Mr.««. Bbenncmcnts«nedingungcn: ?tb>>Mlementt- PrkiS drSnumerand«: Bi-rtcljShrl. S�SO Mk�. vwnatl. 1,10 Mü. 11-SchmU.ch 2S Pfg. Irei ii>s Haus. Ijilizelne Nummer n Pfg. Sonntags- umnmct mit illustriert er Sonntag«. Vellage.Die Nene Welt' 10 Pfg. Pofi- Abonnement! 1,10 Marl pro Monat. iringetrageii in die Post-Zeilnng«- 'llrriSNfie. Unter Kreuzband lür Deutfitiland lmd Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poftadonnemeill« nehmen-M! Belgien. Dänemml, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Aumänicn, Schweden und die'Schweiz. 30» Jahrg. öldjcint täglich aaßtr tilontags. Verlinev VolkeSbl�kk. Die InfcrtionS'GebQfjr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel« zelle oder deren Baum«0 Pfg. für poliiifche und gewerlschaftliche Verein«. und Bersammlungs-Zlnzeigen 30 Pfg. „Klelne Mnrcigen", da« feitgedruckle Wort 20 Pfg. lzulässig 2 sctlgedruckie Worte), jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ftabcn zählen für zwei Worte. lInjcrai für die nächsie Nummer müssen bi« .1 Uhr nachniiitag« in der Erpedition abgegeben werden. Die Crpedition vi« 7 Uhr abend« geöffnet, ist Telegramm.Adresse: „SoalälätMdlllat lleelld". �entraiorgan äe? fo2ialclemokrati scken Partei veutsckianäs. �ecUtkchion: 8Dll. 68» I.l„tlnisch�ssse 69. Fernsprecher: Amt Atorinplatz, Nr. IS83. SxpeÄMon: 8Dll. 68, Undetistrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1984. Munition für- in Braum'chiveiK dienende Soldat Erich Kirsten ans Blankenburg a. H. erhängt aufgefunden. Tie Presse schrieb: „Die Ursache des Selbstmordes ist uiivciannt." Jetzt kommt Licht in die Angelegenheit. K i r st e n ist ans V e r z Iv e i f l n n g ü b e r d c n D i c n st u ii d s e i ii c Behandlung> n d e n T o d gegangen. Ter junge Mann diente erst seil dem Herbst, mußte aber, an Limgeiientzündung ertrankt, zweimal im Lazarett behandelt iverden. Am 6. März wurde er auS dem Krankenhaus entlassen. Scbon am 7. März mußte er bereits wieder mit zum>--01151 zum Schießen. Ob eS ihm dabei schlecht ergangen ist, wer weiß das. Am folgenden Tage verließ cr die KG-rne, schrieb seinen Eltern einen Äbschiedsbrief imd erhängte sich. Der Brief lautet: „8. 3. 13,<8— 10 N. Liebe Eltern' Es geht mir sehr schlecht, ich habe s c h r v i c l S ch in c r z c n u n d muß jeden Tag unter« i n ch t w e r d e n, d e 11 11 b e i u n S i n der Kompagnie ist e s c i n s a ch s ch l i in m d i e s ch 11 r i g e l e i v 0 11 n n s c r c r n Vorgesetzten, unser Feldwebel ist ein.......... Weidemann hat mich die 2 Mark gegeben, die du mich mit- geschickt hast. Herzlichen Gruß ans niemals Wiedersehen Euer Sohn Erich. Ich kann das nicht aushalten." Die zweile Komvagnic. in welcher Kirsten diente, ist in den letzten Monaten durch mehrere Mißhandluingsprozesse ziemlich bekannt geworden. Ein Sergeant wurde zu sechs Monaten EesängniS und zur Degradation, einige Ilnterojsiziere zu leichteren Strafen ver- urteilt. tlrinc für die Presse michtige Emtscheidung wurde durch ein Strafverfahren gegen das„Volksblatt" in Mühl- Hausen in Thüringen herbeigeführt. Wegen angeblicher Lehrer- beleidigung waren die Genossen Markwitz und Geßner zu 100 bezw. 20 Mark Strafe von der Mühlhauser-Strafkammer verurteilt worden, weil unser Parteiblatt die harten Züchtigungen der Kinder durch einen Lehrer kritisiert hatte. In der Verhandlung gelang es, einen erdrückenden Wahrheitsbeweis zu fübren. iodaß selbst das Gericht die Aufdeckung mißlicher Schulziistände anerkannte. Trotzdem erfolgte Verurteilung, weil die Spitzinarle:„Eine sehr beachtenswerte Prügellcisinng" imd der zweimal wiederkehrende Ausdruck„prügelnder Pädagoge" in der Form beleidigend seien.(!) Aus die eingelegte Revision hat daS Reichsgericht dieses llrteil aufgehoben. In den Gründen werden folgende beachtenswerten Ausführungen gemacht: Wenn auch richtig fei, daß wer das Recht, die Wahrheit zu sagen, bewnßtermaßen überschreite!, indem er seine Aeußerungen in eine ungehörige Form kleidet, sich strafbar macht, und daß das Recht auf Wahrheit keinen Freibrief auf das Hinzufügen beleidigender Aciißerungeu zu den ivahren Tatsachen gibt.°sv sei doch in jedem Falle zu prüfen, ob nicht die als bc» teidigend erachteten Aeußerungen in einem so engen Zu- s a ni in e n h a 11 g e mit den als wahr nachgewiesenen Tatsachen stehen, daß sie ein Teil der larsächlichen Behauptungen sind, die in ihnen den sachgeinäßen� Ausdruck gefiindeii haben. Unter diesem Gesichtspunkt Ivniie der Ausdruck einer ab- fälligen Beurteilung der bestimmten Handlung eines anderen die Behauptung einer Tatsache enthalten. Im vorliegenden Falle hätte das Gericht auözuftihren gehabt, in welcher Form sich die An- geklagten richtiger hätten ausdrücken sollen und könncn, zumal das erleniiende GcriMt selbst angenommen habe, daß es den Angeklagten um sachliche Erörterungen zu tun war. Ferner rügt das Reichs- gericht, daß der Sckmtz des fj Ui3 den Angcllagteii versagt Ivnrdc. Sie seien verheiratet und müßten ihre Kinder zur Schule schicken. deshalb könne es eine sie selbst angehende Sache sein, daß das ZüchtigungSrecht in der Schule mir iu erlaubten Grenzen ausgeübt lverdc. Ter Pcichsvcrbaud als<5rziclier. Der Licbcrtfche Reichsverband hat ein neues Flugblatt herstellen lassen, durch welches die Fortschrittler erzogen und wieder auf den rechten Weg zurückgebracht werden sollen. Wenn sich die Liberalen belehren, dann will ihnen die LiebernGarde verzeihen, daß sie bei den letzten Wahlen die Sozialdemokratie unterstützt haben. An einem Mangel an Anmaßung leiden die Reichsverbändler wirklich nicht. Das parlier Proletariat gegen die dreijährige Dienftseit. Paris, IG März. lEig. Bcr.i Das Pariser Ppuletanat hat heute in machtvoller Weise seinen Zorn über die militaristischen und chauvinistischen Treibereien und seine» Ent- schlrist. die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit mit Einsetzung aller Kräfte zu bekämpfen, knndgetan. Wie viele Männer und Frauen waren es, die sich heute, unter dem leuchtenden Rot der Organisationsbanner, um die 12 Redner- tribüncn drängte», die aus de.»» weiten Plan von Prä St. R5crbrtt3 a!lf<;cschlagen Juorbcn waren— auf demselben 'Platz, der die groszc intcrilatlonale Kundgebung gegen den Krieg gesehen hat'< Es Ware unmöglich, sie auch nur in tzjehntauscnden mit Sicherheit abzuschätzen, aber sicher ist. daß das ganze gewerbliche Proletariat vo» Paris, über den Kreis der gewerkschaftlich Organisierten hinaus, da war-- das; der Kampfruf: Gegen die dreijährige Dienstzeit! auch die Indifferenten aufgerüttelt hat. An dieser nunmehr offenbaren Tatsache wird anch die bürgerliche Preise nichts .<.i drehen und zu deuteln finden können. Hei der Friedens- 'ffemonstratiou konnte sie noch von„Neugierigen" sprechen, die die Iaht der Demonstranten hätten größer erscheinen lassen. als sie in Wirklichkeit gewesen sei.?lbcr heute war die ganze Masse der Schaulnsligcn nach Viuccnncs zur Friihjahrsparade der Garnison hinausgezogen. Tort gab es bunte llniformen, h'keroplaue, ein effektvolles Kriegsspiel, eine Auffahrt des Präsidenten der Republik zu sehen— gewiß, auch die Menge, hie nach Bincennes strömte, war ungeheuer— geben wir zu, doppelt so groß, wie die beim Meeting am Stadtwnll. Aber Wils Null die gedankenlose Schaulust der Kleinbürger, die «hauvinistischc Erhitzung einer mit des Lebens ernsten Kämpfen noch nicht vertrauten Jugend, die interessierte Begeisterung der in lururiösen Privatautos gekommenen Nutznießer der Gesellschaftsordnung und ihres militärischen Schutzes gegen die zielbewußte Kaiupsentschlofsenhcit der hunderttausend Proletarier bedeuten. Herr Poincarö ist ein kluger Manu. Er wird Ivohl dem Polizcibcricht über das Meeting— hoffentlich wird ihm ein ehrlicherer als der Presse unterbreitet werden— kein ringcres Gewicht geben, als denr Hurragcschrei, das ihn heute unlbrauste. Auf dem Boulevard sah ich dann in der Dämmerung einige hciininarschierendc Regimenter. Vor der Musik iu mili- tärischent schritt hundert oder zweihundert Leute, irgendein patriotischer Verein mit einer Fahne, dann nebenan und iu den Abständen zwischen den Regimentern noch einige Hundert, Männleiu und keuchende Weiblein untergefaßt. Ein ganz dünnes Spalier. Frauen mit Kindern zumeist..Kein Zuruf— juir fiel auf, wie viele Leute sogar das übliche Hutabnchnien vor der Fahne unterließen. Ter Gedanke an das dritte Jahr schien drückend� über den Zuschauern zu liegen, lind hätte man erst die Soldaten gefragt, die, abgemattet von der für die wahren Zwecke der nationalen Wehrorganisation so lvert losen Heerschau, heimzogen. Wie viele von ihnen mögerr heute im Gicht bei der anderen Revue gewesen sein— draußen ini Pro St. Gervais V *» * Demission des Kabinetts Briand. Tie mehrtägigen Verhandlungen des französischen Sc- nats über die Wahlrcform haben zu einer Kabinettskrise geführt. Nachdem der Senat iu der Schlnßabstiininuug das Proportional spstem verworfen und für die Aufrechterhaltung des Majoritätsprinzips votiert hatte, überreichte Minister- Präsident Briand, der das Proportionaljystem als das Pro- gramm der Regierung erklärt und die Vertrauensfrage gc- stellt batte� die Demission des.Kabinetts, lieber diese Er- eiguisse lassen wir die nachstehenden tclcgraphischcn Meldungen folgen.< Die Verhandlungen im Senat. Paris, I& März. Im Senn; wurde heutc die Beratung der §8iiI)lrffor;r fortgesetzt. Nachdem der frühere Minister Piaer gege,, die Perhältniswahl, welche die Regierung zwange, die Mi- rwritätc» orsizicil auzuertcuneii, gcsprockc» lmllc. erklärte Minister- Präsident Briand, weuii die Pere.tuiia eine Lösung entacgen icincm Wunsche.nii!! Eraebnis liedcn sollte, würde er nicht läiiacr an der Macht bleiben. Wenn die Regierung ihr Versprechen nicht ein- lösen könnte, wurde sie gezwungen sein znrückzntrctc», in ihrem Auscheii erschüttert. Das um keinen Preis!«Beifall iin Jeu trnm.) Tic Regierung ivolle mit dein Senat und der Kammer znsanimcnarbciten. Ter Senat dürsc die Rc formversuche der Kaliimer nicht ohne Prüfung ziiriictwcifcn. Darauf gab Minister- Präsident Briand einen Ilebcrblick über die Rcformfragc seit tllllö und zeigte, daß die Reform zuerst von ihren gegenwärtigen stur- niischstcn Gegnern gepriesen wurde. Die Idee sei also gut rc- Publikanisch. Briand crimiertc weiter daran, daß sämtliche Ministerien seit vielen Jahren die Wablrcform aus ihr Programm geschrieben hätten. Sein Kabinett habe das gleiche getan. Ironisch wies Briand darauf bin, das; die Kammer, die selbst aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegangen sei, nach Ansicht der Gegner des Pro portionalshstems ihre Mutter erschlagen und Muttermord begehen Wolle. Die Regierung, so führte er weiter aus, müsse stark sein durch das Vertrauen der beiden Vcrsaminlungcii. Fehle ihr das der einen, so bleilv ihr nur übrig, zu gehen. Der Senat müsse in ein Kompromiß willigen, das imstande sei, das Land zu befriedigen. Seit luv' seien von ll> Nachwahlen'M dem Proport ionalsyftcin günstig gewesen. Der Senat möge sich hüte», daß er sein Per- halten nicht zn bereuen habe. Die Rcgicrnng erbiete sich zu ltchater Mitarbeit; wöiin der Senat sie zurückweise,-müsse die Regierung zurücktreten. Elcmenrcau führte ans: Der Gedanke einer Vertretung der Min erheitcn, ursprünglich republikanisch, ist gegen dir Republi- lauer verdreht und ausgebrütet worden. Man will selbst den Grundsatz der Majorität beseitigen, d. h. die lebte moralische Autorität, die es im Lande gibt. Cleincncean crtlärtc weiter, der Konflikt bestehe, weil man die republikanische Mehrheit des Senates vor drr heterogenen Mehrheit der Kammer beugen wolle. Aber der Senat wolle nicht in Konflikt mit der Kammer geraten. Wenn uiau gin System der Vertretung der Minderheiten aus- findig macke, das mit dem Majoritätswahlsystem vereinbar sei, so werde er für Briand sein, aber er werde jedes System ablehnen, das dein Majoritälswahlsystein zuwiderlaufe. Darauf wurde die Generaldebatte geschlossen und die Dringlichkeit erklärt. Bei Artikel l der Wahlreformvorlage verteidigte Senator Peytral seinen Autrag auf Wiederberstellung des Majoritätswahl- rechts. Ministerpräsident Briand erklärte: Wir stehen vor einer entscheidrnde» Minute: der Antrag Peytral schließt jede Möglich- kei! eines Kompromisses aus.c nicht in das Lokal gehen wollen. Ter„Detettiv" habe ihn aber am Arm gefnsit und ssrmlich in die Kneipe gezogen. Leider habe er aus wiedeMiltes D rängen mit einigen Kollegen unterschrieben. E-ip Karte sei dann anstatt nach(ittinn nach dem Kontor der Firma Hertzog gesandt worden, Daraus sei die Entlassung der Wächter erfolg» Eii' anderer Kläger aad an. der„Detektiv habe oft die Zeel Ii gezahlt, ein mal eine Flasche Schnaps mitgebracht und alles versucht, die Wächter betrunken zn machen. Herr Mab wurde den Klägern als Zeuge gegenübergestellt. Er mußte zugeben, daß er drei Klager iibcryaupt nie gesehen habe, einer habe sieb einmal eine Flasche Bier geholt und Nur der fünfte habe mitgckncipt. Das stellte dieser entschieden in Abrede. Das Gericht verurteilte die Firma Rudolf Hertzog zur Zahlung der Weihnachtsgratifitation in Ootze von je 100 M. an die Kläger. Db nun dir Firma Rudolf Hertzog die zu Unrecht verdächtigten nnd enü'ssencn Wächter, die i-'r lange Jahre ihre besten Kräfte oeopkert haben, wieder einstellt otve wenigsten?, für deren weiteres Fortkommen sorgt 7 Wir bezweifeln es. der Liberale Zrrcführmig. Der„Börscii-Eourier" vom!�- Marz ivirst dem Zentruni vor, das; es erst dann für fortschrittliche Fordcriingeii kintrete. ivciin diese nicht mehr zn umgehen seien, wenn sie in der nächsten Zulun st doch beivilligl werden müßte». Genau so mache es da? Zentrum jetzt mit den liberalen Forderungen der Franenrechle Bis jetzt habe es dieselben stets zurückgeiviesen. aber in der neuesten Zeil gebärde es sich auch franensrenndlich und mache die liberalen Forderungen in bezng auf die Frauen zn den seinen. Ja, was sind denn die liberalen Forderungen für die Frauen e Wie bekannt ist, hat doch erst. Inrzlich die liberale Partei aus ihrem Parteitag in- Mannbeiin die Forderung nach politischer Gleichberechtigung der Frauen zurückgewiesen. Ja. einige Führer haben das damit begründet, daß bei Annaknne dieser Forderung viele Mitglieder gezwnnge» iitzire». aus der Partei auszutreten, da diese iveilgehende Ilnlerstützung der Fraueiifordecungen ihren Grund- sätzeu entgegenliefe, lind jetzt ans einmal, dein Zeutrm« gegenüber. spielt sich der Liberalismus als niler Beschützer der fortschrilllichen Frauenforderuiigen auf.- Jetzt will er aller Welt, beivnöers deli Frauen, beweise», daß bei ihm die Rechte der Frauen gut gewahrt werden. Ilnd ivorum jetzt dieser Eiset. Nim, die L a n d t a g s w a h I e n sind nahe! Da lönnen auch die Liberalen die Frauen gebronichen. zur Arbeit im s ahllanipf nnd am Wahltage. Darum sangen sie schon jetzt an, die Fronen zn um» schmeicheln und ihnen mitzurechnen, was sie schon alles für sie getan Haben und ivie gut sie stets— für die Rechte der Frmtcit gesorgt Haben. Mögen sich auch einige oberslächliche Frauen von diesen Schmeicheleien einsangen lassen nnd ivester im Gefolge der liberalen Partei bleiben, die wirklich denkenden Frauen wissen, daß alle bürgerlichen Parteien gegenüber den Frauen sorderinigen versagen und daß nur die Sozialdemokratie mit aller Entschiedenheit für die politische Gleichberechtigung der Frauen eintritt. Wie wenig ernst die Liberalen es mit der Gleichberechtigung der Frauen nehmen, zeigt auch ihr Verhalten gegenüber den Suffragetten. Nicht etiva nur, daß sie über deren KampteSweife und Taktik empört sind, sie billigen auch nicht das Z i e l der Suffragetten» beivegung. Waruni treten sie nicht dafür ei», daß die Forderung der Suffragetten, ein beschränktes Tamenivahlrecht, gewährt wird? Tann hörte die ihnen nicht zniagende Kckmvfeswcise sofort aus. Aber nicht einmal dieses bescheidene Recht gönnen sie den Frauen. Daß wir nicht dafür eintreten, ist selbstverständlich. Denn wir sehen darin eine Schädigung des proletarische» Interesses. Aber daß selbst die Liberalen sich nicht dafür bcgcistein können, zeigt doch ihre Unzuverlässigkcit ans dem Gebiete der Franenrechle. LcscabenVs. Karlshorst. Mittwoch, den 13. d. MtS., abends 8>/„ Uhr: Frauen» leieabend bei W. Perskc, Prinz-Adalbert-Straße 10, Ecks der Rädclsicaße. l. Vortrag des Genossen R. Küter:«Die Frauen und die Laitdiagswahlen". 2, Diskussion. GewerhlcbaftUchee. Die Huafperrung im)Malergcwcrbc. Tic Ccl'ai-fmochrr im UntcrnehiiK'rvcrbaNlde habc» die erste kalte Dusche>r>cg: die Zwangs? n n 11 n g i n H a n ii o v e r b c s ch I o ß g e g c n v i c r S t i in in c n, d i c A n s- s p e r r u n g aufzuheben und mit dem Gesellen- a u s s ch u ß zu verhandeln. Die Malermeister in Hannover sträubten siäi schau von Anfang an. auszusperren, ließen sich aber schließlich diirel> eine Scharfmacherrede der' Hamburger Obermeisters nmstiiniiien. Es scheint, a l s >v e r d e das Hannoversche Beispiel bald an anderen Orten Nachahmung finde n. Da die Scharfmcickfcr ans eigener Kraft ihre Machtprobe nicht dlirchsetzen können, nehinen sie ihre Zuflucht zu den bekannten Derrorismusnnttelu. So verbot die B i e l e f c l d e r Innung ihren Mitgliedern, für Meister, die nicht aussperrten, (�riiste anfzustellcn. Als auch diese Maßnahinen nichts nutzten, drohten sie allen lliiternehmern, die ihre Gehilfen nicht a»e der Jnnungskasse abmeldeten, in jedem Einzelfalle eine Strafe von 20 Mark an. Tatsächlich wurde auch angefangen, die Strafe einzutreiben, doch ist Beschwerde gegen diese Ungesetzlichkeiten bei der Behörde eingelegt. In einem Zirkular der Dürc»er Innung und des llnternehmerverbandes heißt es u. a�; . sollte ein Meister Arbeiten übernehmen und ausführen, die ein Kollege schon in Arbeit hatte, so muß er sich der von der Ver- sammlung angesetzten Strafe unterziehen. Tiefe beträgt für jeden eingestellten Gehilfen 20 M., für jede unberechtigte Aus- führung der Arbeit 20 Proz. Strafe der Rechnungssumme. Auf alle Fälle beträgt die Strafe mindestens 100 M. für jede ans- geführte Arbeit." j Der I l n tc rneh nw rverba n d in Remscheid veröffentlicht folgende Annonce: .Verschiedene Arbeitgeber versuchen durch Abschluß von Sondcrtarifen mit den Gehilfen dem Arbcitgcbcrverband für das Malcrgclverbc den Lohnkampf z» erschweren. Wir werden alle Arbeitgeber, welche durch dieses Vorgehen nicht nur unser Jntcr- esse, sondern auch das ihrer Kundschaft zu schädigen versuchen, öffentlich bekannt machen, ferner sie dem Arbeitgeberschntzverband 'im Baugewcnbc und dem Arbcitgcberverband des Vergischen Fabritantcnvcrcins bekanntgeben.— Wir bitten ferner die ge- famte Bürgerschaft um Schutz." ES handelt sich hier um denselben Gauperbaiid des Unter- nchmerverbanl-es, der schon seit Jahren alle jene Liescrauten. die mit Farben und Malerinaterialien handeln, ösfentlicki boykottiert, die sich nicht eine nur für schtveres Geld zu habende �ogitimationskarte bei ihm lösen. Für jeden Reisenden ist eine Nebenkarte zn beschaffen. Die Karten find jedes Jahr zn erneuorn. Ter Erlös fließt in die Kasse des Unternehmer- Verbandes imd dient der Besoldniig eines Syndikus. Der Verband der Maler hat den Stand der Aus- svorrung vom In. März ermittelt und festgestellt, daß gegenwärtig 15 782 Gehilfe» ausgesperrt sind, gegen 14 994 am 11. März. Da in den letzten Tagen in vielen Betrieben die Nichtausgesperrten vom Verband zur Arbeitseinstellung ver- anlaßt wurden, ist ohne weiteres ersichtlich, daß ein großer Teil der Ausgesperrten bereits wieder sin Arbeit getreten ist. Im Gau Berlin sind 4202 Mitglieder des Verbandes ausgesperrt(470 mehr als am 11. März), im Gau Frankfurt 1048 (279 mehr), im Gau Hamburg llölll(404 weniger), im Gau Kpln 1094(123 weniger), im Gau Leipzig 2ä9t(250 mehr), im Gau Stuttgart 1384(202 mehr) und im Ga»» München 972(102 mehr). Eine geringere Steigerung in der ersten Aus- fperrungSwoche war schon bei der Bekanntgabe der Ziffern vom 11. März als selbstverständlich angenommen worden. Bedenkt man, daß die Gehilfenorganisation selbst durch Herausziehung der noch in Arbeit stehenden Gehilfen die Streikbeteiligungs- ziffer erhöht lxit, und beachtet man die Perzweifelten Versuche der Scharfmacher, durch Beeinflussung der Innungen der Bau- Unternehmer, Farbeiilieferanten, Hausbesitzer u. a. die nicht- aussperrenden Unternehmer zu terrorisieren, so ist das Resul- tat nach all diesen Anstrengungen für den Unternehwervcr- band als geradezu kläglich zu betrachten. In größeren Städten sind setzt an der Aussperrung be- teiligt in Groß-Berlin 1970 Gehilfen, Benthen 110, Breslau 230, Frankfurt a. O. 82, Hirfchberg 64, Königsberg 201, Lieg- nitz 104, Posen 153, Stralsund 52, Stettin 198, Tilsit 10, Waldenburg 71, Kassel 304, Darin stadt 230, Frankfurt a. M. 614, Mainz 170, Worms 47, Osfenbach 135, Barmen 60, Bochum 50, Köln 67, Duisburg 35, Düsseldorf 157, Elberfeld 109. Essen 173, Hamborn 56, Solingen 100, Altenburg 54, Dessau 68, Dresden und Umgegend 670, Bautzen 63, Meißen 34, Zittau 78. Erfurt 16-1, Gotha 133, Halle 175, Leipzig 114, Halberstadt 50, Plauen 150, Zwickau 94, Augsburg 36, Hof 47, München 46, Nürnberg 290, Regensburg 95, Würzburg 225. In Norddeulschland tritt im allgemeinen ein Rückgang der Aussperrung ein. Von den christlichen und Hirsch-Dniickcrschen Organisationen sind rund 1200 Mitglieder ausgesperrt. Jetzt droht der llnternehnierperband mit der Herausgabc schwarzer Listen der uichtausfperrenden Meister. Doch auch dieser neueste Verzweiflungsakt wird nur den einen Erfolg zeitigen, daß die Oeffentlichkeit ficht, mit was für Mittel die Scharfmacher zu arbeiten gedenken. Berlin und rlmgegcnd. Alhtuna, Trcibriemcnsattler! Bei der Firma Bernhard A. Locwe, Waldemarsiraßc tit», wurde die Arbeit bereits wieder aufgenommen, da die Firma nun ebenfalls den Tarifvertrag unter- schriftlich anerkannt hat. Im Streik bcsindcn sich die Kollegen bei nachfolgenden Firmen: Franz Prctzcl u. Co.. Berlin-Pankow, Hadlichstr. 20; Krause u. Co., Petersburger Str. ist„Union", Nittcrstr. 75 und bei Hugo Diesen er, Schlesischcstr. 18. Der Zuzug nach diesen Betrieben muß auf jeden Fall unterbleiben. Tic OrtSverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portcfeuillcr. Die Gesellschaft Viktoria-Lichtspiel-Tbeater hat in den Pracht- säleu des Ostens in der Frankfurter Allee ciiicn Saal für ihren Betrieb gepachtet. Ta in dem Lokal Differenzen zwischen dem In- haber Otto Crantz und den Gastwirtsgelsilsen vorgekommen sind, ersucht unS' die Firma Viktoria-Lichtspiel-Tbeater um die Mit- tcilung, daß sie ihr Geschäft unabhängig von dem Crantzschen Unternehmen betreibt und mit dem Restaurantsbctrieb der Pracht- sälc des Ostens nichts zu tun hat. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Herr Hugo Kenneweg(Inhaber des Restaurants„Bier-Palast", Rosenthaler Str. 85) lehnt Tarif- Verhandlungen mit dem Verband ab. Der Betrieb ist für organisierte GastwirtSgebilfen gesperrt. Verband der GastwirtSgehilfen, Ort-werwaltung Berlin I. Deutsche» Reich. Lohnbewegung tn der Stettincr.(lonfektionsindustrie. Aach nichrwöchenilichein Kamps wurde im Jahre 1910 in der Stettincr Herrenkonfektion ein Tarifvertrag vereinbart, der am 3 0. Juni dieses Jahres abläuft. Aendcrungen in der Arbeitsweise bedingen eine weitere Spezialisierung des Tarifs und tzic Verteuerung der Lebensverhältnisse erfordert eine zehn- bis fünfzehn- .prozentigc Erhöhung der Tariflöhne. Deshalb be- die 62 stündige Arbeitswoche und zwei Stunden den Tag für Mahll schloß eine zahlreich besuchte gemeinsame Mitgliederversammlung des Verbandes der wchueider und des Hirsch-Dunckerscheu GeWerl- Vereins, das Tarifvcrhältnis zu kündigen, und bcaustragtc die Lohnkommission mit der Einleitung der Verhandlungen zum Ab- schluß eines besseren Tarifs. Da die Unternehmer sich auf einen Kampf vorbereitet haben, muß mit einem solchen gerechnet werden. Leider droht die Einigkeit der Arbeiter an u n- erfüllbaren Forderungen des Gcwcrkvcrcins in die Brüche zu gehen. Der Verband lehnt es ab, für die Zwischenmcistcr Forderungen anfzustcllcn, verlangt vielmehr, daß jn einer cntsprechcndc» llebergaiigszeit d a S Zwischen m eiste r- s>) st c m, an dem nur noch einige Firmen fcstbaltcn, beseitigt und die Arbeit an die Arbeiterinnen direkt ausgegeben wird. Im Jahre 1910 baden sich nämlich die Zwischenmeisicr wohl die Hilfe der Organisationen gefallen lassen, aber nachdem sie ihr Schäfchen im Trockenen hatten, sielen sie den Arbeitern in den Rücken und dachten auch später nicht daran, ihren Arbeiterinnen die verein- bartcn Löhne zn zahlen. Der Verband lehnt es deshalb inil Recht ab, sich für diese Parasiten, die sich von dem Schweiß armer Ar- bciterinnen gute Tage machen, zu engagieren. Dagegen besteht der Gewerkverein ans die Einbeziehung der Zwischenmeistrr in die Lohnbewegung, da er in letzter Zeit angeblich 100 Zwisckicnmcisicr als Mitglieder gewonnen bat. Jn der erwähnten Versammlung kam es wegen dieser Differenz zu solch erregten AuSein- a n d e r s e tz» ii g e n, daß nach vierstündiger Dauer die Versaiiim- lung vertagt werden mußte, nachdem die Redner des Gcwerkvercins von dieser Frage die Einigkeit der Aktion abbängig machten. Sollte in dieser vrinzipielleii Frage keine Verständigung erzielt werden, so dürfte es voraussichtlich in der Stettincr Kon- scktionsindustrie zu einem schweren und langwierigen Kanips kommen, der für das Erwerbsleben Stettins um so bedcutungs- voller ist, als fast in jedem Haus ein paar Nähmaschinen rasseln. Glücklicherweise ist die Geschäftslage in der dortigen Konfektion derart, daß ein günstiger Verlauf der Lohnbewegung trotzdem außer allem Zweifel steht. Darifabschluft im Bäckercigcwcrbc. In Burg bei Magdeburg babcn die Bäcker eine Lohnbewegung erfolgreich durchgeführt. Es kam mit der Innung zum Abschluß eines dreijährigen Tarifvertrages, der bis zum 1. April 1916 gilt. Der Tarifvertrag sieht für Junggesellen im ersten Gescllenjahr einen Lohn von wöchentlich 3 M. bei freier Kost und Wohnung, für die anderen Gesellen einen Lohn von 10 M. vor. Gesellen, die diesen LoTrn bei Abschluß des Vertrages schon haben, erhalten sofort eine Zulage von 1 M. Aus den übrigen Bestimmungen des Tarifvertrages ist noch zu erwähnen, daß in Betrieben mit einem Gesellen böchstens zwei Lehrlinge ausgebildet werden dürfen. Der Arbeitsnachweis des Gehilfenverbandes muß benutzt werden, doch dürfen auch umschauende oder durch Privatpersonen vcniiittcll- Gescllen eingestellt werden, sind aber dem Arbcitsnachweis-Vcr- tranenSinaiin zn melden. Die Arbeitszeit wird ans 71 Stunden wöchentlich beschränkt. Streitigkeiten aus dem Tarifverträge wer- de» durch eine Schlichtungskommission erledigt. Auch einige Be- stimmungen sanitärer Art sieht der Vertrag vor. Berücksichtigt mau, loie außerordentlich schwierig eö im Bäckercigewcrbe für die Gesellen ist, eine Regelung der Arbeits- Verhältnisse herbeizuführen— auch in Burg ließ es die Innung nicht daran fehlen, Schwierigkeiten zu mache»—, so darf man den Tarifabschluß wohl als einen guten Erfolg des Bäckcrvcrbandcs ansprechen. Ein modernes Husarenstücklein. Zu welchen Zwecken unser Militär dient, zeigt der eiste Strciktag der Transportarbeiter in Stolp in Pommern. Einer der bestreikten Spediteure, Stadtverordneter Emil Freundlich, wandte sich an das Regimentskommando des dortigen Husaren- regimcntS Nr. 5 um Hilfe. Prompt wurde sein Wunsch erfüllt, Zum Staunen der dortigen Einwohner sieht man, wie Husaren im Schweiße ihres Angesichts sich abmühen, Strcikbrechcrdicnste zu leisten. Angesichts der kommenden Militärvorlage ist es zu be- grüßen, daß den Bürgern gezeigt wird, wozu das Militär nötig ist. Natürlich ist sofort dem Generalkommando Mitteilung gc- macht worden. Hoffentlich sorgt dieses dafür, daß diese Arbeitswilligen ihre Dienste einstellen. Wie die Arbeitswillige» geschützt sind. Gelegentlich dcö im März in Hildburghauscn(Sachsen-Mei- ningcn) stattgesundenen Streiks bei der Firma Amberg u. Wölling war ein Ausständiger nach zwei Wochen umgefallen. Ein Streikender und der im Konsumverein angestellte Genosse Wich- leudahl gingen nun zu dem betreffenden Arbeitswilligen, um ihn zu bewegen, die Arbeit wieder einzustellen. Wichtendahl, der nur aus gutem Willen und auf mehrmalige Einladung des Arbeitswilligen erschienen war. sagte dem letzteren, daß ihn die Hildburghäuser nicht mcbr achten könnten, wenn er anfange zu arbeiten. Der Arbeitswillige lief zum Kadi, behauptete dort, Wichicndabl habe mit Veröffentlichung gedroht, und erreichte, daß öffentliche Klage gegen W i ch l c n d a h l und einen Streikenden erhoben wurde, der mit dem Arbeitswilligen ebenfalls Differenzen gehabt hatte. Das Gericht entschied, daß beide Angetlagic wegen Vergehen gegen i- 182 zu verurteilen seien, Aichtcndabl zu 45 M., der andere Angckiagie zu!>0 M. Geldstrafe. Ganz sonderbar war die Begründung des Urteils. Das Gericht stellte sich auf den Ttandpuntt, daß W i ch t c n d a b I strenger zn bestrafen war, weil er nur mittelbar am Streit beteiligt war, während man dem zweiten Angeklagten, einem Streitenden, mildernde Um- stände zubilligte, obwohl dessen Differenzen mit dem Arbeits- willigen viel schwerere waren. Husland. Wenn die Köche und Kellner streiken! London, 17. März 1013.(Eig. Ver.) Die feine Welt Londons wird seit einigen Tagen in beständiger Aufregung erhalten. Der Ernst dcS Lebens ist an sie heran- getreten: die Köche und Kellner streiken, lind sie streiken nicht etwa wie andere Proleten; sie bören nicht alle auf einmal auf. Gegen ein derartiges Unglück liehen sich allenfalls noch Vorbereitungen treffen. Sie haben sich eine«trciktaktik ersonnen, die am besten geeignet ist, in ihrem Geschäfte Vorteile zn erringen. An jedem Tage werden zwei oder drei Hotels oder Restaurants in Angriff genommen. Die Köche und Kellner warten dann den sogenannten psychologischen Augenblick ab, der in der Gastronomie eintritt, wenn sich die Gäste gerade anschicken, den Wochenlohn mancher Arbeiterin in einem Happen zn verzehren. Der Beamte der Gewerkschaft gibt dann den Angestellten einen Wink und begibt sich zum Geschäftsführer, dem er die Sachlage auseinandersetzt. Schon haben acht oder neun der größten und wichtigsten Hotels und Restaurants die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Jn einem Falle dauerte der Streik nur fünf Minuten. Das war in dem liochfcincn Pvinccs' Restaurant. Die Beamten der Gewerkschaft arrangierten telephonisch eine Besprechung mit dem Geschäfts- sührer. Bei der Zusammenkunft setzte man ihm höflich, aber be- stimmt auseinander, daß sein Personal in den Streik treten werde, wenn er die Forderungen nicht bewillige.„Ich glaube sogar," be- merkte einer der Gewerkschastsbeamten, indem er auf die Uhr schaute,„daß sich Ihre Angestellten schon im Ausstand befinden." Der ungläubige Geschäftsführer eilte in die Küche, wo das ganze Personal, vom Chef bis zum Küchenjungen, untätig bei den Töpfen und Pfannen stand. Was war zu tun? Die Gäste warteten und die Köche ivarteten auch. Es blieb ihm nichts übrig, als die Forde- rungen der Leute anzuerkennen. Die Londoner Köche und Kellner verlangen bessere Löhne, bessere Arbeitsverhältnisse, eine kürzere Arbeitszeit und bessere Verpflegung. Sic fordern von ihren Ar- beitgcbern die Anerkennung des Ladcngesctzcs(1913), einen halben freien Tag in der Woche, einen freien Sonntag in vierzehn Tagen, zeilcn. Ein großer(vielleicht der größte) Teil der Londoner Hotel-» angestellten sind Ausländer, und das hat bisher die Organisierung dieser Arbeiter und die Abstellung ihrer vielen Beschwerden sehr schwierig gemacht. Die Bewegung wird sich in dieser Woche von London auch auf die Provinzen ausbreiten. Die ilufitellung der Kandidaten zur Candtagswaljl. Tic gestern staiigcfundene» Generalversammlungen der sechs Berliner sozialdemokratischen Wählvcrcine beschäftigten sich u. a. auch mit der Aufstellung der Kandidaten zur Vevorst chcinxn Land» tngStvohl. Wir lassen hier kurz das Resultat folgen. Die Gencralversammlung des ersten Kreises cnischicd sich für die Aufstellung des Genossen Hugo Poctzsch im ersten, Hermann Müller im zweiten und Wilhelm Tüwcll im achten Landtagswahl- kreis. Ter zweite jircis gab seine Justimmuiig dazu, daß für den ersten Landtagswahl kreis Genosse Hugo Poetisch, für den zweiten LandtagSwahlkreis Genosse Hermann Müller lind für den vierten LandtagSivahlkrciS Genossc Dr. Alfred Vcrnstci» aufgestellt wird. Für den dritten LandtagSwahlkreis wurde einstimmig Genosse Theodor Glocke von der Versammlung des dritten Rcichstagswahl- treiscs, Ivozu der Bezirk in der Hauptsache gehört, aufgestellt. Die- selbe Versammlung stimmte der Aufstellung des Genossen Alfred Bernstein für den vierten Landtagswahlkreis zu, von dem ein kleiner Teil zum dritten RcichStagSwahlkreife gehört. Ferner be- ich loh die Versammlung, Protest zu erheben gegen die im fünften Landtagswahlbezirk bereits erfolgte Ausstellung des Genossen Julian Borehardt.(Ein Teil des fünften Bezirts gehört auch zum dritten Kreis.) Pom sechsten Kreis sind folgende Kandidaten aufgestellt worden: Wilhelm Tnwell für den achten, Heinrich Ströbcl für den neunten, Ziarl Liebknecht für den elften und Eugen Ernst für den zivölften LandtagSwahlkreis. lieber den Kandidaten fiir den zehnten LandtagSwahlkreis ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Jn den Versammlungen des vierten und fünften KreiscS brauchte zu dieser Frage nicht mehr Stellung genommen werden, da für die in Betracht kommenden Landtagswahltreise die Kandidaten- nufstcllung in früheren Versammlungen schon erfolgt ist. Auf- gestellt wurden dort bekanntlich die Genossen Paul Hirsch, Adolf Hoffmann und Julian Vorchardi. lUtztc Nachrkbten. Ter König von Griechenland ermordet. London, 18. März. Wie das Ncutcrschc Burcan ans Saloniki meldest ist der Konig von Griechenland heute nach» mittag ermordet worden. Weitere Einzelheiten fehlen noch. Po!ncar6 nimmt die Temiffion des Kabinetts an. Paris, 18. März. Präsident Poincarä hat die Temiffion des Kabinitt« Briand nilgenoinmeil und die Minister bcanftragt, die laufenden Geschäfte zu erledige». Kammer gcgcn Senat. Paris, 18. März. Die Anhänger Oes Proportionalwahl- systcinS der Kammer haben beschlossen, am Donnerstag zu Beginn der Sitzung einen Bcschlußanirag vorzulegen, in dem on die früheren Vcschlüssc der Kammer in der Wahlrcchtsfragc erinnert und diese Beschlüsse aufrechterhalten werden. Eine iirnc Basis für die Friedensverhandluiigeii. Sofia, 18. März.(Meldung des Wiener f. f. Tetegr.- Corr.-BurcauÄ.) Wenn alle Gcfaiidtcii der Großinäciite bis morgen Instruktionen erhalten, werden sie bei der Regierung eine Temarchc unteriiehineii, uin dem Balkanbundc c i n e neue F r ied e n s b a s i s vorzuschlagen, deren Bedinguu- gen in der gestern vom Reuterschen Bureau veröffentlichten Depesche enthalten sind. Wie verlautet, besteht unter den Verbündeten die Geneigtheit, die n c n e Basis zu akzeptieren, wenn man ibiien in Betreff der Geldfrage ciitgegenkominc. Ein blutiger Kamps zwischen Bulgaren und Griechen. London, 18. März,(P r i va tt e.leg ra in in des ,,B o r w ä r t s".) Aus einem Privatbrief vom 12. März, den ein in London wohnender Grieche aus Athen empfangen hast geht hervor, daß cS zwischen Bulgaren und Griechen bei Negrita zu cincin Kampfe gekommen ist, der drei Tage dancrtc. Auf beiden Seiten liabc es viele Hunderte Tote und Per» wuiidctc gegeben. Tie Bulgaren hätten Artillerie verwendet und die Griechen, die die Oberhand behielten, hätten 100 Bul- garcn zn Kriegsgefniigcneii gemacht. Unter den Toten be- fände sicki ein bulgarischer Oberst. Eine große Agitation sei im Gange gegen den Vorschlag, den Bulgaren Kavalla, Drama und Serres zn überlassen. Ebarakteristisch fiir die öffentliche Stimmung sei die Tatsache, daß während des Sicgesjnbels über den Fall von Janina der Ruf:„Nach Sofia!" erscholl, der durch das Einschreiten der Polizei unterdrückt werden mußte.» Heftiges Bombardeinent auf die Stadt Skutari. Wie», 18. März. LlVlt-l/i| il i.l V.» I» L/V-(_ ÄV- V-|] fc.4 llchfwi luitteiüc. Tie Eingeiucihten wußten zwar längjt, daß der Architekt des ZiveckverbandcS keinen leichicir Kampf zu führen halte; wer aber hätte atmdhmeu lonnen, daß die Widerstände so nnuaeewindlich und zerstörend such bcinerlbar mache» sollten. Räch s ch>! Erkenntnis gilt es: auf einen Schelm anderthalbe! Den) >.,i?,n>iialis!,iii'ü und den'!»z versippten Gemcindekoll-gien muß a..' KieolL Nachfolger cm Mann von itarkem Willen und sreier :nd entgegengestellt we-den. Tos sollte selbstveriiändlich sei», i-fst um so größerem Erstaunen hört mau da die Nachricht, daß Bruno Müh ring beachtenswerte Chancen hätte, der Architekt ! Zweckoerbandes zu werde». Gewiß, Mökwing ijl ein überaus begavter Künstler; seine ÄtestbowerbSentWürfe gehören zu den besten> ädtebaulichen Arbeiten der Gegenwart. Aber, und das cnt'ciieid.t t er iler.! im Dienst ran.Haberland, einem der schlimmsten Soett-Iai-ie» Berlins, Mao. sich Möhriug immerhin als ein freier M-.un iüickcn; er ist es nicht und wird es nie mehr sein können.: to> r voin Papst ißt, stirbt daran. Wenn cins von dem künftigen Hiädtcbauex Groß-Berlins zu verlangen iii, dann ist es dieses: bediugvngslos« Unabhängigteil vom Bodenkapital. Wer Berlin lieb!, hat jetzt die Augen offen zu halte n, um die Schiebungen der Ei iquen. die als Kiehls Nachfolger eine Puppe wünsche», recht- zeitig ai'.szndecken. lt. Lr. Arbkitcrsäuger- Konzerte. Es ist cin erfreuliches Zeichen der Hel i utlvickelung des Arbeitergesanges, daß Arbeiterchöre sich außer- halb ihrer engeren Heimat hören lasten. Besonders seit die Ver- schmelzmigsaktionen große, leistungsfähige Ehöre geschaffen haben, ist dos Bestreben, das' Erreichte in Konzerlsälen anderer. Städie vor- zuführe», lebendig und begreiflich. So sind Berliner Arbeuerchöre in größere Provinzstädte gegangen, und Bremer und Leipziger Ar- hriier haben in Berlin Proben ihrer gesaugltchcn Schulung gegeben. An den loiunleitdeir Osterlagen Ivollen dies auch Arbeitersänger aus H alle tun. Der dortige Ä r b e i l e r- S ä n g e r ch a r wurde vor «itzzcfähr fünf Jahren au? vier oder fünf kleinere» Vereinen gebildet und hol seit dieser Zeil unter Leitung seines Dirigenten, des Herrn Engelmann, erfreuliche Fortschritte gemacht. Er hat sich besonders die Pflege des eigentlichen Arbeuergesanges und des Volksliedes an- gelegen sein lassen. Der Arbeiter- Sängerchor Halle wird Sonntag, den N!. März, in der„R e n e» Welt" und Montag, den 2s. März, in der„Brauerei F r i e d r i ch s h a i n" je ein Frübkonzert ver- onstalten. Außer den ILO Sängern werden noch milivirken der Cello- Virtuos Herr Sckwendler und am Flügel Herr Kapellmeister Sonn-> abend, beide auö Halle.' verdorben sein werden, so werden die deutschen und internationalen Bäckergesellen das Andenlen von unserem August Bebel uoch warm im Herzen bewahren.(Donnernder Beifall und Händeklatschen). Die Ausführungen M u g d a n S beweisen, daß der Herr auf seinen, ureigensten Gebicre, in der Hygiene, nicht Bescheid weiß, oder —„ich, wisien will; sonst' hätte er nicht so spreche» können. Hetzschold zerstörte auch das Märchen von den Schweinereien, die in den isozialdemokratischen) Konsumbäckereien vorhanden sein sollen. An Hand des Gerichtsurteils und aus eigener Kenntnis zeigte Redner, daß die Behauptungen M u g d a n S von der Magde- burger Konsumbäckerei eine objektive Unwahrheit darstellen. Mugdan sei zu empfehlen, die einschlägigen und wisienichafilichen Schriften von Dr. Goldschmidt und Geheimrat G r u b e r zu lese», um sich eines Besseren belehren zu lasteu. Wenn Herr Mugdan überhaupt die Absicht haben sollte, sich über Bäckereiverhälrnisse wirklich gründlich zu überzeugen, so sei er, Redner, gern bereit, ihm das nötige Jnformanonsmalcrial zuzustellen. Die Schwindsucht be- sonders ist eine bei den Bäckergesellen stark verbreitete Krankheit und eS wäre zu wünschen, daß der Arzt Mugdan auch auf diesem Gebiete einmal Kenntnisse sammeln würde, sind doch laut statistischer Feststellung SO P r o z. aller Bäckergesellen lungenleidend. Dr. Mugdan ist nur das Sprachrohr der Bäckermeister und Hausbesitzer, die bei strenger Durchführung der Bäckereiichutzbestiinmungen um ihren Profit zittern. Fälschlich be- haupten diese, die Gesellen seien an den Schweinereien in den Back- beirieben schuld; tatiächlick, liegt es aber an den völlig nnzuläng- lickien Backeinrichtungen. Die Gesellen aber müßten den Bäcker- berband in seiner Aufgabe, den Berordnungen von 1908 vollste Geltung zu verschaffen, uufs eifrigste und nachdrücklichste unter- stützen. Mir einem lampfeSfrohen Ausblick in die Zukunft und einem zündenden Appell an die Anwesenden schloß der Redner seine. über- aus wirksamen, crschöpssuden Ausführungen, für die die Versamm- lung mit stürmischem Beifall dankte. Hierauf nahm Bäckermeister Fischer, Vorsitzender von der „Freien Vereinigung" das Wort und bedauerte, daß die eingeiadenen Gegner der Bäckereiverordnung nicht erschienen seien. Die Bäcker- meister hätten dazumal Zeit genug gehabt, sich auf die kommende Bäckereiverordnung einzurichten, wie er(Redner) es auch getan habe. Die„Freie Vereinigung" strebe danach, der Verordnung Geltung zu verschaffen. In Wirklichkeit bestehe der angebliche„Schutzverband gegen die Bäckereiverordnung" aus 3—4 Bäckermeistern, die sich diesen Namen zugelegt hätten. Von Mugdan. dem forlschrilt- lichen Abgeordneten. habe er elwaS anderes erwartet. lGroße Heiterkeit.) Die Meister von der„Freien Bereinigung" hätten ein- gesehen, daß eS sich auch unter der Bäckereiverordnung sehr gut arbeiten lasse, zu bedauern sei nur, daß sie n i ch t weit � e n u g gehe. Von ihrer Seite habe sich nicht einer dagegen ausgeiprochen. (Großer Beifall.) Nach einem markigen Schlußwort des Vorsitzenden Schneider wurde e i n st i m in i g eine Resolniion angenommen, die gegen die vom SanitätsratDr.Mugdaii im preußischenAbgeordnctenhause vorgebrachten Entstellungen und Unwahrheiten über die wirklichen Zustände in den Bäckercibeirieben protestiert. Im Gegenteil sei es von Krankenkassen und>»ozialpolilikeri, festgestellt, daß gerode die Kellerbelriebe sehr gesundheilSschädigend sind. Andererseils seien die vorzüglichen Zu- stände in den Arbeiterkonsumbäckereien auch von gegnerischer und be- hvrdiicher Seite anerkannt worden. Am Schlüsse der Resolution heißt es: Die heute Persmnnieltcii fordern von den Landesregierungen und den Behörden keineswegs eine lauere Handhabmig der Bäckereiverordnung, sondern im Interesse der Gesundheit der in den Beirieben beschäftigten Arbeiter und im Interesse der ge- samten Konsumenten den loeiteren Ausbau des Arbeiterschutzes im Bäckergewerbe und eine sirenge und korrekte Durchführung aller bisher erlassenen Bestimmungen über die Errichtung und Be- schaffenheit der Bäckereibetriebe I Ein Lied des oben genaiuile» Gesangvereins beschloß die ciu- brucksvolle Kulidgebuug.__ Gerichts- Zeitung. Antisemitische Kritik. Gegen den Redakieur der„Staatsbürgcr-Zeitung", HanS Hartwig, richtete sich eine Privatklagc des Inhabers der Akademischen Buchhandlung R. Max Lippoid in Leipzig, die gestern vor dem Eherrlottenburger Schöffengericht zur Verhandlung lam. Tie Firma des Privatklägers befaßt'ich seit Jahren hervorragend mit dem Vertrieb des bekannten Musikalbums„Sang und Klang". Im Herbst v. I. ließ die Firma einer Anzahl von Zeitungen eine» Prospekt beilegen, der die Porzüge des Werkes anpries und den Livingstoncs Geburtsort. Unser Londoner 5iorrespondent schreibt uns: Am 1». März feiert man in Großbritannien die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages des großen Afrika- farschers und Missionärs Lioingstone. Livingstone stammte van armen Eltern, die in dem Orte Blanthrc, der zwischen Glasgow und Hamilton liegt, wohnten. Dort wurde er in einem Hause ge- boren, das noch beute steht, und dort tam cr als zehnjähriger Junge ni die Fabrik. Vor etwas mehr als einem Jahre führte mich mein Weg nach Blanthre. Ich sollte einige Worte in der sozialistischen Äoiintagüschule des OrteS sagen, und ehe die Schule anfing, zeigte mir der Agent der Bergarbeiler, ein aliee Genosse von der I. L. P., der seit 29 Jahren dir rote Fahne in diesem gottverlassenen Erden- Winkel Hochbäli, das Geburtshaus der lokalen Berühmtheit. Um sich eine Borstellung von der isolieet dastehenden Häuserreihe zu machen, zu der dac? Geburtshaus Livingstones gehört, muß man sich die abschreckend wirkenden Gemälde des englischen MalcrS Hv- garth betrachten. Alles starrte dar Schmutz. Vor den Häusern ipiellen Kinder in zevfetzten Kleidern. Viele von ibuen liefen barfuß einher. Es war Sonniagnachmittag. Sie hatten offenbar nicht einmal Schübe für den Feiertag. Während luir uns durch einen Torgang nacki der hinteren Seite der Häuserreihe begaben, erzählte mix mein Begleiter, der auch dein Gemeiuderat angehörte/ welche Kämpfe er zu führen habe, um in dieser Gegend sanitäre Zustände zu schaffe». Was wir hinter den Häusern sahen, ipoiict jeder Beschrcivung. Offene Aborte und Abfallgruben lagen fried- iich nebeneinander und verbreiteten einen überwälligenden Gestaut. Ter aufgeweichte Boden glich einem Schweinestall. Und einige Meter weiter flutete und schäumte der ungestüme Clhde, dessen User bier die Ruinen verlassener Fabriken bedecken. Auf dem Wege nach der Schule kragte mich lnein Begleiter, waS ich von dem Geburtsort seines berühmten Landsmannes dächte. Ich antwortete ihm freimütig, daß dieses kapitalislisckic Jdvll eine der schlimmsten Höhlen sei, die ich je gesehen.„Ja." eUviderie er,„und glauben Sie nicht, Dr. Livingstone hätte besser getan, wenn er zu Hause geblieben wäre, anstatt in Afrika die Reger zu bekehre»? Hier gibt es wahrlich noch genug zu zivilisieren. Und ich bin überzeugt, daß es in Afrika Negerstämme gibt, von denen Blanthre im Punkte Eänilätsweien noch Ii was lernen kann." Ein preisgekrönter Dichlcr-Rcbcll. Eine der eigenartigsten und schönsten Erscheinungen bei allen Völkern � Skandinaviens ist daö Bestreben, kulturelle Taten ihrer LandZIeute durch eine Stiftung zu ehren. Als N a n s e n seine Nordpolarsahrt beendet hatte, brächte das norwegi'che Volk einen Fonds von einer Viertel Million Kronen auf, der Nansen übergeben wurde und dessen Zinsen für Wissenschaft- liche Zwecke venoendet werden. In Schweden bestehen mehrere solcher Stiftungen, darunter auch der„Gustaf Fr ö ding- Fonds". Der im Dezember llltt verstorbene Gustaf Fröding war der volkstüinlichsie und lebensfreudigste Dichter des neuen Schwedens, der die ganze Zeil seines Lebens in finanzieller Not und m schwerer Krankheit verbrachte. Seinen ersten Inhalt des neuesten 7. Bandes(Herausgeber Prosessor(?. Hum« perdinck) angab. Daraus brachte die„Siaatsb.-Ztg." unter„Deutsche Stimmen" einen mit„Dr. mus. Ä. Witte" unterzeichneten Artikel, der mit den Worten begann:„Tie Buchhandlung des Naffejuden R. Max Lippoid in Leipzig sieht jetzt in lauter Reklame alle Welt um Einkauf ihres bereits in 700090 Exemplaren im..deutschen Volke" verbreiteten„Sang und Klang" an. Taradibnmiüh!" Ter Artikel führte dann eine Reihe von„Rassejuden" auf, die als Musik- macher in der Sammlung vertreten seien, darunter Dvorak, Mcn- delssohn, Meyerbeer, Rubinstein, Moezkowski, Alf. Grünseid, Leon- cavallo, Halevy, Brüll, Saint-Snens, Goldmark, Offenbach. Victor Holländer usw. usw. Ter Artikel hielt sich dann über das„wüste Durcheinander" jüdischer und uichtjüdischer Künstler auf und schloß mit den Worten:„Der schmarotzende Charakter jüdischer Art wird gerade bei solchem Durcheinander auch dein Blödesten deutlich. Ich kann" deshalb alle nichtjüdischen Staatsbürger vor«Sang und Klang" nur lvarnen. Herr Lippoid streugie aus Grund dieses Artikels die Privat- klage au. Für ihn machte Rechtsauwalt Dr. Joffe geltend, daß der Artikel Beleidigungen des Privaiklägers enibalte und geeignet sei, ihn und seine Firma in der öffentlichen Meinung herabzusetzen und verächtlich zu machen. Ter Privatkläger sei nicht Inte und niemals Jude gewesen und wenn'er in dem Artikel als„Rassejude" bezeichnet werde, so sei dies daraus berechnet, ihn verächtlich zu machen, worauf auch die Wahl des Ausdrucks„anflehen" hinweise. ES sei auch beleidigend für den Privatlläger, daß seine Person in Verbindung gebracht werde mit dem„schmarotzenden Charakter jüdischer Art. Nachdem ein angeregter Vergleich vom Vertreter dcS Privat- Hägers abgelehnt ivar, beantragte Justizrat Ulrich die Frei- sprechnng des Angeklagten, cvcntl. aber eine ganz milde Strafe, da der Artikel, der sich auf eine Beurteilung eines geschäftlichen Vorgehens beschränke, Beleidigungen nicht enthalte und der Privat- Häger, wenn er wirklich nicht Jude sei, durch die �Bezeichnung ..Rassejude" sich doch nicht so schwer gekränkt fühlen könne. Das Gericht verurteilte de» Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe und sprach dem Privatkläger die Pnblikationsbefugnis zu. Der Kläger hätte wohl verständiger getan, statt zu klagen den Eallimathias der„Staatsbürger-Zeitung" niedriger zu hängen. „Staatsanwalt jtönig". Ter„falsche Staatsanwalt" und Fnhrwerksdicb Robert Lange, der seinerzeit in dem Moabiter Untersuchuligsgefängnis einen viel- belachten Streich ä U Hauptmann von Köpenick verübt hatte, wurde gestern dem Strafrichtcr vorgeführt, um ein recht umfangreiches Schuldkonto zu begleichen. Wegen Diebstahls bezw. Hehlerei waxen vor der 12. Stranammer des Landgerichts I folgende' Personen an- geklagt: der Reisende Robert Lange, der Arbeiter Willi Schmidt, der Arbeiter Albert Tchnnke, die Arbeiterin Anna Frost, Frau Anna Warmbrunn, der Möbelpolierer Hermann Krummholz und dessen Ehefrau._ Im Herbst und Winter v. I. wurden im Süden und Südosten der Stadt zahlreiche Fuhrwerke mit voller Ladung gestohlen. Die Diebe hatten es hauptiächlich auf Wäschewagcn und die Wagen der Paketfahrtgesellschaft abgesehen. Die Fahrzeuge selbst wurden dann gewöhnlich in einem entlegenen Stadtviertel von den Dieven stehen gelassen, nachdem sie die gesamte Ladung fortgeschafft hatten. Tic Ermittelungen der Neuköllner Kriminalpolizei führten schließlich zu der Verhaftung der drei erstgenannten Angeklagten, die unter Führung des Angeklagten Lange die Diebstähle verübt hatten. Als Lange im Untersuchungsgefängnis eines Tages zu dem üblichen Rundgang geführt werden sollte, verstand er es,-"- sich von den übrigen Gefangenen in einem u übel»achten.Augenblick avzu« sondern. Er geriet zufällig in doS Zimmer eines StaatsanwaUs hinci», in dein er sich den Palciot des Staatsanwalts anzog und dessen Aktenmappe an sich»ahm. In dieser Weite ausstaffiert, suchte er das Amtszimmer eines Inspektors auf, stellt, sich diesem als„Staatsanwalt König" vor und erklärte, beauftragt zu sein. ein« Revision vorzunehmen. Nachdem cr diese Rolle längere Zeit mit Erfolg gespielt hatte, otzne daß einer der Beamten de» Schwindel merkte, liest er sich an das Gefängnistor führen. Hier verabschiedete er sich mit gnädigem Kopfnicken, das Tor wurde thm geöffnet und der„Herr Staatsanwalt" war draußen. Die Freude dauerte jedoch nicht lange. Denn am nächsten Tage wurde er wieder festgenommen, gerade als er dabei ivar, sich die Kleider seiner Frau anzuziehen. Tos Gericht erkannte nach mchrstiiudiger Verhandlung gegen Lange, Schmidt und Schuntc ckuf je 1 Jabr und 3 Monate Zucht- haus, gegen die Freft auf(i Mouaic Gefängnis, gegen die Frau Warmbrunn auf 3 Monate, gegen Krummholz auf 6 Monate und gegen Frair Krummholz auf 6 Woche» Gefängnis. Band Gedichte veröffentlichte cr, als er in einer Nervenheilanstalt weilte, und alle seine folgenden Werke, voll jubelnder LedenSfri'che, sandte er vom Krankenlager in die Welt. Da aber leine oft derbe Lebensfreude allen Muckern cin Greuel mar. wurde er von de» konservativen Blättern beschimpft und verhöhnt. Als Genugtuung hierfür brachten die schwedischen Studenten einen.Frödingionds" aus. dessen Zinsen(ungefähr 1700 M.) jährlich an Fröding fielen, während der Fonds selbst im Besitze der Studentenschast blieb. Die Studenten der Hochschulen in Stockholm, Gothen» bürg, ll p s a l a und L u n d hatten nun in Ur- absliininung dem neuen lebenslänglichen Nutznießer diese« Fonds zu wäbleii. Trotz einer intensiven Agitation aller guten Potrivieu und Christen hat die schwedische Studenienschaft' mit i072 Stimnieu (gegen 560) den Dichter O l a H a n s s o n, den ölten Kampfgenoffen Strindbergs. als Preisträger erwählt. Hanston lebt schon mehr als 15 Jahre im Exil(in Frankreichs da er wegen seines Radikalismus von den maßgebenden Kreisen Schivedenö boykottiert ist. Hansson, der auch einer der bedeutendsten Lyriker des Landes ist, kann für seine Bücker seit zehn Jahren keinen schwedischen Verlag finden, obivohl von diesen Werken bereits norwegische und deutsche Ausgaben existieren Seit mehreren Jahren suchte er vergebens einen Verlag für seine prächtigen.Volkslieder", die im vorigen Jahre unser schtvedisaKr Partelverlag dann endlich herausgab. Zweifellos hat zu seiner Wahl auch viel die sehr schneidige.Kampagne unseres Wtockholmer ParteiblatteL beigetragen, das der schwedische» Sludenteufchaft das Gewissen schärfte, denn Hansson lebt auch in liefslcr Not. Notizen. — Die H u m b o l d t- A k a d e»i i e veröffentlicht soeben ihr Programm für dos 2. Lehrvierleljahr 1013, das über 110 Vortrags- reiben enthält. Die Vorlesungen nmfassen die Gebiete sämtlicher Wissenschaften und ihrer pratlischen Anwendung.— Das Lehrvierteljahr beginnt am Montag, den 7. April. — Dichter und Schauspieler. Karl R ö ß l e r, der erfolgverfvlgte Versaffer der.Fünf Frankfurter", hat in früheren Jahren als Schauspieler das Bühnenlebeu recht gründlich keimen gelernt. Jetzt lehrt er zur Abwechslung auf die Bretter zurück und spielt einige Abende die Hauptrolle seiner Komödie.Hinter'm Zaun" (in Haimover). Dies Stück steht himmelhoch über den Frankfurtern. hat dafür aber natürlich nie Hundertlausende eingebracht. Trotzdem scheint e« Rößler mehr zu lieben als den Kossenmagneten. — Ter Kampf um.die drei Könige". Von neuem wird iit Spanien eine Bewegung inszeniert, um das für da« Kaiser- Friedrich-Museum angetanste van der Goes-Bild für Spanien zu erhalten. Es wurde bereits eine Kollektion eröffnet, deren erste Liste schon 10 000 Pesetas verzeichnet. Das Patrvnat des Klosters Monsorle soll dereit sein, da« Gemälde für eine halbe Million Peieioö dem Prado-Muscuin abzutreten.(Herr Bode hat wirklich Pech). Todes-Anzeigen i d. 4. ßerl. Reichstagswatilkreis, Stralauer Viertel. Bez 314. Den Mitglicdcnl zur Nachricht, datz unjcr Genosse, der Musiker �uäolf Kinnmer Köntqsberger clv. 33 gestorben ist. alle des Ztöpenicker Friedhofes aus statt. 56/11 Tie Ortsverioaliung. Verband d. Brauerei- u. Milien- arbeiten u. verwMspossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach- richt, dug unser College, Flaschen- kellerarbeiler August 8edöne nach langem, schwerem Leiden am 15.!Närz inr Alter von 6» Fahren gestorben ist. (Shre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 26s März, nach- mittags 4>/. Ilhr, ans dem Jimeons- kirchhoj in Britz, Tempelhoser Weg, statt...->S/l!) Um zahlreiche Beteiligung ersucht Tic Lrtsvcrwnltinig. kranken- u. Begräbni�ka�s der Seiimieder nnd Beruisgenossen. ———_ G. ,v\ Nr. 17.—...... 'Den Mitgliedern zur Nachricht, dag uitjer alles Miigiied Xiclas nach kurzem Äranlcniager ver- storben ist. Ehre icinem Zlndenken! Die Beerdigung sitidek am Don- nerstag. nachm.-k Uhr, von der Leichenballe des Gavrgvtr» Kirch Hofes, Landsborger Allee, ans 264/4 Ter Vorstand. i stall. Verband der Sebneider, u. WäscbearbeiteF Beutsclilands. Filiale Berlin III. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unsere Kollegin, Näherin Frau MsHiKa üittes* /Firma Dalwih) am 17. Marz im Alter von 2S Fahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. März, nachmittags 4 Uhr, von der.L>alle des Gemeinde- Friedhofes in Britz aus statt. 252/4 Um rege Beteiligung ersucht Bio OrtsvenKaltung. Am 17. d. MtS. verstarb nach langen, schweren Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer EBrnH Fischer im 43. Lebensjahre. 2996S Sein Andenken werden stets in Ehren hatten. vis Kollegen der Buchdruckerei Herrn. Arendts Verlag. Hierdurch die iraurige Mit- I teilung, dag nach schwerem Leiden mein ticber Mann, unser guter | Batcr Karl Schröder | verswrbcu ist. 282t Wwe. J. Schröder und Kinder, Reinidendorser Str. 68. Die Beerdigung findet am ! Donnerstag, l Uhr, vom Trauer- hause aus statt. Seehsler Wahlkreis. Zu unserer diesjährigen Futzpartie am Karfreitag treffen sich die Genossen und Genossinnen vormittags il Uhr im Insel-Restaiiraiit, Plöfzensee. Abmarsch spätestens 10 Uhr nach Saatwinkcl. Um 2 Uhr Ucbcrfahrt nach Tegelort. Restaurant Strandschloff. Jnh.: Emil Mothes -26/s*_________ Der Vorstand. ttr U» Verwaltung Berlin. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten unvergeßliche» Baters ESsHms Kraft sagen biermitallen Freunden, Kollegen und Belaniiten unseren herzlichste» Dank. 1321 Witwe Ida Kraft nebst Kindern. Tankfagung. Für die imiige.Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen meinen berzlichiien Dank. Fm Namen der Hinterbliebenen 2st57b Frau llartlm Volte. ckiw 3&j4- Zö' Die Bureaus uud Arbeitsnachweise sind der Feiertage wegen geschlossen: Am Sonnabend, den 22. März, nach- mittags von 1 Uhr ab: am Montag, den 2i. März, und Dienstag, den 23. März, den ganzen Tag. Achtung! Alrheitslose. Achtung! Die Auszahlung der Ärbeitslosen-Unterslützung erfolgt für die Kollegen, welche am Donnerstag, den 20., und Freitag, den 21. März, an der Reihe sind, am Donnerstag, den 20. März. Die Kollegen, welche Sonnabend, den 2!>., und Montag, den 24. März, an der Reihe sind, müssen am Donnerstag, den 20. März. Mitgliedsbuch und Arbcitslosenkarte auf dem Arbeitsnachweis abgeben und erhalten am Sonnabend, den 22. März, ihre Unterstützung in der für Sonnabends festgesetzten Reihenfolge. Die am Dienstag, den 23. März, fällige Unterstützung wird am Mittwoch, den 26. Bcärz. mit ausgezahlt. Die Kassierung der Beiträge erfolgt in allen Zahlstellen am Sonnabendabend von 6 bis S Uhr. Sonntag, den 23. März(1. Osterfeiertag): Urania= Vorstellung; Taubenftraste 18;49: Paris und die Königsschlösser (Bortrag mit Lichtbildern). 80/15 Eröffnung des Phhsikfaales I Uhr, Beginn der Borstellung pünktlich 5 Uhr. Viltetts inkl. Garderobe a KZ Ps. sind im Bureau, Engeluser 14, zu haben.__ I»ie Ortsverwal tnng. MM Zweigverein Berlin. Gruppe der Puperträger. Freitag, den Hl. März er., vormittags 1« Uhr: General-Versammlung VeztmWfi'zlieFiBMi!! Extra» tkkteilimx I 1 1. Gesch.: Berlin W.. Mohren- L Straße37a(2. Haus von der I Jerusalemer Straße). III. Gesch.: Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 1 1 5(2. Haus von der Andreasstraße). Sehrgr.Ausw. fert. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Schleier, secc. v einfachsten bis zum j j hochelegant.Genrez.äußersi j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naßaufertigang in 10 bis 12 Stunden. Hcbtung! Hchtung! Cotnenius-Säie Jnh. W. Grunwaldt Mcmeler Str. 67 empfiehlt den geehrten Ecwcrkschasten und Vereinen seine Lokalitäten. Auch ist Sonnabend, Z. April 1913. noch frei. 252? 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Verbaflil der Gastwirtsgeliiiien. Crtsverwaltiing Berlin 1.| Nachruf. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dast der Kollege Aupl Müller 1 im Sllki- von 47 Jahren vcr- I storben ist. (Lhrc seinem Andenke« k slilch ����Te�jorstand. Für die herzlich« Teilnahme bei dcr Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BatcrS und einzigen Sohnes Rudolf nahlmelster sagen wir allen Verwandten und! Bcknunten sowie de» Ecnossen des Bezirks:!! SLilll. SchauipielhanS. Pariser Lust. Lustipirlbauö. Majolika. Walhalla. Parole: Walhalla! Folie»<5»prirc. Des Löwen Er- wachen. Flohs Seitensprünge. Rniang 8'/, Übt. vlcues Bolkstvralcr. Helden. 'Ansang 9 Ubr. Ndmiralspalast. Eisballett: Flirt in Et. Moritz. •.• Gteruwartc- Invalid enstr. 57—62. Sehiller-Thealer 0.�"«' Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Keschwister. Hieraus; 11 lg». Freitag i Karfreitag): _____ Geschlossen. Sehlller-TheaieF ChlbXen' Mittwoch, nachmittag 3,10 Uhr: WulloaHteiuH Tod. Mittwoch, abends 8 Uhr: Htz'alketlki'at�er. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Der- ändere. Freitag, abends 8 Uhr: Oratorium-Aaff iiiirung des Potsdamer Gesangoereins für lla>nsche Musik: Johannes-Passion. DcntHctacHdtchanMpielhauM _ 8� Uhr: Das gelobte Land. > ßerliner Ibeslei'. 3. löEMaie: Füinzauber. TheaieriD der Rönigpizer Straße s Uhr: pif fünf Frankfurter. Theater des Westens. 8 Uhr: Tie beiden.Husaren. Freitag: Oratorium Glias. Sonntag- und Montagnachmittag 3>/, Uhr: Der Frauenfresser. Ym\\% Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden IUI. Sicht: Der Zigeunerprimas. Theater amNollendorfplatz Abends 8 Uhr: Lxtfazug nach Nizza. Sonnabend 3 Uhr: Wilhelm Dell. Luisen«Theater Mittwoch, abends 8 Uhr: Vor IOO I>, streu. oder: Napoleons Sieg und Fall. Donnerstag, abends 8 Ubr: >Zor 100 Jahren, oder: Napoleons Stea und Fall. Freitag: Geschioisen, jv8n-m/vrn (Rcosie üranttuncr»tr 132. 1 Abends 8 Uhr: UerlasstUt Fronen. Volksstück in 5 Akten von 31. Lingen. Donnerstag: Verlasseue Frauen. Ii Gewerkschaftshaus i| .._ ♦_ L. Ostepfeiertag, abend» von V-T— 9 Uhr: I Künstlerische Vorträge von Margarete Walkotte. Am Hügel: Prof. Lindemann. Auschliefiend: l'aniillenkränzchen. Entree ÖO PI. 281 2* Abendkasse 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Morsch, Engelufer 15. eeeeeeeeeeeeeeeeeeseseeeeeeseeeeeeeets et „Glon" :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraSe 90/91. Oro Oes öoppel- Konzert. Gastspiel des Philharmouisclieii Blasorchesters aus Hailand. Dirigent: Maestro Loreto Tesone. Musikc. 2. Garde-Regiments x. F. Dirig.: Oberm. Graf. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf._ Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Gr. Nachmittags-Ronzert bei freiem Eintritt. Zirkus Wert Schumann. Heute Mittwoch, den 19. März, abends 7'/s Uhr: Gr. Gala- Vorstellung. Neu! Üetl! Der lebende Propeller. Mr. Hellv and Bera 10— f ,1 ö- II ol-Tseh n's~ 1 0 Cbinesisi'he Gaukler, Fpeiheitsdrcssurcn. vorgoführt von Horm Bono. Wcttkegcin zu Pferde, 2-eritten von 8 Herren. < low n Adolf»V fottreil. 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Max ÄaÄ W.Wettslädt.SlrsläunderbtrlS. tZeraniworllichcr Redakteur: Alfred Wiclcpp, Neukölln. Für den Lnfeiatenleil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» vuchvruckerei u. BerlagSansialt Baut Singer u. Co., LerlmSM Nr. 60. 30. ZahrMtz. 2. Keilme des Jutmitts" Sttlintt Uslksdlall Witw-ch, 19. Am 1913. Dn den Gräbern der filärzhämpfer. Vor acht TnflcH: der«chloWcgend inililärische Paraden »ut Paule»»»d Trvmpeleu. Festrede» und Hurrageschlei. Jin Doni Gotiesdieust iiir die inilitärisch-höfische Gesellschaft. In der Nikolai- tirchc gemciusanic Andacht für Juden und Christen. Borher im Rathause und im Landtage freisinnig-patriotischer Entrüstungssturm gegen die Sozialdemokratie und unentivegtes Bauchrutschen der Frcisinnsmanucu, die in liebedienerischen Verbeugungen nach oben mit den servilsten Hofschranzen ivctteifcrn. So feierte das offizielle Preußen. Militarismus, Juukertuin und Liberalismus in trauter Harnionic, die BolkSerhebnng von 181ll, die man zir diesem �wcrk als die Tat eines nichts weniger als heldenhaften Prcußenlvnigö UMgelogen hat.— Ein abstoßendes Schauspiel. Ani 18. März beging die freiheitlich gesinnte Bevölkerung Berlins, die sozialdemokratische Arbeiterschaft, die Feier des Freiheitskampfes von 1848. Hier gab es keinen auf Acußcrlichkeitcn l'crcchiictcu Festrummcl. Still und bescheiden, ohne Glanz und Pomp, aber getragen von tiefer Empfindung, von glühendem Freiheitsdrang ehrte die klassenbewußte Arbeiterschaft die gefallenen Freiheits- kämpfcr, die, von dem maßgebenden Teil des liberalen Bürgertums vergessen, ja verleugnet, in dem stillen Winkel am Friedrichshain ruhen, den kein Denkmal und kein Portal schmückt. Hier grüßen an jedem 18. März die für die Freiheit begeisterten Lebenden ihre für die Freiheit gefallenen Toten. Hier, an der stillen, dem Volke gc- weihten Stätte gedenkt nian des Werkes, das ivahrhaft liberale Männer 1848 begonnen, das der heutige Liberalismus verrät und das zu vollenden der klassenbewußten Arbeiterschaft, der Sozial- dcmokratic beschieden ist. Auch gestern war der Friedhof der Märzgefallenen wieder das Iftiel vieler Tausenden. Schon am frühen Morgen, als der frische Märzwind das noch winterlich kahle Geäst der Bäume schüttelte, »ahten Kranzträger und andere Besucher. Immer größer wurde die "ahl derer, die kamen, um die Gräber der Volkshelden mit grünen Kränzen und roten Schleifen zu schmücken. Als gegen Mittag die Sonne zeitweise das leichte Gewölk durchbrach, da fiele» die warmen Strahlen auf ein Meer von leuchtendem Rot, das, in breiten Bändern hcrabsallend, den Rundweg zu beide» Seiten lückenlos einsaßte. Auch die Zahl der Besucher steigerte sich, je weiter es dem Mittag entgegenging. In langen Reihen standen sie vor der Eingangspforte, des Augenblicks wartend, wo sie an der Reihe waren, um in stillem Gedenken an die gefallenen Kämpfer den Rundgang um die Grab- stätte zu machen. Doch außer den Zehntallsenden, die dem Friedhof ihren Besuch abstatten, weilen hier in Gedanken die Hunderttausende, die nicht persönlich kommen können, die aber durch Vertreter Kränze niederlegen lasten und so an der stillen Gedenkfeier teilnehmen. Nicht nur die klassenbewußte Arbeiierschast Berlins, sondern das Proletariat ganz Preußens nimmt teil an der Ehrung der Toten, denn.die roten Sechs ans dem preußischen Junkerparlamcnt'. die Vertreter der Mehrheit des preußischen Volkes, brachten einen Kranz mit der vielsagenden Inschrift:' 18 0«! 1813 1848 19 13 ???? Der Verband der sozialdemokratischen Wahl- bereine der Provinz Brandenburg mußte seine Kranz- Widmung unter der Polizeischere lassen. Sie lautet: Wir harren alle auf einen Tag Und der Tag wird erscheinen. Für die Großen ein flammender Wetterschlag Und ein Ostertag für die Kleinen, Wo die Sonne aufgeht wie Blut so rot Und der Mond so bleich als wie der Tod, Der Tag wird kommen. Der Verband sozialdemokratischer Wahlvereinc Groß- Berlins gab seinem Kranz die WidmmigSworte: An das Volk! Bete: Dich trifft Fluch. Arbeite: Dir wird der Er'olg nicht. Wisse: Dir hilft Gott, wenn Du Dir selber hilfst.» Die Parteischule hat einen Kranz gespendet, der die Worte Herders trägt: Ein edler Held ist. der fürs Vaterland, Ein edlerer, der für des Volkes Wohl, Der edelste, der für die Menschheit kämpft. Während durch diese Kranzspenden die politische Organisation der Sozialdcniokratic vertreten ist, stammen andere Kränze von einzelnen Gewerkschasten und in sehr großer Zahl sind Kränze von Aibeitern größerer Betriebe der verschiedensten Branchen nieder- gelegt. Fügen wir noch hinzu, daß auch andere, mit der klaffen- bewußten Arbeiterschaft in Verbindung stehende Vereine wie Turner, Radfahrer, Sänger usw. Kränze gespendet haben, so kann man mit Recht sagen: Das gesamte klassenbewußle Proletariat ehrt die Freiheitskämpfer und gelobt, den Kampf für weitere Freiheit fort- zusetzen. Mit den» großen Heere der sozialdemokratischen Arbeiter- schaft findet sich an den Gräbern der Märzgefallenen auch die kleine Gruppe bürgerlicher Demokraten ein, die noch nicht im liberalen Sumpf untergegangen sind. Tic Demokratische Vereinigung brachte eine Anzahl von hiefigen und auswärtigen Bereinen ihrer Richtung gespendeter Kränze mit Schleifen in Schivarz-Rot-Gold. Zu diesen Repräsentanten der bürgerlichen Demokratie gesellen sich einige Hirsch-Tunckersche Gewerlvereine, der Reichsverein liberaler Arbeiter und Angestellten, der Deutsche akademische Freibund, der Fortschritt- liche Verein Waldeck, der Berliner Arbeiterverein und der Freisinnige Jugendbnnd Engen Richter. Das sind die wenigen kleinen Gruppen aus bürgerlichem Lager, die die Talen ihrer Vorkämpfer noch nicht vergessen haben. Meist sind die Verse auf den roten Schleifen unseren bekannten Freiheitsdichlern entlehnt und habe» unmittelbare Beziehung zn den Kämpfen von 1848. Vereinzelt findet man auch Anspielungen auf gegenwärtige Verhältnisse jotvie ans unsere nächsten Kampfziele. Als Ausdruck dessen was not tut, kann das von Partei- genossen der Motorfabrik Argus zitierte Wort Freilig- raths gelten:. Wozu noch bittend loiniel»? Ihr Männer, ins Gelvehr! Heut ballt man nur die Hände, Man faltet sie nicht mehr. Zeitgemäß ist die Widmung, welche Arbeiter>ci Saross erie A s ch e n b a u m ihrem Kranz gaben: Feiert nur Freiheitskriege. Racktwäckiter der Reaktion. llnsrer Freiheit golducr Morgcit war der Toten Rebellion. Ilnd MlS ihren blutigen Gräbern wuchs der Freihell frei Geschlecht. Durch ihr Sterben ward geboren Völkerfrei heil, Menschenrecht. An den bürgerlichen JubiläumZrummel haben Wohl die Ar- heiter der Berliner Telcphonsabrik gedacht, als sie die Widmung wählten: Nicht Kirchgang, Probst und Feldaltar Erlöst Dich, Volk, von der Misere. Willst frei von Fesseln sein, sürwahr, Dann reih' Dich an dem FreiheitSheere. Auf einer Kranzschleife der Arbeiter von Fr ist er und R o ß m a n n lesen wir: Die Ihr für die Freiheit seid gefallen, Hört des Volkes Ruf erschallen: Not und Teuerung herrscht an jedem Ort lind sein Haupt erhebt der Völkermord, lind noch immer herrscht im Preußenlande Statt der Freiheit die Dreiklaffenschande. Doch es wuchs auch ein Geschlecht heran, DaS wie Ihr für Freiheit kämpfen kann. Auch die Arbeiter der Buchdruckerei Hermann er- iunern an dm Wahlrechiskampf: Ihr starbt umsonst den Heldentod Für der Freiheit Morgenrot. Junkerfrechheit, Pfaffcntum, Sind bis beute noch immun. Allgemeines gleiches Recht Bringt uns nur ein frei Geschlecht. Drum Ihr Kämpfer allzumal: Nieder die Dreiklassenwahl! Den Gegensatz zwischen dem JubiläuinZrummel und unserer Märzfeicr kennzeichneten die Arbeiter der Firma U l l st e i n: Rauschende Fest«, ein Jubeljahr. Ringsum rühme» sie blutige Siege. Wir aber feiern die mutige Schar AuS des Volkes Befreiungskriege. Der Bedeutung des Gedenktages und der Hoffnung auf den Erfolg gegenwärtiger und künftiger Kämpfe geben die Arbeiter der Patzen hofer Brauerei Ausdruck mit dem Dichterwort: Noch ringe» wir und müssen weiter ringen Bis der Befreiung große Stunde naht, Bis uni'rer Hoffnung Fcierglocken klingen Darf nicht des Tages Kleinmut uns bezwingen. Wir siegen noch. Am Anfang war die Tat. 4- Die Zensur, welche die Polizei an den Jnschristcn der Kranz- schleifen übt, hat diesmal sehr zahlreiche Opfer gefordeit. Nicht daß die Kranzwidmungm einen Anlaß dazu gegeben hätten. Plan- Mäßigkeit und bestimmte Grundsätze waren in der ZensnrauSnbung noch iiie zn finden. Man hatte, wenn man das Walten des Zensors betrachtete. immer die Empfindung: Hier bestiinmt Laune und Willkür. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, daß ein und derselbe VerS einmal passieren konnte»nd ein andermal der Schere teilweise zum Opfer fiel. Die Arbeiter ter Brauerei Pfefferbcrg konnten unbeanstandet diesen VerS durchbringen: Ihr strittet vor, Ihr finget an, So laßt denn uns vollbringen. Wir sind bereit, wir sind geschwind, Wir treten in die Lücken. Mit allen, die noch übrig sind, Die Klingen woll'n wir zücken. Den Arbeitern der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik wurden die beiden letzten Zeilen des vorstehenden Verses ab- geschnitten. Sollte der Zensor vielleicht gedacht haben: bei den Brauern hat'S keine Gefahr, wenn aber die Arbeiter einer Waffen- fabrik vom Zücken der Klingen reden, dann kann die Sache ernst werden. Den AuShilfsarbeitcrii vom Verband der BnchdruckereihilfS- arbeiter wurden die Dichterlvorte konfisziert: Ans der Lippe den Trotz und den zuckenden Hohn, In der Hand den blitzenden Degen, Noch im Sterben rnsend: Die Rebellion! So sind wir mit Ehren erlegen. Ein Opfer der Zensur wurde auch die Widmung des Personals der Firma Paul Singer: Noch läßt sich der Bankerott verhüte», Wir sind noch nicht am jüngsten Tag; Es muß die Gegenwart vergüten, AaS die Vergangenheit verbrach. TaS Recht der Toten muß vergehen, Wen» jenes der Lebend'ge» drängt. Es kann do-S Neue nicht bestehen, Wen» nian's in alle Bahnen drängt. Von dem Kranze des technischen Hilfspersonals der Firma August Scherl wurden die Worte entfernt: Ait mein Volk! Left's nicht! DaS ist ja die alte Geschichlc. Wenn sich die Völker geregt, Haben die Fürsten geruht. Der folgende, von den Fahrern der Genoffenschaft Berliner Krattdroschkenbesitzer gewidmete VerS wurde gleichfalls abge- schnitten: Obwohl schon füufmldsechzig Jahr Euch deckt der kühle Rase», Wir konnten doch nichts weiter tun, Als neu zum Saumieln blasen. Doch ist beisammen die Rächerschar, Dann blasen wir ans zum Sturm, Dann Ivehl die Fahne purpurrot Herab vom höchste» Turm. Das bekannte Zitat aus Schillers„Tell':..Eine Grenze hat Tlirannenmocht" usw. ist wie gewöhnlich auch diesmal der Zensur in mehreren Exemplaren zum Opfer gefallen. Ebenso erging eS den Plalenschen Verse»: Wenn das alte Schwert zerbrochen, Laßt zu Grab uns freudig geh» j Aber einst ans unfern Knochen Wird ein Rächer auferstehn. Das Schicksal der Konfiskation hatten auch die Worte Gottfried August Bürgers: Für blanke Majestät und weiter nichts verbluten, Wer das für groß, für schön und rührend hält, der irrt, Denn das ist Hnndeinnt, der eingepeitscht mit Ruten, Und eiiigefullert mit des Hofmahls Brocken wird. Die Arbeiter von Mir u. Genest mußten folgenden VerS in den Händen der Polizei lassen: O herrlicher Auferstehungötag. Wenn sie auferstehn die Nationen. Hinweg zu fegen mit einem Schlag Die Throne zusamt den Drohne». Wemi das Voll cinhertritt zum Gericht, lind fem gewaltiges Urteil spricht. Der Tag wird kommen l Den Leitergerüstbauern wurde der VerS konfisziert: Was hilft eS, daß wir trotzen, So lang noch mordbereit, Ihr gegen uns den Protzen Die starken Arme leiht? ?lch, wenn sie euch nicht hätte«, Wer alles wohlbestcllt, Auf euren Bajonetten Ruht die verkehrte Welt. An euren Bajonetten Klebt aller Zeiten Fluch, Wir trügen keine Ketten, Trügt ihr kein buntes Tuch. Von einer Kranzschleife der im Deutschen Transportarbeiter- verbände organisierten Einkassicrcr und Kaffenbotcn entfernte die Polizei die Worte: Es lonnnt der Tag. Ob ihr auch immer wieder Euch mit Kartätschen uns entgegenstellt, Da euch der Klang der FreiheitSlieder Meltausendstimmig in die Ohren gellt. Die organisierten Angestellten der VerficherungSgesellschasten »Victoria".»Friedrich Wilhelm" und»Jduna* hatten als Widmung einen Vers PlatenS gewählt, der der Zensur zum Opfer fiel. Er lautet: Mag zn Staub uns auch zcrschmclter« jener Sklaven Legion, unter morscher Särge Brettern leimt die neue Blume schon! Wenn das letzte Schwert zerbrochen, laßt zu Grab uns freudig gehn; aber einst aus unfern Knochen wird ein Rächer auferstehn! Folgender VerS von Adolf Glatzbrenncr wurde von eincpKranz- schleife dcS technischen Personals deS.Vorwärts" entfernt: Hier herrscht Ruhe und Ordnung. Dieselbe, ohne welche der Staat nicht möglich. gegen den die hier begrabene» Helden kämpften. Sie starben für die Freiheit, deren Mörder noch leben. Eines der ersten Opfer polizeilicher Jensurarbeit waren die Worte an dem von der Redaktion des„Vorwärts" gestifteten Kranz: O Märzsturm, der du wild um meine Haare schweifst, O Frühhauch, der du kühn in schwankende Kronen greifst, Wühl aus die Gräber deiner Zeugen, Laß ans den Grüften rings den Heerbann auferstehn, Vor seiner Schwingen Erz die Schmach der Welt vergeh«, Daß sich die schuld'gen Schergen beugen. Einige Stunden spielte der Wind mit dem Stummel deS Bändel, auf dem der Zensor die erste Zeile dieses Verses hatte stehen lassen. Dan» lam jemand, der von Natur mit gutem Witz ausgestattet ist und heftete a» den Rest der Schleife eine» Zettel mit einer zweiten Zeile. Lächelnd lasen nun die Uinstehmdm: O Märzsturm, der du wild um meine Haare schweifst, O Zensor, der du wütend nach der Schere greifst. So hat der unbekannte Witzbold die polizeiliche Zcnsurtätigkcit der allgemeinen Lächerlichkeit preisgegeben. Das ist die wirksamste Bemrteilung. Differenzen bei der il.£. G. wurde» wieder einmal in einer sehr stark besuchten BetriebSvcr« sammlung erörtert, die der Metallarbeiterverband am Montagabend nach dem Germaniasaal einberufen hatte. ES handelte sich unr Klagen und Beschwerden, welche die Arbeiter und Arbeiterinnen der Apparatefabrik in der Acker st raße führen. Wie der Referent I o h a n n s e n ausführte. herrfckit in allen Betrieben der A. E. G. das Bestrebe», trotz ungünstigen Geschäftsganges möglichst hohe Prosite herauszuwirlschaften, damit ein weiteres Sinken der Aktien verhütet wird. Ilm das zu erreichen, werde versucht, die Alkordarbeiten immer mehr zu teilen und die Preise der einzelnen Arbeite» herabzudrücke». Dies System herrsche auch in der Apparate- fabrik, wofür der Redner eine Reihe von Beispielen anführte. Ganz besonders wird über die Behandlung der Arbeiter und Betriebs- beamten durch den Direktor Zwang geklagt sowie über die Bevor« zugung der Gelben. In einer Abteilung mußten nacheinander ftinf Revisoren ihre Stellung verlassen, weil sie es nicht verantworten koniuen. die äußerst mangelhafte Arbeit eines Obergelbcu anzunehmen. Schließlich mußte dieser Obcrgclbe aber doch wegen gar zu schlechter Arbeir eullasseu werde». Wenn es öfter vorkommt, daß schlechte Arbeiten, iveil sie von Gelben herrühren, nicht abgelehnt werden dürjcn, daim— nieiute der Redner— ist es nicht zu verwundern, wenn der Absatz der A. E. G. zurückgeht. ES vergeht fast kein Tag. wo nicht die Obleute des ArbciterouSschusseS vorstellig werden müssen wegen zu geringer Allordpreise. Bei solchen Gelegenheiten werden die Obleute von Direktor Z lv a u g oft in recht grober Weise behandelt. sogar>vegen rein privater Angelegenheiten werden den Arbeitern Unannehinlichkeitm gemacht. So wurde ciu Arbeiter entlassen, lvcit er eine Sammlung für einen durch Krankheit in der Familie i» Not geratenen Kollegen veranstaltete. Als sich herausstellte, daß ein Obmaim des Arbeiterausschusses zu dieser Sammlung beigetragen hatte, wurde auch er mtlaffen. Erst nach Verhandlungen mit der Betriebsleitung lvurde der Obmann, nachdem er vier Wochen ausgesperrt war, loieder eingestellt. Alle derartigen Maßnahmen solle» den Zweck haben, die Arbeiter in die Reihen des gelben Werkvereins zn treiben, dessen Mitglieder in jeder Weise de- giinstigt werden. Durch eine besondere Einteilung der Arbeiter- auöschüsse soll den wenigen gelben Ansschußniitglicdern ein Einfluß gewährt werden, den sie ihrer Stimnienzahl nach gar nicht be« anspruchen können. Während nach dem bisherigen Brauch der Ob- maiin des gesamte» ArveiterauSschusies die Unterobleule für die einzelnen Abteilungen bestimmte, hat jetzt die Direktion iu die Funktion des ObmanpS eingemischt und für diejenigen Ab- teilungen. wo neben mehreren Mitgliedern des Metallarbeiter- Verbandes ein Gelber den» Ausschuß angehört, diesen zun« Obmauir der betreffciiden Abteilung eriianiil. Gegen daS eigenmächtige Bor- gehen der Direktion protestiere» die Arbeiter ganz entschieden. Sie lehnen eS ab, sich wegen der Vertretung ihrer Interessen an einen Gelben zn wenden, zn dem sie natürlich kein Vertrauen habe» könne», da die Gelben erfahrungsgemäß nicht«die Interessen der Arbeiter vertreten.— Die iu der Fabrik beMenden so- genannten WohlsahrtSeinrichtiingen kommen nur denselben zn- gute. Im Betriebe besteht eine Darlehnskaffe, die aus den Ueberschüsseu des Biervertriebs gespeist wird. Als sich kürzlich eine Arbeiterin wegen eineS DarlehnS aus dieser Kasse an den Bureauchef Nardt wandte, fragte dieser die Gesuchstellerin, ob sie dem gelben Verein angehöre. Al« sie das verneinte, wurde sie mit ihrem Gesuch abgewiesen.— Aus der Mathilbe-Rathenau-Stiftung sollen Arbeitern der A. E. G.. welche in Not geraten sind, Unterstützungen gewährt werden. Wird ein Gesuch um Unterstützung gestellt, so recherchiert die Frau des Bureauchefs N o r d t bei den Gesuchstellern. Wenn der Betreffende dem gelben Verein nicht angehört, so bekommt er nichts, mögen auch alle Voraussetzungen für eine Zu- Wendung ans der Stiftung vorliegen.— Im Betriebe besteht ein WohtsahrlSaiiSschnfi. Als ein Mitglied desselben, der Auf- fordermig eines Arbeiters Folge leistend, sich eine Schleifmaschine mische» wollre, an der die Schutzvorrichtung fehlt, wurde das Wohl- frihrlZau'schußinitglicd butdf) Mcistcr au-5 bcr betreffenden Abteilung dinnusgewiefen und ihin dadurch die Möglichleit gciuziiluicn, seiner Llufgabc gerecht zu werden.— Nachdem der Redner noch die rafsi liierten Methoden gelennzeichnet hatte, die angewandt werden, um die Akkordpreise auf ein möglichst niedriges Mag anzusetzen. schlotz er mit der Bemerkung t A-jr gehen, in der 81. lr.@ ernsten Zeiten entgegen. Tie Maßnahmen der Direktion gehen daraus hinaus, die Arbeiter zu zerspüttent und die Frei organisierten zu uubesonuener Gegeumoßuahme zu provozieren, um Raum für die Gelben zu bekommen l Die Arbeiter aber iverden sich nichts provozieren lassen. Sie verlangen, daß ihnen ihre Rechte un verkürzt bleiben. Die Arbeiter appellieren deshalb an die Oeffent lichfcü und Iverden auch die Llrbcitcrvertreter in den Parlamenten und Gemeindekörperschasten criucheu, dahin zu Ivirken, daß der A. E. G. bei Erteilung von Aufträgen die Lerpstichtung auferlegt Wird, die Rechte der Arbeiter zu respelltercu. Der Referent fand lebhaften Beifall. Seine Aussührnuge» wurden in der Diskussion durch Anführung vieler Einzelfälle äuS dem Betriebe in jeder Hinsicht bestätigt. Einstimmig ivurdc eine Resolution angenommen, tvclche besagt Tie versammelten protestieren ganz cutschieden gegen den maßlvicn Terrorismus, der von der Firma ausgeübt wird. Sie verlangen mir aller Entschiedenheit, daß Perhandlungen mit dem LlrbeiterauSschuß in sachlicher Weile geführt und demselben eine anständige Beha ndlung zuteil tvii d. Die Versammelten sind unter keiner Umständen bereit, sich durch die Gegner vertreten zn lassen, und lehnen deshalb die Einteilungsliste der Arbeiterausschiißmitglieder, welche die Direktion aufgestellt hat, ab. Die Versammelten ver- langen, daß die von ihnen gewählten Ausschußmitglieder als ihre Vertreter anerkannt iverden und beauftragen die Obleute de ArbeherausschusseS, dies der Direktion zu unterbreiten.— Ferner verpflichten sich die Versammelten, im Sinne der freien OrganU fatien zu wirken, damit die Pläne der Direktion vereitelt werden. liochwsli zm StcraidiesiProzeB. 5" der Sonntagsnuinmer schrieben tvirt «Wie konnten die drei Mitangeklagten, die jungen Leute, von denen der eine zur Zeit der Begehung der Tai noch nicht 18 Jahre alt war, so leicht der Verführung zu den unmenschlichen Scheußlich- leiten unterliegen'{ Stcrnirkel wußte, was zu der Begehung der Schandtaten willig machen konnte; die Not. Auf die SlrbeiiSlosigkcit der drei Mittäter spekulierte er— leider nicht ohne Erfolg. Gewiß. die drei mußten dem Verführer nicht folgen, sie durften es nicht. Aber hier zeigt sich klar: die mangelnde Verhütung von Arbeitslosigkeit, der Mangel an Fürsorge za auskömmlicher Arbeit ist letzten Grundes die Wurzel gewesen, aus der die Bereittvilligkeil zur Mithilfe an den Schand- taten erwuchs. Diese Lehre sollte die herrschende Klasse au! dem Prozeß ziehen, statt pharisäisch über die Unholde zu zetern. Die Gesellschaft selbst, die Unterlassung ihrer sozialen Pflicht ist Mitschuldige, ist Hauptschuldige an der grauenvollen Tat, der drei schuldlose Menschen- .'leben zum Opfer gefallen sind." Diese, wie eine große Zahl von Zuschriften an uns zum lieber» sluß beweist, selbstverständliche Darlegung ist dem bürgerliche» Pharisäertum auf die Nerven gefallen. Freisinnige und Konservative zetern in holdem Verein über den.Vorwärts", daß er cö gewagt bat, auf die tiefer liegenden sozialen Ursachen der scheußlichen Tat die Aufmerksamkeit zu lenken. So schreibt die.Vossischc Zeitung" zu unserer Darlegung, wir möchten.auch aus diesem Verbrechen wieder Slgitatioitsstvff gewinnen", und fährt dann iort: Der.Vorwärts" führt gern alle Verbrechen auf die Gesell- schaftSordnung zurück. Dann bleibt es freilich unerfindlich, warum sich auch wiederholt sozialdemokratische Partcibeamtc, die doch sicherlich nach seiner Ansicht ein ausreichendes Einkommen haben, an den ihnen anvertrauten Geldern vergreifen. Nicht mangelnde Verhütung der Arbeitslosigkeit. sondern in erster Linie das Bestreben, möglichst mühelos Geld zit erraffen, ist an der Mehrzahl dieser llntäten schuld, lind dieses Bestreben wird durch die ständige Schürung der tlnzufriedenheil genährt, die gerade dem.Vorwärts" iiabeftchende streife betreiben. Sehr bezeichnend war die Aussage eines Zeugen, der es vorzog, arbcitS- loS zu sein, als für 18 M. Wochcnlohu zu arbeiten. Einen solchen Mangel an sozialem Verständnis hätten wir selbst der.Tante Aoß" nicht zugetraut. Ltzir hatten die Verkalkung ihres Gehirns und die Vorbildung ihres Herzens zu niedrig eingeschätzt. Der alte Gaunertrick, durch de» Ruf„Hallet den Dieb", die Auf- merksamkeit von dem Täler abzuwenden, gewinnt nicht durch die gemeine, haltlose Verdächtigung sozialdemokratischer Partcibcamter, zu der sich das tugendhaffc Bonrgcvisorgoii versteigt. Daß die .Deutsche Tageszeittiiig" ihr dafür cinen schallenden Brnderschmatz aufdrückt, ist selbstverständlich. Die„vartcilose Morgenvost" und ihr Ableger, die.B. I. am Mittag" läßt cinen von ihr zum hervorragenden Kriminalisten er- hobencn Einsender über den„Abgrund jugendlicher Lertvahrlosung, den die Großstadt birgt", gewaltig zetern. Von anderer Art sind die Aitslassungen deS Lehrers TewS im .Berliner Tageblatt". Er sucht die Frage lediglicki von der cr- ziehltchen Seite ans zu behandeln, muß aber zum Schluß attf die sozialen Ursachen hinweisen. Telvs gibt zu, daß die Grotzstadtjugend in mancher Beziehung besser als die in der Kleinstadt und ans dem Lande aufgeioachscne sei. Er hebt die Gefahren hervor, die schlechte Gcsellschasl hervorrufen laim und betont, daß mcbr körperliche Stählung und Willenskräftigung erforderlich sei. Leider fehle in der Großstadt die ermüdende körperliche Bewegung im ikindesalter. Zu prüfe» sei, ob es durch Erzichimg zu ermöglichen sei, daß der junge Mensch in einem regelrechte» Lehr- und Arbeits- pcrhältnis bleibt. Würde da? erreicht werden könne», so würde dem Verbrechertum seine Hauptzufnhr abgeschnitten sein.„Aber wie V* schließt der Verfasser,„Arbeitsnachweise, kommunale oder staai- liche, Arbeitsgelegenheiten als provisorische Aushilfe, llebcttvachung der Dinkclkneipcn usw. Aber alle solche Maßnahmen liegen schon aus dem Gebiete der sozialen Heilkunde. Die Hauptsache ist und bleibt die Erzielumg im Kindcsalier". Die.Deutsche Tageszeitung" ist über die„freifinnigen" Ans- lasstmgen entzückt. Tante„Boß" und die„B. Z." erhallen einen innige» agrarischen Bruderknß. Ans Tetvs Darlegungen gefällt der „Deutschen Tageszeitung", daß»lau die'siisuhr verminder» müsse, die Schilderung deS Milieus der Großstadtjngcnd so- wie die Klage über den„Mangel an Autoritäten". lieber den Hinweis TewS, daß soziale Heilung erforderlich ist, geht die ..Deutsche Tageszeitung" hinweg. Nicht behagen will ihr die Fest- siellimg, daß die Großstadtjngend auch bessere Seiten haben soll als die der llcineren Orte. Mil dem Heilmittel„Erziehung im Kindes- alter" sei es auch nichts. Nötig sei ein„tvohllätiger Zwang zur Arbeit". Tetvs müsse zu Forderungen komme», die mit dem frei- siimigen Programm nicht vereinbar sind.„Immerhin", erklärt daS agrarische Blatt dann in Rückschau ans die Auslassimgen von der Bossischen bis zu Tews. „begrüßen wir es mit einer gewissen Gcnugtuniig. daß sich gegen- über dieser grauenhasten Mordtat auch in den Kreisen des Groß- stadtfreisimis Erlenntnisse anzubahnen scheine», die vielleicht den Keim zu einem besseren Verständnis zwischen der in der Groß- stadt beute meist noch ausschlaggebenden liberalen Schicht und den nichtstädtischcil Kritikern der Schattenseiten imscrcr moderucii Großstadtcuiwickelung abgeben lvime»." Die.Vossische" nud die„Deutsche Tageszeitung" siehe» in holder Vereinigung auf demselben tiefsittlichen Standpunkt: die Straftaten entspringen nicht durch Schuld der Gesellschastsordnimg. sie sind allein auf Rechnung derer zu setzen, die sie begangen haben. Echt pharisäische Heuchelei der Satten: die Gesellschaftsordimng ist vor- trefflich. Schuld der Op'er der Gesellschastsordnimg ist es, wenn sie ihren Mängeln zum Opfer fallen. An der Vcrgröbernng der Not ist die künstliche Verteuerung der Lebensinittel durch die Agiarier schuld. Jede Mark Zoll zieht mit Natimiolwendigkeit eine Reihe Eigentumsdelikte groß. Ter Zöllner aber schägt sich an die Brust: iiieiu Gewissen ist rein, schuld sind die.Verwahrlosten Verwahrlost durch wen? Ist cS nicht der blanroin Block gewesen, der durch das Vercinsgesetz die Jugend an Erziehung zn ansrcchtcn, willensstarken Menschen hindert? Ist nicht die Unterdrückung des Koalitionsrechts, nicht der Mangel an sozialer Fürsorge, an Arbeitslosenversicherung. an Arbeitsnachweis mitschuldig, hauplschuldig an der Not, die Verbrechen gebiert V„Gesetz ist mächtig, mächtiger ist die Not." lind ist nicht die Nücksichistosigleit gegen Menschenleben, die von den Kriegshetzern gepredigt wird und die in der Beschönigung aller Kolonialgreucl und Polizeiübergriffe sich offenbart, mit schuld an der Bestialität, die sich bei der Ermordung von Menschen betätigt? Vor 2>/z Jahren wurde in Berlin ein ehrlicher Arbeiter iHermaimi ohne jedes Recht und ohne jeden Anlaß durch Polizeisäbel auf offener Straße hingemordet. Tics Verbrechen steht sittlich nicht' höher als die entsetzlichen Bluttaten der Helfer de! Sternickcl. Wo aber war in der„Vossischc»" und der„Deutschen Tageszeitung" je eine Zeile gegen diese politische Missetat zu lese» c Verwahrlost soll die Jugend sein— kann der Grad ihrer Verwahrlosung so hoch sein, wie der. der in der patriotischen— lies gewerbsmäßige»— Be- schönigung des Massenmordes, der Kolonialgreucl und von Polizei- mijsctatcn liegt'{ wachsenden Genußsucht! Fort mit dem Taumel vo» c i ii c in F e st zum andern! In der Tat: Festetaumel und Genußsucht— aber wo?! Hus aller Melt. �cftctauincl und Genußsucht. Wie furchtbar nahe die Demütigung PreußniS den regierende» Herrichnfien der damaligen Zeit gegangen ist, darüber weiß der Historiker manch artiges Stücklein zu erzählen. Dem profane» Volke werden diese Dinge gewöhnlich vorenthalten, dennoch sickert ab und zn ein Tröpflein der Wahrbeit nach unten durch. In ihrem Geschichtskalender über die Ereignisse vor hundert Jahren kann die Schlcsische Zeitung" zum Beispiel gestern folgendes anführen: lv. März. Ileborgabc der KricgSerllärung an den französi- scheu Gesandten St. Maria». Die Monarchen wohne n einem Ball l> c i m S t a a t s l a n z I e r v. H a r d c n b e r g bei. Tschernitschcw in Breslau. Die in und um Breslau stehenden Teile der niederschlesischeti Brigade begiimen nach feierlicher Einsegmmg und Parade vor den Monarchen aus dem Schwcidintzer Auger de» Abmarsch nach Bitiizlait. 17. März. Der König unterzeichnet die Aufrufe„Sln mein Voll" und„An mein Kriegsbecr", die Landwehrordnung, den Allianzvertiag mit Rußland und genehmigt die Eriichiimg der ostprenßischen Landwehr. Die M o u a r ch e n w ohne n einer B o r st e l l u n g im Schauspielhause b e i. jssorcl zieht an der Spitze seiner 1. Division in Berlin ein. 1 8. März. Die Monarchen w o h n c n c i n e m Ballon den Räume nderProvinzial-Resso ii rrcbci. Der König beffehlt die Bildimg von fünf vierten Reservebataillonen für Schlesien und trifft Bestimmuitgen über die besondere Iliiisormie- rung der Freiwilligen aus höherem Stande. Theodor Körner trifft in Breslau ein usw. Man weiß aus Steins beweglichen Klagen, wie das preußische Königshaus auch in Mcmel, Königsberg und als Gast am russischen Hofe an alles andere eher gedacht hat als an die Berzichtleistimg auf höfische Vergniigmigcii, aber eS ist ganz gut, ivenn mitten in den BegeisteriingSfaufaren auch daS Volk wieder einmal erfährt, was oben geschah, während man unten Blut und Leben vpscrtc und „Gold für Eisen" hingab. Ball. Schauspiel, Ball... Besonders hübsch nehmen sich aber demgegenüber die Woric aus, die der Berliner F a ck e l z n g- F e st r e d n e r, Generalleutnant z. D. HanS v. W r o ch c m, am Krcnzbcrg gesprochen hat: „Die Zeiten sind heute fast ebenso c r u st wie d a in a l S." Unser Kaiser hat es gesagt.«1818 war ein Opscrjabr, 1913 soll auch ein Opferjahr sein l" An diesem Kaijcrivort soll uns keiner rütteln. Darum fort mit der immer Gattcumord in Bclzig. Ei» blutiges FamUieiidraina hat sich in dem Städtchen Bclzig zugetragen. Dort hat, wie erst jetzt bekannt ivird, in der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag die Frau des Malermeisters Voß ihren Mann im Streit mit einem Beil erschlagen. Der öö Jahre alte Malermeister Voß ist schon seit mehreren Jahren stark dein Trnnla ergeben und arbeitet seil dieser Zeit fast gar nicht mehr, so daß das früher gutgehende Geschält sehr zurück- gegangen war. In trunkenem Zustande mißhandelte Voß seine öOjahngc Frau, mit der cr mehr als zwanzig Jahre ver- heiratet ist, schwer und so laut es zwischen den Eheleuten, die sich früher ailsgezeichnet vertrugen, hänsig zu sehr erregten Ausci»- andersetznngeii, bei denen der Malermeister schließlich seine Frau stets mißhandelte. Auch mit dem setzt 21 jährigen Sohn Karl der Frau Voß aus erster Ehe geriet Voß häufig in Streit, weil ihm der junge Mann seines Lebenswandels wegen nnd der Mißhandlung der Mutter ivcgcn Vorhaltungen machte. Am Sonnabendabend kam Voß tvicdernm schwer bezecht nach Hause und fing sosort imt seiner Ftnu Streit an Schließlich legte cr sich zn Bell nnd schlief ein. Gegen 1 Uhr nachlS halte der Malermeister seinen plansch ansgeschlasen. Er stand ans nnd inachte großen Lärm. Schließlich mißhandelte er die Frau, die noch wach war. Als cr mit einem Kücheninciicr aus sie losgehen wollte, griff die Bedrängte in ihrer Angst und Verzweillimg nach einem Küchenbeil und schlug damit aus den Mann ein, bis dieser blutüberströmt zusammenbrach. Der Lljährigc Sohn, durch dessen Dazwischenspriiige» der Maler- meister verhindert worden war. seine Frau iiicderzusicchcn, erstattete noch in der Nacht Anzeige. Mutter und Sohn wurden darauf verhaftet und besiiideu sich noch im Gewahrsam. Frau Voß hat die Tat zugegeben, behauptet jedoch, daß ihr Sohn ebenfalls auf den Vater cingcichlagcn Hobe, während jener dies bestreitet und nur zugegeben bat, daß cr den Sliesvater zurückgestoßen habe, als cr mit dem Messer aus die Mutter losgegangen war. Nebcrraschcnde T..'nduug in der Pariser Giftmord- Affäre. Die Angelegenheit der wegen Mordversuchs verhafteten O l>?- rcttensäiigerin Martha Berger hat durch die Untersuchung eine Auf flärung gefunden, die allerdings in Kreisen, die den betrcsfcudcn Persönlichkeiten nahestehen, nicht sehr überrascht hat. Die Un- schuldsbetcueruitgen des Fräulein Berger hahen sich als begründet crtvicscn, da es sich herausgcstrllt hat, daß Frau Lhopet, die auf ihren Gatten wegen seiner Beziehungen zu Fräulein Berger äußerst eifersüchtig war. s c l h st die vergifteten Datteln«in s i ch abgesandt nud als Absendcrin Fräulein Beiger angegeben hatte. Aus diese Weise vcranlaßte sie die Verhaftung der Rivalin wegen Morversuchs. Ans Grund dieser Tatsachen wurdc die Sängerin gegen aus der Hast entlassen, während eine genaue Unlersuchung Frau Lhopet eingeleitet Ivorde» ist. Kleine Notizen. Stiirmverheerungen. In Hamburg brachte ein orkanartiger Sturm in der Nacht zum Dienstag den Bagger„Goed- hard" 2 bei der Eiiffahrt in die iicnc Schleuse bei Brunsbüttelkoog zum Kentern. Die an Bord besindlichen Personen. drei Männer, e i n c F r a n und ein Kind ertränke n.— Im Kaiser Wilhelm-Kanal sank der Schlepper Vulkan, dessen Mann- schasi gerettet wurde. Die Zahl der im Hamburger Hafen und auf der Elbe imlergegangencit Schnicn und Leichter schwankt zwischen (io und 8ü. , Kindcsmord und Selbstmord. In dein Kammergute Ernsee bei Gera saud mau am Dienstag friili die Frau des Lberichtoeizer» Keller und ihr vierjähriges Kind mit durchschnittener K e h l e vor. Die Gerichtslonimission war sosort zur Stelle. Nach den au- geslelltvi Erhebungen liegt Ermordung des Kindes durch l ic Mutter und Selbstmord vor. Wahrscheinlich bat die Frau in nervöser Erregung infolge eines gcringsügigen Streites mit ihrem Ehcmaimc gehandelt. Durch elektrische Schläge niedergeworfen. Aus II l in wird vom Dienstag gemeldet. Ter Schneefall der vergangenen Nacht hat in N c n u I m große Verkehrs st örun gen verursacht. Telephon» drähle waren durch den Schnccdriick geiifien nud auf die Starkstrom« leituug gefallen: als des Morgens die Arbeiter sich zn ihrer Arbeits« stätie begaben, lamcn mehrere Personen den herabbängeiidcn Drähten zu nahe und erhielten so st a r k e elektrische Schläge. daß sie zu Bode n st ü r z t e n und sich nicht mehr erheben konnten. Von den Umstehenden wagte es niemand, die Verunglückten an« zniafien: so mußten sie längere Zeit liegen bleiben. Die Dunlcl» heil grschtverte die Reltungsarbeiien. Bootsmiglück in Portugal. Ein BootSunglück, dein iims blühende Menschenleben zum Opfer gefallen find, bat sich in Vi an na zn« getragen. Acht Studenten nnternahmen in einem Boot eine Ver« gnügniigssabrt. Infolge Ileberlaftnng des Kahns schlugen bei dein ziemlich hohen Seegang die Wellen in den Kahn. Unter den In- fasse» ciilstand eine Panik, durch die das Boot zum Umschlagen gebracht wurde. Fünf Studenten sanden den Tod i» den Wellen. Die übrigen drei konnte» sich solange am Bootsrand anklammern, bis sie von einem Fischerboot ausgenommen wurden. Mißlungene Polizcispionagc. Aus Odessa sRußland) wird gemeldet: Ein Polizist hatte beobachtet, daß mchrcre Gruppe» von Stildcnlcii sich in eine Brauerei begaben. Da ihm das verdächtig vorkam, benachrichtigte cr sofort die Polizeiwache. Eine größere Menge von Schiltzlenlen eilte herbei, verstärkt durch Militär, woraus man die Brauerei besetzte. Dann begab man sich zn dem Direktor der Brauerei und dieser teilte mit. daß die Siildcnten ans Wunsch eine Besichtigung der Brauerei vornehmen wollten. MeleSie farmtkiizcstfdmft gehört In das Baus des Arbeiters? Oer alte Licbhnecht bat gefagt:„Sin Hrbeiter ohne Bitdungsbediirfms ift cfccnfo ketten, als ein Bourgeois mit Cilduiigobcdürfms." Sin Hrbeiter und eine Hrbeitcrin ohne Bildungs- bedürfnia ift wie ein fflcnkch ohne Kopf. Bildung ermSgUebt den Hrbcitem die Vertretung ihrer Kla!Tcnintcrcrfcn auf politifchem und gewerh- Itbaftlicbcm Gebiet, Parlamenten ufw. Hts ungewöhnliches Bildungsmittck wird 'Me L-cfc 2 Hcttcii des ilabrgangcS 1013 vollständig lostculoS, bei 26 Hesteu ein Buch. Raine:......................... Ort 11. Dalum:.................... Straße:........................ Wenn»iciiialid zu Hause, Ivo ist das Hcst dann abzilgebcn?...................... ßefteUungen bitten an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin 8CCI. 68, LindenTtr. 69, zu richten. Der Lefe-Verlag 6. m. b. P>. btuttgaPt. O O O 30 ww 3. KjlM des Lgrmts" Kttlwer WldsblM. Mw�lo�is.� M»�WW>WWWW>W>WMWWW»W>WW>W»>WW»WWW>>WWW»WWMII>WW>WWW>>W»»WM>»>»!!I»>>>!»>»>»...........................■■■III III I MI MI.......■III................ III II.......... I I I IM— I W■! IMI IMBII I HHimm 1 1 II I „Cibcrales" aus der Berliner Armen' Verwaltung. Nach dem Bericht des„Vorwärts" hat der Stadtkämmerer bei sciaer Elatrcde mit einer gewissen Genugtuung angesiihrt,„d a v dei der öffentlichen Armenpflege eine Minder- ausgäbe von til)tbcn? Könnte Herr Cassel eimnal in das Innere dieser Armen sehen, so würde er verstehen, daß diese und mit ihnen die große Masse der Bevölkerung, die von der Hand in den Mund lebt und von der jeder einzelne alltäglich unverschuldet in dieselbe Notlage geraten kann, keinen Anlaß zu Jubelfeiern hat. Die„Mchrerstattungen von 17ö(XH) M." zeugen von einer Vcr- scüärfung der Bcitrcibungspraiis. Gewiß wird man zugeben müssen, daß zum Beispiel Kinder, die ein auskömmliches Ein- komme» haben, nicht nur die gesetzliche, sondern auch die moralische Verpflichtung haben, ihren bedürftigen Eltern den Lebensunterhalt zu gewähr«» uird sie nicht auf den Weg der Armenpflege zu vc�- weisen: es mag auch zugegeben werden, daß Fälle vorkommen, in denen sich Kinder dieicr Verpflichtung zu entziehen versuche». Die Praxis der Armenverwaltung geht aber oft weit über die durch Gesetz und Moral gezogenen Grenzen hinaus. Einmal ist schon die Form des Schreibens, das bei der Einforderung der auf- gewendeten Unterstützung erlassen wird, derartig, daß nicht bcson- ders feinfühlige Naturen sich beleidigt fühlen können. Im frei- sinnigen Bürgertum würde sich ein Sturm der Entrüstung erheben, wenn die Stadtverwaltung f o r ni u l a r m ä ß i g Schreiben an die besitzenden Schichte» versenden würde, die Trohnngen mit Gefäng- nisstrafcn und Arbeitshaus enthalten. Derartige Schreiben er- halten Leute in Fällen, in denen selbst nach den Gesetzen des JunkerstaatcS die Voraussetzungen für eine Bestrafung oder für den ArbcitSzwang nicht vorliegen. Unsere Liberalen haben seiner- zeit bei Schaffung des Gesetzes über den ArbcitSzwang zwar oppo- nicrt, nach der Praxis der Berliner Armenverwaltung zu urteilen, hat es sich aber nur um eine Schcinopposition gchaitdelt; sie selber drohen jetzt ganz allgemein mit der Anwendung des Gesetzes. Die Armcnvcrwaltung soll sich in acht nehmen, daß nicht ein Staats- 3 anmalt mit dem feine» juristischen Verständnis, das bei der An- Wendung des Nötiguitgoparagraphcn gegenüber Arbeitern schon bekundet ist, die Versender der Schreiben an den Kragen nimmt. Selbst in Fällen, in denen die gesteigerte Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber minderjährigen, unverheirateten ehelichen Kindern oder des Ehemannes gegenüber der Ehefrau in Frage kommt, bat das Reichsgericht entschieden, daß„das zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit Nötige unbedingt zu belassen" ist. ES sind jedoch Fälle bekannt geworden, in denen Väter mit 25 M. Woctze»- lohn, die eine Familie von drei Köpfen und mehr zu unterhalten haben, noch zur Erstattung von Aufwendungen der Armcnvec- waltung, zum Beispiel Krankenhaustosten, herangezogen stich. Hier fragen wir: Welchen Maßstab legt die Armciwerwaltung an, um den Bätern wenn auch nur das„Nötige" zu belasse»? Noch�ueniger findet die Praxis der Armenverwaltung im Ge- setz ciiic Suitzr. wenn es sich um die Erstattung von Kosten handelt, die zum Beispiel für Eltern oder Großeltern oder umgekehrt für großjährige Kinder oder Enkelkinder bandelt. In solchen Fällen sagt da» Gesetz wörtlich:„Unterhaltspflichtig ist nicht, wer bei Bc- rückiichtigung seiner sonstigen Verpslichtimgen außerstande ist. ohne Gefährdung seines st andeSge mäßen Unterhalts den Unter- balt zu gewähren." Ter Zahlungspflichtige ist also befugt, etwaige Swulden zunächst zu decken, zum Beispiel Abzahlungsschulden, die Kosten der Erziehung seiner Kinder, außerdem die Aufwendungen für den st a n d es g e in ä ß c n— zum Unterschied vom notdürftigen — Unterhalt zu bestreiten. Er kann die Ausgaben für eine an- ständige Wohnung, für ordeniliche Kleidung, für ausreichende Er- näbrung feiner selbst und der Fanulienaiigebörigen zunächst berücksichtigen, ferner die Verbandsbeiträge, Ausgaben für Literatur usw. Etwaige freiwillige Leistungen an den Uiitechalttbedürftigen sind ebenfalls in Betracht zu zicben. Erst dann, wen» etwas übrig ist er zur Erüattuiig der Armenlastcn verpflichtet. Einen Familienvater, der einen Wochenlohn bis zu ctiva 35 M. hat, halten wir bei den Lebensverhältnissen der Großstadt zur Erstattung von Armenkosicn, sosern cS sich nicht um Leistungen an Kinder oder die Ehefrau handelt, nicht für verpflichtet. Unsere Armciivcrwaltung versucht aber, um„Mchrerstattungen" zu erlangen und den Gcldvcntcl der Besitzenden zu schonen, schon bei Einkommen von 30 M. und weniger die Kosten einzuziehen. In solchen Fällen raten wir. es auf den Rechtsweg ankommen zu lassen. Die Armenvcrwaltung muß, wenn der in Anspruch Ge- nommcnc seine Unterhaltspflicht bestreitet, die Eittscheidung des Stadl bzw. KreieausjchusscS oder des ordentlichen Gerichts an- riiscni dort können die Einwendungen vorgebracht werden. Sollte der Stadt- oder KrcisauSschuß— Körperschaften, die gewissermaßen in eigener Sache als Partei entscheiden— zuungunsten des in An- spruch Genommenen entscheiden, so kann dieser den ordentlichen Rechtsweg beschreiten. Das ordentliche Gericht wird nicht umhin känneii, der Gesetzcsvarschrift Rechnung zu tragen. Bemerkt sei noch, daß die Armenvcrwaltung sogar von Echw i c gc r söh neu und Stiefvätern die Kosten cinzu- ziehen versucht hat; diese Personen haben, selbst wenn sie zahlungs- fähig sind, keine gesetzliche Zahlungspflicht; dasselbe ist bei Ge- schwisiern der Fall. Ter Armcnverwaltung ssl aber anzuraten, ibre Praxis mehr dem Gesetz anzupassen: man könnte darüber hin- an? von einer„liberalen" Stadtverwaltung sogar verlangen, Billig- kcitsgrüitde mitsprechen zu lassen. Auch ist es angebracht, daß Beschwerden sowohl der Unter- stützung Nachsuchenden als auch der ge�en Erstattung in Anspruch Gciwmmcncn nicht nur von den unteren Organen der Armen- 1 Verwaltung angehört werden, sondern daß die verantwortliche Stelle nach möglichst persönlicher Anhörung der Beschwerdeführer cnt- scheidet. Partei- /Zngelegenbeiten. Dritter Wahlkreis. Am Karfreitag findet eine Herrenpartic statt. Trcst'punkt um v'/a Uhr in Eichkamp fKaNtine). Zu crreiwen vom Potsdamer Bahnhof bis Station Eichkamp oder mit der Straßen- bahn Nr. 91. Waldemar-, Dresdener und Jakobstraße bis Halcnsec, von dorr nocki 15 Minulen zu Fuß. Abmanch um 10 Uhr von Eicki- lamp nach Pichelsdorf, über Spandauer Bock zurück nach Berlin. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Zu unserer diesjährigen Fußpartic am Kar- freitag treffen sich die Genossen und Genossinnen vormittags 9, Uhr im J n f e l r e st a u r a ii t, P l ö tz e n> c c. Abmarsch svätestens '/ZO Uhr nach Saaiminkel. Um 2 Uhr Ueberiahrr nach Tegelorl, Restaurant Strandschloß. Inhaber Emil Mothes. Der Vorstand. Neukölln. Heute Mittwoch, den 19. März, findet bei Bartsch, Hermannstr. 49. eine Versammlung der Jugendsektion statt. Tages- ordnimg: 1. Vortrag. 2. Diskussion.!!. Verschiedenes. Wir er- suchen die jungen Arbeiter und Ärbeilerinncii Neuköllns im Alier von 13—25 Fahren für guten Besuch zu sorgen. Kaulsdars. Freilag. den 21. März, früh 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung vom Lokale des Herrn Bobetz aus. berliner I�sackrlcdten. Ucbcr die»Versorgung Berlins mit russischem fleisch macht der mit dem Fletschverlauf beauftragte Einkäufer dein„Tage- blatt" folgende Mitteilungen, die wir wiedergeben wollen: „Immer wieder werden aus gewissen Gründen abfällige Be- urteilungeil über die Beschaffenheit und den gesundheitlichen Zu- stand des russischen BicheS verbreitet. Demgegenüber sehe ich»nich veranlaßt, die folgenden tatsächlichen Feststelliiiigeil über den Gesundheitszustand der russischen Rinder und Schweine der Leffentllchkeit zu übergeben. Die Statistik vom Fahre 191 l er gibt für Berlin bei Rindvieh 30'/, Prozent, bei Schweinen etwa 5. Proz. Tuberkulose, außerdem eine außerordentlich große Anzahl von c-euchefällcn. In Warschau sind bisher clwa 10 000 Rinder und 80000 Schweine für den Export nach Berlin geschlachlcl und unter sucht worden. Diese Ilmersuchung wird aufs peinlichste ausgeführt, weil die Vorschriften für AuSlandSsleisch ans naheliegenden Gründen besonders erschwerend und von einer geradezu drakonischen »slreilge sind. Es �ist hier in Warschau noch nicht ein einziger Scilchensall, weder e-chwcinescuche noch Rinderpest, Lungen-, Maul- und Klauenseuche konstatiert worden: auch ist im Lande nichts von diesen Seuchen bekannt. Als tuberkulös oder der Tuberkulose verdächtig sind bei Rindern nur ctiva 1' � Prozent, und bei Schweinen ein einziges von tausend festgestellt worden. Diese Ergebnissc, mis tatsächlichen Ersahrungen gewonnen, beweisen aufs klarste, wie irrig, um nicht zu sagen unwahr, die Behauptungen über den Gesundheitszustand des russischen Viehs und die Gefahr einer Scuchcneinschlevpung sind. Diesem ausgezeichneten Gesundhcits- zustand des russischen Viehs entspricht auch die vorzügliche Qualität des Fleisches. Die Berliner Konsumenten düritcn ferner die Borkehrungcn interessieren, die mir Rücksicht auf die Fleischciiifuhr während der bevorstehenden warmen Jahreszeit in Warschau getroffen worden sind. Von den an der Ausfuhr beteiligten Warschauer Kreisen ist für den Export nach Berlin ein allen sanitären Änforderungcn vollauf entsprechendes massives Schlack) t ha u s errichtet worden, das durch direkten Gleisanschluß mir dein Betriebe der Warschau— Wiener Eisenbahn verbmide» ist. In vierzehn bis sechzehn Stunden gelangt das in Warschau geschlachtete Fleisch aus der Strecke über Thorn, Bromberg. Schneide- mühl, Kreuz nach Bexlin. Fiir den Transport des geschlachteten Fleisches, das im Warschauer Schlachrhan'e sofort ploinbierr wird sorgen 40 EiSlühiwogen, in denen das ruisische Fleisch genau in derselben appetitlichen Weise befördert wird, als känie es von dem Berliner Schlachthof Dicie geränniigcn 40 Eiskühlwaggons, ist denen das Fleisch ivährend der Fabrt hängend transportiert wird, sind, Ivo- raus besonders bingcwicsen sei, aus Kosten der russischen Regierung eigens und ausschließlich>ür den Exportbetrieb nach Berlin erbaut Worden. Der Stadt Berlin sind also durch die Errichtung und Ein- richtung deS Schlachthauses, ivie durch die Beschaffung der Waggons nicht die gersirgsten Unkosten entstanden." Die Zuschrift schließt mit der Bemerkung, daß sich durch diese Vorkehrungen auch die Kosten für den Transport erheblich ver- ringerten und daß endlich die Stadt Berlin bei ihrer Hilfsaltion, die sich zweifello:- bewährt habe, nicht nur nichts zusetze, sondern noch mit einem lloberschiis; rechnen könne.— Der Verkauf des von der Stadt eingeführten Fleisches vollzieht sich feil langem, ivie hin- zugefügt sei, in durchaus geregelter Weise und in stets gleich- mäßigem Umfang. (finc oiißcrordentlichc Stadtverordiicteilverfammluiig findet heute Mittwoch statt. Die Sitzung am Doimerslag fällt dafür aus. Ter Magistrat gegen das Kuratorium für das städtische Rcttmigswejcn, AnS dem Rathause wird berichtet:„Die Entschließung deS Magistrats üver die Wahl des ärztlichen Direktors für das städtische ReitnngSwesen hat nach Zeitungsmeldungrn in ärztlichen Kreisen Be- fremdcit erregt. Man batic danach' anscheinend erwartet, der Magistrat würde dem Vorschlage des Kuratoriums für datz RettungS- Wesen, an die Spitze des ärztlichen Dienstes zwei Direktoren zu stellen, und zlvar den bisherigen ärzttichen Direktor der Unfallstationen und den ärztlichen Duelior des AerzlcvereinS des Berliner ReltuNgS- wesenS, entsprechen. Der Magistrat ist der Meinung, im Hinblick auf den zu er- wartenden Umfang der Geschäfte müsse e i n ärztlicher Direktor für das neue Retumgstoefen genügen. Man entschied sich deshalb dahin, auch nur eine Pcrsönlichleit hieltür zu wählen Weim das Kuratorium für das städtische Rettungswcsen zwei Direktoren in Vorschlag brachlc, so ging eS augenscheinlich von dein Wunsche aus, den beiden bisherigen Richtungen im ReitungSivesen ans die zu- tiinflige Gestaltung deS ärztliche» Dienstes Geltung zu verschaffen. Der Magistrat erachtet es als nicht im Interesse der Sache liegend, daß der bisher zwischen diesen Nichtungen vorhanden gewesene Dualismus in Zukunft erbalten bleibt. Bei der Wahl ist übrigens die Oualifikation beider Persönlichkeiten, die hier in Betracht toinmen. anerkannt worden. Eine von beiden koiinlc aber nur gewählt werden." >». Bau der Nvtd-Zndbnhn. Die VcrkehrS-Devutation bat in ihrer gestrigen Sitzung bc- schlössen, beim Bau der Nord-Südbahn ivährend der Zeit des Um- Kalles der Weidendammerbrückc für den Straßeiwerkebr in weitest- gehender Weise Sorge zu tragen. Es soll nickt nur eine Fahrbrücke im Zuge der Albrechisiraße, die schon immer ist Aussicht genommen war. sondern eine zweite Fahr- und Fußgängerbrücke uminltelbar neben der Wcidendommerbrücke errichtet werden. Erstere soll nur dann in Betrieb genommen werden, wen» die Bauvorgänge eS zeitweise verbieten sollten, den gesamten Fuhrverkebr in der Friedrich- straße zu belassen. Durch diese Maßnahmen hofft man, die Ver- kehrserschwernisse ivährend deS Einbaus des BakmtunnelS unter der Spree und des Neubaues der Brücke auf ein Mindestmaß herabzusetzen.— Groftcr Juwelendiebstahl. Um ein Vermögen in der Handtasche bcstohlcn wurde Montag abend eine Russin, die sich aus der Durchreise hier auchält. Eine Madame Elisabeth de Skossyrcfs, geborene Komtesse Macros aus Wilna, traf Montag vormittag auf der Rückreise nach ihrer Heimat in Berlin ein und stieg in einem Hotel in der Georgcnstraßc ab, uili den nächsten Nachtzug zu erwarten, mit dem sie nach Wilna weiterfahren wollte. Um sich die Zeit zu vertreiben, sah sie sich nachmittags Unter den Linden und in der Friedrichstadt um und kehrte dabei auch im Kaiser-Knffce in der Fricdrichstratze ein.on Wettcrsheim" und seine „Frau", rieten olicr Madame do Skossyrcff, mit Herrn„von Stier- städt" auch die Schlutznuminern sich noch anzusehen. Die beiden nahmen jetzt nicht nur ihre Kleidungsstücke, sondern auch die Hand- lasche der Russin mit. Sie erhielten sie ohne weiteres, weil„Herr von Wettcrshcim" bezahlt hatte' und auch die Garderobcmarke be- saß. Ein Weilchen nach dem Weggang des Paares verschwand plötzlich auch„Herr von Stierslädt". Tie Russin wartete den Schluß des.Programms ab. Als sie dann mit ihren Kleidungsstücken auch ihre Tasche in Empfang nehmen wollte, hörte sie zu ihrem Schrecken, daß diese von dem Paar, mit dem sie gekommen war, schon abgc- holt worden war. Jetzt erkannte sie, daß sie ein« Gauncrgescll- schaft in die Hände geraten war, und es ergab sieb, daß diese sie schon beiin Verrechnen der Zeche betrogen hatte. Der Geschäfts- führcr des IInion-ThcaterS ging mit der Bcsiohlcnen zur Palizei, der sie Anzeige machte, und die Kriniinalpolizer nahm noch in der Nacht die Ermittelungen auf. Tie gestohlene Tasche enthielt Schmucksachen verschiedener Art, die zum Teil sehr wertvoll� sind, so: ein ovales Medaillon, das mit Brillanten besetzt Ist und in der Mitte einen nußgroßen grünen Smaragd trägt, ein Familien» erbstück, das schon 30 000 M. wert ist;, ferner zwei Ohrringe mit einem 20tar. BriU«iten, Wert 40 000 M.; zwei Ohrringe mit fünf bis sechs untercinandorhtistgendcn Brillanten und einem großen als Schluß. Wert 3000 M.; zwei Ohrringe mit je einer großen Perle, die von großen Diamanten umgeben find. Wert 5000 M.j eine» Anhänger in Gestalt einer Blnnic, die mit Brillanten und� Perlen besetzt ist, Wert 1000 M.; einen Perle nanhänger mit Saphir und Brillanten, Wert 2000 M.; eine Halskette aus Platina mit Perlen, Wert'.1000 M.; ein Armband mit Uhr, das Band mit Brillanten und Saphiren besetzt, Wert 1200 M.; eine breite Hals» kette, die mit Perlen besetzt und einige andere Stichen mehr. Die Tasche enthielt außerdem das Portemonnaie und den Paß der Dame, so daß sie. einstweilen nicht Weiterreisen kann. Die„Kava- licre" werden von der Bcstohlcncn wie folgt beschrieben:„Artur von Wettersheim" ist etwa 25 Jahre alt. 1,00 Meter groß und schwächlich, er hat blondes Haar und einen kleinen blonden Schnurr- Varl und eine spitze Nase und trug einen schwarzen Uebcrzieher. „von Sticrstädt" iil 20 bis 30 Jahre alt und ungefähr 1,36 Meter groß, er hat blondes Haar, ein glattrasiertes Gesicht und unter einem Auge eine Narbe und trug ebenfalls einen schwarzen Ucber- ziehcr und ein Monokel.„Frau von WctterShcim", die„Schauspielerin", ist etwa 19 Jahre alt und 1,00 Meter groß. Sie hat schwarzes Haar und ein längliches, hübsches Gesicht und trug einen Frühjahrsstrohhut mit schwarzem Reiher, cinc weiße Satinbinse mit langer schwarzer Krawatte und einen dunkelblauen Kostümrock. Zuicistöctiftc Ttiafteubas>nwagcn. Tic Große Berliner Strahcubahngcsesischaft beabsichtigt zwei- sl ö ck i g o Wagen einzusiihren, die den gesteigerten Anforderungen des Verkehrs besser genügen können, als die jetzt gebräuchlichen Wagenzüge. Derartige Verdeckwogen werden schon in Kopenhagen, Stockholm und anderen Städten in den Somniermonaten verwendet, sie sind dort so eingerichtet, daß die oberen Plätze zum Teil ganz frei, zum Teil unter einem kurzen, nur an einer Seile offenen Dache liegen, welches den Fahrgästen vor Regen und Sonncnglut Schug gewährt. Die Berliner Wagen sollen so gebaut werden, daß daö Schupbach über das ganze Verdeck reich! und nur an den Enden für die Slromaonehiner ausgespart ist. Die Scitenwände schließen große Fenster ab, deren Scheibe» aber bei gutem Sommerwetter herabgelassen bezw. herausgenommen werden lönnen. Im Winter und bei geschlossenen Fenstern sorgen Venlilatoren für die nötige Vntlüftuiig. Unter diesen Umständen ivird es auch möglich sein, in den Dcckcäumen das Rauchen freizugeben. Grofifener in: Aniolagerhaus. Ein gewaltiges Schadenfeuer wütete gestern in den frühen Morgenstunden auf dem L a» g e n s ch c i d t s ch e n Grundstück in der Reinickendorfer Straße 40. Auf dem vierten Hofe hatte dort die A u t o l a g c r h a u s- G e s c l l s ch a f t m. b. H. ein 900 Quadratmeter großes einstöckiges Gebäude in Benutzung. In diesem Gebäude brach das Feuer kurz nach 3 Uhr morgens ans und' verbreitete sich mit rapider Schnclligleit. Als die Feuerwehr mit den Löschzügen aus der Pankstraße eintraf, war die Situation schon so gefährlich, daß der leitende Brandmeister schleunigst die Meldung„Mittalfeuer" au die übrigen Feuerwachen gab. Tarauf- hin eilten noch sechs Lösch-uge zur Brandstelle. Da das Feuer in- zwischen aber das ganze Gebäude. erfaßt hatte und bei dem Herr« schendeil Sturm einige bcriachbarle Wohnhäuser bedroht waren, so ließ der Branddirektor durch die Meldung„Großseuer" noch weitere Verstärkungen sternnzie�en. Die Hiha war so stark, daß in den Hinterhäusern der Grundstücke Reinickendorfer Straße 42 und 43 zahlreiche Fensterscheiben zerplatzten. Auch die Fenster- kreuze mü) Blumenbretter fingen zum Teil Feuer, so daß für die Bewohner dieser Häuser ernste Gefahr bestand. Der Löschangriff erfolgte mit insgesamt acht Schlauchleitungen, die bon Dampf. spritzen und Oberflurbbdrantcn gespeist wurden, lrs dauerte aber geraume Zeit, ehe die Hauptgefahr als beseitigt gelten konnte. Während der Löscharbcitcn stürzte die starke Eisenkonstruktion, die da» Dach tTsg, krachend in sich zusammen. Auch bon den Ilm- fafsmigsmaucrn stürzten größere Teile des Mauerwerks ein. Nicbt weniger als Automobile sind durch das Feuer mit zerstört worden, und nur die Gerippe der Wagen sind noch unter den Brand- t rümmcrn zu sehen. Außerdem sind große Posten Materialien ein Raub der Flammen geworden, so daß die Firma den Gesamtschaden auf rund 200 000 M. schätzt. Von dem Personal der Firma ist glücklicherweise niemand verunglückt. Das Gebäude bildete beute vormittag einen einzigen Trümmerhaufen, und die Feuerwehr hätte bis in die Mittagszeit mit den Aufräumungsarbeiten zu tun. In dem Hause Reinickendorfer Straße 42 ist eine Frau Hein durch den Schreck derart mitgenommen worden, daß sie fast die Sprache verloren hat. lieber die Ursache des Feuers bat sich Bestimmtes noch nicht feststellen' lassen. Der Brand muß aber schon eine ganze Zeit geschwelt haben, ehe er bemerkt wurde, den» sonst läßt sich die schnelle Ausbreitung des Feuers gar nickt erklären. Ter Schaden, den die Firma erleidet, ist durch Versicherung gedeckt. Auf der Ruckfahrt von der Brandstelle nach dem Feuerwehr- depot traf ein Löschzug in der C h a u s se e st r a tz e 4 8 noch ein Feuer an. Es brannte ein Holzzaun, der mit einer Schlauchleitung abgelöscht wurde. Wilhelm Rehdanz. Wiederum hat der Wahlverein de» vierhn Berliner ReichStagswahlkreiscS einen treuen und tapferen Mitkämpfer in der Person des Genossen Wilhelm Rehdanz verloren. Von Beru» Maurer, kämpfte Rchdanz nicht allein für die Verbesserung der Lebenslage seiner Berufsgcnossen, sondern auch für die Ideale des Sozialismus. Wer von den älteren Genossen erinnert sich nicht jener kleinen Schar opferwilliger Genossen, die ihren größten Stolz darin fanden, unsere Äriegskassen zu stärken. Rehdanz gehörte zu ihnen. Stets opfermütig, stets kampfbereit, wenn es galt für die gerechte Sache des Sozialismus zu wirken. Seit etwa vier Jahren setzte eine tückische Krankheit dem Wirken des Genossen ein Ziel. Aber selbst auf dem Krankenbett litt es unseren OOjäHrigeu Genossen nicht mehr, als im verflossenen Jahre die Internationale aufrief zum Kampf gegen den Völkermord und gegen den Krieg. Au Stöcken schleppte er sich nach Treptow, um teilzunehmen au jener gewaltigen Demonstration der Berliner Arbeiterschaft. Von aller Not und Sorge befreit, hat nun unser braver Genosse die Augen für immer geschlossen, seine treue Lebcusgesährtin im Alter von 73 Jahre ollein zurücklassend. Die Parteigenossen werden seiner ehrend gedenken. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. März, nach- mittags um 21,3 Uhr, von der Leichenhalle der Emmausgemcindc aus statt. Fleischdicbstähle auf dem städtischen Gut HobrechtSfelde lagen 'einer Anklage zugrunde, welche die erste Strafkammer des Landge- richtS III beschäftigte. Wegen fortgeseylen Diebstahls waren die Pferdclnechte Harl Manteufsel, Hermann Karras, Gustav Harrasch. Bruno Beutel und Heinrich Draht angeklagt, während sich der Schlächter Bernhard Janku, der Ausseher£tto Fürst und der Stank- Wirt Ernst Bcrgin wegen Begünstigung bezw. Hehlerei zu veraut- Worten hatten. Die Beweisaufnahme ergab, daß die des Diebstahls bezictAigten Personen aus de» VorratSräunren des städtischen Gutes HobrechtSfelde Wurst, Fleisch, Scknnalz und sogar halbe Schweine im Werte von mehreren tausend Marl gestohlen und die Waren in Berlin verkausr hatten.— Das Urteil lautete gegen die angeklagten Pferdeknette auf Gesäiignisslrasen von 4 Monaten bis zu 1 Jahr und gegen den Angeklagren Janku auf I Monat Gefängnis. Der Angeklagte Fürst wurde freigesprochen. Das Verfahren gegen Bergin wurde abgetrennt. In der Sitzung des EtatsauSschusses anr letzten Freitag erklärte auf eine Anfrage ein Magistratsvertreter, daß Vorsorge getroffen sei, die die Wiederholung von Diebstählen verhindern. Im Dienste tödlich verunglückt ist Montag abend der 2ö Jahre alte Rangierer Wilhelm Kowalski aus der Föhrer Str. 10. Kowalsli war seit seiner Entlassung vom Militär im Eisenbahndienst beschäftigt. Seit sechs Wochen wurde er als Rangierer ausgebildet. Montag abend um 0 Uhr war er mit einem Rangiermeister und zwei Rangierern aus deni Gleis 88 des Lehrter Güterbahnhofs an der Werflslraße mit der Ver- und Eni- koppelung von Güterwagen beschäftigt. Plötzlich sahen die anderen aus der Ferne, daß er beim Zuiammenkoppcln zweier Wagen hinfiel und liegen blieb, Sie eilten hinzu und fanden ihn tot daliegen. Zwischen zwei Puffern war dem Unglücklichen der Schädel eingedrückt worden.£b er mit feiner dicken Kleidung irgendwie hängen ge- blieben oder ob er gestolpert und so zwischen die Puffer geraten ist, läßt sich nicht fcstslelleii. Der Vernnglückte wollte sich im nächsten Monat verheiraten. Eine Verhaftung wegen des Raubüberfallcs auf dem Tcmpelhofer Felde. Gestern abend wurde eine Kontoristin ermittelt und festgenommen, die sich nachts zwischen dem Hallcschcn Tor und dem TcmpeUmfer Felde hcrumzutrelben pflegte und auf die die Bc- sckweibung paßte, welche der Überfallene Kaufmann Spondolz von seiner Begleiterin gegeben hatte. Es handelt sich um ein Mäd- chen. das einst bessere Tage gesehen, sich aber eine Unterschlagung hatte zuschulden kommen lassen und dieserhalb von der Staatsanwaltschaft gesucht wurde. Sic hielt sich seit einiger Zeit un- angemeldet in Neukölln auf. Bei der Verhaftung verwickelte»sie sich in mehrere Widersprüche, die sie noch mebr verdächtigten. Dem Verletzten loniitc die Verhaftete gestern abend noch nickt gegenüber gestellt werden. Diese soll heute vormittag erfolgen und wird wahrscheinlich vollständige Aufklärung dringen. Es konnte auch bereits festgestellt Iverden. daß die„Kontoristin" mit einem Manne einen Verkehr unterhält. Dieser, der von der Kriminal- Polizei eifrig getuckt wird, soll das Mädchen auch ans die schiefe Ebene gebrächt haben. Höchstwahrscheinlich ist der Gesuchte auch der Räuber.. � Sturmschaden am köuigl. Marstall. Durch den orkanartigen Sturm, der in der letzten Nackt in Berlin herrschte, ivurde am königl. Marstall an kr Echloßplatzseite eine 20 Meter hohe Fahnenstange mit einem ebenso hohen Holzgerüsl umgeweht. Der obere Teil des Gerüstes stürzte ab und riß den Kopf einer großen Sandsteinfigur mit in die Tiefe, Glücklicherweise wurden Straßenpassanlen nickt verletzt, DaS Gerüst war an der Fahnenstange errichtet, um diese zu' streichen und zu vergolden. An der Sandsteinssgur ist auch der Rumpf stark beschädigt, Vorort- l�admcbtem Neukölln. Tic„Positiven" als Steucrvcrwcigcrrr. In echt christlicher Sansliuut bekämpfen sich die sroinmen Gläubigen. Tie Seele des Volkes, die sich der Kirche bedenklich abgewandt hat, soll zurück- erobert werden. Zwei Mittel gibt eS nach Auffassung derjenigen, die es wissen müssen. Die„Positiveu" verlangen eine weitere l fünfte) Kirche. Dagegen lehnen sich die„Liberalen" auf mit scheinbar guten Gründen. Die E ch u l d e n l a st der Kirchen- gemeinde beträgt jetzt schon 1 105 000 M. Die vier vorhandenen Kirchen weisen im allgemeinen eine gähnende Leere aus. Tie Zahl der Abendmahlbesucher ist um 600 gesunken; dagegen ist die Zahl der KirchcnauStritle erheblich gewachsen, von 848 im Jahre 1011 auf 1564 im Jahre 101'2. lim diese Bewegung aufzuhalten, wollen die„Positiven" die fünfte Kirche. Diese Fordermrg lehnten die„Liberalen" infolge dcS drückenden Dalles ab, ebenio die Aufnahme eincS erforderlichen Darlehns von 300 000 M. Weil nun die„Positiven" mit ihrem Antrage nicht recht durchzukommen vermeinten, griffen sie zu recht sonderbaren unchristlichen Mitteln i sie erklärten öffentlich:„die Kirchen- st euer zu verweigern und damit scharenweise aus der Landeskirche auszuscheiden". Die„Liberalen" betrachten nun diese Erklärung wieder als„unreife christliche Gesinnung". Im Gegensatz zu der radikalen Forderung der „Positiven", die durch die noch radikalere Streikandrohung unterstrichen wird, wollen die„Liberalen" durch praktisches Christen« tum wirken und die verlorenen Seelen retten. Welcher der beiden Richtungen cS gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen, wollen wir dahingestellt sei» lassen. Wie die Zahl der Kirchenaustrilw beweist, ist die Hoffnung für beide Teile eine geringe. Die Stadtverordnetenversammlung, welche zum Zwecke der B e- r a t u ii g u u d F e st st e l l u u g d e s E l a t s zu außerordentlichen Sitzungen für Monlag, Dienstag und Mittwoch einberufen worden ist, wurde durch den Stadwerordnetenvorsteher Sajid er mir Nachrufen au? den verstorbenen Charlottenburger Dberbürgermeister Swustehrus und dein aus dem Leben geschiedenen ftühcren Stadlbaurat in Neukölln Reinhold K i e h l cröffnel. Tie künst- lerische Tätigkeil des letzteren kam durch den Sprecher in treffender und warmherziger Weise zum Ausdruck. Im Hinblick auf die hervor- ragenden Verdienste Kiehls uni die städtebauliche und architektonische Entwickelung Neuköllns schlug der Magistrat vor. die Bestattungs- kosten aus die Stadt zu übernehmen. Ohne Debatte stimmte die Versammlung dem zu. Die Gebührenordnung für die Benutzung der Kanalisation wurde auf Vorschlag des Magistrats für 1013 in der bisherigen Fassung beibehalten. Es kommen demnach auch fernerhin 2 Proz. des Gebäudesteuer-Nutzuiigswertcs zur Hebung. Für den von einigen Vereinen für Luftschiffahrt in diesem Jahre geplanten Wettflug„Rund um Berlin" bewilligte die Versaininlung einen Beitrag von 1000 M. Der Magistrat legte einen Vertragsentwurf mit der Licht- rcklamegesellschaft m. b. H. zu Berlin vor, durch den die elektrische Lichtreklame an hiesigen Anschlagsäulen eingeführt werden soll. Der Vorlage wurde zugestimmt. Mit der Allgemeineu Berliner Dmnibusgcsellschaft ist der Magistrat zum Zwecke einer Verbesserung der Neu- köllner Berkehrsverhältnisse in Unterhandlung gc- treten. Dabei sind nachstehende Vereinbarungen getroffen worden: 1. Pserdcomnibustinic HallcscheS Tor— Hermannplatz wird durch die Berliner und Bergstraße bis Ringbalmbof Neukölln ver- längert. Fahrpreis: ganze Strecke lO Pf., Teilstrecke 5 Pf. 2. Autoomnibuslinic 4; Ehaussecstratze lEcke Liesenstraße)— Kaiser-Friedrich-Platz wird durch Hascnhcide, Berliner, Bergstraße bis Ringbahnhof Neukölln verlängert. Fahrpreis: Ganze Strecke 15 Pf. sDecksitz 10 Pf.), Teilstrecke 10 Pf. 3. PserdeoinnibuSIinie 20: Sietliner Bahnhof— Marheineke- platz wird� verlegt ab Moritzplatz durch Oraiiicn-, Dresdener, Koltbuscr Straße, Kottbuser Damm bis Hcrmannplatz. Fahrpreis: 10 bezw. 5 Pf. 4. Autooinnibuslmie 11: Moabit— Hcrmannfffätz wird durch die Kaifer-Friedrich-Straße verlängert, soweit sie jeweilig asphaltiert wird. Fahrpreis: 15 Pf. sDeckfitz 10 PH Teilstreck« 10 Pf. Bei nächster sich bietender Gelegenheit ist ferner die Führung einer Auioomnibuslinie durch die Herinannstraße in Aussicht ge- nommen. Die Omnibusgesellschaft niacht alle diese Zusagen aber von der Einstellung des städtischen LinnibuSbetriebes abhängig.; der Magistrat schlug deshalb letzteres der Versammlung vor. Sladtv. P o l e n s k e iSoz.) bedauerte die Aufhebung des eigenen Betriebes, um so mehr, als auch durch die neuen Pläne die fehlende Verbindung zwischen dem Stadtteil au der Kai'er-Friedrich-�itraße und dem a» der Hermannslraße nicht erreicht würde. Wenn aber der städtische Beirieb auigcgebe» loerdc. so müsse Verlangl werde», daß die Oin- nibusangestelllcn der Stadt in anderen städtischen Betrieben untergebracht würden. Eine llcberführung an die OüiuibuS- Gesellschaft würde für dieselben nicht unerhebliche wirtschaftliche Schädigungen mit sich bringen, Stadlrat Dr, Mann erkärle, daß soiveit als irgend möglich versucht werden soll, die Angcstelllen bei der'Stadt weiter zu beschäftigen. Tie Versammlung trat daraus in die E t a t S b c r a t u n g ein, Vor Eintritt in die Spezialberatnug gab der Referent des RechnmigS- Ausschusses Stad'.verordneter Abraham einen skizzenhaften Ueberblick über die gedruckt vorliegenden Beratungen des letzteren, während der Korreferent Stadtverordneter W u tz k y(Soz,) sich vor- behielt. den Standpunkt der Minorität des Ausschnsses bei der Einzelberatung der verschiedenen Etatskapitel zu vortreten. Die Beratung begann mit den Spezial-Elats, und zwar beim Haupt-Extraordinariu in. In demselben sind eine Reihe größerer Ausgabepostcn eingestellt: als 1. Baurate für den neuen Hasen 11'., Millionen'Mark, für gärtnerische Neuaulagen'„ Million Mark, Schulen ll/3 Millionen Mark, srädlische Bade- und Schwimm- austalt als letzte Rate 540 000 M.. Erweiterung des Ralhoufe« >50 000 M., Sparkassengebäude 300 000 M,, Baugewertichule ' 3 Million Mark. Neubau einer Desiusektioiisanstali(2, Rate) 26 000 M., Königl. Taubstümmen-Anstalr 190 000 M.. Schiller- Theater der Stadt Neukölln(1. Baurate) 300 000 M, Dieser ganze Etat balanciert in Einnahme und Ausgabe mii 7 896 208 M.— Zum Titel„Krankenhaus tu Buckow" beantragte Stadtrat M i e r namens des Magistrats, an die Ge- nieinde Buckow für die Herstellung der Ebausieestrecke Britz— Reu- Buckow in Asphalt 13 000 M. Abfindung zu zahlen. Stadlv. W u tz k h sSoz.) stimmte im Interesse des Krankenhauses dem zu, rügte aber die Haltung des Kreises in der ganzen Angelegenheit. Ter mit diesem vor Jahren bereits geschlossene Vertrag gc- ivährleislele der Stadl Neukölln die Geiamthcrstellung der Ehaussee in Asphalt und die Einrichtnna des Straßenbabn- Verkehrs auf derselben gegen eine Abfindungssuinme von 75 000 M. Wenn vom Kreise diese übernommenen Ver- pflichtungen jetzt aus die in Frage kommenden Gemeinden abgewälzt lvordcn seien, diese aber nicht von der Abfindungssumme ihren Anteil erhalten hätten, so könne ein solches Verhalten einer öffentlichen Verwaltung der anderen gegenüber keineswegs als ein- wandfrei bezeichnet werden. Neukölln habe jetzt den Schaden davon und müsse, wie der Antrag zeigt, noch weitere Summen opfern. Die Replik des MagistratSverlreterS vermochte trotz allen Bemühens au der Berechtigung der Kritik unseres Genossen nichts zu ändern. — Eine Anregung des Sladtv. Hennings, die Benutzung des im Krankcnhause für die Aerzte und das sonstige Pcrional anzu- legenden Spielplatzes auch den Rckonvalcszciitcu zu erniöglichcn, wurde der Kraukcnhaus-Depulation überwiesen.— Eine» durchsichtigen Vorstoß gegen das Schillcr-Tbeater-Projckt unternahm der altbürgerliche Stadtv. S e l t m a n n, indem er durchaus die Bezeichnung„Schiller- Theater" aus dem Etat streichen wollte, Bürgermeister Dr. Wein reich wies diese Forderung zurück und betonte, daß er keine andere Vorlage, als die gegenwärtig noch einmal der Theaterkommissio» vorliegende, vom Magistrat in Aussicht stellen könne, da die Lösung der Thcatcrfrage in Neulölln am be>teu durch dcu vorgcschlagci" Vertrag rmt der«chillel-Thcaicr. Gesellschaft erfolge, Stadib. K l o t h(Soz.) bertrat den gleichen Stand« Punkt und kennzeichnete die Verschleppungstaktik der Altbürgerlichcn, in deren Reihen sich ein Banausentum bemerkbar mache, mit dem weite bürgerliche Kreise durchaus nicht einverstanden: seien. Dem- gegenüber wußte Stadtv. Klebe nicht viel Besiercs zu sagen, als der sozialdemokratischen Fraktion vorzuwerfen, daß sie eben zu dein Projekt Ja und Amen sagte. Sladtv. W u tz k h wies dem Herrn aber nach, wie diese Behauptung den Tatsachen ins Gesicht schlage und wie schleckt er über die nun schon Monate sich hinziehenden Verhandlungen informiert sei. lim 8 Uhr vertagte die Versammlung die EtatSbcratunq und trat in eine nichtöffentliche Sitzung ein. Ein Paletot ist am Montagabend in der Garderobe des Jugendaussckiusscs verwechselt worden. Eine in dem Palelot (Ulster) befindliche Brieftasche enthält wichtige Papiere, die ftir den Besitzer einen unersetzbaren Verlust bedeuten. Mitteilungen hierüber werden im Jugendheim entgegengenommen. Charlottenburg. Arbeitsnachweis und MalerauSspcrruug. Uns wird geschrieben: Ter städtische Arbeitsnachweis griff insofern in parlciischer Weise zu- Ungunsten der ausgesperrten Maler in den schwebenden Kampf im Malergewerbe ein, als er aus Anfordern von Malermeistern den- selben ausdrücklich nur unorganisierte Maler vernnuelte, Tic organisierten Gehilsen konnten wieder nach Hause gehen. Die sozial- demolratische Stadiverordnelensraklion bringt deswegen in der heutigen Stadtverordnelensitzung einen Driiiglichkeilsantrag ein, durch den der Magistrat crfuchr wird, dafür zu sorgen, daß der städtische Arbeitsnachweis sich während der Malcrausspcrrung jeder parteiischen Handlung enthält, Minderbemittelten Schwangere», welche in Char- Kotten bürg wohnen, werden von dem Eharlotteirvurger Hauspflegevcrcin vier Wochen' vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beihilfen gewährt, meist in Gestalt eines kräftigen Mittagessens in folgenden Speisungsstellen: Charlotten- burger Iiier 16, Nehringitr. 11, Wilmersdorfcr Slr. III, Berliner Straße 137 und Atl-Moabit 39. Meldungen nimmt die Er- nährungsa.hteilung des Hauspflegebereins, Marchstr. 7 l, Diens- tags und Freitags zwischen 10 und ll Ilde vormittags, möglichst sechs Wochen vor der zu erwartenden Entvindung entgegen. Städtische Madchenfortbildungsschule mit beruflicher Fach- bildung. Der Ii bis. 1'-jährige Kursus der hauswirtschaftlicken Abteilung beginnt am 27. März d. I. Anmeldungen nimmt die Lehrerin Fräulein v. Berendt wochentäglich von 5 bis O.llbr nachmittags WilmerSdorfcr e-tr. 14, außer Sonnabends, entgegen. Trevtow-BaumflliulenNic.q. Ter Etat der(tzemeindc für das Rechnungsjahr 1913 schließt mit 2 694 600 M. ab. Hiervon entfallen jedoch 764 550 M. Aus- gaven auf die außerordemlicke Verwaltung, die Anlagen von daueri- dem Wert, besonders Bauten und Straßen, schafft und deren Kosten fast ausschließlich aus Anlcihemitteln aufgebracht werden. Der vcrliältnismäßig Hobe Betrag erklärt sich durch das schnelle Wachstum des Ortes. An laufenden Ausgaben sind vorgesehen l 930 050 M. Die Deckung muß natürlich in der Hauptsache durch die Steuern erfolgen, die zusammen 1355 550 M. bringen sollen. Tic direkte Gemeindecinkommensteuer macht aber mit den vorgc- scheuen lOO Proz. des Slaatsstenersatzes mit dem Betrage von 590 000 M. nach nicht einmal die Hälfte dieser Summe aus. 117 150 Mark sollen aus der Gewerbesteuer und 444 400 M. aus der Grun- wertstcuer fließen. Dazu find an Hundesteuer 24 000 M., Lust« barkeitsstcuer ITOfiO M., Ilmsatzstcucr aus Grundstücke 85 000 M., Biersteuer 28 000 M. und schließlich an Anteil an der Wertzunxich- steucr, an welcher der Gemeinde nur 35 Proz. verblciven, 50 0t 0 Mark veranschlagt. Die Freude an diesen Einnahmen wird ab r sehr getrübt durch die Tatsache, daß ein sehr großer Teil der Steuern unbesehen wieder in die Kassen der K r c i s v c r w a I- t u n g abfließen muß. Es sind dies 210 035 M., wozu noch weitere 25 439 M. für das Vergnügen kommen, einen Tcltowkanal zu haben. Zu diesen 241 171 M. crbält die Krciskassc aber in Wirklichkeit noch rund 100900 M. aus der Gemeinde, die ihr an Wcrtzchvachs- und Umsatzsteucranteil zufallen und die gar nichl erst im Etat in Erscheinung treten. Als Leistungen des Kreises stehen dem aber nur 500 M. Beitrag zu den Kosten der Amtsvcrwaltung und die Zurverfügungstellung einiger— Gendarmen gegenüber. AIS größere direkte Einnabmcn erscheinen noch einige frühere Betriebs- Überschüsse, Kapitalzinsen und Schulgeld. Tie Ärauchwässcrlanali. sation braucht ibrc 152 600 M. Einnahmen selber vollauf. Bei den Ausgaben ist charakteristisch, daß die Verzinsung der Gemeindeschuldcn mit fast 324 000 M. mebr erfordert, als z, A. das Schulwesen mir 311000 M.: dabei schneiden die Schulen gegen über anderen Orten noch günstig ab. Bei einer Durchschnitts- tiassenfrequenz von 42 Schülern kostet ein Volksschüler bei voraus» sichtlich etwa 3320 Köpfen durchschnittlich der Gemeinde 87 Mt., ein Schüler des Rcalichuuiasiums 77 M.(insgesamt 201 M-, wovon dos Schulgeld abgebt> und der Sckülcr oder die Schülerin des Lvzcuins gar nur 2711 M,«'13011 M.). Diese scheinbar geringen Zuschüsse für die bölicren«Schulen erliöhen sich aber in Wirklichkeit ganz bedeutend, wenn man die Verzinsung des Baukapitals ein- rechnen würde, die natürlich dort pro Kopf bedeutend mehr als bei de» c»g zusamincnsttzenden Voltsschülcrn ausmacht. Immerhin iit wenigstens durch die Reservierung von 5 Proz. der«Schulplätzc für Freistellen in beschränktem Maße auch ininderbemiltetten, aber intelligenten Volksschülern die� spätere Benutzung der höheren Lehm anstaltcn ermöglicht. Tie Straßen- und Brückenucrwaltung ist mit 165 500 M, angesetzt, während die allgemeine Verwaltung fast das Doppelte, nämlich 321 000 M., vcrvrauckicn will. Für clivaige Ausfälle oder Mehrausgaben steht ein Ausglcichsfonds von 160 000 Mark zur Verfügung. Das Vermögen der Gemeinde betrug am Schluß des Jahres 1012 insgesamt 16 014 6-19 M. und bestand in der Hauptsache aus Grundstücken und Bauten, die ftir den Ge- meindebedars erforderlich find. In den Kavitalbejtand ist u, a. auch ein Fonds von 42 000 M. zum Bau eines Krankenhauses gnlhalten. An Schulden tvaren demgegenüber 7 43l 000 M. vorbanden. Stiftungen für wohltätige Zwecke verwaltet die Gemeinde im Gesamtbeträge von 225 586 M., wobei allcrdinas die ruiid�4000 Mark betragenden Zinserträgnisse der H. u. G. Becrinann-Schen- kung den Angeböriaen de? B-ermannichcn Maschinenfabrik vor- behalten sind. Miersdorf. Heute abend von 5—6 Uhr findet im Lokal von Heinrich, HankelS Ablage, die Genieindcvertretcrwohl statt. Geiwssen, die mit Miersdorfer Arbeitern zusammen kommen, werden ersucht, dieselben aus ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Alt-tSlienicke. Die Otzcmcindcwadl für die dritte Abteilung fand in diesen, Jahre zum ersten Male an einem Sonntag statt. Die Beteiligung war infolgedessen etwas besser als bei den borigen Wahlen, trotzdem von einer Gegenkandidainr nichts bekannt war. Zu wählen waren zwei Vertreter, die mchefcssen sein mußten. Es erhielten Genosse Mücke 27 l und Genosse Nitze 269 Stimmen. Firns Summen waren zersplittert. Die zweite Abteilung wählte am Montag von 2—3 Uhr. Vaiiunteniehmer O. Dürre erhielt 67, Landwirt Gustav Hanuemaim 61 und Genosse Klinger 3 Stimmen. Otto Dürre'st somit mit drei Stimmen Majorität gewählt. Gegen die Wabl soll von der Partei Hannemann Einspruch erhoben werden, da bei dem Fang der Forcnseiislinimen mit unlauteren Mitteln gearbeitet worden fein soll Kalkberue- Rüdersdorf. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich am Montagnachmittag in dem Betriebe der Rüdersdorfer Portland- Zcmentfabrik von Gulh« mann und Jcscrich zugetragen. Der Arbeiter Johann Wrouka be- fand sich doitselbst i« einem Scilbuhulumiel, dcjjcu Betreten für gewöhnlich nicht gestattet ist. In diesem wurde er von einer heran- kämmenden Lore, der er- nicht ausweichen konnte, total zerquetscht. Er. gab jedoch noch schwache Lebenszeichen von sich und wurde des- bolb nach dein Rn dersdorfer LZerbandSlrankenhause transportiert. Kurz nach seiner Einlieferung erlag aber der Unglückliche seinen sckiweren Lerletzungcii. Der Verunglückte stand im Älter von 45 Jahren und war Familienvater. Pankotv. Vri der Gcwerbcgcrichtswahl wurden die von der Gewerlschafts- kommt ssion aufgestellten Kandidaten ohne Gegenliste gewählt. Da jeder wählen konnte, der am Tage der ZSahl im Bezirk arbeitete oder wohnte, war die. Wahlbeteiligimg eine bedeutend lebhaftere. Es wurden 8l2 Stimmen abgegeben. Gewählt sind die Genossen Paul Hilsc, Otto Knuppe, Albert Fleischer, Eugen Hefter. Gustav Scheine, Albert Keitmann. Bei der Wahl der Arbeitgeber fiegte die Liste der Bürgerlichen mit tW gegen 44 Stimmen. Der vierte Lorlragsabend über die RcichsvcrsicherungSordnung findet heute, pünktlich» Uhr abends, im Lokal des Herrn Meier, Lreitejtratze 14, statt. Stotzeu(Kreis Teltow). Infolge reger Agitation hat der hiesige Wahlvercin im benach- barten Topchin im Laufe eines Jahres 14 Mitglieder gewonnen. Am vergangenen Sonnabend beteiligte sich die Sozialdemokratie an der für die dritte Wählerklasse vorzunehmenden Ersatzwahl zur Gemeinde- Vertretung. Der bisherige Vertreter war Wähler der ersten Klasse. Unsere Genossen stellten den Hauseigentümer Friedrich Meier als Kandidaten auf. Die WahlbeteUigung war eine nur geringe i von über 100 eingeschriebenen Wählern übten S'J ihr Wahlrecht aus. Hiervon erhielt unser Kandidat 19 Stimmen, 3 Sliminen waren zer- splittert. Nach diesem Resultat besteht für unsere Genossen begründete Aussicht, auch bei der bevorstehenden LandtagSwahl die beiden Wahlmänner dixrchzubringcn. Borsigwalde. Zwei Mitgliedsbücher des sozialdemokratischen Wablvereins Kreis Nieder- Barnim sind in Reinickcndorf-West von der Eschborn- strafte 59 bis nach der Witteftrafte 75 verloren gegangen. Die Bücher, die die Nummern 394 und 344 haben, können Wittestr. 75 vorn II bei Lieste abgegeben werden. Sitzungstagc von Stadt- und Gemeindevertretungen. Rciutlkendorf. Donnerstag, den 20. März, abends 5 Uhr, im großen Sitzungssaalc des Rathauses, Hauptstr. 38/40:Etatberatung. Rosenthal. Donnerstag," den 20. März, abends 6 Uhr, iu der Aula der(Semewdeschule. Schillerstraße. Diese Sitzungen sind Ssscntlich. Jeder Gcineindcangchörige ist berechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohnc». Lese, und DiskutierNub«Südost». Heute Sitzung bei Neidhardtz Gürbtzer Str. 58.. Gäste willlommcn. Eingegangene Druefcrdmften. Reichs-Gowerbeordiiung von Dr. G. Lindenberg. Mit dem Hau?« arbcits-, Kindcrschutz- und Stelleuvermittlergesetzc. 11 M", geb. 12,50 R. D.- Licbmann, Berlin W. 57.___ tviarktpreise von Berlin am 17. März 1313, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 13,10 bis 13,50, mittel 19,20—13,30, gcrmge 19,00—13,10. Roggen, gute Sorte 16,14— 16,15, mittel 16,12—16,13, geringe 16,10—16,11(ab Bahn). Futter. gerste, gute«orte 16,20—16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. Hafer, gute Sorte 17,40—10,70, mittel 16,10—17,30(stet Wagen und ab Bahn). M a r k t.h a I len preiste. 100 Ktlogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveisebohnen. Iveitze 35,00—60,00. Musen 35,00— 60,00. Karlofseln(Kleinbdl.) 5,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindjlessch. Bauchsleisch 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50—2,20. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3.60— 5,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2.40. Aale 1.60—3,20. Zander 1.60-3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,20, Bleie 0,80—1.60. 60 Stück Krebse 4,00—24.00. Büetterprognose für Mittwoch, den 19. März 1913. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, noch sehr unbeständig mit geringe» Zticderschlägen und schwächeren nordwestlichen Winde». Berliner Wetterbnreau. Alle Arten von Metall.Holz.Glas. Stein.Emaille usw. in Küche und Haus reinigt, scheuert, säubert, putzt und poliert das Uniwcsal' RdnigungsmitlelQSI Für Fussböden Wön• de, Badewannen. Herde.Höbel.Koch- und Essgesthirr, Besteck, Maschi- nen;kurz gesagt 03 für Allestaus genommen Wäsdiel das nevizcitlicl-ie Scheuer Polir_ und Putzpulver*. Her««»«»» uen Sunde».» SeifentabnK. Kne.nau-.-ldnnhCT, JLUJUUÜlJDlJLlüüLJÜÜLIIJULII-lJt.ll.ll Ol H» I II I UUUÜUUÜLIÜI.II I II IU □oa Zur Oster-Reise! 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