Ur. 41. HbonnementS'Bedingungco: Momlsments- Preis vränuinerando! L>erteljährl> 2�0 Mk, monatl. 1.10 M�, wöchentlich LS Pfg. frei inS HanS. Einzclnx Nunmier S Pfg> Sonntags- nununcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- ichaniieuienU l,10 Mark pro Monat. izingctragen in die Post.Zcitungs- PrelÄiste. Unter Kreuzband sür Deich'chiand mid Oesterreich- Unoarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Lu;cniburg, Portugal. Siumämen, Schweden und die Schweis. 30. Jahrg. CriijeiDt tszlich außer montags. » 4 Verltnev Volksblcrtt. Me Insertion;-eebühr beträgt für die sechsgespaltenc Kolqnel- zclle oder deren Raum W) Pfg,, für politische und gewerkschaftliche. Vereins- und VerslUiimlungS-Anzeigen 80 Pfg, „Utelne tlnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 P'g, Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jede? weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- flaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nununcr müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpcdition abgegeben werden. Die Srpeoulon ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialileniclirat Berlii*. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlands. Redahtion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Feamsprecher: Amt Moritzplati, Nr. 1S83. Dienstag, den 18. Februar 1913. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt MoriPPlatz- Nr. 1984» Attacke. , Von dM ZvMOl) Laudwirten, diehinterdemBuud derLand- Wirte stehen sollen, hatteil sich gestern etlva KAXt zur Gene- ralversammlung des Bundes ini Zirkus Busch versammelt und weitere Tausende füllten den Saal der Singakademie zu einer Parallelveranstaltulig. Die gebräunten wetterharten Züge der Bauern beherrschten das Bild der Masseuversamm- hingen. Nur wenige Großagrarier sah man in den Reihen: sie scheinen den Geruch der Weinkneipen dem Stallduft des Zirklis vorzuziehen. Und trotzdem diente die ganze Ler- anstaltung nichts anderem als den politischen und Wirtschaft- lichen Interessen unserer Junker. Die große Zahl der Zuhörer sollte nur als Staffage dienen. Die demagogischen Regiekünstler im Vorstande deS Bundes hatten es wirklich leicht, bei, diesen unaufgeklärten Mitglieder�— denen ja durch die Schuld der Konservativen und des Zentrums eine halbwegs genügende Schulbildung mangelt— nach Belieben Beifall und Entrüstung zu entlocken. Aber während ili unseren Massenversammlungen Aufklärung getrieben wird. diente die Bundesversammlung nur der politischen Ein- feifung der Zuhörer. So unästhetisch die Pappendekoration des Zirkus, so billig und plump die geistige Auftnachung. So große Meister der Regiekuust die Bundeshäuptliuge seilt mögen, vor ihren Mitgliedern paßten sie sich gestern ganz der Unigebung an und trieben nur gröbste Zirkusregie. Be- kam es doch Dr. Hahn fertig, durch ein künstliches Lob eines platten Zwischenrufes zu größerer Belebung der flauen Stimmung, zu zahlreicheren Zwischenrufen anzuregen. Nur einen Vorteil für das politische Leben hatte die gestrige Veranstaltung. Tie Buud-esredner sagten frei und klar heraus, was der politischen EntWickelung Deutschlands und der Arbeiterklasse im besonderen droht, wenn das Volk selbst sich keine Gegenwehr schafft. Tie gestrige Tagung bedeutete einen kräftigen Vor- stoß gegen die Regierung oder besser. gegen den R e i ch s k a n z l e r und seinen Stellvertreter. Dem Landwirtschaftsminister v. Schorle m e r bezeugte der Bundesvorstand ausdrücklich sein Vertrauen. Uni so mehr niißtraut man aber den: Kanzler. Höhnisch sprach Dr. Hahn von den freundlichen Versicherungen und liebenswür- digeu Wendungen in der stilistisch meisterhasten Be- ki-üßungsrede des Kanzlers im Landwirtschaftsrat. Die Agrarier würden sich aber nicht nach diesen freundlichen Worten, sondern nach den Taten richten. In dem Bündler- zorn über die erste Bresche, die Bethmann angeblich in die landwirtschaftlichen Zölle � geschlagen, verglich Dr. Hahn den Kanzler sogar mit Caprivi, nur daß Bethntann dessen offenes ehrliches Bekenntnis zur Landwirtschaftsfeindlichkeit vermissen lasse! Dieser Kampf gegen den Kanzler, der offenbar ebenso- sehr durch einen Freundschaftsdienst gegen das Zentrum als durch den eigenen Groll über die Teuerungsmaßnahmen moti- viert ist, wurde wirksam ergänzt durch wiederholte Dank- sagungen an die Adresse d'es„ersten Berufskollegen" der Land- Wirtschaft— an Wilhelm II., den die Bündler auf Grund seiner letzten Rede im Landwirtfchaftsrat schon ganz als den ihrigen betrachten. In dem sicheren Gefühl, daß den Agrariern unter dem jetzigen Regime auf wirtschaftlichem Gebiete auch nicht das geringste von ihren Privilegien genomnien werden wird, wandten sich die Bundesredner unt so heftiger den rein politischen Fragen zu. Dr. Hahn verriet selbst sehr hübsch. wie jetzt die Interessen des Bundes verteilt sind: der Bund wolle nicht nur Politik treiben, sondern daneben auch den praktisch wirtschaftlichen Zufantmenschluß pflegen. So sprach denn Dr. Hahn der Schwerindustrie seinen besonderen Dank für die alte treue Waffenbrüderschaft mit den Junkern ans. \Die Schutzzollbewilligung auf Gegenseitigkeit sei beiden■ Parteien sehr gut bekommen. Mit dieser Aussicht auf Ge- Währung all ihrer Wünsche süchte Dr. Hahn auch die Erporti ndusrrie anzuwerben. Widerlegen konnte er zwar nicht, daß die agrarischen Zölle durch Verteuerung der Kon- sununittel des Arbeiters die Fertigindustrie fast noch schlim- Itter belasten, als das die Zölle aus Rohstoffe tun. Aber Dr. Hahn suchte sie wenigstens dadurch zu überreden,' daß die konservativen zu einer Kompensation durch Zölle auf Fertigfabrikate bereit seien. Für die Konsumenten würde also die Erneuerung der Bundesverträge neue schwere Be- lastung bringen, wenn diese edlen Absichten nickt noch recht- zeitig von den Massen durchkreuzt werden. Mehr noch als die wirtschaftspolitischeu Fragen be- schäftigte die gestrige Versammlung aber der K a ni p f gegen die Sozialdemokratie. Die Begründung� dieser Polemik beschränkte sich allerdings fast nur aus anti- semitische Mätzchen, selbst die Niederlagen des türkischen Volkes wurden unter dem tosenden Beifall der geistig schwerfälligen Hörer den Juden als Schuld angerechnet! Nur einmal kam V. D l d e n b Ii r g- Januschau der Erkenntnis der Wurzel der proletarischen Bewegung «he. als er die Tatsache �mitteilte, daß' mehr als die! Hälfte aller preußischen Staatsbürger überhaupt keine Steuern zahlen. Aber in dem lebhaften„Hört! hört!" der «ersammelten schien wenig von einem Erstaunen über die in der Mitteilung bezeugte elende Lage des preußischen Volkes zu liege». Aus dem Munde desselben Oldenburg klang der Ruf nach einem neuen Sozialistengesetz, wenigstens in der milderen Form der P r ü g e l st r a f e für S 0 z i a l d e m 0- k r a t e n. Für den Januschauer steht die ernste Aufklärungs- und i Befreiungsarbeit'unserer Partei auf gleicher Stufe mit dem Treiben von Zuhältern, für die in England diese ent- ehrende, barbarische Strafe' eingeführt worden ist. Nicht viel iveniger hahnebüchen wie gegen die Sozial- demokratie selbst wandten sich Hahn und Oldenburg gegen die„Befürworter" unserer Bewegung— gegen die Regierung, gegen Bethmann und Delbrück. Selbst Bismarcks großer Geist wurde im die Zirkusmanege zitiert, um den Staatssekretär zu schrecken. Stach den Wünschen des Bundes müßte die Regierung viel schärfer vorgehen. Bis jetzt habe die Regierung aber immer nur Schwäche gezeigt und der Sozial- demokratie nachgegeben. Als schlimmsten Fehler bezeichnete Oldenburg die Ankündigung der Wahlreform, die noch heute den Konservativen so große Schmerzen bereitet. In aller Vorsicht drückte er sich um das feierliche Thronversprechen herum: Bülow trage die'Hauptschuld au der Aufrollung dieser unangenehmen Frage und Bethmann habe leider die Verantwortung mit übernommen. So fiel Hieb auf Hieb, gegen den Kanzler. Sollte der Fall Bethmanns eine bereits mit dem Zentrum beschlossene Sache sein? Immer wieder tönte' es' aus allen Reden, daß man für die Zeit der R e i ch s t ä g s a u f l ö s n n g gerüstet sein müsse, als ob die Auflösung sicher z u e r w a r t e n sei. Auch die gestern beschlossene Beitragserhöhung dient augenscheinlich diesem Zweck. Als Wahlprogramm hält der Bund offenbar das Versprechen glatter Bewilligung aller neuen Rüstnngs ausgaben für zugkräftig genug. Wie es aber mit der S ch a f f u n g der Mittel steht, verriet er nicht deutlich. Allettfalls scheint er sich zu einer Ver- inögenssteuer auf das nichtagrarische Kapital zu bequemen, falls sein Opfer nicht gar nur in der— Hergabe der Arbeits- kräfte für die neuen Heermassen bestehen'wird, wie die „Deutsche Tagesztg." schamhaft andeutet. Die Tagung des Bundes bewies jedenfalls von neuem, daß die Arbeiter für die künftige Zeit auf besonderer Hut fein müssen. Neue Steuern, neue Zölle, neue Lasten drohen ihnen, dazu neue politische Knechtung und Rechtlosigkeit. viif+oii mm önrnhir Die Arbeiterschaft sieht ihm Die Junker rüsten zum Kampfe, furchtlos entgegen. Verschärfung der internationalen Situation. Die Gefahr, daß der Balkankncg neue und schwere Ver- Wickelungen herbeiführt,»vächst von Tag zu Tag. Der Kvii- flikt zwischen Bulgarien und R u m ä n i e n hat sich aufs äußerste zugespitzt. Rumänien fordert immer dringender neben einer schon sehr ausgiebigen„Grenzberichtigung" die Abtretung von Silistria, auf das die Bulgaren nicht per zichteu wollen. Die Mächte suchen zwar zu vermitteln, aber die Hoffnung, daß sie ihr Ziel erreichen, ist gering. Sagt doch selbst eine offiziöse, also sicher nicht zu pessimistisch ge- färbte Auslassung der„Köluifchen Zeitüizg":, ff„Tie Aussicht'auf eine d i t et t e E i 11 i g u i> g zwischen Bukarest und Sofia ist nicht ganz geschwunden, doch wäre es natürlich verfehlt, den Ernst' der Lage zu über- sehen. Tie letzten bulgarischen Angebote könnten Anlaß zu einem weiteren unmittelbaren Meinungsaustausch bieten. Wenn eine Einigung hierdurch nicht erzielbar ist, so ist sicher anzü nehmen, daß'vor dem völligen Abbruch eine Wer m i t t e lu ug eintritt." Das Schlimme ist dabei, daß Rumänien in engen Be ziehungen zu den Dreibundmächteu steht, nameiitlich zu Oesterreich, dessen 5iriegspartei sich von i Anfang, an für die rumänische Erpresserpolitik erhitzt hat.. In Rumänien sucht die machtlüsterne Opposition die Kriegsstimmung zu schüren und drängt die Regierung zu immer schroffcrem Auftreten. Nicht so umnittelbar drohend, aber auf die Dauer noch gefährlicher für die Erhaltung des europäischen Friedens ist die Spannung zwischen Oesterreich und Rußland. Hinter der Streitfrage über die Abgrenzung Albaniens lauert der alte Gegensatz, ob Rußland oder Oesterreich den entscheidenden Einfluß auf dem Balkan haben soll. Und trotz aller schöben Worte für die Selbständigkeit der Balkan- Nationen hoffen einflußreiche Kreise in beiden Ländern doch noch ihre alten Herrschaftsansprüche durchsetzen zu können. Der Versuch, durch das bekannte kaiserliche Handschreiben eine Enkspannung herbeizuführen, ist mißlungen. Nach einer Pariser Meldung wäre die Antwort des Zaren ziemlich kurz und abweisend. Die Haltung Oesterreichs während der letzten Jahre hätte die russische Regierung gezwungen, von jetzt ab die Interessen ihres slawischen Nachbarn zu schützen. Die österreichische Regierung kündigt auch an, daß von einer Demobilisierung keine Rede sein könne, obwohl die Kosten bereits 400 Millionen überschreiten. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß der österreichisch-rnssische Gegensatz noch weit bedrohlicher würde, falls es nicht gelingt, den rumänisch-bulgarischen Streit beizulegen. Dic„Norddeeutschc Allgemeine Zeitung" über die Lage. Das offiziöse Organ schreibt in seiner Sonntagsnummer: „Auf dem Kriegsschauplatz in Thrazien hat dic abgelaufene Woche keine Entscheidung gebracht, und auch aus »euerlichen Mitteilungen türkischer Würdenträger war für die M ä ch t e ,k e i n e Handhabe zn entnehmen, die es ermöglicht hätte, mit Aussicht aus Erfolg bei den kriegfithrenden Regierungen dic Niederleg ung der Waffen zu befürworten. Tic Mächte bleiben aber bereit, jeden geeigneten Anlaß zu vermitteln- den Schritten zu ergreifen. Auch in den Schicrigkeiten, die wegen der Wünsche Rumäniens an Bulgarien noch bestehen, haben die Mächte in freundschaftlichen Ratschlägen ihr Interesse an einem günstigen Ausgang der in Sofia neu begonnenen Unterhandlungen bereits kundgegeben und setzen ernstliche Bemühungen fort, um einem ergebnislosen Abbruch dieser Besprechungen vorzu- beugen. Tie Bedenklichkeit der mit der Abgrenzung Albaniens verknüpften Fragen scheint in einem Teil der europäischen Presse überschätzt zu werden. Gewiß ist über manch- Punkte die crforder- lichc Einigting Europas noch nicht herbeigeführt: es wird aber nicht ohne Aussicht auf Gelingen au einem Ausgleich der Interessen gearbeitet. Wir gedenken in diesem Zusammenhang der Entscn- dung des Prinzen Hohenlohe nach St. Petersburg. Ter geflissentlich verbreiteten Ansicht, daß diese Entsendung ihren Ztveck verfehlt habe, können wir nicht zustimmen. Wir glauben viel- mehr, daß die politische Fühlungnahme zwischen den Kaisern Franz Joseph und Nikolaus auf die Lösung von Einzelheiten der Balkan- fragen erleichternd nachwirken wird." Die letzten Bemerkungen sind henke vielleicht schon zu optimistisch. - Dir Aliffnß'uiig in England. London, 17. Februar.(Prävatkeleg rann m des: „P 0 r w ä r t§".) Tie. Treibereien der russischen Pan- slalvisten und die Kampagne der österreichischen Kriegspresse gegen die Londoner Botschasterkonferenz haben, auch hier wieder die Besorgnisse um die Erhaltung des- e u r 0 p ä i s ch e n F r i e d e n s vermehrt.„Times" sind der Meinung, das; es wohl wahr sei, daß die Botschafter noch nicht ein vollständiges Einvernehmen über die Zukunft Albaniens erreicht hätten. Gewisse militärische Organe hätten versucht, aus dieser Sache Parteikapital zu schlagen und dabei die Börse sowohl als auch das Kriegsministerium im Auge ge- habt. Aber allen Verantwortlichen Staatsmännern und ernst denkenden Menschen sei es e i tt s a ch n n faß bar, wie irgend ein Staat Europa wegen einer solchen K le i n i g- feit in den Krieg stürzen könnte. Beachtenswert sind auch die Ausführilngen, die der Wiener Korrespondent der „Times" zu dem östsrreichisch-ungarischen Pressefeldzug gegen die Botschasterkonferenz macht. Gelänge es, so meint er, die Konferenz zu zerstören, dann würde auch die Frage auf- tauchen, ob die Beschlüsse der Botschafter in bezug auf Albanien und Serbien, die als ein Erfolg der österreichischen Diplomatie bezeichnet loürdett, bindend find. � Ferner schreiben dic„Times", wie uns ein weiteres Telegramm meldet: Die andauernde Entschlossenheit der Mächte, die Sache des Friedens zu fördern, ist einer der wenigen hossnungS- reichen Züge der allgemeinen Lage. Diese Entschlossenheit ist sehr deutlich und von der größten Bedeutung. Wir haben kürzlich mit Freuden den Artikel de» Wiener Fremdenblattes gelesen, der ver- sichert, daß da», � wa» noch an Differenzen zwischen Oesterreich- Ungarn und Rußland übrig bleibe, keinen wirklichen Jntcresscn- konflikt mehr vorstelle. Wir bedauern, daß ein gewisser Teil der öffentlichen Meinung in Rußland, anstatt diese Erklärung zn begrüßen, die Gelegenheit ergriffen hat, eine noch aggressi- vcrc Haltung einzunehmen als zuvor..Heute begrüßen wir mit nicht geringerer Genugtuung als die Erklärung des Fremden- blatts die kluge und offene Erklärung in der?!orddeutfchen Mgc- meinen Zeitung. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung behauptet nicht, daß die Lage befriedigend sei, sie enthält sich jedes törichten Optimismus, aber zugleich ermutigt sie dic schüchterne Hoff- n u n g auf den gesunden Sinn und den guten Willen Europas. Eine Bernhigungsnote. Lonbo», 17. Februar. DaS Reutcrsche Bureau erfährt aus diplo- manschen f reifen, daß keine Veranlassung vorliegt, irgend- welchen beunruhigenden Siachri'chtcn zuviel B et e u- tung beizumessen. Die österreichisch- russischen Be- Ziehungen seien in manchen Punkten vorwärts gekommen. Beide Regierungen, in Petersburg wie in Wien, bestreiten es,' hin- sichtlich Albaniens irgendwie auf einem toten Punkt angekommen zu sein:'es werde vielmehr erwartet, daß diese Frage bei der nächsten Sitzung der Botschafterkonferenz in London zur Beratung gelangen werde. Diese Sitzung sei zum nächsten Donners- t a g einberufen worden, nachdem Sir Edward G r e y und der fran- zösische Botschafter Cambon in die Stadt zurückgekehrt sein werden, Inzwischen würden die Gegenvorschläge Rußlands, die jetzt in Wien vorliegen, dort erwogen, und die Bemühungen von anderer Seite würden nicht nachlassen, die beiden hauptsächlich beteiligten Regierungen einander näher zu dringen. Oesterreich habe angedeutet, daß es nicht ab- geneigt sei, der Nichtzuteilung der Distrikte von Skutari, Jpek und P r i z r e n d an Albanien zuzustimmen, daß es aber die An- schauung aufrecht erhalte, daß die S t a d t Skutari, Djakova, Dibra und Janina Teile dcZ neuen autonomen Albaniens bilden müßten. Rumänien und Bulgarieiu Sofia, 16. Februar. Wie an zuständiger Stelle verlautet, hat Dr. Danew dem rumänischen Delegierten Ghika einen bulgarischen Gegenvorschlag überreicht, welcher zwar den rumänischen Forderungen nicht vollständig ent- spricht, denselben aber doch einigermaßen' entgegen- kommt und überdies den Wunsch enthält, die V e r h a n d- l u n g c n zu beschleunigen. Tic Verhandlungen könn- ten somit fortgesetzt werden. Man erwartet jetzt eine Gegenäußerung Rumäniens. Sollte diese wider Erwarten Bulgariens ungünstig lauten, so gedenkt die bulgarische Re- gierung die V e r m i t t e l u n g aller Großmächte zur gütlichen Beilegung der Streitfrage anzurufen. Die Kriegslage.. Sofia, 17. Februar.(Meldung der Agence Bulgare.) Die bulgarischenTr Uppen behaupten ihre Stellungen bei T s ch a t a l d s ch a und B u l a i r. Die Konstantinopeler Nachricht, daß vorgestern ein bedeutender Kampf bei Bnlair stattgeslinden habe, ist unrichtig. Untergang türkischer Schiffe. Sofia, 16. Februar. Der türkische Panzer- k r e u z e r„Assar-i-Tewfik", unter dessen Schutz der Versuch einer Landung türkischer Truppen bei Podima an der Küste des Schwarzen Meeres gemacht worden ist, stieß auf eine von den Bulgaren gelegte Mine; er erlitt ernstliche Havarien und scheiterte. Eine Minenlegerabteilung und eine Küstenbatterie zerstörten das türkische Kriegsschiff vollständig und brachten es zum Sinken. Eines der türkischen Transportschiffe, die an der Landung bei Scharköj beteiligt waren, wurde samt der Bemannung von bulgarischer Artillerie zwei Kilometer südlich dieser Ortschaft in den Grund gebohrt. Bor Skutari. Eetinje, 17. Februar. Die montenegrinische Artillerie der Kolonne Martinowitsch bombardiert von verschiedenen Stellen Skutari, wobei sie darauf Bedacht nimmt, daß die Ge- schösse nicht in die Stadt fallen, in der auf einer großen Zahl von Häusern weiße Fahnen wehen. Die Türken errichteten Verschanzungen in allernächster Nähe der Stadt. Enver Bei. Konstantinopel, 17. Februar. Hier such Gerüchte verbreitet, daß E n v e r B e i von Anhängern Nasim Paschas ermordet worden fei. Einer anderen Version zufolge sei Enver Bei bei dem Attentat schwer verwundet worden. Amtlicherseits werden die Gerüchte in Abrede gestellt. Eine ZwangSanleihe. K-nstantinobel, 17. Februar. Das Amtsblatt veröffentlicht ein provisorisches Gesetz, durch welches die Regierung ermächtigt wird, die am 14. Februar in den Kassen des F i n a n z m i n i. it e r i u m s hier und in den Provinzen befindlichen Gelddepots m Form einer Anleihe zu e n t n eh m e n, jedoch werden die Depot- inhabet ihre Depots auf ihr Ansuchen hin sofort zurückerhalten(?) tonnen. Sie llmgestzltuog ckez(Pttroleum- Monopol;. Als die erste Lesung des Petroleummonopol-Entwurfs, den die Regierung dem Reichstage vorgelegt hatte, zu Ende ging, unterlag es keinem Zweifel, daß die Regierungsvorlage begraben war. Kaum eine Stimme hatte sich für die Absicht der Regierung ausgesprochen, einem Bankenkons ortium die Versorgung des Reichs mit Leuchtöl anzuvertrauen. So groß auch die Gefahr für die deutschen Petroleumverbraucher ist, welche ihnen durch die Riesenmacht des amerika- nischen Rockefeller-Trust entstehen kann, noch größer müßte die Gefahr der Verteuerung des Leuchtöls werden, wenn deutsche Banken, die gleichzeitig Besitzer aus- ländischer Petroleumquellen sind, die unum- schränkte Macht in die Hände gespielt wird. Tie schein- baren Sicherheitsvorkehrungen gegen Verteuerung des Leuchtöls, wie sie der Regierungsentwurf dadurch schaffen wollte, daß ein Reichskommissar die Oberaussicht führen sollte und eine gleitende Gewinnskala den Banken prozentual um so weniger Dividende gab, je höher der Preis des Petroleums wurde, war ein Spinnfadengewebc, das die Banken nicht im geringsten gehindert hätte, sich auf Kosten der deutschen Leuchtölverbraucher zn bereichern: sie brauchten ja nur das Leuchtöl um einen Pfennig teurer an die Monopolgesellschast zu übertragen, um zwar 500000 M. Tividendengewinn einzubüßen, dafür aber neun Millionen Mark am Verkaufspreise der 900 Millionen Liter des jährlichen Lenchtölbedarfs zu verdienen. Wenn auch das Zenttum diesem Plane der Regierung sich widersetzte, so geschah das freilich nicht, um die deutschen Verbraucher vor der Gefahr der Petroleumverteuerung zu schützen, sondern nur deshalb, weil daS Zentrum ganz ungeniert dafür eintritt, daß der bisherige Zustand er- halten bleibt,-das heißt also, daß Deutschland dem Rockefeller-Trust ausgeliefert bleibt. Ist es doch offenes Geheimnis, daß der größte Vertreter des amerikanischen Trusts, Herr Riedemann. ein intimer Freund des Zentrums ist, und es zu der Anschauung bekehrt hat, daß Rockefeller kein anderes Interesse habe, als Deutsch- lanb das Leuchtöl zum billigsten Preise zu liefern. Nun ist ja allerdings richtig, daß bisher der amerikanische Trust den Preis des Leuchtöls in Deutschland niedriger gehalten hat. wie in anderen Staaten. Aber das geschieht nur deshalb, weil der Trust durch diese- niedrigen Preise alle ihm noch ent- gegenstehenden Konkurrenten verdrängen will. Hat Rockefeller aber erst dies edle Ziel erreicht, dann ist es für einen Trust ganz selbstvevständlich. daß er nunmehr jeden ihm beliebigen Preis erzwingen kann. Der Trust ist dann eben der unum- schränkte Herrscher. t... Die Aufgabe der Sozialdemokraten in der �euchtölkom Mission war es daher, den Gesetzentwurf so zu gestalten, daß weder der Rockefeller-Trust noch irgend welche Banken(es kommt in erster Linie dabei die Deutsche Bank in Betracht) ein Privatmonopol ausüben können, iondern daS Reich die unumschränkte Macht erhält. damit eS die Aufgabe, den Petroleumpreis so niedrig als möglich zu gestalten, auch erfüllen kann. Die e r st e L e s u n g des Gesetzentwurfs in der Kommission nahm ein rasches Ende. Die Konservativen leisteten dem Zentrum Gespanndienste und brachten in den§ 1 der Vor- läge eine Bestimmung hinein, nach der auf Einkauf und Ver- kauf des Leuchtöls auch die Organisationen der Wiedcrverkäufer von Leuchtöl entscheidenden Einfluß hätten ausüben können. Dadurch wären die Konsumenten den Händlern ausgeliefert gewesen— und damit war selbstverständlich die Gefahr der Verteuerung des Leuchtöls wieder gegeben! Obwohl das Zentrum sich anfänglich gegen den Antrag der Konservativen, die Kleinhändler am Monopol zu de- teiligen, erklärt hatte, stimmte es dann Plötzlich für den An- trag, weil es wußte, daß dann der Sozialdemokratie das ganze Gesetz unannehmbar würde— und als dann der Zusatzantrag angenommen wurde, stimmte das Zentrum mit den Sozialdemokrvten gegen den ganzen § 1! Durch diesen schlauen Schachzug glaubte das Zentrum sein Ziel erreicht zu haben, nämlich das ganze Gesetz zu Fall zu bringen. Und wirklich wurde es nur dadurch möglich, weiter zu beraten, daß über den Titel und die Ucberschrift noch abzustimmen war, und dafür die gesanitc Linke stimmte. Dadurch war für die Kommission eine zweite Lesung des Entwurfs möglich geworden. Inzwischen hatten Fortschrittler und Nationalliberale ein- gesehen, daß nur, wenn sie Seite an Seite der Sozial- demokratie arbeiteten, der Rockefeller-Trust besiegt werden kann. Andererseits hatten die Beratungen gezeigt, daß es noch einen anderen Weg gibt, um die Interessen der 5konsumenten zu' schützen, als ein Rcichsmonopol, bei dem das Reich das gesamte Betriebskapital aufbringt. Die sozialdenl akratischen Kommissions- Mitglieder beantragten nämlich, daß eine Aktien- g e s c l l s ch a f t gebildet werde, bei der die Aktien zu einem Fünftel aus Namensaktien bestehen, zu vier Fünfteln aus Inhaberaktien. Die Namensaktien werden auf den Namen des Reichs ausgestellt und sind nicht übertragbar. die Inhaberaktien kommen wie jede andere Aktie auf den Markt. Obwohl aber die letzteren ein fünfmal so großes Kapital repräsentieren als die Namensaktien, gewähren die Inhaberaktien ihren Besitzern nicht das fünffache Stimmrecht, wie das eine Fünftel der Namensaktien, sondern die Namens- o k t i e n haben in der Generalversammlung der Attiengesell- schast 52 Pro z. des Stimni rechts und sämtliche Inhaberaktien zusammen haben nur 48 Proz. des Sti in m rechts. Infolgedessen hat daS Reich, das der Besitzer der Namens- aktien wird und bleiben muß, trotzdem es sich nur mit einem Fünftel des Kapitals beteiligt, doch stets die Mehrheit der Stimmen in der Generalversammlung. Die Folge davon ist also, daß das Reich unter allen Umständen der alleinige Beherrscher der Generalver- s a m m l u n g i st, demnach die Macht hat, den gesamten A u f s i ch t s r a t und demgemäß auch den V o r st a n d der Generalversammlung nach seinem Ermessen zu de- stimmen, so daß es dadurch die ganze Verwaltung der Aktiengesellschaft ganz allein in Händen hat— genau so, als wenn ohne Beteiligung von Privataktionären das Reich allein das Monopol durchführen würde. Es ist also nicht ein gemischter Betrieb konstruiert, bei dem das Reich gemeinsam mit Privataktionären die Ver- waltung ausübt, sondern ein reiner Reichsbetrieb, bei dem aber das Betriebskapital nicht allein vom Reiche, sondern auch von Privaten aufgebracht wird. Diese Form bietet den Vorteil, daß im Falle eines Krieges der im Auslande befindliche Besitz von Leuchtöl. Lagerstätten, Oelfeldern— denn der Erwerb der letzteren ist ja nicht ausgeschlossen— als Privateigentum einer Aktiengesellschaft nicht beschlagnahmt werden kann— ein so wichtiger Faktor zugunsten dieser Betriebsform, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, der unsere Kommissionsmitglicder ihre Vorschläge zunächst vor- legten, mit denselben einverstanden war. Zum Aergcr des Zentrums erklärten sich aber nun auch die fortschrittlichen und nationalliberalen Kommissionsmitglieder mit den sozial- demokratischen Anträgen einverstanden und. wie bereits mitgeteilt, wurden diese am vergangenen Freitag gegen die Stimmen deS Zentrums und der Konservativen angenommen. Danach lauten jetzt die bisher angenommenen Bestimniungen des Entwurfs dahin, daß das Reich, falls es nicht selbst die Einfuhr und die Herstellung von Leuchtöl sowie den Großhandel im Zollinlandc betreibt, diese Befugnisse an eine Aktiengesellschaft(Vertriebs- gesellschaft) gemäß den weiteren Vorschriften des Gesetzes über- tragen kann, und zwar erstmalig bis zur Dauer von 20 Jahren(nicht, wie der Regierungsentwurf wollte, von 30 Jahren) und nach Ablauf dieser Frist nur mit Zu- stimniung des Reichstages. Die Satzungen der Vertriebsgescllschaft und jede Aenderung bedürfen der Zustimmung des Reichskanzlers, dessen Aufsicht die Vertttebsgesellschaft direkt untersteht. Der Reichs- k o m m i s s a r, der alles zu verantworten und nichts zu sagen haben sollte, ist fortgefallen. Die Verwaltung der Gesellschaft untersteht einzig und allein der Machtbefugnis des Reiches, das durch seine Namensaktien 52 Prozent des Stimmrechts in der Generalversammlung besitzt, also, wie schon dargelegt, genau so unumschränkt sckalten und walten kann, als wenn eine Beteiligung des Privatkapitals nicht vor- handen ivärc. Soweit liegen bis jetzt die Beschlüsse der zweiten Lesung in der Kommission vor. Sie zeigen, daß die in einem Leit- artikel der„Leipziger Volkszeaung" vom 15. Februar ausgesprochenen Befürchtungen, die dort zum Ausdruck kamen. bevor sie von den Beschlüssen zum Z 4 vom Freitag Kenntnis genommen hatte, unbegründet sind. Es kann keine„private Gesellschaft" am Petroleum Kandel mitwirken, es kommt nicht nur„eine Kontrolle des Reichs" in Frage, sondern das Reich ist der alleinige Geschäftsführer und der Reichskänzler ist dem Reichstage für die Geschäftsführung verantwortlich. Jedes Jahr gehen Gewinne oder Ver- lustc des Reichs, die ihm durch seine Beteiligung an der Ver- triebsgesellschaft entstehen, durch den Etat; der Reichskanzler hat dem Reichstage Rechenschaft über die Geschäftsführung der VertriebSgesellschast abzulegen und der Reichstag erhält so daS Recht und die Möglichkeit, diese zu kontrollieren. Durch diese Bestimmungen ist also zunächst die Grund- läge für einen soliden Aufbau des Gesetzes gegeben. Unsere Genossen machen es selbstverständlich zur Bedingung jür ihre weitere Zustimmung, daß einerseits die Kontrolle der Geschäftsführung durch den Reichstag, andererseits die möglichste Verbilligung des Leuchtöls im Gesetz festgelegt wird. Bis alle diese Bedingungen erfüllt sind, werden noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sein. Mit der vorläufigen Zustimmung zu den ersten Paragraphen des Entwurfs haben unsere Koniniissionsmitglieder sich daher noch keineswegs irgendwie gebunden, dem ganzen Gesetzentwurfe zuzustimmen, falls er nicht alle Bedingungen erfüllt, die wir im Interesse der Konsumenten und des uneingeschränkten Vcrwaltungs- rechts des Reiches stellen müssen. Aber gegenüber dem offenkundigen Treiben des Zentrums, jede Gesetzgebung zu verhindern, die die Verdiensrc Rockefellers und seiner deutschen Vertreter einschränkt, und der ebenso offenkundigen Geneigtheit der Konservativen, ihren lieben schwarzen Freunden dabei behilflich zu sein, ist das bisherige Zusammenarbeiten der Liberalen mit unserer Partei in der Kommission ein brauchbarer Anfang für eine Um- gestaltung des Petroleummonopolentwurss zum Nutzen derer. für die allein er gemacht worden ist, der deutschen Petroleum- Verbraucher.___ Der Freiiinn als Hehler der Steuer- Drückeberger. Wir haben in unserer Würdigung der am Freitag im Abgc- ordnetenhaus gepflogenen Debatten über die preußische Steucrnovellc gleich dem Genossen Ströbel keinen Zweifel darüber gelassen, aus welchen Gründen die Landtagsmehr- heit, zu deren Gefolgschaft natürlich wieder einmal der Frei- sinn gehört, unter allen Umständen die Steuerzuschläge beseitigen will: weil die neue Militärvorlage mit einer Besitzsteuer droht, sind die Geldsackhüter in Preußen emsig am Werke, die seit dem Jahre 1909 gezahlten Stcuerzuschläge zu beseitigen, damit sie in Preußen das an Steuergroschen sparen, was sie eventuell an Besitz st euer— möge dieselbe nun im Reiche oder auch in den Einzelstaaten gemacht werden— zu zahlen haben werden. Die Besitzenden wollen unter keinen Umständen mehr als bisher zahlen! Kommt eine Besitzsteuer für den Militarismus, so sollen die bereits bestehenden Besitzsteuern in Preußen entsprechend herab- gesetzt werden! Wenn es gilt, der n i ch t besitzenden Klasse die ungeheuerlichsten indirekten Steuern aufzubürden, denkt man natürlich gar nicht daran, auf der anderen Seite Kompensationen eintreten zu lassen. Im Gegenteil, trotz des rapiden Wachstums der die Schultern der Nichtbesitzenden belastenden indirekten Steuern nahm die Mehrheit de? preußischen Abgeordnetenhauses, auch damals ein- schließlich der Freisinnigen, nicht den geringsten Anstand, schon die Einkommen von 1209 M. ab mit direkten Steuer- zuschlügen zu belasten, während doch selbst die Regierung in ihrem Entwurf die kleineren und mittleren Einkommen völlig frei lassen wollte. Aber nun handelt es sich um die Besteuerung des Geld- s a ck s, und da ist im Abgeordnetenhause schleunigst die Mehrheit vorhanden, um den preußischen Besitz um viele, viele Millionen zu entlasten! Das Tollste aber ist, daß die„Freisinnige Zeitung" sich nicht nur darüber entrüstet, daß die Sozialdemokratie im Parka- ment und in der Presse diese skandalöse Steuerdrückebergerci deS Besitzes gebührend an den Pranger stellt, sondern ganz offen zu- gibt, daß auch für s i e in der Tat keine anderen Motive vorlägen, als die vom Genossen Ströbel und dem„Vorwärts" gekennzeich- neten. Die„Freisinnige Ztg." bestreitet nicht, daß alle die Au»- gaben, die der„Vorwärts" in Preußen für notwendig erklärte: Erhöhung der Löhne der Staätsarbeiter. der Gehälter der Unter- beamten, der Bezüge der Altpensionäre, Mehrausgaben für die Volksschule, für sonstige BildungSzwecke, für hygienische Aufgaben usw., durchaus notwendig sind. Aber sie hält trotzdem die Steuer e n t l a st u n g des preußischen G e l d s a ck s für erforder- lich, weil die Beibehaltung dieser preußischen Steuern— einer Steuerreform im Reiche entgegenwirke: „Denn, während die Steuerzuschlägc in Preußen entbehrlich sind, braucht das. Reich, auch abgesehen von den militärischen Forderungen, die die extreme Linke— gleichfalls aus agitatorischen Gründen— in den Vordergrund stellt, dringend weitere E i n n a h m e q u e l l e n, die doch nur durch eine Besitz st euer geschaffen werden sollen. Einer derartigen allgemeinen Bc- sttzsteuer aber würde es gewiß abträglich sein, wenn sich die ..besitzenden Klassen" auf ihre enorme Belastung in Preußen berufen könnte n." Wir danken der„Freisinnigen Ztg." für ihr reizendes Sünden- bekenntnis. Also nurdcShalbsoll— einerlei, ob die dringend- sten Kulturaufgaben in Preußen darunter leiden— den prcußi- schen G e l d s ä ck e n ein Liebesgescheuk von vielen Dutzend Millionen gemacht werden, damit dann die Besitzsteuer für den Militarismus zustande kommt! In welchem Maße es sich um ein Steuergescheick an den B c- sitz handelt, mögen folgende Zahlen zeigen: Von den Steuer- zuschlügen für physische Zensiten entfielen im Jahre 1911 auf die Einkommenstufe bis zu 3000 M. 3� Millionen Mark, auf die Steuerstufe mit mehr als 3000 M. jedoch 31 Millionen Mark. Auch der Löwenanteil der Zuschläge von insgesamt 15 Millionen Mark. die von den nichtphysischen Zensiten aufgebracht werden, entfällt auf die besitzende Klasse. Ebenso mußten von den insgesamt 12� Millionen Mark Zuschlägen aus der Ergänzungssteuer(Ver- m ö g e n S steuer) 0M. Millionen Mark von denjenigen aufgebracht werden, die ein Einkommen von mehr als 3000 M. besaßen. Es handelt sich also um nichts Geringeres, als eine kolossale Liebes- gäbe an die Besitzendem die von der LandtagSmehrhctt gefordert wird! Uni) dieser skandalöse Steuerschacher, der da auf Kosten der preußischen Staatsarbeiter, preußischen Unterbeamten, auf Kosten deS Kultur st aates Preußen getrieben wird und der keinen anderen Zweck hat, als dem preußischen Geldsack das Aufbringen einer für militärische Zwecke bestimmten Besitzsteuer minder schmerzlich zu gestalten, sollte von der Sozialdemokratie nicht gebührend an den Pranger gestellt werden 1 Mag der Freisinn nach wie vor den Hehler und Mitschuldige» dieser preußischen Liebesgabenpolitik spielen, die Sozialdemokratie wird nicht müde werden, sein gemeinschädliches Verhalten aller Welt darzutun!_ j poUtifcbc dcberHcbt» Berlin, den 17. Februar 1913. Aus dem Reichstag. „Geht doch zu Zubeil!" So hat ein verärgerter Postdirektor seine Unterbeamten angefaucht, als sie ihm mit Klagen zu nahen wagten. Diese Aufforderung ist ein sehr ehrenvolles Zeugnis für das. Vertrauen, das unser Genosse Zubeil in den Kreisen der Postunterbeamten genießt. Natürlich bat der Herr Postdirektor seine Ermunterung nicht ernst gemeint, er hat damit aber wider seinen Willen zuge' standen, daß die Postbeamten genau wissen, wo sie ein offenes Ohr für ihre Klagen und den ernsten und guten Willen, ihnen abzuhelfen, finden. Da wir Sozialdemokraten den Beamten mcht utuiuttel- bar helfen können, so bleibt uns kein anderes Mittel, als ihre Beschwerden und berechtigten Wünsche im Reichstage zur Sprache zu bringen und dadurch die Leitung des Reichspost- Wesens zum Handeln zu veranlassen. Da unserem Genossen Zubeil die Klagen der Postbeamten im Laufe des Jahres in reichlicher Fülle zuströmen, da er sich außerdem mit Verständnis und Liebe in die Beschwerden hineinarbeitet, die die Beamten in zahlreichen Petitionen an den Reichstag gelangen lassen, so kann er naturgemäß das mannigfaltige Material nicht in einer Viertelstunde abtun. Durch seine umfangreiche Rede klang aber von Anfang bis Ende fo unverkennbar das aufrichtige Bestreben hindurch, einer guten Sache zu nützen, und er wußte sie außerdem von Zeit zu Zeit durch so drastische Bemerkungen zu beleben, daß sie ein aufmerksames Ohr fand. Besonders hörten Herr Kraetke und sein ssiab dem wackeren Haudegen sehr interessiert zu. Dre bürgerlichen Redner suchen die Wirkung, die solche warmherzigen Reden zweifellos auf die Beamten ausüben, gern durch den geistvollen Hinweis auf die hinlänglich bekannte Tatsache abzuschwächen, daß die Sozialdemokraten bei der Endabstimmung den Gesamtetat ablehnen. Diese abge- brauchte Finte wird aber auf die Beamten keinen Eindruck machen. Sie werden sehr wohl zu würdigen wissen, daß eine Oppositionspartei zwar in allen Einzelheiten an der Besse- rung der Etats im Interesse des Allgemeinwohls mitwirken kann und doch aus politischen Gründen den im ganzen für das Volkswohl unbrauchbaren Etat ablehnen muß, weil sie die Verantwortung für den Gesamtetat der herrschenden Mehrheit überlassen muß. Auch der mehrmalige Hinweis auf eine Aeußerung eines früheren sozialdemokratischen Redners, der das Hörigkeitsver- hältniS der Beamten gegeißelt hatte, wird nicht den Zweck erreichen, den sich Herr Kraetke und die bürgerlichen Redner davon versprechen. Man beleidigt die Beamten nicht, wenn man die Unfreiheit ihrer beruflichen und politischen Stellung angreift, um beides zu bessern; wohl aber ist es eine Be- leidigung der Beamten, wenn man ihnen, die vollberechtigte Staatsbürger wie alle anderen sind, das volle politische Recht eines Staatsbürgers vorenthält, und wenn man diese Ent- rechtung mit allerlei faulen Redensarten über Beamtentreue, Diensteid und anders metaphysische Antiquitäten zu be- mänteln sucht. Herr Kraetke stürzte sich noch einmal in rednerische Unkosten, um für seine geliebte Ostmarkenzulage einzutreten. Die Beamten der Reichspost im Osten bekämen sie, weil sie die preußischen Beamten an der Ostgrenze erhielten. Und nun solle sich der Reichstag endlich dazu bequemen, dieser einfachen Logik zu folgen. Also nieder einmal soll das Reich tanzen, wie Preußen pfeift! Es wird wohl kaum einen Titel des Reichsetats geben, bei dem'eicht das unleidliche Hörigkeitsverhältnis des Deutschen Reiches zum Preußen der ostelbischen Gutsherren n, die Erscheinung tritt. Am Mittwoch wird eine nanientliche Abstimmung darüber entscheiden, ob das Reich sich auch in der Ostmarkenfrage löblich dem Diktate preußischer Kanalrebellen und ihrer.nachgeordneten" Behörden in den Rcichsämtern unterwirft- Nochmals die Klaffenjustiz. In der am Montag im Abgeordnetenbause vor leeren Bänken fortgesetzten Beratung des Etats der Justizverwaltung gaben auch Vertreter der bürgerlickien Parteien, wenn auch unbewußt. das Borband-rasein einer Klassenjustiz zu. Zwar bemübten sie sich. wie gewöhnliw, die Anklagen der Sozialdemokraten als unbaltbar und ihre Ausführungen als übenrieben zu bezeichnen, aber im Grunde genommen mußten sie da«, was der sozialdemolratische Redner gesagl hatte, unterstreichen. Anstoß nahmen sie lediglich an dem Wort.Klassenjustiz-, aber den Begriff der Klaffenjustiz' können sie nicht aus der Welt schaffen. Denn ist es etwas anderes, als ein Spiel mit Worten, wenn der Redner des Zentrum» offen eingesteht. daß die Richter sich nicht von ihren politischen Anschauungen frei machen können? DaS ist es ja gerade, was die Sozialdemokratie stets behauptet, das ist es. was sie unter Klassenjustiz versteht. Die An- schauungen der Klasse, der die Richter entnommen werden, ihr be- toußler oder unbewußter Gegensatz zu den Anschauungen und Empsindungen der Arbeiterklaffe muß sie notwendig dazu treiben, die Urteile von ihrem einseitigen Klassenstandpunkt aus" zu fällen. Unrecht allerdings hat der Zentrumsredner, wenn er das auf die Unvollkommenhell aller menschlichen Einrichtungen zurückführt. Nicht die Unvolllommcnheit der menschlichen, sondern der gesellschaftlichen Einrichtungen trägt die Schuld an der Klassenjustiz, und deshalb wird die Klassenjustiz erst mit dem Aushören der Klassen selbst verschwinden. Unserem Genoffen Liebknecht war eS ein Leichtes. in kurzen Zügen nochmals den Standpunkt der Sozialdemokratie dar- zuleg n und seine Ausführungen vom Sonnabend durch weiteres Material zu ergänzen. Im übrigen wurde, wie alljährlich, beim Justizetat der Kamps gegen schmutz in Won und Bild gepredigt und über die Gefängnis- arbeit geklagtz die der freien Arbeit schwere Konkurrenz bereitet, Weiter wurde ein schärferes Vorgehen gegen unreelle Ausverkäufe gefordert und im Interesse der Rechtspflege für ein besseres Vcr- HältniS zwiie-�n Richtern und Anwälten plädiert. Am Dienstag hofft man die Beratung des JnstizetatS zu Ende ö» führen._ Die preuhischen Landtagswahlen. , Wie die..Vossische Zeitung" erfährt, steht es nunmehr fest, daß die Urwahlcn am 16. Mai stattfinden.. Der Schluß der Zession wird Anfang Mai erfolgen. An den Schluß der Beratungen wird die dritte Lesung des Eisenbahn-Anleihe- gesetzes gestellt, damit die Abgeordneten, die dabei keine Wunsche haben, in ihren Wahlkreisen agitieren können. Nationallibcral-fortschrittliches Wahlbündnis. Verwandle Seelen finden sich zu Wasser und zu Land I heißt's in einem jilten Lied. So haben sich denn auch nach einigem ver- schämten Sperren die Nationalliberalen und Fortschrittler der Provinz Brandenburg zum heiligen Herzensbund für die nächsten Landtags- wählen zusammengefunden. Die Präliminarien find beendet, und die leidige Frage der Mandotsverteilung ist„zufriedenstellend" gc- löst. Es sollen gemeinsam ausgestellt werden: zwei Nationalliberale und ein Forischrittler für Ost- und Westprignitz. ein Nationalliberaler und zwei Fortschrittler für Niederbarnim, je ein Nationalliberalcr und ein Fortschrittler für die zwölf Wahl- bezirke: Ruppin- Templin, Prenzlau- Angermünde, ArnSwaldc- Friedeberg, Königsberg N.-M., Ost- und West-Sternberg. Luckau- Lübbe», Landsberg-Soldin, Frankfurt a. O., Sorau-Forst. Teltow- BeeSkow. Züllichau-Kroffen und KottbuS-Spremberg; je ein National- liberaler für die beiden Wahlkreise Potsdam und Jüterbog und je °>a Fortschrittler für die drei Wahlkreise Ofthavelland. Charlotten- bürg und Schöneberg-Neukölln. Im Wahlkreise Westhavelland- Brandenburg, auf den sich doS Wahlabkommen nicht erstreckt, sind bei der letzten Wahl im Jahre 1903 die konservativen Abgeordneten v. Brandenstein, Graf Bredow und Metzenthin mit 369 resp. 266 Stimmen gewählt worden, während die Kandidaten der freisinnigen Volkspartei 226 bis 228, die sozial- demokratischen Kandidaten 136 Stimmen erhalten haben. Zur Landtagswahl in Oberbarnim. In der Erörterung über die Landtagswahlverhältnisse im Kreise Oberbarnim-Niederbarnim-Lichtenberg in Nr. 46 des„Vorwärtshat sich ein unliebsamer Druckfehler eingeschlichen, den unsere Leser wohl schon selbst aus den anderen in der Notiz enthaltenen Angaben über die Stärke der Parteien herauskorrigiert haben. Als Zahl der iozialdemokraiischen Wahlmänner im ersten Wahlgang 1968 ist in dem Artikel 508 statt 988 angegeben. Beim ersten Mahlgang entfielen im Jahre 1963 auf den konservaliv-freisinnigeu Block 1619, auf die Sozialdemokraten 988, auf anderev e i t e r e n Verhandlungen absehen mühten. Auch der Hinweis der Arbeitervertreter nützte nichts, daß solche Erklärungen vorläufig gar nicht angebracht seien, sondern daß über sämtliche Ergebnisse der Verhandlungen erst in den am 22. und 23. Februar vor der zentralen Einigungsinstanz endgültig abschließenden Verhandlungen sich die Zcntralorganisa- tionen später definitiv erklären müßten; auch die Bemühungen des Vorsitzenden waren nutzlos. Darum gaben die drei Schiedsrichter folgende Erklärung ab: „Nach der Erklärung der Arbeitgeber sehen sich die UnPartei- ischen nicht mehr in der Lage, mangels zustande gekommener Vereinbarungen, einen Schiedsspruch zu fällen. S'e halten lcdig- - lich ihre beiden zuvor abgegebenen Erklärungen- aufrecht. Zu einer weiteren Entscheidung über die Lohnhöhe und die / Arbeitszeit fehlen ihnen weitere Informationen. Diese sind nur durch mündliche Verhandlungen zwischen den beiden Parteien zu erlangen. � Da seitens der Arbeitgeber dm Verhandlung abgebrochen worden ist. fehlt jede weitere geeignete Unterlage für einen sachgemäßen Schiedsspruch." ■ Schon während der vorausgegangenen kurzen Verhandlung aeigte sich deutlich, daß die Unternehmer nur auf eine Gelegenheit warteten, die Verhandlungen abbrechen zu können. Nun muß die Frage der Arbeitszeit und der Lohne für den klau Mitteldeutschland nach den von den Zentralorganisationen getroffenen Vereinbarungen am 22. bczw. 23. Februar in Berlin verhandelt werden.__ Verantw. Redakt.: Alfred«ielit«. Neukölln. Inseratenteil denmtw.: Für das Gauiarisamt Norddeutschland wurden die Verhandlungen in Altona unter dem Vorsitz des Herrn Land- gerichtsrat Wulff geführt; als Vertrauensmänner waren von den Unternehmern Herr Dr. Westphal, von den Arbeitern der Vor- sitzende des Bauarbeiterverbandes Fr. P a e p I o w ernannt. In der ersten zentralen Verbandlung hatten die Unternehmer für den Gauvcrband Norddeutschland jede Lohnerhöhung abgelehnt, auch wurde keinerlei Arbeitszeitverkürzung zugestanden. Die Unter- nehmervertreter konnten die Notwendigkeit einer nennenswerten Lohnerböhung nicht bestreiten, weil die Gchilfcnvertreter zahlreiches statistisches Ddaterial zur Begründung ihrer aufgestellten Forde- rungen beibrachten. Das Resultat einer zweitägigen Verhandlung war, daß von den Uliternehmern für sämtliche Lohngebieie eine Lohnerhöhung abgc- lehnt wurde, auch keinerlei Arbeitszeitverkürzung sollte eintreten. Es wurde hieraus an die Gchilsenvertreter das Verlangen gestellt, zunächst die Forderungen zu reduzieren, was diese jedoch ablehnten. Aus Vorschlag des Vorsitzenden wurden die Beratungen in einer engeren Kommission fortgesetzt, um doch für einen Teil der Lohn- gebiete eine Einigung unter den Parteien zu ermöglichen. Das Resultat dieser Verhandlungen»var, daß für die Mehrzahl der Orte eine Lohnerhöhung von 2 Pf. für über 20 Jahre alte zugestanden wurde. Dieses Angebot bezeichneten die Gchilfenvertretcr als un- annehmbar. Schließlich fällte das Einigungsamt auf Ersuchen beider Orga- nisationen einen Schiedssvruch. Danach wurde eine Arbeits- zeilvcrkürzung von 10 auf ö'j Stunden täglich für Osna- brück und eine solche von Sit! Stunden ans S Stunden für Araun- sebweig und Stettin zugestanden. Für eine Reihe weiterer Ork soll eine Verkürzung sofort eintreten, wenn eine solche für das Baugewerbe beschlossen wird. Die Lohnerhöhungen sind auf die drei Vcrtragsjahre verteilt. Tie Gesamtlohnerhöhung be- trägt für die Lohngebicte Braunschweig und Hamburg 9 Pf. pro Stunde, für Bremen 8 Pf., für Bergedorf. Hannover, Itzehoe. Os- nabrück und Stettin 7 Pf., für Altrahlstedt. Celle, Cuxhaven, Sar- bürg, Kiel, Lübeck und Wilhelmshaven 0 Pf., für Ahrensburg, Bremerhaven. Delmenhorst. Elmshorn. Eutin, Flensburg. Güstrow. Geestbacht, Hildesheim, Kiel(Lackierer), Neumünster, Oldenburg. Rostock 5 Pf„ für Mölln, Norderney. Rendsburg, Stade, Vegesack und Westerland 4 Pf., für Emden. Greifslvald. Pinneberg. Preetz. Schleswig Schwerin. Varel und Wismar 3 Pf., für Eckernförde. Goslar. Göttingcn. Lippe-Dctmold, Lüneburg, Nienburg und Stral- fund 2 Pf. pro Stunde. Tic endgültige Anerkennung der Schiedssprüche unterliegt der Genehmigung der Vertragsparteien. Für Gau Bayern u n d W ü r t t c ni b c r g fällte nach fünf- tägigcr Verhandlung das Tarifamt München Freitagabend, nach- dem für kein Lohngebiet eine Einigung zu erzielen war. für v8 Lohngebicte einen S ch i e d s f p r u ch. In bezug auf die Arbeits- zeitverkürzung wurde bestimml, daß in allen Lobngebietcn. in denen die Arbeitszeit bisher 10 und 9?� Stunden betragen hat, diese. sofern eine dahingehende Forderung gestellt wurde, auf 9% bezw 91? Stunden festgelegt wird. Die tariflichen Mindestlöbne werden allgemein erhöht um 3 Pf., verteilt auf 3 Jahre. Die bestehenden Löhne erhalten eine nackt den Lohngebieten abgestufte allgemeine Aufbesserung von ö Pf., verteilt auf 3 Jahre. Der Ausgleich für Verkürzung der Arbeitszeit ist eingerechnet. Achtung! Maschinenpersonal der Schiffahrt! Die am 19. Dezember 1912 über die Fischdampfer der Unter- weserorle Bremerhaven. Geestemünde und Nordenham verhängte Sperre wegen Tarifbruchs dauert unverändert fort. Alle gegenteiligen Erklärungen in der Presse oder seitens der Fisch- dampferrcedereien durcki Briese, Depeschen oder mündliche Erklärungen von Agenten und Kapitänen, daß die Differenzen beigelegt feien. entsprechen nicht der W a b r h e i t. Das Maschinenversonal der Fischdampfer führt mit aller Energie den Kampf für seine Rechte fort. Die Fischdampfer werden fast sämtlich mit ungenügendem Maichineiipersonal besetzt in See gesandt, verschiedene Unglücksfälle sind infolgedessen schon zu verzeichnen. Die gesetzlichen Bestimmungen werden zugunsten der Reeder außer Kraft gesetzt, obgleich über 200 Fischdampfermaschinisten an Land liegen. Leute, die als Heizer anmustern, werden zum Ober- Heizer befördert und müssen dann die Dienste des 2. Maschinisten versehen. Folgendes Zeugnis spricht dafür, wie Reeder und Behörden gegen das Mafchinenperional vorgehen: Reederei:........... Dampfer:........... Für den... Maschinisten............. Dienstantritt:..................... Dienstaustritt:...................* Dauer der Dienstzeit: öv Monate 10 Tage. Diensttüchtigkeit: gut. Betragen: gut. Nüchtsrnbeit: stets. Ursache der Entlasiung: Ausspcrruug. „Geestemünde, den.... Februar 1913. Unterschrift des Kapitäns. Vorstehende Unterschrift wird hierdurch beglaubigt. Geestemünde, den 12. Februar 1913. Stempel der Musterungsbehörde. Das Seemannsamt gez. i. A. B o ck e l b e r g-> König!. Hafeninspektor. Ein derart gezeichnetes Zeugnis ist sowohl nach der Seemanns« ordnung wie auch nach der Gelverbeordnung unzulässig; eS wird gerichtlich angefochten. Die Aussperrung wurde von feiten der Reeder am 8. Januar d. I. für„aufgehoben" erklärt und sämtliche Maschinisten mündlich und schriftlich aufgefordert, wieder an Bord zu kommen. Das lehnten die Maschinisten aber ab, weil die Reeder den durchbrochenen Tarifvertrag nicht von neuem anerkennen wollten und dies ist auch bis heute»och nicht geschehen. Kein M a s ch i n i st oder Heizer lasse sich durch irgendwelche Versprechungen verleiten, Stellung auf einem Fischdampfcr der Unterweserorte anzunehmen, da er dadurch seinen kämpfenden Kollegen in den Rucken fällt. Ein jeder übe strengste Solidarität! Zemralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Letzte ffochrichteti« Die ßalkankrilc. Eine offiziöse bulgarische Stimme zu dem Konflikt mit Rumänien. Sofia. 17. Februar.(W. T. B.) In einer Besprechung der zwischen Bulgarien und Rumänien bestehenden Streitfrage schreibt das Regierungsorgan„Mir": Man kann jeden Augenblick entweder eine endgültige Verständigung oder den Bruch er» warte». Wir hoffen aber, daß die zwischen Rumänien und Bulga« rien lange Zeit bestehende Freundschaft nicht einem Streite zum Opfer fallen wird, der zu so ungelegener Zeit aufgerollt ist. Denn es erscheint unbegreiflich, daß zwei Völker, die durch Jnter- essen, Bestrebungen und gleiche Gefahren miteinander vvknüpft sind, die Jahrhunderte hindurch brüderlich nebeneinander gelebt und die in der Geschichte mitzureden haben, plötzlich wegen des Be- f i tz e s S i l i st r i a s in einen Konflikt geraten, durch den sie einen Abgrund von Haß zwischen sich schaffen würden, der beiden zum Fluche gereichen würde. Ein autonomes Mazedonien! Koustantinopel, 17. Februar.(W. T. B.) Ten Botschaften ist heute von einem Komitee zur Verteidigung der Interessen der Muselmanen, Israeliten und Kutzotvalachen ein Memorandum überreicht worden, darin wird die Autonomie M a z e- d o n i e n s gefordert, die die einzige Garantie für Leben. Güter und Religion darstelle. Großfeucr in Äonstautinvpel. Konftantinopel, 17. Februar.(W. T. B.) Im Stambulcr Viertel Sultan Ahmed wütet ein Brand, welcher große Dimensionen anzu- nehmen droht. Der Bürgerkrieg in fflezeiko. Tie Nachricht von der Abdankung des Präsidenten Madero hat sich nicht bestätigt. Tie Kämpfe haben vielmehr auch am Sonnabend fortgedauert. Sonntag früh wurde ein 24stündiger Wafsenstillstand abgeschloffeii, nach des fett Ablauf am Mantaa fritfi>10,• ilamtif miedcr clnaei � am ist unoiger Waffenstillstand avgeiwioiwu.,.mm Montag früh der Kampf wieder clngcsetzt hat. Angeblich jetzt auch noch ein drifter Anwärter, namens auch-noch ein dritter AMvarier..aumms Emilio Lasquez Gomez, auf den Präsidentfchaftsposten auf den Plan getreten. Taft Be die l haben der als die Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Verlaa: Vorwärts Buchvr.u Verlagsaiutalt Mexiko und die Bereinigten«taaten. Washington, 17. Februar. Madero hat an den Präsidenten telegraphiert, es bestehe keine Gefahr für die Angehörigen der Vereinigten Staaten, wenn sie sich aus der Schußzone entfernten: ' ie Regierung übernehme die Verantwortlichkeit für alle materiellen ichädcn, die Ausländern erwüchse», und bäte Taft, keine Truppen- -ndung in Mexiko zuzulassen, weil eine solche schreckliche Folgen »hen und die Lage noch ernster gestalten würde.— Das Kabinett Vereinigten Staaten ist heute früh zusammengetreten und hat Antwort aus Maderos Bitte um eine Erklärung, welche Politik Vereinigten Staaten zu verfolgen gedächten, telegraphiert, die Politik werde dieselbe bleiben, wie in den beiden letzte« Jahren. Besetzung einer Stadt durch die Aufständischen. New York. 17. Februar.(W. T. B.) Nach einem Telegramm aus Brownsville(Texas) ist die jenseits des Rio Grande gelegene mexikanische Stadt Matamoros heute früh ohne ernstlichen Widerstand in die Hände der Aufständischen gefallen. Das ist die zweite Grenzstadt, die von den Aufständischen besetzt worden ist. Meldungen aus den meisten Gebieten Mexikos besagen, daß die Bevölkerung den Ausgang des Kampfes in Mexiko City erwartet, bevor sie sich für einen der Führer erklärt.____ HaulSlnger L Co.. Berlin LW. H.erzu Z Beilagen u-UnterhaltungSbl, Hr.«. 3o.i.i, � 1. Keiillgt des JoriMts" Kerlilltt Pollisblatt » R.eick)stag. 114 Sitzung. Montag, den 17. Februar 1S13, nachmittags 1 Uhr. Am BundesratStisch: Kraetkc. Präsident Kaempf macht dem Hause Mitteilung von dem gestern erfolgten Ableben des Abg. Dr. S ch ä d l e r(Z.). Das Haus ehrt das Andenken des Berstorbenen in der üblichen Weise. Die zweite Beratung des Postetats wird fortgesetzt. Abg. Zubeil(Soz.): Von den 100 Millionen Ueberscküsien der Postbetriebe könnten sehr wohl einige Dutzend denjenigen Beamten zugewandt werden, denen die Ueberschüsse in erster Linie zu verdanken sind. Herr O e r t e l meinte, wir Sozialdemokraten wollen den Unterbeamten nichts geben, denn wir lehnen ja den ganzen Etat ab. Das werden wir tun, solange die Mehrheit mehr als zwei Drittel für u n- kulturelle Zwecke, für militärische Zwecke zu Wasser und zu Lande in den Etat eingestellt, um dann im gegebenen Fall eine massenhafte Menschenschlächterei ins Werk zu setzen./«l kamen die Genossen in den einzelnen Bezirken zusammen, um rechtzeitig beim Arbeiter- heim einzutreffen. Aber schon bald nach 11 Uhr wurde in allen nach Ottakring führenden Straßenzügen der Verkehr der elettrischen Straßenbahn tingestellt. Der Zudrang zum Arbeitcrheim war— obwohl der Einlaß nur den Vertrauensmännern und den Mitgliedern von De- putationen gestattet war— so stark, daß jeden Augenblick vor dem Tore Stauungen eintraten, die von den Ordnern nur mit größter Mühe behoben werden konnten. In dem Saale saßen auch die An- gehörigen Schuhmeiers. Zahllos war die Zahl der bürgerlichen Mandatare, die hier erschienen waren, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. In Vertretung des Abgeordnetenhauses kam der Präsident Dr. S y l v e st e r mit dem Vizepräsidenten Dr. G e r- man. der auch Vizepräfident des Polenklubs ist. und dem Vize- Vizepräsidenten P ern er st o r s er. Von allen Fraktionen des Abgeordnetenhauses waren Mitglieder erschienen, ebenso»auch von den Klubs des niederösterreichischen Landtages und des Wiener Gemeinderats, welchen beiden Körperschaften der Verstorbene angehört HM. Vom Präsidium de« Landtage» war der Landmarschall-Stell- Höchstpension kommen. Seit 1911 sind die Verhältniffe dieser Beamten noch verschlechtert worden. Die P o st- und Telegraphengehilfinnen sind die einzigen Angestellten, die nicht unkündbar angestellt werden. Man sagt, sie heiraten vielfach. Aber dann kann ja die Unkündbarkeit wegsallen. Die Marken- Verkäuferinnen erhalten heute 2,70 M. Mindestens müßten diese Damen, die stundenlang in diesen Bogelkäfigen eingeschlossen sind, 3 M. erhalten. Vor Weihnachten haben sie eine ungeheure Arbeitszeit gehabt, haben aber zu Neujahr nicht die geringste Entschädigung dafür erhalten. Unzutreffend ist, daß es meist Witwen von Postbeamten mit Pension sind, vielfach leben sie von den 2,70 M., ja müssen noch Eltern davon unterhalten.— Die Vergütungen und Unterstützungen kommen nicht, wie es sein müßte, vor allem den untersten bedürftigsten Beamten zu gute; außerdem sind sie äußerst niedrig bemessen. Hierüber sollte uns eine neue Zusammenstellung zugestellt werden werden, auch darüber, aus welchem Fonds und in welcher Höhe die Reisegelder an höhere Beamte gezahlt werden. Es wird von Kennern der Verhältnisse be- hauptet, daß höhere Beamte 3 bis 6 00 0 M. solche Extravergütungen bekommen. In Gießen fehlt es an unteren Beamten; dort bleiben täglich Pakete liegen; die Postboten müssen dort täglich lieber stunden machen. ist er i.ujn s nicht fehlen, lassen.(Hört! hört.! im Zentrum.) Für die Rechtsanwälte hat der Minister uie so warme Töne wie für die Richter, obgleich sie stets bestrebt sind, unlautere Elemente fern- zuhalten. Die gegenseitigen Kämpfe zwffchen Richtern und Rechts- anwälten müssen im Interesse der Rechtspflege hintangehalten werden. Wir halten die Richter hoch, aber der RechtsanwaltSstand muß gehoben werden. DaS kann aber nicht dadurch geschehen, daß er mit zu Richtern Untauglichen bis zur Proletarisierung überschwemmt wird. Beim Richterersatz muß sich der Minister von großen idealen Gesichtspunkten leiten lassen, die Freiheit und Unabhängigkeit der Richter stets im Auge behalten.(Beifall im Zentrum.) Justizminister Dr. Beseler ist mit vielem, was der Vorredner gesagt hat, einverstanden. Nur nach der Andeimität anzustellen, ist sehr bequem, wäre aber nicht richtig. Auch die Durchschnitlsassessoren sind keineswegs ohne Anstellungsaussichten— sie stellen 4/.-, der angestellten Richter und nur l/5 die mit guten ExamenSnoten. Die Beschäftigung der unbesoldeten Assessoren ist eine große Schwierigkeit,, doch kann man ihnen gar nichts zu tun gebe». Die preußischen Gerichte können gewiß Urteile in Schmutzprozcssen gefällt haben, die dem Vorredner nicht genügen, aber seinen allge- meinen Angriff muß ich zurückweisen. Die hochbedeutsame Frage des Kampfs gegen den Schmutz findet unsere vollste Beachtung.— gestellt wurden. Durch die immerhin nicht unbedeutenden Her- stellungskosten solcher Flaschen ist es aber bedingt, daß sie häufig wieder verwendet werden müssen, was nicht immer gerade wünschcns- wert ist. Es sei hier nur an Milchflaschen erinnert. Nun hat man schau verschiedentlich davon gehört, daß die Amerikaner Flaschen aus Papier herstellen, aber gesehen hatte man in Europa solche noch nicht. Auf der letzten Hauptversammlung des Vereins der Zell- itoff- und Papierchemiker kannten nun derartige Flaschen tatsäch- lich vorgeführt werden. Die Amerikaner haben die Aufgabe, Papier- slaschen herzustellen, mir verblüffender Einfachheit gelöst. Eine solche Papierflaschc ist nichts anderes als ein Papprohr mit ein- geflanschtem Boden und ziemlich gut schließendem Teckel. Die Wandung ist kräftig imprägniert und der Boden womöglich noch kräftiger. Diese Papierflaschen finden drüben sehr ausgedehnte Anwendung. So wird in Amerika Speiseeis in großen Mengen in diesen Flaschen verkauft, auch Butter. Fett, Margarine und ver- schiedcnc Lebensmittel werden darin vertrieben. Dies bietet vom hygienischen Standpunkt den Vorteil, daß kein Staub hineinkommen kann und daß bcini Verkauf von Lebensmitteln jeder Verbraucher weiß, daß er eine vollkommen. neue Umhüllung erhält. Vielleicht werden solche Flaschen nun auch bald in Europa fabrikmäßig her- gestellt werden. Theater. Neue Freie Volksbühne(im Neuen Volkstheater). Ibsens„ W i l d e n t e" ist ein harter Prüfstein sowohl für die Regie- und Schauspielkunst� als für das tiefere Verständnis des Theatcrpublikums. Der Abstand zwischen beiden wird sich im selben Maße verringern, wie jene bemüht ist, die Handlung peinlich auf der übrigens bei allen Jbsenschen Dramen erforderlichen Grenze zwischen lachreizender Komik und feierlicher Tragik zu wahren. Aber selbst auch dann muß man sich aus Ausbrüche des Mißverständnisses gefaßt hallen. Daß das brerlschicktige Bürgertum noch immer der Reife der Auffassung Ibsens ermangelt, ist eine Erscheinung, mit der wir uns, im guten oder schlimmen, abzufinden haben. Wenn man diese Aufführung nach dem Verhallen des Publikums beurteilen wollte, würde man leicht zu Trugschlüssen gelangen. Im ganzen genommen gewahrte man würdige Ruhe und tiefe Ergriffenheit, die allerdings öfter als dem aufmerksamen Zuhörer lieb war, durch lerses Kichern und Lachen gestört wurde. In solchen Momenten- ließen eben doch die Darsteller zu wünschen: nein, es mißglückte viel in der künstlerischen Auffassung und Charakterzeichnung. Rudolf Werner als Werle ver- griff sich sehr; auch Robert A s sm a n n schwankte anfänglich als Gregers, zumal in den Szenen seiner Auseinandersetzung mit dem Vater, den er eher durch schneidenden Hohn als durch leidenschast- lrche Anklage zu vernichten hätte. Hernach wurde er seiner schwierigen Aufgabe gewachsen, ohne allerdings sie restlos zu lösen. Die Rechtsanwälte sind hier nie so angegriffen worden wie die Ge- richte, deshalb habe ich über sie vicht zu sprechen gehabt. Unsere Wertschätzung für die Rechtsanwälte ist durchaus die richtige und ich weiß, wie gut das Verhältnis zwischen Anwälten und Gerichten sein kann, wenn, der gute Wille auf beiden Seiten da ist. Gegen un- würdige Standesmitglieder müßte der Vorredner die Anwalts- kammern, nicht die Verwaltung anrufen. Mit den Examina und Anstellungen sind wir aus dem rechten Weg. . Ein Schlußantrag loird angenommen, das Ministergehalt wird bewilligt, es folgt die E i u z e l b e r a t u n g. Abg. Dr. Bell(Z.) spricht über die schlechten Erfolge bxi den Justizprüfungen.'Es genügt eben nicht die Kenntnis der Gesetze, es muß auch eine kleine juristische Auffassungsgabe vorhanden sein. Abg. Witzmann(natl.): Weniger regieren, weniger judizieren! Die Staatsanwälte sollten loeuiger nach dem Legalitätspriuzip und mehr nach dem Utilitätsprinzip vorgehen.(Mehr auf die Nützlich- keit sehen, als aus den Aullagezwang.) Die Strafsachen würden dadurch abiiehmeli und Ruhe und Glück in vielen Familien erhalten bleiben. Die Staatsanwälte machen auch von den ihnen zustehenden Rechtsmitteln zu viel Gebrauch und verursachen der Staatskasse große Ausgaben. Staatsanwaltschaften und Polizei sind auch gar nichl verpflichtet. Private zur Stellung von strasanträgen zu voran- lassen. Es wird viel zu viel gestraft!(Beifall links.) Abg. Rosenow(Vp.): Die Mehllieferung für die Gefängnisse in Ostpreußen hat man den Müllern zugunsten der Bromberger Staats- mühlen entzogen. Ist das Mittelstandspolitik? Ein Rcgicrungskommissar: Die Verfügung ist zurückgezogen, da sich gezeigt hat, daß das Mehl aus den Staatsmllhlen teurer kommt. Abg. Dr. v. Campe(natl.) spricht über die Gefängnisarbeit. Eine Schranklieferung wurde einem Gefängnis gegeben, obgleich sich auch ei» Handwerker beworben hatte, bald aber war der Schrank unbrauchbar. Abg. Rosenow(Vp.) stellt fest, daß die für das Müllergewerbe wichtige Entscheidung fast l'/a Jahre hinausgeschoben worden sei. Abg. Hammer(k.) verlangt ein schärferes Vorgehen gegen unreelle Ausverkäufe, was der Minister zusagt. Aus eine Beschwerde des Abg. Klausen«(Z.) über die Zeugen- räume im Aachen« Landgericht erklärt der Minister, daß der nächste Etat die erste Baurate für ein neues Gerichtsgebäude fordern werde. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Schon 1997 hat der Minister eine Reform des richterlichen Disziplinarverfahrens als notwendig erklärt, aber seitdem haben wir nichts wener davon gehört. In Richterkreisen wird eine reichS- gesetzliche Regelung der Dienstverhältnisse und des DiSziplinarwesenS gefordert. Die Richter stehen im Disziplinarverfahren ungünstiger da als die nichtrichterlichen Beamten; vielfach können die vor- gesetzten Instanzen ohne ein richterliches Verfahren Ordnungsstrafen verhängen. In Elsaß-Lothringen hat man die Verhältnisse der Assessoren besonders geregelt, weil sie auch Verwaltungsfunktionen ausüben. Das sollte man nachahmen. Wir sind mit dem Kampf gegen de» Schmutz in der Literatur einverstanden, aber nicht Polizei und Justiz können ihn mit Erfolg zu Ende führen, sondern ein organischer«elbstrcinigungSprozeß inner- halb der Gesellschaft soll gefördert werden. Die Beseitigung des Schmutzes in Wort und Bild laiin nur durch erziehliche Ein- Wirkung erreicht werde». Gerade die aus den breitesten Massen entstandenen Bestrebungen nach dieser Richtung werden aber mit den kleinlichsten Schikanen zu hindern und zu unterbinden versucht. Die vom Minister mitgeteilte Zentralisierung dieses Kampfes darf nicht dazu führen, daß unter diesem Deckmantel politisch und sozial un- bequeme Dinge verfolgt und die Freiheit der Kunst be- schränkt wird. Denken Sie nur an die Lex Heinze? Auch der be- kannte Fall Hyau sch eint schon von dieser Zentralbehörde vor- schulder worden zu sein. i,.„ Auf meine Beschwerde� über die Einsperrung einer krau mit ihrem Säugling in Bochum hat der .Minister geantwortet, daß die Frau das selbst, gewollt hatte. Das halte ich für ausgeschlossen, und der Minister hat ja auch auf unsere Zwischenrufe sich dahin korrigiert, daß die Frau keinen Strafaufschub oder Hastentlassungsantrag gestellt habe. Man hat sie gewiß nicht darauf aufmerksam gemacht, daß sie das konnte, sie hat die Aufforderung zum Strafantritt eben als einen unbedingt zu be- folgenden Befehl angesehen. Wenn aber der Minister sagt, daß das Kind im Gefängnis vielleicht besser aufgehoben gewesen sei, als in der Freiheit, so hat er damit an unseren sozialen Zuständen jMe denkbar schärfste Kritik geübt.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Minister hat nichl darauf geantwortet, wie die Ein« lragung des Bundes der Landwirte in das Vereinsregistcr. obgleich er einen großen wirtschaftlichen Gewerbebetrieb einschließt, noch wie die Eintragung des Vereins deutscher Männer für Wilmersdorf und Umgegend trotz seines politischen Charakters möglich war. Den Aerztevereinen ist diese Eintragung versagt worden, worauf auf Grund eines Rundschreibens des Minister des Innern, deS Polizeiministers an die Gerichte. worin er diese Vereine als wirtschaftliche bezeichnet und ihrer Ungleich war auch Robert Müller als Ekdal; während des vierten und fünften Aktes bewegte er sich auf schöner Höhe des Gestaltens. Emil Rom e au(Leutnant Ekdal), Maximilian S ladet(Relling) und auch Else Bäck(Gina) genügten wohl DurchschnittSanford'c- rungen. Echt kindlich in der Gestalt, wie ergreifend im Sprechton und Spiel, war Annalffe Wagner als vierzehnjährige Hedwig. Obgleich also die Aufführung manches vermissen ließ, so bekundete sich doch in ihr das ernste Hinstreben zu stimmungsvoller Gesamt- e_ Jk Wirkung. Notizen. — Wozu die kgl. Oper da ist. Wilhelms II. ältester Dieser — v z u o i c lgi. zwper oaril..eouqcmi-, Sohn hat sich das Charlottenburger Opernhaus angesehen. ganz belanglose Vorgang dient in der liberalen Presse zum Vor- )vand um sich bei KroiipniizcnS byzantinisch anzuschmuien. Doch das versteht sich ja von selbst. Wichtig« ist schon, was derNießnutzcr der kgl. Oper über deren Aufgaben gesagt haben soll:„sie könne nie Kunst ins Volk tragen."' Vortrefflich, ganz unsere Meinung. Aber dann mögen doch die Herrschaften ihr Privatvergnügungsinstitut auch allein bezahlen und» daZ Voll dabei in Nuhe la�en. — D i e Motte als Südfr u ch t und Priesterin. Thema: Lia Rosen liest im Beethovensaal vor._ Taraus wird folgendes(im Auszug):�„Sine �aue Mmte� ift plötzlich stn Saal. sorgendes(rm Auszug):„vimt;--------- viogna) un Saal. Da tönt eine volle, liefe, weiche»Uslimme scheinbar unbekannten Ursprungs. Sie tönt nicht blaß, sre spricht. Sie erzählt! Sie denkt! Sie füblt! Sie verkündigt. Sie werssagt!... Und die kleine Jüdin Lia Rosen wurde durch die Macht ihrer Inbrunst und ihres Ausdrucks eine Pnesterin dieser Neligion(Goethes)... Nuu ist sie re.s geworden wie eme Sudfrucht." (Goethes) ist sie reit geworoen V"' Jr'""11"."4': Wir dockten zuerst, dieser Bilderreichtum stamme von SckmockeleS Juwal. Aber darunter stand(im„Berliner Tageblatt"): Paul schlenther.■ c■„ Der arische Reuommierfemlletonist und Hofburgdirettor a. D. (er kastei Mosien 18 090 M.) hat seinen Befähigungsnachweis für sein Blatt damit endlich glänzend erbracht. — Alte Handschriften a l s K a p i t a ls a nl a g e. Die Londoner Versteigerung der Sammlung kostbarer alter Handschriften und Inkunabeln, die George Dünn zusammengebracht hat. beweist auf-s neue, welche gute Kapitalsanlage dergleichen sein kann. Em italienisches illmmmertes Manuskript aus dem 14. Jahrhundert, das die wunderbaren Vorzüge der Bäder von Puteoli und Bajae schildert, wurde 1901 für 1720 M gekauft: bei der jetzigen Ber- steigerung kam e-Z auf 19 090 M. Em gotischer Frühdruck kostete noch 1896 1199 M.; es fand für 10 OOO M. einen Kauf«. Eintragung widerspricht. Der Minister sagte, daß der Polizeimimster doch auch dasselbe Recht haben müssen, wie irgend ein Staatsbürger. Freilich hat Herr Beseler damit nur wiederholt, was Herr Lisco bereits im Reichstag wörtlich ebenso gesagt hat. sHört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Ist denn der Polizeiminister irgend ein Be- liebiger aus dem Volke? Sollte nicht ein so einflußreicher Mann, noch dazu ein Kollege des Justizministers eS sich versagen, in dieser Weise seine Aulorilät spielen zu lassen gegenüber den unabhängigen Gerichten? Der Justizminister hat für sich selbst ein derartiges Vorgehen entrüstet zurückgewiesen! Dem Polizeiminister gegenüber aber gibt er eben seine Machtbefugnisse preis, als daß er ein Wort der Kritik an denk Verhalten des Polizeiministers haben würde. Der Abg. Müller-Koblenz hat die Klassenjustiz selbst zugegeben, indem er erklärte, daß meine Ausführungen nur bewiesen hätten, daß sich auch die Richter von ihren politischen Anschauungen und ihrer Umwelt nicht vollkommen freimachen können. iHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist ja das Merkwürdige an all diesen Erörterungen über die Klassenjustiz, daß Sie sie zugeben, aber nur das Wort nicht gelten lassen wollen I Ebenso war es ja auch im Reichstag bei der Polemik gegen meine Partei- nassen Landöberg, Cohn undHeinc. Wir sagen aber nicht, daß diese Klassenjustiz eine Wirkung der menschlichen Unvollkommenheit ist, sondern zum großen Teil eine Wirkung der gesellschaft- lichcn UnVollkommenheit. Nicht die Unfähigkeit des Menschen, sich� in das Wesen des anderen hineinzuversetzen, ist es, sondern die Unsähigkeit, sich in eine andereKlasse hinein- zuversetzen! Wir Sozialdemokraten halten uns nicht für un- parteiisch und völlig vorurteilsfrei, das habe ich auch auf eine der- artige Frage meinem Vorsitzenden imHochverratsprozeß vor demReichs- gericht geantwortet, aber es könnte so manche Folge der Klassenjustiz vermieden werden, wenn die Gerichte nach Möglichkeit aus allen Kreisen der� Gesellschaft gleichmäßig besetzt würden. Völlig kann sie erst verschwinden mit der Umgestaltung unserer ganzen Gesellschafts- ordnung. Der Vorwurf des Abg. Müller-Koblenz, daß die Sozial- demokratic an der sozialen Zerrissenheit schuld sei, beweist doch eine große Einsichtslosigkeit. Denken Sie doch an die Aus« cinandersetzungen zwischen Berlin und Köln in Ihren eigenen Reihen, um zu erkennen, daß solche hitzigen Kämpfe nicht durch Verhetzung entstehen, sondern sich aus unseren sozialen Verhältnissen mit Naturnotwendigkeit ergeben. Wir hetzen nicht, sondern führen einen Befreiungskrieg. Hätte man Napoleon gefragt, was S) o r ck, Gneisenau, Schar n hör st, Stein usiv. für Leute sind, so hätte er geantwortet: gefährliche Hetzer! In Deutschland sogt niaii, es waren die bewährtesten Führer der nationalen Freiheitsbewegung! Daß wir für die Befreiung des Volkes von Unterdrückung und Aus- beutung unsere ganze Kraft einsetzen, das nennen Sie hetzen. Wir sind bei diesen Kämpfen in der Notwehr. Wenn Sie daran denken, wie die Klassenjustiz von Ihnen gerade gegen den so ernsten Be- freiungskampf des Proletariats aufgeboten wird, an die Wahlrechts- krawallprozesse in ganz Preußen im Jahre lSUZ, dann müssen(sie doch anerkennen, daß nicht die Sozialdemokratie hetzt, sondern daß die herrschenden Klassen durch ihre aufreizende provo- katorische Politik, an der auch die Justiz teilnimmt, dazu beiträgt, die innere Zerrissenheit und die leidenschaftlichen Kämpfe immer weiter zu verschärfen. Die verschiedenartige Be- urteilung des Bundes der Landwirte, des Vereins reichslrcuer Männer, der Acrztevereine bei Registersachen, die Behandlung der Arbeiterjugendbewegung. der Arbciterturn« und Gesangvereine und der Gewerkschaften, die alle für politisch erklärt werden, während die patriotischen politischen Vereine alle nicht politisch sein sollen, das zeigt, wie berechtigt wir sind, den Vorwurf der Be- f a n g e n h e i t gegen unsere Justiz zu erheben, wenn wir auch an- erkennen wollen, daß sich die Richter häufig recht große Mühe geben— freilich häufig auch recht geringe Mühe— sich von der Klassenbefangenheit zu befreien. Eine alte Fabel erzählt von dem Wolf, der ein Pferd zerrissen hat und bei seiner Mahlzeit von dem Löwen heimgesucht wird. Da stellt er sich schlafend; als aber dann ein Hündlein kommt und auch fressen will, da schläft der Wolf nicht mehr, sondern zerreißt es und sagt:„Was willst denn Du, wer lud, Verwegener, Dich zu meiner Mahlzeit ein? Man schläft nicht jedem zu Gefallen, was man dem einen gönnt, das gönnt man noch nicht allen!" Auch die Justiz schläft nicht allen zu Gefallen, was man dem einen gönnt, daS gönnt man noch nicht allen. sLebhaftes Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Ein Negieruugskommissar: Der Minister des Innern hat sich nicht au die Amtsgerichte gewandt, sondern die ihm unterstehenden Verwaltungsbehörden angewiesen, nach welcher Richtung sie bei den Amtsgerichten Anregungen und Anträge innerhalb ihrer Zuständigkeit stellen sollen. DaS ist keineswegs so ungewöhnlich, daß daraus die Absicht eines Eingriffs geschlossen werden könnte. Im übrigen stehen die preußischen Gerichte nicht in dem Ruß daß sie auf solche An- regungeu ohne weiteres eingehen, ohne sie nach eigenem Ermessen zu prüfen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): ES ist genau dasselbe, ob die Meinungsäußerung des. Ministers des Innern den Gerichten direkt durch einen Postboten überbracht, der seine Bestellung im Ministerium zu Berlin bekommen hat. oder ob dic-s ein Postbote tut, der den Auftrag beim Regierungs- Präsidenten oder beim Landrat ei halten hat. In der Sache ist es genau dasselbe und die Meinungsäußerungen waren auch als Aeußerungen des Ministers des Innern in ihrer Form deutlich erkennbar. Deshalb habe ich auch nickH- ein Wort zurück- zunehmen. DaS Landgericht Stettin hat in einer Entscheidung den Beeinflussungsversuch des Polizeiministers festgestellt und als einen durchaus ungehörigen und unzulässigen Eingriff in die Recht- sprcchung bezeichnet.(Hört! hört! links.) Nach weiterer unwesentlicher Debatte vertagt sich das Haus. Auf Antrag des Abg. v. Pappen heim(f.) wird eine Ein- gemeindnngsvorlage Jerichow- Kalbe wegen ungenügender Be- ratungsfrist abgesetzt. Weiterberatung morgen Dienstag 11 Uhr vormittags. Schluß nach s'/s Uhr-.____ Huö der partei. Tatsächliche Berichtigungen. Entgegen dem Parieibrauch, einen Zwist, der von einer der beteiligten Seiten der Entscheidung der zuständigen Instanzen überwiesen worden ist. in der Parteipresse nutzt weiter fortzu spinnen, hat der Partcivorstand in der Sonntagsnummer des„Bor. Ivärts" eine Erklärung veröffentlicht, die mich wegen meiner Gedächtnisschwäche zu verspotten sucht ebenso wie die lliedaktion des „Vorwärts", sogar mit doppelter Verletzung alten Parteibrauchs. ein Rundschreiben des Partcivorstandcs an die Redaktionen der Porteizeiwiigen an die Oeffentlichkcit gczcrrt hat. um mich bloß- zustellen, nachdem ich meinen etwaigen Verstoß bereits öffentlich eingeräumt hatte. Es ist nicht meine Absicht meine guten Sitten durch böse Beispiele verderben zu lassen.' Hebe- die eigentliche Streitfrage lverdcn die zuständigen Parteiinstanzen entscheiden. Aber ich bin gezwungen, tatsachlich irrige Behauptungen, die der Parteivorstand zu meinem Schaden verbreitet hat, tatsächlich zu berichtigen. 1. Es ist nicht richtig, daß der Parteivorstand„niemals seine Genehmigung dazu erteilt habe, daß ein Parteigenosse gegen einen anderen persönliche Angriffe durch das Pressebureau vSrbreite. Er hat diese Genehmigung allerdings im April v. I. dem Genossen Kautsky erteilt. � �. 2. Es ist nicht richtig, dag in diesem Falle„jeder Partei- genösse in gleicher Weise behandelt" worden sei. Wenn der Partei- vorstand dein Genossen Kautsky gestattete, persönliche Angriffe gegen mich durch das Presiebureau zu verbreiten, so gebot die einfachste Billigkeit, mich davon zu benachrichtigen uiid nur denselben Weg Kur Abwehr zu eröffnen. Ter Parteivorstand hat weder dss eine noch das andere getan. Erst als Kautskys Angriffe durch das � Pressebureau verbreitet worden waren, erfuhr ich durch befreundete Kollegen davon. Danach habe ich selbstverständlich darauf verzichtet, von dem Parteivorstand als eine Gunst zu erbitten, was mir freiwillig anzubieten seine Pflicht gewesen wäre, wenn cr jeden Parteigenossen in gleicher Weise behandeln wollte. Als mich bei einer zufälligen Begegnung ein Mitglied des Pressebureaus um eine Abschrift meiner Entgegnung auf Kautskys Angriffe ersuchte, um von dem Presfebureau den Schein der Parteilichkeit abzuwehren, habe ich aus kameradschaftlicher Rücksicht seinen Wunsch auf seine Gefahr und Verantwortung erfüllt. Der Partcivorstand war voll- kommen unbeteiligt daran. 3. Es ist nicht richtig, wenn mich der Parteivorstand aus diesem Anlaß der Gedächtnisschwäche zeiht. Ist seine Behauptung ernst- hast gemeint, so sind mir die damaligen Vorgänge in sehr bitterer und deshalb sehr genauer Erinnerung.>soll sie aber spöttisch andeuten, daß ich irgend etwas verschweigen wolle, so habe ich über die mir widerfahrene Mißhandlung bisher nicht aus persönlichen 'Interessen geschwiegen, sondern aus Rücksichten, für die der Partei- vorstand immerhin einiges Verständnis, haben könnte. 4. Es ist nicht richtig, was der Parteivorstand über die„Konse- qucnzen des Mehringschen Verlangens" schreibt. Richtig ist viel- mehr, daß ein Mitglied des Partcivorstandes sick am Sonntag s3. Februar) über das ihm wohlbekannte„Mehringsche Verlangen" zu anderen Parteigenossen ausgesprochen hat— wie ich annehme, in tadelndem Sinne—, aber jedenfalls in so harmloser Auffassung der„Konsequenzen", daß cr nicht den geringsten Versuch gemacht hat, den Vertrieb meiner drei Artikel durch das Presscburcau zu hindern, obgleich er dazu unzweifelhaft befugt gewesen wäre und auch— da die Artikel erst am Montag(10. Februar) durch das Presseburcau verserndt worden sind— einen ganzen Tag Zeit gehabt hätte. Ich ersuche die Redaktion des„Vorwärts", diese tatsächlichen Berichtigungen in der nächsten Nummer des Blattes zu vcröfsent- lichcn. Stcglitz-Berliu, 17. Februar 1913. F. Mehring. Totenlistc der Partei. Ernst Gutekunst, Schreiner, einer der ältesten Stutt- gart er Genossen, ist aus dem Leben geschieden. Er gehörte der Partei schon seit den 7l)er Jahren an, wie cr auch stets seiner ge- werkschaflkichen Organisation treu blieb. Als die schlimme Zeit des Ausnahmegesetzes hereinbrach, gehörte er zu der braven Schar, die im geheimen die Arbeit der Partei fortsetzte. Verfolgungen, Haus- suchungen und Gefängnis waren die Folge.— Gutekunst gehörte in den 80er Jahren wiederholt der geheimen Parteileitung an. Rüstig. trotz seiner 69 Jahre, traf ihn vor zwei Wochen ein Unfall, der ihn aufs Kraukeulager warf und seinem arbeitsreichen Leben ein Ende machte. Die Parteigenossen werden das Andenken dieses treuen Mit- streiterS in Ehren halten!___ Der Parteitag der dänischen Sozialdemokratie. Kopenhagen, 13. Februar.(Eig. Ber.) Nach Annahme des AgrarprogrammS am zweiten Verhandlungstage setzte man am Donnerstag die Verhandlungen über die sonstigen zum Partei- Programm gestellteil Anträge fort. Ein Antrag forderte die Streichung des Prograiranpunltes„Erziehung der Jugend im Ge- brauch der Waffen", was angenommen wurde, so daß für die Folge nur die Forderung einer physischen Jngenderziehung in dieser Hin- ficht erhalten bleibt. Damit hat die dänische Sozialdemokratie den Antimilitarismus auch im Programm voll akzeptiert, das rund heraus volle Abrüstung und internationale Schiedsgerichte fordert. Die Abstinenzler schnitten ungünstiger ab. Anträge auf ein absolutes Alkoholverbot lagen zur Beratung vor. fanden aber keine Zustimmung. Selbst Dr. A. Müller, der seit 20 Jahren Abstinenz geübt haben ivill, erklärte eine solche Forderung als nicht zum Programm einer politischen Partei gehörend. Eine Resolution fand An- nähme, die eine» eingehenden Unterricht in der Gesundheitslehre, besonders mit Rücksicht auf gesundheitsschädliche Genußmittel, in der Schule verlangt, das Alkoholverbot im Programm der Sozialdemo- kralie aber verwirft, weil die Partei weitergehende Ziele verfolgt, zu deren Verwirklichung die Volksmassen ohne Rücksicht auf die Stellung des einzelnen zur Alkoholfrage aufgerufen werden müssen. Im übrigen wird die Shmpathie der Partei für die Mäßigkeits- bestrebungen wie auf früheren Kongressen zum Ausdruck gebracht. Die Frage der Jugenderziehung wurde eingehend diskutiert. ES sollen Arbeiterschulen durch die Partei errichtet und die bisherigen Bildungsbestrebungen ausgebaut werden. lieber die Reichstagswahlen und die Taktik der Sozialdemokratie referierte S t a u n i n g, der die politische Situation eingehend beleuchtete. Die augenblicklich loichtigste Frage ist die der Verfassungsreform. Die Liberalen, die sonst ihren meisten Grundsätzen untreu geworden sind, haben in der Verfassungsfrage einen vorläufig annehmbaren Entwurf zu einer Verfassungsrevision gemacht, gegen die sich eine heftige Aktion der konservativen Kreise gellend macht. Bei den kommenden Wahlen müsse die Sozialdemokratie ihre Taktik so ein- richten, daß sie aus der politischen Situation möglichst große Vor- teile zieht, ohne daß jedoch den Wahlrechtsaegnern eine Stärkung zuteil wird. Tie Sozialdemokratie habe daftlr zu sorgen, daß die Gegner des allgemeinen Wahlrechts so wenig Mandate als möglich bekoninren. Redner legte einen Entwurf deS Partcivorstandes zu einer in diesem Sinne gehaltenen Resolution, ferner einen Vorschlag zu einem Manifest an das dänische Volk vor.— In der nun ein- setzenden Diskussion fanden die Ausführungen StauningS allgemeine Znstimmung. aber es wurden auch Zweifel laut, ob die Regierung und ihre Partei ehrliche Wuhlrechtsfreunde bleiben würden auch nach den Wahlen._ polizeiUches, 6 erlebt lieb es ufw. Ein Jugenderzieher. Im Juli vorigen Jahres veröffentlichte die„Nieder- rheinische A r b.- Z t g." in Duisburg einen Artikel, der die Prügeleien und Beschimpfungen, die sich der katholische Volksschul- lehrer P n d e n z an den ihm unterstellten Kindern zuschulden kommen ließ, kritisierte und es tadelte, daß vorangegangene Beschwerden keinen Erfolg gehabt hätten. In dem Artikel war dem Lehrer nachgesagt. daß die Mißhandlung eines Knaben K. so stark gewesen sei, daß dieser Tage lang die Schule nicht habe besuchen können. Ein Arzt Dr. R. hatte bekündet, daß der Junge infolge der Stock- schlage über die Waden nur unter großen Schmerzen hinkend hätte gehen können und betonte ans Vorhalt vor Gericht, daß wenn ein Fuhrmann sein Pferd derart an die Beine schlage, daß es hinke, dieser dann zweifellos wegen Tierquälerei bestraft werde. Auch der Rektor Grothmann, bei dem die Mutler des Knaben Beschwerde geführt hatte, mußte zugeben, daß eine Zücbtigung auf die Waden nickt der Auf- sassiing der Pädagogik entspreche. Dennoch will der Rektor eine Mißhandlung in der Züchtigung nicht erblickt haben. Auch Sladtscbulrar Eicker, dem die Sache unterbreitet war, mußte vor Gericht zugeben, daß er das u n p ä d a g o g r s ch e Ber- halten des Lehrers Pudenz wohl gerügt dabei aber ist die Sache geblieben. Daß Pudenz die Kinder häufig als„Schweine", „_J D i o t c n und„Scheusale" bezeichnet hat. bestritt er zu- nächst in dieser Form, mußte dann aber schließlich doch die Möglichkeit zugeben. Eine schwächliche Schülerin halte er einst mit der Faust vor die Brust gestoßen, daß das Kind noch tagelang blaue Flecke halte. Von dem geistigen Niveau dieses Jugenderziehers legt auch gewiß der Umstand Zeugnis ab, daß er den Kindern gegenüber den Schreiber des Artikels als„Zuchthäusler" be- zeichnete. Die Sache nahm im übrigen den nun schon gewohnten Verlauf. Nicht Lehrer Pudenz wurde vor den Strafrichter gezogen, sondern der sozialdemokratische Redakteur und der Vater des verprügelten Knaben, der sich als Verfasser des Artikels bekannt hatte. Für den Staatsanwalt war eine Mißhandlung im strafrechtlichen Sinne nicht erwiesen, die Zeugenaussagen erschienen ihm über- trieben und die Tendenz des Artikels hatte den Zweck: die Beziehungen zwischen Schule und Elternhaus zu st ö r c n I— Auf die rohen Beschimpfungen der Kinder ging der Staatsanwalt überhaupt nicht ein. Dafür beantragte er gegen Genossen Schock) die Kleinigkeit von 600 M. Geldstrafe und gegen den Vater des„gezüchtigten" Knaben 300 M.!-- Das Gericht erkannte gegen Genossen S ch o ch auf 200 M. Geldstrafe und gegen den Vater des verprügelten Knaben auf 50 M. Geldstrafe, weil das Züchtigungsrecht nicht über- schritten, demnach eine Mißhandlung nicht erwiesen sei. Wahrung berechtigter Interessen liege gleichfalls nicht vor l, Eine heiße Woche hat die Essener„A r b e i t e r- Z e i t u n g" hint" sich: Am Dienstag wurden dem Genossen Steinbüchel 5 0 M. Geld- strafe wegen Beleidigung eines Arbeitswilligcnagenten— er war„Seelenverkäufer" genannt worden— zudiktiert. Donnerstag erhielt Genosse N c u m a n n von der Duisburger Strafkammer 14 Tage Gefängnis als Verantwortlicher der seinerzeit noch in Essen gedruckten„Niederrheinischen Arbciter-Zeitung" wegen Vorwurfs der Klassenjustiz und am Freitag bekam der gleiche Preßsünder von der Essener Strafkammer einen Monat Ge- sängnis, weil cr durch den wesentlich abgeschwächt«» Nachdruck der Gcfängniserinneriingcn des Genossen Schubert in Harburg eine Richterbeleidigung begangen haben soll. Genosse Schubert wurde von der gleichen Aicklage freigesprochen. Diese politische Hitze in Essen ist wesentlich zurückzuführen auf die große Aufmerksamkeit, welche die politische Abteilung der königlichen Polizei der gesamten modernen Arbeiderbewegung ent« gegenbringt. Der Chef dieser politischen Abteilung ist der Polizei- affessor Hansch, der die Mitgliederliste des Steigerverbandes an den Bergbaulichen Verein gegen hohes Entgelt- für seine Mittelsperson abgab. Diesem Polizeiassessor Hansch steht zur Seite ber königliche Kriminalkommissar Leschnick, der wiederholt an Gcrtchtsstelle zugab, daß er sich politischer Spitzel bedient. Jugendbewegung. Die jugendlichen Arbeiter Niederösterreichs haben zurzeit 66 Zweigvereine der Reiseorganisation: in Wien 16 mit 1738 Mitgliedern, in der Provinz 50 mit 1876 Mitgliedern. Von diesen 3614 Mitgliedern sind 2294 Lehrlinge und 1320 Arbeiter und jugendliche Hilfsarbeiter. 611 Mitglieder wurden im Jähre 1912 den Gewerkschaften zugeführt, wo die„alten Jugendlichen" wegen ihrer organisatorischen Vorbildung besonders geschätzt sind. Die Bildungstätigkeit ist in stetem Steigen begriffen. Die Wiener „Urania" und andere, auch Hoftheater, geben den Jugendlichen regelmäßig ermäßigte Karten, ebenso gestatten Ausstellungen.und Archive, sowie Jndustriewcrke Besichtigungen.> In den Ortsgruppen geben Mitglieder von Arbeider-Schach- und-Stenogrophieklubs Unterricht. Es bestehen Jugcndsektionen der Alkobolabstmenten- organisation.__ Klus der Frauenbewegung. Mit der Antwort des Magistrats auf die Eingabe betr. Fort- bildungsschulen für Dienstmädchen beschäftigte sich am Sonntag die Ortsgruppe Berlin deS Zentral- Verbandes der Hausangestellten. Die Pflichtfortbildungsschule für Mädchen, die am 1. April ins Leben tritt, umfaßt bekanntlich nicht die große Schicht der Dienstmädchen, weil für diese die alte Gesindcordnung gilt. Der Verband glaubte aber dazu nicht schweigen zu dürfen, daß die Dienstmädchen ohne weiteres als aus- geschlossen gelten. Er mußte zeigen, wie hinderlich und schädlich die alte Gesindcordnung auch hier wieder ist; er wandte sich mit einer Eingabe an den Magistrat und bat, daß der Besuch der Schule auch für die Hausangestellten möglichst gefördert werde und daß die städtisch subventionierten Stellenvermittelungen angewiesen würden, bei jeder Vcrmittelung eine Abmachung zü treffen, daß den Mädchen unter 18 Jahren fteic Zeit zum Besuch der Schule gewährt werden müsse. Ferner wurde in der Eingabe um Be- freiung vom Schulgelde gebeten. Die Antwort des Magistrats lautete: .Durch die an den Wahlfortbildungsschulen und den damit verbundenen Kochschulen eingerichteten hauswirtschastlichen Kurse ist den weiblichen Dienstboten schon reichliche Gelegenheit zu ihrcr�Aus- bczw. Fortbildung gegeben. Sollte es die Schülerinnenzahl erforderlich machen, so werden wir die Einrichtung besonderer Kurse für Dienstboten in Er- wägung ziehen. Eine grundsätzliche Befreiung von dem gering- fügigen Schulgelde kann nicht bewilligt werden." Diese Antwort wurde in der Versammlung am Sonntag ein- gehend besprochen. Frl. Ida B a a r referierte. Sic betonte die Wichtigkeit des Fortbitdungsschnluntcrrichts für die Dienstboten und wies die verschiedenen Enwände, die dagegen erhoben worden sind, als haltlos und unberechtigt zurück. Es sei falsch, immer nur den Koch- und Haushaltungsunterricht sstr Dienstboten in den Vordergrund zu schieben. Gerade die allgemeine Schul- bildung erforderte viel Ergänzung. Man hat festgestellt, daß von Berliner Dienstmädchen nur 6 Proz. Berliner«chulen besucht haben; alle übrigen kommen von auswärts, wo die Schulen in der Regel schlechter sind. Die meisten haben nur Dorfschulen besucht. Es sei nun ein sehr schlechter Grund, wenn man anführt, die Fortbildungsschule könne nicht da anfangen, wo die Dorfschule aufhört. Dieser Grund beweist eher das Gegenteil, wie not- wendig die Ergänzung der mangelhaften Schulbftdung der Mädchen ist. In bezug aus den Haushaltungsunterricht wendete sich die Reserentin energisch gegen die von vielen Hausfrauen vorgeschlage- neu„Lehrstellen" bei Herrschaften auf einige Jahre unter Kontrakt, da hier der Ausbeutung Tür und Tor geöffnet, der Nutzen ober sehr fraglich sei. Dieser Unterricht müsse in der Fortbildungsschule erteilt werden. Dazu bedürfe es aber der regelmäßigen freien Zeit, die die Herrschaften gewähren müßten. Darauf zielte die Eingabe hauptsächlich hin. denn ohne die regelmäßig gewährte freie Zeit sind auch die Wahlfortbildungsschulen, auf die der Magistrat verweist, nicht für die Dienstmädchen da. Hier müßte ein Druck durch die Stellenvermittelung ausgeübt werdem Leider habe die Eingabe auch in der Stadtverordnctenversamm- lutig keine Vertretung gefunden, weder in der prinzipiellen, noch in der praktischen Richtung der gestellten Wünsche. Es kann sich in einer»tadt wie Berlin nicht um die Gelegenheit zu lernen handeln, von der der Magistrat in der Antwort spricht, sondern um die Möglichkeit, die Gelegenheiten zu ergreifen, für die Dienstboten um die nötige Zeit. Der zweite Teil der Antwort enthält immerhin einen nicht zu unterschätzenden Hinweis, daß für die Dienstboten besondere Kurse eingerichtet werden könnten, wenn eS die Schülerinnenzahl erforderlich mache. Hier wird der Verband mit neuer Agitation einsetzen. Mit der nächsten Nummer der Der- bandszeitung werden Fragebogen versandt werden, die folgende Fragen enthalten: Welche Schule haben �Zie besucht und bis zu welcher Klasse?� Wann traten Sie die erste Dienststelle an? Haben Sie irgendwelche Nachhilfestunden gehabt? Möchten Sie noch etwas, lernen und die Fortbildungsschule mit Koch- und Haushaltungsunterricht besuche»? Gibt Ihnen Ihre Herrschaft die Zeit dazu? Das gewonnene Material wird verarbeitet werden zur weiteren Agitation, um das gleiche Recht auf Fortbildung auch für die Dienstmädchen zu erringen.— Die gleiche Eingabe wie in Berlin ist auch in anderen Orten bei den Stadtverwaltungen eingereicht worden und hat zum mindesten manche nützliche Diskussion vor der Oeffentlichkeit über die Lage der Dienstboten herbeigeführt. Die Versammlung erklärte sich in einer Resolution mit den Ausführungen der Referentin, die in der Diskussion lebhast miteri stützt wurden, durchaus einverstanden, Inrenlur- Ausfialrniepreis Ein Posten neuester Prima-Bouel6- Teppiche Beispiellos billig! Größe ea. Mk. Bisher 165/235 em 1978(27.0«) 200/300 om 31M(45.00) 250/350 em 46M(«s o«) 300/400 om 7450(107.50) Teppich-Spezlalhans Lmr Emil ef�vre Berlins. Seltl882nur Oratiienstr. 158, Ränrnunps-Eitraliste (enorm billiger Angebote) MV gratis und franko.-MW Stoffe für elegante MaBanzDge, Ulster, Palelots Mtr. 4.—, 6.—, 8.— M. etc. Oamon. 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Das tritt in den Betriebsausweisen deutlich zu Tage und findet seinen Ausdruck auch in den fast durchgängig erhöhten Dividenden. 228 Gesell- schaften mit 2472 Millionen Mark Aktienkapital verteilten nach einer Berechnung CalwerS im Jahre 1312 im Durchschnitt 3,3 Prozent Dividende gegen 3,1 Proz. im Jahre 1911. Die schein- bar geringe Erhöhung der ausgeschütteten Dividenden ist um so bedeutungsvoller, als auch im letzten Jahre starke Betriebserweilerungen in der Montanindustrie vorgenommen wurden, die erst in späterer Zeit den vollen Ertrag bringen können, trotzdem sie das Anlagekonto bereits längere Zeit vorher erheblich belasten. Trotz der Möglichkeit, die Dividenden willkürlich durch die Höhe der offenen und stillen Rück- lagen, Abschreibungen usw. zu beeinflussen, bildet die Dividenden- summe doch einen gewissen Anhalt für Schwankungen der Renlabi- lität. So ist die ökonomische und technische Ueberlegenheit der ge- »nischtcir Betriebe, die Förderung und Verhüttung vereinen, gegen- über den reinen Betrieben(nur mit Förderung) schon daraus abzu- lesen, daß die reinen Bergbaugesellschaften nur 8,4 Prozent, die Hütten und gemischten Betriebe aber 11,1 Prozent Dividende aus- schütteten. Auch die prozentuale Steigerung der Dividende von 1311 auf 1312 fiel bei den gemischten Betrieben größer aus, als bei den reinen Zechen. Trotzdem ist das Dividendenergebnis auch bei reinen Betrieben mit 8,4 Proz. noch so hoch, daß die steten Klagen auS diesen Kreisen über mangelnde Rentabilität völlig unmotiviert erscheinen. Die Kapitalisten dieser Unternehmungen streichen reich- lichcn Profit ein, wenn er auch etwas geringer ausfällt, als bei den gemischten Betrieben. AuS dieser Differenz der Profite entstehen die Gegensätze zwischen reinen und gemischten Betrieben innerhalb des Kohlensyndikats, dessen Vertragsbestimmungen den Interessen der ge mischten Betriebe weit besser angepaßt sind. Gerade die Ergebnisse der Ruhrzecheu zeigen, wie groß die Ge- Winne auch der reinen Bergbaubetriebe waren. An der Steigerung der deutschen Sieinkohlenförderung um 16,3 Millionen Tonnen war der Oberbcrgamtsbezirk Dortmund mit 3 Millionen Tonnen be teiligt. Diese gewaltige Mehrförderung trugen den einzelnen Zechen folgende Mehrgewinne gegen 1911 ein: 1311 Ruhrgebiet nahm sie fast um das dreifache zu. Die Zechenherren rühmen, daß das Syndikat disvientabilität des Bergbaues erst durch stete Preise ermöglicht habe. Gewiß, die Preise sind etwas stabiler geworden, aber die Preistendenz entwickelt sich stetig nach oben. In den Jahren 1883 bis 1863 zahlte man an der Essener Börse pro Tonne b bis 6 Mark. Seit dem Gründungsjahre stieg der Preis mit ganz geringen Schwankungen ständig von 8 M. bis aus 13,76 M. im Jahre 1911. Für den Konsumenten haben sich die Preise in diesen zwanzig Jahren der- doppelt. In Mannheim zahlte man im Jahre 1311 pro Tonne 26 M. gegen 14 M. im Jahre 1893. Für Koks betrug die Steigerung sogar über 133 Proz. In ungefähr gleichem Grade sind die Ge- Winne der großen Zechenunternehmungen gestiegen. Aplerbeck..... Alte Haase.... Adler...... Vochumer Bergwerk. Caroline..... Conslantin der Große Dorstfeld.... Ewald..... Friedrich der Große. Gottesscgen.... Graf Schwerin.,, Gras Bismarck.. Harpen..... H'eiitrich.... I. Dcimelsburg.. Hibernia..... König Ludwig.... König Wilhelm.,. Äönigsboru..... Königin Elisabeth.. Langbrahm..... Lothringen..... Müheimer Bergwerl. Mont-Cenis.... Helene und Amalie.. Schürbach u. Charlottenbg. Trappe...... 1912 533 273 686 649 138 276 233 446 634 636 759 134 665 722 1 352 325 236 133 217 571 4 318 352 5 338 456 1 425 537 1 875 632 3 757 813 6 444 146 2 213 653 3117 844 82 217 84 335 1333 331 1 327 233 3 662 238 4 613 315 16 3,2 333 21873 133 633 862 615 361 277 255 712 836 13 878 336 13 581388 2 532 477 3 635 278 1 337 337 2 233 645 2 363 333 2675 333 2 331 251 1 633 519 1 333 832 1 363 573 162 721 193 241 2 433 526 2 779 389 2 952 127 3 332 733 2 597 497 1 658 483 863 943 2 148 833 235 323 317 231 1912 gegeir 1911 86 379 35 173 124 498 386 633 11471 393434 453 325 -.2 636 327 -- 898 191 2 718 296 932 951 677 -7-5 867 133 + 135199 -- 535 551 —2 732 152 --1 132 831 462 599 483 444 884 127 826 827 956 246 27 964 142 862 785 263 42 599 123 963 Besonders stark war die Steigerung der Betriebsüberschüiie im dritten Luartal. Das vierte Luartal zeigte eine Abnahme in der Steigerung, offenbar eine Folge deS W a g e n m a n g e k�. So betrug der Rückgang bei der Harpener Bergbaugesellschast in dem letzten Vierteljahr allein mehr als 1 Million Mark. Bei den Ziffern für das ganze Jahr tritt der Ausfall durch den Wagenmangel, mit Ausnahme der Zeche Moni- Ceins, gar nicht in Erscheinung. Die Gewerkschaft Teimelsburg konnte ihre Ueberschüsse um 244 Proz. steigern. Bei de» großen Unternehmungen erreichte die Steigerung gegen 1911 ganz bedeutende Summen; so bei Harpen 5,3 Millionen, bei Hibernia 2,7 Millionen, bei Ewald 2.7 Millionen, bei König Ludwig 1.1 Million, bei Konstantin d. Gr. 3,93 Millionen. Nur die Zeche Moni- Cenis hat einen Rückgang zu verzeichnen. Nach dem Bericht der Verwaltung verlor diese Zeche durch den Wagenmangel 31 Schichten. Der Bergarbciterstreik im Frübjahr 1911 hat dagegen nur einen ganz geringen Einfluß auf die BctriebSergebnisie des Jahres ausgeübt. Im ganzen hat das Jahr 1912 den Zechen außergewöhnlich reichen Ge- winn gebracht. Bei drn Bergbaugcsellschaften konnten erhöhte Dividenden in Aussicht genommen werden: bei Arenberg von 16-7, aus 23 Proz., Hibernia 9 aus 13—11. Konsolidation 19 aus 23, Aplerbeck 6 auf 13. Bochumer Bcrgwerksgeiellschaft 5 auf 8. König Wilhelm 15 bezw. 18 auf 23 bezw. 23, KöiiigSborn 15 auf 18, Konkordia 16 auf 22. Auch die Gesellschaften in Gewerkform erhöhten ihre Ausbeuten: Konstantin um 300 M., Friedrich der Große un, 133 M.. Lothringen um 153 M.. Graf Schwerin, Helene, Amalie, Heinrich und DeimelS- bürg um je 53 M., Trappe um 43 3)1. Die Erhöhung der B e r g a r b e i t e r l ö h ti e ist gegenüber dieser Steigerung der Kapitalistengewinne gering zu nennen. Die Weigerung der Zechenherren, den Bergarbeitern beffere Arbeits» bedingungen zu bewilligen, und der Verrat der»Christen' im Früh» jähr vergangenen Jahres erfährt jetzt von neuem durch die Betriebs- ausweise die rechte Beleuchtung. Die Möglichkeit, die Hochkonjunktur in so starkem Maße in Ge- Winne umzusetzen, haben sich die Rubrzechcn durch ihre Organisation im Rheinisch. Westfälischen Kohlensyndikat geschaffen, das auf ein zwanzigjähriges Bestehen zurückschaut. Am 16. Februar 1893 vom ISsnclitenprozek. Paris, 13. Februar.(Eig. Bcr.) Nach Beendigung des Ver- hörs der Angeklagten sind nun auch die Zeugcnvcrnchinungen so weit fortgeschritten, daß sich ein Urteil, wenngleich nicht über das voraussichtliche Ergebnis des Prozesses, so doch über das Gebäude der Anklage fällen läßt. Und man muß sagen, daß mau selten eines zu sehen bekommen hat, daß derart leichtfertig und schleuder- Haft gezimmert gewesen wäre. Wohl erscheinen einzelne der An- geklagten durch die Aussagen glaubwürdiger Zeugen schwer be- lastet, aber in der Hauptsache— den Versuch, alle Angeklagteu als „Verein von Uebeliätern" unter einen Hut zu bringen und so dem Prozeß einen politischen Stempel auszudrücken— hat die Staatsanwaltschaft kläglich Schiffbruch gelitten. Vielleicht ist sie selbst aber weniger daran schuld als die Polizei, die sich, trotz ihres, sich im pseudo-anarchistischen Kreis umhcrtreibenden Spitzelheeres, un- fähig erwiesen hat, die näheren Umstände der von den Bonnot und Garnier und ihren lebenden Gehilfen verübten Mordtaten aus zuklären. So wurden denn allerhand Leute zusammengepackt, die in näherer oder fernerer Beziehung zu den wirklichen oder vermeinb lichen Hauptschuldigen gestanden haben und das Gericht, das in der Anklageküche nicht gar werden wollte, wurde, um für die Ge- schworenen schmackhaft zu werden, mit der Sauce der„anarchisti- scheu" Bündelei übergössen. Aber was haben die Hehler und kleinen Gauner, die den schmierigen Zwischenhandel in der Verbrecherwelt betreiben, mit den leichtfertigen Dilettanten der„Illegalität zu tun, die in kindischem Ehrgeiz und mit der Aufgeblasenheit des Halbgebildeten in dieser Welt der Enterbten die Theoretiker der sozialen Vollkommenheit spielen Ivollten? Und nehmen wir selbst an, lvas durchaus unbewiesen ist, daß G a u z h, der Bonnot die letzte Herberge bot. gewußt hätte, mit wem er es zu tun liattc, und ein dogmatisches Prinzip, jedem Verfolgten, wer er auch sei, Asyl zu gewähren, befolgt hätte, wie ist es möglich, diesen tätigen und erfolgreichen Gewerbsmann, der mit den Banditen nicht den ge- ringsten Umgang, und der sicherlich die verhängnisvolle Situation nicht herbeigeführt hatte, mit den Verschlcißern gestohlener und geraubter Wcrtgegcnstände in eine einzige Anklage auszunehmen? Gewiß, er las anarchistische Zeitungen und jene standen mit den Verbrecher-Anarchisten in geschäftlicher Verbindung. Aber stellt dies schon eine„Assoziation von Verbrechern" her? Ganz offenbar hat die Polizei so wenig Material über die Mordtaten zusammen- gebracht, die das Bedürfnis nach Sühne und � sozialem Schutz geweckt hatten, daß es, in besonderen Prozessen gegen die der ein- zelnen Verbrechen Verdächtigen vorgebracht, ihre professionelle Tüch- tigkeit kompromittiert hätte. Und so griff man denn links uird rechts beiläufige kleine Diebsafsären, wie sie die Staatsanwaltschaft 'sonst zu Tausenden zu den Mten legt, zusammen, schichtete sie aus das brüchige Hauptmatcrial, fing so viel Leute als nur anging in cineni Netz zusammen und der sensationelle, des Prctzrummcls würdige Monsterprozeß gegen die„tragische Bande" war da. ES soll nicht übersehen werden, daß der jetzige Prozeß Probleme sichtbar macht, die von allgemeiner sozialer Bedeutung sind, daß er zwingt, den Begriff der verbrecherischen Entartung in einer anderen als der hergebrachten Weise zu ersassei? und daß er das in der modernen Gesellschaft geschaffene Mißverhältnis zlvischen den vor- handencn Möglichkeiten und Bedürfnissen des Intellekts einerseits und der Verteilung der Genüsse andererseits als eine Quelle anti- sozialer Triebe zeigt, die nur durch einen die alten religiösen Be dingungen ersetzenden sozialen Idealismus überwunden werden können. Davon wird noch gesprochen werden müssen. Heute sei nur noch eine charakteristische Episode aus der gestrigen VerHand- lung hervorgehoben, die daraus hinweist, wie recht wir hatten, als wir den Verdacht aussprachen, daß der Kreis der Verbrecher-Anar- chisten von allerhand, in anderer Richtung sebr verdächtigen Leuten durchsetzt ivar. Der Angeklagte Kibaltschisch wies l»it un- bestreitbarer Logik auf den Widerspruch hin, der darin liege, daß er als Redakteur der„Anarchie" eingekerkert und angeklagt worden sei, während sein Vorgänger Lorulot, unter dessen Redaktion die Bonnot und Garnier monatelang in den Lokalitäten des Blattes gehaust hätten, aus freiem Fuß geblieben sei. Lorulot, der als Zeuge vorgerufen tvar, replizierte:„Ich lväre glücklich, wenn man mir sagte, ob es ein Verbrechen ist, Kameraden auszunehmen." Woraus der Staatsanwalt bemerkte:„Ich habe keine Lust, daraus zu antworten. Ich habe Gründe dazu. Der Mann an der Zrugenschranke weist, was ich meine. Und einer der Ver- tcidiger nahm die Gelegenheit wahr, um darauf hinzuweisen, daß just in diesen Tagen ein die Geschworenen bedrohender Artikel, der keinen anderen Zweck haben kann, als das Publikum zuungunsten der Angeklagten zu beeinflussen und wirklich an einen Zusammen- hang zwischen den Raubmorden und dem Anarchismus glauben zu machen, in der„Anarchie" erschienen ist. Woher der Artikel stammt, kann man sich wohl denken. Wie lehrreich wäre es doch, wenn Herr Lepinc, dessen Ab- gang jetzt mit einiger Wahrscheinlichkeit angekündigt wird, gleich Herrn A n d r i e u x und mit der Offenherzigkeit dieses Vorgängers seine Memoiren schreiben wollte! Nleckei' ei» lädchenrnordpiwß. Eine mysteriöse Blutint, die sich im Sommer 1912 in dem französischen Tors Arnavillc abgespielt hat, unterlag gestern der ,.n.-i- m-..-»-* 3, 4.„6, UN» um' ÄiSJJSSSSÄTÄ"**""" 1. März 1893 begann das Syndikat ossiziell seine Tätigkeit. I Die auf Totschlag gerichtete Auflage richtet sich gegen den Bei seiner Gründung umfaßte das Kohlensyndikat 136 Zecken mit Eisendreher Paul Stein aus Borsigwalde. Ter Angeklagte wird einer Beteiligung von 35,37 Millionen Tonnen. Heute gehören dem beschuldigt, seine 25iährige Nichte, mit der er angeblich ein Liebes- Syndikat nur 64 Zechen an. die aber insgesamt mit 79 53 Millionen berhältnis unierhalren haben soll, im Walde von Arnaville durch Tonnen beteiligt stud. Entsprechend stieg die Kohlenförderung von Mcffersiichc getötet zu haben. Es sind zahlreiche Zeugen geladen, 33.5 aus 93,8 Millionen Tonnen, der Koksabsatz von 4 2 auf 13,4 Mehrere aus Franke. ch, unter ihnen auch der fra«. sr? fr? Ske Bedeutung der Ruhrkohle sur die deutsche«te.nkohlensorderung rreten des Gerichtssaales in Weinkrämpfc aus und ist völlig ge- überhaupt ist damit gewachsen. Die Kohlenproduklion in Oberschlesien brachen. Beim Aufruf der Zeugen stellt sich heraus, daß von den >«» im Saargebiet ist nur etwa um da» 27-fache gestiegen, im aus Frankreich vorgeladenen Zeugen die Frau Gastwirt Michel aus Arnaville und ein Offizier aus Metz nicht erschienen sind. Letzterer ist erkrankt. Tie Verteidiger, Rechtsanwalt Bahn und Dr. Jul. Meyer, erklären, daß sie auf keinen Zeugen verzichten können. Der Angeklagte behauptet, daß er die Tat ans dringendes und ernsthaftes Verlangen der Getöteten, welche aus Liebeskummer in den Tod habe gehen wollen, begangen habe. Bei dieser Sach- läge komme es der Verteidigung daraus an, von allen, die die Getötete noch kurz vor der Tat gesehen, Auskunft über deren Scelenzustand zu erhalten, insbesondere könne man sich nicht mit einer kommissarischen Aussage des erkrankten Mctzer Offiziers be- gnügen, denn dieser, der in Beziehungen'zu der Getöteten gc- standen, müsse darüber vernommen werden, daß die Getötete, die 25jährige Emilie Stein, aus Verzweiflung darüber, daß sich ihrer Verheiratung mit einem Kaufmann Norschild Hindernisse in den Weg stellten, schwermütig gewesen sei und sich mü Selbstmord- aedanken getragen habe. Das Gericht beschließt, vorläufig zu ver- handeln und sich die Beschlußfassung über den Antrag vorzu- behalten. Der Angeklagte gibt aus Befragen an, daß er im Jahre 1873 geboren und unbestraft sei. Er ist Bater zweier Töchter im Alter von 17 und 13 Jahren. Er gibt zu, am 27. Juni 1912 bei dem französischen Dorfe Arnavillc seine Nichte erstochen zu habe», bc- Häupter aber immer wieder, daß er dies nur auf dringendes Verlangen der Nichte getan habe, da diese habe sterben wollen, aber nicht den Mut zum Selbstmord gehabt habe. Vorsitzender: Geben Sie zu, die Milli erstochen zu haben?— Angeklagter: Mein Wille ist es nicht gewesen.— Vorsitzender: Haben Sie sie denn aus Versehen getötet? Haben Sic nicht Ihr Messer genommen?— Angeklagter: Auf ihr Verlangen.— Vorsitzender: Weshalb denn?— Angeklagter: Weil ihre Mutter gegen die Hciraterei war. Deshalb wollte sie runter von der Welt. Der Angeklagte erzäblt zur Tat selbst, daß ihm im Juli vorigen Jahres, als seine Fra'u zu Verwandten nach Pommern ge- fahren war, plötzlich der Gedanke gekommen war, seine Verwandten in Metz zu besuchen. Auf eine Frage, ob nicht die Triebfeder hierzu gewesen sei, daß er die„Milli" wiedersehen wollte, erklärte der An- geklagte, daß er daran gar nicht gedacht habe, da er annahm, d-ff; die Milli längst verheiratet sei. Er habe auch die Milli gleich nach seiner Ankunft gefragt, ob sie nicht schon verheiratet sei. In den nächsten Tagen habe sie ihm erzählt, daß sie mit dem� Kaufmann Norschild und auch mit einem Leutnant ein Liebesverhältnis habe. Den Norschild, den sie immer„Paulemann" nannte, werde sie wohl nicht heiraten können, da dessen Mutter, die„alte Hexe", sie immer beschimpfe. Die N.chte sei immer sehr still und betrübt. dann aber ganz plötzlich wieder ausgelassen gewesen. Der Angc- klagte schildert dann die Einzelheiten des mit seiner Nichte unter- nommencn Ausfluges, an dem sich zum Teil auch Norschild� bc- teiligt hatte. Am 27. Juni habe er mit der Nichte einen kleinen Ausflug nach Frankreich gemacht. Sie seieü von Noveant nach Arnaville zu Fuß gegangen und hätten hier in einem Cafe drei Flaschen Wein und zwei Flaschen Sekt getrunken, wovon ihm der Kopf anständig gebrummt habe, auch die Milli sei etwas angetrun- ken gewesen. Er habe mit der Milli dann einen kleinen Spazier- gang durch die Weinberge gemacht.— Der Vorsitzende hält ihm vor, daß hier'zwei Zeugen auftreten werden, die ihn mit dem Mädchen in einer recht heiklen Situation gesehen haben. Das Mädchen habe sich heftig gewehrt und Hilfe gerufen. Ebenso wäre sie nachher ganz zerzaust und ofsenstchtlich verstört in den Gasthof zurückgekehrt.— Der Angeklagte bestreitet ganz entschieden, daß ,cr dem Mädchen irgendwie zu nahe getreten sei, muß jedoch auf Vorhalt des Vorsitzenden zugeben, daß das Mädchen, als es Be- kannte traf, diese, gebeten hatte, sie in ihrem Auto mit nach Metz zu nehmen, da sie mit ihm nicht allein sein wollte. Auf dem Heim- loegc sei die St. ihm plötzlich um den Hals gefallen und habe gc- rufen:„Onkel, ich will herunter von der Welt, töte mich, Onkel, denn ich kann nickt leben, die alte Hexe will nicht, daß ich den Paulemann heirate." Er habe daraus geantwortet, er könne sich doch nicht un- glücklich machen. Sic sei ihm aber immer wieder um den Hals gefallen und habe gerufen:„Ich will herunter von der Weltl" Aus eine Frage des Vorsitzenden, weshalb er der St. diese dummen Gedanken nicht ausgeredet habe, erklärt der Angeklagte, daß er zu stark betrunken gelvesen sei. Wenn er nüchtern gewesen wäre, lväre es ihm nicht ciugefallen. ein so hübsches, freundliches Mädchen tot zu machen. Er bereue es tief, daß er dem Verlangen des Mäd- chcns nachgegeben, als sie ihn umgefaßt und nochmals gebeten hatte, sie zu töten. Er habe dann sein Taschenmesser aus dem Etuis gcnoinmen und habe ihr Schnitte in den Hals beigebracht. Soweit er sich erinnern könne, habe sie sich nicht gewehrt und auch keinen Laut von sich gegeben. Da das Mädchen später im Chaussee- graben vorgefunden worden,.müsse er e» doch wohl dorthin gelegt haben. Was er selbst weiter getan, wisse er nicht mehr. Er sei wohl umhergeirrt und sei in ein Wasser geraten und habe auch Wasser geschluckt. Da sei er wieder etwas zur Besinnung gekom- in«n, habe zunächst heftig erbrochen und müsse dann wieder zu der Stelle gekommen sein, wo die Nichte erstochen worden. Wie er dorthin gekommen, wisse er nicht; er sei eingeschlafen und als er auflvachte, habe er dicht bei der Leiche gelegen. Neben der Leiche habe sein blutbeflecktes Messer gelegen und aus Verzweiflung über diese Tat müsse er wohl das Messer ergriffen und einen Selbst- Mordversuch gemacht haben, denn am Halse habe er nachher Wuu- den gehabt. Der Angeklagte hat dann, wie festgestellt wird, die Leiche etwas bedeckt, habe sich am Wasser abgewaschen und sei mit dem nächsten Zuge nach Metz and von dort dann nach Berlin ge- fahren. Hier Hadem ihn seine Frau und sein Schwager, die wohl schon gehört hatten, lvas passiert war, auf dem Bahnhof crivartet. Der Angeklagte wurde bald daraus verhaftet.— Vorsitzender: Sind Sie denn sehr betrunken bei der Tat gewesen?— Angeklagter: In meinem Leben hin ich noch nie so betrunken gewesen.— Vorsitzender: Sie wissen aber doch alle Vorgänge noch ziemlich genau. Auch Ihre Angaben, daß die Milli trübselig ivar, scheint doch nicht zu stimmen. Sie soll doch auch noch an dem betroffenden Abend recht lustig gewesen sein and mit Ihnen zusammen recht lustige Post- karten geschrieben haben. Die Getötete hat auch ein Kind von drei Jahren gehabt, das sie sehr lieb hatte, und eine Mutter, die ihr Kind lieb bat, wird doch nicht den Wunsch haben, daß man sie töte. Sie soll auch beim Weggang von Hause ihrer Mutter zu- gerufen haben:„Mutter, um �13 Uhr halte das Abendbrot bereit, dann sind wir wieder dal" Sie soll sich auch ganz klar darüber gelvesen sein, daß sie lveder den Kaufmann, noch den Leutnant heiraten könne und soll mit ihrem Zustande ganz zufrieden gewesen sein.— Der Angeklagte kann darauf nichts sagen.— Vorsitzender: Es sollen sich auch Anzeichen dafür gezeigt haben, daß sie sich gc- wehrt hat. Sind Sie niemals zudringlich zu der Nichte geworden? Angeklagter: Rein, ich würde kein Stück Brot mehr essen, wenn ich meine Familie hintergehen würde.— Vorsitzender: Ihre Nichte hat früher einmal mehrere Tage in Berlin zum Besuch geivcilt und soll Ihnen dabei einmal einen Kuß gegeben haben, ebenso soll sie Sie bei Ihrer Ankunft in Metz geküßt haben.— Angeklagter: Dahinter steckt gar nichts weiter. Das waren familiäre Küsse, wie sie eine Nichte einem Onkel gibt. Beweisaufnahme. In der weiteren Verhandlung wurde der französische Unter- suchungsrickter Massen aus Toul vernommen. Ter Zeuge schildert dann die ganze Situation, wie er sie am Tatorte vorgefunden hatte. Die Leiche habe etwa 333 Meter von der Grenze entfernt auf französischem Boden gelegen. Heruntergetretenes Gras und die in größerer Entfernung von der Leiche liegenden falschen Haare der Toten hätten den Schluß zugelassen, daß ein Handgemenge an dem Tatort stattgefunden hatte. Die einzelnen ÄekleÜrnngSstückc, wie Huk, Bürtcl, Handschalic, hätten in größerer Entfernung von der Leiche, der Hut z. B. 600 Meter entfernt, gelegen.— Mehrere Zeugen, zumeist ehemalige Arbeitskollegen, auf deren Zeugnis von der Verteidigung Bezug genommen worden tvar, bekundeten, daß der Angeklagte auf sie den Eindruck gemacht habe, als wenn er ..nicht ganz richtig im Kopfe" sei. Er habe bei der Arbeit an der Bohrmaschine wiederholt ohne jede Veranlassung laut ausgeschrien und in der Fabrik den Spitznamen„Der verrückte Bohrer" bekam- inen, weil er allerlei Dummheiten beging, die ein normaler Mensch nicht zu begehen pflegt. Im übrigen erfreute er sich in den Borsig- werken eines guten Rufes; man kannte ihn als einen ruhigen, ordentlichen, anständigen Menschen, der nicht bummelte und auch dem Trünke nicht ergeben tvar. Als er nach Metz fahren wollte, um seine Verwandten zu besuchen, hat er sich von einem Bekannten das Reisegell; geborgt; er ist dann abgefahren, ohne daß seine da- mals nach Pommern gereiste Frau etwas davon wußte. Die Ansichtskarten, die der Angeklagte aus Metz und Arna- ville an seine hiesigen Freunde und Bekannte gerichtet hatte und zwar auch noch an dem Todestage der Emilie Stein, sind sämtlich in einem sehr übermütigen und lustigen Tone gehalten. Der An- geklagte drückt insbesondere seine Freude darüber aus, daß in Frankreich der Sekt so billig und gut sei. Tie Mutter der getöteten Emilie Stein, die Wjährige Frau Adele Stein, bekundet unter anderem, daß ihre Tochter niemals Selbstmordgedanken gehabt habe. Sie sei im Gegenteil sehr lebens- lustig gewesen und habe das Leben viel zu sehr geliebt. Sie selbst könne es unmöglich glauben, daß ihre Tochter den Angeklagten auf- gefordert habe, sie zu töten, dies sei bestimmt nicht wahr. Im An- schluß an die Vernehmung dieser Zeugin folgt die Verlesung zahl- reicher Briefe und Karten. Am späten Nachmittag wurde die Ver- Handlung abgebrochen und auf heute 9% Uhr vertagt. H119 Induftric und ftandd. Konzentration im Bankgcwcrbe. Die Aufsaugung der mittleren und kleinen Betriebe durch die großen Institute hat auch im Jahre 1912 weitere Forlichritte gemacht, wenn auch langsamer als in den Vorjahren. Eine Tabelle zeigt, daß im Jahre 1909 etwa 4ö Firmen von größere» Instituten absorbiert wurden bczw. durch Fusionen ihre Selbständigkeit aufgaben; 1919 waren es 50, im Jahre 1911 85 und 24 in 1912; davon entfielen 8 auf das erste Semester, 19 auf das zweite. An Filialen, Kassen und Agenturen wurden er- öffnet: im Jahre 1999 eiwa 83, in 1919 162. im Jahre 1911 129 und im verflossenen Jahre etwa 49. Die Zahl der neuen kom- manditarischen Beteiligungen befiffertc sich in 1999 auf etwa 8 gegen 14 im folgenden Jahre, 19 in 1911 und 4 in 1912. Soziales. Wahlen auf Grund des BerficherungsgesetzeS für Angestellte. Im gestern abend erschienenen Reichsanzeiger veröffentlicht der Präsident der Reichsversichcrungsanstalt für Angestellte die ihm bis zum 2S. Januar durch Arbeitgeber oder versicherte Angestellte gültig eingereichten 4 Vorschlagslisten für die Wahlen der Mit- glieder des Vcrwaltungsrats, der Beisitzer des Rcntenarisschusses, des Schiedsgerichts und des Oberschiedsgerichts sowie ihrer Ersatz- inänner. Die Vorschlagslisten der freien Vereinigung sind mit l) bezeichnet. Auf der v-Liste beginnen die Vorschläge für den Ver- Ivaltungsrat mit Lüdemann, für den Rentenausschuß mit Ucko, für das Schiedsgericht mit Hesse, für das Oberschiedsgericht mit Meiners._ Wer noch 33Hi Pfennig täglich verdienen kann, ist noch erwerbsfähig. Dies nichts weniger als salomonische Urteil fällte das Ober- versicherungsamt in Liegnitz auf Gruna folgenden Tatbestandes. Die 79jährige Arbeiterin Christian« Sch. im Kreise Bunzlau beantragte bei der Landesversicherungsanstalt Schlesien im Februar 1912 die Gewährung der Invalidenrente. Nach einem Gutachten des Dr. St. vom 28. März 1912 leidet die alte Frau an Alters- schwäche, beiderseitigen Krampfadern an den Unterschenkeln, be- sonders rechts, chronischem Magenkatarrh, schwerem Rheumatis- nius in beiden Armen mit Verkrümmung und Versteifung der meisten Finger und beiderseitigem Plattfuß. Der Arzt hält die Frau für völlig erwerbsunfähig. Ein anderer Arzt, Dr. Sch., der die Frau am 6. April 1912 untersuchte, stellte außer den oben angeführten Krankheitserschei- nungen noch allgemeine Hinfälligkeit und leichte wässrjgc Stau- ungrn in den Knöchelgelenken fest. Auch dieser Arzt hält die Frau für völlig erwerbsunfähig und damit für invalide. In der mündlichen Verhandlung vor der unteren Berwaltungs- behörde erklärte auch der Vertrauensarzt derselben, Dr. S., die Frau für invalide. Die untere Verwaltungsbehörde sprach sich darauf für die Invalidenrente aus. DaS paßte dem Borstand der Landesversicherungsanstalt Schlesien nicht. Er veranlaßt« eine nochmalige Untersuchung durch einen Herrn Dr. Si.ewercynski. Dieser gab unter dem 31. Mai 1912 folgendes Gutachten ab:„Die pp. Sch. sei eine für ihr Alter ziemlich kräftige Frau, die außer mäßigen Alterserscheinungen nur an das durch das Alter bedingten Gelenkvcränderungen des rechten Schultergelenks, verschiedener Fingergelenke und der Kniegelenke leidet. Die Gelenkveränderungen an den Fingern, welche am schwersten ins Gewicht fallen, bestünden aber schon seit 12 Jahren, der Faustschlutz sei beiderseits gut möglich. Die Schultergelenke werden in ihren Bewegungen fast gar nicht beeinträchtigt, und die Kniegelenke nur in mähigem Grade. Da ferner Bücken ganz gut vor sich gehe, die Hüftgelenke also auch nicht schwer von Rheumatis- inus befallen seien, sei die Klägerin zu leichten landwirtschaftlichen Arbeiten mit Ruhepausen noch fähig." Auf Grund dieses famosen„Gutachtens" wies die Schlesische Landesversicherungsanstalt den Antrag der Frau zurück, da Inda- lidität noch nicht vorliege. Die Frau Sch. legte gegen den Rentenablehnungsbescheid Berufung beim Oberversicherungsamt Liegnitz ein. Das Oberversicherungsamt ließ die Rentenbewerberin im mündlichen Verhandlungstermin durch seinen Bertrauensarzt D. Höhemann untersuchen. Dieser schloß sich gutachtlich dem Gut- achten deS Dr. Siewecynski an. Darauf ist die Berufung zurück- gewiesen. Aus der Begründung sei folgendes wiedergegeben. Es heißt da u. a.:„Die Doktoren«tr. und Schr. berücksichtigen offenbar nicht, daß die Gelenkveränderungen an den Fingern schon seit 12 Jahren bestehen und die Klägerin bisher nicht an der Ausübung versicherungspflichtiger Lohnarbeit gehindert haben. Es ist daher als erwiesen zu erachten, daß die Klägerin zu leichteren gröberen Landarbeiten mit einigen Ruhepausen noch befähigt ist. In Abweichung von den Gutachten der unteren Berwaltungs- behörde hat das Gericht unter diesen Umständen die Ueberzeugung gewonnen, daß Klägerin durch die vorerwähnten Lohnarbeiten den im vorliegenden Falle maßgebenden Mindestverdienst von 199 M. jährlich odee bei regelmäßiger Tätigkeit von 0,33'/, M. täglich noch erreichen kann." Dieser auf Grund der Akten geschilderte Fall zeigt besser als lange theoretische Darlegungen, wie ungeheuerlich unsozial die so- qei'annte Reichs..versicherung" wirkt. So sieht'S im Gegensatz zu hochtönenden Worten mit der„gesicherten Existenz bis ins hohe Alter hinein" aus. Jahraus, jahrein hat die�alte Frau eine im- mens hohe Reichseinkommensteucr zahlen müssen. Und als sie nach ihrem 70. Lebensalter auf Grund ihrer ihr abgenommenen Groschen eine Invalidenrente verlangt, da heißt es: gibt's nicht, drei Aerzte haben Dich zwar für völlig invalide gehalten, aber da hat's in Schlesien noch zwei„Vertrauensärzte" und die Gutachten dieser Herren erweisen, daß Du doch noch 33% Pfennig täglich verdienen könntest, wenn Du Arbeit hättest. Also kriegst Du keine Invalidenrente. Ein Riesenvcrmögen hat die schlesische Versicherungsanstalt aus der den Arbeitern auferlegten Rcichseinkommensteuer aufgestapelt: im Jahre 1911 betrug es 120% Millionen. Ein' kolossal großer Beamtenapparat mit nicht zu knappen Bezügen ist dort vorhanden. Aber eine 70 Jahre alte Frau, die dieses Riesenvcrmögen mit hat sammeln müssen, eine Frau, die hart gearbeitet und schwer gc- hungert hat, gilt nicht als invalide im Sinne des Gesetzes, weil sie noch 33� Pfennig täglich verdienen könnte, wenn sie Arbeit hätte. In immer klarerer Weise zeigt sich, wie Recht die Sozialdemokraten mit ihrer Behauptung haben: Die Arbeiterversicherung wirkt dahin, daß die Arbeiter enorme Lasten tragen müssen, und daß aus den der Arbeiterklasse auferlegten Gelder ein Haufen Bureaukraten und Aerztcn besoldet werden. Wenn 33� Pfennig zum Leben hinreichen— warum setzte man nicht„Vertrauensärzte" und Beamten im Bezirk des Ober- versicherungsamt Liegnitz auf ein gleich hohes Honorar oder Ge- halt? Solche Wirkung des Gesetzes ist. daß es als Verhöhnung der Arbeiterklasse empfunden werden muß und gegen die bürgerliche Klasse, der solche Gesetzesmacherei aufs Konto zu schreiben ist, empören muß. „Facharbeiter" in preußischen Staatsbetrieben. Die landwirtschaftliche Unfallversicherung macht bekanntlich einen Unterschied zwischen Facharbeitern und gewöhnlichen Ar- beilern. Diese Unterscheidung ist für die in der Land- und Forst- Wirtschaft Beschäftigten sehr bedeutungsvoll, weil die Unfallrente der Facharbeiter anders berechnet wird, als die der„gewöhnlichen Arbeiter", nämlich nach dem wirklichen Verdienst statt nach dem vom Oberversicherungsamt festgesetzten durchschnittlichen Jahres- arbeitsverdicnst. Da der vom Oberversicherungsamt festgesetzte Jahresverdienst stets hinter dem wirklichen Verdienst sehr zurück- bleibt, ist die Unterscheidung für die Facharbeiter erheblich. Facharbeiter ist, wer für seine Stellung besonderer fachlicher Fähigkeiten bedarf. Nach der Reichsversicherungsordnung sind stets Facharbeiter: Förster, Gärtner, Gärtnereigehilfen, Müller, Ziegler, Stellmacher, Schmiede, Maurer, Zimmerer, Brenner, Maschinen- führer, Heizer, sowie Gehilfen und Gesellen, die eine fachmäßige Lehr- und Ausbildungszeit durchgemacht haben. Die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften können jedoch durch ihre Satzung auch andere Berufe als Facharbeiter erklären. Die vom Reichsvcrsicherungsamt herausgegebene Mustersatzung zählte noch eine große Anzahl anderer Berufe auf. Die Landwirtschafts- und Forstbetriebe des preußischen Staates gehören keiner landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft an. Für diese Betriebe ist die Regierung vielmehr selber AusführungS- behörde.— Deshalb bestimmt das Ministerium auch, tver in den Staatsbetrieben noch weiter als Facharbeiter gilt. Für die preußi- schen Staatsbetriebe gelten außer den schon in der Reichsversiche- rungsordnung genannten Berufen nach den kürzlich erschienenen Ausführungsbestimmungen noch folgende Personen als Fach- arbeiter: Rechnungsführer, Buchhalter, Buchhalterinnen, Bureau- gehilfen, Bureaugchilfinnen.— Gutsverwalter, Wirtschaftsführer, Gutsaufseher, Vögte(Hofmeister, Wirtschaftsgehilfen, Hofaufseher, Hofverwalter, Statthalter, Kämmerer. Wirtschaftsmeier. Groß- knechte), Lagcrverwalter(Magazinverwalter), Wirtschafterinnen. — Forstuntererheber, Forstlehrlinge, die mit der Ausübung des Feld-, Forst», Jagd- oder Fischereischutzes oder mit der Aufsicht über Holzablagen oder Torfgräbereicn betrauten Personen. Darr- mcistcr, Holzhauermeister(Haumeister, Rottenmeister, Oberholz- Hauer).— Meier, Meierinnen, Molkereiverwalter, Kuhmeister, (Schweizer, Melker), Molkenköchinnen, Käser.—- Schafmeister, Schäfer", Schweinemeister, Weidehirten" und Feldhüter".— Ge- stütwärter, Hilfsgestütwärter", vertragsmäßig beschäftigte Futter- oder Stutmeister, Leiter der Ausbildung von Rennpferden. Unter- trainer, Jockeis. Trainicrburschen", herrschaftliche Kutscher". Be- rciter".— Torfmeister, Moorwarte, Rieselmeister, Rieseler, Stack- meister, Stackmeistervertreter.— Kellermeister, Küfermeister, Küfer, Küfergesellen, Küferlehrlinge, WeinbergSvcrwalter, Rebenverede- lungsvögte, Weinbaugehilfen.— Schießmeister, Sägemeister, Schirrmeister, Schirrarbeiter, Monteure, Hilfsmonteure. Führer von Lokomotiven, Kraftwagen und durch maschinelle Kraft be- loegten Schiffen, Maschinisten, Heizer, Wiegemeister, die Schiffs« besatzung bei Landgewinnungsarbeiten.— Alle Techniker, Handwerksmeister und Gesellen, Aufseher, Aufseherinnen, Wärter, Wärterinnen. Borarbeiter, Vorarbeiterinnen, die beiden letzteren. soweit ihnen ein höheres Entgelt als den ihnen zugewiesenen Ar- beitern geivährt wird. Die mit" bezeichneten Personen gelten nur insoweit als Fach- arbeiter, als sie das 21. Lebensjahr vollendet haben. Facharbeiter behalten ihre Sonderstellung auch bei der Aus- führung von Verrichtungen gewöhnlicher landwirtschaftlicher Ar- beiter, wenn sie hierzu übergehend neben ihrer besonderen Be- schäftigung in dem Betriebe herangezogen werden. Gerichts- Zeitunef* Berbächtigung eines Redakteurs. Wege» des Vorwurfs der Bestechlichtelt hatte, ima ,emerzeit mitgeteilt, das Schöffengericht Charlottenburg den Schriftsteller A. O. Weber zu einer Gefängnisstrafe von 9 Wochen und einer Geldstrafe von 59 M. verurteilt.. Auf die von Weber gegen dieses Urteil eingelegte Berufung hatte sich gestern die 5. Strafkammer des Landgerichts III nochmals mit dieser Angelegenheit zu befassen. Als Nebenkläger war der Redakteur Gerlach von der„Mensteiner Zeitung" zugelassen. In der Sache handelte es sich um die bekannten schweren Ver- dächtigungen, die der Angeklagte Weber gegen die ostpreußische Presse im allgemeinen, insbesondere aber gegen den jetzigen Neben- klüger Gerlach von der„Allensteiner Zeitung" ausgesprochen hatte. So hatte Weber u. a. am 25. Januar 1911 den Nebenkläger ver- dächt igt, er habe in der bekannten Mordaffäre der Frau v. Schöne. beck sich durch Geldzahlungen beeinflnssen lassen. Außerdem hatte er an die Redaktion der„Allensteiner Zeitung" einen Brief ge- richtet, in welchem�er behauptete, er könne nachweisen, daß leitende Redakteure in der Schönebeck-Asfäre bares Geld angenommen hätten. Der verdächtige Redakteur gab sofort eine von dem Hauptmann Lüders, dem Bruder der Frau v. Sch.. und dem Rechtsanwalt Salz- mann, dem Verteidiger der �rau v. Sch. unterzeichnete Erklärung ab, daß er niemals auch nur einen Pfennig erhalten habe. Um die Möglichkeit zu haben, den Angeklagten Weber zu veranlassen, die Namen der angeblich bestochenen Redakteure preiszugeben, veröffent- lichte der Redakteur Satz in der„KönigSberger(Hartungschen) Zei- tung" einen Artikel, in welchem er Weber einen„gewissenlosen Ehr- abschneider" nannte, wenn es ihm nicht gelingen sollte, den Be- weis für seine Verdächtigungen zu erbringen. In der daraufhin von Weber angestrengten Privatklage erklärte W. am 25. Januar 1911, daß ihm von dem Hauptmann Lüders mitgeteilt worden sei, der Redakteur Gerlach habe 399 M. erhalten, weitere 399 M. aber mit dem Bemerken abgelehnt, daß der Prozeß schon zu nahe vor der Tür stehe. In der Verhandlung der von der Staatsanwaltschaft zugunsten Gerlachs erhobenen Beleidigungsklage konnte Weber nicht de» ge- ringsten Beweis für jene schwere Berbächtigung erbringen. Das Schöffengericht Charlottenburg nahm deshalb an, daß zum Teil eine wider besseres Wissen, also verleumderische Beleidigung vor- liege und verurteilte Weber zu der obenerwähnten Strafe. In der gestrigen Verhandlung erklärte der Angeklagte, daß er nach den ihm zuteil gewordenen Mitteilungen und Andeutungen tatsächlich der Meinung gewesen sein konnte, daß an den Neben- klüger gezahlt worden sei. Er habe sich deshalb zum mindesten keiner verleumderischen Beleidigung schuldig gemacht. Auch habe er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Aus der eingehenden Beweisaufnahme ergab sich einerseits, daß die Behauptung, der Nebenkläger Gerlach habe gewissermaßen als Lesiechungsgeld. durch welches günstige Stimmung für Frau v. Schönebeck gemacht werden sollte, 399 M. erhalten, auch nicht dir geringste Berechtigung gehabt hat und Hert Gerlach in jeder Be- ziehung rein und tadellos dasteht. Andererseits ergab sich, daß der Angeklagte durch einen Brief, den sein Schwager, der Hauptmann Lüders an ihn geschrieben hatte und der sich seinerseits wieder auf oine unzutreffend hingeworfene Bemerkung deS Rechtsanwalts Salzmann gestützt hatte, bis zu einer bestimmten Zeit gutgläubig hätte sein können. Hauptmann Lüdrrs hat seinerzeit Herrn Ger- lach eine volle Ehrenerklärung gegeben und bekundete gestern auch als Zeuge, daß Herr Gerlach völlig intakt dastehe, er selbst aber auf Grund eines vom Rechtsanwalt Salzmann geschriebenen Briefes der irrigen Auffassung sein konnte, daß dem Nebenkläger Geld.'.n- geböte gemacht worden seien. Später sei aber dem Angeklagten klarer Wein eingeschänkt worden, wie die Sache wirklich liege. Tie Beweisaufnahme ergab, daß bei einer Gelegenheit der Rechtsanwalt Dr. Salzmann dem Angeklagten telephonisch mitgeteilt hatte, daß Gerlach mit Entschiedenheit bestreite, jemals Geld in dieser Sache erhalten zu haben.— Staatsanw.-Rat Hootz beantragte die Frei- sprechung des Angeklagten in dem Falle seiner Verurteilung zu 59 M., da der Angeklagte in diesem Falle gutgläubig gewesen sei. Die Gutgläubigkeit sei aber in dem anderen Falle nicht mehr vor» handen gewesen. Freilich liege keine Verleumdung, aber doch eine üble Nachrede vor. Diese verdiene eine empfindliche Strafe, da da- durch ein durchaus ehrenvoller anständiger Mensch, gegen den nichts vorlag, schwer betroffen wurde. Er beantragte 4 Wochen Gefängnis. Das Gericht folgte aber den Ausführungen des Ver- teidigers. Rechtsanwalt Willi Beyer. Es sah als festgestellt an. daß der Angeklagte Weber nach den ihm von verschiedenen Seiten gemachten Mitteilungen sehr wohl der Meinung sein konnte, daß etwas Unlauteres geschehen sei. Damit falle der Vorwurf, daß Weber wider besseres Wissen beleidigt habe. Tatsächlich handele es sich um nicht eine nicht erweislich wahre Tatsache, die geeignet ist, den Nebenkläger Gerlach schwer zu beleidigen, die aber von dem An- geklagten in der Wahrung berechtigter Interessen vorgebracht war- den war. Bezüglich dieses ersten Falles sei dem Angeklagten der Schutz deS ß 193 zuzubilligen. Bezüglich des zweiten Falles der Beleidigung durch den Brief, habe sich einmal der Nebenkläger Gerlach gar nicht beleidigt fühlen können, sondern höchstens der Verleger, außerdem sei aber in diesem Falle Verjährung einge- treten. Unter Aufhebung des ersten Urteils wurde der Angeklagte bezüglich des ersten Falles freigesprochen, in dem zweiten Falle wurde das Verfahren auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Ein Untersekundaner als Geldschrankdieb. Ein Schlossermeister in Hann.-Münden ließ versehentlich sein Schlüsselbund, an dem sich auch der Geldschrankschlüssel befand, an einem Schubfach in der Wcrkaft stecken. Dies benutzte sein Sohn, ein Untersekundaner, um den in dem neben der Werkstatt befind- lichen Kontor stehenden Geldschrank zu öffnen und ihm 199 M. zu entnehmen, die er zusammen mit den Mitwissern seines Dieb- stahleS, den drei Lehrlingen seines Vaters, auf einem Feuerwehr» fest verjubelte. Di« jugendlichen Täter benutzten ober außerdem die Gelegenheit, sich einen Abdruck des Geldschrankschlüssel» anzu- fertigen, nach»de m der Lehrling eines anderen Schlossermeisters, der darin mehr Uebung besaß, einen Nachschlüssel anfertigte. Mit diesem Nachschlüssel beraubten sie noch mehrfach gemeinschaftlich den Geldschrank und teilten das Geld unter sich. Aber schließlich bemerkte der Meister das Fehlen des Geldes und entlarvte das Diebeskomplott. Infolgedessen hatten sich alle fünf vor der Göttin- ger Strafkammer wegen schweren Diebstahls, Hehlerei und Beihilfe zu verantworten. Gegen seinen Sohn nahm der Meister noch vor der Verhandlung den Strafantrag zurück, so daß der Hauptattentätr straffrei ausgehen mußte. Dagegen wurden die vier Lehrlinge. je nach der Schwere ihrer Verfehlung, zu sechs Wochen bis zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Da sie sämtlich von dem Unter- sekundaner verführt waren, und dieser selbst nun nicht bestraft werden konnte, sollen die sämtlichen zugendlichen Verurteilten der bedingten Begnadigung empfohlen werden. Ist Nichtgrüßen strafbar? Wegen Nichtgrüßen» ihres FortbildungSschnllehrerS waren zwei SortbildnngSschüler in St. Andreasberg angeklagt worden. Sie sollten dadurch das Ortsstatut, betreffend die Fortbildungsschule. und die dazu erlassene Schulordnung übertreten haben. Die Strafkammer in Güttingen verurteilte auch die Angeklagten zu Geldstrafen. In der Schulordnung hieß eS:„Jeder Schüler hat die Mitglieder des Lehrerkollegiums innerhalb und außerhalb der An- stall zu grüßen"...... Das Kammrrgericht hob dieser Tage die Borentscheidung auf und sprach dieAngeklagten frei. Zur Begründung wurde au»- geführt: Die Schulordnung sei zwar durch den Vorstand der Fort- bildungSschule und durch den Magistrat beschlossen und auch den Schülern gedruckt ausgehändigt worden, der Magistrat habe aber die Schulordnung nicht öffentlich publiziert. Diese Publikation war aber notwendig, um die Schulordnung formell gültig zu machen. Ohne die Publikation sei sie ungültig, woraus die Freisprechung der Angeklagten folge. Dahingestellt bleiben könne, ob die.Schul- ordnung eine Bestimmung, wie sie die Angeklagten unzweifelhaft übertreten hätten, überhaupt treffen könne. Die Arzneimittelbcsorgung durch Hausarztvereine hat die Apotheker beunruhigt. Gegen den HauSarztverrin für Moabit rief der Berliner Apothetervereiu die Polizei an, und der Bvrfiyende Hagen wurde dann der unerlaubten„Ueberlassung" von Arzeneimitteln sowie einer Uebertretung der Gewerbeordnung angeklagt. Der Moabiter Hausarzwerein gehört mit seinen rund 2999 Mitgliedern zu dem Bund der Hausarztverein« Berlins, der jetzt etwa 29 999 Mitglieder hat. Durch Großeinkauf vo» Stärkungs- Mitteln und Arzeneien. die ohne arzrnche Verordnung verkauft werden dürfen, verschafft er den Fmn'l'-n seiner zumeist der Arbeiterbevölkcrung angehörenden Mitglieder eine willkommene Preisermäßigung. In der von dem Vorsitzenden ausgeübten Tätig- keit. den Mitgliedern die Arzene.en usw. für den Selbstkostenpreis nebst geringer Vertriebskostenvcrgutung abzugeben, sah das Schöffen- geeicht weder ein unerlaubtes„Ueberlassen" noch einen Gewerbe- betrieb, und Hagen wurde freigesprochen. Gestern wurde, da die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, vom Landger, cht I('Strafkammer 8) dt einem Gewehr und zwei scharf geladenen Revolvern bewaffnet ftünnte er unter lautem Schreien mit verdrehten, rollenden Augen und mit Schaum vor dem Mund durch die Straßen der Stadl. Er feuerte auf alle Personen, die ihm in den Weg traten. Einen eingeborene» Polizei-Jnspektor. der den Rasenden festnehmen wollte, schoß er nieder. Als ein europäischer Polizeiinspektor ihn unschädlich machen wollte, gab er auf diesen einen Schuß ab. verfehlte aber glücklicherweise sein Ziel. Dagegen streckte er einen weiteren eingeborenen Polizisten, der seinem Borgesetzten zur Hilke kommen wollte, durch eine Revolverkugel nieder. Schließlich gelang es, den Amokläufer von allen Seiten zu umzingeln. Run richtete er die Waffe gegen sich selbst und machte seinem Leben durch einen Schuß in den K o p f e i n E n d e._ Kleine Notizen. Kohlengasvergiftung. Am Sonntagmorgen fand man an Bord deS im Hamburger Hafen ankernden Dampfers„Eckardt" fünf Heizer des Schiffes in ihrer Kabine bewußtlos vor. Sie woren durch Kohlenoxydgafe. die dem im Logis stehenden Ofen entströmten, vergiftet worden. Die Schwererkrankten wurden nach dem Krankenhauje gebracht, wo drei von ihnen bereits g e st o r b e n f i n d. Mysteriöser Selbstmord. In der Nähe deS WestvohnhofeS in Eisenach legtet» sich am Montagmorgen der 22jährige Fabrik- arbeiier R u d l o f f, der 18jährige Arbeiter Schuhmann und die Zvjährig« Margarete Rickard auf die Schienen, um sich von dem einfahrenden Güterzuge überfahren zu lassen. Im letzten Augen- blicke riß das Mädchen den Kopf zurück und wurde nur leicht verletzt, während die beiden anderen getötet wurden, lieber den Beweggrund ist nichts bekannt. Bei Loschardeiten verunglückt. Bei dem Brande einer Aluminium- gießerei in Paris ereignete sich eine Explosion, durch die 13 Feuerwehrleute und Polizeibeamte schwer verletzt wurden. Da» Gefängnis al» Falschmünzerwerlstätte. In Karra hatte» sich der Direktor des S t a a t« g e f ä n g n r s s e s und etwa Sv Gefangene und Wächter unter der Anklage der Falsch- münzerei zu verantworten. Die Angellagten hatten im Gefängnis eine Falschmllnzerwerkstatt errichtet. Ter biedere Gefängnisleiter erhielt sieben Jahr« Zuchthaus, achtzehn Angeklagte wurden zu drei bis sieben Jahren Gefängnis verurteilt. LrUfKakten der Redabtion. Sit lurtMlche«»reqftunde findet Linden st rnttr 09,»»»» vi», XttMH« — gayrsttttl—,«»ldentögltid«an«Mi dt» 7H Udr»bendS,«annadend», «an tM- dt» 6 Udr abends statt. Jeder»st» den ivrttNastrn befttmmttn•afnge ist ein«uaftade und ein« gatzl als Mertjetchen detznistgen. Brieflich««»»wart wird nicht ettett«. Anfragen, denen tetae AdannementSantttnng»etgefstgt ist, aer»»n nicht deantwartet.«iiige fragen trage man tn de««»rechstnnde»ar. 991. Gotthard. Beim Regierungsantritt 12'/. Millionen. Im Jahre 188S um 3'/, und tm Jahr« IStv wieder um 3'/, Millionen erhöht, also jetzt Ist'/, Mtllionen.— B. G. it0. Die Beantwortung solcher Fragen muiien wir dem Arzt llberlassen.— F.®>. 3. Leiber nicht sestzustellen. Vielleicht bemilben Sie sich an den Metallarbeiterverband, Linienstr. 84iöZ, Seltio» der Schmiede.— D. 10. Setzen Sie sich mit der Lehrstellen- vermittelimgSstelle. Am Köllnischen Park 8, in Verbindung.— A. It. 27. Lindenstr. 11. Aus den An« Mindestmaß 1,65 Meter, Alter jllt Feuerwehr HU WPPHHP gut« Zivil-, Militär- und vollzeililhe Führungsaiteste Präsidium Berlin, Abteilung nahmebedingungen sei folgendes mii nicht über Ä Jahw. H vorzügliche Gelundhetk. insbesondere tadellose Beschassenheit der Brust- elngeweide. volle Sehschärse, normale Hörsähigkelt. gut« Zähne.»Bruch- aniage und Krampsadern schließen von der Einstellung auS.) Profession! Bmihan dwerker, Metall«. Hol,- oder Lederarbeiter oder Fahrer vom Sattel und Bock.»Schneider, Gärtner, Musiler, Schreiber, Zeichner usw. gelang«» nur ganz ausnahmsweise zur Einstellung.) Guter Turner, Verpsliqtung zum Beitritt zur Hastpflichtverstcherung. Reisekosten werden nicht vergütet. Sozialdemokratisetier Wahlverem für den 6. Berliner Reiehstagsvahlkreis. . Dienstag, den 18. Februar, abends 8Vs Uhr: 21 MltsliedersVersammlungsen in folgenden Lokalen: 1. Abt.: Obisilo(kl. Saal). Schwedter Str. 23 2. 8. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. Odiglo(gr. Saal). Bernlina-Iäle(ob. Saal), Schön- , haaser Allee 28 Bcrolina-Sälc(mittl. Saal), Schön« hauser Allee 28 »lie Glicsche, Kopenhagener Str. 74 Sühmilch, Bomholmer Str. 7 Strack, Schönhauser Allee l34b Stvinemünder GesellschaftshauS, Swlncmündcr Str. 42 Dase, Brunnenstr. 154 Kramer, Hussitenstr. 40 Oranienburger Festsäle, Chaussee- straße 16 12. Abt.: Artushof(ll. Saal). Perleberger Straße 26 Patzenhofer(Mittelsaal), Turm« straße 25/26 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24 Arminiushallen, Bremer Str. 71/72 Funke. Triftstr. 63 Deibels festsäle, Kolberger Str. 23 Franke» Badstr. 19 Voigt-Theater, Badstr. 58 Kösliner Hof, Kösliner Str. 8 18. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21./22. Abt.: Pharussäle. Müllerstr. 142 Cageeordnung; i. Vortrag. VisbuMon. Referenten: Osvolck Aysche, Riebard Barth. Dr. Oskar Cohn, Julias Cohn, deorg Oavldsohn. Emil vlttwer, Wllbelm Dflwell. Ferdinand Ewald, Regina Friedländer, Kurt Heinlg, Fant Jobn, Karl Koblenzer, Dr. Karl Liebknecht, Dr. J. Moses. Hugo Roetzsch, Adolf Ritter. Dr. Kurt Rosenleid, Regina Ruhen, Mas Schütte, Emil Unger, Hans Weber. mf mtglleelabacb legitimiert. M>L 225/10* Zu diesen wichtigen, der Fortbildung unserer Mitglieder dienenden Versammlungen, in denen Vorträge belehrenden und wissenschaftlichen Inhalts gehalten werden, ladet zur zahlreichen Teilnahme ein__ Ter Vorstand. C«garettcn Kurprinz1.3 Pfg Fürsten...... 4»« Welt Machr 5«. Auto-Klub 6.. Aero-Klub.lO- 2ieniraihrankenKalie der Maurer Gipser Mißblndtr) und Stukkateure Deutschlands. Grundstein zur Einigkeit Kleine Berliner Stück 2 Pf. Verwaltangsütelle Berlin. Sonntag, den»3. Februar, vormittags JO Uhr, im Saal 1 des GewcrkschaftShauseS: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kasten- und FahreSbertcht. o. Die Austeilung der Berwaltungsstelle Berlin in vier Verwaltungsstellen. 3. Verschiedenes l5l/3 _____ D»« Ortsverwaltuvg. Rentabler Oasthof. «ewertfchaftslokal. grosser Saal, großer Garte». 4 Gastzimmer. Fremdenzimmer, ist umständehalber sosort zu verkaufen. Preis 110 000 Wart. Anzahlung 15 000 M. ErstgemelMe Lfferten resp. Adresteu erbitte unter«. 803 postlagernd Sorau N.-L 31/17 Tätowierung entfernt Dr. Schünemunn« Spezialarzt für Hautkrankheiten. Berlin S., Oranienstr. 139. Stoffe Deutsch-englische Neuheiten für Herren und Damen. Elnaelverkaaf zu Iiiigsten Engrospreisen. 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Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Mittwoch, de« 1». Februar 101S, abends 6 Uhr: s Versammlung= aller in den Kuchdrillktttimilslhllitit- Fnbrillkil beschäftigten Kollege« in Witve Aasabtins Featsttlen, Oranienstraste 103. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Blanke. 9. DiSlusfiou. 8. verkstatt- angelegenheiten und Verschiedenes. Pflicht aller Kollegen ist«». in dieser Versammlung zu erscheinen. Bauanschläger. Donnerstag, den 20. Februar 4043. abends 8 Uhr: Akonsts- Versammlung im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen I»leek. 2. Diskussion. 3. Brauchen« und Verbandsangelegenheiten. 4. BtrschiebeneS. Mitgliedsbuch legitimiert! ES ist Pflicht, daß alle Kollegen w dieser Versammlung erscheinen. 113/3_ Tie Ortsverwaltung. Heute und morgen Sl/S« Legehühner garant. junge, beste Leger, Oll»1 verlaust r. Wegner,»>2 Berlin SO., Martannenstr. St. fl.Pfau, *ecT Dlreksenstraße 20 zwischen Bahnhof Aleranderplatz und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 3208. Für Domen Frauen-EUdlsnung." Lteseranl jür alle Krankeukasteu. Kranzspenden sowie sämtliche* ßlumenarrangemctits liefert schnell und billig Pnnl Gross, Lindenstr. 89, Tel. Rpl. 7203. Sektion der Bauhilfsarbeiter. Mittwoch, den 49. Februar, abends 8 Uhr, bei Voeker, Weberftr. 17: tllgem. Mitglieder-sersuninliug. Tage« Ordnung: 1. Wie stellen wir uns zur BettragSfiag«. 2. Wahl der SektionS- leitung.— 3. Eettwnsangelegenhesten. W> U ein sehr wichtiger«eschlnst ,n fasten ist. ist»«s bestUnntt« Erscheinen aller notwendig. 140/17» Dl« Sektloaaleltniiff, Buchhandlunp Vorwärts Llndenocr. VS. Führer durch das Btf/lO4 i WM. (Jäter Berttckolcbtlsongr der erlaseaenen Anstüh- ranarasbeatliaiiianseit. Preis 40 Pf. �S€€€€e6«s-«SSSSZ iu Genosse» Bernhard Plessner_ /,4 Uhr, von der Halle des Michael-Kirchhofcs, Marien- dorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 205/6 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Walilverein s.d. i ßerl. Reichstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bez. 195 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Karl pfgake Görlitzer Str. 67 gestorben ist. Ehre seinem Andenken.' Die Beerdigung sindet am Mit!» woch, den 19. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS-KirchhofeS in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. " Um rege B etciligung ersucht Ter Aorftand. Sozialdemokratischer Mereio f. d. 6. Beri. Reichstagswahlkreis Todos-Anzclffc- Am 14. Februar verstarb unser Genosse, der Chausieur Robert Lübecker Str. 28— Bezirk 718. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Ustr, aus dem südwest-Frledhos in StahnS- dors statt. Um rege Beteiligung ersucht vor Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser lieber Sohn Otto Siecke am 16. Februar nach schweren Leiden verstorben ist. Die trauernden Eltern Joseph Hiecke u. Frau.GIcmtstr.IS. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Getbiemane. Gemeinde, Nordend, aus statt Reutscher Transportarheiter-yerhaiid. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Äollege, der Arbeiter Vttv Vfliscta am 16. 63. Mis. im Alter von 18 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 18. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des GcthscMane-Äirchhoiez, Nordend, auS statt. Jfachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Auto- sührer 62/4 Jürgen Petersen am 10. ds. MtS. im Llller von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andeuken! Xaelirnf. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß. unser Kollege, der Rollkutscher Bruno Ranimt am 21, d->. MtS. im Alter von 37 Jahren verstorben ist.. Ehre seinem Andenke». Die Bezirksverwaltung. Allen Freunden und Belamiten, welche meinem lieben Wann, meinem herzensguten Vater, dem Chauffeur Heinrich Petersen das Geleit zur letzten Ruhestättgaben. sowie den Kollegen vom Transportarbeiter- Verband sogen hiermit herzlichen Dank 2594 * Frau Minna Petersen und Tochter. Orts- Krankenkasse der Maschinenbau- arbeiter und verv. Gewerbe zu Berlin. I 17. 37, Lottumstr. 9. Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, unseren 1 | Mitgliedern mitzuteilen, daß unser langjähriger Eendant,Herr| Rudolf Aßmann am Sonnabend, den 16. Februar, plomJich verstorben ist. I Sein frühes Dahinscheiden bedauern wir sehr und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 19. Februar, 1 nachmittags ö Uhr, auf dem Zentral-Friedhof in Friedrichs- 1 felde statt. Berlin, den 17. Februar 1913. Der Vorstand. Franz iSclinldt. Willy Scheel. Am Sonnabend, den 15. Februar, verstarb plötzlich an I Gehirnschlag der Rendant 2505b| Rudolf Aßmann. Der Verstorbene war Mitbegründer und langjähriger 1 Vorsitzender der Freien Vereinigung der Krankonkassen mit freier Arztwahl Berlins und der Vororte und hat in I dieser Eigenschaft mit allen seinen Kräften an dem Ans- 1 bau dieser Vereinigung gearbeitet und insbesondere die Geschäfte geleilet. In dem Dahingeschiedenen verlieren wir einen unserer 1 besten Berater und Mitarbeiter, dessen Rat und Tat uns[ stets gute Dienste geleistet. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet auf dem Zentral-Friedhof in 1 Priedrichsfelde morgen Mittwoch, den 19. Februar, nachmittags 5 Uhr statt. Die freie Vereinigung der Krankenkassen mit freier j Arztwahl Berlins und der Vororte. Der Vorstand. I. A.: A Daehne. tiermit die traurige Nachricht, am Sonnabend, den 15. d. M., nachmittags 5% Uhr, mein lieber Mann, unser guter Vater, Groß- vater und Schwiegervater Buüolk ißmaun im 56. Lebensjahre infolge eines Gehirnschlages sanst entschlafen ist. 'Dies zeigen, um stille Teil- nähme bittend, tiesbctrübt an Wllhelmlne Aßmann und Kinder, 2502b Zehdenicker Straße 10. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Februar, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoss in Friedrichs- selbe ans statt SoziaidemokratischerWatilverein l.d.yeH.Reiehstags-WaMkreIs. Todes-Anzcise. Am 15. Februar verstarb unser Genosse, der Ziendant Rudolf Aßmann Zehdenicker Str. 10— Bez. 490, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 5 Uhr von der Halle des Städtischen Friedhofes i» Fricdrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht "Der Vorstand. Am Sonnabend, den 15 b. M.. verstarb plötzlich an Gehirnschlag unser langjähriger Rendant und Kollege, Herr Ruüolk Äßmann. Iii dem Verstorbenen verliere» wir- einen jederzeit rechtschaffenen und ehrlichen Charakter. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 2503b Berlin, den 17. Februar 1913. Die Ansestellten der Ortskrankcnkasse d. Masciiioen- bauarbeiier d. verv. Gewerbe zu Berlin. ReDlseher Boizarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den llllrigliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermann Rosin RüderSvorser Str. 49. im Alter von 65 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den!S. Februar, nach- mittags 3-/. Uhr, von der Halle des Markus- Kirchhofes in WU- Helmsberg aus statt. 79/10. 01» OrUverwaltung. Am 16. Februar entschlief nach langem, schwerem Krankenlager mein lieber Mann, unser guter Vater,£ chtvagi:r,OnteI.SchwUger- oater und Großvater, der Maurer IKsH Ueckert. Dies zeigen tiesbetrübt an Äupste Deekert-M MW nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Februar, nach- mittags P/. Uhr. vom Trauer. Hause Birkenstraße 11 aus, nach de», St. Jobamfis-Kirchhose in Plötzensee statt. 43A SozialdernokratiscberWablvereiD liir Schöneberg. Bezirk L Am Sonnabend verstarb nach langen, schweren Leiden die Ge- nosfin, Frau Wilhelmine Rausch geb. von der Beide im 52. Lebensjahre. Ehre ihrem Andeuten! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 18. Februar, nach- mittags 2ll, Ubr, von der Halle des Wilmersdorser Friedhoses, Beilmer Str. 101, aus statt. Um rege Beieiligung erjucht Der Vorstand. SoziaidemokratisclierWalilvEfsin Renkölln. Am 16. Februar verstarb unser Parteigenosse, der Former Hermann Scharny (4. Bezirh. Die Beerdigung findet am H Mittwoch, den 19. d. MtS., nachmittags 3 Uhr. vom Gememde- Friedhos. Mariendorser Dez, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannter. die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Dnkel, der Kaffcnbeamte Hermann Schicker Rolherstr. 29 nach langem, schwerem Leiden am 15. Februar, mittags 12 Uhr, im Alter von 37 Jahren plötzlich ver- starben ist. Die tiestrauernden Hinter- bliebenen 2Sl8b W. Schicker und Frau, H. Tannenberg, geb. Schicker, 0. Schicker, J. Tannenberg. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 19. Februar, nach- mittags 4 Ubr. von der Halle des Zentralfriedhofes zu Friedrichs. selbe aus statt.. Zentraivertiand der Banilliiiigs- Bezirk Groft-Berliu. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, Karl HilBer (Bezirk Lichtenberg) am 10. Februar infolge eines Unglücksfalls verstorben ist. Ehre seinem Andenken!. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Hall« des Lichteuberger Fried- böses. Verl. Lückstraß«, aus statt. 228/16 via Oeleverwailunp Am Sonnabend verstarb»ach lange:-, schweren Leide-- meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Frau Wilhelmine Rausch geb. von der Beide im 52. Lebensiabre. Um stilles Beileid bitten . Zellmer. Kar, tolle u. Frau geo. Franke. eise Franke. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Februar, nach- I mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS EmmauS- Kirchhofes aus statt. Am Sonntag, den 16. d. Mis., abends 6 Uhr, entschlief nach lur- zem. schwerem Krankenlager unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Onkel und Schwager, der O bermaschinenmeister Bernhard Holz nach eben vollendetem 61. Lebens- jabre. 2515b Dies zeigen tiesbewegt an Die Hinterbliebenen. Berlin, den 17. Februar 1913. Rheinöberger Str. 15. Die Beeidigung findet am I Mittwoch, den 19. Februar, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen- Halle derZions-Gemeinde, Nieder- schönbausen-Nordend, aus statt. Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb am>6. d. M. unser lieber Kollege, der Obermaschinenmeister Herr IBemHurd Holz im 62. Lebensjahre. 24986 Wir verlieren in ihm einen guten Freund und Berater und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Das Personal derBuoh- und Steindruckerai Mar Lichtwitz. Am 15. d. MtS. entschlief sanft nach langen Leiden mein lieber Mann. unser guter Vater, Kratz- vater, Schwiegervater u. Bruder, der Maurerpolier August Kutzleb. Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 19. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- halle de- Thomas- Kirchboss aus statt. 64'A Die trauernden Hinterbliebenen. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß meine gute Frau, unsere Schwester, Schwägerin und Tanle Auua Öockemeyer geb. Meicher[1331 nach langen Leiden verstorben ist. Dies zeigt liesbetrübt an Hermann Gockcmeyer. Die Beerdigung sindet heute Dienstag, nachm. 2-/, Uhr, von der Leichenhalle des Neulöllner Fried- hois, Dlariendorser Weg, aus statt. die vielen Beweise herzlicher sowie für die reichen Für Teitnahme Kranz- und Blumenspenden bei dem Heimgänge meines lieben Mannes, des Formers Pnni Tfaetschkc sage ich allen Freunden und Be- kannten, sowie den Formern und Arbeitern der Firma h-auSschild. dem Deut chen Metallarbeiter- Verband, dem Äablverein des 4. Wahlkreises und dem Redner Herrn Melle am Grabe deS Entschlafenen meinen innigsten Dank. 243Sb Dw. Franziska Maetschke geb. Witte Eltern und Geschwister. Or.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntaes 10— 12. 2— 4 | Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb am Freitag, den 14. d. M., im 20. Lebensjahre unser lieber Kollege 2514b Collis l�snxberx. Die Kollegen der Vereinigle» Modellfabriken Berlins. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 18. Februar, nach- n-'ttags 4 Uhr. von d-r Leichenhalle des Danles-KirchhofeS, Reinicken- darf, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicker Teilnahme sowie die reichlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unteres unver- geglichen Vaters und Schwagers sagen wir allen Freunden und Be- kannten, besonders den Kollegen des Verstorbenen sowie dem Mufitverein unseren besten Dank. 32» H. Wiedemeier nebst Kindern und Verwandten. J. KurzbeiS, noss-scltnelderel Rosenitialer Str. Nr. 36, I Hackex-brr Markt Frankfurter Alles 104, parterre Ecke Fri demtr. RelnlckindorterStr Nr. 4,. I am Weildlngplat» Garbai Qualitai 3. ßtilnijt il«„llotlüiilö" fiftlintr Jlülkstilntl. D.-»»>.>».« Bus der Säuglingsfflriorge Berlins. lieber die S ä u g l i n gs k ü r s o r g e sie l le n, die von der Stadt Berlrn unterhalten weroen, finden sich ,n dem vor mehreren Wochen erschienenen Jahresbericht der Waisendeputation über das Verwaltungsjahr 1311(L April 1911 bis 81. März 1912) wieder, wie schon in oem über das vorhergehende Jahr, minder ausführliche Angaben als in den früheren Berichten. Das ist um so mehr zu bedauern, weil gerade für das Berwaltungsjahr 1911, das einen ungewöhnlich heihen Sommer brachte und die Säuglingsfürsorge- -stellen vor eine Bewährungsprobe stellte, eine besonders eingehende Darstellung über ihre Inanspruchnahme sowie über ihre Erfolge oder etwaige Mitzerfolge zu wünschen gewesen wäre. Als im Sommer 1911 die Säuglingssterblichkeit in Berlin plötzlich wieder eine ganz außerordentliche Höhe erreichte, wie sie seit Einrichtung der SäuglingSsürsorgestellen hier nicht mehr vorgekommen war, wurde in der Oeffentlichkeit die Frage aufgeworfen, welche Schlüsse daraus für den Erfolg der Säuglingsfürsorgestellen gezogen wer- den könnten. Aus jener vorübergehenden Mehrung der Säuglings- sterbefälle einen Mißerfolg der SäuglingSsürsorgestellen folgern zu wollen, wäre ungerecht und falsch gewesen, weil es sich ja um außer- gewöhnliche Verhältnisse handelte. Wundern muß man sich aber, daß jetzt in dem Bericht über die Säuglingsfücsorgestellen auf jene außergewöhnlichen Verhältnisse des Berichtsjahres mit keinem Wort hingewiesen wird, wie auch kein Wort über die in 1911 ein- getretene Mehrung der Säuglingssterbefälle in dem Bericht zu finden ist. Wir lesen da, daß die Frequenz der Säuglingsfürsorge- stellen, nachdem es in den Verwaltungsjahren 1999 und 1919 zu einem Stillstand gekommen war, in 1911„wiederum einen er- freulichen Aufschwung nach jeder Richtung hin" gehabt habe. Bon den sieben SäuglingSsürsorgestellen seien in 1911 „nicht weniger als 13 841 Säuglinge", gegenüber 13 991 in 1919, aufgenommen worden, so daß mit den aus 1919 übernommenen im ganzen 17 728 Säuglinge in Fürsorge standen. Eine Ver- gleichung der Aufnahmeziffer mit der Zahl der im VerwaltungS- jähr 1911 lebend geborenen Kinder ergibt, daß im letzten Jahr 32,1 Proz. der Lebendgeborenen, gegenüber nur 29,9 Proz. im vor- letztenJahr in die Säuglingsfürsorge kamen, mehr als in irgendeinem der Vorjahre. Hier möchte man gern toissen, wie stark die Sommer- monate an der Steigerung der Aufnahmeziffern beteiligt sind, aber »er Bericht schweigt darüber. Hervorgehoben wird, daß der Anteil derjenigen Kinder, die noch im ersten LebenSmonat den SäuglingSsürsorgestellen zugeführt wurden, wieder gestiegen ist. In 1919 standen 6195 aufgenommene Kinder im ersten LebenS- monat, 47,8 Proz. aller Aufgenommenen, in 1911 aber wurden unter den Aufgenommenen 6888 Kinder des ersten LebenSmonat? gezählt, 49,7 Proz. aller. Nachdem von 1999 zu 1919 eine Abnahme von 48,5 Proz. auf 47,3 Proz. eingetreten war, muß die in 1911 wieder zustandegekommene Steigerung mit Freude begrüßt werden. Je zeitiger ein Säugling einer Fürsorgestelle zugeführt wird, desto größer kann der Gewinn für ihn sein. Gestiegen ist wieder auch der Anteil der Brustkinder an der Gesamtzahl. In 1919 waren es 8368(63,8 Proz.), weniger als in 1999(damals 65,1 Proz.), in 1911 aber waren wieder 9993 Brustkinder(65,7 Prozent) unter den Aufgenommenen. Hiernach ist in 1911 wenig- stens die Anteilziffer von 1999 wieder erreicht und noch ein wenig überschritten worden. Wünschenswert ist, daß die Säuglinge möglich st lange in der Obhut der Fürsorge stelle bleiben, denn bei regelmäßigen. Besuch ist auf größeren Erfolg zu rechnen. Daß auch in dieser Hinsicht das Jahr 1911 günstiger als die früheren dasteht, hebt der Bericht hervor. In 1919 schieden aus der Fürsorge 3793 Kinder schon nach sieben Tagen wieder aus (29,9 Proz. der Neuaufgenommenen), in 1911 aber wurden bei nur 2594 Kindern(18,7 Proz.) die Fürsorgestelle nur für so kurze Zeit in Anspruch genommen. Eine vierwöchige Fürsorgedauer wurde in 1919 bei 6199 Kindern(47,3 Proz.), in 1911 nur bei 4473 Kindern (32,3 Proz.) festgestellt. Auch hier mühte noch vieles anders und besser fein, aber erfreulich ist immerhin die bisher erreichte Stei- gerung dieser Ziffern. Di« Leistungen der Füriorgestellen waren diesmal 174 996 Konsultationen, bei denen den Müttern unentgeltlich Rat erteilt wurde, 41615 Hausbesuche zu demselben Zweck, 194121 M. Still- Unterstützungen, die an 8964 Mütter gezahlt wurden, 291 478 Liter Vollmilch, 5982 Liter Buttermilch, 9999 Viertelliterflaschen Ciweiß- milch. Die Konsultationsziffer zu steigern, wäre Sache der Mütter, aber die ebenso notwendige Steigerung der Hausbesuchs- ziffer läßt sich nur erreichen, wenn die„Recherchedamen" vermehrt werden. Die Stillunterstützung belief sich im Durchschnitt auf 21,65 Mark pro unterstützte Mutter. 21.65 Mk. nicht etwa für den Monat oder gar für die Woche, sondern für die ganze Unterstützungsdauer. Auch hier ist ein Mehr dringend zu wünschen, wenn die SäuglingSfürsorgestcllen den Erfolg haben sollen, der dieser WohlfahrtSeinrichtung möglich ist. Der Bericht verrät nicht, wie hoch die Unterstützungsbeträge pro Woche waren. In der Regel werden wohl 2—8 Mk. gezahlt, da» ist eine Unterstützung, die einer ums Brot arbeitenden Mutter es nicht sonderlich erleichtern wird, ihr Kind mit der Brust zu ernähren und zu diesem Zweck z. B. ihre Aufwartcstellen preiszugeben. Ein« Mehraufwendung für die Säuglingsfürsorgestellen wird für da» Verwaltungsjahr 1918 beabsichtigt. Die im April 1912 von der Stadt Berlin eingeführte Berufsvormundschaft. die zur Erfüllung ihrer pflegerischcn Aufgaben sich auch der Säug- lingsfürsorge bedient, hat sofort eine sehr viel stärkere Inanspruchnahme der Fürsorge stellen bewirkt. Nachdem für die Mündel des VormundsdhaftSrnntes den Pflegemüttern die regelmäßige Benutzung der Säuglingsfürsorgestellen vorgeschrieben worden war, wurden schon in 1912 sogleich 3627 Säuglinge, die unter der Vormundschaft der Stadt standen, den Fürsorgestellen zugeführt. Die Sntwickelung der Berufsvormundschaft zwingt jetzt zu einer Vermehrung der Fürsorge- stellen schon deshalb, weil bei der bedeutenden Frcquenzsteige- rung die Räume nicht mehr genügen. Es sollen zunächst zwei neue Fürsorgestellen eingeriqret werden. Der Magistrat weist in seinem der Stadtverordnetenversammlung vorgelegten Antrag auch darauf hin. daß die zur Benutzung der Kürsorgestellen verpflich- teten Pflegemütter über zu weite Entfernungen klagen. Daß hier- über schon früher von vielen Müttern geklagt wurde und au» diesem Grunde ein« Vermehrung der Fürsorgestellen längst nötig war. ist im„Vorwärts" oft gesagt worden. Die beantragte Mehraufwcndung dient hauptfächlich zur Deckung der Kosten, die dadurch entstehen, daß die Säuglingsfür- sorge sich auf einen größeren Kreis von Kindern ausgedehnt hat, Zu wünschen ist aber, daß die Säug- MngSfürforge auch eindringender wird, wozu unter anderem eine Erhöhung der Stillunterstützungen erforderlich wäre. Gewiß, der Hauptzweck und Hauptwert der Säuglingsfürsorge- stellen liegt nicht in den paar Groschen bar Geld, die da den be- dürftigen Müttern mal gewährt werden, sondern in dem unent- zeitlich erteilten Rat über Pflege und Wartung der Säuglinge. Wenn aber die von den Fürsorgestellen so eifrig betriebene„Still- Propaganda" den rechten Erfolg haben soll, dann muß man der aufdämmernden Einsicht der Mütter mit einer reichlicheren Still- Unterstützung entgegenkommen. Der einzige Fortschritt, der jetzt den SäuglingSsürsorgestellen zuteil werden soll, ist die für beson- ders schwächliche Kinder beabsichtigte Ausdehnung der Fürsorge über das SäuglingSalter hinaus bis zur Höchstgrenze von l�h Jahren._ Partei- Angelegenheiten. ' 6, Wahlkreis.. Die Abteilungsversammlungen finden heute abend in den im Inseratenteile bekanntgegebenen Lokalen statt. Es werden belehrende Borträge gehalten, die verdienen, von den Genossen und Genossinnen besucht zu werden�_ Neukölln, Der Wahlverein hat zur Erledigung seiner Geschäfte im Hause Ncckorstr. 3 ein Bureau errichtet; dasselbe ist nachmittag« von 4—7 Uhr geöffnet. Alle Zusckiriflen und Geldsendungen sind an den Sekretär Hermann Radtke, Neckarstr. 3, zu richten. Gleich- zeitig verweisen wir auf die heute abend in Bartschs Festsälcn, Herniannstraße, stattfindende Generalversammlung des Wahlvereins. Auf der Tagesordnung steht: Stellungnahme zur KreiS-General- Versammlung und die Reorganisation der Partei in Groß-Berlin. Wilmersdorf-Halcnsee. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, sich heute, Dienstag abend 8 Uhr pünktlich in den Bezirks« lokalen einzufinden. Tempelhof. Mittwoch, den 19. d, M,, abends 8'/, Uhr, im Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9, öffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung: Bortrag des Genossen Emil Unger über: Die be- vorstehende LandtagS-Nachwahl." Diskussion. Die Parteigenossen wollen für regen Besuch der Versammlung agitieren. Lichterfelde. Am Mittwoch, 19. Februar, abends 8 Uhr, veranstaltet der hiesige BildungSausschuß im Saale von Richter, Chausscestr. 194, einen naturwissenschaftlichen Lichtbildervortrag über: „Die Abstammungslehre und ihre Beweise". Bortragender: Herr M. H. Baege. Billetts a 25 Pf. sind an der Abendkasse erhältlich. Die Arbeiterfugend hat freien Zutritt. Versäume niemand, für recht rege Beteiligung Sorge zu tragen. Heute abend 8'/s Uhr bei Fr. Wahrendorf, Bäkestr. 7: Außer- ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Mittwochabend 7 Uhr in allen Bezirken: Wichtige Flugblatt- Verbreitung. Die Zeit für die Urwahlen zur LandtagSerfatzwahl ist auf nach- mittag 4 Uhr festgesetzt. Steglitz. Heute Dienstag, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung von allen Bezirkslokalen aus. Material beiJäckel, Ecke Körner- und Althofstraße.— Mittwoch, den 19. Februar, abend« 8'/, Uhr. findet im„AlbrechlShof"(Zimmer 1) eine Sitzung statt, in welcher die Ar- Veiten für den Wahllag(29. Februar) verteilt werde» sollen. Wir ersuchen alle diejenigen Genossinnen und Genossen, welche sich am Tage der Wahl zur Verfügung stelle» wollen, zu erscheinen. Am Wahltage befindet sich das Wahlbureau im Restaurant Jäckel. Schmargendorf. Heute abend 7 Uhr von Restaurant Waldkater, Warnemünder Str. 14/15: Wichtige Flugblattverbreitung. Treptow-Baumschulenweg. Heute Dienstag, abends 7 Uhr, Ver- breitung der Aufforderungen zur Landtags- Ersatzwahl von den Bezirkslokalen aus. Borsigwalde- Wittenau. Donnerstag, den 29. Februar, bei Schulz, Wittenau, Hauptstraße: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: Vortrag des Stadtverordneten Genossen Glöckner über„EntwickelungSgefchichte des Sozialismus" und Verein«- angelegenheite». Potsdam. Morgen Mittwoch, abends 8'/, Uhr, in allen Bezirks- lokalen: Zahlabend.. Lerlmer JVaebnebten. „Patriotischer" Bilderdienst in der Volksschule. Die Volksschule hält es für eine ihrer wichtigsten Auf- gaben, die Kinder des Volkes nicht nur zur Gottesfurcht, sondern auch zur Monarchenverehrung zu erziehen. Das Er- gebnis ihrer Bemühungen ist jene(Sorte„Patriotismus", der in grenzenloser Bewunderung des Königs und feiner ganzen Familie, seiner Vorfahren samt seiner Nachkommen sich kundtut. Mit welchen Mitteln manchmal die„Patrioten"erzieh>lng be- trieben wird, davon ist uns in diesen Tagen eine sonderbare Probe bekannt geworden! Sie steht im Zusammenhang mit der Verlobung der T o ch t e r W i l h e l m s Ii. Die bürgerliche Presse hat versucht, durch ihr Jubelgeschrei über dieses Familienercignis so etwas wie einen „Volksjubel" zu wecken. Es war zu erwarten, daß auch in oen Schulen die Gelegenheit benutzt werden würde, dem Nach- wuchs des arbeitenden Volkes wieder mal das Königshaus in empfehlende Erinnerung zu bringen. In einer Gemeindeschule Berlins, in der 2 1 9. M ä d ch e n- G e m c i u d e s ch u l e (Glogauer Straße) hat die Lehrerin der Klasse III 0, ein Frl. T h o m m e n. die Kinder zu einer ganz aparten Ehrung der bräutlichen Prinzessin anregen wollen. Sie heftete an die Wand ein Bild der Braut, erzählte den Kindern von der Verlobung und knüpfte daran die Aufforderung, nachher sollten mal ein paar von ihnen vor das Bild hin- treten und zu der Braut sagen:„Wir gratulierenl" Ob sie denn auch wüßten, wie man dabei die Prinzessin an- reden müsse, fragte sie die Kinder. Als einige antworteten: «Königliche Hoheit!" nickte sie befriedigt:„Jawohl I" und sie fiigte hinzu:„Dann könnt Ihr auch noch einen schönen Knix mache n." Hat die Lehrerin angenommen, daß in der Pause die Mädchen sich darum schlagen würden, wer zuerst vor dem Prinzessinnenbild knixen dürfte? Als sie in »er nächsten Unterrichtsstunde fragte, ob die Kinder zu dem Bild gegangen wären und gratuliert hätten, erlebte sie ein? Enttäuschung. Keine der Schülerinnen hatte dem Bild die Reverenz erwiesen, keine hatte vor der Prinzessin geknixt und ihr„gratuliert"!„Warum denn nicht?" fragte das Fräulein. Da faßte eine der Schülerinnen sich ein Herz und beichtete: „Ach, die Kinder sagten: Das ist ja Götzendienerci I" Jetzt schien der Lehrerin ein Licht darüber aufzugehen, welche Ge- danken sie in den Kindern rege gemacht hatte. Sie brach ab: „Das war ja nur ein Scherz." Weiter nichts als ein Scherz—? Di« Perzögeruug der Festsetzung des FenenPlaneS für die Gr- meindeschulen durch da» Provinzialschultollegiu« führt zu recht im- angenehmen Weiterungen. Bisher hat das Provinzialschullollegium für sich das Recht in Anspruch genommen, den Ferienplan für die Gemeindeschulen zu bestimmen. Bis heute ist eine Veröffentlichung noch nicht erfolgt, obwohl das Kollegium sonst recht bald bei der Hand ist, weim es gilt, in die Berliner Schulverhältnisse hinein- zureden. Diese Verzögerung bringt die Schulkommisstvnen in eine recht unangenehme Lage. Diejenigen Eltern,, die ihre Kinder zur Schule anmelden wollen, müssen von den Schulkommissionen vor- läufig noch zurückgewiesen werden, weil die Herren Vorsteher in Ermangelung der Kenntnis des Ferienplanes den Schulschein mit dem Datum des Schulanfanges nicht ausfüllen können. Die Eltern sind oft der irrtümlichen Meinung, die Vorsteher der Schulkom- Missionen seien an der Verzögerung schuld, obwohl in Wirklichkeit die Schuld der Nachlässigkeit des Provinzialschullollegium» zuzu- schreiben ist. Die Einrichtung von BorbereituugSklasseu für die Sexten der höheren Lehranstalten schlägt der Magistrat von Charlotten- bürg den Stadtverordneten vor. Um den für die höheren Schulen bestimmten, begabteren Schülern der Gemeindeschulen eine schnellere Erlangung der Sextareife zu ermöglicheu, sollen sie»ach dem zweiten Schuljahre aus den Volksschulen ausgesondert und dann in den Vor- bereitungsklassen in einem Jahre biS zur Reife für die Sexta ge- fördert werden, so daß sie, während sie bisher 3>/z oder 4 Jahre bis zur Erlangung der Sextareife brauchten, bereits ip drei Jahren dasselbe Ziel' wie die Vorschüler erreichen können. Der Mä- gistrat erwartet hiervon eine gewisse Entlastung der Vorschulen. Diese sind namentlich im Westen der Stadt so überfüllt, daß sich der Magistrat genötigt sieht, die Errichtung einer neuen V o r s ch nie an der H e r d e r s ch n l e mit drei aufsteigenden Osterklässen vor- zuschlagen. Es soll aber das Ziel nicht aus dem Augs verloren werden, die Borschulen überhaupt eingehen zu lasten, sobald Er- fahruugen darüber vorliegen werden, daß die Gemeindeschulen ge- eignet sind, die Vorschulen nach allen Richtungen zu ersetzen.� Mit der Versicherung des Magistrats, man wolle das Ziel, die Vorschulen eingehen zu lassen, im Auge behalten, ist nichts getan, wenn man immer wieder neue Vorschulen eröffnet. In iiationnler Jugendpflege macht bekanntlich auch die Eisen- bahnverwaltung. Nachdem den„staatlich geförderten Vereinen für Jugendpflege" schon für den allgemeinen Verkehr Fahrpreisermäßigung zugestanden worden ist, hat jetzt bev Eisenbahnminister diese Ver- günstigung auch auf den Bereich der Berliner Stadt-, Ring- und Borortbahnen ausgedehnt. Be' gemeinschaftlichen Ausflügen von Pfadfindern, Jungdeutschlandbündlern usw., die das zwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben, unter Leitung sachverständiger Erwachsener wird in der dritten Wagenklasse der halbe Fahrpreis berechnet, jedoch beträgt der Mindestfahrpreis für eine Person und für jede in einer Richtung angetretene Fahrt 29 Pf. Die Ermäßi- gung wird unter Ausnahme der Sonn- und Festtage jedem Verein auf Vorortbahnen höchstens zwölfmal im Kalenderjahr gewährt, auch piuh die Mindestteilnehmerzahl 29 Personen betragen. Für jede andere Jugendpflege, die nicht auf Hurragebrüll geeicht ist. hat man nur Schikanierungen und Drangsalierungen übrig. Der Freien Jugend werden die oben mitgeteilten Ver- günstigungen versagt; ein Verfahren, das gegen den Grundsatz ver- stößt, nach dem das Publikum gleichmäßig behandelt werden soll. Es dürfte aber dazu beitragen, manchen die Augen über unsere heutigen Zustände zu öffnen. Vom ZweckverbandsauSschiiß. Unter dem Vorsitz des Ober- bürgermeisters Mermuth tagte gestern mittag im Berliner Rathaus der Ausschuß des Verbandes Groß-Berlin. Von dem Angebot des Fiskus, den Grunewald und andere Forsten für den Preis von insgesamt 53 Millionen Mark dem Zweck- verband zu überlassen, wurde Kenntnis genomnien, und dann die Beratung über diesen Gegenstand bis zur Vorlegung von weiterein Material vertagt. Abgelehnt wurde die von der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn beantragte Unterbrechung deS 10 Pfennig-Tarifs auf der Strecke durch den Tiergarten. Außerdeni hat der VerbandLausschuß mehrere beantragte Ver- änderungen von Polizeiverordmingen in Vororten begutachtet und im wesentlichen zustimmend erledigt. Ein /Leichensund auf dem Tempclhoser Felde, der am Sonntag- morgen gegen 9 Uhr in der Nähe des nach Neukölln führenden Eil'enbahndammeS gemacht wurde, führte zunächst zu der Annahme, daß ein Mord vorliegt. Die eingeleiteten Nachforschungen haben aber ergeben, daß eS sich um einen Selbstmord handelt, den der 39 Jahre alte Bierfahrer Richard Tietz au» Weißensee begangen hat. Tietz soll sich durch Beteiligung an dem Pferdesport durch Wetten in erhebliche Schulden gestürzt haben, aus denen er keinen anderen AuStveg mehr fand, als daß er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Das Geld, da« Tietz bei seinem Aortgange aus seiner Wohnung vor zwei Tagen bei sich trug, scheinen Fledderer ihm abgenommen zu haben. Die Schuldenlast des Mannes soll insgesamt 20 999 M. betragen haben, dieser also nicht mehr ein noch aus wußte, lieber seinen Aufenthalt seit seinem Verschwinden weih man bisher nur wenig. Festgestellt worden ist, daß Tietz sich am Sonnabend früh in zwei Lokalen in Tempelhof aufgehalten hat.> Die Unglücksfälle beim Van der Untergrundbahn hänfen sich in besorgniserregender Weise. Vom Sonnabend wird noch berichtet: Bei der Arbeit tödlich verunglückt ist Sonnabend vormittag der aus Neu-Zittan stammende. 34 Jahre alte Arbeiter Karl Kundt, der beim Bau des Spreetunnels der Hoch- und Untergrundbahn beschäftigt war. Kundt fiel vor einem Grundstück Neu-Kölln am Wasier in einen offenen Schacht und blieb besinnungslos liegen., Man brachte ihn nach dem Krankenhaus am Urban, doch verstarb er hier schon kurz nach der Aufnahm« an den Folgen des Sturzes. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Der Schneider als Korpsstudent. Pensionsschwindeleien in großem Umfange beging ein 28 Jahre alter Schneider Kurt Hirsch- fcld, der jetzt endlich unschädlich gemacht werden konnte. Hirschfeld mietete vornehm ausgestattete Zimmer und nannte sich bei den Wirtinnen Kurt v. Bodenstein. Er erzählte, daß er Kandidat der Medizin und zur weiteren Ausbildung in einem hiesigen Kränken- hause tätig sei. In seine Angaben setzten di« Vermieterinnen keine Zweifel, weil er s-hr fein gekleidet war, sehr vornehm auftrat und das ganze Gesicht voller.Scbmisie" hatte. Letztere Tatsache schien ihnen eine besondere Bürgschaft dafür zu sein, daß sie e« wirklich mit einem alten Studenten zu tun hatten. In vielen Fällen wählte der Gauner auch Ouartiere, in denen Verbindungen'hre Vereinslokale hatten. Unter der Vorspiegelung, daß sein Mon«lswechsel in den nächsten Tage» eintreffen werde. ließ er sich von den Wirtinnen Borschüsse geben. Hatten diese nicht genug Bargeld, so wußte er sie sogar zu überreden, für ihn ihre eigenen Gegenstände zum Versatz- amt zu bringen. Einer Frau, die durch die Post einen größeren Geldbetrag geschickt erhielt, stellte er sofort einen Wechsel au« und ließ sich das Geld geben. Nachdem er eine ganze Anzahl Ver- Mieterinnen hineingelegt hatte, lief er am Sonnabend einer Wirtin in die Hände, bei der er in der Nähe des Birchow- Krankenhauses gewohnt hatte, mit der Angabe, daß er dort Assistenz- arzt sei. Auch sie hatte er um einen größeren Betrag angepumpt und war dann heimlich verschwunden. Die Geschädigte, die inzwischen von der Kriminalpolizei erfahren hatte, daß sie e« nicht mit einem Herrn v. Bodenstein zu tun gehabt hatte, sondern einem geriebenen Logisschwindler, packte den Gauner auf offener Straße beim Kragen, machte ihm eilten großen Austritt und übergab ihn der Polizei. Der Schneider vertauschte auch in vielen Fällen Nadel und Schere mit Couleurband und Mütze und verschaffte sich Eintritt in Verbindungen, wo die Studenten ihn seiner vielen Schmisse wegen als gefährlichen Schläger ansahen. Die Narben, die sich kreuz und quer durch sein Gesicht ziehen, hat sich Hirschfeld aber nicht bei Mensuren, sondern bei einem gefälligen Barbier geholt. Bei lebendigem Leibe verbrannt ist ein Greis in der Palisaden- straße. Im ersten Stock des Seitenflügels im Hause Nr. 42 wohnte seit fünf Jahren der 71 Jahre alte Schmied Joseph Mikoijczack. Nachdem vor zwei Jahren seine Frau starb, wirtschaftete der alte Mann für sich allein. Trotz seines hohen Alters war der Schmied noch so rüstig, daß er in seinem schweren Handwerk arbeiten konnte. Seit acht Tagen ließ er sich aber auf seiner Arbeitsstelle nicht sehen. Man nahm an, daß er sich nicht ganz Wohl fühle und deshalb zu Hause geblieben sei. Im Hause selbst wurde er jedoch seit dieser Zeit auch nicht mehr gesehen. Nachbarn schöpften doch endlich Ver dacht und ließen am Sonnabendabend seine verschlossene Wohnung durch den Verwalter öffnen. Den Eintretenden bot sich ein schreck� licher Anblick. Auf dem Fußboden neben dem Bett lag die an den Händen und der Brust verkohlte Leiche des Greises. Daneben eine zerschlagene Petroleumlampe und eine zum Teil verbrannte Bett- decke. Der Befund ergab, daß der Tote ungefähr eine Woche dort gelegen haben muß. Allem Anschein nach ist die Lampe explodiert oder von Mikotjezack umgestoßen worden. Wahrscheinlicher ist, daß sie explodierte, als er sie in den Händen trug. Der Greis versuchte dann mit der vorgefundenen Bettdecke die Flammen zu löschen, was ihm aber nur zum Teil gelungen ist, weil die Schmerzen an den Händen und der Brust zu groß waren. Ohne Hilfe starb er dann unter den entsetzlichen Qualen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Tragischer Tod eines Flugschülers. Bei einem eigenartigen Un- fall hat am Sonnabendmittag der junge Flugschüler Max Priczinski auf dem Flugplatz Schulzendorf bei Tegel den Tod ge- funden. P., der in der Flugschule von Ramser in.Schulzendorf auf einem Haefelin-Eindecker ausgebildet wurde, hatte am Freitagnach- niittag Rollübungen vorgenommen, bei denen die Maschine in ein Loch geriet und beschädigt wurde. Priczinski wollte nun am Sonnabend den Schaden ausbessern und einige gerissene Spanndrähte durch neue ersetzen. Um die Enden der Drahtzüge zu verlöten, bediente sich der Flugschüler einer Acetylenlampe. Infolge unvorsichtiger Handhabung des Apparates flog der Verschlußdeckel der Lampe plötzlich ab, schlug gegen die Decke und stürzte beim Zurückprallen dem Flieger auf den Kopf. Priczinski wurde betäubt und fiel mit dem Kopfe auf den glühenden Lötkolben, so daß das Metall die Schädeldecke des Unglücklichen durchbohrte und seinen sofortigen Tod verursachte. Da bei dem Unfall niemand von den Monteuren zugegen war, blieb der Vorfall einige Stunden unentdeckt, bis schließlich ein Schlosser den Schuppen betrat und P. tot auffand. Die benachrichtigte Tegeler Polizei ließ die Leiche des Fliegers beschlagnahmen. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich der 26 Jahre alte Buchhalter Alfred Günther aus der Frankfurter Allee 73. Günther verlor vor 14 Tagen seine Stellung. Man glaubt, daß darin der Grund zu seinem Selbstmord zu suchen ist. DaS Walhalla-Theater am Weinbergsweg hat am Sonnabend unter neuer Leitung versucht, die durch die prekären Verhältnisse in letzter Zeit im Schwinden begriffene Gunst des Publikums sich er- neut zu erobern. Das unter der artistischen Leitung Rudolf Senius stehende Theater brachte unter dem Titel:„Parole Walhalla!" eine Revue heraus, die im Stile der Jahresrevuen im Meiropol- thealer gehalten war. Dort wie hier dieielbe Tendenz: Politische upd lokale Ereignisse in ernster und heiterer Form lose aneinandergereiht, mit guten und schlechten Witzen und Couplets und Duetts verbrämt, bilde» den Inhalt der Revue. die am Südpol ihren Anfang nimmt und in Berlin sich fortsetzt und endet. Als besondere Zugabe und Höhepunkt hübsche Balletts, in dem auch der Presseball Erwähnung findet, wobei die schwarze „Germania" sich mit dem roten„Vorwärts" das Raufen kriegt. Wenn auch mancher Kalauer, mit unterlief, so kann im großen ganzen gesagt werden, daß die neue Leitung sich �roße Mühe ge- geben bat, um das Theater wieder auf die Beine zu bringen. Jedenfalls unterhielt sich das Publikum köstlich, was nicht zuletzt der guten Aufführung der Herren Senius, Wehling uud der Damen Alberti und Bernardo zu danken war. Die Ausstattung war recht ansprechend. Dachstuhlbrand in Moabit. In dem Hause Emdener Straße 21 in Moabit kam gestern mittag kurz nach 12 Uhr ein großer Dach- stuhlbrand aus. Das Feuer hatte seinen Herd im Dachgeschoß des Vorderhauses und war bei Ankunft der Züge lö und 21 schon sehr weit vorgeschritten. Nach einstündiger Löschtätigkeit war die Gefahr beseitigt. Der Dachstuhl ist zu einem erheblichen Teil zerstört worden. Ueber die Ursache des Feuers konnten bestimmte Feststellungen nicht mehr gemacht werden. Vorort- N admcbteiK Die Wahlmänner-Ersatzwahlen zur bevorstehenden Landtagswahl im Kreise Teltow-Beeskow-Wilmersdorf finden in allen Orten am Donnerstag, den 20. Fe- b r u a r, statt. Die Wahlzeit ist in den einzelnen Orten durchaus verschieden. Die Wähler wollen daher das von der Sozialdemokratie verbreitete Wahlmaterial genau beachten, damit sie wissen, zu welcher Zeit und in welchem Lokal des betreffenden Urwahlbezirks, in dem sie wohnen, eine Wahl- männer-Ersatzwahl stattzufinden hat. Charlottenburg. Die Folgen einer»erpaßten Gelegenheit. Bekanntlich machten die„liberalen" Stadtverordneten eine kommunale Arbeitslosen- Versicherung für Charlottenburg aus dem Grunde zuschanden, weil sie befürchteten, daß durch eine städtische Zuschußunterstützung der in modernen Arbeiterorganisationen organisierten Arbeitslosen den freien Gewerkschaften ein größerer Mitgliederzugang eröffnet werden könnte. � Welchen Vorteil für die Stadt aber selbst eine solche Folge einer städtischen Arbeitslosenunterstützungszuschußeinrichtung haben würde, zeigt sich jetzt wieder. Da werden neuerdings für die insgesamt 2 163 110 Mark betragenden Ausgaben deS städtischen Armenwesens 110 120 M. Mehrausgaben gefordert. Und zwar werden diese Nachforderungen begründet einmal mit der all- gemeinen, immer weiter anhaltenden Verteuerung der Lebensmittel und der gestiegenen Mietspreise für kleine Wohnungen. Zum anderen aber mit der in der zweiten Halste des Jahres herrschenden Arbeitslosigkeit, die nicht allein im Bau- gewerbe,* sondern in fast allen Zweigen der für C h a r l o tt e n b u rg in Betracht kommenden In- dustrien sich geltend machte. Der für bare Unterstützungen aus- geworfene Betrag muß deswegen um 30000 M. erhöht werden.— Diese Nachforderung beweist, wie recht unsere Genossen mit ihren Hin- weisen hatten, daß,, wenn die Stadt nicht zu einer Arbeitslosen- Unterstützung kommt, sie eben auf dem Wege der Armenunterstützung das Versäumte nachholen muß. Nur, daß hierbei die Unterstützungs. empfänger der politischen Siechtloswerdung ausgesetzt sind und daß zum anderen die Stadt teurer dabei fährt. Denn wenn die Be- It.iU fürchtung der Liberalen sich wirklich erfüllt haben würde, daß die Gewerkschaften infolge des städtischen Zuschusses an Mitgliedern erheblich gewonnen hätten, so wäre die Stadt doch der gewinnende Teil gewesen. Denn nun wären die Arbeitslosen mehr den Gewerk- schaffen zu Lasten gefallen und die Stadt hätte sich damit begnügen können, diesen Arbeitslosen zu der gewerkschaftlichen Unterstützung einen Zuschuß zu geben.— Das aber wollten die„Liberalen" bis- her nicht einsehen, und das werden sie auch künftig nicht zugeben wollen, denn ihre Einsicht und Logik wird von der Angst vor dem doch unansbleiblichen Anwachsen der modernen Arbeiterorgani- sationen vollständig erdrückt. Der Berkauf des russischen Fleisches ist vom Magistrat bekannt- lich der Konsumgenosienschaft Berlin und Umgegend übertragen worden. Dieselbe verkauft das russische Fleisch täglich an jedermann zu den von dem Magistrat festgesetzten Preisen in folgenden Verkaufsstellen: Horstweg 24 und 30, Fritschestr. 53, Gocthestr. 61, Guerickestr. 26 und Nordhausener Str. 23. Außerdem wird am Dienstag und Sonnabend jeder Woche im städtischen Fleischschauamt, Spreestr. 30. russisches Fleisch verkauft. Der Verkauf hat sich in den letzten Wochen außerordentlich rege gestaltet, zumal die Güte des Fleisches außer jedem Zweifel steht. Neukölln. Ein neues Kapitel im Kampf gegen die Arbeiterjugend be- deuten die Maßnahmen der Polizei gegen den hiesigen Eltern- verein für Sport und Wandern. Der Verein hatte das ernste Bestreben, die Kinder der Mitglieder so oft als möglich in die freie Natur zu führen durch Veranstaltung von Ausflügen, und sie anzuhalten zu geselligem Spiel. Weiter wurde Körperpflege ge- übt. Das letztere hat es nun unserer Polizei angetan. Eines schönen Tages erschienen in den Lokalen von Petri und Dahlke, wo die Uebungsstunden abgehalten wurden, Kriminalbeamte und no- tierten die Spielleiter. Die Folge wad ein Verbot unter An- drohung von 00 M. Geldstrafe an die Spielleiter, weiter ohne Unter- richtsschein Turnunterricht zu erteilen, und ebenso an die Saal- inhaber für den Fall, daß diese weiter das Erteilen von Turn- Unterricht in ihren Sälen gestatten. Die Strafandrohungen stützen sich auf Verfügungen aus den Jahren 1830 und 1834. Nachdem der Verein sich nun ein anderes Lokal gesucht hatte und dort seine Uebungsstunden und Spiclabcnde fortsetzte, traten die Schul- behörden in Tätigkeit. In den Gemeindeschulen suchten Lehrer und Rektoren herauszubekommen, welche Kinder an den Veran- staltungcn des Elternvereins teilnehmen und in welchem Lokal der Verein seine Spielabende abhält. Ein Knabe, der nach einer vom Verein veranstalteten Partie erkrankt war. wurde auf die letzte Bank der betreffenden Abteilung gesetzt, angeblich, weil er mit seiner Ge- sundheit„geaast" habe. Der Rektor der 22. Gemeindeschule soll die Lehrer angewiesen haben, auf die Kinder vom Elternverein besonders zu achten, ob sie Müdigkeit zeigen oder ihre häuslichen Arbeiten ordentlich machten. Kinder, die erklärten, im Turn- verein Jahn zu sein, sollen unbehelligt geblieben sein. Es dauerte nicht lange, so erhielt der Lokalinhaber, in dem die Kinder und Eltern zusammenkamen, eine Strafandrohung von 90 M. für den Fall, daß er ferner dulde, daß in seinem Lokal Unterricht erteilt würde von Personen, die nicht im Besitz des Erlaubnisscheines seien. Dieses Verbot stützte sich auf die§8 11 und 8 der Regierungsinstruktion vom 23. Oktober 1817, Gesetzsammlung S. 208, und 8 48 der Verordnung vom 26. Dezember 1003, Gesetzsammlung S. 282. Oh- Wohl die Behörde den Nachweis, daß an die Kinder Unterricht er- teilt worden sei, nicht führen konnte, stellte sie eine solche Be- hauptung auf. Noch leichter machte es sich die Polizeibehörde mit dem nächsten Verbot an die Besitzerin des Lokales in der Stein- metzstraße 114. Dort übten die Kinder allein an den Geräten. Aber auch hier besagt die Strafandrohung, es sei festgestellt worden, daß in dem Lokal Turnunterricht erteilt worden sei. Wer eine solche Feststellung gemacht, wird nicht gesagt. Trotzdem die angeblichen Feststellungen den Tatsachen nicht entsprechen, genügen sie, um eine gute Sache unmöglich zu.machen..Glauben die, in Betracht kommenden Behörden, die Kinder der Mitglieder des Elternvereins werden nun den von der Regierung und den sonstigen Behörden unterstützten Vereinen zuströmen? Nein, die Arbeiter werden jetzt erst recht ihre Kinder darauf hinweisen, daß sie dort nichts zu suchen haben. Bringt die Polizei den Kindern nicht in der beut- lichsten Weise bei, daß wir in einem Klaffenstaat leben? Die Kinder haben ein zu feines Gefühl dafür, was es heißt, dem einen zu verbieten, was dem anderen im weitgehendsten Maße gestattet wird. Die Behörden können willkürliche Verbote erlassen, sie können jedoch die Eltern nicht hindern, ihre Kinder über die in ihrem Vaterlande herrschende schmachvolle Rechtsungleichheit auf- zuklären. Zur Förderung der genossenswaftlichen Propaganda findet am Donnerstag, den 20. Februar, abends'/z0 Uhr, in den Pasiage-Fest- sälen. Bergstr. 151/152, eine öffentliche Versammlung statt,'in der Reichstagsabgeordneter H. Pens- Dessau über das Thema:„Die wirtschaftliche Eroberung der Welt durch die organisierte Arbeiter- klaffe" referieren wird. Ober-Schöneweide. Die Gcmeindevertreterersatzwahlen der dritten Klasse hatten das Ergebnis, daß die Kandidaten der Sozialdemokratie Schwarz- bürg er mit 730 Stimmen im 1. Bezirk und Ni schon mit 672 Stimmen im 2. Bezirk gewählt�wurden. Die mit so vielem Tamtam präsentierten Kandidaten des Zentrumsvereins erhielten im 1. Bezirk 70 Stimmen sfür Schulte), im 2. Bezirk 75 Stimmen ffttr O l l e s ck). Somit ist die Gemeindevertretung wieder vollzählig. Die dritte Klaffe mit 3 Sitzen gehört der Sozialdemokratie. Adlershof. Aus der Gemeindevertretung. Die Anschlußarbeiten für die Regen- und Schutzwasserleitung für das kommende Jahr sollen ver- suchsweise in eigener Regie ausgeiübri werden. Ter Bebauungs- plan für das Gelände der Flugplatzgeiellschaft ist vom Zweckverband beanstandet worden, da offenbar ein Mangel an Freiflächen besteht. Die Gemeindevertretung beschloß, von dem Rechtsmittel des Ein- sprucks keinen Gebrauch zu machen, sondern zur gegebenen Zeit mit der Terraingesellschast über einen neuen Bebauungsplan zu ver- handeln. Zur Einführung der ersten Lesung des Etats gab der Bürgermeister Köhler einen kurzen Rückblick über das ver- flossene Geschäftsjahr. Er wies darauf hin, daß die von unseren Genossen beantragte Errichtung der Flußbadeanstalt jedenfalls Ende Mai eröffnet werde, auck iei mit den Vorarbeiten der zu errichtenden gewerblichen Pflichtforibildungsichule bereits begonnen worden. Es besteht die Möglichkeit, diese Schule schon im April zu eröffnen. Trotzdem also bedeutende Mehrkosten entstehen, sei es nicht nur mög- lich gewesen, den Etat mit 150 Prozent Zuschlag zu balancierqp, sondern auch noch die Grundwertsteuern derabzusetzen und die Kanalisationsgebühren zu ermäßigen. Genosse Zabel nahm Gelegen- best, verschiedene Uebelstände in den Gemeindeschulen zu kritisieren. Es sei sestgestellt, daß in der ersten Gemeindeschule in einer Klaffe der Ofen nicht geheizt war. die Kinder wären längere Zeit in der kalten Schulstube längere Zeit unterrichtet worden. Der Lehrer habe sich dadurch gegen die Kälte geschützt, indem er seinen Ueberzieher anbehalten habe, die Kinder dagegen hätten die Mäntel ablegen müssen. Auch die Treppen und Dielen sollen in dieser Schule von sehr schlechter Beschaffenheit sein. Als er und Genosse Petrich sich von dem Zustand in der Schule persönlich hätten überzeugen wollen, sei ihnen vom Rettor Krause der Zutritt verweigert worden. Auch die Klagen über Prügeleien wollen nicht verstummen. Von der 2. Gemeindeschule Mädchenschule) sei zu berichten, daß dort des öfteren Diebstähle an Kleidungsstücken der Kinder vorkommen. Es müssen Mittel und Wege geschaffen werden, daß die von den Kindern auf den Korri- doren abgelegten Mäntel usw. gegen Diebe gesichert werden. Von unserem Redner wurde ferner verlangt, daß die fingierte Steuer im Betrage von 420 bis 900 M. nicht zur Erhebung gelangt. Sei ' es möglich, die Grundwertsteuer für bebaute Grundstücke herabzusetzen und damit den Grundbesitz um mehr als 16 000 M. zu entlasten,, so müsse es auch möglich sein, die Aermsten der Armen zu schonen. Genosse Zabel wies ferner darauf hin, daß die von den Arbeitern gestellten Anträge auf Lohnerhöhungen beim Voranschlag nicht be- rücksichtigt worden seien; er hoffe, daß in den Kommissionsberatungen sich noch Gelegenheit bieten werde, die Wünsche der Arbeiter zu er- füllen. Als ein Schmerzenskind wurde vom Redner die Feuerwehr bezeichnet. Bereits im vorigen Jahre sei von den Vertretern der dritten Abteilung die schlechte Beschaffenheit der Löschgeräte und auch des Meldewesens gerügt und die Bildung einer besonderen Kommission angeregt worden. Diese Kommission sei wohl gebildet» die erwünschte Aenderung und Abhilfe aber ausgeblieben. Alle von den Mitgliedern der Feuerwehrkontmission gemachten Vorschläge haben bis jetzt noch nicht einmal die Gemeindevertretung passiert, trotzdem dieKommissionssitzung schon im Oktober v. I. stattgefunden hat. Redner nahm noch Gelegenheit, beim Kapitel höhere Schule auf eine Angelegenheit bei der vorjährigen Etatberatung zurückzukommen. Die Lehrerinnen der höheren Schule petitionierten 1012 um eine Gehaltsaufbesserung. Mit ihrem Gesuch wandten sie sich auch an> die Gemeindevertreter der dritten Abteilung. Dies wurde ihnen von der Behörde sehr verargt. Von einer Seite, die berufen wäre» die Selbstverwaltung zu wahren, wurde die Schulbehörde von dem „Vergfehen" der Lehrerinnen benachrichtigt, welche ein Verfahren gegen die„Sünder" einleitete. Letztere mußten sich unterschreiben, niemals wieder an die bösen Sozialdemokraten Gesuche usw. zu schicken. Unser Genosse bezeichnete dieses Gebaren als ein der Selbstverwaltung direkt entgegenstehendes und verwahrte sich ganz entschieden gegen ein derartiges Vorgehen. Von den bürgerlichen Rednern wurden die Lehrer gegen die Ausführungen Zabels in Schutz genommen— ohne Prügel soll es in den Gemeindeschulen, nach Ansicht einiger Redner, absolut nicht gehen. Im großen und ganzen schien man mit den Ausführungen unseres Redners ein- verstanden zu sein. Auch die Anregung, die fingierten Steuersätze von 420 bis 000 M. nicht zu erheben, wurde von einem der bürger- lichen Redner begrüßt; nur bezweifelte er, daß es möglich sein werde, den eventuell dadurch entstehenden Ausfall des Steuersolls noch in irgend einer Form auszugleichen. Johannisthal. Ueber die bevorstehenden Landtagswahlen sprach in der Mitglieder- Versammlung deS Wahlvereins Gen. Gonschur. Gen. Steuer machte hierauf auf die am 20. Februar stattfindende Ersatzwahl der Wahl- männer aufmerksam. Tie Terminswahlen sind angesetzt für die dritte Klasse von 2—7 Uhr nochmittaas, für die zweite Klasse von 7— 7>/z Uhr und für die erste Klaffe um 7'/s Uhr. Redner ersuchte die Genossen, die Wähler auf ihre Pflicht auzmerksam zu machen. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Getroffen Steuer und Müller delegiert. Röntgental» Zepernick» Buch. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung unter anderem mit der Einrichtung einer Pflicht-Feuerwehr. Bisher bestand nur eine Freiwillige Feuerwehr. Diese Wehr. ist jedoch bis auf einige Mitglieder zusammengeschmolzen, angeblich, weil der Leiter derselben in die Mannschaft einen ge- wissen Drill hineinbringen wollte. Eine vom Gemeindevorsteher einberufene öffentliche Versammlung der Mannschaft erklärte sich für eine Pflichtfeuerwehr. Zu der Frage, wie die Gemeinde- Vertretung über die Organisation der Feuerwehr denkt, äußerten sich unsere Genossen dahin, daß, wenn die bisher bei der Wehr vor- herrschende militärische Behandlung wegbleibe, genügend Personen sich zur Pflichtseuerwehr melden würden. Ein Herr von der Ver- tretung war sogar der Ansicht, daß Personen, die zum Dienst herangezogen, selbigen aber nicht ausführten, mit 3 M. Strafe be» droht werden sollten. Ihm trat der Gemeindevorsteher entgegen, indem derselbe meinte, daß es auch ohne Strafe gehen könnte. Der Antrag über den weiteren Ausbau der Pflicht-Feuerwehr wurde einstimmig angenommen. .Ein. Antrag unserer Genossen, die Straßenlaternen da» ganze Jahr hindurch bis 12 Uhr abends brennen zu lassen, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen und die des Herrn Pankltnmbge- lehnt. Dagegen ein Antrag des Herrn Kretschmcr, die Straßen- laternen acht Monate hindurch brennen zu lassen und nur die beleb- testen Straßenecken bis 12 Uhr nachts zu beleuchten, gegen die Stimmen unserer Genossen und die des Herrn Pankltn ange- nommen._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Ricder-Schönhause«. Heute Dienstag, nachmittags 6 Uhr, int Rathause. Herzfelde. Heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr, im evangelllchen Ge- meindehause. Hauptstraße, am Ktrchplatz. Tiefe Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist bc- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Murktpretse von Berlin am IS. Februar 1013. nach Ermiltcwngen deS löntgl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 13,54 bis 13,50, miitel 13,42—13,48, gerinZe 13,30—13,36 Roggen, gute Sorte Ig.gg—.—, mittel—, geringe,(ab Bahn). Futter. gerfte, gute Sorte 17,00—17,60, mittel 16,30—16,90, geringe 15,60—16.20. �afer, gute Sorte 18,30— 20,30, mittel 16,50— 18,20(frei Wagen und ab � M arkthallenpreife. 100 Kilogr. Erbfen, gelbe, zum Kochen 30,00—50.00. Sveifebobnen. weiße 35,00- 50,00. Linien 36,00—60,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 6,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindsteiich, von der Keule 1 qg— 2,40. Rindsieifch. Bauchsicifch 1,30—1,80. Schweinesieiich 1,60—2.10. Kalbfleuch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2.40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eiet 4.00— 6,00. I Kilogramm Karpien l. 40— 2.40, Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1.00—2,40. Schleie 1,60—320. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs« 4,00—24,00. WttrerungSüberficht vom 17. Februar 1913. £11.-|«l (2 61 o=!« Stationen|EÄ H~ Z» Vetter 2= a® a -Ha* igl Ii Swinemde.!771 OSO Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 763 767 765 765 767 ONO O NO O SO »w a-. »II l? mS» 4 wolkig 3!bcdeckt 3|b«deckl 1 Schnee 5>wolkig Ihalb bd. —2 1 — 1 0 —5 SZj«j "S C A S i«! « tattonen � 5| S"«euer £ B, 8 2 H;, ¥u II W Jä] äs >aparanda Petersburg Scillp Aberdeen Paris 767 SW 771 W 767p 774ISIO 765.NNO 3swolkenl Lchedeckt 4>halb bd. Ijwolkig 2 dedeckt -3 —5 5 4 -1 Wetterprognose für Dienstag» den 48. Februar 1913. Trocken und vielfach heiter, nachts ziemlich strenger, am Tage mäßiger Frost bei irischen östlichen Winden. ,.- ■oertlner Wetterbut l r o a u. Wasierftauds-Rachrichten der Land eSanftatt sür Gewässertundc. mugeteitt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e t, Tilsit P r e g e l. Jnfterburg Weichsel. Thon, Oder. Ratibor , Krossen . Frankmrt Warthe,«chnmm Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, L-itmeritz Dresden . Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') BeeSlow Weser, Münden , Mmden Rhein, MaximManSau , Kaub Köln Neckar, H-iwronn Main. Hanau Mosel. Trier >)-s- bedeutet Wuchs,— Fall.— st Unterpegel.— st GrundeiS. treiben.— st EiSstand.— st eisfrei.— st Treibeis. Lerantwortlicher Sie nriiimuimiiiinniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiinitiiiHiiiiiiiiitmnntimiiiiiiil Dlmfar. Prclillstc Ober andere Sprech- Apparate, sowie über/ Violinen, Celli, Mandollnen, Gvllarren, Zithern, spielende Musikwerke ratfs. sich diesen Apparat sofort kommen! Sie brauchen bei» Qeld da�u Wir senden denselben kostenlos Tage zur Probe nebst 20 ausgewihlten Stücken auf 10 doppelseitigen 29 cm großen Paihö Platten.— Haben Sie schon einmal Pathe- Platten gehört? 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Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 3 Uhr: Oer Hede Augustin. 8 Residenz-Theater,„"r Uhr Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwant i. 3 All v.Henncquin u. Veber. Morgen und folgende Tage: Tie Zfonti Präsidentin. Walhalla-Theater keinbergSweg 19/20. Rosenthal. Tor Täglich abends 8'/, Uhr: „Parolei Walhalla!" Große Jahres-Nevue. Ab 8 Uhr: Ein beispielloser Erfolg! Die groSen Spezialitäten. 9 Uhr: Harry Waiden in seiner Groteske „Der Herzog von Westminster.' Dentnches SchaoHpicIhaas 8 Ubr: Der gute Ruf. Luisen-Theater. Dienstag, abends 8 Uhr: „Und hätte der Liebe nicht...« Schauspiel in 4 Alten von E. Krickeberg und Ernst Rittcrseldt. Mittwoch und folgende Tage, abends 8 Uhr: „Und hätte der Liebe nicht...* I0SE=THEATE Grosie Frankfurt er Str. 132. 'Mein Leopold. _ Volksstück m. Ges. ln 3 Allen— von Adolph L'Arronge. Musik o. Bial. Mitlw.: Der Widerspensligen Zähmung. Donnerstag zum erster Male: Der Weg znm Himmel. JKetropol-Theater. Chauffeur- ins JÄetropol! Große JabreSreoue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Ott« üeutter a, G. Abends 8 Uhr: Raulben gestattet. Urania Wissenschaftliches Theater. TanbenntraBe 48/10. Abends 8 Uhr: Die Weltmacht des Eisens. Voigt-Tlieater. Gesundbrunnen, Badstrafte 58. Morgen Mltwoch, den 19. Februar: EUrster« Trade. Sensai.Vollsst. i. 4 Akt. v. M Mannstädt. Kassenerössn. 7 Uhr. Ansang ä1/, Uhr. Bora» zeige! Mittwoch, 2S. Febr.: Benefiz für Franz Rühle: ,.im Banne der Liebe und des Hassea." Reichshallen-Thealer Stettiner Sänger. Neu! Humoreske. Anfang 8 Uhr. :: Berliner;; Konzerthaus Jk..«Ion" ■ MauerstraBe 82.— ZimmerstraSe 90/91. :: Großes Doppel-Konzert!:: kinsikc. Kaiser-Frans-Kcgiments, Dirig.: Oberm. Becker. Zillerthaler und Tegernseer Sänger—— Schuhplattler und Jodler I Mieb von Drei-Königsbier, dem IM aller Miineb. Doppelbiere. Anfang S Ehr. Eintritt ,« Pf. Anfang 8 Erhr. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/1141 Heute Dienstag, den 18. Febrnar 1013: GUte- 7ag! 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Februar, abends v1/, Uhr: Neu! Der Koptstnrs Neu! dareta die Tischplatte, ausgeführt von Mr. f. Nuller. Neu! Neu! Der mysterltf se Decken- IttuterT Neu! Md. Detita del'Oro Neu! mit ihren dressierten KOhen! sow. d. ges. gr. Galaprogramm. Zum Schluß: Die groSe Prunk-Pantomime „Serilla�. Trianon-Theater. Wenn Frauen reisen. Ansang 8 Uhr. Folies Capriee. Ansang 8'/, Uhr. Die drei Saison- Schlager: In Sachen K.iftenstein, Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Gssino- VZHssloc Lotertnger Str. 37. Täglich 8 Ubr: Allabendlich iv» Borbet. Oranien- strage(Moritzvlatz) 58, Fabritgebäude. liefert al» Spezialität: Ein- und Zweizimmer- Einrichtungen. Größte Auswahl. 9 Etagen in 2 Fabrik- gebäuden. Billigste Preise. Ein Zimmer und Küche 230.—. 335,—, 407,—. 475.—, 496.—, 587,—. 574—, 609,—, 651,— bi» 1000,—. Zwei Zimmer und Küche 445, 536,—, 640.—, 690.—, 756.-, 895.—, 939.— 1035,—, 1106,— bis 2000,—. 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