Ur. 53. 3V. Jahrg. gbonnementz-kcckingungen: vie Insei'tionz-eediihi' «bonncmcl�- PinS vrnmimcrandoi WW M> IHi> � beträgt für dic scchsgcipnlii-nc Kolons- Bierteljährl. 3�0 Mr., nionaU. I.ly Ml., // H H H H Sc"c �'dcr bcron:)iaum m Pig„ für wöchemlick � Psg. irci ins Haus. HB—WM W> M H k�> Ifl MW DW H B H // M folitnriic und«rwi-rlAaftlichc Vcrcius. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlugs. �gBk IT'�M H H B W) B H H B B B B fH // wid Nersmnmlungs-Anzelgeii L0 Pf«. nummer mit illustrierler Sonnwos. D�DWD I I DM MM �M �M �M �M> �M �M£J„Kleine Knretgtn", das fettgedruckie SeUage.Die Neue«eU- 10 Pig. kost. iVBH AM i B B B �M B B B SScrt A.P-«. izulmjig 2 fetlgedriickie Nbonnement: t,1v Mark vro Monat. B B B �W B�I �W B B B B Worte). weitere Wort w P'g. Eingetragen in die Pofl-Zeiwngs. MI MM> B DM �MV Bl B �MM�W Stellengesuche und Schtafstellemm. Breisliste. Unter Kreuzband ,ür B MM B�LBv.�B�> B �7/ B zeigen dag erite Wort U> Pfg.. jedes Deutschland und Oesterreich- Ungarn MI MM! JB\ // B weitere«ort o Psg. Worte über 1» Buch- 2 Marl, für das übrige Ausland BR� ▼/ V V T/ MBV>7 ltaben zahlen ,ur zwei Worte. Jnsera'e S Mar! xro Mannt. Postadonnemenis V/-----_ 1/ BL\ U>r die nächste Nummer müssen bls nehmen an: Belgien. Dänemarl. ��MB��-e 7?.<----(D ▼/ ki Ilhr»achniittags in der Erpedition Holland. Jwlien, Luxemburg, Portugal,---- � VoO abgegeben werden. Die Expedition ist Rumänien, Schweden und die Schweiz.-/ V___ �__ bis I Uhr abends geossnet, Verlinev VnlltSOlAH. ssszsr. Zentralorgan der fozialdemohratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Ll. 68, Lindcnetraosc 69. Fernsprecher: Zlmt MoriNplai?, Nr. 1383. Mit gedämpftem Lrommelklang. Die Ankündigung, daß die Milliarde, die an einmaligen Ausgaben für die Militärvorlagc gefordert wird, durch eine Vermögensabgabe gedeckt werden soll, hat in der bürgerlichen Presse eine recht bezeichnende Aufnahme gefunden. Mit süßer Miene verkündet sie zunächst die Opferbercitschaft der Bc- sitzenden, um sofort mit saurer Miene ihre Bedenken geltend zu machen. Und ivenn im Morgenblatt noch die Opfer- bercitschaft, so stehen im Abendblatt schon die Bedenken im Vordergründe. Der Tromnielklang wird immer mehr gedämpft. Am schärfsten sprechen sich die„Vossischc Zeitung" und die »Kreuzzeitung" gegen die Vermögensabgabe aus. Das Organ der Fortschrittspartei schreibt: »Die einmalige NeichSvcrmögensabgabe ist so ziemlich eine Bankrotterklärung der Finanzverwaltung. Die Regierung weiß nicht mehr, wie sie die Ausgaben decken soll, und deshalb greift sie zu dem letzten Mittel, zu einem der- zweifelten Mittel, wie e'S nur im Kriegsfall erhört ist. Man denkt unwillkürlich an das Mittelalter, wo das Reich einer geordneten Finanzwirtschaft entbehrte. Aber daß ein moderner Staatsmann in Friedenszeiten seine Zuflucht zu einer Abgabe nimmt, wie sie in modernen Finanzshstemen nirgends einen Platz hat, da» muß Verwunderung erregen... Die ganze„Vcr- mögenSabgabe" wäre vielleicht nicht von nöten, wenn man sich entschlösse, eine durchgreifende, folgerichtige Bc» s i y st e u c r einzuführen, die„Finanzreform" volkstümlich zu gc» stalten und ausschweifenden Forderungen deutscher Chauvinisten den gebührenden Widerstand zu leisten... Es ist auch recht lustig, lvaS die„Vossische Zeitung" weiter sagt: Tie Bcschlvichtigungshofrüte werden erklären: Einmal ist keinmal. Aber die Steuerzahler werde» es nicht glauben. Wenn man heute für den einen Zweck eine besondere Abgabe vom Vermögen erhebt, weshalb nicht übers Jahr für einen andern? Wenn man heute eine Aiilliarde oder mehr vom Nationalvermögen wegnimmt/ um eine Vermehrung der Reichsschulden zu verhüten, weshalb sollte nicht einmal ein... Reichssinanzminister auf den schönen Gedanken kommen, dos Experiment öfters zu wiederholen, um die ganze R e i ch s s ch u l d loS zu werden? Auch eine Kleinigkeit! Man braucht dazu nur plötzlich und impulsiv zu sein und— eine ausschlaggebende Sozialdemokratie im Reichstag zu haben. In der Tat, wenn die Regierung sich ihres Vorschlages freut, die Sozialdemokratie freut sich doppelt und kann triumphieren. Daß sie derart Schule machen werde, in der Zeit der»Sammlung", hat sie schwerlich erwartet. Man stelle sich vor, was geschehen wäre, wenn die Herren Bebel und Le d eb o ur im Reichstag beantragt hätten, daß die Milliarde für einmalige Ausgaben deS HeereS durch eine einmalige Abgabe vom Vermögen aufgebracht werde! Da wäre der übliche' EntrüstungS- stürm ausgebrochen; man hätte von»Expropriation der Expropriateurs", wie sie die Revolutionäre wollen, von Kon- fiskation deS Vermögens, von Aufhebung des Eigentums gesprochen; man hätte gezeigt, wie eine solche Politik die Rentner, die Besitzenden aus dem Lande treibe, kurzum wie die einmalige Reichsabgabe vom Vermögen den Umsturz von Thron und Altar, das Ende von Religion, Titte und Ordnung bedeute. Und jetzt braucht die Sozialdemokratie ihren Antrag nicht erst zu stellen, die Regierung kommt ihr zuvor. Es ist ein grausamer Humor in diesem Vorgehen... Man gibt der Sozialdemokratie den ihr willkommensten Anlaß, bei spätcrem Bedarf immer die Deckung durch eipe neue»einmalige" Abgabe vom Vermögen zu verlangen. In der Tat hat es einen gewissen Wert, daß nun dem deutschen Volke gezeigt wird, wie leicht eine Niesensumme aufgebracht werden kann, lind wir Sozialdemokraten werden sicher nicht verfehlen, den schneidenden Gegensatz bcrvorzu» heben, der darin liegt, daß für Kriegszwecke ohne weiteres eine Milliarde auf. einmal und dazu eine viertel Milliarde jährlich von demselben Finanzminister aufgebracht werden kann, der nicht imstande ist. 10 Millionen für die Veteranen und die Witwen und Waisen der Arbeiter aufzutreiben. Noch schärfer vielleicht als die„Voss. Ztg." wendet sich die„K r e u z z t g." gegen den Plan der Regierung. Sie be- zweifelt, ob es denn wirklich nötig sei. zu diesem„ä n ß c r- st e n Hilfsmittel" zu greisen. Deshalb müsse man sich in der Beurteilung die äußerste Vorsicht auferlegen und abwarten, wie der Plan im einzelnen ausgestaltet werde. Tann, meint das konservative Blatt: »Wenn es richtig ist. wn4 wir bisher bezweifeln mußten, baß der Bedarf einer vollen Milliarde aus diese Weise gedeckt werden soll, so ergibt sich folgende überschlägliche Berechnung: Die preußische Ergänzungsstcucr bringt rund 60 Millionen; das würde auf das Reich cUva 100 Millionen ausmachen; es müßte also der zehnfache Betrag der Ergänzungsstcuer erhoben werden. und die Abgabe würde biernach rund% v. H. des Vermögens betragen. TaS ist eine Abgabe, die Ivo hl„ur in den allcrwcnig- sten Fällen noch aus dem Einkommen bestritten werden kann, gu. deren Deckung also Vermögensteile veräußert werden müssen.(?) Tic Schwierigkeiten, die sich hierbei Dienstag, den 4. März 1013. für die Einzelwirtschaft wie für die ganze Volkswirtschaft er- geben könne», liegen klar auf der Hand. Das im Grundbesitz oder, als Betriebskapital in Handel und Industrie angelegte Bcr- mögen wird sich mir schwer flüssig machen lassen, und die Ver- äußcrung selbst von Wertpapieren zum Zwecke der Deckung der Abgabe wird weiter erhebliche Schwierigkeiten volkAvirtschas!» lickcr Art verursachen.(?) Man ivird also sehr genau zu prüfen haben, ob tatsächlich der ganze Betrag ans einmal aus- gebracht werden soll, oder ob nicht doch der Weg einer raten- weisen Ausbringung oder einer schnell zu tilgen- den Anleihe vorzuziehen wäre." Und dann sucht die„Kreuzztg." die Sache den Besitzen- den von der anderen Conleur zu verekeln, indem sie„ergän- zende Maßnahmen" fordert, die„das mobile Kapital an der Quelle, bei den Emissionen und dem Börsenverkehr", erfaßt. Tie„Kreuzztg." fürchtet auch, daß die Bundesstaaten ihren verfassungsrechtlichen Widerstand gegen eine dauernde Reichsvcrmögensstcuer nicht mehr aufrecht erhalten werden können, nachdem das Reich einmal in dieser Weise auf das Vermögen zurückgegriffen habe und sie hat„die ernstesten Bedenken" wegen der„K o n s e q u c n z e n i it der Z u k n n f t". Die übrige Presse ist weniger offenherzig. Tie fort» schrittliche Presse gibt zum Teil derselben Meinung Ausdruck, die wir schon in der Sonntagsnuinmer ausgesprochen haben. Und in der Tat! Mit der Deckung der einmaligen Ausgabe ist es nickst getan. Das Entscheidende ist, daß auch die fortdauernden Lasten von den Besitzenden diesmal übernommen werden müssen. Wenn sich die Herren einbilden, mit ihrer„großen Geste" die Arbeiter täuschen zu können, so irren sie sich gründlich. Die Aufbringung einer Milliarde bedeutet eine jährliche Abgabe von-lv bis 50 Millionen. Das ist eine verschwindende Summe gegenüber der Viertel- Milliarde jährlicher Neuansgoben und erst recht eine verschwindende Summe gegenüber den mehr als ändert- halb Milliarden, die im Reiche jährlich durch Zölle und indirekte Steuern aufgebracht und dem Militarismus und Marinismus zu- geführt lverden. Die vier Millionen sozialdemokratischer Stimmen und die 110 sozialdemokratischen Abgeordneten sind ja die Ursache, daß die Regierung und die bürgerlichen Par- teien überhaupt das ehemalige verruchte Dogma, daß das Reich nur auf indirekte Steuern beschränkt bleiben dürfte, aufgegeben haben. Aber diese Vermögensabgabe ist nur ein Muudspitzen. Diesmal muß schon gepfiffen werden und die Vermögensabgabe muß ergänzt werden durch eine dauernde Reich svermögens- und Erbschafts- st e u e r. Die Regierung selbst erkennt ja an. darin stimmen wir der„Kreuzztg." durchaus bei, daß die verfassuugs- rechtlichen Bedenken Mumpitz sind. Was, wenn es einmal geschieht, kein Verfassungsbruch ist, ist es auch auf die Tauer nicht. Aber über die finanzielle Frage darf man die mili- tärische nicht vergessen. Dem Volke dürfen nicht nur keine neuen finanziellen Lasten aufgebürdet, es müssen auch die u u g e h e u r e n persönlichen Opfer verringert werden. Ter Reichstag muß Stellung nehmen zu einer Herabsetzung der T i e n st z e i t. Eine Verkürzung der zweijährigen Dienstzeit und erst recht die B c s e i t i g u n g d e s e r b i t t c r n d e n A u s- nahmegesetzes der dreijährigen Dienstzeit ist selbst vom militärischen Standpuuktc durchaus möglich. Und eine solche Verkürzung würde auch die ungünstigen inter- nationalen Rückwirkungen abschwächen. Ob der Generalstab wirklich so leicht im Reichstag siegen sollte, wie er mit seinen phantastischen Forderungen bei der Regierung gesiegt bat, wird sich noch zu zeigen haben. Eine kritische Stimme. Die„Frankfurter Zeitung" sckireibt über die Militärvorlagc: Jetzt soll für eine Militärvorlagc, welche die Fricdcnspräsenz- stärke nach den bisherigen Mitteilungen um weitere 30 000 Mann erhöhen soll, allein an einmaligen Ausgaben eine Milliarde gc- fordert werden. Das geht so sehr über alles das hinaus, was rnan bisher für möglich gehalten hat, überschreitet alles erträgliche Maß in einem Umfange, daß man mit einigen nationalen Redemcndun- gen nicht darüber hinwegkommt, sondern sagen muß: vier ist über die Grenze des finanziell allenfalls noch zulässigen weit b i n a u s g x g a n g-c n worden. Nach dieser Höhe der einmaligen Forderungen, über die man vor einigen Wochen noch gelacht haben würde, muß man mit gesteigerter Besorgnis der geforderten Vermehrung der dauernden Ausgaben entgegensehen, die anscheinend das Vierfache dessen betragen wer» den, was anfangs als Höchstsummc angeschen wurde. Die Regie- rung hat sich offenbar gescheut, beizeiten ibrc Alstichten in vollem Umfange bekannt zu geben. Es ist versucht worden, ohne Angabe der Endsumme Stimmung für die militärischen Forderungen zu machen. Aber diese Stimmung Wird nun, Wo in o n etwas Genaueres über die Lasten erfährt, stark abgeschwächt, und in vielen Kreisen in das direkte Gegenteil umschlagen.... Der Eindruck ist Expedition: 8öll. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morihplab, Nr. 108t. nicht abzuweisen, daß es im Grunde mehr frühere Agitation als neue Erfahrungen gewesen sind, welche den Umschwung der Meinung durchgesetzt haben. Der Wehrvcrcin hat obgesiegt, und nachdem einmal die einflußreichen Persönlichkeiten dafür gc- Wonnen waren, haben die Leiter der Regierung einen Widerspruch gar nicht mehr gewagt. Es scheint, daß weder der Reichskanzler noch auch der Staatssekretär des Reichs- schatzamts irgendein Bedenken geltend gemacht haben, obgleich die volle Lösung der D c ck u n g s f r a g c vermutlich auch jetzt noch nicht gefunden i st. Alles ist so schnell gegangen, daß man diese finanzielle Vorfrage erst an den Schluß gestellt hat. Tie militärischen Instanzen alle in entscheiden. Sie suchen vielleicht jetzt noch, was sich etwa noch an Forderungen hineinbringen ließe, und so ist eine Z u s a in m e n fa s su n g der v e r s ch i c d c n a r t i g st c n Wünsche entstanden, von denen man noch kürzlich sicherlich ein gut Teil für reckst ausschweifend gc- halte» hat.... Aber immer wieder muß gefragt werden, tves- halb denn eine so exzessive Rüs'uiigsstcigcrnng notwendig sein soll, für die durchschlagende Gründe nicht angegeben sind. Nach einem Vergleich der deutschen Heeresstärke mik denen anderer Nationen fährt das Blatt fort:'An Aufwendungen für Heer und Marine aber leistet Deutschland zurzeit verhältnismäßig am meisten. Seine Aufwendungen für Heer und Flotte ohne Pen- sioncn, ohne den militärischen Anteil an den Rcichsschuldcn be- tragen rund 1400 Millionen Mark, ungefähr sovicl wie diejenigen Rußlands und Englands, wähkend Frankreich etwas über 1000 Millionen. Italien 500 bis 600 Millionen, Oesterreich 500 bis- 600 Millionen aufwenden. Im Vergleich zum Gesamt- budgct stellen sich die deutschen Militärausgaben noch erheblicher dar, weil sie etwa die Hälfte der Gesamtausgaben darstellen, in den meisten anderen Ländern aber nur ein Drittel. Nun soll die schon recht schwere Rüstung noch so ungeheuerlich verstärkt werden. daß ihr finanzielles Gewicht kaum zu ertragen sein würde. Glaubt man im Ernst, daß man die dagegen ankämpfende Kritik mit einigen Redewendungen abtun kann? Meint man, die- jcnigcn, welche hiergegen ihre warnende Stimme erheben, seien weniger patriotisch als diejenigen, welche nur im Jasagcn die nationale Pflicht sehen? Was kann durch solche Ueberspannung der Rüstungen erreicht werden? Wir sehen schon die nächste Folge: Mißtrauen und Argwohn im Auslände, die natür- lich gesteigert werden durch schlecht angebrachte Hinweise auf die Zeit vor 100 Jahren, als ob wir wieder in einer ähnlichen Zeit schwerster Not und Gefahr seien. Und als weitere Folge zeigt sich schon ein neues W c t t r ü st e», das den Wert aller Freund» schaftsbeteuerungen natürlich stark herabmindert. Gegen diese un- erfreuliche EntWickelung gilt es Einspruch. zu erheben und z» der- hindern, daß man im Nüstungsrausch sich über alle Schranken hin- wegsetzt. patriotische Gcdcnhfekrn und die Mervatioe Politik. Tie Politik des sogenannten„entschiedenen" Liberalismus leidet seit scher daran, daß sie günstige Gelegenheiten verpaßt und sich über den Charakter einer politischen Situation erst einigermaßen klar lvird,»venu diese schon vorüber ist. So haben die fortschrittlichen Größen noch immer nicht begriffen, daß die konservative Presse mit ihren massenhaften hohen- zollerisch-koloricrtcn Slrtikeln über die nationale Erhebung und den„großen Befreiungskampf" im Jahre 1813 den Zweck verfolgt, das deutsche Volk in einen chauvinistisch- patriotischen Begeisterungs- und Erinnerungsrausch zu ver- setzen und an diesem ihr abgestandenes Parteisüpplein zu kochen. Gerade für das, was das beste ist an jener Volkserhebung: die Selbstentschlossenheit und der kühne Wagemut, mit welchem das Volk, uu- betümmert um die Zaghaftigkeit und die kleinliche Klügelei der hohen Regierung, sein Blut einsetzte— nicht nur, wie eine künftige höfische Geschichtsschreibung uns glauben machen will, nur die napoleonische Fremdherrschaft zu stürzen. sondern um zugleich mit deren Hinwegfegung freie Bahn für eine fortschrittliche p 0 l i t i.s ch e E n t w i ck e- l u n g zu schaffen, hat die konservative Jmikerpartei nur Verständnis gehabt; denn in diesem Erivachen des Volkes zum eigenen Willen und Handeln hat sie immer nur den „ G i f t h a u ch" der großen französischen Revolution gesehen. Sobald der Feind niedergetvorfen war, bat die Junker- sck)ast alles, was sie konnte, getan, um das Freiheitsstreben des Volkes' zu ersticken und selbst die dringendsten Reformen» aufzuhalten. Besonders gegen die..revolutionäre n" Maßnahmen zur Beseitigung der Erbunterthänigkeit der oft- elbischen Bauern lehnten sie sich mit größter Zähigkeit aus und glücklich gelang es ihr denn auch, den schwächlichen Verordnungen von 18U8 und 1811 die berüchtigte Deklaration vom 23. Mai 1810 entgegenzusteUen, die den Untergang zahl- reicher Baucrnstellen besiegelte. Und wie die Juukerpartei in der Volkserhebung von 1813 im Grunde genommen nie etwas anderes sehen wollte, als eine monarchistische Landesange- legenhcit, als einen Beweis für die Königstreue und monar- chistische Gesiiimingstiichtigkeit des preußischen Volkes, so ver- folgt sie auch heute mit ihren Erinnerungs- und Gedenkfeiern lediglich den Zweck, patriotisch- sentimentale Stimmungen zu wecken und diese für ihre unsauberen reaktio- närcnZwcckeauszu nutzen. Hätten die Fortschrittler einen etwas weiteren politischen Horizont, sie würden sich der sonderbaren Art, in der die Konservativen die Gedenkfeiern auszugestalten suchen, energisch widersetzen. Statt dessen leisten sie der konservativen Mache in jeder Weise Vorschub— nur um nicht für antinational zn gelten. Und doch tritt dieTcndenz der agrarkonservativen Presse, die ganze Sache für ihre politischen Interessen auszunutzen, so deutlich hervor, daß man sie mit der Hand greifen kann. Erst gestern wieder brachten„Krcuzzeitung" und„Deutsche Tageszeitung" zwei .Artikel, in denen ans der„nationalen Gesinnung" und dem „Monarchismus" des Fortschrittlertums gefolgert wird, daß dieses unbedingt bei den bevorstehenden Landtagswahlen s ü r die Konservativen gegen die Sozialdemokratie kämpfen muß, und zugleich wird nachzuweisen gesucht, daß der Erfolg der Volkserhebung von 1813 vornehmlich der Weis- hcit und Besonnenheit Friedrich Wilhelms III. zu danken war, der viel„weiter" sah, als„sei n" u n g e st ü m e s Volk. So heißt es in der„Kreuzzeitung": Eine andere engere Frage noch aber ist durch die anti- nationalen Demonstrationen in Berlin akut geworden, die nach dein BerhältniS z wischen Liberalismus und Sozialdemokratie. Eine unüberbrückbare nationale Kluft haben die freisinnigen Herren mit aller Deutlichkeit festgestellt. Wir haben eine solche Feststellung kam» mehr erwartet. Nun sie erfolgt ist, ist die Frage gestattet, ob denn Unterschiede in der nationalen Gesinnung für den Partei- kämpf, der doch angeblich um nationale Interessen aus- gefochten wirb, praktisch gar nichts zu bedeuten haben? Können denn Parteilämpfe, Parteigegensätze überhaupt noch Würdig' keit beanspruchen, wenn der erkannte Mangel an nationaler Ge- sinming in geringerem Maße als trennendes Moment angeschen wird alS verschiedene Anschauungen über die internen Einrichtungen des bestehenden nationalen Staates und verschiedene Ausfassungen von den Aufgaben der Wirtschaftspolitik. Will der Libe- ralismuS mit einer unkorrigierten Stellung- nähme zur Sozialdemokratie iir diesem ErinrierungSjahr vor die Wähler Preu- ßenS treten, wollen die liberalen Herren nur die nationalen Feste mit dem königstreuen Bürgertum feiern und dabei ihren DkonarchiS- m u S erweisen, aber die praktischen politischen Geschäfte mit der Sozialdemokratie besorgen und dem Republikanis- muS den Steigbügel halten? Oder sind. patriotisch- preußische Wallungen und Demonstrationen der Unabhängigkeit gegen die Sozialdemokratie wie in der Wahlrechtsfrage so auch bei dieser nationalen Angelegenheit nur ein freisinniger Luxus, der in den Kommunen gestattet, in Staat und Reich aber verboten ist?... DaS auf der Bahn vom Liberalismus zur Sozialdemokratie bald in der Nochbarschaft des„Vorwärts" angelangte„Berliner Tageblatt" ist entsetzt über den nationalen Mannesmut der fortschrittlichen Volksvertreter, spendet Herrn Bernstein Worte warmer Anerkennung und, um seinerseits etwas für das freisinnig- sozialdemokratische Ehrgefühl zu tun, sucht es für einen gegen die „Kreuz-Ztg." gewandten Leitaufsatz unter dem Tisch der mit nationalen Werten so reich besetzten Tafel von 1813 die Abfälle in Gestalt einiger ärgerlichen Acußerungen prominenter Persönlich- leite» jener Tage über die junkerlichen Frondeure um Marwitz zusammen und wirft den Kehricht den Junkern ins Gesicht. Es hieße, denr Schreiber zu viel Ehre antun, wollte man den h e l d e n h a s t e n P r e u ß e n a d e l j e n c r Z e i t und seine Nachkommen durch Widerlegung solcher Ä n g r i f s e schützen." Während die„Kreuzzeitung" den Freisinn für seine Ztwcke cinzufangen sucht, rechnet die„Deutsche Tageszeitung" mit der FreisinnSpresse ab, weil diese angeblich die Person Friedrich Wilhelms III. verunglimpft hat, indem sie behauptet habe,„die Erhebung Preußens sei nicht das Werk dieses Königs, sondern des Volkes gewese n." Das sei unrichtig, meint der höfische Historiker des Bündlerblattes. In einein langen, den Tatsachen ins Gesicht schlagenden Ar- tikel weiß er Friedrich Wilhelm III. die schönsten Königs- lügenden anzudichten, beis er schließlich zu folgendem Er- gebnis kommt: „Aber nicht minder notwendig und nicht minder rühmlich war der staatSmännische Blick, mit dem Friedrich Wilhelm III. und sein Kanzler das Spiel um Sein oder Nichtsein vor- bereiteten. bis es auch vom Standpunkte der- nüchternen Wirklichkeit der Dinge mit gutem Gewisien begonnen werden konnte: und der standhafte königliche Sin», der dazu gehörte, lange Zeit hindurch schweigend die Verkennung durch die Besten deS Volkes zu trage». Der preußische König und das preußische Volk, sie haben gleichen Anteil an dem Gelingen wie an den Ehren der ewig ruhmwürdigen Erhebung deS Jahres 1813. Und e S ist ebenso unwürdig w i e unwahr- hastig, sie in Gegensatz zu einander bringen und das Verdien st schmälern oder leugnen zu wollen, daS sich Friedrich Wilhelm III. dadurch erworben hat, daß er damals nicht nur nüch« t c r n e r, sondern auch weiter sah alS daS kühne Un- g c st ü m seines Volke S." Hätten die Fortschrittsgrößen mir inniges Verständnis für konscrbative Politik und Taktik, sie müßten erkennen, was die konservative Presse mit solchen Ausführungen bezweckt; aber bei Kapazitäten von der Qualität eines Cassel darf man selbst auf ein so geringes Maß politischer Einsicht nicht rechnen._ Der Kallisnkrieg. Die Fricdensvermittelung. Tie„Nordd. Allg. Ztg." schreibt:„Für die Klärung der Qricntlage ist nunmehr ein voraussichtlich e n t- scheidender Schritt erfolgt: die Türkei hat sich er- freulicherweise bereit erklärt, die Vermittelung der Groß- mächte zum Zweck des Friedensschlusses anzunehmen. Im Besitz dieser Mitteilung wenden sich die Mächte ungesäumt an die Regierungen des Balkanbundes, nrn festzustellen, ob diese ebenso wie die Pforte, die Vermittelung Europas annehmen wollen. Man wird mit Rücksicht auf den überall sich geltend machenden Wunsch nach Wiederherstellung des Friedens er- warten können, daß auch die Balkanregierungen �sich den Großmächten anvertrauen. Gelingt es, europäische Friedens- Verhandlungen endgültig in Fluß zu bringen, so darf man sich von dieser gemeinsamen Arbeit der Diplomatie auch eine günstige Rückwirkung auf die Lösung der von den Großmächten bisher noch nicht erledigten und ihre eigenen Interessen berührenden Fragen versprechen." Eine Verschwörung gegen die türkische Regierung. Konstantinopel, L. März. Heber eine jüngst entdeckte B e r- s ch w ö r u n g veröffentlicht die Regierung ein C o m m u n i q u e, in dem es heißt: Tie Untersuchung hat ergeben, daß eine Gruppe, der unter anderem der Sekretär des Prinzen Sabah Eddin, Lutfi Bcy, ferner Sidki Bcy aus Erzerum, Said aus Müsch und ein gewisser Hassnn angehörten, in dem Bureau des Prinzen zu- sammcntrat und eine Verschwörung anzettelte, um die gegen- wältige Regierung zu stürzen. In einer der letzten Versammlun- gen erllärte Lutfi, daß die Einsetzung eines Kabinetts aus An- Hangern der Dezentralisation das einzige Mittel zur Rettung des Landes sei und daß bei einer derartigen Zusammensetzung des Kabinetts, selbst wenn Adrianopel fallen sollte, die Regierung den Abschluß des Friedens unter der Bedingung verbürgen könnte, daß Adrianopel neutralisiert würde. Die Regierung würde eine An- leihe von 50 Millionen Pfund erlangen. Es sei aber vor allem notwendig, die gegenwärtige Regierung zu stürzen. Die Versammlung beschloß, eine Massen kundgebung vor der Pforte zn veranstalten, die Politik des Kabinetts öffentlich zu tadeln, hieraus'vor das Palais des Prinzen zu ziehen und dort zu vcr- langen, daß die Regierung abgesetzt und vor das Kriegsgericht ge- stellt, und daß ein Kabinett aus Anhängern der Dezentralisation er- nannt werde. Der Beschluß der Versammlung faßte die Absicht in sich, die Mitglieder der Regierung und ihre Anhänger festzunehmen und sie an Bord eines bereitstehenden Schiffes zu bringen. Sidki Bey, Mitglied der Partei der liberalen Entente in Erzerum, hatte die Aufgabe, in einer griechischen Druckerei in Pera Aufrufe drucken zu lassen. Er wurde verhaftet, als er gerade im Begriffe war, B o m b e n bei dem dann gleichfalls verhafteten persischen Revo- lutionär Mehmed Ali zu bestellen. Die verhafteten Personen ge- standen alles ein. Auf Grund der Beweise, die die Schuld des Privatsckrctärs des Prinzen Sabah Eddin, Lutfi, dartun, nahmen die Behörden am 27. Februar im Palais des Prinzen eine Haus- suchung'vor. Lutfi und andere Komplicen sind flüchtig. Tic Ver- hafteten Werden heute dem Kriegsgericht überwiesen wcrdn. Beschießung fremder Kriegsschiffe. Konstantinopel, 3. März. Nach Berichten von Reisenden, die gestern hier angekommen sind, wurden am Sonnabend der i t a- lienifchc Dampfer„Monza", ferner ein Dampfer der Mar seiller Gesellschaft Fraissinet und ein englischer Dampfer von bulgarischen Batterien beschossen, als sie Scharköj passierten.„Monza" sei beschädigt aufgelaufen, der französische Dampfer habe ein Leck erhalten, das man jedoch zustopfen konnte, und dann seine Reise fortgesetzt. Wie es heißt, wird der italienische Botschafter energisch dafür eintreten, daß ein italienischer Panzer nach Scharköj gesandt wird. Keine Kriegsoperationen. Konstantinopcl, 3. März. Ein amtlicher Kriegs- bericht besagt: Infolge des seit zwei Tagen herrschenden Sturmes und Schnecwettcrs sind bei Bnlair und an der Tschataldschalinie keine militärischen Operationen durchgeführt worden. Ter Feind hat gestern A d r i a n o p e l in Zwischenräumen bom- barbiert. Der Gesundheitszustand der Truppen ist trotz des schlechten Wetters ausgezeichnet. eine toile Sache. Im Militäretat für das Jahr 1313 werben S 834 000 M. gefordert zum Erwerb des Grundstücks Viktoriastraße 34 in Berlin als Dienst- und Wohngebäude für das Kriegsministerium(Militär- kabinctt) sowie für das Grundstück Wilhelmstraße 78. Kriegs- minister v. Heeringen scheint eine besonders Vorliebe für Grund- stückSgeschäfte zu haben. DaS Militärkabinett ist derzeit in der Behrenstraße 63 untergebracht. Dieses Gebäude will der Kriegs- minister verkaufen und er hat auch bereits einen Käufer gefunden, der ihm dafür 6 274 000 M. bezahlen will. Das Gebäude in der Behrenstraße bietet angeblich längst keine geeignete Unterkunft mehr. Zur Beseitigung des Raummangels sind in dem anstoßenden Hotel Bristol Kreits drei Zimmer für dOOO M. pro Jahr gemietet worden. Zu einem Neubau reicht das vorhandene Gelände an- geblich nicht aus und ein Neubau käme zu teuer. Wir wollen nun einmal alle diese Gründe gelten lassen. ES ist unbedingt unwirtschaftlich in höchstem Grade, ein militärisches Kanzleigebäude ohne zwingende Notwendigkeit im t e u e r st c n Teile Berlins zu unterhalten. DaS Milttärkabinett ist die in der Verfassung nicht vorgesehene militärische Kanzlei des Kaisers. Zweckmäßig hätte sich diese Kanzlei in der nächsten Nähe des Aufenthaltes des Kaisers zu befinden. Das ist freilich nicht möglich, weil der Kaiser seinen Aufenthalt zu oft wechselt. Unter solchen Umständen ist das Militärkabinett an einen be- stimmten Platz nicht gebunden. Wenn also das hochwertige Grund- stück in der Behrenstraße für 6 274 000 M. verkauft wird, so ist das nur mit Freuden zu begrüßen. Auf dem Tempelhofer Feld hat die Heeresverwaltung soviel Grund und Boden, daß für das Militärkabinctt dort mit Leichtigkeit ein Dienstgcbäude errichtet werden kann. Die überschießenden Millionen könnte das Reich gerade jetzt sehr notwendig gebrauchen. Allein der Kriegsminister will keinen einfachen Grundstücks- verkauf vornehmen, er will G r u n d st ü ck S g c s ch ä f t e machen. Für das Grundstück in der Bchrenstrahe will er in Kauf nehmen da» Villengrungstück Viktoriastraße 34 und das Grundstück Wilhelm- straße 78; crsteres zum Betrage von 3350000 M.. letzteres von 2 4 8 4 0 00 M. Ter Rest von 440 000 M. ist an das Reich heraus- zuzahlen. Der Kauf deS letzteren Grundstückes wird wie folgt be- gründet: „Das im Privatbesitz befindliche Grundstück Wilhelmstratze 73 (früher Fürst Pleßsches Palais) grenzt unmittelbar an das Dienst- gelmude des Reichskanzlers. Es sollte als Geschäftshaus einer Möbelfirma Verwendung finden, wodurch eine Störung des Dienstbetriebcs und Dienstverkchrs im Reichskanzlcrgebäudc bc- fürchtet werden mußte. Der Erwerb des Grundstücks ist daher n o t w e n d i a." Einsach un glaublich! Weil der Reichskanzler eine Störung seines Dienstbetricbes fürchtet, irgendwelche Anhalts- punkte für den Eintritt dieser Störung fehlen vollkommen, kauft der K r i e g s m i n i st e r dieses Grundstück für 2 484 000 M. Was in aller Welt geht denn daS das Kriegsministerium an? Vielleicht meint man, daß es bei den ungeheuren Summen, mit denen dort gearbeitet wird, auf die paar Millionen nicht mehr ankommt! Ist erst der Platz vorhanden, dann wird sich bald das Bedürfnis heraus- stellen, dort ein militärisches Gebäude zu errichten. Seit wann ge- hört es denn zu den Ausgaben des Kriegsministeriums, den Reichs- kanzlcr vor wirtlichen oder eingebildeten Unannehmlichkeiten zu be- wahren? Hätte man noch vorgeschlagen, dort das Dienstgcbäude für das Militärkabinett zu errichten, dann hätte vas noch plausibel geklungen; zu billigen wäre es dann freilich auch nicht gewesen. Aber das Militärkabinett will man nach der Viktoriastraße ver- legen und dem Chef des Militärkabinetts die dortige Villa als Dienstwohnung anweisen! Ein Geschäftszimmergebäudc nebst Stallungen sollen neu errichtet werden. Diese luxuriöse Villa wird im Etat bescheiden als Wohnhaus bezeichnet und dabei bemerkt, daß der Chef des Militärkabinetts Anspruch auf eine Dienst- Wohnung habe. Der Chef des Militärkabinetts bezieht sein Gehalt aus Kapitel 21, Titel 1, wo es heißt: „Der Chef des Militärkabinctts crbält 4500 M. Dienst- zulage. Ein General hat Anspruch auf Ticnstwohnung." In Wirklichkeit bezieht der Chef des Militärkabinetts 18 000 M. Dienstzulage, sobald ein dem Patent nach jüngerer General mit der Führung eines Armeekorps betraut wird. Dieser Fall ist ein- getreten. Ter Anspruch auf Dienstwohnung ist wie bei den anderen Generalen natürlich so zu verstehen: wenn eine solche vor- Händen i st. Ist eine solche Dienstwohnung nicht vorhanden, dann erhält der General ein Wohnungsgeld in Höhe von 1 5333 M. pro Jahr. In der feinsten Gegend Berlins eine Villa zu kaufen, um sie einem General zur Verfügung zu stellen, ist ein Beginnen, gegen das nicht scharf genug protestiert werden kann. Schon im Vorjahre spielte im Reichstage ein ähnlicher Fall. Damals verlangte man 710 000 M., um für den kommandierenden General in Frankfurt a. M. ein Dicnstwohn- und Bureaugebäude zu bauen. Der Vertreter der Heeresverwaltung führte damals aus, daß der General in Frankfurt keine geeignete Wohnung finden könne! Dabei kostete die Dienstwohnung, die- er bis dahin inne- hatte, zuerst 22 000, dann 18 000 M. pro Jahr! Der Reichstag lehnte diese Zumutung damals ab und der General ist durchaus nicht etwa obdachlos geworden. Diesmal liegt die Sache komplizierter. Im Frankfurter Fall war die erforderliche Summe lediglich angefordert, im jetzigen Fall hat die Heeresverwaltung das Grundstück.Viktoriastraße 34 durch eine Mittelsperson bereits kaufen lassen. Noch mehr, wie der Augenschein zeigt, wird in der Villa bereits fleißig gebaut und neben der Villa steht schon ein im Rohbau fertiges, monumentales Gebäude, vermutlich das Gebäude für die Dienstzimmcr. Alles das, ohne daß bis jetzt der Reichstag auch nur einen Pfennig bc- willigt hat! Wir stellen die Behauptung nicht auf, daß die Heeres- Verwaltung bewußterweise den Reichstag vor eine vollendete Tat- fache stellen wollte, in der Sache läuft es aber darauf hinaus. Den Reichstag darf das aber nicht abhalten, unter allen Umständen zu verhüten, daß dem Chef des Militärkabinetts dieses Palais als Dienstwohnung überwiesen wird. Wie sich die Heeresverwaltung damit abfindet, das ist ihre Sache. Nach dein Frankfurter Fall war sie gewarnt. Hat erst der Chef des Militärkabinetts ein Palais als Dienstwchnung, dann darf man den Chef des Marinckabinetts nicht zurücksetzen. Vielleicht daß der Platz in der Wilhelmstraße bereits dafür in Aussicht genommen ist. Dem Reichstag ist ein Etats-Notgesetz zugegangen, in diesem Gesetz wird die Zustimmung zu diesen merkwürdigen Vorgängen gefordert, deshalb war es nötig, die Ocffcntlichkcit auf diese tolle Sache aufmerksam zu machen. Hier kann es, ohne Rücksicht auf die Folgen für den Kriegsminister, nur eine glatte Ablehnung geben. Erst gedenke man der hungernden Veteranen, ehe man einem General ein Millionenobjekt als Dienstwohnung über- weist. politische(leberlicdt. Verlin. den 3. März 1913. Die Marinedebatte. AuS dem Reichstage. Herr V. Sirpitz hat selten sein Gehalt auf solche bequeme Weise erhalten wie in diesem Jahre. Die bürgerlichen Parteien waren am zweiten Tage noch wortkarger als am ersten Tage. Am Sonnabend hatten die Parteien wenigstens alle einen Redner vorgeschickt, die ziveite Runde der Redner am Montag endete aber sehr bald wegen Mangels an Wortmeldungen. Dabei war wiederum von sozialdemokratischer Seite der ganze Komplex von Fragen, die unser Marinewesen angehen. eingehend und sachkundig zur Erörterung gestellt worden. Genosse N o S k e ging auf die Reden der bürgerlichen Ab- geordneten vom vergangenen Sonnabend ein, und zwar nahm er sich besonders das Zentrum und seinen Wandlung»- reichen Erzberger zu scharfer und wohlbcgründettzr Kritik vor. Aber das Echo war nur matt. Man hat eben keine Lust, sich wegen der Marine zurzeit in geistige Unkosten zu stürzen. Gegenwärtig ist die ungeheure Verstärkung des Landhecrcs und die noch ungeheuerlichere Kostenfrage für diese Verstärkung d i e Frage des Tages. In der Spezialdebatte nahm beim Bekleidungsamt Ge- nosse Albrecht das Wort, um in energischer Weise für die Interessen der Handwerker einzutreten. Eine längere Debatte entspann sich bei der W e r f t v e r w a l t n n g. Genosse Brandes war wieder, wie schon im vorigen Jahre, der warmherzige Anwalt der Werftarbeiter. Das Beschwerde- Material war ihm so reichlich zugeströmt, daß er nur einen bescheidenen Teil davon vortragen konnte und dennoch dafür schon eine Stunde Zeit notwendig hatte. Der Staatssekretär v. T i r p i tz nahm unmittelbar' nach Brandes das Wort, um in einer von sozialem Verständnis nicht getrübten Scharfmacherredc den Beweis zu liefern, daß er den Wünschen der Arbeiter gegenüber keineswegs die ver- bindliche Bereitivilligkoit besitzt, die er bürgerlichen Parteien gegenüber stets in freigebigem Maße zur Verfügung hält. Die Arbeiter will er vor der Anstellung kritisch anschauen wie — eine Hausfrau ein neues Dienstmädchen! Querulanten und Friedensstörer, was für ihn alle Agitatoren sind, duldet er nicht, da er damit aber ebenso wie der preußische Eisen- bahnminister v. Breitenbach lediglich die Vertreter der Arbeiter- schaft im Auge hat. so wird er durch seine schroffe Haltung selbst zum Agitator und„Friedensstörer", was er in anderer Beziehung durch seine ewigen Flottenrüstungcn allerdings schon in hohem Maße seit anderthalb Jahrzehnten ist. Jugendliche sollen nicht Politik treiben, dekretiert Herr v. Tirpitz, wendet sich mit dieser Mahnung aber irrigerweise an die Sozialdemokraten statt an seinen Kollegen vom Land- Heer, den Generalscldmarschall des Jungdeutschlandbundes v. d. Goltz. Die Löhne darf er nicht m ausreichendem Maße erhöhen, sonst schadet er damit— den Privatbetrieben I Der Fortschrittler Weinhausen wußte auf diese sonderbare Sozialpolitik des Herrn v. Tirpitz nicht die ge- bührendc Antwort zu geben. Er begann dagegen mit einer Schulmeistern an die Adresse des sozialdemokratischen Redners, der nach seiner Meinung zu viele Einzelheiten vorgetragen hatte. Sodann setzte sich Herr Weinhausen selber in Positur, um eine halbe Stunde lang Einzelheiten vorzutragen. Ja, Bauer-- 1 Die Debatte geht am Dienstag weiter. Eisenbahnetat. Das Abgeordnetenhaus begann am Montag die zweite Be- ratung des Etats der Eisenbahnverwaltung und zwar drehte sich die Debatte um die finanziechuische und die wirtschaftliche Seite des EtatS. Die glänzende Finanzlage der Eisenbahnen wurde von allen Seiten anerkannt, und auch der Minister v. Breitenbach n«»ßte zugeben, daß die Einnahmen ganz gewaltig gestiegen sind, so daß dem Ausgleichsfonds 71 Millionen zugeführt werden können. J» Wirklichkeit wird, nach den Erfahrungen früherer Jahre zu urteilen. diese Summe wohl noch erheblich größer sein. Am geringsten find die Erträge auZ der ersten Wagcnklasse, aber anstatt daraus den logischen Schluß zu ziehen und diese Klasse endlich zu beseitigen schlug Herr S ch in e d d i n g vom Zentrum eine Ermäßigung der Tarife für sie vor. In den übrigen Klassen will man mit Tarife crmätzigungen nicht vorgehen, die Mehrheit des Landtags ist sich mit der Regierung darin einig, daß Tarifermäßigungen ein zweischneidiges Schwert sind; die Tarife für die erste Klasse aber sollen herabgesetzt werden, unbekümmert darum, ob die Erträge denn auch genügen werden, nur damit die Herren, die nicht mit dem.Volke" in Berührung kommen wollen, nach wie vor auf den Polstern ruhen können. So verlangt eS der Klassenstaat. Den selben Standpunkt nimmt der Minister ein, der nebenbei bemerkt, auch die von dem Genossen S t r ü b e l erhobene Forderung aus Einfügung von Schnellzügen mit Wagen vierter Klasse ablehnt. In der Debatte spielte auch die Frage der Eisenbahn- ge meinschaft eine Rolle. Abg. M a c c o(natl.) bezeichnete die Eisenbahngemeinschaft als ein schönes Ideal, glaubt aber, daß es sich nicht verwirklichen läßt. Auch das Zentrum hat Bedenken da- gegen, und Abg. Graf von der Groeben(k.) warnte sogar davor, in der Betriebsmittelgemeinschaft weiter zu gehen als unbedingt nötig sei. Die Stellung des Ministers ist bekannt, er ist Gegner der Eisenbahngemeinschaft. Im Gegensatz zu ihm stehen die Sozialdemokraten, in deren Namen Genosse S trö b el sprach, auf dem Boden des Gedankens derEifew bahngemcinschaft. Im übrigen schilderte der sozialdemokratische Redner die Abhängigkeit der Eisenbahnverwaltung von der all- geineinen Staatsverwaltung, er warnte Izavor, dem Drängen der Reichen nachzugeben, die die gute Finanzlage ausnutzen wollen, um für sich Steuererleichterungen zu verschaffen, statt endlich die Grenze für das steuerfreie Existenzminimum heraufzusetzen, und übte, ebenso wie vorher der Abg. P a ch n i ck e, scharfe Kritik an dem Widerstand der städtefeindlichen konservativ-klerikalen Gesellschaft gegen die Elek trisierung der Berliner Stadtbahn. Aus der sonstigen Debatte ist nur noch die Erklärung des Finanzministers L c n tz e gegen die Beseitignng der Steuerzuschläge und der Versuch des Abg. Frhrn. v. Zedlitzo verfährt, ist eine Mehrheit für den Antrag sicher, denn so lassen wir uns nicht behandeln. Der Titel wird mit dein von der Kommission vorgenommenen Abstrich gegen die Stimmen der Rechten und der Nationalliberalen angenommen. Die Resolution Ablaß(Bpt.) auf Vereinheitlichung der Lauf- bahnen der Marineverwaltungsoffiziere und-Beamten wird angenommen, desgleichen die Resolution Ablaß(Vpt.), bei Ver- gebung von Lieferungen, die ganz oder teilweise in der Hausarbeit hergestellt werden, die Berufsorganisationen und Genossenschaften der HauSarbeiter und Hausarbeiterinnen zn berücksichtigen. Die nächsten Kapilel werden debattelos angenommen. Es folgt das Kapitel Bekleidung. Abg. Albrecht(Soz.): Das Recht Krstik zu üben, werden wir uns von Herrn Erzberger nicht nehmen lassen. Die Massen müssen bezahlen, was Sie hier zum Teil mit Hurra bewilligen. Wir sind auch verpflichtet, die Klagen der Arbeiter und Handwerker aus den einzelnen Betrieben vorzubringen. Solche Klagen liegen auch vor aus den B e- kleidungsämtern Wilhelmshaven und Kiel. Die Kleider werden an ungefähr 1300 weibliche Heim- industrielle vergeben; nur 200 männliche Arbeiter werden beschäftigt. Diese Sparsamkeitspolitik bedeutet eine u n- erhörte Ausbeutung der lo eiblichen Arbeits- k r ä f t e. ES ist nicht richtig, was letztes Jahr der Vertreter der Marineverwaltung sagte, daß die Frauen nur l— l'/z Stunden zu tun haben. In Wirklichkeit haben sie S bis 6 Stunden zu arbeiten, sie bekommen ein bestimmtes Pensum, für das sie im Monat 30 bis 36 Mark erhalten(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten). �ich verlange durchaus nicht, daß keine Frauen von den Be- ileidungsämtern beschäftigt werden, aber es genügte, wenn die Hälfte' der Garderobe von Frauen hergestellt würde. Ich will auch durchaus nicht den armen Witwen die Arbeit wegnehmen, wie Herr Struve sagte. In den meisten Fällen wird die Arbeit vergeben an Frauen von Angestellten der M a r i n e. Der Armenetat der Stadt Kiel wird dadurch nicht ent- lastet, sondern belastet, denn es werden eine ganze Masse Arbeiter und Handwerker dadurch brotlos. 25 Proz. der Leute in Kiel sind n den letzten vier Jahren in Lungenheilstättelt verwiesen worden. Ilnd da spricht man davon, daß Staatsbetriebe Musterbetriebe sind I Man wird sagen, wir haben wohl mehr verlangt, aber wir haben auch die Löhne erhöht. In den letzten Tagen des Februar hat »tan die Löhne um S— 10 Proz. erhöht. Was will das aber be- sagen angesichts der Tatsache, daß die Arbeit um 8 bis >0 Prozent erhöht ist und angesichts der Teuerung. Anstatt den Achtstundentag einzuführen, erhöht man das Arbeits- .'ensum l Die Werkstellen sind für die Zahl der beschäftigten Ar- dciter zu klein, d. h. zu niedrig und deshalb ungesund, ganz be- sonders in der Schuhmacherei, in der noch eine Schlosserreparatur- Werkstatt sich befindet. Ferner wünschen die Arbeiter die acht- > ä g i g e statt der v i e r z e h n t ä g i g c n Lohnzahlung, das fit bei de» niedrigen Löhnen nur berechtigt und auch in allen an- ständigen Privatgeschäften üblich. Vor allem muß das Rähkarten- system eingeschränkt werden, dafür stelle man lieber Handwerker und Arbeiter ein.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ädmiral Capelle: Es sind nicht 200, sondern 400 bis 500 Arbeiter auf beiden Bekleidungsämtern beschäftigt. Das Rähkarten- 'Ostern ist eine Wohlfahrtseinrichtung. Die Uniformen müssen mög- lichst billig hergestellt werden, damit die Matrosen nicht soviel für ihre Uniform zu zahlen haben. Diese Sparsamkeit ist also be- rechtigt im Interesse der Matrosen. Daß die Nähfrauen nicht wie es der Wortlaut eines bestimmten Befehls eigentlich verlangt, nur 1— l'/g Stunden beschäftigt werden, ist richtig. Aber sie sollen nicht mehr Arbeit bekommen, als sie in Nebenarbeit leisten können, nalür- lich wollen sie immer mehr haben. 50 Proz. der Nähsrauen sind alleinstehende Frauen. Die Löhne sind in beiden Aemtern für alle Kategorien erhöht worden, die Arbeitsvermehrung trifft nur eine kleine Zahl von Arbeitern. Daß 23 Proz. der Arbeiter - allerdings bezog sich das auf vier Jahre zusammen— in Lungenheilstätten geschickt worden sein sollen, das wäre ja ichrecklich viel. Ich werde das sofort nachprüfen.— Die hygienisch nicht genügende Werkstelle ist ejsie ältere; wenn Sie uns das Geld bewilligen, werden wir gern eine neue bauen.(Heiterkeit.) Im übrigen hat Herr Noske, als er die Werkstellen besichtigte, seinerzeit erklärt: Hygienisch tadellos— sonst hatte er natürlich eine Menge auszusetzen.(Heiterkeit.) Abg. Giesberts(I.) bittet, die Wünsche der Organisation der Heimarbeiter nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Abg. Albrecht(Soz.): Daß die Kleider der Matrosen nicht aus der Reichskasse bezahlt werden, weiß ich. Dann müssen die Matrosen eben höhere Löhnung bekommen, damit die Arbeiter bei der Herstellung der Kleider an- ständig bezahlt werden können. Zugegeben ist, daß mindestens > 0 Prozent der Nähfrauen einen Ernährer haben. Da sollte man dafür sorgen, daß diese Ernährer besser bezahlt werden, damit die Frauen nicht den Handwerkern Arbeit wegnehmen. Ich wundere mich, daß die Herren im Zentrum und auf der Rechten, die immer von ihrer Liebe zu den Handwerkern reden, nicht auch dafür eintreten.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Admiral Capelle: Der Vorwurf, daß die Gesundheitsverhältnisse so schlecht sein sollen, trifff uns doch sehr schwer. Ich betone, daß der Prozentsatz wohl dadurch höher geworden ist, daß wir zum Teil Leute beschäftigen, die die Privatindustrie nicht mehr nehmen würde. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) regt am�daß die Fachausschüsse bei der Feststellung der Löhne gehört werden. Abg. Semler(natl.) verteidigt die Beschäftigung von Nähfrauen durch die Bekleidungsämter. Das Kapitel wird bewilligt. ES folgt daS Kapitel Instandhaltung der Flotte und der Werften. Abg. Brandes(Soz.): WaZ i-ii im Borjahre Über die Beschwerden der Arbeiter bor- gebracht habe, waren keine Pettkuser Roggen-Geschichten(Heiterkeit), sondern ich habe mich genau orientiert. Auch diesmal habe ich wieder eine Reihe Beschwerden zu vertreten. So heißt es in der Arbeitsordnung in§ 1:.Die Arbeiter dürfen nicht sozial- demokratische Agitatoren oder son st ige Personen sein, von denen vorausgesetzt werden darf, daß sie den Frieden zwischen Behörden und Arbeitern stören wollen." Das ist eine Bestimmung, mit der man jeden hängen kann, den man hängen will, zumal nach Z 2 jeder Arbeiter in den ersten vier Wochen ohne Angabe von Gründen entlassen werden kann.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In diesen Bestimmungen liegt eine politische Bevormundung, gegen die alle Parteien auftreten müßten. Die Bestimmungen sind auch aau, unlogisch, denn auf den w i ch t i g st e n S t e l l e n auf den Schiffen können Sie ja gewerkschaftlich organi- fierte und sozialdemokratisch« Ardeiter gar nicht entbehren, wenn Sie die� Schiffe nicht einfach st i l l st e h e n lassen wollen; da ist es doch blühender llnfi»», wenn solche Arbeiter in den Werkstälten auf dem Lande nicht ge- duldet werden sollen(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), das führt natürlich zu den verächtlichsten Verleumdungen und Denunziationen. So wurde von der Torpedoverwaltung ein Mann schon während der Probezeit entlassen, weil der Gemeindevorsteher von Ohlau auf die Erkundigung der Verwaltung die Auskunft erteilt habe, der Betreffende habe sich während der ReichStagswahl als sozialdemokratischer Agitator betätigt. Dabei war er zu jener Zeit bei der Eisenbahn beschäftigt, wäre also in solchem Falle sicher lierausgeflogen. Der Amtsvorsteher steht aber mit dem Vater und Bruder des Betreffenden in persönlichem Streit, und darauf führt der Betreffende die Auskunft zurück.(Hört! hört! links.) Trotz solcher Erfahrungen will man auch in Zukunft Auskünfte über die zu entlassenden Arbeiter einbolen, und nicht einmal in jedem Falle dem Arbeiter von dem Inhalt der Auskunft Mitteilung machen. Ich hoffe, daß der Reichstag einmütig, natürlich mit Ausnahme der Konservativen, solche Schnüffelei verurteilen wird. Im vorigen Jahre berief sich die Oberwerftvcrwaltnng von Wilhelmshaven, die einem Arbeiter bei der Entlassung ins Zeugnis geschrieben hatte, sein Verhalten im öffentlichen Leben ist nicht einwandfrei, darauf, daß daS Schöffengericht dies für statthaft er- klärt habe. Nun, inzwischen hat das Landgericht die Oberwerft- Verwaltung zur Ausstellung eines anderen Zeugnisses verurteilt. Eine ähnliche Blamage wird sich die Verwaltung mit ihrem neuen Erlaß vom 4. Februar holen, wonach Lehrlinge bei Strafe der Ent- lassung den Nachweis zu erbringen haben, daß sie aus dem Nrbeiterjugendbund ausgetreten sind, und Laß ein Abonnement ans die„Arbeiterjugend" als gleichbedeutend mit der Zugehörigkeil zu dem Bund betrachtet werde. Die Lehrlinge sollen also den Nachweis erbringen, daß sie aus einem Verein ausgetreten sind, der gar nicht existiert.(Heiterkeit bei den Soz.) Und wie will die Marineverwaltung das Lesen der„Arbeiterjugend" verhindern? Wir wissen ja, daß gerade in bezug auf die Lektüre die Jugend das tut, was man ihr verbietet, und Ver- wandte und Freunde, die den Lehrlingen die„Arbeiterjugend" geben, werden sich schon finden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Die Kommission hat eine Resolution gegen die Verfügung an- genommen, die den Beamten Kollektiveingaben verbietet. Wir er- warten die Zurückziehung dieser Verfügung. Ferner fordern wir eine Erweiterung der Kompetenzen der Arbeitcraysschüsse, wie sie die Petition des Deutschen Melallarbeiterverbandes verlangt. Ich komme zur L o h n f r a g e. Es ist zwar ein neuer Lohntarif eingeführt, der aber nur für kleine Gruppen Verbesserungen gebracht hat. Dabei sind die Mieten in Danzig und Wilhelmshaven besonders teuer. Außerdem wird die Arbeitskraft der Leute immer mehr ausgenutzt durch ein raffiniertes BeaufsichtigungS- s y st e m. Infolgedessen steigt auch die Krankenziffer in den Betriebs- krankenkassen der Marine und der Krankenkasse der Torpedowerkstatt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Harms sagte im Vorjahr: Wir bleiben immer etwas über den Löhnen der Privatindustrie. Das ist ein bedauerlicher Irrtum des Vertreters der Marineverwaltnng. Bei den Maschinenbauern, den Schiffbauern und anderen sind die Löhne in der Privat- industrie höher. Bei den Klempner», Tischlern, Malern, Zimmerern sind z. B. die tariflichen Einstellungslöhne in der Pr'vat- industrie wesentlich höher als auf den Werften. lind für die Hilfsarbeiter trifft dasselbe zu wie für die gelernten. - Biel geklagt wird über Reduzierung der Akkorde. Das Prämien- shstem in der Torpedowerkstalt sollte beseittgt werden. Es hat große Ungerechtigkeiten zur Folge im Verein mit dem Klassen- und Kalkulationsiystem. Ungeheuer groß ist noch die Zabl der Ueber- stunden. Dabei geht die � soziale Wohlryt, die der Neunstundentag stein soll, zum Teufel.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die ungeteilte Arbeitszeit ziehen die Arbeiter vor, da sie ja doch nicht die Möglickkeit haben, in der' Mittagspause nach 'Hause zu gehen, weil sie weit ab von der Werkstatt zu wohnen gezwungen sind. Die Verwaltung würde dabei an Betriebskosten sparen. Die zwei kurzen Pausen, die bei der ungeteilten Arbeitszeit natürlich notwendig sind, sollte die Marineverwaltung in die neun- stündige Arbeitszeit hineinlegen. In den großen Privatbetrieben hat sich das gut bewährt. Für die Heizer sollte der Achtstundentag durch- geführt werden, natürlich darf ihr Verdienst dabei nicht reduziert werden. Aehnlich anstrengend wie die Arbeit der Heizer ist die der Maschinenwärter und ähnlicher Kategorien; auch für sie ist daher die Einführung des Achtstundentages eine dringende Notwendig- keit.— Der erste Urlaub> wird heute erst nach fünf Jahren ge- währt. Diese Frist sollte wesentlich herabgesetzt werden. Wenn die kaiserlichen Werftbetriebe Musterbetriebe werden sollen, muß noch eine große Menge von Veriesserungen eingeführt werden; hoffentlich gibt die Marineverwaltung nicht auch fernerhin zu solcher Kritik Veranlassung, wie ichjie im vorigen und in diesem Jahre üben mutzte.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Was müßten wir wohl tun, um dem Vorredner nicht Veranlassung zur Kritik zu geben. Die Angaben seiner anonymen Gewährsleute sind doch nur mit Vorsicht aufzu- nehmen. Auf eine Erkundigung bei der Einstellung von Arbeitern können wir nicht verzichten. Daß Lehrlinge nicht in Vereine ein- treten dürfen, die sozialdemokratische Propaganda treiben, ist selbst- verständlich. Daß die Auffassungen des Abg. Brandes von den Arbeitern nicht geteilt werden, beweist der trotz der sehrgünstigenKonjunktur außer- ordentlich starke Zudrang zu unseren Betrieben. Die Löhne sind in der Tat erheblich erhöht worden. Herr Brandes meinte, wir sollten ein Musterbetrieb sein. Das ist ein ganz undefinierbarer Begriff. Ein Versuch, die ungeteilte Arbeitszeit einzuführen, hat sich nicht bewährt, auch die Arbeiter waren dagegen.� Ich kann auch nicht acht Stunden hintereinander arbeiten. Ausländische Arbeiter werden grundsätzlich auf den Werften nicht beschäfttgt. Aber für die HafenerweiteruligSaplbeitcn haben wir zum Teil inländische Arbeiter nicht bekommen. Abg. Weinhause»(Vpt.): In der Kommission sind die Wünsche der Arbeiter in allen Emzelheiten auf das eingehendste besprochen worden,� daher sollten wir das nicht alles hier im Plenum wieder- holen, es gibt ja auch noch andere Wege, die Wünsche an die Verwaltung zu bringen. Auf den Wunsch, die Organisationen der Arbeiter und Angestellten anzuerkennen, ist in der Kommission geantwortet worden, daß es soviel verschiedene Organisarionen gibt, die so verschiedene Wünsche haben, daß man ihnen nicht gerecht werden kann. Die Verwaltung soll sich natürlich nicht bei den Organisationen Direltiven holen, aber bei Strettigkeiten sollte die Verwaltung sich an die Organisationen wenden, dadurch könnte viel Erbitterung aus der Welt geschafft werden. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag 4 Uhr.(Vorher: Kurze Anfragen und EtatSnotgefetz.) Schluß 7V« Uhr._ Hbgeordnetenhaue* 14 6. Sitzung. Montag, den 3. März 1913, vormittags 11 Uhr. Am Ministerttsch: v. Breitenbach, Dr. L e n tz e. Der Eisenbahnetat. (Allgemeine Besprechung der wirtschaftlichen Seite.) Abg. Graf v. d. Gröben(k.) lobt den Eisenbahnminister für ge- sunden Fortschritt und geschickte Führung. Wir hoffen, daß er im StaatSministeririm mit dafür sorgen wird, daß sich unser Wirtschafts- leben auf ruhiger und gleichmäßiger Grundlage weiter entwickelt. Mit Tarifermätzigungen muß vorsichtig vorgegangen werden. Die Sicherheit auf den preußischen Bahnen steht in der Welt voran, der zuverläsfigste Sicherheitsfaktor ist ein seiner Verantwortung sich stets bewußtes Personal, dessen Wünsche wir gern erfülle«, wenn sie erfüllt werden können. Wir begrüßen die Herab« setzung der durchschnittlichen Dienstzeit und wünschen gleichmäßige Anstellungsverhältnisse für die Unterbeamten bei allen Direttionen. Die Betriebsmiltelgemeinichaft ist weit genug ausgebaut. jDtc Eisenbahnen sind das Rückgrat unserer Finanzen und sie_ müssen mindestens auf der bisherigen Höhe bleiben im Interesse eines starken Preußens.(Beifall rechts.) Abg. Schmcddingm Ruhrkohlengebiet ausgeführt, daß nicht nur bei jenem Anlag, sondern ganz allgemein das Personal bittere Klage über allzugroße Inanspruchnahme führt. In« dessen wird über Beamten und Arbettersragen ja gesondert beraten werden.— Selbstverständlich verwerfe auch ich jede Tarifreform zum Nachteil der 4. und 3. Klane. Dagegen meinen wir, daß man nicht de« Tarif für die 1. Klasse herabsetzen, sondern die 1. Klasse überhaupt beseitigen sollt«. waS auch von Fachmännern gefordert wird. Nirgend« in der Welt g,bt es vier Wagenklassen, einzelne deutsche Staate« kommen mit dreien aus, England und Belgien zum Teil m»t nur zweien. Auch bei drei Wagenllassen kann derjenige, der nicht»mt der großen Masse ,n Berührung kommen will, immer noch II- Klasse fahren. Die Bejeitigung der I. Klasie würde eine ganz erhcbtlche Ersparnis für den Betrieb bedeuten denn selbst wenn sie wieder auf ihren alten Stand käme, unter den sie um 40 Proz. herabgesunle« ist. so bedentet fi« immer noch«ine große Meng« �»teu aterialS. Die L Klasse hat nur befördert, also nur Vioo aller Passagiere, 1,6 Millionen Personen es besteht also keinerlei öffentliches Bedürfnis nach ihrer Fortexistenz. Verbesserungen find in erster Linie für die IV. Klasse nötig, die auch in den Schnellzügen gefahren werden sollte, damit auch die Proletarier, die reisen müssen, schneller vorwärts kommen können. Die Einnahmen aus der I. und II. Klasse zusammen betragen noch nicht viel mehr, als ein Fünftel der Gesamteinnahmen aus dem Personen- verkehr, also dürfen die III. und IV. Klasse auch weit mehr Berück- sichtigung verlangen. iZusüminung links.) Nicht nur in Rheinland und Schlesien find die Verkehrsverhält- nisse schlecht, sondern auch in Berlin sind sie autzerordeinlich kläglich. Wer in Berlin dem Wohnungselend entgehen, einigermaßen in frischer Luft wohnen und nicht ungeheuer hohe Mieten zahlen will, muß in die Vororte hinausziehen. Aber die Regierung hat selbst in der Kommission anerkennen müssen, daß die Vorortzüge, namentlich im Osten, Südosten und Norden und zu bestimmten Tageszeiten außerordentlich überfüllt sind. Der Verkehr mit dem Westen ist viel besser, weil man für die dort wohnende b e s s e r s i l u i e rt e Bevölkerung natürlich besser vorsorgt. Aber selbst da ist es doch kein vernünftiger Zustand, daß z. B. auf der Wannseebahn naä> 16 Uhr abends nur ein 26-Minntenverkehr be- steht.(Zustimmung.) Die Regierung hat nun die E l e k t r i- sierung der Stadt- und Vorortbahnen vorgeschlagen, weil sich nur beim elektrischen Betrieb die n o t w e n d i g e r a s'ch e Z u g f o l g e erreichen ließe. Dagegen wird nun Widerstand ge- leistet, weil die Kosten zu beträchtlich seien und selbst durch eine Er- höhung der Tarife nicht aufgebracht würden. Ist es nicht geradezu lächerlich, angesichts der ganzen Finanzlage und eines so driugendcu Bcrkehrsiedürfniffes von den paar Millionen Anlagekapital überhaupt zu sprechen. Es werden doch genug sogenannte MrliorationSbahucn auf dem Lande gebaut, die zunächst nicht rentieren. Und was gibt Preußen nur für die Polenpolitik aus! Man hat berechnet, daß uns jeder in der Ostmark angesiedelte Bauer mehr als 8660 M. i o st e t und da kommen Sie hier mit solchen Einwänden! Man muß doch be- rücksichtigen, was Berlin für Preußen leistet.(Unruhe rechts.) Der Stadtkreis Berlin bringt an Einkommensteuern physischer Personen L8,2 Millionen Mark auf und der Regierungsbezirk Potsdam, dem die Vororte angehören, weitere 46,8 Millionen. Sie sagen, die leistungsfähige Stadt Berlin soll selbst die Kosten decken; nun gut, so treffeu Sie die Besitzenden, statt die Berliner Proletarier und den kleineren Mittel st and in Groß-Berlin mit einer Tariferhöhung zu belasten. Sie wollen eben auch hier Ihrem Haß gegen deu Wasserkopf Berlin Ausdruck geben, während Berlin Ihnen die milchende Steuerkuh ist.— Strategische Rücksichten kommen bei diesem Widerstand gar nicht in Betracht, hat doch der Vertreter des Kriegsministers in der Kommisston selbst erklärt, daß im Mobilmachungsfall die Militärtransporte auf den Gütergleisen fahren würden. Obgleich nach den bestimmten Erklärungen der Regierung von einer Gefährdung der Interessen der Lokomotivenindustrie leine Rede ist, bombardiert diese die ganze Welt mit Prote st bro schüren. Aus der Erklärung des Kriegsministcriunis aber, daß es sein Veto einlegen würde, wenn größere Strecken im Lande elektri- fiert würden, ergibt sich, daß nicht die V e r k e h r s i n t e r e s s e n und der Eisenbahnminister, sondern eigentlich der Kriegsmiuister über die Eisenbahnen gebietet. Welche Riesensumme würde erst zusammenkommen, wenn man zu den ohnehin schon wahnsinnig hohen Kosten des Militarismus auch noch die für militärische Zwecke gemachten Eisenbahnkösten hinzu- rechnen wollte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun za dem Verlangen der Herren Pachnicke und Macco auf Aufhebung der Steuerzuschläge! Wir halten diese Maßregel bei de» kleinen Einkommen bis 3666 M. für ein d r i n g e n d e s G e- bot der Gerechtigkeit. Aber diese kleinen Einkommen zahlen nur SV« Millionen Mark an Zuschlägen, die Einkommen über S560 M. dagegen 27 Millionen Mark Zuschläge und die nicht- phhsischen Zensiten 16 Millionen, sodaß die Aufhebung der Steuer- zuichläge für die größeren Einkommen ein glattes Geschenk von 52 l/, Millionen an die Reiche» und Reichsten bedeuten würde. Nun verweisen Sie auf die angekündigte einmalige Abgabe von Vermögen. Würde diese wirklich 766—1660 Millionen Mark aufzubringen haben, so würde das nur bei 5 Proz. eine jährliche Abgabe von nur 46 bis 56 Millionen bedeuten. Und darüber das große Geschrei! In demselben Augenblick aber, wo der Befih im Reich diese einmalige Kriegs st euer bezahlen soll, will er sich in Preußen jährlich 52 Millionen SteuerzuschlSge schenke». Dazu darf auch die günstigste Finanzlage nicht mißbraucht werden. Wenn Sie die Lasten für den Militarismus erhöhen wollen dann tragen Sie auch selbst die Kosten, aber ohne sich in Preußen ein Steuergeschenk zu machen. Vielleicht wird Ihnen die Lust zu den uferlosen Militärausgaben vergehen, wenn Sie sie selbst bezahlen müssen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokrateu.) Die Eisenbahnüberschüsse aber können für Kulturzwecke der- wendet werden. Im Reichstage haben die bürgerlichen Parteien selbst eine generelle Erhöhung aller Unlerbeamten- g e h ä l t e r gefordert; die Not der Altpensionäre schreii nach radikaler Abhilfe, ungeheure Summen wären nötig, um das Schul- elend zu beseitigen. Sie aber denken nicht daran, diese b e« rechtigten und dringenden Forderungen sowie die Wünsche großer Massen von Staatsbeamten und Arbeitern zu erfüllen, sondern Sie wollen in dem Augenblick, wo man im Reiche Ansprüche an Ihren Geldbeutel stellt, sich in Preußen vom Steuerzahleu drücken. Das muß festgenagelt werden, vor allem auch für die kommenden Wahlen und wir werden das gründlich besorgen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hammer(i.) dankt dem Minister für den Erlaß gegen den gemeinsamen Warenbezug der Beamten. Die Firma Rudolf Hertzog hat dem Berliner Beamtenwirtschaftsverein in einem Jahr 35 660 M. Rabatt gewährt! Abg. Herold(Z.) wendet sich gegen die Notstandstarife für Mais und Futtergerste, die den Kanalverkehr eingeschränkt, und nur dem Bremer Ring genützt hätten. Minister v. Breitenbach: Von einer Aufhebung dieser Tarife würde nur Rotterdam zum Nachteil unserer Häfen den Vorteil haben.— Der Erlaß gegen den gemeinsamen Warenbezug der Beamten entsprang den Anregungen dieses Hauses, es wird unter- sucht werden, ob der Berliner Beomtenwirtichaslsverein über diesen Erlaß hinausgegangen ist. Die erste Klasse wird reformiert, aber nicht abgeschafft. Die Dreiteilung des Publikums(bei den D- und Schnellzügen in die I.. II. und III. Klasse, bei den Personenzügen in die II. IH und IV. Klasse) hat sich bewährt. Die IV. Klasse können wir in die Schnell- und Eilzüge nicht aufnehmen, die meisten Reisenden IV. Klaffe fahren nur kurze Strecken. Auch können wir die überlasteten Schnellzüge nicht noch mit der IV. Klasse belasten. (Abg. Hoffmann: dann lassen Sie die 1. Klaffe weg!). Abg. Dr. Fnedberg(nat.): Die Steuerzuschläge find überflüssig. Die Steuern haben nur den Zweck, den Staat zu erhalten; Ströbel sieht in ihnen freilich ein Mittel zur Schröpsung der Besitzenden. Stimmt der Finanzmuiister mit ihm Lberein?(Heiterkeit.) Die über- schießenden Erträge der Eisenbahnen sollen nicht aufgespeichert werden. fondern die Steuerzahler möglichst entlasten, noch dazu in einer Zeit. in der das Reich so hohe Anforderungen für Rüstungszwecke stellen muß. Die Gelegenheit zur Uebertragung der preußischen Bahnen an das Reich wurde verpaßt. Vielleicht setzt man eine Kommission zum Studium der Eisenbahngememschast ein. Finanzminister Dr. L e n tz e erklärt die Aufhebung der Steuer- Zuschläge als völlig undurchführbar und eine Ouotisierung würde zweifellos zu einer Vermehrung aller StaatSauSgaben führen, weil dann das Haus und alle Resorts mehr fordern würden. begründete Forderungen werden wir dann nicht mehr ablehnen können, während wir heute einfach sagen:"" hat kein Geld und damit ist die Sache gemacht.(Heiterkeit.) Es ist s unrichtig, daß die Finanzverwaltung immer auf neue Steuern sinne, die Finanzverwaltung ist eine Verwaltung gegen Steuern.(Allgemeine Heiterkeit). Wenn sie nicht wäre, würde man sich wundern, waS eS an Steuern geben würde, denn sie sorgt für sparsame Wirtschaft. Wir müssen mit festen Einnahmen rechnen können. Manche Kommunal- Verwaltungen haben die Kommunalzuschläge quotisiert und die Ausgaben werden sehr leicht beschlossen. Wenn dann hinterher das Fazit gezogen wird und die Verwaltung eine Steuererhöhung haben will, dann will es keiner gewesen sein. Also mit einer Ouotisierung kann ich mich nie und nimmer einverstanden erklären.(Beifall rechts.— Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Also keine Ans- gäbe ohne Deckung!) Ich vertrete hier nicht die neuen M i l i t ä r a u s g a b e n.(Heiterkeit.) Von meinen ganz bestiminten Grundsätzen für die preußische Finanzverwaltung lasse ich mich durch Ihre Zwischenrufe nichl abbringen.(Beifall rechts. Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Breitenbach: AnS der von Dr. Friedberg gewünschten Kommission würde nicht viel herauskommen, denn eine Anzahl Bundesstaaten sind unbedingt gegen eine Gemeinschaft. Der jetzige Wagcnverband hat uns vorwärts gebracht, er nötigt die Bundes- staaten, ihren Erat nach den Bedürfniffen des Verkehrs einzurichten, während sie früher vielfach von uns profitierten. Dafür, daß die preußische Eisenbahnverwaltunq ihre gesamten Einrichtungen unter dem Gesichtspunkt der Berücksichtigung der gesamtdeutschen Interessen trifft, stehe ich ein.(Beifall.! Das Hans verlagt die Weiterberatung auf morgen Dienstag 11 Uhr. Schluß 5-/. Uhr._ Hus der Partei. Ein Parteijubilöum. Die Partcidruckerei in Rüstringcn iOIdenburg) kann am 3. März auf ein LSjährigcs Bestehen zurückblicken. Wohl wurde unser dortiges Parteiblatt, das„Norddeutsche Volksblatt", bereits früher gegründet, aber es wurde nicht am Erscheinungsorte, son- dcrn abwechselnd in Braunschweig und Bremen hergestellt. Erst im Jahre 1888, unter dem«ozialstengcsetz, wurde in Rüstringen eine eigene Parteidruckerei errichtet. Im Laufe der Jahre hat das Volksblatt manchen Strauß zu bestehen gehabt; mancher Kampf mit Polizei und Behörden mutzte ausgefochten werden. Wie die Entwickclung ihren Gang nahm und welche Erfolge heute nach 25jähriger volksaufklärender Tätigkeit das Organ unserer oldenburgischen Genossen zu verzeichnen hat, davon gibt eine Reihe von Artikeln Kunde, die die einfach ausgc stattete Jubiläumsnummer bringt. Sie handeln von Fehden und Kämpfen, und wie diese nicht fehlten, so blieben auch die gericht liehen«trafen nicht aus. Heute hat sich das Blatt, das die rote Sturmfahne im agrarischen Oldenburg und Ostfriesland und in dem wcrftiirdustriereichen Wilhelmshaven hochhält, eine impo- nicrende Position geschaffen und die Gegner wissen, daß sie damit zu rechnen haben. Außer der Feftnummer des Blattes erscheint zum Jubiläum der Partcidruckerei noch eine historische Schrift aus der Feder des mit den politischen und besonders den parteipolitischen Verhältnissen Oldenburgs am besten vertrauten Genossen H u g. Die drei Bogen starke Schrift wird an Interessenten gratis abgegeben und bildet einen Teil von der demnächst crcheincnden oldenburgischen Partei geschichtc._ Bon der lettischen Arbefterpreffe. Die lettischen Arbeiter find unermüdlich im Kampfe um ihre Presse. Ihr Martyrium scheint kein Ende zu haben, ober auch die zähe Ausdauer der organisierten Arbefter der Ostseeprovinzen versiegt nicht. Ein Redakteur nach dem anderen wandert ins Gefängnis und in die Verbannung. Aber neue Organe entstehen, neue Namen tauchen auf. Die Geschichte wird die Namen der lettischen Arbeiter blätter ehrend nennen. Wir können e? nicht tun— ckUS nahe> liegenden Gründen.— Als Festschrift erschien die 100. Nummer deS lettischen Gewerkschaftsorgans„ArodneekS", das seit 5 Jahren be s�ht. Die Nummer enthält unter anderem Begrüßungsschreiben von einer Reihe Fachorganisationen und Konsumgenossenschaften. Jugendbewegung. Sächsische Jugendrettuns. „Bei uns wird's hinten rum gemacht, uf en« feine Weise."«o charakterisierte vor einigen Jahren einmal der„Wahre Jakob" in einem satirischen Reime zutreffend die sächsischen S o z i a l i st e n v c r f o l g n n g e n, die mit denen in Preußen verglichen wurden. Was aber von den Verfolgungen der Arbeiter organisationen überhaupt galt und noch gilt, zeigt sich auch jetzt wieder bei den Operationen gegen die Arbeiterjugendvereine inner- halb der weißgrünen sächsischen Grenzpfähle. Die brutale Uifterdrückungsmcthodc des benachbarten Junter staates hat man bei uns, im Königreich Sachsen, noch nicht nach- gemacht, obwohl es an Aufmunterungen durch konservative Wort- führer im Landtage, unter denen sich besonders der Freiberger Landgerichtsrat Dr. Mangler mit seinen ebenso bösartigen wie humoristisch wirkenden Hetzreden hervortat, nickt gefehlt hat. Bei ihren Sozialistenverfolgungen scheint die säcksische Regierung so viel gelernt zu haben, daß sich eine gesund« Bewegung durch l waltmaßnahmen nicht unterdrücken läßt. Dafür spricht unter anderem auch die Tatjache, daß im Ministerium des Innern, dem die Jugendpflege untersteht, jetzt ein Ministerialdirektor beob- achtende Zurückhaltung empfiehlt, der früher als Amtshauptmann einer der ärgsten Sozialistenfeinde war. Man würde aber schwer irren, wenn man nun annehmen wollte, daß die Arbeiterjugend-' beweg ung in Sachsen von Maßregeln verschont blieb«. Allerdings, mit Auflosungen und Verboten geht man nicht vor, desto eifriger wird bei uns die Jugendgängelei von hinten herum besorgt. Vor allem ist man bemüht, mft allerhand Mitteln nationale Jugendorganisationen aufzuj�ippeln. Die Regierung hat dazu bereits 160 600 M. gespendet und Gemeindebehörden und Schul- Verwaltungen mobil gemacht. Die finanzielle Unterstützung des nationalen Jugendrummels wird auch von vielen Gemeindever- tretungen eifrigst betrieben. Allenthalben werden national« Jugend� vereine und-Heime gegründet. Militärvereinsmocher, Beamte, Geistliche und auch Lehrer entfalten große Geschäftigkeit, um den Arbeiterjngendorganisationen Boden abzugraben. Die Eisenbahn Verwaltung gewährt Fahrpreisoergünstigungen, die der Arbeiter jugend konsequent versagt werden. All diesem einem Strohfeuer gleichenden Uebereifer ist aber der Erfolg noch versagt geblieben. Wohl sind nationale Jugendgründungen ins Leben gerufen worden, wohl sind auch junge Leute da, die sie in Anspruch nehmen, eS sind aber fast ausnahmslos Bürgerföhnchen, die ohnehin schon im Elternhaus« national gedrillt werde», bei denen nationale Bearbei- tung eigenflich überflüssig ist. Gleichzeitig mit diesen nationalen Konkurrenzmanövern treten auch die Schulbehövden in Funktion. Boten die nationalen Ver- eine der Arbeiterjugend vergeblich Zuckerbrot, sollte die Schule mit der Peitsche etwas nachhelfen. In zahlreichen Orten erließ man Ortsschulordnungen, durch die für Fort- bild-ungSschüler die Zugehörigkeit zu einem Verein von der Ge- nehmigung der Schulleitung abhängig gemacht wurde. Die unge- nehm igt« Mitgliedschaft wurde unter Strafandrohungen gestellt. Natürlich bezweckte man damit, die FortbildungSschüker der Jugendbewegung fernzuhalten. Das gelang aber nur unvollkommen, trotz aller Spionage konnte besonders in großen Orten der angestrebte Zweck nicht erreicht werden. Wenn auch ein Teil Fortbildungsschüler die Mitgliedschaft in den Ar beitcrjugcndvcreinen nicht mehr erwerben durfte, so besuchten sie um so eifriger die Veranstaltungen der Arbcitcrjugcndorgani- sationcn. Jetzt ist man mit Versuchen beschäftigt, auch da«inen ____ Riegel vorzuschieben. Nach einigen neu geänderten Ortsschul- die'Finauzverwaltung I ordrmngen tmrd nicht nur die Mitgliedschaft, sondern der Besuch aller Veranstaltungen durch ForchfldungSschüler unter das Ge- nehmigungsrecht der Schulbehorden gestellt. Im Zuwiderhand- lungsfalle ging man mit Schulstrafen, vielfach auch mit Geldstrafen, vor. Sogar wogen Teilnahme an Stenographiekursen wurden Strafen ausgeworfen. Doch hat dieses Verfahren nicht allenthalben der Nachprüfung durch die Gerichte stand gehalten. Das Chemnitzer Landgericht hat jetzt einige solcher Bestrafungen aufgehoben mtd betont, daß es über die Befugnisse der Schulbehörden hinausgehe, Geldstrafen zu ver- hängen, außerdem verstoße ein Verbot der Mitgliedschaft bei u n- politischen Vereinen gegen das Reichsverein Sgesetz. Andere Gerichte haben in ähnlichen Fällen die Strafe bestätigt. Diese und ähnliche Operationen werden wundervoll durch eine airderc, fast allgemein durchgeführte Maßnahme ergänzt. In den Fortbildungsschulen ist nämlich in den letzten�Jähren der Turn- Unterricht eingeführt worden. Dagegen wäre geWitz nichts ein- zuwenden. Aber dieser Unterricht ist den n a t i o nal e n Turn- vereinen zumeist übertragen worden. Warum? Nun, die jungen Leute sollen damit zugleich den nationalen Turnern zugeführt mid den Arbeiterturnvereinen abspenstig gemacht werden. All diese und noch manch andere von hinten herum forcierten Jugendrcttungsaktionen sollen natürlich den Zweck haben, die Ar- veiterjugend in großen Scharen ins nationale Lager zu führen, junge Arbeiter zn loyalen Staatsbürgern, gefügigen Ausbentungs- objciten und konservativen Wählern zu züchten. Der Zweck wird nicht erreicht werden. Die Nadclstichpolitik hat der Arbeiterjugend seither wenig geschadet, sie hat aber aufrüttelnd auf die freie Jugendbewegung gewirkt und sie so vorwärtsgebracht. Allerdings bestehen in Sachsen jetzt auch nattonale Jugendgründungen in großer Zahl, die auch viel Rumor machen. Daneben gedeiht aber die freie Jugendbewegung besser denn je. Die so eifrig in Jugend- rettung machenden Schulbeborden aber operieren ans Kosten der Schule, die sie mit ihren Machinationen in Verbindung bringen und dadurch Vorurteile gegen sie im Volke wachrufen. Sie ver- sündigen sich dadurch an der Schule wie an der Jugenderziehung, dafür verantwortlich ist aber auch die sächsische Regierung. Em Industrie und Kandel. Ein- und Auswanderung in den Bereinigte« Staaten. Die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika nahm im Jahre 1612 wieder einen viel größeren Umfang an als 1611, aber auch die Auswanderung war sehr bettächtlich und blieb nur hinter der Höhe von 1611 zurück, welches Jahr in dieser Be- ziehung einen Rekord aufstellte. Der Ueberschuß der Einwanderer über die Auswanderer war ziemlich doppelt so groß wie im Vor- jähr. Die Balkanwirren erhöhten die Zahl der Auswanderer über die Norm und drückten zum Teil auck die Einwanderung herunter, die anderseits durch die günstige Geschäftslage in den Vereinigten Staaten in bemerlenswerter Weise angeregt wurde, namentlich im letzten Teile des Jahres. Wenn man Einwanderung und Auswanderung zusammenstellt, ergibt sich für 1912 und die drei Vorjahre folgendes Bild: 1912 1911 1916 1969 i n 1600 Kopf Ankunft von:___ fremden Einwanderern.... 1027 782 1072 957 Abreise von:„ fremden Auswanderern.... 299 352 260 188 Versammlungen. Deutscher Metallarbeiterverband. Die am Sonntag abge- haktene Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin be- willigte den serbischen und bulgarischen Gewerkschaften eine Unter- stützung von 2066 M.— Für die Wahl von zwei Bautenkon- trollcuren wurden Klempner Schulz, Klempner Devegneur, Schloffer Krüger und Rohrleger Friedrich auf die Kandidatenliste gesetzt. Als Bezirksleiter für Tegel und einen Teil von Reinicken- darf wurde Halses gewählt. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum Verbandstage, der am 16. Juni in Breslau abgehalten wird. Es lagen eine Reihe von Anträgen vor, mit denen sich die Bezirksversammlungen be- reits beschäftigt hatten. Angenommen wurde ein Antrag, welcher will, daß weibliche Mitglieder, die aus persönlichen Gründen nicht mebr erwerbstätig sind, in die für invalide Mitglieder bestehende 16-Pf.-Beitragsklasse eintreten können.— Ein anderer Antrag, der gleichfalls angenommen wurde, fordert, daß ans dem Statut der Passus gestrichen wird, wonach beim Aussetzen infolge von Ge- schäftsinvcntnren keine Arbeitskosenunterstiitzung gezablt wird.— Eine längere Diskussion rief ein von A l b r c ch t gestellter Antrag hervor, der in allen Bezirksversammlungen abgelehnt worden ist. Das Prinzip des Antrages ist: Erhöhung der Arbeitslosenunter- stützung und Herabsetzung der Krankeiinnterstützung. Der� Antrag- steller begründete seine Forderung so: Tic Arbeitslosenunter- stützung diene gewerkschaftlichen Zwecken, sie solle die Arbeitslosen in den Stand setzen, nicht aus Not Lohndrücker zu werden. Des- halb'müsse die Arbeitslosenuntersttitzung möglichst hoch bemessen werden. Die Krankenunterstützung aber könne herabgesetzt werden, weil es doch Aufgabe der Krankenkasse sei, für die Kranken zu sorgen, wozu die gewerkschaftliche Krcmkenunterstützung nur ein Zuschuß sein könne. Der Antrag will die Arbeitslosenunterstützung nach fünfjähriger Mitgliedschaft auf die volle Höhe der Streikunter- stützung bringen. Gegen den Antrag wurde besonders von Cohen eingewandt, daß derselbe ohne Erhöhung des Beitrages nicht durch- geführt werden könne. Der Antrag stütze sich nur auf großstädtische Verhältniffe. In den kleinen Jndustrieorten werde die Arbeits- losenunterstützung nur sehr wenig in Anspruch genommen, weil die Kollegen entweder selten arbeitslos werden, oder, wenn es ge- schieht, den Ort verlassen müssen. Dagegen spiele die Kranken- Unterstützung in den kleinen Jndustrieorten eine große Rolle. Eine Herabsetzung der Krankenunterstützung würde hier sehr schwer emp- funden werden und vielleicht einen starken Mitgliederverlust zur Folge haben.— Der Antrag A l b r c ch t wurde mit sehr großer Mehrheit abgelehnt. Angenommen wurden noch folgende Anträge: Die Zahlstelle Berlin ist von den allgemeinen Bestimmungen, welche die Delegiertenwahlen zum Berbandstag regeln, auszu- schließen. Der Hauptvorstand wird beauftragt, eine Umftage zu halten, wieweit in den Betrieben der Eisen- und Metallindustrie Arbeiter über 46 Jahre nicht mehr eingestellt werden. Ferner soll der Haupt- vorstand die Vertreter der Arbeiter im Reichstage, in den Land- tagen und Kommunen ersuchen, dahin zu wirken, daß derartigen Betrieben, die Arbeiter über 46 Jahre nicht mehr einstellen, staat- liche sowie städtische Arbeiten nicht übertragen werden.— Es sollen Berusskonfcrenzen für die Schraubenbranche und für die Elektro- Monteure einberufen werden.— Der.Metallarbeiterzeitung" soll allmonatlich«in an die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter ge- richtetes Merkblatt beigelegt werden. Außer dem schon erwähnten Antrage A k b r e ch t wurden noch mehrere andere Anträge abgelehnt, darunter zwei, welche die Ein- führung der Hauskassierung in den größeren Verwaltungsstellen fordern, sowie ein Antrag, welcher verlangt, daß Mttglieder, welcke Meister- oder andere leitende Stellen angenommen haben, aus- scheiden müssen. Die Versammlung mußte, ehe die Tagesordnung ganz erledigt war, vertagt werden, weil der Saal um 1 Uhr au die Maler ver- geben war. Zu erledigen ist noch ein Antrag Barth, welcher verlangt, daß der Vorstand die Fortsetzung eines Streiks nur dann verweigern darf, wenn mindestens ein Viertel der Mitglieder da» gegen stimmen.— Ferner steht noch ein Antrag auf der TageSord- nung, wonach Streitigkeiten politischer Natur zwischen Verbands- angestellten und Parteileitungen nicht mehr in der„Metallarbeiter- zeitung" zum Austrag gebracht werden sollen. Wann und wo die Fortsetzung der Generalversammlung statt- findet, das wird in den nächsten Tagen im„Vorwärts" angezeigt. Besondere Einladungen erhalten die Delegierten nicht. Todes-Anzeigen SozialdemokratiselierWäiilvereiD Ld. Z. Berl. Reichstagswahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Senosfin �ima Hetzel am L März im 43. Lebensjahre verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den i März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deS Zentraljricdhojes in Friedrichs. felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht v«i» Vomatsiid. Sozialdemokratischer WahlYereln |Ld. 6. Berl Reichstags-Wahlkreis. Am i. März verstarb unser I Genosse, der Maler jöklllio �vüei'sllövjt? 1 Malplaquetstr. ti— Bezirk 785 a. Ehre seine« Andenke»: Die Beerdigung findet heute, I DienStag, nachmittags g>/, Uhr, I von der Halle des Nazareth. I Kirchhofes m Reinickendorf-West, s Kögelstraße, aus statt. Am 1. März verstarb unser Genosse, der Metallarbeiter Sermso» Vsdel Raumerstraße 37— Bezirk 533. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet mn Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von Iber Halle des Gethsemanc-Kirch- hoseS in Nordend aus statt. Am t. März verstarb unsere Genossin. Frau «arle kevic Birkenstraße LS— Bezirk 728. Ehr« ihrem Andenken i Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des SlnstaltS. Fried- hoseS w Plötzensee aus statt. Am LS. Februar verstarb unser Genosse, der Arbeiter KeinboM Sasse Eberswalder Str. 16, Bezirk 531. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des ScgenS-Friedhoses K Wechen- jee, Guskav-Ädolsstr. SS, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/16 Der Vorstand. Verband d. Brauerei- o. Mühlen- arbeitenLverv.Berulsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Flaschenkeller- arbetter Gottkrted Moltkau (Schultheiß IT) im Alter von 31 Jahre» an den Folgen einer Operation verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Di« Beerdigung findet heute Dienstag, den 4. März, nach. mittags i'l, Uhr, von der Leichen. Halle des Heilig-lkreuz-KirchhofeS in Mariendors aus statt. Ferner verstarb nach langen Leiden der Kolleg« Flaschenteller- arbeiter Reinhold Sasse (Gabriel u. Richter) an Nieren- entzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. März. nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- hall- deS Segens. KirchhoseS. Gustav-Adols-Str. 67/74, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 42/16 Die Ortöverwaltung. Deutscher Metaltarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall« arbeiter Hennann Gabel Raumerstr. 37 am 1. März an Herzschlag ge- storben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. März, nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Gethsemanekirchhofes in Nordend-Rieder-Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet und unerwartet starb am 1. März er. unsere werte Genossin und Mitkämpferin Renck im Alter von 48 Jahren. Ein ehrendes Andenken be- wahren ihr die Genossinnen und Genossen des«. Wahlkreise« (15. Abt. 721. Bez.). 43a Todes- Ancelse. Am 2. d. M., morgens 7'/, Uhr, verschied sanst nach kurzem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann, unser treusorgender, guter Vater, der Gastwirt Earl Sehaknlowski im 69. Lebensjahre. Im tiefsten Schmerze Die trauernden Hinterbliebenen Auguste Schakulowski geb. Hüft nebst Kindern. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 5. d. M., nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause in Neukölln. Jägerftraße 15, aus nach dem Jakobi-Kirchhose statt. 13a >icrmit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau IRsHo Renk geb. Drondolitka nach kurzem schweren Leiden am I.März, vormittags 11'/, Uhr, sanst entschlasen ist. 43A Heinrich Renk Birkenslr. 28. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle veS AnstaltSlriedhofcS Plötzensee statt. die uns erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne« und Bater« lagen wir allen Bekannten und Kollegen unseren herzlichsten Dank. lara Konrad und Tochter. HnnksnKnnx. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Mutter sage» wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten unseren' lichsten Dank. Familie Kießling. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Vater» spreche ich hierdurch allen Bekannten und Berwandten, besonders der Berliner Fleischer- innung, dem Bezirksverein selbslän- diger Fleischeimeister Berlin-Norden, der ISS.(4.) Armenkommisflon meinen herzlichsten Dank au« stöbert lirafe. Danksagung. Für die uns erwiesene Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes und guten Baters allen Teilnehmern herzlichen Dank. 64a Wwe. Rolszjxosvnkl und Sohn. Ordenti. General-Versammlung. der Vertreter der Arbeitgeber«. Arbeitnehmer der Ort sRranRenKssse der Maschinenbau arbeiter und verwandten Gewerbe zu Berlin. am Freitag, de« 1�. März 1913, abendö 8'/, Uhr, Rosenthaler Hos. Rosenthalerstr. 11/12. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über daS abgelausene Seschäslsjahr. 2. Bericht der Revisoren zur snng der JahreSrechnung 1612 Erteilung der Dccharge. 3. Verschiedenes. Nach Schluß dieser Generawer- sammlung findet in demselben Lokal eine Generalversammlung der Vertreter der arbeitnehmenden Mit- glieder behuss Ersatzwahl für die aus- geschiedenen Vorstandsmitglieder Zahl und Botzelmann statt. Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einficht in die Kassen- bücher notwendig ist, müssen bi« zum 16. d. M. mündlich oder schrsstlich be- husS Beantworlung derselben in der Prü- und Generalversammlung dem Vorstände mitgeteilt werden. Zahlreiche» und pünktliches Er. scheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. DaS Mandat legitimirrt. Berlin, den 3. März 1613. Der Borstand. 2738b Frz. Schuldt, H. Kurrle. a Elegante K&glSH iulnn UZJ fertig u nach Mass von 1 Mark wBchentliche Teilzahlung. S.Boltuch FranhMr Allee 15 Eingang TllsiterStraeee Stoffe für elßgranfce Maßanzüge, Ulster, Paletots Mtr. 4.—, 6.—, 8.— M. etc. Damen- Koatfimstofte, Dameniuehe „Neuheiten" Mtr. 2.—, 3— 4— M. etc. Loden f. Pelerinen Mtr. 1,50 2,50 M. etc. Schneidermeister, welche unsere Stofto tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebst Zutaten zirka 25,—, 30,— M. etc.• Tuchlager Koch iL Seeland G. m. b. H. GerlrauiltBiistr. 20/21 vi,'i",itder Petrlkirobe. Für bei» Snadhardt Cammel&ter Alkoholarm- Aerzfllch empfohler an Qualtitä unübertroffen In Dosen Oberall erhältlich. Fabrik: Urban& l-snim, ChaHottenburg Ja Klirzb&fS« Hass-Sclmelderei Rosenthaler Str. 1 Frankfurter Allee I Reinick/ndorferStr Nr. 39, I Hackeichcr Markt 104, parterre Ecke Erl■ danatr. Nr. 4. I am Weddlnaplata 1813-1913 1807"> 1812. 1813 1819. Von Tilsit nach Tauroggen.(Kleine Bibliothek Nr. 25.) Frans Mchrln*. Von Kaiisch nach Karlsbad.(Kleine Bibliothek Nr. 26.) Frans Mehring. Preis jedes GBndcher» brosch. 0,75; gebunden 1 Mark. ■_.m»3 7SI«>«4 Ein Kapitel ostelbisober Junker- Jen8 üültl I liJSsi« geschichtev. Fran« Mehring;. Preis brosch. 1 Mark. Das Ende des Reichs. alter der großen Revolution..Von Kart Elnner.. Preis brosch. 4 Mark. Die Hohenzollern-Legende. ans der preaCischen Geeohiobte vom 12. bis 20. Jahrhundert. Von Max Maurenbrecher.— Reich ülnstriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit In zwei Binden gut gebunden Leinen 14 Mark, Halbfranz 16 Mark. Deutsche Geschichte SSÄt l*,: Loitladen kür Lehrende und Lernende. V on Frann Mehring;- Gebunden 2,56 Mark. Buehhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69(Laden). L HOS CVcjareifen Kurprinz 3 Pig *5 f ürslen..... st-- Welt Macht 5- Au(o Klub..6- Aero-Klub 10- GamltUTBn 100 W» 350 M. Schlafsofas 75 w« 120 m. Betten... 21 ms 72 u. Tische.- S50«, 65«. Stühle.. 2«. 21 M VeiMs.. 38 dt, 72 M. Büfette... 125 bi. 450 M. Tsemem. 32 bt. 110 u. 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Laut und Vernehmich, unter Ueberwindung nationaler Grenzen, verlangen sie das vorenthaltene Recht für sich und alle Unterdrückten jederzeit, aber ganz besonders am sozialdemokratischen Frauentag ertönt vieltausendstimmig der alte Streitruf: HcrausinitdcmWahlrech'tdcrFraulFort mit politischer Entmündigung! Zu einer eindrucksvollen Tcmonstration in diesem Sinne gestaltete sich am Sonntag der Frauentag in Grotz-Bcrlin. Er gab diesem Sonntagnachmittag sein eigenes Gepräge. Als die Vcr- sammlungszeit nahte, konnte man außer denen, die einzeln kamen, überall die Proletarischen Frauen in geordneten Reihen von ihren Treffpunkten in den Bezirken aus den Vcr- sammlungslokalen zustreben sehen. Leben kam in die Sonn- tags so stille Kommandantenstraßc, als die Genossinnen aus dem ersten und dritten Wahlkreise heranrückten, um die Arminhallen zu füllen. Zu Happolds in der Hascnheide zogen die Frauen namentlich aus dem zweiten Kreise. Imposant gestaltete sich der Hcranmarsch nach„Sanssouci" in der Kott- buser Straße, nahe dein Kottbuser Tor. Zug auf Zug nahte sich aus der Skalitzer Straße, wohin die Gruppen aus dem Köpenicker und Görlitzer Viertel zusanimenströmten. Eine wahre Heerstraße für weibliche Wahlrechtskämpser. Tasselbe Bild bot sich in Neukölln. Nicht weniger als vier größere Säle, verteilt über die verschiedenen Viertel, hatte man hier bereitgehalten. Und alle waren stark besucht, einer davon polizeilich wegen Ueberfüllung gesperrt, die Passogefestsäle in der Bergstraße. Auch im Osten und Norden der Stadt hatte der Ruf: Frauen heraus! feine Wirkung getan und Taufende von Proletarierfraucn an ihre Pflicht erinnert. An die Pflicht, sich zu vereinigen zu einem wirksamen Protest gegen die Zu- rücksetzung des weiblichen Geschlechts in staatsrechtlicher Hin- ficht, dicweil die Frauen und besonders die Proletarierfraucn doppelt und dreifach unter den Lasten als Staatsbürgerinnen zu seufzen haben. Tiefe Tatsache bildete denn auch den Leit- gedanken, der in all den Referaten, die gehalten wurden, zum Ausdruck kam. Der Aufmarsch erfolgte naturgemäß nicht in dieser überwältigenden Fülle, wie wir es bei Massenverfamm- lungcn, wo Männer und Frauen zusainmenkommen, gewöhnt sind. Auch nicht so frühzeitig können Frauen in Bersamm« lungen sein, die um diese Zeit angesetzt sind, da sie als Mütter und Hausfrauen noch mancherlei Arbeiten in der Häuslichkeit zu erledigen haben, ehe sie sich von ihrem Pflichtkrcise los- reißen können. So rückten denn auch die Züge von Frauen in der Hauptstärkc erst gegen 2 Uhr heran, aber immerhin, sie kamen und demonstrierten durch Erscheinen für ihre Rechte als Bürgerinnen des Staates, zu dessen Erlwltung sie ihre beste Kraft hingeben. In das Sonntagnachmittogsgctricbe, das bei dem Herr- lichen Winterwetter auf den Straßen herrschte, brachten die Züge der Frauen eine eigenartige Note. Hier und da vcr- suchte ein fader Bierphilistcr, seine faulen Witze an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen, ertiielt aber in der Regel eine so schlagfertige Anttvort. daß er die Lacher vergeb- lich auf seiner Seite suchte. Tatsächlich gab es denn auch nichts zu witzeln, und selbst die ominöse Bezeichnung„rote Suffragetten" prallte angesichts der sich ernst und würdig Vollziehenden Demonstration glatt ab. Als um z>vei Uhr die Versammlungen ihren Anfang nahmen, waren die Säle überall mit Frauen voll besetzt, und an emzelncn Orten saßen und standen sie eng beieinander und lauschten den Worten der Referenten, die init zündender Wärme und mit der ganzen Wucht der Tatsachen die Frage des Tages beleuchteten. Wer dieses Bild sah. wird nicht umhin können, die Sumnie der Werbearbeit und Aufklärungs- tätigkeit zu crmessen und anzuerkennen, die notwendig war, um in Teutschland eine solche Bewegung aus dem Boden zu stampfen. Und es waren Proletaricrinucn. ausschließlich fast Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen, die da zusammen ge- kommen waren. Der leuchtende Blick der Augen zeugte aber dafür, daß das Licht der Erkenntnis in die vroletarischc Frauenwelt hineingezündet hat und der Same der Aufklärung zu wachsen und zu reisen beginnt. In dieser Hinsicht kann man es als eine Revolution bezeichnen, die sich da vollzieht, wenn auch nur eine Revolution der Geister und der Seelen! Da aber alle.s. was nach Revolution riecht, sehr, sehr verdacht Kg ist, so hatte der Polizeipräsident Iagow seine Scharen mobil gemacht und die Versammlungen in den kleinen Be- lagerungszustand gesetzt. Schon lange vor Beginn der Versammlungen hatte sich die gestrenge Polizei an- gefunden und revolverumgürtete Schutzengel bewachten ge- wissenhast die Eingänge zu den Lokalen. Ja selbst bis an die Türen der Versammlungsräume erstreckte sich die Tätigkeit der Polizei, und Polizeioffiziere in höchsteigener Person hicl- ten sich in den Vorräumen der Versanimlungslokale auf. Tie Frauen lächelten über die wohlwollende Fürsorge der hohen Obrigkeit, allerdings waren sie auch der Meinung, daß, wenn am 10. März Veranstaltungen stattfinden, uin den Geburtstag der Königin Luise zu feiern, die der Kaiser den deutschen Frauen ja als Vorbild empfohlen hat, Herr Iagow wohl weniger fürsorglich eingreifen dürfte. Doch das alles hat der gestrigen Verallstaltung kemen Abbruch getan, im Gegenteil. das Polizeiaufgebot war ein wirkungsvolles Relief dazu. Tic Kundgebung von vielen Tausenden Frauen wird nicht ungc- bört verhallen, sondern weitere Taufende aufrütteln zum Kampfe gegen jegliche Unterdrückung und Entrechtung, ge- treu nach dem Dichtcrwort: Ihr hemmt uns. doch Ihr zwingt uns nicht, unser die Welt trotz alledem! Als nach Schluß der Versammlungen die Masse der Frauen aus die Straße hinauskanl, erregte auch das bei den Passanten große Aufmerksamkeit. Es entspannen sich Tis- kussionen über das Ereignis. Manches flotte Mädchen und manche Frau mag so die erste Anregung gewonnen haben für ein späteres Mitwirken in der Bewegung. Vielfach zogen die Versammlungsteilnehmerinnen den Weg in größeren oder kleineren Gruppen zurück, wie sie ihn gekommen waren. Ein-- zelnc Fraucnzüge wurden von radelnden Beamten sicher zum Ziele geleitet. ** * Berlin. In den.Arminhallen" referierte vor einer gut besuchten Versammlung Genosse Dr. H e r z s c l d. Nach dem Vortrage meldete sich eine bürgerliche Frauenrechtlerin, Fräulein Freitag, zum Wort. Sie sprach für das Tamcnwahlrccht und forderte die Sozialisten auf, sich nicht so gehässig gegen die bürgerlichen Rechtlerinnen zu zeigen. Wenn erst wenige das Wahlrecht hätten, würden es auch mehrere bekommen. Die Versammlung in„Sa n s s o u c i* war bis auf den letzten Platz fast nur von Frauen besucht.?'ach einer künstlerischen Ein- lcitung durch den Gesangverein„Süd-Ost" nahm der Genosse Büchner das Wort, der in packenden Worten den Anwesenden die Rechtlosigkeit der Frauen in Staat und Gesellschaft schilderte. In Kellers F c st s ä l e» leitete der Männergesangvcrein „Ost" die Versammlung mit einem stimmungsvollen Liede ein. Tie Anwesenden folgten sodann mit äußerst regem Interesse den Ausführungen der Genossin Z i e tz. Nach einem Schlutzlicde wurde die Versammlung mit einem Hoch auf das Frauenwahlrccht und die internationale, völkerbefreiendc Sozialdemokratie geschlossen. Tie Versammlung im„E l» s i u m" war von nahezu LO) � H Vnger in WÜrzbUFg. Berlin(20 Pf.): Salomon■ Apotheke, GharloUcuftraBt 54.— Greif- Apotheke, Barnimftr. 33.— Wo nicht, zu haben: Kooen-Apotheke, Vfärrdurg. ti.pLsu.!!>°Wi ®c"" Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. FDr Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkassen. Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. 7iUs!e SerUn. Arbeitsnachweis: Rückerstraßc S Fernsprecher: Amt Norden 6708 Donnerstag, den 6. März 1913, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelnfer 1»: Sektions-Versammlung>: Theater und Vergnügungen nun ODO □□□ Dienstag. 4. März 1313. Ansang Tt, Ubr. Sgl. Opernhaus. Der Rosen» ladaller. Sgl. Schauspielhaus. Der große König. Deutsches. Der lebend« Leichnam Komödieuhaus. Schönheitssalon. AirtuS Busch. Gala-Vorftellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Hohenzollernsahrten. Kammerspiele. Schöne Frauen. Lessiuq. Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus. Tiefland. Königgräher Straße. Die süns Schiller � Reise durch Berlin in 80 Stunden. Schiller. Charlotteuburg. Uriel Acosta. Kurfürstenoper. ToSca. Drianon. Wenn Frauen reisen. Theater am Nollendorfplatz. Die Studenlcngräfin. Grost Berlin. Lord Piccolo. Berliner. Filmzauder. Montto Operetten. Der liebe Augustin. Theater des Westens. Die beiden Husaren. Deutsches Schauspielhaus. Der gutsitzende Frack. Kleines. Profesllir Bernhards. Restdenz. Die Frau Präsidentiu. Thalia. Puppchen. Luisen. Im wunderschönen Monat Mai. Rose. Der Weg zum Himmel. Metropol. Chaufscur— ins Mctropol., Herrnseld. Die Schonzeit- Jager. LiebeSprobe. �, «eichshalle». Weyers Hosem Casino. Am grünen Strand der Spree. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Die schöne Galathee. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Friedr.. Will,. Schauspielhaus. Pariser Lpst. Lustipielbaus. Majolika. Walhalla. Parole: Walhalla! Folies Coprice. In Sachen Katzenstein. Die Tochter der Braut Ansang 8'/, Ubr. NeueS Volks ttzraier. Helden Ansang 9 Uyr. -AdmiralSpalast. EiSballeU: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnoalidenstr. 57—«2. Berliner Theater. s ilhr: Filmzauber. 8 Uhr: Die fims Frankfurter. I»«vtoebes Scbanipielhaas 8 Otze: Der gutsitzende Frack. 8ehiiIer-Thealer0.�a7en Dienstag, abends 8 Uhr: Die Reite durch Berlin in 80 Stunden. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Andere. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Reite durch Berlin in 80 Stunden. Schiller-Theater Chabu?r' Dienstag, abends 8 Uhr: Uriel Acosta. Mittwoch, abends 8 Uhr: Oygos nnd sein Ring;. Donnerstag, abends 8 Uhr: nnd sein Ring;. Theater des Westens. Uhr: Die beiden Husaren Sonnt, nachm. 3'/, Uhr: Frauentrestor. Montis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnab. z. L SPt.: Der Zigeunerprimas. u8hr Residenz-Thealer. u'r. Die Frau Präsidentin. (Madam o la Prssidente). Schwank i. 3 Akt. o. Hennequin u. Veber. Morgen und folgende Tage: Die ftfru» Prafidentw. Theater amKollendorfplatz Allabendlich 8 Uhr: Die Studentengräfin. onnabcnbnnchm. 3 Uhr: Maria Stuart. Luisen-Theater. Benefiz des Hrn. Oberrcg. Wald. Dienstag, abends 8 Uhr: Premiere: Im wunderschönen Monat Mai. Mittwoch, abends 8 Uhr- Und hätte der Liebe nicht.... Donnerstag, abends v Uhr: Im wunderschönen Monat Mai. OSE=THMrE Große Frantsurler Str. 132. Abends 3 Uhr: vef?eg W HiniineL ü 0uflfpicl in 4 Allen v. Johannes Heß. Donnerstag: Ter Weg z. Himmel. Reichshallen-Tlieater Stetlinsi Sänger, Militarisclie __ Hmnoreake. Anfang 8 Uhr. Urania. WiasenBchafÜiohes Theater. TanbenatraBe 48/40. Dienstag 8 Dh;: „Hohenzollern"- Fahrten. Walhalla-Theater. Weinbergsweg 19/20. Rosenthal. Tor. Heute 8llt Uhr i „Parole: Walhalla!" Große JahreS.Revue. Die Abonnenten unserer Zeitung zahlen gegen Vorzeigung der Abonne- mcntSquittung für alle Plätze halbe Kassenpreise._ Voigt-Theater. Gesuudbrunue», Badstrafte S8. Morgen, Mittwoch, den 5. März: Dan Bettoikind. Ländliches Charalterbild in 5 Ausz. von Charl. Birch-Pseiffer. Kasienerössn. 7 Uhr. Ansang 3'/. Uhr. Vor-Anz.: Freilag, 7. März: Zum Benefiz für Lisbeth Peters: In Sans nnd Braus. I Theater Neuer großer Erfolg der IVovlt&ten! Die Schonzeit- Säger. Ein Wald-Idyll in 2 AJcten von Anton u. Donat Hcrrntcld. Uebesprobe. Plauderei von Emst Klein. Ans. 8 Uhr. Vorverl. 1 1-2(Thealerkasse). Trisnon-Theatcr. Wenn Frauen reisen. Ansang 8 Uhr. &„Clou" » fc Mauerstraße 82.— ZI :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraüe 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Gastspiel des Philbarmoniseben Blasorchesters ane. Railand. Dirigent: Maästro Loneto Tesone. Musiko. des Kaiser Frans-Regnite., Dirig. Oberm. Becker. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr Wochentagen: Gr. Ilachmittags-Dnzert bekfnrtnttm Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108/114 Letzte W oche! Heute Dienstag;, den 4. Mttrz 1013: Elitet'f! Letzte Damen-Prämiierungl pSert Der längste echte Zopf. Drei bare Geldpreise: 50,—, JfO,—, 20,— Mark. Im uenen Saale: GroßwU Ball. Anf. 7 Uhr. 5 Kapellen. SO bayr. jüad'l. Entree 30 Pf. _ Voranzeige!_ BV Donnerstag;, den 6. Hilm ISIS:~UM Keine Fleischnot: Präger Schinken vom Lukullus Portion 80 PI. nExtrapraiiiiieriiiig. pSert die größte(schwerste) Kartoffel. T-" 3 bare Geldpreise; SO. 20, 10 iL Zirkus Jllbert Sehnmann. Heute Dienstag, 4. März, abends 7'/, Uhr: Heul Peking-Truppe Neu! 10 Lio-Hoi-TscheiTslO Auftreten des Direktors Alb. Schumann. __ Ohne Konkurrenz I-MSR 7 Luftvoitigeure 7 Hegelmann- Truppe Dm O1/, Ubr: MDiZ Der nnslchtb. Hensch. Mittwoch, 5. März: eine*911 Vorstellung. im- k 5irkns- Jületropol- Theater. Chauffeur-ins Jfietropol! Große JoHreSrevue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern. Abends 8 Uhr. Rauchen gestattet. In Vorbereitung: Gilberts neueste Operette: Die Kiuo-Köuigin. kolies Capriee. Ansang 8'/, Uhr. Ju Sachen Katzenstein. Die Doppelfirma. Die Tochter der Brout. Premiere. Freitag. 7. März: Froschschlucker halbstündl. große Pisch- nnd Pröschemablzeit Das Vertilgen u. Zurückbringen lebender Frösche und Fische. Die acht heiligen Feuerfresserl io ihren Unatiscben Märtyrer-Produktionen. Alle« lebend! Alles ohne Extra» Entree I Zirkus Busch. Heute Dienstag, 4. März, abends 71/i Ubr: Die neuen or. März- Attraktionen Karl-Engen-Tronpe, Gymnastik in höchst. Vollend. Red 4 Beet, Manegekomiker. Genchw. Proachl in ihrem wundervoll. Beitakt. Klown Pepino mit seinem Tierzirkus. Prolongiert! Der mysterlfise Deckenlitufer. Zum Schluß: Die grolle Prunk-Pantomime „Sevilla�. Der ZIrluS ist geheiztl Tickns Sscnm WV ÄÄSÄ Heute, sowie täglich. abends 8'/« Uhr: �taKa-�L.b«aÄS mit stets wechselndem Programm. 4Weng-Cliio-Tscliun(|-Tr.4 Origwal-Chinesen. "I"j Berber-Löwe» 44 •*•■■■ vorgeführt von Frau Direttor K reifer und die übrigen Attraktionen. VasitiQ-Thsafsi* Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr: Trotz deS großen Erfolges Rur noch bis inkl. S. März: Am grünen Ztravd d. Spree. Am 7. März Premiere: Artnro Flitterwochen. >»•»—— MSf sasosf | Heute abend: I Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: i Gastspiel von i » Harry Scheidt- Weiler, 1 Vortragskünstler. »Vorverkauf 30 Pf., an d.KasseSOPs.» Kassenössn. 8 Uhr. Ans. 8',. Uhr.! »chS»SSOO>GO>OO»OA Ikögiöl Künigslslit-Dzsilio. EckeHolzmarkt- u. Alexanderstraße. 1 Minute v. Bahnh. Jmmowttzbrücke TSal. abdS. llß. Somit.'/«O Uhr: Der Kummerlager. Gesangsposse i. 2 Bildern— u. da» groft. Speztalikätettprogramm Jed�1�u�1S:Programm»v c ch>' r l Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verautworniu«. Zweiter Wahlkreis. Dienstag, den 4» März, abends 8'/z Uhr, im Hofjäger- Palast, Hasenheide 53/53; Oefjentliehe Versammlung. Tagesordnung:** i. Vortrag öes Stadtverordneten Genossen vr. kernstein: „Die Gebnrtenbefchränknng— eine revolntionäre Waffe." 2. Diskussion. 205/!)» Um zahlreiches Erscheinen ersucht Per Einverufer: Neinricl, Lcdröiter. Berlin, Bergmannstr. 93. Achtung! Achtung! Arbeiter, Parteigenossen! Ptfmod), de» 5. Ulin,«be»ds H'j, Uhr: Große im„Marmehalls" Kraadcadarger User t. Tagesordnung: 3agow und die Engend. Oer Kampf der Serlitter Polizei gegen die Jugendbewegung. Rechtsanwalt Dr, Kurt Rosenfeld. Freie Aussprache. Die Berliner Arbeiterschaft wird ersucht, sür diese Versammlung die größte Agitation zu entfalten und für Massenbesuch Sorge zu tragen. Der Einberufen Eugen Ernst, Liesenstratze 16. 5, FMllMchltrr Dienstag, den 4. März 1913, abends 8� Uhr: Mitglieder-Berfammlnngen: 5. Landtagswahlkreis im Lokal von Granmann, Naunynstraße 27, Referent: LandtagZabgcordneter Genosse I. Borchardt, 6. Landtagswahlkreis in de» Comeninsfälen, Memeler Straße 67, Referent: Landtagsabgeordneter Genosse A. Hoffmann, 7* Landtagswahlkreis im Elysinm, Landsberger Allee Nr. 40, Referent: Landtagsabgeordneter Genosse P. Hirsch. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Die tätigkeit 4er tozialdemokratiicken Candtagsfraktion. a Diskussion.& iiominierung der Kandidaten. Zutritt haben nnr Wahlvereinsmitglieder. Mitgliedsbuch legitimiert. Tie Wahlkoinitces. Bruchbandagen, 211,'17* H.& P. Uder, Tabak-Großhandlung und Tf Kerlin SO. 16, 8ngcl-afer 5. _____ r Großhandlung und Tabaklabrik. ' Ranch-, Kau-, Scbnupftabake, Zigarren, Zigaretten."Mg Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche be- S« n 9«t 0 4 f 0 m» Orlgiaalprelavs. kannten Marken XsigärBllCli Amt-1.»614. Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Saspcnsorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N, Lothringer Str. 60. Eigens Werkstatt. Lieferant für Krankcnkass. Fachgem Bedienung. Vorwärts-Lesern Rabatt! Extrapreis! Ein Posten reichgestickter lüsch« ortieren Mar so weit Vorrat! Pro n$5 f statt» Fensler 0 m.( jg-«) Leinen-Portiere z«» mit Piüschapplikatiou"*' Eine Partie reichgestickter Plttschdecken u 6, 8, lO M.(bisher 8— 15M.) 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Prets 36 Pf. Auch durch die..Vorwärts'- Speditionen zu beziehen. «Venn Sie dieses Inserat mitbringen, gewähre bis Ostern auf Höbet und Wohnungs-Einrichtungen Proz. Ermässigung 1 Bettstelle 1 Malratze 1 Kleiderschrank 1 Tisch 3 StQhle 1 Kachenschrank 1 Küchentisch 1 Küchenstuhl Wochen- 1 Cn rat«. M.J.JU Anzahlung Mark 1 Bettstelle 1 Matratze 1 Kleiderschrank 4 Stöhle 1 Tisch 1 Spiegel 1 Konsole 1 Küchenschrank 1 Küchentisch 2 KUchenstühle 1 Rahmen Wnchen- U an rate.. M. t.UÜ Anzahlung Mark Anzahlong I Kleiderschrank I Vertiko 2 Botlstellen 2 Matratzen 1 Tisch 4 Stühle I Spiegel I Konseitisch 1 Kilchenschrank I Tisch ? Stuhl« 1 Rahmen Handtuchhalter Kohlenkasten Wochen« 2.50 Anzahlung rate.. Mark Nerantwortlichcr Redakteur: Alfred Wirlrpp, Neukölln. Für den Lnserolenteil veranlw.: Th-Glodr, Berlin. Druck u. Vertagt Vorwärts Vuchdruckersl u. BerlagSanstalt Paul Stöger u.>do., Verlin SVm "•"■»»» 3.|ltil»gc>ts Jormirts" Ittlinet JollisUntt. iähui»» vom Krlegsfcbauplatz gegen die flrbeiteriugend. Auf zum Protest gegen die Berfolgungswut der Berliner Polizei! Me rücksichtslose Attacke der Berliner Polizei, die sich am Freitagabend gegen eine Anzahl Jugendversammlungen und junge Arbeiter richtete, darf nicht ohne Protest hingenommen werden. Daher muh die Protestversammluug, die für M i t t- woch, den S. März, im Marinehaus, Branden� burger Ufer 1, anberaumt ist, einen Massenbesuch aufweisen- Das Thema des Abends, über das Genosse Dr. R o s e n f e l d reden wird, lautet: „Jagow und die Jugend." „Der Kampf der Berliner Polizeibehörde gegen die Arbeiter- jugend." Die Verfolgungen und Drangsalierungen, denen die Ar- beiterjugend im Gegensatz zu den„nationalen" Jugend- organisationen ausgesetzt ist, müssen immer und immer wieder beleuchtet und gebrandmarkt werden. Arbeiter, Parteigenossen! Zeigt, daß Ihr nicht gesonnen seid, die unerhörten Mahnahmen, mit denen die Polizei die Bildungs- und Aufklärungsarbeit Eurer Jugend verfolgt, ruhig hinzunehmen! Erscheint in Massen in der Protest- Versammlung! « Ja, Bauer, daS ist ganz etwas anderes! In Preu he»-Deutschland sind bekanntlich all« vor dem Gesetz gleich. Und weil dem so ist, wurden die unpolitischen freien Jugend- organisationen aufgelöst mit der Begründung, daß das Organ der proletarischen Jugend, die«Arbeiterjugend", politisch sei. Ange- noarmen. dem wäre so, dann mühte aber bei unseren Gegnern auch mit gleichem Mahe gemessen werden. Wir sind prinzipielle Gegner des§ 17 deS ReichsvereinSgesetzes und sind der Meinung, dah derartige gesetzliche 2kstimmungen der Vernunft und der Gerechtigkeit Hohn sprechen. Doch müssen wir uns dagegen wehren, dah andere ungestraft das tun, was der Ar- beiterjugend verboten ist. Das vom Jungdeutschlandbund und der Deutschen Turncrschaft herausgegebene Matt .Jungdeutschlandpost" bringt in Nr. 11 unter„Ereignisse des Tages" folgende Notizen: Frankreich will, wie die Regierung am Dienstag, den 18. Fe- bruar, bekanntgibt, seine Armee verstärken und fordert dafür vom Volk einen Zuschuh von 57 0 bi S 580 Millionen. Die europäischen Grohmächtc empfehlen am Mittwoch, den IS. Februar, der rumänischen Regierung, sich um ihre Ver- mittlung zu bemühen, bevor Rumänien mit Bulgarien, wie be. fürchtet, Krieg beginnt. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung bekämpften am Donnerstag, den 20. Februar, die Sozialdemokraten ohne Erfolg den Plan des Magistrats, die Hundert. jahrfeier der grossen Zeit durch einen öffentlichen Kirchgang der Behörden zu begehem Die Ausführungen mühten von Rechts wegen, oder wenigstens nach der von der preuhisch-deutschen Justiz beliebten Praxis gegen die Arbeiterjugend, zur sofortigen Auflösung der Deutschen Turner- schaft und des Jungdeutschlandbunies führen. Aber darauf wird man lange warten können, denn— in Preußen-Deutschland sind ja alle Staatsbürger vor dem Gesetze gleich! »» * Auch ein Erfolg des Feldmarschalls der Jungdeutschen. Man schreibt uns aus Stuttgart: Zu einer gewaltigen Demonstration gegen den Jungdeut schlandbund und gegen den Gründer dieser bürgerlichen Jugendorganisation, den Generalfeldmarschall von der Goltz, gestaltete sich die vom Jugendausschuh Stutt» gart hinberufene öffentliche Jugendversammlung am Sonntag, den 2. März. Die Jungdeutschlandbündler hatten für den Sonntag- abend die Liederhalle als Versammlungslokal gewählt, der Jugend- auSfchuh der proletarischen Jugend sicherte sich den Zirkus, der über 3000 Personen saht. Als Redner war Genosse Karl Lieb- knecht gewonnen. Die Stuttgarter Polizei geriet in grosse Erregung. Das vom Jugendausschuh herausgegebene Plakat wurde von der Polizei beanstandet. Der Satz:„Heraus gegen den kapitalistischen Jungdeutschlandbund, gegen die Pfadfinder und sogenannten christlichen Jugendvercine! Heraus gegen alle, die unsere Jugend zur Müllerei und Kriecherei, zum Mordpatriotismus und Klassenverrat erziehen wollen!" hatte die Polizeigemüter nervös gemacht. Sie witterten eine Strahendemonstration. Auch die bündige Versicherung des Vorsitzenden des Jugendausschusses, eine Demonstration sei nicht geplant, konnte die ängstlichen Herren nicht beruhigen. Der Satz mußte überklebt werden. Weiter wurde befohlen, dah für den Zirkus numerierte Karten, nicht mehr als M00. ausgegeben würden, damit eine s i ch e r h c its g« f ä h r- kichc Ueberfüllung vermieden werde. Dem lam der Jugend- ausschuh nach. Die Folge war. dah nicht nur der Zirkus bis zum letzten Platz besetzt wurde, sondern daß noch Dinkelackers Saal mit anschliessendem Garten von etwa 3000 Personen besetzt wurde. Und immer neue Massen strömten zu. Nochmals wurden zwei Säle gemietet, in einer anderen Stadtgegend noch ein dritter Saal hinzugenommen, so dah auhcr dem Zirkus noch vier der größten Säle Stuttgarts besetzt wurden und eine Ver- sammlung unter freiem Himmel stattfinden muhte. Auch das genügte noch nicht, die proletarischen Massen zu fassen. Die unbegreifliche Nervosität der Polizei hat sicherlich zu dem riesigen Besuch beigetragen, aber auch die schmutzige Kampfrsweise der bürgerlichen, insbesondere der„liberalen" Presse, die nicht nur die Polizei und die Behörden scharf machte, sondern auch den Genossen Liebknecht aufs tollste beschimpfte. Um so herz- licher war der Empfang, den die Stuttgarter Arbeiterschaft dem Beschimpften bereitete. Die Versammlungen wurden polizeilich überwacht, die Reden stenographisch aufgenommen. Vor Eröffnung der Zirkusversamm- lung verlangte der überwachende Polizeiamtmann die Entfernung der Jugendlichen unter 18 Jahren. Westmeyer bedeutete dem Amt- mann, dah er sich mit seinem Verlangen an die falsche Adresse richte; Sinberufer der Versammlung sei der Jugendausschuh. nicht die Partei. Zudem sei eS keine politische«erammlung. die Eni- fernung der Jugendlichen werde zu Unrecht verlangt. Wenn der Herr Amtmann aber auf seinem Verlangen bestehe, so möge er sekbrr die Aufforderung ergehen lassen oder seine Konsequenzen ziehen. Die Verantwortung für die Folgen möge dann aber auch die Polizei tragen. Der überwachende Beamte war vernünftig genug, ein unmögliches Verlangen nicht zu wiederholen. Genosse Liebknecht legte in seiner Rede die Notwendigkeit der proletarischen Jugendorganisation dar. Treffend kennzeichnete er den Charakter der bürgerlichen Jugendbewegung, ihre Gründer und Freunde sowie die Ziele des Jungdeutschlandbundes. Seine Aufforderung, die freie Jugendorganisation zu stärken, wurde mit donnerndem Beifall beantwortet. Es sprachen sodann noch Vertreter der dem Jugendausschuh angeschlossenen Arbeitervereine. In den anderen Versammlungen konnte Genosse Liebknecht nur noch kurze Ansprachen halten. Die demonstrativen Versammlungen haben die Jugendorgani- sation mit einem Ruck um ein Bedeutendes vorwärts gebracht und die Erkenntnis der Notwendigkeit des Kampfes der Arbeiterschaft um seine Fugend in vielen tausend Köpfen wachgerufen. Daß er in Stuttgart solch einen durchschlagenden Erfolg er- zielen werde, hat sich Herr Generalfeldmarschall von der Goltz sicherlich nicht träumen lassen. lleber de» verkauf russische« fleische! wird geschrieben: Von Zeit zu Zeit taucht in einigen Tages- zeitunge» immer wieder die Meldung auf, der Berkauf des russischen Fleisches, welchen die Gemeinden Groh-BerlinS durch Ver- Mittelung der Stadt Berlin in die Wege geleitet haben, fei in starkem Rückgang begriffen. Vielfach wird an diese Mitteilung die Bemerkung geknüpft, dah dies auf die Qualität des Fleisches zurück- zuführen sei. Es hat zwar wenig Wert, demgegenüber immer wieder auf die Tatsache hinzuweisen, dah der Umsatz an russischem Fleisch in Berlin schon seit längerer Zeit wöchentlich 3500 bis 1000 Zentner beträgt, sich also durchaus in gleichmähigen Bahnen bewegt; denn von den betreffenden Blättern wird von dieser Tatsache keine Notiz genommen. Aber zu Nutz und Frommen der Sache ist es doch geboten, wiederholt darauf hinzuweisen. ES ist zwar richtig, vah der Verkauf deS russischen Fleisches in ver- schiedenen Vororten zurückgegangen ist. eS scheint dort auch die Absicht zu bestehen, den Verkauf einzustellen. Der Grund für den geringen Absatz dort hat aber nicht an der Qualität gelegen; denn sonst würde er sicherlich auch in Berlin selbst zurückgegangen sein. Der Grund dürfte vielmehr darin liegen, daß man in den meisten Vororten gezwungen war, den Vertrieb deS russijchen Fleisches den Ladcnschlächtern zu überlassen. Diese hatten an einer Hebung deS Umsatzes dieses Fleisches kein Interesse, sollen im Gegenteil, nach Zeitungsmeldungen«S sogar vielfach daraus angelegt haben. ihren Käufern das russische Fleisch nicht nur nicht zu empfehlen, sondern es vielmehr als minderwertig hin- zustellen, um dadurch dem Publikum die Lust zum Kaufen zu nehmen. Auffällig ist, dah jetzt behauptet wird, nur die erste Sendung des russischen Fleisches sei zu verwenden gewesen. Als der Verkauf Ende Oktober vorigen JahreS in die Wege geleitet wurde, hieh es anders. Da wurde über die angeblich„minderwertige Qualität" alles möglid&e behauptet. Alle diese Versuche haben aber in Berlin, wo in 112 Verkaufsstellen in den Markthallen, in zwanzig Läden von Privatschlächtern und in 83 Läden der Konsumgenossen- schaft nur russisches Fleisch verkauft wird, nichts gefruchtet. Dieses Fleisch hat sich vielmehr bei der Berliner Bevölkerung mehr und mehr eingebürgert und die Höhe des Umsatzes beweist, daß die Qualität des Fleisches eine durchaus gute sein muh. Von sachverständiger Seite wird uns versichert, dah man das Rind- fleisch als gute zweite Qualität bezeichnen mutz, während das Schweinefleisch von ganz vorzüglicher Qualität ist. Die Schweine seien mit Kornfutter voll ausgemästet und für die Konsumenten da- durch sehr vorteilhaft, dah das Fleisch und Fett sehr ausgiebig sei Die Verkaufsstellen in Berlin werden jede Woche durch einen Beamten kontrolliert; bisher ist dabei nur einwandfreie Ware vor- gefunden worden." Wir können die obigen Mitteilungen nur bestätigen und die Be- völkerung erneut darauf hinweisen, von der im Jntereffe der breiten Masse getroffenen nützlichen Einrichtung recht regen Gebrauch zu machen._ Partei- 5Zngelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis. Heute Dienstag, abends 8l/3 Uhr, im Hof» jäger-Palast, Hasenheide 52—53; Oeffentliche Versammlung. Vortrag des Genoffen Dr. Alfred Bernstein über: Die Geburten- beschränkung. eine revolutionäre Waffe. Neukölln. Heute abend 8 Uhr findet in KliemS Festsälen, großer Saal. Hasenheide 11, die zweite Aufführung der Operette„Die Fledermaus" von Johann Strauß statt. Billetts a 86 Pf. find noch zu haben: in den Parieispeditionen, Neckarstr. 3 und Siegfriedstr. 28, in den Restaurants von Theodor Gemmecker, Kaiser-Friedrich- Straße 232/33, Fritz Pfeiffer, Hermannstr. 19, Karl Richter, Mahlowcr Straße 7/8, Ecke Weisestrahe, und Nichter, Prinz-Handjery-Str. 3. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet am Mittwoch, abends 3Vz Uhr, bei Glaser in der Kaiser-Wilhelm-Strahe statt. LerUner I�admckten. Schauschtvimme» im Rettungsanzug. Am Sonntag Hot sich den Ausflüglern von Treptow ein eigenartiges Schauspiel. Im Wasser schwammen drei Menschen herum, so bequem und leicht, als sähen sie zu Hause gemüt- lich in der Badewanne oder im weichen Bett. Die Beine lang gestreckt, den Oberkörper ausgerichtet, so ließen sie sich von den Wellen treiben oder schwammen auch gegen den Strom an. Die Füße benutzen sie als Steuer, während sie zum Rudern kleine Ruder(Paddeln) verwendeten und sich so mit überraschender Gewandtheit in dem nassen Element um> horbewcgten. Dabei rauchten sie vergnügt Zigarren und ab und zu stießen sie zusammen und spielten auf überein- ander gelegten Paddeln einen famosen„Lachs". Der Er- findcr. Paul Raschke aus Breslau, der selber mitschwamm. ist ein einfacher Proletarier, und von Hause aus Schneider. Er hat schon mehrere Schwtmmdersuche unternommen, sowohl in Berlin, als auch in der Elbmündung zu Hamburg. Daß man es hier mit einer epochemachenden Echndung zu tun hat, unterliegt keinem Zweifel und die vor aller Augen ausgeführten Demonstrationen bewiesen die Sicherheit und Tragfähigkeit dieses Schwimmanzuges. Derselbe ist aus Gummistoff, bczw. Ballonstoff hergestellt und besteht aus einem Stück. Er hüllt den Körper weit und schlotternd ein. läßt ihm aber auch zugleich die volle Bewegungsfreiheit. so daß der betreffende Schwimmer auch an Land steigen und sich ungezwungen bewegen kann. Ein Gürtel in der Form wie die Rettungsringe, der mit einer ölhaltigen Wolle angefüllt ist, bewirkt, daß der Schwimmer aufrecht sitzen kann, ohne zu ermüden. Tatsächlich haben die Schwimmer denn auch schon drei und mehr Stunden auf dem Wasser zu- gebracht. Einer der Hanptvorzüge dieses Schwimmanzugcs ist jedoch seine vollständige Jsolationsfähigkeit gegen Wasser und Kälte. Während am Sonntag die Zuschauer schon nach kurzer Zeit durch und durch gefroren waren, konnte die Kälte den im Wasser Schwimmenden so gut wie gar nichts anhaben, und sie selbst erklärten, als sie mal auf kurze Zeit an Land kamen, um eine Erfrischung einzunehmen, daß sie schnell wieder ins Wasser müßten, da es ihnen„draußen zu kalt" sei. Diese Erfindung, die ja allerdings auch noch weiter verbessert werden kann, scheint tatsächlich berufen, bei Katastrophen auf dem Wasser in segensreicher Weise zu wirken. Haben doch selbst schön Fachleute dem Erfinder bestätigt, daß wir ein „Titanic"-Unglück in solchem Umfange wenigstens nicht zu ver- zeichnen gehabt hätten, wenn dieser Anzug schon damals vor- handen gewesen wäre. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß ein anschlägiger Kopf aus dem Volke neben dem Kampfe um die Existenz auch noch Zeit findet, sich mit Problemen zu befassen, deren Lösung viel Unglück und Herzeleid verhüten kann. Wir wollen einmal sehen, wie die maßgebenden Kreise sich gegenüber dieser Er- findung verhalten und ob man für die Rettung von Menschenleben auch nur den tausendsten Teil an Geldmitteln übrig hat und anzuwenden geneigt ist, die man für die Menschen- schlächterei und Mordwerkzeuge mit vollen Händen hinaus- wirft._ Von der Geburtcuminderung in Berlin. Die Geburten hatten sich im Jahre 1912 weiter gemindert. Für das Jahr 1913 wird vielleicht mancher einen Umschwung erwarten, weil in 1912 die Eheschließungen sich in Berlin gemehrt haben. Einstweilen hat aber der Januar 1913, über den jetzt die Zusammenstellungen desBerlinerStatistischcnAmts abgeschlossen vorliegen, eine weitere und sehr beträchtliche Abivärtsbewegung der Geburtenziffer ge- bracht. Im Januar 1912 waren hier 1977 Kinder geboren worden, 3926 lebend und 15l tot, im Januar 1913 dagegen wurden nur 3898 Kinder geboren, 3664 lebend und 144 tot. Wäre die Geburtenhäufigkeit für die ganzen Jahre 1912 und 1913 so wie im Januar, dann ergäbe das(bei Einrechnung der Totgeborenen) pro 1999 Personen der durchschnittlichen Bevölkerung 23,97 Geborene in 1912, aber nur noch 21,39 Geborene in 1913. Das ist kein Anfang, den man„viel- versprechend" nennen könnte. Daß auch der Februar wieder mit einem geringeren Ertrag als das vorhergehende Jahr ab- geschlossen haben wird, lassen die vorläufigen Meldungen schon jetzt erkennen. Der Müggelsee hat am Sonntag den Ausflüglern noch einmal eine unverhoffte Freude bereitet. Spiegelblank glänzte seine Eis- fläche vom Müggclschlöhchen bis nach Rahnsdorf. Nur an der Friedrichshagener Fähre war offenes Wasser. Dazu blinzelte Mutter Sonne gar vergnüglich auf den Menschenstrom der Zwilchen Rübezahl und dem Müggelschlöhchen hin- und herwogte und von dem gar mancher die spiegelglatte Fläche mit seines Leibes Länge messen muhte. Zu den wenigen Segelschlitten gesellten sich einige wohl besonders gut informierte Besucher, die ihre Fußeisen mitgebracht hatten, während das eigentliche Heer der Schlittschuhläufer fehlte. Auf dem Langen See dagegen war die Eisdecke zerschnitten und auch sonst zum Tragen zu dünn._ Echt freisinnig k Nachdem in der letzten Sitzung das Obdachkuratorium sich mit dem Obdacherweiterungsbau beschäftigt und diesen einstimmig beschlossen hatte, wurde die schon in drei Sitzungen verhandelte Frage der dauernden Etablierung des Geschlechtskranken- Hauses für Prostituierte im städtischen Obdach nochmals besprochen, d. h. soweit man überhaupt von einer Besprechung reden kann. Denn nachdem die Bauräte ihren Plan nochmals erläutert hatten. führten die sozialdemokratischen Mitglieder alles das an, was das Kuratorium veranlaßt hat, seit niehr denn zwanzig Jahren die Entfernung der Geschlechtskrankenstation aus dem Obdach zu verlangen und zwar stets einstimmig. 26 Jahre ist die Geschlechtskrankenstation im Obdach»vorübergehend" untergebracht. Jetzt hat nun eine Magistratskommission ausgeklügelt, dah die Stadt anderthalb Millionen angeblich sparen kann, wenn die Station im Obdach so ausgedehnt wird, dah sie etwas über ein Drittel des ganzen Vorderhauses einnimmt. Dreimal hat auch diesen Plan daS Kuratorium einstimmig abgelehnt, jetzt sprach außer den Sozial- demokraten kein Mensch, aber— dann stimmten ohne ein Z�ort derBegründung bis aufeinen allesürden Magistratsantrag! Es geht doch nichts über freisinnige— Standhaftigkeit. Bis zur Vorlage in der Stadtverordnetenversammlung finden sie hoffent- lich eine Begründung für ihren Umfall I Die mindcrwertigcil Leistungen der Polizeihunde sind jetzt in einem VereinSvortrage von einem klassischen Polizeizeugen bestätigt worden, nämlich dem Leiter der staatlichen Zucht- und Dressuranstalt für Polizeihrinde, Polizeileurnant Most. Es konnte ja auch gar nicht anders kommen, da fast schon jeder'Polizeidiencr sich zum Dresseur berufen glaubte und plötzlich Hunderte von ruppigsten Kötern sich in Hundegenies mausertcn. Reckil abfällig sprach sich der Redner auch über daS falsche Bild der' Vorführungen bei PreiSveranswlrungen auS, da hier bewußt oder unbewußt Beeinflussungen stattfänden. Die polizeifromme Presse lobte bekanntlich bisher bit Polizeihunde, wohl auch auf Beeinflussung, bis in die Puppen. Wir haben ja schon immer behauptet, daß hier unseren Polizeigenies wieder mal Vorschußlorbeer gewunden wurde. Schutzleute als Bodengefahr. Man schreibt unS: Es kommt jetzt in Berlin häufiger vor. daß zu mitternächtiger Zeit aus den HauS- böden Diebesjagden durch Schutzleute veranstaltet werden. Woher nehmen nun die Beamten im Dunkel der Nacht die erforderliche Be- leuchtling? Bei einer solchen kürzlich stattgefundenen Jagd beobachtete ich, daß Schutzleute den Boden mit einem offen brennenden Stearin- licht. und einer gewöhnlichen Tischlampe betraten. Beide Be- leuchtungsgegenstände hatten sie von Hausbewohnern entliehen. Wie leicht kann da der Boden in Flammen aufgehen! Nichts ist doch gefährlicher als im Zugwind deS Bodens ein ungeschütztes Licht. Ich stelle mir auch die Möglichkeit vor, dah der verfolgte Einbrecher dem Beamten das Licht aus der Hand schlägt, die Lampe explodiert- und das brennende Petroleum im Umsehen die Aodenverschläge ersaht. An jeder. Vorbodentür sind amtliche Blechschilder angebracht, wonach das Beirrten der Böden mit offenem Licht unter strenge Strafe gestellt wird. Soll eS der Polizei erlaubt sein, gegen die eigenen Bestimmungen zu handeln, mit schlechtem Beispiel voranzugehen und da? HauS in nicht geringe Gefahr zu bringen? Und warum haben die uniformierten Schutzleute bei solcher Hätz, wenn sie de» Boden betreten, nicht sichere elektrische Blend- latenten Bei sicki? Damit find alle Kriminalbeamten auZgerüsiet, aber meines Wissens ist mindestens ein Lxemplar auch auf jeder Polizeiwache vorhanden.___ Automobilunglück bei Hennigsdorf. Ein unerhörter Bubenstreich, der dem 45 Jahre alten Juwelier Rudolf Plunz aus der Brunnenstratze 81 und seiner gleichaltrigen Frau das Leben kostete, ist am Sonntagabend in der Gemarkung des Dorfes Marwitz in der Gegend von Hennigsdorf verübt worden. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurden gestern zwei polnische Arbeiter verhaftet, während ein dritter noch gesucht wird. Die Buben spannten ein Drahtseil über die Chaussee und verursachten dadurch ein entsetzliches Automobilunglück. Der Juwelier Plunz lebte seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt. Sonntag versöhnte und vereinigte er sich wieder mit ihr, und aus diesem freudigen Anlast machte die Familie am Nachmittag mit dem Kraftwagen den Plunz seit längerer Zeit besitzt, einen grötzereu Ausflug. Mit der Familie fuhr in seinem Wagen der Automobil- Händler Janke aus der Brunnenstr. 103, der seinen 11 Jahre alten Sohn Paul mitnahm. Die Fahrt ging noch der Gegend des Wandlitzsees. Um Vz3 Uhr verliesten beide Wagen Berlin. Auf dem Rückwege fast neben Plunz, der seinen Wagen steuerte, seine 17 Jahre alte Tochter Anna. Hinter beiden fasten Frau Plunz und neben ihr die 19 Jahre alte Tochter Else. Der Plunzsche Wogen fuhr voraus. Janke folgte in einem kurzen Abstände. Kurz nach Ä Uhr erreichte man die Gemarkung Marwitz, etwa 4 Kilometer diesseits von Hennigsdorf. Die Chaussee ist auf eine lange Strecke auf beiden Seiten von Wald eingesäumt. Dann kommt auf der einen Seite unbewaldetes Moorland. An dieser Stelle hatten nun Buben ein zoll- starkes Drahtseil quer über die Cbaussee gespannt und auf beiden Seiten in ungefähr 2 Meter Höhe an den Chausseebäumen befestigt. Das Seil war in der Dunkelheit auf grösserer Entfernung nicht zu sehen. Plunz scheint es auch im Licht der Wagenlaternen nicht ge- sehen zu haben, während die neben ihm fitzende Tochter es im letzten Augenblick wahrnahm. Fräulein Plunz konnte nicht mehr warnen, bückte sich aber schnell, um, mit der Einrichtung des Auto- mobils vertraut, die Zündung abzustellen. Hierdurch entging sie dem sicheren Tode. Ehe der Wagen zum Stehen kam, rannte er in voller Fahrt gegen daS Drahtseil. Dieses schlug infolge seiner Schwere in der Mitte herabhängend, gegen den Knopf des Kühlers. Der Knopf brach glatt ab. Das jetzt gestraffte Seil traf Plunz am Kopf, zerfetzte ihm das ganze Gesicht und warf ihn mit solcher Ge- Walt auf seinen Sitz zurück, dost er sich das Rückgrat brach. Dann sprang es aus Frau Plunz und ihre Tochter Else über. Der Frau zerschmetterte es den ganzen Unterkiefer, die Tochter verletzte es weniger schwer am Halse. Beide flogen aus dem Wagen heraus. Frau Plunz fiel so unglücklich, dast sie sich eine schwere Gehirn- erschütterung zuzog und aus Mund und Nase blutend besinnungslos liegen blieb. Ihre Tochter kam mit weniger schweren Verletzungen davon. Die gerettete jüngere Tochter, die ganz unversehrt blieb, hatte, nachdem der Wagen durch das Abstellen der Zündung zum Stehen gekommen war, trotz der furchtbaren Lage die Geistes- gegenwart, den nachfolgenden Jahnke durch laute Zurufe zu warneu, o dast er sein Gefährt noch vor dem Seil zum Stehen bringeil konnte. Janke holte mit seinem Wagen aus Hennigsdorf gleich Hilfe und benachrichtigte den Gemeindevorsteher Weidner, der dann das zuständige Amt Velten von dem Anschlag in Kenntnis setzte. Der Arzt Dr. Steuloff, der mit der Samariterkolonne erschien, konnte bei Plunz nur noch den Tod feststellen. Die Frau gab noch schwache Lebenszeichen von sich, verschied aber auch nach kurzer Zeit. Die Leichen wurden nach der Friedhofshalle in Hennigs- dorf gebracht. Die verletzte Tochter wurde in der Gastwirtschaft von Wolter in Hennigsdorf verbunden und dann nach dem Lazarus- , Krankenhaus in Berlin übergeführt. Amts- und Gemeindevorsteher alarmierten sofort die Gendarmerie und die Polizei. Auf umfang- reichen Streifen suchte man festzustellen, wer sich in der Gegend und in der Nähe der llnglücksstelle aufgehalten hatre. Die Nachforschungen blieben zunächst erfolglos. Später gelang e-Z aber zu ermitteln, dast drei polnische Arbeiter auf der Chaussee gesehen worden waren. Nähere Feststellungen waren im Laufe der Nacht nicht mehr möglich. Gestern iir aller Frühe erschienen Staatsanivalt Krause und Kriminalkommissar Peters vom Berliner Polizei- Präsidium mit mehreren Beamten und einem Diensthund. Der Hund nahm eine Spur auf. Der Regierungspräsident von Potsdam erlästt über den An- schlag folgende Bekanntmachung: „Am 2. März, abends 8 Uhr. ist ein fingerdickes Drahtseil zwischen zwei Bäumen an der Chaussee Marwitz-Hennigsdorf von un- bekannter Hand gespannt worden. Zwischen 8 und 8,15 Uhr fuhr das Automobil des Juweliers Rudolf Plunz aus Berlin an die be- zeichnete Stelle. Durch den Anprall gegen das Automobil sind die Insassen, Plunz und seine Frau, sofort getötet und eine seiner Töchter schwer verletzt worden. Wie ermittelt wurde, ist das Seil am 19. Februar 1913 auS dem bei Marwitz belegenen Tonwerk der Firma August Burg A.-G. gestohlen worden. Alle Personen, welche über den Diebstahl des Drahtes und dessen Aufbewahrungsort während der letzten zehn Tage, sowie über die Urheber des verbrecherischen Anschlages Aus- kunft geben können, werden ersucht, sich an die Staatsanwaltschaft oder die Kriminalpolizeit zu wenden. Der Regierungspräsident von Potsdam." Der Tatort mit seiner Umgebung wurde gestern nachmittag von Beamten des Berliner Polizeipräsidiums in allen Einzelheiten aufgenommen. Auch die Leichen des Juweliers Plunz und seiner Frau wurden in der Fricdhofshalle photographiert. Die Bilder sollen der weiteren Aufklärung des Verbrechens und auch zur Er- lauterung bei einer etwaigen Gerichtsverhandlung dienen. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist gestern vormittag der 50 Jahre alte Fensterputzer Johann Lcmble aus der Blumenstr. 33. Beim Putzen an der Königlichen zahnärztlichen Klinik in der Ziegel- straste hielt er sich im dritten Stock ani� Fensterkreuz fest. Plötzlich glitt er ab, verlor den Halt und fiel auf das Dach eines einstöckigen Anbaues und von dort aus einen Sandhaufen hinab. Er zog sich eine Gehirnerschütterung� und schwere innere Verletzungen zu und wurde nach der Charito gebracht, wo er bedenklich daniederliegt. Der Verunglückte ist verheiratet und Vater von drei noch schul- Pflichtigen Kindern. Uebrr eine Äohlcngasvcrgistung wird aus der Jerusalemer Straste berichtet. Auf dem Grundstück Nr. 65/60, auf dem ein Neubau er- richtet wird, wurde im Keller der 52 Jahre alte Bauwächter August Melzow auS der Pflugstr. 4 tot aufgefunden. Aus der Feuerung war Kohlengas entströmt und hatte ihn betäubt. Als gegen 9 Uh der Heizer die Anlagen im Keller aufsuchte, fand er den Wächter tot daliegen. Er rief sofort einen Arzt herbei, der aber nur noch den Tod infolge Vergiftung feststellen konnte. Ohne Zweifel liegt ein Unglücksfall vor. Gebrüder Herrnfeld-Theatcr. Alles hat seine Zeit. Auch die Judenschwänke setzen„Speck" au. Das heistt: den Dichterdioskure» Donat und Anton scheint Neues nicht mehr leicht einzufallen t denn ihr einst andauernd belachtes Zugstück„Haifisch geht auf Jagd" guckt den„Schonzeitjägern" recht vertraulich über die Schulter. Als Gegenstück zu ihren beiden Rollen haben sie jedoch eine süd- deutsche.Bauernkomödie" in die Handlung hineinkomponiert. Der reiche Bauer verwehrt seiner Tochter Loisl den arnten Toni. Er schwört, ihn totzuschiehen, wenn er sich noch einmal blicken lästt. Damit der Alte kein Unheil anrichtet, tut ein Freund Tonis eine Platzpatrone in den Flintenlauf. Weil der Bauer ein für allemal von seinem Hast kuriert werden soll, so hetzt ihn eben der besagte Freund auf Toni, als der„kammerfensterln" kommt— ein Schust und der Toni fällt„mitten durchs Herz" getroffen zu Boden. Natürlich ist das bloss Komödie, in der übrigens die beiden«stadt- fräcke Mundi Zahnwurzel(Donat Herrnfeld). Antonias Nowracek (Anton Herrnfeld) die gefoppten Zahlanjuste sind, weil sie den zahmen Hasen der LoiSI„derschoss'n" haben. Wenn die Ver- treter der bäuerlichen Typen, statt ewig ins Parterre hinein- zumimen, und dem Publikum durch Gesten zu bedeuten, dast doch bloss„Spasteln" getrieben werden, wirklich tragisch spielten, würde natürlich die Komik weit drastischer hervortreten, als das jetzt leider der Fall ist. Die gebrüderlichen Hauptdarsteller wirken wie immer zwerchfellerschütternd, ohne indessen etwas Neues zu zeigen. Trotzalledcm:— DaS„Schonzeit- Jäger- Waldidyll" gibt übergenug Gelegenheit zum Ikachett. Und da in dieser infolge Auspowerung des Volkes durch die preustischen Vieh- und Krautjunker erschwerten Zeit das Lachen immer seltener zur Betätigung kommt, so ist der Neuheit deS Herrnfeld-Theaters eine längere Lebensdauer zu prophezeien. Voraus ging ihr, gleichfalls zum ersten Male, eine pikante dialogisierte Plauderei„Liebes- probe" von Ernst Klein, in der Martha M e y e r h o f e r als verführerisch schöne Witwe und Artur Franzetti als schwerenöterhafter Marineleutnant ihr neckisches Spiel treiben. Vorort- Nacbncbten* Rotkoller oder Jubiläumsrausch? Das Oberhaupt der Stadt Teltow, Herr Bürgermeister Palleske, macht wieder einmal von sich reden. Der Ruhm der Jubiläumsbyzantiner scheint Herrn PalleSke mit einem gewissen Neid erfüllt zu haben; kein Wunder, wenn er als Stadtoberhaupt von „Teltow-Berlin" in seinem Amtsblättchen, der„Teltower Zeitung", seine Bürger zu einer ernsten Erinnerungsfeier an die grosse Zeit vor hundert Jahren einladet. Das, was Herr Palleske in diesem Aufruf zum besten gibt, ist so interessant, dast wir nicht umhin können, einige Stilblüten, soweit sie gegen die Sozialdemokratie ge- richtet sind, hier wiederzugeben. Allem Anschein nach hat auch die Redatiion des Blättchens ihre eigenen Gedanken über die Palleske- schen Stilübungen gehabt, denn sonst könnte man es nicht begreifen. dast sie Herrn Palleske mit seinem Herzensergust gerade unter jene Rubrik verweisen konnte, unter der die Redaktion nur die Press- gesetzliche Verantwortung übernimmt. Nachdem daS Teltower Oberhaupt einem zu veranstaltenden Feldgottesdienst als einer geeigneten Erinnerungsfeier anjene ernste grosse Zeit das Wortgeredet, führt es fort: „Dann mögen sie kommen,- woher sie wollen, die Feinde von aussen, die Feinde von innen, welch letztere vielleicht in der Stunde der Not noch ihren Herrgott erkennen werden, von dem sie jetzt nichts wissen wollen, dann wird ihre Macht zerschellen und zer- rinnen, wie die Woge am Felsgestein, sie brandet wild empor, aber ruhig ebbt sie zurück, dann wird unserem Volke die Schande und Schmach erspart bleiben, ein so widerwärtiges, ekel- erregendes Schauspiel wieder zu sehen, wie es die Stadt- Parlamente in Berlin und Schön eberg soeben haben erdulden müssen, die Sozialdemokraten glaubten, das Gedenken au des preustischen Vaterlandes weihevollste Stunde und die Er- innerung an die erhebendste Bewegung unseres GesamtpreustenvolkeS zu schänden und zu erniedrigen und erniedrigten und schändeten doch nur sich selbst in dem Brandmal der VaterlandSschändung und alleS dessen, was uns hoch und heilig ist und unseren Vätern war, was Preusten groh gemacht hat. DaS sei unsere Jahrhundertfeier, das sei unser Erinnerungs- fest! Vielleicht, dast in diesem Sinne die Feier von der inast- gebenden kirchlichen Stelle aufgenommen wird und dast ich hiermit im Geist unserer braven bis ins Mark königstreuen und vaterlandsliebenden Tellower, an dem auch der innere Feind mit seinen unwahren und unreinen Machenschaften nichts ändern wird, ge- sprachen habe." Es scheint, als ob Herr PalleSke an der falschen Stelle sitzt. Ein Mann mit so hervorragendem Talent, den sogar noch eine gewisse Tatkraft im Kampf gegen den inneren Feind auszeichnet, sollte doch mehr Gelegenheit haben, sich zu betätigen, anstatt in einem kleinen Städtchen ein bescheidenes Dasein zu fristen. Tchöneberg. Die Einsiellting des Verkaufs städtischen Fleisches haben die Schöneberger Fleischer mit 30 gegen nur 2 Stimmen beschlossen. Datnit haben die Herren öffenttich nur das zum Ausdruck gebracht, was bei ihnen im geheimen schon längst beschlossene Sache war. lim jedoch bei dem kaufenden Publikum rein dazustehen, musttc die Qualität deS Fleisches sowie die Fleischabgabe an die Konsum- genossenschaft herhalten. Die wahre Ursache ist, dast es einer Anzahl Fleischer schon lange ein Dorn im Auge war, dast eine Kontrolle darüber geübt wurde, ob auch die vereinbarten Bedingntigen inne- gehalten wurden. T»s sonst so gepriesene Interesse der Fleischer an dem ausländischen Fleischbezug ging soweit, dast kürzlich an vierzig Viertel keinen Abnehmer fanden; jetzt erst sprang die Konsum- genossenschaft ein, die in der Vorbergstr. 8 einen Laden mietete, daS von den Fleischern verschmähte Fleisch reistend absetzte und die Stadt dadurch vor grossem Schaden betvahrte. Der Obermeister Hesse, Akazicnstraste, der auch ab und zu Fleisch von der Stadt entnahm, verurteilte e§, dast die Kollegen den Verkauf überhaupt erst über- nommen hätten. Der bei dem Publikum und ganz besonders in der Arbeiterschaft bisher vorhandene Mistmut über das bisherige Ver- halten einiger Fleischer dürfte durch den von den Fleischermeistertt gefastten Beschlust nur noch gesteigert werden. Steglitz. Die Landtagsersatzwahl im 22. UrWahlbezirk, die gestern statt- fand, endete mit der Wahl eines sozialdemokratischen Wahlmannes, der von 65 abgegebenen Stimmen 35 aus sich vereinigen konnte. Tempelhof. Tic in der vorigen Woche jätt abgebrochene Etntsberatung konnte auch in der letzten Sitzung nicht zu Ende geführt werden, obgleich dieselbe bis in die tiefe Abendstunde dauerte. Als das Torfparlament noch soziakistcnrein war. ging die Durchpeitschung des Voranschlages in einer knappen Stunde von statten. Jetzt werden die Debatten von unseren Genossen beherrscht und diese haben vieles nachzuholen, was die bürgerlichen Vertreter versäumt haben. Ter Etat, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 1 608 000 M. balanciert, weist an K r e i s st e u e r n 193 400 M. auf; hinzu kommt noch die Sonderbelastung durch den Teltowkanal mit 28 600 M. Es ist demnach ein Mehr gegenüber dem Vorjahre von 35 000 M. zu verzeichnen. An Gehältern für die Amts- und Gemeindeverwaltung sieht der Etat 243512 M. oder ein Mehr von 60 899 M. vor. Wäh- reud die Etatskounnission die Gehaltszulagen bei den oberen Ae- amten ziemlich reichlich bemessen hatte, wurden die niedrigeren Stellen nur mit geringen Zulagen bedacht, manche sallen sogar ganz aus. Genosse Schmidt verlangte, daß die Untcrbcanttcn nicht zurückgesetzt werden und bat mn Auskunft über die Bezahlung der Hilfskräfte, für welche 30 000 M. l'7000 M. tnehr) festgesetzt seien. Ihm wurde vom Vorsteher erwidert, dast man hier nach Angebot und Nachfragc besolde. Es handle sich um sunge Leute, die in der Ausbildung begriffen seien und deren Besaldung 720 bis 1680 M. betrage; im übrigen könnte jeder Angestellte, wenn er sich hier nicht wohl fühle, wo anders hingehen. Nachdem der Borsteher das Ver- sprechen gegeben, daß man sich der Unterbeamten baldigst erinnern werde, wurden die Aufbesserungen gegen vier bürgerliche Stimmen angenommen. Genosse Schmidt nahm sich nunmehr der zahlreichen Wünsche der G e in e i n d e a r b e i t e r an, die seit 1908 ständig uttbeachtei in den Papierkorb gewandert sind. Dieselben fordern einen Anfangslohn von 4,59 Vi., neunstündige Arbeitszeit, zwei- stündige Ruhepause, Ferien: im dritten Jahre 5, im firnsten Jahre 7, im siebenten Jahre 10 und im zehnten Jahre 14 Tage, ebenso erhöhte Bezahlimg der Sonntagsarbeit, auch wenn diese länger als drei Stunden dauert. U. a. erwähnte unser Redner, daß die Ar- beitcr am Ende jeder Woche ihren Lohn erhalten sollten und dast die ständigem Witterungswechsel ausgesetzten Arbeiter mit einer Ersatzhose versorgt werden müßten.— Der Gemeindevorsteher erwiderte hierauf, daß sich die hiesigen Guneindearbeiter besser ständen als in einer Anzahl anderer Gemeinden. Bei einem Tages- verdienst von 4,25 M. sei ein hinreichendes Angebot vorhanden. Die Anträge in bezug auf Erhöhung des Tagelohnes auf 4,50 Di. und Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden wurden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. DieArbeiter erhalten demnach bei 10stündtger Slrbeitszeit im ersten und zweiten Jahre 4,25 Mk., im dritten und vierten Jabre 4,55 M., im fünften und sechsten Jahre 4,80 M., vom siebenten Jahre ab 5,60 M. An Ferien sollen ge- währt werden im vierten Dienstjahre drei Tage und jedes weitere Jahr einen Tag mehr, bis zum 11. Jahre 10 Tage. Bei dem Gehalt des Vorstehers Wiesener(10 000 M.) übte Ge- nasse Schmidt Kritik an dessen Amtsführung. Wohl sei die Amts- daüer noch eine sehr kurze und man könne eigentlich noch nicht ein Urteil fällen. Bedauerlich finde er aber, daß Wiesener während dieser kurzen Zeit sich hergegeben habe, das schlechteste aller Wahl- gcsctze noch mehr zu verschlechtern. Ganz abgesehen davon, daß er keinen Versuch unternommen habe, für unsere Gemeinde die Fristwahl zu fordern, habe er die Wahlzeit für den größten Teil der Wähler zu einer so ungünstigen Zeit angesetzt, dast für diese die Ausübung des Wahlrechts nur unter Verlust des ganzen Arbeits- tagcs möglich gewesen war. Mit aller Entschiedenheit wurden von unserem Genossen Miß- stände der�t a n a t i s a t i o n gerügt. Die Entgegnung des neuen Gemcinde-Tiesbauineistcrs hieraus zeitigte- eine scharfe Ausein- audersetzung. Während damals, so wurde betont, die Stelle mit der Hoffnung auf Besserung in der Kanalisation bewilligt worden sei. damit der Gemeinde unnötige Kosten bei den Hausanschlüssen er- spart werden, wolle man jetzt an dem alten System kleben bleiben. Es sei unerhört, daß z. B. nach den Stutzen gesucht weichen müsse, weil die Zeichnungen im Baubureau nicht stimmen oder gar nicht vorhanden sind! Ter Antrag der sozialdemokratischen Fraktion. alle Arbeiten über 100 M. im Submissionswege zu vergeben und die .fiausanschlüsse in eigene Regie zu übernehmen, wurde abgelehnt. Tie bicsigen Gewerbetreibenden sollen in erster Reihe bei Arbeiten berücksichtigt toerden, wenn sie nicht teurer als auswärtige Unternehmer sind. Der Antrag, die tariflichen Löhne bei Gemeinde- arbeiten zu bezahlen, wurde der Kammission iibertoieseit.— Ein Autrag unserer �Genossen, bei dem Umbau der Pumpstation gleich- zeitig einen Desinfektionsraum zu schaffen, wurde als Ma- terial überwiesen. Die amtlich angeordnete Desinfektion soll bis zu einem Einkommen von 5000 M. kostenlos geschehen. Bemerkens- wert war die Aeusterung des Dr. Richter, der auf die mangelhatic Desinfektion hinwies. Beim Kapitel Volksschulen wurde hervorgehoben, dast aus harmlosen Landpartien sich in letzter Zeit Kriegsspiele mit den Kindern gebildet hätten, wobei sich„zufällig" Offiziere eingefunden und die Lehrer ausgeschaltet hätten. Vorgekommen sei auch, wie Schmidt erwähnte, daß Lehrer vor den Sozialdemokraten graulich gemacht haben. Die Lehrer sollten das Politisieren hinter der Schulmauer unterlassen.— Trotzdem der Schularzt schon zivei Jahre amtiert� ist bis heute noch nichts über seine Tätigkeit bekannt. Genosse Schmidt wies auf die große Bedeutung solcher Berichte hin; er wurde hierbei von Dr. Richter unterstützt, weil der Vorsteher den Wert von«schularztberichtcn als unwesentlich be- zeichnet hatte. Neukölln. Die Generalversammlung des ElteruvereinS für Sport und Wandern findet nicht am Mittwoch, sondern am Donnerstag, den 6. März, abends 8'/., Uhr, bei Tabbert, Steinmetzstraste, statt. Trevtow-Baumsckzulenwsg. Im Vordergrunde des Interesses der letzten Gemeindevertreter- sitzung stand die Beratung der Gebrauchs- und Gebührenordnung für die neu errichtete Feuerbestattungsanlage. Treptow ist bekanntlich die erste Landgemeinde in Deutschland, die eine solche besitzt. Die Ingebrauchnahme dürfte im April oder Mai erfolgen können. Der von der Friedhosskommission vorberatene Entwurf enthält in erster Linie die durch daS Gesetz und die ministe- riellen AuSführmtgsbeftimmungen erforderlichen Bedingungen. Tie wichtigsten find: Die amtsärztliche Bescheinigung über die Todesursache, die Bescheinigung der Polizeibehörde des Sterbe- oder Wohnortes, dast Bedenken gegen die Feuerbestattung nicht be- sieben, sowie der Nachweis, dast der Verstorbene die Feuerbestattung selbst gewünscht hat.(Am besten durch eine selbstgeschriebcne letzlwillige Verfügung.) Weiter ist vorgesehen, dast die Gemeinde einen Ueber« sarg für die Trauerfeier in der Krematoriumshalle zur Verfügung stellt. Die Beobachtung des Einäscherungsvorganges, die in einigen süddeutschen Krematorien bedingt gestattet ist, wird nicht zugelassen, doch können bis zu drei erwachsene Angehörige des Verschiedenen der Einführung des Sarges in den Emäschermtgsraum beiwohnen. Die Beisetzung der Aschenreste in den von der Ge« meinde gelieferten Melallurnen soll in der Regel im Urnen- Hain oder auf den Urnenfeldern des Gemeindefriedhofes erfolgen. Auf Wunsch veranlaßt die Friedhofsverwaltung die lieber- führung der Urnen nach anderen Bestattungsanlageii. Die Beisetzung kann aber auch auf unbelegten Grabstellen deS für Erdbegräbnisse vorgesehenen Teiles des Friedhofes erfolgen. Auf einer solchen Grabstelle oder einer(weit kleineren) Urnengrabstelle dürfe» aber bis zu vier Urnen einer Familie beigesetzt werden. Die Gebühren» ordnung rechnet mit einer Durchschnittszahl von 120 Einäscherungen pro Jahr und kommt damit auf die Selbstkosten einer Bestattung von 40 M. Die Plätze für die Beisetzung der Unten sollen kosten: im Urnenhain für 1,50 Quadratmeter im mindesten 150 M. Wahlstellen(1,35 Quadratmeter) 45 M. und Reihenstellen(0,60 Quadratmeter) 5 M. Für die Eingrabung der Urnen wird je nach der Art des Platzes eine' Gebühr von 20, 15 und bei den ReihensteUen 3 M. erhoben. Die Kosten der Feuerbestattung be» tragen ionach insgesamt: bei Beisetzung im Urnenhain 210 M., auf Wahlstellen 100 M. und auf Reihenstellen 43 M. Die ersten beiden Sätze sind der Ecdbestattung gleich, der letzte Satz ist um 13 Pi. höher... Da das Gesetz leider zurzett eine weitere Verbilligung unmög- lich erscheinen läßt, bemühten sich unsere Genossen, wenigstens für die untere Klasse eine Erinästtgung der sonstigen Kosten herbei- zuführen und beantragten deshalb, die zweite bis vierte Beisetzung auf der gleichen Grabstelle gebührernrei zu lassen, während der Ge- meindevorstand hierfür in allen Klassen die gleichen Sätze wie bei der ersten Belegung erhoben wifieii wollte. Schließlich gelang eS, nach langem Widerstreben einen Befchlust durchzudrücken, wonach bei Reihen- stellen die loeitere Belegung nur 2 M.(statt 5) kostet. Ferner sagte der Gemeindevorsteher auf das Drängen unserer Genossen zu. die Stellung eines Ueberiarges für den Leichentransport durch die Ge- meinde in Ausficht zu nehmen, da hierdurch die Verwendung billigerer Särge ermöglicht wird. Ueber die neue Bestattungsart soll ein„Merkblatt" mit den erforderlichen Auftlärmtgen verbreitet und in der ersten Zeit dih Besichtigung der Anlagen freigegeben werden. Unsere Genossen forderten die dauernde freie Besichtigung zu bestimmten Zeiten und betonten im übrigen ihre grundsätzliche Forderung der unentgeltlichen Tolenbestattung. die sich hier leider dur» die reaktionären Vorschriften deS Feuerbestattungsgesetzes nicht erfüllen lassen. Zu einer lebhasten Auseinandersetzung mit den bürgerlichen Ver» tretern führte sodann der Antrag des Gsmemdevorstandes auf Be- wMgung von 200 M. su einer Stiftung des Veröandes größerer preußischer Landgemeinden anläßlich des LSjährigen Regierungs jubiläunrs des Kaisers zur Unterstützung von Kriegsveteranen. Namens unserer Vertreter betonte Genosse Kißner die grundsätzliche Auffassung unserer Partei, wonach die Veteranenfiirsorge dem Reiche zukomme und nicht nur gelegentlich bei höfischen Veranstaltungen geübt werden dürfe. Die Sozialdemokraten seien trotz ihrer grund- lätzlichen Abneigung gegen den Krieg stets bereit, das Los der Veteranen zu erleichtern, da aber weder der Anlaß geeignet sei noch diese Art Stiftungen eine Garantie böten, daß ihr Ertrag ohne Ansehen der politischen Ueberzeugung verteilt würde, lehnten unsere Vertreter die Summe in dieser Forin ab und beantragten einen gleich hohen Betrag den Treptower Veteranen direkt zukommen zu lassen. Den bürgerlichen Herren lag aber diesmal gor nichts an den armen Veteranen, sie wollten ja nur ihre„gute Gesinnung" billig bekunden. So kam denn der Vorstandsantrag gegen die Stimmen unserer Genossen und des Demokraten Kröbel zur An- nähme. Ein weitergehender Antrag des letzteren, 1000 M. für Treptow direkt zu verwenden, verfiel der Vertagung, um erst die Ausdehnung einer anderen Veteranenunterstützung auf Treptow ab zuwarten.— Die Bewilligung einer Beihilfe für die freiwillige Feuerwehr gab Anlaß. für die Feuerwehrleute die Bezahlung der Zeil bei nächtlichen Alarmierungen zu fordern. Der bisherige Zustand ist unhaltbar geworden. Der An- regung soll nachgegangen werden; es wäre dringend zu hoffen, daß bei der demnächstigen Etatsberatung dafür Mittel bereitgestellt werden. Die Hundesteuer soll künftig anstatt 20 30 M. pro Jahr betragen. Dem Vaterländischen Frauenverein wurden für die Einrichtung des K i n d e r h o r t e S in der Ernststraße 500 M. bei gesteuert. Bezeichnend für die Behandlung vertraulicher Angelegen heiten war übrigens diesmal, daß der Inhalt des TageSordnungS- Punktes„Eingemeindungsbedingungen" der geheimen Sitzung schon vorher in der Berliner bürgerlichen Presse mitgeteilt werden konnte. Friedrichshagcn. AuS der Gemeindevertretung. Bei der Vergebung der Arbeiten für die Gemeindebadeanstalt erhielt Schrammer Nachf. als Zweitbilligster den Zuschlag mit 26 605,22 M. Die Festsetzung der Haus- onschliisse für das nächste Etatsjahr wurde nach dem Vorschlage des Gemeindevorstandes genehmigt. Auf Antrag des Vereins für Volks- Hygiene wurde beschlossen, diesen, gegen einen Jahresbeitrag von 10 M. beizutreten. Drei Vereinszeitschriften, welche gratis dafür geliefert werden, sollen in der Volksbibliothek, in der Kurpark-Lese- Halle und im Jugendheim ausliegen. Auf Antrag des Genossen Miele wurde beschlossen, ein vierte? Exemplar anzuschaffen und dieses im Arbeiterjugendheim auszulegen. Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister bekannt, daß das Provinzialschulkollegmm die Angliederung lateinloser Nebenklaffen an das Realgymnasium nach dem Lehrplan der Oberrealschule genehmigt hat. Die Eröffnung dieser Klasse soll am 1. April stattfinden. Pankow. Jubiläen und Kämpfe lautete das Thema, über das Genosse Dr. B r e i t s ch e i d in einer gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte. Die kritischen Darlegungen des Redners an dem gegenwärtig überhandnehmenden patriotischen Taumel sowie die geschichtliche Beleuchtung des Jahres 1813 wurden mit lebhaftem Beifall aufgenomnien. Reinickendorf. Aus der Gemeindevertretung. Für die am 1. April ins Leben tretende Fortbildungsschule legte der Gemeindevorjtand die Schul- pläne vor. Diese sind aufgebaut aus dem Grundprinzip der Fach- schule. Nach kurzer Debatte wurde den Plänen cimnütig zuge- stimmt. Eine längere Debatte zeitigte die Offerte der Großen Berliner Straßenbahn aus Ausführung einer Straßenbahrrverbin- dung durch die Kopenhagcner Straße nach Roscnthal und Her- stellung der Ost-Weft-Vcrbindung. Die erstere Verbindung soll sofort ausgeführt werden. Abgesehen von den Kosten der Verbrei- terung und Neupflasterung der Kopenhagener Straße entstehen der Gemeinde hieraus keine Verpflichtungen. Die Stratzenausbaukosten sollen aufgebracht werden durch Beiträge der Anlieger und durch einen von der Gemeinde Rosenthal zu fordernden Zuschuß von 75 000 M. Für den Ausbau der Ost-West-Verbindung fordert die Große Berliner Straßenbahn einen Zuschuß von 200 000 M. Hierzu treten für die Gemeinde an Lasten für Neu- und Umpflasterung der Winter-, Amende-, Humboldtstraße und der Augusta-Vikwria- Allee Kosten im Betrage von 422 400 M. Allerdings sollen hierzu die Anlieger Zuschüsse leisten in Höhe von 135 000 M., so daß der Gemeinde inklusive des Zuschusses an die Große Berliner Straßen- babn für die Ost-West-Verbindung Kosten in Höhe von etwa einer halben Million Mark entstehen werden. Diese Strecke soll jedoch nicht sofort ausgebaut werden. Tie Große Berliner Straßenbahn gewährt der Gemeinde das Recht, die Ausführung der Strecke bis zum 31. Dezember 1916 verlangen zu können. Nach längerer Aus- spräche, in der nur der Gemeindevertretcr Nikolaus gegen die Aus- sührung der Ost-Weststrecke polemisierte, wurde die Annahme der Offerte einstimmig beschlossen. Eine Etatsüberschreitung und der Beitritt der Gemeinde zum Verein für Kleinwohnungswesen mit einem Jahresbeitrag von 50 M. wurde genehmigt. In der nicht- öffentlichen Sitzung wurde beschlossen, sich an der vvn dem Verband der größeren Landgemeinden Preußens zum Regierungsjubiläum Wilhelms II. geplanten Veteranenspende mit einem Beitrag von 300 M. zu beteiligen. Unsere Genossen stimmten dagegen, nachdem sie ihre ablehnende Haltung mit ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft zur monarchischen Staatsform motiviert halten. Diese ihre grund- sätzliche Stellungnahme zur Monarchie verbiete ihnen die Beteili- gung an einer monarchischen Jubelfeier, wovon im vorliegenden Falle schon deswegen keine Rede sein könne, weil der Jubelmonarch seine Gegnerschaft zur Sozialdemokratie wiederholt in verletzend- ster Weise bekundet hat. Weiter führte der Genosse Schön berg aus, daß auch wir anerkennen, daß der Staat und die Kommune die Pflicht haben, für die zu sorgen, die ihr Leben in die Schanze schlugen. Da das Reich seine Pflicht nicht erfüllt, beantragten unsere Genossen, daß die Gemeinde Mittel bereit stelle, um den Lebensabend der bedürftigen Veteranen Reinickendorfs sorgenfrei gestalten zu können. Die Bürgerlichen mußten die Berechtigung der Ausführungen anerkennen und so wurde einstimmig beschlossen, den Gemeindevorstand aufzufordern, eine solche Vorlage auszuar- beiten. Genosse Lange begründete zum Schluß noch einen An- trag, der die Mängel, die sich beim Verkauf russischen Fleisches durch die hiesigen Schlächter herausgestellt haben, rügte und verlangt, daß der Verkauf nur solchen Schlächtern übertragen werde, die nur russisches Fleisch abgeben. Hiergegen wandte sich der Beigeordnete Reichhelm. Nachdem die Genossen Lange und Schönberg nochmals hatten, wurde der Antrag der Finanzkommission überwiesen. eine Aenderung des jetzigen Zustandes als wünschenswert bezeichnet Zpanvau. Die vom Wahlverein in diesem Jahre ins Leben gerufene Kinder- schutzkommission hat seit einiger Zeit ihre Tätigkeit ausgenommen. Die Parteigenossinnen und Genossen werden nunmehr ersucht, die Kommission durch ihre Mithilfe rege zu unterstützen. Meldungen Über Auswüchse auf dem Gebiete der Kinderarbeit sowie sonstige gegen das Kinderickutzgesetz vorliegenden Verstöße, als da sind Vcr- wahrlosung, Mißhandlung usw. sind an die Zentrale der Kommission Mar Jahnke, Streust:. 25, zu melden. Potsdam. Zu einem Millionenetat ist der Etat des hiesigen Elektriziiäts- Werkes angewacktsen. Für 1913 wird mit einer Einnahme in Höhe von 1084 400 M. gegen 973 300 M. im Vorjahre gerechnet. Die Einnahme» sollen hauptsächlich folgende sein: An Abgabe von elek- irisch°r Energie zu Lichlzwecken 511000 M. gegen 426 000 M. im Vorjahre, elektrische Straßenbeleuchtung 31 200 M. gegen 29 500 M., Kraftliesermtg und Beleuchtung gewerblicher Anlagen 297 900 M. gegen 30 l 000 M.. Klärstation 30 000 M. gegen 29 000 M.. Stromlieferung für die Straßenbahn 107 000 M. gegen 100 000 M., Miete für die Zähler in Wohnungen usw. 31 500 M. gegen 28 000 M., Bedienung und Beleuchtungsanlagen der öffent- lichen Beleuchtung 19 000 M. gegen 17 500 M., Pauschalbeleuchtung 11 500 gegen 3000 M. usw. Aus N o w a w e S kommen außerdem Einnahmen für elektrische Energie im Betrage von 126 000 M. Die Hanptousgabe bildet das Heizmaterial, das mit 143 000 M. gegen 133 000 M. angesetzt ist. An lleberschnß sollen der allgemeinen Verwaltung 404 574,85 M. gegen 348 732.99 M. im Vorjahre zu- geführt werden und Nowawes soll 26 013 M. gegen 18 800 M. er- halten. Eine Verminderung der Einnahme ans der Abgabe von Energie zu Kraft- und Leuchtzwecken gewerblicher Anlagen tritt des- halb etn, weil den Abnehmern, die jährlich lür mehr als 100 M. Energie verbrauchen, ein Rabatt gewährt werden soll. Hu 9 aller Melt. Herzlichen Dank Seiner Königlichen Hoheit... In dem Frankfurter Vororte Heddernheim wurde dieser Tage ein zehnjähriges Mädchen von dem Automobil des bekannten Großindustriellen Dr. v. Weinberg überfahren und schwer verletzt— der Insasse des UnglücksgefährteS war der P r i n z H e i n r i ch der Niederlande. Das Mädchen starb an den erlittenen Verletzungen, und jetzt veröffentlichen die Eltern in Frankfurter Blättern folgende Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung unseres lieben, unvergeßlichen Kindes Paula sowie für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sprechen wir hiermit Allen unseren tiefgefühlten Dank aus.— Insbesondere danken wir den Herren Dr. Goldberg und Dr. Glanz für die rasche Hilfeleistung, den Herren Aerzten und Schwestern des Städt. Kranken- Hauses für die aufopfernde Pflege während der Krankheit unseres geliebtes Kindes und vor allen Dingen herzlichen Dank Seiner König- lichen Hoheit dem Prinzen Heinrich der Niederlande, Herzog zu Mecklenburg und Herrn Dr. von Weinberg und gn. Frau Gemahlin für die rege Anteilnahme au dem uns so schwer betroffenen Unfall, ferner danken wir Herrn Pfarrer Hartmann für die trostreichen Worte am Grabe sowie der Lehrerin nebst Mitschülern. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Friedrich Christ. Frankfurt a. M.-Heddernheim, den 1. März 1913. Eltern, die einer Königlichen Hoheit herzlichen Dank sagen, die ihnen ein„unvergeßliches Kind" totgefahren hat. das ist fürwahr die unbestrittene Rekordleistung auf dem Felde deS Byzantinismus! Zugzusammenstotz. Am 3. März, vormittags 6 Uhr 20 Minuten, fuhr, wie eine amtliche Depesche mitteilt, der Personenzug Nr. 251 von Beckum bei der Einfahrt in den Bahnhof Neubeckum auf eine Rangier- abteiluitg. Ein Hilfsheizer, ein Schaffner und drei Reifende wurden verletzt. Beide Lokomotiven, ein Personenwagen und der Packwagen sowie vier Güterwagen sind beschädigt. Der Personenverkehr zwischen Neubeckum und Beckum wurde bis zur Freimachung der Sirecke gegen 12 Uhr mittags durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrechterhalten. Die Taifunverheerungcn auf den Palauinseln. Ueber den Taifun, der am 26. November vorigen Jahres über die deutschen Palauinseln in der deutschen Südsee hinwegfegte, der- öffentlicht das.Deutsche Kolonialblatt" einen ausführlichen Bericht des dortigen Stationsleiters, in dem es heißt: .Der Schaden, den der Taifun angerichtet hat. ist nach den hiesigen Verhältnissen bedeutend. Der nördliche Teil der Insel Babeltoab ist vollständig zerstört. In den Ortschaften ist kein HauS stehen geblieben. Tie Planlagen der Eingeborenen sind ebenfalls vollständig zerstört. Den im Norden angesiedelten Chammorros, die keine Taropatschen haben, werden wohl in kurzer Zeit die Lebens mittel ausgehen. Auch einige Palaudörfer, denen dte Taropatschen bei den Flutwellen voll Salzwasser gelaufen sind, werden in Schwierigteiten geraten. Die Miisioitöbanten in Malegeok und Eimelik sind vollständig zerstört. Von den Bauten in Malegeok sind die Wellblechplatten über das ganze Dorf zerstreut. Einige sind von dem Sturm in die höchsten Bäume geschleudert worden und dort hängen geblieben. Auch in der Ponapeseitansiedelung in Eimelik ist kein Haus stehen geblieben. Die Regierungsstation ist ziemlich glimpflich davon- gekommen. Die Hauptgebäude sind alle stehen geblieben.� Auch die Quarantäne und ein Wohnhaus, aus Eiiigeborenenmaterial gebaut, blieben erhalten. Die übrigen Gebäude, wie Bootshaus und Lager- räum, sind weggefegt." Ueber die Verwüstungen, die der Taifun auf der nördlich ge- legeeen Insel Kaijangel angerichtet bat, heißt eS: „Die Flutwelle bat gut ein Viertel der Insel voll- ständig weggespült. Von den im Osten vorgelagerten kleinen Inseln ist weiter nichts übrig geblieben als die nackten Korallenfelsen. Als günstiger Umstand muß bezeichnet werden, daß die Flut von Osten her über die Insel kam. An den vorgelagerten kleinen Inseln brach sich zunächst ihre größte Stoßkraft. Alles was auf diesen Inseln stand, bat sie mit forigenommen und gegen die Hauptinsel geschleudert. Auch von der Hauptinsel hat die See noch ein gut Stück mit sich fortgerissen und vor sich hergeschoben. Durch die entwurzelten Bäume sowie Steine, Sand usw. bildete sich schließ- lich eine mächtige Barrikade, die dem weiteren Vordringen der See Halt gebot. Wohl nur durch diesen Umstand ist die Insel vor einer vollständigen Ueberschwemmung bewahrt worden." Wegen Linderung der Notlage der auf den Palau-Jnseln wohnenden Chammorros und Ponapesen ist von dem Kaiserlichen Be- zirksamt Jap inzwischen das Erforderliche veranlaßt worden. Sechs Personen ertrunken. Bei der Heimkehr von einem Bockbierfest ließ sich am Montag morgen der Wächter Blank mit Frau und zwei Töchtern von dem Hofbesitzer Görtz und dessen Schwiegersohn Manski von Weichselmünde nach Neufahrwasser in einem Boot über die Weichsel setzen. Infolge des Eisganges kenterte das Boot in der Mitte des Stromes, und alle sechs Personen ertranken. Bisher wurden zwei Leichen geborgen._ Großer Theaterskandal in Bordeaux. Das Skala-Theatcr in Bordeaux war am Sonnabend der Schauplatz eines riesigen Theaterskandals. Kurz vor Ausgehen des Vorhanges erschienen ein Gerichtsvollzieher und ein Polizeikom- missar und pfändeten auf Antrag des Hauseigentümers die ge- samten Kapeneinnahmen. Die Schauspieler weigerten sich darauf, weiter zu spielen, wenn nicht die Halste der Eingänge zur Befriedi- gung der Gagenforderungen zu ihrer Verfügung gestellt würde. Als diesem Verlangen nicht stattgegeben wurde, verließen sie unter Protest die Bühne. Die Zuschauer forderten nun ihr Eintritts- geld zurück, und als es ihnen vom Kassierer verweigert wurde, er- hob sich ein ungeheurer Tumult. Ein Teil des Publikums stürmte die Bühne, ritz die Vorhänge und Kulissen herunter und demolierte dte Theatermaschinen. Schließlich mußte die Polizei einschreiten, die mehrere Verhaftungen vornahm. Kleine Notizen. Verhaftung eines Raubmörders. Am Sonntagnachmittag der- haftete die Polizei durch Zufall in der Herberge zum Blauen Kreuz den Arbeiter Peter Ehrisücrn Tetlefsen, der am 22. Februar in Boel bei Flensburg den 71 Jahre alten Landmann Heinrich Ehlert mit einem Beil ermordet und dann beraubt hat. Bei dem Mörder wurden noch 150 M. und die Tabatspfeise des Ermordeten vorgefunden. Schwerer Raubanfoll. In der Nähe von Kaschka, einem eine Stunde vpn Meißen gelegenen Dorfe, wurde Sonnabend nach- mittag gegen 3 Uhr der Vorarbeiter Henke aus Neumohlis, welcher sich mit dem Lohne der Arbeiter aus dem Wege nach den Ton- schachten befand, um dort auszuzahlen, von einem Tongruben- arbeiter namens Lehmann angefallen und durch mehrere Revolver- schüsse und eine größere Anzahl Messerstiche schwer verletzt._ Mit einem Teil des Geldes ist der Täter entkommen. Er war jedoch von seinem Opfer erkannt worden. Den ans die Hilferufe des Verletzten herbeigeeilten Kollegen konnte dieser noch den Namen des Verbrechers mitteilen. Der Ueberfallene wurde nach dem Ländlichen Krankenhause in Meißen transportiert. Tie Vcr- letzungen sind derart, daß seine Wiederherstellung fraglich erscheint. Der Täter wurde noch am Sonnabendaberrd in einem Restaurant in Meißen verhaftet. Er hat vorigen Herbst lvährend eines aus dem betreffenden Tonschast ausgebrochenen Streiks als S t r e i?- b rech er fungiert und gehört also demnach zu den Elementen, die angeblich eines besonderen Schutzes bedürfen. Millionen-Unterschlagung in Prag. Großes Aussehen erregt die Flucht des Generaldirektors der Prager Papierfabrik A.-G., Dr. Amseln Götzel, der eine große gesellschaftliche Rolle spielte. Dr. Götzel, der sich auch als Komponist bekannt machte und dessen komische Oper„Zierpuppen" über fall alle deutschen Bühnen ge- gangen ist, hat sich Unterschlagimgen in Höhe von cineinhatv Millionen Kronen zuschulden kommen lassen. Eine eigenartige Lotterie. Die Hungersnot, die augenblicklich in der chinesischen Provinz Uen Tschao herrscht, hat der Tochter eines Beamten in Kiangtse eine originelle Idee eingegeben. Sie veranstaltete eine Lotterte, als deren Hauptgewinn sie ihre eigene Person einsetzte. Der glückliche Gewinner des großen Loses muß sie heiraten und erhält eine Mitgift von 20 000 M. Tie 30 000 Lose zum Preise von je 5 M. finden reißenden Absatz. Der Ueberschntz der Lotterie ist dazu bestimmt, die Hungersnot in der Provinz zu lindern. Diese Art, einen Ehegatten zu kapern, ist in der Tat ebenso originell Ivie— patriotisch. Wenn man zwciseln kann, ob den Loskäufern mehr an der Person der schlitzäugigen Schönheit oder ihrer Mitgift von 20 000 M. liegt, so spendet man doch natürlich die 5 M. für daS Los nur der Hungernden wegen! Ter Occident kann von dieser Sorte Wohltätigkeitssport noch vom äußersten Orient lernen!_ BHefhaftcn der Kedahticnu Die j-Ustischc Spreqftunde findet Linden st raße Li), Veen vier Treppen — F a h r st n h i—, wvcheatägli» von 4>d bis 7� Uhr abends, eonnadcndS, von 4 Vi bis 6 Uhr adcndS statt. Jeder tiir den Brieskaftc« bestimmten Ansragr ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzetchc» beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht rrtellt. Ansragcn, denen leine Abonncmcntsguittnng beigefügt ist, derben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in ber Sprechstunde bor. F. I. 1906. Eine bestimmte Zeitdauer ist im Gesetz nicht vorgesehen. wenn Abholung trotz Aufforderung nicht erfolgt, kann der Stoff auf Lager gegeben werden, oder, sofern der Schneiderin rtnsprüche zustehen, nach vor- hcrigcr Androhung versteigert werden.— 51. G. 150. DaS war zulässig. Schreiben Sie an die Firma tvegcn Fristgewährung und Gestaltung von Raten- Zahlungen.— P. K. 100. Sie habe» als Schwiegersobn keine Zahlungspflicht. — H. Z. Neukölln. 1. Ja, die Auszablung erfolgt aber erst nach dem Tode, 2. Nein, der Besitzer ilt für Zeit der Vcrtragsdaucr zahlungspflichtig, Klawunder IIa. 1. und 2. Der Abzug der Prämien ist unzulässig. Ucbt jedoch Ihre Frau eine Erwerbstäligkell aus und ist daS Einkommen der Frau dem Ihrigen bei der Veranlagung zugerechnet, so ist der Abzug zu- lässig. 3. Diese Beiträge können abgezogen werden, sofern ein Rechtsanjvruch aus die Leistungen besteht. 4. Die Beschästigung von jugendlichen Arbeitern unter 16 Jahren darf nicht länger als 16 Stunden dauern. Die Aufiäu- muiigsarbciteu müssen in diese Zeit fallen. 5. Nein. 6. Nur den Lebr- llugen unter 16 Jahren ist auch eine halbstündige Vcspcrpause zu gewähtcn. 7. Gewerbcinspektion.—-H. M. 87. 1. Ja. 2. Ja, soscrn die Satzung der Bcrussgeuossenschast das vorschreibt. Sollte die Sadmig eine Versicherungs- Pflicht nicht bestimmen, so haben Sie das Recht der Selbstverfichemng, vwzil wir raten. 3. Eine Versichcrungsmöglichkeit in der OrtSlranlenkassc besteht nicht. Jlwalidenutarken lönnen Sic kleben, und zwar einer beliebigen Lohnllassc. 4. Das Gewerbe mutz beim Magistrat angemeldet werden.— K. 35. Etwa 30 M. monatlich.— Zei unglucklidie Hunde. An der Leine und Maulkorb.— H. M. 74. Eine bestimmte Ausbcwahrungssrist ist nicht vorgesehen. Sic können nach vorheriger Aufforderung den Pfand- schein bezw. falls Sie das Kleidungsstück einlösen, dieses versteigern lassen und sich aus dem Erlös befriedigen. Verfallen dürfen Sie daS Pfand nicht lassen.— L. 104. Eine Beleidigungsklage ist nicht ratsam.— K. R. 9. Nein. Sie können aber nach vorheriger Anfforderunz die Abholung und Versteigerung durch einen Gerichtsvollzieher veranlassen.— F. I. 98. Das können Sie jederzeit tun.—®. 20. 3. 1. Nein. 2. Die Aussührung der Hunde kann nur mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde und nach vorheriger tierärztlicher Untersuchung erfolgen. Richten Sic daher ein Gesuch an daS Polizeipräsidium.— M. M. 1000, Nein. — C. 20. 33. Zur Zahlung der Beträge sind Sie verpflichtet, sofern ein Bcschlutz der Äirchengemcmde vorliegt, und sosern Sie Ihre Tochter über- Haupt konsirmtercn lassen,— P. L. 99. Fragen Sie beim Zollamt nach. Marktpreise von Berlin am 1. März 1913, nach Erntittelmtgen des kömgl. Polizeipräsidiums. 166 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,54 bis 19,66, mittel 19,42—19,48, geringe 19,30—19,36. Roggen, gute Sorte 16,36— 66,66, mittel 66,66—66,66, geringe 06,06—00,66(ab Bahn). Futtergerste, gute Sorte 16,46— 17,66, mittel 15,86—16,36, geringe 15,20—15,70. Haser, gute Sorte 18,36—26,26, mittel 16,60—18,20(frei Wagen und ab Bahn). Markthallenpreise. 166 Kilogr. Erbse», gelbe, zum Kochen 30,00— 50,06. Speisebohnen, Meitze 35,66-— 66,66. Linsen 35,00— 60,06. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,76—2,46. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,36— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1.46—2,46. Hammelfleisch lch6— 2,26. Bulter 2,46— 3,00. 66 Stück Eier 4,66—6,66. 1 Kilogramm Karpieu 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,60-3,60. Hechle 1,60—2,80. Barsche 1.60—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00—24,00. WttteruugSüberiicht vom 3. März 1913. flatianeo i! Ii 2= 5= BS—' Swinemdc.-765 Hamburg 1765 Berlin Franks. a.M München Wien 767 771 SZ SSW W W SW 773!SW 774!Still «Setter bedeckt Nebel .bedeckt t«Nebel 3heiter Nebel isSi d* all i? M io «totionev äe ?s ss Ii in öS aparanda etersburg Scillh Aberdeen Paris 747 763 763 746 771 SSW Still SW RW SSW Sjbedeckt wölken!• 5wolkig 4!wolkig ÄNebel Wetterprognose für Dienstag, den 4. März 1913. Ziemlich mild, vielfach wolkig mit etwas Regen und lebhasten füdwest- lichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a». Wafferftands-Rachrichtcn der Landesanstalt für Gewüsscrkuudc, niitgetclll vom Berliner Wclierburcau Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor „ Krassen Frantiurt a r t h e, Schrimm . Uandsberg Netze, Vordamm Elbe, Lelwierltz » Dresden , Barby Magdeburg ')-f bedeutet Wuchs,— Fall.— Unterpegel.—■) starkes Grundeistrciden.— 4) EiSstand.—') Treibeis.—') Eisgang.— � eisfrei. Siems Kraftfleisch alleiniger Fabrikant J. G. Siems, Holl., Apen i. 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