Ar. 55. nbonncmcnts-Rcdingunscn*. KBoitnrmcnt?- Prkis vränumerando! Vierleljäbrl. S.N0 Mk�. monatl� t,l0 Mk.. wöchentlich 28 Pfg. srci ins Haus. Einzclna Nummer 5 Psg. Soniuugs- niimmcc mit ifluttricrtet Sonntags» Beilage.Die Neue Well">0 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zestungs- Picisliftc. Unter Kreuzband für Dcutichland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Vkonut. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, lkuxeniburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39» Jahrg. Vlchilnt täglich außer montags. Vevlinev VolkesblAtk. Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn parte» Deutfchlands. Die TnlcrtionS'GcbüIjr beträgt für die scchsgespallene Kolonel- zcile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Lersnmmlungs-Anzeigen Pig. „Kleint Hnrtigtn", das scltgedrulklc ?Sort 20 Psg.(zulässig 2fettgcdrniltc Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. 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März 1813 auf den Moskauer Zaren- thron erhoben wurde, benutzt der heutige Träger der russischen Kaiserkrone, Zar Nikolaus der Blutige, die Wiederkehr des 300. Jahrestages dieser historischen Täte zur pomphaften Verherrlichung seiner Dynastie, zur weiteren Festigung des russischen Absolutismus. Von rein dynastisch-geschichtlichcm Standpunkte aus hätte Nikolaus II. wahrlich keine Veranlassung, diesen Tag festlich zu begehen. Denn mit den Romanows hat-das jetzige russische Herrscherhaus nur die äußeren Anzeichen ihrer unbcschränk ten Macht gemein. Ter letzte Sproß dieses Geschlechts�-das 158 Jahre, von Palastrevolutionen und Zarenmordcn zer rissen, über Rußland herrschte, Zar Peter III., wurde von seiner Gemahlin Katharina II. gestürzt und am 17. Juli 1762 in ihrem Auftrage ermordet. Die eigentliche Stammutter des heutigen Zareuhauses war Katharina II., eine geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst, die die Zarcnkrone an sich riß und erst die Grundlage schuf für die innere und äußere Poli tik des modernen russischen Absolutismus. Der eigentliche Ursprung ihrer Nachkommenschaft, der in Rußland streng geheim gehalten wird, wird selbst von der deutschen Universi tätswissenschaft nicht in Zweifel gezogen. So bestätigt der bekannte Jenenser Gcschichtsprofessor E. Hermann in seiner „Geschichte des russischen Staats"(Hamburg 1853), auf Grund unanfechtbarer Geschichtsquellen, daß Katharinas Nachfolger, Paul I., der Sohn des Kammerhcrrn Saltykow und Katharinas war. Uchcr die Kaiserin selbst schreibt der- selbe Prof. Hermann:„Für sie gab es kein Laster und kein Verbrechen, das sie nicht ihrer Herrschsucht dienstbar machte...." Von ihr, die von Friedrich II. mit der Katha- rina von Medici verglichen wurde, nimmt die heutige russische Dynastie, die preußisch-mongolische Dynastie Saltykow, ihren Ursprung, und ihre Anfangsdate ist nicht der 6. März 1613, sondern der 9. Juli 1762, da Katharina II., die Mörderin ihres Gatten, sich„von Gottes Gnaden" zur Kaiserin und Selbsthcrrschcrin aller Reußen ausrufen ließ. Zaremnord und Palastrevolutionen standen auch weiter- hin an der Wiege des russischen Herrscherhauses. Katharinas Sohn, der wahnsinnige Paul I., hrnnre unter der nächsten Bc- teiligung seines Sohnes Alexanders I. ermordet, und erst nach dessen, von inneren Wirren begleiteten Abdankung im Dezember 1825 setzte jene Reihe von russischen Zaren cin, die die Völkerschaften Rußlands seit einem Jahrhundert in ihrem blutigen Bann halten. Diese Zarenreihe wird gleichsam gc- krönt von Nikolaus II., in dessen(Aestalt die schmachvollsten Seiten des russischen Absolutismus zur Verkörperung ge- langt sind. Man kann sich kaum eine trefflichere Illustration und zu- gleich eine schärfere Verhöhnung des Systems der erblichen Monarchie denken, als diesen Herrscher von Gottes und der Knute Gnade, den Busenfreund der Pogromistcn, den Bc- schützcr der echtrussischen Diebe und Straßenräubcr. den Pro- tektor der Henker und der Gefängnisbüttel. Wurde Alexander I., der als Mensch höher stand, als viele aus seinem Geschlecht, von diesem System zum Vatcrmord getrieben, so wird Nikolaus II. an der Weltwende der modernen Umgc- staltung Rußlands von demselben System zum Mörder, zum Eidbrechcr an den Völkerschaften Rußlands gemacht, und in dieser ihm von der Geschichte auferlegten„Mission" gelangen alle Keime der Grausamkeit, des Menschenhasses, alle Laster und Verbrechen zur Entfaltung, die seine Abnenreihe in die Seele dieses mit unbeschräbkter Herrschermacht ausgerüsteten Tegeneranten gelegt hat. Gerade weil die Geschichte ihn am historischen Wendepunkt Rußlands zum Träger der absoluten Regierungsgewvlt und damit zum„legitimen" Vertreter aller Privilegierten und Besitzenden gemacht, tritt er durch seine ganze Politik das blöde Märchen von dem„über den Parteien" stehenden Monarchen mit eigenen Füßen in den Slaub. Will man jetzt, anläßlich des„Regicrungssubiläums" des Zarenhauses, das Fazit sciucr geschichtlichen Bedeutung ziehen, so muß man vor allem die charakteristische Eigenart der letzten Regierung in Betracht ziehen. Hier tritt mit aller Deutlichkeit hervor, daß die nach Selbstbestimmung ringen- den Völkerschaften Rußlands in ihrer kulturellen Entwickc- � auf die bedauerlichen Folgen der zweijährigen Dienstzeit hin. Sie I lung aufgehalten und daß die wirtschaftliche EntWickelung crtlärien, daß sie bei den Besichtigungen wiederholt den geringen des ganzen Reiches gehemmt wird. Der Zarismus, als die Mannschaftsbestand der Kompagnien, Batterien und Schwadronen Verkörperung der korruptesten, unfähigsten, eigennützigsten festgestellt und die Währnelimung gemacht hätten, wie sehr unter Form der Regierungsgewalt, als der Vertreter der engen diesen Zuständen die Ausbildung der Soldaten gelitten habe. Ein Standesinteressen junkerlich-pliitökratischer Sippen, hat sich großer Teis der Debatte bezog sich auf die Frage der T c ck 11 n g s- in den schärfsten Gegensatz gestellt zu allen kulturellen und truppcn. Mehrere Generale hoben dabei hervor, daß für ein Wenig. War der Zarismus nach der japanischen Niederlage selbst mit seinen bisherigen Bundesgenossen zerfallen, so steht er jetzt, unterstützt von dem Großgrundbesitz und dein Groß- kapital, ausgerüstet mit allen Machtmitteln des Militär is- mus, der Kirche und der Verwaltung, feindselig allen Kräften gegenüber, die den Polizeistaat Nußland, mit seinen Galgen und Kerkern, mit seiner Kulturfeindschast und Barbarei, in einen modernen Neckjtsstaat verwandeln wollen, in dem die treibenden Kräfte der kapitalistischen EntWickelung erst zur freien Entfaltung gelangen können. Tie energischste Vorkänipfcrin einer schchen EntWickelung ist die revolutionäre Arbeiterklasse Rußlands, und eben deshalb richtet sich der ganze Haß des in Nikolaus U. verkörper ten Regierungssystenls gegen sie. Er klainmert sich mit der Angst der Verzweiflung an die überlieferte Gewalt, er zieht aus den ihm nahestehenden Schichten Verbündete heran, er scheut keinen Eidbruch und kein Blut, um den Ansturm dieses gefährlichen Feindes von sich abzuwehren. Er kämpft aller- dings auch gegen die„Frcmdstämmigen", die Polen, die Juden, die Armenier und Brusier: er zertrümmert, alle seine Eide brechend, die Selbständigkeit und Freiheit Finnlands: er sucht fieberhaft jeder Jrredcnta in den Grenzmarken vorzu beugen, und begiinstigt deshalb die chauvinistische, uationa listische Verseuchung der Volksmassen. Aber seinen Haupt kämpf führt er doch gegen die Arbeiterklasse, die Trägerin der russischen Revolution. Der Blutsonntag in Petersburg, die Strafexpeditionen der Revolutionsjahre, der Staatsstreich vom 16. Juni, das Bluturteil gegen die sozialdemokratischen Dumaabgeordneten, die Zehntausendc von Gefangenen und Verbannten, die Massengräber dc� Arbeiter in den Lenagold- minen sprechen eine beredte Sprache dafür. In dieser Haltung der revolutionären Arbeiterklasse gegenüber scheint der Zarismus instinktiv den Weg gefunden' zu haben, den der heutige Entwickelungsgrad des westeuropäischen Kapita- lismus ihm weist. Die westeuropäische Börse war es, die den Absolutismus in Rußland 1996 vor der Kapitulation rettete: der westeuropäische Imperialismus ist es heute, der den innerlich faulen russischen Zarismus zu einem Eckstein der Weltpolitik gemacht hat, und den russischen Polizbistaat als einen Schutzwall gegen die steigende Flut der proletari- schcn Bewegung aufrichtet. Dieser fundamentale Zwiespalt ist es. der in allen Ländern Westeuropas eine diametral entgegengesetzte Haltung zu der russischen Zarenfeier hervorruft. Die herrschenden Klassen vergessen anläßlich dieser Feier der Romanow- Dynastie alle politischen Gegensätze zi� Rußland, denn die Festigung der russischen Monarchie bedeutet auch für sie einen wesentlichen Gewinn. Im schroffsten Gegensatz hierzu nimmt das internationale Proletariat auch zu dieser mon- archischen Feier, die feindseligste Haltung cin. Nicht nur, weil es in dem russischen Zarismus die widerwärtigste, kultur- feindlichste Forni des monarchischen Regierungssystems sieht, nicht nur, weil die mörderische innere und äußere Politik des Zarismus den schärfsten Protest herausfordert, sondern vor allem deshalb, weil der Zarismus, trotz seiner europäischen Schönheitspflästerchen, ein wichtiges Hemmnis bildet für den Aufschivung der internationalen Arbeiterbewegung, für den Kampf um den Sozialismus. Sie dreijährige Dienstzeit in srnnkreich. Der internationale Rüstungstaumel legt den Völkern Europas neue und schwerere Lasten auf, deren Druck sich sehr bald fühlbar machen wird. Tie unverantwortliche Nüstungstreiberei des deutschen Militarismus hat jenseits der Vogescn ein Echo gesunden, und in nervöser, übereilter Hast suchen die französischen Militaristen dem Gegner zuvor- zukommen. Daher die fast fieberhaft anmutende Eile, mit der die französische Regierung die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit betreibt. Diese Maßnahme, die das wirtschaftliche und soziale Leben Frankreichs schwer belastet, wird unter dem Geschrei der chauvinistisch überreizten bürgcr- lichen Presse, der das Verhalten Deutschlands Wasser auf die Mühlen liefert, in Szene gesetzt. Das Volk selbst ist noch gar nicht zu Worte gekommen. Es wird aber sehr bald merken, wie recht unsere französischen Genossen haben, wenn sie mit aller Energie den Marktschreiern des Kascrnenprinzips ent- gcgcntreteu. Heber die einleitenden Schritte, die zur Wiederein- führuug der dreijährigen Dienstzeit gemacht werden, liegen folgende offiziöse Meldungen vor: Das Gutachtcu des Cberstcn Kriegsratcs. Paris, 5. März. Uebcr die gestrige Sitzung des O b c r st e n Kriegs rats, der sich einstinrnrig für Annahme der dreijährigen Dienstzeit ausgesprochen hat. wird gemeldet: Die Generale wiesen wirtschaftlichen Bestrebungen des 169-Millionenreichcs. Da ran ändert die äußerliche Europäisierung des Staatswesens Mt ihren pseudo-konstitutionellcn Einrichtungen nur sehr Land, dessen allgemeine Politik einen defensiven Charakter habe. eine um so dringende« Notwendigkeit bestehe, starke Teckungs- truppcn zu besitzen. Die Vermehrung des MannschaftsbcstandeS durch die dreijährige Dienstzeit werde es ermöglichen, die Infanterie- kompagnicn der Arincckorps an der Ostgrenze auf zweihundert Mann zu erhöhen, so daß die Deckungstruppen den ersten Angriff aushalten können, ohne das Eintreffen der Reservisten abwarten zu müssen. Als eine Milderung der dreijährigen Dienstzeit wurde cin regelmäßiger Urlaub von dreißig Tagen vom Obersten Kriegs- rat in Aussicht genommen, der hauptsächlich dem Zweck dienen soll, den Soldaten die Beteiligung an den landwirtschaftlichen Arbeiten zu ermöglichen. Mit der Frage, ob das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit bereits aus die unter den Fahnen stehenden Truppen anzuwenden sein werde, hatte sich der Oberste Kriegsrat nicht zu befassen, da der Kriegsminister auf Grund der bestehenden Gesetze ermächtigt ist, die freiwerdende Jahresklasse zurückzubehalten, falls er es für notwendig hält. Er ist lediglich verpflichtet, dem Parka- ment davon Mitteilung zu machen, sobald eS ihm tunlich erscheint. Tic Entscheidung des Ministerrates. Paris, 5. März. Ter unter dem Vorsitz des Präsidenten Poincarc abgehaltene Ministerrat genehmigte den der einmütigen Aenßernng des Obersten Kriegsratcs entsprechenden Gesetzentwurf betreffend Einführung der dreijährigen Dienstzeit ohne Ausnahme und ohne Vergünstigung. Der Gesetzentwurf wird schon morgen der 5tammer vorgelegt werden. Tie jetzt dienenden Mannschaften sollen ein Jahr länger in den Kasernen bleiben. Paris, 5. März. Der Gesetzentwurf über die dreijährige Dienstzeit wird rückwirkende Kraft erhalten und A n- Wendung finden auch auf d i c augenblicklich bei den Fahnen befindlichen Jahrgänge. Tie Regierung wird auf baldmöglichste Beratung bestehen und ans der Annahme des Gesetzes eine Vertrauensfrage machen. Aenßcrungcn der Presse. Paris, 5. März. Die gemäßigt-republikanischen, die republi- kanischen, die konservativen und die nationalistischen Blätter sprechen ihre lebhafte Befriedigung über die vom Obersten Kriegsrat ab- gegebene Aeutzernng aus. Dagegen machen niebrere radikale Organe ernste Vorhalte. So schreibt„Lanterne": Wir begreifen, daß die Ansicht des Obersten Kriegsrats, der für die Armee vcr- antwortlich ist, großen Eindruck macht. Aber auch das Parlament hat Verantwortlichkeit. Es wird zu sagen haben, ob die Opfer, die man vom Lande verlangt, einerseits möglich, andererseits wirk- sam genug sind. Bevor man zu einem so drückenden Mittel greift, wie es die dreijährige Dienstzeit ist, wäre es gut gewesen, alle anderen Mittel zu versuchen. Mehrfach verlautet noch, der Oberste Kricgsrat habe empfohlen. den Universitätsstudenten dadurch eine Erleichterung zu gewähren, daß sie das dritte Dicnstjahr gruppenweise in einer Universität s- stadt ableisten können. Tic Rüstungskoste«. Paris, 5. März.. Nach einer Blättermeldung nahm der Budgetansschuß den Bericht Clcmcntels, der sich für die von der Regierung verlangten militärischen Kredite vwil 5 00 Millionen ausspricht, einstimmig ein und be- schloß sodann, der Kammer einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine ständige Kontrolle über die Verwendung der für die nationale Verteidigung bestimmten Kredite verlangt. Tic sozialistische Gegenagitation. Paris, 5. März.(P r i v a t t c l c g r a m m des„P 0 r- wärts".) Tic Annahme des Projekts im Ministerrat über- rascht nickst nach Bekanntwerden des Resultats des gestrigen Kriegsrats, der nur eine Formalität war, um das Land an eine nationale Gefahr glauben zu machen. Ter Widerstand gegen die Vorlage konzentriert sich in der Aktion der sozigl- demokratischen Partei. Wohl schwankt ein Teil der radi- kalen Presse.„Aurore",„Rappel".„Lanterne" und„Petit Republique" glauben an die Möglichkeit, daß sieb andere Mittel zu einer genügenden Grenzdeckung finden lassen wer« den. Im„Journal deS Tebals" tadelt Senator Humbert die Heeresleitung, weil sie militärische Maßnahmen, ins- besondere die Verlegung wichtiger Truppenteile an die Dst- grenze und eine genügende Befestigung von Moiitmedh unterließ, die die jetzige unerhörte Vorlage erspart hätten. Die Stimmung im Lande ist keineswegs so militaristisch, wie sie die Hetzpresse darstellt. Uebrigens sickert die Wahr- heit selbst in der vom„Temps" publizierten Enquete durch. Die sozialistische Provinzpresse greift in die Agitation energisch ein. Von größter Wichtigkeit zur Zerstörung der stellenweise nicht unwirksamen Verleumdungen ist, daß die Opposition der deutschen sozialdemokratischen Partei gegen die Militärvorlagen demonstrativ kundgemacht werde. In der„Humanitö" schlägt Eochin vor, in allen französischen und deutschen großen Städten Vcrsammlnngen mit Rednern beider Sprachen abzuhalten. Tie Konsödera- tion und der Gewerkverband des Departements Seine be- reiten eine große Pariser Ma n i f c st a t i 0 n vor. Tic Konföderation gab cm Flugblatt und eine Resolution heraus, die von allen Gewerkschaften dem Parlament, den Behörden und der Presse zugeschickt werden soll und die Organisationen auffordert, an allen geeigneten Agitationen teilzunehmen. Das bedeutet die Vereinigung mit der Pqrtei. Kampfgeist und internationale Solidarität beseelt das ftanzösische Prolejarjat, Sußlaure Bcgciftcrung. Ter Vorschlag der Erhebung einer Kriegs-Venttogens- stcuer wird von den Herren Kapitalisten, vom mobilen wie iinmobilen Besitz, mit gleich süßsauren Mienen betrachtet. Nachdem sie während der letzten Monate in ihrer Presse fast tagtäglich ihre patriotische Opserwilligkeit und ihre heiße Vaterlandsliebe haben preisen lassen, können sie unmöglich das Kricgssteuerprojekt ohne weiteres glatt ablehnen. Alles, was ihnen jetzt übrig bleibt, ist, die Regierung zu er- mahnen, doch bei der Einschätzung die Kosten für die neuen Heercsforderungen möglichst niedrig zu halten, auf die Taschen der Besitzenden nnd den Geldmarkt zarte Rücksichten zu nehmen und die Abgabe so zu gestalte», daß das Zahlen den Besitzenden nicht zn schwer fällt. Auf solche mit patriotischen Versicherungen gespickten Ermahnungen beschränkt sich denn auch zumeist die kapitalistische Presse: aber wer näher zusieht und zwischen den Zeilen zu lesen versteht, der erkennt, wie gar schwer es den großen Patrioten ums Herz ist. Von wir?- licher Begeisterung kann sicherlich keine Rede sein. Hinter der halben widerwilligcn Zustimmung steckt eine ansehnliche Dosis Acrgcr und- Verwünschung. Und sicherlich hat gar mancher der Herren, der in den letzten Monaten am Wein- Stammtisch energisch für eine Vermehrung der Friedens- Präsenzstärke um 80 00U oder 100 000 Mann plädierte, dieser Tage sich im stillen mit Bezug auf den Reichskanzler gefragt: „Wie kommt bloß d e r K e c l auf einen solchen einfältigen Vorschlag!" Offene Zustinimung zu dem Kriegssteucrvorschlag be- künden nur die Blätter der Kanonen- und Acmeebedarfs- Industriellen. Auch diese Herren hätte» lieber gesehen, die Mittel zur Deckung der Hecresvorlagen wären in anderer Weise ausgebracht worden, aber als gute Rechner sagen sie sich, daß der Prosit an den in Aussicht stehenden Lieferungen das von ihnen getorderte kleine„Opfer" um das Vielfache übertreffen wird. Tatsächlich ist es denn auch die „Post", die von allen Blättern ain meisten von der geplanten .Kriegs-Vermögcnssteuer begeistert ist. In ihrem gestrigen Abendblatt geht sie sogar so tveit, daß sie den Reichskanzler, den sie bisher immer als verträumten Philosophen ohne Kraft und Willen behandelt l>at, als großzügigen Staatsmann verherrlicht, der sich den heißen Dank des deutschen Volkes ? worden habe. Sie läßt sich nämlich von einer„sehr ge- lätztcn parlamentarischen Seite" schreiben: „Die Stunde dient der politischen Erhebung und der rück- sichtslosen Anerkennung des großzügigen Griffes, den der Kanzler in der Veröffentlichung der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" offenbart. Wer auch nur leise ahnt, welche Hemmnisse er zu überwinde» hatte, um seine ureigenen An- schauungen über die Wehrvorlage und über die zur Sicherheit des Vaterlandes nach seiner persönlichen Ansicht gebotenen Er- fordernisse unter der mannhaften Assistenz des General st abschefs durchzusetzen, und wer es sich klar macht, mit welchem W i d c r st a n d er auf finanziellem Gebiet mit den Finanzverwaltungen der Gliedstaaten zu rechnen hatte und noch hat, der wird sich über den„Philosophen" auf dem Stuhl des Reichskanzlers gelegentlich einmal anders orientieren müssen. Es wäre ein undankbares Volk, das ihm und seinen Helfershelfern für die Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht und für die derbe Faust, mit der er das mit ihr verbundene Finanzproblem an- faßt, nicht Tank wüßte. Undankbar war aber auf die Dauer das deutsche Volk gegenüber einer wirk- l i ch großen Ta t n i e m a l s." Die Herren Großagrarier dürften etwas anders über die „große Tat" und den„großzügigen Griff" des Herrn v. Beth- mann Holllveg denken. Sie werden ihn heimtich einen „E r p r o p r i a t a u r" schimpsen, der von fozialistifchen Ideen angekränkelt ist; aber schließlich sind auch sie zu gute Rechner und politische Geschäftsleute, um nicht einzusehen, daß sie bei einer solchen Kriegskontribution im Frieden— zumal, wenn die Hauptlast den Patrioten vom mobilen Kapital aufgepackt wird— viel besser fahren, als wenn die im Rcichsschatzamt ausgearbeiteten Projekte einer Reichs- Vermögenszuwachs- und Erbanfallstener angenommen werden. Selbst dann, wenn sie zu der einmaligest Reichskriegs- kontribntion an 000 Millionen Mark beitragen müßten, entspricht diese Summe doch nur einem jährlichen Zinsbetrage von 12 bis 10 Millionen Mark— u n d so billig ko.mmett sie bei einer V e r in ö g e n s z u n>a ch s» nnd E r b a n f a l I st e u c r sicher! ich nicht weg. So erklärt sich denn auch in ihrer soeben erschienenen Nunimer die„5loliserv. Korresp." offiziell für die Kriegsstcucr— aber unter zlvei Bedingungen: erstens, daß diese Steuernur einmal e r h o b c n w i r d, u n d z w e i t e n s, daß die Regierung die geplante V e r m ö g e n s- zuwachs- und Erda n fall st euer fallen läßt. Deutlich beißt es in dieser Erklärung: „Wenig unter einer Milliarde einmaliger und wenig unter 200 Millionen dauernder Ausgaben sind es, die zur genügenden militärischen Ausrüstung unseres Landes als notwendig bczeich- riet werden. Tie crstcren Kosten sollen, dem Vernehmen nach in einer ans das Vermögen gelegten einmaligen Kriegs- steucr gefordert werde». So vielerlei naheliegende und bedeut- same Einwendungen gegen den Plan dieser Ausnahmemaßregel sich auch erheben lassen, sie werden überwogen durch die politische Notwendigkeit, in solcher Lage opferbereit einzutreten für die Sicherheit der Nation. Tie konservative Partei hat in solcher Zeit noch niemals versagt. Sic wird es auch hierbei nicht. Sie vertraut, daß es mög- lich sein wird, wenn erst Umfang und nähere Begründung der Anforderung nnd ihre Verteilung ans eine gewisse Zeit erkenn- bar sein werden, mit der Reichslcitung über die Grenzen und Einzelheiten dieser Forderungen zn einer Uebereinstimmung zu gelangen. Auch in bczug auf die dauernden Ausgaben sind wir der Meinnnz, daß sich unter den bürgerlichen Parteien eine Mehrheit für die Bewilligung finden lassen wird, wenn es vermieden wird, durch erneute Aufrollung der Erb- schaftsstcuerfrage den alten Zankapfel wieder hervorzuholen und Streit unter den Parteien zu ent- fachen. T-as sollte angesichts' der politischen Notlage unbedingt vermieden werden, denn es schadet dem Ansehen des Reichs und dient nur zur Freude des Auslandes und derjenigen politischen Richtungen im Innern, denen die Kraft, Würde und Bedeutung des Reichs nicht am Herzen liegen. Wir sollten also meinen, daß unter Anerkennung und Würdigung jener oben erwähnten gcivüttigcn Beisteuer des Be- sitzes eine Vereinbarung über die Erschließung a n d c r w e i t c r Einnahmequellen des Reichs z n erzielen sein müßte. Die konservative Partei wird es an ihrem guten Willen dabei nicht fehlen lassen." Und ähnlich wie die Agrarier denken allem Anschein nach auch die„königlichen Kauflcute" in Hamburg, denn auch die „Hamburger Nachrichten" meinen: Bei dieser Gelegenheit darf aber wohl auch darauf hinge- wiesen werden, daß» nachdem einmal die Größe der dauernden Ausgaben ungesähr bekannt geworden ist, es keinen rechten Sinn mehr hat, immer und immer wieder auf die B e s i tz st e u c r hinzuweisen als diejenige Steuer, die die Millionen für die neue Hceresvorlage aufbringen müßte. Alan hat dadurch im Polt eine ganz falsche Auffassung hervorgerufen, und wenn es wahr ist, daß die Forderung mehr als 200 Millionen dauernder Ausgaben nötig macht, dann wird es nicht möglich sein, weder auf dem Wege der Reichsvcrmögcnszn- wachs steucr oder der Erbanfallstener, noch auf dcni Wege beider zusammen so hohe dauernde Einnahmen zn erzielen. Und wenn dann die Regie- rung neben der Besitzsteuer noch andere Steuern zu bringen ge- zwungcn ist, wird die seitherige einseitige Bcto- nung der Besitzsteuer leicht zn einer neuen Fi- n a n z r c s o r ni h c tz e g c ge n diejenigen benutzt wer- den, die neben der Besitz st euer auch andere Steu erqucllen erschließen Helsen, wenn, wie vor- auszusehen, durch Lesitzstcucrn allein die Summen nicht aufgc- bracht werden können." Es ist, wie wir gestern schon sagten, di» großen Patrioten mit den gefüllten Taschen betrachten die einmalige Kriegs- stener als eine L o s k a u f s u m ni e. durch deren Zahlung sie sich von der Verpflichtung loszukaufen vermeinen, zu deu 200 bis 230 Millionen Mark neuer Steuern, die zur Deckung der jährlichen Ausgaben für die geplante Heeresvermehrung nötig sind, etwas Nennenswertes beizutragen. Diese 200 bis 230 Millionen Mark sollen vielmehr in der Hauptsache deu ärmeren Volksschichten aufgebürdet werden. Eine feine Rechnung, die der großen vaterländischen Opferwilligkcit der kapitalistischen Prozentpatrioten alle Ehre macht: sie wollen jährlich ungefähr 40 bis 30 Millio- neu Mark zahlen— denn höher stellen sich die Zinsen für die durch die Kricgssteuer eingeforderte Summe nicht—, die unbemitteltenVolksschichten aber sollen über 200 Millionen Mark aufbringen. Ein sauberer kapitalistiseber Plan! * Die leitenden Minister aller deutschen Bundesstaaten werden sich, wie die„N. G. E." hört, am Sonnabend in Berlin versammeln, um gemeinschaftlich die Uebereinstimmung ihrer Regierungen in der Frage der Deckung der neuen Heeresforderungen zum Aus- druck zu bringen. * Die„Kölnische Volkszeitnng" hat erfahren, daß 84v örtlich sagte, zum größten Teil darauf zurückzuführen ist, daß die Arbeiter mit bcwundernstvcrtem Heroismus für d i e Notlage des General- streiks ihre Groschen zurücklegen.— Im Namen der sozialistischen Geineinderatsfraktion erklärte Furncinont, daß auch die Arbeiterschaft den Willen und den Wunsch habe, das Wahlrecht ohne Generalstreik zu erobern und einer friedlichen Lösung' zugeneigt sei. Die von dem Gcmeindcrar Anspach beantragte Tagesordnung,»vodnrch sich daS Kollegium für eine Verinittelungsaktion ausspricht, wurde e i n st i m m i g gegen eine klerikale Stimmenthaltung angenommen. Indes geht die Aktion der Arbeiter ruhig ihren Weg. Ricsenmeetings, Beratungen der Föderattonen und Abstimmungen von großen Berufsorganisationen, Solidaritäts- zusagen des ausländischen Sozialismus, die vorbereitenden Arbeiten deS Gcneralstreikkomitccs und der UntcrkomitceS— all das zeigt an, daß iin Ernstfalle die belgische Arbeiterschaft geivappnct sein wird, den höchsten Kampf mit Aussicht auf den Sieg»vagen zu dürfen... Aus den Propaganda- und Vorbcrcitungsarbeiten der letzten Tage seien crivähnt: In Gent haben sich an» Sonntag sämtliche Gewerkschaften versammelt und über die Generalstreiksadstimmung beraten. Es»vurde beschlossen, falls die Regierung hartnäckig bleibt, zur Arbeitseinstellung zu greifen, an der ganz Gent partizipieren»vird. Die Gelverkschaftsmitglieder erhalten für jedes Familieinnitglied 1 Liter Suppe und 1 Pfd. Brot täglich. Vom Ende der zweiten Woche an erhält jedes Familienmitglied außerdem 50 Proz. seines Streiklohncs. Dieser beträgt(10—15 Frank pro Woche). Die sozialistischen Lokale»verdcn von 6 Uhr ab geschlossen bleiben.— Außerdem gab es am Sonntag Kundgebungen u. a. im C e n t r e, im B o rin a g c,»vo"die Glasarbeiter den Generalstreik be- schlössen, in V e r v i e r Z.»vo Vandervelde in einem Riesenmeeting sprach, in C h a r l c r o i,»vo eine iinposant- FöderationSversanimlung über den Generalstreik beriet.(Die Föderation beschloß auch, daß in den Volkshäuscrn»vährend des Generalstreiks keine alkoholischen Getränke ans- geschenkt»verde».) In Suttrc iin Kreise Charlcroi tagte vorige Woche eine flticsenvcrsammlung der Eisenbahner, in der über die Generalstreiksaktion referiert wurde.— Erwähnt fct_ schließlich noch das Votim» der Brüsseler Typographen, die beschlossen, an» Generalstreik teilzunehmen. Die belgische Arbeiterschaft»vill den Frieden. Aber,»vie man sieht, wenn es sein muß, ist sie zun» Kampf gerüstet. Italien. Die Militärauogaben. Roin, 3. März.(Eig. Ber.) Der„Avanti"»nacht in einem Leitartikel darauf aufmerksam, daß die bürgerliche Presse dem Publikum Sand in die Augen streut,»venu sie glauben machen»vill, daß die Militärausgaben in Italien stationär bleiben oder gar im Abnehmen sind. Die vom Ministerium geforderte Erhöhung des stehenden Heeres von 12 auf 14 Armee- korps oder von 220(»00 auf 270000 Mann kommt überhaupt für das Budgetjahr 1013/14 noch gar nicht in Betracht. Freilich stehen zurzeit nahezu 300000 Mann unter den Waffen, von denen sich 8000<4 in Libyen befinden, aber das»vird als Kricgsausgabe verrechnet und belastet das Militärbudget offiziell weder a»S ordentliche noch als außerordentliche Aus- gäbe. Diese 80 000 Mann»vird man das ganze Jahr in der neuen Kolonie behalten müssen,»vas bei der offiziell zu- gestandenen Ausgabe von 10 Lire pro Tag und Kopf 800000 Lire täglich»nacht oder 293 Millionen im Jahre. Dazu koinmcn die Ausgaben für Kriegsmaterial und Be- festigungen,»vciter 50 Millionen für öffentliche Arbeiten in Lib»ieii und sehr große Ausgaben für die Neuanschaffung des Gcschützmatcrials der Marine u»id für die Reparatur der bekanntlich überzarten Panzerschiffe: alles in allem im lausenden Jahre rund 500 Millionen. Dazu kommen die 425 Millionen des Kriegs- und die 254 Millionen des Marine- bndgets:»nacht iin ganzen 1170 Millionen, bei einer Gesaint- einnähme von 2>/z Milliarden. Es fehlt»venig, so frißt der Militarismus die Hälfte des ganzen Budgets auf: da können die Kulturaufgaben wirklich nicht leiden! Marokko. Neue 5lämpst. Paris, 5. März. Aus Casablanca»vird von» 3. d. M. gemeldet: Tie Kolonne Simon, tvclche dem bedrohten Militärpostcn am Ued Zcm zu Hilfe kommen sollte,»vurde von den Aufständischen angegriffen und verlor dabei vier Tote und zwei Ver- w u n d c t e. Zur Verstärkung der Kolonne»vurdcn ztvei Kom- pagnien Alpenjäger, Artillerie und eine Kavallerieabteilung ab- gesandt. GewerhCcbaftlicbes» Der Kampf im JMalergcwerbc beginnt! Nachdem der Untcrnehinervcrband im Malernewerbe die Schiedssprüche der Herren v. Schulz. Dr. P r e n n e r und Rath schroff zurückgewiesen bat, trifft er seine Vorbc- rcitungcn zu einer allgemeinen Aussperrung. Er versendet zunächst ein Zirkular, in dem es heißt: „Bis Sonnabend, den L. März, sind sämtliche in unseren Betrieben bcschäftiaten Arbeiter zu entlassen. Ausnahmen sollen nicht gemacht werden. Gau l(Norddeutschland) hat am Tiens- tag, den 4. März, mit der Durchführung dieses Beschlusses zu beginnen." Kein Maler, Lackierer oder Anstreicher, soll am 3. März mehr beschäftigt werden. Nur durch diese Maßnahme werde „es möglich sein, einen für die Arbeitgeber a n- nehm baren Tarifvertrag zu erzwinge n". Und der Vorsitzende des Gaues I sagt in einem besonderen Rund- schreiben: „Alle organisierten Gehilfen, gleichviel welchem gegnerischen Verbände sie angehören, sind sofort... zu entlassen und kein Mann ist in Arbeit zu stellen, bis die ausdrückliche Aufhebung oder Beendigung der Aussperrung vom Hauptvorstandc bekannt- gegeben wird. Lassen Sic sich auch nicht durch sogenannte mei st ertreue Gehilfen täuschen,„nicht organi- siert" zu sein. In 99 von 199 Iällcn sind solche Angaben erlogen, und Sie leisten durch die Beschäftigung solcher Gehilfen direkte Beiträge zu den Gewcrkschaftstasscn, weil die Beschäftigten einen großen Teil ihres Lohnes auf dem Altar der Streikenden abzuliefern haben." In seltenen Ausnahmefällen soll erst genaue Instruktion vom Vorsitzenden des Unternchmcrverbandcs cmgcholt werden. Tie Scharfmacher des Malcrgewerbes trauen sich also recht viel zu: warten wir ab, ob ihre Taten mit ihrer Courage im richtigen Verhältnis stehen. Unter der besonderen Ucber- schrift:„ZweckundZicleunscresKampfe s", heißt es dann in dem Zirkular recht anschaulich weiter: „Wir Ivchrcn uns gegen den Uebermut der Gehilfen, mit dem schon seit Jahren die Ruhe und Ordnung in unseren Werk- stättcn gestört ivurde.... Seit Jahren haben die Gehilfen, be- sonders natürlich die sozialistischen, immer mehr steigende Bei- träge zu ihrem Kampffonds geleistet, um zu einer ihnen passen- den Zeit uns mit Hilfe ihrer Millioncnfonds mit einem gcwal- tigcn Streik zu überfallen und uns nach unserer Niederlage die Arbeits- und Lohnbcdingungen vorzuschreiben. Wir wollen den Gehilfen dagegen jetzt die Gelegenheit bieten» ihren rund zwei Mil- lionen zählenden Kampffonds zu verwenden, denn noch einmal drei solch traurige Tarif- jähre, als wir zuletzt erlebten, sind nicht mehr erträglich. Nach ihrem Ablauf würde der Kampffonds aber � mindestens 4—2 Millionen zählen. Und wir hätten selbst mit den jetzt verlangten gewaltigen Lohnerhöhungen direkt die Mittel dazu geliefert." Das ist ein nettes Eingeständnis eines Scharfmachers, der recht unvorsichtig aus der Schule plaudert. Er zeigt sinnenfällig, wie frivol hier ein Kampf vom Zaune gebrochen wird. Nicht darum handelt es sich, die Ansprüche der Ar- bcitcr gerecht zu Prüfen, nein, die Gewerkschaftskassen müssen geleert werden, damit die Unter- nehmer die Ausbeutung noch toller treiben können wie bisher, wo noch Löhne von 48 Pf. pro Stunde für gelernte Maler- gehilfen über 20 Jahre in großen Städten und von 37 Pf. in Mittelstädten tariflich festgelegt waren. Danach wird bei den Unternehmern gar nicht gefragt, daß selbst drei Unparteiische unter weitgehendster Berück- sichtigung der Unternehmerintercssen eine Lohnerhöhung fest- setzten, die die Gehilfen nur schweren Herzens annehmen sonnten, nein, sie wollen einen Kampf führen, unbekümmert um die schweren Folgen, die daraus nicht zuletzt für viele kleine Eristenzen in den Meisterkreisen selbst entstehen, denen eine günstige Konjunktur verkümmert wird und denen zahl- reiche Konkurrenten aus Gehilfenkreisen entstehen.— Daß die Spekulation der Herren auf die Leerung der Gewerkschafts- kassen sich nicht wird verwirklichen lassen, werden wir bald sehen, ebenso, daß ein großer Teil der Malermeister den Lockungen der Führer des Unternebmerverbandes nicht folgen wird. Tie Gehilfen aber sehen dieser Kraftprobe ruhigen Blutes zu, sie vertrauen auf ihre Solidarität und ihre Organisation.__ Berlin und Qmgegcnd. Ter Streik der Konfektionsschneider. Die Vertrauensmänner der bestreikten Firmen nahmen gestern nachmittag einen Bericht über hie allgemeine Situation entgegen. K r i c n k e gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Ablieferung der unfertigen Arbeit allgemein durchgeführt wurde. Die Bewegung sei am zweiten Strcittage weiter vonvärls geschrilten. Die Zahl der Streikenden betrage gegenwärtig 1100; hinzu käme noch eine größere Zahl Unorganisierter, die wohl die Arbeit eingestellt, sich aber nicht zur Kontrolle gemeldet hätten. Die Firma M. S ch u l in e i st c r habe sich an den Verband ge- wandt und sich bereit erklärt, den neuen Tarif anzuerkennen. Während des Streiks werde nach dem neuen Tarif bezahlt und sei die Arbeit bereits gestern wieder aufgenommen worden. Mit der Firma Philipp Fa bisch sei auf der gleichen Grundlage eine Ber- sländignng erzielt worden. Einige andere Firmen hätten versucht, den Arbeitern kleine Zugeständnisse zu macheu, damit diese die Arbeit wieder aufnehmen sollten. Besondere Abmachun- gen mit den einzelnen Firmen müßten streng zurückgewiesen werden. Auch sei wiederholt darauf hinzuweisen, daß sich die Lohnbcwe- guüg nicht nur auf die Großstücke, sondern auch auf die Kleinstücke ' beziehe. Jegliche Arbeit, die für die gesperrten Firmen hergestellt werde, sei als S t r e i k a r b c i t zu bezeichnen. Das frühere Ver- bandsmitglicd Otto Bernuth, Kochannstr. 29, habe sich eine eigene Werkstatt eingerichtet und fertige Streikarbeit für die Firma Pauk Unger u. Co. an. Der Betrieb dieses Zwischcnmeisters gelte als gesperrt: auch über alle übrigen Zwischenmeister, die für die bestreikten Firmen arbeiten und die Arbeit nicht wieder einstellest, werde die Sperre verhängt. In einer längeren Anssoracbe wurde besonders auf das Bor- gehen der Polizei hingewiesen. Vor manchen Geschäften seien mehr uuiformierte und Kriminal schutzlcute zu finden als Streikposten. Arbeitswillige würden von der Polizei in die Wohnungen geleitet und nach den Geschäften geführt. Streikposten, die nur von ihrem gesetzlich gewährleisteten Recht Gebrauch machten, würden verhaftet und mit Strafmandaten beglückt. Die Streikenden werden sich durch derartige Maßnahmen natürlich nicht einschüchtern lassen, sondern in erhöhtem Maße ihre Pflicht tun. Achtung, Glasschleifer, Polierer, Beleger! Bei der Firma Fr. Lorette u. Co., Schlesisckc Straße 26, ist es zu ernsten Diffe- renzen gekommen und die Arbeit eingestellt worden. Wir erwarten, daß alle Kollegen strengste Solidarität üben und keiner bei der Firma in Arbeit tritt.' Die Ortsvcrwaltung. Achtung, Töpfer! Die Wahlen zum Vorstände usw. zeitigten folgendes Ergebnis: Abgegeben wurden 502 Summen, davon 548 LerantwTRedcikt.: ÄlsredMelepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: gültige. Stimmen erhielten und sind sonnt gewählt: zum!. Vor- sitzenden Franz vs e g a w e 539, 1. Kassierer Eduard Rapputanjr. 538, 2. Vorsitzender und zugleich 2. Kassierer Max Kemnitz 469, 1. Schriftführer Hugo David 599, 2. Schriflführer Ernst Müller 482, Beisitzer: Fritz Wolff 295, Franz L o t h e r t 284, Larl Liepe 281 und Otto Kronfeld 199, Revisor: Mar Kentzien 392, Arbeilsnochweissührer: Hugo David 326, Ernst Müller 317, Hennann Böhme 265 und Albert G e n t s ch 246. In die heiz- technische Kommission wurde Kollege Albert Wahle mit 163 Stimmen gewählt. Der Antrag des Vorstandes betreffs der Wahlen zur Ber- bands-Generalversainmlung isi mit 353 gegen 139 Stimmen an- genommen. Die Auszahlung der Ausgesteilerten-Unterstntznng erfolgt für die Tage vom Donnerstag, den 6. März, bis Mittwoch, den 12. März, nur in der Zeit von vormittags 9 bis 12>/z Uhr. Saal siehe Tafel. Die VerbandSleitüng. Tic Berliner Lithographen beschäftigten sich in ihrer letzten Mitgliodervcrsammlung wieder einmal mit den traurigen Verhält- niffen in der Privatlithographic M. Schönherr, Wilhelmsruh. Bereits im Jahre 1919 gab es bei dieser Firma der außerordentlich niedrigen Akkordverdicnstc wegen ernste Differenzen, die zum Streik führten. Nach kurzem Kampfe mußte Schönhcrr das Akkord- system aufgeben und Lohn einführen. In der darauf folgenden Krisenzcit gelang es ihm aber bald, durch Heranziehen unorgani- siertcr Kräfte, zum Akkord zurückzukehren und vor allen Dingen die Preise der Arbeiten noch bedeutend niedriger anzusetzen, als es bereits früher der Fall war. Vor Weihnachten betrugen die Akkord- Verdienste wenigstens noch 29— 23 M., nach Weihnachten gelang es nicht mehr, auf einen Durchschnitt von 29 M. zu kommen. So verdiente z. B. ein Lithograph in vier aufeinander folgenden Wochen 18 M», 4 M., 17 M. uied 8 M. mit Hausarbeit. Ein anderer zwei Wochen je 22 M.. dann 12 M.; eine Platte für 9 M. wurde in 49 Stunden geschafft usw. Also Löhne, mit denen man heute nicht einmal einen einigermaßen kräftigen Arbcitsbnrschcn abzu- speisen wagt. Selbst dem einzigen Lohnarbeiter, der früher 33 M. bezog, wurde der Lohn auf 28 Mk. gekürzt. Da keiner der dort Bc- schäftigten der Organisation angehört, ist es dem Verbände leider nicht möglich, direkt einzugreifen. Der Verband kann an die Litho- grapbcn nur die Warnung ergehen lassen, den Betrieb zu meiden. Die Versammlung empfahl also allen Kollegen, eine Stellung bei Schönherr nicht anzunehmen, bis die Mißstände beseitigt sind. Im anderen Falle laufen sie Gefahr, mit Wochenverdienstcn von 12 Mk. und noch weniger sich abfinden zu müssen. Deutlcbes Reich. Abgeblitzt. Am Sonnabcndnachmittag hielten die Schiffseigner des Meißner Elb-stromg«bictes in Meißen eine Versammlung ab, zu der sie ihre Steuerleute mit eingeladen hatten. Von letzteren waren auch einige vierzig erschienen. In der Versammlung sollte über die derzeitige Streiklage beraten werden. Es wurde dabei an die erschiciicncn Steuerleute das Ansinncii gerichtet— zu diesem Zwecke war wohl in der Hauptsache die Versammlung einberufen worden— während des Streikes teil>v ei sc Boots- ni a n n�s d i c n st e auf den F r a ch t k ä h n c n zu verrichten. Die«teuerlcutc lehnten jedoch das Angebot der Schiffseigner mit großer Mehrheit ab. Herr Thyffcn hat gesiegt! So ist es denn ganz plötzlich gekommen, wie«s nach Lage der Verhältnisse früher oder später kommen mußte: Tie Thyssenschen Eisenbahner sind zu Boden gedrückt und nun kann wieder in „W oh l t ät i g kc i t" �gemacht werden. Gestern(Montag) noch hofften die Streikenden, den Jndustriekönig persönlich von der Berechtigung ihrer Beschwerden überzeugen zu können und deshalb bestanden sie darauf, die Beschwerden persönlich vorbringen zu dürfen. Doch wurde jede Verhandlung mit dem Streikkomitee ab- gelehnt. Nun war guter Rat teuer. Einer Organisation gehörten nur einzelne Wenige an. Nicht umsonst hatte man die Leute gegen jeden Annäherungsversuch von außen durch alle möglichen Maß- nahmen abzuschließen gewußt. Und wäre die Behandlung und Bedrückung nicht gar so schwer empfunden, es wäre gewiß gicht zu der plötzlichen Arbeitsverweigerung von etwa drei Viertel deS Bahnpersonals gekommen. Nachdem nun jeder Annäherungs- und Ver- mittclungsversuch schroff zurückgewiesen war und namentlich die in den Werkswohnungen wohnenden zur Räumung der Wohnungen aufgefordert wurden, scheint es diesen schwül geworden zu sein. Noch am Abend meldete sich ein Teil von ihnen zur Nachtschicht— bedingungslos! Am Dienstag früh wurden dann die übrigen, etiva 279 Mann, aufgefordert, ihre Entlassungspapicre in Empfang zu nehmen. Die Leute kamen dem nach und mußten nun a»ch noch erleben, daß ihnen allen ein Wochcntohn in Höhe von 27 bis 36 M. wegen Kontraktbruchs in Abzug gebracht wurde. Unmittelbar nach der Entlassung wurden dann ctwa79 von ihnen wieder ein- gestellt, natürlich auf Gnade und Ungnade. Die übrigen liegen nun auf dem Pflaster und können sehen, wo sie bleiben. Charak teristisch ist, daß von den älteren Lokomotivführern, die 18 und 29 Jahre Herrn Thyssen und feinem Werk gefrondet haben, niemand wieder eingestellt ist. Das Gute wird jedenfalls dieser Anschauungsunter- r i ch t erreicht haben, daß das Klassenbewußtsein auch der- jenigen unter den Tausenden Thyssenscher Arbeiter kräftig ge- weckt worden ist, die bisher vom Zusammenschluß der Arbeiter in den gewerkschaftlichen und politischen Organisationen nichts wissen wollten. Die Z c n t r u m sp rc s sc aber kamj nun wieder ein Lob- licd auf ihren mit dem päpstlichen Sylvcstcrordcn dekorierten Wohl- tätcr Thyssen anstimmen. Aussperrung dcr niedcrrhcinischen Weber. Der Schutzvcrband dcr uiederrheinischen Samt-, Plüsch- und Samtbandfabrikantcn beschloß, einer Meldung aus Krefeld zufolge, wegen des Färberausstandcs einstimmig am 22. März alle Arbeiter, 5999 an der Zahl, auszusperren. Der Streik in dcr Lüncr Glasmanusaktur dauert unverändert fort. Ter Besitzer bemüht sich sehr. Arbeitswillige zu bekommen, doch will ihm das nicht gelingen. Ten Arbeitswilligen Ivird ein Vertrag vorgelegt, nach dem sie versichern müssen, dem Zentral- verband der Glasarbeiter nicht anzugehören und während der Dauer ihrer Beschäftigung bei der Lüner Glasmanusaktur weder direkt noch indirekt dem Zentralverbande beizutreten. Im Falle der Zuwiderhandlung soll die Lüner Glasmanufaktur berechtigt sein, eine Konventionalstrafe in Höhe von 25 M. zu erheben, und die Zugehörigkeit zum Verbände soll zu sofortiger Eni- lassung berechtigen. Unter Führung des Herrn Amtmann von Bork tvird gegen die Streikenden sehr scharf vorgegangen. Bereits vier Streitende haben Anklagen wegen Belästigung von Arbeitswilligen bekommen, und dabei sind bis heute noch keine Arbeitswilligen vorhanden. Die Belästigung wird darin erblickt, daß der Streikposten völlig un- beteiligte Personen gefragt hat, ov sie Glasmacher seien, weil sie in dcr Nähe der Fabrik vorbeigingen. Und nicht allein die Strei- kcnden nimmt der Herr Amtmann aufs Korn. Am Dienstag, den 4. März, muß sich der Vertrauensmann dcr'Bergarbeiter vor dem Schöffengericht verantworten, weil er ohne polizeiliche Genehmi- gnng für die Ausgesperrten eine Sammlung unter seinen Mit- gliedern veranstaltet haben soll. In den 12 Wochen des Streiks ist es dem Unternehmer nicht gelungen, Streikbrechcr zu bekommen. Gelingt es ihm auch ferner nicht, aus den Reihen der Kämpfenden wird er keine bekommen. Die Aussperrung der Apfclwcinkclterciarbciter in Frankfurt am Main ist nach elftägiger Dauer bei drei Firmen für die Ar- Ist>.Gt»cke,Ber1-n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstalj! heiter mit Erfolg beendet worden. Ein neuer Tarifvertrag wurde abgeschlossen mit weit größeren Zugeständnissen, als die U"ter- nchmcr in ihrem Ultimatum vor der Aussperrung bckonntgo. Die Arbeitszeit beträgt. 9% Stunden, der Anfangslohn für 7 burschen und Küfer 28,59 M. wöchentlich, für Hilfsarbeiter 25 M. Dcr Lohn steigt außer der sofortigen Erhöhung nm 1 M. und 1,59 M. nm 59 Pf. pro Jahr und Woche für die Dauer des Ver- träges. Auch Erholungsurlaub wurde erreicht. Sämtliche Aus- gesperrte nahmen die Arbeit wieder auf. Nur die Firma I. Gg. Rackles kann sich zur Einigung noch nicht verstehen. Dort dauert dcr Kampf fort. Ausland. Drohender Generalstreik auf den britischen Eisenbahnen. London, 4. März 1913.(Eig. Ber.) Großbritannien steht wieder einmal vor einem Generalstreik der Eisenbahner. Diesmal handelt es sich nicht wie im Jahre 1917 um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit, sondern um eine ein- wütige Revolte gegen die unerträglich gewordene Willkürhcrrschast dcr Eisenbahngesellschaften, die in der Entlassung des Zugführers Richardson ihren klarsten Ausdruck gefunden hat. Richardson ist entlassen worden, weil er sich entschieden weigerte, entgegen den gedruckten Vorschriften der Mittelcnglischen Bahngesellschaft, seiner Avbeitgcberin, zu handeln und im Interesse des Profits dcr Gesell- schaft sein Leben und das Leben anderer zu gefährden. Ein Vor- gesetzter verlangte von ihm, er sollte seinem Zuge auf einer ge- wissen Station noch weitere sieben Wagen anhängen. Da aber die Bremskraft, die ihm zur Verfügung stand, nicht ausreichte, um den Zug mit den weiteren Wagen mit Sicherheit zu kontrolliercit, befolgte dcr Zugführer den Befehl des Vorgesetzten nicht und berief sich auf die gedruckten Vorschriften, die die Zahl dcr Wagen, die für jede Art Bremse zulässig sind, angeben. Diese Sorge nnt die ösfciitlichc Sicherheit ist ibm von seinen Arbeitgebern verübelt worden, die offenbar der Ansicht sind, daß die gedruckten Vorschriften nur dazu da sind, dcr Regierung und dem Publikum Sand in die Augen zu streuen. Daß die Eisenbahner diese Ansicht nicht teilen können, ist sonnenklar. Denn sie sind die Schuldigen, wenn sich infolge dcr Nichtbeachtung dcr gedruckten Vorschriften, die sie bei Strafe stets bei sich tragen müssen, ein Unfall ereignet. Erit kürzlich noch wurde ein Lokomotivführer zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er gegen die Vorschriften gehandelt und dadurch eigen Unfall mit tödlichem Ausgang herbeigeführt hatte. Der Arbeiter berief sich darauf, daß ihm ein Vorgesetzter den münd- lichcn Befehl erteilt habe, so zu handeln, wie er gehandelt haue, aber der Richter wollte diesen Entfchuldigungsgrund nicht anerkennen. Das Vorgeben der Gesellschaft war so monströs, daß selbst einige der reaktionärsten Organe, die sonst tiets sofort für die Arbeitgeber Partei ergreifen, die Mittelenglische Bahngescllschakt scharf kritisierten. Diese verhielt sich ruhig und sagte nichts. Allerdings suchte sie durch ibrc Preßtrabanten die Sache so dar« zu stellen, als habe der Zugführer durch die genaue Befolgung dcr Vorschriften Sabotage treiben wollen. Aber diese Verdächtignng ließ sich nicht aufreckt erhalten, da Rickardsoit als ein ruhiger Mann bekannt ist, dcr an dem Leben feiner Öewerksthüft kaum mehr als einen passiven Anteil nimmt. Endlick hat sick die Ge- sellschaft vor einigen Tagen genötigt gesehen, der Oefsentlichkeit eine Darstellung der Angelegenheit mitzuteilen. Danach soll dcr Zugführer wegen Frechheit entlassen worden sein. Richardson bc- streitet aber entschieden, sich frech gegen seine Vorgesetzten be- nommen zu haben. Daß dieser Entlassungsgrund nur eine Ans- rede ist, die man sich endlich nack scchstägigcm Schweigen ausge- sonnen hat. geht auch aus verschiedenen Umständen des etwas ver- wickcltcn Falles hervor. Die Eisenbahner verlangen nun ein- stimmig die Wicdereinstellnnz des entlassenen Zugführers und drohen mit dem Generalstreik. Die Vorstände der vor kurzem ver- schmolzenen drei Eiscnbahnerorganisationcn' und der Gewerkschaft der Lokomotivführer und Heizer konferieren beständig. Die Lage wird als sehr kritisch angesehen, was einen nicht wundernehmen kann, da der Hauptdirektor der Mittelenglischen Bahn einer dcr eigensinnigsten und gewalttätigsten Scharfmacher in Großbritannien ist. Es mag scheinen, daß dcr Fall in keinem Verhältnis zu dcr Größe des in Vorschlag gebrachten Mittels stcbt. Man darf jedoch nicht vergessen, daß dieser Versuch der Eiscnbahngesellschaft. ibrc Angestellten zu verbrecherischer Fahrlässigkeit zu zwingen, typisch ist für die ganze Behandlung dcr Eisenbahner, deren Entrüstung augenblicklich keine Grenzen kennt. London, 5. März.(W. T. B.) Die Exekutive dcr Verbände der Eiscnbabnangcstcllten nahm beute abend eine Resolution an, in der die Wicdercinstcllnng des entlassenen Eisenbahnangestcllten Richardson gefordert wird. Ferner wird von der Bahngescllschaft die Zusage gefordert, daß die Leute die Anweisungen, welche von den gedruckten Instruktionen abweichen, künftig schriftlich erhalten sollen. Die Resolution wurde dcr Gesellschaft mit dem Ersuchen übergeben, unverzüglich zu antworten. Letzte ftacbricMeti* Württemberg für die einmalige Abgabe. Stuttgart, b. März.(P. C.) Bei der Besprechung dcr Deckung der einmaligen Kosten der Heeresvorlage durch eine einmalige Abgabe vom Vermögen schreibt heute der„Staats- anzerger": Wie wir vernehmen, steht' die württembergifche Regierung dem Gedanken der Erhebung einer einmaligen Abgabe vom Besitz behufs Deckung der einmaligen Kosten der Heeresvorlage sympathisch gegenüber. Serbische Bedingungen für die Aricdcnsvrrhandlniigcn. Belgrad. 5. März.(W. T. B.) Das Rcgierungsorgan „Samouprava" führt aus: Die Verbündeten werden dem Ver- mittclungsvorschlage der Großmächte mit dcr gleichen Bereit- Willigkeit wie vor drei Monaten begegnen, mit Rücksicht auf die Erfahrungen der erfolglos verlaufenen Verhandlungen in London werden sie diesmal jedoch ihre Zustimmung zur Aufnahme neuer Friedensverhandlungen an die Bedingung knüpfeii, daß die Türkei schon im Präliminarvcrtragc die Annahme dcr Forderungen dcr Verbündeten im Prinzip sichert. Diese Bedingung scheint so berechtigt, daß sie obne Zweifel auch die volle Unterstützung dcr Großmächte finden werde. Andererseits ist die Lage der Türkei gegenwärtig derartig, daß die türkische Regierung, wenn sie wirtlich den Frieden wünscht, den �lodus procedendi jedenfalls annehmen werde. Ter bulgarisch-serbischc Streit nm die Kriegsbrutr. Belgrad, 5. März.(28. T. B.) Die serbische Presse fährt fort, die Haltung dcr Bulgaren in der s c r b i s ch- b u l g a r i sch c n Grenzfragc in dcr schärfsten Weise zu bekämpfen. Tic An- griffe richten sich insbesondere gegen den bulgarischen Abgeordneten Malinow, welcher in dcr Sobranjc die Erwartung aussprach, daß Serbien seine Forderungen fallen lassen werde. Einzelne serbische Blätter greifen auch die serbische Regierung an, indem sie ihr den Vorwurf machen, daß sie sich in den die serbischen Interessen im höchsten Matze berührenden Grenzfragen zu passiv verhalte. Schwerer Unfall eines deutschen Aviatikcrs. München, 5. März.(W. T. 23.) Wie die„München-Äugs- burger Abendzeitung" meldet, stürzte heute vormittag Leutnant Bedenk vom 17. Infanterieregiment bei einem Ucbungsfliig auf dem Militärflicgerübnngsplatz in Oberschteißheim ab. Dcr Offizier wurde schwer verletzt unter'den Trümmern des Flugapparates hervorgezogen und in bewußtlosem Zustande in das Münchener Garnisonlazarctt gebracht._____ jjoul©Tnßet4Eo.,SBcrIin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Vnterhaltungsbl. Kr. 55. 30. Jahrgang. 1. Kcikge iifs JoraMf Jttlinft Dsnnrrstag, 6. Marz t913. Reichstag 126. Sitzung. Mittwoch, den k. März 1913, nachmittags 2 Uhr. Am BundeZratstisch: V. Tirpitz. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort � Staatssekretär v. Tirpitz. Er gedenkt der beim Helgoländer Torpedobootsunkall verunglückten Marinesoldaten. Präsident Dr. Knempf stellt fest, datz sich die Abgeordneten von ihren Sitzen erhoben haben. Auf der Tagesordnung sieht ein Antrag v. Normann{!.), der mehr kleine Garnisonen verlangt, freie Eisenbahnfabrt auch auf Schnellzügen für Militärurlauber, vcr- mehrten Ernteurlaub, Beschränkung der Kontrollversammlungen, schnellere Abschätzung der durch militärische Ucbungen verursachte» Ernteschäden und eine Erhöhung der ServiSgelder für Pferde. Mit zur Debatte gestellt wird ein Antrag Behrens sWirtfch. Vg.f. der besseren Schutz der Land- Wirte und Obstzüchter bei Feststellung von Flur- und Obstschäden bei Truppenübungen verlangt. Abg. v. Flemming(L): Von den grosten Garnisonen kehren später nur wenig Prozent der jungen Leute in ihre Heimat zurück, sie lassen sich von den Verführungen der Groststadt verlocken, gehen physisch und sittlich zugrunde und gehen der Landwirtschaft verloren. Wir hallen es für bedenklich, so viele junge Leute in die große «tädte zu schicken, wo sie der Agitation der Sozialdemokratie aus- gesetzt sind, für bereu antimilitaristischen Charakter ich nur auf die Rede des Abg. Scheidemann in Paris zu verweisen brauche. (.sehr wahr I rechts.) Wir bitten daher bei der jetzt notwendig werdenden Heeresverstärkung um Vermehrung der kleinen Garnisonen. Der Redner begründet weiter die Forderungen des konservativen Antrages. Abg. Noske(Soz.): Der Vorredner hat den guten Geschmack gehabt, noch einmal auf die Pariser Rede Scheidemanns zu kommen. Nachdem Scheidemann die Leute, die diesen ausgemachten Schwindel immer wieder wiederholen, von dieser Tribüne in treffender Weise charak« terisiert hat, habe ich dazu nichts mehr zu sagen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Unzufriedenheit mit den wachsenden Lasten zufolge der agrarischen Politik scheint jetzt auch die kleinen Städte zu ergreifen, und daraus erklärt sich tvohl der Antrag der Konservativen, die ja nicht ungeschickte Taktiker'find. Sie wollen den Steuerträger!! der neuen bevorstehenden Rüstungen auch etwas bieten, um sie vom Abfall zu anderen Parteien ab- zuhalten. Daß die Erfüllung dieses Antrages Geld kosten würde, geniert sie weiter nicht. Sie toissen, daß der bittere Kelch des Steuerzahlens an ihnen selbst vorübergehen wird.— Das Verlange» des Antrages nach Ernteurlaub in größerein Umfange ist eine schwere Anklage gegen die bestehende lange Dienst- zeit, unter der besonders die bäuerliche Bevölkerung leidet. Ihnen würde wesentlich mehr als mit den Ecnteurlaubern niit einer kürzeren Dienstzeit geholfen werden. Die Ernteurlaubcr nützen wesentlich dem Großgrundbesitzer, der dann nicht notwendig hat, durch anständige Bezahlung für einen Stamm guter deutscher Arbeiter zu sorgen. Es zeigt von der Tiefgründigkeit konservativer Be- lrachtungsweise, daß der konservative Redner als Ursache der Land- flucht nur die Vergnügungssucht der jungen Bnuernsöhnc anzuführen weiß. Sorgen Sie doch erst für gute Wohnungen auf dem Lande. (Zuruf Techts.) ES ist noch gar nicht lange her, seit der Kaiser das Wort geprägt hat, auf dem Lande wohne» die Schweine vielfach besser w i e die Menschen.(Zuruf rechts: In Berlin ebenfalls!) Daß auch in den Großstädten Wohnungselend besteht, beklagt tneinand mehr wie wir. Wir haben noch nie gewünscht, daß die Landarbeiter in Scharen in die Industriegebiete kommen. Wir reden ihnen vielmehr zu. auf dem Lande für bessere Existenzbedingungen zu sorgen. Die kleinen Landwirte würden allerdings mehr von der Ver- kürzung der Dienstzeit auch bei den reitenden Truppen haben i wenn die Konservativen sich dagegen wenden, erweisen sie sich trotz ihrer Reden als Bauernfcinoc.— Gegen Punkt 2 des Antrages, der die freie Eiscnbahnfahrt jährlich einmal für die Militärurlauber fordert, wird wohl niemand im Hause Widerspruch erheben. Viele Rekruten werden weit fort von der Heimat geschickt, und zwar nur in Rücksicht auf den i n n c r e n Feind. Der Soldat soll sich in der Garnison fremd fühlen, damit er leichter gegen die Bevölkerung aufgeboten Rleines fcuiUcton Miquel, der Sozialist. Miguel hatte es in seinein wandlungS- fähigen Leben vom Kommunisten bis zum preußischen Minister und Juntersreund gebracht. Da ist es natürlich begreiflich, daß er später seine.revolutionäre Jugendverirrung" zu vertuschen und, wenn das nicht mehr ging, zu— erklären suchte. Unter den Briefen Miguels an seinen nationalliberalen Fraktionssreuud Marquardsen, die soeben in den.Süddeutschen Monatsheften" veröffentlicht werden, findet sich einer(vom 5. Mai 1884), der für diesen alten Fuchs besonders charakteristisch ist. Miquel schreibt: .Ich fürchte, datz bei der Beratung des Soz.-Ges. oder sonst im Reichstage ich, da ich so sehr in den Vordergrund geschoben bin, Gegenstand eines Angriffs seitens der Freisinnigen oder der Sozial« demokroten sein könnte, indem man behauptet, ich sei in meiner Jugend Sozialist gewesen. Die Wahrheit ist, daß uns jungen Leuten in Göttingen die Bücher von Proudhon. Fr. Engel« und K. Marx in die Hände fielen, und namentlich der Hegelschen Dialektik des letzteren vermochten wir nicht zu widerstehen. Bei uns allen und namentlich bei mir, der ich viel zu national, historisch und ich kann wohl sagen, verständig angelegt war, bat dieser Ausläufer von 1343 nicht lange gedauert. Ich wurde der Marxischen Logik bald Herr. Sollte diese rein theoretische Jugendauffassung erwähnt werden, so möchte ich Sie bitten, darauf nur dies zu er- widern: .Sie wollten es nicht urgieren, daß eS nicht schön sei, einen Ab« wesenden anzugreisen. Uebrigens habe ich niemals ein Hehl daraus gemacht und allen meinen Freunden sei es bekannt, daß ich, wie damals viele junge Leute in den Jahren nach 1843 fortgerissen durch das Studium der Junghegelichen Philosophie und der französischen und deutschen, damals noch theoretischen sozialistischen Schriftsteller eine Zeitlang mich diesen Anschauungen zugeneigt habe. Ich selbst habe oft davon gesprochen und mit Befriedigung erwähnt, daß als nützliche Frucht dieser Jugendideen die historische Auffassung der Volkswirtschaft und der Unglaube an absolute Wahrheiten derselben übrig geblieben fei. Wie schnell ich mich aus den Banden der sozialistischen Kritik losgelöst, ergebe sich aus einer 30jährigen öffent- lichen Tätigkeit, beginnend mit meinem 25. Jahre." Der Staatsmann, der nach Bennigsens Grabrede.niemals im Banne politischer Formen und Dogmen gestanden hat", gibt hier also zu, daß er aus seiner Berührung mit dem Sozialismus gelernt hat. Aber in einem Punkte irrt er sich(zu seinein Gunsten). Miquel war keineswegs ein theoretischer Wolkenschieber in seinem Revolutionsdrange, sondern auch in diesem Punkte durchaus Praktiker: er lvollte bekanntlich kommunistische Bauernaufstände organisieren. Und als Kommunist und Atheist/ als den er sich in seinem Briese au Karl Marx erklärte, hatte er schon in jungen Jahren begriffen, worum es sich handelte: das siegreiche Aufsteigen einer neuen Klasse. Nur daß' ihm die Sache zu lange dauerte, und er eS daher vorzog, mit der Bourgeoisie im wörtlichen und übertragenen Sinne Geschäfte zu machen. So brachte er eS zum Millionär und Minister— ein Musterbild jener llugberechnenden Arrivisten und werden kann.— Gegen Punkt 1, die Schaffung kleiner Gar- nisonen, spreche ich mich entschieden au«. Die Antragsteller wünschen einen häufigen Offfzierwcchsel in den kleinen Gar- nisonen, wodurch die jetzt schon erheblichen Umzugskosteu noch stärker wachsen würden. Ich gebe de» Antragstellern zu, daß in Berlin zuviel Militär zusammengeballt ist. Auch daS ist nicht auS militä- rischen Gründen geschehen, sondern aus höfischen Rücksichten. Aus solche» Rücksichten hat mau ja ein ganzes Reginieut Husaren von Rathenow nach Berlin mit der Eisenbahn geschickt, um bei einem prinzliche n Einzug Spalier zu bilden. Tausende von Mark hat das gekostet. Die Söhne des Volles sind doch nicht dazu da, Spielzeug für Prinzen abzugeben.(Unruhe bei den bürgerlichen Parteien. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die wirtschaftlichen Vorteile einer kleinen Stadt durch eine Garnison erkenne ich nicht an. Nur für die Grundbesitzer ergeben sich Vorteile durch Steigerung der Mieten, die aber die übrigen Einwohner zu zahlen haben. Höchstens könnte man das Argument anführen, man müsse dem Geburtenrückgang entgegenwirken. iHciterkeit.) Kleine Garnisonen führen zn einer starken Vermehrung der unehe- lichen Geburten, aber für die Mehrzahl der Bewohner der kleinen Städte ist daS kein Vorteil, denn die Unteroffiziere und Mann« schaften zeigen gerade nicht einen besonderen Eifer in der Zahlung von Alimenten. So läuft auch diese? Argument darauf hinaus, daß die Armenlasien der kleinen Städte wachse».— Dann will der Redner noch durch Schaffung der kleinen Garnisonen die Sozial- demokratie bekämpfen. Die wachsende Abneigung gegen den Dienst erklärt sich genügend durch die S o l d a t c n s ch i n d e r e i e n und den militärischen Kastengeist. Sorgen Tie mit uns dafür, daß hierin eine Aendcrung eintritt. Zinn Schluß noch einmal: Sie wollen der wachsenden Unzufriedenheit der konservativen Wähler be- gegnen. Sie würden ihnen vielmehr dienen, durch Bekämpfung der Treibereien, die auf neue starke Vermehrung der Militärlasten hinauslaufen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Angerpointner(Z) stimmt dem Antrag der Konser- vativen zu. Abg. Schiilcnburg inatl.) Auch Ivir haben dieselben Wünsche und noch eine ganze Reihe mehr.(Heiterkeit). So wünschen wir z. B. Pcrtofteihcit auch für Briese von Soldaten an ihre Auge- hörigen. Abg. Weinhauscn(Lpt.) Der Antrag stellt uns eine ganze Reihe ältliche Bekannte vor,(sehr gut!) die Landflucht kann man mit kleinen Garnisonen nicht bekämpfen, die hängt eng zusammen mit der Rechtlosigkeit der Landarbeiter und der Aussichtslosigkeit für sie, einmal eine etwas bessere Existenz zu erringen.(Sehr richtig! links). Den übrige» Teilen des Antrages stimmen wir zu. Abg. Ocrtzen(k.): Auf dem Lande kommen die Leute Wirt- schaftlich besser fort als in den Städten, weil sie auf dem Lande besser sparen können. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Im Schlußwort bestreitet gegenüber dem Abg. NoSke Abg. N e h b e l(t.), daß der Adel in der Armee bevorzugt werde, und behauptet, daß die Arbeiter auf dem Laude besser wohnen als in den Städten.— Der Antrag wird in allen Punkten c i n st i m in i g angenommen mit Ausnahme des Punktes l(Schaffung kleiner Garnisonen), der gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an- genommen wird. Der Antrag Behrens ivird ebenfalls einstimmig a n g e- n o m m e n. Es folgen Petitionen. Eine Petition des Gesamtverbandes deutscher Verpflcgunas- statioiien, de» Deutschen HerbergSveremS und des Zentralvorsiandes deutscher Arbeiterkolonien verlangt reichSgesctzliche Bestimmungen, die den Bundesstaaten die Verpflichtung auferlegt, Einrichtungen zu treffen, zu imterhalten und zu verwalten, um mittellosen Arbeitsuchenden Arbeit zu vermitteln und wandernden Arbeit- suchenden gegen Arbeitsleistung Beköstigung und Obdach zu ge- währen.— Die Kommission beantragt, die Petition, soweit sie reichS- gesetzliche Regelung der Wanderfürsörge verlangt, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu Überweisen, soweit sie die Regelung den Bundesstaaten überlassen will, über sie zur Tagesordnung über- zugehen. Maechiavellisten des eigenen Interesses, die nach deutschen Begriffen nur in der französischen Republik gedeihen. Theater. K o m ö d i e n h a u S:.Der S ch ö n h e i t s s a l o n Schwank von Wilhelm I a c o b y und Artur L i p p s ch ü tz. Was die beiden Autoren als Schwant hier offerierten, war eine mit ctwelchen neuen Etiketts verzierte Kollektion meist recht trübselig alter Tricks und Späße. Dem Unsinn fehlte ganz das fröhlich aus dem Innern fließende Behagen: man spürte, daß er forciert als ein Geschäft der Faxenmadberei betrieben wurde.— Ein Jung ling, der nach glücklich bestandenem Doktorexamen nach Berlin fährt und das Coups allein mit einer fremden Dame teilt, fällt, als er fein Gepäck herunterlangen will, auf die friedlich Schlummernde. Sie schreit und er, im Schreck statt seiner eigenen Reisetasche, die des Fräuleins ergreifend: flieht— um nicht als Attentäter arretiert zu werden. Ein sinnvoller Anfang. Jedoch da die Verfasser nach ein paar Possenszenen mit diesem Fluchvnotiv nichts weiter anzufangen wissen, betrauen sie dafür den Jüngling mit der Verfolgerrolle. Er jagt der Dame nach, die seine zurückgelassene Tasche mitgenommen, und gerät so in ein Gesichts« maffagc- und Körperkulturinstitut: den„Schönheitssalon", der seinem mangelhaften Provinzialverstande in außerordentlich verdächtigem Licht erscheint. Da läuft zu seinem Entsetzen die ganze Verwandtschaft, Onkel, Tante und Nickte herum, da muß er selber SchönheitSexcrziticu dulden und fällt zuletzt gar dem VerlobungSbedürfnissc der Eigen- tümerin, jener Dame, die im Besitze seiner Reisetasche ist. anHeim. Ein Maffenaufgcbot von Unmöglichkeiten, daS, im Schlußakt ent- sprechend fortgesetzt, zu dem bißchen herausgeholter Komik in ver- drießlichstem Mißverhältniff« steht. Herr B a s e l t spielte die Haupt- rolle. Am frischesten war Toni Impekoven als ostprcußelnder Onkel. ät. Mnflk. Für den vor kurzem verstorbenen Koniponisten Felix D r ä s e k c hat in Beillin besonders der von Bruno Kittel gc- leitete gemischte Chor viel getan. Sein Konzert mit dem vcr- stärkten Philharmonischen Orchester wurde(am Dienstag) direkt und indirekt zu einer Feier für den Dahingegangenen. Von ihm selbst kamen zwei ältere Stücke t Die Trauermusik aus seiner Tragischen Sinfonie und die Osterszenc auS Goethe« .Faust". Das längst feststehende Urteil, daß D r ä s e k e keiner von den ganz Großen und Eigenen war— erst im Aagnerschen, dann im.klassischen" Bann stehend—, daß aber sein Schaffen von einem vornehmen und reichen Künstlergeist durchleuchtet ist, konnte hier wiederum bestätigt werden. Wichtiger war. daß wir mit einem seiner Schüler bekannt wurden, einem auch nicht mehr jungen(1857 geborenen) Komponisten Felix Gotthelf. Sem Bühnen- mysierium„Mabadeva" soll in Düffeldorf und Karlsruhe .mit vollem Erfolge" gegeben lvorden sein. AuS der jetzigen Konzertallfführung de- Vorspiels und der Schlußszene ist wenigstens nicht zu folge», daß das Werk für die Bühne genügende dramatische Schlagkraft besitze— auch abgesehen von der Hoffnungslosigkeit gerade der Berliner Opernverhältnisse. Oder liegt es nur an uns Europäern, daß wir uns in das Mystische und Uliplastische, das Passive und Pessimistische der indischen Mythologie, in die Schmerzen� Abg. Thöne(Soz.): Wir verlangen eine reichsgesetzliche Regelung der Arbeits- l o s e ii f ü r s o r g e überhaupt, die der Wanderfürsörge allein konnte nur Stückwerk sein. Bei einer reichsgesetzlichen Regelung lediglich der Wanderfürsörge dürsten teineswegs die in Preußen geltende» Bestimmuiigen als Muster dienen, denn da hält man den Arbeits- losen ganz allgemein für einen Arbeitsschellen, man erblickt in ihm nicht den nolleidenden Mitmenschen, dem geholfen werden muß, sondern einen heruntergekommenen Vagabunden, ohne daran zu denken, daß selbst in solchen Fällen die lange Arbeitslosigkeit und die Aussichtslosigkeit, Arbeit zu erhalten, selbst einen tüchtigen Menschen vom rechten Wege abführen können. Drakonische Strasbestininmilgen hat man gegen Arbeitslose in den Wanderarbeitsslätten, Arbeitslose, die keine Papiere haben, werden mit Entziehung der Mahlzeiten und des Bettes bestraft.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Inden mit den mit den Wanderarbeitsstätten verbundenen Kolonien müssen die Leute sich verpflichten, mindestens ein Vierteljahr lang für 39 bis 59 Pf. zu arbeiten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Not gehl mailcher darauf ei», geht er dann aber früher fort, so läuft er Gefahr, als arbeitsscheu verhaftet zu werden. Es ist unwürdig, die Notlage der arbeitslosen Wandernden zu derartigen Verträgen auszunutzen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bcrustei»(Soz.): Diese Art Wanderfürsörge, wie der Vorredner sie schilderte, hat etwas Degradierendes für die betreffenden Arbeiter. Viel wertvoller iväre in der Tat die Orgauisation der Arbeitsvermittelung und die Arbeitslosenversicherung. Dänemark wendet für diesen Zweck 399 999 bis 499 999 Kronen auf, das würde für Deutschland 29 bis 39 Millionen bedeuten. Und England hat gleich 29 Millionen für einen Versuch der Arbeitslosenversicherung für das Baugewerbe und die Hafenarbeiter ausgeworfen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Da soll n>an aufhören, davon zu reden, daß da« Deutsche Reich als Muster in der Arbeiterfürsorge vorangeht, sondern soll sich das Ausland zum Muster nehmen. Der Antrag der Kommission wird hierauf angenommen. Eine Petition, betreffend das Verbot der Vornahme wissenschaftlicher Versuche, die nicht dem Heilzwecke dienen, au Kranken, wird als Material überwiesen.— Zur Berücksichtigung wird überwiesen eine Petition auf Wählbarleit weiblicher Junungs Mitglieder.— Als Material überwiesen werden Petitionen, betreffend Kalenderreform und Festlegung deL O st e r f e st e S. betreffend Rech tsverhält- nisse der B e r u f s v e r c i n e(klagbares Recht auf Erfüllung der Satzungen der BerufSvereine) u. a. Es folgt eine Petition, betreffend Aenderung de- Gesetzes über die Erwerbs« und Wirtschaftsgenossenschaften und Verbot des Handels der Beamten. Die Kommission beantragt Ueberweisung als Material. Ein Antrag A l b r c ch t(Soz.) verlangt Uebergang zur Tagesordnung. Der Antrag der K o ni m i f f i o n wird a n g e n o m m e n. Eine Petition auf Beseitigung des Recht« der Verwaltungs- behörden gegen die Eintragung eines Vereins Einspruch zu erbeben, wenn der Verein„eincn politischen sozialpolitischen oder reltgiLsen Zweck verfolgt" beantragt die Kommission als M a t e r i a l zu überweiseu. lieber eine Reihe anderer Punkte derselben resp. ähnlicher Petitionen betr. Aufhebung verschiedener Paragraphen des Strafgesetzbuches, z. B. über die Majostätsbeleidigungeii, be- treffend reichsgesetzliche Regelung der Bestimmungen über den AuS- tritt aus der Landeskirche, betr, Aufhebung aller Bestimmungen über die Anrufung Gottes in Eidesformeln, beantragt die Kommission Nebergang zur Tagesordnung.— Ein Antrag A lb r e ch t(Soz.) lvill all diese Petitionen zur Berücksichtigung über- weisen. Abg. Gröber(Z.): Die Fragen, die hier angeregt sind, werden bei der Revision des Strafgesetzbuches gründlich erörtert werden, und es liegt kein Anlaß vor, die Materie jetzt vorweg zu ordnen. Hinzu kommt, daß die Petitionen, die hier vereinigt find, zum Teil ganz Widersprechendes fordern. So verlangt eine Petition gar die Auf- Hebung des§ l67, der mit Strafe den bedroht, der die Teilnahme am Gottesdienst hindert, also eines Paragraphen, der die freie ReligionSübung schützen will; eine andere Petition will diesen Paragraphen bestehen lassen. Wie kann man also beide Petitionen zur Berücksichtigung überweisen! Sollten alle diese und Seligkeiten de« menschlverdenden, die Bajadere Maya zu sich emporziehenden Gottes nicht recht hineinfiilden? Zur Charakteristik dieser fernen Welt tat der Komponist sein Möglichstes. Und nun schloß da« Konzert mit einer preußischen KröimngS- kantane von C o n st a n t i n B e r n c k e r. Welche Freude, wenn unS der gut angesehene Komponist mit dem nicht eben ausstchtsvollen Thema künstlerisch versöhnt hätte! Doch nach der ersten, wohl ge- nügenden Hälfte mochte man im stillen alles abbitten, was man jemals gegen D r ä s e k e und seinem Schüler kritisch geäußert. Gegen eine solche Schablonenmusik gehalten, könnten die Beiden wahrhaft als die ganz Großen und Eigenen erscheinen. Die Ausführenden, aber scheinen dort>vie da europäische Energie mit indischem Dulden vereinigt zu haben. se. Humor und Satire. Der Patriot von heute. Anno achtzehnhundertdreizehn war der Opfersinn modern, und Herr Michel feiert'S gern, mutz sich oft vor Rührung schneuzen, weil die braven Ahnen hätten hingegeben Geld und Gut und dazu ihr eigen Blut, um das Vaterland zu retten. Anno ileunzehnhundertdreizehn braucht man wieder Opfermut, doch Herr Michel diesmal tut sehr verlege» sich bekreuzen. Hände weg von den Moneten! sagt der gute Patriot, und sür'S Vaterland den Tod iiberlätzt er den Proloten. Sranz. Notizen. — Vorträge, lieber Naturschutz und die kürzlich ge- schaffene Naturrescrvation(Nationalpark im Engadin) hält Montag, den 19, März, abend» 8s/4 llhr, im Hörsaal de» Museums für Völkerkunde Professor Gustav H e g i einen Vortrag mit Lichtbildern. Eintrittskarten vergibt der Vorsitzende deS Schweizer Klub», Berlin, Berchtesgadener Str. 24. — Im Neuen V o l kk- Th e a t e r findet am Freitag die Uraufführung de« Stückes„Die Hexe", Schauspiel in 5 Aufzügen von Martha Voigt statt. -—Aktuelle Malerei. Der Sezesfionsmaler Max Beck- mann soll sich mit dem Plan tragen, den Untergang der.Titanic" u malen, der— so wird erklärend hinzugefügt— seine dramatische lrt solcher starker Sachen bedürfe. Der„Untergang MessinaS", den derselbe Künstler früher malte, hat leider nicht vewiesen, daß Beck- mann solchen Themen gewachsen ist. — D a s k r i m i n a l i st i s ch e Seminar der Berliner Uni- versität beging das Jubiläum seines 2Sjährigen Bestehens. Es steht noch heute unter der Leitung seines Begründer», Prof. v. Liszt», der in Deutschland die entwickeltste bürgerliche Form der Lehre vom Ber» brechen vertritt. Petitionen berücksichtigt werden, so müßte ja die Gleichberechtigung der Konfessionen aufgehoben werden. Das können Sie szu den Sozialdemokraten) doch gar nicht verlangen. Abg. Thiele(Soz.): Allerdings fordern wir Freiheit und Schutz für alle Kultur. Denn wir Aufhebung auch des ß Ist? verlangen, so fordern wir lediglich die Aufhebung der besonderen strengen Strafbestimmuugen bei Religionsstvrungen, nicht Straffreiheit, denn die allgemeinen strafgesetzlichen Bestimmungen bleiben»atürlick bestehen. Notwendig ist ferner die Befreiung des Zwanges der Dissidentenkinder zum Religionsunterricht, ebenso die Beseitigung der konfessionellen Eides- formet. Der Antrag Alb recht(Soz.) wird abgelehnt, der der Kommission a n g e n o m m e n. Eine Petition des Deutschen RoßschlächterverbandeS auf Auf- Hebung des Verbots des Feilhaltcns und Verkaufs von Pferdefleisch in Räumen, wo Fleisch von anderen Tieren feil- gehalten wird, beantragt die Kommission, als Material zu über- weisen.— Die Abgg. Ablaß sVp.) und Genossen beantragen Uebergang zur Tagesordnung. Abg. L'eube(Vp.) weist zur Begründung dieses Antrages darauf hin, daß in anderen Ländern der Verkauf von Pferdefleisch zu Genuß- zwecken überhaupt verboten ist. Der Antrag Ablaß wird mit großer Mehrheit a n- genommen. Hierauf vertagt sich das HauS auf Donnerstag 1 Uhr.(Etats- notgeletz, Koloniolctat.)_ Schluß 3/, 7 Uhr. Hbgeordmtenbaus» 14 7. Sitzung. Mittwoch, den 5. März 1313, mittags 1 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Vizepräsident Dr. Porsch spricht der deutschen Marine und den Hinterbliebenen der bei dem furchtbaren Unglück vor Helgoland ertrunkenen Torpedomannschaft die herzliche Anteilnahme des Hauses aus. Ter Eisenbahnctat. Vizepräsident Dr. Porsch ersucht die Redner, sich kurz zu fassen, da unbedingt der Etat bis zum 18. April dem Herrenhaus über- wiesen sein müsse. Die für die Etalsberatung zur Bersügung stehende Zeit ist bereits um 23 Proz. mehr verbraucht worden als in der Ordnung wäre. Abg. Dr. Schrödcr-Kassel(natl.) bringt eine große Anzahl von Beamtenwünschen vor. Minister v. Breitenbach verweist darauf, daß der Etat der- schiedenen Beamtenkatcgorien Verbesierungcn bringe. Infolge der Schaffung neuer istellen können nicht weniger als 2700 Hilfsbeamte in etatsmäßige Stellen aufrücken. Die Mehraufwendungen hierfür betragen über 17 Millionen. Auch die Unterstützungsfonds sind wesentlich erhöht worden. Abg. Varcnyorst: Wir wollen an der BesoldungSordnung fest- halten, aber ihre Ungerechtigkeiten sollen durch erhöhte Teuerungs- zulagen ausgeglichen werden. Abg. Delius(Vp.): Die Besoldungsordnung muß geändert werden, namentlich im Interesse der Unterbeamten; und wendet sich gegen das in der deutschen Beamtenschaft Gott sei Dank vereinzelte Vorgehen des Abg. v. Kloeden, der als früherer Vorsitzender des Militäranwärterbundes einen Kollegen denunziert hat, so daß dieser strafweise versetzt wurde. In Stendal hat man eine Teuerungs- Zulage abgelehnt, weil ja die Teuerung„demnächst aufhöre". Der Redner fordert Beamtenausschüsse und Verbesserung der Kanzlei- geschäste durch Benutzung der Schreibmaschine. Den Arbeiter- auSschüssen stehen die Vorgesetzten nicht immer synivnthisch gegen- über. Der Minister sollte mit den Organisationen Fühlung nehmen. Wir brauchen eine einheitliche Regelung der Verhältnisse der Eisen- bahnarbeiter im ganzen Lande. Abg. Lcii»ert(Soz.): Zum Eisenbahnetat sind eine große Anzahl von Petitionen ein- gereicht, die damit begründet werden, daß die Beamten mit ihrer Besoldung nicht auskommen können. Immer wird darauf geantwortet, e§ müsse bei der Besoldungsordnung von 1303 bleiben. Keine Beamtenkategorie ist mit ihr zufrieden und bei den Unter- beamten herrscht infolge der Teuerung Not. Zu ihrer Ab- Hilfe wäre mindestens eine Teuerungszulage nötig, aber nicht eine von 13, 23 oder 33 M. im Jahr. Es ist aber auch eine dauernde Aufbesserung erforderlich. Wir sehen nicht ein, warum jedes Jahr so viele Millionen in den Ausgleichssonds fließen müssen, während die Beamten, die sie erarbeiten, sich in drückender Notlage befinden. Da sollte man einmal so herzhaft zufassen, wie man es beim Milickarismus tut. Hoffentlich geht es mit den Sympathiebeteuerungen der Parteien den Beamten nicht so, wie den Reichsbcamten, denen man einst vor den Wahlen die Bereit- Willigkeit zur Aufbesserung ihrer Gehälter ausdrücklich zugesagt hat; ich wünsche den Beamten, daß sie von dem auf 5 Jahre gewählten Abgeordnetenhaus, das mit Hilfe der zur Wahl kommandierten Beamten zusammengebracht wird, nicht eine solch bittere Enttäuschung erleben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister hat ausgeführt, daß in den letzten 13 Jahren die Durchschnittslohnsumme um 483 Millionen Mark gestiegen sei und daß der Durchschnittslohn seit 1933 voir 1473 auf 1932 Mark, also um 29 Prozent gestiegen sei. Was will es denn bedeuten, wenn aus der Zusammenrechnung des gesamte n Eisenbahn- Personals eine solche Aufbesserung herausgerechnet wird? Da ist doch auch die Besoldungsordnnng inbegriffen, die den höheren Beamten viel mehr Zulage gebracht hat, als die Unterbeamten überhaupt Gehalt bekommen. In der Tat betragen die Höchstlöhne für Bahnunterhaltungsarbeiter, die sie nach 13- bis Ibjähriger Tätigkeit erhalten/ in Berlin 3,33 bis 4,43 M., in Kiel 3.23 bis 3,83, in Breslau 2,80 bis 3,30, in Hagen i. W. 3,03 bis 4,00, in Bochum 3,70 bis 4,20, in Frankfurt 3,43 bis 4,23, in Magdeburg 3,00 bis 8,33. Wer will das als auSrcicheude Besoldung erklären. Aber daneben gibt es auch noch Löhne von 2»33 bis 2,30 im Direktionsbezirk Altona, 3,03 bis 3,83 im Bezirk Berlin, 2,13 bis 2,30 in Breslau. 2,03 bis 2,50 in Bromberg, 1,90 bis 2,43 in Halle und 4,40 bis 2,80 in Hannover. Wer solche Löhne als ausreichend be- zeichnet, hat keinen Begriff davon, was zur Fristung eines menschen- würdigen Lebens notwendig ist. Nach der Uebersicht der Ab- teilung B der Eisenbahnpensionskasse gehörten den Lohnklassen bis 1050 M. an 1913 40,23 Proz., 1911 34,90 Proz.. den Lohn- klaffen von 1050 bis 1200 M.: 18,73 bezw, 18,42 Proz.. alio hatten 58,96 bezw. 53,41 Proz. Löhne bis 1200 M. und 75 bezw. 70 Proz. Löhne bis 1500 M. und nur 10,31 bezw. 14,84 Proz. Löhne über 1500 M.(Hört! hört! bei den Sozialdemokralen.) Der Minister hat in der Kommission die Nottenarbeiter wegen ihrer ruhigen Haltung und Mäßigung seiner besonderen Sympathie versichert. Nun, ihr Durchschnittslohn betrug 1895 597 M. und ist seitdem bis auf 933 M. gestiegen. Das haben die Rottenarbeiter durch ihre oben so beliebte Mäßigung erreicht!(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Eme Betrachtung der durch- schnittlichen Gesamtlohnerhöhung ergibt, daß der Durchschnittslohn von 1935 bis 1912 um 18 Pf., von 3.51 auf 3.39 gestiegen ist. Das nennt die Verwaltung eine erhebliche Lohnerhöhung! Man hat das Stückzeitverfahren eingeführt, andererseits aber die Arbeiter durch die Neuordnung ganz und gar der Willkür der Vorgesetzten preisgegeben. In einer uns 1912 zugegangenen Denkschrift wurde erklärt, daß sich bei den Werkstattarbeitern mehr und mehr das Verlangen geltend mache mit zunehmendem Beschästigungs- und Lohndienstalter planmäßig bis zu einem angemessenen Hoch st ei»kommen zu steigen, die Staatseisenbahnverwaltnng sei diesem Ver- langen stets entgegengekommen, das für Beamte und Ar- beiler die Regel bilde. In der kürzlich ausgegebenen Lohn- ordnung aber wird den Beamten direki verboten, den Arbeitern i r g e ndwelche derartige Zusicherungen Z-U m a ch e it.(Hört I hört I links.) Hier gibt also der Mimster vollständig das auf, was er 1912 erklärt hat. Er hat in der Budget- kommission gesagt, daß die Staatsbahnverwaltung sich bemühe, den Lohnsätzen der Privalindustrie zu folgen. Wir fordern, daß sie ihr vorangehe und es ist nierkwürdig, daß kein bürgerlicher Redner dieser Meinung ist. Im Reicbstag hat sich gestern der Geheime Admiralirä'.srat Harms ausdrücklich dazu bekannt! Die Forderung, daß die Effcnbabnverlvaltuug mindestens den ortsüblichen T a gewöhn bezahlen soll, hat der Minister damit abgewiesen, daß an vielen Orten der ortsübliche Tagelohn niedriger sei, als die wirklich bezahlten Löhne. Natürlich bezieht sich diese Forderung doch nicht auf d i e s c Orte, sondern nur auf die, wo der ortsübliche Tagelohn höher ist als der wirkliche Lohn! Wenn der Minister weiter ge- sagt hat, daß der ortsübliche Tagelohn nur für gewöhnliche Hand- arbeiter, nicht aber für ständige Arbeiter gelte, so befindet er sich im Widerspruch mit den Behörden, die die ortsüblichen Tagelöhne zu Versicherungszwecken festsetzen.— In der Kommission'bat man ein großes Rühmens aus den Lohnerhöhungen und der Aufwendung von 23,3 Millionen Mark hierfür gemacht. Sind aber da nicht die 28 300 neueingestellten Personen inbegriffen? Es werden jetzt 543 444 Personen bei der Eisenbahnverwaltung be- schäftigt, infolge der Verkürzung der Arbeitszeit um 8330 mehr. Wir erkennen gewiß an, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit statt- finden soll, aber wenn die Arbeitszeit des Lokomotivpersonals von 333 auf 270 Stunden pro Monat herabgesetzt werden soll, so bedeutet das noch keineswegs den R c n n st u n d e n t a g fiir dieses Personal, das ja sonst überhaupt keinen einzigen freien Tag im Monat haben würde. Der Etat enthält 10 338 Beanitenstcllen mehr, im ganzen 197 048. Hilfsbedienstete und Belriebsarbeiter sind 377 532, also 180 503 von ihnen sind nicht angestellt. Bei einem Mehr von 28300 Personen werden nur 7303 neue U n t e r b e a m t e n- stellen geschaffen. In den letzten Jahren sind aus der Ab- teilung B der Pensionskasie immer nur zwischen 3 und 4000 Personen ausgeschieden, die Beamte geworden sind. Also, die Aussicht der Arbeiter, Beamte zu werden, ist sehr gering und oftmals haben sie dann als Beamte geringere Einkünfte, wie zuletzt als H i l f S b e d i e n st e t e, müssen aber dabei noch Pensionsbeiträge zahlen, obgleich sie kaum pensions- berechtigt werden dürften. Sie müssen weiter mehr auf . standesgemäßen«" Haushalt aufwenden. Die Hoffnung, Unter- beamte zu werden, wird vielfach als Antreibemittel, ähnlich wie das B ü n d e l Heu, das ein Kutscher seinem müden Gaul durch eine sinnreiche Vorrichtung vor die Nase hing und dem der Gaul dann immer nachstrebte.(Heiterkeit.) Schwere Klagen erheben die Beamten über die verschiedenartige Anrechnung der Militärdienstzeit, die nur denjenigen angerechnet wird, die schon vor ihrer Einstellung in den Eisenbahndienst beim Militär waren oder sich gleich nach ihrem Austritt aus dem Militärdienst sich bei der Eisenbahnverwaltung meldeten. Hierdurch werden manche älteren Beamten zurückgestellt, wie es überhaupt in der ganzen Anstellung keinerlei Rechtsnormen gibt. Wenn schon die Militärjahre als Dienstjahre angerechnet werden, dann muß das bei allen geschehen, gleichgültig wann sie eingestellt wurden. Im Gegen- satz zur Postverwallung werden auch die Besitzer de§ Zivilvcrsorgungs« scheins sofort ohne jede Wartezeit eingestellt, während bei der Post- Verwaltung die bisher beschäftigten Beamten immer vorgezogen werden. Die tiefe Erregung der Eisenbahnbeamten hierüber wird durch disziplinare Mittel niedergehalten. Die vorgesehene Veikürzung der Arbeitszeit ist kein besonderes Geschenk an die Be- amtcn und Arbeiter, sondern liegt im Interesse des Betriebes. Ueber 80 Prozent der Beamten und Arbeiter haben über 1_0 Stunden Arbeitszeit täglich.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) 150 003 Arbeiter haben nur«ine» Ruhetag im Monat. Ueberhaupt bat mehr als die Hälfte aller bei der Bahn Be- schäfligten weniger als zwei Ruhetage im Monat(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten). Es muß dahin kommen, daß jeder Eisenbahnangestellte jede Woche auch einen Ruhetag hat(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). Il e b e r st u n d e n werden bei der Bahn nicht einmal bezahlt. Bei den Ver- kehrsslockungen im Ruhrrevier soll für ilebersiunden 1 Million an Unter- stützungen gezahlt worden sein. Das hört sich ja sehr schön an. Aber wie ist denn diese Summ« v e r t e i l t worden? Etwa auch nach dem Grundsatz, daß, wenn es Unterstützungen regnet, es zuerst die oberen Beamten merken und zu den Unterbeamten nur einige Tropfen durlbsickern?(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten,) Die Verkehrsstockungen sind doch nicht auf die Unter- beamten zurückzuführen, wohl aber haben die Unterbeamten mit Draufgabe ihrer freien Zeit die Stockungen beseitigen helfen. Aehn- lich liegen die Dinge bei der Berliner Gütereppedition, wo im Durchschnitt zwei bis drei Stunden Ucbcrstnnden täglich gemacht loerden müssen. Die Folge dieser Usberanstrengungen sind häufig Krankheiten und für die erkrankten Beamten müssen die anderen angestrengter arbeiten. Von einer Vermehrung des Personals ist da nichts zu merken. Auch die Behandlung der Eisenbahnarbeiter läßt noch viel zu wünschen übrig. In Schladen hat ein 70jähriger Arbeiter jetzt endlich die Altersrente erhalten und u m diesen Betrag hat man dem alten Mann seine Bezüge gekürzt. Das ist der Dank der Eisenbahnverwaltung für die lange D i e n st z e i t. Das ist das a l l e r t o l l st e, was ich bisher erlebt habe.(Abg. Hoffmann: Es ist ein Skandal!) Um Unterstützungen zu erhalten, müffen die Arbeiter haarklein ihre gesamten Verhältnisse angeben. Dinge, die man oft dem besten Freunde vorenthält. Darin schnüffeln nun die Vor- gesetzten herum. Es gibt viele Arbeiter, die eine Unterstützung dringend nötig hätten. Sie halten es aber für unter ihrer Würde, in dieser Weise ausführlich ihre Familienvcrhältniffe anderen Leuten zu unterbreiten. Wenn Arbeiter in Beamtenstellen aufrücken wollen, müssen sie sich einer Prüfung unterziehen. Aber es werden ihm okt ganz überflüssig harte Bedingungen auferlegt. Gewiß sollen die Lokomotivführer geprüft werden, ehe ihnen die Leitung von Zügen anvertraut werden. Aber es wird darüber geklagt, daß die Prüfungskommissionen ganz willkürlich urteilen und die Prüflinge schikanieren. So werden ihnen Farben gezeigt, die der Prüfling bezeichnen soll. Er kann sagen, lvas er will, der Prüfungskommissar kann jedesmal die Antwort als falsch bezeichnen, weil eben die Farbe undefinierbar ist.(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten.) Die Bahn mischt sich allzusehr in die persönlichen Verhältnisse ihrer Arbeiter ein. Bahnarbeiter, die natürlich patriotische Konsumvereine leiten, dürfen dafür keine B e- zahlung erhalten? Weshalb das? Und weshalb gilt das nicht auch für die O b e r b e a m t e n?(Sehr richtig! links.) Oberbeamte beziehen aber allerlei Nebenbezüge. Aber immer wieder sehen wir. daß nur die Unterbeamten und Arbeiter bevormundet werden. Dann die Arbeiterausschüssc. Es ist den Ausschußmitgliedern verboten, sich mit de» Arbeiter» in Verbindung zu setzen. Damit verliert die ganze Einrichtung ihren Wert und wird zu einer bloßen Dekorativ». (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vielen dieser Mitglieder ist längst die Lust vergangen, noch weiter als Staffage zu dienen. Der Abg. Beyer verlangte gestern ein besonderes Staats- arbeiterrecht. Zum Glück kann dieses Recht nicht von diesem Hause gemacht werden. Das � wäre Reichssache. Ein solche Recht müßte auch die Pflichten der Eisenbahnverwaltung enthalten. Wie würde ein Staatsarbeiterrecht ausseben, das von den Mehrheits- Parteien dieses Hauses gemacht würde mit ihren um mehr als 203 Jahre zurückliegenden Anschauungen über das Arbeiterrecht. (Sehr wahr! bei den«-ozialdemokraten. Lachen rechts.) Das hieße ja den Bock zum Gärtner»lachen,(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokrateuf. Bei den Technikern bedauern wir, daß im Ruhrrevier der Minister in der Beschränkung der Rechte der Techniker nnt den Schattfmachern an einem Strang zieht. Die Verwaltung ließ ihren Terrorismus spielen und die Techniker mußten auf das Streikrecht verzichten. Der Minister hat sich in diesem Fall als ein ttltrarcaktionär gezeigt. ES ist ja vieles anders und nicht besser geworden. Unter Minister v, Budde konnte jeder Eisenbahner politisch nach seiner Fasson selig werden, nur in den Betrieben duldete er keine Agitation. Minister v. Budde hat ausdrücklich gegen die Zu- gehöriglcit zu einer freien Gewerkschaft nichts einzuwenden gehabt. Dann aber kam eine immer weitergehende Be- s ch r ä n k u n g der Arbeiterrechte: die Zugehörigkeit zur Sozial- demokratie wurde verboten, dann die Zugehörigkeit zu ordnungsfeindlichen Vereinen und endlich wurde auch die lockere Zugehörigkeit zu jeder Organisation verboten, die das Streikrecht nicht ausschließt. Die Folge dieser politischen Bevor« mundung ist eine unerhörte Schnüffelei und ein blühendes Spitzel- und Dcnunziantenwcsc». Einfache Be- schuldiguugen gegen Leute, die gar keine Sozialdemokralen waren, haben genügt, um Leute, die Jahrzehnte bei der Lahn tälig waren, aufs Straßenpflaster zu werfen.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Das dümmste Zeug, was über die Sozialdemokratie zusammengelogen wird, wird auf Grund von Spitzclaussagcn oben geglaubt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.» Die Spitzel werden befördert. Einem Arbeiter wurde verboten, b i s e i n e ir Eltern zu wohnen, weil in deren Gasthaus Sozial- d e m o k r a t e n verkehrte». So erhält diese Verwaltung den Arbeitern die Familie. Sie zwingt weiter ihre Rottenarbeiter gegen ihr Ehrgefühl zuni Streikbruch bei Speditionsstreiks, wofür der Redner mehrere Fälle anführt. Den Streikenden der Firma„Mercedes" in Thüringen wurde die Benutzung ihrer Arbeiterfahrkarlen verwehrt. Die Verwaltung macht sich den ganzen Terrorismus der Scharfmacher zu eigen, In Lauban denuilzierle eine geisteskranke Frau ihren Mann, einen Wcrkstattarbeiter, als Organisierten, dem man das Anklage- Material vorenthielt, das sei—-„Ehrensache".(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ter Mann konnte nur erklären, nicht organisiert zu sein! Er besitzt das Allgemeine Ehrenzeichen, er wurde entlassen, weil eine wahnsinnige Frau eiueu angeblich an ihn gerichteten Brief der Polizei zu Deuuusiationszwecken übergeben hatte. Die Eisen- bahndircklion hat die Wiedcranstcllung des Arbeiters abgelchnt, weil seine Zugehörigkeit zu einer sozialdemokratischen Organisation f est- g e st e l l t sei. Die Eisenbahndirektion steht also mit der Polizei in Verbindung, sie betreibt die niederträchtigste Spionage gegen die Gesinnung. (Oho! rechts.— Abgeordneter S t r ö b e l: Jawohl, auf Ihren Wunsch!! Die Kröne ist ja die Verfügung der Frankfurter Direktion, daß jede V e r s a m ni l u u g der Arbeiter ihr 14 Tage vorher be- kannd gegeben werden muß; Anträge und Reden der Arbeiter seien unzulässig.(Hört! hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Die Beamten müssen in die Versammlungen gehen, um zu verhindern, daß etwas gegen die Verwaltung gesagt werden kann, um zu denunzieren— nicht, um sich zu iuformiereit, um die Arbeiter einzuschüchter», daß sie ihre Klagen nicht auszusprechen wagen und dann sagen Sie, die Arbeiter so zufrieden. Hoher geht der Terrorismus nicht mehr. Die Arbeiter werden behandelt wie Zöglinge einer Kleinkinderbcwahranstalt, sie stehen unter der empörendsten Polizeiaufsicht. Menschenwürde, Gesetz und Recht gibt es da nicht, nur die Verfügungen des Ministers regiereu, die Arbeiter werden durch dieses System zu würdelosen Kreaturen des Ministers gemacht.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.! Minister v. Breitenbach: Diese Rede sollte nur die als mustergültig vom Lande angesehene Verwaltung vor dem Lande und vor der Welt diskreditieren. Aber unsere Beamten und Arbeiter lachen nur darüber(lärmendes Bravo! rechts) über diese unrichtigen Behauptungen(lärmender Beifall rechts). Ich kann mich nur freuen, daß die Sozialdemokraten durch solche Exzesse Auf» klärungsarbeit leisten bei unserem Personal, das sich doch nichts zum Eisenbahndienst drängen würde, wenn die Verhältnisse menschen- unwürdige wären.(Tosender Beifall rechts— Zurufe der Soz.: Exzesse? Will der Präsident uns schützen? Vizepräs. Dr. K r a u s e: Ich habe die sehr scharfen Ausführungen des Abg. Leinert ungestört gelassen, enthalten auch Sie sich jetzt solcher Bemerkungen!) Die Ausführungen des Abg. Leinert über die Löhne waren vielfach mißverständlich. Wie hat er die Lohnordnung erlangt? Die Arbeiterlöhne steigen— ober natürlich nur bei guten Leistungen, das ist überall so, ob Staats- oder Privat- betrieb,— Tie Lohnsteigerungen haben fast olle Arbeiter« kategorien gleichmäßig betroffen. Die Zahl der Arbeiter in den geringsten Lohnstufen geht zurück. Die Berechnung des Herrn Abg. Leinert über das Aufsteigen der Arbeiter in Be- amtenstellen ist total falsch.(Zuruf rechts: Wie alles, was er sagt.) 43 Proz, der Arbeiter können zu Beamten aufrücken— aber freilich der Sozialdemokratie ist diese Feststellung unangenehm, denn diese Tatsache kann der sozialdemokratischen Agitation nur entgegenwirken. (Beifall bei der Mehrheit.) Die Verkürzung der Arbeitszeit und die Verniehrung der Ruhetage ist ein außerordentlicher Fort- schritt und wird von dem Personal als solcher gewertet. Abg. Leinert verdächtigt die Verwaltung durch die Frage, was mit der Million für Unterstützungen geschehen sei. Ihre Verwendung ist nachgewiesen. Die massenhaften Zahlen des Herrn Leinert kann ich im Augenblick nicht kontrollieren. Aber wenn er sich für eine Anzahl Ent- l a s s e n e r so einsetzt, so kann ich nach Präjudizen, ohne den Einzelfall zu kennen, sagen, daß die Verwaltung wohl einwandfrei vorgegangen sein dürfte.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.— Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das ist be- zeichnend!) Wenn hier und da mal ein Fehler eines Beamten geschehen sollte, so würde die Beschwerde dagegen sicher �völlig objektiv geprüft werden.(Abg. Liebknecht: Nach Ihren früheren Worten?!) Aus der Fühlungnahme mit der Polizei ist uns kein Vorwurf zu machen. e? ist doch selbstverständlich, daß wir unser Personal vor der Sozialdemokratie schütze» müffen. Wir dürften auch unsere Techniker nicht einem Verband beitreten lassen, der das Sttcikrecht fordert.(Zuruf der Sozialdemokraten: Warum denn nicht? — Lachen rechts, Gegenruf: Na und wenn im„Vorwärts" gestreikt wird?) Unser Personal hat volles Vertrauen zur Verwaltung und daran scheitern alle Besttebungen der Sozial» demokratie.(Beifall rechts.— Zurufe der Sozialdemokratie: Und die Spitzel?) Ueber die Spitzel habe ich nichts zu sagen.(Bravo! rechts). Die von Herrn Leinert zitierte Aeußecung meines Vorgängers v. Budde, daß jeder wählen kann, wie er will, hat er selbst dahin deklariert, daß er nicht den Beamten nachgehen werde bei ihrer Wahl zwischen �den einzelnen bürgerlichen Parteien. Die Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie aber— darüber find alle bürgerlichen Parteien einig— ist unver- einbar mit der Zugehörigkeit zum Eisenbahn« personal.(Großer wiederholter Beifall bei der Mehrheit.— Zurufe der Sozialdemokraten:„Wenn Sie wüßten! Bogelstrauß- � Das Hau? vertagt die Weiterberatung auf morgen Donnerstag 13 Uhr vormittags. Schluß nach 6 Uhr abends. parlamentarilcbes. Statnotgefctz und Äolonialetats. Die Budgetkonimission des Rei-bstags befaßte sich am Mittwoch mit dem Etatnotgesctz, das erforderlich wurde, weil der Etat nickt rechtzeitig verabschiedet werden kann. Für die Truppen in> Osten Deutschlands fordert die Regierung unverzüglich einen Armeeinspekteur, der zur Erhöhung der Kriegsbereitschaft angeblich dringend notwendig ist. Unsere Genossen und ein Teil des Zen- Inims wollten über diese Forderung erst bei der Militärvorlage beraten, und bekämpften es, daß dem neuen Armccinspckteur eine fährlichc Mietentschädigung von 15(> Nk, gegeben werden soll. Die Kommission bewilligte schließlich 10 000 M. Die Opposition gegen den neuen Armecinspektcur bekämpfte der Kriegsminister auch durch den Hinloeis, daß es in so ernster Zeit doch einen sehr peinlichen Eindruck machen müßte, wenn die Kommission dem ver- ontwortlichen Kriegsminifter keinen Glauben schenkt, der den In- spekteur als sofort unbedingt erforderlich erachtet. Da Mci Zcn- trumsabgcordnete(Fürst Löwenstein und Freiherr v. Malsens für lden Inspekteur stimmten, wurde er bewilligt. Etwa 2 Millionen feil das Reich für ein Dicnstgcbändc des Militärkabinett? und für eine Villa für den Chef des Kabinetts aufwende».— Abg. t ü ck l e n übte lebhafte Kritik an solchen militärischen Luxus- bauten, die nicht zu rechtfertigen seien. Die Beschlutzfassung wurde ausgesetzt. Bei der BZeilcrberatung des Etats für S ü d w c st a f r i k a forderten unsere Genossen, unterstützt vom Zentrum, eine Ver- Minderung der 2000 Mann starken Zchutztruppe, da Aufstands- gefahren nicht mehr beständen. Es lebten ja nur noch 80 000 Ein- geborene in dem gewaltigen Gebiet der Kolonie. Die Truppe kostet enorm viel Geld, die Pensionen steigen. Durch ein Wehr- gesetz sollen die Weißen zum Schutz des Landes berangezogen werden, außerdem ist eine starke Landespolizei vorhanden. Der Webrordnung will die Regierung nur dann zustimmen, wenn der Reichstag darauf verzichtet, in die oberste Kommaudogewalt des Kaisers einzugreifen. Für diesen Verzicht ist aber gegenwärtig eine Mehrheit nicht zu haben.— Annahme fand eine volkspartci- liche Resolution, die eine anderweitige Regelung der Kostenzahlung für'Schutztruppe und Landcspolizei zwischen Reich und Kolonie wünscht: ferner eine sozialdemokratische Resolution, daß die nach Kamerun verbannten Hottentotten in ihre Heimat zurückkehren und dort gemäß ihren früheren Lcbensgewohnhciten wieder angesiedelt werden. Wohnungskommission. Zu einer Aussprache über die neue Situation, die durch das Llorgehen Preußens auf dem Gebiet des Wohnungswesens gc- schaffen wurde, trat die Wohnungskommission des Reichstags am Mittwoch wieder zusammen. Die Mehrheit war sich darüber einig, daß nach wie vor an einer einheitlichen Regelung dieser wichtigen Frage durch das Reich festzuhalten sei. Die Kommission trat dann in eine Generaldebatte ein. die folgende Forderungen zur Grund- läge hatte: Schaffung einer Reichswohnungsstatistik, Regelung des Taxwesens, des Erbbaurcchts und der Verwendung reichseigncn Geländes für den Bau von Kleinwohnungen. Eine Unterkommission soll nun eine Resolution ausarbeiten, die zu der dritten Lesung des Etats des Innern dem Reichstage unterbreitet werden wird. Die Äonkurrenzklausel. Durch einstimmige Beschlüsse der Reichstagskommissionen wur- den am Mittwoch die ßS) 75a, 75b der Regierungsvorlage gestrichen. Beide Paragraphen enthielten sonderbare Vergünstigungen für die Prinzipale. Nach 75a sollten sie berechtigt sein, vor Äblauf des Anstellungsvertragcs auf die Konkutrenzklauscl zu verzichten, wo- durch der Angestellte auch das Äecht auf die Entschädigung ein- büßte. Nach 5) 75b sollte eine Konkurrenzklausel ohne die gesetz- liche Entschädigung des Gehilfen vereinbart werden können für Stellungen außerhalb Europas, für Stellungen mit mehr als 8000 Mark Iahrcsgehalt und drittens, wenn die sogenannte kleine Kon- kurrcnzklausel nur für ein Jahr und nur für einen Umkreis von 2 Kilometer gelten sollte.— Ein Zentruinsantrag, nach welchem der Angestellte berechtigt sein sollte, während der Anstellungszeit wegen veränderter Geschäftsverhältnisse auf Aufhebung des Weit- bewcrbverbots zu klagen, wurde als praktisch bedeutungslos eben- falls abgelehnt. Infolge der Ostcrferien wird die nächste Sitzung am S. April abgehalten. Aus der Wahlprüfungskommission. Die Wahl des Abg. Frommer(k.1 wurde für gültig er- klärt.— Dagegen wurde die Wahl des Abg. Pens(Soz.) bean- standet und Beweiserhebung beschlossen. Wenn, ivas nicht anzu- nehmen ist, alle Behauptungen des Protestes als wahr erwiesen werden sollten, dann lvürden dem Genossen Pcus a ch t Stimmen an der Mehrheit fehlen. Hus der Partei. De«„Staatsdicnereid" leistete am Dienstag in der Stadrvcrordnctensitzung zu Frank- furt a. M. der zum Stadtrat gewählte Genosse Benno Schmidt. Oberbürgermeister Voigt, der den neuen Stadtrat„in Eid und Pflicht" nahm, und auch der Stadtvcrordnctcnvorstehcr Geh. Justiz- rat Friedleben hoben in ihren Bcgrüßungswortcn die bisherige objektive und erfolgreiche Tätigkeit unseres Genossen anerkennend hervor, die die beste Gewähr biete, daß Schmidt auch im Magistrat der Stadt gute Dienste leisten werde. Jaures gegen die Andlerschen Fälschungen. Paris, 4. März. lEig. Ber.) In der heutigen„Humanite" schreibt Iaures über die von der reaktionären Presse so ausge- beuteten Andlerschen Artikel:„Der„Tcmps" hält mir vor, daß ich noch nicht direkt geantwortet hätte. Das ist wahr. Denn ich wollte mich gegenüber einem Manne wie Andler nicht darauf beschränken, seine Irrtümer aufzuzeigen— Irrtümer in der Interpretation und Irrtümer im Tatsächlichen—, sondern wollte ihre pshcholo- gischc Ursache, ihren tiefen Grund darlegen. Aber da er der g r o ß e Lieferant des Giftes geworden ist. das man gegen uns herumträgt, da seine unwahrhaftigcn Kapriolen, seine Paradoxe und falschen und verstümmelten Zitate die eigentlichste Quelle der schlimmsten Nationalisten geworden sind, will ich heute schon an einem präzisen Beispiel zeigen, wie seine wissenschaftliche Methode beschaffen ist. In seinem Artikel über den„imperialistischen Sozialismus" sagt er von Bebel folgendes: Was aber neu ist, ist sein Ausspruch auf dem Jenaer Parteitag:„Die Frage der Abrüstung wird uns nicht mehr trennen. Nicht abrüsten, sondern aufrüsten ist die Parole."— Das ist die gesegnete Phrase, die die Feinde des So- zialismus. von den Journalisten des„Temps" bis zu Herrn A u l a r d. dem strengen Historiker, wiederholen, kolportieren, kommentieren. Sie alle operieren, auf Andler gestützt. Nun, das Zitat ist falsch, zweimal fal Wh. Sein Sinn ist gefälscht und sein Text desgleichen. Jwsciner Isolierung, von allen vorangehenden Sätzen und von allen historischen Umstände», die es erklären, abgelöst, sieht es wie eine einstimmige Zustimmung der deutschen Sozialdemokratie zum verbrecherischen Rüstungswabnsinn aus. Aber Bebel spielte hier auf die Vorschläge der englischen Liberalen über die Einschränkung der Rüstungen an. Tic weitaus überwiegende Mehrheit der deutschen Sozialdemokraten hatte es der Reichsregierung übelgenommen, diese Vorschläge nickt ange- nommcn zu haben. Einige indes hatten sich gefragt, ob diese Vor- schlüge ernstgemeint seien, ob sie mitten im kapitalistischen Weit- kämpf aufrichtig und wirksam sein könnten. Und Bebel, der nach dem Coup von Agadir und der scharfe» Antwort Lloyd Georges sprach, sagte mit düsterer Ironie und hartem Pessimismus: Wir werden nicht mehr den Wert der Vorschläge von teilwciser Abrüstung zu messen haben. Ueberall ist nur noch die Rede davon. die Rüstungen zu verstärken. Nun— im Artikel des Philo- logen und Philo sophe ii Andler findet sich nicht ein Wort und ebenso keines im Artikel des Historikers Aulard. das ermöglichen würde, den Sinn des Satzes zu er- fassen. Ich spreche nicht vom„Temps", der weder Philosoph. »och Historiker, dafür manches andere ,st. Was aber noch viel schwerwiegender, ja wahrhaft er- schreckend i st, ist die Tatsache, daß sowohl Andler, wie Aulard und der„Temps" au? dem von�ihncn scheinbar wörtlich zitierten Bcbclschcn Satz vier Worte ausgelassen haben, die dem Ei ii fältig st en ermög- licht hätten, den wahren Sinn zu erfassen, und den Perfide st cn gezwungen hätten, ihn anzu er- kennen. Bebel hat nicht gesagt:„Die Parole ist, nicht abrüsten," sondern:„Für das b ü r g e rl i ch c Europa ist die Parole..." Ich habe das stenographische Protokoll des Parteitages von Jena vor mir liegen, auf das sich der Philosoph Andler, der Historiker Aulard und der„Tcmps" beziehen. Ter Satz, den sie derart amputiert und gefälscht haben, steht aus Seite 171 oben. Das Buch steht zu ihrer Verfügung. Niemals haben wissenschaftliche Autoritäten mit mehr Leichtfertigkeit gehandelt. „Für das bürgerliche Europa." Diese Worte, die Andler, Aulard, der„Temps" und ibr ganzes Gefolge aus Bebels Satz gestrichen babcn, ist wabrlich der Wahlspruch ihres Handelns. Alle miteinander, die einen, ohne es zu wollen, die anderen mit Bc- wußtscin, haben für das bourgcoisc und reaktionäre, für dos mili- taristischc und chauvinistische, für das barbarische, blödsinnige und gewalttätige Europa gearbeitet. Sie haben die Mißverständnisse verdichtet, die die Völker voneinander scheiden. Sic haben versucht, Verdacht zwischen den Teilen des Proletariats zu säen, die die Kultur und den Frieden nur durch die gemeinsame Aktion retten können. Aber sie werden keinen Erfolg haben, und gegen die ge- schichtliche Wahrbeit werden verstümmelte Zitate nichts ausrichten. Den Glanz, der aus dem sranzösisch-deutschen Manifest ausstrahlt, werden sie nicht verdunkeln." Aus der italienischen Partei. Rom, den 3. März.(Eig. Ber.) Der aus Grund seiner Sym- pathien für den libyschen Feldzug aus der Partei ausgeschlossene Abgeordnete Podrccca bat seinem Wahlkreise Budrio sein Mandat zur Verfügung gestellt. Nachdem die Parteisektionen bereits erklärt battcn, an seiner Stelle den ländlichen Organisator, Genossen Massarenti, zu proklamieren, hatten die Gewerkschaften des Kreises den Wunsch geäußert, Podrccca auch weiterhin als Abge- ordneten zu haben. Der lokale Gewerkschaftskongreß, der am 2. März über diese Frage entscheiden sollte und an dem auch Bissolati teilnakm, ergab aber eine starke Mehrheit zugunsten des Parteikandidaten Massarenti. poliseilicbes, HcncbtUcbcs ulw. DaS Strafkonto der sozialdemokratischen Presse wurde im Monat Februar d. I. recht erheblich belastet. Während im Januar bei fünfzehn Verulteilungen an Strafen verhängt wurden 2005 M. Geld- und 2 Wochen Gefängnisstrafe, zeigt der um drei Tage kürzere Februar 8 Monate, 8 Wochen Gefängnis- und 1820 M. Geldstrafe! ES wurden achtzehn Preßprozesse bekannt, davon endete nur einer mit der Freisprechung des An- geklagten. Im Februar 1912 hatten die Justizaktionen gegen die Arbeiterpresse folgendes Resultat: 1655 M. Geldstrafe und 5 Monate Gefängnisstrafe bei 16 Prozessen. Der VerfolgungskurS ist also heute schärfer denn je. Jugendbewegung. Eine Angstparode. Man schreibt uns aus Stuttgart: Erbauliche Einzelheiten werden nachträglich noch vom„Jung- deutschlandtag" in Stuttgart am Sonntag, den 2. März, be- kannt. Die„Parade" machte einen geradezu kläglichen Eindruck. Aus ganz Württemberg hatte man die„Jungmannschasten" zu- sammcngctrommclt und gepfiffen. Gratissahrt ans der Eisenbahn, ein leibhaftiger Herzog mit einem Gcncralseld- Marschall zur Seite, vor dem man Parademarsch machen darf— wenn das nicht zieht, zieht gar nichts mehr! Und das Resultat? Nach offizieller Angabe 5000„Jungmannschaften" aus ganz Württemberg! Leute, die auch schätzen können, meinen, so etwa 1000 dürften dabei zuviel oder doppelt gerechnet sein. Und der Rest? Zum großen Teil Bübchen von 10 und 11 Jahren, an- scheinend ländliche Schulklasscn, die die Gelegenheit benützt haben, um unter der Führung des Herrn Lehrers oder des Geistlichen cinc Gratissahrt nach Stuttgart zu machen. Eine Fahrt nach Stutk- gart ist nämlich der höchste Wunsch der Dorfjugsnd Württembergs, ein Ereignis, das alter Tradition zufolge sonst nur am Tage nach der Konfirmation zur Tatsache wird. Den Bübchen kann man wirklich nicht verübeln, daß sie diese billige Gelegenheit, ihres Herzens Sehnen zu stillen, ausgenützt haben. Die Arrangeure des Spck- takels sind für diesen Mißbrauch der Jugend zu politischen Zwecken auch hart genug gestraft worden. Solch große Angst wie bei d e r Parade haben sie wohl im Leben nicht ausgestanden. Es hatte sich nämlich das Gerücht verbreitet, die„Roten" wollten einen „kriegerischen Uebcrfall" auf„Jungdeutschland" veranstalte». Der Polizei fiel die Ausgabe zu, die paradierenden„Massen" mitsamt ihrem Gencralscldniarschall sicher zu behüten. Zu dem Zweck war die gesamte Polizcimacht Stuttgarts aufgeboten. Eine dichte Kette von Schutzleuten, alle schwer bewaffnet, schloß alle Zugangsstraßcn zum Schloßplatz ab. Die Stuttgarcr Polizei fühlte sich allein aber nicht stark genug, dem drohenden„Ansturm" der Roten zu bcgcg- »en. Auch die Gendarmerie des Landes war mobilisiert, ein starkes Korps zusammengezogen und am Schloßplatz in Reserve gc- stellt worden. Als die ersten Nachrichten von dem Riesendcsuck der DcmonstrationSvcrsammlungcn der Arbeiterschaft einliefen, stieg die Nervosität aufs höchste. Manch biederer Schullehrer vom Land witterte schon Pulver und Blutgeruch, Aber— Gott sei Dank— die Gcfabr für Leib und Leben ging glücklich vorüber. Sintemalen die Arbeiterschaft gar nicht daran dachte, die Angstparode gewaltsam zu stören. Nun nach glücklich überstairdencr„Gefahr" ist die bürger- liche Presse wieder sehr mutig geworden. Der„Staatsanzciger für Württemberg" renommiert sogar:„llcbrigcns waren von der Polizei aus alle Fälle die geeigneten Vorkebrungcn getroffen worden, um jede Störung der Jungdeutschlandseier auf dem Schloßplatz unmöglich zu machen." Na, wenn die Sicherheit des Reiches von diesen polizeilich beschützten Helden abhängt, dann gute Nacht! Einen Trost haben die Arrangeure dieser Parade des schwä- bischen Jungdeutschlands gehabt. Sic hatten, wie das nun einmal bei alten aufrechten Patrioten üblich ist, ein Huldigungstclcgramm an den deutschen Kaiser gerichtet. Dieser hat darüber mit einem Danktelegramm guittiert, in dem er seine„aufrichtigen Wünsche für das fernere Gedeihen dieser segensreichen Einrichtung"(nämlich des Jiingdeutschlandbiiiidesi ausspricht. Em Industrie und bandet. L',', Prozent Dividende weniiser. Der A. S ck a a f f h a» s e n s ch e Bankverein schließt das Geschäftsjahr 1912 mit einem ganz erbcblichen MindcrerträgniS gegenüber Ifill�jib. ES erfährt einen R ü ck g a n g der Brutto- gewinn von 20,777 Millionen auf 17,000 Millionen, der Reingewinn von 13,738 auf 9.143 Millionen, die Dividende von 7>/z auf 6 Pro- zcnt. Die Ursachen der großen Verluste des Bankvereins werden aus den eigenen Angaben der Verwaltung über die Abschreibungen dentlich. Bon dem Bruttogewinn wurden gekürzt: Verluste durch Diebstahl und Veruntreuung. 124 069 M. Abschreibungen auf zweifelhafte Forderungen 472 000 M. Minderbewertung von unnotierten Werten. 500 000 M, Rückstellung für Berliner Grundstücksgeschäste 2 000 000 M. Allein zwei Millionen hat der Bankvereiii also sür Verluste bei Gruildstiicksgeichäftcii in Berlin zurückgestellt. Die tatsächlichen Ver- luste des Bankvereins auf dem Terrain- und Baumarkt können in- dessen noch höher ausgefallen sein. Da auch die allgemeinen HandlungSunkvsten von 3,9 auf 4,4 Millionen gestiegen sind, erhöhten sich die Gesamtausgaben von 7 auf 8,8 Millionen Mark. Zu den vermehrten Ausgaben kommt nun noch starke M i n d e- rung der Einnahmen. Das Gewinnkonto zeigt folgende Posten: 1912 gegen f911 M. Vortrag aus 1911.... 260 071,60 Provisionen 6 820 034,34 Zinsen 6 377 457,13 Gewinne aus Wechseln... 4 195 639,73 Gewinne aus Effekten... 1095 036,91 Einnahmen aus Immobilien 152 038,56 M. 561 252,64 5 404 243,85 5 893 632,61 4 099 450,21 4 689 038,55 129 322,50 17 909 278,27' 20 776 940,36 Während der Bankverein an den hohen Geldsätzen nur durch geringe Beträgnisvermehrung an Zinsen, Provisionen und Wechseln profilierte, trug ihm der gesamte Geldmarkt eine Gewinnminderung bei dem Effektengeschäft um 3>/z Millionen ein, Aus dem um 4�/z Millionen zurückgegangenen Reingewinn von 9,14 Millionen verteilt der Bankverein eine Dividende von 5 Proz. (statt 7'/z Proz.s auf das Aktienkapital von 145 Millionen. Unter dem Pumpzwang. Zwischen der Niederösterreichischen ESkomptc-Gesellschaft und der Gußstahlfabrik Poldihütte einerseits und der chinesischen Regierung andererseits ist ein kom- biniertes Anleihe- und Warenlieferungsgeschäft abgeschloffen worden, wonach die Eskompte-Gesellschaft der chinesischen Regierung ein Darlehen von 300 000 Pfd. Sterl. gegen die Verpflichtung gewährt, daß die chinesische Regierung während der nächsten zehn Jahre der Poldihütte im Betrage der Anleihe Aufträge an Werkzeugstahl. Gcwehrläufen und Kanonenteilen erteilt. Die Poldihütte Wird in Peking eine eigene Niederlassung errichten. Gerickts-Leitung. Ter Tternickel- und der Dabendorfer Prozeß. In der nächsten Woche werden zwei große Kriminalprozesse fast gleichzeitig zur Verhandlung kommen und beinahe die ganze Woche ausfüllen. Im Schwurgerichtssaat zu Frankfurt a. O. nimmt am 13. d. M. der Prozeß gegen Tternickel und Genossen seinen Anfang. Der Hauptangcklagtc August Tternickel, der jetzt 46 Jahre alt ist, ist vielfach vorbestraft, darunter mit zwei, drei und vier Jahren Zuchthaus. Von den drei Mitangeklagten ist der Arbeiter Willi Kcrsten aus Adlcrshof noch nicht ganz 18 Jahre alt und bisher unbestraft. Sein Bruder, Arbeiter Georg Kerste« ist 19� Jahre alt und schon zweimal mit Gefängnis vorbestraft. Der letzte An- geklagte, der 18-Ä Jahre alte Arbeiter Franz Schlicwenz, ist auch vorbestraft.— Die sämtlichen Angeklagten werden des Mordes und des schweren Raubes an dem Bauerngutsbesitzcr Fritz Kaltes zu Ortwig, dessen Ehefrau Natalie Kalies und dem Dienstmädchen Anna Philipp beschuldigt. Die Bluttat ist bekanntlich am 7. Januar d. I. begangen. Sternickel steht außerdem unter der.Anklage, am 8. Januar bei Ringcnwaldc eine Strohmictc in Brand gesetzt zu haben. Wie aus den täglichen Berichten über den Fortgang der Voruntersuchung bekannt ist, gehen die Angeklagten in ihren Dar- stellungen über den Verlauf des Dramas, über die Rolle, die jedem einzelnen zugeteilt war und die Tätigkeit, die der einzelne ent- wickelte, weit auscinauder. Sternickel behauptet noch immer, daß er die Tötung des Dienstmädchens und des Ehepaares niemats beabsichtigt habe. Sein Plan sei vielmehr dahin gegangen, die drei Personen zu fesseln und zu betäuben, er habe sie dann mit den Kindern zusammen in eine Stube bringen, die Tür verschließen und dann auf Beraubung des in der Amtsstube stehenden Geld- schranks entfliehen wollen. Die drei Mitangeklagten schieben die Täterschaft dem Sternickel zu, der sie angeworben hatte, um gemein- schaftlich„ein Ding zu drehen"; sie wollen nur eine untergeordnete Rolle bei der ganzen Affäre gespielt haben. Der jüngste von ihneri, Willy Kersten, ist derjenige, der die beiden Kaliesschen Kinder, die im Schlafzimmer im Bett lagen, in Angst und Furcht hielt, indem er sich mit einem geladenen Revolver ans Bett setzte und ihnen drohte, sie totzuschießen, wenn sie sich rühren würden. Aus dem Geldschrank des Kalies sind im Ganzen etwa 500 M. gestohlen, die unter die vier Angeklagten fast zu gleichen Teilen verteilt wurden. Die drei Verbrecher sind nach der Tat nach Berlin gefahren, haben hier in einer vergnügten Nacht mit Dirnen fast das ganze Geld durchgcbracht und sind bald nach der Tat. 10. Januar, in der Leb- inannschen Gastwirtschaft, Grüner Weg. fcstg-nammen. Stermckcl war bekanntlich noch auf dem Gehöft geblieben. Er hatte die Leichen des Ehepaare? am Abend auf einem Kaliesschen Wagen nach einer zum Gute Ringcnwaldc gehörigen Strobmiete gebracht, diese angezündet und die Leichen hineingeworfen. Gegen 4 Uhr morgens wurde der Brand von einem Pferdeknechte des Gutes bemerkt und bei den Löscharbeiten die am Oberkörper schon stark verbrannten beiden Leichen entdeckt. Nach Aufsindung der Leichen war Sternickel entflohen und wurde am 9. Januar in Gustebiese verhaftet.— Es sind drei Tage für die Verhandlung angesetzt. Zwei Tage vor dem Stcrnickclprozeß, nämlich am 11. d. M. und die folgenden Tage wird die bekannte Dabendorfer Mordaffäre vor dem Schwurgericht des Landgerichts Berlin II unter Vorsitz des Landgerichtsrats Kehre verhandelt werden. Sofern nicht in den Verhandlungen besondere Momente hervortreten werden, werden wir uns auf die Mitteilung über'den Ausgang der Prozesse be- schränken._ Der Mädchcnmord am Teltowkanal. In dem Prozeß gegen den des Mordes an dem Hausmädchen Martha Sildatkc angeklagten 20jährigcii Diener Richard Stäbner wurde gestern die Verhandlung zu Ende geführt. Die Geschworenen bejahten die Schnldfragc wegen Totschlages unter Ausschluß mildernder Umstände. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Marktpreise von Berlin am 4. März 1i»l3, nach Ermittelungen de! tönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Wetzen, gute Sorte 19,54 bis 19,60, mittel 19,42—19,48, geringe 19,30—19,36. Roggen, gute Sorte 16,34—16,35, mittel 16,32—16,33, geringe 16,30—16,31(ab Bahn). Futtergerste, gute Sorte 1�40—17,00, mittel 15,80—16,80, geringe 15,20—15,70. Hafer, gute Sorte 18,30—20,20, mittel 16,60—18,20(frei Wagen und ab Bahn). Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(KIcinhdl.) 6,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1.30— 1.80. Schweinefleisch 1.60—2.00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,20. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,00— 6,00. 1 Kilogramm Karpicn 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,60-2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—8,20, Bleie 0,80—1,60, 60 Stück Krebse 4,00-24,00. WasserstandS-Nachrichten der LandeSanftalt für Gewäsferimide, mitgeteilt vom Berliner Wetterkur eau ') 4- bedeutet Wuchs,- Fall.— Unterpegel.—•) EiSftei.— 0 Eisstand.—•) Schwach� EiStreiberr.—•) Treideis. Brkfltartcii der Kcdafttfon. Tic jurtltifcöe eprcqftu-dc findet«tudcnftrnfte vs, vorn vier Trevvc» »- s-vrfinhl—, woiheutogllch von ti-, bis 7� Uhr abends, Sonnabends, von tu, bts« Uhr abends statt. Jeder Mir den Bricftasten bestimmten Änsrage ist ein Bachstab- und eine Zahl als Mertzcichen bciznfüaen. Briefliche Äntiaort ivird nicht cricllt. Anjragen, denen leine AbonneinentSanittung bligefstüt ist, »erden nicht dcantlbortet. ttiliiir Fragen trage man in der Sprechstunde vor. N. R. lO.i. Es kciiin eine dahingehende Besiimmung durch Testament getrosfen werden.— 100.(trun. Fordern Tie unter Fristsetzung die pastende Ansertrgung. Geschieht das innerhalb der Frist, die etioa 1t Tage beliagen muß, nicht, so können Sic Klage bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Schneiderin ihren Wohnsitz bat, erheben Sie iind beweispstichliq ?.'c ssschi sitzt.— C. W. 0. 1. Eitic.Krankenversicherungs- <- J � öurzeit für Aunvärterinncn, sosern sie nicht im Gewerbebetrieb »ing sind, N0.H nicht. Die Rusnabnie in eine Ortskrankcnkasse ist nicht zu- lästig. Wir nnten, sich mit der Offcnbachcr Franenkasie, zu Händen des vrrrn Wilhelm Hinz. Prinzcnstr, vö, in Verbindmig zu setzen.- K. C. 48. — wJorqunrbt, KöVeiiieker Strafte. ES miitzte bis spätestens am lo.geruiidigt werden. Die Kündigung halte zum kommenden Erstell ge« wirkt. Sie haben daher Anspruch aus Mictszahlung siir einen Monat. Eine dahlngcbende Klage würde nach Ihrer Darstellung Ei-solg hüben. Der Lohn kann beschlagnahmt werden, wenn und soweit er LS.8SM. pro Woche übersteigt,- 3», W.«l. 90. 1. Nein, st. Fa. -- B»ls,eu»st Macht. Die Steuer beträgt 10 Proz,— Rrinlcken. darf 48. Ja.— Mk 999. Verjährung ist nicht eingetreten.— St. D. 30. 1. Nein 2. Für den Fall der Psändung können Sic intcr- venlcrcn.— Gg. 500. 1. Das dürste nicht ausreichen. 2. Verjährung ist nicht eingetreten, 3. Ja,— 40—40. 1, Die Auffassung des Oberstaats. anwaltS ist zutreffend. Der Antrag must durch einen Anwalt gestellt sein, ist aber in der vorliegenden Sache wegen Fristversäumnis aussichtslos,— — P. A. 1000. Eedobcrfläche jOSOötOöO Ouadratkiloinetcr.— jjö. I. 100. Im Osten Berlins ist die Adresse: K, Röbel, Kopermlusslr, 9, Quer- gebäude I.— R. D. 100. ZK— 41° Ccliius Wärme,— A. Sil. 4. Richten Sie ein Gesuch an den Magistrat, Vielleicht biist es,— Freidenker. Frei- religiöse Gemeinde. Papvel-Ällcc 15/17.— G. G. 12. In der Regel ist die Tätigkeit derartiger Bnulcn mit der Annahme ciiieZ Vorschusses criedlgt, Ob das im angcsragten Falle so sein mnst. lvissen wir nicht.— An»i 19. Mit einer Mischung von 20 Gramm Salzsäure und einem halben Wer Wasser bürsten und mit einem leinenen Lappen scheuern, dann mit Ledcrlapven und präpariertem Hirschhorn polieren,— G. D. 185. Nach genauer Unter- suchüng durch einen Arzt dessen Anordnung bcsolgen,— ZI..10. Sind das Gebrauchs- oder Ziiinstgegenslände? Entere bei jedeiü Goldarbeiter, im letzteren Falle beim Kunsthändler' oder cmcm Museum«Kaiser Friedrich- Muleumt,— 49. M. 44. Die Löhnung des gemeinen Soldaten beträgt in Frankreich 5 Eeiitimcs= 4 Ps. täglich. Der sranzvsstch- Zoidat erhält aber zweimal täglich warnreS Essen usw.— O. S. 345. Die Feldwebel der Iusanterlc erhalien 00 M, monaliichc Löbiiuiigi die Vizeseldwebel 45 M„ die Sergeanten.13 M, die Unteroffiziere 25,50 M, Die Wohnungsgeld- entlchüdigung ist in den einzelnen Ganiisonen verschieden und richtet sich nach den Seroisklasseii, Tie schwantt zwischen 252 und 106 M, für Feidloebel uno zwischen 106 und 54 M, jährlich für Unterossizicrc, — Gin Ratloser 3000. I. Klage crschcinl durchführbar. Sie vmst bei deni Landgericht, in dessen Bezirk Ihre Schwiegermutter wohnt, erhoben werden und zwar durch einen NechtSanwalt, 2, und li, Sie sind alimentaiionSpjlichtig, In solchen Fällen ist auch die unbcschrälKtc Lohn- beschlagnahme zulässig. Abzug eines höheren Betrages, als wie im PföndungS- und UeberweisungsbeschlüB bezeichnet, ist nicht zulässig, Sic müssen sich deswegen an den Arbeitgeber wenden,— S. M. 7. 1, Ohnr Nachlveis eines schulohajlcn Verhaltens, nein. 2. Bei dem Amtsgericht, iir de'fcn Bezirk die Vermicieriu ihren Wohnsitz hat, 3. Richtet sich nach der Höhe dcS Objektes, «st. Zt. 6. Läßt sich nur jagen nach Einuchtnahme . 374. 1. ES ifi st Mal je 50 Ps. zu nicht vorher verwendet worden ist.— zahlen, sofern der Stempel..M-----„ C. Kr. Mariendorf. Ja, sofei, der Betresiende in der fraglichen 5,51t ein sleuerpstichtigeS Einkommen balle.— C. 4*. 903. 1. Rein, da Sie den Unter stützuiigswodnsitz in Berlin verloren haben, 2, Sic haben Anspruch an die Gemeinde Treptow, Falls die llnierstütznng verweigert wird, müssen Sie sich beim KreiSausschug des Kreises Teltow zu Händen deS LandrateS in Berlin, beschweren,— J». M M. 1. und 2. Rem, — L. I. 50. 1, Ter Anwalt ist dazu nicht verpflichtet, irnmerbin richten sie an denselben ein dabingebendeZ Gesuch, 2. Zwei bis drei. 3. Sosenr Psändung criolgt, kann das Abzohlungsq-schäst intervenieren.— H. K. 7„ l. und 2, So lange die Ehe nicht rechtskräftig geschieden ist, gilt auch der Gltrcnntlcben ein anderweiter Verkehr als Ehebruch.— H- Z.. 5. ES kann aus Herausgabe der Bilder, snr den UnvermögenSsall aus Eislaltung deS Wertes gellagt werden. Fordern Sie nochmals unter Setzung einer' Frist, am besten durch eingeschriebenen Bries, die Herausgabe.— F. 3. 1000. Sic sind zahlungspflichtig. Ihre Absicht, aus der Kirche auszuscheiden, mühen Sie dein Amisgericht Berlin-Mitte, Reue Friedrich- itratzc 12/15, unter Angabe Ihrer Personalien mitteilen. Sie bekommen alsdann eine Vorladung, Gebt eine solche nicht ein, so müssen Sie selber die Austriltseriläruna mündlich beim'Amtsgericht abgeben und zwar frühestens nach 4 Wocqen seit Eingang Ihrer Zlustrittserllärung bei Gerichr und spätestens 6 Wochen nach diesem Tage, Auch ist eine Bescheinigung über Ihre RclizionSzugehörigkeit mitziinehmen,— R. H. 34. Amts. gericht Hamburg,— Hern-. P.,?kc«kölln 777. 1. Nein, 2, und 3, Ja. ZswMlZeMlerVvrZwtt. Donnerstag, den 6. März, abends LH/,, Uhr, im..Stwinemünder GesellscliaftahaiiH'S Swincmündcr Str. 42: Seffent!. Versammlung tfua« Männer u. Fr'ayen. Tagesordnung: 1.»Die wirtschaftliche Eroberung der Welt durch die orgaui- sierte Arbeiterklasse«. Rescrcnt: ReichstagSabg, tt.?<>««. 0e»»u. 2. Diskussion. 103/19 DaS Srschcmen aller derer, die ein Interesse an dem wirtschaftlichen Aufschwung der Arbeiter haben, ist dringend erwünscht. _ TaS genossenschastliche Älgitationökomiteo. �2 //�-KS �.'//' ■ t\\� gegen 12 Monate Ziel! gewährt Ihnen KREDIT-FEDER Zentrale: Brynnenstrasse 1 F'Hsle Osten:| Fiüals Nörten; Frankfurter äilee 89 1 Kottbaser ösnim 1G3 Anzahlung niedrigst, ganz nach Ueberelnkommen flusstellanj nnti. Soison-Reuheiten Herren- Bekleidung Anzüge u. Paletots In den»«ucsteii Farkien und IFas�ons KConlfls'fflianderä'AßzIlfie blau u. schwarz, 1-u. 2-reihlge Formen ,AMEN-G«rderebe Die vetzsss Mode: = Neueste Jacken-Kostüme= Konfiirmanden- Kteider Prllfungs-KSeiäer Damen-Hüte Jahrs- Neuhelten Kinder, neue Formen ütam u.-T.-Biuette für«amtlich« 5 U.-T.-Theater erhalien meine Kunden sofort nach Kauf verabfolgt. Der gy tsätiende — Eimig | macht den OenUemsn. Heute end foiaer.deTaje: Verkaulvon etoßeo Foj'en| neuer oder fgebrauditer MonaUgerderobe. Anzüge. 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Festvorträgc aus der Orgel mit Viotinbeglcitmig. Eintrittspr.: Erwachsene 30, Kinder 10 Pf. Am Sonntag, den 35. Btärz, vormittags 10'/, Uhr, KI. Fraiilfurtcr Str. 0: Herr Or. Brnno Wille: Fcstvor.rag;, Cbrist ist erstanden!- Am Sonntag, de» Z0. Marz, vorm, MF/, Uhr, im ielben Lokal: Herr 4>r. Ilax Brlv: „Shakespeares Menschheitsiragödien: Tcs Undanks, des(ShrgeizcH. der Gifersod/t sKontg Lear, Macbeth, Othello).» 53/6* Buchhandlung Vorwärts Lindensir. 69 Zm-J era dkpopuiäre ti�ardie Bitte probieren züglich eingeführte "1? unsere vor. 202/3* Bruch-Kaffee-Mischung auS seinen Kaiseesorien mit bc- währten In Kaffce-Eriatzstoffen, per Pfund 1,10 Mark VerBisiKlli»«!.„Sanltn-i", Bcrlin-Schöncbg.,?lvostcI-Pau!uSstr.4. 9/1 Psund-Pojtpaket franko. Öle reellsten und billigsten Möbel und Polntcrwaren crhiilt man zu Kassapreisen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. tSchnla, Reichenherger Strafte 6. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger. Garantie.(5 Proz. 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Unmittelbar nach Schluß der militärischen Uebungen in der Nordsee ist das Torpedoboot L. 178 von dem Panzerkreuzer„Jorck" derartig angefahren und gc« rammt worden. daß es vollständig zerschnitten wurde und alsbald in die Tiefe versank. Die Katastrophe ereignete sich fünf Seemellen nördlich von Helgoland Die genaue Zahl der Todesopfer steht noch nicht fest. Dir Besatzung des gesunkenen Torpedobootes soll aus 81, nach einer anderen Lesart aus 83 Personen bestanden haben. Da nur IL bis 16 Personen gerettet wurden, würden 67 oder 68 Personen ihren Tod in den Wellen gefunden haben. Wen die S ch u l d an der furchtbaren Katastrophe trifft, durch die so viele blühende Menschenleben vernichtet und so viele Familien in Trauer versetzt wurden, ist einstweilen nicht festgestellt und wird vielleicht auch niemals festgestellt werden. Da die Katastrophe nach Beendigung der mili> tärischen Uebungen eintrat, fuhren die Schiffe sicherlich wieder mit nichtabgeblendeten Lichtern, so daß der Zusammenstoß nur auf eine Unvorsichtigkeit oder einen verhängnisvollen Zufall zurückgeführt werden kann. Nach einer Meldung soll das gesunkene Torpedoboot ver- sucht haben, zwischen dem großen Kreuzer„Aorck" und einem klemm Kreuzer hindurchzufahren. Dabei sei es infolge eines falschen Steuermanövers, das vermutlich wiederum auf ein mißverstandenes Kommando zurückzuführen sei, in den Kurs des großen Kreuzers„Aorck" geraten und dabei gerammt worden. Inwieweit diese Vermutungen der Wirklich- keit entsprechen, ist schwer festzustellen. Es bleibt eben nur die grauenhafte Tatsache bestehen, daß 68 Mmschenleben im Nu vernichtet worden sind! Die Geschichte unserer noch verhältnismäßig so jungen Marine ist reich an Katastrophen. Allein seit dem Jahre 1895 sind durch Torpedobootsunfälle in der deutschen Marin? 74 Menschenleben vernichtet worden, wobei die neueste Kata- strophe noch nicht mitgerechnet ist. 47 Todesopfer davon wurden seit dem Jahre 1965 gefordert. Mit dem wachsenden Marinismus mußten selbstverständlich auch die Opfer wachsen, die ja auch in Friedenszeiten gebracht werden müssen. Unsere herrschende Klasse wird sich auch über diese Kata- strophe bald mit den Worten trösten: uavlgare iiecesse est, vivere non est, zu deutsch: die Schiffahrt ist notwendig, das Leben ist es nicht. Aber so wenig dieser Spruch schon auf die Handelsmarine zutrifft, bei der sich durch vernünftige Schutz- einrichtungen ein ungeheurer Prozentsatz der leider noch so riesigen Menschenverluste ersparen ließe, so wenig gilt das Wort auch für unsere Kriegsmarine. Auch hier würde manches Mci�chenopfer, das in Friedenszeiten fällt, erspart werden können, wenn alle Vorsichtsmaßregeln ge- troffen würden, die notwendig sind. So wenig wir Vorwürfe gegen einzelne Personen er- heben wollen, so sicher ist doch, daß der Geist des b r a v o u. rösen Sichhervortuns und des rücksichtslosen Draufgängertums auch bei dm Unfällen unserer Marine oft genug die Schuld an Katastrophen getragen hat. Solange nicht der Schutz des Menschenlebens als das ober st e Gesetz unseres ganzen gesellschaftlichen Lebens gilt, sondern die Hintansetzung des Lebens gerade- zu als nationale Bravourtat gepriesen wird, werden auch in Zukunft Katastrophen nicht ausbleiben, die bei Beob- achtung der notwendigen Vorsichtsmaßregeln zu verhüten gewesen wären! Die amtliche Darstellung. Das Nachrichtenamt de» Reichsmarineamts gibt folgende Dar» stellung über den Untergang de» Torpedoboots.5 178":..Da» Torpedoboot»S 178" ist in der vergangenen Nacht 11.30 Uhr abend» bei der Rückkehr von einer Nachtübung durch den großen Kreuzer.Uorck" gerammt worden und in sehr kurzer Zeit gesunken. Nur ein geringer Teil der Besatzung hat gerettet werden können. Der große Kreuzer„D o r i" ist unbeschädigt. Der Unglücksfall hat stattgefunden fünf Seemeilen nordöstlich von Helgoland.", Zu dem Unglücksfall wird ferner gemeldet:.8 178" gehörte zu der 11. Halbflottille, die zurzeit mit dem Verband der Auf- klärungSschiffc in der Nordsee übt. Der Kommandant de» unter- gegangenen BooteS war der Kapitänleutnant Beorg Koch, der bis vor kurzer Zeit das Torpedoboot„8 17g" kommandierte. Das Boot hat eine Wasserverdrängung von 636 Tonnen, ist im Jahre 1969 auf der Schichauwcrft von Stapel gelaufen. Die Maschinenanlage waren Schichau-Turbinen. Der Besatzungsetat beträgt 8 3 M a n n, doch ist zurzeitnicht fe st zu st cllen, wieviel Mann ihren Tod in den Wellen gefunden haben, da eine amtliche Verlustliste sich erst wird aufstellen lassen, sobald die Geretteten gelandet worden sind und der Appell an der Hand der BesatzungSliften, die bei den Marineteilen am Lande geführt werden, stattgefunden hat. Man vermute, daß verschiedene Schiffe noch Gerettete an Bord haben. Keine abgeblendeten Lichter. Zu dem Unfall wird weiter gemeldet: Das unter- gegangene Torpedoboot„S 178" war in Wilhelmshaven be- heimatet und gehörte zur zweiten Torpedodivision. Der Un- glücksfall ist als ein rein seemännischer und nicht als militärtechnischer anzusprechen, da er sich ereignete, als die Nachtübung bereits beendet war und die Schisse sich auf dem Rückweg befanden. Die Meldung, daß mit a b g e- blendeten Lichtern gefahren wurde, ist unrichtig. Nach Beendigung der Nachtübung gehen an Bord des Flagg- schiffes zwei grüne Doppelsterne hoch, die das Signal zum Einstellen der Lichter darstellen. Sofort erscheint auf allen Kommandobrücken dann der Befehl, die Lichter einzu- stellen und es werden sofort Backbord- und Steuerbordlicht, Hecklicht und Dampfer- laterne eingeschaltet. Kommandant des«Fork" ist Fregattenkapitän Köthener. Wie das Unglück sich ereignete, steht noch nicht genau fest, bisher ist nur soviel bekannt ge- I wesen, daß„S 17 8" zwischen dem kleinen Kreuzer I�K o l b e r g" und dem großen Kreuzer„A o r k" Hindurchsahren wollte und wohl infolge eines mißverstandenen Steuerkommandos d i r e k t i n d i e F a h r t l i n i e d e s„P o r k" l i e f. Die See war außerordentlich hoch, so daß die Rettungs- arbeiten ungemein erschwert wurden. Das schiff wurde so unglücklich getroffen, daß es mitten entzwei geschnitten wurde und sofort saük. Von allen Schiffen, die sich in der Nähe befanden, wurden sofort Rettungsboote ausgesetzt und nach bisher hier eingegangenen Funksprüchen haben noch eine ganze Reihe von Schiffen Gerettete an Bord. Die Name» der Geretteten. Von der Besatzung de« untergegangenen Torpedobootes 8 178 wurden gerettet: Marineingenieur Kühn, Marineassistenzarzt Nanckc, Obermaschinistenmaat Byttlik, Obermaschinistenmaat Röderer, BootsmannSmaat Meier, Maschinistenmaat Schönbeck, Obermatrosen Franz Kabisch und Kroschkopf, Oberheizer Koch, Glei« und Big». Matrose Mallin, Maschinistenanwärter Lyekin und Albert Cordes und Heizer Morlock. Außerdem soll nach einem Telegramm au» Wilhelmshaven noch der Matrose H e i d e r zwar vom Tode des Ertrinkens gerettet, ober schwer verletzt worden fein. Die Vermißte». Vermißt werden folgende: Oberleutnants z. S. P i e s und Schede: Steuermann Gubcnschwager; Maschinist Maas; die Obermaschinistenmaate Stoffer, Fichtner und Gent; die Maschinistenmaate Seidel, Möller, EinhauS, Schröder, Bö st er und Stösser; der Oberbootsmannsmaat B a r t o n, der Bootsmannsmaat H e i n z e n, der Sanitätsmaat S c n f t, die Oberanwärter Haak, Paulsen und Hebauf. die Obermatrosen Biering, Heyer ni an n. Bauersfeld, Binder, Wirth. Schweißfurth und Müller-Arnold, die Oberheizer Thomas, Ley, Obladen, Debertin, Stein mann, Falk, Buschkötter, Endres, Patccki, Stepper, Hachmann, Ogwdowczik, Kmieczik, Webcr-Paul, Wiegand, Fischer, Eifert, Friedrichs, Geil, Sens, Ger- Hardt; die Maschinistenanwärter Fehringen, Hoch- a p f e l und C r o b c; die Matrosen Beyer, Bawolski, Hektar, Kraus, Bruns. Wilm, W i e b e cke, Buttgereit und Lübberty; sowie schließlich die Heizer Schilling, Hille. Kroncnbcrg, Sartorius, Zwiertz, Ossse, Becker- Wilhelm, Schwarz, Beckcr-Christian, Herren und Rahm. Huq der frauenbewegung. Zum Frauentag senden Petersburger Genossinnen folgenden Gruß: »Wir Mitglieder der Petersburger Frauenpartei empfinden an diesem internationalen Frauentag das innigste Bedürfnis, Ihnen, unseren Schwestern, unsere Solidarität auszusprechen zu Ihren Bestrebungen, die Ketten, die seit Jahrtausenden über den Frauen lasten, zu sprengen. Dieser internationale Frauenfeicrtag liefert den höchsten Beweis, daß es den arbeitenden Frauen klar ist, daß der Druck der.Rechtlosigkeit, der auf der ganzen arbeitenden Klasse so schwer lastet, für die arbeitende Frau doppelt schwer und er- niedrigend ist und daß, um eine bessere Zukunft für die grauen wie für die ganze Menschheit gründen zu können, die Einigung und auch dieselbe Rechtsfähigkeit von Frauen und Männern nötig ist. Nur als gleichberechtigtes Mitglied der modernen Gesellschaft und de? modernen Staates, als gleichberechtigte Gesetzgeberin wird die Frau imstande sein, in der Umwälzung der ökonomischen Ver- hältnisse, die Klassenungleichheit und Ungerechtigkeit hervorrufen, mitzuwirken. Deshalb begrüßen wir diesen Tag des 2. März als Zeichen für die Bereitwilligkeit der arbeitenden Frauen, dieser Ungleichheit ein Ende zu machen." » ch ch Die Versammlung des zweiten Kreises bei Happoldt war von etwa 666 Personen, meist Frauen, besucht, die, mit roten Nelken geschmückt, von ihren Leseabendlokalen in Zügen angerückt waren. Genosse Zubeil hielt das mit Begeisterung aufgenommene Referat. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Eine Anzahl Mitglieder wurden für die Partei gewonnen. Die Telephonistinnen können heiraten. Während für die weiblichen Angestellten der Gemeinden und de» Staates in I t a l i e n kein Eheverbot besteht, so daß eS städtische Lehrerinnen mit zahlreicher Kinderschar gibt, ist den vom Post- Ministerium abhängigen Telephonistinnen die Ehe untersagt. Dieses Verbot wurde um so mehr als ungerecht empfunden, al« eS für die, allerdings sehr wenig zahlreichen. Telegraphistinnen nicht besteht. Vor längerer Zeit wurde nun eine Kommission mit der Prüfung der sanitären Zustande im Telephondienst betraut, und diese hat sich dahinausgesprochen, daß es sowohl auS hygienischen als sozialen Gründen wünschenswert wäre, den Telephonistinnen ohne Einschränkung die Eheschließung zu gestatten. Bei der Diskussion deS PostbudgetS hat der Minister unter dem Beifall der Kammer erklärt, diesem Gutachten der Kommission Rechnung zu tragen. Die Telephonistinnen sehe« somit endlich ihre langjährige Agitation mit Erfolg gekrönt.__ Das Fraucnstimmrecht. Das Referat der Genossin Marie Walter auf dem letzten schweizerischen Parteitage in Neuenburg über das Frauenstimmrecht liegt nun auch gedruckt vor. sVerlag der Buchhandlung deS GrütlivereinS, Preis 36 Pf., 24 Seiten, Zürich 1913.) Der empfehlenswerten Broschüre sind auch die aus dem Neuenburger Parteitage beschlossenen Thesen über das Frauen- ftimmrecht beigegeben. Leseabende. Dritter Kreis. Heute, Donnerstag, im GewerkschastShause, Saal S, gemeinschaftlicher Leseabend. Vortrag des Genossen Adolf Harndt: Feuerbestattung. Sozialea* Die.�Herkunft" der Privatangestellten. Privatdozent Dr. Lederer�Heidelberg hat die bekannte„Er- Hebung" deS Teutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes zu einer Schrift:»Die Privatangestellten in der moderiien Wirtschafts- entWickelung" denutzt. Gutgläubig verwertete dieser Gelehrt- das ganze Material deö genannten Verbandes, ivonach»48,3 Proz. der Handlungsgehilfen von selbständigen Gewerbetreibenden" und ..79,4 Proz. der Handlungsgehilfen von Berufskreisen abstammen, deren Angehörige als bürgerlich zu bezeichnen sind". Diese .Feststellung" war ja der ganze Zweck der Hebung, Den armen ridlungSgehilfen soll gezclgt und begreiflich gemacht werden, daß gar nichts mit dem Proletariat gemein haben, mit Verachtung auf dieses herabzublicken haben. ReutersWerke . 3 Bände 4 Black■ Buchhandlung Vorwärts Die ersten Chorauffirungen tod Cesar Franck Die Seligpreisungen bind am Gründonnerstag:, den 20. Httrz, abends 8'/. Uhr. im Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain, und am Karfreitag:, den LI. Kürz, abends 7 Uhr, in der A'eaen Welt, Hasenheide. Mitwi rkende: Der Berliner Volks-Chor Dirigent Dr. Ernst Zander das Blüthner-Orchester. b o 1 i s t e n: Frl. Hefa Zlotnicka. Elisabeth Christian die Herren Dr. Alfred Guttmann, Gustav Franz, Paul Bauer, Anton Sistermans. 244,3 Einlaßkarten in allen Zahlstellen ä 75 Pf., an der Abendkasse I M, Arbeiter- Samariter-Bund i. S. B. Kolonne Groß- Berlin Das TM 25. Stiftungsfest der Kolonne findet statt am Sonnabend, den 8. März 1913 im „Deutschen Hof", Luckauer Straße Konzert x x x Festspiel Humoristische Vorträge unter gütig. Mitwirkung von Mitgl. der Tjrpographia Berliner Ülk-Trlo Anfang'/£ Uhr Eintritt 60 Pf. Das Komitee Pestschrift und Festprogramm an der Kasse gratis Einfuhrnngs- Konzert Sonntag:, den 16. Bttrz, nachmittags 4 Uhr, im Blttthncr-Saal, Lützawstr. 76. Herr Leo Kestenberg: Vortrag: Die Bedeutung Ce'sar Francks für das Musikleben unserer Zeit. Gesang: Frl. Zlotnicka. Orgel: Herr Egon Petri. Violoncello: Herr M. Loevensohn. Einlaßkarten inkl. Garderobe 30 Pf; in den Zahlstellen. Neue Welt Jf»Kon- Mauflpstraßa 82.— Zi :: Berliner Konzerthaus MauerstraSe 82.— Zimmerstrabe 90191. (Großes Doppel- Konzert. Gastspiel des Philharmonischen Blasorchesters auM Bailand. Dirigent: Maestro Loreto T e s o n o. »ndcr-Beg-, Dirig. Kgl. Mnsikdir. Brase. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr hei freiem Eintritt ilusiko. Kalser-Alexander-He, Anfang 8 Uhr. HochÄ..: Er- Nactimillags-Konzeci Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Letzte Woche! Hentc Donnerstag, den 6. März 1013: Letzter großer Pracht-ilUtetag! Keine FBeischnot: Präger Schinken vom Lukullus ll. Portion 80 PI. Prämiiert wird die größte(schwerste) Kartoffel."WG 3 bare Geldpreise: 36, 20, 16 M. Im neuen 8aalc: Großer B&ll. 5 Kapellen. 30 bayrische MadX Anfang 7 Uhr. Entreo 30 Pf, Voigt-Theater. Heute Donnerstag, den 6. Mörz: Gastspiel in Pnhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148. Das Bettoikind. Ländliches Charakterbild in 5 Aufz. von Chart. Birch-Pfeiffer. Kafsencröffn. 7 Uhr. Ansang 8>/, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Tanbenstraße 48/46. Abends 8 Uhr: „Hotienzollern"- Fahrten. Sozialdcmohratlfchcr �fahtvcrcin für den VI* Berliner Reichstagswahlkreis Sonnabend, den 8. März 1913: Stiftungs-Fest in den Lokalen: Brauerei Königsfadt, Germania-Prachtsäle, Stadttheater Moabit, Schönhauser Alloe. 10.11 Ghaussoestr. 110. Alt-Moabit 47-49. Schönhauser Allee 10-11, Chausseestr. 110, Alt-Moabit 47-49, und Pharus-Säle, Müllerstr. 142. Konzert, Gesang, Turnerische Aufführungen, Humorrstiscfie Vorträge Festrede und Tanz < Gesangvereine; Sängerchor Wedding, Keu erwacht, Norden Mitwipkpniip J un� Mannerchor Moabit:: Ensemble des Hbfopernsängors nUHUKCUUlJ 1 Herrn Eue-en Wr.1«•• Rerliner Humorouartetr, RorHnor 1 Herrn Eugen Wolff. I. W 1 Spottvögel a Berliner Ulk-Trio:: Arbeiter-Turner. Berliner Humorquartett Berliner ■ Ulk-Trio n Arb' Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Der Vorstand. ■■ ■■I X Programm gratis X Eintrittskarten 30 Pf. Zirkus Werl Schumann. Donnerstag, den 6. März, abends 1'lt Uhr: Die Herrscher der Lüfte 7 Luftvolügeure 7 Hegelnmnn• Trappe — Neul! lOLio-Hoi-Tsehen'slO Chinesische Gaukler. Direktor Alb. Schumann mit seinen unerreichbaren Schulfreiheitsdressuren. Hohe Schule Frl. Dorn Schumann. Der Um O1;, Uhr; nnslctalb. Mensch. Walhalla-Theater, WcinbergSweg 19,20. Rosenthal. Tor. Heute 8'/, Uhr: „Fsrote: Walhalla!" Grosse Jahres-Revuc. 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Iirh.- 8.«endl u.». Schutze 64 Aadrca»««». 64. .Jeden Donnerstag; Große Soiree derallgemein beliebten und bekannten Hoffraaflns Säager mit vollständig neuem Programm Anfang 8 Uhr. ÄS Frei Tanz. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Sitt von Anoatt Oer Znimrate «bcinimmt die ,bre", DuMtfutn gegenüber ketuerlei Beraurworrung. �BEESSO««» V Unscrm alten Freund« und langjähriges Mitglied Paul Anders Ehre seinem Andenken k Di« Beerdigung findet heute I nachm. i'i* Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsseldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2755b Ter Vorstand. Deiitselierllelallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Huxo Höhne Falckensteinstr. 25, am 4. März on Herzleiden gc« starben»st, Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. März, nach- mittags 3'/, Uhr. aus dem Fried- hos in Ahrenssclde. ab Söriezener Bahn 2'l, Uhr. statt," Rege Beteiligung erwartet 114/8 Die Ortsverwaltung. Deutseher Transportarheitep-Yerbanil. ßezirksverwaltung GroB-Berlin. Xochrnf. Den Mitgliederm zur Nachricht, atz unser Kollege, der«fraßen. ahner Wilhelm Niethe in 13. Februar im Alter von l Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken. 2 15 Die Bezirksverwaltung Am 3. März verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, Schwiegersohn, Bruder, Schwäger und Onkel, der Tischler Cireorg Pohle im 45. Lebensjahre. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Witwe Hartka Pohle geb. Hille. Die Beerdigung sindet am Freitag, den 7. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Friedshoss am Marien- dorscr Weg aus statt. 1321 SozialdemokratiscberWablvereiii Neukölln. Am 4. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Tischler Cleorg Pohle Richardstratzc 58(10. Bezirk). Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gememde-Fricdhofcs, Mariendorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht Der Boritand. ßrtskrankenkasse der Sehlasser u. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Am 3. d. Mts. verstarb nach schwerem Leiden unser lang- jähriges Vorstandsmitglied, der Schlosser Herr Franz Lohse. Wir werden dem lieben Kollegen ein ehrendes 2lndcnkcn bewahren. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. März, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Leichen. halle des Gemeinde- Friedhofes in Neukölln, Mariendorser Weg. aus statt. 257/1 Ter Borstand. Gustav Lubatsch, Vorsitzeüder. 2tm 2. März, abends um 7 Uhr, cnlichlics nach langem, schwerem Leiden unser einziger, geliebter ■so Em und Bruder Max Moft im 19. Lebensjahre. Die trauernden Eltern und Geschwister. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. d. M., nach- mittags 21/- Uhr, von der Leichen- halle des Mariendorser Kirchhoscs aus statt. 5l2l Danksagung» Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines licbcit Mannes Ad oll* Ciruthke sage ich allen Beteiligten, insbeson- dere den Herren Mciitcrn Bernitzki und Müller sowie den Kollegen der Elektrizitätswerke, Ouitzowstratzc, mcmen herzlichsten Dank. 762l Wwe. Emilie Guthke _ nebst Kindern. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mtgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Albert Lecher PetcrSburgerstratze 19, im Mcr von 53 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. März, nach- mittags 3>/� Uhr, von der Halle des Zcntral-Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Georx Pohle Neukölln, Richardstr. 68, im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gcmeinde-FricdhofeS in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Betelligmtg ersucht Die Ortsverwaltung. 2lm Sonntag, den 2. März, fanden durch verbrecherische Hand unsere innigstgeliebicn Eltern, der Juwelier Herr PlUHZ und Frau Emma Plunz geb. Frltscb• einen plötzlichen Tod. Mit der Bitte um stille Teil- nähme Oie tieftrauernden Hinterbliebenen Else und Anna Plunz, Brunnensträtze 81. Die Beerdigung sindet am Freilag. den 7. März. 3 Uhr nachmittags, von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes, 2lcker- stratzc, aus statt. 2764b Indes-Anzeige. Aach schwerem Leiden cnischlies sanst unsere liebe Mutler, Schwicger- und Grotzmuttcr Emilie kinclemann gcb. Raatz im 78. Lebensjahre. Im Namen der Trauernden Th. Gemmeckcr. Die Beerdigung finde! am Freitag, den. 7. März, nachmittags 2*/, Uhr.- von der Leichenhalle des 2!cukölluer Friedhofes(Marien- dorfer Weg) aus statt.. Meiill-KelMWks- �.'i-' i■ its.»A/ÄF/ Behördlich fesi�eslelli wurde, daß wiederholf auehm der letJElen Eei't die Marken Duke of York Duke of Edinbour�h Königin von Saba �efalsehl und naeh�eahrnf werden. » Wir warnen vor Ankauf dieser nunderwerti�en Nachahmungen Alle Qualifafsraudier wollen daher nur edde Garbäfv fordern Konsum-Genossenscliaft Berlin u. Umg. E. ix. m. b. H. Zentrale; Lichtenberg, Rittergutstr. I9/26.D"-' Ml!M? Z2verschiedeneHefte ä 20Tßl Wissen Sie, wie Sie mit Ihren An�ehdriRen ein fröhliches Osterfest ohne besondere Geldausgabc und bei Jedem Wetter feiern? Senden Sie uns sofort den untenstehenden Schein ausgefüllt ein, so erhalten Sie von uns schnellstens unseren allerneuesten Uuxus-Sprechapparat ohne Trichter mit echter Path6-Konzert-Schalldose, sowie 20 ausgewählte Stücke auf 10 doppelseitigen, 29 cm großen Pathe- Piatten, die ohne Nadelwechsel mit einem unzerstörbarem Saphirstift gespielt werden, 5 Tage rur Prob«. 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Thema:„Wie erstreben wir die Gesnndnng des Nroletariats?" vr. �oses. Die Zentralkommisston der Krankenkassen empsiehlt den Hausarztverein wie soigt:„Wir können Ihne« den Hausarztvcreiu als volkstümliche Justitutio« bestens empfehlen." Der Hansarztverein ist kein geschästlicheS Privatunternehmen, sondern eine proletarische Ber einignng z« gegenseitiger Hilfe bei Erkrankungen der Familienangehörigen. DM- Selbstverwaltung durch die Mitglieder."Mg Für den geringen Beitrag von �3fcntltg pro Woche sind die Frau und sämtliche Kinder versichert. Der Beitrag wird monatlich auS der Wohnung abgeholt. Wir gewähren: 283/7* "Äli-NÄ freien Hausarzt,"XÄ? freie Medizin Nähere Auskunft erteilen: für den Hansarztverein Neukölln der 1. Borsitzende sog. Kuhnert, Etutt« g arter Str. Ss! silr den Süden die Vertrauensleute M Thurm, Dieffenbachstr. 18, A. R8«ner, Hasenheide 7/8. Verband der Jldaler, Saekierer, Anstreicher Bureau: Melchiorstraße 28, pari. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Wisls Serliu. V5V. Arbeitsnachweis r Rückerfiraßc 9 Fernsprecher: Amt Norden 6708 Deutscher fflctallarbcitcr-Verband. Verwaltungsstelle Berlin.— C. 54, I/inienstr. 83/85. Verwaltung; Telcph.: Amt Norden 1987. Kaoeierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 3714. Am Sonntag, den 9. März er., nachm. 1 Uhr, findet im großen Saale der„Brauerei Friedrichshain", Am Friedrichshain 16/23, die Fortsetzung der Außerordentliche» General-Nersammlung unserer Verwaltungsstelle statt. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung des Gesamtverbandes in B r Mitgliedsbuch und Legitimationskarte ist vorzuzeigen.— Ohne dieses keine»£ Vertretung Ist nicht znlässig. Besondere Einladungen erfolge« nicht. e s l au. Zutritt. kairntsn Marken Freitag, den 7. März, nachm. 6 Uhr, im gr. Saale der Bockbrauerei, Chausseeftr. 64: imMmniini«*■ kÄJJSü:"1"1"' Tagesordnung: 1. Die statistischen Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse der Eisen-. Metall- und Revolverdreher Deutschlands.— Welche Bedeutung haben dieselbe« für die Berliner Dreher? L. Dislussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. 114/7 > Ohne nitgliedsbuch kein Zutritt! Die Filialbibliothek für Nordost u. Weistensee befindet sich vom Freitag, den 7. b. M., ab bei Ziebarth, biO., Carmen-Sylva-Str. 77.________ Die Ortsverwaltnng. Deutscher Metallarbeiter-Verband(Ortsverw. Berlin) Zentral-Verband der Maschinisten u. Heizer Deutschl. (Verwaltung Berlin) Heute Donnerstag, den 6. Marz 1913, abends 6 Uhr W Große Versammlung ik aller Metallarbeiter(Handwerker, Helfer), Mafchiniften und Heizer aus allen Betrieben der Stadt Berlin o in de« Sophien-Sälen, Sophienstraße 17/18. Tagesordnung: 1. Was haben die Metallarbeiter«Handwerker und Helfer), Maschinisten und Heizer von dem neuen Stadthaushaltetat erwartet, und welche Antwort wurde ihnen zuteil? Referenten: W e g n er und S ch li ch tin g. 2. Diskussion. MF- Die Anwesenheit aller Kollege« ist unbedingt erforderlich.-ME 114/6 Die Ortsverwaltnngen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Heute Donnerstag, den 6. März, abends 8�/2 Uhr: Gememsame Vertrauensmänner- Versammlung kür sämtliche Bezirke und Branehen in Kellers Feftsälen, Koppenstr. Ä9. Bericht über den jetzigen Stand der Vertragsverbandlungen. 79/20 Die Ortsverwaltung. -— xerantwortlicher Redakteur: Alfred Wielrpp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. BerUn. Druck u. Verlag: Vorwor!? Maler! Anstreicher! Freitag, den 7. März 1913, abends 8 Uhr, finden für alle Maler und Anstreicher Groß-Berlins vre! Versammlungen statt, und zwar: Für die Bezirke Osttll, Nordosten, ftchteuberg und Wkißeusee in den Berlin 80., Brandenburger Ufer. Für die Bezirke SudoSell, Süden, Mesttv, Wilmersdorf, Stegiitz, Groß-Fiditerftlde und Nenköiln m I'SstsäKSiR) Hafenheide 14/15. Für die Bezirke Norden, Ktsvvdbrunntu, Uedding, Moabit und Sharlottenburg in den?I»»i'U8-8ülvn, Mitllerftr. 14Ä. Um eine Uebersülluug der einzelnen Säle zu vermeiden, ersuchen wir die Kollegen, mög- lichst die Versammlung zu besuchen, die für ihren Bezirk augegeben ist. UW?" Kollegen! Erscheint Mann für Mann in den Ber- fammlungen, da es gilt, zu der Aussperrung der Unternehmer Stellung zu nehmen. F. H.: H. metz, M-lchiorstrahe ZS. In großen Dosen a 20 Pf. überall zu haben. Fabrik Chemische Werke Lubszynski& Co. Aktiengesellschaft. Berlin-Lichtenberg. H.& P. Uder, lÄVI; Tabak-Großhandlang und Tabaktabrik. ZV Rauch-, Raa-, Schnnpflabake, Zigarren, Zigaretten.'<»2 Vorteilbaftest« Bezugsquelle für Wiederverk&uier. Größte Auswahl gelagerter Zlg/arrcn In allen Preislagen. 8 amtliche be- Z-igSrStt«« 1014. Deutscher Bauarbeiter- Verband. ZweleTcreln Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Sonntag» den 9. März, vormittags 11 Uhr, in den„Armmhallen", Kommandantenstr. 58/59: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: t. Jahresbericht des SeltionSvorstandeS. 2. Wahl des SektionSleiterS und dcS Arbeitsvermittlers. 8. Verschiedenes. DM- Mitgliedsbuch legitimiert."WgZ Zahlreichen Besuch aller im GiPS- und sSctonbaugcwerbe beschäftigten Kollegen erwartet Der Sektiontworseand. NB. Zu dem am Sonnabend, den 8. März, abends 8 Uhr, im KewerkschastShause, Engelufer 15, Zimmer 58, beginnenden UnterrichlSkursus über Etsenbetoubau werden noch Teilnehmer gewünscht. 141/4' Bretter, Kantholz, Latten. Leisten, Türen, Fenster, Tonrohr. Dach- pappe usw., neu und gebraucht, billigst. Hafenheide 2. 2KS0b' Ortssruppe Groß-Berlin. Tel. Jlgft., 6170.- Bureau: Kaiser- Wilhclm-Str. 18». iehiang! inwaltsangestellte! Große öffcotlichc Ktchmml»»! am Donnerstag, den S. März, abends 8>/, Uhr, in de« Arminhallen. Kommandantenftrasie 58/53: Tagesordnung: i. Der Kampf nm Gehaltserhöhung. Referent: Reichstagsabgeordneter H?» QllttPClS» z. Freie Aussprache..*6/5 SM* Kollegen und Kolleginnen k Gestaltet die Bersammlnng durch«asienhaften Besuch zu einer imposante««»ndgebnng. Buchdruckerc, u. Verlagsanstalt Paul Singer». Eo., Berlin SW, Nr. 55. 30. Iahrgaug. 3. jieilif des Jsrmiltts" Derlim öolfelilntt. Domttrskg. 6. März 1013, Eröffnung des Candtagswalfllsampfes. Mit der Tätigkeit der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, sowie der Nominicrnng der Kandidaten beschäftigten sich Dienstag- abend drei Mitgliederversammlungen im 5., 6. und T. Landtagswahlkreis. Die Versammlung für den fünften Landtags-Wahlkrcis tagte im Lokal von Graumann in der Naunynstragc. Gensfsc Julian Borckardt, der den Kreis seit November 1911 im Landtag vertritt, berichtete über alle bemerkenswerten Vorgänge seit dieser Zeil. Bevor man zur Nominierung des Kandi- i« t c n schritt, wiederholte Borchardt eine bereits am Anfang der Versammlung abgegebene Erklärung. Er habe erfahren, daß ein Gerächt im Umlauf sei, wonach er bei der Landtagscrsahwahl im Wahlkreise Tcltow-Bccskow am AI Februar fein Wahlrecht nicht ausgeübt Hobe. Das Gerücht bcftäligc sich. Am 29. Februar habe er jedoch im Landtag eine wichtige Rede halten müssen. Entweder hätte er das Wählen oder die Rede unterlassen müssen; er hätte nur im Landtag oder in Lichterfelde sein können. Er hältc die Rede als das wichtigere gehalten und es als seine Pflicht angesehen, den Posten nicht zu verlassen, auf den ihn die Wähler gegellt hätten. Während die übergroße Mehrheit der Versammlung die Angc- lcgenhcil durch die abgegebene Erklärung als erledigt betrachtete, wandte sich Genosse Jakob dagegen. Ihm genügte die Erklärung nichts Er betonte, daß man die Ausübung des Wahlrechts als etwas wichtigeres ansehe als Genosse Borchardt. Tic Genossen liefen treppauf, treppab und agilicrten zur Wahl, während der Abgeord- nctc selbst nicht wähle. B. stelle sich seht her und sage, er hätte im Landtag reden müssen. Nach feiner(des Redners) Ilcberzcugung wäre Borcharldt um 3 Uhr mit feiner Rede fertig gewesen. Er hätte also noch genügend Zeit gehabt, zur Wahl zu gehen. Ein Antrag, die Noniinicrung des Kandidaten in einer späteren Versammlung vorzunehmen, wurde abgelehnt. Genosse Borchardt wies darauf hin, daß er nicht aus böser Absicht der Wahl ferngeblieben fei, sondern die Ausübung derselben fei ihm nicht möglich gewesen. Im vergangenen Jahre fei er drei Monate krank gewesen. Mit aller Gewalt habe er es aber bei seinem Arzt durchgcseht, daß er zur Rcichstagswahl habe gehen können. Die genaue Zeit, wann er die Rede beendet habe, könne er nicht angeben. Er habe nachmittags und zwar etwa iV? Stunden geredet. Man dürfe aber nicht annehmen, daß es damit er- lcdigt sei, wenn der Abgeordnete seine Rede beendet habe. Er müsse doch vor allem die weitere Debatte verfolgen. Auch sei er noch ein- mal in die Rednerliste eingetragen gewesen, hältc also leicht noch einmal zum Wort kommen können. Wenn man sage, die Antwort aus die gegnerischen Reden hätte ein anderer Abgeordneter über- nehmen können, so dürfe man nicht vergessen, daß im Landtag nur sechs Sozialdemokraten sitzen. Sic alle seien vollauf beschäftigt. Fünf Minuten nach S Uhr sei er aber trotzdem vor dem Wahllokal in Lichtcrscldc gewesen. Vorher habe er sich erkundigt und da sei ihm gesagt worden, es sei eine Fristwahl, die von 3 bis K Uhr statt- sindc. Am Wahllokal habe er dann erst erfahren, daß es sich um Terminswahl bis 4 Uhr handelte. Zwei weitere Redner bemerkten, nach der Erklärung und den weiteren Ausführungen Borchardts müßte die Angelegenheit erledigt sein.— Auf eine Bemerkung des Genossen Jakob, der Vorhand des vierten Rcichstagswahltrciscs habe mit der Ei Übe- rufnng der Versammlung sehr voreilig gehandelt, stellte Genosse Paul H o f f m a n n fest, daß laut Beschluß des Zcntralvorslandcs schon am 18. März die endgültige Bestätigung der Kandidaten zur Landtagswahl erfolgen solle. Als Kandidat wurde dann der Ab- gcardnetc Julian Borchardt gegen wenige Stimmen wieder nominiert. Genosse B c n I c r t erklärte, daß gegen die Kandidatur Protest erhoben werde. Die Versammlung ini fcchsteil Landtagswahlkreis nahm mit großem Interesse und unter lebhaften ZusthnmungS- äußerungen den Bericht des Genossen Adolf Ho ff mann cnt- gegen. Eine Diskussion schloß sich dem Vortrage nicht an. Als Kandidat für den sechsten.Kreis wurde einstimmig Adolf Hoffmann wieder aufgestellt. Nachdem derselbe für das ihm einmütig dargebrachte Vertrauen gedankt und der Vorsitzende noch eine anfeuernde Ansprache gehalten hatte, wurde die Vcr- sammlung mit einem Hoch geschlossen. Im siebenten Landtagswahlkreis, der seine Versammlung im„Elysiuin", Landsberger Allee, obbiclt, erstattete der Abgeordnete Paul Hirsch Bericht über die Tätig- feit der Fraktion. Der Vortrag, der in einem Appell an die Partei- genossen ausklang, nach besseren Erfolgen als im Jahre 1998 zu streben, die Agitation weiter zu tragen und der jetzigen kleinen Fraktion neue Hilfskräfte zu stellen, fand lebhaften Beifall. In der Diskussion regte Genosse Koppe an, die Märzseicr als Einleitung zum Wahlkampf zu benutzen und betonte, daß man zugleich die beste Gelegenheit habe, den Gegensatz zu den bürgcr- liehen Märzfcicrn in diesem Fahre hervorzuheben.— Genosse Klingle� wünschte, daß die Abgeordneten von Zeit zu Zeit, cttva nach jeder Session, Bcricbt über ihre Tätigkeit im Landlag erstatten. Er versprach sich davon viel Nutzen für das Partcilcvcn. An der Tätigkeit der Abgeordneten kritisierte er unter anderem den Antrag, aus den bewilligten Fonds für die Jugend auch der proletarischen Jugendbewegung ihr Teil zukommen zu lassen. Dieser Antrag habe einen schlechten Eindruck gemacht, denn es sei doch klar ge- wescn, daß es sich bei den Fonds für„Jugendbildung" um Bc- kämpsung der proletarischen Jugendbewegung bandelte.— Genosse Hirsch zeigte in seinem Schlußwort, daß verschiedene Einweridun- gen dieses Redners unbegründet waren und daß man bei dem An- trag i,r bczug aus die Jugendbewegung die bestimmte Stellung- nähme der bürgcrkichen Parteien herbeigewünscht hatte.— Den Wählern Bcriast zu erstatten seien die Abgeordneten, die sich übri- gcns nicht nur als Vcrircter bestimmter Bezirke, sondern der ganzen 'Partei fühlen, zu jeder Zeit bereit, sobald sie dazu arrsgcfovdcrt würden. Als KanLidat für den 7. Landtagswahlkreis wurde Paul Hirsch vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Dankend nahm Genosse Hirsch das ihm übertragene Amt an und versprach, nach besten Kräften wie bisher oder besser noch für die Sache der Arbeit wirken zu wollen. Legen die städtischen Steuern erheben sich die Gewerbetreibenden mit aller Entschiedenheit. Gestern nachmittag füllte eine große Protestversammlung den großen Saal der Brauerei im JricdrichShain, um noch in letzter Stunde gegen die geplante Sonderbesteuerung Front zu machen. Uns geht über den Verlauf der Versammlung folgender Bericht zu: Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die von etwa 5099 Personen besuchte Versammlung, welche am gestrigen Taae in der Brauerei Friedrichsharn itatEnnSi t>inbemifen war istcntogc und vom Verein der »zlchrer. Da» crsie Referat über LustbarkatSstcuer hielt Max Vervl-Koiiorah, Präsident der Internationalen Artisten- löge, der sein Thema in äußerst wirkungsvoller und tempcramcnt- vollen und von großer Sachkenntnis getragenen Ausführungen bc- handelte. Redner schloß unter dem stürmischen Beifall der An- wcscndcn, daß die von der Steuer bedrofstcn Kreise einmütig gegen deren Einführung protestierten, die durch und durch Verkehrs- und volksfeindlich sei, eine nicht zu billigende Sonderbclasiung darstelle und viele Existenzen ruinieren müsse. Er hoffe, daß sie am morgi- gen Tage begraben und erst am jüngsten Tage wiederkehren werde. Vom Standpunkt der Gastwirte aus sprach der Vorsitzende vom Verband der Gast- und Sckmnkwirte Berlin-Brandenburg, Otto Strauß, der in eingehender Weise die Wirkungen der Bicrstcucr in sozialer und volkswirtschaftlicher Hinsicht beleuchtete. Er fand scharfe Worte gegen den Stadtfreisinn und wies unter tosender Zu- stiminung auf die kommenden Landtagswahlen hin, wo die von der Steuer bedrohten Kreise der Fortschrittlichen Volkspartei die gc- bührcnde Antwort erteilen werden. Nach Strauß nahm auch der liberale Stadtverordnete Schulz das Wort und betonte, daß er zu der Minorität im Rathaus gehöre, die gegen die Bier- und L u st b a r k c i t s st c u c r sei. Im übrigen bestätigte und ergänzte er das von den Vorrednern Dargelegte. Ucbrigcns hätten auch fortschrittliche Stadtverordnete wie R o s c n o w, W i c m c r u. a. gegen die Kino- und Lustbarkeitssteucr gesprochen. Man solle bei den Lnndtagswahlen nicht die ganze Partei büßen lassen, weil eine Minderheit aus ibrer Milte so gehandelt habe. Die Gastwirte sollten sich vielmehr stärker an den'staidtvcrordnctcnwahlcn betcili- gen. Er glaube aber nicht, daß der Kelch morgen vorübergehen werde. lBcifall.) Stadtverordneter Zu bell, mit Händeklatschen begrüßt, stellt fest, daß die fortschrittlichen Mitglieder des Ausschusses wohl gesprochen, aber nicht dementsprechend abgestimmt hätten. lSchulz ruft: Ist ja nicht wahr!) Des lvcitcrcn kritisiert Zubeil die Art der Steuerkontrolle und erklärt, daß auch er nicht glaube, daß die Per- sammlung gegen die Vorlage noch etwas vorbringen könne. Es sei die loltcrhaitcstc Stcuervorlagc, die jemals vorgelegt worden sei. Cassel könne es sich ja leisten so aufzutreten, da er ja von den oberen Zehntausend gewähll werde. Was man versuchen könne, ist, die Vorlage an den Ausschuß zurückzuverweisen, doch mit einem anderen Vorsitzenden als Cassel an der Spitze.(Stürmische Zu- stimmung.) Die Versammelten sollten das nicht vergessen, was die Väter dieser Gcsetzesvorlagc ihnen zugefügt haben. Ter Appetit komme mit dem Essen. Redner erinnert an die jährlichen 2ö9 Mil lioncn Mark Abgaben im Reich, zu denen die Gasttoirtc usw. auch schwer beizutragen hätten. Gegen das mächtige Großkapital sollten die Gastwirte endlich einmal einmütig auftreten. Versprochen hat die Mehrheit des Stadtfreisinns schon viel, doch nie etwas gehalten. Er glaube nicht, daß die Mehrheit der Versammlung bei den kam- Menden Landtagswahlcn aus den Taten des Freisinns die Kon sc qucnzcn ziehen lverdc. Er bitte, die vorliegende Resolution, mög- lichst per Rohrpost, jedem Stadtverordneten zukommen zulassen. Wenn auch die Vorlage morgen nicht abgelehnt werde, so könne man jedoch vielleicht deren Zurückvcrweisung erwirken (Stürmischer Beifall.) Stadtverordneter Schulz wendet sich gegen Zubeil in einer persönlichen Bemerkung und sagt, daß Zubeil dasselbe gesagt habe wie er. Zubeil stellt fest, daß in der Kommission nur die 4 Sozialdemo- kratcn gegen die Steuer gestimmt babcn und» Schulz ja gar nicht Mitglied der Kommission war. er sich also nicht getroffen zu fühlen brauche. Litfin teilte mit, daß die Stadtvcrordnetcnmchrhcit sich nicht auf Köln berufen könnte, wo die Bcrhälnissc ganz andere feien. Nachdem noch die Stadtverordneten Wilkc und Hufs gesprochen hatten, nahm die Versammlung folgende Resolution einstimmig ein: „Die heute im großen Saal der Brauerei Friedrichs- Hain versammelten.'>099 Gast, und Schankwirte, Inhaber von Varictetheatern und Artisten, und alle von den geplanten neuen Steuern betroffenen Berussgruppcn erheben im letzten Augenblick energischen Protest gegen die Beschlüsse des von der Stadtvrrord- nctkiivrrsammlung cingesehten Ausschusses. Die vom Ausschuß abgeänderten Vorlagen bedeuten in ihrer Wirkung, falls� sie Gesetz werden, nichts weiter als eine glattc Erdrosselung vieler Existenzen. Schon heute sind zahlreiche Wirte und verwandte Erwerbsgruppen nicht mehr in der Lage, ihre Verpflichtungen gegen Hauswirte und Lieferanten erfüllen zu können. Die Annahme der Bier- und Lustbarkcitssteuer bedeuten einen neuen furchtbaren Weg der Not und des Elends für die in Frage kommenden Gewerbe. Die Versammelten haben durch ihre Organisationen in ausführlich begründeten Eingaben auf das llnhaltbarc dieser Steuern hingewiesen und ihre schädliche Wirkung in der breiten Ocsscntlichkcit nachgewiesen. Tie Vcr sammelten erheben in letzter Stunde ihre warnende Stimme und erwarten, daß dieser Protest nicht ungehört verhallen wird. Sic erwarten die Ablehnung der Vorlage auch nach den Vorschläge» des Ausschusses durch die Mehrheit der Stadtvcrordnetcnver- sammlung.__ Partei- �ngelegenkeiten. Lichtenberg. Die Genossen zur Landagitation treffen sich diesmal ausnahmsweise morgen Freitag bei Metzger, Gürtelstr. 41. Mariendors. Am Sonnabend, den 8. März, findet das Stiftungs- fest des Wahlvercins statt. Das Programm ist ein besonders aus- erwähltes. Karten ä 30 Pf. sind bei allen Bezirksführern in Enipfang zu nehmen. Beginn des Programms pünktlich 8 Uhr abends. Fricdrichshagen. Heute Donnerstag, abend? 8hg Uhr: Volksversammlung in Lerches Festsälen, Friedrichstr. 112. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Redakteurs Ernst Däumig über:„Das Volk steht auf. der Sturm bricht los".(Zur Jahr- hundertfeier der deutschen Befreiungskriege.) Zossen. Am Sonnabend, den 8. März, abends 8 Uhr, vcr- anstaltet der Wahlverein im Lokal deS Herrn Scherler(früher Kurzner) aus Anlaß seines 19. Stiftungsfestes einen K u u st- abend. ES ist alles aufgeboten worden, um den Parteigenossinnen und-Genossen einen genußreichen Abend zu bereiten. Um zahl- reichen Besuch wird gebeten. Spandau. Donnerstag, den 6. März, abends 8>/z Uhr: Oeffentliche Versammlung im Neuen Stadtiheater, Pots- damer Str. 6. LandtagSabg. Julian Borchardt spricht über:„Die wahren und die falschen Freunde deS Volks". Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch l__ ßcrlimr N�cbncbtcn* Tie patriotischen Bäckermeister. Treu stehen sie zu Kaiser und Reich, die hiesigen Bäckermeister. Und nicht zweimal ließen sie es sich sagen, daß die Jnnungsmcisier auserschcn seien, zum Zwecke der Spalierbildung Unter den Linden anläßlich der Ankunft des Königs von Dänemark sich die Beine im Bauch zu stehen. In ihrem patriotischen Eifer mcrkien die Bäcker- mcister�gar nicht, daß ausgerechnet die Jnnungsmcistcr gut genug seien, Staffage zu bilden. Schleunigst trafen sich die Herren im Germaniahausc und zogen mit klingendem Spiel mit einer Anzahl gelber Bäckergesellen nach dem ihnen angewiesenen Standorte. Wie die biederen Bäckermeister ihre„Aufgabe" lösten, schildert ein Be- richt der„Deutschen Bäcker- und Kondttorcn-Fachzcitung" also: „Tie Zeit wurde nicht lang, dafür sorgte der Ballon „Hansa", und als dann der Kaiser mit seinen Gasten kam, die Musik erst den Prcußcnmarsch und dann die dänische National- bhmne spielte, die prächtigen Fahnen und die blauen Schär- pen der Bäcker in der Sonne leuchteten, da ging doch ein freudiges Lächeln über die ernsten Züge unseres Kaisers, und er sowohl wie sein hoher Gast, unsere Kaiserin und Däne- marks Königin, sie grüßten huldvoll nach allen Seiten, und mit Stolz inockitc der Kaiser wohl seinem Gast erklären: das s in d meine Handwerker von Berlin'! Dann wurde der Rückmarsch angetreten; die Bäcker nunmehr an der Spitze aller Handwerker, bis zu Kroll; dort wurde Halt gemacht, bis sämtliche Innungen, die sich bei Kroll versammelt hatten, ihre Fahne» abgebracht hatten, und ging nun der Marsch zurück zum Jnnungshous, lvo die Kollegen noch bei einem Glase Bier, das von der Berliner Innung in gastfreundlicher Weise gespendet wurde, ein Stündchen verweilten. Hier nahm Herr Obermeister Schmidt die Gelegenheit wahr, aus die Bedeutung des Tages und die Bedeutung unseres Herrscherhauses für das Handwerk im Deutschen Reich und in Preußen hinzuweisen, wie Ivir es nur unserem Kaiser zu verdanken haben, wenn der Friede in unserem Patcrlande so lange erhalten geblieben ist, und wie die Bäckermeister in ihrer Gesamtheit treu zum Kaiserhause hielten, wenn auch manchmal nicht alles so nach unseren Wim- schen ginge, wofür man den 5laiscr nicht verantwortlich machen könne; aber sein kaiscrwort:..dem Handwerk soll geholfen wer- dc'nl", das bleibe für uns bestehen, ll n d wenn wirklich einmal einer jener vaterlandsloscn Gesellen sich unter der M e i st e r s ch a s t b r e i t machen will, so sorgen alle, alle anderen dafür, daß er bald auch bei uns den Staub von seinen Pantoffeln schüttelt, denn die Bäcker-Mcistcrschaft ist königstren; deshalb gelte auch sein Hoch den lieben Gästen unseres Kaisers und dem ganzen Hohcnzollernhausc." Es muß ein erhebendes Gefühl für die Bäckermeister gewesen sein, sich sagen zu müssen, daß sie mit ihren blauen Schärpen ein Lächeln des Kaisers hervorgerufen haben. Wir kennen auch andere Leute, die über den Auszug gelächelt haben. Eleudsstatifiik. Am l. März 1913 befanden sich im städtischen Familien-Obdach 226 Personen, und zwar 37 Familien mit zusammen 91 Köpfen (darunter 33 Kinder uud 14 Säuglinge) und 132 Einzelpersonen. Das nächtliche Obdach wurde während des Februar von 131 68g Männern und 688 Frauen besucht. Der Tag des geringsten Bc- suches war der 16. Februar mit 4379 Personen, der des stärksten Besuches der 4. Februar mit»966 Personen. Gebadet haben in den Brausebädern täglich durchschnittlich 699 Personen. Wannen- bäder wurden während des ganzen Monats an 614 Männer und 483 Frauen verabreicht.__ Berliner Ashlvcrcin für Obdachlose. Im Monat Februar nach- tigten im Männerasyl 13 962 Personen, wovon 6882 badeten, im Frauenasyl 2673 Personen, Ivovon 817 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiefenftr. 95— 59, für Frauen: Kolberger Straße 30.___ Der von der LandesversicherungSansialt Berlin in Angriff gc- »ommcnc Neubau eines ArbcitSnnchweiS-GcbäudcS in der Rücker- st r a ß e geht seiner Vollendung entgegen und wird voraussichtlich zum 1. Juli seiner Bestimmung übergeben werden. In daS Gebäude sollen der große FacharbeitSnachweis für die Holzindustrie und das Gastlvirtsgewerbe sowie der Arbeitsnachweis für weibliche Per- sonen gelegt werden. Der Neubau wird im ganzen an den Zentral- verein für Arbeitsnachweis verpachtet. Berlin hat eine städtische Maschinendauschnlr. Uns geht folgende Zuschrift mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu: Still im Verborgenen blüht eine wohlgeleitetc und gut besuchte Maschinenbauschule im Osten(Straßmannstratzc) unserer Stadt. Man hat sie städtische Fachschule für Maschinenbauer getaust und ist wohl dieser gerade nicht glücklich gewählte Name schuld daran, daß von so vielen der Zweck der Schule verkannt wird. Man vcr- steht im allgemeinen unter Fachschulen solche für Sattler, Schneider, Klempner, Schuhmacher und dergleichen, während man schon lange daran gewöhnt ist, daß die Technik ans Maschinenbauschulen, Poly- tcchnikcn, technischen Schulen und Hochschulen gelehrt wird. Daß wir nun doch in Berlin eine Maschinenbauschule, und zwar eine städtische, babcn. werden viele Eltern und deren Söhne mit Freuden begrüßen. Wie viele Eltern unterzogen sich der Kosten ihren Sohn in die Provinz ans eine Maschinenbau- schule zu schicken, wie viele junge Leute legten sich selber die Kosten auf und viele konnten einfach eine solche Schule nicht besuchen, weil sie kein Geld dazu hatten und Privatschulen zu teuer sind. Es ist deshalb wünschenswert, aus diese Schule besonders aufmerksam zu machen, zumal die Besucher für Wenig Geld sich fortbilden können. llnd da auch Abendkurse bestehen, kann der Besucher der Schule ohne Unterbrechung des Berufes die Ausbildung fortsetzen. Die Auf- nähme findet Ostern und Herbst statt. Nähere Auskunft erteilt und Anmeldung erfolgt bei der Direktion in der Straßmannstr. 6. Tic A. E.-G. als Hauswirtin. In der Voltastraße will die A. E.-G. ihre Fabrikanlage er- weitern. Sic hat die erforderlichen Grundstücke sich rechtzeitig gc- sichert und wird die darauf stehenden Wohnhäuser baldigst abreißen. Im Hause Voltastraße 6, das die A. E.-G. Ende 1912 übernahm, ist sie sogleich gegen einen Mieter mit einer Exmission vor- gegangen. Er hätte ohnedies am 1. April ziehen müssen, weil wegen Abbruchs des Hauses ihm zu diesem Termin gekündigt war, Aber er war im Januar die Miete schuldig geblieben— und das verträgt eine Ä. E.-G. noch weniger als ein privater Haus- eigentünzer. Ter Mieter hatte in den nahezu fünf Jahren, die er in dem Hause bereits wohnte, zu dem bisherigen Eigentümer in gutem Einvcrnchmeji gestanden. Konnte er einmal die Miete nicht pünktlich zahlen, so geduldete sich der Eigentümer, und er kam schließlich immer zu seinem Geld. Als der Mieter im Januar 1913 die Miete nickst sogleich zum Monatsanfnng zahlen konnte, weil er seit dem Herbst arbeitslos war, bat er den von der A. E,-G. eingesetzten Verwalter um Stundung. Dieser gab ihm eine kurze Frist, nach deren Ablauf dann die Klage auf Zahlung der Miete für Januar und auf Räumung der Wohnung angestrengt wurde. Im Termin, der Ende Januar stattfand, wurde der Mieter zur Zahlung und zur Räumung verurteilt. Er ver- sprach Zahlung, bat aber den Rechtsanwalt der A. E.-G., bei dem Verwalter zu vermitteln, daß nicht aus Räumung bestanden würde. Der Mieter zahlte am 3. Februar die Miete für Januar und wollte baldigst auch die für Februar zafilen, doch der Verwalter hatte aus der Exmissionsklage das Urteil in Händen und bestand auf Rnu- mnng. Als der Mieter am l2. Februar abends nach Hause kam, hatte der Verwalter durch einen Gerichtsvollzieher die Wohnung können, ob der Mieter noch die Februarmiete und nachher auch die Märzmiete zahlen würde. Die Wohnung ließ sich gar nicht mehr vermieten, da ja das Haus in Kurze abgebrochen lverden soll. Die A. E.-G. kann sich also nicht einmal darauf berufen, daß sie den Mieter habe exmittieren müssen, um durch schleunigste Wcitervcr- mictung sich vor größerem Schaden zu bewahren. Eine neue Strastcnbahn mitten in Berlin. Die Eröffnung einer Straßenbahnstrccke mitten in Berlin gehört zu den Selten- heitcn. Nach längerer Pause ist dies wieder am Donnerstag, den 6. März, der Fall mit den neuen Gleisen in der Krausenstraße. Sie werden dazu bcnuht, um verschiedene Linien in Schlcifenform zu führen. Linie J3Ei fleht vom Hackeschen Markt über die Fran- zösische, Charlotten-, Krausen-, Mauer-, Kanonier- und Französische Straße zurück nach der Pavpclallce. S4E macht die Schleife in ent- flcgcngesctztcr Richtung. Dieselbe Schleife macht 96E, die bisher in der Behrcnstraße endigte. Sie geht van der Charlottcnstratzc durch die Krausen-, Mauer-, Kanonier-, Französische und Char- lottcnstraße zurück nach Tempelhof oder Mariendorf. Hinrichtung in Plötzcnsce. Der zwanzigjährige Raubmörder Roman Pictruszewski, der wegen Mordes an dem Rentier Fuß zum Tode verurteilt worden loar, ist gestern früh auf dem Ge- fängnishof der Strafanstalt in Plötzcnscc hingerichtet worden. Der Bevölkerung Berlins wurde die vollzogene Hinrichtung des Mörders durch folgende Bekanntmachung des Ersten Staatsanlvalts beim Landgericht II Hagcmann bekannt gegeben:„Der Handlungsgehilfe Roman Pictruszewski aus Kelke, geboren am 20. Juli 1892 zu Kelke, Kreis Schmirgel, ist durch rechtskräftiges Urteil des Schwur- gerichts des Landgerichts II vom 2ö. November 1912 wegen Mordes zn Berlin-Schöneberg, begangen an dem Privatmann Fuß von dort, zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist heute früh durch Enthaupten des Verurteilten im Hofe des Strafgefängnifscs zu Plötzensee vollstreckt worden." Totschlag im Hospital. In der Nacht zum Mittwoch ist in dem der Stadt Berlin ge- hörigen, auf dem Grundstück Hauptstr. 3 zu Boxhagen-Rummelsburg belegenen Hospital der 70jährige Hospitalit August Pollak von dem ösjährigen Hospitaliten Gustav Grast nach einem voraufgegangenen Streit erstochen worden. Der Täter wurde gestern morgen von der Lichtenberger Kriminalpolizei verhaftet und dem Untersuchungs- eichter zugeführt. Ueber die Tat erfahren wir folgendes: Der 70jährige Pollak hatte am Dienstagnachmittag ztrsammen nit Grast einen Spaziergang unternommen, bei welchem sie mehrere Lokale besuchten und bis zum Abend kneipten. Im Rausch war eS zwischen den Hospitaliten zu Streitigkeiten gekommen, weil Pollak behauptete, dast Grast überhaupt nicht ins Hospital gehöre, sondern noch rüstig genug zur Arbeit sei. Er wolle sich jedoch nur „brücken" und spiele deshalb den Altersschwachen. Die beiden Männer gerieten in eine Schlägerei und wurden von dem Wirt des Lokals, in dem sie gezecht hatten, vor die Tür gesetzt. Beide ent- lernten sich und begaben sich in das Hospital zurück, wo Grast während der Abendmahlzeit gegen seinen Widersacher mehrfach Drohungen ausstietz, denen jedoch niemand Bedeutung beilegte. Grast hatte aber den Plan gefastt, sich in der Nacht an seinem Segner zu rächen und dieses Vorhaben wurde ihm um so leichter, 'a alle Hospitaliten einen gemeinsamen Schlafsaal benutzen. Nachts gegen 2 Uhr verliest Pollak sein Lager, um sich auf den Abort zu begeben. Graß, der wach lag. bemerkte das und schlich P. mit einem Messer bewaffnet nach. In dem Augenblick, als der Greis sich anschickte, sich über die Haupttreppe zum Schiassaal zurück- zubegeben, trat ihm Grast entgegen und versetzte dem Ahnungs- losen zwei Stiche, von denen der eine dem alten Mann in den Oberschenkel drang und die Schlagader verletzte. Der Getroffene brach blutüberströmt ans den Treppenstufen zusammen, während sein Gegner, der noch immer nicht ganz nüchtern war, sich ungesehen in den Schlafsaal zurückbegab. Der verwundete P. rief mehrnmls um Hilfe, doch wurde er nicht gehört, da sich in dem Hospital keine Aufseher oder Wächter befinden. Erst gestern niorgen fand man die Leiche des Ueberfallenen in einer Blutlache auf der Treppe auf. Die Lichtenberger Kriminalpolizei, die von dem Vorfall sofort der- ständigt wurde, entsandte mehrere Beamte, die am Tatort ein langes Messer mit Hirschhorngriff auffanden, als dessen Besitzer Grast er- mittelt wurde. Der Hospitalit wurde daraufhin sofort verhaftet und gab nach anfänglichem Leugnen den Tatbestand zu. Im Laufe des gestrigen Vormittags wurde er dem Untersuchungsrichter zugeführt._ DoS HennigSdorfer Automobilvcrbrechcn ist auch heute noch nicht aufgeklärt. Die vielen Ermittelungen und Vernehmungen am Tatort und feiner Umgebung haben bisher noch kein greifbares Ergebnis gehabt. Von einigem Belang ist nur die Mitteilung einer Frau, die im Wald bei Hennigsdorf in der vergangenen Woche Holz suchte. Sie sah dort ein Drahtseil liegen, das das von den Verbrechern benutzte wohl gewesen sein kann. Möglich ist nun, dast die Diebe, die das Seil vom Bagger stahlen, es nach einem vorbereiteten Plane nach der Fundstelle gebracht haben, um es in der Nähe des Tatortes zu haben. Es kann aber auch sein, daß die, die den Anschlag verübten, cS zufällig im Walde gefunden und erst durch den Fund auf den Gedanken gekommen sind, den bodenlos rohen Anschlag zu verüben. Auf der Chaussee von Schulzendorf nach Heiligensce ist von einem Bierkutscher ein Draht gefunden worden, der über die Chaussee gezogen war. Es wird angenommen, daß Knaben oder junge Burschen den Draht über die Chaussee gezogen und lose be- festigt haben. Kriminalkommissar Nitschke ist damit beschäftigt. diesen Streich weiter aufzuklären und die Unfugstiftcr zu er- Mitteln. Die Leichen der Eheleute Plunz wurden gestern vormittag nach Berlin übergeführt und nach dem Friedhof der Elisabeth- gemeinde in der Ackcrstraste gebracht, auf dem sie am Freitag bc- stattet werden sollen. Aus Anlast des HennigSdorfcr Raubmordanschlages gegen das Automobil des Juweliers Plunz hät der Allgemeine deutsche Automobilklub für künftige derartige Fälle zur Ergreifung de: Attentäter 5000 M. ausgesetzt. Wie uns gestern abend aus Velten tclcgraphisch berichtet wurde, sind zwei in Marwitz wohnhafte Arbeiter unter dem dringen- den Verdacht, das schwere Verbrechen verübt zu haben, verhaftet loordcn. Im Laufe des gestrigen Tages war eine Zeugin erschienen, die von einem Gespräch Mitteilung machte, das sie mit der Frau eines Arbeiters in Marwitz gehabt hatte. Nach ihrer Bekundung hat ihr diese Frau erzählt, daß ein anderer, ebenfalls in Marwitz wohnhafter Arbeiter, der sich keines guten Leumundes erfreue, zu ihrem Manne gekommen sei und ihn zu veranlassen gesucht habe, mit ihm gemeinsam ein Attentat auf ein Automobil auszuführen. Bei dieser Besprechung habe der Mann auch erzählt, dast er bereits ein Drahtseil besitze, das nur an zwei Bäumen festgebunden werden müsse, um jedes Automobil zu Fall bringen zu können. Auf Grund dieser Aussagen wurden eingehende Vernehmungen in Tegel und Mayvitz angestellt. Als man zum Verhör der Verdächtigen schreiten wollte, ergab es sich, dast diese zufällig beide einen Termin in Neu- Ruppin wahrzunehmen hatten. Als sie gestern abend von dort in Marwitz ankamen, wurden sie auf dem Bahnhof in Empfang ge- nommen,. verhaftet und nach dem Rathaus nach Velten gebracht. Hier bestritten sie entschieden, mit dem Attentat irgendetwas zu tun zu haben. Die Untersuchungsbehörde war noch bis spät in die Nacht hinein eifrig bemüht, Klarheit in dieser Angelegenheit zu bringen. Es gelang bisher jedoch noch nicht, einwandfrei festzustellen, ob auch die Angaben der Zeugin auf Tatsache beruhen. Die beiden Männer wurden auf alle Fälle über Nacht in Hast behalten. Unter der Straßenbahn. Mehrere schlvere Strastenunfälle werden vom Dienstag gemeldet. Der 31 Jahre alte Drechsler Otto Bolze bog DienStagnachmittag von der Mittelpromenade der GreifSwalder Straße nach der Seite ab, überschritt die Einfassung des Schmuckstreifens und diesen selbst und wollte dann über den Fahrdamm hinübergehen. Hierbei übersah er einen Straßenbahnwagen der Linie 17, der dicht an dein Schmuck- streifen entlang gefahren kam. Dieser faßte ihn und schleuderte ihn zu Boden, so dast er unter die vordere Plattform geriet. Der Un- glückliche zog sich eine schwere Kopfverletzung zu und wurde bewußtlos von einem Schutzmann nach dem Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht. Als man dort mit ihm ankam, war er schon tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause ge- bracht.— Gestern morgen um 6l/i Uhr bog der 15 Jahre alte Schlosserlehrling Karl Schulz mit seinem Zweirad, von der Gaudy- straste kommend, in die Schönhauser Allee ein, nahm die Wendung zn kurz und geriet so unter das Hinterrad eines Omnibus. Der Schwerverletzte wurde auf der Hilfswache in der Gaudhstraste ver- Kunden und dann nach dem Krankenhause gebracht. In derResidenzstraste in Reinickendorf wollte der 25jährige Schmied Adolf Braun aus der Voltaftraste einen Straßenbahnwagen der Linie 41 während der Fahrt besteigen. Er glitt ab und stürzte so unglücklich, dast er einen doppelten Bruch des rechten Unterschenkels und eine Kopfverletzung erlitt. Der Verunglückte erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzt die erste Hilfe und wurde dann nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause übergeführt. Im Straßenbahnwagen vom Tode ereilt wurde Dienstag nach- mittag eine unbekannte Frau von ungefähr 60 bis 35 Jahren. Als der Wagen der Linie 14 gerade über die Marschallbrücke fuhr, sank sie plötzlich besinnungslos zusammen und verschied auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Tote ist mittelgroß, untersetzt und kräftig, hat weißes Haar und trug einen schwarzen Umhang, eine blauweistgestreifte Bluse mit blanenc Samtstreifen besetzt und einen schwarzen Rock. Ihre Wäsche ist I. H. gezeichnet, während ihr Taschentuch nur den Buchstaben H. trägt. In der Handtasche hatte sie einen Ring mit zwei Schlüsseln und einen Rosenkranz. Ncbcr einen Einbruch in eine Verkaufsstelle der Konsum- genossenschaft geht uns folgende Mitteilung zu: In der Nacht vom 4. zum 5. d. M. verübten Diebe einen Einbruch in die 55. Ver- kaufsstelle, Berlin N., Fehrbelliner Straße 54. Nach dem Bericht von Ohrenzeugen, welche in dem gleichen Hause vorn 1 Treppe wohnen, fand der Einbruch wie folgt statt: Fraglicher Mieter wurde gegen 3s4 Uhr durch ein starkes Ge- polier aus dem Schlafe gestört, und nachdem sich die Familie des Mieters angekleidet hatte, versuchte der Mann die Ursache dieses Geräusches zu ergründen und öffnete seine Korridortür. Zu seinem Schrecken gewahrte er auf dem Treppenpodest einen Men- scheu, welcher, wie nach dem Bekanntwerden des Einbruches nun 'eststeht, den Spitzbuben Aufpasserdienste leistete. Infolgedessen verschloß Mieter wieder seine Korridortür, und er und seine Frau beobachteten das Treiben der Spitzbuben vom Fenster aus. Sie bemerkten nun, daß auch auf der Straße 2 Männer, nebenbei ge- sagt in guter Kleidung, harmlos ihre Zigarette rauchend. Schmiere standen. Nach � geraumer Zeit kamen drei Männer mit den ge- stohlenen und in ein grünes Tuch geschlagenen Waren aus dem Hause und gingen in der Richtung nach der Anklamer Straße. Ein des Weges in gleicher Richtung kommender Passant wurde vom Mieter von dem stattgefundenen Einbruch unterrichtet und darum gebeten, den weiter unten gehenden Schutzmann auf die Diebes- gesellschaft aufmerksam zu machen. Dies geschah auch gerade in dem Moment, als die saubere Gesellschaft an dem Schutzmann mit dem Bündel auf dem Rücken vorbeikam. Der Schutzmann lehnte aber eine Verfolgung ab mit der Motivierung, daß er nicht aus seinem Revier herauskönne. Er verlangte, daß der Mann die Spitzbuben selbst verfolge. Dies geschah auch. Inzwischen kam auch der Sohn des Mieters, welcher den Diebstahl mit bemerkt hatte, hinzu und machte gleichfalls dem Schutzmann Mitteilung. Dann gingen beide nach dem zuständigen Revier. Das Ende vom Liede war natürlich, dast die Spitzbuben mit den gestohlenen Gegen- ständen ungestört entkamen. Sie wären unbedingt festgenommen worden, wenn der Schutzmann nach dem ihm zuerst gegebenen Berichte die Verfolgung der Diebe selbst aufgenommen hätte. Weite Kreise des Publikums werden sich fragen, wie es mög- lich war, dast im vorliegenden Falle wegen Ilnzuständigkeit die Spitzbuben entkommen konnten. Ist denn die Polizei vornehmlich nur dazu da, in großer Zahl gegen harmlose Jugendliche auf- geboten zu werden, die ihren Bilvungsdrang befriedigen wollen? Wegen Saccharinschmuggels sind hier und in Hamburg sechs Personen festgenommen worden. Ein entsetzlicher Anblick bot sich den Arbeitern einiger Ab- tcilungcn des A. Borsigschen Betriebes in Tegel am Dienstag, den 4. d. M., vormittags zwischen 9 und 9)4 Uhr. In der Kesselschmiede N>ar der Bohrer Händler an der linken Hand schwer verletzt worden. Seine Arbeitskollegen trugen den Verunglückten nach der Ver- bandsftation, wo demselben die erste Hilfe zuteil wurde. Den ganzen Weg von der Unfallstelle bis zur Verbandsstation— es sind einige 100 Meter— hing nun die zerquetschte Hand frei und unverhüllt herunter. In den Borsigwerken häufen sich in letzter Zeit die Unfälle ganz erheblich. Nachdem vor einigen Wochen in der Hammer- schmiede ein Arbeiter tödlich verunglückte, ist am Sonnabend, den 1. d. M.. in Abteilung Maschinenbau ein Arbeiter am Bohrwerk schwer verunglückt; ein Arm soll mehrere Male gebrochen sein. Jetzt am Dienstag der schwere Unfall in der Kesselschmiede, gar nicht zu reden von den zahlreichen leichteren Unfällen der letzten Zeit. Zwei größere Brände beschäftigten die Feuerwehr in der letzten Nacht in der Alten Jakobstraße. Das erste Feuer brach in der Alten Jakobstraste 11/12 im vierten Stock des linken Seitenflügels in einer Dreherei aus. Die Flammen fanden an den Holzvorräten reichliche Nahrung und konnten erst nach halbstündigem Wasser- geben gelöscht werden. Der zweite Bran» entstand im Nebenhausc Nr. 13 in dem Privatkonwr der Militärcffektcnfabrik von C. E. Juncker und wurde erst bemerkt, als gegen 3 Uhr nachts helle Flammen aus einem Fenster des zweiten Stocks im Quer- gcbäudc herausschlugen. Auch hier hatte die Feucrloebr längere Zeit mit den Löscharbeitcn zu tun. Ein Posten Militäreffcktcn ist mit ein Raub der Flammen geworden. Da die Werkstätten der Fabrik vom Feuer aber verschont geblieben sind, so tritt keine Be- triebsstörung ein. Als Ursache des Feuers wird B r q n d st i f- t u n g vermutet. Diese Annahme wird noch dadurch bestärkt, dast aus einem Pult etwa hundert Mark bare? Geld gestohlen worden sind. Wahrscheinlich ist also der Brand von einem Einbrecher an- gelegt worden. Nachforschungen in dieser Richtung sind sofort ein- geleitet worden. Vorort- PtedmeKtem Tempelhof. Etatberatung. Der Zuschuß der Gemeinde für die höheren Schulen beläuft sich auf 174 600 M. Bezüglich der unzulänglichen Beleuchtung der Straßen mußte selbst der Gemeindevorsteher der betreffenden Kommission den Wunsch ausdrücken, in Zukunft doch etwas freigebiger zu sein. Die Berliner Straste soll ab 1. Januar 1914 durch elektrisches Licht beleuchtet werden. Luch die Dorfstraste wird, sobald diese neu gepflastert ist, die gleiche Beleuchtung erhalten. Der Berliner Straste möchte man ein besseres Aussehen geben und die Vorgärten beseitigen; dieses Vorhaben scheitert jedoch an mangelndem Entgegenkommen der beteiligten Grundeigentümer. Genosse Schmidt nahm sich besonders der Werderstraste, deren Neupflasterung immer noch in der Schwebe ist, an: die Passage sei dort besonders schwierig: auch werde der Unterricht an der dortigen Gemeindeschule gestört. Klagen über die Straßen ani Metzplatz, wo das Garnisonlazarett liegt, brachte Genosse Frantz vor. Ihm wurde erwidert, daß eS hier der Militärfiskus sei, der dauernd Schwierigkeiten verursache; selbst die Kosten für die angefangenen Arbeiten müsse die Gemeinde erst im Klagewege einzubekommen suchen. Alsdann kam Genosse Schmidt auf Mißstände im Feuerlöschwesen zu sprechen. Ihm wurde erwidert, dast der Vorsteher noch in diesem Jahre daS ausgearbeitete Projekt einer ständigen Feuerwache vorlegen werde. Dr. Richter bedauerte bei dein Kapitel Armenverwaltung, deren Gesamtausgaben von 33 100 auf 65 000 M. emporgeschnellt sind, dast nicht ersichtlich sei, was für die Armenpflege gebraucht und waS für Wohlfahrtszwecke verwendet werde. Wohl bestehe eine Gesundheitslommission am Ort, diese habe aber im vergangenen Jahre nicht einziges Mal getagt. Die Leistungen seien für die Gemeinde geradezu beschämend; er fordere, dast etwas mehr ge- schehen möge. Auch mit der Tätigkeit des Armenarztes war Redner trotz aller kollegialen Rücksichten nicht einverstanden. Es ist dies nicht das erstemal, dast selbst von den Bürgerlichen der Armenarzt, der gleichzeitig auch Schularzt ist, heflig angegriffen wurde. Den Maschinisten und Heizern, welche ebenso wie die Straßen- arbeiter in den Genuß der Ferien kommen und bereits eine 9 stündige Arbeitszeit haben, möchte man durch eine Gehaltsregulierung den Zehnstundentag aufdrängen, was von den sozialdemokratischen Ver- treten, als ein starkes Stück bezeichnet wurde.— Unier gemein- nützigen Zwecken ist auch der Vaterländische Frauenverein bedacht worden, der bei dem letzten Blumentag 3516,81 M. zusammenbetteln und fast die gleiche Summe in preußischen Konsols anlegen liest.— Das Anschlagwesen bleibt immer noch in Händen des Grundbesitzer- Vereins, obgleich der Gemeinde von anderer Seite mehr als daS Doppelte geboten worden ist. Die Gesamt schulden der Gemeinde belaufen sich auf 5 738,891,14 M., für Zinsen und Tilgung dieser Schuld müssen 154 125,29 M. ausgegeben iverden. Die Gcmeindeeinkommensieuer ist veranschlagt mit 460000 M.(120 000 M. mehr) und beträgt wie voriges Jahr 100 Pro z der Staatssteuer. Die Zensiten mit weniger als 420 M. Einkommen sollen steuerfrel bleiben. Die Gesamieinnahme aus den direkten Gemeindesteuern beträgt 984 000 M. gegen 836 000 M. im vorigen Jahre. Bemerkenswert ist, dast 126 000 M. an Mehreinnahmen zu verzeichnen sind, die infolge der mit den Gesellschaften neu abgeschlossenen Verträgen wegen Lieferung von Elektrizität, Gas und Wasser erzielt worden sind und wesentlich zur Balancierung des Etats beigetragen haben. Der austerordentliche Etat weist an Ausgaben u. a. auf: 2 Millionen Mark als dritte Kaufgeldrate für das Tcmpelhofer Feld, welche Summe von der Feldaktiengesellschaft bezahlt wird; 800 000 M. für die Erbauung der Gemeindedoppelscbule am Alarich- platz und 900 000 M. für die Erbauung einer höheren Mädchen- schule; diese Summen sollen durch Anleihen gedeckt werden. Die Gesamtsumme der austerordentlichen Ausgaben beträgt 3 731 000 M. gegen 2 111000 M. im Jahre 1912. Die Petition wegen der Verschandelung des Frankeschen Parks sowie der eventuelle Ankauf des Lehneschen Parkgrundstücks wurden in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt.— Zur Jahrhundertfeier wurden 200 M. bewilligt. Chadottenbnrg. Neue Direktoren an Charlottenburger Schulen. Der Magistrat hat den Direktor des Realgymnasiums in Reinickendorf, Dr. Düvel, zum Direktor der Herderschule, und den Oberlehrer Prof. Neukranz zum Direktor der in der EntWickelung begriffenen Realschule II gewählt. Der hiesige Schwimmverein„Freie Schwimmer"(M. d. A.-S.-B.) begeht am Sonntag, den 9. März, nachm. 3 Uhr. sein 8. Schivimm- sest in der Schwimmhalle des städtischen Volksbades, Krummestr. 10. Es stehen Gruppenvorsührungen, Damenschwimmen, Springen, Tauchen usw. auf dem Programm. Billetts a 50 Pf. sind zu haben im Vorverkauf bei Franz Schmidt, Wilmersdorfer Str. 130. Lichtenderg. Der zu heute Donnerstag um 6 Uhr nach dem Rathause ein- berufenen öffentlichen Stadtverordnetensitzung geht eine geheime Sitzung voraus, so daß die Oeffentlichkeit wohl nicht vor 6�/, Uhr hergestellt werden dürfte. Neben der Reorganisation des Armen- Wesens, der Frage der Mittelschule für Mädchen als Uebungsschule für dos Obcrlyzeum, sollen noch die Etatsberatungen beginnen. Stralau. Mit der Festsetzung de? Boranschlages für das Sieuerjahr 1913 beschäftigte sich die letzte Gemeindevertretersitzung. Das Gesamt» vermögen der Gemeinde beträgt 817 362,93 M., im Vorjahre 760 583,36 M. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 585 758,40 Mark. Der Gcmeindcsteuerzuschlag bleibt auf 100 Proz. bestehen. Genosse Aschendorf wandte sich gegen die Erhebung der Steuer für Einkommen von 660 bis 900 M. Die Erhebung dieser Steuer habe im Gefolge, dast alle diejenigen� welche nicht zahlen können, an der weiteren Ausübung politischer ssicchte behindert würden. Ein von unserem Redner eingebrachter Antrag hierzu wurde abgelehnt. Der Gemeindevorsteher gab die Zusick>erung, daß die von Aschen- dorf angeregten Fragen in nächster Zeit erwogen werden sollen. Hierauf befürwortete unser Vertreter, die Kosten für die Zahn» pflege der Schulkinder völlig aus Gemeindemitteln zu bestreiten. Eine erhebliche Anzahl Eltern wären außerstande, für das Plom- bicren eines Zahnes 75 Pf. und für Ncrvtöten 1 M. zu ent- richten, darunter leide die Zahnpflege austerordentlich. Der Ge- meindcvorsteher versprach, zum 1. April eine Abänderung vorzu- nehmen. Nachdem die Vertretung noch die Mittel für die Unfall- vcrsichcriing der Freiwilligen Feuerwehr(pro Person 2 M.) be- willigt hatte, tvurdc mitgeteilt, daß das geplante Abkommen mit der Großen Berliner nunmehr perfekt sei. Danach sollen die Linie 9 von Stralau, Tunnclstraste-Mühlcnstraste-Alcxanderplatz. Spittelmarkt-Gotzkowskistraste und Linie 31 von Markgrafcndamm- Alcxandcrplatz-Stcttiner-Bahnhof mit einem Abstand von einer Viertelstunde demnächst eingesetzt werden. Adlershof. Aus der Gemeindevertretung. In die Armenkommission wurde unter anderem auch Frau Neumann, Metzer Str. 5, gewählt. Die Vorlage auf Neugestaltung der Reisekosten der Beamten wurde nochmals au den zuständigen Ausschuß zurückverwiesen. Für die Errichtung eines Freibades an der Spree, bei„Ncptunshain", wur» den zunächst 3000 M. bereit gestellt. Die Arbeiten wurden einem Ricder-Schöneweider Unternehmer zum Preise von 2216 M. über- tragen. DaS Gesuch der Gemcindearbcitcr auf Lohnaufbesserung wurde vom Genossen Zabel eingehend begründet. Trotzdem Redner darauf hinwies, daß die vor drei Jahren festgesetzten Löhne durch die eingetretene Teuerung weit überholt seien und in verschiedenen Gcmeinocn schon höhere Löhne gezahlt würden, stimmten für die Aufbesserung nur unsere Genossen. Bei der 2. Lesung de? Etats kam die von der öffentlichen Versammlung angenommene und von der Versammlungsleitung eingesandte Resolution zur Sprache. Die Versammlung forderte in der Resolution, daß die Steuersätze von 420 bis 900 M. nicht erhoben werden sollen. Hierbei wurde bc- tont, dast die in der Etatskommission vertretene Anschauung, durch die Nichtcinzichung der untersten Steuerstufcn würde Adlershof eine Zufluchtsstätte der Armen, jeder sozialpolitischen Einsicht ent- bchre. Der Schöffe M. wandte sich in seinen Ausführungen gegen diesen Passus der Resolution. Genosse Zabel erwiderte, dast der- artige Acusterungcii von einem sozialen Geiste gewist nicht ge- tragen seien. Die Nichterhebung der unteren Steuern sei nur ein Akt der Gerechtigkeit. Wenn 16 000 M. dem Grundbcsih erlassen würden, sollte es auch möglich sein, die Armen um 8000 M. zu schonen. Trotz einigen platonischen Erklärungen der bürgcr- lichcn Vertreter wurde der Antrag mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Ter Etat balanciert mit folgen- den Summen: Ordentliche Venvaltung 734 355 M., höhere Schule 55 920 M., Regenwasserleitiing 0380 M., �chmutzwasseranlage 47 910 M„ zusammen 847 565 M. Der Zuschlag zur Staatsein« kommensteuer ist bei 150 Proz. geblieben. Für die neue Turnhalle wollen die B. E. 23. die Elektrizität liefern unter der Bedingung. daß der Vertrag aus fünf Jahre gcschlasscn wird unter jeder- zeitiger Rücktrittsfrciheil gegen Erstattung der buchmäßigen Her- stellungstasten. Ter Errichtung eines Hypothekenamtes stimmte die Gemeindevertretung zu. Es sollen zweite Hypotheken bis 75 Proz. gegeben werden. Der Antrag soll, um möglichst Mittels- Personen auszuschalten, persönlich oder schriftlich beim Gemeinde- Vorsteher gestellt werden. Von der Straßenbahnverwaltung Köpenick wurde ersucht, im Sommerhalbjahr die Wagen nicht nach Bahnhof Köpenick, sondern nach Friedrichshagcn und Wcndcnschloß gehen zu lassen; es wird dadurch ein viertelstündlicher Verkehr er- möglicht. Dem stimmte die Vertretung zu. Aus Antrag des Ge- nassen Zabel wurde beschlossen, den Wert der in der zweiten Ge- mcindeschule gestohlenen Sachen zu ersehen. Ein Präzedenzfall ist dadurch nicht geschaffen; cS soll von Fall zu Fall entschieden werden. Hohen» Schönhausen. Aus der Gemeindevertretung. Das Herabgehcn der Nachfrage nach russischem Fleisch hat den Gemeindevorstand bewogen, der Vertretung die Aufhebung der Verkaufsstelle zu empfehlen. Unsere Genossen wandten sich ganz entschieden dagegen. Wenn die Fleischermcister mit den Fleischpreisen heruntergegangen sind, so sei dag nur auf den Eigenvertrieb des russischen Fleisches zurück- zuführen. Die Preise würden aber sofort wieder in die Höhe geben, wenn die Verkaufsstelle aufgehoben werde. Die der Ge- mcinde entstehenden Unkosten dürften gar nicht in Frage kommen. Bei anderen Gelegenheiten, z. B. bei Festsetzung der von den An- licgern zu leistenden Kanalisationsbciträgen, wo der Grundbesitz ganz bedeutende Zugeständnisse erhalten habe, seien von bürger- lichcr Seite keine finanziellen Bedenken geltend gemacht worden. Die bürgerliche Mehrheit beschloß gegen die Stimmen der sozial- demokratischen Vertreter die Aufhebung der Verkaufsstelle zum Sl. März d. I. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt die Gemeindebcr- tretung mit den beiden Vorständen der am Orte bestehenden Grundbesitzervereine eine Besprechung ab. Den Anlaß dazu gab die organisierte Erhebung von Einsprüchen gegen die erlassene Bcitragsordnung zur Aufbringung der Kanalisationskosten. Der Zweck sollte die Herbeiführung einer Verständigung über diese Angelegenheit sein. Gemeindevorsteher Koenig gab bekannt, daß der Gemeindevorstand dazu Stellung genommen habe. Derselbe beabsichtige, falls die Grundbesitzervereine dafür sorgen wollten, daß alle Einsprüche zurückgezogen werden, der Gemeindever- tretung eine Vorlage zu unterbreiten, wonach die Beiträge der Grundbesitzer im ehemaligen Gutsbezirk für Bauklaffe A von 40 M. auf 20 M. und für Bauklasse IZ von.00 M. auf 15 M. für das laufende Frontmeter ermäßigt werden sollen. Die Gemeinde bätte dann 386 500 M. auf die allgemeine Steucrkasse zu übernehmen. Die Grundbesitzer erklärten hierauf, zur Zahlung von Bei- trägen überhaupt nicht verpflichtet zu sein. In ihren Kaufver- trägen mit der Grunderwerbs- und Baugesellschaft wären die Kosten für Straßenrcgulierung und Kanalisation in der Kauf- summe mit einbegriffen gewesen; auch sei vermerkt, daß sie zu solchen Kosten nicht mehr herangezogen werden können. Da sie der Gemeinde aber entgegenkommen wollten, würden sie für Bau- klaffe /e statt 40 M. 5 M. und für Bauklasse B statt 30 M. 2.50 M. für angemessen halten. Die übrigen Kosten müsse die Allgemeinheit durch Erhöhung der kommunalen Zuschläge tragen. Die Hausbesitzer könnten, wenn sie niedrige Abgaben zu leisten haben, den Arbeitern auch billige Wohnungen verschaffen; lieber zahle letzterer einige Mark Steuern mehr, wenn er nur billig wohnen könne. Ten sozialdemokratischen Vertretern wurde noch zum Vorwurf gemacht, daß sie mit für die Belastung der Grund- besitzcr einträten, die in Hohen-Schönhausen größtenteils nur von der Hand in den Mund leben. Unsere Genossen führten dazu auS, daß die Bestimmungen über die Abgaben des Grundbesitzes in Hohen-Schönhausen äußerst kulante seien, weil die allgemeinen Steuergelder in hohem Maße für Einrichtungen in Anspruch genommen werden, die lediglich nur dem Grundbesitz dienen. Wenn ein Hausbesitzer dennoch nicht zurecht kommen könne, müsse er eben darauf verzichten, Hvpa- thekcnverwalter zu sein. Auf ihn könne im Interesse des Gemein- Wohls keine Rücksicht genommen werden. Mit dem Märchen der niedrigen Abgaben und billigen Mieten könne man die Arbeiter- schaft nicht ködern. Die Höhe der Mieten richte sich immer nach der Wohnungsnachfrage. Irrig sei auch die Annahme, daß die Anlieger im ehemaligen Gutsbezirk laut Vertrag mit der Grund- crwcrbsgescllschaft. welche auch zugleich Gutspatronin war, nicht zu den kommunalen Abgaben herangezogen werden können. Diese Abmachungen hätten nur so lange Wirkungskraft gehabt, als der Gutsbczirk selbständig getvcsen sei. Als läckicrlich müsse es bc- zeichnet werden, wenn die Grundbesitzer für das laufende Front- metcr nur 5 M. und 2,50 M. zahlen wollten, die übrigen.Kosten aber der großen Masse der Steuerzahler aufgebürdet wissen möchten. Hatten die Ausführungen der Grundbesitzer bewiesen, daß ihre kommunalen Kenntnisse gleich Null sind, so zeigte der Ver- lauf der Debatte, daß dieselben sogar nicht einmal in der Lage waren, den Erläuterungen der hiesigen kommunalen Verhältnisse zu folgen. Reckt komisch mutet es darum an. wenn im„Lokal- Blatt", dem Organ der Mundbesitzer, den Gemeindevertretern jede Sachkenntnis abgesprochen wird und für die nächste Wahl die Androhung erfolgt, daß andere Vertreter ins Ortsparlament einziehen werden. Da für die Grundbesitzer größtenteils nur die dritte Klasse in Frage kommt, so sei hier erklärt, daß die Sozial- demokratie mit dem AgitationSmaierial. welches ihr durch die Unersättlichkeit der Grundbesitzer geliefert wird, denselben bei der nächsten Wahl eine noch erbärmlichere Niederlage bereiten wird, als es vordem der Fall war. Tegel. Ein goldenes Armband ist auf dem Wege von der Schulstr. 10 bis Brunowstr. 57 verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird ge« beten, dasselbe bei Schröder, Brunowstr. 57, Hof I, abzugeben. Rosenthal-Wilhelmsruh. Am Sonnabend, de» 8. März, findet im Lokal von Gustav Mil- brodt, Kronprinzenstt. 15, der zweite Elternabend, verbunden mit Rezitationen, Theater unter Mitwirkung des Gesangvereins»Freier Männerchor" statt. Eintritt 20 Pf. Versammlungen. Vierter Wahlkreis. Die Genossen des Petersburger Viertels hatten zum Montag eine Mitgliederversammlung nach den„Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee, einberufen, in der Genosse Reichstagsabgeordneter Otto Büchner einen Vor- trag über:„Preußen in Deutschland" hielt. Ein Vortrag über:„Massenstreik", den die Genossen Zubeil und Cohen zu- gesagt hatten, wurde auf eine spätere Zeit verlegt, da Genosse Zubeil infolge wichtiger kommunaler Betäftgung der Versamm- lung fernbleiben mutzte. Genosse Büchner behandelte das Thema in großen Zügen. An der Hand eines umfangreichen Materials zeigte er, welchen ungeheuren Terrorismus die Junker anwenden, dieselben Junker, die in ihrer Presse und in den Par- lamenten ständig Schutzgesetze gegen den sozialdemokratischen Terrorismus fordern. Die Regierung sei buchstäblich abhängig von den Junkern, und wehe dem Minister, der es wagt, den Wün- scheu dieser Sippe entgegen zu handelen. Aber nicht nur in Preußen sind die konservativen Reaktionäre ausschlaggebend, sondern durch die Uebcrmacht, die Preußen im Bundesrat hat, im ganzen Reiche. Nachdem der Redner die mannigfachsten Ge- biete der preußischen Reaktion gestreift hatte, wandte er sich zum Schluß seiner Ausführungen dem„patriotischen" Rummel zu, der jetzt gelegentlich der hundertsten Wiederkehr der sogenannten pren- ßischcn Befreiungskriege in Szene gesetzt wird. Büchner erkennt au— was auch noch kein Sozialdemokrat bisher bestritten—, daß die preußische Bevölkerung Opfer jeder Art gebracht hat und daß die Freiwilligen mit äußerster Anstrengung ihr Vaterland ver- tcidigt haben. Sie kämpften für die Abschüttclung des fran- zösischcn Joches, um ein freies Deutschland zu erringen. Napoleon wurde niedergerungen, das freie Deutschland ist aber noch heute nur eine Utopie. Der preußische König dachte gar nicht daran, sein in der Not gegebenes Verfassungsversprechen zu halten und jetzt, hundert Jahre später, haben wir noch kein freies Wahlrecht und warten auf die Einlösung eines Versprechens des jetzigen Königs. Die bevorstehende Landtagswahl gibt besonders Gelegen- heit, die elenden preußischen Zustände zu beleuchten und zu be- kämpfen. Die Sozialdemokratie muß den Kampf bis zum Siege führen, damit endlich das Wort:„Man muß sich schämen, ein Preuße zu sein", keine Geltung mehr hat. Der Vortrag wurde von den Anwesenden lebhaft applaudiert. Jugendveranstaltunge«. Arbeiter-Jugend NowawcS. Sonntag, den 9. März, Ausflug nach dem Grunewald. Treffpunkt mittags 12'/,—! Uhr im Jugendheim. Ab- marsch pünktlich 1'/, Uhr. Für Nachzügler 4'/, Uhr im Fürstenhos(Wannsee.) Tie Eltern wollen ihre erwachsenen Söhne»nd Töchter aus die sc Veranstaltung ausmerksam machen. Liederbücher nicht vergessen. Slrbciter-Wanderbund»Die Naturfreunde�. Sitz Berlin. Wander- sahrtcn am Sonntag, den 9. d. At.: l. Birkcnwerder— Rüdnitz. Abs. Sielt. Bbs. 6,45 vor«. II. Hennigsdorf— Finkenkrug. Abs. Stett. Vorortbhs. 6.57 vorm III. Rahnsdorf— Hirschgarten. Abs. Schi. Bhs. 1,W nachm. IV. Molivtour d. Photo-Abt. Hcnnigsdors-Cchönwaldc. Abs. Stett. Vor- ortbhs. 8,12 vorm. V. Exkursion d. Wissensch. Abt. WaidmannSIuft-Mönchs urühlc. Besichtigung einer Baucintöpserci. Abf. Stett. Vorortbhs. 7 vorm. VI. KinderveransiaUung. Besuch des Naturlunde-Museums. Treffpunkt 12 Uhr mittags Jnvalidenffraße, Ecke Hannoverschestratzc. 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