Nr. 38. Abonnements-Bedingungen: üüonnrmcnt#- Prci-Z fcrämmictanbo; SirrtcljnfirL 3;»»it., monatl. 1,10 SKf, wöcheiulich 2s Psg. frei ins Haus, einzelne Nunmiee S Pfg. SonntagZ. nnmmer mit illustrierter Eolmtags- Beilage„Die Z!eue Well" 10 Pfg, Post- Mannemenu 1.10 Mark pro Monat. eingetragen in die Post-Aeitungs- Preisliste. Ilnter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl. Holland. Italien. Luxeinburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Vicht!»! liiglich auBtr montags. f., Verlinev VolkesblAkk. Die TnFertionS'GebQItr Beträgt für die sechIgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „kleine Xn-elgen". das fettgednickte Wort 20 Pfg.(zulässig llfeUgedrnckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellengefuche und Schlafstelle, um- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedeS weitere Wort ö Pfg. Worte über>5 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate r-.- v:.„-J..,....-----------;flffei stal für die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr ilachniittags in der Eyiedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialäomolirat Berlin'', Zentralorgan der rozialdemokrattfchen parte» Deutfcblands. Redaktion: SAl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morit-plast, Nr. 1983. Sonntag, den 9. März 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Morikplaf«, Nr.»98». Der AaHn und feine Cenker. 11. Trr Kamps gcgcn die nationalistische Hetze. Paris, 6. März.(Eig. Ber.) Man darf wohl behaupten, daß unsere französischen Ge- nassen bei ihrem Eintreten für die internationale Solidarität der Völker und die deutsch-französische Annäherung im be- sonderen weit mehr Schwierigkeiten zu überwinden haben und einen größeren Heroismus an den Tag legen müssen als die Sozialdemokratie Teutschlands. Tas liegt nicht etwa an gewissen Rasseneigenschaften der Franzosen, an einer dem südlicheren Teinperament entsprechenden Freude am bunten Flitter des Soldatcntums. Vielmehr ist unverkcnn- bar, daß gerade die romanischen Elemente der Nation am wenigsten für den Nationalismus und seine Anmaßungen zu haben sind, die rein keltischen Bewohner der Bretagne sich noch eher als Soldaten der Kirche und der junkerlichen Rcak- tion denn als hitzige Chauvinisten fühlen, und der verbissene Stockpatriotismus just in den„germanischen" Ostgebieten seine stärksten Wurzeln hat. Tic Verschiedenheit in der Rcak- tion aus nationalistische Reizungen ist durchaus in den Be- sond'crheitcn der geschichtlichen, wirtschaftlichen uitd sonstigen sozialen EntWickelung begründet. Man darf nicht außer acht lassen, daß schon die bürgerliche Klassenbewegung Teutschlands in der klassischen Epoche die Nationaleitelkeit überwinden mußte und ein weltbürgerlichcs Ideal bekannt hat, wogegen die Vorkämpfer der französischen Bourgeoisie ihre Vorurteils- iosigkeit gegen die anderen Völker in der Weise an den Tag legen konnten, daß iic deren bevorzugte Geister gleichsam adoptierten und in die französische Vorhut der europäischen Frciheitsarmee aufnahmen— was dann der Konvent ja durch Verleihungen des Bürgerrechts an ausländische Freiheits- freunde in aller Form verwirtlicht hat. Tie französische Re- volutton aber, die sich im nationalen Kampf gegen auslän- dische Bedränger behaupten mußte, hat das nationale Selbst- gefühl besonders in ihrer bonapartislischen Ausgangsepoche gesteigert, so daß die demokratischen Ideen bis zum selbstän- digen Auftreten der Arbeiterbewegung im. allgemeinen, d. h. von den liberalen Intellektuellen abgesehen, mit einem stark betonten, zu Ucbertrcibungen gencigten, die anderen Völker geringer einschätzendem Patriotismus verbunden waren, der dann bei der reaktionären Wendung des von der kapitalisti- scheu Entwickelung bedrohten Kleinbürgertums leicht in einen bornierten Chauvinismus umschlug. Tazu kam die Bis- marcksche Politik im Kriegsjahre 1870/71. die den zur Er- richtung des Reichs aus juukerlich-preußischer Grundlage sicher unvermeidlichen Kampf gegen den dritten Napoleon in eine nationale Temsitigung verwandelte, die auch von den französischen Sozialrevoluttonären wie Blanqui aus das tiefste empfunden wurde. Tiefe geschichttichen Umstände erklären auch, warum der Nattonalismus in Frankreich, mag er auch genau ebenso kapitalistischen und Prätorianerinteressen dienen, noch immer ein ganz anderes demokratisches Gepräge hat, als die von alldeutschen, aroßindujtriellen und osfiziöscn Blättern im Bedarfsfall fabrizierte patriotische Panik. Es ist 3- P- sehr charakteristisch, daß in den Umfragen über die dretzjahrtge Dienstzeit, die die kapitalistische Presse jetzt vcr- öffentlicht, immer wieder die Anttvort patriotischer Bauern und Gewerbsleutc wiederkehrt: Ja, wenn es wirklich not- tvendig ist, aber nur unter der Bedingung der g l e i ch e n P f l i ch t. Und ein Fischer aus der Dordogne, den der„Gll Blas heute zitiert, setzt hinzu:„S 0 n sl g i b t s e i n e R c v 0 l u t 1 0 11 a u s ö c m L a u d e." So tief hat sich das demokratische Gleichheitsbewußtsein in die Massen einge- senkt und imperialistische, antiparlamentarische Strömungen ändern nichts daran. Damit muß sogar der Militarismus in Frankreich und sein polittsch reaktionäres Personal rechnen. Bei all den Uncrfreulichtcitcn. die dem System selbst anhängen und trotz der mannigfachen.Uebelstände der Heeresverwaltung, unter denen auch die Mannschaft zu leiden hat. gibt es doch keine Schikanen aus Drill- und Disziplinwahn, keine be- letdfgende Betonung des sozialen Abstands zwischen Mann- ichafr und Offizier und � Soldatenmißhandlungen sind derart selten, daß jede, sobald sie bekannt wird, einen Sturm in der ganzen demokratischen Presse hervorruft. Von großem Einfluß aus diese im Rahmen eines stehenden Heeres natür- sich sehr begrenzte Entwickelung waren besonders die neueren Reforiuen. die die Ergänzung des Ossizierskorps aus der Mannschaft, die Aushebung der Heiratskaution der Offiziere und des Einjährigenprivilegs angeordnet haben. Nichtsdestoweniger bleibt die Wiedereinführung des dritten Dienstjahres eine furchtbare Last, die die Massen ohne den Glauben an eine aus ihrer Verweigerung drohende un- mittelbare Gefahr für die Nation und ihre Glieder nicht auf sich zu nehmen bereit sein werden. Man denke was dieses Jahr besonders für die im französischen Wirtschaftsleben noch immer vorherrtchcide Landwirtschaft bedeutet.. Gerade auf dem Lande hat sich die Volksvermehruitg tatsächlich in eine Volksverminderung verwandelt. In vielen Depattc- ments überwiegt die Zahl der Todesfälle die der Geburten. Dazu kommt die Abwanderung in die Städte. Ein sachkun- diger Beurteiler hat vor einiger Zeit in der„Revue de deux Mondes" auf den Zusammenhang hingewiesen, der zwischen. der freiwilligen Beschränkung der Kinderzahl der Bauern und der Tatsache besteht, daß der vom Vater bis zu seiner Reife ernährte Sohn das Gut verläßt und sozusagen das an ihn ge- wendete Kapital nicht durch Arbeit verzinst. Ter Bauer hütet sich darum, sobald er in der Person eines Sohnes einen Erben erhalten hat, einen zweiten zu zeugen, den er auf dem Hose zu behalten keine Hoffnung hat. Nun soll ihm die Kaserne den einzigen Sohn für ein drittes Jahr entziehen, ihn zwingen, eine fremde Arbeitskraft aufzunehmen und— das dritte Jahr erhöht die Gefahr, daß der junge Mensch, von dem abwechselungsreichcn Leben, aber mehr noch von den besseren Erwerbsmöglichkeiten der Stadt angezogen, nicht mehr zurück- kehrt. Ter Bauer ist ein genauer Rechner und, wenn er sich am Ende auch einen Augenblick durch die schwadronierenden Zeitungen betrügen lassen kann, so macht er hinterher die Probe. Gegen die dauernden privatwirtschaftlichen Jnter- essen kommen aber alle die gesetzlichen Mittelchen zur Er- höhung der Volksvermehrung nicht auf. Zugutcrletzt werden die chauvinisttschen Armeevermchrer schon merken, daß sie die Urquelle der Wehrkraft, den sich stetig erneuernden Volks- körpcr aus das schwerste geschädigt haben. Es wird aber auch der Bauer begreifen, wie ihn die Bedienten des Jmperialis- mus übertölpelt haben, als sie ihm eine Maßregel als das Gebot der nationalen Sicherheit hinstellten, die seine Wirt- schaftliche Existenz erschwert, ohne die Chancen im Kriegsfalle wesentlich zu verändern, dafür aber der Großfinanz neue gewaltige Profite verschaffen wird. Tie Massen des französischen Volkes wollen gleich denen des deutschen keinen Krieg. Wenn sie einander vollkontinen sicher wären, hätte das Treiben der Militaristen in beiden Ländern bald ein Ende. Aber zwischen sie schiebt sich die Schicht der Profitmacher und ihrer Schinarotzer, die die sogenannte„öffentliche Meinung" fabrizieren. In den von der französischen Bourgeoispresse veröffentlichten Enqueten tritt am hausigsten eine Ansicht zutage, der ein vom„Eil Blas" zitierter Bauer drastischen AÄsdrnck gibt in den Worten: „Tie Teutsckten wollen uns auffressen." Im Kampfe gegen die neuen Anmaßungen des Militarismus ist darum die Presse von allergrößter Wichtigkeit. Tie Widerlegung der chauvinistischeu Lügen und Verleumdungen ist aber nur von der sozialistischen Presse zu erwarten, da auch die fort- geschrittene Demokratie in beiden Ländern doch lieber polt- tische Profite auf Kosten der sozialistischen Partei machen, als mit der militaristischen Reaktion ernsthaft anbinden möchte. Nun ist in diesem Betracht die deutsche Sozialdemokratie sicher besser daran als die französische. Ihre Presse, ist int ganzen Reiche wohlentwickelt und wenn sie auch im Verhältnis zur Zahl der sozialdemokratischen Wähler nicht das volle Maß ihrer Ausbreitungsmöglichkcitcn erreicht hat, so kann sie doch unvergleichlich leichter auf die Volksmasseit einwirken. Frank- reich hat zirka eine Million sozialistischer Wähler und noch nicht 70 000 organisierte Parteimitglieder. Davon umfaßt die Seineföderatiou über 200 000 Wähler und 10 000 Partei- angehörigc. Für die Provinz bleiben also an 800 000 Wähler und gegen 60 000 Parteimitglieder übrig. Tie Auf- lagenziffer der sozialistischen Tagespreise aber dürste nach Abzug der ,.Humanit6".Leser des Seiuedepartements kaum 60 000 erreichen, so daß ihr Leserkreis ungefähr der Parteiorganisation gleichkommt und kaum einem Zwölftel der sozialistischen Wählerschaft entspricht. Mau bedenke nun, wie schwer es unter diesen Verhältnissen ist. der Stimtnungs- mache eiitgegenzutreten, die die überall gelesene Pariser In- forinationsprcssc— der Franzose ist ein leidenschaftlicher Zei- tungsleser— betreibt und wie verwirrend selbst in der Ar- beitcrschaft organisatorisch rückständiger Provinzbezirkc gegen die internationale Solidarität gerichtete Entstellungen und Verdächtigungen wie die Andlerschen wirken können, mit denen die ganze Bourgcoispressc trotz aller Widerlegungen noch immer krebsen gebt. Um so bewundernswürdiger ist die kampfesfreudigc Energie, womit die gccinigte Partei allen Beschimpfungen und Verleumdungen trotzend, den Kampf gegen den Militarismus und seine Zutreiber anfgc- nommen bat. Wo die Presse nicht hingelangt, greift die Propaganda der Versammlungen und die Affiche ein. Vor allem gilt es. das gemeinsame deutsch-französische Manifest, das die Genossen mit Jubel begrüßt haben, durch das ganze Land zu tragen. Wir stehen mitten in einer Kampagne, deren Aussaat für nahe Zukunft reiche Frucht verheißt. voZkserhebuitg und liberale Erniedrigung. Am 10. März wird das offizielle Berlin jenen byzantinischen Festakt begehen, der oor kurzem im Berliner Stadtparlamcnt und im preußischen Äbgeordnetenhause der Gcgensiand so heftiger Zu- sammenstößc war. Daß just der II). März zur Feier auscrsehcn wurde, hat mtt irgend einem geschichtlichen Vorgang nicht das Geringste zu tun. Tenn selbst das Ereignis, das durch den Fest- att unserer liberalen Byzantiner am Montag begangen werden soll, wurde erst eine bolle Woche später für eine Jahrhundertfeier fällig sein, erging doch der Aufruf Friedrich Wilhelm III.„An mein Volk" nicht am 10., sondern am 17. März 1513. Aber die Berliner Stadtverwaltung hat sich eben den Geburtstag der Königin Luise mit dem sicheren Instinkt des Bhzantincttums zur Feier ausgesucht, um nur sa das Jubiläum der Befrciungs- kriege auch zu einer höfischen Vcrbcugun.g vor dem zurzeit rcgic- rcudcn Hohcnzolleren zu degradieren, dessen Huld zu erdiencrn das eifrigste Bestreben unserer kommunalpolitischen Berliner Frei- sinnsgrößen ist. Und um- dem Ganzen vollends die Ktone au' zusetzen, hat der stark mit jüdischen Elementen durchsetzte Bcrlim Kommunalliberalismus auch beschlossen, die höfische Fdcr in ein Kirche stattfinden zu lassen! 'Wie ganz anders war die Haltung unseres liberalen Bürge tums, als man das Jubiläum der öd. Wiederkehr der Bcfreiungs- kriege feierte. Damals, als doch die Erinnerung an jene Zeit noch ungleich frischer im Gedächtnis hastete, als noch mancher Greis lebte, der die Volkserhebung selbst mitgemacht hatte, hätte doch, sollte man meinen, für unser liberales Bürgertum nichts näher gelegen, als noch enthusiastischer an der Feier teilzunehmen als heute.'Aber das liberale Bürgertum dachte damals gar nicht daran! Die Geschichtschronik berichtet vielmehr, daß zwar die Jubelfeier des Ausrufs„?lu mein Volk" in Berlin offiziell mit militärischem Pomp-erfolgte, daß aber die Stimmung der Bevölkerung eine f r 0 st i g e gewesen sei und die Gewerbe die Teilnahme an der Feier abgelehnt hatten. Aber mehr noch, das fortschrittliche Bürgertum hielt sich damals nicht nur offiziell allen höfischen und byzantinischen Veranstaltungen fern, sondern es veranstaltete sogar die rücksichtsloseste Protestaktionen gegen die Krone und den Hof. Als Anfang Juni 1863 der Kronprinz in der Provinz Preußen eine Rundreise unternahm, beschlossen die Stadtverordneten einer ganzen Reihe von Städten der Provinz, alle Empfangs- feierlichkeiten zu unterlassen und auch keinerlei Deputationen an den Kronprinzen zu entsenden. A»i 18. Juni beschlossen die Stadtverordneten von Berlin, in Z«- kunft alle Adressen und Deputationen an das königliche Haus überhaupt zu unterlassen. Und ani 31. Juli gingen die Stadtverordneten von Berlin in ihrer Rncksichislosigleit gar so weit, mit 34 gegen 26 Stimmen die Ab- scndung einer Kondolenzadresse Kvcgen des Todes des Prinzen Friedrich abzulehnen! So unglaubhaft diese Tatsachen, die da von Vorgängern der Herren Cassel und Konsorten berichtet werden, klingen mögen, so sind sie doch als unanfechtbare Falka überliefert. Vor 50 Jahren lebte eben noch ein wirklicher Hauch von Liberalismus und Bürger» stolz in unserem fortschrittlichen Bürgertum. Damals besaß ja dies Bürgertum auch noch die Energie, der Regierung die Mittel zu einer Heeresvorlage zu verweigern, nicht ewa, weil es die geforderte Hecrcsvcrmehrung nicht für notwendig gehalten hätte, sondern darum, weil das Bürgertum aus guten Gründen annahm, daß diese Hecrcsvcrstärkung- von der Regierung zu r e a k t i 0 n ä r e n Z wc ck e n ausgenutzt werden würde. Ans diesem Grunde lehnte damals die große liberale Mehrheit des preußischen Abgeordneten- Hauses immer wieder die Hecresfordcrnngcn der Regierung ab. Als die Krone das papicrnc Veto des Abgeordnetenhauses ignorierte und die Heercsreorganisation trotz der Budgetverweigerung durch die Landtagsnlehrheit gleichwohl durchführte, bemächtigte sich des Liberalismus ein solch oppositjoncller Ingrimm, daß er nicht nur den Gedenkfeiern der Befreiungskriege demonstrativ fernblieb, sondern auch, wie wir gesehen haben, alle- Höslichkcitsverpflichtungcn dem königlichen Hanse gegenüber rücksichtslos-bci Seite setzte. Und Nachfahren derselben l i b c r a l e n B ü r g e r, die Herren Cassel und Mugdan, wagen der Sozialdemokratie Vorwürfe darüber zu machen, daß sie den faulen byzantinischen Zauber nicht mit- machen wollen, der cheute, 56 Jahre später, von dem liberalen Bürgertum selbst kläglicherweise inszeniert wird. Tas Bürgertum hat ja freilich inzwischen alle seine politischen Ideale preisgegeben. In ihrem Wahlaufruf vom 12. September 1863 forderte me Fortschrittspartei unter anderem auch„ein Heer auf volkstümlicher Gruudlag c". Daß unsere heutige Armee eine volkstümliche Grundlage besäße, wird selbst ein Cassel nicht zu behaupten wagen. Nichtsdestoweniger ist der Freisinn bedingungslos für dir neuen Heercsforderungcn zu haben, obwohl diesmal 81 666 Mann jährlich verlangt werden, während es sich bei der Hecresorganisation bor 56 Jahren nur um eine Rekruten- vcrmehrnng von 23 666 Mann handelte. Tie freisinnige Wandlung erklärt sich daraus, daß die eigentlichen Bolksmassen längst aus- den Reihen des Freisinns desertiert sind, während sich jene kapiiali- stischen Kreise, die heute den Kern des Freisinns bilden, deshalb zur Preisgabe ihrer fortschrittlichen Prinzipien haben bereit finden lassen, tveil ihnen auf Kosten der großen Massen des entrechteten Volkes enorme Reichtümer in den Schoß gefallen sind. Vckm fort- schrittlichen Bürgertum ist heute nur eine' Gruppe liberaler Ausbeuter übrig geblieben, die durch die Gleichartigleit ihrer Interessen mit der junkerlichen Reacktion aufs innigste verbunden ist. Den Kampf für jene freiheitlichen Ideale, für die im Jähre 1813 die bürgerliche Jugend in die Schlacht gcr. gen ist und für die sich auch 1863 noch ein großer Teil des Bürgertums begeisterte, führt heute nur noch die Sozialdemokratie! Der kalkantirieg. Die Zustimmung der B a l k a n st a a t e n zum Friedensangebot der Mächte steht noch immer aus. wie es heißt, weil Montenegro Schwierigkeiten mache; dieses wolle erst den Fall Skutaris abwarten, da es sonst keine Aussicht hätte, die heiß- begehrte Festung, die Oesterreich für Albanien fordert, bei den Friedensverhandlungen zu erhalten. In Wien ist man auch darüber etwas beunruhigt, daß die bereilS für den 6. März erwarteten Verlautbarungen, die die Demobilisierung ankündigen sollten, ausgeblieben sind. Doch meldet die„Neue Freie Presse" ans Petersburg, aus der Tütsache, dag daS erwartete beruhigende Comiumuquö über die auswärtigen Angelegenheiten gelegentlich der Romanolv- seier nicht veröffentlicht chordcn sei, könne durchaus nicht gefolgert werden, dag es überhaupt ausbleiben werde. Es sei sogar sehr möglich, dag die Veröffentlichung biiineu kurzem erfolge Dies wird auch von der„Köln. Ztg." bestätigt. Die Ver Handlungen zwischen den Kabinetten von Wien und Peters bürg gingen weiter; ihre Beendigung war bis zum 6. März gewünscht, aber bei der Kompliziertheit der Angelegenheit uu- möglich geworden. Sie seien auf guten: Wege und es wäre bestimmt in nächster Zeit die bis jetzt ausgebliebene Erklärung zu erwarten. In der Türkei scheinen trotz aller Dementis die inner politischen limtriebe wieder bedenklichen Charakter anzunehmen, die den Fricdcnswunsch der tliegieruilg immer dringender machen müssen. Der Einzug der Griechen in Janina. Athen,' 3. März. Das erste direkte Telegramm aus Janina, ist beim Kriegsministerium eingetroffen. Es meldet den Einzug des Thronfolgers in Jaiiina. Er wurde von 15000 Einwohnern, die ihm entgegengezogen waren, mit Begeisterung und unter Freuden tränen begrützt. Beim Eiirzug der Armee umarmte» die Leute die Soldaten und drückten den Offizieren die Hand. Die Ehriste» zerrissen ihren türkischen Fez. Auster den lriegsiüchtigeu Soldaten sind 6000 Verwundete und Kranke zu Gefangenen gemacht worden. Ei» Teil der türkischen Armee ist vorgestern nacht nach Albanien entflohest. � Bor ihrer Flucht plünderten die Türken die Lädon der Christen. Seit gesteril morgen herrscht wieder Ruhe und Ordnung.____ politische(leberlickt» Berlin, den 8. März 1913. Wochmals: Koloniale Geschäftspolitiker. Aus dem Reichstag e. Der Reichstag ist heute in die Osterferien gegangen. Der letzte Sistnngstag brachte indes noch) eine erregte Debatte über das Thema der Kon- zessionsgesellschaften, das gefterir von unserem Genossen Dr. W c i l l angeschnitten worden war. Nach) einigen Bemerkun- gen des Fortschrittlers Dr. Brabaud hielt der Ztatiönalliberalc Tr. Paasche eine übermäßig' eifrige Verteidigungsrede zu- aunsten seines Fraktionskollegcu und Gesinnungsgenossen Tr. Semler, der Tags zuvor bedenklich unter die Räder gekommen war. Tr. Paasch? erklärte die llritik, wie sie au der Tätigkeit des Herrn Dr. Seinlcr geübt war,- als unzulässig.' Der Staatssekretär äußerte sich danii über das eigentlich zur Debatte stehende Thema: die Zntiichtveisnng des überwiegen- den Einflusses der Kongo-Konzessionsgesellschcfften. Er unter- strich die angebliche Entschlossenheit der Regierung, mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Mittel eine strenge Kontrolle über die Gesellschaften auszuüben. In diesem Zusammenhang suchte er auch den in die Assare verwickeltem Botschaftsrat v. d. Lancken und ein wenig auch den Herrn Dr. Semler zi: decken. Auch Herr Erzberger sagte Herrn Dr. Seniler soviel Trostworte, als möglich und polemisierte hierbei— nicht übermäßig geschickt gegen unsere Fraktion. Räch den Vorgängen der gestrigen Sitzung war es be- preislich, daß das Haus der Entgegnung des sozialdemo- tratischeu Gegners Genossen Dr. Weill mit Spannung cnt- gegen sah. Hatte sich doch Genosse Dr. Wcill in seiner Rede am Tage zuvor als vorzüglicher Kenner jener dunklen PcLrKrn-d?r deutschen Kotckinalpoiitik erwiesen, über die man nicht gerne spricht..Tie sachliche Schärfe der nun folgenden Ausführungen über die eigenartige Doppelstellung des Dr. Seniler als Kolonial-Referenten des Reichstags und als Ver- treter snuek persönlichen Geschäftsinteressen wirkte um so stärker, als sich der Redner in der äußere» Form einer Höflichkeit befleißigte, die mehr der Würde des Hauses geschuldet war als sie dem unglücklichen Objekt selbst zugute kam. Zum Schluß hatte man den Eindruck, noch nie einer Exekution bei- gewohnt zu haben, die mit größerer Eleganz und Sicherheit vollzogen worden wäre. Nachdem Dr. Arendt einen vergeh- licken Rettungsversuch unternommen hatte, vervollständigte -..Genosse Ledebour die wirkliche Darstellung der Tiiige durch eine scharfe und energische Präzisierung der Vorgänge und der Stellung des bisherigen Kolonialreferenten. Im übrigen brachte die Erörterung der Etats für die einzelnen Schutzgebiete zunächst eine längere Erörterung der Banniwollfrage, in der Genosse Krätzig die Stellung der Sozialdemokratie auseinanderlegte, die die Eingeborenen- kultur gefördert wissen will, statt der kapitalistischen Plan- tagen. Beim Etat für Südluestafrika behandelte Genosse Dr. Oncssel einige für dieses Schutzgebiet wichtige Fragen, wobei er die grundsätzliche Ilebercinstimmung mit den Anschauungen ausdrücklich betonte, die von den anderen Fraktionsrednern geäußert worden waren. Genosse Hoch erörterte die Dia- mantenfrage. Heber die rücksichtslose Vernichtung wertvoller Tier- und Vogelartcn in Nengiiinca sprach Genosse Schöpflin. Zu Beginn der Sitzung war das Etatsnotgesetz gegen unsere Stimmen angenommen worden.— Die Sitzung schloß mit einer- Rede des Präsidenten zum Gedächtnis der Be- freinirgskriege.'_ Abgeordnetenhaus. Obwohl das HauS erst Ende nächster Woche in die Osterferien gehen will, herrscht doch bereits Ferienstiinmung. Vor leeren Bänken werden im Handumdrehen Vorlagen von weittragender Bedeutung erledigt. Am Sonnabend führte das Haus zunächst die zweite Beratung LeS Etats der Zentralgcnossenschaftskasse zu Ende. In der Debatte suchte der Präsident Dr. Heiligenstadt die gestrige Kritik unseres Genössen Liebknecht abzuschwächen, indem er bestritt, daß bei der Kreditgewährung ländliche Genossenschaften vor städtischen bevor- zugt würden. Liebknecht erwiderte ihm. dast sein Hauptangriff darin bestand, daß Arbeitergenossenschaften mit der Jemralgeiiossenschafts- kassc in keiner Verbindung stehen, und diesen Einwand hat der Ver- I reter der Regierung nicht widerlegt. Hierauf gelangte»ach kurzer Debatte, in der sich Leinert Name»? der Sozialdemokraten im zustimmenden Sinne äußerte, der Gesetzentwurf über die Ausnutzung der oberen Weser zur Elektrizitätsgewinnung zur Annahme. Die Anträge Schiffer(natl.) auf Reform des Polizei- bcxordnungsrechtS gaben unserem FraltionSredner Liebknecht Veranlassung, gründliche Kritik an der preußischen Verwaltungs- Praxis, in erster Linie an der Allmacht der Polizei zu übe». An der Hand zahlloser Beispiele wies er das Unsinnige deS ReglcmentierungswesenS nach und geißelte er die Sucht, die Staats- bürger von der Geburt bis zum Tode zu bevormunden. Obwohl die Schifferschen Anträge recht zahm sind, witterte die Rechte doch umstürzlerische Pläne dahinter und stimnite deshalb gegen ffr. um nicht zu einer»unheilvollen An- fechtung aller Maßnahmen der öffentlichen Gewalt" ihre Hand zu bieten. Trotz des Widerstandes der auch der bescheidensten Reform abholden Rechten wurden die Anträge in der Kommissionsfassung an- genommen. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung am Dienstag steht die neue Polenvorlage. Der Arbeitsplan deS Abgeordnetenhauses. Der Senioreukonvent des Abgeordnetenhauses beschloß heute(Sonnabend) nachmittag, die Osterferien am Donnerstag, 13. März, eintreten zu lassen, um den Etat mit Ausnahme des Kultusctats bis zu Ostern fertiggestellt zu haben. In der nächsten Woche werden der Etat des Finanz- ministerillinS, der Etat des Landtags und»der Ansiedlungsetat mit der Ansiedlungsdenkschrift beraten werden. Ferner sollen noch der Nachtragsetat wegen der Grundstückstransaktioncn endgültig verabschiedet werden, die erste Lesung des Ost- markengesetzes vorgenommen und der am 1. April dieses Jahres in 5krast zu tretende Entwurf über die Schöncbcckcr Eingemeindungen in dritter Lesung beraten werden.— Die Ferien enden am 1. April. Im April. wird zunächst der Kültusetat beraten werden, für den zehn Tage angesetzt sind. Vom 14. bis 16. Apxil wird der Etat in dritter Lesung beraten. Die Etatsberatung wird im April nur durch die erste Lesung des Eisenbabnanleihegesetzes unterbrochen werden. Von, 17. April bis Ende April werden die noch zu ver- abschiedenden Entwürfe sEisenbahnanlcihegesetz, Ostmarkengesetz usw.) eudgültig angenommen werden. Der Schluß der Session dürste am 3. Mai eintreten. Die vertraulichen Verhandlungen über die Teckungsfrage. Ueber die vertraulichen Besprechungen, die zwischen dem Reichskanzler und den Führern der bürgerlichen Reichstags- fraktionell stattgefunden haben, weih eine hiesige halboffiziöse Korrespondenz zu berichten: ..Es steht fest, daß in der Besprechung den Parteiführern die Grundsätze der Heeresvorlagcn bekanntgcmacht worden sind und über. die Art der Teckungsvorschläge einige Andeutungen gegeben wurden, in Ivclchcr Richtung sich die neuen Dcckungs- Vorschläge bewegen. Die Beratungen über die neuen Deckungs- gcsetze sind aber noch nicht abgeschlossen, und ihre endgültige Gc- staltung hängt von dem Verlaufe der Konferenz der Finanz- minister der. Einzclstaaten ab, die am Montag nachmittag stattfinden wird. Die Mitteilungen, die den Parteiführern in der Besprechung gemacht worden sind, haben befriedigt; auch be- züglich der Dcckungsvorschläge ist zwischen der Regierung und den Parteien eine Uebcreinstiinmniig erzielt worden. Neben der einmaligen Vermögensabgabe soll eine einmalige Besteuerung der -großen Einkommen erfolgen und Ivahrschcinlich in der Weise das von den größeren Einkommen von 15000 Mark auf- wärt» Zuschläge nach dem Muster der preußischen Steucrzu- schlage erhoben werden. Irgendwelche Konsumstcucrn sind nicht in Aussicht genommen. Auch eine allgemeine Bcsitzsteucr wird von den Regierungen nicht vorgeschlagen werden, wenigstens sind bisher derartige Absichten der Regierung nicht bekannt geworden. Es tvärc aber immerhin möglich, daß die Erbanfall st euer in einer abgeschwächten Form dem Reichstage als Vor- läge vorgelegt wird, wenn sich herausstellen sollte, daß die ein- maligen Abgaben der großen Vermögen und Einkommen für die Bedürfnisse der Hceresvorlagc nicht ausreichen würden." Dagegen berichtet die„Tägliche Rundschau" mit Be- stimmtheit, daß die Regierung dem Reichstag den Entwurf einer Erbanfallsteucr vorlegen wird, und zwar solle diese Steuer mit einer Art Wchrsteuer verbunden werden: „Mit der Erbanfallstcuer, über die in diesen Tagen sehr ein» gehend verhandelt werden wird, ist, wie wir in Bestätigung früherer Angaben mitteilen können, eine Wchrsteuer ver- b u.n d e n. Diese Verbindung der beiden Steuern mag auf den ersten Blick überraschend, erscheinen, sie ist aber nicht neu. Sic war schon getroffen bei der Erbanfallstcuer im Jahre 1909, die bekanntlich abgelehnt wurde. Ter damaligen Verbindung der beiden Steuern waren eingehende Besprechungen zwischen Mit- gliedern des Bundesrats und verschiedenen Rcichstagsabgeord- ncten vorangegangen. Der Gedanke einer Wchrsteuer war damals in Rcichstagskrcisen volkstümlich, und allgemein wurde ver- langt, daß eine derartige Steuer eingeführt Iverdcn solle. Tie Parlämcntaricr dachten sich die Steuer so, daß derjenige, der nicht Soldat wurde, eine Abgabe zu entrichten habe. Diese Auffassung wurde aber bei den Besprechungen von den Rcgierungsvertretern lebhaft bekämpft. Es wurde von ihnen darauf hingewiesen, daß Wehrpflichtige in der Regel wenig oder gar nichts verdienen, und daß eine Abgabe, die ein militärfrcicr junger Plann bezahlen solle, tatsächlich von den Eltern bezahlt werden müßte. Die Eltern aber noch obendrein mit einer solchen Abgabe zu belasten, würde in vielen Fällen eine llngercchtigkeit darstellen. Ferner wurde geltend gemacht, daß«ine Wehrsteuer, wie sie sich die Reichstagsabgeordneten dachten, entweder eine Ver- mögcns- oder eine Ein kommen st euer sein müßte. Gegen die eine wie gegen die andere hätten aber die Bundesstaaten Bedenken. Endlich würde eine Wehrsteuer in dieser Form nicht viel einbringen, was das Beispiel Oesterreichs, das eine derartige Wchrsteuer besitze, beweise. Diese Gründe leuchteten den RcichstagSabgeordnctcn ein, und es kam zwischen ihiin und den Rcgierungsvertretern eine Vereinbarung zustande, nach der die Wchrsteuer mit der Erbanfallstcuer verknüpft wurde. Danach sollte der Nachlaß eines Mannes, der seiner Militärpflicht nicht genügt hat. erheb- lich höher besteuert werden, als der Nachlaß eines M a n n es. der Soldat gewesen ist. Auch gegen diese Auffassung läßt sich allerhand einwenden und wird auch wahrscheinlich sehr viel eingewendet werden. Die Erben werden dafür bestraft, daß der Erblasser nicht Soldat gctvcscn ist. Auf diese Einlvändc will die Regierung erklären, daß eine andere Form als die gewählte sich für eine Wchrsteuer nicht finden lasse. wenn diese etwas einbringen solle und wenn ihr die oben aus- geführten Gebrechen nicht anhaften sollen." An der Jnformationskonferenz, die am Freitag bciin Reichskanzler und Kriegsininister stattgefunden hat, haben von den Führern der bürgerlichen Parteien teilgenommen: die Fortschrittler MüllerMeiningen und v. Payer, die Ratio- nalliberaleu Schönaich-Earolath und Bafsermann, die Zentrümler Spahn und Gröber, die Rcichsparteiler Gaiup und Schulz, die Konservativen Westarp, Heydcbrandt und Könitz und die Antisemiten Behrens und Herzog. Tic Sozialdemokraten waren nicht eingeladen und infolgedessen auch nicht erschienen. Bethmamr Hollloeg soll den Abgeordneten aufgegeben haben, selbst ihren Fraktionen gegenüber Stillschweigen zu bewahren. Nur soviel sickerte heute im Reichstage durch, daß der Kriegsmmister in großen Umrissen den Inhalt der Militärvorlage skizzierte, und daß Bethinann Hollweg die Forderungen mit der politischen Lage begründete. Zur Landtagsersatzwahl in Teltow-Bceskow- Wilmersdorf. Bei der Landtagsersatztvahl in Teltotv-Beeskow-Wilmersdorf werden sich die sozialdemokratischen Wahlmänncr ent-. sprechend einem Beschluß der Generalversammlung des-Kreises nicht au der Abgeordueteuwahl beteiligen. Diese Taktik ist der Partei aufgenötigt durch das Verhalten des Freisinns, der sich durch sein Bündnis mit den Nationalliberalen ein„kau- dinisches Joch" aufgerichtet hat. Der Freisinn will und darf der Sozialdemokratie keinerlei Gegenleistungen gewähren und deshalb hat auch die Sozialdemokratie keinerlei Lcranlassung, den Freisinn herauszuhauen. Wenn bei dieser wie bei den kommenden allgemeinen Landtagswahlen die Reaktton glänzende Geschäfte macht, so verdankt sie das dem fortschrittlich-national- liberalen Bunde._ Tie Wahl in Schwetz. Die Prüfung der'Wahl des Landrats v. Halen: im Wahlkreise cschwetz fördert immer erbaulichere Dinge zutage. Zu der am 30. Dezember 1912 stattgefundcuen Ersatzwahl sind noch Wähler in die'Wählerliste eingetragen worden. Das war völlig unzulässig, denn es gelangten noch die alten Wählerlisten zur Anwendung, an denen nichts geändert werden durfte. Außerdem sind viele Wähler gestrichen worden, ein Wähler deshalb, ,>weil er vor dem Kon- turs steht". Viele Wähler wurden gestrichen, weil sie Holzlesezettcl bekommen hatten oder weil sie ihre Steuern nicht bezahlt hatten; ein Wähler, weil er sich um eine Invalidenrente beworben hat, ein anderer, weil seine Mutter, schließlich sogar einer, weil seine Schwiegermutter Armcnunterstützung erhielt. Tie Stimmen aller dieser Wähler wurden von der Komlnission dem unterlegenen pol- nischen Kandidaten zugezählt. Ii: einem Bezirk wurden nack dem Protest 24 polnische Wähler zurückgewiesen, weil sie dem Wahl- Vorsteher angeblich nicht bekannt waren. Dieses Vorgehen des Wahlvorstehers geschah aus Anweisung des Wahlkomitees des Landrats v. Halem. Deutschen Wählern, die aus dem Bezirk ver- zogen waren, wurde aus ihrem alten Bezirk ein Anmeldeattest zu- gestellt, damit sie wählen köunten. Die Kommission mußte schließ- lich die Beratungen abbrechen; der Protest schildert eine solche Mcng� pon Ungeheuerlichkeiten aller Art, daß die Kommission be- schloß,' den Protest zunächst drucken und an die Mitglieder verteilen zu lassen.— Nach Ostern kommt die wichtige Frage zur Entschci- dung. ob bei einer Nachwahl, die nach den alten Wählerlisten voll- zogen wird, die inzwischen verzogenen Wähler zur Wahl zugelassen werden müssen oder ob sie durch den Wohnungswechsel des Wahl- rechts beraubt werden sollen. Biosie Worte. Im..März" äußert der fortschrittliche Reichstagsabge- ordnete Conrad H a u ß m a n n ganz vernünftige Ansichten über den— Rüstungswahnsinn. Er sagt über das inter- nationale Wettrüsten: „Jedes Volk sagt, daß die Ucbertrumpfung der unsinnigen bisherigen Rüstungen ein Wahnsinn sei. und jedes Volk läßt, abgestumpft und fatalistisch, diese plötzliche EntWickelung wie ein unabwendbares Verhängnis heranziehen. Es ist, wie wenn die gesunden Widerstände durch die Gewöhnung an un- gesunde Zustände gelähmt seien. Dabei hat man den'schmerz- lichen Eindruck, daß die auswärtigen Minister sich gar nicht ver- gegenwärtigen, wie der Zeitpunkt der Proklamierung ihrer Rüstungspläne ihre„Friedensaktion" auf dem Balkan lähmt und verschleppt. Millionenwortc werden ruiniert, nicht bloß auf dem Balkan, in der Türkei und Griechenland, nein, vor allem auch in Europa selbst. Die Volkswirtschaft erträgt den Druck, wsc er zuerst von Marokko, dann von Tripolis, nun' vom Balkan und jetzt von Europa ausgeht, nicht mehr allzulange. Wie viel ist in Oesterreich-Ungarn verloren gegangen und wie lvartct der deutsche Mittelstand und das deutsche Baugewerbe auf das Ende des hohen Gcldstandes, der gerade die Kleinen und Schwachen zuerst umwirft, aber auch anderen schlver zusetzt. Die Kursstürze der Börse sind die Ursache und der Ausdruck schwerer Wirtschaft- lieber Sorgen. Das führt zu der Frage, ob die Aufmachung der deutschen R ü st u n g S a k t i o n richtig oder ein politischer und wir tschaftlichcr Fe hier war? Wenn man die Stimmung, die durch fortgesetzte Wetterwolken in den Gemütern sich ansammelt, ausnützen will, dann war die Taktik richtig. Als selbständige Ncubclastuiig der europäischen Lage war dieser plötzliche und außerordentliche Vorstoß kein weise abgewogener Akt, ganz abgesehen davon, daß dieser Vorantritt den Gegnern wieder ermöglicht, Deutschland als das Karnickel auszurufen, und ihnen Vorwand und Grund zu niilitärischen Gcgenaktionci: gibt. Altion und Gegenaktion verfilzen sich zu einer nc u e n Depression, bevor die alte ain Goldenen Horn ihre Ende erreicht hat." Und Haußmann bat auch ganz recht, wenn er dieses „sinnloses Fuhrwerken" eine„Bankerotterklärung der Diplomatie" nennt und tveitcr sagt, daß der Licht- blick der gegenseitigen Akzeptierung einer Flottenstärke Eng- lands und Deutschlands in: Verhältnis von 16: 19 e n t- wertet werde durch die diplomatischen Nebenwirkungen dieser überstürzten Heeresvorlagen. Aber zum Schluß sieht man doch den Pferdefuß.— Herr Haußmann will sich damit begnügen, die Dinge„beim rechten Namen" zu i: e im e n. In: übrigen hält dieser tapfere Kämpe das„Verhängnis" für unabwendbar. Und das tut derselbe Haußmann, der bei der letzten Militärvorlage erklärt hat. diese müsse die letzte sein! Bei der Fortschrittspartei scheints eben nur mehr zun: oppositionellen Murren, aber nicht mehr zu oppositionellen Taten zu langen. Reichsverbändlerische Kampfmethode. Früher haben die Reichsvcrbändlcr in den von ihnen ein- berufenen Versammlungen sozialdemokratischen Rednern das Wort cnttvcder gar nicht oder höchstens auf zehn Minuten gegeben. Die Folge war, daß klassenbewußte Arbeiter diesen Versammlungen fernblieben. Dadurch fehlten nun aber den Reichsverbändlcrn die Versammlungsbesucher, und ihre rcdcbcflissenen Agenten mußten sich vor leeren Tischen produzieren. Im Wahlkreise Görlitz haben es die Reichsverbändlcr nun mit einer anderen Methode versucht. In Lauban sollte eine vom Reichsverband veranstaltete Bersamm» lung stattfinden mit den: interessant«: Thema:„Ist die Sozial» demokratie wirklich die Vertreterin der Arbeiterinteressen?" Unsere Genossen hatten die Einladung zum Besuch dieser Ver» sammlung mit dem Hinweis auf die schnmtzige Kampfeswcise deS Reichsvcrbaiü>es abgelehnt. Eine Anzahl Fabrikanten, vornehmlich aus der Textilindustrie, boten nun ihren.Arbeitern Marken im Werte von 50 Pf. an; für diese Marken sollten im Versammlungslokal Getränke in der Höhe des Betrages verabfolgt werden. Trotz- dem hatten sich nur etwa 200 Besucher ciugefulüuun Da die Arbeiter die Freigebigkeit ihrer Arbeitgeber gesehen haben, so hoffen sie vom nächsten connabciii ab auf eine Lohnzulage von 50 Pf.__ Das Gottesgericht. Unter dieser vielversprechenden Ueberschrist liest man in dem ultramontanen.Neuen Münchener Tagblatt":. .Von dem Domkap:tular Schnütgen in Köln, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, erzählt man sich eine hübscke Anekdote: Schnütgen hatte vor einigen Jahren ve: einem Eifeler Bäuerlein eine alte geschnitzte Eichentruhc .gekauft", das heißt, das Bäuerlein hatte dem hochwürdigen Herrn im Talar das Ding ohne Ahnung von ernem Kunst- wert für eine Bagatelle überlassen. Durch einen Zufall wurde der Bauer über seine Dummheit aus. geklärt. Er ärgerte sich. zog seinen Sonntagsstaat an und fuhr nach Köln zum Professor Schnütgen, um ihn zur Rede zu stelleiu Der Bauer wurde von der Magd in das Wartezimmer geführt und ihm bedeutete:„Der Herr Domprobst kommt gleich!" Der Herr Probst war aber in diesem Augenblirt gerade sehr beschäftigt. Da gerade ein befreundeter Amtsbruder— genau das Gegenteil Schnütgcns in Figur und Haltung— anwesend war, so bat ihn Schnütgcn, doch einmal hin- über zu gehen und den Bauern nach seinem Begehr zu fragen. So verfügte sich also der Herr Amtsbruder, ein gebücktes, verlrocknetes und hustendes Männchen im schwarzen Talar, zu dem Bauern im Sprechzimmer. Als das Bäuerlein die I a m m e r g e st a l t erblickte, war er auss höchste bestürzt. So hatte sich also der Probst Schnütgen, den er vor kurzem so stramm und munter in seinem Eifeldorf gesprochen hatte, verändert! Aus einem Riesen war ein kranker Zwerg geworden, nur durch den Druck des bösen Gewissens. Das packte den Bauer im innersten Herzen. Erschüttert nahm er seine Mütze, und an der Wand vorbei sich zur Tür hin drückend, sagte er:„Och Herrjesses, Herr Pastur, ich sinn et all. ich will eckes sonn:.He hätt Jott gericht!" Wie würde die Zentrumspresse über religiös- und kirchenfcind- liches Gebahren zetern, wenn ein sozialdemokratisches Blatt als „hübsche Anekdote" erzählte, wie ein Domprobst die„Dummheit" eine» Bauern ausnutzt, um ihn überS Ohr zu hauen! Ungarn. Massnahmen zur Äncbclung der Opposition. Budapest, 8. März. Tie Regierung reichte heute dein Abgeordncteuhause eine neue.Hausordnung ein, deren "wichtigste Bestimmungen sind: 1. Verfügungen, durch die die technische Obstruktion unmöglich gemacht werden soll: 2. eine Bestimmung, daß das Budget innerhalb einer gelvissei: Frist » erledigt werden muß: 3. gewisse Geldstrafen für die Renitenz von Abgeordneten. Im Falle einer protokollarischen Rüge tvird dem Abgeordneten eine Geldbuße von IVO Kronen, im Falle der Ausschließung für jeden Tag der Ausschließung 20 Kronen, und für den Fall, daß der ausgeschlossene Abge- ordnete das Rcichstagsgebäude betritt, 500 Kronen Buße auferlegt. Italien. Wieder ein Proletaricrmördcr freigesprochen! Rom, 6. März.(Cig. Ber.) Am ll. Januar dieses Jahres verhaftete ein Carabiniere in Baganzola bei Parma einen Gewerk- schaftsführer und Parteigenossen, der an einer Festlichkeit teilnahm, unter dem Vorwande, daß er nicht die zur Feststellung seiner Per- sönlichkeit nötige Auskunft gegeben hätte. Als die übrigen an dem Fest teilnehmenden Arbeiter gegen die sinnlose Verhaftung pro- testierten, gab der Carabiniere Feuer und erschoß den Genossen Arnaldo Curti. Jetzt ist nun in der Voruntersuchung das Ver- fahren gegen den Carabiniere eingestellt worden, weil er sich i m Zu st an de der Notwehr befunden haben soll! Man bedenke, daß die beiden die Verhaftung vornehmenden Carabinieri unverletzt blieben, daß die angeblichen Angreifer unbewaffnet waren und Genosse Curti auf wenige Schritt Entfernung in den Rücken getroffen wurde. Im übrigen gibt das Gericht durch sein Urteil in der Voruntersuchung selbst zu, daß es an einen Angriff nicht glaubt, da auch die ö an der Sache beteiligten Arbeiter freige- sprachen wurden. Wo aber kein Angreifer ist, kann auch keine Not- wehr vorliegen k Oder hat das Gericht durch sein Urteil andeuten wollen, Ivas ja allerdings der Rechtspraris, und zwar nicht allein in Italien, entspricht, daß dem Beamten immer und unter allen Umständen, kraft seines Amtes und dank seiner Uniform, die Strafausschließung der Notwehr zur Seite steht, auch wenn er sich gegen keine Nol' zu'tbihrcn'hal? ©ebweden. Aus dem Reichstage. Stockholm, 7. März.(Eig. Ber.) Die schwedischen Liberalen beginnen nunmehr den Anschluß nach rechts offen zu suchen. Wer daran zu zweifeln geneigt war, erhält in den Vorgängen der letztem Tage eine recht unangenehme Lektion. Es handelt sich um die Herabsetzung des Zuckerzollcs von 14 auf 10 Oere pro Kilogramm, wie sie die Regierung auf Grund der Ergebnisse der von uns bereits besprochenen Untersuchungen der Trustkommission forderte. Die vom Zuckertrust eingeleitete Aktion gegen die Herab- sctzung des Zdllcs hat die Liberalen dermaßen eingeschüchtert, daß sie einschließlich der Regierung vor dem Trust kapitulieren. In der Reichstagskommission, die sich mit der Regierungsvorlage zu beschäftigen hatte, ist unter Teilnahme der Regierung ein Kom- promiß zustande gekommen, wonach der Zoll zunächst um nur drei Oere pro Kilogramm herabgesetzt werden soll. Und während nach der Vorlage des Finanzministcrs weitere Herabsetzungen stattfinden sollten bis herab auf 7 Oere pro Kilogramm im Jahre 1318, bc- gnügt sich der abgeschlossene Kuhhandel mit der Durchführung der für sofort geforderten Herabsetzung von 4 Oere bis zum Jahre 1918. Nur unsere Parteigenossen traten noch für die Rcgicrungs- vorläge ein, die aber von der Regierung selbst im Stiche gelassen wurde. Diese jammervolle Haltung der Liberalen einschließlich ihrer Regierung kommt� vielen ganz unerwartet. Denn noch zwei Tage vorher hatte der Staatsminister in einer großen Rede scharfe Worte gegen die Trustpolitik gefunden— um dann gleich vor dem Trust die Segel zu streichen! Selbst wer dem einen Oere Zollerlcichtc- rung nicht eine so große wirtschaftliche Bedeutung zumuten will, wird die politische Bedeutung der liberalen Schaukelpolitik über- sehen können. Man braucht sich nur folgendes zu vcrgegen- wältigen: Vor etwa vier Wochen erscheint der Trustkommissions- bericht mit der Feststellung, daß der Zuckcrtrust etwa 45 Millionen Kronen eingezahltes Kapital hat, aber mit einem Aktienkapital von 135 Mill. Kr. figuriert, womit die Ocfscutlichkeit über die Ren- tabilität des Trusts getäuscht wird. Die Regierung fordert darauf- hin eine sofortige Zollrcduktiön um 4 Oere und weitere 3 Oere bis 1918. Selbst der konservativen Partei angehörende Rational- Ökonomen treten dafür ein. Noch nach vier Wochen betont der Regierungschef die Notwendigkeit des Schrittes, und nach weiteren zwei Tagen fällt die Regierung vor dem Trust in di? Kniec. Einer solchen Regierung kann mau Vertrauen nicht schenken. Die Sozialdemokratie wird nicht umhin können, unter diesen Umständen ihre abwartende, unterstützende Haltung aufzugeben und in Kampfcsstcllung zur Regierung zu treten, will sie nicht in eine schiefe Situation geraten. Leider ist wenig Aussicht auf eine solche entschiedene sozialdemokratische Politik vorhanden. Branting schlägt zwar im„Socialdemökraten" entschiedene Töne an, allein auf die grundsätzliche Stellung zu den Liberalen geht er noch nicht ein. Die unzuverlässige Haltung der Liberalen wird. jedoch eine ernste Auseinandersetzung bald notwendig machen. Es liegt schließlich kein Grund vor. durch eine neutrale Politik eine Regierung am Ruder bleiben zu lassen, die zwischen rechts und links pendelt. Rußland. Tic Amnestie des Änutcn-Zarcu. ' Aus Petersburg wird uns geschrieben: Aus Charkow wird mitgeteilt, daß dort am Vorabend der �«Jiestie in aller Eile der Arrestant Ossatschi im Gefängnis- hos hingerichtet wurde. Ossatschi soll eine Reihe schwerer krimi- nellcr Verbuchen begangen haben.— Seit mehr als einer Woche war es im ganzen Lande bekannt, daß alle bis zum Amnestictage zum Tode Verurteilten zu 29 Jahren Katorga„begnadigt" würden. Zu derselben Zeit aber, in der der Text des Gnadenaktcs in den größeren Druckereien gesetzt wurde und jedenfalls schon in die Hände der leitenden Beamten gelaugt war— da wurde ein Mensch hingerichtet! Eine politische Perversität sondergleichen erlaubt sich das Guadenmauifest in bezug auf Finnland. Aus dem finnischen Staatsfonds soll die Summe von 259 999 M. zur Errichtung„eines russischen Lehrerseminars für Finnland" enthoben werden. Also die Finnen sind„bognadigt" worden, zu Russifizierungs- zwecken ihr eigenes Geld herzugeben! Ferner, wird dem finnischen Fiskus ein Grundstück genommen, das einem russischen patriotischen Wohltätigkeitsverein geschenkt wird. Die hohen Geistlichen, die herbeigeeilt waren, um am Jubel- tage die pompösen Messen zu cclebriercn, wohnten am Vorabend der Festlichkeiten dem Verbandstage der Progromleute bei. Diese hatten den Zeitpunkt zu einer Generalversammlung sehr richtig gewählt! Seine Eminenz der Erzbischof von Antiochien.cclebrierte ein Tedeum für das Wohlergehen des Zaren und seiner Getreuen. Am selben Tage wurde vom K r o n st»d t c r Kriegs- gericht Oberst Stawrowskh freigesprochen, der wegen Soldaten- Mißhandlungen angeklagt tvar, obgleich die Mißhandlungen gericht- lich festgestellt wurden. 16 Matrosen, die sich, im Arrest befanden und infolge seiner Mißhandlungen einen Hungerstreik erklärt hatten, wurden zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt. Die Nummern des Arbeiterblattes„Lutsch", die am Jubi- läumstage erscheinen sollte, wurde konfisziert. Im ganzen Lande wütete die Ochrana und nahm Mass e n Verhaftungen und Haussuchungen vor. Hus der Partei. Aus der italienischen' Partei. Rom, den 6. März.(Eig. Ber.) Der General st reik als Protest gegen ein neues Blutbad. Durch den Polizeiexzeß von R o c c a g o r g a. der am 6. Januar 7 Menschen das Leben kostete, ist die Frage wieder aktuell geworden, mit welchen das organisierte Proletariat ans derartige Gewalttaten reagieren soll. Die Plenarsitzung des Parteivorstandes, die zurzeit noch in Mailand tagt, hat sich eingehend mit der Frage beschäftigt Und nach längercr�Diskussion mit allen gegen die Stimmen der Genossen R a t t i�nnd F i o r i t t o die folgende Tagesordnung angenommen: „In Erwägung, daß die häufigen Proletaricrmorde in Italien nicht allein eine traurige Folge der Klassenkonflikte sind, sondern vor allem das Resultat einer besonderen Politik des monarchisch-bürgerlichen Staates, die auch in der Straflosigkeit und gelegentlichen Prämiierung der Totschläger zum Ausdruck kommt, beschließt der Vorstand der sozialistischen Partei— in icc Ileberzcugung, daß die Duldsamkeit des Proletariats gegen- über dem systematischen staatlichen Morde zur Weiterführung dieier Gewaltpolitik beiträgt— durch mündliche und schriftliche Agitation die Kampagne des„Avaati" fortzusetzen und das italienische Proletarial zur Durchführung des Generalstreiks im Falle eines neuen Prolctariermordcs aufzufordern." Die der Sitzung beiwohnenden Vertreter der Konföderation der Arbeit hatten schon vorher erklärt, daß, bei dem politischen Charak- ter eines derartigen Generalstreiks, die Initiative der Partei und nicht den Gewerksckmften zufallen müsse. Sie verpflichteten sich, an der Agitation für das Gelingen des Proteststreiks mitzuwirken und alle der Konföderarion angeschlossenen Organisationen aufzu- fordern, sich durch Urabstimmung über, die Frage hes General- streiks im Falle ekäes neuen Blutbades zu äußern. Bedeutender M i tg l i e d erzu w a ch s. Ter Vorstand konnte mit Genugtuung konstatieren, daß die italienische Partei seit dem Parteitag von Reggio, durch den der revolutionäre Flügel ans Ruder kam. einen bedeutenden und beständigen Mitglieder- zulvachs erfahren hat. In den ersten zwei Monaten des neuen Jahres sind 161 neue Sektionen entstanden, was mit den nach dem Parteitag von Reggio neu gebildeten einen Zuwachs von 272 Sektionen ausmacht. Was die Mitgliederzahl betrifft, so berechtigt das Ergebnis von Januar und Februar dieses Jahres zu der Hoffnung, daß sich im Laufe von 1913 der Bestand von 39 999 auf 59 999 erhöhen wird. Am 1. März des Vorjahres waren bei der Zentralkassa 4791 Mitgliedskarten gelöst worden: in diesem Jahre ist die entsprechende Zahl auf 13 614 gestiegen. Parteiliteratur. Soeben ist im Verlag von I. H. W. D i e tz N a ch s. G. m. b. H. in Stuttgart erschienen: Marxistische Probleme. Beiträge zur Theorie der materialistischen Geschichtsauffassung und Dialektik von Max Adler. VIII und 329 Seiten. Preis 3 M., gebunden 3.59 Ni. Inhaltsverzeichnis: I. Das Formalpsychische im historischen Materialismus. II. Die Dialektik bei Hegel und Mary. 1. Die Dialektik bei Hegel. 2. Die Dialektik bei Marx.— III. Marxismus und Rkaterialismus.--- IV. Dialektik oder Metaphysik. 1. Tie Dialektik der Bewegung. 2. Die Dialektik des Werdens.— V. Ethik und Wissenschaft.— VI. Rkarxismus Und Ethik.— VII. Zur Erkenntniskritik der»sozialwissenschaft. 1. Der Begriff der Wissen- schast. 2. Theoretische und praktische Äussassung. 3. Die äußere Regelung. 4. Methodologie oder Erkenntniskritik. 5. Telcologie und normative Auffassung. 6. Kausalität und Zwecksetzung. 7. Wollen und Müssen.— VIII. R. Stammlers Kritik der mate- rialistischcn Geschichtöauffassuirg.— IX. Mach und Marx. Der Verfasser sagt im Vorivort unter anderem:„Die folgende Sammlung von Aufsätzen, welche sich mit einer Erörterung der erkenntniskritischen und soziologischen Grundlagen des Marxismus beschäftigen, ist hoffentlich nicht nur durch den langgehegten Wunsch des Autors gerechtfertigt, seine älteren, in verschiedenen Zeit- schriftcn veröffentlichten Aufsätze gesammelt zu sehen, um sie so einer größeren Beachtung zuzuführen. Denn, wie sich diese Aufsätze in ihrer Entstehungszeit über einen Zeitraum von fast fünfzehn Jahren verteilen, werden sie vielleicht— zum d r e i tz i g st e u Todestag von Karl Marx nun hier vereinigt �— auch Zeugnis geben von der Art. wie das getvaltige Schassen jenes Rkannes in uns lebendig ist. Wie es, weit entfernt, mit dem Leben von Marx abgeschlossen zu sein, immer noch neue Aufgaben stellt, wenn es gilt, die Grundgedaukeu seiner Lehre mit den Errungenschaften der kritischen Philosophie zu einem unverlierbaren Besitz zu ver- einigen, davon ein klares Bewußtsein zu erwecken, ist mit ein Hauptzweck der folgenden Untersuchungen. Es handcklt sich hierbei aber nicht ctlva um einen bloßen Abdruck älterer Aufsätze. Viel- niehr ist ein großer Teil dieses Buches sAbschnitt VII und Vllls bisher noch unveröffentlicht, und die übrigen Abschnitte sind zumeist völlig umgearbeitet oder erweitert." Personalien. Zum zweiten Parteisekretär in.Halle wurde der Genosse Julius Hildebrandt, bisher Sekretär auf dem Ver- bandsbureau der Holzarbeiter in Neukölln, gewählt. Genosse Hilde- braadt hat sein neues Amt bereits angetreten. poUseUicbes, Seridmicves ulw. Pressprozeß. Einen- Gemmndeschreiber aus Buchwald im Riesengebirge soll unser Waldenburger Parteiorgan, die„S ch l e s i s ch e Berg- wacht", durch eine Kritik seiner Handlungen beleidigt haben. Die Waldenburger Strafkammer sah den an sich harmlosen Vor- gang für so schwerwiegend an, daß sie den Verantwortlichen, Genossen Franz. der noch so gut wie gar keine Borstrafen hat, zu 59 M. Geldstrafe verurteilte. Soziales« Ter Bicrfahrcr als Handlungsgehilfe. Die Art, wie viele Brauereien ihre Produkte durch sogenannte „Bierfahrer" zu vertreiben und dabei das Risiko aus den Bier- fahrcr abzuwälzen suchen, fand eine eigenartige Beleuchtung in einer fast drei Stunden währenden Verhandlung, die vor der 1. Kammer des Berliner Kausmanusgerichts stattfand. Dem Prozeß, der schon einmal dieselbe Kammer beschäftigt hatte, tag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kläger R. war längere Zeit als Bierfahrer bei der beklagten Gesellschaft, dem Böhmischen Brauhaus, tätig. Die Hauptbeschäftigung bc- stand aber nicht:n dem Ausfahren, sondern im Verkaufe»» des Bieres und dem Inkasso. Deshalb wurde auch einer reichsgenchi- lichen Entscheidung entsprechend seine Handlungsgehilfeneigenschart angenommen. Der Kläger hatte auf Neubauten laufend große Quantitäten Bier zu liefern, und die ausgeliehenen Beträge gingen schließlich in die Hunderte. Sein Konto belastete sich auch dadurch stark, daß er das Flaschenpfand nicht voll einbringen konnte. Aus diesen Gründen wurde er von der Gesellschaft entlassen. Der Kläger hatte schon in der Vorverhandlung eingewandi, daß der Bictverkaus auf Bauten nicht anders betrieben wurde und auch heute noch so aehandhabt wird. Der Beschluß der Braue- reien, kein Flaschenbier mehr ohne Flaschenpfand abzugeben, stehe auf dem Papier. Die Brauereien wüßten ganz genau, daß auf keinem Bau Flaschenpfand gezahlt und daß nirgends vor Montags abgerechnet würde. Diesen in die Zehntausende gehenden Verkauf sähen die Brauereien zwar gerne, ginge es aber mal mit dem Ein- kassieren nicht glatt, dann solle der Bierfahrer dafür clustehen. Trotz dieser Einwendungen kam das Kaufmannsgericht im Vor- prozcss zur Abweisung des Klägers. Schon aus dem Schuld- anerkenntnis ergebe sich die Berechtigung der Entlassung. Das Landgericht Berlin hob diese Entscheidung auf und ver- wies die Sache zur neuen Verhandlung und Beweiserhebung an das Kaufmannsgericht zurück. Auf wesentliche Bchauptungeii des Klägers sei der Vordcrrichter gar nicht eingegangen. Die Tasiachc. daß Kläger das Flaschenpfand nicht voll hereingebracht und seiii Konto verringert habe, berechtige noch nicht zur Entlassung, zumal noch nicht einmal ein Verschulden des Klägers erwiesen sei.— Gemäß dieser Entscheidung beschloß jetzt das Kaufmannsgericht, alle von den Parteien vorgeschlagenen Zeugen zu neuer VerHand- lung zu laden._ Kautionsschwindcl. Unter welchen Vorspiegelungen Leute zur Hergäbe einer Kaution oder„Einlage" verlockt werden, das zeigte sich wieder einmal in einer vor der 4. Kammer des Berliner Kaufmann?- gerichts stattgehabten Verhandlung. Der Kläger K. gehört nicht einmal zu der fe-char gutgläubiger Leute, die auf bloße Ver- sprechuiigcn hin ihre Ersparnisse hingeben, er war sogar so vor- sichtig, bevor er die Einlage von 2999 M. machte, sich mit seinem Rechtsanwalt zu besprechen. Aber auch dieser Rechtskundige fand keine Bedenken, die Summe dem Beklagten Paul Profitlich, Inhaber der Firma P. u. Co., auszufolgen, nachdem P. als„Sicherheit" eiucu Hypothekenbrief gegeben und dem Kläger außerdem für 2999 M Forderungen zediert hatte. Beides erwies sich später als „blauer Dunst", die Forderungen waren bereits vorher an einen anderen Gläubiger zediert. Auch mit der Gehaltszahlung geriet P. in Rückstand, und als eines Tages das Geschäft gerichtlich ge- schlössen wurde, fragte der Kläger noch schriftlich an. w,e es»mt der Weitcrarbcit stünde. Der Aufforderung, nach Geschaftsschluß hinzukommen, leistete er dann allerdings keine Folge, weil es ihm zu gefährlich schien. Der Beklagte P. stützt seine Gchaltsveewcigerung darauf, daß Kläger der Aufforderung, nach Geschästsschluß zu einer Unter- reduug hinzukommen, mcht nachgekommen sei. Das Kaufmanns- gericht verurteilte indessen Z. zur Zahlung von 299 M. Restgehalt. Kläger, hätte mehr Entgegenkonuneu bemiesen, als er nötig gehabt Höste. Jeder andere Gehilse wäre unter der» obwaltenden Umständen ohne weiteres sortgeblieben. Kläger war berechtigt, die Arbeit sofort niederzulegen, denn � das Verhalten. des Beklagten verstoße nicht nur gegen Treu und Glauben, sondern auch gegen das Siras- gesetz, da. hier Betrug im strafrechtlichen Sinne vorliehe. Protest gegen den Eingriff in die Boisitzcrtätigkcit. Gegen die jüngst vom Berliner Landgericht I Zivilkammer 8 sanktionierte Ablehnung eines Beisitzers wegen angeblicher ob- jektiver Befangenheit nimmt jetzt auch das offizielle Vcrbandsorgan der deutschen Gewerbe- und Kaufmanusgerichte in seiner letzten Nummer ii> sehr eiitschiedeucr Weise Stellung. Das amtliche Organ gibt der Ansicht Ausdruck, daß der Standpunkt des Land- gerichts zu den schwersten Bedenken Anlaß gibt, und weist auf die bisherige entgegengesetzte Judikatur hin. So sei es nach konstanter Rechtsprechung des Reichsgerichts kein Ablehnungsgrund, wenn sich der Richter bereits in einem früheren Urteil über die betreffende Frage in ablehnendem, nachteiligem Sinne ausgesprochen hat. Ebensowenig könne ein Richter abgelehnt werden, iveil� er sich bereits in entschiedener Weise, sei es amtlich, sei es literatisch oder parlamentarisch, über die Rechtsfrage ausgesprochen hat. Wollte mau derartige Nichter für befangen erkläre», dann würden gerade die besten und sachkundigsten Elemente von der Rechtsprechung ausgeschlossen sein. Wer ein zusammenfassendes Werk über Hand- liingsgchilfeiirccht, Recht des Arbeitsvertrags usw. geschrieben hat, könnte dann überhaupt nicht mehr Richter sein, weil er sich ja in allen in Betracht kommenden Fragen festgelegt hat. Erkläre man die Organisatiousvertrcter in ocu Streitfragen der Forderungen der Verbände für befangen, so schließe man die Besten und Tüchtigsten vom Richteramt aus. Unfallversicherungspflicht der Kino?. lieber die Frage, inwieweit Kinemathograpbentheater der Un- sollvcrsichcrilug unterliegen, hat sich kürzlich das Rcichsversichcrungs- amt ausführlich ausgesprochen. Zur Entscheidung stand folgender Fall: Ein Unternehmer besaß ein Kinemathographcntheatcr, eine Filmreparatur- und-vcrlcihanstalt und eine Restauration. Einer seiner Angestellten crlitt,nii!i bei der Arbeit in der Filmreparatur- und -verleihanstalt einen Unfall und beanspruchte dafür von der Berufs- gcnosscnschast eine Unfallrente, Die Bcrufsgenossenschaft lehnte die Rc iltenzahl uug ab. Das Reichsvcrsicherungsamt sprach dein Berletzlen jedoch mit folgender Begründung die Rente zu: „Ob diese Arbeiten der Versicherungspflicht unterlagen, kann dahingestellt bleiben. Auch wenn diese Frage zu verneinen wäre, würde der Anspruch des Verletzten begründet sein. Denn der Klä- ger ivar hauptsächlich im Kiiiematographentheater beschäftigt, und zwar, an den elektrischen Triebwerken. Diese stellten aber einen versicherungspflichtigen Betrieb dar. ES waren darin vorhanden e'ir init einer Dynamomaschine verbundener Elektromotor von 3 bis 4 Pferdekräften als Umformer, ein Elektromotor von etwa Vi bis % Pferdcträfte für das Grammophon und je ein Elektromotor von 'A Pferdekraft zum Autrieb des Kiiicmatographen, des Pianos und des Orchestrions, ferner ein Tischvcntilator, 3 Wand- und 2 Decken- veutilatoreu. Diese Triebwerke gehe», auch wenn man von dem Umformer, der nach der Ansicht der Berufsgcnossenschaft die Per- sicherungspflicht nicht begründet, absieht, nicht nur in ihrer Gesamt- heit, sondern auch, wenigstens teilweise, einzeln über das Maß hin- aus, das zur Annahme einer bloßen„Einrichtung" berechtigt. Es liegt also ein versicherungspflichtiger Motorenbetrieb vor, der das an sich nicht der Versicherung unterliegende Kinematographen- theatcr insoweit versicherungspflichtig macht, als die Angestellten an den Triebwerken selbst oder in ihrem Gefahrenbereiche beschäf- ligt werden. Für die Versicherung dieses Antriebes ist die Berufs- gcuossenschast der.Feinmechanik und Elektrotechnik zuständig. Ihr würde die Versicherung auch dann unterliegen, wenn die Filmrcpara- turarbeiten etwa der Versicherung unterliegen sollten. Denn diese an sich uiivcrsicherteil Arbeiten würden nur durch die etwaige Ver- Wendung von Motoren für den Betrieb, Ausprobieren des Films versicherungspflichtig werden können." GeweHtfcbaftUcbes. Die Hustperrung der JVlaler. Jetzt Wird auch das genaue ziffernmäßige Abstimmungs- refultat im Unternehmerverbande über den Schiedsspruch der Unparteiischen bekannt. Nach der Höhe der Lohnsummen der dem Unternehmerverbande angehörenden Meister haben für die Annahme des Schiedsspruches Unternehmer mit 14 459 000 Mark Lohnsumme, dagegen Unternehmer mit 40 549 000 M. Lohnsumme gestimmt. Im Gau Berlin, in Brandenburg und in Ost-Westpreußen, Posen und in dem Teil von Pommern rechts der Oder war die erhebliche Mehrheit für Annahme der Schiedssprüche. Aber auch in den anderen Gauen scheinen die Unter- nehiner nicht gar zu eifrig für die Aussperrung einzutreten. Im Bezirk Frankfurt a. M. sind von 17 Orten mit 5200 Organisierten nur 6 Orte mit 1100 Organisierten an der Aus- sperrung beteiligt, und zwar in Frankfurt a. M. selbst von� 2000 Beschäftigten 500, in O f f c n b a ch von 300 Be- schäftigten 143 und in Hanau von 130 Beschäftigten 70. Und ans Leipzig wird uns gemeldet: „Die Leipziger Malerinnung hat in einer am Freitag- abend abgehaltenen Innungsversammlung die Aussperrung der Malcrgehilfen beschlossen. Ein Antrag, niit den Gehilfen neue Verhandlungen anzuknüpfen, wurde fast mit Stimmengleichheit abgelehnt, und mit derselben geringen Stimmenmehrheit wurde auch die Aussperrung beschlossen. Wäre, wie verlangt wurde, Nuttels Stimmzettel abgestinimt worden, so hätte sich sicher eine Mehrheit für die Anbahnung von Verhandlungen mit den Ge- Hilfen ergeben. Bezeichnend ist, daß die großen Firmen, die bis zu öd und 60 Gcbilfen beschäftigen, die Aussperrung nicht mit- machen werden. Die Aussperrung soll am Montag beginnen/ * Eine Heerschau am Vorabend des Kampfes war es. die der Malervcrband am Freitagabend in drei öffentlichen Versamm- lungen veranstaltete. Bekanntlich soll nach dem Beschluß des Ar- bcitgebervcrbandes die Aussperrung in Berlin am 8. März vorge- nommen werden. Es galt nun, den Arbeitern die gegenwärtige Situation vor Augen zu führen und ihnen Verhaltungsmaßregeln für den Fall des Angriffs durch die Unternehmer zu geben. Voll- zählich waren die Maler und Anstreicher dem Rufe der Verbands- leitung gefolgt. Die Versammlungslokale vermochten kaum die Massen der Erschienenen zu fassen. Der große Saal des Marinehauses war samt den Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier referierte der Gauleiter Jako- beit. Er führte aus: Nach zuverlässigen Mitteilungen über die am letzten Dienstag abgehaltene Versammlung der Berliner Ar- beitgebcr sagte ihr Vorsitzender Kruse, er bedaure, daß die Arbeitgeber den Anfang mit dem Kampfe machen müssen. Lieber wäre es ihnen gewesen, wenn die Gehilfen angefangen hätten. Man kann den Arbeitgebern schon glauben— sagte der Redner— daß sie nicht mit großer Zuversicht den Kampf aufnehmen. Die bis jetzt vorliegenden Nachrichten über die Turibführung des Aus- sperrungsbcschlusses zeugen keineswegs von Einigkeit in den Reihen der Unternehmer. In Hamburg sind von mehr als 3000 Arbeitern nur 700 und in Kiel von über 1000 nur 150 ausgesperrt. Warum eigentlich die Aussperrung ins Werk gesetzt werden soll, das wurde in der Berliner Versammlung nicht klar zum Ausdruck gebracht. Teils wurde Unzufriedenheit über die Frage des Arbeitsnachweises laut, aber auch die durch den Schiedsspruch festgesetzten Löhne de- zeichneten die Arbeitgeber als zu hoch. Auch über den Umfang der Aussperrung waren die versammelten Arbeitgeber nicht einig. Einige meinten, alle müßten ausgesperrt werden, andere waren dafür, daß sich die Aussperrung nur auf die Verbandsmitglieder erstrecken solle. Schließlich einigte man sich dahin, daß nur die Organisierten einschließlich der Christlichen und.Hirsch-Tunckcrschcir> ausgesperrt werden. Um festzustellen, wer organisiert ist, werden die Arbeit- gebcr den Arbeitern einen Revers zur Unkerschrift vorlegen. Ein Schriftstück dieser Art, von der Firma L. Sobotta herrührend, wurde in der Versammlung vorgelesen. Darin wird dem Emp- fänger mitgeteilt, daß- auf Grund des Beschlusses der Arbeitgeber am 8. März sämtliche Arbeitnehmer vorläufig zu entlassen sind und der Empfänger deshalb entlassen werde. Sollte er einer Or- ganisation nicht angehören, so könne er ein dem Briefe angehängtes Schriftstück unterschreiben und wegen etwaiger Neueinstcllung der Firma übersenden. Dies Schriftstück lautet: „Ich bestätige, daß ich einer Organisation nicht angehöre und ersuche um Wiedcreinstellung zu den von mir bei der vorigen Einstellung unterschriebenen Bedingungen, wonach eine Kündi- gung ausgeschlossen ist." Andere Arbeitgeber haben, wie I a k o b e i t bemerkte, unter- schreiben lassen, daß die Arbeiter zu den Bedingungen des alten Tarifes weiter arbeiten wollen.— Die Arbeitgeber werden jetzt zu zeigen haben, wie weit sie in der Lage sind, dem Beschluß ihrer Or- ganisation nachzukommen. Herr K r u s e sagte in der Meistervcr- sammlnng, es fei gut, daß der siebenjährige Friede endlich be- endigt sei. Wenn die Meister nach lltägigem Kampf nicht unterlegen seien, dann sei der Kampf zu ihren Gunsten entschieden. Herr Kruse wies auch auf die Bewegung im Baugewerbe hin und sagte: Frieden gibt es in diesem Jahre im Baugewerbe nicht. — Diese Aeußerung— sagte I a k o b e i t— muß unterstrichen werden, denn Herr Kruse ist zweiter Vorsitzender des Arbeit- geberbundes für das Baugeiverbe. Wenn er in dem Augenblick, wo die Verhandlungen mit den Bauarbeitern kaum begonnen haben, schon sagt, es gibt keinen Frieden, dann muß doch die Verhandlung mit den Bauarbeitern nur eine Komödie sein. Zum Schluß betonte J a k o b e i t, daß die Arbeiter des Maler- gcwcrbcs in diesem Augenblick noch keinen Beschluß über ihre Taftik fassen können. Es muß erst abgewartet werden, wieweit die Unternehmer den Aussperrungsbcschluß durchführen. Tic- jenigen, die nicht ausgesperrt werden, arbeiten zunächst weiter. Freiwillig soll jetzt niemand die Arbeit niederlegen, damit den Unternehmern die Ausführung ihres Beschlusses nicht durch die Arbeiter erleichtert wird und sie nicht sagen könnten, die Aus- sperrung sei eine allgemeine. Am Montagvormittag findet in der „Neuen Welt" eine Versammlung der Ausgesperrten statt. Da wird der Umfang der Aussvcrrung festgestellt werden. Von dem Ergebnis der Festellung Wirt» es abhängen, welche Maßnahmen zu treffen sind. Den Revers, durch den sich die Kollegen als nicht- organisiert bekennen sollen, darf natürlich kein organisierter Kollege unterschreiben. Jeder soll der Wahrheit die Ehre geben und sich zu seiner Organisation bekennen. Von den Unorganisierten, soweit sie noch Ehre im Leibe haben, wird erwartet, daß auch sie nicht den Revers unterschreiben, wodurch sie sich den Unternehmern vor- kaufen, um Judasdienste an ihren Arbeitsbrüdern zu leisten. Es kommt jetzt darauf an, dem Verbände gegenüber strengste Ms- ziplin zu üben, einig und geschlossen zusammen zu stehen. Dann wird der Schlag, den die Unternehmer gegen die Arbeiterorgani- sation führen, mit Erfolg abgewehrt werden. In demselben Sinne sprachen die Referenten M i e tz in Kliems Saal in der Hasenheide und Klotz iin Pharussaal in der Müller- straße. Auch diese Säle ivaren bis zum äußersten gefüllt Ueberail herrschte vollkommenes Einverständnis mit den von den Referenten vorgetragenen Anschauungen. Unter anderem wurden einige Bei- spiele dafür angeführt, daß manche Unternehmer auf eigenartige Schiebungen verfallen sind, um die Folgen der Aussperrung von ihrem eigenen Geschäft abzuwenden. Diese Herren sperren zwar die bei ihnen beschäftigten Arbeiter aus, aber in einem Falle ist es der Geschäftsführer, im anderen Falle ein Verwandter des Gc- schäftsinhabers, der nunmehr die Arbeiten übernimmt und die Ausgesperrten auf seine Rechnung beschäftigt, too"wird also der Arbeitgeberverband von den eigenen Mitgliedern hinters Licht ge- führt."— Unter den Arbeitern herrscht dagegen vollkommene Soli- darität. In ruhiger Entschlossenheit sehen sie dem Kampfe entgegen. -* 'Veräntw. Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Im größten Teils unserer gestrigen Auflage teilten wir mit, daß den Gesellen folgender Revers vorgelegt worden sei: Verband der Malergeschäfte von Berlin und den Vororten.(E. B.) Geschäftsstelle: Süd-Oft 33, Pücklerstraße. Berlin, den 3. März 1013. Ter Malergehilfe— Anstreicher—(Vor- und Zuname, Ge- burtstag, Wohnung) erklärt hiermit, keiner Organisation an- zugehörcn, und verpflichtet sich, toährend der Dauer des Lohn- kampfcs weder die Malerorganisation, noch einzelne Mitglieder moralisch oder mit Geld zu unterstützen. Der Unterzeichnete er- klärt ferner, daß für das weitere Arbeitsverhältnis der bisher bestandene Lohntarif gültig sein soll. Insbesondere verzichtet er auf jegliche Kündigungsfrist. Der Verband der Malcrgeschäfte für Berlin und die Vororte verpflichtet sich, den unterzeichneten Gehilfen im Falle der Ar- beitslosigkcit bestmöglichst bei seinen Mitgliedern zu beschäftigen, solange der Gehilfe die vorbczcichncten Bestimmungen erfüllt. Nach Ablauf der Tarifstrcitigkeiten mit den Gehilsenorgani- saiionen und mit Abschluß eines neuen Tarifvertrages sollen dem unterzeichneten Gehilfen alle etwaigen Lohnerhöhungen nach- bezahlt lverde«. Tie Unterschrift unter diesen Revers ist von den Ge- festen— soweit die Unternehmer überhaupt wagten, ihn vor- zulegen— fast einhellig abgelehnt worden. Tiefe Hal- tung der Arbeiter dürfte auf dw Aussperrungswut der Meister recht abkühlend wirken. Sic haben sich die Sache offenbar leichter' gedacht.___ Berlin und Ömgegcnd. Zu dem Bericht über die Tarisbcwcgung der Holzarbeiter wird unS noch geschrieben: In bczug auf die Lohnerhöhung durch den Schiedsspruch ist im Bericht nur die Erhöhung der Stundenlöbne angegeben, nicht aber die Anwendung dieser Erhöhung auf die Akkordpreisc. Es muß dementsprechend heißen: Dem Schiedsspruch entspricht die Vertragsbcstimmung, daß die bestehenden Stunden- löbne am 1. März 1913 um 2 Pf., am 1. März 1914 um weitere 2 Pf. und am 1. Juli 1913 als Ausgleich für die Arbeitszeitver- kürzung um 1 Pf. erhöht werden. Die Akkordprcise werden am 1. März 1913 um 3 Proz., am 1. März 1914 um weitere 3 Proz., und am l. Juli 1915 als Ausgleich für die Verkürzung der Arbeits- zeit um IV2 Proz. erhöht werden. Tie allgemeine Lohnbewegung der Schuhmacher beendet. Die in Vcrbandsfabriken beschäftigten Schuhmacher und Schuhmacherinnen waren Freitag abend vollzählig versammelt, um endgültig Beschluß darüber zu fassen, ob man die von den Fabri- kanten gemachten Zugeständnisse annehmen oder im Wege des Kampfes mehr zu erreichen suchen will. Hamann ging noch- mals auf die bisher mit dem Untcrnehmerverband und den ein- zelncn Fabrikanten gepflogenen Verhandlungen näher ein. Das Ergebnis der Verhandlungen über die allgemeinen Forderungen ist genügend bekannt und hat sich nichts daran geändert. Der Untcrnehmernachwcis geht am 1. Oktober d. I. cm; geordnete Lohntarife werden in den Fabriken ausgehängt. Für Ueberstunden werden 10 Pf. Aufschlag gezahlt, doch gilt dies nur für die Be- triebe, in denen für Ueberstunden keine Eriracntschädigung gezahlt wurde. Wo schon mehr gezahlt wurde, bleiben selbstverständlich' die alten Sätze bestehen. In der Mindestlohn- sowie in der Furni- turenfrage ist nichts ereicht worden, da die Unternehmer an den Beschlüssen ihres Verbandstages festhielten. Mit den einzelnen Fabrikanten sind die Verhandlungen am Donnerstag beendet worden und haben die Arbeiter die ihnen gemachten Zugeständnisse angenommen. Wenn man jetzt— so betonte Hamann— die Frage zu entscheiden habe, ob die Zugeständnisse angenommen werden sollten oder ob man die Arbeit niederlegen wolle, so müsse man sich das Resultat der Verhandlungen noch einmal vor Augen führen. Man müsse ja sagen, daß die Zugeständnisse nicht im entferntesten einen Ausgleich für die allgemein eingetretene teure Lebenshaltung böten. Da die Wirtschaftslage jedoch sehr ungünstig sei, empfehle die Verbandsleituna, gegenwärtig von einem Streik Abstand zu nehmen und die Zugeständnisse anzunehmen. Man sei ein gut Stück weitergekommen und der Kampf sei immer eine ungewiße Waffe. In der folgenden längeren Diskussion forderten einige Redner die sofortige Arbeitsniederlegung, andere stimmten dem Vorschlag des Vorstandes zu. Was man jetzt nicht erreicht habe, müsse bei besseren Gelegenheiten erkämpft werden. An der geheimen Ab st i m m u n g beteiligten sich 666 Mit- glieder. 455 stimmten gegen und 200 für die sofortige Arbeits- niederlegung.>1 Stimmen waren ungültig. Das Resultat der Abstimmung wurde mit Rufen des Beifalls und der Entrüstung anfgenonimen. Die allgemeine Lohn- bewegung hat damit ihr Ende erreicht. Hamacher faßte das Resultat der Bewegung in einem begeisternden Schlußwort zusammen. Er wie? besonders daraus hin, daß man vor 13 Jahren zum ersten Male gegen den Unter- nehmernachweis in den Kampf gezogen sei. Heute sei der Nach- weis niedergezwungen worden. Man werde auch weitere Erfolge erzielen, wenn jeder unermüdlich für den weiteren Ausbau der Organisation Sorge trage._ Achtung, Tabakarbeiter! Die Fabrik von Bornkessel, >'W. Waldftr. 39 III, ist gesperrt. Als Arbeitswillige fungieren die Rollerin Straskowski aus der Koloniestraße und die Wickelinacherin P a u s i n ans der Dragonerstraße. Arbeiter, Raucher! Kauft nur dort Euren Bedarf an�Zigarren ein, wo das grime Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. liebt Solidarität! Ter Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Achtung, Fleischergesellen! Als Delegierte zum 6. Perbands- tag in Dresden find folgende Kollegen gewählt: Paul Berg- mann, Wilh. Schäfer, Paul I ä f ch k e, Alb. K ü b l e r und Max Rau. Als Ersatzmann ist gewählt Wilh. Rehberg. Zentralverband der Fleischer. Deutfehes Reich. Vom Kampf um das Koalitionsrecht im Fleischergewerbe. Tie Fleifchwarenfabrik von Andreas Ä 00 p mann in Zwischenahn gehörr zu jenen Wnrstfabriien, die ihren Gesellen und Arbeitern das Äoalitionsrecht verweigern und nur unorganisierte Gesellen einstellen. Braucht die Firma Arbeitskräfte, so bestellt sie auf dem Arbeitsnachweis ausdrücklich unorganisierte Gesellen. Da- bei setzt die Firma ihre Waren aber gern an organisierte Arbeiter ab, sie zählt zu ihren Abnehmern eine Reihe Konsumvereine und Geschäfte, die lediglich von Arbeitern in Anspruch genommen wer- den. Sie nimmt also gern das Geld von organisierten Arbeitern. Die Firma bat auch eine für diesen Zweck zugeschnittene Arbeits- ordnung. Es heißt darin:„Außer den in§ 123 der G.-O. aufge- führten Fällen können Arbeiter ohne Kündigung entlassen werde»: „Bei Aufreizung von. Mitarbeitern zum Ungehorsam, bei Ab- Haltung von Versammlungen in den Fabrikräumen und Höfen, bei Anzettelung und Unterstützung von irgenlj welcher gegen die Interessen der Fabriken gerichteten Bestrebungen." Es ist bezeichnend, daß der Fleischerverband den rückständigen Wurflfabrikanten erst das Koali-tionsrecht abringen muß, ehe er zur Verbesserung der traurigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse schreiten kann. Der Fleischerverband muß daher an die organi- sierte Arbeiterschaft immer wieder das Ersuchen stellen, ihn bei dem Kampfe gegen ein äußerst rückständiges Unternehmertum auf das wirksamste zu unterstützen. Ziegeleiarbeiter! Bei der Firma Georg Siealer, Dampf- Ziegelei, in HeidingSfeld bei Würzburg, sind die Arteiter zur Er- reichung einer Lohnerhöhung ausständig. Die Firma sucht Arbeits- willige. Zuzug ist fernzuhalten.__ 'Uh, Glocke. Berl.n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstals Auf den Pfaden der BreSlaner Justiz. Breslau, das durch seine außergewöhnlich harte» Urteile gegen die in der modernen Arbeiterbelvegung tätigen Genossen leider nur zu gut bekannt ist, scheint jetzt von der Justiz in Waldenburg überflügelt zuwerden. Am Mittwoch stand der Kolporteur der„Schlessschen Bergwacht" unld Vertrauensmann des Glasarbeiter- Verbandes, Genosse Heinrich Fuhrmann aus Weißstein vor der Waldenburger Strafkammer. Er soll den Glashüttenbesitzer Weih- rauch in Weißstein in einer Versammlungsrede und in Flugblättern gelegentlich der Lohnbewegung der Glasarbeiter beleidigt haben. Haupt bela st ungszeugen waren katholische Fach- abteiler und Kontorpersonal des angeblich Beleidigten. Obwohl sich die Zeugenaussagen gegenüberstanden und lein klares Bild ergaben von den Vorgängen die zin: Anklage geführt haben, der Angeklagte aber selbst ganz energisch besirit!, die ihm in den Mund gelegten Aeußerungen getan zu haben, beantragte der Ber- treter der objektivsten Behörde"der Welt doch nicht weniger als drei Btonate und zwei Wochen Gefängnis. Die Strafkammer ging über den Antrag des Staatsanwalls noch hinaus und erkannte auf eine Gesamtstrafe von vier Monaten Gefängnis. Der Schutz des Z 193 die Wahrung der berechtigten Interessen, wurde dem Angeklagten versagt. Die Strafkammer rechtfertigte das außergewöhnlich hohe Urteil mit folgender Begründung:„Der Angeklagte habe die Differenzen bei der Firma dazu benutzt, um Agitation für den sozialdemotrati- sehen Verband zu betreiben." Und trotz dieser Begründung wurde dem Verurteilten der Schutz des§ 193, die berechtigten Interessen, versagt? Hier wird das Reichsgericht unter allen Umständen das Urteil korrigieren müssen. Die Arbeiter der Wittener Gußstahlwerke sind zur Abwehr eines Akkordabzuges in den Streik getreten. Ter Versuch der Ar» bester, eine Verständigung mit den Werken herbeizuführen, Wot ohne Erfolg._ Auch-Kollegen.- Ende Januar beschäftigten sich etwa Dreiviertel der Gesamt- arbeiterschafl des Marinebelleidungsamts Wilhelmshaven in einer Betriebsversammlung mit einer Eingabe an den Vorstand, in der für alle Arbeirer ohne Verrechnung der Lohnklassen um eine Lohn- zulage, Bezahlung der gesetzlichen Feiertage und um Herabsetzung der Grenze zur Erlangung der höchsten Lohnilasse gebeten wurde. Auf die Eingabe durch den Arbeiterausschuß erfolgte die Antwort, daß zur Erfüllung dieser Forderungen keine Gelder vorhanden seien. Weil die Antwort des Vorstandes wieder in einer Betriebsversamm- lung in dem gleichen Lokale mitgeteilt werden sollte, fühlten sich einige„Kollegen" bewogen, gegen den Ausschuß, der doch nur im Äuftrage gehandelt halte. Front zu machen und dessen Auflösung zu verlangen. Hierüber lmn eS in der nächsten Ausschutzsitzung zu lebbasten Auseinandersetzungen, die auch dahin führten, daß die Auflösung des Ausschusses erfolgte. Bis auf ein Ausschußmitglied wurden jedoch alle übrigen mit großer Majorität wiedergewählt. Inzwischen war dem Vorstand des BelleidmigSamts bekannt ge- worden, daß daS Reichsmarineamt den erbetenen Lohnzu- lagen nicht ablehnend gegenübersteht und wurden sofort Unterlagen für die Festsetzung der Lohnklassen ermitlelt Dieser Tage fand nuir eine öffemliche Versammlung aller Bekleidungsamisarbeiter statt, in der das Verhalten der betreffenden Auchköllegen gebührend gekennzeichnet wurde, denn deren Wortführer hatte sich sogar nicht gescheut, dem Vorstand deS Bekleidungsamts mitzuteilen, daß die Arbeiter mit den, Vorgehen deS Arbeiterausschusses nicht einver- standen seien und dessen Anträge mißbilligten. Erreicht haben die Betreffenden mit ihrem Vorgehen nichts, denn der Versammlung konnte mitgeteilt werden, daß eine allgemeine Lohnzulage von 1—3 Ps. pro Stunde, rückwirkend vom 1. Februar d. I. ab, be- willigt fei. Zur Aussperrung in der Uniongießerei zu Königsberg. Die Direktion ist abermals in Verhandlungen getreten. Diese sind seit Mittwoch im Gange. Am Freitag nahm eine Versammlung der «lreikenden und Ansgesperrien Stellung zu den von der Direktion und der Kommission gemachten Einigungsvorschlägen. ES erscheint nicht ausgeschlossen, daß es in absehbarer Zeit zum Friedensschküß kommt. Durchbreckiende Einsicht'# Der„Bergknappe", das Organ des christlichen Gewcrkvercins 'der Bergarbeiter, versucht in seiner neusten Nummer den Berg- arbeitcrverband dafür verantwortlich zu machen, daß die Löhne im letzten Jahre nicht so gestiegen seien, als den Verhält- nissen entspräche und als es auch die Untcrnehulcrgcwinne ge- statteten. Auf die Beweisführung des„Bergknappen" für diese' Behauptung einzugehen, lohnt sich nicht, ebensowenig auf die Bc- hauptung, daß der böse Verband seit dem streik den unschuldigen Gemerkverein fortgesetzt auf das gröblichste und unverständigste bekämpfe.— Bemerkenswert ist, daß der„Bergknappe" einer Annäherung der beide it Verbände zu gemein- f a m e r Arbeit das Wort redet. Es heißt da u. a.: „Die Leitung des alten Verbandes muß doch Hussen, daß durch die Hetze gegen den Gewerkverein keine energische Lohn- bewegung angebahnt, sondern eine solche nur unmöglich gemacht wird.... Wir ersuchen die Verbandsleitung im Interesse der Arbeiter zur Umkehr. Tie Beamten des Verbandes �sind doch wohl nicht angestellt, um andere zu beschimpfen. Sic sollen sich doch beinüben, für die Arbeiter Verbesserungen zu erzielen. Wollen sie dies, müssen sie umkehren, müssen sie ihre Schimpfe- reicn einstellen, müssen sie mit dem Gewerkverein rechnen und diesen anständig behandeln.— Wir fordern die Verbandsleitung aus, zu zeigen, daß sie auch für die Arbeiter etwas tun will und ihren Kamps gegen uns einmal für ein halbes Jahr einzustellen. Das gemeinsame Interesse aller Arbeiter verlangt es." Tic Tatsachen werden hier geradezu auf den Kops gestellt. War es doch gerade der Gewerkverein, der den Verband im vorigen Jahre schon bei der ersten Vorbesprechung über eine einzuleitende Lohnbewegung auf das schärfste brüskierte. Das weitere Ver- halten der Christlichen ist ja noch in frischer Erinnerung. Wir sind überzeugt, daß es beim alten Verband am guten Willen nicht fehlen würde, wenn cö den Christlichen wirklich darum zu tun wäre, ihre Sünden, soweit das überhaupt möglich ist, gutzumachen. Im Interesse der Bergarbeiter wäre eine gemeinsame Arbeit sicher Vonnöten. Daß cS dem Gewerkverein mit seinen Wünschen auf eine Annäherung ernst ist, wird er allerdings erst auf irgendeine glaubhafte Art beweisen müssen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage. js Letzte Nachrichten. Immer noch ohne Antwort. London» 8. März. Wie das Reutersche Bureau erfährt, haben die Gesandtschaften der Balkanverbündcteten noch keine In- f 0 r m a t i 0 n e n von ihren Regierungen bezüglich der Bedingun- gen oder des Datums der Antwort auf die Mediaiionsvorschäge der Mächte erhalten, Zusammcllstöstc zwischen Albancrit und Serben. Frankfurt a. M., 8. März.(W. T. B.) Ter„Frankfurter Zeitung" wird aus Uesküb gemeldet: Reisende, die aus dem Innern dcö Landes eintrafen, berichtet? vost sehr blutigen Zu- s a m ni c n st ö ß e n zwischen der albanischen Bevölkerung urih serbischen Truppen. In der Umgebung von Äatschanit fanden Metzeleien statt, die einen größeren Umfang annahmen. Einzelheiten stehen zunächst nock aus.____ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hirrzu 5 Beila«e». |r.58. 30. Li««!. t. Keilllge des JOriÄ" Kerlilltt Pßlllüllllft. SrnUiAmm. Tölftifchc Bcgjeiftming. Bim bam, bim bam, Aört das Glockengebimmel! And seht des ÄurrapobelS Gewimmel!— Weil unsere Väter vor hundert Iahren So tapfer, so arm und entsagungsvoll waren, Weil sie ins Feld für die Freiheit gezogen, Am die sie dann schmählich wurden betrogen, And weil als Dank für ihr mutiges Fechten Fürsten und Junker uns heute noch knechten, Bringt man sich jetzt mit Trara und Bumbum Bald vor Jubel und Rührung um. Die dmqestaltunq der National- galerie. Ludwig I u st i veröffentlicht die beiden Denkschriften, durch die er den Ausbau der Nationalgalcric vor den ihm übergeordneten Behörden rechtfertigen mußt«. Eine dritte Dewkschrift, die sich mir der Zusammensetzung der Aniaufkommission befaßt, bliebt im Verborgenen, weil sie sich für die Ocffentlichkcit nicht eignet. Es bedarf keines absonderlichen Witzes, km zu spüren, daß die Ge- schichte dieser Denkschriften grotesk beleuchtet: wie in Preußen .»unftpolitik gemacht werden muß. Da ist ein Mann von ge- gründeter Sachkenntnis und sicherem Instinkt zum Direktor eines Museums der schönen Künste berufen worden; er findet in der ihm vertrauten Sammlung so viel Schlechtes und Unpassendes, daß er zunächst nur eine Sorge hat, die nämlich: den Ballast loszuwerden. Als vernünftiger Mensch würde man glauben, daß nichts leichter sei als solche Reinigung. Die beiden Denkschriften belehren uns über die Jrrgängc der Diplomatie, die dt, gegangen werden müssen und über den Aufwand an moralischen und patrio- tischen Begründungen, die zu geben sind, damit Gedanken, die jeder Sachkundige für selbstverständlich hält, gegen den passiven Widerstand einer bequemen Burcaukratie und gegen die neidende Aktivität eifernder Museumskollegen. und dummer, aber akademisch gestempelter Künstler durchgesetzt werden können. Wieviel Kraft mag in solchem Kampf des Verstehenden mit den Unberufenen Per- lorcn gehen; wir oft mögen die besten Geister durch die zähe Gleichgültigkeit beamteten Stuiupftinnes gelähmt werden. Iusti beginnt damit, die Unzulänglichkeit des Ge- bau des der Rationalgalcric nachzuweisen:„daß ein zu Museums- zwecken init außerordentlichen Kosten neugcsck�iffcnes Haus so wenig zweckmäßig ist, dürfte in der Welt ziemlich vereinzelt dastehen". Es war eben dieses Haus, als es 1865 errichtet wurde, nicht als Gemäldegalerie gedacht, wenn auch zum Museum bestimmt. Man halte die romantischen Pläne einer Tcmpclanlage als ein Erbe Friedrich Wilhelms IV. übernommen.„Eine moderne Gemälde- galerie und ein korinthischer Pcripteraltcmpel, das aber sind zwei durchaus unverträgliche Prinzipien." So unverträglich, daß es schlvcr hielt, den Bildern die notwendige Belichtung zu verschaffen. Ein großer Teil des Jnncirraumcs wird von dem Treppenhaus beansprucht, auch die beiden Corncliussäulen bringen starken Per- Inst, so daß für das Hängen der normalformatigen Bilder nur 5?9 Meter übrigbleiben. Die Niedrigkeit dieser Ziffer bekommt ihre rechte Bedeutung, wenn man weiß, daß die Kunsthalle in Hamburg schon heute 1880 Meter Bchangfläche besitzt und demnächst deren 4250 aufweisen wird. Bei solcher Begrenzung ist es doppelt not- wendig, das Auszuhängende scharf Au sichten. So haben alle Tirct- toren dieser Galerie dauernd gesiebt; das'Minderwertige fort- gebangen und nur das Gute gelassen. Auch Tschudi und Jnsti verfuhren so. Als Antwort bekamen sie lebhafte Beschiverdcn der| Tschin, tschin, Hurra, Hurra I ?ille Pateutpatrioten Sind zum Feste heut aufgeboten: Schutzleute rings an allen Enden, In Wichs Offiziere und Bierstudenten, Die der alten Burschenschaft Trachten .toeute gesinnungstüchtig verachten. Räte in Bratenrock und Zylinder, Professoren und Pastors nicht minder— Alle feiern korrekt und devot, Folgend ihres Äerrn Gebot. fortgchangcnen.Künstler und Beschimpfungen von deren Freunden. Dabei gingen diese Klagenden nicht immer gerade Wege und bc- mühten des öfteren böchsl unzuständige Stellen. Ein sehr un- gemütlicher Zustand, charakteristisch für den preußischen Absolutis- mutz. Ein besonderes Streitobjekt bilbcle die Sammlung Wagner. Das Vennächtnis dieser 262 Bilder gab den Anstoß zur Gründung der Natioualgalerie; nun meinten pietätvolle Auguren, es müßte diese Sammlung trotz der vielen schlechten Werke, die sie enthält, geschlossen und ewig ausgestellt bleiben. Mit Mühe gelang es diese Eifernden zu überzeugen, daß die Aus- lese die Qualität steigert, und daß es besser ist, es werden 75 gute und beachtenswerte Bilder der Wagnerschen Sammlung ge- zeigt, als ein Schwärm längst vergessener Gleichgültigkeiten. Das zweite Streitobjekt lieferten die Ausländer. Die Nationalwütigen schrieen, ivenn ein Franzose in die Galerie auf- genommen wurde; sie schienen nicht zu wissen, daß zum Beispiel in der Nationalgallcry zu London mehr fremdländische als englische Gemälde hängen. Sic standen ahnungslos vor der Tatsache, daß die Kunst vor den nationalen Grenzen verflucht wenig Respekt hatte. Sie belästigten Tschudi und wollten auch Jusli dem Joel, des unbedingten Tcutschtums Untertan machen. Sie schrieen und schreien und so ergibt sich, wie Jufti sagt:„die merkwürdige Erscheinung, daß sich nicht der mindeste Widerspruch regt, wenn für die Erwerbung b o t ok u dü scher Produkte ansehnliche Summen ausgegeben werden, daß dagegen den verantwortlichen Stellen große und oft unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht werden, wenn in Berlin Münchener oder in München Berliner Kunst gekauft wird oder gar ausländische." Run ist es mit diesem borussischcn Zauber auch vorbei und die Talare werden sich dabei beruhigen müssen, daß Jufti jährlich 10 ODO M. für ausländische Kunst zu Verfügung gestellt bekam. Die dritte Last, an der die Natioualgalerie zu tragen hatte, waren die Bilder, die mehr national als Kunst zu heißen sind, d i c S ch l a ch t c n b i l d e r, die Bildnisse von Generalen und Ordensrittern. Auch hier waren es wiederum die nationalen Hysteriker, die trompeteten, daß es wichtiger sei, die Nationalgalerie zu einer Lehrstättc der Kriegervereine als zu einem Organismus reiner Kunst zu machen. Demgegenüber sagt Justi: „In keiner europäischen Hauptstadt wird man in einer Kunst- sammlung ersten Ranges einen patriotischen oder Schlachtcnsaal finden, wie in unserer Nationalgalerie, auch nicht in Ländern, die auf ihre Armee ganz außerordentlich stolz sind." lind abermals gelang es dem neuen Direktor, der Vernunft zum Siege zu helfen. Es wurden die Schlachtcnbilder in das Zeughaus verfrachtet, und die Ehrenbildnisse gaben den Grundstock zu der, ncugegründeten Bildnisgalcrie, von der wir noch sprechen werden. Jedenfalls, es ist gelungen, die Rationalgalerie von allem, was nicht hincingehört zu reinigen. Nunmehr konnte Justi darangeben, den Rest des Be- standes, die Kunstwerke, neu zu hängen. Er schuf sich dazu, um> den Raummangel zu überwinden, etum 110 laufende Meter neuer Bchangfläche. Dadurch nämlich, daß er den pompösen Wandelgang im Untergeschoß zu den dort radial angeordneten Kabinetten hinzu- 1 Schnetterengteng, Plam, Plam! Bei der Trommel Gerassel Äuipft das Äerz der Äerrn M u g d a n und Cassel. Denn in dem vaterländischen Reigen Dürfen sie dem Monarchen ja zeigen, Wie treu sie steh'n zu Altar und zum Throne; Sicher wird ihnen ein Orden zum Lohne. Teilweis glauben sie an Moses und die Propheten, Aber heut' werden sie fromm lutherisch beten. Cassel nimmt— loyal voll und ganz Extra noch mit einen Rosenkranz! schlug. Wodurch zugleich der schlimme Ncbelftaud lwscitigt wurde. daß der in diese Kabinette Eintretende gegen das Licht sah. Nun- mehr läuft der Ilmgang an der Außenmaucr, unterhalb der Fenster; und nach innen öffnen sich die einzelnen Räume, deren Stirn- wände das Plus ergeben. So verschwand auch der völlig un- brauchbar gewesene Plastiksaal; und, was vielleicht noch wichtiger ist, es wurden die Pruukpfeilcr und all die andere Pracht, die den Bildern sich immer gefährlich erwiesen, ummantelt. Mau siebt: die Operationen griffen tief; sie halfen aber dazu, daß die Rationalgalerie nun endlich, was das Hans betrifft, einigermaßen brauchbar, was die Sammlung angeht, unbelastet von Kunststumpf- Helten das wurde, was solch ein Museum zu sein hat. Noch einige Wort über die neue BildniSßalerie. Ter llrgedantc, der sie rief, war nicht gerade erbaulich. Wir hörten bereits: zur Entlastung der Rationalgalerie vom Mittelmäßigen sollten die Generale und Ordensritter ausquartiert uvrden. Das war der Anfang. Was aber daraus wurde und noch mehr, ioas nach Juslis Plänen daraus"werden soll, kann recht amüsant und zu einem Teil nicht nur luttnrgeschichtlich, auch künstlerisch wertvoll sein. In seiner Tentschrift gibt Jusli eine psychologisch sehr interessante Begründung für die Notwendigkeit solch einer uaiionalen Porträtssammlung. Er macht dabei so etwas wie materialistische Kunstgeschichte; er zeigt nämlich, wie das Bildnis als Symbol der Macht wirkt, und wie die BildniSreihen, die Ahnengalcrien, die Siegesalleen, Monuincute der Herrschaft sind.„Es gäbe ein umfangreiches und interessantes Buch, wenn mau darstellen wollte, wie die aristokratischen Proirätscricn einerseits und die repräsen- tativcn Eiuzelmomentc andererseits im Laufe der Weltgeschich>c erscheinen und sich wandeln. Jy mannigfachster Weise kreuzt sich dabei die Entwickcluug der Kunst mit der Geschichte der Machtverhältnisse und der Formen, in die sich das Machtgcsiibl jeweils kleidet." Für solche Untersuchungen tvärc es zum Beispiel iirter- cffant zu wissen, daß, wie Justi, gleichfalls mitteilt, noch Friedrich der Große es abgetchnt hat, ein Monument für drei Zivilisten zu errichten. Und auch das wäre zu notieren, daß das Reiter- bildnis noch heute allein den Fürsten reserviert blieb. Kurz, es gäbe einen ganzen Schwärm kleiner episodenhafter Mosaiken zur Kulturbcwcrtung der Zeiten. Ganz so gründlich wird die neue Bildnisgalerie nicht verfahren; aber sie will doch immerhin ver- suchen den Grundsatz zu erfüllen, den ihr Justi mit auf den Weg gibt:„Die Nation ehrt dankbar ihre großen Männer und zugleich setzt sie sich selbst ein Monument ihres Alters, ihrer Kontinuität und ihrer Größe." Das hat gewiß seine Gefahren; es ist näm- lich nicht völlig gleichgültig, wer die Großheit der Männer, der Erwählten, bestimmt. Justis Diplomaiie verzichtet nicht auf eine leichte Kitzelung der aristokratischen Instinkte.(Er hatte eben Knnstvolitik zu machen.) Immerhin, nach dem, was man bisher von den Anfängen dieser Bildnisgalcrie zu Hören bekam, läßt iich eine gewisse Darstellung unserer kulturellen Entwicklung, soweit sie sich durch porträtierte Persönlichkeiten ausdrücken läßt, erwarten. So ist zu« einem guten Ende gekommen, nms als ein Akt der Notwehr begann. Robert Breuer. Reichstag l2S. Sitzung vom Sonnabend, den 5, Z�ärz, v o r m i l t a g s 11 II h r. Aul Bundcsratstisch: Dr. S o l f. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Lesung des Etatnotgesetzes Abg. Hause(Soz.): Namens meiner Frattion erkläre ich, daß wir gemäß unserer Haltung zum Gcsamtetat auch den vorliegenden Gesetzentwurf ablehnen. Das hindert uns aber nicht, die entschiedenste Kritik daran zu üben, daß die Etatberatung nicht bis Ostern zu Ende geführt worden ist. sLachcn rechts.) Die Behauptung, daß die so- genannte Biclredcrei im Reichstag daran schuld sei, wird glatt widerlegt durch die Tatsache, daß uns von der Budgetkominission bis zum Augenblick irgendein Beratungsstoff überhaupt nicht zu- gegangen ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Also die Verantwortung trifft die Regierung, die den Reichstag trotz unseres Protestes erst so spät einberufen hat.(Sehr wahr! bei den Sozial- dcinokratcn.) Ganz frei von Schuld zu sprechen ist allerdings auch der Reichstag nicht, der vor Weihnachten viel zu früh in die Ferien gegangen ist. Die Erfahrung beweist, daß im Mai keine besondere Lust mehr vorhanden ist, Weiler zu tagen, und daß dann Initiativ- anträge, Petitionen und die Regierungsvorlagen, die für das Volk Wert haben, einfach unter den Tisch fallen; der Reichstag wird geschlossen oder vertagt. Ta-Z in seinen Grundlagen völlig vcr- fehlte Diätcngcsetz bedarf dringend einer Umgestaltung lSchr wahr! bei den Sozialdemokraten), um die Abgeordneten über den Mai hinaus zusammenzuhalten. Wir erwarten ferner, daß der Reichstag in Zukunft ini Herbst einberufen und ihm sofort der Etat vorgelegt wird. lLebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sctcha(Polo: Nach Ablehnung der Ostmarkenzulage darf die Rcichsregicrung sie selbstverständlich den Beamten auch nicht auf Grund des Etatnotgescges zablen.> Zuruf bei den Eozialdemo- traten: Natürlich nicht!) Wenn kein Widerspruch von irgendeiner •seite erfolgt, darf ich dies wohl als Meinung des ganzen Reichs- tages feststellen. Damit schließt die Diskussion. Das Gesetz wird a n g c- n o m m c n. Es folgt der- Etat für Ostafrika Hierzu liegt eine Resolution der Kommission vor, die einen Nack)tragsetat mit einem ausreichenden Betrag zur Förderung der Baumwollkultur in den Schutzgebieten verlangt. Abg. Krätzig(Soz.): linser Standpunkt ist der einzig richtige, indem toir uns vor Schönfärberei und Ilcbertreibung hüte». Dr. S c m l e r freilich stellt es in maßloser Uebertreibung so dar, als ob die deutschen Spinnereiarbeiter gänzlich auf die Baumwolle aus unseren Ko- lonicn als Rohstoff angewiesen sind. Herr Erzbergcr wünschte, daß die Eingeborenen daran gewöhnt tverdcn, nicht mehr im A d a m s- k o st ü m herumzulaufen, damit der Absatz in Textilproduktcn größer werde, was auch fördernd aus die Baumwollproduktion wirken müsse. Diese Ausführungen berühren merkwürdig bei einem Be- fürworter der Zoll- und Teucrungspolitik, die die Arbeiter in unserem eigenen Lande dazu bringt, ihre Kinder immer weniger kleiden zu können, so daß unsere eigene Bevölkerung immer mehr dazu gezwungen�»vird, im Adamskostüm herumzulaufen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben stets vor der Des- vcradovolitik gclvarnt, die zu der Ausrottung der Eingeborenen geführt hat. Als wir das ausführten, sind wir beschimpft und ver- leumdet worden— ich erinnere nur an die Wahlen von 1907. Für die Baumwollknltur sind die Eingcborencnpflanznngcn weit wert- voller als die Plantagen. Kommt es doch vor. daß Leute solche Plantagen gründen, die von Landwirtschast keine Ahnung haben. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch fehlt es für die Plantagen an Arbeitern, zumal die Eingeborenen immer mehr erkennen, daß sie sich bei der Eigenkultur viel besser stehen. Tat- fache ist auch, daß die Baumwollpflanzungcn der Eingeborenen viel besser florieren. Verkrachte Baumwollplantagcn nachher auf Mosten der deutschen Steuerzahler zu retten, lehnen lvir grund- sätzlich ab. Von Herrn v. Liebert haben wir ja gehört, wie solche Plautagcngründungcn zustande kommen mit Hilfe von Schwindel- Projekten. Tie Produktion der Baumwolle in Amerika kann noch ganz enorm gesteigert werden.(Hört! hört!) Da ist es eine Utopie, daß wir mit unserer kolonialen Baumwolle jemals preis- vcstimmcnd auf den Weltmarkt werden wirken können. Ucbrigens iind die Eingeborenen mit ihren Bauuuoollkultnrcn auch genüg- famer als die dividcndenhungrigen Plantagen, sie werden daher inich bei sinkenden Preisen den Betrieb aufrecht erhalten tönneu, >vährend die Plantagcngescllschaften sofort nach Staatshilfe, nach ..Schutz der nationale» Arbeit" schreien werden.— Was die Rc- Rleines Feuilleton Der Ursprung des Chauvinisten. In diesen Tagen des über- bitzten Patriotismus, der in Deutschland wie in Zranlreich den Massen als höchste Sittlichkeit gepredigt wird, dürfte eS von Interesse sein, zu erfahren, ivohcr die für die aufgeregte Nationaleiielkeit so gerne gebrauchten Bezeichnungen„Chauvinismus" und„Chauvinist" stammen. Wie der„Gil BlaS" erzählt, gehen sie auf einen Soldaten de-5 ersteil Kaiserreiches, Nikolaus Chauvin ans Rochefort, zurück. Chauvin stellte sich nn Alter von 18 Jahren freiwillig. Er kostete das„Stahlbad" des Krieges mit besonderer Gründlichkeit aus. „Siebzehn Wunden, drei amputierte Finger, eine zerschnietterte Schulter, eine verstümmelte Stirn, ein Ehrensäbel, ein rotes Ordens- band und MV Fr. Pension" verzeichnet sein Biograph als Ergebnis dieser Heldenlanfbahn. Nachher wurde Chauvin von der Seepräsektur seiner Heimatstadt als Torwart angestellt. Aber sein Patriotenhcrz war nock, immer nicht zur Ruhe gekommen. AIS Bonaparte am Ende der 199 Tage nach Rochefort kam, um von dort nach der kleinen Insel Air und dann nach St. Helena gebracht zu werde», war Chauvin nicht dazu zu bringe», die Tür, hinter der der Ge- bictcr schlief, zu Verlasien. Und als er sein Ende herannahen fühlte, ließ er ein Leichentuch aus allen französischen Fahnen anfertigen und sprach die erhabenen Worte:„Ich iverde darin krepieren." Und so geschah's._ In die Nationalfahne gehüllt, wurde er begraben. Seither nennen die Franzose» Leute seines Schlages„Chauvin", an ivclches Wort die Deutschen unnötigerweise' in ihrer Suitit, Kategorien zu schaffen, die Endung„ist" angehängt haben. Die Nachfahren des Chauvin aber haben weniger das Bedürfnis, in der Nationalfahne ihr Hcldenleben auszuhauchen und ziehen es vor. die Proletarierinassen in©tabt_ und Land unter dem Steuerdruck ausgehungert„krepieren" zu lassen. Lcderers Heiue-Tcnkuial für Hamburg ist, wie in der„Kunst- chronik" mitgeteilt wird, soeben fertiggestellt worden. Der Dichter erscheint hier stehend im Biedermeierkostüm; das rechte Bein ist lässig über das linke gekreuzt, so daß die rechte Fußspitze den Boden berührt. Die kokette Grazie, die in dieser Stellung lesie angedeutet ist, wird noch mehr in der Haltung� der Arme betont: wie auf einigen berühmten Heine-Bildnissen hält die linke Hand den Kopf, während der linke Ellenbogen von dem rechten Arm gestützt wird; dieser ist quer über den Oberkörper gelegt, und die zarte, fein- gegliederte Hand ruht auf dem Glockenrock. Jenr wltsame Mischung anS romantischem Träumen und moderner Skepsis, die Heines Wesen bezeichnet, beseelt das rassige Gesicht, daS ebenio wie die Gestalt sehr fein empfunden ist. Tie gcnrehaften Züge des Ganzen dürfieit bei der Ausführung zugunsten eines großen monitmentaleu Eindrucks noch zurücktreten. Die Figur und' der kleine Sockel, auf dem sie steht, werden in Bronze ausgeführt, ivährend der massive Uni-rbau aus Muschelkalk sein wird. solution anlangt, so machen wir uferlose Antreibereien der Regierung nicht mit. Kommt die Regierung mit einer Vorläge, so ivcrdcn wir sie prüfen. Dann noch eins: Man hat die Erwartung ausgesprochen, daß der deutsche Baumwollarbciter monatlich einen Tage- lohn opfern werde, um die Baninwolltultur zu heben. Diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Ter deutsche Banmwollarvcitcr hat mit der Sorge um das nackte Leben bei unserer Teuerung und bei seinen niedrigen Löhnen zu kämpfen. Mag der christliche Tcxtilarbeitcrverband Beiträge zum kolonialwirtichastlichen Komitee zahlen; dieses Komitee dient doch nur kapitalistischen Interessen. Der Deutsche TcxtilarbcAcrvcrband kann nicht Mittel für die För- derung der Baumwollknltur zur Verfügung stellen. Tie von ihm aufgebrachten Beiträge der Arbeiter haben einen anderen Zweck: die traurigen Verhältnisse der Arbeiter in Teutschland zu vcr- bessern.(Bravo! bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Schiffer(Z.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu der Resolution. Der Vorredner hat uns unsere Wirtschaftspolitik zum Vorwurf gemacht. Die Verantwortung dafür tragen wir gern. Würden nach den: Vorschlag der«oziatdcmokratcn die� Zölle aus Textilwaren ausgehoben, so wäre das Elend unter den Textil- arbcitcrn noch viel größer. Abg. Dr. Paaschc(natl.): Wird die Bapmwollkultur in Amerika noch ausgedehnt, so wird auch die Textilindustrie dort zunehmen, und dann ist die Zukunft für unsere Textilindustrie sehr traurig. Deshalb liegt es auch im Interesse der Arbeiter, die Baumwoll- kultur in unseren Kolonien zu fördern. Auch die Sozialdemokraten sollten dafür eintreten, zumal alles, was wir fordern, auf eine Förderung der Eingcboreitenkullur hinausgeht. Staatssekretär Dr. Solf: Der Aufgaben der Baumwollkultur werde ich meine Aufmerksamkeit widmen, auch gegen das Votum der Sozialdemokraten. Abg. v. Böhlenvarsf-Kölpin: Wir lassen uns die Zuvcrncht nicht nehmen, daß wir mit unserer Baumwollkultur mit der Zeit gute Erfolgs erzielen werden. Tic Angriffe auf das Kolonialwirtschaft- lichc tRmitee, dessen Mitglied ich bin(Aha! bei den eozialdemo- kraten), weise ich auf das entschiedenste zurück. Abg. Gvthein �Bp.) tritt für echisfbarmachung des Rufiji- Flusses ein. Abg. Krätzig(Soz.) betont, es habe ihm ferngelegen, die Herren des Kolonialwirtschaftlichcn Komitees persönlich atizugretfen; nur dürfe seine Tätigkeit nicht auf Kosten der deutschen Steuerzahler erfolgen. Staatssekretär Dr. Solf: Ter Unterlauf des Rufiji ist bereits schiftbar geworden, weitere Mittel zu seiner �chiffbarmachung sind ausgeworfen. Avg. Dr. Arendt(Rp.): Ich bin überzeugt, daß die Entwickc- lung in den Kolonien so fortschreiten wird, daß, wie schon die Frei- finnigen, so schließlich auch die Sozialdemokraten ihren Kampf gegen Windmühlenflügcl aufgeben werden. Abg. Krätzig(Soz.): Die Ausfübrungen des Vorredners beruhten auf der falschen Boraussetzuug. daß wir überhaupt nichts für die Baumwollkultur bewilligen wollen. Ich habe demgegenüber zu erklären, daß wir für die im Etat zu diesem Zwecke geforderte Summe stimmen werden.(Hört! hört!) Wir lehnen nur die Resolution ab, weil wir nicht wissen, wie die da geforderten Mittel verwandt werden sollen. Dainit schließt die Diskussion. Die Resolution wird a n g c- nommen, desgleichen zwei Resolutionen der Budgetkommisston, die sich gegen den Arbeitszwang für die Eingeborenen aussprechen und im nächstjährigen Etat größere Mittel zpm Bau und zur Unterhaltung von Hospitälern für Eingeborene fordern. Abg. Dr. Paaschc(natl.) wünscht systematische Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und des Altoholismus unter den Einge- borcncn.(Bravo!) Ein schwarzer Lehrer in Togo berichtet, daß die jungen Leute dort die Trinksitten der Europäer nachahmen.(Hört! hört!) Die weihe Bevölkerung sollte als Vorbild der Enthaltsamkeit vorangehen.(Bravo!) Staatssekretär Tr. Salt: Tie Syphilis herrscht nur in einem Teile von Ostasrika. Den Alkoholismus versuche» wir natürlich den Leuten abzugewöhnen, aber die alkoholischen Getränke sind nicht erst durch die Europäer nach Ostasrika gekommen. Ter Reit des Etats wird angenommen, es folgt der Etat für Kamerun. Hierzu liegt eine Resolution der Budgetkommission vor, die für Rcu-Kamerun die Errichtung von Eingcborcncn-Rcservatcn und die Sicherung der Handelsfreiheit deutscher Kaufleute fordert. Abg. Dr. Brabänd(Vp.): Ncu-Kamerun ist ja nicht gerade ein Paradies, ober die ungünstige Meinung, die zur Zeit des Marokko-Abkomincns über Neu-Kamerun allgcinein verbreitet war, war nicht zutreffend. Es handelt sich jetzt darum, das Gebiet aus- zuschließen. Abg. Dr. Paaschc(nall.): Tr. Weill hat uns gestern die Aus- beutung des Gebietes durch französische Kotizcssionsgcscllschaftcn geschildert und aus den Verhandlungen der französischen Gesell- Theater. Neue Freie Volksbühne(im Neuen Volktzthcatcr). Nach Artur Fitgers einst viel gespielter historischer Tragödie„D i e Hexe" schrieb Martba Vogt eine in ein schlesisajes Dorf von heute vertegte. Das Milieu verlangte Tialektsproche, die ja durch Gcrhart Hauptmann literarisches Heimatrccht erworben hat. In seinen Dramen und dann in seinem Jmmanuel-Quint-Roman hat er uns aber auch genügend mit dem Wesen seiner Landsleute ver- traut gemacht. Wir unterstellen deshalb die von Martha Vogt ge- gcbenen Menschen- und örtlichen Zustandsschilderungen als wahr; nicht bloß, weil die„Unschuld vom Lande" überhaupt, sondern weil die in Schlesien im besonderen ein Storchcnmärchen ist. Licderjahne, wie der zum Vagabund heruntergctommcne Gustav Gierig, brutale Wciberschändcr und selbst vor verbrecherischen Gewaltötitteln nicht zurückschreckende Egoisten, wie der alte Großbauer Hübner und lein söhn Lorenz, sind typisch für die Baucrnmoral. Lorenz ist nun gar eilt ausgemachtes Scheusal. Zwei Töchter der Bäuerin Schalaster hat er unglücklich gemacht. Das Lorc'I. von der fein illegitimer Sohn Heinrich herstammt, ertränkte sich, nnb Mcia, durch Abtreibungen um ihre Kinder„bcschnminclt", läuft, blöd- her auch, daß die siebzigjährige Artnenhäuslerin Tinc eine Hexe ist. llnd doch ist sie nur eine mitleidige Seele, bei der alle ver- liebten, freilich auch alle um Gesundheit, Ehre und Lebcnshoff- nungen betrogene Mädchen Rat. Warnung und Trost suchen. Tine ist aber auch eine Wissende. Sie kennt die verbrecherischen Ge- lüfte des Lorenz Hübner zu genau. Er hat seinen Haß auf sie ge- warfen; er stempelt sie zur Hexe— und die Dörfler glauben das, weil es der reiche Großbauer so haben will. Infolge der Drang- salicrungen wird Tine allmählich vervittcrter. Und als sie aus Betreiben des Hübncr sogar als Diebin beschuldigt und aus dein Dorf in eine Watdhüttc vertriebe» wird, da kriegt das Rachegefühl in ihr die Oberhand. In der irrsinnigen Meta findet sie die Rächerin. Die legt Feuer an Hübners Haus, und beide Kerle verbrennen darin. Jetzt weiß Tine allerdings, daß sie sich ihr Schick. sal, als richtige Hexe zu sterben,� besiegelt hat. Bevor die Dörfler eS tun, verbrennt sie sich gemeinsam mit Mcia in der Hütte. Neben große» Vorzügen weist die Tragödie größere Mängel auf. Die dramatische Schlagkraft der Handlung wird durch monotone Breitspurigkeit beeinträchtigt. Alles Spintisieren, namentlich im Schlußakt, müßte heraus. Die fünf Akte auf drei zusammen- gezogen— uitd es gäbe eine gute Dorftragödie. Die Regie hatte für einen stimmungsvollen Rahmen gesorgt. Die Aufführung war in allen Teilen gut vorbereitet. Agnes Wcrncr-Wagner als Tinc, Grete Bäck(Hanne) gaben Ausgezeichnetes. e. lc. Musik. „Nach Ätno drängt, am Kino hängt doch alles— oder wie man eben den alten Satz vom Golde verändern will! So baut sich denn schaften mit der Gesellschaft Süd-Kamerun, die vor der Erwerbung von Neu-Kamerun stattfanden, den Schluß gezogen, daß die Re- gierung und Dr. S e m l e r die Konzcssionsgcsellschaftcn bcgün- stigen. Das ist ganz irrig. Alle Parteien im Hause haben keinen: Zweifel darüber gelassen, daß sie nicht die Schlafkrankheit, sondern: die Konzcssioitsgcscllschasten als schlimmste Erbschaft in Neu- Kamerun übernommen bat. Es ist auch ganz unzulässig, einem Abgeordneten seine Tätigkeit in seinem Privatbcrus zum Vortourf zu machen. Dr. S c m l e r hat an den Verhandlungen als Advokat teilgenommen. Wenn in den Zeitungen dabei alle seine Titel auf-- gezählt werden, auch seine Eigenschaft als Abgeordneter, so ist das etwas, dem sich niemand von uns entziehen kann. Dem Lob des Vorredners über Neu-Kamerun kann ich nicht ganz zustimmen, avcr jedenfalls müssen wir weiter arbeiten. Staatssekretär Dr. Solf: Herr Dr. Weill hat in seiner sorg- fältig präparierten Rede folgende Thesen aufgestellt: zunächst die, daß das Konzesstonssystem schlecht ist. Das ist die Ansicht aller Parteien im Hanse und auch der Regierung. Wir haben auch die berechtigte Hoffnung, daß die Konzessionsgesellschaften in Reu» Kamerun zusammenschrumpfen werden. Die zweite These war, die Reu-Kameruner Gesellschaften haben das Land im Interesse weniger Kapitalisten ausgebeutet und verwüstet. In bczug hierauf muß ich den Gesellschaften die Beantwortung überlassen. Falls die Ge- sellschafteu uns ein solches Gesicht zeigen werden, haben wir Mittel und Wege, das nicht aufkommen zu lassen, wir haben die Kongo-- akte, wir hgpen unsere Gesetze, und wir haben die Lastcnhcftc der Gesellschaften selbst. Sic können sich daraus verlassen, daß wir die Gesellschaften ganz genau kontrollieren werden. Deshalb bin ich auch mit der dritten These Tr. Wcills nicht ein- verstanden, nämlich, daß wir die Gesellschaften Ncu-Kamcruns mit allen Mitteln bekäinpfen müssen. Nein, bekämpfen kann ich die Gesellschaften nicht, daran hindert micli die Vertrags» treue gegen Frankrcicki, wohl aber kann und werde ich sie kon- trollicren. Herr Dr. Weill zweifelt daran, daß die Regierung alles tun werde, um die Konzessionsgesellschaften nicht zu stärken, und verust sich darauf, daß kurz vor der Erwerbung. Neu-Kameruns der Botschaftsrat von der Lancken im Gemeinschaft mit Dr. Seniler: Maßnahmen getroffen habe, um die KonzessionsgescUschaftcu zu: stärken. Ganz im Gegerneil müssen wir Herrn Tr. Seniler für seine dabei entfaltete Tätigkeit dankbar sein. Es bestanden Grenz- schwicrigkeitcn zwischen der Süd-Kameruner Gesellschaft und der großen Konzcssionsgcsellschaft in Nen-Komcrun. Da lag es doch selbstverständlich im Interesse unserer Verwaltung, daß wir bei diesen hnbequcmcn Grenzstreitigkcitcn es nicht mit Verhandlungen von Regierung zu Regierung zu tun hatten, und es>var deshalb sehr erfreulich, daß Herr Tr. Semlcr sich in den Dienst dieser Vcr» Handlungen zwischen den Gesellschaften gestellt hat. Daß der Bot- schaftsrat von der Lancken dabei private Interessen verfolgt hat, muß ich ebenso zurückweisen, wie der Abg. Semler für seine Person. — Der Redner sucht weiter im einzelnen zu widerlegen, daß Maß-- nahmen der Regierung die Stellung der Konzessionsgesellschaften gestärkt hätten. Abg. Crzbcrgcr lZ.): Die Erklärung, die der Herr Staats» sckrctär über die Bekämpfung des Alkoholismus abgegeben bat, genügt uns nicht. Wir müssen alles tun, um den Alkohol von den tropischen Kolonien fernzuhalten;, die Alkoholzölle müssen wesent- lich erhöht werden.— Die Konzessionsgesellschaften haben iuft seit jeher entschieden bekämpft. Als Herr S c m I c r seinerzeit an Stelle des verstorbenen Rcchtsantvalts Scharlach in die Gesellschaft Süd» Kamerun eintrat, hat er die damaligen Kommissionsmitglieder ge» fragt, ob wir meinten, daß er trotzdem das. Referat in der Kom« Mission beibehalten könne. Ich habe ihm damals gesagt, da» wäre seine ureigenste G c w i s s c n s f r a g c.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Er hat dann das Referat über den Etat von Kamerun niedergelegt und nur noch über andere Etats referiert. Das war also für das Haus nichts Neues. Etwas anderes wäre es. wenn der Abg. Weill auch nur den Versuch gemacht hätte, zu beweisen, daß Herr Semler seine Eigenschaft als Berichterstatter des Kolonialamtcs mißbraucht hätte zu seinen persönlichen Bc- reickerungszwecken. Ee sagte nur, das könnte einmal eintreten. Natürlich, das kann bei jedem Abgeordiicten eintreten, auch bei sozialdemokratischen Arbeitcrsckretären; wenn die hier stunden- lange Reden über irgendeine bestimmte Frage halten und die dann in ihrem Blatt abdrucken, so sparen sie sich einen Leitartilel. (Rufe: Au! a»! bei dcn'Soziatdcmokratcit.) Das ist doch dasselbe, als wenn Steinarbeiter oder Metallarbeiter hier ausführlich ihre Berussfragen erörtern.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Weill(Soz.): Ich habe schon gestern Wert daraus gelegt, daß die theoretisch« Entschlossenheit zum Kampfe gegen den vorherrschenden Einfluß und die Mißbräuche der Konzessionsgesellschaften widerlegt, ist nicht nur in der Denkschrift der Regierung selbst, sondern auch in ihrer Stellung, die sie in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart zu den Konzeftioiisgesellschaftcit eingenommen hat. Ich habe ganz unwiderlegliche Beweise dafür beigebracht. auf einer sogenannten Filmide: auch die neue Vaudcville-Operctie aus, die am Freitag im Theater am N o l l e n d o r f p l a tz ausgeführt wurde:..Extra zu g n a ck, Nizza". Tic Librcttisten — natürlich sind es zwei— machen uns mit einem Filutfabrik- inhaber bekannt, der einen Eisenbabnzug fürs Kino verwerten will und dazu die berühmteste Kinospielcrin engagiert. Da sie aber ihren Geliebten als den Schtviegerjohn des Fabrikanten wiederfindet. brennt sie zum Karneval in Nizza durch. Der Alte ihr nach; ordnet an, daß sie heimlich aufgenommen werden; amüsiert sich, während das geschieht mit ihr; anderen Amüsementpärchcn geht es ebenso; zuletzt ftnden alle sich selbst bei der Filmprobc vcr- raten und haben einander nichts vorzuwerfen. Soll maus glauben, daß der Komponist des„Extrazuges" einer unserer ernstesten Tonkünstler ist. der Schöpfer der wert- vollen musikalischen Tragödie„Der polnische Jude", Karl Weis? Also auch von da der Schritt hinab zum Tageseffekt! lind der Text bietet gar nicht einmal Gelegenheit zu einer„dramattschen Operette", lediglich zu lyrischen Stückchen,( wich aber wird die Musik in einer zwar unscheiubarcu, doch vornehmen sind zugleich kraftvoll charakteristischen Weise gerecht. Rur wenig ließ lich der Komponist durch den Zwang unterkriegen, für Tanzspäße, be: denen es darauf ankommt, mit Ivclchcn Sprüngen oder Per- drehungcn die Tanzenden zuletzt hinaushopsen, den Mustkaffeit zu machen. Kaum, daß mau sich an den Typus,„neuester Operetten- musik erinnert fühlt! Schmiegsam umfangen die Orchesterinstru- mente die szenische Situation; nichts Forciertes stört; melodiös. wenn auch nicht mit stark produktiven Themen, fliegen Gesang und Orchcstcrspicl dahin., Das Theater besitzt an Max ��',5 f"1 Fritzi M a s s a r y zwei erste Lieblinge des Bcrmicr Publikums, die eine solche Stellung auch tatsächlich durch chre eigenwüchsige Komik rechtfertigen, an Karl Psann cincit�zuverlaotgen Operettentenor und an Susanne Bachrich eine Sängerin und Spielerin, der man immer wieder die Ehre einer Operntatigkeit wünschen möchte. Und die Posscnlacher kommen diesmal erst recht auf ihre Rechnung._ sz. Notizen. — Duncan-Ga st spiel in der Kurfür st enop er. Jsadora Duncan führt am Montag und Mittwock, Tänze von Chopin. Schubert und Brahins vor. Am Freitag findet eine Aufführung des„Orpheus statt. An den drei Abenden wirkt die Duiican-Slbule auS Darmstadt mit. — Gorkis Rucklehr nach Rußland? Wie verlautet, wird von der Amnestie, mit der das Roinanuw-Jubiläum auffrisiert wird, auch(Äorki detrosfen. Ob er aber davon Gebrauch machen wird, steht»och dahin. — Die Leitung des New?) o r t c r D c u t, ch c n Theaters übernabin der frühere Berliner Hoftchauspicler Rudolf Christians, der in den letzten Jahren nur gastierte, an Stelle des verstorbenen Direktors Baumfeld. daß die Taten der Regierung mit ihrer theoretischen Antipathie gegen die Gesellschaften in Widerspruch stehen. Es ist mir auch nicht eingefallen, dem Botschaftsrat Frhr. von der Lancken irgendwie den Vorwurf zu machen oder nur anzudeuten, als hätte er persönliche Interessen bei den Verhandlungen über die Bahn von Tualla»ach dem Äongo vertreten. Was mich interessierte, war nur der Hinweis, daß von diesen Verhandlungen, deren End- erfolg die Stärkung der Konzessionsgesellschaften sein mußte, der Beauftragte der deutschen Regierung in Paris akliv dauernd Anteil genommen hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In diesem Zusammenhange hat der Staatssekretär dem Abg. Tr. S e m l e r noch seinen besonderen Tank ausgesprochen, daß dieser sich damals so rege— ich hätte beinahe den Ausdruck cnoarte,— f o uneigennützig(Hitcrkeit) daran beteiligt hätte. Es hat sich aber nicht darum gehandelt, Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, denen die deutsche Regierung begegnet loäre im Augen- blick der Neuerwerbung jenes Gebietes. Ticsc Verhandlungen baben ja lange vorher stattgefunden, che von dieser Neuerwerbung überhaupt die Rede lvar,'(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es handelte sich vielmehr um reine Privatbetriebe, die mit irgendeiner Absicht der deutschen Regierung politische Schwic- rigkeiicn aus dem Wege zu räumen, nicht das mindeste zu tun hatten. (Hört! hört!» Und da meinen wir, ist es nicht Sache des Botschafts- rats v. d. Lancken in Paris, an solchen Unterhandlungen tcilzu- nehmen, die daraus hinauslaufen mußten, das Regime der Kon- zeifionsgesellschaften zu stärken und einigen besonders cinflutz- reichen Teilhabern der betreffenden Gesellschaft die Taschen z u füllen. Alsojts hat sich nicht ctiva um eine vaterländische Tat des Herrn Dr.«emlcr gehandelt. Daß die Verhandlungen mit der Ngoko Shanga-Gcsellschaft, an denen Herr Tr. Scmlcr beteiligt war, dazu führen mußte, die Stellung der beteiligten Konzcssionsgcscll- fchaft zu stärken, bat der Hauptmacher jener Aktion, der Geschäfts- freund des Tr. Scinler, Andre Tardieur, Auslandspolitiker des ..Tcmps", in einem Buche ausführlich dargelegt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraien.) Tic Debatte war doch wohl nicht so über- flüssig, wie Herr Poaschc gestern zu meinen schien. Er hat uns doch heute wieder delcbrcn wollen, in welchem Rahmen eine solche Debatte zulässig ist Wir brauchen, darüber keine Vorschriften und brauchen uns insbesondere, wenn es sich um die Beurteilung einer A u f s i ch t s r a t s p o l i t i k handelt. Herr» Paaschc� nicht als Präzcptor aufdrängen zu lassen.(Sehr gut! bei den Sozialdcmo- kratcn.) Wir lassen uns lediglich von unserer Pflicht und unserem Gewissen leiten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Und ich glaube, daß die Debatte auch in bczug auf die dabei meistgenannte Persönlichkeit nicht ganz ohne Einwirkung und Bedeutung gewesen ist. Herr Erzbcrgcr hat zum Beweise dafür, daß die wirklich sehr umfangreiche private Beschäftigung des Herrn Semler mit kolonialen Interessen sich vertrage mit dem Referat für das Rcichskolonialamt, exemplifiziert auf die parlamentarische Betätigung von Gewerkschaftsvertretern. Zunächst halte ich diesen Vergleich zwischen Vertretern von Erwcrbsgcscllschaftcn und Vertretern von idealen Gemeinschaften für absolut unmöglich. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen habe ich Herrn Tr. Semler gar nicht das Recht bestritten, in Fragen, die ibn persönlich interessieren, hier aufzutreten. Es wird sicher auch in Zukunft für den Reichstag großes Interesse haben, aus dem Munde des Abg. Tr. Semler zu erfahren, welches Interesse eine Kolonialgesellschaft an einer bestimmten Frage hat.(sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich� habe lediglich nachgewiesen, daß die Eigenschaft des Abg. Tr.«cmlcr als Referent des Etats des RcichskolonialamtS gedient hat zu seiner Empfehlung für gewisse ge- schäftliche Transaktionen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese Ausnützung seiner parlanientarifchclck Eigenschaft z» Gc- schäftszwccken kann nicht bestritten werden, mag sie von ihni oder von anderen ausgehen.(Zurnf rechts: Tarauf konimt es an! Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Und wenn Herr Scmlcr so uneigennützig sein will, trotz dieser peinlichen Situation, das Rcierat zu behalten, so hat der Reichstag die Pflicht, ihn davor zu bclvahrcn. Wir als Vertreter der sozialdemokratischen Bcvölkc- rung werden es stets für unsere wichtigste Pflicht halten, in die Zu- fammen hänge zwischen Politik und Finanzkapital hineinzuleuchten. (Lebhafter Beifall bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Tr. Arendt(Rp.): Wir bedauern auch, daß diese Gesell- schaften vorhanden sind, aber das kann uns nicht dazu führen, über wohlerlvorbcue Rechte zur Tagesordnung.überzugehen.— Was Herrn Scmlcr anlangt, so kann man ihm nicht zum Vorwurf machen, daß von ausländischen Gesellschaften seine Eigenschaft als Referent des Kolonialetats inS Feld geführt worden ist.— Redner tritt des weiteren für den Ausbau der Bahnen in Kamerun ein. Abg. Ledebour(Soz.): Herr Semler leider nicht nur, wie mein Freund Weill über- zeugend nachgewiesen hat. an einer bedauerlichen Farben- blindhcit auf dem Gebiete der politischen Moral.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Präsident Tr. Kaempf: Ich kann eine derartige Beleidigung unmöglich ungerügi lasse». Abg. Ledebour(fortfahrend): Er leidet auch an einer bedauer- Itchcn Gedächtnisschwäche, wenn er es so darstellt, als ob wir ihn ganz plötzlich wegen dieser Dinge angriffen. Tie Ange- lcgenheit hat uns vielmehr feit Iahren und noch unmittelbar vorher tu der Budgetkommiffioll beschäftigt. Herr Dr. Semler behauptete auch, er habe, als ihm der Posten als Berichterstatter angetragen wurde, sich an verschiedene Herren, u. a. an Erzbergcr gewendet, und die hätten ihm gesagt, er könne das ruhig tun. Aus dem Munde Erzbergers haben wir heule gehört, daß er ihm etwas ganz anderes gesagt hat, nämlich, er habe das mit seinem eigenen Gewissen abzumachen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In allen Siadlvcrordnctcnvcrsammlungcn verlaugt man auf Grund der Städteordnung, daß Stadtverordnete, die an einer örlverbsgescll- schast interessiert sind, hinausgehen, wenn Fragen zur Sprache kommen, die die Interessen dieser Gesellschaft berühren. Nun könnte man fragen, warum wir das jetzt wieder vorbringen. In der Budgcttommlssion ist Tr. Scmlcr für den Ausbau einer Bahn- linie bis zu dem Hafen, den wir durch das Marolkoabkommen er- halten haben, eingetreten, u. a. mit der Motivierung, der Verkehr vom oberen Kongo könnte dadurch abgefangen und durch das deutsche Gebiet geleitet werden. Ich habe das Widersinnige dieser Motivierung dargelegt. Eine Wirkung hätte der von Scmlcr befürwortete Eiscnbahnbau allerdings gehabt: die Bahn hätte das Gebiet der cudkamcrungcscllschafl durchschnitten und so der Gesellschaft natürlich einen kolossalen Vorteil gebracht.(Hört! bört! bei den �oziaidcinokratcn.) Scmlcr sucht also seine Stellung als .( vy tag-'uvgcordnctcr auszuiuitzcn zu Maßregeln, die seiner Ge- ic.hchaft zugute kommen und zlvar mit Gründen, deren Widersinnig- kcit er selbst ciiisicbt.(Hort! hört! bei den«ozialdemokvatcn.) Das schlimme ist, daß diese Gesellschaften auch einen großen Einfluß auf die(bcglerungsbeamten ausüben können. Daß ein Äussichts- ratsmirglied cincr solchen Gesellschaft im Parlament seinen Ein- flutz gar als Referent für diese Gesellschaft geltend machen kann. vertragt jich nicht mit unseren Begriffen von politischer Moral. Mögen Sie nun Dr. Semler ganz oder halb decken, wir Sozial- dcmokraten iverdcn die Haltung Semlers und feiner Freunde bei jeder Gelegenheit an den Pranger stellen und dafür sorgen, daß die öfscnitichc Meinung uns zu Hilfe kommt und diese Äuftichtsrats- Politik im deutschen Reichstag unmöglich macht(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Diskussion schließt. Die Resolution der Kommission wird a n g c n o m ni e». Der Etat wird nach den Beschlüssen der Kommission ange- n o m m e n, desgleichen der Etat für T o o o. Es folgt der Etat für Südwest Afrika. Hierzu liegt eine Resolution der Kommission vor. im nächst- jäbrigcn Etat die Stärke der Schutztruppa zu verrinaern. eine Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclcpp, Neükölln�Für�e»' 1 zweite Resolution, in Zukilnft die Kosten für Landcspolizer und Schutztrupvc einheitlich nach einem im Etatsgcsetz festzusetzenden Verhältnis auf Reick und Schutzgebiete zu verteilen, und clne dritte Resolution, die nach Kamerun verbannten Hottentotteii in ihre Heimat zurilcktehren zu lassen und dort ihren früheren Lebens- gewohnheiten gemäß anzusiedeln. Abg. Dr. Qucsscl(Soz.): In der Generaldebatte tvnrdc mein Name mehrfach genannt. Dr. Solf wollte sich auf einen Artikel von mir in den..«ozia- listischen Monatsheften" nicht berufen, um mir nicht zu schaden, wie er sagte. Ich bcdaurc das, denn diese Anführung hätte nicht mir, sondern ihm geschadet. Ich führe darin aus, daß bis in den Anfang des lS. Iahrbunderts hinein der landwirtschaftliche Groß- betrieb in den Kolonien überall zur Versklavung der Eingeborenen geführt hat. Ich sage, ivir müßten uns damit abfinden, wenn die tropischen Produkte auf andere Weise nicht zu erhalten waren. Ich beweise dann aber gerade, daß das nicht nötig ist, sondern daß in der tropischen Landivirtschaft der Kleinbetrieb sehr lcistiings- fähig ist.— Herr Erzbcrgcr wünschte mich als ersten Redner meiner Fraktion beim Kolonialetat zu hören. Nun, ich gehöre nicht zu denen, die lieber selbst reden, als andere reden hören. Ilebri- gcns bin ich mit meinem Parteifreund Henke vollständig einver- standen in der Beurteilung der Eingeborenen- und Plantagen- Politik. Möglickerweisc kann die Viehzucht der Kolonie eine Zu- fünft gewähren. Wenn wir freilich die Ocffnung der Grenze n für südwestafrikanisches Fleisch fordern, klingt das den Herren rechts sehr unangenehm in die Ohren. Bei der Vorstellung, es könnten in Südwestafrika 300 000 Schlachtochsen erzeugt werden, fliegt die koloniale Begeisterung des Asphaltagraricrs Ocrtcl aus Berlin\V. zum RcdaktionSfenster hinaus.(Sehr gut! bei den So- ztaldemokraten.) Als der Schrei der Not durch ganz Teutschland ertönte, gab Graf Könitz den südafrikanischen Pflanzern den Rat, ihr Vieh nach dein zollfreien England zu verkaufen. Jahrzehnte- lang hat also das deutsche Volt uugehcurc Opfer gebracht, damit die Engländer billiges Fleisch bekommen. iSebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. v. Böhlendorff-Kölpin hat den süd- westafrikanischcn Farmern geraten, die Rindvichzncht ganz aufzu- geben, um der deutschen Landwirtschaft nicht zu schaden. Taö können die Farmer natürlich nicht tun; aber man muß ihnen Ab- satzgebiete für ihr Vieh schaffen. Ein Krebsschaden sind die Hcimatsbcurlaubungen, die unseren Etat in unerhörter Weise belasten. Dabei hat Dcutsch-Südwest- afrita ein Klima, das es auch einem Nordeuropäcr ermöglicht, dort dauernd tätig zu sein, abgesehen von einigen wenigen Gc- bieten. Nur die Herren Beamten glauben ihrer Gesundheit schuldig zu sein, alle drei Jahre einen Heimatsurlaub von mehreren Monaten zu nehmen. Wenn durchaus keine Krankheit vorliegt, so stellt sich„Tropennervosität'' ein. Diese Urlaube kosten riesige Summen. So hat Herr v. Schuckmann allein 22 000 M. Reise- bcihilfe erhalten. Im Gegensatz dazu sind die Löhne der Ar- bciter in Teutsch-Südwcst für die dortigen Tcuerungsvcr- hältnisse äußerst niedrig. Dazu kommt, daß die großen Gesell- schaften farbige Lohndrücker, Kaisern usw. heranziehen.— Mein Freund Moste bat den Fall vorgebracht, daß ein tkjährigcr Neger, der ein fünfjähriges Mädchen vergewaltigt hatte, dafür zu acht Jabrcn Gefängnis verurteilt worden sein soll. Nun soll aber, veranlaßt durch den Rassenhaß, der daraufhin aufflaminte, der Gouverneur Dr. Seitz das Urteil kassiert haben und in dem neuen Verfahren soll der Neger zum Tode verurteilt worden sein. Sollte dies Urteil vollstreckt worden sein, so wäre das ein Akt der s ch ä n d- l i ch st c n Lynchjustiz, der noch dadurch empörender würde, daß er sich in die Formen des Rechts gekleidet hätte.— Tie Lage der Hereros soll eine tieftraurige sein, Geschlechtskraniheiten. und Skorbut wüten fürchterlich unter ihnen. Diesen Uebcrlebendcn einer grausamen Ausrottungsstrategic muß geholfen lverden. Die Hererostämme gehören zu den intelligentesten und fleißigsten Negern in ganz Südafrika. Wir dürfen nicht ruhig zusehen, wie die letzten Neste der unserer Obhut anvertrauten Volksstämmc vcr- kommen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Gouverneur Dr. Seih: Der Vorredner hat gesagt, ich hätte als Gouverneur das Urteil gegen den farbigen Verbrecher ausgehoben, um ein Todesurteil herbeizuführen. Ich habe allerdings das erste Urteil nicht bestätigt, aber nur weil die erste Verhandlung keine genügende Klarheit über den Tatbestand gab. Ich habe den Fall an das Gericht zurückverwiesen. Es steht jetzt fest, daß ein etwa löjährigcr Neger ein öjähriges weißes Kind vergewaltigt und mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hat.— TaS Gericht hat daraufhin ein Todesurteil ausgesprochen und ich habe es dann umgewandelt in lOjährige Gefängnisstrafe. Abg. Hoch(Soz.): Bei neuen Verträgen können wir Berücksichtigung des dcui- schen Diamantenhandels und der deutschen Diamantcniirdustrie verlangen. TaS hat der Staatssekretär auch zugestanden. Uebcr die. Art, wie das zu erreichen ist, gehen die Ansichten frcitich ausein- ander. Tic Regierung will ihre alte Schablone des Schutzzolls und der Liebesgaben anwenden. Damit könnte man vielleicht eine nicht leistungsfähige Industrie fördern, nicht aber eine so leistungsfähige wie die deutsche Diamantenschlciferei. Diese braucht nur die Lieferung guter Steine. Man soll in dieser Frage nicht nur auf die Grotzkapitalisten hören, sondern auch aus die Arbeiter, dann wird das Kolonialamt auch nicht so planmäßig von dem Syndikat getäuscht werden können, wie es früher geschehen ist. Staatssekretär Dr. Solf: Wir haben bei dem neuen Ab- kommen für die Arbeiter ebensowohl gesorgt wie für den Handel. Wir haben ja auch die Schleiferschule in Hanau errichtet. Aber wir können das Syndikat nicht zwingen, den Schleifern Brot zu geben. Abg. Hoch(Soz.): Alles, was erreicht ist, die Erhöhung der Tarife, überhaupt die Gesundung des deutschen DiamantenhandelS, ist doch nur erreicht worden auf Grund unserer Anregungen und der unserer Sachver- ständigen. Abg. Dr. Quessel(Soz.): Tic weißen Arbeiter in Südwest verlangen durchaus nicht. daß die eingeborenen Farbigen von der Arbeit ausgeschlossen wer- den, sondern sie protestieren dagegen, daß von großen Gesellschaften landfremde Kaskern als L o h n d r n ck c r. bcrangezogcn werden. Ter Etat wird bewilligt. Es folgt der Etat für Neu Guinea. Abg. Schöpflin(Soz.): Der Herr Staatssekretär ha: sich erfreulicherweise in der Kam- Mission für das Verbot des Abschießen? der Paradiesvögel aus- gesprochen: wir erwarten, daß er sich nicht bestimmen lassen wird, dies Verbot irgendwie abzuschwächen.(Brabol bei den Sozial« demokraten.) Der Etat wird bewilligt. Der Etat für Samoa wird debattelos angenommen. Bei dem dann folgenden Etat'Für Kiautschou tritt Abg. Dr. Heckscher(Vp.) für die deutsche Hochschule in Tsingtau ein. Abg. Racken(Z.) weist auf die günstige Entlvickelung des 'Schutzgebietes hin und betont die Notwendigkeit, das Bahnnetz in der Kolonie auszubauen. Staatssekretär v. Tirpitz: Dringend notwendig wäre die Er- richtung eines Hüttenwerks in Tsingtau. Abg. Schopftin(Soz.): Eine Erhöhung der Besatzung halten wir nicht für noiwcndig. Mit S00 Mann Infanterie kann man da drüben keine besonderen Erfolge erzielen. Da? könnte höchstens zu Konflikten führen. "gujercttenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Der Etat wird nach den Beschlüssen der Kommission an« g e n o m in c n.> Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Mittwoch, den 2. April, nachmittags 2 Uhr(Antrag Ablaß(Bp.)s betr. Verbot der Erweiterung von Familienfideikommissen, Pcti-- tioncn).' Präs. Kaempf: Ehe ich die heutige Sitzung schließe, fühle ich mich gedrungen, den Gedenktagen, die demnächst hegangcn werden, einige Worte zu widmen.(Tic Abgeordneten, mit Ausnahme der SoZtaldcmoIratcn. erheben sich.) Tic Erinnerung an jene glor- reiche Zeit vor>00 Jahren gilt der Gesetzgebung von Stein und Hardenberg und Friedrich Wilhelm III., die das Volk innerlich befreit und zu großen Leistungen befähigt haben; sie gilt dein Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht ans Grund des �charnhorsifchen Gc- dankcns des LoltShccres; sie gilt dem begeisternden Aufruf„An mein Volk und au mein Äriegshccr": sie gilt der CPferfreudigkeit und dem Opfermut, den zu jener Zeit Alt und Jung, Arm und Reich betätigt haben: sie gilt dem ersten Anfflammen des deutschen Gedankens. Und wenn von diesem ersten Aufflammen bis zur Er- richtung des Deutschen Reichs der Weg bart und dornenvoll war, so steht das eine fest, daß wir alle nunmehr endgültig leben unter dein schivarz-lvciß- roten Banner, das uns beschützt. Angesichts dieser Tage scicct das Deutsche Reick zusammen mit dem preußi- scheu Volk und dessen König treulick die Gedenktage an den großen Beginn der staatlichen Erneuerung an den ersten Völkerfrühling in Teutschland.(Bravo!) Indem ich Ihnen alle» ein frohes Osterfest wünsche, schließe ich die Sitzung. Schluß: 7(1 Uhr.___ ölocben-Spielplan der Berliner Cbeater. Konigl. Opernhaus. Somitagmittag 12 Uhr: Sinfonie» Matinee. Abends: Sinfonlckonzert. Montag: 1812.(Ansang 8 Uhr) Dienttag: Elettra.(Ansang»Uhr.) Mittwoch: Manon. DoimerStag:«Udo. Freitag: Die Hugciwtlcn. Somiabcnd: Tristan und Isolde.(Anfang 7 Uhr.) Sonn- tag: Der fliegende Holländer. Montag: Mndama Buitcrsly.(Anfang ~ Köiiigi. Schauspielhaus. Sonntag:.Geschkoiim Montag: Figaros Hochzeit. Dienstag: Ariadue aus NaxvS. Mittwoch: Wallcnsleins Lager. Die Piecolomiiii. Donnerstag: Ariadne aus Noxos. Freitag: �ic Iour- nalisten. Somiabeild: Wallcnsteins Tod. Sonnlag: Ariadne auf Naxos. Montag: Der gehörnte Siegfried. Siegsrieds Tod.(Anfang 7'/, Uhr.) Teutfchcs Opernhaus. Sonntagnachmittag ll Uhr: Der Waffen- tchmied. Abends: Der Freischüh. Montag: Ticiland. Dienstag: Der Waffenschmied. Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: Der Waffenschmied. Freitag; Der Freischütz. Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag: Figaros Hochzeit. Montag: Der Freischütz.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: Faust. 2. Teil.(Ansang 6'/, Uhr.) Dienstag: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Der blaue Bogel. Donnerstag bis Montag: Der lebende Leichnam. (Ansang 7'/, Uhr.) r Kanniiersvielc. Sonntag: Schöne Frauen. Montag: Bürger Schiphel. Dienstag: Schöne Frauen. Mittwoch: Mein Freund Teddy. Donnerstag: Büraer Schippe!. Freitag und Sonnabend: Schöne(Frauen. Sonntag: Bürger Schipvcl. Montag: Schöne Frauen.(Ansang 8 Uhr.) Leffina-Theater. Sorintagiiachmittag ll Uhr: Die Weber. Abends: Die Erziehung zur Ehe. Tod und Leben. Montag: Der Biberpelz. Dienstag: Die Erziehung zur Ehe. Tod uud Leben. Mittwoch: John Gabriel Borlman. DvirnerStag: Die Erziehung zur Ehe. Tod und Leben. Freitag: Rose Bernd. Sonnabend: Die Stützen der Gcsellschast. rsonntag: Die Erziehung zur Ehe. Tod und Leben. Montag: John Gabriel Borkman. (Ansaiig 8 Uhr.).. Berliner Theater. Somttagnachmlttag 8 Uhr: Groge Rosinen. Allabendlich: FUmzaubcr.(Anlang 8 Uhr.) Mittwochnachmiltag 8 Uhr: Pension Schöller. Soniiabeiidnachmittag 8 Uhr: PhilotoS. Der zerbrochene Jtrug. Kleines Theater. Soniilagnachmittag 3 Uhr: Uud das Licht scheinet in der Finsternis. Allabendlich: Prosesjor Bernhard!.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Q. Sonntagnachmiitag iMlhr: DaS Konzert. Abends und Montag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Dienstag: Der Andere. Mittwoch: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. DolmerS- tag: Woltcnlratzcr. Freitag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Somlabend: Wilbclm Tcll. Sonntag und Montag: Die Reife durch Berlin in 80 Stunden.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater iLharlottendurg. Souniagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends und Montag: GtzgcS und sein Rlng. DicuStag: Die Kinder der Exzellenz. Mittwoch: GngeS und seil» Ring. Donnerstag: Der Andere. Freitag: Uriel Rcofta. Sonnabend: Der Andere. Sonntag: Ghgcs und sein Ring. Montag: Uriel Acosta.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Prcciosa. Allabendlich: Pariser Lust.(Ansang LH« Uhr.) Theater in der Königgriiffer Straffe. Sonntag: Macbeth. Mon- tag: Brand. Dienstag: Die süns Franlsurter. Mittwoch und Donnerstag: Macbeth Freitag: Brand. Somlabend und Sonntag: Macbeth.(Ansang ?>/, Uhr.) Montag: Die süns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolks-Thcatcr. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Seiden. Abends: Der Raub der Sabincrinnen. Montag: ftelden. Dienslaä: Dle Wildente. Mittwoch: Die Hexe. Donnerstag: Die Wildente. Freitag: Helden. Sonnabend: Die Hexe. Sonntag: Die Wildente.(Ansang 8>/, Uhr.) » Luftipielliaus. Svniitagnachlmttag 3 Uhr: Rein aller Herr. All- abendlich: Majolika.(Aniang 81/, Uhr.)_ ttomodtcnhaus. Solilltagnachnnttag 3 Uhr:-ras Stiftungsfest Allabendlich: Der Schönhcitssalon.(Anfang 8 Uhr.) gkefidenz Theater. Sonniagnachmiltag 3 Uhr: Prinzeneiziehung. Allabendlich: Die Frau Präsidentin.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonnlag: Der gutsitzende Frack. Montag: Erste Warnulig. Der Stärkere. Debet mid Kredit. Dienstag: Der gute Ruf. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Der gutsitzende Frack. Sonnabend: Der oute Ruf. Sonntag: Der gutsitzelldc Frack. Montag: Erste Warnung. Der Stärkere. Debet und Kredit.(.Ansang 8 llhr.) Trianon-Theater. Somtiagnachinittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Allabendlich: Wenn Frauen reisen.(Ansang 8 Uhr.) Montis Operetten-Theater. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Derffdele Bauer,«lllabeudlich: Der Zigenuerprinias.( Anfang 8 Uhr.) Theater an, NollcndorfPlaN. Sonniagnachmiltag 3>/, Uhr: Orpheus in der Uutcrivell. Die schöne Helena. Allabendlich: Extrazug nach Nizza. (Ansang 8 Uhr.) Kursürsteil-Oper. Eonniagnachmittag 3 Uhr: Der Frrischiltz. Abends: Rigoletto. Montag: Isadora Dunean. Dienstag: Tosca. Mittwoch: Ijadora Duiican. Donnerstag: Der Kuhreigen. Freitag: Isadora Duncon. Sonnabend: Der Troubadour. Sonntag: Tosca. Montag: Der Kuh« reizen.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonlilagnachmittag 3'/« Uhr: Der Frauen- sresser. Allabendlich: Die decken Hilsareil.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonnlagiiachinitiag 3 Uhr: Mein Leopold. Abends: Der Weg zum.ftimmcl. Montag: Die bezähmte Widerspenstige. Dienstag: Der Weg zum Himmel. Mittwoch: Die bezähmte Widerspenstige. Donners' tag bis Montag; Verlassene Frauen.(Anfang 8 Uhr.) LuifeN'Theater. Sonntagnachimltag 3 Uhr: Und hätte der Liehe nicht... Abends bis Sonnabend: Im wunderschönen Monat Mai. Sonntag und Montag: Vor 100 Jahren.(Ansang 8 Uhr.) Easino Theater. Sonniagnachmittag 4 Uhr: Der Heimatlose. All- abendlich: ArturS Flitterwochen.(Ansang 8 Uhr.)/ Herrufeld- Theater. Zlllabendlich: Die Schonzcit-Iäger. Licbcsprobc. (Ansang 8 Uhr.) Metrspol-Theater. Somttagnachmiltag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Die Klno-Königin.(Ansang 7'/, Uhr.) Theater Groff-Bcrliu. Sonntag: Lord Piccolo. Allabendlich: DaS Fürstenkind.(Anfang 8 Uhr.) Uranka-Theater. Allabendlich:..Hohcnzollern'-Fahrten.(Ansang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang S Uhr.) Reichshallcn-Thcater. Allabendlich: Raichens Verlobung.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7>/. Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Des Löwen Erwachen. Flohs Seiten« sprünge.(Aniang 8'/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Köiligstadi-Kaslno. Täglich: Spczialiiäten.(Ansang 8 Mr.) Passagc-Theatcr. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Speztalitätin. All- abendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Avallo-Theaeer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich 8 Uhr: Die schöne cialathee und Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Parole Walhalla.(Ansang 8'/« Uhr.)_ Luchdruckeret u. BerlagSanstalt Paul Singer a. Co., Berlin S% ä) Q.lDertPieim(i / e'' o. tJerfancT-<&■» r«. �_ O.rru.d.�C.\ leipziger Str. a Reifung cXon{g-5tr. AosenldaXer?)tr, Oraniea-§rr Extra- Preise PUTZ-AUSSTELLUNG Diese Woche eCcm'iXerte.©xmieri-"TTute Straussfeder-Platten 1 teil, weiss, schwarz, farbig 2 teilig ""2.10 2.25 4.25 Mod.Straussgesteck neueFormen, farbig A TC CT CTA weiss, schwarz.. SMmm in neuen J kleinen und mittelgrossen Fassons Stroh-Zackengeflecht« farbig............. Z.50 Echtes Pedalgeflecht« farbig............. Z.80 Feines Picotgeflecht o farbig............. 3.50 Echt Tagal a, schwarz und farbig.. 1.25� 0.75 Tagallor bester Tagalersatz, O 7r O-rn schwarz..... 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Dr. Liebknecht(Soz.): Das wesentliche an meiner Rede war, daß Arbeitergenossen- schaften mit der Zentralkasse in keiner Verbindung stehen, und das ist unbestreitbar und kommt sowohl von dem Geist, in dem die Zentralkasse verwaltet wird, als davon, daß die Arbeiterorganisa- tionen solche Hilfe gar nicht mehr brauchen und wollen. Wissen möchte ich aber, ob die Leitung der Preuhcnkasse ganz in dem gc- wohnten Regierungsgeist abgeneigt ist, sich mit den Konsum- genosscnschaften in Verbindung zu setzen. Mein Verlangen nach einer Statistik hat der Präsident mihvcrstanden, ich verlangte eine Statistik über die Art der Genosscnschaften und die soziale Lage der Genossenschafter, um daraus die Bedeutung der Genossenschaften in der Zusammenfassung der heute zersplitterten wirtschaftlichen Kräfte in der künftigen weiteren Entwickclung unserer Wirtschafts- Verhältnisse zu erkennen. Die Sozialdemokratie hat stets erklärt, daß, wenn dem Mittelstand überhaupt geholfen werden kann, die genossenschaftliche Zusammenfassung das geeignete Mittel ist. Wir haben also nichts gegen eine Förderung der Mittelstandsgenossen- schaften, ich habe nur den Gegensatz dieser Förderung zu der Behandlung der Arbeitergenossenschaften fcstge- stellt und habe an dem Wachstum der Genossenschaften dargelegt, wie dem heutigen Privatkapitalismus der Sozialismus bereits in den Gliedern sitzt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Etat wird bewilligt. ES folgt die zweite Lesung des Gesetzes über die Ausnutzung der oberen Weser zur Elektrizitätsgewinnung. Abg. Leinert(Soz.) führt aus, daß das in der Kommission einstimmig angenommene Gesetz mit einer Kapitalserhöhung von 9 auf 10l4 Millionen Mark ausgestattet worden, weitere Landkreise einbezogen und die Vcr- Handlungen mit den Städten Göttingen und Kassel vor dem Ab- schlutz seien, was auch im Interesse der Rentabilität des Werkes notwenöig sei. Es müsse aber vorgebeugt werden, daß die Land- kreise nicht etwa aus der Sache eine Erwerbsquelle machen, der gemeinnützige Charakter des Werks muß erhalten bleiben, und nur weil wir das Gesetz in diesem Sinne als ein gemeinnütziges bc- trachten, stimmen wir dafür.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Nachdem noch weitere Redner ihre Zustimmung erklärt haben, wird das.Gesetz angenommen. Das Ausgrabungsgrsetz bestimmt, daß Ausgrabungen von Gegenständen von kulturgeschicht- licher Bedeutung nur in der Weise erfolgen dürfen, daß das öffent- liche Interesse an der Förderung der Wissenschaft und Denkmals- pflege nicht beeinträchtigt wird. Abg. v. Pappenbeim(k.) beantragt Absetzung, da die Bedenken der Konservativen noch zu groß seien.— Der Antrag wird von allen anderen Parteien bekämpft und schließlich abgelehnt. Kultusminister v. Trott zu Solz bcmiiht sich, die Bedenken zu zerstreuen, daß das Gesetz zu sehr in das Privateigentum eingreift. Es will nur bei wesentlicher Gefährdung des allgemeinen Jnter- esses eingreifen. Abg. v. Gosler(k.) äußert Eigcntumsbedenken, Abg. Viereck ifk.) fordert für Eigentumsbeschränkung vollen Schadenersatz und Abg. Eickhoff(Vp.) Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeutung von Ausgrabungen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) begrüßt das Gesetz, wenn es auch nicht genug umfassend sei. Nicht der Regierungspräsident, sondern eine Kunstdcputation sollte ent- scheidende Behörde sein, um den Burcaukratismus einzudämmen. Derjenige, dem ein wertvolles Ausgrabungsobjckt zufällig zuteil wird, sollte vom Gesetz nur als Verwahrer angesehen werden. Die Ablieferungspflicht sollte überall da vorgeschrieben sein, wo der aus- gegrabene Gegenstand, auch wenn seine Erhaltung nicht gefährdet ist, doch für die Kunst und Wissenschaft von Wert ist. Der Redner kritisiert dann noch juristische Unklarheiten des Gesetzes und wünscht, daß es in der Kommission besser gestaltet werde. Das Gesetz geht an die verstärkte Justizkommission. Die Reform des Polizcivcrordnungsrechts. Es handelt sich um die bekannten Anträge Schiffer(natl.) Tic Kommission hat sie dahin gefaßt, daß alle Personen, die ein be- rechtigtes Interesse daran haben, beim Obcrvcrwaltungsgcricht auf Rcchtsungültigkeit einer Polizcivcrordnung klagen können, die Klage soll nur auf llnvereinbarkeit mit geltenden Reichs- und Landcsgesetzen, auf Unzuständigkeit der verordnenden Behörde oder auch Formfehler gestützt werden können. Polizeiverordnungen sollen nach 80 Jahren erlöschen, jedoch nicht vor dem 31. Dezember 1920. In allen schriftlichen Verfügungen, Bescheiden usw. soll eine Rcchtsmittelbelehrung enthalten sein. Abg. Dr. Schröck(fk.) wendet sich gegen die Hauptanträgc, weil das der Anfang einer planvollen, unheilvollen Anfechtung aller Maßnahmen der öffentlichen Gewalt sein würde. Das würde alle Rechtsordnung untergraben. Abg. Böhmer(k.) lehnt die Anträge ebenfalls ab, zum Teil aus denselben Gründen. Abg. Schiffer-Magdeburg(natl.) verweist auf das unerträg- liche Ucbermaß und die Verworrenheit unserer Gesetze und Verord- nungcn. Ein Ministerialerlaß vom 9. Februar 1912 erkennt das vUm an- Nach meiner Erfahrung(der Redner ist Mitglied r? �h�berwaltungsgerichts) ist es dringend notwendig, den massenhaft aufgehäuften Schutt wegzuräumen. Das Erlöschen der Verordnungen nach dreißig Jahren soll Unruhe bringen? Besser Kirchhofsruhe.(Zustimmung links.) Abg. �-r. Bell(Z.); Fz handelt sich hier keineswegs um grund- stürzende Aendcrungen in unserer Gesetzgebung, und wir stimmen daher zu. Abg. Dr. Ehlers(Vp.): Von 72 Handelskammern haben 71 die Notwendigkeit der Anträge Schiffer anerkannt. Also das Bedürfnis kann nicht bestritten werden. Hoffentlich erwärmt fich die Regierung nun auch für diesen Gegenstand, für den die Interessenten so ins Feuer geraten sind.(Heiterkeit und Beifall links.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Wir sollten doch nicht allzu optimistisch sein.»Um Herrn Schiffer dor spateren schweren Erschütterungen seines seelischen Gleichgewichtes zu bewahren, möchte ich ihm doch gewisse Zweifel einimpfen, ob die Königlich preußische Regierung seinen revolu- tionären Anträgen Rechnung tragen wird. Der Optimismus ist in diesem Fall wenig angebracht, obwohl das, ivas angestrebt wird. von einer Regierung im Handumdrehen gemacht wer- den könnte, wenn üc»"r den M u t des energischen Zugreisens hat. Nun hat die Regierung diesen Mut, aber nicht bei Dingen, die modern anmuten. Wir werden ja sehen, ob die Schneidigkeit des Ministeriums des Innern, die sich so oft gegen die Arbeiter zeigt, sich auch bei dieser Gelegenheit zeigen wird. Wir würden dann gern die Regierung loben. Wir haben förmlich das Bedürfnis danach, es einmal zu tun, denn es ist ja nicht gerade amüsant, immer nur zu kritisieren. Der Minister hat angeordnet, daß die Polizeiverordnungcn auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt sein sollen. Nach unseren Erfahrungen ist in dieser Beziehung Hopfen und Malz verloren, denn die Reglementierungssucht bis in alle Kleinigkeiten hinein ist eine alte Regierungsmaximc in Preußen. Die preußische Polizei und Verwaltung vermag sich nicht mit der Selbständigkeit und Selbsttätigkeit der„Untertanen" abzufinden. So lange sie den Bürger nicht als mündig ansehen werden, wird es auch so bleiben. Wenn der Typus und das Ideal unseres preußischen Polizei- geistcs, der Herr v. I a g o w in Berlin, an einem Tag keine Polizeiverordnung erlassen hat, so hält er den Tag für verloren. Bis in die subtilsten Angelegenheiten des tägliHn Lebens er- strecken sich seine Verordnungen. Zu der schon sehr kleinlichen Straßenpolizeiverordnung hat er noch eine ganz besonders aus- führlichc Erläuterung gegeben, in welchem Winkel man über die Straße gehen und wie man den Kopf halten soll. Es fehlte nur, daß er angeordnet hätte, daß man dabei die Finger an der Hosennaht zu halten hat.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.— Abg. Hoffmann: Weil das selbstverständlich ist!— Lebhafte Heiterkeit.) Jagow regiert aus dem Herzen der Herrschenden heraus, sein Geist bedeutet das gerade Gegenteil von der Anordnung des Ministers und von den Anträgen Schiffers. Den Gipfel stellen wohl die Sonntagsheiligungsverordnungen dar. Mit ihren K a u t s ch u k b c st i m in u n g e n ist eine fortgesetzte Be- lästigung der Staatsbürger und eine grandiose Schikanierung miß- liebiger politischer Richtungen möglich. Man hat doch schon darin eine den Sonntag entheiligende Arbeit erblickt, daß einer, der Flug- blätter in der Tasche hatte, von einer Tür zur andern ging! Und dann die I u g e n d s ch i k a n e n, die Anwendung der Straßen- Polizeiverordnung, daß man auf den Granitbahnen der Bürger- steige nicht stehen bleiben soll—• woran sich natürlich kein Mensch hält und Ivoran niemand denkt— auf Streikposten! Diese Poll- zcilichen Belästigungen unserer Bevölkerung können nicht durch eine organisatorische Reform beseitigt werden, denn sie sind untrennbar verbunden mit dem preußischen Polizeigeist, mit dem Wesen Preußens als Vorkämpfer jeder politischen, sozialen und ivirtschaft- lichcn Reaktion, lind hiergegen haben die National- liberalen sonst gar nichts einzuwenden, im Ge- g e n t c i l.(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei der das Volk unausgesetzt aufreizenden polizeilichen Nadelstichpolitik kommt es auch aus die Anwendung des Gesetzes an. Was aber ein ordent- licher Polizeigewoltiger ist, der bringt es fertig, aus einem einzigen Paragraphen einer Polizei vcrortplung so viele Schikanen für die Bevölkerung herauszndestilliereni ivie sonst ein nichtprcnßtscher Polizeibeamter aus einem ganzen Kodex von Polizeiverordiuingen herausdestillieren kann.(Heiterkeit links.) Besonders zu begrüßen ist, daß man nun überflüssige Polizcibclästigungen— selbst vom Standpunkt der Regierung ans überflüssige— als rechtsungültig anfechten kann. Bedauerlich ist, daß der Zeitraum des Erlöschens auf das viel zu große Maß von 80 Jahren festgelegt wird. Sehr bedauerlich ist aber, daß nach der jetzigen Fassung der Anträge nach einer einmal getroffenen Entscheidung des Oberverwaltungs- gcricht nicht erneut soll angerufen werden können, ivenn es die Verordnung gültig erklärt hat. Die richtige Betveglichkcit der höchsten Judikatur wird dadurch gehemmt, tociterc Nachprüfung nur auf einem ungünstigeren Weg ermöglicht. Das kann dem Ober- vcrwaltnngsgcricht selbst nicht wünschenswert sein, denn jedes Strafgericht könnte Verordnungen aufheben, die das Obcrvertval- tungsgericht einmal gültig erklärt hat. Die Bestimmungen über die R c ch t s m i t tc I bc I e h r u ng sind besonders energisch von der Regierung und der Rechten bc- kämpft worden...im Interesse der Autorität der Beamten, die etwa eine falsche Rechtsmittelbelcyrung geben. Das soll ein Argument sein? Haben Sic nicht den Mut der Bcrantwortung für Ihre Erlasse, wollen Sie sich verstecken, daß man dw Rechts- Unkenntnis solcher Beamten nicht erkennt, während von den Bür- gern volle Rcchtskcnntnis verlangt wird?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In anderen Staaten ist. die Verpflichtung zur RechtSmittelbelehrung längst festgelegt— da sollte sich dieses Preußen dagegen sträuben? Seine Behörden können ja ar- besten, wenn sie nur wollen! Die Anträge entsprechen einem Bedürfnis unserer Zest und der Mehrheit des Hauses. Wir werden für sie stimmen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Anträge werden gegen die Konservativen m zweiter und dritter Lesung angenommen, ebenso in der Gefamtabstimmung der Gesetzentwurf, der dos Ergebnis dieser Beratung darstellt Eine Petition um Verleihung des passiven Genie, ndelvahlrechts an die Volksschullebrer wird von dem,„ � Abq Dr Schopp(Vp.) befürwortet. Warum sollen die Volks- schullchrcr schlechter gestellt sein als die Oberlehrer? Ich bcan- trage Ueberweisung zur Berücksichtigung. Die Kommission beantragt Material. Ein Beschlutz wird nicht gefaßt, da noch viele Wortmeldungen vorliegen. Nächste Sitzung Dienstag 12 Uhr: Die neue Ostmarkcn- vorläge. Schluß der Sitzung 4%. Uhr. Die wahren und fallchen freunde der arbeitenden Zugend. Dies Thema, das neulich zu den unerhörten Vcrsammlungs- auflösungcn führte, wogegen die Berliner Arbeiterschaft am Mitt- woch so überaus kräftigen Protest einlegte, stand Freitag auf der Tagesordnung einer nach Kellers Festsälen in der Koppen st raße einberufenen öffentlichen unpolitischen Versammlung der Berliner arbeitenden Jugend. Und die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Verlins waren in großen Massen der Einladung gefolgt. Schon gleich nach 8 Uhr fand ein wahrer Sturm aus das Versammlungslokal statt. Vielfach sah man die jungen Leute im Schnellschritt heraneilcn. um ja noch einen Platz zu bekommen. Dann wieder kamen in ruhig-gleich- mäßigem Schritt größere Gruppen, die fich unterwegs zusammen- gefunden hatten. So ging das fort, bis die Polizei absperrte. Und zwar ging man mit der Sperre ein bißchen schnell vor. da die Jugend dabei war. durch Hinausschaffen von Tischen aus dem großen Saal Platz zu schaffen. Noch ein Nachschub. Mehr war nicht zu erreichen von der heiligen Hermandad, die treue Wacht hielt an den riesigen eisernen Gittertoren der Einfahrten an der Koppen- straße, die auf polizeiliche Anordnung hatten verschlossen werden müssen. Draußen zog Zug auf Zug der Ausgesperrten vorbei. Vor etwa 2000 Jugendlichen referierte Max Peters-Stcglitz. Dieser Saal sei. so begann er. für die Jugend Berlins von historischer Bedeutung. Dreimal sei hier die Berliner Arbeiterjugend zusammengetreten, und jedesmal habe es die Einleitung einer neuen Epoche der Berliner Arbcitcr-Jugend- bewegnng bedeutet. 1908 im Mai sei man hicr'zusammengckomineii, um ein neues Gesetz zu begrüßen. Im Februar 1909 habe man an dem Orte eine gewaltige Demonstration gegen den Versuch der Unternehmer gehabt, der arbcstendcn Jugend Berlins das Äoali- tionsrecht zu nehmen durch eine Klausel in den Lehrvcrträgen, daß die Jugendlichen sich an der freien Jugcltdbetvcgung nicht be- tciligen dürften. Und 1919 sah man sich hier wieder in gewaltiger Menge und quittierte über die gewaltsame Auflösung der da- maligen Jugeiidorganisation. 1910 sei man auseinander gegangen in dem Bewußtsein, daß der Kampf um die Rechte der arbeitenden Jugend nun erst recht losgehen werde. Das habe sich bewahrheitet. wie jeder wisse. Aber der Kampf habe inzwischen Formen angc- nommen, die man nicht erwartet hatte. Auf die Leute, deren Be- streben gegen die arbeitende Jugend sich in Gewalt umgesetzt habe, brauche man nicht eingehen, denn sie hätten sich selbst demaskiert und bewiesen, daß sie nicht die wahren Freunde der Arbeiter- jugend seien. Da sei nun aber noch die andere Sorte von angeblichen Jugendfreunden, welche erkannt hätten, daß man mit Gewalt die freie Jugend nicht unterdrücken könne. Sie seien zu einer anderen Kampfmethode gegen die Arbeiterjugendbewegung übergegangen. Indirekt und hinterlistig, wie eine falsche Katze, führten sie den Kampf. Sie hätten sich eine Larve ums Gesicht gebunden und nennen ihr Tun„Jugendpflege". Sie hätten gleichsam eine Fabrik aufgemacht, um falsche Jugendfreuiide zu züchten. Tie Fabrik liefere auch die Masken für die falschen Jugendfreunde gratis und franko und die Gebrauchsanweisung dazu. Sie zahle sogar den Ab- nehmern noch eine Prämie dazu. In Berlin>V— Unter den Linden— befinde sich diese Maskcnfabrik. Die von dieser Fabrik gelieferten Jugcndpflcger hätten nach genauer Gebrauchsanweisung ihres Lieferanten ein Treiben in Berlin entfaltet, das geradezu zu einer öffentlichen Gefahr geworden sei. Es werde vielen der jungen Kameraden schon aufgefallen sein, daß seit einiger Zeit die Lehrer in den Fortbildungsschulen, die sonst meist recht griesgrämig dreinschauten, eine recht freundliche Miene aufzusetzen Pflegen. Sic hätten heute ein Herz für die Jugend. In der erwähnten Gc- brauchsanwcisung sei im einzelnen ausgeführt, wie sie ihr Herz zeigen sollten. Es sei ihnen darin nahegelegt, wie sie sich beliebt machen sollten bei der Jugend. Burschikos zugänglich sollten sie sich zeigen und dann zu harmlosen Veranstaltungen(Ausflügen usw.) übergehen. Sie sollten auch mal Billetts schenken oder zu billigen Preisen vermitteln. Und dann sollten sie die Frage anregen, ob man sich, da es doch so recht schön gewesen sei, nicht besser zu- sammenschlicßcn wolle. So entständen die verschiedenartigsten Klubs, auch Harmonikavcrcinc und Waiidervercine, ja selbst solche, die sich einfach„Fidelc Brüder" oder ähnlich nennen. Es komme den Gründern gar nicht auf den spezifischen Vcreinszwcck an, son- dern nur darauf, Gelegenheit zu haben, die Jugend um sich zu sammeln, um Veranstaltungen zu treffen, die mit einem besonderen Geiste erfüllt seien. Und immer heiße es in den Gebrauchs- anweisungcn: Ja recht vorsichtig! Der Zweck der Veranstaltung sollte teilweise geheimgehalten werden. In der Gebrauchsanweisung sei gesagt, es solle zugleich, ohne Aufhebens davon, die Jugend- pflege so gestaltet werden, daß der Jugend bei allem berechtigten Verlangen nach Freude ein dauernder Gewinn für Leib und Seele zuteil werde. Aus der Gebrauchsanweisung ergebe sich ferner als der eigentliche Zweck u. a. die Erziehung zu sittlich tüchtigen, von Gottesfurcht und Vaterlandsliebe durchtränkten Menschen. Tie Erzichungstätigkeit der Schule, der Kirche, der Dienst- und Lehr- bcrrcn solle weitergeführt werden. Dies sei das Rezept der gedachten Maskenfabrik, wonach jetzt alle Jugcndvcrcinc Berlins— die frqsg Jugendorganisation sei ja zertrümmert— handelten. Das unerhört Neue sei die Verschleierung des Zweckes. Im Gegensatz dazu sagten die wahren Freunde der arbeitenden Jugend offen und ehr- lich, was sie wollten. Der kritisierten Gebrauchsanweisung bdif Berlin W hätten sich jetzt selbst die älteren konfessionellen Jugend- vereine unterworfen, weil die Geschichte sehr fein bezahlt werde. Geld stinkt nicht! Ihres alten ehrlichen Namens„Christliche Jugndvereine" oder„Evangelische Jugcndvcreine" schämten sie sich jetzt. Solche Vereine hätten jetzt an der Grenze Neuköllns und im Norden Jugendheime eingerichtet, die sie aber nicht evangelische Jugendheime nennen, sondern unter Benutzung einer Bezeichnung ihrer ausgesprochensten Feinde„Freie Jugendheime". Der Bankrott der christlichen Jugendvereine zeige sich unter anderem darin, daß sie sich mit Haut und Haaren dem„Jungdcutschlandbund" an- geschlossen hätten, obwohl der alles andere wie religiös sei. Redner ging dann auf die Gründmigsgeschichte des Jung- deutschlaudbundes sowie auf dessen Treiben ein, wobei er auch darauf verwies, wie viele Vereine, ohne daß deren Mitglieder es merkten, einfach dem Bunde angeschlossen würden. Der Bund wolle die Jugendlichen zu tüchtigen Soldaten heranziehen. Als ob das eine Lebensaufgabe wäre. Die wahren Freunde der Arbeiterjugend gingen dagegen darauf aus, die jungen Arbeiter und Arbci- terinnen für das ganze Leben gut vorzubereiten, daß tüchtige Mcn- scheu aus ihnen werden. Herr v. d. Goltz, der Generalissimus des Jungdeutschlandbundcs, solle auf einer Versammlung von Burschenschaftern mit Bezug auf kriegerische Möglichkeiten erklärt haben:„Wenn es doch nur erst losgehe!" Das sei eine geradezu verbrecherische Erziehung..(Stürmischer Beifall.) Ter Einfluß solcher Erziehung treibe ja auch schon bei den Kriegsspielen des Bundes, wie bekannt, die schönsten Blüten. Selbst die Landlcute empfänden sie schon als eine Landplage und drohten für das Früh- jähr mit dem Dreschflegel. Unglaublich sei es, daß die Lehrer in den Fortbildungsschulen für die Kricgsspiele eine lebhafte Agita- tion entfaltete». Rcttzter glossierte, daß auch Herr v. Jagow unter die Gründer von Jugendheimen, natürlich solcher zur Be- kämpfung der freien arbeitenden. Jugend, gegangen sei, und daß neben ihm im selben Komitee der Druckereibesitzer Büx enstein sitze, den man vor einiget: Jahren wegen seiner Lehrlingsaus- Nutzung auf die Finger geklopft habe. Uebrigens sei der Jung- deutschlandbund direkt auf den Kampf gegen eine politische Partei gerichtet und diene ausgesprochen politischen Zielen. Niemals habe man aber erfahren, daß eine Versammlung oder Zusammen- kunft des Bundes inhibiert worden sei. Im Gegenteil erhalte er in jeder Weise Vergünstigungen, zum Beispiel solche auf der Eisen- bahn, wovon man die so überaus bedürftige Arbeiterjugend aus- schließe.— Redner weist dann treffend nach, welchen Gefahren die arbeitende Jugend im Getriebe dos Erwerbslebens ausgesetzt ist, und wie natwendig es sei, dafür zu sorgen, daß die Jugcndschutz- bestimnumgen innegehalten würden und daß die Juaend Wirtschaft- lich gefördert werde. Hier setze dann auch die proletarische Jugend- bcwcgung ein. Darin bestehe der fundamentale Gegensatz zu den falschen Freunden der Jugend. Unsere-Parole sei: Gegen Wirt- schaftliche Ausbeutung, gegen geistige Unterdrückung, für freie Ent- Wickelung des Körpers und Geistes. Redner legt dies Programm der wahren Freunde der Arbeiterjugend noch näher dar und ruft die Jugend auf, in diesem Sinne zusammenzuhalten nnd ihre. Ebre darin zu setzen, der Heuchelei und Lüge, mit der die arbeitende Jugend jetzt bekämpft werden solle, den Todesstoß zu versetzen. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Als Gegner erhielt das Wort Walter Schreiber. Was er eigentlich wollte, war nicht erkennbar. Zu bemerken ist, daß just enizelne seiner Worte— o Ironie des Schicksals— Bedenken des anwesenden Polizeioffiziers dahin erregten, daß er politisch werden könnte. Der Vorsitzende Otto Büchner hatte aber auch bereits selbständig die Gefahr einer Abschweifung ins Politische er- kannt und verhinderte sie. Es sprachen noch unter großem Beifall einige Jugendliche gc- schickt im Sinne des Referats, worauf Büchner nach einem warmen Appell an die arbeitende Jugend und einer Aufforderung, so ruhig nach Hause zu gehen, wie man gekommen sei, mit einem Hoch auf die Jugend schloß, in das die Versammlung kräftig ein- stimmte. ** * &iit Spiel mit Säbel und Revolver. Als man aus dem Lokal auf die Straße trat, hatte es den Anschein, als sollte der Abmarsch so ruhig erfolgen können, wie der Aufmarsch des Heeres der arbeitenden Jugend erfolgt war. Die Teilnehmer der Versammlung hatten auch den besten Willen, der oben mitgeteilten Mahnung Otto Büchners, des Vorsitzenden, zu folgen. Da erfolgte wieder, Koppen- und Langcstraße-Ecke, eine der üblichen und üblen Absperrungen. Es wurde niemand hin- übergelassen, so daß natürlich sich die Abziehenden hier zu mehreren Hundcretn stauten. Die Beamten zogen die Säbel und drängten die Leute zurück bis zur Münchcberger Straße. Dabei taten sich einige Beamte durch ein unheiniliches Hin- und Herfuchteln mit dem Säbel hervor. Jetzt war natürlich die Aufregung da, nicht nur bei den Bedrohten, sondern auch bei anderen Passanten. Fenster wurden in den Etagen aufgerissen, und von Frauen und Männern fielen harte Worte. Ein Teil der Bedrohten, denen man den direkten Weg zu ihrer Wohnung versperrt hatte, gab alsbald des lieben Friedens willen nach und entfernte sich durch die Seiten- srratze, um ihrem häuslichen Ziele auf einem Umwege zuzustreben. Die anderen durften dann durch. Zwei Polizeibeamte, namentlich ein dicker Herr, fuchtelten aber immer noch mit der Plempe herum. So kam es, daß sich in seiner Nähe immer wieder kleine Gruppen, jetzt meist ganz unbeteiligte Passanten, bindeten, die sich das Schau- spiel ansahen. Dr. Kurt Roscnfeld versuchte ihn in Güte zum Ein- stecken des Säbels zu bewegen, weil er ja doch so erst das Stehen- bleiben der Leute verursache. Der Schutzmann meinte aber, der Herr Dr. R o s e n f e l d habe ihm gar nichts zu sagen, und er forderte.ihn auf, weiterzugehen. Uebrigens steckte der Uebereifrigc dann den Säbel— es war beim Schlesischcn Bahnhof— doch ein, spielte dafür ober destomehr mit seinem Revolver. Die Wirkung war dieselbe. Man blieb stehen und rief:„Schießen Sie doch!" Wir wollen nicht verschweigen, daß das Herumfuchteln des beleibten Schutzmanns mit dem Säbel neben der Empörung auch einige Heiterkeit auslöste. Aber wie leicht hätte aus der Komödie eine Tragödie werden können. Als der Beamte ruhiger wurde, der- liefen sich die Leute von selbst. Uebrigens sollen, wie uns mitgeteilt wird, zur Zeit der Ab- sperrung die Wirte im unteren Teil der Koppenstrahc, also nabe dem Bahnhof, zur Schließung der Lokale aufgefordert worden sein. Auch einige Verhaftungen wurden vorgenommen, ohne daß die Verhafteten sich klar darüber werden konnten, welcher Verbrechen sie sich eigentlich schuldig gemacht haben sollen. Die Behandlung, die ihnen zuteil wurde, empfanden die Verhafteten durchaus nicht als angemessen. Nach Feststellung der Personalien erfolgte noch in der Nacht die Entlassung der Verhafteten. Der Zug der Ausgesperrten. Während die Versammlung tagte, hatte sich spontan aus den ausgesperrten Gruppen jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen, die wohl an 10(10 Personen umfaßten, ein langer Zug gebildet, der geordnet und ruhig aus der einen Straßcndammseite nach cineni llmwegc durch den Osten nach dem Gewerkschaftshausc zu gelangen trachtete, um dort eventuell eine Versammlung abhalten zu können. Es ging alles ohne Störung, bis an der Köpenick« Brücke, nahe dem Gewerkschaftshausc, Schutzleute �-prengversuche machten, wobei auch die Säbel gezogen wurden. Es blieb dann aber noch ein großer Teil zusammen und gelangte nach dem Gewerkschaftsbausc, wo die jungen Leute schließlich von der Polizei auf den Hof ge- lassen wurden. Hier erschien der zuständige Polizeileutnant und erklärte ihnen, es könne ihnen kein Saal zur Verfügung gestellt werden, sie sollte» ruhig nach Hause gehen, damit nicht einge- schritten zu werden brauche. Man ging auch dann auseinander. nachdem noch ein Teilnehmer dazu mit dem Hinweis, man müsse sich der Gewalt fügen, aufgefordert hatte. Hus Induftm und ftendel. Mißerfolg der Rentencmission. Wie die„Vossische Zeitung" zu melden weiß, sind die 150 Millionen Mark neuer konsolidierter tprozentiger Anleihen (50 Millionen Mark Reichsanleihe und 100 Millionen Mark preußische Konsols) etwa l'/zmal gezeichnet worden. Fast volle 150 Millionen entfallen davon auf Schuldbuch- und Sperrzeichnungen. Dieser Teil der Anleihe kann daher so gut wie untergebracht gelten. Einen völligen Mißerfolg hat dagegen die öffentliche Auflegung der Schatzanweisungen erlitten. Von den aufgelegten 100 Millionen Mark tprozentiger Anweisungen ist nur die Hälfte durch neue Bar- Zeichnungen und durch Eintausch alter am 1. April fälliger An- Weisungen gedeckt. Fast 200 Millionen Mark sind ungezeichnet ge- blieben. Nuternehmerterrorismus. Wie aus dem Jahresbericht der Vereinigung süddeutscher Malz- fabriken zu ersehen ist, hat der Verband oberbadischer Brauereien an die vereinigten Malzfabriken das � Ansinnen gestellt, sich dahin z» verpflichten, an solche Brauereien im Berbandsgebiet kein Malz oder sonstige Fabrikate zu liefern, die dem Verband oberbadischer Brauereien nicht angehören oder dessen Mitglieder durch Nicht« einhalten der vom Verband vorgeschriebenen oder der ortsüblichen Ausschankpreise schädigen. Diese Verpflichtung der Malzfabrikanten zur Materialsperre bestand auch schon früher in dem Falle, wenn beide Momente in Frage kommen, nämlich die Preis- unterbietung und die Mchtzugehörigkeit zum Verbände ober- badischer Brauereien. Durch die Abänderung des Wörtchens„und" in„oder" wollte der Verband der Brauereien schon die Material- sperre angewendet wissen allein wegen Nichtzugehörigkeit zum Brauereiverbande. Die Vereinigung süddeutscher Malzfabriken hat nach Umfrage bei den Mitgliedern das Ansinnen abgelehnt mit der Molivierung, daß die Ausbreitung der Organisation des Verbandes oberbadischer Brauereien ihm allein überlassen werden müsse. Die Materialsperre über die Brauereien, die weder Mitglieder des Ver- bandeS find, noch die ortsüblichen oder Verbandsausschankpreise einhalten, besteht aber nach wie vor; bei diesem seit Juni 1910 be- stehenden Beschlutz hat es die Vereinigung der Malzfabriken»be- wenden lassen". ßrkfkaften der Redahtfon. Dil jiuMschi eptcOifluabt finde« Linden st raste 69, dorn vier Treppen — F a l» r st u st l—, loochcntägiich von iVj vis 7H Ustr adends, Eoanadends, von 4 Vi bis 6 Ustr abends statt. Jeder für den Briefkasten bcstimntten Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zastl als Merkzeichen bctzufSgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnemenisquittung beigefügt ist, derdea nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. Z. 5t. 337. Ohne Angabe Ihres Namens können wir nicht rate». Kommen Sie zu uns aus die Redaktion zwischen 1 und 2 Uhr.— R. D. 110. 1. Falls unverheiratet, etwa 3 M. pro Woche. 2. Die Untersuchung kann auch durch einen Privatarzt erfolgen. 3. Ja, sofern es sich um ausgebildeten Plattfuß handelt: unausgcbildcter Plattfuß, sogenannter Breitsuß, ist kem zwingendes Hindernis.— Köpenick 230. t/2. Der Lohn könnte nur durch einen vom Gericht zu erlassenden Beschluß gepfändet werden und zwar, sofern und insoweit er 28,83 M. pro Woche übersteigt.— E. Z. 15. Ein Abzug von der Miete ist nach den in Berlin üblichen Mietsvcrträgen nicht zulässig,«ie könnten auf Ueberlafsung des Bodenraums, eventuell auf Mietsmmdcrung klagen,— T. H. 43. Dies wäre nur möglich, soweit Ihnen selber kein Verschulden infolge ungenügender Lüftung und Heizung der Räume nachgewiesen werden kann. Nach erfolgloser Aufforderung müßte beim Amtsgericht geklagt werden. Schöneberg 8«. 1. Gütertrennung. 2. a. und b. Nein. c. Ja. d. Ja. Die Frau müßte alsdann intervenieren.— N. 05. Ja.— H. C. 30. 1. Nein 2. Bis zu dem Zeitpunkt der Einstellung bezw. vom Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Arbeit sind Sie steuerzahlungspflichtig. 3. Reichstagsabgeordnete 3P0V M. jährlich. Landtagsabgeordnete 15 M. für jeden Tag der Anwesenheit. — Aufwärterin 04. 1. Die Kündigung muß am 13. mit Wirkung zum nächsten Ersten erfolgen 2. Nein.— W. B. 1000. 1. Die Anordnung der Fürsorgeerziehung war auch ohne Ihre Einwilligung zulässig. Sie konnten damals Beschwerde gegen den Beschluß erbeben; jetzt ist die Frist dazu verstrichen. 2. Die Straftat verjährt in fünf Jahren.— C. I. 32. Eine Gefahr besteht nicht.— K.Wensel»sst KoPernikuZstr. 11. Petersburger Str. 5. Romintener Str. 18, G. Liebecke. Thaer Str. 19. Zldlcrshof. Bismarcksw. 50, K. Schwarzlose. Charlottenburg. Cauerstr. 29, B. Leupold. Lichtenberg. Möllendorststr. 73, Poprchai. Lenbachstr. 3, G. Hielscher. Neukölln. Bicbrichstr. 14, I. Hirsch. Hermannstr. 30, W. Conrad. Böhmische Str. 9, R. Krüger. Pamnerstr. 8, H. Krause. Nieder-Schöncweide. Femistr. 16, am Kaisersteg, G. Degener. Spandau. Bahnhosttr. 7, R. Lorenz. Wilmersdorf. Berliner Str, 46, F. Pieper. + Magerkeit+ schwindet durch Haufe's Nährpulver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unschädl. Viele Anerk. Karton 2 M., bei Postversand Porto und Nachnahmespesen extra. H. Haufe, Berlin- Waidinannslust 801. 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März, nachmittags 3 Uhr, in den „Unions-Festsälen", Greifswalder Str. 222, und abends 7 Uhr im Gewerkfchaftshause, Engelufer 15, Saal Hl: Zwei öffentliche unpolitische Versammlungen für junge Mädchen. Pflichtfortbildungsschule und weibliche Jugend. Referentinnen: Frau Anna BloS und Frau Mathilde Wurm.— Freie Aussprache. Jugendliche Arbeiterinne«, Verkäuferinnen und Handlungsgehilfiuneu! Äm 1. April 1913 wird für Euch die Pflichtfortbildungsschule eingeführt. Neue Fragen und Aufgaben werden damit an Euch herantreten, über die Ihr Euch in den Versammlungen aufklären und aussprechen sollt. Sorgt daher für zahlreichen Besuch! Auch Euere Eltern sind herzlich eingeladen. Der Einberufer: Otto Büchner, Richthofenstraße ±2. Verband der Haler, Sackiersr, Ansireiehsr Bureau: Melchiorftraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Filiale Serlin. usw. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9 Fernsprecher: Amt Norden 6798 Montag, den 10. März 101S, vormittags 10 Uhr: WerKenis VersMmlung Ausgesperrten« in der„Stcnen Welt", Hasenheide. Tagesordnung: FtststtllliNg über dtii ilmkllg der Aussperrung. In dieser Versammlung haben die Kollegen unter allen Umständen zu erscheinen, damit die Gröste der Aussperrung festgestellt werden kann. 137/17 Die Oi'lsrvSi'wsltniAg. OrtsKrattKenKaffe der Stadt Kerint- Schölteberg. Rechnungsabschluß 1 91"2. einnahmen. M. 1. Barbestand.... 40146,10 2. Zinsen...... 19229,18 3. Beiträge..... 1082372,81 4. Ersatzleistung sür ge- währteKrankcnunler- siiitzungcn..,. 8079,52 5, Ersatzleistung von Bc- rufsgenossenschasten. 4635,40 K. Aul verlausten Wcrl- papicrci,.....— 7. Durchlauscnde Posten lDarlehne).... 55247,98 8, Sonstige Einnahmen 5146,20 Summa 1217857,19 1. Ausgaben. Für ärztliche Behandlung...... 2. Für Arznei u. sonstige Heilmittel.... 3. Krankengelder a) an Mitglieder.. h) an Angcbörigc. 4. Unterstützung anWöch- uerinnen..... 5. Sterbegelder.., 6. J4 ur- u, Berpstegungs. kostcu in Heilanstalten 7. Ersatzleistung für gc- ivährteKrankemmter- slützung..... 8. Zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder..... 9. Für Kapitalanlagen. 10. Zurückgezahlte Dar- lehne, durchlauscnde Posten..... 11. Verwaltungskosten a) versönliche... 6» sächliche.... 12. Sonstige Ausgaben. M. 107130,09 160435,83 417387,30 14792,38 22485,95 14798,01 221977,90 5486,51 2495,58 23182,37 56406,09 105102,73 17942,85 6838,88 oumtnn 1176482,17 M. summe der Einnahmen. 1217857,49 ., Ausgaben. 1176482,47 Bestand am 1. Januar 191 3 4137 4,72 Die Stärkung des Reserve- sonds betrug,. 18513,42 Infolge des Kursstandes der Wert pavierc mutzten 12849,— M. ab geschrieben werden. Erkrankungsfälle: der männlichen Mitglieder 6713, der weiblichen Mitglieder 593t,— Krankheitstage: der männlichen Mitglieder 145084, der weiblichen Mitglieder 162225.— Stcrbefälle: der männlichen Mitglieder 98, der weiblichen Mitglieder 48, Die durchichnittliche Milgliedcrzahl betrug am Schlutz des Jahres 1912: 23834, die des Vorjahres 23725, mit' hin mehr 109. 267/r Der Vorstand. Technikum Berlin KSnlggrSizer Str. 90. Tages-, Abendkurse. Maschinenbau. Elektrotechnik, Hochbau, Tiefbau. Werkmeister- kurse.— Dauer 1 Jahr, vierteljähij. 20 M. Dir. Matthes, Inh. Programm frei! ibessinier-BruDiieii zum selbstausstellen für 3 in Tiefe schon v. 12 M. an. Hospumpen, Garten- und Druckpumpen usw. 5 Jahre Garantie. Jllu- stricrte Preisliste' gratis. Koblank A Co., Pumpeniabrik, Berlin N. Reinickendorfer Str. 95. M Tebaftiauftr. 37/38, Querg. II. Telephon: Amt Mortüplah, 97ZT. Aehtnnjg! ßollkgkU«lld Kolltginnkn der Firma ö. beioevebe!'! Am Dieustag, den 11. März 1913, abends 8'/° Uhr, findet bei«cbnl», Königsgrabcn 3, eine Versammlung sämtlicher bei dieser Firma beschäftigten Werkstatt- und Heimarbeiter, Mast., Konfcktioos-«nd Tagschncider stalt. Tagesordnung: Wie stellen sich die Kollegen dieser Firma zu der Lohnbewegung in der Herrenkonfektion? äW" Das Erscheinen sämtlicher Beschäftigten wird bestimmt erwartet- I>le KommlsMion. _ NM" Moabit! Sonntag, den 9. März 1913, von nachmittags 1 Uhr ab im Moabiter Gc,ellschaftshauö. Wiclefstr. 23/24: Ausstellung von>Varell aus privat�esctiäkten und der Konsum-Genossenschaft. Abends 6 Uhr in demselben Lokale: Oeffentl. Versammlung Flin SVSänneo* u. Fpauen* Tagesordnung: „Die mirtschastliche Eroberuuli der Welt durch die organilierte Arbeiterklaffe." Referent: Herr ReichSIagsabzeordnetcr H. Pens, Dessau. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Um zahlreichen Besuch dieser Leranstallunaeu bittet 104/4 Ta- genoffeuschaftlichc Agitatioustomitee. llgiitseliss ttohgidkitös-Vöibgiill. - Verwaltung Berlin.■ Bautischler. Heute Sonntag, den 0. März, vormittags tO Uhr, bei Boeker, Webcrstratze 17: Nksochenveriammluiig für Srok-Nerli». Tagesordnung: 1. Bericht über die Tarifberatung. 2. Diskusfion. 3. Berbands- angelegenhcite». Die Mitglieder der gesamten Bautischlerkommission werden ersucht, um U Uhr bestimmt zu erscheinen. »»>»»»»��—»� Mitgliedsbuch legitimiert. Bezirk Ober-Schöneweide. Tienstag, den lt. März, abends 8'/., Uhr, bei Warneckc, Wilhclminenhosstratzc 18: MM" Mitglieder- Versammlung."HW Tagesordnung: ' Beriebt Uber die Tarikverbandlnngen. s0/4 Bie Ortsversvaitnug. iiiillM! iil«« u. ucuisA doli- d. lerarH si vtrwaiiitEn Senilsgeiiaa iE. II zu Seliw.-Ciiiii Montag, den 17. März 1913, abends präzise 8'!, Uhr: General- Versammlung slN. Wahlabteilung Berliu-Neukölln) im Gewerkschaftshaus. Engelufer 15. Saal 4. Tages Ordnung: 1. Anträge zur Krankenkasse wie zur Frauen-Sterbekasse. 2. Wahl von 4 Abgeordneten zu der am 19. Mai 1913 in Köln a. Ah. stattsindenden 12. ordentlichen Eeiieralversammlung. 3. Verschiedenes. 283/12 Um die weiteste Verbreitung dieser Bekanntmachung wird dringend gebeten. Iber Vorstand. I. A.: C. Holtkamp, Vorsitzender, Admiraislr. 1SE. Achtung! Herwenkonfektion. Achtung! Wegen Nichtanerkennung der neuen Tarife haben die Herren- konfettionsschncider die Arbeit eingestellt und wird hiermit über solgcnde Firmen die Sperre verhängt: S. Adam. Köpenicker Str. 152 Bender<& Oattmann, Spandauer Str. 59/61 Cohn A Sohn. Kopcnicker Str. 113 Bann& 8cliön!and. Bischofstr. 22 Rsdcrs& Dyckhofl", Gertraudtenslr. 8/9 Ilngo Herrmann& Co., Spandaucr Str. 78/80 .loset Herzog Aachfolger, Spandauer Str. 40/44 Hopp«fc Kur'/.weg, Reue Friedrichltr. 39/40 Reils Kahn. Molkenmarkt 7/8 Koh& Jacobowltz. Mcxanderstr. 55 Bcrnward l.eineweber. Köllnischer Fisch marlt 4/6 Max Ccsser, Köpenicks Str. 126(auch für Phantssiewcsten) Machol& Ccwin, Königstr. 1/6 Müller& tieopold, Alexandcrslr. 39/40 I.copold Pinn, Dirks enstr. 43/44 Pohl& Schmidt, Wallstr. 27 Peek& Cloppenburg. Gcrtraudtenstr. 25/27 .lean Popper, Rosensir. 16 S. Rclchmann, Rotzstr. 29/30 P. Sehrüder G. m. b. H., Große Frankfurter Str. 78 A.& J. Silbermann, Burgstr. 9 Adolf A. Stern, Poststr. 24/25 Gebrüder Stern& Co., Bischofstr. 19/21 A. Stier, Wallstr. 9/13 Karl Treamaun, Kloster str. 87 Philipp Ccko& Co.. Am Königsgraben 15 S'aai llnger& Co., Neue Friedrichstr. 37 Weltmann Vachfl. Stefan Esders, Kaiser-Wilhelm-Gtr. 41/42 Kmanncl Wollt, Dirksensir. 38. WolflF, Graudenzer Str. 16. Holzhüter, Oranicnstr. 80—82. Holzner, Gleimstr. 36. Rrledrieh, Nicdcrbarnimstr. 26. Jordan. Annenstr. 41. Jagen. Ackerstr. 22., Penschke, Weidenweg 26, seitcnstügcl EL Rübnrich, Grannstr. 16. Hermann, Schliemaimstr. 30. i�eile, Graunstr. 24. Stolzcnwald, Schönhauser Allee 71. Tolksdorl, Franseckistr. 28. Julius Westfal, Franseckistr. 13. liöwenstcin. Putbuserstr. 53. Kranich, Ruppincr Str. 42. Asmaker, Lortzingsir. 22. Mnhr, Raumerstr. 6. Hänschke. Hagenauer Str. 12. Drcws, Kaftanienallee 11. Brews, Schlicmannstr. 45. ZIcbert, Wcidenweg 2. Modzielewski, Weidenweg 9. Kupski. Putbuserstr. 54. Geyer, Wcinbergswcg 4. Kaulen, Dänenstr. 9. Sperling, Schönholzer Str. 15. Rbcst, Pappciallee 9. �„ Weidemann, Georgenkrrchstr. 63. Billerbeck, Brunnenstr. 83. Bachstüdt, Graunstr. 16. Zander, Köpenicker Str. 114. Bock, Palisadenstr. 9. Ackermann, Veteranenstr. 18. Stemier, Rigaer Str. 100. Klingbeil. Richter, Linienftr. 237. Otto Engelke, Bornholmer Str. 91. Hermann Engelke. Seiler, Rykestra>ze, Ecke Tresckowslr. 34. P. SebantniZ. Büschingstr. 9. Vtilker, Lenaustr. 21. Streich, Hochkirchstr. 20. »beh; Mrättberger-Str: 13(Lichtenberg).......... Podanski. Herrsurthplatz 9. Kloster, Prenzlauer Str. 43. Bernncht, KochHannstr. 29. Bnkotzkl,?-lsiter Str. 85. Bernstein, Lichtenberger Str. 21. Perske, Palisadenstr� 19. Engel, Bornholmer Str. 91. Pfeifer, Prenzlauer Allee 45. Beständig, Engeluser la. Plüwatscb, Franseckistr. 4. Schänitz, Röpenicker Str. 115. Wanderer, Zionsttrchstr. 7. Baum. Swinemünder Str. 44/45. Albrecht, Weißensee. Heckert, Stoipische Str. 26. Sieher, Swinemünder Str. 41._ Kendam, Pankow, Kaiser-Friedrich-Str. 76— 78. Adolf Salzer. Krautstr. 36, II. Hos. Wir ersuchen die Kollegen, Arbeitsangebote dieser Firme« unbedwgt zurückzuweisen. 163/3� Folgende Firmen haben den Tarif anerkannt: Bacr Sohn, Ehausseeslr. 30, Brückensir. 11, Gr. Frankfurter Str. 11, Schöneberg, Hauptstr. 10 Rabisch& Co.. Rosenthaler Str. 3 Ph. Rabisch, Rosenthaler Str. 1„ m UofTnnng, G. m. b. H., Echneiderei-Genosienschaft, Brunnenstr. 185. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen. !( I Rilialc Berlin, Andreasstraße 17. iciiiung! Färiios- und Wäsciierbranctie.»«wW! Am Dienstag, den 11. März ISIS, gleich nach Arbeitsschlich, finden sür alle in de» Färbereien und chemischen Waschanstalten Groß- Berlins Beschästigten IS Vstssmmwngen stait und zwar: Prälaten, Weißensee, Berliner Allee 257. Hahn, Bandelstr. 15. Wolfs Festsäle, Neukölln, Kirchhofstr. 11. Karl Döhling, K, Brunnenstr. 79. ilnörig, 0., Stralauer Brücke 3. Soppes Festsäle. Neukölln, Hermannstraße 49. oikshaus, Charlottenburg. Rosinenstr. S. Wandelt, X., Soldiner Str. 37. Schulz, 0., Frankfurter Allee 61. Kurfürst, Pankow, Berliner Str. 162. Die Tagesordnung in allen Versammlungen lautet: I. Vortrag über die wirtschaslliche Lage der in de» hiesigen Färbereien und chemischen Waschanstalten beschäftigten Arbeiter imd Ztrbeit-rimien und Verlesung eines von der Branche entworsenen Tarisvertrags. 2. Abstimmung über den einzureichenden Tarifvertrag. 3. Verschiedenes. Werte Berusskollegen und Kollegstmen l Erscheint alle m den V-r. sammlungen. 195/6___ Die Branchenleitung. ~~ Berlin, AlteJakobsirTlM. Elektro-Teclmikum! gegr. 1?>74. Gig. Fabrik. Elektro-, I Maschinen-: Vau-, Ingenieur-,! Techniter-, Werkmeister-, Mon-k ieur-Ausbild., Waschineulabora- l iorium. �uSl AbK!llIIiUs8U8. j I. Lsvn öällütf.�öprinÄiles Herren- und linahen- Moden, Berufskleidung. Eleg. Paletots. Elnseg- nungs-Anziige. Grobes Stolflager zur Anfertigung nnch Mab. Allerbilligste streng feste Preise. Die ttogiligste i- «M« ijelegy- tabm ist ml! Mit: M. Liemtinn Berlin C 25 Prenzlnuerstr.(6. Neue Herrenräder, Modell 1913, mit Gummi M. 32 an. Elegante Damenräder- Schneidige Halbrenner 30 verschiedene Modelle für jeden ZuecK ____ für jeden OeschmacK- für Jeden Preis. Laufmänlel- LuflscMäuctie- Kellen- Lenker- Sättel- Pedale- Laternen | Alle Ersatz- und ZubehBrleile fflr Radfahrer. Oesehäftx-aärundsatE seit 25 Jahren: Uefernne reeller Qasli- thtswnren zu vortetl- h ältesten Preisen. Gamasclren. All© Iteparatoren an Rödern, HTÄh- maschlnen©tc. in eigener Werkstatt schDell und gevrissecbaft zu billigsten Preisen. 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SS, Hof parterre (vis-ä-vis dem Königlichen Polizei-Präsidium) eine Abteilung für G> assen-Terkau eingerichtet haben. Es wird genau zu Einkaufspreisen+ 100/o Gewinn, ohne irgend welchen Aufschlag für Geschäftsspesen, also weit unter unseren billigsten Engrospreisen verkauft. Weder Warenhäuser, noch die größten Schuhwaren-Detailgeschäfte sind in der Lage, auch nur annähernd so billig verkaufen zu können. Wir führen alle Artikel der Branche, von den einfachsten bis zu den elegantesten Genres, in nur streng reeller Ware und modernsten Formen. Da voraussichtlich großer Andrang zu erwarten ist, wäre es wünschenswert, wenn die Einkäufe möglichst in den Vormittagsstunden vorgenommen werden. Der Verkauf beginnt am 15. März I9!3. Kein Kaufzwang! Gebrüder Anders, Alexanderstr. SB Hof parterre. Voranzeige! Ende März Voranzeige! Neueröffnung des Restaurants „Zum goldenen Bienenkorb Usedom=Straße 28, Ecke Watt-Straße. Vereinszimmer von 20-80 Personen zu vergeben. Ken renovierte l.okalitlUcn.— Beste and schönste Belcachtang. Altbekannte gatc Köche.— Molide, reelle Bedlenanx. Pauline Böhl. ii muß mit besonderer Sorgfalt und Vorsicht gewaschen werden, da bei dieser das Kochen lortlälll und eine gründliche Reinigung deshalb bisher nur schwer zu erzielen war. Diese Schwierigkeit wird solort behoben bei Gebrauch von PERSIL, dessen Eigenart sich gerade hierbei in besonderem Masse bewährt. Das Waschen geschieht wie folgt: Man löst Persü(wieviel, steht aul dem Paket) in lauwarmem Wasser auf; Zusatz von Seile und Soda muß vermieden werden. Solort nach dem bullösen bringt man die Wäsche in die Lauge, die nur handwarm(30— 40 Grad) sein darf, Tässt sie'/i Stunde darin ließen und schwenkt sie während dieser Zeit einige Male hin und her. Die Wäsche ist dann fertig. Hieraul flüchtiges Kuswaschen in lauwarmem Wasser. Die Wolle ist rein, locker und weich, aller" Geruch nach Schweiß, Schmutz usw., dersonstder Wolle sehr gerne anhattet, ist verschwunden, die Wolle dullet Irisch und angenehm, dabei hat das Gewebe in keiner Weise gelitten und ist nicht lilzig. Die Eigenschaft des Pcrsll ermöglicht also eine Reinigung der Wollwäsche, wie sie nach der alten Methode ausgeschlossen ist Aber nicht die Waschkralt allein ist es, die Pcrsll auch lür Wollwäsche unentbehrlich macht, sondern vor allem seine Dcslnlcktlonskraft, die ihm eine grosse hygienische BedeuAing gibt. Wollwäsche verlangt in hygienischer Beziehung besondere Aufmerksamkeit, da sie Verunreinigungen wie Fett, Schweiß und ähnliche Stolle, die die besten Nährböden für Bakterien bilden, hartnäckig festhält und dadurch leicht zum Ueberträger von Kremkheiten wird. Diese Verunreinigungen genannter Art löst und zerstört Pcrsll vollständig. Wissenschaftliche Versuche haben ergeben, daß in handwarmer(30—40 Grad) Persillauge schon nach wenigen Minuten selbst die widerstandsfähigsten Bakterien im Keime getötet werden. Lauwarm« PersiUauge steht also an Desinlektionskralt den bekannten Desinfektionsmitteln nicht nach, ohne jedoch deren Giftigkeit und Umständlichkeil im Gebrauch zu besitzen. Persil wurde aul der„Internationalen Hygiene-Ausstellung zu Dresden* ii> Würdigung seiner hervorragenden Eigenschalten als selbsttätiges Waschmittel�owie als Desinfektionsmittel mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet Erhältlich nur in Original-Paketen, niemals lose. HENKEL& Co. DÜSSELDORF, HlUmiz« Fabrikanten aoeh— J«r.llb«li.bl«fi , rj-. v.:*...<>. ' f..< Af Henkels Bleich-Soda. "Beranttoortlidjer Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Mr den LnseratenteiI veranw.:rh.Gfecke.B«rLm. Druck u.«erlag: Lorwärl, Buchdrucker«». BerlagSmrstalt Paul Singer«.So,»erlmSÄ. Nr. 58. 30. Iahryaug. 3. KeilW des.lotiDärts" Inlintt MlksM Zonntag, 9. Uiirz l9l3. Gericdts- Leitung» Elend unehelicher Kinder. Ein bestialischer Rohcitsakt, dem ein L�sährigeS Kind zum £pfer gefallen war, wurde dem Ehauffcnr Alfred Lchcnk aus Steglitz zur lllast gelegt, der sich gestern vor dem Schwurgericht �5*.Landgerichts II unter der Anklage der Körperverletzung mit tödlichcvi Ausgange zu verantworten hatte. Der Angeklagte be- fand sich � im Dezember v. I. in Geldverlegenheit, da er seit längerer Zeit außer Stellung war. Wie die Anklage behauptet, soll er folgendes Mittel angewendet haben, um sich in den Besitz utm Geld zu setzen. Er antwortete auf eine Annonce, nach der ein uneheliches Kind gegen eine einmalige Abfindung an kinderlose Eheleute' zu vergeben sei, daß er bereit sei, das Kind aufzunehmen. Zwischen ihm und der Mutter des Kindes, einer Arbeiterin Glodcck, kam ein Vertrag zustande, nach welchem sich der Angeklagte vcr- Pflichtete, gegen eine in drei Raten zu zahlende Abfindungssumme van 300 M. das Kind, den 2 �jährigen Bruno Glodeck, als eigen anzunehmen. Nachdem der Angeklagte die letzte Rate von 100 M. erhalten hatte, begann für das Kind ein wahres Martyrium. Täglich horten Hausbewohner das Geräusch klatschender Schläge und das jämmerliche Geschrei des Kindes. Wie die Beweisaufnahme ergab, zwang der Angeklagte in Gegenwart eines Arbeitskollegen das Kind, Prchkohlenstückc und den eigenen Kot zu essen. Außer- dem mußte das bedauernswerte kleine Wesen unter dem Bett auf dem bloßen Fußboden schlafen. Der brutale Mensch setzte schließ- lich am 13. Januar d. I. seiner Roheit dadurch die Krone auf, daß er das Kind, als es sich infolge mangelnder Erziehung und Bc- aufsichtigung wieder beschmutzt hatte, in einem Wutanfall an den Beinen packte und es mir aller Wucht mit dem Kopf auf den Fuß- baden aufschlug. Die F«lge dieses viehischen Roheitsaktcs war, daß das Kind bald darauf an einer Gehirnerschütterung verstarb. Vor Gericht bestritt der Angeklagte, sich jener Tat schuldig gc- macht zu haben, trotzdem er durch die Beweisaufnahme stark bc- lastet wurde. Tic Geschworenen bejahten die Schnldfrage im Sinne der Anklage, billigten dem Angeklagten aber mildernde Umstände zu, um ihn mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtcnheit und die Tatsache, daß er ein nervöser, leicksi erregbarer Mensch ist, noch bor deni Zuchthause zu bewahren. Das Urteil lautete auf 3 Jahre und 6 Monate Gefängnis. � Studcntcncxzcsse in Marburg vor dem Gericht. Ob Studenten bei Exzessen rücksichtsvoller als Arbeiter be- handelt werden? Der Studcntcnkrawall, der sich in der Nacht zum Aschermitt- woch vor der Polizeiwache des Rathauses abspielte, fand am Donnerstag sein erstes gerichtliches Nachspiel. Die Verhandlung, in der dic�beidcn Studenten P. und tz. unter Anklage standen, fand vor dem Schöffengericht in Marburg statt. Kurz vor Fastnacht war eine Polizciverordnung erlassen worden, wonach sänitliche öffentlichen Lokale in der Nacht zum Aschermittwoch um 1 Uhr zu schließen lvarcn. Die Kratzschc Wein- ftube(Marktgassei hatte dieser Anordnung nicht Folge leisten können, da der Oberkellner die studentischen Gäste zum Verlassen des Lokals nicht zu bewegen vermochte: die Polizei war daraufhin eingeschritten, Halle Notierungen vorgenommen und das Lokal ge- schlössen. Ten Vorfall schilderte als Zeuge der Polizeikommissar Knauf wie folgt: Er habe in Begleitung des Polizeiwachtmeistcrs Gnau das Kratzschc Lokal räumen wollen, da der Oberkellner um Polizei- liche Hilfe nachgesucht hatte. Seine Mahnung, das Lokal zu ver- lassen, sei in ruhigem und sachlichem Tone erfolgt, von den Stu- denten aber überschrien worden. Der Angeklagte P., der vor ihm gestanden, habe ihn derart angeschrien, daß ihm dessen Speichel ms Gesicht geflogen sei. Als ich mir dies verbat, so etwa fährt der Zeuge fort, schrie.P. mich weiter an:.Ich habe Sie nicht gespuckt: das ist eine Beleidigung." Ich ersuchte ihn um Angabe seines Namens, erhielt aber zur Antwort:„Tazu haben Sic keine Nase: Sie haben mir nichts zu sagen." Als ich später bei den Auftritten vor dem Rathaus zugegen war/ wich mir P. nicht von der Seite: sein Name war mittlerweile von dem Polizeiscrgeantcn «chnaut notiert worden, und nun wollte er wissen, warum dies geschehen sei. Er verlangte die Feststellung von Zeugen und fragte mich unter höhnischen Verbeugungen, wann ich zu sprechen wäre. Ich erwiderte, ich hätte jetzt für ihn keine Zeit, vermochte ihn aber nicht los zu werden. Erstaunt war ich, als P. sich plötzlich erbot, seine Kommilitonen zu ruhigem Verhalten zu ermahnen. Weil ich keinen Zweifel in die Ernsthaftigkeit seines Anerbietens setzte, ließ ich ihn gewähren. Seine?Ibsicht jedoch war, die anderen noch weiter aufzustacheln; in einem Ton, der die Antwort voraussehen ließ, schrie er:„Kommilitonen, wollen wir gehen?" Die allge- meine Antwort war:„Nein, wir gehen nicht!" Während der Szene vor dem Rathaus erhielt der Polizeifargeaill Schnaut, als er den Studenten G. festnehmen wollte, von einem anderen einen Faustschlag ins Gesicht, daß ihm der Helm vom Kiopfe flog. Einer der Tumultuanten schrie unausgesetzt Silentium! und schlug da- bei mit einem Stock auf die Steine. Polizeiwachtmeisier Gnau sprang hinzu und entriß ihm den Stock. Plötzlich wandte er sich um und schlug mit dem Stock nach einem Studenten. Ans meine Frage, warum er dies getan, erklärte er, der Student habe ihm einen Tritt versetzt. Noch nach drei Tagen klagte er über Schmerzen. Mittlerweile wurden sämtliche Fensterscheiben ein- geschlagen; ein Stein flog durch das Wachtstubenlokal gegen die jenseitige Wand.» Auch Rcvolverschüssc wurden abgefeuert. Ich selbst wurde wiederholt mit Kies beworfen. Gegen halb vier Uhr rief einer der Studenten, nachdem noch einige weitere Polizei- beamtc auf dein Schauplatz erschienen waren:„Wir wollen jetzt gehen, wir richten doch nichts mehr aus!" Unter Gesang zog die Menge darauf von bannen. Das Urteil lautete gegen P. wegen Beamtcnbelcidigung auf 300 M. Geldstrafe oder 30 Tage Haft, wegen Ruhestörung auf c>0 M. Geldstrafe, gegen'H. auf 30 M. Geldstrafe oder ö Tage Haft. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß es sich bei den Skandalszenen um Exzesse gehandelt"habe, die mit Zuchthaus gc- abndct werden könnten� und die den einen oder anderen der Bc- teiligtcn noch vor die Strafkammer oder das Schwurgericht führen würden. Während der Angeklagte H. sich nur durch einige nn- bedachte Worte schuldig gemacht, habe P. die übrigen Beteiligten geradezu angereizt. Immerhin würde eine Gefängnisstrafe für den bisher noch unbescholtenen Angeklagten eine zu harte Sühne sein; ein Denkzettel genüge, aber unglücklich soll er nicht gemacht werden. Zu berücksichtigen sei mildernd die Wirkung des Alkohols und der suggestive Einfluß der Masse. Kasseler Rippcspccr im Warenhausc. Wegen unlauteren Wettbctvcrbs ist vom Landgericht I in Berlin der Einkäufer Emil Plsilivv zu einer Geldstrafe von SO M. vcr- urteilt worden. Er ist Leiter der Abteilung Flcischivarcn im Warenhausc H. Tiev und hatte in den Zeitungen eine Anzeige über Ausnahmctaye veröffentlicht. Darin war Kasseler Rippespeer zum Preise von 70— 75 Pf. das Pfund angeboten. Als nun ein Dr. St. 4 Pfund Rippespeer und zwar Mittclsllick verlangte, wurde ihm gesagt, hiervon koste das Pfund 00 Pf. Hieraus entstand ein Zwist, der dann die Anzeige seitens eines Konkurrenten wegen unlauteren Wettbewerbs zur Folge hatte. Das Landgericht hat angenommen, daß der Angeklagte, der selbständig die Preise fest- setzen und die Anzeigen vcröffentlicheir konnte, unwahre Angaben über die feilgehaltenen Waren gemacht und dadurch den Anschein eines besonders günstigen Angebots erweckt habe. Gegen daS Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Das Reichsgericht hob am Freitag das Urteil auf und verwies die Sache an ein anderes Gericht, nämlich ati das Landgericht-Ii in Berlin zurück. Das Reichsgericht war der Ansicht, es fei nicht genügend festgc- stellt, daß der Angeklagte sich der unrichtigen Angaben in dem Iis- ferat bewußt getvefcn fei.__ Ablehnung der Wcrklohnfordcrung wegen mangelhafter Her. stcllung der Eiienkonstruktion. Der im Mai 1903 erfolgte Einsturz der Görlibcr Musikhalle, der den Tod mehrerer Arbeiter zur Folge hatte, hat schon einmal anläßlich der Strafverfolgung des Jiigenicurs Martini, der die zu- sammengcbrockicne eiserne Tachlonstruktion hergestellt hatte, daS Reichsgericht beschäftigt. Die Strafkammer Görlitz hatte M. zuerst wegen Verstoßes gegen die Regeln der Baukunst und� dadurch verursachter fahrlässiger Tötung verurteilt. Vom �Reichsgericht ist dieses Urteil aufgehoben worden, und dann hat die Strafkammer den M. freigesprochen, weil sie annahm, daß die betreffende Bauart zu der fraglichen Zeit nicht allgemein als sachwidrig galt. Jetzt handelt es sich um Ansprüche der Firma Kalcskh in Sora», die durch Ab- tretung Rcchtsnachfolgerin der Firma Martini u. Co. geworden ist. Letztere hatte den Bau der eisernen Tachkonstruktion der Musik- Halle für den Unternehmer Sehring in Charlottenburg übernommen, der den Bau im Auftrage der Siadtgcmcinde Görlitz ausführte. Tic Klägerin macht im wesentlichen geltend, daß das Werk zur Zeit des Zusammenbruchs abgenommen worden sei und daß die Firma Martini eine Schuld an dem Zusammenbruch nicht treffe. S., der für den Bau der Tcckcnkonstruktiou der Stadt Görlitz 20 000 M. in Rechnung gestellt habe, sei darauf ausgegangen, die Llonstruktion so billig als möglich zu erhalten. Nachdem Martini u. Co. den billigsten Kostenanschlag von 20 000 M. eingereicht gc- habt habe, habe er durch Korrespondenz die Bclastungsfrage bc- handelt. Er sei dann, um eine billigere Herstellung zu erzielen, von 350 Kilogramm Belastung auf 150 Kilogramm herunter- gegangen, wofiir die Firma Martini sich bereit, erklären mußte, die Konstruktion für 14 000 M. auszuführen. Der Beklagte, der schon vor dem Einsturz Streitigkeiten mit der Firma Martini u. Co. hatte, beruft sich darauf, daß das Werk mangelhaft gewesen sei und daß er nach den Kis 033 und 034 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vom Vertrage zurücktreten kann und nichts zu zahlen braucht. Das Landgericht und Kammergcricht zu Berlin haben im Sinne der Einwände des Beklagten erkannt und die Klage ans die Werk- lohnforderung abgewiesen. Denn die mangelhafte Ausführung der Tcckcntonstruttioii babc den Einsturz veranlaßt. Das Reichsgericht hat die Revision der Klägerin am Freitag zurückgewiesen._ vnmrnschcu. Ein nmfangreichcr Prozeß wegen Verbrechen gegen die Sitt- lichkeit spielte sich vor dem Königsbergcr Schwurgericht ab...Unter Anklage standen nicht weniger als zehn Personen, die sich sämtlich an einer Frauensperson vergangen hatten. Das Opfer der. Burschen war eine Wirtschafterin, die nach Königsberg gekommen war, um sich eine Stcllung zu suchen. Zu diesem Zweck suchte sie eine Stcllcnvermittlcrin auf, bei der aber zurzeit keine Stellung gemeldet war. Da das Mädchen in der Stadt fremd und unlkkairnt war, fragte sie einen der Angeklagten nach dem Weg. Dieser war anscheinend bereit, das Mädchen zu führen. In Wirklichkeit vcr- schleppte er sie mit den übrigen Angeklagten auf die Landstraße und von dort in eine einzelstchcndc Scheune, wo die Straftaten Eotz der verzwciscltcn Rufe der Ucberfallcnen geschahen. Die Burschen ergriffen dann die Flucht, nachdem sie ihrem Opfer noch das Portmonnaie gestohlen hatten. Tic Verhandlung gegen die Angeklagten fand unter Ausschluß der Oefscntlichkeit statt. Bei zwei Angeklagten sahen die Gc- schworcncn die Schuld nicht als erwiesen an, sie wurden daher freigesprochen. Die übrigen Angeklagten wurden von den Gc- schworcncn schuldig gesprochen. Darauf verurteilte der Gerichts- hos den Hauptschuldigen zu einer Zuchthaussttaic von drei Jahren und fünf Jahren Ehrverlust. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von drei Jahren, zwei Jahren sechs Mvnatcn und ein Jahr sechs Monaten. iSnenmfIodml91S Neuheit: B Neuheit: C | Jackeft-Anzugej 1 reihig Jatkelt-Anzügej 2reihig Keubeiti D Neuheit; t Neuheit; F. Neuheit: G Neuheit: H Neuheit:/ Neuheit; K Nr. Gemusterter Buckskin, gestreift und kariert........ Nr. 504:» Fein gestreifter kammgarn- artiger Stoff mit hellen Effekten... mT � Nr. 50(>» Mittelgrau, braun und oliv 9f|.. Cheviot mit farbigen Effekten..... JU � Nr. 50S- Sper.-MarkeBS Chev. i. 16 ver- 9(5 schied. Farbenst Weste 2reihig, äknöpf. Jü Nr. 510»..... m ' den schönsten Mustern._ Nr. 512. Marengo oder buntfarbige»Ift Cheviots,„Echt engl." prima Vera ib. ).„Echt englische Cheviots" in Ell.. aönstenMustern. Direkterimport JU Nr. 3. Haltbarer Buckskin in gestreift. und karierten Mustern.......... Nr. 5. Dunkle Kammgarnart in vielen M ustern, sehr haltbar.......... Kr. 7. Spez.-Marke BS sehr fein gemust. Chev. in 16 verschied. 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Nachm. 3 Uhr: Neue« Dolls-Theatcr: Helden. KomödienhauS: DaS StistungSscst. Schiller-Theater 0.: Das Konzert. Schiller-Theater Charl.: König Lear. Theater in der Königgrätzer Straße: Hundstage. Metropol-Theater: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Neues Theater: Der sidele Bauer. Kleines Theater: Und das Licht scheint in der Finsternis. Trianon-Theater: Der selige Toupinel. Blüthner- Saal: Einsonie- Konzert (3-/, Uhr). Abends 8 Uhr: Neues Volls-Theater: Der Raub der Sabinerinnen. Abends 8'/, Uhr: Neues Volls-Theater: Montag und Freitag: Helden. Dienstag und Donnerstag�: Die Wildente. Mitt- woch und Sonnabend: Die Hexe. 8ek!!Ier-7veslef0.N.m°r! Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Klomeei»!. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Reite durch Berlin in 80 Stunden. Montag, abends 8 Uhr: Die Reite durch Berlin in 80 Stunden. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Andere. Schiller-Theater Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Köoie Ijear. Sonntag, abends 8 Uhr: Gyses und sein Hing. Montag, abends 8 Uhr: Gygcs und sein King. Dienstag, abends 8 Ubr: Die Kinder der Exzellens. Berliner Theater. Filmzauber. 8 Uhr ?>/, uhr:.Madbetb. Dentaches Schanspielbans 8 Uhr: Der gutsibende Frack. Theater öe8 Westens. Uhr: Die beiden Husaren Sonnt, nachm. 3'/, Uhr: Frauenfresser. ü'r Residenz-Theater, u'hr Die Frau Präsidentin. (Madame 1s Presidente). Schwank i. 3 Akt. v.Henncquin u. Veber. Morgen und solgende Tage: Die gfrtm Präsidentin. Montis Operetten-Theater ((t. Neues Theater). Amt Norden 1111. 8 Uhr: Oer Zigeunerprimas. Sonnt. Nm. 3 Uhr: Der(idele Bauer. TheateramKollenilorlpIatz 3'/.. Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Wcnds 8 Uhr: Extrazug nach Nizza. OSE=THEATE Trotze Frankfurter Str. 132. Nachm. 3 Uhr: Mein Leopold. 8 Uhr: Der Weg zum Himmel. Montag, abends 8 Uhr: Die bezähmte Widerspenstige. Luisen-Theater. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht.... Schauspiel in 1 Akten v. E. Krickeberg und Ernst Ritterseld. Abends 8 Uhr: Im wunderschönen Monat Mai. Montag und solgende Tage: Im wunderschönen-Monat Mai. 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Nachmittags 3 Uhr: LeicliieCavallerie und Flotte Burseiie Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet! Unter pcrsönl. Leitung d. Komponisten: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. OkonkowSki. Musik von Jean Gilbert, In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz.. fori Bachmann a. 0. Josef Giampietro. Guido Thielscher. Viktor Norbert. H. Ballet. J. Rußka. Ly Vinter. Gesangverein„Liberte" M. d. D. A. S. B. Chormeister:?. A. Joseph. Jröhjahrs-Jfonzert Sonntag, den 16. März 1913(Palmsonntag) abends 7 Uhr im Konzertsaal der„Neuen Welt" (Hasenheide). 58/11* Mitwirkende: Frau Margarethe Brlegcr- Palm(Alt) Herr Fugen Brleger(Bariton). □ □ □ Am Flügel: Herr Joseph. □ □ □ Einlaß 6 Uhr. Eintritt 50 Pf. Hutmacher-Gesangverein„Einigkeit". 1 1 M. d. D. A.-S.-B.— Gegr. 1876.— Chormeister: Otto Wellmann. Palmsonntag, den 16. Mhrz 1913: Großes Monzert-------- im Saale der Branerei BUtsow am Prenzlauer Tor. Mitwirkende: Frau Herta Geigelt, Konzertsängerin. Herr Armin Liebermann, Cello-Virtuose. Herr Andrs Torchfana, Klavier- Künstler. Paul Spannemannt Künstler-Ensemble. Saaleröffnung 5 Uhr. Anfang präzise 6 Uhr. Liodertexte am Saaleingang gratis. Kinder unter sechs Jahren haben keinen Znti-itt. Nach dem Konzert: Fatnillcn-Kranschen. 2788b Scbwimmverehi „freie Sehwimtner" ßtiarloltenburg (Mitgl. d. A. S. B.) Heute Sonntag, de» 9. März 1913, nachm. 3 Uhr, findet das - 8. 8cli wimmfest-- des Vereins im städtischen Volksbad, Krummestrnfie 19, statt. Zur Vorführung gelangen u. a. verschiedene Gruppenvorfulirungen, Danienfchwimmen. Springen, Wettschwimmen, Tauchen, Wasser- ballspiel usw. 283/11 Der Vorstaad. Alexsnderplatr Unter den Binden MoriirpIaU Hasenheide Reinickendorfer Sir. 11 Heule Sonntag: Beginn S Uhr. Der Huterlaß. Eine lustige Berliner Geschichte ans der Gegenwart Menseb und Raubtier ToHkühne Lassojagden im afrikanischen Urwald u. s. f., u. 5. f. AUJITELLONGS* ly| 22. FEBRUAR Uli HAUE An 11 MARZ 1913 •GEÖFFNET lO'-S. UHR EINTRITT FREI. 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März, im Bewcrkschaftshaasc: Einmaliger Vortragsabend der„Berliner SpottvOgel". Interessenten wollen sich bitte Geschäftsadresse notieren: Eugen Rossetty, NW. 21, Lübecker Str. 33. Tel.: Amt Moabit 7619. ! : Exeelsior-Liehtspielhaus:: Neukölln RSttraB�l�iI Passage Vom 7. bis 10. März inklusive: Die Tochter des Pfandleihers. Drama in 2 Akten. Wie es einst im wilden Westen war. Gemälde aus der Zeit der Ansiedelungen In Amerika. In 2 Akten, Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108 414 Letzter Tag! Heute Sonntag, den 9. Bilrz 1913 in samtlichen Festsälen(10 000 Personen fassend): 3ockMsrfest in den kayer. Ulpen. Im neuen Saale: Großer Ball. 5 Kapellen. Entree 5o pf. L30 bayrische MatTl. Anfang 4 Uhr. iSSSSnSeSSSfiaHBHHBflnBBI Charlottenburger Testsäle i Charlottenbnrg, Kaiser-Frledrlchatr. 24. Empfehle zwei große Säle für Versammlungen, Familien- und Vereinsfeste.* beiden U i heule Sonnlag; Gr. Ball"Ä Zirkus Busch. Heute Sonntag, den 9. März: 2 gr. Gala-Vorstellungen 2 Nachm. 3'/, u. abends VI, Uhr. Nachm. hat jeder Erwachsene ein angehSr, Kind unt. 10 Jahren auf allen Sitzpl. frei. Jed. weit. Kind unter 10 Jahren zahlt die Hälfte auf den Sitzplätzen. Nachm. S1/, Uhr: Zum unwiderrufl. letzten Male; „Unter Gorillas� In beiden Vorstellungen: Karl-Fngen-Tronpe, Gymnastik in höchst. Vollend. ifed& Beet, Manegekomiker. Clown Pcpino mit seinem Tierzirkus. Ceschw. Flochl in ihrem wundervoll. Reitakt. Der mysteriöse Deckenläufer? sowie d. übrig, glänz. Spezialit. Abends P/jUhr; Die große Prunk-Pantomime „Sevilla**._ ab 16. März 1913. ReicbsballeQ-Tbeater Stettiner Sanger. Burleske von Meysoh Anfang 7'/» Uhr. Neuer üepforripiler Spielplan Auf Wunsch wiederholt: Arnold Rieek vom Thalia-Thealer inderBilililF-Hnmoreske Es war so schön gewesen und 7 glänzende Novitäten. Als Einlage: Ankunft des Prinzregenten Ludwig von Bayern und dessen Besuch auf dem ■ Flugplatz Johannisthal. Anfang 3 Uhr. --—*--- Junend-Vorstellung 3—5 Uhr. Xcucn Programm. ---- Montag, 10. März aus Anlaß der Jahrhundertfeier Gr. Feslforslellung Anfang 6 Uhr. Zirkus jUbertSetuunann. Heute Sonntag, den 9. März: S gr. Vorstellungen 2 Nachm. 3'/, u. abends 71/, Uhr. In beiden Vorstellungen: Das Riesen- Weltstadtprogramm. U. a.: Neu! Neu! Chinesische Gaukler 10 Lio-Roi-TsehiTs 10 Ohne Konkurrenz!"VHS 7 Luftvoltigeure 7 In beiden Vorstellungen: Oer unsichtbare Mensch, Nachmittags hat jed er Erwachsene ein Kind frei auf allen Sitzplätzen. Xur noch einige Tage! Zirkus Barum GrbPhiuSftr.. vis-a-vis b. Bcamtenwahnbause. Sonntag, den 9. März: Nachm. 4 Uhr u abends 8 Uhr Kroße Vorstellungen. Nachm. zahlen Kinder u. 10 Jahren halbe, abends jedoch volle Preise. Tägüch wechselndes Programm. ÄS RauirJertaira u. Auftreten all/übr. Attraktionen. Täglich, abend» 8-/. Uhr: Oala-Abende Admiralspaiast. Heute 2 Vortttellnngen. Das neue, m. durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Flirt in St. Moritz. In der Hauptrolle; Charlotte. Beg. d. 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Theater Königstadl-Casino, EckcHolzmarlt- u. Mcxanderstrage. t Minute o. Bahnh. Jannowitzbräcke Tägl. abds.'/,8, Sonnt 1l.ß Uhr: O, diese'CbaafTeüre l Lustspiel von Sich. Keßler— u. daZ groß. Gpezialitärenprogramm Jed. i. u. 16.: Vrojrammltiedjiel. Volks-Theater Neukölln, Hermannktr. 20. Sonntag. Ansang 7»/, Uhr: Menschenrechte. Soziales Volksstück in 5 Alten von M. Rcichardt. Montag, Ansang 8>/z Uhr: l»ie Anna-Llsc. Histor. Schaust), in 5 Akten von Hersch. Kino-Theater Marienbad IW Badatr. 35—36.~WtO Jeden Dienstag und Freitag: Premiere. Im Konzert-Restaurant Jeden Dienstag und Freitag: Großes Militär- Konzert. r*?* dermania' Prachtsäle I., Chausseestr.ltO. KarlRIchter. ilento Sonntag: PaulMantheys ] Anf. 61/, Uhr. Eintritt 50 Pf. Anschließ. Familien- Krinzchen. ! Im weißen Saale von 5 Uhr ab . SÄT" Großer Ball.-MWZ •Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger. Jeden Donnerstag: GroBes Militär-Streichkonzert. Franz Tauers Festsäie Große Frankfurter Straße 85 Ecke Marsiliusstraße. 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März 1913, abends S'/a VUr, im llosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12, eine MitgIieder=Versammlung ab, zu der Gäste Zutritt haben. 2795b Todes-Anzeigen SozialdemokratiselierWahlverein Ld. Uerl. ReietistagswahlkPEis. Stralauer Viertel. Bez. 325. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Oscnsetzer Levfss 8tückinx Mcmelcr Straße 8t, gestorben ist. Ehre seinem Zlndeuken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoscS in Fried- richsseldc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/18 Ter«orftand. Somldemitolßcliei' WaMvereiii f. i6.1Se!i.[lelGiistagswahlkreis. Am 7. d. Mts., verstarb unser Genosse, der Händler Bdnumd Weiland Pflugstr. 14. Bezirk 644. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 10. März, mit. tags 12'/, Uhr, vom Trauerhausc aus, nach dem städtischen Fried- Hose, Müllcriiraße, Ecke Scestraßc, statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/4 lker Vortitand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, «chwager und Onkel 2818b Edmund Weiland im 39. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Die» zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme betrübt an Küthe Weiland geb. Knopp. Die Beerdigmig findet am Monlag, den 10. März, 12'/, Uhr mittags, vom Traucrhausc, Pstug- straße 14. auS nach dem städli- scheu Friedhole, Seestraßc, statt. Sängerehur„Weddlng". Nach schweren Leiden verstarb am Freitag, den 7. d. MtZ., unser langjähriger SangcSbrudcr Edmund Weiland. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. d. MtS., nach. mittags 12'/, Uhr vom Trauer- Hause auS statt. Treffpunkt 12 Uhr. Pflugstr. S bei Wald. 53/12 Der Borstand. Dentseber TranspoFtarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken sührer Ferd. Winkelmann am 6. Mörz im Alter von 68 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 10. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Salobi-Kirchhos», Neukölln, Hermannstraße, au« statt. 62/17 Die Berirksverwaltung Deutseber üanarbeiterverbaDd. Zweigverein Berlin. Am 8. März starb unser Mit- glied, der Maurer Anton Lchoepe (Bezirk Sieglitz). Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. März, nach- mittag« 3'/, Uhr, von der Halle des GemeindesriedhoicS in Steglitz. Bergstraße, ouä statt. 141/6 Der Borftaud. ticrdurch die traurige Nachricht, der Putzer 2821b Kurl Staecker 77 Jahre all, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung smdet morgen Montag, oen 10. März, nach. mittags 2'/, Uhr, aus dem Lank- witzer Gcmemdc-Fricdhof statt. Um stille Teilnahme bitten Die trauermte» Hinterbliebenen. SozialdemokratiseberWahlvereiii i. düerUeicbstags-Walilkpeis. Am 6. März verstarb unser Genosse, der Putzer Max Reisemann Soldiner Str. 36, Bezirk 829. Ehre seinem Andenken: Tie Beerdigung findet am Sonntag, den 9. d. MtS., nach- mittags 1'/, Ubr, von der Halle deS Sophien- llirchhoses in der Freienwalder Slratze aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/3 Der Borstaud. Zentral-Spanken-BDdSterbekasse der deutsches Wagesbauer. (E. H. 8) Berlin, Bezirk 8 (Gesundbrunnen). Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Arbeiler Max Reisemann am Donnerstag, den 6. März, verstorben ist. Ehre seinem Andeuke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, 9. März, nachmittags t'/, Uhr, von der Halle des Sophien-Kii chhoseS, Freienwalder- straße, au« statt. lim zahlreiche Beteiligung bittet 257/18 Die Ortdverwaltung. Deutscher HetaUarbelter-Verbasd Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Ztachricht, daß unser Mitglied, der Maschinen« sormer■ Max Reisemann Soldiner Str. 36. ani 6. März an Lungenleidcn gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. März, nach. mittag« 1'/, Uhr, von der Leichen- Halle deZ Sophien-KirchhoscS in der Freienwalder Straße aus statt. Ferner st dich unser Mitglied, der Dreher Heinrich Borcdart Gilschmcr Str. 3, am 6. März an Gehirnschlag. Die Beerdigung findet am Montag, den 10. März, nach- mittag« 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Simeons- Kirchhoses, Tcmpclhoser Weg, aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 114/12 Die Ortsverwaltung. Am 6. März entschlief nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Melalldreher 2806b Heinrich Borchart im 63. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Marie Borchart geb. tVotter, Familie Rogalli, slomtlie Stubenhauer, Familie Diehr. Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Simcons-Kirchhoses in Britz, Tcmpelhoser Weg, auS statt. Verband der Maler, Lackierer etc. Filiale Berlin. Unseren Milgtiedern zur Nach. richt, daß der Kollege Max Hirseroann (Bezirk Neukölln) am Donnerstag, de» 6. März, verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. d. M., nachm 8 Uhr, von der Halle des Neu- löllner Gemeinde-FriedhosS Ma< riendorfer Weg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 137/18 Tie Ortsverwaltung. Verband der Lühograptien,| Steindmckerii.verwandten Sem'e (Deutscher Senefetder-Bund) (Chcmlgraphen). SHm 6. März verstarb unser Kollege, der Pholograph kvIMSNN im Alter von 51 Jahren an Magenleiden. 109/4 Ehre seinem Andeukcu k Tie Beerdigung findet morgen Montag, den 10. März, nach- mittags 2 Uhr. von der Halle des Neuköllner Fri-dhose», Marien- dorser Weg, au» statt. Die Verwaltung der Filiale II. Keukölln. Am Donnerstag verstarb unsere Parteigenossin, Frau Helene Reisker (Böhmische Straße 10, 11. Bezirk). Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. März, nach- mittags 4'/j Uhr, von der Leichen« halle des neuen Jacobi- Fried. hoses, Hermannstraße, aus statt. Am Donnerstag verstarb unser Parteigenosse, der Maler Max Hirsemann (Kaiser-Friedrich-Str. 62,8. Bezirk). Die Beerdigung findet am Montag, den 10. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde- Friedhofes Mariendorser Weg, aus statt. Am Freitag, den 7. März, ver- starb unser Parteigenosse, der Photograph Paul Reimann (Weserstr. 57, 6. Bezirk). Die Beerdigung findet am Monlag, den 10. März, nach- mittags 2 Uhr, vom Gemeinde- Fried hos(Mariendorser Weg) aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 236/11 Der Borstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters f»'»u� Lohse sagen wir allen Freunden und Be- kannten, sowie dem Deutschen Metall- arbeitcrverband und dem sozial- demokratischen Wahlvcrcin Neuköllns, OrlSkrankcnkasse der Schlosser, sowie dem Ches und Kollegen der Firma Molkenhauer u. Metzdor/ unseren besten Dank. 13A Wwe.Martha Lohse nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Wanne« und guten Vaters �rieUrieli Engert sagen wir allen Freunden und Be- kannten, dem Holzarbeiterverband, sowie dem Sparverein.Humor" und den Kollegen der Gcnossenschast .Phönix" unseren herzlichsten Dank. Wwe. Minna Bnxert 648t_ liebst Soh». Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, welche meinem verstorbenen Manne die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere dem Wahlverciii Neukölln, Bezirk 10. dem deutschen Holzarbeiterverband sowie den Sängern sage hiermit meinen herzlichsten Dank. 13« Wwe. Zl Pohle. lieben unvergeßlichen Manne« sage ich allen Freunden und Bekannten und insbesondere dem Brauerei- und Mühlenarbcitervcrbandc meinen tief- gefühlten Dank. 4A Wwe. Hedwig Woyte. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS und Vaters AiiZust Nowack sagen wir allen Verwandten. Freunden undBekonnten, besonders dcnKollegen vom Holzarbcileroirbaiid und dem Wahtoerein des sechsten Kreises unseren herzlichsten Dank. Uliwe Nowack«Ä. Gwincmündcr Str. 54. Uanksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben ManncS 33« August Paßlack sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Kollegen und dem Genrcindearbeiterverbaud meinen herzlichsten Dank. Witwe Justine Paßlack. Danksagung. Für die überaus große Teilnahme und prachtvollen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres lieben Linters Paul And«?«, sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannicii sowie den Genossen de« 6. Wahlkreises, Bezirk 573, den Angestellten und dcnKollegen der Firma Schülk« Rachs. unseren umigsten Dank. 2815b Anders nebst Kindern. Gardinenhaus Bernhard Schwartz gptnburs. Berlin, Wallstr. 13 Gardinen Fenft.(SSchalS)1.S0bis1SS.V0(vorjähr, bis SO°/o unt. Pr>) Portieren Garnitur(Z Schals u.1 Lmb.) 46:360 M.(vorj.biS 50 0/o unt.Pr.) Teppiche Alle Größen u. 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In der Umgebung des Marinehauses hatte sich aus Neu- gierigen und aus Straßenpassanten eine Menge zusammengefunden, die durch ein höchst überflüssiges Polizeiaufgebot angelockt worden war und nun zusah, wie die Versammlungsbesucher herausströmten. Ms alles vorüber toar und an der Ecke des Brandenburger UferS nur noch einige Personen— Erwachsene und Jugendliche — verweilten, trat ein Mann in Zivilkleidung, wahrscheinlich ein Kriminalbeamter, an einen Erwachsenen heran und mahnte ihn und seine Tochter halblaut in ruhigem Ton:„Bitte, weiter gehen!" Während die Angeredeten sich zum Gehen wandten, kam ein anderer M a n n i n Z i v i l k l e i d u n g auf einen in der Nähe siehenden Jugeiidlichen zu und gab diesem mit seinem Spazier st ock einen Hieb ins Gesicht. Ter Kriminal- beamtc sagte mißbilligend:„Ruhig! Nicht doch aber der andere hob aufs neue seinen Stock und schien auch nach dem Mädchen schlagen zu wollen. Auf den erschrockenen Ruf:„Was fällt Ihnen denn ein!?" antwortete der Schläger dem Mädchen mit einem Schimpfwort und mit der Drohung, nochmals zuzuschlagen. Der Vater des Mädchens ging jetzt zu einer Gruppe von drei vor dem Marienhaus stehenden Leutnants und bat um Feststellung de-5 Schlägers. Ein Leutnant kam mit, aber bei seiner Annäherung setzte der Schläger sich in Betvegung und ging mit langen Schritten davon. Da erklärte der Leutnant dem Vater, der solle ihm den Menschen herbringen, er selber könne nicht nachlausen. Als der Vater den Leutnant um Nennung seines Ramens ersuchte, antwortete der Leutnant:„Ja, gleich!' und schritt mit dem Kriminalbeamten weiter. Inzwischen hatten Straßenpassanten den über die Waisenbrücke entweichenden Schläger verfolgt und ihn auf der anderen Seite der Spree an der Neuen Friedrichstraßc mit Hilfe eines dort angerufenen Schutzmannes von einem Straßenbahnwagen heruntergeholt, worauf er ganz ruhig mit zu der benachbarten, in der Neuen Friedrichstraße gelegenen Polizeiwache ging. Vor ihr standen auf der Straße noch zahlreiche Schutzleute, die wegen der Protestversammlung in Bereit- schaft gehalten worden ivaren und auf ihre Entlassung warteten. Ein Leutnant fragte, wo denn der junge Mensch sei, den der Sistierte geschlagen haben solle. Der Geschlagene meldete sich und wurde nun gleichfalls zur Polizeiwache geführt. Hier scheint man ihn zunächst nicht für einen Schutz- suchenden, sondern für einen Sislierten gehalten zu haben. Auf der Treppe wurde er in Empfang genommen, als ob er nicht freiwillig käme und man einen Fluchtversuch fürchtete, lind dann gings mit ihm hinein in das Polizeibureau! Als er nachher wieder herunter- kam und auf die Straße hinaustrat, weinte er und klagte über die Behandlung, die ihm zuteil geworden sei. Was aber geschah auf der Polizeiwache dem s i st i e r t e n Schlägers Er scheint sich da oben benommen zu haben, tvie es sonst an solchem Ort einem Sistierten schwerlich erlaubt wird. Gemütlich ging er hin und her, wie wenn er zu Hause sei. Daß er geschlageil habe, Ivollte er be- streiten. Er schwieg, als der Geschlagene auf die Spuren hinwies, die der Stockhieb zurückgelassen hatte. Das Seit- samste bei der Geschichte ist, daß der Geschlagene den Namen und die Wohnung des Schlägers nicht erfuhr. Einen später in daS Bureau kommenden Leutnant fragte er danach, der aber beschwichtigte ihn:„Das findet sich schon; ich weiß selber noch nicht, wie er heißt.' Es scheint dann, merkwürdigerweise, ganz in Vergessenheir ge- raten zu sein, aus Ivelchem Anlaß der junge Mann auf die Polizeiwache gelangt war. Er sah sich entlassen, ohne zu wissen, wer der Schläger war, der im Kreise der Schutzleute zurückblieb. Der ganze Vorgang ist so befremdlich, daß man dringend wünschen muß, ihn aufgeklärt zu sehen. Wir wollen hoffen, daß die Eltern des jungen Mannes die nötigen Schritte zur Feststellung der Persönlichkeit des Schlägers tun werden, um Strafanzeige gegen ihn einreichen zu können. Partei- EtogelegenKeiten. Zur Lokalliste. I n Oranienburg X.-S. steht uns das Lokal Dobats Ge- sellfchaftshauS, Jnh. Adolf Dobat, Schützenstr. 50, zu allen Ver- anstaltungen zur Verfügung. In Tegel hat das Lokal TrappS Festsäle, Bahnhofftr. 1. den Besitzer gewechselt: die jetzigen Inhaber Herren ZingS u. Co. stellen ihr Lokal gleichfalls zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. ___ Die Lokalkommission. Britz-Buckow. Sonntag, den 9. März, nachm. i'A Uhr, in Buckow im Lokale von Klein, Chausfeestr. 12: Oeffentliche Ver-, sammlung. Tagesordnung: 1. Der Kampf ums freie Wahlrecht «Ref. Gen. Marie Böhm-Schöneberg). 2. Bericht de» Gemeinde- Vertreters Gen. F. Hadameck. 3. Diskussion.— Treffpunkt: 3!4 Uhr bei Gruhn, Chausfeestr. 18. Lankwitz. Für den 1., 2., 3., 4. Bezirk am Mittwoch, den 12. März, gcmcinsanicr Zahlabend bei Schulz, Mühlenstr. 21. Adlrrshof. Dienstag, den 11. März, abends S1,'., Uhr. im Lokal von Äaul, Bickmarckstr. 16: Vortragsabend:„Marx' Werttheorie'. Mitgliedsbuch legitimiert. Eintritt frei. Donnerstag, den 13. März, abends 8>/z Uhr, im Lokal von Wöllstein. Bisnrarckstr. 2t: Oeffentliche Versammlung sür Männer und Frauen. Tagesordnung: Der Imperialismus. Referent: Rcichstagsabgeordneter Genosse Hugo Haase. Grünau. Am Mittwoch, den 12. d. M., abends 9 Uhr, im Restaurant Köpenicker Str. 88: Mitgliederversammlung: Vortrag des Genossen Dorner über die Bedeutung einer gesunden Wohnung für den Arbeiter. Rowawes. Die am Mittwoch, den 12. März, fällige Ver- samnilung des Wahlvereins fällt umständehalber aus. Der Borstand. Hohen-Schönhause». Am Mittwoch findet statt des Zablabends eine Generalversammlung des Bezirks bei Reyher, Berliner Str. 93, statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Düwell über kom- munalc Politik. Bericht der Bezirksleitung. Neuwahl derselben. Verschiedenes._ ßerliner Nacfoncbten. Zwischen Waunsec und Potsdam. Wanincc ist in rascher Zugfolge vom Wannseebahichos in Berlin und von den anderen Stationen der Wannseebahn zu erreichen. Fährt man über die Stadtbahn, so folge« die Züge etwas Iveniger rasch aufeinander. In Wannsee verlassen wir die Bahn nach rechts, indem wir der breiten Berlin— Potsdamer Chaussee folgen, die uns über die Brücke zwischen dem großen und kleinen Wannsec und weiterhin auf den schnurgeraden bebauten Teil der Chaussee bringt. Wir wandern an Villen und Gärten mit Ausblicken aus den See weiter, bis nach etwa einer Viertelstunde zur linken Hand ein mehr armiger Wegweiser uns die Richtung nach Neubabelsberg angibt. Hier biegen wir nach Süden um und erreichen bald das nette Dorf Stolpe am Stolper See. In dessen Nähe geht es weiter, auf dem sogenannten Seewege, den Wegivciser leicht ausfinden helfen, zur Griebnitz. Im Rückblick sehen»vir das Dorf malerisch gelagert und die Brücken, die in seiner .Nähe über den Teltowkanal geschlagen sind. Dann erreichen wir den Griebnitzsee, eines der schönsten märkischen Gewisser, an dessen Nordufcr wir nun lange Zeit dahin wandern. Links unten liegt der langgestreckte See. zur rechten überragen steile Wandhänge mit mächtigen Kiefern den schönen Weg. Am Ende des S-ecs stehen wir in Klein-Glicnickc, wir gehen hindurch, überschreiten den breiten Fahrweg, der von Potsdam ans den Böttcherweg führt und gehen durch die Anlagen gerade aus, denn die Verbotstafel am Eingang bezieht sich nicht auf Fußgänger. Am Glicnickcr Schloßpark vorbei bringt uns der Weg auf die Glienicker Brücke über die seeartig breite Havel, auf der wir Wohl eine Weile im Beschauen der herrlichen Landschafts bildcr und des Treibens auf dem Wasser verbringen. Dann wenden wir uns von der Brücke wieder zurück an ihren An fang und wandern am Ufer der Havelseen in nördlicher Richtung auf einem ganz anderen Wege nach Wannsec zurück. Wir haben ständig Wasser mit alten Weiden und Pappeln zur Linken, Park und waldige Abhänge zur Rechten. Hinter der malerischen Moorlake gehen wir auf einem Fuß- pfad den Weg zur Kirche Nikolsköi in die Höhe; in seiner Art einem Gebirgspfadc völlig vergleichbar. Oben an der Kirche genießen wir die Fcrnsichtcn, dann geht es auf der anderen Seite wieder zur Chaufscc hinab und auf dieser weiter. Die Pfaucniuscl grüßt uns und weiter leitet uns die stille, grünumrandetc Waldchaussee, bis wir wieder Wann- scc erreichen und unseren Kreis schließest. Dieser Ausflug kann bequem in einem halben Tage aus- geführt werden und man kann auch einen ganzen Tag daran wenden, wenn das Wetter das Lagern im Freien oder den längeren Aufenthalt an den schönsten Punkten gestattet. Es gibt andere schöne Ausflüge in der Berliner Umgebung, aber vielleicht keinen schöneren._ Die Wasserabsperrung durch die städtischen Werte. lins wird geschrieben:„Die lendenlahme Verteidigungszuschrift ans dein Rathaus, veröffentlicht in der Freitagnuinmer des„Vorwärts", durch welche das Verhalten der Wasserwerke gerechtfertigt iverden soll, interessiert nach verschiedeneil Seiten. Die Zuschrift beruft sich auf das formale Vertragsrecht. Dieses mag der Ver- waltung der Wasserwerke zur Seite stehen, nicht aber das Interesse der Mieter und des großen Publikums. AuS dem Gesichtspunkt des öffentlichen Interesses ist die Stadtverwaltnng im Unrecht. Es ist der Verwaltung einer Großstadt unwürdig, den nacktesten Fiskalismus hervorzukehren in Fällen, in denen die Gesundheit der Gesamt- bevölkerung gefährdet erscheint. Hier kommen die Grundsätze des öffentlichen Rechts zur Anwendung, die unseres Erachtens den betroffenen Mietern nicht nur ein Recht gegenüber dem Hauseigen- tüiner, sondern auch gegenüber der Stadtgeineindc geben. Diese besitzt tatsächlich das Monopol auf die Wasserversorgung und hat damit auch im öffentlichen Interesse die Pflicht der Wasserversorgung. Daran ändert auch nichts die Behauptung in der Zuschrift, daß „mehr als ein Viertel des gesamten Wasserverbrauchs von Berlin aus eigenen Brunnenanlagen der Eigentümer' entnommen wird. Solche Brunnen sind keineswegs überall vorhanden: die erste Veröffent- lichung im.Vorwärts' vom I.März betont, was der Magistratsschreiber unwidersprochen läßt— daß die nächsten Brunnen ziemlich entfernt lagen. Eine Zumutung an die Mieter, etwa die Klosettspülung durch Waffer, das voir weitentferntcn Brunnen herbeigeschleppt werden mutz, wollte die fragliche Zuschrift doch wohl nicht aus- sprechen? Der Hinweis darauf, daß die Hypothekengläubiger oder die Mieter für den Hauswirt zahlen sollen, mutet direkt komisch an. Der Verfasser der Zuschrift scheint keine Ahnung vom praktischen Leben zu haben! Glaubt er wirklich, die Hypothekengläubiger werden ihr gutes Geld hergeben zur Deckung von Schulden eines zahltmgsunfähigen Hauswirts, zu deren Deckung sie nicht ver- pflichtet sind V Vollends abwegig ist der Rat an die Mieter, die Wasserschulden zu bezahleil und von der Miete zu kürzen. Selbst wenn man mit der Zuschrift annehmen wollte, daß für die Mieter die Forderung der Wasserwerke„durchaus erschwinglich" ist, so ist die weitere An- gäbe, daß die Mieter berechtigt sind, den Betrag bei der nächsteil Mietszahlung in Abzug zu bringen, unzntreffend. Kennt denn der Verfasser der Zuschrift nicht den Inhalt der Mietsverträgc unserer Hau?- agrarier, in denen durchweg einAufrechnnilgsverbot gegenüber derMiete wegen Gegenforderungen der Mieter enthalten ist!? Man sollte doch anilehnien, daß dieS im Rathaus bekannt ist, um so mehr, als auch die Stadt selber sich derartiger, die mageren gesetzlichen Rechte der Mieter beseitigender Verträge bedient! Darauf, daß aber dein Magistrat noch andere Mittel zur Bei- treibung der Forderung zustehen, als die Absperrung des Wassers, schehien die Herren noch nicht gekommen zil sein. Z. B. kann der Magistrat die Zlvangsverwaltung des Grundstücks veranlassen, der Zwangsverwatter muß und wird aus den Mietseinkünsten das Wassergeld sofort decken, Oder die Stadtverlvaltung pfändet die Mieten und läßt sie sich zur Einziehung überweisen. Mit Psändungen und Ueberweisungen ist doch sonst der Magistrat sehr schnell bei der Hand, z. B. wenn ein Hungerleider wegen Ar- beitSlosigkeit seine Steuern nicht pünktlich zahlen konnte und wieder Arbeit bekommt. Bis vor Jahresfrist verfuhr die-Steuerdeputation dabei sogar ungesetzlich, eS wurde dabei die im Lohnbeschlagnahine- gesetz ausgesprochene Beschlagnahmebcschränkung nicht beachtet. Durch Veröffentlichungen im„Vorwärts" hat sich damals die Steucrverwalwng belehren lassen; vielleicht wird auch von der Verwaltung der Wasserwerke unsere Belehrung akzeptiert, Der Begriff der„Einzelerscheinung" wird von dem Schreiber der Zuschrift auch offenbar anders ausgelegt als von uns. Wir haben schon wiederholt Mitteilungen erhalten, daß die Wasser- und auch die Gaslettuugeu abgesperrt worden find. Mit dem Hinweis auf die Polizei ist gar nichts geholfen, das beweist gerade der vorliegende Fall. Hoffentlich wird nunmehr erreicht, daß„die Anforderungen der öffentlichen Gesundheit allen anderen Interessen" auch tatsächlich vor- angestellt werden,__ llntcrgnindbahii»nd Straßenbahn. Die Straßenbahn will mit Rücksicht ans dringende Arbeiten bei dein Bau der Untergrundbahn einige Linien in den Nächten vom 11. /12., 12./13. und 13./ 14. März von>2.19 nachts an nrnleiteil. Es find dies die Linien 17, 59, 62, 74 und 89. Sie gehen dann nicht durch die Neue Königstraße, sondern von» Alexanderplatz über die Prenzlauer und Friedcnstraßc. In der Kirschiicr-Obcrrcalschntc nebst Reolgymnasiom nach Franksurter System, die zu Ostern 1912 im Stadtteile Moabit, Bremer Straße 18/29, gegründet wurde, sind die Ausnahme- klaffen bereits stark besetzt. In der Quarta und Untertertia dagegen ist noch eine größere Anzahl von Plätzen frei. Eltern, deren Söhne bisher auf entfernteren Aiistalten untergebracht werden mußten oder die zu Ostern ihren Wohnsitz nach dem Nordwesten verlegen, werden aus die günsligc Gelegenheit aufmerksam gemacht, ihre Söhne für die Klassen Untertertia und Quarta anzu- melden. Aufgenommen werden nur solche Schüler, die bereits feit Sexta Französisch gehabt haben, also solche, die eine Oberrealschulc oder eine Rcformanstalt besucht habe». DcrLciterderAnstaltProf.Dr.Tropflc nimmt in seinen Sprechstunden lau den Schullagen vormittags'/AI bis >/z12 Uhr, außer Montags und Sonnabends) Anmeldungen entgegen. Die Anstalt befindet sich vorläufig in einer Baracke, Bremer Straße 13—29. Ein Neubau wird zu Ostern in der Zwinglistr. 2 in Angriff genommen. Billetts zu den Konzerte» des Philharmomscheil Orchesters am 17. und 22. d. M. sind noch im Bureau des Wahlvcrcins für den 4. Kreis, Stralaucr Platz 1/2 zu haben. Ungültige Wrrtzilwachsstcnerordnung. Die Wcrtzuwachssteucr- ordnung der Stadt Lichtenberg vom 12. Januar 1919, aus deren Anwendungszeit Prozesse mit Streitwerten von zusammen etwa 75 999 M. schweben, ist Freitag vom Oberverwaltungsgerichl in cinem Rechtsstreit zwischen der Stadt Lichtenberg und der Terrain- gesellschaft Frankfurter Chaussee für ungültig erklärt worden, nachdem bereits der Bezirksausschuß zugunsten der Terrain- gesellschaft wegen Ungültigkeit der Steuerordnung erkannt hatte. Begründend führte das Oberverwaltungsgericht aus: Wegen ihrer Unbestimmtheit in einer Hauptfrage müsse die Wert- zuwachssteuerordnung für ungültig erachtet werden. Eine Haupt- aufgäbe einer Wertzuwachssteuer-Ordnung wäre es, zu bestimmen, welche Größen zur Ermittelung dcS Wertzilwachses in Vergleich zu stellen seien. Die Ordnung bezeichne als Einstandsgröße,' wovon sie ausgehe, den ErwcrbSwcrt, während sie vom Veräußerungswert überhaupt nicht spreche. Im§ 3 werde gesagt:„Bei AnSmittelung des Wertzuwachses im Sinne des ij 1 ist voin Erwerbswert beim stühern Umsatz auszugehen." Die Stcuerordnung sage aber nicht, was sie unter dem Erwerbsivert verstehe. Nun sei vom Vertreter der Stadt geltend gemacht worden, es solle darunter der gemeine Wert verstanden iverden, weil die Ordnung' von einer Wertsteigerung spreche. Das könne nicht zugegeben werden. Die Bezeichnung„Wertzuwachs" gebrauche auch das neue Reichs- gesetz, und doch gehe es nicht vom gemeinen Wert, sondern vom Preise aus. Und auch die kommunalen ZuwachSsteuerordnungen, die nicht vom geineinen Wert ausgingen, gebrauchten den Ausdruck Wertzuwachs. Auch wiesen die weiteren Bestimmungen der vor- liegenden Steuerordnungen darauf hin, daß der örtliche Gesetzgeber weit mehr an den Erwerbspreis gedacht habe, als an den objehiven gemeinen Wert. Dabei sei an den§ 6 zu denken. Wie wenig be- stimmt die Steuerordnung sei. gehe auch aus den verschiedenen Auf- fassungen hervor, die in der Streitsache in den Ausführungen zutage geireten seien. So bleibe nichts übrig, als die Stcuerordnung über- hallpt für tingültig zu erachten. Borzritigc Schließung der 94. Bolksschulc. Eine Augenkrankheit unter den Schulkindern der 94. Gemeindeschule in der Strausberger Straße 8 hat jetzt zur Schließung der Anstalt bis vorläufig zum 31. März geführt. Es haudelt sich dabei anscheinend um einen Katarrh der Bindehaut, der fast in jedem Frühjahr bei einzelnen Kindern beobachtet wird und leicht durch Einträufclllngen beseitigt iverden kann. Mit Rücksicht auf die Ansteckungsfähigkeit der Krank- heit rechtfertigt sich die einstweilige Schließung der Schule. Die Klammer in der Bauchhöhle. Nachträglich wird uns noch geschrieben: Gottfried Moltkau war in der Schultheiß-Brauerei, Abt. II, als Bierfahrer tätig. Ende des Jahres 1999 hatte M. stark an Magenschmerzen zu leiden und er entschloß sich am 24. Februar 1919, sich einer Operation zu unterziehen. Bei dieser Operation ist die Schere in der Bauchhöhle liegen geblieben. Moltkau wurde als geheilt eiitlaffeii und versuchte nun, in seinem Beruf als Bierfahrer weiter zu arbeiten. Er konnte dies jedoch nicht, da er immer und immer wieder große Schmerzen zu erdulden hatte und sich wiederholt krank melden mutzte. Die Aerztc, bei denen er Heilung und Hilfe suchte, fanden nichts und dem M. wurde bei wiederholter Krankmeldung Entlassung aus dem Arbeits- Verhältnis in Aussicht gestellt, da er die an ihn gestellten Anforde- rungen nicht erfülle. Durch Eingreifen des Brauerei- und MühlenarbeiterverbandeS, Ortsverwaltung Berlin, gelang eS, die Entlassung zu verhindern und M. wurde nunmehr im Flaschenkeller der Schultheiß-Brauerei als Arbeiter weiier beschäftigi. Dort hat er unter großen Schmerzen und Selbstüberwindniig seine Arbeit geleistet. Häusig haben sein» Kollegen bemerkt, wie er unter Aufbietung aller Kräfte mit zusamniengebisseneii Zähnen seine Arbeit zu ver- richten versuchte: soweit es die angestrengte Arbeitsweise erlaubte, unterstützten dieselben auch M. Moltkau wurde schivächer und schwächer, die Schmerzen immer größer, und er entschloß sich Mitte Februar er. seine Bauchhöhle mit Röntgenstrahlen durchleuchten zu lassen; hierfür hat er aus eigeueu Mitteln 28 M. aufgewendet. Nach der Anstlahine war des Rätsels Lösung gefunden, denn auf der Platte sah man unter dem Magen in der Bauchhöhle ein etwa 19 Zentimeter langes Instrument liegen, welche es drei Jahre langjiem Moltkau die furchtbarsten Schmerzen verursachte, ihn in dm Bedacht der Simulation brachte und schließlich seinen Tod herbei- geführt hat. Man kann die Frage nicht unterlassen:„Konnte nicht schon längst einmal ein Kassenarzt den M. mit Röntgenstrahlen durchleuchtend" Hätte M. nicht noch 28 M. übrig gehabt, so hätte er vielleicht noch weiter unter den gräßlichsten Schmerzen gelebt, wäre aber langsam dahingesiecht. Nach der Durchleuchtung wurde sofort und zwar am 24. Februar 1913(genau 3 Jahre nach der ersten) zur Operation geschritten, an deren Folgen M. dann gestorben ist. Auf dem Tempelhofer Felde beraubt«nd schwer verletzt. Ein schweres Verbrechen ist gestern in früher Morgenstunde auf dem Tempelhofer Felde verübt worden. Der 35 Jahre alte Kauf» mann Ludwig Spornholz aus Dresden wurde von einer unbelanntcn Fraumsperstm nach dem Tempelhofer Felde verschleppt, dort von einem Manne niedergestochen und beraubt. Er erhielt eine schwere Stichwunde in de», Unterleib«nb wurde nach der Kömgl. Klinik gc» bracht. Seit zwei Tagen hielt sich der Kaufmann Spornholz, der in Dresden ein gutgehendes Geschäft betreibt, in geschüft- lichen Angelegenheiten in Berlin auf. Freitag abend suchte er mit Bekannten mehrere Lokale in der Friedrichstadt aus und in der dritten Morgenstunde wollte er heimgehen. Er wohnte in einem Hotel in der Wallstraßc. Ans dem Wege dorthin wurde Sp., der sich in stark angeheitertem Zustand befand, von einem unbekannten Frauenziinmer angesprochen und aufgefordert, einen Spaziergang mit ihr zu unternehmen. In seinem Zustand ließ sich der Angeredete auch herumführen. Die Unbekannte wanderte mit ihrem Begleiter die ganze Friedrichstrahe herunter und nahm dann eine Droschke, um darin die Belle-Alliance- Straße entlang nach dem Tempelhofer Feld zu fahren. Als die beiden dann das Feld betraten, kam ein fremder Mann hinzu, der ohne weiteres auf SP. zuging und ihm einen tiefen Messerstich in den Unterleib beibrachte. Er fiel dann über den Kaufmann her, raubte ihnr da§ Portemonnaie mit etwa 500 Mark Inhalt sowie die Ringe und die Taschenuhr. Sp. toar durch die starken Blutverluste, die er erlitten, derart geschwächt, daß er sich nicht zur Wehr setzen konnte. Er mußte infolge dessen ruhig mitansehen, wie ihm der Verbrecher die goldenen Ringe vom Finger zog. Die Begleiterin hatte inzwischen die Flucht ergriffen. Als der Beraubte wieder zur Besinnung kam, lag er hilflos auf dem Felde. Auch der Räuber war jetzt verschwunden. Mühsam schleppte sich Sp. bis zum Steuerhäuschen, wo er wieder zusammenbrach. Ein voriiberkommen- der Arbeiter nahm sich seiner an und brachte ihn zur Unfallstation am Tempelhofer Ufer. Wie sich herausstellte, war der Stich so tief geführt worden, daß die Eingeweide heraustraten. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Verwundete in die Kgl. Klinik einge- liefert. Daß zwischen dem unbekannten Manne, der unvermutet auf dem Tempelhofer Felde auf Sp. zuging, und der Dirne gemeinsame Sache gemacht worden ist, scheint sicher. AIS Messerstecher wird der Zuhälter der unbekannten Frauensperson vermutet. Das Mädchen beschreibt der Ueberfallene wie folgt: Es ist t,b8 bis 1,10 Meter groß und 23 bis 25 Jahre alt, hat braunes, in die Stirn gekämmtes, onduliertes Haar und trug einen blauen Rock, einen weißen Schleier und braune Schuhe. Sic sprach englisch, franzö- sisch und gebrochen deutsch. Der Räuber, der ohne Zweifel der Zu hälter des Mädchens tvar, ist ungefähr 30 Jahre alt, etwa 1,10 Meter groß, breit und kräftig, hat einen schwerfälligen Gang und trug einen schwarzen steifen Hut und einen dunklen Ucberziehcr. Arbeiiereltern, jugendliche Arbeiterinnen, Verkäuferinnen und Handlungsgehilfinneu! Am t. April 1913 wird die Pflichtfortbildungsschule für alle im gewerblichen und kaufmännischen Berufe stehenden Arbeiterinnen eingeführt. Aus diesem Anlaß finden heute nachmittag 3 Uhr in den„Union-Festsälen", Grcifswalder Str. 222, und abends 7 Uhr im GewerkschaflShaus, Engelufer 13, Saal III, zwei Bersamwlungen für junge Mädchen statt mit der Tagesordnung: Pflichtfortbildungsschule und weibliche Jugend. Referentinnen: Frau Anna Blas und Frau Mathilde Wurm. Alle Arbeiterinnen mit ihren Töchtern sind zu diesen Versammlungen herzlich eingeladen!_ Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bc Nutzung für jederman», SO., Adalbertstr. 4l. Geöffnet wer! täglich von S>i!— X) Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3— ö Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 618 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Verloren gegangen ist am Donnerstag ein Uebcrzichcr von der Elsensrraße bis zum Wildenbruchplatz. Es wird gebeten, denselben bei Friedrich Schulz, Licgnitzer Straße 13, abzugeben. Zeugen gcluckt. Personen, welche gesehen, wie am Donnerstag, den 6. März, früh 7 Uhr in Neukölln, Hermannstraßc, Ecke Oker- straßc, ein älterer Mann von der Elektrischen angefahren wurde, insbesondere piu den Unfall bcobochtendes Fräulein, werden um Angabe ihrer �Adressen gebeten an E. Kottwitz, Neukölln, Steinmetz- stratzc.77, H. III. Zeugen gesucht. Anläßlich der Protestversammlung am 29. Sep- tember 1912 in der Neuen Welt, sind mehrere Verhaftungen von Teilnehmern erfolgt. Personen, welche diese Vorgänge beobachtet haben, werden gebeten, ihre Adresse an Karl Beuschel, Neukölln, Boddinstr. 16, einzusenden. Vorort- Nachrichten. Lirbrstragödic im Tiergarten. Eine seltsame Liebestragödie hat sich in der Nacht zum Sonnabend im Tiergarten abgespielt. Der 19 Jahre alte Hausdiener Georg Reimann, der mit seinen E schwistern in der Ansbacher Straße 42/43 zusammen wohnte, war in einem großen Betriebe am Tiergarten beschäftigt mid knüpfte dort im Januar dieses Jahres mit der 21 Jahre alten c�pedientin Hedwig Müller aus der Jagowstraße ein Liebesverhältnis an. Bald darauf verloren beide ihre Stellung, und es kam zwischen ihnen zu ernsten Differenzen, weil das Mädchen sich einen neuen Liebhaber hielt. Die heftigen Vorwürfe ReimannS brachten sie auf den Gedanken, ihrem Leben ein Ende zu machen. Nachdem sie sich einen Revolver gekauft hatte, trafen sich beide im Tiergarten. Hedwig Müller teilte ihrem Geliebten unter Tränen mit, daß sie das Leben satt habe. Der junge Mann, der ebenfalls weinte, versicherte nun, daß er ohne sie nicht weiter leben könne und erklärte, daß er sie nicht allein sterben lassen werde. Als sie jetzt den Revolver hervorholte, nahm er dem Mädchen die Waffe aus der Hand und erllärte, erst das Mädchen und dann sich selbst erschießen zu wollen. Am Hopfen- graben gab dann Reimann einen Schuß auf seine Geliebte ab, ver- sengte ihr aber nur das Haar. Vor Schreck fiel das Mädchen zu Boden und Höne nur noch, daß gleich darauf noch drei Schüsse sielen. Als das Mädchen wieder zu sich kam, war Reimami bereits tot. Er hatte sich zwei Schüsse in den Kopf beigebracht. DieJTier- gartenwache beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Ein schwerer Stroßciumfall hat sich am Freitag nachmittag yt der Koloniestraße ereignet. Dort geriet der 8jährige Karl Reiher- feldt aus der Koloniestr. 129 beim Ueberschreiten des Fahrdammes unter einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Schlächter- wagen. Der Kleine wurde überfahren und erlitt mehrere Rippen- brüche und schwere innere Verletzungen. Der Verunglückte erhielt von einem in der Nähe wohnenden Arzte die erste Hilfe und wurde dann nach dem Kinderkrankenhause in der Reinickendorfer Straße gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Aus der Haft entlassen worden ist der Arbeiter Fritz Störtzer aus der Mariannenstraßc, der beschuldigt war, im Februar d. I. mit noch einem Manne am Kottbuser Damm eine heimkehrende Frau aus dem Hinlerhalt beraubt zu haben. Eine Korrespondenz hatte zugleich die Meldung verbreitet, daß St. wegen Zuhälterei vorbestraft worden sei. Wie jetzt per Rechtsanwalt des in Haft Ge- nommenen mitteilt, ist damals St. mit einer ihm bekannten Frau Röhl wegen Zurückzahlung eines gegebenen Darlehens in Streit geraten, in dessen Verlauf die betreffende Frau dem St. und dessen Begleiter das Portemonnaie vor die Füße geworfen hatte. Jetzt ist gegen St. aus eingelegte Beschwerde seine» Verteidigers der Haftbefehl aufgehoben und das wegen Raubes eingeleitete Ver- fahren eingestellt worden. Wir werden zugleich gebeten, mit- zuteilen, daß St. bisher noch nie wegen Zuhälterei vorbestraft worden ist. Eine Rcvolverschießerci in Hennigsdorf gab Freitag abend Anlaß zu Gerüchten von einem neuen Anschlag. Um 6 Uhr warteten an dem Bahnsteig zu Hennigsdorf mehrere Fahrgäste auf einen Zug. Um diese Zeit kam der 14 Jahre alte Arbeitsbursche Röder, der Zeitungen austrägt, einen Steg am Bahnhof entlang. Als er die Leute stehen sah. schoß er aus Uebermut und.wohl ohne daran zu denken, daß er Unheil anrichten könnte, aus einem S-Millimeter- Revolver eine Kugel ab. Das kleine Geschoß reichte aber doch weiter, als er gedacht hatte, und ging dem Bahnbeamten Lubing, der unter den Fahrgästen stand, dicht am Kopf vorbei. Der Zufall nun, daß Lubing gerade die Stationskasse bei sich hatte, um sie ab- zuliefern, veranlaßte das Gerücht, daß auf ihn ein Raubanschlag verübt worden sei. Der leichtsinnige Schütze wurde sofort verhaftet und nach der Wache gebracht. Nach Feststellung des Tatbestandes wurde er wieder entlassen.— Die wettere Untersuchung gegen die beiden verhafteten Arbeiter Dorenburg und Spiewack. die das Hennigsdorfer Automobilatteniat verübt haben sollen, führt jetzt der Spandauer Assessor GanS. Die Zentralkommission der Kranteutassen Berlins und der Vororte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Bor- träge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt ist für jeder- mann unentgeltlich. Am Dienstag, den 11. März 1913, spricht Herr Sanitätsrat Dr. Hesse im Bllrgersaol des Berliner Rathauses über das Thema: „Nutzen der Auskunfts- und Fürsorgestcllen für Lungen-, Alkohol- und Krebstrantheitcn". In Cöpenick in dar Dorotheenschule. Freiheit, spricht am Dienstag, den II. März, Frau Dr. Prager-Heinrich über das Thema:.„FrSuenkraniheiten und deren Verhütung".»Nur für � In, Marie ndorf, im Gymnasium, Kaiserstr. 17=21, spricht am Donnerstag, den 13. März, Herr Dr. L. Jakobsohu über das Thema:„Auge und Arbeit"...... In Tegel in der Gcmeindcschulc. Trcsckowstr. 26-31, spricht am Dienstag, den 11. März, Herr Dr. G. Seegall über das Thema: Geschlechtskrankheiten, ihre Ursachen, Verhütung und Bekämpfung". In Tempelhof in dar Aula der Gcmeindeschule, Friedrich- Witbelmstr. 11-13, spricht am Mittwoch, den 12. März, Herr Tr. Laserstein über das Thema:..Frauenkrankhcitdn. Entstehung und Eerlmmua".(Nur für Fauen.) " Lorträge oegpuien pünktlich um 8 Uhr abends.. Neukölln. Von der Neuköllner Umsatzstcucrordiiung. Das OberverwaltungS- gericht sprach am Freitag in einigen Umsatzsteuerprozessen aus. daß § 6 Absatz 3 der Umsatzsteuerordnung ungültig wäre insoweit, als darin eine Haftung für die nicht unmittelbar am Eigentums- e r w e r b beteiligten Personen ausgesprochen werde, also auch für die nur am Zwiichengeschäft Beteiligten. DaS sei unzulässig. Die Kläger(Rosenscld und Mendelsohn), deren Zwischengeschäfte besteuert waren, mußten in Höhe ihrer Klageanträge freigestellt werden. Trevtow-Baumschulenweg. Ein Fiasko. Nach ungeheurem Tamtam im Ortsblättchen und in den vielen Vereinen sollte gestern hier die Jahrhundertfeier be- gangen werden. Nach vorausgegangenem Kirchgang wurde ein Fackelzug inszeniert. Wrr aber aus eine große Beteiligung rechnete, wurde gründlich enttäuscht. An dem Fackelzuge mögen sich etwa 499 Personen beteiligt haben, zumeist Gemcindebeamtc, Lehrer, Feuerwehrleute usw., bei einer Bevölkerung von 31 999 ein» geradezu klägliches Resultat. Auch der Flaggenschmuck tvar trotz der wieder- holten Aufforderungen äußerst ärmlich. Es wird wirtlich Zeit, daß Treptow nach Berlin eingemeindet wird. Oder sollte der Rummel dort auch so ein Fiasko erleben? Jedenfalls dürfte aber bei künf- tigen anderen Veranstaltungen wie Maifeier usw. der Aufführung eines Fackelzuges nun nichts mehr im Wege stehen. Ober-Tchöneweide. In dem Bericht über die letzte Gemeindevcrtretersitzung war u. a. auch von einer anderweitigen Regelung der Vergebung von Freistellen die Rede. Wie uns der Bersasser des Bericht« mitteilt, hat der hierzu vorliegende Antrag unseres Redners den Zustand, wonach das Lehrerkollegium der Volksschule mit seinem Urteil bei der Besetzung der Freistellen in erster Linie zu hören sei. nicht be- kämpfen, sondern befürworten wollen. Pankow. Die bevorstehende Gewerbcgerichtswahl lautet das Thema, über das Genosse Schramm in einer am Dienstag, den 11. März, abends Zl/z Uhr. bei Roezycki, stattfindenden Versammlung referieren wird. Diskussion. Aufstellung der Kandidaten. Des Zahlabends wegen fällt der Vortrag über die Reichsversicherungsordnung am Mitt- woch aus. Tegel. Der Etat für 1913 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 6 079 890 M.(1912: 6 142239 M.). Die allgemeine Verlvaltung hat Einnahme 1383 999, Ausgabe 4 183 999; Vermögens- und Scbuldcnverwaltung Einnahme 299 599, Ausgabe 225 799; Grund- besitz Einnahme 39 999, Ausgabe 69 999; Gemein deabgaben Einnahme 1956 309, Ausgabe 111 399; öffentliche Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege Einnahme 23 999, Ausgabe 132 999; Schul- Wesen: Humboldt-Oberrealschule Einnahme 56 699, Ausgabe 11$ 690, Lhceum(Mädchen) Einnahme 31 369, Ausgabe 62 669, Kleinkinderschule(89— 90 Kinder) Einnahme 1100, Ausgabe 4799, Fortbildungsschule Einnahme 6659, Ausgabe 15 659(zirka 559 Schüler), Volksschulen: Zus» nähme 111599, Ausgabe 120 l 280 354,87 M. Kanalisation Eiu- 9; Wasserwerk Einnahme 81 799, Ausgabe 66 399: Elektrizitätswerk Einnahme 35 999(so hoch an- gesetzt schon in Erwartung des Ueberschusses von der Straßenbahn nach Heiligcnsec-Schnlzendorf), Ausgabe 32 299; Gaswerk Einnahme 864 809, Ausgabe 836 982; össeutliche Straßen. Wege. Anlagen usw. Einnahme 38 760, Ausgabe 128 960; Insgemein Einnahme 2191 (nach dem letzten Beschluß noch 6999 mehr). Ausgabe 31 163.13 M. Die außerordentliche Verwaltung balanciert mit 1 582 999, ordcntl. Hafen- und Seeufervcrwaltung 35 400, außerordcntl. mit 744 909, Hafen- und Kreisbahngeländcverwaltung mit 1990 999. An Gc- mcindestcucrzu schlag werden 135 Proz. erhoben(«inkommen sollen 373 999 gegen 359 099 in 1912), Grundwcrtsteuer 3,2 pro Mille von bebauten(+ 0,2 gegen 1912) und 6,4(ff- 0,4) von unbebauten Grundstücken, die Gemeindcgcwcrbesteucr soll bringen 106 650 M., 150 Proz. der staatlich veranlagten Gewerbesteuer 13 599, 199 Proz. Zuschlag zur Betriebssteuer 1999 M.. Umsatzsteuer 50 000, Anteil an der Wertzuwachssteuer 34 758, Lustbarkeitssteucr 5009, Hundesteuer 1 1 000, Bicifficucr 20 009 M. Sitzuugstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankow. Am Dienstag, den 11. März 1913. nachmittags 3 Uhr, im Rathause. Breilestr. 25/26. Borsigwalde Wittenau. Dienstag, den 11. Marz, nachmittags 5 Uhr, im Ralhanse. Etatberatung. Diese Sitzungen sind össentlich. Jeder Gemeindeangehilrige ift i«. rechtigi, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugencibeilvegiing. Tie Schwarzen auf dem Kriegspfade gegen die„Arbeiter-Jugend". Als die Arbeiter in M i t t c r t c i ch in der Oberpfalz sich der geistigen Fortbildung ihrer der Werktagsschule entlassenen Kinder annahmen, gründeten sofort die Schwarzen mit dem Geistlichen an der Spitze cinc Geganorganisation. Zugleich wurde mit Keulen gegen die Arbcitcrjugeiidbcwcgung losgeschlagen. Da die Arbeiterjugend einen Berein nicht bildet, war die Aufforderung des Geistlichen an die jungen Arbeiter, aus dem„sozialdemokratischen Jugcndvcrcin" auszutrelcn, cinc Lächerlichkeit. Darum griff er zu einem anderen Mittel und verbot den jungcnLeuien daSLesender„Arbeiter-Jugend". Mit vollem Recht kümmerten sich die Arbeiterkinder den Teufel um dieses Verbot und um die unglaubliche Ankündigung, daß sie verprügelt oder eingesperrt würden, wenn sie dem Pfarrer nicht in der geschilderten Richtung zu Willen seien. Als nun jetzt in der letzten Klasse der Sonntagsschule der Pfarrer umfragte, wer von den jungen Arbeitern noch die„Arbeiter-Jugend" lese, meldeten sich die Abonnenten dieser Jugendzeitschrift, weil sie der Meinung sind, daß die Eltern darüber zu bestimmen haben, was ihre Kinder zu lesen haben. Nun entlud sich über die„Sünder" ein fürchlerliches Donnern wetter und am Schluß der Schulstunde wurden sie in der schule festgehalten, eingesperrt! Als nach längerer Zeit der Vorfall bekannt wurde, begab sich der Vater zweier in der Schule ein- gesperrten jungen Arbeiter dorthin und hatte eine bcftige Aus- cinandcrsetzung mit dem Geistlichen. Am Schluß der Auseinander- setznng wurden dann sämtliche Eingesperrte in Freiheit gesetzt. So wird also auch in Bayern die Schule degradiert zu einem Gewaltmittel gegen die geistig aufstrebende Arbeiterjugend. Hub der frauenbewegimg. Jugcndbcwcguug. Dieses Thema des letzten Vortrags im Zyklus:„Erziehungs- fragen" behandelte Genosse Heinrich Schulz am Montag im„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse". Mit dem Verlassen der Schule findet die eigentliche Erziehung ftir das Kind ihren Abschluß. nun soll eS heranwachsen zu körperlicher und geistiger Selbst- ständigkeit, die Selbsterziehung soll beginnen. Häusig kommt hier der Jugendliche in Konflikt mit dem Erwachsenen, der allerdings die Lebenserfahrung für sich hat. Man versteht aber oft nichl die Psyche des jugendlichen Stürmers und Drängers; Eltern und Er- zieher glauben ihre Autorität in Gefahr. Vielfach wird überseben, daß sich die Verhältnisse infolge der kapitalistischen EntWickelung ver- ändert haben. Der Lehrling früherer Zeiten, der noch der Zucht des Meisters unterstand, ist heute ein jugendlicher Arbeiter, der sich wirtschaftlich selbständig glaubt. Auw seitens der Behörden wird gerade die arbeitende Jugend drangsaliert. Harmlose Zusammen- künftc mit Alters- und Klassengenossen erklärt man für politisch und verbietet sie auf Grund unseres mit liberaler Hilfe zustande gekommenen Vereinsgesetzes. Dagegen erfreuen sich andere Jugendorganisationen des besten Schutzes der gleichen Be« Hörden. Der Jungdeutschlandbund, die Pfadsinder usw. können mit behördlichem Wohlwollen Polittk treiben, denn das Eindrillen des Hurrapatriotismus ist doch ein Beschäftigen mit Politik. Gerade bei den Jugendlichen noch sollte man jeden Parteidrill vermeiden. Man gebe ihnen vielmehr Gelegenheit zu guter, geselliger Unter- Haltung, lehre sie die Natur kennen und lieben, pflege das Wandern, Turnen. Spielen, damit sich Körper und Geist stählen sür den Lebenskampf. Man fördere die EntWickelung des Jugendlichen zur Persönlichkeit und erziehe ihn zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Stets aber gelte unserer Jugend als Ideal, als höchste Tugend das Einsetzen der ganzen Persönlichkeit für daS Wohl und das Glück der Gesamtheit.— Dem mit großem Beifall ausgenommenen Vortrage folgte eine lebhaste Diskussion. Leseabende. Rcinickettdors-Wefi. Montag, den 10. März. Halmann, Scharnweberstr. 54. Referent: abends 8'/z Uhr, Genosse Schütte. bei HU8 aller Älelt. furchtbare Ozmamitexplosion. Im Hafen von Baltimore(Vereinigte Staaten) explodierte beim Verladen eine Schiffsladung Dynamit, die ür die Panamakanal-Bauarbeiten bestimmt tvar. Die Folgen der Explosion, die auf die Unvorsichtigkeit eines der mit den Verladungsarbeiten beschäftigten schwarzen Arbeiter zurück- geführt wird, waren grauenhaft. Nicht nur der zum Transport bestimmte Dampfer wurde völlig zerstört, sondern auch eine Anzahl weiterer Fahrzeuge erlitten die schwersten Be- schädigungen. Mehr als 50 Menschen wurden getötet, ebenso- viel schwer verletzt. An Einzelheiten wird gemeldet: DaS Dynamit befand sich auf einem neben dem Dampfer „Alumchine" liegenden Leichter und zwar in einer Quantität von 340 Tonnen. Der nicht weit von der ExplosionSstälte liegende Schlepper„Atlantic" und der Regierungslohlendampfer„Jason" wurden durch die Explosion furchtbar mitgenommen. Eine Warnung hatte die Mannschaft des„Jason" durch das Erscheinen von Flammen im Schiffsrumpf erhalten. 14 Mann lonute» rechtzeitig in ein Dampsboot springen, das an der Seite des Kohlenschiffes lag. und dann sofort losdampfte. Die Explosion erfolgte, als das Dampf- boot 299 Fuß entfernt war. Mächtige Stücke von dem Dampfer „Alumchine" wurden drei bis vier Meilen durch die Luft geschleudert. Uuter den umhergeschleuderten Trümmern befanden sich auch viele noch nicht explodierte Kisten mit Dynamit. Eine davon fiel auf dem Verdeck des Dampfers„Atlantic" nieder, explodierte dort und tötete drei Personen. Ein SchnlhauS in Sparrowpint, mehrere Meilen von Baltimore, wurde zerstört. wobei mehrere Kinder verletzt wurden. Die Explosion verursachte eine Detonation, die in einem Umkreise von 190 Meile» vernehmbar war. Der Oberbau des amerikanischen Kohlenschiffs „Jason" wurde 799 Fuß weit weggeschleudcrt. Dabei wurden drei Mann von der Besatzung getötet und 29 verletzt. Der angerichtete Schaden isMehr groß. Der Luftdruck der Explosion war so stark. daß in der Stadt zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert wurden und die Bevölkerung erschreck, aus den Häusern stürzte, weil sie ein E r d- beben befürchtete. H- Noch den letzten Meldungen sind bei der Dynamiterplosion im Hafen von Baltimore 40—50 Personen getötet und 69 verletzt worden, unter ihnen 13 schwer. Der angerichtete Schaden wird auf 399 999 Dollar geschätzt. Man glaubt, daß sich noch viele Leichen im Wasser befinden. Eine andere Meldung spricht bereits von 54 Toten! Brüdcrl-in und Schwesterlei»' In der verbreiterten Zeitung Münchens ist jetzt täg- lich, wie die..N. G. C." berichtet, folgendes Inserat zu lesen: Warnung vor der Baronesse Elsa v. TaulphoeuS. Herzog-Rudolf- Straße 13. Dieselbe streut ununterbrochen, um sich Vor- teile zu verschaffen, Verleumdungen über ihre Brüder aus und schont daber auch anderer Leute Ehre nicht. Egon Frhr. v. Tantphoeus. � Herr Egon Frhr. v. �autphoeus, der sich auf diesem etwas ungewöhnlichen Wege über seine Familienangelegenheiten vor dem Publikum ausspricht, ist kgl. bayerischer Hauptmann und Batteriechef in einem Artillerieregiment. Kleine Notizen. Itartc Schnceföllc. In ganz Westdeutschland ist in letzter Nacht außergewöhnlich starker Schneefall eingetreten. Im Sancrland liegt der Schnee über 29 Zentimeter hoch. Telegraphen- sowie Telepyonleitungen sind gestört. Opfer der«utoraferei. In Pa r i s fuhr am Freitag ein Auw in der Avenue � Bosquet in einen Leichenzug. Zwei Pcr,onen wurden lebensgefährlich und vier schwer verletzt. T>ic Urftfrlcficnbcn drS gcschcitkrtk» DampfrrS„Calvados" Berichten jetzt über sä�rcckliche Einzelheiten der Katastrophe. Während des Sturmes in der Nacht vom L. zum 3. März wurde der Dampfer gegen ein Riff im Golf von Pandorma geschleudert. Mit vieler Mühe gelang es schließlich, zwischen dem Riff und dem Dampfer mittels eines Drahtseiles eine Verbindung herzustellen und auf diese Weise löll von den 300- Passagieren zu retten. Tie Geretteten mußten in dieser Lage drei Tage ausharren, und während dieser Zeit sind noch sieben von den Geretteten durch Hunger und Kälte gestorben. TaS Kostüm der Tiamantcnkönigin. Depeschen aus Los Angelas in Kalifornien beschreiben das Kostüm, das Miß Cläre Baldwin Stokcr, die 15 Millionen Dollar erbte und die man die Diamantcnkönigin nennt, trug. Das Kleid ist mit Diamanten besetzt, deren Wert auf 333 003 Dollar geschätzt wird, und außerdem mit Gold durchwirkt. Der strahlende to760 NW Franks. a.M 768 SW München!76!tJW Wien 761 SW Setter t Dunst Dunst ibedcdt Bbcdeckt S bedeckt I Nebel io« »Ii I* wS> Ctattanen |E Iis s 13 8f Haparanda 738 N Petersburg 735'SW Scilln 77! NW Slberdecn Paris 762 W 766>WNW Wen er Äwollig 1 bedeckt «wolkig g.wolkenl Äwoltig £3 -11 med, Karl ReinMt's Dr.— ay H O für Haut-, Harnleiden, Schwäche Ncanderstr. 12. Sprcchst. 5— 7. Sonntags 10-11. Potsdamer Str. 117. Sprechst.'/,ll-2 u.-/,«-10 Uhr abends. Sonntags 10-1; für Frauen 3— i, Sonntags 11—1. Nachweislich Dauererfolge in frische» und veralteten Ttzällc». Man verlange i. eigene» Intcresfe anfllärcndc, 48Teiten starke Broschüre mitBeschrcibung der betr. 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