Kr. 43. flbonnemcnts-Bcdingunsen: Abonnements- Preis vränumerando: Vierteljährl. i'-ZQ MI., monatL 1,10 MI.. wüchemlrch 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags- liununer mit illuslricrter Sonntags- BeUcge„Die Neue NlelT 10 Pfg. Post- klbonncment: 1.10 Mar! Pro Neonat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige AuSIaitd 3 Marl pro Dlonat. PostabonncmcntS ncbmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Cridjcilit Ugli» außer montags. Berliner VolKsblntt. Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Dcutfchlands. Die Tnicrtions- Gebühr beträgt für die fechsgefpaliene KoloucI- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für rolttische und gewertschaftlichc Bereüts- und Bcrsammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „kleine)sn:eiscn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellengesüchc und Schlafstellenau- zergen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort k> Pfg, Worte über 15 Buch> staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Detcgramm- Adresse: „SotialiUmokrat Rtrlin", Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Morittplat?, Nr. 1983. Donnerstag, den ÄlK Februar 1913, Expedition: 8M. 68» I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt MoriNPlai?. Nr. 138t. Kit gelinkten Ratten. Herr Peter Spahn, der Vorsitzende des Zentrums, teilte am Mittwoch bei der Begründung des Initiativantrags des Zentrums auf Aufhebung des Jefuitengcsetzes der auf- horchenden Mitwelt mit, daß ein gleicher Antrag des Zen- trums schon einmal vom Deutschen Reichstage angenommen worden fei. Es gab allerdings einige Leute im Reichstage, denen dieie Tatsache nicht ganz unbekannt war. die sie aber für weit weniger erstaunlich fanden als die weitere Tatsache, daß diesem Antrage des Reichstags der Bundesrat bisher noch nie- mals zugestimmt hat. Gewiß ist der Reichstag in diesem Punkte von den Verbiindeten Regierungen nicht gerade verwöhnt worden. Es ist das Schicksal der meisten guten Anträge des Reichstages— und das sind stets solche, denen die Sozial- dcmokraten zur Mehrheit verholfen haben—. daß sie im Papierkorb des Bundesrats ein für einen modernen Ver- fassungsstaat doppelt unrühmliches und beschämendes Ende finden. Aber es hat Zeiten im Deutschen Reiche gegeben, in denen Herr Peter Spahn nicht in der etwas ungewohnten Rolle eines Bannerträgers der Opposition vor dem Reichstage stand, sondern in denen er als mächtiger und einflußreicher Nebenregcnt des Deutschen Reichs die Entscheidungen des Reichstages und der Reichsrcgierung beeinflußte, sie oft genug sogar dirigierte. Warum hat in diesen langen Jahren, die ungefähr ein halbes Mcnschenalter umfaßten, das Zentrum nie daraus gedrungen, daß seine Jesuitenwiinsche erfüllt wurden? Es kann keinerlei Ausrede zugelassen werden, daß es damals nicht die Macht dazu gehabt hätte. Es hatte die Macht. Aber es hatte damals nicht den Willens Und warum wollte das Zentrum nicht? Die gegen- wältige politische Situation gibt die Antwort. Das Zentrum brauch! das Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten viel dring- licher, als es jeinals die Regierung gebraucht hat. Es ist das unübertreffliche Mittel der Zentrumsjesuiten, die katho- tische Volksseele zum Kochen und wenn es sein muß zum Ueberlaufen zu bringen, sobald einmal durch eine parlamen- tarische Machtverschiebung das Zentrum aus seiner nur widerwillig ertragenen parlamentarischen Vorzugsstellung ver- drängt wird. Diese politische Sachlage haben wir seit den letzten Neu- Wahlen. Und fast vom gleichen Tage an kokettiert das Zen- truni wieder nnt den„verfolgten" Jesuiten. Es benutzt sie mit nicht geringem jesuitischen Geschick, die politische Situa- non zu verwirren, die politischen Gewässer zu trüben, um bei solchen! allgemeinen Durcheinander die verlorene Position wieder zu erobern. Wenn der Kanzler des Deutschen Reiches gewitzter wäre, als es seine bisherigen politischen Großtaten haben erkennen lassen, so wäre er am Mittwoch im Reichstage erschienen und hätte dem Zentrum kühl erklärt, dckß allerdings ein so lächerliches, auf nichts begründetes und tatsächlich unwirk- sames Ausnahmegesetz wie das Jesuitcngesetz wert sei, so schnell wie möglich im Orkus der Vergessenheit zu verschwin- den. Eine größere Verlegenheit hätte er den Zentrums- jesuiten gor nicht bereiten können, wenn sich diese Verlegen- hcit auch im ersten Augenblick hinter lauter Jubelhymnen schamhaft verborgen hätte. Es wäre dadurch dem Zentrum sein vorsichtig ausgeklügeltes politisches Kalkül gründlich verdorben worden.> tso aber hat die erleuchtete Regierung des Deutschen Reiches das dümmste getan, was sie tun konnte: sie hat sich überhaupt nicht blicken lassen, dadurch nebenbei auss neue dem Parlamentarismus des Deutschen Reiches einen Fußtritt versetzt— was vielleicht ihre wohlerwogene edle Absicht war—, vor allen Dingen aber dadurch dem Zentrum den Trumpf' in die Hände gespielt, den es brauchte, um seine gegenwärtige jesuitische Politik ohne Aufenthalt und ohne Umstände fortzusetzen. Vielleicht paßt das allerdings auch in die Pläne der Re- gicrung. Vielleicht spielt sie gar insgeheim mit dem Zentrum zusammen. Vielleicht haben sich beide aber dabei in die Karten geguckt und suchen nun durch ein scheinbar feindliches, in Wirklichkeit aber aebeim verabredetes Gegeneinander- arbeiten einen Dritten zu prellen. Wer ist dieser Tritte? Der konservative Bundesbruder? O nein! Er steht zuwartend beiseite und bewundert im stillen die geschickten Jesuitereien seines schwarzen Biock- bruders. Sollen die Nationalliberalen über den Löffel bar- biert werden? Wohl kaum. Sie sind als Dritte im Bunde für die eigentlichen Pläne, die iin Hintergründe schlummern. ganz gut zu gebrauchen. Das bißchen Theaterdonner, mit dam sie sich heute gegenseitig zu erschrecken versuchten, ist schnell vergessen, sobald erst die Bahn für die späteren Pläne frei ist. Vielleicht sollen die Fortschrittler ein wenig an die Wand gedrückt werden. Aber das wäre höchstens ein nicht uner- wünschtes Nebenergebnis des eigentlichen Zweckes. Die höhnische Art. mit der am Mittwoch Herr Gröber vom Zen- trum den Pimperl Wichtig der Fortschrittler, Herrn Müller- Meiningen, ablausen ließ, verriet keine besondere Angst vor den freisinnigen Mannesseelen. Bleibt noch die So z i a l d e m 0 k r a t i e! Bleiben die roten Hundertzehn im Reichstage! Und in der Tat läuft letzten Endes die Taktik des Zentrums darauf hinaus, durch irgendeinen politischen Handstreich die starke sozialdemokra- tische Partei zu schwächen und die politischen Machtverhält- msse im Reichstage wieder so zu verschieben, daß das Zentrum die ausschlaggebende Partei ist, ohne deren Willen kein Haar am Haupte eines Regierungskommissars fallen darf. Dann ist die Bahn frei für volksfeindliche_ Politik mancherlei Art. denen im gegenwärtigen Reichstage die starke sozialdemokratische Fraktion immerhin einige kräftige Riegel vorschieben kann. Dann kann der neue Zolltarif in allen seinen Teilen so eingerichtet, verbessert und„lückenlos" er- gänzt werden, daß die Eochutzzöllner aller Eoorten ihre helle Freude daran haben. Damit aber die Massen des arbeitenden Volkes sich noch weniger als bisher gegen die schutzzöllnerischen Raubzüge zu wehren in der Lage sind, kann in dem neuen Reichstage die geplante StrasrechtSreform so zurechtgestutzt werden, daß sie besondere Streikposten- und Arbeitswilligen- gesetze überflüssig macht. K 0 n sl i kt s lu f t'weht i m � Rei chs t a g e. Die kommende Reichstagsauflösung wirft? ihre Schatten immer sichtbarer voraus. Trotzdem sich die Sozialdemokratie über die eigennützige, hinterhälterische Taktik des Zentrums durchaus im klaren ist, konnte sie sich über ihre Haltung dem Jesuitenantrage des Zentrums gegenüber nicht einen Äugenblick ini Zweifel sein. Unser Genosse Hoffmann- Kaiserslautern hat in einer ganz vorziiglichen Rede, die ihm und der Partei um so mehr Ehre machte, als sie seine erste Rede im Reichstag war, den grundsätzlichen Standpunkt der Sozialdemokratie scharf und klar, witzig und rücksichtslos in der Aufdeckung der Zentrums- jesuiterei vertreten. Und Genosse E r d m a n n hat in einigen kurzen, aber außerordentlich glücklich und durchschlagend pointierten Sätzen ergänzt, was aus der Debatte heraus noch vom sozialdemokratischen Standpunkte aus zu sagen war. Die Sozialdemokratie ist gegen Ausnahme- gesetze, grundsätzlich und ohne Vorbehalt, mag sie sich in der Minderheit oder in einflußreicher Mehrheit befinden, mögen die Ausnahmegesetze gegen sie selbst gerichtet sein oder ihr ausnahmsweise selbst zugute kommen. Von solcher grundsätzlichen Stellung läßt sich die Sozialdemokratie auch durch keinerlei zufällige politische Konstellationen und durch keinerlei Konjekturalpolitik abbringen. Aber für die Genossen im Lande heißt es: d i e Au ge n offen und das Pulver trocken halten! Ueber Nacht können wir wieder aus dem offenen Blachfeldc stehen. Und daher gilt die Losung: Bereit sein ist alles! CsDätaiiswahl in Celtow-ßeeskow' Storkow. BiUior der preußische Landtag Ende April oder Anfang Mai seiner Auflösung Herfällt, um einem neuen Landtag, leidet auch nur wieder einem Dreiklassenparlament Platz zu machen, soll im Wahlkreise Teltow-Dccskow-Ztorkow am heutigen Doimerstag noch eine Ersatzwahl für den verstorbenen Avgeord- ncten Fclisch stattfinden. Daß der neue Abgeordnete nur eine flüchtige Gastrolle in dem alten Hause spielen wird, ist nun weit weniger absurd, als der Umstand, daß Die Wahl zum weitaus größten Teile nicht von Wahlmännern vollzogen werden tpird, die zum Zwecke dieser Ersatzivahl zu wählen sind, sondern weitaus zur Hauptsache von Wahlmännern, die bereits im Jahre 10 08 aus der damaligen Urlvahl hervorgegangen waren! Auch diese Bestimmung, daß nicht nur für die Frist von einem Jahre, sondern für die ganze fünfjährige Legislaturperiode die einmal gewählten Wahlmänner das Recht der Abgeordnctcmvahl behalten, fügt sich durchaus organisch in den ungeheuer- ltchen Widersinn und die skandalöse Rechtlos- m a ch ii n g der breiten Massen der Wähler ein, die zum Wesen des preußischen Dreiklassenwahlrechts gehören! So kommt es denn, daß von den insgesamt 1086 Wahlmännern bei der diesjährigen Ersatzwahl umnittclbar am Ende der fünfjährigen Legislaturperiode nur 600 neu zu wählen sind, die sich auf etwa 800 Ortschaften verteilen. Und um dieses abschreckende Bild einer reaktionären Karikatur»uf ein wirkliches Wahlrecht zu vervollständigen, sei iwch hinzugefügt, daß in den größeren Gemeinden F r i st wähl stattsindet, daß aber in zahlreichen anderen, darunter noch ganz respektabel großen G e in e. i n d c 11 auch Termins Wahl vorgeschrieben ist, durch die die Wähler stunden- lang an das Wahllokal gebunden sind. So zeigt dieser Wahlakt im kleinen die Un- s i n n i g k c i t und totale Un Haltbarkeit des prcußi- s ch e n W a h l s Y st c m s l Und die proletarischen Wähler, die morgen zur Wahchandlung schreiten dürfen, geben durch ihr Votum nicht nur ihre Stimme für sozialdemokratische Wahlmänner ab, sondern erheben durch dies Votum gleichzeitig n ach- drücklichst cn Protest gegen das elendeste und s ch i k a n ö s c st c aller W a h I s y st e ni e selbst! Bei der letzten Landtagswahl im Jahre 1908 wurden in Teltow-Bceskotv in der Hauptwahl 618 konservative, 182 liberale und 402 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Ter Liberalismus, wenigstens das„Berliner Tageblatt", gibt diesmal der Hoffnung Ausdruck, daß die 180 Stimmen gegenüber dem konfer- Dativen Kandidaten von den Liberalen geholt werden könnten, wenn die liberalen Wähler vollzählig zur Wahl gingen. Ob diese Hoss- nung sich erfüllen wird, wollen wir abloarten; aber die Mahnung möchten wir auch den sozialdemokratischen Wählern er- teilen, daß sie sich durch nichts abhalten lassen dürfen, morgen ihre Stimme für die sozial- demokratischen Wahl männer abzugeben! Im Jahre 1008 siegten die ölonservatwcn bei der engeren Wahl mit 612 Stimmeki über den freisinnigen Kandidaten, der 481 Stimmen erhielt, trotzdem Liberale und Sozial- demokraten damals den bei dem ersten Wahlgang aufgebrachten 618 konservativen Wahlmännern zusammen nicht weniger als 884 Wahlmänner gegenüberstellen tonnten. Hätte damals der Freisinn soviel Mut und prinz. pielle Ehrlichkeit besessen, um der Sozialdemokratie eins der beiden Abgeordnctcnmandate des Kreises abzutreten, so wäre es zu einem frcisinnig-sozialdem» kratischen Stichwahlbündnis gekommen, durch das den Konser- v a t i v e n zwei Ai a n d a t e entrissen wobdcn wären. Bon der Haltung des Freisinns wird es auch diesmal abhängen, ob in Teltow-Beestow ein erster Vorstoß gegen die wahlrechtSfeind- liche Reaktion unternommen werden soll. Versagt diesmal der Freisinn, so wird das auch für die Hauptwahlen nicht ohne ernsteste Bedeutung sein! i_ Der rumänisch-bulgarische Konflikt. Der rumänisch-bulgarische Konflikt besteht in uuveründertcr Schärfe fort. Die Bulgaren haben ihre Bereitschaft erklärt, die Vermittelimg der Großmächte anzurufen. Von Rumänien ist aber bisher ein ähnliches Verlangen nicht gestellt worden. Die Großmächte haben nun der rumänischen Regierung nahe gelegt, auch ihrerseits sich an sie zu wenden, damit die Ver- mittlungsaktion beginnen könne. Die„Times" beurteilen heute die Situation ettvas.günstiger. Es spreche für den Friedenswillen der Mächte, daß sotvohl Rußland als Oester- reich alles getan hätten, um es zwischen Rumänien und Bul- garten nicht zum Krieg kommen zu lassen. Die Großmächte wollen �ine mittlere Lösung vorschlagen, der zufolge Silistria bulgarisch bliebe, aber die Festung, die die ganze Umgebung beherrscht, an Rumänien abgetreten tverde. Dazu käme noch die Abtretung eines Stückes der Küste am Schwarzen Meer. Vom Kriegsschauplatz liegen türkische Meldungen vor, denen zufolge die Türken eine neue Landung bei Scharköj versucht hätten. Die Mächte und Rumänien. Bukarest, 18. Februar. Die Vertreter der Groß- m ächte legten im Auftrage ihrer Regierungen der r u m ä- nischen R e g i e vA n g nahe, vor Anwendung der äußersten Mittel die M i t h i l f e der Großmächte für die V e i- legung des bulgarisch-rumänischen Streitfalles anzurufen. Der türkische LandungSversuch. Konstautinopel, 19. Februar. Die Türken nahmen gestern bei Scharköj eine neue Landung bor und landeten eine beträchtliche Truppen macht, die bisher an Bord von Transportschiffen gewartet hatte. Nach- richten über den Verlauf der Landung werden stündlich er- wartet. E n V e r B e i ist zum G e n e r a l st a b s ch e f des auf Gallipoli operierenden 19. Armeekorps, und der frühere Marineminister Hurschid Pascha zum Kommandanten von Gallipoli ernannt worden. Ter Kampf nm Skntari. Ccfinje, 19. Februar. Die Beschießung von Skutari wird mit Erfolg fortgesetzt. Gegen den linken Flügel der Kolonne Martinowitsch, die das Dorf ZuoS besetzt hält, eröffnete der Feind von Brditza aus ein heftiges Artilleriefeuer; die Montenegriner erwiderten energisch und brachten die türkischen Geschütze zum Schweigen. Das Feuer der türkischen Artillerie blieb wirkungslos. Auf den übrigen Punkten herrscht bis auf einige unbedeutende Scharmützel Ruhe. Die. Montenegriner rüsten sich zum Angriff. Die Finanzmisere. Konsimttinopcl, 10. Februar. Da noch kein Vorschußgeschäft abgeschlossen worden ist, verschob die Regierung neuerlich die Auszahlung der D e z e in b e r g c h ä l t c r der Beamten. Die Re- gierung studiert unausgesetzt Projekte zur Erhöhung der Einnahmen des Schatzes. Oesterreichischc Sympathiewerduug. Von der Dauersitzung des Ministerrats am Montag hört man, daß die Agrarier um keinen Preis Serbien das Vieheinsuhrkontingent von 1008 und Rumänien das niemals ausgenützte Scheinkontingent wieder gewähren wollen. Damit stimmt es freilich überein, wenn der Wiener Ballplatzoffiziosus in der„Voss. Ztg." ein Programm ungeheuerer Rüstungen und FestungSbauten für Bosnien ausstellt! Zahlen können das die, die sich nicht an billigerem serbischen Fleisch sattessen dürfen. politifcbe CTcbcrlicbt» Berlin, den 19. Februar 19lna»che katholischen Pfarrer mit Lichtbildern gegen den heidnischen Unglaube». Wir erinnern an einen latholi ichen Priester im Aachener Bezirk, der in Lichtbildern Affen vorführte und unter wieherndem Gelächter der frommen Zuhörer diese Affen al« die Ahne» von bekannten Sozialdemokraten und Gewerkschaft«- sührcrn hinstellte. Welches Gandi für die fromme» Seelen, wenn der Pfarrer diese Art Bekämpfung der Ungläubigen in der Kirche vorführt.__ Kaltblütige Hetze. Im„Berliner Lokal-Anzeiger" vorn 19. Februar werden in einem Artikel Ausführungen über die Wehrmacht Deutsch- lands und Frankreichs gemacht. Der Verfasser ist nach An- jabe deS„Lokal-Anzeigers" derselbe Herr, der vor Wochen >en sensationellen Artikel veröffentlichte, in dem die einzelnen Forderungen der zu erwartenden Wehrvorlage aufgeführt waren, denen sich dann offenbar die Regierung unterworfen hat. In seiner neuesten Arbeit fordert der Artikelschroiber die Regierung auf, sich durch die Rüstungsantwort Frankreichs nicht irre machen zu lassen, sondern forsch weiter drauf Io8 zu rüsten. Die praktische Schlußfolgerung, die er aus seiner Hetze zieht, ist die. daß nicht allein der Mannschaftsstand der Koni- zagnien, Schwadronen nnd Batterien um 10 bis 20 Proz. zu erhöhen sei und daß der Pferdebestand vermehrt werden müsse, sondern er fordert auch, daß die nicht zum aktiven Dienst ausgehobenen Leute als Ersatzrsservisten auszubilden eien. Dieser Vorschlag dient dann weiter dazu, die Bildung von Offizier- und Unteroffizierkaders nach Art deS französischen Kadergesetzes für diese Reserveformationen zu verlangen. Das Ganze läuft also auf eine weitere Verbesserung der Avance- mentsverhältnissc des Offizierkorps hinaus, wie der Verfasser auch zugibt, daß die Pferdezüchter über die Neuforderungen /ehr erfreut sein würden. Das Resultat der Rüstungshetze ist also eine weitere Belastung deS Volkes und eine Trübung der internationalen Beziehungen, woraus die Junker- und Bourgeoisklasse Vorteile zieht. Wenn der Artikelschreibcr auf das hohe Nationalvermögen Deutschlands hinweist, so hat er offenbar keine Ahnung von den EinkominenS- und Lebensverhältnissen des arbeitenden Volkes. Und dessen Schultern tverden es auch weiterhin sein, die die erdrückenden Lasten des Wettrüstens zu tragen haben.— bis es sie endlich mit einein energischen Ruck von sich wirft. In de» iSeschäftsbetricb der„Blumeutage" leuchtete eine Versannnlung von Veteranen� hinein, die jüngst in armen tagte. Dort hat im verflossenen Sommer ein sogenannter Bluinentag stattgefunden, dessen Eimiahmen„armen Veteranen" zu- gute kommen sollte». Es hat sich nun aber herausgestellt, daß der Veranstalter des Rummels, der Barme«Krieger- und La n d- wehrverbaud, von dem Reinertrag 1000 Mark dem ange- kündigte« Zwecke entzogen und diese Summe seinen mageren "'asten einverleibt hat. Iii der Versammlung wurde an dem Vorgehen deü Verbände« kein gute« Haar gelassen. Alle Redner wünschicu. daß alles getan werde, diese 1000 Mark ihrem eigentlichen Zwecke zuzuführen. Eventuell solle man sich an die„höchste Stelle" wenden. Ein dahin- gehender Antrag wurde denn auch einstimmig angenommen. Die erregte Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, al« mitgeteilt wurde. daß 600 Mark, die in einem Sühneversahrcn für die Veteranen ge- tiflet worden seien, von dem genannten Verbände ebenfalls noch nicht ihrem Zwecke zugeführt seien. Sie leugnen! Die Konservativen bekommen jetzt Bedenken, ob die Offenherzigkeit ihreS Oldenburg nicht doch zu weit gegangen ist.»o versuchen sie denn in ihrer Presse abzuleugnen, was der edle Januschauer gesagt hat. Aber diesen Ableugnungen lvird niemand glauben. Den konservativen Führern mögen die Aeutzerungen ihres ovkuvt twriblo ja manchmal unbequem ein. Aber das hindert nicht, daß Herr v. Oldenburg nur ausspricht. waS seine vorsichtigeren Gesinnungsgenossen schlau im Busen bergen. Mandel— Wetterl6. Bor der Strafkammer des Landgerichts in Kalmar kam heute als Offizialllage die Beleidigungsklage des Unlerstaatssekrelärs Mandel gegen daS Wetterlösche Blatt„Le Nouvelliste d'AIsacc- Lorraine" zur Verhandlung. Nach L'/zstündiger Verhandlung wurde der Angeklagte Redakteur Sidel vom„Nouvelliste" freigesprochen. Im Gegensatz zu der Anklage, daß in den Ausführungen des„Ron- velliste" Unterstaatssekretär Mandel als Mitarbeiter der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" gekennzeichnet sei, nahm das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme an, daß sich der unter Anklage gestellte Artikel nicht auf den Unterstaatssekretär als Mitarbeiter der genannten Zeitung bezogen habe.___ Unglaublich, aber wahr! Einen ganz neuen Matzstab für die Bewertung wissenschaftlicher Literatur stellte im Bonner Nalhause bei der Etatsberatung der Redner des Zentrum« auf. Der Führer der schwarzen Frallion. ein Herr Henry, beantragte, den Posten von 3000 Mark für die Bücher- und Lesehalle zu streichen, weil unter den 1400 im Katalog verzeichneten Büchern au« den Abteilungen Geschichte und Kulturgeschichte, Briefwechsel und Memoiren. Geographie und Reisen, Philosophie, Theologie. Naturwissenschaften und Medizin nur 29— von katholischen Autoren herrühren! Wenn man, so fühlte er aus, die 29 vorsichtigerweise auf 30 aufrunde, so machten die Zahl der vertretenen latholischen Autoren immer erst S v. H. aus, und das sei eine unwürdige Verletzung der Parität. Wenn die Bonner Stadtverordnetenversammlung den Wünschen der Schwarzen nicht nachkam, so liegt das nicht am Zentrum. Die Klerikalen standen wie ein Mann zu der Forderung ihres Führers. Glücklicherweise haben sie nicht die Majorität. Sonst wäre tatsächlich die Beihülsc für daS Institut für Volksbildung gestrichen worden. „StaatseLhaltende" Politik. Der General-Landtag der Ostpreußischen Landschaft bewilligte 10 000 M. für die ostpreußische VeteroncnspSnde und 50 000 M. zur Einrichtung und Propagierung der nationalen Volksversicherung, also zur Bekämpfung der von den Gewerkschaften und Konsumvereine» gegründeten„Volksfürsorge"._' Gegen clen äelitfcb-lran-ölifchen KüCtunga- wabnfinn. Paris, 19. Februar.(Privattelegramm des„Vor- tvärts"). Die Verwaltungskommission der sozialdemokratischen Partei veröffentlicht einen P r o t e st gegen die zunehmenden militaristischen Forderungen, die nur die Kriegsgefahr schüren helfen. Das Manifest betont die Gewißheit, daß die deutschen Sozialdemokraten ihrem Prinzip, keinen Nkann und keinen Groschen dem militaristischen System zu bewilligen, treu bleiben werden. Auch die französischen Sozialisten werden ihre Pflicht erfüllen und in der Kammer gegen die geforderten außerordentlichen Kredite energisch opponieren, besonders gegen die Rückkehr zur dreijährigen Dien st zeit. Frank- reich kann nur auf der Basis einer Volkswehr Deutschland gegenüber dauernd unangreifbar bleiben. Die Partei unter- nimmt eine machtvolle Agitation für diese Lösung und gegen den bewaffneten Frieden, Der heutige Leitartikel Prof. Sembats in der„Humanitö" ordert, um auS dem Kreise deS gegenseitigen Wettrüstens herauszukommen. eine deutsch-französische An- Näherung. Die bürgerliche Presse setzt die Hetze gegen die Sozialisten fort.______ Belgien. Die Organisation des Generalstreits. Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns unterin 17. Februar: Wir haben seinerzeit über die die Organisierung deS Generalstreiks betreffenden Beschlüsse berichtet. Doch dürste es im Augenblick, da der Generalstreik aus dem Bereich der „Drohung", wie Herr v. Broqueville sagen würde, in die Tat überzugehen im Begriffe ist, für das Ausland von Interesse ein. die Bestimmungen zusammengefaßt zu sehen, die die BasiS der Vorarbeiten für den Generalstreik bilden und zum Teil auch Geleistetes zu überschauen. Wir benützen hierbei eine Zusammenstellung, die C a m i l l c H u y S m a n s in einem Artikel der französischen Zeitschrift„La Grande Revue" über diesen Gegenstand gemacht hat. ES funktionieren vier Kominissionen: 1. Die Propagandakommission. 2. Die Finanzkommission. :», Die Lebensmittelkommission. 4. Die Kinderkommission. Die P r o p a g a n d a k o in m i s s i o n hat bisher zwei Manifeste, jedes in einer Auflage von einer Million, in Umlauf gebracht. Derselbe Text wurde für Plakate verwendet, die in allen Gemeinden Belgiens angeschlagen wurden. Tie Kommission hat ferner drei Broschüren herausgegeben: „Das allgemeine Wahlrecht" von Vandervelde.„All- gcmeines Wahlrecht und Gewerkschaften" von D e l v i g n c und schließlich„An die christlichen Arbeiter" von D e w i n n c. Im Erscheinen sind begriffen:„Arbeiter Belgiens, seid Ihr bereit für den Generalstreik?" von Parteisekretär Bänder- missen;„Der Generalstreik und die Genossenschaften" von V. S e r v y;„Der Generalstreik und die Armee" von L. d e Brouckäre;„Generalstreik und Alkohol"(herausgegeben von den sozialistischen Guttcmplern) und„Allgemeines Wahl- recht und Steuergesetzgebung" von I. W a u t c r S. Die Finanzkommission hat Büchlein mit Emp- angsscheinen von 1. 5, 10. 20 und 100 Fr. in Umlauf ge- bracht, die vorzüglich dazu dienen, in jenen Kreisen, die dem Generalstreik sympathisch gegenüberstehen, Summen aufzu- bringen. Diese Summen tverden nach einem bestimmten Plan auf die Streikenden und die verschiedenen Fonds aufgeteilt. Zur Hauptwirkiamkeit der Finanzkommission gehört die Organisierung des individuellen Sparcnö; es wurden Sparscheine im Werte von 25, 50, 100, 200 und 500 Fr. ausgegeben und in entsprechender Weise placiert. Die L e b e n s in i t t e l k o m m i s s i o n zerfällt in drei Unterkommissionen. Der ersten obliegt die Aufgabe, den Ein- lauf und die Verteilung der Lebensmittel zu studieren. Die zweite beschäftigt sich mit dem Studium der Suppen- auSspeisung und der Verabreichung von Naturalien. Der dritten obliegt die Zählung und die Aufflellung des Ver- zeichnisses der Streikenden zum Zwecke der Lebensmittel- Verteilung. Die K i n d e r k o m m i s s i o n hat die Aufgabe der Unter- bringung der Kinder der Streikenden im In- und Auslände. Besonders die Nachbarregionen an der französischen und holländischen Grenze dürften allem Anschein nach in dieser Hinsicht zu. weitgehenden Akten der Solidarität bereit sein. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß sämtliche Partei Mitglieder, die in den politischen Organisationen, Kranken- vereinen und dergleichen, in Gewerkschaften und Genossen- schasten angestellt sind, sich bereit erklärt haben, während der ganzen Streikdauer mindestens 50 Proz. ihrer Beziige an die Streikenden abzugeben. In manchen Bezirken steuern diese Genossen bereits jetzt 1 Proz. ihreS GehalteL in die Streik- kassen. Rußland. Die Gefängnisinterpellatioil iu der Duma. Tic Einbringung der sozialdenwkratischen Jnterpellarton über die Gefängnisgreuel hat in der Duma bereits zu erregten Debatten geführr, die über die Haltung der Parteien zu dieser Frage einen gewissen Aufschluß geben. Die Dringlichkeit der Interpellation ist mit tSO Stimmen der Rechten, der Nationalisten und fast des ganzen Zentrums gegen tili Stimmen der Sozialdemo- kraten, der Arbeitsgruppe, der Liberalen und einiger Oktobristeir abgelehnt worden. Indessen wagte es die Duma angesichts der meisterhaften Begründung der Interpellation, und wohl auch angesichts der Stimmung der breiten Massen nicht, nach dein Vor. bilde ihrer Vorgängerin die Gcfängnisinterhcllation in der Äom- Mission zu begraben. Auf den Antrag der Oktobristen hin, wurde der Kommission eine zweiwöchige Frist gesetzt, binnen welcher sie der Duma einen Bericht über die Interpellation unterbreiten muß. Erst dann wird die Hauptschlacht geschlagen»verde» zwischen den Anhängern der Prügelstrafe und der Folterungen in den Gefäng. nissen und den Anklägern gegen das gesamte System der zarischcn Barbarei. Gegen die Annahm« der Interpellation sprachen die bekannten Pogrompolitiker Samyslowsky und P u r i s ch k e Iv i t s ch von der Rechten, von denen namentlich der letztere die roheste», schäm- losten Ausfälle gegen die Interpellanten, wie gegen die politischen Gefangenen»nachte und selbst bei den geinätzigten Parteien einen Sturm der Entrüstung»vccktc. Noch charakteristischer für das Niveau der junkerlichen Parteien jedoch»varen die Zwischeimifc, mit denen die Schilderung der Exekutionen und Züchtigungen an den politischen Gefangenen auf der Rechten begleitet wurde. Als der Abgeordnete Kercnsky von einem politischen Gefangenen berichtete, der 31 Tage gehungert hat ur»d im Verlauf von fünf Jahren systematischen Folterungen ausgesetzt wird, schrien die Ab- geordneten auf der Rechten:„Zu wenig! Zu ivenig!" Es schrien die aristokratischen Abgeordneten in eleganter Kleidung, es schrien die dickbäuchigen Priester und Bischöfe in ihrer prunkvollen geist- lichen Tracht uich als moit ihnen von der Lmken entgegenlief: „Bestien! Kannibalen!", so war diese Bezeichnung noch viel zu milde. 'Zspan. Ein Sieg der Opposition. Tokio, 19. Februar. Admiral U a in a in o t o hat mit der Dcyukivaipartei eine Verständigung erzielt, auf Grund deren alle Minister mit Ausnahme des Ministerpräsidenten, d«S Ministers deS Auswärtigen, des Kriegs- und des Marinemi nisterS der Schukwaipartci angehören oder sich dieser Partei anschließen müssen. DaS neue Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Premierminister: Admiral Uamamoto, Auswärtiges: Baron Nobuki Makino, Krieg: Generalleutnant Äikoshi. Marine: Vizeadmiral Baron Saito, Finanzen: Bavon Korekiyo Talahashi, Handel: Tatono Uamamoto, Justiz: Masahisa Matsuda, Inneres: Vicointg �sibihara, Unterricht: Sajiina Motoda, Verkehr: Okuda. Der Bürger Imeg in Mxiko. Gefangennahme des Präsidenten Madero. New Jork, 18. Februar. Eine aus Mexiko über El Paso eiitgetroffene Depesche besagt: Mad?ro und das Kabinett sind gefangen genominen worden. Huerta wurde zum provisori- scheu Präsidenten ernannt. Mexiko, 10. Februar. Sämtliche Mitglieder des Kabi- iiettS mit Ausnahme des Finanzministers Ernesto Madero, der rechtzeitig entkam, sind verhaftet worden. Als die Ver- Haftung erfolgen sollte, versuchten einige Anhänger Maderos, ihm zu Hille zu kommen. Mehrcrc Schüsse»vurden ge- wechselt, durch die der größte Teil des militärischen Gefolges Maderos verimmdet worden sein soll. Ter neue Präsident. Mexiko, 13. Februar. Zwischen Vertretern des neuen Präsidenten Huerta und denen Diaz' fand eine Konferenz statt. An den Straßen kam es zu Kundgebungen für Huerta und Tiaz.— Madero hat seine Demission unterzeichnet. Huerta gab dem Botschafter der Vereinigten Staaten den Regierungölvechsel bekannt und bat ihn, die Vertreter der übrigen Großmächte davon zu unterrichten. Ter Botschafter antwortete, sie alle hätten den Wunsch, daß Huerta die Ord- nirng aufrecht erhalte. Huerta berief sodann die Kammer zu- sammen. Gegner des neuen Präsidenten. Laredo, 19. Februar. Tie Führet der Aufständischeil des Nordens, Orozco und Gelan. billigen die Ernennung Huertas zum Präsidenten nicht: sie erklären vielmehr, den Aufstand fortsetzen zu»vollen, tvenn nicht ein aildem, am liebsten de la Barr«, zum Präsidenten ernannt würde. Tic Opfer der Kämpfe. Netv Jork, 18. Februar. Aus Mexiko wird gemeldet: Kaum ein Stadtbezirk ist unbeschädigt. Wieviel Menschen tat- sächlich getötet wurden, wird sich nie feststellen lassen. Be- kannt ist, daß vielfach Abteilungen von fünfzig bis hundert Mann, den engen Gassen eingekeilt, von Maschinen- gewehren niedcrgeinäht»vurden. Fortwährend sah n,a>» mit Toten beladene Wagen den Vororten zustreben,»vo die Leichen verbrannt wurden. parlamcntanfchess Marine-Etat. Bei der WeiteiBeratung des Marineetatö in der Budgetkom- missian des Reichstags wendeten sich unsere Genofstn lebhast gegen die Forderung von zehn Millionen für ein neues Kaiser- schiff an Stelle der„Hohenzollern". Die Genosse»» N o s k c und Ledebour betonten, daß der 5»alser ans eigenen Mitteln »ich ein Schiff bauen lassen soll,»Venn er ein solche» haben will. Die Jndienslhaltung schon der jetzigen„Hohenzollern" erfordert jährlich beinahe 400 000 Mk.f beim neuen Schiff wird sich die Summe erhöhen. Wer Sparsainkeit üben will, habe jetzt ei»»« günstige Gelegenheit.— Staatssekretär v. T i r p i tz vertrat die Forderung mit den» Hinweis, der Kaiser brauche e»n Schiff bei der Leitung großer Scemanöver und Paraden.— Genosse Ledebour bezweifelte bemgogenübev, daß der Kaiser eine solche scc- männische Ausbildung erfahren habe, die ihn besähige, See- manöver zu leiten. Der Kaiser sei doch wohl nur Amateur-Soc- mann.— Abg. Graf Westarp glaubt« entrüstet Verwahrung gegen j die Aeuherungei» Ledebour« einlegen zu müssen, die eine unzu» i lässige Hereinzerrung der Person des Kaisers in die Debatte be- 1 deuteten. Für die neue Kaiserjacht stimmten sämtliche bürgerlichen Parteien. In vertraulichen Darlegungen äußerte sich sodann der Staats- sekretär über die llntarsceboote und die artilleristische Armierung der Flotte. Dabei wurden auch die enormen Preise für Geschütz- röhre und Panzerplatten besprochen. Ob ein internationales Syndikat der Panzerplattensabrikanten besteht und die Kriegs- schiffe bauenden Staaten ausplündert, ist Herrn v. Tirpitz angeb- lich unbekannt. Tatsächlich besteht— oder bestand bis in die jüngste Zeit— ein solches Syndikat, das z. B. der Firma Krupp ermöglichte, Riesengewinne auf Kosten der Steuerzahler zu er- zielen.— Abg. P a a s ch e glaubt behaupten zu können, daß die Privaiwerflcn, die Äriegsschifse bauen, bei jedem Schiff Hundert- taufende zusetzen. Dia Regierung»nüsse sehen, diesen Werften bessere Preise'zu zahlen.— Po» sozialdenwkratischer und Volts- parteilicher Seit« wurde auf die Gefahr einer Syndikatsbildung der Kriegsschiffe bauenden Werften aufMerksan» gemacht.— Zlbg. G i e s b e r t S gab seinem E»staunen darüber Ausdruck, daß die mit der Geschützfabr»kation bei der Firma Krupp beschäftigten Ar- beiter auf' emc Eingabe wegen Lohnerhöhung nicht einmal eine Ai»t>vort erhalten haben. Leider beständen bei Krupp auch koine ArbeiterauSschüffc. In» übrigen glaubte Herr GieSberls die Firma Krupp sehr loben zu müssen; cii»e recht auffallenbc Tatsache, die vom Genossen Noöke festgenagelt wurde. Abg. Erzberger bemängelte den heutigen Bau der Luft- schisfhallcn, die von feindlichen Fliegern mit einigen Bomben- ivürfen vernichtet werden können. Notwendig seien in die Erde eingegrabene, mit starken Betonwerken überdachte Hallen. Ohire solche Hallen bestehe die deutsche Ueberlegenheit in der Luftschiff- fahrt nicht.— Staatssekretär v. Tirpitz stiiuinte dem ztvar zu, betont« jedoch die großen Schtvierigkcsten, die dein Bau gut ae° schütztcr Hallen cutgegenstehe». Die KriegSverwaltung prüfe alle diese Fragen eifrig. Die Firma Zeppelin wie auch Schütte-Lanz haben sich verpflichtet, an das Ausland keine Luftschiffe zu liefern. — Ueber die Leistungsfähigkeit deutscher Motors für Flugzeuge im Verhältnis zum Anstand äußerte sich eingehend Admiral v. Tir- Pitz, wie auch über die Verwendung von Flugzeugen für den Seekrieg. Weiter wurde darauf aufmerksam gemacht, daß gegenwärtig in ganz Deutschland nicht ein bißchen Serum gegen Ruhr und Typhuö vorhanden ist. Während des Balkai»krieges sei alles Serum in Deutschland aufgekauft worden; Acrzte haben konstatiert, daß gerade dieses Hilfsmittel vorzüglich sich bewährt habe im Balkan- kriege. Da es sechs Monate dauert, bis neues Serum geschaffen »vcroen kann,»nüsse die gänzliche Entblößung Deutschlands als eine unverzeihliche Sorglosigkeit angesehen werden. Bedauerlich sei auch, daß deutsche Sanitätsoffiziere»»icht auf den Kriegsschauplatz gegangen siiw, Ilm zu lernen. Geklagt»vurde auch, daß die chirur- gi scheu Instrumente in deutschen Lazaretten nicht mehr den mo- oernen Anforderungen entsprechen.— Abg. S t r u v e. selbst Arzt, weist auf bestimmte Mängel in der Einrichtung der Kriegsschiffe hin.— Staatssekretär v. Tirpitz glaubt die Versicherung ab- geben zu können, daß alles in bester Ordnung sei. Er»verde aber nochmals eine Prüfung veranlassen. Ausdehnung des gcietzlichri» Schlltzes für dir Mühleimrbeiter fordert eine Petition des Verbandes der Brauerei- und Mühlen- arbeiter, die am ig. d. M. in der Petitionskommission des Reichs- tages zur Verhandlung gelangte. Der tleberreichcr der Petition, Abg. K ä p p l e r, hatte Gelegenheit, die Forderung ausgiebig zu begründen. Ganz unzureichend sind demnach die Bundesrats- besliminungen zu � 120 c der Gewerbeordnung in bczug auf Ar- beitSzeit sowie Nacht- nd Sonntagsruhe. Die Arbeitszeit solle auf 12 Stunden täglich inkl. ziveistündiger Ruhepause festgelegt werden. Den jugendlichen Arbeiter» müsse eine ununterbrochene illnhezeit von 6 Uhr abends bis ö Uhr»norgens gesichert und allgeinein die Sonntagsruhe von Sonnabend ö Uhr bis Montag früh 6 Uhr durchgeführt werden.— Die Regierung ließ erklären, daß sie eine Aenderung der..fragliche», BiindeSratSbestimmungen demnächst»n Angriff nehme. Konservative, Zentrum und Fortschrittler wandten sich gegen die Forderung der Sozialdeinokraten, die Petition den» Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen, d>» die Folge sei»' würde, daß die kleinen Wind- und Wassermüller dann schwer darunter zu leiden hätten.— Genosse Brey wies darauf hin, daß diese Betriebe immer mehr zum Anschluß an die Ueberland- zentralen der Elektrizitätswerke übergehen urrd die ganz kleinen Müller als Arbeitgeber kaum noch in Frage kommen.— Die Kommission beschloß, die Petition den» Reichskanzler zur Berück. s i ch t i g u»» g zu überweisen, sofern Groß- und Mittelbetriebe in Betracht kommen; zur Kenntnis soll er die Petition nehmen, soweit eS sich um Mühlen handelt, deren Betriebskraft nicht voin Willen des Besitzers abhängig ist. Tie Konkurrenzklausel. In der Mitttvochssitznug der Reichötagskominission»vurde der § 74b der Vorlage mit zwei Acnderungen angenommen. Zu Absatz 1 wurde ein sozialdemokratischer Zusatz mit 10 gegen 8 Stimmen beschlossen. Er gibt dem Angestellten daS Recht, ohne Bestimmung einer Frist vom Vertrage zurückzutreten,»venn der Prin- zipal init einer Monatsrate der Entschädigung in Verzug gerät.— Gemäß einem Antrage Waldstein spricht der letzte Absatz nunmehr von„Ersatz besonderer Auslage n".— Die Debatte drehte sich im ivesentlichen aber um einen ai»dere» Antrag unserer Genossen, der bezweckt, die an eincin praktischen Falle beleuchtete Umgebung der Entschädigungsleistung zu verhindern. Es»värc »»»öglich, dein Angestellten die Entschädigungssumme durch allerlei spätere Verrechnungen im voraus zu vertvässern, z. B. auch selbst ourch Gehaltsaufbesserungen in entsprechend bedingter Weise. Alle Redner begrüßten diese Anregung unserer Genossen. Nach längerer Aussprache erivies es sich als zweckinäßig, diese Frage im § 7ScI der Borlage zu regeln, der von der Ungültigkeit solcher Ab- reden bandelt, durch»velche von den gesetzlichen Vorschriften zum Nachteile der Handlungsgehilfen abgelviehen wird. Der§ 7Bd wurde nach der Vorlage mit einem vom Abg. Dr. Bell nach Be- sprechung mit unseren Genossen und Dr. Waldstein formulierteil Zusah angenommen, der dem Zwecke des Antrages entspricht. Die nächste Sitzung wird am 20. Februar stattfinden. Hus der partei. Ter Partcivorstand ersucht um nachstehende Veröffentlichung: Genosse Mehring hat in»„VorivärtS" vom 18. Februar er. auf die durchaus sachlichen Erklärungen de« ParleivorstandeS»n längeren polemischen Ausführungen geanlwortet. Der Vorstand lehnt es ein für allemal ab, auf ein— überdies entstelltes— Privargeipräch, das in einein Familienkreis« geführt worden ist. zu erwidern, da eS den„guten Sitten" in der Parle» widerspricht,„Privatgespräche" in die öffentliche Debatte zu zerren, Der Parteivorstand denkt auch nicht daran, wenn überjhn Beschwerde bei der Kontrollkommission geführt wird, den Streitfall vor der Entscheidung öffentlich zu erörtern. Der Genosse Mehring bat sich aber nicht mit bei: Beschwerde» führung begnügt, sondern hat öffentlich den Parteivorstand unter Aufstellung falscher Behauptungen angegriffen. Die falsch orientierten Parteigenossen über die»vabren Tatsachen aufzuklären, ist aber nickt nur da» Recht, sondern auch die Pflicht des Parteivorstandes den Parteigenossen gegenüber. In Erfüllung dieser Verpflichtung stellen wir auch heute nur folgendes fest! DaS Presieblireau hat in gleicher Weise den Genossen KautSky wie den Genossen Mehring dazu angeregt, ihre Berichtigungen, deren beabsichtigte Veröffentlichung eS in Erfahrung gebracht hatte, durch ! das Presiebureau verbreiten zu lassen. In beiden Fällen hat der ' Parteivorstand die Genehmigung zur Verbreitung der Berichtigungen ! erteilt, ohne sich zum Zensor über die Art der Lertchligungin auf- I zuwerfen. Die Behauptung deS Genossen Mehring, daß ihm«ine„Miß- Handlung widerfahren" sei, zerschellt an diesen Talsachen. Der Parteivorstand muß ober dagegen Verwahrung einlegen, daß Genosse Mehring„Rücksichten" auf ihn vorschützt. Er erwartet viel- mehr, daß Genosse Mehring alle Beschwerden, die er gegen den Vorstand ans dem Herzen hat, rücksichtslos der zuständigen Instanz zur Entscheidung vorlege»»»vird. Auf öffentliche Polemiken mit ihn, läßt er sich in dieser Sache nicht»veiter ein. Eiire llntcrstcllung. Unsere Kritik der Benutzung deS PreffebureauS zur Verseirdung »vissenschastlicher Besprechungen veranlaßt die„Leipziger Volks- zeitung" zu der Unteistellung, wir hätten uns dabei von persönlichen Motiven leiten lassen. Das Urteil, ob wir oder die Leipziger Siedaltion sich von sachlichen Motiven in dieser und vielleichl auch noch anderen Angelegenheiten leiten lassen, können»vir getrost dem Urteil der Partei überlassen. Darüber brauchen wir alio nicht mit Leipzig zu diskutieren. Wir hätten den Anwurf nicht der Erwähnung wert gehalten, wenn die„Leipziger Volkszeitung" nicht auch unseren Mitarbeiter in der bei ihrer Polemik nun einmal üblichen Weise zu verunglimpfen versuchte. Sie schreibt: Freilich kann der Parteivorstand für sich geltend machen, daß nicht er. sondern der„Vorwärts" die ganze Affäre an die große Glocke gebracht hat. Und das ist allerdings richtig. Die Auf- regung. die der„Vorwärts" von Anfang an verriet, war so seil- sam, daß»nan den Gedanken nicht unterdrücken konnte: hätte eS sich nicht um ein Buch der Genossin Luxemburg gehandelt, das der Genosse Mehring besprochen hatte, die große Glocke hätte niemals bin»— bau, gemacht. Die unwürdige, jeder wissenschaftlichen und sachlichen Melhodc Hohn sprechende Herunterreißung. die der„Vor- ivärls" in der SonntagSnummer am Bücke der Genossin Luxem- bürg voniitmnt, sagt in dieser Hinsicht gerade genug. Die„Leipziger Bolkszeitung" täuscht ihre Leser, wenn sie ihnen erzählt, daß die Kritik des Genossen Eckstein, die eine musterhast sachliche, aber freilich auch sachverständige war, eine unwürdige Herunterreißlnig gewesen sei. Ter Gegensatz, der besteht zwischen den ablehnenden Äriiilen, Ivie denen des Genossen Pannekock und Eckstein und den— anderen, wie auch die„Leipziger Volkszeitung" deren eine veröffentlicht hat, erklärt sich nicht auS kleinlichen persönlichen Motiven, sondern eS ist der Gegensatz von sachverständiger und unsachver- ständiger Kritik. Und deshalb begreifen wir auch den Leipziger Schmerz, der sich in diesem Erguß Luft»nacht. Der Leipziger Apologet hat sich in seinem Autoritätsglauben etwas zu weit vor- gewagt und sucht deshalb die Krijik der anderen zu verunglimpfen, die ja zugleich seine eigene Blamage ist. Al» Provinzial-Parteisekrctärin für die vier schlesischei» AgitationS- bezirk« wurde Genossin Frida Wulff- Berlin gewählt. Der An- tritt soll zun» 1. April erfolgen. Ihren Sitz erhält die neue Sekretärin in Bresiau. kZoliieiliekes, EmebtUebes ufw, Nicht weniger als drei Prozesse gegen die verantwortlichen Redakteure der Breslauer„Volks» >vä cht", die Genossen O k o n S k y und Förster,»vurden am Dienstag vor der ersten BreSlauer Strafkannner verbandelt. Im ersten Falle handelt rö sich um eine aus einer bürgerlichen Zeitung entnonimeiie Gerichtsverhandlung, in der der Vorsitzende einem als Zeugen geladenen Polizisten ani Schluß der Verhandlung den guten Rat gegeben haben soll, in Zukunft nicht ivieder so� isichifertige An« zeigen zu machen. DaS stimmte nickt. Der Polizist suhlte sich be- leidig! und verklagte Genossen Okonsly. Urteil: 20 Mark. � In» zweite» Fall sollen die Genossen O k o n S k y und F ö r st e r in ihrer Eigenschaft als Verantwonlicke der„Volksivacht" einen Gemeindevorsteher auS einem BreSlauer Vorort, der der positiven Mitarbeit deS einzigen sozialdemokratischen GeineindevertreterS im Gemeindeparlament nach Möglichleil Hindernisse in den Weg legte, durch mehrere Artikel beleidigt haben. Urteil: je 50 Mark Geld- st r a f e. Obwohl eS sich in beiden Fällen um Bagatellen handelte und Genosse Förster bisher noch unbestraft war, beantragte der Staatsanwalt gegen ihn 120 M. Gegen Okonsky 50 resp. IVO M. Em Industrie und Handel. Die neue Montanfusion. Dieser Tage hielt der Eschiveger Bergwerksverein in Köln eine Generalversammlung ab, in»oelchcr einer Fusion unit dem Hüttenkonzern Burbach-Cich-Düdelingen zugestimmt»vurde. Die Lurbacher Hütte ngescllschafi besitzt umfangreiche Erz- gruben selber und Hüttenwerke in Luxemburg und Lothringen; der Bergiverksverei» ist mit zwei Ausnahmen Besitzer aller Kohlen- gruben des Eschnwiler-Aachener Kohlenreviers. Die Kohlenproduk- tion des Bergwerksvcrcliis entspricht den» Bedarf der Burbacher Werke. Mit der Durchführung des Geineinschaftsvertrages bildet der neue Konzern einen der bedcntsainsten der deutschen Groß- mdustrie. Tie neue I Itteressengemeinschaft steigt n»it unerwarteter Schnelligkeit am industriellen Horizont auf. Die Burbacher Hütte hat in den jüngsten Jahren sich die Werke in Eich und Düdc- lingen airgegliedert, und der Esch weiter Bcrgwerksver- ein ging, nachdem die Fufionsplänc mit dein Aachener Hütten- verein durch dessen Anschluß an die Gelsenkircheuer Gesellschaft gegenstandslos geworden»varen, ans andere Anschlußobjektc ans. Erst nahm er die Konkordiahütte i» Eschwciler an sich, dann die Eschweiler Kölner Eisenwerke und vor einigen Jahren fanden sich auch die beiden bisherigen Rivalen im Aachener Kohlenrevier, der Bergioerksvereiu und die Vereinigungsgesellschast für Steinkohlen- bcrgbau im Wurinrevier zusammen. Letzterer Zusammenschluß bedeutete für den Kohlenbergbau im Wurinrevier einen großen Fort- schritt, hauptsächlich,»veil nunmehr init»vcniger Schächten größere Mengen Kohlen gefördert werden können. Die jüngsten sechs Mo- nate brachten der Gesellschaft einen Betriebsgewinn von über vier Millionen Mark. Das letztabgeschloffsne Geschäftsjahr ergab nach Abzug aller Verwattungskosten, Zinsen usw. einen Gesamtübcr- sckuß von 9 310 298,87 M. DaS eingezahlte Aktienkapital oller heute den Bcrawwrksvorein bildenden Unternehmungen beträgt nicht mehr wie 18 Millionen Mart. Vordem war bei den» Bergwerts- verein eine Dividende von 14 Proz. üblich. Bei der Perschmelzung mit der Vereinigungsgesellschast wu'den die Aktien durch neue er- setzt, und zwar derart, daß statt der vorhandenen auf zusammen 18 Millionen, solche auf insgesamt 38 Millionen Mark lautende Aktien ausgegeben wurden. Eine bare Zahlung zum Aktienkapital erfotatc nicht. Der Geli»einschaftsvertrag mit Burbach sichert den Aktionären des Bergwerksvereins vier Jahre eine Dimdeirde� von 10 Proz., vier Jahre eine solche von 12 Proz. und 22 Jahre eine von 14 Pro- zenl. Nach Ablauf der Vertragszeit sollen die Aktionäre des Berg- »verksvereins berechtigt sein, ihre Aktien der Burbacher Hütte zun» Kurse von 250 Proz. zu verlaufen, und die Burbacher ist vor- pflichtet, zum genannten Termine die Eschweiler Aktien auf Ver- lange», zu diesem Kurse anzukaufen. Rechnen»vir die nach obigen Sätzen zu zahlende Dividende zusaminen, dazu den am 1. Juli 1942 bestehenden Minbestlvert der Eschlveiler Aktien, abzüglich deS eingezahlten Aktienkapitals, so ergibt sich, daß die bar eingezahlten 18 Millionen des Vereins in der Vertragszeit die Kleinigkeit von ISO Millionen 480 Tausend Mark Zinsen bringen. Hinzu kommt das Aufgeld der Aktien mit 77 Millionen Man. Summa summa» rum: Der Eschweilcr Bergwerksverein hat achtzehn Millionen am Anfang und achtzebn am Schlüsse. In der 30 jährigen Zwischen- zeit zieht er von diesen 18 Millionen inSgesaint 227 Millionen Mark Zinsen. DaS ergibt eine Durchschnittsdividendc von 42 Prozent. Zur TarifSewegung In den letzten Tagen sind Nachrichten durch die Presse -gegangen,_ die den Anschein erwecken, als ob die Taris- bewegung in der Holzindustrie in der Harrptsache beendet und die Erhaltung des Friedens gesichert sei. So weit sind die Tinge jedoch noch nicht gediehen, und die Möglichkeit, daß es zu Konflikte n kommt, ist noch keineswegs aus- g e s ch I o s s e n. Für die Vertreter der Parteien stand es von vornherein fest, daß die Annahme des vorn Freiherrn v. B c r- l e P f ch gefällten Schiedsspruches durch die beiderseitigen Zen- tralvorstände nur eine vorläufige sein könne, die eigentliche Entscheidung müßte den örtlichen Parteien, also den Unternehmern und Arbeitern an den einzelnen Vertragsorten vorbehalten bleiben. Als Zwischenglied waren noch die Städtekonferenzen eingeschaltet worden. Sowohl der Arbeitgeberschutzverband als auch der Deutsche Holz- arbeilerverband hatten nämlich, in der Voraussicht, daß bis dahin ein«Schiedsspruch gefällt sein würde, die Vertreter der Organisationen aus den einzelnen Städten aus den 8. Fe- bruar� nach Berlin berufen. Mit Rücksicht darauf hatten die Partei verrreter dann nach der Verkündung des Schiedsspruchs durch den Freiherrn v. B e r l e p s ch eine protokollarische Ver- einbarung getroffen, in welcher es u. a. heißt: „Für den Fall, daß die beiderseitigen Städtekonfc- reuzen den Schiedsspruch annehmen, dürfen vor dem 1. März dieses Jahres weder Aussperrung noch Streik beginnen." Dieser Waffenstillstand war notwendig, da es unmöglich war, bis zum Ablauf der Verträge, an? 13. Februar, die neue?? Verträge unter Dach zu bringen, der Arbeitgeberschutzverband aber bereits zum 15. Februar die allgeineine Aussperrung angekündigt hatte. Auf beiden Städtekonserclrzen zeigte sich dann das Bild, das man gewohnt ist, zu sehen, wenn es sich darum handelt, zu einem Schiedsspruch Stellung zu nehnren. Keine Partei ist von der Entscheidung befriedigt. Auf der Konferenz des H olz arb e i t e rv e r ba n d e s wurde von verschiedenen seiteil die Geringfügigkeit der Zugeständnisse bemängelt, die um so Peinlicher empfunden wurden, als die Forderungen ohnehin schon auf das äußerste beschränkt worden waren. Wenn sich schließlich eine Mehrheit für den Schieds- s p r u ch fand, so war für die Abstimmung die Erwägung entscheidend, daß die Differenz zwischen den?, was?nan füglich zi? erhalten gehofft hatte, und dem Zugeständnis, das der Schiedsspruch brachte, nicht s o groß ist, daß es sich recht- fertigt, deshalb einen Riesenkampf zu wagen, der Opfer erfordert, die in keinem Verhältnis zu dem Kan?pfobj«ekt stehen. Die gleiche Unzufriedenheit mit dem Schiedsspruch wie bei den Arbeitern trat auch auf der S t ä d t e k o n f e r e n z des Arbeitgeb erschutzverbandes in Erscheinung. Hier erachtete man die Zugeständnisse, die der«Schiedsspruch brachte, als viel z u weitgehend. Tie Schlußabstin?- mung brachte allch kein klares Bild. Die Mehrheit der Abstimmenden votierte zwar gegen den Schieds- spruch, doch enthielt sich eine größere Zahl Delegierter der Abstimmung und diese Unentschiedenen im Verein mit den Annehmende?? umfaßten die überwiegende Mehrheit der Ver- sammlung. Unter diesen Umständen wurden die Voraus- « setzungen für den Eintritt des Waffenstillstandes als gegeben' erachtet, und es konnte die Entscheidung der örtlichen Par- �. teiei? abgewartet werden. Es war vereinbart worden, daß zu diesem Zweck am 12. Februar in allen Städte?? gleichzeitig Versammlungen der Unternehmer und der Arbeiter stattfinden sollen, doch machte sich an einigen Orten eine Verschiebung des Termins notwendig. Jetzt liegen aber die Ergebnisse der Abstimmung aus allen Städten vor. In den Versammlungen der SevverKIcKaftlicKes. Berlin und Umgegend. Die Tarifbcwegung der Kostümschneider beendet. Die durch die Tarifkündigung in der Kostümbranche einge- leitete Lohnbewegung kann als beendet bezeichnet werden. Nach mehrmaligem Verhandeln mit den der Tarifgemeir.schast ange- schlossenen Unternehmern ist es zu einer Einigung in bczug aus die Lohnfrage gekommen. Alle in Wochenlohn beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten eine Lohnaufbesserung. Diese soll für männliche Arbeiter 2 M., für selbständige Arbeiterinnen 1,30 M. und für Zuarbeiterinncn 73 Ps. betragen. Die Min de st löhne der männlichen Arbeiter sollen während der Tarisdauer insgesamt um 4 M/die Woche er- höht werden. Neben der sofortigen Zulage von 2 M. treten in den beiden nächsten Jahren weitere Zulagen von je 1 M. ein. Die M i n d e st l ö h n c der selbständigen Arbeite- rinnen erfahren außer der sofortigen Erhöhung von wöchentlich 1,30 M. in den beiden folgenden Jahren eine weitere Aufbesse- rung von je 73 Ps„ so daß die gesamte Erhöhung des Lohnes 8 M. beträgt. Zuarbeiterinncn erhalten insgesamt 2,25 Mark Zulage, und zwar sofort 73 Pf., in den beiden nächsten Jahren ebenfalls je 73 Pf. Die im Stücklohn(Akkord) beschäftigten Arbeiter erhalten eine Aufbesserung der bisherigen Preise von 3 Proz. Der von den Arbeitern geforderten Verkürzung der Arbeitszeit haben die Unternehmer nicht zugestimmt. Dienstagabend nahm nun eine sehr gut besuchte Versamm- lung der Äostümschneider und-Schneiderinnen Stellung zu dem Ergebnis der Verhandlungen. Der Referent Friedrich Kunze gab einen ausführlichen Bericht und erläuterte die von den Unter- nehmern gemachten Zugeständnisse. Die Verkürzung der Arbeits- zeit, die ja dringend notwendig sei, habe diesmal nicht erreicht werden können. Was in diesem Jahre nicht möglich gewesen sei, müsse bei der nächsten Bewegung errungen werden. Nedirer er- suchte im Namen der Ortsverwaltnng des Verbandes sowie der Tarifkommission die von den Unternehmern gemachten Zugeständ- nisse anzunehmen. Weiter forderte er auf, unermüdlich für die weitere Ausbreitung der Organisation tätig zu sein. Eine umfassende Agitation sei besonders unter den weiblichen Arbeitern notwendig, damit der Taris auch bei den bisher noch tariflosen Firmen durchgedrückt werde. Die dem Bericht folgende Diskussion war sehr lebhaft. Einige Redner erklärten sich gegen die Annahme der Vorschläge, da ihnen die gemachten Zugeständnisse nicht genügten. Andere Redner plä- diertcn auf Annahme der Vorschläge, die dann auch mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Somit dürfte die Tarifbewegung der Kostümschneider beendet sein. Der neue Tarif tritt am 1. März d. I. in Kraft. Abwehrstreik im Gaswerk Tegel. Im Gaswerk der Gemeinde Tegel, nicht zu verwechseln mit dem Berliner Gaswerk, sind die Arbeiter in einen Abwehrstreik verantw7Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.i in der Holzindustrie. Arbeiter machte sich vielerorts eine lebhafte Opposition gegen den Schiedsspruch geltend, doch wurde dieser schließlich in den meisten Städten angenommen, in einer ganzen Reihe von Städten jedoch gegen eine beträchtliche Minorität. A b- gelehnt wurde der Schiedsjpruck von der Mehrheit der Arbeiter in vier Städten, �nämlich in D a n z i g, Ä a t t o- Witz, S t a r g a r d und Steglitz. Von? A r b�e i t g c b e r j ch u tz v c r b a n d ist der Schieds- spruch in 29 Städten angenommen, dagegen fn22Städten abgelehnt worden. Die Mehrheit der Städte hat also den Schiedsspruch angenommen, und bei dieser Mehr- heit befinden sich die bedeutendsten Orte. Unter anderem ist der«Schiedsspruch angenommen in Berlin. Leipzig. Dresden. München, Düsseldorf. Köln, Magdeburg, Görlitz usw. Tie Tatsache, daß der Schiedsspruch in de?? größten Städten von beiden Seiten angenommen ist, be- deutet aber kei??eswegs, daß dessen Schicksal nunmehr ent- schieden sei: von der Sicherung des Friedens kann ma?l erst sprechen, wenn die Annahme auf der ganzen Linie er- folgt ist, m?d auch dann bleiben noch Streitpunkte übrig, die zu schlichten keineswegs leicht sein wird, Für die Beurteilung der gegenwärtigen Situation ist es wichtig, in Betracht zu ziehen, daß es sich in der Holzindustrsie zwar um Einzelverträge für die in Frage komrnendsn Städte han'delt, daß aber die ganze städtegruppe zu solidarischem Handeln verbunden ist. Es ist nicht angängig, Verträge in den Städten abzuschließen, in Neichen sich die Parteien einigen i?nd die übrigen Städte hängen zu lasse??: der Friedensschluß muß sich a?lf alle Städte der Gruppe erstrecken, und solange das???cht erreicht ist, kann die Kriegsgefahr nicht als beseitigt gelte n. Die beiderseitigen Zentralvorstände sind eifrig bei?iübt, die Hindernisse, die sich der friedlichen Verständigung nvck? in den Weg stellen, fortzuräumen: ob es aber i??sbesoi?dere dem Aröeilgeberschutzverband gelingen wird, seine Mitglieder an allen Orten zur An??ahme des Schiedsspruches zu bewegen, steht noch dah?n. Ter Ausga?igderTar?sbewegung in der Holzindustrie ist also noch völlig ungewiß. Es muß auch wiederholt daraus hingewiesen werden, daß der Schiedsspruch des Freiherr?? V. Berlepsch nur einen Teil der Streitpunkte betrifft. Wichtige Materien, wie die Revision der Akkordtarife, die Regelimg der Zuschläge für Ueberzeit und für Montagearbeiten, die Garantie des Lohnes bei Akkordarbeit usw., harren noch ihrer Er- I e d i g u n g._ lieber diese Gegenstände soll bis z?mi 1. März eine Verständigung zwischen den örtlichen Parteien erzielt sein. Die dann noch unerledigten Punkte sollen hieraus vor die Zentrakdorstä?ide gebracht:md erforderlichenfalls durch einen zweit e n Schiedsspruch des Freiherrn v. B e r- lepsch entschieden werden. Wäre der erste Schiedsspruch überall glatt angenommen, dann hätte man hoffen dürfen, de??' verbleibenden Rest ohne erhebliche Schwierigkeiten zu er- ledigen. Wer in einer beträchtliche?? Zahl von Städten steht die A??i?ah?i?e des Schiedsspruches noch aus, dort kann also auch über die� weiterei? Streitfragen lwch nicht verhandelt werdei?. Wie sich da die Dinge in den nächsten Wochen gc- stalten, läßt sich heute noch gar nicht übersehe??. Der bei der Zentralleitung der beiden Parteien vorhandene Wunsch, den Frieden zu erhalten, läßt erwarten, daß letzt«? Endes noch ein Ausweg aus den Schwierigkeiten gefunden wird. Aber die Entscheftnug hängt nicht allein von den Zentralvorständen ab, deshalb ist es begreiflich, wem? die„Holzarbeiter- Zeitung" auch in ihrer neuesten Nummer wieder an die Verbandsmitglieder die Mahnung richtet:„H a l- tet das Pulver trocken!" eingetreten. Am Sonnabend, den 13. d. M., verlangte der Direktor Metzmacher, daß die Betrtebsarbeiten. die bisher von acht Mann geleistet wurden, in Zukunft von 4 Mann zu verrichten seien. Von den Arbeitern wurde also eine Mehrleistung von 100 Proz. verlangt. Auf die Vorhaltungen der Arbeiter erklärte der Herr kurz und bündig, wer dem Verlangen nicht nachkäme, könne gehen. Das Gaswerk Tegel, das für seine Aktionäre eine Goldgrube war, hat sich von jeher durch äußerst rückständige Ar- bettsverhältnisse ausgezeichnet. Während sonst in Groß-Berlin all- gemein für die Betriebsarbeiter der Gasanstalten die achtstündige Schicht durchgeführt ist, besteht in Tegel noch die?2stündige Arbeitszeit,„gemildert" durch 18stündtge Wechselschtchten. Stundenlange Verhandlungen der Arbeiter verliefen resultat- los. Der.«öerr Direktor bestand auf seiner Anordnung. Hieraus legten die Betriebsarbeiter bis auf einen' die Arbeit nieder. Auch die Arbeiter des Außenbetrtebes verweigerten die Siretkarbeii. Die Direktton versuchte mit allen Mitteln den Betrieb auftechtzuer- halten. Leider ist es ihr gelungen, eine Anzahl Streikbrecher zu bekommen. U. a. arbeitet auch ein Mitglied des„Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes" als Streikbrecher. In der ersten Stacht bat eine Anzahl Arbeiter des Borsigschen Werkes Helferdienste geleistet. Allerdings dürsten diese Leute die geübten Arbeiter kaum ersetzen. Obgleich an Stelle von 8 Mann die Schicht mit 12 Mann besetzt ist, kann von einer regelrechten Aufrecht- erhaltung des Betriiches keine Rede sein. Im Betrieb herrscht ein TohlUvabohu sondergleichen. Die unteren Beamten möchten gerne die alten Arbeiter wieder haben. Auch die Berliner Gaswerke sollen in diesem Kampfe für die Werksverwaltung Partei ergriffen haben. Wie mitgeteilt wird, gibt das Berliner Gaswerk an das Tegeler Werk Gas ab! Nur dadurch ist es möglicfi, die Beleuchtung aufrecht zu erhalten. Es berübrt eigenartig, daß die Berliner Gaswerksverwaltung, in deren Betrieben schon längst bessere Arbeitsverhältnisse bestehen, bei den Verschlechterungs- versuchen der Direktion Metzmacher Hilfe leistet. Daß die staat- lichen Behörden sofort gegen die Arbeiter Partei nahmen, nimmt bei uns leider nicht wunder. So hat die Eisenbahnverwaltung den Streikbrechern die Erlaubnis erteilt, den Betrieb über das Eisen- babngcländc zu verlassen, damit sie nicht mit den Streikenden in Berührung kommen. Dicscr Streik führt wieder einmal die schöne Melodie von der Harmonie der Interessen zwischen Unternehmern und Arbeitern sä Lbguräum. Die Direktion des Gaswerkes Tegel verfügte bisher über sehr willige Arbeiter. Verschiedene Versuche, das Personal für die Or- ganisation zu gewinnen, waren bisher vergeblich. Das ganz un- glaubliche Verlangen der Direktion hat den Arbeitern plötzlich die Augen geöffnet. Die Versuche, durch Vermtttelung des Gemeindevorstandes eine Einigung herbeizuführen, sind bisher gescheitert. Aus den Ver- bandlungen war aber schon zu entnehmen, daß der Herr Direktor die Ereignisse aus ein„Mißverständnis" zurückführen möchte. Dem stehen aber die Aussagen der Arbeiter gegenüber. Tie Gemeinde- Vertretung hätte alle Ursache, sich mit den Dingen zu befassen und Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, den Streik beizulegen. Achtung, Fnseurgebilsen! Tariflich geregelt ist Adler, Wiener Straße 36, N 1 1 s ch e. Äopenhagencr Straße 46, Langer. Dunckerstr. 68, K o h n e r i. Wrangelstr. 38. Aufgelöst sind die Abmachungen bei König, Lychener Straße 106, Anders, Box- Tb- Glocke. Berl'n. Druck u. Vertag« Vorwärts Bullidr. u VerlagsanflaU Hagener Straße 3ts, Mittelstädi, Reinickendorf, Wachhokder» straße 47. Verband der Friseurgehilfen. Achtung, Metallarbeiter! Die Metallwaren- und Ar- m a t u r e Iis a b r i k G. m. b. H., vormals A. Körner �Inhaber: Firma Krüger, A.-G., Köpenick), in Crossen a. Oder hat in letzter Zeit wiederholt durch Zeitungsinseraie Arbeitskräfte gesucht. Hauptsächlich werden Schlosser, Dreher und Arbeiterinnen ver- langt. Es wird vor Arbeitsannahme gewarnt. Die Löhne sind ber der Firma die denkbar niedrigsten. Schon seit vor Weihnachten muß ein Teil der Arbeiter aussetzen, viele wurden wegen Arbeitsmangel entlassen, andere arbeiten mit verkürzter Arbeitszeit. Tie Betriebsleitung versucht noch obendrein, die Akkordpreise herab- zudrücken. Für Arbeiten, die noch im vergangenen Herbst mit 30 Pf. bezahlt wurden, soll es jetzt nur noch 14 Pf. geben. Nicht genug damit, daß die Preise für viele Arbeiten berabgesetzt wer- den, gibt es jetzt wegen Arbeitsmangel nur kleine Posten in Arbeit. Arbeiter, die bei der Firma 10, 13 und noch mehr Jahre gearbeitet haben, sind entweder entlassen oder haben wegen der unerträglich niedrigen Verdienste aufgehört. Trotz alledem sucht die Firma neue Arbeitskräfte. Wer sich vor Schaden bewahren will, der meide Crossen. Dcuttchcs Reich. Zum Streik in der Binnenschiffahrt. Nachdem die Mannschaften am 13. Februar geschlossen die Fahrzeuge verlassen haben, ruht ver Schisfahrtsverkehr fast völlig. Am stärksten wirkt der Streik auf der Elbe, Saale und Havel. Die Gesellschaften hatten die Schissssührcr ausge- fordert, Stretkarbeit zu leisten; in den meisten Fällen haben diese das Ansinnen jedoch abgelehnt und sind ebenfalls ausständig geworden. Auf der Oder sollte die Schisfahrt am 13. aufgenom» mcn werden, doch sind sämtliche Mannschaften zu Hause geblieben. Die Unternehmer versprechen den Mannschaften, die während des Streiks fahren, sogenannte Streik- Prämien; doch haben sie damit wenig Erfolg. Die Einigkeit der Mannschaften ist mustergültig. Auch in den Kreisen der Privat- schiffer beginnt es zu gären. Sie sind über das Verhalten der Gesellschaften sehr ungehalten; täglich lausen bei den beteiligten Verbänden Zuschriften aus Privatschifferkreisen ein, in welchen diese sich für die Nachtruhe aussprechen. Auch die Schiffer von der Elbe nehmen denselben Standpunkt ein. Daß die Forderungen der Organisationen durchführbar sind, beweist die Tatsache, daß bereits über 30 Firmen bewilligt haben. Neue Abschlüsse stehen unmittelbar bevor. Ter Hilferuf der Unternehmer an die Behörden ist nicht un- gehört verhallt. Die Umschlagsplätze sind polizeilich abgesperrt. Streikposten werden sistiert. Die Mannschaften rüsten zu einem langen Kampf. Von den Arbeiterorganisationen sind besondere Einrichtungen zur Durch- führung des Streiks getroffen. Es sind zwölf �Zentralstellen er- richtet, die Hauptleitung sitzt in Berlin. Die Streikunterstützung an die in etwa 1000 Dörfern wohnenden Mannschaften wird an einem Tage in zehn Auszahlungsorten vorgenommen. Ter Kampfcsmut der Mannschaften ist ein vorzüglicher, so daß die Organisationen den Verlauf der Bewegung in Ruhe ab- warten können.____ Zum Kampfe in der Uniongiesjerci zu Königsberg ist zu melden, daß vorläuftg die Verhandlungen zu einem Ziel nicht geführt haben. Schuld daran ist die hochmütige Haltung der Direktion, die alle Forderungen der Arbeiter schroff ablehnt und deren völlige Unter- wersung fordert. Sic will nicht die einbehalienen Akkord löhne herausgeben und auch nicht von einer weiteren Einstellung von Arbeitswilligen während der Zeit der Verhandlungen absehen. Die Hilfsarbeiter, die 40 Pf.«stundenlobn fordern, sollen nch mit den? alten Lohn von 85 Pf. begnügen. Tie einheimischen Streikbrecher sollen nicht entlassen werden, und für den zu bildenden Arbeiter- ausschuß will die Direktion die Statuten selbst aus- arbeiten; auch der gelbe Werkverein soll nicht aufgelöst werden. Bezirksleiter Vorrath von d»n Hirsch-Dunckcrschen nannte das Ver- balten der Direktion eine unerhörte Verhöhnung der Arbeiterschaft. Einstimmig wurde in einer Versammlung der kämpfenden Arbeiter folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung der streikenden und ausgesperrten Union- arbeiter erblickt in den Erklärungen der Direktion der Vorhand- lungskommifsion gegenüber das Verlangen einer bedtngungs- und Ivürdelosen Wiederaufnabmc der Arbeit. Tie Versammelten erklären, daß hierzu nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Tie Forderungen der Hilfsarbeiter haben an ihrer Berechtigung nichts verloren und die Solidarität der Ausgesperrten besteht nach wie vor. Trotzdem beauftragt die Versammlung die Kommission, die Verhandlungen auf Wunsch der Direktion am Mittwoch fort- zusetzen." Unerhört ist das Verhalten der bürgerlichen Presse am Orte, die den Kampf totschweigt und nicht einmal die Berichte der Vertreter der Hirsch-Dunckerschcn aufnimmt. Vor einigen Tagen ist übrigens wieder einer der„nützlichen Elemente" aus der Untongteßerei zu Gefängnis verurteilt worden. Er hatte der Direktion für etwa 100 M. Werkzeug ent- wendet und für die„staatserhaltende Tätigkeit" hat er vier Wochen Gefängnis erhalten. ketzt* Nachnditcn. Eine Interpellation über die Grausamkeiten im Balkankrieg. London, 19. Februar. Oberhaus. In der beutigen Sitzung befragte Lord L a m i n g i o n die Regierung über die angeb- lichen Grausamkeiten in Mazedonien und Thrazien und verlangte zu wissen, welche Antworten auf den Balkanstaatei? etwa gemachte Vorstellungen gegeben worden wären. Lordpräsident des Geheimen Rats Mo r l c y erwiderte, es sei nicht leicht gc- Wesen, darüber ein Urteil zu gewinnen, in wie fern die Gerüchte von Grausamkeiten begründet waren, da es für fremde Rcgierun- gen unmöglich war, aus den Kriegsschauplatz zu gelangen uno Nachforschungen anzustellen. Vorstellungen in nicht offizieller Form sind in Serbien und Bulgarien erhoben worden. Tie serbische Regierung hat geantwortet, wenn in vereinzelten Fällen Soldaten in der Hitze des Kampfes Verbrechen begangen bäiicn, so wären die Uebeltäter stets mit der vollen Strenge der KriegSgcsetze be- straft worden. Wenn Verbrechen von versprengten Mitgliedern freiwilliger Banden, die nicht durch die Militärbchörven kon- irolliert werden konnten, begangen� worden wären,'so hätten die serbischen Behörden auch alle Versuche persönlicher Rache streng bestraft._ Das neue Regime in Mexiko. Washington, 19. Februar.(W. T. B.) Präsident Taft hat ein Telegramm des provisorischen GeneralgouverncurS von Mexiko erhalten, der ihm meldet, die Regierung Maderos sei überwunden, und Friede und Wohlfahrt würden von nun an in Mexiko herrschen.— Ein weiteres Telegramm aus Mexiko besagt, daß Gustavo Madero, ein Bruder des ehemaligen Präsidenten, heute standrechtlich erschossen worden ist. Schiffskatastrophe. Cettr, 19. Februar.(W. T. B.) Der Dampfer„Oberon vom Hafen St. Mako hat heute nacht bei Cette Schiffbruch erlitten. Ä ch t Menschen sind ertrunken.___ HaÄSmger ä: Co., Berlin L1V. Hierzu 2 Beilagen u.llr?terhaUu«gsbl. Dr. 43. 30. Iahrgaog. i ßtilnp des Jutmärts" Derl« PsIMInft. Dovuerstag, 20. Februar 1913. Reichstag 1913, die 11®. Sitzung. Mittwoch, den 19. Februar nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratst'isch: Niemand. Auf der Tagesordnung stebt der Antrag des Zentrums beir Aufhebung des Jesuitengesetzes. Abg. Spahn(Z.): Viermal hat der Reichstag bereits die Auf Hebung des Jesuitengesetzes beschlossen. Zu dem neuen Antrag liegt ein Antrag Ablaß vor. wonach bei Aufhebung des Gesetzes die landesrechtlichen Borschriften zu der Materie unberührt bleiben. Für uns handelt es sich bei dieser Forderung um die Frage, inwieweit das Reich Anspruch darauf erheben kann, ein R e ch t s st a a t zu sein, solange das Jesuitengesetz besteht.(Sehr richtig! im Zentrum.) Redner geht auf die Entstehungsgeschichte des Jesuitengesetzes ein. Ueberall, wo die Jesuiten tätig sein konnten in protestantischen Ländern ist niemals eine Störung des konfessionellen Friedens er- folgt.(Sehr richtig! im Zentrum.) Politisch tätig dürfen sie überhaupt nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ordens- generals für den einzelnen Fall sein.(Sehr wahr! im Zentr.) Man spricht immer absprechend über die jesuitische Moral. Wenn aber die Mehrzahl unseres Volkes auch nur so viel Moral hätte, wie der laxeste Jesuit, dann würden all die Klagen verstummen, über Unter fchätzung der Wissenschaft und Ueberschätzung der materiellen Güter.(Sehr gut I im Zentrum.)— Der Zentrums- türm bedarf der Aufhebung des Jesuitengesetzes nicht; wie man in der Presse behauptet hat, nur uns liegt lediglich an der Wahrung der Rechte der katholischen Bevölkerung und der Jesuiten. Zu dem Antrag Ablaß liegt kein Anlaß vor, denn es handelt sich hier um das Reichsgesetz. Im übrigen ist die Tragweite des An tragS, soweit er sich nicht nur auf die Frage der Niederlassungen, fondern auch auf priesterliche Handlungen beziehen soll, nicht zu übersehen. Ich bitte«ie deshalb, unserem Antrag zuzustimmen. (Bravo I im Zentrum.) Abg. Hofmaun-Kaiserslautern(Soz.): Seit der Aufhebung des Z 2 des Jesuitengesetzes im Jahre 1904 haben wir eine Art Waffenstillstand. Der neue Vorstoß ging von Bayern aus durch den Hertlingschen Erlaß, der zweifellos einen Uebergriff in die Sphäre des Reichsrechts bildete.(Sehr richtig!) Man sagt, Herr v. H e r t I i n g habe nur eine Erbschaft seines Vorgängers übernommen. Aber er war doch durch seine eigene Vergangenheit erblich belastet.(Sehr richtig I) Emen Erlaß seines Vorgängers über die Zulassung der Feuerbestattung, über die Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht, über die Zulassung von Sozialdemokraten zu Staatsämtern hätte er wohl kaum ausgeführt.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Der selbe Frhr. v. Hertling, der sich eines offenbaren Ver- stoßes gegen die Reichsgesetze schuldig gemacht hat, will uns Sozialdemokraten unter ein Ausnahmegesetz stellen, weil wir nicht gesonnen seien, die Reichsgesetze zu respektieren. Wer die Ge- müter der bayrischen Sozialdemokraten kennt, glaubt schon ohne weiteres das nicht von uns.(Heiterkeit.) Gar mancher Prälat hat uns bestätigt, daß wir relativ gar nicht so schlecht und absolut noch viel besser sind wie die Liberalen.(Große Heiterkeit.) In der Bayerischen Reichsratskammer nannte Herr v. Hertling das Jesmtengesetz ein odiöses Kampfgesetz. Ich unterschreibe das. Aber ein Minister, der ein bestehendes Reichsgesetz wegintcrpretieren will, hat das Recht verwirkt, gegenüber der Sozialdemokratie auf die Staatsautorität hinzu- weisen. Ueberdies war das Vorgehen des Freiherrn v. Hertling eine große Dummheit; man kann von ihm sagen: Wärest Du kein Staatsmann geworden, so wärest Du ein Staatsmann ge blieben I(Heiterkeit.) Das Jesuitengesetz ist ein Tendcnzgesetz schlimmster Art, ein Ausnahmegesetz nicht nur gegen die Jesuiten, sondern gegen die katholische Kirche.(Hört! hört! im Zentrum.) Bei der Begründung de« Gesetzes erhob man schwere Anklagen über die Gemein- gefährlichkeit der Jesuiten. Setzt man überall statt des Wortes „Jesuiten"„Sozialdemokraten", so hat man die s ch ö n st e Begründung des Soziali st engesetze s. Mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten suchte man die Schlechtigkeit und Verwerflichkeit der Jesuiten zu beweffen. Natürlich sind fie Menschen wie alle anderen, im Guten wie im Schlimmen. ES ist daS die- Rieiiies fcuilleton. Der 20. Februar 1813 in Berlin. In der ganzen blutigen napoleonischen Epoche hat Berlin selbst von eigentlichen kriegerischen Aktionen nur in den Februartagen 1813 etwas zu spüren bekommen. Das russische Korps von Tettenborn, in dem sich auch viele Deutsche befanden, versuchte damals von Norden her(Werneuchen, Pankow) einen Handstreich gegen die französische Besatzung, die noch immer in Berlin lag. Es muß schon etwas Besonderes gewesen sein. denn der Berliner Komponist Zelter, der sonst nicht übermäßig oft bei den kriegerischen Ereignissen verweilt, berichtet am 21. Fe- bruar 1813 darüber an seinen Freund Goethe mit folgenden Worten: „Gestern ist es etwas ernsthaft in unserer Residenz hergegangen. Von einer Anzahl Kosacken, die gegen dreihundert angegeben werden, hatten sich gegen hundertundfünfzig auf den Anhöhen vor der Stadt zusammengefunden, sprengten in die Tore herein und hieben und schössen eine Anzahl Franzosen nieder, welche sie auf den Straßen fanden. Dies geschah gegen Mittag. Ich befand mich auf der Akademie. Als ich gegen 2 Uhr zu Hause wandeln wollte, tvaren die Brücken bereits von den Franzosen gesperrt und mit Kanonen besetzt; ich mutzte deshalb einen sehr weiten Umweg nehmen, bis ich endlich mein Haus nach 3 Uhr erreichte. In nieiner Straße war es lebhaft hergegangen. Die mir gegenübcrsteheiwen Häuser waren von Kugeln durchlöchert. Mehrere Bürger sind getötet und mein Nachbar, ein Kaufmann, auf den Tod verwundet. Gegen b Uhr hatten die Kosacken den Weg zum Tore hinaus wieder ge- funden. Wären diese kühnen Leute still, in Masse, ins Haus des französischen Gouverneurs Herzogs von Castiglionc gedrungen. anstatt sich mit dem Niederhauen einzelner Franzosen in den Straßen zu beschäftigen und die ganze Stadt zu alarmiren, so hätte der Coup gelingen können; und hätten gegenteils die Franzosen, welche überrumpelt schienen, sogleich die Thore sperren lassen, so wäre kein Russe gesund wieder hinausgekommen." Das Gerücht, die Franzosen wären abgezogen, bestätigte sich nicht; sie erhielten im Gegenteil Verstärkung und biwakierten die Nacht über in den Straßen.„Es herrscht eine ahnungsvolle Stille, Niemand weiß, was er vornehmen soll." Am 24., als die Kosacken noch immer vor den Toren herumschwärmen und die französische Besatzung auf 12 000 Mann erhöht worden war, wird der„Zustand" als„ängstlich" bezeichnet.„Es ist so ruhig, daß man des Abends die Hunde laufen hört." Die Plänkeleien in der Umgegend dauerten noch einige Tage an, bis das Vorrücken der russischen Infanterie über die Oder die französische Besatzung am 4. März zum Abzüge veranlaßte. Tettenborn war niit dem Verhalten der Berliner sehr unzufrieden gewesen. Er hatte gehofft, sie würden sich bei seinem Husarenstreich alsbald erheben und nannte sie nun„Bestien, die kein Blut, sondern Wasser in den Adern haben." Als„erstes Opfer im deutschen Freiheitskriege" siel, wie der Gedenkstein am Königstor meldet, Tettenborns Adjutant A. v o n Blomberg, ein seinerzeit geschätzter Theatermann aus dem «mantifchen Lager, Fouguex der 1820 feinen Nachlaß herausgab� selbe Kampfesmethode, wie sie gegen die Sozialdemokraten geübt wird, und namentlich vom Zentrum.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hier erfüllt sich beim Zentrum das Wort: Womit du sündigst, wirst du bestraft. Zweifellos kann man in den Jesuitenschriften eine Unmenge von Stellen finden, die mit den heute herrschenden Rechts- und Moralbegriffen sich nicht ver- einigen lassen. Wer bedenkt, daß ihre Staatstheorien nur Abstraktionen eines im Mittelalter bestehenden Zustandes sind, wer bedenkt, daß der Jesuitenorden ein Teil der katholischen Kirche ist, und wer weiter bedenkt, daß die Kirche ihre glänzende Herrschaftsstellung im Mittelalter nicht vergessen kann und deswegen Staatstheorien aufrecht erhält, über die man in der Wirklichkeit längst zur Tagesordnung übergegangen ist, der versteht auch die Sätze der Enzyklika, des Syllabus und die Moralsätze der Jesuiten. Während die Staatstheorie der Sozialisten seit hundert Jahren immer mehr von der Utopie zur Wirklichkeit fortschreitet, ist die der Jesuiten seit dreihundert Jahren immer mehr von der Wirklichkeit zur Utopie fortgeschritten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber selbst wenn die theoretischen Sätze der Jesuiten so gefährlich wären, wie ihre Gegner es darstellen liegt doch kein Grund zur Aus nahmegesetzgebung vor, denn die Gesetzgebung soll Handlungen bestrafen, nicht Ge- s i n n u n g e n, Taten, und nicht Theorien, und in unserer Zeit ist kein einziger Jesuit bestraft worden wegen hochverräterischer oder umnoralsicher Taten.(Hört! hört I im Zentrum.) Ebensowenig wie ein Sozialdemokrat wegen revolutionärer Taten.(Widerspruch im Zentrum.) Sozialdemokraten sind nur wegen revolutionärer Gesinnungen, niemals wegen revolutionärer Taten bestraft worden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Spahn sagte, den Jesuiten sei durch ihren OrdenSgeneral streng verboten, Politik zu treiben. Das Verbot wird aber nicht so strenge gehalten. So weist die Augsburger„Post" nach, daß der Jesuit Bödinghausen den ersten König von Preußen hat machen helfen. Es wird also da der aktenmäßige Nach- weis erbracht, daß die Könige von Preußen weniger von Gottes Gnaden sind, als von JesuitenGnaden.(Lebh. Heiterkeit.) Man will die Jesuiten nicht zulassen, weil ihre Väter vor mehreren hundert Jahren recht schlimme Taten vollbracht haben. Wir haben es doch mit den Jesuiten des 20., nicht mit denen des 16. Jahrhunderts zu tun. Wir bestrafen ja auch nicht die Nachkommen der ehemaligen Raubritter.(Große Heiterkeit.) Nach unserer Auffassung ist auch heute die Tätigkeit der Jesuiten ohne eine tüchttge Portion geistigen Terrorismus nicht möglich, aber die Frage ist nicht, ob sie nützlich oder schädlich sind, sondern ob man ein Ausnahmegesetz braucht. Es ist interessant, daß das Zentrum sich für die Zulassung der Jesuiten auf Friedrich den Großen, auf Lessing, Goethe und Heinrich Heine beruft, das ist eine schöne Galerie von Freigeistern und Atheisten, die als Kronzeugen der Jesuiten angeführt werden.(Heiter- keit.) Das Zentrum sagt, die jesuitische Lehre ist die der katho- lischen Kirche. Ganz meine Meinung. Die Lehre etwa? weiter geführt. kommen wir zu der Auffassung, daß hier die Herren vom Zentruni samt und sonders Jesuiten sind.(Große Heiterkeil.) Und in weiterer Konsequenz führt es dahin, daß wir in Deutschland ein paar Millionen Jesuiten haben. Da sollten uns die»paar hundert Jesuiten in Uniform auch nicht mehr schaden. Entweder muß das Jefuitengesetz aufgehoben werden oder Sie machen ein Aus- nahmegesetz gegen die katholische Kirche.(Lebhaftes Sehr richtig! iin Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Am 4. Dezember 1912 hat der Reichskanzler die Nichtzulassung der Jesuiten mit der Rücksicht auf die Gefühle der 40 Mill. Protestanten begründet und von der Erhaltung des konfessionellen Friedens gesprochen. Der nationalliberale Redner feierte ihn, weil er Oel auf die Wogen des konfessionellen Kampfes gieße. Aber die Rechnung mit den 40 Millionen Protestanten stimmt nicht, die 15 Millionen Sozial- demokraten erklären die Religion zur Privatsache und verlangen die Aufhebung des Jesuiten gesetzeS. Die ungeheuere Erregung, von der in den Zeitungen die Rede ist, ist beim deutschen Volke gar nicht vorhanden(Sehr richtig I), die großen Volksmassen haben ganz andere Dinge zu tun, als an die Jesuiten zu denken, in dieser Zeit der Teuerung geht der Kampf ums tägliche Brot und nicht um die Jesuiten, und wenn ein Beruhigungsmittel für konfessionelle Hilfs- kräste absolut nötig ist, so möchte ich dem Reichskanzler nicht das teure Oel empfehlen, sondern daS billige kalte Was s e r.(Große Heiterkeit.) Dem Zentrum möchte� ich sagen, Toleranz und Konfession sind ewig unvereinbare Gegensätze;(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Toleranz zu fordern ist leicht, hat einige seiner Briefe bewahrt, in denen von seinen(unerfüllten) Dichterhoffnungen zu lesen ist. Er, der bei Jena mitgekämpft und Schills Zug mitgemacht hatte, saß 1811 in seiner Garnison Neisse und befriedigte seinen Kunstenthusiasmus durch Mitwirkung an einem Liebhabentheater unter dem hohen Protektorat des Herrn Majors. Als er den ewigen Kotzebue auf dem Repertoire einmal gegen Goethes„Egmont" vertauschen wollte, mutzte er erfahren, daß die Majorin, die sich für eine sehr gebildete Dame hielt, das Stuck nicht kannte. Der Gatte erst recht nicht. Nach der Lektüre erfolgten diese Urteile:„Er meinte, es sei das erbärmlichste Stück, das er je gelesen, es sei schrecklich langweilig und habe gar keinen Schluß, es sei zwar von einem großen Manne, allein(meinte er) die großen Herren schießen auch zuweilen große Pudel. Sie meinte, man könne für Langeweile darin sterben, dann i« ein- zelnen, spreche die gemeine Person(Klärchen) gar zu heroisch, und dann fragte sie mich: kann er sie denn heiraten? Aus Verneinung erwiderte sie: ja, sehen Sie, das ist schon ein Uebelstand." So repräsentierte auch nach der Lehre von Jena die regierende Kaste des preußischen Staates dessen Kultur, und das Volk war gut- gläqchig genug, Besserung erhoffend, sich dafür mit Gut und Blut einzusetzen. Ein unterirdisches Wunderwerk. Unter die bedeutendsten und wichtigsten unterirdischen Höhlen Europas wird von nun an die Grotte von R e m o u ch a in p s in der Nähe von Spa in Belgien zu rechnen sein, denn die Natur hat sich hier als Baumeister und Deko- rateur in so großartiger Weise betätigt, daß sie alle menschlichen Phantasien weit in den Schatten stellt. Die Höhle, die erst vor einiger Zeit entdeckt wurde, ist nunmehr sorgfältig erforscht worden und wird auch der Oeffentlichieit zugänglich gemacht werden. Einer der Entdecker und Erforscher E. Rahir erzählt in der„Nature" von dem märchenhaften Palast und der geheimnisvollen unterirdischen Welt der Abgründe, Gänge und Flüsse, die die Natur sich da ge- schaffen hat. Durch die Anbringung einer Reihe von Leitern gelang es, in die oberen Galerien der Höhle einzudringen, die sich, gleich- sam in einem dritten Stockwerk der Grotte, über 100 Meter weit, ausdehnen. Dann wurden die Leitern auf Schiffen über den unter- irdischen Fluß transportiert, der dieses Reich der Tiefe durch- schneidet; man stieg an den senkrechten steilen Wänden empor und gelangte durch eine kleine Oeffnung plötzlich in einen Saal von riesenhaften Verhältnissen, hinter dem sich neue Abgründe und neue Säle öffneten. Dieser Hauptraum, den man„die Kathedrale" genannt hat, ein Saal mit senkrechten Wänden und flacher Decke, ist mehr als 100 Meter lang, 40 Meter breit und etwa 60 Meter hoch. Eine sich abzweigende Galerie bildet den„Chor" dieses Domes, während sich an einer Seite ein kleinerer kapellenartiger Raum befindet. Dieser grandiose Prachtraum der Natur ist mit den herrlichsten Kristallisationen vcrschluendcrisch ausgeschmückt und gewährt im blitzenden Schimmer des Lichts, in dem vielgestaltigen Reichtum der Formen einen überwältigenden Eindruck. Auf einer natürlichen Felsbrückc, der„Brücke der Titanen", gelangt man von dem Fluß aus zu der Kathedrale und dann zu einer Flucht von weiteren Sälen, unter denen zwei besonders hervor- wenn man in der Minderheit ist, aber schwer zu üben, wenn man in der Mehrheit ist. Unser moderner Rechtsstaat ist seiner ganzen Natur nach nicht katholisch und nicht protestantisch, nicht christlich und nicht unchristlich. In einem solchen Staat darf eine konfessionelle Mehrheit nicht die Vergewaltigung einer konfessionellen Minderheit verlangen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die deutschen Katholiken dürfen auf deutschem Boden keine Jesuiten- Missionen mitmachen, aber 10 Kilometer weiter, jenseits der holländischen Grenze, da können sie es ohne weiteres tun, gerade so wie die Leichenverbrennung im Bayerischen nicht gestattet ist, wohl aber im Württembergischen. Auch wir Sozialdemokraten halten den Jesuitenorden für einen Kanipfesorden, wir meinen aber auch, der evangelische Bund ist keine Gesellschaft der Friedensfreunde.(Große Heiterkeit.)_ Die Jesuiten werden sicherlich nicht den religiösen und politischen Frieden fördern, es ist aber nicht die Aufgabe der Reichs- oder Staats- regierung, darüber zu wachen, sondern sie hat absolute Neutralität zu üben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Man sagt, die Ereignisse während der Gegenreformation müssen unsere schmerzlichsten Gefühle hervorrufen. Aber während der Gegenreformation haben beide Parteien, Katholiken wie Pro- testanten, das schlimmste an Bergewaltigung ihrer Gegner verübt. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man sagt, die Jesuiten stören den religiösen Frieden. Aber wir haben den religiösen Frieden auch nicht gehabt in den Jahrzehnten, seit dem die Jesuiten vertrieben sind. Innerhalb der evangeli- schen Kirche besteht der Streit zwischen Liberalen und Orthodoxen, innerhalb der katholischen Kirche zwischen der Berliner und Kölner Richtung. Die Formen, in denen diese Kämpfe durchgeführt werden, sind alle nicht christlich.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Trotz des bestehenden Kampfes unter den Konsessionen ertönt dann der Ruf: Sammlung aller Christen zum Kampf gegen den Unglauben, gegen den Umsturz. Das ist ein unehrliches politisches Kampfmittel. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In diesen ganzen Kämpfen zeigt sich sehr wenig Christentum, aber eine Masse Pharisäer« t u m.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Was daS Zentrum und die Konservativen zusammenführt, ist die gemeinsame Furcht vor der Sozialdemokratie.(Sehr wahr l bei der Sozialdemokratie.) Das Zentrum bekämpft das Jesuitengesetz als ein Ausnahmegesetz; aber ist es zu einem solchem Kampfe wirklich legitimiert? 1878 hat zwar das Zentrum unter Führung Windthorsts gegen das Sozialistengesetz gestimmt; aber bereits 1380 stimmte ein Teil des Zentrums für dessen Verlängerung.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Interessant ist, daß der damalige Sprecher als Grund dieser Abstimmung anführte, die Praxis habe gezeigt. daß das Gesetz nicht gegen alle mißliebigen Parteien, sondern wirklich nur gegen die Sozialdemokraten benutzt würde.(Lebhaftes'Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Weiter sagte jener Redner:„Ich kann sogar für mich hinzufügen, daß mich damals schon das Schlagwort vom Aus- nahmegesetz nicht weiter beirrt hat." Dieser Redner war Frhr. v. Hertling.(Lebhaftes Hört! hört I links.) Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte: wenn es auf das Zentrum angekommen wäre, hätten wir das Sozialistengesetz heute noch. Tatsache ist, daß 1884, 1386 und 1888 immer so viel Zentrumsleute dafür stimmten oder abkommandiert worden sind, daß es stets gerade ausgereicht hat.(Hört I hört I bei den Soz.) So lange das Jefuitengesetz besteht, wird ja das Zentrum für ein neues Ausnahmegesetz nicht eintreten können; aber dafür duldet eS das Ausnahmerecht gegenüber der Sozialdemokratie. DaS ist schließlich noch schlimmer. Ein Ausnahmegesetz ist dem Ausnahmerecht gegenüber, wenn auch brutal, so doch wenigstens ehrlich. Hier spricht das Zentrum von Freiheit und Gleichberechtigung. und doch treibt es mit der Unterdrückung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Sozialdemokraten niemand toller als der Ministerpräsident Frhr. v. Hertling. Unter ihm ist Bayern zum klassischen Lande der politischen Unterdrückung geworden, indem das politische Denunziantentum sich immer mehr verbreitet.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dabei hat 1878 der Zentrums- führer Windthorst hier im Reichstag gesagt:„Die ganze Theorie, daß der Staat und die Majoritäten, welche zufällig vorhanden sind, das Recht haben, Parteien, die ihm nicht gefallen, vom Genuß staats- bürgerlicher Rechte auszuschließen, ist etwas ganz Horrendes."(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Damit hat er die heutige Zentrumspraxis in Bayern auf das schärfste verurteilt. DaS gen- trum hat bis jetzt noch kein Ausnahmegesetz beschlossen, aber ich ragen. Der„weiße Saal" hat an seiner Decke und seinen Wänden einen solchen Ueberflutz von Stalaktiten und Stalagmiten von ganz heller Färbung, daß sie eine schneeige und völlig reine Weiße hervorrufen, die kaum irgendwo anders ihresgleichen hat. Ebenso eigenartig ist ein anderer Saal aus Schiefer, der über und über mit Tropfsteingebilden aus Kalkstein geschmückt ist. Von der Decke hängen schlanke Stalaktiten hernieder, während an den Wän- den Stalagmiten in üppigem Geivirr emporwachsen und der Boden mit leuchtenden kleinen Kristallen bedeckt ist. Der Raum ist nicht nur von hohem wissenschaftlichem Interesse, sondern strahlt in seinem irisierenden und opalisierenden Schimmer auch einen hohen ästhetischen Zauber aus. Die Höhle von Rcmouchamps wird mit ihren drei Stockwerken von übereinanderliegenden Galerien dem Publikum zugänglich sein; der Besuch nimmt nur zwei StmOmB! in Anspruch._ Notizen. H— Bühne nchronik. Tilla D u r i e u x wird dem Theater der Societäre, dem sie sich verpflichtet hatte, nicht angehören. Sie zahlt 25 000 M. Strafe, was bei einem Genossenschaststheater merk- würdig berührt. Wenn Schauspieler selbst eine Bühne übernehmen. sollten sie doch die Mißstände, die sie sonst bekämpfen, bei sich selbst abtun: und dazu gehören doch wohl solche Konventionalstrafen.— Rosa B e r t e n s hat sich dem Deutschen Theater für mehrere Jahre verflichtet. — I s a d o r a Duncan, die Reformatorin der Tanzkunst, wird am 10., 12. und 14. März ihr neues Programm, Glucks Orpheus, in der Kurfürstenoper tanzen. — Die Atlantis-Terrakotten, die Leo FrobeniuS auf westafrilanischem Boden ausgegraben hat, sind von ihm dem Museum für Völkerkunde als Geschenk überwiesen worden._ — Nationale Heuchelei. In der Südpolar- Expedition des Leutannts Filchner scheinen, wie immer mehr durchsickert, allerlei Zwistigkeiten geherrscht zu haben. Anstatt daß nun aber die Dinge in der Oeffentlichkeit geklärt werden, verlegt man sich aufs Vertuschen. Der„Lokal-Anzeiger" bringt täglich Andeutungen, die bekanntlich viel giftiger wirken als die volle Tatsächlichkeit, und be- ruft sich dabei aus— nationale Gründe. Natio»«.'« Gründe erfordern immer, vorhandene Mißstände aufzudecken und»�zustellen—> aber nicht zu verheimlichen. — Danksagung. In dem gestrigen Artikel„Ein Dichter gegen die Kinopest' finden sich nur wenige Druckfehler, von denen nur einer beanstandet werden soll. Hauptmann hat also seinen Roman „Atlantis" nicht zur Verulmung, sondern zur Verfilmung überlassen. Verständlicher wäre immerhin noch Vermulmung gewesen. Aber Dank sei den(unbekannten) Göltern, die nicht noch weitere Druck« fehler hinzufügten. Wie leicht hätte aus Kyser— Kayser, aus Kino- Pest— Kinofest werden können. Die Leser ahnen gar nicht, was für eine Menge Druckfehler möglich sind. Neulich wurde der Sozial- Pädagoge Natorp zu Ratorop, die Zeltstange Scotts zu einer Feld« stange(offenbar vom antarktischen Hopfenbau) usw. usw. furMe, seine ganze EntWickelung führt dahin. Die Nationalliberalen und Konservativen werden natürlich den Antrag ablehnen, die Volks- Partei wird vielleicht getrennt stimmen. Ich verstehe allerdings nicht, was die Liberalen abhält, für die Aufhebung des Jesuiten- gesetzes zu stimmen. Man sagt, der Jesuitenorden iei eine internationale Gesellschaft. Aber international ist unsere ganze christliche Kirche, alle Weltanschauungen sind international, hier sitzt die rote Internationale, dort die goldene, und da die schwarze.(Große Heiterkeit. Zurufe: Und da drüben die grüne!) Nein, die Herren sind vollständig frei von jeder Jnter- Nationalität, das ist eine besondere Sorte, die nur in O st e l b i e n sitzt.(Stürmische Heiterkeit.) Ferner sollen die Jesuiten das Recht zur Revolution verkünden. Nun, das ist schon verkündet worden von hervorragenden Staatsrechtslehrern, von berühmten Philosophen, ja auch in konservativen Zeitungen und in Reden preußischer Junker.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Am wenigsten begreife ich den Abscheu der Liberalen gegen diese Theorie, die doch selbst vor Jahren die Revolution sehr stark in die Praxis umgesetzt haben. Leute mit solcher praktisch-revolutionären Vergangenheit sollten Sozialdemokraten und Jesuiten nicht vorwerfen, daß sie die revolutionäre Doktrin verteidigen.(Sehr wahr!) Und sind nicht die ganzen Befreiungskriege vor 100 Jahren durch eine revolutionäre, hochverräterische Tat eingeleitet worden?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Kampf gegen den Klerikalismus kann heute nur mit den modernen Waffen des Geistes geführt werden, aber nicht mit der rohen Gewalt von Aus- nahmegesetzen. Die Liberalen sollten doch endlich mithelfen, dem Zentrum dies billige, stets wirksame Agitationsinittel zu nehmen, und es ihm unmöglich machen, seine Sünden auf politischem Gebiet stets mit dem Jesuirenmantel zu verhüllen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen auch den Kampf gegen den Kleri- lalismuS, gegen den Jesuitismus, aber wir wollen einen offenen und ehrlichen Kampf, nicht einen Kampf, wo man dem Gegner erst die Hände bindet uud ihn dann zum Zweikampfe herausfordert. In der Presie find eine Anzahl Vorschläge zur Milderung des Jesuitengesetzes unterbreitet worden. Ich möchte auch einen Vorschlag belannt geben, der wohl nicht so viel diskutiert worden ist:„man soll die zielbewußten Jesuiten fernhalten, weil ausgesprochene Anhänger der jesuitischen Lehren niemals Gewähr für gesetz- mäßiges Handeln bieten. Nicht zielbewußten, nicht öffentlich auftretenden Jesuiten könnte im Lande eine ruhige Wirksam- keit gestattet werden." DaS Zentrum wird wahrscheinlich mit diesem Vorschlag nicht einverstanden sein. Er ist gemacht worden im Juni 1912 im Bayerischen Landtage vom Staatsminister v. Soden.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Allerdings nicht für die Jesuiten, sondern für die Sozialdemokraten. In der Zentrumspresse war zu lesen, daß in unserer Fraktion eine Kölner Richtung für den Fortbestand des Jesuilengesetzes eintrete. Nun habe ich früher ein- mal bei uns sprechen hören von einer Berliner Richtung, von einer Kölner Richtung noch nicht. Sie können auch nicht verlangen, daß es in jeder Partei so sein muß wie bei Ihnen.(Große Heiterkeit.) Wir stimmen Mann für Mann für die Aufhebung des Jesuitengesetzes.(Hört I hört I bei den Konservativen.) Selbst wenn wir glauben würden, daß die Jesuiten uns Schaden zufügen würden, würden wir die- selbe Haltung einnehmen, denn wir werden niemals für ein Ausnahmegesetz zu haben sein.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Wir haben die Oualen, das Unrecht, die Ver- gewaltigung, die unseren alten Führern unter dem Sozialistengesetz zugefügt worden sind, noch nicht vergesien. Eine Partei, die zwölf Jahre unter dem Ausnahmegesetz gestanden hat, die heut« noch in allen Bundesstaaten verfemt und verachtet wird, gegen die man jetzt wieder Ausnahmegesetze schmiedet, tritt niemals für ein Aus- nahmegesctz ein. Wir hassen die Jesuiten nicht, aber noch viel weniger fürchten wir sie. Darum geniert es uns auch nicht, wenn jetzt das Zentrum seine Jesuiten anbietet als Retter des Staates, als Bewahrer von Thron und Altar. Die Jesuiten sollen die Sozialdemokraten bekehren.— Das ist eine der schwersten Jesnitcnmissionen, die es jemals gegeben bat.(Große Heiterkeit, Zuruf bei den Sozial- demolraten: Und die gelingt vorbei 1) Der Klerikalismus ist für uns kein Hindernis im Vorwärtsschreiten, das haben die letzten Wahlen bewiesen mit dem Fall der Bischofsitze Metz, Würzblirg und Köln. ES beweist die ganze Verständnislosigkeit deS Zentrums gegenüber der sozialistischen Bewegung, wenn man meint, eine große ökonomische Bewegung stilllegen zu können durch die Religion.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Pap st mit allen Bischöfen und Jesuiten werden den B o r m a r s ch des Sozialismus nicht aufhalten. ES gibt nur ein Mittel gegen die gewaltsame soziale Revolution: das ist die große soziale Reform. Sie verhindern, heißt, die Revolution vorbereiten. Aber wenn es noch Mntel gibt gegen die gelvaltsame soziale Revolution, so gibt es doch kein Mittel gegen den Sozialismus, praktisch nicht. Theoretisch wobl? Vernichten Sie alle Fabriken, zerstören Sie Reichtum und Kapital, beseitigen Sie Armut und Elend, ver- bieten Sie den Fortschritt in Wissenschaft und Technik, legen Sie die ganze moderne wirtschaftliche Bewegung still, dann wird die Sozialdemokratie zugrunde gehen. Aber bis dahin bleibt es bei dem Wort der„Kreuz�Zeituna":„Die Sozial- demokratie ist das Problem aller zukünftigen Politik." Die Macht mutz noch geboren werden, die den Sozialismus nieder- ringt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Junck(natl.): Der Antrag des Zentrums wird ja zweifellos in diesem Hause eine erhebliche Mehrheit finden. DaS ist für uns wichtiger als das Jesuitengesetz selbst.� ES beweist, daß zwei diametral verschiedene Parteien sich hier zusammenfinden zum gemeinsamen Wirken allerdings nur negativer Art.�(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sehr positiv 1) Unter diesen außerordentlich markanten politischen Umständen müssen wir eS doch bedauern, daß die Regierung an diesen Beratungen sich gar nicht be» t e i l i g t. Es wäre doch wohl richtig gewesen, wenn der führende oder der doch wenigstens zur Führung berufene Reichskanzler(Heiterkeit und Hört I hört!) hier erschienen wäre und uns dargelegt hätte, wie es gegenüber den fortgesetzt zutage getretenen Versuchen dieser Mehrheit, die Regierungspotitik zu durchkreuzen, überhaupt noch möglich ist. eine aktive positive Politik zu treiben.(Aha I und ironische Rufe: Auf- l ö s u n g I im Zentrum.) Die Aufhebung des Jesuitengesetzes ist für uns natürlich u n- annehmbar. Das bedeutet keineswegs eine Unfreundlichkeit gegenüber der katholischen Bevölkerung.(Lachen im Zentrum.) Es besteht aber in weiten evangelischen Kreisen die Be'ürchtung. daß unter der Zurückberufung der Jesuiten der konfessionelle Frieden, den wir aus tiefster Seele wünschen, leiden könnte. (Lachen im Zentrum.) Vor allem aber gilt der Jesuitenorden für uns als Anwalt der Bestrebungen der römischen Kurie, das kirchliche Recht über das staatliche zu stellen. Ich erinnere nur an die neuesten Enzykliken des Papstes, auf die von unserer Regierung leider nicht die nötige Antwort erteilt worden ist. Daher sind wir äußer stände, unsere Hand zur Zurückberufunq der Jesuiten, des Garderegiments der Kurie, zu bieten. (Zuruf: Bafsermann aber nicht!) Wenn der Antrag hier angenommen wird, wünschen wir allerdings, daß der Bundesrat bald mit einem deutlichen Ja oder Nein seine Entscheidung trifft. Wir wünschen nur. daß gerade in der jetzigen Situation der Reichskanzler den Reichstag recht bald vor die große nationale Frage der Vermehrung der Wehrkraft stellen möge.(Bravo I bei den Rattonalliberalen, Gelächter bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Abg. Graf v. Kunitz(f.): Wir wissen uns frei von kultur- kämpferischen Bestrebungen, unS liegt auch jede Unfreundlichkeit gegen die katholische Konfession fern, aber wir sind nicht gewillt. evangelische Interessen preis zu geben. Gerade weil wir den kon- fessionellen Frieden wollen, müssen wir auf die Ueberzeugungen Rück- ficht nehmen, die in evangelischen Kreisen auf Grund geschichtlicher Erfahrungen tief eingewurzelt sind. Wir stimmen daher gegen den Antrag.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Müller- Meiningen(Vp.); Namens meiner Freunde habe ich zu erklären: wir erkennen an, daß der§ 1 des Jesuitengesetzes eine unerwünschte Unklarheit enthält, die auch durch die Auslegung des Bundesrats nicht beseitigt ist. Ein kleinerer Teil meiner politischen Freunde wird für Aufhebung deS Gesetzes stimmen, vor allem deshalb, weil er es für ein Ausnahme- gesetz hält. Die große Mehrheit meiner Fraktion lehnt dagegen die Aufhebung des Z 1 ob. Der Charakter als Ausnahmegesetz wird verneint in der Erwägung, daß die Re- gelung der gesetzlichen Beziehungen zwischen Staat und Kirche zur individualisierenden Behandlung zwingt. Die Zuständigkeit der Einzelstaaten zur Regelung der Verhältnisse des Ordens würde auf jeden Fall aufrecht erhalten bleiben. Um jeden darüber auftretenden Zweifel auszuschließen, haben wir unseren Antrag eingebracht. (Bravo I bei den Freisinnigen.) Abg. v. Morawski(Pole, auf der Tribüne unverständlich) erklärt sich f ü r den Antrag des Zentrums. Abg. Merti»(Rp.): Wir werden gegen den Antrag des Zentrums stimmen. Wir wandten uns schon früher gegen die Jesuiten wegen ihrer Jnternationalität. Und auch heute fehlt ihnen der volle Kern nationaler Gesinnung. Die katholische Kirche hat in keinem Lande der Welt eine so gesicherte Existenz wie in Deutschland, und das soll auch so bleiben. In den weitesten Kreisen gilt der Orden Jesu als eine Kampfesorganisation. Wir können seiner Zulassung nicht zustimmen.(Bravo! rechts.) Abg. Graf v. Oppersdorf(b. k. F.): Der Jesuit gehört zuerst der Kirche und dann erst dem Orden an, die religiöse Tätigkeit ist für ihn die Hauptsache, die Ordenstätigkcit kommt in zweiter Linie. Die priesterliche Tätigkeit eines Jesuiten in einer Gemeinde unterliegt der Beaufsichtigung des Pfarrers der Gemeinde. Die Kirche hat den Orden zugelassen, und er kann nichts tun, was nicht vereinbar ist mit den Lehren'der katholischen Kirche. Der Reichskanzler wies auf die Zeilen hin, in denen der Glaubenshaß unser Vaterland zerriß; soll man Dinge, die vor mehreren hundert Jahren geschehen sind, den Jesuiten heute anrechnen I Als vor hundert Jahren Napoleon durchs Brandenburger Tor ritt, huldigten ihm sieben preußische Minister; soll man das den heutigen preußischen Ministern anrechnen?(Heiterkeit.) Möge sich das alte Bismarcksche Wort endlich bewahrheiten, daß die Deutschen nur Gott fürchten und sonst nichts. Der Weg dazu führt auch über die Auf- Hebung des Jesuitengesetzes.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.) spricht über das Verhältnis von Staat und Kirche, und schließt mit dem Wunsche, das christliche Volk möge sich unter dem Kreuz zusammenfinden. Abg. Dr. Haegy(Elf. Z.): Der Jesuitenorden ist nur ein bescheidener Ast am Baume der katholischen Kirche, er arbeitet mit denselben Mitteln wie die Kirche überhaupt. In seine Tätigkeit hat der Staat so wenig einzugreifen wie in die des evangelischen Bundes. Damit schließt die erste Beratung. Es folgt sofort die zweite Lesung. Abg. Dr. Erdmann(Soz.): Wir werden gegen den Antrag Ablaß stimmen, denn wir wollen nichts dazu beitragen, daß Ausnahmegesetze in den Einzel- staaten aufrecht erhalten bleiben. Der Abg. Junck erklärte sich gegen die Aufhebung des Jesuitengesetzes, weil er lieber positive Arbeit leisten will. Die positive Arbeit sieht er wohl in der Verteuerung der Lebensmittel, in der Bewilligung von Millionen und Milliarden für Heer und Flotte.(Sehr gut! bei den Soz.) Mit positiver Arbeit in unserem Sinne würde er dem Volke sicherlich einen größeren Dienst erweisen. Er will das Gesetz zur Wahrung des konfessionellen Friedens aufrecht erhalten. Aber dieselben Nationalliberalen haben die Volksschule nach und nach dem JesuitiSmuS ausgeliefert.(Sehr wahr! bei den Sozial- demolraten.) Einige hundert Jesuiten wollen sie außerhalb deS Landes halten, aber jährlich übergeben sie Hundert- tausende von Kindern dem jesuitischen G e i st. Nieder mit den Jesuiten, aber hoch der jesuitische Geist! das ist der Ruf der Nationalliberalen.— Die Negierung würde mit der Aufhebung deS Jesuilengesetzes nur allpreußischer Tradision folgen. Friedrich Wilhelm I. lieble die Katholiken nicht, aber den Katholiken der Grafschaft Glatz gab er trotzdem freie Religionsübung und gegen 400 Taler zur Erwerbung einer grenadiermäßigen Person noch weitere Zugeständnisse.(Heiterkeit.) Vielleicht stellt das Zentrum auch grenadiermäßige Personen oder genügend Stimmen zur Bewilligung ganzer Bataillone.(Heiterkeil.) Ucbrigens hätte das Zentrum, wenn es wollte, die Aufhebung des Gesetzes längst erreicht. Wenn man öv Jahre ausschlaggebende Re- gierungSpartei ist, kann man schon elwaS erreichen. Wenn das Zentrum nur die Hälfte der Energie, die es zur Beseitigung der Erbschaftssteuer aufgewandt hat, zur Beseitigung des Jesuitengesetzes aufgewandt hätte, so hätte eS seine geliebten Jesuiten längst. Also nicht dem Zentrum zuliebe, sondern weil ivir in dem Gesetz ein Ausnahmegesetz erblicken, das wir bekämpfen, selbst wenn eS unsere schlimmsten Gegner trifft, werden wir für den Antrag des Zentrums stimmen.(Bravo I bei den Sozialdemokralen.) § 1 wird gegen die Stimmen der Rechten. Nationalliberalen und deS größten Teils der Bolkspartei angenommen. Bei§ 2 befürwortet Abg. Müller-Meimngen(Vp.) nochmals den Antrag Ablaß. Abg. Graf Westarp(k.): Wir lehnen den Antrag ab, weil er unklar ist. Daß die landeSrechtltchen Bestimmungen bestehen bleiben ist auch unsere Meinung. Abg. Schultz(Rp.): Auch wir lehnen den Antrag ab, weil er nach unserer Meinung das Gegenteil von dem erreichen würde, was er will. Abg. Gröber(Z.): Entweder enthält der Antrag etwa« Selbst- verständliches oder etwas Unrichtiges. Wir wollen die Enischeidung der Frage, ob es sich beim Erlaß des Jesuitengesetzes nur um eine Suspension der betr. Landesgesetze handelte, daß diese also von selbst wieder in Kraft treten, wenn das Jesuitengesetz beseitigt wird, den Gerichten überlassen. Im übrigen würde natürlich das von dem Abg. Müller-Meiningen als so freiheitlich gepriesene Reichsvereins- gesetz dann auch für die Jesuiten gellen.(Sehr gut I im Zentrum.) Auf keinen Fall kann mau von uiis verlangen, daß wir von vorn- herein, ohne die einzelnen Bestimmungen zu kennen, uns für die Aufrechterhaltung alles möglichen polizeilichen landrechtlichen Plunders (Große Heiterkeit.) aussprechen. Wir bieien nicht die Hand dafür, in den Einzelstaaten neue Ausnahmegesetze zu schaffen. Abg. Dr. Junck(natl.): Wir find der Ansicht, daß. wenn das Reichsgesetz aufgehoben werden sollte, es nicht wünschenswert wäre. auch die betr. Landesgesetzgebung zu beseitigen. Den Antrag Ablaß halten wir nicht siir notwendig; fällt die Reichsgesetzgebung fort, lebt die Landesgesetzgebung ohnehin wieder auf. Wir werden aber für den Antrag stimmen(Große Heiterkeit), weil wir leine Tendenz billigen und dazu beitragen wollen, die immerhin zweifelhafte Frage zu klären. Abg. Dr. Müller-Meiningen: Wir würden den Antrag zurück- ziehen, wenn auch Zentrum und Sozialdemokraten die Selbst- Verständlichkeit dessen, was er will, ausdrücklich anerkennen würden. Aber gerade das Herumdrücken des Abg. Giöber ist uns sehr verdächtig.(Gelächter im Zentrum.) DaS Reichsvereinsgefetz nimmt übrigens ausdrücklich die Kongregationen und die Ordenstätigkeit aus und überläßt sie der Landesgesetzgebung. ß 2 des Gesetzes wird hierauf aufgehoben. Der Antrag Ablaß wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und National- liberalen abgelehnt. Auf Antrag Spahn(Z.) wird auch sofort in die dritte Lesung de« Antrags eingetreten. Auch hier wird-- ohne Debatte— die Aufhebung deS Jesuitengesetze« beschlossen; ebenso in der G e s a m t« abstimmung. Das Resultat wird mit lebhaftem Beifall im Zentrum begrüßt.(Zischen bei den Nationalliberalen.) Darauf ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.(Fortsetzung der 2. Beratung des Postetats.) Schluß ö Uhr._ Mgeorclnetenbaus. 136. Sitzung. Mittwoch, den 19. Februar 191S, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: B e s e l e r, später S y d o w. Der Justizetat. Auf eine Beschwerde des Abg. Goebel(Z.) über angebliche Nicht- berücksickitigung der katholischen Presse bei Bekanntmachungen der Justizbehörden, antwortet der Minister, daß dies Sache der Lokal- bebörden sei und Bevorzugung irgendeiner konfessionellen Richtung nicht stattfinde. Abg. Boisly weist es zurück, daß Abg. Dr. Liebknecht aus Fällen seiner Privatpraxis den Schluß gezogen habe, daß die Richter sich gegen Wiederaufnahmeverfahren sträuben. Die folgenden Redner beschästigen sich mit Neubauten von Ge« richtsgebäuden. Nach längerer Debatte wird die von der Budget- kommissiou gestrichene erste Baurate von 200 000 M. für ein Gerichts» gebäude in Beuthen(O.-S.) bewilligt. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Was Herr Boisly tatsächlich behauptet hat, war unrichtig, seine Schlußfolgerungen sind belanglos und ich habe keine Veran- lassung, darauf einzugehen.— Bei zahlreichen Positionen des Eials bezeichnet die Verwaltung selbst die Justizgefängnisie als außerordentlich mangelhaft und in faniiärer Beziehung geradezu bedenklich, so daß sie wohl zum Strafvollzug un- geeignet sind. Es muß schon sehr schlimm sein, wenn sich die Regierung selbst zu solchen Einaeständniffen genötigt sieht. Um so berechtigter mutz aber der Wunsch erscheinen, daß bei Errichtung neuer Gebäude nicht nur die Bausachverständigen, sondern auch die Hygieniker um Rat gefragt werden. Der Regie« r u n g S v e r t'r e t e r hat gestern abend meine Beschwerden über die gesundheitlichen Einrichtungen in den Gefäng- nisten in einem Tone beantwortet, wie ihn noch niemals ein RegierungSvenreter in diesem Hause gegen einen Abgeordneten gewagt hat. Ich hätte den Lärm hören wollen, wenn ein Regierungskommissar derart gegen ein Mitglied einer der großen Parteien des Hauses aufgetreten wäre und der dann unter der Anführung des Herrn v. Pappenheim entstanden wäre I Ich hatte meine Beschwerden in durchaus angemessener Weise vor- gelragen und habe daraus eine Antwort bekommen, die nur mit einem treffenden Berliner Ausdruck, der aber nicht parlamentarisch sein würde, zu beantworten wäre. Offenbar bat der betreffende Herr noch nicht gelernt, lvie sich ein Regierungsver« treter hier auszudrücken hat. Wenn aber etwa diese Ausdrucksweise in den Kreisen der Gefängnisverwoltung imponieren sollte, so hoffe ich, daß man sie dort nur als eine Entgleisung betrachten und meine begründeten Beschwerden nach Gebühr beachten wird. Das Eingeständnis der schlechten baulichen Zustände der Gefängnisse durch den Etat selbst ist aber ein neues Argument für die Notwendigkeit, uns durch Denkschriften laufend über die Zustände in den Gefängnissen Auskunft zu geben. Der RegierungS- Vertreter scheint aber auch eine klare Erkenntnis über das Notwendige n i ch t b e s e s s e n und meine Angriffe durchaus miß- verstanden zu haben. Im Interesse eines ordentlichen Strafvollzugs ist die Schaffung sanitärer Zustände in den Gefängnissen durchaus unentbehrlich.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit ist der Justizetat erledigt. Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung. Beim. M i n i st e r a e h a l t" ist die allgemeine Besprechung. Abg. Hammer(k.) lobt die Schutzzollpolitik, die ein allgemeines wirtschaftliches Aufblühen bewirkt, das Handwerk nicht geschädigt und die Auswanderung gewaltig herabgedrückt habe Er fordert die Errichtung von Submissionsämtern und Maß» regeln zur Hebung deS Handwerkerstandes, damit die rote Flut nicht noch weiter steige, und wendet sich gegen die Animierung von Handwerkern durch Banken zum Börsenspiel. Abg. Dr. Grunenberg(Z.) wünscht bessere kommerzielle Aus- bildung der Konsulatsbeamten, Vermehrung der H a n d e l s« sachverständigen im Ausland, ProduktionSstatistik und ein Einschreiten gegen Wanderlager und Warenhandel der Beamten. Wenn auch das Wohnungswesen landesgcsetzlich zu regeln ist, so bleiben dem Reich noch genug Aufgaben hierbei. Die Bäcker et Verordnung wird zu rigoros gehandhabt, das Re- klameunweien erfordert eine Verschärfung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Abg. Dr. Schrödcr-Kaffel(natl.) wünscht Beseitigung der Rechts« Unsicherheit im Versicherungswesen und bedauert die Ein- schränkung des Rekursrechts durch die Reichsversicherungsordnung. Die Errichtung von Landkrankenkassen sollte in keiner Weise erschwert werden. Der Wohnungsgesetzentwurf ist eine Abschwächung des Entwurfs von 1904, er wird genau daraufhin zu prüfen sein, ob er nicht zu sehr in die kommunale Selbstverwaltung eingreift. Erb- baurecht. Hypothekenrecht, Schaffung von Pfandbriefinstitulen für den KleinwohnungSbau u. a. m. wäre besser reichsgesetzlich zu regeln. Warum ist die Regierung gegen du Zulassung der Aktien der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschast an der Berliner Börse ausgetreten? Die Konsumvereine, mindestens die aufgespeicherten Rabatte müssen höher besteuert werden. Dies darf aber nicht mit der Besteuerung der Rabattsparvereine verknüpft werden. Wir wünschen mildere Handhabung der Bäckereiverordnung. Auch wir wünschen Aufhebung des§ 100q der ReichSgewerbe- ordnuug(Verbot der Festsetzung von Mndestpreisen durch die Innungen). Handelsminister Dr. Sydow: Die Regierung fördert das Handwerk. soweit eS nur möglich ist. Die Errichtung von Land» krankenkassen wird von der Regierung in keiner Weise er- schwert. Von einem ZentralsubmiisionSamt für ganz Preußen kann keine Rede sein. Die Jnirasisetzung des zweiten Teiles des Ge- setzes über die Sicherung der Bauforderu n g e n würde das ganze Bauwesen den großen Banken ausliefern, die allein die Gesetzesbestimmung der BausickerungShypolhek erfüllen und die ver« laugte Kaution hinterlegen können. Dazu hat noch kein Bundesstaat die Courage gehabt.(Heiterkeit.) Wir haben aber Erhebungen in Groß-Berlin, Breslau, Köln, Stettin und Kiel an- gestellt und das statistische Landcsamt beabsichtigt das wertvolle Material über die Ursachen des Bausckuvindel« in Berlin in etwa zwei Monaten zur Veröffentlickiung bereit zu stellen. Erst nach Anhörung der Handwerks-, Handelskammern und Gemeinde- Vertretungen kann die Entscheidung über die Einführung des Gesetzes getroffen werden. Bei der Neuregelung der Reichsgewerbeordnung wird die Denkschrift deS Handwerks- mid GewerbekmmnertagS dem Reichsamt des Innern gute Dienste leisten. Der Widerstand gegen die Aufhebung des ß 100 q entspringt nicht einer Engherzigkeit, sondern der Erwägung, daß eS auch andere Menschen als Handwerker gibt(Heiterkeil), hohe Preise allein können übrigens dem Handwerk auch noch nicht helfen, wie die Fleischer ersahren habe». Die Zulassung von Wanderlagern soll vom Bedürfnis abhängig gemacht werden. Ueber die Sonntagsruhe in der Binnenschiffahrt wird zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern verhandelt. Nachdem jetzt alle Bäckereien geprüft und erhebliche Verbesserungen durchgeführt sind, wird man dauernde Dispense für Bäckereien, die schon vor Erlaß der neuen Bäckereiverordnung bestanden, weitherziger gewähren können.(Bravo!) Die Nichtzulassung der 13,8 Millionen Aktien und 6 Millionen Schuldverschreibungen der Deutschen Erdöl-Aktien- geiellschaft ist erfolgt, weil der Prospett unklar ist und weil diese Papiere zur Spekulation, je nach den Ausfichten de« Reichs- petrolemnmonopolgesetzes gedient haben würde«. Auch»«um in einem Augenblick, wo der Staat ein Monopol einführen will, er nicht Privatinteressenten an dem gleichen Artikel stärken. Es lag also für den Einspruch der Regierung ein öffentliches Interesse vor. (Beifall.) Das Haus vertagt die Weitcrberatung auf Donnerstag, Vormittag 11 Uhr. Schluß 4 Uhr. 8o2ia!es. Die Anfänge der Altersversicherung. Ueber die bisherige Wirksamkeit des neuen Gesetzes in Frank- reich unterrichtet die vom Arbeitsminister veröffentlichte Auf- stellung. Danach war zu Anfang dieses Jahres die Zahl der Per- sicherten 7 077 350, das sind 79 361 mehr als am 1. Oktober. Die geringe Zunahme ist durch die große Zahl der Löschungen(212 620), die hauptsächlich infolge von Rentenanträgen erfolgten, bedingt. Die Zahl der freiwillig Versicherten war 770 782(-)- 75 917). 82 739 Löschungen, zumeist aus demselben Grunde, waren seit 1. Oktober erfolgt. Die Einnahme für verkaufte Marken betrug in diesem Vierteljahr 12 901 994 Frank. Die Monatseinnahme war im 3. Vierteljahr 1911, dem ersten der Wirkung des Gesetzes, 1 172 000 Frank. Sie stieg fortdauernd bis auf 3 331 000 Frank im zweiten und 4 457 000 im dritten Vierteljahr 1912. Das starke Ansteigen in diesem letzten war offenbar durch Nachzahlungen mit Rücksicht auf bevorstehende Rentenanträge veranlaßt, weshalb auch das folgende 4., das bisher letzte Vierteljahr, einen Rückgang auf 3 301 000 Frank aufweist. Jedenfalls zeigt es sich, daß das Gesetz sich rasch einlebt. Mit der Zunahme der gezahlten Renten, so gering sie auch sein mögen, wird das natürlich noch viel raicher gehen. Gerichts-Leitung» Vom Religionsunterricht der Dissidentenkinder. Vor dem Amtsgericht Neukölln wurde gestern die Anklage gegen den Tapezierer Richard Kunze aus Neukölln verhandelt, der im Sommer und Herbst vorigen Jahres seinen jetzt 12/4jähigen Sohn Alfred nicht dem evangelischen Religionsunterricht der öffentlichen Bolksschuie zugeführt hatte. Kunze ist schon vor einer Reihe von Jahren aus der evangelischen Landeskirche ausgeschieden und kon- fesfionsloS geworden und hat daher den begreiflichen Wunsch, seinen Sohn nicht weiter in demjenigen Glaubensbekenntnis unterweisen zu lassen, das seiner eigenen Uebcrzeugung widerstrebt. Die Ver- Handlung der Anklage gegen ihn war im ersten Tacmin vertagt worden, weil das Gericht eine Auskunft darüber einholen wollte, wer den Vater daran gehindert hatte, den von ihm selber aus- ersehenen Religionsunterricht seinem Sohn zuteil werden zu lassen. Kunze hatte nämlich w Befolgung der Vorschrift, daß er seinen Sohn an irgendeinem von der Behörde ftir ausreichend erachteten Religionsunterricht teilnehmen lassen müsse, ihn dem Rcligions- Unterricht der jüdischen Gemeinde Neukölln zugeführt, weil er dort für ihn eine geringere Belastung des Gedächtnisses mit Bibel- sprüchen usw. sowie einen Verzicht auf Anwendung von Prügeln als eines Mittels der Religionsunterweisung erwartete. Nachdem der Junge von der jüdischen Gemeinde zu ihrem Religionsunter. richt zugelassen worden war und 2% Jahre hindurch zur Zu- friedenheit des jüdischen Religionslehrers daran teilgenommen hatte, wurde dem Vater plötzlich eröffnet, daß auf Verfügung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde die Teilnahme fortan nicht mehr gestattet werden könne. Ein« Beschwerde hiergegen, die der Vater an die Regierung richtete, wurde zurückgewiesen. Die Regierung belehrte ihn auch darüber, wie er nun in der Frage des seinem Sohn zu erteilenden Religionsunterrichtes sich weiter zu verhalten habe. So lange er nicht nachweisen könne, daß der Sohn einen nach Ermessen der Behörde ausreichenden Religionsunterricht er- halte, müsse er chn an dem Religionsunterricht der öffentlichen Volksschule teilnehmen lassen. Andernfalls seien Schulversäumnis- strafen zu gewärtigen. Kunze hatte inzwischen schon ein paar Strafverfügungen erhalten, weil der Sohn seit jener Weigerung der jüdischen Gemeinde ohne Religionsunterricht geblieben war. Doch lautete die von ihm beantragte richterliche Entscheidung auf Freisprechung, weil damals der Bescheid der Regierung ihm noch nicht zugegangen war. Da er aber auch nachher den Sohn nicht in den evangelischen Rcligionsunterircht der Gemeindeschule schickte, so kamen zwei neue Strafvcrfllgungen, durch die ihm zwei Geld- strafen von je 2 M. auferlegt wurden. Ueber sie hatte jetzt von neuem das Gericht zu entscheiden. Der Angeklagte erklärte, er sei der Meinung, daß die jüdische Gemeinde gezwungen werden könne, seinen Sohn weiter an ihrem Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Wenn die Regierung die Gemeinde hierzu angehalten hätte, dann wäre es ihm möglich gewesen, nach wie vor die Vorschrift zu erfüllen, daß sein Sohn an irgendeinem Religionsunterricht nach Wahl de? Baters teil- nehmen müsse. Der AmtSanwalt meinte, in der Regel knüpfe die jüdische Gemeinde an die Zulassung zu ihrem Religionsunterricht sehr bald die Forderung, daß der Zugelassene auch Jude werde, wozu die Beschneidung erforderlich sei. Die Gemeinde habe von der Regierung nicht gezwungen werden können, Kunzes nicht- jüdischen Sohn weiter in ihrem Religionsunterricht zu dulden. Kunze hätte nunmehr für anderen Religionsunterricht sorgen oder den Sohn in den evangelischen Religionsunterricht schicken müssen. Di« Unterlassung sei pro versäumte ReligionSstunde mit 50 Pf., zusammen mit 6 M. zu bestrafen. Der Vorsitzende teilte mit, daß die im ersten Termin ausgesprochene Vermutung, die Gemeinde sei durch die Regierung angewiesen worden, Kunzes Sohn aus- zuschließen, nach einer dem Gericht auf Antrag gegebenen Aus- kunft der Regierung nicht zutreffe. Hierzu gab der Angeklagte an, die Gemeinde habe, nachdem sein Sohn über zwei Jahre hin- durch an dem Unterricht teilgenommen hatte, plötzlich angefragt, ob er(der Vater) zum Judentum übergetreten sei. Das habe er verneint, und darauf sei dann Ausschließung des Sohnes erfolgt. Daß der Sohn Jude würde, sei nicht verlangt worden. Der Ver- teidiger, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, beantragte Freisprechung. Das Gericht habe hier Stellung zu nehmen zu dem Streit über die Behandlung der Difstdentenkinde�, denen der Staat den Reli- gionsunterricht aufzwingt. Für dir Eltern bedeute es einen unerträglichen Gewissenszwang, die Kinder dem Religionsunter- richt einer Glaubensgemeinschaft zuführen zu müssen, der sie selber nicht angehören, ja von der sie nach ihrer Ueberzeugung sich los- gesagt haben. Daß ein Zwang nicht ausgeübt werden dürfe, sei früher ein Jahrzehnt hindurch die Meinung des Kammergerichts gewesen, das sie mit den Bestimmungen des Allgemeinen Land- rechts begründet habe. Erst später habe das Kcmimergericht den entgegengesetzten Standpunkt eingenommen, und sich für Zwang zu irgendeinem Religionsunterricht ausgesprochen. Doch auch diese neuere Entscheidung sei auf den Fall Kunze nicht anzuwenden. Am Religionsunterricht der öffentlichen Volksschule teilzunehmen, dürfen Dissidentenkindcr nach wie vor nicht gezwungen werden, sofern st« in einer anderen vom Staate anerkannten Religion erzogen werden .sollen". Kunzes Sohn sollte in der jüdischen Religion erzogen werden, und Kunze hat alles getan, ihn dem jüdischen Religions- Unterricht zuzuführen. Dafür, daß spärer die jüdisch« Gemeinde da» verhinderte, ist nicht er verantwortlich zu machen. Das Gericht kam zu einer Verurteilung, die sehr sonderbar begründet wurde. Das Recht, zu bestimmen, in welchen Lehrfächern die Schuljugend unterwiesen werden solle, komme dem Staat zu. Nicht nur zwischen den Kindern und ihren Eltern, sondern auch zwischen dem Nachwuchs der Staatsangehörigen und dem Staat bestehe eine Beziehung, und der Staat habe ei» Interesse daran, die Jugend in seinem Sinne erziehen zu lassen. Der Staat könne nicht danach fragen, ob das den Beteiligten angenehm sei, wie er ja von vornherein bei dem Schulzwang und z. B. auch bei dem Militärdienst nicht danach ftage. Die Bestimmung des Allgemeinen Landrechts sei offenbar dahin aufzufassen, daß jedes Kind über- Haupt Religionsunterricht genießen„soll". Nur dann dürfe es dem Religionsunterricht der Volksschule fernbleiben, wenn es anderen Religionsunterricht genieße. Daran habe eS aber in dem Fall Kunze gefehlt, darum fei Kunz« zu bestrafen. Das Gericht erkannte auf 6 M. Geldstrafe. Strafbare Entführung? Die Liebe der Pflegemutter zu einem Kinde, welches sie vom ersten Tage an unentgeltlich gehegt und gepflegt hatte, war das Motiv einer Entführungsgeschichte, welche gestern die 3. Straf- kammer des Landgerichts I beschäfttgte. Angeklagt war eine Frau Mathilde Feix aus Neukölln. Die Angeklagte nahm im Jahre 1906 die unehelich geborene Lucio Jaensch unmittelbar nach der Geburt als Pflegekind auf. Da ihre eigene Ehe kinderlos blieb, wandte sie ihre ganze Liebe dem „fremden" Kinde zu, so daß sie mit der Zeit vergaß, daß es gar nicht ihr eigenes Kind war. Sie verzichtete auf jede Zahlung eines Pflegegeldes und ließ dem Kinde nur das Beste angedeihen, so daß es sich im Laufe der Jahre zu einem hübschen, und artigen Kinde entwickelte, welches mit großer Liebe an seiner„Mutter" hing. Eines Tages erschien jedoch der Vater des Kindes wieder auf dem Plan, nachdem er sich jahrelang um fein Kind nicht mehr ge- kümmert hatte. Nunmehr war das Herzeleid groß, das inzwischen 6 Jahre alt gewordene Kind fürchtete sich vor dem„fremden Manne" und schrie vor Entsetzen laut auf, als es von der„Mutter" weg und dem Fremden folgen sollte. Ohne auf die Bitten der An- geklagten und den Jammer des Kindes zu achten, verlangte der Vater sein Kind zurück und klagte, als es ihm nicht freiwillig ge- geben wurde, auf Herausgabe. Einige Tage, nachdem das Mäd- chen gewaltsam der Angeklagten weggeholt worden war. erschien diese eines Mittags vor der Schule, um ihrem Liebling ein paar Leckerbissen zuzustecken. Das Kind weinte herzerbrechend und bat die„Mutter, sie doch mitzunehmen. Der Kampf zwischen Liebe und Gesetz, der im Innern der bedauernswerten Frau tobte, führte dazu, daß die Angeklagte schnurstracks mit dem Kinde zu Ver- wandten nach Böhmen fuhr und dort längere Zeit verweilte.— Diese menschlich begreifliche Handlungsweise hatte für die Ange- klagte sehr unangenehme Folgen in Form der jetzigen Anklage. DaS Gericht sprach die Angeklagte entgegen dem Antrage des Staatsanwalts auf Kosten der Staatskasse frei, da keine„List" vorliege._ Beamter? Tie vergessene Unterschrift. Wie vor einigen Tagen mitgeteilt, hatte sich kürzlich der Gemeindebureauassistent Leinert unter der Anklage der Unterschlagung im Amte und der schweren Urkunden- fälschung vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II zu verant» Worten. Wie schon mitgeteilt, hatte der Angeklagt«, der bei der Ge- meinde Zehlendorf angestellt war, eine golden« Uhr, die als ge- funden abgegeben worden war. angeblich unterschlaßen und diese Tat dann durch eine Fälschung des FundregifterS zu verdecken ge- sucht. Di« Verhandlung nahm dadurch eine unerwartete Wendung, daß die Beamteneigenschaft des Angeklagten bestritten wurde, da nach dem OrtSstatut für die Gemeinde Zehlendorf die AnstellungS- Verträge für die Gemeindebcamten von dem Gemeindevorsteher und einem Schöffen unterzeichnet sein muhten, während der AnstellungS- vertrag deS Angeklagten nur von dem Gemeindevorsteher allein unterzeichnet fei. Dl« Feststellung der Beamteneigenschaft des Angeklagten war insofern für ihn von Wichtigkeit, da er als Beamter dann mindestens zu der gesetzlich zulässigen Mindeststraf« von drei Monaten Gefängnis hätte verurteilt werden müssen, während er als Nichtbcamter erheblich milder davonkommen konnte. Das Gericht setzte die Urteilsverkündung auf eine Woche aus. n dem gestrigen Publikationstermin wurde von dem Vorsitzenden, andgerichtsdirektor Zimmermann, verkündet, daß daS Gericht zu der Ueberzeugung gelangt fei, daß der Angeklagte trotz jenes Form- fehlers als Beamter anzusehen sei, da er den Beamteneid geleistet und jahrelang öffentliche Funktionen ausgeübt habe, zu deren Aus- Übung er von dem Gemeindevorsteher auf Grund deS§ 88 der Landgemeindeordnung verpflichtet worden fei. Die in dem OrtSstatut verlangte gleichzeitige Unterzeichnung der Anstellungsverträge durch einen Schöffen, sei lediglich ein Superfluum, von welchem es nicht abhängig zu machen sei, ob der Angeklagte, der sonst ordnungs- mäßig in sein Amt eingeführt sei, als Beamter anzusehen sei oder nicht. Dagegen habe sich das Gericht der Auffassung deS Verteidigers angeschlossen, daß eine Amtsunterschlagung überhaupt nicht vorliege, da der Zlngeklagte in der Lage war, die Uhr, die er sich angeeignet hatte, jederzeit zurückzugeben. Wegen der Unterschla- gung lautet« das Urteil auf Freisprechung, wegen der Register- fälschung wurde auf 1 Monnt Gefängnis erkannt. Verzweiflungstat. Unter der schweren Anklage, ihr eigenes 7 Monate altes Kind im Tegeler See ertränkt zu haben, mußte sich gestern das 20jährige Dienstmädchen Martha Rietschke aus Breslau vor dem Schwurgericht des Landgerichts III verantworten.— Da» Vorverfahren gegen die Angeklagte war wegen Mordes eingeleitet worden, die Anklage wurde dann später nur wegen Totschlags erhoben.— Der Sachverhalt, welcher die bisher unbescholtene Angeklagte vor die Ge- schworenen führte, zeigte wieder einmal die Notwendigkeit der Ftndelhäuser, durch welche verhindert wird, daß, wie im vorliegen. den Falle, eine uneheliche Mutter, die daS Pflegegeld für ihr Kind nicht mehr erschwingen kann, sich durch einen Akt der Verzweiflung gewaltsam ihres Kindes entledigt. Die Angeklagte stammt aus einer achtbaren BreSlaucr Handwerkerfamilie. Eine flüchtige Stund« des LiebcSrausches im Anschluß an eine KaisetgeburtStags- feier, bei der auch der Alkohol eine Rolle gespielt hatte, bildete für die damals 18jährige Slngeklagte die Ursache, daß sie aus dem Vater. hause verstoßen wurde. Sic fuhr nach Berlin und fand hier im September 1911, als ihre schwere Stunde bevorstand, Aufnahme in dem Wöchnerinnenheim der Heilsarme«. Das Kind, ein Knabe, der infolge starker Skrophulose am ganzen Körper mit Ausschlag be- haftet war, wurde von der Angeklagten, die sich als Dienstmädchen vermietet hatte, zu einer Frau Nachtigall in Pflege gegeben. Sie mußt« 27 M. Pflegegeld bezahlen, sodah ihr von ihrem Lohn ganze 3 M. im Monat übrig blieben, für die sie sich und das Kind kleiden sollte. Zum Unglück verlor sie ihren gutbezahlten Dienst und mußte einen anderen annehmen, in dem sie nur 18 M. Lohn erhielt. Sie zahlte noch einmal 20 M. Pflegegeld, war aber eines Tages ge- zwungcn. ihr Kind abzuholen. Sie brachte das Kind am 1. April zu ihrer neuen Dienstherrschaft, der gegenüber sie angab, es am nächsten Tage anderweitig in Pflege zu geben. Am Abend des nächsten TageS kam st« ganz erschöpft und bleich wieder und er- zählte, sie habe das Kind in der Müllerstraß« in Pflege gegeben. Als dann später der Vormund des Kindes und auch das Vormund- schaftsgericht nach� dem Verbleib deS Knaben forschte, machte die Angeklagte all« möglichen Ausflüchte und nannte nacheinander ver- schieden« Adressen, wo sich angeblich das Kind befinden sollte. In die Enge getrieben, gestand sie schließlich unter Tränen ein, daß sie ihr Kind umgebracht habe. Sie sei an jenem Tage ganz verzweifelt herumgeirrt, die Leute, an die sie sich gewandt hatte, hätten alle 20 und mehr Mark Pflegegeld verlangt, welches sie. da sie nur 18 M. Lohn erhielt, nicht habe zahlen können. Sie sei immer weiter nach Norden gekommen und schließlich am Tegeler See angelangt. Hier habe sie das Kind, welches ja doch krank und siech gewesen sei und vielleicht hätte verhungern müssen, in einem plötzlichen Anfall der Verzweiflung in das Wasser geworfen. Die an Ort und Stelle vor- genommenen Nachforschungen führten zu keinem Resultat, die Leiche des Kindes ist auch bis jetzt nicht ausgefunden worden.— Vor Gericht bekundete der Sachverständige, Medizinalrat Dr. Hoffmann, daß keinerlei Anzeichen darauf hindeuten, daß die Angeklagte bei Vollführung der Tat selbst nicht im vollen Besitz ihrer Geisteskräfte gewesen sei.— Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach Totschlag unter Zubilligung mildernder Umstände. DaS Urteil lautete auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft, Hiis der fraucnbewecfimg. Die Jndustriearbeiterin in Deutschland und Frankreich. Die riesige EntWickelung der Technik im 19. Jahrhundert war die Vorbedingung der steigenden Einbeziehung der Frauen in die Industrie. Die steigende Verwendung neuer Maschinen ermög- Uchte die bis ins kleinste durchgeführte Teilung der Arbeit, die nun nicht mehr der Körperkraft des Mannes bedurfte, sondern von jeder geschickten Hand mit behenden Fingern geleistet werden konnte. Dazu kam, daß die Löhne der Männer oft nicht mehr ausreichten, den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten. Der Mangel, der an die Türen pochte, trieb Frauen und Mädchen in ständig wachsen- den Scharen in die Fabriken. Weibliche Erwerbsarbeit hieß die Parole, sollte die ohnehin niedrige' Lebenshaltung in weiten prole- tarischen Schichten nicht noch tiefer herabgebrückt werden. Sehr interessant sind die Zahlen, die uns darüber unterrichten, wie sich das Geschlechtsverhältnis in der Industrie- bevölkerung Deutschlands und Frankreichs bei der oben kurz angedeuteten wirtschaftlichen EntWickelung gestaltet hat. Der französische Stattstiker M. von Ville-Chabvolle hat die stattsti- scheu Aufzeichnungen des Jahrzehnts 1897— 1907 für beide Länder unter gemeinsame Gesichtspunkte gebracht und miteinander ver- glichen. Einen Teil des so ermittelten Zahlenmaterials finden wir im Februarheft der Zeitschrift„Frauenstimmrecht" in einem Artikel von Dr. M. Uebelhör. Es ergeben sich daraus folgende Tatsachen: Der Anteil der Frauenarbeit in der Industrie ist in Frankreich stets erheblich größer gewesen und auch schneller ge- wachsen, als in Deutschland. Im Jahre 1395/96 kam in Deutsch- land auf 5 Industriearbeiter eine Arbeiterin, in Frankreich schon auf 3 Industriearbeiter eine Arbeiterin. In den folgenden zehn Jahren bis 1907 blieb dieser Prozentsatz der weiblichen Industrie- arbeiter— 20 Proz.— in Deutschland der gleiche, während er in» Frankreich von 34 auf 36 Proz. stieg. Der nahezu doppelt so starke Anteil der Arbeiterinnen in der Industrie Frankreichs wird damit erklärt, daß das Textil- und Bekleidungsgewerbe, das vorwiegend auf Frauenarbeit beruht, dort eine größere Rolle spielt als bei uns. Frankreichs Erzeugnisse auf diesem Gebiete sind bekanntlich ton- angebend für die Welt. Es sei hier nur an die Seidenstoff- und Spitzenfabrikation, sowie an die Konfektion erinnert. Frankreich beschäftigt im Textil. und Bekleidungsgewerbe gegenwärtig allein 1 867 500 Arbeiterinnen gegen 1 251 380 in Deutschland; das ist ein Plus von nahezu 50 Proz. Auf 10 000 Einwohnerinnen kamen in Frankreich 1148 In- dustriearbeiterinnen, in Deutschland nur 690. Im Jahre 1907 >var in Frankreich ein Neuntel, in Deutschland ein Fünfzehntel sämtlicher Frauen in der Industrie tätig. In Deutschland ist jedoch der Prozentsatz der Industriearbeiter, auf die Einwohnerzahl be- rechnet, wesentlich höher als in Frankreich. ES kamen im Jahre 1396 in Deutschland 2809, in Frankreich 2121 Industriearbeiter auf 10 000 Einwohner.(Von anderen Statistikern werden übrigens die Unterschiede zwischen beiden Ländern auf bloße Abweichungen in der statistischen Zählung zurückgeführt.) Beiden Ländern ist gemeinsam, daß die Zahl der weiblichen Industriearbeiter verhältnismäßig stärker anschwillt als die der männlichen. Einer verschwindend geringen Zahl von Berufen mit abnehmender Frauenarbeit steht eine ständig steigende Zahl solcher Arbeitsgebiete gegenüber, in denen die Frauen immer mehr Fuß fassen und männliche Arbeitskräfte verdrängen. Der Verfasser oeS Artikels im„Frauenstimmrecht" stellt fest, daß sowohl in Deutschland wie in Frankreich der Kampf zwischen Mann und Frau auf dem industriellen Arbeitsmarkte stch erheb- lich verschärft habe. DaS gilt aber nur so lange, als beide den gemeinsamen Feind noch nicht erkannt haben. Dieser Feind ist der Kapitalismus. Er mißbraucht die billiger arbeitende Frau als Schmutzkonkurrentin und Lohndrückerin. Man organisiere die Ar- beiterinnen, man ziehe sie in die Gewerkschaften hinein, kläre sie auf und mache sie zu Kampfgtnossinnen der Männer. Mit ver- einten Kräften werden dann Arbeiter und Arbeiterinnen den Uebergriffen und Ausbeutungspraktiken des Unternehmertums ent- gegentreten und bessere Arbeitsbedingungen erringen. Leseabende. Karlshorst. Heute, Donnerstag, 8)4 Uhr bei Aug. Sabrowski, TreSkow-Allee 66: 1. Vortrag, 2. Diskussion, 8. Stellungnahme zum Frauentag. LmfKaften der Redahtion. Sit(ittmiiitie epitAnunbt(inbet Linden ft raste G9, vorn vier Treppe» — Fastrsiustl—, wochcnlöglich von tti, vi» 7 V, Uhr avendß,«onnadend», von vi» C Uhr abend» ftaii. Jeder sür den Brieskafte» brftimmiea Anfrage ist ei» Buchstade und eine Zahl al» Merkzeichen deizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertcUt. Anfrage», denen keine AbonneiiicniSqniiinn» deigefügt ist, «erden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstnnde vor. I. Sch., Wciftenfee. 1. und 2. Der Verfrag kann pttvatfchttftlich gemacht werden oder auch beim Notar oder Rechtsanwalt. Für Anfertigung des Vertrages durch die letzteren würden etwa 8 M. Kosten entstehen. 8. Eine Piöndung der genannten Wegenstände wäre nicht möglich. 4. Amts- gericht Wcigensec. B. Richtet sich nach der Höhe deS Objekts.— E. B. 44. 1. und 2. Ja. 3. Nein— Einaimel Nr. 6. 1. Ja. 2. Durch Fortzahlung der Beittägc seitens des Arbeitgebers werden die Ansprüche nicht ausrecht erholten. Jedoch kann der Arbeitnehmer die Versicherung Irelwtllig fortsetzen. Die Erklärung, das, dies geschieht, mutz binnen einer Woche nach Ausscheiden aus der Beschästigung der Kasse gegenüber abgegeben werden 8. Ja. ES kann Gxidstrase bis zu 20 M. eintreten.— Fr. G„ Borsigwalde. Ein Gnadengesuch müßte an den Kaiser gerichtei werden. Jedoch dürste unter Berücksichtigung der Strostat wenigAusstcht auf Ersola bestehen. Ein Versuch kann immerhin gemacht werden.— W. Sl. An den Zivilvorsitzen- den der Veranlagiingskommission.— Martba 3.3. Gemeinde Wittenau. -Otto««. 1. Kleine Gcldsirgse. 2. 1ö00 M. 3. 4,20 W.— K. W. C. 8140. 1. Geburtsurkunde und Militärpaß. 2. Ja. 3. Nein. 4. Nein. Die Frau ist aber für den Fall de» JnterventionSprozesse» beweispflichtig. 5. Nein.— Zl. B. 1.37. 1. Verjährung tritt nicht ein. S. Ja.— P. R. tiS. 1. Sie waren vom 1. Mai 1018 ab steuerpflichttg und zwar nach Ihrem tatsächlich verdienten Einkommon. Ihre Veranlagnng ent« spricht diesem Einkommen,— B. ß). 98. Ohne nähere Angaben nicht zu beantworten. Kommen Sie in die Sprechstunde.— St« H. 19. Nein. Teilen Sic dem Gericht unter Angabe des Aktenzeichens und des Gerichts mit, daß Sie erst im Jahre 1911 den OftenbarungSeid geleistet haben.-~- E G. 79. 1. Vermutlich nach Friedrich II. 2. Ja. 3. Nein. 4. Im wesentlichen llnlcrstützungsvcreinigungen. 5. Der Gefangene ist zur Erstattung verpflichtet. 6. Pflegegeld rechnet nicht zum steuerpflichtigen Einkommen. 7. Für den Bedarfsfall ist der Beittttt zu empfehlen.— Sinäscherung. Ja.— O. H. 30. Ja.— M. 1. Abzug vom Lohn ist nur zulässig, wenn er 28,85 M. pro Woche ubersteigt. — M. W. U, Anfragen, durch deren Beantwortung eine Umgehung der Mimentationspflicht bezweckt wird, beantworten wir nicht. E. P. 199. l. Eine solche Verpflichtung besteht sür Sie nicht. Es genügt, wenn Sie polizeilich gemeldet sind. 2. Bei Hahnisch. Zeitunasspedition, Ackerstr. 174. Sonntags srüh ebenfalls geöffnet.— K. 73. Die Erklärung dem Geist- lichen gegenüber hätte keine Rechtswlrssamkeit, so daß ein Neuanstritt nicht zu erfolgen braucht. Ihre Anrechte sind erloschen.— 500 R. P. Wir raten von Klageerhebung ab.— O. K. 29. 2,50 M, pro Kalenderjahr. — I. H. 13. 1. Es wäre auch nötig, daß Ihre Frau die Sachen init eigenen Mitteln bezahlt, 2. Etdesstattliche Versicherung. 3. u. 4. Em Ehe- vertrag, tu dem Ihr Nutznießungs- und Vcrwaltungsrecht ausgeschlossen wird, erscheint ratsam. Der Bertrag ist zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll zu erklären«nd demnächst dem Reglslergeitcht zm» Zwecke der Publlkatlon»Wz ureichen. j Todes-Anzeigen Sozialdemokraüsclier Wafilverein I. iL 4 JerL Reichst�svaMia'eis. Stralauer Viertel. Bez. 351 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Möbel- Polierer EM Sprecher Köitlgsberger Str. 21 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 21. Februar, nachmittags 1-/, llhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- elde ouä statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zjorftand. velltzeder Uolzzfkeiimei'kzkill. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Möbel- Polierer ESmil Sprecher Königsberg er Straße 21, im Alter von 58 Jahren gestorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. Februar, nach. mittags 4J/S Uhr, von der Halle des ZentralfriedhoseS in Friedrichs« selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortöverwaliung. 78/12 Sozialdemokratiscber Vahlverein t. d. 6. Beil Reiebstagswablkreis Nachruf. Am 11 Februar verstarb unser Genosse, der Modelltischler Louis Laagberg Schönwald er Str. 28, Bezirk 745. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sand bereits am Dienstag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Danles-Kirchhos statt. 225/13 Vor Toretand. Deutscher Transportarbeiter-Yerband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Packer widert Afaibis am 18. dS. MtS. im Aller von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frellag, den 21. d. M., nach, mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des BartholomäuS-Kirch- hoseS, Falkenberger Chaussee, aus statt. 62/6 Die Bezlrkeverwaltung. Beutscher ßauarheiterverhand. Sektion der Pntxer. Am Dienstag, den 18. Februar, starb unser Mitglied Frletlrieb Koppebeel (Bezirk SO.) im 71. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. Februar, nachm. 4lft Uhr, aus Dem Emmaus- Kirchhos in Neukölln, Hermann- straße, statt. Das Singen bei der BeerdigungS- seier ist nicht gestattet. Wir bitten aber um recht rege Beteiligung. 140/13 Die ürtl. Verwaltung. Am 18. Februar entschlies nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Groß- und Schwiegervater, der Putzer 64A Friedrieh Koppeheel. Dl« trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. Februar, nach« mittags'1,5 Uhr, von der Halle des EmmauS- Kirchhofes aus statt. Am Dienstag, den 18. Februar. mittags V Uhr, verstarb nach zehntägigem, schwerem Leiden unlere jüngste Tochter und Schwester, unser Liebling Queis im fast vollendeten 7. Lebensjahre. ES ersucht w ihrem großen Schmerz um stilles BeUeid psmilie Ulbert Taubmann. Die Beerdigung findet am Freitagnca�nUttag 5 Uhr von der Leichenhalle des Weißenseer Ge« meinde< Friedhofes, Roelckestraße, aus stall. 2533b Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes sagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. S2A Joseph Büecke und Frau. KonsumGenossenschaft Berlin u. ümg. E. G. m. b. H. Zentrale: liichtenberg, Rittergntstr. 19/26. Diese Woche; keine Seeflselie. Ab Freitag nachmittag in allen Verkaufsstellen: � Suppenhühner � stach 2.30.«. pjm Brathühner � stock 2.40«. Ferner empfehlen wir: alle Sorten lose und in Gläsern. Pflaumenmarmelade m K«rbChen zu I.10 Aus unserer Konditorei: sSr Torten UN6 Kuchen Teegebäck. Torten zu Familienfestlichkeiten M. in jeder Preislage.- 103/6 Bestellungen werden in unseren Verkaufsstellen entgegengenommen. Der Toratand. Deutscher MetaUarfaeitef-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Ottilie Wörpel Kaiserin- Augusta- Allee 103 am 15. Februar an Lungcnleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! 113/6 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme sage meinen herzllchsten Dank. 13A H. Knnge. Für die liebevolle Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei dem Heimgange meines mniggeliebten, unvergeßlichen ManneS, des Ziseleurs Max Weich ert sage ich allen lieben Freunden und Bekamiten sowie den Kollegen der Firma Hartnng Alt.-Ges. meinen innigsten Dank. 13A Witwe Gertrad Veiehert nebst Kindern. £}pezialarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in Di. Horneyer V Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Fiiedriclisli. 81, Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mastig. auch Teilzahl. 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KruppeN'Verssmmlungen: Flaschen-Kellerarbeiter, Weiß-, Malz- und Braunbier-Brauereiarbeiter, Hofarbeiter und Verschiedene. Donnerstag, den 20. Februar, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshause, Engelufer 15, gr. Saal. Tagesordnung: 1. Vortrag des Redakteurs Genossen Weber. 2. Wahl der Gruppenleimngen. Brauer, Hilfsarbeiter im inneren Betrieb, Maschinisten, Heizer, Handwerker u. deren Hilfs- s arbeiter, Abschmierer, Kohlenarbeiter«w. s Sonntag, den 23. Februar, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Vortrag des Zentralarbeitersekretär« Genossen Wisse II:„Wie Professoren mit der Wiffenschaft »«springen«. 2. Wahl der Gruppenleitungen. Kollegen! Erscheint vollzählig in der Gruppenversammlung. Jedes Mitglied ist verpflichtet, zu erscheinen! 42/14 Dl« Ortsvervrai tnng. Ikutrolonbiiob b« MWMcii»»d Kciier sowie Kerufsgenossen Deutschlands. �sblstelle Qrov» verlin. � �- Freitag, den 21. Februar, abends 8 Uhr, und Sonnabend, den 522. Februar, morgens 7>/, Uhr, in de»„Armlnhallen", Kommandanteustr. 59: Zwei große Betriebs-Versammlangen des JUaschinen- u. Kesselpersonals der Branereien. Tagesordnung: 1. Bericht über die Auslegung des Tarifvertrages durch einzelne Brauereibefitzer. 2. Betriebsangclegenheiten. Wir richten an alle Maschinisten. Heizer, Abschmierer, Kohlen« fahrer usw. das dringende Ersuchen, vollzählig in den Versamm« lungen zu erscheinen. Kein dienstfreier Kollege darf fehlen. 152/5' Dl« Ortwvsrvraltiiiig:. ■er Derwaltungsstelle Derlin. C. 54, linirnör. 88—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1233, 9714. tediiingi Klempner Charloltenburgs. naintUm**. «i|4 ßntiavieTtCHgM**}'! riiete. e Berlin. Geöffnet v. 3-lUhr. Freitag, den St. Febrnar ISIS, abends 8'/, Uhr: stRitglieckep- Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Tagesordnung: t. Jahresbericht und Abrechnung vom drillen und vierten Quartal 1312. 2. Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung m Leipzig. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 137/13 Dl« Ortwvervraltemx. Freitag, den 21. Febrnar 1913, abends 81/, Uhr: Oeffentliche Nerfammlung im„Elysinm", Landsberger Allee 19. Tagesordnung: 103/3 i. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Peus-Dessau über: „vie Eroberung der Welt durch die orgamßerte Arbeiter- blNÜt." 2. DiSkusfion. Männer und Frauen! Erscheint zahlreich in dieser Versammlung. 103/4_ Der Elnbcrnfcr. Neue Philharmonie Küpen! cker Straße 90 97. Der graste Saal ist am Sonn- abend, den 8. März, der obere Saal am Sonntag, den IV. März und am 2. Oftcrfeiertag(den 24. März)» krei. KrtmitderlümdMjt 1 manArMjeyl-� __ J* TomHasäfr* fmn&iSi Llanckech eepOnlia« � Dp.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,»0°�� 10-2. 6-7. Sonntags 10—12. 2—4 Stoffe für elegante MaBanzüge, Ulster, Paletots Mtr. 4.—, 6.—, 8.— M. etc. Damen■ Kostümstoffe, Oamentucha „Keuheiten" Mtr. 2—, 3.—, 4— M. etc. Loden f. 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Bortrag des Kollegen S. Joseph über verschiedene Berufssragen. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. UM- Neue Mitglieder werden in der Versammlung ausgenommen. Es ist Pflicht eines jeden Produktenhändlers und jeder Produktenhändlcrin, m dieser Versammlung zu erscheinen. 282/19_________ Der Vorstand. Nur seinem hervorragend feinen Geschmack ve�dantt der Kapitän-Kautabak de», guten Ruf, den er uuftreitig befitzt. Machen Sie einen Versuch mit dem echten Kapitän-Kantabak und Sie werden von | seiner Güte überzeugt sein. Perkaufsstellen, wo auch die II. Kantabakdosen gratis ver« i absolgt werden, weist gern nach: C. Hücker, Berlin, Grünerweg 119(König st. cS6I). oseph«nv ifrmi.,,--—_____ iver voraiaou.___ �-------- immmmmmm_ �. �T,,n cw Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de« Lnseratenteil txrautw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.«erlaa:«orwärN vu�ru�et u.VectagSanftatt Paul Singer a-Lo., Hietinsn, ».43. 3»., 2. Keilllge des LorMs" Kerlilter NslksblaN. Treptow für Berlin. Die Notwendigkeit, Treptow nach Berlin einzu- gemeinden, ist in Treptow ebenso wie in Berlin erkannt worden. Als der Magistrat Berlins an die Gemeindeverwallnng Treptows herantrat, um mit ihr über die Frage der Eingemeindung zu der- handeln, erklärten der Gemeindevorstand und auch die Gemeinde- Vertretung sich grundsätzlich für die Eingemeindung. Auf Wider- st a n d stieß der Berliner Magistrat, dem die weiteren Schritte zu tun überlassen wurden, bei den Regierungsbehörden. Sie glaubten, ihre Abneigung gegen den Eingemeindungsplan so schroff zum Ausdruck bringen zu sollen, daß der Landrat und der Re- gierungspräfident eS kurzerhand ablehnten, mit dem Oberbürger- meister von Berlin in eine mündliche Erörterung der Frage einzu- treten. Diese Behandlung der Angelegenheit wird nicht nur als eine Brüskierung Berlins, sondern auch als eine Bevormundung Treptows empfunden, gegen die die Bewohner Treptows sicki entschieden verwahren. In einer P r o l e st v e r s am m l u n g, die für Dienstag nach dem„Spreegartcn" einberufen worden war, inachte die Erregung sich Luft. Der Oberpoftsekrctär G r z y b referierte über die Entwickelung der Frage einer Eingemeindung Treptows nach Berlin und forderte gegenüber der ablehnenden Haltung des Kreis- und ProvinzialauSschusseS das Selbstbestimmungs- recht für die Gemeinde Treptow, die nur von einer Eingemeindung eine Eniwickelungsmöglichkeit zu erwarten habe. Der Kreis habe daran, daß Treptow in ihm bleibe, ein sehr materielles Interesse. Im Abgeordnetenhause habe der Abgeordnete für Teltow, der Maler- meister Hammer, für die Konservativen sich gegen Treptows Eingemeindung erklärt und dabei gerühmt, wieviel der Kreis für Treptow getan habe. Tatsächlich habe Treptow vom Kreis Teltow nichts, während es dem Kreis im letzten Jahr über 228000 M. an KreiSstcuern zahlen mußte. LoSlöiung vom Kreis und Anschluß an Berlin sei das einzige, waS der Gemeinde Treptow nützen könne. Der Gemeindeverwaltung müsse durch eine einmütige Protest- kundgebung der Bevölkerung der Rücken gestärkt werden. An daS Referat knüpfte sich eine Besprechung, in der zwar manche persön- lichen Gegensätze lebhaft aufeinanderplatztcn, aber grundsätzliche Bedenken gegen die Eingemeindung nicht vorgebracht wurde«. Der Versammlung wurden die folgenden beiden Rcsolu- tionen vorgelegt: 1.„Die Bürgerschaft Treptows ist mit dem Vorgehen ihres Gemeindevorstandes und ihrer G e- meindevertretung vollkommen einverstanden. Sie er- sucht diese Körperschaften, unbekümmert um alle Einflüsse von außen, ihren einmal eingeschlagenrn Weg ruhig weiter zu verfolgen und die Verhandlungen mit Berlin möglichst zu fördern.'Die Bürgerschaft Treptows weiß sich eins mit ihrer heimatlichen Behörde in der Erkenntnis, daß in einem Anschluß Treptows nach Berlin wirtschaftliche Er- folge gewährleistet sind, die allen Bürgern gleichmäßig zugute kommen. Der Gemeindcvorstand und die Gemeindevertretung können versichert sein, daß sie in ihrem Bestreben die gesamte Bürgerschaft Treptows hinter sich haben." 2.„Tie Bürgerschaft Treptows protestiert auf da? entschiedenste gegen die ablehnende Stellung- � nähme des Kreis- u n d P r o v i n z i a l a u s f ch u s s e S sowie der K o n s e r v a t i v e n im Abgeordnetenhaus in der Eingcmeindungs- angelegenheit Treptow mit Berlin und erblickt darin eine schwere Schädigung der wirtschaftlichen Interessen Treptows, desicn Ent- Wicklung durch einen Anschluß an die Reichsbauptstadt nur gefördert werden kann. Unter allen Umständen erwarten die Bürger Treptows, daß die maßgebenden Stellen erst die Gründe hören, die eine Ein- gemeindung wünschenswert erscheinen lassen, bevor sie sich auf einen ablehnenden Standpunkt stellen." Beide Resolutionen wurden nahezu einstimmig angenommen. Bei der Gegenprobe erhob sich eine einzige Hand. Es war die eines Angeftelltcit der Ltreis- Verwaltung. Wie wenig Treptow vom Kreis zu erwarten hat, daS zeigt auch folgende Angelegenheit. An den Kreisausschuß hatte der Kommunal- verein für Treptow die Bitte gerichtet, für den verstorbenen Bürger- meister Musschl-Tcmpclhof den Bürgermeister Schablow- Treptow in den Z w e ck v e r b a n d zu wählen. Darauf hat jetzt der Landrat geantwortet: „Der Verein wird dem Krcisausschuß im Ernst wohl nicht zu- muten können, den Gemeindevorsteher von Ncptow als Vertreter von Kreisintercssen in den Zweckverband Groß-Berlin zu wählen, nachdem die Treptower Gemeindevertretung mit großer Mehrheit beschlossen hat, ihr Selbstbcstimmungsrecht aufzugeben. Wenn ich nicht irre, hat sich auck der Treptower Kommunalvelein in diesem Sinne ausgesprochen, auch Bürgermeister Schablow nicht dagegen gestimmt. Unter diesen Umständen ist wohl kaum von ihm zu erwarten, daß er die ÄreiSinteresscn im Verbände Groß-Berlin besonders vertreten würde. v. Achenbach." Der Ton dieser Antwort ist so eigenartig, daß der Verein sich dadurch verletzt fühlt. Er will eine Abschrift des landrätlichen Be- scheideS dem Regierungspräsidenten übersenden und beabsichtigt weitere Verfolgung der Angelegenheit. Im übrigen hat er seine Bitte bezüglich der Vertretung im Zwcckoerband wiederholt. Partei- �ngelegenbeiten« Zur Lokalliste. In Sudende T.-K. hält der Sparverein„Guter Wille" am Sonnabend, d?,, 22. Februar, in dein Lokal von Schultheiß, Jnh. Böhlke, Südende. Lichterfelder Straße, sein Stiftungsfest ab. Da uns das Lokal behördlich verweigert wird, aber versucht wird, in Arbciterkreisen Billetts umzusetzen, ersuchen wir die angebotenen Billetts zurückzuweisen. Ferner weisen wir darauf hin, daß die Kammersäle, Tcltower Straße. Ecke Bellealliancestraße, nach wie vor für die organisierte Arbeiterschaft gesperrt sind. Tie Lokalkommission. Johannisthal. Heute Donnerstag, abend» 8'/z Uhr. beginnt im Arbeiterheim. Friedrichstr. S0, ein' vom„Verein Arbeiterheim" arrangierter VortragsknrsuS„Aus dem Reiche der Technik." Die Themata der vier Vorträge sind. 1. Wie aus dem Einbaum ein Seedampser wurde. 2. Wie ein Ozeandampfer entsteht. 3. Im Reich der schwarzen Diamanten. 4. Vom Erz zur Schiene. Vor- tragender ist Herr Erwin Neiimann. Erwachiene zahlen für alle vier Vorträge 20 Pf. Jugendtiche Arbeiter und Lehrlinge haben freien Eintritt. Die Genossen von Niederschöneweide und Johannisthal werden ersucht, die Jugend auf diese Veranstaltung anfnierkiam zu machen und auch selbst an dietem Kur'us teilzunehmen. Pankow. Heute abend findet der vom Bildungsausschüß ver» onstaltete Kursus im Englischen im Lokal von Meißner, Schloßstr. � statt. Beginn 8 Uhr. DaS Kuriusgeld beträgt pro Abend 20 P�. Die Parteigenossen werden gebeten, sich zahlreich daran zu ba- kiiligen. Bezirk Stralau. Am Sonnabend, den 22. Februar, veranstaltet ber Wahlverein in den„Markgrasensälen" einen Humoristischen Hackenberg-Abend(Kettwig. Rheinland). Anfang 8 Uhr. Entrec 30 Pf. Um zahlreichen Zuspruch ersucht Der BildungsauSschuß. Staaken. Sonnabend, dan 22. Februar, abends S1/* Uhr, in Gnädigs Lokal: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tages- ordnung: 1. Vortrag über doe Technik der Landtagswahl. Referent Genosse Emil Stahl-Spandau. 2. Parteiangelegenheit. berliner I�ackrickten. Jubiläen. Das Jithr 1913 soll ein Jubiläumsjahr werden. Unsere Patrioto wollen es hierzu machen. Nor allem sollen die söge- nannten Befreiungskriege von 1813 den Anlaß zu großen Feierlichkeiten geben. Ter Anfang ist schon im Kientopp gemacht worden, in welchem Bilder vorgeführt wurden, in denen auf das Leben der Königin Luise Bezug genommen und diese Königin in echt vaterländischer Geschichtsklitterung als der Genius des Volkes dargestellt wurde, obwohl aus ihren Briefen an Napoleon etwas ganz anderes hervorgeht. In den Schulen werden zurzeit besonders die Vorgänge im Jahre 1813 behandelt, und mau bekommt den Eindruck, als ob unsere Jugend zu Mitgliedern des Generalstabcs ge- macht werden soll, wenn man hört, wie die Kinder znm Studium und zur Zeichnung von Landkarten erzogen werden. Aber auch den Erwachsenen will man das Jubiläum be- sonders Wirkungspoll vor Augen führen. Zu diesem Zwecke hat sich ein Ausschuß zur Vorbereitung einer Jahrhundert- feier in Groß-Berlin gebildet, dem neben anderen Patrioten auch eine Reihe Chefredakteure Berliner Zeitungen, wie „Lokalanzeiger",„Norddeutsche Allgemeine Zeitung",„Täg- tische Rundscha»".„Post",„Berliner Neueste Nachrichten", „Kreuzzeitung",„National-Zeitckrg",„Deutsche Zeitung", an- gehören. Daß bei Arrangierung eines solchen Rummels neben unseren Alldeutschen auch der Deutschnatiouale Hand- lungsgehilfenverband dabei sein muß, versteht sich am Rande. Es soll ein Erinnerungsfest gefeiert werden, zur Weihe„au die größten Triumphe des deutschen Volkes gegen den Versuch der Errichtung eines französischen Weltreiches, in welchem alle deutsche Kultur- rettungslos zugrunde gegangen wäre". Mit diesen Phrasen will man sich anr Abend des 16. März durch Veranstaltung eines großeir Fackelzuges zum Kreuzbcrgdenk- mal berauschen und am 17. März soll ein Festkomnrers ab- gehalten werden. Auch der Magistrat der Stadt Berlin will nicht zurück- bleiben. Weil es am 17. März hundert Jahre sipd, daß Friedrich Wilhelm III. den Aufruf:„An mein Volk!" er- lassen hat, will der Magistrat zur Erinnerung an dieses „historische Ereignis" einen„ö s s c n tl i ch c n K i r ch g a n g" veranstalten. Als Festtag soll der 10'. März gewählt werben, der Geburtstag der Königin Luise, zumal für diesen Tag be- sondere Feierlichkeiten in den Schulen angeordnet sind. Die Arbeiterklasse hat keinen Anlaß, sich an diesem patriotischen, von Chauvinismus durchzogenen Feierlichkeiten zu beteiligen, Was nüß-en alle sogenannten Besreiungstriege, wenn das eigene Volk fortgesetzt getreten und geknechtet wird! Was nützt alle künstliche Begeisterung für das Jahr 1813, wenn im Jahre 1913 die breiten Massen des Volkes, insbc- sondere in Preußeitz, politisch rechtlos gemacht sind und Wirt- schaftlich geknebelt werden. Ans der einen Seite Aufrufe zur Beteiligung an der Feier der historischen Ereignisse vor hun- dert Jahren, auf der anderen Seite die Forderung an die staat- lichen Gesetzgebungssaktoren, neue Ausnahmegesetze gegen das Volk zu schmieden. Tie Arbeiterklasse weiß, daß ihre Jnter- essen diametral gegenüberstehen jenen Förderen! der Feier historischer Ereignisse. Gerade deshalb wird sie sich weit eher vergegenwärtigen, daß im April 1913 59 Jahre verflossen sind, seit Ferdinand Lassalle mit seinen:„Offenen Antwort- schreiben" der Arbeiterklasse sagte, daß sie ans sich selber an- gewiesen sei. Die wirtschaftliche Entwickelung hat das ihrige getan, mi! das Proletariat zu immer größerer Selbsterkenntnis zu bringen und in ihm das Bewußtsein festzuhämmern, daß es starr tft, wenn es sich ans eigene Füße stellt. Deshalb hat das arbeitende Volk kein Interesse an den Hundertjahr- feiern unserer Patrioten, ein um so größeres aber au dem 59jährigen Gedenktage der Schaffung einer auf sich selbst ge- stellten Arbchterbewegung. Proletaricrkind vnd Prinzessin. Das kf'irzlich an dieser Stelle mitgeteilte wallre GeickiichtÄen vvn der Berliner Gemcindesckmllehrerin, die ihren Scbulmädchen daS Bild eine» eben verlobten Hohenzollernprinzessin zeigt, es an die Wand heftet und die Kinder auffordert, vor dem Bilde mit den Worten:„Wir gratulieren einen Knix zu machen, gibt— so schreibt rms eine Leserin— nach mehrfacher Richtung zu denken. Eins der Mädchen fand aus der Religionsstunde die treffende Be- merkung:„Ich tue das nicht, weil es Götzendienerei ist!" Ahnungs- loie klötne Seelen hoben sich instinktiv dagegen gesträubt, vor einem toten Stück Buntpapier ihre Ehrfurcht zu bezeigen. Mir fällt dabei ein anderes der Schulpraxis entnommenes Erlebnis ein. Die richtige Stimmung in der Klasse wollte nicht aufkomme». Es fehlte der geheime Zauber, der die Herfen fesselt und bannt. Da wurde die Jugend lebhafter, als das Wort„König" fiel. Märchen und Märchenbücher tauchten vor der so'leicht empfänglichen Äinderphantasie auf, Reichtum und Pracht und Ueberfluß. Willig ging der Lehrer, ohne in Patriotismus zu verfallen, aus das Märchenthema ein, baute Lustschlösser mit seinen Uiglingen. Plötzlich, als der Lehrer zu anderem übergehen will, hebt ein Knabe die Hand,»och etwas vorzubringen, was er weiß vom König. Zaghaft, traurig, verbittert fließt eS aus dem Munde des Kindes:.Bei Königs hat jedes ein Bett!' Blitzartig war die schöne Mörcdenpoesie in nackte, kahle, rauhe Wirklichkeit gewandelt... in die Prosa des Lebens der Armut. Der Lebrer ist, wie er später erzählte, das Wort aus Kindermund nie wieder los- geworden. Er hat an diesem geweckten, durch sein Elend frühreifen cktnabcn gelernt und festgestellt, wie so sehr viele unserer BolkSschul- linder jahraus, jahrein mit Eltern und Geschwistern dasselbe Bett teilen müssen. Zu zweien und dreien, ja mitunter zu vieren schlafen sie auf dem gleichen dürftigen Lager, und wo Tage der Krankheit kamen, war eS grausig, fürchtete» sich Eltern und Kinder vor ihrem eigenen Elend. Und so gibt sich auch in dem Ausruf des Kindes die tiefe Sehnsucht kund:„Hätte ich doch, wie jedes bei Königs, mein eigenes Bett!" Es war, so sagt der Lehrer, der Aufschrei des Großstadlkindes unserer Zeit. Die reichliche Hälfte muß auf ein Glück verzichten, das selbstverständlich sein soll, und so müsse jedem fühlenden Menschen das Kinderwort nachklingen im Herzen und im— Gewissen. „Der König hat alles... der König kann alles... der Köniz ist allmächtig", so wird es den Kinders in der Schule byzantinisch eingezapft, heute mehr denn je. Ist eS da ein Wunder, wenn das Kind denkt:„Warum hat dieser Eine so viel, und warum habe ich nicht mal ein Bett iür mich allein?" Die richtige Antwort wird kein Lehrer und keine Lehrerin dem Kinde geben. Sie dürfen es nicht, sind Sklaven unserer Gesellschaftsordnung. Die Erkenntnis kommt um so schneller, wenn der Proletariersprößling die Kinderschuhe ausgetreten hat._ Eine Ncubaustreckc der Straßenbahn. Die Große Berliner Straßenbahn hat eine Neubaustrecke hergestellt, die zunächst landcs- polizeilich abgenommen wird. Sie geht durch die Schivelbeiner- und die Dricsenerstraßc bis zur Nordkapstraße. Die Neubaustrecke wird dazu benutzt, in Gemeinschaft mit der Berlin-Charlotten- burgcr Straßenbahn die Linie 54 Bahnhof Jungfernheid«— Schönhauser Allee bis zur Ecke der Bornholmer- und Nordkapstraße zu verlängern. Die Eröffnung der neuen Strecke ist jetzt zum Freitag, den 21. Februar, festgesetzt. Die Wagen der Linie 54 gehen dann werktags von der Bornholmerstraße von 5.41 früh bis 10.48 nachts alle 71-, dann von 10.56 bis 11.56 alle 15 Miunten. Vom Bahnhof Jungfernhcidc gehen die Wagen von 7.10 bis 10.33 alle TA Minuten, außerdem von der OSnabrückcrstraße an alle 15 Minuten. Sonntags beginn» der Betrieb in der Osnabrückcrstraße 6.50, in der Jungfernhcide 7.17, in der Bornholmerstraße 5.50, dauert aber bis 11.27. Ter Fahrpreis für die ganze Strecke der beiden Gesell- schatten beträgt 20 Pf., Teilstrecken zu 15 Pf. von der Bornholmer. straße bis Lutsenplatz und Schönhauser Tor— Bahnhof Jungfern- kieide. Teilstrecken zu 10 Pf. Bornholmerstraßc--S!ivignyplatz. Schönhauser Tor— Kaiser � Friedrichstraße, Kastamcnwäldchen— Luisenplatz und Friedrichstraßc— Jungfernheide. Der scchSglrisige Ausbau der Eiscnbahnstreckc Stralau— Rummels« bürg— Treptow ist jetzt soweit gediehen, daß die Pläne dem Regie- rungs- und dem Polizeipräsidenten zur landeSpolizcilichen Prüfung haben eingereicht werden können. Am Uebergange der Ringbahn über die Spree bei Treptow ist für den Personenverkehr nur ein Gleispaar vorhanden; die Spreebrücke ist zwar mit zwei Gleis- paaren belegt, davon muß aber das eine dem Güterverkehr vor- behalten bleiben. Da nun auf beiden Seiten der Spree sowohl nach Süden wie nach Norden hin je zwei selbständige Bahnen an- schließen, sind hier die Ningbahnzüge sowohl wie die Stadjbahnzüge nach Grünau bezw. Nicderschöneweide-JohanniSthal auf ein und den- selben Schienenweg angewiesen. Das Fedlen eines zweiten GleispaarcS auf der Spreebrücke behindert daher den Betrieb und erschwert auch die Fahrplanbildung. So lange der gegenwärtige Zustand besteht, ist an eine Vermehrung der Z u g z a h l, welche ange- s i ch t S des stetig wachsenden Verkehrs dringend geboten erscheint, nicht zu denken; ein flotterer Zugverkehr über die Spreebrücke ist eben nur möglich, wenn jede der beiden Linien, Vollring und Stadtbahn-N.-Schöneweide-Johannistval den Fluß als selbständige Bahnen überschreiten. Von der Unterführung der Straße Alt-Stralau bis zum Bahnhof Treptow soll nun ein zweites Gleispaar für den Personenverkehr gelegt werden, welches über eine neue 60 Meter langeSpreebrücke geführt wird. Die alte und die sich anschließende neue Brücke werden dann zu- sammen sechs Gleise, davon vier für den Personenverkehr, be- sitzen; die letzteren sollen dem sogenannten Richlungsbetricb in der Weise dienen, daß die westlichen Gleispaare den Berkehr nach dem Vollring bezw.»ach der Stadl und die östlichen den Verkehr von der Stadt nach Grünau bezw. vom Vollring nach dem Südring aus- nehmen werden. Wenn, wie geplant, die vorhandenen Damm- böschungen durch Stützmauern ersetzt werden, wird Platz für das neue Gleispaar vorhanden sein. Die neue Brücke wird, wie die alte, keine Flußpfeiler erhalte»; mit ihren sechs Gleisen wird die Treptower Sprecbrücke dann eins der größten Brückenbauwerke Deutschlands darstellen. Exminister von Bolivia behauptete ein„Arbeiter" Karl Müller aus der Weberstraße zu sein, nachdem er von der Kriminalpolizei mehrerer Einbrüche überführt worden war. Müller hatte es zuletzt auf eine Wohnung in der Putbuserstraße abgesehen. Er wurde dort aber überrascht und entkam mit knapper Not. Da M. bc- fürchtete, von seinen Verfolgern erkannt worden zu sein, gab er sofort seine Wohnung in der Weberstraße aus, spielte den Kranken und ließ sich im Virchowkrankenhause aufnehmen. Die Kriminal- Polizei ermittelte durch den Einbruchsversuch in der Putbuserstraße auch tatsächlich, daß M. der Täter war, sie stellte jedoch auch weiter fest, daß dieser in das Krankenhaus„geflohen" war. Als er jetzt dort zur Entlassung kam, nahm sie ihn in Empfang und brachte ihn nach dem Polizeipräsidium. Hier bestritt er alle Einbrüche und verteidigte sich so lange, bis er einsah, daß alles doch keinen Zweck mehr habe. Dann fing er plötzlich an, den Gcisteslrankcn zu spielen. Er riß sich seine Kleider vom Leibe und verlangte, daß man ihm seine Uniform wiedergebe, die er als Exminister von Bolivia zu tragen berechtigt und ihm zu Unrecht genommen worden sei. Obwohl er die Rolle des Exministcrs auch im Gewahrsam weiter spielte und aus Wut über seine„unstandcsgemäße Behand- lung" alles zerschlug, wurde er in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Arbeits- und Mittellosigkeit hat den 57 Jahre alten Arbeiter Wilhelm Rcimann aus der Schmidstraße 8 in den Tod getrieben. Reimann erhängte sich in der Swbc an einem Haken.— Stellen- losigkeit und Nahrungssorgen haben auch den 24 Jahre alten Koch Erhard Monzin aus der Körnerstraßc 20 zum Selbstmord der- anlaßt. M. öffnete die Gashähn« der Beleuchtungskörper und suchte so seinen Tod.— Im Bett crschoffen hat sich der 25 Jahre alte Maler Franz M. aus der Blumenthalstraße. M. hatte seit längerer Zeit kein« Beschäftigung. Todessturz eines Monteurs. Bei der Arbeit tödlich verun- glückt ist der Monteur Hermann Mudrowski aus Dortmund. Im Zuge der Herthastraße führte bisher eine hölzerne- Brücke über den tiefen Einschnitt der Ringbahn. Diese alte Holzbrücke wird jetzt von der Brückenbaugesellschaft„Union" Dortmund durch eine eiserne ersetzt. Zur Bewegung des schweren Baumaterials hat man einen großen ungefähr 30 Meter hohen eisernen Kran er- richtet. Auf dessen Spitze hatte gestern morgen Mudrowski zu tun. Gegen 2V2 Uhr stürzte er hierbei infolge eines Fehltritts in die Tiefe und schlug zum Unglück mit dem Kopf gerade auf eine Schiene der Ringbahn auf. Der Unglückliche blieb mit gespaltenem Schädel tot auf der Stelle liegen. Di« Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Mudrowski war von d»r„Union" mit anderen Monteuren und geübten Arbeitern eigens zu dem Brückenbau hierher beordert worden. Vom Omnibus totgefahren. Dienstag wurde die 60 Jahre alte Botenfrau Marie Bastian aus der Chausseestr. 58 auf der Kreuzung der Leipziger und Friedrickistraße von einem Pferdeomnibus um- gerissen und übcrsabren. Die Räder rollten ihr über den Kopf, und so konnte auf der HilfSwawe in der Kronenstraße nur noch der schon eingetretene Tod sestgeslelll werden. _ Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-RadfahrerdundeS„Solida- rrtät" veraiiftaltel am Sonnabend, den 22. Februar, in der„Neuen Welt", Hasenheide 108—114, ihr diesjähriges Wintervergnügcn mit sehr reichhaltigem Programm. Eröffnung 8 Uhr. Eintritt 60 Pf. Zeugengesuch. Am 29. Januar, abends 8 Uhr, soll ein Schutz- mann, welcher mit seinem Kollegen zwischen Soldiner und Biesen- thaler Straße die Straßenbahnaleise überschritt, von einem Wagen der Berliner elektrischen Straßenbahn, Richtung Berlin, angefahren worden sein, in demselben Augenblick, in dem ein Wagen derselben Gesellschaft, Richtung schönhausen, die Stelle passierte. Da hier eine Verwechselung sehr nahe liegt, werden diejenigen Passanten oder Fahrgäste, die Augenzeuge waren, gebeten, ihre Adresien bei O. Ortmann, LO. Gewerkschaftshaus, Engelufer 14/15, Zimmer 42, abzugeben._ Die©alslmänner-erSatzwalslen zur bevoritelsenden Candtagswahl im Kreise CeltoW'ßeesbow-Blilmersdorf finden in allen Orten heute Donnerstag, den 20. Februar, statt. Für die folgenden Orte tragen wir noch Wahltermine sowie Wahlbureaus nach: Schmargendorf. Die WabI für die dritte Abteilung findet nicht, wie gestern berichtet wurde, um 8 llhr sondern um 4 Uhr statt. Nieder-Schönewcide. Die Wabl ist Terminswahl und findet für alle Bezirke abends 6 Uhr statt. Wahllokale sind: 1. Bezirk. Restaurant „Neuer Krug", Berliner Straste 138. 2. Bezirk. Turnhalle der Gemeinde- schule. 3. Bezirk. Schulaula, Berliner SKatze 31. 4. Bezirk. Wirtshaus „Loreley", Berliner Straße 101. In Johannisthal wird nach dem Modus der Teiminswahl gewählt, Die Termine sind wie folgt angesetzt: Dritte Klasse nachmittags 2 Uhr. Die zweite Klasse wählt nicht vor 7 Uhr und die erste Klasse um T/, Uhr. Es müssen die Wähler aller Abteilungen pünktlich zu Beginn der Wahlhandlung erscheine». Das Wablbureau der Sozialdemokratischen Partei befindet sich bei Artner, Kaiser-WUHelm-Straße 18. Eichwalde. Die Wahlzeit ist jür die dritte Abteilung aus 11 Uhr vor- mittags sestgesetzt. Da Tcrminswahl stattfindet, müssen die Wäh.er püntt- lich zur Stelle sein. Kandidat sür die dritte Wählerllaffc ist Genosse Alfred Grötz, Tischler. Die Wahl findet im Keineinde-Sitzungssaal statt. Wahl- burcau ist bei H. Lindner, Bahnhofstraße, Ecke Grünauer Straße. Vorort- JNacbncbtem Charlottenburg. Genossenschaftliche Ledigenheime. Am Sonntag tagt« im Volks- hauS eine von der neugegründeten„SpeisehauS- und Ledigenheim- genosienschaft Grotz-Berlin" einberufene gut besuchte Versammlung, in welcher Herr Baumeister an Stelle des verhinderten Reichs- tagsabgeordneten Genossen Pens referierte. Der Referent legte die Notwendigkeit genossenschaftlicher Ledigenheime und Speisehäuser dar, indem er einerseits auf die bekannten gesundheitlichen und sitt- lichen Schäden des Schlafstellenwcsens sowie das Anrecht der Ledigen beiderlei Geschlechts auf billige und menschenwürdige Wohnungen verwies und andererseits die Notwendigkeit eigener, freiheitlicher Verwaltung beleuchtete. Da der einzelne zu schwach sei, dies Ziel zu erreichen, müsse es in genossenschaftlicher Vereinigung errungen werden. Die Beiträge sind auf monatlich je 50 Pf. festgesetzt und würden zu Stammanteilen von mindestens je 30 M. angesammelt. In der dem Vortrage folgenden Diskussion wurden über die Einrich- tung und Verwaltung des Charlottenburger Ledigenheims eine Reihe Klagen vorgebracht. Der anwesende Stadtverordnete Genosse G e b e r� versprach, diese Beschwerden an geeigneter Stelle zur Sprache zu bringen. Am SchlH der Versammlung meldeten zahl- reiche Anwesende ihren Bettritt in die Genossenschaft an.■ Elternverein sür freie Erziehung. Montag, den 24. Februar, abends 8 Uhr, findet im Volkshaus, Rosinenstr. 3, ein großer ösfent- licher Vortragsabend statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Richard Fabian:„Gesundheitspflege im Hause". 2. Freie Aussprache und Fragebeantwortung. Schöneberg. Ein Volksuntcrhaltungsadcnd der Stadt(Heitern Abend) findet am Sonntag, den 23. Februar, nachmittags 5 Uhr, in der Aula der Hohenzollernschule, Belziger Straße 48— 52 statt. Es wirken mit: Frau Lieban-Globig, königl. Hofopernsängerin, Frau Herta Schmid- Kahser, Schauspielerin, Herr Otto Wiemer, Rezitator und Humorist, terr Hans Sckmid-Kayser, Konzerlsänger: am Flügel Herr königl. onzertmeister Premhslaw.— Eintrittspreis einschließlich Programm 35 Pf. Karten sind in der Zeitungsspedition, Martin-Luther- Straße 09 und in der Konsum-Genosienschaft, Apostel-PauluS- stratze 40 zu haben. Kasjeneröffnung 4 Uhr. Adlershof. Stoßseufzer eines Adlershofer Häuserbesitzers. Ueber die Not und arge Bedrängnis der Haus- und Grund- besitzer werden in der Regel laute Klagelieder angestimmt, wenn sich in den Kommunen das Bestreben bemerkbar macht, den Grund- besitz steuerlich etwas höher zu belasten. Oft gewinnt es den An- schein, als ob unsere Hausbesitzer nahe daran seien, unter ihrer Last zusammenzubrechen. Und nicht selten werden kulturelle Forderungen unserer Vertreter von diesen notleidenden Hausagrariern abgetan mit dem Hinweis auf die Begehrlichkeit und die wachsende Genuß- sucht der Werktätigen Bevölkerung. Daß die Herren Hausbesitzer aber kein Mittel unversucht lassen, das mühsame Geschäft des Häuser- bauens und des Häuservermietens möglichst rentabel zu gestatten — aufKosten der Mieter— zeigt so recht ein Brief, den ein Hauptmacher deS hiesigen Hausbesiyervereins an einen Haus- cigentümer in der Kronprinzenslraße gerichtet hat. Das Schreiben ist so interessaut und für die Hausbesitzer charakteristisch, daß es sich verlohnt, selbiges im Wortlaut hier wiederzugeben. Es lautet: „Wie ich annehme, sind Sie über die Adlershofer Mietsverhält- liisie nicht genügend unterrichtet. Von einigen hiesigen Verwaltern, die sich das Leben bequem machen, ist ohne Grund und Ursache zu Schleuder preisen vermietet worden. In gut und ordnungs- mäßig verwalteten Häusern, wo die Vermieter sich Mühe geben, werden wesentlich teurere Mieten bezahlt. In der Bismarck- straße und in anderen Straßen werden 30 und 38 M. für zwei Zinnner bezahlt. Infolge des Schleuderns einiger � lässiger Verwalter haben sich die Mietsverhältnisse freilich verschoben, denn Mieter, die in Berlin 0. im Hinter gebäude nur ein Zimmer und Küche bewohnten, bewohnen in Adlershof im Vorder hause zwei Zimmer für denselben Preis und dabei ist das Bauen in Adlershof teurer, wie in Berlin. Diese für den reellen und soliden Hausbesitzerstand Adlershofs ungesunden Verhälnisse n, üssen unbedingt beseitigt werden, sonst geht der Hausbesitzer zu Grunde.— Der Wohnungswechsel im Oktober hat für Adletshof einen Zuzug von 907 Personen gebracht. Der Haupt- zuzugstermin ist jedoch der April. Mit Ausnahme der kürzlich fertig gewordenen zwei Neubauten Kronprinzenstr. 5 und Waldstr. 59 sind die bisherigen Neubauten bereits bezogen. Zum April werden nur die zwei Neubauten am Bahnhof bezugsfähig. Wenn der Zuzug im April ebenso groß wie im letzten Oktober wird, wird Wohnungs mangel an modernen Wohnungen eintreten. In Ilebereinstimmung mit dem Hausbesitzerverein habe ich eine all- gemeine Miels st eigerung daher angeregt. � Fortan sollten 2 Zimmer, Bad, Zubehör, von 55 Ouadratttteter Größe, nicht unter 38 M., 3 Zimmer, Bad, Zubehör nicht unter 52 M./ 1 Zimmer, Zubehör nicht unter 24 M: vermietet werden.— In den Neubauten am Bahnhof wird für 2 kleine Zimmer 41— 43 M., 3 Zimmer 02— 05 M. geforoert, und in Grünau kosten 2 Zimmer 40 M., während in Berlin O. im Rayon Warschauer Straße zwei Zimmer zirka 50 M. kosten l Berücksichtigt man die größere bonliche Ausnutzung einer Baustelle in Berlin, die billigere und leichtere Hypothekenbeschaffung, die billigeren Abgaben in Berlin(Grund- steuer, Wasserzins), so stellt sich eine Zweizimmerwohnung in Adlershof etwa nur 3 M. monatlich billiger wie in Berlin. Eme Wohnung in AdlerShof müßte' demnach nur 3 M. billiger wie in Berlin O. sein. Sollen die Vermietungsverb ältnisse und damit auch dte Adlers- hofer Hypotheken- und GrundstückSverhältniffe gebessert werden, so ist eine allgemeine, gleich x? eilige Mietssteigerung und möglichst Gleichstellung der Preise notwendig und ein enger Zusammenschluß der Hausbesitzer! syetzt kommt man zum Ziel, weil Banken keine Baugelder geben un'O die Bautätigkeit ruht. Wenn aber erst wieder bei flüssigem Gell'»markt eine starke Bautätigkett einsetzt, ist es mit dem Heben dsl» Adlershofer Grundbesitzes zu spät. Es geht dann wieder alles den bisherigen Schlendrian: Liegenbleiben der Bauten, Subhafta, Schleudern beim Vermieten. Folgen auch Sie. bitte, meiner 2 Anregung und erhöhen Sie sogleich Ihre Mieten. Auf den maßgebenden sch leuder- stellen ist bereits Abhilfe geschaffen und die Erhöhung angeordnet Warden, auch hat der Hausbesitzerverein in selirer Dezember-Ver- sammmlung sich für d ie E r)hA> h ung einmütig er- klärt. Eine Wohnung muß in AdlerShaf 70 Pf. pro Quadratmeter und Monat an Miete bringen und biial&S auch bei geschickter Ver mietung. Hochachtungsvoll ..... Häuserbefitzer." Der Herr„Häuserbesitzer" betrachtet,»wie aus dem Schreiben klar und deutlich hervorgeht, seine und settigr Kollegen Häuser nur als Spekulationsobjekt. Er nennt die niedrigen Mielspreise seiner Kollegen„Schleuderpreise". Der zu erwachende Mangel an modernen Wohnungen soll nun Gelegenheit bieten, eiue allgemeine Schröpfung der Mieter borzunehmen. Ob das mit Erssolg gelingen wird, dürfte nach dem immerhin reichlichen Angebot vo»: Wohnungen in anderen Orten start bezweifelt werden.' Tieusdorf am Scharmützelsee. In einer sehr gut besuchten Wählcrversanrmlung sprach über die bevorstehende Landtagsnachwabl Genosse EmiV L ü d k e. Der Redner legte in seinem Referat die Sünden der bünzerlichen Parteien und der Regierung im preußischen Landtage dar. Bei Beginn der Ver- sammlung forderte der überwachende Gendarw die schriftliche Anmeldung. Er mußte erst vom Vortragenden«auf das Ungesetzliche seines Begehrens aufmerksam gemacht werden. Kaum halte der Referent mit seinen Ausführungen begonnen, als ein zweiler Beamter im Laufschritt den Saal betrat und dadurch die Versammlung stört«. Erst als der Redner feine Rede unterbrochen unid den Beamten auf das Ungehörige seines Betragens aufmerksam gearndhl, ging er leise auf seinen Platz. Oranienburg. Ein größeres Schadenfeuer entstand gestern vormittag in der Metallwarenfabrik von Johannsen u. Ziegner in der Berliner Straße, das an einem mit Petroleum gefüllten EisenÖöhaller reickliche Nahrung fand. Die Oranienburger Feuerwehr ging, von den in der Fabrik beschäftigten Arbeitern unterstützt, energisch efegen das Feuer vor und verhinderte dessen Ausbreitung auf die übrigen Arbeits- räume. Die bei der Firma als Putzerin angestellte Frau Str., die mit dem zur Metallreinigung dienenden Petroleum hantierte, erlitt so schwere Brandwunde», daß sie nach dem Oranienl'Urger Kranken- Hause gebracht werden mußte. Wittenau-Borsigwalde. Soldatenspiele im Walde find, wie unS berichtet wird, während der Schulzeit kürzlich von einem Lehrer einer hiesiczen Gemeinde- chulklasse veranstaltet worden. Dabei solle» die Kinder angeleitet worden sein.„Feindbeschleichungen" zu markieren, wobei sie, die nicht selten nur dürftig bekleidet waren, vielleicht auch nicht genügend Na?pung im Leibe hatten, sich im Walde auf den feuchten Erdboden hinlegen mußten, um bald darauf wieder zum„Sturm" überzugehen. Wir geben diese Mitteilungen mit Vorbehalt wieder. Entsprächen ie völlig den Tatsachen, so müßte gegen ein solches Verfahren im Interesse der Schulkinder entschieden Einspruch erhoben werden. Ab- gesehen davon, daß solche Spiele nicht zum eigentlichen Schul- Unterricht gehören, sind sie eine Gefahr für die Gesundheit der Kinder. Es würde daher Sache der Eltena sein, sich gegen einen olchen Mißbrauch ihrer Kinder entschieden zu wenden. Spandau. „Die sogenann'e Ärdetterfrcuudlichkeit". Ztt dieser am 12. Februar von uns veröffentlichten Notiz sendet uns Herr Makowka, Maurer- und Zimmermeister, ein Schreiben, worin mitgeteitr wird, daß bei den vor 10 Jahren hergestellten NolstandSarbeiten sABärragen der Festungs- wälle am Fehrbelliner Tor) nur Spandauer Arbeiter beschäftigt worden seien. Die vor 3 Jahren ausgeführten Entfestigungsarbeiten hätten nicht als Notstandsarbeiten gegolten, auch seien die Baufirmen nicht verpflichtet worden, nur Spandauer Arbeitur� zu beschäftigen. Trotzdem habe man hiesige Leute, soweit� sie sich meldeten und arbeiten wollten, eingestellt. Die Arbeiter hätten 5 bis 0 Mark bei lOstündiger Arbeitszeit verdient. Auch beruhe die Behauptung, daß beim Ralhausneubau meistens auswärtige Handwerker tätig gewesen, auf einem Irrtum. Es seien im Gegenteil nur Spandauer Hand- werker angestellt und auch bevorzugt worden. Nur im Interesse des Fertigstellungstermins und ans Mangel an hiesigen Maurern seien zeitweise aucv nicht Spandauer Leute beschäftigt worden. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins am Dienstag im Lokal von Köpnick hielt Reichstagsabgeordneter Genosse Pens einen Vortrag über das Thema:„Wie können wir ttns am besten selber helfen?" Redner schilderte in seinem Vortrag dos gewaltige Anwachsen der Partei- und Gewerkschaftsbewegung.>Es stehe un- umstößlich fest, daß diese Organisationen schon große forteile für die Arbeiterschaft errungen haben. Man dürfe sich aber trotzdem nicht zu sehr auf den Parlamentarismus allein verlassen. Die Ar- beiterschaft würde immer noch von den Junkern und Hausagrariern ausgebeutet. Hiep müsse die Selbsthilfe, die Genossenschafis» bewegung eingreifen. Durch die Eigenproduktion schalte man den Kapitalismus, der die Arbeiterschaft ausbeute, aus. Durch Gründung von Baugenossenschaften könnte man den Botcnwucher wirksam bekämpfen. Die hiesige Saalfrage, die schon seit Jahren die Arbeiterschaft beschäftige, könne durch diese selbst gelöst werden. Die Konsumvereine, welche gleichfalls der Arbeiterschaft große Vor- teile bieten, müssen mehr wie bisher unterstützt werden. Allseitiger Beifall folgte den Ausführungen des Referenten. Eine andloi'e Debatte schloß sich an den Vortrag, die aber nichts Erwähnens- wertes brachte.— Genosse Völker ersuchte zum Schluß um rege Agitation für den hiesigen Konsumverein„Merkur". Gleichzeitig machte er auf den heutigen Lichtbildervortrag desselben im„Neuen tadttheater" aufmerksam und auf die Versammlung am 25. Fe- bruar ebendaselbst, in welcher Genosse Dr. Karl Liebknecht sprechen wird, und ersuchte um regen Besuch beider Veranstaltungen. Karl Walenda, ein langjähriger Parteigenosse, ist uns durch den. Tod entrissen worden. Seiner Gewerkschaft, dem Fabrikarbeiter- verband, trat W. unmittelbar nach der Gründung derselben bei und hat auch bier unausgesetzt im Sinne des Verbandes gewirkt. Sei» ruhiges Wesen und sein unerschrockenes Eintreten für seine Klassen- genossen werden ihm ein ehrendes Andenken bei denselben sichern.— Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nicht um 2% Uhr, wie irrtümlich gemeldet, sondern nachmittags um 3>/„ Uhr vom Friedhof in den Kisieln auS statt. Sitzuugstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Tevtpelhof. Heute Donnerstag und morgen Frettag, nachmittags 5'L Uhr. im cNeuremdefitzlingsjiminer, Dorsstr. 42. Johannisthal. Freitag, den 21. d. M., nachmittags 71/s Uhr, im RakhauSsitzungssaalc. Rosentval. Heute Donnerstag, den 20. Februar, abends 0 Uhr, in der Aula der Gerneindeschule. Schlllerftrahe. Bernau. Am 21. Februar, nachmittags 6 Uhr, im Stadwerordneten- sitzungSsäal. Diese Eitnmgen find öffattlich. Jeder Gemeindcangehörige ist de- rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hus aller Sielt. Ein„Rächer" des ermordeten Genoffen Schuhmeier. Die Münchener Polizeidirektion verbreitet durch das Süddeutsche Korreipondenz-Bureau die Mitteilung, die Wiener Polizeidirektton sei durch die Münchener Polizei davon in Kenntnis gesetzt worden, daß der in München als Freidenker bekannte Tischlergehilfe Franz Freiberger von München nach Wien gereist sei, in der Absicht, den Tod des Abg. Schuhmeier dadurch zu rächen, daß er den Führer der christlich-ioziolen Arbeiterschaft, den Abg. Leopold Kunschack, zu erschießen gedenke. Die Wiener Polizei hat Freiberger in Wien verhaften können. Er war im Besitz eine? geladenen Revolvers und einer Feile. Freiberger ist 1858 in Brünn in Mähren geboren und hat zugegeben, daß er die Reise zu dem Zweck unternommen hat, den Abgeordneten Kunschack zu erschießen, um den Mord des Abgeordneten Schuhmeier zu rächen. Freiberger fei ein eigentums- gefährlicher und arbeitsscheuer Mensch, der bereits 20 mal vor- bestraft sei, auch wegen Diebstahl und einmal auch wegen Brand- legung zu 10 Jahre» Freiheitsstrafe. Er habe sich zumeist in Deutschland aufgehalten und bezeichnet sich selbst als Freidenkerund radikaler Sozialist. Hierzu ist zu bemerken, daß Freiberger in München nicht Mitglied der sozialdemokratischen Partei gewesen ist. Er be- findet sich seit Anfang Januar in München, wohnte in einer Vorstadt in Aftermiete; er geriet, als die Ermordung Schuhmeiers bekannt wurde, in große Aufregung und war von dem Moment an vollständig verändert. Am letzten Sonn- abend reiste er von München nach Wien ab, ohne seinen MietSlenten davon Mitteilung zu machen. Am letzten Sonntag bekam fein Miel- geber von Freiberger einen Brief, worin dieser ihm mitteilte, die Wiener Arbeiter seien zu feige, um Schuhmeier zu rächen, und be- gnügten sich damit, Versammlungen abzuhalten, deshalb habe er es übernommen, Schuhmeiers Tod zu rächen. Er schrieb seinem LogiS- geber, daß dieser die zurückgelassenen Sachen behalten könne. Er selbst werde nicht mehr zurücklehren, denn die zweite Kugel habe er für sich bestimmt. Dieser Brief ist jetzt von der Münchener Polizei beschlagnahmt worden._ Ein Mord im Beichtstuhl. Ein Opfer religiöser Ueberspanntheit ist der Missions- pater Wengeler in Mülheim a. d. Ruhr geworden. Am Mittwoch morgen 6 Uhr nahte sich in der St. Engel- bcrtkirche ein polnischer Arbeiter dem Beicht- st u h l, anscheinend um zu beichten. Plötzlich zog er eine Flinte hervor und tötete de» iin Beichtstuhl sitzenden Missionspater Wengeler durch einen Schuß. Der Mörder wurde sofort verhaftet; er gab an, er habe den Pfarrer W e l t e r der St. Engelbertkirche aus Rache töten wollen, weil dieser ihm seinen Schutzengel gestohlen habe._ Kleine Notizen. Drei Kinder verbrannt. In einem Hause in der Muhlinsstraße in Kiel sind Mittwocbvormitlag drei Kinder im Alter von ein- einhalb bis sechs Jahren in Abwesenheit der Eltern ver- b r a n n t. Durch den überheizten Ofen war zum Trocknen auf- gehängte Wäsche in Brand geraten. Die durch die Rauchentwicklung bewußtlos gewordenen Kinder wurden von den Flammen ergriffen. Acht Arbeiterinnen verletzt. Am Mittwocbvormitwg explodierte auf dem Lagerboden einer Hamburger Firma ein Salpeter- iäureballon. Die ätzende Flüssigkeit durckdrang den Fußboden und träufelte in den darunter liegenden Raum hinab. Acht Hemden- näherinnen, die dort arbeiteten, erlitten durch die ätzende Flüssigkeit mehr oder weniger schwere Verletzungen. Drei von ihnen wurden so scbwer vereletzt. daß sie ins Krankenhaus übergeführt werden mußten. Es ist zweifelhaft, ob sie am Leben er- halten werden können. Bombeuexplosion. In einem neuerbauten Hause des Schatz- kanzlers Lloyd George in Walton on the Hill bei Epiom explodierte eine Bombe in dem Schlafzimmer eines Dieners. Der Schaden wird auf 000 Pfund geschätzt. Da das Haus noch nicht bezogen ist, ist niemand verwundet wurden. Es wurde auch eine zweite Bembe aufgefunden, die nicht explodiert war. Von den Urhebern des Anschlags bat man nock, keine Spur. Schweres Brandnnglück. Am Mittwoch früh brach in einem Wärterhause auf der Bahnstrecke zwischen Opsina und Sesana ein Brand auS, der rasch um sich griff. Die im Hause befindlichen fünf kroatischen Arbeiter konnten sich nicht mehr recht- zeitig in Sicherheit bringen. Vier von ihnen fanden den Tod in den Flammen, einer erlitt lebensgefährliche erletzungen._ Marktpreise von Berlin am 18. Februar 1913, nack Ermitteluii«en des königl Volizeipräfidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19.02 bis 19,70, mittel 19,40—19,54. geringe 19,30—19.38 Roggen, gute Sorte Ig�gg— ie,70, mittel 10,07—10,08, geringe 16,65-10,00(ab Bahnt, Futter- gerkte, gute Sorte 10,90— 17,50, mittet 10,20— 16,80, geringe 15,60— 16,10, tascr, gute Sorte 18,30—20,30, mittel 10,50—18,20(frei Wagen und ab ahn)._ Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveisebobncn. weiße 35,00—60.00. Linien 35,00—«0,00. Kartoffeln(Kleinhdl) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Nindsteifch, von der Keule 1,70—2,40, Rindfleisch, Bauchfleiich 1,30—1.80, Schweinefleisch 1,00—2.10. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammetilcisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3.00. 60 Stück Eier 4.00—0,00. 1 Kilogramm Karpien 1.40— 2.40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40- 3,60. Hechte 1,60—2,80, Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00—24.00. WttierungSüberficht vom 19. Februar 1913. :SS; rs s Stationen i=„ 2 c c=1 »=< Swinemde.! 774OSO tamburg 17730 erlin 1772,0 Franks. a.M 767*0 München 1 7650 Wien ,770.910 -4 1 1331 | 2 si Wetter SS i Sheiter ».bedeckt llivolüg Swottenl— 6 4wolkenl!— 9 llwolkent—9 lÜ if 1 Stationen!|ö 5� S" Wetter 2= 8 s S: w S' 1 Havaranda 759 WNW Petersburg 769 SW Scill» Aberdecn Paris |763jS3 774® 1762 91920 2jbeiter ttbcdeckt 5 halb bd. I wolkig 3 workenl 1—5 •s £k —7 —14 o 0 Wetterprognose für Donnerstag, den SV. Februar 1913. Trockenes und zunächst vorwiegend heitere» FrostwelteS mit ziemlich frischen östlichen Winden; später zunehmende Bewölkung. WafierstaudS-Nachrichteu Wasserstand Memel, Tilfit Pregel, Snft-rburg Weichsel. Thon, Oder, Ratibor „ Krosien „ Frankfurt Warthe. Schrirnrn LandSberg Netze, Vor dämm Elbe, Leittneritz DreSdeu Barby Magdeburg Wasserstand S aale, Erochlitz Havel. Svandaufl , Rathenow')� Spree, svremberg') Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximllianSau Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel. Trier ») bedeutet Wuchs.— Fall.— fl Unterpegel.—') Bei Tilfit cjsfrei.—«) Eisstand.—•) Treibeis.—•) Oberhalb der Brücke Eisftmid. Lassen Sie sich Kiesen ftpparat sofort kommen! ■HiiiiimiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiwiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiminniiiiiiiiiuiitiiiiiiiiHiiiiiiHiiiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiimiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHmy Illaitr. PreUllite Ober andere SlG braudlCIl kdn Geld ddZU Sprcdi-Apparaie,«owtc Ober Violinen, Celli, Mendolinen, Guilarren, Zühern.mii<"ii/,ö Uhr: Der Ilammerjhger. GisangSposse i. 2 Bildern— u. das gross. Dpezialitätenprogramm Jed. 1. u. 16.: Programmwechsel. Trianon-Theater. Wenn Frauen reisen. Ansang 8 Uhr. Concordla-Festsäle. Inh.: M. Wendt u. A. Schlitze. 04 Andreaaotr. 64. Jeden Donnerstag: Große Soiree der allgemein beliebten ond bekannten Roflmanns Sänger mit vollständig peuem Programm Anfang 8 Chr. Wees Frei-Tanz. Vorzugskarten haben GOltlgkelt. Urania Wissenschaftliches Theater. Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Freu Baronin Berta von Sulfner: Kelseblldcr aus Amerika. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, 20. Februar,| abends 71/, Uhr: Gr. Gala- Vorstellung. Der mysteriöse Decken liiuf er. Hr. J. Hnllcrs Kopf stürz f durch die Tischplatte. Hadaxne Dellta deUOro| mit Ihren dreseierten Kühen t sowie d. große Galaprogramm.| Zum Schluß: Die große Prunk-Pantomime „Sevilla". !ü___________ Voigt-Theater. Gesundbrunnen, Badftrafte 88. Donnerstag, den 20. Februar 1913: Gastspiel m Publmanns Theater, Schönhauser Allee 148. Ftfrsters Trade. Sensat.V oltSfl. i. 4 Akt. v. W.Mannstädt. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. folies Caprice. Ansang 8'/. Uhr. Die drei Saison- Schlager: In Sachen Katzenstei«. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. MsIIa-HisM WeinbergSweg 19/20. Rosenthal. Tor. Täglich abend, 8'/, Uhr: „flilck! VsIIisIIs!" Grosse Jahre,-Revue. tiles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag: Tanzkränzchen und Bockbienest. C. 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