Ar. 47. HbonncmcntS'Bcdingungen: Sffiüiuicmcntä- PiviS vränumerando: Vil�teljSbrl. 8Rt, monalt. 1.1U Mr., wöchciUIUb 2s Psg. frei ins HauS. (iiiyi-Inc Riiliuner 5 Pfg. SoimiagS. nummer niit Miuiricricr Somltngs- icilagc„Sic Äcnc Seit" 10 Pfg. Pofl. Jifioimcmcnu 1,10 Muri pro Monat. eincciragcn in die Post- ZeitungS- Preisiiste. Unter ilreuzband für Deustailand und Oesterreich- Ungar» 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehnten an: Belgien. Tänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, RmttLntctt,.Zchweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die TnfertionS'GebQbr KeKägt für die fechSgefpallene Kownel- zeile oder deren Raiuu 60 Pfg., für politische mrd geiverkfchaftliche Kerenis- Und BerslNNMlungs.Zlltzeigen 30 Pfg. „kleine Anreizen", das fettgedriKkte Wort 20 Pfg.( julässig 2 fettgedruckie Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Llellengesnche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lü Buch- slaben zählen für zwei Worte. Inserme für die nächste Aumnier nilnsen bis ki Uhr nachmittags>» der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. kischllilt lilgllch anCer tilcntägs. Vevlinev VolksblÄkk. Telegranun- Adresse: Berlin". Zentralorgan der fozialdeniokrati f eben Partei Deutfchlands. ReeUhtton: Ö5Q. 68, Ltndcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt Moritfplat?, Nr. I.S83. Dienstag, den ÄS. Februar 1913. SxpedUion: 8 Tl. 68» I�uidensrrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1984. Zw Arbeiterfrage in den Kolonien. 1. Fast. aus sämtlichen deutschen Kolonien ertönen jetzt ivieder die Klagen der Farmer über herrschende Arbeiternot. Und in diese Klagen mengen sich die Rnse nach geeigneten Maßnahmen, Ivelche die Behörden znni Schutze der„not- leidenden" Kolonisten ergreifen sollen. Hilft die Kolonial- Verlvaltnng nicht in der von den Farmern erwünschten Weise, so werden den Kolonien in kürzester Zeit eintretender Verfall und Verderben in Aussicht gestellt. Das stärkste in dieser Beziehung leistete sich kürzlich die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", die für S a in 0 a den nahen Zusammenbruch vor- aussagte, wenn es der deutschen Diplomatie nicht in Bälde gelingen würde, die holländische Regierung zu einer Erlaubnis dafür zu bewegen. daß javanische Arbeiter nach Samoa eingefichrt tverdeu könnten. Bei dieser Uebertreibung der „Rheinisch-Westf. Ztg." muß mau aber daran denken, daß sogar für eine.Kolonie der Zusammenbruch in Aussicht gestellt wird, die sich seit einiger Zeit selbst erhalten konnte.— Im allgemeinen lassen sich die Forderungen, die zur Abwehr der Arbeiternot gestellt werden, nach drei Richtungen. hin zu- sammenfasseu. Erstens wird verlangt, daß die Behörden die zur Arbeit bei» den Farmern nicht geneigten Ein- geborenen zur Arbeitsleistung zwingen. Sei das durch einen direkten Zwang zur Arbeitsaunahme oder zu einer Arbeitsverpflichtung. die durch die Errichtung von sogenannten Arbeitsmärkten erzielt werden soll, oder aber da- durch, daß man den Eingeborenen höhere direkte Steuern auf- erlegt. Diese Steuern müßten in barem Gelde entrichtet werden, welches sich die Eingeborenen wiederum zumeist nur durch Arbeitsleistung auf den Farmen enverben könnten. Zweitens werden gesetzliche Bestimmungen verlangt, die auf der einen Seite die Rechte der Eingeborenen einengen. So insbesondere in bezug auf die Freizügigkeit, auf den Arbeitsvertrag und auf eventuell noch vorhandenen StammeSrechte der eingeborenen Arbeiter. Auf der anderen Seite aber sollen den Fannern als Arbeitgeber größere Rechte gegeben werden. Vor allen Dingen ertönt der Ruf der Farmer nach einem u n b e- schränkten Priigelrecht gegenüber dem eingeborenen oder fremden farbigen Arbeiter. Drittens aber soll die Regierung dort, Ivo es überhaupt an geeigneten eingeborenen Arbeitern fehlt, für die Herbeischaffung genügend fremder Arbeiter sorgen. Wenn dieses Verlangen der Kolonisten in der letzten Zeit ein so überaus lautes und allgemeines geworden ist, dann ist aw dieser EntWickelung der Tinge die Reichsregierung nicht unbetelligt. Man wird sich daran erinnern müssen, daß das Geschrei der Farmer nach behördlicher Hilfe gegenüber dem Arbeitermangel erst dann ein allgemeines wurde und daß die unglaublichen Forderungen der Kolonialwirtschaftler nach einer systematisch durchgefiihrten staatlichen Versklavung der eiiigeborenen Arbeiter bis ins einzelne zu der Zeit formuliert wurden, nachdem der jetzige Kolonial- naatssekretär Dr. S 0 l f dazu das Signal gab. Es war, als Dr.«olf seine Reise in die Kolonien machte, um sich durch eine örtliche Drientierung in den Kolonien schneller in sein Staatssekretärsamt hineinzufinden. Da sagte Solf in Tanga. als ihm die Farmer ihre Klagen wegen deS Arbeitermangels zutrugen, daß die Regierung bereit sei, dieser Not zu steuern „v i e l l e i ch t a u ch d u r ch einen gewissen Zwang oder einen leisenDr uckauf die Ein geborene n", um dadurch dafür zu sorgen,„daß die Eingeborenen ihre Hände den Farmern leihe n". Diese Erklärung des neuen Staatssekretärs löste nicht nur in den Kolonien, sondern auch bei den Kolonialpolitikern der„Post", der ..Rheinisch-Westfälischen Zeitung" und ähnlich gesinnten Leuten lebhafte Freude und lauten Beifall aus. Dr. Solf. den man von seiner Gouverneurszeit in Samoa her als einen Mann im- Verdacht hatte, der den Eingeborenen gegenüber ein gewisses Verständnis in bezug auf ihre Menschenrechte. ihre Eigenarten und ihre Kultur bewies, wurde als ein reuiger Sünder gefeiert, dessen„tiefeS Eindringen in die Be- dürfnisse unserer Kolonien" nicht genug gelobt werden konnte. Und es dauerte dann auch nicht lange, so begann man. der Ankündigung Solfs die Tat folgen zu lassen. Zuerst m D e u t s ch- O st a f r i k a. Hier wirkte das System v. Rechenberg noch nach. Diesen Gouvemeur müssen die Farmer besonders gehaßt haben. Einmal wegen seiner Be- sjedelungSpolitik, zum andern wegen eines gewissen Schuheö, frei: den Eingeborenen-niteil lvurde. ÄeideZ verband v. Rechenberg. indem er bestimmte Bezirke für eine weitere Besiedelung sperrte. Nachdem v. Rechenberg gegangen worden war. trat auch ein Umschwung in der behördlichen Behandlung der eingeborenen Arbeiter in Deutsch-Ostafrlka eiw Zwar ging die Verwaltung noch nicht die für die. Farmer unangenehmste Bestimmung die Vorschrift, daß der eingeborene Arbeiter nur bis zu 180 Arbeitstagen im Jahre verpflichtet werden konnte. s Und zwar dursten sich diese 180 Arbeitstage nicht über 9 Monate hinaus erstrecken. Jetzt legte die Regierung dem Eouvernementsrat eine Aenderung dieser Ordnung vor, deren Hauptpunkt die Ausdehnung der Arbeits- Verpflichtung von 180 auf 240 Tage ist. Und zwar kann sich der Kontrakt über ein volles Jahr erstrecken. Dabei ist dann ferner vorgesehen, daß der Arbeiter in der Woche mindestens 5 und im Monat wenigstens 20 Arbeits- tage zu leisten hat. Entzieht sich der eingeborene Arbeiter dieser Verpflichtung ohne triftige Entschuldigung, so tritt auf Antrag seines Arbeitgebers eine Verfolgung und Bestrafung von A m t s wegen ein. Zu diesen Verschlechterungen kommen dann noch Herabsetzungen der Lohn- und V e rp fl e g un g s l.eistu n g e u des Farmers. Für Sonn- und Feiertage braucht kein Lohn mehr gezahlt und das Verpflegungsgeld nur für die Arbeits- tage gegeben zu werden, an denen tatsächlich gearbeitet wurde. Durch diese neue Arbeitsverordnung würde der eingeborene Arbeiter zu einem Hörigen des Farmers werden. Woran auch der limstand nichts ändern kann, daß dem Arbeitgeber gewisse Verpflichtungen gegenüber dem erkrankten Arbeiter auferlegt werden sollen. Damit nun aber die Ansiedler zu diesen Bedingungen auch genügend Arbeiter bekonlineu. ist die Regierung noch weiter gegangen. So hat das Bezirksamt für Daressalam den Versuch unternommen, A r b e i t s m ä r k t e für Ein- geborene einzurichten. Nach der„Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung" ist diese Institution in folgender Weise gedacht. Jeder eingeborene Arbeiter erhält eine amtliche Kontrollkarte. Die Arbeitgeber sollen ihren Arbeiterbedarf bis zum 15. eines jeden Monats dem Bezirksamt melden und dabei für jeden ge- forderten Arbeiter den Betrag von 50 Heller einsenden. Dafür wird dann das Bezirksamt den Versuch unternehmen, aus den einzelnen Bezirken die erforderliche Anzahl von Arbeitern zu„stellen". Die so auf den amtlichen Arbeitsmarkt„ge- stellten" Arbeiter sollten verpflichtet sein, mindestens einen Monat bei einem Farmer zuarbeiten. Danach kölmen sie dann zu weiteren„freiwilligen" Dienst- leistungen verpflichtet werden. Auch, die„Franks. Ztg.", der über diese neue Institution aus Daressalam eingehender berichtet wurde, bemerkte dazu, daß das„bedenklichste an der versuchten Einrichtung von Arbeitsmärkten aber ist, daß man offenbar einen Arbeitszwang snpulieren will." Und dasselbe Blatt kommt schließlich zu dem Schluß, daß, abgesehen von anderen Mängeln,„der Versuch der Schaffung von Arbeitsmärkten unter Verwendung farbiger Hilfsbeamten eine versteckte Art der Einführung einer Arbeitssklaverei s ch l i ni m st e r Sorte i st, die je eher desto besser auf- gehoben, werden sollte". Diese staatlich einzuführenden Sklavenmärkte sind aber ge- rade in dem Bezirk von Daressalam am wenigsten Vonnöten. Denn in der Tat herrscht hier kein Arbeiterniangel. Dieser Bezirk soll 180000 Eingeborene zählen, unter denen sich mindestens 30000 arbeitsfähige Männer befinden. Zudem kommt, daß dieser Bezirk für fremde Arbeiteranwerber gesperrt ist. Wenn die ansässigen Farmer trotzdem über Arbeiter- Mangel klagen, dann kann das nur seinen Grund in der un- genügenden Bezahlung der eingeborenen Arbeiter und in ihrer unpassenden und ungerechten Behandlung durch die Farmer- Haben. Dieselben Ursachen sind es auch, die zu der Arbeiternot in den anderen Kolonien geführt haben. gleich so weit, als es die Farmer verlangten. Diese forderten die gesetzliche Festlegung von Höchst löhnen für die ein- geborenen Arbeiter, die Ausdehnung der Tauer der Arbeits Verpflichtungen und Verschärfung der Arbeitsordnungen. Aber die Regierung erklärte sich bereit, den Wünschen der Ansiedler soweit wie möglich entgegenkommen zu wollen. In erster Linie durch eine„Reform" der G c wc r b e- und A r�b e i t e r- verordnung vom Jahre 1909, In derselben war«s sich ja nur um einen der üblichen Fürstenempfänge handelte. Fürftenfreundtchaft und Untertanen- Unterdrückung. Tie Reichshauptstadt stand am Montag wieder einmal im Zeichen der Verkehrssperrung. Trotz des berühmten Wortes des Berliner Polizeipräsidenten, daß die Straße dem Verkehr diene. Tie Straße Unter den Linden, die die eigentliche City des ge- werblich und geschäftlich tätigen Berlin in zwei Hälften zer- schneidet, war wieder einmal für Straßenbahnen und Fuhrwerke vollständig gesperrt, so daß zahlreiche Arbeiter, Gewerbetreibende und in Bureaus Tätige stundenlang aufgehalten wurden. Natür- lich war es keine Kundgebung des Volkes, war es nicht die M a s s e der Berliner Bevölkerung, die durch einen Aufzug solche Verkehrsstockung hervorrief und„Arbeitswillige" in der Ausübung ihrer Tätigkeit verhinderte, sondern es war wieder einmal ein F ü r st e 11 e ni p f a u g, der diese kolossale Verkehrsstockung her- vorrief. Von je drei erwachsenen Berlinern gehören mindestens zwei, wie die Reichstagswahlen ausweisen, der sozialdemokratischen Partei an. Aber wenn sich diese sozialdemokratische Zweidrittel- m e b r h e'i t der Berliner Bevölkerung herausnehmen wollte, durch einen Auszug eine solche Sperre wichtigster Verkehrswege hervor- zurufen, so würde der Berliner Polizeigewaltige schleunigst ein- scheiten und ganze Bataillone von gelbgegürteten, revolverbewaff- neten Schutzleuten beranbeordern, ganze Schwadronen von Be- rittenen gegen die Mehrheit der Berliner Bevölkerung Attacke. reiten lassen, wie man es ja im Tiergarten erlebt hat. Aber, wie gesagt, die Schutzmannschaft wurde diesmal nicht mobilisiert, da Traf doch um 3 Uhr nachmittags am Lehrter Bahnhof das dänische Königspaar ein. Und um diese Gäste des preußischen Königshauses würdig zu empfangen, war die ganze Garnison von Berlin und Charlottenburg im Paimdeanzug ausgerückt, um unter den Linden Spalier zu bilden. Von dem Geschrei nach einem Schutz der Arbeitswilligen, die durch diese höfische Temonstration an frei» williger Arbeit gehindert wurden, wird man nun freilich nichts in der bürgerlichen Presse finden, dafür aber um so mehr pflichtgemäß produzierten Enthusiasmus über den Besuch des„nordischen" Königspaares. Die offiziös«„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hatte ja auch bereits den Gäben des deutschen Kaiserpaares feierlich den Gruß der Nation entboten. Christian X. sei von dem Wunsche erfüllt, die gute Beziehungen Dänemarks zum Deutschen Reiche zu halten und zu festigen, und diese Gesinnung werde von deutscher S� ite aus richtig erwidert. Möchten die dänischen Majestäten sich während ihres Berliner Aufenthalts überzeugen,„wie mannigfache Bande Teutschland und Dänemark in ihrem Kulturleben miteinander verknüpften", möchten sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat den Eindruck mitnehmen,„unter Freunden geweilt zu haben". Es liegt uns natürlich fern, in diesen Besuch des dänischen Königspaares auch nur den leisesten Mißklang hineinzutragen. Wir haben des Jagow-Erlasses auch nur gedacht, um der über- großen Mehrheit der Berliner Bevölkerung wieder einmal ins Ge- dächtnis zurückzurufen, wie groß der Abstand ist zwischen den Rechten der Herrschenden und Regierenden und denen der großen Masse der zwar steuerzah- lenden, aber nichtsde st oweniger entrechteten und polizeilich geschuh riegelten Bevölkerung! Wir wollen deshalb auch nicht untersuchen, ob wirklich ein Anlaß vorlag, die gesamte Berliner Garnison aufzubieten, um dem dänischen Königspaar einen besonders feierlichen Empfang zu bereiten. Für die dänischen Gäste mag dieses Riesenaufgebot von Soldateska zwar eine ungewohnte Sehenswürdigkeit sein; aber ob ihnen das aus ihrer Heimat bekannte ungestörte Treiben des Volkes nicht am Ende interessanter und sympathischer gewesen wäre, niag dahin- gestellt bleiben. Wohl aber legt es uns der offiziöse Willkommens- grüß in der„Rordd. Allgem. Ztg." nahe, einen Vergleich zu ziehen zwischen der Behandlung dänischer Staatsbürger und dänischer Abkömmlinge in der N 0 r d in a r k und den pomphaften Freundschafts- und Achtungsbezeugungen, die dem dänischen Königspaare dargebracht wurden. Wenn es wirklich wahr ist, daß die Beziehungen Deuffchlands zu Dänemark so gute sind und Preußen nichts Dringlicheres kennt, als die mannigfachen Bande des Kulturlebens fester zu verknüpfen, die Teutschland und Dänemark miteinander der- binden, so sind die grotesken Auswüchse jener G e r m a n i- s i e r u n g s'p 0 l i t i k um so unbegreiflicher, die Preußen seit Jahrzehnten i» Norden der Provinz Schleswig-Holstein betreibt. Während man zum Empfang des dänischen Königspaares am Lehrter Bahnhof eine Ehrenpforte in den dänischen Landes- färben weiß und rot errichtet hat, wurden und werden bekanntlich in der Nordmark harmlose preußische Staatsbürger bestraft, die ihre Scheunentore oder ihren Gartenzaun mit solchen Landesfarben bemalen! Selbst rot-weiße Schlipse sind von Polizei. wegen verboten! Angesichts der offiziösen FreundschgftSbeteue- rungen ist aber diese Politik der V e r f 0 l g n n g e n des d ä- nischen Stammcszngehörigkeitsgefühls um so unbegreiflicher, eine Politik, die sich sogar auf die Aus- Weisung harmloser dänischer Dienstboten erstreckt, die nur deshalb außer Landes getrieben werden, weil sie bei preußischen Staats- bürgern dänischer Abkunft in Dienst standen, die nicht bcdingungs- los alle Bande der heimatlichen Sprache und der dänischen Stammeszugehörigkeit lösen wollten. Daß die preußische Vcr.- folgungspolitik sich um so lächerlicher ausnimmt, weil es sich um höchstens tLOAX) bis IZOOOY Menschen handelt, die dort droben in der„Nordmark" noch dänische Sympathien pflegen, sei nur nebenher erwähnt. Besonders ungeheuerlich aber mutete angesichts der offiziösen Freundschaftsbctcucrungen der„Nordd. Allg. Ztg." jene Vcrfol- gungspolitik an, die seit Jahr und Tag gegen die sogenannten Heimatlosen geübt wird. Diese Heimatlosen sind bekannt- lich.Kinder von Dänen aus dem Königreiche, die in Nordschlcswig eingewandert sind und sich hier verheiratet haben. Diesen ans preußischem Gebiete Geborenen verweigert die Regierung fast aus- nahnislos die Nicdcrlassungscrlanbnis. Wagen sie es trotzdem, sich am Ende gar zu v e r h e i r a t e n, so erhalten sie die Aufforde- rung, sich von ihrer Frau zu trennen. Tun sie das nicht, so werden sie aus dem Lande hinauSschikanicrt oder ausgewiesen. Da diese Ausgewiesenen aber in Dänemark selbst ebenfalls keine Bürgerrechte besitzen, so sind sie im wahrsten Sinne deS Wortes heimatlos. Kehren sie nach ihrer Ausweisung aus Sehnsucht nackt Frau und Kindern und nach der Scholle, wo sie geboren sind, zurück, so Ivcrdcti sie erst mit Geldstrafen beglückt, und dann als unverbesserliche Sünder ins Gefängnis gesteckt! Einer dieser Heimatlosen, Mads Egholm, Hai aus solchem Anlaß im Jahre 1912 169 Tage im Gefängnis zugebracht. Ein anderer hat 68, ein Dritter 66 Tage aus gleichem Anlaß im Gefängnis gesessen! Und angesichts solch ungeheuerlicher Vorkommnisse wagt das norddeutsche offiziöse Blatt bei dem Empfang des dänischen Königspaares die„guten Beziehungen Dänemarks zum Deutschen Reiche" zu feiern und die Hoffnung auszusprechen, daß die Kulturbande zwischen Deutschland und Dänemark immer inniger verknüpft werden! Ist schlimmere Heuchelei überhaupt denkbar? Spricht das nicht ganze Bände über den lächerlichen Kontrast zwischen Fürstcnfreundschaften und Untertanen, Unterdrückung? Und ist cs nicht allerhöchste Zeit, daß die von den herrschenden Gewalten noch immer als„Untertanen" be- trachteten und mißachteten Staatsbürger sich endlich ihrer Rechte bewußt werden, um es durchzusetzen, daß die internationalen Freundschaften nicht allein das Vorrecht gcfür steter Personen, sondern dasunbestreitbareRechtauchdcrVölker selbst werden?! friedeDsaussichten. Nach Rumänien hat nunmehr auch Bulgarien erklärt, daß es die Vermittelung der Mächte annehme. Freilich ist damit noch keine absolute Sicherheit gegeben, daß der Konflikt auch endgültig aufgehört habe, eine Gefahren- quelle zu bedeuten. Denn Rumänien hat den a u s d r ü ck- I i ch c n Vorbehalt gemacht, daß es nicht gehalten sei, die Vorschläge der Mächte anzunehmen. Trotzdem kann man hoffen, daß schließlich doch der Streit durch die diplomatische Lösung beendet werden wird. Auch in der albanischen Frage scheint sich eine Annäherung zwischen dem russischen und dem österreichischen Standpunkt zu vollziehen, ivodurch natürlich der angeblich schwerste Konfliktsstoff beseitigt würde. Zugleich wächst offenbar die Friede nsbcreitschaft der Türkei. Der türkische Friedensuntcrhändlcr H a k k i Pascha hat dem Vertreter des Reuterschen Bureaus offen gesagt, die Türkei habe kein Interesse mehr an der Fortsetzung des Krieges, da sie die verlorenen Gebiete doch nicht wiedergewinnen könne. Diese Ansicht scheint nur bei einigen jungtürkischen Exaltados noch auf Widerspruch zu stoßen, entspricht aber sicher dem Wunsche und den Be- dürfnisscn des türkischen Volkes. Aber auch bei den Balkan st aaten wächst der Wunsch nach Frieden. Die Jahreszeit erschwert aufs äußerste alle kriegerischen Operationen und die Erstürmung der Festungen würde ungeheure Opfer erfordern, ohne doch an dem end- gültigen Resultat allzuviel zu ändern. So haben, wie wir aus Mitteilungen eines Augenzeugen wissen, die Serben an eineni Tage vor Skutari 2000 Menschen verloren und ganz Montenegro ist im schlimmsten Sinne des Wortes verwüstet. Das serbische Heer ist kriegsmüde. Das Befreiungswerk ist längst getan, der Feldzug ist jetzt ein grausamer und un- menschlicher Eroberungszug. Unter solchen Umständen haben auch die neuen bulgarischen Wünsche nicht viel zu bedeuten. Die Bulgaren wollen, daß die neue Grenze näher bei Konftantinopel liege und eine Kriegsentschädigung gezahlt werde. Aber wenn die Mächte auf raschen Abschluß hindrängen, werden auch die Bulgaren froh sein, den entsetzlichen Krieg beenden zu können. Die Friedensvcrmittelung. London, 24. Februar. Wie das Bureau Reuter erfährt, haben die Mächte auf den letzten Schritt der Türkei, wodurch sie um ihre gutenDienste ersucht wurden, darauf hingewiesen, daß ihre an die Pforte gerichtete Kollektiv- note(worin der Türkei die Abtretung Adria- -n o p c l s angeraten teer) noch nicht angenommen worden sei. Eine Anfrage in Sofia. Sofia, 23. Februar. In eingeweihten Kreisen verlautet, die englische Regierung habe bei der bulgarischen Regierung um dieBckanntgabederBedingungen nachgesucht, unter denen die Friedensverhand- l u n g e n wieder aufgenommen werden könnten. Jungtürkischc Treibereien. Konstantiwvpel, 24. Februar. Die Erklärungen H a k k i Paschas gegenüber dem Vertreter des Reuterschen Bureaus scheinen gewisse jungtürkische Kreise, welche gegen den Frieden find, nicht zu befriedigen. Die Zeitung„Terdjiman-i- Hakikat" drückt ihr Bediauern über Hakkis Erklärungen aus und fragt, warum es der Türkei nicht zuträglich sein sollte, den Krieg fortzusetzen, da die Nation doch zu allen Opfern bereit sei; trenn die türkische Armee die verlorenen Gebiete wiedergewinne, werde keine Macht die Türkei zwingen können, sie wieder aufzu- geben. ver„Cerrorismus" der Suffragette;. London, 20. Februar 1913.(Gig. Bcr.) Die letzten Taten des kleinen militanten Flügels der eng- lischcn Frauenrechtlerinnen haben wohl mehr als alle früheren die Unsinngkcit der von dieser kleinen, aber reichen Sektion be- folgten Taktik bewiesen. Auf die Zerstörung der dem Publikum gehörenden Orchideen in Kew Gardcns folgte vorgestern die Bombenexplosion in dem künftigen, noch nicht ganz fertigen Land- hause des Schatzkanzlers und heute die Niederbrennuilg des Restaurants in Kew Gardcns, das, wie die Orchideen, ebenfalls der All- gcmeinhcit gehört. Das Volk fragt sich erstaunt: Was will man mit diesen Taten beweisen? Wen will man damit überzeugen oder erschrecken? Das Bombcnattentat hat dazu einen Stich ins Ko- mische, wie die Anklage gegen die Frau, die mit einem Stein nach ihrer Feindin zielte und ihrer fünf Meter abseits stehenden Freundin ein Loch in den Kopf warf. Und der Beigeschmack zum Komischen muß jeder Bewegung zum Verderben gereichen. Der Schatzkanzler ist nämlich durch die Explosion nicht geschädigt worden; er hat das Haus noch nicht bezahlt. Der einzige Mensch, der Schaden erlitten hat, ist der Besitzer, einer der besten Freunde, die die Suffragettes haben. Man fragt sich auch, weshalb sich der Haß der Suffragettes gerade gegen Herrn Lloyd George richtet, der im Parlament die Sache der Frauen mit am wärmsten vertreten hat. Denkt man ihn besonders leicht einschüchtern zu können? Wenn das' der Fall ist, oann�dürstc man sich verrechnet haben. Wessen man auch immer den«i-chatzkanzler anklagen mag. man kann nicht von ihm sagen, daß er keinen persönlichen Mut besitzt. Während des Burenkricges wagte er sich als der ver- haßteste Gegner des Krieges in die Birminghamer Löwengrube, wo man ihn ermordet hätte, hätte man seiner habhaft werden können. Man hat die Taktik der kämpfenden Suffragettes vielfach als Tcrrorismns bezeichnet. In der Tat besteht ein enger Zusammen- bang zwischen den Ideen der Suffragette?, die dem Banner der Frau Pankhurst folgen, und den anarchistischen Terroristen, die vor einer halben Generation die Propaganda der �.at lehrten «d ausübten, pur daß die Suffragettes sich nach der Vorschrift Bulgarien nimmt die Vermittelung an. Sofia, 24. Februar. Die Regierung hat an die Vertreter der Mächte die Antwort auf deren gestrigen Schritt übergeben. Die Regierung erklärt, daß sie im Vertrauen auf den hohen Gerechtigkeitssinn der Großmächte deren Vorschlag, sich be- züglich der Lösung des rumänisch-bulgarischen Streitfalles der Entscheidung der Mächte zu fügen, annehme, falls ihn auch Rumänien akzeptiere. Tie albanische Frage. London, 24. Februar. Ueber die Grenzen Al- b a n i e n s wird, wie das Reutersche Bureau erfährt, jetzt zwischen Wien und Petersburg direkt verhandelt. Oesterreich-Ungarns und Rußlands friedliche Absichten und ihr fortgesetzter Wille, Feindseligkeiten zu vermeiden, würden, wie man hoffe, zu einem Kompromiß führen, das den Botschaftern bei ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag mitgeteilt werden dürfte. Zunehmende Entspannung. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt sehr zuversichtlich: „Die Entspannung in den Balkan fragen hat während der letzten Woche unverkennbare Fortschritte gemacht. Es ist gelungen, den rumänisch-bulgarischen Streit einer gütlichen Lösung näher zu bringen, indem die Parteien den sechs Großmächten die Vermittelung in solchen Punkten übertragen wollen, die durch unmittelbare Verhandlungen zwischen Bukarest und Sofia nicht zu erledigen sein sollten. Zwischen der Türkei und dem Balkanbund dauert der Kriegszu- stand noch fort; Vorgänge von militärischer oder politischer Wichtig- keit sind aber nicht eingetreten. Tagegen zeigen sich auf diplo- matischem Gebiet Anhaltspunkte dafür, daß die Türkei ge« w i l l t ist, die Vermittelung der Mächte für einen annehmbaren Frieden eintreten zu lasien. Auch im Kreise der Balkanstaaten scheinen friedliche Erwägungen an Boden zu gewinnen. Die Großmächte, die das Ziel einer baldigen Be- endigung des Kampfes nicht aus dem Auge verlieren und in diesem Bestreben nach wie vor einig vorgehen, werden, sobald sie es unt Nutzen können, den Kriegführenden ihre guten Dienste für den Friedensschluß gern zur Verfügung stellen. In der albanischen Grenzfrage läßt sich eine Lösung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland mit Zuversicht erwarten." Politische(leberlicbt. Berlin, den 24, Februar 1913. Gegen den Rüstungswahnsinn. Paris, 24. Februar.(P r i v a t t c le q r a m m des „V o r w ä r t s".) Aus dem gestrigen Kongreß der Seine-Federation wurde eine Resolution beschlossen, die eine Annäherung zwischen Frankreich und Teutschland, in allen Konfliktsfällen internationale Schiedsgerichte, die Ein- führung der Volkswehr und die Aufbringung der Militärlasten durch die Besteuerung des Reichtums fordert. Ferner protestiert sie gegen die Einführung der dreijährigen Dienstzeit. Tie Resolution hebt den Einklang der französischen mit den deutschen Sozialisten hervch-. Der Kongreß beschloß weiter, unverzüglich eine großzügige Aktion gegen den Jnipcrialismus und MUUcirismus in die Wege zu leiten.___ Pctkuser Roggen, Cadinen, Milch und der Fall Sohst. Die Bemerkungen des Kaisers über den Petkuser Roggen, den Fettgehalt der Cadiner Milch und das Hinaus- schmeißen des Rittergutspächters Sohst haben die westpreußi- scheu Agrarier in eine wütende Aufregung versetzt. Was die größten politischen und wirtschaftlichen Probleme der Gegen- wart und Zukunft nicht vermocht hätten, das hat die humoristische Rede des Kaisers bewirkt. Wildes Blut kreist in den Adern der sonst so Gemächlichen und mit stürmischer Heftigkeit wenden sie sich gegen die„Ohrenbläser" Sr. Majestät. Nach der„Elbinger Zeitung" ist die Protestversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Elbing noch viel stürmischer ver- laufen, als einige Berliner Blätter berichtet haben. Der Vor- sitzende des Vereins, ein Herr Wunderlich erklärte: „Es wird Ihnen allen so ergangen sein wie mir, daß Sie sich über die Rede Sr. Majestät im Landwirtsckaftsrak' belreffs der Cadiner Gutswirtschaft gewundert haben. Ich bin veranlaßt worden, diese Angelegenheit auf die Tagesordnung zu setzen, weil unter den Landwirten nicht'nur.aus dem Umkreis von Elbing, ihrer Führerin der Verletzung und Ermordung von Personen enthalten und nur das Eigentum, und wie es scheint gerade daL öffentliche Eigentum, beschädigen. Aber beiden ist doch die Idee gemein, daß man durch Attentate den Gegner einschüchtern und die Unterdrückten zum Nachdenken über ihre Lage bewegen kann. Wie falsch dieser Gedankengang ist, haben besonders klar die Attentate der Anarchisten gezeigt. Anstatt darüber nachzudenken, welchen Beweggründen wohl das Attentat entsprang, sah das Volk in den Ereignissen nur einen Grund, um dem Opfer seine Sympathien und dem Attentäter seine Abscheu zu beiveisen. Die Geschichte berichtet von zahlreichen Fällen, wo Inhaber eines wackeligen Thrones Attentate gegen sich selbst arrangiert haben, um sich die Gunst des Voltes wiederzuverschaffen. Leider war die Geschichte nicht die starke Seite der anarchistischen Terroristen. Dasselbe kann man von den Suffragettes behaupten. In ihren Argumenten spielen zum Beispiel die stürmischen Ereignisse des JahreS 1832, als sich das Bürgertum das Wahlrecht eroberte, eine wichtige Rolle. Sie scheinen aber nicht zu begreifen, daß die politische Lage damals eine ganz andere war, daß die Herr- schaft der korrupten Cliquen durch die physische Gewalt des Volkes hinweggefegt worden wäre, hätte man die Reformbill nicht an- genommen. Sie sehen von der Welle nur die Schaumkrone und nicht die wuchtige, gewaltige Masse, die das alte Wrack zersplittert. Mit den anarchistischen Terroristen teilt dieser Flügel der eng- lischcn Frauenrechtlerinnen auch die Ueberschätzung der persönlichen Macht. Offenbar find sie der Ansicht, daß die Minister das Fraucnstimmrccht durchsetzen können, wenn man ihnen nur genügend Nadelsticke versetzt. Es scheint ihnen fremd zu sein, daß in modernen Staaten wie England die Regierung auf der Zustimmung der Mehrheit beruht und daß die Regierung nur etwas unternimmt, wenn sie diese Zustimmung zu haben oder zu erhalten glaubt, daß man den Hebel daher mi einer ganz anderen Stelle ansetzen muß, um die Regierung in Bewegung zu setzen. Nun liegen die Dinge in England so, daß es eine Regierung ruhig wagen kann, das Frauenstimmrccht einzuführen. Die Wählerschaft würde cs vielleicht nicht mit Begeisterung aufnehmen, aber man würde sich doch damit abfinden wie etwa mit der Home Rule, wie mit einer Sache, die über kurz oder lang er- ledigt werden muß. In dieser Situation müßte man vor allen Dingen danach trachten, sich niemanden unnötigerweise zum Feinde sondern auch von Königsberg und Weiterher Anfragen an mich ge- schickt wuroen, wie es komme» konnte, d a ß in a n v o n iv est preußischen Landwirten hört, die Petkuser Roggen noch nicht kennen. Die Ausführungen Sr. Majestät können nur falschen Mitteilungen von seilen- der Cadiner Gutsverwaltung entstammen. Petkuser Roggen wird seit 15 bis 20 Jahren bei uns angebaut. Es ist zu bedauern, daß Se. Mojestäl solch unzutreffende Informationen erhält." Herr Schröter, Elbing-Weingarten, sagte: „Bedauerlich an der Kaiserrede sind auch die Ausführungen von dem Fettgehalt der Milch. Die Landwirte haben darüber ge- lächelt, daß der Fettgehalt der Cadiner Milch 3,58 Proz. betragen soll. Nack meinen Erfahrungen beträgt er hoch- stens 3,2 8 Proz. Se. Majestät ist über alles falsch unterrichtet. Ich hoffe und wünsche, daß den Ohrenbläsern endlich mal der Mund gestopft wird. Erwähnen möchte ich noch, daß die freie Aerztewahl der Cadiner Kranken- kasse vor einigen Jahren so im ReichSanzeiger hingestellt wurde, daß das elwaS ganz Neues für Westpreußen wäre. In meiner Krankenkasse war aber die freie Arztwahl schon 12 Jahre früher als in Cadinen und anderswo in Westpreußen jedenfalls auch. Man muß sich ärgern, daß Majestät bloßgestellt wird durch solche Geschichten und sein Wer- trauen so mißbraucht wird. Deichhanptmann Funk meinte: „Ich wünsche, daß die Ohrenbläser, die Majestät so falsch informieren, mundtot gemacht werden. Majestät kann nicht für die Behauptungen verantwortlich gemacht werden, die Ohrenbläser haben ihn falsch unterrichtet. Majestät bat aber mit seiner Rede viel Unmut erregt. Es mutz mehr Gewicht darauf gelegt werden, daß derartige Informationen Majestät nicht mehr erteilt werden." Auch der Landwirtschaftliche Verein zu Lenzen hat sich mit dem Petkuser Roggen und dem Fall Sohst beschäftigt und eine Resolution gefaßt, in der es zum Schluß heißt: „Wir empfinden es alle mit tiefstem Schmerze, daß unser allgeliebter Kaiser und König über die Person und die Wirt- schast seines langjährigen Pächters so unrichtig informiert worden ist."__ Ein offener Brief Bebels. Wir erhalten folgende Zuschrift: An den Landtagsabgeordneten Herrn Dr. med. Mugdan hier. Nach dem Bericht des„Vorwärts" haben Sie in der Sitzung des Preußischen Landtages vom 22. d. M. anläßlich einer Debatte über die Bäckereiverordnung geäußert: „UebrigenS ist eS auch nicht richtig, daß der Abg. Bebel der erste gewesen ist, der hygienische Mißstände in Bäckereien aufgedeckt hat. Das ist lange vor ihm geschehen." Sie würden mich zu Dank verpflichten, wollten Sie mir mit- teilen, wie lange vor dem Erscheinen meiner Schrift im Jahre 1890 Mißstände in den deutschen Bäckereien aufgedeckt wurden. Meine Schrift war tatsächlich die erste, in der die scheußlichsten Zustände in zahlreichen Bäckereien der verschiedensten Städte an das TageS- licht gezogen wurden, und die so den ersten Anstoß zu der Bäckerei- Verordnung gab. Sie sagten weiter:„Herr Bebel hat allerdings eine Broschüre geschrieben, die neben vielem Wahren auch viel Unwahres enthält." Ich fordere Sie auf, mir die Unwahrheiten nachzuweisen, die ich in meiner Schrift mir zuschulden kommen ließ. So lange Sie mir diese nicht nachweisen, betrachte ich Ihre Behauptung als eine Ver- leumdung. Wahr ist, daß nach dem Erscheinen meiner Schrift eine ganze Anzahl Polizeibehörden in vielen von mir genannten Städten an die Richtigkeit meiner Angaben zweifelten und Untersuchungen anstellten, ob die geschilderten Zustände vorhanden seien. Das Endresultat war, daß ich nicht zu viel sondern zu wenig gesagt hatte. Die Wirklichkeit war schlimmer als meine Schilderung. In der Tat hatte ich die schlimmsten Schmutzereien nicht er- wähnt, meine Feder sträubte sich, sie niederzuschreiben. Schöneberg, den 24. Februar 1913. _ A. Bebel. Die vaterländische Opferwilligkeit des National- liberalismns. Die Ankündigung der„Nordd. Allgem. Ztg.", daß zugleich mit den neuen Heeresvorlagen dem Reichstag die im Reichsschatzamt ausgearbeiteten Deckungsvorlagen zugehen sollen, paßt den National- liberalen, wie eS scheint, nicht in ihre vaterländische Steuerpolitik. Zwar ist die Mitteilung des Kanzlerblattes ziemlich unklar; sie sagt z. B. nicht daS geringste darüber, ob beide Vorlagen durch ein so- genanntes Mantelgcsetz verbunden werden sollen, so daß die eine Vorlage nicht ohne die andere angenommen werden kann; aber zu machen. Man sollte vielmehr versuchen, seine Position so viel wie möglich zu verstärken. Und das ist in England, wo die Scheingründe der Philister so lächerlich klingen, durchaus nicht schwer. Das beliebteste Argument, mit dein der dem Frauen- stimmrecht feindliche Spießbürger die Frage für absolut erledigt erachtet, lautet: Man kann den Frauen keine politischen Rechte geben, weil sie nicht, wie die Männer, das Vaterland verteioigen können. Und das in einem Lande, in dem die Verteidigung aus- schließlich de» arbeitslosen Proletariern übertragen ist! Ferner hört man beständig: Die Frau taugt für die Politik nicht. Den- noch gibt es kaum ein Land in der Welt, wo die Frauen einen so regen Anteil an dem politischen Kämpfen nehmen, wie gerade England. Selbst die Parlamentarier, die vom Frauenstimm- recht nichts iviffcn wollen, sind heidenfroh, wenn ihnen die Frauen ihrer Partei bei WahUämpfen ihre beredte Zunge leihen. Der Kamps gegen die ererbten Vorurteile ist daher in England nicht schwer. Er kann aber schwer werden, wenn die unbesonnene Politik der Süffragettcs zu einer Tragödie führen sollte, wenn der Verlust von Menschenleben das Empfinden des Volkes tief ver- letzen sollte. In dem Landhause des Schatzkanzlers hatte man zum Beispiel zwei Bomben verborgen, die beide mit brennenden Kerzen in Verbindung standen. Als die eine Bombe explodierte, ging das andere Licht aus und die� zweite Bombe ging daher nicht los. Man denke sich nun. daß durch irgendeinen Zufall eine der Bomben etwas später explodiert wäre und die zwölf Arbeiter in die Luft gesprengt hätte, die eine halbe Stunde nach der stattgefundenen Explosion zu ihrer Arbeit in dem Landhause zurückkehrten! Welch ein Wutschrei wäre durch das Land ge- Hungen! Das Fraueiistimmrecht wäre um eine Generation zu- rückgeworfen worden, wie die Home Rule nach dem Attentat in Dublin zu Anfang der achtziger Jahre. In dieser Möglichekit. daß irgendeine der Taten der Suffragettes zur Reaktion führen kann. liegt die große Gefahr dieser Propaganda der Tat. *» London, 24. Februar. Die Führerin der Anhängcrinnen des Frauenstimmrcchts Frau P a n k h u r st ist heute nachmittag der. haftet worden. Sic hatte in der letzten Woche eine flammende Rede gehalten, in der sie die Verantwortung für die Explosion im Hause Lloyd Georges auf sich nahm. schon die bloße Möglichkeit einer solchen Verkuppelung bringt da' Patriotische Herz der, wenn auch nicht nach Bildung, so doch nach Besitz maßgebenden Kommerzienrätc. Bankiers und Großindustriellen in Wallung; denn gar zu gern würden sie sehen, wenn zunächst die Heeresvorlagen mit Jubel an- genommen würden und eS dann den bürgerlichen Parteien über- lasten bleibe, in aller Gemütlichkeit die Steuern zu.verteilen", das heißt einen möglichst großen Prozentsatz den änneren Volks- klassen aufzuladen. So läßt sich denn die.Köln. Ztg." aus Berlin telegraphieren: „An der Militärvorlage wird im Kriegsministerium mit Hoch- druck gearbeitet, jedoch wird immerhin noch einige Zeit vergehen, bis sie an den Bundesrat gelangt, wo die Frage der Kostendeckung gleich mit zur Beratung gebracht wird. Dem Reichstag wird die Borlage, wie es jetzr den Anschein hat, noch vor den Oster- ferien zugestellt werden können und es gewinnt an Wahrscheinlich- keit, daß sie dann mit dem Etat für die Verwaltung des Reichs- Heeres auf das Rechnungsjahr 1313 gemeinschaftlich behandelt wird. Eine derartige Zusammenziehung beider Vor- lagen hat insofern einen erheblichen Nachteil, als die für den 1. April 1913 beabsichtigten Neu- formationen nicht rechtzeitig zurch Durch- führung gebracht werden können, wenn sich die Ver- abschiedung des Etats über diesen Zeitpunkt hinaus verzögert. Es ist selbstverständlich, daß die MUitärvorlage bei ihrer Heber- Weisung an den Bundesrat gleichzeitig die Angabe der erforder- lichen einmaligen und dauernden Kosten enthält, über die sich ge- naue Angaben zurzeit nicht machen lassen, während das Reichs- schatzamt wegen der Kostendeckung die erforderlichen Vorlagen gleichzeitig bereitstellt." Und noch unbefriedigter fühlt sich die ehrsame nasionalliberale »Verl. Börsenzeitung": „Die eigenarsige Zusammensetzung des gegenwärtigen Reichs- tages läßt diese Behandlung der Militärvorlage und ihrer Deckung zweckmäßiger erscheinen, weil man von vornherein damit rechnen muß, daß an den Forderungen des Kriegsministers mannigfache Abstriche vorgenommen werden dürften. Wollte man die Regelung der Deckungsfrage vorwegnehmen, so würde man damit vor die Quadratur deS Zirkels gestellt werden, Deckung für Ausgaben zu beschaffen, deren Höhe noch lange nicht feststeht. Das heißt, man würde entweder eine ungenügende Deckung beschaffen, wenn die Abstriche geringer sind, als man angenommen hatte, oder man würde Steuern auf Vorrat bewilligen, wenn die Streichungen einen größeren Umfang annehmen sollten. Beides aber wäre gleich unerwünscht." Das Zentrum und die Heeresvorlage. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" meldet, daß der Kriegs- minister mit einem führenden ZentrumSabgcordneten eine Unter- redung über die HecreSvorlage gehabt habe. Der Kriegsminister soll über die Gründe gesprochen haben, die ihn jetzt zu bedeutend weitergehenden Forderungen bestimmen, als er im Vorjahre gestellt habe. Der betreffende Zentrumsabgeordnete hätte darauf durch- blicken lasten, daß seine Partei keinerlei Schwierigkeiten machen werde. Ob sich dicS auch aus eine Nachgiebigkeit in der ErbschaftS- steuerfrage beziehe, sei nicht erörtert worden. Der Aachener. Volksfreund" bestätigt, daß nach einer ihm aus erster Quelle zugegangenen Mitteilung die Meldung der. Rhein.- Westfälischen Zeitung" vollständig richtig sei. Das Interesse des Vaterlandes erfordere ge- bieterisch einen ausreichenden Schutz, und die Zentrums Wähler würden daSVorgehen der Partei v e r st e h e n u n d b i l I i'g e n. Das genannte Aachener ZentrumSblott gehört zu den Zentrums- organen, die, als die ersten Meldungen über die Heeresvorlage auf- tauchten, sich sehr kühl verhielten und die Zumutung, schon ttsi- Vr eine Vorlage bewilligen zu sollen, energisch ablehnten. Wenn scuon dieses Blatt, daS so gern den christlichen Demokraten mimt, so platt auf dem Bauch liegt, genügt dies, um vorauszusagen, daß schließlich das Zentrum den.Heeresbrei" nach allerlei kleinen AbstreichungS- versuchen bewilligen wird. Noch am 11. Februar schrieb der erwähnte.Aachener Volks- freund": .Erst muß über die Deckungsfrage volle Klarheit herrschen, ehe an die Bewilligung der militärischen Forderungen gedacht werden kann. ES geht nicht mehr an, daß ins Blaue hinein gewirtschaftet wird, und daß man nachher nicht mehr aus noch ein weiß. Die Deckungsfrage muß zuerst und zwar in befriedigender Weise gelöst werden. ES bedarf keiner großen Erörterung mehr, daß zur Deckung der entstehenden Kosten keine indirekten Steuern, die vor allem die schwächeren Schultern belasten würden, geschaffen werden dürfen, und daß auch die Erbschaftssteuer unannehmbar sei." Im Gegensatz dazu rechnet das zweite Aachener Zentrumsblatt, das„Echo der Gegenwart", schon heute damit, daß die kommende Besitzstcuer nicht mehr wie 50 Millionen einbringen wird. Dazu käme vielleicht eine Kalisteuer, die 19 Millionen liefere. Das übrige— so ungefähr 129 Millionen Mark pro Jahr— würde man wohl aus den Reichskassenüberschüssen nehmeil. Man sieht: Das Zentrum ist wandlungsfähig. Am 1. Februar absolute Ablehnung, am Iki. Februar halber Umfall und am 21. Februar glatte Bauchlage._ Einheitliche Wahlurnen. Der Bundesrat scheint sich endlich gleichfalls mit dem wiederholt und einstimmig gefaßten Beschluß des Reichstags, einheitliche Wahlurnen für die Wahlen vorzuschreiben, befassen zu wollen. Nach Meldungen der halboffiziösen Preste scheint es. als od nun- mehr der Widerstand des preußischen Ministers des Innern beseitigt iei und Vorkehrungen getroffen werden sollien, um das geheime Wahlrecht zum Reichstag auch den gesetzwidrigen Schnüffeleien .ordnungssreundlicher" Wahlvorstände zu entziehen. Daß die Wähler so lange auf den Schutz des Wahlgeheimnistes warten mußten, ist kennzeichnend für die Terrorismusgelüste unserer.Staats- erhaltenden". Eine Lehrermahregelung. Anfang April vorigen Jahres ging die Mitteilung durch die Preste, daß die Bremer Schulbehörde den Lehrer Sonnemann, der vielen Lesern der Parteipresse unter dem Namen Jürgen Brand be- kannt, ist. vom Amte suspendiert habe Seit dieser Zeit hat der Bremer Staatsanwalt svviel Anklagestoff zusammengetragen, daß ihn jeder preußische Kollege darum beneiden könnte. Sonnemann hatte sich am Montag im neuen Bremer Rathause vor der D i s z i p l i n a r- kammer zu verantworten. Die Anklageschrift macht ihm zum Vorwurf, daß er im Jahre 1911 in Düsseldorf, Barmen, Gevelsberg, Remscheid, Köln. Duisburg und Elberfeld in.sozialdemokratischen Jugendversammlungen als Hauptredner für die gegen die bestehende Staatsordnung gerichtete sozialdemokratische Bewegung aufgetreten und damit die ihm als Staatsbeamten obliegenden Pflichten gröblich verletzt" habe. Es wird dann weiter darauf hin« gewiesen, daß in den Jahren 1999—1912 schriftstellerische Beiträge des Angeschuldigten in der Zeitschrist-.Arbeiter- jugend" unter dem Namen Jürgen Brand erschienen seien. Der Inhalt der Reden in Düsseldorf, Barmen und Köln sei genau bekannt, der Inhalt der übrigen Vorträge habe nicht genau wieder- gegeben werden können. Als Zweck seiner Vorträge in Düsseldorf und Barmen habe Sonnemann bezeichnet, den Solidaritätsgedanken uv ä r t s".) In dem Disziplinarprozeß gegen den Lehrer Sonnemann wurde auf D i e n st e n t l a s s u n g erkannt. Die Hälfte des Ruhegehaltes wurde auf ein Jahr bewilligt._ „Kamerad" Kloedeu. Auf dem hessisch-nasiauischen BerbandStag deutscher Militäranwärter, der am Sonntag in Hanau stattfand, wurde auch daS Verhalten deS früheren Ehrenvorsitzenden Landtagsabgeordneten Generalmajor v. Kloeden erörtert. Die Denunziation Kloedens wurde von verschiedenen Seiten bestätigt und scharf verurteilt. Kloeden habe sich, wurde erklärt, durch sein Verhalten selbst außer- halb des Bundes gestellt. Der Piovinzialverband Hessen- Nassau beschloß denn auch, daS Amt des Generalmajors von Kloeden als Ehrenvorsitzender für erloschen zu erklären._ Die Sozialdemokratie als treibende Kraft. In Königsberg i. Pr. hat die Stadtverordnetenversammlung bereits zweimal beschloffen, die Einkommen von 699—990 M. von der Kommunalsteuer frei zu lasten. Der Magistrat aber weigert sich beharrlich, diesem Beschlüsse beizutreten. In dieser Airgelegen- heit hat nun- der Berein liberaler Arbeiter und Bürger für Ost- Preußen den bürgerlichen Stadtverordneten folgendes Schreiben gesandt:. .Königsberg i. Pr„ den 17. Februar 1913. Sehr geehrter Herr Stadtverordneter! In der Angelegenheil der Befreiung der Zensiten der untersten Steuerstufe von der Verpflichtung, in diesem Jahre ihre Steuer zu bezahlen, haben wir uns mit einem Schreiben an den Magistrat gewendet und gebeten, gemäß dem Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung, an dem wir sie bitten, unbedingt festhalten zu wollen, die Betroffenen von der Steuer frei zu lasten. Bei den hohen Preisen für Lebensmittel und Mieten ist eS gerade den Arbeiten: und kleinen Leuten außerordentlich schwer, allen An- forderungen gerecht zu werden. Auch würde die Erhebung der Steuer in der untersten Steuerstufe die U n- Zufriedenheit vermehren und der Sozial- demokratie bei den kommenden Stadtverord- netenwahlen ein willkommenes Agitationsinittel darbieten. Die Sozialdemokratie hofft auf eine Verdoppelung der Anzahl ihrer Mandate in der Stadtverordneten Versammlung und würde dadurch im nächsten Jahre viel leichter in der Lage sein, eine Mehrheit für Wegfall der Steuern der untersten Stufe zu bilden. Ein solcher Beschluß würde später als ein überzeugender Erfolg dieser Partei agitatorisch verwandt werden. Nicht nur aus taktischen, sondern vor allem auS sozialen Gründen bitten wir dringend, dahin wirken zu wollen, daß die SIcuern der untersten Slufe nickt erhoben werden. Hochachtungsvoll und sehr ergebenst Der Verein liberaler Arbeiter und Bürger für Ostpreußen. Der Borstand. I. A.: Der Vorfitzende. Stoltz. Ohne Sozialdemokratie kein sozialer Fortschritt! DaS beweist wieder einmal so recht eindringlich daS.sehr ergebenste" Schreiben der liberalen Arbeiter. Die Furcht vor weiteren Erfolgen der Sozialdemokratie zwingt die Leute zu Zugeständniffen an die Arbeiierklaffe, die sie ihr sonst nie gewähren würden. Diktatur und Meuchelmord in JMexiho. Das Schicksal des besiegten Präsidenten M a d e r o ist sehr schnell entschieden worden. Kreaturen des Diktators Hucrta haben Madero niedergeknallt, da er dem neuen Tyrannen zu gefährlich erschien und offenbar noch zahlreichen Anhang im Lande hatte. Huerta und Diaz spielen dabei noch ein elendes Heuchelspiel, sie wollen der Welt glauben machen. daß sie an dem Tode Maderos schuldlos seien. Der Mord. Mexiko, 23. Februar. Der frühere Präsident Madero und der frühere Vizepräsident S u a r e z wurden heute erschossen, als man bei ihrer Ueberführung nach dem Gefängnis den Versuch machte, sie zu befreien. Boa den Angreifern wurden bei dem Kugelwechsel zwei Mann erschossen.— Bon Huerta wird diese Nachricht bestätigt. Feige Ausreden. Ueber den Tod Maderos und Suarez' äußerte sich Huerta folgendermaßen: Um Mitternacht griff eine Schar von fünfzig Mann die aus hundert RnralcS bestehende Eskorte der Gefangenen an. Diesen wurde befohlen, die Wagen zu verlassen, lvorauf sie von einer Wache von 30 Mann umgeben wurden, während die übrigen Rurales das Feuer erwiderten. Der Kampf dauerte 20 Minuten. Nach seiner Beendigung wurden Madero. Suarez. zwei Rurales und ein Bürger tot aufgefunden. Die Angreifer ergriffen die Flucht. Mexiko, 24. Februar. Die genauen Umstände des Todes Maderos und Suarez' sind noch unbekannt. Huerta erklärt, Madero und Suarez seien durch Zufall bei dem Zusammen- stoße der Wache mit Maderos Parteianhängern gefallen, die den Versuch machten, die Gefangenen zu befreien. De la Barra erklärt, die Gefangenen seien getötet ivorden, als sie zu cnt- weichen versuchten. Keiner von beiden sagte indeffcn, wer die tödlichen Schüsse abgegeben habe; vielleicht ist cS beiden unbekannt. Das Volk steht in seiner Mehrheit den amtlichen Berichten skeptisch gegenüber. Sonntag war die Stadt ruhig. Die Regierung versichert weiter, sie werde die Umstände des Todes Maderos und Suarez' untersuchen und die Schuldigen bestrafen._ Ungarn. Die Rache der Pauamisteo. Budapest, 24. Februar.(Eig. Bcr.) Die Regierung des Herrn v. Lukacs hat der Wiener„Arbeiter-Zeitung" den Postvertrieb in ganz Ungarn entzogen, so daß die Zeitung in- folge der Monopolisierung auch des privaten Zeitungsvertriebs durch Regierungsprovisionisten nur in geschlossenem Kirvert wird bezogen werden können. Uebrigens erfährt man jetzt, daß das Budapestcr Gericht in dem Prozeß LukacS gegen Dafy zuerst die Zulasiung des Wahrheitsbeweises beschlossen und ihn erst, nachdem gewisse wichtige Zeugen sich geweigert hatten, den Lukacs zu entlasten, abgelehnt hat._ Vor dem Wahlrechtsstreik. Nach dein bekannten belgischen Beispiel appellieren die ungarischen Genossen an die Oesterreicher, ihre Kinder während des kommenden Generalstreiks in Obhut zu nehmen. frankreicd. Die dreijährige Dienstzeit. Paris, 24. Februar.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Der„Tenips" beharrt darauf, daß der Kriegsminister eine allgenreine Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit ohne das Einjährigenrecht der Studierenden fordern werde. Ein Berliner Korrespondent zitiert aus dem„Freien Wort" einen Artikel Maure nbrcchers(ausgerechnet Maurenbrecher als Wortführer der Sozialdemokratie) Der Korrespondent hat keine Ahnung von der Rolle, die dieser Vielschreiber in der deutschen Partei spielt. Die Red. des „Vorwärts".) und versucht nachzuweisen, daß die Sozial- demokratie dadurch, daß sie für die Emführung der Vermögens- und Erbschaftssteuer stimmen lverde, an der Re- gierungsvorlage positiv mitarbeite. Belgien.• Die Bürgermeister und der Generalstreik. Brüssel, 23. Februar.(W. T. B.) Die Bürgermeister der neun Provinzialhauptstädtc waren heute auf dem hiesigen Rathause ver- sanimeli, um über die durch den drohenden Generalstreik ge- schaffene Lage zu beraten. Es wurde beschlossen, eknen Appell an die Arbeiter zu richten, in dem sie ersucht werden, im Interesse des Friedens auf den Generalstreik zu verzichten; ferner wurde beschlossen, eine Audienz beim Ministerpräsidenten zu erbitten, um ihn zu ersuchen, bei Verzicht der Arbeiter auf den Generalstreik in voller Freiheit an die Lösung der Wahlrechtsfrage hervnzutreten. Zwei katholische Bürgermeister enthielten sich bezüglich des letzten Wunsches der Abstimmung. ?apan. Ein Sieg der Opposition. Tokio, 24. Februar. Der Landtag tritt am Dienstag zu- sammen. Baron Osaki und seine Anhänger sind aus der Sciyukwai- Partei ausgetreten und stellen selbst ein Parteiprogramm ans, in dem sie eine strikte Parteiregierung fordern. Die Seiyukwai hielten gestern nachmittag eine Generalversammlung ab. Alle Minister waren anwesend und die Minister der Finanzen, des Ackerbaus und des Verkehrs traten formell der Partei bei. Der Premier- minister sagte in einer Ansprache, er habe der Partei seit ihrer Gründung durch den Fürsten Jto sympathisch gegenübergestanden. Er würde ihren Grundsätzen und ihrem Programm und der Politik des Kabinetts Saionji folgen. 8o2iales. Das rote Gespenst in Chemnitz. Einen starken Tiefstand sozialer Gesinnung dokumentierte in der letzten Stadtverordnetensitzung die Hausbesitzermehrhcit in Chemnitz durch geschlossene Ablehnung des Erbbauvcrirages, den der Rat mit der Allgemeinen Bau-Genossenschaft abzuschließen be- reits beschlossen hatte. Schon vor zwei Jahren wurde von derselben Mehrheit ein Erbbauvertrag abgelehnt, den der Rat mit der bürgerlichen Gar- tenstadt-Genossenschaft abschließen wollte. Diesmal war der Ver- trag mit Rücksicht auf die Zusammensetzung des Kollegiums so formuliert ivorden, daß für die Hausbesitzer jegliche Angriffsfläche vermieden war. Der Baugenossenschaft waren nicht die geringsten Erleichterungen oder Vorteile eingeräumt, so daß die Stadt bei Abschluß des Vertrages noch ein Boinbeugeschäft machen mußte. Trotzdem die Ablehnung. Der antisemitische Landtagsabgeordnete Bäckerobermeister Biencr und sein Anhang stellten das rote Ge- spenst in den Saal und machten selbst bei Antisemiten wegen ihres Unsinns auffallende Ausführungen. So sprach Biener mit Rück- ficht auf die gesunden Bestrebungen der Baugenossenschaft von— sozialdemokratischen Bestrebungen, nannte das Erbbaurecht ein fremdes Gewächs, das sich für den hiesigen Boden nicht eigne, machte dein Rat den Vorwurf, daß er niit der Vorlage den seß- haften Hausbesitz, den er als besten Steuerzahler bezeichnete, schä- dige. Sein Freund Springer nannte das Erbbaurecht einen Rück- schritt; wenn die Stadt es der Baugenossenschaft gebe, werde man bald die Herrschaft über die Massen verlieren. Jetzt verlange man Grund und Boden von der Stadt für Wohnungen, nächstes Jahr werde man Versorgung der Kinder verlangen. Der Dritte im Bunde der Hausbesitzer, Baumeister Hcidrich, bemerkte, daß von einer Wohnungsnot erst gesprochen werden könne,— wenn es überhaupt keine leerstehende Wohnung in der Stadt mehr gebe. Unsere Genossen und die Mitglieder des Rates befürworteten die Genehmigung des Vertrages, da auf dem Gebiete der Wohnungs- reform und Beschaffung guter Arbeitcrivohnuugen etwas geschehen müsse, zumal die Stadt eine» jährlichen Zuwachs von 19 999 Menschen habe, die private Bautätigkeit aber nur für den fünften Teil Wohnungen herstelle. Auch auf das Vorgehen anderer Städte und Gemeinden wurde hingewiesen, die die besten Erfahrungen mit der Hergabe von Land in Erbpacht gegeben haben. Die Stadt lverde sich vor ganz Deutschland blamieren, wenn sie auf diesem Gebiete nicht mitgehe und die von den Hausbesitzern befürwortete Rückständigkeit zeige. Es half alles nichts. Hier stand Zahl gegen Zahl. Die auf Grund eines schmachvollen Sechsklassenwahlrechts gewählte mittelständlerische Mehrheit pochte auf ihre Macht und ließ die Ratsvorlage unter den Tisch fallen. Sie hat die ganze Sache auf das politische Gleis geschahen und den schon früher ge- gebcnen Anstoß verstärkt, der dazu führen muß, die Beseitigung dieses mittelalterlichen Wahlrechts durchzusetzen. Zunächst wird bei den kommenden Stadtverordnetcnwahlen mit dieser rückständigen Gesellschaft abgerechnet werden. (Sichc auch erste Beilage.). GcwcrhrcbaftUcbee. Berlin und Qingcgcnd. Statte Unzufriedenheit unter den Handwerkern und Arbeitern der Hoch- nnd Untergrundbahn verriet eine Versammlung, die am Sonntag in de»„Arminhallen" tagte. Die vom Deutschen Vtetallarbeiterverbaii? und dem TrarrL portarbeitcrverband einberufene Versammlung war sehr gut be- sucht. O. Ortmann referierte über:„Wie verbessern wir unsere Lage?" Nach seinen Ausführungen erhalten die im Bc triebe der Hoch- und Untergrundbahn beschäftigten Handwerker einen Anfangslohn von 42 Pf. pro Stunde. Nach einem Jahre er- halten sie 48 Pf. und dann steigt der Lohn jedes Jahr um 1 Pf. bis zu 60 Pf. pro Stunde. Die Arbciterer halten als Anfangslohn 40 Pf. pro Stunde, steigend jedes Jahr um 2 Pf. bis 46 Pf. dann jedes Jahr uni 1 Pf. bis zum Höchstlohn von 43 Pf. pro Stunde. Diese Löhne sind unter den heutigen Verhältnissen gänzlich unzureichend, was schon dadurch erwiesen wird, daß in einer ganzen Reihe von Städten und Verkehrsbetrieben höhere Löhne gezahlt werden. Was dort möglich ist, sollte auch bei der Berliner Hochbahn nicht un- möglich erscheinen, schon weil die hier verlangten Arbeiten ziem- lich schwer und zugleich sehr gefahrvolle sind. Es sei deshalb gerade nicht sehr human, wenn die Betriebsleitung die minimale Lohnforderung auf 5 Pf. Erhöhung pro Stunde ablehnte und an deren Stelle nur eine Erhöhung der Weihnachtsgratifikation für Verheiratete von 30?Nk. bewilligte. Dieses Zugeständnis cnt- spreche nicht der bestehenden Teuerung und deshalb könne er- wartet werden, daß die Eiesellschast von neuem in eine Prüfung der Lohnverhältnissc eintrete. Auch die Arbeitszeit lasse nach Verlegung der Hauptwerkstatt viel zu wünschen übrig und es sei die höchste Zeit, daß die Betriebsleitung ihr schon längst vor- sprochenes Wort einlöse. ES sei wirklich eine Härte, daß nicht schon längst der Vcrkehrsmöglichkeit nach der Hauptwerkstatt mehr Rechnung getragen wurde. Entweder müssen von Charlottcnburg ab mehr Züge oder wenigstens mehr Wagen eingestellt werden. Tie Hauptschuldigen an diesen Verhältnissen sind jedoch die Bc- schäftigten selbst. Würden diese mehr als bisher der Organi- sation gegenüber ihre Pflicht erfüllt haben, so würden auch hier bessere Berhältnisse bestehen. In der Diskussion wurden die mit Beifall aufgenommenen Ausführungen noch ergänzt. Folgende Resolution wurde ein- stimmig angenommen: Tic am Sonntag, den 23. Februar 1913, in den„Armin- Hallen" tagende Versammlung der.Handwerker und Arbeiter der Berliner Hoch- und Untergrundbahn ist der Ansicht, daß die im genannten Betrisbe bestehenden Lohn- und Arbeitsverhält- nisse dringend einer Aufbesserung bedürfen. Die Versammelten sind der Meinung, daß die Gesellschaft trotz ihrer Erklärung wohl in der Lage sei, diese Verhältnisse einer Regelung zu unterziehen, ohne dabei auf finanzielle Schwierig- keilen zu stoßen. Tie Versammelten erwarten deshalb, daß die Bctriebslchtniig in allernächster Zeit nochmals zu dieser An- gelegenheit Stellung nehmen und dem Wunsch der Versammelten mehr Entgegenkommen zeigen wird. Tie Anwesenden verpflichteten sich noch mehr als bisher für den Aushau der Berufsorganisation Sorge tragen zu wollen, um dadurch ihren gerechten Wünschen mehr Nachdruck zu verleihen. Nach einem kräftigen Schlußwort des Genossen Großkopf vom Meiallarbeitcrverband wurde die Versammlung geschlossen. Achtung, Tabakarbeiterl Der Zigarrcnfabrikant Born» k e s s e l, NW., Waldjtr. 39, hat hinsichtlich der Arbeitslöhne den geltenden Minimaltarif durchbrochen. Als Arbeitswillige fungic- ■ttm die Rollerin Straskowski und die Wickelmacherin P a u» f i n. Die grünen Plakate sind der Firma entzogen worden. Ter Betrreb von Bornkessel gilt anch weiterhin als gesperrt. Dem Zigarrenhändler M. Metzger, St. 58, Cantianstr. 17, ist ebenfalls das grüne Plakat entzogen worden. Arbeiter, Raucher! Kauft Euren Zigarreubedars nur in solchen Geschäften und Wirtschaften ein, wo das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. liebt Solidarität! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Achtung, Glasbläser! Bei der Moore-Licht-Attiengesellschait. Fabrik Neukölln. Lichtenrader Str. 32. sind Tiffccenzeil ausge- brnchen. Tie Firma hat die alten eingearbeiteten Glasbläser cnt- lagen und versucht andere, jedenfalls billigere Arbeitskräfte zu erhalten. Wie die Firma selbst zugibt, haben die Arbeiter bisher ihre vollste Schuldigkeit getan. Wir ersuchen den Zuzug fernzu- halten und Arbeitsangebote zurückzuweisen. Zentralvcrband der Glasarbeiter. Veutlebeo Rcicb. Tie Tarifverhandlungen im Malergewerbe. Die Verhandlungen wurden am Sonnlag bis abends 8 Uhr fortgeführt. In der Hauptsache nahmen von der Gehilfcnscite die Bczirksleiter, von der Unternehmcrfeite die Gauvorsitzenden das Wort zu den Entscheidungen der einzelnen Gautarifämter. Während die Gehilfenvertrcter auf das Unzureichende und die ver- schiedenen Lücken in den Schiedssprüchen hinwiesen und klarlegten, weshalb diese den berechtigten Wünschen der Arbeiter im allge- meinen nicht entsprechen, ersuchten die Unternchmervertreter um Reduzierung der zugesprochenen Lohnerhöhungen und Ablehnung der Verkürzung der Arbeitszeit. Für den Gau 4 l Leipzig), wo�be. kanntlich die Verhandlungen gescheitert waren, wurde in eine>spe- zialbcratung eingetreten, bei der die Unternchmervertreter geringe Angebote an Lohnerhöhung machten. Tie Tarifverträge im Bäcker- und Kouditorgewerbe. Bekannt ist, daß die Bäckermeister prinzipielle Gegner der Vertragspolitik sind. Es fällt ihnen ungemein schwer, den Arbeitern bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen das Mit- bestimmungsrecht einzuräumen. Trotzdem hat der Tarifgedanke auch im vergangenen Jahre gute Forlschritle gemacht. Arn Jahresschluß 1912 v e sl a n d e n 222 Tarife, die sich auf 7920 Betriebe mit 20628 beschäftigten Personen er st reckten, ein Mehr gegen das Vorjahr von 34 Tarifen mit 641 Betrieben und 3287 beschäftigten Personen. Nach Branchen geordnet stehen die in Bäckereien Beschäftigten an erster Stelle. Hier bestehen 202 Tarife für 7774 Betriebe und 13 222 Personen. Die Konditoren weisen 2 Verträge mit 166 Per- sonen auf und in der Schokoladen- und Zlickerwarenindustrie kommen 13 Tarife für 30 Betriebe und 2300 Personen in Frage. Der mit dem Z e ii t r a l v erb a n d deutscher Konsum- vereine abgeschlossene N e i ch S l a r i s e r st r e ck t(ich auf 182 Vereine mit 2210 Person« n. Ten grüßten Fort- schritt iaiin der Tarifgedanke in Bayen» aufweise», dort milerstehen 4164 Personen 64 Verträgen, dariinier'siiid 22 Kollektivverträge mit Unterwknnerorganisationeii zu zählen. Dem Verbände der Bäcker ist es da.urch gelungen, eine bedeutende Berkürzung der Arbeitszeit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus, wonach für die Böckereien die tägliche 12st!indige Arbeitszeit noch zulässig ist, zu erringen. In 89 Betrieben, mit Ausnahme von wenigen Privatbetrieben, nur Konsumbäckereien, ist für 2202 Personen der achtstündige Ar- beitstag festgesetzt: bis zu 66 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit werden in 2930 Betrieben 10 307 Personen beschäftigt, mit anderen Worten: «ii„'diese BerufSaiigehörigen konnte tariflich die sechSlägige Arbeitswoche erreicht werden. Trotz dieser Erfolge ist die Arbeitszeit be- fonders bei den Bäckern noch viel länger als m anderen Berufen Nach den Tarifen arbeiten über 70 Stunden pro Woche 3617 Per- fönen. Weil schlimmer sieht eS aber in solchen Betrieben aus. wo es bisher nichl möglich war, die Arbeitszeit tariflich zu regeln. In 126 Verträgen konnte der Kost- und Logis- zwang für die Gesellen im Hause des Unter- n e h in e r s beseitigt werden. Bargeldentlohnung erbalten nun in den tariftreuen Betrieben 16 939 Personen. Der durchschnitt- liche Lohn beträgt für den Beschäftigten wöchentlich 22.36 M. In den zwei Verträgen bei den Konditoren beträgt das Lohnmiiiimum in Bargelventlohnung 24 llezw. 26 M. Bei den in der Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie Neschäftigten beträgt der durchschnittliche wöchentliche Mindestlohn für jugendliche Arbeiter 12 M., für Ar- beiterinnen 10,26 3)1. und für erwachsene Arbeiter 23,10 M. Die Festlegung von Ferien ist in 130 Tarisen ausgesprochen für 9822 Personen. Die Bezahlung der Ueberstunden mir einem höheren Satz als den regulären Stundenlohn, ist in 192 Verträgen für 19 366 Per- sonen vereinbart. Bon den bestehenden Tarifen kommen in diesem Jahre 106 für 2192 Betriebe mit 2430 Personen zum Ablauß darunter der mit der Bäckerzwangsinnung in München abgeschlossene Kollektivvertrag, dem 1329 Arbeiter unterstehen. Nach den bisher gemachten Erfahrungen wird es in den meisten Fällen ohne Arbeilseinstellung nicht abgehen, um die Unternehmer zu veranlassen, weitere den heutigen Zeitver- Hältnissen entsprechende Reformen durchzuführen. eine 1912 Ter Verband der Tapezierer im Jahre 1S12. Das Verbandsorgan des Verbands der Tapezierer bringt Uebcrsicht über die EntWickelung des Verbandes im Jahre Die Zahl der Mitglieder stieg von 0674 im Jahresdurchschnitt 1911 «auf 10 434 im Jahre 1012, das ist eine Zunahme von 760. Neu ausgenommen wurden fast 4000 Berussgenossen, so daß also die Fluiluation immer noch eine sehr große ist. In den letzten drei Jahren stieg die Mitgliederzahl des Verbandes um 2222. Die Bei- tragszahlung war eine sehr gute. Es wurden für laufende Bei- träge eingenommen 280 803 M. gegen 222 800 M. im Jahre 1011. An Unterstützungen zahlte der Verband: Reise- 2920 M., Arbeitslosen 75 327 M., Kranken- 10 816 M., Sterbe- 4342 M. und Streikunterstützung 6777,87 M. Gegen das Vorjahr erforderte di- Ar- beitslosenunterstützung eine Mehrausgabe von 10 161 M., während sich die Ausgaben für die übrigen Untcrstützungszwcige nahezu aus der gleichen Höhe wie in den Vorjahren hielten. Die Finanzlage des Verbandes bat sich vorzüglich gestaltet, da die gcfübrtcn Lobn- kämpfe wenig Mittel erforderten und meist auf dein Wege med- Itcher Vereinbarung abgeschlossen wurden. Tie Hauptkasse schließt mit einem Kassenbestaud von 208 302 M., die Lolallassen besitzen ein Vermögen von 111221 M.. in den Gau- und Filiallassen sind dann noch als Kassenbcständc 4608 Rd. vorhanden, sodaß der Verband über ein Gesamtverniögen von 324 132 M. verfügt. Ter Verband ver- besserte den Stand seiner Finanzen im Jahre 1012 uni rund 06 000 Mark._ Tas Strafsystcm im Nuhrbergba». Die Bcrgwerksunternehmer im Ruhrgebict haben ihre eigene Gerichtsbarkeit, die rücksichtslos gegen die Arbeiter angewandt wird. Die Möglichkeit dazu bietet die Arbeitsordnung, nach der in nicht weniger als 17 Punkten Bestrafung erfolgen kann. Der Vorzug dieser Gerichtsbarkeit ist, daß ohne weiteres abgeurteilt wird. Da gibt es keine Voruntersuchung und lein Verhör. Dem„Vergehen" folgt die Strafe auf dem Fuße. Die Grubenbeamten sind Ankläger und Vollstrecker des Urteils zugleich. Groß sind die Summen, die den Arbeitern durch das Strafsystcm abgezogen werden. Im Jahre 1912 wurden auf 131 Zechen des Ruhrreviers Strafgelder vereinnahmt: Wegen Förderns unreiner Kohle. 362 868 M. Wegen lonstiger Vergehen.... 268 098„ Summa: 930 066 Neunhuudcrteimmddreißigtausend Mark in einem Jahre! Das ist ungeheuerlich. Die ungerechtesten Bestrafungen sind die wegen Förderns unreiner Kohle oder wegen nicht genügend gefüllter Wagen. Vor der Arbeitsstelle können die Wagen übcrfüllr geladen werden. durch den langen unterirdischen Transport wird die Kohle zusammen- gerüttelt und die Ladung senkt sich. Ucber Tage kommt so der Wagen nicht mehr überfüllt beladen an. Dann fetzt es Strafe. Auch läßt es sich nicht vermeiden, daß einige Steine mit cinjjclaben werden, denn die Llohle ist damit verwachsen. Trotz alledem setzt eS Strafe, wenn Steine im Wagen gefunden werden. Bei der Lohnzahlung werden auch einige Pfennige nichts ans- gezahlt. Die hierdurch erzielte Summe beläuft sich aus den 131 Schachtanlagen noch auf 102 626 M. Mit diesem Gelbe treiben die Unternehmer Wohlfahrt. Es fließt in eine auf jeder Zeche vorhandene Untcrftützungskasse. Daraus werden durch Krankheit in Not geratene Arbeiter unterstützt. In den Berginspektorenberichten kann man dann alljährlich lesen, welche Summen für Unterstützungen an die Arbeiter verausgabt wurden. Und dabei wird dann dk Fürsorge der Unternehmer gebührend hervorgehoben. Nicht aber wird gesagt, daß das Geld, womit nian Wohlfahrt übt, den Arbeitern vorher vom Lohne genommen ist. Das ist Wohlfahrt, die erst durch Plage geschaffen werden kann. Tas Resultat der Lohnbewegung im Saarrevicr. Am Sonntag tagte in Saarbrücken eine Konferenz der christ- lichen Bergarbeiter, in der die auf einer früheren Konferenz ge- wählte Kommiision über das Ergebnis ihrer Erhebungen berichtete. Nach einer osfizivsen Zeitungsmeldmig hat Effert vont Haupivorflaiid berichtet, daß überall eine Erhöhimg der Löhne, in einigen Fällen sogar eine wesentliche Erhöhung, zu verzeichnen sei. Später wurde aber eine Resolution angenommen, nach der die Konferenz die Lohnbewegung für beendet erklärt, in der Erwartung, daß der Fiskus auch auf den Zechen, wo es bisher noch nicht her Fall ist, eine Erhöhung der Löhne eintrete» lasse und auch bei einem weiteren Steigen der Konjunktur eine weitere Lohnerhöhnng vor- nehme. Also kann das wohl doch nicht ganz stimmen, was Effert berichtete, daß überall eine Erhöhung der Löhne eingetreten ist. Die Lohnbewegung wurde von der Konferenz für beendet erklärt, trotzdem es mir den Lobnzulagen jedenfalls noch sehr stark hapert. So kani auch hier wieder die größte christliche Zier, die Be- scheidenheit, zu Ehren. Weiter billigte die Konferenz das Vorgehen des christlichen BezirlSbeainten Kuhnen in der Sache des Bischofs von Trier. Der Bischof hotte sich in einem öffentlichen Briefe� in der ultra- montanen„Bolkszeitung" in Saarbrücken gegen den Streik gewandt. Kuhnen sprach dem Bischof das Recht ab, sich in diese Wirtschaft- lichen Dinge ciiiziiiniscben, während die Berliner Richtung wieder gegen die Angriffe auf den Bischof zu Felde zog. Husland. Die Wärter der Landesirrcnanstalt in Lemberg sind in einen Streik getreten, weil ein auf Urlaub gegangener Kollege entlassci- wurde. Tie Streikenden bestehen auf die Wiederanstellung ihres Kollegen und lehnen die Aufnahme der Arbeit solange ab. Ter Wärterdienst ivird mühsam von Aerzten und Hilfspersonal auf- recht erhalten. Tie gewerkschaftliche Entwickelung in Großbritannien. London. 22. Februar]913._(Eig. Ber.) Ter nächste groß- Schritt, den die britischen Gewerkschaften zur Hebung des gesain- ten Proletariats zu tun gedenken, ist die allgemeine Einführung eines achtstündigen Arbeitstages. Der lcpte Gewerkschaftskongreß gab dem Parlamentarischen Komitee den Auftrag, in dieser Frage gemeinschaftlich mit den Gewerlschaften der angeschlossenen Be- rufe vorzugehen, einen Gesetzentwurf herzustellen und im Parka ment einzubringen den allgemeinen 1 itimmimg unter allen Gcwcrkschastern, die ans dem GewerkichaftS- kongrcß vertreten sind(gegen 2 Millionen) über folgende Fragerl vornehmen zu lassen: 1. Sind Tic für den Achtstundentag in einer den Bedürf« nifsen Ihres Berufes angepaßten Form bei strenger Ein schräm- kung der Ueberstunden? 2. Sind Sie dafür, daß ein Achtstiiudentag und die Ein- schränkung der Ueberstunden durch Verhandlungen erzielt werden? 3. Sollten die Verhandlungen fehlschlagen, sind Sie dann dafür, daß durch Vermittlung des Parlamciitarischeii Komitees irgendwelche angeschlossenen Gewerkschaften oder Verbände unter- stützt werden, die ein Tatum festsetzen, au und nach dem kein? ihrer Mitglieder mebr als 8 Stunden an einem Tage arbeiten werden?� 4. Sind Sie dafür, daß das Parlamentarische Komitee cncr- gisch auf die Annahme eines Achtstundentaggesetzes dringt und so die ivirtschasUiche Aktion durch die politische unterstützt, damit der allgemeine Achtstundentag im Lande Gesetz wird? Tie dritte Frage crlveckt den Schein, als beabsichtige man, nach dem Rezept der französischen Syndikalisten vorzugehen und eines Tages zu erklären: Länger als 8 Stunden wird fortan nicht gear- beitet. Aber die Formulierung der Frage zeigt, daß man nicht ein neues Erperiment, sondern einen regelrechten Streik um den Acht« stundentag im Auge hat. In gewissen Berufen und gewissen Ge- genden mag es allerdings möglich sein, daß die Arbeiter einfach den Achtstundentag dekretieren. Das taten zum Beispiel die schottischen Bergleute lange vor der Annahme des Achlstundcn- gcsetzeS für den britischen Bergbau. Und sie dekretierten nicht allein den Achtstundentag, sondern auch die fünftägige, vierrägige. ja dreitägige Arbcitsivoche, loeiin die Kohlenpreisc, von denen ibce Löhne direkt abhinaen, zu sehr ficlen. Daß dies im schottischen Kohlenbergbau möglich war, ist ans ganz besondere Umstände zu- rnckzuführcu. Namentlich muß hervorgehoben werden, daß der Kohlenbergbau in Schottland sehr zersplittert war. Auch heute gibt es dort nur ivenige große Grüben, während kleinere mit 20. 30 oder 50 Arbeitern sehr zahlreich sind. Ter wenig Widerstands- fähigen Untcrnehmerschau stand eine Arbeiterschaft mit besonders stark entwickeltem Solidaritätsgefühl gegenüber. Viele andere Tinge trugen noch dazu bei, daß den schottischen Bergeitcrn möglich war, was ihren Kameraden in anderen Teilen des Reiches. versagt war. Daher verwandle die britische Bcrgarbeiterfödera- tion auch während mehr als 20 Jahren ihre ganze Kraft daran?. den Achtstundentag auf dem Wege der Gesetzgebung zu erreichen. was sie ja auch schließlich durchsetzte. In den nächsten zwei Jahren wird die liberale Regierung dem Parlament wenige Aufgaben unterbreiten. Tic von den Lords verworfenen Vorlagen(Home- rulc und Entstaatlichung der Kirche in Wales) werden gemäß den Vorschriften des Parlamentsgcsctzes kurz noch einmal besprochen werden, um dann im Jahre 1014 oder 1012 gegen den Willen des Oberhauses Gesetzeskraft zu ctlniigein Ticic partamentariiche Ferienzeit gedenkt die englische Arbeiterschaft nach Kräften auszu- nützen, uin durch eine energische Agitation im Lande und im Par» laincnt die Anerkennuiig der dringendsten proletarischen Forde» rungen und namentlich des Achtstilndciitages zu erzivingen. Eine weitere Entwickelung in der Gcivcrkschastswclt betrifft das engere Zusammenarbeiten mit den Geiwsseuschaften. Tas Thema ist in der letzten Zeit viel besprochen worden. In der ersten Woche des laufenden Monats fand zwischen Vertretern der Ar- beitcrpartei. der Gewerkschaften u»d der Genossenschaften eine Bc- sprechung statt, die im Monat Mai fortgesetzt wird. Zu irgend- welchen bestimmten Vorschlägen isr es jedoch noch nicht gckomincn. Aber man erkennt doch allcrwärts die Nützlichkeit des Zusammen- wirkcnS der drei großen Strömlingen der Arbeiterbeivegung an. Nim hat die Gcwerkschaftszentrale den ersten Schritt getan, um das Problem praktisch zu lösen. Tie Gewerkschastszenirale bat nach den Vorschriften des Versichcrungsgesetzes eine staatlicb an- erkannte Krankenkasse gegründet, der eine Anzahl der Utt attge« schlosscncn Gewerkschaften angehören. Um die Krankengelder� a>l>-- zuzahlen wird sicki diese Krankenkasse in Zukunft der Bank der Großeinkaufsgenossenschaft bedienen. Nach der getroffenen Ab- machung wird die Krankenunterstützung in Schecks auf die Ge- nosscnschaftsbank gezablt werden, die in allen Filialen der Bant und in jeder Verkaufsstelle der Genossenschaften emlösbar nnd. Ter eingelöste Scheck wird zugleich als Quittung dienen. Man wird taiim fehlgehen, wenn man dieses einfache Arrangement als den entscheidenden Schritt in einer Entwickelung bezeichnet, deren Folgen noch unabsehbar sind._ Gin Protest gegen die Einfnhrnng von Kulis. Ans Wladiwostok wird gemeldet: Das Gesuch von drei- zehn' Mitgliedern der Börse, gelbe Arbeiter zuzulaffen. hat den einmütigeii Protest der Gewerbekrcise und der Arbeiterbevotke- rung hcrvoraerufcii. In einer Versammlung der Vertreter dieser Kreise lvurde bejchlosscii, ein telegraphisches Gesuch an den Mi- nisterpräsidenten und an den Handelsminister um Ablehnung dieses Gesuchs und nm ausgedehnte Anwendung der Bcstimnnmgen gegen die Verwendung gelber Arbeitskräfte zu richten. Tie Chinesen Härten bereits viele Gebiete des Handels und des Gewerbes an sich gerissen. Das Gesuch richte sich direkt gegen die Interessen der russischen Arbeiter._ letzte Nachrichten. Neue Friedensverhandlungen bevorstehend. Kvnstautinopcl. 24. Februar.(P.(5.) Wie in hiesigen diplomatischen Kreisen auf das bestimnit/ste versichert>mro, hat die Pforte H a k k i Pascha bereits neue I n ftr u- t io n en erteilt, welche dahin gehen, auf 05 tun o o c r letzten Kollektiv note der Al ä ch t e u e Friede usvcr Handlungen a n z u b a h ne". Pascha dürfte im Laufe des morgigen uages Cne Ult>arD Gren von diesen Instruktionen Mittetlung ma�n Mio rhn ersuchen, die nötigen Schritte zur Wiederaus nähme der Friedensverhandlungen einzuleiten. Tas„gnädige" Zarcntum. Petersburg. 24. Februar.(D. T. B.) Wie die Petersburger Telegraphenagentur erfährt, werden d.e Gnadenakte, die zum Jubiläum des Hauses Romanow mr die Bevölkerung vorgesehen sind, auch Finnland betreffen: und zwar ,oll einlgeli Kategorien von Verurteilten die Gefängnis hast vcrknrzt werden. Grubenunglück. Gllen 24 Februar.(P- E.) Auf der Zeche„Mathias StinneS" hat sich ein Unglücksfall ereignet. H.er wurden zwei Bergleu.e durch abstürzendes Gestein verschüttet und ans der Stelle getötet. Der Lktchrnsund i» Hamburg. Hamburg. 24. Februar.(W.T.B.) Tie am Sonntag abend in der Marthastraße»i einem Koffer aufgefundene Leiche nt als die Verkäuferin Martha Pickel festgestellt worden, die am sionn- taa nachmittag ihre Wohnung verlassen hatte. Der Befund ergav, daß ein Verbrechen wider das keimende Leben vorliegt. Heber vie Herkunft des Koffers ist noch nichts bekannt. Beim Schlittschuhlaufen ertrunkeu. Rees, �4. Februar.(P. C.) Beim Schlittschuhlaufen brachen hier zwei dreizehnjährige Schüler ein. Sie konnten nufit gerener .....----- H uno.... � werden, trotzdem gleich Hilfe zur Stelle war Vmmull-�hm mn m lind INI ganzen Lande Demonstrationen für �rzschlag ihrem„eben ein Ende gemacht. T�r Brr oe.,............. Achtstundentag abzuhalten. Seit der Zeit haben Knaben brach be. dem Versuche, den �tr'� dcn zu�.nlse zu diese Demonstrationen tn zahlreichen Orten stattgefunden und am kommen, gleichfalls ein. Er konnte icdov), wen. 1 20. Februar beschloß das Parlamentarische Komitee, eine HraG H.une�jrri.ttct werden. geoher Biräfftw7RedaktzI'Alfted Wielepp, Neukölln. Jnseratentell verantw.: Tb- Glocke. Verl'«. Druck u- Serlog: VorwärtsBuchdr.» 4letl«8»an|ta« faul Singec l Eo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. tt-nechaltungM. Nr. 47. 30. Iahrgaog. 1. Skilqk!>» JdtmMs" Kcrlim Nienstag. 25. Ftbrnür 1913. vom Schlachtteise der Arbeit. Ungeheure Scharen von Arbeitern fallen alljährlich der Prafitjucht auf dem Schlachtfelde der Arbeit zum Opfer. Sie stellen das Vernichten und Verstümineln im Kriege noch in den schatten. Der deutsch-französische Krieg kostete ungeheure Blutopfer. 1 1 ti 7 5 6 Tote und Verwundete verzeichnete das Schlachtenbullctin als Eiirfah ans deutscher Seite. 716 5 8 4 Verwundete, darunter 18 2 III schwer Verlebte und 94 43 Tote meldete das Bulletin vorn Schlachtfcldc der Arbeit für das eine Jahr 1911. Tie grauenvollen Ziffern entnehmen wir den Nachweisungen über die Rechnungsergeb- uisse der Berufsgenossensckiaften und Ansfiihrungsbehörden, zusammengestellt in den Amtlicl)en Nachrichten des Rcichs- versicherüngsamtes. Diese Blutzahlen bilden eine furchtbare Anklage gegen die bestehende Gesellschaftsordnung. Das Blutnieer schwillt höher und höher, Hunderttausende sanken-in die Totengruft, riesengroß wurde das Heer der Krüppel, weil in unserer so- genannten göttlichen Weltordnung das Profitintcresse dem Schub für Gesundheit und Leben dcrDlrbeiter weit, weit vorangestellt wird. Die meisten Verunglückten sind nicht Opfer unabwendbarer Gefahren, sondern die Beute ungezügelter Gewinnsucht, sre- velnder Sparivut, rücksichtsloser Arn- treiberci. Wer Neigung verspüren sollte, solcher Auf- fassung zu widersprechen, der möge so vorsichtig sein, zuvor wenigstens einen Blick in die Berichte der Ge>verbeinspcktorcn zu werfen. Trotz aller Reserve, die sie beobachten, laut höherer Anordnung beobachten sollen, tritt aus den Berichten die Brutalität und Rücksichtslosigkeit des Kapitals dock) noch genügend deutlich heraus. Immer wieder und immer wieder die Klage und die Feststellung, daß die Unternehmer die Un- fallvcrhiitungsvorschriftcn nicht genügend beachten, not- wendige hygienische Maßnahmen unterlassen, kurzum alles tun, was die Unfallhäufigkeit nur fördern kann. Empörend dabei ist die sträfliche Milde unserer Justiz aus diesem Ge- biete. Mit harter Faust packt sie den Armen, würgt sie den Arbeiter, der im Kampfe um seine Existenz des kleinsten Vcr- gehens sich schuldig mochte- freche Ucbertrctung der zum Schutze der Arbeiter erlassenen Gesetze und Bestimmungen ahndet sie mit Geldstrafen von aufreizender Geringfügigkeit. Meistens kostet die �Uebertrctung von Arbciterschutzgcsctzcn etwa 3 M. Solche Strafen wirken wie eine Prämie zwecks Fortsetzung der Gesetzesübertretung. Der Beamte von Düsse!- dorf konnte sogar berichten, daß ein Unternehmer f r e i g e- sprachen worden sei, der die amtlich vorgeschriebenen Listen zwecks Vertuschung von schchcren Verstößen gegen die Ar- beiterschntzbestimmungen s y st e m a t i s ch gefälscht hatte. Da versteht man es, wenn das Kapital aus den Arbeiter- schütz pfeift, wenn er seinem Profitintcresse hinderlich ist. Tie Abneigung gegen Unfallverhütung kommt ja auch in dem Kampf des Kapitals gegen die sozialpolitischen Anträge der Sozialdemokratie und gegen die freien Gewerkschaften rechk sinnenfällig zum Ausdruck. Tie Forderung, zwecks besserer Durchfuhrung der Arbeiterschutzgesetze Kontrolleure aus dcu Kreisen der Arbeiter anzustellen, wird bekämpft, so, als gelte es der Grundlage der Staatsordnung. Ten Bc- strebungen auf Herbeiführung eines geeigneten Bauarbeiter- fchutzes setzte das Unternehmertum Mißachtung, Trotz, den allerichärfsten Widerstand entgegen. Und erst noch in den letzten Tagen bewiesen die Großindustriellen bei Gelegenheit der Erörterung eines besseren Hiittenarbciterschutzcs, wie feindlich sie einer'schärferen Sicherung der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter gegenüberstehen. Was auf dem Ge- biete der Unfallverhütung geschehen könnte, aus Sparsamkeit und Arbeitermißachtung vielfach unterbleibt, das hat die vom Holzarbeiterverband im vergangenen Jahre veranstaltete Ausstellung von Schutzeinrichtungen an Holzbcarbeitungs- Maschinen gezeigt.» Wäre nicht stets und ständig das Profitinteresse maß- gebend, die Unfälle ließen sich auf ein kleines Minimum rcdu- zieren. Statt den Arbeiterschutz zu fördern, geht das Bc- streben dahin, die Unfallverletzten zu prellen, ihnen Entschädi- gungcn vorzuenthalten. In der Benachteiligung der Ar- kleines Feuilleton. Als ein solcher... Diesmal konnte mir nichts passieren. Denn während ich meine letzten sechs Monate abmachte— ich hatte sie erkalten, weil ich einem Schutzmann, der zwei Menschen niederschoß, llnhöflichkeit vorgeworfen hatte,— war ein felsenfester Entschluß in mir gereift: der Entschluß, me wieder irgend ein llrteil über irgend einen Menschen zu fällen. Und ich hatte ihn gehalten, darauf wollte ich Gist nehmen. �ber nun doch die erneute Vorladung— acht Tage nach meiner Entlassung,— das mußte ein Irrtum sein. Hocherhöbcnen Hauptes betrat ich das Zimmer des Untersuchungsrichters. Der Gestrenge enipfiiig mich wie einen gelvohnten Bekannten: »Na, Sie werden ja schon wissen.. Ich verneinte. Keine Ahnung.-- „Sie haben doch den Fürsten Keulenburg beleidigt � „AZa— as?• Alle Gedanken standen mir still. Es war richtig, über den Fürsten liefen damals die tollsten Gerüchte um. in den Zeitungen wurde er sogar ganz offen als Meineidiger bezeichnet?— aber ich— ich hatte getreu meinem Prinzip nicht einmal den Namen des Mannes genannt. Eudlich ermannte ich mich von ineinen Schrecken: „Ich habe doch nie das geringste über den Fürsten gesagt." Mein Anklager lächelte nur geringschätzig.„Sie wissen wohl auch nicht, was die Zeitungen über den Fürsten berichten?" .Gewiß— ich hab'S aber nicht..." geschrieben, wollte ich stammeln. Doch er unterbrach mich mit Stentorstimme: „Haben Sie vielleicht dcir in Umlauf gesetzten Gerüchten wider'prochen?— Aha, Sie erbleichen! Sehen Sie. so haben Sie sich zum Helfershelfer jener Verbrecher gUnacht, die den Fürsten beleidigt haben. Sie haben in doloser Weise vcrabiäumr, Wider- spruch gegen die unerhörte, Ihnen bekannte Beschünpsung des hohen Herrn einzulegen. Das genügt Sie zu bestrafen." Ich protestierte:„Ick brauche doch nicht..." „Natürlich brauchen Sie. Hier lesen Sie dies Urteil des B r a u n- schweiger Schvffenger' cht s. Einer Ihrer Genossen hat einen Gastwirt beleidigt. Der andere hat dabeigestanden. Da? Urteil betont: Er war verpflichtet, sich gegenteilig zu äußern, wenn er nicht"— Hier erhob der Richter seine Stimme, er zitierte lvortlich—,„ a l s ein solcher angesehen werden wollte, der die Angaben de« G. bestätigte." war plötzlich meine entsetz- beiter geht die Spruchpraris in der Unfallversicherung Hand| in Hand mit der Rechtspflege. Ter Arbeiter, der»ach er- I littenem Unfälle eine Rente beansprucht, gilt schon beinahe als ein Verbrecher. Bekamitlich werden nur solche Unfälle entschädigt, die noch 13 Wochen nach dein Eintritt der Verletzung Nach- Wirkungen zeigen, die die Erwerbsfähigkcit herabmindern. In der Feststellung, ob eine Erwerbsverminderung vorliege, und in der Abmessung des Ausmaßes einer Erwerbsver- mindcrung ist besonders in den letzten Jahren eine Vcr- schlechterung zuungunsten der Verletzten eingetreten. Dazu kommen für ihn die Leiden und Oualcn, denen er unter dem System der beriichtigten Rentenquelscherei ausgesetzt ist. Sie Yerschärst noch den Ausnahmezustand, in den die Unfallver- sicherung den Arbeiter versetzt. Stach dein allgemeinen Recht ist jeder Staatsbürger anderen in vollem Maße für den Schaden haftbar, den er ihnen zufügte. Tic Unfallversiche- rung befreit den Unternehmer von solcher Pflicht. Der Un- fallverlctzte bekommt in den meisten Fällen gar nichts. Schmerzensgeld kann er überhaupt nicht verlangen. Und in den Fällen, wo ihm eine Entschädigung zugesprochen wird, da bleibt sie weit hinter dem erlittenen Schaden zurück. Wären die Unternehmer in vollem Umfange für den ihren Arbeitern aus Nachlässigkeit oder grobem Verschulden zuge- fügten Schaden verantwortlich, dann stünde es zweifellos sehr viel besser um den Arbciterschutz. Tie bestehende Un- sallvcrsicherung zur Benachteiligung der Arbeiter ist gewisser- maßen eine Prämiierung der Nachlässigkeit in der Unfall- Verhütung. Sehen wir nun zu, welche Resultate bei der herrschenden Praxis in der Zubilligung von Unfallrenten herausgekommen sind. In der nachfolgenden Uebersicht geben wir eine Zu- sammenstellung der Verletzten, für welche in dem betreffenden Jahre erstmalig eine Unterstützung festgesetzt worden ist. Ferner wird angegeben, welcher Art die Unsallfolgen waren. Tie letzte Spalte zeigt, wieviel Unfallverletzte auf je 1000 versicherte Personen entfallen. Zahl der verletzten Personen, für welche im Rechnungs- jähr erstmalig Entschädigungen festgestellt worden sind: 2 378752!| 187 TiM 1 45 046 1 1 Oi)5 782 1 050 130 1886/1911 Also annähernd 2� Millionen Unfälle, für welche Ent- schädigungen gezahlt werden mußten. Und bei 187 794 Un- fällen hatten die Verletzungen den Tod im Gefolge. Das sind wahrlich grausenerregendc Resultate. Tie vorstehende Tabelle läßt die Verschlechterung in der sozialen Rechtsprechung deutlich und klar heraustreten. Nach liche Situation klar. Ich werde von der Justiz„als ein solcher" angesehen. Und gleich mir laufen Millionen meiner Mitbürger Harm- los vergnügt herum, ohne zu ahnen, daß sie eines Tages von der Justiz„als ein solcher" angesehen werden können! Mitbürger, ich warne euch I Ein Damoklesschwert schwebt ständig über eurem Haupte. Wer nicht jeder Beleidigung, die er auf- schnappt, prompt widerspricht, wird von der Justiz„als ein solcher" betrachtet und eingesperrt. Oder werdet ihr euch endlich einmal aufraffen, eurerseits die Dame Justitia„als eine solche" zu betrachten»md unter die Sitten- kontrolle des Volkes zu stellen?!" u. e. ü. Theater. Schiller-Theater O.:„Der Andere", Schauspiel von Paul Lindau. Lindaus vor zwei Jahrzehuten erschienener „Anderer", der mit Bassermann als Haiipidarsteller jetzt über die Kinobühnen zieht, ist auch in seiner ursprünglichen dramatischen Ge- stalt durchaus auf äußere Effekte lalkulicrt. Der Autor nutzt das in der medizinischen Literatur viel behandelte Thema des sogenannten alternierenden Bewußtseins mit findigem Kombinalionsvermögen, aber unter Verzicht auf alte Art intimerer Psychologie für seine Zwecke aus. Solche Krankheitszustände, bei denen das normale Bc- wußtsein der im Alltagsleben zutage tretende Charakter zeitweise ausgeschaltet scheint, wo der Patient momentan unter Einbildungen und Antrieben bandelt, von denen er bei wacbem Geist nichts weiß. find einer zu seelischem Miterleben anregenden, einer dichterischen Tarstcllung nur fähig, wofern dieselbe gcheimnisvoll-bedeutsame Zusammenhänge amzudecken. in unbewußtem Handel» und den Widerschein lies wurzelnder Cbarallcrzüge erkennen lassen kann. Ohne solche Perspeltivcn— wie bei Lindau— gibt das Thema nur Gelegenheit zu Ueberraichungen, die je nachdem ins Gruslige oder ins Komische gewendet werden können. Die Grundidee des Stückes, daß ein Staatsanwalt, der lagtäglich im Gerichts- saal gegen die Verruwtheit armer Teufel donnert, im Dämmer- zustand selbst Verbrecherkneipen aussucht uud mit einem dort aufgeangelteu Genossen in seine eigene Wohnung einbricht, ist ein ausgezeichnet drollig satirischer Sckiwankei'nfall, der nur mit Beimischungeu anderer Art zu sehr belastet ist. um rein zur Wirkung zu gelangen. Der nächtliche Besuch und die Szene zwischen dem plötzlich zu seinem offiziellen bürgerlichen Normalbewußlsein erwackiendeu Staatsanwalt und seinem von der Polizei arretierten Einbrccherkollcgeu, der die Amtsmiene des Kameraden für eine ab- gcfcimtc Finte hält, hat eine Flotthcit, die für viel Geschraubtes in einem fortgesetzten Steigen der entschädigungspflichtigen Unfälle bis zum Jahre 1907 folgt auf einmal ein dauernder Rückgang. Das ist keine Folge verbesserter Unfallverhütung. Das gebt schon ans der wachsenden Zahl der Unfälle mit, Todeserfolg hervor. Es werden einfach immer mehr Unfall- verletzte mit ihren Entschädigiingsansprüchcn abgewiesen. Und von den als entschädigungspflichtig- anerkannten Un- fällen verweist man eine immer größere Zahl in die Kate- gorie der nur als vorübergehend zu entschädigenden. Daher das rapide Anschwellen der Ziffern dieser Rubrik. Tie nur vorübergehend in der Erwerbssäbigkeit Geschädigten sind die Hauptobjekte der Rentcnqnetschereien. Im Jahre 1907 wurden noch von 66 2 902 Unfällen insgesamt 1 4 4 7 03 oder pro 100 Unfälle 21,8 als entschädignngspslichtigc anerkannt, im Jahre 1911 von 716 5 84 Unfällen nur noch 131 003 oder pro 100: 18,2. So entwickelt sich die Rechtsprechung zuungunsten der Arbeiter. Nach der Statistik des Reichsversicherungsamtes um- fechten die gewerblichen Berufsgenosscnschaften im Jahre 191 l 9 846 599 versicherte Personen gegen 9 38 1 878 im Jähre vorher! bei den land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenosscn- schaften ist die Zahl der versicherten Personen ans 1 7 179 000 geschützt worden. Tie Reichs-, Staats-, sowie Proviuzial- und Koniinunal-Aussührungsbehörden hatten 7 6 0 6 3 3 Personen versichert, im Jahre vorher 7 4 6 3 8 3. Airttchsftlicher Aochenbericht. Um das Petroleummonopol. Ausdehnung der dentschen Kaliwerke. Der Plan eines Petroleummonopols in der ursprünglichen Form des Gesetzentwurfes hat bekanntlich zu erheblichen Differenzen unter den deutschen Petroleum-ProdukliouS- und Handelsgesellschaften bc- ziehuugsweise ihren Bankgruppcn geführt. Die Banken Diskonto- gesellschaft, Schaaffhauseuscher Bankverein, S. Bleichröder erklärten in aller Form ihren Widerstand gegen den Gesetzentwurf, weil sie die Leitung der künftigen VertricbSgesellschaft nicht der Deutschen Bank überlassen wollten und tvcil ihnen die billige Versorgung Deutschlands ohne Heranziehung des amerika- irischen Trusts unmöglich erschien. Die Deutsche Bank hat zur Zeit der Vorberatungcu des Monopols, wie die der Diskontogesellschaft nahestehende Deutsche Erdöl-A.-G. der Leuchtöl- kommission des Reichstags jetzt mitteilt, sich die alleinige Führung des Monopols von: Reichsschatzselretär zusichern lassen. Der Direktor der Deutschen Bank, v. Gwimrcr, hat zu jener Zeit bereits den Dircklor der von der Deutscheu Bank fiuauziertcir Tcutscheu Petroleum-A.-G. alS den künftigen Direktor der Vertriebsgesell- schaft bezeichnet. AuS diesen und früher bereits bekannt gewordencir' Einzelheiten geht jedenfalls unzweifelhaft hervor, daß die Deutsche Bank bei der Vorberalung des Gesetzes vom Reichsschatz- amt stark bevorzugt worden ist und daß die Regierung die anderen Petrokeuminteresseiilen merkbar vernachlässigt hat. Diese Stellungnahme gegen die dem Monopol ablehnend gegenüberstehen- den Banken und Pctrolcmngesellschastcn hat noch später einen Schritt der Regierung veranlaßt, der in der verflossenen Woche zu einer kurzen Anfrage im Reichstage Veranlassung gab. Schon seit längerer Zeit hat die Deutsche Erdöl-A.-G. durch mehrere Bankhäuser die Zulassung von 1J87ä Millionen Mark neuen Aktien und 6 Millionen Mark 5 proz. Obligationen zun: Tcrminshandcl an der Berliner Börse beantragen lassen. Tie Berliner Zlilassungs- stelle hat aber bisher die Börsenfähigkeit noch immer nicht ausgesprochen, weil die Deutsche Erdöl-A.-G. im letzten Jahre eine große Zahl sehr verwickelter Transaktionen im In- und Aus- lande vorgenommen hat, die die Prüfung sehr erschwerten. Zugleich protestierte der Staatskommissar an der Berliner Börse gegen die Zulassung, da erbebliche Allgemeininleressen berührt tvurden. Ferner hat der Handelsminisier einem Vcrtreier der DiSlontobant aus- dnicklich erklärt, er werde, so lange der Gesetzentwurs in Frage stehe, die Beschlußsassuiig über die beantragte Zulassung nicht dulden, weil die Deutsche Erdöl-A.-G. sich gegenüber dem Monopol ablehnend verhalle. Ans die Anfrage der Abgeordneten Dove und Paasche, wie der ReichSlanzler cmc„derartige ungerechtfertigte Einwirkung auf ein Privatunternehmen" verhindern ivolle, hat dicRegiernng geantwortet, daß sie die Zulassung im Interesse der Aktionäre hindern müsse, da eine zuverlässige Bewertung der neuen Aktien nicht möglich sei und daß auch das StaatSintcresse gegen die Zulassung spreche, da die Börsenfähigkeit die ablehnende Haltung der Erdöl-A.-G. amtlich fördern würde. Tie Aktionäre weisen indessen darauf hin, daß von der sonstigen Konstruktion entschädigt. Nur wäre cS, zumal dem Slaaisanioalt.im letzten Akt eine Heilung und obendrein noch eine Heirat in Aussicht gestellt wird, billig angeraten, daß der Autor auch fiir den Spießgesellen, den pfiffig gutmütigen Kerl, der fick> mit Recht betrogen fühlt, ein übriges getan und ihm zur Flucht vcr- Holsen hätte. Gespielt wurde im allgemeinen gut. In seiner Weise charakterisierte N o a ck den Staatsanwalt, wenn er auch die Purzel« bäume des Doggeluch, den Ilmschlag der einen in die andere Rolle, iiatürlich nicht recht glaubhaft machen konnte. Trefflich war das 'Verbrcchcrtnsotulm der Herren Achterberg, W i e n e und E l z e r in der Kaschemme. Den Bogel schoß E l z e r als dicker Karl in den Einbruchs- und VerhörSszenen des dritten Aktes ab. Jeder Zug im Bilde frappierte da durch seine Echtheit. fir. Musik. Friedrich W i l h e l in st ä d t i s ch e s Schauspielhaus. An gleicher Stelle dcbiitirtc Marlin Knopf, der Komponist der allda gegebenen Musikposse„Faimgast" mit einem Operetten- Opus Pariser L n f l. Und es sei gleich bemerkt: Dies Debüt scheint, nach dem äußerlich absolut durchschlagenden Erfolg ain Abend der Uraufführung zu schließen, in der Tat gutes zu versprechen. Die Musik ist sowohl in der volkstümlichen Melodlcfiihruiig ivie in orchestraler Hinsicht ziemlich frei von Anleihen und hört sich sehr frisch und originell an. Im zweiten Akt erweist sie sich sogar gut eiiscmble-- istisch gesteigert. Der Fortschritt vom Zaungast her ist unverkennbar. Das Libretto von Hör st und Engel ist flott, obwohl nur an der Oberfläche hasten bleibend gearbeitet. Es dreht sich im letzten Grunde freilich nur um erotische Abeiitcuerchen und— intimste Leibwäsche. Aber darin besteht ja gerade der„Duft" jenes Pdrsürns, das ein sinnlos oberflächliches Publilui» allzu gern genießt. Und welin die Darsteller auch keine Knufileistungeii zu vollbringen nötig haben, so gebührt ihnen doch das Verdienst, eine wirklich cancanartig durchschwängerte„Pariser Luft" zu verbreiten. An der Erzeugung_ dieser Atmosphäre beteiligen sich gleichwertig die Herren Schmasow, Paulsen, Werner und die Damen Bcrger, Gonia, Heinrich, Görgy. im weiteren daS Ensemble von Kammerzofen, Probiermamsells:c., das da singend herum zu hopsen oder herunihopsend zu singen Kar. Schon nach dem zweiten, wirksamste» Akt, mußte das Äntoren-Bierblatt nebst Kapell nicistcr und Regisseur vor die Rampe, wo ein wahrer Blumen- garten sich hochstaute. Dem vom Pleitegcicr bedrohten Theater wäre wahrscheinlich ein andauernder Kassenerfolg zu gönnen, e. ü. Humor und Satire. t8tS. Nun weih es doch das Volk der. Denker! Der liebe Gott als Schlachtenlenker Verlor uns Jena. Später dann War Tr'S. der Leipzig uns gewann. Er will von allen Weltbezirken Besonders stark in Preutzen wirken. Sein ganzes Trachten lenkt ihn hin Zum Weltennabel, nach Berlin. Nach Friedrich, der so fromm gewesen, Wie wir in allen Büchern lesen, Zog eine freiere Idee Sich an und' um den Strand der Spree. Da half nun Gott den Ohnehosen, Ja— ausgerechnet den Franzosen! Sie hatten ihn zwar abgesetzt, Doch schien er nicht dadurch verletzt. So einfach ist es zu erklären! E« thront in seinen lichten Sphären Der Weltenschöpfer und gibt acht, Was man speziell in Preuhen macht. Peter Schlynihl im»Simplicissimus". Notizen. —- Die FrereVolkibühne bringt am Sonntag, den 2. März, 3 Uhr, im Thalia-Theater die Uraufführung von gebot Cohns Lustspiel in drei Akten:.K u l t u r p a l a st". Am 16. März, nachmittags 4 Uhr, findet ein Einfllhrungi- k o n z» r t im Blüthnersaal zu den Choraufiührungen von Casar FranckS:.Die Seligpreis ungen' statt. Den«inleitenden Vortrag hält Herr Leo K- st e n b e r g. Die großen Choraufführungen mit dem Blütbner- orchester, dem Berliner Volkschor und namhaften Gesangssolisten sind am. 20. und 21. März in der Brauerei FriedrichShai» und in der Neuen Äelt. — Wagner-Feiern im Auslände. Sonnabend und Sonntag fanden in Lllttich und Brüssel Wagner-GedächlniSfeiern statt, dw sich eines außerordentlichen Zuwruches seitens de« Publikums erfreuten. In Lllttich und in Brüssel fanden j« zwei Wagner-Konzerte statt. Das Brüsseler Konzert wurde am Montag in Antwerpen wiederholt. — Eine kanadische Polarexpedrtion. Die Polar- ervedition Steffenson wird von der kanadischen Regierung allein finanziert werden. Steffenson wird im Mai in einem Walfischfängex non Victoria in Britisch-Columbia ausfahren und durch die Behring- straße nach der Herschelinsel fahren. Man nimmt an, daß die Ex- ptduicn vier Jahre in Anspruch nehmen wird. einem Schutz für sie bei dieser Maßnahme gar keine Rede seine könne, da sich die Aktien, um deren Börsenfähigkeit jetzt nachgesucht wird, schon längst in ihren Händen befänden. Zum Teil fand der Bezug der Aktien bereits in den Jahren 1910 und 1911 statt, wo von einem Petroleummonopol noch gar nicht die Rede war. Die Aktionäre fühlen sich durch daS Veto der Regierung benachteiligt, weil fie die Aktien in der Erwartung der Börsen- Zulassung erworben haben. Gegen die weitere Begründung der Re- gierung wird geltend gemacht, daß die Möglichkeit des Börsenhandels doch die Agitation der Gesellschaft gegen das Monopol nicht fördern könne. Für die Stellungnahme der Gesellschaft ist eS doch durchaus gleichgültig, ob ein Bruchteil der Aktien an der Börse oder nur im freien Berkehr gehandelt werden kann. Etwas anderes wäre es, wenn die Aktionäre den Bezug der Aktien von der Zulassung-an der Börse abhängig gemacht hätten. Dann würde die Weigerung der Siegierung die Ausgabe der Aktien überhaupt unmöglich gemacht haben und es könnte damit eventuell eine Aenderung in der Stellungnahme der Gesellschaft erzwungen werden. Immerhin lehrt die ganze Angelegenheit, daß die Regierung sehr wohl in der Lage ist, auch auf die Privatindustrie einen Ein« sluß zugunsten von ReichSbetrieben auszuüben. Bei der Monopoli- sierung von in Deutschland produzierten Erzeugnissen oder bei der Verstaatlichung gewisser Betriebe könnte diese Waffe, zweckmäßig angewandt eine wirkungsvolle Ergänzung der übrigen Maßnahmen werden. Ehe noch die von der Regierung für das Frühjahr 1913 ange« kündigte Erschwerung der Neugründung von Kaliwerken durch Aenderung des Kaligesetzes den bestehenden Werken eine größere Rentabilität� sichert, schafft sich der größte bestehende Kalikonzern wiederum einen Selbstschutz durch eine neue Ausdehnung. Die Aktiengesellschaft Deutsche Kaliwerke will sich die Werke des Kalikonzerns F. C. Krüger angliedern. Die Deutschen Kaliwerke wurden 1904 mit einem Kapital von 4,5 Millionen Mark gegründet, dehnten aber Jahr für Jahr ihren Besitz aus. 1905 er- folgte eine KapitalSerhöhnng um 1,5 Millionen, 1900 um 0 Millionen, 1900 um 3 Millionen, 1911 um 0 Millionen und 2,445 Millionen. Im Jahre 1912 schließlich erhöhte sich das Kapital zum Zweck einer neuen Transaktion bis auf 28Mi Millionen, und die jetzt geplanten Erwerbungen werden es mindestens bis auf 30 Millionen steigern. Die Angliederung der Werke Carnallshall. Weyhausen, Corvinus, Erichsglück, Carlsglück und Wilhelmine des Krüger-Kvnzerns soll übrigens nicht direkt erfolgen. Um Stempel und Steuern zu sparen, gehen die genannten Werke vielmehr in dgn Besitz der Vereinigten Norddeutschen Mineral- ölwerke A.-G. über, die bisher unter dem Einfluß der Deut- schen Erdöl A--G. standen. Mit dem Erwerb der Aktien durch die Deutschen Kaliwerke ändern die Mineralölwerke zugleich ihren Namen in«Norddeutsche Kaliwerke A�G.". Außer der Stempel- crsparniö hat diese Form des Erwerbs für die Deutschen Kali- werke noch den Vorteil, daß sie nur die Majorität der Norddeutschen KaliwerkSaktien zu erwerben und auch die Nordveutschen Kali- werke wieder nur einen Teil der Aktien von den abhängigen Kali- werken in Besitz zu haben brauchen. Der ökonomische Zweck wird erreicht, ohne daß die Deutschen Kaliwerke die Werke voll erwerben und daS gesamte Kapital aufbringen müssen. Im besonderen kommt als Grund für diese Form hinzu, daß einzelne Werke noch nicht förderfähig sind oder noch nicht ihre vollen Quoten von der amtlichen Kali-Verteilungsstelle erhalten haben, weil ihre im Ge- setz vorgesehene Karenzzeit nicht verstrichen ist. Die Dezentrali- sation mag in dieser Hinsicht auch aus verwaltungstechnischen Gründen geboten erscheinen. Wirtschaftlich gewinnen die Deut. schen Kaliwerke durch die Angliederung die Verfügung über schwefelsaure Salze, während aus dem bisherigen Besitz wesentlich nur die übrigen Abraumsalze(Silvia, Kainit, Carnallit) gewonnen wurden. Nach Erledigung der Transaktionen werden(laut einer Aufstellung der„Frankf. Ztg.") folgende Werke bezw. Schächte in de« Jnteressenkreis der Kaliwerke fallen: Deutsche Kaliwerke(Preußen, fördert), Sachsen(fördert). Ludwigshall(fördert, Endlaugenkonzession in die Wipper), Immenrode(fördert), Neubleicherode(fördert). Mariaglück(fertig Anfang 1914), Fallersleben(fertig Anfang 1914, hat zusammen mit Mariaglück Fabrikkonzession für zusammen täglich 2800 Doppelzentner Rohsalz), Nordhäuser Kaliwerke l(fördert), Nord- bäuser Kaliwerke II(fertig Mitte 1913), Amölie l(fördert), Amelie II(fertig Ende 1913), Max(fördert), Josef(Ende 1913), Else(Ende 1913), Marie(Mitte 1914), Marie Luise(Mitte 1914), Carnallshall(Mitte 1914, Endlaugenkonzession für 5000 Doppel- zenkner Carnallit in die Saale), Wehhausen(Mitte 1914, End- laugenkonzesswn wie bei Carnallshall), Corvinus(fertig Mitte 1915). Erichsglück(fertig Mitte 1915, Enolaugenkonzesswn zu- samen mit Corvinus für 12 000 Doppelzentner Carnallit), Wil- helmine(fördert), Carlsglück(fördert, ist wie Wilhelmine be- teiligt an der chemischen Fabrik Rudolphus, die Endlaugenkon» zession für 5000 Doppelzentner hat). In die Karenzzeit des gegenwärtigen Gesetzes fallen von diesen Werken: Mariaglück, Fallersleben, Nordhäuser Kali» werke II. Amelie II, Josef, Else, Marie, Marie-Louise. Car- nallshall, Weyhausen, Corvinus und Friedaglück sind durch die Beteiligung des anhaltischen Fiskus der Karenzeit entzogen. Erinnert muß dabei werden, baß bei natürlicher Entwickeluirg der größte Teil dieser Werke gar nicht bestehen würde. Erst der Anreiz zu Neugründungen, denen nach einer gewissen Karenzzeit bestimmte Quoten am Gesamtabsatz Deutschlands ge- setzlich zugewiesen werden, führt zu dieser weitgehenden Zersplitte- rung, die dann später durch finanzielle Transaktionen, Fusionen und Interessengemeinschaften mühsam beseitigt wird. Die großen Konzerne haben davon höchstens insofern einen Vorteil, als sie nicht selbst die Neuanlage von Schächten in Angriff zu nehmen und damit das Risiko zu tragen brauchen; sie erwerben vielmehr erst später die bereits ausgebauten Einzelwerke, bei denen bereits ein genaueres Bild der Abbauverhältnisse vorliegt. Hib der Partei. „Sozialdemokratische Mißwirtschaft." Seit zwei Jahren sitzt im Rathauje der reußisöben Hauptstadt Gera eine sozialdemokratische Gemeinderatsmehrheit, die in fleißiger Arbeit schon vieles nackgebolt hat. was der Schlendrian der früheren bürgerlichen Mehrheit versäumt hatle. Da es sich dabei oft um die Durchführung von Aufgaben handelte, die im Interesse der ar- bettenden Bevölkerung lagen und gerade darum bisher unerfüllt geblieben waren, rüsteten die Gegner vom sogenannten Freisinn bis zur reaklionärsten Rechten zum Kampfe gegen diese Mehrheit. Wahrend man eine hitzige Bürgerrechtsagitation ins Werk setzte und alles anwarb, was für die Vermehrung der bürgerlichen Wählerkolonnen brauchbar schien, waren daneben allerhand Dunkelmänner an der Arbeit, die Tätigkeit der sozialdemo- krotischen Mehrheit herabzusetzen und zu verleumden. Gera rückte in die Reihe jener Städte ein, die bei ollen Wahlen als ab- schreckendes Beispiel«sozialdemokratischer Mißwirtschaft" Herbalten müssen. DaS Schreckgespenst der sozialdemokratischen Mißwirtschaft mußte aber auch in Gera selbst im eben beendeten Gemeinderats- Wahlkampfe Dienste tun. Die Gegner hatten sich kein geringeres Ziel gesteckt, als diesmal die rote Mehrheit zu stürzen. Um dieses Ziel zu erreichen, schob man eine U-berschreitung der Bauiumme beim Schlachthausneubau um den doppelten Betrag, um 200 000 M., der sozialdemokratischen Mehrheit in die Schuhe, obwohl der Ober- bürgermeister selbst auf jede Verteidigung des Stadtrats, den allein die Schuld trifft, verzichtet hatte. Dieser Schwindel wurde aber noch überboten, als der Stadtrat kurz vor der Wahl bekannt gab, daß eine Steuererhöhung von 10 Proz. nötig sei.«Dos ist die Folge der sozialdemokratischen Mißwirtschaft 1* So heulten die bürgerlichen Zeitungen und Flugblätter auf, obwohl die Steuererhöhung noch gar.nicht feststand, da'dem Stadtrat merk- würdigerweise beim Beginn der Etatsberatung noch gar nicht alle Abschlüsse vorlagen. Bis zur Wahl blieb jedoch die Fiktion der Steuererhöhung bestehen und die Gegner schlugen fleißig Kapital daraus. Ter Schwindel fand auch in auswärtigen bürger- lichen Blättern freudige Aufnahme. Aber trotz der Hetze, trotz der Verleumdung wurden 9 Sozialdemokraten und nur 4 Bürgerliche gewählt. Die sozialdemokratische Mehrheit bleibt auch künftig im Verhältnis von 22 zn 17 bestehen. Und jetzt, drei Tage nach der Wahl, gab der Oberbürgermeister im Gemeinderal bekannt, daß mit einem Ueverschuß von 862 000 M. gerechnet werden kann! DaS ist der höchste Ueberschuß, der in Gera jemals erzielt worden ist! Der Schwindel von der sozial- demokratischen Mißwirtschaft zerfließt in eitel Dunst. Unsere Genossen setzten dem Stadtrat wegen seines Verhaltens hart zu, durch das er dem bürgerlichen Wahlschwindel Vorschub ge- leistet halte. Der Oberbürgermeister beteuerte zwar, daß dem Stadtrat diese Absicht ferngelegen habe, er mutzte aber zugeben, daß dem Stadtrat die Höhe des UeberschusseS schon vor der Wahl bekannt war. Aber diesmal hatte man es eben nicht so eilig gehabt, die bürgerliche Presse, die sonst alles brühwarm erfährt, zu bedienen. Für die Gegner, die mit dem Schwindel von der sozial- demokratischen Mißwirtschaft operiert halten, bedeutet dieser Aus- gang eine Ohrfeige, die sie redlich verdient haben. Dieser Ausgang wird aber kaum verhindern, daß der Schwindel von' der sozial- demokratischen Mißwirtschaft in Gera noch irgendwo und irgend- wann herhalten muß. Darum sei er hier schon im voraus ab- gefertigt._ Ein Sozialdemokrat als Magistratsmitglied. Frankfurt a. M. wird die erste preußische Stadt sein, die einen Sozialdemokraten in ihrem Magistrat hat. Bisher lehnten die beiden bürgerlichen Parteien in der Frankfurter Stadtverordneten- Versammlung, die- Fortschrittler und die Nationalliberalen, stets die Wahl eines Sozialdemokraten in den Magistrat unter allerlei Vor« wänden ab. Jetzt hat die Fortschrittliche Volksporlei sich auch in diesem Punkte, genau wie in der Wahl eines Sozialdemokraten zum Stellvertreter des S>adtverordnetenvorstehers, wozu schon kürz- lich ein Sozialdemokrat erkürt worden ist, eines besseren besonnen. Nach Besprechung in den Fraktionen hat der MagistratswahlouSschuß der' Stadtverordnetenversammlung be» schlössen, dem Plenum die Wahl des Genosse» Benno Schmidt, Buchdruckereibesitzer, zum unbesoideleu Mitglied des Magistrats zu empsehlen. An seiner Wahl im Plenum ist bei dem Stärkeverhältnis der Parteien nicht zu zweifeln. Sie soll am Diens- tag erfolgen. Die nationalliberalen Mitglieder des Wahlausschusses erklärten, daß ihre Parteigenossen bei der Wahl weiße Zettel ab- geben würden, was am Resultat nicht» ändern kann. Da nach dem Frankfurter Gemeindeverfosfungsgesetz nur der Erste Bürgermeister vom König ernannt und der zweite dessen Bestätigung bedarf, die übrigen Magistratsmitglieder— im Gegensatz zu anderen preußischen Städten--- aber weder der Bestäligung durch den König noch durch die Regierung bedürfen, so wird in der allernächsten Zeit der erste Sozialdemokrat seinen Einzug in den Frankfurter Magistrat und überhaupt in den Magistrat einer preußischen Stadt halten. Zum Stuttgarter Parteistreit. Die„Schwäbisch- Tagwacht' veröffentlicht folgende Erklärung des Genossen L i n d e m a n n: «Die Parteiversammlung vom 18. Februar hat«ine Resolution angenommen, die in der«Schwäbischen Tagwacht' vom 19. Februar abgedruckt ist. In dieser Resolution wird mir vorgeworfen, daß ich mich.demonstrativ' von der Demonstratio» der sozialdemokraliichen Rathaussrailioii gegen die liberale Gewaltpolitik bei der Wahl des Präsidiums des Bürgerausichusies ferugehaile» hätte, und meine Stellung scharf verurreilt. Damit nun die Genossen im Lande durch diese Resolution nicht zu einer falschen Auffassung der Vorgänge kommen, sehe ich mich zu der folgenden Darlegung veranlaßt: Zunächst sei festgestellr, daß die Resolution gefaßt wurde, ohne daß die betreffende Parteiversammlung es für nötig gehalten hätte, vorher auch einmal mich zu bören,«he sie ihren Beschluß faßte. Man halte eS eben wieder einmal sehr eilig, den Juden zu verbrennen. Zur Sacke selbst genügt es, die Talfachen festzustellen. Als bei der Wahl des ersten Stellvertrelers des Obmanns von der Volks- Partei der Anspruch aus diesen erhoben wurde, zogen sich die sozial- demokratischenBertreter zu einer Sonderbesprechung zurück. Dabei wurde von einigen Vertretern angeregt, falls unser Anspruch aus den erste» Stellvertreter abgelehnt werden sollte, zum Protest das Sitzung?» zimmer zu verlassen. Diese Anregung wurde von mir sofort be» kämpft. ES kam daher auch keine dahingehende Vereinbarung zu» stände. Vielmehr wurde mir ohne Widerspruch der Auf» trag, die Stellung unserer Fraktion vorzulegen und ms» zusprechen, daß wir auf den zweiten und dritten Stell» Vertreter keinen Anspruch erheben und uns an diesen Wahlen nichts weiter als durch Abgabe weißer Zettel beteiligen werden, wenn unser Anspruch auf den ersten Stellvertreter nicht anerkannt werden würde. Diese Erklärung wurde von mir abgegeben. Zu meiner großen Ueberrasckung entfernten sich nach Abgabe meiner Erklärung einige Mitglieder unserer Fraktion, und die übrige« schlössen sich ihnen allmählich an. Mit anderen Worten: sie desavouierten mich, ihren Sprecher. Ick habe meiner Verwunderung auch sofort gegen einige Mitglieder, als sie an mir vorübergingen, Ausdruck gegeben. Wie konnte man mir zumuten, meine eigenen Ausführungen zu desavouieren und ebenfalls hinaus» zugehen? Will man gegen jemanden einen Vorwurf erheben, so muß man dies gegen d i e Mitglieder tun, die den Sprecher der Fraktion im Stich ließen, nicht aber gegen mich. Als ich nach Abschluß der Wahlen die Fraknonsmitglieder im Gange vor dem Sitzungssaal wieder traf, wurde mir mitgeteilt, daß sie sich entschlossen hätten, in der gemeinschaftlichen Sitzung eine Er« llärung abzugeben und wiederum den Saal zu verlassen. Da ich mit diesem Beschlutz nicht einverstanden war, erklärte ich, daß ich diese nach meiner Ansicht wirkungslose Demonstration nicht mitmache« würde, daß ich aber, um mich mit der Fraklion nicht in offenen Gegen» satz zu bringen, an der Sitzung nickt teilnehmen würde. Dies ist meine demonstrative Fernhaltung! Ick stelle fest, daß bis jetzt jeder sozialdemokratische Vertreter in einer öffentlichen Körperschaft unbe- stritten das Recht hatte, wenn er mit Beschlüssen seiner Fraktiou nicht einverstanden war und sich nicht enischließen konnte, seinen Widerspruch auszugebeiwsich aus der Sitzung zu entfernen und so sein Gewissen zu salvi�n. Dieses Recht nehme ich auch für mich in Anspruch und lasse es mir nicht absprechen. H. Lindemann. Ein deutscher sozialdemokratischer Klub in Norwegen. Seit 15 Jahren besteht in Kristiania ein deutscher S o z i a l i st e n k l u b Vorwärts, der eS sich zur Aufgabe macht, allen Genossen in der norwegischen Hauptstadt eine Stätte der Ge« selligkeit und deS GedankenauslauscheS zu aeben. Der Verein bat allwöchentlich am Freitagabend Zusammenkünfte, die als DiSluifions- abende, Spiel» und Leseabende oder Monatsversammlungcn ab- gehalten werden. Hin und wieder wird auch ein kleines Fest, im Sommer' gemeinschaftliche Ausflüge veranstaltet. In seiner Bibliothek hat der Verein eine gute Auswahl hauptsächlich deu, scher Literarur. Ebenso ist Gelegenheit an den' Vereinsabenden, den.Vorwärts', die„Neue Zeit' usw. zu lesen. Genossen, die nach Kristiania reisen, möchten sich im Vereinslokal, Restaurant Kaiser, Olaf RyeS Plads 8, einfinden. Partei- und Gewerkschaftsblätter werden um Nachdruck gebeten. Zur Landtagswahl wurden in einer Konferenz für den Wahl« kreis Mühlhau sen-Langensalza-Weißensee die Genossen Markewitz und Schäfer als Kandidaten aufgestellt. potizeilicb-«» Omchtliches ufw. Eingestelltes MeineidSverfahre«. Gegen den Vorsitzenden der KreiSorganiiation Lippes, den Ge- nossen Eggen in Detmold, hatte die Slaatsanwallschaft ein Ver» fahren wegen Meineid eingeleitet. Aus Beschluß des Landgerichts ist das V e r f a h r e n.j e tz t eingestellt, da sich der Verdacht nicht bestätigt hat. Der Meineid sollte vor dem Schöffengericht in einer Verhandlung gegen einen früheren Genossen geleistet worden sein, der aus der Partei ausgeschieden ist, weil er sich der Untreue schuldig gemacht halte. Ein anderes früheres Mitglied, daS sich in- zwischen den Christlichen verschrieben hat, hatte dann den Denun« zianten gespielr und die Staatsanwaltschaft veranlaßt, die Unter- suchung gegen Eggen eilizuleiten. Der Meineid wurde in einer Aussage erblickt, die an sich ganz nebensächlich war und für die eben, wenn sie falsch gewesen iväre, keinerlei Motive hätten gefunden werden können. Um so bezeichnender ist die dennoch erfolgte De- nunzialion.__ Soziales« GärtnereiauSschiissc bei den Landwirtschaftskammer«. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat unter dem 28. Januar in einem Rundschreiben die preußischen Landwirtschaftskammern ersucht, mit tunlichster Be- schleunigung die erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten, um im Rahmen des OrganisationSbereichs dieser Kammern besondere„Ausschüsse für Gärtnerei" zu errichten. Diese AuS- schösse sollen den Gesamtinteressen jeglicher Art von Gärtnereien und der darin tätigen Personen dienen. Zu ihrem Gebiet sollen alle Betriebsarten der Gärtnerei gehören, nämlich sowohl die für den eigenen Haushalt betriebenen(Schloß-, Herrschafts-, Guts-. Villengärtnereien), wie auch Gärtnereien für öffentliche Zwecke (öffentliche Anlagen, Parks, Friedhöfe, Krankenhäuser, Schulen. Theater usw.) und sämtliche dem Erwerb dienenden gewerblichen und handelsgewerblichen Betriebe, ohne Rücksicht auf deren iw- ringere oder größere Ausdehnung. In der Hauptsache sollen die Ausschüsse begutachtende Organe der Kammern sein, doch soll ihnen— im Unterschied zu den anveren Ausschüssen der Kanuner — zugleich die Berechtigung zuerkannt werden, in ihr Arbeits- gebiet gehörige Angelegenheiten auch ohne Auftrag des Kammer- Vorstandes in Angriff zu nehmen. Bei der Eigenort der Verhält- nisse und Bedürfnisse der Gärtnerei werde es voraussichtlich da« zu führen, den Gärtnereiausschüssen auch bestimmte selbständige Aufgaben zur unmittelbaren Erledigung, ohne Mitwirkung oeS Vorstandes, zuzuweisen. Zum AufgabenkreiS oer� neuen Aus- schüsse rechnet das Rundschreiben namentlich die Erörterung aller die Interessen des Gärtnereigetverbes berührenden wirtichaftlichm Frage» als Absatz. Handel. Verkehr. Zölle. Lasten usw.. sowie alle Maßnahmen zur Hebung der Technik des Gartenbaues als Bodenbearbeitung, Düngung. Züchtung. Eimuhrung technischer Hilfsmittel. Bekämpfung von Pslanzenkrankheiten usw., ferner alle Einrichtungeil zur sachlichen Auebildung der Angehörigen des Gärtnerstanoes als Lehrlingswesen, Lehrgange, �ortbildungs- und Fachschulen, Zeitschriften, dann die«ermittelung von gelerntem Arbcitspersonal, das gärtnerische VereiNi-tuesell, das Ausstellungs- Wesen, die Abgabe voll Gutachten in allen gärtnerischen Sonder- fragen.. Die Stärke der Ausschüsse soll bei bau einzelnen Kammern, je nach Umfang und EntWickelung der Gärtnerei im Kammer- bezirk. 8 bis 15 Mitglieder betragen. ES werde si« empsehlen. d"- gesetzlich vorgeschriebenen Stamm von Karnmermitgliedern im Ausschuß auf etwa ein Drittel zu beschränken uno zwei Drittel gärtnerischer Sachverständigen durch die Kammer hinzuzuwähsen bezw. in den Ausschutz zu berufen, Dabei sollen von den Gär:- nereiunternehmerverbettideii und Garteiibauvereinen Vorschläge und Wünsche entgegengenommen und weitgehend berücksichtigl werden. Bei der Heranziehung gärtnerischer Vertretungen zu den Arbeiten der GärtnereiauSschüsse„werden sich die Kammern übrigens(so heißt es wörtlich) nicht grundsätzlich auf die Arbeitgeber zu beschränken haben, sondern es wird sich empfehlen, ge- eigiietcnfallS auch Vertreter von Arbeitnehmer« zu berücksichtigen". Mit dieser Einrichtung meint der Minister du: Gärtnerei- mteressenten diejenige gesetzliche Jiueressenvertretung zu bieten. um deren Erreichung sich dieselben schau seit etwa zw« Jahr- zehnten bemühen. In der Form hatten die Unternehmer alter- dingS eigene, selbständige(Gartenbau- bezw. Gärtnereikanimern erstrebt, mit aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Bcrtretungs- körpcrschaften und mit Einriästuugen. im wesentlichen den Hand-- werkSkammern gleichen, besonders im Hinblick auf das Lehrlings- und Gchilfenweseir. In dieser Form, die Leben und QJestalt durch unmittelbare Anlehnung an die Handwerkskammern hätte ge- Winnen können, würden auch die Arbeitnehmer lebhafter inter- csfiert worden sein. Die Eingliederung in die Landwirtschafts- kammern jedoch schließt jede Möglichkeit dazu auZ, denn der Ehre einer.Berufung" in diese wird sicherlich mir teilhaftig werden, wer den gewerkschaftlichen Bestrebungen fernsteht, besser noch ein Gegner dieser ist. Die in den Aufgabenkreis einbezogene Stellen- vcrmittelung zum Beispiel wird damit eine ausschließliche Sache der Unternehmer, wenn die organisierten Arbeitnehmer nicht Vor- kehrungen treffen, diese wirkungslos zu machen. Die Gärtnereiunternehmer nehmen die ihnen auf dem Ver- waltungswcgc geboten« neue Einrichtung jetzt mit Dank uns Ver- beugung entgegen, zumal sie daran noch die stillschweigende Hoffnung knüpfen, es werde nun auch die(immer noch ausstehende) gesetzliche Regelung deS Arbeitsrechts auf ähnlicher Basis folgen. Die Verwaltungsmaßnahme des LandwirtschaftSministers ist übrigens rechtlich höchst anfechtbar. Denn es dürfte nicht gesetzlich zuliissig sein, gewerbliche und handelsgewerblich« Betrieb« so ohne weiteres de« LandwirtschaftSkammeru zuzuteilen. SericKts- Leitung. Zweierlei Maß? In der Universitätsstadt Marburg hatten vor kurzem wieder starke Studcntenerzesse stattgefunden. Deshalb berieten die Stadtväter über Maßnahmen gegen die.gebildeten" Ruhestörer. Ein Universitätsprofessor Leonhard regte an, angesichts der andauernden Belästigung der Bürgerschaft die polizeilichen Geldstrafen höher anzusetzen. Darauf erklärte nach dem Bericht der„Hessischen Landeszcitung" der Bei- geordnete Schimpf: Hinsichtlich der Anregung Professor Leonhards will ich fol- gendes erwähnen: Als ich noch Polizeiverwaüer war, haben mich die Herren Rektoren der Universität alsbald nach ihrem Amts- autritt besucht und gebeten, die Strafen recht niedrig anzusetzen. Als im Herbst 1910 die Schmiede in Berlin streikten, hatte sich am 10. Oktober ein Streikposten namens Medow vor Gericht wegen„groben Unfugs" zu verantworten. Vom Gericht wurde damals festgestellt, daß der Polizeileut- nant Kupsch die Akten an das Polizeipräsidium mit folgendem Vermerk geschickt hatte: „Bemerkt wird, daß Medow zu den zurzeit streikenden Sckmueden gehört, die zu Hunderten die Werkstatt des Schmiede- meisterS Popp belagern nnd dem Revier die größten Schwierig- leiten machen. Um strengste Bestrafung wird ge- beten." Also: Wetrn Studenten in der rüpelhaftesten Weise ex- zedieren, wird um milde Bestrafung gebeten. Machen Arbeiter aber von ihrem Recht des Streikpostenstehens Ge- brauch, so bitten preußische Behörden um st r e n g st e Be- strafung. Wer zweifelt jetzt noch an der Objektivität der Behörden? / Ungültige Bestimmung eines OrtsstatutS über die Berunstaltung des Ortsbilde«. Die Stadt Dortmund hat im Jahre 1910 ein Ortsstatut aus Grund des Gesetzes vom 15. Juni 1997 über die Berunstaltung von Ortschaften erlassen. Der§ 4 des Gesetzes besagt:.Durch Ortsstatut können für die Bebimnng bestimmter Flächen, wie Landhausviertel, Badeorte, Prachtstraßen, besondere, über daS bau- polizeilich zulässige Maß hinausgehende Anforderungen gestellt werden." Auf diese Vorschrift stützt sich H L d«S Dortmunder Ortsstatuts, der eine Reihe Straßen und Plätze aufführt und vorher bestimmt: .Die baupolizeiliche Genehmigung ist zu versagen, wenn an fol- genden Straßen und Plätzen Bauten ausgeführt werden sollen, die der Forderung einer künstlerischen Gestaltung widersprechen oder den östhetischen Eindruck der Umgebung beeinträchtigen." Aus Anlaß eines Rechtsstreites ztvischeii der Witwe Kaufmann und der Polizewemaltung zu Dortmund nahm das Ober- vcrwaltungsgericht dieser Tage zu dieser Bestimmung Stellung und erklärte sie für ungültig, weil sie im Hinblick auf die fett wiedergegebene Stelle zu unbestimmt sei. Raffinierte Antiquitätrnfälschungen bildeten den Gegenstand einer mehrstündigen Verhandlung, welche gestern unter Vorsitz des AmtSgerichtsrats Kode das Schössen- geeicht Bcrlin.Mitte beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurde der aus Wien stammende angebliche Schauspieler Josef Oudcrna vorgeführt, um sich wegen wiederholten versuchten und vollendeten Betruges zu verantworten. Der Angeklagte hatte sich schon einmal am 5. Februar dieses Jahre? wegen ahnlicher Betrügereien vor dem Strafrichter zu ver- antworten. Er wurde seinerzeit zu 6 Monaten Gefängnis ver- urteilt. In den zetzt zur Anklage stehenden Fällen handelt es sich um folgendes: Der Angeklagte erschien im Sommer vorigen Jahres bei dem Antiquitätenhändler Lohr in Araunschweig und bot diesem eine angeblich von der Königin Louise geschnittene Sil- houette zum Kaufe an. Die Silhouette, die sich auf einem schein» bar alten vergilbten Papier befand, wies in ebenfalls vergilbten Schriftzügen Sie Worte auf:„J. l. Therese von Mecklenburg- Strelitz gewidmet zur Erinnerung an schöne Tage. Louise."— Löhr kaufte die Silhouette zum Preise von 8 M., um sie gleich am nächsten Tage zum Preise von 800 M. dem Hohenzollern- Museum zum Kaufe anzubieten. Er erlebte jedoch eine recht schmerzliche Enttäuschung, denn-tto Leiter des Hohenzollern- Museums teilte ihm mit. daß CS sich um eine allerdings recht ge- schickte Fälschung handele und daß sich außerdem das Original schon in dem Museum befinde. Etwa um die gleiche Zeit erschien der Angeklagte bei dem Antiquitätenhändler Hirsch in München und bot ihm ein Sil- houettenalbum an, welches angeblich von der Annette von Droste- Hülsen stammen sollte. Die Silhouetten erwiesen sich sväter als gefälscht. An demselben Tage kaufte auch ein Trödlex Ziegentritt in München einen angeblichen Goethebrief. Bald darauf erhielt Hirsch von einem angeblichen Grabener aus Innsbruck mehrere Silhouetten zum Kauf- angeboten, die von Wolfgang Amadeus Mozart geschnitten sein sollten Dieses Angebot, welches ebenfalls von dem Angeklagten� ausging, wurde abgelehnt, da sich die Silhou. etten ebenfalls als Fälschungen erwiesen.— Der Angeklagte war mit der Zeit so sicher geworden, daß er sogar dem zweiten Vor- sitzenden de! Beethoven-Hause» in Bonn. Professor Schmidt, einen angeblichen Beethooen-Brief anbot. Da er nur 30 M. verlangte und es sich um eine derartig geschickte Fälschung handelte, daß sich nur durch eine chemische Untersuchung hätte feststellen lassen, daß es tatsächlich eine Fälschung war, wurde der Brief angekauft. Der Angeklagte erklärte dabei, daß er auch noch Briefe von dem Freund Beethovens, Stefan von Breunig, besitze. Bald darauf wurde dem Beethoven-Hails von Preßburg aus ein angeblich von Beethoven herrührendes Silhouettenalbum»itt der Widmung: -Musik ist eine Trösterin der Seele" angeboten, welches aber sofort «I» Fälschung erkannt wurde. Auch in diesem Falle war, wie Professor Schmidt als Zeuge bekundete, dt« Handschrift Beethovens vorzüglich nachgeahmt.— In den übrigen Fallen hatte der Ange, klagte mehreren� Antiquitätenhändlern in Rostock. Bonn und an- deren Städten Silhouetten und Briefe, die angeblich von Mozart (..Meine Jugendliebe"), Moses Mcndelsohn, Fürstin zur Lippe, Richard Wagner usw. herrühren sollten, zum Kaufe angeboten bczw. verkauft. In der gestrige» Verhandlung erklärte der gerichtliche Sach- verständige, Privatdozcnt Professor Dr phil. Lchncrt, unter an- dcrcm in seinem Gutachten, daß es sich um Fälschungen handele. die mit einem glücklicherweise seltenen Raffinement ausgeführt sind und selbst Kenner täuschen können. Die Silhouetten selbst seien aus dem schwarzen Papier hergestellt, mit welchem die pho- tographischen Platten eingepackt werden und sind dann auf Papier aufgeklebt, das der Angeklagte anscheinend aus alten Büchern entnommen habe. Das Gericht kam in drei Fällen mangels ge- nügender Aufklärung zu einer Freisprechung. Wegen der übrigen drei Fälle wurde der Angeklagte zu 6 Monaten Gefängnis zusatz- lich verurteilt._ Kriminalkommissar und Wilddieberei. Das am Sonnabendabend gefällte Urteil im Neustrclitzer Wildererprozetz wurde so spät verkündet, daß es nicht mehr in unserer Gesamtauflage mitgeteilt werden konnte. ES lautete dahin: Der Angeklagte Landwirt Wilhelm Bau fem er wird zu eine in Jahr zwei Wochen Gefängnis, der Ange- klagte Möbelfabrikant Otto Bader zu zehn Monaten Gefängnis, beide unter Anrechnung von vier Monaten der Untersuchungshaft, verurteilt. Heinrich Bader wird zu fünf Monaten Gefängnis. Fischpächter Felix Winkel. mann zu drei Monaten Gefängnis nnd Hotelbesitzer Martin Mitrltz zu drei Wochen einem Tag Ge- fängniS verurteilt. Die Angeklagten Gastwirt Senftleben und Schlächtermeister Witt werden freigesprochen. Ein Antrag, den Kriminalkommissar Werner unbeeidigt zu lassen, da cr der Anstiftung oder Begünstigung des WildernS ver- dächtig sei, wurde vom Gericht abgelehnt. Das Gericht nahm an, die Tätigkeit des Zeugen sei nur auf die Ermittelung von Straf- taten gerichtet gewesen. Seine Aeußerung,..man könne doch mal wildern" und die Tatsache, daß er der Wahrheit zuwider zu cr- kennen gegeben habe, er möchte gern mal„um die Ecke schießen", rechtfertigten unter den obwaltenden Umständen nicht den Verdacht einer Mittäterschaft, Anstiftung oder Begünstigung der Straftat. Ob auch das Reichsgericht eine Anstiftung nicht als vorliegend cr- achtet, bleibt abzuwarten.__ Ein„konservativer Mann". Der„Journalist" Artur Helmcke stand gestern unter der An- klage der versuchten Erpressung und Beleidigung vor der 7. Straf- kammer des Landgerichts I. Die Verhandlung gewährte, wie der StaattanwaltSrat Fuchs hervorhob, recht betrübliche Einblicke in das„kollegialische" Ver- hältnis, in dem die unteren Beamten deS BerkehrSmuscums zu ein- ander stehen. In dem Museum ist ein Herr Starke als HauSwart angestellt. Die Anstellung des Mannes, der früher Tischler war, erfolgte, weil er gerade wegen dieser manuellen Ausbildung be- sonders geeignet schien. Die etatsmähige Anstellung eines OutstderS. der nicht zivilversorgungSberechtigt war. erregte die Gemüter einiger als Aufseher angestellter Unterbeamten, die nach und nach allerlei haltlosen Tratsch und Klatsch gegen den Hauswart zu- sammentrugen. Ein Aufseher Wille hat dann dem Angeklagten, welcher sich vergeblich um eine Schreibstelle im Verkehrs-Museum beworben hatte, Mitteilung von allerlei OuiSquilien gemacht, in denen sich Herr Starke nicht einwandsfrei benommen baben sollte. Der Angeklagte richtete darauf am 17. August V. I. an den Minister für öffentliche Arbeiten von Breitcnbach eine Eingabe unter Beifügung von Manuskripten, die unter der Ueberschrift „Geheimnisvolle Diebstähle im BerkehrSmuseum" und„Bemer- kenswerte Anstellung eines sozialdemokratischen Arbeiters im Ber- kehrsmuseum als Hauswart" alle möglichen angeblichen Mißstände zur Sprache brachte und Anschuldigungen gegen Starke erhob. Der Angeklagte betonte darin, daß er als„konservativer Mann" dem Minister das Material zur Abhilfe der Mißstände unterbreite. In den Manuskripten wird in Superlativen von„Eiterbeule",„tief eingerissener Korruption",„preußischem Panama" und dergleichen gesprochen. Schließlich betont der Angeklagte in der Eingabe an den Minister: es gehe ihm nicht gut. cr habe auch einige Spesen gehabt und er hoffe auf eine Belohnung; eventuell bitte er um Rücksendung der Manuskripte, die von der Sensationspresse sicher mit Vergnügen gegen Honorarzahlung abgedruckt werden würde. Darauf wurde der Strafantrog gegen Helmcke gestellt. Dieser er- klärte, daß er lediglich bezweckt habe, Uebelständ« aufzudecken; als konservativer Mann und Staatsbürger habe er ein Recht dazu. Eine Erpressung habe ihm ferngelegen, da es ihm aber schlecht ging und cr schon längere Zeit ohne Anstellung war, habe er geglaubt, einen Hinweis auf eine Belohnung machen zu können. Die Beweisaufnahme ergab die völlige Haltlosigkeit der er. hobenen Beschuldigungen, ferner, daß der Aufscher Wille der Gr- währsmann für den Angeklagten gewesen war.— StaatSanwalt- schaftLrat Dr. Fuchs bedauert, daß nicht noch eine zweite Person neben dem Angeklagten Platz zu nehmen gezwungen worden sei. Die Beschuldigungen, die der Angeklagte erhoben, seien so schwer beleidigend, der Erpressungsversuch liege so klar zutage, daß sich eine Strafe von 6 Monaten Gefängnis rechtfertige. Das Gericht hielt den Angeklagten für schuldig im Sinne der Anklage, beur- teilte die ganze Sache aber äußerst milde, da der Angeklagte die von ihm behaupteten Tatsachen von absolut untergeordneter Be- deutung, die weder dem Minister hätten gefährlich werden, noch den preußischen Staat hätten erschüttern können, von einem Be- amten gehört hatte. Das Urteil lautete auf 14 Tage Gefängnis. Versammlungen. Zentralverband der Dachdecker. In der Versammlung am Sonntag hielt Genosse Adolf Ritter einen mit lebhaftem Inter- esse verfolgten Vortrag über das aktuell« Thema:„Die Bedrohung des Koalitionsrechts". Der Geschäftsbericht des Vorstandes sowie die Jahresabrechnung für 1912 waren den Mitgliedern gedruckt zugestellt worden. Die Verbandsleitung gibt in dem Bericht ein« eingebende Darstellung über den schweren Kampf im Dach- dcckergewerbe, der etwa vier Monate mit aller Schärfe geführt wurde. Ein momentaner Rückgang der Mitgliederzahl konnte als Folge des Kampfes nicht aufgehalten werden. Diese ist im letzten Jahre von 925 auf 745(540 Dachdecker und 205 Hilfsarbeiter) zurückgegangen. Es ist das eine Erscheinung, wie sie in allen Or- ganisationen, die einen zum Teil verlorenen Kampf hinter sich haben, anzutreffen ist.— In dem Bericht wurden auch wieder Klagen geführt über den mangelnden Bauarbeiterschutz. Der Nordöstlichen BaugewerkSberufSgen offen- sch a f t wurde zum Borwurf gemacht, nicht genügend auf die Be- schwerden der Arbeiter reagiert zu haben. Mißstände, sowie die mangelhafte Schutzrüstuna beim Neubau de» Kranken- Hauses der«tmdt Lichtenberg führten wiederholt zu Be- schwerden der dort beschäftigten Dachdecker. Von den Beamten. welche die Baustelle wvbl öfter besuchten, sind keine Maßnahmen -Strossen worden, die Mißstände zu beseitigen.— Tie Verbandskasse balancierte tu Einnahme und Ausgabe mit'36 213,78 M-. der Bestand betrug am 1. Januar 4230,80 M. Unter den Ausgaben befinden sich 23 476,22 M., die an die Hauptkasse abgeführt wurden. Dem Reservefonds wurden 1022,20 M. überwiesen, der Gaukasse 544,20 M. Krankenunterstützung wurde an III Mitglieder im Gesamtbetrage von 1950,80 M. gezahlt. Vorsitzender Görnitz machte noch einige ergänzende Mitteilungen, die von der Ver- sammlung ohne Debatte entgegengenommen wurden.— Tie in den Zahlstellen vorgenommene Neuwahl des Gcsamtvor- st a n d c s hatte folgendes Ergebnis: 1. �Vorsisscndcr Karl Görnitz, 2. Altbau». 1. Kassierer Weist«, 2 S t alz en. Hain, Schriftführer Glitzlh. Beisitzer: Tcikner. Freuden- thal. H. Beuther. Ä. Führbach, gieviforsn: R. Paasch«, W. Meyer, S. Beuther.— Bei den Wahlen zum Gesellen. cmSschiiß sowie her Beisitzer zum JnnungSschiedSgericht. die mit dem Siege der Gelben endeten, sind so große Unregelmäßig- leiten vorgekommen, daß die Wahlen sür ungültig erklärt wer- den mußten. Die Neuwahlen finden am Dienstag, den 4. März, abends 7J4 Uhr. im., Restaurant Schultheiß', Neue Jakobstr. 24/25, statt. Von mehreren Rednern wurde auf die unbedingte Notwcnidgkeit, sich au den Wahlen zu beteiligen, hin» gewiesen.— Am Schlüsse wurde noch eine längere Debatte über den weiteren Ausbau der Jahlstellenbesprechungen gepflogen. Der Berband der Friscurgehilfen hielt am Donnerstag seine Generalversammlung im„Roscnthaler Hof" ab. Der gedruckt vor- liegende Jahresbericht wurde durch Giese, Kranz und L i e r e erläutert. Das verflossene Jahr>var überaus reich an Arbeit und Anregungen, insbesondere durch den Allgemeinen Friseurgehilfen- longretz und den Verbaudstog sowie die Lohnbetvegung. Mit 900 von 2000 Arbeitgebern sind tarifliche Abmachungen getroffen. Die ZwangStnnung von Schöneberg nahm diejenigen Arbeitgeber in Strafe von 10 und 20 M., welche vom Verband als solche bekannt gemacht worden waren, die betvilligt haben. Der Magistrat von Schöneberg als Aufsichtsbehörde bestätigte zunächst die Maßnahme des Jnnungsvorstandcs, während der Oberpräsident von Potsdam diese aufhob. Die Tarifkommission hatte wegen Durchbrechung der tariflichen Abmachungen zahlreiche Beschwerden zu erledigen.—< Im Berichtsjahre fand eine ausgedehnte großzügige Agitation statt, deren Ergebnis aber nicht befriedigte. Von 386 Anfenommenen mutzten 369 wegen rückständiger Beiträge wieder ausgeschlossen werden. Der Abhaltung der Lehrlingsversommlungen werden von den Leitern der Nrbeitgebcrkorporationen alle möglichen Schwierigkeiten bereitet. Die Sektion der Darnenfriseurgchilfen mußte auf« gelöst werden, was bei einigermaßen Interesse der Beteiligten hätte vermieden werden können. Zu Lohndiffercnzen kam es in 40 Fällen, die in 20 Fällen durch Verhandlung beigelegt werden konnten. Arbeitslos waren im Jahre 846 Mitglieder. Stellen wurden 444 fest und 11713 zur Aushilfe besetzt. Die Vorhand- hingen wegen Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises sind vertagt worden. An der Maifeier beteiligten sich alle Milglieder. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 8535,59 M. und eine Ausgabe von 3970,19 M., so daß ein Bestand von 3565,40 M. ver- bleibt. Für die Hanptkasse betrug die Einnahme 9622,60 M. An Unterstützung wurden 2329,85 M., an Sterbegeld 45 M. veranS- gäbt. Der Mitgliederbestand betrug cun Schlüsse dcS Jahres 586. Nach kurzer Diskussion wurden Giese, Bumblatt, O. Schulz«. Kaufmann, Kranz, Knotuschk« und Langer in den Vorstand gewählt. Die Sektion V: Industriearbeiter(Mitgliedschaft deS Deutschen Transportarbeitcrvcrbandes) hatte zu Sonntag, den 23. Fe» bruar, eine Mitgliederversammlung nach dem„Voigt-THeaier", Badstr. 58, einberufen, die zu dein Bericht über die Tätigkeit von 1912 Stellung nahm. Den Ber' cht erstattete der SektionSleiter F r o m k e. Er teilte mit, daß dt« Sektion im verflossenen Jahre eine große Rührigkeit entfaltet habe. Die Einteilung der Sektion in fünf Branchen hat sich gut bewährt und>var dadurch eine größere Möglichkeit gegeben, den Berufsverhältnissen mehr Beach- mng zu schenken. Besonders zahlreich sind die Versammlungen und Sitzungen, die abgehalten wurden. ES fanden statt: Branchen- Versammlungen 46. Werkstatt- uend Betriebsversammlungen 939, VertrauenSmännersitzungen 140, Sitzungen der SektionSleitung und des Kartells 36, Verhandlungen mit den Arbeitgebern fanden 29 statt. Die Gesamtzahl der Sitzungen und Versammlungen beträgt 1154. In der Mitgliederbewegung ist ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Die Sektion machte an Neuausnahmen 3371 und verzeichnete außerdem 230 Uebertritte, so daß die Gesamtzahl der neugewonnenen Mitglieder 3801 beträgt. Am Schluß des Jahre« 1911 betrug der Mitgliederbestand 5753 und 1912 schloßt ab mit 7023 Mitgliedern. Die Zunahme dem Vorjahre gegenüber beträgt 1270 oder 21 Proz. Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr kann die Sektion auf eine zehnjährige TätigkeitSperiodc zurückblicken.— Lohnbewegungen tonnten in 25 Fällen eingeleitet werden, von denen 21 mit und 4 ohne Erfolg verliefen. Die Belvegung erstreckte sich auf 4316 Teilnehmer, von denen 2594 dem Verfunde angehörten. Außerdem war die Sektion bei 41 Bewegungen mit 205 Beteiligten in Mitleidenschaft gezogen.— An Unterstützungen wurden gezahlt: Stveikuntrrstütznng 15193,25 M„ MaßregelungS- Unterstützung 3706,15 M., Arbeitslosenunterstützung an 603 Mit- glieder für 2107 Wochen: 15 648,85 M., Krankenunterstützung an 1407 Mitglieder für 4523 Wochen: 35 589,30 M., Sterbeunter- stütznng in 27 Fällen: 1820 M.. zusammen: 71 957,55 M.— Im Ausbau des VertrauensmännershstemS sind gute Fortschritte ge- macht. Die Sektion verfügt zurzeit über 428 BetriebSvcrtrauenS« laute. Betont wurde allseitig, daß der weiteren Vevollkommnung auch in kommender Zeit ein reges Interesse entgegenzubringen fei. Zur besseren Ausbildung der Vertrauensleute finden alljährlich in den Winterinonatcn Kurse statt. Auch im verflossenen Jahre haben zwei solche Kurse zu je acht Abenden und je zlvei Stunden statt- gesunden, an denen 73 Funktionäre teilnahmen. Das Zusammenarbeiten mit anderen Organisationen ist ein zufriedenstellende» gewesen und sind Streitigkeiten tiefgehender Natur nicht borge- komnien. Hinsichtlich der Uebertritte von Mitgliedern einer Organi- jätion in die andere hat unter den Kartellorganisatwnen eine Verständigung stattgefunden und dürfen Ueberschreibungen nur vorgenommen werden, tvenn der Abmeldungsvermerk einholt worden ist. Im allgemeinen sind Uebertretenden Schlvierigkciten nicht in den Weg zu legen.— Die Neuwahl der SektionSleitung ergab: SektionSleiter Karl Fromke, Strellvertreter Karl Schmidt, Schriftführer Richard Merten?, Stellvertreter Paul U l b r i ch. Als Beisitzer für die Bezirksverloaltung wurde K. Schmidt in Borschlag gebracht.— Der Kassenbericht vom AgitationöfondL lag der Versammlung gedruckt vor. derselbe ergibt eine Einnahme von 2497,94 M. und eine Ausgabe von 1413.14 M.. so daß am Schlüsse de» Jahre« ein Barbestand von 1084,34 M. verbleibt. In der Diskussion wurde gerügt daß noch ein erheblicher Teil von Mitgliedern dem Agitation»- fondS allzuwenig Interesse entgegenbringt und die Erwartung ausgesprochen, daß dies künftig besser werden möge. Gewählt als Kassierer wurde Fromke, zu Revisoren Wl. Kille- ziewtcz, K. Klose. Wilh. Böttger, Joseph Just und Ernst Lange.__ Hus der Frauenbewegung. Leseabende. Britz- Buckow. Mittwoch, den 26., bei Becker, Chausieestraße 97: Vortrag der Genossin Bohm-Schuch über:„Proletarische Mütter und Jugend". Hermsdorf. Donnerstag, den 27., 8'/° Uhr: Vortrag de« Genossen Biaing über:„Weibliche Gesundheitspflege". Tempelhof. Mittwoch, den 26., abends 8V, Uhr, im Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9: Vortrag de« Genossen Ernst Meyer über: „Die seelische Entwickelung des Kindes". WaidmannKlust. Mittwoch, den 26., abend« 8 Uhr, im Schweizer- haus, Dianastraße. «ätttcruiigsflberfldii vom 24. Februar ISIS. Wetterprognose sür Dienstag, de» SS. Februar ISIS. öuvas wärmer, zunächst ziemlich heiler bei lebhaften südlichen Windes nachher zunehmende Lcwölluug ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetteriurea«. '1' Unserem Freund u. Kameraden Ä> Hermann Knüpfer nebst seiner lieben Gattin die berzlichstcnGIäckwünschc zur heutigen Silbcrkochzeit� s2!U/l Zentralvcrband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umgegend, I. St.: Der Borstand. •'j i S ■ü W F V V G st- V \ »SSSSSSS««SS-SSSSSS� iS. « t vt Unserem lieben Genossen Hermann liniipker und Lernahlin die herzlichsten Glückwünsche jj' zur Silberhochzeit. Die Genossen des 164. Bezirks � 4. Kreis. V4A«> # | Todes-Anzeigen| Deutscher Metallarbeiler-VerbaDd Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schlosser frsni Mews am 22. Februar an Lungcnleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet beute Dienstag, den 25. Februar, nach mittags'S1 In Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Gemeinde ?crlin.2tchtei>bcrg in Lichtenberg, Lückstraßc, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, die Arbeiterin ftllto Malion Beusseistr. 28, durch Freitod. Die Beerdigung sinket heute Dienstag, den 25. Februar, nach- mittag 2'lt Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in der Müllerstraste aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Hermann Brandt Hussitenstr. 23, am 21. Februar durch Lungenleiden. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 25. Februar, nach- mittags l'/4 Ubr, von der Leichen- halle deS städtischen Friedhofes in der Wüllerstraße aus statt. Ferner �starb unser Mitglied, der Schlosser Paul Petzscbrnann ain 21. Februar. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 25. Februar, nach- mittags 2-/2 Ubr, von der Leichen- halle des Moabiter Krankenhauses aus statt.___ Ferner starb unser Mitglied, der Fräser Luzta? Müller Wilhelmsruh, Fontancstr. 23, am 23. Februar an Wassersucht. Die Beerdigung sindct morgen Mittwoch, den 2ll. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeiude-FriedhoseS in Rosenthal aus statt. Ehre ihrem Zliidcnken! Rege Beteiligung crivartet 113/12 Die Drtsverwaltung. Zentral-Kranken- Unterstützungs- verein der Schmiede und»erw. Gewerbe Deutschlands. Zahlstelle Berlin 9. Am 21. Februar starb unser Mitglied 283/2 Hermann Brandl. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindct heute Dienstag, den 25. Februar, nach- mittags 3l42 Uhr, von der Leichen- halle des Städtischen Friedhofes, Müller- Ecke Seestraxe, aus statt. Ter Borstand. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme, für die schönen Kranzspenden, sür alle Liebe, welche meinem nnvergetzlichen Manne und Vater erwiesen wurde, sagen wir aus diesem Wege allen Verwandten, liebei: Freunden und Bekannten, der Direktion der schult heiß-Braucrei unseren aus- richtigsten, innigsten Dank. Witw Ida Förster 36/2 und Kinder. Klumcu- iiud Krau'.bindtrki m\ Robert Meyer,* Jnh.: P. Golletz Mariaunenstr. 2. Tel. Mpl. 346. Deutseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Bcrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Flaschen- spüler Willielm Lamprecht am 22. d. Mts. im Alter von 21 Fahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 26. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle dcS Friedhofes in Marzahn aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der GcschäftSkutscher Otto Gutbmann am 23. d. MtS. im Atter von 30 Zähren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 26. d. MtS.. nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle dcS EmmauS-KirchhofS, Neu- kölln, Henna nnstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 62/10 Die Bezirksverwaltung Am 23. Februar verschied unser lieber Vater. Grofivalcr und Ontel. der Metallschlciscr 2646b �riedrick Plage nach kurzem Krankenlager im 78. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten die Hinterbliebenen. I.A.: HermannPlage als Sohn. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 26. Februar, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Halle des st. Lukas- und Simeons- Kirchhoses, Maricndorser Weg. aus statt. Den Parteigenossen und Ge- nossinnen zur Nachricht, dajz meine einzige Schwester, Frau Uise Fleiscbmann tjeb. Pöthfren am 24. Februar nach kurzem, schwerem Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bittet Familie<«. Potbge», L. 5g, Urbanstr. 68. Die Beerdigung sindct am DonnerSIagnachmiltag 3 Ubr aus dem Friedhof der Thomas-Gc> meinde statt. 2640b HsnlCSSgUIIg. Ich sage aus diesem Wege allen denen meinen herzlichen Dank, die mir ihre Glückwünsche zu münem Geburtstag übersandten. Schöneberg, dcir 24. Februar 1913. A. Bebel. Iiiid nicht Bttlioten! Nach einer in der Presse in letzter Zeit verbreiteten Mitteilung sollen Kinderiaugstaschen mit Rohr und Schlauch gesetzlich verboten sein. Diese Angabe ist unrichtig. Ein dem Reichstage vorliegender bez. G csctzcniwurf ist bei der ersten Lesung aus vielseitigen Widcilpruch gestotzen, ebenso sind bei der Kommissionsberatung grotze Bedenken gegen denselben vorgebracht, die durch erneut in den Interessentenkreisen(namentlich in den Familien) angestcllie Erhebungen noch cme weitere Verstärkung ersahrcn haben. Ebenso ist die Notiz, daß durch die Garnituren Bleivergistungen hervorgerusen seien, nicht richtig; di� Garnituren werden viclmcbr blcisrei hergestellt. UcbrigcnS ist bereits durch Gesetz vom 25. Juni 1887 bestimmt, daß die bei Herstellung von Kinderiaugstaschen Verwendung findenden Mclalllompositioncn höchstens 1 Proz. Blei enthalten dürfen. Kinder- saugstaiche» mit Rohr und Schlauch sind nicht verboten. 2634b Stoffe für elegant« Maßanzüge, Ulster, Paletots Mtr. 4.—. 6.—, 8— M. etc. Damen- Kostümstoffe, Damentuche „Xeuhciten" Mtr. 2.—, 3.—. 4— M. etc. Loden f. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner leider so früh dahingeschiedenen lieben Frau und Mutter jage ich aus diesem Wege allen meinen innigsten Dank. l3A _ Fpsdz Kiishfil rniit Sohü. Tautsaguug. Allen Verwandten, Bekannten, Genossen und Genossinnen, besonders den Austrägern des„Vorwärts" bei der Beerdigung meiner Frau Anna Werner sagen wir hiermit allen sür die zahlreich- Beteiligung und Kranz- spenden unseren herzlichsten Dank. H. Wcruer nebst Kindern. Vorzügliebe Fallformen:: blur eigene Erzeugnisse Siems Kraftfleisch alleiniger Fabrikant j. G. Siems, Holl. Apen i. Oldbg. VorwärtsIeseF Rabalt. Letzte Woche!! Inyenlur- Extrapreise für Buntpersische doppelseitige Diwandecken äM. 5,85— 8,'5( einfachere Qualität 43S 485 bisher 4 lO 15H.I Bnnte Pi wan- "decltcn. Moderne IISSS(bisher •10 27 M.) kleine Muster Mnkott Tisch- 075(bisher IVI0Reil-decUelI 0 15 M.) Teppicb-Spezialbaus LiW Emil efevre Berlin 8. Seit 1882 nur ■M.) isher 15 M.) 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Fiir sogenannte Mischehen hat da-Z preußische Kirchen- srenergesetz die kuriose Bestimmung geschaffen, daß die Frau, selbst wenn sie keinerlei Einkommen versteuert, die Hälfte des Betrages an Kirchensteuern zu zahlen hat, den der Mann zu zahlen haben würde, wenn dieser derselben Kirchengemeinschaft angehören würde. Ein solches Gesetz, welches nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch der Logik Hohn spricht, konnte nur vom D r e i k l a s s e n P a r l a n: e n t und der preußischen Regierung geschaffen werden. Die Kirchenbehördcn handelten bis vor Jahresfrist gesctz- widrig, indem sie die Männer wegen der Steuerbeträge, die die Frauen hiernach zu zahlen hatten, veranlagten; das' Obervcrwaltungsgericht hat dem in einer Entscheidung vom Mai vorigen Jahres einen Riegel vorgeschoben und entschieden, daß dies unzulässig sei. Doch— die Kirchcngcmcinden wußten sich zu helfen. Es gibt eine Bestimmung im Z 1385 des Bürgerlichen Gesetz- buchs, wonach der Ehemann die„öffentlichen Lasten" der Frau zu tragen hat, sofern nicht etwa durch Ehevcrtrag das Rieß- brauchs- und Berwaltnngsrecht des Mannes ausgeschlossen ist. Die Kirchensteuern wurden zur„öffentlichen Hast" erklärt und die Männer, Heiden wie Juden, wurden, wenn die Frau nichts hatte, zur Zahlung herangezogen. Xou olst.— Zahlten sie nicht gutwillig, so kam der Vollziehungsbeamte und siegelte ihre Habseligkeiten. Beschwerde beim Kultus- minister war erfolglos; dieser erklärte, die Kirchensteuern ge- hören„ganz zweifellos" zu den öffentlichen Lasten, für die der Mann aufzukommen habe. In Preußen ist es demnach Gesetz und Recht, daß Heiden und Juden die Kassen der Kirchen- gemeinschaftcn füllen müssen, von denen sie nichts wissen Ivollen. Wenn wir nun auch nicht der Ansicht sind, daß die Kirchen- steuern„ganz zweifellos" zu den öffentlichen Lasten gehören, sondern daß die Auffassung der Kirchengcmeinden und des Kultusministers im Widerspruch steht mit dem Güterrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit dem Gesetz betreffend den Austritt aus der Kirche vom Jahre 1873 sowie niit dem Ein- kommensteilergesetz, so ist hiernach doch, da in Preußen Recht haben und Recht kriegen zweierlei Dinge sind, den Frauen, die i» ihrem Innern mit der Kirche gebrochen haben, zu raten: Hinaus aus der Kirche. Tut denselben Schritt, den Euere Männer getan haben, damit diese nicht zur Füllung der Kirchcnkassen gezwungen werden können. Den besten Ägitationsstoff für den Austritt aus der Landeskirche liefern die Kirchenbehördcn selber. Partei- 5Zngelegenkeiten. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 2. März, abends 6 Uhr. findet für die Mitglieder des WahlvereinS und deren Angehörige in den Arminhallen, Kommandautenstr. 58/59, ein Vortrag des Ge- Nossen Kurt Aiging mit Lichtbildern über die Eroberung der Erd- pole statt. Nach dem Vortrage gemütliches Beisammensein mit Tanz. Eintritt inkl. Garderobe 29 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 39 Pf. nach. Charlotteuburg. Wir machen auf die heutige Generalversamm- lung des Wahlvereins aufmerksam. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Vortrag des Genösset! G r u n lv a l d: Die Reorganisation der Zahlabende. Mitgliedsbuch legitimiert. Eine öffentliche Versammlnng mit der Tagesordnung:„Das Volkshaus wie es ist und wie es sein soll" Referent: Reichstags- abgeordneter H. P e u s findet morgen Mittwoch, abends S'/s Uhr, im Vollshause statt. Neukölln. Für die Genossen des Knesebeckviertels findet am Mittwoch, den 26. Februar, abends 8>/z Uhr, in Petris Festsälen. Änescbeckstr. 113, eine Versammlung statt, in ivelcher Stadtverordneter Genosse Dr. Kurt Rosenfeld- Barlin über„Die Bedeutung der Jugendbewegung" sprechen wird. Lichtenberg. Heute Dienstag, den 25. Februar, abends 8>/z Uhr, findet im Eafu Bellevue, Hauptitr. 2, der letzte Vortragsabend statt. Genosse D ä u m i g spricht über„Der wissenschaftliche Sozialismus". Sarlshorst. Heute abend»>/„ Uhr im Restaurant„Fürstenbad", Jnh. Bartels: Mitgliederversammlung. 1. Vortrag des Genossen Lehmann:„Die preußischen IhandtägSwahlen". 2. Diskussion. 3. Stellung zur RcorganisalionSfoage Groß-BerlinS. Adlcrshof. Morgen Mittwoch, abends 8>/z Uhr, im Lokal Wöllstein, BiSmarckslr. 24: Oeffentluchc Versammlung für Männer pnd Frauen. Tagesordnung:„Warum will die Gemeidevertrewiig ÄdlerShof den Aermsten der Armen die Steuern nicht erlassen?" Referent: Gcmeindcverordneter Genosse Wilhelm Zabel. Freie Aussprache. Zu dieser Versammlung sind die Gemeindeverordneten aller Abteilungen eingeladen. Spandau. Heute Dienstag, abends 8'/„ Uhr: Große öffentliche Versammlung im Neuen Stadrtheater, Potsdamer Str. 6. Genosse Liebknecht wird über„Die Sünden des Preußischen Landtages und die bevorstehenden Neuwahlen" sprechen. Parteigenossen, sorgt für'Massenbesuch.__' Berliner JVacbnchtem Die verkündete Hundcspcrre ist bis zu diesem Augenblick amtlich noch nicht bekannt ge- geben. Wohl ist die Verordnung, die erlassen werden soll, der Presse durch das Wolfsche Tclegraphenburcau zur Ver- öffentlich zirgegangen, aber die amtlich wirksame Form ist noch nicht in Erscheinung getreten. Weder ist dieselbe an den Anschlagsäulen noch in den für polizeiliche Bekanntmachungen zuständigen Blättern publiziert lvorden. Diese Bekanntgabe ist aber Voraussetzung, um eine polizeiliche Verordnung rechtswirksam zu machen. Es war also eine Uebereilung, wenn Hundebesitzer bereits am Sonntag ihren Lieblingen das Marterwerkzeug, den Maulkorb, anlegten. Gestern, am Montag, ging uns folgende Mitteilung zu: „An einem dem Zigarrenhändler£tto Barts, hier. Tanziger Straße 89, gehörigen Hunde ist die Tollwut festgestellt worden. Ter Hund ist frei umhergelaufen. Für den Landes- und Beterinärpolizeibezirk Berlin ist die Hundesperre angeordnet worden. Berlin, den 23. Februar 1913. Der Polizei-Präsident. von Jagow." Durch diese Zeitteilung werden unsere Bemerkungen in Bater im Interesse der ungeschmälerten Fortbildung seines keiner Weis�berüthrt. Sohnes durch eine Beschwerde eine amtliche Eni- .... schcidung hierüber herbeiführte. Würde allerdings so ein Vor- Für die trete �cbestattgkcit, trag nicht wenigstens mit seinem Ansang in eine Ilitterrichtsitundc die den sozialen Uebeln mit Quacksalbereien aller Art begegnen gelegt, dann könnte es passieren, daß der Herr Offizier vor leeren M können meint, wird wieder mal eine Zuscunmcnsührung der Bänken reden müßte. I gesondert nebeneinander und zuweilen sogar gegeneinander bc- �stehenden Vereine gefordert. Der schon oft gemachte und bisher ' noch nie recht geglückte Versuch, Hs.cr eine Zusammenfassung der zersplitterten Kräfte zu erreichen, wurde aufs neue angeregt in einer Versammlung, die aus Einladung der Zentrale für private Fürsorge im Bürgersaal des Rathauses stattfand. An ihr beteiligten sich zahlreiche Männer und Frauen, die in den Groß-Berliner Organisationen der freien Licbestätigkeit wirken. Ter Vorsitzende der Zentrale süi; private Fürsorge, Tr. Albert Levh, beklagte in seinem Einlchtungswort, daß die freie Liebes- tätigkeit nicht von dem Gefühl der Gemeinsamkeit durchdrungen sei und ihr sozusageu das„Standcsgefühl" fehle. Prof. Dr. K l u m k e r aus Frankfurt a. M., der an der dortigen Akademie für Sozial- und Handclswissemschastcn Dozent für Armenwesen und soziale Fürsorge ist, bchcuzdelte in einem grundlegenden Vor- trag die Frage:„W ie gewinnt die freie Licbestätig- k c i t eine angemessene Stellung im Gesamt- organismus des Fürsorgewesens?" Voraussetzung ist, daß die freie Liebcstätigkeit in engem Znsammenhang mit dem öffentlichen Fürsorgewesen sieht. Daß Klumker ihr keine unter- geordnxte Stellung gcgcnübezc dem öffentlichen Fürsorgewesen zuweist, hob er mit starker Beüonung hervor. Die freie Liebestäiig- keit sei die beweglichere, die eigentlich treibende, die rascher sich dem Wechsel und Wan/oel der Zeiten anpassen und besser den neu entstehenden Bedürfnissen nachgehen könne. Bei ihr. die frei- willig eingreift, sei auch dos Gefühl der Verantwortlichkeit für das, was auf dem Gebiet der Fürsorge geschieht, naturgemäß kräftiger als bei der durch Gesetze vorgeschriebenen Fürsorge. Aus diesem Verantwortlichkeitsgcfühl erkläre sich der in der freien LiebcS- tätigkeit immer stärker sich regende Zweifel, ob auch das Richtige getan werde. Immer mehr werde erkannt, daß freie Licbestätigkeit eine bestimmte Ausbildung und Schulung erfordere, daß sie nicht nur Sache des warmen Hczrzens, sondern harte Arbeit sei, die gelernt sein wolle. Nötig sei«auch eine planmäßige Erforschung und Dar- stellnng der in Frag« konimcnmen Verhältnisse, damit Klarheit über die zu lösende Aufgabe geschaffen werde. Wo das versäumt wurde, habe man oft beobachtet, daß auch die Gesetzgebung nicht rechtzeitig an die Lösung Heranging. Das Gefühl der gegenseitigen Hilfs- Verpflichtung, der Solidarität, werde durch die freie Liebestätigkcit rege erhalten. Aber nicht aus die Gabe allein komme es an, so Ilde on mindestens ebenso wichtig sei der erzieherische Einfluß, den die fteie Liebcstäthgkcit auf die Unterstützung wie auf die Helfenden ausübe. Die Erkenntnis, daß sie diese Aufgabe zu erfüllen hat, müsse in ihr das iGefühl der Gemeinsamkeit wecken und werde ihr die führende Stellung im Gesamtorgmiismus alles Für- sorgcwesens geban. Die an den Vortrag sich anschließende Be- sprechung spann diese theoretischen Betrachtungen über die freie Liebestätigkeit weiter. Von einer Wiederholung solcher Zusammen- künfte erwartet die Zentrale für private Fürsorge, daß zwischen den verschiedenen Organisationen freier Liebcstätigkeit. eine Eini- gung über gemeinsame Prinzipien zustande kommen wird. In der Praxis sieht leider das, was man so„freie Liebes- tätigkeit" nennt, oft ganz anders aus als das Ideal, das hier gezeichnet wurde. Auch die Wirkungen, die von ihr ausgehen, sind oft sehr wenig erfreulich. Es ist richtig, daß für die gesetzliche Regelung einzelner Zweige sozialer Fürsorge die fteie Liebes- tätigkeit manche Vorarbeit leisten kann und geleistet hat. Aber neben diesem, die Gesetzgebung vorwärts treibenden Einfluß stehen Einflüsse gegenteiliger Art, hemmende und lähmende Wirkungen Die fteie Liebestätigkeit kann den, der in ihr arbeitet, zu der Et- kcnntnis führen, daß der Staat oder die Gemeinden eingreifen müßten. Nur zu oft mutz sie aber herhalten als w i l l k o m m e n e r Vorwand, ein Eingreifen des Staates oder der Gemeinden als unnötig abzulehnen. Die freie Liebestätigkeit ist eine überlebte Form der sozialen Hilfe, die die Gesellschaft ihren schwächeren Mitgliedern schuldet. An dieser Ein- ficht fehlt es meist den Männern und Frauen der fteien Liebcstätigkeit, weil es ihnen bei ihrem Tun an dem rechten Verantwort- lichkcitsgefühl fehlt.' Bon der„Jugendfürsorge" durch die Fortbildungsschule. Die Agitation für die behördlich empfohlenen Jugendvcreine wird in den Pflichtfortbildungsschulen Berlins mit ungeschwächtem Eifer fortgeführt. Es wird noch in Erinnerung sein, welches Ge- schvci früher sich erhob, wenn einmal in einer Fortbildungsschule ein Lehrer unter seinen Schülern so etwas wie eine Agitation für die fteie Jugendorganisation Wittertc. Hcnt« arbeitet für die von„oben" begün st igten Jugendvereine der amtliche Apparat, und ganze Unterrichtsstunden werden un- bedenklich zu Veranstaltungen hergegeben, die darauf hinauslaufen, Mitglieder für diese Vereine zu werben. Aus der 7. Pflichtfortbildungsschule(Pappelallee) erfahren wir, daß dort für den Pfadfinderbund gewor- ben worden ist. Ein Offizier in Uniform und im Schmuck seiner Orden kam in die Schule und hielt über die Herero einen Lichtbildervortrag, an dem eine Schilderung vom Treiben des Pfad- findcrbundes sich anschloß. Der Vortragende riet zum Eintritt in den Pfadfinderbund und sprach davon, daß aus den Fortbildnngs- schülern dieses Stadtteils eine neue Abteilung des Bundes ge- bildet werden könnte. Er gab noch an, daß der Pfadsinderanzug, den jeder aus eigenen Mitteln anzuschaffen hat, 9 Mark kostet. Schon acht Tage vorher waren die Schüler von ihren Lehrern daraus vorbereitet worden, welches aparte Vergnügen ihnen winkte. Daß der Vortragende ein Offizier sei, wurde ausdrücklich hinzu- gefügt. Und um den noblen Gast recht zu ehren, wurde empfohlen, ivomöglich in Sonntagskleidung anzutreten. Die Veranstaltung fand nicht etwa an einem Sonntag statt, sondern an einem Wochentag, und zwar zum Teil in der üblichen Unter- r i ch t s z e i t. Die Stunden von 5 bis 7 Uhr waren für den Unterricht bestimmt, aber der Vortrag begann schon um 9 Uhr und dauerte dann bis nach 8 Uhr. Die Pflichtfortbildungsschule beruht auf einem Ortsstatut, das den Schülern die Wohltat des Unterrichts sichern will, lieber Lehr- swfs und Lehrplan sowie über Stundenzahl und Unterrichtszeit bestehen Vorschriften, von denen nicht ohne zwingenden Grund abgewichen werden darf. Ist es mit diesen Vorschriften vereinbar, eine Unterrichtsstunde einem Offizier zu opfern, der den jungen Leuten etwas vom Hererokrieg erzählen und hinterher den Pfad- finderbund empfehlen will? Es wäre zu wünschen, daß einmal Fortsetzung des höfischen Einzugsrummcls gab es gestern ans der Strecke vom Lehrter Bahnhof über den. Konipsplatz und die Linden hinweg bis zum Spreeschloß Ter neue König von Däne- mark machte dem König von Preußen seine übliche Antrittsvisite. Natürlich ivar wieder der größte Teil der Berliner Garnison zur Spalicrbildung aufgeboten. Die Hoflieserantenliga hatte gewohn- Heitsinäßig ihren Fahncnwald an die Patriotenluft gehängt, und das Brandenburger Tor, das vor jedem Gekrönten den Kotau mitmacht,' prangte auf tKadtkosten in grünkr Naturgala.„Aus Wunsch des Kaisers", verkündet durch die Lakaien presse, hätten sich auch etliche Innungen eingefunden. Wie aus Meisterkreisen bc- kannt wird, hatte die Berliner Schlächtcrinnung, die sonst aus SoimtagSpferdeii antanzt, sich schon vor einiger Zeit ans leicht erratbaren Gründen dabin verständigt, solchen Festivitäten vor- läufig korporativ fernzubleiben und dem einzelnen die Beteiligung zu überlassen. Offizielle Einladungen waren an die meisten In- nungcn überhaupt nicht ergangen. Man machte Blechmusik, brüllte Hurra, lüftete die vorsintflutlichen Angsiröhrcn, locht« echt weibisch mit Taschentüchern— immer dasselbe Byzantinern, das man dann in kühner Fälschung Volksbegeistcrung nennt, obwohl die Millionen des iverkätigen Volkes an dem Aufzug und Aufputz nicht den ge- ringsten Anteil nehmen.?luf denj; Lehrter Bahnhof entbot Ober- bürgermeister Wermnth mit seinen Getreuen den Gruß der Stadt Berlin, das heißt den Gruß des Berliner Kom.mnnalfteisinns, der ja erst in den letzten Tagen so deutlich den„Bürgerstolz vor Königsthronen" mit widerlichem Schweifwedeln markiert hat. Der höfische Drill der Stadwcrtrcter am Brandenburger Tor scheint ja bis auf weiteres„aus Gesundheitsrücksichten" ausgeschaltet zu sein, aber schon regen sich Einflüpe. an die cstelle dieser bis zur Lächerlichkeit verzerrten Rückcnvcrdrchungcn einen festlichen Em p- fang im Rathause zu setzen. Die„Nackensteifen" um Michelet, Cassel und Mommscn werden natürlich in Erwartung der Knopf- loch-Trinkgeldcr dafür zu haben fein. Am 6. März steht schon neuer Besuch in Aussicht. An diesem Tage wird der Prinzregent Ludwig von Bayern mit seiner Frau beim Kaiser zum Besuch eintreffen. Das Kuratorium für das städtische Rcttungswcscn beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reicks u. a. mit der Organisation der ärztlichen Oberleitung für das künftige städtische Rettungswescn. Das Kuratorium beschloß, an die Spitze des ärztlichen Dienstes zwei Direktoren zu stellen, und den bisherige» ärztlichen Direktor der Unfallstationen Dr. Paul Frank und den ärztlichen�Direktor des Acrztevercins de? Berliner RettungstvesenS, Geh. SanitätSrat Professor Dr. George Meyer, als Direktoren des neuen städtischen Rettungswesens dem Magistrat in Vorschlag zu bringen. Mordversuch und Selbstmord. Nachdem er seine Frau durch zwei Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt hatte, verübte Sonn- tag nachmittag der 41 Jahre alte Kutscher August Meyer ans der Köpenicker Straße 139 Selbstmord, indem er sich eine Kugel in den Kopf schoß, lieber den Vorfall, der die Bewohner des Grund- stücks Wiener Straße in große Auftcgung versetzte, werden uns folgende Einzelheiten berichtet: Der Kutscher Meyer, der verheiratet und Vater von fünf Kindern im Alter von IVs bis 15 Jahren war, ist nicht weniger als viermal wegen Sittlichkcitsvcrbrcchen bestraft worden. Bescm- ders in seiner Trunkenheit war er sehr gemeingefährlich und siel selbst Frauen und Mädchen auf offener Straße an. Wegen eines solchen Verbrechens wurde er zuletzt wieder zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Tie Strafe verbüßte er in Tegel, wo er vor 14 Tagen entlassen wurde. Seine Frau, die in dem Hanse Wiener Sftatze 25 die Pförtncrstelle und mit zwei ihrer Kinder im Seiten- flügel eine Kellerwohnung inne hat, während die anderen in Pflege gegeben worden sind, strengte während seiner letzten Strafvcr- bützung die Ehescheidungsklage an, die vor wenigen Tagen auch zu ihren Gunsten entschieden wurde. Da sie sich trotz fortwährenden Drängens � und auch Drohungen nicht bewegen ließ, ihren Mann nach der Entlassung wieder bei sich aufzunehmen, bezog dieser in der Köpenicker Str. 139 eine Schlafftelle. Wenn er bei ihr erschien, um eine Aussprache herbeizuführen, so riegelte sie stets die Türe ab und ließ ihn einfach nicht hinein. Sonntag nachmittag um 2 Uhr erschien Meyer wieder einmal, angetrunken wie fast immer, in der Wiener Straße. Da sein« Frau ihn nicht hatte kommen sehen, öffnete auf sein Klingeln das Mädchen. Der Vater schob das Kind beiseite und verschaffte sich so gewaltsam Eintritt in die Behausung seiner Frau. Sein Verlangen, sich wieder mit ihm zu vereinen, lehnte die Frau rundweg ab. Jetzt zog er einen Rc- volver und legte auf sie an. Ehe er aber abgedrückt hatte, war die Frau zum Fenster hinaus auf den Hof gesprungen. Meyer rannte hinter ihr her und feuerte auf dem Hofe aus die Davon- eilende nacheinander drei Schüsse. Durch zwei Schüsse in den Kops getroffen, sank die Frau blutüberströmt besinnungslos nieder. Dann richtete der Mann die Waffe aus sich selbst und schoß sich ebenfalls eine Kugel in den Kopf. Durch diesen Borgang waren die Bewohner des Hauses alarmiert worden, die sofort die Polizei herbeiriefen. Diese sorgte, für Ueberführung der Iran nach dem Krankenhaus am Urban, während der Mann als Polizeigefangener nach der Charit« gebracht wurde. Hier starb dieser gegen 5 Uhr bereits. Die schwerverletzte Frau liegt noch besinnungslos da- nieder. Aber auch sie dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Das rechte Auge ist auf jeden Fall verloren. Zu dein Zusammenbruch der„Groh-Berliner Fischzcntrale" wird mitgeteilt, daß der Buchhalter Mctschke aus der Bornholmcr Straße, dessen Verhaftung wir meldeten, wieder aus fteien Fuß gesetzt worden ist. Mctschke wurde, nachdem er dem Untersuchungs- richter unter Benennung der Zeugen die gegen ihn erhobenen Be- schuldigungen entkräftet hatte, noch am Sonnabendabend gleich nach der Vernehmung wieder entlassen. In die Angelegenheit spielen Zivilprozesse hinein, die Mctschic gegen den vcrhastctcn�Pcters und andere Leute führt. Gegen diese hat Metschke auch Strafanzeige wegen falscher eidesstattlicher Versicherung und wegen wissentlich falscher Anschuldigung erstatten. Einen Rettungsanzng führte am Sonntag der Modellzeichner Raschle aus Breslau zwischen der Jannowitz- und Mühlendamm- brücke praktisch vor. Die mit diesem Anzug Bekleideten können sich stundenlang über Wasser halten und sind auch gegen Kälte ge- schützt. Der Vorführung am SoimtaMwohnten auch Vertreter des Polizeipräsidiums bei. Em schwerer Unfall ans dem Gruncwaldsec ereignete sich Sonntag mittag gegen 2 Uhr. In der Nähe von Paulsborn brachen etwa 15 bis 29 Personen auf der dünnen Eisdecke ein, konnten aber glück- licherweise dicht am Ufer sämtlich wieder gerettet werden. Zwei Personen, eine Frau Krinünalwachtineister Pluta, im Alter von un« gefähr 59 Jahren, und deren zwölfjähriger Sohn wurden allerdings verletzt und mußten im Restaurant Paulsborn untergebracht werde». bis ein Arzt zur Stelle war. Von dort lvurden sie nach dem Groß- Lichterfelder Kreislrankenhause gebracht. Die übrigen Verunglückten erHollen sich bald und konnten ihre Behausungen aufsuchen. In der Umgebung der Stelle, wo der Unfall sich ereignete, tummelten sich etwa 5999 Personen um die Mittagszeit auf der spiegelblanken Fläche. Der See, der dem FiSkuS gehört, ist polizeilich auf die Trag- kraft der Eisdecke nicht geprüft. Zuerst brach die Frau Pluta mit ihrer 18jährigm Schwester und dem jungen Sohn ei«. Zahlreiche Personen hotten den Borgang beobacbtet und eilten der Unfallstelle zu. Unter dem Gewicht der Menge brach daS Eis natürlich noch weiter und etwa 20 Personen sanken in die Fluten. Das Rettungswerk gestaltete sich trotz der'Nähe des Ufers nicht ganz leicht, doch konnten schließlich alle Gefährdeten dem nassen Element entrissen werden. Nur die Frau Pluta und ihr Sohn erkrankten infolge des Unfalls bedenklich und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Ursache des Unfalles ist darauf zurückzuführen, daß am vergangenen Donnerstag an der Un« fallstelle geeist worden war. Es hatte sich infolge der in den letzten Tagen eingetretenen Kälte zwar wieder Jungcis gebildet, doch besaß dieses bei weitem nicht die Stärke, um mehr als eine Person lragen zu können. Unerklärlich bleibt jedoch, daß diese Stelle, von der man wußte, daß sie Personen gefährlich werden konnte, nicht, wie es aus den anderen Gewässern Vorschrift ist, durch Strohbüschel kenntlich gemacht war oder abgezäunt worden ist. Emils Abrechnung. Unerwartete Aufklärungen brachte die Verhaftung eines gewissen Emil Käth, der wegen eines unbedeu- tendcn Diebstahls festgenommen wurde, weil er schon mehrmals vorbestraft ist.-Man kannte von ihm nur die eine neue Straftat und war nicht wenig erstaunt, als Käth gleich im Verhör mit einem umfangreichen.Schuldkonto" aus fvcien Stücken aufwartete. Der Verhaftete erklärte, er wolle jetzt endlich.abrechnen" und in einem Zuge„alles glatt" machen. Hievauf bekannte er, 27 Einbrüche und Diebstähle ausgeführt zu haben. Als man ihm nicht recht glaubte, nannte er zwei Brüder Karl und Otto Shdow, die ihm dabei ge- halfen hätten. Diese beiden wurden in ihren Wohnungen er- mittelt und ihm gegenübergestellt. Als sie bestritten, sein« Spieß- gesellen gewesen zu sein,»anntc Käth drei weitere Belastungs- zeugen, die ihm die Beute abgekauft hätten. Auch diese drei Händler wurden jetzt herbeigeholt, und die Vernehmung aller sechs Personen uird die Prüfung ihrer Angaben ließen keinen Zweifel mehr daran, daß Käth die Wahrheit gesagt hatte, daß seine„Ab- rechnung" stimmte. Auch die Spießgesellen und die Hehler legten endlich ein Geständnis ab und wurden nun mitverhaftet. Hilflos aufgefunden wurde gestern früh unter einem Bogen der Hochbahn an der Schönhauser Allee in der Nähe der Schivel- lx'incr Straße ein unbekannter Mann von etwa 40 Jahren. Wie sich ergab, war er vom Blutsturz befallen worden. Die Hilfswache in der Gaudystraße, die nur noch den Tod feststellen konnte, ließ seine Leiche nach dem Schauhause bringen. Der Verstorbene war keinem Aeußeren nach wohl ein Obdachloser. Er ist ungefähr 1,65 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und ein rotes Gesicht und trug zwei Paar Hosen, eine graue Lodenjoppe, Ledcrschuhe, eine Tuchmütze uird ein weißes Halstuch, das E. S. gezeichnet ist. Drei gefahrdrohende Brände kamen in der Nacht zum Sonn- tag und am Sonntagabend in der Burgsdorff st ratze 3, Simeonstraße o und in der Bad st ratze 37 zum Ausbruch. In der Burgsdorsfstraße herrschte das Feuer in einer Wohnung im Erdgeschoß des Seitenflügels. Da die Wohnungsinhaber auf der Flucht die Korridortür offengelassen hatten, war in kurzer Zeit das ganze Treppenhaus vollständig verqualmt. Unter den übrigen Mietern drohte eine Panik auszubrechen, doch gelang es der Feuerwehr, die schnell zur Stelle war, die aufgeregten Personen zu beruhigen und von übereilten Schritten zurückzuhalten. Die Fenster des Treppenhauses wurden zertrümmert, nm dem erstickenden Rauch Abzug zu verschaffen. Auch die einzelnen Woh- nungen wurden durch Feuertvehrmannschasten gelüftet, so daß bald jede Gefahr beseitigt war.— In der Dimeonstraße 5 war im Erd- � geschoß des linken Seitenflügels in einem Klosettraum Feuer aus- gebrochen. Auch hier trat eine starke Verqualmung des Treppenhauses ein, doch bewahrten die Mieter erfreulicherweise ebenfalls die Ruhe, so daß Unfälle nicht vorkamen.— In der Badstraße 37 schwebte eine Witwe Becker bei einem Wohnungsbrand in E r- fkiäkungsgefahr. Das Feuer hatte Betten und Möbel er- faßt und in wenigen Minuten eine derartige Verqualmung herbei- geführt, daß Frau Becker bewußtlos wprde. Als die Feuerwehr in Die Wohnung eindrang, war die Unglückliche schon dem Er- stickungstode nahe. Sie wurde sofort ins Freie geschafft und nach kurzer Behandlung durch einen Samariter der Wehr auf einem Feuerwehrfahrzeug nach dem VirchowkrankenhauS transportiert. Der Wohnungsbrand konnte schnell abgelöscht werden.— In der Graufltraße 18 brannte ein Laden größtenteils aus.— Eine Schneiderwerkstatt stand in der Nazarethkirchstraße 36 in Flammen. Hier mußte längere Zeit mit oiner Schlauchleitung Wasser ge- geben werden, um die Gefahr zu beseitigen. In einer Droschke vergiftete sich am Sonnabend ein Mann, der dem Kutscher den Auftrag erteilt hatte, ihn nach Besselstraße 4 zu fahren. Der Tote ist unbekann.t Bon Strausberg über die Riibersdorfer Kalkberge nach Erkner führte ein Lichtbildervortrag, den am Sonntag in den überfüllten „Arminhallcn" Genosse F. Heinrich nach Originalaufnahmen der photographischen Abteilung des Arbciter-Wanderbundcs„Die Naturfreunde" hielt. Mitten in Winterszeit wurde die Poesie märkischer Prochtgebiete vor unserem entzückten Auge lebendig. Haben auch schon Tausende von uns in freien Stunden dies« herrlichen Gesilde an Ort uend Stelle gesehen, so ist man doch erneut beglückt von den Wundern der Natur in der Mark und freut sich im voraus auf das Wiedersehen im Sommer. So wird aber auch der Hauptzweck dieser Veranstaltungen, die Arbeiterkreise zu immer innigerer Fühlungnahme mit Wäldern und Seen und zum Besuch der hervorragendsten märkischen Schmuckkästchen anzuregen, praktisch erfüllt. Da weiten sich Herz und Sinne,-nächtiges«ehnen keimt auf, und aus tausend Blicken spricht es: Hinaus- ins Freie... in die Freiheit! Die vorgeführten Lichtbilder in Naturfarben waren so vorzüglich, daß mit ihnen ein tüchtiger Freivedncr ohne Breite und Pathos die Zuhörer förmlich mitfortreißen kann. Das Schlußbild, der mondbeglänzte Flakeusec am tiefschweigenden Wald, wirkte ergreifend wie ein Gedicht. Freilich gehört zur Wiedergabc von Naturreizen durch Wort und Schrift eine selte>-e poetische Bc- gabung, wofür uns Fontane und Trinius, die besten märkischen Wandersängzr, leuchtende Beispiele sind. Dessenungeachtet erntete der Vortragende, der auch den Rüdersdorfer Bergwerksbetrieb und die dortige Kalksteinformation in seine Betrachtungen hineinzog, reichen Beifall. Im einzelnen haben wir ja diese herrlichen Wander- fahrten zwischen Strausberg und Erkner mehrfach geschildert. Vorort- l�acknckten. „Patriotische Entrüstung" in Schöneberg. Ein großes Muster lMt Nacheiferung. In Schönebergs Stadtverordnete it- Versa n- n- lung gaben sich gestern die bürgerlichen Gruppen Mühe, in einer Debatte über die Hundertjahrfeier ein ähnliches Quantum „patriotischer Entrüstung" gegenüber der Sozialdemokratie zustande zu bringen, wie in Berlin der Ctadtfreisinn aus gleichem Anlaß es sich geleistet hatte. Zur Hundertjahrfeier will Schöneberg nicht, wie Berlin, einen gemeinsamen Kirchgang von Christen, Juden und Heiden veranstalten,- sondern den, notleidenden Veteranen eine Unterstützung gewähren. Da aus der Bevölkerung bei einer Geldsammlung für die Veteranen nur ganze 260l) M. zusammengekommen waren, so beantragte die Liberale Fraktion, den Magistrat um eine Beisteuer in gleicher Höhe zu ersuchen. Stadtverordneter Haselbach hob zur Begründung hervor, daß der bisher zusammengebrachte Betrag für die 220 würdigen und be. dürftigen Veteranen, unter die er verteilt werden solle, zu gering sei. Tie sozialdemokratische Fraktion hielt auch eine Erhöhung des Betrages um 2600 M. für bei weitem nicht ausreichend und beairtragtc, die von dem Magistrat zu fordernde Snmmc auf 5000 Mark zu bc- messen. Die Begründung, die diesem Antrage beigegeben wurde, belzagte den bürgerlnhen Gruppen ganz und gar nicht. Der Antrag unserer Genossen lautet so:„Die Stadt- verordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, zur Er- innerung an die Volkserhebung des Jahres 1813 und zum Gedächtnis der in jener- Erhcbun« gegen unerträgliche Gewaltherrschast Gefallenen an unterstützungsbedürftige hiesige Veteranen die Summe von 5000 M. aus städtischen Mitteln zu verteilen." Genosse Bernstein führte etwa folgendes aus: Ein Antrag zugunsten von Hilfsbedürftigen kann bei unserer Fraktion stets wohlwollender Aufnahme sicher sein. Wir sind grundsätzlich Gegner der Kriege und des Kultus der Kriege. Wir erkennen aber an, daß diejenigen, die in den Kriegen für ihr Land gekämpft haben, Anspruch auf Unterstützung durch ihr Land haben. Nun gilt der Antraa Haselbach dein Ge- dächtnis des Aufrufes„An Mein Volk!" Dieser Aufruf bildete in dem Befreiuungskampf, den 1813 das Volk führte, sicher einen bemerkenswerten Akt, aber er hat ihm nicht seine Bedeutung gegebsn. Die Erhebung zur Ab- werfung des unerträglichen Joches des aus einem Träger des Nevolustonsgedankens zu einem Despoten gewordenen Napoleon ging nicht von dem Aufruf aus. In unseren Tagen macht die Tendenz sich aufdringlich bemerkbar, große Be- wegungen zu monarchistischen Zwecken aus- z u n ü tz e n. Nicht nur wir Sozialbemokraten, die wir aus Grundsatz Republikaner sind, sondern auch die anderen Parteien, die an dem monarchischen Gedanken festhalten, dürfen schon aus Selbstachtung bei der Feier jener Zeit keine Fälschung aufkommen lassen. Das Bürgertum und ein Teil des Adels— das Proletariat kam damals noch nicht in Frage— haben die Bewegung geschaffeu, und erst als sie da war, entschloß sich Friedrich Wilhelm III. zu dem Aufruf„An Mein Volk!" Ich will hier nicht auf da.s geschichtliche Urteil über Friedrich Wilhelm III. eingehen. Aber eins muß man sagen: schnoddrig war er nicht. Er gehörte nickst zu denen, die, was andere getan haben, sich selber anrechneil. Zur Er- innerung an die damalige Erhebung des Volkes dem An- trage eine entsprechende Form zu geben, halten wir für not- wendig. Wir muten Ihnen nichts zu, was gegen Ihre Grund- sätze wäre. Ucber jenen Ausruf hat noch im Jahre 1813 Fichte in einer die Frage der Gestaltung Deutschlands be- handelnden Schrift gesagt:„Wenn der unterjochte Fürst an sein Volk appelliert, heißt das: Wehrt Euch, damit Ihr nur meine Knechte seid und nicht eines Fremde«?" Als Toren hat Fichte die bezeichnet, die so denken. Die Rede Bernsteins wurde von den Bürgerlichen mit Unruhe und Aeußerungen des Widerspruches aufgenommen. Nach einer kurzen Erklärung des Oberbürgermeisters Dominicus, der dem Antrage Haselbach die Zu- stimmung des Magistrats in Aussicht stellte, machte Stadt- verordneter Bamberg(Liberale Fraktion) sich zum Sprecher der„patriotisch entrüsteten" Mehrheit.. Die Aus- führungen Bernsteins passen, sagte er, nicht in den Rahmen einer Schöneberger Stadtverordneten-Versammlung und überhaupt nicht einer preußischen Stadtverordneten-Ver- sammlung. Ich kann nur aufs tiefste bedauern, daß von sprochcn worden ist. Was Sie kränkt, ist das, daß der Aufruf und einem König, so, wie hier von Friedrich Wilhelm HI., ge- die ihm geltende Feier zu monarchistischen Zwecken Ausgenützt werden soll. Wenn das geschehen soll, so begrüße ich es mit entschiedener Freude. Wir sind Monarchisten und werden es bleiben. Der Stadtverordnete Ja tz o w (Freie Fraktion) nannte es eine Pflicht der Bürgerlichen, gegen die Sozialdemokraten zusammenzustehen, um die„Ver- unglimpfung einer so glorreichen Zeit" zurückzuweisen. In einer Erwiderung fragte Genosse Bernstein, wieso der Hinweis aus einen Befreiungskampf des Volkes das patriotische Gefühl verletzen könne. Auch im sortschritt- lichen Bürgertum habe man früher, z. B. bei der Fünfzig- jahrfeicr, anders über jene Zeit gedacht. Und ein Goethe habe emst auf die Frage, warum nicht er diesen Krieg bc° sang, geantwortet:„Das habe ich jüngeren Leuten überlassen: außerdem roch mir der Krieg zu sehr nach Juchten und Kosaken." Unser Redner erinnerte daran, daß Monarchisten, wie Stein, Hardenberg, Aorck usw.. damals sich nicht gesck)eut haben, auch einem gekrönten Haupt gehörig die Wahr- heit zu sagen. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, daß kürzlich sogar ostpreußische Landwirte einen der Ihrigen gegen die Behandlung, die ihm aus Königsmund widerfahren war, in Schutz genommen haben. Ein scharfer Ausdruck, den er hier gebrauchte, ging unter in dem Länn der Mehrheit. Der Vorsteher v. Matuschka rügte die Hineinziehung der Person des Königs und fügte nachher noch einen Ordnungsruf hinzu. Genosse K ü t e r stellte fest, daß die Mehrheit wieder einmal ihre Unfähigkeit, Andersdenkende ruhig anzuhören, bekundet hatte. Zu unserem Antrag führte er aus. daß gegenüber dem beschämend geringen Betrag, der für die Veteranen zusammen- gebracht worden ist, die Gemeinde die Pflicht habe, tiefer in ihren Beutel zu greifen. � Mit einem nochmaligen Geplänkel zlrnichcn dem Stadtverordneten Bamberg und unserem Genossen Bern- stein endete die Debatte. Bei der Abstimmung wurde derAntrag dersozial- demokratischen Fraktion von den Bürgerlichen abgelehnt und dann der Haselbachs che Antrag a n° genommen. Was dieser Beschluß den notleidenden Veteranen ge- währt, ist wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Werden sie sich mit der„patriotischen Entrüstung" der Schönebcrger Stadtverordneten trösten? Satt wird von ihr kein Veteran werden._ Neukölln. Politik und Arbeiterjugend. Ueber dieses Thema sprach Genosse Dr. Karl L i e b k n e ch- am Sonntag in einer öffentlichen, äußerst stark besuchten Versamm- lung im Lokal von Bartsch, Hermannstraße. Daß dieses Thema auch die Polizei im höchsten Grade interessierte, bewies, daß sie überflllssigerweise dlle Eingänge des Versammlungslokals mit Wacht- Posten versah, die mit ArguSaugen beobachteten, ob etwa Jugendliche unter IS Jahren die Versammlung besuchten. Die Versammlung wurde durch stimmungsvolle Rezitationen deS Genossen W. Winguth eingeleitet. Genosse Liebknecht legte als« dann in wuchtiger Rede den Standpunkt der Sozialdemokratie zu dieser Frage dar. Beginnend mit den Sünden, deren sich der Kapitalismus der Jugend gegenüber schuldig macht, wie Säuglings- sterblichkeit, Mütter- und BoUSfchulelend usw.. sei es. so betonte Dr. Liebknecht, eine Selbstverständlichkeit, daß da? Proletariat zur Selbsthilfe greife und sich seiner Jugend widme. Mit veralteten Kabinettsordern aus den 1820er Jahren, die gewerbs» mäßigen Unterricht an Jugendliche von einer Erlaubnis abhängig inochen, suche man jetzt zu arbeiten. Das tollste aber sei, daß man das Wort gewerbsmäßig durch einen juristischen salto mortale einfach wegmanövriert habe. DaS Reichsgericht habe zwar in einem: Falle(Wildunge— Weber) das Verfahren als ungesetzlich erklärt, um aber bei anderer Besetzung in einem ähnlichen Falle daS Gegenteil zu beschließen. Auch die Bülowblccksfrucht, daS liberale Reichs- Vereinsgesetz dient ausschließlich dem Zweck, die proletarische Jugend- beweguug zu knebeln. Wenn nun der Staat sich an- heilchig machte, Jugendpflege zu treiben, die nur in Hurra- Patriotismus und Chauvinismus Erkleckliches leiste, so könne die Arbeiterklasie für eine derartige Jugendpflege nur Hohn rn.o Verachtung übrig haben. Im weiteren Verlauf seiner Rede zog der Referent Parallelen zwischen 1813 und 1913. Er erinnerte an die nichleingelösten Königsworte und Versprechen, an die reaktionäre Hetze, an einen Metternich, an die Karlsbader Beschlüsse und die Demagogenverfolgungen. Dies alles sei der Dank gewesen für das Blut, das von tausend und aber tausend Preußen auf den Schlacht- feldern der Freiheitskriege begeistert vergossen wurde. Und heute?--- Ebenfalls noch dieselbe freche Junkerherrschast und Willkür. Jetzt in der Zeit der Jubiläumsfeiern suche man daS Volk in einen nationalen Blutrausch zu versetzen. Aufgabe der Jugend und der Partei sei es, diesem entgegen zu wirken. Hinderten die Gesetze die Arbeiterklasse, mit den Jugendlichen unter 18 Jahren politisch zu verkehren, so mSsie sie Mittel und Wege finden, die Jugend in ihrem Geiste zu erziehen. Für die jungen Leute aber, denen der preußisch-deutfche Staat gestatte, sich politisch zu betätigen, müsse es Ehrenpflicht sein, in den Reihen der sozialdemokranschen Partei Schulter an Schulter mit den Erwachsenen gegen Ausbeutung und gegen politische Unterdrückung zu kämpfen. lStürmischer, lang an- haltender Beifall.) In der darauf folgenden Diskussion äußerten sich, von reichem Beifall begleitet, die Genossen Wille, Kliemann und Gräf im Sinne des Referats. Nach dem Schluß- worte Liebknechts gab der Leiter Günther bekannt, daß der Neuköllner Wahlverein für die jungen Genossinnen und Genossen einen Leseabend eingerichtet hat. Derselbe findet jeden 1.. 3., 4. und 5. Mittwoch und am Freitag nach dem Zahlabeno ber Bartsch, Hermannstr. 49, statt. Zweck desselben ist theoretische und organisatorische Heranbildung der im Alter von 18—25 Jahren sieqenden Parteimitglieder. Die Versammlung wurde nach Annahme folgender Resolution geschlossen:„Die heute bei Bartsch tagende Versammlung gelobt im Anschluß an die Ausführungen des Genoffen Liebkirecht den Kamps um Befreiung des Proletariats mit erneuten Kräften und heiliger Begeisterung fortzuführen. Als Mittel hierzu betrachtet sie die sozialdemokratische Partei; sie fordert daher alle Jugendlichen über 18 Jahre auf. sich ihr anzuschließen und die Versammlung der Jugendseklion zu besuchen, denn nur durch die Sozialdemokratie sei es möglich, wahre und politische Freiheit zu erringen." Schöneberg. Mit der Ausgestaltung der bestehenden Ortskrankenkasse zur All- gemeinen Ortskrankenkaffe im Sinne der Reichsversicherungsordnung hat sich das Oberverficherungsamt einverstanden erklärt. Weihensee. Die Erwerbung der Stadtrechte kam in der letzten Gemeinde- Vertretersitzung zur Sprache. Auf die von der Gemeindevertretung eingereichte Petition an das Abgeordnetenhaus ist der Bescheid eingegangen, daß die Gemeindekommission die Petition der Regierung zur Erwägung überwiesen habe. Befremdend klingt eS, daß der Minister neben vielen anderen Gründen ausführte, daß die Stadt- werdung eine Förderung der sozialdemokratischen Bestrebungen be- deure. Von unseren Genossen wurde beantragt, den umfangreichen Bericht zu vervielsältigen und den Mitgliedern der Vertretung zur Verfügung zu stellen. Dem wurde leider nicht zugestimmt. Der Bürgermeister empfahl, in den örtlichen Vereinen die SladtwerdungS- frage zn besprechen, um so die Oestenllichteit hierfür zu interessieren. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, die Frage der Stadt- werdung nochmals auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen zu setzen. Ncuenhagen(Ostbahn). Aus der Gemeindevertretung. Ein Antrag der Berliner Elfl- trizitätsgesellschaft, in der Eichcnallee und in der Reuenhagcner Allee Kabel verlegen zu dürfen, wurde einstimmig abgelehnt; trotzdem die B. E. G.»n dem vorgelegten Vertrage sich verpflichtete, ohne Genehmigung der Gemeinde keinen Strom abzugeben, wollte sich die Vertretung doch nicht auf 25 Jahre binden. Bei Per- gebung der Pflasterarbeiten für die Bahnhofstvaßc» welche an Gebr. May zum Preise von 72 M. pro laufenden Meter t?ergeben wurde. brachte Genosse Reinhardt Beschwerden von Arbeitern bor. Zwischen- Unternehmer der Straßen- und Tiesbaugesellschaft, der die Pslaste- rung und Röhrenverlegung de Dahlwitzcr Straße in Auftrag ge- geben worden ist. haben ihrcii ihren Arbeitern teilweise nicht den vollen Lohn zahlen können. Die Wegebaukommifsion wurde beauf- tragt die Sache zu untersuchen.— Nach dem Etat für 1913 betragen die Gemeindeschulden 138 012 M.(gegen das Vorjahr: 7000 M. weniger.). Das Gemeindevermögen hat sich um 8147 Mk. ver- mehrt und beträgt 271 762,62 M. Der Etat balanciert mit 121 700 Mark, wovon der Nebenctat des Elektrizitätswerks in Einnahme und Ausgabe 41 500 M. ausweist. Noch dem mutmaßlichen Ucber- schütz des Jahres 1912 von 6000 M. bringen die Steuern insgesamt 70 450 M. Es sollen ergeben: 100 Proz. der Einkommensteuer gleich 27 500 M.. die Grund- und Eiel'äudcstcucr rn Form einer Grundwert st euer 1,60 prv Mille von 6 650 000 M.— 10 640 Mark und 2,40 pro Mille von 3 750»00— 13 800 M., zusammen also 2 4 4 4 0 M.. die Gewerbesteuer 2850 M„ Hundersteuer 750 Rkark, Lustbarkcitssteucr 600 M., Umsatzsteuer 12 500 M.� und der Äiüeiil1. 1. Ja. und zwar die tatsächliche Höhe der Kosten. 2. New.— Handel 13. ES ist ratsam, bei einem Notar einen Ehevcrtrag zu schließen.— Nen-Zitta« 42. 1. Ja. 2.§ 16 deS Für! orgeerziehungs gesetzcs, tz 1601 sf. des Bürgerlichen Gesetzbuches. — P. B. 1863. 1. und 2. Verjährung liegt nicht vor, da es sich um rechtskrästig sestgestcllte Ansprüche handelt. Solche verjähren, sosern es flch nicht um wiederkehrende Leistungen handelt, in 30 Jahren.— P. S. 2424. Ja, sosern er nicht von anderer Seite ebenfalls Miete bezogen hat. — M. R. 33. Graue Salbe.— 91. Ä. 100. Mit Werg.— R> B. 2. Erfahren Sie in der Zentralstelle sür Auswanderer, Karlsbad P 10.— »Hoffnung." Wenden Sie sich an die jüdischen Gemeinden, deren Adressen aus dem Adreßbuch zu ersehen sind und an den Schuldicner benachbarter Schulen.— Parteimitglied 21729. 1. Flotow, Michaelkirchstraße 28. 2. Charlottenburg, Kursürstcndamm 208/209. 3. Im alten und neuen Museum 2lm Lustgarten. 4. Ersahren Sie im dortigen Bureau. R.(9. 33. Bund freier Ruderervercine, Schristsührer Dolle, Charlotten- bürg, Sophie-Charlottenstr. 57.— Haselmäuse. Wird durch jede Tier- Handlung besorgt.— Donau. 1. Ist nicht anzunehmen. 2. Dem steht nichts im Wege.— fi. D. 67. 1. Beb igt die Zivilliste des Königs von Preußen. 2. AIS Kaiser nichts.—»W. 30." Fachmann fragen, Lederarbeiter.— A. 44. StistungSdeputation des Magistrats, Poftstr. 16.— G. M. 30. Vom Reichstag angenommen, aber noch nicht zur Aus« führung gelangt. nun DÖD □□□ Dieustag, 25. Februar 1913. Aman« 7'/, Uhr.; Kgl. Opernhaus. La Traviata »gl. Schauspielhaus. Flachsmam, Erzieher. Deutsches. Der lebende Leichnam. «öniggräver Stratze. Brand. irkus Büsch. Gala-Vorstcllung. irkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Aniang 8 llbr. Urania. Hohenzollernsahrien. »ammerspieie. Schöne Frauen vefsing. Der Biberpelz. Deutsches Operndaus. Die luftigen Weiber von Wwdsor. Schiller O. Wolkenkratzer. Schiller- Ehariottenburg. Hedda Gabler Trianou. Wenn Frauen reilen. Theater am Nollendorfpiatz. Die Studenteugräfin. «omödicnhaus. Die GeneralSecke. Gros,-Berlin. Lord Piccolo. «urfiirftenoper. Rigoletto. Berliner. Fllmzauber. Montis Operetten. Der liebe Augustw Theater deS Westens. Die beidcn Husaren. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Kleines. Professor Bernhaedi. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen. Luisen. Und hätte der Liebe nicht.. Metropot» Chausseur— ms Melropol. Herrn ieid. Die Alpenbrüder. Wüste». moral. Apollo. Die schöne Galathce. övezialiläicn. Rcichshallen. Meyers Hosen. Casino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8>/. llbr. »riedr.- Wild. SchansPielHanS. Pariser Lust. Rose. Mem Leopold. Luftspielhaus. Majolika. Walhalla. Parole: Walhalla! Folies(Laprice. In Sachen Katzen- stein. Di« Doppclfirma. Die Tochter der Braut. Aniang 8'/, llbr. ReueS BoltStheatcr. Mutter Landstraße. Ansang 9 Udr. BdmiralSpalast. SiSballelt: Flirt in St. Moritz. .»» Sternwarte, Jiwalidenstr. 57—62, ®e,,J",cI,e» Schauapielhaau 8 UHk Der gute Ruf. 8edjIlel'-7!ie»tek'l!.�.T Dienstag, abends 8 Uhr: W olkeakrataer. Mittwoch, nachmittags 3»/, Uhr: Zopf and Schwert. Mittwoch, abends 8 Uhr: Briet Acosla. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Andere. Schiller-Theater . Dienstag, abends 8 Uhr: " Hedda Gabler. Mittwoch, nachmittag 3,10 Uhr: Wallensteins Lager. Ole Piccolomini Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin In 80 Stunden. Donnerstag, abends 8 Uhr: Criel Aconta. Berliner Theater. s uhr: Fiimzauber. Tbeater in der Küniggrätzer Straße Brand. 7'/. Uhr: Theater des Westens. 8 Uhr: Die beiden Hnsarcn. Sonnt, nachm. S'�UHr: Frauentresser. 8 Uhr. Uhr Residenz-Theater. Die Frau Präsidentin. (Madame la Präsidente). Schwankt. 3 Akt. v.Hennequin u. Beber. Morgen und folgende Tage: Die Frau Präsidentin. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theaterj. Amt Norden 1141, . 8 Uhr: Der Hebe Augustin. TheaterainKollendorfplatz 3fls Uhr: Die schöne Helena. Allabendlich 8 llbr: VI« 8tudentengr&nn�_ Luisen-Theater. Dienstag, abends 8 Uhr: "Und hätte der Liebe nicht...* Schauspiel in 4 Akten von E. Krickeberg imd Ernst Ritterscldt. Mittwoch, abends 8 Uhr: Berlin— Hamburg— New Bork. DonnerSlag, nbcnds 8 Uhr: »Und hatte der Liebe nicht Trianon-Tliealer. Wenn Frauen reisen. Ansang 8 Uhr. Urania Wissenschaftliches Theater. TanbenatrnSe 48/49. Dienstag 8 Uhr; ..Hohenzollern"- Fahrten. MM» 1 Täglich präzise 8 Uhr abends: OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 182. 1>Iem Leopold. Volksstück m. Ges. in 3 Akten von Adolph LM-ronge. Musik v. Bial. - Anfang 8 Uhr.- Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Trotz des großen Erfolges Nur noch bis inkl. 6. März: Am grünen Straud d. Spree. Am 7. März Premiere: Ai>tnr» Flitterwochen. Voigt-Theater. (gefundbrunueu. Badstratze 58. Morgen Mittwoch, den 26. Februar: Zum Benefiz für Frau, Rühle: Im Lenne der Uede und des Hasses| oder: Kkmpfcnde Herzen. Komödie in 4 Ausz. v. Karl Gutzkow. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ansang 8'/« Uhr. I mit Anton und Donat Herrnseld tn den Hauptrollen. ?a88ags-?anoiiiljillm 51 wilde lU/oih QV�imer Ivvciucl Kinder | vom Stamme der igorroten.| Lebend I Ohne Extra-Cntree! Zirkus jllbert Schumann. Heute Dienstag, 25. Februar, abends 7'/, Uhr; Letzter Tag!-MU Cttsarios Löwen- und Tiger-Gruppe. � Die Herrscher der LVIte 7 Luftvoltlgeure 7 Hcgelmann• Trnppe. Der Mann mild, eisernen Raod. Um 91/« Uhr: IME nnslchtb. Hensch. Mittwoch: Keine Zirkus-Vorstellg. Aufführung d. Deutschen Theaters: König Oedlpnw. Walhalla-Tlieater Weinbergswcg 19/30. Rosenthal. Tor. Täglich abends 8'/« Uhr: nParole! Walhalla!" Große Jahrcs-Revue. „Clou« Mauerstraße 82. :: Berliner:: Konzerthaus Zlmmerstraße 90/91. Großes I>oppel- Konzert! Musako. Kalscr-Alexander-Keg., Dirig. ICgl. Musikdir, Brase. — Zillerthaler und Tegernsee!* Sänger—- Schuhplattler und Jodler! Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochen tagen: GP.!iSehlNjtt»gS'«0llZei't Theater Königstadt-Gasino. Ecke Holzmarkl- u. Alexanderstraße. 1 Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke TägL abdS.'Iß, Sonnt>/,6 Uhr: Der Kammerjäger. GesangSposse i. 2 Bildern— u. das gross. Spezialttäteiiprogramm S Jcd. 1. u. 16.: Programmwechscl.. NeueWelt Arnold Sebola Jjßetropol-Theater. Chanfleur-ins Jitetropol! Große Jahresrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Otto Reutter a. Q.' mit gänzlich neuem Repertoirl Abends 8 Uhr. Rauchen gestattet. Haaenhelde 108/114 Heute Dienstag, den 25. Februar: Lille- Tag! Samen- främlierung! Prämiiert wird Der kleinste Damenfuß. i i S bare Geldpreise: SO.—, SO.—, 20.— Mark Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Neu! Meyers Hosen. Humoreske. Anfang 8 Uhr. Zirkus Busch. Heute Dienstag, 25. Februar, abends f1/, Uhr: Vur noch einige Tage die gr. Februar-Attraktionen: j Der mystorlöHe Decken l&nler. Der KopfmtnrE durch die TiHchplattc. j Hadnino Delita del'Oro| mit ihren dressierten Kühen! Zum Sohluß: Die groBe Prunk-Pantomime „Hevilla". Die maurisch, neuen Wasserspiele. I Folies Capriee. Ansang 8'/, Uhr. Dir dm Zuifira- Schlager: In Sachen Katzenftein. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. Ab 8 Ubr. Ijctxtc Woche! Ein beispielloser Erfolg! Die gr. Spezialitäten 9 Uhr: Harry Waiden in seiner Groteske Der Herzog v.Westminster Admlralspalast. Allabendlich: Das neue mit durchschlag. Erfolg aufgef. EiSbällStt Flirt in St. Moritz] l. Akt: Wintersport in SL Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel. 3. Akt: Japanisches Fett. Unter Mitwirkung der kl. Charlotte. Bis 6 U. u. v. 19'/, halb.Kass• j Preise. Wein- u. Bier-Abt. gar de» Inhalt der Jnierats Übernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlet Beraunvortung. 6eff entliehe politische Versammlungen. Vierter Wahlkreis. Dieustag, den 35» Februar 1913, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, KoPPenstr« 39: Grotte Volbsyersammlimg. i.„Die preuHische Polenpolitik als Kulturschande". Referent ist Reichstagsabgcordneter Genosse Nermann>Ver»llel. 2.---------- Freie Diskussion.--------- � BtT Die polnische werktätige Bevölkernng ist dieser Bersammluni; besonders eingeladen. � Der Einberufer: Paul Hoffniann, Königsbcrger Straße 28. Verwaltang Berlin Kranchenversammlungen Kisten- und Koffermacher. Heute Dienstag, den SZ. Februar 1913, abendS 8 Uhr, bei Boeller, Weberstratze 17. Tagesordnung? 1. Bericht und Wahl Von drei Kommiisions- Mitglieder«. 2. Berbandsangclegenheiten. Hamm-, Haarschmuck-, Kragen- stäbehenarbeiter u.-arbeiterinnen. Mittwoch, den 26. Februar, abends pünktlich 8 Uhr: aller in cler Cdluloid-Raarrcbmuck- u. Kragen- rtäbcbcnbrancbe beschäftigten Hrbciter und Arbeiterinnen Bei Merkowski Vachs» AndreaSstraße 26. Tagesordnung: 1. Vortrag:.Die.Herren Deutschlands". Referent: Kurt Heiuig. 2. Diskusfiou. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Sodenleger. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends 8 Uhr, im CtSiverliscliattsImiine. Engeluser 15(Saal 3). Tagesordnung: 1. Vortrag Bcä(Äenofjen Ritter über das Jnvaliditäts- �xfeN. 2. Branchenangelegenheiten. 3. BerschiedeneS. öranehe der Bärsten- und Pinselmacher Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends 8'/z Uhr, im Lokale von PrvaL. Holzmarktjtrage 65. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Nitschke über:.Wo ist der Himmel?" 2. Branchenangelegenheiten. SftttltiSChlCt Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends 8�/4 Uhr, im Lokale von mlerltiaaan. Große Frankfurter SEaße 16. Tagesordnung: Nnsere Stellung zum Schiedssprnch und unsere Forderungen.__ i9/lB Stellmacher. Donnerstag, den 27. Februar 1913, abends 8'/z Uhr, im Uoneatkalvi' Hof, Rofenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Die Geschichte der Arbeitskämpfe in der Holz- indnstrie, Referent Kollege Tarniw. 2. Branchenangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends ö'/a Uhr, bei Hermel, Holzmarktstr. 21: Dranchen-Uersammlnug der Perlmutter-, Horn-, Steiuuust- Knopf- arbeiter und-Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Neuwahl der Branchenkommission. 2. Fortfetzmig der Diskussion über den Jahresbericht. 3. Verbands- und Braiichciiangelegeiiheite». Die I£oiniuls«loa. Schöneberg. SozialdemoHratikber Aahlverein. Dienstag, den 23. Februar 1913, abends 8 Uhr, in den Renen Rathanssälcn, Martin-Luther-Str. 69: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1.„Ter preustischc Befreiungskrieg". Referent: Genosse H. Uko. 2. Die Reorganisation der Partei. 3. VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. 15/6 Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. H.& P. Uder, iÄV"; ____ m_■__ n_ �•» von Tabak-Großhnmllnng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak__ C|. K. tfanewacker, Qrlmm � Trlepel. Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.-— = Amt IV, 301 4 r Elim Vemaltllllgsstkllt Serlin. C. 54, Llmenstr. 88—85. Berwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt No«4ei, 185. Arbeitsnachweis Amt Norden 1239, 9711. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends 8Vz Uhr: Versammlung aller in Innungsbetrieben beschäftigten Schmiebe in Bökers Festsälen, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Tie Mifsstönde aus dem Arbeitsnachweis in der Mnlack- strafte. Welche Maftnahinen ergreifen wir dagegen? Referent: Kolleg- Wilh. Siering. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Die Verhältnisse auf dem ArveitsnachweiS der Innung sind in letzter Zeit geradezu unhaltbare geworden. ES ist Pflicht jedes einzelnen, tn dieser Versammlung anlvesend zu sein, um die Maßnahmen zu lresfen, die notwendig sind im Interesse der dort arbeitsuchenden Kollegen. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends 6 Uhr: KlanchemicrsMmliiiis im chirurg. Otimdic im Rofenthaler Hof, Rofenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Es ist dringende Pflicht aller Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Mittwoch, den 26. Februar, abends 8'/, Uhr: Nllsammtung dn Gralicurc, Ziseleure in den Corona-Prachtsälen, Kommandantenstratze 72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Guttmann über:.Kulturhistorische Wanderung durch die Handwerkerfrage". 2. DiSkufsion. 2. Ver- schiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erfcheweu wird erwartet. Mittwoch, den 26. Februar 1913, abends 8Vz Uhr; Mitglieder»Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und ver- wandten Berufsgenofsen im Dresdener Garten, Dresdener Straße 43. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wolter über:„Schiller und feine Zeit". Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Ztltgllodsbacb legitimiert.» Zahlreicher Besuch wird erwartet. Donnerstag, den 27. Februar 1913, abends 8 Uhr: stlltglleder Versammlung der Klempner Berlins und der Bororte in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1. Bericht von de» Lerhandlnnge» vor dem Einignngsamt. 2. Diskussion. �._ mr Lhue Mitgliedsbuch kein Zutritt'-MA Kollegen! Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gefaßt werden sollen, ist das Erscheinen eines jeden Baullempners dringend notwendig. Mag! Metalldrücker. A«»»«! Donnerstag, den 27. Februar, abends 6 Uhr: Versammlung alter auf Eisen beschäftigten Drücker im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: f. Tie Konkurrenz der Unternehmer und die Stellung der Arbeiter dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, die zurzeit nicht aber sonst im allgemeinen au, Elsen be- schästigt sind, haben ebenfalls Zutritt. Ganz besonders sind die Drücker der Emaillierwerke dazu eingeladen. � 113/11 Die Ortsverwaltung. Zahlstelle Iterllu. Mittwoch, den 26. Februar, abends 8 Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97: General-Bersammlung. TageSo rdnung: 1. Jahresbericht 1912. 2. Neuwahlen und Bestättgung der laut Ortsstatut� 3. Neuwahl von zwei Revisoren. 4. Verbau h-it-n und Verschiedenes. __—■ Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt! -,iecht zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Hansarzt-Terein Gesundbrunnen. Mittwoch, de» 26. Februar, abends 8'/° Uhr, in Ballschmieders Kastanicnwäldchen. Badstr. 15/15: Öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr..Tloses über: Der allzureiche Kindersegen im Arbeiterhaus. Diskussion. Fragebcantwortung. ' Eintritt frei! Aufnahmen für den Berein werden in dieser Bersammluog entqeacuqcnommcu, sowie auch beim Vorsiftcndcu Otto Wölke, Bruuneostr. 84. 2S3/i� ! Funktionäre ldsangelegen- 23/3 7M WERFT imulli"rachl Irunk Gesundes, magenstärkendes Getränk Kein Branntwein— Kein Likör :: in jedem Restaurant:: a Glas lO Pf., a Flasche 95 Pf. 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Unser Rcichstagswahl- .reis zerfällt in drei Landtagswahlkreise: Ncukölln-Schöneberg, Charlottenburg, Tcltow-Becskow-Wilmcrsdorf. Die beiden erst- genannten haben je einen, der letztgenannte hat zwei Abgeordnete zu wählen. Unsere Wahltaktik ist durch die Beschlüsse des preußi- ichen Parteitages vorgeschrieben. Demnach haben wir in allen drei Kreisen bei der Urwahl selbständig vorzugehen. Was wir nachher bei einer etwaigen Stichwahl machen, darüber werden wir tpater Beschlutz zu fassen haben. Wir hoffen, datz es in Neukölln- «chönebcrg überhaupt nicht zur Stichwahl kommt, sondern datz wir den Kreis im ersten Wahlgang erobern. Bei der vorigen Wahl stihlten uns ja nur wenige Stimmen an der absoluten Mehrheit. Vur durch das geschlossene Eintreten der Konservativen für den freisinnigen hat dieser das Mandat erhalten. Seit 1908 sind die Verhältnisse für uns noch günstiger geworden. Von besonderem Dorteil für uns ist, datz die Bevölkerung in Neukölln weit stärker zugenommen hat als in Schöneberg. Wenn wir uns die gute Organisation in Neukölln und unsere Erfolge bei den dortigen Stadtverordnetcnwahlcn vor Augen halten, dann können wir mit den besten Hoffnungen in die Wahl treten. Wenn die Genossen im Wahlkreise Neukölln-Schöneberg ihre Schuldigkeit tun, dann mutz der Sieg unser sein.— Nicht so günstig sind unsere Aus- fichteil in Charlottenburg. Doch das liegt nicht an uns, sondern an der Zusammensetzung der Bevölkerung. Doch haben wir bei her vorigen Wahl einen ganz schönen Achtungserfolg gehabt. Wenn sich diesmal wieder drei Parteien gegenüberstehen, dann ist es nicht ausgeschlossen, datz wir in Stichwahl kommen. Für diesen Fall werden wir dann das weitere abzuwarten haben.— Anders liegen die Verhältnisse im Landtagswahlkreise Teltow-Beeskow. Wir haben 1903 und 1998 entsprechend unserer Stärke ein Mandat verlangt, aber die Liberalen haben sich darauf nicht eingelassen. Infolgedessen standen wir Gewehr bei Futz. Es scheint, datz die Liberalen aus den damaligen Vorgängen nichts gelernt haben. Sie haben mit den Nationalliberalen ein Bündnis geschlossen, welches ihnen ein Zusammengehen mit anderen Parteien, besonders mit den Sozialdemokraten untersagt. Bei der vorigen Wahl stan- den die Liberalen an erster, die Konservativen an zweiter und wir an dritter Stelle hinsichtlich der Zahl der Wahlmänner. Das Ver- hältnis kann sich diesmal verschieben. Es ist möglich, datz wir an die erste Stelle kommen. Wenn es wieder so kommen sollte, datz wir bei der Abgeordnetenwahl den Ausschlag geben, dann haben wir unbedingt die Abgabe eines Mandats zu verlangen, wie es der Beschlutz des preuhlschcn Parteitages fordert. Wird uns das ab- gefchlagen, dann werden wir uns nicht an der Wahl beteiligen. Mögen auch die Liberalen schreien, datz wir durch unsere Taktik die Reaktion stärken, das wird uns nicht beeinflussen. Nicht wir, sondern die Liberalen sind es, die durch ihr Verhalten die Reaktion stärken. Wenn es ihnen ernst wäre mit der Bekämpfung der Reaktion, dann hätten sie nicht das Bündnis mit den National- liberalen geschlossen. Was von den Fortschrittlern zu erwarten ist, das zeigt das Beispiel von Breslau. Anstatt gemeinsam mit den Sozialdemokraten die drei Breslauer Mandate für die Oppo- sition zu erobern, werden sie durch das Bündnis der Fortschrittler mit den Nationalliberalen der Reaktion ausgeliefert werden. Wir haben uns jetzt die Frage vorzulegen, wie wir uns zu der bevorstehenden Ersatzwahl stellen. Der Kreisvor- stand steht auf dem Standpunkt, datz wir die Ersatzwahl nur im Zusammenhang mit der allgemeinen Wahl betrachten können. Die Freisinnigen babcn uns erklärt, daß sie uns für die Hauptwahl keine Versprechungen machen können. Darauf haben wir erklärt, unter diesen Umständen können wir unsere Wahlmänncr nicht be- wegen, für den freisinnigen Kandidaten einzutreten. iBravoll Die Freifinnigen hoffen trotzdem auf den Sieg. Der freisinnige Abge- ordnete D e l i u s soll kürzlich in einer Versammlung gesagt haben, ein sozialdemokratischer Landtagsabgeordnetcr habe ihm mitgeteilt, für die Ersatzwahl gelte der Beschlutz des Parteitages nicht. Ich kann erklären, datz kein Mitglied unserer Fraktion über diese Angelegenheit mit dem Abgeordneten D c l i u s ge- sprachen hat. Herr D e l i u s hat vielleicht geglaubt, durch seine Aeutzerung Stimmen unserer Wahlmänner für seine Partei zu ge- Winnen. Ich glaube, er hat dazu beigetragen, unsere Genossen noch mehr abzustoßen.(Zustimmung.) Wir handeln bei der Er- satzwahl nach denselben Grundsätzen, die uns für die Hauptwahl matzgebend sind.(Beifall.) Als Kandidaten für die Hauptwahl schlägt der Vorstand vor für den Wahlkreis Neukölln-Schöneberg den Genossen H u e. der als guter Renner der Bergarbciterverhältnisse besonders geeignet ist, die Interessen der Bergarbeiter im Landtage zu vertreten. Für den Kreis Teltow-Beeskow schlagen wir an erster Stelle den Genossen H o f e r(Ostpreußen) und an zweiter Stelle den Ge- nassen G r o g c r vor. Für den Kreis Charlottenburg schlagen wir den Genossen Z i e t s ch vor. Ich ersuche Sie, Parteigenossen, stellen Sic Ihre ganze Kraft in den Dienst der Organisation. Unser Reichstagswahlkreis ist seit zwanzig Jahren sozialdemo- kratisch vertreten. Sorgen Sie dafür, daß, wenn nickt alle drei, so doch der eine oder andere Landtagswahlkreis einen Sozialdemo- kraten in das Abgeordnetenhaus schickt.(Beifall.) Die Versammlung erklärte sich einstimmig für die Aufstellung der vorgeschlagenen Kandidaten. Folgende Resolution wurde gleichfalls einstimmig ange- nommcn: „Die Kreisgeneraloersammlung beschließt, den Kreisvor- stand zu bevollmächtigen, nack Prüfung der Verhältnisse die er- forderlichen Entscheidungen in der Taktik zu den Landtags- wählen auf der Grundlage der vom preußischen Parteitage be- schlossenen Resolution zu treffen. Der Kreisvorstand wird auch ermächtigt, zu entscheiden, ob die Wahlmänner bei der Landtagsersatzwahl an der Abgeord- netenwahl teilnehmen sollen." Im Hinblick auf Vorkommnisse bei den jetzt stattgehabten Wahlmännerersatzwahlen wurde folgender Antrag angenommen: „Die Kreisgeneralversammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis davon, datz einige Genossen bei der LandtagSersatzwahl ihr Wahlrecht nicht ausgeübt haben. Sie weist die OrtSvereine an, die einzelnen Fälle zu prüfen und an den Zentralvorstand Bericht zu erstatten." Als Obleute der Wahlkomitees wurden bestimmt: Radke für Neukölln-Schöneberg, Riedel für Teltow-Beeskow, Harnisch für Charlottenburg. Der nun behandelte Punkt der Tagesordnung betrifft die Reorganisation der Wahlvereine. Der Referent Pagels verwies auf den Beschlutz der Generalversammlung von Grotz-Berlin, welcher die Erörterung der Rcorganisationsfragc den Wahlvereinen übertragen hat. Er hält es im Interesse der Schlagfcrtigkcit der Organisation als not- wendig, daß die Beitragskassierung aus den Zahlabenden beseitigt und die Hauskassierung eingeführt wird. Für den guten Erfolg derselben beruft sick der Redner auf die Erfahrungen, die «r dritte Hamburger Wahlkreis guj dcx Hauskasswxuug, big es,. 1905 einführte, gemacht hat. Da der Kreis Hamburg III das aus 33 Ortschaften bestehende Landgebiet umsaht, � fo eignet er sich zu einem Vergleich mit dem. Kreise Teltow-Beeskow, der allerdings 269 Orte hat. Hamburg III hat 25, Teltow-Beeskow 52 Orts- vereine. Bei der Reichstagstvahl 1912 stimmten in Hamburg III 59 Proz., in Teltow-Beeskow 48 Proz. der Wahlberechtigten für uns. Hinsichtlich der Mitgliederzahl steht aber Hamburg III mit 46,3 Proz. der sozialdemokratischen Stimmen viel günstiger da als Teltow-Beeskow, wo nur 29 Proz. der sozialdcmokratisckcn Wähler der Organisation angehören. In Hamburg III ist die Fluktuation viel geringer, die Organisation also viel stabiler als in Teltow- Bceskow. Tie günstigeren Verhältnisse in Hamburg III führt der Redner in der Hauptsache auf die Hauskassicrung zurück. Schon im Jahre nach Einführung derselben babe sich der Erfolg in Hamburg gezeigt. Die Hauskassicrer hätten ja nicht nur die Möglichkeit, die Mitglieder dem Verein zu erhalten, sondern auch neue Mitglieder zu gewinnen.— Es wird nun gesagt, nach Ein- führung der Hauskassicrung werde niemand mehr den Zahlabend besuchen und dadurch würden die Parteiarbeiten erschwert werden. (Sehr richtig!) Diese Bedenken bestehen doch nur erst in der Theorie.(Lebhafte Zurufe: Sehr richtig!) Die Erfahrungen in Hamburg haben doch gezeigt, datz die Kleinarbeit durch die Haus- kassierung nicht beeinträchtigt ist. Sic hat so wesentliche Vorzüge, daß auch wir sie einführen sollten, was sehr wohl möglich ist.— Der Referent beantragte, die Hauskassierung vom 1. April ab in allen Wahlvereinen einzuführen und den Hauskassiercrn eine Eni- schädigung von 2 Pf. für die umgesetzte Männermarke und 1 Pf. für die Frauenmarkc zu gewähren. Scholz-Neukölln begründete einen Antrag seines Wahlvereins, der einen Zusammenschluß der acht Wahlkreise Groß-Berlins zu einem einheitlichen Bezirksverband fordert. Mit dieser Zentrali- sation— sagte der Redner— müsse der Anfang der Rcorgani- sation gemacht werden, denn sie sei für die Erledigung der Partei- arbeiten wichtiger als die Frage der Hauskassierung. Grotz-Berlin müsse eine einheitliche Parteiorganisation bilden. Sie könne in Agitationsbezirie geteilt werden. Die Abgrenzung der Organi- sation nach Reichstagswahlkreisen sei ja historisch geworden, aber praktisch sei sie nicht. Tie Abgrenzung der Landtagswahlbezirke und der Stadwerordnetenwahlbezirke sei eine andere als die der Reichstagswahlkreisc. Die Technik der Landtagswahlen und der Stadtverordnetenwahlen sei viel komplizierter und die Vorarbeiten schwieriger als die für die Reichstagswahl. Es sei also gar kein Grund für die Beibehaltung der einzelnen Reichstagswahlkreis- organisationen. Der Zusammenschluß der acht Berliner Wahl- kreise zu einer einheitlichen Organisation würde auch die Erledi- gung der Parteiarbeiten wesentlich vereinfachen und Zeit und Kraft sparen. Ueber die Frage der Hauskassierung traten in der Diskussion verschiedene Meinungen zutage. Sie bezogen sich weniger auf grundsätzliche Bedenken als vielmehr auf die Regelung im ein- zelnen, die Kostendeckung und dergleichen. Einigkeit herrschte dar- über, datz die Aufklärungsarbeit, die durch die Zahlabende nicht in der gewünschten Weise geleistet worden sei und geleistet werden könne, nicht vernachlässigt werden dürre und nach Einführung der Hauskassierung in irgendeiner Weise für die politische Weiter- bildung der Parteigenossen gesorgt werden müsse. Die Versammlung erklärte sich durch Beschlutz grundsätz lich für die Hauskassierung und beauftragte den Jen- tralvorstand, in Verbindung mit den Funktionären den Zeitpunkt ihrer Einführung und die Modalitäten ihrer Durchführung festzu setzen. Der Antrag Neukölln, welcher sich auf den Zusammen- schlutz der acht Wahlvereine bezieht, wurde an Groß- Berlin überwiesen. Angenommen wurde ein Antrag, welcher besagt, datz nach Einführung der Hausiassierung für die Zahlabendbczirke Zu- sammenkünfte für die Erledigung der Kleinarbeit und für größere Bezirke oder Abteilungen Agitationsvcrsammlungen zu vcran stalten sind. An Stelle von zwei auS dem Zentralvorftande ausgeschiedenen Mitgliedern wurden Genossin Rhneck und Genosse Ewald ge- wählt. An Grotz-Berlin wurde ein Antrag überwiesen, welcher verlangt, datz zur Verbreitung der Wahrheit über die Er- eignisse von 1813 und zum Protest gegen die hurrapatrio- tische Ausschlachtung derselben noch vor den Jubiläumsfeiern eine Reihe von Versammlungen einberufen werden. Der Wohlvcrein Charlottenburg beantragt: Die Generalversammlung erklärt sich mit der Tätigkeit des preußische» Parteitags, insbesondere mit seiner Stellungnahme zur Taktik des Landtagswahlkampfes einverstanden. Nachdem inzwischen der Parteitag der Fortschrittlichen Volks- Partei aufs neue bewiesen hat, datz von keiner bürgerlichen Partei Unterstützung im Kampfe gegen die preußische Reaktion und zur Erringung einer ernsthaften Wahlreform zu erwarten ist, spricht die Generalversammlung die Erwartung aus, datz die Parteileitung nunmehr einen ernstlichen Kampf um das Wahlrecht einleiten wird, bei dem jedes geeignete Kampf- mittel, insbesondere der politische Massenstreik ins Auge zu fassen ist. Auf Vorschlag des Vorsitzenden B ö s k e wird der Antrag da- durch erledigt, datz die Versammlung ihn zur Kenntnis nimmt, in der Erwartung, daß die"Parteileitung den Beschlüssen des Jenaer Parteitages, mit denen sich der Antrag deckt, Rechnung trägt. Dem Zentralvorstand wurde folgender Antrag des Wahlvereins Lankwitz überwiesen: - Die Krcisgeneralversammlung, welche die Neueinteilung der Delegierten zu den Verbandsgeneralversammlungcn zu Berlin regelt, wird ersucht, den kleinen Orten die bisherige Anzahl Delegierter zu belassen und die in Zukunft in Frage kommende Mitgliederzahl auf die größeren Orte zu verteilen, eventuell auf Wahlvereine bis 199 Mitglieder 1, von 199 bis 299 Mit- gliedern 2, von 299 bis 599 Mitgliedern 3, von 599 bis 1999 Mit- gliedern 4 Delegierte usw. Der Vorsitzende B ö s k e schloß die Versammlung mit einem Hinweis auf die bevorstehenden Landtagswahlen, für die die Ge- nassen ihre ganze Kraft einsetzen müssen, um unserer Partei den Erfolg zu sichern._ Hus Induftrie und f)andeL Vom Terrorismus des Spiritusriuges. Bekanntlich ist nur der Boykott der Arbeiter ein fluchwürdiges Ding. Wenn ihn aber Unternehmer üben, wird er zu einer selbstverständlichen oder gar lollcnswerten Sache. Das neue Brannttveinsteuergesctz verbot den Verlauf von Brcnnspiritus ig. geringeren Mengen als einem Liter. Die Be- stimmung ivar zugunsten der Spiritus-Zentrale aufgenommen worden, damit sie eine bessere Kontrolle über die Abnehmer aus- üben könne. Jeder Konsument war also gebunden, mindestens Brennspiritus im Werte von 35 Pfennigen zu kaufen und dazu die Flasche für 15 Pf. zu erwerben, auch wenn er nur für 5 Pf. Verwertung hatte. Durch Betreiben der.Verbände der De- taillistcn änderte der Bundesrat diese Bestimmung um und ge- stattete vom 1. Oktober 1912 ab, unter bestimmten Voraussetzungen, wieder die Abgabe unter einem Liter. Von diesem Rechte machte xiu großer Teil der Kändlex Gebrauch und erwirkte von der, Steuerbehörde, nachdem das Bedürfnis nachgewiesen war, die Er- laubnis zum Verkauf. Jetzt tritt aber die„B r e n n s p i r i tu s G. m. b. H.", eins Tochtergesellschaft der Spirituszentrale, aus und ver- langt von Berliner Händlern die Unterschrift eines Reverses, worin sich diese verpflichten sollen, Spiritus unter einem Liter nicht zu verkaufen. Wer sich lvcigcrt, erhält überhaupt keinen Spiritus. In einem vorliegenden Schreiben droht die Brenn- spiritus G. m. b. H.„wir bitten Sie, uns den Revers unter- schrieben umgehend zurückzusenden, damit Verzögerungen in der Erledigung Ihrer Aufträge nicht ein- treten könne n". Was der Bundesrat ausdrücklich gestattet, verbietet das Privatmonopol den Händlern aus eigener Macht- Vollkommenheit von neuem. Auch die übrigen Bestimmuirgen des den Händlern abvcr- langten Reverses sprechen der Freiheit deS Verbrauchers Hohn. So erklärt die Brennspiritus G. m. b. H., datz sie den Abnehmern Rechnungen nicht erteilt, also eine schriftlickc Kontrolle unmöglich machen will, und datz sie weniger als 29 Flaschen nicht �liefert. Das läuft auf eine recht erhebliche Belastung der kleinen Seifen- Händler hinaus, da ja nur gegen Barzahlung Spiritus von der Gesellschaft abgegeben wird. Die Nationalbank für Deutschland veröffentlicht als zweite der Berliner Großbanken ihre Abschlutzziffer« für 1912. Danach hat die Bank ungünstiger gearbeitet als im Vor- jähre. Der Bruttogewinn ist von 13,285 Millionen auf 13,218 Millio- neu, der Reingewinn von 9,155 auf 8,759 Millionen g e<« funken. Der Gewinn setzt sich zusammen aus: 1912 gegen 1911 Mark Mark Wechsel- und Zinsen-Konto.. 7 471 763,28 7 191 469,99 Provisions-Konto..... 4145 928,99 4 919 289,76 Sorten- und Coupons-Konto. 99 549,37 82 819,14 Effekten- und Konsortial-Konto. 1 941 241,48 1 796 412,94 Infolge des höheren Zinsfußes. sind die Einnahmen aus dem Wechsel- und Zinsen-Konto und auch aus dem ProvisionSlonto gegen 1911 um 595 999 M. gestiegen. Ein gleiches zeigt sich bei dem Geschäft niit Sorten und Coupons, wo die Steigerung 8999 Mark betrug. Einen starken Rückgang weisen dagegen die Einnahmen aus dem Effektengeschäft und auS Beteiligungen auf. Der Rückgang von Neuemissionen im Jahre 19l2 hat wohl in erster Linie daran teil. Um fast 799 999 Marl beträgt die Gewinnminderung aus diesem Konto. Von dem Reingewinn von 8,759 Millionen werden wie im Vor- jähre sieben Pw ozent Dividende auf daS 99 Millionen be- tragende Aktienkapital gezahlt werden. In der Bilanz fällt unter den Aktiven der Rückgang der Reports und Lombards um 43 Millionen Mark auf, was wahrscheinlich auf die geringere Beteiligung deS privaten Publikums an der Börsenspekulation zurückzuführen ist. Kapitalserweiterung von Siemens-Schuckert. Obgleich der Siemens-Schuckert-Konzern erst im Januar diese? Jahres von einer im vergangenen Jahre beschlossenen Anleihe 19 Millionen Mark 4E„prozentiger Schuldverschreibungen ausgab, sucht er jetzt bereits wieder Kapitalien aufzunehmen. Als Form ist ebenfalls die Ausgabe von Schuldverschreibungen gewählt, ivas für die Verwaltung der Gesellichaft den Vorzug hat, datz sie nicht wie bei der Aktienausgabe die Zustimmung der Generalversammlung ein- zuholen braucht. Der Geiamlbedarf der Siemens-Schuckert-Werke G. m. b. H. beträgt etwa 25 Millionen Mark. Er wird zu gleichen Teilen von der Elektrizitätsaltiengesellschast vorm. Sckuckert u. Co. und der Siemens u. Halske A.-G. aufgebracht werden. Die Schuckert« Gesellschaft nun beschafft sich den auf sie entfallenden Teil durch Ausgabe von 15 Millionen Mark 4>/zprozcntiger Obligationeu. Wcltproduktion von Petroleum. Nach eine» von der»Deutschen Petrvleum-Aktiengesellschaft� gefertigten Statistik betrug die Gesamt-Rohölprodultion der Welt im vergangenen Jahre 47 199 999 Tonnen gegen rund 46 199 999 Tonnen in 1911. Die Steigerung erklärt sich dadurch, datz die Vereinigten Staaten rund 899 999 Tonnen<29663927 in 1912 gegen 28 878 879 in 1911) mehr produziert haben: Rußland etwa 119 999 Tonnen mehr(9 263 566 Tonnen gegen 9 151829 Tonnen in 1911). Dabei ist beachtenswert, datz die Produktion auf den Bakuer Feldern um über 299 999 Tonnen zugenommen und damit den Rückgang von Grosny mehr wie ausgeglichen hat. Rumänien hat eine Produktionszunahme von ungefähr 269999 Tonnen(1896942 Tonnen in 1912 gegen 1 544 847 Tonnen in 1911). Dagegen verzeichnet Galizien einen Produktionsrückgang von etwa 275 999 Tonnen (1455 969 Tonnen in 1912 gegen 1 189 568 Tonnen in 1911). Von den übrigen Produktionsländern ist noch zu erwähnen Mexiko, das mit einer Produktion von 2 199 999 Tonnen eine mehr als zehn- prozentige Produktionszunahme ausweist, während Niederländisch« Indien, dessen Produktion wegen des großen Benzingehalles für die Benzinversorgung von Westeuropa eine nennenswerte Rolle spielt, einen Produktionsrückgang von rund 19 Proz.(1529 999 Tonnen in 1912 gegen 1679 668 Tonnen in 1911) zu verzeichnen hat. In den Jahren 1996 und 1912 betrug der Anteil der ver- schiedenen Gebiete an der Weltproduklion: 1996 1912 in Proz. inMill.To. in Proz. Vereinigte Staaten.. 58,39 29,664 62,98 Rußland.... 28,73 9,264 19,67 Rumänien.... 3,12' 1,897 3,83 Galizien.... 2,68 1,181 2,59 Niederb-Jildicu.. 3,87 1,529 3,23 Mexiko......— 2,199 4,46 Britisch-Jndien.. 1,88 9,999 1,91 Japan..... 0,89 0,230 9,53 Deutschland... 0,29 0,140 0,30 Die übrigen Länder 9,33_ 0,275 0,59 Weltproduktion 100 Proz. 46,096 100 Proz. WafferftandS-Rachrichteu der LandeSanftalt für Gewässeriundc, mitgeteilt vom Berlmer Wetterburean Wasjcrstand M e m e t, Tilsit Preael, Jnslerburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor . Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordanlm Elbe, Leiwieritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau') , Ratbenoti)*) Sprae, Svremberg� , Beeslaw Weser, Münden Minden Rhein, Marimiliansau , Kaub Köln Neckar, Heilbrvnn Main. Hanau Mosel, Trier l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') lluterpegcl.— tu Tilsit eisfrei.- EiSstanh.- Treibeis.-«) Eisfrei.' Sie sich diesen Apparat sofort kommen! ikdor andere SpredvApparate, sowie über vioita«.ceiu. MMdoifa«n, j)yirsenden denselbenkostenlos ualiarrea« Zwhem, spielende Mosfkwerke «r»«,. Sie brauchen kein Geld dazu Cigarette Stück 4 Pfennig:. 5 Tage zur Probe nebst 20 ausgewählten Stücken auf 10 doppelseitigen 29 cm großen Pathe- Platten.— Haben Sie schon einmal Pathe-Platten gehört? 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