Ur. 34. H bonncmcntS'Bcdi ngungen: SSonnemciit»- Preis vränmnerando! Pierteljcihrl. Z.M monaL. 1,IV Mr., wöchentlich W Pfg. frei WS Haus. Einzeliie Nuinnicr 5 Psg. Sonntags- nnmmcr mit illustrierter SonuiagS- Beilage„Die Neue Well" 10 Psg. Posl» «lbonnemenl: l.lll Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, sür das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonncmcnts nchnren an: Belgien. Dänemars. Holland. Italien, Luxemburg. Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. v?e snkertlonz-eebljhl' keirägt für die scchsgespallenc Kolon?!- geile oder deren Raum 60 Psg.. sür politische und gcwertschasUichc Vereins- und Bersnmnilungs-Anzeigen M Psg. „Uteine Mmeigen", baS scllgedruckjc Wort 20 Psg.»zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort>0 Psg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zcigen das erste Wort 10 Psg., jedes loellcre Wortü Pfg, Worte über löAuch- Itabcn zählen sür zwei Worte, Jnscrale i.-.....----------üsscn bis ür die nächste Nummer niüist Z Uhr nachmittags in der Erpediüon abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erichciBl täglidi außer[ilontags. Derlinev Volke�blstk. Telegramm- Adreffe: „Zozlialilcmeßrat kerliii". Zentralorgan der fozialdcm okrat» f eben Partei Oeutfchlanda. Redaktion: 801. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. ilie Lodkauliumme. Es fiel eiu Reif in der Frühlingsuacht.... Eben waren unsere bürgerlichen Parteien in patriotischer Opferbercitschaft so schön erglüht, da schütteln sie plötzlich kalte Ficbcrsckjauer. Und nianch einer der Opferbereiten wird wohl in einer schlaf- losen Nacht sorgenvoll überlegt haben, wie er wohl seinen Teil an dem nationalen Reichtum geniigend sichern könne gegen das böse Zufassen des Plötzlich auftauchenden Feindes. Und inanches Depot wird in diesen Tagen seinen Weg aus den feuersicheren Schränken deutscher Banken in die der ilschweiz oder Englands antreten,«tschreibt doch die„Vossische Ztg.", die doch die Patrioten kennen muß, sehr sachvcr- ständig: „Es gibt recht viele wohlhabende und reiche Leute, die ihren Aufenthalt und Wohnsitz frei bestimmen können. Nicht bloß Rentner, sondern auch Ecsellschaftcr, namentlich ältere, großer Unternehmungen. Fühlen sie sich im Deutschen Reich überbürdet, so liegt ihnen der Gedanke nahe, ihr Zelt außerhalb des Deutschen Reiches aufzuschlagen, wo sie gern anfgciroinmcn werden und viel- fach, beispielsweise in einzelnen Kantonen der Schweiz, auf lange Jahre Steuerfreiheit genießen. Es ist sclbswcrständlich, daß die Gesetzgebung eine solche Abwanderung nicht zu fördern hat, zumal da mit der Vermögensabgabe auch die Einkommensteuer und mancher sonstige wirtschaftliche Vorteil dem Heimatstaat verloren ginge. Wenn man Kleines mit Großem vergleichen darf, sieht man die Wirkung eines Steucrunterschiedes schon an dem Wegzug steucrkräftigcr Bürger von Berlin nach Grunewald. Die Verhältnisse bei der Verniögcnsabgabe liegen mannigfach anders, aber nicht durchweg besser. Die Abwanderung einer ncnncns- werten Zahl Steuerzahler ins Ausland, wenn die Vermögens- abgäbe nicht in mäßigen Grenzen bleibt, ist alles eher als aus- geschlossen." Die böse„Kreuzztg." wird freilich nicht verfehlen, darin ein Argument mehr für ihre Ansicht zu finden, daß der vor- aussichtlichen Steuerhinterziehung des mobilen Kapitals durch besondere Maßnahmen ein Riegel vorgeschoben werden inüsse. 5Oarauf antwortet freilich die liberale Presse mit der Erinne- rung daran, wie trefflich die Agrarier ihrerseits es verstehen, sich uins Zahlen zu drücken. Mit Recht hält sie ihnen vor, daß bei der preußischen Ergänzungssteuer die landwirtsäiaft- lichen Grundstücke nicht nach dein Wirklickjen Wert, sondern nach dem viel geringeren sogenannten Ertragswert einge- schätzt werden. Und sie fordert wiederum mit Recht, daß bei dem Gesetz über die Reichsvermögensabgabe dieses völlig ungerechtfertigte Steuerprivileg beseitigt werde. Sie haben eben beide recht, die Patrioten vom mobilen und immobilen Kapital, und die Sozialdemokratie hat jedenfalls keine Ursache, den Herren im Wege zu stehen, wenn sie gegenseitig dafür sorgen wollen, daß die anderen richtig deklarieren. Einig aber sind die Herren in der Forderung, daß, wenn schon das Unvermeidliche geschehen müsse, es den Be- sitzenden wenigstens möglichst leicht gemacht werde. Aus der e i n sii a l i g e n Abgabe wollen sie eine Abgabe in Raten machen, die sich auf einen möglichst großen Zeit- rauin verteilen solle. Damit würtw nun allerdings die Ab- gäbe mehr den Charakter einer Steuer bekommen. Aber darin möchten die Herren doch lieber den Charakter der„Ein- maligkcit" geivcklirt wissen. Wir haben sofort darauf hin- gewiesen, daß diese Vermögensabgabe ein Bluff ist, der die Besitzlosen darüber hinwegtäuschen soll, daß das Steuer- systein im Reich noch immer allen sozialen Anforderungen Hohn spricht. Wir nannten diese Vermögensabgabe die Loskaufssumme, mit der die Besitzenden die Befrei- ung von der immer notwendiger werdenden Reichsver- mögens- und Einkommensteuer bezahlen wollten. Nun könnte ja die Vermögensabgabe den Weg zur Reichsver. mögeussteucr bahnen helfen. Da nur 10 von den 26 Bundes- staaten eine Vermögenssteuer besitzen und diese noch dazu in den verschiedenen Staaten verschieden ist, müßte jetzt das Reich nach einheitlichen Grundlagen eine Vermögensauf. nähme machen. Es wäre ganz unrationell, diesen großen Apparat für eine einmalige Abgabe zu schaffen. Und die Forderung der Vermögenssteuer wird deshalb noch mit viel größerem Na Wir aber meinen, daß selbst, wenn die gesamten neuen Ausgaben von den Besitzenden getragen würden, damit n 0 ch lange kein Ausgleich für diese persönlichen Opfer ge- schaffen würde. Es muß endlich Ernst gemacht werden mit der Verkürzung der Dienstzeit. Daß diese vom militärisckjen Standpunkt möglich ist, ist oft genug bewiesen worden und in Wirklichkeit zweifelt niemand daran, daß die längere Dienstzeit bloß aus politischen Gründen beibehalten wird, um das Volk in Waffen von dem übrigen Volke abzu- trennen. Die Verkürzung der Dienstzeit ist keine sozialdenw- kratische Forderung. Wir Sozialdemokraten gehen ja viel weiter, wir sind prinzipiell Gegner des Militarismus und kämpfen für seine Beseitigung durch das Milizsystem. Aber die Verkürzung der Dienstzeit würde wenigstens E r l e i ch t e- rung bedeuten, wäre einigermaßen wenigstens ein Ausgleich für die schivere und neue Belastung, die dem Volke zugeniutet wird. Bis jetzt hat von der bürgerlichen Presse nur die „Frankfurter Zeitung" den Mut gefunden, diese Forderung, für die einst auch die Fortschrittspartei eintrat, zu erheben. Man darf neugierig sein, wie sich im R e i chs ta g die bürger- lichen Parteien zur Verkürzung der Dienstzeit, die die Wehr- fähigkeit des Reiches unangetastet ließe und zugleich eine iutcruationalc Erleichterung bedeutete, stellen werden. üe?shmte kebellen. Gezähmt« Rebellen sind die reichsländischen Zen- trümler, die vor zwei Monaten in der„Kölnischen Volks- zeitung" eine von der gesamten elsaß-Iothringischen Presse prompt übernommene Neujahrsbetrachtung über die Zustände in Elsaß- Lothringen publizierten, worin dem kaiserlichen Statt- Halter Grafen v. Wedel die schärffte Fehde angesagt wurde. Da war Graf v. Wedel der eigenwillige Selbstherrscher, der„stark in Randbemerkungen(nach berühmten Mustern) und Bleistift- direktiven ist, die sehr, sehr ins Detail gehen und, wie die Fama behauptet, von den nachgeordneten Exzellenzen und Nichtexzellenzcn unter heiligen Schauern der Subordination befolgt werden". Und in drohendem Tone hieß es dazu, die öffentliche Meinung mache den Statthalter„mit tvachsender Sicherheit und steigender Eni- schiedeuheii für alles verantwortlich, was geschehen ist und was geschieht, seit er in Stratzburg warm geworden ist und am Born der Weisheit eines Georg Wolf getrunken hat...." Und jetzt?... In ihrer Abendausgabe vom letzten Freitag kommt die«Kölnische Volkszeitung" extra auf jene Neujahrs- betrachtung zurück, um— die damalige Kampfansage in ihr Gegen- teil umzuwandeln. In der Sprache des allzeit getreuen Kammer- diencrs heißt es jetzt, man dürfe wohl annehmen, die Feststellung, der Statthalter Graf v. Wedel leite die elsaß-lothringische Politik selbst, habe„dem ritterlichen Sinne des Statthalters entsprochen", und es sei zwar ein für das politische Leben hinderlicher Umstand,. daß der leitende Staatsmann nicht selbst im Parlament seine Politik verteidigt, aber um so bedeutungsvoller seien deswegen die Reden, welche der Statthalter beim Empfange des Parlaments hält. Und mit Begeisterung wird dann die Tischrede gefeiert, welche Graf d. Wedel am 13. Februar bei dem Essen hielt, daS j Expedition: 801. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. er den Abgeordneten der Zweiten Kammer gab,— den Abgeordneten mit Ausnahme der Sozialdemokraten, die im Hinblick auf den höfischen Charakter solcher Festlichkeiten im vorigen Jahre der Veranstaltung fernblieben, und die aus dem Grunde diesmal nicht eingeladen worden waren. Sic haben kein Ereignis von ernsterer politischer Bedeutung versäumt. Ter Statthalter hat dabei nichts gesagt, was seine Stellung zur elsaß-lothringischcn Zentrumspartei verändern könnte. Er hat, was man erwarten durfte, mit einiger Schärfe sich gegen die „Störenfriede von hüben und drüben" gelvandt, das heißt gegm die Chauvinisten und Nationalisten solvobl diesseits wie jenseits der französischen Grenze, und der Kammerpräsident Dr. R i ck l i n hat in seiner Antwortredc pflichtschuldigst seinem Fraktionsgenosscn Wetterle für dessen kriegshetzerische Agitation in Frankreich eine sanfte Backpfeife versetzt, indem er die Entschiedenheit bc- tonte, mit welcher die Abgeordneten„rückhaltlos diejenigen ver- urteilen, welche dem Gange der ruhigen und friedlichen EntWicke- lung sich entgegenstellen, mögen sie jenseits des Rheines, in unserem eigenen Lande oder jenseits der Vogescu ihr Unwesen treiben". Recht sol Liegt darin aber etwas anderes als eine Sclbstvcrftünd- lichkcit? Gewiß Nicht, und daher muß der Angelpunkt der veränderten Situation, die dem kaiserlichen Statthalter in Elsaß-Lothringcn eine bessere Behandlung seitens der Zentrumspresse verschafft, wo anders gesucht tocrden. Die„Kölnische Volkszeltung" deutet die Wendung, auf die man im Zeutrumslagcr neuerdings wieder mit aller Zuversicht zu rechnen scheint, deutlich genug a», indem sie im gleichen Artikel aus offenbar führender clsaß-Iothringischcr Zentrumsfeder eine Thränc der Wehmut nach der anderen ger- drückt in Erinnerung an das„R e g i m e K 0 c I l e r, wo die hiesigen Führer des Nationalismus Hand in Hand mit der Regie- rung gingen, wo speziell der Abgeordnete Preiß eine so maßvolle und staatsfreundliche Haltung einnahm, daß man ihm allgemein eine führende Rolle in der deutschen Verwaltung Elsaß-Lothringens prophezeite". Tos Regime Koellcr, jal Will der Herr Graf v. Wedel noch nicht in die erneut dargebotene biedere Zentrums- rechte einschlagen? Es ist Hundert gegen Eins zu wetten, daß die Zähmung der ZentrumSrebellen in Elsaß-Lothringen nicht ohne feste Zu- sagen in der damit angedeuteten Richtung erfolgt ist. Die zwei großen Preise, welche die Regierung zahlt, scheinen die Schul- frage und die Frage der Neuregelung und Erhöhung des Kultusbudgets zu sein. Zum ersten Punkte erklärie in der Generaldebatte über den reichsländischen Etat auf sozial- demokratische i'lnzapfung der Staatssekretär Freiherr Zorn v. Bulach mit der Miene eines Mannes, der sich in alles zu fügen entschlossen ist, die Regierung siehe entschlossen auf dem Boden der konfessionellen Schule— und das Zentrum hat daraufhin prompt mit der Hilfe des Lothringer Blocks, der nach einem kleinen Seitensprung zur Verhinderung einer Teuerung»- zulage für die Geistlichen wieder reumütig in die klerikale Gefeig- schast eingekehrt ist, in der Zweiten Klammer eine Resolution zur Annahme gebracht, welche neben einem neuen SchulunterhaltungS- gesetz auch ein organisches Schulgesetz fordert. Dieses neue organische Schulgesetz soll der Kirche noch mehr Einfluß aus die Schule in Elsaß-Lothringen sichern, als sie jetzt schon hat. Und in Sachen des Kultusbudgets hat das Zentrum, wiederum mit Hilfe des jetzt unbedingt parierenden Lothringer Blocks, in der Budgetkommijsion der Zweiten Kammer ebenfalls bereit« eine Resolution durchgesetzt, welche für den nächstjährigen Sessions- abschnitt einen Gesetzentwurf wünscht, mit der Verteilung der Leistungen des Staates an die drei anerkannten Kirchen- gcmeinschaften nach der Klopfzahl der Konfession»- nnge hörigen unter rechnerischer Berücksichtigung der„infolge der Einziehung der katholischen K i r ch c n g ü t c r(bei der Revolution vor IM Jahren!) vom Staate tatsächlich und vertragsmäßig übernommenen Verpflichtungen". Das soll ein neuer großer klerikaler Raubzug auf die Taschen der Allgemeinheit werden, der vom willfährigen Entgegen. kommen der Regierung abhängt, die in der Frage der Ver- pflichtunge» aus den von der ersten französischen Republik ein- gezogenen Kirchcugütern der Kirche schivere klingende Zugestand- nisse machen soll, während die Verteilung des Kultusbudgets„n a ch der Kopfzahl" sich um so himmelschreiender ankündigt, als man in Elsaß-Lothringen in gesetzlicher Form aus den Kirchen gar nicht austreten kann, bei den Volkszählungen infolgedessen die Angabe„konfessionslos" in der Regel gar nicht berücksichtigt wird und die Zentrumspartei sich bisher beharrlich getveigert hat, der sozialdemokratischen Forderung auf gesetzliche Regelung des Austrittsversahrens entgegenzukommen. Die Zentrumspartei, die in Elsaß-Lothringen, wie überall im Reiche, die Worte„Gewissensfreiheit" und„Parität" ständig im Munde führt, vergewaltigt hier andauernd beides mit der Brntali- tat eines viehischen Machthabers. Und es ist ein Beweis für den unaufhaltsamen Niedergang des bürgerlichen Liberalismus auch in Elsaß-Lothringen, daß die fortschrittliche Landtagsfraktion unter Führung des ehemaligen protestantischen Pastors Georg Wolf lviclleicht in der Hoffnung, daß auch für den protestantischen Kultus etwas mehr als bisher dabei abfällt) aus dem Wege ist, däs in Deutschland jetzt schon beispiellos hohe elsaß-lothringische Kultusbudget noch weiter in die Höhe zu schrauben! Die gezähmten reichsländischen Zentrumsrebellcn wissen, wes- halb sie der Regierung des Grafen v. Wedel gegenüber neuerdings die Fechthandschuhe wieder mit den Glaces vertauscht haben. Sie werden sicherlich auf ihre Rechnung kommen. Schmskgesellev. Uns liegt jetzt der von uns bereits mitgeteilte Beschluß der vereinigten CItrafsenate des Reichsgerichts über die Er- tcitrmg von Privatunterricht im Wortlaut mit Begründung vor. Er datiert vonr 7. Dezember 191�. Bei der ersten Mit- teilung von dem auf Betreiben des preußischen Kultus- Ministeriums herbeigeführten Unifall des Reichsgerichts hatten wir geäußert, dich er Umfall bilde sicher kein Ruhmesblatt in der rcichsgcrichtlichen Rechtsprechung. Der nun im Wortlaut mit Begründung uns vorliegende Beschluß zwingt uns zu dem Bekenntnis: durch den Beschluß haben deS Reichsgerichts vereinigte Strafsenate noch ivcit mehr den Standpulitt hervorgekehrt, ans dem die Demo- gogcnriechcr aus tout zweiten bis vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts standen. Schmalz, Kaniptz und alle jene' Verfolger jeder sueihettltchen Regung überhaupt und des Turnens insbesondere sind wieder lebendig geworden. Ja, jene Schmalzgesellen, geg>m deren verfolgungswütiges Treiben ein Heinrich v. Treitschke recht zornige Worte fand, sind durch das Reichsgericht in den Schatten gestellt. Der Turnvater Jahn, der 1811 den ersten Turnplatz in Preußen lin der Hasenheide) errichtete, wurde von jenen Reaktionären nach.der Ermordung KotzebueS durch den Turner Sand im Jahre 1819 wütend verfolgt, verhaftet, unschuldig zu zwei Jahren Festung verurteilt und nach Aufhebung dieses Urteils Von der königlich preu-ßischen Reaktion unter Polizeiaufsicht gestellt. 1819 wurden in Preußen sämtliche Turnplätze polizeilich geschlossen. Aehnlich und noch schlinimer ging eS Hunderten nach einem freien, einigen Deutschland strebenden Preußen. Die B n n d e s t a g s k o m m i s s i o n. deren geistige Führer jene Schmalzgesellen waren, bezeichneten als Verbrechen Jahns, daß er„die höchst gefährliche Lehre von der Einheit Deutschlands aufgebracht habe". Da die kurz vor der Befreiung Preußens von der Fremd- Herrschaft gegebenen freiheitlichen Gesetze der Verfolgungswut etwas hinderlich im Wege standen, wurden diese wie auf anderen Gebieten, so auch gen d v erführung. vorgebengt wcrd e". Eine klassisch wissenschaftliche Leistung des höchsten deut- scheu Gerichts! Aus dem Geist jener Zeit, die das Streben nach Einheit Deutschlands als eine„höchst gefährliche Lehre" bezeichnet Hatto, muß zur„Feier" der Einheit Teutschlands das Gesetz interpretiert werden! Völlig unberücksichtigt läßt das Reichsgericht die Tatsache, daß spätere Verordimngeii und Gesetze den„Geist" jenes Jimnediatberichts als einen gemein- gefährticheii, staatsfeindlichen betrachtet haben. Es läßt hei- spiclsweise unberücksichtigt, daß das damals verbotene Turnen durch Kabinettsorder vom 9. Juni 1842 als ein„notlveiidiger und unentbehrlicher Bestandteil der Erziehung der männlichen Jugend" anerkannt ist. Uuberücksichtigt, daß im Jahre 1848 in Preußen so etwas wie ein« Verfassung gegeben ist, die die Lehre von Wissenschaft und Kunst für frei erklärt. Unbe- rücksichtigt, daß Reichsrocht vor Landesrecksi geht und in der Gewerbeordnung(Z 35) der gewerbsmäßige Turnunterricht seine Regelung gefunden l>at. Was hat sich das höchste Gericht um Dinge zu kümmern, die nach der schmachvollsten preußische« Reaktions- und Vsrfolgungsperiode sich zugetragen haben I Es läßt nur den Geist der Zeit gelten, der auf Ver- folgung freiheitlichen Denkens geht. Handelt es sich doch bei den Bestrebuidgen des Kultus-ministeriums um Verfolgung „p o l i t i s ch v e r d ä ch t i g e r". insbesondere um Verfolgung sozialdemokratisch er Personen. Soll doch das Er- kenntnis als Sprungbrett dienen, um den von uns veröffentlichten Geheimcrlaß des Kultusimnifters Holle vom 7. August 1997 zur Anweildung zu bringen. Der Beschluß dar vereinigten Strafsenat« ist mit dem Gesetz unvereinbar. Aber er schiebt den Strafsenaten, die wie der zweite dem Gesetz Achtung verschaffen wollen, einen Riegel vor. Hier jst landes- und reichsgesetzliches Eingreifen erforixrlich. Freilich nach wie vor köniicn wir nur auffordern, sich um den jeder wissenschaftlichen Auffassung ins Gesicht schlagenden Beschluß der vereinigten Strafsenate nicht zu küiiimern, sich vielmehr lediglich an das Gesetz zu halten. Gegen Behörden, die trotz des Erkenntnisses des zweiten Strafsenats vom 28. Juni 1919 gegen Arheitcr-Turnvereine vorgehen, bleibt zurzeit mir noch ein Schadensersatzprozeß übrig. Die Zivilsenate sind an den Geist der vereiingten Strafsenat« nicht gebunden. Ter kritisierte Beschluß der vereinigten Strafsenate zeigt, daß wir uns in einer schlimmeren Reaktionsperiode befinden als- die vor Jena war. Möge diese Reaktion bald durch eine Volkserhebung, ähnlich der von 1813 überwunden, endgültig überwunden werden. In diesem Sinne zu wirken ist eine würdige Feier zur Erinnerung an 1813. ver Seneralltreili In Ungarn vertagt! Budapest, 4. März.(Privattelegramm d e S„V o r- w ä r t s".) Die Opposition erschien heute im Reichstage, der- ließ aber nach einer Erklärung des Grafen Apponyi gegen den Wahlreformentwurf sofort wieder den Saal. Dieses Vor- gehen hat in der Hauptstadt große Enttäuschung hervor- gerufen. Man hatte bestimmt erwartet, daß die Opposition im Reichstage radikal vorgehen und daß die Vorgänge vom Juni sich iviederholen würden. Jedermann glaubte, mit dem Einzug der Opposition ins Parlament sei auch das Zeichen zum Generalstreik gegeben. Unter dem Eindruck der Handlungsweise der Opposition hielt die Parteileitung der Sozialdemokratie im Laufe des Nachmittags eine Sitzung ab, die bis 6 Uhr abends währte. Es wurde beschloffen, nachstehendes Manifest herauszugeben und es noch im Laufe des heutigen Abends im ganzen Lande zu verbreiten: Arbeiter! Genossen! Die sozialdemokratischen Arbeiter waren bereit, ihr Leben, ihre Freiheit, ihre Organisationen, alles aufs Spiel zu setzen, um das Tisza- Wahlrecht zu stürzen und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zu erringen. In der heutigen politischen Lage wäre dies nur durch eine gemeinsame Straßen- und ParlamcntSrevolution zu erreiche» gewesen. Die parlamentarische Opposition perwahrte sich gegen die Verhandlung dieser Vorlage und verließ das Abgeordnetenhaus. Dieses Vor- gehen entsprang ehrenwerten und gewichtigen Gründen und hatte die Wirkung, daß der parlamentarische Kcmipf mit diesem Protest sein Ende erreichte. Ohne parlamentarischen Kampf bleibt der Straßenkampf, mag er noch so heldenhaft und aufopfernd sein, erfolglos. Er würde nur dazu dienen, daß die Regierung durch einen Massenmord die festeste und sicherste Heerschar des all- gemeinen Wahlrechts, die Sozialdemokratie Ungarns, schwächen und durch dies Blutvergießen den Kampf der Arbeiterschaft zurückwerfen würde. Im Bewußtsein dieser unserer großen Verant- wortlichkcit sind wir unter diesen Umständen in diesem Augenblick genötigt, von der Antvendung der Waffe des General- st r e i k s a b z u st e h e n. So ww es eine unausbleibliche Pflicht für uns alle ist, daß wir für die Volksrcchte alles aufs Spiel setzen, wenn wir hoffen dürfen, daß aus der blutgetränkten Erde der Baum der Freiheit entsprießen kann, esye«bensylchc moralische Sünde und ein politischer Fehler wäre es, in diesem Moment das Volk vor die Bajonette und Maschinengewehre zu führen. Was dos TiSza-Parlament votiert, ist kein Gesetz. Was immer dort beschlossen wird, bedeutet nicht einmal die zeitweilige Erledigung der Wahlrechtsfrage. Der Redner der vereinigten Opposition hat im Namen dieser Partei in der Sitzung deS Abgeordnetenhauses ein Gelübde geleistet, daß die Proklamierung des Entwurfes zum Gesetz die oppositionellen Parteien keinen Moment in der fort- gesetzten Arbeit aufhalten wird, deren Ziel im Sinne der sozial- demokratischen Partei und der verbündeten oppositionellen Par- teicn die Schaffung eines ernsten, aufrichtigen demokratischen Wahlrechts ist. Der Kampfder oppositionellen Par- teicn für die Verwirklichung des ehrlichen Wahlrechts dauert also weiter, und die sozial- demokratische Partei wird an diesem Kampfe in jeder Form teilnehmen. Sie wird daran teilnehmen, in- dem sie die Vorbereitungen zum Generalstreik mit noch intensiverer und gründlicherer Arbeit als bisher fortsetzt, die revolutionäre Stimmung, die materielle Bereitschaft der Arbeiterklaffe noch mehr verstärkt, nm den politischen Generalstreik in jenem Moment be- ginnen zu können, welchen die Vertrauensmänner der Arbeiter- partci, nicht aber die Maschinengewehre des Grafen Tisza fiir richtig halten. Die Genoffen mögen ohne Ermüden die Vorbereitungen zum Moffenstreik fortsetzen. Sie mögen keinerlei Provokation ausüben. Mit der Disziplin und der revolutionären Energie sozialoemo« kratischcr Arbeiter wollen wir den Kampf für das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht weiterführen. Mit Pacteigrutz! Die Leitung der Sozialdemokratie Ungarns. Vle Friedensvermitfdung. Wie das Reutersche Bureau erfährt, wird in der t ü r- kischeu Note nur die Mediation der Mächte nachgesucht? von Bediilgungen ist nicht die Rede. In diplomatischen Kreisen wird betont, daß der Rat. der iii�der Kollektiv- n o t e d e r M ä ch t e in einem früheren Stadium der Türkei gegeben worden ist, noch jetzt für gut gehalten wird und die einzige Grundlage ist, auf der eine Mediation seitens der europäischen Mächte stattfinden könnte. Das Reutersche Bureau erklärt weiter, daß der Vorschlag, den die Türkei Sir Edward Grey als dem Präsidenten der Botschafterkon- fercnz gemacht hat. zu gleicher Zeit in den anderen euro- päischeil Hauptstädten durch die Vertreter der Türkei be- kanntgegeben worden ist. Diese Tatsack)« war in diplomati- schen Kreisen bereits am Freitagabend bekannt, ist aber aller Wahrschcin!ick)kcit nach fonuell erst bei der heutigen Bot- schafterkouferenz von Sir Edward Grey mitgeteilt worden. Es ist beschlossen worden, daß die Mächte nunmehr die B a l- kanstaaten von dem Ersuchen der Türkei in Kenntnis setzen und bei ihnen anfragen sollen, ob ihre Regierungen ebenfalls gewillt seien, die Herbeiführung einer Einigung der Vermittelung der Mächte zu überlassen, lieber die Frage, ob die Balkanstaaten voraussichtlich ihre Sache ohne Vorbehalt den Händen Europas anvertrauen werden oder nicht, ist für den Augenblick keine Information zu erhalten. Der attge- meine Eindruck scheint indessen zu sein, daß die V e r b ü n- deten gewillt seien, eine Vermittelung anzunehmen, daß sie aber vorerst die Bedingungen den Großmächten vorlegen wollen, unter denen sie zum Friedensschluß bereit sind. Nachdem sich die Großmächte über den Standpunkt der Balkanstaatcn vergewissert haben, werden sie, wie mau erwartet, den Entwurf eines Vertrages aufsetzen, der dann von beiden Parteien genehmigt und unterschrieben werden soll. Ferner meldet das Wiener Korrespondenzbureau aus Konstantinopel: Der russische Botschafter v. Giers teilte bei seiner vorgestrigen Unterredung mit dem Großwesir die Antwort der bulgarischen Regierung mit. die auf der in London vorgeschlagenen von Midia oder dem Kap Malatra etwa 49 Kilometer südlich von Jniada bis Rodosto verlaufenden Grenze bestehen soll. Es wird versichert, daß mehrere Mächte den neuen Vorschlag der Pforte unterstützen werden, denn die Mächte seien ini allgemeinen dagegen, daß Bulgarien zum Marmarameer Zutritt erhalte. Was die Entschädigungsansprüche der Balkanverbündeten in Höhe von einer Milliarde Frank betrifft, so hält man es für unwahrscheinlich, daß die Mächte eine solche Forderung unterstützen werden. Eine griechische Flottenaktion. Athen, 4. März. Die Agence VAthenes meldet aus Korfu: Gestern vormittag gegen 11 Uhr verließ eine Division der griechi- schen Schlachtflotte in Schlachtordnung den Hafen in der Richtung nach Norden, gefolgt von mehreren. Transportschiffen. Gegen 1)4 Uhr beschoffen die Kriegsschiffe Santi Quaranta. Die Bcvölke- rung von Korsu vernahm die Kanonade gleich entferntem Donner. Ilach telephonischen Nachrichten haben die Türken keinen Widerstand geleistet, sondern die Flucht ergriffen. Gegen 11 Uhr abends kehrten die Transportschiffe nach Korsu zurück. Die griechischen Truppen haben Santi Quaranta besetzt; die türkische Artillerie ivurde vernichtet. politische(lederNcbt. Berlin, den 4. März 1913. Von Tirpitz zu Solf. AusdemReichstagc. Zwischen dem Reichskanzler und dem Zentrum ist vorläufig noch keine„Entspamiung" eingetreten. Die Anfrage des Herrn Gröber, warum die Handhabung des Jesuiten gesetzes nicht ohne Nachschnüffelei und Schikane vor sich gehe, wurde durch einen „nachgeoediikten" Beamten des Herrn Delbrück so kühl bcant- wortet, daß das Zentrum entrüstet gegen so viel Lieblosigkeit rumorte. Ter Oberregierungsrat vom Auswärtigen Amt, der in der Regel die Anfragen, die an dieses Amt gerichtet werden, zu beanttvorten hat, gab auf eine nationalliberale Frage Aus- fünft, ohne wie sonst sein Gesicht durch ein überflüssiges Lächeln zu verzieren. Dann wurde die Debatte über die Reichswersten fortgesetzt. Der Zentruinsarbeiter Giesberts trat für einig« iWünsche der Arbeiter ein. Bemerkenswert war aber sein« Begründung der Forderung, daß der politischen Gesin- nung der Arbeiter nicht nachgestellt werden solle: da doch vier Fünftel der Arbeiter sozialdemokratisch organisiert seien, habe die Vcrfemung der sozialdemokratischen Gesinnung keinen Zweck mehr. Der Zentrumsmann erhielt eine bündige Antwort ans sachverständigein Munde. Der sozialdemokratische Abgeord- nete für Kiel, Genosse Legten, zugleich Vorsitzender der Generaskommissioii der Gewerkschaften, stellte diese zwei- heutige und laue Erklärimg in das rechte Licht; nicht solche Zweckmäßigkeitsgründe dürste« maßgebend sein, sondern der einfache Rechtsgrüridsatz, daß ein Arbeiter dem anderen gleich sei und daß die politische Gesinnung keinen Einfluß auf sein« Beschäftigung ausüben dürfe. Genosse Legten gab ferner dem Staatssekretär von Tirpitz die nötige Antwort auf seine Scharfmacherrede am Montag. In ruhiger, aber überzeugen- der und wirksamer Weise vertrat der langjährig« Führer der deutschen Gewerkschaftsbewegung die Bestrebungen und Ten- denzen der klassenbewußten Arbeiter im Kampfe mit dem Unternehmertum und der bürgerlichen Gesellschaft. Wenn Herr von Tirpitz und seine Gelsilfen überhaupt der Belehrung zugänglich sind, so konnten sin die sachkundigen Ausführungen Legiens ruhig als ein Kolleg betrachten, an dein sie ihre irrige und unzulängliche Sozialpolitik verbessern können. Auch Ge- noss« Brandes steuerte noch einiges zur Richtigstellung der Aeußerungen der Marinevenvaltung bei. Die Entgegnung des Admiralsrats Harms ließ er- kennen, daß Legiens Rede nicht ganz umsonst gewesen war. Der Herr versprach wenigstens, einigen Anregungen und Be- schwerden nachzugehen. Kurz vor Erledigung des Marineetats wurde das Haus noch durch ein heiteres Intermezzo erfrischt. Der Fortschrittler Ahlhorn, ein oldenburgischer Lehrer, brachte mit dem breiten Dialekt des echten Oldenburaers und mit der syste- malischen Gründlichkeit des rechten Lehrers einen Fall zur Sprache, der klar erkennen ließ, daß im geheimen schon wieder das übliche Techtelmechtel zwischen der Regierung und dem Zentrum angespoimen wird. Auf der Insel Wangeroog. der einzigen ostfriesischen Insel, die Oldenburg gehört, be- findet sich ein Leuchtturm, der seit Jahrhunderten seine roten Steinmassen den Schiffern zur Lehr und dem gierigen Meere zur Wehr in die salzige Seeluft reckt. Diesen roten Leucht- türm will die Regierung, so verriet Herr Ahlhorn dem ob dieser politischen Sensation baß verblüfften Hause, mit schtvarzem Teer anteeren oder— ansmären. Man konnte bei der heiteren Stimmung des Hauses nicht genau unterscheiden, welches dieser beiden sachlich in gleichem Maße zutreffenden Tätigkeitsworte Herr Ahchorn gebraucht hatte. Aber Herr von Tirpitz erklärte, zur großen Beruhigung des Hauses und zun, Aerger des Zentrums, daß er in diesem Falle für das bewährte Rot sei. Da aber die drei Staaten Preußen, Olden- bürg und Bremeil bereits übereingekommen siird, den rot strahlenden Leuchtturm zu schwärzen, so wird der Großadmiral wohl Flottendemonstrationen aus der Spree, der Weser und der Hunte veranlassen müssen, um die Rebellen zur Ordnung zubringen! Dann verschwanden die Blauröcke von der Bundesratsrampe, und Herr Solf vom Reichskolonialamt, unterstützt von einigen schwarzbefrackten Gehelmräten und einem Detachc- meut Khakikrieger erschien aus der Bildfläche, um seinen Etat vor dem Haus« zu verantworten. Genosse Henke, der Vertreter Bremens, eröffnete die Erörterung mit einer ausführlichen Darlegung der sozial- demokratischn Grundsätze für die Kolonialpolitik. Er ging von der Denkschrift des Gouverneurs für Ostafrika Dr. �chnce aus, der sich sehr skeptisch über die Besiedelungsfrage geäußert Int; der Staatssekretär stiiiime diesen Anschauungen im mesentlickieii bei. Damit ist lvieder einmal eine sozialdeiiiy. statische Anschauung, die früher von den Kolonialphantastrn von obenherab behandelt worden ist, durch die Tatsachen und die wachsende bessere Einsicht gerechtfertigt worden. Für wirk- liche Eingeborenenkultur sind die S'ozialden'o�raien von jeher eingetreten, im Gegensatz zur burgertich-imperialistischcn Methode der Vernichmilg, Beraubung oder Versklavung der Eingeborenen. Mit energischen Worten stellte Genosse Henke ferner den Staatssekretär wegen seiner Haltung zur Misch- ehcnfrage zur Rede, die erkennen« lasse, daß Herr Solf den Bc- fchlüsfen des Reichstages in dieser Angelegenheit nicht die nötige Achtung entgegenbringe. Am Mittwoch wird die Weiterberatung des Kolonialetats unterbrochen. Es stehen Petitionen und der konservative Initiativantrag über kleine Garnisonen und über freie Fahrt der Soldatenurlauber auf der Tagesordnung. Eisenbahnetat. DaS Abgeordnetenhaus beendete am Dienstag zunächst die Debatte über die finanztechnische Seite de« Eisenbahnetats. Rührend war es, wie sich konservative und Zentrumsredner für Tarifermähi- gungen zugunsten des niederschlesischen Kohlenreviers ins Zeug legten, natürlich nur im Interesse der Arbeiter, die sonst arbeitslos und zur Abwanderung gezwungen werden. An sich ist diese Forde- rung durchaus berechtigt, aber man kann sich deS Eindrucks nicht er» wehren, daß die zärtliche Fürsorge der Herren für die Arbeiter lediglich von der Nähe der Neuwahlen diktiert war. Wäre es ihnen damit Ernst, dann wären sie, wie Genosse S t r ö b e l ihnen treffend erwiderte, längst in der Lage gewesen, den nötigen Nachdruck hinter ihre Worte zu legen und den Reden Taten folgen zu lassen. Im übrigen widerlegte Ströbel die gegen die sozialdemokratischen For- derungen auf Beseitigung der ersten Wagenklasse und Verbesserungen für die Reisenden vierter Klaffe erhobenen Einwände, indem er zahlenmäßig die Unrentabilität der ersten Klasse nachwies und dem Minister gegenüber anführte, daß es ganz verlehrt sei, eS so darzustellen, als ob die vierte Klaffe nur auf kurze Strecken benutzt werde. Auch die Versuche der besitzenden Klasse,' sich für die Lasten, die ihnen durch die Militärvorlage im Reich aufgebürdet werden, an Steuererleichterungen in Preußen schadlos zu halten, brandmarkte unser Redner gebührend. Nachdem Abg. Beyerdas Ge- fühl, daß sie aus keinen Fall auf diesen Köder anbeißen dürfen und so haben sie denn einmütig die Zumutung abgelehnt. Noch nicht einmal verhandeln will man mit der Streik- kom Mission. Dagegen wurde schon am Sonnabend der Telegraph in Bewegung gesetzt, um Streikbrecher heranzuziehen. Nun kamen wohl am Sonntag drei Lokomotivführer aus Köln zugereist; aber als sie sahen, was los war, haben sie der.frommen Wohl- fahrtssirma" schnell wieder den Rücken gekehrt. Der Zentrums- abgeordnete Sauer mann, der in der Versammlung an- weseud war und zu vermitteln übernahm, ist genau so ab- geblitzt, wie der Herr Beigeordnete Mülhens. Jntcrcffant ist, daß die Versammlung wohl mit der Vermittlerrolle des Herrn S a u c r m a n n einvcrstangen lvar, aber man versprach sich nichts davon! Ei» Redner meinte sogar, daß die politische Vergangenheit des Herrn Sauer mann nicht be- sonders vertrauenerweckend sei. Nebrigens scheint Herr S a u c r m a n n auch nicht gerade auf das freundlichste behandelt worden zu sein. Denn Herr Thyssen jr. soll ihm kurzerhand erklärt haben, die Lokomotivführer seien bereits entlassen und die Rangiermeister und Rangierer würden am Montag entlassen. Damit sei die Sache erledigt. Eingestellt würden von den Streikenden n u r n a ch B e d a r f. In bczug auf Maßregelung lasse die Firma sich keine Vorschriften mache n. Auch lasse man sich aus keine Unterhandlungen ein. Wer wioder weiter arbeiten wolle, könne sich ja melden. Kann ein oft- preußischer Juirker schroffer sein wie unsere westdeutschen Jndu- .riebarone? Herr Saucrmann war denn auch sehr kleinlaut ge- worden und erklärte, daß er machtlos sei einem solchen Ver- kalten gegenüber. Als ihm dann gesagt wurde, er sei Land- tags abgeordneter und möge doch dafür sorgen, daß die Zustande bei der Beratung des Eisenbahnetats oider bei einer anderen Gelegenheit zur Erörterung im Landtage kämen, meinte er jedenfalls in ganz richtiger Vorahnung dessen, was kommen wird, für dies Jahr sei der Etat bereits erledigt und nach st es'Jahr— werde et wohl kein LandtagSab- geordneter mehr sein! Wie Herr Sauermanu sich auskennt! Wer nicht nur Zentrumsabgeordneter Sauermann, auch ein nationalliberaler Parteisekretär war an- wcsend, um zu vermitteln. Er schlug zu diesem Zwecke vor, den Reichstagsabgeordneten Dr. Böttger zu ersuchen, bei Herrn Thyssen vorstellig zu werden. Die Antwort war eine einmütige Ablehnung des Vorschlages des nationallibe- ralcn Sekretärs. Man erwiderte ihm, daß Herr Dr. Böttger, der Vertrauensmann der Großindustriellen, der allerungeeignetste Vermittler sei und erklärte, daß die Kommission der Streitenden jederzeit zur Unterhandlung bereit sei. Es wurde dann beschlossen, zwei Eingaben an das Oberbergamt in Dortmund und an die Revier- be Hörde zu schicken, worin aus die Gefahren hingewiesen werden soll, die durch die vorschriftswidrige Bemannung der Lokomotiven und durch die nicht geübten Rangierer entstehen. Mit Ausnahme der zu den Staatsbahnen und-den benachbarten �chen fahrenden Züge sind nämlich fast alle Lokomotiven nur mit einer Person besetzt, dem Lokomot'v- führer, der gleichzeitig auch stochern, putzen und all- die Ar- beiten mit besorgen mutz, die sonst der zweite Mann auf der Maschine zu besorgen hat! So hat also das Jndustriemagnatentum, da? in diesem be- sonderen Falle nebenbei auch noch als eine„froimne Wohltätig- kcitsfirma" austritt, in den sonst völlig unorganisierten, bunt zu- sammengewürfelten Massen durch sein keinen Widerspruch dulden- des Herrenmenschcntum ein Solidaritätsgefühl erzeugt, das die Organisationen, die sich sonst fast vergeblich um die Eisen- bahner bemüht hatten, in Erstaunen versetzt. Es wäre schade darum, wenn die Leute von dem säst allmächtigen Thyssen schließlich doch zu Boden gedrückt würden. Es kommen insgesamt 364 Personen in Betracht, nämlich 76 Lokomotivführer, 6 Heizer und der Rest Rangiermeister und Rangierer. Berlin und Omgegcnd. Zum Konfektionsschneiderstreik. Im.Berliner Tageblatt" ist gestern früh ein Bericht über eine Versammlung erschienen, in welcher der Herr Syndikus Stern Bericht erstattet hat. In diesem Bericht wird so ziemlich alles Tatsächliche auf den Kops gestellt. Zunächst behauptet Herr S ern,»der Verband der Schneider wollte nicht mit unserem Verband verhandeln. Als wir diesen ersten KuebelungS- versuch abgewehrt hatten, wurden alle unsere Angebote ab- gelehnt." Am S. Dezember v. I. wurde dem Arbeitgeberverband vom Verband der Schneider die Bereitwilligkeit erklärt, mit ihm ii, Verhandlungen einzutreten. In diesem Schreiben wurde auf den Vertrag hingewiesen, welcher die Schiedsgerichte behandelt. Der§ 2 dieses Vertrages hat folgenden Wortlaut: .§ 2. Das Schiedsgericht soll alle Streitigkeiten aus dem bestehenden Tarifverträge beilegeii. Bei geküiidigtem und neu abzuschliehendem Tarifvertrag- soll das Schiedsgericht nach er- folgter Kündigung über den neuen Entwurf beraten und den Parteien noch vor Ablauf des Tarifvertrags Vorschlage zur Ge. nehmigung unterbreiten.".. Diese vertragliche Bestimmung wollte der Arbeitgeberverband nickst erfüllen und dagegen wehrte sich der Schneiderverbaiid. Hierzu äußerte sich der Arbeitgeberverband am 7. Dezember v. I. unter einmal versucht werden muß. eine Verständi- auna' zwischen den Parteien bezw. deren Beauftragten herbeizu- jsthren. Sollte eine Verständigung zwischen dle,en Vertrauens- teuten nicht möglich sein, �nn erst könnte ein ��sgericht ye- bildet werden. daS dann wohl besser mit dem Namen Tarif- Wielepp, Newkölln. Inseratenteil verantw.: kommifston bezeichnet würbe und über dessen Besetzung eine Ver- ständigung zwischen beiden Teilen stattfinden müßte." Der Verband der Schneider erklärte sich am g. Dezember hier- mit einverstanden, indem er unter anderem folgendes antwortcie: »Wir teilen daher Ihre Ansicht vollkommen und bemerken nur, daß wir annahmen, Sie wollten das Schiedsgericht über- Haupt ausschalten. Da dies nach Ihrem Schreiben, im Falle einer Verständigung ztvischen den Parteien nicht erfolgen sollte, nicht der Fall ist, so sind wir mit Ihrer Auslegung bezüglich der Stellung des Schiedsgerichts durchaus einverstanden." S o sind die Arbeitgeber vom Schneidcrverband„geknebelt" worden. Später hat ein Vertreter des Schneiderverbandes auf die Bestimmungen des Vertrages Bezug genommen und angeregt, einen Unparteiischen anzurufen. Die Arbeitgeber verlangten, daß sich beide Parteien dessen Schiedsspruch unterwerfen sollten, wo- gegen die Arbeitnehmer sich hierauf nicht erklären wollten. Damit war doch den Arbeitgebern nicht zugemutet, daß sie ihren Mit- gliedern das Entscheidungsrecht nehmen sollten. Herr Stern behauptet aber kühn, die Arbeitnehmer verlangten, die Arbeitgeber sollten sich vorher dem Schiedsspruch unterwerfen, während die Arbeiter nachher entscheiden wollten! Daß die Arbeiter einen Lohnzuschlag von 5 bis 8 Proz. forderten, wie Herr Stern behauptet, ist unrichtig. Es soll eine zehnprozentige Lohnerhöhung aus den Gesamtlohn eintreten. Dieses Verlangen wurde immer gestellt. Dagegen hat Herr Syndikus Stern erklärt, daß sich über eine zehnprozentige Lohnerhöhung ohne die Extraarbeiten reden lasse. Aber angeboten haben die Arbeitgeber noch keine S Proz. Lohnerhöhung. Davon, daß 40 Proz. Lohnerhöhung gefordert werden, kann gar keine Rede sein. Ebenso ist es Unsinn, wenn behauptet wird, 1916 hätten die Arbeiter 33 Proz. Lohnerhöhung erhalten. Dagegen darf daraus verwiesen werden, daß der.Confcctio- nair" am 26. Januar 1916 folgendes feststellte: „In de» letzten fünf Jahren hat sich der Lebensunterhalt um 25 Proz. verteuert. Das ständige Steigen der Preise aller Lebensbedürfnisse in den letzten Jahren findet seinen ziffern- mätzigen Ausdruck an einer für den Lebcnsmittelvcrkclir be- sonders kompetenten Stelle. Danach haben sich seit fünf Jahren die Kosten der Lebenshaltung um' rund 23 Proz. erhöht. Eine entsprechende Erhöhung der Löhne und Gehälter konnte natür- lich nicht erfolgen. Infolgedessen werden durch die Teuerung insbesondere die ärmeren Schichten schwer betroffen. Die wohl- habendercn Klassen können leichter ihren Konsum einschränken oder zu Surrogaten billigerer Qualitäten greifen, während die dürftigeren Schichten der Bevölkerung schon früher keine Luxus- auswendungen machen konnten." Die Berliner Konfektionsschneider haben im Jahre 1916 zum erstenmal eine Ordnung ihrer Löhne herbeigeführt, die auch da- mals nicht soviel ausmachte, wie die Steigerung der Lebensmittel- preise sowie der Mieten. Am Schlüsse seiner Rede behauptet der Herr Syndikus, daß aus feiten der Arbeiter Terrorismus geübt werde. Diese Stelle darf natürlich in der Rede eines Arbeitgeber- Vertreters nicht fehlen. Dagegen ist es kein TerroriSmns, wenn der Arbeitgeberverband über seine Mitglieder hohe Strafen ver- hängt c\ber ihnen die Lieferung von Stoffen und Futter sperrt, wenn sie den berechtigten Forderungen der Arbeiter Rechnung zu tragen bereit sind. Weil die Unternehmer die Ansicht ihrer eigenen Mitglieder, daß den Forderungen der Arbeiter Rechnung getragen werden kann, mit Gewalt unterdrücken, indem sie deren Geschäfte zu ruinieren drohen, glauben sie, daß die Arbeiter sich gleich roher Gewaltmittel bedienen. Sic mögen ihre leichtfertigen Bchaup- tungcn beweisen. Für die Kostümschneidcr fand gestern die letzte Sitzung der TarifberatungSkommisston statt. Der neue Tarif lag gedruckt vor und wurden die einzelnen Positionen nochmals einer Nachprüfung unterzogen. Im Laufe dieser Woche wird dann der Tarifvertrag den in Frage kommenden Firme» zugestellt werden. Am, Freitag hat die Lohnzahlung zjpn ersten Male nach dem neuen Tarif zu erfolgen. Sollten$uyc Woche nicht alle Betriebe in den Besitz des Tarifs gelangen, so muß der erhöhte Lohn für die laufende Woche nachgezahlt werden.___ Die Lohnbewegung der Schuhmacher. Der Verband der Schuhmacher hat eine Bewegung eingeleitct, die um die Festsetzung eines Minimallohnes, Extra- cntschädigung der Ueber stunden, Freigabe der Furnituren sowie die Errichtung eines paritäti- schen Arbeitsnachweises geführt wird. Neben diesen all- gemeinen Forderungen sind in den einzelnen Betrieben Lohn- forderungen gestellt worden. Vergangene Woche fanden bereits Verhandlungen mit dem Unternehmerverband statt, deren Resultat den Schuhmachern in einer außerordentlichen Generalversammlung Montagabend unterbreitet wurde. Hamann referierte. Er legte dar. daß zunächst eine eingehende Beratung über die Errichtung eines parilätischen Arbeitsnachweises stattgefunden habe. Da die Unternehmer sich wunderten, warum die Arbeiter dieier Frage eine so große Bedeutung beimessen, sei ihnen die Antwort auSsührlich gegeben worden. Die Mängel des jetzt bestehenden Unternehmernachwcises seien erörtert worden. Der Arbeitsnachweis würde noch heute als Maßregelnngs- institut benutzt. Ein Teil Arbeiter würde von der Arbeits- vermittelung ausgeschlossen. Von einer geregelten Arbeits- vermittelung könne keine Rede sein. Die Unternehmer hätten er- klärt, die Mehrzahl der Mitglieder ihres Verbandes sei für die Er- richtung eines paritätischen Arbeitsnachweises noch nicht zu haben. Sie seien aber schließlich zu einem Entgegenkommen bereit, wenn in den übrigen Fragen eine Einigung erzielt würde. Wenn die Unter- nehmer ihren Arbeitsnachweis aufheben lvollten, so erwachse für die Arbeiter die dringende Pflicht, ihren eigenen Nachweis werter aus« zubauen. Als Mindest lohn wurde für die Zuschneider und Stanzer wöchentlich 27 M. gefordert. Die Unternehmer haben dieser Forderung nicht zugestimmt. Ihr BerbandStag habe be- schlössen, daß keine Mindestlöhne bewilligt werden dürften. Die Freigabe der Furnituren zu bewilligen, habe der Unter- nehmerverbandStag ebenfalls abgelehnt.(Durch das Liefern der Furnituren gehen manchen Arbeitern wöchentlich 1,56 bis 2 M. vom Lohne verlustig.) Eine besondere Entschädigung für. Ueber- st u n d e n würde bisher nicht gezahlt. � Die Unternehmer hätten auch jetzt die Berechtigung dieser Forderung be- stritten. Da der Beruf ein Saisongeschäft wäre, sollten die Arbeiter froh sein, wenn sie zeitweise Ueberstunden machen könnten. Nach längerem Verhandeln hätten sie sich aber be- reit erklärt, 16 Pf. Aufschlag für jede Ueberstunde zu bewilligen. Dem Uebelstande, daß keine geordneten Lohnverhältnisse in den Betrieben vorhanden seien, solle abgeholfen werden. Redner erörterte dann noch die Forderungen, die den einzelnen Betrieben unterbreitet wurden. Bei einigenFirmen seien Zugeständnisse gemacht worden, die aber im allgemeinen als ungenügend bezeichnet werden müßten. In Differenzen sei es auch schon bei der Firma Goldmann gekommen und in der Märkischen Schäflefabrik Härte man die Arbeiter entlassen, ivelche der Firma die Forderungen unter- breiteten.— Dienstag abend solle nun mit den Unternehmern noch- mals über die strittigen Punkte verhandelt werden. Diese VerHand- lungen müßten noch abgewartet werden. Am Mittwoch werde dann eine Versammlung der Arbeiter darüber zu entscheiden haben, ob man mit den Zugeständmyen einverstanden sei oder durch einen Kampf die berechtigten Forderungen durchdrücken wolle. In der sehr lebhaften Diskussion wurde ein energisches Vor- gehen gegen die Unternehmer gefordert. Die Schuhmacher hätten schon viel zu lange auf eine gerechte Aufbesserung ihrer Löhne ge- wartet. Alle übrigen Arbeiter hätten es besser verstanden, ihre Lebenslage zu verbessern. Es sei der reine Hohn, in den heutigen Zeiten die Schuhmacher noch mit Wochenlöhnen von 19, 26 und 21 M. nach Hause zu schicken. Der unerhörten Anmaßung der Unternehmer, Arbeiter, welche die Wünsche ihrer Kollegen vertreten. ». Glpcke. Berl'n. Druck u. Verlao.' Vorwärts Buckdr. u.«ertaasanitaU I zu entlassen, müsse mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. Den paritätischen Arbeitsnachweis wolllcn die Ünlcrnchmer nur des« halb nicht, weil sie sich weigern, die Arbeiter der Reihe nach ein« zustellen.— Nachdem Hamacher eingehend die(gegenwärtige Situation erörtert hatte, wurde einstimmig eine Nesolunon an« genommen, welche die geäußerten Wünsche festlegt. Tarifbewegung der Treibriemensattler. Das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen mit den Unter- nehmern gab Schulze in einer am Montag einberufenen und vollzählig besuchten Versammlung bekannt. In den Hauptfordc- rungcn verlangen die Arbeitgeber erhebliche Reduzierungen, so daß es zu einer Einigung vorerst nicht kommen konnte. Tie neun. stündige Arbeitszeit wollen die Arbeitgeber gewähren. Das gebt um so leichter, als in den meisten und auch maßgebendsten Werk- stätten diese Arbeitszeit schon seit längerem besteht. Besonders hartnäckig wehren sie sich gegen die geforderten Lohnaufbesserungen, denen sie wesentlich niedrigere Sätze gegenüberstellen. Des weite- ren wünschen die Arbeitgeber eine dreijährige Vcrtragsdaucr. Tie Verhandlungen mutzten infolgedessen vorläufig abgebrochen wer- den. damit die Verhandlungsteilnehmer noch einmal Rücksprache mit ihren Mandatgebcrn nehmen könnten. In der Versammlung am Montag erklärten die Redner ein- mutig, daß die Angebote der Unternehmer rundweg nndiskutabel seien und die Arbeiter aus keinen Fall sich damit zufrieden gebe» könnten. Damit jedoch das Unternehmertum nicht sagen kann, eine Einigung sei an der Unzugänglichkeit der Arbeitnehmer ge- scheitert, waren die Versammelten damit einverstanden, daß die Lohnkommission noch einmal mit den Arbeitgebern verhandeln und deren Angeboten in einigen Punkten entgegenkommen möge. In» de? sollen Ueberstunden in der Werkstatt nicht mehr gemacht wer- deNx solange die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Dcutfcbes Reich. Aussperrung im Malergewcrbe. In Verfolg des vom Hauptvorstand der deutschen Arbeit- gebervcrbände im. Malergcwerbc gefaßten Beschlusses, samt- lichc organisierten Maler auszusperren, wird jetzt die Aus- spetrung in den verschiedenen Lohngebicten vorgenommen. Tic Termine, an denen mit der Aussperrung begonnen wird, sind sehr verschieden. Den Reigen beginnt der Gau 1(Hamburg und Umgegend), wo gestern bereits 5000 Arbeiter ent- lassen worden sind. Es folgen dann am Tonnerstag die Gaue 2 und 3(Süddeutschland) und am Freitag die Gaue 4 und 6(Sachsen, Schlesien, Ost- und Westpreußcn). Der Gau 5(Berlin und Brandenburg) schreitet nach dem Beschlüsse der gestern stattgefundeuen Ber- sanimlung der Unternehmer am Sonnabend, den 8. März zur Aussperrung. Arn Freitagabend wird ctitc iL c r s a m m 4 lung der im Berliner Malergewerbe beschäftig- tcn Arbeiter zu diesem Ausspcrrungsbcschluß Stellung nch- men. Nähere Angaben über Ort und Zeit der Versammlung werden im Annoncenteil der Donnerstag-Nummer des „Vorwärts" bekanntgegeben werden. Eine Werftarbeiterkonferenz. Iii Hamburg traten am Sonntag, den 2. März, 144 Delegierte und Vorstandsvertretcr der Verbände der Metallarbeiter,� Holz» arbeiter, Maschinisten und Heizer, Kupferschmiede, Maler, Schiffs- zimmerer und Fabrikarbeiter ans den verschiedenen Werftorten zu einer Konferenz zusammen. Einem instruktiven Referat des Vor- sitzenden vom Metallarbeiterverband über die augenblickliche Wirt- schaftliche Lage folgte eine ausgedehnte Diskusston, in der leb« haste Klagen über die auf den Werften bestehenden Arbeitsver» Hältnisse vorgebracht wurden. Die Akkordlöhne versuche man überall zu reduzieren, teilweise um 36 Proz. und mehr. Durch langfristige Akkordarbeiten würden die Arbeiter auf Monate und Jahre an den Betrieb gebunden, wenn sie nicht größere Akkord- Überschüsse durch ihren Austritt aus dem Betrieb verlieren wollten. Lebhafte Klage wurde auch geführt über die Akkordraserei, die die Unfallgefahr ins Ungemesiene steigere. Schon sei der Unfug ein- gerissen, den Bau der Stellagen mit den Akkordarbeiten zu ver- koppeln. Der sehr starke Wechsel unter der Akkordarbeiterschaft sei ein weiterer Grund für die hohe Zahl der Unfälle. Von ver- schiedenen Seite wurde die Forderung nach Kontrollenren aus Ar- beiterkreisen laut. Die von einigen Werften angestellten Gerüst- kontrolleure seien ihrer Aufgabe nirgends gerecht geworden, was sich aus ihrem Abhängigkeitsverhältnis zu den Unternehmern ge- nügcnd erkläre. Nach den Angaben aus verschiedenen Wcrftorten bat sich der Durchschnittslohn der letzten Lohnbewegung nicht er- höht. Nicht selten würden höher entlohnte Arbeiter entlassen und andere zum niedrigen Einstellungslohn angenommen. Das lieber- stundeuwesen nehme immer größeren Umfang an, ließen sich doch Ueberstunden bis zu 66 in einer Woche feststellen. Aus einem Referat über den Stand der Organisationen aus den Werften ging hervor, daß insgesamt etwa 76 066 Arbeiter auf den Werften beschäftigt sind. Das Orgcmisationsverhältnis hat sich bedeutend gebessert.. Seit 1968 ist die Organisation unter den Metallarbeitern um über 106 Proz., unter den Holzarbeitern um über 74 Proz. gestiegen. Lohnbewegung im Schncidergewerbe. In den Orten, in denen die Unternehmer im Schncidergewerbe dem Untcrnehmcrvcrbandc nickt angeboren, werden jetzt vtelsach Lohnbewegungen geführt. In Uelzen, Salzwedcl. Verden bei Hau- nover und in Greisswald sind durch örtliche Verhandlungen bereits Einigungen erzielt. In Wismar ist von den Gehilfen die Mündt- gung eingereicht worden. Es kommt hier, wenn innerhalb der vierzehntägigen.Kündigungszcit nicht eine Einigung erzielt wird. zum Ausstand. In Kaiserslautern und in Hamborn ist es bereit» zum Ausstand gekommen. In.Hamborn nehmen außer dem Schneiderverbaiid auch der christliche Verband und die polnische Berufsvereinigung an der Bewegung teil. Achtimh, Küfer! In St. Gallen ist es infolge einer Lohn- ordcrung bei der Firma M a r t c l- F a l k u. Co., Weinhandlung, zu einer Entlassung gekominen. Da die Kollegen des Entlassenen sich solidarisch erklärten, wurde der üctrleb gciperrt und ist Zuzug von Küfern fernzuhalten. Namentlich die Kujer aus g-rankftrrt a. M. und Rdainz seien darauf ausmerstam gemacht. letzte N�chriebtew. s Tie Friedensbestrebungen der Großmächte. Sofia, 4. März. Meldung des Wiener K. K. Tcl.-Korr.- Bureaus.) Sämtliche Gc,a>idtcn der Großmächte haben bereits Instruktionen erhalten.\;ie werden morgen vormittag der bulgarischen Regierung ihre Vermittelung für Friedcnsvcrhand- lungen anbieten und zum baldigen Friedensschluß raten. Das neue Arbeitsministerinm der Vereinigten Staaten. Washington, 4. März.(W. T. B.) Präsident Taft hat die B.ll unterzeichne� durch welche ein A r b e i t s m i n i st e r i u in mit einem Kabinettminister an der Spitze geschaffen wird. Präsident Wilson beabsichtigt, für das neue Amt W. B. W i l s o n. einen Kongreßabgeordneten von Pennsylvanien und früheren Be. amten des Bergarbeiterverbandes, zu ernennen. jaul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilagen u. Uuterhaltuogsbt. Nr. 54. 80. ZahrMg. 1. Keilme des Jutmärts" fittlintt pIMIntt. Mittwlllh, 5. Mar; 1913. Reichstag 125. Sitzung. Dienstag, den 4. März 1913, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: V. T i r p i tz. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfvagen. Mg. Gröber iZ.) fragt an, was der Reichskanzler zu tun ge- denkt, um seine Erklärung, daß die Handhabung des Jesuiten- g e s e tz e s frei von jeder Nachschnüfselei und Schikane sein soll, zur Geltung zu bringen, gegenüber dem Vorgehen des katholischen Kirchenrats in Stuttgart aus Anlaß zweier Vorträge von Jesuiten- patres in einem katholischen Männerverein. Ministerialdirektor Caspar: Der katholische Kirchenrat in Stuttgart untersteht dem königl. württembergischen Ministerium für Kirchen- und Schulwesen. Da nicht dargetan ist, daß der Instanzen- zug in Württemberg erschöpft ist, liegt kein Anlaß für den Reichs- kanzler vor, bei der württembergischen Regierung Vorstellungen zu erheben.(AHa! im Zentrum.) Im übrigen läßt sich ohne nähere Ermittelungei, nicht feststellen, ob der Erlaß mit den Erklärungen des Reichskanzlers vereinbar ist oder nicht.(Gelächter und Unruhe im Zentrum.) Abg. Dr. Paaschc(natl.) fragt an, ob der Reichskanzler bereit ist, gegenüber den Bestrebungen der englischen Firma Lever Brothers eine ÄuSbeutungskonzession über zirka 12 000 englische Quadratmeilen deS wertvollsten Landes der Republik Liberia zu erhalten, die deutschen Interessen in Liberia zu schützen. OberregierungSrat Lehmann erwidert, daß gegen die Erteilung dieser Konzession durch die Regierung Verwahrung eingelegt werde, und daß die gesetzgebenden Körperschaften des Freistaates Liberia die Genehmigung nicht erteilt hätten. Hierauf wird das Etats notgesetz debattelos an die Kommission verwiesen. Dann wird die zweite Beratung des Marineetats fortgesetzt. Abg. Giesberts(Z.): Auch bei der Marineverwaltung wünschen wir einen Ausbau der Arbeiterausschüsse. Aus der Arbeitsordnung müssen Bestimmungen entfernt werden, die die Nichtbeschäftigung Angehöriger bestimmter politischer Parteien vorsehen. Wie wenig ,Sinn und Erfolg eine solche Bestimmung hat, beweist die Tatsache, daß bei den Ardeiterausschußwahlen vier Fünftel der Stimmen auf sozialdemokratische Kandidaten entfielen.(Hört! hört!) Wünschens- wert wäre ferner eine Denkschrift über die Löhne auf den Werften, die auch einen Vergleich mit den Löhnen in Privatwerftcn ermöglicht._ Noch bestehende Ungleichheiten in den Löhnen sollten beseitigt werden. Die Bezahlung der Feiertage muß auch hier wie bei den Eisenbahnen gefordert werden. Der Zustand, daß die Firma Krupp, die ein Sechstel ihrer Ar- beiter nur für die Marineverwaltung beschäftigt, noch immer keine ArbeiterauSschüsse hat, niuß endlich beseitigt werden; die Reichs- marineverwaltung sollte ernsthaft Vorstellungen in dieser Richtung bei dieser Firma erheben. Auch sonst sollte sie dahin wirken, daß in der Großeisenindustrie, der sie ihre Aufträge gibt, wenigstens die niinimalsten Forderungen der Sozialpolitik inbezug auf Löhne und Arbeitszeit erfüllt werden.(Bravo!) Abg. Lcgirn(Soz.): Wenn wir auf Einzelheiten, die bereits in der Kommission besprochen worden sind, hier wieder zu sprechen kommen, so geschieht das, um die sehr wertvollen Erklärungen des Staatssekretärs und seiner nachgeordneten Beamten hier wiederholen zu lasten. Ich sage, sehr wertvolle Erklärungen, denn das, was der Staatssekretär gestern hier ausgeführt hat, ivird die Arbeiter der Reichsmarinebetriebe a u s k l ä r e n über die Stellungnahme, die die Acichsmarineverwal« tung ihnen gegenüber einzunehmen beabsichtigt. Der Staatssekretär fragte: Was soll die Verwaltung tun, um für die Zukunft eine der- artige Kritik zu vermeiden? DaS ist nicht schwierig: er braucht nur dafür zu sorgen, daß in den Reichsmarinebetrieben mindestens die gleichen Lohn- und Arbeitsverhältnisse geschaffen werden, wie sie in guten Privatbetrieben vorhanden sind. Wenn in den Marinebetricben im letzten Jahrzehnt wesentliche Verbesterungen für die Arbeiter eingetreten sind, so ist das ausschließlich den sozial- demokraten zu danken, die zuerst von der Tribüne deS Reichstages diese Dinge besprochen haben.— Die Bestimmung in der Arbeits- Rleines feuillcton Kunstparadc. Wenn die Ausstellung der Akademie(am Pariser Platz), die am Dienstag eröfftret wurde, als eine der vielen Inszenierungen des Jubiläumsjahres betrachtet wird, so kann man nur sagen, daß die Veranstalter ihren Herrn kennen müssen und also wissen dürften, was angebracht und was unschick- lich ist. Man wird ihnen dann zugestehen, daß sie sich geschickt aus der Affäre zogen, indem sie Schlachtcnbilder und Fürsten- Porträts sparten und statt dessen die eigentlichen Objekte der Malkunst, die Landschaft, das Stilleben und das bürgerliche Bildnis walten ließen. Man könnte so fast zu der Meinung kommen, daß es sich hier tatsächlich um eine Angelegenheit der Knust handele. Sollte das stimmen, dann allerdings muß das Urteil umschlagen, Als Kunstparade kann dem Unternehmen ein wägender Takt nicht abgesprochen sein; als das, was es nach dem Vorwort des Kataloges sein soll, mutz ihm Strafe werden. Nach dem Katalog ist bcab- fichtigt:„Ein Bild des gegenwärtigen deutschen.Kunstschaffens zu geben." Davon kann keine Rede sein. Es handelt sich, künstlerisch aiigeschaut, schlecht und recht um eine Akademikerausstellung, wie Mir sie bis zum Ucberdrutz gewohnt sind: gleichgültig, langweilig, ohne eine Spur von Witterung für die entscheidenden Kämpfe um d-n Rhythmus der Zeit. Langweilig bis zum Sterben. Man entdeckt keinen Sinn in dicjrr Fcstvorstellung, sieht keine Ent- Wickelung, keine Persönlichkeit; fiihlt nur den Nebel des Einerlei und der Gleichgültigkeit. Gewiß, es sind auch etliche gute und charaktervolle Werke an- zutreffen; man erfreut sich an einigen frühen Schönlcber, ist verwundert über einen Klinger von 1878, der von den Dächern Roms eine impressionistische Dekoratton abstrahierte, genießt still und empfindsam die Naturscligkcit des Thoma. Dann gerät mau an einen L i c b c r m a n n, freilich an eines der schwächsten Bilder dieses starken Malers,.wundert sich einen Eorintb, wenn auch einen recht zahmen, vorzufinden, und ist geradezu verwirrt, mehrere Trübner der letzten Periode zu- gelassen zu sehen. Man kann auch noch etliche andere Entdeckungen machen: prachtvoll lebendige Zügel, einen melancholisch ver- träumten Frenze!, ein lustiges Stilleben von B r c y e r, ein ungewöhnlich starkes und geistig modelliertes Bildnis, das L c p- s i u s nach dem alten Justi malte. Das alles ist lobesam; ist aber nicht stark genug, um vergessen zu mache», datz hier nichts weniger ein Ueberbllck über den Bestand der deutschen Malerei im zwanzigsten Jahrhundert gegeben wurde. Die Flut der Vielen und Vielzuvielcn, die uns von allen Seiten cntgegenschwillt, läßt nns nicht zur Rübe kommen. Was gehen uns noch diese Werner. Vogel, Hcrrmann, Herkomer, Kiesel, Schcurcnbcrg und Genossen an? ' Man geht betrnbt von dauncn, um schnell diese Eindrücke wieder loszuwerden. r. ßr. Biel Kinder, wenig Miete. Der Stadtrat von Paris hat, um in seiner Weise für die Vermehrung der Bevölkerung Sorge zu tragen, b«n Beschluß gefaßt, in den Arbeiterlvohnhäusern. die städtisches Eigentum sind, die Mietsprcise sozusagen im umgekehrten Verhältnis> ordnung über die Nichtbeschäftigung sozialdemokratischer Agitatoren hält der Staatssekretär für notwendig. Eigenartig war die Begründung, mit der sich Herr Giesberts gegen diese Bestimmung wandte. Anstatt sich einfach aus Gerechtigkeits- gefllhl gegen diese Bestimmung der Arbeitsordnung zu erklären, meinte Herr Giesberts nur, sie hat sich als wirkungslos heraus- gestellt, daher kann sie beseitigt iverden. Das ist ch r i st l i ch e s Gerechtigkeitsgefühl.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Was heitzt im übrigen„sozialdemokratische Agitatoren"! Nach unseren Arbeiterbegriffen muß jeder Arbeiter, der überzeugter Sozialdemokrat ist und eingermaßen redegewandt ist, ein Agitator für seine lieber- zeugung sein.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Staats- sekretür meinte humoristisch, jede Hausfrau erkundige sich doch auch nach ihrem D i e n st in ä d ch e n vor der Anstellung. Ja. wenn der Staatssekretär zu den Arbeitern auf den Werften in dasselbe Ver- hältnis treten will wie die Hausfrau ihrem Dienstmädchen gegen- über, so wäre dieser Vergleich berechtigt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist etwas anderes, ob man sich darüber vergewissert, daß man es mit einem ehrlichen Menschen zu tun hat oder ob man vcranlatzt, daß Gesinnungsschnüffelei ge- trieben wird.(«ehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Da glücklicherweise jeder geistig fortgeschrittene Arbeiter heute zur Sozialdemokratie gehört, kommt die Marineverlvaltung gar nicht darum herum, Sozialdemokraten in ihren Betrieben zu beschäftigen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staatssekretär Querulanten, Friedensstörer usw. einfach mit sozialdemokratischen Agitatoren identinziert, so mutz ich sagen: ver ständige Unter- nehmer denken darüber anders, die sind längst zu der lieber» zeugung gekommen? daß sich am besten mit gewerkschaftlich organi- sierten und sozialdemokratisch gesinnten Arbeitern arbeiten läßt. Im übrigen wollen wir am wenigsten, daß die Arbeiterjugend verhetzt wird. Wir wollen den jungen Leuten ihre Jugend erhalten. Wer die Jugend aus patriotischen und kirchlichen Interessen verhetzt, das sind die bürgerlichen Parteien. Diese Verhetzung nennt man nicht.Politik�. Politische Bceinflußung soll es nur sein, wenn wir wünschen, daß die Arbeiterjugend in den Anschauungen ihrer Eltern auferzogen wird. Erziehen Sie nur Ihre Jugend, da haben Sie genug zu tun, und überlasten Sie es dem Proletariat, seine Jugend nach seinem Ideal zu erziehen.(Sehr gut! b.d.Soz.) Die Forderung, daß die Mitglieder der Arbeiterausschüsse während der Arbeitszeit mit den Arbeitern verkehren dürfen, liegt im Interesse derer, die ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen Verwaltung und Arbeitern wünschen. Die Verwaltung aber legt nur Wert auf Kommandieren, Disziplinieren und Reglementieren.— Ferner bc- stritt der Staatssekretär, daß man von schlechten Löhnen ans den Werften reden könnte, sagte aber gleichzeitig, die Verwaltung könne die Löhne vorwärts treiben, wenn der Reichstag mehr bewillig!. Als ob hier über die Wochenlöhne jedes einzelnen Werftarbeiters ver- handelt würde. Gerade der Marineverwaltung werden ja geradezu blindlings Millionen und Abermillionen bewilligt, es wird ihr völlig das DiSposiousrecht überlasten, der Reichstag hat nicht die geringste Kontrolle über die Verwendung im einzelnen. Gewiß sind Lohnerhöhungen eingetreten, aber sie sind vielfach durch Ver- längerungen der Arbeitszeit wieder ausgeglichen und stehen jeden- falls mit den Löhnen in der Privatindustrie in gar keinem Verhält- nis. Aber gerade die Arbeiter in den niedrigen Lohnklassen hat man nicht erhöht. Gewiß, viele Arbeiter glauben, sie hätten eine ge- sicherte Lebensstellung auf den Werften, aber wenn sie erst da sind, gehen ihre phantastischen Hoffnungen bald verloren. Hätte der Staatssekretär recht, dann müßte auf den Reichswcrften ein stabiler Arbeiterstand vorhanden sein, aber vom Oktober 1908 bis Oktober 1911 sind eingestellt 14 900 Arbeiter und abgegangen 1 2 700 Arbeiter.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Solche Betriebe nennt man Taubenschläge, das sind nicht Betriebe, in denen man dauernd Arbeit findet, wenn mehr als die Hälfte der Arbeiter durch die Betriebe laufen; das kann auch keineswegs im Interesse der Marineverwaltung liegen, der Staatssekretär sollte daher ruhig die Arbeitslöhne erhöhen, er würde sich dadurch einen stabilen Arbeiterstand sichern. Aber mir scheint, er geht wohl mit Ivürdiger Ruhe einer Seeschlacht entgegen, dagegen zittert ihm das Herz vor Angst, wenn er daran denkt, die Löhne auf den Werften könnten höher sein, als in der Privatindustric. Er fürchtet, darunter könnte die Konkurrenzfähigkeit der Privatindustrie mit dem Auslande leiden. In den Vereinigten Staaten und in England besteht die achtstündige Arbeitszeit schon lange, ohne daß der Schiffsbau zurückgegangen ist oder die Konkurreiizfähigleit, zur Zahl der Kinder des Wohnungsinhabers festzusetzen. Während der Mieter, der ein bis drei Kinder hat, für vier Zimmer 400, für drei Zimmer 333 und für zwei Zimmer 233 Frank zahlen muß, brauchen Mieter, die mehr als drei Kinder haben, für vier Zimmer nur 300 und für drei Zimmer nur 250 Frank zuzahlen. Man ging bei der Festsetzung dieser Mietspreise von der Erwägung aus, daß, da ein Arbeiter nicht allein, d. h. durch seiner Hände Arbeit, alle Unter- Haltungskosten für drei oder mehr Kinder unter 15 Jahren aufbringen kann, die Gesamtheit für ihn eintreten muß,.um ihm lvenigstenS das Mietezahlen zu erleichtern, um so mehr als ärmere Familienväter ans Spaffanlkeitsgründen jetzt ihreKinder in engen und ungesunden Räumen unterzubringen genötigt sind, zum großen Schaden der Moral und der Hygiene, wobei dieser«chadcn im letzten Grunde finanziell doch wieder aus die Gesamtheit abgewälzt wird. Nach Berechnungen über bie Löhne in ihrem Verhältnis zu den Mindestausgaben einer Arbeiter« familic ist man für Paris sogar zu dem Schluß gelangt, daß die einer Arbeiterfamilie zu gewährende Unterstützung 25 bis 50 vom Hundert der Löhne betragen müßte, je nachdem die Familie drei bis mehr als sieben Kinder unter fünfzehn Jahren hat. Der italienische Statistiker Schiavi, der sich mit diesem Gegenstande in der„Rivista bei Pubblici Servizi"(„Rundschau für Städtewescn") beschäftigt, teilt mit, daß auch die Gesellschaft für den Bau von Arbeiterwohn- hänsern in Mailand die Absicht hat. die Mieten in drei von ihr er- bauten Häusern für die Familien, die Kinder unter fünfzehn Jahren haben, herabzusetzen; die Preisherabsetzung beträgt 10 bis 30 vom Hundert, je nachdem mindestens vier oder mehr als acht Kinder vorhanden sind. Im günstigsten Falle zahlt der Mieter die Miete für zwei Zimmer, während er drei bewohnt. Eine neue Erklärung der Eiszeit. Seitdem eine früher weit stärkere Pergletscherung in den höheren Breiten der nördlichen Halb- kugel sowie in den Hochgebirgen und ihrer Umgebung einwandfrei erwiesen war, sind so viele Versuche zur Erklärung dieses außer- ordentlichen Ereignisses der Erdgeschichte gemacht worden, daß es fast schwer ist, noch etwas Neues zu erdenke». Trotzdem genügt keine dieser vielen Erklärungen ganz, und so zerbrechen sich die Gelehrten noch weiter die Köpfe. Professor Humphreys hat vor der Astronomischen Gesellschaft von Amerika jetzt noch eine neue Deutung der Eiszeit vorgetragen. Er greift auf die Tatsache zurück, daß der Eiszeit eine Epoche heftiger und langwieriger Vulkanausbrüche voranging und schließt nach Erfahrungen, die man nach einigen großen Eruptionen der Eiszeit gemacht hat daß große Massen von vulkanischem«taub bis in eine erhebliche Höhe der Atmosphäre ge- langt sein und die Kraft der Sonnenstrahlen hinreichend vermindert haben könnten, um eine bedeutende Abkühlung an der Erdoberfläche herberzufuhren. Auf diesem Wege wird die Eiszeit aus den Folgen der gewaltigen Vulkan, scheu Vorgänge der Vorzeit abgeleitet. Theater. Strindberg im Deutschen Schauspielhaus. Es ist doch entschieden verdienstlicher. Strindberg zu Pflegen, als irgend eines Modedramatilers zweifelhafte Bühncnobjekie vorzureiten. Für die Mitglieder der Freien Volksbühne zumal ist die Gelegenheit, denn die Konkurrenzfähigkeit einer Industrie hängt nicht von der Lage der Arbeitszeit ab,(Sehr richtig! bei den«ozialdemolraten) vielmehr von der Intelligenz der Arbeiter, die durch höhere Löhne und k ü r zere Arbeitszeit erhöht wird. Der Staatssekretär sagte ferner, die ungeteilte Arbeitszeit laffe sich nicht durchführen, iveil die Werft geöffnet bleiben muß, solange die Schiffe im Dienst stehen. Nun, sie bleibt doch auch nicht lvährend der Nachtmanöver geöffnet. Der Einwand zieht also nicht. Daß ein Teil der Leute, namentlich die' älteren, die ungeteilte Arbeitszeit nicht gerne sehen, glaube ich, lvir haben es aber mit der jüngeren Generation zu tun, und da haben sich die Wohnungs- Verhältnisse so gestaltet, daß von einer Möglichkeit des Mittags nach Hause zu gehen, garuicht die Rede scir kann. Bei der u n g e- teilten Arbeitszeit würde es aber mit den U e b erstunden ein Ende haben, und vielleicht ist das der Grund, warum die Werftvcrwaltung dagegen ist; denn in den Reichsmarinebetrieben werden Uebcrstunden in ganz gewaltigem Umfang geleistet. Ausländische Arbeiter, sagte der Staatssekretär, werden grund- sätzlich nicht beschäftigt. Die Ausführungen meines Freundes Brau« des bezogen sich auch nicht auf Marinebetricbc, sondern auf Ar- betten in Wilhelmshaven im Austrage der Marine, und da hat der Betriebsnuteriiehmer deutsche Arbeiter entlassen, um holländische einzustellen. Wir gönnen den ausländischen Arbeitern auch Arbeit, nur dürfen sie nicht als Lohndrücker beschäftigt werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) lind darauf sollte auch die Marineverwaltung achten.— Vielleicht nimmt der Staatssekretär einiges von dem, was wir ausgeführt haben, zur Notiz, und sorgt für Besserung.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sir(Z.): Die Staatsbetriebe sollten Musterbetriebe sein, gerade auch in bezug auf die Arbeitsverhältnisse. In Süddeutschland nimmt man ein stets wachsendes Interesse an unserer Marine; da sollte der Staatssekretär auch süddeutschen Abgeordneten Gelegenheit geben, durch persönliche Besichtigung ein Bild von den Werft- betrieben und den Kriegsschiffen zu bekommen. Auch sollte er bei der Vergebung von Lieferungen Süddeutschland mehr berück- sichtigen. Geheimrat Harms sagt möglichste Berücksichtigung Süd- deutschlauds bei Marinelieferungsn zu. Die Arbeiterausschüsse wünschen wir ebenso wie Herr Giesberts. in weit- gehendem Maße bei der Regelung der Arbeiterverhältnisse heranzuziehen; auch tvollen wir für sie die Verhältniswahl einführen. In bezug auf die Ständigkeit der Arbeiter bemerke ich, daß über 44 Proz. der Arbeiter über 10 Jahre, weiter 10 Proz. über 5 Jahre im Dienst find. Das ist doch eiir sehr stabiler Arbeiterstand. Die jungen Leute wechseln natürlich sehr stark, sie müssen herumkommen in der Welt, werden eingezogen usw. Bei Einstellung von auf Pripativerften früher beschäftigten Arbeitern wird selbstverständlich niemals die Zustimmung der Privatwerst eingeholt. Unebenheiten der Lohntarife lverden wir uns fortgesetzt auszugleichen bemühen. Der Abg. Brandes hat gestern wieder den Fall des Mannes erwähnt, der selbst zugegeben hat, außerhalb und innerhalb des Betriebes agitiert zu haben und der deshalb entlassen worden ist. Uebrigens kann doch ein Agitator nicht aus seiner Haut heraus und und wird, wenn er außerhalb des Betriebes ogitierr, auch innerhalb des Betriebes agitieren.(Widerspruch bei den Sozialdemolraten.) Uebrigens bandelt es sich hier um die Frage, ob über das außer- dienstliche Verhalten etwas ins Zeugnis aufgenommen werden darf oder nicht. Da hat früher das Oberlandcsgericht in Danzig ent- schieden, daß es zulässig sei, und danach haben wir gehandelt; in dem jetzigen Falle hat die zweite Instanz gegen uns ent- schieden und deshalb hat der Staatssekretär verfügt, daß über das außerdienstliche Verhalten nichts mehr ins Zeugnis zu schreiben ist. Im Durchschnitt sind unsere Löhne höher wie in der Privatindustrie, wenigstens bis 1911; sollte sich für 1912, wofür die Statistiken noch nicht vorliegen, etwas anderes herausstellen, so werden wir unsere Löhne revidieren.— Die U e b e r st u n d e n waren im vorigen Jahre allerdings sehr zahlreich, es handelte sich da aber um abnorme Verhältnisse.— Unsere Krankenstatistik beweist, daß die Krnnkeuziffer bei uns geringer ist als bei den Orts- krankenkassen, was sa auch natürlich ist.— Dem Abg. Legten ist bei seinen Ausführungen über die Arbeitszeit ein Irrtum unterlausen, es ist nur von den im Dienst befindlichen Schiffen die Rede gewesen, die sich wegen der Instandhaltung auf der Werft befinden. Auch glaube ich nicht, daß bei der ungeteilten Arbeitszeit die Zahl der Usberstunden sich verringern würde, sondern sie würde im Gegenteil steigxn, weil die Leute ja noch Zeit haben.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. GicSbrrts(Z.): Nicht aus Ztveckmäßigkeitsgründen, sondern nach und nach bei ihren Montagabenden in diesem Hause die meisten Dramen des nordischen Dichters zu genießen, hoch anzuschlagen. Diesmal kamen drei seiner zwischen 1888 und 1992 entstandenen Einakter an die Reihe. Den stärksten Eindruck vermag jedenfalls die Monologszene„Die Stärkere" zu erwecken. In„Erste Warnung" überrascht die Kühnheit, mit der es Strindberg wagl, ein psychophysiologisches Problem, nämlich die Weibahnung in der Seele eines angehenden Backfisches zu behandeln und, im Gegenspiel, gleichfalls geistvoll paradoy, das Thema von der reifen Frau anzupacken, die sich bewußt wird, daß sie zu altern und für den Mann an Interesse einzubüßen be- ginnt. Hier entfaltete Paula Somary als Backfischcheu Rosa eiu hinreißendes Spiel; und ebenso überraschend löste sie ihre passive Rolle in der Szene„Die Stärkere"; eine Sphinx mit Schlangenaugen: so kauerte sie sprunghaft und doch vernichtet in sich zusammengezwängt in der Sosaecke. Uebrigens loußte sowohl in diesem wie in dem andere» Einakter Marie Sera durch feines Spiel die Vorgänge im inneren Wesen der ihr anvertrauten Frauen- gestalten eindrucksvoll Iviederzuspiegeln. In„ D e b e t u u d K r e d i i" offenbart Strindberg die Schatten- feiten des Heldentums eines zu Berühmtheit gekommenen Mannes. Man wird lebhaft an Lilieueron erinnert, als er von„Manichäern" hart bedrängt wurde; oder auch an Richard Wagner, der, jahrzehntelang in ähnlicher Bedrängnis verbringend, einmal vcrlvunderungsvoll ans- rief: er vermute nun noch eine Rechnung von seiner Amme für die ehemals enipfangene Säugung zu erhalten. Darstellerische Leistungen von Belang wären, außer denen von Rosa V a I e t t i und Alexander Ekert(in zwei Stücken), allenfalls noch bei Adalbert Ulrici und Hermann Nissen zu registrieren. Die Regie löste die ihr zu- fallende ernfache Aufgabe zufriedenstellend. e. k. Nottzea. 'ff The a t e r ch r o>, i k. Die im Deutschen Opernhaus ursprünglich für Mittwoch angesetzte Erstaufführung des„Frei- schütz"� ist auf nächsten Sonnabend verschoben worden. Mittwoch geht dafür„Figaros Hochzeit" in Szene. . ff; A us st e l l u u g S ch r o n i l. Im Knnstsalon P. C a s s i r e r wird die März-Ausstellung Mittwoch, den 5. d. M.. eröffnet. Sie enthält Kollektionen von Trübner, Adolf Holzel. E. Othon Frieß, Fritz Rhein; ferner Bilder von Gogh, Renoir, H o d l e r it. a. — Ein Stadttheater, das keine Kinoauf- f u h r u ii g e n duldet. Sparsame Stadtväter hatten im O S n a- brücker Stadtverordiietenkollegium angeregt, den Sommer über im Stadttheatcr Kinoaufführungen zu veranstalten. Die Theater- kommisfion lehnte dies indes einmütig ab. Die Folg en des Theaterskandals. Direktor Gregor soll loegcn der Skandalszenen, die gegen ihn in der Wiener Hofoper inszeniert wurden, sein Entlassungsgesuch eingereicht haben(das natürlich nicht angenommen wurde). Die unglückliche «ängerin, die den Anlaß zu deni Austritt gab, versuchte einen Selbstmord und mußte in eine Nervenheilanstalt gebracht werden. aus Gerechtigkeitsgefühl sind wir für die Beseitigung des Agitatoren- t'aragraphen aus der Arbeitsordnung eingetrctriu Die Behauptung LegienS, daß alle intelligenten Arbeiter So�ialdemokrateir find, be- weift eine gewisse Großinannssucht der Sozialdemokraten. Abg. Brandes(Soz.): Ich habe nicht nur einen Fall in diesem und eine» im vorigen Jahr vorgebracht, sondern vier bis fünf. Uebrigens erfahren die Leute bei der beliebten Geheimniskrämerei sehr selten, warum sie entlassen werden; naturgemäß erfahren wir daher nur sehr wenige Fälle.— Den Andrang von Arbeitern hat auch jeder Privat- mann und konnte ihn anführen, um keine Lohnerhöhungen zu be- willigen.— lieber den Mangel an Arbeiterausschüssen bei der Firma Krupp kann ich mich nur den Ausführungen GieS- Berts anschließen.— Ueber die Zustimmung des früheren Arbeit- geberS zur Einstellung eines Arbeiters besteht eine Versügung: .Das Personal soll nicht ohne Zustimmung einer Firma von ihr weg engagiert werden." Die Arbeitgeber legen diese Bestimmung so aus, daß auch ein Arbeiter, der mit seinem Einlassungsschein kommt, ohne ihre Zustimmung nicht eingestellt werden darf. Das ist doch unzulässig, der Entlassungsschein muß der Werft doch genügen. sGeheimrat Harm s nickt zustimmend.) In dem vom Geheinirat Harms erwähnten Fall eines sozial- demokratischen Agitators war diese Agitation nur Vorwand, der wirkliche Grund war. daß der Mann als ArbeiterauSschußmitglied zu eifrig Ivar. Die Lohne in den Marinebetriebcn sind geringer als in der Privatindustrie, mein Material hierüber stelle jederzeit zur Bersügung. Abg. Lcgien sSoz.): Wenn in den Marinebelrieben auch llv Proz. der Arbeiter über 3 Jahre beschäftigt sind, so ändert das nichts daran, daß innerhalb dcr letzten zwei Jahre 06 Proz. der Arbeitgeber geivechselt habe». Es handelt sich auch keineswegs nur uin junge Leute, den» im ganzen sind nur 4500 Arbeiter iin Alier von IS bis'J5 Jahren, wäbrend 19 800 über 25 Jahre alt sind. Nur 867 von den 6 400, die freiwillig geivechselt haben, sind zum Militärdienst gegangen. Dann inemte Herr Geheimrat Hanns noch, ein sozial- demokratischer Agitator tonne gar nicht anders, als auch auf der Arbeirsstelle agitieren. Nimmt er von sich denn auch an, daß e r gar nichts anderes kann, als st ä n d i g M a r i n e r e d e n halten? fHeiterkeit.i Er berief sich auf den Passus einer Broschüre: Erstes Erfordernis ist Werkstattagitation. Gewiß, aber das heißt nicht Agitation an der Arbeits- stelle, sondern Z u s a in m e n b e r n f u n g der Arbeiter einer und derselben Werkstatt, um sich n a ch S ch l u ß der Arbeitszeit über die Werkstattverhältnisse auszusprechen. lZehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) In bezug auf die un- geteilte Arbeitszeit meinte er, es handle sich nur um die aus der Werst befindlichen Schiffe. Aber auch deren Dienstzeit ist eine andere als die der Werftarbeiter, also ist auch dieser Grund nicht ausschlaggebend. Schließlich erivartet er»och von der ungeteilten Arbeitszeit ei» Wachsen der lieberstunden, weil die Leute ja noch Zeit hätten. Er solle es nur versuchen, wenn die Leute kein warmes Mittagessen gehabt haben, wird er sehen, wie sie drängen, nach Hause zu komme». Damit schließt die Diskussion. Die Resolution der Kommission über das Petitionsrecht der Angestellten und Arbener der Marineverwaltung wird in der durch den Antrag Ablaß sBp.s verschärften Form angenommen, wonach dies Recht in keiner Weise beschränkt werden darf. Ebenso werden die Teile der Resolution betreffend Einführung der Wer- hältniswahl für die ArbeiterauSschüsse und die Entfernung von Be- slimmungen aus der Arbeitsordnung, welche die Nichtbeschäftigung von Angehörigen bestimmter politischer Parteien vorsehen, an- genommen. Ferner wird der Kommissionsvorschlag angenoimnen. wonach den» Reichstag alljährlich vor Beratung des Marineetats eine Statistik vorzulegen ist, auS welcher die Zahl der Arbeiter, getrennt nach Berufsgruppen und»ach der Art ihrer Bezahlung, ihr Lohn, Zahl der Ileberstunden, Festtagsarbeitsstunden, .Krankheitsfälle, Dienstalter. Zu- und Abgang sowie die Zahl der Betriebsbeainten im Verhältnis zur Arbeitergruppe ersichtlich ist. Bei einem späteren Kapitel wird eine Resolution angenommen, die Erhebungen verlangt über die Schädigung der alt- eingesessenen Fischer an der Kieler Föhrde durch Marineanlagen usw. und den Reichskanzler ersucht, in dem nächsten Etat einen Ausgleich dieser Schädigungen herbeizuführen. Abg. Ahlhorn iAp.) tritt lebhaft gegen eine beabsichtigte„grobe Verschandelung" des ans dem 16. Jahrhundert stammenden Leucht- turms auf der Insel Wangerow, der geleert werden soll, ein, Staatssekretär». Tirpifc: Auch die Marineverwaltung hat keinerlei Interesse an dcr Schwarzfärbung dieses Turms. jHeiterkeit und Bravo!) Die Foridausrnden Ausgaben werden bewilligt. Beim Ertraordinarium wünscht Abg. Waldstei» jVp.) Entschädigung der durch die Marinebauten geschädigten Huminerfischer aus Helgoland. Staatssekretär v. Tirpitz sagt Einsetzung einer entsprechenden Summe in den nächsten Etat z». Das Extraordinarium wird bewilligt; ebenso der Pest des Etats, Es folgt der Etat des Aieichskolo»iala»>ts. Abg. Henke sSoz.): Die Siedelungsfrage hat den Reichstag schon sehr oft beschäftigt. Seinerzeit glaubte man, daß es möglich sei» werde, in Nordafrika mehrere Millionen kleine Ansiedler anzusiedeln. Jnbezug auf S amoq hat der jetzige Staatssekretär als Gouverneur von Samoa seinerzeit der Besiedelimg durch deutsche Ansiedler widersprochen. Er tvar der Meinung, daß mau es nicht verantworten könne, Leute mit wenig Kapital dort hinüberzuziehen und Hoffnungen in ihnen zu erwecken, die auf keinen Fall in Erfüllung gehen würde». Aehnlich hat sich jetzt der Gouverneur von O st a f p i k a. Dr. Schnee, über die Besiedelung dieser Kolonie in einer Weise geäußert, daß damit allen verstiegenen Hoffnungen ein Ende bereitet sein dürste. Er stellt fest, daß der Gesundheitszustand dcr Ansiedler am Kilimandscharo sehr arg bedroht sein würde durch Malaria»nd andere Tropcnkrantheiten und daß der Ertrag ihrer Arbeit ihnen durch die Vogel- oder die Wild- schweinplage doch wieder genommen werden würde. Ganz im selben Sinne äußert sich-in Artikel der..Frankfurter Zeitung', der aus den großen Prozentsatz der Europäer, die dort g e l st e s- krank geworden sind, hinioeist. und an den Ziffern der Erkrankungs? und Todesfälle und dem häusigen Abgang der dortigen Beamten so- tote der Mitglieder der Schntztruppe nachweist, wie ungünstig dir Gc- snndheiisvcrhältnifie in dieser Kolonie sind. Dr. Schnee betont auch noch, daß in den Gebieten am Kilimandscharo sehrviele Eingeborene Produktion betreiben, die natürlich bessere Existenzmöglichkeiten haben als sie weiße Ansiedler je dort haben könnten. Es wäre daher ganz verkehrt, deutsche Ansiedler dort hinüberzulocken und sie sich dort ansiedeln zu lassen, wo die Eingeborenen dicht beieinander wohnen. Also es ist. nichts mit der Besiedelung von Ostafnka in dem Umfang, wie Kolomalphantasteu uns das früher glauben machen wollten. Auch die Ansiedelimg Von Leuten mit größerem Kapital, die sich mehr Land und Arbeiter leisten können, ist dort wenig aussichtsreich. Einmal fehlt es an der Absatzmöglichkeit für ihre Produkte und zweitens an Arbeitern. Die Absatzfrage betont Dr. Schnee besonders. Sie wurden>mt der Konkurrenz der billiger arbeitenden Eingeborenen zu rechnen haben, das würde den Zorn der Ansiedler erregen, und sie würden alles tun,_ um die Eingeborenenkultureu zu vernichten. Dagegen sind wir natürlich und wir freuen uns, in Herrn Dr. Schnee einen Mitkämpfer ge- funden zu haben. Wir Sozialdemokraten haben wieder einmal recht behalte», indem wir nüchtern die kolonialen Möglichkeiten erwogen haben. Di? Eingeborenen- kulturen wollen wir mit allen Mitteln fördern. 1908 rst auf unseren Antrag beschlossen worden, daß den HereroS wieder Land gegeben werden soff. Dieser Antrag ist von der Regierung ebenso wenig beachtet worden, wie der Beschluß des Reichstages in der Mischchciifrage, gegen den der Staatssekretär auf seiner umfangreichen Bierreise Propaganda gemacht hat, sPizepräsideut Dove: Der Ausdruck„Bierreise" auf eine amrliche Reise angewandt, ist ungehörig.) Ich will den Ausdruck gern zurücknehmen, aber der Staatssekretär hat ja selbst gesagt, daß er sich im Nebenamt in der nnangenehmen Lage befunden habe, die Zeit nur noch nach Bierabenden zu berechne» lHeiterkeit). Auch von der Besiedelung Kameruns kann nach dem Urteil sachverständiger bei dem m ö r d e r i s ch e n Klim a, das dort herrscht, keine Rede sein. Es bleibt also zur Besiedelung nur eine Kolonie übrig, die derartig im Bruch ist, daß sie dem Bankerott entgegengeht, wenn die D i a m a n t e n f u 11 d e aufhören. Was unseren Antrag ans Förderung dcr Eiiigeborenenkulture» in Siidwestafrika anlangt, so hätte man eigentlich annehmen sollen, daß er von dem Staatssekretär beachtet Ivorden wäre, der seinerzeit so vernünftig die Samoaner in Schlitz genommen hat gegen die All- deutschen. Uni die Ausrottung der Eingeborenen zu verhindern, gibt es nur das eine Mittel, die von uns empfohlene Unter- st ü tz u n g der E> n g e b 0 r e» e u k u l t u r e u. Freilich würde das den großen Plaiitagenbesitzern nicht gefallen, die über Arbeiter- mangel klagen. Man sagte anch in der Budgetkommission, für die Eiiigeboreiien müßte ein gewisser Zwang zur A r b e i l eingeführt werden, den» die Leute wollen faulenzen und nur ihre Frauen arbeiten lassen. Selbst Verireter des ä u ß e r st e n Liberalismus sprachen sich so aus. Man denkt gar nicht an den Kulturzustand dieser Leute, für sie eine zehn- stündige Arbeitszeit einzuführen, ist ganz unerträglich, einen der- artigen Arbeiterichntz müssen luir auf alle Fälle bekämpfen. Daß die Eingeborenenkolonien gedeihen, zeigt auch die neue Denkschrist des Koloiiialamts, und selbst zahlreiche Artikel der„Deutschen Tageszeitung", in dcr weit vernünftigere Ansichten zum Ausdruck kommen, als in den Leitartikeln. Es katm eben»iemaiid bestreiten, der die Dinge wirklich kennt, daß der farbige Arbeiter gern arbeit e t. Es gibl eben überhaupt keine Menschen, die von Natur aus faul wären. lGroße Heiterkeit.) Ich habe nichts dagegen, daß die Herren, die sich als A u s n a h m e fühlen, darüber lachen, sie lachen nur über sich selbst.«Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Von Natur gibt es keine arbeitsscheuen Menschen, nur die B e r h ä l t n i s s e mache» einen Menschen dazu.(Sehr wahr! bei de» Sozialdemokraten.) Wollen wir die Eingeborenelikultnren heben und die Eingeborenen schützen, so daß sie sich wohl fühlen. dann distfcn wir ihnen nicht kleine Häppchen Land zu- Westen, sondern müsse» ihnen genügend große Grundstücke zur Ver- ügung stellen. In 25 Jahren sind dort drüben 150 000 Mensche» vernichtet worden. Der Staatssekretär hat diese Ziffer berichtigt, aber eine Ge- währ für die Richtigkeit seiner Ziffern kann er auch nicht über- nehme». Aber selbst, wenn diese richtig sind, dann sind immer noch über 26 800 Menschen in Afrika hingeschlachtet, damit einige Wenige sich bereichern können. Wahre Menschenschlächtereien sind dort ver- anstaltet. Die Farmer empfehlen, die Eingeborenen nicht wie bis jetzt, nur mit Prügel und Gefängnis zu bestrafen, sondern wolle» die entlaufenen farbigen Arbeiter auch noch tätowieren, kennzeichnen und in Ketten lege». In bezug auf die Prügelei ist dem Staatssekretär sicher nicht alles bekannt, sonst tvürde er sicherlich längst mit einem Donnerworte dazwischen gefahren sein. Aber was die Farmer verlangt haben, ist geradezu himmelschreiend und ein Brandawl für die deutsche Kolonialpolitik. Der Gouverneur hat sich genötigt gesehen, in ganzen Bezirken das Anwerben farbiger Arbeiter zu verbieten. um ihre völlige Aufreibung zu verhindern. sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Zu Zehntausenden sind sie»ach Sainoa verschleppt worden und haben dort als Kulturdünger ge- endet. Das ist ein Kulturdotument dcr Schande, auf das auch die Koloniaiverwaltung achten sollte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Trotz der Verordnungen hat die Zahl der Anwerber dcr schwarzen Arbeiter zugenommen, mit Energie müßte die Verwaltung die Beachtung der Verordnungen erzwingen. Die Farmer verlange», daß die Arbeiter Stenern zahle», wenn sie nicht arbeiten, was ihnen natürlich unmöglich ist. Wenn die Farmer aber selbst Steuern zahle» sollen, dan» schreien sie auf. So hat sich eine Gesellschaft empört über eine Steuer, die ihr auf- erlegt wurde, weil sie Land in dcr Größe des Königreichs Bayern, das sie für 150 Pfund Stcrliuz erworben hatte(Hörs! hört!)»»- aufgeschloficu liegen ließ. Sie behauptete, das sei eine KanfiSkation „Ivohlcrworbeiisr" Rechie!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat der Gesellschaft eine erfreulich energische Antwort erteilt. Daß die Arbeiterfrage m den Kolonien brennend geworden ist, ist bekannt. So haben in Sonioa jetzt die Arbeiter auf de» Plan- tagen Lohnforderungen gestellt, lind ost Verhältnisse werden noch anders werden, wenn erst die Kulis und die Neger dazu kommen, sich zu organisieren und bessere Ärbeitsbedinguiigen jn fordern. Wir spreche» nicht von oben herab über diese Schwarze», wir betrachten sie als Arbeitsbrüdcr, ja solchr schwarzen Brüder sind uns noch lieber als die schwarze» Brüder i» Deutschland.(Heiterkeit.) Die Arbeiterfrage ist in den Kolonie» nicht im Sinne unserer Kapitalisten zu löse», l�ehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die humanste Kolonialpolitik bleibt immer die Förderung der Ein- geborenenkulinre». Wer uns freilich einreden wollte, daß die Baumwollproduktivn in unseren Kolonien in Wettbewerb treten könnte mit der Baumwollproduktion in Amerika, in Indien usw., der wäre nur ei» betrogener Betrüger. (Sehr wahr! bei den Sozialvemokraten.) Die Engländer sind den Eingeborenen in ihren Kolonie» ganz anders entgegengekommen. sie haben ihnen weilgehende Freiheiten eingeräumt. Dcr Staats- seireiär möge vor allem dafür sorgen, daß den G e l ü st e n der s ü d Iv e st a s r i k a>1 i s ch e n Farmer in bezug auf die Ovambos nicht nachgegeben wird. Diese Farmer haben nach der Arbeitskraft dieser Ovambo großen Appetit, wie Tiger auf Menschenblut. Ich erinnere an die bestialische Mißhandlung, die der Farmer Er am er a» Eiilgeboreneii sich hat zu schulden kommen lassen, mir weil er den Verdacht hatte, man gehe damit um, ihn zu vergiiten. Dabei� lag keinerlei Beweis für diesen Verdacht vor.(Hört! hört!) Selbst ein Oberrichter in S ü d lv e st a f r i k a erklärte, ihm sei schlecht getvordcn, als er eine P h 0 l 0 g r a p h i e eines solchen Mißhandelten sah. (Hort I hört I) Und diese Leute, die fast zusammenbrachen, ließ ein Polizeiwachtmeister viele Kilometer weil nach dem nächsten Orte transportieren. Das ivar ein Wachtmeister von so hervorragender Intelligenz, daß er in einem anderen Fall Milzbrand- b a z i ll e n mit d c in Opernglas suchte.(Heiterkeit.) Wir werde» die Eingeborenen gegen alle Uebergriffe von Farmern und Behörden stets in Schutz nehmen. Die weißen Arbeiter treten für die schwarzen ei» nach dem Worte des deutschen Dichters:„Der Gott, der Eisen ipachscn ließ, er wollte keine Knechte."(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Behandle man die Eingeborenen wie Menschen, dann wird man auch keine Aufstände zu fürchten haben und d a 1, n h r a il ch e n w i r an ch keine Schntztruppe. Der Staatssekretär, der früher auf Grund seiner Tätigkeit in Samoa z. B. von der„Rheinisch-Westsälischcn Zeitung" auf das schärfste angegriffen wurde, hat inzwischen in einer Weise den Bei- fall der Kolonialfreunde gesunden, die ihn uns recht verdächtig macht. Protestieren müssen wir dagegen, daß Herr Solf in seine» Reden Über die Mischehen während seiner Kolonialreise sich über den Be- s ch l» ff des Reichstages hinweggesetzt hat. Das Ansehen des Reichstags muff darunter leiden. Das Verbot dcr Mischehen ist zudem ein Unsinn sondergleichen! denn nur 1 Proz. dcr Mischlinge wird i» Ehe» geboren,. 99 Proz. außerhalb der Ehen. Wenn man behauptet, die schwarzen Weiber stehen auf weit tieferer Stufe als die weißen Weiber, so ist das nicht richtig. Es gibt weiße Weiber, die viel tiefer stehen als die schwarzen, ich erinnere nur an das Betragen der Frauen und Mädchen aus dem Bürgertum ge- legentlich der B e d u i n e n a u s st e l l u n g bei H a g e n b e ck.— Die deutsche Kolonialpolitik k 0 st e t dem deutschen Volke ungeheuer viel Geld und bringt nur sehr wenigen etwas ein. Viele Leute, die noch zu DernburgS Zeiten gern Geld hineingesteckt haben, sind jetzt doch vorsichtig geworden. Die Gründungen erweisen sich nicht so rentabel, als sie geglaubt haben. Wird beispielsweise der künst« liche Kautschuk erst billiger, so ist es mit der Rentabilität der Kautschukplantagen vorbei. Mit den Aussichten der Kolonien steht es also keineswegs günstig. Wir werden nach wie vor gegen diese Kolonialpolmk auf« treten.(Zuruf rechts.) Auch in den Sozialistischen Monats- heften finden Sie keinen Artikel, der die Mißhandlung de�r Eingeborenen gutheifft. Solch eine Kolonialpolitik kann eben kein Sozialdemokrat billigen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hieraus vertagt sich das Haus» Nächste Sitzung: Mittwoch 2 Uhr.(Antrag p. N 0 r m a n n(llf auf Vermehrung kleiner Garnisonen, Petitionen). Schluß 6>/z llhr.___ Mgeorcinetenkaus. 14 6. Sitzung. Dienstag, den 4. März 19 J3, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. B e s e l e r, b. B r e i t e n b a ch. Die Hintcrlcgungsordilung wird in dritter Lesung verabschiedet. In zwei Resolutionen wird iveiteste Heranziehung der Gerichts- schreiber zum HinterlegungSgeschäft und eine aufklärende Tätigkelt der Hinterlegungsstellen über daS Verfahren gewünscht. De� Eisenbahnetat. (2. Tag der wirtschaftspolitische» Besprechung.) Abg. Krause-Waldenbnrg(fk.) tritt sehr eingehend für Tarif- ermätzigungen zugunsten des niederfchlesifchen Kohlenreviers ein, das bisher stiefmütterlich behandelt wurde Ntld dessen Gaskohlen- export nach Berlin von 200 009 t auf 11000 t zurückgegangen ist. Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Lohnreduzierungen und schlechte Geschäfte sind die Folgen, lieber die Beurteilung dieser Verhältnisse sind sozialdemokratische, christliche, reichstreue Arbeiter und Zechen- besitzer einig. Abg. Dr. Ehlers(Vp.): Mit scheuer Ehrfurcht spricht man immer von dem„Betriebskoeffizienten" und wenn Verbesserungen oder Lohnerhöhungen gefordert werden, antwortet die Verwaltung innner, das geht nicht— der Betriebskoeffizient!(Heiterkeit.) An Personal brauchte die Verwaltung nicht so zu sparen. Im Interesse des ganzen Geschästslebens ist eine allmähliche Herabsetzung der Güter- tariie unentbehrlich. Abg. Göbel(Z.) fordert Sondertarife für die Döc�chlesischs Montanindustrie, um die Benachteiligung durch de» Großschiffahrts» weg Stettin-Berlin auszugleichen. b Minister v. Breitenbach:§ 6 des Wasserstrnffengesetzes verpflichtet die StaatSregierung, für die Erhaltung des Gleichgewichts zwischen den einzelnen Jnteressenrcvieren auf dem Berliner Markt zu sorgen. Erst wenn der Groffschiffahrtstveg die Konkurrenzfähigkeit Ober- schlesiens wirklich verschieben sollte, wird zu erwägen sein, ob eine Tarifrevision einzutreten hat. Es ist mir höchst zweifelhaft, ob es von den oberschlesischen Industriellen taklisch richtig ist, zu einer Zeit, wo sür die Oder so viel geschieht, so zu tun, als ob das alles für Oberschlesien nichts bedeute. Gegenüber Dr. Ehlers sei betont, daff ivir den Betriebskoefsizienten als Gradmesser sür die Wirtschaftlich- keit der Eisenbahnen nicht entbehren können. Die Frage, ob Sonder- tarise für Niederschlesien eingeführt werden können, soll nochmals geprüft werden. Abg. Dr. Schiffer«(natl.) begründet einen von Abgeordneten aus Schleswig-Holstein gestellten Antrag, die Regierung möge dafür orgen, daff die durch den Bau von Eisenbahnhochbrücken über de» Kaiser-Wilhclm-Kanal herbeigeführte Verlängerung der Schienenwege keine Erhöhimg der Frachtsätze und dcr Preise der Fahrkarten zur Folge hat. Der Ausbau des Kanals erfolge im Interesse des Reichs und es sei ein Gebot der Billigkeit, die betroffenen Landesteile darunter nicht leiden zu lassen. Minister v. Breitenbach ivendet sich aus grundsätzlichen Erwägungen gegen den Antrag. Jede Aenderung der Wegelängcn muß in den Tarifen zum Ausdruck kommen. Abg. Witzman»(natl.): Die an sich segensreiche Einrichtung der Sountagskarten kommt nur den Grobstädtern zugute. Am besten haben es die Berliner mit ihrer Stadt-, Ring- und Vorortbahn. Für sie ist auf der Eisenbahn alle Tage Sonntag(Lachen linkst. Der Redner verlangt Soimtagskarteu für die Städte Goldberg und Hayiian, die in seinem Wahlkreis liegen(Lachen links). Abg. Fiirbniiger(natl.) bekämpft vom Standpunkt: feines Wahlkreises Emden die billigen Ausnahmetarife für Futtermittel. Darunter müsse die Enidener Schiffahrt leiden. Abg. Ströbcl(Soz.): Ter Minister hat meine Forderung nach Beseitigung der ersten Klasse abgelehnt, trotzdem die Frequenz der ersten Klasse auf nur 1,6 Millionen Personen, Viqn der Gesamtfregnenz gesunken ist. Man will die erste Klasse stärker benutzt haben, indem man die Tarife herabgesetzt. Das ist unrationell, denii damit wird ms» keineswegs die Summen aufbringen, die die erste Klasse verschling«. Wenn die Regierung bei der Elektrisierung der berliner Stadl- ruri» Vorortbahnen die Rentabilität so betont und deshalb die Tarife er- höben will, dann müßte sie diesen Standpunkt doch bei der ersten Klasse einnehmen, die überhaupt nicht rentabel gemacht werden kann. Denn selbst wenn sie auf ihre frühere rguenz wieder gebracht werden könnte, so betrüge die tote Last ans jeden Pasiagier immer noch 1100 Kilogramm gegen 200 Kilogramm inderlV. Klasse und derPerionenkilometer würde dann noch iminer 13,66Ps. gegen 4.64 in der II., 3.32 in der III., und 1,18 Pf. in der IV. Kl. kosten. DielV. Klaff'e muß aber 2 Pf. für den Kilometer bezahlen, die I.Klasse nur 7 Pf., während sie dem Staat das zehnfache kostet. Ter Ertrag beträgt n»f den Perioncutilymeter in der I. Klasse 7,49 Pf., in der II. 4.15. in der III. 2.18 und in der IV. 1.37. Die IV. und die III. Klasse» ergebe» einen U e b c r s ch n ß, die II. Klasse ist schon unrentabel und die I, Klare erfordert einen ganz gewaltiaen Zuschuß. Die Fordeitzig nach ihrer Abschaffung ist also berechtigt, wie die der Milsuhrung der IV. Klasse in den v- und Eilige», Wenn der Minister erklärte, daß in der IV. Klasse hauptsächlich nur Personen reisen, die den Nahverkehr benutzen, so merkt man. dag er»och nie tu d c r IV. K l a s s e g e f a h r e n t st. Es wäre aber recht gut, wenn er einmal in eine solche Bazillcnkutsche h i N e i n st i e g e.(Sehr gut! links.) Ich bin schon viel in der IV. Klasse gefahren und habe beobachtet, daß sehr viele Steifende s e h r w e i t fahren, es sind übrigens nichr nur Arbeiter, sondern auch Gtzinnasiasten, Seminaristen, Lehrer und gelegentlich einmal auch Pfarrer dabei. Das Publikum, das nur den Nahverkehr be- nutzen will, wird sich schon nicht in die D-Züge setzen, die große Strecken ohne Aufenthalt durchfahren. Also, die IV. Klasse, die den größten Ueber schuß ausbringt, hat durch- aus den Anspruch auf Benutzung der Schnellzüge. Aber freilich, in diesem Dreiklasse n Parlament betrachtet man anch diese Eisenbahnstage vom Standpunkt des Drei- oder vielmehr eines V i e r k l a f s e» w a h l r e ch t S.(Sehr gut! bei den c-ozialdeino- kraren.) Wegen der wenigen G e l d s ä ck e. die sich in der j. Klaffe separieren wollen, müssen die Interessen der großen Massen in der III. und IV. Klaffe z u r n ck st e h e n. Die Re- giernng stößt sich da an der Strippe halte» von den Machthaber» dieses Hauses, das schon vor Jahrzehnten von konservativer Seite als ein Geldsackparlament bezeichnet wurde, statt die Verlehrsinteressen zu beobachten.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Herr Friedberg hat mir gestern zur Frage der Aufhebung der Steuerzuschläge entgegengehalten, daß Einnahmen doch nur dann vorhanden sein sollen, wenn auch die entsprechenden Ausgaben zu decken seien, Steuern auf Vorrat solle man doch nicht dewilligem Das wollen wir Sozialdemokraten natürlich auch nicht und über die Ouotisierung läßt sich reden. Die Aufhebung der Steuerzuschläge aber würde ein Geschenk an die Reichsten und Allcrrcichstcn bedeuten, denn'27 von den 33 Millionen Zuschläge der physischen toteuerzensiten werden von denjenigen aufgebracht, die mehr als 960» M. Einkommen haben, und nur 6 Millionen von denjenigen, die ein geringeres Einkommen haben. Wir stehen auf dem Standpunkt, den die Regierung bei der Einbringung des Gesetzes Über die Zuschläge eingenomnien hat, daß die Einkommen bis etwa 7l>(>l1 Mark von den Zuschlägen befreit werden sollen. Wir stimmen hier a u snqhmstveise mit dem Abg. V. Zedlitz darin überein, daß die Steuerzuschläge für die reicheren Leute aufzuheben ein kolossales Steuergeschenk für diese Leute bedeuten würde. Die Zuschläge sind progressiv, sie steigen von 5 bis W Proz. der Einkommensteuer und machen also für die höchsten Einkommen ungefähr l Proz. des Einkommens aus. Diesen Betrag aber den reichsten Leuten zu schenken, bedeutet eine ganz kolossale und völlig ungerechtfertigte Liebesgabe. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ausgaben, die zu decken wären, gibt es genug. ES ist unbedingt notwendig, die Löhne der Eisenbahnarbeiter, der staatlichen Berg- und Forstarbeiter, der Unter- beamten, zu erhöhen. Es ist richtig, daß die Anforderungen des Reichs für den Militarismus kolossal wachsen, endlich sollen auch die bisher verhätschelten besitzenden Klassen dazu beitragen, was vielleicht ganz gesunde Folgen haben wird. Aber Sie dürfen sich nicht gleich- zeitig in Preußen 52 Millionen Zuschläge schenken lassen. Der sreikonservative Abg. V. D e w i tz hat in einer Broschüre dargelegt, daß sich das Vermögen gerade der reichsten Leute in Preußen ganz autzcrordcutlich vermehrt hat. Also die Zuschlüge müssen beibehalten nud zur Verbesserung der Betriebseinrichtungen im Interesse der Gesundheit der Reisenden sowie zur Aufbesserung der Luhne verwendet werden. Herr Witzmann hat die billigen Vororts- und Sonntagskarten als eine Liebesgabe an die Berliner Bevölkerung bezeichnet. Nun, der Stadtkreis Berlin bringt 33 Millionen, der Regierungsbezirk Potsdam, dem die Berliner Vororte angehören, 49 Millionen Mark Einkommen- steuer auf, dagegen die Regierungsbezirke Königsberg nur 4,2, Gumbinnen nur 1,5, Allenstein 1,2, Danzig 3,2 und Marienwerder nur 2.5 Millionen auf.(Hört! hört! bei den Soz.) Da darf die Großberliner Bevölkerung schon mit Recht verlangen, das; ihr die Erholung in frischer Luft erleichtert wird. Aber wie wird das Gros;- berliner Publikum in den SonntagSzügen zusammengepfercht! Ganz anders wie in der ersten Klasse reist man da! Wir wünschen übrigens das gleiche Entgegenkommen in den Fahrkartenpreisen für die ganze städtische Bevölkerung des Staates Die traurige» Verhältnisse im»iederschlesischen Kohlenrevier hat Herr Krause richtig geschildert und auch Ivic verlangen sorgfältige Prüfung der Frag: einer Tqrifermäßigung. Die Löhne sind er- barmungswürdig, sie betragen bei den Hauern 2,91 M. iveniger als in Rheinlaud-Westfalen und bei allen Bergarbeitern Niederschlesiens 1,39 M. weniger. Aber alle Versuche, sie zu erhöhen, sind an den Grubenbesitzern gescheitert. Die Zahl der beschäftigten Bergarbeiter ist in Niederschlesien von 1999—1911 nur von 24 999 aus 28 999 gestiegen, in Oberschlefien dagegen von 68 999 auf 117 999 und im Bezirk Dortmund von 229 999 auf 341 999. Auflösten Niederschlejiens ist die Zufuhr englischer und westfälischer Kohle nach Berlin gewallig gestiegen. Sogar Öberschlesien»rächt Nieder- schlesien Konkurrenz, also' eine Tarifbegünstigung ist notlvendig. Allerdings sollte Herr Krause innerhalb seiner eigenen Partei und der befreundeten und benachbarten Parteien dahin wirken, daß das Verftäudnis für die Rot der breiten Arbeitermaffen größer wird. Da kann er sich ein nationales Verdienst erwerben. Aber Sie müssen nicht nur arbeiter srenudlich reden, sondern auch so handeln.(Sehr gut! bei den Sozialdemolraten.) Da begrüße ich auch die Worte des Dr. Ehlers, daß die Arbeitslöhne ohne Rücksicht auf den Betriebskoefsizienteii eine angemessene Existenz ermöglichen niüssen. (Sehr richtig! links.) W i r haben diesen gesunden Standpunkt i inm er und nickt nur dem Fiskus, sondern auch der Privatindustrie gegenüber verfochten. Wicht der Profit einer Anzahl Expropriateure, Kapitatisteir und Ausbeuter darf ausschlaggebend sein, sondern ob die große Volksinasse erträglich leben rann. Das wäre der wirklich nationale Standpunlt, den Sie einnehmen müßten, und erst wenn Sie sich zu ihm durchzuringen und sich von ihm bei der Gesetz gebung leiten zu lassen vermögen, erst dann werden Sie die Interessen des ganzen Volkes wahren!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nach weiter unwesentlicher Debatte wird diese geschlossen und der Antrag Schiffer angeiiominen. Abg. Vcycr-Dortmund(Z.) tritt für erncjäiizahl Wünsche der Eisenbahnarbeiter und Beamten ein, Abg. Stroffcr(f.) für die Lokomotivführer. Auf Antrag des nächsten Redners, des Abg. Dr. Schröder- Kassel(natl.) vertagt das HauS die Weilerberatung auf morgen Mittwoch, 1 Uhr. Schluh ch'/z Uhr.__ parlamcntanfcbes. Die Koloilialctats in der Budgetkommission. Der Angabe des Abg. Crzberger, daß in Ostafrika von Askarii (farbigen Soldaten) viehisch- Grausamkeiten in großer Zahl ver- übt worden sind, widersprach am Dienstag die Regierung, erklärte sich aber bereit, nachdem ihr Raiueu von Gewährsmännern genannt worden waren, eine strenge Untersuchung einzuleiten. Für den Preis von 19 Pf. pro Hektar hat vor Jahren die Togogesellschaft in Togo den Eingeoorenen Riesenkomplexe Land abgenommen. Auf energisches Drängen der Sozialdemokratie mußte sich die Regierung damit befassen und hat jetzt einen Vergleich mit der Gesellschaft geschlossen, durch welchen sie den größten Teil des Landes wieder abgetreten hat. In Südwestafrika zahlt die Kolonie die Polizei, das Reich die etwa 2999 Manu starke Schutztruppe. Eine Volks- parteiliche Resolution, die die Verteilung der Kosten für beide Machtfaktoren auf das Reich und die Kolonie fordert, wurde von unseren Genossen bekämpft wegen der Unübersichtlichkeit der Etati- sierung; feruet wurde die Verminderung der Schutztruppe gefordert. Die ungemein stark dezimierte eingeborene Bevölkerung sei gar nicht mehr imstande, einen Aufstand'zu unternehmen. Die weißen «üdwestafrikaner wollen aber die Schutztruppe in heutiger Stärke erhalten wissen, weil das W i r t s ch a f i s l c b e n der Kolonie von dem Vorhandensein der Truppe geradezu abhängig, ist.— Bei Bs- sprechung der Diamantensrage wurde mitgeteilt, daß Fachleute schätzen, in 15 bis 29 Jahren werden die Diamantenfelder abge- baut sein. Deutschland wird von dem Antwerpener Diamanten- --LL.— il— I— J— syndikat schwer geschädigt, das Syndikat soll jährlich an 19 bis tl Millionen an den siidweftafritqnischeu Diamanten, die zu den besten gehören, aber nur zu 6— 7 Proz. in Deutschland geschlissen werden, verdienen, trotzdem die deutsche Industrie auf einer hohen istusc der Leistungsfähigkeit steht, Die Erörterung aller dieser Fragen wird in der Kommission noch fortgesetzt. Die Ävnkurrcnzklauscl. Bei der Beratung des§ 75 hekänipstcn die Sozialdemokraten die im Absatz 3 liegende Ungerechtigkeit, wonach der Gehilfe keinen Anspruch aus Entschädigung haben soll, wenn er dem Prinzipal durch vertragswidriges Verhalten Grund gegeben hat, das Dienst- Verhältnis zu lösen. Ein Antrag unserer Genossen, Prinzipale und Gehilfen gleichzustellen, wurde abgelehnt. Der§ 75 bestimmt in seiner jetzigen Fassung! Der Gehilfe, der wegen Vertrags- widrigen Verhaltens des Prinzipals Grund hatte, das Dienstvcr- hältnis zu lösen, kann innerhalv eines Monats schriftlich er- klären, das; er sich an die Vereinbarungen über das Wettbewerbs- verbot nicht mehr für gebunden erachte. Dasselbe gilt, wenn der Prinzipal dem Gehilfen das Dienstverhältnis kündigt.— Die NcchtSungleichheit im Absatz 3 tvurde aufrechterhalten. Bus der partei. Gemeindcwahlsicg. In dem Vogesenstädtcheu St. Kreuz wurde am Sonntag, den 2. März, bei den Stichwahlen zum Gcmeinderat den Klerikalen durch unsere Genossen in Gemeinschaft mit den Demokraten eine vollständige Niederlage bereitet. Von den vier zur Wahl stehenden Mandaten fielen drei den Soziatdemokrateu und eins den Demokraten zu. Bereits bei den Wahlen im Herbst wurde in diese Zcntrumsdomäue Bresche gelegt. Zum Stuttgarter Partciftreit. In der„Schwäbischen Tatzlvacht" vom Montag wird folgende Erklärung des Genossen L t n d e m a n n veröffentlicht: Die Mitteilung der Rathausfraktion in Nr. 48 der„Schwäbischen Tagwpcht" veranlaßt mich zu der folgenden Erwiderung: Es wird darin von„irrtümlichen Ausführungen" meiner Erlläriing gesprochen, ohne daß im einzelnen angegeben lväre, worin die Irrtümer be- ständen. Ihr gegenüber muß ich durchaus an dem Inhalt meiner Erklärung festhalten. Die beiden entscheidenden Punkte, daß über die Entferituiig aus der Sitzung des Bürgerausschusses keine Perein- barung irgendwelcher Art getroffen worden war, und daß das Hinausgehen der Fraktionsmitglieder eine Desavouierung der von mir gegebenen Erklärung tvar und von mir auch als solche empstinden wurde, können in keiner Weise bestritten werden. Warum verlangt man jetzt von mir Solidarität mit einer Handlung, die ich kurz vorher noch in der Besprechung der Fraktion außerhalb der Bürgeransschuß- sitziing entschieden bekämpft hatte k Warum verlangt mau nicht viel- mehr von den anderen Fraktionsmitgliedern Solidarität mit dem von ihnen beauftragten Sprecher k Warum'i Weil einige Parteigenossen außerhalb der Rathausfraktion eine günstige Gelegenheit ersahen, mir, dem Mißliebigen, am Zeuge zu flicken! In der Zusammenkunft der Mitglieder der tliathausfraktioii nach der gemeinschaftlichen Sitzung hat nieinaiid daran gedacht, meine Schandtaten als geeignete Unterlagen für ein Ketzergericht zu denunzieren nnd den Prozeß durch Anllageerhebung einzuleiten. Das kam erst später I Bürger- liche Blätter waren zuerst der Ansicht, daß ich zur Ueberwachung der bürgerlichen Parteien zurückgeblieben sei. bis sie das bekannte Stutt- garcer Telegramm des„Vorwärts" aufklärte und das Signal zum Kesseltreiben gab. Dann ging alles den bewährten Weg: Partei- Versammlung und Resolution mit dem üblichen Aufwand von Eni- rüstung! Die Mache ist bekannt. Würdig reiht sich auch die Er- wideruug des Genossen Westmeyer an. Ich lehne es grundsätzlich ab, mich mit ihrem Verfasser auseinanderzusetzen! Und nun zu dem zweiten Stücke der Mitteilung! Wenn hier die Erwartung ausgesprochen wird, daß künftig jedes Fraktiousmitglied ohne Ausnahme bei gemeinsamen Aktionen der Genossen sich betet- ligeu wird, kann man dem Wunsch, der darin ausgesprochen wird, sich ohne weiteres anschließen unter der einen Voraussetzung, daß der Charakter der Aktionen jedem Fraktionsmitglied gestattet, sich ihnen anzuschließen. Einen Zwang zur Teilnahme spricht die Mitteilung nicht aus— mit Recht, da sich die Mehrheit der Rathausfraktion andernfalls mit der bisher üblichen Praxis der Partei in Widerspruch stellen würde. Wenn man bisher der einen rseite, sehr „radikalen" Parteigenossen gestattet hat. sich so wichtigen politischen Aktionen, wie z. B. Abstimmungen über das elsaß-lothringische Ver- fassungsgesetz u- a., von der Eröffnungssitzung des württembergischen Landtags im Gegensatz zu der Mehrheit der Fraktionen fernzuhalten, wie kann man mir m dem herzlich unbedeutenden Fall der Wahl eines Stellvertreters des Bürgerausschußobmannes die Verpflichtung auferlegen wollen, in einer bestimmten Sitzung der Kollegien zu er- scheinen. Es müßte denn auch in der Sozialdemokratie zweierlei Recht geben. Allen Versuchen aber, ein solches doppeltes Recht zu konstruieren, muß im Interesse unserer Partei mit der größten Energie begegnet werden.____ H. Lindemann. Beschlagnahme der Frauciiilummer in Petersburg. Die Arbeiterzeitung„Lutsch" brachte zum„Frauentage* am 2. März eine besondere Nummer heraus, die aber sofort von der Polizei konfisziert wurde. Gegen den Redakteur ist nun auf Grund des.Umsturzparagraphen" 129 ein gerichtliches Verfahren eröffnet, und zwar wegen der Veröffentlichung eines Briefes von Bebel, der Bsgrüßungsartikel von Klara Zetkin, Adelheid Popp, Dora M o n t e f i o r e u. a.____ SoziOlistifche Blindenlitcratur. Von der„Neuen Zeit", Organ zur Pflege sozialistischer Welt- anschauung unter den Blinden deutscher Zunge", sind bisher die Nummern 1—3 erschienen: sie haben jj. a. folgenden Inhalt: Vom zweiten deutschen Blindentag; Tie Stellung der Frau im Rechte der Kulturstaaten; Ferdinand Lassalle: Krieg dem Kriege, von P. Richtstcig: Das Werden der Menschheit, von A. Pannekoek: Aus der Gegemvart: Vom Wachstum der Partei) Die Seligkeit der Armut: Kapitalistischer Raubbau: Eilig glückliche Position; Aus fromiucii Gefilden usw.: Die Sozialdemokratie im Urteil der Gegner. Feuilleton: Der Zweifel des armen Mannes, von Simrock; Ein Tag wird kommen! von Ludwig Pfau: Wcltcnsriede, von Hartleben. Außcrdcui bringt jede Nummer eine Wissenschaft- liche Beilage, in der größere Artikel aus dem Gebiete der Geschichte, Natioualökoliomic, Naturwissenschaft usw. zum Abdruck gelangen. Der Abonucmcntspreis der Zeitschrift, die in Braillcscher Kurz- schrift gedruckt wird, beträgt bei sechsmaligem Erscheinen jährlich 3,69 M. für Deutschland nnd Oesterreich-Ungarn und 4,59 M. für die übrigen Staaten. Anfragen und Bestellungen sind an A. Wendt, Berlin A. 29, Wiesenstr. 36, zu richten. Das Blatt wird nicht durch den Buchhandel vertrieben, sondern kann nur von der angegebenen Stelle bezogen werden. Die Parteigenossen werden gebeten, die ihnen etwa bekannten Blinden ans das Organ auf- merksam zu machen. ILiU!" liL!.Li LilU* JIHWIiO Ersuchter schwerer Raab. Die Criimcruug an die Taten des Messerstechers, der im Jahre 1997 die miifteriösen Messerstechereien an klciueii Mädchen verübte, wird durch eine Verhandlung ivachgeruseu, die das Schwurgericht des Landgerichts 1 beschäftigte. Unter der Anklage des versuchten schweren Raubes steht der Buchdrucker Paul Franz Minow. Im Juli 1997 trieb im Nord- usteu Berlins ein Messerstecher sein Unwesen, dem drei kleine Mädchen zum Opfer siele». Tie Taten des Messerstechers riefen damals Furcht und Entsetzen hervor und beschäftigte!! die Kriminal- Polizei in hervorragendem Maße. Als Täter wurde der Angeklagte Miuotv bezeichnet. Dieser war schon mehrinals in einer Anstalt gewesen, lzatte den gegen ihn erhobenen Verdacht zunächst ent- schieden abgewiesen; als er dann aber wegen Bedrohung seiner Mutter und seiner Geschwister in die Anstglt Herzverge gebracht ivoroen war, schrieb er au die Kriminalpolizei und beschuldigte sich selbst der Bluttat im Nordosten der Stadt. AIS Motiv gab er an, daß er seine Mutter und seine Schwester habe ärgern wollen. Da seine Angaben mit den Tatsachen im allgelueinen übercin- stimmten, so würde er als der Perbrecher angesehen. Er wurde aber liuster Verfoloung gcseut, weil die Möglichteit bestand, das« er geisteolraitt war. Er tvurde dann auf Antrag der Staatsanwait- schaft wegen Geisteskrankheit entmündigt und zunächst in die Anstalt Auhlgarten und von da nach Buch gebracht. Er setzte dort alles in Bewegung, um aus der Anstalt wieüer herauszukommen. Er strengte eine Klage auf Aufhebung des Beschlusses der Entmün- digung an. Eine cingeheiide Untersuchung ergab, daß der Auge- klagte gar nicht Epileptiker tvar und dies nur früher fälschlich ver- breitet hatte. Das Gericht hob dann auf Grund des überzeugenden Gutachtens des Gerichtsarztes Dr.«trauch die Entmündigung auf, so daß Minolv aus der Anstalt entlassen wurde, Ter Augeklagte ist jetzt 28 Jahre alt. Er ist brreitS als elf- jähriger Knabe in Fürsorge gebracht, entwich aber mehrmals und kam dann nach Herzberge, von Wo er gleichfalls entwich. Nach seiner Entlassung aus der Anstalt Puch hat ihn seine Mutter trotz allem, Ivos vorgekommen War, wieder aufgenommen, Er wurde eine Zeitlang Vorführer in einem Kiuotheafcx in der Büsowstraße und oauu Gelegenheitsarbeiter. Seine Mutter wies ihm schließ- lich wieder die Tür. Er geriet dann in Verdacht, die Bluttat im Naueuer Vorortzug begangen zu haben, wurde verhaftet, aber bald Wieder entlassen, da er sein Alibi napßueisen konnte, Jetzt ist er beschuldigt, am 24. Oktober an der Ecke der Frau- secky- und Weißeuburgcc Straße das Kbjährige Fräulein Marie Gerlach, die dort ein kleines Papiergeschäft betreibt, in räuberischer Absicht überfallen zu tzaben. Er kam um QVt Uhr früh in den Laden und gab an, ei» Tintenfaß kaufen zu wollen. Während Fräulein Gerlach einige machen zur Auswahl herporholte, schlug er plötzlich mit einem mit Tuch überzogenen Brecheisen auf das Fräulein ein. so daß diese zusammenbrach. Während er sich über die Ladeukasse hermachte, rief die Ueberfallene laut um Hilfe, und als eine Bekannte des Frl. Gerlach, durch die Hilferufe angelockt, auf der Bildfläche erschien, gab ihr der Angeklagte einen Stoß, so daß sie zur Seite taumelte und floh dann. Er wurde von Passantcn verfolgt, stürmte in die Rhkestraße hinein und flph dort in ein Hau-, in Welchem sich zu seinem Pech die Polizeirevievuache tze- fand. Er wurde dort festgenommen. In der Verhandlung macht der Angektagie eineu geistig durchaus gesunden Eindruck und bestreitet auf VoichaU, der Messerstecher des Jahres 1997 zu sein. Der jetzigen verbrecherischen Tat. die mit großem Vorbedacht ausgeführt ist, ist er geständig. Er de- hauptet, daß er den Uebcrfall nach Verabredung mit dem bekannten Verbrecher Gorski, der aus Buch entflohen war, geplant habe. Er habe freiwillig von der Beraubung Abstand genommen,£xh die Frau ihm leid getan, als er sie im Blute liegend gesehen habe.— Gcrichtsarzt Dr, Strauch begründete ausführlich sein Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten, welches zur Aufhebung der Entmündigung geführt Dat. Er habe s. Z. Ge- legenheit gehabt, sich mit dem Angeklagten besonders lange zu. unterhalten und ihn zu untersuchen. Miuotv sei s. Z. entmündigt worden, hauptsächlich auf Grund der Annahme, daß er Epileptiker sei. Das tvar 1999. Nun erklärte er glaubhaft, daß er die Epilepsie nur immer vorgetäuscht habe, und es lasse sich nicht leugnen, daß eine solche Vortäuschung gerade der Epilepsie möglich sei. Ziach seiner Angabe habe er dann gesehen, daß er aus der Irrenanstalt herauskomm«, und da habe er denn zu dem Mittel gegriffen, sich der Tötung der Kinder zu beschuldigen, um zunächst in das Untersuchungsgefängnis zu kommen. Dort würden dann die Gc- richtsärzte seinen Geisteszustand prüfen und scheu, daß er voll- ständig gesund sei, man würde ihn unter Anklage stellen, und da es an Beweisen fehle, würde er freigesprochen werden müssen. Ties sei sein wgisch vollkommen richtig cuttoickelter Gedankengang bei der Selbstbeschuldigung gewesen. Der Sachverständige hat, wie er tveitcr darlegte, alle diese Angaben und die Krankengeschichte verwertet, ohne irgendeine Unterlage dafür zu finden, daß ein Arzt einwandfrei die Epilepsie festgestellt fyrbe. Dazu kam, daß der Intellekt dcö Minow tadellos sich zeigte, so daß keinerlei Anhalt vorlag, die Entmündigung aufrecht zu erhalten; er sei ein auf- sässiger, schwer zu erziehender, verbrecherischer Mensch, es ließen sich aber keine Lücken in seiner Geistestätigkeit feststellen, die dar- auf hindeuteten, daß er seine Augelegeuheiten selbst nicht besorgen könnte, und deshalb wurde die Entmündigung ausgehoben, Was die jetzige Straftat betrifft, so liege absolut kein Anhalt für die Anwendbarkeit des Z 51 des Strafgesetzbuches vor, im Gegenteil werde sein Gutachten durch das ganze Verhalten des Aiyzeklagten vor und bei der Tat und durch sein Verhalten und seine Aussagen im Termin nur bekräftigt. Der Offizialverteidiger Justizrat Kurnitzki» wies darauf hin, daß der Angeklagte nach Aufhebung der Entmüiidiguiig Schritte getan hat. um sich von dem Verdacht der Messerstechereien zu reinigen. Tie Geschtvvrenen bejahten die Schuldfragc im Sinne der An« klage, verneinten dagegen die Frage nach mildernden Umständen. Das Urteil lautete auf 6 Jahre Zuchthaus nnd 19 Jahre Ehr- Verlust. Maites reelles KoiMtete verkauft zu bequemen Teilzahlungen erstklassige JackenkostUnic, Kleider, Blumen, Paletot« etc. unter strengster Diskretion. Offert, unter J. K. Iä3%4 bef. Rudolf Messe, Berlin SW. 33/öa* ReukersWerke - 3 Bünte 4 Biart- Buchhandlung vorwärks Vorwärts-l-essni Rabatt! Biß Letzte Neuheiten, Mocquettplusch�b1*®,� Muster bei näher. Angabe franko EmilUfevreS'158 -sdvufzeiv Redaer ffeis 1MK. eMiflim ia ApofheKerv& Drogerien 6effentliche politische Verssmmlungm. Achtung! Achtung! Arbeiter, Migenossen! , iitii 5. Mar!, abends 8� Ur: Große im„Mamehaas" Kraadeabarger Ufer 1. Tagesordnung: Jap» und die Jugend. Der Kampf der Berliner Polizei gegen die Jugendbewegung. feiere..: Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Areie Aussprache. Die Berliner Arbeiterschaft wird ersucht, für diese Versammlung die größte Agitation zu entfalten und für Massenbesuch Sorge zu tragen. Der Einberufer: Engen Ernst, Liescnstraße 16. Zentralverband der Masehi nisten u. Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Engcinfer 15. Geschäftsstelle Groß-Berlin. Freitag, den 7. März ISIS, roiepkoii: Amt Moritzpl. 13261. XO. \. abends S'/o Uhr, im großen Saale des Gewerkschafts- Hauses, Engelufer 15: Betrtedsverssinmlunx sämtlicher Zentralen und Unterftationen der B. E. W. Tagesordnung: Stört der Zentralocrband der Maschinisten und Heizer die öffentliche Ordnung und Sicherheit? Und was haben die Arbeiter der B. E. W. nach dem„vertraulichen" Aund- schrcibc» der Direktion zu erwarten? Referent: Bevollmächtigter K»«I. J�rhllchtins:. Kollegen! Tut Eure Pflicht und erscheint Mann siir Mann,-wa 152/7 I>ic OrtKverwaltune. Achtung! Achtung! Post- und Wellpappbranehe! Keutseher Bnehbinder-?erband. Donnerstag den<». März, abends S Uhr, int Gewerkschaftshans, Engelufer 15 pari.(Ehtg. B, Saal 4): seä Versammlung � oller in der Noll- n. Wellpoppimnilhe beschästigt. Nieter, Nieterinnen, Stoiner, Zuschneider und Arbeiterinnen. Tagesordnung: i. Die letzten Vorgänge in der Postbranchc. 2. Verschiedenes. IM- Kollege» u»d Kollcginue»: Der einzelne kann nichts, vereint können»vir alles erreichen Erscheint darum vollzählig zu der Versammlung. Mit kollegialem Grusz gz/g IMc Tarilkommlsslon. Die reell, st eit und billigsten Möbel umf Polstcrwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit oö Jahren bestehenden Höbelfabrik von A. ISchnlz, Reichenbergor Straße 5 Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Pro*. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung UÜÜLJÜLILUJ I II H II II IT UDÜLUJIJÜLlüüLUXIUmXIUUs.ll 11.11 I.LILLOXOJ3TTT1 Dauer bis 9. März Extra billige Ausnahme- Angebote Manchester-Anzüge qLl VIt? Quai, n Sport- Anzüge f7S � Qual. I S.70, Qual. 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Verschiedenes. Werte Kollegen I Es haben sich in letzter Zeit innerhalb unserer Brauch« Dinge ereignet, die cS jedem Kollegen geradezu zur Pflicht machen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Besonders die Kollegen von Le r m n. Gebr. L II d c Iv i g, sowie»on P. ,ü e i II z c find besonders dazu eingeladen. „Die Gewcrksihastc» und die Arbeits- vermitteln»«", IfM ist als Broschüre erschienen und in unserem Bureau sowie bei allen Bezirks« kasfiercrn für Iv Ps. per Stück zu haben. Ibis Ortaverwalinng. .Möbelfabrik.�Phönix" c./,Uhr: Frauenfresser. Montis Operetten-Theater ((r. Neues Theater). Amt Norden IUI. 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnab z. 1. M.: Der Zigeunarprlmat. ührResrdenz-Theater.uHr. Die Frau Präsidentin. (Madame la President«), Schwankt. 8 Akt v.Hennequin u. Beber. Morgen und folgende Tage: Tie Ztzrau Präsidentin. TheateramMendorlpiatz Allabendlich 8 Uhr: Die Studentengräfin. Sonnabendnachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Luisen-Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr: Und hätte der Liebe nicht.... Donnerstag, abends 8 Uhr: Im wunderschönen Monat Mai. Ein sröblicheZ Spiel in 4 Akten von Ludwig Spannuth-Bodenftedt. Germania-Praehtsäte N., Chausseestr. 110. K.Richter. Heute Mittwoch: Paul Mantheys lustige "änger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem Freitanz. — VorzugSkarten gelten.— Morgen Donnerstag: ltolto Militär-StrÄonzert Urania Wissenschaftliches Theater. TanbcnstraBe 48/40. Nachmittags 4 Uhr: Paria nnd die Königs- achlösacr von Versailles. Abends 8 Uhr: Exiellens Czerny; Ueber die nauarea Bestrebungen, das Los der Krebskranken zu verbessern. Im Hörsaal 8 Uhr: Dr. Berndt: Elternfürsorge und Jugenderziehung auf höchster Stufe. Jftetropol-Theater. Wegen Vorbereitung geschloffen! Sonnabend, 8. März, abends'/jS Uhr: Hum erstenmal: Die Kino-Königin. Operette in 8 Akten von I. Freund und ®. Okonkowskt. Musik o. Jean M Udert. In Szene ges. vom Direktor R. Schultz. Beiehshaiien-Theater Stettiner Sanger. Meyers Hosen. Militärische Humoreske. Anfang 8 Uhr. OSE=THEATEn Grotze Franksurter Str. 182. Abends 8'/. Uhr: Mein Leopold. Volksstück in 3 Akten von L'Arronge- Donnerstag: Der Weg». Himmel. Trianon-Theater. Wenn Frauen reisen. Anfang 8 Uhr._ �„Clon" MfliiAPttlpaRo R9_ 7i UM Neuer großer Erfolg der Novitäten! Sie Schonzeit- Zager. Ein Wold-IdyU in 2 Akten von Anton u. Donat Herrnfeld. Uiebetsprobe. Plauderei von Emst Klein. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 1 1-2(Theaterkasse). :: Berliner:: Konzerthaus Mauer.traSe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes l>oppel- Konzert. Gastspiel des Philharmonischen Blasorchesters Dirigent: Maestro_L o r e t o T e s o n o. Dirig.: Oberm. Oraf.' _ Anfang 8 Uhr Gr. Nachmlltags-Konzert antt Railand u. Musikc. S. Oardc-RoelmcntN z. F. Anlang 8 Uhr. Eintritt 60 Pf. An allen Wochentagen: bei freiem Eintritt. Arnold Scholz Neue Welt Haeenheide 108/114 Letzte Woche! Rente Rittwocb, den 5. Marz 1918: Sockbierfest in den hager. Alpen. Auf, 7 Uhr.__ ,80 baj r. Rad'l. Bntree SO PI. 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März: Zum Benefiz sür l-lsdeth Peters: In SnnH un.l Urans.__ Wlies Capriee. Ansang S'/« Uhr. In Sache» Kaßeustein. Die Doppelfirma. Die Tochter der Braut. flreitag. 7. März: Premiere. Casmo-Theater Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr: Trotz de« großen Erfolges Nur noch bis lall. ö. März: Am grünen Sütind d. Spree. Am 7. März Premiere: Artnrs Flitterwochen. Sur den Inhalt der Inserate äbernimmr die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. DaS Zentral-Nerven- lystem, der Eitz de» Bewußtseins, In wel« chem alle körperlichen und gelsttgen Smpfin- düngen zusammen- nramen bzw. Willen«. Nlndgebung. ausgehen. KI«!«ni> Nnit« diese beiden Körperbcslandteile sind die Träger des Leben«, die Tor- Wächter der Gesundheit. Nur wenn da« Blut seine normale Bc> schaficnhett auswelst, kann eS den Körper mit fewem LebenSelement. dem Sauerstoff, in hinreichendem Maße versorgen, und nur wenn die Nerven die durch die Hast und Unruhe des modernen Lebens im Ucbcvmafe ve»brauchte Neroen- subftanz immer wieder au«. reichend ergänzen können, wird der Mensch sich seine Spannkraft, Widerstandsfähigkeit, Arbeit«. hast und Genußfreudigkett er. hallen. Energie, Selbstvertrauen, Kraftgesühl, Nichts anderes find sie al« der Ausdruck gesunder, normal funktionierender Nerven, ebenlp wie im Gegenteil Unruhe, Schlaflostg- keil, Angst und AusregungSzusiände, Mutlosigkeit, Melancholie immer ein Zeichen dafür sind, daß unser Nervensystem in Unordnung geraten ist. Sowohl in den Nerven wie im Blut ist eS«in und dieselbe Sud» stanz, die in genügendem Matze vorhanden sein mutz, wenn sie ihr« Ausgabe im menschlichen Körper ungestört erfüllen sollen: da» Lecithin. Die außerordentliche Bedeutung dieses StokseS sür da« Nervensystem ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, wird daS Lecithin doch auch ganz allgemein als Nervensubstanz bezeichnet. Neuere Forschungen hervorragender Physiologen haben indes gezeigt, daß auch für dte lebenswichtigsten Elemente de« menschlichen Körpers, die roten Blutkörperchen, da« Lecithin von nicht ge- ringer cr, ja wahrscheinllch von noch größerer Bedeutung ist al« da« Eisen. Denn während über dte Wirkung des Eisens die Metnungen der Aerzte noch vielsach auS- ewwidergehen, unterliegt e« keinem Zweisel mehr, daß da« Lecithin ein ganz hervorragender Blutbtldner ist, und darin alle anderen un« zu Gebote stehenden Nähr» ftosse, auch die sogenannten Nährsalze, bei weitem über- trifft. Unter normalen Verhältnissen deckt der Körper feinen Lecilhinbedarf auS den täglich genossenen Nah ruNgSmitteln, die größtenteils mehr oder weniger lecithinhaltig sind. Ist aber der Organismus an Lecithin verarmt, was stets der Fall ist, wenn das Nervensystem oder daS Blut nicht in Ordnung find, dann reichen die normalen Bezugsquellen nicht mehr au«, und eS erweist sich als eine außerordentliche Wohltat für den Körper, wenn ihm in Form von Biocttin physiologisch reines, assimilasionssähigeS Lecithin dargeboten wird. Dieses Lecithin, daS nach dem In allen Kulturstaaten Patentierten Verfahren von Hofrat Professor Dr. Hader- mann und Dr. Ehrenfeld auS dem Eidotter des Hühner- eleS gewonnen wird, zeigt dte gleichen chemischen und physiologischen Eigenschasten, wie da» im menschlichen Körper enthaltene, uns, wie eingehende Untersuchungen hervorragender Physiologen, so neuerdings auch de« Herrn Professors Bickel an der Berliner Charitö, ge« zeigt habe n, wird c« im menschlichen Körper ali Lecithin angesetzt. So bildet denn das Biocitin eine ideale Krastnahrung für jeden, der einer Hebung seines Kräfte- zustandcs dedarf. Geistig oder körperlich überarbeitete, durch Krankheit oder andere Ursachen herunter- gekommen«, blutarme, an zehrenden Krankheiteii(wie Tuberkulose und dergleichen) leidende Personen, schwäch- ltchc, geistig oder körperlich zurückgebltebene Kinder, stillende Mütter, fie alle swdcn im Biocitin ein Kräftigungsmittel von unvergleichlicher Wirksamkeit. Vor allem aber ist eS das große Heer der Nervösen, denen daS Biocitin Ersatz der verbrauchten Nerveusubstanz. Kräftigung und tzlusfrischung des gesamten Nerven- systcmS bringt. ES ist zwar allgemein bekannt, daß Biocitin w bezug aus Oualllät und überhaupt im ganzen einzig dasteht, dennoch fei aber gegenüber den Nach- ahmungen, welche nun einmal unabänderlich zum eisernen Bestand der Gesolgschaft jeder guten Sache ge. hören, kurz betont: Biocitin ist da« erste und einzige Leclthin-Präparai, das nach dem von Hosrat Professor Dr. Habermann und Dr. Ehrenfeld in jahrelangen Versuchen herausgearbeiteten, vollkommensten Verfahren hergestellt wird. Biocitin ist daher das 3 ccithin- Präparat, das als KräftigungS- und AussrischungSmIttcl ernstlich überhaupt nur in Frage kommen kann. Man verlange daher ausdrücklich Biocitin und lasse sich keine minderwertigen Nachahmungen ausreden. Biocitin ist in allen Apotheken und Drogerien erhältlich. Ein Ge- schmackSmusler nebst einer populärwissenschaftlichen Ab- Handlung über rationelle Nervenpflege sendet aus Wunsch kostenlos die Biocittn-Fabrih Berlin S. 61/0 3. Todes-Anzeigen Allen Bekannten die traurige Nachricht, daß mein innigstgeliebter Gatte, unser herzensguter, treu- sorgender Bater und Grohvater Paul Anders nach schwerem Leiden sanst cnt- schlafen ist.' Dies zeigen tiesbetrübt an D!s trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 6. März, nachmittags 4'/, Uhr, von der Friedhofshalle des FriedrichSselder Kirchhofes auS statt. 2757b �lüisIllmlilll'Mtiel'V�Ivei'eiii l, lillM Reictistass-WatiikrEis. Am 3. März verstarb unser Genosse, der Drechsler Paul Anders Milastr. S— Bezirk 573. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den ö. d. M., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhojcs in Friedrichsfelde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/20 Der Vorstand. Deutseher Holzarbeiter-Verband. 9 Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler PriedricK Engert Pücklerstraße 49, im Aller von 48 Iahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- seldc aus statt. Den Mitgliedern weiter zur Nachricht, dasz unser Kollege, der Tischler August k�lmack Swinemünder Stratzc 54, im Alter von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. März, nachm.! I'l, Uhr, von der Halle d r Friedensgemeinde in Nordend aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dasz unser Kollege, der Stockarbeiter Paul Anders MUastraße 5, im Alter von 48 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Zentral-Fricdhoss in Friedrichs- selde auS statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 79/18 Die Ortsverwaltung. Am 27. Februar verschied vlötz- lich mein inniggeliebter Mann, unser guter Vater, der Tischler EnedricK Engert int 43. Lebensjahre. In tiesstem Schmerze die trauernden Hinterbliebenen Sllnna Engert, geb. Jahr, nebst Sohn. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 8. März, nach- mittags 4 Ubr, von der Halle des Zentralsriedhoses in Friedrichs. sclde aus statt. 64A DanKsagang. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unseres guten Vaters lUcdard Hernuann sagen wir allen Freunden und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. 2756b Geschwister Hcrrmann. Sozialdemokratiseher Walilverein WDd. Am 3. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Parteigenosse Eran� EoKse Karls gartenstr. 14(24 Bezirk). Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. März, nachmittags S'/j Uhr, von der Leichen. halle des Gemomde-Friedhoses Mariendorser Weg. aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Borstand. h Deutscher tfetallarbeiter-VerliaDd Verwaltvingssteüe Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. das! unser Mitglied, der Schlosser Franz Lohse Neukölln, Mahlower Str. 5 am 3. März an Lungenleiden ge- storben ist. Ehre seine« Zludenke» k Die Beendigung findet am Donnerstag, den 6. März, nach. mittaas Z'/z Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhofes in Neukölln, Machendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 114/5_ Die Ortsverwaltung. Deutscher ßauarbeiterrerband. ZweigvereJn Berlin. Sektion der Qips- u. Zementbranche Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rabitzputzer Otto Grimm im Alter von 40 Jahren am 2. März gestorben ist. Ehre ieinetn Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. März, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS FriedhoseS der Gelhsemanege- meinde in Nieder-Schönhausen- Nordend aus, statt. Um rege Beteiligung ersucht 141/3 Der Vorstand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄSz 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Verband der Lithographen, Steindrnekeru.¥erwandtenBernIe (Cltemigraphen). Am 2. März verstarb unser Kollege, der Positiv-Retoucheur Max Höft im Alter von 18 Jahren an Lungenleiden. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. März, nach- mittags 2'/, Uhr. von der Halle des Neuköllner Kirchhofes, Marien- dorser Weg, auS statt. Die Verwaltung der ssiliale II Verband der Schneider u. Schneiderinnen. Filiale Berlin I. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dafi unser Kollege Karl Kendler am Sonntag, den 2. März, im Wer von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Freita�nachmittag 3Va Uhr. von der Halle der Luthergemeindc, Lankwitz, auS statt. 163/2 Die Ortsverwaltung. Hiermit die traurige Nachricht. dag mein lieber Mann, unser guter Vater, der Tischler August Nowack im Alter von 48 Jahren nach langem schweren Leiden am 3. März sanst entschlafen ist. lViwe Nowack nebst kinderst. Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. März, nach- mittags 2st,Uhr, von der Leichen- hall« der �riedens-Gemeinde m Nordend auS statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Georg Velten sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders den Kollegen und Sängern, dem Wahloerein und dem Deutschen Metallarbesterverband unseren herzlichsten Dank. A Witwe Dorothea Bette» nebst Kindern. VoriW der Knorr-Suppenwürfel: Hervorragende Qualität: Jede Sorte hat den richtigen Eigen- geschmack, von hausgemachten Suppen nicht zu unterscheiden. Holler Nährwert: Die in der Suppe gut aufgelösten hiahrstokke werden vom Körper viel besser ausgenützt als feste Speisen. Reiche Auswahl: Es gibt 45 Sorten Knorr-Suppen, passend für jeden Oeschmack. Große Ausgiebigkeit: 1 Würfel reicht für 3 gute Teller Suppe. Billiger Preis: 1 Würfel(3 Teller) nur 10 Pf. Herrensticfel jetzt nur 495 y*- Damenstiefel eleg. Äusf. 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DaS Geschästs- guthaben sowie die Hastiumme haben sich um je 250 M. verringert. Her Vorstand. Emst Andreas. Theodor Lotte. Albert Knodel. 103/17 WestmanDsTraDerniapiog ÖStfOTß MtfllilS , Extra- Abteilung Ii. Gesch.: BerlinW.. Mahren- Stra6e37a(2. Haus von der , Jerusalemer StraBe). III. Gesch.: Berlin NO., GroBe Frankfurt, Str. 115(2. Haus . von der AndreasstraBe). | Sehrgr.Aiisw. fen. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Schleier ■etc. v. einfachsten bis zum | hochelegant. Genre z.äußerst niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: MaBan Fertigung in 10 bis 12 Stunden. Bitte probieren Sic unsere vor- züglich eingesührte 202/3« Bruch-Kaffee-Mischung aus s e i n e it Kafscesorten mit bewährten la Kassce.Ersatzstojfen, per Pfund 1,10 Mark Vereandlian«„Sanltaa*', Berlm-Schöncbg., Apostel-Paulusstr. 4. v/1 Psund-Postpaket sranko. Fertig am Ltgtt: GeM-Anzfigesa�SSu Jo!(inHfl2üge».�:40M fradi-ADzDgea! IHOu jeiQkleiiler lifo5: 8». 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Weäilel-Konlo........., » Piovinoiii konio......... » Effeiien- und Zfonsotiial-Konlo... » Dauernde Beieilionnoen...... 1912 845 429.60 970617130 14 360 261.10 14238375 55 2090 869.75 gegen M. 1911 325 870.10 7973 205,95 129.5474,80 13 180326 45 3216 633.55 1963 938 75 Wechsel-Konto. Bestand am 3l. Dezember 1911: Stück 82 326 Wechsel im Betrage von �« M. 330 320 826.05 . 4646 84S Wechsel.........., Eingang. 11412238572.70 Der Gesamtumsatz auk einer Seite des HauvtbucheS stellte sich aui M. 97 053 49'.278—(gec.en M. öl 146 07'' 42»» 20 in 19! i). die Zahl der bet der Bank pesührten Konten aui 179 67 aegen 162878 in 1911 Die Zahl unjerer Angestellten beliek sich am Jahresschlüsse auk 4546 gegen 4341 im Jahre 19t 1. Wie auS obigen Ziffern ersichtlich, ist der zur Verteilung kommende Reingewinn ausschließlich aus dem regulären Bankgeschäft, das wählend deS ganzen JahreS unseren verfüg baren Milteln gut lohnende Verwendung bot. und aus dem EnrägniS unserer dauernden Beteiligunzen entflossen. D- PronisionS-Konto hat mit M. 14238 375.55 wie in den beiden Borjahren eine Mebremnahme von über einer Million erbracht. Der Bruttogewinn auf Zinsen» und Wechsel-Konto hat mit M 24066432 40 mehr alS 12% des Aktienkapitals betragen und den des Vorjahre? um mehr alS 3.1 Millionen überstiegen Auch auf dem Sonsortial.Sonto sind, wie die nachfolgenden Verzeichnisse erseben lassen, zahlreiche alle und neue Geschäfte mit angemessenem Nutzen abgewickelt und ebenso auS dem Effekten-?onto erhebliche Posten mit Gewinn ge�'n die Buchwerte abgestoßen worden. Ter ansehnliche. Gewinnsaldo, welcher hieraus nach Vornahme der turS mäßigen Abschrelbuu�en auf die verbliebenen Bestände, insbesondere aut diejenigen an SiaatSpapieren und anderen festverzinslichen Werten, zur Verfügung stand, ist indes, da ferne Heranziehung für die vorgeschlagene Dividende nickt erforderlich war, diesmal im vollen Betrage zu weiteren Mtnderbewertungen und Rückstellungen ver- wendet worden. Tie wirtschaftlichen Verhältnisse waren während der ersten drei Quartale des Berichtsjahres in Deutschland und in der Mehrzahl der fremden Länder, welche für unseren Har delsverkedr und unseren Export von Bedeutung sind, recht be- sriedigend. Unsere Landwirtschait war durch eine im ganzen gute Ernte instand gesetzt, mit gesteigerter Kaufkraft an dem Konsum teilzunehmen und produtiine Meliorationen zur Durchführung zu biingen. Fast alle Zweige des Handels und der In- dustrie erfreuten sich einer lebhaften Tätigkeit und reichlichen Absatzes. Dte Montan- tndustrie konnte die volle Lei' ungSiähigkeit ihrer stark erwetterten Anlawn aus« nutzen und neben der Befriedigung des großen Inlandsbedarfes den Export zu lohnenden Preisen pfle'en. wobei ihr dte Anerkennung nicht vorenthatten werden da�f, daß sie in der PretSvolitik Maß hielt. Die SSinahrt hatte ein glänzendes Jahr bei ausnähme- weise günstigen Frachtraten Weder die relativ Hollen Sätze für Leihgeld. welche eine regelmämge Be�eiterscheinigung guter GescbäftSkonjunklnren sind, noch die zunehmende Verteueiung wichtiger Bedüifntsse des Lebensunterhaltes, nach der Tripoliskrieg konnten zunächst gegenüber der offenbaren Vrv'periiät des Handels und der Industrie eine lähmend? Wirkung ausüben Erst der in feiner Plötzlichkeit überraschende Ausbruch oeS BalkankriegeS am Beginn deS vierten Quartal? änderte das Bild. Daß an dem Aus- gange des Krieges alle europäischen Großmächte mehr oder weniger interessiert sind, daß die ursvrünalich kundgegebene Elnmuugkeit derselben, den territorialen ststus yuo nicht erschüttern zu lassen, durch die unerwartet raschen und groben Erfolge der Balkan- staaten atsbald hinfällig wurde, daß nunmehr MeinungSverlchiedenheNen zwiick�n einzelnen Großmächten hervortraten und nicht abzuseilen war. ob und wann solche Gegensätze zu einer friedlichen VerKändiaung führen würden, alle diese Wahrnehmungen führten eine hochgradige politische Beunruhigung herbei und machicn die Bölsen zum Tummelplatz erregter, von Tag zu Tag wechselnder Stimmungen. An Tagen, wo irgendwelche Nachrichten oder Gerüchte die Gefahr kriegerischer Berw'.ckelungen unter den Großmächten glaubhaft erscheinen ließen, traten wiederholt svrunghasle Kursstürze ein. denen aui berubigende Nachrichien Erholungen folgten Immerhin bat eine erhebliche Herabsetzung des KurLmveauS Platz gegriffen ES verdient aber heivorgehobe.r zu werden, daß die Berliner Börse verhältnismäßig eme geringere Nervosität zeigte alS die großen Plätze des Auslandes. Für den Geldmarkt tam in Betracht, daß schon vor Ausdruck des Krieges das früher m Deutschland ausgeliehene'remde Geld zun, größten Teile nach dem Auslande zur Deckung des dortigen Geldbedarfs zurückgewandert war und eS sich nachher nur noch um vereinzelte Nachzügler handeln konnte. Ungünstig wirkte die Ztriegefuicht der Sparer. Rentiers und auch größerer llavitulisten welche namentlich in den östlichen und weit- licken Grenzvrovinzen ihre Guthaben von Lvorkassen und Banken zurückzogen und- dies allerdings in geringerem Umfange— Effekten verkauften, um dam Geld in ihren Wobnunren oder in den EaOs der Banlen für den Notfall anzusammeln. In sack- kundigen Kreiien werden die wlcheigestalt dem Berkehr entzogenen Beträge gemünzten Geldes auf niedrere Hunden Millionen Mark geschätzt. Andererseits Irenen sich die kau'männiscken Kreiie in ihrer Zuversicht aus Erhaltung des Friedens und solgewerse in der ruhigen Fortführung ihrer Gesa äste nickt beirren. Der Geldbedar von Händel und Industrie blieb zteuilich unverändert bestehen. Den Banken erwuchs au« dieser Silualion eine schwere Aufgabe. Eine gewaltsame Einschränkung der Kredite bätle unabiebbare Gefahren heraufbeschworen. Wir— und. wie uns scheint, die meisten anderen Banken- haben uns daher zwar gegenüber neuen Geschäften und Unter» nebmungen grobe Zurückhaltung auferlegt, unserer Kundsckast aber nach wie vor un ere Dienste uneingeschränkt zur Verfügung gestellt Wir wurden in diesem Veriialten durch da» Beisviel der ReichSbank ermutig,, welcke trotz ihrer enormen Jnanspruck- nähme an dem Diskontsätze von 6 Prozent auch über den Jahresschluß festgehalten, also die daraus sich ergebende Anspannung gleich uns für da? kleinere Uebel erachtet bat. Da» Jabr l9t2 ist demnach trotz der politischen Beunruhigung bis zum Schlüsse ein verkehrsreiches geblieben Den schlussigsten Beweis vielen die Gülerverke.irSein, nadmen der deutschen Eisen i- ahnen, welche auch für die letzen Monate noch ansehnliche Steigerungen aufwiesen und mit einem Kesanubetrage von iSLl Millionen Mark keinem Plu» von 133 Millionen Mark--- 7.45% gegen das Borjahr) eine neue Retordztffer geben Da» Gleiche gilt von den Ziffern.des.'lußen Handels, indem der Wert der Waren- einfuhr mit 103 Milliarden Mark lind ver Werl der Ausfuhr mit 8.9 Milliarden Mar? dte Werte deS Vorfahr eS um 586 Millionen bzw 782 Millionen übersteigen Besonder? bedeuisam ist die Tatsache, da» der Uebersckuß der Goldein uhr über die Gold iuSkuhr 1912. dank dem zietbewußten Borgeben unserer ReichSbank nickt weniger alS M. 227 617 0 0 betragen hat. Daß wir diese Mehrelnwhr trotz der starken gelchä'tlichen An pannung und trotz der großen Zahlungen an das Ausland erzielen konnten, widerlegt am schta gendsten dre in einem Teil der ausländischen Presse geflissentlich genährte Vorstellung. alS od Deutschlands eigene Kavitalkrast für seine gesckä'tliche Expansion zu gering sei. der Unterstützung durck ausländische? Geld bedürfe und desbatv im Kriegsfälle ve> sagen würde Wir baden eine Berictirgung die e« dem deutschen Ansehen im Auslände ab- träglicken Vorstellung für wünschenSweit gehalten und zu diesem Zwecke auS Anlaß de» 40iährtaen Bestehens unseres JnstttuleS eine umfassende statistische Darilellun*.der wirtschaftlichen Kräfte DeuischlandS" in deutscher, englischer, französischer und spanischer Sprache berauSgegeren und in rund 40«* 0 Exemplaren an Behördin. Firmen. voUt ticke. winschastliche und wissenschaftliche Körverschanen und Ben ine, an die Taaesgresse und sonstige Zeilschrtnen usw veriandt. Wie uns viele teils freundliche, teils polemische Besvreckunqen namdasler Preßorgane und zahllose bi« heute noch täglich eingehende Zuschritten aus den entferntesten Landein erlenneu lassen, bat unsere Broschüre über unser Erwarten große Beachtung ge-unden. so das wir unS zu der Annahme berechtigt glauben, damit nützlich gewirkt zu haben In unerfreulicher Lage verharrte während der ganzen Dauer des Berichtsjahre? der Tenainmarkt und da- Baugewerbe in den Großstädten und deren Bororren. Wie- wohl die vorausgegangene Uebersvekulalion tapttalSschwacker Unternehmer eine Haupt- schuld trägt, so hat dow auch die Ungunst allgemeiner Verhältnisse wesentlich mitgewirkt. Die teuren Geldrntze. welche von den gut rentablen Betrieben des Handels und der Industrie ertragen werden konnten, laben den Absitz der Pfandbriefe der Hypotheken- danken beeinträchtigt und die Hvvolbekenversorgung von Neubauten sehr erschwert Dazu kommt die übermäßige steuerliche Belastung der Grundstücke und ihrer Umsätze. Ein Umschwung ist weniger von den botenreiormerisnen Experimenten, welche der Gesetz- gebung und der BerwaltungSpraxis emvfohlen werden als davon zu erwarten, daß der jetzige Ueberstuß leerstehender Wohnungen in abfehbarer Zeit einem dringliche Abhilfe heischenden WohnunaSmangel Play macken wird. AlSdann wird namentlich nach der zu erwanenden Wiederkehr billigerer ZrnS.ätze, eine Neubele�rmq deS BaugeschätteS nicht auSblerden Unsere Beteiligungen an TerrarnS und Tei rarngeiellschatten find so bewertet, daß wir den Zettvunkt. in dem dieselben mit Nutzen zu realisieren sein werden, tu Rüde abwarten können. An Baugeldgeschätten haben wir uns nur rn ver- einzelten Ausnahmefällen beteiligt, und diese sind inzwi.cken ohne Verlust abgewickelt WaS den Ausblick in da» neue Jahr anbetrifft, so hängt alle? von der Gestaltung der politischen Verhältnisse ad. Prophezeiungen sind auk diesem Gebiete von zweittl- hattem Wert.' Unser Bei trauen auf schließlich friedliche Lösung der obwaltenden Schwierigkeiten beruht auf der Erwägung, daß cS für alle interessierten Mächte wider die geiunde Vernunft wäre. auS den rumänisch- bulgarischen und serbisch. albanischen Grenzstrertigkeiten einen Wettbrand entstehen zu lassen Wenn diese friedliche Lösung in nicht allzu langer Zeit zustande kommt, ist eine Neubelebung aller Geschäfte und iür die Banken reichliche Gclegenheit zu gewinnbringender Tätigkeit zu erwarten. Ernst- weilen sind wir. wie im Vorjahre, in allen Sparten deS regulären Bankgeschäftes lohnend beschäftigt. Auch haben dte bisher in maßt rem umfange herausgekommenen Emissionen festverzinslicher inländiicher Werte gute Aufnahme ge'unden. Nachstehend die üblicheu Erläuterungen Über die einzelnen Positionen der Bilanz: Kafsa-, Coupons-. Sorten-Kouto und Guthaben bei Noten- und Abrechnunasbanken. vefianb am 31. Dezember 1911............. M. 56 474 938.90 Eingang..........«. �....,.21 435 293 583.05 M 21491768526 95 ................. 21433351 112 95 Slück 4 729171 We«!e! Im Beitage von......... M. 11 742 559 398.76 . 4 646 283 Wechsel.......... Anigang. 11471 283 973.25 . m. 271 275 425.50 ,. 285 635 686.60 Det am 31. Dezember 1912 verbliebene Beilanb von Slück 82 888 Wechsel im Beitage von....... etgad laul Bilanz einen effeliiven Wert von... bavon M 241 131 949 70 in Wechseln auf deutsche Plätze. ., 44 503 736.90 in sremben Valuten zus. M. 285635 686 60 mithin einen Nuri, unb Zinsengewinn von vi. 14 360 261.10 Die MnZsätz. hellten sich höbet als ble bes PotsaHteS Die Dislonitoie bet ReichSöanI war im Iabteibntchichniii 4.943 2/e gegen 4 897 in 1911 unb 4,346% in. 1910, bet Privalbi-lont in Berlin 4,229°/. gegen 3.534% in 1811 nnd 3,512 0/o in 1910. Effekten- und Repori-Ko nto und dauernde Bctciligunitzeu. Bekanb am 31. Dezeuibei 1911 M. 214229414.85 Einganz. 8 187 291 763.30 Ausgang M. 8 401 521 178.65 . 8 191 181 794.25 Aulgang ES ergab sich bemnach füt bcn am 31. Dezember 1912 verbliebenen Bestand ein Ealbo von........... M. 58414414— laut Bilanz!«assa. Coupon» und Sorten.. M. 40249318 95 «nlhaben del Noien- n. AbtechnungSbanken. 18 510 524.65. 58 75984360 mithin Sevinn aus Cvupvni- und Sorlen.Svnlo..... M, 345 429.60 Es ergab sich bemnach illr den ani 31. Dezemeet 1912 verbliebenen Bestand ein Saldo von........... M. 210 329 384.40' laut Bilanz(einschl. des auf diese» üonio. wie bisher übertragenen Ergebnisses de» KonsoriialdeleiiigungZ-KoiiloS) im Werie von. 212 420 254.1' so daß ein Mehr verbleibt von M. da» daS ErirägniS aus unseren dauernden Beieiligungen an frem- den Banken darsiell!. Eigene Essekien waren am 31. Dezember 1912 borhanden! nl Anleiben und verzinsliche Schatzanweisungen de« Reick» unb der Bundesstaaten........ M. 22579 788.70 b) lonfiige bei der Reichsbank unb andern Zentral- nolendanlen beieil, bar- Werlpaviere....... 9 045 386.80 e) sonstige börsengön ige Werlpapiere....... 2305S43O.90 S> sonstige Werlpopiere............ 3434678.45 M. 6 1 113 284.35 Unier den dorstchenben Effellen befinden sich insgesamt ca. Dt. 420COOOO festverzinsliche Werte. Die Effekten sind iowell börseng änglg, zu NebernabmSvreisen bezw, zum Tage». kuri vom 31. Dezember 1912 wenn dieser niedriger war, ausgenommen worden Dauernde Beteiligung bei sremben Banken-»» M. 86 634 530 75 Da» Konto hat sich verringeik durch den Brrkaui der Aktien de» Schwei''! ischen BankveremS, vageren sich erhöh! durch Ankani weilerer At'len bar Akilengesellschasi Banquo I, Allard � Cie. Paris, sowie durch die Bollzahlunz unseres BeiiondeS an älkiieit der Teuljch-Südamerikanischen Bank, Im adgeiausenen Geschäsiijahr bot sich uns Eelegeubeit, die 7000 neuen Aktien des Schweizerischen Bankvereins welche wir, wie im vorigen Bericht erwöhnl, gelegrni- iich der Kusion der Akliengesellschalr von Svehr& Co, mit dem Schweizeirschrn Bank- verein im AuSiansch gegen unsere Aüienveleiligung an erster em Unternehmen erd allen hallen, wieder ahznstoiien. Der h, erbet erzielte erhebliche Nutzen gegenüber dem Buch- werte ist zu Rüikstellnngen aus dem Konto der dmernden Beieili/nngen verwende! worden. Unsere sieunllchokll>a>en Beziehun'en zum Schweizerischen Bankverein er- iahten durch diesen Akiienverkaus keine Veränderung, Bei der Deutsche siidrmerikanrschen Bank ist sür das Grschäsisjahr 1812 wiederum nach reichlichen Rückstellungen die Beriet ung einer Dividende von 5°/, wie im vorher- gegangenen Johre, zu erworlen Die llUederlossung in Buenos«irei Hai sich in er- rreulicher Weise weiter eniwickeli und In besonberi-erbebttchem-lRnbe'-zu dem Jalrre». gewinn beigeiragen, Tie rUliale in Rio de Janeiro Hai Iür ihr erste» volle» Betriebs- tahr den gehegten Er warinngen enlipiollren Was die Nleberlaffung in Merlka an- delriffl, so ist ihr durch die sllnast entstandenen Unruhen in der Stadl Mexiko weder maierieller oiaener Schaden erwachsen, noch stnd im Zusammenhange mu den poUiischen Wirren irgendwie nennenswerte Verluste voranszuiehen.' Die Deutsche Orienibank bat fich während de» ganzen Jahre« eine weilgebende Znrückballung aufcrlegl. n Aegvvlen scheinen die Nachwirinngen der seil 1907 Herr- schendrn»r,siz überwunden und die Geschä'Iilage darf nunmehr alS g-sundet angesehen werden Nichiidestaweniger baden die äghvlischen Niederlastnngen bei JnstltüleS, da die siinanzierung der sehr destlrblgend ausgefallenen Baumwollernte ungesähr zu dem Zeilpuntte begann, zu welchem der Balkankrieg ausbrach, Idre Overaltonen soweit de- 'chrönki, als es möglich war. ohne die Erhallunr des soliden Kundenstammei zu ge- ährden. Die klelnastarrschen Niederlassungen dab-n befriedigend ocarbetlet und auch in Konstamliiove! ist da» Justitui von Verlusten fast gänzlich veischonl geb.ieben. Mit schwierigeren Verhältnissen haben dagegen die Filialen in Adrianope! nnd Dedea olsch ,n rechnen und wa» ersteren Platz anbeiufft so läst stch zurzeit nach nicht mit völliger Sickerbril übersehen wie ble geschäfillche Lage bet Kundschaft fich inlolge der lang- andauernden Belagerung der Stadl gestalien wild. Urler diesen Umständen Ist e» Im Augenblick wiewohl dre Jnvestrlronen In diesen Plätzen verhäliniemädig nicht allzu be- deutend sind, noch nicht möglich, über dre voraussichiliche Höhe der Dividende etwa» zu sagen, Aus dem Konto der dauernden Beiellignngpn bei ireinden Banken sind, entsprechend der bisherigen Uednng, die pra 1911 verelnuahmlen Dividenden verrechnet, während die Dividenden pro 19 2 der Verrechnung im nächsten Jahre vorbehalten bleiben, 4it''c DdNgoilonen bet Elekiro-Dreuhunb Aklien-Sesellschost, Havidnrsi. 4%% 4 103% rückzahlbare Obligaluineu der«aSanftall-BelrledSgese». schast m 6. H,. Berlin.. 4'/,% 4 103% rückzahlbare dypoihekarlsche vdligalwne- der«eleüschast iür Deeioeiroertuna m b. C- Duisbuig-Mrtberich» 5% 4 103% rückzahlbare Obligationen der GewerIIcha'iA!eianber»ball, verke. 4%% 4 103% rückzahlbare hhrolhekarifcke Obligationen der«rasen Henckel von DonnerSmarck-Beulhen. CarlSdos.... 4% 4 105% rückzahlbare ObUgallonen der Drobrn Casseler Etrabendah» Aktien, Geseuschasl..... 4% Obligationen der Groben Leivzlger Slrabehdabn. 4'/,% 4 l 1 3% rückzahlbare Obligationen der Lubw, Loewe t r». Aktien- gesellsäraii,.__ 4 Vi% 4 103% rückzahlbare Obligationen der Main-Üraftwerie fallen. gesellsctait. Höchst a, M. 4>/>% 4 112% rückzahlbare hnvolhekarlsche Obligaiianen der Mechanischen Buntweberei vorm. Kolb& Schule Akilengesellschasi. Kirchheim-Deck, d% Obligationen der liinistschen Gesellschaft»Allgemeine EleUrrciiätS-Ge- selljchasi', St. Petersburg(Einführung), 4% B;a 102% rückzahlbare Ohligaiionen der Zwickauer EIckIrizUäiZwrrl- und Sirabenbahn-Akiiengesellschaft, Nene Atrien des Berliner Matler-Bereini, Reue Aktien der Preublsche» Psandbiref-Bank. Reue Aliren der Acrlen-Gesellschaft.Weser", Bremen(Efniüdrungp Reue Aknen der Alirengesellschafl Bad Salzschlirf, Reue Affren der Akrlengelelischasi sür Carionnage.iindustrie, Loschwlh, Neue Atrien der Atiiengesellschaft Lanchhammer, Riesa, Nene Atiren der Allichmernen Slektrieiiaie- Gesellschaft, Reue Aktien der.Allianz' VersicherumiS-Akiien-Gesellschass, Berti* Neue Akiien der Bank sür eletlrische Uniernehnrungen, Zürich, Reue Atiren der Brernen-Besigheimer Oelsabriken, Neue A lien des Bremer Bnlfan Schiffbau und Mäschinenlabrik. Vegesack, Reue Akiien der Chemischen gadril von Hehden Akiiengesellsaiasi. Radebeul, Aktien der Chemischen Werke Lubszhiiiki u, Co. Akiiengesellschast, Berlin- Lichlenberg. Reu« Atrien der Deutschen Eisenbahn-Gesellschast, Lelien-Besellschast, vo,Qe>.--> Frankiurt a. M, 2 090 369.75 egeue Akiien der Deutschen Erdöl-Atilengesellschaft. Reue Akiien der Deulsch-Luremdurglschen Bergwerks- und Hüflen-Avirn» gelellschaft, Reue Aktien der Dentsch-Südamerikanischen Telegravbengesellschaft, LlUr»- gesellichast, Reue Aliren der Deutsch- Ueberseeischen EletlriclläiS-Gesellschas� Reue Atrien der Gehe u, Co, Aliiengesellschaft, Dresden, Diene Akiien der Gesrllschafi sür elrkirii'che Uniernekmungen. Diene Akiien der Geielischasl für Basindastrie, Auaibnrg, Aktien der Grün u, Brlstnger Akilengesellschasi, Mannheim iElnsübrnng), Reue Aliien der Hamburg Amerikanischen Packeiiahri-Ariien-Sesellschasl, Reue Akiien der Hessischen und HereuleS-Bierbrairerei-Akiiemrelellschali, Cassel- Akiien der Hhbromeier Breslauer Wassermesier-gadrik Altiengelellschaft, Reue Akifen der Main Kraftwerke Aftieiigesellichaft, Höchst a. M,, Reue Akiien der Maschinenbau-Aklien-Gesellschaft vorm, Beck»u Henkel, Cassel, Reue Aktien der Maschinenbau- Anstalt Humboldt. Köln- Kalk, Rene Aiiirn der Mnhlendauanstali und Maschinensadrlk vorm,«edtflbet Seck Drekben, Reue Akiien der Porzellanfabrik PH, Rosenidal u. Co. Artiengesellschait, Selb t. Lavern, Reue Aktion der Sidernlschen Sialilwerke, Duisburg-M.'iderlch. Diene Anien.er Ru-'stschen Gesellschnst»Allgemeine ElekaicifäiS- Gesellschaft'. SI. PeierZbura, Reue Akiien der Sächsisch- Böhmischen Poriland-Cement.Fadril, Aliien- gesellschoft. Dresden. Reue Akiien der Söchfi chen Waggonsadrik Werdau Aks�rngesellschast, BrioriiäiS.AUien der Szabolcser Loraibahn(Linie KiSvarda Dlvirdoktn). Dicue Akiien der Wanderer-Werke vorm Winklhoier u. Jnenicke All-Ges. Schönau d. Chemnitz Auberdem waren wir dri einer aroßrn Anzahl seitens unserer Freunde im In- und Auslände enlrrerier Finanzgeschäfte unirrdelelligt. Bon den vorstehend erwähnten Geschäften Ist der gröffle Dell Im lankenden Jahre abgewickelt. Bon Gelchäsien au« früheren Jahren nenne» vir al« adg e» sisvpckei« brRVePrN'ljiikVg'-n vo«!'" 5% Obligationen der Gewerkschaft Hansa-Silberderg. 41 Obligaiianen d.-s Calenberg- Göiiingen- Grubenhagen- HildeidriNiffcheu rilierschafti. Credil-VereinS. 4)4 t Obligationen der Rdeingau-ErekiriziiäiSwrrte, Alliengesellfthgst. Aliien der Frankfurter Hoi Jltiienreseüsdjafl, Aklie» der VuderuS'schen Sisenwirke, Aliien der Gasmotoren Fabrik Deutz. Akiien der Ruistschen G-Iellschaft.Allgemeine ElekiriciiäiS.Sesellschaft'. Unser KonsorliafdeieiligungS.honlo zeigt softrende Zirsammensetznilg! 1. Achtzehn Beieiligungen an seNverzinSIichen Werten.... M. 10912365.45 2. Vierzehn Beleftigirngen an Siiendahn- u. Siratzeni-ahn-UnIer- neiimnngen-Aktien............... 9843 844.85 3. Sieben Beteillgun ien an Ban'aklien.......... 1 953 395.90 4. Zwei Belerllaungen an VersicherungS- Gesellschaften...., 4' 12 718.70 5. Sechzehn Beieiligungen an Terrain» it Terrain Gesellschaften, 7615460.45 6. Zebu Beiriligunoen an überleriichen Uniernehmnnaen.... 8437 630.— 7. Sech» Beieiligungen an elekirftchen n Kabel Unlernebmungen» 2425284.15 8. Eis Beieiligungen an Bergwerk»- u. Hüllen Uniernelrmuiigen, 5 033 265.95 9. Dreißig Beieiligungen an anderwelligen Unternehmaugen... 8 553 563.60 Revort-Konto- Ultimo Dezember 1012 oder früher hereingenommene unb an jpäleren Terminen abzulreierniie Effekten.... mithin M. 14 843 64355 weniger aii im Borjahre. M. 114667 439,05 Kousorkialbcte llgnugS-Konto. Wir baden bei solgenden Geschäften al» Kontrahenten mftgewirkti 4% Denlsche Reichs Anleihe. 4% Preu-ische toiriolibieite Siaali-Auleihe, 4%'llaverrjaieS Ersenbahn-Anleden, 4°,, SavrrischeS Allgerneines Anlehen,, 4% Oidenburgiiche koniolidierie SiaaiS-Anfeibe, 4% vom Sächsischen Staate garanüerie Anleihe der Weißeritzlalsperren- aenonenschari. 4% Würilemvergische Siaalianleihe. 4% Hannoversche Brovinzial Anleihe. 4% Rheir-Vrooinz Anleihe. 36. Aus ade 40io Westräiische Vrooinzial-Anleihe VI. AuSgad«, 40fo Anleihe der Eradi Breilau von 909,. 4% Anleihe der Siadi Dl..Wl!merSdors. 4% Anleihe der Siadi Dresden von ILOS, 4°/0 Anleihe der Siadi Heihelderg. 4% Anleihe der Stadl Leivilg von 1908, 4% Anleihe der Sta-i München. 4% Anleine der Siadi Planen i. C. von 1910, 4% Schuldverschreibungen, Eer. 24. der Landeikrebllkasse zu Cassel. S'U% und 4% Schuldverschreibungen der Rassauischen LandeSvank, W!eS> baden. 4% Hyvolheken. Pkandbriefe de, Deuischen Grundcredli- Bank. Goiha Ableitung XX 4'/, Psanddliefe der Deuischen Psandbrles.nstali in Bosen. 4% Hvpoidelen- Pfandbriefe des Frankinrier Hypoiheken- SredU- Berein«. Ser. 52(Einli-Hrnng). 4%«runbrenienb-iefe der Grundrenlen» unb Hypotheken- Anstalt der Siadi Dresden. Reihe II. .4% Pfandbriefe der Grundrenten- und Hypotheken- Anstalt der Stadl Dresden. Reihe IX. 4% Hhpolheken-Pfandbriefe der Preußlichen Pfanddrief-Bank(Einführung) 4% Hyvoi eien-Psa- ddifese der. Nhernisch-Westfälischen Boden-Credll-Bank, Ser. XIII(Ernsülirung). Hypolheken-Pianddrlese der Eächstlchru Bodencredilanstalt. Ser. II, 4% Hypoiheken-Psandbrlese der Schlesischen Boden- Credit- Aelle» Bank, Ser. Xlll. 5% Goldpsaiidhrieie der Ca ja de Crödilo Hivolecario w Santiago de Chile 4>>,'>fa ObUgallonen Serie IN de, Anaiolischen Eisendadn-Gesellschasl. 4'/t°/o ä 0 �"/o rückiadidare hhvoidekarische Obligaiionrn der ANren-Gelell- schafl sür Jederstahl-Jndustrie vorm. A. Hirsch t Co.. Cassel, yjc i 103°/, rückzahlbare hypoihekarlsche Obligationen der Bremer Slahlhos Aftlengesellschafi. 4'/t'lo ü Ii 13% ruckzahlbore hhpolhelarische Obligationen der Buderuiffchen Eisenwerke. Wetzlar, 4'/,% ü 1030.'„ rückzahlbare bvvothekariiche Obligationen der Cigaretlen- labrik A. Constaniin Aliiengesellschaft. Hannover. 4% ä 105% ruckzahlbore Obligationen der Deuischen Eilendahn Gesellschaft. Aeiien- Gesellschaft. Frankfurt a. M.(Einiülnungi. 4%% ä 105% rückzahlbare Lbligalionen der Teuiichen Eisenbahn, Ee- lellschast. Aclien-Gefellschaft. Frankiurt a. M. . 5% ä. 103% tfitfzabibate Obligationen der Deuischen Erdöl-Akiiengesellschakl, 4'it% Obligationen der Deuisch-Endarnerikanischen Telegraphengesellschasl, Aklirngesellstdaft, C'Niisnon 1910 b 4% Obligationen der Eisenbalm-Bank. Frankfurt o M(Einführung), 4%% Obligaiianen der Eisenbahn Bant. Franlfuti a. äst., ->".0 Cblwaiionen der Eiienbahn-Renien-Banl, Frankfur! a M(Einsührungs. 4%°?o» 1 2% rückzahlbare Obligauonen des ElekiilrttälSiverk Südwest «lli-ntzejrlljä)aj>, Bkrlsn-Sqöncbcrg, M. 50 177 529.05 Konto-Korrent- und Einlagen-(Depofiten-) Konto. Bei einem Umsatz im Debet von.......... M. 30628393 512.45 betrug derselbe im Kredit................ 30 710038 4.' 9.95 so daß un» am 31. Dezember 1912 eine Schuld verblieb vou. M. 81041 947.50 und zwar lani Bilanz: M. 41 15> 457.25 verfügbare Gulbaben des ersten Banken und Bankier», » 33457 714 35 Lombard» g-aen börsengängige Wertpapiere, , 106 868069 55 Borschilsse auf Waren und Warenverlaüffunge». hiervon M. 54 422554.55 gedeckt durch Waren. Fracht- oder Lagerscheine. » 15946 574.25 gedeckt durch andere Sicherheiten. .«23835975.25 Debitaren und zwar: M. 35 930 873 90 in Dresden, . 210247 917 65. Berlin, . 347 657 383,70 bei den Filiale» verleilt auf 24 769 Konten hiervon M 321 172 663.80 gedeckt durch börsengängige Wert» vapiere, » 143005083,15 gedeckt durch andere Sicherheiten. Kreditoren! n) Rostro-Bervssichlungen........... M. bi seilen» bei Kündichaft bei Driften benutzte Kredite... c) Gulhaben beurscher Banlen und Bankstrmen..... 6) Einlagen auf provlstonisreier Siechnung(Devosil«»).. und zwar in 96 499 Samen innerhalb 7 Tagen fäUtg M. 183 395532.85 , 19874, darüber hinaus bis zu3Monalriisällig. 108787 757 60 , II 010, nach 3 Monaleu». 64 6' 7 268. 15 «) smstige Kredit oren........... uno zwar rnnerbalb 7 Tagen fällig... Dt. 29 i 548 161 40 darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig. 154 585 58? 10 nach 3 Monaten fällig.... 21 032085.65 1 161 689 45 1 749786.50 68 089851-.20 356 790 558.60 469 165 829 J5 Kreditoren c und e verteilt auf 27215 Konten Die Zahl der IbusendeN Rechnungen Debitoren und Kreditoren) beträgt 52 184 egen 48 682 in 1911. Die Zahl der Einlngen-Konlen ist von 113 996 in 1011 auf 127883 gestiegen. ES wurden gewonnen an Provision abzüglich gezahlter Provisionen.... Di 14238375.55 an Zinsen(inll. dir Zinsen an! Lombard-, Effekten-. Sleporl- und Konsoriial-Konio. abzgl. gezahller Zinsen) M. 9 706 17)3 Akzept- und Scheck-Konto. Am 31. Dezember 1911 besanden sich Tratten und Scheck» aus un» Im Umlauf..................... Dt. 264 564 167.65 ferner wurden ausgeschrieben! ans Dreiben........... M 83190897.25 auf Berlin.......... TO. I 043 953 988.40 ans unsere Filialen....... TO. 2473 063 42635\W. 3 600 196 81i— TO. 3864 762 479.65 E- wurde» eingelöst In Dresden... In Berlin.... bei unseren Filialen. M. 83068 462.10 M. 1 03« 737 370.03 TO. 2 477 169 320.80 M. 3 596 975 152.95 af, am 81. Dezember 1912 in Zirkulation Verblirben aus Dresden TO. 9 978 965.90 ans Berlin.......... M. 60 145 337.80 aus unsere Filialen....... TO. 197663 023.- TO. 267 787326.70 tSorffetzung stehe«ehensteheud, ImmyhMen-«ttb Modilien-Kouto. u««»«,»»»«»«. Auf diesem Sonlo-rfchchi« dt« JMntgrtW« m Dreidei,........?, St, 190)000,™ . Berlin.............. S7'0ü00.™ , Rtoitlftirt», R,........., 1 40/000,— . Hamborg-............ 2)00000.™ . Bremen ,............ iSrTOOOO.— . Nllrnderg..<-......... 1 150000.— . Öünlj..............]800uü.— . Hannover............. 750.000.— . Mck-bnig............. 120000,— . Detmold............. 100 OuO.— . Slannheim............. 50)000.— . Blauen- L 55............ I"0 0(i0.— . CbemniK,............ 500000.-— .(imden.............. 40 000.— . Steidutfl t.»r............#26000.— , Zwickau 50000.— . Mllnche,,............. ItOOOOi�- . Leer............... lOOOOO.— . ttnfiÄ.............. 4M 000.- . Zittau.............. 100 ODO,— . Augsburg............. 200000.— .«lichweg«............. 60000.— . Breslau......«0678835 . Meiwt,.......•...... 66 000,- . Lieant,............. JOOOOO.- .»nnjlau............. 40000.— . eiuilgait............, 800 000.— , HeObronu., 20000<).— . Beuldeu,..........., 200 000.— .»itdeck.............. 150000.— • Dtanffurt«, v............ 60 MO— .««SlOngen............. 185 642.25 .$ic4beit.9f«f(ttt{........., 173 949.10 Ct. 21451220.20 _ K 2. Neubau. SoRto. Neubau«to. bau»»« Bertnderuugen tu verltu.»re»b«u. Vlaueii. Zwickau. Ztllau. Svewni».»«»lau. grantwrt a. 1», Srant- Wli i, C., GiUtngen, Hamburg. Harburg. Lübeck. Nürnberg und»tellin K, 5 411 782.80 .... S. Dtderf« Juimobtlteii. «a«er.MIbelm.e<,ak........ fft, 198 445.48 »tvsrl» tKxmdßa« b......... 2135) 38.16« 2328 584.80 Vi. 29 189 531.40 Unser gesamt«« Zlmmaiilienbeslb ist jurjeit«ii St. 2788 900—■ Hyboibeken belastet deren Abstoiung na» den bestellenden Verträgen bisher nicht innlich war. 4. S!adtlteu-»»nta. Die Neuanschaffungen im Betrage von......... Sb. 328 978.16 in der Haubtsach- durch lkrbffnuug neuer Wechselstuben veransab«, find, wie in den Vorjahren, abgejchrieden worden. Bezüglich der Sonten.vanlgediude' und.Wobllien' ist e» von?lnler«sse. daraus htnznwelsen. bah dl« groben Auswendunge» ans diesen beiden Konten hanblsSchlich von dem Ausbau des ZleheS unserer Filialen und Depofilentasse» derrlihren. Abgesehen von den schon srllher gewachle» Adschretbunge» bade» wir von dem Zellduntle, wo diesee«Uida» etngeledl dal als» von dem Jahre 1898 ad. auf Banl edände 18. 10576042- und auf MadMen, iu denen die gansen Neuelnrichtnngen der Nieder, lastungen und Tevosilenkasten gerechnet sind, 3>t. 4 800301,—. insgesalni also M. 15 378 343.— abgeschrieben. HandlungS-Uukosten-Konto. Handlungi.Unlostea................ St, 18 81 4 064.25 Vleuern..................... 2 027481 20 auch da» Barichisjadr bat ein««eitere Steigerung der Unlosten g, bracht. Sie ist durch dt« tulalge Autdehnung der«e chäile notwendig geworden«, nicht nnweientliche Vermehrung des Personal», ivwte durch da» suli-sfive Ausrücken der Beamten ln die Mveren»ehgliiNasseu und durch eine-Inzelnen»eanlienlalegorirn gewährt« Vcuerutigi. zutage vrranlabt. PenftonS�Fonds-Konto. Tai Guidadcn de« im lZahre 1879 begtllndeten Venfionl-Sond» d-ling am 31 Dezember 1911..,........... St. 3900 000— hierzu kamen Zinsen im Jahre 1912.. 168589.15 Vi. 4183 589.15 hiervon ab gewährte Pensionen vi. 202075 85 und WerlvcrmtaderuN'i der vnistonZsondb-Sffelteo,, 101 317.80. 803393 25 durch du von uu» beantragte Zuweisung von. wird er die Höhe»VN.. errcicheii. lkönig.Friedri I-Zlugust-Stistuna. Die Im Ahrtl 1905 begründete Stiftung wie» am 31. Dezemder 1911 einen Bestand von.-,,,, aus, hierzu traun in 1912 an Zinsen........ ttL 8 768 175 90 . 486 824.:0 M. 4 200 Cd. 0,- ad gewättU Unterststhnng«» 1» 1912......»t 1479— und Werlverminderung der Sttstnnffg-Effetlen.,,._. 19>4>.— mtlhi» verbleibt ei» Bestand von.,, M. 103589.« »«»>»«»»,. Georg Arnftaedt-Tttstung Der am ZI. Dezemder 1912 derdsieden« Bestand deträgi,«,» Si. 150 11830 Reserve» FoudS< Konto. Der ardenINche ReservesondS beläuft sich auf M. 51 000 000.— der Reservefonds L auf................. 10(00 000.— ES betragen demnach die Sesamtreserven Si. 81(00(00.— gleich 30,5»/, unseres Altienkapiiali. Alt Uederschut dar Alttva ltder dt« Passiva«gibt sich«in Reingewinn von.................. •Jn Ueb-ieinstlmmung mit dem Aufstchtlrate deaniragen wir, denselben wie sotgt zu verwenden: Abschreibung auf Banbgedäube» Znweitung zum Pensiansiond»., Rückstellung für di« Talonsteuer. i'U Dividend« auf S», 200 000(00 wk. MO 000.— 439 824.10 . lue 000.— . 8 000 0(0.— M. 25 116 828.« 9288 f.>4.10 88, 1 171 283.- Dantteme an oen AufstchtSrat. Bertiagemjbig« Dantieme an die Dtietlvren, stellvertretenden Dtret. toren and Dtreftoren der sttlialen, sowie an die LofaUomtteeg'— inigetamt 94 Herren....» 8 059 128— Pratlfikeltan an die Beamten.... 2 375 000.— 4-/-°/°Zup-!dtvidend-austl«.2uO 000(00. SOCOOOO- *** 978 698 55 M, 15 879 004�5 »ortrag Dresden, sin SlZrz 1913. »«»»»« Die Direktion. res» dcnerstraße 8(Kottbusertor).* Wundervolle Steppdecken! Spottbillig« Lnventurpreise I Simili- seide: 3.85. 4.85. 5.85 bis 12,15. Elegante Tüllbetldecken 2,S5 bi« 10,7». Abonnenten noch 10 Prozent Rabatt. Wolss Teppichhaus. Dresdenerstr. 8 (Kottbusertor). 123K» Monats-Garderoden-Haus ver- laust spottbillig erstllasfige wenig ge- tragene Jackettanzügc, Gebrockanzüge, Smolinganzllge, Frackanzüge, Som. merpaletots, Bcinllcider, auch Bauch« anzöge. Pnnzenstrajje 23, I(Eck. hauS Ziltterstrake). 15SK (gattronen. 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Jonas, straße 83._ 164 Kinderwagen, gut erhalten, billig. Rosall, Schreinerstraße 87. fbl die an der von Hennigsdorf nach Marwitz führenden Industriebahn lagen, sind dem Chemiker Dr. Brüning zur Unter- suchuug ergeben worden. Sie enthalten Oclslecke und sollen darauf untersucht werden. M dieses Oel dasselbe ist, mit dem das Drahtseil durchtränkt ist. Die Säcke enthalten vielleicht auch noch Fasern, die möglicherweise an dem Drahtseil gehaftet haben. Denn dieses war an dem Bagger.außer mit Draht auch noch mit einem Seil befestigt, das von den Dieben durchgeschnitten wurde. Vielleicht ist es möglich, durch diese Untersuchungen auf dem Wege zur Ermittelung der Tüter einen Schritt vorwärts zu komme» NuS dem Publikum hat die Kriminalpolizei schon«ine ganze Reihe von Mitteilungen erhalten, die auf diese oder jene Spur zeigten Sie hielten aber der Nachprüfung nicht stand. Einige angebliche Wahrnehmungen erwiesen sich geradezu als erfunden. Wie jetzt feststeht, haben die Verbrecher das Seil zunächst an einem Baum zur Linken der Chaussee in der Fahrrichtung der unglücklichen Opfer befestigt. Dann zogen sie es schräg nach vorn gegen die Fahrrichtung zu nach dem nächsten Baum hm, schlangen es um diesen herum und zogen es nun nach dem nächsten Baum hin, schlangen es um diesen herum und zogen es nun nach dem Aus- gangspunkte zurück. Auf der rechten Seite in der Fahrrichtung stand jetzt das Seil, das infolge der schrägen Linie in einer Länge von 12 Meter die Chaussee überspannte etwas höher als auf der linken. Bei dieser Lage mußte es zunächst den treffen, der auf dem Automobil rechts saß. Das war Plunz und hinter ihm seine Frau. Von dem Manne abspringend, traf es sofort die Frau hinter ihm. So erklärt es sich, daß diese beiden am schwersten und tödlich getroffen wurden. Unter den vernommenen Zeugen befindet sich auch ein Mann, der mitteilte, daß er mit mehreren Bekannten am Sonntagabend einen Spaziergang an der Industriebahn entlang gemacht habe. Von diesem Wege aus habe er beobachtet, wie um die Zeit, wo das Unglück passierte, zwei Radfahrer von Marwitz koimneno die Chaussee nach Hennigsdorf entlang fuhren. Außerdem habe er den Scheinwerfer eines Automobils gesehen, das in derselben Richtung fuhr. Daß diese seine Wahrnehmung auch wirklich zu der frag- lichen Zeit gewesen ist, weiß er deshalb genau, weil kurz darauf der Veltener Zug vorbeikam. Dieser passiert die Chaussee kurz vor Hennigsdorf um 8 Uhr 21 Minuten. Nach Ansicht des Zeugen haben die Radfahrer sowohl wie das Automobil vor den Schranken des Ueberganges warten müssen. Es wäre nun dringend erwünscht, wenn sich die Radler und Automobilisten, die um diese Zeit von Martvitz kommend über Hennigsdorf und Tegel nach Berlin oder Hennigsdorf und Neuendorf nach Spandau gefahren sind, melden. Vielleicht haben sie auf der Chaussee oder in der Nähe Leute ge- sehen. Die Täter müssen sich um diese Zeit nicht weit von der Stelle ihres verbrecherischen Anschlages aufgehalten haben. Zur Obduktion der Leichen trafen gestern vormittag schon zeitig Staatsanwalt Herbst vom Landgericht III, Gerichtsassessor Dr. Ganz und Sanitätsrat Dr. Aust, der Kreisarzt von Nauen, in Hennigsdorf ein. Zur Einsargung hatte aus Veranlassung der Angehörigen ein Berliner Beerdigungsinstitut schon vorher söge- nannte Einsätze gesandt. Die Obduktion der bei dem Arrschlag ums Leben gekommenen Eheleute Plunz wurde gestern nachmittag gegen 4 Uhr beendet. Das Ergebnis war, daß bei dem Mann sowohl wie der Frau der Tdd sofort nach dem schrecklichen Unglück eingetreten ist. Der Juwelier, starb an einer Gehirnerschütterung mit darausfolgen- dem Bluterguß ins Gehirn, seine Frau infolge Zertrümmerung des Schädels, und innerer Zerreißung, und Verblutung. Beide Personen sind von beiden Seilen getroffen worden. Da sie durch beide Seile in das Gesicht getroffen worden sind, scheinen diese an der Stelle, wo sie gegen diese fuhren, in gleicher Höhe gespannt gewesen zu sein. Ein Seil traf die Frau am Unterkiefer und zer- schmetterte ihr das Gebiß. Das zweite schlug ihr in die Augen. Von beiden Seilen gepackt ist dann die schon durch den Anprall wahrscheinlich tödlich verletzt gewesene Frau mit der Tochter aus dem Wagen geschleudert worden. Von Angehörigen der auf so schmähliche Weise ums Leben gekommenen Eheleute Plunz wird uns mitgeteilt, daß die Meldung von ehelichen Differenzen zwischen den beiden Eheleuten nicht zu-- trifft. Wir hatten auf Grund einer Korrespondenz diese Meldung übernomnien und auch nur deshalb davon Notiz genommen, well uns das End« der beiden Eheleute um so tragischer erschien. Auf eine Familientragödie scheint ein doppelter Leichenfund hin- zudeuten, der gestern morgen gegen 8 Uhr in der Havel am Süd- Hafen in Spandau gemacht worden ist. Es wurden dort die Leichen einer älteren, etwa 50 Jahre alten, den besseren Ständen angehörigen Dame und«stnes etwa 20 jährigen jungen Mädchens geborgen, während gleichzeitig der Polizei mitgeteilt wurde, daß eine dritte Leiche die Havel entlang durch das Gemünde in die Havelseen geschwemmt worden sei. Die beiden geborgenen Leichen trugen keinerlei Papiere bei sich und sind nach der Leichenhalle in der Gatower Straße in Spandau geschafft worden. Die dritte Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Die Untersuchung ist im Gange. Ein tödlicher Automobilunsall hat sich am Montagnachmittag im Norden Berlins zugetragen. Gegen 3 Uhr spielte eine Schar Kinder in der Gerichtsstraße Kreisel, darunter auch der 12jährige Schüler Erich Neisel aus der Gerichtsstraße 16. Im Eifer des Spiels rannte der Knabe auf den Fahrdamm, direkt gegen ein in lebhaftem Tempo herannahendes Automobil. Obwohl der Chauf- feur den Kraftwagen fast augenblicklich zum Stehen bringen konnte, war das Gefährt doch bereits über den Körper des Knaben hinweg- gegangen. Der Verunglückte hatte so schwere innere und äußere Verletzungen erlitten, daß er auf der Stelle verstarb. Ein zweiter Krastwagenunfall ereignete sich Montagabend gegen%0 Uhr in der Müllerstraße. Dort wurde der Arbeiter Ernst Ticfler beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Automobil umgestoßen und überfähren. Er erlitt einen doppelten Bruch des rechten Oberarms und erhebliche Quetschungen und Hautabschür- fungen am ganzen Körper. Der Verunglückte erhielt auf der Unfallstation in der Lindower Straße die erste Hilfe und wurde dann nach dem Virchow-Krankenhaus geschafft. Au den Folgen der Operation verstorben ist, wie schon an anderer Stelle mitgeteilt, der Bierfahrer Moltau. M. mußte sich dieser Tage einer Operation unterziehen, weil bei einer vor einigen Jahren vorgenommenen Operation eine Arterienklammer in die Bauchhöhle gerutscht war, ohne daß die Aerzte diesen Fehler bemerkt hatten. Schwerer Zusammenstoß. Als Montagnachmittag ein Bierwagen der Löwenbrauerei vor dem Hause Landsberger Allee 122 von der linken auf die rechte Straßenseite hinüberlenkte, wurde er von einer „Elektrischen* der Linie Hohenschönhausen— Kurze Straße mit großer Gewalt angefahren. Infolge des Anpralls sielen mehrere Kästen mit Flaschen vom Wagen und das Sattelpferd stürzte so unglücklich in die Scherben, daß ihm die linke Bauchseite aufgeschnitten wurde und die Eingeweide heraustraten. Um den Qualen des Tieres ein Ende zu machen, wurde es auf Veranlassung des zufällig anwesenden Besitzers von einem Schutzmann mit der Dienstpistole erschossen. Kutscher und Mitfahrer, die vom Bock gestürzt waren, find mit un- erheblichen Verletzungen davongekommen. Bei einem Brande erstickt. Gestern früh kurz nach 6 Uhr wunde die Feuerwehr nach der Granseer Straße 0 im Norden Berlins gerufen, wo im Erdgeschoß in einer Kabuse Feuer ausgebrochen war. Als die Feuerwehrmannschaften in den Raum vordrangen, fanden sie den etwa 40 Jahre alten Produktenhändler Reich bewußtlos vor. Es wurden sofort Wiederbelebungsversuche angestellt, die aber keinen Erfolg mehr hatten. Nachdem der Tod zweifelsftei festgestellt worden war. wurde die Leiche der Polizei übergeben. Der Tick Uxh; durch Ersticken eingetreten. Das Aeuer, das nur em paar Stücke Holz erfaßt hafte, konnte schnell gelösch! iverden.— In der Seestraße 36 wurde in der letzten Nacht ein Mann ohnmächtig aufgefunden, der Benzolgase eingeatmet hatte. Hier waren die Wiederbelebungsversuche erfolgreich und der Mann wurde nach dem Poul-Gerhardt-Stist gebracht. Verloren. Am Sonnabend, den 1. März 1313, ist eine schwarze Frühstückslasche iWachstuch) mit vier Druckknöpfen verloren ge> gangen. Inhalt: Zwei Zeitungen(„Vorwärts*,„Metallarbeiter Zeitung*), ein großes gelbes Kuvert mit ver- schiedenen Schriftstücken. Dasselbe trägt die vollständige Adresse des Verlierers als Aufschrift. Da für den Verlierer diese Schriftstücke großen Wert besitzen, für den Finder aber gar keinen, bittet derselbe um die Abgabe an E. Vogel, Ziseleur, Berlin dl. 113, Schönhauser Allee 36/37, 1. Ouerg. IV. Die Tasche kann nur auf dem Wege vom Bahnhof Schönhauser Allee bis zur angegebenen Adresse oder auf dem Wege von Friedrichshagen, Wilhelmstratze, bis Bahnhof Friedrichshagen, oder in der Bahn verloren gegangen sein. Vorort- �admcbten. Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Nachdem der Stadl verordnetenvorsteherstellvertreter Genosse Molkenbuhr dem ver- storbenen Oberbürgermeister Schustehrus einige ehrende Worte ge widmet hatte, teilte er mit. daß Herr K u z n i tz k i sein Stadt' verordnetenmandat nach 16 jähriger Ausübung desselben niedergelegt habe.— Der Einheitssatz der besonderen Gebühr für die Abführung gewerblichen Abwässer und Grundwasser unter Zugrundelegung des Ortsstatuts über die Benutzung der unterirdischen Kanalisation wurde auf 37/10 Pf. pro Kubikmeter bemessen.— Die Freie Fraktion beantragte: „Den Beschluß der städtischen Körperschaften, daß ihren Mit- gliedern Ausführungen und Lieferungen für die Stadt nicht über- tragen werden dürfen, dahin abzuändern, daß Bürgerdeputierte und Kuratoriumsmitglieder,.welche nicht Stadtverordnete sind, da- von ausgenommen werden, wenn sie der die Arbeit vergebenden Deputation nicht angehören.* L i n i c u s betonte in seiner Begründung, daß mit diesem Antrag jeder einverstanden sein könne, der wolle, daß denjenigen Deputierten, die in ihrem Fach besonders Tüchtiges leisten, ruhig die zu ver« gebenden Arbeiten einer anderen städtischen Verwaltung übertragen werden könnten. Dadurch würde die Stadt gleichfalls Nutzen haben. — Genosse K ü t e r ersuchte, den Antrag, der nur eine Durchlöcherung des früher gefaßten Beschlusses bedeutet und den kontrollierenden Beamten nur Schwierigkeiten bereitet, abzulehnen. Die Bürger- deputierten bildeten in ihrer Gesamtheit eine öffentliche Behörde, sie seien untergeordnete Teile des Magistrats und hätten deshalb Ein- blick in alle Akten. Sie hätten auch den übrigen Mitbewerbern gegenüber stets einen Vorzug, da ihnen alle Vorbedingungen für zu vergebende Arbeiten bekannt seien.— O l e z e w S k i(Lib. Frakt.) meinte, die Tendenz der früher gefaßten Beschlüsse solle bestehen bleiben, aber der Antrag hätte auch viel Guteö und müßte in einem Ausschuß erst beraten werden. Die Mehrheit beschloß dem- gemäß. Der Etat für die StraßenreinigungS- und Marftverwalwng wurde angenommen, nachdem im Etatsausschuß der Oberbürger- meister Dominikus erklärt hatte, daß zur Regelung der Schwebenden Arbeiterfragen innerhalb 14 Tagen eine besondere Vor- läge unterbreitet werden soll. Bei dem Feuerlöschetat wurde eine Resolutton angenommen, die den Magistrat ersucht, baldigst in eine Revision der'Besoldungsverhältnisse der Feuermänner und Ober- feuermänner einzutreten.— Genosse M o h S erklärte die Zustimmung der sozialdemokralischen Fraktion hierzu und betonte, daß die sozial- demokratischen Vertreter hier wieder mal erzieherisch gewirkt hätten. — Bei dem Gärtnereietat wurde gewünscht, daß für eine besser« gärtnerische Ausgestaltung des Dürerplatzes gesorgt werde.— Genosse Küter trat dafiir ein, daß auf der Promenade des Sachsendamms den erholungsuchenden Anwohnern mehr Sitzgelegenheit ge« chaffen werden möge.— Der Dezernent Härder versprach dem Rechnung zu tragen. Nunmehr folgte der Bericht des Ausschusses für die Ein- richtung einer Druckerei verbunden mit einer Buchbinderei. Der Berichterstatter Genosse M a g n a n brachte in Erinnerung, daß wiederholt der Plan bestanden habe, die vorhandene Druckerei zu vergrößern. Schon einmal sei eine Vorlage vereitelt worden, weil angeblich Decken und Mauern der vorgesehenen Räume nicht ge- nügend tragfähig wären. In öffentlicher Versammlung hätte aber der Antragsteller I a tz o w erklärt, diese Gründe wären nur ein Trick von ibm gewesen, um die Vorlage zu vereiteln. Jetzt würde in einer'neuen Vorlage verlangt, die Druckerei zu erweitern und zu ergänzen und dafür 20 000 M. zu bewilligen. Mit einmal kämen auch jetzt wieder einige Interessenten aus Buchdruckerkreisen und ver- langten, daß die vorhandenen Maschinen als altes Eisen verkauft und die Druckausträge dem bisherigen Drucker Sommer wieder übertragen werden sollten. Der Ausschuß empfehle, den Betrag von 10 000 M. zur Ergänzung der niangelhaft gewordenen Maschinen, Utensilien und Materialien zu bewilligen.— Bamberg(Lib. Frall.) meinte, es müsse eine genaue Ausstellung verlangt werden, was an- geschafft werden solle und wie hoch die Kosten sich belaufen. Seine Katerstimmung lasse eine Erweiterung der Druckerei nickit zu. darum ölle der Ausschuß erneut prüfen.— L i n i c u s sprach sich ebenfalls ür Zurückweisung der Vorlage aus.— Stadttat Schüler ersuchte, entweder die eingeschränkte Vorlage anzunehmen oder ganz abzulehnen. Der Vertrag mit dem Drucker Sommer sei gekündigt und eine Neu- auSschreibung würde der Stadt jährlich gegen 7—10000 M. mehr kosten.— Stadttat Rosenberg, der angab, 2S Jahre lang eine eigene Druckerei besessen zu haben, erklärte sich gegen die Vergröße- rung. Genosse Küter betonte, daß gerade der Vorredner sich stark ür die Erweiterung ausgesprochen habe, demnach scheine sich die Katerstimmung des Herrn Bamberg auf ihn sich überttagen zu haben. Von liberaler Seite sei gerade für die eigene Regie ganz besonders eingetreten worden; jetzt, da eine liberale Konturrenzfraktion ent- tanden, läßt man sich ins Bockshorn jagen.— Genosse Mobs meint«, es scheine, als wenn aus bestimmten Gründen erhebliche Schwierig« leiten gemacht werden sollten; den sogenannten Praktikern komme es anscheinend doch nur auf den schwindtznden Rebbach an. Um den Regiebetrieb abzuwürgen, sei jedes Mittel recht.— Abel(Lib. Fr.) behauptet, die Begründung der Magisttatsvorlage sei von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Genosse Magna» erklärte, önst seien es die bürgerlichen Parteien, die dem Magistrat großes Vertrauen schenken, jetzt sei es gerade umgekehrt. Bei Neuvergebung erhalte der Etat eine große laufende Belastung, ohne dafür etwas zu gewinnen.— Die Liberalen wiesen den Ausschußanttag noch- mals an denselben Ausschuß zurück.— Damit wurde die Sitzung geschlossen. Friedenau. Die Besteuerung der Filialbettiebe am Ort hat in ihrer letzten Sitzung die Gemeindevertretung auf Antrag des Gemeinde- Vorstandes beschlossen. Begründet wurde die Vorlage mit dem Hinweis auf die INotlage der einheimischen Gewerbetreibenden, die durch die übermächtige Konkurrenz Berliner Großfirmen, die jetzt rund 100 Zweigniederlassungen in Friedenau unterhalten, fast erdrückt würden. Im§ 2 der Steuerordnung heißt es: Die Veranlagung der Gememdegewerbcsttuer geschieht vor- behaltlich der Besttnmnmgen des§. 8 dieser Ordnung unter Anwendung der für die Veranlagung zur Gewerbe- teuer nach dem Gesetz vom 24. Juni 1831 geltenden Grund- ätze. Bei den sich über mehrere. Gemeinden erstreckenden Gewerbebetrieben kommen nur die auf die Gemeinde Berlin- Friedenau zerlegten Steuersätze in Anwendung. § 3 lautet: Für Forensalfilialbetriebe werden die nach Z 2 dieser Ordnung festgestellten Sätze erhöht, und zwar um die HSIftt, wofern die steuerpflichtigen Betriebe der Gewerbesteuerklasse IV an- gehören; um drei Viertel, wofern der steuerpflichtige Betrieb der ' Gewerbesteuerklasse Hl angehört; auf das Doppelte, wofern der steuerpflichtige Betrieb der Gewerbesteuerklasse II angehört; auf das Dreifache, wofern der steuerpflichtige Betrieb der Gewerbesteuer- klasse I angehört. Maßgebend für die Erhöhung ist die Steuer- klasse, in welcher der Steuerpflichtige für dasjenige Steuerjahr staat- lich veranlagt ist, für das die Veranlagung der Gemeindegewerbe- steuer erfolgt. Während die bürgerlichen Redner ohne Ausnahme für die Vor« läge eintraten, bezeichnete Genosse Richter dieselbe als eine kleinliche, jeder Berechtigung entbehrende Maßnahme, die auf der einen Seite der Entwicklung der Filialgeschäfte durchaus leinen Abbruch lue, die aber auch denjenigen, denen man angeblich helfen wolle� absolut keinen Nutzen bringe. Abgesehen davon, daß die Sozialdemokratie grundsätzlich gegen jede derartige Steuer stimme, fühle er sich zu sehr als Groß-Berliner und würde nie seine Hand dazu bieten, der Ent- Wicklung von Groß-Berlin irgend welche Steuerschranken entgegen- zusetzen. Nachdem die Vorlage gegen die Stimmen unserer Genossen Annahme gefunden hatte, beantragte unser Redner, die IV. Gewerbesteuerklasse für die Zukunft steuerfrei zu lassen. Die Abstimmung über diesen Antrag wurde bis zu den demnächst stattfindenden Etats- beratungen ausgesetzt. Zugleich mit der Filialsteuer gedachte der Gememdevorstand in einer entsprechenden Vorlage eine kommunale Biersteuer durch- zudrücken. Nach dem Wortlaut der Biersteuerordnung zu schließen, könnte man meinen, als habe der Gemeindevorstand dieselbe dem Mittelalter entlehnt. Nachdem gesagt ist, daß alles Bier, was in Mengen von mehr als zwei Liter eingeführt, der Steuer unterliegt, heißt es im ß ö:„Die Einsuhr darf nur auf einer Einfuhrstraße und nur während der Tagesstunden geschehen. Einfuhrstraßen sind die hier einmündenden Eisenbahnen und die als Ein« suhrstraßen vom Gemeindevorstand ausdrücklich bezeichneten Land- und Wasserstraßen mtt dem für die letztere bestimmten Lan- dungsplätzen. Als Tageszeit gilt in den Monaten Mai bis September die Zeit von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, in den Monaten Oktober bis April die Zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Die Einfuhr außerhalb dieser Zeit ist nur zulässig, wenn sie mittels der dem öffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahnen, der regelmäßigen Schiffsverbindungen oder der Fahrpost erfolgt, oder wenn in besonderen Fällen die Erlaubnis vom Gemeindevorstand vorher erteilt worden ist.* Der Gcmeindeverordnete Kalkbrenner wies darauf hin, daß jetzt bloß noch die Wiedererrichtung des Schlagbaumes fehle; für eine solche Vorlage dürfe man nur Hohn und Spott übrig haben. Sie sei ein ernstes Wort zu ihrer Bekämpfung nicht wert. Genosse Richter erklärte auch hier unsere prinzipielle Gegnerschaft gegen jede indirette Besteuerung, die doch in letzter Linie die Konsumenten treffe. Auch wies er auf die überaus traurige Lage der meisten Gast- Wirte hin. Einen Stand, der unter den Folgen der Reichsfinanzreform mit am meisten zu leiden habe, noch weiter zu belasten, sei einer reichen Gemeinde wie Friedenau unwürdig. Nachdem noch der Gemeindeverord- nete Berger sich eindringlich gegen die Steuer gewendet hatte, wurde dieselbe mit großer Majorität abgelehnt. Die Gemeindevertretung hatte sich schon vor Jahresfrist einmal mit der Frage der Errichtung eines Marktes an der Rheingaustraße beschäftigt. Das Projekt war jedoch, da die Gewerbetreibenden alle Hebel dagegen in Bewegung gesetzt hatten, wieder fallen gelassen worden. Vielfach geäußerten Wünschen der Bewohner der dortigen Gegend Rechnung tragend, legte Schöffe Lichtheim der Gemeindeverttetung den Antrag noch einmal vor. Nach unwesentlicher Debatte wurde beschlossen, auf dem jetzigen Steinplatz an der Rheingaustraße den Markt zu er- richten. Der Verkauf daselbst soll zweimal in der Woche vormittags stattfinden. Britz. Eine ausgedehnte Debatte rief in der letzten Gemeindever- tretersitzung der Antrag des Bürgermeisters auf Beitritt der Ge. meinde zum Groß-Berliner Verein für Kleinwohnungswesen her. vor. Die in ihren heiligsten Interessen sich stark bedroht fühlenden bürgerlichen Gemeindevertreter sprachen sich zum Teil recht un- verblümt gegen den Beitritt zu diesem Verein aus. Herr Hülse erblickte darin eine Verpflichtung, auch die Besttebungen des Ve» eins zu unterstützen und ersuchte daher um Ablehnung des An- träges. Herr Kuppler brachte in Erinnerung, daß Britz bor nicht zu langer Zeit mit Erfolg um den Dreietagenbau eingekouimen sei und daher jetzt nicht den Kleinhansbau fördern helfen könne. Außer dem Bürgermeister trat Genosse Prenzlow warm für den Antrag ein. Umsonst, die Haus- und Grundbesitzerinteressen gaben den Ausschlag, so daß der Antrag mit 3 gegen 5 Stimmen abgelehnt wurde.— Das Ortsstatut für die Pflichtfortbildungsschule, wonach ab 1. April d. I. jugendliche Personen bis zum vollendeten 17. Lebensjahre die Fortbildungsschule im Ort zu besuchen haben, gelangte zur Annahme. Die Schulzeit ist auf 5 bis 7. Uhr nach- mittags festgesetzt. An Schulgeld hat jeder Arbeitgeber für jeden die Schule besuchenden Schuler vierteljährlich im voraus im lauf- männischen Betriebe 2,50 im gewerblichen Betriebe 1,50 M. und sonst 1 M. zu zahlen. Lankwitz. Die Märchenvorlesung heute nachmittag fällt aus, ebenso der Elternabend am 15. März. Die letzten Märchenvorlesungen finden am 23. April statt. Weihensee. Der ungeeignete Montag. Der hiesige Kriegerverein bat den Entschluß gefaßt, den großen Festzug aus Anlaß der nationalen Feier nicht am Montag, sondern bereits am Sonntag, den 3. März, zu veranstalten. Als Begründung hierfür wies der Vorsitzende des- Vereins in der letzten Sitzung daraus hin, daß sich der Montag zur Veranstaltung einer allgemeinen Feier wenig eigne. Dem Krieger- verein ist jedenfalls darum zu tun, am Sonntag das werktätige Volk als Gaffer auf der Straße zu sehen, Nieder« Schönhause«. Zu einem Massenzug mit Wachsfackelu(Kinder mtt Stocklaterncn) ladet der Kriegerverein Nieder-Schönhausen zum Sonntag, den 3. März, abends 71/s Uhr, in der Bismarckstratze, westlich vom Bismarckplatz. ein. In dem vulminanten Aufruf wird betont, daß auf einem großen Platz an der Platanenstraße im Dunkel der Rächt ein riesiger Holzstoß abgebrannt wird unter Sbfingung von Liedern mit Musikbegleitung. Damit neben dem allzu srühen Johannisseuer auch unser Zeitalter etwas zu seinem Recht kommt, heißt eS am Schluß des Aufrufs: Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte. Dieser Satz hat für das Junkerpreußen eine besondere Bedeutung. Wildau-Hoherlehme. Aus der Gemeindevertretung. Als erster Schöffe wurde der Oberingenieur Nacke auf sechs Jahre wiedergewählt. Der Bor» anschlug für das Rechnungsjahr 1313 schließt in Einnahme und Ausgabe mtt 180 000 M. gegen 155 000 M. im Vorjahre ab. Die Einnahmen der Gemeinden setzen sich u. a. wie folgt zusammen: Gewerbliche Unternehmungen der Gemeinde 27 200 M.(Gasverkaus 26 500 M. Badeanstalt 700 M.), Gemeindesteuern: a) direkte 120 375 M'., b) indirekte(Lustbarke its- und Hundesteuer) 750 M., Schulverwaltung: Gesetzlicher StaatSbeitrag. Fremdenschulgeld usw. 8730 M., Aufnahme eines DarlehnS für Erweiterung der Gas- Versorgung 13 000 M., Bestand auS dem Vorjahr 8000 M. Die Ausgaben bettagen: Gcmeiickeverwaltung 13 500 M., Kosten zur Amts- und StandeSamtsverwaltung 8300 M., Wegebau und Unter. Haltung 4870 M., Schulverwaltung: a) Volksschule 65 000 M., b) Fortbildungsschule 6355 M.. Verzinsung und Tilgung von Ge- meindeschulden 10200 M., Armenverwaltung 2300 M., Kreis- teuern 28 200 M., für Gcmeindebetriebe: a) Badeanstalt 1050 M.. b) Gasankauf von Königs-Wusterhauscn 24 500 M., Erweiterung der Gasversorgung 13 000 M. Zur Deckung werden erhoben: Zuschlag zur Einkommensteuer 100 Proz.(100 Proz.), Gewerbesteuer 1. und 2. Klaffe 235 Proz.(200 Proz.). Gewerbesteuer 3. und 4. Klasse 200 Proz.(200 Proz.). Grundwertsteuer 2# pro Mille (2 pro Mille). Die Kosten für die im vergangenen Jahre auSge» baute S«hwartzkopffstraße sowie die in diesem Jahre anzubauende Blank< uud Masfeistratze in Höhe von rund 220 000 M. sind in den©tat nicht eingestellt, sondern werden zum Teil durch An- liegerbeiträge und zum Teil durch Aufnahme eines Darlehns ge- deckt. Die Ströhen sollen möglichst noch vor Beginn des SommerS fertiggestellt sein. Nach dem vom Kuratorium der FortbildungS- schule abgeänderten Ortsstatut sollen jetzt alle männlichen Ar» beiter unter 18 Jahren zum Besuch der Fortbildungsschule der- pflichtet sein, während sich diese Bestimmung bisher nur auf die in Gewerbebetrieben beschäftigten Lehrlinge erstreckte. Schönow(SreiS Niederbarnim). Ein sonderbarer Dringlichkcitsantrag beschäftigte die letzte Ge- meindevertretersitzung. Der Gemeindevorsteher verlas zunächst ein Schreiben des Pastors Buchmann-Bernau, worin derselbe ersucht, datz auch die Gemeinde Schönow die Jahrhundertfeier zum An- denken an die Erhebung Preutzens würdig begehen möge. Mutzte diese Anregung schon als eine besondere Amnatzung eines einzelnen errn empfunden werden, so erst recht die weitere Mitteilung des emeindevorstehers, datz der Borfitzende des Kriegervereins, Herr Wilhelm Lutter, an ihn herangetreten sei und ihn für die Feier um eine Beihilfe von 00 M. ersucht habe. Sowohl Herr Zinn wie auch Genosse Duckwitz betonten, datz, wenn der Kriegerverein das Be- dürfnis zu einer besonderen Feier habe, er dies aus seinen Mitteln bestreiten solle. Duckwitz verwies noch mit Recht darauf, datz in einer Zeit politischer Rechtlofigkeit in Preutzen zu Feiern der ge- dachten Art kein Anlatz vorliege. Zudem sei die Mehrheit der Be- völierung mtt einer Beihilfe aus allgemeinen Mitteln, wie der Aus- fall der Reichstagswahl gezeigt habe, nicht einverstanden. Herr Kaufmann Kerkow dachte hierüber anders als unser Genofie i er meinte, datz es wohl ratsam sei, wenn man dem Kriegerverein eine Unterstützung bewillige. Mit 6 gegen 2 Stimmen wurde beschloffen, dem Kriegerveroin eine Unterstützung von 30 M. zu gewähren mit der Matzgabe, datz, wenn derselbe einen Ueberschutz bei seiner Feier haben sollte, er der Gemeinde das Geld wieder zurück- »rhleu müffe._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Lichteubcrg. Donnerstag, den 0. März, abends S Uhr, im EttzuugS- faale des Rpthaules, Möllendorfsttratze. Lankwitz. Donnerstag, den 0. März, nachmittags ö Uhr, im SitzungS- faale des Rathauses. Bruchmühle. Donnerstag, den S. März, nachmittags S Uhr, im Schulhaule. Diartcndorf. Donnerstag, den S. März, Weiterberalung des Etats im Gemcindefitzungsfaal. Rosenthal. Donnerstag, den 0. März, nachmittags S Uhr, w der Aula der Gemeindeschule, SchMerstratze. ivtühlcnbeck. Donnerstag, de« 0. März, abends 8 Uhr, bei Müller. Dies« Sitzungen sind Ssscntlich. Jeder GemeindeangehSrige ist be- rrchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Ulis aller Melt. Der Lnftschreckeu in— Preufien. Seit dem 20. Februar ist in T a r n o w i tz. der.Schief. Ztg." zufolge, etwa fünfmal von Personen, an deren Glaubwürdigkeit kein Zweifel besteht, ein in grotzer Höhe dahinfahrendeS L u f t f a h r» zeug unbekannter Herkunft gesehen worden. Der Land- rat hat deshalb im Kreisblatt nachstehende Bekanntmachung erlaffenh Ich sichere demjenigen eine Belohnung von 100 Mark zu, welcher eine innerhalb der nächsten vier Wochen erfolgende Landung eines Luftschiffes oder Fliegers im Kreise dem nächsten Gendarmen oder der nächsten Ortspolizeibehörde so schnell anzeigt, datz die polizeiliche Feststellung der Besatzung deS Flugzeuges oder Luftschiffes möglich ist. Der königl. Landrat. Graf zu Limburg-Sttrum Da braucht man sich doch über den englischen Lustschrecken eigent sich nicht mehr lustig zu macken! Mord und Selbstmord. Am Dienstag morgen wurde auf einer Wiese iu Düsse l- dorf-Meiderich ein junges Mädchen erschossen aufgefunden. Einige Schritte weiter lag ein junger Mann, der über und über mit Blut bedeckt war. Es handelt sich um ein Liebespaar. Der junge Mann namens Link aus Düffeldorf-Meiderich hat zuerst das Mädchen durch einen Schutz in den Kopf getötet uud fich dann selbst eine Kugel in den Kopf gejagt. Das Mädchen ist 19 Jahre alt und heitzt StellariuS. Schreckensszene» bei einem Brande in Eastend. Aus London wird gemeldet: Durch eine riesige Feuersbrunst wurden am Dienstagvormittag die Be- wohner Eastends in Aufregung versetzt. In einem großen Wohnhause war aus bisher noch nicht ermittelter Ursache ein Brand ausgebrochen, der mit rasender Schnelligkett um sich griff und bald das ganze Gebäude erfaßt hatte, so daß dieses ein riesiges Flammenmeer bildete. Als die Feuersvehr an der Brandstelle einttaf, schwebten die Bewohner bereits in größter Lebensgefahr. Verschiedene derselben hatten sich be- reits durch emen Sprung aus dem Fenster in Sicherheit zu bringen versucht, aus allen Etagen ettönten gellende Hilferufe. Sofort wurden die mechanischen Leitern aufgenchtet und Sprung- tücher ausgebreitet. Ein Schutzmann, der auf einer mcchani- schen Leiter bis zur fünften Etage vorgedrungen war. rettete unter eigener Lebensgefahr mehrere Kinder. Zahlreiche andere Personen, die aus den oberen Etagen den Sprung in die Tiefe wagten, kamen mit geringen Verletzungen davon. Zwei Feuerwehrleute erlitten bei dem Rettungswerk erhebliche Brandwunden, sieben Hausbewohner' wurden mtt schweren Brandwunden in das Krankenhaus eingeliefert, während ein Kind bei lebendigem Leibe verbrannt ist. Alle übrigen Bewohner des Haufes konnten dank der heldenmüttgen An strengung der Feuerwehrleute gerettet werden. Der Schaden ist sehr bedeutend._ Kleine Notizen. Familientragödie. Am Dienstag ftüh vergiftete m der Ziegel- gaste in Nürnberg die Inhaberin eines Zigarrengeschäfts fich und ihre vier Kinder durch Leuchtgas. Mutter und Kinder wurden tot ausgefunden. Schweres Bmmnglück. Auf dem Fabrikgelände der Hahnschen Werke inGrotzenbaum bei Duisburg wird zurzeit eine neue Maschinenhalle errichtet, deren Eisenkonstruktton von der Firma Till- mann in Düfieldorf ausgeführt wird. Am Dienslagmittag stürzte nun der ganze obere Teil de« Eisengerüstes zusammen und begrub die auf dem Gerüst tätigen Monteure und Arbeiter. Fünf Tote und acht Schwerverletzte sind im Laufe de« Nachmittags geborgen. Mehrere Arbeiter lagen gegen Abend noch unter den Trümmern. Verhängnisvoll« Explosion eineS Motorwagens. Ein Motor- wagen der Pariser Sttatzenbahn explodierte am Dienstag im Schuppen der Gesellschaft. Ein Mafchinist wurde getötet, ein zweiter schwer verbrüht. Ein ernster Schiffszusammenstoß hat fich, wie auS London gemeldet wird, am Dienstag früh auf der Höhe der Goodwin Sands zwischen dem Dampfer.Beacon Light" und einer deutschen Bark „Anna" ereignet; der Dampser ist an der Backbordsette des BugS stark beschädigt. lieber die deutsche Bark liegen keine Nachrichten vor. Automobilkatafirvphe. AuS Barcelona wird vom 4. März gemeldet: Eine Automobilpost, welche eine Familie barg, stürzte an einer abschüssigen Stelle des Weges in einen Flutz. Sämtliche In- fasten ertranken, nur der Vater der Familie konnte sich retten. Als er hörte, datz seine ganze Familie umgekommen sei, verfiel er in Wahnsinn. Lese- und Diskutierklub»Südost«. Heute Sitzung bei Ncidhardi, Görlitzer Str. 58. Bortrag. Gäste willkommen. FriedrichShagen. Die hier im Orte bestehende Arbester-Samariter- kolonne beginnt am Donnerstagabend Friedrichstr. 60(Jugendheim), ihren SommerkursuS in der ersten Hilfe bei Unfällen, woran jedermann teil- nehme« kann._ Der Borstand. Eingegangene Drucfcrcbriftai. »Der Kamvst" Sozialdemokratische Monatsschrift. Wien. Jahrgang VI. Sest 6. Wilhelm Ellenbogen: Franz Schuhmeier. Karl Renner: Ein Menfchenalter nach Marx' Tode. N. Rjasanofs: Karl Marr uud die Wiener , Presse". Karl Marx: Der nordamerikonifche Bürgerkrieg; Die Krise in England; Die Brotsabrikatton. Iura! Dcmettovic slawen und die Weltpolitik. Julius Deutsch: Luiipold Stern: Arbeit und Elvigkelt. Jahrbuch für Gemeinwohl von Pros. Da§ �5 „__,. Die Süd. 'oholzehntel. Joses Marktpreise von Berlin am 3. März 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 10S Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,54 bis 19,60, mittel 19,42—19,48, geringe 19,80-19,36. Roggen, gute Sorte 16,34— 16,35, mittel 16,32-16,33, geringe 16,30-16,31(ab Bahn). Futter. gute Sorte 16,40—17,00, mittel 15,80-16,80, geringe 15,20—15,70. , gute Sorte 18,30—20,20, mittel 16,60—18,20(frei Wagen und ab gelbe, zum Kochen Linsen 35,00—60,00. von der Stalle I Schweinefleisch 1,80-2,00. Kalbfleisch 1.40—T40. Hammelsteisch 1,50—2,20, Butter 2,40— 8,00, 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpjen 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1.00—2,40. Schleie 1,60-3,20. Blei« 0,80— 1,60. 60 Stück Krebse 4,00-24,00. Ctatfarnen Swinemde. urg erlln intf. a.M CK Wien 8 759® 76ÄWSW 762« 76liSB 771KS® 768«Sttll Vetter 4>balb dd. ANebel «bedeckt gwedeckt 4lRcgen WK ez All 8 3 6 7 3 1-1 Statt otten ns: IL 3) tersburg Sctlly Aberdee» Paris 735 745 747 s SO 763WSW SSW 769 SSW Wetterprognose für Mittwoch, de« 5. Mär» 1918. Mild und zeitweise aufklarend, aber vorherrschend wolkig mtt wieder- hotten Rcgcnsällen und starken sütwestichen Winden. Berliner Weltervnrra«, WasterstandS-viachrichte« der LandeSanstall für Gewästerkunde, mitgeterlt vom Berlwer Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thon, Oder, Rattbor , Krosten . Frankfurt Warth», Schrimm , LandSbrrg Netze, Bordamm Elbe, Leitmcritz » Dresden » Barby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandaus » Rathenow� Spree, Sprewberg') , BeeZkow Weser, Münde» , Minden Rhein, Maximi!ian?cm » Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel, Trier am «m 114 76ft! 118 88 94 168 265 338 158 165 90 161 seit 8. 8. 3. 3. ein1) 0 +6 0 —2 0 —7 +6 —1 —1 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Nnterpegel.—•) Gründet«. treiben.—•) Eisstand.—•) Eistreiben.—•) Gründels.—«) Eisgang.— •) eisfrei. c z Alkohoifralo QatrBnka Franz Abraham Eunb. Measina-u. Römertrank- Kell. N 4,B&r(elgtr. St, Fernsp. Kgat. 13708 Si-Si * Bettes alkoholfreies Getränk. Berlin OlRadolfttr.4. ��rtejte�Bekjajdün�J BambiiTEer Laden, Charl.IWtllit.69 ��«ut��hpschuie�J Contra tZr. Frankfurterstr. 44 ualilVO Eintr.tägl., Teilz.gest. �BBckeralan. Konditor. J IBIottner's GroBbäckerei Geschäfte in Barlln, CharlottenbaPOf Schönebera> Wilmeredorf. Friede Bart, Landso. Allee 146 K. Biedermann, Gryphiusstr. 18. Paul Delly, MarkuastraCe 15, Brot-Fabrik„Vorwärt8" Herman�üllriclrjICo�en�� Franz Faulwetter,MaalenffeIstr.67. E. Freyer,BlQmen8lr. 72, E.Marknsitr .Georg Genz, Memelerstr. 20 G dring, Hugo Greifswalderst. 226 WL Gruschka, Königsbergerst. 35 IkarHaiiie's Biotbä&erei 7S Geschälte in eilen Stadtteilen Berline und in Rizdorf. «egründet 180«. H0BPe'iSBeliMrimerek,A4»lketi«t.«6 Max Kniifert, Landab. Allee 2». Ernet Küster, Frankf. Allee 197. UdenttiiM.-«" Franz Ludwig, Kochhsnnstr. 35 EmU Lieske, Grüner Weg 122. August Münte, Ebertyatr. 67. Hermann Markau, Rigaerstr. 107 Mattke, Gipsstr. 9. E. Merlins, Reichenbergerst. 168. NUhlsteff, Spandau, Bieaerehtt. 5. 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Walter jr., Löwcstr. 18 Clemens Weise, Jablonskistr. 1 Wiih8linaS�.32. Otto Winkler, Nannynalr. 73. E. Wolff, Grüner Weg 75. c Badeanstalten J Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. ■sm_ �jg Landabergerstr. 107 Gollnowstr. 41. Weberstr. 4(H) Amt Kgst. 894. Canitz-Bad, Münzstraßo 2. [B!ltral-Eäl! Anzemgrub'ratr. 25. ] Neukölln, I Münc.henerstr. 51 IBad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 138. Lieferant simtl. Krankenkassen BadFrledrithshnln.taiidib.AllaalSJ Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. NanoDai-uau, i>ruAiAx»A»oa,x. Bad Ostend ffiik-e1»7 Passage- Bad ramm"!' Refomi'Bad» Wiener Str. 65. Bchlesische Str. 31. W TlKtofla- Bad 1« Kottbuser Damm 75 V FrledrlchWilhelmsbad Chausseestr. 67. f Bandeaen. Bummlw. J R. Bänke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenick erstr. 70. Lange, A. E., Brunnenstr. 187. Liepe, Schöneberg, Qruevaldstr.JO. Meyer,P.,inilli.,Berlinerstr.49— 60 J. Ch. Poilmann, lotkringenlr, 60. PöiVIia& Seydelstraße 15. KClClIC, H. Lief. allerKassen Zaremha � Beleucht.-Beaenat. 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Hus Indurtrie und Bändel. Tic Dresdner Bank schlicht das Geschäftsjahr 1912 mit einem Bruttogewinn von 41,298 Millionen(im Vorjahre 49,193 Millionen) ab. Vom Brutto- gewinn entfallen auf: 1912 gegen 1911 M. M. Sorten- und Kuponskonto.. 345 429,99 325 879,10 Zinsenkonto....... 9 706 171,30 7 973 205,95 Wechscllonto....... 14 360 261,10 12 975 474,80 Provisionskonto, abzüglich ge- zahlter Provifionen.. 14 238 375,55 13 199 326,45 Effekten- und Konsortialkonto, abzüglich Zinsen....— 3216633,55 Erträgnisse aus dauernden Be- teiligungen bei fremden Banken pro 1911... 2 990 869,75 1 968 938.75 Soweit die Gewinne für die einzelnen Geschäftszweige vcr- öffentlicht worden sind, weisen sie Erhöhungen gegenüber 1911 auf. Eine besonders starke Gewinnerhöhung zeigen die Konten für Zinsen, Wechsel und Provisionen. Die teueren Geldsätzc im ver- gangencn Jahre haben auch dieser Großbank reichlichen Gewinn gebracht. Nicht veröffentlicht werden von der Dresdner Bank in diesem Jahre die Erträgnisse aus der Emission von Wertpapieren. Die Verwaltung erklärt nur:„Der ansehnliche Effekten- und Kon- sortialgewinn, der nach Vornahme der kursmäßigen Abschreibungen ans die Bestände, insbesondere auf diejenigen an Staatspapiercn und anderen festverzinslichen Werten, zur Verfügung stand, ist, da seine Heranziehung für die vorgeschlagene Dividende nicht er- forderlich war, im vollen Betrage zu weiteren Minderbewcrtungen und Rückstellungen verwendet worden." Es ist anzunehmen, daß die Bank auch über dieses Konto zahlenmäßigen Aufschluß gegeben hätte, wenn sie ein Mehrerträgnis aus dem Effektengcwinn er- zielt hätte. Vermutlich fand bei diesem Konto ein so großer Gc- winnrückgang statt, daß die Verwaltung es vorzog, gar keine Zahlen zu nennen. Daß die Bank, ohne diesen Posten überhaupt ein- zustellen, trotzdem einen höheren Brutto- und Reingewinn ver- buchen kann, beweist, wie wenig aus den Angaben von Bank- und Jndustrieunternehmungen auf die wirklichen finanziellen Ergeb- niffc dieser Institute zu entnehmen ist. Der Gesamt um s a tz kauf einer Seite des Hauptbuches) stellte sich auf 97,053 Milliarden gegen 91,146 Milliarden in 1911, die Zahl der bei der Bank geführten Konten auf 179 567 gegen 162 878 in 1911. Die Zahl der Angestellten bclief sich am Jahresschlüsse auf 4546 gegen 4341 im Jahre 1911. Der Reingewinn stellte sich auf 25,12 Millionen gegen L4,67 Millionen i. I. 1911. Auf das Aktienkapital von 200 Millionen werden wiederum 8'A P r o z. Dividende, das sind 17 Millionen Mark ausgeschüttet werden. Ungünstige Lage des Ardeitsmarktcs. Nach einem Bericht des Zentralvereins für Arbeitsnachweis hat die Depression auf dem Berliner Arbeitsmarkte im neuen Jahre weitere Fortschritte gemacht, in den drei Hauptberufszweigen, der Metall- und Holzindustrie wie im Baugewerbe zählen die Arbeits- losen nach Tausenden. Arbeitsgelegenheit für Frauen bot die Kon- fcktion, die 8009 weibliche Arbeitskräfte einstellte, worauf allein der Zuwachs an weiblichen Krankenkassenmitgliedern zurückzu- führen ist. Trotz großer Umschau ist der Andrang von Arbeit- suchenden bei den Berliner Arbeitsnachweisen ein großer. Bei den Männern ist das Angebot doppelt so stark, wie die Nachfrage, und bei den Arbeiterinnen kamen auf 190 offene Stellen 133 Arbeits- gesuche gegen 129 in der Parallelzeit des Vorjahres und 124 im Vornionat. Normalen befriedigenden Geschäftsgang weisen einige kleine Bcrufsgruppen auf, ohne damit die Gcsamtlage des Bcr- liner Arbeitsmarktes wesentlich zu ändern. In der Eisen- und Metallindustrie hat sich die Lage gegen den Vormonat weiter verschlechtert. In verschiedenen Be- trieben wird bei verkürzter Arbeitszeit und tagcweiscm Aussetzen gearbeitet. Im Rohrlcgergewcrbc hat sich die Lage auch verschlech- tert. Die Maschmislen und Heizer melden schlecht. Im Metall- arbeiterverband wurden am Schlüsse des Monats 4539 Arbeitslose gezählt. Nur bei den Kupferschmiede« war die Konjunktur besser. In der Holzindustrie ist Ileberangebot von Arbeitskräften, am Schlüsse des Monats wurden 2977 Arbeitslose gezählt. Auch die Holzbildhauer melden schlechte Geschäftslage. Sehr flau lag auch der Arbcitsmarkt bei den Böttchern. Männliches kaufmänni- sches Personal wurde im Berichtsmonat noch entlassen, nach weiblichem billigen Kontorpersonal bestand aber recht rege Nach- frage. Stenotypistinnen bis 199 M. Gehalt wurden genügend ver- langt, weniger dagegen besser bezahlte Kräfte. Auch nach Handels- Hilfsarbeitern war die Nachfrage sehr mäßig. Nach dem Bericht des Zentralarbeitsnachweiscs ließ sich eine weitere Flaue des Berliner Arbeitsmarktes im Januar im Vcr- gleich zum Vorjahre und zum Vormonat feststellen. Der Andrang bei den Arbeitsnachweisen ist sehr stark; infolge der großen Uni- schau in den Betrieben sind die offenen Stellen erheblich zurück- gegangen. Hundertc von Arbeitsuchemdenjießcn sich als Hilfskräfte beim Postdienst vormerken. Am Schlüsse des Monats setzte der Schneefall ein und bot einigen hundert Arbeitern vorübergehende Befchäftigung. Wenn auch einige hundert offene Stellen im Be- richtsmonat mehr gemeldet wurden, so war aber das Angebot doppelt so hoch und konnten die Gesuche der Arbeiter nicht an- nähernd befriedigt werden. Der anhaltend teure Geldstand spiegelt sich auch in der von der Finanzzeitschrift„Die Bank" veröffentlichten Zusammenstellung der Gründungen und Kapitalserhöhungen wieder. Nach dieser Statistik sind im Februar handclsgerichtlich eingetragen worden: 6 Aktiengesellschaften mit 7 959 999 M. Kapital gegen 15 Gesellschaften mit 36 805 000 M. Kapital im Vorjahr. Die.Kapitals- erhöhungen von Aktiengesellschaften weisen gegen das Vorjahr einen frappanten Rückgang auf. Es haben nämlich 15 Gesellschaften ihr Kapital um 13 828 900 M. erhöht gegen 39 Aktiengesellschaften mit 113 174 000 M. im Vorjahr. Die Gründungen von Gefellschaften m. b. H. sind nach Anzahl und Kapitalien ungefähr auf der Vor- jahrshöhe geblieben, nämlich 359 Gesellschaften mit 29 497 000 M. Kapital gegen 355 Gesellschaften mit 21 167 000 M. Kapital im Vorjahr. Stadtverordneten-Versammlung. 9. iaußerv-rdcntliche) Sitzung vom Dienstag, 4. März 1913, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 51h Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Stadthaushaltsetats für 1313. Stadtv. Heimann KBofr): In dem großen und verwickelten Organismus des Deutschen Reichs bilden die Gemeinden die inner- sten Zellen; nur wenn sie gesund sind, können Reich, Staat und Gemeinde bestehen. Für die Gemeinden bleibt der Initiative, der eigenen Tatkraft und Tüchtigkeit trotz der einengenden Gesetzgebung immerhin noch ein großer Raum vorbehalten; und diese auszunutzen ist in Preußen um so mehr geboten, je mehr die Staatspolitik und die Bureau kratie darauf ans sind, die Gemeinden zu bevormunden und zu gängeln. Nur toernge Gemeinden haben gegen die staatliche BcvormundungSsucht entschlossen Front gemacht. Preußen stellt heute einen der mächtigsten Industriestaaten dar, ist aber noch eingezwängt in die Zwangsjacke einer Verwaltring, die sich von der eines agrarischen Feudalstaates nur wenig unter- scheidet. Wohl hätte das Bürgertum alle Veranlassung gehabt, aufzuräumen mit diesen alten Organisationsformcn und Vcrivaltungsmaximen, die der Adelskaste noch immer die Hcrrsdmft sichern, aber bei uns hat es die so spät ein- setzende wirtschaftliche Entwickclung dahin gebracht, daß diese nahezu zusammenfiel mit dem politische» Erwachen der Arbeiterklasse; dem Streben des Bürgertums, möglichst schnell viel Geld zu verdienen, stehen Junker und Burcaukratic zwar ab- lehnend gegenüber, wohl aber sind beide in dem Kampf gegen die aufstrebende Arbeiterklasse Bundesgenossen. So ist es zu erklären, daß bei uns das Bürgertum den politischen Kampf nur lau geführt hat und die preußischen Kommunen sich noch immer auf Schritt und Tritt eingeengt und gehemmt sehen. Das tritt bei der Etatsberatung ganz besonders zutage. Im einzelnen ist diese Gängelung und Bevormundung Ihnen längst bekannt, im einzelnen opponieren Sie auch; aber nach den gemachten Erfahrungen und nach den zitierten inneren Zusammenhängen wagen wir nicht zu hoffen, daß Sie der Mahnung„sich zu erfüllen mit dem Trotz, deni Mut und der wilden Energie der Junkerklaffe" und den Willen zur Macht zu bekunden, nacheifern werden. Es gehört allerdings dazu, daß die Bürgcrsd)aft geschlossen hinter ihren Vertretern steht. Wir haben genug Lokalpatriotismus, um uns aufrichtig zu freuen, wenn wir der Stadtverwaltung Großzügigkeit nachrühmen können; wir haben uns oft genug au, Ihre Seite gestellt, um Kritiken und Angriffe gegen die Stadt abzuwehren. Sicherlich werden wir auch in derselben Weise in Zukunft ver- fahren; aber dann viiidiciercn wir uns auch daS Recht, öffentlich auszusprechen, daß in diesem Saale nur zu oft statt einer frischen Aufnahmefähigkeir für moderne Gedanken und Pläne nur zu oft ein Geist der Unduldsamkeit(Widerspruch und Unruhe; Rufe: „Schulmeister!") geltend macht. Die Berliner Stadtverwaltung ist in der Oeffeutlichteit oft genug als die Vcnvaltung der„verpaßten Gelegenheiten" getadelt worden. Sicherlich hat eine Gemeinde- Vertretung ihrer Bürgerschaft gegenüber die Pflicht, bevor sie ivagt, auch zu wägen, aber wir sind hier oft genug aus dem Wägen gar nickst herausgekommen. Gewiß ist im Laufe der Zeit manches besser gcivorden; dem Geist der Zeit konnten auch Sie eben nicht ganz widerstehen, Sie mußten dem Forffchreiten des sozialen Gedankens nachgeben. Wir haben auch unbescheiden genug die Auffassung, daß, wären wir nicht hier, auch unsere Verwaltung noch nicht da sein würde, wo sie heute steht. �Stürmischer Wider- spruch und Gelächter bei der Mehrheit.) Mit tausend Freuden würde ich urkundlich aus unseren Akten nachweisen, daß der größte Teil der gemachten Fortschritte Anträgen entsprungen ist, die w i r einbrachten, die zuerst verspottet und verlacht wurden, bis sie endlich anerkannt und angenommen worden sind. Die Kostenfrage war es ja, die Sie oft zögern ließ, uns zuzustimmen; aber nur für wahrhaft produktive Zwecke haben wir diese Auftvendnngen verlangt. Ditz Gesundheit. Arbeitsfähigkeit und Arbeitskrast der Bürgerschaft das beste Mittel zum Gedeihen der Gemeinde ist, werden auch Sic wohl zugestehen. Wir haben auch Anträge auf neue, reichlich fließende Einnahmequellen eingebracht; Sic haben sie abgelehnt, teils um das Privatkapital nicht zu beschränken, teils um nicht„Steuern aus Vorrat" zu bewilligen. Wir halten eine solche Vcrwaltungspraxis fiir falsch. Wir Sozialdemokraten sind doch wohl nicht dem Verdacht ausgesetzt, den staatlichen Auffichis- instanzcn ein besonderes Wohlwollen entgegenzubringen; aber die Finanzgebarung des Regierungspräsidenten von Potsdam von 1906 bezüglich der Gemeindeetats halte ich aber doch für viel gesünder als die der Stadt Berlin. Mit allen erdenklichen, sogar mit den gewagtesten Mitteln hat man es bisher ermöglicht, die Einkommen- steuerzuschlägc immer wieder ans 100 Proz. herunterzudrücken. (Unruhe.) Stadtrat NamSlau hat seinerzeit eines der Gewagtesten dieser Kunststückchen auss schärfste verurteilt. Ich havc auch in unseren Akten ein Schreiben des Obcrpräsidentcn gefunden, wo wir gleichfalls mit erhobenem Finger verwarnt werden, ein solches Kunststück zu wiederholen.(Höril bort!'! Dieses Jahr hat der Magistrat selbst schon die Herren vor der Anwendung solcher Kunst- stücke beivahrt, indem er das Plus, das er braucht, nicht von der Allgemeinheit, sondern in der Form von Sondersteilern von be- stimmten Kategorien von Gewerbetreibenden herausholt und 100 Prozent vorschlägt. Auch wir sind keineswegs mit Hoch und Hurra dabei, die Kommunaleinkommensteucr zu erhöhen; aber die Finanzgebarung bringt uns auf einen toten Punkt und macht alle Anregungen auf Verbessern ng der Finanzgebarung aussichtslos, nachdem die Bier- und Kinosteuer vorgeschlagen und der Etat durch ganz energische Bcschneidung aus 100 Proz. heruntergebracht ist. Wir werden unsere Anträge und Anregungen trotzdem wieder. holen; ich greife heute nur einige heraus. Von gi-oßer Bedeutung ist für uns das Schulwesen. Hier macht der Etat keinen Fortschritt. Die Durchschmttsftcquenz der Gemeuldeschulklassen ist leider wieder gestiegen, eine sehr unerfteuliche Erscheinung. Auf dem Gebiete des Mädchenschulwesens sollte die Stadt„schöpferisch vorgehen", da der Staat versagt; so meinte Stadtschulrat Michaelis. Schöpferisch vorgehen, ohne daß ihm die Mittel bewilligt werden, ist auch er außerstande. Auf dem Gebiete des Krankenhaus- Wesens rührt sich nichts zur Erfüllung der Absicht der Ent- lastung durch Evakuierung der Lungen- und Leichtkranken, obwohl die Pläne dafür längst fix und fertig daliegen sollen. Seit Jahr- zehnten soll aus dein Obdach die Geschlechtskrankenstation entfernt »verden, weil sie nirgends schlechter nntergebracht sein kann als gerade dort im Familicnhaus. Jahr um Jahr hat der Magistrat verstreichen lassen. 25 Jahre sind die Mitglieder der Obdächvcr- waltung in dem Verlangen der Entfernung einmütig gewesen; jetzt endlich, vor drei Tagen, soll in der Obdachvcrwaltung ein Beschluß gefaßt worden sein, dem Magistrat den Willen zn tun und diesen ganz unglaublichen Zustand dadurch zu verewige», daß man diese Kranke, istation dauernd dort beläßt.(Hört! hört!)„Den letzten beißen die Hunde"; die städtischen Armen, die sich gar nicht wehren können, kommen voraussichtlich bei diesem Etat am aller- schlechtesten weg.(Lärm und Zustimmung.) Der Armen- etat ist um 600000 M. gegen 1912 kleiner. 175 000 Mark mehr werden an Rückcinnahmen verzeichnet; die können doch nur dadurch eingebracht werden, daß man die Eintreibung von den Elementationspflichtigen noch rigoroser gestalten will. Zur Balancierung des Etats sind am Armenetat gegen den Willen der Armendirektion 200 090 M. abgestrichen worden; wie will man da mit dem Etat ohne Härte gegen die Armen auskommen? Wie steht es ferner mit dem O st- und vor allem mit dem West Hafen? Man weiß nicht, ob und wie die Verhandlungen mit den Staats- behörden weitergehen. Auch wegen der Nord-Südbahn hoffen wir vom Magistrat bald nähere Nachrichten zu erhalten. Pflicht der städtischen Verwaltung ist es auch, dafür zu sorgen, daß der Bau möglichst beschleunigt wird. Erfreulich ist, daß die ä konds perdu bewilligten 600 000 M. für das russische Fleisch wieder eingebracht sind; das wird den geheimen Gegnern dieser Maßnahmen zur Lehre dienen. Wenn der Kämmerer den Etat als Vorbild für andere Gemeinden nach der sozialen Seite hin erklärte, so hegt er wohl selbst diese Auffassung nicht ganz im Ernst; denn bis heute ist z. B. für die Arbeitslosenversicherung nichts geschehen, die dafür eingesetzte Deputation hat zwei Jahre lang nicht getagt(Hört! hört!), während man z. B. in Schöneberg und Neukölln dieser Frage resolut zu Leibe gegangen ist. Der Ma- gistrat sollte diese schwierige, aber auch lohnende Aufgabe endlich energisch in Angriff nehmen: Wären unsere Finanzanträge ange- nommen worden, so hätte man nicht jeden Spartopf bis zur Neige zu leeren braucheii, wie es jetzt geschehen ist. Schon 1900 regten wir. die W�rt.zuwachssteme.r an; die Anregung. fiel auf den steinigsten Boden. Nach Jahren bekamen wir den Magistrat auf unsere Seite, die Mehrheit der Versammlung konnte sich aber erst dafür entschließen, als die Rcichszuwachsstencr drohte. Die Eity- bildiing in den ersteil Jahren dieses Jahrhunderts hat dem Stadt- säckel nichts von den märchenhafte» Gewinnen beschert, die dabei gemacht wurden. Wdche Mühe hat es gekostet, die Grund- st euer nicht nach dem Nutzertrag, sondern nach dem gemeinen Wert zu erheben! Jetzt haben wir die Steuer, und keine Kam- mune wird sie wieder abschasfeu können.. Aber wir haben sie noch immer nicht so, wie sie nach unserer Meinung gestaltet sein müßte, es wird immer noch der gleiche Prozentsatz von bebauten und unbebauten Terrains erhoben; warum ist der Kämmerer nicht dem Beispiel von Charlottcnburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Cöpe- nick gefolgt, die die Steuer nach dem gemeinen Wert und im doppelten Betrage bei den unbebauten Terrains erheben? Etwas würde dabei immer noch zu holen sein, und solche Steuer wäre im Gegensatz zur Kino- und Biersteuer eine soziale und gerechte. Die Ausgaben der Stadtgenieindc toerden ja stets wachsen, weil die Kommunen durch die Elitwickelung gezwungen werden, den Kreis ihrer Anfgabeu zu erweitern. Berlin ist verwaltungsrcchtlich nach immer zerspalten und zersplittert, was zn kaum noch erträglichen Zuständen führt. Die ungerechte Kritik gegen Berlin übersieht häufig gerade die hieraus eiitspringendeu Schwierigkeiten. Der Zwcckverband, dieses Surrogat für ein einheitliches Grotz-Berlin, wird zu nichts fiihren; daß er einheitlich, geschlossen und nach großen Gesidstspunkten seine Geschäfte führt, halte ich überhaupt für ausgeschlossen. Die Streitigkeiten lind Reibereien der Gemeinden untereinander müssen natürlich in diesem Vcr- bände erneut und verstärkt fortgehen. Die überfdiwängliche Hoffnung, welche man an das Wirken dieses Verbandes knüpft, werden sich nicht erfüllen(Zustimmung). Nur eine groß- zügige Eingemeindung mit rechtzeitig erfolgender De- zentralisation wird aus diesen Zuständen herausführen. Die un- geheure Summe, die im Reich als indirekte Steuern zu militaristi- schen Zwecken aus der Volksmasie herausgezogen wird, die Wirt- schaftspolitik des Reiches schädigt und belastet die Gemeinden mit Millionen und aber Millionen Jahr für Jahr. Für allgemeine kulturelle, für Erziehurigszwcckc sorgt in Preußen der Staat, der preußische Landtag bietet aber nicht die Gewähr für die Wahr- nehmung dieser Interessen, namentlich nicht für die Interessen der großstädtischen Bevölkerung. Daß für die jetzigen Aufgaben der Kommunen der Rahmen des Kommunalabgabengesetzes zu eng geworden ist, ist wohl allgemeine Ucbcrzcngung. und es wäre eine der vornehmsten Aufgaben des Städtetages, dieser zuiii Durchbruch zu verHelsen. Wir verlangen, daß die zahlreichen Personen, welche bei uns ihr Einkommen finden, ohne bei uns Steuern joi zahlen, der Steuer unterworfen werden können, auch müssen die Kom- nrunen die Einkommen bis zu 1500 M. steuerfrei lassen können, andererseits aber progressive Zuschläge zur Staatscinkommcn- steuer bei Einkommen über 3000 M. und solche zur Ergänzungs- stcuer bei Vermögen über 3000 M. erheben können. Damit würde wenigstens einigermaßen ein Ztusgleich geschaffen. Solche Wünsche sind indessen Wechsel auf die Zukunft; der Kämmerer kann damit nichts anfangen. Aber es bietet sich in diesem Jahre noch die Möglichkeit, der Stadt eine neue und sehr reichliche Einnahmequelle zu erschließen.(Bewegung.) Vor zwei Jahren wurde ein Friede mit der„Großen" geschlossen, der einer völligen Kapitulation gleickikam.(Widerspruch.) Die„Große" hat sich für den Verkehr vom Osten nach dem Westen das Monopol ge. sichert. Der A. E. G. konzessioniert man eine Bahn, obwohl die Gesellschaft beim'Bau allein schon sehr große Getvinne macht. Der Hochbahngescllschaft hat man die Linie nach der Frankfurter Allee konzessioniert. Es ist jetzt übrigens ein Vergnügen eigener Art» vom Osten nach dem Westen zn fahren; das ist keine Schnellbahn mehr, es ist die reine Terrainbahn.— Durch solche Konzessionen an übermächtige Privatgesellschaften gibt die Stadt eines ihrer lvenigcn Hohcitsrechtc nach dem anderen aus der Hand; aber das ungeheuerlichste wäre doch, ivenn wir nicht zu dem Entschluß kämen, den Vertrag mit den B. E. W. zu kündigen- und die Werke 1915 zu übernehmen; hier liegen die Millionen buchstäblich auf der Straße. iWiderspruch.) Je mehr Sie beklagen, daß die Erträge aus den Gaswerken zurückgehen, um so mehr sollten Sie daraus dringen, daß wir die B. E. W. übernehmen, denn ich mache mir doch lieber selber Konkurrenz, als daß ich sie mir von einer Privatgesell- schaft machen lasse. Es heißt, die Stadt arbeite zu teuer l�-ehr rich- tig! bei der Mehrheit); der Kämmerer meinte, auch sei es ein Nachteil, wenn kommunale Werke nicht je nach der Konjunktur mit einer Erhöhung der Fabrikatpreisc kommen könnten. Die großen Jndustrieherren erzählen uns doch immer, sie erstrebten Trusts und Syndikate nicht zu dem Zwecke, die Arbeiterschaft noch mehr zu knebeln und zu unterdrücken, sondern lediglich zum Zwecke der Stetigkeit der Preisbcmessung. Mit solchen Aus- führungen sollte mau uns also nicht kommen. Unsere städtischen Straßenbahnen werfen uns jetzt einen Reingewinn von 8 bis 9 Proz. ab; die gleiche Ueberraschung hat man in Charlottenburg sowie Neukölln mit den Elektrizitätswerken erlebt. Namentlich die Ziffern des Gewinnanteils von Neukölln sprechen eine beredte Sprache.(Redner gibt die betreffenden Zahlen.) Wenn wir hier also die Vcrstadtlichung empfehlen, so scheuen Wir uns auch nicht davor, die Beseitigung zu fordern, wenn städtische Werke unzweck- mäßig und unwirtschaftlich sind. So empfehlen wir die Zuschüttung des Urbanhasens, der nur immer steigende Zuschüsse erfordert.— Wenn es sich um Arbeiterlöhne handelt, versagt die Mehrheit hier nur zu oft. Die Staatsbetriebe Preußens sollen nach einem Königswort Musterbetriebe sein; aber in Wirklichkeit vcr- lautete schon damals, daß die Regierung, die Minister gar nicht daran dächten, der Privatindustrie mit gutem Beispiel voranzugehen. Aber die städtischen Betriebe sollten doch in jeder Beziehung Musterbetriebe sein. Wenn jetzt nicht unbedeutende Summen für Lohnerhöhungen eingesetzt sind, so hat ja der Kämmerer selbst erklärt, daß das unter dem Druck der Verhältnisse gesthehen ist. In Neukölln ist der Anfangslohn in der niedrigsten Kategorie 4,50 M., Während ei: bei uns mit dieser Erhöhung erst auss 4,10 M. steigt. Die Interesselosigkeit, die Sic der Arbeiterfürsorge meist entgegenbringen, tritt hier ja bei jeder Besprechung von Arbeiterfragen in die Erscheinung, und wenn es sich um Organisationsftagen handelt, verwandelt sich diese Gleich- gültigkcit schnell in offene Gegnerschaft. Es herrscht hier eben noch eine vollkommene Unkenntnis von der kolossalen Leistung der Organisationen zugunsten unseres Stadtsäckels. Die 57 in der Generaltommission zusammengeschlossenen Gewerk- schaften haben an Arbeitslosenunterstützung zwei, an Krankenunterstütznng 1,7, a» Jiivalidenunterstützuug 160 000 M. usw., zusaimnen 4,1 Millionen Mark gezahlt.(Hört! hört!) Wenn diese freiwilligen Leistungen der Gaoerkschaftcn nicht geivescn wären, dann wäre �cr größte Teil dem Stadtsäckel und der Armen- Verwaltung zur Last gefallen.(Widerspruch und Unruhe.) Ein frischer Zug wird in die städtischen Körperschaften erst einziehen können, nachdem die Stadtverordnetenversammlungen auf einer rein demokratischen Basis errichtet worden sind und die Magistrate von einer solchen Versammlung gewählt weroeu. Das ist ausge- schloffen, solange die politischen Grundgesetze Preußens nicht um- gestaltet sind. Auch die Betrachtung des kommunalen Lebens führt daher hin zu der Forderung der Beseitigung des Drciklasscnwahl- rechts zum preußischen Slbgeordnetenhause. Wir werden keine Mühe und Anstrengung scheuen, wir werden die zahlreichen Mög- lichkeitcn gerade dieses Jahres ausnutzen(Stadtv. Mommscn: Um zu demonstrieren!.), um darauf hinzuarbeiten, daß wir in Preußen zu bessercu und gesünderen Zuständen kommen, und wir glauben, dadurch gerade als Stadtverordnete gute und fruchtbrin- gende Arbeit zu leisten!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- traten. Zischen bei der Mehrheit�-- Stadtv. Tassrl fSL SL); Wollte ich dem Vorredner auf alles Vor- gebrachte antworten, so würde ich den ganzen Abend brauchen. Daß wir für die Arbeiter aus iapitalistischer Verranntheit nichts übrig hatten, ist unrichtig; ebenso unrichtig ist, daß alle sozialen Fortschritte den Sozialdemokraten zu verdanken wären. Auch wir haben gegen Vergewaltigung unserer Rechte durch Regierung und Bureautratie stets mannhaft Widerstand geleistet. Dem Kämmerer sprechen wir unsere Befriedigung über den Etat für 1913 und für die Balancierung mit 199 Proz. unsere Anerkennung aus. lLebhafte Zustimmung.) Vom Extraordinarium werden 19 Mil- lionen statt 14% im Vorjahre aus laufenden Mitteln bestritten; wir können eS nur billigen, wenn auf diesem Wege fortgeschritten und der Anleiheetat erleichtert wird. Die Million für die Er- höhung der Arbeiterlöhne ist auch nicht unter einem„Zwange" erfolgt, sondern der Kämmerer erklärte die Erhöhung ausdrücklich für nicht länger aufschiebbar. Von„Jammcrlöhnen" kann man doch nicht mehr reden. Herr Heimann hätte doch auch erwähnen müssen, wie bis 1912 die Klassenfrequenz der Gcmeinoeschulen stetig gesunken ist. jjeht sinkt die Schülerzahl und dennoch bauen wir ständig neue Schulen! Der Etat weist also viele Lichtpunkte auf, besitzt aber auch Schattenseiten. Der Gasctat zeigt einen starken Mmderüberschuß, hauptsächlich wegen der Kohlenpreise. Die Ver- waltung hat einen Vertrag auf mehrere Jahre abgelehnt, der uns einige Millionen gespart hätte. Es wird doch vielleicht eine andere Art der Gebarung in Erwägurig gezogen werden müssen,— Die Vororte weisen gewiß manche Fortschritte und auch manche Vorzüge Berlin gegenüber auf, aber andererseits steht fest, daß wir nicht gewohnt sind, so in die Lärnftrompete zu blasen, wenn bei u n S Fortschritte gemacht werden.(Beifall.) Welche' großen Leistungen Berlin für die Schule, für die Krankenpflege usw. aufzuweisen hat, zeigt ein Rückblick auf die Amtsperiode des verewigten Kirschncr. Recht hat Herr Hcimann mit seinem Tadel über die Langsamkeit der Ausführung der großen VerkehrSprojcktc, der Häfen, der Nord- südbahn; es scheint, als wenn die Organisationi geändert werden m u ß, soll nocht zu viel Arbeit auf den Schultern eines Mannes liegen. Im Bereich dcS Hochbauetats empfehlen auch wir iunlichste Beschleunigung der Bauten.— Die Ueberschreitung der 190 Proz. verscheucht uns die kräftigsten Steuerzahler aus Berlin, sie zieht auch eine Erhöhung der Grund- und der Gewerbesteuer nach sich. Der Einführung neuer Steuern können wir uns nicht verschließen. Zu einer Steigerung der Grundwcrtstcucr sind heute die Verhält- nisse wahrlich nicht angetan. Ich hoffe, daß wir nicht bloß in diesem Jahre die 199 Proz. nicht zu überschreiten brauchen. Was die Ber- liner Elektrizitätswerke betrifft, so betone ich heute nur, daß der bestehende Vertrag für die Stadt durchaus günstig war und uns manchmal die Balanzi�rung mit 190 Proz. ermöglicht hat. Den Zweckverband beurteile ich so wie der Kollege Heimann; immerhin müssen wir zusehen, das relativ Beste auch durch ihn zu erreichen. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens wird er vorläufig für uns kaum in Betracht kommen. Den Vergleich mit der„Großen" mußten wir schließen, weil die Uebernahme des ganzen Straßen. bahnunternehmens schon wegen der Vororte eine Unmöglichkeit war. Von unserm Auskommen mit 199 Proz. hat auch der Staat einen großen Putzen, indem damit das Einkommen richtig getroffen wird. Oberbürgermeister Mermuth: Für die Anerkennung, die der Etat gefunden hat, kann ich namens des Magistrats nur meinen aufrichtigen Dank sagen. Gegen Kritik ist der Magistrat gewiß nicht empfindlich; uneingeschränktes Lob kann eine gute Finanzvcr-. waltung durchaus nicht vertragen.(Heiterkeit.) Der Etat wandelt mit ruhiger Sicherheit ohne auffallende Erscheinung die Bahn einer guten Finanzpolitik. Ter Sprung um 93 Millionen in der Gesamt- summe des Etats hat nichts Gefährliches an sich; der Fortschritt m Einnahmen und Ausgaben ist völlig normal. Auch die Anleihe stellt sich als nicht ungünstig dar. In dem Gelände, das wir außer- halb Berlins besitzen, namentlich in den der fianalisationsvcrwal- tung dienenden Grundstücken steckt eine Fülle von ZukunftSwertcn. Wenn wir für unsere Riegelgüter die Preise erhielten, die uns der Fiskus für seine Wälder abfordert, dann hätten wir ein nicht un- erhebliches Geschäft gemacht(grosse Heiterkeit), denn wir würden dann drei- bis viermal soviel einnehmen, als wir ausgegeben haben, und noch dazu handelt es sich nicht um einen Besitz, den wir nur bekommen, um ihn dauernd als Freifläche festzuhalten, auch nicht um einen Besitz, den wir nur prec�no mit der Verpflichtung er- halten, ihn im Laufe von 399 Jahren(stürmische Heiterkeit) allezeit zu viotuell niedrigeren Preisen Widder zurückzugeben, als wir selbst dafür angelegt haben, sondern um einen vollkommen freien Besitz, den wir Veriverten können, wie wir wolle». In Berlin entfallen von den gesamten Anleihen für nicht gewerbliche Zwecke aus den Kopf der Bevölkerung 83,95 M., in Hannooer 116, in Köln 139, in Elberfeld 225, in München 273, in Charlottcnburg299(Hört! hörtl), in Darmstadt 321, in Frankfurt a. M. rund 497(Lebhaftes Hört! hörtl); wir können uns also immer noch sehen lassen. Die Anlage eines Stadtschuldbuches werbe ich bemüht sein, sobald wie möglich in Szene zu setzen. Unverständlich ist mir. wie man uns noch vor- werfen kann, daß wir bei 199 Proz. verharren; wer da weiss, welchen ausserordentlichen Einfluss die ganze kommunale Finanz- und An- leihepolitit auf Staat und Reich und Geldmarkt hat, sollte sich freuen, dass die gröhte Stadt des Reiches mit eiserner Zähigkeit an den 199 Proz. festhält, und sollte das allen Kommunen als leuchtendes Vorbild empfehlen.(Beifall.) Dass der Etat soziale Regsamkeit völlig vermissen lässt, hat auch wohl Herr Heimann nicht sagen wollen. Es findet sich darin u. a. auch ein Ansatz für die Verbesserung der Gesundheitspflege durch den hoffentlich bald Fleisch und Blut gewinnenden Stadtmedizinalrat. Diese Anfänge werden wir auch in Zukunft mit gleichem Ernst und Eifer fort- führen, wie wir auch die weitere Ausdehnung dieser Aufgaben keineswegs von der Hand weisen. Auch die Ausgaben für die Armenpflege weisen gegen den Abschluß von 1911 ein Steigen von 4.53 auf 4,97 M. pro Kopf auf. Den Kredit für die Fleisch- Versorgung gedenken wir weiter zu benutzen auch über den 1. April hinaus. Die Frage der B. E. W. werden wir nicht nur vom finan- ziellcn Standpunkt zu erwägen haben, sondern auch von dem sehr wichtigen der besseren Regelung des Tarifs, namentlich des Hoch- spannungstarifs. Wir prüfen eifrig die hierbei möglichen Lösun- gen, um Ihnen rechtzeitig vor dem 1. Oktober 1913 Vorschläge machen zu könne». Unser Geschäftsgang muss erleichtert und ver- billigt werden; ein flotter Geschäftsgang schaffe Werbe, ein ver- langsamter kann Werbe vernichten(Zustimmung). Von außen her brauchen wir uns nicht gerade einen Vorwurf aus dem langsamen Geschäftsgang machen zu lassen(Heiterkeit), denn die Schnelligkeit, mit der man unsere Anträge und dergleichen erledigt, die machen wir am Ende auch»och nach(grosse Heiterkeit), aber wir müssen fortdauernd die bessernde Hand anlegen. Ein Organismus von 2 Millionen Einwohnern und einer Geschäftsbelastung mit 7599 Eingängen und 14 099 Ausgängen am Tage, mehr als 6% Millio- ncn im Jahre, läßt sich auf die Dauer nicht nach den Gesichts- punkten der Zentralvcrwaltung regulieren. Die grosse Masse der Minderwichtigcn müßte nach mehr örtlichen Gesichtspunkten ver- teilt werden. Das Ergebnis der hierüber schwebenden ernsten Er- wägungen hoffen wir Ihnen bald mitteilen zu können(lebhafter Beifall). Das ist auch hinsichtlich der Berkehrsaufgaben notwendig, insbesondere bezüglich der Nord-<-?üdbahn, wo für die Verhindc- rung unerträglicher Stockungen gesorgt werden mutz. Ohne Verstärkung unserer organisatorischen Einrichtungen schaffen wir nicht, was die Gemeinde mit Recht von uns verlangen kann. Im gröhc- ren Berlin erstreben wir nicht eine unzulässige Uebermacht noch kleinliche«sondervorteile; wir beabsichtigen nur die freiheitlichen Errungenschaften der Städteordnung festzuhalten und in dem grösseren Kreise für Berlin so viel Licht und Luft zu behalten, lote ilnscrcr Gemeinde von Rechts wegen zukommt. Dies Streben kann man unmöglich damit abtun, dass Berlin es sich selbst zuzu- schreiben habe, wenn vor Jahrzehnten nicht richtige Wege gewandelt worden seien, dass es sich nun gefallen lassen müsse, im Schatten zu sitzen Diese Anschauung wird der Aufgabe der'Ltaatskunst nicht voll gerecht, allen Gliedern des Staates gleichermaßen Förderung anaedeiheu zu lassen, der«taatskunst, welche berufen ist, für Geaenwart und Zukunft zu sorgen, nicht aber über die Vergangen- - Redakteur: Alftefc Wielepp, Reujöllu. Für des heit zu Gericht zu sitzen. Berlin gibt keinerlei Veranlassung, nach dem Gesetz von Schuld und Sühne behandell zu werden.(Leb- hafter Beifall und Händellatschcn.) Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Künstlich den Etat mit 199 Proz. zu balancieren, ist nicht unsere Aufgabe. Die Ein- nahinen der Gas- und Wasserwerke weisen sehr erhöhte Brutto- einnahmen und dabei sebr vermin'derte Ueberschüsse auf. Bei den Gaswerken hat wohl wirklich ein Verkalkulieren stattgefunden; vor mehrjährigen Kohlenabschlüsien möchte ich aber doch warnen. Ter Wcsthafcn wird für uns. wie ich fürchte, eine ebensolche Pleite wie der Urbanhafen. Mit der Nord-Südbahn kommen wir auch nicht vom Fleck; hier mutz an der Organisation geändert werden. Eine Privatgesellschaft wäre da ganz anders und viel rascher vorangekommen. Mit unserm jetzigen Verwaltungs- organisiiius kommen wir tatsächlich nicht mehr weiter; und mit Freuidell vernehmen wir, daß der Magistrat jetzt frisch und munter die Initiative auf diesem Gebiet ergreifen will. Mit Beschlüssen einer Stadtverordnetenversammlung kann man eine Kommunal- Verwaltung nicht reformieren. Berlin muß dezentralisiert ver- waltet werden; haben wir den Beweis erbracht, daß es„auch so" geht, dann kommen wir doch vielleicht über den Zwcckverband hin- weg zu einem wirklichen Gross-Berlin. Die Frage der B. E. W. muß von dem Hauptgcsichispunkt aus entschieden wenden, wie die Konsumenten dabei am besten fahren. An die Erneuerung deS Vertrages ist natürlich nur zu'denken, wenn auch die andere Seite zu recht erheblichen Opfern bereit ist.(Beifall.) Stadtv. Rosenow(N. L.): Zum erstenmal seit langer Zeit hat man bei der Etatberatung die Finanzlage Berlins nicht schwarz in schwarz gemalt. Mit Hilfe zweier neuer Steuern soll der Etat mit 199 Proz. balanziercu. Diese sind zwar noch nicht bewilligt, aber auch wenn Abstriche gemacht werden, bangt mir für die Balance nicht. Wir haben gegenüber einer Anleiheschuld von einer halben ein Vermögen von einer ganzen Milliarde; wir können uns also auf dem Kapitalmarkt immer noch sehen lassen. Der Rückgang der Erträge der Gas- und Wasserwerke wird auch von uns bedauert; eine veränderte Organisation schafft vielleicht auch hier Wandel. Für die Verzögerung des Baues des Wcft- hafens macht man die Verwaltung zu Unrecht verantwortlich. Die Vorwürfe, die heute gegen die Armcnverwaltung und gegen den Armenctat erhoben worden sind, halte ich für hinfällig. Mit den Evakuierungsbautcn für Lungen, und Leichtkranke muss endlich ein- mal ernst gemacht werden. Der Abstrich von 199 990 M. an der Straßenbeleuchtung kann von uns absolut nicht gebilligt werden; hier heißt es nicht sparen, sondern mehr hergeben, damit die Be- leuchtung unser Stolz bleibt. Dasselbe gilt von den Strassendurch- brüchen, wo jede Verzögerung vom Uebel ist. Für die Entloh- nung der städtischen Arbeiter ist auch bisher von der Stadt geleistet worden was notwendig tvar. Die Vereinfachung der Verwaltung hat bisher regelmässig mit einer Vermehrung der Beamten ge- endet; wird es diesmal wirklich anders werden?— Gegen die Forderung der Cith-Bildung hat sich nicht nur Herr von Dallwitz. sondern auch der Verkchrsminister v. Breitenbach ausgesprochen. Der Zweckverband hat noch nichts geleistet. Bei dem Waldgürtel- Kaufgeschäft wird anscheinend hinter den Kulissen eifrig an der Majorisierung Berlins gearbeitet. Wir dürfen uns das nicht gc- fallen lassen.(Beifall.) Stadtv. Cassel beantragt die sofortige Ernennung eines Etahs- ausschusses und erklärt dann gegen Mommsen, daß für ihn die Balancicrung des Etats mit 100 Proz. kein Dogma sei und nie gewesen sei, auch Herr Mommsen habe schon 1900 die 190 Proz. ganz gern überschreiten wolleu. Damit schließt die erste Beratung. Der Etat geht an einen besonderen Etatsausschuß, der sofort vom Vorstande ernannt wird. Schluß?L10 Uhr; nächste Sitzung Donnerstag, 5 Uhr. Soziales* Eine Bäckerinnung für Konsumvereine. Das fast kaum Glaubliche ist Ereignis geworden.... eine Bäckerinnung gelangte zu der Erkenntnis, daß sich gegen Konsum- vereine vernünftigerweise kaum Einwendungen erheben liehen. Die Hamburger Bäckerinnung hat sich zu dem immerhin ancrkennens- werten Bekenntnis aufgeschwungen, daß man den Arbeitern die Gründung von Konsumvereinen nicht verwehren könne. Sie schreibt in ihrem letzten Jahresbericht u. a.: „In früheren Tagungen der Handwerker und Dctaillisten hat man häufig einfach die Forderung aufgestellt, die Konsumvereine und Genossenschaften gesetzlich zu verbieten. Das wäre aller- dings ein Radikalmittel. Diese Forderung war auch von sciten der Handwerker so lange begreiflich, als sie nicht selbst dazu übergingen, sich aus wirtschaftlichem Gebiete zusammenzuschließen. Nachdem sie aber nun auch diesen Weg betreten haben, wäre es doch getvagt, das, was man selbst tut, andern gesetzlich zu ver- bieten..... Das hat man auch eingesehen und ist infolge dieser Einsicht von der radikalen Forderung des gesetzlichen Verbots überall abgegangen. Man beschränkt sich jetzt daraus, nur solche Forderungen zu stellen, die der Gerechtigkeit und Billigkeit ent- sprechen. Bevor wir uns hier näher mit diesen Forderungen beschäfti. gen, wollen wir zunächst einmal die Frage beantworten: Bringen die Konsumvereine ihren Mitgliedern wirklich Vorteile? Das muß im allgemeinen bejaht werden. Der Konsumverein ist in- folge seines großen Umsatzes in der Lage, billig einzukaufen. Der gleiche Umstand begünstigt ihn bezüglich der Unkosten. Wenn niedrig entlohnte Arbeiter sich zusammenschließen, um ihre Bedürfnisse möglichst billig einzukaufen, so hat das, wenig- stcns vom Standpunkt des Arbeiters aus, seine Berechtigung." Solcher vernünftigen Ansicht sollten sich alle Handwerksmeister und Händler anbequemen, das wäre entschieden besser als wie am Narrenseile der konservativen MittelstandSretter. zu zappeln und sich dabei von den Zoll- und Steucrwucherern das Fell über die Ohren ziehen zu lassen._ Gerichts-Zeitung Vom neuen Viehfeuchengefetz. Ucber die Gültigkeit und Bedeutung von Anordnungen, die den Transportführcrn der Viehtransportc von Viehhändlern das Mit- führen von 5loiltcollbüchern auferlegen, hatte das Kammergericht unter der Herrschaft des neuen Biehseuchengesetzcs jetzt zum ersten- mal zu entscheide». Herr Brauer war wegen Ucbcrtrctung einer solchen Anordnung des Regierungspräsidenten in Erfurt vom 23. Juni 1912 verurteilt worden. Der erste Strafsenat des Kammer- gerichts hielt die Bestrafung mit der Matzgabe aufreckst, dass sie nicht wegen Ucbertrctung der landespolizeilichcn Anordnung des Rc- gicrungspräsidenten zu'Erfurt, sondern wegen Uebertretung der Bekanntmachung des preußischen Landwirtschasisministers vom 1. Mai 1912 auszusprechen sei. Begründend wurde ausgeführt: Wenn der Bundesrat und nach ihm in Preußen der Landwirt- schaftsministcr bestimmt haben würden, daß die„Trnsportführcr" von Viehtransporicn der Viehhändler eigene Kontrollbücher zu führen und auf Transporten mitzuführen hätten, dann würde das ungültig sein. Denn es würde der Vorschrift des§ 17 Nummer 4 des neuen Reichs-Vichscuchcngcsetzes widersprechen. Danach könnte nur die Führung von Kontrollbüchern durch Viehhändler ange- ordnet werden. Tatsächlich seien aber Bundesrat und preußischer Landwirtschaftsmiuister darüber nicht hinausgegangen. Wenn sie weiter angeordnet hätten, daß die Transportführer von Viehtransportc» der Viehhändler bei dein Transport das KontroUbuch des Viehhändlers mitzuführen hätten, dann liege das im Rahmen der Ermächtigung des 8 17 des Gesetzes. Die Vorschrift in der landcs- polizeilichen Anordnung des Regierungspräsidenten könne gegen- über der Anordnung des preußischen Landwirtschaftsministcrs vom 1. Mai 1912 keinen Anspruch auf Selbständigkeit machen. Sie sei nur aufzufassen als ein Hinweis auf die Bekanntmachung des LandwirtschaftsministerS. Die Verurteilung des Angeklagten, der Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Lerftn. Druck». Verlag: Vorwarf hiergegen zweifellos verstoßen habe, sei somit auszusprechen Wege« Uebertretung der Ministerialanordnung. Eine Anklage wegen Mordes beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts II. Aus der Untersuchungshaft wurde der erst 20jälirige Diener Richard Stäbner vorgeführt. Er ist beschuldigt, am 17. November v. Z. das Stubenmädchen Martha Sildatke, mit dem er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, vorsätzlich und mit voller Uebcrlcgung getötet zu haben, indem er die S. in der Nähe von Adlershof hinterrücks in den Tcltowtaual warf. Der am 3. Januar 1893 geborene Angeklagte war bis zum Herbst v. I. auf dem Dominium Lietzowjfti Nauen als Diener in Stellung. Hier hatte er auch die als Stubenmädchen bcdieustcte Martha Sildatke kennen gelernt, mit der er bald nach seinem Dienst* antritt ein Liebesverhältnis einging. Am 17. November v. Inhalte die S. ihren Ausgehtag und fuhr, wie sie schon vorher erklärt hatte, nach Berlin, um mit dem Angeklagten zusammenzutreffen, der hier in einem Pensionat eine Stellung als Diener angenommen hatte. Als die Sildatke von dieser Fahrt nicht mehr zurückkehrte, erstattete ihr Dienstherr bei der Polizeibehörde Anzeige von dem spurlosen Verschwinden des Mädchens.— Am 19. November bemerkte der Trcidellokomotivführer Graßnick, als er mit einem Schleppzug durch den Teltowkanal kam. etwa 200 Meter unterhalb der alten Glienicker Brücke in der Nähe der Laubenkolonie die Leiche einer weiblichen Person am Ufer im Wasser liegen. Es war das die Leiche der Martha Sildatke. Es tauchte der Verdacht auf, daß die S. eines gewaltsamen Todes gestorben tvar. Der Angeklagte wurde sistiert. Er verwickelte sich bald in Widersprüche, bis er plötzlich auf der Fahrt zum Polizeipräsidium erklärte, es habe ja doch keinen Zweck zu leugnen, er wolle jetzt ein offenes Geständnis ablegen. Er gab dann von dem Hergang der Tat folgende Schilderung: Die Sildatke habe ihn brieflich gebeten, mit ihr zusammenzutreffen. Auf der Fahrt nach ÄdlerShof, wo er einen Onkel aufsuchen wollte, habe ihm die S. erzählt, daß sie sich Mutter fühle und er als Valcr in Frage komme. Er sei hierüber sehr empört gewesen, da die S. auch mit anderen Männern verkehrt habe. Als sie dann in die Nähe des Tcltowkanals kamen, sei er absichtlich den Treidelweg un- mittelbar an der Böschung entlanggcgangen. An einer entlegenen Stelle habe cr die S. dann plötzlich an den Armen gepackt und rück« wärts ins Wasser gestürzt. Das Mädchen sei, ohne einen Ruf aus- zustoßen, sofort untergegangen. Er selbst sei dann nach dem Bahn- Hof gegangen und nach Berlin gefahren. Dieses zu Protokoll gegebene und von dem Zlngeklagtcn unter- schriebene Geständnis wiederholte er auch vor dem Untersuchungs- richter. Erst längere Zeit darauf widerrief cr plötzlich das Geständnis und gab folgende Erklärung ab, die er in der gestrigen Vernehmung wiederholte: Als ihm die S. Mitteilung von ihrem Zustande gc- macht hatte, habe er ihr sofort gesagt, sie solle sich schämen, ihn als Bater zu bezeichnen, da sie doch auch mit anderen Männern Ver- kehr gehabt habe. In der Nähe des Teltowkanals sei es nochmals zu Auseinandersetzungen gekommen, er habe der S. nochmals Vorwürfe gemacht und sie schliesslich stehen lassen. Was aus ihr gc- worden sei, wisse cr nicht, denn cr sei schnutstracks zur Bahn gegangen und nach Berlin gefahren. Anscheinend habe sich die S. selbst ins Wasser gestürzt. Die Verhandlung dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen, wir werden das Urteil mitteilen. Geistliche gegen Geistliche. AuS den Kämpfen um Pfarrer Traub war eine Privatklagc dcS Prof. Dr. Baumgarten-Kiel gegen den verantwortlichen Redakteur des„Ebangelifch-Kirchlichen Anzeigers" Superintendent a. D. Tl>. Brandin entstanden. In drei Artikeln des„Evangelisch-Kirch- lichcn Anzeigers" unter der Ueberschrift„Nachklänge zum Prozeß Traub" waren in einer Polemik gegen Prof. Dr. Baumgarten als Beleidigung aufgefaßte Bemerkungen gegen diesen enthalten. Ter Angeklagte wurde, wie unseren Lesern erinnerlich, vom Schöffen- gencht zu 599 M. Geldstrafe verurteilt. Gestern stand in dieser Sache Berufung vor der 9. Straf- kammcr des Landgerichts I an. Es kam folgender Vergleich zu- stände:„Der Angeklagte nimmt mit dem Ausdruck des Bedauerns die in Nr. 14. 39, 40 und 41 des„Evangelisch-Kirchlichcn Anzeigers" enthaltenen Ausdrücke, wegen deren Form die Privatklagc erhoben worden iit, insbesondere„der Privatkläger fange an, eine sehr klägliche Rolle zu spielen",„er habe einen agitatorischen Ton an- geschlagen",„er habe sich törichter Verdächtigungen schuldig gemacht", zurück. Der Angeklagte erklärt ferner, daß der in 9lr. 40 ent- haltene Passus„die wirklichen Zwecke sind zu durchsichtig, da« Fischen im Trüben so offenkundig, daß man sich nur mit Ver- achtung davon abwenden kann", sich nicht gegen den Privatkläger gerichtet habe."__ Staatsanwaltlicher Uebrreifer. Ein hübscher Prozeß, der sicher zur„Stärkung" des Anklage- Monopols der Staatsanwaltschaft beitragen wird und wiederum erneut dokumentiert, dass die Staatsanwaltschaft die„objektivste Behörde der Welt" ist, beschäftige am letzten Sonnabend das Hallesche Schöffengericht. Die Vorgeschichte dazu ist die: Eines Morgens unterhielten sich die beiden Kriegskameraden Karl Gottschalk und Hermann Lorenz von Ammendorf bei Halle a. S. beim Frühstück in der Zimmererwerkstatt über einen Vortrag, den ein Redner am Mend vorher im Kriegerverein über die Fremdenlegion gehalten hatte. Lorenz, der früher Vorsitzender des Vereins gewesen, machte dem Gottschalk, der den 70er Feldzug mitgemacht hat und die Kricgsdenkmünze trägt, Vorwürfe, weshalb er nicht für den Vor- trag etwas gezahlt habe. Darauf soll Gottschatt seine ZahlungS- Weigerung damit begründet haben:„Ach was, der größte Teil der Mitglieder des Vereins sind doch Sozialdemokraten." Das harmlose Frühstücksgespräch kam zur Kenntnis des' Staatsanwalts und die Vertretung der öffentlichen Ordnung klagte im öffentliä>cn Jiitrrcsse gegen Kamerad Gottschalk wegen— öffentlicher Beleidigung. Dass dies in einer Zeit geschieht, in der amtlich verkündet wird, dass bei der letzten Reichstagswahl genau 4 250 399 Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben worden sind, macht den Prozeß noch pikanter. Die ganze Aufmachung war ebenso nett, wie der Ausgang. Der Borsitzende, der Schriftführer und 20 Mitglieder des Vereins hatten schriftlich dokumentiert, daß sie sich durch die Aeußerung von Kamerad Gottschalk beleidigt fühlten. Alles heischte nach Sühne. Das Gericht aber sprach Kamerad Gottschalk frei. Gerade jetzt, wo man sich in i>en Parlamenten so viel über Klassenjustiz unterhält, mutz man die Eourage bewundern, mit der die Staatsanwaltschaft gerade diesen Prozeß in die Hand gc- nommen hat. Wollte sie etwa beweisen, wie notwendig der Kampf gegen das staatsanivaltliche Anklagemonopol ist?, Si-lefkatten der Kedafetion. an. R. 87. WMärPmfionsgesetz« für Offiziere und M-mnsch-st-n. Breis 1 M. Führer durch daS MwtarpensionSqesetz. 50 Pfg.—«ü. 84. 1 Mcht Bedingung. 2. Nein. 3. Ohne Angabc über Aller. Vcrhattüiqe und Zuständigkeit nicht zu beantworten.— 17.77, Glück. Maunte». Eine Frage, die eine Fachzeiischrist(Metallarbeiter) sachgemätz beantwo-ien wird.— Schneider. Bei Privallrankenlai'eii ist Vorficht immer>?cbolen. Beachten Sie die Warnungen der Presse und Polizei.- v R. 30. Das Mädchen möge sich beim Bund für Mutterschiltz. Meldestelle Marialinen- User Nr. 3 melde», Sprechzeit von 3—4 Uhr Die Krankenkafle»mb den Wöchnerinnen Unterstützung zahlen.— Vüißmann. Beide brauchen Med,. kamenle der letziere in geringerem Umfange.- R. G. 1. Sie m uifen vorher die möglichen Folge» mit dem Arzt besprechen. Der Dienst in der Feuerwehr erfordert vollständige Gelundheit.— H. Schuckert. Das ist uns nicht möglich."' vuchdruckere, u. Verlagsanftalt Paul Singer u.«o, jöerli« S«.