Nr. 52. fl bo nncmcnts-Bedingungen: Abonnements- Preis vrännmerando: Lierieljährl. 3,10«IM., monotl. 1,10 DM.. wöchentlich 28 Psg. frei ms Hans. Einzelne Nunnner 5 P'g. Sonntags- nuinmcr mit illnstrierlcr Ionntags- Vellage„Die Deue ZZelt" 10 Pfa. Post- Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preieüste. Unter ttrenzband für Deutschland und Oestcrrelch- Ungarn 2 Mark, für dos übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabvnncmcnts nehmen ain Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Sumömen, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. vie Tntertions-- Gebühr veirägt für die sechsgespaltene Uolonel- zolle oder deren Raum 90 Pfg., für politische und gewerkschasUichc Vereins- und Versnmmmngs-Anzeigen 30 Pfg. „Uteine Xnreigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(julöffig 2 fettgedruckte Worte), jedes Iveitcrc Wort 10 Pfg. Eiellengesuche und Echlofstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über lü Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer»lüssen bis » Uhr nachmittags in der Erpedstion abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crfötint täglich außer lllontagr. Verlinev DolK�blakk. .Telcgramni- Adresse! „Soalalilemslirat»er»»-. Zcntralorqan ddr fozialdcmokratifcben parte» Deutschlands. Rcdahtlon: SÜ3. 68, Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplaff, Nr. 198Z. Somttag, den 2. März 1913. Expedition: 8 Tl. 68, I�indensvrasse 69. Fernsprecher: Amt Morihplaff. Nr. IS&l. für das Recht der Frau! In dem Lande, in dem jetzt am heftigsten von allen europäischen Staaten um das Wahlrecht der Frau gekämpft wird, lautet ein Grundsatz der Staatsverfassung: No taxation without representation— Keine Besteuerung ohne Wahlvertretung! Wenn dieses Prinzip, das einst vom dem erwachenden und erstarkenden Bürgertum als Kampfruf gegen die Willkürhcrrschaft des Absolutismus und Feudalismus geprägt wurde, heute in den kapitalistischen Bourgeois- staaten wirklich Geltung hätte, würden die Frauen des arbeitenden Volkes die bevorzugtesten Wähler fein. Denn wo gäbe es einen Stand, der härter besteuert wäre als die Frauen l Nicht allein die Steuern igi staatsrechtlichen Sinne lasten auf ihnen ebenso schwer wie auf den Männern; die Frauen unserer Zeit müssen dazu noch alle Bürden tragen. die in früheren vorkapitalistischen Zeiten ihre einzige Sorge waren. Wie einem Träger, dem man neue Lasten aufbürdete, ehe man die alten nahm, ohne sich zu kümmern, wie er seine Ausgaben löst, hat der Kapitalismus die Frau hartherzig in neue Verhältnisse mit neuen Aufgaben getrieben, ohne ihr die Erfüllung der alten zu erleichtern. Die Feinde der Gleichberechtigung beider Geschlechter suchen allerdings noch immer sich selbst und den Fordernden vorzutäuschen, daß auch heute noch die Frau nur die gleichen Pflichten und daher auch Rechte habe wie vor hundert Jahren. Nur durch eigene Schuld werde der Pflichten kreis überschritten. Denn daß die tatsächlichen Leistungen der Frau heute ganz andere sind als je zuvor, vermag auch der in die blindeste Theorie verrannte Reaktionär nicht zu leugnen. Was wollen aber alle Klagen über diese Entivickelung, die in einigen Jahrzehnten die Scharen der arbeitenden Frauen vcr- Vielfacht hat und heute Millionen von Töchtern, Gattinnen und Müttern in den Fabriken. Kontoren. Lüden, Arbeits zimmern festhält. Was sollen auch die Behauptungen über den Mangel an körperlicher und geistiger Befähigung, wo ein Beruf nach dem anderen von den Frauen neu erobert wird. Nicht nach erweiterter Tätigkeit rufen heute die Frauen in erster Linie, sondern nach Ruhe und Be- freiung. Gerade die Frauen, denen das Recht auf Arbeit so voll gemessen worden ist, daß sie schier daran ersticken, schreien nach dem Recht, ihren Pflichlcnkrcis wieder auf das Erträgliche beschränken zu können. Statt die geforderten Rechte zu gewähren, schütteten die herrschenden Klassen aber nur neue Pflichten über das �schwächere" Geschlecht aus. Außer dem Hause die harte, kräftezerrüttendc Berufsarbeit, im Hause die Sorge um Nahrung und Notdurft der Familie— das ist das unentrinnbare Los der Proletaricrin! Die erwerbstätige Mutter reißt die Gesellschaft vom Säugling und Kinde, aber sie verweigert den notwendigen Schutz für die Pflegebedürftigen. Nicht ein- mal das Recht gibt man der Mutter, selbst ihre Klagen und Forderungen innerhalb der gesetzgebenden Faktoren zum Ausdruck zu bringen und durchzusetzen. Die Parlamente in Staat und Gemeinde sind ihr verschlossen, wenn sie die Vcr- Wendung der von ihrer Arbeit und Steuer mitaufgcbrachten Gelder zugunsten besserer Säuglings- und Äinderfürsorgc befürworten will. Man raubt ihr das Heim, aber sie darf nicht einmal mitraten, wie man durch eine Wohnungsrcform es ihr wiedergeben kann. Man richtet über ihre oder ihrer Kinder Vergehen gegen die staatliche Ordnung; sie selbst aber hat keinen Einfluß auf die Rechtsetzung oder auch nur Aus- legung dieses Rechts. Selbst wo es sich um die Be- Wertung der angeblich oder tatsächlich so besonders komplizierten und der männlichen Psyche schlechterdings nicht zugänglichen weiblichen Seelenzustände handelt, schließt man die Frau und Mutter von Gesetzgebung und Recht- sprcchung aus. Selbst wenn die Frau auf den engen Kreis ihrer häuslichen Pflichten beschränkt wird, muß ihr Interesse an der Erlangung des vollen�StaatSbürgerrcchts wach werden durch den Brot- und Fleisch»vuch er. Hunger und Not � treiben bessere Aufklärung auch unter den weiblichen Massen. als es je die angebliche Hetze einiger emanzipierter Frauen tun könnte. Gerade die Hausfrau und Mutler empfindet es am bittersten, wenn Junker und Minister zur Bekämpfung der Teuerung höhnisch die Eindämmung der VerschwendungS- und Genußsucht in Arbeiterfamilien empfehlen. Die Frau wird mit berührt, wenn die Wellen der ernstesten politischen Ereignisse bis in das nach verlogenen Schilderungen noch immer idyllische traute Familienheim schlagen. Gerade in den letzten Wochen und Monden hat jede selbstbewußte Frau eS als Unrecht und Schmach empfunden, daß sie von den wichtigen Erörterungen und Be- schlüssen über die auswärtige Politik ausgeschlossen sein soll. Das Kriegsgespenst würgte auf dem Balkan und drohte auch die euro- päischen Großmächte gegeneinder zu hetzen. Die in den Härten der autzerhäuslichen Tätigkeit aufgewachsene Frau erträgt es heute nicht mehr, daß sie stumm warten soll, bis man ihr den Gatten und Sohn von der Seite reißt und sie selbst wirtschaftlicher Not oder gar körperlicher Mißhandlung aus- setzt, will es nicht dulden, daß sie kein Mitbestimmungsrecht über ihr eigenes Wohl und Wehe haben soll. So ist in den Frauen die Erkenntnis gereist, daß ihre Wünsche und Forderungen nur erfüllt werden können, wenn ihnen das Wahlrecht gegeben wird. In allen kapitalistischen Staaten sind daher die Frauen am Werke, sich dieses Recht zu erringen. Auch das letzte Jahr brachte wieder eine Reihe großer Fortschritte auf dem Gebiete des Frauenwahlrechts. In D e u t s chl a n d allerdings sträuben sich Staats- und Gemeindeverwaltung noch immer energisch gegen jedes, auch das kleinste Zugeständnis. Die Anträge der Sozial- dcmokratie, die Petitionen der bürgerlichen Frauenrecht- lerinncn wandern fast immer ohne weiteres in den Papierkorb. Und das nimmt kein Wunder. Sind doch selbst den Männern noch längst nicht die gleichen Rechte zugebilligt. Gerade in Preußen kämpft das Proletariat seit Jahren gegen das D r e i k l a f s e n w a h I u n r 0 ch t. Und in diesem Frühjahr wird der Streit bei den Wahlen von neuem entbrennen. Daß die Junker und das Zentmin auch in der Frage des Flauem Wahlrechts den Hort der Reaktion bilden, nimmt kein Wunder. Aber auch die liberalen Parteien versagen immer wieder, wo es sich um ein klares entschiedenes Eintreten zugmisten der politischen Gleichberechtigung der Frau handelt. Die klägliche Stellungnahme der Freisinnigen auf ihrem letzten Parteitag in Mannheim bot dafür einen neuen Beleg. Diese Feindschaft gegen das volle Staatsbürgerrecht der Frau hindert die bürgerlichen Parteien nicht, doch um die Mitarbeit der Frau für die eigene Parteiorganisation zu werben. Sogar die konservativen Parteien haben sich gegen die Fernhaltung aller politischen Einflüsse von der Frau er- klärt. Das Zentrum tritt seit kurzem offen für die Politisierung der Frau und die Bildung von besonderen Frauenorganisationen ein. Dieser Seelcnfang wird aller- dings erleichtert durch die Genügsamkeit der bürgerlichen Frauen, die trotz ihrer angeblich weitergehenden Forde- rungen bei den offenen oder versteckten Feinden der Gleich- bercchtigling ausharren. Wenn die bürgerlichen Frauen auch noch immer die Fiktion aufrechtzuerhalten suchen, daß ihr Kampf ohne Unterschied der Partei oder Klasse allein der Befreiung der Frau gelte, so tritt doch das Klasseninteresse in ihren Forderungen und in ihrer Betätigung immer deut- sicher hervor. Tic Aufgabe der Forderung des Reichstags- Wahlrechtes in weiten Kreisen des bürgerlichen Frauen- stimmrechtsverbandes brachte im vergangenen Jahre diese Entwickelung deutlich zum Ausdruck. Nur die Sozialdemokratie hat wirklich das volle Bürgerrecht der Frau aus ihre Fahne geschrieben. Für sie bedeutet das nicht den Kampf des einen Geschlechts gegen die Unterdrückung durch das andere, bei ihr quillt diese Forde- rung heraus ans der innersten Ueberzcugung von der Gleich- bcrechtigung beider Geschlechter. Für die Sozialdemokratie ist dieser Kanipf nur ein Teil des Äanipses gegen die Un- gercchtigkcit und Unterdrückung überhaupt. Um aber das Ziel, die Verwirklichung des Sozialismus, zu erreichen, bedarf sie auch der Mitarbeit der Frauen. Zum dritten Male scharen sich deshalb die Frauen des arbeitneden Volkes, um ihre Schwestern zu sammeln und neue Kämpferinnen auf- zurufen zum Ansturm gegen die Feinde der politischen Gleichberechtigung. Auch im Auslande rüsten die Genossinnen zum internationalen Frauentag. Ueber die Schranken der Nationalität hinweg vereinen sich die Sozialistinnen aller Länder zur Erneuerung des Schwurs, nicht nachzulassen im Kampfe um politische Reformen und zur Verwirklichung des sozialistischen Ziels. Deshalb ergeht auch an Euch, Ihr Frauen. Groß- B c r l i n s, der Ruf. Euch heute den Scharen der entrechteten und doch siegesgewissen Kämpferinnen anzuschließen! Demonstriert in Massen: Für Euer Recht! Für die Beseitigung der Geschlechtsunfreiheit! Gegen jede wirtschaftliche und politische Sklaverei! See neue Aderlaß. Dia„Köln. Ztg." bestätigt heute offiziös, daß die ein- maligen Ausgaben die ungeheuerliche Summe von einer Milliarde übersteigen werden! Die jährlichen Ausgaben stehen noch nicht genau fest; aber niemand zweifelt mehr, daß sie annähernd eine Viertel niilliarde ausmachen werden. Und schon kann man immer häufiger die Andeutung hören, daß mit einer Besitzsteuer allein die Deckung nicht gefunden werden wird; neue indirekte Steuern tauchen drohend am Horizont auf. Auch die~.,Nordd. Allg. Ztg." kommt heute in Abwehr auf die bekannten militaristischen Angriffe auf die Hccrcsvorlagcn zu sprechen und schreibt: „In der Oeffentlichkeit und der Presse zerbricht man sich die Köpfe darüber, warum die Regierung mit der Einbringung der Heeresvorlage zögert. Von einem Zögern kann aber gar nichl die Rede sein, die Vorlage ist eben noch nicht so weit, daß sie bereits eingebracht werden konnte. Auch von einem„Verpasien der Gelegenheit" darf man nicht sprechen; denn der Entschluß, unsere Wehrkraft erneut zu verstärken, ist, wie an dieser Stelle bereiis Mitte Dezember angedeutet wurde, alsbald nach dem Umschwung der Verhältnisse im Südosten Europas gesaßt worden. Wie das zu geschehen habe, be- durste gründlichster Erwägung, und zwar um so mehr, als es für uns nicht auf einen Bluff des Auslandes ankommen, sondern nach dem Ernst der Lage sich nur um den wohlüberlegten, großzügigen Ausbau unserer Wehr in acht unter llusiiutzung des gesamten bisher brach liegenden Teiles des w ehrkräftigen Volkes handeln konnte. llebereilung wäre, wenn irgendwo, gerade hier schädlich gewesen. Die für die Durchführung dieser, wie aller Maßnahmen auf dem Gebiete des Heerwesens grundlegende E n t s ch c i d 1111 g des Kaisers fiel im Januar. Seit Diesem Zeitpunkt sind die beteiligten Stellen der Rcichsregicrung mit Ilebcrtragung der gefaßten Ent- schlüssc in die nun einmal notwendige Etats- und GeseyeSform mit Anspannung aller Kräfte beschäftigt, und wenn cs gelingt, die Vor- läge um die Mitte dieses Monats an den Bundesrat zu bringen, so ist daS eine anzuerkennende Leistung, die allerdings nur derjenige einzuschätzen in der Lage ist, der sie selbst einmal zu leisten gehabt hat. Wenn dann der Reichstag die Vorlage 11 0 ch v 0 r Pfingsten unter Dach bringt, so ist aucki keine Zeit verloren: denn die geforderten Heeresverstärkungen können samtlich frühestens am 1. Oktober 1313 durchgeführt werden. Nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist ein anderer Zeit- Punkt als der Herbst für die Durcuführuug größerer OrganisationS- änderungen nicht möglich ohne eine bedenkliche Erschütterung des GesamtorganiSmus des Heeies und ohne Schädigung der sorgfältigen Ausbildung der bestehenden Truppenteile. Um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, ist es aller- dings erforderlich, daß die Heeresverwaltung s p a t e st e n S u m P s i n g st e 11 die Vorlage zum Gesetz erhoben sieht. Wenn man aber befürchtet, daß die einer großen Hecresvorlage günstige Stiin- mung im Volk und Parlament abflauen könnte, so schätzen wir beide höher ein. Nicht, augenblickliche Stimmungen, sondern die tief- eingewurzelte Ueberzeugung von der Notwendigkeit, unsere Rüstung nachhaltig zu verstärken, wenn wir uns in der Welt fernerhin durchsetzen ivollen, haben der nun in aller Kürze kommende» Vorlage den Boden im deutschen Volke bereitet, wie das seit langer Zeit bei keiner Heeresvorlage der Fall gewesen ist. Daher ist die Ungeduld und die Erwartung im Volke(!) auch erklärlich. Diese wird nicht enttäuscht werden. Auch die Deckungsfrage wird überall lebhaft erörlert. Wie wir erfahren, besteht bei der Reichsleitung die Absicht, die tvegen ihrer Höhe ganz besonders ins Gewicht fallenden einmaligen Kosten der HcereSvorlage durch eine einmalige Ab- gäbe von V e r in ö g e n zn decken. In dieser Angelegenheit findet heute nachmittag auf Einladung des Reichskanzlers eine Be- sprechung der stimmsührendcn Mitglieder dcS Bundesrats statt." Es ist wirklich ein starkes Stück, daß die„Nordd. Allg. Ztg." davon zu sprechen wagt, daß im Volke Begeisterung für diese neuen Rüstungs- und Steueropfer herrsche. Das Gegenteil ist der Fall und mit Zorn und Be- stürz un g sehen die arbeitenden Massen, wie in diesen Zeiten der Teuerung, des sozialpolitischen Stillstandes, der Hetze gegen die Gewerkschaften, in den Zeiten, w 0 nicht ein Dutzend Millionen freizumachen tvarcn für anständige Veteranen- und Witiven- und Waiscnpensionen, Milliarden für j>triegsa»sgabcn vergeudet werden sollen! Die Ausführungen der„Nordd. Allg. Ztg." zeigen übrigens. wie unbegründet die Sorge der hohen Militärs ist, die Re- gierimg Bethmann Hollwcgs könnte den Mut finden, an ihren Forderungen Abstriche zu machen. Es wird alles bewilligt, was die ausschweifendste Phantasie der Benifssoldateska sich mir träumen lassen kann. Das deutsche Volk produziert ja genug Kinder, sind die Söhne des Voltes sind ja in erster Linie da, unt den herrschenden Klassen als lebende Waffen- maschinell zu dienen! Was die„Nordd. Mg. Ztg." über die Deckungsvorlage sagt, ist recht dürstig. Ueber die neuen Steuern erfährt man nichts. Nur daß die einmalig c, Ausgabe durch eine Vcr- mögensabgabc aufgebracht werden soll, wird angedeutet. Nach der„Milit.-pol. Korr." soll� an eine einmalige prozentuale Vermögensabgabe gedacht sein, wobei die Vermögen von 80000 bis 50000 M. frei bleiben würden. Auch die F ü r st e n, die ja sonst keine Steuern zahlen, sollen diesmal zu dem„Opfer" herangezogen werden. Wir sind allerdings der Meinung, daß selbst wenn dieser Plan sich verwirklichte, hie Besitzenden damit ihre Pflicht nur ganz ungenügend erfüllt hätten. Die englische Erbschaftssteuer allein bringt jährlich etwa eine halbe Milliarde. Da wollen sich bic Besitzclidcn iit Deutschland einschließlich der Fürsten von ihrer regelmäßigen Steuerpflicht loskaufen mit einem Betrag der etwa einer jährlichen Zahlung von 40—�0 Millionen entsprechen würde v.! Und damit soll Wohl für die kommenden indirekten Steuern Stimmung gemacht werden? Es ist übrigens bezeichnend, daß dasselbe Blatt, das am eifrigsten und schamlosesten für die Rüstungsvcrniehrung ein- tritt, sofort gegen jede Heranziehung der Besitzenden und namentlich auch der Fürsten Protest erhebt. Sie flndet— und sie muß ja ihre Leute kennen— daß ein solcher Deckungs- plan nicht allzuviel Werbekraft haben würde; sie hält eine solche«Kriegssteuer" für unpraktisch, entsetzt sich schon jetzt vor den„hohen Beiträgen" und malt das Gespenst der„Expropriation" an die Wand! Das sind die wahren Patrioten, die Heydebra'nd- Männer, mit dem Schwert im Maule und der Hand auf dem Portemonnaie. Der deniagogische Kniff der Kriegs st euer wird in Wirklichkeit niemand täuschen. Diesmal werden die Besitzenden nicht so leicht um das Zahlen herumkommen. Mit der Deckung der einmaligen Äusgaben ist es nicht getanl Wichtiger noch sind die st ä n d i g e n Lasten. Da sollen die Besitzenden ihren„Patriotismus" und die„Opferbereitschaft" beweisen. * Die„ ff na n k f u rck e r Zeitung" nennt heute die Summe von 700 Millionen Mark(der Artikel ist vor Kenntnis der neuesten Meldungen geschrieben) phantastisch und schreibt, wie uns ein P r i v a t t e le g r a in m meldet, ferner: „Wenn man solche Zahlen hört, so faßt man sich unwillknr- lich an den Kopf und fragt, ob denn das wirklich das Ergebnis einer ruhigen Ueberlegung ist, die auch die finanzielle Möglichkeit kühl prüft. Man hat hier den Eindruck eines f ö r ni l i ch e n R ii>t u n g s t a u m e l S bei dem man rein suggestiv nur alles zusammenwirft, was irgendwie in militärischen- Kreisen aufgetaucht ist und vom MilitariS- mus vertreten wird, die sich um die Frage, wie die Milte! aufzubringen sind, nie den Kopf zerbrochen haben, die aber auch niemals sich ernstlich die Mühe gegeben haben, für die enormen Mehrlasten, die dem Staat und dein einzelnen zu- gemutet werden, einen Ausgleich durch Entlastungen zu suchen. Solche Entlästüngen sind aber sehr wohl in größerem Um- sauge möglich durch. Beseitigung alles Ueberflüsfigen und durch Berlurznng der Dienstzeit, die sich recht gut durchführen ließe. Wenn man auf manche unnötige Uebungen und auf den Paradedrill verzichtet und alles ani die eigentliche Ausbildung für den Felddieust konzentriert. Aber anstatt an irgendwelche Erleichte- ruiigen zu denken, werden schon jetzt viele Stimmen laut, die weitere Belastungen durch Vermehrung der Uebungen d e r Ak a n n s ch a f t e n des Beurlaubten- st a h des fordern. Gegenüber dieser ins Ungemessenc gehenden Entwickelnng sei noch daran erinnert, daß schon jetzt fast zwei Drittel der'Reichsansgaben solchen militaristischen Zwecken dienen. Diese Lasten betragen jetzt tSOO Millionen M. Und diese Lasten sollen nun so enorin gesteigert werden, daß die Deckung mit einer neuen Steuer keines- wegS ausreichen, vielmehr wieder an ein ganzes Stcuertukett ge- dacht wird. In Ivelcher Zeit leben wir denn, daß man in einem solchen Tempo weiter rüstet, obgleich es doch klar ist, daß die Rüstungsschraube wieder überall im gleichen Maße angezogen werden wird. Das Verantwortlichkeils- gefühl soll doch auch nach der.finanziellen Seite hin sich wieder stärker regen, damit die Grenzen des Erträglichen und, wie wir hinzufügen dürfen, auch die Grenzen der politischen K ku g h e i t innegehalten werden." Das ist ja ganz schön und richtig. Aber wenn den deutschen Militaristen so der Komm geschwollen ist, so trögt daran die Fort- schrittspartei und ihre Presse, von ihren Verbündeten, den nationalliberalen RüstungStreibern gar nicht zu reden, in erster Linie mit die Schuld. Sie haben ja längst jeden Widerstand gegen das gemeingefährliche militaristische Treiben aufgegeben, haben bei den Blockwahlen ihr Süppchen an dem chauvinistischen Feuer gewärmt. Wenn sie sich jetzt bessern sollten, uns soll's recht sein. Tie Wirkung unseres Manifestes. Paris, 1. März.(P r i v a t t e l e g r a rn m des„Vorwärt s".) Das Manifest, dessen deutscher Text in der „Hninanttzö" dem französischeit in deutschen Buchstaben bei- gesetzt war, eregte hier großes Aufsehen. Iaurds nennt es eine Lettion für die Chauvinisten und Scharlatane beider Länderl Auch Compöre Morel begrüßt in einem Artikel das Erscheinen des Manifestes, das die Lüge von dem niiiitaristischen Geiste der deutschen Sozialisten zerstöre. Das Manifest sei ein historisches Datum und werde mehr Werbe- arbeit leisten als zehn Jahre Propaganda. Eine von der sozialistischen Fraktion in, der Kammer gestern eingebrachte Vorlage aus. Gewährung eines Kredits von 150 Millionen Frank für Er- h ö h u n g der L e h r e r g e h ä l t e r, Ausgestaltung des Schulwesens, Anstellung von Schul- ärztcn und Einführung des Fortbildungs- s ch u l u n t e r r i ch t s für Lehrlinge sowie Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 500 Millionen Frank zur Ver- Wendung von Darlehen und Subventionen an Gemeinden für N e u b a u t e n. u n d V e r b e s s e- r u n g der S ch n l g e b ä u d e ruft das Geschimpfe der reaktionären Presse wach, die darin eine Jronisierung der Militärvortagen sehen will. I a u r 5 s stellt in der „Humanit6" die Frage, oh die nationale Erziehung nicht ein wesentlicher Teil der nationalen Verteidigung sei. Die Abendblätter besprechen das Manifest. In seinem Leitartikel wiederholt die„Temps" die Verleumdungen von der Lauheit der deutschen Sozialdemokratie und pöbelt den Genesien I a u r h s in der gemeinsten Weise an.„Journal des Tebats" stellt die dumme Behauptung auf. daß Wollmar und seine Freunde bei der Redigierung des Manifestes die französische Hitzigkeit geinißbilligt hätten.„Libert6" behauptet, das Volk in Frankreich und Teutschland sei patriotisch, die deutschest Sozialisten seien ohnniächtig oder der Regierung gefällig. Das russische Echo. Paris, 1. März. Ter Petersburger Berichterstatter des„Temps" meldet aus angeblich sicherster Quelle, daß die russische R e- g i e r u ii g bereits jetzt die Vermehrung der Mannschafts- bestände durch Errichtung dreier neuen Arniee- k o r p s ins Auge gefaßt habe. Hierdnrch würde die Zahl der rusfi- scheu Armeekorps auf 4t erhöht werden. Die für das laufende Jahr vorgesehene Vermehrung würde eine Schützendivision und zwei In- fantcriedivisionen umfassen. Die Duma werde die militärischen Forderungen der Regierung zweifellos bewilligen. vel'mehrte frieäeiizzusiichten. Aus London kommen sehr bestimmte Nachrichten, die be- sagen, daß die Türkei, bereit, sei, den Mächten unum- schränkte Vollmacht für den Abschluß des Friedens zu gebe«. Diese Nachrichten.finden ihre Bestätigung durch das nachfolgende offiziöse Telegramm der'„Kölnischen Ztg.": K ö l n, 1. März. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Tie englische Regierung und die Bot- schafter der Mächte in London erhielten allem An- scheine nach durch die dortige Vertretung der Türkei eine Mitteilung, nach welcher dieP forte bereit sei, die Vermittelung der Großmächte zur Fest- stellung der Friedensbedingungen auzu- nehmen. Die nächste Aufgabe der europäischen Diplo- matie ist, eine entsprechende Erklärung auch von den Balkanregicrungcn zu erlangen.; 1_ Indem die türkische Regierung den Mächten freie Hand läßt, akzeptiert sie die Bedingungen, die in der bekannten Note der Großmächte gestellt worden sind, und gibt A d r i a° nopel auf. Mau muß hoffen, daß auch die-.Balkanstaaten nunmehr Frieden machen. Ter baldige Abschluß des Friedens würde auch die Aussicht vermehren, den albanischen Streit rasch ins Reine zu bringen. Hier bildet bekanntlich die Frage, lvem Skütari gehören soll, die Hauptschwierigkeit. Bleibt Skutari nun bis zniil Abschluß des Friedens in. den Händen der Türken, so wird es Rußland nicht mehr schwer fallen, zuzustimmen, daß diä Stadi an Albanien komme, wo- niit eine Forderung der österreichischen Diplomatie erfüllt wäre. Was sonst noch von dem albanischen Streit zu schlichten wäre, ist so wenig bedeutend, daß es recht bald' erledigt würde. Sei' Ilforineetot vor dem Reichstage. Man hätte annehmen können, daß das anmutige Zahlen- Verhältnis, das vor einiger Zeit der Staatssekretär des Reichsmarineamts, Herr von'Tirpitz, in der Budgetkom- inission aus der Taufe hob, die muntere Paarung von 10 und 16, in den Reden znni Marineetat eine besonders wichtige Rolle spielen würde. Aber es war nur der sozialdemokratische Redner, der auf diese Formel für das Stärkeverhältnis der deutschen und englischen Flotte kritisch einging. Die bürger- lichen Redner schwiegen darüber mit einer Einmütigkeit und Beharrlichkeit, als hätten sie sich darüber vorher einen feier- lichen Schwur gegenseitig in die Hände geleistet. Sie schwiegen überhaupt über vieles. Man hatte bei den meisten bürgerlichen Rednerirden Eindruck, als ob sie nur redeten, um überhaupt zu reden, um den Marineetat nicht völlig ohne den herkömmlichen parlamentarischen Klingklang zu verabschieden. Der urwüchsig-ostelbische Gardekürassier a. D. Krahmer, der den langlveiligen Sonnabendnachmiiiag durch ebenso unfreiwillige wie unbezahlbare Koniik in er- wünschter Weise belebte, plauderte. in seiner Unbeholfenheit und Herzenseinfalt aus, wie es den bürgerlichen Parteien dem Marineetat gegenüber zumute ist:„wir haben zur Ma- rinevorläge eigentlich nichts zu sagen, wenn wir nicht einige Bemerkungen zu machen hätten". Eigentlich haben sie alle nichts mehr zu sagen. Die deutsche Flotte ist in erstaunlich kurzer Zeit von dem kleinen Admiral Tirpitz aus einer kleinen Flotte, die nach Tirpitzens Meinung damals im militärpolitischen Sinne überhaupt keine Flotte war, zu einer modernen Großflotte geworden, der Tirpitz als Großadmiral vorsteht. Die Flottentreiberei ist so rasch und erfolgreich vor sich gegangen, daß selbst Herr von Tirpitz sich zurzeit den Luxus gönnen zu dürfen glaubt, einen Augenblick zu verschnaufen, damit ihm sein weniger be- weglicher Kollege vom Landheer nachkommen kann. Die bürgerlichen Parteien wissen ihre Marineinteressen bei Herrn von Tirpitz in guter Hut. Was er braucht, muß er haben, denken sie und bewilligen ihn daher alles, was er von ihnen verlangt. An Kleinigkeiten nörgeln sie gelegentlich herum, die einen hier, die anderen da. die einen knurren über kleine Unstimmigkeiten auf den Werften, die anderen streichen etwas an den Messe- und Tafelgeldern herum. Aber Herr von Tirpitz kennt seine Pappenheimer. Wo er nur irgend kann, sagt er bereitwilligst Abhilfe zu: in verbindlicher Weise sucht er durch kleine Geschenke die Freundschaft zu erhalten. Er kann aber auch anders.„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt", hat er vor einigen Wochen dem geschäf- tigen Wiesel der Zentrumsfraktion, dem übereifrigen und dabei manchmal tolpatschigen Erzberger, zugerufen, als er ihni die Messegelder für die Offiziere kürzen wollte. Don be- sondcrer Bedeutung war diese Kürzung vom Standpunkte der Flottenenthusiastcn aus, die Milliarden unbesehen bewilligen. zwar nicht, sie sollte aber eines der kleinen Mittel sein, durch die das Zentrum der gegenwärtigen Bethmann Hollwcgschen Regierung seine Macht zuni Bewußtsein bringen wollte. Das Zentrum hat sich nicht gescheut, den anderen Ministern des Bethmannkonzerns, Bethmann Gollweg selbst allen anderen voran, seine Macht rücksichtslos fühlen zu lassen, so sehr die Gestriegelten auch um gut Wetter baten. Als aber Herr von Tirpitz mit der gepanzerten Faust auf den Tisch schlug, kroch das Zentrum sofort zu Kreuze, es war geradezu ein Schauspiel für Götter, den fluchtartigen Rückzug des vor- witzigen Zentrumsschwabens zu beobachten. Freilich ist Herr von Tirpitz Taktiker genug, seineu Sieg nicht bis zum Ende auszukosten. Er hat dem fliehenden Feinde goldene Brücken gebaut, bis zur ersten Beratung des Marincctats im Plenum ist alles wieder in Ordnung gebracht worden.„In den Armen liegen sich beide und weinen vor Schmerzen und— um ini Erzberger-Schillerschcn Schwabendeutsch zu bleiben— Fraidc." Herr Erzberger hat am Sonnabend eine geradezu be- geisterte Lobeshpnine auf die Flotte im allgemeinen und Herrn von Tirpitz im besonderen angestimmt: und Herr von Tirpitz hat sich glänzend revanchirt. indem er dem Zen- trum das Zeugnis summa cum laude ausstellte, daß ohne seine Hilfe die moderne deutsche Flotte nicht zustande ge- kommeu wäre. Diese gegenseitige Beweihräucherung nach der kleinen Verstimmung, vor allen Dingen aber das kasernenhofmäßige Zusammenklappen des wiederspenstigen Zentrums vor dem Kommando des Herrn von Tirpitz hat seine tiefere Bedeu- tung. Es zeigt, daß vor dem Hauptinteresse der bürgerlich-kapitali st i scheu Parteien der Gegenwart, vor dem imperial! st i scheu Expan- sionsdrange, alle Gegensätze schweigen, alle besonderen Parteiinteressen zurücktreten, daß diesem wichtigsten Faktor das Zentrum sogar seinen gekränkten Jesnitenstolz zum Opfer bringt. Herr Delbrück mag gehen— ein Mann weniger! Herr Kraetke mag sich über die nichtbehilligte Ostmarken- zulage zu Tode grämen— ein anderer tritt für ihn einl Herr Bethmann Hollweg mag an dem Jesuitenantrag er- sticken— Mann über Bord! Aber Herr Tirpitz ist den Flotten- enthusiasten und imperialistischen Drängern vorläufig noch unersetzlich. Ehe man ihn gehen läßt, ninß es schon ganz anders kommen. Darum lenkt man ein, ehe es zu spät ist! Gegen das Zentrum traten die übrigen bürgerlichen Par- teien zurück. Ihre Stimmung dem Flottenwesen gegenüber ist zwar die gleiche wie»die des Zentrums, aber sie sind nicht so schwierig zu behandeln wie die Jesuwiter des Zentrums. Sonst hätte Herr von Tirpitz sich sicherlich überlegt, ob sein dick aufgetragenes Lob an das Zentrum die übrigen Flotten- schwärmer, besonders die nationalliberalen, nicht bitter krän- ken mußte. Herr P a a s ch e quittierte denn auch durch einige kleine Sticheleien darüber, daß ihnen wieder einmal die Zen- trumskutsche vorgezogen wordem ist. Aber auch Herr Paasche will in der Flottenfrage wegen solcher kleinen Rivalitäten in der Liebe„keine Feindschaft nicht". Zwischen den niundflinken Paasche und den dröhnend pathetischen W i e m e r schob sich der schon erwähnte Konser- vative K r a h in e r. Selten erlebt das Haus solche köstlichen Szenen, wie sie dieser Ostelbier eine�Viertelstunde lang im zornigen Kampfe mit der deutschen Sprache, mit der Logik, mit der parlamentarischen Routine, mit den lustigen Zwischen- rufen und mit dem darob höchlichst angeregten Hause auf- führte. Sicherlich wird in Zukunft Herr Oertel auch die Marineangelegenheiten noch zwischen seine parlamentarisch und zircensisch weit geübteren Zähne nehmen, zwischen denen das Haus denn auch nach seinein geistreichen Worte noch aller- lei lesen kann. Jedenfalls machte er am Sonnabend bei den iiiunteren Sprüngen seines Parteifreundes ein Gesicht wie die Katze, wenns donnert. Von den Sozialdemokraten sprach am Sonnabend als erster Redner des Hauses Genosse V o g t b e r r, der sich nicht aufl mariiietechnische Einzelheiten beschränkte, sondern die großen politischen Zusammenhänge, von denen die Flotten- treiberei ein wichtiges Stück bildet, aufdeckte. Er mußte leider nebenbei wieder einen Kampf mit Kaempf, dem Präsi- deuten des Hauses, führen. Der harmlose Greis auf dem Präsidentenstuhle gerät jedesmal grundsätzlich in Unruhe, sobald ein Sozialdemokrat das Wort nimmt: nennt ein sozial- demokratischer Redner den Namen eines bürgerlichen Abge- ordneten oder gar eines Mannes der Regierung, so erhebt Herr Kaempf sich schon voll zitternder Sorge und übt dabei im voraus die Sprcchwerkzeuge. Fällt aber irgendein kräftiges Wort, ganz gleich, ob es sich auf irgend jemand im Hause bezieht, ob es beleidigend ist oder nicht, so schwingt er die Glocke und ruft zur Ordnung. Herr Kaempf sollte es möglichst so einrichten, daß ihn jedesmal einer seiner Kollegen ablöst, sobald ein Sozialdemokrat zu reden anhebt. Er täte sich selbst und seiner Fraktion damit den größten Dienst. Am Montag geht die Beratung weiter. Von der sozial- demokratischen Fraktion ist Genosse N o s k e gemeldet. vor dem Generalllreik in Ungarn. Budapest, 1. März.(Privattelegramm des Vorwärts".) In der Sonnabendsitzung des ungarischen Reichstages sind die kleineren Gesetze noch nicht erledigt worden, so daß das Wahlrechtsgesetz immer noch nicht aus die Tagesordnung gesetzt werden konnte. Allste Wahr- scheinlichkeit nach kann dieses Gesetz erst Dienstag oder Mitt- woch beraten werden. In der Hauptstadt zeigen sich bereits überall die Vor- boten des General st reiks. An allen Straßenecken stehen Trupps von Menschen, die die Plakate, die das Polizei- Präsidium und dkr hauptstädtische Magistrat angeschlagen haben, lesen. Im Plakat des Haupt st ädtischen Magistrats wird das Volk darauf aufmerksam gemacht, sich Lebensmittel für drei Tage im voraus anzuschaffen: zu- gleich enthält dieses Plakat ein genaues Preisverzeichnis der Lebensmittel. Die Rettungsgesellschatt weist die Bevölkerung darauf hin, daß neben den 18 ständigen Aerzten für die Tage des Generalstreiks 250 hauptstädtische Aerzte ango- worden seien. 12 Autos und 30 Waqen stehen bereit, etwaige Verwundete zu transportieren. -t° Die Sonnabendailflage der„Nepszava" wurde wieder wegen Majestätsbeleidigung konfisziert, und da der. Staatsanwalt die Konfiskation bei Nacht vorgenommen hatte, wurde die Expedition nach der Provinz verhindert» Die Redaktion der„Nepszava" hat indessen im Laufe des Vor- mittags eine ziveite Auflage hergestellt und die erste Seite der Auflage ganz freigelassen. Sonnabendnachmittag 2 Uhr kam ein Aufgebot von Polizisten und Detektiven zum Parteibureau und zur Druckerei, um dort Haussuchungen vorzunehmen. Der Ver- sasser einer Flugschrift, die an das Militär gerichtet ist und die Aufschrift trägt:„Proletarier im Soldatcnrockl" hat an- geblich dem Untersuchungsrichter gestanden, daß dieses Flug- Matt in 21/*) Millionen Eremplaren gedruckt wurde. Berber Haussuchung, die unlängst in der Buchdruckerei vorgenommen wurde, konnte kein einziges Exeniplar gefunden werden. Nun hat das Korpskommando in Budapest den Untersuchungs- richter verständigt, daß diese Flugschrift noch iminer in den Kasernen verteilt werde und daß es im Interesse der Sicher- heit der Armee die strengste Untersuchung fordere. So hielt man heute in der Partcibuchdruckerei wieder vom Keller bis zum Boden Haussuchung ab, die ebenfalls kein einziges Exemplar der Flugschrift zutage förderte. **.* Tie vereinigte st/wli am Souiiabend- abend eine.Konferenz ab, in welcher die Taktik sestgelogt wird, ob die Opposition bei der Verhaiidlung des Wahlrechtsgesetzes in den Reichstag geht oder nicht. Tiefer Konferenz wird vom sozialdemokratischen Parteivorstand großer Wert bei- gelegt. � Die Rüstungen der Regierung. Budapest, t. März.(W.?. B.) Der Obcrstadthaupt- mann erläßt folgeudc Kundgebung: Die Sozialdemokraten Hetzen seit Wochen zum Generalstreik auf. was den Bürgern un- ersctzlichcn schaden verursacht. Die AufHetzer begehen ein leicht- sinniges und gewissenloses Werk, durch das sie das Elend der Massen erhöhen. Ter streik, dessen eingestandenes Ziel ist, auf die Freiheit der Entschließung des Parlaments durch schwere Drohungen einen Zwang auszuüben, ist ein Vergehen der Auflehnung. Es ist die Pflicht des Ll berstadthauptmanns, dagegen energisch auszutreten und die Herrschaft der Gesetze, wenn nötig mit Benützung der zur Verfügung stehenden bewaffneten Macht, um den Preis jeden Opfers zu sichern. Er crmahnt daher die gutgesinnte, das Gesetz respektierende Einwohnerschaft, sich nicht zu ungesetzlichen Hand- lungen verleiten und von den Aufhetzer, i nicht mißbrauchen zu lassen, und an dem Streik nicht teilzünehmei». Jeder möge seine gewöhnliche Arbeit fortschcn. Niemand hat daZ Recht, die Ar- beitendcn durch Gewalt oder Drohungen zur Einstellung der Ar- bcit zu zwingen. Die Polizei steht zum Schutze der Bürgerschaft bereit. Eine weitere Polizeiverordnung verbietet während des Streiks Strastenumzüge, Zusammenrottungen und Demonstrationen. Um 7 Uhr abends sind die Haustüren zu bcrschlietzen; es ist untersagt, Fremde einzulassen oder dort zu dulden. In Straßen, in denen Exzesse stattfinden, müssen Haustüren und Fensterläden sofort ge- schlössen werden. Wenn von den Fenstern aus Gegenstände herab- geworfen oder Truppen angegriffen werden sollten, so werden diese sofort von der Feuerwaffe Gebrauch machen. Feuerwaffen zu tragen ist verboten. Die Angestellten und Kinder müssen angewiesen werden, von 6 Uhr abends ab zu Hause zu bleiben und Straßen, in denen Exzesse stattfinden, zu meiden. Die Polizei und die bc- lvaffncte Macht wird mit der größten Energie auftreten. Sollte der Streik zu Exzessen und Verwüstungen ausarten oder ein An- griff auf Truppen unternommen werden, werden diese die Ordnung mit Waffengewalt wiederherstellen und den Gesetzen Geltung ver-, schaffen. Die Bürgerschaft wird aufgefordert, ihrer Arbeit nachzu- gehen und keinerlei Gewalttätigkeit zu dulden; die Obrigkeit wird Arbeitgebern und Arbeitswilligen vollen behördlichen Schutz ge- währen. An 37 Punkten der Stadt werden Truppen in einer Stärke von einer halben bis ganzen Kompagnie aufgestellt werden. pol'tiscde(lebersicdt. Berlin, den 1. März 1913 Die Lage der Bergarbeiter. DaS Abgeordnetenhaus hat am Sonnabend in einer ungewöhn» lich kurzen Sitzung die Beratung des Etats der Bergvcrwaltung beendet. Wiederum zeigte es sich, daß einzig und allein die Sozial- dcmokraten sich der Interessen der Bergarbeiter annehmen. Im Gegensatz zu Herrn Jmbusch vom Zentrum, der, obwohl er noch kein abschließendes Urteil über die Einrichtung der SicherheitS- männer fällen will, doch schon dcS Lobes darüber voll ist, zeigte Genosse L e i n e r t, der unter anderem auch das entsetzliche Un- glück aus der Zeche Lothringen zur Sprache brachte, daß die Sicherheitsmünner nicht genügen, da noch immer zahlreiche Unfälle infolge Nichteinhaltung der bergpolizeilichcn Vorschriften sich ereignen. Nachdrücklichst forderte er einen wirklich durchgreifenden Bergarbeiterschutz, die Beseitigung der Plackereien, die heute vielfach den Sicherheitsmännern bereitet werden und eine strenge Durch- führung der zum Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter er» lassenen Gesetze. Auch das antisoziale Verhallen des Knappschafts- Vereins Klausthal, der den vor 1308 pensionierten Bergarbeitern die Invalidenrente entzogen hat, wurde von unserem Redner einer scharfen Kritik unterzogen. Ain Montag beginnt die Beratung des Etats der Eisenbahn- Verwaltung. Vor den Osterferien, die am 14. März beginnen, sollen alle Etats mit Ausnahme des Kullusetats in zweiter Lesung durchberaten werden.__ Zur politischen Moral des Klerikalismus. Recht nette Zustände im Zentrumslager enthüllt in ihrer letzten Nummer(vom 21. Februar) die hyperkatholische„Köln. Korrsp.". Das Blatt beschuldigt die Bachemiten, einer grund- sötzlichen Auseinändcrietzüng mit der Anhängerschaft der Roeren. Oppersdorfs usw. stets auszuweichen. Statt dessen suche die dache- mitische Clique auf Schleichwegen ihren Zweck zu erreichen. Man verfeme die Anhänger Roerens und boykottiere sie gesell- schaftlich. Widerstrebenden Elementen drohe man„m i t moralischer Vernichtung oder gar mit der Hungerpeitsche". Aus der Fraktion würden„die offenen Anhänger der Ostcrdienstagskonferenz hinausgedrängt oder hinausgeekelt", Die Bachem-Richtung suche ihre Gegner aus allen Stellungen, Gesellschaften und Vereinen, ja s e l b st aus kirchlichen Verbänden hinauszubringcn. Dann heißt es weiter: In einer ziveiten Notiz befaßt sich die«Köln. Korresp." mit den schmutzigsten I n t r�i g e n und Verleumdungen operiert. Ein ganzes S p i o n a g e s y st e m existiert zu dem Zwecke, Informationsreisen werden unternommen bis München; ja, bis Rom; genaue Dossiers werden über ein- zelnc besonders„gefährliche" und gefürchtete Pcrsönllchkeiten ge- führt. Tie Gravamina, die man glaubt gefunden zu haben, werden mündlich oder durch eigene Korrespondenzen weiter- gegeben, und wer den ungeheueren Klatsch kennt, der in katho- lischcn Kreisen grassiert... der wird verstehen, wie bald die verleumderischen Gerüchte... zu den t o l l st e n und gemeinsten Lügen heranwachsen. Es ließe sich ein intcr- essantcs Kapitel schreiben über die christliche Liebe dieser „Christen" der Kölner Richtung. Zu fassen sind die Verleumder natürlich nicht. Keiner will etwas gesagt haben. Aber der . Zweck ist erreicht: Der Gegner ist gesellschaftlich unmöglich, und damit ist im Publikum auch seine Idee ge- richtet. Diese'Kolner Feme trägt an der tvachsenden Erbitterung, mit der der� Zentrumsfireit geführt und durchgeführt wird, die Hauptschuld." In einem zweiten Arfikel befaßt sich die„Köln. Korresp." mit der Verurteilung des Sitzredakteurs des„Katholischen Deutschland" wegen Beleidigung des Zentrumsrcdakteurs Dr. Trimborn-Breslau zu drei Woche» Gefängnis. Demgegenüber schreibt die„Köln. Korresp.". daß von feiten der Bachemiten gegen ihre katholischen Widersacher ganz andere Beleidigungen ausgestoßen worden seien. Sie meint:„Was gegen einzelne Männer wie Roeren, Benign!, Kaufmann. Schopen gesagt und geschrieben wurde, gehört m i t z u dem Infamsten auf dem Gebiete her Polemik. Wenn wir wegen jeher dieser Gemeinheiten klagen wollten, dann könnten manche Redakteure der„Kölner" Richtung ihre Redak- tionenindieGcfängnissevcrlegcn." Oppersdorff kontra Bachem. Vor dem Schöffengericht in Köln klagte dieser Tage der Reichs- graf von Oppersdorfs gegen den Redakteur Kley von der �Kölnischen Volkszeitung" wegen eines Artikels, den dieses Blatt mit Quellenangabe aus der..Augsburger Postzeitung" entnommen hatte. In dem Artikel wird der.schlefische Graf" als Quertreiber bezeichnet, der.nach aller Gewohnheit seine Fähigkeiten benutze, der Partei ,n den Rücken zu fallen", der„mit Vorliebe den Demokraten' spielle und in, Grunde genommen doch nur mit der berühmten weißen Toga des W a h l p e t e n t e n aus das Forum geht. Es werde aber einmal die Slunde schlagen, in der die ganze Zentrumswählerl chaft dieses freventliche Querlreiben in seiner ganzen Gemeingefährlichkeit überschaue usw. Der Privatkläger er- blickte in diesen und anderen Ausführungen den Vorwurf der Heuchelei und politischen Streberei. Er verlangte, daß die„Köln. Volkszeitung" den mit dem Augsburger Blatt geschlossenen Vergleich akzeptlere und ohne Kommentar bringe. Der Redakteur Kley wollte dagegen nur erklären:»Ich ziehe die persönliche Ehrenhaftig- keit des Privatklägers nicht in Frage und habe ihn persönlich nicht beleidigen wollen.", � � Ein Vergleich kam nicht zustande. Der Redakteur bestritt, den Grafen beleidigt zu haben und lehnte die Erbringung des Wahr- heitsbeweiseS wegen dessen UmfangeS und wegen der Besorgnis. die Partei zu schädigen, ab.. Graf Oppersdorfs aber rief:„Heraus mit dem Flederwisch! Dann können wir Punkt für Punkt die Sache korrigieren, wo es nötig ist. Die von dem Beklagten eingeivendeten„höheren Jnler- essen" sind ein durchschimmerndes M ä n t e l ch e n, unter dem alles Mögliche hervorlugt!" Der Redakteur Kley wiederholte, er bätte Rücksicht auf die Partei zu nehmen.— Graf Oppersdorff forderte immer wieder de nBeiveisder Wahrheit. Die Klage wurde schließlich wegen Verjöhruti.g ob- gewiesen: Seit der Aussetzung des Verfahrens, um den Prozeß in Augsburg abzuwarten, seien mehr als sechs Monate verflossen; eine mittlerweile van dem betreffenden Richter nach Augsburg ge- richtete Frage nach dem Stand der Sache sei keine richterliche Hand- lmig im Sinne des Strafprozestes.— Oppersdorff erklärte, Be- rusung einlegen zu wollen._ Bassermnnn und die Zechenmagnaten. Den scharfmacherischen Großindustriellen des rheinisch-westfälischen JndustrierevierS ist kein Mitglied der nationalliberalen Reichstags- fraktion so verhatzr, wie der Abgeordnete Bassermänn. Es ist deshalb begreiflich, daß das Blatt dieser Herren, die„Rhein.-Westf. Ztg.", keine Gelegenheit versäumt, den nationalliberalen Parteiführer zu verhöhnen.»So läßt es sich aus Mannheim melden: „In seiner schon erwähnten Rede hat Bassermann gegenüber der bekannten Muimaßung, daß er sich mit diplomati- schen Fragen wohl auch deshalb neuerdings so» viel beschäftige, weil er selber vielleicht Botschafter werden möchle, nach den Berichten nationalliberaler Blätter erklärt:„Ich habe keine Sehnsucht.»Botschafter zu werden, ich will nicht höher hinaus, ich bin mir mit dem genug, was ich bin." Dazu bemerkt das Zechenblatt lakonisch: „Er uns auch!"_ Eine Sinekure. Der bisherige Militärattache an der preußischen Gesandtschaft in München. Major Freiherr von Bernstein, ist durch den preußischen Major von Lewrnski ersetzt worden. Der Posten ist eine jener Sinekuren, wie sie sich ziemlich reichlich im Etat finden. Die Aufgabe eines Militärattaches besteht darin, daß er die Eni- Wickelung des Heeres in dem Lande, in dem er beglaubigt ist, genau verfolgt und über seine Erfahrnngen an seinen Heimatsstaat be- richtet. Was aber ein preußischer Major in München zu beobachten hat und was er über die Entwickelung der bayerischen Armee nach Berlin berichte» soll, ist ganz unverständlich. Von sozialdemokrati- scher Seite ist mehrmals in der Budgeilommission der Antrag ge- stellt worden, diesen Posten als überflüsstg zu streichen. Diesem Antrage wurde aber entgegenhalten, daß«S sich um einen Staats- vertrag zwischen Preußen und Bayern bandle, der nicht einseilig aufgehoben werden könne. Nachdem diese Stelle jetzt erledigt war, wäre es sicherlich angebracht gewesen, sie unbesetzt zu lassen, denn es heißt denn docki das Geld der Steuerzahler mit beiden Händen binauswerfen, in München einen Major zu unterhalten, der sich den Kopf darüber zerbrechen muß, wie es ihm gelingt,, seine Zeit totzu- schlagen.___ Die Offiziersehre des Generalmajors v. Kloeden. Die..Nationalliberale Korresp." veröffentlicht folgende Zu- schrift des Landtagsabgeordneten Dr. Lohmann: „In Nr. 42 der„Freisinnigen Zeitung" vom 19. d. M. ist in einem Artikel unter der Ueberschrift:„Die Maßregelung des Bundes der Militäranwärter" ein Brief des Zlbg. v. Kloeden an den Minister des Innern vom 8. Dezember 1912 abgedruckt. Da ein Widerspruch gegen den Artikel seitens des genannten Ab- geordneten bisher nicht bekannt geworden ist, kann die Echtheit des Briefes ohne Bedenken angenommen werden. Dieser Brief beschuldigt den„Bund deutscher Militärairwärter" eines „Treibens" und solcher Tendenzen, daß der Abg. v. Kloeden sich genötigt sehen werde, den Ehrenvorsitz im»Bunde demnächst niederzulegen. Zum Beweise für den angeblich allgemein in den»Beamten- organisationen herrschenden schlimmen Geist bezieht sich der'Abg. v. Kloeden ausführlich auf eine Rede, die ich im Mai 1912 im Abgeordnetenhause gehalten hätte.— Gemeint ist meine Rede vom 27.»April 1912; im Mai habe ich über das Thema nicht ge- sprachen. Dazu habe ich zu bemerken: Daß der Abg. v. Kloeden nach derWürdigung, die ich ihm 1908 öffentlich habe zuteil werden lassen, mich als Gewährsmann dem Mini st er gegenüber anruft, bedeutet einen erstaun- lichcn Grad von Selbstverleugnung. Das Charakterbild des Herrn v. Klocden wird noch um einige Züge schärfer; es schwankt freilich nicht mehr in der Geschichte. Wenn aber der Abg. v. Kloeden es schon für angemessen hält, sich auf meine Reden zu berufen, dann soll er sie wenigstens richtig wiedergeben. Das, was er in jenem Briefe an den Minister mir unterschiebt, bedeutet eine unerhörte Ver- schärfung und völlige Entstellung meiner Rede. Ich muß mir ein solches Verfahren verbitten und werde seine Wiederholung zu verhindern wissen. Mit Hochachtung ergebenst gez.: Dr. Lohmann, Amtsgerichtsrat, M. d. A." Nachgerade scheint allen Parteien der Herr- Generalmajor mit der feinen Offiziersehre auf die Nerven zu fallen— selbst dem Bund der Landwirte, denn die Bündler haben ihn für die kommende Landtagsivahl nicht wieder in seinem Wahlkreise Meisen- heim-St.-Goarshausen aufgestellt, sondern den Landrat Berg. Milde Justiz. Vor dem Schöffengericht Neuhalden sieben war der Ar- beiter Willi Horst wegen Körperverletzung angeklagt. Er hatte im Oktober 1912' den Arbeiter Börtfeld schwer mißhandelt, indem er ihn derart heftig gegen den Kopf schlug, daß der Mißhandelte zu Boden stürzte, wo ihm dann der Angeklagte noch mehrere Tritte mit dem Stiefelabsatz gegen den Kopf versetzte. Der mißhandelte Börtfeld wurde so schwer verletzt, daß er sich noch immer im Kran- kenhaus befindet; es besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu er- halten. Die Ursache der Mißhandlung soll darin gelegen haben, daß der Verletzte nach der Aussage eines als Zeuge vernommenen Polizeikommissars dem Angeklagten das Wort„Katzmann" zuge- rufen habe. Das bedeutet nach der Aussage des Zeugen soviel wie Schmarotzer und soll darauf Bezug gehabt haben, daß der»Ange- klagte vor einigen Jahren gelegentlich eines Kutscherstreiks als Ar- beitswilliger ausgetreten ist. Das Gericht erkannte auf die gelinde Strafe von einer Woche Gefängnis. Die Strafe fiel so milde aus, weil das Gericht, gestützt auf die Aussagen ärztlicher Sachverständiger, annahm, daß die schwere Krankheit des Miß- handelten— Nervenlähmung— keine unmittelbare Folge der Mißhandlung sei.— Wie wäre es wohl gekommen, wenn die Rollen vertauscht gewesen wären? fmnhmcb. Die Marine und die dreijährige Dienstzeit. Paris, 1. März. Der Marineminister läßt gegenwärtig von seinem Generalstabe verschiedene Maßnahmen zur Vermehrung des Mannschaftsbestandes der Kriegsflotte prüfen. Da der Bedarf im Jahre 1918 nach Vollendung des gegenwärtigen Flottenprogramms den jetzigen Bestand um mindestens 20000 Mann überschreiten und im ganzen 77 000 Mann betragen würde, wobei namentlich die Be- dürfnisse der großen Schlachtschiffe berücksichtigt iverden müßten, soll das Rekrutierungsgesctz für die Manne, das gegenwärtig auf dem zweijährigen dienst beruht, entsprechend den bevorstehenden parlamentarischen»Beschlüssen über die Verlängerung der Dienstzeit des Landeshecres ab- geändert werden. Ferner soll untersucht werden, ob alle gegenwärfig in Dienst stehenden Kriegsschiffe ausreichenden militärischen Wert besitzen. Belgien. Die Vermitteluugsversuche. Unser Brüsseler Korrespondent meldet uns unterm 28. Februar; Von zwei Seiten sind in dieser Woche Versuche an- gebahnt worden, um durch ein Eingreifen der Regierung eine Vermittelung herbeizuführen, die die Arbeiterpartei ver- anlassen soll, vom Generalstreik abzusehen. Nachdem sich Sonntag die Bürgermeister der Provinzhauptstätte in einer Konferenz in Brüssel für einen Vermittelungsversuch aus- gesprochen hatten, der einerseits die Arbeiterschaft zum Ver- zicht auf den Generalstreik veranlassen, andererseits der Regierung die Lösung des Wahlrechtsproblems auf friedlichem Wege empfiehlt, ist heute ein weiterer Schritt unternommen worden. Die Provinzbürgermeister sind heute durch Vermitte- lung des Brüsseler Bürgermeisters Max vom Minister- Präsidenten empfangen worden, um über den Stand der Dinge zu konferieren. Die Beratung findet nächsten Freitag ihre Fortsetzung. Die vermittelnden Personen haben sich ver- pflichtet, über die Verhandlungen strenges Stillschweigen zu bewahren. Eine Initiative des bekannten belgischen Großindustriellen und Deputierten Warocquö, die dieser im Verein mit dem Deputierten B o ö l unternommen, um die Industriellen zu einer Vermittelungsaktion bei der Regierung zu veran- lassen, ist gescheitert. Die Versammlung, an der zirka 130 Industrielle teilnahmen, sprach sich gegen eine solche Ab- ficht mit der Motivierung aus, daß die Industriellen in einem politischen Konflikt nicht zu intervenieren hätten. Zu verzeichnen iväre noch, daß sich der Gemeinderat des größten Brüsseler Vorortes, S ch a e r b e e k, für die Ein- leitung eines Referendums über die Revisionsfrage aus- gesprochen hat. Dem von einem liberalen Stadtrat befürworteten Vorschlag, auf diesem Wege eine Vermittelung herbeizuführen, wurde von Liberalen und Sozialisten zuge- stimnit. In einem Meeting in Antwerpen äußerte sich V a n d c r- Velde über die Stellung der Arbeiterpartei hinsichtlich des Vermittelungsversuches der Bürgernleister, daß die Partei bereit sei, jeden Vermittelungsvorschlag zu überprüfen, der in ehrlicher Absicht einer friedlichen Lösung der Dinge zustrebt. In diesem Sinne begrüße sie auch unter einem gewissen Vorbehalt die eine ver- mittelnde Lösung anstrebende Tagesordnung der Bürger- meisterkonferenz. Die Arbeiterpartei sei bereit, in dem Augenblick von einem Generalstreik abzusehen, sobald die Regierung die Absicht kundgibt, dem Wahlrechtsproblem näher zu treten. Italien. Für die Reform der Unfallversicherung. Rom, 27. Februar.(Eig. Ber.) Das Wenige, was auf dem Gebiet der Arbeiterversicherung in Italien geschehen ist, wird noch beständig von den Unternehmern bemängelt, die immer wieder versuchen, das von den Arbeitern Erreichte zu kürzen und zu schmä- lern. So streben die Unternehmer seit längerer Zeit allerlei reak- tionäre Abänderungen der obligatorischen Unfallversicherung an, was die Konföderation der Arbeit bewogen hat, dieser Tage nach Mailand einen Kongreß der Arbeiterorganisationen einzuberufen, um gleichsam ofsiziell gegen die Schmälerungsversuche der Kapi- t allsten Stellung zu nehmen. Der Kongreß, der von den meisten italienischen Arbeiteriammcrn und Zentralverbänden beschickt war, erwies sich als eine scharfe Kritik der heutigen Unfallversicherung. die, neben der Mutterschaftsversicherung, die einzige Form obli- gatorischer Versicherung in Italien darstellt. Der Kongreß forderte im wesentlichen:»Ausdehnung der obligatorischen Versicherung auf alle Arbeiterkategorien(heute ist sie auf die industriellen Arbeiter beschränkt), Auszahlung der Entschädigung in Renten, anstatt wie bisher in Kapital, Behandlung der Gewerbekrankheiten als Bc- triebsunfällc(tpaS um so wichtiger ist, als es in Italien keine Krankenversicherung gibt) und Ersetzung der privaten, Verbands- und Fabrikskassen durch eine einzige staatliche Kasse. Der Minister für Landwirtschaft, Industrie und Handel hatte einen Vertreter auf den Kongreß entsandt, der erklärte, daß das Ministerium in keine Beeinträchtigung der Arbeiterrechte willigen werde. Unglücklicherweise wurde aber während der Verhairdlungen bekannt, daß bei'der Vergebung der öffentlichen Arbeiten in Libyen die Regierung die Snb missionsunter nehme r von der Verpflichtung entbunden hatte, die angestellten Arbeiter zu versichern. Freilich handelt es sich hier um Entscheidungen des Kriegsministers und dann des Kolonialministers: aber immerhin um Mitglieder ein und derselben Regierung, die durch den Kontrast zwischen Worten und Taten zeigt, daß ihr vor allem darum zu tun ist, dem Prole- tariat Sand in die Äugen zu streuen. Für den Kongreß war die Lehre dieser Enthüllung recht heilsam. jVlexiko. Diaz Präsidentschaftskandidat. Mexiko, 1. März. General Felix Diaz hat die Kandi- datur für die Präsidentschaft angenommen. Sie wurde ihm von einem Parteiausschuß angeboten, der eigens für seine Wahl organisiert worden war. Hus der Partei. Eine Konferenz der Bezirkö-BildungsauSschüsse findet am 8. und 9. März in»Berlin statt, nicht aber, wie irrtümlich mitgeteilt worden ist, eine Konferenz aller Bildungsausschüssc. Da beim Zentralbildungsausschuß schon mehrere Meldungen von Orts- und Kreisbildungsausschüssen eingelaufen sind, ersucht uns der Zentralbildungsansschuß um die ausdrückliche Feststellung, daß die Konferenz nur für Delegierte der Bezirks- »Bildungsausschüssc bestimmt ist, also alle andere» Anmeldungen zurückgewiesen lverden müssen. Orts- und Kreis- bildungsausschüsse müssen deshalb ihre Wünsche für die Konferenz rechtzeitig den für sie zuständigen Bczirksvitdungsausschüssen zur Kenntnis bringen, damit sie sie aus der Konferenz vertreten. Da auf der Konferenz über die»Verteilung der Wanoerkurse für den nächsten Winter vorläufige Bestimmungen getroffen werden sollen. wird den Orts- und Kreisbildungsausschüssen dringend empfohlen, ihre Wünsche auf Wanderkurse den Bezirksbildungsausschüssen so- fort zu übermitteln._ Wie wähle» wir zum preußischen Landtag? Diese Frage be- anttvortet Bezirkspartcisekretär B e i m s in einer im»Verlag W. P s a n n k u ch u. Co. in Magdeburg erschienenen, zur R Massenverbreitung bestimmten kleinen Flugschrift. Das kleine Heftchen wird sich infolge des äußerst niedrig bemessenen Preises (19 Pf. im»Buchhandel, für Organisationen wesentlich billiger) zur Massenverbreitung unter den Wählern besonders eignen.—' Gcwcrhlcbaftlichca. Dev Huöbrucb des Kampfes im JVIalercjewerbe. Nach wochenlangen Verhandlungen über einen neuen Reichstarif im Malergewerbe ist plötzlich ein allgemeiner Kampf in greifbare Nähe gerückt. Nachdem am 24. Februar die drei Unparteiischen ihre Schiedssprüche über Arbeitszeit und-Löhne gefällt hatten, mußten sich die beiden Parteien über deren Annahme oder Ablehnung bis 28. v. M. entschei- den. Obwohl die Unternehmer schon seit längerer Zeit zu erkennen gaben, daß sie sich trotz der bon ihnen anerkannten aeuerung über eine auch nur mäßige Lohnerhöhung nicht hinwegsetzen würden, glaubte man selbst in informierten Kreisen nicht daran, daß sie ihre Drohungen wahrmachen würden. Die Vertreter der Arbeiterorganisation haben es sich auf der außerordentlichen Generalversammlung des Maler- Verbandes während dreitägiger eingehender Beratung lange Zeit überlegt, ob sie den Schiedssprüchen zustimmen können, und sie haben dies nur schweren Herzens getan, weil sie die Verantwortung für einen allgemeinen Kampf im gegen- tvärtigen Moment der Oefsentlichkeit gegenüber nicht glaub- ten verantworten zu können. Anders die Unternehmer. Rücksichtslos haben sie die Schiedssprüche den Unparteiischen vor die Füße geworfen, denn die Teuerung und die unbedingte Notwendigkeit, die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer äußerst schlecht bezahlten, von schweren Gesundheits- und Unfallgesahren sowie von großer Arbeitslosigkeit heimgesuchten Arbeiter zu berücksich- tigen, erkennen die Malermeister nicht an. Gleichzeitig mit der Ablehnung der Schiedssprüche treffen sie eifrig Vorsorge für eine Aussperrung. Der Umstand, daß die Beratungen über das Verhandlungsergebnis vor einer Generalversamm- lung der Gehilsenorganisation stattfand, ermöglichte es, daß diese sofort entscheidend über die durch das provokatorische Vorgehen des. Arbeitgeberverbandes herbeigeführte Situation beraten und beschließen konnte, und das geschah in so ruhiger und würdiger, von Begeisterung für eine große Sache ge- tragener Weise, daß die Unternehmer mit einem entschiedenen Widerstand werden rechnen müssen. Fn einer einstimmig angenoinmenen Resolution brachte die Generalversammlung des Verbandes der Maler zum Aus- druck, daß man den aufgezwungenen Kanipf ausnehme und von der Kraft der Organisation und der Disziplin und Opfer- Willigkeit der Mitglieder die Durchkreuzung der scharfmache- rischen Pläne erwarte. Mögen sich die Arbeiter im Maler- gewerbc durch keinerlei Provokation der Unternehmer beein- flussen lassen und zunächst die Weisungen ihrer Organi- sationsleitung nach erfolgter Klärung der eigentlichen Sach- läge abwarten._ Ein Eisenbahnerstreik ist über Nacht in Hamborn am Niederrhein, im„Königreiche" des bekannten Großindustriellen und frommen Kircbenbaiiers Thyssen ausgebrochen, nämlich ein Streik der Lokomotiv- fllhrer, Heizer und Maschinisten der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser", dessen unumschränkter Gebieter Herr. August Thyssen ist. Seit Iahren hatte sich bei den Eisenbahnern der„Gewerk- schast Deutscher Kaiser" ein solches Maß von Unzufriedenheit und Mißmut angesammelt, daß es nur: eines Anstoßes bedurstej um es zum Ueberlausen zu bringen. TaL gibt selbst die dem frommen Kirchenstifker sonst"Mn'dlings ergebene.Zentrumspresse im Reiche Thyssens zu. Die Mißstände alle auszuzählen, unter denen die Thysfenschen. Eisenbahner zu leiden haben, würde zu weit führen. Es mag genügen, zu sagen, daß sowohl Entlohnung wie Arbeits- zeit und Behandlung in jeder Beziehung die Kritik heraus- fordern. Schon vor einem Jahre kam es deshalb schon mal zu einer kurzen Arbeitsniederlegung, doch wurde die Sache möglichst geräuschlos zugedeckt. Und da mit allen möglichen Schikanen die Organisierung der Thyssenschen Arbeiter hintenan zu halten der- sucht wird, so fehlte einer Machtentfaltung der Arbeiter bisher die Rückendeckung. Sie mutzten also Wohl oder übel das„Wohl- tätige" Joch weiter über sich ergehen lassen. Inzwischen ist es nun aber doch der zentrumschristlichen Metallarbeitergcwerkschaft gelungen, im Betriebe ihres millionenschweren Glaubensgenossen etwas Fuß zu fassen. Und so ist es denn gekommen, wie es kommen mußte: nachdem die Leute auch nur einigermaßen glaubten, eine Stütze zu haben, stellten sie Forderungen, die sich vorwiegend auf Abschaffung von Mißständen bezogen. Wie die ftockkatholische„Hamborner Bolkszeitung" berichtet, soll die un- mittelbare Veranlassung zu der Arbeitsniederlegung die nicht wiederzugebende Behandlung durch einen neuen Beamten gewesen sein. Bei der Abgeschlossenheit des Thyssenschen Betriebes gegen„Unberufene" wird erst allmählich der wahre Sachverhalt durchsickern. Nicht unwahrscheinlich ist, daß die Zen- trumsprejse mit dieser Ablenkung der unmittelbaren Schuld auf einen bestimmten Beamten den Zweck verfolgt, der Werksleitung eine goldene Brücke zu bauen und den fraglichen Beamten in die Wüste zu jagen. Befindet sich doch die Zentrumspresse in einer fatalen Zwickmühle. Ein Eisenbahnerstreik ist nach dem Verhalten des Zentrums eigentlich das schlimmste, was der kapitalistischen Gesellschaft passieren kann. Hat das Zentrum doch noch vor einigen Tagen im� Reichstage im Brust tone der Ueberzeugung den Standpunkt vertreten, daß es selbstverständlich den Arbeitern und Angestellten im Eisenbahndienst ebensowenig das Koalitions- recht wie das Strcikrecht zugestehen könne. Und die Zentrums- presse ist genau so wütend auf die sozialdemokratische Presse und Partei losgefahren, wenn von dieser Seite das Koalitions- und Streikrecht für die Eisenbahner verlangt wurde. Und nun mutz dieselbe Zent rums presse; weil es sich um zentrums-christlich organisierte Eisen- b a h n e r handelt, und noch dazu im Reiche eines ihrer splendide- sten Kirchenbauers, einen Eisenbahne r«streik verteidi- gen! Das wird bitter sein, sogar sehr bitter. Und deshalb ist es zu verstehen, wenn sie sich in allerlei journalistischen Schlangen- Windungen übt, um irgendeinen Schuldigen verantwortlich zu machen. Wenn auch nur ein Teil der von den Streikenden be- haupteten Mißstände zuträfe, würde man nicht anders können, als für die Streikenden Partei ergreifen.?lber nicht nur ein Teil der Beschwerden, sie werden alle begründet sein. Bian soll nun nicht etwa mit dem Einwände kommen, daß zwischen st a a t- l i che m Eisenbahnpersonal und dem von privaten Gesell- schaften ein großer Unterschied bestehe. Auch in einem Privat- betriebe von dem Umfange des„Königsreichs Thyssen" kommen Allgemeininteressen in Frage. Und deshalb gönnen wir der schwarzen Zentrumöprcsse am Niederrhein die Folter, in die sie durch ihr heuchlerisches Doppelspiel gepreßt worden ist. Ten 250 streikenden Eisenbahnern aber wünschen wir, daß sie nicht nur den Sieg über ihren päpstlich dekorierten frommen Kirchen- baucr davontragen, sondern daß sie auch recht bald zur Erkennt- Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.: nis ihrer Klassenlage kommen und sich von der Umarmung de- heuchlerischen Zentrums befreien mögen. Berlin und Orngcgcnd. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik in der A.-E.-G., Brunnen- straße und Voltastraße, ist durch Vergleich beendet.— Die Sperre ist hierdurch ausgehobeu. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltuug Berlin. Achtung, Schuhmacher! Die Streiks bei den Firmen Gold- mann. Köpenicker Straße 126, und R e i s ch, Palisadenstr. 21, dauern unverändert fort. Die erstere Firma verfügt über eine Anzahl Arbeitswilliger, welchen sie, um dieser nützlichen Elemente nicht verlustig zu gehen, teilweise das bewilligt haben soll, was die Streikenden als Forderungen aufgestellt hatten. Damit hat die Firma den Beweis geliefert, daß die Forderungen der Streikenden zu Recht bestehen und folglich die vorgenommenen Maßregelungen einen Akt der Willkür darstellen. Wir ersuchen daher, die bestreikten Beiriebe streng zu meiden, Desgleichen sind auch die Firmen Hamann u. C o., Michaelkirch- straße 15, und G r o ß m a n n, Adlershof, Moltkestr. 2, nach wie vor gesperrt. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverw. Berlin. Achtung, Tabakarbeiter! Die Zigarrenfabrik von O. Born- kessel, NW. Waldstr. 39, ist wegen Tarifbruch gesperrt. Dem Zigarrengeschäftsinhabcr Metzger, N. Cantianstr. 17. ist das grüne Plakat entzogen worden. Arbeiter, Raucher! Kauft nur dort Euren Zigarren- bedarf ein, wo das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. Uebt Solidarität! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Deutsches Reich. Zum Streik in der Binnenschiffahrt. Der Streik hat mit dem 1. März dadurch an Wirkung zuge- nommen, daß die Steuerleute, soweit sie ihren gesetzlichen Per- pflichtungen enthoben sind, die Fahrzeuge verlassen haben. Am 26. Februar sind an der oberen Oder die Wehre gerichtet, und die Schisfahrt sollte ausgenommen werden. Die Od-errceder haben alles aufgeboten, um die Mannschaften zur Aufnahme dep Schiffahrt zu veranlassen. Den Steuerleuten wurde angedroht. daß, wenn sie ihre Stellung nicht antreten, die Schiffe anderweitig besetzt werden; doch die Schiffsführer denken sticht daran, die Arbeit aufzunehmen. Der Unternehmerverband behauptet in der„Magde- burger Zeitung", daß die Liste Nr. II der Firmen, welche bewilligt haben, dieselben Namen enthalte wie die erste Liste. Wenn die Unternehmer die Liste noch einmal durchsehen wollen, werden sie erkennen, daß diese ihre Behauptung unwahr ist. Als Arbeitswillige fungieren Inspektoren, Burcauangcstellte und Leute, die seit fast 19 Jahren nicht aus Schiffahrt waren. Schiffahrtskundigc Arbeitswillige sind nicht zu haben, denn d i c Organisation umfaßt mit wenigen Ausnahmen alle Mannschaften. Die Behörden arbeiten mit Hochdruck gegen die Ausständigen, namentlich in Magdeburg; dort sind Mitglieder der Streikleitung verhaftet. Die den Streikenden zur Verfügung stehenden Dampfer und Barkassen werden ständig beobachtet und verfolgt. Auch auf den Dörfern sind die Behörden angewiesen, di'e Streikenden zu beobachten; es wird denn auch den Streikposten ihre Tätigkeit nach Möglichkeit erschwert. Trotzdem nimmt die B e.w e g u n g von Tag zu Tag größere Ausdehnung an. Arbeitswillige verlassen unterwegs die Schiffe und melden sich in den Streikbureaus, weil sie die Schifss- arbeit nicht verrichten können. Bürgerliche Zeitungen wissen von Zusammenstößen der Strci- kenden mit Arbeitswilligen zu berichten. In Schandau sollen die auf den Schiffen befindlichen Arbeitswilligen mit Steinen beworfen worden sein. Davon ist jedoch selbst den Behörden der betreffenden Schifferorte nichts bekannt. In den nächsten Tagen finden wieder Verhandlungen mit größeren Betrieben statt. Trotz der verzweifelten Anstrengungen des Unternehmerverbandes haben die Firmen, welche bewilligt haben, ihre Zugeständnisse nicht zurückgezogen. Wie ungünstig die Sache des Unternehmervcrbandes steht, geht aus einem Artikel der „Magdeburger Zeitung" hervor, in dem es heißt: .... Wenn heute den ini Arbeitgcberverbande vereinigten Unternehmern die Arbeit im Kampfe mit den sozialdemokratischen Organisationen erschwert wird, so liegt die Schuld in erster Linie ans Seiten jener Herren, welche augenblicklicher kleiner Vorteile wegen die großen Ziele nicht erkannt haben." Diese Zeilen beweisen, daß die Wirkung des Streikes größer ist, als es von den Unternehmern zugegeben wird. Der Verkehr auf der Elbe, Oder und den märkischen Wasser- straßen ruht sast völlig, nur die Tariffirmen haben ihre volle Beschäftigung. In der Sommerfelder Textilindustrie ist zurzeit eine größere Lohnbewegung im' Gange. Die Weberinnen und Spinner ver- langten 19 Proz. Lohnerhöhung, für die in Stundenlohn Beschäf- tigten wurde eine Erhöhung der Stundenlöhne um 3 Pf. gefordert, und für die Weberinnen Bezahlung der Vor- und Nebenarbeiten. Die Unternehmer haben zugestanden: für Weberinnen und Spinner ab 1. April 5 Proz., für die Weberinnen ab 1. Oktober weitere 5 Proz. Lohnerhöhung, für die in Stundenlohn beschäftigten Ar- beitcrinnen IZ� Pf. und für Arbeiter 2 Pf. pro Stunde mehr; außerdem für die Weberinnen für Anknüpfen pro 199 Faden 3 Pf. Die Arbeiter haben die Zugeständnisse als nickt zureichend vor- läufig abgelehnt. Augenblicklich sind zirka 799 Personen im Aus- stände. Verhandlungen werden inzwischen weitergeführt. Tie Differenzen auf der Rheinischen Metallwaren- und Ma- schinenfabrik A.-G(Ehrhardt) haben sich weiter verschärft. Die Firma will die Sperre, welche ihr sehr unangenehm ist. durch Maß- regelung der Vertrauensleute des Metallarbeiterverbandes illusorisch machen. Natürlich wird ihr das nicht gelingen. Infolge der Sperre haben viele Arbeiter aufgehört, für welche die Firma keinen Ersatz finden kann. Es stehen über 199 Drehbänke ohne Arbeiter. Ihre Bestellungen, welche sehr drängen, sucht die Firma anderwärts unterzubringen. Es ist bedauerlich, daß ein großes Werk, das zum großen Teil aus staatliche Lieferungen angewiesen ist, den besckei- denen Forderungen der Arbeiter gegenüber einen so schroffen Standpunkt etnnimmr. Die Direktion hat nicht mir die Forde- rungen abgelehnt, sondern auch Verhandlungen mit dem Arbeiter- ansschuß; dessen Mitglieder, Leute, die 15 Jahre im Betrieb sind, sind ohne Grund gemaßregelt. Wie verlautet soll der Aufsicktsrat, dem u. a. auch Herr P a a s ch e angehört, das Vorgehen der Direk- tion gebilligt haben. Das erscheint kaum glaublich; denn der Reichstag hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß Betriebe mit Stvatslieferungen ihren Arbeitern anständige Lohn- und Arbeits- bedingungen gewähren sollen. Und hier lehnt man sogar Ver- Handlungen mit der zuständigen Instanz ab und maßregelt ohne jeden Grund deren Mitglieder. Es wird notwendig sein, diese Dinge im Reichstag zur Sprache zu bringen. Tie Firma bat die Arbeiter förmlich m eine Kampfstellung hinemgedrängt. Es ist auch versucht worden, zu behaupten, daß sich die Arbeiter des Werkes im Streik befänden. Das trifft aber nicht zu, beim der Betrieb ist nur gesperrt und der Zuzug ist fernzuhalten._ Th. Glocke. Berl'n. Druck u. Vertaa: Lorwärls Buckdr. u Verlagsanstalt i Zum Streik der Krefelder Seidenfärbcr. Am 8. Dezeniber hatten die Färber den neuen Tarisvorschlag der Unternehmer abgelehnt. Die Unternehmer wollten den T�ris aus 4 Jahre verlängern, boten aber den Arbeitern weiter nichts als eine sofortige Lohnerhöhung von 1 M. und am 1. Dezember 1913 eine�tveitcre Zulage von 59 Pf. Die Arbeitszeit sollte wie bisher 69 Stunden pro Woche betragen. Die Arbeiter forderten dagegen generell eine weitere Zulage von 59 Pf. wöchentlich und am 1. Dezember 1913 eine nochmalige Zulage von 59 Pf. sowie für alle Arbeiterinnen 1 M. mehr, außer. dem Verkürzung der Arbeitszeit auf 58 Stunden. Mit Ablehnung des Tarifs zogen die Unternehmer die gemachten Zugeständnisse zurück, und es wurde ohne Tarif gearbeitet. Am 27. Januar wurden neue Verhandlungen eingeleitet. Als Ergebnis machten die Unternehmer das Zugeständnis: Die für 1. Dezember vorgc- sehenc Zulage von 59 Pf. am 1. Juli eintreten zu lassen und die Arbeitszeit aus 59 Stunden zu verkürzen. Ter Tarif sollte dann vom 1. März 1913 bis 6. Dezember 1916 laufen. Bei dieser langen Tarisdauer ivaren die Zugeständnisse nicht als ausreichend anzu- sehen. Die Färber stellten deshalb die Arbeit ein. Beteiligt sind rund 2699 Personen, von denen 2399 dem Deuffchcn Textilarbeiter, verband angehören, der Rest verteilt sich auf andere Organisationen. Ausland. Almosen, nicht Gerechtigkeit. Vor einiger Zeit hatte Graf o e M u n, der bekannte franzö- sischc Christlichsozialc, der sich um den Arbeiterschutz außerordent- lichc Verdienste erworben hat, das Bedürfnis nach einem Gutachten der Kurie über die von ihm gegründeten christlichen Ar» beitervereine. Seinem Wunsch ist Genüge geschehen. Kardinal M e r r y d e l V a l hat an de Mun ein Schreiben gerichtet. das die sozialen Anschaungen der katholischen Kirche von heute in geradezu unschätzbarer Klarheit zum Ausdruck bringt. Ter vati- kanische Staatssekretär schreibt u. a. folgende Sätze: „Sieht man nicht etwa dort, wo der Geist fehlt, den Sie Ihrem Werke aufzudrücken verstanden haben, das Herr- schastsgeblet der Gerechtigkeit übermäßig er- wettert, auf Kosten der Mildtätigkeit? DaS Eigentumsrecht der Nutzung unterworfen und diese nicht mehr als eine Funktion der Mildtätigkeit, sondern bct_ Gerechtigkeit im Namen einer irrtümlichen Auffassung ge- wisscr sozialer Organisationen? Rechte und Pflichten aus allen Stücken neu geschaffen, dort, wo das Naturgesetz nur die Freiheit heiligt? Und sieht man nicht d i e Mildtätigkeit selbst sich in eine unbestimmte Brüderlichkeit verflüchtigen, worin einerseits das ihr wesentliche Gebot, das man um dieser Wcscntlichkeit willen das Gebot der Mildtätigkeit genannt hat, zu verschwinden strebt und man andererseits davon träumt, die sozialen Ungleichheiten zu verschmelzen?" Klarer kann in der Tat nicht ausgesprochen werden, in welchem Gegensatz sich der heutige Katholizismus zu den Bestrebungen der Arbeiterklasse setzt. Diese will sich befreien, in der Aushebung der kapitalistischen Ausbeutung ihren R e ch t s gedankcn verwirk- lichcn, die Würde der menschlichen Persönlichkeit verbürgen— der Vatikan aber verkündet das kapitalistiscke Ausbeutungörecht als heilig. Der Proletarier soll dem Kapital, der Mensch dem Tinq unterworfen � blecken und was chm bleibt, ist die Hoffnung auf die Gnade, die„Eharitas" des Ausbeuters, die ihm, den sie von der Tafel des Lebens ausgeschlossen hat, mildtätig einen Brocken zu- wirft— den Absall von den Früchten, die seine eigene Arbeit der Erde abgerungen hat. Rom bekennt sich zum wirtschaftlichen Libc- ralismus der kapitalistischen Bourgeoisie, der in der Auslieferung der Besitzlosen an sie Besitzer der Produktionsmittel ein„Natur- recht" sieht. Aber das Manchestertum der klassischen Periode war wenigstens ehrlich brutal und satte nicht den blutinen Greuel der Ausbeutung mit dein widerwärtigen Fetzen der„Charität" zu.— Die im religiösen Glauben verbliebenen Arbeiter mögen einmal nachdenken, was diese Prinzipienerklärung der vatikanischen Macht» Haber bedeutet: Rom erkennt nur c i n soziales Recht cm. das deS Eigentümers. Der Arbeiter aber hat kein Recht— die Sozialpolitik ist ein Irrtum und ein Unrecht und das Almosen allein soll sein Trost sein. DieS ist das Evangelium in der neuen römischen Ausgabe. Uno der christlich-gläiibigc Proletarier er- messe nun, was er für sich und seine Kinder von dieser Lehre folgsamer„christlicher Arbeiterbewegung" zu erwarten butk Achtung, Zigarrenarbcitcr! Wir warnen unsere Kollegen aller Länder vor Zuzug nach Australien! Eigsr Factory Employees Indusfrial Union of Australia. A. Kcrivan, Präsident. Letzte Nachrichten* Ter Albanescnkongreß. Ttiest, 1. März. In der heutigen Nachmittagssitzung des Al« banesenkongresses wurden H i l M o ssi zum Präsidenten. Fa i k Bei K o n i tz a und Derwisch H i m a zu Vizepräsidenten ge- wählt. Professor Schiro sprach sich sodann für die Einver- leibnng aller von den Albanesen bewohnten Srte in das selb- ständige Albanien aus. Prinz G b i k a erklärte, die Albanesen sollten nicht in der Diplom at ic ihre Stütze suchen. sondern der Kraft ihrer eigenen Waffen vertrauen. Redner hob sodann die sympathischen Gefühle hervor, mit denen Frankreich die albanesischcn Bestrebungen verfolge. Tie nächste Sitzung wird morgen vormittag stattfinden. Ein lustiger Streich k la Strasburg. Pontypool l England). 1. März.� iW. T. B.) Der hiesigen Polizei ging vermutlich aus Veranlassung von Frauenrechtlerinnen eine scheinbar amtliche Verfügung zu, die Terriiorials zu mobili» si-ren. Die Polizei ließ den Befehl auck durch Anschläge zur all- gemeinen Kenntnis bringen und hatte sich bereits mit eiger Reihe von Territorials und Reservisten in Verbindung gesetzt, bevor der Streich entdeckt wurde._ Grausige Tat einer Mutter. Hirschberg i. Schl-, 1. März.(W. T. B.) In Kauffung an der Katzvach schleuderte die Frau des Steinbruchwärters Hein ihre beiden Kinder im Alter von-- und 9 Jahren eine 39 Meter Hobe Felswaud hcrav und stürzte sich selbst nach. Das ältere Kind und die Frau waren sofort tot, das jüngere Kind ist schwer verletzt. Schwermut bildet den Beweggrund der Tat. Bcrgmannslos. Esse». 1- März.(P. C.) Auf der Zeche„Katharina" in Kray gerieten zwei Hauer unter fallendes Gestein und wurden auf der Stelle getötet. � drliegcrunfall.. � »terjon(Departement Eher), 1. März.(W. T. B.) Ter Fliegerleutnant P o r t e a-u ist auf dem Flugplatze A v o r d abge. stürzt und lebensgefährlich verletzt worden.____ Sau! Sinzer& Co., Berlin SW. Hierzu 6 Beilage«. st 52. so. zchtM, i. Keilllge des„Nsmarts" Kerliller NllldsdlM 2. U-n lSlZ. Her mit dem)VIauthorb! � vTv� Äeld Iagotv zog die Stirne kraus �knd tat Befehl erlassen: Es kommt kein Äund mehr aus dem Äaus Auf Straßen und in Gasse»?, Den nicht ein fester Maulkorb ziert, Den man nicht an der Leine führt, Sonst muß der Köter sterben! Da Hub ein großes Winseln an, Ein Bellen und ein Knurren. Der hundeliebe Bürgersinann Fing»nächtig a»» zu»nurren. Llnd erst der Frauen zartes Äerz Litt unter Bellos Maulkorbschmerz. O Jagow, bist Du grausam? Ein feistes Pfäfflein sah das Spiel Mit Maulkorb. und mit Leine. Das Knebeln ihm sehr»vohl gefiel, And»»icht nur ihin alleme! Ein derber Junker stimint ih»n bei: „Wenn Jagow»nit der Knebelei Sich kailfte»nal die Roten!" kleines feuiUeton. FvrtuiUi« Theaterhimmcl. Dce Ilufall im Deutschen Opern- bausc zu. Charlottenburg zeigt»viedcr einmal,»vic technische Fortschritte an sich immer neue Gcsahrenhucllcn schassen. Jur Zeit des alten ttcinwanbhintcrgrundes mit seinem gemalten Himiilelsblau und seinen stets an derselben Stelle schivcdcnden ~ 1I'ai: ,c,'"c derartige Gefährdung des Bühnenpersonals aus- geschlchsen. �uch der spanische Maler F o r t u n»), der übrigens in Venedig»vohnt, und dessen Erfindung die Llllgcmeinc Elek- trizitäts-Gcsellschaft i«ch erfolgter Patentierung in die Praris übertrug, hatte seine ursprüngliche Erfindung nicht so gedacht,»vic sie im Deutschen Opernhause vcrlvirklicht mar. Er hatte ursprünglich seinen liluppclhorizont aus Stoffflächen konstruiert, die von einem eisernen Gerippe getragen waren. Die Stoffflächen»oaren luftdicht zu einem geivaltigen Sack zusammengenäht, und indem man diesen E>ack luftleer machte, erzielte man durch den normalen atmosphärischen Druck der Äußenluft die gewünschte Wölbung nach innen. Aber es kamen dabei gelegentlich Falten in den Stoffsack, die die absolute Natürlichkeit des.Himmelsbildes beeinträchtigten. Beim Neubau des Deutschen Opcknhauses hat man deshalb den Ursprünglichen Gedanken wesentlich umgestaltet und statt der Stoff- flächen eine gewaltige Halbkugel aus Gipsplatten konstruiert, die das enorme Gewicht von 20 000 Milo batre. Denn die Bühne dieses Theaters ist außerordentlich breit und hoch. � Vom Standpunkt des Theaterpraktikers aus hat sich der Svrtuny-Him,nx� peste bewährt. So gelang es der Regie, in der Tturmszene von„Oberon" außerordentlich naturgetreue Bilder des wilden, jagenden Wolkenzuges über der sturmgepeitschten See hervorzuzaubern, Bilder, wie man sie in solcher NaturlichicN bisher»elbst in den großen Festspielhäusern von Bayreuth und München nicht gesehen lmt �aö Prinzip der Fqrtunyschcn Pro- jcktions- und Beleuchtungstechnik beruht auf der Erwägung, daß olle bisherigen Szenenbeleuchiilugrn im Freien daran litten, daß Mi- in ihrer Art h,-,.,>..... m"' aue vi�yerigen E>zenenbelcuchtiingcu in> Freien daran»ittcii. da,; sie in ihrer Art von der tatsächlichen natürlichen Beleuchtung grundvcrichlcden»Daren.-vrcici, erscheint es unserem Auge so. als brache das sticht von alle» Richtnngeii des Hill"" gleich»der uns herein. üa6cit b j f f �fe s. zerstre A„k der Buhne kamen aber______'_____ ui Himmels zu .........-«Jit liabcn o i»» u, c s. zerstreutes Licht. Au» der Buhne kamen aber früher nur punktförmige Lichtquellen. Fast ausnahmslos wurde,, elektrische Glühlampen dazu verwendet. die naturlich als strahlende Punkte wirkten Ei» gleichmäßig sich über die Szene verbreitendes Licht konnte dadurch nicht erreicht werden. Fortuny ging deshalb zur indirekten Beleuchtung über, indem er die einzelnen Lichtpunkte erst auf eine Fläche fallen ließ, von der sie dann zurückgestrahlt»vurden, um nun vereint ein einziges..zerstr�t �wirkendes Lichtmeer zu ergeben. Der dazu verlvandte, den UV, chlug der Buhne nach hinten bildende gewölbte sogenannte Fortunh-Horizont ist farblos. Dicht an der Rampe stehen große Rahmen, �auf denen glänzende Seidenstoffe öv iiiclil aaBIrniriW-r c ergeben. Der dazu �en bilde dicht an >e Seide r und st ieses' Li, orizv.i,.k--"""«""s»-"Hnnaßig beleuchtet cr- _____ Die Seiden, toll- luid beiDeglich; man kanil schnell oder langst»» ihre Farbe wechseln, nach der Farbe der Stofse er- I o r- t v'- O-, S/>S"«wCiOCnslOfJC gespannt sind und aufhole da» �.icht zahlreicher und starker Bogen- lampcn fällt. Die Seiden, tosfe werfe» dieses' Licht aus den �uppelhorizont zirrück. der nun ganz gleichmäßig beleuchtet che int. Die Seide, iswffc sind beioeglich; man kam,.vmsti,, scheint auch das Licht gefärbt, so daß mit großer Bequemlichkeit alle Nuancen erzielt werden können. Bekanntlich kann inail aus Weiß, Blau, Rot und Grün alle Arten der„Sonnenbclcuchtung" herstellen. Die Bewegung der Scidenstofse in den Rahmen gc- schicht durch kleine, geräuschlos arbeitende Motoren, die von irgend- einer Stelle des Bühnenhauses her betätigt werden können. Der Belcuchtungsinspettor hat nur eine kleine Klaviatur von Knöpfen vor sich, durch die er mit Hilfe elektrischer llebertragimg de» ganzen Apparat steuert. Das oben schon erwähnte schmierige Problem ziehender Wolken ist mit Hilfe des Fortunhsystelns dadurch hübsch gelöst, daß man das Bogenlicht auf langsam sich drehende bemalte Spiegelscheiben fallen läßt. Theater. Charlottenburger Schiller-Theater:„Ghges und sein Ring" von Friedrich Hebbel. Wunderbare Kunst verbindet sich in diesem Drama mit ivunderlich konstruierten Künsteleien. Bis zum Schluß des dritten Aktes hält der Dichter die Phantasie der Hörer fest im Bann. Die prahlerisch eitle Begier des Kandaules, seinen köstlichen Schah, die strahlend schönst Gattin Rhodope, die nach uralter Sitte ihr Antlih hinter dichten Schleiern birgt, Gygcs, dem hellenischen Gastfreund, hüllenlos zu zeigen; des weich gestimmten Griechenjünglings Rausch und Reue, als er unter dem Schutze des Zauberrings die schamhaft Keusche im Schlasgemach geschaut; das dumpfe Schuldbewußtsein, das nun auch in Kiiiidaulcs Herzen drobend emporsteigt; Rhodopes Verdacht, ihr Weh, ihr wild empörter Racherus— das alles trägt den sarbi- gen Glanz des Lebens und fügt sich Zug um Zug zu iuiierlich not- wendigem Zusammenhang. Ich hielt das Wert— schreibt Hebvel sehr bezeichnend in einem Brief— noch»litteli in der Arbeit für cincn„geborenen Torso". Er zweifelte also, ob es ihm gelhigeii werde, das Fragment, das bis dahin eine so feste sichere Struktur besaß, entsprechend diirchzuführe». Er hat es vollendet, indessen mit HmeinzieHung von Motiven, die der Handlung des zweiten Teils ein allcgorisch-gedaiikeiimäßiges Gepräge geben: ein Gepräge. das trotz der schimmernden Bildlichkeit der Sprache, der geistvoll weiten Perspektiven, keine eigentlich dichterische Jflufion, keinen beleidigenden Nachhall der Empfindung auslöst. Rhodopes Rache vollzieht sich nach einem uns heut ganz unverständlicheii Programm. Die �Steigerung der Charaktere, die Hebbel dabei anstrebt, ent- fremdet sie uns nur. Es sind das Hemmuiigeii, die keine Dar- stellung vollständig überwinden kann.. Im Rahmen des Möglichen bot die von Walter- Hör st inszenierte Ciyges-Aufführung des Schillertheatcrs jedoch über- raschend Gutes. Else W a s a. die zuerst eine gewisse Süßlichkeit nicht los wurde, wuchs in den großen Szenen mit Kandaules, als der Argwohn rege geworden, völlig in den Charakter der Rhodope biiieiii und ivahrte ihn dailn bis zum Ende. Vortrefflich war P a e s ch k e s Kandaules. ein rechter orientalischer Tcspotciityp, ganz die Mischung von Großmut und Eitelkeit, die die Sebbelsche Figur verlangt. Ebenbürtig stand ihm Alfred Braun als Gyges zur Seite, der dem warmen brausenden Gefühl der Jugend über- zeugend Ausdruck lieh. Die Dekorationen, frei von jedem über-- flüssigem Schmuck, waren von malerischem Reiz. ät. Humor und Satire. Die Schraube ohne Ende. Wir wollen wieder inchr Soldaten, Das deutsche Heer ist ja so klein. Ilnd dem ist eben nicht zu raten, Der nicht erkennt: das m u ß so sein! Hingegen an der Seine Strande Empsinder mau das nicht als nett. Man hält eS gradwcgs für'ne Schande lind man erhöht das Kriegsbudget. Darob ward wieder furchtbar koddrig Zu Mute der Teutonen schar, Und heftig fordert sie und schnoddrig So ein bis zwei Milliarden bar. So rast der schrille Wahnsinn weiter. Man rüstet ewig um die Weit. Es klettert weiter ans der Leiter Hoch wie ein Turm das Kriegsbudget. Doch ist es eine alte Leier: Wemr nun die nötigen Steuern dräun, Daß dort wie hier die größten Schreier Sich heftig vorm Bezahlen scheun. In Frankreich wie bei uns die Drohnen, Sie halten an dem Standpunlt fest: Wie nett verpulvern sich Millione», Wenn man sie andre zahlen läßt! ._ Michel. Notize«. — Der Ba u ten-Kaiser. Ihren Tribut zum Rcgieruugs- jubiläum von Wilhelm II.»Dill auch die Große Berliner Kunstausstellung beisteuern. Es sollen all die glorreichen Gebäude in Äusnahmen vorgeführt werden, dir die letzten W preutzi- scheu Jahre ziere»: die Königliche Bibliothek, der neue Marstail, der Berliner Dom, das Posener Schloß, die Kaiser-Wilhelm-Gc- dächtniskirche. Die Döberitzer Heerstraße lvird man sehen, die Höh- königsburg, die Cadincr Bauten, die Neuanlage ber Terrassen von Sanssouci, die protestantische Kirche in Rom, den Neubau des Rcichsmariiicamts, die Holtenauer Schleuse am Kaiser-Wilhelm- Kanal, viele, viele Kasernenbauten. — Eine F i l m k o m p a g n i e, die E n t r ü st n ,i g spielt. Gegen die von uns berichtete plumpe Verfilmung von Jonas Lies Roman„Die Tochter des Kommandeurs" bereitet der norwegische Schrtststellerverband cstie Protesttund- gebung vor. Tie„Nordische Filinkoiilpagnie" antwortet aber damit, daß sie ein Blatt, das diese Bearbeitung eine Schamlosigkeit gc- iiannt hat— wegen Ehrcnbcleidignng verklagen will! — D i e deutsch-russische Literatur Konvention. Die russischen imd die deutschen Bevollmächtigten haben in Petersburg die Literaturkonveution unterzeichnet. Sie wird daim»ach Austausch der'weiteren Förmlichkeiten in Kraft treten. Reichstag» 123. Sitzung, Sonnabend, den 1. März, vormittags 11 Uhr. Am Bundesrats tisch: v. T i r p i tz. Die zweite Beratung des Marineetats. Abg. Bogtherr(Soz.): Die Budgetkommission hat den Staatssekretär des Marincamts sowie den des Auswärtigen Amts gebeten, sich über das Ä e r- h ä l t n i s Deutschlands zu England zu äußern. Was der Staatssekretär sagte, war keineswegs so welterschütternd, als die bürgerliche Presse es darzustellen suchte. Daß ein Stillstand in den tliüstungen eintreten soll, davon kann selbstverständlich keine Rede sein; das Verhältnis 10 zu 10, das der Staatssekretär als das An- nehmbare bezeichnete, ist bereits das, in dem wir jetzt leben. Herr V. Tirpitz hat nur erklärt, vor läusig sei eine neue Marinevor- läge nicht zu erwarten, von einem Stillstand der Rüstungen an sich hat er nicht gesprochen; das Verhältnis von 10 zu 16 ermöglicht so- wohl in England wie in Deutschland noch eine unbegrenzte Steigerung der Rüstungsausgaben. Ich möchte aus das be- stimmteste erklären, daß sür meine Parteifreunde dieses Verhält- Iiis noch bei weitem kein Ideal bedeutet, sondern daß wir nach wie bor aus der Forderung bestehen, zu einer beiderseitigen A b- rüstung zu gelange». sSeHr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Acußerung des Staatssekretärs einen nachhaltigen Wert haben sollte, so könnte man zunächst eine gewisse Verständigung mit England aubahnen und in weiterer Folge zu Verständigungen kommen, die zu einer Abrüstung führen könnten. iSehr richtig!) Wir haben aber nicht das Vertrauen, so wenig wie England es hat, daß man bei uns den Rüstungseifer zu Wasser und zu Lande aus- geben wird. Wenn bei Herrn v. Tirpitz augenblicklich nicht die Ab- sicht eitler Vermehrung der Flotte besteht, so gibt das für später und für einen anderen Staatssekretär durchaus keine Gewähr. Im borigen Jahre hat Staatssekretär v. Tirpitz erklärt, zum Schutz unserer Kolonien sei es nicht erforderlich, daß die deutsche Flotte so groß sei wie die der größten Seemacht; das wäre nur nötig, wenn man aggressiv sein wollte. Nebenbei bemerkt würde er dies Ziel nicht erreichen können, selbst wenn man das Volk bis aufs B l u t a u s p r e ß t, bei solcher Aussaugung der wirtschaftlichen Kräfte des Volkes würde nichts übrig bleiben, was zu schützen ist; übrig bliebe nur ein Torso unserer I n d u st r i e, unserer Kolonialstellung, unserer� wirtschaftlichen Stellung, die man, anstatt zu sichern durch solche Steigerung der Rüstungen mehr und mehr dem Abgrund znsührt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit der Erklärung, eine neue Flottenvorlage sei nicht zu erwarten, will man das deutsche Volt nur ein wenig verschnaufen lassen; das allgemeine Rüstungsfieber ist bei der Regierung und den bürger- lichen Parteien noch lange nicht beseitigt. Schwebt doch gerade jetzt, wo nach der bürgerlichen Presse die Erklärungen der beiden Staats- sekrctäre eine Aera des Stillstandes der Flottenrüstungen einleiten sollen, die Forderung von 20 Millionen Mark für eine Luftflotte über uns und eine Hceresvorlage, die dauernde Ausgaben von 200 Millionen Mark und einmalige Ausgaben in Höhe von einer Milliarde erfordert. Das bedeutet neue Rüstungen, die zu einer vollständigen Entkräftung aller Völker führen müssen, die sich an diesem wahnsinnigen Wettrüsten betci- ligen. Dazu kommt, daß die Schifssbauten immer teurer werden. Ein großer Kreuzer kostete 1900 15 Millionen Mark, jetzt bereits 4 1 Millionen Mark, ein kleiner kostet Millionen Mark gegen 3>ä Millionen Mark im Jahre 1000, ein Linienschiff 4 7 13 Millionen Mark gegen 24 Millionen Mark. Dazu kommen die Stiftgcrungen der Kosten für die Aufrechterhaltung der Marine, die 1005 26% Millionen Mark erforderte, 1011 50 Mit- iionen Mark und 1913 bereits 57 Millionen Mark.> Hört! hört! bei den Sozialdeinokraten.) Im Gegensatz zu den Erklärungen des englischen Premierministers Asquith erklärte Herr v. Tirpitz, ihm seien von einer Bereitwilligkeit Englands, in Verhandlungen über die Marinerüstungen einzutreten, nichts bekannt. Wie ver- trägt sich das mit den Äeußerungen des Reichskanzlers Fürsten B ü l 0 w, daß die Anbahnung einer solchen Verständigung keinen Erfolg verspräche und mit den Ausführungen des Reichskanzlers v. B e t h m a n n H 0 l l w e g, der sich im März 1911 geradezu lustig machte über dergleichen Phantasien und der meinte, die finanziellen Kräfte entscheiden, wieviel und wie lange weiter gerüstet werde. Dann würden wir übrigens England gegenüber immer im Rück- stand bleiben, denn England ist kapitalkräftiger und dort zahlen auch die Besitzenden Steuern. Bei uns aber haben die Be- sitzenden die Meinung, Steuern sind schlimmer als der Mangel an Wehrhaftigkeit. Meinen Freunden verdenkt man diesen Standpunkt als unpatriotisch. Wir haben aber einen Buirdcsgenossen, den Herrn Dr. Oertel, der im Bund der Landwirte sagte:„Man soll sich hüten, Tinge vorzulegen, die wir nicht machen können, weil es gegen unsere Ehre geht"— gemeint ist gegen unseren Geldbeutel! Sehr gut! bei den Sozialdemokraten»—,„weil gewisse Steuern gus mehr schaden als nützen würden: Steuern, die den Bestand der Familie, die den Bestand des Reiches gefährden, sind schlimmer als ein Mangelan Wehrhaftigkei t".(Abg. Dr. Oertel: Sehr richtig!) Sie Herr Oertel, halten eben andere Steuern für vernünftig als wir; Steuern, die die Familie treffen, nennen Sie die Steuern, die den Besitz und das große Kapital treffen. Da können Sie sehen, welch eine schwarze Seele hinter Ihrer heuchlerisch w-ißen Weste wohnt.(Heiterkeit.— Präsident ». a e m p f ruft den Redner für diese Beleidigung eines Abgeord- »den zur Ordnung.) Dieses Wort von Herrn Oertel sich einzu- prägen wird von großem Nutzen sein. Man muß sich merken, daß bei Herrn Oertel und seinen Freunden die Lust zu Rüstunger: so groß ist wie das Bestreben, sich auch ferner möglichst von direkten Rcichssteuerir zu drücken. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat in der Kommistion erklärt, der intime Gedankenaustausch mit England habe mit dazu beigetragen, Schwierigkeiten aller Art zu heben, wir haben jetzt gesehen, daß wir nicht nur Berührungspunkte sentimentaler Art mit England haben, sondern auch gleiche In t e r e s s e n. Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Also bis jetzt hat die deutsche Diplomatie das nicht gewußt.(Heiterkeit.) Wir haben immer ge- mußt, daß uns schwerwiegende Interessen mit England verbinden und bedurften dazu keines„intimen diplomatischen Gedankenaus- rausches". Wir haben auch nicht nur Interessen der auswärtigen Politik und des Großkapitals mit England gemein, sondern vor allein die Interessen des Volkes, und eine Verständigung mit England ivürde den Interessen beider Völker und der ganzen zivilisierten Welt dienen. Natürlich denken wir dabei nicht an eine Erweiterung der Kolonialpolitik, wir wissen, daß das G e- fühl der Eifersucht den breiten Massen beider Völker fremd i st. Dasselbe gilt auch von Deutschland und Frankreich. Auch hier sollte der Wert und die Wucht der wirk- lichen gemeinschaftlichen Interessen mehr als bisher in den Vor- dergrund gestellt lverden, dann würden die Chauvinisten in Frank- reich, England und Deutschland sich wohl hüten, diese Äulturintcr- essen weiter aufs Spiel zu setzen.(Sehr wahr! bei den Sozial- dcmokraten.) Im übrigen ist die Zeit vorüber, wo die Kriege durch die fta- binette gemacht werden, heute ist der Wille der Völker der beste Friedens schütz.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach den Anschauungen der systematischen Flottenhetzer im Flottenverein hat der Staatssekretär v. Tirpitz allerdings bisher nichts als eine Lurusflottc gebaut.(Hört! hört! bei den So- natdemokratcn.) Wie kann man die Wahrheit mehr auf den Kopf stellen! Besonders tritt der G r 0 ß a d m i r a l v. K ö st e r bei diesen Treibereien in den Vordergrund. Aber im Flottenverein wird nickt bloß gehetzt gegen unsere augeblich unzureichende Flotte, so». dcrn auch gegen das Ausland, insbesondere gegen England. Ter Staatssekretär hatte im Anschluß an seine Schilderung der politi- fchen Lage erklärt: Dieser Beginn der Verständigung mit England sei eine sehr zarte Pflanze, die man recht schonend behau dein müsse. Ich erinnere daran, daß im Dezember v. I. nach einer Mitteilung des„Berliner Tageblatts" der Kapitän zur See a. D. Freiherr v. Meerscheidt-Hüllessem im Flottenverein einen Vortrag gehalten hat, worin er wörtlich sagte:„England ist der stete Friedensstörer, die englische Bulldogge braucht einen Maulkorb. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So wird diese zarte Pflanze von denen behandelt, die sich anmaßen, uns Belehrungen darüber zu erteilen, wie wir das Verhältnis zum Ausland behau dein sollen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dieselben Kreise, die bereit sind, Millionen und Milliarden für neue Rüstungsausgaben zu betvilligen, machen sich nicht das geringste Kopfzerbrechen, auf welche Weise einmal hie Kostendeckung erfolgen soll.(Sehr richtig! bei den Sozialdemolraten.) Zu diesen pro- fessioucllcn Flottentreibern kommt dann noch die kleine Gruppe der an den Rüstungen interessierten Industrie und des beteiligten Großkapitals.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Weizen der Armeelieferanten, der Schiffswerften, der Ka- uonen- und Munitionsfabriken blüt, solange in der Weise gegen alle Vernunft gehetzt und gerüstet wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Von Jahr zu Jahr Ivird Deutschland von den Panzerplatten- und Geschützliefcranten aus das schamloseste übers Ohr gehauen.(Hört! hört!) Diese Industriellen sind inter national im verwegensten Sinne des Wortes. 1912 wurden aus Deutschland 18 719 Doppelzentner Feuerwaffen ins Ausland aus geführt, doppelt so viel als im Jahre vorher; an Sprengstoff, Schieß bedarf und Zündlvaren 212 659 Doppelzentner im Werte von 64% Millionen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der dies jährige Etat ist mit Neubauten wieder schwer belastet. Da ist es um so unverantivortlicher, ihn noch mit einer Ausgabe von fünf Millionen als erste Rate zum Bau eines Ersatzschiffes für das K a i s c r s ch i f f H 0 h e n z 0 l l e r n zu belasten, das vorläufig auf 10 Millionen veranschlagt ist. Graf Westarp hat in der Kommission gegen die Kritik, die insbesoiwcre mein Freund Ledebour an dieser Forderung geübt hat, ein Bombardement sittlicher Entrüstung er- öffnet. Ich möchte ihm das öffentlich attestieren, es wird ihm viel- leicht von Nutzen sein. Die Frage, ob dies Schiff überhaupt nötig ist, verneinen wir selbst nach der Begründung, die der Staats- sekretär dieser Forderung gab, wonach der Kaiser ein eigenes Schis � zu verlangen habe, alö oberster Kommandierender der Flotte. Er- fahrungsgemäß dient aber dies Schiff in der Hauptsache als ein Luxus- und Spazierreiseschiff für höchst persönliche Zwecke.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokra- tcn.) Daher sollte dem Kaiser begreftlich gemacht lverden, daß, wenn er Bedarf nach einem solchen Schiff hat, er doch auch die Einsicht haben müßte, daß in der Not der Zeit alles gespart wer- den muß, um dem Volke, das sowieso schon bedrängt und bedrückt genug ist, nicht auch noch diese Last aufzuerlegen. Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit und Vernunft, daß wenn der Kaiser den Wunsch hat, auch ferner ein solches schiff zu benutzen, und wenn er das alte nicht auf seine Kosten reparieren lassen will, er sich freuudlichst ein neues aus s e i n e r e 1 g e n e n T a s ch e bezahlen möge.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren von den Liberalen bis zu den Konservativen brauchen des- halb noch gar nicht an eine neue Erhöhung der Zivilliste zu denken. Wenn auch der Pettkuser Roggen inzwischen seine Originalität ver- lorcn hat, so findet sich vielleicht das boss iudiciis m-uor bereit, die Kosten zu decken.(Große Heiterkeit.) In derselben Zeitz wo das Volk das ganze Maß der Rüstungen zu tragen hat, haben wir dar- über zu klagen, daß die Marineverlvaltung eine wissentliche Bk- schränkung des Petitionsrechts der Werftarbeiter vorgenoin- men hat. Alle Kollektivpetitionen sind verboten, und als solch« sollen sogar Petitionen betrachtet werden, die, wenn auch von ganz verschiedenen Stellen ausgehend, zufällig dasselbe Ziel im Auge haben.(Hört! hört!) Ferner haben wir erlebt, daß der Staats- sekretär nach berühmten Mustern durch seine Unterbeamten auf die Arbeiter ein wachsames Auge hat, die im Geruch sozialdemo- kratischer Gesinnung stehen. Dies Verfahren ist importiert aus Preußen. Es ist aber ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Min- destens 90 Proz. aller Werftarbeiter und ein großer Prozentsatz der Schiffsbesatzung gehört der Sozialdemokratie an. Die Art, wie jetzt vorgegangen wird, mutet uns eben preußisch an. Jede preußische Schlamperei erwirbt sich Bürgerrecht in der Marine. Präsident Kaeinpf: Wegen dieser Preußen beleidigenden Aeuße- rung rufe ich Sie zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Abg. Vogthcrr fortfahrend: Diese Art der Verfolgung der Arbeiter ist nicht nur wenig nobel und anständig, sondern auch verfassungswidrig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Von denselhen Arbeitern, die man so drangsaliert, verlangt man dann noch Flottenbegcisterung. Der englische Minister Gray hat sehr richtig gesagt, die Folge des Weit rüstens könne auf die Dauer nur se'in: Teuerung, Hungersnot, Revolution oder der Krieg. Wir Sozialdemokraten werden in allen Ländern dafür sorgen, daß der gemeinsame Wider- stand gegen diesen Rüstungswahnsinn immer größer und die Frie- dcnsbestrebungen immer stärker werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Der Vorredner hat es so dargestellt, als ob Deutschland die Macht sei, die alle Welt zum Rüstungswahnsinn aufpeitsche. Das ist unhaltbar, der„V 0 r w ä r t ä" selbst hat nachgewiesen, vor allem in seinen Londoner Korrespondenzen, daß Deutschland nur dem Beispiel Englands folge. Ich empfehle also dem Vorredner das eingehendere Studium seines eigenen Partei blattes.(Lachen bei den Sozialdemokraten.)— Ganz unverstänh lich ist mir die Acußerung„preußische S ch l a m p e r e i". Mir gefällt als Süddeutschen auch nicht alles in Preußen, aber man mutz doch jedenfalls anerkennen, daß Preußen ganz hervorragende Verdienste um die Schaffung des geeinten deutschen Vaterlandes hat.(Bravo! rechts.)— Die Hauptaufgabe unserer Marine wird in Zukunft sein die Förderung des F l u g s ch i f f- und des Flug- zeugbaus. Unübertrefflich ist die Bepanzerirng unserer Schisse. aber auch f a b c l h a s t t e u e r. In den Bestrebungen zu ihrer Verbilligung sollte mit allen: Nachdruck fortgefahren werden, sonst würde die Frage auftauchen müssen, ob nicht das Reich eine eigene Panzerplatten- und Kanonenfabrik er- richten sollte. Neben dem vorzüglichsten Material braucht unsere Flotte aber auch ein tüchtiges, gut ausgebildetes Personal. Der Zustrom zu unserer Marine ist ja heute ganz kolossal und das ist kein Wunder bei der glänzenden Karriere, die sie bietet. Soll doch Herr Slhlefeldt gesagt haben, es müßte merkwürdig zu- gehen, wenn jemand, der es bis zum Admiral gebracht hat, noch nicht so viel gespart hat, daß er sich ein Rittergut hat kaufen können. (Heiterkeit.)— Die Lösung, die in der T a f e l g e l d e r f r a g e erfolgt ist. begrüßen wir. Solange es eine Zentrumsfraktion in Deutschland gibt— und die wird es geben, so lange das Reich besteht(Oho! links),— dafür sorgen Sic schon durch Ihre Politik, speziell Sic, Herr Dr. Müller-Meiningen(Heiterkeit)—, so lange werden wir auch für das Bestehen einer großen, starten, achtung- gebietenden Flotte sorgen.(Bravo! in: Zentrum.) Die Steigerung der Kosten für die einzelnen schiffe bedauern auch wir ebenso wie der Vorredner, aber das ist nicht zu ändern. Gerade das Jahr 1813 muß uns zu Opfern mahnen, zu denen mit Recht auch der Kaiser gemahnt hat. Meine Freunde sind bereit, diese Opfer zu bringen.(Bravo! im Zentrum.) Staatssekretär v. Tirpitz: Ganz richtig betonte Herr Erzberger. daß die Kosten einer werdenden, noch unfertigen Flotte nicht mit denen einer fertigen Flotte verglichen werden kann.— Auf Herrn Bogcherrs Ausführungen über die„Hohenzollcrn" wiederhole ich: die jetzige„Hohenzollern" ist nicht mehr sicher genug für den deut- schen Kaiser; sie ist keu: Lurusschiff. sondern sie ist zuständig und notwendig für die repräsentativen Zwecke des deutschen Kaisers sowie für seine dienstlichen Zwecke.�(Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien. Zuruf be: den Sozialdenwkraten: Für seine persönlichen Zwecke.)— Wir haben die Hoffnung, noch in oiesem Jahre ein W a s s e r l u f t s ch i f f zu bekommen.— Redner wendet sich dann den Einkäufen der Marineverwaltung(Panzer- platten, Kohle usw.) zu und versichert, die Rcichsmarinevcrwaltung lasse es sich stets angelegen sein, aus der Mark einen Taler zu machen. — Der Wunsch des Abg. Erzberger, die wirtschaftliche Lage der Teck- offiziere zu heben, scheint mir berechtigt; die Hebung ihrer sozialen Lage aber nicht nötig. In bczug auf die zweijährige Dienstzeit bin ich anderer Meinung wie Herr Erzberger; ich fühle mich aber ver- pflichtet auszusprechen, daß die Flotte, wie sie besteht, nur durchdas Zentrum besteht. Redner sucht in längeren AuS- führungen nachzuweisen, daß die Durchführung der zweijährigen Dienstzeit für die Marine-Jnfanterie und die Matrosen-Artillcrie unmöglich ist. Abg. Dr. Paasche(natl.): Wir, die sogenannten Flotten- Patrioten, haben nie eine Angrisfsflotte bauen wollen. Wir freuen uns, daß wir zielbewußt die Flotte ausgebaut haben. Sehr er- frculich war auch der patriotische Ton des Herrn Erz- berger. Nach der Haltung des Zentrums in der Kommission, wo der Staatssekretär sogar mit seinem Rücktritt drohte, mußte man eine andere Haltung des Zentrums befürchten.— Das Material unserer Flotte ist vorzüglich, und in dieser Richtung schreiten wir rüstig vorwärts. In bczug auf das Personal sind zwar nicht alle Wünsche befriedigt. In bczug auf die zweijährige Dienstzeit habe ich nie auf dem Standpunkt des Abg. Erzberger gestanden; man kann den Dienst in der Marine nicht scheuratisch mit dem auf dem Lande vergleichen.— Der Forderung für den Neubau der„Hohenzollern" stimmen wir gern zu.— Auch mit den finanziellen Ausführungen Erzbergcrs bin ich einverstanden; wir wären froh, wenn wir schon in nächsten Jahr sämtliche Schiffsbauten auf den ordentlichen Etat nehmen könnten.(Bravo! bei den Nationallibcralen.) Abg. Krahmer(k.): Eigentlich hätten wir zum Marineetat gar nichts zu sagen, da wir mit der Verwaltung zufrieden sind. Wir wünschen aber, daß verschiedene von der Budgetkom- Mission gestrichene Posten wieder hergestellt werden. Tie Ein- slellung von 5 Millionen als erste Rate für die Jacht„Hohen- zollcrn" haben wir mit Befriedigung begrüßt. Uebcr die Forderungen für Luftschiffe und Torpedos können wir uns nur erfreut ausdrücken. W:r sind immer eingetreten für die Deck- offiziere. für ihr Wohl und Wehe.(Große Heiterkeit.) Politischen Agitatoren muß der Eintritt in die Rcichsbetriebe verboten sein. ebenso auch in den Reichstag.(Stürmische Heiterkeit links.)— Wir sind für Beibehaltung der dreijährigen Dienstzeit. Die Aus- gaben für die Marineverlvaltung haben eine große Höhe erreicht. Darum ist es verkehrt, wenn von sozialdemokratischer Seite immer darüber gescholten wird, daß unsere Marine so viel Geld kostet. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es wäre sehr erfreulich, wenn der Staatssekretär gegenüber der Behauptung, daß das Geld gewissermaßen alles ins Wasser geworfen Ivürde, uns eine genaue?lufstellung geben könnte, wieviel Löhne an Arbeiter, Handlverker und Techniker in den Betrieben gezahlt werden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das steht ja im Etat!— Heiterkeit.) Das lvciß ich auch(Heiterkeit): ich wünsche aber eine Zusammenstellung.(BravonI rechts; ironischer Beifall links.) Staatssekretär v. Tirpitz bittet dringend um Annqhme eii::S konservativen Antrags auf Wiederherstellung des in der Kon:- Mission gestrichenen Seeoffiziers als Departementsdirektor. Abg. Dr. Wiemer( Vp.): Wir werden diesem Antrag zu- stimmen. Wir sind für Abstriche� auch im Marineetat, aber nur, wo sie notwendig sind. Eine Sparsamkeit mit parteipolitischen Tendenzen können wir nicht unterstützen. In der Kommission kan: ja ein solcher Fall vor, und der Staatssekretär wäre fast an ungenügenden Tafelgeldern gestorben.(Heiterkeit.) Das P c t i- tionsrecht der Beamten, Angestellten uich Arbeiter der Be- triebe der Marineverlvaltung darf in keiner Weife beschränkt werden.— Für die Deckoffiziere sind wir seit Jahren eingetreten, ohne auf feiten der Rechten Entgegenkommen zu finden.— Tie Bedenken des Staatssekretärs gegen die von der Kommission be- antragte zweijährige Dienstzeit sind~für uns nicht überzeugend gewesen. Für die Krauffchoutruppen kann sehr gut eine Aus- »ahme gemacht werden. Wenn der Redner der Konservativen davon sprach, daß für die Flotte Opfer gebracht werden müssen, '0 hoffe ich, daß sich seine Freunde daran erinnern, wenn dem- nächst eine gleichmäßige, gerechte, soziale, wirkliche Besitz- st e u e r auf die Tagesordnung gesetzt werden wird.(Lebhafte Zustimmung links.) Abg. Schultz(Rp.): Gerade die Parteien der Linken haben sich selten an der Bewilligung von Steuern beteiligt, weil sie glaubten, daß man ihren Grundsätzen dabei" nicht entsprochen habe. Dasselbe Pecht nimmt die Rechte für sich in Anspruch. Unsere Flotte und ihre EntWickelung wird getragen von der großen Mehrheit der bürgerlichen Parteien.— Der sozialdemokratische Redner beklagte den großen Auftvand für Panzerplatten. Die deklagt niemand mehr als die Parteien, die die Kosten dafür bewilligen müssen: Sic(zn den Sozialdemokraten) beteiligen sich ja nicht daran.(Lachen und Zurufe bei den Sozialdemokraten: Wir müssen sie doch mitbezahlen l)— Die dreijährige Dienstzeit sollte beibehalten werden. Abg. Hoff(Vp.) begründet eingehend die Nottvendigkeit einer Besserstellung der Deckoffiziere. Des weiteren tritt er für die -reisinnige ResiKution auf Wahrung des PetitionsrcchteS der Be- amten, Angestellten und Arbeiter ein. Staatssekretär v. Tirpitz: Dies Petitionsrecht ist gar nicht in Frage gestellt; an dem angefeindeten Tagesbefehl der Ober- Werftdirektion Kiel bin ich schuldig. ES ha:rdelte sich dort um eine nach meinem Empfinden ungehörige Kollektiveingabe einer An- zahl jüngerer Beamten. Abg. Herzog(Wirtsch. Vg.) verlangt die Beibehaltung der dreijährigen Dienstzeit." Nach einigen Bemerkungen des Abg. Hoff und des Staats- 'ekretärs v. Tirpitz vertagt das Haus die Weiierberatung aus Man tag 1 Uhr. Schluß:%5 Uhr._ Abgeordnetenhaus. 14 4. Sitzung. Sonnabend, den 1. März 1913. Am Ministertisch: Dr. Sydow. Ter Bergetat. (Knappschaften und Wohlfahrtspflege.) Abg. Göbel(Z.) klagt über die Behandlung kranker Bergleute " 11«'«'« �««fipcita.. d» Knappschaftsvereinc leiden die Renten. Gegen das Augenzittern. die Berufskrankheit der Bergleute, muß mehr geschehen. Ein RegiernngSkomimssar: Es ichwcbcn Erhebungen. Tie Sicherheit in den Gruben. Abg. Jmbusch(Z.): Das preußische Berggesetz ist das beste der Welt, die Sicherheilsmanner haben sich außerordentlich bewährt. Irarunt stehen ihnen bie �ergrevlerbecimten mißtrauisch gegenüber Abg. Leinert(«oz.»: Der Halberstädter Knappschaftsverein hat für die Verhältnis» wähl Bestimmungen e:ngeführt, die de/ Reichsversicherungsordnung keiner Weise entsprechen. Man hat da ein englisches System bei dem mcht d:c Mehrheit der Stimmen maßgebend ist. in keiner Werse cnliprccpen. ckican hat da ein englisches smiem gewählt, bei dem nicht d:c Mehrheit der Stimmen maßgebend ist. andern gewisse Prozentsatze. Man läßt die Bergleute von A b:s R den Knappschaftsalteste:: wählen und die übrigen dann den Ersatz- mann! Für die Verhältniswahl des Vorstandes muß jeder Aelieile einen Namen auf den Zettel schreiben, die Zahl der abgegebenen Stimmen w:rd durch drei geteilt und dann w:rd gezahlt, vis oer Name, der auf dem ersten eröffneten Stimmzettel stand, es auf ein Drittel der Stimmen gebracht hat. Dld übrigen zwc: Drittel werden überhaupt nicht mehr mitgczähtt. so daß wohl Leute durch. fallen können, die die meisten Stimmen erhalten Haben. Der Minister hat die Beschwerde gegen dieses Verfahren zurückgewiesen. weil es den Geundsätzcn der Verhältmswctlil entspreche. lHort! hört! hei den Sozialdcmotratcir.) Die Äerhättniswahl soll doch aber die Mehrheit zum Ausdruck bringen und der Minderheit auch eine Vertretung geben. Davon ist doch bei diesem System keine Rede. Absichtlich sucht man ein solches, in die deutschen Verhält- nissc gar nicht hineinpassendes System aus, nur um die Bergleute recht zu erbittern. Muh denn immer so von oben versähren wer- den? Das hat Lbch keinen Sinn! Die Wahlordnung bestimmt im z 8. daß nur die von der Bergvcrwaltung ausgegebenen Stimmzettel benutzt werden dürfen, gleichzeitig wird aber die Benutzung von gc- druckten oder sonst durch Vervielfältigung ausgefüllten Stimm- zetteln gestattet. Da müssen also die Organisationen die Zettel von den Arbeitern einsammeln, um sie zu bedrucken. Dieselbe un- nütze Plackerei besteht auch bei den Sicherheitsmännerwahlen. Wozu?— Ter Knappschaftsvcrcin Klausthal müßte bei der jetzigen Teuerung unbedingt endlich darauf verzichten, den vor 1008 pensionierten Invaliden die Renten zu entziehen, zu denen sie doch Beiträge entrichtet haben. Jni vorigen Jahre wurde erklärt, daß der Knappschaftsverein so schlecht stehe, daß er auf diese Einnahme nicht verzichten könne. Aber er hat sein Ver- nrögen noch in jedem Jahr um VA Million erhöht! Da kann er doch auch auf die 260 000 M., die den Invaliden entzogen werden, verzichten. In den Etat sind zwar Unterstützungen für diese In- validen eingestellt, aber das nützt nicht viel, denn man verlangt als Vorbedingung für die Verteilung, daß die Leute ihre ganze Notlage und ihre persönlichen Verhältnisse genau darstellen, und das wollen die nicht tun. Auch sind diese paar tausend Mark kein Ersatz für die entgangenen Invalidenrente«,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Obgleich das Gewerbegerichtsgesetz bestimmt, daß die Beisitzer im Bezirk wohnen oder arbeiten niüssen, ist in der neuen Berg- gewerbegerichtsordnung für den Bezirk Dortmund bloß bestimmt, daß der Beisitzer in dem Bezirk in Arbeit stehen muß. Der Minister hat es abgelehnt, diesen glatten Verstost gegen das Gesetz zu beseitigen, mein Parteigenosse Heine hat darüber im Reichstag gesprochen. Die Sache geht darauf hinaus, daß der zum Beisitzer gewählte Bergmann, der entlassen wird und außerhalb seines Be- ztrks in Arbeit gehen muß, aber seinen Wohnsitz behält, seines Amtes verlustig erklärt wird. Hier legt der Minister wieder das Gesetz nicht sinngemäß, sondern zum Schaden der Arbeiter aus.— HerrJmbusch hat den SicherheitSmännern großes Lob gespendet, aber erklärt, daß man mit einem abschließenden Urteil noch zurückhalten müsse. Warum dann schon jetzt dieses große Lob? Auf der Zeche.Engelsberg" bei Bochum haben die Sicher- heitSmänner beschlossen, voii� der gesetzmäßigen Befahrung abzu- sehen(Hört! hört! bei den Sozialdemokratens, und das Obcrberg- amt hat das genehmigt! Seinerzeit hat der Minister und jetzige Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt, daß man durch die Novelle zum Berggesetz die Seele des Bergarbeiters wieder für die nationalen Ideen zu gewinnen sich bemichen werde. Aber wenn Sie fortgesetzt derartige Wahlordnungen erlassen, das Gewerbegerichtsgesetz zum Nachteil der Arbeiter auslegen, wenn Sie zustimmen, daß die Sicherhcitsmänncr außer Funktion treten, — wie wollen Sic dann die Seele des Bergmanns erobern? Nehmen Sie lieber etwas mehr Rücksicht auf die Ansichten, Wünsche und Bedürfnisse der Arbeiter und regeln Sie nicht alles bureau- rratisch vom grünen Tisch, immer mit der Absicht, die Rechte der Arbeiter möglichst zu beschneiden! Ich will die gewaltigen Bergunglücke im letzten Jahre nicht im einzelnen besprechen. Aber als Ursache des Massenunglücks auf der Zeche„Lothringen" hat sich herausgestellt, daß die' bergpolizeilichcn Vorschriften nicht beachtet wurden. Dies wird auch in dem auf amtlichen Quellen beruhenden Bericht über das Unglück eingestanden und es wird nur gesagt, daß lebenden Personen eine Schuld nicht beigemessen werden tonne. Nun, wir haben doch ein Gesetz gemacht, wonach für ein solches Unglück auch die oberen Beamten bis hinauf zum Direktor verantwortlich sind. Wenn der Betriebsführer Aiwrd- nungen trifft, muß er sich aucft von ihrer Durchführung überzeugen! Warum iwrd nicht einmal ein Ercuipel statuiert? Sicherlich ist auch das Unglück auf der Zeche„Achenbach" auf ähnliche Ursachen zurückzuführen. Es wird behauptet, daß die Antreibem der Steiger und die Ucberschichten wesentlich zur Untergrabung der Sicherheit in der Grube beige- tragen haben. Aus dem Schacht„Teutoburgia" wurde ein Brief vorgefunden, der eine Revision des neuen Bergrats für den nächsten Morgen ankündigt und ganz detaillierte Vorschriften trifft, welche Arbeiter dafür sorgen sollen, daß in der Rieselleitung Wasser sei, daß die Feuermelder in Ordnung seien, kein Kohlenstaub auf den Stempeln liege, daß Hangende und Liegende feucht gehalten wer- den und die gestundeten Betriebspunkte mit Lattenvorschläge ver- nagelt werden, so daß in diesen gestundeten Betrieben offenbar ge- arbeitet wurde! Dieser Brief beweist die'Notwendigkeit, daß die Revisionen durch die Bcrgrätc nicht vorher angemeldet werden!« Sehr wahr! links.) Als die Nach- richt von dem entsetzlichen Unglück auf„Lothringen" mitten hinein- platzte in die fröhliche Tafelrunde bei dem hundertjährigen Jubiläuui der Firma Krupp und sich der Kaiser nach der Zeche begab, wurde dorthin auch der Arbeiter- auSschuß eingeladen. Der Sicherhcitsmann aber nicht— man will ihn angeblich überall gesucht haben—, aber als er zur Zeche kam, wurde ihm trotz Ausweis weder von deni Gendarm, noch von den am Zechcntor aufgestellten Zechenbeamten der Eintritt gestattet. (Hört! hört! links.) Wäre der Kaiser von dem Sicherheitsmann über das Unglück unterrichtet worden, so wäre dies wahrscheinlich der Anlaß dazu gewesen, daß die Staatsregicrung zu neuen ge- setzlichen Vorschriften gedrängt worden wäre. Alle die großen Unglücke beweisen, daß die Einrichtung der Sicherheitsmänner nicht genügt. Wir müssen die alte Forderung der Bergarbeiter erfüllen nach unabhängigen Arbeitcrkoutrolleurcn, die von der Zeche oder dem Staat bezahlt werden, aber keinerlei Kontrolle durch die Zeche unterworfen sind, vollständig als Vertrauensmänner der Bergarbeiter wirken und die Grube jederzeit und nicht nur ein- bis zweimal im Monat befahren können. Es wird dagegen eingewendet, daß die Kontrolleure sozialdemokratische Agitatoren sein würden(Abg. Knupe: Sehr richtig!), so, auch die Christlichen und Gelben? Sie wenden sich gegen eine solche Einrichtung nicht im Interesse der Arbeiter, sondern in deni Ihres Geldbeutels. Die Durchführung von Anordnungen, die Leben und Sicherheit der Arbeiter möglichst vollständig garantieren, würde gewiß viel kosten und Sie wollen nur Kohlen fördern und möglichst hohen Profit dabei erzielen. Ich will durchaus nicht die Bergleute als die reinen Engel hinstellen. Der ständige Umgang mit der Gefahr stumpft die Leute ab, so daß sie einmal glauben, die Gefahr sei nicht so groß und dann einige Vorschriften übertreten. Ich gebe zu, daß das vorkommt. Aber dafür mutz eben der Aufsichtsbeamte da sein, um auch die Arbeiter, die etwa» leichtsinnig mit den Borschriften umgehen, zu ihrer Be- achtung anzuhalten. Dies kann nur erreicht werden, wenn ganz unabhängige Leute den Arbeitern zur Seite stehen können, von den Arbeitern selbst gewählte Grubenkontrolleurc. Diese Forderung wird so lange ertönen, als Unglücke passieren, und so lange, als nachgewiesen werden kann, daß diese Unglücke nicht durch die Fahr- lässigkeit der Arbeiter, sondern durch die Hetze bei der Kohlenförderung in der Grube wesentlich mit herbeigeführt wird. Es soll, so ver- langen wir, wo Menschen in Frage kommen, nicht allein oder gar nicht der Gcldstandpunkt für den Unternehmer maßgebend sein, sondern vor allem Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter! Ein Arbeiterleben wiegt mehr als die Dividenden der großen Herren. Darauf kann man verzichten, aber die Familien der Ge- töteten können auf ihre Ernährer nicht verzichten. Es wird Zeit, den Menschen höher zu stellen, als den Gewinn.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) � Handelsminister Sydow spricht Schmerz und Bedauern iibcr die Katastrophe auf„Lothringen" aus. Wir haben hier nur zu überlegen, wie solche Unglücksfälle für die Zukunft zu vermeiden sind, aber nicht parteipolitische Erörterungen daran zu knüpfen. (Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Es wurde auf der dritten Sohle verbotswidrig mit Dynamit geschossen. Eine Viertelstunde vor dem Unglück hatte der Betriebsführer alles in Ordnung befunden. Er konnte doch nicht innerhalb 20 Minuten zu derselben Stelle wieder zurückgehen. Auf dieVcrleumdnngen dersozialdemo- krati scheu Presse und des Steigcrvcrbandes gehe ich nicht ein. Der Sicherheitsmann wurde nicht absichtlich von einer Unterredung mit dem Kaiser ferngehalten, er war nicht auf- zusinden. Zwei aridere Sicherheitsmänner haben jrrit dem Kaiser über das Unglück gesprochen, hätten doch rrur auch Sozialdemokraten gesehen, init welchem Ernst und welcher Herzenswärme Seine Majestät den Ursachen des Unglücks nachging! Staatlich besoldete Arbeiterkontrolleure wären ein Schaden und würden, noch mehr als heute die Sicherheitsmänner, nicht nach ihrer Erfahrung, sondern nach ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden. Solche Explosionen wie auf„Lothringen" lassen sich nur verhindern, wenn überall und zu jeder Zeit die Sicherheitsvorschriften beachtet werden. Auch ein Arbeiterkontrolleur kann nicht überall sein. So lange wir mit Menschen zu tun'haben, die Fehler machen können, werden sich Unfälle im Bergbau nie ganz vermeiden lassen.(Zustimmung rechts.) Die weitere Debatte ist unwesentlich, ein Wunsch des Abg. Brust(Z.), daß für die Arbeiterkolonien im Bezirk Recklinghausen eine Kirche gebaut werde, wird von dem Oberberghauptmann von Velsen wegen der Kostspieligkeit abgelehnt. Damit ist der Berg- etat erledigt. Ein Antrag des Abg. Schmcdding(Z.) auf Herstellung eines Kanals von Haltern bis Vinkel im Gebiet der Lippe, welcher Kanal an die Stelle der geplanten Lippekanalisicrung treten soll, wird nach Befürwortung durch den Antragsteller der Budgetkommission überwiesen. Eine Petition um völlige Gleichstellung der Feuer- und der Erdbestattung wird von der Tagesordnung abgesetzt. Das HauS vertagt sich. Montag 11 Uhr: Eisenbahnetat. Schluß 2 Uhr. ■A T T — 1 Veralteter Broncltialkatarrl) »ericljwunden. «,- ö°" Ihnen im Herbst 1910 bezogene ro il. 5"r bisher unschätzbare Dienste ge- � t ch allem, daß schon nach mehrwöchigem Gebrauch em veralteter Bronwialkatarrh ver- schwunden ist Hai er sich auch ausgezeichnet bei Schnupfen und Erkattung der Atmungsorgane be- wäbrt. �ci rechtzeitiger Anwendung fornrnt der Schnupfen fast gar nicht zum Ausbruch und die Erkällungsertcheinungen- Hust.u und Heiserkeil- werden sozusagen im Keime erstickt Alle, die auf meure Empfehlung den Apparat sich haben kommen lasten, sind vollauf defriedigt davon. Für mich ist er unentbehrlich. i! Berlin, Swönhauter Allee l2S-i, is. Oltbr l»io � � �'..�"�aerichtssekrelär ES liegen über 6000 ahnwhe Anerkennungen vor darunter sind 541� durch einen vereidigten Bücherrevisor und polizeilich beglaubigt. Tai, eres Inhalator, der auch von vielen Aerzten wegen seiner überraschenden Wirkungen bei Katarrhen der Luftwege in Gebrauch genommen wurde, darf nicht mit Inhalatoren älterer Korrstruktio» verwechselt werden. Sein Halipivorzug besieht in einer viel größere» Tiefenwirkung. Auch hiile man sich vor minderwerrigen Nachahnmiigen, die zwar den Kern der Sache nicht treffen, aber durch citmliche Auf- machung zu wirken bezw. Berwechseltingen mit Tancros Inhalator hervorzurufen mchen. Nicht nur bei Bronchialkamrrh leistet Täncrss Inhalator so schätzbare Dienste, wie aus dem obigen Zeugnis deS Herrn ArnlSgerichtssekrelärs Block hervorgehl, sondern auch alle anderen akulen und chronischen Katarrhe, wie Rachen-, Rasen-, Kehl- kopfkatarrh, Mitlelohikalarrh, Lungenspitzenkalarrh, Asthma usw. werden durch den kleinen Apvarat über- aus günstig beeinflußt, wie aus den nachfolgendeil uns zugegangenen Originalbriefen hervorgeht: Seil 20 Jahren Uli ich an einem chronischen Rachen« und Kehlkopskatarrh, durch welchen ich. trotz der vielen angewandten Mittel, immer mehr herunterkam. Seitdem ich Ihren Inhalator be- nutze bin ich bollständig von meinem Leiden be- »reu wie neugeboren und kann ineinen Ge- schäf'ten wieder regelmäßig nachgehen. Allen ähn- lich Leidenden werde ich Ihren Inhalator stetS empfehlen. Borbeck(Rhld.), 3. Juni 19 l2. Frau Wwe. Schroer. Sodann erhielten wir folgenden Brief, den wir gleichfalls wörtlich hier abdrucken: Mit großem Pessimismus bestellte ich Ihren Inhalator. Um so mehr erstaunt bin ich von der glänzenden Wirkung desselben bei meinem lang- jährigen Stockschnupfen, der mir bisher für bei- nahe unheilbar galt. Die Verschleimung tisit sich. die Stimme bekommt wieder den normalen Klang und der unangenehme Geruch aus der Nase ver- liert sich mehr und mehr. Auch das allgemeine Befinden ist bedeutend besser wie frühes ich bin herzlich stob, von meinem chronischen Leiden bald gänzlich besteil zu sein, und danke Ihnen herzlich für Ihren erteilten Rat. Charloitenburg, Uhlandstr. Z0. 5. Oktober 1912. Philipp Heinrich. Zum Schluß wollen wir nun noch ein Schreiben veröff-ntlichen, in dem bescheinigt wird, daß TancröS Inhalator auch bei Asthma hervor- ragende Wirkungen gezeitigt hat. Der Brief lautet: Ich kann Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß mir Ihr Inhalator, welchen ich im Februar 1912 von Ihnen bezogen habe, bei meinem mehrjährigen Asthma und hartnäckigen Husten, auch bei meiner Frau, großartige Dienste geleistet, das Asthma ist beseitigt, auch das quälende Pfeifen in der Luftröhre ist verschwunden� nun ich wieder gesund bin. spreche ich Ihnen hier mit meinen herzlichen Dank aus. Nürnberg, BartholomäuSstr. 33 I, 19. 3. 1912, Wart Wildeißen. Die Finna Carl A. Tancrö in Wiesbaden verschickt ein Heftchcu mit vielen weiteren der- artigen Anerkeimuugsbriefen, welche sämtlich mit vollen Namen und Adressen abgedruckt sind, so daß Zweifler sich nochmals persönlich über die Richtigkeil der Briefe und die vorzüglichen Wir» kungen von Tanerös Inhalator erkundigen können. Die Schreiber der betr. Briefe werden im Interesse der guten Sache gewiß gern jede gewünschte Aus» kunsr erteilen. 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Zu dem gestern von uns bereits geschilderten Vorgehen der Polizei gegen unpolitische Jugendversammlungen werden uns heute noch einige Fälle geschildert, die die ohnehin schon unverständliche Handlungsweise der Polizei in noch merkwürdigerem Lichte er- scheinen lassen. Besonders ungesetzlich verfuhr die Polizei im Lokal von Peczelis, Jasmunder Str. 3. Hier erklärte der Polizeileutnant schon vor Eröffnung der Versammlung, daß diese eine„politische sei und forderte alle Jugendlichen unter 18 Jahr auf, das Lokal zu verlassen. Da die Polizei trotz mehrfacher Borhalte auf ihrem merkwürdigen Standpunkte beharrie, gab schließlich der Versannn- lungsleiter bekannt, daß die Versammlung nicht stattfinde. Es wurde daraufhin ein geselliges Beisammensein ver- anistalt et, indem man gemeinsam Lieder sang, Rezitationen vortrug usw. Dabei ereignete sich der geradezu unerhörte Vorgang, daß. trotzdem man von der Versammlung infolge des polizeilichen Vor- gehens absah, auch eine ganze Anzahl Jugendlicher fetwa 16 bis 20), die dem geselligen Beisammenfein beiwohnten, sistiert wurden! Also nicht einmal mehr an rein geselligen Zw- fammenkünsten darf sich der Jugendliche beteiligen, ohne Gefahr zu laufen, der polizeilichen Verfolgungswut ausgeliefert zu werden! Auch die Versammlung in der„Löwenbrauerei", Hochstraße, derfiel der polizeilichen Auflösung, che sie überhaupt eröffne! war. Die Jugend ließ sich aber durch diese polizeiliche Schuldigkeit durchaus nicht beirren, sondern begab sich in das Lokal von Wils, Schulstraße, und hier konnte der Referent vor mchr als 200 Jugend- kichen ungehindert das Thema:„Die wahren und falschen Freunde der Arbeiterjugend" behandeln. Im übrigen sind uns noch verschiedene Fälle von Sistierungen Jugendlicher berichtet. Wie wahllos dabei die Polizei verfuhr, ergibt sich daraus, daß u. a. auch ein Mitglied eines christlichen Jünglingsvereins, das unserer Versammlung als Gast beiwohnte. ja die Fangarme der Polizei geriet. Wie sinntos das polizeiliche Vorgehen war, beweist die Tat- fache, daß, wie bereits berichtet, in einigen anderen Versammlungen sich die Polizei durchaus zurückhaltend zeigte. Besonders imposant verlief die Versammlung in Kellers Festsälen, KopZ>enstraße, in der Genoff« Strietzel referierte. Der Andrang der Jugend war fo groß, daß Tische und Stühle ans dem Saal herausgeräumt wer den mußten. Gegen 000 Jugendliche lauschten den Worten des Referenten, während ein großer Teil Besucher infolge polizeilicher Absperrung draußen verbleiben mutzte. Auch hier sah man ein starkes Polizeiaufgebot, doch verlief hie Versammlung ruhig und ohne jede polizeiliche Belästigung. In gleich ruhiger Weise verlief die Versammlung in den «Kreuzberg-Festsälen", trotzdem auch hier die Polizei zur Stelle war. Aber sie verhielt sich ruhig und zeigte nichts von der nervösen Aereiztheit, die in den anderen Versammlungen zutage trat. Jedenfalls ist dieses verschiedenartige Auftreten der Polizei «cht merkwürdig: während sie einige Versammlungen ruhig stattfinden läßt und damit am tvefflichsten den Beweis erbringt, daß die Versammlungen als unpolitische anzusehen sind, er- klärt sie in anderen Fällen, noch bevor die Versammlungen über- Haupt eröfftiet stich, diese einfach für politisch Di« Jugendlichen aber, denen diese merkwürdige polizeiliche Logik nicht ohne weiteres einleuchtet, werden verhaftet und drangsaliert. Gegen diese offenbaren Ungesetzlichkeiten, gegen dieses rücksichtslose volizeiliche Vorgehen wird die Arbeiterschaft Berlins zum Protest aufgerufen! Am Mittwoch, den 6. März 1913, abends %9 Uhr, soll, wie aus dem Annoncenteil der heutigen Nummer des„Vorwärts" hervorgeht, im M a r i n e h a u s, Brandenburger Ufer 1, eine große öffentliche Versammlung stattfinden mit der Tagesordnung: „Jagow und die Jugend. Der Kampf der Berliner Polizeibehörde gegen die Arbeiterjugend." Referent Genosse Dr. Rosenfeld. CafieleieD. Herr Cassel, der Führer des Berliner Kommunalliberalismus, der am 20. Februar in der Berliner Stadtverordnetensitzung so erstaunliche Beweise seiner profunden Geschichtsleiin misse gegeben hatte, fühlte sich am 22. Februar gedrungen, einen erneuten Beweis seiner historischen Ignoranz zu erbringen. Als Herr Cassel in jener Sizung des preußischen Abgeordnetenhauses abermals in tönenden Worten jenen Patriotismus verherrlicht hatte, der die Feier der großen Volks bewegung vom Jahre 1813 in keinen würdigeren und passenderen Rahmen zu bringen verstand, als in eine kirchliche Feier, die ausgerechnet aus den Geburtstag der Königin Luise an- gesetzt worden war, hatte ihm unser Genosse Hosftnann ironisch zu» gerufen:„Ohne Napoleon I. säßen sie heute noch im Ghetto!" Und wie wußte der geschichtSlundige Herr Cassel darauf zu ant- Worten? Nach dem amtlichen Stenogramm wörtlich:„Im Jahre 1813 saßen die Juden in Berlin und in Preußen überhaupt nicht mehr im Ghetto. Das haben die F ü r st e n Preußens schon länger als ein Jahrhundert vorher zu ver- bindern verstände n." Hoffmann stellte natürlich sofort fest, daß sein Zuruf den Sinn gehabt habe, daß die Juden die Gleichstellung in Preußen hauptsächlich Napoleon zu verdanken gehabt hätten. Herr Cassel wagte also wirklich zu bestreiten, daß die Emanzi- pation der Jude» einen wesentlichen Anstoß durch die französische Revolution und ihren Erben Napoleon erhalten hat. dafür erging er sich in byzantinischen Lobsprüchen auf die Könige Preußens. Selbst em mit dem Kronenorden dritter Klasse dekorierter jüdischer Justizrat sollle doch wissen, daß in der Tat die Befreiung der Juden aus den entwürdigenden Ausnahmegesetzen nicht den preußischen Königen, sondern den politischen Freiheitskämpfen zu danken ist, die rn der sranzösiichen Revolution ihren gewaltigsten. Aus- druck fanden. Schon ein Blick in das Konversationslexikon hätte ihn darüber belehren müssen. Denn selbst im Brockhaus, wir benutzen hier die Ausgabe von 1S02, steht ausdrücklich z« lesen, daß die Stellung der Juden in Preußen eine wesentliche Verbesserung erst erfahren hat. nachdem daS Königreich Westfalen unter Jerome— dem Bruder Napoleons— ihnen 1808 das Bürgerrecht verliehen hatte. Zum mindesten aber sollte Herrn Cassel doch die juristische Literatur von Berufs wegen einigermaßen bekannt sein. Wir empfehlen ihm. sich einmal da« Werl„Die früheren und gegenwärtigen Verhälinis'e der Juden in den sämtlichen Landes- teilen des preußischen Staates" anzusehen, das als Verfasser den KammsraerichlSrat Ludwig von Rönne und den Oberlandes- gerichtsassessor Heinrich Simon hat. In diese,» Werk heißt es: „Schon bei dem Friedenskongreß zu Rastatt gaben sich die »wen Mühe, in Deutschland eine allgemeine Berbcheruog ihrer Arbeiter, Parteigenossen.! Zeigt, daß Ihr nicht gesonnen seid, die unerhörten Maßnahmen, mit denen die Polizei die Bildungs- und Aufflärungsarbeit Eurer Jugend verfolgt, ruhig hinzunehmen! Erscheint in Massen in der Protest- Versammlung! f. Mehr Beachtung der gmerdehvgieue. Die Gewerbehygiene ist ein im Vergleich mit anderen Zweigen der Gesundheitspflege noch wenig beackertes Feld. Dieser Satz, mit dem der Gewerbeaufsichtsbeamte Dr. med. Holtzmann als Pri- vatdozent seine Antrittsvorlesung*) begonnen hat, ist eine in der Tat sehr berechtigte Mahnung. Und daß sie beachtet werde, dafür müssen auch wir eintreten, weil es sich hier um eine u n e r l ä tz- liche Voraussetzung eines wirklich zweckmäßigen Arbeiterschutzes handelt. Die Gewerbehygiene stellt ein Grenzgebiet dar zwischen Ge- sundheitspflege und Technik. Der Arbeiterschutz aber erfordert. daß die Techniker bei ihren Arbeiten auch die Regeln der Gesund- heitspflege beachten, und die Aerzte, welche Arbeiter zu behandeln haben, können nur dann ihre schwierige Aufgabe mit möglichst großem Erfolge erfüllen, wenn sie Einblick in die Verhältnisse haben, unter denen die Arbeiter arbeiten und leben müssen. Herr Dr. Holtzmann führt hierfür eine lange Reihe unWider- leglicher Beweise an. So hebt er die Schwierigkeiten hervor, mit denen die Krankenkassenärzte zu rechnen haben: Der Arzt kann nicht nur ein kranke? Organ, eine kranke Lunge oder einen tranken Magen behandeln; er muß stets den ganzen Menschen mit in Be- tracht nehmen. Verhältnismäßig einfach ist dies bei reichen Leu- ten. Hier braucht sich der Arzt nicht mit der Frage abzugeben, ob der Kranke mit Rücksicht auf die Kosten in der Lage ist, den guten Ratschlägen des Arztes zu folgen. Schädigungen durch die Arbeit, etwa durch die sitzende Lebensweise hinter dem Schreibtisch, lassen sich leicht durch entsprechende Bcwegungsvorschriften bekämpfen. Eine angemessene Ernährung ist leicht durchzuführen. Viel schwie- riger sind dagegen die Aufgaben des Fabrikarztes, de? ArzteS an einer Krankenkasse. Er kann ihnen nur dann in vollem Maße(je- nügen, wenn er mit der Arbeitsweise seiner Patienten vertraut ist, wenn er die Betriebe kennt, in denen sie beschäftigt sind, und die Stoffe, die hier verwendet werden: und wenn er weiß, wie diese Stoffe auf den Körper einwirken. Dieser Forderung, so erklärt Dr. Holtzmann, entsprechen v i e l e A e r z t e n i ch t. Als Grund dafür, daß sich viele Aerzte nicht genügend über die Gewerbebetriebe ihres Täiiateitsgebietes unterrichten, führt Dr. Holtzmann in erster Linie Mangel an Zeit an. Die sogenannten Kassenkönige, die täglich ihre 100 Patienten abtun müssen, können gar nicht daran denken, sich an jene Aufgabe heranzumachen.— Diesen Grund aber können die Arbeiter beseitigen. Sie können den Dienst der Kassenärzte so regeln, daß jeder Arzt nur so viele Patienten hat, wie er gründlich und ohne seiner Weiterbildung zu schaden, behandeln kann, und daß er für diese Tätigkeit genügen- des Gehali bezieht und deshalb auch feine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Kasse stellen kann. Tie vielleicht auf diese Weise verur- sachte Mehrausgabe wird reichlich dadurch aufgehoben, daß der Arzt sich tüchtig einarbeitet, die Patienten besser behandelt und sie schneller wieder herstellt. Schwieriger ist es für die Arbeiter, de» zweiten von Tr. Holtz- mann hervorgehobenen Grund für die ungenügende Ausbildung der?lerzte zu beseitigen, nämlich den Mangel an Verständnis und Entgegenkommeck der Betriebsleiter. Eö gibt Unternehmer, die eine übertriebene Furcht vor dem Verrat von Betriebsgeheimnissen haben oder dem Arzt den Eintritt in die Fabrik deshalb wehren, weil sie dadurch eine„Beunruhigung" der Arbeiter befürchten. Dr. Holtzmann beruft sich hier auf folgenden Fall: Eine Arbeiterschutz- bestimmung schreibt für Bleibetriebe regelmäßige ärztliche Unter- suchungen der Arbeiterinnen auf Bleierkrankungen vor. Die Durchführung dieser notwendigen Maßnahme hat einen Unter- nehmer— Und zwar nicht etwa einen kleinen Handwerksmeister— gewaltig empört. Er leistete sich in einem Schreibebrief folgenden Erguß, einer arbeiterfreundlichen Seele: „Wir benutzen die Gelegenheit, auf die auffallende Tatsache aufmerksam zu machen, daß sich die Fälle von Bleikolik in den letzten Monaten so sehr vermehrt haben, daß wir beinahe an- nehmen müssen, die ständige Kontrolle habe die Arbeiterinnen erst auf das Gesundheitsschädliche der Beschäftigung hingewiesen. Wir erinnern uns aus der früheren Zeit der nur an vereinzelte Fälle, während jetzt fast ständig eine der Arbeiterinnen angeb- lich an Bleikolik erkrankt ist. Wir glauben deshalb zu der An- *) Die Vorlesung ist abgedruckt in Nr. 1 des„Zentralblattes für Gewerbe-Hygiene". Lage zu erhalten: durch die Auflösung dieser Versammlung wurden ihre Hoffnungen vereitelt. Als nun nach dem Frieden von Liineville der Deutsche Reichstag sich mit einer neuen Ver- teilung und neuen staatsrechtlichen Einteilungen Deutschlands beschäftigte, erneuerten die Juden ihr Bemühen. Sie übergaben ein« Denkschrift, in welcher sie ihre Ansprüche auseinandersetzten. Praktische Erfolge wurden für sie jedoch erst durch die französischen Eroberungen in ein- zelnen Teile ri Deutschlands herbeigeführt. Die französische Revolution erhob die deutschen Juden auf den« linken llfer des Rheins aus Schützlingen zu Staatsbürgern: bei Gründung des Großherzogtums Berg und des Königreichs Westfalen drang diese Emanzipation tief in das Innere Deutsch- lands bis an die preußischen LandeSgrenzen vor mid es stellten dieselben, ebenso wie die Verfassimg des Großherzogs von Frankfurt vom 28. Dezember 1811, die jüdischen Untertanen den christlichen gleich. Preußen folgte hier in für alle seine Länder durch das Edikt vom 11. März 1812 n a ch." Was es mit der Emanzipation der Juden in Preußen aus sich hatte— Herr Cassel rühmt doch die preußische Gesetzgebung des Jahrhunderts vor den Befreiungskriegen—, darüber kann sich Herr Cassel auf Grund des eingehend dargestellten Gesetzesmaterials des genannten Werkes des näheren informieren. Er wird dann finden, daß den Juden in dem srederizianiichen Preußen nur eine höchst begrenzte Duldung zuteil wurde, daß ihr Aufenthalt auf wenige LandeStcilt beschränkt war, daß die Zahl der ge- duldete» königlich preußischen Sckutzjuden den k l e i n l i ch st e n und widernatürlichsten Schikauen unterworfen war und daß namentlich für die Verheiratung der Juden Bedingungen bestanden. die selbst ein so lammfromm- liberales Gemüt wie das des Herrn Cassel mit Empörung hätten erfüllen sollen. So sah die Befreiung der Juden aus mittelalterlicher Knechtschaft in Preußen auS! Und erst im Jahre 1812 wurden die Juden unter dem Druck der durch Napoleon geschaffenen Lerhältnisie in Preußen für Inländer und preußische Staatsbürger erklärt. Aber nicht einmal vom Jahre 1812 ab bestand eine wirkliche Gleichberechtigung der Juden! Als die Fürsienbefreiung durchgesetzt war, erging es den Juden wie dem Volke überhaupt. Sie wurden in ihren Hoffnungen und Rechten schmählich geprellt. Seit 1814 traten in den verschiedenen deutschen Staaten empfindliche Rück- schlage ein. In Preußen wurden die Juden von Lehr- und Ge- meindeämtern, von der Beförderung im Militär ausgeschlossen. Erst eine zweite Revolution war notwendig, bis durch die Ver- fasiuug vom 3t. Januar 1860 die volle Gleickistellimg der Juden mit den übrigen Staatsgenosscu ausgesprochen tvurde. deren Durchführung aber auch dann noch mancherlei Hemmnisse erfuhr. Erst durch das Reichsgesetz vom». Juli 1ö6S wurden die noch bestehenden Be- schränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlich« Rechte nähme berechtigt zu sein, daß von den Erkrankungen an Blei- kolik manche Fälle ebensogut als gewöhnliche Darmkrankheiten hätten diagnostiziert werden können, wenn nicht durch die vielen Vorschriften aus die Möglichkeit der Erkrankungen an Bleikolik hingewiesen ivorden wäre." Welch ein— Verbrechen, daß die Arbeiterinnen über die Art ihrer Krankheit Und deren furchtbare Folgen jetzt aufgeklärt und dadurch veranlaßt werden, mehr als bisher auf ihre Gesundung be- dacht zu sein! Mit diesen:„Verbrechen" müssen sich aber die Un- ternehmer um so mehr abfinden, je entschiedener die Arbeiter selbst für alle zweckmäßigen Maßnahmen zum Schutze ihrer Gesundheit eintreten. lind wieviel ist hier noch zu tun! �Der Chemiker hat in sehr vielen Fällen gewerbehpgienischcs Wissen zu verwerten. Schier unerschöpflich sind die Möglichkeiten, daß die Arbeiter bei ihren Arbeiten durch Vergiftungen schwer geschädigt werden._ Dr. Holtz mann weist auf die lange Reihe derart gefährlicher Stoffe hin und fährt dann fort: Bei der Herstellung aller dieser Stoffe ist der Che- miker, kraft seiner Fachkenninisse berufen, durch sorgfältig ausge- suchte Apparate und zweckmäßige Schutzvorschriften den drohenden Vergiftungen vorzubeugen. Diese Bemühungen erinnern die Che- miker immer wieder an die Gefahren der ihrer Aufsicht unter- stellten Arbeiten. Ilnd das ist sehr gut. Die Gewerbeaufstchts- beamten sehen täglich, daß die beteiligten Kreise nur zu oft die Ge- fahren allmählich nicht mehr wichtig nehmen, die sie täglich um- geben, und an die sie sich daher schließlich gewöhnt haben. Vielfach sind die Gefahren, ans die die Maschinenfabrikation Rücksicht zu nehmen hat. Beim Baumeister bilden die allgemein hygienischen Fragen der Lüftung, Heizung und Belichtung einen wesentlichen Teil seiner Ausbildung. Als Bauleiter muß er auch auf den Schutz der Bau- arbeiter bedacht sein. Die' am Bau beschäftigten Arbeiter sind bei Trockenheit des Materials oft der Gefahr ausgesetzt, daß sie schädlichen Steinstaub einatmen. Ein Kalkspritzer ins Auge kann zu schweren Verätzungen führen, wenn nicht bald die richtige Hilfe angeordnet wird. Ganz besondere Sorgfalt ist die Pflicht des Bau- leiters, welcher Arbeiten in Druckluft unter dem Wasserspiegel auS- führen läßt.„,., Schließlich bemüht sich Dr. Holtzmann, d:e m:t der Betriebs- leitnng betrauten Techniker für die Teilnahme an der Durchführung der Arbeiterversicherung zu gewinnen. Sehr wertvoll kann ihre Mitwirkung bei der Beantioortnr z der Frage sein, in welchem Maße ei nArbeiter noch arbeitsfähig ist, der eme llnfaNentschädigung oder eine Invalidenrente fordert. In einer badischen Aerztezeitnng habe sich ein Arzt darüber beklagt, daß in der ArbeUerversichernng den Aerzten oft ein Urteil über Dinge zugemutet wird, die sie nach ihrer Vorbildung gar nicht entscheiden können. Der Arzt schreibt wörtlich:,~ „Nun ist es aber klar, daß die Entscheidung über Invalid,- iät in vielen Fällen gar keine ärztliche sein kann. Wir sind wohl in der Lage, eine merischliibe. Ruine festzustellen; wie sich der Besitzer aber darin einzurichten vermochte, in welchem Grade er sich irotz derselben seine Erwerbsfähigkeit bewahrt hat, ist eine ganz andere Frage. Der soziale Befund der Bewerber geht uns streng genommen gar nichts an." Sehr richtig. Deshalb verlangen wir bereits seit jeher, daß in diesen Fällen auch solche Sachverständige gehört werden, welche die Arbeitsverhältnisse genau kennen. Aber auch hier müssen die Arbeiter auf dem Posten sein, sonst werdeil nur zu viele Versiche- rungsanstalten und Berufsgenossenschaften sich einen Stamm tech- nischer Sachverständigen beschaffen, deren Gutachten möglichst zii-r Ungunsten der invaliden oder verunglückten Arbeiter ausfallen. Die Gewerbehygiene muß eben in allen beteiligten Kreisen immer mehr beachtet werden: bei den Aerzten, Technikern nnd Arbeitern.____ Km Industrie und Kandel. Laurahntte. A» der gilnstige» Konjunktur in der Schwerindustrie hat aucb der Bergbau Oberschlesiens vollen Anteil, wie aus den Ergebnissen der Vereinigten Königs- und Laurahütte A.-G. für das erste Semester des Geschäftsjahres 1012/13(Jilli-Dezember 1012) hervorgeht. Nach den Angaben der Verwaltung bernig die S t e i n k o h l e n f ö r d e- rung 1 767 663 Tonnen oder 116 042 Tonnen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sie Ivnr durch Arbeitermangel begrenzt, fand schlanken Absatz und konnte den Anforderungen des Marktes nicht immer genügen. Die R o h e i s e» p r o d n k t: o n bellef sich auf 133 238 Tonnen oder 10 882 Tonnen mehr als im gleichen Zeit- räum des Vorjahres. Sie ivurde fast ausschließlich zur Welter- Verarbeitung in eigenen Betrieben verwendet. � Zu der starken Besckiäftigling. die aus dem vorigen Geschäfts- Juden aufgehoben. So liege» die Dinge in Wirklichkeit— und da hatte der liberale Polititer am 22, Februar des Jahres 1013 den Mut. den vreußischen Fürsten daS Verdienst der Juden- befreiung zuzuschreiben I Aber Herr Cassel mußte doch seinen devotesten Dank für die Berleihimg des»ronenordens dritter Klasse abstatten. Er iimbte sich in byzantinischen Purzelbäumen über- schlagen, um von neuem die politische Charakterlosigkeit beS Liberalismus zu beweisen, um den— Beifall der Rechten einzu- heimsen I Herr Cassel hat ja, trotzdem er Mitglied der Synagoge ist, seinen Orden gekriegt. Daß heute die Juden sogar hoffähig sind, allerdings nicht die„Schnorrer und Verschwörer", sondern nur die Repräsentanten des beschnittenen K a p l t a I s, ist eine all- bekannte Geschichte. Ja, es ist vielleicht sogar möglich, daß in Preußen auch demnächst einmal stammesechte Juden Offiziere werden können, selbst dann, wem, sie sich nicht vorher haben schmaddeu lassen. Aber das sollte doch liberale Politiker nicht dazu ver- leiten, den preußischen Königen allerhand politische nnd fortschritt- liche Ruhmestaten anzlidichteii, die nicht ihnen, sondern der Wirt- s ch a f t l i ch e>, E n t>v i ck e l u ii g, der Aufklärungsarbeit revolutionärer Geister und den Befreiungskämpfen der Völker zu danken sind! Von der Jlidenfreundschaft Friedrichs des Großen haben wir schon gesprochen. Daß Friedrich Wilhelm III. das, lvas durch das Edikt vom 11. März 1812 hatte gewährt werden müssen, der junkerlichen Reaktion zuliebe wieder verstümmeln ließ, haben wir gleichfalls gezeigt; aber mehr noch. Dieser von dem Berliner KommunalliberaliSmus so gepriesene Landesvater fand auch einen besonderen Spaß daran, seine geliebten Juden nach Kräften zu hänseln. Als sich herausstellte, daß ein Kaufmann, den er wegen des Vornamens Ferdinand für einen Christen gehalten und zum Hos- lieferanten ernannt hatte, ein Jude war, wurde eine hitzige Jagd gegen die christlichen Borna»len der Juden er- öffnet I Diese königlichen Scherze wurden auch von König Friedrich Wilhelm IV. fortgesetzt, dem deshalb der kosmopolitische Nachtwächter (Franz Dingelftedl) spottend zurief: Auch sorg' er, wie ein Schuldespot, sich nicht um Jüdennamen, Wer wird denn grausam gegen Schmul und strenge gegen Jtzig sein? Und wie eS in den Jahrzehnten nach den Freiheitskriegen mit der Gleichberechtigung der Juden aussah, ergibt sich schon daraus, daß in der Gegend von Krotoschin die Juden zivar die Schöpse von den Gütern kaufen, aber nur die Vorderviertel für sich behalten durften, während sie die Hinterviertel den Christen überlassen, Felle, Wolle und Fleisch aber nach vorgeschriebenen Preisen berechneil mußten. Dafür mußten sie wieder die Steine ans der Ziegelei in Kroloschin teurer zahlen ivie die Christen. Wenn also das Proletariat alle Ursache hat, den selbst von Treitjchke nicht bestrittene« zwieschlächtigen Charakter der BefremngSkriege so der j scharf wie möglich zu beleuchten und die Bolkserhcbung des jähr übernommen wurde und die sich im Berichtshalbjahr noch steigerte, trat sowohl auf den Gruben alZ auf den Hütten allmählich auch eine Aufbesserung der Erlöse, der etwas erhöhte Löhne und ge stiegen« Rohmaterialienpreise gegenüber stehen. Der Umsatz be� trug 45 803 713 M., d. i. 5 963 645 M. mehr als im gleichen Halb jähr des Vorjahres. Nach Abzug der Zentralverwaltungskosten und Zinsen verblieb ein Gewinn von 5,867 Millionen Mark. Der Gewinn des Berichtssemesters betrug 1,949 Millionen Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und entstammt zum größeren Teil den Betrieben der schlesischen, zum kleineren denjenigen der polnischen Hütten. Die Steigerung der Gewinne seit der letzten Konjunkturperiode wird deutlich aus folgender Zusammenstellung ssür die zweite Hälfte jedes Jahres): 1907.. 3.835 Millionen 1908.. 2,835 1909.. 2,665. 1910.. 3,295, 1911.. 3,919,. 1912.. 5,867 Heber die weitere EntWickelung äußert sich die Ver- waltung: Die Ausfichten für das zweite Halbjahr dürfen als befriedigend bezeichnet werden, falls nicht kriege- rische Verwickelungen und anhaltende Versteifung des Geld- standes unvorhergesehene Schwierigkeiten hervorrufen. Das Kohlengeschäft brachte in den beiden ersten Monaten des neuen Halbjahres(Januar und Februar 1913) erhöhte Versandziffern bei besserer Verwertung. Die Versendungen Oberschlesiens überstiegen in diesen beiden Monaten die ohnehin schon günstigen Ziffern von 1912 um reichlich 15 Proz. Die Gesamtlage des Kohlenmarktes ist eine durchaus gesunde, jedenfalls hat die Slufwärtsbewegung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, auf keinen Fall aber schon über schritten. In der Eisenindustrie will-inan an einzelnen Stellen aus einer gewissen Zurückhaltung der Händler und gelegentlichen Unter- bietungen bei Submissionen, die augenscheinlich den Zweck verfolgen, die Werke dem Handel zu Preiskonzessionen gefügig zu machen, ein Nachlassen der Konjunktur folgern. Zu dieser Annahme liegt bei der Verfassung des oberschlefischeu Eisengeschäftes kein Grund vor. Die Walzwerke und Werkstätten der Gesellschaft sind bei gestiegenen Erlösen auf viele Monaie hinaus gut beschäftigt. Der in das zwefte Halbjahr übernommene Auftragsbestand der Hüttenwerke hat einen Wert von 21V« Millionen Mark, d. i. 23/4 Millionen Mark mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. »nd Diskouto Bauk ab mit einem Reingewinn von 4 946 409,14„ 4 627 568,37 Die Kommerz- schließt ihr Geschäftsjahr 1912 7.224 Millionen(gegen 6,814 im Jahre 1911), woraus wie im Vor« jähre 6 Proz. Dividende auf das Aktienkapital von 85 Millionen ausgeschüttet werden. Unter den Ausgaben sind besonders die allgemeinen Verwaltungsunkosten und die Steuern angewachsen, was zum größeren Teil auf der Ausdehnung der Bank durch neue Filialen beruht. Die Einnahmen zeigen folgendes Bild: 1912 1911 Gewinnvortrag..», �. 667 560,29 M. 291 953,49 M. Zinsen........... 7 724 890,86, 6 963 515,26 Provision......... Gewinn auf Wertpapiere und Kon- sortialbeteiligungen..... Kursgewinn auf Wechsel.... Kursgewinn aufSorten u.Zinsscheine 14 701 620,46 M. 13537 515 ö9M. Gestiegen sind die Gewinne aus Zinsen. Provifion, Kursgewinnen auf Wechsel und Wertpapiere. Von den Krisen an der Börse und den teueren Geldverhälmissen hat also auch diese Bank reichlich profitiert. Gesunken sind Nur die Einnahmen aus dem E ffekten- und Konsortialgeschäft. Hier betrug der Rückgang fast 500 000 Mark. Die Stockung in der NeuauSgabe von Wert- papieren hat der Bank einen recht empfindlichen Ausfall gebracht. Der Gesamtumsatz betrug 33579 Milliarden Mark. 673 493,10 593 727,97 95 539,10 1058286.22 510 827,04, 85 360,21 Gerichts-Zeitung Ein Mordversuch an der eigenen Schwester führte gestern den 16jährigen früheren Arbeitsburschen, jetzigen Fürsorgezögling Bruno Rumke aus Neukölln vor die 4. Straf- lammer des Landgerichts II. Die Anklage gegen ihn lautete auf schweren Diebstahl und versuchten Mord. Den jugendlichen Ange- klagten hatte aus Mitleid seine ältere«chwester, Ella Ranke, auf- genommen, soweit sie es mit ihren geringen Mitteln konnte, für seinen Unterhalt zu sorgen. Als er in Erfahrung gebracht hatte, daß seine Schwester von ihrem Verdienst sich ein paar hundert Mark zurückgelegt hatte, reifte in dem Burschen der furchtbare Plan, seine Jahres 1813 vom Standpunkt des geschichtlichen Fort- schritts aus zu betrachten, dagegen alle Byzantinereien mit äußerster Entschiedenheit abzulehnen, so hat erst recht jeder jüdische Staatsbürger Veranlassung, den geschichtlichen Tatsachen die Ehre zu geben und nachzuweisen, daß auch die Befreiung des Judentums nichts anderes war als das Werk der geistigen und politischen Freiheits- kämpfe der Volksmassen. Herr Cassel aber, der Jude und Liberale, erging sich in Schmähungen solch fortschrittlicher Geschichtsbetrachtung und in widerlichsten Byzantinereien, die ihm im preußischen Ab- gcordnetenhause sogar den stürmischen Beifall der Junker eintrugen. Besäße Herr Caffel auch nur eine Spur liberalen Geistes und jüdischer Selbstachtung, so könnte es nichts Peinlicheres kür ihn geben, als die Beifallssalven de? preußischen Junkertums einzuheimsen. Denn auch das sollte Herrn Cassel gut genug bekannt sein, wie gerade die konservative Partei seit jeher über die Juden ge- urteilt hat. Auch hier möchten wir Herrn Cassel empfehlen, einmal nachzulesen, was jene Enzyklopädie des Konservatismus, das Wagenersche Staats- und Gesellschaftslexikon, in seinem 3. Bande über das Judentum enthält. Daß dort die Bewegung von 1348 als spottschlechtes Judenmachwerk charakterisiert wird, wird Herrn Cassel ja freilich wenig berühren. Minder angenehm wird es ihm schon sein, daß dort die feigsten und grausamsten Mitglieder der Bande des berüchtigten S chinderhannesals Juden charakterisiert werden. Besonders lieblich aber wird vielleicht Herrn Cassel das Folgende klingen: .Der Jude kann nicht fest und sicher stehen; es fehlt ibm gleichsam der innere leibliche und seelische Ständer. Sein Fuß ist meistens ein Plattfuß; sein ganzes Untergestell ist in dem unleren Teil, wie beim Neger, meistens schwach und fehlerhaft ausgebildet und oben unrichtig an den Oberleib angefügt.... Dem Rücken fehlt die Festigkeit des Grats, und er ist schon vor- zeitig gekrümmt; der übergroße Wulst deS Hinterhauptes, der Sitz der Affekte, schiebt den Kopf nach vorwärts und macht - demselben ein e 4v ürdige aufrechte Haltung un- möglich.... Einen Hut— das Zeichen der Freiheit— kann der Jude endlich gar nicht tragen, er schwebt immer nach hinten, wohin ihn die Affcktenwulst des Hinterhauptes zieht, während der Vorderkopf nach vorn herunterfällt. Der Jude ist kein aufrechtes Wesen... Sollte Herr Cassel wirklich nicht ahnen, daß unsere Junker auch heute noch ebenso über die Juden denken, wie im Jahre 1862? Sie lassen sich die aufdringliche Unterstützung eines Cassel und eines Mugdan gegen den Träger des wirklichen Fortschritts, den wirklichen Vertreter der Gleichheit alles deffen, was Menschenantlig trägt, die Sozialdemokratie, zwar gern gefallen. Aber ihre Ver- achtung gegen die jüdisch-liberalen Handlanger ihrer reaktionären Volksknebelunq ist darum nicht geringer. Gerade so verächtliche Reneaatendieiiste. wie sie Herr Cassel der Reaktion erwiesen hat, werden die Junker in ihrem unverftoren verallgemeinernden Urteil stärken:.Der Jude ist kein aufrechtes Wesen." Schwester umzubringen und sich dann in den Besitz des Geldes zu setzen. Er verschaffte sich aus einer Drogerie Kleesalz und setzte sich dann, ohne daß ihm irgend eine besondere Erregung anzumerken war, am anderen Morgen zu seiner Schwester an den Kasfeetisch. Als diese sich einen Augenblick umdrehte, schüttete er ihr ein Quantum Kleesalz, welches ausgereicht hätte, um zehn Menschen zu töten, in die Kaffeetasse. Nur durch den Umstand, daß sich in dem losen Pulver Luft befand, welche dann in Blasen empor stieg, wurde das Mädchen aufmerksam, daß irgend etwas mit dem Kaffee vorgenommen sein mußte. Der Angeklagte, der mit dem heitersten Gesicht daneben saß, bekam es nun doch mit der Angst zu tun, als er sah, daß seine Schwester den Kaffee in einen Topf goß und dabei das weiße Pulver entdeckte, welches sich noch nicht aus gelöst hatte. Der jugendliche Verbrecher stand plötzlich auf und ver lieh in fluchtartiger Eile die Wohnung. Erst jetzt kam die R. da- hinter, daß sie_soeben durch einen Zusall dem sicheren Tode ent- rönnen war. Sie trug den vergifteten Kaffee zur Polizei und er- stattete Anzeige. Vor Gericht räumte der Augeklagte das von ihm geplante furchtbare Verbrechen, ohne besondere Reue zu zeigen, ein. Ebenso gestand er, aus einem Keller zwei Fahrräder gestohlen zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 7 Jahren. Das Gericht erkannte nur auf 2 Jahre und 7 Monate Gefängnis, nach deren Verbüßung der Angeklagte wieder der Erziehungsanstalt überwiesen werden soll, da nur auf diese Weise die Hoffnung gegeben ist, daß aus ihm doch noch ein brauchbarer Mensch wird. Kann die Fürsorgeerziehung nutzen, wenn nicht die sozialen und physischen Grunde, die zu der furchtbaren Tat führten, er- mittelt werden?_ Die Reformbedürftigkeit des Jrrenrechts wird wieder einmal durch einen Fall der arglistigen Einsperrung in ein Irrenhaus illustriert, der bor kurzem der Aburteilung der 17. Zivilkammer des Landgerichts I unterlag. Der Eisendreher Max Hundt hatte seine Ehefrau im Verdacht der ehelichen Untreue und behauptete wiederholt, daß nicht er, sondern ein Bäckermeister B. der Bater eines von seiner Ehefrau geborenen Kindes sei. Die Ehefrau, der diese Vorwürfe unbequem waren, wandt« sich an den Arzt Dr. Bärnbauni und informierte ihn dahin, daß ihr Ehemann an Verfolgungs- und Eifersuchtswahn leide. Der Arzt fragte nach einer Konsultation den Ehemann u. a., ob er Stimmen höre, Ohren- sausen habe und sich verfolgt glaube. Der Ehemann verneinte alle diese Fragen. Nach dem Eindruck, den er selbst gewonnen und mit Rücksicht aus die Angaben der Ehefrau stellte dann Dr. B. auf einem Rezeptzettel folgendes Attest aus:„Herr Max Hundt leidet an Verfolgungswahnsinn, er ist gemeingefährlich und bedarf der sofor tigen Aufnahme in eine geschlossene Irrenanstalt." Bald darauf erschienen einige handfeste Wärter der Maison de Santa in der Wohnung des Ehemannes, brachten ihn in einen Krankenwagen und dann nach der Schöneberger Anstalt. Nach der Einlieferung erfolgte die Nachprüfung der Zulässigkeit der Jnternierung durch den stell- vertretenden Kreisarzt Dr. Schöneberg. DaS Attest führt u. a. aus: Max Hundt habe einen durchaus ruhigen Eindruck gemacht, sei über Zeit und Ort gut orientiert und beantworte die Fragen seinem Bildungsgrade entsprechend, er werde jedoch vonjnr Idee der ehelichen Untreue seiner Ehefrau verfolgt; sein verändertes Tempera- ment, Schlaflosigkeit und die bei ihm plötzlich aufgetauchte Idee von der illegitimen Herkunft seines Sohnes seien Symptome einer„br ginnenden Geistesstörung". Seine Unterbringung in einer ge- chlossenen Irrenanstalt sei zulässig, um ihn und ferne Angehörigen vor Schädigungen zu bewahren. Einige Zeit darauf beantragte die Ehefrau aus materiellen Gründen die Entlassung ihres Ehemannes und diese erfolgte, nachdem sie gegenüber der Anstaltsleitung fol- enden Revers unterzeichnet hatte:„Es ist mir bekannt, daß mein ihenrann nicht geheilt ist und der ständigen Beauffichiigung bei Tag und Nacht bedarf." Nach der Entlassung Hundts erfolgte allmonatlich die polizeiliche Kontrolle über sein Verhalten. Er hatte nun in der Familie jede Autorität verloren und da er von der Ehefrau ortgesetzt provoziert und ihm mit der nochmaligen Jnternierung gedroht wurde, entschloß er sich, gerichtlichen Schutz in Anspruch zu nehmen und durch seinen Prozeßbevollmächtigten Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried die Ehescheidungsklage zu erheben. Diese stützte sich sowohl auf Ehebruch als auch auf ehrloses und unsittliches Verhalten durch falsche Angaben zum Zwecke der Her- beiführung der Jnternierung. Das Gericht vernahm einerseits den Bäckermeister B. und forderte andererseits zum Zwecke der Fest- stellung der Intrige die Akten der Schöneberger Irrenanstalt ein. Nach Erhebung der Beweise fällte die 17. Zivilkammer das Urteil: „Die Ehe der Parteien wird geschieden, die Beklagte trägt die Schuld an der Scheidung." Die uns vorliegenden Urteilsgründe führen u. a. aus:„Tie Prozeßfähigkeit des Klägers steht außer Zweifel. Der Kläger macht bei der Vernehmung zwar einen etwas schwer- fälligen Eindruck, war aber sehr wohl imstande, alle Borgänge klar und logisch zu schildern. Seine auf Ehebruch gestützte Klage ist be- gründet, es ist durch die Beweisaufnahme für erwiesen erachtet, daß die Beklagte mit dem Bäckermeister B. Ehebruch getrieben hat. Die Beklagte hat sich aber auch schwerer Verfehlungen schuldig gemacht, die den Kläger berechtigen, wegen ehrlosen und unsittlichen Verhal- tens der Ehefrau Scheidung zu verlangen. Die Beklagte hat durch unwahre Angaben, ihr Ehemann habe die fixe Idee, daß sie, die Be- klagte, mit dem Bäckermeister B. Ehebruch treibe und sonstige Wahn- Vorstellungen habe, die Ueberführung ihres Ehemanns in die Irren- anstalt veranlaßt. Sie mutzte, daß die Annahme des Ehebruchs keine Wahnidee war, sondern der Wahrheit entsprach und verfolgte mit der Unterbringung den Zweck, der lästigen Aufsicht ihres Ehe- inannes bei ibren intimen Beziehungen enthoben zu sein. Sie hat serner den Kläger bis in die letzte Zeit hinein damit bedroht, daß jie ihn erneut in das Irrenhaus aufnehmen lassen wolle. Der vorliegende Fall zeigt wieder, wie dringend erforderlich es ist, die Zulässigkeit von Jnternierungen von richterlicher Entscheidung im geordneten Gerichtsverfahren abhängig zu machen. Huö aller Welt. Per mit dem Cdablreditl Die silärzenluft durebwörzt die CQelt, In braunen Knospen ftebn die Birken. Der frubting will lieh bald fein f cid jviit erftlingsblumen bunt durchwirken. Und ringsum rüstet Jedermann Zum Kampfe gegen JVacbtgewalten, Da treten auch wir fraucn an, Um unfern platz im Kampf zu hatten. Wag immer unfern Männern droht, Huf uns fällte doppelt schwer hernieder. Schrill ttznt des Kindes Schrei nach Brot In unfern jAutt erberzen wider. CBir feben, wie Tie mehr und mehr Die Lebensmittel uns verteuern, Und drebn den Groschen bin und her, Um nur der größten]Sot zu steuern, Doch wenn wir unser gutes Recht Verteid'gen gegen unsere feinde, plärrt man das Theater«harlotteubura. Konnwanachmittag�S Uhr: l'pflr. Abenbs. l___-r. oj«, Schmer> Theater(kharlottenbura. S omiiaanachmluag s uyr. König Lear. Abends: Die Reise durch Berlin in � S�den. Mmtag: Gyges und sein Rmg. Dienstag: Uriel Aeosta. M.ttwoch n Tonnerstag: Ghges und fern 3Ung, Freitag; Ter Andere. Sonnabend. Gyges und fem Ring,«onntagngchnitttag 3 Uhr: König Lear. AbendS und Montag: GygeS und sein Ring.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Allabendlich: Puppchen.(Ansang S Bhfc) Friedrich• Wilhelmftadt. Schauspielhau?. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Preciofa. Allabendlich: Panier Lust(Anfang 8>/« Uhr.) Sonn- abcndnachmitlaz: Wilhelm Tell. Theater in der Königgräher Straße. Sonntag: Die süns Frank- surter. Montag: Brand.(Llnsang 7l/j Uhr.) Dienstag und Mittwoch: Die süns Franksurter. Donnerstag und'Freitag: Macbeth.(Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Brand, l Ansang 7>/z Uhr.) Sonntag: Macbeth.(Ansang VI, Uhr.) Montag: Brand.(Ansang 7l/s Uhr. An den übrigen Tagen Ansang s Uhr.) Neues Bolks-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Helden. Abends: Jugend. Montag: Die Wildente. Dienstag: Helden. Mittwoch: Die Wildente. Donnerstag: Helden. Freitag: Die Hexe. Sonnabend: Die Wildente. Somitagnachnuttag 3 Uhr: Helden. Abends: Der Raub der «abinerinnen. Montag; Helden.(Ansang 81/, Uhr.) Lustspielhaus. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: So'n Windhund. All- abendlich: Majolika.(Ansang 8'/« Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mein alter Herr. Komödienhaus". Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Stistungssest. Abends und Montag: Die Generalsecke.(Ansang 8 Uhr.) IIb Dienstag: Der Schönheitssalon.(Anfang VI, Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Stistungssest. Residenz- Theater. Allabendlich: Die Frau Präsidentin.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag: Der gute Ruf. Montag: Erste Warnung. Der Stärkere. Debet und Kredit. Dienstag: Der gutsitzende Frack. Mittwoch: Der gute Ruf. Donnerstag: Der gutsitzende Frack. Freitag: Erste Warnung. Der stärkere. Debet und Kredit. Sonn- abend und Sonntag: Der gutsitzende Frack. Montag: Erste Warnung. Der stärlere. Debet und Kredit.(Ansang 8 Uhr.) Triauon-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toup'mel. Allabendlich: Wenn Frauen reisen.(Anfang 8 Uhr.) Montis LPemtc»-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der sidele Bauer. Allabendlich bis Freitag: Der liebe Augustin. Ab Sonnabend: Der Zigeunerprimas.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorsplah. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Allabendlich bis Donnerstag: Die Studentengräfin. (Ansang 8 Uhr.) Ab Freitag: Extrazug nach Nizza.(Anfang VI, Uhr.) Sonnabendnachmittag: Maria Stuart. Sonntagnachmittag 3's, Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Kurfürsten- Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rigoletto. Abends: Der Kuhreigen. Montag: Der Troubadour. Dienstag: Tosca. Mitt- woch und Donnerstag: Der Kuhreigen. Freitag: Rigoletto. Sonnabend: Tosca. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Rigoletto. (Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der Frauen- sresier. Allabendlich: Die beiden Husaren.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Thrater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapsenstreich. Abends: Die bezähmte Widerspenstige. Montag und Dienstag: Der Weg zum Himmel. Mittwoch: Mein Leopold.(Ansang 8llt Uhr.) Donnerstag bis Sonnabend: Der Weg zum Himmel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mein Leopold. Abends: Der Weg zum Himmel. Montag: Die bezähmte Wider- spcnstige.(Anfang 8 Uhr.) Luisen-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Berlin— Hamburg— New Jork. Abends u. Montag: Und hätte der Liebe nicht..."Dienstag: Im wunderschönen Monat Mai. Mittwoch: Und hätte der Liebe nicht... Donnerstag bis Sonnabend: Im wunderschönen Monat Mai. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht... Abends und Montag: Im wunderschönen Monat Mai.(Ansang 8 Uhr.) Castno-Theater. Sonntagnachmittag i Uhr: Der Heimatlose. All-, abendlich: Am grünen Strand der Spree.(Ansang 8 Uhr.) Herrnfeld> Theater. Allabendlich: Die Schonzett-Jägcr. LiebeSprobc. (Ansang 8 Uhr.) Metropol-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Abends bis Dienstag: Ehaufieur— ins Mctropol! Mittwoch bis Freitag geschlossen. Ab Sonnabend: Kino-Königin.(Ansang 8 Uhr.) Theater Grost-Berli». Allabendlich: Das Fürstenkind.(Ansang 8 Uhr.) Urania-Theater. Allabendlich:.Hohenzollern'-Fahrten.(Anfang 8 Uhr.) Mittwoch: Vortrag Exzellenz Czerny. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz.(Anfang 9 Uhr.) ReichSballcii-Theater. Allabendlich: Meyers Hosen.(Aus. 8 Uhr, Sonntags 7'/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/- mid allabendlich 7'/. Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag S'l, Uhr und allabendlich VI, Uhr: Galavorstellung. ' Königstadt Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten, sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Apollo-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialttäten. All» abendlich 8 Uhr: Die schöne Galathce unh Spezialitäten. Foltes Eaprice. Allabendlich: Die Doppelfirma. Der Fall Katzenslei» Die Tochter der Braut.(Ansang 81/, Uhr.) Walhalla> Theater. Allabendlich: Parole Walhalla.(Ansang 8'lt Uhr.) Käuflich�� inApofheKen?� Drogerien Oehkafeß Gefchaften f KStzHESS««»NASsGS Unserem Genoffen J Max Weyland � >zs nebst Braut zu ihrer Ver- W G lobung die herzlichsten Glück- G Q wünsche. 28 A ö � Die Kommission® des 827. Bezirks, 6. Kreis. -EEEHO«« Die herzlichsten Glückwünsche W ® zur Vermählung unseres Be- W v zirkssührers Otto Fischer mit w J Fräulein Frida Raake.(S«A Z Die Genossen des 530. Bezirks SKSSAAtzOHHGtzl IHSil Todes-Anzeigen Ml Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder und Cousin Fritz Rettig nach kurze» schweren Leiden ver- storbeu ist. Die Beerdigung findet Wontag i'l, Uhr von der Leichenballe deS PlnlippuS-Apostel-Kirchhoses aus statt. 43A !eiitraI-Men- u. SWasse der deutseben Wapbaoer. Bezirk 16. De» Mtt gliedern zur Nachricht, daß unser Kollege kri�U Rettig am 26. Februar gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. März, nach- mittags S1/, Uhr, von der Halle des Virchow- Krankenhauses aus nach dem Städttschen Friedhos, Seestraße, statt. 257/10 Tie Ortsverwaltung. Deotseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schlosser Julius Büttner gestorben ist. Die Beerdigung findet om Sonntag, den 2. d. Mls., nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des 3. PankowerDemcinde- Friedhoses in der Schönholzer Heide statt. Ferner verstarb unser Mitglied, der Klempner Raul NitsckRe Schöneberg, Cheruskersir. 14, am 27. Februar an Lungcnleiden. Die Beerdigung fmdet am Montag, den 3. März. nach. mittags 2'/, Uhr. von der Leichen- halle des 2. Schöneberger Ge- meinde-Friedhoses, Blanke Hölle, aus statt. Ehre ihrem Audeuken! Rege Beteiligung erwartet (14/1 Die Ortsverwaltung. Verband d.Geineinde-n.Staatsarb. Filiale GroB-Bcrlln. Unleren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Dmii Komke welcher im Betriebe des städt. Gaswerks Schmargendors beschäs- ttgt si>ar, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung sindet am Sonn- tag. 2. Marz, nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle des Fried- hois m der Bergstraße zu Steglitz diiö]tcn. 33/9 Die Ortsverwaltung {Verband d. Branerel-aJühlen- hrbelteru.verw.Benjlspossen. Zahls'elle Berlin. Den Miigliederu zur Nachricht, daß am'27. Februar der Fahrer, -tollege Rullott Freiberg (Brauerei Bötzow) nach kurzer Krankheit im Alter oon 32 Jahren verstorben lst. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholo- mäuslirchhoses in Wcißensee, Falkenberger Chaussee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1/15 Tie Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Ricbard Herrmann Steinmetzstr. 58, im Aller von 59 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Audeuken k Die Beerdigung sindet am Montag, den 3. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Fried- hosshalle der Luthergcmeinde in Lankwitz aus statt. 79/17 Die Ortsverwaltung. Deutseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. De» Mttgliederu zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher >VjIbelm Hahn am 19. Februar im Aller von 51 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. d. M., nach- mittags i1/. Uhr, von der Leichen- balle des Gcmeindefriedhofes Neu- kölln aus statt. 62/14 Die Bezirksverwaltung Nachruf. De» Mitgliedern zur Nachricht/ daß unser Kollege, der Keller- arbeiter Karl Wauer am 26. b. Mts. im ätltec von 64 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andeute«! Die Bezirksverwallung. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin IV. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied am 28. Februar vormittags an Lungenleiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 3. Mörz, nachmitmgs 3'/, Uhr, von der Halle deS DantcS-Kirch- böse«, Blailtestraße, auS statt. Rege Beteiligung erwartet Ter»orftand. Verband d.GenieInäe-n.Staaisarb. Filiale GroO-Uerlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege August Paßlack welcher im Betriebe der städtiichcn Waffcrwcrlc(Bclsorter Straße) bc'chästigt war, verstorben ist, Wir werden ihm ein ehrendes A:i>cnken bewahren. Die Bestattung findet am Dienstag, sei: 4. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral--rrieohoseS m Friedrichsseide aus stall. 33/10 Die Ortsverwattung. Am 28. Februar verschied sanft nach mit Geduld ertragenen Leiden mein innigstgelicbler Mann, u'.iier guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Arbeiter August Paßlack im 74. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Z3A Tic Hinterbliebenen. D:c Beerdigung findet am Dsenstag, den 4. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zenttal-FricdhoseS in Fried- rtchsselde aus statt. Zentralverband der Bäcker, Konditoren ojervandter Beruls- genossen Deutschlands. Verwaltung Berlin. Am 28. Februar verstarb plötzlich unser Mitglied, der Konditor Arnold Kurths im 53. Lebensjahre. Ehre seinem Audenkeu! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. März, nachmittags 2'lt Uhr, von der Leichenhalle des Philippus- Apostel- Kirchhofes, Müllerstr. 44/45, Ecke Seestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 40/2_ Tie Berwaltuna. Für die ungemein zahlreiche Beleitigung bei der Beisetzung meiner lieben Frau, unserer herzensguten Mutter u. Schwicger- nuitter, Frau 213/1 Rosa Kirste sagen wir allen Teilnehmern WS- besondere dem Verein Berliner Kasscndoten und dem Grund. besitzeroerein Wensikendors unseren herzlichsten Dank. Berlin, den 28. Februar ISIS. Keibelstr. 9a. Die trauernden Hinterdliebenen. tiermit die traurige Nachricht. meine liebe Frau 84A ItTrisS Härder geb. Dahnin im 56. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden am 27. Februar saust entschlasen ist. Ewald Härder, Kopernilusstr. 13. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. März, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle auf dem Lazarus-Kirchhos. in Ahrensfelde aus statt. Tanksagung. Für die herzliche Teilnahme, am Grabe unseres verstorbenen Sohnes Ott« livueAe sagen wir allen Verwandten, Freunden u. Bekannten, besonders den Kollegen und Sängern, dem Wahlverein und Buchdrucker» verband unser» herzlichsten Dank. 38A Familie Kssche. Danksagung. Für die uns erwiesene Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter allen Teilnehmen, herzlichen Dank. Familie Wittkopf. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben grau, unserer guten, sorgenden Mutter Martha Kupsch geb. Kloninger lagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Wahlverein, sowie den Frauen des Leseabends der 33. Abt., den Arbeitern und Hand- werkiin deS städtischen Schlachlboss, vor allem dem Genossen Herrn Wicloch sür die trostreichen Worte am Sarge und den Sängern unseren innigsten Dank. 5gA Berlin, den 1. März 1913. Frnst Kupsch. ncb't Kindern. MM Kliiw: Fertig am Lager: Gehroij(-jlDZögB57s-S;36M j Fradt-HözBgt! IMUOm Mflkleltier lU5; 8m. 1 Fertige fcllwaria K.eidung "ür Knaben und JUnglinge In sröllter Auswahl Feine Maß Anfertigung 1 ;; in ca. 10 Standes Baer Sohn Kleider» Werke Berlin. Gegr 1891. Chausseesir aße 29— 30. 11. Bruckenstraße 11. Gp. Frankfurter Str 20. 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April 1013, nachmittags 2'/, Uhr im Sitzungssaale der Bank zu Hamburg, Neß No. 9. Tagesordnung: Geschäftsbericht des Vorstandes sowie Vorlegung der Bilanz d Vorsohfa 1. lag zur Genebst Gewinn- und Verlustrechnung und winnverteilung. 2. Bericht des Aufsiohtsrates über die Prüfung der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie des Vorschlages zur Gewinnverteilung. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz und die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie über die Verteilung des Reingewinnes. 4. Wahlen zum Äufsichtsrate. Diejenigen Aktionäre, welche sich an der Generalversammlung beteiligen wollen, haben ihre Aktien«pttteKtent» am 88. Bftrz d. J. während der üblichen Geschäftestunden in Berlin bei unserer Niederlassung bei der Bank des Berliner Kassenvereins(nur für Mitglieder des Giro-Effektendepots) in Hamburg. Altana, Hannover, Kiel, Leipzig und Altenburg S.-A. bei unseren Niederlassungen in Chemnitz beim Chemnitzer Bank- Verein in Dresden bei der Mitteldeutschen Privat-Bank A.-G. in Frankfurt a. M. bei den Herren J. Oreyfus 4 Co. in Köln bei Herrn J. H. Stein in Magdeburg bei der Mitteldeutschen Prlvat-Bank A.-G. in München bei der Bayerischen Vereinsbank und bei der Bayerischen Handelsbank zu hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversammlung daselbst zu belassen oder die Hinterlegung bei einem dentsciieii Xotar dadurch nachzuweisen, daß sie einer der genannten Anmeldestellen spätestens am 88. üldrx d. j. einen ordnungsmäßigen Hlnterlcgnngfsschein des Notars in Verwahrung geben. Dieser Hinterlegungsschein gilt nur dann als ordnungsmäßig, wenn darin die hinterlegten Aktiefn nach Nummern genau bezeichnet sind und wenn überdies in dem Hinterlegungs- schein selbst bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung be: dem Notar in Verwahrung bleiben. Gegen Hinterlegung der Aktien oder Einreichung der notariellen Hinterlegungsscheine werden Eintrittskarten ausgehändigt. Die zu hinterlegenden Aktien können ohne Gewinnanteilscheine und Erneuerungsscheine eingereicht werden. Hamburg, den 1. März 1913. Der Vorstand. Lincke. Pilstor. Technische Kurse Berlin: Neanderstraße 3 und ,, Rathenower Str. 3.1 Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau, Elektrotechnik. St«L Regier.-Baumeister a. D. Dr. Werner, Inhaber. j. Baen BaMprÄeo Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. Eleg. Paletots. Einsegnungs-Anzüge. Grelles Stofflager zur Anfertigung nnch Mall. Allerbilligste streng feste Preise. Von der Reise zurück Gertrud Rewald-Rosenteld Prinzenftr. 68. 38/15« feuerbestottuns mit allem ZnbebOi and Gebühren IV 160 M.-TO „FLAMME" Erd- und Feuer« Bestattungs- Institut Inhaber: Emil Richter Manteuffelstrasse III. 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Moabiter Oesellsehaftslians, Wiclefftr. 24. T elto w-Beesko w. Adler sli ol. Wöllsteins Lustgarten, Bismarckftr. 24. BauniselmlemveK. Serpenüns Festsäle, Baumschulenstr. 78. Britjg. Gesellschaftshaus, Chausseestr. 97. Bohnsdorf. Restaurant„Falkenruh", Villa Kahl. l*rünau. Restaurant„Gravelotte", Köpenicker Str. 79.(4 Uhr.) Johannisthal. Restaurant„Lindenhof", Friedrichstr. 60. Köpenick. Stadt-Theater, Friedrichstr. 6. Neukölln. Bartschs Festsäle, Hermannstr. 49. Hohenstaufen- Säle, Kottbuser Damm 76. Passage-Festsäle, Bergstr. 151-52. Petris Festsäle, Knesebeckstr. 113. Niederlehme. Restaurant„Jägersruh". Nowawes.„Deutsche Festsäle", Wilhelmstr. 41-43. Sehöneberg. Neue Rathaussäle, Meininger Str. 8. Fempelhor-Mariendorl'. Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9. Freptoiv. Sportrestaurant„Zur Rennbahn", Elsenstr. 115-116. HFilmersdorl'.„Viktoriagarten", Wilhelmsaue 114-115. Bossen. Scherler, Baruther Str. 10. Montag, den I. Mär«, abends 8 Uhr: Gstarlottenhnrg. Polkshans. R�uenstrahe 3. Hieder-Barnim. Bernau. F. Salzmann, Vasdorfer Straße. Borsigwalde.„Borsigwalder Festsäle". Lichtenberg.„Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee 5. Bber-Sehöneweide.„Wilhelminenhof". Oranienburg.„Waldhaus Sandhausen", Schützenstr. 34. Pankow. Roczyki, Kreuzstr. 3-4. Reinickendorf-Ost. Sadau, Residenzstr. 124, Ecke Amendestr. Reinickendorf- LAest. Hartmanns Brauerei, Scharnweber- straße 101-104. Pegel. Trapps Festsäle, Bahnhofstr. 1. AAeihensec.„Schloß Weißensee". Tagesordnung: ZlersiiZ mit dem Tranen- Wahlrecht! Referenten: Max Barth, Paul Barthel, Julian Borchardt, Otto Büchner, Toni Breitscheid, Georg Davidsohn, Ernst Däutnig, Wilhelm Düwell, Anna Dietz, Emil Dittmer, Regina Friedländer, Karl Freter, Ernst Gehrke, Adolf Hoffmann, Dr. J. Herzfeld, Gertrud Hepner, Hermann Jäckel, Martha Jeetze, Margarete Kaschewski, H. Käppier, Anna Kiesel, Georg Ledebour, Dr. Ernst Meyer, Martin Meyer, Albin Mohs, Hermann Müller, Wilhelm Paetzel, J. Peirotes, Dr. Kurt Rosenfeld, Elisabeth Röhl, Fritz Ruf, Artur Stadthagen, Luise Siedel, Gertrud Simon, Franz Thurow, Georg Ucko, Rosi Wolfstein, Luise Zietz, Fritz Zubeil. Für die Einberufer: Fugen Fenst, Liesmstr. 16. wurde, daß» wiederholt auch m der letzfen Zeii die Marken I ♦ Duke ofTork ♦ Duke of Edlnbourgh ♦- * Königin von Soba.* I �efalsehf und naeh�eahmf werden• Wir warnen daher vor Ankauf dieser irunderwerii�en Naehahmun�eö Alle Qualitatsraucher wollen daher nurechte Garbaiy fordern Zweiter Wahlkreis. Dienstag, den 4. März, abends 8'/? Uhr, im Hofjäger- Palast, Hasenheide SS/SS: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: i. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Dr. Alfred Bernstein: �Die Geburtenbeschränkung— eine revolutionäre Waffe." 2. Diskussion. 205/0' Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer: Heinrich Schröder, Berlin, Bergmannstr. 95. Achtung! Weiter, Parteigenossen! Mtimch, dtn 5. Wy, abends 8� Uhr: Große im„Marinehans" Krandcabnrgcr Ufer 1. Tagesordnung: Zage« nnck die Zngend. Der Kampf der Serliner Polizei gegen die Jugendbewegung. üMmnc Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Frxie Aussprache. Die Berliner Arbeiterschaft wird ersucht, für diese Versammlung die größte Agitation zu entfalten und für Massenbesuch Sorge zu tragen. Der Einberufer: Eugen Ernst, Liesenstraße 16. Sozialisten! Am Montag, den 3. März, abends 8Vz Uhr, bei Graumann, Naunynstr. 87: 267Sb lleksentl. Volksversammlung Tagesordnung: Die deutsche Arbeiterklaffe am Scheidewege. Reserent: Genosse Joh. iiesUiu. Freie Aussprache.-- Zahlreichen Besuch erwartet vei- rilnkvi'lik«!'. !! mm« Ii **»81 Herrenmansehiieider! tcl1'"»1 Montag, den 3. März, abends 8>/z Uhr: Oeffentl. Uersammiungen Kür den und»vlivnsdvr-« im„Klubhauses Schöneberg, Hauptstr. 5. Für den Zior«t-?rw»ten bei Hering, Strom str. 28. Tagesordnung- I. Welche Pflichte» erwachsen uns in diesem Frühjahr? Resercnten: Kollegen Faustmann und Schaertl. 2. verschiedenes. Es wird ersucht, zahlreich zu erscheinen und für guten Besuch zu agitieren. 1�2119 Idk« Koinmlnslon. Trinkt ♦> »» WERmuth Frucht Trunk schmackhaft— magenstärkend Kein Branntwein— Kein Likör Innungs- Krankenkasse der Tislhler-Inonnz zu Berlin. Bekanntmachung, betreffend die AmtSdaner der gegenwärtigen Vertreter der Arbeitgeber und der Berficherten bei den Organen der Kranken- lassen. Aus Grund des Artikels 4 de« Sin- sührungsgesetze» zur Reichsversiche- rungsordnung bat der BundeSral nachstehendes bestimmt: 1. Bei den Organen der Kranken- lassen wird die AmlSdauer der gegen- wärtigen Bertreter der Aibeilgeber und der Versicherten, deren Wadl- zeit mit oder»ach dem 3t. Dezember 1312 abläuft, bis zum Abiaus des 31. Dezember 1913 verlängert. 2. Soweit bis zum 31. Dezember 1913 noch teine Neuwahlen nach den Vorschriften der ReichSocrsicherungs- ordnung stattgefunden haben, wird die AmlSdauer darüber hinaus bis zum Zustandekommen solcher Neu- wählen, längstens aber bis zum Ab- lauf des 30. Juni 1914 verlängert. Dabei gelten die zur Generaiver- sammlung der Krankenkasse gewählten Vertreter als Vertreter im Ausschuß der Krankenkasse. 286/20 Der Toratand. Or.Simmei Spezial-Arzf für Haut- und Harnleiden. Prinzeostr. 41. mohÄ 10—2. 6—7. Sonntags 10—12. 2—4 .Mvitt Petersburger Viertel. Montag, den 3. März, abends Va9 Uhr, in den„Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 151/153: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Preußen in Deutschland. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Otto Büchner. 2. Diskussion. Da Genosse Zohell verhindert ist, findet die Bersammlnng mit der bekannten Tages. ordnung einige Wochen später statt. 212/11* Die Vierteialeitong: Kaulfust. 5., 6., 7. KMaggmMms. Dienstag, den 4. März 1913, abends 8� Uhr: Mitglieder-Bersammluugen: 5. Landtagswahlkreis im Lokal von Granmann, Naunynstraße 27, Referent: Landtagsabgeordneter Genosse I. Borchardt, 6. Landtagswahlkreis m den Comeniussälen, Memeler Straße 67, Referent: Landtagsabgeordneter Genosse A. Hoffmann, 7* Landtagswahlkreis im Elysinm, Landsberger Allee Nr. 40, Referent: Landtagsabgeordneter Genosse P. Hirsch. Tagesordnung in allen Versammlungen: i Sie rätigkeit der[ozialdemokratifchen Candtagsfralttlon. 2. Diskussion. fiominicruna der Kandidaten. Zutritt haben nur Wahlvereinsmitglieder. Mitgliedsbuch legitimiert. 211/1?» Tie Wahlkomitees. Tel. Moritzpl. 2382 u. 4747. BcZirköVCrWaUuiigr 6r0ß-BcrUt1. Tel. Moritzpl. 2382 u. 4747. Delegierte zur örtlichen General-Versammlung. Am Mittwoch, de« 5. März 1S13, im„Dentschen Hof", Luckauer Ttr. 15: Ordentliche General- Versammlung pro 4. Quartal 19 lÄ. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen». Arbeitsnachweis- und BibNothelSbericht pro 1912. 3. Reuwahl der BezirkSverwaltong und der Revisionskommission sowie Ersatzwahl für ein Mitglied zum Hauptvorstand. 4. Wahl einer Bcschwerdekommission für den Arbeitsnachweis, ö. Eriediaung eingegangener Anträge und GeschäsUiches. NB. Legitimationskarte sowie Mitgliedsbuch find mitzubringen und zwecks Kontrolle resp. Abstempelung am Eingang zum VersammlungSlolal vorzulegen. Ohne Karte und Mitgliedsbuch kein Zutritt._ Wer über acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. 62/13 Die Beairhavervsltoiis. I. A.; Aug. Z e rn er. Arbeiter des Kiibrns! Freitag, den 7. März er., abends 8'/, Uhr, im„Hosjäger-Palast", Hasenheide 52: Oeffentliche Versammlung iniir für Emlichstilkj des Hausarztvereins. Thema: Wird im vaiiistkn Insrrat bekannt gegeben.«.,-«»!: ve. Aloses. Die Zentralkommisfion der Krankenkassen empfiehlt den Hansarztverein wie folgt:»Wir können Ihnen den Hausarztvereiu als volkstümliche Institution bestens empfehlen.. Der HauSarztvrreiu ist kein geschäsiliches' Privatunternehmen, sondern eine proletarische Ver» einigung z« gegenseitiger Hilfe bei Erkrankungen der Familienangehörigen. AM- Selbstverwaltung durch die Mitglieder. Für den geringen Beitrag von Äe? PstNNlg pro Woche sind die Frau und sämtliche Kinder versichert. Der Beitrag wird monatlich aus der Wohnung abgeholt. Wir gewähren: 283/7» nach 1 Monat bei akuten Erkrankungen Mitgliedschal, freien Ha us arzt, freie Medizin and«.«0� Nähere Auskunft erteilen: sür den Hausarztvereiu Neukölln der 1. Vorsitzende /tag. Kuhnert, Stuttgarter Str. 54; für den Süden die Vertrauensleute U Thurm, Dieffenbachstr. 17/18, A. Rätner, Hasenheide 7/8. Z( weil Montag, den 3. März, abends H'l, Uhr, im„Schweizcrgarten», am Königswr: flußerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand der Lohnbewegung.' 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 169/2 , Mitgliedsbuch legitimiert.■ Vollzähligen Besuch erwartet Die Ortsvertvoitoog/. Bauhandwerker Krankenkasse für Berlin und Umgegend. lEingeschriebene HilsSkasie Nr. Il8.) Den Milglledern zur Kenntnis, daß der Ausichust sich gebildet und zum Borsitzenden Herrn Dautov Iiehmann, O. 112, Ricder- barnimstraste 5, vorn 4. Etage, ernannt hat. An denselben find alle ve- schwcrden über Entscheidungen des Vorstandes zu richten. Ferner wählte die Generalversammlung zum Hilsskassierer sür den Wette» und Tchönrberg das Mitglied Deramim LUok. Der- selbe kassiert jeden Sonnabend, von L— 10 Uhr abends, im Lokale von Zinneober, Eitzholzstraße 16. I Der Torstand. AilgkMkMt Kranittu- nnö Atkrbrknsse drr Metatl- arbriter Filiale Berlin 8. Sonntag, den S. März ISIS: SlitglielierversAmmtung bei Voigt. Badstr. 58 sll. Saal). Tagesordnung: 1. Ausstellung der Kandidaten zur Generaloersamm.ung.— 2. Kossen- angelegenheit.— 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 113/2 Die Drtsverttaltaax. r* [ bud�! Hoste Hettenfullung 1 cht die vorzüglich süllenden, sehr elastischen, echt chinestlchen Monopol-Daunen (gesetzlich geschützt) Pfund t.Nd Rt. 3—4 Pfund geniigen zu grobem Ober» bett. Versand geg. Nachn. Verpack, srei. lZustav Lstrlneonttrasto 48 u 5t I J Größte« Settsedern-Gpezial- geschalt Tcuischiand«. J Venoaltlmgsstelle Kerlin. C. 54, limenkr. 88—85. Verivaltuna: Telephon: Amt Norden 1987. Kasfierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis i Amt Norden 1239, 9711. Dienstag, de« 4. März, nachm.« Uhr, im Moabiter GesellschaftS- Hans, iviclefstr. 24: Krancheu-Uersammlung der Eisen-, Metall- u. Revolverdreher sowie Rundschleifer. Tagesordnung: I. Die statistischen Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse der Eisen-, Metall- und Revolverdreher Deutschlands. Welche Bedeutung haben die- selben sllr die Berliner Dreher? 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. SÜF' Ohne Mitgliedsbuch(ein Zutritt!-MW Donnerstag, de« S. März, abends 8'/, Uhr» bei Merkowabl, Andreasstrafte 26: Sratichen- Versammlung der Drahtarbeiter Berlins n. Umgegend. Tagesordnung: 1. Bericht aus der Branche. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Werte Kollegen I Es haben sich in letzter Zeit innerhalb unserer Branche Dinge ereignet, die es jedem Kollegen geradezu zur Pflicht machen, in dieser Versammlung zu e-.scheinen. Besonders die Kollegen von l-erm& Gebr. I-odewie, sowie von P. Helnze sind besonders dazu eingeladen.__ „Die Gewerkschaften und die Arbeits- vermittclnng". ÄS ist als Broschüre erschienen und in unserem Bureau sowie bei allen Bezirks- kasfierer» sür 10 Ps. per Stück zu haben. 113/20 Die Ort« verwaltunj. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortoverwaltanc Berlin. Acimingi Treibriemensattler,«-w»?! Montag, den 3. März 1913, abends 8�/, Uhr, in Schulz' Prachtsälen, Münzstr. 17(Eing. Kömgsgrabenj: Außrrordtl. versammtung. Einziger Punkt der Tagesordnung: Bericht von den Verhandlungen mit den Arbeitgebern und unsere weitere Stellungnahme. Alle zurzeit aus Treibriemen beschäftigten Kollegen haben die Pflicht, diese Versammlung zu besuchen. iuto- und Vagenbranche. Mittwoch, den 5. März 1913, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15: Aiißtturdtlitlilht KrulllhkMnsliMtmig. Tagesordnung: I. Stellungnahme zu der Konferenz der Auto- n. Wagensattler Deutschlands.— 2. Wahl eines Delegierte» zu dieser Konferenz. 3. Branchenangelegenheiten. Das vollzählige Erscheinen der Mitglieder erwarten Die Branchenleitang and die TarlfkontmiHnlon. Die regelmäßigen Bersammlungeu der übrigen Branche« finden an folgenden Tage« statt: Donnerstag, den v. März, abends 8'/, Uhr, im GewerkschaftShauie, Engeluser 18. p-riefemllrs- md MkerM-ldimch-: bei Grauman«, Naunynstrage 27. Mtlitär-Sranche: Mittwoch, den S. März, abends e Uhr, in dm Prachtsälen Alt-Berlin, Blumenstr. 10. Lin°lr°mlrzn». Tespichäftr: bei Weihnacht, wrünstr. 21. Elstiiutöbtt- u. Ledklstuhlpotsttrer:®/2 Proz., so daß die tatsächliche Verzinsung 4 Proz. beträgt. Ain Sonnabend büßten die Renten weiter bis zu 0,20 Proz. ein. Die Kurse der StaatSrenten haben damit einen Tiefstand wie noch nie zuvor erreicht. Der Derbandstag der Maler erledigte ani Freitagnachmittag eine Reihe geschäftlicher Angelegen- heitcn. Unter anderen! wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, für die Verbandsangestelltcn, soweit sie der„Unterstützungsvereini- gung" angehören, den vollen Beitrag zur Angestelltenversicherung aus der Verbandskasse zu zahlen. Die Hälfte des Beitrages zur „Uitterstützungsvcreinigung" wird wie bisher weiter gezahlt. Im Laufe der Verhandlung loar bekannt geworden, daß die christlichen und Hirsch-Dun ckerschen Organisationen gleichfalls den Schiedsspruch angenommen haben.— Ueber die Abstimmung der Arbeitgeber ivar bis zum Schluß der Sitzung noch nichts Bestimmtes zu erfahren. Am Sonnabendvormittag lag dem Verbandstage die offizielle Mitteilung vor, daß der Arbeitgeberverband den Schiedsspruch ab- gelehnt hat. Streine bemerkte hierzu: Wie die Absnmmung in den ein- zelnen Gauen des Arbeitgebcrverbandes ausgefallen ist, haben Wir nicht feststellen können. Es interessiert uns auch nicht, nachdem sich die Mehrheit des Gcsamtvcrbandes für die Ablehnung erklärt hat. Wir müssen also damit rechnen, daß Wir es mit der ganzen Organisation der Arbeitgeber zu tun haben. Wie sich die Ereig- nisse in den nächsten Tagen gestalten werden, das läßt sich noch nicht übersehen. Welche Taktik wir einzuschlagen haben, da» läßt sich erst feststellen, wenn wir wissen, wie die Arbeitgeber vorgehen. Nach Angaben in der Presse tritt der Haupivorstand des Arbeit- gcberverbandes am Sonntag in Kassel zusammen, um Beschlüsse iiber die jetzt vorliegende Situation zu fassen. Wir können also erst Stellung nehmen, wenn uns diese Beschlüsse bekannt sind. Wir haben den Schiedsspruch, obgleich er uns nicht genügt, an- genommen, weil wir die Verantwortung für einen Kamps nicht übernehmen wollten. Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch abgelehnt; es muß also angenommen wer- den, daß sie den Kamps wollen. Ob sie nun eine tariflose Zeit wollen oder ob sie sogleich zum Angriff gegen uns vorgehen, das müssen wir abwarten. Jedenfalls können wir allen Möglich- leiten mit Ruhe und Entschlossenheit entgegensehen. Der Verbandsvorsitzende T o b l e r sprach in demselben Sinne. Er betonte, daß der Verband der Maler stark genug ist, um nicht nur den Angriff, zu dem die Arbeitgeber jetzt eigentlich übergehen müßten, abzuwehren, sondern auch, wo es die Situation erfordert, selbst einen Angriffskamps zu führen, um das herauszuholen, was die Kollegen wünschten, die mit dem Schiedsspruch nicht zufrieden sind. Die Kraft unserer Organisation gibt uns die Gewähr dafür, daß die Arbeitgeber ihr Ziel nicht erreichen tverden.(Beifall.) Die Diskussion tteß keinen Zweifel darüber, daß die Mit- glieder allerorts bereit sind, den von den Arbeitgebern eröffneten Kampf mit aller Energie durchzuführen. Streine bemerkte noch: Der Verband sei in der Tarif- bewegung mit den Christlichen und Hirsch-Dunckerfchen gemeinsam loch in gutem Einvernehmen zusanrmengogangen, Aas Verhakten. dieser Organisationen lasse besttmmt erwarten, daß sie auch, Wnnt es zu Differenzen mit den Arbeitgebern kommt, mit unserem Vcr-i bände gemeinsam borgehen tverden. Einstimmig wurde folgende Resolutton angenommen: „Die außerordentliche Generalversammluitg nimmt Kenutnis von der Ablehnung der Schiedssprüche über einen neuen Reichs- tarisvertrag durch den Arbeitgeberverband im Atalergetvcrbe. Sie erblickt darin die Absicht, die schon bisher ganz uuzurcichenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter des Malergcwerbes, die durch die.Durchführung der Schiedssprüche noch keineswegs eine zeitgemäße Verbesserung erfahren würden, immer tiefer hcrilitterznd rücken. Die Geiieralbersammlnng verpflichtet daher die Mitglieder des Verbandes der Maler, alles einzusehen, um den geplanten Schlag des Arbeitgebervcrbandes zur Verschlechterung ihrer Existenz- bedingungen in einer Zeit andauernder Lrbenswttteltcurrung abzuwehren. Dazu ist erforderlich, daß die Kollegen den vom Vorstand in besonderen Fällen in Verbindung mit dem Beirat angeordneten taktischen Maßnahmen Gefolgschaft und Disziplin leisten; denn eine nach bestimmten allgemeinen Grundsätzen gc- leitete Aktion wird verhindern, daß die arbeiterfeindlichen Pläne der Arbeitgeber fces Malergewerbes Aussicht auf Erfolg haben. Dem Vorstand gibt die Generalversammlung anHeim, falls der in Aussicht gestellte Kampf größeren Umfang annimmt, von seinen statntarischen Rechten zur Aufbringung besonderer finan- zicller Mittel und der Einführung einer ftarcnzzeit beim Bezüge der Unterstützungen Gebrauch zu machen." Der Vcrbaudsvorsitzcndc Tobler wies in seiner Schlußrede darauf hin, daß die Ilrbeitgeber den Kampf mit Unterstützung der Unternehmer im Baugewerbe führen. Der Kamps wird deshalb kein kleiner werden und die gesamte Arbeiterschaft sowie die Be- russgenojsen im Auslande Werben ibr Auglkmncrk auf diesen Kampf richten. Die Siluatton ist ernst, doch unsere Organisation wird den Kamps bestehen. Des sind wir gewiß.— Ter Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Verband, in das die Versam- meltcn begeistert einstimmten. Versammlungen. Zentralverband der Töpfer. Die OrtsvevwaltunH Berlin hielt am Freitag ihre Jahresversammlung ab. Den Geschäftsbericht, der gedruckt vorliegt, erstattete Segawe. Das letzte'Jahr war für das Töpfcrgatvcrbe kein gutes uird brachte eine große Arbeitslosig- tcit, wie nie zuvor. Stand es mit dem Baugewerbe im allgemeinen schlecht, so wurde vou der ungünstigen Äoiljunktur am schlimmsten Groß-Berlin betroffen. An eine Besserung ist auch i» diesem Jähre nickt zu denken. Die Gesamtzahl der arbeitslosen Wochen betrug 20 309 oder 121854 Tage. Somit kommen im Durchschnitt auf jeden Arbeitslosen 83,8 Tage. Die meisten Arbeitsvermittlungen vollzogen sich jeach außerhalb, und zwar umfaßte ihre Zahl 434. Ohne diese wäre die Arbeitslosigkeit in Berlin noch fühlbarer gc- worden. Unter der Arbeitslosigtcit lxitteii, wie stets, die älteren Töpfer am meisten zu leiden. Die Ilrbcitsloscnstattsttk zeigt, wie notwendig für den Töpferberus ein obligatorischer Arbeitsnachtocis ist. Leider ist die Organisation in ihrem Bestreben nach einem paritättschen Nack weis in diesem Jahre nicht viel lvciter gekommen. Man ist vorläufig auf den toten Punkt angelangt. Die Unter- nehmer können sich noch immer nicht mit dieser Einrichtulig vertraut machen, obgleich die Organisation sie durch eine ausführliche Denk- schrift von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Arbeitsnackweises zu überzeugen versuchte. Diese ist an 195 Berliner und 147 Meister der Vororte(auch an Ofenbaugeschäfte), zusammen an 342 Meister und Ofcnbaugeschäfte ergangen. Der einzige Erfolg, den diese Denkschrift zeittgtc, war eine Verhandlung, die am 25. Juni mit der Berliner Innung in dieser Angelegenheit stattsänd. Mehrere Tarifkündigungen seitens der Arbeitgeber sowie einzelne Streiks brachten es mit sich, daß auch in dieser Hinsicht das Jahr nicht ohne Erfchüttcrungen verlief. Der Fenftcrstrei! nahm in diesem Jahre trotz der Krise einen nicht so großen Umfang an wie in manchen Vorjahren. Dies rührt daher, daß im Oktober fast gar keine Bauten vorhanden waren. Sperren mußten in 14 Fällen vorgenommen werden. Die Streitfälle auf den Bauten sind in diesem Jahre ganz enorm zurückgegangen. Für Rechts- schütz mußten 1655,1 l M. gegen 576,70 M. im Vorjahre aufgewandt werden. Bei der Maikontrolle wurden 125 Bauten kontrolliert. Eine zweite, im September vorgenommene Kontrolle umfaßte 287 Bauten. Die Zahl der„wilden" Töpsergesellen in Berlin ist nicht so hock>, wie man gewöhnlich annimmt. Die Bibliothek wurde tu 886 Fällen in Anspruch genommen. Die Lehrlings frage hat sich in Berlin zurzeit infolge der sehr schlechten Lage der Ofen- setzer selbst geregelt. Der durchschnittliche Mitgliederbestand betrug für das Jahr 1912 1927. Die Kasse hatte eine schwere Zeit zu bestehen. Von den 63 895 M. reiner Einnahmen der Zentralkajse sind durch Untersttitzungen 57 383,70 M. an die Mitglieder zurück- gezahlt worden. Dazu kommen noch 1655,11 M. für Rechtsschutz. Zur Erledigung der Geschäfte machten sich an Versammlungen und Sitzungen notwendig: 4 ordentliche und 1 außerordentliche Generalversammlung, 2 allgemeine Mitgliederversammlungen, 122 Bezirksversammlungen, 4 Morgensprachen, 4 Bauvertrauensmänn e r- Versammlungen, 1 Versammlung für die Jugendlichen, 1 Firmen- Versammlung und 1 Maiversammlung. Außerdem wurden 29 Bor- siands- und auch noch sonstige Sitzungen abgehalten. Abrechnung für das 4. Quartal 1912. Einnahmen und Aus- gaben der Zentralkassc bilanzieren mit 19 672,02 M. Die Lokalkasse hatte an Einnahmen 19674,24 M., diesen stand eine Ilusgabe von 17 655,57 M. gegenüber, so daß der Bestand 2018,67 M. beträgt. Einnähmen und Ausgaben der Zentrale kasse für 1912 bilanzieren mit 100430,84 M. In der L o! a l t a s s e stand einer Einnahme von 58 860,10 M. eine Ausgabe von 31333,17 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 27526,93 M. verbleibt. Die Heiz technische Kommission hatte folgende Bilanz: Einnahme 2135,00. M., Ausgäbe 1234,23 M., bleibt ein Bestand von 900,77 M. Ein Ilntrag, der Verband möge sich an der Heizicchnischen Kommission nicht mehr beteiligen, wurde abgelehnt. Die Versammlung beschloß, daß die bereits auSgesteueriei« Arbeitslosen, soweit sie am Mittwochabend(5. März) ohne Arbeit sind, für 12 Tage Notsiandsnnterstützung erhalten. DeS weiteren wurden noch einige interne Angelegenheiten erledigt., Wafierstauds-Nachrichten der Lalidesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbaremt. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder. Ratibor Jtrossen Franksurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbh . Magdeburg -s- bedeutet Wuchs,— «Sfiei.— H Ksstand.—■)~ -*) Nnwpegel.-») Bei Tilsit Theater und Vergnügungen (Siehe Wocheu-Spielplan>) Freie Volksbühne. Sonntag, den 2. März, nachm. 3 Uhr: Deutsches Schauspielhaus� 8. Abteilung (Gruppe 32—37): Der Kamps umS Rosenrote. Thalia- Theater. 12./13. Abteilung (Gruppe ä-t— 57): Kulturpalast. Herrnseld-Theatcr. Mteilung (Gruppe 43—43): E i n c g l ü ck- lichc Ehe. Residenz- Theater. 6./7. Abteilung (Gruppe 29— 30): Francillon Montag, den 3. März, abends 8 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. Mend. abteilung 14(l): Strindberg-Ein� alter. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den J.März, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Hamlet. Kammerspielhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neues VolkS-Theater: Helden. Komödienhaus: DaS SlistungSsest. Schiller-Theater O.: Das Konzert. Schiller-Theater Charl.: König Lear. Theater in der Königgrätzcr Straße: Hundstage. Mctropol-Theater: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Neues Theater: Der fidcle Bauer. Kleines Theater: Und das Licht scheint in der Finsternis. Trianon-Theatcr: Der seligeToupinel. Deutsches Opernhaus: Fidelio. Abends 8 Uhr: Neues Volks-Thcater: Jugend. Abends 81/, Uhr: Neues Volks-Theater: Montag, Atitt- woch und Sonnabend: Die Wild- cnte. Dienstag, Donnerstag: Helden. Freitag: Die Hexe. 8MIlef-7desler0.Tbe°7er' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: _ Das Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Urlel Aeosta. Montag, abends 8 Uhr: Der Andere. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. SeÜlIeFnieaier"TC" Sonntag, nachm. 3 Uhr: KUnie I-ear. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Montag, abends 8 Uhr: dfyges und sein Ring. Dienstag, abends 8 Uhr: Urlel Acosta. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. s Uhr: Die stuf Frankfurter. urama Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48,40. Sonntag 8 Uhr: „llohenzollern"- Fahrten. Montag 8 Uhr: ..Hohenzollcrn"- Fahrten. Hörsaal 8 Uhr; lag. A. Keßner Eisen- und Retallgiclierei. Deutsches Kcbausplelbaus 8 Ubr: Der gute Ruf. Thenter des Westens. 8 Uhr: Die beiden Husaren. Montis Operetten-Theater (sT.NeuesTheater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sdnnt. nachm. 3 Uhr: Der(Idele Bauer. uhr Residenz-Theater� Die Frau Präsidentin. (Madame la Präsidente). Schwankt. 3 Alt. v. Hennequin u. Veber. Morgen und solgende Tage: Die Zfonit Präsidentin. TheateratnKollendorfpIatz Heute nachm. 3'/- Uhr: Orpheus in der Ifntei-welt. Allabendlich 8 Uhr: Die 8tndentenj;rlUin. iOSEsTHEATEI 1 Große Frankfurter«tr. 132. Nachm. 3 Uhr: Sßapkenstreich. Abends 8 Uhr: Die bezähmte Widerspenstige. Montag: Der Weg zum Himmel. Luisen-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr:. Verlin— Hamburg— New Bork. Abends 3 Uhr: „Und hätte der Liebe nicht.. Montag, abends 8 Uhr: Und hätte der Liebe nicht... Voigt-Theater. Gesundbrunnen, Badstraste.>8. Heute. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Försters Trude. Abends 7 Uhr: Kampfendt Herten. Komödie in 4 Ausz. v. Karl Gutzkow. Kasseneröffn. 10 Uhr. Ansang 3 u. 7 Uhr. Msr Konigstadt-Oasino. Ecke Holzmarkt- it. Al-xand-rstratze. 1 Minute o. Bahnh. Jannowitzbrücke Tägl. abdS.'/-S, Sonnt Uhr: Der Kammerjäger. GesangSposse i. 2 Bildern— u. daS groß. Speztalitäteuprogramm jtrt 1 n. 16.; Brogrammwechsel. IOSISCHER GARTEN M Heute am 1. Sonntag im Monat Eintritt 1 die Person: Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert Tägl. nachm. 4 Uhr: Gr. Konzert. Donnerstagti:.loh. 8traaB. Frosch sciilucker I haibstündl. große Pisch- und Fröschemahlzeit. Das Vertilgen u. Zurückbringen lebender Frösche und Fische. Die acht heiligen Feuerfresserl in ihren fanatiscben Märtyrer-Produktionen. Alles lebend! Alles ohne Extra- Entree! Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Trotz des großen Ersolaes Nur noch bis inkl. L. März: Am grünen Strand d. Spree. Am 7. März Premiere: Artncs Flitterwochen. Theater Die Sensatioaen des Tages: Asta Nielsen In den 8 V.T. Alexanderplafz Unter den Linden Moritzplatz Hasenbeide Reinickendorfer Str. 14 ---•- Mozartsaal Nollendorfplafz Mensch und Raubtier Soziatdcmokratlfchcr ftlahlwrcin für den VI« ßertmer Relcbstagswahlhreis Sonnabend, den 8. März 1913: Stiftungs-Fest in den Lokalen: Brauerei Konigstadt, Germania-Prachtsäle, Stadttheater Moabit, Schönhauser Allee 10-11, Chausseestr. 110, Alt-Moabit 47-49, und Pharus-Säle, MuUorstr. 112. Konzerf, Gesang, Turnerische Auffuhrungen, Humoristische Vorfrage Festrede und Tanz Gesangvereine: Sängerchor Wedding, Neu erwacht, Norden rnM"" icrch' UM „ gen W■ Spottvögel:: Berliner Ulk-Trio Arbeiter-Turner. «hwipkfmie �"-n� �■?pnerc�.?-r Mo»bit_ Herrn Eugen Wolff '| Hen l Spo' Ensemble des Hofopernsängers Berliner Humorquartett:: Berliner Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Der Vorstand. ■■ X Anfang 8 Uhr X X X Programm gratis XXX Eintrittskarten 30 PL X i mz i i Kt»;( § Sänger-Chor„Vorwärts Süd-Ost"| M. d. D. A.-S.-B. Choimeister; Herr Otto Kowalski. Sonntag, den 9. März 1913 Lieder=Abend in Kellers fefträlen, Koppenstr. 29. M i twi r k e n d e: Fräul.' Tilly Else Pieschel(Ldeder zur Laute) Herr Armin Liebermann(Violoncello). Eintritt 60 P f. Eröffnung 5 Uhr. XXX Anfang 6 Uhr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Nachdem BA1JL ohne Nachzahlung. >u| qagxsxiiiiixixäS� Lichtspiele Passage=Theater Unter den Linden 22/23 Heute und folgende Tage Die Sphinx Ein Koman aus Berlin W.(Drama in 3 Akten mit Erna Morena, dem aufsehenerregenden neuen Kinostar in der Titelroüe) Mar Nn«-tnn Verantwortung. A.dr.: Neukölln Laliustr.741. Volks-Theater Neukölln, Hermanilstr. SO, Sonntag, Ansang VI, Uhr: Der letzte Tag. (Forts etzun� von„Kascriienlust'.) Milit. Komödie in 5 Akt.v. E, Söhngen. Montag, Anfang H'l, Uhr: Die Kamellendanie. Drama in 5 Allen von Dumas sils. Sanssouci- Lichtspiele Kottbuser Strasse 6 (Hochbahnstation) Sensation! Vi* Stunden* Film. Märkischer Hof Admiralstr. 18c. Amt Moritzpl. 4594. Jeden Sonntag: Großer Ball. Empsehle meine Säle zu Ver- sammlungeu und Festlichkeiten.* Ostern und einige Sonnabende im April und Mai zu kulanten Bedin- gungcn zu vergeben. 1 Germania-?rachtsäle N., Chausseestr.110. Karl Richter. Heute Sonntag: PaulMantiieysj Auf. 61,1. Uhr. Eintritt 50 Pf. Ansohließ. Familien-Kränzchen. Im weißen Saale von 5 Uhr ab NM— Großer Ball."TKSi Jeden Mittwoch: Paul Mantheys. lustige Sänger. Jeden Donnerstag: k GroSes Militär-Streichkonzert, k Alhambra Wallner-Theater-Ztrasie 15. Großer Ball. lürohes Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Jeden Sonnlag; Qafe Ifl eye p Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 n. 1 S, Bier, hell. u. bunt. 10Pf. ca. 50 Zeitungen: Billard Std. 00 Pf Zahlsteile der Freien VoIkshOhne. FREOV- m Stoffe für elegante MaBanzüge, Ulster, Paletots altr. 4.—. 6.—, 8.— M. etc. Damen- Kostümstpffe, Damentuohe „Neuheiten- Mtr. 2.—, 3.— 4,— M. etc. Loden f. Pelerinen lit:. 1,50, 2,50 M. etc. Schneidermeister, welche unsere Stoffe tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebst Zutaten zirka 25,—, 30,— M. etc.» Tuchlager Koch& Seeland G. m. b. H Gertraaritensif, 20/21 Verein fürFrauen uJadclien derArbeiterklasse >3)1 o« t n g, den 3. Marz, abends 8'/, Uhr, in Bellvr» ,,Neu« Bdilßnrnionl«"� 5köpenickcr Str. 95/97: Zyklus Eniehungsfragen,». Vortrag:„Zugendbelvegung� Refcreitt: Reichstagsabgeordneter Heinrich Tchulz. Käste willkommen. s53/7s Bor Vorstund. Achtung! Gewerkschaften, Parteiorganisationen! Künstler-Quartett Berliner Spottvögel Gesang+ Humor u. Satire Rezitation. thitlniinlich vorzügliches Volkslieder-Quartett. ■ Paul Oppermann, Humorist u. Satiriker. Eugen Rossetty, Tenorist.' Max Romer, Yortragskünstl. Kurt Radecke, Konzertpian. u. Operns. , la Kritiken der Parteipressc! N Gastspiele auch auswärtig! (Engagementsantr. für Palmsonntag, Osterieiertago erwünscht!)' Freitag, den 21. März, im Gewerkschaftshausc: 1 Einmaliger Vortragsabend der„Berliner Spottvögel".■ Interessenten wollen sich bitte Geschäftsadresse notieren: Eugen Rossetty, NW. 2f, Lübecker Str. 33. Tel.: Amt Moabit 7619. Neue Welt Arnold Scholz Basenheide 108/114 Heute Sonntag, den S. Harz 1913: Soehbierfest :: in den bayerischen Alpen.:: 5 Kapellen. 30 bayrische MacTl. Anfang 4 Uhr. Eutree 50 Pf. Im neuen Saale: Großer Ball. Voranzeige! DM" Dienstag, den 4. März 1913:-Mg Dameii- Prämiierung. PrSrfc Der längste Zopf. Brei bare Geldpreise: 59, -- IIIIDIIMI 39,—, SO,— Bark. Charlottenburger Testsäle Charlottcnhnrg, Kalser-Frlcdrlchstr. 24. I Empfehle zwei große Säle für Versammlungen,' Familien- und Vereinsfeste.* Dienstag groBer Fastnachtsball• in beiden Sälen J rwmwwwwwwwmmmwwwmwv' j Heute Sonntag; Gr. Ball. Berliner Kindl- Brauerei-Ausschank Hermannstr. 214/18 Neukölln Fernspr.: Neukölln 79. Den verehrt Vereinen, Gewerkschaften, Korporationen usw. stehen 8äle zur Abhaltung von Versammlungen, Konzerten, Festlichkeiten usw. zur Verfügung, 4 Verbands- Kegelbahnen stehen zur Benutzung. 5RMS Kflnstler-Kodzert"ÄT Um geneigten Zuspruch bittet Hochachtungsvoll Robert Bergner, Oekonom. Allen Freunden und Bekannten zur gcsälligen Nachricht, daß ich am Sonnabend, de« l.MSrz, Neukölln, Hermaimstr. 113, einen Hackepeter eröffnet habe. Boline. J. Xurzberg, nass-Schneldnei Rosenihaler Str. Frankfurter Allee Reinick:ni!orferStr Nr. 36, I Hsokescher Markt 104, parterre Eck# Frl denstr. Nr. 4. I am Wcddingplatz vor festem Möbolkauf meine großartige __ �. v or L v s- � �£ i\j u n i. Rem Brautpaar Ausstellung ... nnr modernster Speise-, Herren-, Hchla irDPCaiimP Ii! zlmmer. Salons, Küchen. Gedcr- ui I Vi wilUiUv..; Polstermöbel zu besichtigen. Allerbilligste Preise, bei weitgehendster Garantie —....»j Frachtfreier Versand durch ganz Deutschland. Katalog£ M. HirSCuOVUZ, so, ShaiiTzer Straße 25 Hobel- und Polsterwarenlabrlk. an der Hochbabn« tehhdecken kauft man am besten und billigsten nur direkt Fabrik Berlin, WällStl1. Ii. Aufarbeiten alter Steppdecken billigst. Bernhard Strohmandel. Filialen: Tpittelmarkt.llea.? 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Sie behaupteten, daß es ihnen uni eine Ehrung der Freiheitskämpfer von 1813 zu tun sei. Das sagten dieselben Leute, die es heute der Sozialdemokratie überlassen haben, das Andenken der Freiheitskämpfer vom Jahre 1848 zu ehren: dgnn das Proletariat ist es, das am 18. März zu den Gräbern der Märzgefallenen im Friedrichs- hain wallfahrtet und auf den Gräbern Blumenschmuck und Kränze niederlegt. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß auch, daß es nicht von ungefähr ist, wenn die Hundertjahrfeier nicht auf den 17. März, an dem der damalige König sich genötigt sah, den Aufruf„An mein Volk" herauszugeben, festgesetzt wurde, son- dern auf den 10. März, dem Tage des Geburtstgges der Königin Luise. � Dieser Tag ist auch nicht.so ganz freiwillig von den Gemeindebehörden bestimmt worden, sondern auf einen Wink„von oben". Man wollte- eben der Feier den Charakter einer Huldigung an die Königin Luise geben. Das wußten unsere Freisinnigen auch ganz genau und um den Vorwurf von sich abzuwälzen, sie, die mit ihrem Männer- stolz vor Königsthronen immer prahlten, beteiligten sich an der byzantinischen Feierlichkeit, schrien die Herren„Haltet den Dieb" und redeten sich in eine patriotische Raserei hinein. Raserei hinein. Wie recht wir hatten mit unserer Behauptung, daß der 111. März aus den oben dargelegten Gründen bestimmt wor- den ist, geht auch daraus hervor, daß die Schulverwältung in gleicher Weise vorgeht. Es wird mitgeteilt:„Das Ge- dächtnis des-Jahres 1813 wird auch in den Schulen festlich begangen werden. Der Unterrichtsminister hat angeordnet, daß am Ist. März, dem hundertjährigen Gedenktage der Stif- tung des Eisernen Kreuzes und dem Geburtstage der Kö- nigin Luise, der Unterricht an allen der königlichen Regierung unterstellten Schulen ausfällt. An die Stelle des Unterrichts treten patriotische Schulfeiern. Gesang, Rede und Vortrag von Gedichten soll die Bedeutung ins Licht stellen. Auch im weiteren Verlauf des Jahres soll im Geschichtsunter- richt und bei anderen geeigneten. Gelegenheiten auf die ein- zelnen Gedenktage aufmerksam gemacht werden. Die Schul- behörden sollen es den Schulleitern überlassen, die Feier nach den Verhältnissen der Schule zu gestalten. Ueberall sollen nicht bloß die Lehrer und Lehrerinnen, sondern auch die Schüler und Schülerinnen durch Vortrag und Gesang sich daran beteiligen. Wo am Ist. März eine allgemeine kirchliche Feier stattfindet, ist auf die Beteiligung der Schulen hinzu- wirken. Am Ist. März sollen nach Möglichkeit auch für die schulentlassene Jugend angemessene Feiern veranstaltet wer- den.. Vor allem will man eine Beteiligung der Jugend- orgavisationen an den kirchlichen Feiern erreichen. Der Mi- nistcr setzt endlich voraus, daß die Gedenktage dieses Jahres nach Möglichkeit dazu-benutzt werden, nm die schulentlassene Jugends purch Erinnerung an die- große Bergaugenheit zu erheben und für vaterländische Ideale zu be- geistern." Tie obigen Anordnungen der Regierung zeigen, was man am 10. März im Sinne hat. Für vaterländische Ideale soll die Jugend begeistert werden. Wer da weiß, was die Regie- rung darunter versteht, wird klar erkennen, wohin die Reise gehen soll. *- Das Programm des städtischen Kirchganges am 10. März. Ueber das Programm des Kirchganges, den die städtischen Be- börden am 10. März veranstalten wollen und von dem sich die so- zialdemokratischen Stadtverordneten ausgeschlossen haben, teilt der Magistrat folgende Einzelheiten mit, die wir ihrer Besonderheit wegen hier w i edergeben wollen: „Danach versammeln sich Magistrat und Stadtverordnete am Montag, 10. März, vormittags, im Vestibül des Rathauses und begeben- sich, mit der Amtskette angetan, in feierlichem Zuge unter Glockengeläut durch die König- Und-Poststraße zum Haupteingang der Kirche, wo um 11 Uhr die Feier beginnen soll. Der Zug wird eröffnet durch die beiden Bürgermeister, die. beiden Stadtverord- nctenvorfteher und den Ehrenbürger der Stgdt Berlin, Stadtrat, Geheimen Regierungsrat Marggraff. Zu ihrer Seite rechts und links geht je ein Marschall; dann folgen z'.vanglos in Reihen von je 4 Personen die anderen Teilnehmer, etwa alle zehn'Schritt ebenfalls von zwei Marschällen begleitet. Beim Eintritt in die von der Partdeputation festlich geschmückte Kirche werden die städtischen Körperschaften von den Gemeindebehörden zu St. Ni- kolai durch ine kurze Ansprache begrüßt. Die übrigen Teil- nehmer am Gottesdienst, zu dem Einladungen ergehen werden, versammeln sich vorher in der Kirche. Es werden die otadtältesten und ein großer Teil der städtischen Beamten und Angestellten wie eine entsprechende Zahl der ehrenamtlich tätigen Personen eingeladen werden. Die Feier sindet unter Mitwirkung des Männcrkirchenchors von St. Nikolai und eures Chors von etwa . IM Schulkindern statt. Die Festpredigt hätt der Generalsuper- intendent Haendlcr. Wie beim Kirchgang, werden während des Vaterunsers und am Schluß des Gottesdienstes die Glocken ge- läutet werden. Auheodwl werden am Montag, 10, März» um 8 Uhr, von der Galerie der Rathauses drei Choräle � geblasen werden. Ferner wird der Magistrat an diesem Tage auf samt- lichcn städtischen Gebäuden die Flaggen hissen lassen. Sodann werde» die De n k m ü l e r Friedrich Wilhelms III., der Königin Luise sowie die Denkmäler von Blücher, Uorck, Gneisenau, v. Bülow, Scharnhorst, Stein, Hardenberg und Jahn Mit Kränzen geschmückt werden. Die sechs Hermen der Sänger und Dichter aus der Zeit der Freiheitskriege im Viktoriapark sowie das Krcuzberg-Dentmal wird die Parkverwal- tung mir Blumenschmuck verschen. Zur Feier des Tages fällt der Dienst in den städtischen Bureaus und Kassen sowie, Wie schon mitgeteilt, in den Schuten am 1l>. März aus." ** * lieber drc militärischen Erinnerungsfeiern am 10. März ist ein umfangreiches Programm aufgestellt, das wir kurz wieder-. geben, um den Charakter der Feiern zu kennzeichnen: „In Berkin leitet ein feierlicher Gottesdienst im Dom um 11 Uhr vormittags die Feier ein. Es nehmen daran teil der Kaiser, die Prinzen des lönigl. Hauses, die Generalität und die Regimentskommandeure des Standorts Berlin, Abordnungen der Gardc-Truvpentcile, des Leib-Grenadier-Regimenis König Friedrich Wilhelm III.(\. Brand.) Nr. 8, des Kürassier-Regiments Königin(Pomm.) Nr, 2, der Unteroffizierschule Potsdam, der Haupt-Kadetten-Anstalt. Den Garde- und Provinzial-Land- wehr-Osfizieren stehen 175 Plätze, den hiesigen Kriegervcreinen 400 und den Berliner Sanitätskolonnen 40 Plätze im Dom zur Verfügung. Mit frischem Lorbeer geschmückt, werden sämtliche Feldzeichen des Gardekorps durch, eine, Fahnenkompagme in den Dom eingebracht und zu beiden Seiten des Altars aufgestellt werden. In den Garnisonkirchen finden bereits um 10 Uhr vormittags abvrdnungsweiser Kirchgang statt, an dem auch die Krieger- vereine, Saniiätskolonnen usw. teilnehmen. Nach dem Gottesdienst im Dom rücken die Truppenteile und Vereinsabordnungen nach dem Lustgarten ab, wo um 12 Uhr mittags eine Feier am Denkmal des Königs Friedrich Wil- Helm III. abgehalten wird und wo der Kaiser eine Ansprache halten wird. Tagsüber wenden an den verschiedenen Denkmälern Ehren- Posten gestellt werden. ** Wie das Baterland für feine Krieger sorgt. Wie in der Praxis derienigen gedacht wird, die seinerzeit die Kämpfe geführt, auf den Schlachtfeldern ihre Gesundheit dahin- gegeben haben, jetzt aber wegen ihrer morschen Knochen alt und hinfällig sind und Not leiden, lehrt ein Blick auf die Versorgung der Veteranen aus den Feldzügen. Kurz vor Weihnachten haben wir erst mitgeteilt, wie eist alter Kriegsvcteran seine gesamten Kriegsauszeichnungen aus den Jahren 1886, 1870/71 an uns sandte mit dem Ersuchen, ihn: dafür 2 M. zu geben, damit er sich einmal sattessen könnte. Dieser Tage kam ein alter, wcißbärtigcr Veteran, der sich nur schwer fortbewegen konnte, nach unserer Redaktion und erzählte uns seine Erfahrungen, die er mit den Militärbehörden gemacht habe. Nach dem Mtlitärpaß hat der jetzt 64 Jähre alte Mann im Jahre 1870/71 an der Belagerung von Metz teilgenommen sowie an den Gefechten bei- ChilleurS-aux-Bois, Azay, Sargfe, Ardenay, Champagne et St. Hubert und in Les arches Chateau. Infolge großer Notlage wandte sich der Mann mit dem Ersuchen um lau- sende Unterstützung an die Militärbehörden. Sein Gesuch wurde abschlägig beschicken, weil die militärische Untersuchung ergeben habe, daß ein„hochwahrscheinlicher Zusammenhang zwischen dem jetzigen Leiden, Rheumatismus, und den Feldzugscinwirkungcn von 1870/71 nicht anzuoehmen sei". Später ist dem Gcsuchstcller eine einmalige Unterstützung in Höhe hon— sage und schreibe— 15 ganzen Mark zugesprochen Wörde». So sorgt das dankbare Vaterland für seine kämpfenden Söhne. Dafür wird ihrer aber gedacht in großen Gedenkfeiern! Partei- �lngelegenbeiten. Dritter Wahlkreis. Heute Sonntag, abends Ö1/, Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/50 für die'Mitglieder des Wahlvereins ein Vortrog des Genossen Kurt Aiging mit Lichtbildern über die Eroberung der Erdpole statt. Anschließend gemütliches Zu- sammensein mit Tanz. Eintritt inklusive Garderobe 20 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Vierter Wahhkreis, Petersburger Viertel. Am Montag, den 3. März, abend? U/z Uhr, findet in den.Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 151/152, eine Mitgliederversammlung statt. TageS- ordnung:„Preußen in Deutschland". Referent ist Re i ch Sta g s- abgeordneter Genosse Otto Büchner. Diskussion. Da Genosse Zubeil verhindert ist, findet die Versammlung über .Politischen Massenstreik" einige Wochen später statt. Am Dienstag, den 4. März, findet im 5„ 6. amd..7. Landtags- wahlir«i»-je eine Mitgliederversammlung statt. sEiehe Annonce.) .........- Dev Vorstand. Treffpunkte zum Besuch der Krauen- Bersammlungeu am heutigen Sonntag. Nicder-Schöncweide. Gemeinsamer Abmarsch zum Besuch der Versammlung in Johannisthal um 1 Uhr von Bengsch, Britzer- straße 17, ans. Frauz.-Buchholz. 1 Uhr an der Buchholzer Kirche, von da Abmarsch nach Pankow, Lokal Roczycki, Kreuzstr. 3/4. Cöpenick. Für die Dmnmvorstadt: Ecke Bahnhof- und Friedrichs- Hagener Straße bei Wöllner. Köllnische Vorstadt: bei Becher. Grünauer Str. 1. Ecke Rudower Straße. Altstadt: bei Müller, Alter Markt. Kietz-Vorstadt: bei Zeidler, Müggelheimer Straße. 8/42 Uhr Abmarsch zur Versammlung in das Stadttheater. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz bei Wilhelm Pynjsch, Hirschgartenstr. 1(WilhelmShof). Charlottcnburg. Die Frauen-Versammlung für Charlottenburg findet am Montag, den 3. März, abends S'/a Uhr im Volkshause statt.— Heute nachmittag 4 Uhr: Besuch der Urania. Billetts sind noch erhältlich bei Hermann Bade, Kaiserin-Augusta-Allee 52. Adlcrshof. Dienstag, den 4. März, abends 8'/z Uhr, im Lokal Kaul, Bismarckstr. 16, Vortragsabend:„Marx� Werttheorie", Mitgliedsbuch legitimiert. Eintritt frei. Schmargendorf. Dienstag, 4. März, abends 0 Uhr. fiftdet im SchützenhauS, Hundekehlestraße 20, der Lichtbilder-Vortrag statt. Referent ist Ingenieur R. Woldt, Karlshorst:»Der moderne Fabrikbetrieb". Eintritt 80 Pf. Die Genossen wollen für guten Besuch Sorge tragen. Bezirk Stralau. Am Dienstag, den 4. März, abends 3'/z Uhr, in de» Markgrafensälen. Markgrafendamm 35: Oeffentliche Ver- sammlung. Reserent: Reichstagsabgeordneter Grenz. TageS- ordnung: 1. 1813—1913 und die preußische Kulturschmach. 2. DiS- kusfion. Genossen, sorgt für zahlreichen Besuch. Alt-Glicnicke. Heute Sonntag, den 2. März, nachmittags 2�/z Uhr, öffentliche Gemeindewählerversammlung im Lokale des Herrn Bohne, Grünauer Str. 56. Tagesordnung: 1. Kommunale Angelegenheiten. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertrelung. Köpenick. Zu der am 4. März voijt Bildungsausschuß- der- anstaltelen Vorstellung—„Wiener Blut"— sind noch Billetts für Stehplätze beim Genossen Lefövre, Grünstraße 16 zu haben. Da die Ausgabe der Karten nur eine beschränkte, andererseits die Nachfrage hiernach sehr groß ist, wollen die Genossen und Genossinen sich utn- gehend in Besitz derselben setzen. Eichwalde. Dienstag, abends 8 Uhr, im Restaurant„Sans- souci", Bahnhosstrciße: Oeffentliche Gcmeindemählerversammlung. Genossen, sorgt für guten Besuch der Versammlung. Franz.-Buchholz. Dienstag, 4. März, abends 8>/z Uhr: Außer- ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins bei Kähne, Berliner Sdratze 39. Wichtige Tagesordnung. LerUner I�acdrickten. Das Stadion im Grunewald. Die Wintersonne lachte so fröhlich und harmlos als wir die breite Heerstraße dahinwanderten, daß man hätte an- nehmen können, der Frühling stehe tatsächlich schon vor der Tür. Auch die Amseln, die in den Wipfeln der Ä.iefern saßen und süß und melodisch' flöteten, hätten einen in dieser Annahme bestärken können, wenn nicht der beißende Wind alle Illusionen glattweg zerstört hätte. Nein, nein, Sonne und Amseln spiegelten falsche Tatsachen vor— unsere roten Nasen und Ohren offenbarten in beredter Weise die Wahrheit. Wir leben. iyimer noch im Winter. Aber trotz allem herrschte hier, an der Rennbahn, ein reges Leben. Der Bau des Sta- dions, von dem schon so viel geschrieben und gesprochen wurde, hat schon große Fortschritte gemacht und viele Arbeiter und Angestellte arbeiten hier in der Waldesstille an dem Werke, daß in seiner Art das größte auf europäischem Festlande werden soll. Der Deutsche Reichsausschuß für Olympische Spiele hat kürzlich in einer Sitzung mitgeteilt, daß das Stadion bestimmt bis 15. Mai dieses Jahres fertiggestellt sein wird. Dem Plan sind die alten griechischen und rö- mischen Spielplätze zugrunde gelegt und die architektonische und künstlerische Herrichtung und Ausschmückung soll bekann- ten Künstlern übertragen sein. Zurzeit stellt der Bauplatz allerdings noch ein wüstes Chaos dar. Eine Feldbahn führt durch ein Getvirre von Steinen, Brettern und sonstigen Baumaterialien, an Bergen von Sand vorüber, durch die der Neugierige sich hindurch- kämpfen muß wie das Kamel in der Wüste. Ist man aber oben angelangt, so bietet sich dem Auge ein prächtiger Rund- blick. Rings von Kiefern und Fichten umsäumt, liegt die Rennbahn da. Und mitten in sie hinein haben fleißige Hände eine Ricsenmuldc, eine Ellipse, gegraben. Das soll der kiinf- tigc Sportplatz sein. Er hat eine Größe von zirka 350X200 Metern. Schräg ansteigend windet sich ein Betonkranz, auf dem die Zuschauerplätze angebracht werden, eine Runde, die 40 000 Besuchern. Raum bieten soll. Der Spielplatz selbst ist nur für die Spieler bestimmt. Man hat den Platz aus dem Grunde so tief gelegt, damit die Rennbahnbesucher im Aus- blick nicht gehindert werden, und tatsächlich ist die Lage der Spielbahn derart, daß man von den Reuntribünen ohne weiteres darüber hinwcgblickt und somit das Rennen unge- stört verfolgen kann. Auf dem Spielplatz ist eine Radrenn- bahn angelegt in der Länge von 000 Bietern, des weiteren eine Fußlaufbahn von 400 Metern und ein normaler Fuß- ballplatz. Außerdem bleibt noch eine größere Rasenfläche für sonstige Zwecke übrig. Ein Wasserbassin wird ebenfalls ein- gerichtet und soll 160X22 Meter groß sein. Außer den ge- wöhnlichcn Steh- und Sitzplätzen werden noch Logen vor- Händen sein. Unter den Tribünen eröffnen sich Riesenräume für Restaurants, während die Toiletten ihren Platz unter den Treppen finden. Das ganze Unternehmen, das inoffiziell auch durch öffent- liche Gelder unterstützt wird, könnte an sich im großen und ganzen soweit die Billigung aller Freunde eines gesunden, zweckdienlichen Sports finden, wenn es nicht der Ausdruck einer patriotischen Tendenz wäre. Nicht nur, daß die Sportler und die maßgebenden Kreise den Eröffnungsakt zu einer „Huldigung" vor dem der Eröffnung beiwohnenden Kaiser benutzen wollen und des weiteren ein„Kronprinzenpokal" ausgespielt wird, die ganze Aufmachung ist eine Brüskierung der Arbeiter-Sportvereine, die einen großen Prozentsatz der Sportleute Deutschlands darstellen und die ohne weiteres von der Nutznießung dieses idealen Spielplatzes ausgeschlossen bleiben werden. In unserer heutigen Zeit, wo alles kapita- listisch-patriotisch betrieben und ausgenutzt wird, ist für rein ideelle Bestrebungen kein Raum mehr vorhanden, und wenn im Mai oder Juni da draußen im Grunewald der Eröffnungsrummel. vor sich geht, und das patriotische Schau-™ gepränge seinen Verlauf nimmt, werden nicht nur die vielen Tausende von sportsfreudigen Arbeitern, sondern auch das übrige freigesinnte Volk es verspüren, daß, wer in Deutsch- land an den Errungenschaften der Kultur, der Gesundheits» pflege usw. teilnehmen will, erst den patriotischen Kloß ver- schlucken muß, auch wenn er ihm Bauchgrimmen verursachen sollte. Die Arbeiter, die dem Sport nur des Sportes wegen huldigen, werden sich allerdings auch ohne Stadion und ohne Preisausschreiben zu behelfen wissen. Sie werden unter sich bleiben und alle die an sich ziehen, die mit der Zeit von dem auf den Sportplätzen des Stadions herrschenden Treiben an- gewidert und abgestoßen werden. Gegen das Kinaverbot für Jugendliche vom 4, Januar d, I. richtet sich eine umfangreiche Denkschrift des Vereins der Lichtbild- theaterbesitzer von Grotz-Berlin und der Provinz Brandenburg, die an das Berliner Polizeipräsidium gerichtet ist. Es wird darin aus- geführt, datz das Verbot des Besuchs von Kindern unter sechs Jahren sowie die Heraufsetzung der Altersgrenze für Jugendliche bis zu 16 Jahren für die gesamten Kinobesitzer eine derartige finanzielle Schädigung im Gefolge gehabt hätte, daß der weitaus größte Teil vor dem Ruin stehe. Ferner sei die Verordnung auch„in ethischer, erzieherischer und moralischer Beziehung eine große Gefahr für die Bevölkerung Berlins". Zum Schluß wird das Polizeipräsidium um Zurücknahme bezw. weitestgehende Milderung der Verordnung ge- eten. Die Hausfrauen, die zum 1, April junge Anfängerinnen als Mädchen für alles. Haus- oder Kindermädchen einzustellen wünschen, werden dringend gebeten, sich sofort persönlich oder schriftlich in den Abteilungen für Hauspersonal des Zentralarbeitsnachweises Linkstr. 11, Alt-Moabit 38 und Gormannstr, 13 zu melden, da bereits junge Mädchen vorgemerkt sind, die»ach genauer Kenntnisnahme der Be- dingungen zur Vorstellung ins Hauö geschickt werden. Sprechstunden täglich von 9—11 und 4—7. Der Berliner Lehrervercin über die Reform der Lehrerbildung. Der Berliner Lehrerverein beschäftigte sich in seiner Sitzung, die am Freitag im LehrervereinShaus am Alcxanderplatz stattfand, ein- gehend mit der Frage der Reform der Lehrerbildung. Nach einem Vortrag des Rektor P r e tz e l wurde die Meinung der Versammlung in folgenden Leitsätzen zum Ausdruck gebracht: „Der Berliner Lehrervercin hält an der Forderung fest, daß die Volksschullehrer wie die Angehörigen aller übrigen wissenschaftlichen Berufe ihre Vorbildung durch die Absvlvicrung einer mit vollen Berechtigungen ausgestatteten höheren Lehranstalt und ihre Fach- ausbildung durch regelrechtes Studium auf der U n i v e r s i- t ä t erwerben, und daß zu diesem Zweck an den Universitäten all- gemein Lehrstühle für Pädagogik und mit Ucbungsschulen verbundene Seminare errichtet werden müssen. Um dem Lehr- beruf den Zuzug begabter Volksschülcr zu erhalten und auch andern. wissenschaftlichen Berufen solche in größerer Zahl zuzuführen, sind höhere Lehranstalten einzurichten, die, auf der Volksschule sich auf- bauend, ihre Schüler in fünfjährigem Kursus bis zur Reifeprüfung führen. Die bestehenden Präparandenanstalten könnten zu höheren Lehranstalten dieser Art umgebildet werden. Den jetzt im Amt befindlichen Volksschullehrern ist zu ihrer wissenschaftlichen und be- ruflichen Weiterbildung ein geordnetes Studium auf der llniversi- tät zu ermöglich, ohne daß sie vorher die Reifeprüfung an einer höheren Lehranstalt ablegen müssen. Einen Unterschied in der wissenschaftlichen und beruflichen Bitdung der Lehrer auf der einen, der Schulleiter und Schulaufsichtsbeamten auf der anderen Seite bält der Verein n i ch tjiir begründet. Cr fordert daher, daß für die Anstellung in der«Schulleitung und Schulaufiicht nur die Bewährung im Amte maßgebend sei."— In der Diskussion wurde u. a. hervorgehoben, daß auf dem Wege der von der Schulverwältung eingerichtet?» staatlichen Fortbildungskurse- für Lestrer eine tiefgreifende Reform der Lehrerbildung nicht zu erreichen wäre. Raubüberfall in Johannisthal. In der Nacht zum Sonnabend wurde in der Roonftr. 1t> zu Johannisthal die 72 Jahre alte Hauseigentümerin Witwe Britzcekow von zioei polnischen Arbeitern Überfällen und beraubt. Als die Frau in der Küche ihrer Wohnung beschäftigt war, hörte sie ein verdächtiges Geräusch, das aus dem Wohnzinimer kam, Sie eilte dorthin und stand zwei Männern gegenüber, die sich sofort auf sie stürzten. Ehe sie noch um Hilfe rufen konnte, erbielt sie mit einem harten Gegenstand mehrere-ichläge auf den Kopf, so dan sie bewußtlos zusammenbrach. Dann raubten die Täter eine Geldkassette mit 280 M. Inhalt und ergriffe» dieFlucht. FrauBritzcekowwurde schwer verletzt aufgefunden und in ärztliche Behandlung gegeben. Die Polizeibehörden nahmen sofort die Verfolgung der Täter auf, und es gelang gestern vormittag, sie zu ermitteln und zu verhaften. Es sind der 6l Jahre alte Arbeiter Plotzyk und der 27 Jahre alte Arbeiter Szczepaniak aus Johannisthal. Das geraubte Geld wurde bei ihnen noch vorgesunden. Die beiden Räuber haben den Heber» fall vorher genau besprochen. Es hat den Anschein, daß bei der Tat auch Rachsucht mit in Frage kommt. Plovyk wohnte früher im Hause der Witwe Britzcekow, mußte aber dort ausziehen, weil es wiederholt zu Unzuträglichkeiten zwischen ihm und den übrigen Hausbewohnern kam._ I« Ausübung des ärztlichen Berufes erkrankt. Infolge einer Infektion, die er sich in Ausübung des Berufes zugezogen bat, ist der durch eine. Reihe bedeutsamer von ihm neu eingeführter Opera- tionsmethoden bekannte Frauenarzt Prof. Dr. DührSsen schwer erkrankt. Durch die Kunst seiner Aerztc befindet er sich aber an- scheinend auf dem Wege der Besserung. Am Freitag, 21. Februar, zog er sich bei der Operation einer Patientin, die an einer schon verjauchten Krebsgeschwulst litt, eine kaum bemerkbare, ganz un- bedeutende Verletzung zu.-ichon am nächsten Tage erkrankte er unter Schüttelfrost, bald stellten sich alle Zeichen einer schweren Blutvergiftung ein, deren Erscheinungen denen des Wochenbett- fiebers der Frauen entsprechen. Die bakteriologische Untersuchung ergab Infektion mit den sehr gefährlichen Streptokokken. Am Dienstag wurde daraufhin eine Einspritzung mit einer Lösung von Gollargol vorgenommen, einem von Crede in Dresden in die Therapie eingeführten colloidalen Silbcrsatz, das sich schon vielfach bei ähnlichen Erkrankungen von Tieren und Menschen bewährt hat. Wie es scheint, ist auch die Wirkung bei DührSsen erfolgreich. Zwar waren die ersten Erscheinungen fast lebensbedrohend, dann aber trat eine auffallende Besserung ein, feit vier Tagen ist kein«chüttel- froit wieder aufgetreten, und das Befinden des Kranken berechtigt zu den besten Hoffnungen. Geldrollen sofort zu prüfen, mahnt die Sparkasse der Stadt Berlin das Publikum durch Plakate, die in ihren Kassenräumen aushängen. Ein Sparer, der bei der Annahme- stelle D in der Pucklerstraße sein Guthaben abhob, unterließ eS, � diese Mahnung zu befolgen. Ihm wurde eine Geldrolle übergeben, deren Hülle die Angabc trug:„IlM Mark in Doppelkroncn, Brutto: GsO kg." AlS er eine Viertelstunde später daS Geld bei der Deut- sähen Bank in der Filiale am Kottbuser Tor einzahlen wollte, stellte der Kassierer durch Wägen fest, daß die Rolle zu leicht war. Eine jetzt vorgenommene Zählung ergab, daß ein Zwanzigmark- stück fehlte. Der Sparer reklamierte daS Fehlende bei der Sparkassen-Annahmcstellc, aber hier wies man aus die Plakate hin und lehnte den Ers atz ab. Eine Eingabe an das Sparkassen- Kuratorium wurde durch folgendes Schreiben beantwortet: „Nach unseren Feststellungen hat sich am?. 2. 13 ein Kassen- Überschuß an einer unserer Sparkassen nicht ergeben. Der Kas- sierer unserer Kasse O erklärt, daß er sich bei dem umfangreichen Geschäftsverkehr auf den einzelnen Fall nicht mehr.. entsinnen könne» Er hält es aber für ausgeschlossen, daß bei einer von ihm verausgabten Goldrolle ein 20 Markstück gefehlt habe. Da das Publikum durch Aushänge in den Kaffcnlokalen ausdrücklich dar- aus hingewiesen ist, Goldrolletk auf ihren richtigen Inhalt sofort zu prüfen, so können wir zu unserem Bedauern Ihre Ersatz- ansprüche nicht anerkennen." Der Sparer hält cS� seinerseits für ausgeschlossen, daß er auf dem Wege von der«Parkassen-Annahmestcllc zur Bankfiliale ein.Zwanzigmarkstück verloren haben könnte. Er habe, sagt er, die Geldrolle fest in der Hand behalten und diese dauernd in der Paletotstasche gehabt. Wundern müssen wir uns über die Hülle, die er uns vorgelegt hat. Es ist ein knapp bemessenes Stück Papier, an dem keine Spur verrät, daß die Hülle etwa noch zugeklebt oder gar zugesiegelt gewesen wäre. Aus dieser Hülle kann sehr leicht ein einzelnes Geldstück verloren gehen, und das könnte ebenso gut vor wie nach der Aushändigung der Gcldrolle geschehen sein. Das Vorkommnis wird manchem ein Anlaß sein, künftig die Mahnung zu sofortiger Prüfung von Geldrollen zu beherzigen. Straßenbahnunfällr. Vor dem Hause Frankfurter Allee 146 wollte gestern ein Herr Karl Ncrlich vor dem Motorwagen 1746 der Linie 68 die Gleise überschreiten, wurde jedoch umgestoßen und geriet mit dem rechten Arm unter den«ckmtzrahmen. Der Wagen wurde von Passanten angehoben und der Verunglückte befreit. Nerlich hatte einen Rippenbruch sowie Quetschwunden an Kopf und Händen erlitten und mußte nach dem Krankenhaus Friedrichshain gebracht werden.— Vor dem Hause Secstraße 113 wollte ein Herr Franke den Hinterperron des Wagens 1830 der Linie 68 während der Fahrt verlassen, kam jedoch zu Fall und erlitt einen Bruch des rechten Unterschenkels, so daß er nach dem Paul-Gerhard-Stift gebracht werden mußte. Das LiebcSleid des Krankenwärters. Durch verscknnähte Liebe ist der 29 Jahre alte Krankenwärter Hermaim Grobmann zum Selbst- mordversucki getrieben worden. G. ivar im Reinickendorfer Kranken- haus angestellt. Er lernte dort ein junges Mädckien kennen und ver- liebte sich in sie, ohne jedoch Gegenliebe zu finden. Da ihn die Angebetete nicht erhören wollte, sagte G. den Enischluß, lieber in den Tod zu geben. Gestern jagte er sich im Krankenhause eine Kugel in den Kopf und brach besinnungslos zusammen. Der Zu- stand des Lebensmüden ist hoffnungslos. Gellende Hilferufe hörten Spaziergänger Freitag abend in der Nähe der Stadtbahndrücke im Tiergarten. Sie kamen vom Land- Wehrkanal her. Als die Leute dorthin eilten, sahen sie ein junges Mädchen, das sich mit schon fast erschöpften Kräften noch über Wasser zu halten versuchte, dann aber unterging. Maw fuhr jetzt mit einem Rettungskahn nach der Stelle hin, fand auch bald das Mädchen, als es wieder an die Oberfläche kam und landete es. Wiederbelebungsvorsuche, die sofort gemacht und auf der Tier- gartenwache noch sortgesetzt wurden, blieben erfolglos. Die Lebens- müde, die um Hilfe gerufen, weil ihr Schritt ihr im letzten Augen- blick wieder leid geworden war, hatte den Tod gefunden. Tie Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Per- sönlichkcit konnte noch nicht festgestellt werden. Die Ertrunkene ist etwa 18 Jahre alt, mittelgroß und blond und trug einen braunen Lodenrock und Taille, eine weiße Strickjacke, schwarze Schnürschuhe und ebensolche Strümpfe. Ihre Wäsche ist G. P. gezeichnet. Em schreckliches Brandunglück hat sich gestern abend kurz vor 7 Uhr iu der Lange st r. 61 zugetragen. In einer Tischlerei, die dort in den Kellerräumen des HauseS untergebracht ist, war der Möbelpolierer Hermann Gast auS der Langestr. 71 damit beschäftigt, Möbelpolitur herzustellen. Er hatte zu diesem Zwecke einen Behälter mit Schellacklösung auf einen Kachelofen stehen. Plötzlich entzündete sich die Masse und es entwickelte sich eine lange Stichflamme, die den Möbelpolierer Gast und dessen achtjährigen Sohn traf. Im Nu standen beide Personen in hellen Flamstien. Obgleich auf die Hilferufe der Ver- unglückten mehrere Personen hinzueilten und die Flammen erstickten, hatten Gast und sein Sohn doch schon sehr schwere Brandwunden davongetragen. Beide wurden noch vor Ankunft der Feuerwehr nach der Unfallstation in der Koppenstraße gebracht, wo sie die ersten Verbände erhielten. Dann mußten beide nach dem Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt werden. Die Verletzungen des Vaters sind lebensgefährlich und erstrecken sich über das Gesicht, den Hals Rücken und die Arme. Der Sohn hat hauptsächlich Brandwunden im Gesicht und an der rechten Hand erlitten. Unfall auf der Untergrundbahn. Ein aufregender Vorfall spielte sich am Freilag auf dem Untergrundbahnhof am Knie ab. Die 14jährige Schülerm Wally Schiele, deren Eltern am Lausitzer Platz wohnen, hatte einen Schulausflug mitgemacht und wollte mit der llntergrundbahn nach Hause fahren. Als das Mädchen den Perron betrat, setzte sich der Zug eben in Bewegung. Die Schülerin ver- suchte noch im letzten Äugenblick aufzuspringen, stürzte jedoch und kam mit dem linken Bein zwischen das Untergestell des Wagens und die Bahnsteigwand. Glücklicherweise konnte der Zug fast äugen- blicklich zum Halten gebracht werden, so daß daS junge Mädchen mit einer Fleischwunde am Bein und einer Hüstverrenkung davonkam. Einen schaurigen Fund machte gestern früh ein Feuerwehrmann auf der Prenzlauer Chaussee in der Gemarkung Heincrsdorf. Dort lag an einem Zaune ein Sack, der die Leiche eines neu- geborenen Knaben enthielt. Der Feuerwehrmann übergab den Fund der zuständigen Polizei. Spuren eines gewaltsamen Todes fand man an der kleinen Leiche, die noch in Zcitungspapier cinge- wickelt war, nicht. Das Geheimnis von Dabendorf, das noch immer die Unter- suchungsbchörden beschäftigt, bat gestern zu einer neuen Ver- Haftung geführt. Wie wir seinerzeit mitteilten, ist das Verfahren gegen den �Brunnenbauer Kolbe wieder eingeleitet worden, obwohl Kolbe die Tat bestritt und alle Schuld der Frau Ächm, seiner früheren Geliebten, zuschob. Schon bei der Vernehmung auf dem Polizeipräsidium machte die Frau Angaben, die nicht glaubwürdig klangen. Im Laufe der Voruntersuchung geg-n Kolbe verwickelte sie sich bei ihren gerichtlichen Vernehmungen in weitere Wider- sprüche, so daß sich der Untersuchungsrichter schließlich jetzt ver- anlaßt sah, ihre Verhaftung anzuordnen, da jetzt, nachdem sie wohl selbst eingesehen hat, daß die Sache für sie schlecht steht, Fluchtverdacht vorliegt. Sie scheint jetzt dringend der Mitwisser- schaft und Beihilfe verdächtigt. Insbesondere wird angenommen, daß sie genau weiß, was mit dem Gelde geworden ist, das der Er- mordete befaß und das mit ihm verschwand. Sie behauptet trotz- dem, hiervon keine Kenntnis zu haben. Selbstmord eines Fünfzehnjährigen. Seinem Leben durch Er- hängen freiwillig ein Ende bereitet hat der 15 Jahre alte Bäckerlehrling Otto Denicke aus der Kriemhildstraßc 1 zu Schöncberg. Denicke war dort bei dem Bäckermeister Schaf in der Lehre. Als er gestern nachmittag eine zeitlang allein in der Backstube war, er- hängte er sich mit einem Handtuch an der Gärstange. Er war schon tot, als man ihn später auffand. Was den jungen Menschen zu diesem Schritt veranlaßt hat, steht noch nicht fest. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schöneberger Schau- haus gebracht. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Bor- orte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Vor» träge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt ist für jeder- mann uneiitgeltticd. Am Donnerstag, den 6. März, sprechen in den nachbenannten Gemeindeschulen über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen): Herr Dr. med. M. Wehl, Rigaer Straße 81/82, Herr Prof. Dr. Blumreich, Waldenserstr. 25/26. Herr Dr. Bodenstein, Eberswalder Str. 10. Herr Dr. I. Zadel, Skalitzer Siratze 55/56. An, Freitag, den 7. März, sprechen in den nachbenannten Ge- meindesckulen über das Thema:„Verdauung beim Gesunden und Kranken": Herr Dr. Lenk, Tilsiler Straße 4/5. Herr Dr. Moses. Pankstr. 17. Herr Dr. G. Sandberg. Pasteurstr. 6. Herr Dr. RatkowSki. Bergmannstr. 28/29, am Marheinekeplatz. In B o x h a g e n- R u m in e l S b ü r g in der Neuen Schule in der Marklstraße spricht am Dienstag, den 4. März, Herr Dr. R. Rosen. In C h a r l o t t e n b u r g in der Gemeindeschule. Sophie-Char- lottcnstraßc 69/70, spricht am Mittwoch, den 5. März, Herr Dr. Littauer über„Verdauung". In Köpenick in der Dorotheenschule, Freiheit, spricht am Dienstag, den 4. März, Herr Dr. M. Halle über daS Thema:„HalS-, Nasen- und Ohrenkrankheiten." In Friedenau im Gymnasium am Maybacdplatz spricht am Montag, den 3. März, Herr Dr. Gürau über daS Thema:„Schutz und Pflege des Auges". In Lichtenberg in der Gemeindeschule Kronprinzen- straße 10 spricht am Donnerstag, den 6. März, Herr Dr. Hagedorn über das Thema:„Die Bekämpfung der Tuberkulose". In M a r i e n d o r f im Gymnasium Kaiserftr. 17/21 spricht ani Donnerstag, den 6. März, Herr Dr. Laubschat über das Thema: „Infektionskrankheiten der oberen Luftwege und des Ohres". Iii Neukölln in der Gemeindeschule Kaiser-Friedrich-Str. 4 am Hermannplatz spricht am Freitag, den 7. März. Herr Dr. Kühne über das Thema:„Ursachen und Verhütung bon Frauenkrankheiten". (Nur für Frauen.) In Pankow in der zweiten Gemeindeschule, Grunowstraße, spricht am Donnerstag, den 6. März, Herr Dr. Löwenberg über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".�(Nur für Frauen.) In N e i ii i ck e n d o r f- O st in der 3. Gemeindeschule Lettcallee Nr. 26/27 spricht am Mittwoch, den 3. März, Herr Dr. Bodländer über dos Thema:„Die geschlechtlichen Ansteckungen und ihre Folgen". In R e i n i ck e n d o r s- W e st in der 5. Gemeindeschule Auguste- Viktoria- Allee 37 spricht am Donnerstag, den 6. März, Herr Dr. Ehrmann über das Thema:„Menstruation und ihre Störnnge»". (Nur für Frauen). In S ch ö n e b e r g in der 10./11. Gemeindeschule Feurigstr. 57 spricht am TienStog. den 4. März. Herr Dr. Heinsius über da» Thema:„Frauenkrankheiten und.ihre Verhütung".(Nur für Frauen). In Steglitz in der Gemeindeschule Plantagensttaße 8/9 spricht am Mittwoch, den 5. März, Herr Prof. Dr. A. Pinkuß über das Thema:„KrcbSkrankheiten und ihre Bekämpfung". In T e g e l in der Gemeindeschule. TreSckowstraße 28/81, spricht am Dienstag, den 4. März Herr Dr. Pleßner über daS Thema: „Hygiene der Nerven". In T e m p e I h o f in der Gemeindeschule, Friedrich-Wilhtlm- straße 11/13, spricht am Mittwoch, den 5. März, Herr Professor Dr. Nosin über das Thema:„Stoffwechselkrankheiten. Fettsucht. Gicht u»d Zuckerkrankheiten ihre Behandlung und eventl. Heilung". In W e i tz e n s e e in der Gemeindeschule, LangbanSstr. 120, spricht am Freitag, den 7. März, Herr Dr. M. Wehl über das Thema: Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett".(Nur für Frauen). Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich 8 Uhr abends. Oeffentlichc Bibliothek und Loschalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5�— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 618 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Arbeiter-Bildungsschule, Grenadierstr. 37. Heute abend V»? Uhr Fortsetzung des am vergangenen Sonntag begonnenen Vortrags des Genossen Julia» Borchardt über:„Die Tcucnmg und die bürgerliche Nationalökonomie". Mitglieder frei. Gäste 20 Pf. Tie Konsum-Genossenschaft hat im Monat Januar in den 97 Verkaufsstellen für 1 273 795,79 M. Waren umgesetzt. Das ist gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres eine Steigerung von 368 695,19 M.— 40,74 Proz. Gegen-schlutz des Monats wurden zwei weitere Verkaufsstellen eingerichtet, die am 1.' bezw. 3. Februar eröffnet wurden. Die 109. Berkaufsstelle wird Mitte März in der Transvaalstraße eröffnet werden. Die Mitgliederzahl ist auf 70 351 gestiegen. Ter Umsatz in der Bäckerei betrug 253 583 M., wovon 17 755 M. auf die in der Kon» ditorci hergestellten Waren entfallen. Der Kaffecvcrbrauch stieg von 44 000 auf 55 610 Pfund. In der seltcrfabrikation wurden 26 160 Flaschen Seltcr und Brauselimonade abgezogen. Die Spareinlagen betrugen am Schlüsse des Monats 2 958 535,90 M. Neben dieser Steigerung ist noch zu beachten, die Erwerbung von HauSantcllscheinen, die im Monat Januar 42280 M. betrug und somit auf die Gesamtsumme von l 108 980 M. gestiegen ist. In 27 Läden wurde für 353 800 M. russisches Fleisch verkauft Der Verkauf ausländischen Fleisches soll für die Folge noch weiter ausgedehnt werden. Zurzeit verfügt die Genossenschaft bereits über 40 Läden, die sich nicht nur auf Berlin, sondern auch auf die ver- schicdensten Vororte erstrecken. Unter anderem hat auch der Magistrat von Charlottcnburg der Genossenschaft den Flcischvcrkauf übertragen. Der Umsatz ist ein wider Erwarten großer und führte zur Eröffnung weiterer Läden. Das Interesse an den genossenschaftlichen Einrichtungen wird ein immer regeres. Im Monat Januar besichtigten verschiedene Korporationen die Bctriebsanlagen. Vorort- l�acbricbtem Steglitz. Bürgermeister Buhro« auf 12 Jahre wiedergewählt. Das war daS Ergebnis der in der gestrigen Gemeindevertretersitzung als erster Punkt angesetzten Neuwahl des Gemeindevorstehers. Von den abgegebenen 29 Stimmen lauteten 25 auf Buhrow und drei auf den� bürgerlichen Gemeindeverordneten Jachmann, ein Zettel war weiß. Das Wahlresultat zeigt, daß die von den Mictervereins- Helden seit Jahren gemimte Opposition wirklich nur Komödie war. soweit es die Herren nicht vorgezogen hatten, der Abstimmung durchs Fernbleiben aus dem Wege zu gehen, stimmten sie restlos für Herrn Buhrow. Bei der Beratung von neuen Sub» m i s sio n s b ed i ng u n g cn rügte Genosse Aß mann die ver- spätete Zustellung der Vorlagen an die Gemeindeverordneten, wo- durch es denjenigen, die beruflich tätig fein müßten, unmöglich gemacht werde, sich mit der Materie so wie es nötig sei, vertraut zu machen. Zur Vorlage selbst beantragte er nach eingehender Be- Otzündimg Streichung der Streikklausel und Ein- fügung der Verpflichtung für die Unternehmer, soweit in den be- treffenden Gewerben Tarife beständen, die Arbeiter nach den ta- riflichcn Bedingungen zu beschäftigen oder dort, wo keine Tarife abgeschlossen seien, die gewerbeüblichen Löhne zu zahlen. Ge- meindevertreter Müller von der Linken bekämpfte diese Anträge mit Argumenten, wig sie dümmer noch kein Reichsverbändler vor- gebracht hat und wie man sie von jemand, der sich Ingenieur nennt, kaum erwarten sollte. Zum Beweis dafür nur das eine Argument, daß Tarife nur dem schwalben Arbeiter nützen. Dpr Arbeitgeber könne den Arbeiter, der nichts leiste, nicht hinauswerfen, weil sonst sofort gestreikt würde. Daß der Mann mit dem seltenen Namen Muller von dem„sozialdemokratischen Unfugprogramm" und„sozial- demokratischen Tariflöhnen" redete, mag ihm in Anbetracht seiner noch recht mangelhaften sozialpolitischen Bildung verziehen sein. Ob ihm sein„Fraktionsgenosse" Korthaus auch so leicht verzeihen wird, daß er ihm die schönsten Dummheiten im Kampf gegen den rotmi Drachen vor dem Munde wegschnappte, wagen wir zu de- zweifeln, denn er war einfach sprachlos, daß ihn, ein Müller darin „über" war. Für Lehrmittel des Lyzeums I wurden 5000 M. gefordert und bewilligt. Genosse Aßmann regte bei dieser Gelegen- heit an, auch einmal an die G c m e i n d e s ch u l e n zu denken, Jetzt versuchten Volksschullehrer durch Veranstaltung von Licht- bildervorsührungen gegen Eintrittsgeld die Mittel zu einem Pro- jettionsapparat aufzubringen, wofür offenbar ein Bedürfnis vor- Händen fei. Da derartige Apparate an sämtlichen höheren Schulen vorhanden feien, ersuche er den Gemeindevorstand, demnächst auch für die GemeindesHulen eine dahingehende Vorlage zu machen. Zwecks Ergänzung der Ausstattung des S t a d t p a rk- R e st a u- r a n t s wurden 5000 M. bewilligt. Zu einer vom„Verbände der größeren preußischen Landgemeinden" beabsichtigten..Jubelspende" ■-n den Kaiser zum Besten der Veteranen wurden vom Gemeinde- vorstand 1000 M. gefordert. Aus der Mitte der Versammlung wurde beantragt, außerdem noch 1000 M. für die Steglitzer Vetc- ranen zu spenden, da wohl kaum anzunehmen sei, daß aus der Jubelspendc gerade die hiesigen Veteranen bedacht würden. Beide Anträge wurden angenommen. Dem Ortsstatut, welches die Be- freiung der bei der Gemeinde Beichäftigten von der Angestellten- Versicherung bezweckt, wurde zugestimmt und schließlich zwei Ein- sprächen gegen die Gemeindewählerliste stattgegeben. Nach Berliner Muster soll auch in unserm Dorfe die Hundert- jahrseier durch einen gemeinsamen Kirchgang der Ge- meindekörpersch asten begangen werden. Um aber den sozialdemokratischen Gemeindeverordncten keine Gelegenheit zu Erklärungen a la Berlin zu geben, hat unser Gemeindevorstand die Sache anders angefaßt als der Berliner Magistrat. Er hat einfach beschlossen:„sich am Montag, den 10. März, an dem Festgottes- dienst zu beteiligen und in gemeinsamem Zuge mit de» Herrin Mitgliedert, der Gemeindevertretung vom Rathause nach der Matthäuskirche zu gehen". Die Gemeindeverordneten/ werden hoffentlich die Ehre zu schätzen wissen, daß der Gcmeindevorstand sich herbeiläßt, mit ihnen gemeinsam über die Straße zu gehen. Am Montag, den 3. März, findet nochmals eine Landtags- c r s a tz w a h l in dem 22. Urwahlbezirk statt. Das Wahllokal ist daS Restaurant Loge, Albrechtstr. ll2a. Gewählt wird in der Zeit von 4)4 bis 8 Uhr. Heute, Sonntag, früh 9 Uhr, Verbreitung der Wahltuverts vom Restaurant Behnke, Hessestr. 1, auS. Die Ge- nossSn des 0. und 10. Agitationsbezirkes werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Neukölln. Am Mittwoch, den 5. März, abends 8'/- Uhr, findet iO» Restauran, Tabbert. Steinmetzstratze, die Generalversammlung des Elternvereins für Sport und Wandern stW� Pankow. Die Gewerbegerichtswahle» finden am Sonnabend, den 15. März, im Restaurant Bellevue, Breitestroß« 21a, statt, m» zwar wählen die Arbeitgeber von vormittags 10 Uhr bis nach- mittags 1 Uhr, die Arbeitnehmer von 6 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends. Arbeitgeber, welche nicht in der Wählerliste stehen, sind nicht wahlberechtigt- Für die Arbeitnehmer werden Listen nicht auf- gestellt, es genügt eine vom Arbeitgeber oder der Polizei ausgestellte Bescheinigung, daß derselbe zur Zeit der Wahl am Orte arbeitet oder wohnt. Formulare hierzu sind im Rathaus, Zimmer 43. sowie bei den Genosien Otto Rißmann. Mühlenstr. 30, und Paul Larseli, Brehmestr. 48, zu haben. Die Bescheinigungen über den Wohnfitz werden bis 8 Uhr abends abgestempelt. Der dritte Vortragsabend über die ReichSversicherungSordnung findet am Mittwoch, den 5. März, pünktlich abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Meier, Breitestr. 14, statt. Die GewerkschaftS-Unter- kommiffion Pankow-Riederschönhausen. Mariendorf« Zur Eröffnungsfeier der Trabrennbahn am 9. April Will die Gemeinde einen Ehrenpreis im Werte von 250 M. stiften. Mit dieser Bagatelle hatte sich die letzte Gcmeindevertretersitzüng des längeren zu beschäftigen. Genosse Weber wandte sich entschieden gegen die Verwendung von Gcmeindcmitteln zu diesem Zweck. Sowohl Gemeindevertreter Sauer wie auch Gemeindevorsteher Dr. Preuß meinten, daß du Gemeinde schon deshalb eine solche AnftandSpflicht habe, weil die Gesellschaft der Gemeinde ei» Terra i« don 3 Morgen unento�liÄ für Nrsßmzweike üLarlaffen habe. Genosse Neichardt erwiderte hierauf, da� die Gemeinde durch 'die Konzessionicruyg-der Rennbahn aui� 30 Jahre ihrer Änstands- pflicht voll genügt habe. Gegen die stimmen unserer Genossen wurde der Ehrenpreis bewilligt. Trci Einsprüchen gegen die Gc-, «eindewählerlistc wurde hieraus stattgegeben. Eine ausgedchnie Tebaite zeitigte der von der Kommission zur Bekämpsung der Ueischnor gestellte Antrag, den Verkauf des russischen Fleisches zum 1. April einzustellen. Ter schösse Alachon meinte, daß ein Bedürfnis für ausländ.isches Fleisch nicbt mehr vorhanden sei; im Sommer könne eS auch sehr leicht schlecht werden, weil die Ge- mcinbe keine Einrichtungen zur Ausbewahrung habe. Genosse Reichardt trat dieser Auffassung ganz energisch entgegen; er ver- � wies darauf, daß dem bisherigen Verkauf verschiedene Mängel anhaften. In- erster Linie sei der Rückgang des Konsum» darauf zurückzuführen, dqß der Laden sich in einer sehr ungünstigen Lage des Ortes befände; außerdem nähmen viele Frauen Anstoß daran, daß die Polizei immer zur Uebcrwachung anwesend sei. Um der ärmeren Bevölkerung entgegenzukommen, beantragte Redner, den Verkauf in die Röhe der Ehaujseestratze zu verlegen und den Antrag der Kommission abzulehnen. Sollte aber die bürgerliche Mehrheit auf ihrem ablehnenden Standpunkt beharren, so be- antrage er, den Verkauf der.Konsumgenossenschaft Berlin� und Umgegend unter den in Berlin und verschiedenen Vororten vereinbarten Bedingungen zu übertragen.— Die bürgerlichen Vertreter, Rentier Kniehase. Baumeister Noack, Kaufmann sauer sprachen sich für die Aufhebung des Verkaufes aus. Der erstere speziell hat von einer Fleischnot noch nichts verspürt; der Herr Sauer wiederum will dem Mittelstand helfen; man dürke den freien.Gewerbetreibenden keine Konkurrenz machen. Genosse Weber wandte sich in scharfer Weise gegen die Ansichten der bürgerlichen Vertreter. Bergebens, die Mehrheit stimmte für den Antrag der Kommission; als einziger weißer Rabe unterstützte Herr Dillges den Antrag unserer Genossen. Dar Verkauf de» russischen Fleisches hört somit am 31. März für Martendorf auf.— Es folgte noch eine nichtöffentliche Sitzung. � Köpenick. Die in den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter, Angestellte und Handwerker waren vor einigen Tagen zahlreich in einer öffent- lichen Veriannnlung erschienen, um zu der vom Magistrat aus- gearbeiteten Vorlage bezüglick, der Lohnstufen, Zahlung von Zu- sckiuß in Krankheitsfällen und Urlaubsregelung Stellung zu nehmen, Die Referenten Galle und Struck führten aus, daß die Organisation?- leuungen und auch die Vertrauensleute aus den Betrieben sich mit der Vorlage bereits befaßt hätten und daß auch zu den einzelnen Punkten bereits Abänderungsanträge gestellt seien. Die Vorlage selbst sei erst in letzter Stunde vor der ersten Beratung in der Stadtverordnetenversammlung bekannt geworden; daß noch Ver- besserungsomräge gestellt werden konnten, sei dem Umstände zu- zuschreiben, daß die Stadtverordneten auf Antrag der sozial- demokratischen Fraktion Kommissionsberatung beschlossen. Bedauer- lich sei, daß der Magistrat bei der AuSärbciiung der Vorlage nicht den Arberteraussckrnß gehört habe, trotzdem derselbe nach den an- genommenen Bestimmungen über die Tätigkeit, auch die Lohnfrage behandeln kann. Die Diskussion war eine sehr rege; sämtlickie Redner bedaüerten die Auffassung des Magistrats bezüglich der Be- Handlung des ArbeiteraüSschusses, DaS Ergebnis der Verhandlungen war die einstimmige Annahme folgender Entschließung: »Die im Stadtlheater über 200 versammelten städtischen Arbeiter konstatiere», daß die Vorlage de» Magistrats den berechtig- teil Wünschen der Arbeiterschaft,»ach Möglichkeit nicht Rechnung gelragen hat. JnSbesonderö bedauern die Anwesenden, daß zur Beratung dieser wichtigen Frage der Arbeiterausscbuß Nicht hin- zugezogen ist. Gegen diese Ignorierung de» Ausschusses erhebt die Versammlung energisch Protest und erwartet, noch nachträglich bis Anhörung des ArbeiterauSschusies, um als Arbeiterverrretung die Anträge und Wünsche der Mtarbeiter Vorträgen zu, können. '::Das Bureäst wird cheauftragt.' diese Resolution' dein Mägh'trät zur Kenntnisnahme zu unrerbrerten." Wie mitgeteilt wurde; ist ein Teil'der Abänderungsanträge in der Kommission angenonrmen worden. Zsriedrichsfelde. Gegen den Beschlutz der Gemeindevertretung, am 1. April den Vertrieb des russischen Fleisches einzustellen, protestierte am Freitag eine von über 100 Personen besuchte Versammlung. Gemeinde- Vertreter Genosse Oehlert legte in feinem Referat die Ursachen dar, die die Gemeinden zu Notstandsmaßnahmen geführt haben. Ter von der Mehrheit der Gemeindevertretung gefaßte Beschluß sei nur diktiert von einer Handvoll Interessenten, die, bevor die Konsum- genossenschast den Berkauf des russischen Fleisches übernommen, durch ihr bekanntes N erhalten klägliches Fiasko gewacht bäita. Der' jetzt von Woche zu Woche.steigende Umsatz beweise die Notwendigkeit des russischen Flcischverkaufs. Die Ausführungen des Redners riefen zum Teil stürmische Protestkundgebungen gegen den von der Gemeindevertretung gefaßten Beschluß hervor. Gemcindcvorstand sowie bürgerliche Gemeindevcrtreter waren zwar zu dieser Ver- sammlung geladen, aber aus naheliegenden Gründen nicht er- schienen. Nachdem Genosse Segel die Versammelten aufgefordert, ihren Eintritt in die Organisationen der modernen Arbeiterklaffe zu bewirken und.Genosse Schwenk zu reger Arbeit im bevorstehenden Landtagswahlkampf ersucht hatte, gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die in Bürgers Volksgartcn Versammelten protestieren mit aller Entschiedenheit gegen den völlig unbegründeten Beschluß der letzten Gemeindevertreterptzung. wonach am 1. April der Ver- kauf russischen Fleisches eingestellt werden soll; sie erwarte», daß der Gcmeindcvorstand diese Angelegenheit der Gemeindcvcrtrc- tung erneut zur Beschlußfassung vorlegt. Die Versammelten sind der Ansicht, daß der Beschluß in keiner Weise aufrechterhalten werden könne, wenn berücksichtigt wird: 1. daß alle amtlichen Berichte eine fortgesetzte weitere Stci- gerung der Fleifchprei.se' feststellen; 2. daß keinerlei Anzeichen für eine künftige Besserung vor- Händen sind;' 3. daß der von Woche zu Woche, steigende Ilmsatz russischen Fleische» in unserer Gemeinde für ein tatsächlich vorhandenes dringendes Bedürfnis sprichst und 4. daß das Risiko auch während der Sommermonate der Ver- käuscr, also nicht die.Gemeinde lrägi." Genosse Schwenk wurde beaustragt, diese Resolution dem Ge- meindevorsiand zu unterbreiten. Oranienburg. Ein schwerer Unfall ereignete sich vorgestern in dem Fabrik- neuban in der Lehnitzstraße. Dort wurde der Arbeiter Fritz Siebert von einer beladcnen Lolvry gegen den elektrisckien Leitungsmast gedrückt, so daß derselbe eine scbwere Ouetschnng des Brustkorbes sowie innere Verletzungen erlitt. Der Verunglückte mußte nach dem Oranienburger Krankenhaus übergeführt werden. ?iowa»veS. Die Gcmcindevcrordnctcnwahlcn sind boin Gemeindevorsteher ans den 17.. 1 8, u n d 1 0. M ä r z d. I. angesetzt. Für die 3. Ab- teilung findet nur in drei von den vier neu eingerichteten Wahl- bezirken eine Neuwahl statt, und zwar am Moniag, den 17. März, von nachmiriagS 5 bis abends 8 Uhr, in nachsiehenden Lokalen: 1. Bezirk: Restaurant„Turnhalle", Auguststr. 17; 2. Bezirk: Fort- bildungsschule, Mitlelstr. 2, Part, rechts; 3. Bezirk: Restaurant„Port Artur", Lindenstr. 3ö. Im 1. Bezirk findet keine Reuwahl statt. Zu wählen ist in den drei Bezirken auf die Dauer von 6 Jahren je ein Gemeindeverordneter, derÄngesessener fem muß.— Die Wahlen zur 2. Abteilung finden am Dienstag, den 18, März, von vormittags hstz bis abends 7 Uhr in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: Sitzungssaal des RalbaukeS. Priesterstr. 82: 2. Bezirk: Gemeinde- saal(Gemeindeschule 4), Schanihorststr. 1. Zu wählen ist gleichfalls in jedem Bezirk auf die Dauer von 6 Jahren ein Geineinde- veiordneter, der Nichtangesessencr sein kann. Die erste Abteilung wählt am Mittwoch, den 1ö. März, von 4st, bis ö Uhr nachmittags, im Wahlbureau, Lindenstr. 56, drei Gemeiiideverlreier, von denen einer Angesessener muß, auf die Dauer von 0 Jähren, Von 3 bis o>/., Uhr findet für die erste Abteilung im glcichenLokal eine Ersatz- wähl auf 2 Jahre statt. Die Arbeiterschaft wird sich auch diesmal wieder an den Wahlen zur zweiten Abteilung beteiligen. Als Kan« didaten für diese Abteilung wurden die Genossen Max Singer und Karl Gomoll nominiert. Für die dritte Abteilung sind wieder bezw. neu aufgestellt: im 1. Bezirk Genosse Otto H i e m k e, im 2. Bezirk Genoiie Paul Neumann, im 3. Bezirk der Bau- Unternehmer Genosse Alfred Th om a». Da die, Gegner bei der Landtagsersätzwahl in der dritten Abieiluug den 1o, Bezirk, der in seiner Zuiammeusetzung ungefähr dem 3, Gemeindewahlbezirk entipricht, mit geringer Majorität eroberten, so'hoffen sie auch bei der bevor- stehenden Gemeindewahl. nnS den 3. Bezirk zu entreißen. Wenn jeder Arbeiterwähler dieses gefährdeten Bezirks zur Wahl gehl und seine Stimme für unseren Kandidaten abgibt, dann müssen alle An- strengungen der Gegner vergeblich sein. Pflicht eine» jeden Ge� nossen dieses Bezirks ist es, bereit» jetzt mit der Agitation zu be- ginnen. Der Bezirk 3 setzt sich wie folgt zusammen: Bethlehem- kirchplatz, Bismarck-, Blücher-, Bülow-, Charlotten-, Eisenbahn-, Friesenstraße, Großbeercnslr. 1—37, Havel-, Jahn-, Kaiser-Wilhelm-, Kirchsiraße, Kleiner Exerzierplatz, Lindenstr. 30—50 und 74—91, Lützowstr. 1—18, Luthcrplatz, Moltke-, Schul-, Wiesenstraße, Wilhelm- straße 1—19, Zietenstr. 1—13. SitzungStage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Wilmersdorf-Halcnsee. Mitlwoch, 5. März, abends 6 Uhr, in der Aula der Bidoria-Luisenichulc, llhlandstratze, Tagesordnung: Zweite Lesunz des Etats. Tempelhok. Montag, den I. März, abends 5 Uhr. im Gemeinde- sckunaszimmer, Dorfstr, 42: Fortsetzung der Etatsdcbotle, ' Maricnfeldc. Mittwoch, den 5, März, nachmittag» 6 Uhr, im Zeichcnsaale der Gemeindeschule, Torsstr, 53._ � Mariendorf. Montag, den 3. März, nachmittags o Uhr, Etatsberatung im Rathaussitzungssaale, Kaiserstrasje. Zeuthen. Dienstag, den 4. März, nachmittags 5'/, Uhr, im Gemeindeamt: Etalsbcratung� Diese Sitzungen sind Ssscntlich. Jeder Gemeindcangehörige ist be- rechtigt, ihnen alS Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltungeu. Neukölln. Heute Sonntag, den 2. März, findet für die Gruppe 4 eine Besichtigung der Arbeitet mohIiabriSausstellung statt, Treffpunkt: Hermann- Platz ff.l2 Uhr, für Nachzügler st'.l Uhr vor eer Ausstellung, Chavlottenburz, Frauenhoserstr, 11—12....... Tchöncberg. sonnlag, den 2. März, abends 6 Uhr, Unter« baltungs Abend im kleinen Saale der schloßbrauerci,.Hauptstraße, bestehend aus Instrumental- und Vokallonzcrt unter Mitwirkung des Gesang- Vereins Tchöncberger Männerchor.. Erkner. Heute Sonntag, nachmittag? 3 Uhr, findet im Lokal „Seeblick" in Fangs-Vleiise eine öffentliche Jugendversammlung statt. Herr Göbel referiert über: Jugendbewegung. Arbeiter-Samaritcrbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Berlin. I.Abt, am Montag in den Riltersälen, Rittterstraße 75, abends S>/. Uhr. Lichtenberg. Am Donnerstag bei Pickenhagcn, scharnweber- straße 60, abends 80. Uhr, Neukölln. Am Freilag in der Jdealpassage, Weichi-Istragc 8, abends 8J/, Uhr. 'Spandau. Am Mittwoch bei Pccziles, PichclSdorser Straße 5. abends 8 Uhr. M a r i c n d o r s. Am Montag bei Löwcnhagen, Chauffeestr. 27, abends gi/. Uhr ' N o w aw es. Am Dienstag in der Fortbildungsschule, abends 8 Ubr. Schöneweide. Am Moniag bei schulz, SiemenSstr, 12, abends gi/ Uhr. F riedrichshagcn. Am Donnerstag, Kmsusansang, Friedrich- straße 60, 2. Hos, abcndS 8 Uhr. �„,•...... Wilhelmsruh. Am Montag der Sienwald, Remickendorf-Oft, Provinzstraße 92, abends 8 Uhr. � Berlin. Heute«onderkursuS bei Schulz, Königsgrabcn 2, von 3 bis 5 Uhr nachmittags.__.. �... D i e Kreisleitung. Paul Hackelbusch, Berlin 0. 112. Leseabende. Lankwitz. Montag, den 3. März, bei Adler, Charlottenstr. 34. „Bürgerliche und proletari'che Frauenbewegung". Referentin Genossin Siedel._ Morktprelie von Berlin am 28. Februar I9IZ, nach Ermittelungen des tönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,51 bis 19,60, mittel 19,42—19,48, geringe 18,30—19,36. Roggen, gute Sorte 16,30—00,00, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futtergerste, gute Sorte 16,40—17,00, mittel 15,80—16,30, geringe 15,20—15,70. taser, gute Sorte 18,30—20,20, mittel 16,60—18,20(stet Wagen und ab ahn). M a r k t h a I l e n p r c is e. 100 Kilogr, Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linien 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40, Rindfleisch, Bauchsleiich 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,10. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,20. Butter 2,40-3.00. 60 Stück Eier 4,00— 6,00. 1 Kilogramm, Karpien 1,20—2,40. Aale 1.60— 3,20, 1.40-3.60. Hechte 1,60—2,80, Barsche 1,00-2,40. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00— 24,00. Zander Schleie 1,60—3,20. WttterungSüdersich« vom 1. März 1918. Wetterprognose für Sonntag, den 2. Marz 1913. Zunächst vorwiegend heiter, Nachtsrost, am Tage rasche Erwärmung, nachher zunehmende Bewölkung und etwas Regen bei lebhastcn südlichen Winden. Berliner W c t t e r b u r e a u. z �"\e ein SPie�r der Mode 1 offerieren sich Ihnen unsere 14 Schaufenster Dabei ist jedes StücR« das Sie bei uns im Fenster sehen, nur Fins von vielen seiner Art, die Ihnen in unseren Geschäfts« räumen in reicher Auswahl zur Verfügung stehen. 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Selbst wenn eine solche nicht nachgewiesen werden kann, so kommt die gesetzliche Kündiaungssrist in Frage, die auch spätestens am 15. mit Wirkung zum darauffolgenden Ersten zulässig ist. 2. Unseres Erachtens ja. — A. R. 300. Nein.— G. St. 05. 1. Nein. 2. Hausarztvercin Gesundbrunnen. Vorsitzender Otto Wölke, Brunnenstr. 64,— M. H. 7«. 1, lieber Beschafsung von Hypotheken erteilen wir keine Auskunst. 2. Ver- träge über iArundstücke haben nur dann Zicchtswirksamkeit, wenn sie zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll geschlossen sind.— W. St.?iÄ. 1. und 2. Dag ist nicht zulässig, soscrn nichi etwa im Testament bestimmt. — fjwci Streitköpfe. Eine Drehbühne hat das Deutsche Theater.— (f. L. 21. 1. ES genügt, ivcnn um Tage der Wahl das 24. Lebensjabr vollendet ist und scchsmonatlicher Wohnfitz vorliegt. 2. Nein. 3. Diese Adressen stehen uns nicht zur Verfügung. Wenden Sie sich an den Orts- Vorsitzenden des dorligen Wahlveretus.— Moabit LOO. Soweit Ihre Darstellung crkcmien lägt, liegt ein GesellschastSverbältniS vor. Ihr Bruder hätle demnach bei der Auseinandersetzung oie Hülste des Wertes, das sind nach Ihrer Darstellung SOOO Mk.. zu beanspruchen.— 9k. S>7. Ja.— C. I.(>. Voraussichtlich würden wegen des Pflege- tindes Schwierigkeiten gemacht werden.— B II. 97. Wiederholen Sic die Anfrage und geben Sic noch an, wo der erste Ehcwohiifitz gewesen ist W. B 39. 1. Stempelsrci. 2.»nd 3. Ja.— R. X. 100. 1. Ja, sosern es sich aber um eine» Inländer handelt, kann er aus dem Ort, in dem er seinen Unterstützungswohnsitz erhallen hat, nicht ausgewiesen werden. nach Ablauf der Zelt kann noch Herausgabe der Sachen mm Auch _......... gefordert werden. — R. B 110."Nein.— fl. 1893. Nur dann, wenn der Sohn minder- jäbrtg war und nicht ein Einkommen, welches zur Deckung des Unterhalts ausreicht, hatte.— O. 22. 1. Für Zahlung der GerichtSlosten sind Sic nicht verpflichtet. Falls eine tzlusforderrmg au Sic ergeht, erheben Sie Er- innening mit der Begründung, daß Ihnen das Armenrccht bewilligt war. Für die gegnerischen ANwaltslosten sind Sie allerdings haftbar. Die Stadt deckt diese nicht. Der Lohn ist bcschlngnahmesähig, ioweit er 28,85 M. pro Woche übersteigt. 2. und 3. Ersuchen Sie das Gericht um Erteilung einer mit Rcchtskrast versehenen UrteilSauSfertigung. Für den Fall der Wieder- Verheiratung ivird diese benötigt.— 1889. Falls die Bezeichnung bereit« im Verkehr ist, könnte von Ihnen Uuterlassnng aesordert werden. Ob ein Schutz des Warenzeichens vorliegt, können Sic beim Patentamt durch Sin- sichtnahme der dort allsliegenden Literatur feststellen. Allerdings ist die Durchsicht sür den Laien sehr umständlich. Die Kosten belaufen sich aus etwa 50 R. in Einsegnung: BrllUcn, Iren, SolS a. Slei»« in Deknnnt bimsen Preisen. 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