Ar. 56. Hbonncmcnts-Bfdlngungen: aBomtcmfitl?- Preis sränitmctanbo: Sictlcljahif. 3,30 Mk,, monall. 1,10 Mk, IröchonUich 28 Pfg, frei ins.{raus. Einzelne Zlummer 5 Pfg. Sonniags- immmot nnt iDujtricrlct Sinmlngs- Veilagc„Die Neue Welt" 10 Psg, Posi- AboimemenU 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeinmgs- Prerslisle, Unter Nreuzband für Dentschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat, Postabonneuients ntbinen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxeniburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrfdiciDt tsglich außer lüuntags. 30. Jahrg. Sie TnfertionS'Gebiiljr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 80 Pfg„ für politische und gewerkschattliche Vereins- und Bersaimnlungs-Anzeigen 30 P-g. „steine Zsnreigcn", das settgedruckte Wort 20 Psg, l zulässig 2 setlgedrnllte Worte), jedes weitere Wor! 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan. zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes reellere Wort ö Psg. Worte über lä Buch- staben zäble» für zwei ffiofle. Inserate für die nächste Rununer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Verlinov VolKsbl�kk. Telegramm-Adresse: „SMialdemelirat Eirlin". Zcntralorgan der fozialdcmokratirchcn parte» Deutfchlands. Redaktion: 8Lll. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Aioritiplatl, Nr. 1S8Z. Agrarische Sorgen. Die Erfolge dos deutschen Laudarbeitcrverbaudes machen den interessierten Kreisen schtvcre Sorgen. Sowohl die Tagung des deutschen Landwirtschaftsrates als die 17. Haupt- Versammlung des deutschen Vereins für Wohlfahrts- und Heimatpflcge standen zum Teil im Zeichen dieser Sorge. Etwas spät. Man sieht hier denselben Vorgang wie bei der Behandlung der Jugend: erst wenn wir uns darum kümmern, erst wenn wir auf dem Wege sind, sie zu gewinnen, be- kommt man Angst und besinnt sich auf Pflichten. Nachdem man die Landarbeiter bei der Regulierung am An- fange des neunzehnten Jahrhunderts ganz vergessen hatte, hat sich„auch während des neunzehnten Jahrhunderts die Landarbeiterschaft nie einer besonderen Fürsorge durch den Staat oder die landwirtschaftlichen Organisationen erfreuen dürfen." Jetzt versichert der Staat, jetzt versichern vor allem die Landwirte, wie sie immer nur auf das Wohl der Arbeiter bedacht seien und machen alle Anstrengungen, um das zu beweisen: Wohlfahrtspflege, Theateraufführuugen, Lichtbilder- Vorträge, Dorfkasino und ähnliche Veranstaltungen, mit denen man die Landarbeiter zu beschäftigen und zu beruhigen sucht, sind Errungenschaften erst der allerletzten Jahre. Das obige vorwurfsvolle Zitat, welches Staat Md laud- wirtschaftlichen Organisationen ihre Unterlassungssünden vor- hält, entstammt nicht etwa einer sozialdemokratische« Broschüre, sondern einer in Broschürenform erschienenen Arbeit von Dr. Aßmis, Dezernenten im Landcsökonomiekollcgium:„Wie kann den Landarbeitern ein besserer An- schluß in wirtschaftlicher und sozialer Hin- ficht geboten werden?"(Berlin 1913, Paul Parch), deren Inhalt in verkürzter Form von dem Verfasser auf der 17. Hauptversammlung des Vereins fiir Wohlfahrts- und Heimatpflege vorgetragen worden ist. Die Schrift soll sich, wie schon ihr Titel besagt, mit der Frage beschäftigen, wie die Landarbeiter im Banne der Landwirte zu halten sind. Der Titel ist aber irreführend, mindestens unklar, denn mit Ausnahme eines kurzen Abschnittes, läuft alles nur auf die Frage hinaus 1 wie die Arbeiter dem Landarbeitervcrbande und der Sozialdemokratie fernzuhalten seien, ob durch Gcgcü- verbände oder anderen Anschluß. Nachdem er die verschiedenen vorhandenen Organi- sationsbildungcn,„sozialdemokratische", konfessionelle, Vater- ländische Verbände und engere Fachvcrbände besprochen hat, sucht er erst zu entscheiden, ob auf dem Lande überhaupt eine Notwendigkeit zur Bildung eigener Arbeitervcr- bände vorhanden sei. Er verneint die Frage, weil die Land- arbeiter in der großen Ueberzahl durch Anteil an dem Ertrage und durch eigene Wirtschaft, mindestens aber durch Haus-, Guts- oder Dorfgcmeinschaft mit ihren Unternehmern in Interessengemeinschaft lebten und auch sonst sich mit ihren Unternehmern eins fühlten. Es sei also weder ein Wirtschaft- lichcr noch ein ethischer Grund für Bildung eigener Organi- sationcn vorhanden. Man kann sich nur Wundern, wie ein so orientierter Mann so die Augen verschließen kann vor den tatsächlichen Zuständen. Die Interessen- gcmcinschaft schwindet mehr und mehr, seit, dem Zuge des Kapitalismus folgend, der Landwirt Deputatland, Ernte- und Drcschcranteil, sogar die Kuhhaltung in festes Deputat und Geldlohn umwandelt und in manchen Gegenden sogar fast reinen Geldlohn zahlt. Und wo soll das„ethische Moment", das Gefühl der Zusammengehörigkeit herkommen, wenn die Besitzer der größeren Güter alle paar Jahre wechseln, die Bauern aber ihr Gesinde aus ihrer Stube und von ihren: Tisch verwiesen haben. Weber, v. d. Goltz, Sydow und viele andere weisen auf die tiefe soziale Kluft hin, welche Land- besitzcr und Arbeiter trennt, und da behauptet A., es gebe in der Landwirtschaft keinen Interessen- und Klassengegensatz zwischen Arbeitern und Unternehmern wie in der Industrie. Aber der Grund für die Verneinung ist ein ganz anderer und wird� auch nicht in diesem Kapitel, sondern an anderen Stellen es verraten: es ist die wiederholt z. B. bei Besprechung der Fachvcrbände hervortretende Furcht, es möchten diese. Organisationen„bei Vertretung der Interessen ihrer Mitglicde�gcgcnüber dcn Arbeitgebern in das Klassenkampfprinzip verfallen". Ein ganz richtiges Gefühl. Durch eigene Organisierung entsteht Klassenbewußtsein. Sowie der Arbeiter erst begriffen hat, daß er eine eigene Klasse gegenüber der Klasse der Unter- nehmer bildet, und daß beide Klassen gegensätzliche Interessen haben, dann_ ist es auf immer aus mit feiner Geduld, mit seiner Bedürfnislosigkeit und seiner Bereitwilligkeit, sich knechten zu lassen. Dann gibt es nur noch den Kampf, den Klassenkampf. Deshalb ist es ein ganz richtiger Instinkt. wenn A. es auf jeden Fall verhindert wissen will, daß der Landarbeiter zum Klassenbewußtfein erwacht. Er verliert dieses Klassenbewußtsein dann eben nie wieder. Aber mit dem einfachen Nachweis, daß eigene'Arbeiter- verbände sich nicht empfehlen, begnügt sich der Verfasser nicht, er empffehlt der Sicherheit wegen sogar Maßnahmen zur Verhinderung ihrer Bildung. Maßnahmen, die sich„in erster Linie gegen die Sozialdemokratie als den gefährlichsten Gegner richten müssen". Ilm die Arbeiter nicht durch die materiellen Vorteile des Verbandes der Landarbeiter locken zu lassen, empfiehlt er Hinweis auf die ähnlichen Einrichtungen Vater- ländischer, besonders der Kriegervereine, auf eine nationale I Volksversicherung, Einrichtung unparteiischer Rechtsauskunft- stellen, gute Lektüre, z. B. die— Kreisblätter und eine voni Verein für Wohlfahrts- und Hcimatpflege demnächst heraus- kommende Wochenschrist für Landarbeiter. Aber er ist einsichtsvoll genug zu erkennen, daß materielle Vorteile und soziale Fürsorge allein den ideellen Wert des Zusammenschlusses, jenes erhebende Gefühl der Kollegialität und das Bewußtsein in der Gesamtheit etwas zu bedeuten, nicht» ersetzen können, daß zum Ersatz dessen, was in dieser Beziehung der Landarbeitervcrband bietet, demArbeiter dicMög- lichkcit eines Anschlusses an eine Organisation geboten werden müsse. Nochmals betont er dabei, daß die vorhandenen reinen Arbeitervereine nicht zu empfehlen seien, weil durch sie künstlich eine Schranke zwischen Arbeitern und den Landwirten geschaffen werde. Das. Richtige sei vielmehr ein einheitlicher Zusammenschluß aller Dernfsangehörigen.- Durch Erhaltung oder Wiedereinführung der Naturallöhnung, Ansiedelung, be- sonders aber durch Heranziehung der Arbeiter zu den allgemeinen landtvirt schaftlichen Orga- nisationen solle man das wirtschaftliche Band zwischen Landbesitzern und Arbeitern wieder herstellen respektive er- halten. Aufnahnie eines Arbeiters in die Landwirtschafts- kammern(wohlgcmerkt nicht durch Wahl der Arbeiter, sondern durch Zuwahl von feiten der Kammer selbst bestimmt), Aufnahme in landwirtschaftliche Vereine, ländliche Ge- nossenschaften, den Bund der Landwirte, allgemeine vaterländische Vereine wie Flottenverein, Wchrvcrein wird empfohlen, endlich wird den„landlvirtschaftsfreundlichen" politischen Parteien Annahme eines Landarbeitcrprogranims ans Herz gelegt. Recht vernünftig und modern mutet es au, wenn er be- tont, die Landarbeiter müßten vollberechtigte und verpflichtete Mitglieder der Organisationen sein und dürften nie das Gefühl haben, daß man ihnen Wohltaten erweisen wolle. Er kennt seine Pappenheimer, er weiß, daß nian die Arbeiter, die man bisher nur als eine von Natur aus minderberechtigte «Schicht angesehen hat, nur widerwillig in all diese Organi- sationcn, außer in die Kriegervereinc, aufnehmen wird, daß man vor allen Dingen sie fühlen lassen wird, welches Glück und welche Ehre sie durch diese Aufnahme geuießen. Er hat da- durch den schwachen Punkt dieser ganzen Bestrebungen heraus- gefunden, an dem sie scheitern iverden. Die soziale Kluft, der Klassengegensatz, so sehr man ihn leugnen will, besteht und wird immer größer, und stets wird dieses Monicnt sich der Bildung gemeinsamer Organisationen von Landwirten und Landarbeitern hindernd in den Weg stellen oder, wenn sie zersetzen. Und hier werden sein, die dieses Moment am sie zustande gekommen sind, es gerade die Unternehmer meisten fühlen. Aber aüch der Verfasser drücken, nämlich die Gefahr kann ein Bedenken nicht unter- der Majorisierung der Unter- nehinerminderheit durch die Arbeitermehrheit, besonders in den Genossenschaften, wodurch dann die Landwirte hinausgedrängt werden könnten. Hiergegen empfiehlt er Abstufung der Bei- trüge und— A b st n f u n g des Stimmrechts. Die Landarbeiter hätten also in diesen Organisationen nur zu zahlen, Parade zu stehen und anzunehmen, was man ihnen zu geben für gut hält, aber— nix tau seggen. Ob sie sich das werden gefallen lassen, ist eine andere Frage. Wo schon sozialdemokratische Arbeiterverbände größeren Umfanges bestehen, da werde allerdings, meint er, die Bildung politischer Landarbeitervcreine auf vaterländischer Grundlage als Kampforganisationen erlvogen werden müssen. Also in der OrganisationSbilduug bremsen, solange es geht, und wenn es nicht mehr geht, den organisierten Land- arbeitcrn ihre eigenen Brüder als Prellbock cntgcgcnschieben, darauf geht es hinaus. Ganz scheint Aßmis seinen Mitteln auch nicht zu trauen als Gegenmittel gegen die Agitation der Sozialdemokratie. Des- halb empfiehlt er an einer Stelle, den sozialdemokratischen Agitatoren die Möglichkeit der Agitation zu nehmen und zwar in recht eigenartiger Weise. Da es in der Regel den Agi- tatoren nur am Sonntag gelinge, Versammlungen und Be- sprcchungen abzuhalten, so solle man die Arbeiter am Sonn- tag auf ihrcni Deputat- oder Pachtland, überhaupt in ihrer eigenen Wirtschaft beschäftigen, um den Arbeitern die Lust zu nehmen, zu sozialdemokratischen Versammlungen zu gehen. Die weiteren Ausführungen sind für uns ohne Interesse. Am Schluß ermahnt er nur noch einmal beide Teile, keine Sonderorganisationen zu schaffen zuni Kampf gegeneinander, sondern sich zur Vertretung der gemeinsamen Interessen der gesamten Landwirtschaft zusammenzuschließen. Das ist der Kern der Ausführungen. Tic Folgen crkeikvt er eben ganz scharf: die Bildung des Klassenbewußtseins bei den Arbeitern und die sich daraus ergebende Gefahr des Klassen- kampfes für die Landbesitzer.„Man darf sich aber darüber keinem Zweifel hingeben, daß, wenn ein solcher Augenblick eintritt(d. h. übermächtige Landarbeitcrorganisationen sich gebildet haben, die ihren Willen den Unternehniern aufzwingen), die Landwirtschaft wenigstens in allen Gegenden, wo eine verhältnismäßig zahlreiche Landarbeitcrschaft vorhanden ist, überhaupt im öffentlichen Leben und in der Durchführung eines geregelten Betriebes im wesentlichen erledigt ist. Diese Entwickelung dauernd abzuwenden, muß also von allen Landwirtschastsfreunden bis aufs äußerste versucht werden." Er betont auch.' daß diese Gefahr in Ost- elbien am größten ist. indem er zustimmend das Wort von Engels zitiert:„Hier im ostelbischen Preußen liegt unser Expedition: 8M. 68» Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt MoriNPlaN, Nr. 1.984» entscheidendes Schlachtfeld." Daraus ersieht man» daß er nicht die Landwirtschaft meint, die dann erledigt ist, sondern die Agrarier. Diese Erkenntnis, die auf einem scharfen Blick beruht, wollen wir uns zu eigen machen, dieses Wort wollen wir uns merken. In Ostelbien sitzen die Beherrscher des Staates und des Reiches, in Ostelbien sitzen die Nutznießer unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems, den Agrariern Ostelbieys hat es das Proletariat zu danken, wenn es immer mehr ausge- plündert wird. Die Agrarier Ostelbiens sind aber„erledigt", wenn die Landarbeitcrmasse organisiert und für uns gc- wonnen ist. Also in Ostelbien liegt deshalb in der Land- agitation das Kampsfeld, der Hauptstoß. der Landagitation wird nach Ostelbien zu richten sein. Sie vermSgentsbgsbe. Die unwilligen Opferwilligen. Es nützt alles nichts; der Katzenjammer, der die Bürgerlichen seit der Veröffentlichung des KriegSsteuerplanes erfaßt hat, wird immer größer. Und ihre Stimmung wird auch da- durch kaum gehoben werden, daß ihre monarchischen Gefühle geschont bleiben sollen. Der verruchte Plqn, auch die Fürsten gesetzlich zur Leistung für dieses eine Mal heran- zuziehen, scheint fallen gelassen zu sein. Zwar hatten falsch instruierte Byzantiner bereits große Preis- lieber angestimmt und von uns ehrfürchtige Bewunderung gefordert. Weil diese Allerreichsten, die n i e Steuer zahlen, diesmal endlich von ihren vielen Millionen ein paar Tausend Mark„opfern" ivolltcn. Sie hätten schließlich damit kein gar zu schlechtes Geschäft gemacht; hätten sie doch damit den bürgerlichen Parteien eine neue Möglichkeit gegeben, sich um die Abschaffung dieses durck nichts zu rcchtfcrti- g e n d e n Privilegs zu drücken. Aber die Regierung scheint den bürgerlichen Parteien auch diesen Vorwand ent- ziehen zu wollen. Wie der offiziöse„Lokal-Anz." erfährt, wird in der Vorlage keine Bestimmung über die Heranziehung der Bundesfürsten zu dieser Ab- gäbe enthalten sein. Es soll damit zuni Ausdruck gebracht Iverden, daß die von den Bundesfürsten zu leistenden Bei<- träge einen durchaus freiwilligen Akt darstellen, dem der A'u snahniccharakter gewahrt werden nniß. Mit anderen Worten: die F ü r st e n können geben, was ihnen beliebt. Auf die Abschätzung ihres Vermögens wollen sie sich nicht einlassen und vor allem wollen sie für alle Zukunft sich die Steuerfreiheit retten! Der„ Ausnah mccharaktcr" ist auch ihre größte Sorge. Kritik üben läßt sich an diesem Vorgehen nicht; denn jede Beleuchtung solcher Opferbereitschaft würde die engen Grenzen deutscher Preßs�eiHeit bei weitem überschreiten. Der Kritik bedarf es auch nicht, denn jeder Arbeiter kann sich ja dessen erinnern, was seiner Opferbereitschaft durch die Zölle' und indirekten Steuern auferlegt ist und er wird dann von seiner Gedankenfreiheit ausschweifendsten Gebrauch machen. Wir sind auch neugierig, ob die bürgerlichen Par- teien es nochmals wagen können, eine Stcucrvorlagc zu ver- abschieden, ohne daS fürstliche Stcucrprivileg radikal aufzuheben! YatcrlandafelndUcbe Patrioten. lieber die geplante Vermögensabgabe gibt der„Lokal-Anzeiger" einige Angaben wieder, die ihm von einer„in Steuedingelegen- heilen zuständigen Seite" gemacht worden sind. Es heißt da unter anderm: Nach der Vermögenssteuerstatistik des Preußischen Staates für 1911 ist zur Ergänzungssteuer ein Vermögen von rund 104 Milliarden Mark veranlagt, wobei Vermögen unter (30 M. nicht mitgerechnet sind. Läßt man die geringen Ver- mögen bis zu 20 000 M. von der Abgabe frei, so handelt es sich noch um ein veranlagtes Vermögen von 8 9.8 Milliarden M a r k. Daß diese Summe gering gerechnet ist. kann angenommen werden, da es bei der Veranlagung zur Vermögenssteuer keinen Deklarationszwang gibt. Dieses steuerlich bekannte Vermögen verteilt sich auf die unten angegebenen Stufen. Geht man davon aus, daß die größeren Vermögen, welche zu einem Existenzminimum in überaus glücklichem Verhältnisse stehen, höher herangezogen werden können, so dürfte sich etwa eine Staffelung der Steuer in der Weise empfehlen, daß Vermögen bis 200 900 M. mit V« Proz.. bis 500 000 M. mit>/, Proz.. bis 1 000 000 M. mit Vj Proz. und erst von 1 000 000 M. ab mit 1 Proz. herangezogen werden, während bei Vermögen über eine Million je nacki der Größe eine weitere Steigerung bis zu 4 P r 0 z. für die Riesenvermögen möglich wäre. Es würde sich dann die folgende Verteilung ergeben: Vermögen Zahl der betrag der über--0 000 M'leniiten bctra9 ut Steuer in w W{- OenItlen Mill. M. Proz. Mtll. M. bis 200 ono Mark 731 846 40,332 h. 101 . 500 000. 47 607 14.389- 48' 1 Mill.„ 13 793 9,475'/-j 47 , 10„„ 9 094 19,967 1,0 197 , 20„, 176 2,393 1,5 36 . 60„, 65 1,851 2,0 37 „ 80„, 6 347 2,5 9 . 100„. 4 364 3,0 11 mehr als 100 Mill. M. 4 852 4,0 84__ 802 495 89,700 520 Nimmt man sich für 1312 und 1313 die Zunabme an Ver- mögen aus nur t Milliarden an, so würde sich sür Preußen 'ein Vermögen von rund 38 Milliarden und ein einhebbarer Steuerbetrag von 566 Milliouen ergeben. Das Ver- hältnis von Preußen zu Deutschland wird hinsichtlich des Ver- mögens geschätzt ans 5:3. Trifft das zu, so ergäbe sich sür Deutschland bei obigen Steuersätzen ein einmaliger Steuer- betrag von30S Millione».* Diese Steuer könnte, meint der„L.-Ä." leicht aufgebracht werden. Verteile man die Bezahlung auf vier Quartale, so würden bei einem Vermögen von 56 000 M. biertelsährlich 31,25 M. bei 100 000„..... 62,60„ � 300 000...... 250,—„ , 1000 000„..... 1250,—„ zahlbar. Man sieht, das sind in der Tat erträgliche„Opfer". Aber die Besitzenden sind doch anderer Meinung. Die Annahme, daß die Abgabe progressiv gestaltet werde(was natürlich auch durchaus richtig wäre) und bis 4 Proz. ansteige» konnte, scheint so aufregend gewirkt zu haben, daß der„L.-A." seine eigene Darlegung im Abendblatt bereits abschwächen und sie als vage Vermuinngen be- zeichnen muß I Aber ob Va Prozent für alle Vermögen oder Steigerung bis 4 Prozent, das ist schließlich den Vermögenden nicht das wichtigste. Die Milliarde selbst hergeben zu sollen, das ist ihr Schmerz und ihre Pein. Und so wächst die Opposition. Zu den Stimmen aus dem liberalen und konservativen Lager kommt heute der klerikale „Bayerische Courier". Er wütet über diese„Blutabzapfung", diese „Brandschatzung des Sparers" in kräftigen Worten, die die klerikale Presse ängstlich vermied, als die Blauschwarzen den arbeitenden Massen die halbe Milliarde alljährlich auferlegten, und schreibt schließlich: „Ter Militarismus frißt uns. Nur mit Bangen kann der wahre Vatcrlandsfreund die Frage sich vorlegen: Wohin soll das führen? Heute kosten uns fünf Jahre Frieden soviel oder mehr als ein verlorener Krieg von gestern. Der wahre Patriot bringt gern Opfer für die Sicherheil des Vater- landes. Aber nunmehr liegen die Verhältnisse bald so, daß der echte Patriotismus sich die tiefere Frage vorlegen muß:„Kann dieses uferlose Rü st ungswettrennen noch lange so Iv eitergehen? Ist die Unruhe, dieUn zufrieden- heit, die Gärung, welche dieses unausgesetzte, ständige, immer mehr und mehr forcierte Anziehen der Steuerschraube in allen Schichten der Bevölkerung er- zeugt, schließlich nicht ein gefährlicherer Feind des Vaterlandes als jeder auswärtige Gegner? Wird nicht so Jahr für Jahr von den Regierenden der Boden frisch gedüngt, aus dem die Sozialdemokratie, der Anarchis- mus, die Revolution heraus Iväch st? Ist da nicht schließlich eine plötzliche Explosion der europäischen Spannung der Stenerfolter ohne Ende vorzuziehen? Wie wäre es-, wenn das Parlament einmal wieder bremsen würde aus Patriotismus, aus w ohlverstanden er und wohlberechtigter Liebe zur Nation, ohne Angst und Bangen vor der Entfesselung der Hurrastimmnng? Reich und B u n d e s st a a t e n stürzen auf dieser schiefen Ebene unaufhaltsam in die Tiefe." Man siebt, die Heranziehung der Besitzenden wirkt wahre Wunder! Immer wieder haben die Sozialdemokraten ans wohl- verstandener und wohlberechtigter Liebe zur Nation zu bremsen ver- sucht. Vaterlandsfeinde hat uns das Gesindel genannt, solange die Arbeiter alle— die persönlichen und finanziellen— Lasten aufbringen mußten. Jetzt, wo sie bei den l'/i Millionen sozialdemokratischen Stimmen es nicht mehr wagen können, die Besitzlosen wieder aufs neue bluten zu lassen, wo sie mitzählen sollen, da konnnt ihnen endlich der Gedanke, zu bremsen, da wird das lln- patriotische plötzlich patriotisch! Aber es wäre verkehrt, auf diese neue Erkenntnis irgendwelche Hoffnungen zu bauen. Die bürgerlichen Parteien haben längst alle Widerstandskraft verloren; in Deutschland, das beweist die Vor- geschichte der Militärvorlage allzu deutlich, ist der Generalstab all- niächttg. Deshalb müssen die Arbeiter auf der Hut sein. In der rechtsstehenden Presse wird die Forderung neuer indirekter Steuern immer lauter erhoben. Die Arbeiter- I lasse muß auf dem Posten sein, sollen ihr zuletzt nicht zu den vermehrten persönlichen Opfern auch neue Steueropfer auf- erlegt werden. j�brcbaffung des Smjäkrigen privilegs! Tic ,, Hamburger Nachrichten" schreibest gegen unsere Feststellung, die Heeresveriuehrnug fordere von den arbeiten- den Massen die größten persönlicheil Opfer:„Falsch: die Wehr- Pflicht ist allgemein, jeder Deutsche ist zu diesem„größten persönlichen Opfer" verpflichtet, und jedem Reichsbiirger, also auch den„arbeitenden Masseil" kommt die damit ver- bürgte Wehrhaftigkeit und Sicherheit des Vaterlandes zugute." Das Hamburger Blatt hat das Einjährigenprivileg der Besitzenden vergessen. Es bedarf wohl bloß dieser Erinnerung, damit das Blatt mit uns dafür eintrete, daß dieses il n- gerechtfertigte Vorrecht endlich beseitigt werde, lvic das ja in Frankreich längst der Fall ist. Der ßalhankrieg. Einnahme von Janina. Den Griechen ist die Eroberimg des lange belagerten I a n i n a gelungen. Es wird darüber gemeldet: Athen, 6. März. Vom Thronfolger ist folgendes von heute 6 Uhr früh datiertes Telegramm eingegangen: Ta die griechische Armee die ganze linke Front von Ja» i n a, sowie Bisani und Castriva besetzt und E s s a d Pascha umzingelt hatte, erklärte mir der türkische Oberbefehlshaber soeben, daß er sich mit seiner Armee kriegSgcfangen gebe. Ich werde demnächst Einzelheiten über den großen Sieg der tapferen Armee schicken. Athen, 6. März,(tzencral S o» y a ist mit drei EskadronS heute früh 3 llhr in I a n i n a eingezogen. In Befani ist die hellenische Flagge gehißt worden. Tie Bevölkerung von Athen beweist infolge der Siegcsnachricht großen Enthusiasmus. Die Kirchcnglocken läuten und man singt die Nationalhymne. Die Türken haben die Festung hartnäckig verteidigt und dadurch dem Vordringen der Griechen in Epirus Halt ge- boten. Auf diesem Kriegsschauplätze konnten die Griechen bisher nicht von der Stelle kommen, �während sie auf dem lhessalischen Kriegsschauplatze leichtes Spiel hatten und ziem- lich leicht bis Salonicki vodrangen. Die türkischen Streit- krafte in Epirus waren aber von jeder Verbindung abge- schlössen: sie werden mit ihrer Munition am Ende gewesen sein, und auch mit der Verpflegung wird es sehr schlecht be- stellt gewesen sein. Da ihnen jede Aussicht auf Hilfe abge- schnitten war, haben sie sich zur Kapitulation entschließen "'' Der griechische Erfolg wird es übrigens der türkischen Regierung gegenüber der Kriegspartei erleichtern, den Frie- den zu schließen. Die Jungtürken und der Friede. Konstantinopel, 6. März. Bei der vorgestern und gestern abge- haltenen geheimen Sitzung des j u n g t ü r k i s ch c n Komitees kam es, wie verlautet, zu sehr erregten Debatten über die Frage des Friedens. Der frühere Minister Haid soll erklärt haben, wenn der Friedensschluß die Notwendigkeit der Abtretung Adrianopels ergeben sollte, so müßte das Kabinett demissio- nicren. T a l a a t Bei trat dieser Aeußerung heftig entgegen. Bisher ist über die Friedcnssrage kein Beschluß gefaßt worden. Haid verließ die Sitzung. Ter G r o ß w c s i r machte gestern dem russischen Botschafter einen Besuch.— Seit einigen Tagen geht das Gerücht, daß die Kam ni er wieder einberufen werden solle. Jsham wendet sich heftig gegen diesen Plan. Serbische Transportschiffe versenkt? Wien, 6. März. Die Neue Freie Presse meldet aus Konstan- tinopcl: Der Kreuzer Hamidije traf heute morgen vor der Bucht von Hagion-Oros auf eine Flotte von 24 gricchischen Schiffen, die serbische Truppen mit 24 kleinen und 10 großen Geschützen nach Skutari zu transportieren hatten. Tie Hamidije eröffnete ein Feuer gegen drei Transportschiffe, welche sanken. Erst drei Stunden später von Saloniki ausgelaufene Schiffe konnten einige schiffbrüchige Mannschaften retten. Die österreichische Demobilisierung. Wien, 6. März. Die ö st c r r c i ch i s ch- r u s s i s ch e Demo- b i l i s i e r u n g hat sich wieder verzögert. Anscheinend sind noch einige formelle Fragen zu erledigen. Die Sozialdemokraten brachten im Abgcordnctenhause einen Antrag ein, der die Regierung ans- fordert, ihren verfassungsmäßigen Einfluß auf die gemeinsame Regierung in dem Sinne auszuüben, daß alle einberufenen Reservisten und Ersatzrcservistcn möglichst bald entlassen werden können. Das Haus lehnte es ab, den Antrag sofort auf die Tagesordnung zu setzen. Das Programm der norwegischen Kegiernng. Ehristiania, 3. März.(Eig. Ber.) Die norwegische Regie- rung hat nunmehr im Parlament eine Programmerklärung abgegeben, die wegcwcisend für die liberale Politik der nächsten Jahre im Storthing werden dürfte. Die Regierung hat dabei ge- wiß eine große Zahl von Fragen ausgeworfen, allein sie hat es in der Regel vermieden, die Richtung anzugeben, in der sie diese Fragen zu lösen beabsichtigt. Das ist insbesondere mit den Fragen der Sozialgesetzgebung der Fall. Einleitend wird zwar erklärt, daß getreu den liberalen Traditionen die Regierung die nationale und demokratische Politik zu fördern suchen wird, die im Zusammenwirken zwischen Linke und Arbciterdemokraten(eine etwa den deutschen Hirsch-Dunckerschen Anhängern gleiche Strömung in der norwegischen Arbeiterschaft, die sich im Aussterben befindet) den Sieg bei den Wahlen errungen hat. Aber darunter kann man schließlich alles und nichts verstehen. Und in den weiteren Programmerklärungen findet sich fast nirgends ein positiver Anhalt für die Wege der Regicrungspolitik. Die Auslandsvertretung des Staates soll eine festere organische Verbindung zwischen Konsulat- Wesen und Diplomatie erhalten, das Handclsdcpartemcnt soll reorganisiert werden und die sozialen Fragen damit unter das Zepter Eastbergs, des Führers der Arbeitcrdemokraten, kom- men, die Regierung will die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes vom ausländischen Kapital wahren, zu welchem Zweck die Konzcssionsgcsetzgcbung weiter entwickelt werden soll. Im Zusammenhang damit wird die Wasserkrastfragc ihre Lösung finden. Die Landesverteidigung soll ferner verbessert und in einzelnen Teilen reorganisiert werden. Das ist im wesentlichen das Programm der nationalen Politik der Regierung. Alle diese Fragen haben mit einer natio- nalcn Politik der Arbeiterklasse kaum etwas gemein. Der Militarismus wird den breiten Massen neue Opfer aufbürden; die Reorganisation einzelner Zweige der Burcaukratie p?ird die Ar- bciterklasse ziemlich kalt lassen können. Und vollends wird die libc- rate Unabhängigkcitscrklärung gegenüber dem profitsuchenden Aus- landskapital für die sozialdemokratische Politik ziemlich gleichgültig sei». Nur wer der politisch-ökonomischen Kleinkinderschule noch rächt entwachsen ist, kann glauben, daß die norwegischen Liberalen die ökonomische Abhängigkeit vom Auslandskapital durch die Kon- zcssionsgcsctzgebung durchsetzen werden oder auch nur wollen. Die Industrialisierung des Landes schreitet enorm vorwärts, durchaus im Einverständnis mit den Liberalen, die die Couponschncidcrei keineswegs verpöncn. Da das Land werbendes Kapital braucht, wird man es auch in Zukunft nehmen, wo man es bekommt. Kön- nen ausländische Kapitalisten nicht persönlich Industriebetriebe er- öffnen, werden sie sich norwegischer Strohmänner bedienen; auch werden sie leicht, und nicht mit geringerem Nutzen, die Dividende mit Zins auf vcrlichencs Kapital austauschen. Diese Art Kon- zessionsgesetzc sind. März folgt Rheinland und Süddeutschland, am 7. März kommt Mitteldeutschland. Ost- und Wcstpreutzcn daran, und am 8. März folgt Berlin mit Brau- dcnburg. Ob nur die Organisierten oder auch die„Mcistcrtrcuen" ausgesperrt werden, bleibt den einzelnen Gauen überlassen, wäh- rcnd Christliche und Hirsch-Tunckersche von der Aussperrung nicht betroffen werden sollen. Die Unternehmer hatten jedenfalls erwartet, die Gehilfen würden durch umfangreiche Arbeitsniederlegungen die Geschäfte der Unternehmer besorgen. Da das nicht gesckiehen ist, werden die Unternehmer also zunächst selbst zeigen müssen, wie ihre Aus- sperrung sich gestaltet. Das ist sehr fatal für die Herren, die grundlos einen Kampf provozieren. Dieser Stimmung gab denn auch der Vorsitzende Kruse des Unternehmcrvcrbandes resigniert Ausdruck, indem er bedauerte, datz die Gehilfen nicht zum Angriff übergingen. Die Malergehilfen werden sicher geschult genug sein, den Wünschen der Unternchmerverbandsführer nicht zu folgen: sie werden die Aussperrung ruhig abwrtcn und der Parole ihrer Organisationslcitung stlgen. * In Chemnitz ist in einer ükietaus zahlreich besuchten Ver- sammlung der Malergehilfen der Streik beschlossen worden, und zwar einstimmig in geheimer Abstimmung. Die Organisationsleitung hatte eine vorläufig noch abwartende Haltung empsohlcn. Etwa 700 Gehilfen befinden sich im Ausstand. Damit, datz in der ersten Zeit des Ausstandcs keine Unterstützung gezahlt werde, er- klärten die Streikenden ihr Einverständnis. * Unsere neuliche Mitteilung, datz in Hamburg 6000 Maler aus- gesperrt seien, bedarf der Korrektur. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt dort kaum 700. In Kiel wurden nur 144 Aussperrungen vorgenommen. Im ganzen rann die Aussperrung ini Gau I(Nord- deutschland) schon jetzt als ins Wasser gefallen angeschen werden. Lohnbewegung in den Brotfabriken von Köln und Düsseldorf. Die Brotfabrikanten haben es abgelehnt, über eine eingereichte Tarifvorlage mit den Organisationsvertretern zu verhandeln. Nicht die Höhe der Arbeiterforderungen war für diese Ab- lehnung matzgebend, sondern die im Brotfabrikantenverband or- ganisierten Unternehmer weigern sich prinzipiell, die gewerkschaftliche Organisation anzuerkennen und mit dieser einen Tarifvertrag ab- znschlietzen. Die Arbeitseinstellung wird voraussichtlich in den nächsten Tagen erfolgen. Es werden in 24 Betrieben etwa 260 Per- sonen in Frage kommen. Zuzug von Bäckern nach Köln und Düssel- dorf ist strengstens fernzuhalten. In Lstelbicn machen wir das so! Der Vorsitzende des Verbandes der Töpfer, Filiale Tanzig, hatte am 8. Januar d. I.«ine polizeiliche Vernehmung wegen Per- gehens gegen den berühmten Z 163 R.G.O. Ohne irgcndlvclche weitere Verhandlung erhielt er dann vor einigen Tagen folgenden Strafbefehli: «Auf den Autrag der Königlichen Staatsanwaltschaft wird gegen Sie wegen der Beschuldigung, am 22. November 1912 zu Tanzig andere durch Drohung und Ehrverlctzung bestimmt zu haben, an Verabredungen und Vereinbarungen zum Bchufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit oder Entlassung der Arbeiter, teil- zunehmen bzw. ihnen Folge zu leisten, Vergehen gegen§ 153 R.G.O., wofür als Beweismittel bezeichnet ist: 1. eigene An- gaben, 2. Zeugen: a) Kaufmann Berthold Asch, Röperstr. 14, d) Töpfermeister Johann Salewski, Iohannisstr. 33, c) Ofensetzer Max Salewski, ebenda, 6) Ofensetzer Walter Müller, Stadtgebiet 43— eine Gefängnisstrafe von 1— einer— Woche festgesetzt. Zugleich werden Jhkicn die Kosten des Verfahrens auferlegt.— Dieser Strafbcschl wird voll- strcckvar, wenn Sie nuchkAjinnen einer Woche nach der Zustellung bei dem unterzeichneten Gericht schriftlich oder zum Protokoll des Gerichtsschreibers Einspruch erheben. Die Kosten betragen 1,10 M. Ausgefertigt Danzig, den 12. Februar 1913." Ein abgekürzteres Gerichtsverfahren wie in diesem Falle ist wohl nicht möglich. Es lehnt sich in, wenn auch anderer, so doch ebenbürtiger Wsisc an die vor einigen Monaten im Rubrgebict beliebte Gerichtspraxis an. Beachtenswert ist besonders in dem Strasbefehl, datz eine volle Woche Gefängnis ausgeworfen wird und ein Ersatz durch Geldstrafe gar nicht vorgesehen ist. Einspruch gegen diese Art der Gerichtsbarkeit ist sclbstverständ, lich erhöben worden. «h. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstals üw Sie Bier- and Kinolkeuer. wurde in der Berliner Stadtvcrordnetenver- sammlung gestern ein heißer, erbitterter Kampf geführt. Der Ausschuß, dem die Magistratsvorlage überwiesen worden war, empfahl sie zur Annahme mit einigen„Verbcsserungen", durch die er sie schmackhafter zu machen versucht hatte. Die sozialdemokratische Fraktion erklärte sich nach wie vor mit aller Schärfe gegen diese Verteuerungspolitik des K o m m u n a l f r c i s i u n s, die sich dem Brot- und Fleischwilcfter der Agrarier würdig an die Seite stellt. Aber die freisinnige Stadtverordnetenmehrhcit war entschlossen, das Stcuerprojekt durchzudrücken, um noch ein- mal der Notwendigkeit einer Erhöhung des Einkommensteuer- satzes zu entgehen. Wie die B i c r st c u e r das Gastwirtsgewerbe schädigen muß und bei einer Abwälzung auf die Konsumenten zu einer weiteren Belastung der minderbemittelten Bevölkerung führen wird, das wurde von unserem Genossen Z u b c i l in einer sehr wirkungsvollen Rede dargelegt. Rücksichtslos kennzeichnete er die„M ittelstand s p o l i t i£", die der Berliner Koimnunalfreisinn mit dieser Biersteuer treibt. Tie Wortführer des Freisinns bc- stritten, daß sie eine fühlbare Belastung bringe, und allen voran erklärte Stadtverordneter Cassel:„Tie V e r a n t- w o r t u n g Warden wir tragen!" Unser Genosse W i l k e zeigte, daß den Vorteil schließlich die Großbraucreien hablsn werden. Von den Freisinnigen stellte nur cine�kleine Gruppe unter Führung des Stadtverordneten Max Schulz sich an die Seite der sozialdemokratischen Fraktion, aber die An- nah m e der Bierstcuervorlage konnte dadurch nicht ver- hindert werden. Das beschämende Schauspiel wiederholte sich bei der K i n o st c u e r. Hier geißelte Genosse Adolf Hoffmann die„Steuerkunst" der liberalen Stadtverwaltung, die nicht danach fragt, was sie zugrunde richtet. Sein Ausruf, die Kinosteuervorlage gehöre an den Schandpfahl des Liberalismus, brachte ihm einen Ordnungsruf ein. Auch hier reichte die Unterstützung durch eine Gruppe der Freisinnigen nicht aus, die Annahme zu verhindern. Erfolglos blieben auch alle Versuche, aus den Bestimmungen der Steuerordnung wenigstens einige ihrer schlimmsten Här- ten zu beseitigen. Mit dem Stadtkämmerer B ö ß erklärte die freisinnige Mehrheit sich gegen die beantragten Abschwächun- gen. weil sonst die Steuer nicht genug bringen werde. „Die Verantwortung lvcrden wir tragen I" sagte Herr Cassel, aber so ganz wohl schien ihm und den Seinen bei diesem stolzen Wort doch nicht zu Mute zu sein. Auf der überfüllten Tribüne, deren Besucher bis zu dem erst um 11 Uhr abends eintretenden Schluß der Sitzung aushiel- ten, kam es mehrfach zu stürmischen Mißsallenskundgebungen. Das war ein schwarzer Tag für den Berliner Kommunallibcralismus. letzte Nachrichten* • Attentat auf einen Stadtbahnzug. Ein nichtswürdiger Bubenstreich wurde gestern abenid aus der Stadtbahn verübt. AIS der um 8 Uhr 35 Min. auf Bahnhof Börse fällige Südringzug sich auf der Fahrt nach der Richtung Almruder- platz befand, wurde von einem in entgegengesetzter Richtung fahren« den Stadtlbahnzuge aus ein scharfer Schutz abgegeben. Tic Kugel durchbohrte mit lautem Knall das Fenster eines Wagenabtcils des Südringzuges, ohne indes glücklicherweise einen der Passagiere zu treffen. Durch die umherfliegenden Glassplitter der zertrümmerte« Scheibe wurde jedoch ein Herr nicht unerheblich verletzt. Leider war es bisher nicht möglich, den Verüber dieser gemeinen Tat, die leicht ein Menschenleben hätte vernichten können, zu ermitteln. Ter Wahlreformcntwurf des französischen Senats. Paris, 6. März.(W. T. B.) Der heute verteilte Wahl- reformentwurf des Senatsausschusses steht in vollständigem Widerspruch zu der von der Kammer angenommenen Vorlage. Er verwirft das Verhältniswahlsystem und verlangt, daß die Deputiertenwahlen auf Grund des Mchrhcitsprinzips und der Listenwahl erfolgen. Jedes Departement soll nnnde- stens drei Deputierte wäblen. Die Deputierten sollen für 6 Jahre gewählt werden, doch soll sich die Kanmier alle drei Jahre zur Hälfte erneuern, und zwar so, daß die ausscheiden- den Deputierten durch das Los bestimmt werden. Vertagung des belgischen Generalstreiks. Brüssel, 6. März.(W. T. B.) 39 Dellzgierte des Komitees für das allgemeine und gleiche Wahlrecht und einige sozial- demokratische Abgeordnete verhandelten heute im Rathaus zu Brüssel mit den Bürgermeistern der großen belgischen Städte, die im Laufe der vorigen Woche bei dein Minister- Präsidenten zugunsten eines Ausgleichs in der Wahlrechts- frage vorstellig wurden und die morgen wiederum von ihm empfangen werden. Nach längeren Beratungen wurde fol- gcnde Resolution seitens des Nationalkomitces zur Vorberei- tung des Generalstreiks mitgeteilt: Das Nationalkomitce nimint Kenntnis von den Bemühungen der Bürgermeister der großen Städte und von der Erklärung, daß sie nichts ver- nachlässigen werden, um die Regierung dazu zu veranlassen, die Verfassungsrevisivn in Angriff zu nehmen und gibt, um den Bürgermeisteril und der Regierung Gelegenheit zu geben, eine Nerständignng in voller Freiheit zu finden, bekannt, daß die Proklamierung dcs Generalstreiks für den 14. April zurückgezogen ist. Wcrstarbciterstrcik in Italien. Trieft, 6. März. Infolge einer Auseinandersetzung zwischen einem Ingenieur und einem Werkleiter der Werft San Marco des Stabiliments tcchnico legten gestern etwa 1000 Arbeiter der Werst die Arbeit nieder. Die Streitigkeiten sind bisher noch nicht ge- schlichtet. Vom Eiscnbahnzug überfahren. Hamborn, 0. März.(P.-C.) Auf der Strecke Hamborn— Neumühl wurden zwei unbekannte Männer von einem Zuge erfaßt und aus der Stelle getötet. Da die Leichen furcht» bar verstüaNnelt sind, so konnten sie noch nicht rekognosziert werben. Maul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltungsbl. Kr. 56. 30. Jahrgang. 1. Kkikge des Joririitb" Strlintt öulfelilntt. Freitag. 7. Mar; 19t3. R.eicbstag. 12T. S-i-tzung. Dienstag, den L. März 1S13, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Kühn, Dr. S o l f. Das Haus ehrt zunächst das Andenlen des verstorbenen Abgeordneten v. Kapheng st(k.) durch Erheben von den Plätzen. Nach debatteloser Erledigung eines Kolonialnachtragsetats in dritter Lesung wird das EtarSnotgesetz in zweiter Lesung an« genommen nach den Beschlüssen der Kommission, die unter anderen das große Grundstückstauschgeschäft des Militärkabinetts gestrichen hat. Hierauf wird die zweite Lesung des Etats des Reichskolonialamts fortgesetzt. Abg. Erzbcrger(Z.): In der Frage der Ansiedelung von Weißen in den Kolonien können wir dem Abg. Henke zustimmen. Nach dem vernichtenden Gutachten des Gouverneurs Dr. Schnee können wir denen, die noch immer große Hoffnungen in dieser Hin« ficht gehegt haben, sagen: Es fiel ein.Schnee' in der Frühlings- nacht.' Das Verhältnis zu den Eingeborenen darf nicht das des Feindes zum Feinde sein. Die Art der Arbeiteranwerbung bringt außerordentliche Mißstände mit sich, der Geburtenrückgang ist erschreckend, die Prostitution nimmt in ekelerregender Weise zu. Als Feind der Eingeborenen, wenn' man einmal davon spricht, ist die Schutztruppe zu bezeichnen. Von 188g bis 1910 sind durch Strafexpeditionen und ihre Folgen 150 000 Menschen zugrunde gegangen. Das steht nicht im Wider« spruch_ zu der Angabe des Staatssekretärs, daß 26 200 Menschen erschossen sind, denn auch die an Krankheit zugrunde Gegangenen, auch diejenigen, die durch die Maßnahmen der Schutztruppe ver« hungerten, sind zu den Opfern der Strafexpeditionen zu rechnen. Mit dem System der Schutztruppe, auf die fliehenden Schwarzen mit Maschinengewehren zu schießen, sie zu Hunderten zur Strecke zu bringen, muß endgültig gebrochen werden. Bor allem muß der Gouverneur der Schutztruppe unbedingt dem Gouverneur des Landes unterstehen, der doch schließlich allein die politische Verantwortlichkeit dafür zu tragen hat. Was soll man dazu sagen, Ivenn ein Schutz- truppengouverneur seine Unteroffiziere zusammenruft und ihnen aus« einandersetzt, welche Kämpfe er mit dem früheren Gouverneur aus« zufechten hatte sHLrt l hörtlj. Mit einer Verringerung der Schuß« truppe, die nach der Beruhigung des Landes möglich sein muß, würden auch erhebliche Ersparnisse verbunden sein.— Ferner frage ich den Staatssekretär, was er zur Vorbereitung der Aufhebung der HauS sklaverei: die zum 1. Janunr 1920 erfolgen muß, getan hat. Den Wünschen der Missionare sollte die Regierung in großherziger Weise entgegenkommen. Man wünscht, daß in den Kolonien vornehmlich deutsche Missionare täti� sind. Sehr schön! Aber dann sorge man dafür, daß in Deuffchland MissionSlehranstaltcn, Missionserziehungsanstalten vorbanden find. fLebhaftes Sehr richtig! im Zentrum.)— Mit dem Bahnbau wird leider auch der Alkohol verbreitet; man sollte ihn von der Be» förderung mit der Bahn ganz ausschließen.— Trotz mancher Wünsche betone ich zum Schluß, daß die Kolonien uns zwar schwere Opfer auferlegen, daß das deutsche Volk eS aber nicht zu bereuen haben wird, in die Kolonialpolitik eingetreten zu sein. sBravo!) Abg. Dr. Semlcr(natl.): Die Statistik des Reichsamtes des Innern beweist, daß für 152 Millionen jährlich Einfuhr von hier nach drüben geht. Davon haben nicht nur einige Kapitalisten Vorteil, sondern Tausende von Arbeitern. Und zum Transport dieser Waren für 152 Millionen werden eine große Reihe Dampfer febrauchl, die auch wieder viele Angestellte und Arbeiter beschäftigen. >as sind alles Leute, die auf die deutsche Kolonialpolitik blicken und die Schutz für ihre Interessen verlangeu. Das alles übersieht Herr Henke, natürlich gefliffentlich. Dazu kommt der Import aus den Kolonien.— Der Betrieb im ReichSkolonial« amt muß kaufmännisch eingerichtet werden, d. h. gewünschte Auskünfte müffen prompt erteilt werden.— Den Herrn Staatssekretär frage ich: Wo bleibt das Denkmal für die südafrikanischen Gefallene»?(Lachen bei den Sozialdemokraten). Ueber das Quantum an Arbeit, das man den Eingeborenen zu« muten kann, können natürlich Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die Mittellandbahn muß bis an das belgische Kongobecken geführt werden; nur dann kann sie rentieren. Wir müssen das Land nicht gegen, sondern gemeinsam mit den Belgiern erschließen. Staatssekretär Dr. Solf: Die Erledigung des Kolonialkrieger- denkmals liegt mir sehr am Herzen. Es sind 60000 Mark bisher zur Verfügung gestellt, in diesem Etat wieder 60 000 Mark, im ganzen soll eS 320 000 Mark kosten. Gegenwärtig find Verhand- lungen in Berlin im Gange wegen der Platzfrage; dann soll ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Abg. v. Böhlcndorff-Kölpin(k.): Für die Eisenbahnen geschieht bei uns in den Kolonien nicht genug, England, Frankreich, Belgien geht mit Eisenbahnbauten viel rascher vor. Die Hauptschwierigkeit der EntWickelung der Kolonien liegt in dem Mangel an Arbeitern. Mehr Mittel sollten für die Missionen in den Etat eingesetzt werden. In Neukamerun sollten wir sofort mit der Erschließung der Strom- straßcn, mit Hafen- und Eisenbahnbauten vorgehen. Unser Groß kapital sollte dazu helfen. Abg. Waldstcin(Vp.): Der Gesichtspunkt der Siedlungskolonie ist in unserer Kolonialpolitik in den letzten Jahren erheblich zurück- getreten. Die Auswanderung aus Deutschland ist zurückgegangen, Deutschland exportiert nicht mehr Menschen, sondern vor allem Waren, und deshalb ist eS wünschenswert, Rohstoffe aus eigenen Kolonien zu bezichen. Bon diesem Gesichtspunkt aus bilden nach einem treffenden Worte DernburgS die Eingeborenen das wichtigste Aktivum der Kolonien.— Die Schutztruppe muß un- bedingt dem Gouverneur unterstellt sein. Die militärischen Aus- gaben sollten auf ein Minimum reduziert werden, die wirtschaftliche Erschließung der Kolonien wird nicht durch sie, sondern durch Eisen- bahnen gefördert. In Südwest und anderen Kolonien erhebt immer drohender ihrHaupt die Arbeiterfrage. Den Arbeitszwang verwerfen wir. Unser Kolonialprogramm stimmt ungefähr mit dem des Abg. Bern- stein überein. Nicht Arbeitszwang, sondern Erziehung zur Arbeit(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Erziehung bei Erwachsenen I>. Gerade die Sozialdemokratie, die auch dem letzten Menschen Teilnahme an der Kultur wünfcht, müßte für eine vergünstige Kolonialpolitik eintreten. Bei uns bekänipfen Sie(zu den Sozialdemokraten) den Großgrund- besitz; aber den schwarzen Häuptlingen wollen Sic über riesige Landstrccken den absoluten Besitz lassen.(Abg. Ledebour sSoz.f: Stammesbesitz.) Herr Henke will den Schwarzen ibre individuelle Eigenart lasten. Manchmal besteht sie darin, den andern aufzueffen. Ich will Herrn Henke nicht wünschen, daß er in diese Lage kommt. Sollte es aber der Fall sein, wird er auch dann noch ausrufen: ,,?sreat Henke, vivat prineipium".(»Möge Henke zugrunde gehen, wenn nur das Prinzip gerettet wird'.— Heiterkeit.) Redner ver« breitet sich dann über die EntWickelung der einzelnen Schutz- gebiete, die ihm im allgemeinen zusticdenstellend erscheint. Der Resolution auf Förderung der Baumwollkultur stimmen wir zu. In der Kommission haben auch die sozialdemokratischen Vertreter der Tendenz dieser Resolution zugestimmt. Im Gegensatz dazu stand die Haltung des Abg. Henke, der männlichen Kassandra. Dabei hat gerade Bremen, das er vertritt, 3000 M. ä fonds perdu für die Zwecke der Baumwollkultur ausgegeben. Für unS dient die Kolonialpolitik dazu Kultur in den Kolonien zu verbreiten. Die Folgerung aus seinen Susführungen: weg mit den Kolonien! hat Herr Henke selbst nicht gezogen. Wir sollten alles tun, um die Zustände in den Kolonien zu bessern, in dieser Richtung hat ja auch die Sozialdemokratie positiv mitgearbeitet. Abg. v. Liebcrt(Rp.) betont die Notwendigkeit weiterer Bahn- bauten in den afrikanischen Kolonien. Ein Zwang zur Arbeit darf auf die Eingeborenen nicht ausgeübt werden. Dr. Schnee, dessen Denkschrift solche Anerkennung findet, ist Neuling in Ostafrika; er kennt nur die Kleinsiedelungen, von denen ich auch nichts halte. Aber im übrigen haben sich alle früheren Gouverneure und auch Dr. Lindequift, den man jetzt ganz totschweigt, für die Besiedelungs- Möglichkeit in Ostafrika ausgesprochen.— Bei einem Ausstande ist es die Hauptsache, schnell und mit Nachdruck vorzugehen. Gewiß soll man von den Waffen nur im Notfall Gebrauch macheu. — Für eine Verminderung der Schutztruppe kann wohl niemand die Verantwortung übernehmen; ich bedaure, daß Dernburg als Staatssekretär die' leichtfertige Aeußerung getan hat: wenn wir erst die große Bahn haben, werden wir die Schutztruppe verringern. — Sehr wichtig ist die Baumwollproduktion. Ich bin selbst an einer Gesellschaft beteiligt, und der Abg. Noske hat mir das zum Vorwurf gemacht, als ob ich an einer»Gründung' beteiligt sei.— ES dürfte der Zeitpunkt gekommen sein, in Ostafrika die allgemeine deutsche Münze einzuführen.(Bravo I rechts). Staatssekretär Dr. Solf: Meine Begeisterung für die koloniale Sache werde ich mir auch durch Reden, wie die des Herrn Henke, nicht rauben lasten. Seine Ausführungen müßten zu der Konsequenz führen, daß man auch Nordamerika wieder den Indianern ausliefert. Sympathisch berührt hat mich in seiner Rede nur das Kapitel über die Behandlung der Eingeborenen. ES freut mich, die wohltätigen Klänge der Humanität von dieser Seite zu hören. Aber auch hier ist er übers Ziel hinausgeschossen und hat siib zu dem Satze ver« stiegen:»Es besteht zwischen den Farbigen und uns eine gewisse Jnteressensolidarität, deutsche und schwarze Arbeiter find Brüder'. Mit dieser Bedeutung, daß alle Menschen gleich und daß deshalb die Schwarzen genau dasselbe sind wie wir Europäer, kann kleines feuilleton» Ein stilles Opfer. Er war ein einfacher Arbeiter, ein Gerber. Niemandem in der Welt hatte er je etwas zu leid getan. Er schaffte von früh bis spät, um seine paar Kopeken zu verdienen. Die Aus- sperrung in Smorgon(Gouv. Wilna) warf ihn auf die Straße. Die vereinigten Unternehmer wollten die Arbeiter durch die Aussperrung mübe machen. Zu diesem Zweck vereinigten sie sich mit der Polizei. Auch er wollte vereinigen— die Arbeiter. In anderen Ländern ist das ohne�ioeitcreS erlaubt, hier ist es— ein Verbrechen. Ja, ein aus der Schweiz heimgekehrter jüdischer Gerbergeselle erzählte— zum Staunen der ganzen Fabrik— der Züricher Polizeidirektor sei gleichzeitig auch täliges Mitglied der sozialdemokratischen Partei. Natürlich wurde er— ein ehrlicher Bursche— seitdem als Aufschneider betrachtet. Manche aber überlief es kalt, wenn sie an die Schweiz dachten, denn leibhaftig stand dann vor ihren Augen ihr Polizei- pristaw als»tätiges' Mitglied ihrer Partei, und es erfaßte sie eine heillose Angst. Und sollte eö wirklich ein Verbrechen sein, die Arbeiter zu ver- einigen— mit dem Tode durfte es wohl nicht gesühnt werden? Er wurde aber zu Tode gepeinigt. Er hieß G o t o w k o. Nicht wahr— ein ganz unbekannter Name' Aber er war ein Mensch wie jeder, der diese Zeilen liest, mit demselben warmen Herzschlag, denselben Freuden und Sorgen. Aus Smorgon brachten sie ihn per Etappe nach Wilna. Er wurde nicht mal verhört, wie dies in den meisten ähnlichen Fällen geschieht. Er»saß'... Gewiß hatte er sich noch im Knabenalter an den Gedanken gewöhnt, diese russische Naturalsteuer einmal entrichten zu müssen, und fast leichten Herzens begab er sich in die dumpfe Zelle. Ungebrochen, mit hellem Auge war ja trotz alledem so mancher seiner Bekannten daraus heimgekehrt. Er fand dort aber sein Ende. Sein durch harte Fron zerrütteter Organismus konnte die Ge- fängnis.kost' nicht vertragen, auch manches andere war ihm dort etwas zu.stark'. Die übrigen Gefangenen beklagten sich still und wehmütig; er wurde krank. Er bat um einen Arzt, man gab ihm keinen. Er verlangte, ins Gefängnislazarett übergeführt zu iverden, — im Karzer sei für ihn Platz vorhanden, wurde ihm ge- antwortet. Und als er sich nicht mehr erheben konnte, da kam der Arzt. Zu spät. Gutowko war schon nicht mehr... Ein stilles Opfer einer großen Bewegung. Die politischen Gefangenen deS Wtlnaer Gefängnisses(36 Mann). erbitten durch diesen Vorfall, erklärten am nächsten Tage einmütig einen eintägigen Hungerstreik und lehnten den Spaziergang ab. Unpraktisch— wird der Leser sagen. Wozu der Fasttag und der Verzicht auf das bißchen frische Luft? Gewiß. Aber be- Areiflich wird solch ein Protest als Folcze einer großen Nerven- Wannung und einer nur zu natürlichen düsteren Stimmung. Der Maler auf dem modernen Schlachtfelde. In Paris hat der Kunstmaler George Scott, der bei Ausbruch des Balkan- krieges mit Pinsel, Palette und Skizzenbuch auf den Kricgsschau. platz geeilt war, die Früchte seiner Eindrücke ausgestellt. Aber die Erfahrungen, die der Maler in diesem Feldzuge gesammelt hat, waren ganz anders, als er sie sick erträumt hatte.„Als ich aus- zog— erzählt er—, war meine Phantasie von den konventionellen Bildern des ÄricgeS erfüllt: ich dachte an die Tapferkeit, die dem Schicksal die Stirn bietet, ich sah unter dem Blau des Himmels weite Massen leuchtender Uniformen und sah auf den Schlacht- feldcrn einen Sturm von streitbaren Menschen, die für ihren Glauben an den Sieg ihr Leben einsetzten. Ach, wie ganz anders ist doch die Wirklichkeit und welch düsteres �furchtbares Schauspiel der Krieg! Auf plattem Boden zwischen Schmutz und Schlamm spielt sich ein Kampf von Maulwürfen ab, die sich auf Stunden stirb Tage in ihre Löcher eingraben. Wie viel Tote sah ich, die ihr Schicksal ereilte, während sie in der Haltung banger Spannung in ihren Söhlen saßen, die sie so schlecht gegen die mörderischen Schrappnells schützten. Furchtbar und abstoßend sind die Ver- Wüstungen dieser Waffen. Dem Naturtrieb gehorchend, verhüllten diese Soldaten beim Krepieren der Artilleriegeschossc ihren Kopf, was sie in der Hand hielten, sollte der Abwehr dienen, selbst die Tornister schoben sie über den Kopf. Die Serben deckten sich mit Erde zu: sie begruben sich buchstäblich." Tann erzählt Scott von dem Schlachtfeld nach dem Kampfe, von den furchtbaren Eindrücken, die man hier empfängt und nicht mehr loswerden kann.»Ueberall liegen Leichen, Bahren ziehen einher, die, Ambulanzen sind am Werke, und mit dem entsetzlichen Vcnvesungsgeruch vermischt sich der Geruch des Karbols. Vorüber ziehen die Wagen mit Verwundeten und Verstümmelten, die starr und gleichgültig da liegen. In Kawakli, einem kleinen Dorfe am Schlachtfelde, hatten die requirierten Karren mehr Leicher, geladen, als sie särleppc» konnten: und man band diese Reste von Menschen zu Garben wie Heu oder Getreide. Um das Feld schneller zu säubern, schleifte man die Leicken am Boden hinterher, mit Seilen wurde» sie an den Händen, Füßen oder Köpfen an den Wagen ge- bunden, das Pferd zog an, die Seile spannten sich und im Staube hinterher zerrte man die Leichen weiter. Die Bulgaren wurden ordnungsgemäß bestattet, aber die Türken beerdigte man so snm- inarisch, daß die Hunde sie mübelos wieder ausscharrten und ibrcn Fraß begannen, entsetzlich dicke, gemästete Hunde." Ter Künstler, der bisher als Militärmaler bekannt war, bringt eine npuc Erkenntnis aus diesen Tagen des Schreckens mit...Nein, für Mick, ist es mit dem geschniegelten, sauberen Soldaten vorbei, mit dem schönen Kriege, mit dem schönen Schlachtenbildc und dem militärischen Genrebild. Zu lange fwt die Kricgsinalerci diesen schönen Konventionen angehangen. Sie muß sich die grauenhafte Wirklichkeit erobern." man mit dern besten Willen in unseren Kolonien nichts machen. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir die Eingeborenen mit aller- größter Humanität behandeln müssen. Wir wollen die Eingeborenen nicht ausrotten, wir wollen sie erhalten, das ist die Ansiandspflicht, die wir mit der Hissung der deutschen Flagge in den Kolonien über- nommen haben. Die Ausübung dieser Pflicht entspricht auch der Klugheit. Bei dem selbstverständlichen Wunsch der Kolonisatoren, Vorteile aus dem Kolonien zu ziehen, dürfen wir nicht verkennen, daß die Kolonien Heimat von Menschen sind, denen wir unseren Schutz versprochen haben. Aus dieser Pflicht heraus erwachsen große Aufgaben für die Kolonisatoren. Kolonisieren ist Missionieren in dem hohen Sinne der Erziehung zur Kultur. (Bravo!) Die Eingeborenen sind ungebildet, sie müssen unterrichtet werden, sie sind faul, sie müssen arbeiten lernen, sie sind schmutzig, sie müssen gewaschen werden(Heiterkeit), sie sind v-.it allen möglichen Krankheiten behaftet, sie müssen geheilt werden, sie sind grausam, leicht- und abergläubisch, sie müssen erleuchtet und erzogen werden, kurz sie sind große Kinder, die der Erziehung und Leitung bedürfen. Daß die Schwarzen unsere Brüder sind, ist nur Theorie; würden wir Schwarze hier einführen, so würden auch die Sozialdemokraten nicht mit ihnen zusammenarbeiten wollen.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Sehen Sie doch nach Australien; dort haben Ihre Freunde(zu den Sozialdemokraten) tausende von Ein- geborenen nach Papua expatriiert.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger fürchtet den Dualismus zwischen Militär- und Kommandogewalt in den Kolonien; aber er besteht gar nicht, auch die oberste militärische Gewalt liegt in den Händen des Gouverneurs.(Abg. Erzberger sZ.j: Ahnungsloser Staats- sekretär! sHeiterkcrtj). Ich weiß, worauf Sie anspielen. DaS sind aber nur Kleinigkeiten, das Prinzip ist gewahrt. Die Angabe, daß ein Schutztruppenmajor seine Unteroffiziere zusammenberufen und über seine Streitigkeiten mit dem Gouverneur mit ihnen gesprochen hat, ist so ungeheuerlich, baß ich sie abweisen mutz, wenn nichts Näheres angegeben wird.— In bezug auf die Haussklavcrei hat der Gouverneur eine Rundfrage über Umfang und Art bei allen Stationen veranlaßt. Wir werden alles tun, um die Sklaverei mit Stumpf und Stil auszurotten.— Der Islam ist in Ostafrika mehr Modesache, begünstigt wird er von der Regierung sicher- lich nicht. Auch daß die schlechtesten Jungen von den NegierungS- schulen kommen, habe ich von den Pflanzern nicht gehört. Der Alkoholgenuß wird nach Möglichkeit in den Kolonien ein- geschränkt.(Bravo I) Der Ausfuhrzoll auf Paradiesvögel ist auf 20 M. erhöht; ob das genügend ist, weiß ich noch nicht, denn die Mode zahlt die unsinnigsten Preise. Jedenfalls darf keine Art dieser schönen Vögel ausgerottet werden. Die Sterblichkeit der Arbeiter aus Neuguinea in Samoa ist nicht annähernd so groß, wie Herr Henke meinte. In der Frage der Bcsiedclungspolitik kann ich Herrn v. Liebert nicht folgen.' Zum Schluß bitte ich Sie um einS. Ich bringe meinem Gouverneur das größte Vertrauen entgegen. Ich bitte Sie, auch mir dasselbe Vertrauen entgegen zu bringen.(Bravo!) Das HauS vertagt sich. Abg. Henke(persönlich): Der Herr Staatssekretär hat meine Worte: Schwarze und weiße Arbeiter wären Brüder, dahin aus gelegt, daß ich gesagt hätte: alle Menschen sind gleich. Gegen diese Umschreibung meiner Worte mutz ich Protest einlegen.(Hört! hört!) Ja, Herr Heckscher, zwischen Arbeitern hier und Arbeitern drüben besteht Interessengemeinschaft. genau wie zwischen Schiffahrts- direktoren in Deulschland und Amerika.— Was die Sterblichkeit der neuguineanischen Arbeiter in Samoa anlangt, so habe ich keine Ziffern genannt, sondern mich auf den Bericht eines Gouver- neurs berufen. Abg. Erzberger(Z.): Der Vorfall mit dem Kommandeur, den der Herr Staatssekretär für unglaublich hielt, hat sich in DareS- salam zugetragen: die Zeugen kann ich ihm nennen, er möge die kriegsgerichtliche Untersuchung einleiten. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. Forffetzung der Beratung des Kolonialetats. Schluß 6»/« Uhr._ Hbgeordrntenhauö* 14 8. Sitzung. Donnerstag, den 6. März 191S, vormittags 10 Uhr._, Am Ministertisch: v. Breitenbach. Der Eisenbahnetat. (Vierter Tag.) Abg. Heckeuroth(k.): Ich habe von Eisenbahnarbeitcrn gehört, daß sie dankbar und zufrieden sind mit den Lohn- erhöhungen. Nur sollten noch die Arbeiterausschüsse und die Sonn- Theater. Kammerspiele:»Bürger Schippe!', Komödie von K a r"l S t e r n b e i m.(Die Buchausgabe erschien im Jnsel-Verlagc.) ES gab einen für die Verhältnisse der Kammerspielc ungewöhnlich lebhasten Applaus, und die originelle von Reinhardt inszenierte Dar- stellung hatte ihn gewiß verdient. Von ver Komödie läßt sich leider nicht dasselbe sagen. In der.Hose', oder wie der durch die Zensur sittlich geläuterte Titel später hieß, im»Riesen'— der GroteSkc, mit der Sternheim vor ein paar Jahren in den Kammerspielen de- bütierte— hat er das parodistische Geschäft mit unvergleichlich frischerem Temperament und Witz betrieben. Dort gab's zwei wirk- lich drollig durchgeführte Karikaturen, den ästhetischen Literatcnsnob und den empfindsamen Friseur, die um die Gunst derselben Eva- iochter konkurrieren. Hinter dem tollen Spiel der Uebertreibungen schaute ein gut Stück LebeuSwahrheit vor; man konnte mit Verstand lachen. Dem„Bürger Schippel' fehlt solch ein sicherer und solider Untergrund, das Karikieren schlägt in phantastische Willkür uni. Jene wahllos zwischen allerhand Intentionen herumirrlichierierende Verworrenheit, die Sternheims zuletzt gespieltes Drama»Juan de Austria" so unerträglich machte, treibt auch in dieser Komödie ihr Wesen. Es scheint nach manchen Szenen, und der Titel spricht gleich- falls dafür, als habe der Verfasser einen armen Teufel zeichnen wollen, der ursprünglich gegen die wohlversorgten Kleinbürger seines Hcimatstädtchens etwa« wie Klassenhaß empfand, aber, kaum daß er mit den Herrschaften ein wenig in Berührung kommt, sie in kindischem Ehrgeiz nachäfft. Daß das Quartett, durch das Verscheiden des Tenors verwaist, den hungrigen Schlucker mit der schönen Stimme als� Ersatzmann für das Sängerfest heranzieht, versetzt ihn schon in Größenwahn. Schippel fühlt sich� als Bürger Schippel, er träumt davon, deS reichen Goldschmieds Schwager zu werden. Und dieser ganz abrupte, ohne vorbereitende Motivierung nur verdreht, nicht komisch wirkende Einfall wird dann sofort noch über- steigert Schippel schlägt die ihm bereits zugesagte Hand des Fräuleins aus, als er von ihren früheren Llbenteuern hört. Darüber kann kein Mann hinweg. Als Bürger muß man auf die Reinheit seines künftigen Stammbaums halten, philosophiert die neugebackene Herrenseele in ihm. Die Satire malt die Ver« Wandlungen des ehrgeizigen Burschen in grellen, faustdick auf» getragenen Farbe», daß die Figur zur Fratze wird und jede Spur von typischer Bedeutung einbüßt. So wirkte auch die Schlußpointc: daß Schippel bibbernd mit dem neuen Bräutigam der Verschmählcu. dem hasenherzigen Beamten Krey, ein Duell ausficht, um dann als Sieger vom behäbigen Goldschmied gefeiert zu werden, einzig durch die übermütige Possenreißerei der Darsteller. Die Koinil lag im Paniominnschcn nicht in dem Text»nd der Ersiiidung. Abel spielte den rothaarigen, phantastisch aufgeregten Karriere- macher mit erstaunlich flotter Verve, die auf Augenblicke die Un- Möglichkeit der Gestalt beinahe vergessen ließ. Die drei bürgerlichen tagZruhe ausgestaltet tverden. Wir danken dem Minister für seine Abwehr der Sozialdemokratie, möge er nur auch weiter keine Arbeiterorganisation dulden, die das Streikrecht fordert.(Bravo rechts.) Abg. Dr. König(Z.) wünscht Zusammenfassung des Beamten rechts. Unkündbarkeit, Teuerungszulagen usw. und polemisiert dann gegen den Abg. Leinert. Wollte ich vorlesen, was mir Eisenbahn- arbeiter über den Abg. Leinert schreiben, so würde mich wohl der Präsident unterbrechen. Die Eisenbahnarbeiter vertrauen dem Minister und an ihrer Treue zu Kaiser und Reich(Hurra! bei den Sozialdemokraten) wird alle sozialdemokratische Agitation scheitern. (Beifall im Zentrum.) Minister v. Breitenbach äußert sich, im einzelnen unverständlich. dahin, daß den vorgetragenen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung getragen Iverde. Dabei sagt ec dem Abg. Varenhorst(frk.) nach daß er sich mit warmem Herzen für die Lademeister eingesetzt habe. Der Minister kündigt verschiedene Fristverkürzungen für die Vor- rückung an. Die vom Abg. Delius besprochene Versetzung eines Funktionärs des Militärattlvärterbundes(Affäre.Kamerad Kloeden! Anmerk. d. Ber.) erfolgte im dienstlichen Interesse, darum habe ich nstch als Ressortchef nicht zu bekümmern. Abg. Wihmann(natl.) ruft den Sozialdemokraten nach längeren Darlegungen über BeamteiNoünsche und Ministerwohlwollen zu, daß sie trotz aller Versuche an die königstreuen Beamten nicht heran- kommen werden.(Abg. Hoffmann: Wenn Sie so schreien, wird's schon stimmen I— Heiterkeit.) Der Redner schließt mit der Er« klärung, daß die Elitetruppe der Eisenbahner Pflicht- und Vaterlands- treu bleiben werde.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Ein«iochlutzantrag wird angenommen, es sind noch Dutzende Redner gemeldet. Sie bedauern jetzt zur Geschäfts- ordnung, die und die Beamtenwünsche— die sie alle nennen— darzubringen.(Abg. Hoffmanu: Dazu machen Sie Schluß?) Abg. Sültemeyer(k.): Ich bedauere....(Abg. Hoffmann: daß Sie für den Schlußantrag gestimmt haben?(Heiterkeit.) Abg. Leinert(Soz.): Wir haben nicht für den Schlußantrag gestimmt und ich kann deshalb den Schluß der Debatte aufrichtig bedauern.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dadurch ist es mir unmöglich gemacht, nachzuweisen, daß der Minister, der gestern meine Rede als sozial demokratischen Exzeß bezeichnet hat(Sehr richtig! rechts— Abg. Hoffmann: wer schimpft, hat unrecht!>, meine Ausführungen voll- ständig falsch aufgefaßt hat. Der Minister meinte, daß ich mir die Lohnordnung auf unredliche Weise verschafft hätte. Ich habe sie aber der„Eisenbahner-Zeitung" entnommen, und bedauere, den Nachweis dafür, daß ich mir sie nicht auf unredliche Weise verschafft habe, jetzt nicht führen zu können.(Vizepräsident Dr. Krause: der Minister hat Ihnen nicht vorgeworfen, daß Sie sich die Lohn- ordnung auf unredliche Weise verschafft hätten.) Aus seinen Worten habe ich das herausgehört, ich werde das Stenogramm nachprüfen und wir werden ja sehen, wer recht hat. Abg. v. Klocde»(b. k. Fr.) bedauert, daß Abg. DeliuS den Angriff gegen ihn in seiner Abwesenheit vorgebracht habe. Abg. Delius(Vp.): Ich habe den Abg. v. Kloeden vorher be nachrichtigt, daß ich über sein Vorgehen sprechen werde, er hat aber den Sacil verlassen.(Hört I hört I links.— Abg. Hoffmann: er wußte warum!) Ich habe meine Ausführungen über Herrn v. Kloeden der„Berliner Beamtenkorrespondenz" entnommen, gegen die der Abg. v. Kloeden in keiner Weise Stellung genommen hat. (Hört! hört! links.) Abg. Hammer(k.) wünscht Erhöhung der Verlustentschädigung für Kassenbeamte, Abg. Wagner(fk.) höhere Uniformzuschüsse für Unterbeamte und Hilfsunterbeamte. Abg. Dr. Flesch(Vp.): Die Leistungen der Abteilung B der Pensionskasse sind zu gering und die Selbstverwaltung ist keine wirk- liche. Die Kasse macht riesige Ueberschüsse. Minister v. Brcitcnbach: Die Pensionskasie ist eine Wohlfahrts- cinrichtung ersten Ranges. Ihre Beanspruchung steigt andauernd, höhere Zuschüsse kann der Staat nicht leisten. Abg. Lichtenstri» fragt, ob sich die Haltung der Verwaltung in der Frage Holz und Eisenschwellen geändert habe, was der Ministerial- direktor Offenberg verneint. Das Ordinarium wird bewilligt, es folgt das Extraordinarium, wobei eine große Anzahl lokaler Wünsche über Bahnhofbauten usw. vorgebracht ivcrden. Der Eisenbahnetat wird bewilligt. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr: Etatsnotgesetz, Nachtragsetat, Zentralgenoffenschaftskasie. Schluß Uhr. Musikkorpphäen: der feierlich gerührte Goldschmied, der künstlerisch- kokette Druckereibesitzer und der melancholisch-hagere fürstliche Beamte waren durch die Herren Diegelmann, Arnold und B i e n S- f e l d t so lustig, wie die dürftig skizzierende Charakteristik der Komödie es nur irgend zuließ, vertreten. Am meisten schlug die Possenkomil des Duells ein. Sie dürste den schließlichen Erfolg entschieden haben.__ dt. Notizen. — I m Friedrich- Wilhel m st ä d t i s ch e n Schau- s p i e l h a u s e sind von jetzt ab wieder die kleinen Preise eingeführt, die sich zwischen 0,40 bis 3,— M. bewegen. — Das R a u ch m u s e u m. das bislang in der Klosterstraße ein verstaubtes und vergessenes Dasein geführt hat, ist unter Leitung des Kunsthistorikers Prof. Hans Marko wski neu hergerichtet und geordnet worden. — Professor Paul A sch e r s o n ist im 73. Lebensjahre in Berlin gestorben. Er hat hier seit 1860 als Botaniker am Bota- nischen Garten und am Botanischen Museum gewirkt. Später über- nahm er auch Vorlesungen an der Universität. Er hat u. a. zu- sammen mit P. Graebner eine Flora Brandenburgs und auch eine nordostdeutsche Schulflora herausgegeben. — Duca— Melbista— Berso— Thum. Wie wirkt wohl dieses Zeichen auf uns ein I Fast so geheimnisvoll wie der tibetische Betspruch„O mani padins huin", den«ven Hedin auf Tausenden Steintafeln im verbotenen Lande vorfand. Aber dies ist lein Bctspruch, sondern der Name eines italienischen Senators, der die Verwendung von Frauen als Kanzlei- und Intendantur- beamte im Heer angeregt haben soll. So berichtet die Wiener „Neue Freie Presse", todfroh, wieder einmal eine Meldung zuerst zu haben. Solches Glück hatte sie ja seinerzeit auch mit dem„Grubenhund", der in den Kohlenbergwerken ge- halten wird, um durch Zeichen von Unruhe drohende Schlag- wetterexplosionen zu melden.... Und jetzt löst sich auch das Geheimnis des italienischen Senators:„E)uca-Melbista-Berso- Thum"'—— D u Käme I, bist aber so dumm! Also kennzeichnet die informationslüsterne„Neue Freie" sich selbst. — Abnahme d�r Kindersterblichkeit in Frank- reich. Die neuesten Statistiken, die von dem französischen Bureau für öffentliche Hilfe und Hygiene veröffentlcht werden, zeigen einen sehr beträchtlichen Rückgang der Kindersterblichkeit. Es betrug die Zahl der innerhalb des ersten Jahres gestorbenen Kinder pro 1000: im Jahre 1906 136,5, 1907 118,7, 1308 116,3, 1903 106,3, 1910 100,1. Es ist also innerhalb von fünf Jahren eine Verminderung von 2 5 P r o z. festzustellen. Diese Resultate, die sich auf ganz Frankreich beziehen, haben ihre Ursache in den außerordentlichen Vorkehrungen, die man in Frankreich für die Pflege und Hygiene der Säugliche in letzter Zeit getroffen hat. — Eine drahtlose Verbindung zwischen Paris und dem T s ch a d s e e. Die Station für drahtlose Telegraphie auf dem Pariser Eiffelturm hat zwar schon öfters Nachrichten nach dem schwarzen Erdteil entsendet, ist mit Casablanca und anderen Punkten in Marokko in Verbindung getreten, aber jetzt ist ein viel größerer Erfolg erreicht: Paris ist mit dem Tschadsee, mehr als 15,00 Kilometer weiter südöstlich von Marokko in drahtlose Ver- bindung getreten. Wie der Minister der französischen Kolonien mit- teilte, meldete ein Telegramm aus Dakr an der Westküste des Sees, daß die Stundensignale des Eiffelturmes auf der dortigen drahtlosen Station aufgenommen seien. parlamentarircbes. Die Kolonialetats in der Budgetkommission. Bei der � Weiterberatung des Etats für S ü d w e st a f r i k a forderten unsere Genossen, daß den Eingeborenen wieder Land in dem Umfang gewährt wird, daß sie gemäß ihren früheren Lebens- gewohnheiten existieren können. Der heutige Zustand, wo die Ein- geborenen den Farmern nur als Ausbeutungsobjekte dienen müssen, sei unhaltbar. Die Hereros hätten früher große Viehbestände ge- habt, heute kommen auf die 20 000 Köpfe starken Hcreros nur 60 Stück Großvieh. Gouverneur S e i tz will den Eingeborenen die Haltung von Großvieh nur dann erlauben, wenn sie Garantien für ausreichenden Seuchenschutz bieten. Südwcstafrika müsse wieder den Absatz von Mastvieh nach isüdafrika erhalten. Von unseren Genossen wurde hervorgehoben, daß die Fortdauer des heutigen Zustandes zur Katastrophe führen müsse, weil der Rassenhaß form- lich durch ihn gezüchtet wird. Weiter forderten unsere Genossen, daß im nächsten Etat für Südwestafrika eine Verringerung der Schutztruppe vorgesehen wird. Darüber entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, wobei auch die Frage einer Wehrverfassung für Südwest erörtert wurde. Im Schutzgebiete sind 6000 meistens wasfengeübte Männer vorhanden, die neben der Landespolizei aus- reichenden Schutz gewähren können. Die Eingeborenen sind weit über das Land verstreut.— Genosse Ledebour betonte noch, es müsse endlich der Reichstag durch An- nähme der Resolution seinen ernsten Willen aus Verringe- rung der Truppe zum Ausdruck bringen; auf fortwährende Ver- sprechungen könne sich das Parlament nicht mehr einlassen.(Wäh- rend dieser Verhandlungen siel in der Kommission allgemein auf, daß die drei volksparteilichen Kommissionsmitglieder fort- gesetzt um die Herren von der Regierung herumscharwenzelten und ihnen in den Ohren lagen. Dw Volksparteiler gebärden sich über- Haupt jetzt als die eifrigsten und phantastischsten Kolonialpatrioten.) — Gouverneur S e i tz bekämpfte die Verminderung der Schutz- truppe mit dem Hinweis, daß die Eingeborenen die geringste Ge- fahr bilden; eine größere Gefahr liegt bei den Horden und Völkern an der Grenze. Im Süden Afrikas sei man allgemein der Mei- nung, die große Abrechnung mit den Farbigen müsse einmal kommen. Nur eine stets bereite und ge- nügend starke Schutztruppe biete Garantie für den Frieden.— Die Volksparteiler bekämpften ebenfalls den sozialdemokratischen Antrag. Noch vor Jahresfrist� nahmen sie die entgegengesetzte Stellung ein.— Staatssekretär S o l f erklärte, er werde recht gern in eine Regelung der Wehrverfassung in Südwest eintreten, wenn der Reichstag'darauf verzichte, die Kommandogewalt des Kaisers zu beschränken.— Genosse N o s k e verwies auf Süd- aftika, wo in allernächster Zeit eine Wehrverfassung in Kraft tritt, die unseren Forderungen entspricht. Die sozialdemokratische Resolufton, die eine Verminderung der Schutztruppe fordert, wurde angenommen. Damit war der Etat für Südwestafrika erledigt. Jugendgerichte. Die Kommission nahm am Donnerstag zunächst§ 3 Absatz 2 des Regierungsentwurfes an, wonach das Gericht auch schon nach erfolgter Erhebung der Anklage das Verfahren gegen Jugendliche einzustellen das Recht hat, sowie sich ergibt, daß Erziehungs- und Besserungsmaßregeln einer Bestrafung vorzuziehen sind. Dieser Beschluß ist nicht anfechtbar. Danach wird ein neuer Absatz ein- gefügt, nach welchem die Mitteilung der Anklageschrift an den ngendlichen Angeschuldigten zu unterbleiben hat, wenn das Gericht die Einstellung des Verfahrens für angezeigt erachtet. Diese Ein- uhrung bezweckt ebenfalls, den Jugendlichen möglichst wenig mit >em Gericht in Berührung zu bringen. Ein völliges Durchein- ander entstand darauf, als der§ 4 des Regierungsentwurfs durch eine Mehrheit von links abgelehnt wurde, ohne daß ein Ersatz durch Vorschläge aus der Kommission gegeben war. Die Konse- quenz dieser Abstimmung ist, daß auch der wichtige§ 5 des Entwurfs, der sich mit den Pflichten der Vormundschaftsbehörde in bezug auf die erziehliche Beeinflussung schuldig gewordener Jugend- licher beschäftigt, gegenstandslos wurde. Die Situation wurde durch einen Antrag Heine gerettet, der den Inhalt des§ 4 der Regierungsvorlage, verbessert und vereinfacht, als Einleitungsabschnitt zum§ 5 einzufügen vorschlägt. Der Antrag Heine lautet:„Hat ,)ie VormundschaftÄbehörde der Anordnung, daß nach§ b Absatz 2 keine öffentliche Anklage zu erheben sei, ihre Zustimmung erteilt, oder erlangt sie auf andere Art Kenntnis von einer nach§ 3 nicht zu verfolgenden Straftat eines Jugendlichen, so hat sie selb tändige Ermittelungen anzustellen." Dieser Antrag wurde ein timmig und danach 8 ö in einer neuen Fassung, die die Frei' innigen vorschlugen, die sich aber inhaltlich mit derjenigen der Regierungsvorlage deckt, angenommen. Damit sind die Maßnahmen der Vormundschaftsbehörde genau geregelt, die von ihr anzuwenden ind, wenn schuldige Fugendliche der Erziehung überwiesen werden. Die Erziehungsmaßregeln sind: Bermahnung. Ueberanitwortung an die Schulbehörde, Stellung unter Schutzaufsicht, Ueberweisung in Fürsorgeerziehung fFamilien- oder Anstaltsfürsorge). Zu letzterem Punkte hatten die Sozialdemokraten folgenden Antrag ge- Itellt:„Tie Anwendung von gefängnisartigen Erziehungsmatz- nahmen wie Fesselung, Zuchthausarbeit,„Willkomm", Verwendung von Unteroffizieren als Erzieher usw. in Fürsorgeerziehungs- anstalten sind unzulässig." Trotz energischer Fürsprache durch die Genossen Göhre und Stadthagen wurde dieser Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen sind Polen ab' gelehnt. Nach Abschluß der Abstimmungen ist das Ergebnis dessen, was nunmehr als 88 1— 5 angenommen wurde, äußerst mager. Die Zukunft des Gesetzes erscheint recht gefährdet. Winzer- und Glasarbeitersorgen. Die Petitionskommission des Reichstags beschäftigte sich am 5. und 6. März mit Eingaben aus den Kreisen der Weingutsbesitzer. Das bor drei Jahren in Kraft getretene Jfficingesetz soll nach diesen Eingaben nach mehreren Seiten hin geändert werden. Besonders die Abgeordneten aus dem Weinbaugebiete der Mosel legten sich ■ür eine Aenderung des Gesetzes ins Zeug. Einer dieser Herren tat den für das Gesetz bezeichnenden Ausspruch: es sei ein«chutz- gesetz für die Großweingutsbesitzer geworden und es führe zur Erdrosselung der kleinen Winzer. Trocken bemerkte dazu H�rr Pfeiffer vom Zentrum, die Beseitigung der kleinen Winzer läge im Zuge der Zeit. Ein Gesetz verhindere diese Beseitigung auch nicht.— Da die Interessen der verschiedenen Weinbaugebiete sich kreuzen, so ging man über alle Anträge auf Aenderung des Wein- gesetzs zur Tagesordnung über., Einig waren die Sachwalter der Weinbauern aber, als es galt, sich vermehrten Schutz aus Kosten der Weinkonsumenten zu schaffen. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und zweier Fortschrittler wurde beschlossen, die Petition auf Erhöhung des Wein- o l le s oer Regierung zur Erwägung zu überweisen. Drei Eingaben des Verbandes der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands forderten Erweiterung des Arbeiter- chutzes. Die Besitzer der Glasfabriken in Lommatzsch und Bunzlau (Schlesien) haben eine Gegenpetition eingereicht, die von ihren Glasmachern gutgeheißen ftin soll. Der Antrag unserer Genossen auf Ueberweisung zur Berücksichtigung wurde leider durch Stimmen- gleichheit abgelehnt und Ueberweisung als Material beschlossen. Das Petroleum-Monopol. Die Kommission lehnte am Donnerstag einen Antrag des Zentrums ab, der für den Einkauf von Leuchtöl die öffentliche Ausschreibung und die Vergebung an den Mindestfordernden ver- langte. Damit hätte man eine Stärkung der Standard Oil Com- panh erzielt. Auch ein anderer Antrag des Zentrums, besondere Vergünstigungen nicht zu gewähren, wurde abgelehnt, weil dadurch der Geschäftsbetrieb stark erschwert worden wäre. Beschlossen wurde noch, daß Leuchtöl an Private nur in Mengen von nicht unter 400 Litern abgegeben werden darf, ferner daß die Berkaufs» preise bei allen Tankanlagen die gleichen fem müssen. Die Geld- geschäfte der Vertriebsgesellschaft sollen in der Regel durch die Reichsbank erledigt werden. Die Reichstagswahl in Schwetz. Mit dem Mandat des Abgeordneten v. Halem befaßte sich die Wahlprüfungskommission des Reichstags am Donnerstag aber- mals fast die ganze Sitzung hindurch. Der Referent beantragte schließlich, in eine Prüfung der Wahl vom 12.�Fanuar 1912 ein- zutreten. Dieser Antrag wurde mft 8 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Wäre er angenommen worden, so hätte die Kommission zu dem Schluß kommen müssen, daß nicht v. Halem, sondern von Saß- I a w o r s k i der gewählte Abgeordnete ist. Dann wäre die Frage entstanden, ob der Pole durch Vermittlung des Reichskanzlers ein- fach hätte einberufen werden können. Der ganze Komplex von Fragen, der sich daraus ergeben mußte, ist durch die Beschluß- fassung der Kommission gegenstandslos geworden. Die Kommission wird nunmehr in die Prüfung der Nachwahl vom 30. Dezemb-Z! 1912 eintreten. Bus der partei. Unterstützung des Arbeiter-Abstinentenbundes durch die Gemeinde. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. be- schloß, dem Arbeiter-Abstinentenbund. Zweigverein Frankfurt a. M.. eine Unterstützung von 309 M. aus städtischen Mtteln zu gewähren. Gegen den Antrag sprach sich nur ein Nationalliberaler aus, der Führer der Mäßigkeitsbewegung, der seine politische Gegnerschaft auch auf gemeinnützige Bestrebungen zu übertragen versuchte. Der preußische Landtag, Handbuch für sozialdemokratische Landtagswähler. Das im Austrage des Parteivorstandes vom LandtagSabgeord- neten Paul Hirsch herausgegebene Buch gelangt im Laufe der nächsten Woche in dritter, vollständig umgearbeiteter und ergänzter Auflage zur Ausgabe. Der Preis beträgt für das gut gebundene Exemplar 5 M. Die Organisationen erhalten das Werk bei Partie- bezug vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer u. Co. G. m. b. H. Berlin zum Herstellungspreise. Die Organisationen werden gebeten, ihre Bestellungen schnellstens aufzugeben. Gcmeindewahlfieg. In der schiefischen Gemeinde Pen zig (Oberlausitz) wurde am Dienstag bei der Gemeindevertreterwahl in der dritten Wählerklasse ein weiterer sozialdemokratischer Kandidat gewählt. Damit zieht der siebente Sozialdemokrat in das Penziger Parlament ein. Bier Jugendkouferenzen wurden in Thüringen �abgehalten und zwar in Gera, Gotha, Ilmenau und Sonneberg. Sie dienten dem Austausch gemachter Erfahrungen. Vorträge wurden gehalten über den Jugendschutz sowie über Wandern und Spiele. Vertreten waren auf den vier Konferenzen 62 Orte durch 212 Delegierte. Mit den Konferenzen war eine kleine Ausstellung von Gesellschafts- und Unterhaltungsspielen verbunden. Em Induftm und Kandel. Geschäftsbericht der Reichsbauk. Im Verwaltungsbericht der Reichsbauk wird über das Jahr 1912 folgendes ausgeführt:„Der während des Jahres 1912 im großen und anzen fortschreitende wirtschaftliche Aufschwung stellte an die Reichs- ank für Zahlungsmittel und Kredit hohe Ansprüche, und dies um so mehr, als infolge des Fehlens der nach der Marokkokrffis aus Deutschland zurückgezogenen ausländischen Guthaben der deutsche Geldmarkt auf seine eigene Kraft angewiesen war. Neben diesen auf geschäftlicher Grundlage beruhenden normalen Geldbedarf trat nach der kritischen Zuspitzung der politischen Gegensätze auf der Ballanhalbinsel und dem Ausbruch des Balkankrieges eine größere Geldnachfrage, die durch die aus Angst vor einem all- gemeinen europäischen Kriege vorgenommenen Abhebungen und Aufstapelungen von Metallgeld erheblich gesteigert wurde. Die un- gewöhnlich große Anspannung des Geldmarktes war international und kam in den Ausweisen und Zinssätzen aller matzgebenden Zentralnotenbanken zum Ausdruck. Die Reichsbank stand den ver- stärkten Anforderungen dank wesentlich höherer Goldvorräie und Devisenbestände noch besser gerüstet gegenüber als im Vorjahre; sie konnte den am 11. Juni von 5 auf 4>/z Proz. ermäßigten Zins- fuß über den Herbsttermin hinaus beibehalten und erhöhte ihn erst am 24. Oktober auf 6 Proz. Der Satz erfuhr angesichts der an- haltenden Anspannung des heimische» Geldmarktes und der hohen Devisenkurse am 14. November eine weitere Steigerung auf 6 Proz. Am Jahresschluß wiesen Wechselanlage und Notenumlauf die hoch st en Ziffern seit Bestehen der Bank auf." Durch die größere Inanspruchnahme der Reichsbank stiegen ihre Gesamteinnahmen von 67,2 auf 69,3 Millionen, während die Gesamtausgaben sich nur von 29,7 auf 32,4 Millionen erhöhten. Der Reingewinn erfuhr dadurch eine Steigerung um f a st 10 Millionen(von 27,6 auf 37,4 Millionen). Die D i v i- d e n d e der privaten Anteilseigner konnte infolgedessen von 6,86 auf 6,95 Prozent erhöht werden. Der Anteil des Reichs am Ge- winn steigerte sich von 14,86 auf 21,77 Millionen. Auch der Reserve- fonds konnte mit 3,11 Millionen(im Vorjahr nur 2,12 Millionen) bedacht werden. Die Gesamtumsätze der Reichsbank betrugen 413,99 Milliarden Mark gegen 377,6 im Vorjahre. An Banknoten waren bei dem gesteigerten Kreditbedürfnis durchschnittlich 118,4 Millionen M. mehr im Umlauf als im Jahre 1911. Die Steuergrenze für nicht gedeckte Noten ist 19 mal überschritten worden. Die Ge- famtzahl der von der Reichsbauk angekauften Wechsel stieg von 6,6 auf 6,7 Millionen Stück, ihr Wert von 12,87.auf 13,60 Millionen Mark. Auch darin treten die gesteigerten Kredit- ansprüche der Geschäftswelt demlich zu Tage, daß sich der Prozent- satz der langfristigen Wechsel wesentlich erhöht hat. Der Durch. schnitt des Wechselbestandes stieg von 1129 Millionen auf 1204 Mit- lionen. Gold wurde im Werte von 193 Millionen angekauft. Der Bestand an Giroguthaben, offenen und verschlossenen Depositen und der Umsatz bei den 23 Abrechnungsstellen erfuhr ebenfalls eine be- trächtliche Steigerung. Jahresabschluß der Deutschen Bank. In der gestrigen Sitzung des Auffichtsrats der Deutschen Bank wurde die Bilanz per 31. Dezember 19U. vorgelegt und genehmigt. Der auf den 27. März einberufenen Generalversammlung wird die Verteilung einer D i v i d e n d e v o n 12>/z Proz. in Vorschlag gebracht, unter Erhöhung des Gewinnvortrages um 460 316 M. auf 3,02 Millionen. Dre Gesamtumsätze beliefen "ch auf 132 Milliarden Mark(gegen 126 Milliarden im Vorjahre,. is Jahreserträgnis betrug brutto 66,340 Millionen( 1911: 185 Mill.), wozu der voriahnge Gewmnvottrag von 2,569 Mill. tt. Im einzelnen erbrachten: sich Das 64 tritt 1912 M. 1911 M. 30 009 185 474 479 2 294 880 6 752 188 W-chfel und Zinsen....... 32 190 527 Sorten und Kupons 472 994 Effekten.........., 2 054 164 Finanzgefchäfte......... 5124 982»>—- Provision............ 20 458 558 IS 1� 598 dauernden Beteiligungen..... 6 039 160 6 500 293 Verglichen mit den Abjchlüffen der übrigen Berliner Großbanken eigen die Einnahmen des größten deutschen Finanzinstituts einen nur geringen Rückgang der Effekten- und Fmanzgeichäfte. Ob und wie weit das durch Inanspruchnahme ftüherer Rücklagen möglich wurde, ist allerdings nicht ersichtlich Die Einnahmen aus Wechseln, Zinsen und Provisionen sind auch bei der Deutschen Bank erheblich gestiegen, Nach Abzug der Unkosten l Geh älter, Gewinnanteile an Vorstand und Beamten, Steuern und sonstige Handlungsunkosten) im Betrage von 30,138 Millionen<1911: 28,726 Mill.) ergab sich ein Rein- gewinn von 34,343 Millionen(i. V. 33,467 Mill.). Die Dividende wird wiederum 12�/z Proz. betragen und erfordert auf das 200 Mill. Mark betragende Aktienkapital 25 Millionen. Außer den schon unter Unkosten verbuchten Abschreibungen überweist die Bank noch 2,5 Millionen an den Reservefonds. Die bilanzmäßigen Reserven erhöhen sich damit auf 112,6 Mill. Mark oder 56,25 Proz. des Aktienkapitals, lieber die Höhe der stillen Reserven ist nichts bekannt. Einen Einblick in die Bedeutung des Finanzinstituts gibt auch die Bilanzaufstellung: 1912 1911 Aktiva. M. M. Kasse. Sorten und Kupons.... 124662367 132729520 Wechsel........... 646 912 649 586 636 736 Deutsche Schatzanweisungen.... 61 097 100 41 055 765 Guthaben bei Banken und Bankiers. 72 715 200 65 786 975 Report und Lombard-Vorschüsse.. 240198 323 297 007 547 Effekten........... 52 315 091 52 763 236 1197'900 730 1175 979 779 Vorschüsse auf Waren und Waren- Verschiffungen....... 232 249 780 187 410 943 Debitoren(Forderungen) gedeckte......... 544 936 036 531 450 884 ungedeckte........ 125 361 179 111277 660 Kons ornal-Betciligungen..... 49 418 750 37 394 699 Dauernde Beteiligungen..... 78 597 977 66 947 442 Bankgebäude......... 31 500 000 26 790 000 Passiva. Depositengelder........ 686304953 640787770 Kreditoren(geschuldete Summen).. 887 146 325 867 859 023 Noch nicht vorgezeigte Schecks... 15 055 117 13 293 356 Akzepte(Wechselverpflichtungen) Zentrale......... 83 482 835 68 178 182 Filialen......... 228 763 498 187 074 047 Aktien-Kapital........ 200 000 000 200 000 000 Reserven.......... 110 000 000 107 781 263 Die Einschränkung der Börsenspekulation bei dem Privat- publikum drückt sich in dem Rückgang der Report- und Lombard- Vorschüsse aus. An Forderungeu(Debitoren) hat die Bank 670 Millionen ausstehen. An Depositengeldern sind ihr 686 Millionen zur Verfügung gestellt. Selbst aufgenommen hat sie weiter 887 Millionen. Neben einem eigenen Kapital von 310 Millionen (Aktienkapital plus Reserven) verwaltet die Deutsche Bank noch Kapi- talien von mehr als 2 Milliarden Mark. Darmstädtcr Bauk. Die Bank für Handel und Industrie(Darmstädter Bank) weist gegenüber 1911 kaum erhöhte Einnahmen auf. Der Bruttonuyen belrägt für 1912 24,986 Millionen(1911: 24,361 Millionen), der Reingewinn 11,155 Millionen(1911: 11,147 Millionen). Die Divi- dende wird wie im Vorjahre auf 6'/� Proz. bemessen. Sie zehrt mit 10,4 Millionen auf 160 Millionen Aktienkapital fast völlig den Reingewinn auf. Erhöhung der Einnahmen aus Zinsen, Provisionen und Minderung der Gewinne aus den Effektengeschäften und Finanz- operationen charakterisieren den Abschluß auch dieser Großbank. Ludwig Loewc. In der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrats der Ludw. Loewe u. Co. A.-G. Berlin legte die Direktion den Abschluß des vergangenen Geschäftsjahres vor, nach welchem bei erhöhten Abschreibungen der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 18 Prozent(wie im Vorjahre) vorgeschlagen werden soll. Versammlungen. Der Geburtenrückgang— eine revolutionäre Waffe. So lautete das Thema eines Vortrages, den Genosse Dr. Alfred Bern st e i n am Dienstag in einer öffentlichen Ver- sammlung des zweiten Wahlkreises hielt.. Anknüpfend an die in letzter Zeit gepflogenen Erörterungen über das Problem des Gc- burtenrückganges sagte der Redner: In den offiziellen Aeuße- rungen unserer Partei zu dieser Angelegenheit vcrmiffe er eine klare Stellungnahme. Genosse Strödcl habe im Landtage gesagt, er beklage den Geburtenrückgang, wir seien nicht schuld daran, wir geben keine Ratschläge zur Geburteneinschränkung. Auch der„Vor- wärts" habe geschrieben, er sei weit entfernt, eine Beschleunigung des Geburtenrückganges zu wünschen. Wer die sozialen Verhält- nissc und das Elend des Proletariats aus eigener Anschauung kennt, der müsse hierüber anders denken, sagte der Redner. Tie Malthussche Theorie sei ja abgetan. Die Möglichkeit sei gegeben, noch viel mehr Menschen zu ernähren als existieren. Aber die wahnsinnige Art, wie in der kapitalistischen Gesellschaft die Güter verteilt werden, lasse den Familienzuwachs für weite Schichten des Volkes als ein Unglück erscheinen. Im Prinzip— erklärte der Redner— sei er für starke Familien. Aber wie die Verhältnisse 'heute liegen, bei dem Elend und Jammer in der Arbcitcrbcvölkc- rung, sage er: Bis hierher und nicht weiter! Wenn, von gegiic- rischer Seite gesagt werde, die Verringerung der Geburten sei eine vaterländische Gefahr, so müßten wir sagen: Sorgt dafür, daß die Arbeiter Brot genug haben für ihre Kinder, dann läßt sich über diese Frage reden. Wenn die Arbeiterklasse zu ihrcin Ziele kommen wolle, so bedürfe sie der Organisation. Waffen im Bcfreiungs- kämpfe der Arbeiterklasse seien: die Geburtenbeschränkung, der Alkoholboykott, der Austritt aus der Landeskirche. Diese drei Waffen, praktisch gehandhadt, würden Erfolg bringen. Aber wir hätten noch eine Waffe, den Generalstreik. Die Erziehung der Arbeiter zum Generalstreik müsse uns. besonders am Herzen liegen. Die Ausführungen des Referenten fanden lebhaften Beifall. Der einzige Diskussionsredner, Genosse S ch i m m e l p f c n n i g, sprach im Sinne des Referats und empfahl die Durchführung des Zwcikindcrshstems. Verband der Schneider. Die Filiale Berlin l hielt Mittwoch abend eine allgemeine Mitgliederversammlung ab. Nach einem interessanten Lichtbildervortrag beschäftigte man sich mit dem Streik in der Herrenkonfektion. Friedrich Kunze gab dann einen Bericht über die letzte Bewegung in der Kostümbranche. Nach dem neuen Tarif, der sich gegenwärtig im Druck befinde, müsse ab 1. März gezahlt werden.— Gegen eine Stimme nahm die Vor- sammlung einen � Antrag an, das Gebalt der BevollmächKgten Kunze und K o t s ch auf Grund der Beschlüsse des Kölner Ver- bandstages, dem der Sekretäre des Hauptvorstandes gleichzustellen. — Kunze machte noch einig« geschäftliche Mitteilungen. Er wies darauf hin, daß. jeder Kollege, der den Werkstattjitzungcn wieder- holt unentschuldigt fernbleibe und sich weigere das Lohnbuch zur �tontrollc vorzulegen, gegen das Statut verstoße. Es wurde be- schlössen, gegen diese Kollegen von dem statutarischen Rechte Ge- brauch zu machen. �': j::•'•'l.■, lr.» •• i:v'.>.* teure Zeiten erfordern •,.i-'.■£/>. V• /.\ zi'r-t''k l' jx"'• 1• ,"*<■!]' r LtiA-»'/.-.• ISÖj I-•* v fr?*' � l''''''''•'l V'J.' ly hpA.•'p'S» 17-?.M> l sparsames Wirtschaften MAOOl5 Suppen find billig, nahrhaft und wohlschmeckend. 1 Würfel für 2-3 Teller 10 Pfg.— Mehr als 40 Sorten. Verlangen Sie aber bitte ausdrücklich MAQOI5 Suppen. ■p'l MW � MP. SänMK I Thealer und Vergnügungen Freitag, 7. Mär, 1913. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Lohengriu. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Ariadne aus Naros. Deutsches. Der lebende Leichnam. Theater am Nollendorfplah. Extrazug nach Nizza. RöniggraUer Straho. Macbeth. Zirkiis Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Zirkus Busch. 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Ueberlcbendc erzählen, daß die Besatzung genügend Zeit hatte, das Boot zu verlassen, und gerettet worden wäre, wenn das Wetter nicht so stürmisch und böig gewesen wäre. Einige der Leute hatten bereits die Rettungsboote erreicht, wurden aber � von Sturzwellen wieder sortgerissen. Von den Vermißten wurde bisher bloß die Leiche des Steuermanns Gudenschwangcr, aus einer Planke treibend, gefunden. Die M a st s p i tz e des gesunkenen Torpedobootes ragt aus dem Wasser hervor. Am Rettungswerk beim Untergang des„L 178" beteiligte sich auch der Kutter„Oldenburg". Er nahm den Bootsmannsmaat M e i n S auf, der ändert- halb Stunden schwimmend seine Rettung erwartete. Der Kommandant des„8 178" war bis zuletzt auf der Kommandobrücke. Der Wcrftdampfcr„Fleiß" hat sich gestern morgen von Helgoland aus zur Unglücksstelle mit zwei Tauchern begeben, um Leichen zu bergen. Die Unglücksstelle wird von dem Torpedoboot„V 4" bewacht. Die amtliche Schilderung des Zusammenstoßes lautet folgendermaßen: Die 11. Halbflottill« gehört zu der sogenannten Reserve- flotille der Torpedodivision der Marinestation der Nordsee. Die Besatzungen dieser elf Boote bestehen aus Mannschaften im dritten Dienstjahre. Boote und Besatzungen haben im ersten Jahre als Schulflottille, im zweiten als Manöverflottille ununterbrochen Dienst getan und stellen somit den höchsten AusbildungSgrad ihrer Wache dar. Da zu Beginn des dritten Dienstjahres die Ausbildung der Torpedobootsbesatzungcn als abgeschlossen gelten darf, werden diese mit Ausnahme eines kleinen Stammes, der zu Kon« fervierungsarbeiten an Bord bleibt, von den Booten her- untergenommen und im Landdienst beziehungsweise für die weiteren Aufgaben der Torpedodivision verwandt. Die Boote der Rcserveflottille bleiben jederzeit fahrbereit und werden im Laufe deS dritten JahrcS periodisch, aber überraschend zu verschiedenen Zeiten mobilmochungSmätzig bemannt, um sofort zu einer fest gesetzten Hebung in See zu gehen. Eine derartige Aktivierung der Boote der 11. Halbflottille hatte am 3. März stattgefunden, und diese befand sich mit anderen Torpedobootsverbänden in der Nord see, um dort an größeren Hebungen mit dem 1. Linien- fchiffsgeschwader und den AufklärungSschisien der Hochseeflotte teil zunehmen. Am Abend des i. März waren bei st ü r m i s ch e m Wetter die Nachtangriffe und sonstigen Exerzitien nördlich von Helgoland gegen 11 Uhr beendet. Nach dem Signal des Leiters: .Hebungen sind beendet", hatten sämtliche Schiffe und Boote Lichter gesetzt und sichren in Marschfvrmation bezw. als Einzelschiffe nach dem Ankerplatz bei Helgoland, östlich der Düne. Die 11. Hawflottille stand vorn, die Boote liefen, da sehr schweres Wetter aufgekommen war, wegen des hohen Seeganges nur halbe Fahrt und mußten, weil die schneller fahrenden Kreuzer noch vor dem Anker platz von rückwärts aufkamen, der Borschrift entsprechend nach Osten ausweichen, um den großen Schiffen zum Ankermanöver Raum zu geben. Die geschlossene Formation der Torpedoboote hatte sich infolge des schweren Wetters nicht ganz aufrecht erhalten lassen und.8 178 befand sich zu dieser Zeit mit seinem Rottenführer.8 177" einige hundert Meter von seiner Halbflottille entfernt. Als hierauf.8 178", um auf den Ankerplatz zu gehen, am Bug des großen itreuzerS„Iorck" vorbeizufahren versuchte, entstand infolge der durch den hohe» Seegang verringerten Manövrierfähigkeit des BootcS Kollisionsgesahr. Die kritische Situation wurde auf„Dorck" sofort gemerkt. Das Schiff versuchte durch Drehen nach Steuerbord und Rück- wärtsschlagen aller Maschinen den Zusammenstoß zu vermeiden, was jedoch nicht mehr gelang.„8 178" wurde vornehmlich vom hinteren Kommandoiurm getroffen, legte sich sofort stark auf die Seite und sank sehr schnell, da wahrscheinlich Turbinenxaum und Kesselraum auf- gerissen und vollgelaufen waren. Sämtliche in der Nähe befindlichen Schiffe und daS Torpedoboot ,8 177" leisteten sofort tatkräftige Hilfe, die jedoch wegen des dnnklen unsichtigen Sturm« Wetters und des hohen Seeganges nur einen geringen Erfolg ge« zeitigt hat. Fünfzehn Personen konnten gerettet werden, zwei Seeoffiziere und achtundsechzig Mann fanden den Tod. Angesichts dieser Darstellung ist denn doch die Frage auf- zuwerfen, ob es bei dem„sehr schweren Wetter", das die voranfahrende Torpedobootöflottille zu halber Fahrt zwang, nicht besser gewesen wäre, auch die nachfolgenden großen Schiffe langsamer fahren zu lassen, um da- durch jede Kollision mit den Torpedobooten auszuschließen. Da das nicht geschah, gerieten die beiden in Frage kommenden Fahrzeuge in dunkler Nacht und bei. schwerer See in so gefahrdrohende Nähe, daß eine Katastrophenmöglichkeit zum mindesten recht nahe lag. Hat sich der Unfall wirklich so zugetragen, wie er oben amtlich geschildert wird, so hat sich der Führer des gesunkenen Torpedobootes über den Kurs und die Fahrgeschwindigkeit des folgenden Kreuzers geirrt, was in einer solchen Situation immerhin möglich war. Im„Verl. Tagebl." bemerkt Kapitänleutnant a. D. Persius noch: «Weiter bedarf die K o m m a n d o f üh ru ng an Bord des Torpedoboots der Klärung. Warum waren nur zwei recht junge Oberleutnants an Bord? Warum nicht der eigentliche Kommandant? Er soll einer Meldung zu- folge nicht aus KrankheitSrückstchten ausgeschifft gewesen sein. Bei so plötzlicher Indienststellung bezw. Beorderung zu Manövern. wenn auch mit vorzüglich ausgebildetem Maimschastspersonal, mußte zum Ausgleich für erfahrenes und aus- reichendes Offizierspersonal Sorge getragen werden. Man darf die Erwartung hegen, daß die Ergebniffe einer baldigen amtlichen Hnlersuchüng bclamitgegeben werden. S» ist üblich, daß die Oeffentlichleit nicht vergeblich darauf wartet. Das liegt nicht im Interesse der Marine. Je offener ein etwaige« verschulden eingestanden wird, um so besser. Niemand wird einen unberechtigten Tadel aussprechen. Jeder, der die Seefahrt kennt, besonders die in stürmischer Märznacht in der Nordsee, weiß, daß ein Pech zuweilen gerade den trifft, der es am wenigsten der- dient."_____ fagow und die fugend. Ter Kampf der Berliner Polizei gegen die Jugendbewegung. Dies Thema rief— was nach den Borgäugen vom letzten Frei. tag selbstverständlich war— Taufende zu der Protestversammlung, die von der Berliner Parteileitung nach dem �.Marinehaus" einberufen worden war. Kurz vor 854 Uhr, dem angekündigten Ver. sammlungSbeginn, wurde der große Saal abgesperrt, weil Saal und Galerie bis zum letzten Platz gefüllt waren und wirklich niemand mehr hineinkam. Viele konnten keinen Einlaß mehr finden. Genosse Kurt Rosenfeld als Referent, häufig von stürmi- schcn Beifallskundgebungen unterbrochen, führte unter anderem aus: Die preußische Arbeiterschaft sei c» von jeher gewöhitt, von der Polizei schikaniert und geschuriegelt zu werden. Man habe sich gewissermaßen daran gewöhnt gehabt und sich gegenüber den poli- zeilichen Kundgebungen etwa so verhalten, wie der Mond gegen- über dem Hund, der ihn anbellt. Aber die Bersammlungsvcrbote beziehungsweise-auflösungen vom letzten Freitag hätten gezeigt, daß die Berliner Arbeiterschaft nicht den Ehrennamen verdiente, den sie sich erworben, wenn sie noch weiter zusehen wollte, wie man das Beste, was sie habe, wie man ihre Jugend behandele. So habe man die Arbeiterschaft aufgerufen zum Protest gegen das Polizeisystcm, dessen Ausfluß die Polizeihandlungen gegen die Jugend am letzten Freitag waren. Jeder Begründung entbehrten diese Auslösungen. Was habe denn das Polizeiaufgebot, das bei- nahe beb Ausbruch einer Revolution vermuten ließ, herbeigeführt? Zwölf Jugendversammlungen waren es, mit dem höchst revolutio- närcn Thema:„Die wahren und die falschen Freunde der arbeiten- den Jugend." Trotz dieses harmlosen Themas hätten die einschreiten- den PolizeileutnanlS übereinstimmend erklärt, das Thema sei politisch und sie müßten einschreiten, wenn über da« Thema geredet würde. DoL erinnere an den Vorfall vor einer Reihe von Jahren, wo eine Versammlung aufgelöst wurde, weil über„Thema" gesprochen werdcn sollte.(Heiterkeit.) Ganz so habe sich die Polizei am Freitag verhalten, wenn einer der Rcserentcn auf das Thema zu sprechen kam. Einige der Versammlungen hätten mit Schwierigkeiten stattgefunden, die anderen wurden ausgelöst und junge völlig unschuldige Leute wurden zur Wache geschleppt. Man habe sich auf den Jugendparagraphen berufen, wonach Jugendliche unter 18 Jahren nicht an solchen Versammlungen teilnehmen dürfen, die veranstaltet seien zur Erörterung politischer Angelegen heilen. Dieser Paragraph stell« eine Ausnahmebestimmung gegen über der Arbeiterjugendbewegung dar. Man sollte auch niemals vergessen, daß dieser Paragraph nur mit Hilf« der liberalen M>gc- ordneten zustande kommen konnte und zustande gekommen sei, nachdem ihn. der nicht im RegierungSentwurs war, die Konservativen deantragt hatten. Was sei geblieben von den Versprechungen des Herrn Bethmann Hollweg? Er habe erklärt, das Vereinsgcsctz sollte ganz loyal ausgelegt werden. Wie diese Loyalität aussehe, das hätten wir am letzten Freitag kennen gelernt. Es wurde in rücksichtsloser Weise angewendet gegen die Arbeiterschaft und gegen ihr« Jugend: Der Jugc-ndparagraph sei schlimm, aber seine Anwendung in dieser Weis« grenze anS Hngesetzliche. Uns gegenüber wag« man«S, bis zur Ungesetzlichkeit zu gehen. Es lasse sich die Arbeiter-Jugendbewegung leiten von demselben Gedanken wie die Sozialdemokratie, von der «inst Friedrich Engels gesagt Hab«, sie hätte es gar nicht nötig, ungesetzlich zu sein, denn sie bekomme bei aller Gesetzlichkeit Pralle Lenden und rote Wangen. So bemühe sich auch die Arbeiterjugend in gesetzlichem Wirten. DaS hindere aber die Polizei nicht, in jener Weise einzugreifen und unschuldig« junge Leute zur Wache zu schleppen. Augenblicklich lebten wir in einer Zeit, wo da» Bürger- tum die Erinnerungen von 1813 feiere. Das leite unS über zur Erinnerung an die Burschenschafter, die einst eine Sammlung alter Polizcigesetze, einen Korporalsstock und einen Zopf verbranuteij. Ach, viel genützt halbe da« nicht. Der KorporalSstock und die Polizei- gesetze erschienen he-ute noch recht lebendig und, wenn wir nns einen Polizeideamten so recht, recht genau ansähen, dann fänden wir wghl, daß auch hwt noch ihm der Zopf hinten hänge. Früher verbot man nicht nur erschienene Dichtungen unliebsamer Poeten des damali- gen Jungdcutschland, sondern auch gleich von vornherein alle Werke, die sie noch verfassen würden. Auch darin hätten wir eS nichi recht weiter gebracht. So könne wenigstens angesichts der Tatsache be- hauptet werden, daß das Vorgehen der Polizei letzten Freitag gegen- über dem verstixten„Thema" doch eigentlich voraussetze, daß die Polizerleutnants in den Kopf der Referenten hineinblicken könnten, um schon v o r der Rede die„Erörterung politischer Angelegen- heiten" feststellen zu können. Hebrigen» handele es sich bei den Vorgängen vom Freitag doch nur um die letzt« Episode>m Polizeikampfe gegen die moderne Ber- liner Jugendbewegung. Seit Jahren schon führten Herr v. I ag ow und seine Untergebenen den Kampf gegen die Arbeitcr-Jugendbewe- gung. Genosse R o s c n f« l d entrollte nun ein umfassendes Bild aller der schon bekannten Methoden und Mittel, mit denen Jagow gegen alles vorgegangen ist, lvaS von Institutionen und Vereinen auch nur mit dem Namen Arbeiterjugend zusammenhängt. Voll beißen- den Spottes, der wohl an hundertmal lauten Beifall oder große Heiterkeit auslöste, geißelte er alle dies« Episoden aus dem Polizei- kämpfe von Jagoivs gegen die Arbeiterjugendbewegung. Er er- Wähnte auch das Schikanieren der Jugendheime aus sogenannten baupolizeilichen Gründen, die, wie verschiedene Umstände ergäben, trotz der Firmierung der Baupolizeiabteilung auf die politische Ab- teilung zurückzuführen seien. Selbst die Abgabe pon Milch uud Kaffee in einem Jugendheim, die unter den« Selbstkostenpreise er- folgte, habe zu einem noch schwebenden Verfahren geführt, und zwar wegen angeblicher Schankg«werbe auSübuug ohne Konzession. Bei all diesem Borgehen dürfe nicht zu erwähnen vergessen werden, baß in einem Ausschuß, der ein neues großes Jugeiidheim zur B e- käuipfung der Arbeiterjugend schaffen wolle, niemand anders sitze, als unser Freund Jagow.(Große Heiterkeit.) Ferner gedachte Redner der durch den Staat gefütterten bürgerlichen Jugendbewegung, der man alles gestatte. Sich zusammenfassend. sagte dann der Redner: Möge die Polizei tun, was sie wolle, möge sie die Form zcr- schlagen, in der die moderne Arbeiter-Jugendbewegung zum AuS. druck komme; den Geist, der darin stecke, den könne sie nicht zer- schlagen. Und wenn die Polizei einen Bau, den die Arbeiterjugend errichtet habe, in Brand stecke, dann werde immer wieder neu, wie der Vogel Phönix aus der Asche, der Geist emporsteigen und das Werk fortsetzen: Die Arbeiter-Jugendbewegung werde sich durch. setzen trotz Herrn v. Jagow. Möge dieser eine noch so eisern« Stirn haben, gegen die proletarische Jugendbewegung renn« er vergeblich an. Aber die klassenbewußte Arbeiterschaft müsse auf dem Posten sein und dürfe nicht bloß zusehen. Habe man doch auch auf der Gegenseite nichts anderes vor, als die Jugend den Idealen der Klaffe, der sie angehöre, abspenstig zu machen. Mögen deshalb die Eltern zuhause und überall ihren Einfluß dagegen geltend machen und dafür sorgen, daß in Gestalt des Organs„Arbeiterjugend" die nötige geistige Nahrung vorhanden fei. Noch eins: Herr v. Jagow könne nur im Parlament getroffen werden.� Redner erinnere an den jetzt beginnenden LandtagSwahltamps."Auch ihn müsse man benutzen, zu protestieren gegen die Hntcrdrückuug der modernen Jugendbewegung, sowie gegen, das ganze preußische Polizeisqstem. In diesem Sinne rufe er: Nieder mit dem ganzen heutigen Polizei- sysiem! Hoch der Sozialismus— hoch die Jugendbewegung— unser die Jugend trotz alledem!(Stürmischer, minutenlanger Beifall.) ES folgte eine kurze Diskussion. Frau Pleßner-SachZ, au? der Friedensbewegung be- kannt, die auch erklärte, sich Genossin nennen zu können, tritt mit warmen Worten für die Kulturziele der Jugend des vierten Stan- des ein. Man möge an diesen festhalte», im Gegensatz zu den Wehr- Vereinen usw., von denen zu befürchten ivärc. daß sie durch total falsche Erziehung die Friedensbcstrobunge» gefährdeten. Rednerin fand großen Beifall, ebenso die beiden folgenden Redner, die Ge- »offen B i r s ch t und Graf, die im Sinne des Referats sprachen. Zum Schluß ergriff Genosse Eugen Ernst, der Einbevuser und Leiter, das Wort: Wenn man Jahrzehnt« in der Bewegung stehe, dann lächle man über manches. Als er aber am Sonnabend gehört habe, ivaS geschehen sei, da habe er sich gesagt, das sei das Tollste, was ihm vorgekommen. Und im gcschäftsführciiden Ans- schuß habe er erklärt: Dazu schweigen wir nicht. Es ist Zeit, daß die Envachsenen austreten zum Protest! Ter Jugend könne er nur zurufen, noch schärfer zusammenzuhalten wie bisher. Die Er- wachsenen aber hätten für die Jugendbeivegung alles getan, was in ihren Kräften stehe. Wir wollen nicht, baß unser« Jugend aus der Straße liege; wir wollen, sie zu wahren Kulturmenschen und starken Charakteren erziehen. Und im bevorstehenden Landtags- wahlkampf werden wir unsere Antwort geben. Die frei« proletarische Jugendbewegung lebe hoch! Begeistert stimmten die Versammelten dreimal in den Kampf- ruf ein. in den sich Hochrufe aus den Referenten mischen. Langsam leerte sich der Saal. Es war eine imposante und eindrucksvolle Protestkundgebung, die die Kampfeslust hell auflodern ließ. Wiödex ein Erfolg des Herrn v. Jagow!__ Stadtverordneten-Versammlung. 10. Sitzung vom Donnerstag, den 0. März 1013, nachmittags S Hhr. Borsteher Michelet eröffnet die Sitzung rnach 6s,h Hhr mit einer Ansprache, in der er der schweren Katastrophe gedenkt, die in der Nacht zu gestern die deutsche Marine durch den Unter- gang des Torpedobootes 8 178 und den Verlust beinahe der gesamten Mannschaft detroffen hat. Tie Versammlung hört die Ansprache stehend an. Zur Beratung gelange» zunächst die Ausschußvorschläge be- tresfs der Einführung einer Biersteuer und einer Steuer für Kinematographcnthcater, Aetnien, Varietes, Kabaretts, Zirschsse, Spezialitätentheater und gewisse Tanzlustliarkeiten. Die neue Bierskeucr soll für den Hektoliter untergäriges Bier 30(Vorlage ö0j, obergäriges 10(Vorlage 20) Pf. betragen. Die- selben Sätze sollen von dem in den Stadtbezirk eingebrachten, bis- her steuerfreien Bier erhoben werden. Die neue Steuer soll am l. April 1013 in Kraft treten und mit demselben Tage der bisher auf Grund«incr Kabincttsordcr von 1820 erhobene Braumalz- stcuerzuschlag in Fortfall kommen. Es geht ein Antrag Goldschmidt(N. L.) ein, die neue Steuer auf 25 Pf. herabzusetzen. Stadtv. Zubcil(Soz.): Sie sind heute auf dem besten Weg«, den 6. März 1013 in die Finanzgeschichte Berlins als einen schwarzen Tag einzutragen.«Großer Lärm jbei der Mehrheit. Rufe auf der dicht gefüllten Zuschauertridüne: Sehr gut!) Mitten im Jubel- und Trubeljahr wollen Sie heute breite Schichten der Berliner Bevölkerung, nicht die reichen, sondern diejenigen be- lasten, ivelche schon an und für sich mit der Not des Lebens zu kämpfen haben.(Erneuter Lärm. Rufe: Brauereien!) Wenn es nur die Brauereien wären, hätte ich diese Worte nicht gebraucht. Statt einer großzügigen Finanzpolitik akzeptieren Sie heute eine Steuerpolitik, weiche der Weltstadt und Metropole Berlin beinahe unwürdig ist. Die Notlage der Hausbesitzer haben Sie anerkannt, denen legen Sie keine weiteren Laste» auf, und die Herren waren auch sehr daiikbar, denn sie brachten die Petition ein. die neuen Steuern auf andere Schultern, auf die Gastwirte, Kinobcsitzer usw. abzuwälzen. Ganz nach dem Motto:„Ich Vitt' dich, hcilger Florian. verschon' mein Haus, zünd' andre an!" Vorgestern bat von dieser Stelle aus Kollege Heimann in großen Zügen an Ihre Sünden erinnert; Sie treten in«ine unsäglich Ileinfiche Steuerpolitik ein. Sie haben später kein Recht mehr, gegen die Brot-, Fleisch- und Zollwucherer zu reden. Um über 100 Proz. nicht hinaus- zugehen, ist Ihnen jedes Mittel, auch das kleinlichste, recht. Sie haben sich dieses Jahr von Schöneberg beschämen lassen müssen (Lachen bei der Mehrheil), dort hat der Etatsausschuß einstimmig 110 Proz. Gemeindeeinkommensteuerzuschlag beschlossen. Wenn die Stadt ihre Pflichten auch in sozialer Beziehung erfüllen will. müssen auch Lasten übernommen werden, die auf alle Schultern verteilt werden, das sieht auch die Arbeiterschaft ein.. In Char- lotienbnrg sträubt sich freilich die Mebrheit der Vertretung noch gegen den weitsichtigeren Vorschlag des Magistrats. Tie Arbeit unseres Ausschusses ist leicht, schnell, uni nicht zu sagen lotterhaft gewesen.(Große Unruhe; der Vorsteher rügt diesen Ausdruck.) Eine weitere Belastung des schon so itark mit Steuern bepackten Gastwirtsgeiverdcs ist geradezu unzulässig. Diejenigen, die glauben, daß die Brauereien die Steuer tragen werden, wären eines Besseren belehrt worden, wenn sie die gestrige Masscnprotestversammlung miterlebt hätten. Ich bin zehn Jahre lang in dem Berufe tätig gewesen und habe das stiecht, da mitzusprechen, mehr als dieienigen, die den Beruf nur kennen lernen, wenn sie einkehren. Allein die ReichSfinanzrefonn von 1009 hat 2000 Gastwirten die Existenz gekostet; ihre Nachfolger sind in ein Ablstingigkeitsvcrhältnis zu den Brauereien geraten und sind nur Schcinexistenzcn. Die Zahl der Schankstätten ist in Berlin gegen 1007 ganz erheblich gefallen; es findet ein unausgesetzter lintergang von Kleinbetrieben statt, und damit wird auch ein Teil der Steuerzahler mit vernichtet. Zu den Polizeischikancn kommt durch diese Vorlage noch die Schnüffelei und Spitzelet durch kommunale Steuerkontrolleure hinzu. Jeden Tag werden zahlreiche Gastwirte wegen Nebertretung der Polizeistunde nach Moabit zitiert, und niemand in dieser"Ver- sammlung hat sich jemals dagegen empört. In letzter Stunde haben gestern abend 5000 Gastwirte, Kino- und Vanetebcsitzer und Artisten unsere Versammlung um Abstandnahme von dieser Steuer gebeten; eine erbitterte Stimmung herrschte in der Riesen- Versammlung, die zum größten Teil von I h r e n Wählern(Widerspruch) gebildet wurde; die freisinnigen Gastwirte werden �bei der nächsten Landtagswahl die Antwort geben, so wurde uns pon einem der ersten Vertreter dieses Gewerbes erklärt. Von den freisinnigen Kollegen war einzig der Kollege Max Schulz erschienen, die anderen haben vorgezogen, fernzubleiben, obwohl sie alle ein- geladen waren. Friedenau hat bor einigen Tagen die Bier- steuer mit 31 gegen 7 Stimmen abgeleljnt. in Charlotten- bürg hat sich der Kämmerer ganz cntschichcn gegen sie ausgesprochen, weil ihr Nutzertrag gleich Null sei und in teinem Verhältnis zu den Belästigungen stehe, die sie drüben und Huden hervorrufe. Der neue Kämmerer Berlins setzt schon in seinem ersten Amtsjahre mit dieser zweifelhaften Vorlage seinen Ruhm und sein Finanzgenie aufs Spiel. In Minden hat der Odcrbürger- meistcr erklärt, die schikanöse Bierstcuer müsse wieder aufgehoben werden; also hat man dort überall weit mehr Verständnis als in der Millionenstadt Berlin. Die neue Bierstcuer ist eine Sonder- steuer; bei der Vcrschicdenartigkcit des lÄcwerbes ist eine gleich- mäßige Belastung zu schaffen unmöglich. Der Braumalzsteuer- zuschlag ist bis zum heutigen Tage zu Unrecht erhoben worden. Man dürfe, heißt es, den Brauereien mit der Aufhebung nicht ein Geschenk jrtache»; aber nach dem Inkrafttreten der neuen Steuern werden Schultheiß, Patzenhofer und die anderen kapitalkräftigen Brauereien einen riesengroßen Teil derselben zurückerhalten, weil sie schon jetzt bis zu 7ä Proz. ihrer Produktion ausführen; sie werden dann noch tiefer in die Provinz einzudringen versuchen und ihren Absatz aufs äußerste steigern. Durch eine solche Politik vernichten sie also nicht nur den Mittelstand in Berlin, sondern auch in der Provinz. Dabei steht noch beule nicht fest, ob die Brauereien uns die richtigen Produktionsziffern angegeben haben, auf die eine solche Gesetzgebung sich stützen kann. Die Differenz zwischen den Zahlen der Brauereien und denen des Kämmerers ist zu groß und bisher nicht aufzuklären gewesen. Ihre ganze neue Gesetzgebung schwebt also in der Luft; niemand weiß, was die neue Steuer einbringen wird. Die Brauereien sollen sich erbeten haben, die 30 Pf. selbst zu tragen und sogar die geschädigten mittleren und kleineren Brauereien schadlos zu halten..Haben die Braue- rcicn schon jemals den Gastwirten gegenüber solche Großmut be- wiesen?(Lebhafte Rufe:„Nein! Nie!" auf der Tribüne.) Die Folge der Berliner Bicrsteucr wird sein, daß auch Schönebcrg, Charloltenburg usw. dazu gezwungen werden, weil sonst ihr eigenes Braugewerbe in die Luft geht. Es besteht kaum noch Hoffnung, das Gewerbe der obergärigcn Bierbrauerei wieder aufblühen zu sehen, weil die Geschmacksrichtung der Bevölkerung sich gewandelt hat; um so ungerechter ist die Auferlegung der 10 Pf. Steuer. Zum 1. Oktober 1013 erhält das Gastwirtsgcwcrbe noch eine weitere Auflage; da müssen die Gläser mit dem neuen Eichstrich versehen sein. Vielleicht überlegen Sie sich in letzter Stunde doch. noch, ob Sic dieser Steuerordnung zustimmen wollen; wenn«ie noch einen Funken von Herz haben, werden Sie sich bei der namentlichen Ab- stimmung doch vielleicht noch besinnen. Aber ich befürchte, Sie werden Ihre Ohren verstopfen, weil Sie die Gegengründc nicht hören wollen, und die Bitte der Interessenten wird vergeblich sein. Heute verstehe ich Ihren patriotischen Taumel von vor 14 Tagen; er sollte Ihre Wähler mitreißen und das Odium.dieser Vorlage verdecken. Herr Cassel hat sich den Titel„Ungekrönter König von Berlin" schon durch den Vorsitz im Ausschutz redlich verdient. Können Sie die Vorlage nicht heute ablehnen, dann weisen Sie sie an einem Ausschuß zurück, aber an einem, dem nicht Cassel vorsitzt.(Der Vor st eher erklärt diese Namensnennung für ungehörig.) Stadtv. Cassel CA. L.): Meine Wähler wissen ganz genau, daß mir Ruhe und Sachlichkeit beiwohnen; ich habe dafür auch Zeugnisse aus den Reihen der Genossen des Vorredners. Die Redensart von dem„ungekrönten König von Berlin" ist so geschmacklos, daß ich darauf nicht eingehe. W i r werden unsere Meinung von der Bierstcuer nicht ändern. Die Ausschußberatung hat uns unser Ziel, keine Steuer zu schaffen, die auf die Gastwirte oder auf die Konsu- mcnten abgewälzt werden könne, erreichen lassen. Die Schätzungs- diffcrenzen über Export und Import haben nicht die ihnen vom Vorredner beigelegte Bedeutung. Bei dem Satz von 30 Pf. wird nach der Erklärung der Brauereien eine Abwälzung auf die Gast- Wirte nicht notwendig sein. Der Satz von 10 Pf. fiir den Hekto- litcr obergäriges Bier ist äußerst mäßig. Im ganzen werden die Berliner Brauereien nicht mehr zu zahlen haben als bisher. Von' einer neuen Steuerbelastung der schwächsten Schultern ist gar keine Rede.(Lebhafter Widerspruch auf der Tribüne.) Für. die neue '©leitet werden wir die Zustimmung aller unserer Wühler haben. (Lebhafter Beifall.) Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.); Unseren Wünschen, eine Belastung der Konsumenten zu vermeiden und die Kontrollvor- schrtftcn zu erleichtern, hat der Ausschutz entsprochen. Das Auf- kommen aus der Steuer wird nunmehr 1% Millionen nicht erreichen, aber das mag einstweilen auf sich beruhen. Herr Zubcil und Herr Mar Schulz haben gestern nichts getan, um die Versammlung im Fricdrichshain über den Irrtum aufzuklären, in dem sie sich be- funden hat.(Unruhe auf der Tribüne; der Vorsteher erklärt, bei Wiederholung von Zurufen von der Tibüne werde er gezwungen sein, die Tribüne räumen zu lassen. Ruf bei den Sozial- dcmokratcn: Kröchet!) Dieser Irrtum liegt darin, daß es sich gar nicht um eine neue Steuer handelt. Stadtv. Goldschmidt(N. L.) hält auch für geraten, die Debatte in aller Ruhe zu führen. Tic Abwälzung auf die Gastwirte werde bei einem«atz von 30 Pf, nicht nötig sein, so hätten die Brauereien positiv versichert. Die Erregung der Gastwirte stamme noch aus der Zeit, wo der Satz von 50 Pf. vorgeschlagen war und die Brauereien mit der Erhöhung des Hektoliterprcifes um 1 M. gedroht hätten. Das fall? jetzt weg und bei Annahme seines Antrags werde überhaupt nicht mehr in Berlin zu zahlen sein, als was bisher der Braumalzsteuerzuschlag brachte. Stadtv, Max�Schulz(N. L.) polemisiert gegen die Argumenta- tion, daß diese Steuer notwendig sei, um die 100 Proz. nicht zu überschreiten, da eine Ueberschreitung dieses Satzes die steuerkräfti- gen Bürger Berlins zur Abwanderung veranlasse. Das sei eine ganz haltlose Vermutung. Daß die Abwälzbarkeit ausgeschlossen werde, sei aber tatsächlich der Leitfaden der Ausschußberatung ge- Wesen, und in diesem Punkte habe Cassel geradezu den Ton an- gegeben. Aus der Belastung mit ganzen 5 Pf. für den Hekwlietr werde eine ernste Schädigung auch der mittleren und kleinen Brauereien nicht eintreten; das müsse er ausdrücklich konstatieren, weil man draußen drauf und dran sei, die Sacke für die nächsten Landtagswahlen auszuschlachten. Das Gastwirtsgewerbc werde nicht ruiniert werden; weit mehr als diese Belastung schädigten Landtagswahlen auszuschlachten. Auch das Gastwirtsgewerbc werde er mit einigen Fraktionsgenossen gegen die Steuer. Das Miß- trauen gegen die ewige Beunruhigung mit neuen Stcuerprosckten sei im Gastwirtsgcwerbe berechtigt; da müsse die Stadt um so peiit- lickier Gerechtigkeit üben. Zum Schluß appelliert Redner an das liberale Gewissen der Mehrheit, die ihr Programm mit dieser Eondcrsteuer verletze. Kämmerer Büß: Es handelt sich hier keineswegs um eine Sondergewcrbesteuer. Auch der Magistrat wollte das Bier nicht hoher besteuern als bisher. Die Ausschußsätze bedeuten eine Eni- lastung der Brauereien um Hunderttausende, und bei 30 und 10 Pf. gibt es. überhaupt nichts mehr abzuwälzen. Ter gestern abend„los- gelassene" Protest(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten) ist unbegründet. In Köln hat vor drei oder vier Iahren die Kino- steuer 80 000 M. eingebracht; jetzt bringt sie 320 000 M. Der Rück- gang der Schankstätten ist weniger auf die Gesetzgebung, als auf die berechtigte Agitation der Sozialdemokraten gegen den Alkohol- gcnuß zurückzuführen. Stadtv. Wilke(Soz.): Es wird hier ganz vergessen, daß es auch um Berlin und außerhalb Berlins Brauereien gibt. Es wird jetzt behauptet, eine Abwälzung finde nicht statt, tveil die Braue- reien es geschworen haben— ich habe die Eidesformel nicht gc- lesen. Wie oft sind gegebene Versprechen nicht gehalten worden! Auch bei den Herren Brauereidirektorcn! Tie Herren Brauerei- direktoren haben doch auch über die Dividenden zu wachen, und wenn dann doch eine Erhöhung des Bierpreises eintritt, was können Sic dagegen machen? Nichts, gar nichts! Tic Steuer lnird ein Schntzlvall für die beiden größten Großbrauereien Bcr- lins; die um Berlin liegenden Brauereien müssen dann auch 30 Pf. aufschlagen, weil sie sonst nicht mehr konkurrieren können, und auf diesem Wege wird man sebr bequem noch einige Konkurrenz los. Die kleinen Brauereien haben zum billigsten Preise geliefert, sie müssen mit dem Preis hinaufgehen. Den' Großbraucreien aber ist diese Steuer gewiß ganz angenehm, denn das wird und muß binnen kurzem preiserhöhend wirken. Stadtv. Zubeil: Wenn der in der zweiten Abteilung gewählte Herr Cassel mit seinen paar Bäckerdutzend Wählern im Einver- ständnis ist, so will das nicht viel sagen. Wo ist in der Kommis- swn eine bindende Erklärung oder eUrtas Schriftliches gegeben worden, daß die Brauer nicht abwälzen werden? Also die Erklä- rungen, die unsere llntcrhändlcr Brv, Dhhrenfurth und Löser ab- gegeben haben, sind völlig unverständlich. Daß 75 Proz. aller Gast- ivirtc von den Brauereien abhängig sind, ist richtig, aber daraus kann der Kämmerer doch gerade sehen, in welcher Notlage sich ein großer Teil der Gastwirte befindet. Damit schließt die Generaldiskussion. Zu K 1 wendet sich Stadtv. Mommsen(Fr. Fr): gegen den Antrag Goldschmidt und erklärt, daß die Brauereien natürlich keine schriftliche bindende Erklärung abgeben würden, daß diese aber auch gar nicht nötig sei, weil sie keinen Grund zur Erhöhung hätten. Bei 30 Pf. machten die Brauereien gegenüber dem bestehenden Zustand noch ein sehr gutes Geschäft, Stadtv. Cassel erklärt dasselbe und dankt außerdem dem Kalle- gen Schulz für die loyale Beurteilung des Standpunktes der Ausschußmehrheit. Es wird zur namentlichen Abstimmung über den Aus- schußantrag geschritten. Dieselbe crgiebt die Annalime mit 61 gegen 59 Stimmen, also gerade mit der absoluten Mehrheit. Gegen die 30 und 10 Pf. stimmen: Sozialdemokraten: Dr. Arons, Basner,, Dr. Bernstein, Böhm, Börner, Brückner. Bruns, Dr. Cohn, Drescher, Dupont, Ewald, Fischer, Fröhlich, Glocke, Grunwald, Heimann, Hintze, Hofsmann, Kersin, Koblenzer, Leid, Dr. Liebknecht, Manassc. Mann, Mars, Metzkc, Meyer, Pfannkuch. Ritter, Dr. Rosenseld, Sassenbach, Schneider, Gott fr. «chulz, Stadthagen, Tolksdorf, Wengeis, Dr. Weyl, Wilke, Woldersky, Wurm, Zubeil,. Zucht. Neue Linke: Feuerstein, Frickc, Goldschmidt, Hömssen, Imberg, Dr. Jsaac, Dr. Knaucr, Lofmann, Dr. Paul, Riemer, Rosenow, Max Schulz, WitkowSki. Alte Linke: Hüft, Dr. Levy, Schmidt. Freie Fraktion: Mentzel. In der weiteren Beratung des 8 1 spricht sich Stadtv. Z u- be i l entschieden für die Steuerfreiheit des Hau st runks aus. In Potsdam sei die Biersteuerordnung von der Regierung gc- nehmigt worden. Obwohl der Haustrunk steuerfrei gelassen worden sei. Im Interesse der Brauerciarbeitcr solle man diese Acndc- rung des§ 1 beschließen. § 1 Ziffer 2 wird nach Ablehnung des Antrages Zubeil an- genommen. Zu§ 2 erklärt Abg. Zubcil, auf weitere Ausführungen zu verzichten. «tadtv. Mommsen beantragt jetzt en dloc-Annahme der Bier- slcuciworlagc. Stadtv. Zubcil: Ich will nicht widersprechen, mache aber die Versammlung und den Kämmerer darauf aufmerksam, daß der Obcrpräsident ihnen das Ding vor die Füße werfen wird.(Lärm.) Vorsteher: Sie haben das doch nicht gegen den Kämmerer persönlich gemeint? Stadtv. Zubeil: Nein, das habe ich nicht.(Große Heiterkeit.) Die Biersteuervorlage wird darauf angenommen. Der Kino- usw. Steuer sollen auch Pantomimen und Kunftlaufvorführungen auf Eisbabnen in geschlossenen Räumen unterliegen. Die Steuer soll als Karten- oder als Pauschalstcuer zur Erhebung gelangen. Die Sätze sind gegen de Vorlage vom Ausschuß etwas ermäßigt. Es werden Anträge auf weitere Er- Mäßigung eingebracht. Stadtv. Knhlmann bedauert die vom Ausschüsse zugestandenen Ermäßigungen. Die großen Kinos fürchteten die Abwanderung des Publikum» in die kleineren und hätten schleunigst die billigeren Plätze in teurere verwandelt; trotzdem sei eine Verminderung des Besuchs nirgends eingetreten. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Es rast der See und will sein Opfer haben.(Heiterkeit; Rufe: Ladewig I) Wenn man die Hurrastimmuiig für die Einführung neuer Steuern sieht, kann man wirklich dieses Wort zitieren. Die 100 Proz., das ist die kommu- nalc Steucrkunst, die jetzt die unglaublichsten Purzelbäume schlägt, ohne Rücksicht darauf, was dabei vernichtet wird, und das nennen Sie dann M i t tc l st a n d s p o l i t i t! 230 Kinos sind in Berlin vorhanden; von diesen standen über 30 schon vor der Pleite und machten die Bude zu, als die Steuer drohte. Seitdem sind diesen schon 20 gefolgt und haben ihre Pforten geschloffen, doch nicht aus Ucbermut, sondern weil sie schon vorher sich nicht halten konnten. Die bloße Ankündigung der Steuer hat also schon über 50 von 230 umgebracht. Warten Sic nur ab, was nach dem 1. April sich er- geben wird; die Hauswirte werden ihr blaues Wunder schein(Zu- rufe.) An diesen l00 Kinos hängen doch hunderte von?ln- gestellten, will man denn das übersehen? Von der Kino- stcikcr gilt es, daß eine neue unerhörte Steuer, direkt gegen die Unbemittelten gerichtet, eingeführt werden soll. Eine ganze Reihe Leute haben mit diesen Kinos ihre Stellung, ihre Existenz gefunden. (Zprufe: Und der Hauswirt kriegt keine Miete!) Die Hauswirte mögen sich bei denen bedanken, die diese Steuer gemacht haben. Die kleinen Kinos sind die große Mehrzahl, der großen Kinos sind nur ganz wenige. Die täglichen Spesen eines Kinos mit 180 Plätzen belaufen sich trotz sehr geringer, der Aufbesierung dringend bedürf- tiger Entlohnungen auf 65 M., die Einnahme in der Woche auf tag- lich n»r35Mk.; die Unterbilanz wird eingebracht durch die Erhöhung des Preises auf 30 Pf. am Sonntag. Diese einzige Rettung machen Sie ihnen durch die Steuer unmöglich; es gibt dann an Sonn- tagen keine steuerfreien Plätze mehr. Der Satz von 30 Pf. muß auf 40 Pf. erhöbt werden; erst bei diesem Satz darf die Steuer- Pflicht beginnen. Für das Programm sollen nur 10 Pf. frei bleiben, während mindestens 20 Pf. frei bleiben müssen, weil das Pro- gramm, wenn es Liedertextc enthält, 25 und 30 Pf. kostet und für 10 Pf. unmöglich abgegeben werden kann. Im Ausschuß wurde mitgeteilt, das Berliner Polizeipräsidium besichtige täglich 10 000 Meter Film, während die Weltproduktion nur 8000 beträgt; auf solcher Höhe siebt die Kenntnis der Herren, die hier mitzucnt- scheiden haben! In Frage kommen böchstens 6000 Meter pro Tag. Genau so verhält es-sich mit den phantastischen Zahlen über die erzielten Einnahmen. Tatsächlich bauen bäufig die Haus- wirte selbst ihre Räumlichkeiten zu Kinos um � und vermieten sie dami an llnternchmcr, die Kaution stellen müssen. Gebt der Unternehmer pleite, so hat der Haus- Wirt die Kaution und sucht einen anderen Mieter. In Kino- unternehmeckre.isen nennt man diese Herren bereits„Kinomarder". Ebenso phantastisch war die Angabe, daß ein großes Kino«ine tägliche Einnahme von 5000 M. habe. Diese Einnahme ist nur an einem einzigen Tage unter ganz außergewöhnlichen Umständen erzielt worden und hat sich nie wiederholt. Ueber einer Reihe von Kinos schwebt tatsächlich der Pleitegeier. Nun zieht man sich hinter Sitte und Moral zurück; in den Kinos würden Apachen- fachen, Ehebruch usw. vorgeführt, und da sei eine ordentliche Steuer am Platze. Jetzt heißt es. die Kinos dienten ja gar nicht der höheren Kunst. Dieser dienen die Theater, also auch das Residenz- theater, wo bekanntlich nicht Ehebruch dargestellt und die gute Sitte nicht verletzt wird! Weil man die Königlichen Theater nicht kriegen kann, müssen die Kinos heran, und zwar gerade die kleinen— denn an der ganzen Steuer hat der Kämmerer kein Interesse mehr, wenn nur die großen heran müssen. Eine ganz sonderbare Moral hat ein Ausschußkollege entfaltet; er sei für die Steuer, weil sie nur unedle Vergnügen treffe.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Solche„unedlen" Vergnügen sollte man doch mit allen Mitteln verhindern, aber nicht Geld davon zieben. Wenn Sie das lnollen, dann erheben Sie Chauff'cegeld in der Friedrichstraße,(Stürmische Heiterkeit.) Manche Herren könnten da weit eher Vergnügen finden und zur Lustbarkeitssteuer heran- gezogen werden. lWiederhÄte Heiterkeit.) Die Steuer ist nach der Kinoseite sicher nicht mehr.entwickelungsfähig". Die Kinos sollen unmoralisch, entsittlichend wirken. Das mag sein. Die kleinen Besitzer haben die Filmlieferanten bestürmt, ihnen für ihre Theater bessere Sachen zu liefern; aber sie kriegen sie nicht. Die Theater- direktoren baben sich mit einer Denkschrift gegen die Kinos ge- wandt, die in jeder Zeile nach Konkurrenzhatz und Konkurrenzneid riecht. Sie verlangen Einführung der Bedürfnisfrage; warum denn für die Theater nicht auch?(Zwischenruf des Stadtv. B rh.t Sie sind doch noch sehr weit zurück.(Heiterkeit.) Man verlangte im Ausschusse auch, die Kinder sollten noch mehr als bisher aus- geschlossen werden; das verlangt auch der deutsche Bühnenverein. er schämt sich nicht, solche Forderung aufzustellen; was würde er sagen, wenn man die Kinder von den Theatern ausschließen wollte? Er verlange aber weiter ein Plakatgesetz, er regt auch eine hohe staatliche Filmsteuer an! Das ist doch wohl das Schamloseste, was Konkurrenzneid leisten kann. Wenn die Jugend wirklich zur Un- moral erzogen wird, so ist das doch bloß ein schlechtes Kompliment für unsere Polizeizensur. Dieselben unmoralischen und entsitt- lichenden Films werden in den großen Kinos des Westens vorgc- führt, denn die kleinen Kinobesitzer können ja nicht Films zuerst ausführen, weil sich die Preise nach der Priorität der Vorführnn- gen richten; also alles, was entsittlichend und verrohend wirkt, hat zuerst im Westen gewirkt, aber vielleicht war dort auch gar nichts mehr zu verroben.(Sebr gut! und Heiterkeit.) Die Verleihe' halten die Preise fest, gleichviel, ob es sich um einen Kino mit 1000 oder mit 140 Plätzen handelt. Sie haben ihren Trust auf- gelöst, weil er ihnen nicht weit genug ging und die neue Konven- tion der Filmfabrikanteu und-Verleiher hält die Zügel so straff. daß die kleinen Kinos einfach stranguliert werden. Und dazu will eine liberale Stadtverwaltung ihre Hand bieten! Die Aermstcn der Armen, bei denen es nichr�mehr zu Sonntagskleidern zulangt, gehen ins Kino für 20 Pf. Sie werden ja auch nächsten Montag in den Kicntopp kommen; machen Sie es doch diesen Armen nicht unmöglich, einen solchen hochwürdigen Anblick zu genießen! Die kleinen Kinos haben schon besonders gelitten durch die Polizeiver- ordnungen der letzten Zeit. Durch diese Verbote hat die Polizei den Kinobesitzern schon einen ungeheuren Schaden zugefügt, und nun kommen St« noch mit dieser Steuer. Bei den Akten beftndet sich ein Schreiben des Polizeipräsidenten über die Lage der kleinen Kinobesitzer; danacb sei deren Lage eine so prekäre, daß das Polizeipräsidium selbst darüber bestürzt gewesen sei. Soll etwa in- zwischen die Lage besser geworden sein? Sic können nicht aus bloßer .Hurrastimmung diese Hundertc von Existenzen brotlos machen wollen. Die Kindervcrbote usw. sind ja erst nach 1910 gekommen. Es gibt auch Vororte, die noch keine Kinosteuer haben. Sie be- rufen sich aber auf die Vororte nur, wenn es Ihnen in den Kram paßt; ivcmi sie vorangehen auf dem sozialen Wege, dann gibt's das nicht. Das neue Steuergesetz ist so unglaublich schlecht gc- arbeitet, wie es der jüngste Arbeitersekretär in der entlegensten Probinz nicht geliefert bätte. Der Kämmerer rückre schon in der ersten Sitzung des Ausschusses mit einem ganzen Bündel Abändc- rirngsanträgeu an und mußte erst aufmerksam gemacht werden, daß er das nicht dürfe; dann fanden sich ja hilfsbereite Regierung?- kommiffare; nicht wahr, Herr Bry? nicht wahr, Herr Löset? ES ist ja dann gebessert worden; aber trotzdem ist diese Vorlage jammervoll. Der Kämmerer hat auch eingesehen, daß es mit dem bloßen Begriff„Rauch-Theatcr" nicht geht; es wurde das Bier- trinken binzugefügt; aber das Meirovoltheater, der Wintergarten, das Apollotbeater können sich da leicht Helsen, indem sie größere Pausen machen und größere Vorräume schaffen; dann fällt der Kämmerer vielleicht auch mit Biertrinlcn herunter. Unsere Markt. Halle in der Zimmerstraße ist umgewandelt in den„Clou". Da gibt cS jeden Abend meist zwei Konzerte, von denen das eine auch Gesänge und Tänze aufführt— das ist doch Variete! Neulich erst haben wir dem„Clou" 20 000 M. gegeben, damit er auskommen kann.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Das ist die Steuerpolitik, die Sie anstreben. Auch der„Eispalast" soll gefaßt werden. Alle diese Dinge führen auf Wege, die steuer. rechtlich bloß Prozesse über Prozeye nach sich ziehen müssen. Eine solche schlechte Auswärmung der alten Vorlage hätte man uns er- sparen sollen. Kollege Bry kommt noch im letzten Augenblick mit einem Arm voll Anträge.(Stadtv. Bry: Verbesserungen!) Ja, das ist ja eben der Beweis dafür, daß Sic die Vorlage wenigstens in den Ausschuß zurückverweisen müssen. Der Ausschuß hat im Galopp gearbeitet; mit der Zirkuspeitsche wurden wir angetrieben. Jetzt will Herr Bry auch im Zirkus nur noch die Galerie freilaff'ckn und schon von 90 Pf. an 10 Pf. erheben; daran sieht man daS warm« Herz des Kollegen Bry für das arme Volk. Ich lege Ihnen noch- mals nahe, die Steuer erst bei 40 Pf. beginnen zu lassen und die Vorlage im eigenen Interesse erst zum 1. Oktober 1913 in Kraft zu setzen. Im Sommer schließen die Kinos zwei Monate lang ganz oder sie lawieren.sich nur so durch. Wollen Sie im übrigen mit dieser Vorlage auch die Sommerlokale, den Prater, Schweizer- garten und Eiskeller usw. treffen, dann machen Sie in unerhörter und unglaublicher Weise den Arbeitern die letzten Lustlöcher un- zugänglich. Die Vorlage ist in jeder Beziehung volksfeindlich; wird sie angenommen, so gehört sie an den Schandpfahl des Libe- ralismus!«Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokra- ten.) Der Vorsteher ruft den Redner wegen der letzten Aeuße- rung zur Ordnung.) Stadtv. Schulz(N. L.): Wenn es heißt, man wolle die„un- edlen" Vergnügen besteuern, so sieht das gerade so �lus, als wenn die Steuer sittlich zu wirken imstande wäre. Diese Steuer bedeutet nichts weiter als eine teilweise Verhinderung des Vergnügens des armen Mannes. Es ist tatsächlich ein Unrecht, die©teuer schon bei 30 Pf. einsetzen zu lassen. Es wird kein Jahr ins Land gehen und Sie werden diese©teuervrdnung gründlich ändern müssen. An der weiteren Debatte beteiligen sich die Stadtverordneten Bry, der feine Anträge empfiehlt. Cassel, der für sich und Dove ebenfalls einen Antrag ein- bringt, die Kinosteuer erst bei 40 Pf. beginnen zu lassen, der Kämmerer Böfi und Mommsen, die sich auf das bestimmteste da- gegen aussprechen. In namentlicher Ab st i m m U n g wird die Kino- usw. Steuer mit 63 gegen 51 Stimmen angenommen. Hier stimmt auch Eckard(A. L.) mit der Minderheit, wäbrcnd F r i ck. Im- b c r g, Dr. Jsaac, Dr. Paul von der Neuen Linken mit „ja" stimmen und Dr. Knauer, Riemer, Rosenow und W i t k o w s k y fehlen. Beim Steuertarif wird der Antrag der Sozialdemokraten, die Kinosteuer erst bei 40 Pf. eintreten zu lassen, von Hoffmann kurz begründet.' In namentlicher Abstimmung wird aber mit 59 gegen 56 Stimmen beschlossen, die Steuer schon bei 30 Pf. beginnen zu lassen. Auch her Antrag Hoffmann, ftir die Programme die untere Grenze bei 20 Pf. statt bei 1.0 Pf. zu ziehen, wird ab- gelehnt; dagegen geht der Antrag Bry, entgegen dem Aus- schußantrag, die Zirkussteuer von 10 Pf. statt bei 1,10 M. schon bei 90 Pf. einzuführen, mit 56 gegen 54_ Stimmen durch. Schließlich wird auch der Antrag Hosfmann, die Steuer erst zum 1. Oktober 1913 in Kraft zu setzen, abgelehnt; es verbleibt beim 1. April..- In der Gesamtabstimmung wird die ganze Steuervorlagc mit 64 gegen 47 Stimmen genehmigt. Schluß: 11 Uhr. Es folgt noch eine geheime Sitzung. 8o2iales. Sie ganz gemeines Fr-uenzi««er. Bor der Kammer 2 des GewerhegerichtS klagte ein Fräulein gegen den Strumpshalterfabrikanten Aronsohn auf Zahlung von 58,83 M. Nestgehalt. Die Klägerin war beibem Beklagten mit einem Gehalt von monatlich 70 M. beschäftigt. Die Kündigungsfrist betrug 14 Tage, doch durfte die Kündigung nur am 1. und 16. eines jeden Monats ausgesprochen werden. Wie die Klagerm in der Verhandlung angab, war sie mehrere Jahr« im Betnebe des Herrn Aronsohn tätig. Während dieser Zeit habe sie außer chrem Lohn täglich Mittagessen erhalten Am 20. Januar sei sie mit Frau Aronsohn in einen Streit geraten: sie habe Frau A. zuerst in höflichem Tone gebeten, ihr eine Arbeit zu zeigen. Nach einem Wortwechsel habe die Frau A. dann gesagt, sie wäre ein ganz gemeines. verfluchtes Frauenzimmer. Sie sei dann geschlagen und gestoßen worden, sie habe schließlich eine Schere ergriffen, um sich event. damit zu wehren. Am folgenden Tage habe sich der Streit wiederholt. Auch habe sich der Beklagte eingemengt, der sie e b e n s a l l s g e st o ß e n habe. Da man ihr das Mittagessen vorenthielt, habe ste außer- halb des Hauses essen wollen. Der Beklagte habe darauf gesagt, sie solle sofort sein Haus verlassen. Sie solle machen, daß sie hin- auskomme, sonst würde er sie des Hausfriedensbruchs bezichtigen. Er habe ihr dann noch mehrere Male das HauS verboten, worauf sie gegangen wäre. Sie fordere nun den Lohn für die vereinbarte Kündigungsfrist im Betrage von 08, 8S M. Der Beklagte beantragte Abweisung der Klage. Er habe die Klägerin nicht entlassen, sondern nur zu ihr gesagt, sie solle machen, daß sie zum Mittagessen komme: wenn sie nicht wiederkomme, würde er ihr die Zeit vom Lohn abziehen. Die Frau des Be- klagten gab an, sie habe zu der Klägerin nur gesagt, sie solle sich beim Anfertigen einer Schleife nicht so dumm anstellen, denn so dämlich wäre sie nicht. Klägerin habe dann eine Schere ergriffe» und gesagt, sie wolle ihr diese an den Kopf schlagen, wenn sie nicht wegginge. Das Mittagessen iväre der Klägerin nur aus Gutmütig- keil gegeben worden. Auch sei diese nicht entlassen worden, sondern einsach von der Arbeit ferngeblieben. Eine als Zeugin vernommene Hausbewohnerin sagte aus, sie habe am fraglichen Tage eine Herrenstimme in erregten: Tone rufen hören:„ R a u S, n u n aber raus!" Gleich darauf sei die Klägerin ganz verwirrt und>v e i n c n d ans den Hof gekommen. Sie habe diese dann mit in ihre Wohnung genonimen, damit sie sich beruhigen konnte. Beklagter bestritt diese Angabe, ebenso dessen Frau und das Dienst- mädchen. Das Gericht gelangte zu der Ueberzeugung, daß die Klägerin entlasten worden sei. Zur sofortigen Entlastung habe jedoch kein Grund vorgelegen und wurde der Beklagte zur Zahlung von 58,83 M. verurteilt. Ein Kommunal-Wahlkuriosum. Für die Breslauer Stadtverordncicnwahlen der dritten Ab- teilung im November 1910 hatte der Magistrat durch Los bestimmt, daß von den drei Hausbesitzern, die zur Vervollständigung der .Hausbesitzermandate nötig waren, je einer im 11., im 14. und im 18. Wahlbezirk zu wählen sei. Das geschah unter Berücksichtigung des§ 22 der Städteordnung, der im zweiten Absatz bestimmt: „Ist die Zahl der Hausbesitzer, welche zu wählen sind, nicht durch die Zahl der Wahlbezirke teilbar, so wird die Verteilung aus die einzelnen Wahlbezirke durch das Los bestimmt." Es wurde nun in keine m der drei genannten Bezirke ein Hausbesitzer gewählt. Dagegen waren die im 19. und 20. Bezirk Gewählten Hausbesitzer. Tic Stadiverordnetenversammlung war der Meinung, daß deshalb nur eines der Mandate aus den erst- genannten drei Bezirken für ungültig zu erklären sei, weil jetzt nur noch einer von den erforderlichen drei Hausbesitzern fehle. Man erklärte die Wahl des im 11. Bezirk gewählten Schneider- meisters Ouickcrt für ungültig, weil er von den drei gewählten NichthauSbcsitzern absolut die geringste Stiminenzalil crreicnt batte. Der Bezirksausschuß hob den Beschlutz äüf und erklärte Ouickerts Wahl für gültig, indem er meinte, für die Frage, wer von den Dreien als ungültig ausscheiden müsse, sei entscheidend, wer in seinem Wahlbezirk relativ die wcnigltcn Stimmen er- halten habe. Das sei aber Quickert nicht, denn er habe 90 Proz. aller in seinem Bezirk abgegebenen Stimmen erhalten, während einer der anderen beiden NichtHausbesitzer es nur aus 59 Proz. gebracht habe, nämlich Müller. Das Dberverivaltungsgericht hob am 3. März das Urteil auf und erklärte Quickerts Wahl für ungültig.— Gründe: Tie. Sache liege ja hier eigentümlich. Tatsächlich seien ja zwei Hausbesitzer gewählt worden, aber nicht in den Bezirken, wo Hausbesitzer gc- wählt werden sollten. Eigentlich wäre ja nur noch ein Hausbesitzer zu wählen gewesen. Aber weder der Modus der Stadtvcrordnctrn- Versammlung, noch der des Bezirksausschusses seien gangbar. Da es an besonderen Bestimmungen für Fälle der vorliegenden Art fehle, so müsse man sich an dem gemäß Z 22 Absatz 2 der Städtc- ordming geschaffenen Zustand halten. Es hätten von Rechts wegen olle drei Wahlen in den Bezirken, wo infolge Losbestimmung ge- maß§ 22 Hausbesitzer gewählt werden sollten, aber Nicht gewählt wurden, für ungültig erklärt werden müssen. Sie seien gleich- wertig. Da aber zwei davon rechtskräftig für gültig erklärt worden seien, und nur eins, das Ouickerts. für ungiiltig. so müsse es dabei sein Bewenden behalten. Seine Wahl, um die es sich in dem Streitvcrfahren handele, sei jedenfalls ungültig. Serickts- Leitung. Ter Blumcnverkauf auf dem Arbeiterfeste als K-llekte. Auf einem Feste der sreiorganisierten Arbeiter in Hemelingen hatte Busch mit Unterstützung einer Anzahl Frauen und Mädchen rote Nelken verkauft. Der Erlös in Höhe von 76 M. floß dem Wahl- fonds zu. Für sich und seine Helferinnen hatte Busch vom Land- vatSamt sogenannte Sonntagsscheinc für den Blümenverkauf nach. gesucht und erhalten. Gleichwohl wurde er dann angeklagt, weil er ohne behördliche Genehmigung eine Kollekte veranstaltet habe. Er sollte den z 119 des alten hannoverschen Polizeistrafgesetzbuchs übertreten haben, welcher bestimmt:„Wer ohne Erlaubnis eine Sammlung von Geld oder sonstigen Beiträgen oder Unterschriften dazu unternimmt oder die Erlaubnis überschreitet, verwirkt eine Geldbuße bis zu 30 M." Die Strafkammer in Verden als Berufungsinstanz verurteilte <»ch den Angeklagten aus Grund der zitierten Bestimmung zu einer Geldstrafe. Sie nahm an, daß diese Bestimmung des alten Hanno« verfchen Polizei-Strafgesetzbuchs noch rechtsgültig sei. Es Handel« sich hier auch nicht um einen einfachen Blumenverkauf, sondern um eine Sammlung. Angeklagter habe nicht nur für sich die roten Nelken vertrieben, sondern zugunsten der Parteikaffe. Auch seien von vornherein die Arbeiter und Arbeiterinnen, die zum Feste gin» gen, durch das sozialdemokratische Organ, die„Bremer Bürger- zeitung", zum'Kausen der roten Blumen animiert worden ES Hab« niemand unter 10 Pf. geben sollen, einzelne hätten sogar 50 Pf. gegeben, während der Einkaufspreis sich nur auf wenige Pfennige pro\stück belaufen habe. Somit habe es sich um eine Sammlung zugunsten der Parteikaffe gehandelt, an die der Erlös abgeführt worden sei. Die Erteilung der Sonntagsverkaufsscheine könne dem nicht entgegenstehen. Diese seien zum Verkaufen erteilt worden. Von der Absicht einer Sammlung sei das Landratsamt nicht unter- richtet worden. Angeklagter, der bei der Sammlung den Ton an- gab, sei als Unternebmer einer nicht genehmigten Sammlung im Sinne des ß 119 des hannoverschen �olizei-Strafgesctzbuchs zu»er- urteilen.- Der Angeklagte legte Revision ein. Tos Kammergericht ver- warf aber dieser Tage die Revision als unbegründet. Ter K 119 des hannoverschen Strafgesetzbuchs sei noch gültig. Der Angeklagte. der mit Recht als der Unternebmer des Blumenvertriebs angesehen worden sei, HÄte nach diesem Paragraphen eine Genehmigung zu einer Sammlung haben müssen, denn ohne Rechtsirrtum habe das Landgericht festgestellt, daß es sich um eine Sammlung handelte. Die Genehmigung zu einer Sammlung habe er aber nicht gehabt, sondern auf seinen Antrag sei nur die Genehmigung zu einem Blumenverkauf erteilt worden. Die erteilten Sonntagsscheinc konnten ihn deshalb' nicht befreien von einer Bestrafung wegen Uebcrtretung des§ 119 des hannoverschen Polizei-Strafgesetzbuchs. Warum klagte man den Verkäufer roter Nelken an, nicht aber die„patriotischen" Margarctcndamen? Schicßunfug. Ein gefährlicher Silvestcrunfug, durch den beinahe eine junge Dame schwer verletzt worden wäre, lag einer Anklage wegen fahr- lässiger Körperpcrletiung, Schießens in der Nähe bewohnter Gebäude und unbefugten Waffentragens zugrunde, welche gestern unter Vor- sitz des Amtsgerichtsrats Bclgardt das Schöffengericht Berlin-Schönc- bcrg beschäftigte. Angeklagt war der frühere Schankwirt Richard Berndt. Der Angeklagte betrieb bis zum 1. Januar d. I. in der Barbaroffastr. 27 zu Schöneverg eine Schonkwirtschaft, die er an diesem Tage ver- kaust hatte. Bei dem Abschluß der Vcrkanssvcrhandlung war es an- scheinend hoch hergegangen, denn der Angeklagte befand sich gegen Mitternacht in einem ziemlich stark angetrunkenen Zustande. In diesem Zustande, der durch die hinzukommende Silvestcrulkstimmung noch verstärkt»mirdc, ließ sich der Angeklagte zu einem recht !ö richten Streich hinreißen. Cr ging, als das Prosit Neujahrrusen begann, auf die Straße hinaus und gab hier aus einer Prowning- pistolc vier Schüsse ab. Die Kugeln ritoschettierkn, da sie gegen das harte Granitvflaster abgefeuert waren, und richteten um ein Haar das größte Unheil an. Eine Kugel durchschlug die Scheiben einer im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung und schlug in die Decke ein, während die zweite Kugel, nachdem sie vom Pflaster ab- geprallt war, die Ikjährigr Tochter Aunemarie des AmtsgerichtsratS Lossau in das Bein traf. Das junge Mädchen wurde sofort in die elterliche Wohnung gebracht, wo der binzugerufene Geh. Medizinal- rat Wagner feststellte, daß die Kugel die Beinmuskcl durchschlagen hatte. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, daß er sinnlos betrunken gewesen sei. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß er sich nur in einem leicht angetrunkenen Zustande befunden hatte, der. wie der Vorsitzende äußerte, in der«hlvesteruacht beinahe allgemein als „Normalzustand" anzusehen sei.— Der Amtsanwalt hielt eine empfindliche Bestrafung snr geboten, schon mit Rücksicht darauf, daß in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr besondere Warnun- gen vor derartigen: Unfug von den Polizeibehörden erlassen werden. Der Antrag des Amtsanwalts lautete deshalb auf 1 Monat Ge- fängnis, 3 Woche» Haft und 29 M. Geldstrafe. Das Gericht ließ mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte, der wiederholt unter Tränen versicherte, daß er selbst nicht wisse, wie er dazu gekommen, nicht erheblich vorbcftrast sei, Milde walten und nahm von der Ver- hringung einer Freiheitsstrafe Abstand. Das Urteil lautete au 329 M. Geldstrafe! außerdem wurde dem Angeklagten auf Antrag des Nebenklägers eine Buhe von 129 M. auferlegt. Versammlungen. Deutscher Transportarbciterverband. Die ordentliche General- Versammlung der Verbandsdelegierten fand am M:ttioochabend im „Deutschen Hos", Luckauer Straße, statt. Der Bericht der Bezirks- Verwaltung für das Jahr 1912 lag gedruckt vor in einer Aroschüre von 200 weiten nebst einem Anhang von farbigen Tafeln, an denen das Wachstum und einzelne Einrichtungen des Verbandes veranschaulicht werden. Ucber 59 000 Mitglieder in Groß-Bcrlin, mit Stolz verkündet der Bericht diese Errungenschaft gleich an dem Titelbild. 50 942 Mitglieder am Schlüsse des Berichtsjahres gegenüber 46 905 Mitglieder am Schlüsse des Jahres 1911 und 39 400 zu Ende des Jahres 1910. Von den 50 942 Mitgliedern gehören der Sektion I(der Handelsarbeitcr) 12 860 an, der Sektion II(Transportarbeiter) 22 812, der Sektion III iStraßcn- bahnerj ,2818. der Sektion IV i.Droschlenkntschcr und Krastwagen- fuhrerj 5439. der Sektion V iJndnstriearbeiter) 7023 MitgUeder au. Im Jahre 1912 sind 17 944 Personen dem Verbände neu. beigetreten, von anderen Verbänden sind 895 übergetreten und 692 sind zugereist usw. Ausgeschieden sind dagegen 15 494. die Mehrzahl davon gestrichen wegen rückständiger Beiträge. Von der Vcnvaltungstätigkeit gibt die folgende Aufstellung ein Bild. Es fanden 54 Sitzungen der�Bezirksbertvaltungcn, 47 Sitzungen der Rechtsschu fu-nmission, 7 Sitzungen der erweiterten Verwaltung, 5 Funktionär: ersammlungen und 6 ordentliche Gcneralvcrsammlungei: statt, serner ztvecks Agitation, Führung von Lohnbewegungen uff" 642 Branchenverfammlungcn, 4836 Be- triebsbesprechungen uno-Versammlungen, 729 Sitzungen der Branchenleitungen und Vertrauensmänner, 881 persönliche Verhandlungen mit Unternehmern und 212 verschiedene Kommissions- sitzungen.— 5336 Auskünfte wurden im Bureau erteilt und 1474 Schriftstücke für Mitglieder angefertigt. 648 Anträge auf Rechts- schütz lagen vor, von denen 140 abgelehnt wurden. Krankcnunterstützung erhielten 8357 Mitglieder(gegenüber 6952 im Vorjahre) für eine Zeit von 27 022 Wochen und 5 Tagen. Arbeitslosenunterstützung erhielten 6619 Mitglieder(gegenüber 5262 im Vorjahre) für eine Zeit von 22 212 Wochen und 1 Tag. (Die Unterstützungssummen sind im Kassenbericht angegeben.) Im Arbeitsnachweis wurden im Berichtsjahr verzeichnet 20 361 Arbeitslose, 34 793 gemeldete Stellen, 29 461 besetzte Stellen. Gegen- über dem Vorjahre steigerte sich die Zahl der Arbeitslosen um 137, die Zahl der gemeldeten Stellen um 2044 und die Zahl der besetzten Stellen um 2466. Ucber die Lohnbewegungen find im Bericht sehr ausführliche Tabellen veröffentlicht. Angriffsbcwegungcn ohne Streik wurden in 93 Fällen mit 294 Betrieben und 16 040 Beteiligten geführt, AngrisfSbewegungen mit Streik in 13 Fällen mit 119 Betrieben und 1361 Beteiligten. Abwehrbewegnngen machten in 34 Fällen mit 42 Betrieben und 1137 Beteiliglten den Streik notwendig, in einem Falle mit 4 Beteiligten ließ sich der Streik vermeiden. In der großen Mehrzahl der Lohnbewegungen war ein ganzer oder teilweiser Erfolg zu verzeichnen: manche Verkürzung der Arbeitszeit, manche Erhöhung des Lohnes wurde errungen. Die Entwickelung und die Kämpf« der fünf Sektionen des Verbandes mit ihren zahlreichen Branchen finden im Bericht ein- gehende Würdigung. Ucberall herrscht eine frische Agitation und eifriges Vorwärtsstreben. Mit Genugtuung wird auf die wachsend« Anerkennung und, das Ansehen hingewiesen, deren sich der Ver- band erfreut im Gegensatz zu der früheren Geringschätzung, mit der die Organisation der Arbeiter in dienenden Stellungen und der ungelernten und Hilfsarbeiter betrachtet wurde. Ein Beispiel der anerkannten Bedeutung des Verbandes zeigt die Bewegung der Kohlenarbeiter im Jahre 1912 und die Bewegung der Bau- und Arbeitskutscher. In beiden Fällen kam es zu Verhandlungen mit den Unternehmern und zu Tarifabschlüffen, was bei den Kohlen- arbeitern im Jahre 1910, als die Moabiter Krawalle herauf- beschworen wurden, rundweg abgelehnt worden war. Auch die Bildungsarbeit wird im Verbände eifrig gepflegt. Aus der Bibliothek wurden im Berichtsjahre(während 9 Monaten) 17 619 Bände entliehen. In vielen Versammlungen finden bc- lehrende Vorträge statt. Auf Gelegenheften zur Weiterbildung werden die Mitglieder stets aufmerksam gemacht. Die Kassenverhältniss« des Verbandes sind scbr befriedigend, Di« Beiträge für alle Gruppen und Branchen sind im Berichts- jähre gleichmäßig geregelt worden. Für den Bau eines Verbands- Hauses besteht ein Baufonds, zu dem regelmäßige Beiträge zu leisten sind, Ter Kassenbericht des Jahres 1912 zeigt in Einnahme und Ausgabe die Bilanz von 1 383224,74 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für örtliche Strciwusgabcn 6797,88 M., für Unterstützungen bei Maßregelungen 1568,10 M., als Streikunterstützung an andere Gewerkschaften 9125 M.. für örtlichen Rechts- schütz 278,95 Vä, ArbeftSlosenunterstützung zu Weihwachten 4321,50 Mark, Reise- und Ertrauntcrstützung 633,86 M., Beerdigung?- beihilfe 8416,55 M., Arbeitsnachweis und Bibliothek 48 555,06 M. Die Abrechnung mit der Hauptkassc bilanziert mit 861723,82 M. und zeigt unter den Ausgaben für Unterstützungen an Arbeitslose 172 993,50 M., an Kranke 215 931,20 M.. an Streikende 32 707.77 Mark, an Gemaßrcgeitc 15 719,70 M., in Stcrbcfällen 23 137,50 M., in besonderen Fällen 6333 M.. für Rechtsschutz 13 055,20 M.; an die Hauvtkassc wurden 356 8 45,96 M. abgeliefert.— Der Bezirkskassenbestand erreichte am 1. Januar 1913 die Summe von 166 763,35 M. In der Diskussion über den Bericht wurde an der Tätig- keit der Verwaltung keinerlei absprechende Kritik geübt. Nur einige Wünsche in bczug auf den Arbeitsnachweis und um größer« Berück- sichtigung einzelner Gruppen wie der Privatchauffcurc wurden geäußert. Die Versammlung nahm dam:' die Neuwahl der Bezirksbcr- waltung vor. Hierzu bemerkte der Vorsitzende, daß die große Ver- waltnngsarbeit die Wahl eines zweiten Bevollmächtigten notwendig mache. Dazu wurde Ort mann, der bisherige Leiter der Sektion der Straßenbahner, vorgeschlagen und gewählt. Zum ersten Bevoll- mächtigtcn wurde August Werner einstimmig wiedergewählt. Die weiteren Wahlen ergaben als Resultat: Als Sckreläre Knütter und Lieben ow, liassicrer©lein icke, Leiter der Sektion l W a p p l c r. Sektion II ll thes. Der Posten des Lei: ei der Sektion 111 ist später zu besetzen, wenn die Sektion darüber beraten hat wen sie an Stelle von C-rtmann wünscht. Für Sektion IV wurde A, Becker, für Sektion V Fromkc gewühlt. Dazu wurden noch die Beisitzer und Vertreter der Set- tioncn gewählt. Die Bezirksverwaltuug besteht aus 23 Mitgliedern. Die R c v i s i an s k 0 in m i s s i 0 n. ans 5 Mitgliedern bestehend, wurde wiedergewählt. Ferner wählte die Versammlung eine B c s ch w c r d c k 0 m m s s i 0 n, ans 9 Mitgliedern bestehend, für den Arbeitsnachweis. Eine Ersatzwahl für den Haupt- vorstand, die vorzunehmen war, fiel auf Schcurcl. Eine- gutbesuchte Versammlung der Steinsetzer, Rammer vnd Steinftauer fand am 3. März in den Sophiensälen statt, Tic Ver» sammlung beschäftigte sich mit den Beschlüssen der Vertrauens- männerkonferenz vom 23. Februar. Ten Bericht von derselben gab der Vorsitzende Arlt, zur Ergänzung sprachen Lenz und K i a u l e h n. Mit Beifall nahmen die Versammelten die Bc- schlüsse der Konferenz entgegen, welche besagen: 1. Mitglieder, welche in der Arbeitslosenunterstützung nicht bezugsberechtigt(aus- gesteuert) sind und am 15. März d, I. von der Bezugsberechtigung an fünf Wochen zurückgcrechnct arbeitslos sind, erhalten eine ein- inalige Unterstützung von 10 M. 2. Wicdcreintrctendc zahlen bis auf weiteres nur 50 Pf. als Eintrittsgeld. 3. Die Maßregelungs- Unterstützung lvird um 5 M. erhöht(aus Lokalmittcln),, Gauleiter Schenke bemängelte, daß der Arbeitsnachweis so wenig in An- sprach genommen wird. Er wies darauf hin, daß durch die Nicht- benutznng desselben eine ganz entstellte'Statistik Hervorgehen muß. Es wird nun bei den nächsten Tarifverhandlungen besonders mit Zahlenmaterial aufgewartet werden müssen, woraus sich ergibt, daß jeder einzelne den Nachweis zu passieren hat. Die Versammlung faßte darauf folgenden Beschluß: Wer arbeitslos ist und den Nachweis nicht passiert und sich eintragen laßt, erhält keine Ar- beitslosenuntcrstützung. 8 des Ortsstatuts besagt: Di« Kontrolle über"Arbeitslosigkeit wird durch die Haupt- resp. Nebenstellen des paritätische.. Arbeitsnachweises geführt. Es wurden hierauf folgende Wahlen vorgenommen: Als aktives Mitglied zum Arbeits- nachweiskuratoriuin P. Markward. Als Ersatzleute �zur Oberschlichtungskommission: R. Pose und G. Rodd. Als Schriftführer für die Branche der Steinsetzer M. Clemens. H110 aller Melt. Riesenfcuersbrunst in Aegypten. Aus Kairo wird gemeldet: Eme Rlesenfeuersbrunst, in einem der benachbarten Dörfer ausbrach, hat große Ver- hcerungcn angerichtet. Das Feuer verbreitete sich so rasch unter den leichten Baulichkeiten der Eingeborenen, daß tflrc Bemühungen, dem Brande Einhalt zu tun, vergeblich waren. 3000 Personen sind obdachlos. 12 Menschen fanden den Tod in den Flammen. Schwere Automobilunfälle. Ein Automobil, in dem der Chauffeur mit zwei Kollegen von Arnheim nach Wehl an der holländisch-deutschen Grenze abgefahren war, war seit 24 Stunden spurlos ver- s ch w u n d e n. Jetzt wurde in dem Kanal unweit deS Dorfes Wehl das Auto gefunden und etwas später auch die Leichen der drei Chauffeure. Da für ein Verbrechen jeder Anhalt fehlt, muß das Automobil im Dunkeln in den Kanal gefahren sein, wobei bie drei Insassen im Wasser den Tod fanden. Auf einer Automobilfahrt durch Süddeutschland sind am Donners- tag zwei Käufleute aus Bad Herzberg in Sachsen bei Großgerau verunglückt. Das Auto stieß gegen einen Baum und stürzte um. Die Insassen wurden herausgeschleudert, wobei der Kaufmann Otto Daehne einen Beinbruch und innere Verletzungen erlitt, so daß er in das Krankenhaus nach Großgerau gebracht werden mußte. Der zweite Insasse kam mit leichteren Verletzungen davon. Kleine Notizen. Havarie eines franziisischen Panzerschiffes. Wie aus T 0 u l 0 n gemeldet wird, stieß das französische Panzerschiff„ I u st i c e" bei der Ausfahrt aus der Reede auf Wracktrümmer der vor!>/, Jahren verunglückten, L i b e r t e" und beschädigte hierdurch eine seiner Schrauben. Die„Justice" wird zur Ausbesserung ins Arsenal gebracht werden Schnccverhccrungen in Rußland. Infolge mehrtägiger Schnee- stürme sind die Leitungsdrähte der eleltrischen Straßenbahnen in Astrachan gerissen. Der Schneesturm hat auch sonst große Verheerungen angerichtet und viel Schaden verursacht. Die Landstraßen um Astrachan herum sind unpassierbar. Auf mehreren Stricken mußte der Eisenbahnverkehr infolge des hohen Schnees ein« gestellt werden., Bier Seeleute über Bord gespült. AuS Kristiania wird gemeldet: Der mit Kohlen von Blyth in Harstad eingetroffene schwedische Dampfer„Lappland" hatte in der Nordsee schwere Wefter zu be- stehen. Der Steuermann und drei Matrosen wurden über Bord gespült und ertranken, Fünfundfünfzig Fischer sind, wie aus Astrachan gemeldet wird, auf einer Eisscholle inS Meer gctricbeu worden. Großer Frost in Tripolis. Nach Meldungen aus Tripolis herrscht in Benghasi seit einigen Tagen ein in der dortigen Gegend noch nie dagewesenes Fro st Wetter. Mehrcrc Personen stnd der Kälte zum Opfer gefallen. Schwerer Banunfall.'Auf einem Neubau in Dinslaken stürzte am Donnerstag eine drei Meter hohe Mauer ein, wobei drei Arbeiter verschüttet wurden. Ein Handlanger konnte nur noch als Leiche unter dem Schutt hervorgezogen werden, ivährend die beiden anderen mit lebensgefährlichen Verletzungen davongekommen sind, an denen sie schwer darniedecliegen. Sic wurden ins Krankenhaus transportiert. Brandunglück. Auf der Höltcrheide(Rheinprovinz) entstand in einem von vier Familien bewohnten Hause ein verhängnisvoller Brand. Das Feuer überraschte die Hausbewohner in: Schlafe. Das ganze Gebäude wurde eingeäschert. Ein etwa zwanzig- jähriger Arbeiter kam in den Flammen um, mäh- rend sechs Kinder und zwei Erwachsene zum großen Teil lebcnS- gefährliche Verletzungen davontrugen. Nur wenige dürften mit dem Leben davonkommen. /©€€€€©«««»SSSSS?� Gilberhochzeit zeigt an Emil ROckhard nebst Frau A> geb. B e r n e r d. 70A H �«GGSSGSSSSSSSS» Todes-Anzeigen Deutscher BuchhiDder-Verhanii. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege, der Etuisarbeiter TOü Tschenshy freiwillig aus dem Leben schied, Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 8, März, nachmittags llß Uhr, auf dem Neuköllner Gemeindesriedhof, Mariendorfer Weg, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltnng. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Bezirk 17. Am Dienstag verschied plötzlich unser Mitglied, der Bildhaurr Max Scholz. Ehre seine« Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. März, nach- mittag» 4 Uhr, von der Halle des Emmaus-KirchhoseS in der Hermannftraße aus statt. 2S7/1ii Die OrtSverwaltnng. Deutscher Bauarbeltenerband. Zweigverein Berlin. Sektion der Pnteer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Neianck I�ose im Alter von 77 Jahren am 3. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freilag, den 7. März, nachmittags ä'/j Uhr, von der Leichenhalle der Auferstehungsgemeinde(Weißen- see. Lichtenberger Str.) au» stall. Der Borstand. Verband der Mrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle GroS-Berlin. Am Montag, den 2. März, oerstarb unser Mitglied krtetfrick Blaube. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Freitag, den 7. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle de» Gemeindefriedhofes in Borsigwalde aus statt. Die OrtSverwaltnng. Am 4. März, morgen»'/49 Uhr, verschied nach kurzem, aber schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Bater, der Gastwirt ttana Wiemer Dircksenstraße, Ecke Grunerstraße im 49. Lebensjahre. 2781b Um stweS Belleid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittag»»>/, Uhr, oon der Leichenhalle de» Georgen- Kirchhofe«. Landsberger Alle«, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne», unsere« guten Vaters Bruno Anderskewitz sagen wir allen Freunden und Be< kannten, sowie den Genossen des «. Dahlkreise», Bezirk 78ba, unseren herzlichsten Dank. 76M Wime Minna Anderskewitz nebst Kindern. Tanksaguna. Für die vielen Beweise nlnahme bei der Beerdig« m herzlicher SeBnaSme bei der Beerdigung meiner lieben slrau Marie Renk sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Genossinnen und Genossen der 1». Abteilung, sowie dem Gesangverein und den Kollegen von der Firma Cobau meinen herz- lichsten Dank. 43A Heinrich Henk. Dr. Sinrniel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2. 5—7. Sonntaga 10—12. 3— 1 Stoffe Deutsch-englische Neuhelten (Or Herren und Damen. Eln.elverkaaf zu billigsten Engrospreisen. flledWtiss.sMsti'.IS pt. 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Unsere Angaben gingen im wesentlichen dahin: Herr tönnies habe für die Verpflegung des Geistesschwachen ein monat- liches Pflegegeld von 25 M. aus der Anstaltstasse erhalten; er habe den Pflegling in seinem Fuhrbetriebe so beschäftigt, daß er, Tönnies, einen Stallmann ersparte, aber der Pflegling habe trotz vieler Arbeit— Wagenwaschen, Stallreinigen, Putzen von fünf bis sechs Pferden— nur 1 M. wöchentlich von Herrn Tönnies erhalten, auch sei der junge Mann von den Söhnen des Herrn Tönnies miß- handelt worden und habe sich bei Nachbarn über mangelhafte Per- pflegikng beklagt, so dass diese ihm manchmal zu essen gaben. In der Verhandlung, die Mittwoch vor dem Schöffengericht geführt wurde, erbot sich Wachs, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Es waren gegen 2lZ Jeugen geladen. Von ihnen wurde aber nur ein Teil vernommen. Die Zeugenaussagen ergaben in der Haupt- fache folgendes: Der geistesschwache Pflegling, der übrigens einen verkrüppelten Arm hat, wurde schon morgens um Uhr bei der Arbeit gesehen. Es kam öfter vor, daß er um I bis 3-�10 Uhr zu Nachbarn erzählte, er habe noch kein Frühstück erhalten. Mitleidige Nachbarn gaben dem jungen Manne in solchen Fällen Kaffee und Brot. Tönnies hatte drei Wagen und anfangs drei, später fünf, auch sechs Pferde. Die vernommenen Zeugen haben nie bemerkt, daß die erwachsenen Söhne des Herrn Tönnies dem geistesschwachen Krüppel bei der Arbeit geholfen haben. Sie sahen ihn immer nur allein mit Pferde- und Wagenputzen beschäftigt. Nach der Angabe eines Zeugen, der selber Fuhrherr ist, erfordert es die volle Ar- deitskraft eines gesunden Mannes, wenn er drei Wagen und sechs Pferde in Ordnung halten soll. Der Geistesschwache hat öfter zu anderen Leuten erzählt, er sei von den Söhnen des Herrn Tönnies misshandelt worden. Ein Zeuge hörte einmal, dass einer der Söhne dem Krüppel Schläge androhte, worauf sich der Zeuge für den Krüppel einlegte. Ter Kläger Tönnies behauptete, von schlechter Behandlung oder gar Misshaiidluug des jungen Mannes durch seine Söhne habe er nie etwas erfahren. Das höre er jetzt zum erstenmal.— Frau Tönnies versicherte als Zeugin, das Frühstück für den jungen Mann habe stets bereit gestanden. Es habe nur an ihm gelegen, wenn er nicht von der Arbeit heraufgekommen sei, um es sich zu nehmen. Auch sonst sei die Verpflegung gut und ausreichend gewesen, so dass der Geistesschwache keinen Grund zur Klage gehabt habe.— Einer der Söhne des Klägers gab als Zeuge an, der Geistesschwache habe den Söhnen nur bei der Arbeit geholfen, er habe nicht alles allein machen müssen. Dr. von Fleute», ein Arzt der Dalldorfer Anstalt, der als Zeuge und Sachverständiger vernommen wurde, sagte, der hier in Rede stehende Pflegling habe schon früher in anderen Pflegestellen unbegründete Klagen über seine Pfleger in der Nachbarschaft ver- breitet. Das hänge mit seiner geistigen Krankheit zusammen. Als der Pflegling seitens der Anstaltsleitung Herrn Tönnies über- geben wurde, sei diesem gesagt worden, er dürfe ihn etwas be- schäftigen. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Tr. Kurt Rosenfeld griff das Wort„etwas beschäftigen" auf und ftagte den Sachverständigen, ob denn die volle Beschäftigung des geistes- kranken Krüppels als Stallmann vereinbart sei mit den Bedin- gungen, welche die Anstalt den Pflegern auferlege. Tr. von Fleute» antwortete: Er habe nicht den Eindruck gewonnen, daß der junge Mann im Betriebe des Herrn Tönnies zu stark mit Arbeiten in Anspruch genommen worden sei. Das körperliche Befinden des jungen Mannes habe sich bei den regelmässigen Untersuchungen als durchaus gut erwiesen, woraus zu folgern sei, dass weder von Ueberanstrengung, noch von unzureichender Ernährung die Rede sein könne. Auf eine Frage des Verteidigers machte Dr. von Fleute» Über die Art der Untersuchungen folgende Angaben: Die ausser- balb der Anstalt befindlichen Pfleglinge müssen sich allmonatlich einmal zur Untersuchung in der Anstalt einfinden. Da werden dann an einem Vormittag 100 bis 140 Personen untersucht. Tiefe „Untersuchung" besteht— wie aus den weiteren Angaben des Herrn Dr. von Fleute« hervorgeht— meistens nur darin, dass der Arzt den Pflegling ansieht. Ergibt der Augenschein keine un- günstige Wahrnehmung, dann ist die„Untersuchung" beendet. Allenfalls werden dem Untersuchten noch einige Fragen vorgelegt. selbst in den Fällen, wo eine etwa eingehendere Untersuchung vorgenommen wird, werden Aufzeichnungen über deren Ergebnisse nicht gemacht. Dass Herr Tönnies,' wie in der Verhandlung fest- gestellt wurde, als Nachtdroschkenführer am Tage schlief und siel» deshalb um den seiner Pflege anvertrauten geisteskranken Krüppel persönlich gar nicht kümmern kounte. hält Herr Dr. von Fleute» gar nicht für bedenklich, den» es genüge, wenn sich die Frau um den Pflegling kümmere. Mit welcher Art von Arbeit die Pfleg- linge beschäftigt werden sollen, darüber macht die Anstalt— wie Tr. von Fleute« auf eine Frage des Verteidigers sagte— dem' Pfleger keine Vorschriften. Nachdem das Gericht die Beweisaufnahme als geschlossen er- klärt hatte, nahm der Vorsitzende die vor der Verhandlung erfolg- los gebliebenen Vergleichsversuche Wieder auf. Genosse Wachs hatte schon von Anfang an erklärt, dass er bereit sei, die Aeusse- rungen, durch die sich der Kläger Tönnies persönlich beleidigt fühle, zurückzunehmen; er lehnte aber das Verlangen des klägerischen Anwalts, die Ehrenerklärung auch auf die Familie, des Klägers uszudehnen, entschieden ab. Nachdem durch die Beweisaufnahme ichts von unseren tatsächlichen Angaben widerlegt worden ist, sich aber herausgestellt hat, dass der Kläger Tönnies persönlich sich um seinen Pflegling fast gar nicht kümmern konnte, für dessen Behandlung vielniehr andere Personen verantwortlich sind, konnte Genosse Wachs erklären: „Wir haben im März 1Q12 drei Artikel veröffentlicht, in welchen gegen Herrn Bernhard Tönnies. Soldiner Str. 12, ver- schiedene ihn beleidigende Lorwürfe betreffend die Behandlung des Pfleglings Paul Tonnerstag enthalten sind. Ich habe mich davon überzeugt, dass die gegen Herrn Tönnies erhobenen Be- sckmldigungen unbegründet sind und nehme dieselben zurück." Nachdem sich Wachs verpflichtet hatte, diese Erklärung binnen erner Woche im„Vorwärts" zu veröffentlichen und die Kosten des Prozesses zu tragen, wurde die Klage zurückgezogen und das Ver- fahren eingestellt. ** * Bedauerlich ist. dass das Gericht den Beweis der Wahrheit über dos von uns kritisierte System nicht iu dem vollen von Genossen Wachs angebotenen Umfang erhoben hat. Immerhin hat auch die beschränkt zugelassene Beweisaufnahme bewiesen, dass unsere gegen das System der Jrrenpslege erhobene Kritik vollberechtigt war. Nicht ob Herrn Tönnies, sondern ob dem System ein Verschulden zur Last fällt, ist erheblich. Nach dieser Richtung ist unter anderem voll erwiesen, dass die Talldorfer Anstaltsverwaltung keinerlei Vorschriften über die Art der Arbeit macht, nicht gegen Arbeitszwang den armen Kranken schützt und ebensowenig gegen übermässige Arbeit. Ter Prozess hat hoffentlich die Wirkung, dass die Abstellung dieser Schäden der Verwaltung bald in die Wege geleitet wird. Partei- Mngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Es ist bei der Lokalkommissiv» angefragt worden, ob die Lokalitäten des BrüdervereinS in der Kurfürstenstrasse 110 auch von der Arbeiterschaft benutzt werden. Die Anfrager stützen sich auf die Abhaltung eines Kostümfestes in den genannten Räumen, das von Frau Bloch, Käthe Kollwitz. Gertrud David arrangiert und von einer Anzahl Personen, die mit der Arbeiterbewegung Fühlung suchen, besucht war. Hierzu haben wir zu erklären: Die Benutzung des genannten Lokals durch die Arbeiterschaft ist durch den exklusiven Charakter desselben, der auch schon durch die Erhebung eines Eintrittsgeldes von 5 M. zu dem erwähnten Kostümfest in die Erscheinung getreten ist, nicht gegeben. Von Parteimitgliedern mnss verlangt werden, auch bei festlichen Veranstaltungen nur diejenigen Lokale zu berücksichtigen, die der Arbeiterschaft auch sonst zur Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen und politischen Interessen zur Verfügung stehen. Tie Lokalkommisfion. Kreis Niederbarnim. Sonntag, den 9. März, vormittags 11 Uhr, im Gase Bellevue in Rummelsburg, Hauptstr. 2: Kreis-Geueral- Versammlung. Tagesordnung; 1. Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referent: Genosse Otto Braun. 2. Stellungnahme zur Aufstellung der Kandidaten. i>. Ergänzungswahleu sür den Kreisbildungsausschuss. 4. Die Reorganisation der Wahlvereine. Referent: Genosse E. Lehmann. Zur Teilnahme verpflichtet sind: Der Kreisvorstand, je ein Vertreter der Bezirksleitungen und die gewählten Delegierten. Parteigenossen haben gegen Lorzeigung ihres Mitgliedsbuches als Gäste Zutritt. KSnigs-Wusterhausen und Umgegend. Am Sonntag, den 9. März. findet im Lokale der Witwe Wehdhorn, altes Schützenhaus, abends 0 Uhr ein Lichtbildervortrag über:„Die Entstehung deS Menschengeschlechts" von H. Binging statt. Eintritt 30 Pf. Nach dem Borlrag geselliges Beisammensein. Mühlenbeck(Bezirk Nieder-Schönhausen). Sonntag, den ll. März, nachmittags 4 Uhr, im Lokal„Gasthof zur Sonne"(Jnh. A. Barsch): Oeffentliche Versammlung, Tagesordnung: 1.»Junkerherrschaft". Referent: Genosse Buhl- Berlin. 2. Diskussion.®ic_ Bewohner der Ortschaften Blankenfelde, Schildow, Schönfliess und Summt sind zu dieser Versammlung eingeladen. Reinickendorf- Ost. Vom Landtags Wahlkursus findet der zweite Vortragsabend heute, Freitag, abends pünktlich 8 Uhr, im„Seebad", Refidenzstr. 49. statt. Auch die Genossen, die am ersten Abend verhindert waren, sind zur Teilnahme verpflichtet. Sein Stiftungsfest feiert der Wahlverein am Sonnabend, in Uhligs(früher Ramlotvs)„Kastanienwäldchen", Schönholz 14. Rezitationen und gesangliche Darbietungen werden das Programm verschönen. Eintrittskarten sind noch bei den Bezirksführern er- hältlich. Alt glienicke. Am Sonnabend, den 8. März, veranstaltet der Wahlverein in Haberechts Gesellschastshaus einen Wilhelm-Busch- Abend mit Lichtbildern und nachfolgendem Tanzkränzchen. Einlaß- karten a 20 Pf. sind bei den Funktionären zu haben. Die für Sonntag, den 2. März, angekündigte Gemeindcwähler- Versammlung findet nunmehr am Sonntag, den 9. März, nachmittags 2>/„ Uhr, im Lokale des Herrn Bahn, Grünauer Str. öS, statt. Referent Genosse T h u r 0 w, Neukölln. Köpenick. Die Fortsetzung des Kursus des Genossen G r u n- Wald muß heute abend ausfallen. Der nächste Vortrag findet am Dienstag, den'11. März, im Räiserhos statt. ßcrliner Nachrichten. Tic städtischen Wasserwerke und die Wafferabspcrrung. Aus dem Rathause wird geschrieben: „Verschiedene Zeitungen haben in längeren Ausführungen gegen die von den städtischen Wasserwerken vorgenommene Ab- s p e r r u n g des Wassers in dem' Haufe G r a u s e e r Strasse 8 Stellung genommen. Wir können diese Ausführungen iin Interesse der Wasser- werke nicht unwidersprochen lassen, weil dadurch falsche An- schauungen in den Kreisen der Bürgerschaft verbreitet werden, und den Wasserwerken das an sich schon schwierige Geschäft der Beitreibung rückständiger Kosten noch mehr erschwert wird. Zunächst sei festgestellr, dass die fragliche Leilung von der Wasserwerksverwaltung sofort wieder geöffnet worden ist, als ein Beauftragter des Eigentümers durch Vorlage der Ouittungcn die Erfüllung der Vertragsbedingungen der Wasserwerle nachgewiesen hatte. Die Lieferung des Wassers beruht in Berlin auf vertraglicher Vereinbarung zwischen den Wasserwerken und Entnehmer. Die Wasserwerke haben auch kein Monopol, da mehr als ein Viertel des gesamten Wasserverbrauchs von Berlin aus eigenen Brunnen- anlagen der Eigentümer entnommen wird. Ilmgekehrt haben aber auch die Wasserwerke weder nach der vom Magistrat aufgestellten Geschäftsordnung das Recht noch nach den Gesetzen irgend eine Verpflichtung. Wasser an Entnehmer zu liefern, die es nicht be- zahlen oder sich sonst als ganz besonders hartnäckige Schuldner erweisen, denen auf keine andere Weise beizukommen ist. Aber auch wirtschaftlich kau« diese selbstverständlich nur im aller- äussersten Falle angewandte Massnahme der Absperrung nicht als unbillig angesehen werden, da der Hauseigentümer daS Wassergeld von seinen Mieten, im voraus zugleich mit der Miete einzieht. Die Wasserwerksverwaltung geht bei der Beitreibung der Rück- stände durch Gewährung von Stundung und dergleichen im e:ll- gemeinen so schonend vor, wie die Verhältnisse nur irgend zu- lassen. Die Wasserwerke suchen ferner durch Einforderung von S i ch e r h e i t e 11 Ausfälle wenn irgend möglich zu vermeiden und bei ganz hartnäckigen Eigentümern wird neuerdings Voraus- zahlung aus ein Jahr gefordert. Ist aber die Sicherheit oder der Vorschuß verbraucht und wird trotz allen Mahnens der Fonds nicht aufgefüllt, so mutz auch hier schliesslich Absperrung Platz greifen. Es bleibt Sache derjenigen, die an der wirt- schaftlichen Erhaltung des Grundstücks ein Interesse haben, in erster Linie also Hhpothekenglänbigcr, für den Eigentümer ein- zutreten, um die Aufhebung der Wassersperre herbeizuführen. Selbstverständlich wird bei der Absperrung auf die betroffenen Mieter Rücksicht genommen. ES tvird ihnen vorher von der Mass- nähme Mitteilung gemacht, damit sie sich für einige Zeit mit Vorrat versehen tonnen. In der Regel werden die Forderungen der Wasserwerke sofort nach erfolgtem Absperren der Leitung erfüllt. Der vorliegende Fall, dass ein Haus neun Tage lang ohne Wasser bleibt, ist eine Einzelerscheinung, die nur dadurch möglich geworden ist, dass der Eigentümer daS Hans vollständig im Stich gelassen hat und Schritte zur Einleitung einer Zwangsvcrwaltung nicht erfolgt sind. In diescin Fall wären aber alle Weiterungen vermieden tvorden, wenn die Mieter, die doch das Wasser ent- nommxn haben, die rückständigen, für sie durchaus erschwinglichen Forderungen der Wasserwerke gemeinsam bezahlt und den Betrag dem Eigentümer, wozu sie berechtigt gewesen wären, bei der nächsten Mietszahlung abgezogen hätten. Dass aber aus der Absperrung keine öffentliche Gefahr entsteht, wie es in den genannten Artikeln heisst, dafür sorgt die Polizei, die von jeder Absperrung Nachricht erhält. Die Polizei hat die abgesperrten Häuser unter ständiger Aufsicht und kann erforder- lichenfalls alle im öffentlichen, insbesondere gesundheitlichen Interesse erforderlichen Massnahmen treffen, wie sich auch die Wasserwerke selbstverständlich nie dem entziehen würden, die Anforderungen der öffentlichen Gesundheit allen anderen Interessen voranzustellen. Im übrigen wird die Verwaltung der städtischen Wasserwerke dar- auf bedacht sein, in Zukunft schärfere Massregeln gegen säumige Zahler, zu ergreifen." Die Verteidigung der WasserwcrkSvcrwaltung, die im vor- stehenden versucht wird, ist eine recht lendenlahme. Es ist der Ver- waltung nicht gelungen, ihre Massnahme, Hunderten von Personen auf 9 Tage das Wasser zu entziehen, zu rechtfertigen. Es muss der Verwaltuvg möglich fein, andere Mittel zu finden, zu ihrem Gelde zu kommen, als die Wasserentzichung ist. Der Vorschlag, die Mieter hätten sich zusammentun und daS Wassergeld erlegen sollen, ist einer ernsten Diskussion nicht wert, und der Hinweis, dass der Polizei von der Absicht der Wasscrwerksvcrwaltung Kenntnis gegeben sei, besagt gar nichts. Unserer Meinung nach hat die Verwaltung der Wasserwerke geradezu unverantwortlich gehandelt, als sie daS Wasser für eine solch lange Zeit sperrte. Dadurch wurde die Gefahr des Ausbruchs einer Epidemie direkt heraufbeschworen. Uno das in einer Zeit, wo ans allen Gebieten unter Aufwendung erheblicher Mittel Vorsorge zur Verhütung von Epidemien getroffen tvird. Die Weiterlieferung deS Wassers, auch wen» es nicht bezahlt worden wäre, ist immer noch billiger und vorteilhafter, als wenn erst eine Seuche herein- gebrochen ist. Die Massnahmen der Wasserwerksverwaltung aber laufen direkt auf die Schaffung von Seuchenherden hinaus. In der Säugliugssürsorgestclle Vll, Wörther Strasse 45, beginnt in den nächsten Tagen ein unentgeltlicher Kursus über Pflege und Erziehung des Kindes. Näheres ist bei der Schwester der Fürsorge- stelle an allen Wochentagen von IVa bis 2'/z Uhr nachmittags zu erfahren.__ Das Automobilverbrechcn von Hennigsdorf Die vorgestern verhafteten Arbeiter Friedrich Dorcnburg und Wilhelm Spicwack.aus Marwitz sind durch die weiteren Ermittc- langen und Nachforschungen so schwer belastet worden, dass sie für das Verbrechen wohl in Frage kommen können Sie befinden sich noch in Haft und werden auch nicht eher entlassen, bis völlige Ans- klärung in dieser Angelegenheit geschaffen worden ist. Beide sind alte Wilderer und Gelegenheitsdiebc. Wahrscheinlich kommen sie auch für die Telephondrahtdiebstählc in Frage, die in der letzten Zeit wiederholt in der dortigen Gegend verübt wurden. Hierauf läßt auch eine Zange und sonstiges Werkzeug schließen, das man bei einer Durchsuchung d� Wohnung Darenburgs vorfand. Als Wilderer waren beide in dem Orte bekannt, doch Wagte keiner der, Behörde diese Vermutung mitzuteilen, weil man sie fürchtete. Spiewack und Dorcnburg sind beide schon dicscrhalb wiederholt bestraft. » Die Aufregung, die in Hennigsdorf und Umgegend immer noch herrscht, wurde Mittwoch abend durch einen ebenfalls auf der Chaussee verübten Rcvolveran schlag noch gesteigert. Der 30 Jahre alte Kolonialwarenhändler Behrends ans der Chausseestrasse zu Hennigs- dorf und sein Bruder fuhren Mittwoch mit dem Zweirad nach Spandau, um dort einer Testamentservffnung beizuwohnen. Auf, dem Heimwege nach 8 Uhr abends radelte der Kolonialwarenhändler in kurzer Entfernung hinter seinem Bruder her. Unmittelbar vor dem Dorfe lvurde er plötzlich in der Dunkelheit vom Rade gestoßen. Als er sich aufraffte und auf den Angreifer zuging, schoss dieser auf ihn und traf ihn in den Hals. Die Kugel, ein Geschoß ganz kleinen KäliberS, blieb im Fleisch stecken und richtete keinen grossen Schaden an. Behrends schwang sich wieder auf sein Rad und jagte seinem Bruder nach. Der Angreifer schoss noch einmal hinter ihm her, traf ihn aber nicht mehr. Der Angefallene machte sofort Anzeige bei der Ortspolizei. Der Wachtmeister suchte gleich die Chaussee ab und fand am Tatort einen Hut, de» der Attentäter auf der Flucht zurückgelassen. Es ergab sich, dass er dem 24 Jahre alten Gelegenheitsarbeiter Spöz aus Hennigsdorf gehört. Späz wurde noch im Laufe der Nacht in seiner Wohnung verhaftet. Was ihn zu dem Anschlag gelrieben hat, weiss man noch nicht be- stimmt. Wahrscheinlich hat er vermutet, dass Behrends von der Testamentseröffnung Geld mitbringe, und die Absicht gehabt, ihn dessen zu berauben.» « Die in Heiligensee von einem Bierkutscher gemachte Anzeige von einem neuen Anschlag zwischen Schulzendorf und Heiligensee ließ es für nötig erscheinen, eigens einen Kriminalkommissar vom Berliner Polizeipräsidium dorthin zu entsenden. Dieser hat jetzt festgestellt, dass die Angaben deS Kutschers frei erfunden sind. Schon am„Tatort" verwickelte sich der Kutscher in Widersprüche. Bei der Anzeige behauptete er. dass das Drahtseil, das er mit- brachte, an einer Birke und einem anderen Baume befestigt gewesen sei. Als sich aber an der von ihm näher bezeichneten Stelle ergab, dass der Draht nicht ausreichte, um von einem Baum zu», anderen gezogen zu werden, kam er mit der Be- hauptung heraus, dass er an den beiden Brückengeländern angebunden gewesen sei. Obwohl man ihm diese Widersprüche entgegenhielt, blieb er bei seiner Behauptung, dass er das Drahtseil losgelöst habe. Durch Zeugenvernehmungen und eingehende Ermittelungen wurde aber jetzt einwandfrei festgestellt, dass die Angaben des Kutschers nicht stimmen. Gegen diesen wird deshalb Anzeige wegen groben Unfugs erstattet werden. �_ Eine öffentliche unpolitische Versammlung für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen findet heute, Freitag, abends y.ß Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, statt. Tagesordnung: »Die wahren und falschen Freunde der arbeitenden Jugend". Referent: Max Peters. Freie Aussprache. Da sowohl zahlreiche christliche und sogenannte nationale Vereine die Arbeiter- jugend in ihre Netze zu locken suchen und Jungdeutschlandbund sowie Pfadfinderbcreine mit ihrem abgeschmackten kriegerischen Klimbim den Sinn für alles Edle und Schöne zu ersticken drohen, gilt es, auf dem Posten zu sein und alles einzusetzen für die freie Jugend- bcwcgung. Sorge daher jeder für einen Massenbesuch der heutigen Versammlung. Selbstmord eines Bankiers. In seiner Wohnung in der Grotzbecrenstr. 16 hat am Mittwoch- nachmittag der Bankier I. Noffke, der Inhaber des Bankgeschäfts I. T. Nosske, Selbstmord durch Erschießen versucht, lieber den Grund zur Tat erfahren wir folgende Einzelheiten: Nosske, der die seit dem Jahre 18V4 bestehende Firma leitete, betrieb in der Groß- becrenstraße ein kleineres Bankgeschäft, das nur einen geringen Kundenkreis, größtenteils aus Rentiers und Kaufleuten bestehend, besaß. Die Firma erfreute sich eines guten Rufes, der In- Haber selbst galt als ein durchaus solider, vertrauenswürdiger Mann. � Er arbeitete mit mehreren Großbanken, die ihm einen seinen Geschäften entsprechenden Kredit einräumten. Die Firma prosperierte bis zum Anfang des tiirkisch-italienischen Krieges, dann aber geriet sie in Schwierigkeiten, da sich Noffke in türkischen Werten stark engagiert hatte. Er geriet in Zahlungsschwierigkeiten, die er jedoch sorgfältig zu verbergen wußte, um den Kredit bei den Groß- danken nicht einzubüßen. Um seinen Verbindlichkeiten gerecht zu werden, griff der Bankier die Depots seiner Kunden an, um sich für einige Zeit über Wasser zu halten. Namentlich als die Friedens- Verhandlungen im türkisch-bulgarischen Kriege in London begannen, schöpfte er wieder Hoffnung und engagierte sich weiter in türkischen Werten. Als der Balkankrieg dann wieder begann, brach die Katastrophe über das Bankgeschäft herein. Noffke suchte sich dadurch zu retten, daß er das gesamte Vermögen seiner Frau und das Erbteil seiner Kinder von den Großeltern in das Geschäft einlegte und zudem von seinen Verwandten größere Mittel in Anspruch nahin. Aber auch diese Opfer vermochten den Zusammenbruch nicht aufzuhalten. Noffke äußerte wiederholt zu seiner Gattin. daß der Balkankrieg ihn vollständig ruiniere und ihn zum Selbst- mord treibe. Infolgedessen überwachte Frau N. ihren Gatten sorgfältig. Um die Ultimodifferenzen des Februars zu regulieren, versuchte der Bankier noch einmal von seinen Ver- wandten Geld aufzutreiben, jedoch ohne Erfolg. Mittwochvor- inittag erschien im Bureau einer der Kunden, ein in Berlin lebender Rentier Sch. und wollte aus seinem Depot die Summe von 4(X)0 M. abheben. Der Geschäftsführer konnte jedoch die Auszahlung nicht vornehmen, da er in der Kasse nur wenige hundert Mark Geld hatte. Infolgedessen begab sich der Rentier Sch. in die Wohnung des Bankiers, um mißtrauisch geworden, die Vorzeigung der ander- trauten Effekten zu verlangen. Hier erfuhr er zu seinem größten Schrecken, daß der Bankier nicht mehr im Besitz der Wertpapiere sei. Noffke erklärte auch offen, daß er keine Hoff- nung mehr habe, die veruntreuten Summen zurückzahlen zu können. Daraufhin erstattete der Geschädigte bei der Kriminalpolizei eine Anzeige. Noffke, der diesen Schritt des Betrogenen wohl voraus- geahnt hatte, schloß sich in seinem Arbeitszimmer ein und lötete sich durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Die Verhältnisse in der Firma sind durch falsche Buchungen Noffkcs derartig verwirrt, daß i>n Augenblick kaum die Höhe der Unterschlagungen zu beziffern ist. Sie dürfte jedoch nach oberflächlicher Schätzung die Summe von 266 600 M. übersteigen. Die Geschädigten wurden gestern vormittag von dem Geschäftsführer des Bankhauses aufgesucht, um sich über die weitere� Schritte zu äußern. Ein Säurcspritzcr treibt gegenwärtig in der Gegend des Rosen- thaler ToreS sein Unwesen. Der Bursche hält sich hauptsächlich an den Straßenbahnhaltestellen aus und zwar zu den verkehrsreichen Morgen- und Mittagsstunden, wenn die zahlreichen Angestellten nach den Geschäften fahren. In dem dann an den Haltestellen herrschenden Gedränge mischt sich der Unhold unter die Fahrlustigen, tut so, als ob er ebenfalls den Wagen besteigen wolle und versteht es dann, unbemerkt den Fahrgästen eine ätzende Flüssigkeit aus die Kleidung zu spritzen, die, da es sich um Vitriol handelt, vollständig vernichtet wird. Bisher sind bereits acht Anzeigen über derartige Attentate bei der Polizei eingelaufen. Erst gestern mittag wurde einem Kauf- mann L. aus der Königgrätzer Straße, der in der Lothringer Straße einen Straßenbahnwagen der Linie 1 Wstiegcn hatte, durch ein der- artiges Attentat der Mantel nnd das Jackett beschädigt. Neber einen Doppelsclbstmord wird aus der Koppenstraße be- richtet. Dort wohnte im Ouergebäude des Hauses Nr. Sö, ganz zurückgezogen, der 56 Jahre alte Photograph H. mit seiner 57 Jahre alten Ehefrau. Die Leute hatten eine ganz kleine Wohnung inne und lebten auch scheinhar in sehr ärmlichen Verhältnissen. Da die Hausbewohner das Ehepaar bereits seit 14 Tagen nicht gesehen hatten, schöpften sie Verdacht und teilten dies der Pförtnersfrau mit, die daraufhin die Polizei benachrichtigte. AIS ein Schlosser die Tür geöffnet hatte, fand man das Ehepaar tot auf. Im Bette liegend hatte eS aus einer Tasse ein starkes Gift getrunken, da? den so- sortigen Tod herbeiführte. Nach dem Befunde sind die Eheleute schon seit 14 Tagen tot. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Straßcnbahnunfälle. Gestern mittag gegen 12 Uhr wollte ein Fräulein Frida Henke am Kurfürstendamm nahe der Kaiser- Wilhelm-Gedächtniskirchc einen Straßenbahnwagen an der Halte- stelle besteigen, wurde jedoch von einem Möbelwagen der Firma Änauer umgestoßen und überfahren. Die Verletzte, die einen Bruch des rechten Ober- und Unterschenkels, sowie einen doppelten Arm- bruch davongeiragen hatte, wurde nach dem Kreiskrankenhaus in Groß-Lichterfelde übergeführt. In der Belle-Alliancestratze an der Ecke der Teltower Straße wollte der achtjährige Schüler Ha ns Kaufmann unmittelbar vor dem Motorwagen 1857 der Linie 73 (Richtung Diariendorf) die Gleise überschreiten, kam jedoch zu Fall und geriet unter den Vorderperron. Mit Hilfe von Passanten tourde der Wagen angehoben und das Kind, das mit dem rechten Arm unter den Schutzrahmen gekommen war, hervorgezogen. Der kleine K. erlitt einen Bruch des rechten Oberarms sowie mehrere Quetschwunden und wurde nach dem Urban-Krankenhaus gebracht. Der Sängerchor»VorwärtS-Südost"(Gau Berlin) Cbormeister Herr Otto Kowalski, veranstaltet am Sonntag, den 9. März, in Kellers Festsälen. Koppenstr. 29, einen Liederabend, Mitwirkende sind: Frl. Tilly Else Pieschel(Lieder zu Laute), Herr Armin Lieber- mann(Violin-Cello) Eintritt 66 Pf. Eröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Nachdem Ball ohne Nachzahlung. Zeugen gesucht. Am 26. Februar, abends gegen 7 Ilhr, wurde der Sattler Hermann Rönsch in der Frankfurter Allee, in der Nähe der Königsberger Straße, von einem Postwagen angefahren. Zeugen dieses Vorfalls werden gebeten, ihre Adresse anzugeben an Herrn Emil Rönsch, 0. 112, GabelSbergerstr. 4 II.— Von einem Milchwagen angefahren wurde'am 16. Februar, mittags 1 Uhr, ein Ar- beiter am Chamiffoplatz. Zeugen werden um Abgabe ihrer Adresse an R. Riethmüller. Kloedenstr. 6. Hof II. gebeten. ' veber AlkoyolismuS und Alkoholkapital spricht ReichstagSavgeord- neter Georg Davidsohn beute Freitag, abends 3>/z Uhr, im Gewerk- fchastshause, Engelufer IS. Vorort- JVaebriebtem Wilmersdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der Sitzung am Mittwoch widmete der Stadtverordnetenvorstcher Tn Koch dem verstorbenen Oberbürgermeister Schustehrus und den bei Helgoland verunglückten Angehörigen der Marine einen Nachruf. Unter den geschäftlichen Mitteilungen, von denen der Stadtverordnetenvorstcher sodann der Versammlung Kenntnis gab, ist ein Schreiben der Regierung hervorzuheben, worin erklärt wird, daß die gegen den Wunsch der Wilmersdorfer Arbeiterschaft bc- schlossene Landkr am ken lasse genehmigt worden ist. Wil- Wersdorf hat es hiermit glücklich dahin gebracht, in Groß-Berlin die einzige Gemeinde zu sein, die in der Sozialversicherung eine Einrichtung geschaffen hat, deren Mitglieder kein Bestim- mungsrecht haben. Selbst die Kreise Teltow und Niederbarnim haben bekanntlich von der Errichtung einer Landkrankenkasse nichts wissen wollen. Der Haus- und Grundbesitzerverein Wilmersdorf am Kur- fürstcndamm hatte in einer Petition um Errichtung eines Instituts zur Hergäbe von ersten und zweiten Hypotheken bis zur Min- desthöhe von 86 Proz. des Grundstückswertes ersucht. Stadtvcrord- neter Schröder bemerkte hierzu, daß auch die Sozialdemokratie den Wucherpraktikcn im Grundstückswesen entgegentreten wolle. daß andererseits aber auch von den Hausbesitzern bestimmte Siche- rungen zu verlangen seien. Vor allem dürften nur gesundheitlich einwandfreie Wohnungen städtische Hypotheken erhalten, wie denn überhaupt die vorliegende Frage am besten in Gemeinschaft mit der Einrichtung einer energischen Wohnungsinspcktion geregelt werde. Die Angelegenheit wurde einem Ausschuß über- wiesen. Als nunmehr die Magistratsvorlage betreffend Einstellung eines Betrages von 6666 M. in den Voranschlag für 1913 als Zu- schuh für das Säuglingsheim des Vaterländischen Frauen- Vereins zur Beratung kam, schloß Stadtv. Schröder sich dem Ver- langen an, die Summe sofort, ohne daß die Sache erst an den Finanzausschuß verwiesen werde, zu bewilligen. Es sei zwar die Pflicht der städtischen Körperschaften, die Wohlfahrtspflege selbst in die Hand zu nehmen und sie nicht privaten Vereinen zu über- lassen; aber da nun einmal die Stadtverordnetenversammlung in Uebereinstimmung mit dem Magistrat auf die berühmte freie Liebestätigkeit schwöre, dürfe man nicht die Funktion einer für den unbemittelten Teil der Bevölkerung notwendigen Einrichtung eitlich in Frage stellen. Es wurde aber dennoch gegen eine er- ebliche Minderheit beschlossen, die Position dem Finanzausschutz zu überweisen. Die hierauf folgende zweite Lesung des Etats ging verhältnismäßig schnell vonftatten. Die allgemeinen Angelegen- heiten der Stadt waren in der ersten Lesung erörtert worden und der Streit um Einzelpositionen hatte die Ausschüsse mehr oder weniger gründlich beschäftigt. Einzig bei der Krankenhaus- frage kam es zu einer eingehenden Auseinandersetzung. Vor einigen Wochen war ein Dienstmädchen, das im Hause ihrer Herr- schaft heimlich ein totes Kind zur Welt gebracht hatte, mit dem Leichnam von einem Krankenhause zum anderen gebracht worden, ohne daß es irgendwo Aufnahme finden konnte. Schließlich kam die Unglückliche wieder bei der Herrschaft an. Dieser Fall gab ver- schiedentlich zu wohlberechtigten Rügen Anlaß. Selbstverständlich war man am Magistratstisch der Auffassung, daß in bureaukra- tischer Ordnung alles korrekt zugehe und der städtische Kranken- transport ausgezeichnet funktioniere. Einige Vertreter der großen Fraktion sprangen dem Magistrat mit einem Appell an den Lokal- Patriotismus zur Seite; es diene nickt den Wilmersdorfer Jnter- essen, wenn ein Einzelfall aufgebauscht und gegen die Gemeinde ausgebeutet werde. Stadtv. Schröder hob diesen Einwendungen gegenüber hervor, daß es trotz aller amtlichen Korrektheit an irgend etioas fehlen müsse; vor allen Dingen sei es bei dem nun einmal bestehenden Mangel eines st ädti scheu Kranken- Hauses die Pflicht der vom Magistrat eingesetzten Behörde, den Krankentransport zu dirigieren; überlasse man die Erkundigung nach einem freien Bett den ohnehin aufgeregten Angehörigen eines etwa plötzlich Verunglückten, so träten sehr oft schlimme, die Stadt be- schämende Folgen ein. Auch die Stadtvv. Maß und Büchtemann gingen dem Magistrat in der Krankenhausfrage energisch zu Leibe und befürworteten einen auf Errichtung einer Notbaracke abzielen- den Antrag. Ein Mitglied der Krankenhausdeputation, der Arzt Prof. Weber, teilte der Stadtverordnetenversammlung die Neuigkeit mit, daß der Plan, das städtische Krankenhaus im Grunewald zu errichten, glicht verwirklicht werden könne; das Gebäude werde im Weichbild d'er Stadt zu stehen kommen. In der Barackenfrage war Prof. Weber der Meinung, daß durch eine pro- visorische Station, in der nicht alle Hilfsmittel zur Verfügung ständen, dem Kranken oft mehr Schaden als Nutzen zugefiigl werde. Nachdem Stadtverordneter Dr. Leidig noch einige Aeuße- rungen getadelt hatte, mit denen sein Parteigenosse Stadtvcrord- nctcr Stadthagen in Charlottenburg den Wilmersdorfer Unzu- träglichkciten entgegengetreten war, überwies man den fortschritt- lichen Antrag einem Ausschutz von 13 Mitgliedern. Die übrigen Sätze des Etats wurden ohne Debatte erledigt. Dem Finanzausschuß wurde eine Magistratsvorlage über- wiesen, die die Genehmigung der Baupläne und die Bewilligung der Mittel für die Errichtung einer Leichenhalle mit K r e- m a t o r i u m und einer Urnen halle empfahl. Eine weitere Magistratsvorlage verlangte, daß auf dem städtischen Friedhofe nach Berliner Muster die Ruhezeit von 36 auf 26 Jahre für die Leichen Erwachsener und von 26 auf 12 Jahre für die Leichen von Kindern herabgesetzt werde. Stadtv. Holstein ivandte sich gegen die Vorlage mit dem Einwand, daß man das Gefühl oer Minderbemittelten schonen müsse. Diese Fürsprache veranlatzte den Stadtv. Schröder darauf hinzuweisen, daß die von ihm vor kurzem gerügte Unsitte, die Leichen Armer vom Keller aus zu Grabe tragen zu lassen, ohne Zweifel das Empfinden der Be- völkerung ärger verletzt hätte, als die jetzt zur Beratung stehende Vorlage, mit der man sich im großen ganzen einverstanden er- klären könne. Ueberdies wäre den Besitzlosen weit mehr um Beseitigung ihrer Rechtlosigkeit im Leben als um die Wahrung der Pietät im Grabe zu tun. Auch diese Vorlage ging an einen Sonderausschuß. Zum Schluß überwies die Versammlung eine Magistratsvor- läge, wonach Pflegekinder auch dann als hilfsbedürftig au- gesehen werden sollen, wenn sie ein Vermögen bis zu 366 M. be- sitzen, dem Finanzausschutz. Aus einer Anzahl Resolutionen, die gelegentlich der Etats- beratung Annahme fanden, heben wir eine hervor, die auf Er- Weiterung des orthopädischen Turnunterrichts in den städtischen Schulen abzielt. Zur Landtagscrsatzwahl. Am heutigen Freitag, nachmittags von 3 bis 8 Uhr, haben die Urwähler des 39. Bezirks nochmals zur Wahl zu schreiten, da auch der zum Wahlmann gewählte Ingenieur Ehl die Wahl abgelehnt hat. Wir ersuchen die im Bezirk wohnenden Parteigenosien, sich die Mühe nicht verdrießen zu lassen und noch. mal« rm Restaurant Groß. Kaiserplatz 14, für unseren Kandidaten Restaurateur Stramm, Durlacher Str. 7, die Stimme� abzu- geben. Wer bei der Wahl helfen kann, mutz im Lokal von Stramm möglichst zeitig anwesend sein. Lichtenberg. Der neue Etat! Der Etat für 1913 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 24 207 200 M. gegen 17 296 864 M. nach dem vor- jährigen Ansatz. Beträchtliche Summen find für die Erweiterung der städtischen Werke vorgesehen.� Ein am Blockdammweg neu zu er- richtendes Gaswerk soll allein 3—4 Millionen Mark kosten. Das Anschwellen der Abschlutzziffern erklärt sich jedoch in der' Hauptsache aus der Vereinigung Lichtenbergs mit Rummelsburg. Der jetzige Etat ist der erste, der� beide Gemeinden zusammenfaßt. Bis- her bestanden noch gesonderte Etats. Die ordentliche Ver- waltung beansprucht 234 848 M. mehr, die persönlichen Aus- gaben erfordern allein 66 114 M. mehr, insgesamt für 1913 813 890 M. Der Etat der Hochbauverwnltung erhöht sich von 42 237 auf 77 300 M., der der Tiesbauverwaltung ermäßigt sich von 161 496 M. auf 135 960 M. Beim Etat des FleischbeschauamteS ist eine Erhöhung um 12 599 M. auf 54279 M. vorgesehen. Die Fleischbeschau soll 7660 M., die Trichinenschau 12 566 M. mehr er- fordern als im Borjahre. Der Zujchutz bei der Verwaltung der Gebäude und Grundstücke erhöht sich um 26675 M. auf 66 666 M. Mit einem Mehr von 461 936 M. steigt der Zuschuß bei der Kapital» und Schuldenverwaltung auf 1 246 666 M. Die Verzinsung und Tilgung der Anleihen erfordern 3 633 584 M., 573 816 M. mehr als wie im Vorjahre nötig waren. Obwohl allein an Lehrergehältern 123 615 M. mehr aufgelvandt werden müssen, ergibt sich beim Etat der Volksschulen, bei einer Gesamtausgabe von 1519 366 M., gegen das Vor- jähr eine Ersparnis in Höhe von 31 756 M. Sie erklärt sich durch den Fortfall von 153 515 M. sür ZinS- und Tilgungsbeträge aus An- leihen für Rummelsburger Schulgrundstücke und durch Uebernahme von rund 35 666 M. Unterhaltungskosten auf den Etat der Grund- stücke und Gebäude. Die Gesamtleistung an Zinsen und Amorti- sation für Anleihen zu Schulzwecken beträgt für 1913 356 692 M. Beim Realgymnasium erfordern die Gehälter 166 457 M., gegen das Vorjahr 15 237 M. mehr. Das Jahn- Realgymnasium be- ansprucht 146 556 M.— 39 756 M. mehr als im Vor» jähre. Bei einem Mehr von 7457 M. erreichen die Gehälter die Summe von 136 772 M. Mit einer Mehrausgabe in Höhe von 113 266 M. schließt der Etat des Cecilien-Lyzeums; für das Pesta- lozzi-Lyzeum sind 26 655 M. mehr, insgesamt 121 160 M. aufzuwenden. Die Knabenmittelschule erheischt mit 68 266 M., 18246 M. mehr als im Jahre vorher. Dagegen werden für die gewerbliche Fortbildungsschule nur 4 666 M. mehr vorgesehen, 38 260 M. insgesamt, obwohl für Besoldungen 6 566 M. mehr verlangt werden. Die geplante Mädchenmittelschule paradiert anch schon im Etat; es werden dafür 9666 M. verlangt. Auch der Jugendpflege ist ein besonderer Etatstitel gewidmet; die Ausgaben sollen 4566 M. betragen, 3966 M. davon sind als»persönliche Ausgaben' eingestellt. Die Staatsbeihilfe beträgt 2666 M. Das andere kommt auf die Rechnung der Allgemeinheit.— Ziemlich dürftig ist der Armcnetat ausgestattet, er litt unter dem Spareifer. Der Zu- schütz erhöht sich gegen das Vorjahr nur um 7625 M. auf 265 700 M. Die Gesamtausgabe beträgt nach dem Voranschlag 335 166 M. Die sonstige Wohlfahrtspflege soll noch 37 666 M. kosten dürfen, danach würde der Zuschuß sich gegen das Vorjahr um 393 M. erhöhen. Die Friedhofsverwaltung arbeitet mit steigenden Ueber- schüssen; im vorigen Jahre waren es nur 15 688 M., im laufenden Jabre soll das Sterben 17 966 M. Ueberschutz sür den Stadt« säckel abwerfen. Das Kapitel der Stenerverwaltung schließt mit einem Ueberschutz in Höhe von 5 144 366 M., das sind 692 836 M. mehr als im Vorjahre. Den Ausgleichssonds müssen zu diesem Zwecke aber 76 666 M. entnommen werden. Von dem Ueberschutz entfallen sodann 1 825 165 M. auf die städtischen Werke, die mit dieser Summe 733 464 M. mehr abstoßen, als im Jahre vorher. An Umsatzsteuer sind 21 666 M., an Wertzuwachssteuer 57 975 M. weniger vor- gesehen. Immer noch nicht hat man sich dazu verstehen können, auf die Gemeindesteuer von den fingierten Sätzen von 4 M. zu ver- zichten. 26 666 M. sollen die Armen dieser Steuergruppe aufbringen. Insgesamt soll die Einkommensteuer 1 326 666 M., 146 666 M. mehr als im Vorjahre erbringen. Der Ertrag der Gemeindesteuer bleibt demnach um rund Mill. M. hinter den Ueberschüssen aus den städtischen Werken zurück. Im Kapitel der Außerordentlichen Verwaltung sind 366 666 M. für den Rathaus- erweiterungsbau und 156 666 M. sür die Ernchtung einer Stadthalle vorgesehen, ferner ll/s Millionen Mark zum Zwecke der Verstärkung der Betriebsmittel des Grundstückserwerbsfonds. Für Stratzenbauten waren im vorigen Jahre 667 466 M. vorgesehen, diesmal 0 M. Dem Etat merkt man es an: er sollte mit 166 Prozent balanciert werden. Martendorf. Mit der Beratung des Etats beschäftigte sich die letzte Gemeinde- Vertretersitzung. Der Gesamtetat balanciert im Ordinarium in Einnahmen und Ausgaben mit 1 343 966 M. gegen 1 176 644 M. im Vorjahre. An direkten Steuern sind veranschlagt 829 966 M. (773 886 M.), indirekte Steuern 172 476 M. Das Extraordinarium balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit 1443 666 M. Da der bisherige Steueuzuschlag von 116 Pro�. nicht überschritten werden soll, ist der ganze Etat mit äußerster Sparsamkeit aufgestellt. Genosse Weber beantragte, zunächst in eine Generaldebatte über den Gesamtetat einzutreten.— Gemeindevertreter Sauer befürwortete die Verweisung an eine Kommission; dieselbe werde zu prüfen haben, ob es möglich sei, den Etat so zu gestalten, daß eine Entlastung des Haus- und Grundbesitzes möglich werde. Beide Anlräge wurden abgelehnt und es erfolgte sofort die Spezial» debatte. Beim Kapitel I, Allgemeine Verwaltung, wendete Genosse Rcichardt sich dagegen, daß die Kirchensteuern durch die Gc- meinde cingczcgen ivcrdcn sollen. Gleichfalls ersuchte er, die Posten sür Anschaffung von Polizeihunden zu streichen. Er stützte sich hierbei auf ein Gutachten des Polizeileutnants Most laut Bericht des»Berliner Tageblatts" vom 1. März 1913. Sodann sprach sich Redner für den Penswnsfonds für die Arbeiter aus. Genosse Weber beantragte bei der Position Drucksachen, nur solche Firmen zu berücksichtigen, welche der Tarifgemciiischast im Buchdruckgewerbe angehören. Die Anträge unserer Genossen wurden von der bürgcr- lichen Mehrheit natürlich abgelehnt; speziell sind es die Herren Sauer und Direktor Pohincr, welche von Tarifgcmeinschaften und Verbänden nichts hören wollen. Das Kapitel I, Allgemeine Ver- waltung, erfordert an Ausgaben insgesamt 268 5�1 M. gegen 212 687 M. im Jahre 1912. Kapitel II behandelt das Reform. Realprogymnasium nebst Realschule. An Einnahmen dafür sind an- gesetzt 18 131 M. gegen 18 546 M. im Jahre 1912. Demgegenüber ist eine Ausgabe von insgesamt 73 646 M. angesetzt gegen 86 989 M. im Jahre 1912. Genosse Weber fragte an, ob die 16 Proz. der vorgesehenen Freistellen voll ausgenutzt werden; nach seiner Bc- rcchnung kastct�ein Schüler des Gymnasiums der Gemeinde rund 3 5 5 M. Eine Schülerin dcS Lyzeums verursacht der Gemeinde eine Ausgabe von zirka 115 M. Genosse Weber beantragte hierzu. die vorgesehenen Freistellen von 5 auf 16 Proz. zu erhöhen; der Antrag wurde von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt.— Bei« Kapitel IV, Gemeinde schulen, forderte Genosse Weber Feststellungen über die Schülerzahl sowie auch darüber, wie hoch der Gemeindcschüler gegenüber dem Gymnasialschüler den Etat bc- laste. Er vermißte ferner den Bericht der Schulärzte; auch seien keine Mittel sür Schulspeisung vorgesehen. Der Gemeindevorsteher bemerkte, daß eine Schulspeisung nach den eingegangenen Berichten sich nichtwolkig wolkenl bedeckt B-- t* — 1 1 10 4 10 Wetterprognose für Freitag, den 7. März 1913. Mild und zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regenfällen und lebhasten südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WasserftandS-Nachrichte« der Landesonstalt für Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau i)+ bedeutet Wuchs,- Fall.-') Nntcrpegel.—•) Bei Tilsit eisfrei.—*) EiSstand.—°) Eistreibcn.—•) Eisfrei. SpeciälJ&ell Gin Qualitätsbräu /ivn- ßjp&KVwfy." Über 34,000 ahtrllch lautende schriftliche Anerkennuage»! \■ Henkels Bleich-Soda< r unentbehrlich!" �"'�'l fcsTuss�dorf, bestbewährt! � Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen! Freitag, den 7. fflarz, abends 8'/- Ahr: Oeffentliche unpolitische Verband der JAaler, Saekierer, Jlnstrelcher Burcau: Mclchiorstraßc 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. TiUale SerUn. nsw. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9 Fernsprecher: Amt Norden 6708 in Kellers yeltlälen, Koppenftr. 29. Tagesordnung: Die wahrt«« salschk» Fremde der ardeiteade« Z«ge«d. Referent: R\£i\ PctCFS.— Freie Aussprache. Jugendliche Arbeiter und Arbeiterittnen! Erscheint massenhaft in der Versammlung! Kein Jugendlicher darf fehlen! Ter Einberufer: Otto Btlchner, Richthofcnstr. 22. Freitag, den 7. März er., abends Sll2 Uhr, im„Hofjäger-Palast", Hasenheidc 3S: Oeffentliche Uersammlung des Hausarztvereins«nur für Ewnlhsenej. Thema:„Wie erkrrben wir die Gesundung des prolewiats?" R-i-r-nt: vr. Kloses. Die Zentralkommission der itrankenrassen empfiehlt den Hausarztverein»vie folgt:»Wir könne« Ihnen de» HauSarztvercin als volkstümliche Institution bestens empfehlen.« Der Hausarztverein ist kein geschäftliches Prwatunternehmen, sondern eine proletarische Ber einiguug zu gegenseitiger Hilfe bei Erkrankungen der Familienangehörigen. DM- Selbstverwaltung durch die Mitglieder.«MC Für den geringen Beitrag von Cttlttg pro Woche sind die Frau und sämtliche Kinder versichert. Der Beitrag wird monatlich aus der Wohnung abgeholt. Wir gewähren: 288/7» nach I Monat 4 nach 6 Monaten fvatf» Bci akuten Erkrankungen Mitgliedschaft freieu.�ausarzr, Mitgliedschaft ft-eie>»vee0lz»n u. viele andere Vorteile. Nähere Auskunst erteilen: für den Hausarztveretn Neukölln der 1. Vorsitzende»ug. Kuhnert, Stuttgarter Str. 54; für den Süden die Vertrauensleute M. Thurm, Diessenbachstr. 18, A. RSsner, Hasenhcide 7/8. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin.— C. 54, Linienstr. 85/85. Verwaltung: Tcleph.: Amt Norden lg87. Kassierer. Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Am Sonntag, den 9. März er., nachm. 1 Uhr, findet im großen Saale der„Brauerei Friedrichshain", Am Friedrichshain 16/23, die Fortsetzung der Austerordentlichen General-Nerjammlung unserep Verwaltungsstelle statt. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung des Gesamtverbandes in Breslau. Mitgliedsbuch und Legitimationskarte ist vorzuzeigen.— Ohne dieses keinen Zutritt. === Vertretung Ist nicht znlässig.==== BW Besondere Einladungen erfolgen nicht. "~"» Sonnabend, den 8. März 1915, präzise nachts 12 Uhr: Außerordentliche MttgUederversammlnng der Kino- Operateure Grost-Kerlins in Wwe. Augustins Festsälen, Oranienstraßc 103. Tagesordnung: ll4/S 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Verschiedenes. -. Zlitglie«ishnch legitimiert.......—. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird uin pünktliches Erscheinen sävillicher Kollegen dringend gebeten.._ Die Ortsverwaltnng Maler! Anstreicher! Freitag, den 7. März 1913, abends 8 Uhr, finden für alte AUaler und Anstreicher Groß-Berlins vre! Versammlungen statt, und zwar: Für die Bezirke Osten, NfrduftkN, Llchteuberg und Wklßeustt in den AlaR'tll.S-I'SiStlAäl.SII, Berlin 80., Brandenburger Ufer. Für die Bezirke SüdsStU, 5üdk», Mkftku, Wilmersdorf, Steglitz, Groß-Filhterfelde und Neukölln in filiem« Festsälen, Hasenhcide 14/15» Für die Bezirke Norde«, Htsuudbrumieu, Uedding, Moabit und lstzariotteuburg in den fZmrus-JsiaKeii, Müllerstr. 142. Um eine Ucberfülluuq der einzelne« Säle zn vermeiden, ersuchen wir die Kollegen, mög- lichst die Vcrsamliilnng zn besuchen, die für ihren Bezirk angegeben ist. Ak" Kollegen! Erscheint Mann für Mann in den Ver» sammlungen, da es gilt, zn der Aussperrung d'er Unternehmer Stellung zu nehmen. � I. A.: H. Tfictz, Melchiorstraste 28. Arbeiter-Raillalirer- BuQd Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den g. März. l. Abt.: 1 Uhr: Hirschgarlen (Wilhelmshos). 2. Abt.: 1 Ubr: Oranionburg- Sandhauscn lWaldschloß). 1 Uhr: Waidmannslust. 10/12 3. Abt.: 1 Uhr: Waidmannslust (Schwcizerhäuschcn). 4. Abt.: l'/j Uhr: Kaulsdorf (Hamaims Gesclischaftshaus). 5. Abt.: 1 llhr: Bernau(Salz- mann). 6. Abt.: 1'/, Uhr: Wilhelmsaue (Ges ellschastshaus). 7. Abt.: 1 Uhr: Erotz-Lichterselde (Warendors). 8. Abt.: 1 llhr: Zehlcndors(Mick). 9. Abt.: 1'/, Uhr: Reinickendorf. Rosenthal(Feind). "tarts an den bekannten Stellen. 1902/1 ca. 44600 hL 1911/12 ca. 300000111. 1 Export nach allen Weltteilen. Löwen-Versand in Kannen, Siphons, Flaschen überall käuflich oder Fcrnspr. Nord, 10370— 10372. Achtung! Angestellte der Stadt Berlin. Achtung! Sonntagmittag, pünktlich 12 Uhr, im„Marinchaus", Brandenburger User 1: Große Protest-Versammlung aller aui Privatdienstvertrag besehäitigten Äogestellteo. Tagesordnung: i„Warum Gehaltsabzüge anstatt Zulagen?a Referent: Redakteur Lehmann. — 2. Freie Aussprache. Jeder im Dienst der Stadtgemeinde beschäftigte Bureauangestellte ist hierzu freundlichst eingeladen. Verband der Bnreanangestcllten Kaiser-Wilhelm-Str. 18 a. Schirmraacher und Schirmnäherinnnen. Sonntag, den 9. März, abends 9 Uhr, in den„Rittersälcn", Ritterstraße 75: Versammlung aller Schirmnäherinnen und Schirmmacher sowie der in der Stock-Industrie beschäftigten Kollegen u. Kolleginnen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Ritter über das Thema: Die Schaden des Heimarbeit— Die Lage der Schirmnäherinnen. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. » Näherinnen und Schirmmacher! ErMt Eure Pflicht und agittert mit allen Kräften für guten Besuch der Versammlung. Nach der Versammlung:' Gemütliches Beisammensein. Niemand fehle. «L�nSSbt?SunQsttn*nien men Die OrtSTerwaltnaff- Verkauf nur im Fabrikgebäude! Wenn 80/2 Ji ! Löwen- Brauerei A.-G., Berlin N, Littauers berühmte Nähmaschinen, Teilzahlung, kulanteste Bedingungen. Gebrauchte Maschinen spottbillig. Ska> litzerslrage 99. Warichauerstrasie 55.' 35*** v< Iii Sie sparen Geld!"r| öbel direkt in der Möbelfabrik i H, Waller..Willi Maas, SS, sj Tel.: A.III, 5157= kaufen. 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