IS. Februar, nachmittag» 5 Uhr, im Sitzungsiaalc des Amtshauses. Eggersdorf lNicdcrbarnim). Heute Donnerstag, den 13. Februar, abends 7 Uhr im Catholyschen Lokale. Diese Sitzungen sind ösfentlich. Jeder GcmeindcangehSrtge iß M- rechtig«, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Fugendveranstaltungen. Bernau. Am Freitag, den 14. Februar, findet bei Richard Wünsche der letzte Vortrag des Herrn Zimmermann-Karlshorst über Nalurertcnntnts statt.— Am Sonntag, den 23. d. SB.: Besichtigung des Naturwissenschast» lichen MuseumS, zu welcher Herr Zimmermann die Führung übernommen bat.— Der JugcndauSjchuß richtet nun an die Arbeiterschaft die Bitte, der Jugendbewegung am Orte mehr Interesse entgegenzubringen wie bisher. Es finden jeden Freilag und Sonntag Spiei- und Leseabende statt. Auch werden des öfteren lehrreiche Vorträge gehalten. Die betreffenden Ver« anstaltungen find vollständig kostenlos, auch dürsen während derselben keine Getränke entnommen werden. Arbetter-Wandcrbund„Die Naturfreunde«. Sitz Berlin. Wander. fahrten am Sonntag, den 16. Februar: I. Rund um Berlin. IV. Groß. beeren— Potsßam. Abs. Anh Bahnh. 7,15 Uhr vorm. II. Ehorinchen— Plagesemi— Chorin. Abs. Stett. Bahnh. 5,59 vorm. III. RangSdors— Lichten« rade. Abs. Potsd. Bahnh. 8,0? Uhr vorm. IV. Kartenlunde im Gelände Wclchow. Abs. Stett. Bahnh. 5,59 Uhr vorm. V. FriedrichShagen— RahnS. darf. Abs. Echtes. Bahnh. 1,23 Uhr nachm. VI. Kindertour. Bahnhos Halensee-Grunewald. Treffpunkt: Bahnh. Weddiog und Schl. Bahnh. 8 Uhr vorm. Gäste willkommen. Marktpreise von Berlin am 11. Februar 1913. nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte lö,54 bis 19,60, mittel 19,42— 19,48, geringe 19,30—19,36 Roggen, gute Sorte 16,69—16,70, mittel 16,67—16,68, geringe 16,65-16,66(ab Bahn). Falter- gerste, gute Sorte 17,30—18,00, mittel 16,50—17,20, geringe 15,80—16,40. Haser, gute Sorte 18,40-20,30, mittel 16,80-18,30(sret Wagen und ab Bahn). M a r k t h a l I e n p r e i s e. 100 KUogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00 Sveisebohnen, weihe 35.00-50,00. Linsen 35,00—60.00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40 Rwdflciich. Bauchfleilch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,20. Kalbfleiich l. 40— 2,40. Hammelfleisch 1,50—2.40. Butter 2,40-3.00. 60 Stück Eier 4 00— 6 00. l KUogramm Karpien 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1.40- 3,60. Hechle 1.60-2,80 Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-8,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück krebse 4,00—24,00. WitterungSüberstcht vom 12, Februar 1913, Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 778W 778® 778 N 779,0 779:3® 775 WNW Ibalb bd, 2 bald bd. 2 bedeckt 1 Nebel IsNebel 2wolkelil Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris 767 SO 7720 777 OSO 778 777 SW N 4!dedeckt l-bedeckt Zheiter Iheiter 2wollenl am Wetterprognose sur Donnerstag, den 13. Februar 1913. Zeitweise nebelig, sonst trocken und viclsach heiter, nachts leichter Frost, läge wieder ziemlich mild bei mähigen(üdostllchen Winden. Berliner W etterbure«» gei.lCWll-1, QU Uitm/vvw------------------------>4«."4� miS lUUlfUUUCb«114-_----.---~ Oeravtwortlicher Retakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil veralltw.:ZH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlas: Borwärt» Buchdruckeiei u. V« rlag»anstalt Paul Singer u-Co., Berlin