»-.57. HbonnmtutS'Bedlngunscn: HSrnmementS- Prris trirunnctanJo; BietleljäfitL 3�0 SDH., monaü. t,10 Vit., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nuinmn: mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- »lbonnement: t,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prersliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Pdstabonnemenls nehmen am Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, ' üen, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Vlchtiot täglich außer montags. Verlinev VolKsblÄtt. Die InfertlonS'Gebflfsr Beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel. geile oder deren Raum 30 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins, und Versamniliings-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine»n-elgen", das fettgedru-kie Wort 20 Pfg.(zulässig Sfetlgedruikte Worte), jedes weitere Wort lo Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenm, zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch- ä laben zählen für zwei Worte. Jnscrale iir die nächste Nummer Mülle» bis » �~.... i Uhr nachmittags in der Exprditimi abgegeben werdem Die Expedition' bis 7 Uhr abends geöffnet. ist Delegrainm.Adreflei «SoalaUewollrat lleriii-. Zentralorgan der rozialdemokratifd�en Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Her ertrag der Candwirtlcfyaft. 1. Die Dreistigkeit der Agrarier steigt von Tag zu Tag. Auf der letzten Versammlung des Bundes der Landwirte haben diese Herren das deutsche Volk geradezu verhöhnt. Es ist eine alte Erfahrung, daß man den Sklaven verachtet, den man ausbeutet— und die Ausbeutung des deutschen Volkes durch die Agrarier ist riesenhaft angestiegen. Ein Großgrundbesitzer ist es, der diese Tatsache offen zugesteht: ein Herr S. v. Chlapowski tritt im Februär-Heft der„Preußischen Jahrbücher" gegen die bäuerliche Kolonisation im Osten auf und zeigt, in welchem enormen Maße die Grund- rente in den letzten Jahren gesttegen ist. Die An- gaben des Herrn v. Chlapowskis beruhen auf eigenen Erfahrungen und Ermittelungen. Es wird daher den Agrariern schwer fallen, diese zu bestreiten. Dabei ist er ein Standes- genösse der Agrarier, der mit seinen Enthüllungen nur des- halb hervorgetreten ist, weil er beweisen will, daß die Fort- setzung der Anstedelungspolittk in Posen einer kostspieligen Entwertung des Grund und Bodens gleicht. Diese Seite seiner Darlegungen interessiert uns jedoch, die wir die ent- schiedensten Gegner dieser Anstedelungspolittk sind, nicht; um so wertvoller sind für uns seine allgemeinen An- gaben, die die tattächlichen Verhältnisse ohne Rück- ficht auf diese Seite der Ansiedelungspolitik be- leuchten. Und diese Tatsachen verurteilen nicht allein die Ansiedlungspolttik, sie verurteilen die gesamte Wirtschafts- Politik des Deutschen Reiches, für die Chlapowski selbst eintritt.■ Von Chlapowski berechnet, in welchem Maße die ge- steigerten Getreidepreise den Bodenertrag erhöhten. Die bessere Verarbeitung des Bodens hat den Ertrag von 8 Zent- nern auf 10 Zentner pro Morgen erhöht. Der Wirtschafts- verbrauch(Saat, Deputat, Futter) beträgt ungefähr 6 Zentner Pro Morgen. Der Reinertrag stellte sich also früher auf 2 Zentner, heute auf 6 Zentner. Jene 2 Zentner brachten vor einigen' Jähren zirka 6 M. Pro Zentner; für heute setzt Chlapowski den Getreidepreis auf 7,5 M. an(in Wirklichkeit beträgt der Getreidepreis heute 9.5 M.). Nach Chlapowski ergab sich früher ein Reinertrag von 12 M., in den letzten Jahren aber ein solcher von M M., also 18 M. mehr. Dazu tritt noch die größere Strohernte, die ungefähr mit dem Doppelten der Körnerernte zu berechnen ist, also 4 Zentner ergibt, zum Preise von 1 M. pro Zentner. Wir erhalten somtt 18-H�22 M. Die gesttegenen Produktionskosten berechnet Chlapowski auf zirka 6 M. Andererseits sind die Wirtschastskostcn durch bessere Verkehrsmittel nicht unwesentlich herabgesetzt worden. Nimmt man aber trotzdem jene 6 M. voll an, so beträgt die Differenz immer noch 22— 9--16 M, pro Morgen. Rechnet man auch noch 5 M. für künstliche Düngemittel ab, so ver- bleiben 11 M. als erhöhter Betrag pro Morgen. Da der frühere Reinertrag sich auf 12 M. stellte, so hat sich der Gewinn der Landwirte fast verdoppelt. Chlapowstt nimmt aber einen sehr niedrigen Getreidepreis an, in Wirklich- keit ist der Gewinn auf das Anderthalbfache, oft gar auf das Zwei- und Dreifache gestiegen. Er führt selbst Beispiele an, die dies beweisen. Ein Gut G., Kreis Kosten, von 1873 bis 1909 in der nd eines Besitzers, 663 Hektar groß, erhielt bis 1906 an apitalszuwendungen rund 340000 M. Die Durchschnitts- ertrüge von 1873 bis 1902 betrugen 28 M. pro Hektar, für die Periode 1902 bis 1907 dagegen 93 M. pro Hektar... Dieses Beispiel ist um so beachtenswerter, als dadurch die Behauptung Chlapowstts, die Bodenpreise seien infolge der Jntension des Betriebes gestiegen, gründlich widerlegt wird. Denn die Kapitalaufwendung von durchschnittlich 513 Mark pro Hettar konnte doch nicht den Reingewinn mehr als verdreifachen! Dieses Beispiel steht auch nicht allein.„Für jeden Kenner der Verhältnisse ist es eine bekannte Tatsache," sagt der Verfasser,„daß analoge Beispiele in Posen-Wcstpreußen keine Seltenheit bilden." Dasselbe läßt sich auch ini ganzen Reiche konstatteren, indem mit der neuen Schutzzollära, verstärkt durch die all- Semein preissteigende Tendenz auf dem Weltmartte, für die Großgrundbesitzer eine goldene Zeit heranbricht. Ein anderes Beispiel beleuchtet das Ansteigen des Rein- ertrages in den letzten Jahren. Ein Gut von 414 Hektar er- zielte einen Reinertrag pro Hektar 1904/5 1S05/6 1906/7 1907/8 1908/9 1909/10 1910/11 1911/1? C 84,52 M. 209,48„ 123.64. 156,56. 146,92. 148,84. 178,60. 269,81. Der Reinertrag ist hier auf das Zwei- bis Dreifache allein im letzten Jahrzehnt angestiegen.... Ein weiteres Gut im Kreise Posen-West, 450 Hektar groß, erzielte 1902/3 einen Reinertrag von 91,73 M. pro Hektar, 1909/10 einen solchen von 197,09 M. Was Wunder, wenn die Bodenpreise, die sich im Zeitraum von 1886 bis 1898 auf tkum ziemlich gleichen Niveau gehalten haben, seit 1902 rapid zu steigen beginnen. Der niedrigste durchschnittliche 1 Bodenpreis fällt in das Jahr 1894— er betrug 573 M. pro Hektar oder 59 M. für 1 M. Grundsteuerreinertrag. Im Jahre 1906 betrug der Durchschnittspreis schon 1383 M. pro Hektar und 138 M. für 1 M. Grundsteuerreinertrag, mithin das Doppelte des 1894 gezahlten Preises. Seitdem ist der Bodenpreis noch weiter gestiegen. Nun behaupten die Agrarier, daß die Steigerung der Getreideprcise durch die Steigerung der Löhne verursacht sei, daß auf die landwirtschaftlichen Arbeiter ein großer Teil des Mehrertrags fällt. Diese Behauptung wird durch die Fest- stellungen Chlapowskis aufs glänzendste widerlegt. Zunächst beweist er, daß die Löhne in der heutigen kapita- listtschen Agrikultur, nur noch eine geringe Rolle spielen. Er schätzt die Kosten der menschlichen Arbeit bloß auf 20 M. pro Morgen für einen intensiven Betrieb, deren Gesamtkosten sich auf 60 M. stellen. Die Arbeitslöhme machen also heute bloß ein Drittel der Gesamtkosten aus. Außerdem haben wir schon gesehen, daß trotz des Ansteigens der Löhne und der anderen Kosten der Reinertrag sich gewaltig erhöht hat. Folglich vermag die Steigerung der Löhne die Rentabilität nicht zu vermindern. Liest man agrarische Schriftsteller, so findet man gewöhnlich phantastische Löhne, die jetzt gezahlt werden. Nach Chla- powstt, der doch gewiß nicht ein Arbeiteragitator ist, war der Tagesverdienst eines Knechts vor 15 bis 20 Jahren 1,7 M., heute 2,3 M.; eines Scharwerkers 0,37 früher und heute 0,55 M. Der Arbeitslohn ist also in 15 bis 20 Jahren nur etwa 35 Proz. gestiegen, während sich der Reingewinn ver- zwei- bis verdreifacht hat... Daraus ergibt sich, in welch' steigendem Maße die Agrarier aus der jetzigen Teuerung Nutzen ziehen, wie sie immer noch den Arbeitern wahre Hungerslöhne zahlen und die große Masse der Bevölkerung immer mehr ausbeuten. Warum sollen sie diese nicht auch noch berhöhnen? Chlapowski ist also ausgezogen, die AnsiedlungspoliiiTder Regierung zu bekämpfen upd hat die himmelschreiende Tat- fache der unglaublichen Ausbeutung des gesamten Polles durch den Großgrundbesitz aufgedeckt. Er wollte die preußische Regierung' treffen und verurteilte den gesamten Groß- grundbesitz.'_ Oer König von Griechenland ermordet. König Georg I. von Griechenland ist am Nachmittag des 18. März von einem Mißvergnügten namens Schimas durch einen Revolverschuß tödlich verletzt worden, so daß er kurze Zeit darauf verstarb. Die Kugel traf den 68jährigen König gerade in dem Jubiläumsjahr seiner 50jährigen Regierung, gerade in der eroberten Stadt Saloniii, Heber die Motive des Mörders ist noch nichts festgestellt worden. Währeird man anfangs vermutete, daß irgendein bulgarischer Verschwörer das Attentat begangen habe, da ja bekanntlich auch Bulgarien auf Saloniki spekuliert, meldeten die späteren Telegramme, daß der Mörder ein Geistes- g e st ö r t e r sei, der sich selbst einen Sozialisten nenne. Welche Gefühle dem Mörder die Waffe in die Hand gedrückt haben, vermag also einstweilen nicht festgestellt zu werden, ebenso- wenig ob es sich wirklich um einen Geistesgestörten handelt oder um einen jener politisch Mißvergnügten, deren es in Gricchenlano viele Taufende gibt. Denn ivenn jetzt auch der siegreiche Er- oberungszug gegen die Türken dem Hofe und der Regierung in der letzten Zeit wieder einige Popularität verschafft hatte, so darf doch nicht vergessen werden, daß die griechische Geschichte der letzten Jahrzehnte, insbesondere auch der letzten Jähre, eine u n- unterbrochene Kette von politischen Konflikten und Aufständen darstellt. Daß es sich dagegen um das Attentat eines beivutzten Sozialisten handeln könne, wird weder von griechisch-offiziöser Seite selbst behauptet, noch von solchen Kreisen, die mit den Verhältnissen Griechenlands vertraut sind. Ist doch der Sozialismus in Griechenland noch außeroroentlich schlvach entwickelt, während sich umgekehrt alle möglichen Elemente, die mit den sozialistischen Ideen selbst sehr wenig zu tun haben, „sozialistisch" nennen mögen. Das dcnunziatorische Scharfmacher- gehcul der„Post" und der„Deutschen Tageszeitung" nimmt sich deshalb nur lächerlich aus! Der erinordete König bestieg im Jahre 1863 den Thron, nach- dem im Jahre zuvor, der aus dem bayerischen Königshause stam- mende König Otto entthront worden war. Ter neue König Georg, der bei seiner Thronbesteigung erst 18 Jahre zählte, stammt« aus dem dänischen Königshause und vermählt� sich 1867 mit der rufst- schen Großfürstin Olga. Sein im Jahre 1868 geborener erster Sohn Konstantin, der jetzige Thronerbe, ist durch seine Heirat mir einer Tochter des Kaisers Friedrich mit Wilhelm II. verschwägert. Innerhalb der ganzen 50 Jahre seiner Regierung hat sich König Georg kaum einmal seiner Krone völlig sicher fühlen können. denn ständige Finanzkalamitäten, ewige Ministerkrisen, unglück- liche Kriege uns wiederholte Revolutionsvers uche liehen ihn bis in die allerneueste Zeit hinein nicht zur Ruhe kommen. Georg I. ist sogar schon einmal das Objekt eines Attentats gewesen, das damals freilich harmlos verlief. Als 1897 Griechenland im türkisch- griechischen Kriege eine schwere Niederlage erlitten hatte, war nicht nur die Stimmung des Volkes, sondern vor allen Dingen auch die der Armee gegen den König und den Kronprinzen, die die Führung des Krieges innegehabt hatten, eine äußerst erbitterte. Zwei griechische Unteroffiziere unternahmen am 26. Februar 1898 mit ihren Dienstgewehren jenes Attentat, aus dem der König völlig unverletzt hervorging, das ihm aber vielleicht in dieser äußerst gc- spannten Situation gerade die Krone rettete. Aber auch in der folgenden Zeit war die Situation des Königs keineswegs eine rosige. So brach im Jahre 1909 eine Offiziers- revolte, namentlich eine Erhebung der Flotte gegen das Königshaus auS,'die nur mit Mühe und Not halbwegs unterdrückt werden konnte. Im Jahre darauf kam es wieder zu einem Bauernaufstand in Thessalien, indem die in unsäglich traurigen Verhältnissen sich befindenden Bauern sich jener Latifundien bemächtigten, deren Verteilung an die Bauern von der Regierung zwar in Aussicht gc- stellt worden war, aber ans Finanzschwierigkeit immer wieder hin- ausgezögert wurde. Immer wieder aber vermochte sich der König durch geschicktes Lavieren zu retten, so auch dadurch, daß er währen 0 der letzten großen politischen Krise den gerissenen kretischen Führer V e n i z e l 0 s zum Ministerpräsidenten machte. Den letzten Rettungsanker bildete dann die panhellenische Bewegung und der Eroberungskrieg gegen die Türkei. Mit größerem Glück als im Jahre 1897 beteiligte sich die griechische Armee unter der Führung des Kronprinzen und des Königs an dem Vorstoß der vereinigten Balkanstaaten gegen die Türkei. Es gelang Griechenland, Saloniki zu erobern und auch in Südalbanien siegreich vorzudringen; ist doch auch die Stadt Janina vor kurzem gleichfalls zur Kapitulatton gezwungen worden. So tragisch es ist, daß der König nach 50jähriger Regierung gerade in einem Augenblick niedergestreckt wurde, als er sich auf der Höhe seines Triumphes fühlte, so kann doch in ge- wissem Sinne von einer rächenden Nemesis gesprochen werden. Haben die griechischen Truppen doch gerade in Saloniki in der barbarischsten Weise gegen die Türken und türkenfreundlichei, Juden gehaust! Der Kronprinz Konstantin hat sich bereits von seinem Bruder zum König ausrufen und die Offiziere den Treueid leisten lassen. Vielleicht ist seine Situation gerade durch das Attentat eine um so günstigere geworden, wenn auch nicht verkannt werden kann, daß die aus der neuen Gestaltung der Balkanverhältnisse zweifellos erwachsende Eifersüchtelei der Balkanstaaten untereinander das Ihrige dazu beitragen wird, die schwierigen inneren Verhältnisse noch schwieriger zu gestalten. » 2!» Wie das Attentat vor sich ging. Saloniki, 19. März.(Meldung der Agence Havas.) Als König Georg gestern nachmittag um 51h Uhr das Palais seines Sohnes, des Prinzen Nikolaus, in Begleitung seines Adjutanten Oberst Frangudib verlassen hatte, um seinen gewohnten Spaziergang zu machen, feuerte ein Individuum aus nächster Nähe einen Revolver- schuß auf.den König ab. Die Kugel durchbohrte den König voll- ständig. Der König, der in das Herz getroffen war. stürzte in die Arme seines Adjutanten und wurde mit Hilfe von zwei herbei- geeilten Soldaten in einen Wagen getragen und nach dem benach- barten Militärhospital gebracht, verstarb jedoch bereits im Wagen. Generäle und Offiziere aller Grade eilten in das Hospital, wo der Militärgouverncur Prinz Nikolaus den Offizieren den Tod kund- gab und den Treueid für König Konstantin abnahm. Prinz Nikolaus ist allein von der königlichen'Familie hier anwesend.— Der Ver b recher macht einen geistesverwirrten Eindruck und gibt aus- weichende Antworten. Ter Minister Raktiwan erließ als Vertreter der Regierung eine Proklamation an das Volk, in der er ihm die Trauerbotschaft kundgibt und von dem dem Könige Konstantin ge- leisteten Treueide Mitteilung macht. Athen, 19. März. Augenzeugen des Attentats berichten noch folgende Einzelheiten: Der Mörder hielt sich an der Ecke der Drei- einigkeits- und der Feldstraße bei dem Polizeikommissariat ver- borgen. Der König kehrte von seinem Spaziergang zurück und ging auf den Palast zu. Als er die Straße überschritt, schoß der Attentäter auf zwei Schritt Entfernung aus seinem Revolver auf ihn. Beim ersten Schusse wollte Flügeladjutant Oberst Frangudis seinen Revolver ziehen; sofort richtete der Mörder die Waffe gegen ihn, aber sie versagte. Die beiden kretischen Gendarmen, die dem Könige folgten, stürzten sich auf den Mörder, der jetzt keinen Wider- stand mehr leistete. Soldaten kamen den Gendarmen zu Hilfe. Als der Mörder festgenommen tvar, Ivandte der Adjutant sich nach dem Könige um, den er unverletzt glaubte, aber der König war halb bewußtlos zu Boden gefallen und mußte in einen Krämer- laden gebracht werden; er konnte kein Wort mehr sprechen. Sol- baten trugen ihn zum Hospital. Bei dem Mörder wurden Re- volverpatronen gefunden; er soll einige Jahre im Auslande gelebt haben und nach der Besetzung von Saloniki durch die Griechen dort- hin gekommen sein. 0er KaHiankiitg. Tic türkischen Botschafter für die FricdcnSbedingungcn. Könstautinopcl, 19. März.(Meldung des Wiener k. k. Tel.-5torr.-Bur.) Nach Berichten, die der Pforte von ihren Botschaftern zugegangen sind, waren die von der Botschafter- konferenz in London ausgearbeiteten Friedensbedingungen für die Türkei annehmbar. Die Bedingungen, die noch nicht endgültig formuliert seien, würden demnächst der Pforte noti- fiziert werden. Bulgariens Stellung zu dem Bermittlungsvorschlag der Mächte. London, 18. März. Das Reutersche Bureau erfährt von bulgarischer Seite, daß der Vorschlag der Mächte, die Linie Enos— Mid'ia, als neue türkisch-bulgarische Grenze ein- zusetzen, anstatt der von den Balkanverbündeten vorge- schlagenen Linie Rodosto— Midia für fast unmöglich angesehen werde. Als Bulgarien Rodosto— Midia als neue Grenze vorschlug, sei es nicht von politischen Er- wägungen beeinflußt worden. Bulgarien habe diese üiiiie für dringend notwendig gehalten im Hinblick auf den ausgedehnten Handel Bulgariens mit Konstantinopel und Kleinasien. Es habe sie auch ans militärischen Gründen gewählt wegen der verhältnismäßigen Kürze der Grenze vom Schwarzen Meer zum Marmarameer, deren Berteitigung weniger Truppen erfordern würde alS die Linie über Enos. Der Haupt- grund sei jedoch der, daß die von Europa vorgeschlagene Linie so nahe der Eisenbahn Adrianopel— Dedeagatsch laufe. daß sie diese so wichtige Verbindung ernstlich bedroht. Außer- dem würde die Annahme der vorgeschlagenen Grenze die Zurückziehung eines großen Teils der bulgarischen Armee aus /den jetzt besetzten Städten notwendig machen und diese Gegenden den Türken überliefern, was eine schwere Gefahr für die Bevölkerung dieser Orte /ein würde. Vom bulgarischen Standpunkte aus sei es schwierig einzusehen, aus welchem Grunde die Mächte so sehr gegen die Linie Rodosto— Midia seien. Cestemichischc Verstimmung gegen Montenegro. Wien. 19. März. Zu der AnHaltung eines Dampfers vor San Giovanni di Medua meldet das„Neue Wiener Abendblatt", daß es sich um den Dampfer„Skodra" der Ungarisch-Kroatischen Schkffahrtsgesellschaft handle. Die bisherigen Nachrichten über den Vorfall deuteten auf eine ernste Verletzung des Völkerrechts hin. Wien, 19. März. Die Abendblätter besprechen das Bombardement von Skutari, welches nicht nur den Fortifikationen, sondern auch der tvehrlosen Stadt und der Zivilbevölkerung zu gelten schien und bereits schweren Schaden angerichtet hat, in sehr ernster Weise. Außer den früher genannten Gebäuden sollen auch das österreichisch-ungarische Waisenhaus nahezu vollständig und das Franziskanerkloster teilweise zusammengeschossen worden sein. Es wird die Ansicht ausgesprochen, daß die Montenegriner mit dem Bombardement eine Stadt zerstören lvglleu, von der sie wissen, daß sie niemals ihr Eigentuni werden könne. Eine gleich ernste Beurteilung findet der Zwischenfall von San Giovanni di Medua. Einige Blätter geben der Meinung Ausdruck, daß diese Vor- kommnissc zu einem ernsten Konflikt zwischen Oesterreich. Ungarn und Montenegro führen könnten. Wie die„Reichspost" erfährt, steht ein energischer Schritt Oesterreich-Ungarns zur Wahrung seiner Interessen an der Westküste Albaniens gegenüber dem eklatanten Bruch des Völkerrechts durch die Kriegführenden bevor. Der Gesandte in Cettinje sei beauf- tragt, bei der montenegrinischen Regierung energisch zu inter- venieren und sein Bericht soll für die weiteren Entschließungen Oesterreich-Ungarns entscheidend sein. Eine österreichische Flotteildemonstration an der albanischen Küste? Frankfurt a. M., 19. März. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Wien: Nach Verständigung mit Jtalieu sind heute zwei Divisionen des Geschwaders in Pola mit der Bestimmung nach der albanischen Küste ausgelaufen. Montenegro bestreitet die österreichischen Vorwürfe. Cetinje, 19. März. Von amtlicher montenegrinischer Seite wird die Meldung eines Wiener Blattes, daß monte- negrinischc Truppen einen österreichischen Dampfer im Hafen �ion San Giovanni di Medua �ain Löschen der Waren gelindert und die Matrosen mit dein- Tode bedroht hätten, als .durchaus unrichtig bezeichnet. Wieder ein serbisches Dementi. Belgrad. l9. März. Die Nachrichten der Blätter über die Er- schießung von 600 Albanesen in der Umgebung von UeStüb und Prizrend sowie über eine Bewegung im Ljuma-Gebiet und un- menschliche Behandlung der albenefifchen Bevölkerung von feiten der serbischen Behörden werden von berufener Seite für absolut un- wahr erkärt. Kämpfe an der Tschataldschalinie. Konstantinopel, 10. März. sMeldung deS Wiener I. k. Telegr.- Korresp.-Bureaus.)' Amtlicher Kriegsbericht. In Adrianopel hat sich gestern nichlS Bemerkenswertes ereignet. Unsere vom rechten Flügel aufgebrochenen Streitkräfte konnten gestern bis östlich von SofaSlöj, Kalfokoj und Akalan vorrücken. Der Feind wurde vertrieben und seine Stellungen besetzt. Abteilungen des ersten Korps, die sich' m Eakil und Sürgünköj befanden, vereinigten sich mit den Truppen des Zentrums und rückten bis Kadiköj vor, besetzten dieses sowie die Stellungen in der Umgebung, welche sich in den Händen des Feindes befanden, nach einem blutigen Kampfe, der bis Sonnenuntergang dauerte. Der Bericht über die auf beiden Seiten Gefallenen und Verwundeten liegt noch nicht vor. Die beiderseitigen Streitkräfte stehen längs der ganzen Front in engem Kontakt. «* i»» Die Verzweiflung der Mobilisierten. Aus Wien wird uns geschrieben: Nun kann sich selbst die deutsche nationale Hurrapresse dem Jammergeschrei der in Rot und Frost, in Schmutz und Fäulnis, in Krankheit und Verzweiflung zu Zehntausenden dahinvegetierenden Reservisten im bosnischen Karst nicht entziehen. Die„Ostdeutsche Rundschau" in Wien veröffentlicht einen langen Reservistenbrief, der die entsetzlichsten Einzelheiten berichtet, viel Gräßlicheres mitteilt als je unsere Presse, und der dabei von einem der Regierungsabgeordneten des Deutschen Nationalverbandes als unbedingt glaubwürdig erklärt wird- Seit Weihnachten sind die Reservisten in der Festung Mostar nicht aus den Kleidern und Schuhen gekommen, um nicht in den eiskalten Baracken zu erfrieren; sie schlafen zu 150 in einem Raum je 48 Zentinieter voneinander entfernt, ganze Kompagnien haben di« Krätze, selbst Fälle von Lungenentzündung werden von den Militärärzten nicht als Krankheit anerkannt, und jeder Mann, dem da» Kranksein bestritten wird, wandert auf Befehl des Korps- lommandanten auf 10—14 Tage in den Arrest. Hat schließlich nicht der K. u. k..Arzt" recht, der den Leuten sagte. ob sie v e r- recken oder von den Montenegrinern nieder- geknallt werden, sei ganz egal?— Einstweilen häufen sich die Selbstmorde und WahnsinnSfälle. Aber zum Schadenersatz für die k. und k. Verwahrlosung schenkt man den Leuten die weiteren Waffenübungen l_ politifchc CleberRcbt. Berlin, den 19. März 1913. Tie leidige Teckungsfrage. Heeresverstärkungen zu bewilligen, ist nicht schwer, die zur Deckung der Ausgaben erforderlichen Mittel aufzubringen um so schwieriger. Die Ausschüsse deS Bundesrats beraten noch immer über die Heeres- und Teckungsvorlagen, ohne bisher zu einem Ab- ichluß ihrer Verhandlungen gekommen zu sein. So viel steht jeden- falls fest, daß zum Zwecke der Vermögensabgabe«ine Abschätzung des ganzen in Deutschland vorhandenen Vermögens nach einhest- lichen Grundsätzen erfolgen soll. Wie halbamtlich mitgeteilt wird, sind die beteiligten Behörden auch bereits eifrig beschäftigt, die Ein- führungSbestimmungerr für die einmalige Vermögensabgabe auszu- arbeiten. Besondere Schwierigkeiten bietet hierbei die Frage der Ermittelung des Besitzes bei immobilen Werten. Bei der Ungleichheit der bestehenden Grundsätze für die Vermögenssteuer der Einzelstaateu besteht die Absicht, die Deklarationspflicht einzuführen. Man wird dabei allerdings mit dem Wider- stand der besitzenden Klassen rechnen müssen, denn es ist zur Genüge bekannt, daß bei der Angabe des Vermögens zum Zwecke der Besteuerung sich die besitzenden Kreiie eine große Bescheidenheit auferlegen. Hat doch der frühere Schatz- selretär Frhr. von Stengel einmal im Reichstag gesagt, daß da» Reich aller Schwierigleiten ledig wäre, wenn es gelänge, dem Reiche das zu überweisen, waS in den Einzelstaaten an Steuern hinter- zogen wird. Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die dafür«intreten, daß auch die„ T o t e H a n d" zur Vermögensabgabe mit heranzogen wird. So schreiben die„Dresdener Nachrichten": „Es ist von mehreren Seiten der Borschlag gemacht worden, bei der einnialigen Vermögensabgabe auch die„Tote Hand" nnl heranzuziehen, und man mutz sagen, daß es durchaus der Gerechtigkeit entspricht, hier ebenfalls zuzugreifen. Wenn sogar die deutschen BundeSsürsten bei dein allgemeinen Opier auf dem Altar des Baterlandes nicht zurückstehen wollen, so ist schlichter- dings nicht einzusehen, warum gerade die.Tote Hand" ganz un- behelligt bleiben soll. Eine umfassende Statistik über die im ganzen Reichsgebiet in der„Toten Hand" aufgestapelten Besitz- tümer ist bisher nicht vorhanden, so daß sich eine auch nur an- nähernde Schätzung deS zu erwartenden steuerlichen Erfolges nicht geben läßt, nur soviel steht fest, daß eS sich um ganz erkleckliche Werte bandelt, bei denen in erster Linie der kirchliche Besitz in Be- tracht kommt." Dieser Vorschlag hat entschieden viel sür sich. Gerade die Kirche hat nicht allein ein ganz gewaltiges mobiles Vermögen, sondern auch überaus großen und wertvollen Grundbesitz. Der Einwand. daß dieses Vermögen charitativen Zwecken dient, ist nicht stichhaltig; denn das, was die Kirche auf dem Gebiete der Charstas leistet, steht in gar keinem Verhältnis zu ihrem enormen Vermögen. Wenn sich aber schon in den Ausschüssen deS Bundesrates so gewaltige Schwierigkeiten bei der Beratung dieser Frage auftürmen, dann darf man als sicher annehmen, daß diese Schwierigkeiten im Reichstage noch wesentlich größer werden, und daß insbesondere an eine Verabschiedung dieser Steuer und der anderen, die mit ihr in Verbindung stehen, vor den Psingstferien nicht gedacht werden kann._ Walhall oder Himmel? Die„Germania" ist unzufrieden mit der schönen pathetischen Rede, die hier am Sonntag der General v. Wrochem beim Fackelzug gehalten hat, denn der„deutsch- völlisch" veranlagte General hat zum Schluß gesagt:„Deutsche wollen wir sein, Herz und Augen nach Walhalla gerichtet". Entrüstet fragt das fromme Blatt: „Hat denn der christliche Himmel für Herrn v. Wrochem aufgehört zu existieren, daß er feine Zuhörer auffordert, Herz und Augen auf den Heidenhimmel Walhalla zu richten, wo nach heidnisch- germanischer Auffassung die Helden ihren Met aus den Schädeln der erschlagenen Feinde trinken sollten? Soll das wegwerfende Wort vom„Weltbürgertum" die christliche Lehre, daß alle Menschen Brüder sind, auch zum alten Eiien werfen? Soll das Wort„Deutsche wollen wir sein" in reli- giöser Beziehung bedeuten:„Wir wollen wieder die Ur- germanen, Heiden werden?" Der Herr Generalleutnant,' so fordert das ultramontane Blatt weiter, hätte bedenken sollen, daß„seine in religiöser Beziehung an- stößigen Wort« auch von katholischen Bürgern und Arbeitern mit- angehört werden mußten, die sich in so starker Anzahl und in so glänzender Weise an dem Fackelzug beteiligt hatten, die aber an ihrem katholischen Glauben festholten und nicht gewillt sind, ihre Herzen und Augen statt aus den christlichen Himmel auf das heidnische Walhalla zu richten." Von ihrem Standpunkt hat die„Germania" nicht so unrecht. ES ist wirklich gar zu albern, daß die Konservativen und Alldeutschen, die für das sogenannte positive Ehristentum schwänflen und die Lehre vom christlilben Staat des getauften Juden Julius Friedrich Stahl als tiefgründigste Staatsweisheit preisen, ihre Anrufungen immer an Wotan und Thor rickiten und vom heidnischen Wahall reden. Der große Barde Georg Oertel hat zwar diesen Unsinn an« gefangen und versteht vomefflich in feinen religiösen Festartikeln christliche Anschauungen mit urgermanischen zu einem rührseligen vaterländischen Ragout zusammenzurühren; aber muß denn jede Albernheit dieses sächselnden Urgermanen gleich nachgeahmt werden? Prcuftens Schutzengel. Bei den jetzt überall veranstalteten„Jahrhundertfeiern", die weit richtiger Hohenzollernfeiern genannt werden sollten, wird meist neben dem„vollSliebenden gutmütigen König Friedrich Wilhelm III." auch seine Gattin, die Königin Luise, in allen Tonarten gepriesen und angesungen. Augeblich soll sie ein„Muster aller Weiblichkeit". ein.EngelanGüte", di«„besorgteste aller Mütter" und sonst noch allerlei gewesen sein. ES dürfte daher ein Urteil interesfieren, da» bald nach ihrem Tode der General Neidhardt v. Gneisenau über ste in einem Briese an seine Frau gefällt hat und der Sammlung un- gedruckter Briefe diese» Offiziers entnommen ist, die soeben Julius von Pflugk» Härtung im Berlage von Perthes(Gotha) erscheinen läßt. Gneisenau schreibt am 6. Oktober 1810 au» Warmbrunn an eine Gattin: „Hierbei übersende ich Dir einige bei Gelegenheit de» Todte» der Königin gehaltene Predigten. Zwei davon sind von einem meiner Freunde, dem Prediger Schleicrmacher, einem vor» trefflichen Kanzelredner. Du wunderst Dich vielleicht über diesen Prcdigtanlauf, aber ich will nicht läugnen. daß ich nach dem Tobte dieser Fürstin mehr für sie fühle, als es oft bei ihren: Leben nicht der Fall war. Sie war zusehrFrau, zu wenigKönigin undun- sähig. sich aus einen hohen Standpunkt zu- stellen oder daraus zuerhalten. Selbst ihr Herz war ihrem Gemahl nicht immer zugewandt, viel mehr einem anderen. was sie auch nicht verHelte, und als Mutter war sie nicht acktunqS würdig, da sie iick»m di« Erziebung ihrer Kinder nicht ernstlich bekümmerte. Aber sie besaß noch so manche gute Eigenschaften und mutzte, so jung noch, von ihren Kindern scheiden, von denen sie fürchten mutzte, daß sie nach wenigen Jahren das Gnadenbrot würden essen muffen. Ein so gebrochenes Mutterherz erregt Mitleid und diese arme Königin scheint nun bereits vergessen zu s-yn-"_ Prcutze« i« der Welt voran! Als kürzlich im Reichstag die Frage der Ueberführung der Eisen- bahnen in den Besitz oder wenigstens den Betrieb des Reiches be- rührt wurde, begab sich der Abgeordnete Graf Kanitz auf die Tri- büne, um zu verlünden, daß Preußen nimmermehr auf seine glän- zenden Eisenbahnerträge verzichten werde. Er trumpfte auf mit den mehr alS 300 Millionen Ueberschuß, die bei der Eisenbahnverwaltung im Jahre 1311 gemacht worden seien, und rechnet den übrigen, be- ionderS den süddeutschen Staaten vor, wie armselig et um ihr« Bahnen bestellt sei. Das Eisenbahnkopital habe sich in Preußen mit 7,22 Proz. verzinst, in Baden nur mit 4,17 Proz., in Württemberg gar nur mit 3.48 Proz. Stur zu einem Teil darf sich die preußische Eisenbahnverwaltung und der Landtag die günstige Rente al« ein eigenes Verdienst an- rechnen. Die dem Bau und Betrieb der Eisenbahnen sehr vorteil- hafte Bodengestaltung Preußens, die gewaltige Größe des Verkehrt- netzeS, die dev Vorteil des Großbetriebs gewährt, die günstigen Bedingungen der industriellen Entwicklung im Westen, sind wahrlich nicht auf junkerliche RumeStaten zurückzuführen. Wohl aber haben die Junker nach einer anderen Richtung sich verdient gemacht um die Rentabilität der preußischen Bahnen: durch Festhallen an den niedrigen Löhnen der Unterbeamten und Arbeiter de» Eisenbahn- betriebS. Schärfer al» wir sie darstellen könnten, wurde diese Tat- fache im Finanzausschuß des württembergffchen Landtags vom württembergischeii Ministerpräsidenten zum Ausdruck gebracht, der gegenüber den Anträgen unserer Genossen auf Revision der Lohn- ordnungen folgende Ziffern bekannt gab: Im Jahre 1311 wurde an Löhnen gezahlt: Württbg. Preußen Bayern Sachsen Baden Bahnunterhaltung«- arbeiter.... 1037 8 5 3 955 952 1 067 M. rbeiter im Zugab- fertigung». u.Zug- begleitungsdienst. 1401 12 8 5 1 812 1 245 1 871. Arbeiter im Zug- sörderunzS- und W-rlstättendienst. 1607 1 4 0 7 1 442 1 529 1 507. Trotz der fabelhaften Eisenbahnüberschüsse steht Preußen in der Bezahlung seiner Arbeiter durchweg an letzter Stelle. Nur Sachsen weist bei einer Kategorie einen noch etwas geringeren Satz auf als der Kulturstaat Preußen. Für 853 M. läßt der preußische Staat einen Arbeiter ein volle» Jahr schuften, damit 800 Millionen aus den Eisenbahnen herausgepreßt und den Besitzenden an Steuern erspart werden. Dabei prunkte der preußische Eisenbahnminifter vor wenigen Tagen bei Beratung des Eisenbahnetats im Landtag init der Erhöhung der Arbeiterlöhne um 33.7 Proz. seit dem Jahre 13021 Und trotzdem kommen heute, in der Zeit höchster Lebensmittelpreise, erst 853 M. JahreSlohn für BahnunterhaltungS« arbeiter heraus I Der preußische Staat beutet aber nicht nur seine eigenen Ar- bester aus, sondern hindert auch die süddeutschen Staaten an weiteren Lohnerhöhungen. Der württembergische Ministerpräsident erklärte nämlich weiter, wenn Württemberg den Lohnunterschied noch vergrößere, so entsteh« die Gefahr, daß innerhalb deS Staatsbahn- wagenverbandeS an den Kosten der in Württemberg ausgeführten Wagenreparaturen von den übrigen Verwaltungen Abzüge gemacht würden wegen der hohen Löhne in Württemberg l Eine köstliche Empfehlung. Tie nationalliberale Partei in Nürnberg geht auf den Mit- glicderfang au» und versendet zu diesem Zwecke ein Rundschreiben. in dem sie mitteilt, daß sie sich einen„Akquisiteur" mit dem poetischen Namen Silvcrius Wenzel zugelegt hat. Zu dessen Emp- fchlung wird hervorgehoben: „Genannter wird Ihnen sicherlich kein Unbekannter mehr sein, wenn Sie erfahren, daß er in seiner Eigenschaft al» Kapellmeister des Königl. 11. Infanterieregiment» ohne Wissen und Willen seiner Vorgesetzten aus eigenem Antriebe dem Fürsten Otto p. Bismarck, welcher damals zur Kur in Kissingen weilte, ein Ständchen brachte, welches kühne Unterfangen ihm die Entlassung eintrug." " Es ist wirklich kostbar, wie die Partei der Reserveoffizier«— der Vorsitzende der Partei, der da» Rundschreiben unterzeichnet hat, ist selber Hauptmann der Landwehr— ihrem neuen Mann al» besondere Zugkräftigkeit nachrühmt, daß er sich eine» mili- tärischen TitziplinvergehenS schuldig machte, da» mit Dienstent» lassung geahndet wurde._ Dr. Muller-Fürer. Die„Kreuz-Ztg.", die ohnehin leinen Ueberfluß an fähigen Leuten besitzt, hat ihren bisherigen Chefredakteur Dr. Müller-Fürer durch einen Gehirnschlag verloren. Der Gestorbene wurde 1853 ge- boren und erhielt nach beendeten Studien zunächst eine Stelle als Gymnasiallehrer, vertauschte dann aber diesen Beruf mit dem eines Redakteurs und trat 1891 in die Redaktion der„Kreuz-Ztg." als Feuilletonredakieur ein. Später übernahm er den Handeisteil und verfaßte nach dem Tode de» Freiherrn v. Ungern-Sternberg in»- besondere die Wochenübersichten über die innere Politik. Noch dem Nückttitt deS Ministerialdirektor» o. D. Dr. Herme» von der Leitung der„Kreuz-Ztg." übernahm Dr. Müller-Fürer am 1. Juli v. I. die Chestedaklion._ 6ewitterwoU«n im fernen Often. Tic Lage in Ostasien wird mit jedem Tage bedrohlicher. Aus der Mongolei, aus der Mandschurei, aus China kommen täglich Nachrichten, die auf drohende Verwickelungen zwischen Rußland und China hinweisen. Die russischen Blätter regi- strieren fortlaufend die besorgniserregenden Tatsachen, die aus den wirtschaftlichen Zusammenbruch in- den russischen Grenzgebieten in Ostasien grelle Schlaglichter werfen. Der Korrespondent der„Rjetsch" schreibt, die Kanonen hätten noch nicht gesprochen und schon müsse das Land seine Verlust« registrieren. Fn der Tat, wie aus den Berichten der Börsen in Charbin. Wladiwostok u. a. hervorgeht, durchlebt das Transbaikalgebiet und die russische Einflußsphäre in der Mandschurei eine schwere wirtschaftliche Krise, die um so be- drohlicher erscheint, als ihre Ursachen und Konsequenzen noch gar nicht abzusehen sind. Handel und Industrie stocken, zahl- reiche Firnien stellen ihre Zahlungen ein. die Tätigkeit der russischen ostchinesischen Bahn ist fast völlig lahmgelegt, da trotz der glänzenden Ernte fast keine Getreidezufuhr aus der Mandschurei nach den russischen Märkten zu verzeichnen ist. Alle diese Tatsachen üben auf das Erwerbsleben im Amur- gebiet eine fast panikartige Wirkung aus, denn die örtliche Bevölkerung sieht darin keine lokale Zusallserscheinung, son- dern ein Ergebnis der aggressiven Politik, die die russische Diplomatie neuerdings wieder in Ostasien eingeleitet hat und die gewaltige Komplikationen in sich birgt. Den Ausgangspunkt dieser Komplikationen bildet die nur notdürftig verhüllte Annexion der Mongolei, eine? Gebietes von fast drei Millionen Ouadratkilometer, durch Ruß- land, die durch das am 26. Dezembsr v. I. veröffentlichte Ab- kommen zwischen dem russischen Sondergesandten Koroswwetz und einigen mongolischen Fürsten proklamiert worden ist. Die russische Diplomatie nutzte die'dürch den Balkankrisg herauf- beschworene Spannung in Europa in raffinierter Weise dazu aus, um den von langer.Hand � vorbereiteten Schlag gegen China auszuführen und sich die unter chinesischer Oberhoheit stehende Mongolei anzugliedern. Formell„schützt" sie aller- dings nur die„Unabbängigkeit" der mongolischen Fürsten, die sich von dem republikanischen China losgesagt haben. In Wirklichkeit hat die russische Diplomatie aber diese ganze Un- abhängigkeitskomödie inszeniert, um durch Schaffung eines Pufferstaates nach dem Muster Persiens das ganze gewaltige Gebiet von der turkcjtanijchen und sibirischen Grenze bis zur Wüst?/Schutzherrschaft" in der Mongolei haben ge- zeigt, daß die russische Regierung die Unabhängigkeit:'- Erklärung eines Teiles der mongolischen Fürsten, die für Geld und Schnaps gekauft worden sind, nur dazu benutzt, um im Namen des mongolischen Volkes gegen Cbina auftreten zu können. Russische Truppen richten sich in der Mongolei häuslich ein, russische Jnstruktoren schreiten an die Ausbil- düng von mongolischen Truppen, die nach dem Muster der verfischen Ko'akenbrigade das eigen« 5'and an Rußland fefieln sollen, russische Konsulate reißen die Verwaltung an sich, russische Kausleute und Industrielle plündern die natür- lichen Schätze des Landes, und alles, was im Namen der mongolischen Regierung verkündet wird, geschieht unter dem Diktat des russischen Generalkonsuls in der Hauptstadt der Mongolei. Tie russische Diplomatie begnügt sich aber nicht mit diesem Vorgehen in der Mongolei. Auf ihre Veranlassung hin er- gingen an die russische und französische Gesandtschast kate- gonschs Messungen, so lange China keine Finanzhilfe zu- kommen zu lassen, bis die„Autonomie" der Mongolei volle Anerkennung gesunden habe. Mit diesem Scbachzug der- eitelte dt« russische Diplomatie den Abschluß der chinesischen Anleihe, die für die innere Reformarbeit Chinas unbedingt erforderlich ist, und kettete die englische und französischc Diplomatie noch enger als bisher an ihren aggressiven Kurs in Dst- nsien. Zugleich rückte sie aber auch in der englischen Einfluß- syhäre vor, indem sie den Abschluß eines Gegensestigkeits- Vertrages zwischen der Mongolei und Tibet veranlaßte und dadurch, zum� größten Mißvergnügen der führenden englischen Presse, ihre Fänge auch nach Lhassa, der Hauptstadt des unter englischem Einfluß stehenden Gebietes, ausstreckte. Ter Zweck dieses Vorgehens ist klar. Durch Schaffung einer solchen Brücke zwischen Urga und Lhassa zwingt die russische Diplo- wiatie England immerfort zur Unterstützung ihres Vorgehens gegen China und erpreßt von der englischen Diplomatie, ge- nau so wie in Persien, immer weitere Konzessionen an ihren asiatischen Kurs. Dieselbe Methode verfolgt Rußland gegen- über Japan, dem es � gegen Gewährung der Annexion der Mongolin freie Hand in der südlichen Mandschurei gewährt hat. Hier aber stößt der schlau eingefädelte russische Plan, der aus die Schaffung einer englisch-russisch-japanischen Koa- lition gegen China hinausläuft, auf unvorhergesehene Schwie- rigkeiten. Japan beeilt sich nicht, dem Beispiel Rußlands zu folgen und die ihm freundschaftlich offerierten chinesischen Außenländer zu okkupieren. Erstens bestehen zwischm Japan vvd Rußland noch recht tiesgehende Meinungsverschiedenheiten über die Abgrenzung der beiderseitigen Beute. Rußland hat in dem Vertrage mit den mongolischen Fürsten die Grenzen seines Einslußgebietes absichtlich nicht festgelegt und durch die allgemeine Fassung des Vertrages sich der japanischen Ein- slußsphäre sehr bedenklich genähert. Dann aber hat in Japan neuerdings ein Umschwung in der Stellung zu China statt- 'wftlnden, der die Durchführung des russischen Planes recht fraglich erscheinen läßt. Die schwere wirtschaftliche Krise in Japan, die. heftige Konkurrenz mit Amerika, die nach der Er- öfsnung des Panamakanols noch verschärft werden wird, .zwingen die javanischen.Handels» und Jndustriekreise, sich durch eine freundschaftliche Annäherung an China den unge- heuren chinesischen Markt zu sichern. Auch ein Teil der bis- herigen Kriegspartei in Japan neigt sich unter dem Cinsluß der finanziellen Krise diesem Standpunkt zu. und so ist es Annäherung zwischen China und Japan stattgesunden hat. denn nicht erstaunlich, daß in der letzten Zeit eine gewisse Der Reformator Chinas. Dr. Sunsatsen, ist kürzlich in wich- trger. diplomatischer Mission in Tokio gewesen, und wie die russiiche Presse mitzuteilen in der Lage ist. hat er bereits ziemilich wesentliche Erfolge errungen. Die Japaner erhalten eine Vorzugsstellung auf dem chinesischen Markte und er» werben von China einige Inseln als Stützpunkte jür die japanische Flotte.'Dafür nimmt Japan von einer Besitz» ergreifung des chinesischen Territoriums Abstand. Kann diese Abmachung auch nicht als chinesisch-japanisches Bündnis betrachtet werden, so stellt sie jedenfalls den ersten wichtigen 3U einer Annäherung zwischen beiden asiatischen Machten dar, einen Schritt, der die russischen Hoffnungen auf ein gemeinsames Vorgehen gegen China zerstört. Erwägt man noch daß sich bereits unter den mongolischen Fürsten, die sich an Rußland verkauften. Anzeichen der Ernüchterung bemerk» bar machen, und daß die ungezügelte Raublust der russischen Administratoren und Abenteurer heftige Gegenströmungen in der Mongolei wachgerufen haben, so muß man dem Mit- arbeiter der..Rjetsch", dem bekannten Orientalisten I. Popow, recht geben, welcher erklärt, daß die heutige Lage Rußlands ini fernen Osten außerordentlich an die Verhältnisse erinnert. die vor einem Jahrzehnt, kurz vor dem Ausbruch des sapa- mschen Krieges, an der Grenze Chinas und Japans geherrscht franfefcicb. Tie politische Krise. Paris, 19. März. Von den 161 Senatoren, die das Ministerium gestürzt haben, sind 130 Mitglieder der demo- kratischen Linken, 23 der republikanischen Vereinigung, 6 Wilde und je ein Mitglied der republikanischen Linken und der Rechten. Gegen die Regierung stimmten unter anderem Elemenceau. Combes, Freycinet, Pichon. de Selves und Pelletan. Unter den 128 Senatoren, die für die Regierung stimmten, sind unter anderem zu nennen Ribot. Doumer. Paul Dupuy, General Mercier. Zehn Senatoren enthielten sich der Abstimmung, darunter Bourgeois. Fast in der gesamten Presse gelangt die Ansicht zum Aus» druck, daß noch selten eine Kabinettskrise unter so schwierigen Verhältnissen eingetreten sei. Der Gegensatz zwischen Kammer und Senat habe nicht nur die Aufgabe des künftigen Minister- Präsidenten außerordentlich schwierig gestaltet, auch der Prä» sident der Republik habe sich noch nie in einer so verwickelten Lage befunden. Vielfach wird betont, daß es den radikalen Senatoren m erster Linie darum zu tun war. die Schlappe zu rächen, die sie in Versailles bei der Präsidentenwahl erlitten haben. Der„Figaro" schreibt, Briand büße den unermeßlichen Dienst, den er Frankreich erwiesen habe, als er am 17. Januar in so entschiedener Weise zur Wahl Pomcaräss beigetragen habe. welchem das Land die tatkräftige Entscheidung über die Reorganisation der Armee und die dreijährige Dienstzeit ver- danke. Der konservative„Gaulois" sagt, der Senat, den die Volkstümlichkeit des neuen Präsidenten der Republik erschrecke, möchte diesen zwingen, sich zurückzuziehen. Poincarä habe jedoch sehen können, daß es ihm ein leichtes wäre, sich auf das Land zu stützen und den Prätensionen des Parlaments Schranken aufzuerlegen. Die antimilitaristische„G u c r r c sociale" schreibt: Was das Volk bei dem Sturze des Ministeriums Briand interessiert, ist ausschließlich die Frage, ob auch dos Gesetz über die dreijährige Dienstzeit in Trümmer gegangen ist. Freuen wir uns nicht zu früh. Der Nationalist, den man zum Präsidenten der Republik gewählt hat, ist sehr wohl imstande, ein Ministerium Etienne zu berufen, dessen einzige Ausgabe es wäre, den dreijährigen Militärdienst durchzuführen. Ja n r e s kündet in der„H u m a n i t e" an. die proportionalistisch gesinnten Republikaner würden morgen eine Resolution einbringen, in der die Kammer aufgefordert werde, auf der von ihr angenommenen Wahlreform zu be° harren. Ter Senat habe den Konflikt gewollt, er werde auch die Verantwortung für die durch denselben entfesselte politische Verwirrung tragen.__ Das Schicksal der Wahlresorm und der Militärvorlagr. Paris, 19. März.< P r i v a t t e l s g r a m m des „V o r w ä r t s".) Ein Ausweg aus der Krise ist noch un- sichtbar. Allgemein wird erklärt, daß eine so schwere Krise seit den Tagen Mac Mahons nicht vorgekommen sei. Tie Proporzdeputierten sind entschlossen, jedes Ministerium, das ein Programm ohne Zulassung einer Vertretung der Mi- noritäten vorlege, zu stürzen. Heute wurde ein Antrag Jaurtzs angenommen, in der morgigen Sitzung eine Re- solution vorzulegen, worin die Kammer ihr Beharren bei dem Proporz ausspricht. Daher ist die Bildung eines neuen Kabinetts schwierig. Man nennt Etiennne als Nachfolger Briands, der seinen Kriegsressort beibehalten, zunächst die Annahme der Milftärvorlage betreiben, aber die Wahlreform mit unverbindlichen Versprechungen zurücktreten lassen würde. Indes wächst die Opposition der Radikalen gegen die Einfüh- rung der dreijährigen Dienstzeit immer mehr. Man rechnet damit, daß die Kaminer nur 420 Millionen Frank Kredit, statt der dreijährigen Dienstzeit aber einen Kompromißvor- schlag annehmen werde. Die Kandidatur Delcassäs als Kabinettschef ist ausgeschlossen, da er heute nach Petersburg abfuhr. I a u r d S schreibt heute in der„H u m a n i t 6": Ter Senat ist für den entfesselten Wirrwarr veranwort- lich, aber auch Pomcarä. der, um in das Elysee zu kommen, eine halbfertige Reform Briand anheimgab, dessen Kredit im Versinken war, und den zugleich die Gegner seiner Wahl gegen die Reform lenkte. Eine weitere Schuld Poincarss und Briands ist es, daß sie, sich dem Nationalismus ge- fangengebend, die Vorlage auf Einführung der dreijährigen Dienstzeit quer durch die Wahlreform warfen und so den Proporzgegnern Hoffnung gaben, daß sich die durch die Mili- tärsragc gespaltenen Proporzler bei den kommenden Wahlen nicht koalieren könnten. Aber die Sozialisten seien entschlossen, rückhaltlos sowohl gegen den Militarismus wie für den Pro- Porz zu kämpfen. Sie wären die Düpierten, wenn sie eine Re- form des Wahlrechts preisgäben, da die künftige Regierung dann in der Militärfrage nichts zu fürchten brauchte. Es sei auch nicht zu vergessen, daß Clemenceau zur Sicherung seines Sieges sich auf die Einführung der dreijährigen Dienstzeit verpflichtete. Compere Morel erklärte einem Interviewer, daß in der Serie von Krisen voraussichtlich ein AiMleich un- möglich sei. Die nächstjährigen Wahlen werden nicht unter dem Bezirkswahlrecht stattfinden, ober wir werden uns ver- pflichten, uns nach Annahme einer Reform sofort aufzulösen. Die radikale Partei wird verschwinden, aber gegen den Senat und für die Aenderung der Konstitution ist eine mächtige Kampagne ermöglicht. Ein Artikel des„Temps" zeigt indes, daß der Kampf gegen die Senatsrechte der Bourgeoisie un- erwünscht ist. Die kapitalistischen Proporzler ziehen eine, Lösung durch Etienne vor und wollen jedenfalls jetzt eine Auslösung vermeiden, die die Einführung der dreijährigen Dienstzeit übrigens verhindern würde. Wahrscheinlich würde der Senat die konstitutionell notwendige Zustimmung ver» weigern.__ Hiis der Partei. Kongresse im Ausland. Zu Ostern halten unsere französischen Genossen ihren Parteitag in Breft ab; die belgischen Genossen tagen in Brüssel, die holländischen in Utrecht. Als Vertreter der deutschen Partei geht Genosse Atoltenbuhr nach Frankreich. Genosse E d e r t nach Belgien. Genosse Scheidemann nach Holland. Vom Fortschritt der Parteipresse. Unser Parteiorgan'für Niederschlesien, die„Görlitzer Bolls- zeitung. hat in den letzten drei Jahren, seit unsere dortigen Ge, nossen sich die Produktwgenossenschaft„Ärbeiterdruckerei Görlitz" geschaffen haben, so erfreuliche Fortschritte aus allen einschlägigen Gebieten gemacht, daß eine Äurckgreifende Erweiterung d«S Druckererbetriebe« vorgenommen werden konnte. Zur Ausstellung kam auch eine zweite Rotationsmaschine, durch die da« Parteilblatt im Umfang von 24 Seiten zweifarbig hergestellt werden kann. Ablehnung de« städtischen Etat«. Di« sozialdemokratische Fraktion im Parlament der Stadt Erankfurt a. M. stimmte gegen die Genehmigung des städtischen tatS. obgleich dieser u. a. recht beträchtliche Mehrauswendungen für Fürsorge- und soziale Zweck«, so für Schulspeisung, Bekämpfung der Schwindsucht, Säuglingsfürsorge, Volksbildung, gemeinnützige RcchtSausbildung. auch die Unterstützung de« Arbeiter-Äbstinentcn. bundes, enthält. Maßgebend hierfür war insbesondere die starke Heranziehung der minderbemittelten Schichten der Bevölkerung zu den allgemeinen Lasten durch Gebühren. Der Etat wurde natürlich von der bürgerlichen Mehrheit angenommen.� Die Märzfeier der Wiener Arbeiter fand am letzten Sonntag statt.(In Wen brach 1848 die Revolu- tion bekanntlich schon am 13. März au«.) Die Feier hat ihre Ge- stakt insofern verändert, daß in diesem Jahr« nicht mehr ein Massen- zug noch dem sehr weit entfernten Zentralfriedhof stattfand, son- dern die Kränze nur von Abordnungen der Bezirke überbracht wur- den. Am Obelisken, den die Gemeinde Wien den Vorkämpfern der bürgerlichen Emanzipation errichtet hat, brannten Flammen in den hoben Leuchtern, und Abg. Genosse Dr. Ellenbogen sprach Worte des Gedenken«. Nach ihm sprachen tschechische, pol- nische, ungarische und ruthemsch« Genossen. Leute, die den Staat mit de- Kranzschere retten wollten, waren nicht zu sehen. DaS ist in Wien nicht üblich. Ei« Bortrag des Genossen Liebknecht in Poris. Paris, 48. März. lEig. Ber.) Genosse Dr. Karl Lieb. k n c ch t, der jetzt eine VortragSreisc in Frankreich. Belgien und England unternimmt, sprach gestern in einer überfüllten Bersamm. hing des deutschen sozialdemokratischen LeftkMS über die inter- nationale Situation. Nach einer Darstellung der ökonomischen Wurzeln des kapitalistischen Imperialismus zeigt« er die Aufgaben. die sich für dos internationale Proletariat in der äußeren und inneren Politik ergeben. Der Vortrag wurde pon den Zuhörern, unter denen sich viele russische, ungarische und einige bekannte sran- zöstsche Genossen befanden, wiederholt von Beifall unterbrochen und der Schlußappell deö Redners zur rastlosen, revolutionären Organisationsarbeit für die sozialistische Internationale fand«in stürmisches Echo. Die Versammlung wird der Entwicklung der alten Organisation der deutschen Arbeiter in Paris sicherlich zugute kommen und dazu beitragen, daß die zumeist jungen, in die Fremde ziehenden Proletarier in den Ablenkungen der Weltstadt dem Zu- sammenhang mit der sozialen Bewegung ihrer Klasse nicht verlieren- Wahlcrsolge in der Schweiz. Nachdem nun im Kanton Aargau die K an t o nr at« w a hlen beendet sind, ergibt sich, daß zwölf Sozialdemokraten gewählt sind gegen sieben bisherige, so daß der Gewinn fünf Mandate beträgt. In Baden gelang eS am Sonntag im dritten Wablgang den sozialdemokratisck-katholischen Minderheitsparteien, die herrschenden Freisinnigen zu schlagen. Im Kanton T e I s i n sind insgesamt drei Sozialdemokraten in den KantonSrat gewählt worden. Em Industrie und Kandel. Tic Rohstoffversorgung des deutschen Marktes. Tie gewerbliche Produktion bewegt sich im allgemeinen noch in steigender Richtung. Leider ist man noch immer nicht zu statisti« scheu Erhebungen über den Umfang der inländischen Warenerzeu» guna gelangt: nur die Gewinnung einiger Montanprodukte sowie die Erzeugung der Hochöfen werden regelmäßig veröffentlicht. Vor allem fehlen noch statistische Angaben über die Fabrikation der Fertigindustrie. So muß man sich an andere Faktoren halten, will man die Expansion der deutschen Volkswirtschaft verfolgen. Einen recht sicheren Maßstab gewährt die Versorgung des deutschen Marktes mit Kohle. Kein Gewerbezweig kommt heute mehr ohne Dampfkraft aus, auch für die Erzeugung elektrischen Stromes kommt in Deutschland die Wasserkraft nur in den wenigsten Fällen in Betracht. Im Januar d. I. ist die deutsche Steinkohlen- Versorgung gegen das Vorjahr abermals erheblich gewachsen. Im ersten Monat der Jahre 1807 bis tLtZ standen nach Einrechnung des Imports in die Eigenproduktion sowie nach Abzugs der Aus- fuhr in Millionen Doppelzentnern folgende Mengen Steinkohlen für den inländischen Verbrauch zur Verfügung: Januar 4807 1808 1908 1910 1911 1912 1848 Versorgung 147,86 117.20 107,8.1 112,39 122,13 128,72 148,13 Geg. d. Vors.- 0.6ö-9.35+4,54+9,74+6,69+19,41 Den weitaus stärksten Fortschritt machte die deutsche Stein- kohlenversorgung somit im laufenden Jahre. Gleichzeitig- stieg der mutmaßliche Verbrauch von Braunkohle, der im Januar 1907 erst 57,21 Millionen Doppelzentner betragen hatte, aus 78,72 Millionen Doppelzentner. Die Ausdehnung der Braunkohlenvcr- sorgung ging also auch in der laufenden Konjunkturperiode wieder über die Erhöhung der Steinkohlenversorgung hinaus. Daß das Wachstum der industriellen Warenerzeugung im laufenden Jahrs in Deutschland in kräftigem Tempo anhält, ergibt sich weiter auö der Entwickelung der Eiscnvcrsorgung. Da« Plus gegen das Vorjahr ist erheblich bedeutender als irgendwann in früheren Parallelmonaten. Von Januar 1907 bis Januar 1912 war die deutsche Eisenversorgung nur von 7,60 Millionen Doppelzentner auf 8,02 Millionen Doppelzentner gewachsen: im ersten Monat des laufenden JahrcS stieg sie auf 9,93 Millionen Doppelzentner. An- gesichts dieser auffallenden Erhöhung der Versorgungsziffcr ist allerdings die Frage berechtigt, ob die Versorgung des deutschen Marktes mit Roheisen nicht tatsächlich den heimischen Bedarf über. steigt; die mehrfach beobachtete Schwäche einiger ausländischen Eisenmärkte deutet darauf hin, daß man auch in anderen Ländern die Erzeugung nicht bedachtsam ausgedehnt, sondern ohne Rücksicht auf die Nachfrage da« Angebot erheblich vermehrt hat. Eine exakte Feststellung der Rohstoffversorgung ist ferner, beim wich. tigsten Material der Textilindustrie, bei Baumwolle, möglich. da bier inländische Produktion nicht in Betracht kommt. Die deutsche Baumwollvcrsoraung bot im Januar der letzten Jahre nach 1006 Doppelzentnern folgendes Bild: Januar 1907 1908 1909 1916 1911 1912 1913 Versorgung 588 557 505 457 527 557 629 Geg. d. Vors.—31—52—48+70+30+72 Die Versorgung geht Heuer zum erstenmal über die verfüg. bare Quantität vom Januar 1907 hinaus. Von großem Interesse ist gegenwärtig die Gestaltung der Versorgung des Inlandsmarktes mit Leuchiöl. Die Mehreinsuhr von Petroleum stieg vom Januar 1907 bis 1910 fortwährend, ging aber seitdem im ersten Monat Jahr für Jahr zurück: sie belief sich im Januar 1912 noch auf 1 345 053 Doppelzentner, im Januar 1913 auf 1 978 567 Doppel- zeniner. Im Gesamtverlaus des Jahres 1912 war der mutmaßliche Petrolcumverbrauch in Deutschland geringer als zwei Jahre vorher. Soziales. Verordnung zum Schutz von Arbeitenunev und jugendlichen Arbeitern. Der gestrige„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine längere Verordnung des Bundesrats über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Glashütten, Glasschleifereien, Glasbiegereien und Sandbläsereien vom 9. März 1313._ Die SchadenSersatzklagc gegen de« frühere» Prinzipal. Die von einigen KaufmannSgerichten mit Unrecht umstrittene Rechtsfrage, ob DchadenSersatzklagen gegen den früheren Prinzipal beim Kaufmannsgericht oder beim ordentlichen Gericht anhängig zu machen seien, ist jetzt auch zur Entscheidung vor daS Kammer. geeicht gekommen. Die prinzipielle Auffassung des Kammergerichts werden sich hoffentlich die unierBi Instanzen zu eigen machen, so daß eine Stetigkeit in der Rechtsprechung bezüglich dieser Frage nunmehr Platz greifen wird. Angeklagte klagen nach ihrem Ab- gange oft wegen Schäden, die sie an ihrer Gesundheit während ihrer Tätigkeit erlitten haben wollen. Wandten sie sich an daS Amts- bczw. Landgericht, so wurden sie meist an daS Kaufmann«- gericht verwiesen, ebenso häufig aber auch vom Kaufmanns- gerickt an das ordentliche Gericht. Besonder» die 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgericht« hielt an der verkehrten Auffassung fest, daß Klagen auf Schadensersatz seitens eines ausgeschiedenen Gehilfen nichts mehr mit dem Dienstverhältnis zu tun haben. Während einzelne Zivilkammern des Landgerichts dieser Auf- faffung beitraten, nahmen andere Kammern sehr entschieden da- gegen Stellung. Die Folge dieser Divergenzen war jedenfalls eine Ilnsicherheit der Rccktsuchenden, die oft Monate warten mußten, bi§ die leidige Zuständigkeitsfrag« geklärt war. In einer vor der 1. Kammer des Berliner KaufmannSgerichtS verhandelten Sache verlangte der Kläger, der im Bankhaus Bleich- röder in Stellung war, einen Schadensersatz und eine Rente. Er will durch Zugluft einen unheilbaren Schaden an seiner Gesund- heit erlitten haben. Da der behandelnde Arzt, auf dessen Aussage es im Prozeß im wesentlichen ankam, nicht zur Stelle war, konnte in der Sache selbst nicht entschieden werden. Dagegen wurde fest- gestellt, daß daS Kausinannsgcricht in der Sache daS Urteil zu sprechen hat. Kläger hatte erst beim Landgericht die Klage erhoben, daS sich aber nicht für zuständig hielt. Auf eingelegte Berufung entschied aber auch daS Kammcrgericht, daß zur Entscheidung in der SchadenSrrfatzklagr nur daß Kaufmannsgericht in Frage, kommt. Gewerkrcbaftlicbea. Der Hbfchluß der Bewegung im Baugewerbe? Der Bundesvorstand des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe hat, wie man uns mitteilt, in seiner Sitzung vom 18. März den von den Unparteiischen vorge- schlagenen„Reichstarifvertrag für das Baugewerbe" als Grundlage für die bezirklichcn und örtlichen Tarifverhand- lungen angenommen. Da die Zentralverbände der Arbeiter die Annahme bereits am 12. März ausgesprochen haben, können die Bezirks- und örtlichen Verhandlungen nunmehr beginnen. Sie sollen bis zum 19. April beendet sein. Bis dahin bleiben vorläufig die eigentlich Ende dieses Monats ab- laufenden Tarifverträge noch in Kraft. VerUn unci Clmgegend. Der Kampf der Maler in Berlin. In einer Mitgliederversammlung des Malerverbandes, die am Dienstag den Saal der„Brauerei Friedrichshain" bis auf den letzten Platz füllte, gab M i e tz den Bericht über den Stand der Aussperrung. Danach ist die Situation so: In allen Geschäften, die ausgesperrt haben, sind auch diejenigen, welche weiterbeschäftigt wurden, bis auf den letzten Mann hinausgegangen. Die Zahl der am Kampfe Beteiligten ist dadurch nicht wesentlich erhöht; nur etwa 100 Streikende sind zu den Ausgesperrten hinzu- gekommen, so daß die Gesamtzahl der in Berlin Ausgesperrten und Streikenden wenig über 1900 deträgt. Der Zusammenhalt des Arbeitgeberverbandes, der schon von Anfang an nicht besonders war, hat sich im Laufe der letzten Zeit immer mehr gelockert. Die gänzliche Lahmlegung der Geschäfte der aussperrungswütigen Unternehmer hat viele derselben veranlaßt, mit dem Malerver- band Frieden zu schließen. Das geschieht durch Unterzeichnung eines Vertrages, den der betreffende Arbeitgeber mit dem Maler- verband« abzuschließen hat. Der Vertrag gilt auf 2 Jahre. In der Hauptsache setzt er eine Verkürzung der Arbeitszeit fest von einer Stunde pro Woche sowie eine sofortige Erhöhung aller Lohnsätze um 5 Pf. pro Stunde. Am 15. Februar 1911 erfolgt eine weitere Lohnerhöhung von 2 Pf. Der vertragsmäßige Mindest- lohn beträgt für Gehilfen unter 29 Jahre 79 Pf., für Gehilsen über 29 Jahre 75 Pf., für Anstreicher 79 Pf. Eine große Anzahl zum Teil namhafter Firmen hat den Vertrag bereits unterzeichnet. Die Zahl der Verträge könnte noch größer sein, wenn nicht der Malerverband in jedem Falle genau feststellen würde, daß das Angebot zur Unterzeichnung wirklich von dem Inhaber des Geschäfts ausgeht. Um sich dem Arbeitgebcrverband gegenüber zu decken, versuchen nämlich nicht wenige Arbeitgeber, durch Scheinverkäufe und�ähnliche Schiebungen ihr Geschäft einer vorgeschobenen Person zu übertragen, auf deren Namen der Vertrag abgeschlossen werden soll. Auf derartige Manöver läßt sich der Malerverband natürlich nicht ein. Diese Vorkommnisse zeigen, daß die Gefolgschaft des Arbeitgeberverbandes stark abbröckelt, was ja auch in anderen Orten der Fall ist. Die Situation kann vom Standpunkt der Ar- beiter als günstig bezeichnet werden. Die Versammlung erklärte sich mit der Taktik der Verbands- leitung einverstanden und billigte den Inhalt des Vertrages. Dem Vorschlage des Hauptvorstandes, von der 14. Woche ab den Wochenbeitrag um 29 Pf. zu erhöhen, stimmte die Versamm- lung zu. Ferner wurde beschlossen, daß die in Arbeit stehenden Mitglieder von der 14. Woche an wöchentlich 1,49 M. zum Streik- fonds zahlen. Die Angestellten der Filiale erklärten sich freiwillig bereis für die erste Woche der Aussperrung die Hälfte ihres Ge- baltS zurückzuzahlen.— Am Sonnabend um 12 Uhr wird in allen Bezirkslokalen die erste Streikunterstützung ausgezahlt. Die Kutscher und Hilfsarbeiter aus den Fräsereien, Hobel- werken und Schncidemühlcnbetrieben befinden sich in einer Be- wegung zur Erneuerung ihres Vcrtragsverhältnisses, das ebenso wie alle anderen Verträge in der Holzindustrie am 15. Februar dieses Jahres ablief. Da die Tarisverhandlungen für die gelernten Arbeiter in der Holzindustrie bis zum 15. Februar noch keine Klärung gebracht hatten, waren die beiden Parteien, der Verein der Fräsereibesitzer und der Transportarbeiterverband, übereinge- kommen, daß die Verhandlungen über den Tarif der Kutscher nach Beendigung der Verhandlungen für die Holzarbeiter vor sich gehen sollten, und daß der bisherige Tarif der Kutscher so lange als verlängert zu betrachten ist, bis die Verhandlungen hierüber ein Ergebnis gezeitigt haben. Die erste Verhandlung hat nunmehr am 13. März mit den Fräsereibesitzern stattgefunden, lieber das Resul- tat derselben berichtete!l t h e tz am Montag in einer stark besuchten Versammlung der Kutscher im„Dresdener Garten". Danach haben die Fräsereibesitzer bezüglich der von den Arbeitnehmern beantrag- ten zehnprozentigen Lohnerhöhung einen ebenso ablehnenden Stand- ounkt eingenommen, wie die Holzindustriellen bei den voraufgegan- genen Verhandlungen mit den Holzarbeitern. Schließlich hätten die Unternehmer folgenden Vorschlag gemacht: Der Verein der Fräserei- besitzer ist bereit, wiederum in ein Vertragsverhältnis für die Kut- scher und Hilfsarbeiter zu willigen, und zwar auf die gleiche Dauer wie der Vertrag für die Holzarbeiter: 4 Jahre. In dem ersten Jahre der Vertragsdauer tritt keine Lohnerhöhung ein. Im zwei- ten Vertragsjahre soll dann der Lohn um 1 M. pro Woche erhöht werden, so daß der Lohn für die branchenkundigen Kutscher 31 Mk. pro Woche betragen soll. Die branchenunkundigen Kutscher sowie allen Hilfsarbeitern soll keine Lohnerhöhung gelvährt werden; für dieselben sollen die bisherigen Lohnsätze weiter beibehalten werden. Die Vertreter der Arbeitnehmer haben den Fräsereibesitzern hierauf erklärt, daß dieser Vorschlag für sie unannehmbar sei und sie daher nicht in der Lage seien, ihren Auftraggebern diesen Vorschlag zur Annahme zu empfehlen. Die Vertreter der Kutscher haben dann den Fräsereibesitzern einen Vorschlag gemacht, dahingehend, daß den Kutschern eine gleiche Lohnzulage gewährt wird wie den übrigen Arbeitern in der Holzindustrie. Danach soll der Lohn am 1. April 1913 um 1 M., am 1. März 1914 um 1 M. und am 1. März 1915 um 59 Pf. pro Woche erhöht werden, so daß der Lohn im ersten Jahre 31 M., im zweiten Jahre 32 M. und im dritten und vierten VcrtragSjahre 32,59 M. betragen würde. Die gleiche Lohnerhöhung soll auch für die branchenunkundigen Kutscher sowie für die Arbeiter eintreten. Die Fräsereibesitzer hätten erklärt, daß sie über diesen neuen Vorschlag mit ihren Auftraggebern beraten würden; die gleiche Erklärung wurde seitens der Vertreter der Arbeitnehmer gemacht. Die Versammelten gaben nach längerer Diskussion ihrer Lohnkommission den Auftrag, die Verhandlungen mit den Unter- nehmern an der Hand der zuletzt angeführten Vorschläge fortzu- setzen._ Zur Lage der Destillationsgehilfen. Die moderne Entwickelung schafft immer neue Formen kapita- listischer Betriebe oder formt die alten um. Damit entstehen auch neue Kategorien von Arbeitern und Angestellten. So sehen wir zum Beispiel, wie seit einer Reihe von Jahren in Berlin die sogenannten Grotzdcstillatione,» inimer mehr zunehmen, an Zahl wie an Umfang. In diesen Geschäften, deren Kundschaft sich zum größten Teile aus Arbeitertreisen rekrutiert, sind z. B. eiwa 1299 bis 1599 Gehilfen(Verkäufer, Zapfer, Hausdiener) beschäftigt. Zumeist sind es junge, aus der Provinz zugereiste Leute, die von Organisation noch keine Ahnung haben. Die natürliche Folge davon ist: lange Arbeitszeit, geringe Löhne. Für 35 bis 59 oder 69 M. muß die Mehrzahl dieser Angestellten 15, 16 und auch 18 Stunden arbeiten. Kost und Logis finden diese jungen Leute meist im Hause des Prinzipals— beides in der üblichen„Güte". In einigen der größten Geschäfte wird den eigentlichen Verkäufern ein etwas erhöhter Lohn gezahlt. In der Mehrzahl der Fälle ober handelt es sich um junge Leute, die zum Teil im Keller und beim Putzen beschäftigt sind; bei flotterem Geschäftsgang aber helfen sie hinter dem Ladentisch die Gäste bedienen. Weil sie beim Bedienen beziehentlich„am Lerantw. Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Büffet oder mit dem Fertigmachen kalter Epeisen" tätig find, so unterstehen sie der Bundesratsverordnung für das Ga st Wirtsgewerbe vom 23. Januar 1992, und müssen dem- zufolge alle 14 Tage einen vollen Ruhetag erhalten. Diese Bestim- mung wird freilich von den meisten Unternehmern nicht innegehal- ten. Wo kein Kläger, ist auch kein Richter. Durch den Verband der Ga st Wirtsgehilfen, der sich seit einiger Zeit mit Erfolg um die Organisierung der Destillations- gehilfen bemüht, sind nun die Herren Großdestillateure aus ihrer Ruhe gescheucht worden. In einer Versammlung beschäftigten sie sich eingehend mit der Lage ihrer Gehilfen und mit dem Verbände. Der Pflicht, den schwer arbeitenden Leuten alle paar Wochen einen Ruhetag geben zu müssen, wollen die weisen Herren damit entgehen, daß sie alle ihre Angestellten als„Hausdiener" anmelden. Das wird ihnen natürlich nichts nützen; denn nicht auf die B c- z e i ch n u n g, auf die Beschäftigung kommt es an. Die Stellenvermittelung, wie sie einem ihrer Mit- glieder„ehrenamtlich" übertragen war, haben sie infolge der Kritik des Verbandes aufgelöst. Diese Einrichtung widersprach auch voll- kommen dem Stellenvcrmittlergesetz von 1919, das bekanntlich die Ausübung der Stellenvermittelung in Gastwirtschaften untersagt. Dafür empfahl ein Herr Gründling, Besitzer mehrerer Groß- destillationen, nunmehr die schwarzen Listen einzuführen. Das soll in der Form von Auskunftsformularen geschehen, die vor der Einstellung von Gehilfen zur Anwendung zu kommen hätten. Da die Stellenvermittelung jetzt aufgelöst sei, wäre es ratsam, so meinte Herr Gründling, daß diese von ihm schon immer geübte „bewährte Matzregel" im ganzen Verein eingeführt werde.— Es ist immer wieder das gleiche. Die Unternehmer kümmern sich so lange nicht um das Schicksal ihrer Arbeiter, so lange diese in Zufriedenheit dahinleben, keinerlei Forderungen stellen und vor allem, so lange sie nicht organisiert sind, Widerstand nicht entgegenzusetzen vermögen. Kommt dann die Organisation, nimmt sich der unterdrückten und ausgebeuteten Angestellten an. dann finden sich auch die Unternehmer zu dem löblichen Tun vereinigt, gegen die Arbeiter mit schwarzen Listen, Matzregelungen usw. vor- zugehen. Es wird den Unternehmern aber auch in diesem Falle nicht gelingen,„ihre" Arbeiter und Angestellten gänzlich unter ihrer Botmäßigkeit zu erhalten; die Organisation wird auch hier weiter vordringen. Achtung, Glasarbeiter. Die Sperre bei der Firma Moore-Licht A.-G., Reukölln, Lichtenrader Str. 32. ist aufgehoben. Die Diffe- renzen sind durch Verhandlungen beigelegt. Verband der Glasarbeiter. Tapezierer. Die Spere über die Firma Beyer, Dresdener Str. 35, ist aufgehoben, die Differenzen sind beigelegt. Die Schlichtungskommission. Deuttcbes Reich. Verschmelzung der Keramarbcitervcrbände. In einer am 14. März im Berliner Gewerkschaftshause abge- haltenen Konferenz der Verbände des Glasarbeiterverbandes, des Porzcllanarbeiterverbandes und des Töpfervcrbandes wurde Stellung genommen zu einer gemeinsam ausgearbeiteten Statuten- Vorlage für einen in Aussicht genommenen Äeramearbeiterverband, der die bisher den Verbänden zugeteilten Bcrufsgruppen der kcra- mischen Branchen zu einer gemeinsamen Organisation zusammen- fassen soll. In zahlreichen voraufgegangenen Sitzungen hat eine aus je drei Mitgliedern der drei Vcrbandsvorstände zusammengesetzte Kommission das gemeinsame Statut beraten, das nach seiner Fertigstellung den übrigen Verbandsmitgliedcrn rechtzeitig zu- gestellt wurde. Am14. März fand nun eine vorläufig abschließende Dis- kussion über den Entwurf statt. Besondere Ausstellungen konnten an der fleißigen Arbeit der Kommission nicht gemacht werden. Be- schloffen wurde nunmehr, im Lause dieser Woche den fertigen Statutenentwurf zugleich mit dem Fachorgan sämtlichen Mitglie- dern�der drei Verbände zugänglich zu machen. Eine gleichlautende Erklärung in den drei Fachorganen verweist auf diesen Entwurf und auf die Tatsache, daß alle drei Verbände laut Verbandstags- beschlutz über das Statut und damit die Verschmelzung durch Ur- abstimmung entscheiden sollen. Die drei Verbände sind jedoch dabei der Meinung, daß es nicht richtig erscheine, über ein nur von den drei Vorständen ausgearbeitetes Statut abzustimmen. Vielmehr sei notwendig, um ein richtiges Bild über die Mcinun- gen in den Mitgliederkreisen zu erhalten, daß die drei Verbände zu gleicher Zeit und am gleichen Ort Verbandstage abhalten, die dann in einem gemeinsamen Kongreß der drei Verbände ihren Abschluß finden müßten. Die drei Vorstände lassen sich bei dieser Maßnahme von der Auffassung leiten, daß auch den Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden mutz, über das ausgearbeitete Statut nicht nur zu diskutieren und dann abzustimmen, sondern auch an deni Entwurf Aenderungen vorzunehmen. Diese Aenderungen können dann nach Stellung entsprechender Anträge die gemeinsame Generalversammlung der drei Verbände treffen, und erst hierauf unterliegt das revidierte Statut nach Berichterstattung und noch- Ulaligcr Diskussion der Urabstimmung durch die Mitglieder. Die Einberufung der drei Vcrbandstage sowie der kombi- liierten Generalversammlung soll so schleunig wie möglich, die Abhaltung dieser Tagungen spätestens bis Mitte Juli vollzogen werden. Die drei Vorstände erwarten nunmehr nach Unterbreitung der «tatutcnvorlage eine sachliche Kritik, die dem allgemeinen Wohl, den einzelnen Organisationen und dem anzustrebenden Gesamt- verbände dienlich ist. Unzweifelhaft wäre auch diese Fusion der Keramearbeiterverbände ein weiterer Schritt zur Vervollkommnung und Schlagfertigkeit der deutschen Gewerkschaftsverbändc. Der vereinigte Verband zählte dann sofort zirka 45 999 Mitglieder, bekäme damit eine stärkere Werbekraft und wäre vor allem auch weit eher in der Lage, den Unternehmern kainpffähig entgegentreten zu köiinen. Die Festigung der Unternehmervcrbände erfordert vcr- schärfte und verbesserte Kampfeswafsen des Proletariats. Zu dem Transportarbeiterstreik in Stolp i. P., der von der Militärverwaltung durch Vermittelung von Husaren als Arbeits- willige erschwert wird, ist zu bemerken, daß jetzt auch von der Eisen- bahnöehörde in den Streik eingegriffen wird. Die Eisenbahnver- kehrsinspektion macht in den hiesigen Zeitungen amtlich bekannt, daß sie während der� Dauer des Ausstandes bei einem der vom Streik betrofffenen Spediteure(Freundlich) das Abrollen der ein- gehenden Stückgüter, soweit es dem bahnamtlichen Rollfuhrunter- nehmer obliegt, übernimmt. Und tatsächlich sieht man, wie dieses gemacht wird. Tie Schrift des Wagens, der den Namen des Spediteurs trägt, ist verdeckt. Darüber prangt ein Schild mit der Aufschrift„Königl. Preutz. Eisenbahn-Verwaltung". Den Wagen begleiten Bahnarbeiter, die eine schwarzweihe Armbinde mit In- schrift tragen und laden die Stückgüter ab. Ein höherer Bahn- bcamtcr ist stets bei dem Abrollen tätig und führt die Aufsicht über den Wagen. Natürlich erregt dieses Stratzenbild berechtigte Heiter- keit. Daß im übrigen die Polizeibcamten auch nicht müßig sind, ist selbstverständlich; müssen doch die Arbeitswilligen geschützt werden. Der hineingelegte ArbcitswiUigen-Bermittler. Wegen Urkundenfälschung und Beleidigung hatte sich vor dem Landgericht in Hamburg der gelbe ArbeitSwilligenagent Karl Friedr. Katzmareck- Berlin zu verantworten. Der in Hamburg wohnende ArbeitSwilligenagent Westphalen erhielt im vorigen Jahre aus Dresden einen Brief, in dem er ersucht wurde, für einen Betrieb von Oskar Pietzsch in Dresden, in dem ein Streik ausge- krochen war, mehrere arbeitswillige Schlosser. Heizer und Ma- schinenarbeiter zu beschaffen. Sollte W. zu dem Geschäft bereit sein, dann solle er sich nur sofort nach dem Hotel Baltic, Berlin, Jnvalidenstratze, begeben, wo er nähere Informationen erhalten könne. W. hatte natürlich nichts eiligeres zu tun. als sofort nach Uh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchvr. u. LerlagsanstaÜl' BetR« z* reisen,«l» er in de» genannte« Hotet eintraf, echW er die Nachricht, daß er sich nach dem Stettiner Bahnhof begebe» soll«, wo ihm das Buftettfräulein näheres mitteilen könne. Hier. angelangt, wurde er wieder mit zwei Männern bekannt, die sich als Vertreter von der Firma P. aus Dresden vorstellten und die näheren Abmachungen über den Arbeitswilligentransport verab- redeten. W. fuhr also wieder nach Hamburg, suchte die gewünschte Anzahl Arbeitswillige zusammen und fuhr damit nach Dresden. Hier konnte er jedoch eine Firma Oskar Pietzsch, die die Arbeits- willigen gebrauchte, nicht ausfindig machen. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als mit seinen Sieben nmnatskindern wieder nach Hamburg abzudampfen. Als er hier Wieden eintraf, erhielt er noch einen anonymen Brief, in dem er schmählich verhöhnt wurde. Nach längerer Zeit stellte sich als Schreiber der beiden Briefe der Ange- klagte Katzmareck heraus. In der Verhandlung erklärte K-, daß er sich nur einen Scherz mit W. habe erlauben wollen. Das Gericht verurteilte jedoch K. wegen dieses„Scherzes" zu einer G«- fängnisstrafc von 5 Monaten. Christliche Abbitte. Beim Buchbinderstreik im frommen Kevelaer hatte bekannt- lich die christliche Organisation vom Kampfmittel des BovkottS Gebrauch gemacht; die Kevelaerer Gebetbücher sollten nicht mehr ge- kauft werden. Ueber diese selten forsche Tat mögen die Christ- lichen nachher Wohl selbst erschreckt gewesen sein, vielleicht auch, daß irgendein Wink von oben sie auf den christlichen Pfad der Demut zurückgebracht hat. Genug, sie sind nach dem Streik emsig bemüht, diese gegen die Unternehmer geübte unchristliche Tat ge- Wissermatzen abzubitten. Vor uns liegt nachstehendes Schriftstück, das der christliche Graphische Verband an die Buchhändler gesandt hat: „Sehr geehrte Firma! Dem verehrlichen Buchhandel teilen wir hierdurch mit, daß der Buchbinderstreik in Kevelaer gestern beigelegt wurde. Durch Vermittelung von dritter Seite wurden Verhand- lungen der beteiligten Parteien im Rathaus zu Kevelaer herbei- geführt, die durch beiderseitiges Entgegenkommen einen beide Teile befriedigenden Abschluß ergaben. Von seiten der Arbeiter sind infolge des Kampfes Fabrikate der Kevelaerer Gebetbuch- und Tcvotionalienindustrie vielfach zurückgewiesen worden. Aüch sind die Käufer obiger Artikel er- sucht worden, von Kevelaer nicht mehr zu kaufen. Im Interesse unserer wieder zur Arbeit zurückgekehrten Mitglieder bilten wir Sie dringend, von einem Abbruch der ge- schäftlichen Beziehungen zur Kcvelaerer Industrie Abstand zu nehmen bezw. die alten Beziehungen wieder aufzunehmen. Das Arbeiterinteresse erfordert eine schleunige Wieder- cinstcllung des guten Rufes des Kcvelaerer BuchbindcrgewerbeS. Köln, den 21. Februar 1913. Für den Graphischen Zentralverband: Ad. Hornbach, Zentralvorsitzender." � Das Anschreiben an die Buchhändler repräsentiert sich als ein wahres Angstprodukt, das zeigt, unter welchen Bedingungen der Friede zustande gekommen sein mag. Für die Arbeiter ist denn auch nichts weiter herausgekommen, als das Versprechen, im Laufe des Jahres in eine Tarifv rhand- lung einzutreten. Dafür hat sich der Zeutralvcrband anscheinend verpflichten müssen, obendrein Reklame für die Kevclaerer Unter- nebmer zu machen, um die üblen Wirkungen, die anscheinend der Boykott im Gefolge hatte, gutzumachen. Das nennen die Christlichen dann erfolgreiche Lohnbewegungen. fZiislano. Die Möbeltischler, Stuhlbauer und Maschinenarbeitcr in den Werkstätten W e st- L o n d o n s sind im Ausstand, weil die Unter. nehmer auf friedlichem Wege sich zu keinerlei Zugeständnissen.auf die von den Arheiiern erhobenen Forderungen herbeiließen. Dchse Forderungen kauten: Erhöhung t>W Mindestlohncs um Ä, Petzuy auf l1>4 Penny(96 Pf.) pro Stunde und eine Verkürzung der Ar- beitSzeit auf 48 Stunden pro Woche.— Unter den bestreikten Firmen befinden sich mehrere, he im Auslande(besonders in Paris) größere Etablissements unterhalten, so die Firmen Maßte u. Co., Warnig u. Gillows u. a. Der Verband der Möbelarbeiter Großbritanniens, welcher als Mitglied der internationalen Union der Holzarbeiter angeschlossen ist, wendet sich an die ausländischen Brudcrvcrbände und Berufsgenossen mit der Bitte, den Zuzug von Holzarbeitern nach London streng fernzuhalten. Die Kämpfenden hoffen auf eine baldige erfolgreiche Durchführung ihrer Forderun- gen, wenn ihrer Bitte auf Fernhaltung des Zuzugs entsprochen wird. In den gemischten Betrieben Londons, wo Bau- und Möbel- tischler zusammenarbeiten, haben die Bautischler zugunsten der Möbeltischler die Arbeit ebenfalls eingestellt. Lasse sich also kein deutscher Kollege dazu verleiten, nach London zu reisen und dort den kämpfenden Brüdern in d-en Rücken zu fallen. I*ctzU ffechrichtcn« Ter Bundesrat und die Deckungsfragc. Köln a. Rh., 19. März. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin telegraphiert: Das Plenum hat sich heute init den Heeres- und Steuervorlagen beschäftigt. Sicherem Vernehmen nach hat sich der Bundesrat bei der einmaligen Vermögens- abgäbe für eine feste, unbewegliche Abgabe aus- gesprochen und zwar eine solche in Höhe von% Proz. Der Plan einer progressiven Heranziehung der Vermögen zu der Milliardenabgabe hat also ini Bundesrat keine Gegenliebe ge- funden. Es wird desl)alb Sache des Reichstages sein, diesen Gedanken, der im Volke lebhaft befürwortet wird, zur Gel- tung zu bringen. Bei einer progressiven Versteuerung des Vermögens könnte auch der kleine Besitz herangezogen werden. Juden- und Türkenmassakers aus Anlaß des Attentats auf den König von Griechenland. Wien, 19. März. Die„Neue Freie Presse" meldet: In Salo- niki sind der Erregung über die Ermordung des Königs Georg 13 Türken und Juden zum Opfer gefallen. Sie wurden getötet oder mehr oder weniger schwer verletzt. Jetzt ist die Ruhe wieder hergestellt. Tie Lage in Skutari. Wie», 19. März.(W. T. B.) Die„Neue Freie Presse" er- ährt: Angesichts der Nachrichten, die aus Skutari einlaufen, kann es bei der Ablehnung des von allen Mächten in Eeiinje unternommenen Schrittes, der Zivilbevölkerung von Skutari den Abzug zu gestatten, nicht bleiben. Ter Frcmdenkolonic hat sich bereits Verzweiflung bemächtigt; es ist eine Hungersnot unter den Fremden ausgebrochen. Die montenegrinischen Parlamentäre, die in Skutari zu Unterhandlungen mit Essai Pascha eingeirosfen sind. lehnten es ab, die Kollektivprotestnote der Konsuln gegen die Be- schießung der Konsulate und der Fremdenniederlassungen?nt- gegenzunehmen. Vom marokkanischen Aufstand. Rabat, 19. März.(W. T. B.) Der Posten der KaSbah el Hadjeb wurde in der Nacht vom 18. d. M. von Aufftändifchen an- gegriffen, die in einem Bajonettkampf zurückgeworfen wurden. Die Franzosen hatten einen Toten und acht Verwundete._ Paul Singer L Co./Berlin L�V. Hierzu 4 Beilage« m UnterhattuuLstzll Kr. 67. 30. Jahrgang. 1. Keilllge des„Amilck" Kerliver Nslksdlck. Die jlnfstellung der sozialdemokratischen£andtagskandidaten für Serlin-Stadt. Am Dienstagabend hielten die sechs Berliner sozial- demokratischen Wahlvereine Gcneralversaimnlungcn ab, die gleichmäßig Stellung nahmen zu den Märzerrungenschaften und der preußischen Wahlrechtsbewegung und dann die Auf- stellung der Kandidaten für die Berliner Landtagswahl- bezirke vornahmen. lieber den Verlauf der einzelnen Versanrm hingen erhalten wir folgende Berichte: Erster Wahlkreis. Zu einer würdigen Märzseier gestaltete sich die General» er- saminlung im ersten Kreis. Eingeleitet wurde die Versammlung durch stimiizungsvollen Gesang des Gesangvereins„Olympia". Ge- nasse Landtagsabgeordneter S t r ö b c l erledigte sodann seine Auf- gäbe als Referent mit großer Sachkenntnis und Geschick. Er wies hin auf eine„t8l3"-Veranstaltung des freisinnigen„Jugend"- Vereins„Eugen Richter", die dadurch besonders pikant geworden ist, daß Polizeipräsident V. I a g o w dem Verein die Mitteilung machte, er verbiete, daß Jugendliche unter 18 Jahren die Ver- sammlung besuchen. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Das „liberale R e i ch s v c r e i n s g c s e tz" bekommen so seine Schopfer selbst zu kosten. In eben dieser freisinnigen Veran- staltung habe sogar Pfarrer Naumann bekennen müssen, daß die Befreiungskriege keine V ö lk e r-, sonder,/ nur Fürstenbe- f r c i u n g s k r i e g e»varen. Redner schildert dann weiter, wie das Volk, das für Deutschlands Einheit und Freiheit sein Blut ver- gössen hatte, schmählich von den Königen um seine Forderungen und Erwartungen geprellt wurde. Statt Freiheit: finstere Reaktion. Er erinnerte an die Demagogenverfolgungen, Zensur, Unter- drückung der Presse usw. und behandelte dann eingehend die ökono- mischen und ideellen Ursachen des Aufstiegs und Niedergangs der 48 er Revolution. Das liberale feige Bürgertum dieser Jahre ließ, da es in dem aufsteigenden modernen Proletariat instinktiv einen größeren Feind als den preußischen Staat witterte, alle Errungen- schasten der Revolution zum Teufel gehen und verhalf so der Reaktion zum Sieg. Hatte nun zwar das liberale Bürgertum der damaligen Zeiten noch ab und zu Manncsmut gezeigt, so unter- scheidet sich der heutige Freisinn von seinen Vätern vor allem darin, daß er es ganz und gar nicht mit seinen politischen Forderungen, Wahlrecht usw.. ernst meint, daß er politisch total verkommen ist. Und wenn der heutige Liberalismus meint, wir werden ihm bei den kommenden Landtagswahlcn nachlaufen, so wird er sich darin sehr täuschen. Beweis genug sei die lehtens stattgefundene Land- tagswahl im Kreise Teltow-Beeskow. Nur wir, das Proletariat, werden das Erbe der Freiheitskriege und der 48 er Revolution an- treten und in Ehren halten können. Der stürmische Beifall am Schluß des Referats bewies, daß der Referent sich in vollem Ein- klänge mit den Versammelten befand. Der Vorsitzende Genosse Petermann gab dann bekannt, daß der erste Kreis ja keinen eigenen Landtagswahlireis aufweist, daß man sich mit den in Frage kommenden Landtagswahlkreisen, au denen der erste.Kreis partizipiert, auf nachfolgende Kandidaten ge- einigt habe: für den ersten Landtagswahlkreis auf den Genossen H. P ö tz s ch, für den zweiten auf Genossen Herm. Müller und für den achten auf Genossen W. D ü w e l l. Diese Vorschläge er- zielten bei der Versammlung volles Einverständnis. Nach Dar- bietung einiger Gesänge schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Zweiter Wahlkreis. Vor der gutbesuchten Generalversammlung hielt zunächst Ge- nosse Hermann Müller seinen, die Wahlrechtsbewegung ein- leitenden Vortrag über die Märzerrungcnschaften und die Wahl- rechtsbewcgung. Er leitete seine Ausführungen schließlich auf den Wahlkampf in Preußen über. Der beginnende Wahlrechtstampf stelle große Anforderungen an die Genossen; wir müssen uns mit Hingebung dieser Arbeit widmen, wenn der Erfolg unser sein soll. Die sechs Vertreter lm Landtage bilden nur das dünne Ende des vorwärtstrcibenden Keils, das starke Ende sei die Arbeiterklasse selbst. Unsere Wahlarbcit muß so sein, daß wir noch der Wahl sagen können, wir freuen uns, Söhne eines freien Preußens-u sein.(Lebhafter Beifall.) Eine Diskussion über den Bortrag erfolgte nicht, ebenso wurde die Aufstellung der Kandidaten zur Landtagswahl ohne eine solche erledigt; dtis Resultat derselben ist bereits bekanntgegeben; es wurden aufgestellt die Genossen Hugo P ö tz s ch, Hermann Müller und Dr. Alfred B e r n st c i n. Ein Antrag der 5. Abteilung, der die Abschaffung der Urwahlc» für die Delegationen zu den Parteitagen usw. anstrebt, wird nach einer kurzen Aussprache abgelehnt. Die Antragsteller geben als Motiv für ihren Antrag die geringe Be- teiligung an den Abstimmungen an, sie befürchten auch, daß durch die UrWahlen die Genossen den Versammlungen entfremdet werden. Dissen Ansichten wird von mehreren Rednern entgegengetreten, worauf dann die Ablehnung des Antrages erfolgte. Der Vor- sitzende Genosse Schröder schloß die Versammlung mit einer ernsten und dringenden Ermahnung zur eifrigen Pflichterfüllung im Wahlkampf und im Kampfe gegen den Militarismus. Dritter Wahlkreis. Der Wahlvcrein für den dritten Reichstagswahlkreis hielt seine gutbcsuchtc Generalversammlung im„Dresdener Kasino", Dres- dcncr Straße ö6, ab. Hier behandelte das Thema des Abends Ge- nosse Theodor Glocke. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Dann schritt man zur Erledigung der Kandidatensrage. Die Versammlung stellte einstimmig für den dritten Land- tagswahlkreis den Genossen Theodor Glocke als Kandi- baten auf.(Der dritte Landtagswahlkrcis gehört zum größten Teil zum dritten Reichstagswahlkrcis.) Tann erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß für den vierten Landtagswahlkrcis, der zu einem kleineren Teil zum dritten Rcichstagswahlkrcisc gehört, der Ge- nosse Alfred Bernstein aufgestellt werde. Dqrauf nahm Genosse Pohl das Wort zu der Kandidaten- frage im fünften Landtagswahlkrcis e, wo bekanntlich bereits Genosse Julian B o r ch a r d t neulich aufgestellt worden ist. Pohl führte aus: Der in der Hauptsache zum vierten Reichstags- Wahlkreis gehörige fünfte Landtagswahlkrcis gehöre zu einem Teil auch zum dritten Rcichstagswahlkreise. Gegen scne, Kandidatur hätten bereits Vertreter des dritten Kreises, soweit sie zum fünften Landtagswahlkreis gehörten, Protest eingelegt. Der dritte Kreis habe in dem Komitee dieses Landtagswahlireiscs zwei Vertreter (Jakob und Benkert). Das Komitee habe beschlossen gehabt, zum 7. März eine Konferenz der Funktionäre des fünften Land- tagswahlkreifes einzuberufen, die die Kandidatenfrage vorbereiten sollte. Der Vorstand des vierten Reichstagswahlkreises habe dann aber damit überrascht, daß er schon zum 4. März u. a. eine Ver- sammlung des fünften Landtagswahlkreises einberief, Wahlschein- lich, um die Kandidatur B o r ch a r d t schnell zuwege zu bringen, nachdem man erfahren hatte, daß Borchardt nicht sein Wahl- recht bei der Landtagswahl in Tcltow-Bceskom ausgeübt habe. Wenn Borchardt erklärt habe, daß er im Landtag eine Rede hätte halten müssen usw., so sei ja eine gut angebrachte Rede ganz gut, indessen habe jeder Genosse, in erster Linie ein Abgeordneter, die Pflicht, das Wahlrecht auszuüben. Nach Auffassung des Vor- standes habe er die Rede halten und, wenn er sich ernstlich bemüht hätte, auch rechtzeitig zur Wahl kommen können. Man könne nicht zweierlei Recht schaffen und die Großen laufen lassen, während man einen ängstlichen kleinen Grünkramhändlcr hänge. Der Vor- stand habe sich mit der Sache beschäftigt und einstimmig be- schlössen, sich dem Protest der erwähnten Vertreter des dritten Kreises anzuschließen. Der Vorstand empfehle der Versammlung, dem Protest zuzustimmen ilnd zu beschließen, daß der Protest gogen die Kandidatur Borchardts aufrechterhalten werde, bis der Kreis Teltow-Beeskow, der sich damit beschäftige, in der Sache ent- schieden habe. Diesem Antrage stimmte die Versammlung mit großer Mehr- heit zu, nachdem einige Redner dafür und einige dagegen ge- sprachen hatten. Im vierten Wahlkreis referierte AdolfHoffmann, der seinen Vortrag mit den Versen einleitete:„Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Ge- bürden...", um dann nach einem kurzen historischen Rückblick auf die Revolutionszeiten ein Bild von den politischen Tagesfragen zu geben und unsere Aufgaben zu skizzieren. Scharf hob der Redner unter Bezugnahme auf den Liberalismus hervor: ohne Gegenlei- stung keine Stimme und kein Mandat.(Allseitiger Beifall.) Uns kann es egal sein, ob offene oder verkappte Wahlrechtsgegner in den Preußischen Landtag kommen.(Lebhaftes Sehr richtig!) Redner schloß seine äußerst wirkungsvollen Ausführungen mit dein Hinweis auf die toten Kämpfer, deren Gebeine im Fricdrichshain gebettet liegen, und zitierte eine Strophe von Herwegh: „Wollt Ihr die großen Toten ehren, Und feiern ihren Genius, So müßt Ihr Eurer Jugend lehren, Wie Wahrheit man bekennen muß. Steht fest und treu zum heiligen Bunde, Der schönerer Zukunft Bahnen bricht, Naht auch noch manche schwere Stunde, Der Sieg gehört uns— zaget nicht." (Stürmischer Beifall.) Ohne jede Debatte wurden sodann die Kandidaten für den Preußischen Landtag nominiert, und zwar für den b. Kreis: Borchardt, für den 8. Kreis: Adolf Hoffmaun und für den 7. Kreis: Hirsch. Hierauf geht die Versammlung zu dem dritten Punkt der Tagesordnung über: Zusabanträge zu den Ausführungsbestimmungen. Zuerst steht§ 4 Absatz 2 zur Diskussion.(Die fettgedruckten Stellen sind Zusatzanträgc.) „Zu den Aufgaben der Brzirksführcr gehören: Der erste Aczirksfiihrer trifft die notwendigen Vorbereitungen zum Zahl- abend, Maßnahmen für guten Besuch, erstattet Bericht über die Fragen, die die Organisation betreffen, stellt politische Tages- fragen oder belehrende Abhandlungen zur Diskussion; sorgt alio dafür, daß der Zahlabcnd zu einer belehrenden Stätte wird. Ferner hat der Bezirksführcr die Meinung und die Anträge seiner Bezirksgenossen in der Kreiskonserenz zum Ausdruck zu bringen.* Der zweite Bezirksführcr nimmt im Zahlabcnd die Beiträge in Empfang und bei denjenigen Mitgliedern, die im Zahlabcnd nicht anwesend waren, hat er nach dem Zahlabcnd im Laufe des Monats die Beiträge aus der Wohnung abzuholen; der zweite Bezirksführer erhält als Entschädigung 5 Prozent von kassierten Beiträgen, jedoch nicht unter 1 Mark pro Monat." Hierzu bemerkt der Vorsitzende Paul Hoffmann: In den letzten Jahren ist in unserer politischen Organisation ein erheb- licher Aufschwung nicht zu verzeichnen. Die Tatsache gibt Ver- anlassung, die Frage auszuwerfen, ob nicht vielleicht hier und dort andere Mittel anzuwenden sind, um ein regeres, geistiges Leben in dy: politischen Organisation zu erzielen. Aber auch zur Tis- kussion stand die Frage: wie ist es möglich, die Mitgliedschaft zu erhöhen, und vor allen Dingen: welche Mittel wenden wir an, um die gewonnenen Mitglieder zu erhalten, sie an die Organisation zu fesseln. Mit diesen Fragen haben wir uns bereits vor Jahres- frist im 4. Kreise beschäftigt. Wir baben verschiedene kleine Aende- rungen in unserer Organisation wahrgenommen, die jedoch zu der- Frage auf Erhöhung der Mitgliederzahl keinen besonderen Einfluß ausüben und auch nicht ausüben können. Wir hatten bereits auch schon damals Vorschläge unterbreitet, die den Zweck hatten, die große Fluktuation unserer Mitglieder zu vermindern. Nun ist auch in einer Verbandsgencralversammlung dieses Thema aufgerollt und den Kreisen anheimgegeben worden, sie möchten mit diesen Dingen sich beschäftigen. Es sind nun eine ganze Reibe von Vorschlägen im ,, Vorwärts" und im„Mitteilungsblatt" erfolgt. Er nehme au, daß dieselben allgemein bekannt find. Im Mittelpunkt der Tis- kussion standen der Ausbau oder die Beseitigung der Zahlabcnidc so- wie die Frage der Hauskassicrung. Die Kreisx baben sich dabin ausgesprochen, daß die Zablabcnde beizubehalten seien. Bezüglich der Hauskassierung sind die Meinungen geteilt. Auch wir im 4. Kreis haben in Gemeinschaft mit den Funktionären eingehend über den Ausbau der Organisation beraten. Das Resultat dieser Verhandlungen liege im tz 4 der Ausführungsbcsiimmungen, und diesen empfehle er im Auftrage der Krciskonfcrcnz den Genossen zur Annahme. Wenn nun die Genossen auch nicht geschlossen dem Vorschlage zustimmen würden, so sollten sie aber uicht vcrkcnincn, daß eine starke Fluktuation innerhalb der Partei vorhanden sei und die Zahl derjenigen, die wegen restierendcr Beiträge gestrichen würden, immer größer werde. Aus dieser Erkenntnis heraus, sei der Vorschlag geboren: bei all benen, die den laufenden Monats- kleines feuiUetou. Ei» Kiaotheater, das in der Architektur künstlerischen An« forderun�en gerecht wird, hat Oscar Kaufmann am Nollendors- platz errichtet. Um seinen Wert zu schätzen, ist es nur notwendig nach dem leibhaftigen Gegenbeispiel, das dem graziösen Tempel der Lichtfeste gegenüber steht, den Blick zu richten. Die Puppenbude des Neuen Schauspielhauses läßt uns doppelt dankbar sein für das an- mutige Formenspiel ihres Gegenüber. Daß umgekehrt gute Architekturen, auch wenn sie noch so verschieden sind, zu- sammenklingen, beweist die Kirche, die dicht neben dem Kino steht; sie ist eines der besten Werke von Otto March, amerikanisierte Gothik. Sie hat äußerlich nicht das geringste mit Kaufmanns HauS gemein; was aber beide Ge- bäude verbindet, ist der Wille zur Qualität. Das KinohauS ist fensterlos; nur an der Rückseite mußten nach der Bauordnung einige Oeffnungen angebracht werden. Außerdem wurden an der Kopfseile, links und rechts von der Eingangstür, zwei schmale, von unten nach oben stoßende Schlitze eingeschnitten; bunte Verglasungen lassen des Abends ein lockendes Farbengekreisel in das Gewühl der Straße dringen. Für sich selber kann das Kino der Sonne ent- behren, so verschließt es sich ihr mit starrem Mauer- geviert. Damit man aber merke, daß hinter dem sakralen Pathos eine Lustigleil wartet, hat Kaufinann durch Pfeilergliederung und plastischen Schmuck die Schwere der Baumasse sinnlich aufgelockert. Auch das Dach mit seiner amüsanten doppelten Schweifung und seinem weißlichen Grün läßt den Ernst der architektonischen Anlage sich geistreich lösen. Wobei zu bemerlen ist, daß die Figuren, die Franz Metzner für die Längsseite schuf und noch mehr die horizon- talen und vertikalen Friese, die den Eingang rahmen, sehr geschickte Dekoration üben. DaS Innere des Hauses ist noch lobesamer. Es ist etwas Sommerbastes in diesem Raum. Aus dem Gelb der Vorhalle kommt man durch das scharfe Grün des Treppenhauses in das warmleuchlende Gelbweiß des Zuschauerraumes und ist gefangen durch die sonnige Temperatur, die eineni von allen Seiten entgegen- strömt. Eine gewandte Führung gab Kaufmann den Treppen zum Ranggeschoß; sie leiten aus dem Parkett direkt empor. Die Treppen- Wangen grenzen einen Hohlkörper aus dem Gcsamtraum und helfen so die Intimität des Saales steigern. Viel Licht schwimmt im Raum. Spaßig ist die Deckenbeleuchtung. Frauen, die im Kranz auf großen Kugeln schweben. Schade nur, daß das Gesurr ablaufender Filme solche. Sommerschönheit belästigen wird. R. Br. Theater. Deutsches Schauspielhaus;„Das gelobte Land", Schauspiel von Artur Mayer-Brandus. In dem, was der Verfasser, ein Berliner Arzt, durch sein stück zum Ausdruck bringen möchte, muß jeder anständig Denkende ihm zustimmen. ES ist ge- wiß ein skandalöser Zustand, daß bei Besetzung der Universitäts- Professuren neben den politischen obendrein auch noch Rasse- und konfessionelle Vorurteile mitsprechen, daß man die Juden möglichst überhaupt nicht oder doch nur, wenn sie sich der Komödie der Taufe unterziehen, zum Hochschulamte zuläßt. In den allermeisten Fällen steht der Konvertit natürlich dem Glauben, den er zu bekennen hat. genau so gleichgültig und skeptisch, wie dem, in dem er aufgewachsen, gegenüber. Nicht das Sichlossagen vom Alten, wohl aber dasBeschwören neuer Glaubensformeln muß ihm als UnWahrhaftigkeit erschemen, deren Odium dadurch, daß niemand dieses Spiel ernst nimmt, wohl ab- gemildert, indes nicht völlig ausgelöscht wird. Er kann sich sagen, daß die andern, die einen solchen Mummenschanz von ihm verlangen, den größeren Teil der Schuld tragen, man mit ven Wölfen heulen müsse usw.— ganz triftige Erwägungen, die aber das beschämende Gefühl in tieferen Naturen nicht zum Schweigen bringen werden. Es ist die löbliche Tendenz des Mayer- Brandusschen Stückes, diese Zustände zu brandmarken, die seelischen Konflikte, die daraus fließen, an einem Sonderfalle klar zu legen. Jedoch der guten Ab- ficht steht leider nur ein äußerst schwaches Vermögen der Gestaltung zur Seite. Ein paar satirische Episodenfiguren: der„völlische" Anatomieprofessor mit seinen antisemitischen Idiosynkrasien, der jüdische Finanzier, der alle anderen Freiheiten außer der des Geschästchenmachens für überflüssigen Luxus hält und der liberale Geheimrat evangelischer Konfession, der von der Höhe seiner Aufklärung herab gar nicht begreift, wie aufgeklärte Juden im Glaubenswechsel mehr als eine Bagatelle sehen können, haben noch am ehesten einen gewisien Schimmer von Lebens« möglichkeir. Die anderen bleiben völlig forbloS. Der Philosophiedozent Lohenstein, der nach vollzogener Taufe den Professorentitel einheimst, kommt erst durch seine Braut auf den Gedanken, daß er mit dieser Konzession sich etwas vergeben habe. Die junge Dame nennt sein Verhalten eine Feigheit, droht mit Erlöschen ihrer Liebe und stellt an ihn das lächerlich naive Ansinnen, seinen Rücktritt zum Judentums zu erklären. U»d dem verliebten Philosophen leuchtet das als ideale Forderung ein. Der Autor hilft sich dann aus den Verlegenheiten, indem er seinem wunderlichen Helden beim Fackel- zuge, den ihm die Studenten bringen, sich eine Kugel durch den Kopf schießen läßt. Noch unklarer bleibt ein Freund und Stammes- genösse Lobensteins, ein unglücklich Liebender, der sich nicht aus Karriererücksichten sondern>oie er zum Schluß behauptet, aus deutschem Nationalitätsbewußtsein hat taufen lassen. Das Publikum schien lebhaft interessiert und rief Autor wie Schauspieler mehrmals hervor. dt. Neue Freie Volksbühne(im Neuen Volkstheater): „Ernst sein"(Bunbury! von OSkar Wilde. Uns will scheinen, als hätte diese„triviale" Komödie vor Jahren anläßlich ihrer Auf« führung im Verein Freie Volksbühne lachreizendere Wirlungen ver- übt. als diesmal hier. Es ist ja möglich, daß Wildes paradoxe Spötteleien heute schon etwas antiquiert anmuten— mitsamt den Lords und Ladys da, deren standesgemäße Richtstuerei und snobbistische Dünkelhaftigleit der Dichter»irt Nesseln streicht. Sollen wir für diese„hochgeborenen" Faulenzer Wildes Spottbehagen teilen, so müssen sie uns auf der Bühne schon näher gerückt werden, als es der Fall war. Es ist eben doch eine Koinödie— und keine „Posse", wie Bruno Wille meint. Aber selbst das Stück als Posse gedacht, müßte die Aufführung weit leichtflüssiger gewesen sein. Nicht, daß man gerade sagen könnte, die Darsteller hätten an lind für sich weniger gut gespielt. Aber sie verstiegen sich nun in äußer- liche Allüren, die eher den Excentric-Clowns im Zirkus abgelauscht erschienen. WaS humorvoll hätte werden können, kam steifleinen nach alter Theaterschablonc heraus. Die Gespreiztheit, in der sich die Darsteller ergingen, vermochte nur ein gähnendes Lachen zu er- zwingen und gab der ganzen Komödie den Anstrich einer gequälten Geistreichigkeit, für die der Dichter schwerlich die Verantwortung übernommen hätte.«. k, Notizen. — Der Kinoreklameredner. Einen neuen Beruf er« öffnete am Mittwoch bei der Einweihung eines neuen KinothcatcrS am Nollendorfplatz(das den schönen Namen„CineS" führt) Herr H. H. EwerS: er hielt eine Kinopauke, die mit ein paar guten Auf- trägen nicht zu teuer bezahlt wäre. Galiläi und andere erschienen da als Schicksalsgefährten des verkannten und verfolgten Kinos. Aber des Kinos. Siegeszng wird nichts aufhalten, versicherte der wackere H. H., der nebenbei unseren Kqznpf gegen den Kunstkinoschwindcl mit der Zensurtätigkeit des Alexanderplatzes zusammenloppelie. Herr Ewers nutzt als geschäftstüchtiger Literat die Kino- konjunktur. und wir wünschen, ihm allen Erfolg dabei. Wir nehmen ihn in diesem Punkte durchaus ernst, aber auch in keinem weiter. WaS er über Kinokunst zum besten gab. wurde denn auch auf daS nachdrücklichste desavouiert durch die Vorführung des zum Zirkusgepränge degradierten RomanS((juo Vadis von Sienliewiez. Das Lichlbildtheatcr mag alle möglichen Ausgaben haben: Kunst kann es nur in Unkuust verwandeln. Darüber helfen alle zu Rellamezwecken engagierten und zur Film- strafe verutteilten Dichter und noch so schöne Tempel wie der Oscar Kaufmanns nicht hinweg. — Die Dresdener Volks- Singakademie, ein ans- schließlich aus Angehörigen der minderbemittelten Lolkslreise bc- stehender 400 Mitglieder starker Chor, der seit 12 Jahren in Dresden an der musikalische» Volksbildung arbeitet, wird am Sonntag, den 20, April mit Extrazug in Berlin eintreffen und nachmittags in der Aktienbrauerei Friedrichshain, unter Mitwirkung der hervorragendsten Solisten der Dresdener Hofoper und des Blüthner-Orchcsters die Beethovensche Misoa solernnis aufführen. — Der Männerchor Neukölln veranstaltet am 23. März (1. Osterfeiertag) im neuen Saal der„Reuen Welt", Hasenheidc. unter Mitwirkung des Berliner Konzetthaus-Orchesters, sowie des Konzertsängcrs Herrn Eduard Meier, ein Konzert. Der Chor bringt unter anderen auch Lieder von Wagner, Schubert und Uthniann zu Gehör. -fcifrag nicht entrichtet haben, das fällige<3eQ> in der Wohnnng abholen zu lassen. Hiernrit könnte erreicht werden, daß die Be- treffenden sich fester an die Organisation schlössen und dann auch ihren Beitrag am Zahlabend ablieferten. Bielfach zahlen die Genossen auch infolge ihrer schlechten Wirtschaftslage nicht und um .so härter treffe es fi«, wenn sie dann mehrere Monate nachzahlen müssen. Das bewirke, daß viele Mitglieder gestrichen werden müssen. AuS all diesen Erwägungen habe die Kreiskonferenz jenem Antrage ihre Zustimmung gegeben und er(Redner) bitte dringend um Annahme desselben.(ZSeifall.) Als nächster Redner spricht Barenthin, der sehr warm für den Antrag der Kreiskonferenz eintritt. Die Gegner bauen ihre Organisationen aus, also müssen wir dasselbe tun. An Hand von Zahlenmaterial zeigt Redner, wie notwendig die Annahme des Antrags sei. Mit der HauSkassiernng sind in der Tat schon gün- stige Resultate erzielt worden. Redner legt seiner Behauptung statistisches Material aus ander«, Städten unter, wo die Haus- kassierung besteht ,md sich trefflich bewährt habe. So hat durch das Abholen der Beiträge in Hamburg die Jluktuation ganz bedeutend nachgelassen und die Beitragsleistung ist enorm gestiegen, wie aus einer Zusammenstellung vom 8. Hamburger Wahlkreis zu ersehen ist, die Redner der Versammlung unterbreitet.' Allein aus der sIegenüberstellung zweier Jahrgänge ergebe sich dies: 1904: 95 462 männliche uni> 8296 weibliche, 1910/11: 325 542 männliche und 49 681 weibliche Beiträge. WaS dort möglich sei, könne auch im vierten Berliner ReichstagSwahlkeise durchgeführt werden. Führe man das gemischte Hauskassicrersystem ein, so könne» die restierenden 15 000 Mitglieder in kurzer Zeit wieder- gewonnen werden. Dabei könnte man zwei Fliegen mit einem Schlage treffen: indem wir die Zahl der Mitglieder stärken und mehr Geld in die KriegSkasse bekommen. Die Stoßkraft einer Partei hänge von ihren Zielen und von der Stärke ihrer Orgcmi- sation ab. Deshalb ersuche er um Annahme des Antrages.(Bei- fall und Widerspruchs Arendsee wendet sich gegen den Antrag. Die Zahlen, die Barenthin angeführt habe, seien ja sehr bestechend; er warn« aber, sich daraufhin auf das Experiment einzulassen.(Sehr richtig!) Die Kassierer würden als„Prozentgenossen" betrachtet werden. (Rufe: Oho!) Durch die Hmiskaffierung würden die Genossen den Zahlabenden ferngehalten werden.(Sehr richtigl und Widerspruch. Der Antrag laufe darauf hinaus, die Zahlabende abzuschaffen. (Widerspruch) Vorfitzender P. Hoff mann: Vom Vorstand denke niemand daran, die Zahlabende zu beseitigen.(Beifall.) Protz: Das Interesse an den Zahlabenden würde durch An nähme des Antrages verloren gehen. Wenn Hoffma n n auch sage, daß man das nicht wolle, die Wirkung wäre aber doch die Bescftigung der Zahlabende.(Die weiteren Ausführungen des Redners gehen in der Unruhe verloren.) Di lau: Er hätte nicht geglaubt, daß man Hamburger Ber- bältuisse auf Berlin übertragen wolle. Da fei doch ein großer llntcrschied vorhanden. Wer erst durch den Vollziehungsbeamten geholt werden müsse, an dem sei nicht viel. Er bitte, den Antrag aus grundsätzlichen Bedenken abzulehneti.(Sehr richtig! und Widerspruch) David söhn: Es sage ja niemand, daß das vorgeschlagene System nun um jeden Preis durchgeführt werden solle. Und wenn es auch eingeführt würde, so wäre dies doch nicht für ewige Zeiten festgelegt. Wenn man später anderer Meinung werde, so könne ja die Einrichtung jederzeit wieder aufgehoben werden. Arend- f e e habe keinen Beweis für seine Einwände erbracht. Wenn ge- sagte werde, die Zahlabend« würden dadurch einschlafen, so könne man dem entgegenhalten, daß doch alle Erwägungen gerade mit Rücksicht auf die Zahlabende und ihren Ausbau getroffen würden. Sie sollen besser werden. Dort soll Belehrung ausgetauscht und geschöpft werden, was heute nicht immer möglich wäre. Das Ein- kassieren der Beiträge fülle diese Abende heute sehr oft fast ganz aus. Nicht a u f heben, sondern heben wolle man die Zahlabende. Es sei zu begrüßen, daß in dieser Frage gerade der 4. Kreis eine so lebhafte Initiative ergriffen habe. lLebhafter Beifall.) Kober verspricht sich vielen Nutzen von einem HauSveD trauensmänuersystem. Die Hauskassiere rei bestehe ja schon längst, indem die restierenden Mitglieder schon heute in den Wohnungen aufgesucht würden.(Sehr richtig!) Die Versammlung entscheidet zuletzt, daß über den Antrag der Kreiskonferenz im nächsten Zahlabend eine Urabstimmung erfol gen soll. Es folgt dann folgender Antrag zur Besprechung: Hinter 8 7 ist als§ 8 zu setzen: BildungauSschuß. 1. Der Bildungsausschuß besteht aus 7 Pe»ssonen, die all- jährlich von der Generalversammlung zu wählen sind. Der Vor- stand delegiert einen Dezernenten in den Ausschuß. Zu den Aufgaben des Bildungsausschusses gehören: s) Dheoretische Abende zu organisieren und für geeignete Lehr- kräfte zu sorgen. b) Kunst- und UnterhaltimgSabende sowie Festlichkeiten zu arrangieren. 2. Die geschäftliche« Angelegenheiten dürfen nur gemeinsam mit dem Borstand des Wahlvereins erledigt werden. Hierzu nimmt Koppe das Wort, der einen Gegenantrag be- gründet und im übrigen Richtlinien für die Bildungsarbeit gibt. R i n to r f bittet, an diesem Abend die Aufgaben des BildungS auSschuffes nicht zu diskutieren' dagegen die Richtlinien, die Koppe vorzüglich gezeichnet habe, dem Ausschuß als Material zu überweisen. (Zustimmung.) Der Antrag der KreiSkonfereng wird angenommen, damit fällt der Antrag Koppe. Z 6, der wie folgt lautet, wird ebenfalls angenommen: Der Borstand besteht aus zwei Vorsitzenden, zwei Kassierern, zwei Schriftführern, sechs Viertelsführern, die als Beisitzer fun- gieren, und einer Vertreterin der Frauen. Zur Kontrolle der Kassenführung sind sechs Revisoren zu wählen. Zwei Revisoren, die Mitglieder des Zentralvorstandes, der Vorsitzende der Beschwerdekommission und dle Obmännin der Kinderfchutzkommission haben im Vorstand Sitz und Stimme. Desgleichen der Antrag, der besagt, daß auch die Viertels- leitungen berechtigt sind, an der Generalversammlung teilzunehmen, sowie die übrigen Anträge, bis auf K 3, der zurückgestellt bird. Angenommen wurde noch der AbänderungSantrag zum Regu- lativ für die Urwahlen: ß 7. Bei der Wahl entscheidet absolute Mehrheit. Nachdem noch die Wahl des BildungSausschusseS erledigt war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Anwesend waren: Delegierte 863, Bezirksführer 264, Abtei- lungsfiihrer 68, Leseabeudleiterinnen 85, Vorstands- und Kam- missionsmitglieder 43, insgesamt also 1272. ReichstagswahlkreiscS werden, wozu wir eingeladen find, eine Fünfter Wahlkreis. Tie sehr stark besuchte Versammlung nahm mit lebhaftem Beifall den Vortrag deS Genossen Robert Schmidt entgegen, der in einen Appell zur energischen Führung deS LandtagSwahl- kampfeS ausklang. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung führte der Vorsitzende Friedländer aus: Wir sind nicht in der Lage, Kandidaten zur Aufstellung vorzuschlagen. Die Kandidaten sind in den betreffenden LandtagSwahlkreisen bereits aufgestellt. Wir können das nur zur Kenntnis nehmen. Der fünfte ReichstagSwahlkreiS ist cm drei LandtagSwahlkreisen beteiligt. Der siebente LandtagswahlkreiS be- steht aus Teilen des vierten und fünften Reichstagswahlkreises. Zwischen den für den siebenten LandtagSwahlkreis in Frage kom- menden Funktionären beider Reiclistagswahlkreise gab es keine Meinungsverschiedenheit über die Wiederaufftellung des Genossen Hirsch. Eine Versammlung des siebenten LandtagSwahlkreiscs hat auch bereits den Genossen Hirsch als Kandidaten„nominiert", irüe der Vorstand des vierten Reichstagswahlkreises sagt.„Aufge- Kellt" soll er in der hentigen Generalversammlung des vierten unseren Anteil am Landtagswahlkreise entsprechende Zahl von Delegierten zu senden. Wir haben das abgelehnt und erklärt, wir können ein solches Verfahren nicht mitmachen. Nach dem Beschluß der Verbandsgeneralversammlung vom 20. August 1911 find die Landtagskandidaten nicht von den Versammlungen der Reichs- tags Wahlkreise, sondern von den Genossen der Landtags Wahl- kreise aufzustellen. Das ist im siebenten Landtagswahlkreisc ge- schehen und damit ist die Sache erledigt. Im achten Landtagswahlkreise, der aus Teilen deS t, 4.. 5. und 6. Reichstagswahlkreises besteht, ging die Aufstellung des Ge- nossen D ü w e l l ohne Differenz vonstatten. ES würde nicht nötig sein, über die formalen Meinungsver- fchiedeicheiten mit dem vierten ReichstagSwahlkreiS zu reden, da ja m der Kandidatenftage selbst vollkommene Uebereiustimmuug berrscht. Aber es ist im zehnten LandtagSwahlkreise, der zu zwei Drittel vom sechsten und zu einem Drittel vom fünften Reichstags- Wahlkreise gebildet wird, eine Differenz entstanden, welche die Kandidatur selbst berührt. Der zehnte LandtagswahlkreiS bietet uns gute Aussichten auf den Sieg. Einer Funktionärsitzung des zehnten Landtagswahlkreises wurden vier Genossen präsentiert, von denen sie einen als Kandidaten wählen sollte. In dieser Sitzung erhielt Genosse Cohen 53 Stimmen, ein zweiter Genosse 26, ein dritter 12 und ein vierter 3 Stimmen. Damit war also Cohen mit absoluter Majorität als Kandidat aufgestellt. Die Funktionäre des fünften Reichstagswahlkreises haben nicht für Cohen ge- stimmt. Die Mehrheit stellte der sechste Wahlkreis, was sich dadurch erklärt, daß unter den für den zehnten LandtagswahlkreiS tn Frage kommenden Funttionären des sechsten Reichstagswahlkreises viele Mitglieder deS MetallarbeiterverbandeS sich befinden. Nach- dem Cohen von den Funktionären des Landtagswahlkreises auf- gestellt' war, machte sich im sechsten ReichstagSwahlkreise eine Strö- mung gegen ihn geltend. ES hieß, es würden Stimmen gegen die Kandidatur Cohen gesammelt. Später hat sich eine Kreiskon- ferenz des sechsten Reichstagswahlkreises gegen die Kandidatur Cohen erklärt. Der Vorstand des sechsten Reichstagswahlkreises ersuchte uns darauf, wir möchten erneut zur Kandidatenftage Stellung nehmen, jedoch unter Ausschluß der Kandidatur Cohen. Wir haben das abgelehnt, weil die Entscheidung über die Kandidatur dem Landtags», aber nicht dem Reichstagswahlkreise zu- steht. Dann hat der Vorstand des sechste« ReichStagswahlkreiseS eine Funktionärkonferenz des zehnten. LandtagSwahlfteises einbe- rufen, an der auch Delegierte deS fünften Reichstagswahlkreises teilnahmen. Auch hier haben die dem zehnten Landtagswahlkreise angehörenden Funktionäre des sechsten ReichstagSwahlkreiseS mit erdrückender Mehrheit beschlossen, die Kandidatur Cohen auftecht zu erhalten. Ich weiß nicht, was die Generalversammlung des sechsten Wahlkreises heute beschließe» wird. Nach unserer Auf' fassung ijff(£ o h e n der v weiter tun, als Ihnen von der ige Kandidat. Ich kann nichts ufftellung der Kandidaten Mit' teilung zu machen. Nach dem Beschluß der Verbandsgeneralver- sammlung sind die LandtagSwahlkreise zuständig für die Aufstellung der Kandidaten. Ich kann also konstatieren, daß Sie von der Auf- stellung der Kandidaten Kenntnis genommen haben und mit den Maßnahmen des Vorstandes einverstanden sind. Widerspruch erfolgt nicht, das Wort wünscht niemand. Der Vorsitzende teilte mit, daß das Schiedsgericht die Rüge gegen den Genossen P r e u tz iTeltow-Beeskow) zurückgenommen hat.— Die Versammlung beschloß, Berufung geg«l dies Urteil nicht einzulegen. Sechster Wahlkreis. Die in den.Germania-Prachtsälen", Thaufleestraße, tagende Versammlung ist durch Delegierte außerordentlich gefüllt und auf der Galerie dränge» sich die Zuhörer. Zum ersten Punkt des Tagesordnung hält der Abgeordnete des Kreises, Genosse Ledebonr, einen Vortrag über:„März e r r u n g e n sch a f t e n und preußische WahlrechtSbe w e g u n g." Redner gibt einen Ueberblick über die wichtigsten Wirt' schaftlichen und politischen Umwälzungen seit der französischen Re- volntion zu Ende des 18. Jahrhunderts und läßt seine AuS- führnngen in einem wuchtigen Appell an die Genossen ausklingen, bei den bevorstehenden Landtagswahlen mit Begeisterung tätig zu sein, für eine Befreiung von dem preußischen Joch und darüber hinaus für ein fteies Deutschland, in dem gleiches Recht für alles, WaS Menschenantlitz trägt, garantiert ist. In seinen Ausführungen streift Ledebonr auch die vorzu- nehmende Proklamiernng der Landtagskandidaten und fordert die Genossen auf, bei der Aufstellung ganz besonders vorsichtig zu fein. Mit großen Mandatserfolgen können wir unter dem elenden Wahl- system nicht rechnen, um so mehr ist es nötig, daß die, welche von uns ins Preußenparlament gewählt werden, Männer von echtem Schrot und Korn sind. Leisetreter können wir da nicht gebrauchen. Die Genossen, die als Kandidaten in Frage kommen, müssen sich in der Partei aufs beste bewährt haben. Ein Lotteriespiel könnte von den unheilvollsten Konseqnenzen begleitet sein.(Stürmischer Beifall.) Der nächste Punkt der Tagesordnung ist der Aufstellung der Kandidaten gewidmet. Der Vorsttzeirde, Genosse H e n s ch e l, gibt den Bericht von der Kreiskonferenz. Der sechste Reichstagswahlfteis ist an uns Lcmdtagswahlbezirken beteiligt. Gegen die Kandidaten des 8., 9., 11. und 12. LandtagSwahlbezirkeS sind keine Proteste einge- gangen; dagegen liegen gegen die Kandidatur des Genossen Cohen, der vom 10. Landtagswahldezirk vorgeschlagen wird, eine Reihe von Protesten aus einer Anzahl Bezirke sowohl wie aus zwei Abteilungen vor. Redner empfiehlt daher, zunächst über die- jenigen Vorschläge abzustimmen, gegen die kein Einspruch er- hoben ist. In diesem Sinne wird verfahren und werden die betreffenden Genossen einstimmig bestätigt. Die Namen derselben haben wir bereits gestern mitgeteilt. Genosse H e n s ch e l verbreitet sich nun über die Gründe, welche die Kreiskvnferenz veranlaßt«!, sich mit großer Mehrheit den Protesten gegen die Kandidatur Cohen anzuschließen. Zu- nächst war die Frage zu entscheiden, ob die Genossen des sechsten Wahlkreises das Recht haben, gegen die Kandidatur Stellung zu nebmen, da der 10. Landtagswahlbezirk zu zwei verschiedenen Reichstagswahlkreisen gehört. Während sich ein Teil der Berliner Genossen auf den Standpunkt stellt, daß nur der Landtagswahl- bezirk das Recht hat, die Kandidaten zu nominieren, find die Funktionäre des sechsten Wahlkreises der Ansicht, daß den Kreis- organisationen unbedingt das Einspruchsrecht bei allen Kandidaten- aufftellungen gewahrt bleiben mutz. Diese Auffassung enffpricht auch dem OrgcmisationSstatnt unserer Partei, das nur in Reichs- tagswahlkreise gegliederte Organisationen kennt: Es kann und soll den Landtagswahlbezirken nicht das Recht genommen werden, sich nach geeigneten Kandidaten umzuschauen und diese in Vorschlag zu bringen. Die Entscheidung mutz aber immer bei den Genossen der zuständigen Reichstagswahlkreise bleiben und, falls zwischen diesen eine Einigung nicht zu erzielen ist, bei der höchsten Instanz, der Generalversammlung von Groß-Berlin. In den gegen die Kandidatur eingegangenen Protesten, denen sich die Kreiskonferenz angeschlossen hat, wird darauf hingewiesen, daß die Kandidatur des Genossen Cohen im Interesse der Werbearbeit keine glückliche ist. Gegen Cohen herrsche in weiten Kreisen große Mißstimmung, die so weit geht, daß einige Funktionäre erklärt haben, ein T«l der Genossen würde bei der Wahl die Mitarbeit verweigern, wenn die Kandidatur Cohen bestehen bleibt. So bedauerlich solche Aeußerungen auch find und so sehr man sie verurteilen mutz, so ind sie doch ein Gradmesser für die Unbeliebtheit des Genossen Cohen. Viel besprochen wurde auch das Verhalten Cohens bei der Maifeier 1906. Redner erinnert an die heftigen Debatten, die im Anschluß an die Maiaussperrung im Jahre 1906 stattge- ünden hüben. Das Verhalten Cohens war damals wenig parteigenösfisch. Seine Erklärungen in Versammlungen und im „Vorwärts" entsprachen nicht den gepflogenen Verhandlungen. T o h en ist außerdem in der Partei nur wenig hervorgeftcten.- Wo das aber geschehen ist, geschah eS zunächst nn Widerspruch zu den Meinungen der Grotz-Berliner Genossen und der Gesamtpartei. Es hat reinen Wert, sich jetzt über die Ansichten des Kandidaten zu bestimmten Fragen zu orientieren, indem man ihn um Auskunft ersucht. Bei einem Kandidaten in einem so aussichtsreichen Bezirt muß schon durch seine Vergangenheit kein Zweifel über seine poli- tischen Ansichten möglich sein. Den Vorschlag der Kreiskonferenz, im Interesse des Friedens zurückzufteten, hat Cohen abgelehnt mit der Motivierung, dazu nicht feige genug zu sein. Es gehört mehr Mut dazu, wenn die Funktionäre eines Kreises die Kan. didawr nicht wollen, im Interesse der Agitation und eines sieg- reichen Ausganges der Wahl zurückzutreten, um damit Sfteitig. ketten aus dem Wege zu räumen. Der 10. Landtagswahlbezirk ge- hört zu denen, die wir mit großer Ausficht auf Erfolg bestürmen werden. Schließen Sie sich dem Proteste der Kreiskonferenz an, damit ein Kandidat gefunden wird, der der großen Masse unserer Genossen angenehm ist und der darüber hinaus in den Kreise« der Wähler Werbekraft besitzt. Als nächster Redner erhält Genosse Cohen daS Wort: Es ist nicht angenehm, hier zu stehen und sich gegen alle möglichen An- griffe zu wehren, aber ich werde es dennoch tun, da ich gewohnt bin, mich meiner Haut zu wehren. Es wird gesagt, eine Anzahl Genossen wollen die Mitarbeit verweigern, wenn meine Kandidatur bestehen bleibt. Dem stehen die Aeußerungen anderer Genossen gegenüber, die verärgert beiseite stehen wollen, falls mir die Kan- didatnr genommen werden sollte. Ich mißbillige die Aeußerungen ebenso wie Genosse H e n s ch e l eS tut. Erwähnen will ich sie nur, um damit zu zeigen, wie wenig durchschlagend das Argument ist. Was die Maifeier 1906 anbelangt, gebe ich zu, daß wir uns in den Haaren gehabt haben und daß von beiden Seiten scharfe Bemer- kungen gefallen find, Bemerkungen, die bei ruhiger Diskussion sicher weniger scharf ausgefallen wären. In der Sache selbst habe ich nichts zurückzunehmen. Meine Mitteilungen beruhten durchaus auf Wahrheit, WaS auch von einem Feststellungsgericht, das meine Organisation einberufen hatte, bestätigt wird. Was meine poli- tischen Ansichten betrifft, so kann ich nur sagen: Ich bin Sozial- demokrat und stehe auf dem Boden des Parteiprogramms. Dar- über hinaus stehe ich gern zur Verfügung, wenn jemand über meine Anschauungen zu bestimmten Fragen Auskunst wünscht.- An den in unserer Partei alljährlich auftauchenden Streitftagen habe ich mich allerdings wenig beteiligt, doch glaube ich kaum, daß das ein Vorwurf für mich ist. Aber für die Partei war ich stets tätig. Ich war noch Bezirksführer in der Partei, als ich schon zwei Jahre Bevollmächtigter des Metallarbeiterverbandes war. Lediglich die übergroße Arbeit zwang mich schließlich, das Amt niederzulegen. Man wirst mir mein Verhalten von 1906 vor. Aber dessenungeachtet hat mich die Partei auch nach 1906 ständig zu Referaten aufgefordert und ich habe diese auch angenommen, soweit es mein? Zeit erlaubte. Es ist nicht das erstemal, daß mft Kan- didaturen, besonders d« Reichstagswahlen, angetragen werden. Da die Kreise aber wegen ihrer örtlichen Lage von mir nicht ge- nügend bearbeitet werden konnten, bin ich zugunsten von Genossen» die mehr Zeit habe», zurückgetreten. Jetzt aber, nachdem ich den Aufforderungen von Genossen, mich als Kandidat zur Verfügung zu stellen, einmal Folge geleistet habe, geht das Treiben gegen mich los. Wen ich würdig bin, die Partei in Versammlungen rednerisch zu verfteten, dann kann ich auch nicht unwürdig zu einer Kan- didatnr sein. Und darum erkläre ich auch heute wieder: Ich bin nicht feige genug, zurückzutrete». Ich stehe meinen Mann. Würde ich zurücktreten, dann kann mancher ans den Gedanken kommen, ich hätte etwas zu verbergen. Ich war bereit, den Genossen des 10. LandtagSwahlbezirkeS daS gegebene Wort zurückzugeben. Die Genossen haben sich rn einer zweiten Abstimmung wieder für meine Kandidatur erklärt. Eine Instanz mutz eS doch geben, die über die Kandidatur«! zu entscheiden hat, und nach meiner Meinung ist die gegebene Instanz der LandtagSwahlbezirk. Da die Genossen dieses Bezirks mir Vertrauen entgegenbringen, glaube ich daS Recht zu haben, auf meiner Kandidatur zu bestehen. ES gibt keinen, der die Sympathien aller hat, und wenn man wegen jeden Protestes zurücktreten müßte, dann ließe sich bei jedem Kandidaten jemand finden, der einen Protest einbringt. ES ist gan� klar, daß man in J£yr meiner Stellung auch Feinde habe« muß. Fetnde hat jeder, der für die Arbeiterbewegung etwas getan hat. Wenn Sie einen Kan- didaten wollen, der keine Gegner hat, dann müssen Sie einen. nehmen, der nichts getan hat. Daß meine Gegnerschaft innerhalb meiner Organisation nicht so groß ist, wie eS nach der Red« des Genossen Henschel den Anschein hat, zeigen die 18 Metallarbeiter- Versammlungen, die sich gestern mit meiner Wiederwahl als Bevoll- mächtigter befaßten. In allen 13 Versammlungen waren kaum 40 Stimmen gegen mich.(Vereinzelter Beifall.) Buhl wendet sich gegen Cohen. Schon mit Rückficht auf die Werbearbeit ist die Kandidatur deS Genossen Cohen ungünstig. Der 10. Landtagswahldezirk kann nur erobert werden, wenn die Person des Kandidaten allgemein, in den Kreisen der Genossen s» wohl wie in den Kreisen der übrigen in Frage kommenden Wähler, beliebt ist. Rur wenn ein Kandidat gern gesehen ist, wird bei der Agitation die Begeisterung aufgebracht werden, die zu einem günstigen Ausfall der Wahl erforderlich ist. Daß Cohen als Re- ferent Verwendung findet, ist gewiß kein Grund, ihm nun auch eine Lcmdtagskcmdidatur zu Übertragen. Wir tun alle das Beste für die Partei. Schulte wendet fich gleichfalls gegen Cohen. Er erhebt Beschwerden wegen der gewerkschaftlichen Tättgkeit desselben, die aber nach Meinung der Versammlung nicht in die Versammlung gehören. Ein Antrag, je einem Redner für und einem gegen Coden daS Wort zu geben, wird ohne Abstimmung angenommen. R o ch a u erhebt gegen Cohen den Vorwurf, daß er ge» duldet hat, daß bei dem Neubau des Metallarbeiterhauses vor» wiegend unorganisierte Bauarbeiter beschäftigt werden und mit angesehen hat, wie organisierte Arbeiter gemahregelt werden. Rehbock: Genosse Cohen hat sich politisch nicht? zuschulde« kommen lassen. Und solange et würdig ist, Bevollmächtigter des MetallarbeiterverbandeS zu fem, muß er auch zu einer Landtags- kandidatur würdig sein. Leid: Es ist kein erhebende? Schauspiel, in einer großen Versammlung über Personenftagen sprechen zu müssen in einem Augenblick, da wir uns anschicken, in die Landtagswahlbewegnng einzutreten; doch es ist nicht zu vermeiden. Die in Betracht kom» menden Bezirks haben das Vorschlagsrecht uns die Generalver» sammlungen sollten nichts daran ändern, wenn nicht ein dringender Grund vorliegt. Berechtigt sind wir aber auf Grund unseres Organisationsstatuts unbedingt dazu, und die Genossen werden fich auch das Recht nicht nehmen lassen. Unsere Parole war immer: Erst die Sache, dann die Person. Gleichgültig fft aber die Per- sonenfraae keineswegs. Cohen steht seit langen Jahren an der Spitze einer großen Gewerkschaftsorganisation. Solche Genossen können unter Umständen auch in politischer Beziehung die Ar- heiter gut vertreten. Aber ich nehme keinen Anstand, zu erklären, daß ich gegen die Kandidatur Cohen ganz erheblich« Bedenken habe. Ein Mann an der Stelle des Genossen Cohen kann eS nicht allen recht machen. Aber in großen Kreisen herrscht gegen Cohen Mißstimmung, die sich manchmal schon bis zur Erbitte» rnng gesteigert hat. Wir haben nicht zu untersuchen, ob diese Er- bitterung berechtigt fft. Die Tatsache, daß sie besteht und daß Cohen, wie mir von den verschiedensten Seiten gesagt Word«! ist, als der bestgehaßte Gewerkschaftsführer Berlins gilt, muß uns genügen. Es besteht die Gefahr, daß diese Mißstimmung leicht in die Partei übergreift und das müssen wir vermeiden. Gerade m einem Wahlkreis, der so auf des Messers Schneide steht, wie der 10. Landtagswahldezirk, müsse man alles vermeiden, was irgend- wie hemmend wirken könnte. Denn es ist nicht gleichgültig, mit welcher Begeisterung bekämpft wird. Ich will nicht sagen, Cohen ist als Landtagskandidat ungeeignet, sondern ich will sagen, daß hier in diesem Bezirk eine andere Person mehr Werbekraft nnd weniger Angriffsflächen in die Agitation hineinbringt.(Lebhafter Beifall.) Ein Schlußantrag wird mit großer Mehrheit angenommen. H e n s ck e I �Schlußwort): 5lcch der Diskussion kann ich mich sehr kurz fassen. Es hat kein Mensch daran gedacht, Cohen ehrlos zu machen. In der Maifeierangelegenheit ist für uns das Material des. Parteivori'tandes maßgebend. Das Urteil der FeststellungS- kommission des Metallarbeiterverbandes ist für uns ohne Bedeuwng, denn die Partei war bei dem Schiedsgericht ausgeschaltet. Leid hat sehr gut dargelegt, welche Gründe gegen Cohen sprechen. Im Interesse der Agitation wäre eS wünschenswert, wenn Cohen jetzt von der Kandidatur zurücktreten würde, da sonst die Kandidaten- ftreitigkciten bis zur Generalversammlung Groß-JBerlinS dauern, wodurch die Stoßkraft der Agitation gelähmt werden muß. Cohen erklärt in seinem Schlußwort zunächst, daß er bei der Vergebung der Bauarbeiten für den Metallacheiterneubau keinen Einfluß hatte. Die Acheitcn, die er zu vergeben hatte, sind von or- ganrsiertcn Arbeitern ausgeführt Wochen. Genosse L e i d hat streng sachlich gesprochen: aber seinen Schlußfolgerungen kann ich mich nicht anschließen. Es gibt keinen Menschen, der nicht irgendwo mit irgendeiner Handlung Anstoß erregt. Ich kann mich nur in einem Bezirk aufstellen lassen, in dem ich bekannt bin. Meine Stellung zu den Protesten habe ich bei meinen vorigen AuSführun- gen dargelegt. Die Kandidaiensrage muß dann eben der Ent- scheidung von Groß-Bevlin überlassen bleiben. Der nunmehr zur Abstimmung gelangende Antrag hat folgen- den Wortlaut: „Die Generalversammlung hält die Aufstellung des Genosse« Adolf Cohen als Kandidaten für den zehnten LandtagSwahlkreiS im Interesse i!cr Werbearbeit für die Partei nicht für eine glückliche." Der Vorsitzende konstatiert, daß dieser Antrag mit übep Mehrheit angenommen ist und daß die Kandidatur Cohen für den sechsten ReichStagSwahlkrei» erledigt ist. wegen Betruges verurteilt: die Angeklagten Kaufmann Adolf Brumby in Duisburg und Kaufmann Emil Fricke in Essen zu je 1000 M. Geldstrafe eventl. 100 Tagen Gefängnis; der Kaufmann Hermann Bach in Ruhla zu 2000 M. Geldstrafe eventl. 200 Tagen Gefängnis; der Kaufmann Walter Mocller wegen Beihilfe zu 0000 M. Geldstrafe eventl. für je 10 M. 1 Tag Gefängnis, jedoch nur bis zum Höchstbetrage von 2 Jahren Gefängnis. Die Ange- klagten Schwalm-Danzig, Wendefeier-Danzig und Dargah-Stolp werden freigesprochen. Auf Grund der Beweisaufnahme hat der Gerichtshof die Ueberzeugung gewonnen, daß die drei ersten Ange- klagten von vornherein nicht die Absicht gehabt haben, das gesamte ihnen von den Bernsteinwerken überlassene Rohmaterial zur Fabri- kation zu verwenden, sondern gewisse Mengen dieses Materials unter Täuschung der Bernsteinwerke nach Wien zu verkaufen. Moellers Tätigkeit hat nach Ansicht des Gerichts dahin gezielt, in per amlt Geincbrs- Reitling. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Tics anerkannte dieser Tage dag Kammergericht gegenüber einer Anklage, die in der Tat behauptete, ein Bürger sei straffällig, weil er durch Fortwerfen einci StraßenbahnbillettS die Straße verunreinigt habe. Me Tilsiter Strafkammer klammerte sich an den Wortlaut der Straßenpolizeiverordnung und bestrafte einen Bürger Spangehl wegen„Verunreinigung der Straße". Gegen die wie ein Scherz oder Ironie klingende Verurteilung legte der Angeklagte Revision ein. Der Oberstaatsanwalt am Kammergericht hielt die Anklage und die Verurteilung für unhaltbar. Er meinte, wenn�man dem Tatrichter folgen wollte, könnte man sich ja kaum auf der Straße bewogen. Es müßte ja dann auch das Wegwerfen eines Zigarren- stummelS, ja selbst das Abschlagen der Asche von der Zigarre straf- bar sein. Er bitte den Senat auch zu dieser Frage Stellung zu nehmen, obwohl di« Freisprechung des Angeklagten schon wegen formeller Ungültigkeit der Verordnung erfolgen müßte. TaS Kammergericht hob die Borentscheidung auf und sprach den Angeklagten frei, indem es auch dessen bare Auslagen der »Staatskasse auferlegte. Es führte auS: Gegen di« Anficht des Land- gerichts sprächen ganz erhebliche Bedenken. Die Frage, ob hier eine Verunreinigung der Straße durch das weggeworfene Billett erfolgt fei, könne aber dahingestellt bleiben, weil die ganz« Straßen- Polizeiverordnung formell ungültig sei. Nach den vom Regierung?- Präsidenten für die formelle Gültigkeit von Polizeiverordnungen im Jahre 1888 erlassenen Vorschriften müßte die Polizeiverordnung, um gültig zu sein, ausdrücklich auf den ß 143 des LandeSver- ivaltunasgesetzes Bezug nehmen. Da sie dies nicht tue, sei sie un- gültig, woraus sich schon die Freisprechung ergebe. Aber nach Lage der Sache erscheine es angezeigt, der Staatskasse auch die notwendi- gen Auslagen des Angeklagten aufzuerlegen. So ist's recht, die„interessante" Frage, ob das Wegwerfen eines zerrissenen Billetts, vielleicht auch das Gehen auf der Straße eine strafbare Verunreinigung darstelle, muß noch„dahingestellt" bleiben. Es könnten ja sonst gleich schöne Anklagen nicht erhoben werden. Und dem Staatsbürger mutz das Recht auf Drangfalievung und Belästigung durch Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht erhalten bleiben, wozu zahlt er denn seine Steuern? Außerdem hat nun endlich die Tilsiter Polizei ein großes Betätigungsfeld. Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Wird Spangehl ange- klagt, so müssen auch die übrigen„Verunreiniger" unter Anklage gestellt werden. Zunächst freilich muß eine formell einwandSfreie Polizeiverordnung erlassen werden. Urteil im Bernsteinprozeß. Ter seit ö Wochen vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte große Bernsteinprozeß ist nun gestern nachmittag zu Ende gegangen. Nach mehrstündiger Beratung verkündete der Bor- sitzende, Landgerichtsdirektor Schmidt, das Urteil dahin: Es werden daß sein verstorbener Schwiegervater ihm die Erlaubnis auf Paketadressen seinen Namen zu setzen, ist nicht widerlegt. Auch ist nichts davon erwiesen, daß ihm die Nachkommen de? Verstorbenen diese Erlaubnis etwa entzogen hätten. Gr hat also Kon» kicke ge- handelt. Moeller hat Geldanweisungen unter dem Namen Arndt abgesandt, letzterer hat aber als Zeuge bekundet, daß tzr ihm die Genehmigung hierzu erteilt hat.— Was das Strafmaß betrifft, so hat das Gericht erwogen, daß die Angeklagten nicht als gemeine Verbrecher anzusehen sind, eS sind unbestrafte Männer und dies ist ihnen zugute gehalten worden. Unter Zubilligung mildernder Umstände mußte aber die Strafe nach dem Umfange des Vergehens hoch bemessen werden. Bei Moeller liegt die Sache so, daß er in drei Fällen am Betrug« mitgewirkt hat und da hat der Gerichtshof die höchste zulässige Geldstrafe von je 3000 M. eingesetzt auf insgesamt 9000 M. Geldstrafe erkannt. und somit Klus aller AI dt. Das Militärluftschiff„L. Z. I" vollständig zerstört. Au» Karlsruhe bringen telegraphische Meldungen die Nach- richt, daß da» Militärlustschift L. Z. I bei der Landung, die e? gestern nachmittag nach einer zwanzigstündigen Fahrt auf dem Exzerzierplatz In Karlsruhe unternehmen wollte, von dem herrschenden Sturmwind erfaßt, hochgehoben und dann so heftig auf den Boden geschleudert wurde, daß eS mitten auSeinanderbarst. Das Luftschiff ist durch den Sturm vollständig zerstört. Der Rumpf ist in zwei Teile geborsten, die Spitze ist abgeknickt. Die Militärmannschasten wurden, als sie die Hintere Hälfte des Luftschiffes mit Tauen festhielten, durch Emportreiben de» Kreuzers beträchtlich in die Höhe getrieben und mußten daher schleunigst die Leine loslassen. Unfälle sind, soweit bis jetzt bekannt, nicht vorgekommen. Ersatz L. Z. I machte seine erste Probefahrt am 16. Januar 1013 zunächst in Friedrichshofen und wurde später nach Oos bezw. nach Baden-Baden übergeführt, wobei es eine stürmische Schwarz- waldfahrt zu überstehen hatte. Vom 24. bis 26. Januar wurde unter Führung des Oberingenieurs Dürr eine löstündige Dauer- fahrt ausgeführt, der sich am 1ö. Februar eine achtstündige Höhen- fahrt anschloß, die über 2000 Meter führte. Dann erfolgte die Abnahme de» Luftschiffes durch die Militärbehörde. Seitdem hat das Luftschiff eine Reihe wohlgelungener Flüge unter der Führung de» Hauptmanns Horn ausgeführt, der auch die Leitung bei dieser Fahrt hatte. Ein Ballonunglück. In Bremen ist gestern mittag der Freiballon„Malkasten", der vormittags in Düsseldorf aufstieg, bei dem Versuch, auf dem Werder zu landen, mit der Gond«l aus die Telegraphendrähte ge- raten und vom Winde gegen ein Haus gedrückt worden. Der Ballon riß einen Teil eine? Schornsteines um. Insassen des Ballons waren zwei Herren und eine Dame. Die Dame und ein, Herr wurden verletzt und ins Krankenhaus geschafft. Von dem herabstürzenden Schornstein wurde ein achtjährige? Mädchen ziemlich erheblich verletzt. Die Namen der Kaffern im Transvaal. Ein Freund unseres Blattes schreibt unS: Ein Kaffer, der in die Stadt übersiedelt, muß sich in einem besonderen Bureau des Einwohneramts registrieren lassen, was dadurch geschieht, daß er eine Nummer sauf einer Blechplatte) erhält, die ihm am Fuß oder sonstwo befestigt wird. Sein Name ist also die laufende Nummer. Geht er in Stellung bei einem Weißen und lebt er sich ein, so wählt er sich selbst einen Namen, und zwar mit Vor- liebe die Bezeichnung einer Münze: Mister Penny, Halfpenny shalber Penny) und dergl. Zum Schilling wagt er sich selten heran, er ist schon stolz, wenn er sich Mister Sixpence(halber Schilling) nennt. Kulturhistorisch sind diese Namen außerordentlich bezeichnend für unsere kapitalistisch« Erziehung der.Wilden". Ein Mister Sixpence, dem eS gut geht, bekommt große Vorliebe fiir'vunte Westen— er kauft sich von diesen ein halbes Dutzend und zieht sie alle an, eine auf die andere, sonst aber auch nichts.... Dabei wären die Kaffern durchaus bildungsfähig, wenn man eS nicht vor« zöge, sie im Zustande grotesker Halbbarbarei zu erhalten. Mancher Kaffer legt ziemlich große Intelligenz an den Tag. Schreiber dieser Zeilen weiß z. B. von einem Jim(Dschim), der in der Peacokschen Apotheke zu Prätoria angestellt ist und seine Sache Keffer versteht, als so mancher diplomierte Pharmaceut. ISN ovo Mark auf der Strafte gefunden. Einen recht wertvollen Fund machte am Dienstag der Buchbinder Regenstein aus Brandenburg. Als R. nach- mittags von einer Radtour nach G e n t i n zurückkehrte, ent- deckte er auf der Chaussee nicht iveit von Brandenburg eine Aktentasche. Er nahm sie an sich und fand in der Tasche Wertpapiere für 120 000 Äark. Kurz vorher war dem Buchbinder ein Automobil begegnet, dessen Insassen offenbar die Verlierer waren. Da in der Mappe jier Name des Besitzers verzeichnet war, konnte der Verlierer, ein Fabrikant aus Magdeburg, noch an demselben Tage ermittelt und benachrichtigt werden. Noch am gestrigen Abend traf dieser in Brandenburg ein, um die Wertpapiere in Empfang zu nehmen. Der Finder erhielt eine angemessene Belohnung. Kleine Notizen. Fünf Manu in Erstickungsgefahr. Auf der Zeche«Präsident" der B o ch u m e r Bergwerksaktiengesellschaft entstand in der Nacht zum Mittwoch infolge Selbstentzündung ein Flötzbranb. Bei den Abdämmungsarbeiten gerieten durch ausströmende Gase fünf Mann in Erstickungsgefahr. Sie wurden zutage gebracht und befinden sich mit Ausnahme eines Beamten, der v e r st a r b» außer Gefahr. Zwei Steinbrucharbeiter durch einen Spreng schuß getötet. In einem Steinbruch auf der K e t t w i g e r Landstraße bei Essen a. R. explodierte vorzeitig ein Sprengschuß. Hierdurch wurden der Schießmeister und zwei Arbeiter getötet. Tödlicher Jagdunfall. Auf tragische Weise hat in Kolberg der Hauptmann Amman vom 44. Jnfanterie-Regimenl sein Leben eingebüßt. Als er während der Jagd im Kösliner Buchen» w a l d die Jagdkanzel besteigen wollte, stürzte diese plötzlich unter der Last zusammen. Das Gewehr deS Hauptmanns entlud sich und die Ladung drang ihm in den Kops und hatte seinen sofortigen Tod zur Folge. Opfer der letzten Stürme.' Von dem A l t o n a e r Ftschdampfer „Hansa" wurden in der Nordsee drei Matrosen, Wilhelm Stührk aus Glückstadt, Friedrich Schmidt auS Rosenhagen und Gustav Menslow auS Schmachtenhagen durch eine Sturzsee über Bord gespült. Alle drei sind ertrunken. Ferner wird au« Geestemünde vom Mittwoch gemeldet: In der letzten Sturmnacht find auf der Weser zwei Schiffe gesunken. zwei gestrandet und sechs von ihren Plätzen vertrieben. Explodierte Petrolcumquclle. Mehrere Bohranlagen in dem petroleumhaltigen Gebiet von Maren in Rumänien, die bereit« Petroleum zu Tage förderten, gerieten in Brand. Ein Ingenieur und mehrere Arbeiter wurden schwer verletzt; einige Arbeiter werden vermißt. Verhaftung einer Sinbrecherbande.«m 18. März überrascht« die Polizei New Korks eine Berbrecherbande, die seit geraumer Zeit ganz New Kork in Schrecken versetzt hatte. Der Führer der Bande legte«in Geständnis ab. Er gab zu, daß die Bande seit Monaten eine ganze Reihe Geschäfte ausgeraubt und Personen auf den Straßen angefallen habe. Man schätzt den Wert der geraubten Güter aus über 100 000 Dollar, ohne auch die Automobile abzuschätzen, die zum Zwecke der Ausübung der verbrecherischen Handlungen der Banditen gestohlen wurden. Die Bande, die 12 Mitglieder zählt, wurde in einem Keller festgenommen, woselbst ein ganzes Waffenarsenal auf» gefunden wurde. Tödlicher Fliegersturz.■ Mittwoch vormittag stürzte der Kcnn- Mandant der Militärfliegerschule in Somina Lombarda(Italien), Hauptmann Mvreno, während eines Gleitfluges au« der Höhe von 200 Metern ab und blieb unter den Trümmern der Hlugmaschine tot liegen. Marktpreise von verli» am 1«. MSrz 1913, nach Ermittelungen deS tönigl Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,60 bis 19,60, mittel 19,80—19,40, geringe 19,10—19,20. Roggen, ante Sötte 16,09—16,10, mittel 16,07—16,08, geringe 16,08—16,06(ab Bahn). Futter. gettte. gute Sorte 16,20—16.80, mittel 18,60-16,10, gering« 18,00—18.80. gute Sorte 17,80-19,70, mittel 16,00-17,20(stet Wagen und ab Haler, Bahnj. 100 Kllogr. Trbs«n, gelbe, Linse arlthallenpretse. 30.00—80,00. Speisebohnen, weiße 88,00—60,00.' Kattossein' Kalbfleisch m Kochen ,00— 60,00. der Keule ,60— 2,00. 60 Stück Eier 3,60—8,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,20— 2,40. Aale 1,00— 3,20. Zander 1,60-8,60. Hechte 1,60-2,80. Barsch- 1,00-2,40. Schleie 1,60-8,80, Bleie 0.80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-24.00. MTW Herren-,«W- m Uen-BeltlcliW jeder Art, fertig und nach Maas zum Selbstkostenpreis+10% Umsatzgebühr Bedeutende I Bei einem Lagerbestand im Werte von ca. 600 000 Mark bieten wir in allen Abteilungen unserer Ersparnisse j 4 Verkaufshäuser eine nicht zu übertreffende Auswahl in allen Artikeln, Preislagen und Grössen Wir s*nd«n ihnen unseren Katalog gratis Herren» Kleider■ Vertriebs• Ges. i Neue Schönhauser Str. 1 I Neukölln, Kottbuser Damm 72 I Charl., Wilmersdorfer Str. 165| Moabit, Turmstrasse 73 Ecke Münz- u. Weinmeietentrasse I Ecke Leoau-Struse I Ecke Berliner und Sdiarten-Straaze I viel- vis der Emdener Strasse Ocffcntl. Versammlung. Ist Jesus gekreuzigt? Dortrag des Laudtagsabgeordnete« am Karfreitag, de« 21. Marz, abe«ds S-/, Uhr, in KliemS Fest- f ä l e n, Hafeuheide 1Z— tä. Nach dcm Bortrage Diskussion. Eintrittspreis 10 Pf. ss/?» Vervnltanx Berlin. He»te Donnerstag, den 20. März, abends 8'/, Uhr: Titzung der Ortsverwaliung. Die Kassierung der Beiträge erfolgt in allen Zahlstellen am Sonnabendabend von<» bis 8 Uhr. Sonntag, den 23. März(1. Osterfeiertag): Urania- V orstelluns Tanbenstrasie 48/49: Paris und die König/sschldsser (Vortrag mit Lichtbildern). W/t? Eröffnung de« PhhfiksaaleS 4 Uhr, Beginn der Vorstellung pänkllich 5 Uhr. BtllettS tafl.«öarderobe a 65 Pf. sind im Bureau, Engelufer 14, zu haben. Die Orteverwaltiuic. Wirtshaus„Schloß Voltersdorf", herrlich am Flakenfee an der Thausfee Erkner sowie im Walde gelegen, empfiehlt sich den Vereinen, Fabriken, Gesellschaften usw. zu diesjährigen Dampferpartien refp. Ausflügen. Da» Lokal steht nach wie vor der Arbeiterschaft zur Verfügung; da» Nichtausgesührtsein in der Lokalliste ist nur versehentlich geschehe». Siehe Nr. 22 vom 2S. Januar ISIS. Ebenso empfehle ich meine Damps.r. ZS8Zb» Friedrich Saewert, Amt Erkner 149. Nur feinem hervorragend feine« Geschmack verdankt der Kapitäu-Kautabak den gute« Ruf, de« er«nstreitfg befint. Machen Tie einen! 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Orts-Krankenkasse für das Ii! zu Berlin. 257,5 Die von der Generalversammlung vom 25. Oktober 19l2 beschlossene II. Abänderung de» Statut» ist vom Bezirksausschuß genehmigt. Die Kasfenmitglieder werden in fünf Klaffen eingeteilt. Krantenunteritützung wird für jeden Kalendertag gezahlt. Die Beiträge find dementsprechend erhöht. Diese Abänderung de» Statut» tritt am Montag, den 31. März, in Kraft. Druckexemplare können im Kasten- lokal in Empfang genommen werde«. Der Borstand. ».Bilke, H. Hertz, Vorsitzender. Schriftführer. Simpli-Kakao als Hausgetränk WM" erhebüch billiser als Kaffee!"WE Tassen Kakao 2 Pfund 60 pfe. ffiind 120 dtSkK Bei dar Herrgehenden Teuerung ist Kakao das rationellste und billigste Hausgetränk. Kaffee ist im Preise fast unerschwinglich geworden. Simpli-Kakao ist nicht bloß billiger und ausgiebiger als Kaffee, sondern besitzt auch einen hohen Nllhrwert und trägt beim Genuß im Gegensatz zum Kaffee zur Sättigung wesentlich bei. Kakao ist dem Körper zuträglich, Kaffee schädigt ihn. hUmpH-Kakao ist anerkannt gut, man hat ihn deshalb in vielen Kreisen als Hansgetränk eingeführt. Hlmpll-Kakao wird nur in Originalpackung zn V, und'/, Pfund verkauft, in garantierter Original-PabrikfüUung. Die Simpli-Pabrikate(auch Schokoladen, Pralinen, Katzenzungen usw.) werden in vollendeter Weise hergestellt von der Firma„Sarotti" Berlin. Man frage überall nach Simpll s Kakao! Achtung: Achtung:! OrtMenkasse derBandverker Spandau. Am Donnerstag, den 27. März er., abends 8 Uhr, findet im.Hotel zum Stern" die ordentliclie GeneralmsamnilDiig statt. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Rechnungsprüfung«» kommtssion, 3. Ersatzwahl des Vor- standes(1 Arbeitnehmer). 4. Ver- schiedencS. 257/5 Der Borstand. A. L u d e w i g. Vorsitzender. jCwU�tav Palm Hutmacher Berlin SO.. Peiehenbcrger Str. 60. Spezialgeschäft für Herrenhfite. »WW' <=*•___________ W L�ntwortWer Rk�tenr: Alfrrd tSicltchp, Seuloßtw" gü« fcca- �yera�teUOeränto; Sfröls�SBeilin. Drück«.«erlag; vorwärts tvuchvruckerei». LerlagSanftall Kaul Singer«.So, Berlin SM, Nr. 67. 30. Iahrgaus. . 2. Heiligt de« Jotmärls" Kerlim WsM Donnerstag, 20. Marz 1913. StadtvcrordneteD■ Verfammlung. 12.(außerordentliche) Sitzung von: Scittwoch, den IS. März, nachmittags S Ilhr. Vorsteher Michelet crössnet die Sitzung nach 514 Uhr. Tie Wahl für den Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage wegen Beitritts der Stadt zum Schutzverband für die Grunewald- Ken hat stattgefunden; die sozialdemokratische Fraktion ist durch Grunwald. Woldcrsky. Wurm vertreten. Auch die Wahl von acht Mitgliedern in die neue Deputation für das Wohnungswesen ist vollzogen worden; die sozialdemokratische Fraktion wird durch Hei mann und Wurm vertreten sein. Am 17. Oktober lSIL hatte die Versammlung den Antrag Arons u. Gen.(Soz.): „Die Versammlung wolle beschließen, 1. gegen die das BereinigungSrccht der Feuerwehrleute schwer gefährdenden Verfügungen des Polizeipräsidenten zu Berlin im Interesse der Bürgerschaft und der beteiligten Feuerwehrleute Protest zu erheben; S- den Magistrat zu ersuchen, erneut mit der Regierung in Verhandlungen zwecks Uebernahme der Feuerwehr in städtlschc Verwaltung zu treten", einem Ausschuß überwiesen. Dieser hat am 22. November zunächst über den zweiten Teil des Antrages beraten und»in der Erwägung, daß dieser Antrag trotz seiner Berechtigung gegenwärtig eine Aussicht auf Erfolg nicht hat", Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Für den ersten Teil des Antrages beschloß man Vervielfälti- gung des Materials und bestellte die Stadtvv. Dr. Rosenfeld(Soz.) und Sonnenfeld(A. L.) zu Referenten bzw. Korreferenten. Die Vervielfältigung des vom Polizeipräsidium dem Ausschutzvorsitzen- den Stadtv. Bamberg(A. L.) überreichten Materials konnte nicht erfolgen, da der Polizeipräsident es als vertraulich bezeich- »wie und nur die Verlesung gestattete. Am 12. Dezember hat diese Verlesung stattgefunden; die beiden Referenten erhielten den Auftrag, dem Ausschusse das ganze Material unter einwandfreier Würdigung und Gegenüberstellung der bestrittenen und unbestrittx- nen Tatsachen schriftlich zugänglich zu machen. Dem Ausschuß lagen die ausführlichen Referate in seiner dritten Sitzung am 7. März gedruckt vor. Nach längerer Beratung hat sich die AuS- fchuhmehrheit auf folgenden Antrag an das Plenum geeinigt: »In der Erwägung, ») daß den Beamten das Vereins- und BersammlungS- recht nach Matzgabe des Reichsgesetzes vom IS. April 1S08 zu- steht und ihnen erhalten bleiben muß; b) daß die vom Verein Berliner Feuerwehrmänner gege- bene Tatsachendarstellung von der des Polizeipräsidiums von Berlin so erheblich abweicht, daß eine Feststellung deS wirklichen Tatbestandes ohne die der Versammlung nicht zu- stehende Beweiserhebung nicht möglich ist; c) daß sich deshalb nicht erkennen läßt, ob daS Verhalten des Vereins Berliner Feuerwehrmänner wirklich die Disziplin ernstlich bedrohte und ob sich die Maßnahmen des Herrn Po- lizeipräsidenten als eine unbedingt notwendige Abwehr dar- stellen. geht die Versammlung über den Antrag zur Tagesordnung über." Berichterstatter ist Stadtv. Bamberg. Es geht der Antrag ein, dem Erwägungsgrund sub a den Satz' hinzuzufügen:»daß aber dieses Recht nur in den Grenzen der Beamtendisziplin ausgeübt werden darf". Stadtv. Dr. Rosenfeld(Soz.): Ter Ausschuß hat, wie Sic sehen, unsere Anträge nicht besonders glimpflich behandelt; man ist über sie zur Tagesordnung übergegangen. Herr Cassel rechnete e- sich erst neuerdings als Verdienst an. datz er und seine Freunde unsere Anträge nicht beiseite schöben, sondern sachlich behandelten; aber die Ausschußberatung scheint diese Ansicht nicht sehr zu recht-' fertigen. So begnügte man sich hinsichtlich des ersten Teils mit der Feststellung, datz die Versammlung kein Recht zur Beweis- erhebung habe. Dazu war wirklich keine Beweiserhebung nötig. Als der Ausschuß an die Arbeit ging, dachte sicherlich noch kein Mitglied daran, daß eS unmöglich sein werde, ein Urteil über das Verfahren des Polizeipräsidenten abzugeben. Allerdings fiel uns dieser sofort in den Arm, indem er sein Material als vertrau- lich bezeichnete. Hier lag zur Geheimhaltung wahrhaftig kein Grund vor; es war ja das Material im wesentlichen in der Ver- sammlung schon von dem Stadtrat Hamburger, zum Teil auch im Abgeordnetenhause perlesen worden. Als man schließlich so weit war, auf Grund des Materials sich zu entscheiden, da fiel cS der Mehrheit ein, daß sie kein Recht der Beweiserhebung hat. DaS ist denn auch nicht der wahre Grund für die Ausschußmehrheit, sondern nur ein Vorwand, sich zu drücken. Im Abge- ordnetenhause hat Abg. K o p s ch erklärt: daß ein Druck auf die Feuerwehrleute ausgeübt worden sei, gehe auch auS dem Schreiben des Polizeipräsidenten an den Magistrat hervor, worin gesagt Iverde, daß nur die Mehrzahl der Chargierten freiwillig aus den» Verein ausgeschieden sei. Herr Kopsch erklärte dann das Vorgehen für unmoralisch. Wenn Sie nun auch Herrn Kopsch von Ihren Rockschößen abschütteln, Herrn Cassel können Sie nicht abschütteln. illnruhe.) Herr Cassel hat sogar gesagt, cS sei ein„ungebührlicher Druck" ausgeübt worden, und noch schlimmer sei der ausgeübte verschleierte Druck. Nach diesen Aeutzerungen liberaler Parlamen- tarier hielten wir die Möglichkeit für gegeben, etwas zugunsten der Feuerwehrleute durch eine einmütige Kundgebung zu erreichen, und darin haben wir uns gründlich getäuscht. Lediglich dem einen Satz des Antrages der Ausschußmehrheit, der sich über das Vereins- und Versammlungsrecht im allgemeinen ausspricht, konnten wir zustimmen. Aber aus diesem sehr schönen Satz heißt es nun doch die Nutzanwendung ziehen, und da versagt die Kon- scguenz der AuSschuhmehrheit gründlich. Welche Empörung brach rn der Versammlung bei der ersten Beratung aus, als ich den Herren, auch Herrn Goldschmidt, zurief, sie hätten jetzt Gelegenheit zu zeigen, ob es ihnen mit dieser Auffassung des VereinSrechts ernst sei; jetzt zeigt sich, wie begründet, meine damalige Befürchtung war. Die eigenen Angaben des Polizeipräsidenten reichen völlig für unS als Vertreter der Bürgerschaft zu dem Protest aus, den wir zu erheben beantragen. Den erwähnten Druck auf die Chargierten bestreitet auch der Polizeipräsident nicht. Das Verbot des Beitritts zum Verbände deutscher Feuerwehrmänner hat der Polizeipräsi- oent allerdings anfangs geleugnet, er schrieb an den Magistrat, er habe ihn nur nicht unterstützen können. Aber der nationalliberale Abg. Schrödcr-Cassel hat glücklicherweise den Wortlaut deS betreffenden Erlasses mitgeteilt, worin gesagt wird, der Polizei- Präsident bleibe dabei, den Beitritt nicht zu gestatten. Beim Ver- halten der Pensionierten mögen ja Ungeschicklichkeiten' im Berkehr mit Herrn Jagow vorgekommen sein, aber solche formellen Mängel können doch das Vorgehen des letzteren nicht rechtfertigen. Schließ. lich ist eingeräumt worden, datz der Polizeipräsident Pen Mitgliedern des Vereins den Austritt abverlangt hat, wenn sie nicht die Ann- digung erhalten wollten. Unsere Forderung. Protest zu erheben, ist und bleibt also vollauf begründet. Die prinzipielle Forderung der Uebertragung des Feuerlöschwesens auf die Stadt hat seit Jahrzehnten bei beiden städtischen Behörden einmütige Zustimmung � genossen; sie ist auch wiederholt mit Energie erhoben worden; � aber jetzt ist die Aenderung eingetreten, daß die Mehrheit sich von O�portunitätSgründen leiten läßt, daß sie umfällt, s o tp i c die Regierung ein böseS Gesicht macht. DaS machen wir nicht mit. Wir müssen diese Forderung um so energischer er- heben, als sich der Mangel unseres Einflusses bei den Feuerwehr- l«uten ganz bedenklich zu zeigen beginnt.(Lebhaft« Beifall bei den Stadtv. Sonnenfeld: Diese Auslegung trifft nicht zu; hätten wir daS gewollt, so hätten wir den Antrag abgelehnt. Wir haben der Darstellung des Vereins Glauben geschenkt, aber auch die amt- liche Auskunft des Polizeipräsidenten hat Anspruch aus Glaub- Würdigkeit.(Zuvus des Stadtv Hoffmann.) Der Ausschuß- fern. Wir nehmen in der motivierten Tagesordnung, die beantragt wird, eine klare und einwandfreie Stellung ein und werden auch dem Feuermännerverein gerecht. Die Ausübung des Vereinsrechts hat eben ihre Grenzen in den Pflichten, die der Beamte seinen Bor- gesetzten gegenüber übernommen hat. Herrn Rosenseld führe ich noch zu Gemüte,'daß es kein Geringerer'als Singer war, der hier im Saale, als wir die Proportionalwahl bei den Gewerbegerichten einführen wollten, dagegen auftrat und aus Vorhalt, daß er damit gegen sein Programm verstoße, kaltlächelnd erwiderte, wir könnten doch nicht erwarten, datz die Sozialdemokraten mitmachten, was sie direkt schädige. Zu einer bloßen Demonstration mit dem zweiten Teil geben wir uns jetzt nicht her; damit wahren wir gerade die Würde der Versammlung(Lachen bei den Sozialdemokraten). Dem Gegner Motive unterschieben, dce er aufs Bestimmteste ablehnt, heißt die Diskussion vergiften.(Beifall bei der Mehrheit.) Stadtv. Dr. Knauer(N. L.) weist auch seinerseits die Angriffe Rosenfelds aus die Objektivität der AuSschwßmitglisder zurück. Den beantragten Zusatz bittet er abzulehnen, da er eine Jlbschwächung der Erlläruna zu s, somit aber gleichzeitig eine Stärkung der Position des Polizeipräsidenten bedeuten würde. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Die Darlegungen de? Kollegen Sonnenfeld haben nur den Zweck gehabt, die Schwäche seines Stand- Punktes zu verbergen. Er sprach sogar von„Vergiften durch böswillige Unterschiebungen anderer Motive" usw. Ein solcher Tiesstand der Debatte ist mir noch nicht vorgekommen.(Lebhaft« Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Sonnenfeld hat sich auf unseren leider zu früh verstorbenen Kollegen Singer bezogen. Was Herr Sonnenfeld da vorbrachte, ist eine völlige Verkeh- rung der Wahrheit und ein« Schmähung meines verstorbenen Freundes. Auch diese Behauptung ist nach der alten Taktik: »Haltet den Dieb!" aufgestellt, um zu maskieren, was eigentlich gegen das Koalitionsrecht beabsichtigt ist. Selbstverständlich sind wir für das PrcHortionalwahlrecht, ab« auch für seine all-- gemeine Einführung. Es aber nur da einführen, wo es eine einzelne Partei, in diesem Falle die sozial. demokratische Partei, besonders schwächt, ist ungerecht. So wurde damals unsererseits erklärt, und nichts berechtigte Herrn Sonnenfelo, diese vollberechtigten Ausführungen meines Freundes Singer hier in den Schmutz zu ziehen.(Wiederholte lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Sonnenfeld sprach davon, datz unsere Anträge hervorgingen aus politischer Agitations- und Verhetzungssucht. Wer soll denn verhetzt werden? Soll er der Hund sein, der hetzt, oder das Wildschwein, daS gehetzt wird? (Große Heiterkeit.) Was sollten diese Ausführungen anders für einen Zweck haben als den, die Aufmerksamkeit davon abzuziehen, datz sein Antrag ein fundamentaler Angriff gegen das Koalitionsrecht aller Feuerwehrleute, aller Beamten überhaupt ist. Wir haben es hier nicht mit dem Zukunftsstaat zu tun. auf den Herr Sonnenfeld auch an» spielte, sondern mit dem Gegenwartsstaat. Was er uns da üb« unfern ZukunftSstaat unterstellt hat. ist purer, platter Blödsinn. (Der Vorsteher erklärt diesen Vorwurf für unzulässig.) Ich habe nicht Herrn Sonncnseld Blödsinn vorgeworfen, sondern das, was er uns unterstellt, als Blödsinn bezeichnet.(V o r st e h e r: Dann ist die Sache damit erledigt.) Herr Sonnenfeld meint, das Vereins- uns Versammlungsrecht könne eingeschränkt werden durch Verträge. DaS ist die reaktionäre Auffassung, welche vor kurzem der Staatssekretär Delbrück kundgab, eS ist diesem sofort unter Bc- rufung aus die Verhandlungen bei dem Bürgerlichen Gesetzbuch ent- gegengetreten, wo von allen Seiten erklärt worden ist, daß Ver- träge, welche sich gegen das Koalitionsrecht richten, gegen die gute Sitte verstoßen, und also eine ausdrückliche Bestimmung in dieser Richtung überflüssig sei. Ein solches BertragSrecht gibt eS nicht. Richtig ist. daß Herr Delbrück etwas Derartiges zu konstruieren ver. suchte, und er berief sich dabei auf den Kommentator Planck, aber zu Unrecht, denn Herr Planck konstatiert an der betreffenden Stelle gerade das Entgegengesetzte. Solche Verträge sind im Gegenteil dem wucherlichen gleichstellt. Herr Sonnenfeld meinte weiter, das BereinSrecht könne für die Beamten auch durch Gesetz beschränkt werden. Da zeigt er, daß er reaktionärer denkt als selbst der preußische Landtag, der die Verfassung ge- macht hat. Nach preußischem Recht haben die Beamten das volle Vereins- und Versammlungsrecht, nicht beschränkt durch das Bc- lieben des Vorgesetzten, nur das Heer hat dieses Recht nicht; und die Versuch«, die damals von Erzkonservativen in dieser Richtung gemacht worden sind, sind abgelehnt worden,— aber ein liberaler Mann wie Herr Sonnenfeld stellt sich jetzt auf diesen Boden und legt auch das Reichsvereinsgesetz in diesem Sinne auil Was der Zusatzantrag eigentlich bedeutet, hat Herr Knauer zutreffend dar- gestellt. Der Polizeipräsident erklärt, er könne den Beitritt nicht gestatten; wenn das kein Verbot ist, so hört doch jede Logik auf; viese Auffassung des Herrn Sonnenfeld heißt doch nur:»Jawohl. Ihr habt das Koalitionsrecht, aber Jlzr dürft es nicht gebrauchen; Ihr dürft es nur gebrauchen, wenn und soweit es der Vorgesetzte erlaübt." Im Abgeordnetenhause haben die Redner des Fortschritts. der Nationalliberalen und des Zentrums mit aller Deut lichkeit geltend gemacht, daß ein Unterschled gemacht werden müsse, daß die Beamtendisziplin doch nur maßgebend sei für das. was i m A m t geschehe, und Beamtendisziplin und militärischer Gehör» sam seien, zweierlei. Die Feuerwehrleute sind nicht Militärper- sonen, wenn auch militärisch organisiert. Gerade wegen der Trag- weite dieses Zusatzantrages bitte ich Sie. dagegen zu stimmen. ES handelt sich hier gar nicht um zivilprozessuale Glaubwürdigkeit und ähnliche Formalien, sondern um ein Grundrecht preußischer Staats- bürger. Soll das oen Beamten und Lehrern durch den Zusatz- antxag genommen werden oder nicht? Ich zweifle nicht, die große Mehrheit wird den Zusatz, der ein so schwer erkämpftes Recht wieder beseitigt, ablehnen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Stadtv. Goldschmidt(N. L.): Wir werden für den pnver- änderten Ausschußantrag stimmen. Den Zusatz lehnen wir ab; ich unterschiebe daher dem Kollegen Sonnenfeld nicht Motive, wie sie ihm Kollege Stadtbagen unterschoben hat. Tat- sächlich sind wir trotz gründlichster Ausschußarbeit nicht imstande, dem Polizeipräsidenten Unrecht oder dem Verein Recht zu geben. (Hört! hört! bei den Sozialdemokarten.) Wenn Herr Rosenfeld mich mit seinem Ausfall verdächtigen wollte, so mutz ich das mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Ich stehe ein Menschenalter im Kampf für das KoalitionSrecht und habe dessen Bedeutung weit früher erkannt, als viele Sozialdemokraten, die es früher mit Lassälle als ein Palliativmittel verwarfen.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten; Rufe: Wo steht das?) Der Vorfall mit dem Proporz ist seinerzeit mit von mir veranlaßt worden; es ist damals lebhaft hin und her gestritten worden, was eigentlich vpn Singer und von anderen Herren gesagt worden sei. Wozu aber überhaupt diese maßlose Gehässigkeit in der Debatte? Ich höre, daß im beiderseitigen Einverständnis ein neuer Feuerwehrvcrein in der Bildung begriffen ist. jvie Polizeibehörde soll sich hüten, Organisationen zu schikanieren; sie soll Gerechtigkeit üben. Stadtv. Sonnenfeld: Ich war durchaus zu meiner Abwehr ver- pflichtet. Mein Zusatzantrag lautet ja jetzt nicht mehr dahin, datz da« BereinSrecht nur in den Grenzen der»Beamtendisziplin", .sondern daß es nur in den Grenzen der»Beamtenpflicht" auSge- übt werden darf. Ich muß dabei bleiben, daß wir gar nicht in der Lage sind, ein Urteil abzugeben. Das Reichsgericht hat noch ganz vor kurzem eine vertragliche Vereinbarung über die Kürzung des BereinSrecht« gutgeheißen. DaS Reicksvereinsgesetz hat auch ausdrücklich festgestellt, datz damit in das Disziplinarrecht der Be- Hörde» nicht eingegriffen werden solle. Stadtv. Cassel(A. L.) stellt fest, daß er im Landtage tatsäcblich von einem»ungebührlichen Druck" gesprochen, aber auch eine Unter- suchung verlangt habe. Diese habe nicht stattgefunden, man bleibe aus Vermutungen angewiesen. Sei ein neuer Verein im Ent- auf Vermutungen angewiesen. Der Antrag Sonnenfeld spreche nur etwas Selbstverständliches aus. Stadtv. Dr. Rosenfeld: Die heutige Stellung deS Herrn Cassel ist unvereinbar mit derjenigen, die er im Abgcordnetenhause ein- genommen hat. Daß er seine damaligen Ausführungen nur hhpo- thetisch gemeint hat, wird durch den Wortlaut des stenographischen Berichts widerlegt.(Redner verliest diesen.) Mit Herrn Sonnenfeld brauche ich mich nach der moralischen Stäupung, die er durch Stadthagen erfahren hat(große Unruhe), nicht mehr zu beschäftigen. Nur die Verunglimpfung des verstorbenen Kollegen Singer fühle ich mich verpflichtet, auss entschiedenste zurückzuweisen. Er hat, ob bewußt oder unbewußt, die Unwahrheit in diesem Punkte gesagt. Er hätte sich das Protokoll ansehen müssen und nicht daraus los schwätzen dürfen.(Redner zitiert die Ausführungen deS Stadtv. Singer aus dem Protokoll der bezüglichen Sitzung von 1S07.) Damit wird hoffentlich dieser immer wieder auftauchenden Legende der Garaus gemacht. Stadtv. Goldschmidt: Herr Singer hat damals also«klärt, daß es seiner Partei nicht einfalle, da, wo der Liberalismus einen Borteil habe, für die Proporzwahl zu stimmen. Herr Singer hat mir damals nicht eine einzige liberale Stadtverwaltung nennen können, welche einen solchen Antrag abgelehnt hätte. Stadtv. Stadthagen: Herr Gotdichmidt also will sich nur aus einen Teil der Singerschen Aeußerung berufen; dagegen müssen wir uns eben verwahren— das ist keine Loyalität mehr. Wunder- bar, was die Herren hier alles in das Vereinsrecht der Berliner Feuerwehrleute hineinziehen! Das Koalitionsrecht ist ein Natur- recht; aber die Schäden der heutigen Gesellschaft kann c« nicht beseitigen: das hat früher die Sozialdemokratie erklärt, und das hätte Herr Goldschmidt auch im Zusammenhang zitieren sollen; freies Vereins- und Versammlungsrecht, nicht nur Koalitionsrecht. haben die Sozialdemokraten von allem Anfange an. schon vor Schweitzer, im Norddeutschen Reichstage verlangt. Herr Kopsch hat am 4. Dezember 1912 bei Begründung der Interpellation wegen der Feuerwehrleute im Abgeordnetenhause bezüglich des Reichs- Vereinsrechts Ausführungen gemacht, welchen die heutigen der Herren Sonnenfeld und Cassel diametral widersprechen. Die Be, amtendisziplin hat in dieses Reichsrecht nicht einzugreifen; die Artikel 29 und 39 der preußischen Verfassung sind nicht aufgehoben. Lehnen Sie den Antrag Sonnenfeld ab und bekennen Sic Farbe, indem Sie unseren Antrag annehmen. Nach einer kurzen Erwiderung des Stadtv. Goldschmidt schließt die Beratung. Persönlich weist Stadtv. Cassel nach, daß er sich nicht mit dem Abg. Kopsch in Gegensatz befunden habe. Stadtv. Dr. Rosenseld: Herr Cassel hat mich offenbar miß- verstanden; ich habe ihm nicht einen Widerspruch mit Kopsch nach- weisen wollen, sondern ausgeführt, daß Herr Cassel hier mit den Herren Cassel und Kopsch im Abgeordnetenhause in Widerspruch stehe, und das halte ich aufrecht. Herr Cassel hat ausdrücklich die Ausführungen des Herrn v. Zedlitz als hypothetisch gekennzeichnet, sich bann aber mit aller Schärfe für den Verein der Feuerwehr- leute und gegen den Polizeipräsidenten ins Zeug gelegt, und hier in vollem Gegensatze zu seiner dortigen Haltung diesen Stand- punkt verleugnet.(Der Vorsteher erklart die letzte Bemerkung für nicht mehr persönlich.) Stadtv. Cassel: Ich gebe jeden Versuch auf, mich mit dem Kollegen Rosenfeld über Tatbestände zu einigen; aus dem Zitat betreffs des Hern v. Zedlitz folgt für meine Stellung gar nichts. Stadtv. Rosenfeld wird, als er erwidern will, durch stürmische Schlußrufe zunächst daran verhindert, der Vorsteher schafft ihm dann aber Gehör. Er führt auS: Die Herren sind zu sehr daran gewöhnt, datz Herr Cassel hier das letzte Wort hat.(Heiterkelt.) Herr Cassel ist im Abgeordnetenhause auf das deutlichste von Herrn v. Zedlitz abgerückt; er hat dort eine freie Meinung vertreten, hier aber nicht. Stadtv. Cassel: Ich überlasse eS jedem Mitglied« der Versammlung und jedem Leser der Sitzungsberichte, darüber zu urteilen, ob»reine Worte dort und meine Worte hier einen verschiedenen Inhalt gehabt haben. Stadtv. Rosenfeld: Wenn Herr Cassel jedem einzelnen über- läßt, sich an der Hand der Protokolle seine Meinung zu bilden, so bin ich in diesem Punkte vollkommen seiner Meinung. In namentlicher Abstimmung wird da« Amendement Sonnenfeld mit 49 gegen 44 Stimmen angenommen und mit dieser Einfügung der Ausschußantrag. Hieraus wird mit der Dpezialbcratung de« StadthaushaltsctatS für 1913 begonnen. lieber die Etaisabschnittc„Grundstücke".„Kaltsteinbruch zu Ztüdersdors",„Dotationen",„Renten",„Abgaben",.Wagegerechtig- keit",..Erblose Nachlässe".„Fundsachen",„Polizeikosten',»Feuer- löschwesen",„Gewerbegcricht",„Kcrusmannsgericht",»Standes- ämter",„Oeffentlrche Beleuchtung".„Straßenreimgung",»Ablade- Wesen".„Bedürfnisanstalten",„Park- und Gartenfevwaltunfl", »Gemeindefriedhöfe",„Krematorium" referiert namen» de» Etats- ausschusses Stadtv. Löser(A. L.) Zum Etat der»Gemeinde-- frieohöfe" ist ein Antrag aus Gleichstellung der ständige« Fried- Hofsarbeiter auf dem Anstaltsfriedhof in Buch mit den städtischen Arbeitern gestellt worden; der Ausschuß empfiehlt Uebemeisung an den Magistrat zur Berücksichtigung. Außerdem soll zur Hebung der Sicherheitsverhältnisse aus dem Friedhos in der GerichtSstraßc «in Nachtwächter mit einem Wachhund angestellt werden, wodurch jährlich 1790 M. Kosten erwachsen. Das.Kapitel„Polizei kosten" wird für heute zurückgestellt, im übrigen findet eine Diskussion nicht statt, die Versammlung ge- nehnngt die angeführten Etatsteile durchweg nach den Ausschuß- antrügen. Ueber die Etats für oaS gesamte städtische Unterrichts- wesen hat Stv. Sökeland(2. L.) das lfteserat zu erstatten. Im Etat für die Turnhallen der höheren Lehranstalten, Spiel- platze usw. ist der Etatsansatz vgn 19 999 M.„Honorar für die Turn- und Spielstunden der Beioegunggspiele für die Schüler der höheren Lehranstalten" auf 12 509 M. erhöht worden, nachdem der Magistrat das Stundcnhonorar von 3 auf 2,59 M. heraufzusetzen beschlossen hat; außerdem soll auch noch ein Posten von 8599 M. im Extraordinarium für die»Herrichtung von Spielflächen auf dem Spielplätze der Berliner Turngaue im Grunewald zugunsten von Berliner Schulkindern" eingestellt werden. In einer Resolution soll der Magistrat ersucht werden, den Wohnungsgeldzuschuß für die Direktoren der Taubstummenschule und der Blindenanstalt von je 999 auf je 1999 M. zu erhöhen. Im Etat der WahlfortbildungS- schule hat der Ausschuß die Honorare für die Lehrer wieder auf die Hphe des Etats von' 1912 gebracht, d. h. den Ansatz von 177 999 Mark um 12 390 auf 189 300 M. erhöht. Der Abstrich war von der Verwaltung damit uwtiviert worden, daß sehr zahlreiche Kurse mit weniger als 29 zahlenden Schülern besetzt seien, was nach den Grundsätzen von 1882 nicht zulässig sei; diese scharfe Bereä;- nungsart hat der Ausschuß für unangebracht gehalten. Die»Technische Mittelschule" soll vom 1. April 1913 ab„Beuth-Schule" heißen. Für den Neubau der Gemeindeschule in der Zcllestraße werden statt 199 999 M. eingestellt 399 999 M. Aus Anfrage des Stadtv. H i l d c b r a n d t(N. L.) teilt Stadt. schulrat Michaelis mit, datz die städtische Technische Mittel. chule jetzt auch hinsichtlich des Einjährigen-Zeugnisses die gleichen Gerechtsame wie die staatlichen Anstalten erhalten hat. Die Versammlung tritt durchweg den Ausschutzanträgen bei. Ilm?410 Uhr muß die Beratung wegen eingetreten« Be» schlnßuufähigkeit abgebrochen werden. Bmfkaften der Redaktion. 2tm Tonnabend, den 22. März, fällt die juristische Sprechstunde aus. SS. C. 12. Richte» Sie Jhve Anfrage an die Vollsjürsorge Hain- bürg 5, Beim Storchhaus 3S. Nach erfolgter Verehelichung erlischt 11. Cs. Ihre Zahlungspiticht.— Juliusturm 58. Der Verein, sofern nicht die Uebernaiime des Stempels mit dem tSastwirt vereinbart. ist. Die Höhe des Stempels be>rägt ö M. Es kann Ermäßigung erfolgen, wenn es sich um �jeeeeee««* w Unserem Zahladendwirt H � s-n. l.ouis>Vu!k eine Lustbarkeit geringfügiger Art handelt.— L. G. 100. Ihre Tochter ist nur dann ersatzpflichtig, wenn Ihr Verschulden nachgewiesen werde» kann. Nach Ihrer Darstellung erscheint dies ausgeschlossen.— Vecliner 1001. t. Nein. 2. La.— L. D. 27. Sie babcn Anspruch auf Befreiung von der Steuer ab 1.1. Der Antrag ist an den Vorsitzeudcn der Vcr- anlagungskommission unter Beifügung der Lnvalidenkarle. eventuell auch einer Bescheinigung des Arbeitgebers zu richlcn.— Ch. K. 22. Sosern die Steuer nicht länger als>/, Jahr rückständig ist, ja.— Pchtagoras 211. Nur beim Tragen einer Waffe.— F. R. 8. Etwa 2V M. wöchentlich.— — C. Jf. 21. Lesen Sic den Artikel„Steuersragen" inl„Vorwärts" vom 18. März.— H. N. 33. Das erscheint zweifelhaft, falls nicht besondere Umstände vorliegen. Da Sie in Ihrem Schreiben nähere Angaben nicht machen, so kann die liragc nicht bestimmt beantwortet werden. Kommen Sie in die riprechrtuude.—.f>. H. Nur soscrn die Kasse ihre Zustimmung zur Ausnahme erteilt hat. Andernfalls braucht die Kasse nur die Miudest. leistungcn, die sich ails den, Statut ergeben, gewähren.— W. K. 83. Die Stinke ist verwirkt, sobald Der Gestelluiizsterinin verstrichen und SS sich bis dahin nicht gestellt haben.— Sa. 11. 1. La, soscrn im Testament nichts anderes bestimmt ist. 2. Die Kinder könnten alsdann den Wicht teil verlangen. 3. u. 4. Lhuc nähere Kenntnis des Sachverhalts nicht zu beantworten. die herzlichsten Glückwünsche. vi« Genossen vorn Bezirk 409, Teil I, 4. Kreis. 3931 »-»SASSAZOGO-EHEßl »»KSsSH Er Unserem Genossen 2b. | August Kampiert nebst Braut 8 Jä* die herzlichsten Glückwünsche zu � ä ihrer heutigen Vermählung. ¥ fit Die Genossinnen und Genossen � de« 97. Bezirks II. Kreis. r .1 1 Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Am 18. d. Mts. verstarb unser Genosse, der'Arbeiter Otto Kupper Müllcrstr. 135, Bezirk 771». tphre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4'i, Uhr, von der Leichenhalle des Städli- schen Friedhofs, Müllerstraxe, Ecke Seestrahe, aus statt. Um rege Leteiilgung ersucht 220/10 tkei» Vaneitsnel. Zentralverband der Zivilberolsmusiker Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Allen Kollegen die traurige 'Nachricht, daß unier langjähriges treues Mitglied I�uclolk Kummer nach langen Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet DonnerZ- tag, den 20. d. M.. nachmittags ■i'ii Uhr. aus dem Zentralsriedhos in Friedrichsselde statt. Ilm recht rege Beteiligung er- kuchl'- 50,3 Der Vorstand. Nach langen, schweren Leiden verschied am 17. März unser lieber, treuer Freund und Leiter BliM Kummer. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. März, nachm. 4'!, Uhr, von der Leichenhalle des ,'jcntral-Fricdhoses in Friedrichs- selde aus statt. 58/16 Kummersohos Quartett Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler FJtax Klein Lausitzer Straße 22. im Wer von 39 Jahren gestorben ist. Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 20. März, nachmittags 2'/z Uhr, von der Hall» des Emmaus-Kirchhoses in Neu- kölln, Hermannstraßc, aus statt. 80/16 Die Ortsverwaltung. Am 18. d- Mts. verstarb nach kurzem schweren Leiden unser lieber Valer, Schwiegervater und Großvater, der Fuhrherr >ViItieIm Damsck im 61. Lebensjahre. 84a Es bitten um stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen Cieorjc Darnach, Max<üebe] and Fran. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag um 2'/, Uhr von der Halle des Emmaus-Kirch- hoscs, Hcrmannstraße aus statt. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß meine Frau 44b Lmilie Dittridi am Dienstag verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- abcndnachmittag 5 Uhr von der Halle des Philipp-'Apostel-Fried« hoscS, Müllerstr. 44/45, aus statt. Bodert DiUricH und Kinder. Tankfagung. Fürsdic große Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines"lieben Mannes sage ich allen meinen herzlichsten Dank. 3000b Frau Ztzriederite Vehnfeld. Für die zahlreichen Beweise herz- sicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unteres guten Vaters 13b tlerinann Rüttler sagen hiermit allen Freunden, Ver« wandten und Bekannten imkeren herzlichste» Tank. Witwe Huida- Lütfler nebst Kindern. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Gros Berlin. Den Ritgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fraise- tuischer Ksrl Staar am 16. März im Wer von 63 Jahre» verstorben ist. (Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichfn- Halle des BartholomäuS-Kirch- hoicS, Falkenbergcr Straße, Wcißensec, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der 'Arbeiter Otto Kupper am 17. d. Mts. im Alter von 34 Jahren verstorben ist. Ehre seknem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. März, nach- mittags 4',. Uhr, von der Leichen- Halle des'Nödtischc» Friedhofes. Müller- Ecke Seestraße, an» statt. Um rege Beteiligung ersucht 62/11 Die Bezirksverwaltung s?roz. Rabatt beim Vorzeigen dieses Inserats Engros- Lager ca. 250 hocheleg. Kostüme in prima engl. u. blauen Stoffen kommen wegen :: vorgerückter Engrot-Saiton in dieser Woche feu enorm billigen :: Preisen zum:: Verkauf.— Wert bis 25. 40. 60. 90 M. jetzt lg, 25,45,()§M. Kern, enorm bill.: Backfisch-Paletots Schwarze Frauen- Mäntel, Kleider, Blusen und Rücke. Einzelverkauf nur v. 12-8Utar AM" Kein Faden"Mß Sonnt, geöffn. Fabrg. ersetzt H-Xeymann Grüner Weg 48, part., an der KoppcnstraBe. Fahrgelegenheit: Elektr. Bahnen: Nr. 1, 3, 6, 16. 22. 3t, 46, 76. 78,79. Stadtbahn: Schles. Bahnhof. Fnitanseh gestattet. Versand nach außerhalb portofrei gegen Nachnahme. Hauptgeschäft: WM. M a. d. Weidendamme r Brücke Wir kaufen große Posten la Herren- und Damenstiefel, welche wir unter besonderen Umständen billig erhalten. 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Walter), Badstraße 16. Mitwirkende: Valeska Berkker, Opern- und Konzertsiingerin.— Betty Lang-Leopold, Chansons. Herr Hagen-Berkker, Rezitator.— Berliner Ulk-Trio. Nach der VonsteUung; Tanz. Herren,'dio daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 7 Uhr.— Billettpreis 40 Pfennig. ssSÄStstHH«« Sonntag, den 23. März 1913(1. Osterfeiertag): c 3 Osterfeier c J in den Phariuüfäieh« Müllerstraße 142(großer Saal). Mitwirkende: Berliner Konzert-Orchester, Dirigent F. Klettke.— Theater-Gesellschaft 8trzelcwicz. 226/11* Nach der Vorstellung: Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Die Komitees. Anfang 7 Ubr. Garderobe 10 Pf. Eintrittskarte 50 Pf. Lj Nor noch kurze Zeit. Zirkus Busch. Heute Donnerstag. 20. März,] abends 7'/. Uhr. Wer„Ssvilia" noch sehen will, muß sich beeilen, da das Ende der Saison naht. Vorher das gr. Galaprograuun. .U. a.: Karl-Eogcn-Tronpe, Gymnastik in höchst. Vollend. sied& BeeT,'Manegekomiker, tTovvn Peplno, Tierdross. Der mysteriöse Deckenläuier? 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In derselben wird gebeten: daß zum Schutze der Selbständigkeit der Stadtgemeinde Neukölln das Ab- geordnetenhaus sich grundsätzlich gegen eine Eingemeindung der Landgemeinde Treptow nach Berlin aussvrechen und dies« Petition der königlichen Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Form und Inhalt der Petition und besonders noch ihre Be- gründung riefen den lebhaften Widerspruch der sozialdemokratischen 'Stadtverordnetenfraktion in Neukölln hervor. Sie unterbreitete der Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag: .Die Stadtverordnetenversammlung versagt der Petition des Magistrats an den Landtag in Sachen der Eingemeindungsfrage Müschen Berlin und Treptow ihre Zustimmung. Die Stadtverordnetenversammlung bedauert, daß der Magi- strat ihr die Petition vor Absendung an den Landtag nicht zur Beratung und Beschlutzfassung unterbreitet hat." Zur Begründung dieses Antrages führte Stadtv. G r o g e r sSoz.) aus, datz seine Fraktion gegen die Petition des Magistrats die allerschwersten Bedenken habe. Sie bedeutet zunächst einen Eingriff gegen die Selbstverwaltung der Gemeinden. Da? Selbst- verwaltungsrecht der Gemeinden stehe m Preutzen überhaupt nur auf dem Papier. Jede selbstbewutzte Stadtverwaltung sollt« eS sich daher angelegen sein lassen, mit allen Kräften für die Erweiterung dieses beschränkten Rechtes einzutreten. Keinesfalls aber dürfe die Stadtverordnetenversammlung ihre Hand dazu bieten, wenn zwei Gemeinden nach reiflicher Erwägung und aus guten Gründen sich dereinigen wollen, die städtefeindliche Junkerkammer als Richter anzurufen. Die sozialdemokratische Fraktion müsse also g r u n d- s ä tz I i ch gegen die Petition des Magistrats Einspruch erheben und müsse dieser schon aus dem Grunde ihre Zustimmung versagen. Wer noch aus weiterem Grunde müsse dies geschehen. Die in der Petition und in ihrer Begründung enthaltenen Uebertreibun- gen müssen in den Nachbargemeinden Berlin und Treptow nur Gefühl« der Unfreundlichkeit auslösen. Bei den vielen gemeinsamen wirtschaftlichen und kommunalen Aufgaben, die ins- besondere Neukölln und Berlin zu erfüllen haben, mutz mit Nach- druck auf das Zustandekommen oder Beibehalten«ineS freund- nachbarlichen Verhältnisses hingewirkt werden. Durch die Petition mutz das aber getrübt werden, ob gewollt oder ungewollt. Wir können nicht anerkennen, datz die in der Petition aufgestellren Be- hauptungen und Befürchtungen den Tatsachen entsprechen. Gleich dem ersten Satze müsse widersprochen werden. Die Selbständigkeit Neuköllns könne auch durch eine Eingemeindung Treptows nach Berlin nicht aufgehoben werden. Noch mehr aber müssen einzelne Behauptungen in der Begründung den lebhaftesten Widerspruch hervorrufen. In dieser wird gesagt, datz durch die erneuten Einge- meindungSverhandlungen.eine auherordentliche Beunruhigung in der Bürgerschaft hervorgerufen sei, da hier allgemein aus der Treptower Eingemeindung die Befürchtung hergeleitet wird, Neukölln würde hierdurch ebenfalls zur Aufgab« seiner Selbstverwaltung gezwungen". Wenn schon überhaupt von einer Beunruhigung in der Bürgerschaft nicht gesprochen werden kann, erst recht aber nicht -von einer.autzerordentlichen". Diese Behauptung entspricht den Tatsachen nicht. Auch ander« in der Begründung niedergelegte Darstellungen sind übertrieben. Wenn schon seitens des Magistrats eine Initiativ« in Sachen der Eingemeindungsfrage erfolgen sollte, hätte in erster Linie darauf hingewirkt werden müssen, datz die Äufgaben und Rechte des Zweckverbandes eine Er. Weiterung' erfahren und wir auf diese Weise zunächst aus der kommunalpolitischen Misere Grotz-Berlins herauskommen. Das wäre ein Ziel, welches auch die Unterstützung der sozialdemokra- tischen Fraktion gefunden hätte. Um diese Fragen und Bedürfnisse der Entwickelung Berlins und seiner Vororte von einer höheren Warte und in grotzzügiger Weise beraten zu können und ent- sprechende Matznahmen vorzubereiten, hätten wir es für erforderlich gehalten, datz der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung die Petition zur Beratung und Beschlutzfassung unterbreitet hätte. So wird nur eine engherzige Kirchtumspolitik getrieben, der wir die Unterstützung versagen müssen. Oberbürgermeister Kaiser erwidert auf diese Ausführungen, datz es dem Magistrat vollkommen ferngelegen habe, mit der Peti- tion eine unfreundliche Haltung gegen Berlin einzunehmen. Er ist im Gegenteil davon überzeugt, datz Berlin das durchaus loyale Vorgehen Neuköllns in aller Objektivität würdigen und auch der- stehen werde. Es muh aber gesagt werden, datz mit der Eingemein- dung Treptows nach Berlin, falls dieser-Plan gelingt, nicht sein Bewenden haben werde. Das Bestreben geht dahin, dann auch weiter Neukölln nach Berlin einzugemeinden. Das müsse aber verhindert werden. Die Selbständigkeit Neuköllns zugunsten Berlins aufzugeben, liege kein« Veranlassung vor. Trotzdem Kreis und Provinz sich gegen die Eingemeindung Treptows ausgesprochen habe, halte er es dennoch für möglich, datz die fortgesetzten Be- mühungen Berlins einen Erfolg haben können. Er halte nach wie vor an der Auffassung fest, datz, wenn Treptow in Berlin ein- gemeindet wird, Neukölln zur Aufgabe seiner Selbständigkeit ge- zwungen ist. Die Redner der bürgerlichen Fraktionen bekundeten in kurzen Erklärungen ihr Einverständnis mit der Petition. Für den Antrag stimmte nur die sozialdemokratische Fraktion. * Die merkwürdige Haltung Neuköllns hat in Berliner Magi- ftrats- und StadtverordneTenkreisen lebhaftes Erstaunen hervor- gerufen. Das Verhältnis zwischen Berlin und Neukölln war bisher ein gutes. Günstig an der ganzen Sache ist nur. datz durch die Interpellation diese geheime Petition ans Licht der Oeffentlichkeit kam und nun die Triebfeder zu solchem Tun blotzgelegt wird. Wie weit die Regierung selbst an diesem Vorgehen die Schuld trägt, ist allerdings noch nicht ganz klar zu erkennen. Es berührt eigen- tümlich, datz das Oberhaupt einer Stadt, das die Interessen der Selbstverwaltung wahren sollte, das Organ des Landesgesetzes anruft, das sich bisher wenig berufen gezeigt hat, in solchen Fragen mitzusprechen. Partei- Angelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Am Karfreitag findet eine Herrenpartie statt. Treffpunkt um 9l/2 Uhr in_®ichfamp(Kantine). Zu erreichen vom Potsdamer Bahnhof bis Station Eichkamp oder mit der Stratzenbahn Nr. VI, Waldemar-, Dresdener und Jakobstratze bis Halensee, von dort noch lö Minuten zu Futz, Abmarsch um Ist Uhr von Eichkamp nach Pichelswerder zum„Alten Freund", über Spandauer Bock zurück nach Berlin. Zahlreiche Beteiligung er- «artet Der Vorstand. Vierter Wahltreis. Am Sonntag, den 23, März(1, Oster- fcfertag) findet in Keller» Festsäle«. Koppenstr. SS. ein Sunstabcnd I statt. Mitwirkende find: Berliner Volksorchester, Kapellmeister Herr A. Hirsch. Gesangverein Männerchor Ost/z6 Uhr abends. Eintritt frei. Di« Arbeiterschaft wird besonder« ersucht, die Freie Elternvereinigung zu unterstützen. Lichterfelde. Au? der Gemeindevertretung. Räch Erledigung einiger Vorlagen von untergeordneter Bedeutung wurde in der Etatberatung fort- gefahren, nachdem die Etatkommission mit einigen unwesentlichen Abänderungen demselben ihre Zustimmung erteilt hatte. In knapp einer Stunde wurden die einzelnen Positionen des 5.MillionenhauShaltS durchberaten, und nur hie und da machte sich ein größeres Rede- bedürfnis bemerkbar, wenn z. B. die«ufftellung einer neuen Laterne ge- Die Etotkomnnision hatte sich ausdrücklich auf deu Standpunkt ge- stellt, keine Steuererhöhung eintreten zu lassen: der bisherige Einkommensteuersatz von 110 Prozent bleibt also bestehen. Angeregt wurde die Verbreiterung der Verlängerten Wilhelmstraße, um nach Ueberführung der Anhalter Bahn die Einlegung von Straßenbahn- gleisen ermöglichen zu können. Ferner schweben zurzeit Unter- Handlungen mit dem 5KeiS bezüglich des Ausbaue« der Straßen- bahnlinie Händel platz— Lichterfelde-Süd. Während heute zwischen den beiden Endpunkten ein Zwanzigminuten-Verkehr nur in dem Mittelstück Bahnhof Botanischer Garten— Zehlendorfer- strotze ein Zehnminuten-Berkchr besteht— ein Zustand der ebenso merkwürdig wie unhaltbar ist— soll baldigst auf der ganzen Strecke der Zehnmiuutcn-Verkchr eingerichtet und ebenso auf der Stahnsdorfer Linie ständig der Zwanzigminuten-Verkehr durchgeführt werden.— Beim Etat der Armenverwaltung wurden 2000 M. eingestellt für Errichtung einer Fürsorgestelle für Lungenkranke. Gemeinde- verordneter Gelderman« forderte 500 R. für Einführung der Generalbormund schaft. GeineindeshndikuS Dr. Domino ist durchaus ein Anhänger dieser unter gewissen Voraussetzungen ge- wiß sehr segensreichen Einrichtung. Mit Recht wie? er jedoch darauf hin, daß mit 500 M. nicht viel zu machen sei. Bei den in Lichter- felde vorhandenen 80 Mündeln müßte mit einem Bettaae von 4000 M. gerechnet werden. Die Hauptsache jedoch sei die Personen« frage. Nur dann, wenn der Berussvormund mit Leib und Seele dabei sei, lönne die Bcrufsvormundfchast Ersprießliche» leisten. Der Genieindevorstand wird sich mit dieser Frage noch em- gehend beschäftigen.— Der Etat wurde hierauf einstimmig ange- nommen. Zum Schluß wurde noch eine Aenderung der Hundesteuer- Ordnung beschlossen, dahingehend, daß vom 1. April ab die Hunde« steuer von 20 auf 30 Mk. erhöht wird. Steglitz. In der Generalversammlung des Wahlvereins würdigte zunächst Genosse Heinrich Schulz in einer kurzen markigen Ansprache die Bedeutung des 18. März für das klassenbewußte Proletariat. Die debattelose Ausnahme des Vorstands- und Bildungsausschußberichts bewies, daß die Genossen im allgemeinen an der Tätigkeit beider Korporationen nichts auszusetzen hatten. Zum ersten Vorsitzenden wurde Genosse Zachow gewählt, nachdem Genosse Alfermann eine Wiederwahl abgelehnt hatte. Der Posten des zweiten Vorsitzenden bleibt zunächst offen. Als Schriftführer wurden die Genossen Stahl und Hähnert und als Kassierer die Genossen SplieSgardt und Molenar gewählt. Die Lolalkonimission setzt sich zusammen auS den Genossen Hajek, Paul Schulz und Wolf. Als Revisoren fungieren die Genossen Blechschmidt, Höhe und Lcimbach: in den BildungsauSschutz wurden die Genossen PeterS, Pieck, Seidel und Genossin Schulz gewählt. Die Gemeindevertreterkommission besteht aus den Genossen Alfer- mann, Leimbach und Paul Mohr. Die Zeitungsbeschwerdekommission bilden die Genossen Blechschmidt, Wilh. Schmidt und Röber. Wannsee. In der Wahlvcreinsvcrsammlung erstattete Genosse Lehnhardt den Bericht von der letzten Kreisgeneralversammlung. welcher Zu« stimmung fand. Als Mitglied aufgenommen wurde der Villen» besitzer N. H. Witt, der bei der letzten ReichstagSwahl für die Demo- lratiiche Vereinigung kandidierte. Zur bevorstehenden LandtagSwahl wurden schon jetzt die Wahlinänner aufgestellt, es soll eine recht rege Agitation getrieben werden, uni auch diesmal wieder einige Wahl- manner für uns zu gewinnen. Eine lebhafte Debatte entspann sich über den am Orte gegründeten Jungdeutschlandverein. Nach Ostern wird über diese Sache eine öffentliche Versammlung einberufen, zu welcher die Eltern der jungen Leute besonders eingeladen werden sollen. Der 1. Mai wird durch eine Abendveranstaltung im„Fürsten- Hof" gefeiert, bei welcher Gelegenheit auch auf die Bedeutung des Tages hingewiesen werden soll. Von der letzten G-meindevertreter- sitzung konnte kein Bericht gegeben werden, da die Sitzung nicht beschlußfähig war, auch ein Zeichen de? Interesses, das die Gewählten den Gemeindeangelegenheiten entgegenbringen. Trotzdem besteht noch eine gewisse Scheu, Sozialdemokraten zu wählen, die ganz gewiß das Vertrauen ihrer Wähler besser rechtfertigen würde«. Dabendorf bei Zossen.» In der Generalversammlung des Wahlvereins referierte Genosse Grog er-Neukölln über das Thema:„Programm und Ziele der Sozialdemokratie". Sodann teilte Genosse Lau bei Erstattung de» Jahresberichts mit, daß der Mitgliederbestand zurzeit 33 männliche und 7 weibliche beträgt. Der Versammlungsbesuch des letzten Jahre» ist als ein guter anzusehen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Lau, zum zweiten Nellc, zum Kassierer Reichstein, zum Schriftführer Schunack und als Beisitzer Hübner wiedergewählt. AIS Revisoren wurden Lehmann, Degen und Schwoch gewählt. Marieudorf. Aus der Gemeindevertretcrfitzung. AuS Anlaß der bevorstehenden Landtagswahlen richtete Genosse Reichardt an den Gemeindevorsteher die Anfrage, ob derselbe bereit sei, beim Minister des Innern vorstellig zu werden, statt der Terminswahl die Fristwahl zu gestatten; sollte cS abgelehnt werden, so ersuche er, die Wahlzeit für die Ge- meinde Mariendorf so festzusetzen, daß cS der arbeitenden Bevölke- rung und den Gewerbetreibenden möglich ist, ohne allzu großen Zeitverlust und Ausfall an Arbeitsverdienst sich an der Wahl Se- teiligen zu können. Der Gcmeindevertreter versprach, nach Möglich- keit dem Wunsche Reichardts Rechnung zu tragen. Die Eingabe an den Minister des Innern müsse er aus dem Grunde ablehnen, weil ein ablehnender Bescheid erst zur Ersatzwahl ergangen sei.— Die Gärtnereibesitzer Schwarz und Noack wollen auf ihren Gärtnereigrundstücken an der nicht regulierten Britzer Straße Wohnhäuser errichten; diese Gesuche haben die Gemeinde- Vertretung schon zweimal beschäftigt und waren bisher immer abgelehnt worden. Nach einer sehr ausgedehnten Debatte, an welcher sich fast sämtliche Gemeindevertreter beteiligten, wurde das Gesuch ausnahmsweise genehmigt: unsere Genossen stimmten aus Prinzip dagegen, nachdem Genosse Reichardt vorher die Gründe dafür an- gegeben hatte.— Die Vergebung der Tonrohrlieferungen für 1913 und 1014 erfolgte an die Firma Schwandorf, welche das günstigste Angebot gemacht hatte.— Zur Beschaffung von Lehrmitteln sür da« Lyzeum wurden 21 100 M. und für den gleichen Zweck für die III. Gcmeindeschule 8800 M. gefordert. Auf eine Anfrage de» Gemeindevertreters Noack teilte der Vorsteher mit. daß das Lyzeum mit ca. 250 Schülerinnen eröffnet wird.— Es folgte noch eine geheime Sitzung. Borfigwalde. Ein schweres Brandunglück hat sich vorgestern in dem Hause Schubartstraße 2 zugetragen. Die dort wohnende Arbeiterkau Guthicr versah, um zum Lebensunterhalte beizutragen, eine Aufwartestelle und mußte inzwischen ihren einjährigen Knaben allein zu Hause zurücklassen. Sie stellte den Korb, in dem das Kind lag. neben die Kochniaschine in der Küche. Auf einem Ringständer auf dem Herde hing ein Lappe», der Feuer fing. Ein Stück de» brennenden Stoffes fiel auf den Korb, und die Betten gerieten ebenfalls in Brand. Hausbewohner nahmen den Brandgeruch wahr und benachrichtigten Frau Guthier. Als die Mutter die Wohnung betrat, faiib sie diese vollständig verqualmt und den Knaben mit schweren Brandwunden besinnungslos vor. Der Kleine wurde in bedenklichem Zustand nach dem Kinderkranlenhausc in der Reinicken- dorfer Straße geschafft._ Eingegangene Druchfchriften. KricgSsteucr oder Kriegsanleihe von H. Dietzel. Geh. 1,80 M. L>. C. B. Mohr, Tübingen. Die Tarifverträge im Sattler- und Portcicuillergewerde. 142 S. Selbstverlag des Verbandes. Berlw,»rij&nftr. 10b. Lenien Bücher. Nr. 1. Schiller. Goethe und die Kenten von H. Holzschuhcr.— 2. Briefe etneS ehrlichen Man»«s bei eine« Wiedel. holten Ausentholt in Weimar.— 3. Kunst und Kirche von H. v. Wal- ogcn.— 4. Beobachtungen über das Gefühl des Schöne« und Er- mbene» von I. Kant.— Parfival und der Gral von W. Golthec.— 6. Berlin von.tz. Spiro.— 7. Der Hof der Königin Luise von H. v. Petersdorfs.— 8. Der Dolch der Lady Arnudel von W. Arminias. — g. DaS Wunder van Oberpurzelsheim von G. Hirschfeld.— 10. Der Gentaoer von Maurice de Gnorin.— 11. Ei« Ring. Novelle von G. n. d. Gabclentz.— IL. Die HochzettSnacht u. a. Novellen von H. Salus. Einzelb. 50 Ps. Zenieu-Berlaz. Leipzig. Albcrtine. Roman von St. Kraha. 182<5. Janssen, Hamburg. Die sterbende Türkei von Piere Loti. 2 M., geb. 3 M. I. Ladylchnilow, Berlin W. 50. Im Ring de« vsser« von H. Watzlik. 3 M., geb. 4 M. L. Staack- mann. Leipzig. tandwörterbnch zum KrankeuvcrsicherungSrecht von L. Rund». . nebst Anhang. Deutsch« Krankenkassen-Zeitung, Berlin 0. 64. 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