Nr. 67. nbonnementS'ßedinftunsea: Abonnements- Preis dränumerandoi Pierteijährl. 320 Mb, monafl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hans. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. linier� Kreuzband für nehmen am Belgien, Dänemark. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, , Schweden und die Schweiz, 30. Jahrg. Die TnlertlonS'Gebüftr betrügt für die sechsgespaltcne Kolonel» zclle oder deren Raum i» Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins» und Versnmmlungs.Auzeigen A> Pig. „Rteinc Isnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zuläffig 2 fettgednickle Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengcfuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IL Buch» 'laben zählen für zwei Worte. Inserate ur die nächste Nummer müssen bis ö Uhr nachnlittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Criftttat tisUd) anS republikanischen Demokratie zu verlangen, daß sie sich an einem leichtsinnigen und verderblichen Unternehmen be- teilige, das Unsummen verschlingen muß und dem Volke nur neue Lasten auferlegt. Die Vertreter der Arbeiterklasse werden sich von der Woge des rückschrittlichen Militarismus und Chauvinismus nicht wegschwemmen lassen. Sie werden sich mit unbesieg- barer Energie dem verabscheuungswürdigen Plane der Reaktionäre widersetzen und gleichzeitig die praktischen Mittel bekanntgeben, um die Unabhängigkeit und Unversehrtheit des- Landes gegen jeden Zufall, gegen jede Drohung schützen zu können. Das chauvinistische Kesseltreiben und die sozialistische Antwort. Pari», 7. März.(P r i v a t t e l e g r a m m des..Vor- w ä.r t s".) Tie Hetzpresse tobt über die gestrige Demon- stration in der Kammer und variiert das Thema von den vaterlandslosen Gesellen. Das„Echo de Paris" greift Jaurds und den Exminister Augagneur an, die im Heeresausschuß die Forderung stellten, vorerst die Vorlage über die 500 Millionen zu beraten und durchzusetzen, daß die Kom- Mission den Dienstag abwartet, ob der Budgetausschuß den Bericht darüber erstattet, um in diesem Falle die 500 Millio- nen-Vorlage vor der Vorlage auf Einführung der dreijährigen Dienstzeit zu beraten. Das„Echo de Paris" ist erbost, daß Jaurös im Prinzip siegte. Indes wird der Heeresausschutz zur Beschleunigung täglich Sitzungen abhalten. Voraussicht- lich wird der Referent einen Bericht von einigen Zeilen vor- ! legen und die unverzügliche unveränderte Annahme der drei- j jährigen Dienstzeit fordern. Wenn die Opposition die An- ' nahine vor Ostern verhindern sollte, werden die Osterferien � verkürzt. Die Regierung will das Gesetz noch vor dem 13. April, an welchem Tage die Generale zusammentreten, durchbringen. Sie hat es so eilig, weil sie eine Ernüchterung � der suggerierten Massen durch die sozialistische Propaganda fürchtet. Ter„Temps" versucht den angeblichen Patrio- tismus der deutschen Sozialdemokratie nachzuweisen, indem er auf die Reichstagsreden der Genossen Stücklen, Noske, Haase und Gradnauer hinweist, die im Falle eines Angriffs die Veretidigungsbereitschaft für das Reich erklärt haben sollen. Die„Liberts" wirft die Frage auf, ob der Kriegs- minister die nationale Verteidigung vorlegen dürfe. Gestern begannen in der Provinz die D e m 0 n st r a t i 0- n e n. An einer Versammlung in St. Denis unter Vor- sitz des sozialistischen Gemeinderats nahmen 4000 Personen teil. Es redeten die Deputierten Rouger, Rafsin und Dugens. ! Tie Darlegungen des Genossen Pohl über den deutschen j Antimilitarismus gegenüber den ausgestreuten Verleum- düngen riefen unter den Versammelten stürmische Zu- stimmungen für das Vorgehen der Sozialdenwkratie wach. Ein sozialistischer Abrüstungsantrag. Paris, 7. März.(W. T. B.) Die sozialistische Fraktion wird einen Resolutionsentwurf einbringen, in dem die Re- gierung aufgefordert wird, den europäischen Staaten eine progressive, gleichzeitige Herabsetzung der Rüstungen vorzu- schlagen.___ Gclchäft und Politik. Wir Sozialdemokraten können ei— glücklicherweise!— den Gegnern nie recht machen. Entwickeln wir für irgendeine Einzel- frage der Politik unsere sozialistischen Grundsätze, die für ihre Be- urleilung von entscheidender Bedeutung sind, so sind wir Utopisten, Theoretiker, unpraklische Weltverbesserungsschwärmer. In dieser Ton- art bewegte sich im wesentlichen die Kritik, die sich unser erster Redner zum Kolonialetat. Genosse Henke, hat gefallen lassen müssen. Greifen wir aber in das Wespennest der kapitalistischen Geschäftspolitik der Tantiemen-, Dividenden- und AufsichtSratsgewinnste, der Börsenjobber-, Panzerplatten« und Kolonialprofite hinein. und greifen wir dabei so fest, wie es nach einem alten Erfahrungssatz bei Griffen ins Wespennest geschehen muh. so heulmeiert die ganze verschwisterte und ver- schwägerte Gesellschaft der bürgerlichen Geschäftspolitiker von links 6xpcdlt»oti! SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Atoriiiplay, Nr. 1981. bis rechts im schönsten„Webe"tone deS antiken Chorus über die Rücksichtslosigkeit der sozialdemokratischen Kritik. Dieser Chorgesang erfüllte schauerlich das hohe Haus, als am Freitag ein gezüchtigter Geschäftspolitiker per exosllsnee, der hin- reichend wegen seiner interessanten und interessierten Kolonial- Politik verdächtige Hamburger Rechtsanwalt Dr. S e m I e r die bürgerliche Mehrheit wegen einer ihm widerfahrenen Züchtigung an- jammerte. Unser Genosse Dr. W e i l l war es gewesen, der der Katze die Schelle umgehängt hatte. Weill wandte sich gegen die berüchtigten Konzessionsgesellschaften in den Kolonien. Er ging davon aus, daß der Reichstag fast einhellig und ebenso die Regierung sich öfter gegen das Unwesen des Konzessionsgesellschaftcn, die die Handelsfreiheit zugunsten der konzessionierten Beutepolitiker unterbinden, ausge- sprochen hat. Obwohl die Regierung gelegentlich der Neuerwerbungen in Aequatorialafrika der Hoffnung Ausdruck gegeben habe, daß die Mißstände unter der deutschen Gerichtsbarkeit verschwinden würden, sei davon noch nichts zu spüren. Man dürfe auch nicht allzu festes Bertrauen auf die Regierung setzen, da sich diese an Berhandlungcn zwischen deutschen und französischen Konzessionsgcscllschaften beteiligt und dadurch diesen Gesellschaften den Rücken gestärkt habe. Als Mittelsmann bei diesen Verhandlungen ist der Reichstagsabgeordnete Semler tätig gewesen, und bei diesen Verhandlungen ist auch als auf einen besonders wichtigen Umstand auf die Tatsache hingewiesen worden, daß Semler Mitglied des Reichstags und Referent des Reichstags für das Reichskolonialamt ist. Genosse Weill hatte diese an sich leider nicht neuen Beziehungen zwischen der Tätigkeit Semlers als Mitglied des Reichstags und Referenten für das, Kolonialwesen auf der einen Seite und seiner gesegneten Tätigkeit als kaufmännischer Rechtsanwalt in Hamburg und als Teilhaber an kolonialen Gründungen auf der anderen Seite in durchaus sächlicher Weise zur Sprache gebrächt; das Neue daran waren die interessanten Belege, die Genosse Weill für die besonders lebhafte Beteiligung Semlers an den besonders interessanten Fusionen zwischen deutschen und französischen Konzessionsgesellschaften dem Reichstage vorlegte. Gewiß ist das keine angenehme Aufgabe, cS gibt erhebendere Aufgaben im Dienste des deutschen Volkes zu er- füllen. Aber es ist leider eine sehr wichtige, eminent praktische und emiuent zeitgemäße Ausgabe für einen Reichstagsabgeordneten, so- fern er bemüht sein will, das deutsche Volk nach besten Kräften vor einer allzu skrupellosen Ausbeutung durch smarte Geschäftsmänner zu bewahren. Nach unserem Genossen Weill hätte eigentlich der National- liberale Paasche zu Wort kommen müssen. Er verzichtete aber zu- gunsten seines Parteifreundes Scmler. Dieser Wackere wollte äugen- scheinlich nach dem an sich nicht zu verachtenden Fechtergrundsatz, der Hieb ist die lieste Parade, vorgehen. Aber wenn ein solcher Hieb, für den mächtig ausgeholt wird, durch die leere Luft saust, so wirkt er um so lächerlicher, besonders wenn der ungeschickte Fechter hinter seinem eigenen Lusthiebe herstolpert. Herr Semler nahm den Mund voll— so voll, och!— und setzte eine stolze Miene auf— so stolz, ach!— und schimpfte wie ein Rohrspatz auf die Sozialdemokraten, die sich an ihm nur rächen wollten, weil er sie am Tage zuvor in einer Rede angegriffen habe. Dabei konnte der vollste Mund und die eisernste Stirn doch niemanden darüber täuschen, daß diesem geschäftskundigen Politiker das Herz im Busen bebte, weil plötzlich klar vor aller Well zu tage lag. was er so gern unter dem Schleier der Heimlichkeit verborgen gehalten hätte. Genosse Weill gab ihm eine Antwort, kurz, scharf, schlagend, unwiderleglich, eine Antwort, die den bürgerlichen Chorus zum völligen Schweigen brachte und Herrn Semler selbst so völlig matt setzte, daß er mit keinem Worte auf diese vernichtende Abfuhr zu erwidern wagte. Dabei war Weill auch dieses Mal wieder durchaus sachlich und erklärte nochmals mit vornehmer'lleberlegenheit. daß es sich für uns Sozialdemokraten nicht um Herrn Semler als Persvn und um seine Privatgeschäfte, welcher Art sie auch immer sein mögen, handle, fontzern um die Tatsache, daß die Regierung die Konzessionsgesellschaften nach wie vor begünstige, und daß ein deut- scher Reichstagsabgeordneter, der Referent des Reichstages für Kolonialangelegenheiten ist, seine Hände in die Geschäfte dieser Kon- zessionsgesellschafteii stecke. Dieser aufregenden Schlußszene der Freitagsitzung war eine mehrstündige Debatte über die Kolonien im allgemeinen voran- gegangen. Zuerst hatte Genosse Noske au? guter langjähriger Kenntnis der Kolouialangelegeiihciten heraus eine gründliche Ab- recbnung mit den bürgerlichen Rednern der ersten Runde ge- halten. Mit besonderer Schärfe ging er gegen den bekannten Herrn v. Liebert vor, der sich auch an kolonialen Gründungen be- leiligt und durch seine Unterzeichnung von Schwindelprospekten dazu beigetragen hat, daß zahlreiche gutgläubige Leute um ihr Geld ge- kommen sind. Noske wies ferner die törichten Redensarten über die angebliche Unsruchtbarkeit der sozialdemokratischen Kritik an der deutschen Kolonialpolitik zurück. Daß der Staatssekretär gute» Willen hat, erkannte Noske an; aber nicht auf den guten Willen und auf schöne Versprechungen, sondern auf Taten kommt eS an. Und die müssen erst noch abgewartet werden. Für eine wirkliche Förderung der geistigen und wirtschaftlichen EntWickelung der Schwachen und Unterdrückten in den Kolonien wird die Sozialdemokratie wie bisher so auch in Zukunft eintreten. ner abgeisgte Generalstreik. *• Aus Wien wird uns vom 6. März geschrieben: Im letzten Augenblick hat die ungarische Sozialdemo- .kratie den Generalstreik, den sie auf dem außerordentlichen Portertage beschlossen und für den sie durch Wochen gerüstet hotte, aufgegeben und abgesagt, in einer Weise abgesagt, die bei Freund und Feind Verblüffung erregt hat. Die Gründe, die die Parteileitung für ihren Entschluß ins Treffen führt, haben ohne Zweifel starkes Gewicht: es ist wohl wahr, daß die parlamentarische Opposition im Abgeordnetenhaus ver- sagt hat, und daß die militärischen Vorkehrungen den Schluß zuließen, daß es den Machthabern gar nicht unwillkommen wäre, den proletarischen Widerstand gegen ihr Schandwerk in Blut und Tränen zu ersticken. Aber durchschlagend sind diese Gründe dennoch keineswegs. An sich ist schon der Ge« danke, den Generalstreik der Arbeiter von dein Grade der Entschlossenheit und Tapferkeit einer bürgerlichen Opposition und gar einer so bunt zusammengewürfelten, wie es die„ver- bündete" des ungarischen Reichstages ist, abhängig zu machen, ganz verfehlt: da hätten die Arbeiter voranstürmcn müssen-, und da hatten sie die Opposition im Parlament schon mitgerissen. Hätte die Parteileitung den Generalstreik am Montag früh proklamiert und hätte er von da an seine Wir.- kungen gezeigt— was schon deshalb das Logische gewesen wäre, weil der Streik, der die Verhandlung der Wahlreform zu h i n d e r n bestimmt war, doch schon vor Beginn dieser Verhandlung wirksam hätte werden müssen—, so wäre es der Opposition im Parlament natürlich nicht möglich gewesen, ihren Kampf aus die merkwürdige Rede zu reduzieren, mit der Graf Äpponyi in ihrem Namen eine platonische Rechts- Verwahrung abgegeben hat. Ueber die Aussichten des Gene- ralstreiks, der unterlassen worden ist, Prophezeiungen anzu- stellen, ist natürlich eine billige und unfruchtbare Sache: aber dennoch darf gesagt werden, daß selten ein Kampf solche Aussichten auf unmittelbaren Erfolg bot wie der Budapester Generalstreik. Eigentlich hat für ihn alles gesprochen. Das Proletariat verficht hier eine Forderung, die gar keine spezifische Klossenforderung der Arbeiterschaft ist, die viel- mehr, man kann es nicht anders bezeichnen, eine staatliche und gesellsdsaftliche Notwendigkeit darstellt, deshalb eine Forderung des gesamten Volkes ist. Es führt den Kampf um die demokratische Wablreform unter der lebhaftesten Zustimmung des gesamten Bürgertums. Es kann sich dabei auch aus das feierlichste Versprechen der Krone berufen. Und ihm steht eine Regierung gegenüber, die moralisch ganz abge- wirtschaftet hat. die von Wien nur aus geineinen Geschäfts- berechnungen gehalten wird, die innerlich schon gefallen ist. Die Zersetzung der Regierungspartei schreitet ununter- krochen fort: man ist auch dort der gewalttätigen Diktatur des Tisza und der schamlosen Korruption des Lukacs gründ- lich satt. Das ist wohl eine Situation, in der ein energischer Stoß des Proletariats die Wendung herbeiführen kann, in der der Generalstreik die Wirkung hätte haben können, daß die Verhandlung der Wahlreform entweder unterbleibt, oder daß die Regierung mannigfache und nicht unbedeutende Ver- besserungen hätte zugestehen müssen. Nun ist der Kampf um die Wahlreform zu Ende, sie wird in Budapest unver- ändert beschlossen werden, und daß sich eine politische Situa- tion ergibt, die der Krone die Möglichkeit bietet, die Sanktion zu verweigern, ist recht unwahrscheinlich. Die Abjagung des Generalstreiks bedeutet wohl, daß ein geschichtlicher Moment .ptzpfäumt wurde. Nun wäre es natürlich billig, den ungarischen Genossen Vorwürfe zu machen und ihnen vorzurechnen, welche Fehler sie gemacht haben, wie schädlich insbesondere ihr Zusammen- gehen mit der bürgerlichen Opposition gewesen ist, wie es ja überhaupt keine Kunst ist, beim Mißlingen großer proleta- rischer Aktionen die„Irrtümer" nachträglich herauszufinden und mit ihrer säuberlichen Auszeichnung sich großzutun. Nur eben, daß diese Kritik vergißt und übersieht, welche Leistung der ungariichen Sozialdemokartie zugemutet wird, wenn ihr von dem„Verbünden" mit der parlamentarischen Opposition abgeraten wird: daß sie in einem agrarischen Lande, in dem die industrielle Arbeiterschaft eine verschwindende Minori- tat ist. nicht etwa bloß die Führung des Wahlrechtskampfes inne haben sollen, nein, daß sie diesen Kamps allein führen müssen und ihn derart am gewissesten gewinnen würden! Tie eigentliche Wahrheit über den abgesagten Generalstreik ist wohl die, daß die Partei, als sie den Gedanken in die Massen warf und den außerordentlichen Parteitag zum Zwecke der Beschließung des Generalstreiks einberief, der Meinung oder der Hoffnung war. es werden, bevor zu dem letzten Mittel gegriffen werden müsse, schon die gewöhnlichen Kampfmittel die Wendung herbeiführen: den Sturz der reformfetndlichen Regierung und das Entstehen einer politi- schen Situation, in der die Wahlreform, wenn sie die For- derung des arbeitenden Volkes auch nicht restlos erfüllt, so dach so viel demokratischen Gehält empfängt, daß man sie als Abschlagszahlung, als Etappe hinnehmen kann. Es wäre wohl auch in normalen Zeiten so gekommen, und daß es nicht so gegangen ist. wie man es immerhin erwarten durfte, daß die Lukacs und Tisza noch immer gehalten werden, und ihnen gestattet wird, daß sie gleichsam den Raub in die Scheune bringen, hat wohl seinen eigentlichen Grund in der gespannten auswärtigen Lage, in der seit Monaten schleichenden Kriegs- gefahr, die Aenderungen in der inneren Politik nicht hold ist. Die Zeit der Kriegsgefahr ist für proletarische Kämpfe eben keine günstige Zeit, und in Ungarn kann viel geschehen, was in Staaten, wo der Monarch im Lande weilt, vielleicht nicht möglich wäre. Ein König, der in Budapest wohnt, konnte kaum einen Ministerpräsidenten halten, von dem gerichtlich nachgewiesen ist, daß er ein Dieb und Gauner ist: der König außer Land, den an„seinem" Ungarn nur interessiert, daß es rechtzeitig und viel Rekruten liefert, braucht sich von moralischen Bedenken nicht stören zu lassen. Der Fehler ist nicht, daß die ungarischen Genossen den Generalstreik be- schlössen haben: der Fehler ist, daß sie den Mut der Tat nicht hatten, als alle übrigen Mittel erschöpft waren und kein anderes übrig blieb als die proletarische Revolution der Straße. Betrogen sind die ungarischen Rechtlosen freilich zu allererst von ihrem König, und es ist wirklich die höchste Ironie, daß der König, der vor acht Jahren den Gedanken der Einführung des allgemeinen Wahlrechts in die Massen warf, nun damit einverstanden war, daß in die Massen, die nur die Königsforderung vertreten, nun Pulver und Blei „geworfelt" werde. Aber die Welt ist rund, und in Ungarn dreht sie sich gar besonders rasch: das allgemeine Wahlrecht. das man jetzt mit der Schandreform des Lukacs verhöhnt und parodiert, wird von der Tagesordnung des ungarischen politischen Lebens nicht mehr verschwinden. Auch in Oester- reich hoffte man mit der fünften Kurie das allgemeine und gleiche Wahlrecht von der Einführung für immer abzu- ichneiden, und nach zehn Jähren war es eingeführt! So wird eS auch m Ungarn gehen, das der avitische« Formen und der Herrschaft der Oligarchen übersatt ist und überhaupt reif zur Europäisierung seiner politischen Dinge. In diesem Kaytpft. der schon entbrannt ist, wird der Sozialdemokratie die wichttgste Aufgabe zufallen, und der abgesagte General- stteik wird sie lehren, nichts zu unternehmen, was sie nicht leisten will und alles zu leisten, was zu leisten sie sich vornahm. ■** * Annahme der Schandreform. Budavest, 7. März. Die Wablrcformvorlagc ist heute vom Abgeordnetenhause angenommen worden. vet Kalliankrieg. Die Friedensverhandlungen. Kovstoutiuopel, 6. März. In Kreisen der Pforte wird erklärt, daß die Friedensverhandlungen sich auf gutem Wege befinden, weil inan Grund habe zu glauben, daß die Balkanstaaten mehr mit sich reden lassen"würden. Das Blatt„Jfh am" kommt zu dem Schluß, daß der Friede unzweifelhaft nahe bevorstehe, wenn die Entschädigungsftage leicht gelöst würde.—„A l e m d a r" tadelt in einem augenscheinlich von jungtürkischen Kreisen inspirierten Artikel die Haltung des Großwcsirs in der Friedensfrage und er- klärt, der Großwcsir müsse entweder das Kriegsglück noch einmal versuchen, um vorteilhaftere Friedensbedingungen zu erlangen, oder die Macht denjenigen überlassen, die sich für fähig halten, eine solche Verantwortung zu übernehmen. Man brauche eine Regierung, die mehr Kompetenz habe, sei es zum Frieden oder zum Kriege. Heute nachmittag listen hartnäckig Gerüchte um. daß der G r o ß w e s i r die Absicht kundgegeben habe, zurückzu- treten. Die Gerüchte werden amtlich dementiert. Rumänien und Bulgarien. Wien, 7. März. Privatmeldungen aus B u k a r e st zu- folge akzeptierten die Großmächte den Standpunkt der rumänischen Regierung hinsichtlich der Durch- führung der Mediation. Prinz Ghika reist nach Peters- bürg, wo eine Botschafterreunion sich ousschließ- lich mit dem rumänisch-bulgarischen Konflikt befassen wird. Eine Falschmeldung. Athen, 6. März. Di« Meldung der„Neuen Freien Presse", daß der türkische Kreuzer„H a m i d i j e" in der Bucht von Hagio Oro» drei griechische Transportschiffe in den Grund gebohrt habe, ist unbegründet. llianeitie. Man schreibt uns aus Petersburg: Die Amnestie des Knutenzaren, die mit Sicherheit vorauszu- sehen war. ist nun eingetroffen, lieber den Charakter der uns bevorstehenden„Gnaden" waren wir uns vollständig im klaren: Am Vorabend der Amnestie wurden in Petersburg in den Arbeiter- vierteln Massenverhastungen vorgenommen und gleichzeitig erhielt die sozialdemokratische Dumafraktion«ine telegraphische Nachricht aus Wologda, daß von dort 11 politische Verbannte— in der Er. Wartung des„Gnadenaktes"— ganz plötzlich festgenommen und nach einem der entlegensten Winkel des Gouvernements ablranS- portiert wurden, darunter eine Frau in den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft, mittellos und ohne warme Kleider, und noch drei ernst kranke Frauen. So wurde die Amnestie eingeleitet. Und jetzt läuten alle Kcrchenglocken.... Auf dem Newski prächtige Zelte, von hohen Masten wehende Flaggen, Laubgewinde, Lampions usw. Schon in aller Frühe hatten wir in den Zeitungen den uns bescherten„Gnadenakt" schwarz auf weiß vor Augen. Orden und Auszeichnungen, KaiserporträtS in diamantenbefetzten Rahmen als Geschenke, einen Grafentitel an einen Baron— nur verstockte Rebellen können mehr verlangen! Aber es folgt wirklich noch mehr: Erlaß von allerhand Steuerrückständen— deren Einkassierung völlig aussichtslos war—. großer Zuschuß an die Unterstützungskassen des Adels, Verfügung über Wiederauf- nähme eines Teils der relegiert gewesenen Unschuldslämmlein aus den Reihen der Studierenden und manches andere, das sich auf dem Papier breit macht, in Wirklichkeit aber völlig belanglos ist. So ist es z. B. eine leere Phrase, daß die bis zum Amnestietage zum Tode Verurteilten zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit„be- gnodigt" werden— weil diejenigen, die es angehen konnte, von der umsichtigen Regierung zeitig genug gehängt wurden. Nur litera- rische Verbrecher wurden gänzlich begnadigt. Die eigentlichen politischen Delikte sind von der Amnestie ausge- schlössen. Di« sozialdemokratischen Abgeordneten der zweiten Duma bleiben in Katorga und Verbannung. Der jüdisch« Arbeiter BeiliS bleibt wie zuvor im Aiewer Gefängnis: der Justizminister will von Petersburg aus gesehen haben, wie er einen Ritual- mord beging; die örtlichen Behörden— die wahrlich auch nicht engelrein sind— sind darüber ganz anderer Meinung. Und wie ehedem wird in der weiten Taiga die Purga heulen und die ein. samen Hütten der Verbannten in tiefen Schnee vergraben.... Ueberaus lehrreich an der Amnestiebewegung«wir halten es mit einer wirklichen Bewegung zu tun) ist das Verhalten unseres katzenjämmerlichen Liberalismus; es lohnt sich, darauf näher einzugehen. Seit Wochen keuchten die liberalen Setz- und Ro- tationSmaschinen vor Anstrengung: Amnestie! Amnestie! Auch einige Stadträte faßten sich—> natürlich vor dem Verbot der Re. gierung— ein Herz und beschloffen, um eine Amnestie zu petitio- nieren. Mit einemmal soll sich der Gedanle an eine Amnestie— verkündeten die flinken Handlanger der liberalen Zeitungsfabri- kanten— aller Herzen bemächtigt haben; sie sei die brennende Aufgabe des Tages. Zu diesem Zwecke wurde der russischen Re- gierung ein menschliches Gewissen angedichtet, und diesem Gewissen wurde zugeredet, sich auf den Weg des Friedens zu begeben und die„großen Ungerechtigkeiten" gutzumachen. In diesem liberalen Gewinsel machten sich in erster Reihe die Interessen der Bourgeoisie selbst bemerkbar, vor allem— des Journalistenstandes. Von diesem ließen sich seinerzeit Hundert« — erwärmt vom sonnigen Licht der Freiheitstage— ziemlich stark hinreißen und leisteten ihre Tagesardeit ohne die üblichen Schutz. Vorrichtungen. Natürlich waren die Folgen schwere Verurteilun- gen nach§ 120 des Strafgesetzbuches wegen Preßvergehen. Und bei dielen war die.Lur" noch lange nicht zu Ende. Also in eigener Sache wurde agitiert. Aöer auch andere Schichten der höheren Klassen vertraten in der Amnestiebeivegung ihre eigenen Interessen. Wie diele Söhn« und Töchter häherer Gesellschaftsstützen verkommen in den wüsten Eisfeldern und Tundren, wie viele von ihnen werdett in den Gc- fängnissen gemartert! BourgeoiSkinder sind eS ja, die in den letzten Jähren zu Tausenden aus den Hoch», ja sogar Mittelschulen— weiß Gott, wofür— relegiert wurden. Diese große Armee bürger- sicher Kinder könnte nach einer Amnestie wieder ihre Ausbildung fortsetzen—, haben nicht die vermögenden Klassen daran ein starkes Interesse? Aber auch die V ä.t c r dieser Kinder brauchten eine Amnestie. Viele von ihnen nxrren in den Jahren 1905 bis 1906 leider nur zu unvorsichtig. Sie kounleu die Zukunft nicht voraus- sehen. Ja, bei manchem von ihnen war— wenn sie es selbst jetzt auch verleugnen, wollen w i r ihnen gerecht werden— der eigene Wunsch der Vater der Gewißheit, daß das Zünglein an der Wage ioeit nach links ausschlagen werde, und sie hatten daher so u»inchmi eigenen leichtsinnigen Zungenschlag zu büßen mit systematischen Enthebungen von Posten und Aemtern, verweigerten Pensionen, Zurücksetzungen und Schikanienungen aller Art. Und das einzige Heilmittel, das derartige Entgleisungen der Zunge heilt und ver- gessen macht, ist eben die Amnestie. Es fehlte mithin der Amnestieagitation der großen Presse fast gänzlich der politische Gedankt; nicht um einen Kampf für eine bessere politische Zukunft handelte. eS sich dabei. ES äußerte sich hier eher eine bittere Unzusriedcnlicit mit der Bureaukratie, die in ihrer Borniertheit keinen Unterschied zwischen einem wirklichen Feind und einem reuigen Sünder zu machen versteht und die Zahl ihrer Gegner mehrt, ohne sich etwas Mühe zu geben«ach, es ginge ja so leicht!!, diese in ihre Freunde zu verwandeln. Und deshalb der ekelhafte, einschmeichelnde Ton, das Augenzwinkern, daß es ja im Interesse der Regierung selbst liege, den Bogen nicht allzu stark zu spannen, und deshalb auch die abgeschmackten Beteuerungen, die Hälfte der„Unglücklichen" bestehe ja aus Unschuldigen.... Schon der Anlaß selbst zur Amnestiebettelci war zarentreu genug. Bei solchen Feierlichkeiten erhält in der Regel der letzte Soldat in der Kaserne eine reichliche„Tscharka" Wodka, die großen und kleinen Jntcndantengcntlemen bekommen die Schlüssel zu ihren«wahrhaft ihren I) Speichern zurück,— und da sollte daS Herz unseres Jubilars es an diesem Tage über sich bringen, U n- schuldige tvciter im Gefängnis schmachten zu lassen? Gewiß! Unser Jubilar läßt auch wirklich niemals— nach seinen Be- griffen— Unschuldige im Gefängnis schmachten. Unverzüglich macht er Gebrauch von seinem Begnadigungsrecht, wenn es sich um die ohnebin schon milde Aburteilung von Pogrombanditen und mordenden Offizieren handelt, oder um eine Thronstütze wie den Moskauer Statthalter Reinbot, der sich als Bovdellspekulant, Be- günstiger von Diebesbanden und dergleichen mehr entpuppte.. Ju solchen Fällen ist unser Jubilar die personifizierte Güte. Auch den Mörder des Dumaabgeordnetcn Hertzenstein ließ der Zar nicht im Gefängnis schmachten. Wohlweislich wurde in den liberalen Amnestielitaneien ein zweites Jubiläum verschwiegen, das mit dem dynastischen zu- sammenfällt, das zehnjährige„Jubiläum" von Kischincsf.... Doch rosige Hände lieben eS nicht, schwarze Schatten zu malen. Und übrigens war es ja größtenteils jüdisches Blut, das damals in Strömen floß, und der russische Liberalismus hat es nicht allzu gern, über jenen Aderlaß wie auch über die gegenwärtige Lage der russischen Juden— die blutlose Metzelei. die tagaus, tagcin durchgeführt wird— zuviel Worte zu verlieren. Für feine ästhetisch verfeinerte Seele ist dieses Thema einfach langweilig. Und feine politische Taktik heißt auch hier— abwarten! Es wäre aber durchaus ein Irrtum, anzunehmen, daß die Am- ncsttedewegung aus den Interessen der Bourgeoisie ollein hervor- gegangen war. Nkan spürte dabei den freien Atem der poli» tischen Belebung, die im Lande im Anwachsen bcgrifteu ist. Auch wären einige Schichten der industrielle» Bourgeoisie und speziell der Handelswelt nicht abgeneigt, die politischen Fesseln im Lande etwas gelöst zu sehen. Für diese— allerdings winzigen — Gruppen enthielt die Amnestiebewegung auch eine stumm an- gedeutete polltischc Forderung, die große Spannung einiger- maßen zu entladen und den Weg einer mäßig lLberalen Reform zu beschreiten. Und hierin lag ein nicht unbedeutendes politisches Symotom. Und die Regierung! Es kam ihr Plötzsich zum Bewußtsein. daß die VolkSgroschen nicht vergeudet werden dürfen, und sie ging ungeheuer sparsam mit der kostbaren Truckerschwärze um. Ihre Reptilien widmeten der Amnestie dann und wann einig« Zeilen, dcc sich jedesmal widersprachen: Sie kommt— kommt nicht— vielleicht wohl— ganz bestimmt nicht usw. O, wir glauben es der Regierung nur zu gern. daß sie sich nicht leicht zu etwas entschließen konnte, das ihr nicht vom schwarzen Hundert diktiert ward! Besonders wenn dies noch der Arbeiterklasse das Atmen erleichtern könnte. Und doch konnte man mit Sicherheit auf eine natürlich tümmcvliche Amnestie rechnen, und zwar weil sre vom Standpunkt der Regierung selbst erforderlich war. In den Gefängnissen— die überfüllt sind— mußte freier Raum geschaffen werden, weil absolut kein Platz für neu« Gefangene vorhanden war. Schon um die rostige Polizei- maschin« einigermaßen in Ordnung zu bringen, muhte das überflüssige Mensckwnzeug auö ihrem Bereich entfernt werden,— um dann mit frischer Kraft das Land von den neuen politischen „Verbrechern" zu säubern, die nun fast ausschließlich der Arbeiter. klaffe angehören. Und wie verhielt sich das Pvoletariat zur Amnestieftage? Sewstvarständllch verlangt die Arbeiterklasse immer die Frei- lassung der politischen Gefangenen, nicht aber als Snadenakt, sondern von Rechts wegen. Mit einem seltenen Taktgefühl und einer erfreulichen Vorncbmheit— wie das im russischen Martyrium für den Einzelnen zur Tradition geworden ist— hielt e» die Arbeiter. liasse Rußlands unterihrerWürde.aus Anlaß der höfischen Festlichkeiten den Zaren um die oder jene Gnade anzubetteln. Auch war es ja jedem entwickelten Arbeiter sonnenklar, daß nach den Festlichkeiten alles beim alten bleiben wivd. Und diejenigen, die heute aus dem Gefängnis befreit würden, kämen morgen in die. selben Zellen zurück. Denn solange cS Arbeiter gibt, müssen auch Arbeiterorganisationen— mit allen ihren Konsequenzen— existieren, und davon will die russisch« Regierung nichts wissen. So mancher hat schon den Ural als Amnestierter passiert, um bald darauf für analoge„Verbrechen" von neuem über ihn zurück nach Sibirien zu wandern.________ poUtifebe deberHebt Berlin, den 7. März 1V18. Abgeordnetenhaus. Mit Aussehen erregenden Enthüllungen über eine Person, mit der die preußisch« Regierung auf Kosten der Steuerzahler Geschäfts- Verbindungen unterhält, trat Genosse Hoffmann am Freitag im Abgeordnetenhause hervor. Zur Beratung stand der NachtragSetot, der die Summ« von 6'Millionen zur Erwerbung des Grundstücks KöniggrStzer Straße 121 und Prinz-Albrecht-Straß» S verlangt. Der Wert de» Grundstücks, da» u. a. zur Herrichtung eine» Garten» für die Dreiklassenleute verwendet werden soll, beträgt aber nur 5 SSS 000 M.. der Rest, also 2 603 000 M., soll dem Bankdirektor Karl V. Äinterfeld als Entschädigung für entgangenen Verdienst gegeben werden. Ist cS schon an und für sich skandalös und be- zeichneild für die Abhängigkeit, i» der sich sogar die preußische Regierung von dem Bodenspekulanten tum be- findet, daß eme so ungeheuere Summe diese» Schädlivgeu der Gesellschaft gezaklt werden soll, so wird daS Bild deZ Unheil vollen Einflusses des SpekulantentumS noch verschärft durch die Person, die sich in diesem Falle als Vertreter der Wucherer in Grund und Boden repräsentiert. Schon der zehnte Teil dessen, was Hoff- mann von Herrn Winterfeld an der Hand gerichtlicher Akten mit- teilte, müßt« für jede», der auf Reinlichkeit hält, genügen, sich in Geschäfte mit diesem Herrn nicht einzulassen. Aber die preußische Regierung trägt lein Bedenken, mit ihm zu paktieren und ihm 2l/j Millionen zuzuschanzen. Der Mann steht freilich in fortgesetzten, für ihn nicht gerade schmeichelhaften Geschäftsverbindungen mir den Gerichten, aber da ihm bisher niemals etwas bewiesen werden konnte, gilt er als Gentleman, und wird für würdig befunden, Millionengeschäfte mit dem FiSkuS zu machen. Nicht genug, daß die Steuergroschen in so unverantwortlicher Weise vergeudet werden, fließt daS Geld auch noch einem Mamre zu, den man— gelinde gesagt— als soliden Geschäftsmann nicht ansprechen kann. Daß die Sozialdemokraten sich von solchen Transaltionen fernhielten, ist selbstverständlich. Mag der AiskuS und mag die bürgerliche Mehr heit des Landtages die Verantwortung dafür tragen l Die Anklagen H o f f m a n n s, die sichtlich Eindruck auf daS HauS machten, wurden von keiner Seite widerlegt. Vielleicht wird man das in der Budgetkommission, der die Vorlage überwiesen wurde und in der wir nicht vertreten sind, versuchen. Aber die Herren irren, wenn sie glauben, die etwas ramponierte Ehre des Herrn V. Winterfeld im dunklen Kommissionszimmer wieder herstellen zu können. Es gibt ja noch eine zweite Lesung, und die sindet v�r aller Oeffentlichkeit statt. Jeder Vertuschungsversuch wird von der Sozialdemokratie im Keime erstickt werden. Vorher hatte daS HauS den von allen bürgerlichen Parteien eingebrachten Antrag betr. das Etats n o t g e s e tz der Budget kommisfion überwiesen. Den Rest der Sitzung bildete die Beratung des Etats der Zentralgenossenschaften, der Liebknecht Gelegenheit gab, den agrarischen Charakter dieser Pumpansialt zu erläutern. Das forlgesetzte Lachen, mit dem die Agrarier die Ausführungen unseres Redners begleiteten, war nichts als ein Verlegenheitsgelächter, ein Beweis dafür, wie richtig die Liebknechtsche Kritik war. Hinter den Kulissen. Freitag nachmittag fand eine vertrauliche B'e'- s p r e ch u n g der Führer der bürgerlichen Parteien(die Sozialdemokratie war nicht eingeladen) mit dem Reichskanzler statt. Ter KriegSminister hielt den.Herren den üblichen„aufklärenden" Vortrag. Und wer aufgeklärt sein will, dem ist leicht geholfen. Man hört auch, daß die Herren den Vortrag Heeringens als sehr eindrucksvoll empfanden. Im übrigen mußten sie natürlich strengstes Stillschweigen versprechen._ Jesuiten-Import. DaS.Nuovo Giornale" sNeueS Journal) in Florenz kündigt an, daß der Jesuitenorden demnächst eine größere Anzahl Jesuiten nach Bayern senden wird, da dieses Land unter der glorreichen Regierung des Freiherrn von Herlling sich am besten unter allen deutschen Landen für die Jesuitentätigkeit eigne. Das Blatt schreibt nach einer Mitteilung der„Rhein.-Westf. Zeitung": .Ter Jesuitengeneral bat bisher keinerlei Dispositionen über eine etwaige endgültig« Rückkehr der Jesuiren nach Deutschland getroffen. Allerdings bat der Reichstag den Antrag zur Beseitigung des Jesuitengeietzes angenommen, aber in den vatikanischen Kreisen in Ron, fürchtet man, daß die deutsche Regierung diese Absnmmuug nicht berücksichtigt, und man ist sogar auf weitere Regierungsmaßnehmen gegen die Jesuiten gefaßt, Maßnahmen, die womöglich noch schlimmer(!) sein werden als die von dem bisherigen Gesetz sanktionierten. Für den Augenblick beabsichtigt der Jesuirenorven nichtS zu tun. Er be- reitet jedoch für später eine langsame und allmähliche Entsendung der OrdenSmitglieder nach dem Deutschen Reiche vor. Der An- fang wird mir Bayern gemacht werden, daS man für am besten disponiert hält, um die Jesuüen aufzunehmen." konnte in der Verhandlung, die im vergangenen Sommer stail- fand, nicht klargestellt werden. Das ganze Ergebnis der Klage war, daß der Geschäftsführer der sozialdemokratischen Druckerei, wo der Brief gedruckt wurde, wegen fahrlässiger Beleidigung zu cd M. Geldstrafe verurteilt wurde. Jetzt nach einem halben Jahre ist gegen den Faktor unserer Waldenburger Parteidruckerei, den Genossen Hoffmann ein Meineidsverfahren eingeleitet war- den, weil er angeblich falsche eidesstattliche Aussagen über die Setzer des Briefmanuskriptes gemacht habe. Der Faktor ist auch am Dienstag beim Mittagstisch verhaftet und erst nach Listündiger Haft wieder entlassen worden. Das Verfahren geht weiter, man hofft vielleicht auf diese Weise den Sünder zu fassen, der das Briefmanuskript redigiert haben soll. Auch ein Volksrecht aus der Zeit der Befreiungskriege. Zu dm RepräsmtationSkörperschaften, mit denen nach dem Jahre 1815 die im Jahre 1813 gegebenen Versprechungen „eingelöst" wurden, gehören auch die Provinziallandtage der östlichen Provinzen. Soeben tritt der s ch l e s i s ch e Provinziallandtag zusammen und aus seiner Präsenz- liste kann festgestellt werden, daß sich unter den loS Mitgliedern dieser„Volksvertretung" befinden: 3 Prinzen, ~ Fürsten.' 12 Freiherren, 27 Grafen, 39„gewöhnliche" Adlige, 12 Rittergutsbesitzer und Landräte ohne Adel, 21 Bürgermeister, 19 Vertreter der Industrie, Bergräte, Generaldirektoren und dergleichen, und 13 Stadträte, Kom- merzienrätc. Justizräte usw., also kein Kleinbauer, kein Arbeiter, kein Handwerksmeister oder kleiner Gewerbetreibender. Das„niedrigste" sind zwei„Oekonomieräte". Also hat das Volk allen Anlaß, seine nach den Be- sreiungSkriegen erhaltenen staatlichen„Rechte" zu preisen und Gedenkfeiern zu Veranstaltern_ Justiz und Reichsverbaud. In einer Versammlung des Reichsverbandes in Königsberg! hotte der ReichSverbandssekretär Taube erklärt, Genosse Marlwald hätte am 26. Januar 1906 in Forst in der„Märkischen Voltsstimme" einen Artikel veröffentlicht, in dem cS wörtlich heiße, die Religion sei zwar Privatsache, aber die Sozialdemokraten seien Atheisten, ei gebe keinen Gott, kein Gewissen, keine Ver. geltung. kein ewiges Leben, es gebe nicht Seele und Geist. Mark- ivald sandte dem Blatt, das über die Versammlung des Reich». Verbandes berichtet hatte, eine Berichtigung, doch Taube hielt feine Behauptung aufrecht, worauf Markwald gegen den Reichsverbands. fakretär die Beleidigungsklage anstrengte, und zwar wegen der Be- hauptung, daß M. geschrieben hätte, es gebe kein Gewissen. Tat- sächlich waren die angeführten Satze in den Artikel nicht enthalten; aber das Schöffengericht sprach den ReichSverbandssekretär doch frei mit der Begründung: aus dem Markwaldschen Artikel könnte man herau». lesen, daß der Artikelschreiber der Ansicht Ausdruck gegeben habe, cS gebe auch kein Gewissen. Da» Schöffengericht gab jedoch nicht dst Sätze des Artikel» on. aus welchen es diese Ansicht „herausgelesen" hatte. Gegen da» Urteil will Markwald Berufung einlegen. , ,. Meinerdsaffäre. Im fchlesiichen Wahlkreise Waloenburg wurde zur Reichstags- wähl der offene Brief eines ehemaligen fürstlich Pleßfchen Gruben- beamten verbreitot. Der Brief enthielt Enthüllungen über be» stimmte Gepflogenheiten des niederschlesischen JndustriekapitaliS- mus und war von dem Grubenbeamten mit Ramepsunterschrifl gezeichnet. Negiernngsrat Findorff von den Pleßschsn Gruben stellte gegen den Briefunicrzeichner, gegen den Geschäftsführer der dortigen sozialdemokratischen Druckerei und gegen noch einige andere Genossen Strafantrag wegen Beleidigung. Die Klage gegen den ehemaligen Beamten blieb erfolglos, weil dieser bekundete, daß der Brief, so wie er gedruckt worden ist, von ihm nicht e- schrieben worden sei, Wer den Brief umredigiert hatte, Die engUfcben Sozialiften gegen den Rüftungdwahnlinn. üToubon, 6. März.(Gig. Per.) Ter Appell der deuficken und französtschen Sozialdemokratie gegen die geplanten Neu- rüstungen hat in den Kreisen der englischen Parteigenossen emen freudigen Widerhall gefunden. Der„Labour Leader", daS propagandistische Organ der I. L. P. veröffentlicht heute einen Leitartikel über den Ausruf, in iayn es heißt:„Wir müssen jetzt eine internationale Aktion gegen das Wachstum der Rüstungen einleiten. Die sozia- listijchen Parteien Teutschlands und Frankreichs haben uns den Weg gezeigt. Während die herrschenden Klassen der beiden Länder mit Feindjchajt im Herzen planen, sich gessen einander bis an die Zähne zu bewaffnen, knüpft die Arbeiter- klasfe beider Länder immer enger daS Band der Kamerad schaft. das sie verbindet. Sonnabend wurde in Berlin uird in Paris ein genieinschastliches Manifest veröffentlicht, das von den 119 sozialistischen Mitgliedern des Reichstages und den 69 sozialistischen Mitgliedern der französischen Kammer unterzeichnet ist. Gs ist ein beredtes und bewegendes Doku ment..... Das ganze Schriftstück ist würdig der besten Traditionen und der höchsten Ideale der Bewegung. GS sollte den sozia- listischen Parteien jeden ausrichtigen Friedensfreund in Deutschland und Frankreich gewinnen. Und wie steht es mit Großbritannien? Es ist die höchste Zeit, daß wir einen kühnen Schlag gegen die zunehmenden Rüstungen führen. Unsere Vergangenheit ist in dieser Hinsicht ehrenhaft: aber eine stärkere und eindrucksvollere Aktion tut not. Die Miti taristen arbeiten mit einem unhoiligen Eifer. Gegen sie müssen wir einen unversöhnlichen Krieg führen. Wenn wir nicht auf der Hut sind, wird uns das'Joch der allgemeinen Wehrpflicht auferlegt werden, ebe wir uns bewußt sind, was sich zugetragen hat. Dies ist ein kritischer Augenblick. Wir stehen an einem Scheidewege. Der eine Weg führt zum SoziaAsnws und zur Freiheit, der andere zur allgemeinen Wehrpflicht und zur Sklaverei. Wir ersuchen die britische Arbeiterpartei, dem Beispiel unserer kontinentalen Genossen zu folgen. Ein kräftiger Protest gegen die Rüstungen und die international« Rivalität sollte erlassen werden. Tie Woge des Ehauvinismus über flutet die Kolonien und wir sollten uns mit den Arbeiter bewegungcn in den britischen Tochterstaaten vereinigen, um gegen diese Vergsuduffg von Gütern zu protestieren, die so dringend für das Werk der sozialen Besserung gebraucht werden. Kanada hat Großbritannien das Angebot gemacht, ihm drei Treadnoughts unter der Bedingung zu leihen, daß wir die Besatzung liefern und daß dem Daminimr ein Platz in dem ratgebenden Ausschuß des ReichsverteidigungS komitees eingeräumt werde. Hierin lauern Gefahren. Das Reichsverteidigungskomitoe ist eine rein ernannte Körper schaft, die nicht der Kontrolle des Parlaments untersteht, und wenn wir nicht vorsichtig sind, wird es eine Junta werden und das Kabinett wird das Parlament zwingen, deren Dekrete demütig anzuerkennen. Die Arbeiterbewegung Kanadas hat gegen die Dreadnoughtsteuer von 29 Schilling auf den Kopf kräftig Einspruch erhoben und mit den organinerten Arbeitern gehen 99 999 Bauern aus Maiutoba, Saskatschewan und Alberto. Tie britische Arbeiterbewegung sollte ihre Hand über den Atlantischen Ozean ausstrecken und als Zeichen der gemeinschaftlichen Vcrabfcheuung des Militarismus die Hand ergreifen, die die kanadische!, Arbeiter ausgestreckt haben. Es heißt, dje Regierung beabsichtige, vom Parlament eine Mehrausgabe für die Flotte in der Höhe von 2 Millionen Pfund Sterling für das nächste Jahr zu verlangen. Sollte sich das als wahr herausstellen, so hoffen wir, daß die Ar beiterpartei einstimmig gegen das Budget stimmen wird. Die liberale Partei mag neue Steuergrundsätze eingeführt haben; aber welchen Wert haben Extraeinkommensteuern und Land steuern, wenn sie dazu dienen, die ZerstörungS- und Mord Waffen immer höher zu türmen?" Oekterrnch. Das Herrenhaus und das Äoutraktbruchgesetz. Wien, 6. März. lEig. Ber.) Die Abgeordneten Reumann, Schäfer und Genossen haben heute neuerlich«inen Antrag auf Be- seitigung der Bestrafung de» Kontraktbruche» eingebracht. In der Begründung de» Antrages wird folgende» ausgeführt: Da» Herrenhaus hat dem Gesetzentwurf über die Beseitigung der Bestrafung des Kontraktbruches seine Zustimmung verweigert. Dieser Beschluß des Herrenhauses ist eine frivole Abweisung eine» berechtigten Wunsches der Arbeiterschaft Oesterreichs und eine Ver- letzung der Würde des Abgeordnetenhauses, das wiederholt ein- stimmig diesen Gesetzentwurf beschlossen hat. Der Beschluß des Herrenhause» ist nur mit kleiner Mehrheit gefaßt worden. Er ist nur deshalb gefaßt worden, weil die volksfeindliche Rechte de» Herrenhauses ungewöhnlich stark vertreten war, während von den anderen Parteien viele Mitglieder fehlten. Es besteht also die be- gründete Hoffnung, daß da» Herrenhaus zu einem anderen Be- schlusse gelangen wird, wenn der Gesetzentwurf ihm noch einmal vom Abgeordnetenhause zugeht. Keinesfalls kann das Ab- geordnetenhaus es sich gefallen lassen, daß ein paar Dutzend hoch- mutige Feudale über seine Beschlüsse so leichtfertig hinweggehen. Es ist daher notwendig, daß da» Abgeordnetenhau» den Gesetz- entwurf noch einmal deschließt und ihn dem Herrenhause noch ein- mal zurückschickt. Belgien. Die Wahlrechtsfrage. Brüssel, 7. März. Die Bürgermeister der Großstädte wurden heute mittag, von dem Ministerpräsidenten empfangen, dem sie Kenntnis gaben von der gestrigen Ent- schließung des sozialdemokratischen Komitees, die O r g a n i- sierung deS allgemeinen Ausstandes ein�u- stellen. Dar Ministerpräsident erklärte, das Ministerium werde nach dieser neugeschaffenen Lage über die zu ergreisen- den Schritte beraten, da. die Bürgermeister nochmals den Wunsch ausgesprochen hätten, die Regierung möge im Jnter- esse des Friedens schleunigst die Wahlrechtsfrage zur De- raluirg stellen. Marokko. Barbarische Kriegführung. Paki», 7. März. Tic„H u m a n i t e" berichtet in eiviem Ar- tikcl über die„Heldentaten" des Generals Erabschet d'Esberey und schreibt: Auf einem Vormarsche tvarcn dem General die Berwun- beten, die er mit sich führte, hinderlich. Er stellte deshalb an einen Militärarzt das Ersuchen, die Verwundeten einfach vollständig zu töten. Tiefer weigerte sich jedoch, den Befehl auszuführen. Da» gleiche Ersuchen stellte hierauf der General an einen Leutnant und schließlich an einen Adjutanten, die sich aber ebenfalls ablehnend verhielten. Nun ließ der General die Verwundeten unter Be- wachung von 10 alten Kriegern und dem Kommando eine» Adjn- tanten zurück. Natürlich, so schreibt die„Humanitä". sind alle diese Leute verschwunden; die Eingeborenen haben ihnen die Köpfe und andere Gliedmaßen abgeschnitten. Der General mutzte un- bedingt wissen, daß die Leute ihrem Schicksal nicht entgehen konnten. wenn er sk' zurückließ. Weiter heißt es von dem General, daß er den französischen Truppen befohlen haben soll, die Leichen der ge- fallenen Marokkaner zu verstümmeln. Tie Marokkaner haben in den letzten Kämpfen von den Fran- zosen CS 000 Patronen und ein 7S-'Zentimeter-Geschütz erbeutest sowie sich des Zeltes de» Generals bemächtigt. Die„Huuiamte" fügt hinzu, daß General Liaut», der französische Resident in Ma- rokko, dem General Erabchet d'Esberey einen Arrest von 30 Tagen auserlegt babe. Auch soll dem General aufgetragen sein, bald nach Pari» zu fahren und Aufklärung über die Sache zu geben. parlamcntarifcbea* Tie Äolvnialetats in der Budgetkommissio» des Reichstags. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Freitagssitzung be- schwerte sich der volksparteilichc Abg. H c ck f ch e r über die Bemer- tung im letzten Bericht, daß die Volksparteiler wahrend der TonlllerstaAsve.LhS t r e i k v e r s u ch" gar nicht um den Hofentarif handele, denn dieser sei noch gar nicht beraten. Die Firma dürfte inzwischen wohl eingesehen haben, daß es sich um einen ernsthaften Streik und nicht nur um einen Streik versuch handelt. Wenn der Hosentarif noch nicht durchberaten ist, so liegt dies nicht an den Arbeitern, eS ist vielmehr wiederholt festgestellt worden, wer die Verhandlungen unnütz in die Länge gezogen hat. Auch darf nicht vergessen werden, daß alle den Unternehmern gemachten Zugestand- nisse zurückgezogen sind. In der Streikversammlung wurde noch eine lebhafte� Aus- spräche über die Bewegung geführt. Alle Redner liehen ihre Sieges- Zuversicht zum Ausdruck kommen. Wenn die Unternehmer die angedrohte Aussperrung durchführen würden, so könnte man dies mit Freuden begrüßen, denn den Streikenden würde dann manche Arbeit erspart bleiben. Man sei gewillt weiter»zu kämpfen. Krienke zog aus der Aussprache den Schluß, daß man voll- auf zufrieden sei und mit aller Ruhe die Dinge abwarten könne, die kommen. Unter allgemeiner Heiterkeit teilte er noch mit, daß Herr Svndikus Stern bei einer Verhandlung gesagt habe, ein Schneider verdiene in Berlin mehr als ein Schutzmann. Ein Schneider stelle sich natürlich mit einem Schutzmann nicht auf eine Stufe; denn ein Schneider habe seinen Beruf erlernt, ein Schutz- mann brauche das nicht. Streikleiter Fischer forderte noch auf, den Idealismus sowie das Solidaritätsgefuhl wie bisher hochzuhalten und im Kampfe nicht zu erlahmen. Auf diejenigen, welche den Streikenden in den Rücken zu fallen versuchten, müsse ein wachsames Auge gerichtet werden. Wer> seine Arbeitskraft zu schätzen wisse, dürfe sie jetzt dem Unternehmer nicht zur Verfügung stellen. Tie„Ressdenzfcstsäle", Landsberger Straße 31, Inhaber W a l t e r st e i n, sind seitens der unterzeichneten Organisation wegen Tarifbruches für organisierte Gehilfen bis zur Er- ledigung der Differenzen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Glasschleifer! Die Differenzen bei der Firma 2 o r c t t e. Glasschleiferei, sind durch Verhandlung erledigt und wird die Arbeit am Montag wieder ausgenommen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Die Prachtsäle des Ostens. In- Haber Herr Oskar Erantz, Frankfurter Allee 151/152, sind für or- ganisierte Kellner. Zapfer und Hausdiener gesperrt. Herr Crantz lehnte Verhandlungen mit der Organisation, die auf Abschaffung der minderwertigen Kost und Einführung einer Kostcntschädigung hinzielten, ab. Darauf stellte das Personal die Arbeit ein. Verband der GastwirtsgehUften. OrtSverwaltung Berlin. Deuttckes Reich. Zum Streik in der Binnenschiffahrt. Der Streik nimmt für die Schiffsmannschaften einen durch- aus günstigen Verlauf: bisher haben 127 Unternehme« bewilligt. Die entgegengesetzten Behauptungen des Unternchmerverbandes. der übrigens versucht, die Unternehmer von Verhandlungen abzuhalten, treffen nicht zu.____ Uh.Gt»ch habe keine Blwstcllung von ihm. Schulte ,m Hof« ist Cin„..„„pnivarcr wch nicht geschmackloser Blldmsmalcr; er nutzt milde Farben ohne di« Oberflachlichkeil de« llanhl'ch Dctorativcn herzuricktcn. Den Statssekretär nennen die Samoaner den schönen Viel- versprechenden.(Heiterkeit.) Nach seiner gestrigen Rede könnten wir ihn als„Schönredner" bezeichnen. Was er gestern über die A r b e i t e r f r a g e gesagt bat, hat uns durchaus stzmpalhisch be- rührt. Aber man muß solche Rede deshalb mit genügender Vorsicht aufnehmen, weil die Taten mit den schönen Worten nicht überein- stimmen. Daß die weißen Arbeiter sich gegen die Konkurrenz aus- ländischer Arbeiter wehren, ist selbstverständlich, aber nicht, weil diese andersfarbig sind, sondern weil sie Lohndrücker sind. 3 00 Mark werden im Jahre an einen Farbigen an Lohn gezahlt.(Hört! hört! bei den Sozialdemolraten.) Das ist den Farmern schon zu viel, und die Regierung hat ihnen versprochen, dafür zu sorgen, daß die Löhne nicht höher werden. Das ist eine sonderbare Art vormundschaftlicher Fürsorge für die schwarzen Kinder.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese väterliche Fürsorge kommt nicht den Schwarzen, sondern den Farmern, also den ausgewachsenen weißen Kindern zugute. Mit falschen Versprechungen wirbt man die Leute als Arbeiter an: diese Heranziehung der Leute zum Hafen- und Eisenbahnbau ist geradezu ein Krebsschaden für das Land geworden; der Landbau wird dadurch vernachlässigt. Natürlich kommen auch zahllose Ilebergriffe gegen die Eingeborenen vor. Weil der Gouverneur die Ovambos nicht zur Arbeit nach Südwestafrika einführen will, lvird er von den Farmern angegriffen und verspottet. Dabei herrscht im Ovamboland bereits Hungers- not a u s M a n g e l an Menschen. Daß die in Südwestafrika arbeitenden Ovambos geprügelt werden, kann nicht Wunder nehmen: in einem Fall, der zur Anzeige kam, erfolgte Freisprechung(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und die Farmer verspotteten den Beamten, der die Anzeige erstattet hatte, als Ritter von der traurigen Gestalt. Man sagte gestern, auch in der Kolonialpolitik muß Recht Recht bleiben. Dabei ist der Beginn der Rolonialpolitik sowie die ganze SiedelungSpolitik nichts als ein cllatairtcr Rechtsbruch, bei dem den Leuten ihr Land genommen wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Strafen in den Schutzgebieten haben ständig zugenoinmen; in den vier Schutzgebielen sind nicht weniger als 7381 Prügelstrafen verhängt worden. Speziell Kamerun heißt dorr überall das Fünfundzwanziger Land, nämlich das Land, wo stets zu 25 Hieben verurteilt wird. Ein Weißer, der ein zehn- jähriges schwarzes Mädchen vergewaltigte in einer Weise, daß das Kind starb, wurde zu 5 Jahren Zuchlhaus verurteilt; die Farmer- presse fand dies Urteil zu hart. Ein 16 jähriger Neger, der ein 4 jähriges weißes Kind vergewaltigte, erhielt 8 Jahre Zuchthaus, und hier heulte die Farmerpreffe, das Urteil ist zu milde, an den Galgen mit dem Beugel. Der Gouverneur trug dieser Stimmung Rechnung und hob das Urteil auf, damit ein Todesurteil gefällt werden könnte, was auch geschehen ist. Der Gouverneur bestreitet das. Sollte es zutreffen, so verdiente er, infam kassiert zu werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zur wirtschaftlichen Er- schließung der Schutzgebiete tragen Eisenbahnen bei, aber in dem Hurratempo, wie es gestern verlangt wurde, können sie nicht gebaut werden, wir müssen auch an die denken, die sie bezahlen sollen. Auch die Selbstververwaltnng soll gefördert werden; aber auf keinen Fall darf eine Handvoll Weißer über das Eigentum der Eingeborenen nach Belieben verfügen,(«ehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Für Regierung s schulen sollten möglichst große Mittel aufgeivandt werden, damit die Eingeborenen nicht in die Religions- und Missionszänkereien hineingezogen werden. Auf dem Gebiete des Schulwesens wird fast der verstiegenste Herren- und Rassenstand- punkt vertreten. Kein reinrassiges Kind darf in Regierungsschulen aufgenommen werden; das ist der bekannte o st e l b i s ch e Stand- Punkt, daß die dümmsten Arbeiter die besten find. Mit allein Nachdruck verlangen wir die Aufhebung der Hausflk�v er ei zu dem gesetzlich festgelegten Zeilpunkt. Wie sehr wir positiv mit- arbeiten, beweist unsere Zustimmung zu einer ganzen Reihe von Anlrägen in der Kommission. Die Einfuhr von Spirituosen sollte in Kamerun ebenso verboten werden wie in dem belgischen Kongo. Ich glaube Ihnen nachgewiesen zu haben, wie unbegründet die gestrigen Angriffe aus unsere Haltung zur Kolonialpolink gewesen sind. Ich habe Ihnen unser positives Programm dargelegt. Wir bekämpfen nach wie vor jede Art von Ausbeutung und Knechtung und werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, daß die Förderung der geistigen und wirtschastlichen Entwickclung der Schwachen und Ilnterdrücklen in den Kolonien immer weiter getrieben wird.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) L ooschen endlich hat uns einige gute Landschaften beschert, dia- gonal-passabcl. Vier Neue, aber nichts Neues. rbr. Theater. Theater in der K ö n ig g r ä tz e r Straße:„Macbeth". Paul W e g e n e r, der aus dem Reinhardt-Ensemble, das seiner sich immer reicher entwickelnden Kraft den farbigsten Hintergrund und freiesten Spielraum bot, ja leider scheidet, trat in dieser Aufführung zum ersten Mal als Macbeth auf. Ob Shakespeare den blutbefleckten schottischen Tyrannen, der durch Meuchelmord den Thron erobert und, seinen Raub zu sichern, wütend weiter mordet, bis er nach dem doppeldeutigen Hexenmorde fällt, sich so gedacht hat, wie ihn der Schauspieler gestaltete, kann wohl bezweifelt werden. Gewiß ist, daß Wegener die Figur ganz abseits von dem hergebrachten Stil gab. Indes war diese Wcgenersche Auffassung so sehr in dem Charakter selbst verankert und mit solcher Folgerichtigkeit durchgeführt, daß nirgendwo ein Riß im Bilde störte. Man sah nicht geistreichelnde Experimentiererci, die klügelnd darauf ausgeht, durch einzelne Nuancen Aussehen zu erregen, alles strömte aus der Fülle lebendiger Empfindung, die sich zwanglos mitteilt. Er spielte den Macbeth anders, nicht darum, weil er anders spielen wollte, sondern weil er ihn anders geschaut, gefühlt, durchlebt hatte. Wer wollte sich auch anmaßen, zu entscheide», ob eine Auffassung einer bestimmten dichterischen Schöpfung und welche etwa, mit Ausschluß aller anderen die„richtige" sei? Sind denn die Charaktere, die die großen Dichter zeichnen, im Gegensatz zu denen, die uns das Leben zeigt, so eng umgrenzr, so eindeutig in ihrer Ausprägung, daß sie sich in fest fixierte Formeln spannen lassen? Liegt nicht eben darin: die mannigfachen Möglichkeiten individueller Deutung herauszuarbeiten und sie im Bilde darzustellen, einer der wesentlichsten Reize schau- spielerischer Kunst? Der Macbeth Wegeners war kein dämonischer Heros, vielmehr ein primitives schlichtes Menschenkind mit breitein, bäuer- lick-naiv dreinschauendem Antlitz. Nicht königlich gebietend, doch von reckenhafter Gliederkraft. Ein enger, schwerfälliger Geist, der durch den Spruch der Hexen, die Verheißung der Königskrone, aus seinem trägen Gleichmaß einmal aufgerüttelt, blindlings von Begier ent- flammt vorwärts taumelt— in dumpfer Vorahnung, daß er sich selbst, so sein Verderben schaffe. Ei» animalischer Sinnenmensch von täppisch-zärilicher Verliebtheit in sein Weib, die den noch Schwanken- den zur Blnitat treibt. In ollen Freveltaten ein gehetztes Tier, sür das man Mitleid fühlt. Die innere Unentrinnbarkeit des Zusammenbruches drängt sich gerade so. wie Wegener die Gestalt angelegt hatte, init zwingender Gewalt den Sinnen aus. Den Gipfel bildeten die letzten Szenen. Er verschmäht das laute kriegerische Pathos, das sonst hier üblich. Dafür entrollte er ein unvergleichlich packendes Gemälde seelischer Zermürbtheit, untermischt mit Augen- blicken jäh aufflackernder abergläubischer Hoffnung. Weiß ge- wordene Büschel struppigen Haares hängen in das vorn schmerz versteinerte Gesicht, und in todwundem Tone ringt sich das Ab- fchiedswort von seinen Lippen.„Aus Kcrzlein, ans! Das Leben ist. ein Wanderschatten nur; ein Komödiant, der auf der Bühne ein Stündlcin tobt und rast, und dann nicht mehr gehört wird." Es waren Laute die sich nicht vergessen lassen. Die Erregung entlud sich in brausend vorbrechendem Applaus. Abg. Hartrath(Z.) wünscht Förderung der FrauenhauShaltungs- schulen in den Kolonien. Abg. Dr. Müller- Meininge»(Vp.): Gewiß haben wir unsere Haltung zur Kolonialpolitik geändert, aber auch das BerwaltungS- system hat sich in der Zeit von Stübel bis Solf geändert. Ein hervorragender Praktiker der Kolonialpolitik, ihr holländischer Ge- nosie van Kol, hat Ihnen mit Recht auf dem Jnter- nationalen Swttgarier Kongreß zugerufen!" Kommen Sie doch aus Ihrem Schmollwinlel heraus und arbeiten Sie auch endlich praktisch mit, die Zeit der Phrase muß zu Ende sein." Die Reden der Ab. Henke und Noske werden sicher in einigen Wochen wörtlich in den Hotlentottenzeitungen abgedruckt werden.(Heiterkeit.) Das beste Mittel, die Eingeborenen zur praklischen Arbeit zu er- ziehen, sind sicher die Schulen. Revisionen der Missionsschulen sollen in Südwestafrila überhaupt noch nicht vorgekommen sein. Eine planmäßige Aussicht über die Missionsschulen ist absolut notwendig. (Sehr richtig! links.) In Ostafrika bestehen sür 7'/, Millionen Ein- wohner nur 7 oder 8 Regierungsschulen. Herr Erzberger nannte die Regierungsschulen zwar Propagandaschulen für den Islam, aber das Gegenteil ist wahr. Nur die Regierungsschulen machen den Koranschnlen mit Erfolg Konkurrenz und paralysieren den islami- tischen Einfluß, während die Missionsschulen wegen des Mißtrauens der Eingeborenen nicht dazu imstande sind. Das Reich hat über- Haupt keine religiöse Propaganda zu treiben. Abg. Keinath natl.): Der Abg. Noske hat gegenüber den Er- folgen unserer Kolonialpolitik hingewiesen auf die großen Kosten, die für sie aufgewendet werden müssen. Gewiß, unsere ganze Äolonialpolitik ist eine Saat auf Hoffnung, aber ihre Enttvickelnng berechtigt uns doch zu einem gewissen Optimismus. Die Kolonialkriege können wir nicht so beurteilen, wie europäische Kriege. Tie Schutztruppe ist gezwungen, irgend einen positiven militärischen Erfolg zu erringen, um die Ausstandslust der anderen Stämme zu dämpfen. Allerdings sind die Kosten der Schutztruppe sehr hoch, die Ansiedler sollten mit herangezogen werden zum Kriegsdienst.— Tie Ausführungen des Staatssekretärs zur Eingeborenenfragc waren allerdings etwas theoretisch. Die Ansiedelung von Leuten mit etwas Kapital, die einige farbige Arbeiter beschäftigen können, halten wir für durchaus möglich. Wünschenswert iväre eine Ilare Auskunst darüber, wieviel Kapital für notwendig erachtet wird für die Gründung einer sogenannten mittleren Siedelung. Abg. Dr. Oertel(k.): Im Vertrauen zum Staatssekretär des Kolonialamts stimme ich dem Vorredner zu, auch darin, daß wir Frauen nach den Kolonien bringen sollen, Frauen sind der beste Ausfuhrartikel, den wir haben.(Heiterkeit.) Auch Herrn Müller-Meiningcn kann ich in der Hauptsache zu- stimmen— ein verhältnismäßig seltener Fall. Die Förderung der Schulen ist eine sehr wichtige Aufgabe der Kolonialverwaltung. Es wird auch nötig sein, ein Schnlrecht festzustellen. Freilich möchte ich vor allzuviel Revisionen der Schulen warnen. Zwilchen den Anschauungen des Abg. Noske und meinen klafft eine unüberbrückbare Kluft; mir ist es unverständlich, wie man im Zusammen- hang mit unserer Schutztruppe von Mcnschenschlächterei und Massenmord sprechen kann.(Bravo! bei den bürgerlichen Parteien.) lieber die Erziehung der Eingeborenen hat der Staatssekretär theoretisch sehr schön gesprochen; aber praktisch ist doch Kultur ohne Christentum nicht möglich und Erziehung zur Kultur kann nur Erziehung zum Christentum sein.(Bravo I rechis und im Zentrum). Ein schleunige Kredithilfe für die Farmer und die von ihnen gegründeten Genossenschaften ist dringend notwendig. — Zum Schluß noch eine Bitle: man sollte doch die afrikanischen Ortsnamen in den Schutzgebieten durch deutsche Namen ersetzen (Abg. Ledebour jSoz.j Hohenzollernland). Ich würde auch geg?n ein LedebourSdorf nichts einzuwenden haben.(Heiterkeit). Staatssekretär Dr. Solf: Meine Anschauungen über die Eilt- geborenenffage sind nicht hier am grünen Tisch rein theoretisch ent- standen, sondern in Sainoa. In einem Lande mit 7 Millionen Negern können wir nicht ohne weiteres die allgemeine Schulpflicht einführen; aber wir unterstützen jede Arl von Schulen.— Tic Schlußfolgerungen v. Lindequists in der SiedclungSfrage kann ich trotz meiner Hochachtung vor ihm nicht teilen. Eine bestimmte Zahl für eine Mittelsiedclung zu nennen, ist unmöglich. Es wird immer darauf ankommen, ob der Belreffcndc genügend Erfahrung und Tüchtigkeit hat, 30 bis 40 000 M. halte ich für Ansiedler, die von hier aus in die Kolonien gehe» wollen, für das mindeste. Herrn Noske bin ich noch eine Antwort schuldig ans seine Anfrage über die unglücklichen Verbannten Hottentotten. Ich habe mich über ihre Eine sehr gute Darstellung fand auch die Lady Macbeth— ihre Tücke, der wilde Ehrgeiz und die jammernde Klage der von den furchtbaren Visionen der Mordtat Verfolgten— durch Irene Trief ck. Die Inszenierung brachte eine Reihe bei aller Einfachheit malerisch eindrucksvoller Bilder. ckr. Musik. Volkstümliches Konzert der Typographia. Diesmal ließ sich der aiierkanirt größte und leistungsfähigste oller Arbeitergesangvereine Berlins wieder einmal in der Hochschule sür Musik hören. Die Wahl dieser würdigen Oertlichkcit— im Gegensatz zu irgend einem Brauereisaal oder Zirkusraum— spricht sür die Absicht, reine gesangskünstlerische Aufgaben zu lösen. Man darf sagen, daß die Typographia hierzu befähigt ist. Mit einer seltenen Präzision, die trotzdem keine Spur von„Drill" auskommen läßt, verbindet sich eine tonale Einheit, in der gleichwohl jeder Slimmcnkörpcr seine Selb- sländigleit bewahrt. Daraus ergeben sich wundervolle dynamische Farbenwirkungen. Daß beim erste» Tenor in besonders hohen Ton- lagen, freilich zumeist iiur im Fortissimo. forcierte Spitzllänge ver- nehmbar sind, diese kleine Unart läßt sich selbst bei den hervor- ragendsten Künstlerchören nicht abstellen. Das Programm wahrle volkstümlichen Charakter. Es brachte»eben bekannten Chören eine Neuheit von Karl G o l d m a r k, dem Nestor oller Gegenwaris- komponistcn:„Fr üch l i n g s n e tz". Dieser Chor, den vier Waldhornbläser und das Klavier begleiten, ist stets des Erfolges sicher. Dagegen Verarbeitungen von Lieder» speziell weiblicher Art, die nur für eine Sopranistin mit Klavier- begleitmig gedacht sind, wie„Die Spinnerin", zu Männer- chören möchte ich selbst dann, wenn der Chorsetzer(«chauß) nach Charakterisierung stiebt, doch nur in Ausnahmefällen das Wort reden. Als Solistin trat Paula W e i n b a u m auf. Ihre Stimme offenbarte siegreichen Klang im höchsten Sopran und tiefsten Alt. Bei dieser Sängerin bestrickt immer die Fertigkeit und Energie, kurz die Bravour des Vortrags, der der dramatisch zu gestaltenden Ballade wie dem innig oder mit leidenschafilichem Akzent ge- nommenen lyrischen Liebe durchaus künstlerisch gerecht wird. _ Anton Hekking spielte mit höchster Meisterschaft einige solistischc Stücke auf seinem herrlich klingenden Violoncello. Chormeistcr Alexander W e i n b a u in ist nicht bloß ein Dirigent von bcrvor- ragender Qualität, er ist auch ein feiner Begleiter auf dem Klavier. Daß sowohl dem Chor wie den Solisten Zugaben abgenöligt wurden, ist eine Unsitte, gegen die sich die Konzertgeber in erster Linie strikte ablehnend verhalten sollten.«, k. Notizen. _— Hermann Nissen, der Präsident der Bühncngcnossen- schaft, ist durch Erkrankung gezwungen, wochenlang jede Tätigkeit einzustellen. Er wird, auch auf der bevorstehenden Delegierten- Versammlung, durch Gustav Rickelt vertreten werden. Zurucköeforderung in ihre Heimat mit dem Gouverneur von Süd- westafrika in Verbindung gesetzt; er hat erhebliche Bedeuken geltend gemachr, weil er meint, daß darunter gerade politisch höchst gefährliche. dem Aufruhr geneigte Leute find. Nun habe ich einen neuen Bericht aus Kamerun erhalten, der an mein Mitleid■ appelliert. ES ist den Hottentotten dort schlecht gegangen, klimatische und sonstige Einflüsse haben sie dezimiert.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Das hat mir weh getan, trotzdem eS Verbrecher waren, die eine starke Strafe verdient hatten. Ich habe mich noch einmal au den Gouverneur in Windhoet gewandt, man möchte doch die Be- denken zurückstellen. Natürlich werde ich ihm aber nicht meine Mei nung aufdrängen, damit werden die Herren einverstanden sein, die eine gewisse Dezentralisation wünschen. Sie sehen jedenfalls, daß wir dasselbe Mitleid mit den Leuten haben wie Sie.(Bravo I) Abg. Dr. Mumm(Wirtsch. Bg.): Das wichtigste ist die Msfions' tätigkeit in den Kolonien. Wir haben den Eingeborenen das Beste zu bringen, was wir haben, und das ist das Kreuz. Wenn man von Menschenjagden spricht, so haben solche in den Kolonien früher seit Jahrtausenden in viel schlimmerem Matze zwischen den einzelnen ' Stämmen stattgefunden. Abg. Dr. Weist(Soz.): In der Denkschrift über die Neuerwerbungen in Aequatorial- afrika ist der schlechte Zustand der an Deutschland neu übergegangenen Gebiete auf die Konzesfionsgesellschasten geschoben, deren lieber- nähme der ReichSlanzler unter den Schattenseiten des Vertrages aufgezählt hat; er meinte freilich, unter der- deutschen Gerichtsbarkeit würde es anders werden. Wir haben allen Grund zum Mißtrauen dagegen, daß die Regierung entschlossen ist, den Kamps gegen die Bor- Herrschaft der Konzessionsgesellschaft mit Entschiedenheit aufzunehmen. Die Denkschrift von 1911 spricht mit merkwürdiger Diskretion von einem Vorgang, der in Deutschland so gut wie keine, in Frank- reich dagegen desto größere Beachtung gefunden hat, nämlich von dem Versuch, Verhandlungen zwischen der Ngoko-Sangha-Gesellschaft und jenseits der Grenze gelegenen deutschen Gesellschaften anzubahnen. Diese Verhandlungen find aber gescheitert. Jedenfalls geht aus der Denkschrift deutlich hervor, daß die Regierung solchen Versuchen nicht unsympathisch gegenübersteht.(Hört, hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Natürlich müßten solche Verhandlungen eine Stärkung der Konzesfionsgesellschasten zur Folge haben. Deu Gesellschaften wirft man sowohl die Art ihrer Gründung vor. dann vor allem die un- erhörten Verträge, die fie mit den Eingeborenen geschlossen haben, und den Raubbau, den fie am Kautschuk betreiben..Ihre Tätigkeit ist die organisierte Plünderung der Kolonie gewesen" (Hört! hört!), sagt ihr der Franzose Viollette nach. Ganz derselben Art sind die Vorwürfe, die gegen das Kamerun-Kaut schul» Syndikat erhoben worden find. Es kann uns nicht gleichgültig fein, daß die deutsche Regierung solche Bestrebungen unterstützt. (Sehr richtig§ bei den Sozialdemokraten.) Diese Bestrebmrgen haben auch hier im Abg. Semler einen Fürsprecher gefunden. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Für meine Behauptung, daß die Verhandlungen von der deut- scheu Regierung unterstützt worden find, ja, daß die deutsche Regiermig direkt daran teilgeuonunen hat, gibt eS amtliche Belege. Tie Ngoko-Sangha-Gesellschaft schreibt am 17. Januar an den Minister des Auswärtigen in Paris, die deutsche Regierung habe den Ar. Sew'ler mit diesen Verhandlungen beauftragt.(Lebhaftes Hört! hchrt! beü den Sozialdemokraten.) Am 21. Mai wird geschrieben, Dr. Semder würde in Paris dem Minister durch den deutschen Bot- schafter- vorgestellt werden. Der Berichterstatter der französischen Buigetlommsfion erwähnt ein Schreiben des Ministers an Herrn Deschauel, in dem es heißt, die deutsche Regierung habe Dr. Semler als denjenigen bezeichnet, der mit den Verhandlungen beauftragt worden sei.(Zuruf des Abg. Dr. Semler l) Herr Dr. Semler wundert fich über das Erstaunen meiner Freunde. Sicherlich hätte die deutsche Regierung besser getan, fich eine größere Zurückhaltung aufzuerlegen. Der Berichterstatter der frauzösischen Budgetkommisfion sagt, man zählt mit Behagen die Titel des Dr. Semler auf, Rechtsanwalt in Hamburg, Mitglied des Reichstages, Berichterstatter im Reichstag für den Etat des KolonialamtS(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), Vorfitzender der Südkamerun-Gesellschast usw. Es ist Herrn Dr. Semler zum Vorwurf gemacht worden, daß er trotz seines Interesses an den Dingen das Referat zum Koloinaleiat übernommen habe. Dr. Semler hat erklärt, er erblicke keinen Zusammenhang zwischen seiner Tätigkeit für die Gesellschaften und seiner Tätigkeit als Bericht- erstatter. Ich bin gern so wohlwollend, ihnr zu glauben, daß er diesen Zusammenhang nicht erkennt; aber objektiv steht die Tatsache fest, daß die Eigenschaft deS Herrn Dr. Semler als Berichterstatter für den Etat des Kolonialamts als Beweis für seine Qual ist- k a t i o n zu gewissen geschäftlichen Verhandlungen angeführt worden ist und da sollte der Reichstag doch darauf Wert legen, daß Dr. Semler nicht aus einen derartig delikaten Posten gestellt wird.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch in andern Fällen haben Beamte der Regierung eine Tätigkeit entfaltet, die durchaus nicht eine Förderung der Handelsfreiheit bedeuten. So hat die„Compagnie Forestiöre" in ihrer Haupt- Versammlung am 17. November 1912 mit Befriedigung konstatieren können, daß nach der Abtretung Neu-Äameruns an Deutschland ihre Geschäfte durch die deutsche Regierung nicht im geringsten gestört worden seien. Das haben also alle ihre eigentümlichen Verträge mit den Eingeborenen, ihr Raubbau an Kautschuk usw. nicht ver- hindert. Ferner soll eine andere Gesellschaft die Unterstützung der Regierung erfahren haben. Es handelt sich da um den Bau der Bahn von Duallah bis an den Kongo, der_ auch gestern von Herrn Semler sehr lebhaft befürwortet worden ist. Ich habe die Befürchtung, daß die betreffende KonzesfionSgesellschaft durch die Fortführung dieser Bahn in der genannten Richtung eine erhebliche Kräftigung erfahren wird. ES haben schon früher in Paris und in Berlin über diesen Bahnbau zahlreiche Verhandlungen statt- gefunden und Herr Dr. S e m l e r hat dabei ein lebhaftes Interesse dafür an den Tag gelegt. Der Botschaftsrat in Paris v. d. Laaken hat stch der Vermittlung deS Herrn Dr. Semler bei der Förderung dieser Geschäfte bedient. Ich finde nicht, daß eS Aufgabe eines deutschen Botschaftsrats in Paris ist, solche Kon- zesfionSgcsellschaften zu unterstützen. ES ist unS natürlich ganz gleichgültig, welche Privattätigkeit etwa Herr Dr. Semler 'ausübt, und wenn es ihm so schlecht geht, wie in Paris, wenn er so abfallen muß wie in diesem Falle, so ist das sein Pech. Das ist mir persönlich ganz gleichgültig, ich habe für ihn das Mitgefühl, das seiner Wirksamkeit entspricht, aber ich glaube, wir können verlangen, daß wo«S sich um ganz private Geschäftsinteressen handelt zugunsten einiger großen Kon- zessionsgesellschaften, die Beamten der Regierung sich eine größere Reserve" auferlegen. Es würde nichts schaden, wenn der Bot- fchaftSrat v. d. Sanken in die Grenzen einer normalen und angemessenen Tätigkeit zurückgewiesen würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). Man sollte die Konzessionsgesellschaften durchaus nicht irgendwie zärtlich behandeln, man sollte von keinem Mittel ihm gegenüber zurückschrecken, auch nicht vergeffen, daß z. B. vorgesehen ist da-Z Mittel der Entsetzung, und daß vor allem das Ziel der Handelsfreiheit im Auge behalten werden muß. Ich be- lone nochmals, daß im ganzen Hause Uebereinstimmung herrscht über die Notwendigkeit des Kampfes gegen die KonzesfionSgesellschaft. Wir haben diese Kolonialpolitik niemals unterstützt, aber wir denken daran, welche schweren Lasten sie dem Volke aufzwingt, und wir er- heben entschieden den Anspruch, daß dieses Opfer von der Regierung respektiert werden. Die kostspieligen, mit teuren Opfern erkauften Gebiete dürfen wir nicht einem brutalen und skrupellosen Regime moderner kapitalistischer Konquistadoren ousliesern.(Lebhafter Bei- fall bei den Soziaideuiokraten.) Alv. Dr. Temlcr iuatl.): Ich bin durch dune» angriff uver- iviifht und habe kein Material. Aber ich brauche Material auch aar nicht. Daß irgendetwas dergleichen in der Luft lag, wußte ich vereits beut«. Es ist mir mitgeteilt worden, die-Sozialdemokraten wollten mir etwas anhängen, weil ich gestern die vollige Turftiakeit ihres Standpunktes in der Kolomalfrage fchars kritistert habe. AiM sollte ich nun an den Pranger gestellt werden.(Große Uw l ruhe bei den Sozialdemokraten.� Das nennt man eine kleine In- ' trigue.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die meisten von dech Vorredner vorgebrachten Tatsachen find längst bekannt. Wenn mir nicht von sozialdemokratischer Seite, aber sonst von irgendjemand der Wink gegeben werden sollte, daß meine Stellung nicht ganz lauter wäre, würde ich dem sosort Folge geben, und wie ich früher schon mein Referat über Kamerun niedergelegt habe, auch mein Referat über den Hauptetat niederlegen. Worum handelt es sich denn? Ick wurde vor einigen Jahren gefragt, ob ich bereit sei, in den Aufsichtsrat der Gesellschaft Süd-Kamerun an leitender Stelle zu treten. Sie gab damals keine Dividenden und Tan- tiemen. Das lag mir bei meinem bürgerlichen Beruf als kauf- männischer Anwalt in Hamburg nahe. Wir Eimen doch nicht alle Journalisten, Schauspieler oder sozialdemokratische Beamte sein. l Große Unruh« bei den Sozialdemokraten.) Wir müffen enten bürgerlichen Beruf haben, von dem wir in Ehren leben(Lachen bei den Sozialdemokraten), der uns die Möglichkeit gibt, die Dinge hier iui Reichstag vom grünen Baum der Praxis zu beurteilen. Sonst dürften hier keine Landwirte, keine Spiritusintereffenten, dann dürsten hier auch keine Sozialdemokraten sitzen, denn« i c alle(zu den Sozialdemokraten) leben ausschließlich vom Geschäft, i Großer Lärm und Unruhe bei den-Sozialdemokrat ten.) Ich habe mich damals, weil ich mir klar sein wollte, ob irgendwie eine Jntereffenkollisiou entstehen könnte, schriftlich an das Kolonialamt gewandt, und mir ist das Gegenteil versichert worden. Ich habe auch bei den Kollegen aus der Budgetkmumisfion herumgesragt, ob ich das tun könne, und man hat mir auch gesagt, es läge kein Bedenken vor. Ter Gesellschaft ist es dann immer besser gegangen, sie gibt jetzt auch Dividenden und Tantiemen in vernünftigen Grenzen. Ich frage, ob da irgendetwas Unlauteres dabei ist. Die Gesellschaft hat unter meiner Leitung eine sehr arbeitersreundliche Polstik betrieben. Wenn man hier den Ver- such macht, mich, weil ich Ihnen(zu den Sozialdemokraten- etwas Unangenehmes gesagt habe, in eine peinliche Lage zu bringen (Unruhe und Zurufe bei den Sozialdemokraten: Nur deshalb?), setz« ich mich darüber hinweg. Ich weiß auch nicht, was es Böses fein soll, wenn mir das Auswärtige Amt einige französische Herren zuschickt, denen ich Rat erteilen sollte. Das kommt alle Tage vor. Dann soll ich in Paris abgefallen sein. Dort fitzt ein ganz aus- gezeichneter Botschaftsrat, v. d. Sanken, ein kluger und sehr tiich- tiger Beamter. Der hat Herren, die sich aus Frankreich an ihn wandten, freundliches Wohlwollen bewiesen, und fie aus den rich- tigen Weg geleitet. Es handelt sich dabei um die Frage der Schiff- fahrt ans dem oberen Kongo, und es war mit Rücksicht auf das neu- erworbene Gebiet sehr wünschenswert, wenn neben den Franzosen und Belgiern auch wir Deutsche dort eine Verbindung bekommen. Da habe ich mich mit Freuden zur Vermittelung angeboten, ohne persönliches und geschäftliches Interesse.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Ja. Herr Ledebour, das verstehen Sie nicht, wenn Sie solche Geschäfte führen müßten, da würden allerdings solche Jntriguen herauskommen, wie Sie sie mir zumuten. Ich habe mich also mit Freuden bereit erklärt, da mitzuwirken, und voraus- fichtlich wird schon am 1. April von den Dampfern auch unser Ge- biet befahren werden. Das find die Unterlagen für diese etwas kläglichen Angriffe als Revanche für meine gestrige Rede.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Wcill(Soz.): Ich lehne entschieden die Unterstellung des Abg. Semler ab, als ob mein Vorgehen eine Revanche für seine schreckliche Rede von gestern gewesen sei.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Auf diesen Einwand war ich wirklich nicht gefaßt, denn schließlich gehört nicht übermäßige Scharfsinnigkeit dazu, um zu entdecken, daß ich trotz aller Geistesaaben, die mir Dr. Semler vielleicht zuschreibt, dieses schwierige Thema der Konzesnonsgesellschaften nicht seit fftern abend durcharbeiten konnte.(Sehr gut! bei den Sozialdem- aten.) Entschieden wenden muß ich mich aber gegen die Ver- schleiernng des einfach objektiven Tatbestandes, wie sie sich objektiv aus der Rede des Abg.Dr. Semler ergibt. Es ist mir gar nicht eingefallen, eine Rede über oder gegen den Abg. Dr. Semler zu halten. Ich habe ausdrücklich betont, daß inicb sein persönliches Schicksal absolut nicht interessiert, sondern ausschließlich die Miß- Wirtschaft der Konzesfionsgesellschasten in Afrika. Wenn in diesem Zusammenbang bei der Besprechung der Tätigkeit der Konzesfionsgesellschasten der Name des Abg. Dr. Semler� genannt werden muß— meine Schuld ist das wirklich nicht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und wen bei der ganz einwand freien, einfach nicht zu erschütternden Schilderung der Tatsachen Herr Dr. Semler irgendtoie herabgesetzt werden muß. so trage ich auch hieran nicht die Schuld, das ist lediglich sein eigenes Ver- dienst.(Sehr gnt! bei den Sozialdemokraten.) Und er muh auch die Konsequenz seines sehr—„verdienstvollen" Wirkens zu tragen verstehen. �Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Mich hat an der Person des Dr. Semler nur das Moment interessiert und interessiert mich auch noch nach seiner mehr temperamentvollen als überzeugenden Erwiderung, das ist die Tatsache, daß er der Re- ferent des Reichskolonialanttes ist.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Ich war sogar so wohllvollend. ihm gegenüber zu äußern, daß er sicherlich im besten Glauben gelebt hat, es bestehe keine Spur eines Zusammenhanges zwischen seiner privaten Tätig- keit und dieser seiner Eigenschaft. Gewiß, ich will mich jetzt noch so stellen, als würde ich ihm das zugeben.(Heiterkeit.) Aber im übrigen ist objektiv nicht zu bestreiten, daß diese seine Eigen- schaft als Referent des Reichskolonialcnntes zur Empfehlung ge- dient hat bei gewiffen geschäftlichen Transaktionen, und das ist das entscheidende.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er sollte uns eigentlich dankbar dafür sein, daß wir ihn auf diese Kompli- kation seiner geschäftlichen und öffentlichen Tätigkeit hinweisen. Wenn er das nicht empfindet, so muß nach meiner Meinung der Reichstag das genügende Wohtwollen für Herrn Dr. Semler haben und ihm die Möglichkeit entziehen, in so peinliche Situationen zu geraten.— Was mich serner interessiert hat, ging Herrn Dr. Semler überhaupt nichts an, es war die Wirksamkeit der Regierung in ihrer Mitwirkung an solch privaten Geschäften, die geeignet ist, die Handelsfreiheit noch mehr zu unterbinden und die Äonzessions- gesellschaften noch mehr zu stärken. DaS ist der Kernpunkt der Frage, und wir werden Herrn Dr. Semler nicht erlauben, daß über diese entscheidende Frage irgendein Schleier gedeckt wird. Ich er- wähne die Namen der Abgg. Bassermann, Dr. Wiemer, Haußmann, Herr v. Bethmann Hollweg, die alle damals bei Beratung d«Z Kongoabkonimens die Konzesfionsgesellschasten verurteilt haben. Herr Bassermann sprach damals von einer schweren Truh crur. Diese Mnge zu beleuchten, werden wir uns nicht nehmen lassen, mag Herr Semler sich noch so beleidigt fühlen über die Erwähnung seines Namens, der nun einmal bei Behandlung dieser Kragen nicht unerwähnt bleiben kann.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.)-• Abg. Dr. Paasche(natl.): Ich glaube, daß das Haus keine Lust mehr hat. diese unerfreuliche Debatte fortzusetzen, und verzichte meinerseits auf daS Wort. Damit schließt die Debatte.(Zuruf bei den Sozialdemo- kraten: Und die Regierung schweigt!)— Der Titel „Staatssekretär" wird bewilligt. Tie fortdauernden Ausgaben des Etats werden debattelos genehmigt. Bei den einmaligen Ausgaben beim Titel»Studium des Ein- geborenenrechts" bemängelt Abg. Dove(Bp.). daß der Titel gegenüber dem vorjährigen Etat erheblich herabgesetzt sei. von 2S 000 auf 5000 M. Will man die Eingeborenen menschlich behandeln, so ist eine genaue Kennt- nis ihrer eigenen Rechtsanschauungen unerläßlich. Staatssekretär Dr. Sols: Auch die Kolonialverwaltung wünscht das Eingeborenenrecht zu sammeln. Es liegen jetzt bereits viele beantwortete Fragebogen vor, zu deren Bearbeitung wir in diesem Jahre mit 5000 M. auskommen werden. Die einmaligen Ausgaben und die Einnahmen werden be- willigt. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung ans Sonnabend 11 Uhr.(Vorher dritte Lesung des Etatnotgejetzes.)_______ Hbcfeordmtenbauö* 149. Sitzung. Freitag. den 7. März IvtS, vormittags 11 Uhr. Am Mmistertisch: Dr. Lentzc. v. Dallwitz. Abg. v. Arnim(k.) begründet einen Antrag aller bürgerlichen Parteien auf Einfügung eines Notparagraphen in da» Etatsgesetz. Der Etat wird bis zum 1. April nicht verabschiedet sein, wir müssen die Regierung ermächtigen, bis zu seiner Verabschiedung die not- wendigen Ausgaben innerhalb der Grenzen deS Etats weiter zu leisten. Finanzminister Dr. Lentzc: Der Antrag befteit die Regierung von einer Verlegenheit, denn die Staatsausgaben können nur ge- macht werden, wenn sie vom Landtag bewillig! find. Die Regierung wird sich bis zur endgiltigen Feststellung des EtalS die nötige Be- schränkung auferlegen. Abg. Dr. Pachnickc(Bp.): Wenn die Regierung den Etat dem Hause eine» Monat früher vorlegen würde, kämen wir nicht in diese Verlegenheiten. Abg. Hoffmann(Soz.): So ist eS! Der Etat muß früher eingebracht werden, sonst kommen wir nicht aus der Not des NotstandSelatS heraus. Der Antrag geht an die Budgetkommisfion. Der Grnndstückskavf fiir das Abgeordnetenhaus. Berichterstatter Abg. Viereck(fk.) begründet den Antrag der Budgetkommisfion, dafür zu sorgen, daß der Baublock zwischen der Leipziger Slraße. der Wilhelmstraße, der Prinz-Albrecht-Straße. der Königgrätzer Straße und dem Leipziger Platz für Reichs- und Staatszwecke erhalten bleibt. Außerdem soll die Regierung geeignete Schritte tun. um das an der Westseite des Abgeordnetenhauses, Prinz-Albrecht-Straße 5, liegende unbebaute Grundstück der Heeres- verwaltmig für den preußischen Staat, insbesondere für Zwecke deS Abgeordnetenhauses zu erwerben. Der Berichterstatter beantragt Ueberweisung deS NachtragsetatS von K Millionen an die Budget- kommisfion. Finanzminister Dr. Lentzc: Da das Etatsjahr 1912 bald zu Ende ist, kann ich nur bitten, den Nachtragsetat bald zu verab- schieden. Er ist daS Ergebnis der Verhandlungen zwischen der Staatsregierung und dem Reichsmilitärfiskus, die auf Grund eines einstimmigen Beschlusses Ihrer Budgetkommisfion geführt wurden. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Wir enthalten uns im Plenum aller weitereu AuSflihrungen. Abg. Hoffmann(Soz.): Da wir in der Kommisfion nicht vertreten sind, kann ich auf das Wort nicht verzichten. Eine große Tragikomödie findet jetzt ihren Abschluß, die unter der persönlichen.Anführung" Dr. Friedbergs be» gönnen hat. Unter viel Lärm wurde fie eingeleitet, aber eS war ein Lärmum nichts! ES handeltfich um denbekonnten Garten, den das Abgeordnetenhaus für fich zu haben wünscht. Die ganze Frage wäre ja leicht zu lösen, wenn der Garten des Oberhauses den«Gemeinen" des Volkes— als solche wird dieses Hans betrachtet— zu benutzen gestattet würde.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Da das nicht geschieht, soll dadurch sür gleiches Recht gesorgt werden, daß auch das Abgeordnetenhaus sich einen Garten zulegt. Wenn eS sich umjfleiche Rechte handelt, find wir intmer bereit, Sie zu unterstützen. Seinerzeit Hot die Frage hier im Hause ja einen förmlichen Aufruhr erregt; selbst bei den Frei- konservativen, und das will gewiß viel sagen.(Heiterleit links.) Selbst der sonst so friedliche Herr Hammer sprach von einem Ver- möbeln des Ministerpräsidenteu und Dr. Friedberg redete sogar von einer Operettenstimmung und trug das Couplet vor:»Habe manches schon erlebt, aber so etwas nicht!"(Heiterkeit.) Der Ministerpräfident wurde zitiert, er kam. sprach zwei Worte, machte rechtsum lehrt und verschwand.(Heiterkeit.) Wenn in diesem Hause so viel Sozial- demokraten wie Konservative säßen, das Parlament hätte sich eine solche Behandlung nicht gefallen lassen und das Ministerium hätte sich eine solche Behandlung auch nicht herausgenommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die ganze Grundstücks- angelegenheit bekommt einen sonderbaren Beigeschmack, wenn man fich einmal darüber informiert, welche Hände in dieser Geschichte stecken. Dann zeigt sich, daß diese Gartenfrage eine w u n d e r b a r e A e h n l i ch k e i t hat mit der Angelegenheit de» Tempelhofer Feldes.(Sehr gut! bei den Sozialdemvi kraten.) In beiden Fällen spielt ein Vaulöwe, ein Grundstücksspekulant eme große Rolle und zwar eine Rolle zum Schaden der preußischen Steuerzahler. Wir müssen einmal prüfen, mit welchem Grundstücksspekulanten da» Äriegsministerium diese? Geschäft gemacht hat. Bei der letzten Debatte in diesem Hause über diese Angelegenheit hat der Geheime Oberfinanzrat Löhlein hier erklärt„Es gehört zu den m i l i t ä r d i e n st l i ch e» Zwecken, für die militärischen Ausgaben Geld zu beschaffen." Er erntete dafür stürmische Heiterleit. Er wollte sagen, daß durch dieses Grundstiicksgcschäfl das Kriegsministeriuur Geld bekomme. Alö Abgeordnete aber haben wir die Pflicht, genau zu prüfen, wie diese Geldbeschaffung aussieht. Freilich, Herr Löhlein sprach von einer loyalen Behandlung der Abgeordneten und zwar in einem Ton jmd mit einer Pose, die Ihnen allen ja noch bekannt ist.(sehr gut! bei den Sozialdeinokraten.) Sie hat ausnahmslos im Hause Protest hervorgerufen. Pose und Worte waren: Mir kann keiner! (Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Wenn Ihnen diese Be- Handlung recht ist. das ist Ihre Sache, wir lassen sie uns nicht gefallen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir sind mit Ihnen der Meinung, daß das Abgeordnetenhaus das Recht auf Er- holung in einem Garten auf frische Lust hat. Dafür sollten 2Vs Millionen aufgewendet werden. Jetzt aber wird uns zugemutet, sechs Millionen zu zahlen.(Hört! hört I links.) Da sagen wir: Finger weg davon, dafür ist das Geld der Stenerzahter zu teuer!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir können es mit unserem Gewiffen nicht vereinbaren, für ein Stuckchen Garten sechs Millionen auszugeben, zumal der große Herrenhaus- garten vorhanden ist.(Sehr richtig! bei den Sogtaldemo- kraten.) Das Herrenhaus hält im ganzen 12 Vis 18 Sitzungen jährlich ab.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Garten steht das ganze Jahr leer, auch w ä h read de r Sitz ung en.(Hört! Hort! links.) Nur die H u n d e- des früheren Präsidenten habe ich bisher im Garten spielen sehen. lHetterkeit.) Aber dazu ist er nicht da. (Sehr richtig! links.) Ein ganzes Pudel Hm>de zerwühlte und der- nichlete den Garten, für den dann im Etat des Herrenhauses regel- mäßig die Wiederherstellungskosten angeforderi werden.(Hört l hört! links.) Wir find auch dafür, daß das Abgeordnetenhaus nicht in gewerbliche Uniernehmun gen ht neingebaut wird. Wir sind für mehr Freiheit de» Abgeordnetenhauses, aber nicht nur äußerlich, sondern auch in n e r I l ch möchten wir sür Licht und Lust und Freiheit sorgen, j�ravo. bei den Sozialdemokraten.— Lachen rechts.) Dieses � wird auch noch einmal ersterben, und die Zeit wird kommen, wo das Volk seine Rechte erobern wird und erobern muß.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In den Erläuterungen de« NachtragsetatS wird über die Verhandlungen aus Zurücknahme des Grundstücks durch die Negierung gesagt:„Danach tonnte der Erwerb dieses Grund- stücks nur ermöglicht werden, indem Preußen sich gleichzeitig ver» pflichtete, an den Unternehmer, mit dem die Reichsverwaltung fpekulant auf ein Geschäft verzichtet, dafür soll aus den Mitteln der Steuerzahler diese gewaltige Summe gezahlt werden. Zur Begründung wird ausgeführt, daß der fragliche gewerbsmäßige Grundstückshändler Bankdirekror v. Winterfeld bereits erheb- liche Suftvendungen gemacht habe. Aber auch die Regierung muß zugeben, daß ihm ein rechtlicher Anspruch auf diese Summe nicht zur Seite steht, Rur glaubt die Heeresverwaltung ihm nicht zu- muten zu können, auf eine angemessene Entschädigung zu der- zichten. Hört! hört! links.) Wer ist denn mm dieser Herr von Winterfeld? Der Mehrheit sei gesagt, daß meine Quellen weder sozialdemokratisch sind, noch Angaben von Konkurrenten dieses Herrn entspringen. Man hat mir mitgeteilt, daß eine völlige Klar- stellung im Interesse des Ansehens des Abgeordnetenhauses mid der höheren Beamtenschaft liege und daß man nichts vertuschen dürfe. (Hört! hört I links,) Herr v. Winterfeld war schon im Begriff, die ganze Sache fallen zu lassen, weil ihm alle Mittel fehlten. Erst als die Verhandlungen in der Budgetkommission und im Plenum des Abgeordnetenhauses einsetzten, mertte er. daß durch eine Transaktion viel zu verdienen wäre.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Winterfeld ist Direktor einer Grundstücks- und Hypothekenbank. Die Bank hat eine sonderbare Vor- geschichte. In der Blumenstraße besaß eine alte Berliner Bürgerfamilie ein fast schuldenfreies Grundstück. Mit diesen üeuten, die von der Bau- und Grundstücksspekulation nichts ver- standen, wollte Winterfeld einen Vertrag abschließen, ob- wohl er nachweislich vermögenslos war. Er wollte für 600 000 SR, wofür er eine Hypothek von 90 000 M. ablösen und 95 000 M. an die Erben auszahlen wollte, ein neues Haus mit Wirtschafts- räumen bauen. Die alten Leute gingen darauf ein. Winterfeld war damals einfacher Buchhalter und seine Eltern hatten wiederholt den Offenbarungseid geleistet. Trotzdem schloß er diesen Berttag ab. Das Haus der alten Leute wurde abgerissen und auf die Frage, ob er denn schon die Bauerlaubnis hätte, antwortete Winterfeld: .Ich habe so hohe Verbindungen, daß ich die Bauerlaubnis binnen weniger Tage von den Behörden erhalte".(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nachdem das Hau« der alten Leute nieder- gerissen war, verlangte Winterfeld eine weitere Hypothek von 100 000 M. und die alten Leute waren so töricht, fi« ihm zu geben. Allerdings wollte er dafür Vergrößerungen und Verbesserungen am Bau vornehmen. Nach weiteren 14 Tagen bestimmte er die Leute abermals, einen noch höheren Betrag für ihn auszuschreiben. Diese Hypotheken hat er zu Geld gemacht und mit diesem Gelde gründete er seine j e tz i g e B a n k.(Hört! hört! links.) Die alten Leute aber sind um ihr ganzes Vermögen gekommen. (Hört! hört!) Im März 1907 erfolgte die Eintragung der..Bank für Grundbesitz und Handel" ins Handelsregister mit einem Wien- kapital von 400 000 M., obwohl Winterfeld und sein Associer völlig mittellos waren.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) SBolv darauf wurden diese SRanipulattonen der Staatsanwaltschaft an- gezeigt. Der Staatsanwalt aber hat das Verfahren eingestellt, weil er annahm, daß sich subjektiv nicht werde nachweisen lassen, daß er ein« falsche Erklärung beim Registerrichter abgegeben habe. (Hört! hört! links.) Inzwischen hatte Winterfcld es dahin gebracht. den alten Leuten aus der Blumenstraße eine Hypothekenverschreibung von 780 000 M. abzulocken. Davon hatte er dem Baumeister, der das Haus schließlich baute, 300 000 M. gegeben und das andere Geld in seine Tasche gesteckt.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten. Die Eheleute stellten Strafanttag und brachten beim Kauunergericht einen Arrest heraus, den das Kammergericht damit begründet«: e« könne kein Zweifel darüber obwalten, daß die Machenschaften des Herrn von Winterfeld als unerhört betrügerisch erachtet und ihm jede Glaubwürdigkeit abgesprochen werden müßte. (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Mit solchen Leuten macht unsere Regierung Geschäfte! Einem solchen Mann sollen Millionen in den Rachen geworfen werden! Weiter haben die Eheleute gegen Wtnterfeld wegen Betruges Strafanttag gestellt und seit zwei Jahren schwebt ein Ermittelungsverfahren. Diese Dinge sollten der Regierung doch bekannt sein. Sie muß sich doch informieren, mit wem sie Geschäfte machi. Die Ellern Winterfelds haben nur vom Kreditschwindel gelebt und die un- glaublichsten Betrügeveien gegen kleine Leute begangen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nur wegen Verjährung konnte gegen die Eltern nicht vorgegangen werden. Sie haben eine Witwe aus Pankow um ihre Ersparnisse gobracht, indem sie vorgaben, sie brauchten das Geld für einen Erbschaftsprozeß bei dem Kammergericht, der verschleppt wurde. Dt« Untersuchung: e» gab, daß ein solcher Prozeß überhaupt nicht geschwebt hat. Und von der Bank des Sohnes dieser Eltern hat der Handelsteil des „Berliner Tageblatt" berichtet, daß der Geheim« Kommer- zienrat Mogk im Grunewald den Vorsitz in ihrem Aufsicht»- rat niedergelegt hat, weil Karl Detlow v. Winterfeld mit dem Gelde der Bank nach Belieben schalte und walte und nur Personen anstelle, die von ihm abhängig feien. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Obwohl die Bank dauernd gegen hohe Provisionen Geld suchen müsse, habe Winterfeld gegen einen niedrigen oder gar keinen Zinsfuß der Bank'250 000 M. ent- nommen.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Wege» dieser Untreue hat gegen Wintcrfeld ein Sttafverfahren geschwebt, in dem das Aufsichlsratsmitglied der Geheime KriegSrat und frühere Staatsanwalt Dr. Romen die Angaben des Mogk vollkommen bestätigt hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokaten.) Aber der Staatsanwalt hat wiederum die Schuld des Herrn v. Winterreld pur nicht erwiesen angesehen. Wohin Sie blicken. Korruption der schlimmsten Art. ES besteht kein Zweifel darüber, daß auch der FiStuS durch diesen Herrn übervorteilt worden ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo. kraten.) Selbstverständlich wird Herr v. Winttrfeld der Regierung über angeblich(Ppfc Unfofteii, bic er gehabt hat, Vorspiegelungen gemacht haben. Aber welches Interesse hat denn der FiskuS daran, einem solchen Grunditucksipekulanten, wie es in Berlin glücklicher. weise wenige gibt, solche ungeheuren Vorteile zuzuschanzen. Die vorgetragenen Tatsachen mußten einer Regierung genügen, von einem solchen Mann weit abzurücken.�(Sehr wahr! bei den Sozial- deniokraten.) Reguläre Geschäftsleute, die etwa» auf ihren Ruf halten, wurden es ablehnen, mit einem solchen Manne etwas zu tun zu haben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Fiskus hätte sich an die erste beste Auskunftei wenden können. Ein adliger Herr bat sich aa eine bekannte Auskunftei wegen einer Auskunft über Herrn v. Winterfeld gewandt, die selbstverständlich die betrüge. Tischen Machenschatten dieses Herrn klarlegte. Herr v. Winterfeld verklagte die Auskunftei auf Schadenersatz von 20 000 M. Aber v o r dem Termin verzichtete er auf die Klage gegen die Verpflichtung, daß die Auskunftei keinerlei Auskunft mehr über ihn erteile.(Hört! hört! bei den Gozialdemo- tralen.i Diese Dinge zeigen, mit wem wir es hier zu tun haben. Herr v. Winterfeld, der sich rühmt, der preußischen Regierung nahe zu'tthen. hat an preußenfeindlichc Prinzen und an einen hockjr verschuldeten preußischen Prinzen Darlehen gegeben. Er hat in der Assare Kotze mit der Glaser Fetzung auch eine bedeutende Rolle gespielt. Kotze soll während seiner Festungshaft in Glatz sich hier m der Wohnung de» Winterfeld befunden haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemottaten.) Wintcrfeld wird beschuldigt, eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben. Es wird auch nicht d-e einzige sein. Der Vater d«S Herrn v. Winterfeld z. B. 500 M. von«'"tm'Bekannten geliehen, damit sein Sohn eine Badereise machen konnte. Der Sohn hat sich selber pas Geld geholt. Als ihn nach langer Zeit der Bekannte auf der Straße traf und mahnte sagte-r einfach: mein Vater ist tot, wenn Sic mit l.o 600 M. zufrieden sein wollen, will ich sie Ihnen geben? Winterfelds Vater lebt heute noch.(Heiter- keit.i Winterfeld ,oll auch aus sonderbare Dinge hin vom Soldaten- dienst befreit worden iein. ha-t eine Dame gegen ihn ge- klagt.(Hetterkeit rechts.) � Dame steht gerade Ihnen sehr nahe.(Hetterkelt links.) Winterfeld mar nämlich zu gleicher Zeit mit zwei Dame» verlobt. Allgemeine Heiterkeit.) Dieser Mann ist der würdige Unter- SSndler der Regierung, de« ms ans de»«alche» des Volkes 2 608 000 M. schenken wolleii. obwohl eri keinen Rechtsanspruch darauf hat. Es ist mir mitgeteilt worden, daß Winterfeld überhaupt noch keine Aufwendungen ge- macht hat, weil er überhaupt keine Mittel besitzt, um Aufwendungen machen zu können.(Hört! hört! bei den Sozialdemottaten.) Er versucht sich also hier einen unrechtmäßigen Vorteil zu verschaffen. Die Möbelfirma Pfaff, eine Firma von gutem soliden Ruf, soll bereit gewesen sein, die Quadratrute, die vom illeichsfiskus dem Winterfeld mit 6000 M. versprochen worden sein soll, für 10 000 M. zu erwerben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Warum ist die Regierung darauf nicht eingegangen, warum hat sie die Millionen nicht selber in die Tasche gesteckt? Gegen Winterfeld sollte straf- rechtlich vorgegangen loerden, da er versucht bat, mittels Betruges 2 608 000 M. zu bekommen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Wir aber lehnen auS diesen Gründen die Vorlage der Regierung ab. Sie sollte nur mit Leuten Geschäfte machen, deren Handlungsweise als Geschäftsleute einwandfrei»st. Ein Mann aber, der so oft mit der Staatsanwaltschaft in Konflikt gekommen ist, von dem die Gericht« derartiges behauptet haben, ist keine Verbindung für eine Regierung, die�auch nur das geringste auf sich hält.(Lebhasttr Söeifall bei den �sozialdemottaten.) Finanzminister Dr. Lentze: Die preußische Regierung ist nicht mit Herrn von Winterfeld, sondern nur mit dem Reichsfiskils in Verbindung getreten und hat mtt Herrn von Winterfeld gar nichts zu tun. Es handelt sich auch gar nicht darum,>daß wir für eine» Garten 6 Millionen zahlen sollen, der Garten ist nur ein kleiner Teil des Grundstücks, während ein sehr großer Teil für allgemeine Staatszwecke dienen soll. Von den 11620 Quadratmetern, die ge- kauft werden sollen, beträgt der Garten des Abgeordnetenhauses nur 2570 Quadratmeter, wovon 1000 bereits unmittelbar am Ab- geordnetenhause liegen, so daß von dem zu kaufenden Gelände nur noch 1570 Quadratmeter an den Reichsfiskus bezahlt werden. Es handelt sich darum, daß der große wertvolle Besitz des ReichsfiskuS westlich vom Abgeordnetenhaus in Staatsbesitz übergeht. Die Frage kann also nur sein, ob der Preis ein angemessener ist, und das ist der Fall.— Ich kenne Herrn von Winterfeld nicht und habe keine Veranlassung, für ihn hier einzutreten. Aber ich babe doch die Empfindung, daß Herr Hoffmann hier unter seiner Im- munität' manches behauptet hat, was vielleicht außerhalb dieses Hauses nicht gesagt worden wäre. Herr von Winterfeld wurde immer freigesprochen, also können die Verhältnisse nicht so gelegen haben, wie sie Herr Hoffmann schilderte. Ueber das übrige werden wir in der Kommission sprechen. Abg. Wallenborn(Z.) will auch nur in der Kommission über die Sache verhandeln. Abg. Dr. Pachnicke iVp.) betont, daß die Gartenfrage ganz nebensächlich sei; niemand würde die Hand dazu bieten, bloß für die Erholung der Abgeordneten 6 Millionen auszugeben. Das entscheidende Wort hat der Reichstag. Die Verträge hätten ohne Zustimmung deS Landtags nicht rechtsverbindlich abgeschlossen werden dürfen. Abg. Hoffman«(Soz.): Es wäre mir nicht eingefallen, ein Wort gegen die Vorlage zu sagen, wenn nicht die 2 608 000 M. Entschädigung darin stünden. Auch ich weiß, daß nicht das ganze Grundstück für einen Garten benutzt werden soll. Aber wenn wir, ohne jede rechtliche Verpslich- tung, 2% Millionen an Winterfeld zahlen, so kann doch der Finanz- minister nicht mehr von einem angemessenen Preis sprechen. Ich habe die Dinge so vorgetragen, wie sie in den Akten eines König lichen Justizrats und der Staatsanwaltschaft niedergelegt sind, und ich habe von dem Minister selbst die gute Meinung, daß er nicht mit jemand in Geschäftsverbindung treten wird, der- von solchen Anklagen nur mangels Beweises freigesprochen wurde. Mit einem solchen Mann, der fortwährend in einer so unangenehmen De- schästsverbindung mit der Staatsanwaltschaft steht(Heiterkeit), kann man doch nicht zusammen hantieren, und wenn der Reichs- ftstus das getan hat, so ohne genügende Information und zum Schaden seines Ansehens, sowie der Steuerzahler.— Erinnern muß ich doch daran, daß der Gartenwunsch der Ursprung der ganzen Affäre war.(Sehr richtig!) Ter Antrag Strosser hat die ganze Sache in Fluß gebracht. Von dem Reichsmilitärfiskus hätte man den Garten wohl eher für angemessenen Preis be- kommen können, und den Verdienst, den Winterfeld einsteckt, hätte der MilitärfiskuS gehabt. Dabei hat man auch gar nicht daran ge- dacht, da» ganze Grundstück zu erwerben, und man tut das jetzt auch nur, weil entweder das ganze oder nichts genommen werden kann. Wir machen die Zahlung einer Entschädigung von 2 608 000 Mark ohne jeden rechtlichen Anspruch darauf nicht mit. Ich hoffe. daß das Abgeordnetenhaus sich auf denselben Standpunkt stellt, und wenn nicht: Der Reichstag macht das sicher nicht mit!(Bravo bei den Sozialdemokraten.) Finanzminister Dr. Lentze: Wenn nur der Garten in Betracht käme, so wäre die Kritik des Herrn Hoffmann eher berechtigt. So aber handelt«S sich um ein annehmbares und gutes Geschäft. Abg. Strosser(k.): Verweisen wir doch die Sache an die Budget kommisfion I Abg. Hoffmann(Soz.) erwidert aus den Vorwurf des Vorredner», zu ausführlich geworden zu fein, daß er dazu durch die Fernhaltung der Sozialdemokraten von der Budgetkommission gezwungen worden ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich bestreite dem Minister gar nicht, daß daS Grundstück 6 SRilltonen wert ist, aber wir hätten es vom MilitärfiskuS viel leichter bekommen. Der Reichsfiskus hat sich vo« Winterfeld eine Krawatte machen lassen. Die« bedauern wir. (ix_ hat leichtfertig und unwürdig mit einem solchen Mann Ge schäfte gemacht. Begreift denn der Finanzminister nicht, welch un geheuren Borwurf er dem RcichSfiSkus mit der SSetonung, daß daS Grundstück für 6 Millionen nicht zu teuer sei, macht?'Der Reichs- siskuS muß ziemlich die Hälfte davon doch an diesen Spekulanten abgeben! Er handelt damit zum Nachteil des Voltes, das die Steuern chihlen mutz. Schon auS Reinlichkeitsgründen können wir den Handel nicht mitmachen. Finanzminister Dr. Lentze erklärt, die Angriffe auf den Reichsfiskus zurückweisen zu müssen, weil dieser hier nicht ver. treten fei. 'Abg. Hoffmann(Soz.): Wäre doch der Kriegsminister seiner. zeit auf die Aufforderung des Hauses hier erschienen, da hätte alle fiskalischen Aufklärungen geben können. Damit ist diese Besprechung beendet, die Vorlage geht an die Budgetkommission. Es folgt der Etat der Zentralgeuosseaschaftökafle. Abg. Dr. v. Krie»(1.) mißbilligt den steigenden Geschäftsver- kehr der Zentralgenossenschaftskasse mit den süddeutschen Genossenschaften, der die Möglichkeit eröffnet, daß sich die Preußenkasse zu einer deutschen Reichsgenossenschaftskasse auSwächst. Abg. Stull(Z.) tadelt die willkürliche Zusammensetzung des AutschusseS der Kasse. Die Preußenkasse läßt Genossenschaften, die vn©chwierigkeiteiz geraten, in totich und treibt sie dadurch den Privatbanken zu. Auch ich wünsche nicht eine EntWickelung zur rr f5* P""'(natl.) verbreitet sich über die Bedeutung des Ge. nossenschastswesenS und den Nutzen der gemeinsamen Arbeit in den Genossenschaften und spricht für einen Friedensschluß in dem longiahrigen Kampf zwischen der Preutzenkaise und der landwirtschaftlichen Zentraldarlehnskasse. . AKg- Dr. Erüger.Hagen(Bp.) hebt hervor, daß sich die Dienst. Verhältnisse dtt Beamten bei der Zentralgenossenschaftskasse sehr zu ihrem Nachteil von jenen bei der Seehandlung(Staatsbank) unterschetden. Die Zentralgenossenschaftskasse stellt zur Bedin. gung für ihre Geldgetvährung, daß sich die Genossenschaften staal- ltch bevormunden lassen. Damit macht sie immer weniger Ge- schäfte und muß immer mehr außer Preußen gehen. Wenn sie bei dieser Praxis bleiben will, soll sie sich lieber auflösen!(Beifall bei der Voltspartei.) Unterstaatssekretär Michaelis erttärt, daß die Zentralgenosfen- schaftstasse nicht einen Kampf gegen die landwirtschaftlich« Zentral» 1 darlehnükasse führe« sondern von dieser nur die Sicherung ihrer Liquidität verlange, deren Erschütterung ja allgeweirr bekannt ist. Ein Uebergang zu einer Reichsgenossenschaftskasse sei nächt geplant. Präsident der Zentralgenossenschaftskasse Heitigenstadt: Der Ausschuß ist nicht willkürlich zusammengesetzt, sondern durch Gesetz und kgl. Verordnung und unter Berücksichtigung aller Landes- teile. Der Redner bespricht dann die Geschäftsprinzipien der An- stalt. Die Ausführungen des Abg. Ocrtel über zu geringen Ge- tvinn unserer Kasse zeigten ein geringes Verständnis.— Ein großer Teil unserer Beamten ist in der Tat auf Kündigung angestellt, und zwar seitdem es infolge der Jugend dieses Instituts zu verschiedenen Disziplinaraffären kam, weil die Beamten noch nicht zu der nötigen Würde gelangt waren. Aber es schweben Erwägungen darüber, von der Kündigung wieder abzugehen. In das Selbst- jhesttmmungsrecht der Genossenschaften greifen wir nicht ein. Wir sargen nur für Herstellung richtiger Verhältnisse finanzieller Art in den Genossenschaften. Den Beweis für unsere Bevormundung ist uns Herr Erüger schuldig geblieben. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.)t Die Sozialdemokratie hat in ihrer Jugend die Staatshilfc für Ge- nossenschaften gefordert— aber freilich ganz anders, als sie hier gewährt wird. Heute rechnen wir ja gar nicht mehr auf Staats- Hilfe für Genossenschaften zum Wohl der Arbeiter, obgleich der Staat so viel tut für die Wohlhabenden und Be- sitzenden. Die staatliche Bevormundung durch die„Preußen- kasse" ist zugleich pölittschc Beeinflussung. Die Ausschließlichkeits- erklärung ist sehr bedenklich. Merkwürdig ist, daß gerade die Fort- schrittler cin staatliches Eingreifen fordern gegen die Konkurrenz und den Kundenfang der Sparkajsen. Sonst ist man doch so für Selbsthilfe. Nicht eine einzige Arbeiter-Kousumgenos- senschaft wird von dieser Kasse unterstützt, sondern lauter landwirtschaftliche und gewerbliche Genossenschaften. — Tie landwirtschaftlichen Genossenschaften haben in der aller- neuesten Zeit einen kolossalen, geradezu ungeheuerlichen Aufschwung erfahren. Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen wird in den Winterschulen gelehrt, die Landwttte begeistern sich gewaltig für dieses dem Privatkapttalismus eigentlich fremde Prinzip. Der Generalvcrband ländlicher Gerwsieuschaftsn hatte 1888 erst 113 und 1912 schon 5387 Genossenschaften als Mitglieder! Auf dem Gebiet der Betriebsgenossenschaften zeigt sich besonders ein Anwachsen der Elektrizität»-, der Produkteverwertungs-, Arbeits- und Maschinen- genossenschaften. Das ist kennzeichnend für. den Einzug der modernen Technik in die Landwirtschaft dank ins- besondere der leicht zu dezentralisierenden Äektrischen Kraft. Nach unserer Meinung hat das Genossenschaftswesen auf dem Lande eine gewaltige Zukunft. Wir wünschen eine Denkschrift über die Beteiligung der einzelne», landwirtschaftlichen Betriebs- großen an den Genossenschaften, die fozialpolittsch ungemein wertvoll sind, soweit sie den kleineren und mittleren Besitz zusam- "Reichsoerband landwirtschaftlicher Genofsevschafteu ist ja mit dem Neuwieder Generalverband 1905 verbunden worden. Der Zusammenbruch der Reichsgenossenschaftsbank fällt daher auch dem Generalverband zur Last.(Zuruf rechts: Sie haben ja keine Ahnung!) Gut, belehren Sie uttch— aber so viel wie Sie von der Sozialpolitik, über die Sie ja auch reden, verstehe ich auch noch davon! Steht dieser Zusammenbruch nicht vielleicht In Zu» sammeuhang mit den Geschäften dat: Kalibezugsgenossenschaft und den Kalraeschäften des Bundes der Landwirte?(Lachen rechts.) Na. geben Sie doch Aufklärung darüber, ich werde Ihnen sehr dankbar sein! Dem kleinlichen Narttkularismus, der keinerlei Geschäftsver- bindung der Preußenlstsse mit Außerpreußen will, schließe ich mich nicht an, mir ist eine Reichsgenossenschaftsorgauisation recht sym- � Baugenossenschaften entwickeln sich ganz kolossal. DaS zeigt eine Abwehrbeweaung deS Volles gegen Wohnungselcnd und Bauspekulation usw. Man gebe einmal Auskunft über diese wichtige EntWickelung! Sie halten den Genossenschaftsgedanken für so außerordentlich wichtig und propagieren ihn— aber sie b e t r a u e r n eS, daß auch die arbeitende Bevölkerung davon Gebrauch macht.(Widerspruch rechts.) Aber— die Feindschaft gegen die Arbeiterkonsumgenossenschaften ist Ihnen doch Parteisache!(Sshr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Trotz aller staatlichen Verfvl- gungen wachsen diese Genossenschaften und gedeihen und sind heute von allen die bedeutendsten. Sie haben IP Millionen Mit- Slieder, arbeiten musterhaft und verdienten um so mehr die uterstützung deS Staates, als sie das einzige Mittel zur Selbsthilfe der Schwachen sind. Statt dessen werden sie unausgesetzt verfolgt und schikaniert Die gewerkschaftlich-genossenschaftliche„Bolls für- sorge" ist das Objekt deS Sturmlaufs aller„staatStteuen" Ele- mente, als müßte der Staat vor dem Untergang gerettet werden. Herr Stull hatte schon recht: die Organlsation und der sie beseelende Geist, daS Verständnis für sie sind da» wichtigste! Aber warum sagen Sie daS nicht auch bei den Arbeiterorganisationen? Er hat eine gläubige Begeisterung für daS soziale Genossenschafts- Wesen gezeigi, ebenso Herr Oertel. Aber wann werden wir von Ihnen solch begeisterte Töne über die Arbeiterorganisattou hören? Statt dessen pries Oertel die landwirtschaftlichen Genossenschaften als die Stützen deS Staates und der Gefellschaftsordnung, als die Triaricr Sc. Majestät Und die sollen erhallen werden-- durch das dem Privatkapitalismus fernliegende sozialistische®e- nossenschastsprinzip, daS in seinen Konsequenzen zum Sozialis- muK führ�. Der nur durch die Genossenschaft erhaltene Landwirt ist äußer- lich noch derselbe wie früher, aber in Wirklichkeit nicht mehr; son- dern er verkörpert schon die EntWickelung zum landwirtschaftlichen Genossenschaftsbetrieb, zum Ende des landwirtschaftlichen Kapi- taliSmuS. Auch die Landwirtschast kann nur am Sozialismus genesen. Von diesem Standpunkt aus unterstützen wir diese EntWickelung, die Sie als ein Kampfmittel gegen den Umsturz preisen, die aber dazu führt, Ihre Herrschaft»zu erschüttern und umzustürzen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Brois(Z.) bespricht Wünsche der Verbandskassen in Sachen der Feststellung des Zinsfußes. Abg. Stull(Z.): Von den mir vom Abg. Dr. Liebknecht guge- schriebenen Aeußerungcn habe ich keine getan. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): DaS war nur ein Irrtum; ich meinte den Abg. Oertel. DaS Hau» vertagt die Weiterberatung auf Sonnabend 12 Uhr. — Außerdem Anträge Schiffer— Polizeiverordnungsrecht Schluß nach �5 Uhr. «SasierftanbS.«achrichtei» der Landesanstall sttt Gewüssertundc. witgeteitl vom verlwer ZSetterbureau Wasserstand M e m e t, Tilsit Pregel. Jnsterburg W e i ch!« l. Thorn Oder, Rattbor » Krassen . Franktutt Warthe, Schttm« _. LaiiSsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Drcsdcn » Barby . Magdeburg ! am � 6. 2 i am 266') 42') i-4') 119 100 109 64 4ö 24 —1 -136 122 101 seit 5. 3. cro') 4-17 +34 —~9 +19 — 1 —3 +8 tl +20 — 8 tl Wasserstand Saale, Drochlitz Havel, Evandaufl » Rathenow') Spree, Spremberg'Z . Beesww Weser, Münde« . Minden Rhein, Maximiliailsau » Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel.Trier am 0. S. am IIS 77 114 90 88 183 268 326 152 148 83 160 80 seit 5. 3. cm') +2 +2 — 1 +2 -3 +10 0 — 0 — 1 — 1 -1 ')+ bedeutet Auch«,- stall.-») Unterpeget- � Bei Mfit etSfra.— ♦) Eisstaud.— l Eiftrer. IlFlauWutei- FraozIifanotweiD 68 pt ZMeWMck iUslt-Mli- Wm 68? |l China-Matte ürösce ca. 70X115 68 pt tlürOair.an.'welss mitHohlsssm | undfarbigenKaaten 68 pf. Z reiflselilene TaidignlücliBr |(artiis, m.Hohlsanm 68 Pf. 1 I TaSEWliÖ! band- | gestickt ,a)itlBc�e 68 pf. 3 Holton- Unterlagen 68 pt 1 Untertaille mit Einsatz und BandduTchznj? 68p£. |l Kinder-Parade- Eissenbezng 68 pt" 1 Marktnetz ♦ mit Faltet 68 pt i pf. 1 Läufer 1 Decke oder ZUM mit Einsatz u. Spitzen- garnierung, neues Muster 1 Decke oder Läufer aus i Quadraten zusammen- CO gesetzt, Torgezeiohnet......"O Pf. 1 Kissenpolster oa-�50Ra mit Pflanzendauncnfüllung 1 Mittendecke od. Tisch- länfer aus grauem starklädigem ICaUiCl Stoff, Torgezeichnet �Wfisclie 3 Erstlingshemdchen 68 mit Langnetten Pf. 3 Kinder-Servietten 68 pl 3 Kinder-Lätzchen 68 pf 2 Mull-Windeln...... 68 pf 1 Mädchenhemd 5ChÄ.r Achselschluss, verschiedene Grössen 1 Knabenhemd Shenden8 l Kinderröckchen stkkerei. Volant, in verschiedenen Grössen TriKotosen 1 Trikot-Direktoire-Bein- kleid ,Ur Daraen2' j�en 68 pl 1 Hemdhose XÄ ä A 1 Trikot-Üntertaille y. mit angewebtem Futter, CO'■ für Damen, 2 Grössen...... Oö PI. 3 Korsettschoner � 2 Korsettschoner weiss mit Häkelpasse 1 Trikot-Direk- toire-Beinkleid mitangewebtemFntter, lur Mädchen, 6 Grössen marine, hellbl., CO. weiss, grau... 1 Trikot-Bein- Irlpirl für Mäd<:hen' HiClU geschloss.zum Anknöpfen, in CO ötirösa., marine uv' 1 Kinder- Trikot Normalfasson, ca.60od._ 70cm lang, wollge�iischt 4} 1 Kinder-Röckchen y' weiss mit farbiger Kante, 2 Grössen sHcrren-ÄrtlHel� 1 Südwester �„�TknSb«' 2 Kravatten Regattes od. Schleifen 2 Kragen Zdm. 1 Garnitur farbig. Serviteur. mit dazu pass. CO■, Manschetten 00 pf- M 1 Herren- oder v/ Knaben- Sportmütze 1 Heppen-Yacht- _ kluhmütze 68 pl l Knabenh03elnurÄetrn' Stoffen, für 3—9 Jahre 1 Priuz-Heinrich-Mtttze für Knaben'. 1 Springform......... 68 pf 1 Ringständer m«]. überzogenem Fuss i EU 1 Feuerhaken J DO pl lüniversal- Sfeb 3 Einlagen 68 pl 1 Kartoffelpresse 68 pl 1 Kaffeemühle SÜiÄBÖ 5 Pakete Stahlspälme 1 Gas-Spiralschlanch mit 2 Muffen, ca. 1 Meter 1 Petroleumkanne ci'jLUer _ 1 Briefkasten 1 Stahlblech-Bratpfanne ca. 28 cm 1 Klosettbürstenbehälter mit Bürste 1 Nndelrolle..tr; i'°'a�° 1 Reibekeule} 63 pl 1 Küchenschemel 68 pl 1 Wasser- W ßimep M verzinkt, ca. 32— 3i cm 3 Frühstticksbretter, Ahorn, verschiedene Formen 68 pl 1 Wichskasten/ 88 pl 2 Paar Bestecke m. schwarz, od, vernick.Griffen IBesteck- kästen 8 teilig. Holz oder Draht 1 Quirlgarnitur 8 teiüg 68 pl 1 Hackmesser _____ s 68 pl 1 Spannsäge......... 68 pl 1 Gewürzetagere 68 pl � � � 6 Esslöffel Aluminium 68 pl 1 Fnssbank �rtnoiz... 68 pf, 1 Ausklopfer) z"sa|jimea 1 Federwedel) 68 pr. 1 Borstenbesen 68 pl 1 Stranss- wedel 68 pl 1 Spirituskocher... 68 pl 1 Balkonkasten». eo cm Kleiderstoffe— Einheitspreis Meter Ji» -N Blusen-FlaneBle hübsche Streifen.................... Kinder-Schotten sehr grosse Musterauswahl.......... Blusenstoffe:X mit Seidenglanz.......................... Musseline„Reine Wolle" schöne Bordüren....................... Weiss Mull gepunkt i. � 68 Pfennig 1 Garderobenleiste 4 Haken lca. 18 cm, Aluminium CO„ ca. 18cm.. öö Pf. 1 Wäscheleine„Aloe" 68 1 Schmortopf ScT 68 pl 1 Fleischtopf 1 Kasserolle"Sir 68 pl 12 KaffeelÖDel Aluminium. 68 Pf. ' Sellen 1 Zahnbürstenständer 68 Celluloid mit Zahnbürsfe PL 5 Pfd. Salmiak- Terpentin- Waschpulver 68 pl 3 Riegel Wachskernseife 4tailig 1 Blechflasche Putzwasser„Humor" 1 Rosshaarhandfeger 68 1 Handtuchhalter grau, mit 4 Porzellanschildern lomnen 12 Gascylinder....... 63 pl 4 Glühstrümpfe...... 68 pl 1 Küchenlampe..r.. 68 pl Nöbelstoffe 1 Kommodendecke Äw 1 Meter Jute-Länferstolf 1 Meter Ronleanxstoff 1 Waciistuch-Küchsntischdecke Sammet-Gummigürtel Äi0�„vcr!:w!dc: 68 pl ■»--1___ zl �*�>1 schwarz oder farbig, ca. 4 cm breit mit f O L3CKl6C3Gr9Uriel modernen Vruckknsxfen............... DOPf. Solonterie 1 Wandspiegel o». loxsocm 1 Wandbild ca.46x30m 68 pl 1 Cabinetrahmen\ 2 Visitrahmen hÖiz i 68 pf 1 Paneelbrett ca. 6Ü cm CO lang........ OO Pf. 1 Fruchtschale mit Vase, auf CO Metallfuss.... 1 Likörservice Tablett, Flasche, CO 4 Gläser....... oopL 2 Teegläser auf Tablett 1 Zeitungsmappe RR für die sieben Tage der Woche 1 Puppe ÄÄ 68«. 1 Markttasche v,'.,- R I. 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Die Ernte fiel im Durchschnitt sehr befriedigend aus; die im Herbst regelmässig einsetzende Geldverteuerung schien, dank den getroffenen Vorbereitungen, in massigen Grenzen xu bleiben; der italienisch-türkische Konflikt neigte seinem Ende zu; die Hoffnung auf eine Fortdauer der guten Konjunktur erschien berechtigt. Aber der Ausbruch des Balkankrieges und später die sich bei den Friedensverhandlungen ergebenden Schwierigkeiten schufen eine sich allmählich verschärfende Beunruhigung und schlugen dem Wirtschaftsleben um so tiefere Wunden, als die politischen Besorgnisse in eine Zeit lebhaftester Tätigkeit gefallen waren. Der starke Einfluss, den die politischen Ereignisse im abgelaufenen Jahre auf das deutsche Wirtschaftsleben ausgeübt haben, tritt in ein helles Licht bei einer Vergleichung mit dem Gang der Dinge im Jahre 1911. In jenem Jahre der Marokkokrisis erreichten die politischen Besorgnisse ihren Höhepunkt im September, und die im Oktober eintretende Entspannung kam dem letzten Quartal zugute. Im Jahre 1912 dagegen setzten die politischen Befürchtungen im Oktober ein und trafen das letzte Quartal mit ihrer ganzen Wucht. Die Wirkung drückt sich prägnant aus in folgenden Ziffern: Ende September 1912 war der Statu» der Keichsbank um 165 Millionen Mark günstiger, dagegen Endo Kovcmber um 315 Millionen ungünstiger als zu den gleichen Terminen des Vorjahres. Die nach der allmählichen Besserung der ersten neun Monate plötzlich eingetretene und sich auf den kurzen Zeitraum von acht Wochen zusammendrängende Verschlechterung des Reichsbankstatus betrug also gegenüber dem Vorjahr 480 Millionen Mark, und die Ursache dieser gewaltigen Mehrbelastung ist ganz vorwiegend in der Einwirkung der politischen Krisis auf die Geld- und Kreditverhältnisse zu suchen. Dabei hat sich der Goldvorrat der Reichsbank im Berichtsjahre nicht vermindert, sondern um einen massigen Betrag gehoben. Erfreulicherweise dürfen wir auch dieses Mal, ebenso wie im Vorjahre für die Zeit der Marokkokrisis, die Feststellung machen, dass der deutsche Geld- und Effektenmarkt die schwere Belastungsprobe der politischen Erregung nicht schlechter bestanden hat als die Hauptmärkte des Auslandes. Dabei stand der deutsche Geldmarkt durchaus auf eigenen Füssen. Eine Erleichterung war, dass durch das Abstossen ausländischer, namentlich amerikansieber Papiere ein Teil unserer Zahlungen an das Ausland für Importe etc. beglichen und sogar Gold herangezogen werden konnte. Die gross Bedeutung eines starken Besitzes au guten Auslandswerten ist hierdurch wieder schlagend erwiesen worden. Zunehmender Kapitalbedarf, anziehende Preise und Lohne und. als Folgeerscheinung, Steigen des Zinsfusses und weiteres Sinken der Kurse der festverzinslichen Wertpapiere bildeten in der ganzen Welt die Grundmotive der wirtschaftlichen Entwicklung. Die englische Volkswirtschaft erlitt schwere Schädigung durch grosse Arbeiterausständc in der Kohlen- Industrie. In den Vereinigten Staaten hinderte die Unsicherheit der inner- politischen Lage, trotz glänzender Ernten, die Entwicklung der Geschäfte; erst wenn der neugewählte Präsident und die ans Ruder gelangte demo- kratische Mehrheit das Mass der zu erwartenden Herabsetzung der Zölle bestimmt haben werden, dürfte dort die Grundlage zu neuer Zuversicht gegeben sein. Für die deafsebe Volkswirtschaft ergab die Statistik anf fast allen Gebieten neue Höchafcbeträge; Die E i n f u h r stieg im Berichtsjahre um 586 Millionen auf 10 292 Millionen Mark: di* Ausfuhr noch erheblich mehr, nämlich um 783 Millionen auf 8 5S8 Millionen. Wir ziehen dabei zum Vergleich die berichtigten Zahlen für 1911 heran. Der Außenhandel der wichtigsten �iilturstaaten zeigt Deutschland an zweiter Stelle: Ein- und Ausfuhr in 1912, ohne Berücksichtigung de? Durchfuhr: U tj- England.••«•••• 22 858 Millionen Mark, . Deutschland 19180„„- Vereinigte Staaten<••< 17 714„„ �, Frankreich 11 816„„ Auch die Zahlungsbilanz war für Deutschland günstig; die Einfuhr von Gpld überstieg die Ausfuhr um 200 Millionen, gegen 124 Millionen in IAH. Der techniÄCbe und organisaiprische Ausbau der deutschen M" o n ta n- nnd Hutten- In d u s t r i c, hat die Leistungsfähigkeit dieser wichtigen Zweige der nationalen Produktion auf einen ip keinem anderen Lande überlroffenen Stand gebracht-und ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt neuerdings gesteigert, wie sich im Berichtsjahre erwiesen hat, und auch in weniger guten Zeiten bewähren dürfte. Die deutschen Banken haben an diesem Ausbau, der die Keuinvefftierung gewaltiger Kapitalien erforderte, wirksam mitgearbeitet. Die Rohelsea-Erreugung stieg um mehr als zwei Millionen Tonnen; die deutsche Eisenerzeugung erreicht jetzt beinahe den vierten Teil der Weltproduktion. Ein Vergleich zeigt auch hier Deutschland an zweiter.Stelle;• r Roheisen-Erzeugung 1912: Vereinigte Staaten.•. 29.7 Millionen Tonnen, Deutschland•.•<. 17.9„ England....... 10,5„„ Frankreich...... 5.2.,„ Die deutsche Steinkohlenförderung stieg um mehr als 10% auf 177 Millionen Tonnen, ditf Koks-Erzeugung von 25 auf 29 Millionen Tonnen; ausserdem würden 82 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert, 1 pie iui Ausland oft verbreitete Behauptung, das Deutsche Reich»ei übervölkert und deshalb landhungrig, wird durch die Tatsache widerlegt, dass mit dem steigenden Wohlstand in Stadt und Land nicht nur die vormals erhebliche deutsche Auswanderung verschwunden ist, sondern dass zur Bestellung des Bodens und Bergung der Ernten sowie im Bergbau und anderen Industrien über 600 000 ausländische Arbeiter in Deutschland ihr Brot finden. Das Volkseinkommen hat sich weiter vermehrt. Die Ein- «ommensteuerveranlagung in Preussen für das Finanzjahr 1912/13 ergab ein Gesamteinkommen der preussisebeu Zensiten von 15 240 Millionen Mark, gegjn 14 487 und 13 710 Millionen Mark in den beiden Vorjahren, und gegen 6086 Millionen Mark im Jahre 1896. In diesen Ziffern ist nicht enthalten das steuerfreie Einkommen der Zensiten, deren Jahreseinkommen hinter M. 900 auruckbleibt. Bekanntlich repräsentiert Preussen an Bevölkerung uji4.Wohlstand rund 60% von gänz Deutschland. �ü�K apitalbildnng war eine kräftige; dass sie aber in der ganzen elt und speziell auch in Deutschland von dem Kapitalbedarf uberholt worden ist, geht aus vielen Anzeichen hervor. im Berichtsjahr mit dem Reichsstempel versehenen neuen Effekten, luzüglieh der stempelfreien Anleihen des Reichs und der Bundes- ' erreichten mit rund 4 Milliarden Mark einen um rund eine halbe Milliarde höheren Betrag als im Vorjahr. Die Sparkasseneinlagen sind weniger als in früheren ikvi? gestiegen— in Deutschland immerhin schätzungsweise noch um ".m6hr als 600 Millionen—, während sie in Frankreich sich sogar aosolut vermindert zu haben scheinen. Dabei haben zweifellos die Kriegsbefürchtungen eine Rolle gespielt. Die Einlagen in deutschen Sparkassen ubersteigen sehr erheblich den Betrag von 18 Milliarden Mark und damit die sämtlichen Einlagen und Kreditoren der deutschen Banken um an- nähernd das Doppelte. ' P\s B a u ge s c h 5ft befindet sich noch immer in gedrückter Lage; darn haben beigetragen üeberspekulation und teures Geld, aber nicht zum geringsten feil auch die verfehlte Wertzuwachssteuer, deren Ab- Schaffung nur eine Frage der Zeit sein dürfte. Die ungünstige Lage des Marktes für städtischen Grundbesitz hat gewisse Mängel der Hvpotheken- Gesetzgebung ins Licht gerückt und die Neigung der Kapitalisten zur Interessennahme an Kachhypotheken empfindlich zurückgedämmt. Die weitere Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens bangt durchaus von dem Gang der politischen Ereignisse ab, wird aber, auch bei deren doch von den europäischen Grossmächten gewollter, und jedenfalls von den Völkern allgemein erhoffter, friedlicher Lösung, von der nur langsam zu bessernden Lage des Kapitalmarktes bedingt sein. Die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes bedarf nach der stürmischen Ausdehnung der letzten Jahre einer Periode ruhigerer Entwicklung, um die stark in Anspruch genommenen Kredite zu konsolidieren und so die erweiterten Grundlagen unseres Erwerbslebens neu zu festigen. Auf die einzelnen Zweige unseres Geschäfts übergehend, berichten wir: Unser Gesamtumsatz betrag 132 Milliarden Mark gegen 126 Milliarden im Vorjahr. Die Zunahme entfällt ganz auf die Filialen. Der Reichabanksatz betrug im Durchschnitt 4,946% 4,397% im Veriahr, der Berliner Privatdiskont 4,22% gegen 3,53 Wir haben uns weitgehende Beschränkung auferlegt, um, ■durch Anlage grosser Summen in deutschen Schatzanweisungen sowie Einschränkung der bewilligten Effekten-Lombardvorschüssc und Reports, wenn auch unter Verzicht auf die volle Ausnutzung des erhöhten Zinsfusses, unsere Position stark zu halten. Das Kommissionsgeschäft in Effekten war zeitweilig sehr lebhaft. Unser Akzept wurde stark in An- »pruch genommen, namentlich gegen Ende des Jahres durch die Baumwollimporte; diese und der erhöhte Preis vieler W aren erklären die Steigerung unseres Akzeptumlaufs, dem eine entsprechende Erhöhung der Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen gegenübersteht. Zwei Drittel des Pius an Akzepten entfällt auf unsere, die überseeische Mareneinfuhr vermittelnden Filialen. Das Aval-Konto hat sich dagegen durch Erledigung einiger grösseren Bürgschaften ermässigt. Der Ertrag der eigenen Effekten ___ ,1. a Cr S,„.MV n o* i 1-r r-om o e« ni gegen Für Talonsteuer mussten wir aus dem Reingewinn des Berichtsjahres wieder M. 400 000 zurückstellen. Unsere Filialen haben befriedigende Ergebnisse gebracht. Der durch uns vermittelte Warenaustausch mit dem europäischen Auslände und den überseeischen Ländern war umfangreicheir als je zuvor. Die Deutsche Ueberseeische Bank zeigt erfreuliche Entwicklung und wird, nach starken Eeservestellungen, wie im Vorjahr Die Zahl unserer Kontokorrentrerbindungeii bei der Zentrale, einschliesslich der bei unseren Depositenkatsen in Berlin und seinen Vororten geführten Rechnungen, betrug am Schlüsse de« Berichtsjahres 192 637 gegen 183 621 im Vorjahr. Die Zahl der bei unserer Bank überhaupt geführten Konten belief sich beim.Tahresschluss auf 268 812 gegen 254 474 Ende 1911. Während des Berichtsjahres gingen bei der Zentrale an Wechseln ein und aus 4 311610 Stück im Gesamtbetrage von M 18174 046 606.18. Ein Abschnitt betrug im Durchschnitt M. 4 215.10 gegen M. 4 448.60 im Vorjahr. Die Zahl unserer Beamten hat sich von 6187 auf 6495 gesteigert. Wir haben auch im Berichtsjahre mit Zustimmung unsers Aufsichtrates den Beamten eine Teuerungszulage bewilligt. Die Abschreibungen auf Bankgebäude haben wir abermals höher eingesetzt, weil durch den Abbruch wertvoller Gebäude eine Wert Verminderung unseres Grundbesitzes eingetreten Ist. Das neue Bankgebäude in Brüssel befindet sich im Bau; unser dritter Baublock in Berlin soll im neuen Jahre begonnen und durch einen zweiten Bogen mit dem ältesten Baublock verbunden werden. Zur Schaffung einer auf Jahre hinaus genügenden Reserve an Räumen ttir unseren hiesigen Geschäftsbetrieb haben wir im Berichtsjahre das benachbarte grosso Grundstück Mauerstrasse 37-42 erworben. Der Ertrag aus„Dauernden Beteiligungen" und Kom raanditen setzt sich zusammen aus den für 1911 vereinnahmten Dividenden auf unseren Besitz an Aktien der Deutschen Ueberseeischen Bank(9%)» der Bergisch Märkischen Bank(7%), der Deutsch-Ostafrikanischen Bank(8 der Deutschen Vereinsdank f6%), des Essener Bankvereins(7%), der Essener Credit-Anstat(8V2%)$ der Hannoverschen Bank(T3/*%), dar Mecklenburgischen Hypotheken- und WcchseTbank(15%), der Kiederlausitzer Bank A.-G.(6%), der Oldenburgischen Spar- und Leih-Bank(9%), der Pfälzischen Bank(7%), der Privatbank zu Gotha(6%%), der Rheinischen Creditbank(7%). des Schlesischen Bankvereina(73/?%), der Württembergischen Vereinsbank(7%) und der Deutschen Treuhand-Gesellschaft(15%). . Unser Gesamtbesitz an Aktien dieser Institute hat»ich namentlich durch Vollzablung von Aktien der Deutschen Ueberseeischen Bank Serie VI und Aktien der Privatbank zu Gotha, sowie durch ausgeübte Bezugsrechte au* neue Aktien des Schlesischen Bankvereins und der" Hannoverschen Bank vermehrt. Auch haben wir einen Betrag von Aktien der uns seit Jahrzehnten befreundeten und in wichtigen Unternehmungen mit uns verbündeten Deutschen Vereinsbank in Frankfurt a. M. unter die„Dauernden Beteiligungen" aufgenommen. Der durch den Tod seines Präsidenten und Hauptaktionärs verwaiste Essener Bankverein wird von der Essener Credit- Anstalt aufgenommen, an der wir seit vielen Jahren durch Aktienbesitz erheblich beteiligt sind. Die ru dem Zweck der Fusion vorgenommen« eingehendere Prüfung dea Status des Essener Bankvereins hat Iramobili- sationen und Verlust« ergeben, die eine Abänderung des geplanten Um- tauschvcrhältnisses von ursprünglich 2 zu 3 auf 3 zu 5 bedingen. Die Aktien des Essener Bankverein« befinden sich zum weitaus grössten Teile noch in erster Hand; unsere eigene Beteiligung wird somit künftig unser Interesse an der Essener Gredit- Anstalt erhöben. Die uns nahestehenden Unternehmungen in de? Türkei hatten in dem Berichtsjahr unter besonders schwierigbn Yerhältnis�eü' tu'äfbeifen. Zwar bat der Krieg mit Italien die wirtschaftUeU«n un� f in» nri eilen Verhältnisse des türkischen Reiches nicht allzusehr in MuleldenscEaTt gezogen. Dagegen ist der im Oktober ausgebrochen« Krieg mit den Balkarätaaten nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und finanziell für dite Türkei eine schwere Prüfung. Angesichts des militärisch ungünstigen Verlaufs der Kriegsereignisse ist die wirtschaftliche Widerstandekraft des Landes und auch seine finanzielle Zähigkeit immerhin bemerkenswert. Während die siegreichen Balkaustaaten Moratorien erliessen, konnte die Türkei von einer solchen Massnahme absehen. Grössere Zahlungseinstellungen sind nur in ganz vereinzelten Fällen vorgekommen, die Banken sind von grösseren Verlusten verschont geblieben, und speziell unsere Konstantinopeler Filiale hat im Berichtsjahre weitere Fortschritte machen und ihre Erträgnisse steigern könrien. Die türkische Finanz Verwaltung hat, obwohl ihr, im "'w letzten Jehten.�� ande7e„ Vor TH, st.uernuad ibsnben iatten wir. il. 3 581 340.01 zu zahleu;[die Erlangung ei lüt ßtempä eind, ausserhalb des Ünkosten-Kontos»u Easten der betregen.\ bdlreiyB deuttclu I.*— � J I...»»>1. II, S z. i za Äv/aaa* v'.■•.•- w*...—---<-■'—* 1- Gcgensatz zu den Balkanstaaten, keine neuen Mittel von den europäischen Geldmärkten zuflössen, ihre Verpflichtungen, namentlich kür den Dienst der Staatsanleihen, mit anerkennenswerter Korrektheit und Pünktlichkeit erfüllt. Aber die im Dezember des Jahres zum ersten Male unter dem neuen Regime eingetretene Stockung in den Gehaltszahlungen zeigt, dass die Türkei nicht mehr für lanse Zeit der finanzielen Loterstutzung von aussen entbehren kann. Mir hoffen, dass es auf dem Boden der Gemeinschaft- lichkeit der Interessen gelingt, den türkischen Staatsfinanzen die Möglichkeit einer Erholung von den Folgen des Krieges in phen und die Rechte der türkischen Staatsgiäubigcr bei dem Friedensschluss ru schutien. Im einreinen ist über unsere türkischen Geschifte folgendes m sagen; Die A n.a t o 1 i s c h e Bahn hat gegenüber-dem bisher günstigen Jahr 1911 eine neue erhebliche Einnahmesteigerung erzielt. Während im vorigen Jahr die Linie Haidar-Pascha— Angora zum ersten Male den Garantiebetjrag überschritt, hat im Jahre 1912 auch die l�ni«.. sj4sc|*e Konia einen Ueberschuss über die Garantie erbracht. Die türkische Re- gierung bezieht für das Jahr 1912 statt der früheren Zuschüsse einen Einnahmeanteil von rund einer Million Frames. Allerdings entfällt ein erheblicher Teil der Einnahmen auf die Militärtransporte; aber trotz des Krieges und einer nur mittelmässigen Ernte blieben die Einnahmen aus dem Privatverkehr kaum hinter den Rekordeinnahmen des Jahres 1911 zurück. Die Bewässerungsanlagen in der Kon! a- E b e n e sind bis auf einige nicht wesentliche Vollendungsarbeiten fertiggestellt worden: die provisorische Ahnahme ist im Dezember erfolgt, und die Bewässerung wird in diesem Frühjahr mm ersten Male lunktionieren. Der Weiicrbau der Bagdadbahn hat, trotz der dureh die beiden Kriege geschaffenen Erschwerungen, grosse Fiwtschntte gemacht. Es sind im Berichtsjahr, obwohl die Ereignisse in der zweiten Jahreshälfte Veranlassung zu einer Verlangsamung des Bautempos gegeben haben, nicht weniger als 370 neue Kilometer dem Betrieb übergeben worden. Im Osten erreicht der Sphienenstrang jetzt den Euphrat. Die makedonische Bahn und die Orient bahnen haben bis zum Ausbruch des Balkankrieges gut gearbeitet und weitere Fort- «chritte gegenüber dem Vorjahr erzielt. Die durch den Krieg herbeigeführten territorialen Veränderungen, die in ihren Einzelheiten noch nicht feststehen werden von einschneidender Wirkung auf die Verhältnisse dieser Bahnen sein. Wir zweifeln jedoch nicht, dass die wohlerworbenen Rechte des in diesen Bahnen investierten Privatkapitals ebenso wie die Rechte der türkischen Staatsgläubiger eine gebührende BetlicksicWignng finden werden. Die Geselisehaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin wird im laufenden Jahre die Linien Spittoimarkt—Aleianderplatz— Schönhauser Allee und die west- liehen Erweiterungen vom Wittenhergplatz nach der Uhtandsirasse und nach dem Nürnberger Platz dem Betrieb übergeben. An diese wird sich die Wihnersdorfer und Dahlemer Bahn anschliessen, für welche die Hochbahn, ebenso wie für die Schönebcrger Balm, den Betrieb übernimmt, so dass sich die Länge der von ihr betriebenen Linien um rund. 70 die der eigenen Linien um etwa 44% erhöhen wird. Die Verwaltung erwartet von diesen Vergrösserungcn eine erhebliche Befrachtung der alten Strecken. Sehr günstig war das Berichtsjahr unseren Unternehmungen auf dem Gebiet der Erdöl-Industrie. Die Produktions-Gesellschaft„S t e a u a Roman a" erhöhte ihre Dividende ffür 1911/12) auf 9%, die Verkaufs- Gesellschaft„Europäische Petroleum-Union" schüttete (für 1911) 10% Gewinn aus. Die Steigerung der Preise aller Petrnleum- produkte, sowie die zunehmende Unentbehrlichkeit des Benzins, Heizöls und Leucbtäis sichern diesen Gesellschaften auch für das nächstfolgende Geschäftsjahr und darüber hinaus erfreuliche Ergebnisse. In Anbetracht der eigentümlichen Verhältnisse im Erdöl-Geschäft hatten wir schon bei Aufnahme dieser Unternehmungen vor., einem Jahrzehnt eine HllfsgespII- Schaft errichtet, um die Behauptung der Kontrolle über die Produktions. und Verkaufs-Organisationen zu erleichtern; zu diesem Zwecke wurde s. Zt. die Deutsche PetT0ieum A.- G. geschaffen, welche für ihr letztes Geschäftsjahr gleichfalls die seither vorsichtig auf 5% gehaltene Dividende auf 7 x erhöhen konnte und sich in günstiger und starker Position befindet. Wir haben im Laufe des Berichtsjahres der Reichsregierung die gewünschte Mitarbeit bei der Vorbereitung des Gesetzentwurfs zur Einführung eines deutschen Leuchtüimonopols geleistet. Unsere Fctrolcumiintcrnehmungeu würden aus der Annahme des Gesetzentwurfs "orteile ziehen als jeder andere Leuchiölproduzcnt, nämlich ,__ eines von der Willkür einer ausländiseben Gesellschaft _______________________ deutschon Maikies, einen seileigehendea Vorteil Wien wir JÖ& Millionen Mark. I aK nofieSttSfct■ Von neuen Konscrfialgesc haften, an velcSen w!r«» im Berichtsjahre als Hauptbet�iligte oder Emittenten interessiert habea und die zum grössten Teil im Berichtsjahre abgewickelt worden sind« erwähnen wir die folgenden: üebernahme von 4% Anleihen des Deutschen Reiches und Prcasslschen Staates,. 4 5» Bayerischer Staats- Anleihe von 1912,.- 4 5o Württembergischer Staats-Anleihe von 1911, 4 5» Badiscfaer Staats-Anleihe von 1912,_ y. � 4% Oldenburger Staats- Anleihe von 1915{Bremer Fffiale), 4 5s Lübecker i�taats-Anleihe von 1912, 4% Anleihe der Provinz Pcmmern, 4 5s Anleihe der Stadt Berlin, 4% Anleihen der Städte Charlottenbnrg, Dresden, Düsseldorf, Emden, Halberstadt, Königsberg i. Pr., München(Münchener Filiale), 4 5s Pfandbriefen des Landschaftlichen Kreditverbande« fttr die Provinz Schleswig-Holstein, 4% Pfandbriefen des Brandenburgischen' Pfandbriefamt» für Hans« grundstücke, 4% Anleihe von 1912 der Em scher Genossenschaft, 4% Oegterreichischcr Staats- Renten- Anleihe und Staafs- Schaf*» scheinen, Bulgarischen Schatzscheinen, 4% Anleihe der Schweizerischen Bundesbahnen, 4*4% Anleihe Serie Öl der Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft, 4% Anleihe der Gesellschaft für elektrische Hoch-'und Untergrundbahnen, 4%% Anleihen der Siemcns-Schuckert-Werke G. m. b. H., der Siemens& Halske Aktiengesellschaft, der Elektro Treuhand �• A.-G., der Aktiengesellschaft für Elektrizitäts- Anlagen, 4%% Obligationen der J. Brüning«k Sohn A.-G.(Frankfurter Filiale), der Buderus'schen Eisenwerke, der Gasanstalt»-Be- ."•vSi triebs-Gesellschaft, der Gesellschaft für Teerverwertung m. '<■. b. H., der Gewerkschaften Glückauf-Berka und Glückauf-Ost» der Hohenlohe- Werke A.-G., der Kiederlausitzer Kohlenwerke, der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft, der Vereinigten Hanfschlauch- A Gummlwaren-Fabriken, der Voigt& Haeffner A.-G.(Frankfurter Filiale), der Hamburg-Bremer- Afrika-Linie (Bremer Filiale), Keuen Aktien der Schubert Sc Salzer Maschinenfabrik Aktiengesellschaft. Gründung der Soci«t« Commerciale Belgo-AItemando du Congo. Einführung von Anleihe der Provinz Brandenburg, 4% Anleihe der Rheinprovinz, 4% Anleihe der Provinz Westfalen, 4% Anleihe der Stadt Breslau, 4% Pfandbriefen der Landschaftlichen Bank der Provinz Sachsen, 4% Ritte rschaftlich'en Pfandbriefen der Westpreussischen Laadschaft, 4% Pfandbriefen der neuen Westprcusslschen Landschaft, 4% Pfandbriefen der Hypothekenbank in Hamburg, der Leipriger Hypotheken-Bank, der Mecklenburgischen Hypotheken- Wechselbank, Aktien der Steaua Romana, A.-G. für Petroleum-Industrie, Bre«- laucr Spritfabrik A.-G., Ernst Schiess Werkzeug-Maschinenfabrik A.-G., KAmmgaam Spinnerei Stöhr& Co., A.-G„ Aktiengesellschaft„Weser", Harburger Eisen- und Bronrewcrke A.-G.» Stahlwerke Rieh- Lindenberg A.-G. K apitalerböhungen der Deutsch-Australischen Dampfsohiffahrts-GescIIschaft(Hamburger Filiale). Hamburg- Amerrikanischen Packetfahrt- Aktien-Gesellschaft, Bayerischen Handelsbank, des Berliner Makler-Vereins, Essener Bankvereins, der Hannoverschen Bank, Niederlauffitier Bank, dea Schlesischen Bankvereins, der Württembergischen Ver- ____ jeinshank, Warschau ex D iacontor Bank Rank fii r. elektrische PntrirF. nehmungen. Accumulatorenfabrik A.-G., Allgemeinen Elektricitäts- Gesellsebaft, Bergmann- Elektricitäta-Werke A.-(�-Baut«ctuU®baT~ seeischen Elektricitäts-Gesellschaft, Gesellschaft für elektrische Beleuchtung vom Jahre 1886 St. Petersburg, Kraftübcrtragungs- werke Bhcinfclden, Julius Berger Tiefbau A.-G., des Bochumer Vereins für Bergbau Sc Gussstahlfabrikation, der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron(Frankfurter Filiale), Consolidation Beffgwerks-A.-G., Deutschen Continental-Gas-Gescllachaft, des Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- Sc Hüttenvereins A.-G., der A.-G. Düsseldorfer Eisenbahnbedarf vorm. Carl Weyer& Co� Carl Hamel A.-G.(Dresdner Filiale), Hasper Eisen- und Stahlwerke, Mannesmaahröhren-Werke A.-G., Maschinenfabrik Aug»- burg-Nürnberg A.-G., Maschinenfabrik Esslingen, Rheinischen Stahlwerke, Rütgerswerke A.-G., Speichere!-& Spcditions-A�G. i Dresdner Filiale), Stassfurter Chemischen Fabrik, des Verein» Chemischer Fabriken A.-G. Zeitz, der„Allianz" Versicherung»- A.-G. und der„Citas" Sociöt« anonyme Industrielle et de Transport» au Stanley-Pool. Von Siteren Konsortialgescbältea sind im Berichtsjahre abgcwlc&elt worden: Aktien der Danziger Privat-Aktien-Bank, der Westdeutschen"PMen- Credit-Anstalt, der Banque Balkanique, 4%% Anleihen der Elektricitäts-Lieferungs-Gesellschaft, der Maschinenfabrik Thyssen, der Keuen Senftenhergcr Fohltn- werke, der Braunkohlen- und Brikett-Industrie A.-G., Aktien der Gelsenkirchener Bergwerks- A.-G., des LothrfQU« Hüttenvereins Aumetz-Friedc. der Wittener Stahl röhrenwerle. der„Kordstern" Unfall- und Haftpflkht-Ver8icherungB-A.-G, und andere mehr. Unser Konsorlial-Konto(Zentrale und Filialen) bestand• am Jahwo- Schlüsse aus: 49 Beteiligungen an deutschen Staats- und Kommunalanleihcn und Obligationen inländischer Gesellschaften an Aktien inländischer Gesellschaften......... an ausländischen Staats- und Kommunal- Anleihen und Eisenbahn-Geschäften..... an Obligationen und Aktien ausländischer Gesellschaften. an Grundstücks-Geecbäften iL 14«6 69646 16104 8 12691936 4 441 4943« 6 140 66A95 M. 49 418 75036 Das Konto oigenar Effekten(Zentrale und Filialen)«etzt»1(4«• «amzncn aus: Staats- und Kommunal-Papieren sowie Deutaclien Pfandbriefen in 120 Gattungen.-»»•' Eisenbahn- und industriellen Obligationen m 83 Gattungen.......■■• Eisenbahn-, Bank- und Industrie-Aktien in fib .....................* Dirersen M. 35 518 22KSS . 71AKCH „ SäMas.» 152 387.« zusammen II. 52 SJ3 081.19 Wir besassen am(?* R r hVt'zVn'w e i s u n»'''t*1* Staatsanleihen und deutsche Schatzanweisungen im B u e h w e r t t o n M. ISS 71« 237.95. In den Aul-iehtsrat wurde ta Seneialveir-ainmwng neu gewählt Herr � en er Alands ehäftsdjrektor Geh. Oberregierungsrat Dr. w o 1 1 g» n g Ka p p. Wir hatten den Tod dos Herrn Geheimen Koromerzienrat» Carl Funke in Essen"zu beklagen, der am 15 Ti Cl?tsra' UDl1•el,!em übrigen grossen Wirkungskreis entrissen wurde. Ein ehrendes Andenken bleibt ihm auch bei uns gesichert. In den Gesamtvorstand der Bank ist eingetreteu dessen früher stell- vertretendes Mitglied, Herr O'®*?° v' 6 1> cker für mehrere Jahre an die Spitze der Direktion der Bergiseh Märkischen Bank in Elberfeld getreten war und nun zu um�zuruckgekehit ist: ferner Herr Ose.» Wesse rma n n. bisheriger Mitinhaber des Bankhauses A. E. Waaeer- mann'in Berlin. Unser stellvertretender Direktor bei der Hauptnicdcrlawunc* Gustav Mcivnitzer, ist nach 40 Jahre lang der Bank treuen Diensten zu unserem Schmerz verstorben.,- Die Herren Friedrich Beltermann, Selmar Fehl. Jujius Köhler, Adolf Kobn. Oscar Krause, Lud w 1 f Eeiffmann, EmilEothacker, Eeinhöld Sieb ert mw Theodor veyer wurden zu Abteilungsdirektoren bei der Hauptmeder- lassung ernannt. Unsere Londoner Filiale hatte mit uns den Tod ihres Dirrirtions- Mitgliedes Herrn Harold Alfred Smajt zu beklagen, aer 21 Jahren unserem Kreise aogehort hat. fgortoefeaag v» Dtrekter FrankfaTter TOale. Herr HermtnuMaier, Ml»Ich Bam. IL 600.—: M. 75.— V-' .. m 1200.—:„ 150—>» 0%%. „, 1600.—:„ 200__ j DMtaid*. � würden Wenn die Generalversammlung unsere Anträge genehmigt, sich unsere bilanzmässigen Reserven erhöhen auf: � ü � 1. Gesetzliche Reserve A 888 081.30 ?. Reserve B», 39 096 316.42 3. Kontokorrent-Reserve s«*»»••>••*»* 7 016 652.28 . �' 1,4 zusammen M, 112 500 000.-« "'* 58,25% des Aktienkapitals von M. 200. 000 000.�-*, Berlin, im Februar 1913. U Der Vorstand der Deutschen Bank. A. von Gwinnor. E. Heinomann. Dr. K. HelScrich- Paul M. Herrmann. C. Klönns. P. Mankiewitz. C. Michalowsky, 0. Sohliltor. G. Schröter. O. Wassermann. %. %. V % \ U VERA# 3Efö/ agareffe � 11.50 El Oskar Wollburg, 56 Brunnenstraße 56 Die OleRlirise sroBe Nolle: ....._ aus fein gestreiften Stoffen engl. Art Kostüme ig so 25.- 347s au8 prima Kammgarn-Cheviot und echt englischen Stoßen 2450 38" 49-bi. 75- PalGtOkS aus �on neuesten Frühjahrs stoflem 9M 1675 24- 33— Frauenmäntel Kamm- 19" 2550 36- Kinder- und Backfisch- Kostüme und Mäntel 650 9" 17- 29 BW" Meine Konlektion iet durch Selbstlabrlkation'MG •*»" QrSSIenStll.unvergleiohllch in PreiswürdlBkoit,'MG •w erstklassiger Verarbeitung und gutem Sitz."MM * Ea kann sich daher jede Dame im eigenen"MG Inleresao hier» an Uberzeugen, bevor sie ihren"MS 5SZ FrUliJehrtbedarl»,ähl». Meine Abteilung IUr"MG "aBanlertigung steht unter Leitung erst-"MG klassiger Zuschneider._ Total-Ausverkauf Wegen vollständiger Geschaffteaufgabe Bis f. April muss alles gerSumt sein. Verkauf zu fabelhaft billigen Preisen. Gründung des Geschäfts 1910, daher nur moderne beste Ware. 335 Gehrock-, Frack- u. 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Weg, aus star 64A ach langem, sanst ent- Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Maurerpolier rriedrieh Grünewald am 5. März na schwerem Leiden schlasen ist. Die Berdigung findet am Sonntag, den 9. März, nach. mittags 1 Uhr, vom Trauer- Hause, Lausiher Str. 18, aus nach dem alten Jakobi-Kirchhos, Her- mannplatz, statt. K4N Um stilles Beileid bittet Die trauermie Witwe Amanda türttncwald. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung imsereS lieben Sohnes und Bruders 15a Max Höft sagen wir allen Verwandten, Frennden und Bekannten, besonders dem Ge- Nossen Gräl für seine trostreichen Worte, den Sängern, den Mietern des Hauses, dem Lithographen- und Steindrucker« sowie Gemeinde- und StaatSarbciter- verband unseren herzlichsten Dank. Milö Höft. Fnr die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes soae ich hiermit allen Beteiligten '"''tsÄ frcircliosiöfc Gemeinde. Jugendweihe der Kinder von JVIitgliedem der freireligiösen Gemeinde. Am Sonntag, den 9. März, vormittags 10'/, Uhr, bei I-lpp«, Am Fricdrichshain 16. (Das Lokal wird erst um 9 Uhr geöffnet.) Am Sonntag» den iL. März, vormittags 10'/, Uhr, bei Kllem, Hascnheide 13/15. Festrede von Dr. B. Wille:„Schaffe dich selbst." Festvorträge aus der Orgel mit Biolinbeglcitung. Eintrittspr.: Erwachsene HO, Kinder 10 Ps. Am Sonntag, den«Z. März, vormittags 10»/, Uhr. Kl. Frankfurter Str. 0: Herr Br. Brnno Wille: Feftvortrag: ,(*"hrift ist erstanden k« Am Sonntag, de» 30. März, vorm. I0'/< Uhr. im selben Lokal: Herr Br. Max Brie: »Shakespeares Menschheitstragödie»: Des Undanks, des Ehrgeizes, der Eifersucht (König Lear. VP:cbeth. Othello)." 53/6» Deutscher Uetallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin,— C. 54, Linienstr. 83/85. Verwaltung: Teleph.: Amt Norden 1987. Xasaierar: Ami Norden 185. Ardeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Am Sonntag, den v. März er-, nachm. 1 Uhr, findet im großen Saale der„Brauerei Friedrichshain", Am Friedrichshain 16/23, die Fortsetzung der Merordentliehen GeneralTersammlung unserer Verwaltungsstelle statt. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung des Gesamtverbaudes in Breslau. Mitgliedsbuch und Legitimationökarte ist vorzuzeigen.— Ohne dieses keinen Zutritt. Vertretnng Ist nicht znliisslg. 114/10 Besondere Einladungen erfolgen nicht."»B Ble Ortwverwaltnng. Einheitspreis i 050 f3r Damen u. Herren M. Lmos-Aosführunj, M. 16.50 Salamander Schohg�a. m. b. R, Berlin. Zentrale: W 8, Friedrichstrasse 182 1. W 8 Friedrichatr. 182 2. SW Friedrlebatr. 22 1 3. SW Kriedrichstr. 204 4. N FHcdtichslr. 118/19 6. C Königstrasae 47 6. C Roseathaler Tor � 7. W Potsdamer Str. 5 8. NW Tormslr. 9 9. S Oranienstr 42 10. N Badatr. 11. NO Cr, Frankfurter Straste 102 12. W Martin•Lmfaer-Strassa 2 13. W Tauentzienstrasse 15 14. Steglitx, Sch>osÄitraa*e 2 15, Friedenau. Rhclnitr. 1-3 16. Charlottenburg:, Wilmersdorfer Str. 126 17. Spandau, Breite Str. 30 13. Potsdam. Nauener Str. 7 Sie suchen eineD Stiefel, der Sie mfriedenatelH? Fordern Sie unser neues MusterbudaV MöbelcLechner Spezial-Möbelhaus auf Kredit und gegen bar Stube und Küche Anzahlung von 15 Mark an Einzelne Möbelstücke Anzahlung von 5 Mark an Blesen-AnswaU----- Gr50te Kulanz Vorzeiger diese« Inserats erhält bei Kaef von 50 M. an 5 M. gutgeeohrieben. . Geschäft; Brunnenslr. 7 2. Geschäft: Mttllerstr. 174 am Bosenthaler Platz Ecke Fenns traßa Ideferang auch nach an»vi'i&rtM Sonntags von 12-2 Ohr geölfnel [0I-iRENSXR.3fa[ iR,FRÄNKFURIER5M15j KoslfflmWochei Auf Ständern) zum Aueeuchen/ bis 25 % CNor FrOhJahrs- ( Neuhelten! In Kammgarn... Modello........ Frabfahn-Paletota Mudelle In sebwan, Prelsermäsalgano! zu Mark 18, 23, SS, 50, 60 zu Mark 60, 75, 100, 125, 130 ........... M. 15, 22,»3. SO Wolle und Seide M. 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Sonntag, den 9. März, vorm. 10 Uhr, Prinzeaallee ZZ: � Versammlung== Tagesordnung: 1. BerbandSangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 134/3 Ber Ferstaach. Bentscher ilelzarheiter- Verband. » Verwaltaax Berlin. Gsutisvklsi». Sonntag, den 9. März» vormittags 19 Uhr, bei Boeker, Weberftr. 17: kkznchenvekszmmlung für Srok-ker»». Tagesordnung: i. Bericht über die Tarifberatung. 2. DiSkusfion. 3. Verband?» angelegenheiien. f- Mitgliedsbuch legitimiert., M/3 Ble Brtnwerwaltaax. i�iiii�n�iii�ii liii�iii�ii a«ktung Xsuten Sie nur dolm ssaokmann elegante fertige .Tallzsblung von I. Urnklr wSottantilvh»e �uliusksdisn Sotineidermeister I. Geschäft; Gr.FriinKfuilerStr.37" II. Gaachift: Turmstrusse 18' Kein Lsdeo. M-i 29-fi M A-Z 32-i liiililmlliiSiiali Das größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden j. stock* v». rerfamft«ama Monats-Garderobe direkt an Prirate. 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Mit Recht wurde von sozialdemokratischer Seite darauf hingewiesen, daß die Herren aus der ersten und zweiten Wählerklasse nur eine geringe Anzahl Wähler hinter sich haben und nur aus dem sicheren Versteck der privilegierten Wählerklassen heraus fich solche Attentate auf den Geldbeutel der breiten Masse der Bevölkerung erlauben können. Ein Redner der Mehrheit meinte, die Aufregung der Interessenten würde fich mit der Zeit legen, wenn man sehen würde, daß die Wirkung der neuen Steuern gar nicht so schlimm sei, wie man fie sich vorgestellt habe. In Wirk- lichkeit wird das Umgekehrte eintreten. Treten die Steuervorlagen in Kraft, so wird sich erst zeigen, wie unsinnig und leichtfertig die Steuerordnung gemacht worden ist. Besonders kraß wird das bei der Biersteuer in die Erscheinung treten. Man bedenke: Bier von auswärts darf nicht vor 7 Uhr morgens und nach 7 Uhr abends eingeführt werden. Diese Bestimmung allein zeigt schon die Unfinnigkeit der Steuerordnung. Wir haben eine ganze Reihe Brauereien in den Vororten, die ihre Kundschaft in Berlin haben; wir erinnern nur an die Genossenschaftsbrauerei in Friedrichshagen, die zahlreiche kleine Gastwirte in Berlin mit Bier versorgt, an die Schöneberger, Rixdorfer Brauereien u. a. Eine solche Zeitfestsetzung wird besonders in den heißen Sommer- uronaten zu den größten Unzuträglichkeiten führen; ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die schon im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für Lieferanten wie Kunden entstehen. Ganz unverständlich ist die Bestimmung, daß das eingeführte Bier nur auf den vom Magistrat zu bestimmenden Einfuhr st raßen eingebracht werden darf. Diese Bestimmung erinnert stark an die vor mehr als 60� Jahren aufgehobenen kleinstaatlichen Zollplackereien. In Berlin zu bestimmen, daß nur auf bestimmten Einfuhrstraßen das Bier nach Berlin gebracht werden darf, ist so ungeheuerlich, daß man sich im 20. Jahrhundert an diesen Gedanken gar nicht gewöhnen kann. Weiten Kreisen der Berliner Bevölkerung wird es unfatzbar bleiben, wie eine Stadtvertretung der Haupt- und Residenzstadt Berlin es wagen kann, derartige Bestimmungen überhaupt nur niederzuschreiben, ge- schweige denn in Kraft zu setzen. Nicht viel besser sind viele andere Bestimmungen der Biersteuerordnung. Ihr Jnkrastreten dürfte den kommunalfreisinnigen Machern im Roten Hause noch manche Kopf- schmerzen bereiten._ Partei- Hngelcgenbeiteiis Erster Wahlkreis. 2. Abteilung. Morgen Sonntag, abends 7 Uhr, im Äönigstadl-Äasino, Holzmarktstr. 72. Ecke Alexanderstraße: Versammlung..Die Hundertjahrfeier". Referent: Reiwslagsabg. Hugo Haase. Nachdem: Gemütliches Beisannnensein mit Rezitation und Tanz. Eintritt inkl. Garderobe 25 Pf. 6. Wahlkreis. Wir machen unsere Mitglieder nochmals auf das heute in den �Lokalen: Brauerei Königstadt. Germama-Pioblsäle, Phorussäle und Oäadt-Thealer Moabit stattfindende Stiftungsfest des Wahlvereins z aufmerksam. Das Programm besteht aus: Konzerr, Gesang. turnerischen Aufführungen, humoristischen Vorträgen. Festreden und Tanz. Mitwirken die Gesangvereine: Sängerchor Wedding, Neu erwacht, Norden und Männerchor Moabit. Außerdem: Ensemble des Hofopernsängers Herrn Eugen Wolff, Berliner Humor-Ouarlett, Berliner Spottvögel, Berliner Ulk-Trio und Arbeiterturner. Nach dem Konzert: Tanz. Billett 30. Programm gratis. _ Der Vorstand. Tasdorf. Die für Sonntag, den 9. März, anberaumte öffcnt- liche Versammlung findet umständehalber erst am Sonntag, den 16. März, statt. Reinickcndorf-Wcft. Heute feiert der Wahlverein in Gördes Waldschlößchen, Waldstr. S0/öl, sein Winterveramigen. Mitwirkende: Arbeitergesangverein Einigkeit 2(Mitgl. d. OTS-B.). Thealerverein Dilettantenbühne.Frcya", Arbeiterlurnverein Reinickendorf-West. Anfang des Konzerts 8 Uhr. der Borstellung 8>/z Uhr. Eintritt 80 Pf. Nachher Tanz. Programm an der Kasse gratis. Billetts sind bei de» Gruppenführern zu haben. Lerüner Nacbricbten. fürstlicher Besuch im Rathause. Seit kurzem scheint mit der Begrüßung fürstlicher Per- sanlichkeiten durch Vertreter städtischer Behörden am Brandenburger Tore gebrochen worden zu sein. Die städtischen Behörden sind bereits bei der Ankunft des Braut- paares nach dem Anhalter Bahnhof eingeladen oder besser— befohlen worden und haben dort ihre Willkommensgrüße an-- gebracht. Tasselbe trat ein bei der Ankunft des Königs von Dänemark, sowie bei der am Donnerstag erfolgten Ankunft des Prinzregenten von Bayern. Stadtverordnete und Magistrat haben den letztgenannten Gast des Kaisers im Rathause besonders begrüßt und sich deswegen in nicht geringe Unkosten gestürzt. Für die Ausschmückung des Branden- burger Tores wurden 6600 Mark Kredit verlangt und für den Empfang im Rathause nicht weniger als 18 000 Mark. sage und schreibe achtzehntausend Mark. Wie vor einigen Zähren der König von England, so wurde gestern vormittag auch der bayerische Prinzregent im Rathause empfangen. Vor dem Rathause war ein Baldachin aufgestellt, die große Freitreppe war mit prachtvollen Blumen ausgestattet, was auch vom Magistratssaal und vom Festsaal gesagt werden kann. Im Festsaal hielt der Oberbürgermeister eine An- spräche, worauf der Prinzregent für den Empfang dankte und den ihm gereichten Ehrentrunk entgegennahm. Dann packte der Pnuzrsgent die mitgebrachten Orden aüs. Herr Mermuth erhielt das Großkreuz des Verdienstordens vom heiligen Michael. Herr Reicke das Perdienstkreuz und der Stadtverordneten-Vorsteher Michelet die dritte Klasse des- selben Ordens. Herr Cassel scheint leer ausgegangen zu sein. Im offiziellen Empfangsbericht wird mitgeteilt, daß der Be- such sich in das goldene Buch der Stadt Berlin eingetragen und daß ihm besonders die Begrüßung durch den im Stadt- verordneten-Sitzungssaal aufgestellten Chor von 500 Knaben und Mädchen gefallen habe. Wegen dieses etwa eine Stunde dauernden Besuches im Rathause mußten 18000 Mark aufgewendet werden. Mit diesem Gelde hätte man viel Nützliches ausrichten können. Hier kommt keiner durch: Uns wird gefckirieben:»Ein skandalöses Vorkommnis, das in stde« anständigen Menschen das Gefühl der Beschämung und Empörung wachrufen muß, ereignete sich am Donnerstag anläßlich der Ankunft des bayerischen Prinzregenten. Bedauerlicherweise gibt es, dank einer byzantinischen Presse, in Berlin noch zahllose weibliche und männliche Maulaffen, die, wenn ste die Auffahrt einiger Hof- wagen wittern, stundenlang Spalier bilden, in der Hoffnung, einen Prinzen oder eine Prinzessin oder gar einen leibhaftigen Fürsten sehen zu können. So stand auch am Donnerstagnachmittag, aus Anlaß der Ankunft des Prinzregenten von Bayern, vom alten Schloß bis zum Brandenburger Tor und von dort die Königgrätzer Straße entlang bis zur Möckernpraße, und zwar rechts und links, eine dichte Menschenmauer..Die Straße dient" wohl, wie der Polizeipräsident v. Jagow in einem Utas einmal angekündigt hat,„dem Verkehr". Allein dieser UkaS hat, wenn eine fremde Fürstlichkeit erwartet wird, keine Gültigkeit. Stundenlang wurde der angegebene weite Weg für den gesamten Fuß- und Wagenverkehr gesperrt. Wer genötigt war, schnell vor- wärts zu kommen und sich durch das Publikum durchzudrücken suchte, wurde von den in ungeheurer Zahl aufgebotenen reitenden und Fußschutzleuten gezwungen, stehen zu bleiben, bis— nun bis nach einigen Stunden der Rummel zu Ende war. Was kümmert es Herrn v. Jagow und seine Leute, daß ein Mann einer wichtigen Angelegen- heit wegen verreisen will, oder daß ein Arzt zu einem Schwerkranken eilen will. In der Nähe des Askanischen Platzes bat ein Herr, der sich als Arzt legitimierte, ihn durchzulassen, er sei zu einem Schwerkranken gerufen.«Jetzt können Sie nicht durch, Sie müssen jetzt hierbleiben, die hohen Herrschaften kommen jetzt", wurde der Arzt von den Schutzleuten angeherrscht. Der Arzt war, wohl oder übel, genötigt, unfreiwillig mit Spalier zu bilden. Sehr bald erschienen Galawagen. Die Schutzleute riefen und winkten dem Publikum zu:„Hurra!" Es fehlte aber die Begeisterung, das „Hurra" klang ungemein dünn. Einen berittenen Schutzmann schien das zu ärgern. Er ritt plötzlich ohne jede Veranlassung in das Publikum hinein mit dem Rufe:„Nu aber zurücktreten". Wenn die Berliner Maulaffen, die sich zum Spalierbilden drängen, nicht einmal Hurra! schreien, sobald ein paar Prinzen oder Prin- zessinnen vorüber fahren, dann verdienen sie, von einem Schutzmanns- Pferd auf ihre Nnterlanenpflichten aufmerksam gemacht zu werden." Feuerwehrleute und Polizeipräsident. Die sozialdemokratische Fraktion unseres Roten Hauses hatte beantragt, die Sladlverordneienversammlung solle gegen sein das Vereinsrecht der Feuerwehrleute schwer gefährdende Vorgehen des Polizeipräsidenten Prolest erheben und Schritte zur Uebernahme der Feuerwehr in städtische Verwaltung einleiten. Der Amrag wurde einem Ausschuß überwiesen. Der Ausschuß hat gestern seine Arbeit beendet. Er lehnte den Antrag auf Uebernahme der Feuerwehr in städtische Verwaliung ab. Der Berechtigung des weiter- gehenden Antrages wurde von verschiedenen Seilen zugestimmt. Stadlv. Sommerfeld verlangte aber eine Ausweichung und eine Art Verurteilung der Feuerwehrleute. Freilich nicht offen. sondern in Form eines„motivierten" Antrages ans Neber- gang zur Tagesordnung über den sozialdemokratischen An- trag. Die Erwägungen seines Anirags gingen im wesentlichen dahin: die über den angeblichen Eingriff in das Vereinsrecht der Feuerwehrleute gemachlen Angaben ließen die Sachlage nicht klar erkennen, den Feuerwehrleuten stehe ein VereinSrechr zu. dies Recht dürfe aber»nur in den.Grenzen der B e a m t e n d is z ip Ii n ausgeübt werden'-. Ueber die tatsächliche Lorenthaltung des Vercinsrechts unter Hinweis auf die „BeamtendiSziplin" ciri spann sich eine längere Debatte, die mit Ab- lehnung des auf Aufhebung des VereinsrechtS der Beamten unter dem Motto„Beamlendisziplin" gerichteten Passus endete. Der so geänderte Antrag des Antrages auf Uebergang zur Tagesordnung wurde von der bürgerlichen Mehrheit angenommen. Wenn liberale Stadlverordnete die Ausübung des reichSgesetz- lichen Vereinsrechts der Feuerwehrleute von der BeamteirdiSziplrn abhängig machen wollen, so degradieren sie damit ganz nach dem Vorgehen Delbrück u. Co. die Feuerwehrleute und Beamten zu Bürgern zweiter Klasse. Bleibt abzuwarten, ob im Plenum ein dahin- gehender Versuch wieder auftaucht. Die Absperrungen von Straßen wollen gar kein Ende nehmen. Für Montag werden wieder folgende VerkehrSbeschränkungen an- gekündigt! Ans Anlaß des am 10. d. Mts. um 11 Uhr vormittags statifindenden Gottesdienstes im Dom, der sich anschließenden Ge- denlfeier am Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm III. im Lust- garten und der Paradeausstellung in der Straße Unter den Linden werden von etwa 10 Ubr vormittags ab bis nach beendeter Feier die Kaiier-Wilhelm-Brücke, der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Siraße am Zeughoilse, der Schinkelplatz, der Platz am Zeughause, die Fahrdämme des Kaiser-Franz-Josef-Platzes, die Fahrdämrne, die Mittelpromenade und der Reitweg der Straße Unter den Linden vom Denkmal Friedrichs des Großen bis zur Wilhelm- und Neuen Wilhelmstratze für Wagen, Reiler und Fußgänger gesperrt. Während des Vorbeimarsches der Truppen, der in der Richtung nach der Kaiser-Wilbelm-Brücke erfolgt, wird der Fahrverkehr in der Burg-, Kaiser-Wilhelm-, Heiligengeist-, Rosen- und Klosterstraße nach Be- darf abgelenkt oder unterbrochen werden." Unfall beim Einzug des Prinzregenten. Das Dienstpferd deS am Donnerstag zum Absperrungsdienst im Lustgarten abkomman- dierten Schutzmanns Stack wurde, als gegen 4 Uhr nachmittags das Publikum nach dem Jnselperron südlich des Domes durchbrach, der- ort erschreckt, daß es zur Seite sprang und ausschlug. Der Schutzmann Fahrenholtz vom 46. Polizeirevier wurde an der linken Körperseite so schwer getroffen, daß er sofort zusammenbrach. Passanten trugen ihn nach dem Apothekenflügel im Schloß, wo ein herbeigerufener Arzt Milz- und Rippenquelichungcn seslslellte und die Uebersührnng des Verletzten nach der lgl. Klinik in der Ziegel« straße veranlaßle. Zu dem Hcnnigsdorfer Automobilvcrbrecheu wird mitgeteilt, daß die Arbeiter Friedrich Dorenburg und Wilhelm Spiewack aus Mar- witz gestern auf Ersuchen der Siaatsanwaltschaft von dem Amts- Vorsteher Zieger in Velten dem Amtsgericht Spandau unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft eingeliefert wurden. Ihre Ver- hajirnig war scbo» aus anderen Gründen geboten, weil sie sich auch wegen verschiedener Diebstähle, u. a. des Drahtdiebstahls, wegen Wilderns. Hehlerei und verbotenen Fifchens zu verantworten haben. Dazu kommt noch ein Meineidsversahren aus einigen Prozessen, in die beide verwickelt sind. WaS das Automobilvcrbrechen betrifft, so ist es den Beschuldigten noch nicht gelungen, olle Verdachtsmomente zu entkräften. Außerdem wird Dorenburg durch einen Arbeiter schwer belastet, dem er vor einiger Zeit eine Andeutung darüber machte, wie man durch Anbringen eines Drahtes auf einer Chaussee von Automobilfahrern etwas erben könne. D. leugnet bis jetzt diese Aeußerung. Der Anschlag auf derBrielowerChaussee, wo. wie gemcldei, am 16. Februar ein Landauer aus Brandenburg von einem quer über die Chaussee gespannten Draht aufgehalten und der Kul'cher im Gesicht perletzt wurde, ist. wie der„Brandenb. Anz." meldet, jetzt aufgeklärt. Der Täler hat sich selbst gemeldet und jetzt zugegeben, daß er den Draht in Genieinschaft mit zwei anderen jungen Leuten über die Chaussee gespannt hat in der Absicht, die Wagen und Automobile anzuhalten. Der Houpttäter ist der neun- zehn Jahre alte Knecht Fritz Siegel aus Radewege. Er befand sich mit zwei anderen jungen Leuten aus Radewege am 16. Februar auf dem Wege nach Brandenburg. Kurz vor Brandenburg fanden die drei einen zerrissenen Telephondraht. Siegel spannte den Drabt quer über die Chaussee; er wollte sehen, ob sich an dem Draht die Fuhrwerke fangen. Alle drei paßten dann auch eine Zeitlang auf, ob sich ihre„FuhrwerkSfalle" bewährte, was dann leider auch der Fall war. Tumultszencn ereigneten sich gestern nachmittag bei der Be- stattung der Opfer des Hennigsdorfer Automobilverbrechens. Es wird darüber folgendes berichtet: Nachmittags um 3 Uhr sollte auf dem Elisabethkirchbof in der Ackerstraße das Begräbnis der Pinnz- scheu Eheleute stattfinden. In der Kapelle waren die beiden Särge vor dem Altar inmitten eines Haines von Lorbeer, Palmen und anderen Blaltpflanzen aufgebahrt worden. Lange vor Beginn der Trauerfeier balte sich eine nach Tausenden zählende Menge, meist Frauen mit Kindern, vor dem Kirckbofe eingefunden. Der Friedhof wurde polizeilich um 2 Uhr geschlossen und nur gegen Karten der Eintritt gestaltet. Als dann später der Friedhof zur allgememen Benutzung freigegeben wurde, spielten sich tumulluarische Szenen ab. Aus den Menschenmassen drangen wimmernde Rufe von Frauen und Kindern heraus, welche fast erdrückt wurden. Die Polizei hatte ein starkes Aufgebot zur Stelle, doch war sie zunächst gegen den An- drang machllos. Als sie später einigermaßen wieder die Oberhand hatte, sah man überall zerrissene Kränze, zerbrochene Schirme, zer- setzte Damenboas usw. herumliegen. Als es endlich der Polizei gelungen war, die Ordnung wieder herzustellen, begann die Feier, bei der Pfarrer Berlin von der Himmelfahrtsgemeinde die Gedenkrede hielt.___ Gerüsteinsturz auf dem Neubau Grünfeld. Durch die Meldung„Gerüsteinsturz. Menschenleben in Gefahr!" wurde die Feuerwehr gestern vormittag vor 10 Uhr nach dem Neu» bau der Firma Grünfeld in der Mauerstr. 9 gerufen. Wie sich ergab, war auf dem Hof von dem großen Gerüst des Neubaues der mittlere Teil in sich zusammengestürzt und hatte zwei Arbeiter mit sich gerissen. Die beiden Verunglückten sind die Arbeiter Wilhelm Anklam aus der Treptower Straße in Neukölln und Karl Abert aus der Beusselstraße. Sie wurden mit einem Tender der Feuerwehr sofort nach der Unfallstation in der Kronenstraße gebracht, wo sie die erste Hilfe erhielien. Anklam hat mehrere Brust« quetschungen und innere Verletzungen und Abert einen linken Arm- bruch, mehrere Kopfwunden und innere Verletzungen davongetragen- Beide wurden von der Unfallstation mit Krankenwagen nach der Charits transportiert. Die Ursache des Gerüsteinsturzes konnte noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Der Selbstmord eines Soldaten bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Dresdener Kriegsgericht. Wegen Ungehorsams(wodurch ein erheblicher Nachteil entstanden ist) hatten sich der B i z e f e I d w e b c I Schöne mann und der Sergeant H ö f e r zu verantworten. Allgemeines Aufsehen erregte es, als am 18. Januar d. I. gemeldet wurde, daß sich der Soldat Steher auf Posten im Dresdener Festnngsgefängnis mit seinem scharf- geladenen Dienstgewehr erschossen habe. Die eingeleitete Unter- suchung ergab folgendes: Ter Soldat Steher vom Jnf.-Regt. Nr. 177 war am 17. Januar auf FestungSgefängniswache gezogen und als Posten fijr den- Hof des Zellengebäudes �bestimmt worden. Abends-in der- 11. Stunde wudde er voin Sergeanten Höfer schlafend-angelrofsen. Die Garnisondiensibestimmungen und die Vorschriften für das Aufsichtspsrfönal- dei� FestungsgefängnisscS schreiben nun vor, daß ein Posten/ der sich eines Wachtvergehcns schuldig gemacht hat, sofort sc st zunehmen und abzu- lösen i st. Das haben die beiden Angerlagten nicht getan, und Schönemann hat außerdem den �Soldaten Steher noch mehrmals auf Posten ziehen lassen. Als Steher am folgenden Morgen er« fuhr, daß er wegen Schlafens auf Posten bestraft loerden würde, schrieb er Äbschiedsbriefe an seine Angehörigen, und als er bald danach wieder auf Posten gezogen war, schoß er sich mit seinem Dicnstgewehr eine Kugel in den Kopf. Er wurde e n t- s c tz l i ch v e r st ü in in e H und war sofort tot. Das Motiv war lediglich Furcht vor Strafe. Die Anklage steht nun auf dem Standpunkt, daß bei ordnungsgemäßer Befolgung der einschlägigen Bestimmungen der Selbstmord des Soldaten hätte vermieden werden können. Deshalb zog sie die scharfe» Strafbestimmungen heran, die Anwen- dung finden, wenn ein erheblicher Nachteil eingetreten ist. Das Gericht nahm die Strafen ans weit milderen Gesetzesstellen und verurteilte Schöne mann zu 14 Tagen gelinde» und Höfer zu 3 Tagen mittleren Arrest. Auf einen Kindesmord läßt ein Fund schließen, den man gestern in Pankow machte. Dort lag im Straßengraben an der Prenzlauer Promeiiade ein Sack, der die Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. Die Leiche war außerdem noch in graues Packpapier ge- wickelt gewesen. Der Sack, in dem sie steckte, trug mit roter Farbe die Aufichrist:„R. O. H. O.& Co. und O. H. 127—32". Die Nachforschungen nach der Mutter ivaren bisber ohne Erfolg. Nach dem Befund ist die kleine Leiche erst kurz vor dem Auffinden dort hingelegt worden. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich gestern abend kurz vor 8 Uhr am Königsplatz. Dort wollte der 18 Jahre alte Arbeiter Friedrich Fischer aus der Novalisstratze 4 mit seinem Zwei- rade gegenüber dem Bismarckdenkmal einen Rollwagen Überholen. Er Übersah hierbei, daß aus der entgegengesetzten Richtung eine Autodroschke angefahren kam. Dieser konnte er nicht mehr recht- zeitig ausweichen. Ehe»der Kraftwagenführer seine Droschke zum Stehen bringen konnte, war Fischer angefahren und zu Boden gc- warfen worden. Er erlitt hierbei eine schwere Kopfverletzung und blieb besinnungslos liegen. Ein Schutzmann brachte ihn nach der Charite, wo er noch schwer daniederliegt. Feuer in einer chemische» Fabrik. Gestern nachmittag kurz nach ö Uhr wurde die Feuerwehr von mehreren Seiten nach der Neue n burger Str. 24 gerufen. wo im ersten Stock in der „Selim"-Fabrik chemisch-technischer Produkte von Hanns L ü l s- dorff Feuer ausgebrochen war. Das Fabrikpersonal hatte sich noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Es brannte ein größerer Posten Lederfett, doch gelang es den Löschmannschaften, die Gefahr in kurzer Zeit zu beseitigen.' Die Ursache des Feuers wird auf Un- achtsamkeit zurückgeführt. Wegen Mordversuchs verhaftet wurde gestern der 43 Jahre alte. Schlächter Adolf Müller aus der Stubbenkammer Straße 12. Müller wohnte mit seiner Frau und zwei Kindern, einem Sohne von d und einem Mädchen von 10 Jahren, im Erdgeschoß des Seitenflügels. Während er als Schlächtergeselle arbeitet, hat seine Frau die Pförtnerstellc inne. Gestern gab ein Fleischermeistcr der Frau 32 Mk., damit deren Mann Wurst für ihn einkaufe. Tie Frau übergab das Geld auch ihrem Manne, der ober den Auftrag nicht ausführte, sondern das Geld vertrank. Als ihm seine Frau darüber Vorwürfe machte, nahm er das Rasiermesser und versuchte ibr damit die Kehle zu durchschneiden. Die Bedrobte konnte sich aber noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, verließ das Haus i»'d lief zu Bekannten. Unterdessen öffnete der Mann die GaShähne, nm sich und feinen Kindern das Leben zu nehmen. Als seine Frau bald darauf zurückkehrte, fand sie die Stube niit Gas angefüllt und ihre beide» Kinder besinnungslos daliegen, Sie benachrichtigt die Polizek, die Müller, der das Bewußtsein noch nicht verloren batte, verhaftete, während sie bei den Ä indem Wiederbelebungsversuchs anstellen ließ. Diese waren auch bald von Erfolg gekrönt. Müller> der gestern abend dem Polizeipräsidium zugeführt wurde, wird heute in das Untersuchungsgefängnis gebracht werden. Der Hutmacher-Gesangverein„Einigkeit", der bei Arbeiterfesten stets mitwirkt. Veranstalter am Sonntag, den 16. März er., im großen Saale der Brauerei Bötzow ein Konzert unter Mitwirkung nam- hafter Kräfte. Fußballspiele der Arbeircrturn-> und Sportvereine Groß-Berlins. Am Sonntagnachmittag-l Uhr finden folgende Spiele statt: Spandau— Fichte S in Spandau auf dem Exerzierplatz an der See- burger Straße; Fichte 1— Charlottenburg in Treptow, Köpenickcr Landstraße. Hub aller Welt. Kleine Notizen. A la.Köpenick. Aus Sangerhausen wird vom Freitag berichtet: Gestern nachmittag kam auf die Sreuerkasfe in Sotter- hausen ein besser gekleideter sunger Mann, der sich als RegierungS- ossesior V. Bohlen-Halbach vorstellte und angab, mit einer Revision der Steuerkasse im Auftrage der KreiShauptkasse beauftragt zu sein. Er entnahm dann. der Steuerkafie SSV M. mit dem Be- merken, daß er sie an die KreiShauptkasse abführen müsse. ES stellte sich später heraus, daß die Steuerkasse einem Schwindler zum Opfer gefallen war. Um ein Haar dem Tode entronnen. AuS Erfurt wird amtlich gemeldet: Am 6. d. MtS. gegen 7 Uhr abends wurde durch den Personenzug 533a aus dem unbewachten, übersichtlichen Chaussee- übergange in fon. 4,5 der Nebenbahnstrecke�Ballftaedt(S.-Gothäi— Gräfentonna das Fuhrwerk des Händlers Schindewols aus Wolfte- rode überfahren. Das Pferd ist hierbei getötet, das Fuhrwerk zer- triimmerl und der Geschirrführer Schindewols am Kopfe verletzt worden. Der auf dem Wagen befindliche Begleiter ist unverletzt geblieben. Blutiges Renkonter. Auf dem großen Griechenmarkt in Köln erstach in der letzten Nacht nach kurzem Wortwechsel der 45 jährige Arbeiter Hirth den 3Sjähriqen Arbeiter Gottfried Schorn. Der Täter wurde verhaftet; er behauwel, in der Notwehr gehandelt zu haben. Drei Arbeiter durch einen Erdrutsch verschüttet. Bei Bauarbeiten an einem unterirdischen Durchgang ain KarlStorbahnhof inHeidel- b e r g ereignete sich am Freitagmittag kurz vor 12 Uhr ein Erdrutsch. Drei Arbeiter wurden hierbei verschüttet. Es gelang nach vieler Mühe zwei von ihnen noch lebend, aber schwerverletzt, zu bergen. Der Dritte liegt noch unter den Erdmassen. frreireligiih'e 10 Uhr. he» Lipps Gemeinde. Sonntag, den 9. März, vormittags Am Friedrichshain 23: Jugendweihe. Festrede von chaffe Dich selbst."— Dame» und Herren alz Herrn Dr. B. Wille: Gäste sehr willkommen Lerem der Freidenker iür Fcuerbestattnng. Bcrianunlung Rontag. de» 10. März/ abends S>/. Uhr, im Roienthalcr Hof, Rofentholer Straße 12. Gäste habe» Zutritt. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter /, Uhr bis nachmittags 3 Uhr: Dahl der Delegierten zur Generalversammlung.— Filiale Bernau. Sonntag, den 9. März, vormittags O'l, Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal Kreisel, Breitestraßc, Ecke Roßslraßc. Marktpreise von Berlin am V. März 1»!3. nach Ermittelungen deS löniql. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 1S,44 bis 19,5b, mittel 19�2—19�8, geringe 19,20—19,26. 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Für den �njecaiertteU verontw-: Th- Glocke, Herlin. Druck u. vertag: Vorwärt» Suchdruckerei u. Berlagsanjtatt Paut Singer u. Co.. Berlin SW. Dr. 57. 30. Jahrgang. 4. Mint des.lorairts" Sttlinet UcksM Sonnabend, 8. Man 1913. Eue InduTtrie und Handel. (�in recht schwaches Ergebnis. Ofsiziös wird mitgeteilt: Das Ergebnis der Zeichnungen auf die aufgelegte Rcichsanleihe. die preußische Anleihe und die preußischen Schatzanwcisungen läßt sich zurzeit zwar noch nicht genau fcs> stellen, doch dürfte der ausgelegte Betrag tim_ 68 Millionen überzeichnet sein. Die Schuldbuch- und Spcrrzeich- nungcn belaufen sich auf 142 Millionen. Verglichen mit früheren Ergebnissen ist dieses Resultat nicht gerade als besonders günstig zu bezeichnen. Bereiniguugsbcstrcbungeu im Berliner Brauereigcwerbe. Wie ein Berliner Mittagsblatt meldet, schweben gegenwärtig Verhandlungen, die Berliner Bockbrauerei,_ die Brauerei Friedrichs- bain und die Berliner Unionsbrauerei auf irgend eine Art zu ver- einigen. Auerdings sollen die Besprechungen bis jetzt nur un- verbindlicher Natur sein. Man ist sich in den beteiligten Kreisen noch nicht darüber klar, ob es zweckmäßiger ist, den Weg einer Fusion oder einer Pachtung zu wählen. Die Führung bei den Ver- Handlungen hat die Nationalbank für Deutschland. Koujuuktur in der Waffeuindustrie. Bei den Deutschen Waffen- und Munitions- fabriken Berlin-Karlsruhe beträgt der Reingewinn pro 1912 jjsch beträchtlichen Abschreibungen und Rückstellungen, einschließlich beS Vortrages aus 1911: S 770 861 M.(i. V. 4 84S 229 M.). Zur Verteilung soll eine Dividende von 32 P r o z.(i. ffi. 25 Pcoz.) vorgeschlagen werden.___ Stahl und Eisen. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahl-Jndustrieller betrug die Roheisen- rrzeugung in Deutichland und Luxemburg während des Monats Februar 1913 insgesamt 1492 511 Tonnen gegen 1609 714 Tonnen im Januar 1913 und 1 337 134 Tonnen im Februar 1912. Die Erzeugung während der Monate Januar bis Februar 1913 stellte sich auf 3 102 225 Tonnen gegen 2 722 627 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Bankengrwinn bei Staatsauleihen. Die koreanische Anleihe im Betrage von 2 Millionen Pfund Sterling ivird in Paris aufgelegt werden und zwar zu einem Zinsfuß von nur fünf Prozent, einem Ausgabckurs von 963/4 und einem Uebernahmekurs von 913/4. Die Banken erhalten dadurch eine Provision von fünf Prozent. Soziales* Politischer Mißbrauch der Fürsorgeerziehung. Bei Beratung des Jugendgerichtsgesetzes ist wiederholt darauf hingewiesen, daß die„Fürsorgeerziehung" praktisch das Gegenteil seines angeblichen Zwecks erreicht und daß leider die Befürchtung eine reale Grundlage hat, die Für- sorgeerziehung könne verwerflichen politischen Zwecken dienst- bar gemacht werden. Beispiele für die Versuche solchen Mißbrauchs liegen in Fällen vor, die sich gegen die Kinder polnischer oder sozialde in okrati scher Eltern richten. Der„Dortmunder Arbeiterzeitung" entnehmen wir einen Fall, der in geradezu empörender Weise bestätigt, daß es Richter gibt, die einen jedem gesunden Empfinden ins Gesicht schlagenden Mißbrauch der Ueberweisung in Fürsorgeer- ziehung für ihre Pflicht halten. Ein Sohn eines Bergmannes in Unna hatte unerhebliche Eigentumsvergeheii begangen. Der Vater strafte ihn deshalb ab. Gerichtliche Bestrafung trat nicht ein. Der Mag i st rat i n II ii na aber leitete im Jahre 1911 die Fürsorgeerziehung ein. Der Beschluß wurde auf sechs Monate ausgesetzt, weil der Arbeitgeber, bei dem der Junge inzwischen in Arbeit getreten ivar, ihm ein gutes Zeugnis ausstellte. Der Junge hat inzwischen mehrere Stellen mit besten Zeugnissen inne- gehabt. Die Zeugnisse bestätigen feine gute Führung, seinen Fleiß und feine Ehrlichkeit. Dennoch hat jetzt das Amtsgericht die Fürsorgeerziehung angeordnet. Weshalb? Es wird auf den Wechsel in den Stellungen hingewiesen und dann erklärt: „Auch spricht er im Verkehr mit seinen Arbeitskollegen schon viel von der Sozialdemokratie und hat erklärt, daß er dem sozialdemokratischen Verband beitreten wolle. Tic Eltern haben nicht die Macht, den Sohn von seinen schlechten Handlungen zurückzuhalten." Eine solche Begründung ist ehrlich, sie spricht die eigent- liehen Gründe, die von manchem Richter nicht in den Beschluß geschrieben werden, aus. Die Begründung zeigt aber, wenn- gleich sie und der Ucbcrwcisungsbeschluß Wohl vom Land- gcricht zur Aufhebung gebracht werden, wohin politische Voreingenommenheit von Richtern führt. Das könnte den Junkern und Schlotbaronen passen, die Kinder von Sozial- demokraten den Eltern zu nehmen und sie in Fürsorgean- stalten, genannt Brutstätten der Erziehung zur Charakter- losigkeit und zn Lastern, zu bringen. Die Arbeiterklasse muß sich gegen solche Versuche mit aller Macht wenden. Wir ersuchen die Genossen, die von ähnlichen Versuchen Kenntnis erhalten, uns möglichst um- gehend unter Beifügung der Beschlüsse in Kenntnis zu setzen, damit das Material bei Beratung des Jugcndgerichtsgesetzes, durch das eine Ausdehnung der sogenannten „Fürsorge" droht, rechtzeitig Anwendung finden kann. WitterungsSberficht vom 7. März 1913. «swinemdc. 75S SA Hamburg 757« Berlin 75gjW Krankt. a.M 765 SW München!770SW Wien I769S glDDlkig �wolkig 1 wolkig Äwolkig 5chalb bd. Ühalb bd. aparanda 736 SW ctersburg 747 W Scillh 763WND Aberdee» Paris 746. WSW 7K7SSW heil« Scheiter 4!wolkig 4 halb bd. 4 bedeckt 19 Wetterprognose für Sonnabend, de» 8. März 1913. Kühler, vielfach heiter, aber noch sehr unbeständig mit geringen Nieder- schlagen und anfangs starken, später abnehmenden westlichen Winden. Berliner Wette rburcau. Unsere neuen Frühjahrs�Modelle haben keine Rivalen! Wir studieren die Moden des In- und Auslandes und beeilen uns, mit den neuesten Schöpfungen der Schuhbranche als Erste auf dem Markte zu erscheinen. Unsere Modelle sind vorbildlich!»* Unsere Auswahl ist enorm! Unsere Haupt~Preis!agen für moderne Herren- und Damen-Stiefel und-Schuhe: 6 75 10 50 12 50 14 50 16 50 18 50 Kinder-Stiefel schwarz, naturgemäße Formen ganz besonders preiswert 25-27 28-30 31-35 3SO 48O 580 C Jcnualcmcr Strosse 32-35 W. Potsdamer Strasse Nr. 2 W. Friedrich-Strassc Nr. 75 W. T aucntzien-Strassc I9a W. Taucntzicn-Strassc 7 b C. König-Strasse 25 und 26 C RosciithoIcrStrasseNr.5 Kinder-Stiefel Chevreaux und Boxcalf, in rationellen Formen*** Gute Verarbeitung 25-27 28-30 31-35 36-39 6- 7- 8- 950 Gegründet 1567 S. Oranicn-Slrassc Nr. 161 NO. Gr. Frankfurter Str. 123 N. 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Co., Belle- Allümcc- straße 1—2. 22551* Äwei Rabiffpuher zu sofort gesucht. gog/s Carow dfc Co., St-ftoS. Doä Etablissement Residenz-Festsäle Landsberger Str. 31, Jnh. Walterstein, ist seitens unterzeichneter Organisanon wegen Richteinhaltung des Tarif» für organisiert« Gehilfen bis am weiteres W0 gesperrt' Verband der Gastwirlsgehilfen. Ortsverwal tinig Berlm. :nger u. Co.. Berlin! Nr. 57. 3l). Jahrg. KMs-KeilM des Awirls" str Mm-Wcß» 8. Mar; 1913. Vorort- I�admcKten. Tie Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung erledigte am Donnerstag den Etat. Die Beratungen im Ausschutz tnaren lediglich von dem Bemühen geleitet gewesen, die 11» Proz. Einkommensteuer, die der Magistrat in dem von ihm vorgelegten Etat als dringend notwendig gefordert hatte, auf IVO Proz. herab- zudrückcn, und die Beratung im Plenum fand seitens der großen bürgerlichen Mehrheit unter demselben Gesichtspunkte statt, wäh- rend unsere Genossen weder einer unvorsichtigen Finanzgebarung, noch dem Zurücktreten der sozialen Aufgaben der Gemeinde das Wort redeten. Die lll Proz., welche die Mehrheit ersparen wollte, betragen rund 1 Million Mark. Die Ersparnis sollte eintreten durch Absetzen einer notwendigen Abschreibung beim Gaswerk in Höhe von 109 000 M., durch Absetzen der Kosten der Neupflastcrung des Spandaucr Berges in Höhe von 150 000 M. Die erste Absetzung widerspricht jedem gesunden kaufmännischen Gebaren, die zweite vernachlässigt wichtige Interessen der Stadt. Schon der vom Magi- strat vorgelegte Etat sah autzer der Neupflastcrung des Spandauer Berges nicht eine einzige weitere Regulierung vor, trotzdem zahl- reiche Petitionen aus den Kreisen der Bürgerschaft auf die bcrcch- tigten Wünsche in dieser Richtung hindeuten und trotzdem schon seit Jahren ein umfassender StratzcnregulierungSplan vorliegt, nach welchem fünf Jahre lang gearbeitet worden ist und nach welchem in weiteren fünf bis sieben Jahren die Regulierung vollendet sein soll. Genosse Klick wies auf das für die Weitercntwickelung der Stadt Gefährliche dieses Gebarens hin, die Mehrheit genehmigte jedoch beide Abstriche. Weiter wurde der AusglcichSfonds in An- spruch genommen. Er ist vor fünf Jahren geschaffen worden, weil die Stadt gewohnt war, mit Ueberschüsien von mindestens einer Million Mark zu rechnen, die als Einnahme in den nächsten Etat einzustellen sind, und weil die Gefahr vorliegt, datz dieser lieber- schütz einmal nicht erreicht wird. In solchen Fällen soll der Fonds das, was zur Million fehlt, hergeben. Aber er ist autzcrdem bereits im vorigen Jahre.zum Etatausglcich" herangezogen worden, und auch in diesem Jahre sah die Magistratsvorlage bereits einen Posten von WO 000 M. aus diesem Fonds.zum Etatausgleich- vor. Ter Ausschuh schlug vor. ihm weitere 270 000 M. zu entnehmen, sie aber unter anderem Namen, nämlich zu einmaligen autzerordcnt- lichen Abschreibungen beim Elektrizitätswerk, zu verbuchen. Er erreicht damit, datz der Ucberschutz des Elektrizitätswerks um diese Summe höher erscheint, als er in Wirklichkeit ist. Sowohl gegen die Schröpfung des Ausgleichsfonds, wie gegen die vorgeschlagene Form der Buchung erhob Genosse S t u l z lebhaften Einspruch, die Mehrheit stimmte jedoch den Porschlägen des Ausschusses zu. Ein weiterer Posten von 300 000 M., der für eine neue Ge- meindeschule bestünmt ist, sollte nach dem Vorschlag des Ausschusses aus dem zu GrundstückSankäusen bestimmten Fonds(Einstweilige Kapitalansammlung) genommen werden, üschon bei der ersten Lesung des Etats war das von Rednern der Mehrheit angedeutet worden, und der Kämmerer hatte mit Nachdruck auf daS Bedenk liche solcher Finanzgebarung aufmerksam gemacht, die darauf hin ausläuft, die vorhandenen Fonds aufzuzehren, so datz in wenigen Jahren ein plötzlicher Steuersprung von 20 oder 30 Proz. nötig werden kann. Genosse Stulz wies noch einmal auf das Gefähr- liche dieses Beginnens hin, die Mehrheit erhob jedoch auch hier den Antrag des Ausschusses zum Bcschlutz. Aber immer fehlten noch 180 000 M., um auf 100 Proz. herab zukommen. So wurden denn an den verschiedensten Stellen noch kleinere Abstriche gemacht und der Rest in Höhe von 140 000 M. ebenfalls noch dem Ausgleichsfonds„zum Etatausgleich- eni nommcn. Die kleineren Abstriche sind teils ganz willkürlich, bei spielswcise 10 000 M. für Aschcnabfuhr beim Elektrizitätswerk, wo- für nach genauer Berechnung 20 000 M. gefordert waren; die not- bändige Folge des vorgenommenen Abstriches wird natürlich eine Ileberschreitung dieser Position sein müssen. Darüber tröstete sich die Mehrheit mit der Hoffnung, daß das Elektrizitätswerk noch Wetter Ucberschüssc ergeben werde. Täuscht diese Hoffnung, so bleibt die Sorge eben der Zukunft überlassen. Zum grötzeren Teil betreffen die kleineren Abstriche die Er- füllung der sozialen Pflichten der Stadt. Trotzdem von allen Seiten Jahr für Jahr verkündet wird, die Schule werde man niemals Not leiden lassen, verweigerte man jetzt den Ausbau der Wold- schule und strich eine für ihre Erweiterung geforderte Baracke in Höhe von 13 000 M.. ebenso kürzte man willkürlich den Posten für Nachhilfeunterricht um 5000 M. Mit dieser letzteren Streichung ging man sogar noch über die Vorschläge des Etatausschusses hin* suis, denn dort war nach eingehender Diskussion diese Kürzung ab� gelehnt worden, weit als ihre notwendige Folge eine Etatsübcrl schreitung erkannt wurde. Eine geradezu haarsträubende Leistung war ferner der Abstrich von 7000 M. bei dem Posten für Lieferung roher Äindermilch in dem Abschnitt.Säuglingsfiirsorge". Die Gc "Offen Borchardt und Hirsch wiesen mit Nachdruck auf das Charakteristische dieser Streichung hin und verlangten namentliche Abstimmung darüber. Während im Ausschutz diese Streichung nur mit knapper Mehrheit beschlossen war, stimmten im Plenum die bürgerlichen Parteien fast geschlossen dafür, nur fünf liberale Stadtverordnete schlugen sich auf die Seite unserer Genossen. Dag alle übrigen von unseren Genossen gestellten Anträge, Herabsetzung der Gasmesscrmicte. Teuerungszulagen, die Genosse Vogel verlangte, freie Lernmittel in den Gcmeindcschulen, wo- für Genosse� Scharnberg eintrat, abgelehnt wurden, versteht sich ber dem lsparbestreben der Mehrheit von selbst. Dieses Spar- bestreben hatte die Mehrheit im Ausschutz zur Empfehlung einer Resolutwn veranlatzt, die Erhöhung der Kurkostensätze für Aus- wärtigc in den Krankenanstalten in Erwägung zu ziehen. Genosse Ahrens wies darauf hin, datz dies nicht nur ein Schlag ins Wasser sein, sondern sogar zu einem finanziellen Mißerfolg führen wurde, weil die Krankenkassen zum Ersatz der Krankenhauskostcn nicht verpflichtet, sondern berechtigt sind und dann sicherlich eine andere Praxis wie bisher einschlagen würden. Die Mehrheit stand deshalb von der Annahme dieser Resolution ab. Zur Annahme gelangte beim Feuerlöschwesen eine Resolution, die eine Perbcsscrung der Kündigungs- und Urlaubsvcrhältnissc der Feuerwehrleute wünscht. Hierbei wurde auch das Verhalten des Branddirektors Bahrdt einer Kritik unterzogen, der bei den Kirchen. Wahlen einen Einfluß auf die ihm unterstellten Mannschaften aus. geübt haben soll, in kirchlich-positivem Sinne zu wählen. Ob und in welchem Umfang das wirklich stattgefunden hat, war aus den Erklärungen des Magistrats nicht ganz deutlich zu entnehmen, ledenfalls Iretz der Bürgermeister Dr. M a i e r keinen Zweifel darüber, datz der Magistrat jede Beeinflussung religiöser und poli- tischer Art auf das schärfste mißbilligt und wenn sie erwiesen würde. diSziplinariich dagegen einschreiten würde. . l den Polizeikosten, die die respektable Höhe von fast drei- viertel Million Mark erreicht haben, rügte Genosse Gebert die Unsicherheit, die in Charlottenburg herrscht. Zur Ueberwachung von Versammlungen der Arbeiter hat man Dutzende von Schutzleuten überflüssig, aber der Sicherheitsdienst liegt sehr im argen, wie die nicht seltenen Ueberfalle beweisen. Wenn die Polizei leider auch königlich und nicht stadtisch ser— die Stadt hat nur zu zahlen—. so könnte der Magistrat doch wohl durch Vorstellungen beim Polizeipräsidenten etwas erreichen. Nachdem die Etatberatung in später Nachtstunde zu Ende ge- führt war. wurden noch eimge kleinere Vorlagen erledigt. Lichtenberg. Stadtverordnetenfitzung. Bei der Wahl eines ordentlichen Mit- Gliedes zum Zweckverbande entfielen 47 Stimmen auf den Stadtrat Raretzky, 26 stimmen auf den Genossen Ritter. Die Wahl bedeutet eine Brüskierung der sozialdemokratischen Fraktion, die auf das Eingreifen des Magistrats zurückzuführen ist. Datz er die Gesolg- schaft der gesamten bürgerlichen Stadtverordneten fand, stellt deren Selbstachtung, Loyalität und politischen Einsicht ein nettes Zeugnis aus. Der Stadtrat Maretzkh wird nach allgemeiner Ansicht nicht lange in Lichtenberg amtieren und die Sozialdemokratie ist, obwohl sie die zweitstärlste Fraktion stellt, im Zweckverbande durch kein ordentliches Mitglied vertrelen. Der Vorgang schafft eine gewisse Klarheit, die vor Illusionen schützt. Unsere Gegner sind sehr konseguent in der Betonung ihres Klaffenkampfstand- Punktes. Von unserer Seite wurde angeregt, der Magistrat von Lichtenberg möge die Initiative zu einer gemeinsamen Kundgebung aller interessierten Gemeinden Grotz-Berlins gegen die Stellung- nähme der Lalldtagskommissioii in der Frage der Elektrisierung der Stadtbahn ergreifen. Gemäß Beschlutz der Stadtverordneten- versaminlnng gehören dein GrundsteuerauSschutz unsere Genossen John, Grauer und Heckert an. Eine teilweise recht stürmische Debatte veranlatzte der Stadtrat Bernhardt durch eine gesucht provokatorische Stellung- nähme gegen unsere Genossen. Es handelte sich um einen Antrag, den Beschlutz der Stadtverordnetenversammlung, das Pestalozzi- Lyzeum abzubauen, wieder aufzuheben. Finanzielle Erwägungen halten die bürgerliche Mehrheit zu dem Beschlutz bewogen. Genosse John bewies in einwandfreier Weise, daß solcher Beweggrund iil den heuligen Verhältnissen bessere Stütze fände als damals. ES sei ungerechtfertigt, im Interesse einer ganz kleinen Zahl von Familien der Stadt eine dauernde Belastung— für dieses Jahr inindcstens 18 000 M.— aufzubürden, wenn andererseits bei den Volksschulen berechtigte Wünsche zurückstehen müßten. Jetzt wolle man die stnanziellen Bedenlen fallen lassen, weil nun im Anschluß an das Lyzeum eine Mittelschule, eine neue Klassenschulc, eingerichtet werden solle. DaS fei niil wünschenswerter Deutlichkeit verraten worden. Er beantrage, eS bei dem Bcschlutz, das Lyzeum abzubauen, zu be lassen. Mit auffälliger Heftigkeit griff darauf der Stadtrat Bern- Hardt unsere Genossen an. Dem Genossen John unterstellte er persönliche Kampfesweise, obwohl John kein persönliches Wort gesagt hatte. Dann polterte der Magistratsvertreter gegen den Fraktionszwang der Sozialdemokratie. In der Kommission hätten die drei Sozialdemokraten für den Weiterbestand des Lyzeums gestimmt, nun sollten sie wieder anders stimmen. Durch lärmenden Beifall bekundeten die Herren auf der Rechten, die so osr zum allgemeinen Ergötzen bemitleidenswerte Fähigkeiten im Umfall auf Kommando bekunden, ihre Freude an dem ganz unmotivierten Erguß des Herrn Bernhardt. Dieser Herr glaubte noch einen besonderen Trumps ausspielen zu können, indem er, wohl zum Befremden der allermeisten Zuhörer, das.Geheimnis' auskramte, aus einer persönlichen Unterredung mit dem Genossen Düwell wisie er, dotz dieser persönlich auf einem anderen als dem mm bekundeten Fraktionsstandpunkt stehe. Dazu mutzte sich der Herr sagen lassen, daß eS sonst keine Gepflogenheit sei, mit persönlichen Auslassungen zu operieren. Weiter belehrte ihn Düwell, datz gerade er schon in der vorigen Sitzung bemerkt habe, datz er nicht für den Abbau gestimmt, aber ganz energisch den Plan der Errichtung einer Mittelschule bekämpfe. Und ans diesem Grunde bleibe er bei der Ablehnung. Der Ansicht hätten sich die irreführend informierten Kommissionsmitglieder angeschlossen. Durch den Trick, die Errichtung der Mittelschule nur zu vertagen, lasse man sich nicht düpieren. Genosse Rössel als KommissioiiS- Mitglied fertigte Herrn Bernhardt ab, indem er ihm vorwarf, er habe in der Kommission den Anschein erweckt, als ob eine Ablehnung der Magistratsvorlage ganz zwecklos sei, da dieser ja doch die Eni scheidung in der Hand habe. Der in die Enge getriebene Stadtrat suchte sich zu retten und plumpste tiefer hinein. Entgegen seiner ersten Erklärung wollte er nun den Anschein erwecken, als ob die Unterredung mit Düwell keine private gewesen sei, man sei doch amtlich zusammen gewesen und persönliche Mitteilungen dürfe man doch auch.ausschlachten'.— Zuruf: Ausschlachten?— Düwell erklärte dazu, datz er allerdings jedem gern das Recht ein räume, private Aeutzerungen von ihm.auszuschlachten', dabei komme, wie Herr Bernhardt in dem vorliegenden Falle gemerkt habe, für den Ausschlachter kein Vorteil heraus Datz die eigenartige Ansicht des Herrn bei seinen Kollegen geteilt werde, das dürfe man bezweifeln. Und wenn er unrühm- lichen Fraktionszwang kritisieren wolle, dann möge er sich nur an seine Freunde hallen. In nanlentlicher Abstimmung wurde dann der Antrag deS Magistrats gegen 26 Stimmen— darunter zwei bürgerliche— angenommen. Mehrere Bürgerliche hatten tapfer den— Saal verlassen.— Nochmals wurde es etwas lebendig aus Anlatz_einer anonymen Petition, die sich gegen Mitzstände am Bahw hos Stralau-RummelSburg wendete. Der sachliche Inhalt der Petition fand Zustimmung und eS wurde beschlossen, den Magistrat aufzufordern, die Beschwerde der Eisenbahnverwaltung zuzustellen. Es handelt sich um die Unzulänglichkeit der Zugänge zu den Bahn steigen. Gegen die Form der Pelition erhob Genosse Rössel scharfen Prolest. Die anonymen Petenten sprechen vom Publikum aus der einen Seite und von pöbelhasten Arbeilermassen, von betrunkenen Arbeiter« auf der anderen Seite, die Frauen anständiger Bürger in Lebensgefahr brächten. Schlietzlich drohten die sich selbst als an- gesehene Bürger herausstreichenden Herren.mit dem Fortzuge von Lichtenberg. Gegen solche freche Sprache sei ent- schieden Protest zu erheben. Ihr Geist spuke allerdings auch in einer der vorliegenden Magistratsvorlagen. Dorm spreche man einmal von einer Dame, weiter von Iveib lichen Personen. So stelle man in aufreizender Weise die Klaffcnscheidung. aber auch den Klasiendünkel heraus. Auf bürgev sicher Seite schlotz man sich dem Protest gegen die unverschämte Form der erwähnten Petition an. Auf Antrag der Volkssckul- lehrerinncn wurde beschlossen, die Kosten für das erforderliche Verl trauensarztattest nicht einzuziehen, falls ein Spezialarzt in Anspruch genommen werden mutz. Von unserer Seite wurde dazu noch an- geregt, den Lehrerinnen auf jeden Fall die Möglichkeit zu verschaffen, eine Aerztin zu konsultieren. Die in der vorigen Sitzung von den Bürgerlichen abgelehnte Anleihe fand diesmal— etwas modifiziert — einstimmige Annahme. Dann wählte man noch den Etatausschutz, dem von unseren Genossen Grauer, Witzle. Linke, Heckert und John angehören. Genosse Grauer monierte bei dieser Gelegenheit, datz der Etat so spät vorgelegt werde, und die Deputationen über- Haupt nicht gehört wurden. Die Etatberatung, selbst, sowie die Er- ledigung einer Reihe weiterer Punkte, so die Reorganisation der Waisen- und Arnrenpflege wurde nvertagt.. Steglitz. Mit 11 733 500 Mark schlietzt der Boranschtag unserer Gemeinde für das Rechnungsjahr 1913 in Einnahme und Ausgabe ab. Eine ansehnliche summe für ein Dorf, das allerdings mit seinen 80 000 Einwohnern solche Zahlen rechtfertigt. Irgendwelche Steuer- erhöhungen bringt oer Voranschlag nicht; man hat sich nach der Decke gestreckt und damit begnügt, dem Ausgleichsfonds 267 000 M. Zu entnehmen, um die Einnahmen mit den Ausgaben in? Gleich- gewicht zu bringen. Welche Summen resp. Mehraufwendungen die einzelnen Verwaltungszweige erfordern, erweisen folgende Zahlen. Der Etat der allgemeinen Verwaltung verlangt einen Zuschuß von 663 330 M.(gegen das Vorjahr mehr 39 360 M.), die Polizei- Verwaltung 197 810 M.(-(- 17 290), die Schulverwaltung 1 475 680 Mark(4- 116 900)— auf die höheren Schulen entfallen hiervon 657 740 M.(4-60 150), auf die Volksschulen 772 940 M.(4- 51 890). auf die Fortbildungsschule 45 000 M.(4-4860)—, die Wohlsahrts- pflege 53 240 M.<4- 9890t, die Arincnverwaltuiig 161 250 M. (4- 35 050t. die Feuerwehr 55 640 M.(— I560i, die Bauverwaltung 263 560 M.(4-31 780), die Stratzenreinigung 166 220 M.<4- 1200), die stratzeiibcleuchtung 65 250 M,(4- 7710), die Garten- und Friedhofsvcrwaltung 107 650 M.(4-90). Der Schuldendicnjt cr- sordert das nette Sümmchen von 1 633 950 M.(4- 155 880), die Schulden selbst belaufen sich inkl. einer neu aufzunehmenden An- leihe im Betrage von 3 250 000 M. auf insgesamt 29 848186 M. Der Steueretat weist einen Ucberschutz von �6084n0 M. (4-110 080 M.) auf. Die wirtschaftlichen und Verkehrsunkr- netzmu ngen der Gemeinde zeigen im allgemeincii eine erfreuliche Entwickelung. Wenn auch die Badeanstalt einen Zuschuß von 28 870 M. und die Gleislose cincn solchen von 12 130 M. erfordert, so balanciert andererseits bereits der Etat der Grunewaldbahn mit 191250 M. in Einnahme und Ausgabe, wobei allerdings freiwillige Beiträge vo» Anliegern in Höhe von 38 250 M. in Elmiahme gestellt sind. Voraussichtlich wird schon der nächste Etat mit eineni Ueberschutz rechnen können. Als sehr vorteilhast für den Gemeinde- säckel erweist sich das Elektrizitätswerk, das 200 000 M. Ueberschutz bringen soll und wird; auch vom Eiswerk erwartet man 5700 M. Ueberschutz für das erste Betriebsjahr. Der Kanalisationsetat balanciert mit 554 900 Di., wozu das Rittergut Klein-Ziethen einen Ucberschutz von 46 700 M. beisteuert. Die Marktverwaltung steht mit einem Ueberschutz von 28 650 M. verzeichnet, und aus Abgaben von Privatunternebmungen(Gas- und Wasserversorgung. Straßen- bahn. Anschlagwesen. Berliner PorortL-Elektrizitätswerke) flietzen der Gemeinde 154 710 M. zu; eine recht bescheideiie Summe im Vergleich zu dem Erträgnis des eigenen Elektrizitätswerkes, das allein die obige Summe um ein bedeutendes übersteigt. Er wäbnenswert ist/ datz die Stockung im Baugeschäft eine Minder- eilinahme an Gebühren in Höhe von WOOO M. verursacht; auch im Kanalisationsetat zeigt sich als Folge ein Rückgang der einmaligen Beiträge um 35 000 M.— Die neue Anleihe von 3 250 000 M. soll in der Hauptsache für folgende autzerordentliche Ausgaben im neuen Etatsjahr Verwendung finden: 700 000 M. für die Gemeindeschule in der Sachsenwaldstratze, 110 000 M. für Pflasterung der Bis- marcksiratze, 255 000 M. für Ausdehnung der elektrischen Straßen- beleuchiung, 56 000 M. für Erweiterung des Stadtparks und Aus- bau des Stadtparkrestanrants, 15 000 M. für Erweiterung der Heilbäderanlage im Stadtbad, 582 200 M. für Erweiterung des Elektrizitätswerkes, 1 200 000 M. für Verstärkung des Grund- erwerbsfonds, 180 040 M. für Fortführung des Regenwasserkanals, 13 500 M. für zwei Bedürfnisanstalten iam Markus- und Cramer- platz) und schlietzlich 14 500 M. für einen Automobil-Krankenwagen. Spandau. Eine überfüllte, von über 2t>00 Personen besuchte öffeittliche Versammlung, die dritte in kurzer Zeit, fand am Donnerstagabend im„Neuen Stadttheater' statt. Landtagsabg. Genosse Julian Borchardt referierte über das Thema:„Die wahren und die falschen Freunde des arbeitenden Volkes'. Redner kritisierte zunächst scharf die einzelnen vom Dreiklassenparlament geschaffenen arbeiterfeind- lichen Gesetze, iiin dann auf das Verhalten der einzelnen Parteien einzugehen, die sich als wahre Freunde des Volkes aufspielen. Zentrum, Konservative und Nationalliberale schied er hierbei von vornherein aus. Aber auch die Fortschrittliche BolkSpartei habe sich wiederholt, namentlich bei Erringung deS gleichen und geheimen Wahlrechts, als falscher Freund gezeigt. Die Arbeiterschaft könne sich einzig und allein nur aus die Sozialdemokratie der- lassen. Redner schloß unter stürmischem Beifall sein Referat mit der Aufforderung, bei der bevorstehenden LandtagSwahl geschloffen den Volksfeinden entgegenzutreten und einmütig für den sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmen.— In der Diskussion erinnerte ein Herr Doepner, der sich als scharfer Gegner der Sozialdemokratie bekannte, durch sein komisches Austreten leb- hast an die seinerzeit siattgefuildene Keidel-Versammlung. Dem Genossen Borchardt war es in seinem Schlußwort denn auch ein leichtes, die Ausführungen des Diskussionsredners unter lebhaftem Beifall zu widerlegen. Genosse Völker teilte dann noch mit, datz am Donnerstag, den 20. März, Landtagsabgeordneter Genosse Adolf Hoffmann im„Neuen Stadttheater" sprechen wird. Ferner machte er die Mitteilung, datz die Militärbehörden nunmehr den Militär- bohkott über das„Neue Stadttheater' verhängt, weil der Pächter sein Lokal auch der sozialdemokratischen Partei zur Verfügung gestellt habe. ES erwachse hieraus der organisierten Arbeiterschaft die Pflicht, durch regen Besuch der Theatervorstellungen daS Lokal zu halten. Mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf daS freie, gleiche und geheime Wahlrecht fand die imposante Versammlung ihr Ende. Treptow-Baumschulenweg. Mit einem gemeinsameu Kirchgang und aiischlietzendem Wirts- Hausbesuch ivollen heute abend die einzig wahren„Patrioten' unseres Ortes die Jahrhundertfeier begehen. Groß ist die Zahl der Vereine und Vereinchen, die ihrem warinerfüllten Herzen in einem Aufruf an daS„patriotische" Volk von Treptow Luft machen. Mit Paulen und Trompeten sollen beim Fackelschein die Mannen im schwarzen Rock und Zylinder, angetan init Orden und Ehrenzeichen, von der Kirche in der Baumschulenstratze nach dem ParadieSgarten in Alt- Treptow ziehen. Ober-Schöneweide. Gcmeindevertretersihung. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde vom Geineindevorsteher beknimt gegeben, datz das Ortsstatut über die B e r u f s v 0 r m u n d s ch a f t sowie die Abänderung des GewerbegerichtsortS st atutS genehmigt ist; die Arbeit- nehmerwahlen für das Gewcrbegericht werden voraussichtlich am Sonntag, den 13. April, statlfindeii. Ferner wurde mitgeteilt, datz vom Landrat ein Schreiben eingegangn sei, in welchem derselbe be- kannt gibt, datz der vorgeladene Schöffe Kabelitz erklärt habe, bei der durch die Gemeindevertretung vorgenommenen Wahl von Kreistagsabgeordneten seine Stimme nicht dem sozial- demokrattschen Kandidaten gegeben zu haben. In der nun folgenden Beratung des E t a t s � ü r 1913 nahm Genosse Muth beim Titel „Allgemeiile Verwaltung" Veranlassung, die Borgänge anlätzlich der Wahl seiner Person zum KreistagSabgeordneten einer wirksamen Kritik zu unterziehen; er bezeichnete es als ein feiges Beginnen eines ehrlosen DenmiziantentumS, in dieser Weise das Selbst- verwaltungsrecht der Gemeinde und die Freibeit der Entschlictzung der Gemeindevertreter zu besudeln. Wenn nun gar ber örtliche Kriegerverein noch herbeikomine, um die Gemeindevertreter in dieser Sache zur Rechenschaft zu ziehen, so setze das allem die Krone auf; jedenfalls könne er im Namen der sozial- demokratischen Vertreter erklären, datz sie sich eine solche Entwürdigung ihrer Person ernstlich verbäten, sie könnten vielmehr verlangen, datz ihnen ans Grund ihrer Mitarbeit in der Gemeinde die gebührende Achtung entgegengebracht würde, umsomehr, als auch die Mehrzahl der Einwohner hinter ihnen stände. Es war recht eigenartig, datz niemand von Vertretern der ersten Klasse, welche dazu recht begründete Ursache hatten, das Wort zur Abwehr ergriff; nur Heir PeierlS suchte einige Ausführungen unseres Genossen mit dem verblümten Hinweis auf den sozialdemo- kratischen TerroriSmus zu entkräften, im übrigen verurteilte aber cmch er die Vorgäuge. Beim Etat der Volksschule wurde vom Genossen G r u n 0 w erneut auf die Ungerechtigkeit hingewiesen, datz dem Arbeitertur n verein nach wie vor die Turnhallen versperrt blieben trotz des gegenteiligen Beschlusses der Vertretung; eS sei jedenfalls ein sonderbares Verhältnis, wenn ein von der Gemeindevertretung erwählter Gemeindevorsteher sich so i»r Gegensatz zu seiner Gemeinde stelle, nur weil er sich zlim grötzeren Teile als Ausführender der Aufsichtsinstanzen fühle. Die Vertretung hätte die dringende Pflicht, durch den Bau einer neutralen Turnhalle dieses Unrecht gut zu machen; bicS sei Bi$ jetzt noch nicht geschehen,— im Gegenteil— die Schuldeputation geht soweit, dem Verein Jung- deutschland den Zeichensaal einer Schule als Versammlwtgs» räum zur Verfügung zu stellen. Zu derurteilen sei auf das schärfste die KriegS spielerei der Schulkinder, welche die Albernheiten der so- genannten Pfadfinder(richtiger gesagt Chausseegrabentrapper) nachäfften. Der Lehrerschaft, die sich vielfach aus purer Liebedienerei diesem organisierten Blödsinn widme, sei zu raten, für die Aus- rotwng der Schülermißhandlungen Sorge zu tragen, die leider noch allzuhäufig vorkämen. Auch diese Ausführungen zeitigten nur einige nichtssagende Erklärungen des Gemeindevorstehers, der den Lehrern ihre Freiheit(?) lasse wolle; die Turnhallenfrage sei für ihn er- ledigt, da eine Klage gegen sein Verhalten seinerzeit nicht er- hoben sei. Bei der Beratung de? Etats der Steucrvcrwaltung wurde von unseren Genossen der Antrag gestellt, die Einkommen bis 900 M. steuerfrei zu lassen. Genosse Mnth wies nach, wie schwer die all- gemeine Teuerung den einzelnen belaste, es sei daher notwendig, dem Antrage stattzugeben; die Mehrheit ließ sich jedoch anscheinend dadurch zur Ablehnung bestimmen, daß der Gemeindevorsteher einen Steuerausfall�in Höhe von ööOO M. in Aussicht stellte. Beim Etat der höheren Schulen wurde von unseren Genossen eine andcrweite Regelung der Vergebung der Freistellen beantragt. Genosse Muth erklärte den jetzt geltenden Zustand, wonach nur die vom Lehrer- kollegium der Volksschule als fähig bezeichneten Schüler Berück- sichtigung zu finden haben, als wenig ideal; von einigen Eltern würde auf alle nur mögliche Art und Weise die Bewilligung einer Arcistellc erstrebt; ob dabei immer die Tüchtigsten Berücksichtigung fänden, sei mehr als fraglich. Die ausgedehnte Debatte über diesen Antrag führte schließlich zur Ablehnung desselben; beschlossen wurde jedoch, daß in erster Linie däs Urteil des früheren Lehrers maß- gebend sein solle. Ein Antrag Herwig, dem Rudcrvcrcin am Real- ghmnasium eine Beihilfe von 400 M. zu bewilligen, wurde zurück- gestellt. Die vorgesehene Entschädigung für die am 1. April be- ginnende Tätigkeit des Bcrufsvormuitdes wurde von liOO auf 500 Mark erhöht; die Regelung der Personenfrage ist einer späteren Sitzung vorbehalten. Die Kirchengcineindcn verzichten in diesem Jahre auf die bisher von der Gemeinde alljährlich dewilligten Bei- Hilfen im Gesamtbetrage von 4500 M.; es ist dies wohl eine weise Vorsicht, da nach vollständiger Besetzung der dritten Klasse die Streichung zu gewärtigen stand. Eine ausgedehnte Debatte zeitigte ein Antrag der Grundbesitzer betreffs Regelung der Müllbesciti- gung. Nachdem die Stadt Berlin den bisherigen Abladeplatz in der Wuhlheide nicht mehr zur Verfügung stellt, ist die Frage zur Kalamität geworden. Von allen Rednern wurde anerkannt, daß neben den Grundbesitzern die Gemeinde ein wesentliches Interesse an einer, besriebigenden Lösung habe; es wurde eine Kommission mit der Erörterung betraut. Beim Fricdhofsctat wurde von unseren Genossen ein Antrag in Aussicht gestellt, welcher eine Aenderung der Verwaltungs- und Gebührenordnung zum Gegen- stand hat, da sich verschiedene Mängel herausgestellt hoben. Mariendorf. Mit der Weiterderatuag des Etats Beschäftigte sich die letzte Gemeindevertretersitzung. Der Titel Gemeindeschulen sieht an Aus- gaben für Besoldungen der Lehrpersonen 133 410 M. vor. dos ist gegen da§ Vorjahr ein Mehr von 18 458,35 M. Der Gemeinde- Vorsteher teilte dazu mit, daß infolge der zahlreichen Anmeldungen zur Einschulung mit einer Vermehrung der Klassen gerechnet werden müsse; Genosse Weber beantragte, die Ausgaben für den katholischen Religionsunterricht sowohl wie für die Schulsparkassen zu streichen, dagegen seien den Gemeindeschulen unentgeltlich Lehr- und Lern- mittel zur Verfügung zu stellen. Die Bürgerliche Mehrheit wollte natürlich von solchen Neuerungen� nichts wissen. Eine ausgedehnte Debatte rief die Errichtung einer Schulzahnklinik hervor. Die Herren Schmidt, Sauer und Direktor Pohmer erklärten sich entschieden da- gegen; nachdem die Genossen Weber und Reichardt, ebenso auch der Gemeindevorsteher sicki dafür erNärt hatten, wurden 3600 M. für einen Zahnarzt bewilligt, hingegen die Summe von 750 M. für Einrichtung und Unterhaltung der Zahnklinik abgelehnt. Genosse Reichardt befürwortete noch einen Betrag von 1420 D!. für Hand- fertigkeitSunterricht neu in den Etat mit einzustellen, ebenso eine Summe für Abänderung der unhygienischen Abortanlage in der 2. Gemeindeschule zu Bewilligen: die bürgerliche Mehrheit lehnte dies ab mit der Motivierung, daß es vorläufig wohl noch gehen werde. Das Kapitel Fortbildungsschulen ergibt an Einnahmen 1840 M. und er- fordert eine Ausgabe von 4858 M. Es wird mit 240 Schülern gerechnet: zwei Klassen sollen neugebildet werden. Für die Armen- Verwaltung find an Einnahmen 45 650 M. eingestellt, die Ausgaben betragen 77 300 M. Genosse Reichardt beantragte Erhöhung der Summe und außerdem Heraufsetzung der Sätze für die Pflegekinder. Gemeindevertreter Schmidt ersuchte um Streichung der Entschädigung für die Armenkommissionsmitglieder, dieselben erhalten je 240 M., das ergibt eine Summe von 1200 M. Die Anträge von Reichardt sowie Schmidt wurden abgelehnt. Ein weiterer Antrag Schmidt, den Posten von 3400 M. zur Einrichtung eines Kinderhorts zu streichen, erfuhr das gleiche Schicksal, trotzdem die Vertreter Sauer und Noack sich redlich bemühten, ihre soziale Riickständigkeit zum besten zu geben. Das Kapitel Liegenschaften weist eine Einnahme von 28 305 M. und eine Ausgabe von 11 784 M. auf. An Zinsen und Tilgung für Gemeindeschulden sind 328 095 M. erforderlich; sonstige Ausgaben 18 060 M. Die Weiterberatung wurde auf den folgenden Tag verlegt. Kalkberge- Rüdersdorf. Der Etat für das Rechnungsjahr 1913/14 wurde von der Ge- meindevertretung in Einnahme und Ausgabe auf 221 300 M. festgesetzt. Der vorjährige Haushaltsplan schloß in Einnahme und Aus- gäbe mit 151 500 M. ab. Die bedeutende Steigerung ist durch den neuen Nebenetat für die Straßenbahn eingetreten. Dieser Balanciert mit dem Voranschlag zufolge mit 70 000 M. in Einnahme und Aus- gäbe. Jetzt stellt sich aber heraus, daß die ursprüngliche Berechnung der Straßenbahn-Ausgaben um ein Bedeutendes höher geworden ist als vorher angenommen worden war. An Stelle von alten Loko- motiven ulid Schienen mußten neue gekauft, außerdem zwei Anhänge- wagen mehr angeschafft werden. Zur Bestreitung der Viehrausgaben wurde die Aufnahme eines Darlehns von 110 000 M. genehmigt. Di« durch den Erweiterungsbau des Amtsgerichts, der bis zum 1. Oktober n. I. vollendet sein soll, entstehenden Kosten sollen eben- falls durch eine Anleihe gedeckt werden. Es wurde Beschlossen, hierzu ein Darlehen in Höhe von 132 000 M. aufzunehmen. Als Gehälter für die Straßenbahnangestellten sind, wie der Direktor. Schöffe Koepisch, auf Wunsch mitteilte, folgende Skalen eingeführt: Die Maschinisten(Lokomotivführer) werden mit 130 M. und die Schaffner mit 100 M. Monatsgehalt angestellt. Das Gehalt steigt alle drei Jahre um 10 M. monatlich bis zur Höchstgrenze von 1800 M. pro Jahr. Das Straßenbahnpersonal wird vorläufig mit dem Vorbehalt der vierwöchentlichen Kündigung angestellt.— Der Nebenetat des Elektrizitätswerkes schließt in Einnahme und Ausgabe mit 31 600 M. ab, der der Schule mit 34 374 M.— An Steuerzuschlägen sollen erhoben werden: 130 Proz. zur Einkommensteuer. 120 Proz. zur Betriebssteuer, 200 Proz. zur Gewerbesteuer Klasse I und II. 180 Proz. zur Gewerbesteuer Klasse III und IV. 285 Proz. zur Grund- und Gebäudesteuer.-7 Nach einiger Debatte wurde sodann der Anschluß an das projektierte Kreiswasserwerk beschlossen. — II. a. wurde noch vom Schöffen Koepisch über die Straßenbahn Bericht erstattet. In der Zeit vom 5. November 1912(Eröffnung deS Bahnbetriebes) bis zum 28. Februar 1913 sind insgesamt 87 608 Personen befördert worden. Bereinnahnst wurden in dieser Zeit 15 831,40 M. Seit der Einführung deS StundenverkehrS(1. März 1913) hat sich die durchschnittliche Tagesfrequenz um ein bedeutendes vermehrt. Allein vom 1. bis einschließlich 3. März sind 5329 Personen mit der Bahn befördert worden. Tabendorf bei Zossen. Smn Steuererheber wurde in der letzten Gemeindedertreter- fitzung der Gasttmrl Georg Wichmann ges« ü** jährliche Entschädigung von 300 M. gewählt. Zu der von unserem Genoffen Lau beanstandeten Rechnung über den Bau des Fährhauses in Zossen teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die Gemeinde das zu viel ge- zahlte Geld bereits zurückerhalten habe. Der Antrag unseres Ge- nossen, die Wahl eines Schristsührers vorzunehmen, wurde mit acht gegen eine Stimme abgelehnt. Zum Bau des Spritzenhauses wurde ein neuer Kostenanschlag eingefordert. Der Einzäunung des neuen Friedhofes, sowie der Anschaffung fehlender Schulutensilien wurde zugestimmt. Alt-Glienicke. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde die Be- ratung des Voranschlags für das Jahr 1913 zu Ende geführt. Die Gesamteinnahmen und Ausgaben betragen 348 009 M. gegen 293 000 M. im Vorjahre. Unter den Einnahmen befinden sich: direkte Steuern: a) Genieindeeinkomniensreuer(160% der«ckaats- steuer) 33 600 M.(i. v. Jahre 32 000 M.); b) Gemeindcgewerbe- fteuer(150% Kl. 3 und 4, 250% Kl. 1 und 2) 3050 M.; 0) Ge- meindegrundsteuer(3 0loa für bebaute, 4% 0I00 für unbebaute Grundstück«) 84 000 M. Indirekte Steuern: a) Lustbarkeits- und Hundesteuer 1600 M.: b) Umsatz- und Wertzuwachssteuer 17 000 M.; c) Biersteuer 2000 M. Für den Schulhausneubau soll ein Darlehen von 150 000 M. aufgenommen werden.— Die Ausgaben sind unter anderen folgende-: Gesamtlosten der Volksschule 71700 M., Gemeindeverwaltung 36 229 M., Äreissteuern 18 335 M., Beleuchtung 6200 M.. Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschulden 24 155 M., Armenpflege 10000 M.,Feuerlöschwesen 3035 M., Zuschuß für die Straßen- bahn nachdem BahnhoslOOOM. Zu bemerken ist, daß bei allen Posilionen größte Sparsamkeit geübt ist, um den Etat ohne Erhöhung der«teuer- Zuschläge zu balancieren. Wichtige von allen Seiten als dringlich anerkannte Forderungen, wie Errichtung einer Schulzahnklinik, einer Mädchenhaushaltungsschule u. a. m., mußten wegen Geldmangel zurückgestellt werden. Trotzdem bewilligte die bürgerliche Mehrheit einhellig gegen die Stimmen unserer Genossen 50 M. als Beihilfe ür eine von den hiesigen Kriegervereinen, dem bürgerlichen Gesang- und dem Deutschen Turnverein veranstaltete Hundertjahrfeier.— Bezüglich Uebernahme und Bau der elektrischen«traßeubahn durch die Stadt Köpenick wurde beschlossen, weiter zu verhandeln, speziell den Begriff von.Konkurrenzlinien" festzustellen.— Die Befestigung des Schulzendorfer Weges wird der Firma Dürre u. Hennig Ar den Preis von 1520 M. übertragen. Die Auflösung des Gasversorgungsverbandes soll beantragt werden, da die Gemeinden bereits von Berlin mit Gas versorgt werden. Der Geineindevorsteher gab bekannt, daß der 8-Uhr-Ladenschluß für den hiesigen Gemeindebezirk angeordnet und daß die Gemeinden Alt-Glienicke, Grünau und Bohnsdorf zu einem postalischen Nachbar- ortsgebiet vereinigt sind, für das nun die Ortstaxe gilt. Bisher bestand der unleidliche Zustand, daß Sendungen von einem Ortsteil zum andern nach der Ferntaxe franliert sein mußten. Wir hatten vor einiger Zeit schon auf diesen Mißstand aufmerksam gemacht und auf den jetzt eingeschlagenen Weg hingewiesen. Auf eine Anfrage des Genossen Ritze betreffend die Ansiedelung der gemeinnützigen Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin teilte der Gemeindevorsteher mit, daß zahlreiche Einsprüche gegen die AnsiedelungS genehmigung erhoben und auch nicht zurück- gezogen sind, trotzdem sich die Gemeindevertretung für die Förderung der Bestrebungen ausgesprochen hat. Von der Vertretung selbst wurde den betreffenden Herren, die Mitglieder der Grundbesitzer- vereine sind und nur die Interessen der Gemeinde wahrzunehmen angeben, schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Daß die Einsprüche aussichtslos find, ist als sicher anzunehmen, die Genostenschast und 'omit auch die Gemeindevertreter. sollen damit nur schikaniert und die Bautätigkeit hintenan gehalten werden. Die letzte Gemeindevertretersitzung hatte u. a. darüber zu be- schließen, in welcher Höhe die Lehrer für geleistete Ueberstunden zu entschädigen sind. Ein Antrag der Schulkommission schlägt vor, 1,75 M. hierfür zu bewilligen. Unser Vertreter plädierte für Vermeidung von Ueberstunden, da hierdurch die Lehrer überlastet ivürden und nicht nur sie, sondern auch die Schulkinder darunter zu leiden hätten. Er beäntragte, statt dessen eine neue Lehrkraft, die bereits für Michaelis notwendig, aber schon für daS ganze Jahr in den Etat gestellt sei, bereits jetzt anzustellen. Die Vertretung beschloß, bis 1. Juli Ueberstunden stattfinden zu lassen; es soll jedoch eine neue Lehrkraft angestellt werden, wenn der Ostertermin eine weitere Er- höhung der Klaffenstequenz bringt. In einem Brief des Leiters der hiesigen Jugendpflege beklagt sich derselbe, daß sich die Gemeindevertretung in der Bewilligung der Kosten für die Ausstattung der Jugendheimräume so hartherzig zeige. Der Herr(Lehrer) führte an. daß ihm eine»staatliche Beihilfe" von 75 M. überwiesen sei mit der Bestimmung, diese Summe zur Aus- schmückung deS Jugendheims zu verwenden. Es wurden darauf von der Gemeindevertretung 200 M. bewilligt.� Unter»Verschiedenes" wurde ein schreiben des Gemeinde- kirchenrats verlesen, das die Gemeindevertretung zur Teilnahme an einem Festgottesdienst auffordert. Wohlweislich hat man dazu Sonntag, den 9. März, gewählt. Auch vom Landrat war ein Schreiben eingelaufen, den Gedenktag würdig zu begehen. Auf wiederholte Aufforderung des Gemeindevorstehers, sich hierzu zu äußern, verharrte die Gemeindevertretung in Schweigen. Ein Ver- treter niemte, daß von eiyer Feier wohl Abstand genommen werden könne, da auf große Beteiligung nicht zu rechnen und die Zeit für Auslegung einer Subskriptionsliste zu kurz sei. In geheimer Sitzung wurde über an die Kirchengemeinde zu leistenden Hand- und Spanndienste verhandelt. Trebbin(5Ireis Teltow). Aus der Stadtverordnetenversammlung. Für den Neubau des Forsthauses wurde zunächst der Ankauf von hunderldreißigtausend Mauersteinen beschlossen. Die Preise der Steine betragen je zur Hälfte 26,59 M. und 23,50 M. das Tausend. Auf Einladung des Gemeindekirchenrates zur Teilnahme an der kirchlichen Feier am 10. März aus Anlaß der Erhebung Preußens vor 100 Jahren be- antragte der Magistrat die Arrangierung eines Festzuges mit Musil nach der Kirche und von dort zum Turnplatz, an den sich die Schule sowie Bereine anschließen sollen. Für den Abendkommers wurde eine Beihilfe von 100 M. gefordert. Genosse Richter wandte sich mit guten Gründen gegen die Bewilligung von Mitteln. Der An- trag des Magistrats wurde mit 13 Stimmen angenommen. Der Hauptausschuß vom HeimatSsest ersuchte um Bewilligung einer Bei- Hilfe von 150 M. zur Deckung deS entstandenen Defizits. Der Magistrat befürwortete die Bewilligung von 100 M. Genosse Richter wendete sich entschisden dagegen. Insbesondere hob Redner die befremdliche Haltung deS Hauptausschusses gegen Geschäftsleute und Arbeiter hervor. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hätten allerdings für jeden Radfahrer- und Schützenrummel Geld übrig, wenn aber die Beseitigung des an mittelalterliche Zustände ge- mahnenden Bürgerrechrsgeldes gefordert werde, heixe es: den Einnahmeausfall könne man nicht missen. Es scheine eine schützen- und Vetternwirtschaft zu herrschen, zum Nachteile der Stadt. Diese Aeußerungen brachten den Vorsteher in Harnisch, so daß er unserem Redner vorwarf, daß durch solche Ausführungen die Stadt- verordnetenversammlung zu einem Skandalparlament herabgewürdigt werde. Die Beihilfe wurde' abgelehnt. Kleiu-Schönebeck— Fichtenau. Zu de« projektierten Kreiswasserwerk nahm die Gemeinde- Vertretung in ihrer letzten Sitzung Stellung. Nach längerer Ver- Handlung wurde dor Anschluß an das Kreiswasserwerk auf der Grundlage beschlossen, daß der Kreis das gesamte Rohrnetz legt und das Wasser selbst an die Verbraucher vorerst zum Preise von 30 Pf. für den Kubikmeter(für öffentliche Zwecke 1b Pf. pro Kubikmeter, für Löschzwecke kostenfrei' abgibt, das Mindestguantum erniedrigt und jährlich berechnet und bezüglich der Amortisation eine Aenderung de§ Vertragsentwurfs vorniinmt. Genosse Tobias ging im Anschluß daran nochmals auf die Entwässerungsfrage ein und kritisierte be- sonders, daß die Polizeibehörde die sich sonst um alles möglich« bekümmere, trotz mehrfacher Anzeigen nichts unternehme, um die Verseuchung des Brunnenwassers durch die Sickergrüben (ein Zustand, den auch der Gemeindevorsteher als»Schweinerei" bezeichnen mußte) zu verhindern Der Gemeindevorsteher sagte zu, wegen der Entwässerung ein sachverständiges Gutachten einzuholen. Die Reklame am Bahnhof Rahnsdorf führte zu einer längeren Debatte. Da der Bahnhof durch den Bau der Wolters- dorfer Straßenbahn jetzt der Brennpunkt von vier Gemeinden ge- Ivorden ist, von denen drei auf der nördlichen Seite liegen, will eine jede durch möglichst wirkungsvolle Reklame»anziehend" wirken. Das ist natürlich um so schwerer, als schon jetzt so viele Tafeln vor- Händen sind, daß bald der Wald verdeckt ist. Es soll deshalb der Gartenbaudirektor Lesser zu einem Entwurf aufgefordert werden. Vertagt wurde ein Antrag, den Namen der Gemeinde abzuändern. Zeuthen. Mit dem Veranschlag des Etats beschäftigte sich die letzte Sitzung der Gemeindevertrelung. Der Etat balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 82 100 M. Unter den Einnahmen befinden sich u. a. Gemeindesteuern mit 65 410 M. Der Zuschlag zur Staatseinkommen- steuer beträgt wie im Vorjahre 100 Prozent. Von«den Ausgaben verzeichnen wir folgende Hauptposten: Gemeindeverwaltung 12 401,60 M, Volksschule 16 718,28 M., Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschulden 14 193.49 M.. Kreissteuern 13 512,31 M. und außer- ordentliche Ausgaben 9690 M. Wie im Borjahre ist für das Sommerhalbjahr für Schulkinder eine Freibadestelle unter Auf- ficht der Lehrer bewilligt worden. Gleichfalls bewilligt wurde auf Antrag unserer Genossen ein Schularzt. Vom Gemeindevorsteher wurde die Vergrößerung des Gaswerkes angeregt. Die vorgelegten Entwürfe, sowie das hierfür erforderliche Darlehen von 75 000 M. wurden angenommen, jedoch zur nochmaligen Prüfung einer Äom- Mission überwiesen. Em von den bürgerlichen Vertretern gestellter Antrag, eine Spende von 100 M. für die Feier zur Erhebung Preußens zu bewilligen, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Rahnsdorf. In der letzten Gemeindevertretersitzung stand die Beschlußfassung über den mit dem Kreise wegen Wasserversorgung abzuschließenden Vertrag auf der Tagesordnung. Nachdem eine Anzahl wesentlicher Abänderungen vorgenommen, wurde beschlossen, den verbesserten Vertrag dem Kreise nunmehr vorzulegen. Zum Schluß lam die patriotische Begeisterung der Vertretung wieder zu ihrem Recht. Die Hundertjahrfeier wird auch die Gemeindevertretung in die Kirche und zu den festlichen Veranstaltungen pattiotischer Vereine führen. Ob diesmal wieder das»Volk" von den Honorationen abgesondert wird, kam nicht zum Durchblick, wäre aber nicht unübel zur Kens- zeichnung des patriotischen Spektakels, der auch bei höchster Be- geisterung nicht die Grenze zwischen Spitzbein- und Hummer- majonaisepattioten verwischt. Gerichts- Zeitung* Eine Anklage wegen Mordversuchs kam gestern vor dem Schwurgerichr VeS Landgerichts I zur Per- Handlung. Angeklagt war der frühere Landwirt und Schlächter Wilhelm Neuendorf aus Malchow, der beschuldigt wurde, am 9. Januar d. I. versucht zu haben, seine Geliebte dadurch zu töten, daß er sie hinterrücks in eine mit Wasser gefüllte tiefe Tongrube stieß.— Der Angeklagte unterhielt längere Zeit mit der in Malchow bedienstctcn Gvtsarbeiterin Anna Hcimann ein Liebesverhältnis. Als diese ihn eines Tages vor die Alternative stellte, sie entweder schleunigst zu heiraten, oder aber sich bereit zu erklären für das zu erwartende Kind zu sorgen, erklärte ihr der Angeklagte, sie solle sich»einen Dümmeren" suchen. Wie die Anklage, behauptet, soll nun in. dem Angeklagten der Plan gereift sein, sich der H. zu ent- lcdigen und zwar auf eine Weise, die den Anschein hatte, als habe sie Selbstmord. verübt. Er bestellte die H. am Abend des 9. Januar d..I. zu einem Rendezvous,, bei dem. er es schon ängstlich vermieden haben soll, von anderen LeUtcn gesehen zu werden. Unter der Vor- spicgelung, nachsehen zu wollen, ob sich in. einem von ihm aufge- stellten Fangeisen ein Fuchs gefangen habe, lockte er das Mädchen in die Nähe einer vollgelaufenen tiefen Tongrube. Hier packte er die H., wie diese behauptet, plötzlich von hinten an. den Armen und stieß sie in das Wasser hinein. Das Mädchen ging mehrmals unter, kam jedoch schließlich zufällig an eine Stelle, an der es Grund unter den Füßen spürte, so daß sie sich retten konnte. Vor Gericht bestritt der Angeklagte, seine Tat und bebauptetc, er habe die H. umarmen wollen und vor Schreck sei das Mädchen abgeglitten und ins Wasser gestürzt. Tie Geschworenen sprachen den unmenschlichen Angeklagten des versuchten Totschlages schuldig. Ter Gerichtshof verurfeiltc den Angeklagten zu 6 Jahre» Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust. Die Wurstküche des Obermeisters. Vor der Strafkammer in Nordhausen hatte sich dieser Tage der frühere Obermeister der Fleischeinnung zu Ilfeld, Wilhelm Bösekc, wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgcsctz zu verantworten, In der Verhandlung erklärten drei Lehrlinge des sauberen Ober- meisters unter Eid, daß ihr Lehrherr Fleischstücke, die vom Kreis- tierrzt verworfen waren, wieder zu Wurst verarbeitet hatte. Eine Lunge, die schon aus dem Mist gelegen hatte, wurde in Rotwurst verarbeitet, eine andere, die beanstandet und schon im Kot des Schlachthauses lag, fand für den gleichen Zweck Verwendung. Ver- dorbene Därme wurden zu Schmor- und Bratwurst verwendet. Der Meister, der im Orte ein gutgehendes Laden- und Versandgeschäst besitzt, hat auch von dem Fleisch, das zur Zubereitung von Wurst auf dem Klotz lag, gekostet und dann wieder auf den Klotz gespuckt. Ter Staatsanwalt beantragte gegen die Ordnungsstützc 6 Monate Gefängnis. Der Angeklagte fand aber milde Richter. Sie erkannten auf. nur 200 M.(Geldstrafe. Zur Begründung wurde gesagt, der Angeklagte sei in Ehren grau geworden, deshalb sei von einer Ge- mngnisstrafe abgesehen. Von demselben Landgericht wurden vor einiger Zeit einige Arbeiter, die einen Arbeitskollegen zum Beitritt in den Bauarbeiter- verband veranlassen wollten, wegen Erpressung zu längeren Ge- fängnisstrafe« verurteilt. Ende eines Dauerprozeffcs. In dem großen Prozeß gegen die schwindrlhaften Geldvermittler Jacobs und Genossen, der seit dem 10. Februar, also seit beinahe vier Wochen die erste Strafkammer des Landgerichts I unter Vor- [ttz des Landgerichtsdirektors Tclkeskamp ocschäftigtc, ist gestern die Beweisaufnahme endlich geschlossen worden. Der Prozeß beleuchtete grell ba£ Treiben gewisser Geldvermittler. die durch höchst verführerffche- Zeitungsmserate verstehen, zahl- reiche Darlehnssucher in ihr Garn zu locken und sie unter falschen Vorspiegelungen auszuplündern. Ls war ein seltenes Mißgeschick, daß die Verhandlung gegen die beiden Hauptschuldigen nicht geführt werden konnte. Der Ingwer eines Geldvermittelungs- und Aus- kunftsbureaus Fritz Jacobs schied gleich am ersten Verhandlungstage aus, weil Znirnttt an ferner Zurechnungsfähigkeit vorhanden waren und die arztlichen �sachverständigen ihn für nicht verhandlungsfähig erklärten. Sem hauptsächlichster Helfershelfer, der Kaufmann Hans Dube, ist Zurzeit unauffindbar. Auf der Anklagebank saßen deshalb nur fünf Personen: die Ehefrau des Angeklagten Jacobs, der Kaufmann Leopold Posner. der Zeichner Karl Jaegler, der Kaufmann vermaiin Bolz und der Kaufmann Hellmuth Schreibt unter der Anllagc des Betruges in zahlreichen Fällen, bezw. der Beihilfe und. Begünstigung. Es handelt sich um Hypotheken- und Darlchnsermittclungcn seitens des Jacobs und des Dube.-die auf jchwindelhafter Basis beruhten und sich darauf beschrankten, den vielen Hunderten von Landwirten, Offizieren, Hausbesitzern, aber auch Studenten und anderen minorennen Personen sowie Kauf- leutm..Handwerkern ujw� die M als Dailehnssucher ener sc bcln ongen: ÄbhasdluiigeD und Torträge zur sozialistischen Bildang. Herausgegeben von Ssx Grnnwald Heft 4 n. 5: GeseMcbte der sozialdemo- kraüsehen Parteiorganisation in Deutsetiland , jron 247/6* Wilhelm Schröder. Preis 75 Pf. V Heft 6: ScMHer und die Arbeiter von JSonrad Haenisch. Preis 40 Pf. eir'Wbg; sich cfut und billig' jiu. Meiden. 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