Kr. 68. Bbonncmcnts-Bcdingungcn: »wonnsmenlS- Preis vriinumerando: Licrlcljäbrl.!?,30 Mk., Monats 1,10 Ml, mörficntlich 28 Psg, frei in? Haus, eitijoluc Kummer 5 Pfg. Soimlags. nurnmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Bell" 10 Psg, Post- «ibonnement: 1,10 Marl Uro Monat. Eingetragen IN die Post- Zeltungz. Prelsliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnemenls nebmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Die Insertion;-Lediihr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum w Psg., für politische und gewerkschaftliche Bereins- inid Bersammllings-Anzeigen SO Ptg, „Al-in->lnr-igen", das setlgedrmkie Wort 20 Psg,(zulässig 2 fettgedruille Worte), jedes weitere Wort lO Psg, Stellengesuche und Tchlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 10 Buchslaben zählen für zwei Worte, Inserale für die nächjie Kummet»lüssen bis 5 Uhr nachmittags in der Sxbedition abgegeben werden. Die Erpesition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crldnint täglidi auücr lontaas. Vevlinev Volksblnkt. Telegramm■ Adresse: „Sozialdemolirat Rtrlin". Zcntralorgan der fozialdem okrati f eben parte» Deutfchlands. Redaktion: 8 Tl. 68, Liudenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplak, Nr. 1S8S. Freitag, den 21. März 1913. expeditton; 803. 68, Lindenstraaae 69. Fernsprecher: Amt Morillplall, Nr. 1984. Her ertrag äer LanMirtichast. 11. Tie Ausführungen Chlnpowskis sind noch von einem anderen Standpunkte aus interessant. Er beleuchtet auf Grund seiner Erfahrungen, welche Betriebsweise in der Landwirtschaft, der Groß- oder der Kleinbetrieb, die rationellste ist. Es sind, meint er, vornehmlich zwei Momente, die zu- gunstcn des kleinen, Betriebes geltend gemacht werden, nämlich: 1. die bessere Arbeitsleistung, d. h., daß bei sonst gleichen Verhältnissen und gleicher Intensität des Betriebes der Be> darf an menschlicher Arbeit ein geringerer ist und daß die Arbeit sorgfältiger ausgeführt wird: 2. die bessere Pflege und die sich daraus ergebende ge° ringerc Abnutzung des lebenden und toten Inventars. „Was den ersten Punkt anbetrifft," meint der Verfasser, »so beruht derselbe auf der Voraussetzung, daß derjenige, der für eigene Rechnung tätig ist, bessere Arbeit leistet als ein Lohnarbeiter." Chlapowski bestreitet nun, daß dieses Moment von einer wesentlichen Bedeutung ist, und unseres Erachtens mit vollem Recht. Er verweist zunächst darauf, daß der Lohn bloß ein Trittel der Gesamtausgaben bildet. Zwar möge es richtig sein, daß„in bäuerlichen Wirtschaften zeitweise bei allen- dringenden Arbeiten mit größerer Intensität gearbeitet wird! aber ebenso sicher steht es fest, daß die Arbeitskraft des Be- sitzers den größeren Teil des Jahres nicht voll absorbiert wird. und es ist ganz selbstverständlich, daß Arbeitsleistung und -intensität dann entsprechend geringer sind". Auf den Gütern werden dagegen nur soviel ständige Arbeiter gehalten, als dem Minimum an Arbeitsbedarf entspricht: im übrigen Wanderarbeiter und freie Tagelöhner herangezogen. Darum ist im allgemeinen die Arbeitsleistung im Großbetriebe gleichmäßiger.„In der großen G u t s w i r t s ch a f t werden viele Arbeiten bekanntlich r e g e l- mäßigt m Akkord verrichtet. Es gilt dies nament- stch von allen Erntearbeiten. Hierbei spielt der Einwand, daß de-r Arbeiter, weil für fremde Rechnung tätig, weniger leistet, keine Roll c." Nun gibt es in der Landwirtschaft Arbeiten, bei denen besondere Sorgfalt nötig ist, wie z. B. Säen.„Man könnte wohl annehmen, daß wenigstens in dieser Beziehung der bäuerliche Betrieb überlegen ist. weil der Bauer die größte Sorgfalt anwendet. Allein bei diesen Arbeiten werden in Großbetrieben Maschinen angewendet, die mit großer Präzis- beit arbeiten. Tie heutige Landwirtschaft ist eben kapitali- siert, mechanisiert und deshalb schon allein gehört dem Groß- betriebe der Lorzug...." Immerhin läßt es Ehlapowski gelten, daß im Klein- betriebe um 25 Proz. an Arbeit gespart werden könnte, daß das Inventar zum Teil um 15 Proz. weniger abgenutzt wird. Auch in der Viehwirtschaft ist nach Chlapowski der Vor- teil auf der Seite der Großbetriebe. Tie Nutzviehhaltung beruht vor allem auf sachkundiger Behandlung und rationeller Fütterung, und diese sind in der großen Gutswirtschaft nach seiner Ansicht im allgemeinen vollkommener. Die Aufzucht gedeiht besser in kleinen, die Mast in großen Wirtschaften, so daß die großen Gütetz von eigener Aufzucht immer mehr ab- kommen und durch Zulauf von Jungvieh ihren Viehbestand ergänzen. Ehlapowski verschweigt dabei die Ursachen, welche die Bauern veranlassen, das Jungvieh zu verkaufen. Es ist' die hohe Steuerlast und die Teuerung im allgemeinen, was die Bauern hindert, das Jungvieh zu behalten, da es chnen an Kapital mangelt. Wie dem aber auch sei, der Großbetrieb ist auf jeden Fall, auch auf Dem Gebiet der Viehzucht, dem Kleinbetriebe überlegen. Ter bedeutendste Vorteil des Großbetriebes liegt aber in der Anwendung der Maschinen.„Von der modernen Land- Wirtschaft kann man behaupten, daß sie im Zeichen des Maschinenwesens steht, dessen Vervollkommnung mit jedem Jahre riesige Fortschritte macht." Gewiß kann auch der Bauer unter Umständen die Maschinen anwenden: ihre Vor- teile kommen aber dem Großbetriebe in weit höherem Maße zustatten. Denn große Maschinen sind verhältnismäßig billiger und ihre Leistung stellt sich ebenfalls billiger. Und zweitens kann es sich eine kleine Wirtschaft selten leisten, die mannigfachen Maschinen anzuschaffen: auch können Kraft- pflüge nur auf gtoßen, zusammenhängenden Ackerstücken mit Vorteil angewendet werden. Ter Anwendung von Genojsenschaftsmaschinen aber stehen große Schwierigkeiten im Wege. Vor allem deshalb. weil die meisten landwirtschaftlichen Arbeiten gleichzeitig vorgenommen werden müssen. Selbst die Trescharbeit findet, wenn nicht aus natürlichen so aus wirtschaftlichen Gründen, meist gleichzeitig statt. Hier spielt der Geldbedarf die entscheidende Rolle, der die Bauern zwingt, möglichst bald das Getreide zu verkaufen. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß die Ausbildung des Maschinenwesens die Position des Großbetriebes gegenüber dem Kleinbetrieb bedeutend ge- festigt hat.. In gleicher Richtung wirkt die Entwickelung des Verkehrs-! Wesens. Die Frachtkosten sind für den Großbetrieb uni 40 bis 75 Pf. pro Morgan(4 bis 5 Zentner Getreide) billiger. Insbesondere fällt die Billigkeit des Transportes beim inten- siven Hackfruchtbau ins Gewicht. Denn bei diesem ist das Volumen des Produktes(Kartoffeln, Rüben) im Verhältnis zur Flächeneinheit bei weitem größer als bei Getreide. Aus diesem Grunde, wie aus der Tatsache, daß beim intensiven Hackfruchtbau Kraftpflüge am vorteilhaftesten zu gebrauchen sind, um eine tiefere Bestellung zu ermöglichen, ist der Hack- fruchtbau zuni Monopol des Großbetriebes geworden. Taraus folgert von Chlapowski, daß der Großbetrieb vorteichafter arbeitet, und daß er zudem auch noch in der Lage ist, besonders den Anbau jener Erzeugnisse zu forcieren, die eine hohe Rente von Grund und Boden bringen. Fügt man dem noch die Vorteile des Großbetriebes auf dem Gc- biete des Kreditwesens wie auch die auf dem Warenmarkte hinzu, ko kann an der Ueberlegenheit des Großbetriebes nicht gezweifelt werden. Da nun die hohen Zölle die Bodenrente weit in die Höhe getrieben haben, so wird jetzt in noch weit stärkerem Maße der Kampf zwischen Groß- und Kleinbesitz um diese Beute beginnen, ein Kampf, in dein der Großgrund- besitz Zieger bleiben und alle künstlichen Maßnahmen zur Förderung der bäuerlichen Kolonisation illusorisch machen wird.... Der Artikel von Chlapowski ist die Ankündigung und Er- klärung dieses Kampfes. Tarin liegt seine Bedeutung.— Patrioten-Komödie. Ter in Berlin versammelte Bundesrat hat sich,>vic es scheint, in seiner Burcaukraten und Tiploinatenweisheir die hehre Aufgaben gestellt, den rcichskanzlerischen Plan, die zur Durchführung der neuen Heercsversiärkungen erforderlichen Ausgaben durch eine einmalige Vermögensabgabe aufzubringen, möglichst zu diskreditieren. Anders läßt sich das von uns in der gestrigen Nummer unter„Letzte Nachrichten" initgeteilte Berliner Telegramm der.Köln. Ztg." kaum verstehen, der Bundesrat habe s i ch f ü r eine ein- inalige feste, unbewegliche Abgabe in der Höhe von' s Proz. ausgesprochen. Wir zollen diesem sonderbaren wcishcitsvollen Beschluß unsere vollste An- erkennung, denn er wird den seltsamen Begeisterungsrausch für die Heeresvermehrung in gewissen„mittelständlerischen" Kreisen stark dämpfen. Allzu großen Beifall hat der Re- gierungsplan der Erhebung einer einmaligen Kriegs- Vermögenssteuer ja von vornherein bei den großen Patrioten des inobilen und immobilen Kapitals nicht gefunden— wie die Haltung der Handels- und Börsenpresse beweist, beim Finanz- und Bankkapital vielleicht noch weniger als beim Großgrundbesitz—, aber da man vorher getvaltig mit seiner vaterländischen Opferwilligkeit geprunkt und in endlosen Variationen das Lied vom Sterben für das teure Vaterland iviederholt hatte, konnte man nicht gut ohne weiteres zurückhüpfeu und— verlegte sich daher auf das Nörgeln an Nebendingen, besonders auf die Ausmalung der angeblich gar schrecklichen Schäden, die die Zurückziehung einer ein- maligen Summe von 800 bis 1000 Millionen Mark aus dein Geschäftsverkehr zur Folge haben soll. Kapitalisten, die gut zu kalkulieren verstehen, gelangten auch bald zu der gcschäfts- klugen Einsicht, daß es immerhin in pekuniärer Hinsicht vor- teil'hafter sei, auf eimiial 1000 Millionen Mark, die doch nur eine jährliche Zinssummc von 10 bis 50 Millionen repräsentieren, zu bezahlen, als alljährlich immer wieder in der Form einer Besitzsteuer 120 bis 150 Millionen Mark, und daß sie billiger davon kommen würden, darauf rechneten die Herren vom großen Besitz kaum selbst. So fanden sie sich, wenn auch widerwillig und verstimmt, mit dem Vorschlag einer einmaligen Kriegssteuer ab, indem sie darauf hofften, daß ihre Vertreter bei den Verhandlungen im Reichstage schon dafür sorgen würden. daß die Summe noch etwas ermäßigt und die Zahlungsbedingungen möglichst leicht gestaltet werden würden. War aber die Eingenommenheit der Patrioten mit großem mobilen oder inimobilen Besitz für die Kriegssicucr von vornherein recht mäßig, so fand sie dagegen in den Kreisen des kleineren und kleinen Besitzes, vornehmlich der sogenannten liberalen und gelehrten Berufe, um so lebhaftere Zustimmung, teils weil diese Kreise überhaupt nicht von solcher Steuer erreicht würden, teils weil man annahm, daß jedenfalls die Vermögen progressiv zur Steuer herangezogen werden würden und daher auf das eigene bescheidene Ver- mögen kein großer Anteil fallen würde. Durch diese Rechnung hat der Beschluß des Bundesrates jetzt einen dicken Strich gemacht. Daß die großen Vermögen iin Verhältnis nicht mehr als die kleineren zahlen sollen(alle nicht mehr und weniger als 0,0 Prozent), wird alsbald auch in diesen Kreisen die patriotische Begeisterung recht merklich abkühlen. Jetzt fehlt nur noch, daß auch die kleinen Vermögen von 10000 bis 20000 Mark mit zur Kriegsstener herangezogen werden, dagegen aber die großen fürstlichen Vermögen und die Güter der sogenannten„Talen Hand"(das Kirchenvermögcn) möglichst geschont werden, ferner, daß die Einschätzung bezw. Feststellung der Vermögen nach Grundsätzen erfolgt, die den großen Besitzern gestatte», einen wesentlichen Teil ihres Vermögens der Besteuerung zu entziehen— und der Ilms ch w u n g ist fort ig. Und das hat mit seiner Weisheit der Bundesrat getan! Gesetzeskraft wird ja freilich diese bundesrätliche Fest- setzung kaum erlangen. Die Konservativen mögen dafür stimmen, vielleicht auch der größere Teil bei? Nationalliberalen: die Freisinnigen aber können es in ihrer Mehrheit nicht, und noch weniger kann es das Zentrum. Man niag über die Zentrumspolitik denken, wie man will; aber die führenden Personen der-Zentrumssraktion haben denn doch viel zu viel Fühlung mit dem kleineren Bürgertum, um sich auf den bundesrätlichen Vorschlag der gleichmäßigen Vermögensabgabe von 0,0 Proz. einzulassen. Sie müßten ja auch Esel sein, wenn sie nicht die Gelegenheit benutzten, ihrer Anhängerschaft zu beweisen, wie sie für die sogenannten„schwachen Schultern" eintreten und weit besser die Stimmung in der Bevölkerung zu beurteilen wissen als ein hoher Bundesrat. Sogar die„Köln. Ztg." hat es denn auch für angebracht gefunden, ihrem Berliner Telegramm die Worte anzufügen: „Der Gedanle einer progreisiven Heranziehung der Vermögen zu der Milliardenabgabe hat also im Bundesrat keine Gegenliebe gefunden. Es wird deshalb Sache des Reichstages sein, die fem Gedanken, der im Volk lebhaft be- fürwortet wird, Geltung zu verschaffen. Bei einer progressiven Besteuerung der Vermögen könnte auch die untere Grenze, die, wie wir schon vor einiger Zeit mitgeteilt haben, bei den Vermögen von 10 000 M. vorgesehen ist, zur Entlastung des kleinen Besitzes heraufgesetzt werden." Das geht natürlich der ehrsamen„Krcuz-Ztg." als Vcr- treteriu der Junkerinteressen gegen den Strich. Sie antwortet auf die obigen Worte der„Köln. Ztg.": „Beides halten wir nicht für nötig. Eine Progression scheint uns angesichts des Ilmstandes, daß'/z vom Hundert doch schon ein recht ansehnlicher Satz sind, nicht erwünscht. Wichtiger als die Entlastung der kleinen Vermögen an sich erscheint cZ uns, daß diejenigen Vermögen entlastet werden, die nicht mit eincin leid- lichen Einkommen zusammenfallen. Wir kommen deshalb auf unseren früheren Vorschlag zurück, diejenigen Vermögen steuerfrei zu lassen, deren Besitzer nicht über ein Einkommen von S— 0000 M. verfügen. Daneben müßte freilich auch eine Heranziehung der großen Einkommen einhergehen, die nicht ans Vermögensbesitz fließen." Die„Kreuzztg." hält also nicht nur die Progression für überflüssig. Sie will auch bereits die Vermögen von 10000 M. mit der Vermögensabgabe belastet wissen. Dagegen sollen die Herren Rittergutsbesitzer, auch wenn ihre Güter Hundert- tausende wert sind,. von der einmaligen Vermögenssteuer be- freit sein, wenn sie mit der erforderlichen Zahlenjongleurkunst herauszukalkukieren verstehen, daß ihr Einkommen in den letzten Jahren nicht 5000 bis 6000 M. betragen hat. Und diese edlen Seelen spielen die großen opferlvilligen Patrioten! Frechheit, dein Name ist Junker! Sie ManHriSe. Wiederum wird die Gefahr drohender, daß ans dm Vorgängen auf dem Balkan ernste internationale Konflikte cnt- stehen. Und wiederum sind es die schwarz-gelben Kriegs- treiber, die in die Alarmtrompete stoßen, obwohl ihnen die jämmerliche Blamage mit dem Fall des Konsuls Prochaska Zurückhaltung aufzmiugcu sollte. Montenegro soll sich Ver- letzungen des Völkerrechts haben zu schulden kommen lassen. Anstatt im Einverständnis mit den anderen Mächten sich auf friedlichem Wege Genugtuung zu verschaffen, läßt Oesterreich cm Gcschlvadcr in die montenegrinischen Gewässer dampfen und droht mit schlveren Schiffsgeschiitzm. Denn obwohl die Wiener offiziösen Kreise nur von einer„Uebungsfahrt" reden, handelt es sich um eine regelrechte Flottendemonstration, die sehr leicht zu folgenschweren Verwickelungen führen kann. Jedenfalls erfähtt dadurch das Verhältnis Oesterreichs zu Rußland eine neue Spannung. Auch die Aussichten auf einen baldigen Friedensschluß werden durch Oesterreichs Vorgehen stark beeinträchtigt. Tie Ermordung l�e s Königs von Griechenland ist, wie sich jetzt ganz klar herausstellt, das Werk eines geisteskranken Menschen. Das hindert nicht, daß die offiziellen Telegraphcnbiircaus und die internationale Scharfmacherprcssc nach altem, abgebrauchtem Muster den verhaßten Sozialismus mit der Tat in Zusammenhang zu bringe» suchen; da dieser Versuch aber in solch alberner und täppischer Weise gemacht wird, verfällt er von selbst dem Fluche der Lächerlichkeit. „Aufregung" in Oesterreich. Ans Wien wird uns telegraphiert: In Wien herrscht wieder einmal furchtbare Kriegs- stimmung, aber die Furchtbarkeit ist wesentlich dadurch gc- mildert, daß der Gegner, mit dem die Militärmonarchie schon aiwinden möchte, das gewaltige Montenegro ist. Daß es sich nur um einen„Staat" von wohlgezählten einer Viertel Million Einwohner handelt, hindert die Marktplatz-Ofsiziösen nicht, seit gestern die düsterste Miene aufzusetzen und mit den fabelhaftesten schritten zu drohen. Es werden auch schon die gewaltigsten Vorkehrungen getroffen, obwohl es sich nur darum handelt, daß die Montenegriner ein ungarisches Schiff in Giovanni di Medua„vergewaltigt" haben. So ist ein ganzes Kriegsgeschwadcr nach dem kleinen Hafen ans dem Wege, um dort die österreichische Macht großartig zu demon- strieren. Drei Schlachtschiffe. ein großer und ein kleiner Kteuzer, mehrere Hochseetorpedoboote und Torpedobootszcr- störer: das wird doch den Montenegrinern, imponieren und fiii ZUM Einlenken bestimmen s Mit einem Wort: Oesterreich Ungarn muß endlich großartig„siegen", denn sonst würde der Bankerott seiner ganzen Balkanpolitik doch zu offenkundig. Was an den Dingen, die an montenegrinischen Ueber- griffen und Verletzungen des Völkerrechts nun mit der dazu gehörigen Entrüstung gebrandmarkt' werden, wahr ist oder nicht, läßt sich natürlich nicht feststellen. Zu trauen ist wohl weder den Berichten des Ballplatzes noch den Ableugnungen aus Cetinje. Richtig ist, daß die Montenegriner den Dampfer einer ungarischen Schiffahrtsgesellschaft angehalten und ihn gezwungen haben, serbische Soldaten auszuschiffem Die serbischen Truppen befanden sich auf griechischen Trans' portschiffen, die in der Gefahr standen, von der türkischen „Hamidje" beschossen zu werden. Zwei dieser Schiffe brannten auch schon. Es haben also, wenn man es recht betrachtet, die Montenegriner den Dampfer gezwungen, etwa 1000 Menschen vom Tode zu retten, was vielleicht völkerrechtswidrig war, aber am Ende noch auszuhalten sein wird. Dann beschwert sich Oesterreich, daß die Montenegriner bei der Beschießung Skutaris verschiedene internationale Gebäude zerstört haben, weshalb es den freien Abzug der Zivilbevölkerung aus Skutari verlangt. Und schließlich hat Oesterreich seine gL' wohnten katholischen Sorgen: es sollen nämlich die Albanesen von den Montenegriirern zur Annahme der Orthodoxie ge zwungcn worden sein, wobei auch ein Franziskanerpater Angelos Palic grausam ermordet worden sei. Diese„gewalt same Konvertierung" habe es dein klerikalen Oesterreich ganz besonders angetan und es wird den Katholizismus, wenn es sein muß, auch mit einem Kriege beschützen. Wie nian wahrnimmt, handelt es sich durchaus um Tinge, so wie sie Krieg und Mord eben mit sich bringen. Daß man in Wien nun gar so geheuer tut und gar so aufgeregt sich gebärdet, wird also schon seine besonderen Gründe haben. Und diese sind auch nicht schwer zu erkennen. Oesterreich will durch diese Drohungen Montenegro klar machen, daß es auf Skutari nicht rechnen kann, da Skutari unter allen Umständen dem znkiiniftigvnl Albanien gehören muß. Da die Spekula- Honen der Herren in Cetinje auf die Hilfe Rußlands falsch sein dürfte, so wird der große Konflikt zwischen dem 50-Mil- lionen-Staat und dem Zwergstaat wohl unblutig enden. Aber daß er dennoch sehr ernst genommen werden muß, beweist nur, in welcher Welt wir loben. Tie österreichische„Uebungssahrt". Wien, 20. März. An offizieller Stelle wird angegeben, daß es sich bei'dem Auslaufen zweier Schiffsdivisionen aus Pola mit siidlichem Kurse um eine Uebungssahrt handle. Tie österreichische Aktion in Cettinje. Wien, 20. Mörz. Wie an zuständiger Stelle bestätigt wird, hat der österreichisch-ungarische Gesandte in Gcttinje den Auftrag crhalten, bei der montenegrinischen Regierung wegen des Vom- bardcments von Skutari und wegen der Vorkommnisse in San Giovanni di Mcdua und in Djatova vorstellig zu werden. Drohende Sprache der Schwarz-Gelben. Wien, 20. März. Tie„Reichs post" meldet: Ter östcrreichisch-nngarische Gesandte in Cetinje untenvimmt bei der montenegrinischen Regierung energische Schritte, um Ge- nugtiping fiir die eklatanten Verstöße gegen das Völkerrecht, welche Oesterreich-Ungarns Würde schwer verletzt haben, zu fordern. Sollte die inontenogrinische Regierung die gestellten Bedingungen nicht erfüllen wollen, so würde die diplomatische „Aktion eine nachdrücklichere Form annebmen, und schließlich � würden, wenn nötig, a u ch M a ch t m i t t e l zur A n w e n> düng gelangen müssen, um Oesterreich-Ungarn volle Genug» luung zu verschaffen. Oesterreich-Ungarn fordert: 1. Freien Abzug der Nichtkombattanten aus Skutari. 2. Tie Ermordung des katholischen Pfarrers Pater Palic durch Montenegriner bei Tjakowa muß völlig aufgeklärt werden. Oesterreich- Ungarn hatte wegen der bestialischen Ermordung dieses Pfarrers eine Untersuchung init Hinzuziehung eines öfter- reichisch-nngarischen Konsulatsbeamten durch die Montene- griner gefordert. Tie montenegrinische Regierung lehnte diese Forderung ab, indem sie erklärte, daß in dem von Monte- negrinern besetzten Gebiete nur Montenegriner selbst Unter- suchungen anzustellen hätten. Diese Antwort bedeute einen unfreundlichen Akt gegenüber Oesterreich-Ungarn.' 3. Tic sofortige Einstellung von Zwangsmaßregeln für den Ueber- tritt zur Orthodoxie in Albanien. 4. Fiir die Gewalttaten, welche gegen die Besatzung des Dampfers„Skodra" in San Giovanni di Meima begangen wurden, muß volle Genug- tuung geboten werden. Tic Haltung Italiens. Rom, 20. März. Die„Tribuna" schreibt im Anschluß an gewisse im Ausland verbreitete Gerüchte, Italien habe lein Ultimatum an Montenegro gestellt: ebenso glaube man nicht, daß Oesterreich-Ungarn dies getan lzabc. Unwahr sei auch die Meldung, Truppentransporte ständen bereit, um nach Albanien abzugehen. Türkische Meldungen über die Kämpfe an der Tschataldscha- linie. Konstantinopel, 20. März. Der heutige amtliche Kriegsbericht besagt: Seit zwei Tagen herrscht bei Adrianopcl Ruhe. Vor B u l a i r ist keine Aendcrung eingetreten. Tic türkischen Truppen haben durch die tapferen Angriffe, die sie vorgestern auf der ganzen Front der T s ch a t a l d s ch a l i n i e»ach verschiedenen Richtungen unternahmen, den Feind ans seinen Stellungen bis hinter die Linie SofaSkoej, Kalfakoej, Atalan, Kadikocj getrieben. Tie fcind- lichcn Truppen unternahmen nachts, durch Reserven verstärkt, einen Gegenangriff ans Kadikoej, wurden aber unter großen Vcr- lüften zurückgeschlagen. Tie bulgarische Darstellung. Sofia, 19. März.(Meldung der Agence Bulgare.) Tie tür- fischen Truppen an der Tschataldschalinie versuchten geltem von neuem einen Vormarsch, erlitten jedoch beträchtliche Verluste. Ihr Versuch mißlang vollständig. Etwa fünf. Infanteriedivisionen mit Artillerie und Kavallerie, die unter dem Schlitze der Schiffsgcschützc vorgingen, wurden durch vorgeschobene bulgarische Truppen- avtcilungcn aufgehalten. Gegen Abend griffen die Truppen des rechten bulgarischen Flügels die Division des linken türkischen FlügcfS an und schlugen sie in die Flucht. Zwei Bataillone dieser Division, welche den äußersten linken Flügel bildeten, wurden von den Bulgaren abgeschnitten und gegen das Mcercsufcr östlich Epivatcs(Bogadcs) gedrängt, wo ein Teil dieser Truppen in der Nacht auf die Schisse flüchtete. Vor Bulair und Adrianopel war alles ruhig. Die Ermordung des Königs von Griechenland. Saloniki, 19. März. Die Untersuchung des Anschlages auf den König hat ferner ergeben, daß keine weiteren Per- fönen daran beteiligt waren. Ter Mörder ist nicht irrsinnig, aber doch nicht vollkommen zurechnungsfähig. Er war vor etwa zwanzig Tagen von Athen über Volo, wo er sich einige Tage aufgehalten hatte, nach Soloniki gekommen. Er ent- wickelte sozialistische Ideen(!), indeni er unter anderem an- kündigte, in kurzeni werde vollkommene Gleichheit herrschen: es werde weder Reiche noch Arme geben: die Arbeitszeit werde auf zwei Stunden herabgesetzt werden. Er ist früher an der medizinischen Fakultät in Athen immatrikuliert gewesen und war später Lehrer. Auf die Fragen antwortete er immer, doch verwickelte er sich manchmal in Widersprüche. Für sein Verbrechen gab er keine Erklärung: er sagte nur, er habe vor zwei Jahren im Schloß um Unterstützung gebeten und sei von dem Adjutanten brutal hinausgeworfen worden. Die Keife in Feankeeid). Paris, 18. Marz.(Eig. 93er.) Man hat damit von allem Anfang au rechnen müssen— und doch, da es geschehen ist, hat sich aller eine vollkommene Verblüffung bemächtigt. Alle Elemente, die zur Krise führen mußten, waren gegeben, und dennoch glaubte man, das Gewitter werde vorübergehen, ohne einzuschlagen— einzig darum, weil man die Folgen nicht auszudenken vermochte. In der Tat, es handelt sich um mehr als den Fall eines Ministeriums— alle Teile des politischen Körpers scheinen zerstückelt in einen Hexenkessel geworfen und niemand weiß, was aus der brodelnden Masse heraus kommen wird. Es ist eine Tragikomödie sondergleichen. Da ist vor allem B r i a n d selbst, der für die Verhältniswahl den Opfertod stirbt. Briand, der dem Proporz eigentlich nie recht hold war, ihn mit„Prämien" für die Mehrheit verquicken und auf eine bloße„Minoritätenvertretung" herabdrücken wollte. Im Senat war vom Wahlgesetz,, wie es die Deputiertenkammer beschlossen hatte, zum Schluß gar nicht mehr die Rede. Dieses Gesetz sah noch immer dem richtigen Proporz zu ähnlich. Die Resormfreunde hatten sich zur Annahme einer mittleren ■ormel bereit erklärt, wie sie namentlich der Antrag ? a u j a u darstellte, der alle nicht gemäß dem Wahl- quotienten verteilten Mandate der absoluten und in einein zweitenWahlgangderrelativenMehrheitder Departementswähler zuweisen wollte. Aber für die radikale Mehrheit des Senats war de£ in diesem Vorschlag enthaltene Quotient ein reaktiv- näres Satanswerk. Was sie ihm als„Reform" gegenüberstellte, war allerdings der reine Hohn: die departemen- tale Listenwahl, etwas gemildert durch die Teilung der großen Departements und verquickt mit einer Verlängerung der Mandatsdancr auf sechs Jahre und Erneuerung des Hauses in dreijährigen Abschnitten. Also das System, das die ärgsten llebel der Bczirkswahl— die Entrechtung der Minderheit und den Anreiz zu Wahlkoalitionen— verstärkt. Für die radikale Mehrheit Ivar es ein angeblich aus der Idee der großen Re- volution hervorgehender Grundsatz, daß niemand als gewählt erklärt werden dürfe, der nicht die Mehrheit der Stimmen habe und über dieses Dogma ist Briand zu Fall gekommen. Die„Idee der großen Revolution" hat also heute gesiegt, als sich das aus einem reaktionären, ungleichen und indirekten Wahlrecht hervorgegangene Oberhaus herausnahm, den Mehr- hcitswillen des demokratischen Volkshauses zu kassieren und über die Erneuerung dieses Hauses einen Grundsatz an- zuerkennen, der besten reiflich beratenem Beschluß ins Gesicht 'chlägt. Tie Situation ist nun unsagbar verwirrt. Briand hat in per Wahlrcformfräge die Mehrheit der Kammer hinter, die Mehr- hcit des Senats gegen sich gehabt. WaS soll jetzt geschehen? Die Verneinung der Vertrauensfrage zieht seine Demission mit ich. � Es ist freilich konstitutionell nicht festgelegt, wenn auch jteter Brauch, daß der Präsident der Republik sie annimmt. Tatsächlich wäre eine Regierung, die sich dem ausgesprochenen Willen einer Kammer entgegen behaupten wollte, nicht wider- 'tandsfähig— das hat in einem ähnlichen Falle im Jahre 1890— es handelte sich damals um die Einkommensteuer— Leon Bourgeois erfahren müssen. Wen aber soll der Präsident zur Nachfolge berufen: den Führer der Senats- Mehrheit, die das Ministerium gestürzt hat? Aber dann trägt er den Anschauungen der Kammermehrheit nicht Rechnung, für deren Beschlüsse jener eingetreten ist! Man steht, hier ist ein Konfliktsstoff gegeben. Es bliebe freilich noch das Mittel der Auflösung— der Deputierten- Jammer, denn die des Senats ist durch die Verfassung ausgeschlossen. Aber wenn die Mehrheit der Deputierten- kammer wiederum oder gar gestärkt wiederkehrt? Immerhin, ein großer Kampf gegen den Senat, d. h. zum mindesten gegen seine Gleichberechtigung, ist in den 'etzigen Zeitläuften und in der gegebenen Situation nicht wahr- "chcinlich. Die Mehrheit der Wahlreformanhängcr gehört ja den gemäßigten Parteien an und diese rechnen immer damit, daß sie den Senat in sozialpolitischen und fiskalischen Fragen als Hemmschuh brauchen.— Eines ist aber sicher: Die Rüstungs- treibcr sehen betrübt ihre Felle wegschwimmen. Jedenfalls, mit dem Durchpeitschen der dreijährigen Dienstzeit ist's zorbei— wenn auch Clentenceau als Retter des Vaterlandes vortreten und die Reaktionäre durch nationalistische Fanfarentöne zu versöhnen suchen sollte. Heute morgen noch hat Graf d e M u n im„Echo de Paris" auseinandergesetzt,>vie schön die dreijährige Dienstzeit in zwei Tagen unter Dach zu bringen gewesen wäre. Die Herren werden sich gedulden und auf einige Schwierigkeiten vorbereiten müssen. Die Krise wird vor Ostern nicht erledigt sein. In den Osterfcrien aber werden die Deputierten von ihren Wählern einiges zu hören bekommen. »* ♦ Die Bildung des neuen Ministeriums. Paris, 20. März.(Privattclegramm des „Vorwärts".) Die Kammer hat die Resolution Jaurös, nach der am Proporz festgehalten werden sollte, durch Annahme eines Beschlusses auf Uebergang zur Tagesordnung abgetan. Dieses Resultat wurde herbeigeführt durch den Umfall der radikalen Proporzler, die eine Herrschast der Radikalen zu er- möglichen hoffen und deshalb den Konflikt niit dem Senat vermeiden wollen. Aber auch die gemäßigten Republikaner tvie Reinach waren bereit, den Proporz zurückzustellen, um die Durchsetzung der Militärgcsetze zu erreichen. Die Bildung eines Kabinetts Bart hon, bestehend aus entschieden kapita- listisch- militaristischen Elementen, jst wahrscheinlich. Die Situation ist für die Sozialisten durch den Umfall der Radikalen glücklicherweise vereinfacht, da sie jetzt ihre Kräfte gegen die dreijährige Dienstzeit konzentrieren können. Ein Ministerium Barthou. Paris, 20. März. Präsident P o in ca r ö hat nach langen Besprechungen mit Ribot und mit Briand Louis Barthou empfangen, den er aufforderte. das neue Kabinett zu bilden. Barthou tvird mit seinen Freunden der- handeln. Tie Kammcrsitzuug. � Paris, 20. März. In der K a m in c r brachten die Anhänger des Proportionalwahlrcchts heute einen Antrag ein, der besagte: „Tie aus dem allgemeinen Stimmrecht hervorgegangene Kammer bleibt dem bereits zweimal durch Abstimmungen bestätigten Prinzip der Vertretung der Minoritäten treu." Diesen Antrag verteidigten die Anhänger des Proportionalwahlrechts lebhaft. Deschanel bc- mühte sich vergebens, gegenüber dem Beifall der Linken und dem Protest der Anhänger dcs Proportionalwahlrechts, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Tie Erregung war groß. Schließlich wurde eine einfache Tagesordnung, die von der Linken beantragt tvar, mit 280 gegen 252 Stimmen angenommen. Die Redner der Linken hatten die Kammer gebeten, nicht ein überstürztes Votum abzn- geben, das den Anschein haben könnte, als sei es von der Erregung diktiert. Die Linke erhob sich von ihren Plätzen und klatschte beim Ergebnis der Abstimmung frenetisch. Tie Sitzung wurde dann unter großer Unruhe aufgehobcn. �olitilcbe(leberlicbt. Berlin, den 20. März 1913. Unheilbar. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: Als am 10. März die Straßenbahnen Düsseldorfs schwarz-weiß und schwarz-weiß-rot bewimpelt und beflaggt daherfuhren, mit Flötenklang und Trommelschall Jungdoutschlandkorps an der Spitze fahnentragender Kriegervereinsdeputationen durch die Straßen zogen, da bestieg auch in der Kunstakademie ein Herr Professor das Katheder zu löblicbein patriotischem Tun. Und am nächsten Morgen verkündete eine Extrabeilage des„Generalanzeigers" den Ruhm dieses Herrn, des Professors Dr. Heinrich Kraeger. „Mau kann eigentlich nur in Dithyramben von jenem Jahre (1818) reden", meinte der Herr Professor. Das muß wahr sein, denn sonst wäre es ihm unmöglich gewesen, zu sagen: „Es war nur ein uralter Kampf, der zwischen dem Staat Friedrichs und Napoleons ausgeiochten wurde: Wotan hier, Surtur dort, und als halte die Edda diesen Feuer« brachen vorausgeahnt, war auch Napoleon sieghaft zu- er st in seiner Gemeinheit, Jns er überwunden ward von den Kindern und Söhnen der Götter des Lichtes." Nicht der Christengott half also den schlefii'chen Leine- Webern, den märkischen und preußischen Bauern zum Sieg. Nein, Heidengötter stiegen aus Walhallas Heldensaal hernieder und kämpften gegen den König der Finsternis! So malt sich im Jahre 1S13 in einem Professoren- ko pf die Welt! Doch eS komnit noch besser. Herr Professor Kraeger zog aus der Tatsache, daß Napoleon durch einen blutigen Kampf überwunden werden mußte, die weise Folgerung, daß alle Friedensbestrebungen verwerflich seien. Palhetisch erklärt er: „Mißleitete Frauen, die einst als die ersten den fremden Tieren und Paschas zum Opfer fallen werden, arbeiten Hand in Hand mit weibischen Friedensmännlein an der Verweichlichung dcs Vaterlandes und an der Beförderung allgemeiner chronischer Knochen- und Hirnerweichung." Wahrlich, eS wird Zeit, daß wir uns durch Herrn Professor Dr. Heinrich Kraeger zurückführen lassen zu altgermanischer Kraft, auf daß wir werden zu„Kindern und Söhnen der Götter des Lichtes". Bekleiden wir uns also wieder mit Bärensellen und selbst- gewebtein Linnen, nehmen wir den Speer und das Methorn zur Hand und folgen wir unserem Barden, damit er uns alle errette von„chronischer Knochen- und H i r n e r w e i ch u n g", die tat- sächlich bei manchem der modernen Urgermanen schon ein recht be- denllicheS Stadium erreicht haben muß. Antimilitaristischer Klcrikalismus. Die ultramontanen„Historisch-politischen Blätter" besprechen im 0. Hest des 151. Bandes die neue Kriegssteuer und die Folgen des Wettrüstens. Zuerst wird zugegeben, daß die breiicn Volks Massen vornehmlich die Lasten deS Militarismus z u tragen haben: „Solche neue große Lasten lann man nicht der Masse deS Volles auferlegeil. zumal diese durch die Militärvorlage erheblich belastet wird. Wenn 68 000 Mann mehr eingestellt iverden, s o sind diese fast durchweg die Söhne des armen Volkes und unserer Bauern: die Söbne der Be- güterten dienen nur das Einjährige ab, und hier wird infolge der Vorlage nicht ein Mann mehr eingestellt; wer aber untauglich ist, 'dient auch künftig, wie es bisher ivar. Die neuen 68 000 Soldaten aber werden geholt aus den Häusern der Bauern, Handwerker und Arbeiter. Darum ist eS nur billig und gerecht, dav die Geldlasten daS Kapital trägt, denn wenn ein Sobn mehr dienen muß, so ist dies für arme Familien eine größere Last, als wenn ein Millionär 2 Proz. seines Vermögens abgibt." Im weiteren erklärt sich der Artikel für eine dauernde R e i ch s v e r in ö g e n S st e u c r. Er rechnet wenigstens mit der Unabwendbarkeit derselben: „Der andere Einwand, man dürfe dem„demokratischen Reichs- tag" nicht die Börse der Besitzenden anvertrauen, wird von uns damit erwidert, daß gerade eine Besteuerung der Besitzenden polt- tisch sehr heilsam wirken wird. Wer hat denn bisher am lautesten gerufen? Die armen Volkskreise wahrlich nicht. Wenn nun die Schreier zahlen müssen, werden sie künftig vorsichtiger sein und mehr denken lernen. Mit indirekten Konsumsteuern kann diese notwendige politische Erziehung nicht geleistet werden; die Milliarden abgäbe wird wahre Wunderdinge hervorrufen. Tarin liegt ihr hoher politischer Wert." Die Redaktion deS Blattes sieht als Folge des Wett» rüstens nur den wirtschaftlichen Zusammenbruch, den Weltkrieg oder die Revolution: „Und was wird die Folge sein? Im Innern vermehrte Schwierigkeiten in der sozialen Lage weiter Kreise der Bevölkerung, Steigerung der Unzufriedenheit und Verminderung des monarchischen Gedankens, trotz der an sich ja hochherzigen, aber prinzipielle Be- denken erweckenden Bereitwilligkeit der deutschen Bundesfürsten, diesmal ihr Teil an den Lasten mitzutragen, nach außen weiteres wahnsinniges Wettrüsten aller Mächte bis zu der Erkenntnis, daß nur zu wählen ist zwischen dem wirtschaftlichen Zusammenbruche oder dem dann noch entsetzlicheren Kriege, welchen man doch hatte vermeiden wollen. Ob es dazu kommt, oder ob nicht vorher die Revolution das Ende mit Schrecken oder des Schreckens ohne Ende bringen wird, steht steilich dahin." Unsere Genossen tun gut, sich diese Auslassungen deS wissenschaftlichen Organs des Klerikalismus sorgfältig aufzuheben. Sie sind im Kampf gegen den MiliiariSinuS zu gebrauchen. Tas ist ein Geschäft, das bringt noch was ein. Tie Bettelei für Kirchenbautcn wird seit einigen Jahren— und zwar, wie eS scheint, besonders in der nähere» und weiteren Um- gebung von Berlin— rein geschäftsmäßig en masse betrieben. Immer wieder erhalten wir aus unserem Leserkreise Lettelbriefe katholischer Pfarrer und Vereine zugeschickt, in denen unter schlauer Spekulation auf die fromme Einfalt und Sentimentalität in den salbimgZvollsten Redensarten um milde Gaben für den Bau irgend» einer Kapelle oder Kirche gebeten wird. Oft sind solche Bettelbriefe direkt nach den Geschättsprinzipien der höheren Schachermacherei ab- gefaßt, indem den Gläubigen, um sie zu möglichst ansehnlichen Spenden zu bewegen, als Entgelt allerlei Heiligenbilder, ehrenvolle Erwähnungen, Seelenmessen usw. versprochen werden. Dieses widerliche Treiben der Bettelbrief-Pfarrer hat nachgerade einen solchen Umfang angenommen, daß sich selbst die katholische„Köln. Volksztg.* bewogen fühlt, dagegen auszutreten. Sie schrieb vor einigen Tagen: „Die Bettelbriessannnlung wird meist eine Geschäfts fache. Die Unkosten kommen oft kaum heraus, der Gewinn für die Kirche ist ihnen gegenüber gering, er fällt in andere Hände, oft genug in die wirklicher Geschäfts« leute, die die ganze Bettelbriefsantmlung an- k a u f e n und ausführen. Das ist es, was nachdenkliche Empfänger der Bettelbriefe stutzig macht, nicht etwa ihre Abneigung gegen die Sammlung an sich. Was ebenso gegen die Bettelbriefe eingenommen hat, ist der Umstand, daß aus den Sammlungen über die Not hinaus gebaut, geziert und Luxus getrieben w i r d. Es mag in dieserBeziehung ein Beispiel genügen, von anderen zu schweigen. Seit mehr denn Jahresfrist werden Katholiken(und auch Protestanten) Deutschlands und Oesterreichs bestürmt, um Gottes und der lieben Heiligen willen ein Scherflein„für den dringend notwendigen Kirchenbau in„Berlin-Lankwitz zu spenden. Als nun ortskundige Leute darauf aufmerksam machten, daß die„dringend notwendige" Kirche bereits gebaut, vom Gesamtverband Berlin übernommen und in Benutzung sei, da hieß es in den aufs neue in Hundert taufenden von Exemplaren in die Welt geworfenen Notschreien: ja, es sei richtig, die Kirche sei fertig, aber man habe gebaut im Vertrauen auf die bewährte Opferwillig keit der deutschen Katholiken. Und jetzt sei noch eine lastende Schuld von 40 000 M. zu bezahlen. Nur noch einmal möge man helfen. Und so ging denn einer, der helfen wollte, hin, um sich die Kirche, für deren Schuldentilgung ganz Deutschland an- gebettelt wird, einmal anzusehen. Es ist ein schmucker Bau in einem hochmodernen Stil. Aus einem Sandsteinkern wächst ein eleganter Turm heraus, der in eine Laterne endet. Helmspitze und Laterne sind mit Kupfer gedeckt. Wenn man eine säulen- getragene Vorhalle durchschritten hat, steht man vor drei präch- tigen Bronzetüren. Im ganzen führen sechs kostbar mit Tier- ornameuten verzierte Bronzetüren tauch die Türrahmen sind von Bronze) ins Innere. Dreißig schwarz gesprenkelte Marmorsäulen aus Labrador tragen Gewölbe und Decken. Kanzel, Kommunion- dank und Altar sind jedes in sich ein Meisterwerk aus Bronze und Edelmarmor. Zwei wundervolle Leuchter aus Bronze hängen in den Seitenschiffen. Aus Bronze und Marmor besteht der kostbare Taufstein. Der Boden ist geplattet, unter den Bänken liegt Parkett. Jede Einzelheit, bis auf die Rahmen der Stationen und die Kandelaber auf den Altären, eigens nach Zeichnung des Bau- meisters hergestellt. Wer die wahre Diasporanot kennt, der weiß, daß man mit dem Gelde, das der Lankwitz-Bettel allein der Po st zu verdienen gab, ein paar der so notwendigen Kommunikantenanstalten oder ein paar bescheidene Kirchen hätte bauen können, wo heute noch der Gottesdienst im Wirtshaus gefeiert wird, dem schneidet diese Verschwendung mit Bronze und Marmor ins Herz. Die Kirche und innere Ausstattung war fertig, da ging am 1. Juni 1912 in Massenbetrieb der folgende Notschrei in die katholische Welt:„Wenn auch alles auf das knappste und sparsamste bemessen wird— die Kirche wird ein ein- faches Bauwerk, kein sogen. Prachtbau— wenn auch von aller Inneneinrichtung(Altar, Kanzel, Gestühl usw.) zunächst Abstand genommen wird, es reicht immer noch nicht, um wenigstens den „äußeren Bau" bezahlen zu können, gez. Beyer, Pfarrer." Hier liegt ein geradezu schreiender Fall des Mißbrauchs der Opferwilligkeit des katholischen Volkes für Kirchenbauzwecke vor. Diejenigen, welche auf die massenhaft verbreiteten Notrufe zu diesem Kirchenbau bei- steuerien, habet» einer wirklichen Kirchennot abhelfen wollen, aber sie haben sicher nicht daran gedacht, daß man aus ihren Gaben einen Luxusbau errichten werde. Durch das, was tatsächlich in Lankwitz geschehen ist, sind sie gröblich in ihrer berech- tigtenÄ n nähme getäuscht worden." ES ist sicherlich anzuerkennen, daß daS klerikale Blatt so offen gegen den Bettel gewisser geschäftssinniger Geistlichen auftritt, die ihre» wahren Beruf verfehlt haben und allem Anschein nach nur aus Verschen in die Theologie geraten sind. Aber die Rüge der „Kölnischen Volkszeitung" hat doch einen gewissen unangenehmen Beigeschmack. Der genannte Pfarrer Beyer, der so schöne Bettel- briefe abzufassen versteht, ist nämlich derselbe hochwürdige Herr Beyer, der gegen die christlichen Gewerkschaften wütet und seine Hand bei der päpstlichen Enzyklika gegen diese Gewerkschaften im Spiel hatte. Er ist es auch, der im vorigen Jahr persönlich in Rom war und dort die bekannte väterliche Kundgebung deS Papstes für die Berliner Richtung erwirkte. Ob die ultramontane„Kölnische Volkszeitung" auch dann, wenn eS sich nicht um eine Größe dieser Richtung, sondern um einen bachemitischen Pfarrer der Kölner Diözese gehandelt hätte, eine solche Kritik gewagt hätte, erscheint uns immerhin zweifelhaft. �die Konservativen und das Petroleummonopol. Tie parteiamtliche„Konservative Korrespondenz" präzisiert in ihrer letzten Nummer vom 19. März die Stellung der Konservativen zum Petroleummonopol. Es wird mitgeteilt, daß das Zentrum dem Petroleummonopol prinzipiell feindlich gegeniibersteht, daß auch ein Teil der Nationalliberalen dem Monopol nicht zustimmen werde; die Führung in der Kommission liege in Händen der Sozial- demokratie, an deren Seite der Freisinn stehe. „Angesichts dieser Parteikonstellation," so fährt die„Kon- jervative Korrespondenz" fort,„liegt die Entscheidung über die ichlicßliche Gestaltung des Pctroleummonopols bei den Parteien der Rechten, insbesondere bei der deutschkonservntiven Fraktion des Reichstages. Es ist ganz selbstverständlich, daß die rechts- stehenden Parteien von dieser ihnen in die Hand gegebenen! Machtbefugnis iin gegebenen Falle den richtigen Gebrauch machen werden. So ist auch schon in den bisherigen Kommissionsbc- ratungen von den konservativen Kommissionsmitgliedern wieder- holt erklärt worden, daß die den einzelnen Paragraphen in der Kommission gegebene Fassung auf konservativer S«>te schwere Be- denken erweckt und die s ch l i e ß l i ch e Zustimmung der Konservativen q u m P e t r o I c u ui m o n o p o I höchst unwahrscheinlich erscheinen läßt. Die Gesichtspunkte, welche die Konservativen bei der Mitarbeit an der Gestaltung des Entwurfs leiten, givfeln in der Hauptsache darin, daß unter keine» Ilmständen durch das Monopol eine Verteuerung des Petroleums herbeigeführt iverden dürfte, daß durch das Monopol die Versorgung des deutschen Marktes mit Petroleum hinreichend sichergestellt werde, daß ferner eine ausreichende Beteiligung der Tetaillisten an der zu gründenden Vertriebsgcscllschast unter entsprechender Einschränkung des Einflusses der Großbanken er- zielt würde, und daß schließlich die Reichsaufsicht über die Vcr- triebSgescllschaft in besserer Weise geregelt würde, als durch den Entwurf. Diese Gesichtspunkte sind durch die bisherigen Bc- schlüst'e der Kommission wiederholt verletzt und nicht gewahrt worden. Insbesondere ist durch die vorläufige Fassung des ß 4 die Beteiligung der Tetaillisten an der Vcrtricbsgescllschaft in ganz unzulänglicher Weise geregelt worden. Es ist das ziemlich sicher airzunekmcn. daß, wenn tz 4 bei der dritten Lesung in der Kommission oder bei den weiteren Beratungen im Plenum keine erhebliche Umgestaltung erfährt im Sinne einer größeren Bc- rücksichtigung der Interessen der Kleinkaufleute, die konservative Fraktion dem Gesetzentwürfe in' seiner Gesamtheit nicht zu- stimmen wird. Jedenfalls wird die konservative Fraktion alles versuchen, daß die Organisationen deS Kleinhandels für sich allein und nicht im Verein mit den überwiegend in sozialdemokratischen Händen befindlichen Konsumvereinen erheblich mehr als ein Fünftel der Inhaberaktien erhalten und daß auch die Beteili- gung von Vertretern des Kleinhandels im Aufsichtsrate der Vcr- triebsgescllschaft stärker wird, als die Kommission in zweiter Lesung beschlossen bat. die dem Kleinhandel nur zwei Vertreter im Aufsichtsrate zubilligen will. verschweigen, daß der ganze Verlauf Km Induftm und Kandel. Die Rentabilität der Aktiengesellschaften. DaS Kapital hat ein ertragreiches Jahr hinter sich. Nur wenige Produktionszweige brauchen sich über eine Verschlechterung ihrer Rentabilität zu beklagen. Allerdings gehört in die letztere Gruppe das Baugewerbe, und davon haben in erster Linie wieder die Grundstücksunternehmungcn ein wirkliches Krisenjahr hinter sich. Auch daS in der Textilindustrie investierte Kapital hat im Wir können auch nicht..... W H. der bisherigen Kommissionsberatungen die Bedenken der Konser- vativen dem Gesetzentwurf gegenüber mehr und mehr perstärkt Durchschnitt kaum ein besseres Erträgnis abgeworfen als im Jahre hat. weil der Charakter des Petroleummonopols als ein« stark| vorher. Daneben aber stehen die R i e s e n g e w i n n e der Montanindustrie, die jüngst erst wieder durch den Abschluß der Eclsenkirchener BergwerkSgcsellschaft eine Illustration erfahren sozialistischen Maßnahme mehr und mehr hervortritt. Die bis herigcn Paragraphen sind überwiegend auf Grund von Anträgen der sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder angenommen worden, bei denen der Abg. Dr. Frank die Führung hat. Diese Anträge lausen darauf hinaus, die Rechtebes Reichstags in der P e t r o l c u m f r a g e im demokratischen Sinne zu sichern, um somit gewissermaßen alljährlich im Reichstage, wie schon jetzt eine Kalidebattc, eine Petroleumdebatte bcrbeizuiühren. Daß dieses Vorgehen der sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder den Konservativen die Zustimmung zu dem Gesetzentwurf nicht erleichtert, werden unsere Freunde im Lande verstehen." Wenn die Konservativen keine besseren Gründe gegen das Monopol aufzuweisen haben, als hier angeführt werden, dürfte es ihnen schwer werden, ein ablehnendes Votum zu rechtfertigen Ernsthaste sachliche Eintvände fehlen fast völlig, aus jedem Wort spricht nur der Aerger, daß die Sozialdemokraten die Führung in der Kommission und dadurch Einfluß auf die Gestaltung des Ge setz es haben. In der Petroleumpreisfrage verfolgen die Sozial- demokraten selbstverständlich kein anderes Ziel, als den Preis mög lichst niedrig zu halten, also dasselbe, was die Konservativen an g e b l i ch wollen. Und wenn die Sozialdemokraten bestrebt sind. die„Rechte des Reichstages im demokratischen Sinne zu sichern", so soll durch diese Bestrebungen gerade die Garantie geschafffen werden, daß das Monopol niemals zum Schaden der Konsumenten ausschlagen kann. Acht Mouate Gefängnis für Beharren im Ungehorsam Unter der schweren Anklage des tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten sowie des Beharrens im Ungehorsam in Verbindung mit Achtungsvcrletzung hatte sich am Dienstag der Grenadier Maczinowski vom Alcxandcr-Rcgimcnt vor dem Kriegsgericht der 2. Gardcdivision zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 23. Februar mit dem Unteroffizier Hecht ein Rencontrc, das für ihn äußerst verhängnisvoll werden sollte. H. befahl ihm. daS Nachtklosett zu reinigen. M. schien aber wenig Lust zu verspüren. dem Befehl nachzukommen. Er verweigerte strikte den Gehorsam und versuchte mit den Worten:„Verflucht, ich mutz mich waschen!" an dem Vorgesetzten vorbeizukommen. Als er dann an das Spind herantrat und eine Tür öffnete, schlug diese mit solcher Gewalt gegen den Kopf des Unteroffiziers, daß er zurücktaumelte und der Helm zu Boden fiel. Die Anklage erblickte in diesem Vorgang das Verbrechen des tätlichen Angriffs. In der Verhand luna konnte dem Beschuldigten aber nicht nachgewiesen werden, daß er die Spindtür mit Absicht gegen den Vorgesetzten geschleudert hatte, so daß wegen nicht erwiesener Schuld in diesem Fall der Anklage Freisprechung erfolgen mußte. Dagegen erkannte das Kriegsgericht wegen des Beharrens im Un- gehorsam auf eine exemplarische Strafe, indem cS acht Monate Gefängnis über den Angeklagten verhängte. Lelgien. Der erneute Generalstreiksbeschlup. Brüssel, 18. März 1913.(Gig. 29er.) Die Resolution. durch die das Streikkomitee der belgischen Arbeiterpartei nach zweitägiger Debatte beschloß, dem Parteitag den Generalstreik zum 14. April vorzuschlagen, hat folgenden Wortlaut: „In der Erwägung: daß der außerordentliche Parteitag vom 30. Juni 1912 beschlossen hat, den Generalstreik nach Erschöpfung aller anderen Mittel zur Erringung der Ver fassungsrevision anzuwenden; daß das nationale Streikkomitee, nachdem es sich heraus gestellt hatte, daß alle anderen Mittel zur Erringung der Verfassungsrevision erfolglos angewandt worden waren, am Februar den Beginn des Streiks auf den 14. April fest- gesetzt hatte; daß dennoch das Komitee in seiner Sitzung vom 6. März diesen Beschluß sistierte, damit auf die Einladung der Bürger- meister der Provinzstädte hin ein letzter Vermittlungsversuch ermöglicht werde; daß jedoch die Erklärungen des Ministerpräsidenten zeigen, daß er trotz dieses Beschlusses und trotzdem er die Bürger meister ermächtigt hatte, den Vertretern der Arbeiterpartei das Gegenteil hoffen zu lassen, sich weigert, die Verfassungs revision zur Diskussion zuzulassen; daß unter diesen Umständen die Situation wiederum die gleiche geworden ist, wie vor dem 6. März, beschließt daS Komitee, die Beschlüsse des 30. Juni 1912 und des 12. Februar 1913 aufrecht zu erhalten und dem am nächsten Sonntag zusamnientretenden Parteitag den 14. April für den Beginn des Generalstreiks vor- zuschlagen. Das Komitee ist ferner der Ansicht, daß es von ausschlaggebender Wichtigkeit sei, dem Streik den ruhigen Charakter zu erhalten, den der Parteitag vom 3l>. Juni 1912 forderte, und daß jeder Versuch, ihm diesen ruhigen Charakter zu nehmen, als ein Verrat an der Sache der Arbeiterschaft zu bewerten ist." England. Zwei Nachwahlen. London, 20. März.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die Resultate zweier Nachwahlen wurden heute hier bekannt, die beide große Bedeutung haben. Bei der Nachwahl in Kendal siegte ein konservativer Frei- Händler, der. vom Vorstand feiner Partei desavouiert, in erster Linie für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht eintrat. Ter Konservative siegte mit größerer Mehrheit wie bei der letzten Wahl. Die konservativen Abendblätter feiern den Wahlsieg als Triumph der allgemeinen Wehrpflicht und der Politik der Ausschaltung der Lebensmittelzölle aus dem Parteiprogramm. Das neue Parlamentsmitglied sagte nach der Wahl, ich glaube, die Wahl wird für Lord Roberts ein gutes Omen sein in dem Kreuzzug, den er unternomnien. In der Nachwahl zu H o u g h t o n, wo ein Arbeiterparteiler kan- didierte, siegte ein Liberaler, der sich als der wahre Arbeiter- kandidat aufspielte und ausschweifende Versprechungen machte. Nichtsdestoweniger vereinigte der Arbeiterparteiler beim ersten Ansturm 30 Proz. der Stimmen auf sich. haben. Die Millionenübcrschüsse der Reedereien sind erheblich ge- wachsen; von den Zweigen der Fertigindustrie mag � auf die Ab- schlüsse der chemischen Fabriken und des elektrotechnischen Gc- wcrbes hingewiesen werden. Die im Januar 1913 publizierten Bilanzen von deutschen Aktiengesellschaften er- weisen bereits, daß es dem Kapital im letzten Jahre recht gut ging. Darauf muß mit um so stärkerem Nachdruck hingewiesen werden, als der doch mindestens ebenso wichtige Faktor der Volkswirtschaft- lichen Tätigkeit, die Arbeit, durchaus nicht im wünschenswerten Maße vom Konjunkturaufschwung profitiert hat. Im Gegenteil, die Lohnsteigerung vollzog sich im verflossenen Jahre, wie statistisch schon mehrfach nachgewiesen wurde, durchschnittlich langsamer als die Kosten des Nahrungsmittelaustvandcs sich verteuerten. Im Januar 1912 publizierten insgesamt 197 deutsche Aktienunter- nehmungen ihre Bilanz in einer Form, die einen Vergleich mit dem vorjährigen Bericht ermöglicht. Die genannten Betriebe ar«. betteten im Geschäftsjahr 1910/11 mit 408,98 Millionen Mark Nominalkapital. DaS Aktienkapital wuchs im Berichtsjahr nicht unerheblich an; laut vorliegender Bilanz steht es nunmehr 428,70 Millionen Mark. Den Aktionären dieser Gesellschaften Waren für 1910/11 insgesamt 30,44 Millionen Mark zugeflossen, die Divi- dendensumme für 1911/12 stellte sich auf 31,92 Millionen Mark. Es' wurden somit in beiden Jahren durchschnittlich je 7,4 Proz. Dividende zur Verteilung gebracht. In drei Gewerbczwcigen ging die DurchschnitiSdividcnoc der berichtenden Gesellschaften über 10 Proz. hinaus: in der chemischen Industrie, im Maschincngewerbe und in der elektrotechnischen Fabrikation. Am beknerkenswertestcn ist das Ergebnis der chemischen Fabriken. Es berichteten auS diesem Gcwcrbezweig im Januar sieben Gesellschaften mit 14, SO Millionen Mark Aktienkapital. Die Tividendensumme der gleichen Betriebe stieg in den beiden letzten Jahren von 2,38 auf 2,41 Millionen Mark. Das heißt, die Dividendcnquote hob sich in Pro- zenten des Aktienkapitals von 16,4 auf 16,6 Proz. Ungünstige Abschlüsse wurden auS dem TextilgeWerbe bekannt. Auf Grund von 12 vergleichbaren Bilanzen war ein Rückgang des Nominal- kapitals von 12,02 auf 11,97 Millionen Mark, eine Erhöhung der Dividendensumme von 0,11 auf 0,13 Millionen Mark zu berechnen. Das ergibt zwar eine Besserung der durchschnittlichen Gewinn- beteiligung von 0.9 auf 1,1 Proz., ist aber doch nach wie vor ein recht schlechtes Resultat. Ein Vergleich von Gewinn und Verlust der Januarbilanzen bietet folgendes Bild: Reingewinn bezw. Verlust in 1000 Mark 171 377 S90 SO 820 45 49 165 12 343 164 389 825 51 097 62 56 210 15 562 Berichtsjahr 1910/11 1911/12 Zahl der Ges. Aktienkapital Die Verluste bei oiesen Gesellschaften sind also stärker gestiegen als die Gewinne, und daraus erklärt sich die Verminderung des Reingewinnüberschusses von 9,0 auf 8,0 Proz. des gesamten Aktien» kapitals. Soziales. Nichtige Konkurrcnzklauseln. Der Ingenieur Te. trat im Februar 1900 in den Dienst der Aktiengesellschaft F. u. G. in Mülheim a. Rh. gegen ein Anfangs- gehalt von 2400 M. Er war hauptsächlich in der Drahtzieherei beschäftigt. In seinem Anstcllungsvcrtrage hatte Te. sich ver» pflichtet, drei Jahre nach seinen: Ausscheiden in Deutschland, Oesterreich, Rußland, der Schweiz, Italien, Belgien und England weder mittelbar noch unmittelbar an einem Geschäft sich zu beteili- gen oder bei einem solchen sonst irgendwie tätig zu sein, welches sich mit der Fabrikation oder dem Vertrieb der Fabrikate der Firma F. u. G. oder auch deren Hilfsmitteln befaßt, insbesondere mit der Fabrikation von Kupfer, Messing uüd deren Legierungen, von Draht, Drahtwarcn und Trahtbahnen, von isolierten Lcitungstobcln jeder Art; überhaupt sollten alle Fabrikationszweige von dem Verbot betroffen werden, die nach den Geschäftsbüchern und Preislisten in den Geschäftsbereich der Firma fallen. Bei Zuwiderhandlung war eine Vertragsstrafe von 10 000 M. festgesetzt, die sich um je 3000 M. für jedes weitere Vierteljahr erhöhen sollte, falls der An- gestellte die verbotene Konkurrenztätigkeit fortsetzt.— Te. hat seine «tellung am 2. Dezember 1907 gekündigt und ist bei einer Firma in Schalle, die unzweifelhaft ein Konkurrcnzunternchmen(Draht- zicherci) betreibt, eingetreten. Tie Aktiengesellschaft F. u. G. per- langt nun von Te. Zahlung der 10 000 M. Vertragsstrafe. Dieser wendet ein: der Vertrag sei wegen Berstasics gegen die guten Sitten nichtig. Das Landgericht und Oberlandesgericht Köln haben die Klage abgewiesen. In seinen Entscheidungsgründcn führt das Ober- lanidesgcricht aus: Aus dem Vertrag ergibt sich, daß die Klägerin ihr wirtschaftliches Ucbcrgcwicht gegenüber dem Beklagten in über» mäßiger Weise ausgenutzt iiat, und zwar so, daß der Beklagte Wirt- schastlich geradezu lahmgelegt wurde und aller Vorteil nur auf «eiten der Klägerin war. Der Beklagte war durch den Bertrag in beinahe allen Kulturstaaten Europas nicht nur in der Jabri- kation, sondern auch im Handel auf einem großen industriellen Gc- biete ausgeschlossen bei Vermeidung einer sebr hohen Vertragsstrafe. Auch wenn die Klägerin den Beklagten ohne jeden Grund entließ oder wenn der Beklagte einen erheblichen Grunid zur sofortigen fristlosen Kündigung hatte, sollte die Konlurrenzklausel Gültigkeit haben. Die Bestimmungen des Vertrags sollten außerdem im Zweifel nicht einschränkend, sondern zugunsten der Klägerin aus- gelegt werden. Ein solcher Vertrag»cht mit dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden in schroffem Widerspruch; er ver- stöbt gegen die guten Sitte» und isl dcsbalb nichtig. In so un- billiger Weise darf die wirtschaftliche Freiheit und das Fortkommen des Klägers nicht beschränkt werden.— Zu bemerken ist noch, daß der vom Gericht vernommene �sachverständige den Vertrag, wenn er wörtlich aufzufassen fei, als Sklavcnvcrtrag bezeichnet, wie er wohl einzig in der Technik dastehe. Das Reichsgericht hat die von der Klägerin eingelegte Revision am 18. d. M. zurückgewiesen. In gleichem Sinne entschied der höchste Gericht sbof in einer zweiten Klage derselben Firma gegen einen Ingenieur Tr.. der nach 12jährigcr Tätigkeit im Juli 1909 ausgeschieden und bei einer Firma eingetreten war, die Hi-lfsmaschincn für Drahtzieherei her- stellt. In diesem Falle hatte die Klägerin auf Grund desselben An. lellungsvcrtragcs verlangt, daß der Beklagte die Tätigkeit für die Konkurrenzfirma unterlasse, ist aber damit in allen Instanzen ab- gewiesen worden. (Siehe auch 2. Beilage.) 6e werfc rcbaftlicbea. Sine erfolgreiche Carifbewegung. «Lroßo Arbeitskämpfe wurdeil für das Frühjahr 1913 erwartet. Es war allgemein bekannt, daß insbesondere die Unternehmer im Aaugetverbe von langer Hand umfassende Vorbereitungen für eine große Aussperrung getroffen haben die ini Frühjahr 1913 bei Ablauf des Vertrages einsetzen sollte. Im Juni vorigen Jahres wurde auf Verreiben des ArbeitgebcrbundeS für das Baugewerbe das K a r t e I l b a u gewerblicher Arbeitgcberverbändc gegründet welches neben der genannten Organisation auch die maß gebenden Unternehmerverbändc im Malergewcrbe und in der Holzindustrie rimschloß. Tie Bedeutung dieser Gründung wurde von den in Frage kommenden Arbeiterorganisationen nicht unterschätzt. Sie konnte keine andere Bedeutung haben, als bei der im Frühjahr bevorstehenden Bertragserneuerung den Arbeitern geschlossen entgegenzutreten und sie durch eine einheitlich geleitete Aussperrung den Wünschen der Scharf macher gefügig zu machen. ES ist aber auch hier anders gekommen, als man dachte. Tie Male r nt e i st c r haben zwar unter Ablehnung des von den Unparteiischen gefällten Schiedsspruchs die Aussperrung beschlossen; der Gang der Tinge dürfte jedoch dre Schars macher in diesem Gewerbe wenig befriedigen. Tie Aussper rung hat bei weitem nicht den von ihnen erwarteten Umfang angenommen und die Hoffnung, daß die Herren bei dem von ihnen provozierten Kampfe den kürzeren ziehen, gewinnt immer mehr Boden. Im Baugewerbe ist die Entschei dung noch nicht gefallen. Tie Meldung von der am 18. März .erfolgte» Annahme des Schiedsspruchs durch dm Vorstand des Arbeitgeberbnndes für das Baugewerbe hat der Situation wohl einiges von ibrer Schärfe genommen, aber die Eni Wickelung der Tinge hängt doch noch sehr von dem Verhalten der Unternehmer bei den bezirklichen und örtlichen Tarifver Handlungen ab, die nunmehr einsetzen und bis znmJ9. April beendet fein sollen. Sie bieten noch eine Menge Schwierig- feiten und damit die Möglichkeit, daß es doch noch zum Kon- slikt kommt. Dagegen kann die Tarifbewegung in der Holzindustrie nunmehr als abgeschlossen gelten. In einigen Städten sind zwar noch einige minderwichtigc Tifferenzoi'. zu erledigen, auch haben die Zentralvorständc noäl, einige allge- meine Fragen zu regeln, doch fallen diese Momente nicht mehr schwer ins Gewicht. Ter friedliche Verlauf der Tarif- bewcgnng in der Holzindustrie bedeutet einen schönen Er- folg der Arbeiter. Auch die Unternehmer im Holz- gewcrbe haben lange Zeit hindurch sehr eifrig mit dem Gedanken einer umfassenden Aus- sperrung kokettiert. Wenn sie schließlich davon ab- gekommen sind und es vorgezogen haben, den Arbeitern an- nehmbare Zugeständnisse zu machen, dann dürsten die schlimmen Erfahrungen, die sie bei früheren Gelegenheiten mit der K a m p f e s t üch t i g k e i t des Teutschcn HolzacbeiterverbandeS machen mußten, ihren Entschluß ivescntlich beeinflußt haben. Man darf nicht glauben, daß sich die Holzarbeiter, um cineir opferreichen Kamps zu vermeiden, mit bescheidenen Zu- geständnisien zufrieden gegeben hätten. Tic„Holzarbeiter- Zeitung" weist in einem Rückblick auf die Tarifbewegung darauf hin, daß die materiellen Erfolge, die diesmal errungen wurden, durchaus nicht hinter den Ergebnissen bei früheren Bewegungen zurückstellen. Sie sind aber um so bcdeutungs- voller, als sie unter sehr schwierigen Verhält- im s e ii erzielt wurden. Ter Geschäftsgang hat schon merklich nachgelassen. Ter Deutsche Holzarbeitervcrband nimmt jeden Monat eine genaue Arbeitslosenstatistik auf. deren sich nun schon ans eine Reihe von Jahren erstreckende Ergebnisse einen Rückschluß auf die jeweilige Konjunktur zulassen, tslernde in den letzten Monaten ist der Prozentsatz der arbeitslosen Holzarbeiter beträchtlich angewachsen. Daß eine große Arbeitslosigkeit im Beruf nicht gerade geeignet ist, die Pofi- tion der Arbeiter bei den Verhandlungen zu stärken, ist be- greiflich. Um so größer ist aber die Befriedigung, daß es den Beauftragten des Deutschen Holzarbeiterverbandes gelungen ist, wertvolle Zugeständnisse von den Unternehmern zu er- langen. Allerdings mußten die Arbeitervertretcr auch ihrerseits Zugeständnisse machen, und dem Arbeitgeberichutzvervand für das deutsche Holzgewerbe dünkt als wertvollstes Ergebnis der Tarifbclvegung die Zusammenlegung von drei Gruppen von Vertragsstädten auf einen gemeinsamen Ab- laufstcrmin. Bekanntlich hat die Unternehrnerorganisation schon seit der im Jahre 1907 in Berlin und einer Reihe anderer ertädte inszenierten Aussperrung ihr Augenmerk auf einen gemeinsamen Ablausstermin für alle Verträge im Holzgewerbe gerichtet. Tieies Streben hat der Holzarbeiter- verband durchkreuzt. Er bat es durchgesetzt, daß zunächst drei- jährige, feit dem Jahre 1910 vierjährige Verträge abgeschlossen werden und damit erreicht, daß vier Gruppen von Städten gebildet wurden, deren Verträge je einen gleichen Ablausstermin haben. Als der Arbcitgeberschutzverband sich in diesem Fahre darauf versteifte, die neuen Verträge auf drei Jahre abzuschließen, da kam eS ihm auf die Vertragsdauer an sich weniger an. Er wollte jetzt damit beginnen, durch entsprechende Befristung der Verträge, die vier Gruppen all- mählich zu einer zusammenzulegen, um damit zu erreichen. daß er eines Tages mit einer Aussperrung in der gesamten Holzindustrie drohen und durch diese Drohung Erfolge er- ringen könne. Tie vier Städtcgruppen sind sehr ungleich. Tie größte mit zirka 30 000 Arbeitern stand jetzt zur Erneuerung. Im Jahre 1911 laufen Verträge für zirka 5000, 1913 solche für zirka 19 000 und 1910 für zirka 0000 Arbeiter ab. Im Deut- scheu Holzarbeiterverband ist die Zusammenlegung der drei kleineren Gruppen sehr gründlich erwogen worden. Man hat den Unternehmern dieses Zugeständnis gemacht, weil es sich hier in Wirklichkeit um einen Vorteil für die Arbeiter bau- delt. Es bestehen nunmehr in der Holzindustrie zwei Städte- gruppen mit je gleichem Ablausstermin. Tie eine, mir zirka 30000 Arbeitern, ist die, über deren Verträge jetzt vcrhandelr wurde. � Im Jahre 1915 kommt die andere Gruppe an die Reihe, die zusammen etwa 30 000 Arbeiter umsaßt. In dem Schiedsspruch, in welchem diese Vereinbarung niedergelegt ist, heißt es:„Tie so geschaffene Zweiteilung der Vertrags- gruppen mitjevicrjährigerVcrtragsdauer wird als rechtmäßiger Zustand beiderseits anerkannt." Ter Arbeitgcbcrschutzverband hat sich also danrit abgefunden, daß eine Zusammenlegung aller Verträge auf einen gemein- somen Ablaufstermin für ihn unerreichbar ist. Ter Holz- arbciterverband aber erspart sich für die Zukunft die alljähr- llchcn Vertragsverhandlungen mit dem Schutzverband. Tiefe haben nämlich, auch wenn es sich nur um eine kleine Gruppe handelte, doch viel Zeit in Anspruch genommen. Und was viel wichtiger ist, während dieser Verhandlungen mußten die Lohnbewegungen in den anderen Städten notwendig zu- rückgehalten werden. Künftig wird mit dem Arbcitgebcrichntz- verband nur ein Jahr um das andere verhandelt; in der Zwischenzeit kann der Verband seine Kraft darauf verwenden, Lohnbewegungen in den Städten und Berufen zu führen, in welchen der Arbeitgeberschutzverband nicht in Betracht kommt. Wenn man erwägt, daß der Deutsche Holzarbciterverband Vertragskontrahent für Verträge ist. dcnrmi insgesamt etwa 113 000 Arbeiter unterstehen, daß aber der Arbeitgcbcrschntz verband nur bei Verträgen für insgesamt etwa 80 000 Ar beiter als Partner in Betracht kommt, dann wird man bc greiren. daß die Leitung des Verbandes ein Interesse daran hatte, den Ablanfstermin der Verträge möglichst so zu legen, daß er jederzeit die notwendige Ellenbogenfreiheit für seine Aktionen hat. Also auch bei diesem einzigen Punkt, in welchem der Holzarbeiterverband seinem Gegner ein scheinbares Zuge- ständnis gemacht hat. handelt es sich nur um eine t a k t i s ch% Maßnahme, dieim Interesse der Arbeiter liegt. Die Holzarbeiter können also in jeder Beziehung mit den Errungenschaften der Tarifbewegung zufrieden sein. Wenn ihre Wünsche auch nicht in vollem Maße befriedigt wurden. so fällt der Umstand, daß sie unter schwierigen Verhältnissen bedeutende Eriolge unter Vermeidung eines opferreichen Kampfes erzielen konnten, um so schwerer ins Gewicht. Mögen die Ergebnisse der Tarifbewegung in der Holz industrie ein gutes Omen für die nun beginnenden örtlichen Verhandlungen im Baugewerbe sein! Berlin und llmgegrnd. Achtung, Hcrrcnkonfcktion! Folgende Zwischenmeister für Hosen und Westen der Herrenkonfektion fertige» Streikarbeit an A n n a ck e r. Lortzingstr. 22; Baum. Choriner Str. 46 1 Baum Chodowieckistr. 21; Bernuth, Ltochhannstratze 29: Villa be ck Puttbuser Straße 49; B e st ä n d i g, Engelufer la; DrcwS, Kastanicnallce 11; D r e w s, Schliemannstratze 43; F ä n d r i ch, Graunslr. 36; G e pp ert, Ramlcrstraße 32; G u t t k e, Ruppiner tratze 9; Klimsch, Graunstr. 42; Karau, Kopernikusstr. 29; KupZki, Putbuser Str. 54; K r a n i s ch, Ruppinerstr. 42; Klotz, Rügenerstr. 19; K u h n k e, Graunstr. 8; K e r st e n, Dolzigerstr. 7; K n o b l a u ck>, Kopenhogener Straße 77; M a r s ch e w s k i, Kugler- traße 41; M u h r. Raumerstraße 6; Seile, Gcaunstraße 24; Stolzenwald, Schönhauser Allee 71»; Schröder, Driesener Straße 4; Sperling. Schönholzcr Straße 16; S ch ö n l i tz, Köpenicker Straße 115; Stemmler, Rigaer Str. 24; Tolks- do rf, Franseckystratze 28; Tietz, Kochhannstraße 6: Westphal, �ranseckystr. 13; Ziege; Rheinsberger Str. 22 und Geschwister ' e r tz, Neukölln, Prinz-Handjery-Straße 34, Restaurant Pasewald. Da sich täglich Aenderunzen notwendig machen, bitten wir, immer die letzte Liste zu beachten. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Die Lrtsverwaltung. Achtung, Kostüm- und Tamcnkonfektions-Schneider! Der Streik bei der Firma R. M. M a a tz e n G. m. b. H., Leipziger Str. 42, und Oranienplatz, ist nach Verhandlungen mit der Finna beendet und wird hiermit die Sperre aufgehoben. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Ortsverwaltung Berlin. In dem Streik der Treibricmcnsattlcr ist bis heute eine wcsent liche Veränderung nickt eingetreten. Turck besonders auffallende Annonzen suchen die Firmen„Union" und Franz Pretzel n. Go. in der„Berliner Volkszcitung" Ersatzkräftc, während Herr Die- euer einzelnen der Streikenden Zulagen verspricht, um sie zur Rückkehr in seinen Betrieb zu bewegen. In nicht gerade angc- nchiner Situation scheint sich die Firma Pretzel u. Co. zu be- inden. denn anders läßt eS sich nicht erklären, daß Herr Hugo Pretzel in eigener Person sein Privatbreai kutschiert, das als kostbare Ladung zwei jetzt so sehr gesuchte und umworbene Arbeits- willige enthielt. Diese Maßnahmen können die Streitenden natür- lich nicht wankelmütig machen; sie zeigen vielmehr, daß die Sache recht günstig für sie steht. Hofsenttick findet auch Herr Pretzel an seiner jetzigen Beschäftigung viel Gefallen. An die Arbeiterschaft Berlins und der Bororte. Sonntagsruhe der Einkässirrer an den ersten Feiertagen! Laut Verfügung des Königl. Polizeipräsidiums vom 13. Juni 1912 dürfen an den ersten Feiertagen die Einkasfierer nicht bc- lchäftigt werden. Nach den uns zugegangenen Mitteilungen wird aber von fast allen Firmen der Abzahlungsbranche au die Ein- kafficrer das Verlangen gestellt, trotz des ergangenen Verbots am ersten Feiertage zu kassieren. Wir ersuchen das auf Teilzahlung kausende Publikum, die Einkasfierer. welche um die Erringuug der völligen Sonntagsruhe einen erbitterten Kampf fübren. derart zu unterstützen, oaß man dieselben auf die polizeiliche Verfügung aufmerksam macht und am ersten Feiertage Ratenzahlungen nicht leistet. Außerdem ersuchen wir, bei allen Einkassicrern die Lrgani- 'ationszugchörigkcit nachzuprüfen, da in einigen Betrieben die gelben Söldlinge" ihr unsauberes Treiben wieder beginnen. Jeder im Deutschen Transportarbeitcrverband organisierte A b- ahlungs-, Nähmaschinen-, Versicherungs- und Automatenkassiercr sowie die Kasscnboten aller Branchen müssen im Besitz einer gelben Legitiniationskarte, welche monatlich gestempelt ist, sein. Alle Täuschungsversuche weise man energisch zurück. Deutsckcr TranSportarbcitcrvcrband, Branckc oer Einkassiercr und Kassenboten. I. A.: Friedrich Luckow, Carmcn-Sylvastr. 29. Gastwirtsgehilfen! Die Differenzen mit den..Prachtsälen des Ostens" lJnhaber H. Cranz) sind beigelegt. Die Forderungen der Streikenden wurden bewilligt; sie treten am ersten Osterfeiertag die Arbeit wieder an. Die„Residenzfestsäle", Landsberger Str. 31 sJnh. Walterstein), bleiben für organisierte Gastwirtsgehilfcn infolge Tarif- bruchs gesperrt. ' Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsverwaltung Berlin. Partcigcnosien, Raucher! Angesichts der Osterfeiertage seien nochmals alle Raucher darauf hingewiesen, bei ihren Zigarren- einkäufen darauf zu achten, daß der betreffende Händler auch das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, aufweisen kann. Uebt Solidarität! Achtung! Tabakarbeiter! Die Zigarrenfabrik von ornkessel, Waldstr. 39 III, ist nach wie vor gesperrt. D i e grünen Plakate sind der Firma entzogen. Der Vertrauensmann der' Tabakarbeiter. Achtung, Friseurgchilfcn! Tariflich geregelte Betriebe: Geb- ardt, Neue Hochstr. 7; Ruschkc. Rheinsberger Str. 46; Langer, Tunkcrstr. 68. Aufgelöst sind die tariflichen Ab- mackungen bei Stiller, Pankow, Brehmcstr. 1. Die jetzt gültige Kontrollkarte ist von grauer Farbe und wird nur in Betrieben ausgehängt, wo die Gehilfenfordcrungcn durchgeführt werden. A m 2. Feiertag darf kein Mit- glied arbeiten. Verband der Friseurgebilsen. Deutsches Kelch. Tie Farbcnlieferantcn als Helfer der Scharfmacher im Malergewerbc. Die Farben- und Lackfabritanten und-Händler sollen nun. nachdem der Unternehmcrvcrband mit seiner Aussperrungsaktion so schwer in oic Patsche geraten, helfend in die Bresche springen. Tie neueste Nummer der„Farbenzeilung" bringt zwei Aufrufe. Der deutsche Schutzvercin der Lack- und Farbeninduslric in Berlin gibt seinen Mitgliedern bekannt, daß„die Aussperrung unvcrmcic- dar war, um wieder geordnete Verhältnisse im Malergewerbc her- beizuführen. In diesem Kampfe bedürfen die Maler auch der Uiitersiützung�und Mithilfe ibrer Lieferanten. Zu oicscr wird nun der gesamte Farben- und Lackhandel aufgefordert. Besonders wird cd sich darum handeln, zu verhindern, daß nicht organisierte Maler oder ausgesperrte Gehilfen bez«v. deren Vereinigungen den im Kampfe stehenden Malermeistern in den Rücken fallen. Wir cmp- fehlen dringend, Lieferung und Kreditgewährung überall abzu- lehnen, wo es sich um Arbeiten bandelt, die organisierte Maler wegen des Lohnkampfcs nickt ausführen können. Jeder Händler kann feiner Kundschaft behilflich sein, über diese schweren Wochen hinloegznkommcn und die Folgen der arbeitslosen Zeit zu mildern. Es gilt in dieser Zeit, unseren Abnehmern neue Waffenbrüder- schaft zu erzeigen und die Gemeinsamkeit der Interessen surch die Tat zu beweisen". Der Süddeutsche Verband der Farben- und Lackfabritanten und-Händler schreibt in seinem Aufruf: „Vom Hauptvorstand deutscher Arbeitgeberverbände im Malcrgcwcrbe ist die Aussperrung aller organisierten Arbeiter verfügt worden. Diese Maßregel hat aber meistens zur Folge, daß die Gehilfen auf eigene Faust arbeiten, daß sich vcrschicvcnc selbständig machen, oder daß sick mehrere Gehilfen zusammen- schließen und Produktivgcnossenschaftcn gründen. Hierdurch entsteht den Meistern eine Konkurrenz, die um so empfindlicher ist, als sie selbst in der kritischen Zeit der Sperre keine neuen Arbeite» annehmen oder angefangene Arbeiten nickt vollenden können. Angesichts dieses Kampfes erscheint es drin- gcnü geboten, daß die Farben- und Lacksabritantcu und-Händler ihre langjährigen Geschäftsfreunde auf das wirksamste unter- stützen. Wir fordern daher alle unserem jBerband angchörigen Mitglieder auf, während der Dauer der Sperre Gehilfen oder neuen Malcrgcschäften keine Waren auf Kredit zu geben, und im Falle von Barzahlung nicht die Vorzugspreise der Maler einzuräumen, sondern nur zu Ladendctailprciscn zu verkaufen. Wir hoffen auch von allen anderen Kollegen, die außerhalb der Pcrbände stehen, daß sie unserer Aufforderung Folge leisten, denn cS liegt auch im Interesse des gesamten Farben- und Lack- Handels, daß zwischen Meistern und Gebilfen ein Verständnis erzielt wird und cbcstcP wieder normale Verhältnisse im Maler» gewerbe eintreten." Diese Mühe hätten sich die Herren Fabrikanten und Händler sparen können. Uebcrall, wo die ausgesperrten Gehilsen nun selbst die Fertigstellung und die Uebcrnahme von Molcrarbeiten in die Hand genommen haben und noch nehmen werden, ist ihnen der Bezug der notwenckgen Materialien zu Engrospreisen ein Leichtes gewesen. Ja, den Filialvcrioaltungen in den einzelnen Orten sind hinreichend Offerten leistungsfähiger Fabrikanten und Händler überreicht worden, obgleich den ausgesperrten Gehilfen allcrwärts genügend Geschäfte helfend zur Seite stehen. Sonderbar berührt es nur, daß sich die Fabrikanten zu einem, wie sie selbst wissen, so aussichtslosen Schritt von den organisierten Malermeistern drängen lassen, die dock, selbst mit ihren Euikaussgenosscnsckaften den Farbenhändler» das Wasser abgrabe» wollen. Dann die Frage der„LegitimationSkartcii", diese„unwürdige Besteuerung des Lack» und Farbenhaudels" durch den westdeutschen Malcrmeisterverband. Hat der Zcntralausschuß der Verbände der Lack- und Farben. branchc Deutschlands seinen Beschluß vom 30. und 31. Januar d- I- gegen die„allem gesunden Rechtsempfinden widersprechenden" Rundschcibcn des Gaues II in Barmen vergessen? J+ctzU Nacbricbten« Schweres Unglück auf dem Kummersdorfcr Schießplatz. Ein furchtbares Unglück hat sich gestern vormittag auf dem Artillerieschießplatz Kummcrsdorf bei Jüterbog ereignet. Ein Tele- gramm, das uns spät abends zuging, brachte folgende Einzelheiten: Auf dem Schießplatz Kummcrödorf fand vormittags ein Schießen der Vcrsuchtsbattcrie der Artillcrie-PrüsungSkommisfion unter Leitung des Batteriechefs statt. Aus bisher noch unaufgeklärter Ursache entlud tich ein Vcrsuchsgeschütz nach hinten und verletzte die Bedienungsmannschaften. Ter Lbergcfrcitc Wiedmchr war sofort tot, Kanonier Eonrad verstarb nach seiner Einlicferung im Garnisonlazarcit Tcmpclhof um 1 Uhr 39 Min. Außerdem sind mit leichten Verletzungen in das Lazarett eingeliefert: Unteroffi- zier Wachtlin und die Kanoniere Bohnen und Liebcns. Bei diesen drei Verletzten besteht keine Lebensgefahr. Näheres wird die ein- geleitete Untersuchung ergeben. Tic Lösung der Ministcrkrisc. Paris. 29. März. lW. T. B.) In radikalen Kreisen wird die Ansicht geäußert, daß der von den Gegnern pcs Verhältniswahl- hstcmS in der heutigen Sitzung der Kammer errungene Erfolg geeignet fei, zur Klärung der Lage beizutragen. Tie Mehrheif, die sich gegen den Bcschlußautrag der Proportionalistcn ausgesprochen hat, zeige, daß der Wahlrcformcntwurs in der Kammer seinerzeit nur infolge der von der Regierung ausgeübten Beeinflussung durchgedrungen sei und daß nunmebr ohne allzu große Schwierig- keilen sich ein Einvernehmen zwischen Kammer und Senat er- zielen lasten werde. Dadurch werde auch die Lösung der Minister- krise wesentlich erleichtert.— In den Wandelgängen der Kammer wird nunmehr ein Kabinett Bartbou-Pichon für sehr wahrschein- lich gehalten. Da Pichon erklärt hat, daß er nur das Mimsterii�n Aeußcrn übernehmen werde, glaubt man, daß Jonnart dem neuen Kabinett nicht angehören werde. Auch für die Portefeuilles des Krieges und der Marine sollen nicht mehr Etienne und Boudin, sondern der Llrmecinspekteuc General Pau und der Oberbefehls- Haber des Mittclmcergeschwadcrs Boue de Lapeyrcrc in Aussicht genommen sein, der schon einmal an der Spitze der Marinever- waltung gestanden hat. Barlhou Ministerpräsident. Paris, 20. März.(P.-C.) Justiznnnister Bartliou bat seine endgültige Zustimmung zn der Annahme des Minister- Präsidentenpostens erteilt. Barthon erklärte, daß er schweren Herzens nur dieser undankbaren Aufgabe sich unterziehe, um auf dem Altar des Vaterlandes ein Opfer darzubringen. Sein Urogramm ist nach wie vor die Ansrechterlialtung der Wieder- einstihrung der dreijährigen Ticnstzeit sowie in zweiter Linie eine Versöhnung zwischen Kammer und Senat in der An- grlegcnhcit der Wahlresorm herbeizuführen. In parlainen- tariichcn Kreisen bringt man dem neuen Ministerpräsidenten wenlig Vertrauen entgegen. Keine Verständigung, sondern rüsten. Paris, 29. März. ,W.?. B.) Ter HccrcsauSschuß der Kammer hat mit 22 gegen 5 Stimmen einen Antrag Jaures ob- gelehnt, der dahin ging, die Regierung solle an den SchirdS- gerichtshos in Haag wegen Einschränkung der Rüstungen appel- lieren.__. "Lerantw. Redakt.: Alfred Wirlepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.: Uh- Glucke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.n VerlagsanftaU Paul Singer& G'o., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen u. tlntrrhaltungsbl. 9,68. so.!.*,«. i Keilllge des Jütmürtf Kerlim NslksdlÄ. flbg. Dr. Ißugdan und die ßäclserei' Verordnung. Genosse Dr. Jgnaz Zadel, der sich zurzeit auf einer Reise befindet und deshalb erst jetzt die Nummer des„Vorwärts" vom 6. März mit der Antwort Bebels auf Mugdans Er- klärung zu Gesicht bekommen hat, sendet uns zur Veröffent- lichung folgende Abfertigung des Herrn Abg. Dr. Mngdan: Als ich vor mehreren Wochen die Bemerkungen MugdanS iiber die Bäckereiverordnung usw. im preußischen Abgeordnetenhause las, trieb es mich, lvie sicherlich manch anderen Mediziner, sofort auf dieselben zu reagieren— hatte ich mich doch soeben erst wieder an- läßlich der Neuauflage meiner von Bebel zitierten Arbeit über die Hygiene der Bäcker usw. im Weyischen Handbuch der Hygiene mit den Verhältnissen im Bäckergewerbe eingehend beschäftigt. Damals unterließ ich eS in der Annahme, daß es sich vielleicht um Worte handele, die in der Hitze des Gefechts gefallen und vom Kollegen Mugdan bei ruhiger Ueberlegung und passender Gelegenheit korri- giert werden würden, und weil ich es weiter für richtig hielt, Bebel als dem in erster Reihe Beteiligten und Genannten die Exekution zu überlassen. Nachdem daS letztere jetzt in so bündiger Weise von Bebel be- sorgt und auch mein Name dabei genannt worden ist, nachdem von Seiten MugdanS keine von seinen Behauptungen zurückgenommen oder auch nur gemildert worden ist, will ich das Versäumte nach- holen und glaube damit in der Sache selbst nicht zu spät zu kommen, da— abgesehen von der Frage nach Bebels Verdienst um die Bäcker— die von Mugdan aufgestellten schiefen und unrichtigen Behauptungen m. W. bisher noch keine Richtigstellung gefunden haben. Was Bebels Anteil an der Aufdeckung und Veröffentlichung der Zu- stände im Bäckereigewerbe und an der sich daran schließenden parlamen- tarischen Enquete und Gesetzgebung im Deutschen Reiche betrifft, so kann nur grobe Voreingenommenheit, die unfähig ist, dem politischen Gegner gerecht zu werden, ihm das Verdienst bestreiten, als Erster in Deutschland durch seine systematische Schilderung der Verhältnisse im Jahre 1890 und durch die sich anschließende, nachdrückliche Verfolgung des Gegenstandes im Parlament die Gesetzgebung endlich zum Ein- schreiten veranlaßt zu haben. Und darauf allein kommt es in diesem Streit an. Wenn selbst vor Bebel diese„noch ganz grauenhaften, mittelalterlichen Zustände im Bäckergewerbe"(Prof. Emmerich) mit all den Details und Be- legen von einem Mediziner ioder Nichtinediziner) geschildert worden wären— ohne indessen an die Oeffentlichkeit zu dringen, ohne die Polizei und die Parlamente zur Nachprüfung zu zwingen, und ohne die Folgen zu zeitigen, welche Bebels Vorgehen in der Gesetzgebung und in der Stellung der Bäckereibetriebe unter die Kontrolle der Gewerbeaufsichtsbcamten tatsächlich gehabt hat— so wäre doch Bebel derjenige gewesen, dem jeder, insbesondere jeder im öffent- lichen Leben stehende Mediziner, zu Dank verpflichtet wäre. Aber jene Voraussetzung trifft obendrein nicht zu. Mugdan ver- schiebt vollständig den strittigen Punkt, wenn er immer wieder darauf zurückkommt, daß Ramazziri, Hirt u. a. schon lange vor Bebel auf die Schäden der Bäckereiarbeit, der überlangen Arbeitszeit und insbesondere der Nachtarbeit für die Bäcker hingewiesen haben. Das hat ebensowenig im 18. wie im 19. Jahrhundert irgendwelche Wirkungen gehabt, sozusagen keinen Hund vor den Ofen gelockt. Erst als durch die Details Bebels der ganze Jammer, die ganze Zu« rückgebliebenheit des Gewerbes, die gesundheitlichen Gefahren und die ekelerregenden Zustände bei der Herstellung des täglichen Brotes an die breiteste Oeffentlichkeit gebracht wurden, und das zu einer Zeit, wo die Hygiene ganz besonders reinliche Lebensmittelzubereitung verlaugte und den Zusammenhang zwischen Magen- und Darm- erkrankungen(Typhus, Cholera, Tuberkulose usw.) und infiziertem Trinkwasser und Nahrungsmitteln lehrte— erst da kam es zu jener durchschlagenden Wirkung, dem Aussehen innerhalb und außerhalb des Reichstags, dem EntrüstungSsturin der in ihren heiligsten Interessen bedrohten Bäckermeister. Jetzt erst erfuhr die Welt, wie entsetzlich es um die Zubereitung der Backwaren, um die Arbeitsbedingungen der Lehrlinge und Gesellen, die Arbeits- und Schlafräume, die Wasser- und Klosettverhältnisse usw. stand. Der Menschheit Fasslonsweg. Wie groß ist doch das Leid in der Welt! Ungeheuer groß! turchtbar! Herzzerreißend! Empörend! So groß ist heute das eid, daß es die Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Heere formiert es. Auf der einen Seite die Leidenden. Tie. die sich zu- sammcnscharen, vor Augen das Leid dieser Welt, im Herzen die große Hoffnung, austilgen zu können, was Ursache dieses Leidens, Veranlassung zu dem Seufzen, dem Jammern der Vielen, ach so Bielen ist. Auf der anderen Seite jene, die mit vom Leid gebleichten Knochen sich Throne bauen, auf denen sie sitzen und herrschen über dies Leid, sich zum Genuß. Die Altäre errichten von den Leibern dieser Leidenden, das Leid zu preisen. Die voller Freude dem Seufzen der Leidenden lauschen, denn es ist ihnen Hallcluja. Mit Tränen des Leids sprengen sie dort, was ihnen heilig ist, denn es ist ihnen Weihwasser der Lust. Und wie augenehm ist das Sitzen auf diesen Thronen für diese Lcidlosen. Denn es bedeutet Genießen ohne Schassen. Heilig finden sie das Verweilen an diesen Altären, denn es sind ihnen Stätten unverdienter Freuden. Ausgehend von ihren Lnstopsern, verbreitet sich uni sie der Hauch scheinbarer Ewigkeit ihres Tuns, des Unveränderlichen und Unvcrgchenden ihres Treibens. Wie sicher fühlen sie sich deshalb in ihren Tempeln. Wie angenehm ist es da diesen Lustmenschen, dort zu weilen. Denn es umgaukelt dort fatamorganisch den Blick, ver- hindert das Sehen, erschwert das Hören... Dort unten ziehen die anderen dahin. Furchen im Gesicht. Das Leid hat sie gegraben. Krankheit im Geblütc. Das Leid hat sie vergiftet. Mißgestaltet ihre Formen. Das Leid hat sie zerzaust. So wandeln sie dahin. Endlos lang sind ihre Reihen, fcstge- schlössen ihre Züge. Doch Blitze sprühen aus ihren Augen. Blitze der Erkennenden, Strahlen der Hoffenden, die wissen: die Erfüllung kommt. Helligkeit verbreiten sie um sich. Glanz geht von ihnen aus und leuchtet auf ihrem langen, langen Weg, der abgesteckt ist von den blutigroten Bannern der Freiheit und der Revolution. Hart ist der Weg, den das Heer der Leidenden wandeln muß. Nicht leicht ist das Gehen auf ihm. Die Bahn ist oft versperrt. DaS Leid geht ja mit ihnen, Untiefen erzeugend, Hindernisse auf- richtend. Viele bleiben zurück. Viele stürzen. Denn das Leid drängelt, immer weiter will es ans starten Flügeln und mit dumpfem, hartem Flügelschlag..... Droben aus dem Berge stehen die Tempel des Genusses, der feilen Freude. Der Rauch der Mammonsopser umzieht düster die Flur. Das ist ein Jauchzen da oben. Voller Freude opfern sie threr Lust, in geiler Brunst frönen sie ihrer Begier. Dort unten aber ziehen sie heran, die Träger des Leids, frei Der Abg. Osann erklärte 1891 im Reichstag, man habe aller- dings geglaubt, daß das, was Bebel über Zustände in den Darm- städter Bäckereien sagte, unmöglich wäre. Darauf habe die Darm- städter Polizei eine Untersuchung vorgenommen. Diese habe leider ergeben, daß die Zustände in den Bäckereien noch schlimmer waren, als sie in Bebels Broschüre geschildert waren. Und. so wie in diesem Falle bestätigten aller Orten die amtlichen Nachprüfungen die Richtigkeit der Bebeischen Angaben. Und jetzt, 22 Jahre später, erklärt Mugdan im preußischen Abgeordnetenhausc, daß die Bebelsche Broschüre„neben viel Wahrem außerordentlich viel Unwahres" ent- halte, ohne auch nur den Versuch zu machen, diese den Schmäh- schristen der Bäckereibesitzer entnommene Behauptung zu beweisen, was ja schon deshalb unmöglich ist, weil sich seitdem— Dank Bebel und denr Eingreifen der Gesetzgebung— die Verhältnisse wesentlich geändert haben. Die oben erwähnte zeitliche Koinzidenz des Erscheinens der Bebeischen Broschüre mit dem Aufschwung der modernen Hygiene (im Anschluß an R. Kochs umwälzende Entdeckungen) erklärt auch das Faktum, daß bald darauf auch im Ausland, in England sogar schon kurz vorher, ähnliche methodische Untersuchungen, wie sie Bebel vorgenommen, über die scheußlichen Zustände in den Bäckereien ver- anstaltet und die Bäckereien der Kontrolle durch Gesundheits- und Gewerbeaussichtsbeamte unterstellt wurden. In London ver- öffentlichte die medizinische Zeitschrift„Lancet" schon am 39. No- vember 1889 einen Bericht der von ihr zu dem Zweck ein- gesetzten Untersuchungskommission, welchem Bericht 1899 eine Reihe anderer folgten, weiterhin die fortlaufenden Berichte der olficers of health(Waldo usw.), die Untersuchungen und Enqueten der Arbeiter- organisationen und parlamentarischen Kommissionen in Oesterreich, in Dänemark, in Frankreich usw. Der Stein war nun einmal ins Rollen gebracht und wird auch nicht mehr zur Ruhe kommen, bis nit all dem Schmutz im Bäckergewerbe gründlich aufgeräumt ist— trotz der sich immer wieder erneuernden Proteste und Petitionen der Bäckerei- und Hausbesitzer und— leider!— ihres Schutzpatrons, des Kollegen Mugdan. In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses stellte Mugdan weiter eine Reihe von Behauptungen auf. die auf jeden nicht mit der Materie Vertrauten durch die Sicherheit, mit der diese Unrichtig- keitcn vorgetragen wurden, verblüffend wirken mußten. E r st e Behauptung:(Selbstverständlich sollen saubere Zustände in den Bäckereien herrschen.) Aber darum bandelt es sich bei der Bäckereiverordnung gar nicht, sondern nur um bauliche Bestimmungen. Das ist unrichtig. Nur 88 1—& enthalten bauliche Bestimmungen, Forderungen von Luft und Licht, Lage der Bedürfnisanstalt usw., was Mugdan für die�Sauberkeit im Bäckereibetrieb für unwichtig zn halten scheint. K 6 handelt von Waschgelegenheit, Umkleidcramn, Kleideraufbewahrung— auch doch nicht gleichgültig für die Er- reichung sauberer Zustände bei der Brotbereitung.§ 7 fordert „gründliche Reinigung der Hände und Arme vor dem Zurichten und Teigmachen und die dazu benötigte Reinheit des Wassers, Hand- tücher usw.§ 8 verlangt ausreichende Sitzgelegenheit in den Arbeits- räumen an Stelle des jetzt noch üblichen Sitzens und Liegens auf den Tischen, auf welchen die Brotbereitung vor sich geht.§ 9 ver- bietet das Ausspucken ans den Fußboden, das Rauchen. Schnupfen und Kauen von Tabak, 8 11 die Benutzung der Arbeitsräume zu anderen Zwecken(Windelntrocknen!),§ 12 verlangt die Beseitigung von Ungeziefer, tägliche Lüftung, Waschungen des Fußbodens usw. Z 13/14 enthalten Forderungen bez. Mindestbekleidung bei der Arbeit, Aufgeben derselben bei ansteckenden und ekelerregenden Krank- heften usw.— ES ist mir unerfindlich, wie jemand, der die Bäckerei- Verordnung jemals zu Gesicht bekommen resp. iiber 8 3 hinaus gelesen hat, behaupten kann, sie enthalte nur bauliche Bestimmungen. Zweite Behauptung: ES ist für die Hygiene ganz gleich- gültig, ob eine Bäckerei im Keller oder im Erdgeschoß liegt. Wenn Mugdan damit sagen wollte, daß auch eine Bäckerei unter Tage sauber gehalten, eine über Tage schmutzig sein kann, so ist daS eine Binsenwahrheit, zu der man sich nicht auf die Hygiene zu berufen nötig hat. Aber wir haben es doch nicht mit theoretischen Möglichkeiten und Ausnahmen, sondern mit der schmutzigen Wirklich- keit z» tun. und wenn da behauptet wird, daß es gleichgültig ist, ob die Arbeit in tageshellen oder dunklen, auch bei Tage künstlich er- leuchteten, meist naßkalten und schmutzigen, zwei Meter und tiefer den Blick und voller Sehnsucht nach dem Land jenseits dieses Berges..... Da kommen den Berg herab Priester des Gottes Mammon. Seine besten und edelsten sind es. Beschwörend heben sie die Hände. Signale ivollen sie geben dem Heer des Leids. Einen anderen Weg sollen sie nehmen. Nicht zur Höhe sollen die Leid- beschwerten ziehen. Am Fuße des Berges der Lust sollen sie halten. Da sollen sie sich niederlassen. Von da aus sollen sie bewundernd schauen und sich freuen über die Möglichkeit nie endenden Ge- nusses, den sie den anderen bereiten. Dann sei das Leid bei ihnen Freude. Die Liebe, die sie den anderen bezeugten, ließe dann auch das in graue, dicke Nebel gehüllte Land des Leids zum sonnigen Glücksseld werden. Wir wollen euch führen! Kommt, kommt, folget uns! Geschäftig suchen sie den Weg zu ebnen. Eifrig die Bahn ab- zustecken. Emsig tragen sie herbei, was ihnen gut erscheint, die Kluft zu ftillen zum Wohnen am Fuße des Berges, auf dem Gott Mammon thront und seine Jünger ihm unter Zimbelklang und Harfenschlag Opfer bringen, Blntopfer von denen, die nicht ihres Stammes sind. Doch was diese Priester der schönen Worte heranbringen, ist nur leichter Sand. So viel sie auch in die Kluft streuen, der Flügelschlag des Leids weht ihn hinweg und nie, nie können die, die nicht nur inl Tal wandeln, sondern zur Höhe ziehen wollen, über die Kluft, wenn sie warten wollten auf den Erfolg der Flugsand- streucr, die Propheten der schönen Worte und der angenehmen Gesten.... Die Augen der Leidenden sind hell. Sie dringen durch den Qualm der Opferfcuer. Sie sehen aus den Grund der Feste; sie erkennen die Art und Weise der Bauherren der Tempel; es ent- schleiert sich ihnen die Verbindung der Orgien der geilen Lust dort oben und der Zwang zum Entbehren hier unten. Sic erkennen, wie dies Leid bei ihnen und in ihnen und die niedrigen Genuß- feiern dort oben nur zwei Teile der gleichen Sache sind. Und größer wird ihr Mut. Beharrlicher ihr Drang nach oben. Ueber die Kluft wollen sie. Aus den Berg und �über den Gipfel hinweg in das Land des Glückes, der Freiheit und Schönheit. Die Flugsandstrcuer jammern ob solchen Sinnes. Und sie streuen und streuen. Der Wind fegt darüber hin und alles ist verschwunden, vorüber, was sie so dauernd wähnten. Sic erklären, jie beschwören.... Die Leidenden gehen ihre Bahn. Sie ziehen dahin, näher und näher ihrem Ziel. Die Kluft gähnt ihnen schwarz entgegen. Sie zögern nicht. Opfer fallen. Sie wanken nicht. Unverwandt ist ihr Blick auf die Höhe gerichtet. Da sendet Gott Mammon seine Furien. Mitten hinein braust es in wilder Gier in das Heer des Leides. Lücken werden gerissen. Männer fallen, Frauen stürzen, Kinder werden zermalmt. Viele verschwinden in dem gähnenden Schwarz der unheimlichen Kluft gelegenen Räumen vorgenonimen wird, ohne Sonne, ohne Lüftung, ohne Reinigung, unter Verhältnissen, wie sie doch nun einmal tat- sächlich mit der großen Mehrzahl der heutigen Kcllerbäckereicn ver« blinden sind— so ist eS wiederum unverständlich, wie ein Mediziner. der im öffentlichen Leben steht, der die Berichte der Gewerbe» aufsichtsbeamtcn und Gesundheitsbeamten, der die einmütige Ver- urteilung der Kellerbäckereien durch alle Mediziner und Hygicniker, welche in der Frage das Wort genommen haben, kennen sollte, einen Satz wie diesen zweiten aussprechen kann. Dritte Behauptung: Wenn mebr Arbeiter an Tuberkulose sterben als andere Leute, so nur deshalb, weil es mehr Arbeiter in der Welt gibt. In dem Heft der„Arb.-Ges.-Bibl.", welches ich die„Proletarier- krankheit" betitelt habe, begründete ich einleitend diese(nicht etwa von Sozialdemokraten erst in die Welt gesetzte) Bezeichnung für die Schwindsucht, die freilich nicht bloß Proletarier dahinraffe; auch in den Kreisen der Besitzenden bis hinauf in hohe und höchste Kreise suche und finde die Krankheit ihre Opfer. Aber doch sei jene Be- zeichnung zutreffend, tveil so unverhältnismäßig mehr Be- sitzlose daran sterben. Nach Körösi starben 1879—1882 in Budapest an Lungentuberkulose 9,39 Reiche, 9,25 Mittelklasse, 99,39 Arme. In Hamburg kamen Ende der 1899er Jahre auf je 1999 Steuer- zahler mit einem Einkommen von über 3599 M. 1,97 Todesfälle an Schwindsucht, von 1290—999„ 3,93„, unter 999„ 5—9(geschätzt)„ und im Jahre 1919 starben daselbst 9—19 mal so viel Leute mit Einkommen von 999—1299 M. an Schwindsucht, als mit einem Ein- kommen von 25 999—59999 M. In Bremen starben aus je 19 999 Lebende an Tuberkulose im Alter von 15—39 Jahren 1,8 Wohlhabende, 19 Mittelstand, dagegen 32 Aermere, also 17— 18mal so viel Arme als Reiche. In Halle starben 1991—1999 an Tuberkulose, die Sterblichkeit höherer und mittlerer Beamter— 199 gesetzt, im Alter von 15 bis | M Und ähnlich lauten die'Zahlen, die Weinberg für Stuttgart, Reese für Breslau, Bertillon für Paris usw. ermittelt haben, aber wozu noch mehr der Beispiele häufen, um eine Sache zu beweisen, für die es eigentlich gar keines Beweises bedarf, die nicht nur jedem Mediziner bekannt ist, sondern sich für jeden von selbst versteht, der an das Wohnungselend der Arbeirer in unseren Großstädten und daran denkt, daß die Tuberkulose eine ansteckende, eine übertragbare, eine Wohnungs- und Gewerbekrankheit ist. Preisich und Schütz fanden bereits im Alter von 1 1-2—2 Jahren bei 66 armen Kindern in 21,2 Proz. Tuberkelbazillen im Nagelschmutz, und Wolff-EiLncr fand, daß in der Umgebung tuberkulöser Mitglieder der Orts- krankenkasie der Kaufleute mindestens 99 Prozent positiv reagierten, dagegen bei den in besseren Wohnungsverhält- nisten lebenden Privatpatienten nur 29—25 Proz. Nein, es sterben nicht bloß absolut mehr Arbeiter an Tuberkulose als andere Leute, weil es mehr Arbeiter in der Welt gibt, sondern relativ viel mehr Arbeiter, wie bei allen ansteckenden Krankheiten; die Schwind- sucht ist vorläufig immer noch die Krankheit des Proletariats. Gern würde ich auch noch auf die Frage der Verbreitung der Tuberkulose unter den Bäckern eingehen, eine Frage, die ebenfalls in jener Sitzung berührt worden ist, und nicht kurzerhand mit ein paar Worten zu erledigen ist, aber ich fürchte ohnehin schon, den Raum des„Vorwärts" über Gebühr in Anspruch genommen zu haben und muß diejenigen, welche sich für die Frag» interessieren, auf die demnächst erscheinende Publikation im„Handbuch der Hygiene" verweisen. Mit Parteigruß Jgnaz Zadel. Bub der Partei. Tic belgische Arbeiterpartei. Der Gencralrat der belgischen Arbeiterpartei hat soeben seinen Jahresbericht über das Jahr 1912 herausgegeben, der den Tele- gierten zum Parteitag, der nächsten Sonntag znsammentritt, zur Information dienen soll. Der stattliche, 175 Seiten starke Band umfaßt neben dem eigentlichen Geschäftsbericht des Gcneralrats kürzere Berichte der Parlamentsfraktion, des Genossenschaftsver- bandes, der Parteiorgane„L e P c u p l e" und„V o o r u i t", der zwischen dem Berge der Lust und der öden Wüste des Leids. Es türmen sich die Leichen, es häufen sich die Knochen. Doch: Nicht zurück! ist ihre Losung. Vorwärts! ihr Panier. Jetzt ist es erreicht! Die Brücke ist geschlagen. Blutig sind ihre Pfeiler, blutig ihre Bogen. Welch ein Hohn, welch ein Geschick! Das wird, das kann der Weg zum Glück nicht sein, jammern die Freunde stillen Wartens und des einfältigen Harrens. Doch darüber stürmt das Heer des Leids wie Wetterschlag, wie Sturmgebraus. Das Scuizen der Verwundeten, das gebrochene Ange der Toten sagt ihnen: Nur vor- wärts! Vorwärts! Ihr müßt hinaus oder herunter zu uns. Kämpfet! Ihr habt die Macht! Nur haltet aus. Mut, Mut, und ihr seid unbesiegbar! Dort oben harrt der Preis! Ein hoher, ein hehrer Gewinnt Zerstöre die Tempel des feilen Goldes, vernichte die Altäre der niedrigen Gier, reinige den Gipfel dieses Berges von den Kanzeln der feilen Lust.... Am Ziel! Am Ziel! Die Tempel stürzten. Die Altäre fielen. Tic Kanzeln sind nicht mehr. Der Nebel zerstob, der hier alles nnftagcrte. Und frei drang der Blick der Sieger hinaus ins Land. Sonnig liegt es da von ihnen. Wie leicht ist der Sinn, wie froh das Herz. Sieg! Sieg! Am Ziel! Am Ziel! Sie hörten ja nicht mehr den dumpfen Flügelschlag des Leids. Helle Klänge der Freude umgaben sie rings umher. Innige Laute des Glückes. Und die alten Kämpfer, wie fühlten sie sich jung, die jungen, wie fühlten sie sich voller Kraft. Neu war ihnen die Umwelt. Neu waren aber auch die Ge- fühle, die in ihnen aufstiegen. Frei waren jie! Frei! Frei! Sie strömten hinaus. Herkn- lisch fühlten sie ihre Kräfte wachsen, um Besitz zu nehmen von all dem Herrlichen, das sie errungen, von dem Großen, da» sie wollten.... Und der Geist der Menschheit, der bisher verbannt im dun- keiften, im tiefsten Verlies des MammonStempels geschmachtet hatte, er war nun frei, erfüllte das Land, erfüllte die Welt. Er weilte unter allen, küßte die Stirn der Sieger, und seinen Wei- sungen beugten sie sich alle voller Ehrfurcht.... Da zog von Ferne ein lichtes Gespann heran. Hell tönte sein Geläute durch die Luft über Berg und Tal. Und alle kamen zu schauen und zn staunen. Es ist der Wagen des Glückes, flankiert von der Freiheit, der Schönheit und dem Wohlstand. Kommt mit! Kommt mit! Herein! Herein! rufen die Götter des Glückes. Und alle nebnicn Platz, alle finden Raum bei ihnen. Da fuhren sie dahin, die sonst vom Leid Bedrückten, von dem Gipfel ihres Kampffeldcs zu den lichten Höhen der Heimat de» Glückes, des Wohlstandes, der Freiheit und der Schönheit. Föderation der sozialistischen Gemeinderäte, der Jungen Garde, der Gswerlschaftskommtssion und des BildungsauKschusses, so daß das Ganze gestattet, die Fortschritte der belgischen Arbeiterbewegung aus allen Gebieten zu verfolgen. Dem Bericht des Genossen V a n d e r s m i s s e n, des Sckre- tärs des Generalrats, ist zu entnehmen, daß im Jahre 1912 für ins- gesamt 258 912 Mitglieder der Beitrag an die Zentraltasse der Arbeiterpartei bezahlt worden ist. gegen 222 711 im Vorjahre und 194 782 im Jahre 1919. Die Mitgliederzahl der Partei i!t im Laufe der letzten zehn Jahre in beständigem Wachstum mehr als verdoppelt. Sie umfaßt allerdings nicht bloß politisch Organi- sierte, denn die Arbeiterpartei ist bekanntlich emc Förderation der verschiedenartigsten Arbeiterorganisationen— Genossenschaften, Gswerkscha�en usw.— und in vielen Kreisen besteht überhaupt noch keine differenzierte politische Organisation. So ist es zu er- klären, daß von der Gesamtmitglicdschaft von 258 912 Mitgliedern 88,1 Proz. auf die Genossenschaften, 32,8 Proz. auf die Gewerk- schaften, 25,3 Proz. auf die freien Krankenkassen, 1,1 Proz. auf die Jugenoorganisationen, 2,4 Proz. auf andere verschiedenartige Vereine und nur 5,5 Proz. auf die politischen Organisationen im eigentlichen Sinne entfallen. Das ist immerhin in bezug auf den Ausbau der politischen Organisation schon ein Fortschritt gegen- über dem Vorjahre, denn damalz betrug der Prozentsatz der poli. tisch Organisierten erst 4,9. Der Generalrat ist im Jahre 1912 zum ersten Male dazu übergegangen, die pölitische Agitation durch Herausgabe von Flugschriften, Plakaten usw., die früher ganz den Bezirksorganisationcn ubcrlasseii war. wenigstens zum Teil von der Zentralstelle aus zu betreiben. Er hat dazu 3 329 475 Bro- schüren, 105 850 Plakate(die meisten davon illustriert), 3 405 000 illustrierte Flugblätter und 220 250 Ansichtskarten verbreitet. Der Etat des Generalrats betrug im Jähre 1912: 106 573, der Kassen. bestand am Jahresschluß 25 349 Frank. Auch der Sekretär des Sozialistischen Genosscnschaftsverbandes, Genosse Scrwh, weiß von sehr erfreulichen Fortschritten der Gc- nossenschaftSbewegung zu berichten. Die Umsatzziffer der Groß. einkaufszentrale erreichte IVi Millionen Frank gegen knapp 5 Millionen Frank im Vorjahre. Genosse S-rwv schreibt diese Fortschritte zu einem guten Teile dem ungünstigen Ausfall der Wahlen vom 2. Juni zu, die eine große Anzahl von Arbeitern ver- anlaßt hätten, den Verrat des„antiklerikalen" Mittelstandes am Wahltage damit zu quittieren, daß sie nur noch in den Genossen- schaften einkaufen. Der Landessitte gemäß(jibt der Bericht über die Partei» presse aus„Konkurrenzrücksichten" die genaue Auflageziffer nicht an, aus verschiedenen Angaben geht jedoch hervor, daß auch hier eine sehr bedeutende Steigerung der Abonnciuenzahl erreicht worden ist. Die Nationalfödcration der Jungen Garde berichtet ins- besondere über die eifrige antimilAaristischc Agitation, die mit Rücksicht auf die Vorbereitungen zum Generalstreik betrieben wurde. Die Soldatenzeitung„Die Kaserne" erreichte eine Auf- läge von 13ü 000 Exemplaren. Der BildungSarbeit unter den Jugendlichen dienen eine wallonische und eine vlämilche Monats- fchrift; die erste erscheint in 7500, die zweire in 1500 Exemplaren. Ganz besonders bemerkenswert find die Fortschritt-" der G e- Werkschaftsbewegung. Der GewerkschaftSkomniission Belgiens gehörten an am Jahresende 1905: 34 184, 1906: 42 491, 1907: 55 840. 1903: 67 412, 1909: 73 361, 1910: 63 984, 1911: 77 104, 1912: 116 935 Mitglieder, und der jetzige Mitgliederstand hat bereits die 130 000 überstiegen. Ein Boweis, wie sehr die Periode der intensiven politischen Agitation, die seit der Eröffnung deS Wählrechtskainpfcs eingesetzt hat, auch den Gewerkschaften Nutzen gebracht hat.' Daß auch die B i ldu n g s a r b e i t nicht vernachlässigt worden ist, davon zeugt der die Sammlung abschließende, 50 Seiten starke Bericht des Genossen de Man, des Sekretärs des BildungSauS- schusses. Die Zahl der ArbeitcrbikdungSschulen, die im vorigen Winter 21 betrug, stieg in diesem Jahre auf 41. die Zahl der Schuler stieg in derselben Zeit von 766 auf 1298. Im Jahre 1912 wurde eine EinkaufSzentrale� für die Avbeiterbibliotheken und ein Vortragsvermittlungsdienst für die Organisationen im Lande ein- gerichtet: neuerdings ging der BildungSauSschuß dazu über, zwei Wanderlehrer fest anzustellen, und ein monatliches MitteilungS- blatt herauszugeben. Im Jahre 1912 gab der BildungSauSschuß etwa 12 000 Frank aus, er verfügt jetzt noch über ein ihauptsächlich durch Privatpersonen begründetes) Vermögen von 102 000 Frank. Aus alledem geht hervor, daß die„Niederlage" der belgischen Ar- beiterpartci bei den Wahlen des vorigen Jahres, weit davon ent- sernt, sie zu schwächen, die belgische Arbeiterbewegung auf allen Gebieten zu erheblichen Fortschritten angespornt hat. Opportunität, bei einem neuen Blutbad den Generalstreik zu pro klamieren, angesagt hat, auf, nicht ihre schwer erkämpften Er rungenschaften einer abenteuerlichen Politik zuliebe aufs Spiel zu setzen.— Es ist jedenfalls keine erfreuliche Erscheinung, dieser stete Widerstreit zwischen zwei grundverschiedenen Auffassungen, die, beide im Namen des Sozialismus, dem Proletariat Berater und Führer sein wollen._ polizeiliches, Gerichtliches ulw. Die Post und die Presse. Ein unhaltbares llrteil wurde von der Strafkammer Stuttgart gefällt. Unser Göppinger Parteiblatt, die „Freie Volkszeitung", wurde im ersten Jahre seines Be stehen« im Stuttgarter Parteigeschäsl gedruckt. Da der Verlag und die Expeditton sich von Anfang an in Göppingen befanden, wurde der Postbehörde als VerlagZort Göppingen angegeben. Es ergaben sich nun Verzögerungen im Versand, worauf auf Anraten des Postamts Göppingen dazu übergegangen wurde, den TranZ- Port der Zeitung von Stuttgart ins Verbreitungsgebiet des Blattes durch Gelegenheitsboten ausführen zu lassen. Auch der damalige Lokalredakteur. Genosse H e r p i ch, nahm auf seiner täglichen Reise zwischen Stuttgart und Göppingen jeweils ein Paket mit und ver- teilte die Zeitungen unter den Augen der Post und Eisenbahn- behörde auf dem Bahnhof Göppingen an die einzelnen Spediteure der Nachbarorte. Während dieser elf Monate dauernden Praxis hatte keine Behörde etwas dagegen einzuwenden. Plötzlich fiel es der Stuttgarter Oberpostdirektion ein, Stuttgart als ErschetuungSort der Zeitung zu bezeichnen und alle am Versand beteiligten Personen in eine Geldstrafe von ca. 30 000 M.(vierfacher Betrag des angeb- lich hinterzogenen PorroS) zu nehmen. Die Bestraften beantragten gerichtliche Entscheidung und nun hat die Strafkammer die Strafen bestätigt. Sie verurteilte den Verleger Paser zu 8381 M.. den Redakteur Herpich zu 8013 M., den Expedienten Schimmel zu 7970 M. und zwei weitere Beteiligte zu"je 55 M.-Geldstrafe, an deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit Haftstrafen treten sollen Sechs weitere Beteiligte wurden freigesprochen. Und das alles, weil die Beteiligten den Rat des Postamts Göppingen befolgt haben, das vom Staatsanwalt als eine untergeordnete Behörde bezeichnet wurde, der kein autoritatives Gewicht zukomme. ES ist kaum anzunehmen, daß dies Urteil Rechtskraft erlangen kann. Polizeiliche Radelstichpolitit. Den Fortschritt der Arbeiterbewegung scheint die Polizeibehörde in K o l b e r g mit aller Macht hemmen zu wollen. Wiederholt wurde der Leiter des Wahlvereins, Genosse Ostwald, aufgefordert, ein Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes einzureichen Das Verlangen wurde natürlilb ebenso oft abgelehnt, da der Vorstand deS Kreiswahlvereins seinen Sitz in Köslm hat und die Zweigstelle Kolberg überhaupt lein besonderer Verein im Sinne des ReichsvereinSgesetzeS ist. Genosse Ostwald wurde deswegen sogar vor daS Gericht geschleppt mit dem Resultat, daß er freigesprochen wurde. Dieser Reinfall genügte der Polizei noch nicht. Am Mittwoch erschienen in der Wohnung unseres Genossen zwei Polizeibeamte, um dort nach dem Protokoll» und dem Kassenbuch zu suchen. Die Polizeibeamten hatten sogar den Polizeihund mit- gebracht, der im Hausflur angebunden wurde. Natürlich fanden die Herren� nichts und mußten unverrichteter Sache wieder abziehen. Später durchsuchten die Beamten den Schrank im Verkehrslokal des Wahlverein« und nahmen auch ein altes Prowkollbuch mit. )Ziis aller Weit. Die Taktik der italienischen Reformisten. Rom, den 16. März.(Eigener Bericht.) Ter Borstand der reformistischen Partei hat dieser Tage in Rom ge- meinsam mit ver-reformistischen ParlamcntSfraktion getagt. Für die Wahltaktik wurde beschlossen, eigene Kandidaten aufzu- stellen, wo Aussicht auf Erfolg besteht, stnd in den anderen Kreisen die Kandidaten der Demokratie zu unterstützen, was ja bereits der reformistische Parteitag vom vorigen Dezember festgesetzt hatte. Bis jetzt sind in 34 Wahlkreisen Reformisten aufgestellt worden, aber diese Zahl wird noch wachsen. ES wurde darauf die Frage des General st reiks diskutiert, die durch die jüngste Beschluß- faffung deS Vorstandes der sozialistischen Partei, im Falle eines neuen Polizeiexzesses den Generalstreik zu proklamieren, wieder aktuell geworden ist. Wie selbstverständlich sprach sich der refor- mistische Vorstand gegen den Generalstreik aus. In einer Reso- kution Bissolat!-De Felice heißt es. daß die bisherigen General. streiks in Italien nur dazu gedient haben, die Reaktion zu stärken und das Prestige des Proletariats herabzusetzen. Die sozialistische Partei strebe ihn nur an, um ihrer katastrophischen Auffassung der sozialen EntWickelung die Blutlveihe zu geben. Schließlich fordert die Resolution die Gewerkschaften und Arbeiterkammern, unter denen die Konföderation der Arbeit ein Referendum über die Die Zerstörung des Militärlustschiffes„Ersatz Z. l." Erfrenlicherweise sind bei der Vernichtung des Militär-Zeppelins „Ersatz Z. I.", eine« noch ganz neuen Luftschiffes, wenigstens keine Menschen zu Schaden gekommen. Dafür ist der Material- schaden umso größer. Auch wenn es richtig sein sollte, daß die Motoren völlig unversehrt geblieben sind, so dürfte für das Reich immerhin ein Schaden von mehr als einer halben Million entstanden sein, bleiben die Kosten für einen solchen„Luftkreuzer" neuester Konstruktion doch nicht allzu viel hinter einer Million zurück I Die Frage, die vielfach erörtert worden ist, ob denn die Katastrophe nicht zu verhüten gewesen sei, ist deshalb auch keineswegs von der Hand zu weisen. Nur faßt man unseres Erachten» die Sache am falschen Ende an. Daß das Luftschiff bei dem herrschenden Sturm nicht ohne Gefahr der Vernichtung in die mit ihrer Längsseite quer zum Wind stehende Luftschiffhalle in Baden- Oos gebracht werden konnte, ist sicher. Auch die andere Frage, ob der Kreuzer nicht besser getan hätte, sich trotz oder auch gerade wegen de» herrschenden Sturmes in dem sicheren Reich der Lüste zu halten, erledigt sich dadurch, daß nach neueren Meldungen dem Luftschiff das Betriebsmaterial für seine Motoren auszugehen drohte. E« wäre also bei längerem Verbleiben in der Luft ein Spielball des Sturmes geworden, wodurch leicht eine noch weit verhängnisvollere Katastrophe hätte herbeigeführt werden können. Der Kommandant des Luftschiffes tat also, um wenigstens das Leben der Mannschaften in Sicherheit zu bringen, das einzige, was er in Anbettacht der Umstände tun konnte, indem er zur Not- landung schritt. Die Zerstörung de» Schiffes hat denn auch nichts absolut Neues bewiesen, denn daß ein noch so gut verankertes Starr- Luftschiff von jedem wirklichen Sturme zerbrochen werden muß, versteht sich ganz von selbst. Wohl aber wäre d i e Frage ernstlich aufzuwerfen, ob denn angesichts der bedrohlichen Wetterlage das Luftschiff überhaupt hätte aufsteigen oder nicht m i n d e st e n s recht- zeitig hätte landen sollen! Unser Wetterdienst ist doch heute ein derartiger, daß ein Unwetter wirklich rechtzektig sign ali» fiett werden kann. Da die Militärluftschiffe einen so hohen Wert darstellen und trotz aller chauvinistischen Renommage gar zerbrech- liche Fahrzeuge sind, wäre es wirklich dringend zu wünschen, daß nichl durch leichtsinniges Drauflosfahren bei drohenden, Sturm weiter Hunderttausende ver» geudet werden! Natürlich taucht für imsere Lnstchauvinisten diese so überaus naheliegende Frage nicht auf; dafür fordert man ungestüm neue drehbare Luftschiffhallen oder gar Rundhallen, in die man von allen Seiten hineingelangcu kann. Daß jede solcher Hallen Millionen kosten würde, kümmert diese Herren nicht in, ge- ringsien. Da man ja schon einmal dabei ist, Milliarden für unseren Militarismus zu bewilligen, kommt es auf lumpige paar Millionen mehr ja nicht an. Nur wenn es erst ans Bezahlen gehen wird, wird es sich zeigen, wieviel die besitzenden Klassen und Maulpatrioten aus ihrer eigenen Tasche zu zahlen bereit find und waS durch einen dreisten Griff aus der Tasche des Proletariats herausgeholt werden soll.___ Kleine Notizen. Schwere Schneestürme in Westfalen und der Helgoland. Aus Hagen wird gemeldet, daß im Sauerlande ein furchtbarer Sturm nnt schwerem Schneefall wütet. In den höher gelegenen Ortschaften liegt der Schnee 40 Zenttmeter hoch. Telegraphen- und Telephon- leitungen sind an vielen Stellen zerstört. Die Ruhr und ihre Neben- flüsje sind derart gesliegen, daß ihre Ufer bereits überflutet sind.— Am Mittwochnachmitlag herrschte aus der Nordsee bei Helgoland ein schwerer Südweststurm mit Schneetreiben. Mehrere im Hafen liegende Schiffe zeigten Notsignale. Ein Rettungsboot rettete über 20 Personen von 7 Fahrzeugen. Einige Fahrzeuge gerieten in Gefahr, gegen die Düne getrieben zu werden, sie wurden mit Hilfe eines Schleppers unter großer Mühe in Sicherheit gebracht. Auch aus Cassel kommt die Nachricht, daß nach einem orkan» artige Sturm heftiger(Schneefall einsetzte. Auf den Höhen liegen bereits beträchtliche Mengen Schnee. Den Vorgesetzten erschossen. Der Reservekorporal Bagace erschoß bei Troppau auf dem Rückmarsch von einer Uebung den Ober- leutnant Schrameck wegen einer dienstlichen Zurechtweisung. Drei Großfeucr. In Ullersdorf im Kreise Glatz brannte in der Stacht zum Donnerstag die Heintzesche Besitzung völlig nieder, wobei eine Dienstmagd in de» Flammen umkam. Als mutmaßlicher Brandstifter wurde der Besitzer selbst verhaftet.— In Konstanttnopel brach am Mittwochabend in einer Abteilung des KrtegSministeriums Feuer aus, das rasch gelöscht werden konnte. Eine Untersuchung ist eingeleitet.— In Winiiipeg �Amerika) ist das Hauptgebäude von Malcolms Konservenbüchsenfabrik durch einen Brand zerstört worden; durch zusammenstürzende Mauern wurden fünf Personen getötet, neun verletzt. Schweres Unglück auf einem Dortmunder Hochosenwerk. In der Abteilung Dortmunder Union der Deutsch-Luxemburgischen Berg- Werks- und Hüttenaktiengesellschaft ereignete sich Donnerstag vormittag gegen 10 Uhr auf den, Hochosenwerk 2 ein schweres Unglück. In einem Hochofen hatte sich die Hochofenmasse festgesetzt und stürzte dann plötzlich in den im Hochofen entstandenen_ Hohlraum hinab. Hierdurch wurde glühende Masse aus dem Ofen gedrängt. Es ollen fünfzehn Personen verletzt sein, davon etwa die Hälfte 'ehr schwer. Das mysteriöse Lustschiff beunruhigt noch immer die Gemüter in Oberschlesien. Große Aufregung herrscht über das angebliche Auf- tauchen eines Luftschiffes, das von der russischen Grenze gekommen und über dem oberschlesischen Grenzbezirk in beträchtlicher Höhe Manöver ausgeführt haben soll. Die Tqphuscrkrantungen im Eisenbahnregimeut Nr. 20 zu Hanau gehen, wie jetzt mitgeteUt wird, ibrem Ende entgegen. Es befinden ich nur noch 13 Leicht- und 2 Schwererkrankte im Lazarett, bei denen aber Hoffnung auf baldige Genesung besteht. Im ganzen hat die Krankheit zwanzig Opfer gefordert. Tätlicher Unfall auf dem Hüttenwerk Phönix. Auf der Hütt« Zhönix hat sich am Donnerstag ein Unglück zugetragen, dem �wei Personen zum Opfer gefallen sind. Heute nachmittag stürzte von einem Schlnckcnberg des Hüttenwerks eine Lokomotive herunter und begrub den Heizer und den Lokomotiv» ührer unter sich. Dem Lokomotivführer wurden Lunge und Leber aus dem Leibe gerissen. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Heizer mutzte mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Kranken» haus gebracht werden._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 23. März, vormittags tl Uhr, Kleine Frankfurter Str. S, Vortrag von Herrn Dr. B. Wille; Christ ist erstanden r— Damen und Herren als Gäste sehr willkomme«. Wafferstauds. Nachrichten der LandeSanslalt sür Gewässerkunde, mitgetelll vom Berliner Wetterbur«« Wasserstand M e m e I, TUfit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor Krassen , Franksurt a r t h e, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg ')+ bedeutet ,— Fall.—») Unterpcgel. I � � 4 w WW ,1» Fröhjahrn- Kostüme 18, 26, 38. 48, 58, 76 bis 150 31. Nur gute Qualiiaten, alle Weiten Modelle bis 50 Prozent unter Originalpreis! FrUbjahra- Mäntel 16, 22, 28. 48, 60 bis 120 M. Hochaparte Stoffe und Zutaten, aUe Weiten In allen Abteilnngen große Preisermäßigung! Bitte nlcb zn überzeugen! Moderne Kleider 15, 22, 35 bis 100 M. Das Neueste der Saison! 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Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 2'/, llhr, in Beelitz statt,— Absahrt Char- lottenbura um 12'/, Uhr, Negc Beteiligung erwartet 284/5,_ Der Vorstand. Deutscher Nolzarbeiter-YerhaDd. Zahlstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Karl Trogisch Stralsnnder Stragc 8, im Aller von 59 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 22. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Freireligiösen FricdhoseS, Pappel- Allee, aus stall, Uni rege Beteiligung ersucht llie Ortsverwaltung. Sparverein Vorwärts. Am Mittwoch, den 19, März, starb unser langjähriges Mitglied Karl TYogisch am chronischen Lungenlelden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22, März, nach- mittags nur b Uhr. von der Leichenhalle der Freireligiösen Ge- meinde, Pappelallee, auS statt, Um rege BeteMgung wird ge- 0er Vo"■ bctcn. Vorstand. SozialdefflokratischerWahlvereiii Britz-Buckow. Xnchrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Genossin Atertha Ritter im Alter von 28 Jahren oer- starben ist, Ehre ihrem Andenken! 201.6 Ter Vorstand. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranohe Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Einschaler Alfred Bartels am 18. Mörz im Alter von 37 Fahren an Gehirnleiden ge- starben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 22, März. nach. mittags i'/, Uhr, von der Lelchen- Halle des AnstaltS-FriedhoseS m Buch bei Berlin auS statt, Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Zenlralverbatid derSteinarheiter, Zahlstelle Berlin. Am 18. März starb unser Mitglied, der Steinmetz psoio Csnvvs im Aller von 47 Jahren an einem Magenleiden, Ehre seine« Andenket,! Di« Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Leichen- Halle des Friedenauer Friedhofes aus statt, Um rege Beteiligung ersucht Die Qrtsvcrwaltung. Verband der Utboppiien. sDcutscher Sencfclder-Bundj. Am 19. Mörz verstarb unser Kollege und Mitglied, der Stein- druckcr Hermann Glanz im Alter von 60 Jähren an Leberverhärtung. Ehre seinem Andenke»? Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22, März, nach- mittags b Uhr. von der Halle des KcihsemanetirchhoseS, Nieder- Schinhanien-Nordend. a»S statt, Oie Verwaltung der Filiale I. Am 18. d, M, verstarb nach kurzem aber schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Klara Raeschler geb. Hilbiff im 45. Lebensjahre, DicS zeigen, um stille Teil- nähme bittend, tieibetrübl an Die trauernden Hinterbliebenen Etvald Narsehler nebst Kindern, Lichtenberg. 20. März 1913. Die Beerdigung lindet am Sonnabend, de» 22. März, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- halle des' Rummelsburger Ge- ineindcsricdhofcS, Lllststrape, ans stati, 29b Am Mittwoch starb mein Pater Franz Ulbrich. Beerdigung am 22. d, M,, 2 Uhr, in Spandau(Kis'eln), A Baal Vlbrich. Rteder-Schöneweide. M Greift zu! � Jod. 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Gestern wurde wieder einmal vor der Kammer 3 des Berliner Gewerbegerichts gegen den Streikbrechervcrmittler Karl K a tz m a r e ck verhandelt, lieber die gegen K. wegen angeblicher Nicht einhaltung der vertraglichen Bestimmungen anhängig gemachten Klagen hat der„Vorwärts" fortlaufend berichtet. In der gestrigen Verhandlung sollte darüber- entschieden werden, ob K. für die in Königsberg und anderen Orten tätig gewesenen Arbeitswilligen als Arbeitgeber in Betracht kam oder nicht. Dieserhalb wurden in Königsberg der Direktor sowie zwei Beamte der„U n i o n" kommissarisch als Zeugen vernommen. Nach der Aussage des Di rektors Härtung ist Katzmarcck der Arbeitgeber für die Arbeit s willigen gewesen. Weiter kam ein von der„Union an K. gerichteter Brief zur Verlesung, worin dieser ersucht wurde der„Union" mehrere tüchtige und brauchbare Arbeiter z» lieserw die sich der Arbeitsordnung unterwerfen müßten. Ein Vertreter Katzmarecks gab an, K. habe die?lr- beiter wohl an die bestreikten Firmen geschickt, sobald sie aber dort waren, seien sie in den„B e s i tz" der betr. Firma übergegangen Diese habe den Lohn gezahlt und auch die Jnvalidcnmarken ge klebt. Von den Klägern wurden diese Angaben b e st r i t t e n. Den Lckhn habe ihnen immer ein Vertreter des Beklagten ausbezahlt Eines Tages hätten sie— die Arbeitswilligen— in Königsberg st r e i k e n wollen, weil die Bedingungen des mit Katzmareck vereinbarten Vertrages nicht erfüllt worden seien. Der Direktor der„Union" habe ihnen gesagt, dies ginge ihn nichts air sie sollten sich an K. wenden. Dieser, nicht die„Union", sei ihr Arbeitgeber. Auch habe Katzmareck gesagt, wenn die Zlrbcitswilligen etwas wollten, sollten sie sich an ihn wenden. Er allein wäre Arbeitgeber. Diese Aussagen bestritt der Vertreter des Beklagten. Die Parteien gerieten heftig aneinander und titulierten sich mit Lügner und Schwindler gegenseitig. Die Kläger beschuldigten Katzmarcck, er habe ihnen die Existenz ruiniert, sie hatten bisher nirgends wieder Arbeit erhalten. Einige beschwerten sich auch darüber, daß fie kein Abgangszeugnis erhalten hätten. Das Gericht beschloß, Beweis über die Behauptung des Be klagten zu erheben, ob dieser nur Vermittler und nicht Arbeit- geber ist. Weiter soll Beweis darüber erhoben werden, ob die „Union" die von Katzmarcck vermittelten Arbeitswilligen als ihre Arbeiter bei der Krankenkasse angemeldet hat, ob sie die Invaliden- marken geklebt und die Arbeiter bei der Berufsgenossenschaft an- gemeldet hat, ferner, ob die Kläger sich der Arbeitsordnung in allen Teilen unterworfen und Zeugnisse von der„Union" ausge- stellt erhalten haben. Was das Bcrsicherungsgeschäst abwirft! Die von den Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften be- gründete Volksversicherung lenkte verdienstlicherweise die Aufmerk samkeit auf das private Versicherungswesen! In weiten Kreisen wurde bekannt, daß dieses Gewerbe für die Unternehmer riefen haste Gewinne abwirft. Daraus erklärte sich auch die beispiellose Wut, die der Plan einer gemeinnützigen Volksversicherung in den Kreisen der Interessierten entfachte. Allerlei Projekte, mit denen man der Bolksversicherung das Wasser abgraben wollte, tauchten auf. Aber der Enthusiasmus erlahmte bald. Zwar verkündete man stolz und kühn, aus rein politischen Gründen sollten für eine KonkurrenzvolkSversichcrung große Opfer gebracht werden. Jedoch, JaKrbiinclertaiisfteUimg im Mrkiscben Museum. In den Räumen 23 und 24 des Märkischen Museums versucht man zurzeit, uns die Tage der Befreiungskriege durch die ver- schiedenartigstcn Erinnerungsgegenstände näher zu dringen. In erster Linie durch Drucksachen und Kunstblätter. Daneden Zu- sommenstellungen von Waffen, Medaillen, Münzen, Ringen und Silberzeug, sowie Handschriften. Die Museumsleitung redet eine andere Sprache als wir, wenn sie sich schmeichelt, mit dieser dürft!- gen Kollektion„das Bild einer gewaltigen, alle Schichten der Nation im tiefsten erfassenden und hinreißenden Volksbewegung" zu geben. Will das die überflutende Auslage der Porträts von „Fürsten, Feldherrn und anderen bedeutenden Persönlichkeiten" zum Ausdruck bringen, ihre Faksimiles, die Medaillen aus die Kabinett- büridnisse oder die Waffen und Uniformstücke, die in ein Zeughaus gehören? Die offizielle berlinische Historie, die sich selbst mit einer hohenzollcrnschen HauSchronik verwechselt, ist von je im Märkischen Museum zu Hause gewesen; hier vollends war es geboten, über- Haupt jeglichen PersonlichkeitSkult auszuschalten und die gleichsam namenlosen Dokumente der Zeit mit der ganzen Bedeutung deS Massenwillens sprechen zu lassen. Das ist jedoch nur zum sehr gc ringen Teil geschehen. Die Rückseite dieses einheimischen Pcrsonenkultus ist der Spott auf die gefallene Größe Napoleons, der sich in einer nicht minder reichen Kollektion von Karikaturen ausgibt. Sic kommen nun, 1813 nach der russischen Katastrophe, post lestum, wirken wie Esels- sußtritte und crmangeln der letzten Berechtigung jeder wahren Karikatur: Plänkler und vermummte Vorposten im Kampfe um ein zu eroberndes Ideal zu sein. Künstlerisch besehen, umspannen sie die nicht überlange Strecke vom plumpen farbigen Jahrmarktsholz- schnitt bis zum kolorierten Tagcszerrkupfer, wie er von dem allzeit deutlich lehrhaften und grazicnverlassenen England aus den Weg über den ganzen Kontinent hin nahm. Denn mit den Musen und Grazien in der Mark war es, im Sinne der Volkserhebung, nicht eben sonderlich bestellt. Kein Wunder, da die letzten Kräfte fürs Materielle angespannt waren, die Tradition eines selbständigen Volksganzen bisher nicht existierte und Literatur wie Kunst daher sich selbstzufrieden in ihren eigenen Bezirken hatten ergehen dürfen. Kaum der Rede wert im Verhältnis zu der Größe des gesellschaft- lichen Phänomens, was sich unter den iunstverwandtcn Schau- stücken über ein mittelmäßiges Handwerk erhebt, von Schadow ein paar Aquatintablätter russischer Soldatentypen un!d ein paar Kari- katurcn, die Plaketten- und Medaillcnsammlung saus dem Kühle- weinschen Besitz), die meist in geschwärzter Bronze eine Anzahl schlichtcharattcrisierender Porträts zeigt, und die Schlachten-, Lager- und EinzugsbMer der farbigen Lithographien, die aber be- reitS wieder englischen Ursprungs und auch nur gerade im Techni- schen gelungen sind. Wir sehen zwar die Kriegsliederbücher der Arndt, Fouque, Körner, Schcnkcndorf aufgeschlagen, wie die Er- wlterungen der Bellermann, Rellstah.und Zochhann. Aber gerade wenn es heißt, auf Profite zu verzichten, kühlt die Begeisterung ab. Sollen gar Zuschüsse geleistet werden, dann ist es mit dem Eifer für das„Volkswohl" vollends aus. Auf eine aus dem Bürgertum geborene Voltsverficherung, die in so uneigennütziger Weise ar- Veiten würde, wie die gewcrkschaftlich-konsumgenossenschaftliche Ein- richtung, wird man vergeblich warten. Nun wird aber nicht nur bei der Lebens- und Volksversicherung, sondern auch bei der Feuer- und sonstigen Versicherung ein Bombengeschäft gemacht. In hübscher Weise veranschaulicht das der letzte Abschluß der Oldenburgcr Versicherungsgesellschaft, die neben der Feuerversicherung auch die Einbruchs- und Glasversicherung betreibt. Das Jahr 1912 brachte der Gesellschaft einen Gewinn von 452 185 M. gegen 415 503 M. im Vorjahre. Auf jede Aktie im Nennwerte von 1500 M. werden 135 M.(im Vorjahre 126 M.) Di- vidcnden verteilt. Das erscheint nicht übermäßig hoch, macht die 'Ausschüttung doch nur 9 Proz. aus. Aber die Sache hat einen Haken. Auf jede?lktie sind nur 500 M. eingezahlt worden! Die tatsächlich gezahlte Dividende beträgt demnach nicht 9, sondern 2 7 Proz.l Das private Vcrsicherungsgewerbe ist eine der wider- lichsten kapitalistischen Schmarotzerpflanzen, die ausgerottet werden sollte! Gültige Verordnung zum Schutze für Fleischcreiangestelltc. Der Fleischcrmeister Pfeifer zu Frankfurt a. M. war wegen Uebertrctuilg einer Regierungspolizeiverordnung vom 3. Januar 1910 angeklagt worden. Diese Verordnung ficht für Fleischerei- betriebe ausreichende Waschgclcgenhcit vor, die sich in unmittel- barer Nähe der Betriebsstätten befinden soll. Pfeifer wurde vor- geworfen, daß nicht in unmittelbarer Nähe des Verkaufsraums eine Waschgelegenheit vorhanden war. Sie befand sich in einem Nebenraum, in dem man nur dadurch gelangen konnte, daß man einen andern Raum durchschritt. Es waren dabei zwei Türen zu passieren. Der Angeklagte behauptete, die Verordnung sei ungültig und er müßte schon deshalb freigesprochen werden. Tie Strafkammer in Frankfurt a. M. als Berufungsinstanz verurteilte aber den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Sie er- achtete die Verordnung für rechtsgültig. Sie nahm an, daß die Verordnung ihre Rechtsstützc im Z Bf des Polizeiverwaltungs- gcsetzes tfür die neuereu Provinzen Verordnung von 1867) und im§ 120e in Verbindung mit§ 120a der Gewerbeordnung finde. Nach H Bf des Polizeiverwaltungsgesetzes gehöre zu den Gegenständen des polizeilichen Verordnungsrechts der Schutz von Leben und Ge- sundheit. Und nach§ 120e der Gewerbeordnung könnten Polizei- Verordnungen unter anderen bestimmen, welchen Anforderungen in bestimmten Arten und Anlagen zur Durchführung der in den 8§ 120a bis 120c enthaltenen Grundsätze zu genügen ist. Zu diesen Grundsätzen gehöre, daß die Gewerbeunternehmcr verpflich- tct seien, die Arbeitsräume, Betricbsvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten und den Betrieb so zu regeln, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Ge- sundheit so weit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestattet. Bei der angezogenen Vorschrift der Polizeiverordnung handele es sich aber um eine Vorschrift in diesem Sinne. Sic sei im Gcsundheitsintercssc erlassen. Bei der Natur des Fleischerei- betriebcs könnten leicht Verletzungen der Hände vorkommen, die durch Schmutz usw. verschlimmert würden und zu Gesundheits schädigungen führen könnten. Es seien leicht Infektionen möglich. Deshalb solle durch die Verordnung eine leicht erreichbare Wasch- gelegenhcit gesichert werden, die, eben durch ihre unmittelbare Nähe, zur häufigen Benutzung anrege. Tagegen habe Angeklagter ver- stoßen. Das Kammergericht erachtete aus denselben Gründen, wie das Landgericht die Verordnung für gültig und verwarf deshalb dieser Tage die vom Angeklagten eingelegte Revision. GencKts-Reitling. Zur Beachtung der Sozialgesetzc. Sehr vernünftige Anschauungen vertrat ein älterer Amts- richter in Halle a. S. in einem vor dem Schöffengericht stattgehabten Prozeß gegen den Inhaber eines photographischen Ateliers wegen Nichtbeachtung der sozialpolitischen Gesetze. Jener Unternehmer hatte ein polizeiliches Strafmandat über 10 M. erhalten, weil er, die namenlosen und naiven Dokumente des Tages entbehren jedes fortreißenden Schwunges und jeder selbständigen Klarheit, wie es eben die Sache hätte verlangen dürfen und wie es der sin der hohen Kunst gewiß nicht schöpferischen) französischen Revolution, der Mutter der deutschen Freiheitskriege, in jeder Geste zu eigen war. Tie Bihder von Ausmarsch und Rückkehr der Freiwilligen sind pathetische, öfter sentimentale Familienangelegenheiten, Im Stile der gleichzeitigen sentimentalen Familienschmöker, mit jämmer- lichen Vcrschen, die zwar die Nation im Munde führen, aber Vaters Werkstatt oder Mutters Küche meinen. Der Landsturm vollends, der erwiesenermaßen in manchem Ernstfall seinen Manu gestanden, paradiert in offensichtlichen Karikaturen, und wie aus solchem billi- gen Spott der unversicgtc Dünkel des drillgewohnten preußiichen Berufssoldaten spricht, so sehen wir die vermeintliche Volkserheoung auf Schritt und Tritt von der Obrigkeit teils erzwungen und be- vormundet, teils gegängelt und unterdrückt. Die bekannten patriotischen Gaben für die militärischen Zwecke wurden überall gern angenommen, die goldenen Ringe gegen eiserne ausgetauscht, das Silberzeug mit Stempeln versehen, die es zum sofortigen Einschmelzen für den Notfall bezeichneten. Die Urkunden zur Stiftung des Eisernen Kreuzes oder die über die Organisation der Landwehr erscheinen pompös gedruckt in Lexikonoktav, Verord- nungen„über das Ausweichen des Kriegsdienstes" müssen erlassen werden, ein„Gencralpardon für alle Deserteurs und alle ohne Er- laubnis außer Landes gegangene oder wegen leichter Vergebungen entwichene Preußische Untcrthanen" ergeht im April 1813 mit einer dreimonatlichen Frist. Als dann nach den Erfahrungen der die Hauptstadt selbst bedrohenden Schlachten von Groß-Bccren und Jüterbock(wie man die spätere bei Denncwitz hieß) die Bcfestigun- gen vor den Toren, namentlich dem Hallcschen am Krcuzberg, be- sondercr Aufmerksamkeit bedurften, wurde die Zivilbevölkerung zur Mitarbeit an den Werken angehalten. So wibd unterm 10. Sep- tembcr 1813 die Witwe Leitncr, Commandantenstr. 32, für den folgenden Tag,„precise SVj Uhr zu Schanzen commandiert, im nicht erscheinungs Falle wird dieselbe zur gesetzlichen Strafe verurteilt werden." Mit den Worten„Gelobt sey Gott! Spaüdau ist wieder unser!" feiert ein Flugblatt vom 27. April 1813 den Abzug der französischen Besatzung aus der Berliner Zitadelle. Groß-Beercn im'August und Dennewitz im September waren eigentlich auch noch Gefechte bei Berlin. Die Unsicherheit und Ungewißheit zeitigte in der Haupt- ladt klärlich manch vages Gerücht, das sich besser beschieidcn hätte. In welcher Weise jedoch noch in dieser Zeit der„Volkserhebung" das Gouvernement es sür gut hielt, mit der Bevölkerung umzu- springen, verrät der Tenor eines Bcschwichtigungsblattes jener Tage:„Unnütze Politiker und schwachköpfige Neuigkeitskrämer wer- den wir unter diesen Umständen, nach dem Wunsche aller Gut- gesinnten, recht scharf bestrafen und ebenso auch diejenigen mit den gehörigen Ordnungsstrafen unnachsichtlich belegen lassen, welche sich Unordnungen zu schulden kommen lassen, namentlich wie gestern und vorgestern, auch selbst durch Freudeschicßen auf den Straßen zeigen, daß sie weder den Wert des Pulvers noch den Sinn für Ordnung und Folgsamkeit kennen." den Bestimmungen der Gewerbeordnung zuwider, einen Gehilfen am 1. Weihnachsfeicrtag v. I. in seinem Laden für Schnellphoto- graphie bis 10 Uhr abends beschäftigt hatte. Bei seinem gerichtlichen Einspruch machte der Unternehmer geltend, er habe die Beschäfti- gung des Gehilfen an diesem Tage nicht verschuldet. Der Gehilfe sei freiwillig in den Dienst getreten und habe die Arbeit trotz Ver- bots nicht unterlassen. Auch der Hinweis, daß er, der Unternehmer, sich strafbar mache, wenn er ihn am 1. Feiertage beschäftige, habe den Gehilfen nicht zum Niederlegen der Arbeit bewegen können. Er verlange auS Prinzip eine gerichtliche Entscheidung, damit er künftig wisse, wie er sich in solchen Fällen zu verhalten habe. Der Gerichtsvorsitzende wies den Angeklagten darauf hin, daß die frei- willige Tätigkeit des Gehilfen keineswegs das Verhalten des An- geklagten rechtfertige. Die zum Schutze der Arbeiter erlassenen sozialpolitischen Gesetz« seien unter allen Umständen zu beachten. Verließ der Gehilfe die Arbeitsstätte nicht gutwillig, sv hätte der Unternehmer Gewalt anwenden oder die Polizei zur Entfernung zu Hilfe rufcn müsse». Der Angeklagte meinte darauf, daß da- durch aber doch das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestört iverdcn köiintc. Es sei inhuman, einen Ar- bcitswilligen mit der Polizei wegbringen zu lassen. Richter und Schöffen blieben bei ihrer Anschauung aber be- stehen und bestätigten das Strafmaß auf Grund einer Entscheidung des Reichsgerichts. In der Urteilsbegründung hieß es, auch in solchen Fällen habe der Unternehmer sein„Hrrrenrccht im Hause" geltend zu machen. Aus junkerlichen Gefilden. Unserem Rostockcr Bruderorgan entnehmen wir folgende Gc- richisverhandlungen: Ter Gutsinspektor Trost in Klein-Bielen stand vor dem Schöffengericht in Pcnzlin. Er ist lveitcrcn Kreisen dadurch be-) kannt geworden, daß auf seine Veranlassung zwei Arbeiterfamilien innerhalb 14 Tagen 14 Strafmandate über insgesamt 173 M. vom ritterschaftlichen Polizeiamt zugegangen sind. Jetzt war Trost zu- nächst'Angeklagter. Er, ein starker, robuster Mann, hat sich an einem schmächtigen, kranken 17jährigen Jungen vergriffen und war deshalb angeklagt wegen Beleidigung und Mißhandlung. Beim Dreschen zur Aufsicht bestellt, beauftragte er den Hofgänger Richard Seitz vom Gutshof Klein-Vielen, leere Säcke zu holen. Der Junge fand die Kornböden aber verschlossen, fand weder Schlüssel noch Statthalter und mußte ohne Säcke zur Dreschmaschine zurückkehren. Inspektor Trost nahm ihn mit Schimpfworten wie„Hund ver- fluchter" usw. in Empfang, schleppte ihn zirka 10 Schritte nach der Miete hin, setzte die Knie auf ihn und griff mit beiden Händen nach der Kehle und würgte den Jungen. Nachdem er sein Opfer losgc- lassen, forderte er den Jungen auf, auf die Miete zu steigen und weiterzuarbeiten. Dies verweigerte der Junge jetzt, weil er nicht mehr arbeiten konnte, erschöpft durch die Mißhandlung. Er nahm seine Forke und ging nach Hanse. Der Angeklagte beantragte Frei- sprcchung, weil er nicht in seinem Interesse, sondern im Interesse seines Ehcfs gehandelt habe. Turefi das lange Ausbleiben des Jungen sei er gereizt worden. Das Gericht kam zu dem folgenden milden Urteil: Der Inspektor Trost ist der Beleidigung schuldig befunden und wird hierfür mit 10 M. Geldstrafe, wegen Mißhandc- lung zu 40 M. Geldstrafe, insgesamt 50 M. Geldstrafe bestraft. Was man aber schließlich selbst bei Kenntnis der Wege der strafenden Gerechtigkeit nicht sollte für möglich halten, lvar doch geschehen: der mißhandelte Junge mußte sich darauf wegen Slr- bcitsvcrwcigerung vor Gericht verantworten! Wie oben gesagt, weigerte sich der Junge, weiterzuarbeiten, nachdem er beleidigt und mißhandelt war. Der Amtsanwalt selbst beantragte jetzt Auf- Hebung der Strafverfügung von 2 M. Das Urteil des Gerichts' lautete auf Freisprechung. Dann beschäftigte ein Vorgang, wo wieder der Gutsuispektor eine Rolle spielte, das Gericht. Angeklagt war freilich nicht ex, sondern der Arbeiter Knospe. Es handelt sich um folgendes: Die Leute waren beim Rübenaufladcn auf dem Felde beschäftigt. Der Sohn Knospes hatte etwas schlechte Pferde, die Pferde zogen nicht recht an. Der Inspektor Trost glaubte mit feinem risenbeschlagencn Handstock nachhelfen zu müssen, schlug und stöckerte deshalb nach den Pferden. Der junge Knospe meinte, der Inspektor solle dies lieber nicht tun, denn sonst gingen die Pferde erst recht nicht. Nun wandte sich Trost gegen den Jungen. Dessen Vater, der nebenbei bei einem anderen Wagen auflud, verbat sich dies. Darauf wandte sich Trost gegen den Vater, den er mit dem spitzen Handstock erst vor die Brust, dann gegen die Stirn stieß, so daß sofort Blut floß. Dieser Utas, der so recht bereits den Geist der kommenden Reaktion atmet, und das Genrebildchen der Witwe Leitner, die um hajb sechs Uhr morgens zum Schanzen anzutreten hat,— geben diese beiden Beispiele nicht allein schon„das Bild der gewaltigen, alle Schichten der Nation im Tiefsten erfassenden und hinreißenden Volksbewegung"?_»lc- Der kaiserliche PrciSchor. Zur Hebung deS(patriotischen) Männer» chorgosanges findet dieses Jahr wieder ein Preiswettsingen in Frank- furt a. M. statt. Schon schwellen Tausende von Männcrbriisten. Viel Bier wird fließen, um des Basses Gruudgewaltcn zu entfesseln, und die Vereinslenöre sind die angesehensten Mitbürger. Es dürfte heuer auch neben dem Kaiserpreise ein diebessicherer Geldschrank ge- liefert werden(damit es nicht wieder geht wie in Köln, wo die Preiskette einfach gemopst wurde). Prof. Hegar hat den Chor kom- poniert und ein Germanist den Text hervorgebracht. Es muß ihm viel Mühe gemacht haben und trotzdem ist er mit der(Seminar-) Aufgabe nicht fertig geworden. Wir wollen einige Verse hersetzen. Der Chor hebt ant Wir seufzten sieben Jahr entrechtet, Wir knurrten sieben Jahr geknechtet Und haben grimmig Schmach getragen, . Die strenge Stunde hat geschlagen. Wir brachen auf mit Roß und Wagen, Wie Halmenmeere Wogten Wehre.* An germanistische Studien erinnert fatal solches» Wo Gewürg und Kampf vertosten, Und die Pulverringe verschwelten, Weht ein tränenschweres Grauen. Hier verhauchten tapfere Seelen, Die den Heldentod erlosten. Matt und ziellos verebbt das Gedichte: Nicht einer schläft umsonst im Grunde. Nicht einem schlug umsonst die Wunde Der Völkerstreit. Wir stehen gerüstet auf den Warten Und freudig fliegen unsere Standarten In alle Zeit. DaS Bürgertum ist nicht imstande, seiner Toten würdig zu ge- denke». Die annoch umsonst im Grunde schlafen, harren der Wecker. die ihr Werk beenden. So ist das Proletariat auch Testaments- Vollstrecker der Kämpfer von 1813. deren Opserwilligkeil und Tod erst durch unseren neue» Befreiungskampf Ziel und Sinn erhält. Nachklänge von Sanssouci. Eine Pariser Schauspielerin, Fräulein Jeamie P r o v o st, die einmal vor Wilhelm IL spielte, hat einein Redakteur der„Comoedia" Mitteilungen über ein Gespräch mit den, deutschen Kaiser gemacht, die Beachtung verdienen. Gewiß nmß man nicht alles, was eine phantasiebegable Künstlerin erzählt, wörtlich nehmen, aber das mitgeteilte Gespräch spielt auf mehr Details auS der deutschen Literaturgeschichte an, als französische Theatcrdamen Nim verteidigte sich Knospe. Trost wich zurück und kam zu Fall; die Gcleaenheit benutzte Knospe nun, dem Trost mit dem zuge- klappten Taschenmesser einige Hiebe zu versetzen. Der Statthalter Hamann brachte die beiden auseinander; als Trost aus den Beinen war, versetzte er dem Knospe wieder einige Hiebe mit seinem In- spektorknüppel. Das Gericht sprach, dem, Antrage des Amtsanwalts entsprechend, den Angeklagten srei, da dieser sich in Notwehr gegen die Mißhandlungen des Inspektors befunden hatte. Weshalb wurde der Inspektor nicht auch in diesem Falle an- geklagt?__ Mit Schnaps zu Tode traktiert. Wegen fahrlässiger Tötung bat die Strafkammer beim Amts- gencht Roscuberg am 16. November v. I. den Rentier Beleslaus Hemma zu einem Monat Gesnngnis verurteilt. Am Abend des 1. März v. I. gegen 7 Uhr kam der Angeklagte in die Gastwirt- schalt von S. Hier traf er seinen Arbeiter N., den er fragte, ob er einen Schnaps oder Bier haben wolle und wieviel er vertragen könne. Da N. sich nicht abgeneigt verhielt, spendierte ihm der An- geklagte ein Quartier Schnaps, nämlich eine Flasche von ÜL Liter Korn mit Rum gemischt, wie ihn die ArbcUcr jener Gegend meist iu trinken Pflegen. N. trank auf Gcheist seines Dicnstherrn die Flasche in einem Zuge aus; ebenso ein zweites und drittes Quar- tier, das ihm sein Dienstherr, erfreut über die Trinkfcrtigkeit seines Mannes, gleichfalls gern spendierte. Hinterher erhielt er noch zwei kleine Gläser mit Rum, die N. gleichfalls, um seinem Dienst- berrn z>k imponieren, lnnuntertrank, ungeachtet der Warnungen die bereits nach dem zweiten Quartier Schnaps an ihn ergangen waren. Tann aber brach er Hn Nebenzimmer, in das er sich mit zitternden Knien noch geschleppt batte, tot zusammen. Der Tod war durch Altoholvcrgiftung eingetreten. Die Schuld an dem Tode des Mannes hat das Gericht der Fahrlässigkeit des Angeklagten zu geschrieben, indem es sagte, der Angeklagte habe erkennen müssen daß N. so große Mengen Alkohol in so kurzer Zeit ohne schädlich Folgen niriit zu sich nehmen konnte. Trotzdem habe er N. soviel zu trinken gegeben, weil er sein Pcrgnügeii daran hatte. N. be trunken zu machen. In seiner Revision rügte der Angeklagte die Aerteilnung des Begriffs der Fahrlässigkeit, da er die Folgen nicht bave voraussehen können. Vielmehr hätte das Gericht berücksich tigcn müssen, daß N. an einem Herzfehler liit und dieser die Haupt Ursache des Todes tvar. Das Reichsgericht verwarf indessen die Revision als unbegründet, dalcinwaiidsrci festgestellt sei, daß N nur an akuter Alkoholvergistung gestorben ist, weil N: dem Zureden seines Dicnstherrn,'immer noch mehr zu trinken, nachgegeben hatte Furchtbare Folgen preußischer Schnapskultur. Ter verschwundene Schau eines Tcsraudautru spielte in einer Verhandlung eine Rolle, welche gestern unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Ieckisch das Schöffengericht Berlin-Mitte bc schästigte. Angeklagt wegen Hehlerei bezm. Begünstigung war der Mechaniker Hans Salkouat. Vor etwa drei Jahren hatte der bei der Deutschen llnions brauerci angestellte Kaufmann Bcdnarsti mittels eines gcfällchtrn Schecks bei der Deutschen Bank durch einen Dritten Illllvll Mark abheben lassen und war dann nach Paris geflüchtet» Nach einiger Zeit kam er nach Deutschland zurück und siel hier aus Grund deS hinter ihm erlassenen«eteckbricics. der Behörde in die Hände. Er wurde unter Anklage gestellt und zu 2 Jahren Zuchthaus vcr urteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe erstattete Bednarski gegen den jetzigen Angeklagten eine Anzeige, in welcher er behauptet, er habe ihm vor seiner Flucht nach Paris»000 M. zur Aufbewahrung übergeben, um, wenn er seine.Strafe verbüßt hatte, Geld zur Per- sügung zu haben. Salkcnat weigere sich nun das Geld heraus zugebe», anscheinend habe er es auch längst für sich verbraucht. Die Folge war, daß Salkcnat verhaftet wurde. Er gab zu, daß ihm B. iOOO M. dafür gegeben habe, daß er ihm seinen Miliiärpaß zur Flucht geliehen habe. Weitere ihm zur Aufbewahrung gegebenen 81X1 M. habe er allerdings verbraucht.— Der Zeuge Bednarski. blieb vor Gericht dabei, daß er dem Angeklagten 8000 M. ausgehändigt Me.—'Ter Aiiitsanwolt beantragte die ilcbcrwcisuug an dir Strafkammer, da Salkcnat der Mittäterschaft verdächtig sei, andern falls.beantrage er, den Angeklagten ivegeu Hehlerei und.Bcgünsti Mnst zu- 5 Monaten Gefängnis zu verurtciken."Das Urteil tantckc aus 2 Monate Gefängnis unter Abrechnung von einem Monat der Untersuchungshaft. .fitos der frauenbewegung. Arbeiterinnenschutz. Die Abnahme der Geburtenhäufigkeit liegt, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, an der Abnahme>der Göbärsähigkcit. Diese ist bei den minderbemittelten Polksklasscn vielfach auf schädigende Er- gewöhnlich gelernt haben. Nach überströmenden Komplimenten über Frankreich als erste Kulturnati om den französischen Geist und seiner Vorliebe für dieses Land, dem die Schrecken des Krieges zu ersparen er sich immer' aufs höchste bemüht habe, kam der Kaiser auf Friedrich II. zu sprechen.„Er bemerkte, daß der große König schlecht deutsch sprach und sich darauf etwas zugute tat, daß er französische Verse machen konnte— allerdings herzlich schlechte, die Voltaires Spott reizten. Er erinnerte mich daran, daß in Potsdam die Deutschen einst als Fremde angesehen wurden... und Napoleon mit Goethe eine Zusammenkunst hatte, die in der Ge> schichte zu denen zählt. die Reiche einander nahebringen/ Daß der deutsche Kaiser einer Französin einen Vortrag über deuti'ch-französische Geistesbeziehungen hält und sich dabei von der „nationalen" Hohenzollernlegende, die gerade in der jetzigen Jubiläums zeit dem Volke präsentiert wird, nicht befangen zeigt, ist sicher lobens wert. Freilich.haben gerade die durchaus weltbürgerlich gesinnten Großen unserer Literatur über die Schmeichelei, die Friedrich An- gehörigen einer fremden Nation auf Kosten der eigenen erwies— und immerhin waren diese Huldigungen auch an einen Voltaire und andere Männer von Bedeutung und nicht an eine beiläufige„xrsncke coguetts" des Pariser Theaters gerichtet— mit Zorn und Scham gedacht und gesprochen.— Und gar nicht schön ist, daß Wilhelm II. Ausländern gegenüber— einmal zu einem Engländer und jetzt zu der charmanten Pariserin— so tut, als ob das deutsche Volk schon längst in den Krieg gezogen wäre, wenn e r es nicht zürückgehalten hätte. Wenn der deutsche Kaiser Erinnerungen an eine Zeit hervor- holt, die eben nicht zu den rühmlichsten des deutschen National- bewußtseins gehört, so ist er sicher darum, noch kein„Vaterlands- loser". Aber dann soll man auch diejenigen nicht so schimpfen, die die Verständigung der Völker in dem gemeinsamen Streben nach einem gemeinsamen Ziel verfolgen und soll nicht mit Verleumdungen über Zusammenkünfte weit größerer Bedeutung herfallen,„die Reiche einander nahe bringen". Eine Kolibrisammlung. Das Britische Museum, das größte der Welt, hat seine naturwissenschaftlichen Bestände um ein besonders merkwürdiges und wertvolles Glied vermehren können. Es besteht in einer Sammlung von Kolibris, die ihm von einem Naturforscher zum Geschenk gemacht worden ist. Die winzigen Vögel sind in etwa fünfzig Käfigen untergebracht, von denen jeder eine Gruppe pon zwei oder mehr Arten enthält. Im ganzen umfaßt die Sammlung 3815 Stücke, und durch diese sind nicht weniger als 102 Gattungen und 480 Arten vertreten. Im einzelnen zerfällt die Sammlung in 2074 ausgestopfte Vogelbälge und 199 Nester, von denen einige auch die Eier enthalten. Im Verein mit einer bereits früher erworbenen Sannnlung wird das Britische Museum jetzt die größte und schönste Zusammenstellung von Kolibris besitzen, die man zur Schau gestellt sehen kann. Humor und Satire. Scharf in achergcbet. Scrr, bescher' uns doch nur eines, ins in deinem weisen Rat:' Ein ganz echtes, wenn auch kleine? Sozialistenattentat, wcrbsarbeit zurückzuführen. Durch die kapitalistische Produktions- weise wurden immer mehr Frauen in die Lohnarbeit gezwungen, die Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften steigt seit einigen Jahren immer stärker. Unter ten weiblichen Erwerbstätigen, deren Gc- samtzahl schon ll Millionen für Tcutschsand beträgk. finden sich fast 1 Millionen Ehefrauen, die im Hauptberuf tätig sind. Die traurigen Folgen der Erwcrpstätigkcit der Frauen machen sich schon beute überall bemerkbar. Sic wirken als Lohndrücker für die männ- lichen Arbeiter, sie müssen ihre Familie und ihr Heim vcrnachlässi- gen; sie selbst aber sind überlastet und tragen schwere Schädigun- gen für ihre Gesundheit und ibrer Nachkommen Gesundheit davon. In vielen Fällen kann der geschwächte Körper der Frau die- Stra- pazen der Mutterschaft nicht mehr ertragen. Mit dauernder Gc- sundhcitsschädigung müssen sie sie bezahlen, sogar mit dem Tod. oft aber auch tragen sie eine schmerzhafte Frauenkrankheit davon. Durch die schädlichen Einflüsse der Evwerbsarbcit werten aber auch häusig die Ilntcrleibsorganc der Frau so sehr geschwächt, daß Früh-, Fehl- oder Totgeburten und völlige Unfruchtbarkeit der Frau die Folgen sind. Tic Ursachen dazu sind verschieden. Ter Ausenthalt in' Arbcitsräumcn mit schlechter Luft, zu lang dauernde Fabrik- arbeit, zu langes Stehen wirken unheilvoll aus den Gesundhcits- zustand der Frau und künftigen Mutter. Und was hier die lange Arbeitszeit und die schlechte Arbeitsmethode sündigt, das wird in anderen Fällen durch die gewcrblickicn Gifte herbeigeführt. Die Erkrankungen der Arbeiterinnen an Blei-, Chrom-, Blausäure-, Anilin-, Schweselkohlenstoss- und Nikotin- und Arsenikvergiftung schädigen alle Qrganc des Körpers, vor allem aver die Organe der Fortpflanzung. Besonders gcsäbrdct in dieser Beziehung sind die Arbeiterinnen in Metallkabrikcy, in denen mit Bleilegierungen gearbeitet wird. Hier endet ein großer Teil der Schwangerschaften mit Abort und Frübgcburtcn, wenn nickt schon vorher völlige Un- sruckkbarkcit eingetreten i!t. Mit schmerzhaften Krankheiten, mit dem Verzicht aus Ivkutterglück müssen viele Fabrikarbeiterinnen das bißchen Verdienst bezahlen, das sie sich durch ihre Arbeit er- werben. Sie selbst und die kommende Generation wetzten in un- verantwortlicher Weise geschädigt. Will man in Regieningskrelsen ernsthaft dem Geburtenrückgang entgegewvirkcn, so bietet sich lster ein Weg dazu. Man sorge für ausreichenden Arbeiterinnenschutz, die viel zu lange Arbeits- zeit für aic Frau, für die Mutter muß aus längstens acht, für die jugendliche Arbeiterin unter 18 Jahren auf sechs Stunden verkürzt werden. Der Sonnabcndnachmittag muß freigegeben urch völlige Sonntagsruhe gewährt werden. Keinerlei Ausnahmcbestimmutigen dürfen aiescs Maximum aü Arbeilszeil wieder verlängern und dadurch illusorisch machen. Ten Sckuvangcrcn und Wöchnerinnen müßte besondere Schonung gewährleistet werden. Der Lohn der Arbeiterinnen müßte gesteigert Wersen, damit sie sich besser er- nähren können. Ferien sollten überall gegeben werden, um wenig- stens für kurze Zeit eine Ausspannung der Frau von der ermüden- den Arbeit zu bewirken. Es müßte die Möglichkeit gegeben sein, daß sie Arbeiterinnen ihren Urlaub an der See, im Walde oder Gebirge verbringen können, damit auch eine wirkliche Ausnutzung der freien Zeit erfolgt. Tic Fabrikarbeit der Frauen in gesund- heitsckädlichen Betrieben, wie in Metall-, in Flaschcnkapselsabrikcn, in Schriftgießereien, in Sicherheitszünahölzcrfabriken, in Färbe- rcicn, in Gummifabrikcn, in Zigarren- und Zigarettenfabriken u. a. müßte im Interesse der Erhaltung der Gebärfähigkcit vcr- boten werden. Nur wenn in dieser Weise für die Mütter gesorgt wird, dann kann man auf gesunde/lebensfähige Kinder hoffen. weigerten, im Gciangms Nahrung zu sich zu nehmen, zu dcpor- kieren. Der Minister M c Ä e n n a meinte karaus, der Borschlag wäre annehmbar, wenn nicht die Gefahr bestünde, daß die Frauen auf dem Transport den Hungerstreik proklamierten. McKcnna zitierte Zahlen, um zu beweisen, daß die Fälle, in denen sich Ge- sangene durch den Hungerstreik aus der Haft befreien, keineswegs so zahlreich seien, äks allgemein geglaubt werde, seit Anfang des Jahres sind von 02 Gefangenen nur 8 deswegen frei gelassen worden; die anderen haben ihre Strafe verbüßt oder verbüßen sie iwch. Welcher Fanatismus diese Frauen beseelt, geht aus folgen- Hen Worten des Ministers hervor: „Einige von ihnen nin,.als ob sie ihre Nahrung äßen und hungern heimlich, so daß sie. so schwach und erschöpft werden, daß mit ihnen nichts anzufangen ist, nur weil sie im Gefängnis sterben wollen. Vor ganz kurzer Zeit wusch sich eine der Gssangenen, che sie zu Bette ging, mit warmem Wasser und lag unbekleidet während der ganzen kallen Nacht aus vcm Bett, nur weil sie sich durch Erkältung den Tod zuziehen und im Gefängnis sterben wollte. Man sagt, daß sie Milch zu sick nehmen würden, wenn man sie ihnen gebe. Einige von ihnen haben selbst Waffer zurück- gewiesen und sich freiwillig der Selbstpeinigung nicht nur ldurch Hunger, sondern auch durch Durst unterzogen. Diejenigen, denen man Milch angeboten hat, haben diese beständig abgeschlagen und ick bin sicher, daß alle sie abschlagen würden." Ein Parlamcntsmitgliod meinte, der Minister sollte ruhig nur einmal eine der Frauen sterben lassen. Tics werde keine besonderen Folgen baden und kaum Nachahmung finden. Torauf er- widerte McKcnna: „Die Frage iit, wie viele soll man sterben lassen? Diese fanalischcn, hysterischen Frauen baben ebenso wenig Furcht vor dein Tode in diesen! Kampfe, als ein Wilder im Suldan den Tod fürchtete, wenn er unter dem Banner des Mahdi kämpfte. Wenn eine oder zwei stürben, würden sich' 80 oder 40 dieser Frauen einstellen, eine nach der anderen, um dem Gesetze Trotz zu bieten, und es als einen Triumph' für. ihre Sache ansehen, wenn es ihnen gelänge, zu sterben." Die Hungerstreiks der Susfragettcs. London, 19. März, i Eig. Bei.) Atzt 18. März fand im engli- scheu linterhause eine Debatte über die Hungerstreiks der«nilitantc» Fraucnrechtkcrinucn in englischen Gesängniffen statt, in der über manche die Bewegung charakterisierende Einzelheiten berichtet wurde. Der Minister des Innern wurde von der konservativen Oppo- sition wegen seiner Handhabung der Gesetze kritisiert und mußte Rede und Antwort stehen. Lovd Robert Eeeil bemerkte, daß die Regierung selbst viel Schuld an' dem gewalttätigen Vorgeben der ~usiragcttcs habe. Diese Propaganda habe eingesetzt, als Frauen. die den Minister» im Parlament eine Petition unterbreiten wollten, von der Polizei scbr unwirsch behandelt woridcn waren. Tie Regierung habe sich damals geweigert, eine Untersuchung über das Austreten der Polizei bei dieser Gelegenheit einzuleiten. Unter all- gemeiner Heiterkeit schlug der Redner vor, Susfragettcs, die sich Nichts als dies erscheint uns wicht'ger Angesichts der roten Pest, Daß ein Sozi, doch ein richtger, Den Revolver knacken läßt. Ob der roten Frechheit hat eS Lange schon in uns gekocht, Doch im Fall des Attentates Wird die Bande eingelocht. Und die Presse wird geknebelt Und der Streikfonds konfisziert Und die Polizei, sie säbelt Jeden nieder, der sich rührt. Und eS tanzt, wie wir ihm geigen, Der Prolet in unsrer Fron Und die Dividenden steigen Höher noch als heute schon. Drum, o Herr, bescher uns eines, Eins in deinem weisen Rat, Ein ganz echtes, wenn auch kleines Sozialistenattentat. Fridolin. Wotiiea. u n st ch r o» i k. Der Kunstsalon Paul Cassierer bleibt am Karfreitag und an den beiden Osterfeiertagen geschlossen. N i s s e n s R ü ck t r i t t. In der DonnerStagsitzung der eben in Berlin tagenden Bühnengenossenschaft teilte der Vorsitzende Rickelt mit, daß der zur Erholung im Süden weilende Nissen sein Amt als Präsident niedergelegt habe. Man war sedoch übereinstimmend der Meinung, daß Nissen sich wieder zur Uebernahme seines mit Tat- kraft und Kampfesmut geführten Amtes bestimmen lassen werde. Jeder Finger einen Meter lang. Von dem Koloß des Völkerschlachtdenkmals, das zum Herbst bei Leipzig eingeweiht werden soll, liest man: Die vier Kolossalfiguren am Völkerschlachtdenkmal, die in der Krypta angebracht sind und die zusammen 260 000 M. kosten, sind nunmehr bis aus eine völlig ertiggestellt worden. Die Figuren sollen die Opferwilligkeit, Tat- kraft, Glaubensstärke und deutsche Volkskrast darstellen. Jede Figur hat eine Höhe von 9 Meter; entsprechend sind alle anderen Maße; 'o ist beispielsweise der Mittelsinger der einen Figur einen Meter lang. Zu jeder Figur waren 5000 Zentner Granit notwendig, allein der Kopf der„Tatkraft" hatte unbehauen ein Gewicht von 250 Zentnern. Die Arbeiten an den Figuren haben drei Jahre erfordert. Die Masse muß es bringen. — Eine telephonische Verständigung mit England ist nach der„Umschau" kürzlich zum erstenmal in Berlin und einigen anderen Städten, wie Köln, Düsseldorf, Aachen, Hamburg, versucht worden. Die Gespräche waren mit Ausnahme von Hamburg recht deutlich. Wann ein öffentlicher Fernsprechver- kehr eingerichtet werden kann, steht noch nicht fest, da das Seekabel von der englischen nach der belgischen Küste noch störende Eigen- j schasten hat. Versammlungen. Ter Arbeitsnackwei? des„Vereins Berliner Hotelbesitzer" beschäftigte eine Versammlung der im Verband der Gastwirt?» gehilfen organisierten H o t e l d i c n e r. An der Hand von reichem, urkundlichem Material brachte der Rcscrent. Genosse Diesing, 2. Vorsitzender des Verbandes der Gastwirtsgebilscn. den Nachweis, daß der angeblich als Woblsahrlseinrichlung ins Leben gerufene Arbeitsnachweis der Unternehmer ein reines M a ß r c g e l n n g s- burean sei. Der Arbeitsnachweis wurde im Jahre 1907 zu dem allsgesprochenen Zwecke gegründet, die o r g o n i si c r t c n Hotel- dienet von den Betrieben der organisierten Hotel- besitzet fernzubaltcn. nachdem es in einem Betriebe des jetzigen Hauptes der Unternehmerorganisatian, Herrn General direitor E l k a n, zu einem Streik der Hoteldiener gekommen war. Viel sollte den Untcrnedmern diese..Wohlsahrtscinrichtnng" jedoch nicht kosten. Dem Arbeitsverteiler Peters soll bei seiner Anstellung gesagt worden sein, er werde als verheirateter Mann mit 100 M. Geyalt schon zurecht lammen, denn wenn er es einigermaßen vcr- stehe, Arbeiten zu vermitteln, könne er auf reichlichen Nebenverdienst rechnen.— Diesen zarten Wink bat der Arbeitsverteiler P e te r s nur zu deutlich verstanden und soll sich nicht damit begnügt baben, voii den arbeitsuchenden Hoteldienern und sonstigem Personal Geschenke in naturA und in barem Gclde anzunehmen, sondern gr soll die eigentümliche Angewohnheit ge- habt haben, bei Entnahine von Speisen und Getränken in dem mit dem Arbeitsnachweisbureau verbundenen Restaurant überhaupt nicht an das Bezahlen zu denken. Ein Gastwirt in der Wilhelm- straße, der Herrn Peters zu seinen ständigen Gästen zählte, versuchte vergeblich, aus dem Klagewege zu seinem Gelde zu kommen, da sich der Arbeitsvermittler des Bercins Berliner Hotelbesitzer wegen der gemachten ZeKschulden zum Ofsenbarungseide laden ließ und denselben auch leistete. Anläßlich einer Gerichts- Verhandlung hat Herr Peters aps die Frage des Richters, ob er Bestechungen zugänglich sei,' unter seinem Eide'erklärt: Er lasse sich aus solche Sachen nicht ein. Eine daraufhin von verschiedenen Seiten bei der Staatsantvaltschaft eingereichte Anzeige wegen des Vergehens des Meineides wurde jedoch von der Staats- anwaltschast mangels Beweises zurückgewiesen, da in dem Protokoll der Gerichtsverhandlung die kritische Aussage des Peters nickt enthalten war. Ter, Referent betonte, daß er selbst als Zuhörer der betresscnden Gcrickttsverbandlung bei- gewohnt habe, ferner meldeten sich in der aur das Referat xolgen- den Diskussion verschiedene Versammlungsteilnehmer, welche nicht nur diese letztere Behauptung des Referenten zu der ihren machten, sondern eS traten auch verschiedene Persammlungsbesucher auf, welche erklärten: Dem Herrn Peters Beträge von 5 M., lO M. und 20 M. gegeben zu haben. Ferner wurde in der Diskussion festgestellt, daß derselbe Herr Peters, welcher vor seiner Anstellung im Arbeitsnachweis der- Unternehmer selbst einmal frei gewerkschaftlich organisiert war, jetzt offen zugibt, daß organisierte Gehilsen durch den Ilnternehmernachwcis prinzipiell nicht vermittelt werden. Es ist gewiß ohne weiteres verständlich, daß diejenigen, welche sick einmal zur Zahlung von Schmiergeldern haben verleiten lassen, eine gewisse Scheu haben, ihre Dummheit in der Oeffent- lichkeit zu bekennen; ferner ist zu bedenken, daß der Arbeitsver- mittler Peters noch immer eine so unheimliche Macht aus die Berliner Hoteldicncr ausübt, daß ein Teil der Bcrufsangehörigen eine unüberwindliche Scheu hat, denjenigen öffentlich anzn- schuldigen, der die Macht besitzt, ihnen entweder zu Brot und Lohn zu verhelfen oder sie am Hungertuch nagen zu lassen. Unter Wür- digung all dieser Umstände ist es begreiflich, daß sich der Referent in seinem Schlußwort darauf beschränken mußte, die Erklärung abzugeben, daß er eine ganze Anzahl von eidesstattlichen Versiche- rungen des Inhalts besitze: der Arbcitsverteiler Peters habe Schmiergelder angenommen. Die Namen der Unterzeichneten wurden ans vorerwähntem Grunde nicht genannt. Die Stimmung der Versammlung kam in folgender Resolution zum Ausdruck, welche einstimmig angenommen wurde: „Tie öffentliche Versammlung der Hoteldiener verurteilt auf das entschiedenste die Arbeitsvermittelung des Arbeitsverteilers Peters vom Arbeitsnachweis des Berliner Hotelbcsitzcrvereins. Tie Versammlung spricht ihre Entrüstung aus, daß dieser Verein diesen Mann, dessen Tätigkeit ihm bekannt sein muß, noch immer auf seinem Posten hält. Vertrauen zu dem Nachweis ist bei den Angestellten nicht vorhanden und erwartet die Versammlung, daß der Berliner Hotelbefttzerverein recht bald Veranlassung nimmt, den jetzigen Arbeitsnachweis ganz zu schließen und sich am paritätischen Ar- beitsnachweis zu beteiligen, mindestens aber den noch bestehenden Arbeitsnachweis anständig zu führen." Weder der angeschuldigte Herr Peters noch ein Vertreter des Vereins Berliner Hotelbesitzer war trotz ausdrücklich erfolgter Einladung zu der Versammlung erschienen, um zu den vor aller Ocffcntlichkeit erhobenen Anschuldigungen Stellung zu nehmen.- Marktpreise von Berlin am 19. März 191». nach Ermittelungen des königl Polizeipräsidiums. 109 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,68 bis 19,80, mittel 19,44—19,56. geringe 19,20—19.32. Roggen, gute Sorte 16,13—16,20, mittel 16,14—16.16, geringe 16,10—16.12(ab Bahn). Kutter- gerste, gute Sorte 16,20— 16,80, mittel 15,60— 16,10, geringe 15,00— 15,50. �aser, gute Sorte 17,30—19,70, mittel 16,00— 17,20(frei Wagen und ab ahn). Markth allen vr eise. 100 ftilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartofseln(KIcinbdI.) 5,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.30—1,30. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,20. Butter 2,40— 3,00. 60 Stück Eier 3,60— 5,40. I Ailograrmn Karpsen 1,20—2,40.'Aale 1.60— 3,20. Zander 1,60—3,60. Hecht- 1,60—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60,-3,26, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-24,00. 414 3JZi£i| JknlmK 4C9i44V9� dttibß. Über 34,000 ähnlich lautende schriftliche Anerkennungen! a)!oi£ AcußtUßn' 10* AOiiV� �mtwcuirtHßn4i4)'* Oster U-T. � e/er Billette erhält bei mir jeder Käufer 1 Merken Sie sich meine3 Adressen: Centrale: BrunnsnsSrassel I I. Filiale: II. 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Zur ßtliiinipfiing kr Zchnndlitttutur und zur Förderung des Uertriebes guter llutkrhultungslkktüre Hatto das Berliner„Gcwcrkschaftshaus" zu Anfang doS Jahres 1911 folgende Einrichtungen getroffen: „1. Anerkannt gute Jugendschristen zum Preise von 10—39 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Teponicruug des Preises zur Ver- sügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den Ausgabestellen ohne Legiti- mation so viele Bücher wie er will. Er hat entweder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher cnt- uomnicne� Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten tvill. hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Betrag zu deponieren. Zur Verteilung der Schriften sind in Berlin und Um- gegend in Gewcrkschaftsburcaus, Jugendheimen, Bibliotheken, Zigarrengeschäftcn und auch in Privatwohnungcn Ausgabe- stellen errichtet worden, deren Zahl zurzeit rund 80 be- trägt. Es lourden in den Jahren 1911 und 1912 folgende Bücher ausgegeben: Wiesbadener Volksbücher 3610,Schatzgräber-Schriften 1819, Deutsche Jugendbücher 1330, Bunte Jugendbücher 1193, Deutsche Volksbücher 1165, Bunte Bücher 1161, Schaffstcius grüne und blaue Hefte 511, Auftvärts-Bücherci 182, Quellen 419, Hendel-Bibliothek 355, Es war einmal 340, Noiiegcns Kinder- bücher 282, Die junge Welt 136, Weise's Märchenbücher 51, Bücher des deutschen Hauses 32, Berliner Heimatbüchcr 20, zusammen 12942 Hefte! Von den ausgegebenen Büchern kosteten: 8002 10 Pf., 1252 15 Pf., 1790 20 Pf., 980 25 Pf., 918 30 Pf. und mehr. Von den vorgenannten Sammlungen mutzten einige Bücher wegen ihrer Tendenz ausgeschlossen iverdcn. Die Lebensdauer der Bücher ist eine verschiedene: iin allgenicinen kann man wohl sagen, daß sie 10- bis 15nwl ausgegeben werden können. Als zerlesen wurden bisher nur 212 Hefte zurückgcliefert. Dagegen wurden für 525,35 M. Bücher behalten und dafür die entsprechende Summe an das Ecwcrkschaftshans gezahlt. Die Zahl der zerlesencn Hefte wird jedenfalls in der nächsten Zeit bedeutend steigen. Immerhin bleibt aber die Möglichkeit bestehen, wenn dje Differenz zwischen Einkaufs- preis und Ladenpreis der Einrichtung zu gute komnit, diesen Vertrieb ohne einen Pfennig Kosten durchzuführen; es ist nur ein kleines Kapital nötig, um einen Grundstock von Büchern anzuschaffen. Sollte für andere Orte eine ähnliche Ein- richtung geplant werden, so ist das Berliner Gcwerkschafts- haus gern bereit, mit Ratschlägen zur Seite zu stehen. Jugeudvcranstaltunge«. Neukölln. Hcuic, Karfreitag, mittags 2 Uhr, in den Bürger-Zälcn, Bergstr. l-47: U u f> a l it i f ch c 5 u g c n d v c r f a m m l u» g. Vortrag über:„Rricgsspielr oder Wanderungen". Rcsercnt Mar Peters. Oster- ivanderungcn: l. Mecklenburg. Zwei bis drei Tage. Abfahrt Sonnabend- abend 6 Uhr Lt Min. und 9 Uhr 20 Min. vom Stcttincr Fenibahnhos nach Acn-Ruppin. 2. Erster Feiertag. Gruppenwandcrung nach Strausberg— Bötzlcc. Abfahrt Bahnhoi Hermaiinstr. 6 Uhr 56 Min., Bergstraße 0 Uhr SL Min. Fahrgeld: l. tArrippc Sä Pf., II. Grnvvc 89 Pf. Lichtenberg. Am Sonntag, den 23. März fersten Osterseicrtag) Partie nach Erkner, rechts an der Löcknib entlang, Grünheide, Werlsce, Pectz- fcc. KranichSbergc, Woltersdors. Fricdrichsbagen. Treffpunkt: Jugendheim. Dojfestr. 22, früh ü'L Uhr. Abfahrt: Bahnhof Gummelsburg friih 7 Uhr 9 Minuten. Fahrgeld ßä Pf. Bei schönem Wetter wird nur nachmittag zum Slaffcctochcii cingckchrt, versehe sich daher jeder Teilnehmer mit gc- nügcnd Proviant sowie mit einem Trinkbecher; auch Liederbücher nicht ver- gcjfen. Nowawcs. Tic Arbeiterjugend unternimmt am Sonntag, den L3. März fersten Osterseicrtag) eine TageSpartie durch den Grunewald. Tour geht über Klcin-Glicnickc, Griebnihice, Wannsee, an den Grunewald- sccn entlang nach ünkcl Toms Hütte. Treffpunkt der Teilnehmer ö'/i Uhr im Jugcndheini:'Abmarsch pünktlich 7 Uhr. Proviant sür einen Tag und Liederbücher nicht vergessen. ES wird erwartet, daß die Jugendlichen sotvic deren erwachsene Schwestern und Brüder sich zahlreich an der Tour bc- tcMgcu. Tcmpelhof-Mariendorf. Die arbeitende Jugend veranstaltet am ersten Lstcrfcicrtag einen Ausslug nach de» Müagelbergcn, Gosen, Gojener Berge, Schmöckwitz. Treffpuntt 7 Uhr jrüh am Ringbahnhos Tempeihos. Abfahrt 7.30. Aus den Müggelbcrgcn:„Großes Osicrciersnchen 1" Trefspunkl sür Nachzügler Restaurant am Teusclssec bis 12 Uhr mittags. Liederbücher sind mitzubringen. Am Montag, zweiten Osterfeiertng, den LI. März, nach. mittags 2'/s Uhr:„spiele im Freien" an den Schätzclbcrgcn in Marien- dors, Am Soimabcnd, den ä, April, findet in Graßls GesellschastshauS, In- Haber Laar, in Maricndors, Ehauisecstr.;!Oj, eine Jugendseier statt mit künstlerischem Programm. Eintritt für Jugendliche bis zu 18 Jahren frei. Billetts für Erwachienc 10 Pf. Agitiere jeder recht rege unter den Schul- entlassenen zur Teilnahme au diesen Veranstaltungen. BaumschulciiMcg. Sonntag, LN. März fersten Ostcrfcicrlag) Aus- flug nach dem Löcknitztal. Abfahrt vom Bahnhof Baumschulenweg pünktlich 7 Uhr. Das Fahrgeld beträgt 1/23 M. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden ersucht, sich rege an diesen Ausslug zu beteilige». Liederbücher nicht vergessen! Köpenick. Am ersten Osterfciertaa Tagespartie nach dcr Löknih. Treff- punll srllh 7 Uhr an der Turnhalle, Müggclheimer Straße, Zweiten Feier- lag, abends, gemütliches Beisammenscin im Jugendheim, Schönerlinde- slraße 3. Unr recht zahlreiches Erscheinen wird ersucht, Briefkasten der Redaktion. Tic iuris! ische Sprechstunde findet Linden st rabe LS, vorn vier Treppe» — F a h r ft u p l—, wochentä glich von 4'/, bis 7>/z Uhr adends, EonnabendS, von 41- bis L Uhr abcndS statt. Jeder sür de» Bricskastcn beftimniten Ansrage ist ein Buchstodc und eine Zahl als Merkzeichen bctzusügcn. Briesitche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonncmentsquittung beigefügt ist, Verden nicht bcantwortrt. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. Llm Sonnabend, den 22. März, fällt die juristische Sprechstunde aus. M. Nein.— Zl. G. 3V. 1. Zur Duldung der Arbeiten sind Sie per- pflichtet. 2. Der jetzige Inhaber Ihrer neuen Wohnung ist gehalten, die Schlüssel dem Wirt'abzugeben, da die Belassung der genannten Gegenstände in den Räumen als Schikane angesehen werden dürste. Der Wirt könnte eine einstweilige Verfügung gegen den Mieter auf Herausgab-e der Schlüssel erwirken. Sic können die Wohnung auch schon jetzt beziehen' vereinbaren Sic mit dem Vermieter, daß er eine Entschädigung pro März nicht fordert. — H. 36. Durch die Heirat würde das Kind allerdings die preußisHe Staatszugebörigkcit verlieren. Um dies zu vermeiden, cmpsiehlt es sich, vor der Ncrbeiralung an das Polizeipräsidium ein Naturalisalionsgeinch zu richten.— M. T. 1879. Die zwangsweise Beitreibung der Gerichts- kosten kann erfolgen. VoraussichUich wird aber Ihrem Gesuch um Stundimg stattgegeben.— Lichtenberg G. B. Zurzeit lassen sich irgendwelche Schritte nicht unternehmen. ES muß der 1. April ab- gewartet werden. Ist der Bau bis dahin nicht bezugSsähig, so können Sie eine andere Wohnung mieten und eventuell Schadenersatz benn- sprachen. Ist vorder— in Zeugcngegcnwart— eine Erklärung des Eigentümers, daß die Wobnung nicht bczugssähig ist. zu erlangen, so lönncn Sic schon vorher anderweit mieten.— G. N. 4Ä. Derartige Ansprüche lassen sich leider in dem vorliegenden Falle nicht durch- sührcn.—(f. V. 36. Wenden Sic sich mit der Frage an daS Zollamt.— C. W.•€>. Eine'AuSkunstsjlicht besteht nicht.— P. K. Köpenick. 1. und 2. Nein. Jedcnsalls ist es aber zweckmäßig, sich am 1.4. unter Hinzuziehung vonZeugen von dem Zustand dcrWohnung zu überzeugen. .H. Sch. Nein.— Albert Ä7. Eine Pfändung der entbehrlichen Sachen in der neuen Wohnung ist zulässig; jedoch bat der jepige Eigentümer Anspruch ans vorzugsweise Befriedigung aus' dem BerstcigcrungScrlös. — 3 Genossen. Befragen Sie einen Fachmann. 2. In süns Jahren. — Auskunft 100. Da der Lcihvcrtrng mit Ihrem Bruder später gc- ichlosse» ist, als der Mielsvertrag, so hätte der Wirt ein Recht, die Eni- fernnng der Sachen zu verhindern. Geschieht die Entscrnnng trotz des Verbots, so kann Bcstrasung cnolgcn, außerdem kann der Vermieter Zurückschaffuilg verlangen.— ö. G. 98. X. Sie können bis zum 1. 4. 14 zu dem alten Mietsprcije wohnen. 2. Nein.— A. 109. Nein. Jo. l. V. i. ES crdöbt sich die Rente. 2. Die Hälfte. 3. 4. Die gesetzliche Kündigungsfrist betrügt 6 Wochen zum Quartal. 5. Nein.— 91. P. 30. Für die sragliche Zeil haben Sie Anspruch aus Befreiung von der Gemeinde- cinkommensteuer. Die Staatscinkommcnstcncr kann jedoch eingosordcrt werden. Der Veranlagung sür das Steuerjahr wird das mutmaßiiche Ein- kommen in diesem Jahre zugrunde gelegt. 2. Lesen Sie den Artikel „Stcuersragen" in der Rümmer des„Vorwärts" vom 18. d. MtS.— 61142. 1. Das tväre möglich. 2. Nur dann, wenn es sich nicht um gcringivcrlige Gegenstände zum alsbaldigen Verbrauch handelt. 3. Das hängt von der'Auffassung der Strasbchörde ob. 4. Der GcrichtSlostenvorschuß beträgt elf Mark.— M. M. I. Ja. — K. Zuchow. 1. Ja, wenn Bcrkäuscr zustimmt. 2.. Etwa 20 M. 3. Bei dem Amtsgericht Kalkbcrgc. 4. Fragen Sic beim Gcmcindcvorstand an.— Schenkung XI. 1. Ja, sosern die Sachen übergeben sind,— 2. U. E. muß die Klage abgewiesen werden. Sollte dies geschehen, so können Sie Fest- sctzung Jbrer VcrsäumniSkosten bcaniragen.— H. G. 100. Den Termin müssen Sie wahrnehmen, isie könne» angeben, daß Sic ans Bcstrasung kein Gewicht legen. Handelt es sich um geringwertige machen zum als- baldigen Gebrauch, so wessen Sie darauf bin und erklären Sic, daß Sic den Strasantrag zurücknehmen. ES kommt in solchen Fällen die Novelle zum Strasgesetzduch� uvm 19. 0. 12. ls? 2-18a) zur Anwendung, wonach die Zmücknahme des Strasantrages znlässiig ist.— N. 104. Die slandcsamt- lichc Trauung in Deutschland ist auch in Oesterreich rechtsgültig, und zwar auch, sofern Sie Ihren Auscnthalt wiederum in Oesterreich nehmen. Sind Sic Katholik, so wäre cvcnt. eine Scheidung»ach dem jetzigen österreichischen Gesetz nicht möglich.— A. F. 20. Ja. 10 bis 30 M.— A. S. IS. Wenden Sie iich an die Zentrale sür Auswanderer, Berlin, Karlsbad 9/10. — A. L. 100. 1. Soweit wir ins ormicrt sind, handelt es sich um eine so- geiiamitc gemeinnützige Gesellschaft. Die Kündigung tvürde somit am 13. des Monats mit Wirkung zum uächsten Ersten zulässig sein. 2. Wenden Sie sich au das Wahlvcrcinsbureau des.6. RcichStagSwahlkrcises, Neue Hochstraße 3.— T. E. 2. Ja.— BS. S. 53. New.— L. K. Rein. — P. T. 720. Zcntralvcrband der-Handels- und TraiiSportarbcitcr, Sektion Krastwagensührer, Engeluser 13.— W. 84. Altersheim in Sprcm- bcrg, Vorsitzende» Stadtrat Schur. Jährliche Pension 3ö0 M. Dasür freie Wohnung, Kost, Licht, Heizung, Wäsche und Arzt.— Moabit 100. Sic melden sich praktisch bei der Organisation der Seefahrer, Engeluscr 13.— K. T. 1000. Es ist anzunehmen, wir raten zum Versuch,— S. 1. Gewiß kann daß ein Arzt feststellen.— Jriedriclishagen. Aber, aber, eine Stufe aus Treppen'i— R..21. 19. April 1906,— L. 99. Wenden Sie sich an den Genossen Harndt, Pappcl-Allce 15/17.— M. H. 93. Auch tvir kennen die Adresse nicht.—(£. H. 100. 1. Empsehlungcn lehnen tvir ab, aber der angcsragtc Verein wird unseres Wissens nach von organi- sicrten Arbeitern geleitet. 2. Wenden Sie sich an Dr. Silberstem, Neukölln. — 999. Städtische Parkdeputatio», Rathaus, Zimmer 119/120,— K. 17. Das iväre eine Tierquälerei, mit der das Gegenteil erreicht würde.— 190. Entschädigung von insgesamt 3000 M.— S. 100. Genaue un- ciitgcltlichc Auskunft Amtliches Reisebureau, Potsdamer Bahnhof, Haupt- cingang.—(y. Sch. Ä0. 1—3. Lassen Sie sich über die Möglichkeit von einem Spczialarzt unterrichten. Luisenstr. 3 von 12—2 Uhr unentgeltlich. 4. Wenden Sic sich an den Genossen Sassenbach im Geiverlschastshaus. — F.®. 20. Beides richtig. Im Sprachgebrauch auch.— Post 32. Bei dem Verwalter eines Postamts oder der'Abteilung für Personal- annähme beim Hauptpostamt in der Königstraße.— Friedrichshagen 29. Mit dem Attest des Kreisarztes beim Polizeipräsidium. Aber nicht über 27 Jahre. Kursus etwa 6 Monate. Kosten 300 M.— Tchöncbcrg 21. Jeder andere Rat als von ärztlicher Seite könnte hier großen Schaden au- richten. Wir müssen daher dringend raten, sich nur an einen Arzt zu wenden, - I. P. 100. Sic müssen aus dem Wege der Annonce versuchen. Meiden Sie sich im Zlrbcitsnachlveis Alle Leipziger Straße 1.— 9k. H. 2. Freier Ruderbund. Schrijtsührcr Dolle. Sophie- Eharlottc- Straße 47. — I. B. 26. Turnverein Fichte, Geichästsstellc: Koppcnstraßc 24.— BS. T. 397. Unbetnnnt.— A.'«. 100. 1. 7 M. bis 30 M. 2. 1 M. bis 2 M.— G. E. 1881.?ln das zuständige Polizeiamt.— I. B. 792. Slbcr bitte: Wollen Sie nicht an Ort und Stelle selbst nachsragcn-t — Th. l00. Für Sic kommt nur in Frage der Jjeutralverband der Hand- Inngsgchilscn, Münzstraßc 20.— BS. I. 22. Stimmenenihaltung ist die Folge der Beschlüsse des Parteitags der Sozialdemolratie Preußens. Das Protokoll erhalten Sic im Verlage dcS„Verwärts".— R. E. 52. Bei einer regelmäßig verlaufenden Entbindung 7 bis 30 M. und jeden Wochen« besuch 1 bis 2 M.— Streitfrage 1. 1. Im Reichstage 20 M. Anlvcscu- heitsgelder bis zu 3000 M. 2. Im Landtage 13 M. pro Tag der Sitzungs- daucr. 3. 19�/� Millionen Mark.— C. M Nürnberger Parteitag 1908. — A. K. Darüber müßte Ihnen die Brauerei'Auskunst geben.— A. Pawelerki. lins ist nicht möglich, zu raten. Es kommt so vieles da- bei in Frage, das sich im Brief kästen nichl erörtern läßt.— BS.?!!. Hannover. Der Unterschied liegt viel mehr in den' Worten, als in der Sache. — R.«. 100. Michaclkirchplatz 1 II.— L. E.l. Nein.— C. G. Ja, — G. N. 15. 1. bis 3. Dem Tciliichnicr kann mitgctcili werden, daß, sofern er den»Anteil schuldig bleibt, das GesellschastsverhältniS dann sosort ausgehoben wird. Tic anderen Teilnehmer oder eine andere Person mit Zustimmung derselben kann den betreffenden Anteil zahlen und ist dann an einem etwaigen Gewinnanteil berechtigt. Der Geldsammlcr ist zur Aus- Icgulig des Betrages nicht verpflichtet.— Lichtenberg 7. DaS bcnnch- tciligte Kind könnte die Schenkung ansechten, soweit ieiu PslichttcilSrecht verletzt ist. Tic Schenkung wird durch klcbergabe. vollzogen ruid bedarf alsdann keiner Beurkundung. Soll nur ein Schcnkungsvcrsprcchcn ab- gegeben werden, so ist notarielle oder gerichtliche Beurkundung crj orderlich, um dieses wirksam zu machen.— A. 20. DaS Hausgeld lvird von der Krankenkasse gezahlt. Es beträgi niiiideslenS die Hälfte des vollen Kraistcu- gctdeS. Durch Statut der Krankenkasse kann der Betrag bis zur vollen Höhe des Krankengeldes erhöht werden. Sie ersehen dcumach die Höhe des Hausgeldes aus dem Kassenstalut.— R. K. 14. Sic haben Anspruch ans Zahlung der Miete, auch sür den Monat Marz. Falls Zahlung nach 'Aufforderung nichl erfolgt, können Sic beim Amtsgericht Klage erheben oder dort einen Zahlungsbefehl beantragen.— E. M. TLltow. Ja.— R. K. 20. Der Mann ist untcrhaltspslichtig.— K. 34. Der Standpuistt der jüdischen Gemeinde ist nach den bisherigen Gesetzen leider begründet. Am 1. Januar 1914 werden Sic irankcnvcrsichernngspflichtig.— G. F. 16. Die Kasse ist leider im Recht. Sie haben aber Anspruch ans Erstattung der Beiträge sür die Zeit, während welcher Sic bereits in Mariendors wohnen. Einc Kiantcnvcrsichcrungspslicht besteht zurzeit noch nicht. Die OrtSkranken- lasse würde auch Ihre. Ausnahme als srciwilliges MitIlied ablehnen. Vom 1. 1.' 14. an werden Sie versicherungspflichtig, salls Sic die Arbeit alsdann noch verrichten. H. B.>. 1. Gütcrlrcnnmig. 2. Das Einkommen der Frau wird dem» jenigen des Mannes zugerechnet. Das sich alsdann ergebende Gesamt- cinkommen wird der Veranlagung zugrunde gelegt.— Schulz 40. 1. Die Muster nicht, der Pflegevater nur dann, wenn ihm ciitwcder Verletzung der AussichtSpfiicht oder ein sonstiges Verschulden, insbesondere etwa maugclhastc Vcrtvahrung der Schußwafic, nachgetvicsen werden kann. Wenn sich Fundunterschlagung nachweise» läßt, unscrcs ErachlcnS licin. Ein solches Recht steht nur dem Eigentümer zu.— I. P. 28. Em solches Recht bat weder der Hauswirt, noch die Nachbarin,— Bezirksausschuß. Die Klage muß namens Ihres Kollegen erhoben werden, Sie können sich als Vertreter bczclchncn, müssen jedoch eine schriftliche Vollmacht mit bei- .sögen. Die von Ihnen angegebene Adresse genügt.— L. K. 15. 1. Ja, sosern der'Arzt bcgulachlcn würde, daß das Mädchen zu der in Frage kommenden'Arbeit onßerflandc ist. 2. Nein.— R. T. in T. Mit der- artigen Millionenerbschajtcn können wir uns nicht besassen. Soweit crsichtiich, liegt Verjährung vor.— F. M. 76. Sie haben recht.— R. M. Nicht verwendbar.» Sechs besonders empfehlenswerte Angebote JacKett- Anzüge iriinVHmEiiiiiiiniuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiEiiiiiiiiiiiiiiiiisiiiiiiHiiEiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiimtiiiiiluiEiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiHmiiiiiiiiiilkisikEiHciiailkii Modernste Stoffe und Fassons-- Vorzüglichster Sitz-- Höchste Leistungsfähigkeit unserer Kleiderwerke Jackett-Anzüge 27». Jackett-Anzüge oitaS 33 M. in 16 versdi. Farbenstellunwen, QiC klein karr. Clieviot. Marke B.S.>J\J M. Jackett- Anzüge 45 Jackett- Anzüge 50 m. Jackett-Anzüge"IrS 60 Jackett-Anzüge Für Oster-Ausflüge: sehr preiswert Baer«Sohn Kleidenverke— Deutschlands größte Fabrik dieser Art Chausseestraße 29-30 Gr. 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Sonntag, abends 8 Uhr: Di« Reite durch Berlin in 80 Stunden. Sehiller-Theater Freitag, abends 8 Uhr: Oratorlnni-�nkkttlirnng des Potsdamer Gesangvereins für llaisische Musil: Johannes-Pasfion von Johann Sebastian Bach. Eonnabend, abends 8 Uhr: � I>ep Andere. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kttnlg Eear. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Lokalbahn.— Die Medaille. Urania Wissenschaftliches Theater. TanbcnstraBe 48/40. Preitag geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: „Hohenzoliern"- Fahrten. Nachmittags 4 Uhr: Gletscher und Eiszelt. Berliner Theater. Heute geschloffen. Sonnabend 3 Uhr: Die fünf Eranbfnrter. Heute Sonnabend T'/i r: Brand. DentschesSchaaspleUiaas Heute geschlossen. Sonnab. 8Uhr: Das gelobte Land. Thealer ües Veslenz. Freitag 8 Uhr: Oratorium Elias. Morgen: Die beide» Husaren. �onntag- und Montagnachmittag 3'/, Uhr: Der Frauenfresser. }Ms Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Heute geschlossen. Morg. 8 Uhr: Der Zigeunerprimas. TbeateramKoIlendorfplatz Heute geschloffen. Sonnabend 8 Uhr: Jtlg�end» Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Heute geschlossen. Morgen und solgende Tage: Verlassene Frauen. BolkSstück in 5 Akten von R. Lütgen. Sonntag- und Montagnachmittag llllfit" ShcrlockHolmes. Dienstag. nachmiltag 3 Ubr: Wilhelm Zell fkiZlilUl-Ulezsei'. Freilag: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: Da» Ende der Elche. ■ lOCISCHERl GARTEN Heute am Karfreitag; die'nper8on 50 Pfff. [ KinderunierlO Jahron die Hälfte. Morgen sowie täglich 4 Uhr: Gr. Konzert. Nene Jahresabonnements täglich an den Schalterkassen erhältlich. GeSffnet von 10-( Ttal. Konzert. Elntr. 1 M.v Residenz-Theater. Heute geschloffen. Sonnabend 8 Uhr: Ber HUttenbesltzer. Oslersonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Abends 8 Uhr: Die Eran Prllsldcntln. Voigt-Theater. Gesundbrunnen, Badstraste 58. Sonntag, den 23. März(1. Ostertag): Nachm. 3 Uhr: In Saus»nd Braus. Ab. 8 Uhr: Ein ehrlicher Makler. Vollsstück mit Gesang w 4 Akten. Montag, den 24. März: Nachm. 3 Uhr: DaS Bettelkind. Abends 7 Ubr: Hoch hinaus. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. Dienstag, den 25. März: Abends 7 llhr: Entehrt. Schauspiel in süns Auszügen. Kassenerössti. 10 Uhr. Ans. 3. 7, 8 Uhr. LrUisen» Theater Frettag: Geschlossen. Sonnabend, abendS 8 Uhr: Das«äthchen von Heilbronu. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht..." Sonntag, abends 8 Uhr: Vor 100 Jahre» oder: Napoleons Sieg und Fall. Passage-Panoptihum Heute den ganzenlag geöffnet! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk. Alles ohne Extra-Entree! Eintritt SO Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. JÄelropol-Theater. Heule geschlossen. Sonnabend, 22. März, abendZ 8 Uhr: Schuldig! Drama in 3 Akten von Richard Voff. Adele Sandrock a. G. J.GIiinip(elroJ,Joseplij.C.BaclimaiiD Helene Mol. i Huttm V. ü'opbcpf. H. Sfclnhoff. An beiden Osterfeiertagen: Die Kino-Königin. □I Sozialdemokratisch.Wahlverein im 5. Berliner Reichstagswahlkreis.-— � � Sonntag, den 23. März(1. Osterfeiertag), im Schweizergarten(am Königstor) Großes Konzert:: •• •• «« •• •• •• des Berliner Tonkönsller-Orchesler(Dirigent: Kapellmeister Fritz Blume) tind Tlieatervorstellmig.- Kater Lampe. Zur Anffnhmng gelangt: Komödie in 4 Akten von Emil Rosenow. (Verfasser von„Die im Schatten leben"). Klännerehor Kenkölln. M. d. D. Ä. 8. B. Chormeistor: Jan. F. van den Dries. Sonntag, den 23. März(1. Osterfeiertag) im neuen Konzertsaale der„Xeiien Welt", Hasenheide 106/14; i Großes Volks-Konzcrt. Serliner Konzerthaus-Orchester\ unter persönlicher Leitung des Herrn Franz y. Blon.» Herr Eduard Meier, Konzertsänsrer.; ----— Eintritt 60 Pf.----- Saaleröffnung o1/, Uhr Anfang pünktlich 7 Uhr.| Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. 15b* I Zirkus Busch. Heut« geschlossen. Sonnabend, den 22. März, abends 7'/, Uhr: Große Gala-Sports-YorsteUnng. Avil«! An den Ostorleiertagen je 2 große Gaia-Fest-Yorstelliingen Nachm. 31/» u. abends 7'/, Uhr. Nachm. hat jeder Erwachsene ein angehär. Kind unt. 10 Jahren auf aUen Sitzpl. frei. Jed. weit, Kind unter 10 Jahren zahlt die Hälfte auf den Sitzplätzen. In allen Vorstellunger; „Wcvllla" ungekürzt. Wnnerehur Jiehte-Georginia 1879" M. d. v. A. S. B. Chormoister: Th. Gervais. ö Jlontag. den L4. Mürz 1013(2. Osterfeiertag) im gr. Konzertsaal der Brauerei Frlcdrlehnhala Trühjahrs-Konzert Mitwirkende: Frau Erna venera. kgl.Hofopemsängerin, Herr Armin Liebermann(Cello), Herr Artur Spengler, Orgel und Flügel(Ibach). 3b Nach dem Konzert: XXUIZ. KassenerBifnung llß Uhr. Anfang präz. 7 Uhr. Kartenpreis 75 Pf. Karten sind noch zu haben bei Otto Liebich. Restaurant, Wiener Str. 56, E. Gerg», Restaurant, Neukölln, Stuttgarter Str. 45, Karl Weber, Zigarrongeschä/t, Neukölln, Hobrechtstr. 43, AdoIfTechhaus, Schirmgoschäft,Oraetz- straße 64, 0. Kimmel, Restaurant, Graetzstr. 28, A. Mälzer, Konfiturengeschäkt, Graetzstr. 9, Zlenow, Restaurant, Admiralstr. 35, Harsch, Zigarrenge sohäft, Engelufer 15. Rauchen nicht gestattet. Die SaaltBren bleiben geschlossen. Walhalla-Theater. WeinbcrgSwcg 19/20. Rosrnthal. Tor. Heule geschlossen. Morgen Sonnabend, abends 8'/. Uhr: Hasemanns Töchter. Von L'Arronge._ Gewerkschaftshaus 1 j Ä. Oaterfelcrtag, abends von',,7—0 Ehr: Künstlerische Vorträge von Margarete Walkotte. Am Flügol: Prof. Lindemann. Anschließend: Famillenkranscbcn. Entree 50 Pf. 284/2* Abendkasse 66 Pf. Torverkanf bei Herrn Kersch, Bngelufer 15. IN. Ten verehrten Vereinen, Gesellschaften meine Lokalitäten. Schöner Saal, Garten können Kaffee kochen. Jede» Sonntag: Am ersten Ostertag von 5 Uhr ab: wozu ergebcnst einladet der neue Besitzer empschle ich bei Ausflügen mit Kegelbahn. Familien Tanz. 37b Konzert, 11. Rlcbbardt. Nur kurze Zeit! Zirkus Sarum vS)ressursehau Nur kurze Zeit! Werlin V.. THftwtraBe an der Tegeler SlraBe. Morgen Sonnabend, den 22. März, abends S'l, Uhr: Gala�Premiere mit einem Ktescn-Sensatlonsprogranini. Sonntag, den 23. Mlrz(1. Osterfeiertag), und Montag, den 24. März (2. 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Ist, Uhr: Glienicke a. Nordbahn. Am 24.: 8 Uhr Bernau( Salzmann). 1 Uhr: RoMgcnthal(Marx). Start: Oder- bcrger Str. 28. 7. Abt. am 24.: Ist, Uhr: Pichcls- wcrder. Am"2Z.: 6 Uhr: Kampcbl. Ist, Uhr: Glienicke a. Nordbalm. Am 24.: Ist, Uhr: Stolpe(Blessin). Start: schntstr. A. 10,14 8. Abt. am 21.: Ig Uhr: Herm». dors sZorstbaus). Am 22.: abends 7 Uhr: Brandenburg. Am 24.: Potsdam(Friedrichsgartcn). 9. Abt. am 23.: 0 Uhr: Märkifchc Schweiz. Am 24.: Ist, Uhr: Tour wird am Start bekannt gegebey. Stert: Sihlllwgstr. 22. Sioüe Deutsch-englische Neuheiten fUr Herren und Damen. Finzelverkanf zu billigsten Engrospreisen. Tutbasentur.yorckstr.lSpi kann eich ein jeder 'schick u. elegant auch ohne Geld einkleiden, der Kunde von Hugo Udo COHN 13 Kottbuser Damm 13 wird, denn dort erhalt man unter allcrgünstigsten Zahlungshedincungen KftEgiT 'in großer Auswahl Kerren-Garderobs Damen-Garderobe Kinder-Garderobe' Schuhwaren:; Wäsche Hark i Wochenrate w Kleine Anzahlung bei M19BEL und Polslerwaren Kompl. 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Utensilien-K. 1228,04 Zugang�l67,50 �1395,54 Abschreibung 479,70 915,84 . KautionS-Konto.. 30,— „ GenosienschastS-Antell- Dcbilorcn-Konlo. 1 457,— „ Bank-Konto... 200,— , Gewinn- u. Vcrlufl-K 800,01 M. Per DarlehnS-Konto... 7 306,77 . GenosienschastS-Anteil- Konto...... 4 000,— „ NcservcsondS-Konio. 200,— „ DiSpositionssonds-K.. 800,01 12 306,78 Gewinn- und Verlnzt-Konto. 12 306,78 An Utensilien-Konto „ Zinsen-Konto. „ Gencralunkostcn> „ Reklame-Konto „ Lohn-Konlo. „ DarlehnS-Konto Konto VJ. 479,70 318,38 3 770,29 1 213,55 4 751,10 350,50 Per Waren-Konto(Bruttogewinn).... , DarlehnS-Konto.. „ Skonto-Konto... „ GenosienschastS. Anteil- Gcoühreii-Konto.. . Genossenschasts« Anteil- Konto..... M. 9 845,56 86,89 131,06 20,- 800,01 1 10 883,52 10 883,52 "Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1912.... 9 Eingetreten im Lahre 1912........ 12— 21 Ausgetreten................ 1 Mithin beträgt die Mitgliederzahl am 31. Dezember 1912.. 2Ö~ Da§ Geschästsgulhaben betrug am 1. Januar 1912.... M. 1719,— Zuzüglich der erfolgten Einzahlungen im Jahre 1912... �__„_ 824,— Mithin Betrügt das Gcschästsguthaben am 31. Dez. 1912.. M. 2543,— Die Hastsumme betrug am I.Januar 1912 M. 1800,— und vermehrte sich im Jahre 1912 um.. 2100,—= 4200,- Abz. Abgang............ 200,- Mithin beträgt die tzastsumme am 31. Dezember 1912"M. 1000,— B e r l i n, den 2. März 1913. produktiv- und Verkaufsgenossenscbafi Berliner Bandagisicn Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. Jtzür den Borftaud---- Bruno Fleischer. Joses Meistner. 104/10 Heiröttöti&fo) l«tzt 4« Damen- |.Bckschuhe jetzt nur Cigarelteo der TatorlisitEr-Geiiosseiiselialt Spezialität III Sie unterstützen uns, wenn Sie bei Ihrem Cigarrenhändler unsere Cigaretten fordern, Vertreter: P. Horsch, Engelufer 15, Cigaretten- n. Tabak-Großhandlung. ! Sie kaufen vorteilhaft MÖBEL auch auf KREDIT im SpezialsGeschäft von WILHELM MISCH Große Frankfurter Straße 45-46 gegenüber Markusstraße. 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Karfreitag 12—2 geäffnet, m CaramelzBier Alkoholarm- Aerzflich empfohler i/xf* C*i »«ä- Nerantwortficher Rcdalteur: Alfred Wielepp, Neulölln. Lür des Lnferatenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Drucks. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei s. Verlagsanstalt Maul Singer u. Co., Berlin SÄt, Nr. 68. 30. Iahrgavg. 4, SeilW bts Jitmitls" Kerlim MM fratos, 21. Man 1913. partci- Hngclcgcnbcitcn. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg Mitt» April erscheint wieder eine neue Lokalliste. Wi� ersuchen daher, alle Zlcnderungcn bczw. Neuaufnahmen bis spätestens TienStag, den 4. April, an die nachverzcichnctcn Kom� missionsmitglicder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, C. 19, Roßitraße 31. Für den II. Wahlkreis an den Genossen R. Reinhardt, L. 59, Urbanstraße 67. Für den III. Wahlkreis an den Genossen Gustav Müller, SO. 36, Grünauer Straße 26, IV. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Franz Behersdorf, O 34, Petersburger Straße 59. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, 0. 54, Auguststr. 51, III. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Wilhelm Dams, dl. 4, Schlegelstraße 9. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Blumenthalstraße 24. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Neukölln, Weisestraße 33. IV. Für Potsdam-Osthavelland an den Genossen Karl Kasmirzat, Spandau, Neumeisterftr. 7. Für Ober-Barnim an den Genossen Karl Schindhelm, Ebers- Walde, Breite Straße 59. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal liste durch die Borsipenden der Kreise an den unterzeichneten Oll mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit tcilungcn in Lokalangelegcnheiten für Groß-Berlin dem zw ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Borsitzcndcn des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonferenzcn der Lokalkrcisc so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Ä o m m i s s i o n s nr i t g l i e d e r unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Berickü kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu schreiben. Alle nach dem 1.?lpril einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangclegenheitcn nur durch die oben genannten Kommissions» Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt a n d e n„V o r w ä r t s". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in leßtcr Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Albert H a h n i s ch, C. 54, Auguststraße 51. Zur Lokallistc. Die Genossen und Ausflügler tverden ersucht, sich bei den Partien genau nach der Lokalliste zur richten: besonders weisen wir auf das Bahnhofsrestaurant(Jnh. G. Friedrich) in Eichwalde hin. Dasselbe steht uns nicht zur Verfügung und ist deshalb streng zu meiden. Auf wiederholte Anfragen teilen wir nochmals mit, daß das Lokal Neu-Heringsdorf bei Köpenick(Jnh. Herr BludschuS» uns beharrlich verweigert wird. Wir bitten die Lokallistc genau zu beachte»! _ Die Lokalkommission. Vierter Wahlkreis. In den BildungSausschuß des vierten Kreises find gewählt: Genossin Döltz, Genossen Davidsohn, Hoffmann, Rintorf, Sassen, Barenthin und Koppe. Sechster Wahlkreis. Wir machen unsere Mitglieder nochmals aufmerksam, daß am Sonntag, den 23. März(1. Osterfeiertag), abends 7 Uhr folgende Veranstaltungen stattfinden: In Ballschmiedcrs Kastanienwäldchen. Jnh. Walter, Badstr. 16: Unterhalrungsabend. Mitwirkende: Valeska Bertler, Opern- und Konzertsängerin, Betty Lang- Leopold. ChansonS, Herr Hagen- Berkker, Rezitator, Berliner Ulk-Trio. Billelt 40 Pf. In den PharuSsälen: Müllerstr. 142: Oster-Feier. Mitwirkende: Berliner Konzertorchester Klettke, Thcater-Gescllschaft Strzelewicz. Garderobe 10 Pf. Billett 50 Pf. ___ Die Komitees. Treptow-Baumschulrnwcg. Sonntag, den 23. März<1. Oster- feiertags: Humoristischer Lichtbildervortrag von Otto Roth im Lokal »Neues Gesellschaftshaus" am Bahnhof Treptow über Wilhelm Busch, sein Leben und seine Werke; Der heilige Antonius von Padua; Heiteres und Ernstes,, unter anderem: Die Berliner Denkmäler und der Volkswitz.— Billetts a 20 Pf. sind noch in den mit Plakaten belegten Lokalen zu haben. Beginn des Vortrages abends 7 Uhr. Nach dem Bortrag gemütliches Beisammensein und Tanz. ßcrllner Nachrichten. Am Ionnabend, de» 22. März, fällt die juristische Sprechstunde aus. Eine grobe Täuschung! TaS» Neu k ö l lner T ag eb la tt' versucht in recht unge» schickler Weise seine Leser in der Treptower Eingemeindungsfrage irrezuführen. Es setzt bei diesen eine Unkenntnis voraus, die doch alles Maß übersteigt. Das amtliche Organ erlaubt sich die dreiste Unterstellung, als ob die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion in Neukölln die ihr„vertraulich" gemachte Mitteilung in illoyaler Weise öffentlich ausgenutzt habe. Wir möchten dazu nur bemerken, daß Petitionen an das Abgeordnetenhaus nicht„vertraulich" gemacht werden können. Diese gehen an die Abgeordnelen und finden ihren Weg auch in die Presse, da die Angelegenheit öffentlich behandelt wird. Es muß festgestellt werden, daß die mit Recht so angegriffene Petition bereits an das Abgeordnetenhaus gesandt ist und damit der Oeffentlichken übergeben wurde. Wenn aber das«Neuköllner Tageblatt' die Stirn hat, zusagen, daß der Magistrat dem Aeltesteurat des Stadlparlaments die Petition vertraulich zur Kenntnis brachte, und die Sozialdemokraten■ dies Entgegenkommen benutzten, um den von uns veröffent- lichten Antrag einzubringen, so ist die Behauptung um so perfider, als es über den wahren Sachverhalt unterrichtet ist. Erklärte doch der sozialdemokratische Fraktionsredner in öffentlicher Siyung bei der Behandlung dieser Angelegenheit im Rathause, daß er seinerseits den Oberbürgermeister Kaiser sofort daraus hingewiesen habe, daß seine Fraktion dieser Petition ihre Zustimmung nicht geben könne und wenn dieselbe abgesandt werde, eine Interpellation I.deS Magistrats dieserhalb erfolgen würde. Diese Angaben wurden von dem Oberbürgermeister bestätigt. Dieser Sachverhalt ist dem„Neuköllner Tageblatt" durch die öffentliche Verhandlung bekannt. Trotzdem versucht cS seine Leser in arglistiger Weise zu täuschen. Ein Beweis für seine„llnpartei lichkeit!'___ Spandaucr Wind. Wir erhalten folgende Inschrift: J?No�13380 Spandau, den 18. März 1913. Mit Bezug auf den in der dritten Beilage des„Vorwärts' Nr. 65 vom 18. März 1913 enthaltenen Artikel„Die Spandauer Waldangelegenheit" ersuchen wir ergebenst um Aufnahme der folgenden Berichtigung: „Der Professor Eberstadt hat mit vier Kommissionen, be> stehend aus je einem Offizier, einem Bausachverständigen, zwei Arbeitern der Militärbetriebe und zwei bis drei Per- tretern des Magistrats und der Haus- und Grundbesitzer keine Wohnungsbesichtigungen in Spandau vorgenommen. gez. Kocltze. Wir sind dem Magistrat von Spandau für diese„Berichtigung dankbar. Nicht deshalb, weil sie etwa in Wahrheit etwas berichtigt, sondern weil die irreführende Berichtigung uns Veranlassung gibt, einen Satzfehler ausdrücklich zu korrigieren, den unsere Leser, ein schließlich der Magistratsmitglieder in Spandau, wohl schon au: eigenem korrigiert hatten. Wir hatten geschrieben, Professor Eberstadt habe dargelegt, daß Spandaus Wohnungsverhältnisse schon jetzt unzulänglich seien. Dann war mitgeteilt, es haben vier aus je einem Offizier usw. bestehende Kommissionen Wohnungsbesichtigungen in Spandau vorgenommen. Der Druckfehlerteufel hat aus dem„es" ein„er" gemacht und so den Professor Eberstadt zum Oberstkommandierenden der Offiziere gemacht. Ist wirklich dem Magistrat entgangen, daß ein Satzfehler vorlag? Anderen Lesern schwerlich. Diese vier Kommissionen waren, nachdem durch Professor Eberstadt die Spandauer Mißstände dargelegt und nachdem Arbeiter und Handwerker über die Wohnungsnot in Spandau geklagt hatten, von der Militärbehörde eingesetzt. Die Ergebnisse der Untersuchung hat General Wandel in der Reichstagssitzung vom 3. März 1911 eingehend dargelegt. General Wandel führte aus: „Bezüglich der Wohnungen in Spandau befindet sich in der Petition des Bundes der Handwerker eine durchaus irrige und falsche Angabe. Es wird da gesagt, die Militärverwaltung trägt mehr den Wünschen der Hausbesitzer Rechnung als denen der Arbeiter. Das ist eine den Tatsachen vollkommen widersprechende Annahme. Uns liegen seit längerer Zeit über die Wohnungsverhältnisse inSpandau Klagen vor; die Arbeiter erklären, sie fänden nicht genug Wohnungen zu Preisen, die ihren Berhältnisien angemessen sind, und die Wohnungen, die zu einem Preise zu haben sind, den sie bezahlen könnten, wären schlecht und ungesund. Wir haben infolge- dessen Erhebungen angestellt. Die Hausbesitzer und der Magistrat in Spandau be st reiten das und sagen, es wären genügend Wohnungen vorhanden. Infolgedessen sind auf Veranlassung der Militärver- w a l t u n g Kommissionen zusammengesetzt worden aus ertetern der militärischen Institute, des Magistrats und derArbeiterauss ch ü s s e— ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die ArbSiterausschüsse dabei beteiligt sind, wodurch bewiesen sein dürfte, daß wir sie bei solchen Angelegenheiten heranziehen— und diese Kommissionen be» faßten sich mit sämtlichen überhaupt in Frage kommenden Wohnungen in Spandau. Sie haben sie untersucht, es sind von ihnen etwa 18 000 Wohnungen geprüft worden. Nach den Er- Mittelungen, die angestellt sind, kommen wir allerdings entgegen der Ansicht des Magistrats dazu, daß in Spandau eine Wohnungsnot für die Arbeiter oder wenig st ens nicht eine genügende Zahl von Wohnungen für die Arbeiter vorhanden ist. Die Militärverwaltung ist aber nicht in der Lage, ihrerseits dafür Fonds verfügbar zu machen... Ich mache darauf auf- merksain, daß in Spandau ganz besondere Hinder- nisse vorliegen, weil eben von anderer Stelle das Bedürfnis der Arbeitcrwohnungen nicht anerkannt wird." Die Wohuungsnot in Spandau, die hier auf Grund eingehendster' Ermittelungen einwandfrei festgestellt ist, ist inzwischen nicht. beseitigt, Sie droht zu einer ungeheuren Kalamität zu werden, wenn die Absicht verwirklicht wird, auf dem an Hemel verkauften Gelände industrielle Anlagen größten Stils zu errichten, ohne daß für das Wohnungsbcdiirfnis von Tausenden von Ar- b c i t e r n, die dort beschäftigt werden sollen, gesorgt wird. Die Hausbesitzerinteressen haben leider bislang im Ausschuß des Zweckverbandes den Sieg davongetragen. Statt seiner Pflicht entsprechend vorab Fürsorge im Verkehrs-, Gesundheits- und Wohnungs- Interesse zu verlangen, soll der Zweckverband das Havelufer verschandeln lassen und auf seine Pflicht, hier einzu- schreiten, verzichten! Der Verlauf der Spandauer Waldangclcgenheit inacht das tragische Schicksal des talentvollen BauratS Kiehl verständlich. Baurat Kiehl ist— wie aus dem vom Stadtverordnetenvorstchcr Sander ihm gewidmeten Nachruf und aus einer Anzahl Aeußerungen hervor- geht, die der so plötzlich Verstorbene gemacht hat— unter dem Druck zusammengebrochen, durch den Grundbesitzerinteressenten seine Tätigkeit lahmlegten. Einen Schutz fand der Verstorbene bei denen nicht, die zur Wahrnehmung der Interessen des Zwcckverbandes und der Gesamtheit bestellt waren. Die Art, wie in der Spandaucr Angelegenheit bislang verfahren ist, läßt es begreiflich erscheinen, wenn bedeutende Männer es künftig ablehnen würden, einer Ber- waltung ihre Dienste zu widmen, die in einseitigster Weise die Interessen von Grundbesitzern und Terraiuspekulanten wahrnimmt, aber vor Ausübung der Pflichten, die das Gesetz ihr auslegt, zurück- icheut. Die Spandauer Wohnungsnot und ihre durch den Zweck- verband drohende Vergrößerung sind eine erhebliche Gefahr für Groß-Berlin. nicht nur für Spandau. Sie zeigt, in welcher Weise öffentliche Interessen von den zu ihrer Wahrnehmung berufenen Instanzen dem Interesse von Bauspekulautcn geopfert werden. Bon der Straßenbahn. Es ist in Aussicht genommen, die Linie 57 über den Hohenzollerndamm bio Roseneck fahrplanmäßig durchzuführen. Vorläufig ist diese Durchführung noch nichi möglich, eö wird daher einstweilen die Linie G bis Grunewald iRoieneck) durchgeführt. Für diese Linie werden vom 22. d. Mts. ab Umsteigefahrscheine zu 15 Pf. ausgegeben, mit denen in Wilmersdorf (Uhland-, Ecke Berliner Straße) umgestiegen werdeii kann. Diese Fahrscheine berechtigen zwischen dem Umsteigepunkt und Roscneck zur Benutzung der Linie G und zwischen dem Umsteigepunkt und Potsdamer Platz zur Benutzung der Linie 91. Zeitkarten für die Linie G berechtigen während derselben Zeitdauer auch zur Benutzung der Strecke Wilmersdorf, Berliner Straße- Städtischer Friedhos�Roseneck. Die Karteninhaber, die von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollen, sind jedoch gehalten, vom 1. April d. I. ab in der Hauptausgabestelle, Leipziger Platz 14, oder in den Zweigabfertigungsstellen Nollendorfplatz, Bahn« Hof Westend, Bahnhof Ackerstraße oder Bahnhos Kleine Frankfurter Straße sich ein entsprechendes Deckblatt in die Karte einkleben zu lassen. Gleichzeitig wird auf der Linie G, ebenfalls für die Dauer ihrer vorübergehenden Verlängerung, neben der bereits bestehenden 10 Pf.-Teilstrecke Roseneck— Uhland-, Ecke Güntzclstraße eine 15 Pf.- Teilstrecke Bahnhof Hohenzollerndamm— Brandenburger Tor ein- gerichtet und der Fahrpreis für die ganze Strecke Roseneck— Demminer Straße auf 20 Pf. festgesetzt. Berliner Rettungswesen. Tie bisherige Hilfswache 13 des Berliner Rettungswesens wird am 1. April 1913 früh von.Grüner Weg Nr. 17 nach der Holzmarktstraße 53 verlegt. Die hundertjährige Hospitalitin im Friedrich-Wilhelm-Hospiial ist gestern gestorben. Verschönert werden soll das Rathaus. Tic das Rathans in Höhe des ersten Stockwerks umgebenden Ballone sollen in Zukunft mit lebenden Blumen ausgeschmückt werden. Die Ausschmückung ist so gedacht, daß ans die Sockel der Ballone Vasen zu stehen kommen, die mit Blütenpslanzen gefüllt sind. Die Vasen werden durch ein fortlaufendes Band von Buxbäumen verbunden. Der ganze Pflanzenschmuck wird in Tongefäße eingesetzt, die die gleiche Farbe wie der Bildschmuck an der Brüstung der Ballone haben. Von der Bauordnung. Tie Steglitzer Bauordnung sieht vor, daß Räume, die nach den Bestimmungen der Bauordnung nicht zum dauernden Aufenthalt von Menschen dienen dürfen, in ihrer Ein- richtung so beschaffen sein müssen, daß sie auch nicht zum dauern- den Aufenthalt geeignet erscheinen. Die Polizeiverwal- tung forderte deshalb Herr» Faust auf, Kellerräume in einem Hause der Südstrahe, die nicht zum dauernden Aufenthalt von Menschen nach dem Baurecht dienen durften, die aber Linoleum- belog, glatte Wände und Füllungstürcn erhalten hatten, so her- zurichten, daß sie nicht zum dauernden Aufenthalt von Menschen geeignet erschienen. Statt der glatten Wände sollten rauhe Wände hergestellt und statt der Füllungstürcn einfache Türen eingefügt werden. Der Linoleumbclag sei zu entfernen. Das Obcrverwal- tungsgcricht erachtete das Baurecht für gültig und die polizeiliche Verfügung für gerechtfertigt. Es wies deshalb F.s Klage ah. Falls die fraglichen Kcllcrräume mal als Lagerräume ver- mietet würden und die Natur der zu lagernden Gegenstände Linoleumbclag wünschenswert erscheinen ließe, dann könnte F. je- doch, indessen nur für diesen Fall, bei der Polizei die ausnnhms- weise Gestattung solchen Belages beantragen. Wegen Entgleisung von vier Personenwagen waren gestern auf dem Lehrter Hauptbahnhof von 5 Uhr morgens an beide Hauptgleise gesperrt. Das eine.Tdauptgleis in der Richtung nach Spandau wurde morgens um 6 Uhr wieder fahrbar, das andere Hauptglcis wurde um 7 Uhr 56 Min. wieder betriebsfähig. Die Züge erlitten teilweise Verspätungen bis zu einer Stunde; einzelne Vorortzüge mußten ausfallen. Ter Betrieb wurde um 8 Uhr wieder in vollem Umfange aufgenommen. Erschlagen. Ans dem Grundstück Stralauer Straße 33 ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr ein beklagenswerter Unfall. Durch den Sturm wurde eine auf dem Hofe stehende, aus Brettern hergestellteRetirade um- geworfen und begrub das dreijährige Töchterchen des vor kurzem ge- storbenen Restaurateurs Meyer unter sich; es wurde tot nnter den Trümmern hervorgezogen. Die kleine Leiche wurde einstweilen ßr die Wohnung der Mutter geschafft. Von einer herrcnoscn Katze schwer zugerichtet wurden am Mittwoch- abend eine Frau und zwei Knaben in der Augusta-Vikloria-Allec in Charlottenburg. Es wird vermutet, daß die Katze tollwütig ist. Ob die Vermutung zutrifft, wird die Untersuchung des Tieres er« geben, das vom Tierschutzverein abgeholt worden ist. Im Straßenbahnwagen vom Tode überrascht wurde Mittwoch nachmittag gegen 3 Uhr ein älterer Mann, der auf Krücken ging. In einem Wagen der Linie 95 sank er vor dem Hause Oranien- straße 117 plötzlich während der Fahrt auf seinem Sitz zusammen und verlor die Besinnung. Man brachte ihn nach der Unfallstation in der Kommandantenstraße, wo aber der Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. Der Verstorbene, dem das linke Bein bis zum Knie fehlt, ist etwa 60 bis 65 Jahre alt und mittelgroß, hat einen weißen Vollbarl und trug einen hellgrauen Anzug und einen schwarzen Sommerpaletot. Den Tod im Wasser suchte ein 29 Jahre alter wohnungsloser Maurer Karl Schmante. Gegen Uhr sprang■ er vor den, Hause Waterloouser 3 in den Landwehrkanal, aus dem er aber von Passanten herausgeholt wurde. Die Hilfswachc am Tempelhofcr Ufer rief ihn ins Leben zurück und brachte ihn nach dem Kranken« Hause am Urban. Bei einem Straßcnunfall bcstohlen wurde gestern die Frau deZ Bahnbeamten F. aus der Breitestraße zu Schmargendorf. Die Frau geriet vor dem Hause Linkstr. 13 unter einen Kraftwagen und wurde so erheblich verletzt, daß man sie nach der Hilfswachc in der Eich- Hornstraße bringen mutzte. Einer der Leute, die der Verunglückten auf der Straße beisprangen und sich ihrer annahmen, benutzte die Gelegenheit, ihr die Handtasche zu stehlen und mit der Beute zu verschwinden, bevor sie ihren Verlust wahrnahm. Der saubere Samariter" ist noch nicht ermittelt. Die dunkelgraue lederne Tasche enthielt ein Portemonnaie mit 50 M. an barem Gelde und einige Schlüssel. Gefunden wurde am Mittwochabend in einer Versammlung der Wahlleiier im 9. Landtagswahlb«irk im Swinemünder Gesellschafts- Hause ein Portemonnaie mit Inhalt, das der Verlierer bei Bacher, Eamianstr. 21, IV, in Empfang nehmen kann. Bon der Tätigkeit der Feuerwehr. Mit Erfolg wurde am Miti- woch ein Sauerstoffapparat von der Feuerwehr in der Gubener Str. 37 benutzt. In einen, zweiten Fall bei einer Gasvergiftung in der Brunnenstr. 155, waren die Bemühungen der Samariter der Wehr leider erfolglos. Der Tod war schon eingetreten. Wegen eines Dachstuhlbrandes wurde die Feuerwehr nach der Sonnen'burger Straße 9 alarmiert. Es gelang, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Kcllcrbrände wurden aus der Brunnen- straße 195, Schönwalder Str. 16, Friedrichstr. 122/23 u. a. Stellen gemeldet. Sie konnten sämtlich auf ihren Herd beschränkt werden. Außerdem mußten noch einige Wohnungsbrände gelöscht werden. Arbciter-Bildungsschule. Wir erinnern daran, daß die letzten Stunden dieses Quartals in Nationalökonomie und Redeübung heute, Karfreitag, vormittags 9 be- ziehungsweise ll'/a Uhr stattfinden. Der Film„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall" wird von Dr. Archenhold im»cueu Hörsaal der Treptow- Stern- warte am Sonnabend, den 22. März, nachmittags 4 Uhr, vorgeführt. Um 6 Uhr findet eine Wiederholung des kinematographischen Vor- träges„Der Rhein von der Quelle bis zur Mündung" statt und um 8 lihr„Die Schätze �cr Erde". Ostersonntag, nachmittags 3 Uhr und abends 7 Uhr„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", nachmittags 5 Uhr„Das Berncr Oberland": ferner am Ostermontag 3 Uhr„Das Berncr Oberland", 5 Uhr„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick mZ Weltall" und 7 llkii:»Der Rhein von der Quelle bis zur Mündung"; Dienstag, den 2S. März, abends 8 Uhr»Scotts Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", Die Borträge sind öffentlich und sowohl für Erwachsene wie für Schüler gleich interessant. Mit dem grotzen Fernrohr werden Saturn und Orionnebel beobachtet. Am Karfreitag bleibt die Sternwarte ge- schlössen. Der Männerchor„Norden", Mitglied des Deutschen Arbeiter- Sängerbundes, Gau Berlin. Chormsister Herr Paul Kurz, hält am Sonntag, den 23. März<1. Osterfeiertag) in den Germaniasälen. Chausseestr. 110, ein Konzert ab. Mitwirkende: Felix Robert Mendels- söhn, der 14jährige Cellovirluose, Tilli Waldorf, BortragSkiinstlerin, Fritz Brand, Humorist. Programm SO Pf.(nur Vorverkauf), Saal- öffnung 5 Uhr, Anfang des Konzerts 6 Uhr. Der Gesangverein„Neu Erwacht" sM. d. D. A.-S.-B., Chor meister Heinz Bleil) veranstaltet im Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain am 23. März(1. Osterfeiertag) ein Konzert. Zur Aufführung gelangt unter anderem:.Fingal". Oratorium für Männerchor. Soli und Orchester von Arnold Krug. Op. 43. Mit wirkende sind: Frau Betsl) �chot f Sopran), Herr Gustav Franz (Bariton) und das Berliner Sinfonie-Orchester(Maximilian»Fischer). Eintrittskarten a 1 M. mit Textbuch sind in den mit Plakaten bc legten Handlungen zu haben. Fußballspiele der Arbeiterturn- und Sportvereine. Heute finden folgende Spiele statt: Fichte IX gegen Fichte l in Reinickendorf, Seldelstraße(gegenüber der Strafanstalt), Spandau gegen RummelS' bürg in Spandau, Exerzierplatz. Seeburger Straße. Oster-Beranstaltnngen, Schönebcrg. Der Arbciterturnvcrein macht hiermit aus seine Oster Wanderungen ausmerksam, die nach den verschiedensten Gegenden der Mark stattfinden: 1. Nach Stettin und Umgebung: 2. Eberswalde— Kloster Ehorin 3. Luckenwalde— Potödanr(nur sür Frauen und Mädchen): 4. Königs Wuiterhausen— Dubrower Forst; 5. Waiinscc und Umgebung. Wancer lustige erfahren Näheres am Karsreitagabcnd in den»Neuen Rathaussälcn Meininger Str. 8. Der Männerchor Friedenau-Steglit»(M. d. A.-S.) veranstaltet am 1. Osterfeiertage im B i r k c n w ä l d ch c n, abends 7 Uhr, ein Osterkonzcrt. Die Genossen werden gebeten, das Bestreben des Vereins, etwas Gutes zu bieten, durch möglichst guten Besuch der Veranstaltung zu unterstützen. Reiuiitendorf'Ost. EincnElter nabend veranstaltet der Äugend auSschutz am 1. Feiertag, abends von 5 Uhr an, im Restaurant zur Eisenbahn, Provinzstrage, Ecke Nordbahnstraßc. Konzert, Rezitationen und turnerische Ausführungen werden dazu beitragen, den Abend zu einem geuuhreichen zu gestalten. Wir empfehlen unseren Genossen und Genossinnen die Teilnahme an dieser Veranstaltung. Mariendorf. Am 1. Osterseiertag veranstaltet der Arbeitcrgcsang- verein Mariendorf in Laars GeseltschastShanS ein Ofterkonzert und nachsolgend gemütliches Beisammensein. In itlnbetracht der Mitwirkun, der Sänger bei allen Veraiistaltungen der organisierten Arbeiterschaft, se derselben der Besuch der Fefllichlcit empfohlen. Lber-Tchöneweide. Der Turnverein.Oderspree", M. d, A.-T.-B., veranstaltet am 1. Osterfeiertag, abends S Uhr, im Schlohparl WUHelmineu- Hof ein Ostervergnügen, bestehend in Vorträgen der„Fidclcn Gänger" und turnerischen Ausjührungen, nachdem Tanz. Billetts sind bei den Mitgliedern sowie im Wilhelminenhos zu haben. Freunde und Gönner der Turnerei sind dazu eingeladen. Der Ueberschuß wird zum Ausbau des Turnlokals verwendet. Zossen. Am 1. Osterseiertag veranstaltet der Gesangverein„Freie Sänger« im Lokale deS Herrn Sch erler ffr. Kurzner) einen UntcrhaltungS abend. Da der genannte Verein zu Partclfestlichkclten des östcrcn mit- gewirkt hat, empschlcn wir den Genossen den Besuch dieser Veranslaltung. Nieder- Schöncwcidc. Der hiesige Arbeiter-Turnoerein„Frisch. Fr«" veranstaltet am 1. Osterseierlag ein Ostervergnügen im Restaurant Wald Haus, Berliner Str. 8t. Für gute Unterhaltung ist durch humoristische Vorträge, turnerische Vorführungen und Theater bestens gesorgt. Saal« ösfnung 6 Uhr, Ansang der Vorsiellung 7 Uhr. Nach der Vorstellung Ball. Gäste willkommen. Vorort- Nachrichten. Landtagswahlkreis Teltow, Beeskow-Storkow, Berlin-Wilmersdorf. Die W ä h l e r l i st c n liegen in allen Orten des Kreises am Donnerstag, den l>., Freitag, den 4., und Sonnabend, den 5. April, zur Einsicht öffentlich aus. An welchen Tages- stunden die Auslegung erfolgt, wird noch in ortsüblicher Weise bekannt gemacht. In Berlin- Wilmersdorf liegt die Liste von Mittwoch, den 9., bis Freitag, den 11. April, aus. Parteigenossen! Tie Wählerlisten liegen an keinem Sonntag aus. Trefft deshalb in umfassender Weise alle Vorbereitungen zu den Wahlarbeitcn. Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigic sich am Mitt- ivoch mit der Magistratsvorlage betreffend die W a h l d c s E r st e n Bürgermeisters. Die Vorlage richtet an die Versammlung lediglich das Ersuchen, die Wahl auf die gesetzliche Amtsdauer von zwölf Jahren vorzunehmen. Die liberale Fraktion glaubte aber noch ein Ilebriges tun zu müssen, sie beantragte, das Gehalt auf 24 000 M. zu normieren, während es nach dem Normaletat 19500 bis 24 000 M. beträgt. Nach dem Wunsche der Liberalen soll also der Neugewählte gleich von Anfang an das Höchstgehalt beziehen. Gegen diesen Antrag wandte sich sowohl Stadtv. Dr. Stadt-. Hägen für die Fraktion der Unpolitischen als auch Genoffe Hirsch für die Sozialdemokraten. Letzterer protestierte dagegen, 'daß bei dieser Gelegenheit wieder einmal der Versuch einer Durch- b rechung des Normalbesoldungsetats zugunsten eines Magistrats- nntgliedes gemacht werden solle. Tie ganze Vorlage einschließlich des liberalen Antrages wurde schließlich einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen, in welchem die Sozialdemokratie durch die Genossen Dr. Borchardt, Hirsch und Zietsch ver- treten ist. Zu stürmischen Auseinandersetzungen kam es bei der Beratung eines Dringlichkcitsail trage» der Sozialdcmo- k r a t i c: Ter städtische Arbeitsnachweis hat sich während der gegen- seitigen Aussperrung' im Malcrge>ver.be jeder Art der Arbeits- vermittelnng zu enthalten, die als Parteinahme zugunsten einer Partei erscheint. In der Begründung des Antrages führte Genosse Lehmann aus, daß es wiederholt vorgekommen sei, daß der städtische Arbeits-- Vermittler Maler, die um Arbeit nachsuchten, gefragt habe, ob sie organisiert feien, da er ausdrücklich den Auftrag habe, unorgani- sierie Gehilfen zu vermitteln. Hierin liege zwcisellos eine Partei- lichkeit zugunsten der Unternehmer, die die Arbeiter frivol aus- gesperrt hatten, und die darauf ausgehen, den Arbeitern das Koalitionsrccht zu rauben. Verlange doä) ein Revers der Arbeit- gebcr ausdrücklich von den Gehilfen die Erklärung, daß sie keiner Organisation angehören. Aber nicht genüg damit, daß der städ» tische Arbeitsnachweis den Unternehmern zu Hilfe komme, führe ein solches Verhalten auch schließlich dazu, Heuchler zu züchten, denn man könne es unter diesen Umständen keinem organisierten Gehilfen übelnehmen, wenn er, um Arbeit zu bekommen, erwidert, daß er nicht organisiert sei. Stadtrat Dr. Spiegel begnügte sich nicht mit einer fach- lichen Erklärung, sondern er ging weit darüber hinaus, und hielt es für angebracht, allerhand Angriffe gegen die Sozialdemokratie zu richten. Die von dem Vorredner vorgebrachten Tatsachen bc- stritt er, da nach seinen Informationen solche Fälle nicht borge- kommen seien. Im übrigen stellte et sich aus den Standpunkt, daß, wenn ein Unternehmer ausdrücklich unorganisierte Gehilfen der- lange, auch solche vermittelt werden müßten, da der Arbcitsnach- weis verpflichtet sei, möglichst alle Wünsche zu befriedigen. Ter Antrag verlange, daß keine Partei begünstigt werde, aber die Sozialdemokratie wolle in Wirklichkeit eine Begünstigung ihrer Freunde. Habe doch vor 10 Jahren einmal«in sozialdemokratisches Mitglied deS Kuratoriums für den Arbeitsnachweis verlangt, daß dieser wahrcno eine's Streiks und' einer Aussperrung seine Tätig, j Wesen 15 000 Mk.. Feuerlöschwesen 150 000 Mk.,- Wohlfahrtspflege keit einstelle. In Hannover seien vom Arbeitsnachweis der Maler"......""'.....~.- dircst Organisierte bevorzugt worden. Alles da? beweise, daß eS der Sozialdemokratie nicht daranf ankomme, daß der Arbcitsnach- weis unparteiisch walte. Er bittet deshalb um Ablehnung des Antrags. _ Die Vertreter der bürgerlichen Parteien, die Herren Tr. s t a d t h a g e n und Tr. Rotholz begnügten sich mit der kurzen Erklärung, daß für sie kein Anlaß zur Annahme des Antrages vor- liege. Genosse Hirsch- wies in seinem Schlußwort unter Anführung der Namen und Daten nach, daß die Angaben des Magistratsver- treters objektiv unrichtig seien. Ein Zwischenruf des liberalen Stadtverordneten Tr.(Trüge r, daß die Sozialdcniokrateii nur darauf ausgingen, die Angelegenheit vor sie Oeffentlichkeit zu ziehen, gab unserem Redner Veranlassung, sich etwas eingehender mit der sogenannten Arbeiterfreundlichkeit der bürgerlichen Par- teicn zu befassen� In der Sache fclbst wies er nach, eine wie große Rolle gerade der Arbeitsnachweis im Kampf im Malergelverbe spiele, und loie der Arbeitsnachweis sich, wenn die Grundsätze des Städtrats Spiegel in die Praxis umgesetzt würden, zum Streik- .brechervermittelungsburcau herausbilde. Turch eine Erklärung des Bürgermeisters Dr. M a i e r, daß es unzulässig sei, wenn im Arbeilsnachiveis ein Arbeiter nach seiner OrganisationSzugehörigkeit gefragt werde, wurde die De- hatte wieder eröffnet, und die Liberalen unter Führung des Herrn Tr. C r ll g e r bemühten sich nun, in bekannter Weise die Sozial- demokratie anzurempeln, die fortgesetzt, ohne sich zu informieren, unwahre Behauptungen aufstellten. Um diesem Einwand zu bc- gegnen und um dem Magistrat die Möglichkeit einer völligen Klar. stellung der Sache zu geben, beantragten die Sozialdemokraten eine zweite Lesung ihres Antrages. Gleichzeitig erhoben sie gegen die sofortige Vornahme der zweiten Lesung Einspruch, sie kann deshalb erst in einer der nächsten Sitzungen erfolgen. Bis dahin wird Herr Tr. Spiegel hoffentlich Zeit finden, sich durch Ver- iiehinung der beteiligten Arbeiter und des Arbcitsvcrinittlers von der Richtigkeit Oer Ausführungen der Sozialdemokraten' zu über- zeugen. Ilebrigens hätte die ganze Debatte vermieden werden können, wenn Herr Stadtrat Dr. Spiegel, anstatt sich in die Rolle des ehemaligen liberalen Stadtverordneten zu versetzen und eine Attacke gegen die Sozialdemokratie zu reiten, eine ebensolche Er- klärung wie der Bürgermeister abgegeben hätte. Neukölln. Stadtverordnetenversammlung. l'Fortsctzung der Etatbcratuna.) Für Jugend, und Polksspicle enthält tdcr Schnletat einen Bc- trag von 7200 M. Hier cknüpfte Stadtv. W utztp(Soz.) an und befürwortete eine entschiedene Förderung her körperlichen Er- zichung der Jugend. Wer_bie Dinge beobachte, werde nur wenige und zwar stets dieselben Spielleiter eifrig tätig aus den Spiel» Plätzen finden. Es dürften viele Schultlassen nur sehr wenig oder gar keine Spieltage und Ausflüge zu verzeichnen haben. Trotztdcm verhindere man noch mit allen Mitteln des preußischen Polizei- staats die löblichen Bestrebungen in den Reihen der Arbeiterschaft. Tie Schulkinder müßttzn aber so oft als möglich ins Freie kommen, NM so mehr bei den überfüllten Schulklaffcn. Der eben heraus- gekommene Vcrwaltuugsbericht des Magistrats zeige, daß in Neu- kölln seit 1909 die Klasscnfrcquenz um nichts herabgegangen ist und diese mit 53,7 im Durchschnitt seitdem stagniert. Da sei von der immer behaupteten Absicht, sukzcsfive zu bessern, nichts zu merken. Tic Schulverwaltuiw hinke eben mit den Schulbautcn hinter dem Anwachsen der Schülcrzahl nach, woraus auch zu erklären sei, daß die hohe Zahl der fliegenden Klaffen nicht— wie aus den Aus- kührungen de? Referenten heräustlang— eine vorübergehende Erscheinung sei. Ucbcr die Spiele und Ausflüge der Kinder habe der Dezernent im Ausschuß staiistischc Nachwcisungcn zugesagt; das könne mau begrüßen. Es werde sich dann ergeben, wie weit die einzelnen Schulen ihre Pflicht täten. Unbegreiflich sei, daß die Schuldepittatio» die in Vorschlag gebrachte Anstellung eines Turn- inspektors abgelehnt habe. Der Magissrat müsse daran festhalten und den Widerstand dagegen zu brechen suchen. Bürgermeister Tr. Wein reich gabelt, daß die Jugcndspielc sehr verschieden geHand- habt würden; ein Schulleiter habe mehr Sinn für diese Sache, der ander« weniger. Die Anstellung des Turninspektors sei ohne Frage erwünscht, um die nötige Kontrolle durchführen zu können. Was die Klass'cnfrequcnz anlangt, so wäre in den letzten 10 Jahren doch ein Fallen der Durchschnittszisfer zu konstatieren.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und die Höchnzisfcr?) Die Höchitzifser bewege ich ja leider in den unteren Klassen noch hoch in den Sechzigern. (Hört! höri! bei den Sozialdemokraten.) Es dürfe nicht vergessen werden, daß in derselben Spanne Zeit 322 neue Klassen gebaut wer. den mußten. Stadtv. Klebe gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß ein solcher Antrag, wie der auf Anstellung des TurninspcktorS. unter den Tisch fallen konnte. Ein Jdealzustand sei aber nicht ans einmal zu erreichen.' Stadtv. Hennings behauptete, daß von der Lehrerschaft den Jugendspiclcn durchaus mit Idealismus be- gegnct werde. Er wünschte die Einrichtung eines Kursus für Spiel. lcitcr.— Die Etats der höheren Schulen wurden debattclos genehmigt, ebenso derjenige der Fortbildungsschule, welcher mit 34 500 M. abschließt und einen Zuschuß von 44 500 M. er- 'ordert. Dex Voranschlag der Äanalisationsverwaltung wurde in Einnahme und Ausgabe mit 1 021 700 M. festgestellt. Aus dem Reservefonds ist ein Zuschuß von 209 000 M. nötig. Die Riesel- güter rechnen mit einem Ueberschuß von 88 500 M. Das städtische Gaswerk hat einen Reingewinn von 1 900 300 M., das Elektrizitätswerk einen solchen von 503 200 M. veranschlagt. Beim crsteven schließt der Etat mit 5 909 OOO M., beim letzteren mit 1 277 000 M. ab. Die S a m in e l f o n d s weisen einen Bestand von 5 785 000 M. auf.— Der Grund st ücks-Erwerbsfonds, welcher im Exlraordinarium aus Anleihemitteln 1'� Millionen M. vorsieht, balanziert sein Ordinarium mit 1083 400 M., wozu vom ersteren ein Zuschuß von rund 780 000 M.notwendig ist. Im Kapitel Kämmereiverwaltung sind die Posten für Provinzialabgaben um 45 000 M. auf 500 000 M. und für die Polizciverwaltung um annähernd 3000 M. auf 533 400 M. gestiegen. Dagegen sind für den Zweckverband Groß-Berlin nur 20000 M. vorgesehen. Zum Titel Gewerbe- und KaufmannSgericht wurde dem Vorschlage des Ausschusses, die Tagegelder an die Beisitzer von 4 aus 3 M. zu erhöben, zugestimmt. Tießaus der Kämmereikass'c zu leistenden Zuschüsse für daS gesamte Schulwesen beziffern sich auf rund 2 850 000 M., das sind etwa 330 000 M. mehr als die ganze Einkoimnenstcuer beträgt. Im Abschluß der Kämmcrei steht einer Einnahme von 330 000 M. eine Ausgabe von 3 050 000 M. gegen. über, so daß ein Zuschuß von insgesamt 5 420 000 M. zum Ausgleich nötig ist. Unter dem Etat der Gewerblichen Unternehmungen findet sieb von den Cbarlottenburger Wasserwerten eine Abgabe von 45 000 M» von der Großen Berliner Straßenbahn eine solche von 153 000 M. Für das städtische Unternehmen Anschlagwesen und Druckerei sind 30 000 M. Ueberschuß veranschlagt, während das erst übernommene städtische Eiswcrk noch ohne Gewinn abschließt. Beim Anschlagwesen stellte Stättv. Wntzkh(Soz.) fest, daß die Plakat- kleber bei der Ucbernahme des Betriebes durch die Stadt Lohn- kürzungen bis zu 3 M. pro Wach« erfahren hätten. Das sei ganz unverständlich und müsse schleunigst abgestellt werden. Stadtrat Dr. Mann erwiderte,«daß inan diese Arbeiter in eine Klasse der festgelegten Lohntafel habe einreihen müssen; sie erhielten die Lahn- statscl von 31—33 M. Wochen lohn. Tic Lohnkommission werde aber mit der Sache nochmals bekaßt werden, um vielleicht durck Aufrücken in eine höhere Staffel bei den Betreffenden einen Ausgleich zwischen dem früheren und dem jetzigen Lohn herbeizuführen.— Aus den gewerblichen Unterncbmungen fließen nach dem Etat inS- gesamt 2 825 000 M. an Ueberschuß. Bon den Veranstaltungen und Einrichtungen bringen Ueberschüsse u. a.: die Märkte 180 000 Mk., Friedböf« 23 000 Mk. Zuschüsse erfordern da» Kranken- und Leichenfuhr- Wesen 4000 Mk-, D.eKinfektionsanstalt 25 000 Mk.» Volksbildung?- 90 000 Mk., städtische Badeanstalt(sür den Betrieb vom 1. Oktober d. I. ab) 32 000 Mk.— Dem Beschluß des Ausschusses, die Frei» willige Feuerwehr aufzuheben, stimmte die Versammlung zu.— Zum Titel Wohlfahrtspstcgc beaittragte Stadtv. Tr. F ü r st(Soz.) die Einrichtung einer zweiten Säuglingsfürsorgcstelle. Er wies an Hand eines umfangreichen Materials nach, daß Neukölln in der Säuglingssterblichkeit mit an der Spitze stehe. Tie vorhandene Fürsorgcstell« reiche bei weitem nicht aus, liege für viele zu weit entfernt, habe völlig ungenügende Räume und weise eine Frequenz auf, durch die die Mütter mit ilsten Säuglingen stundenlang auf Abfertigung warten müßten. Tie ganze Oeffentlichkeit durch- schwirre jetzt das Jammern über den Geburtenrückgang, aber für die Erhaltung der geborene» Kinder geschehe so herzlich wenig. Ter Magistrat sei auch schon mit einem Antrage auf Errichtung einer zweiten Fürsorgcstelle hervorgetreten, aber die zuständige Kommission habe— bcschämendcnvcisc unter Führung von Aerz- ten— das abgelehnt. Merkwürdigerweise wollte Stadtrat Mann jetzt auch erst mit dem 1. Oktober d. I. eine Erweiteeung durch- geführt wissen. Ganz unglaublich aber war die Tatsache, daß wieder zwei Acrzte aus der Bersaniinlung, die Stadtverordneten Dr. Müller und Dr. Borchardt, es fertig brachten, den Antrag ihres sozialdemokratischen Kollegen heftig zu bekämpfen. Nur ein bürgerlicher Arzt, Stadtv. Medizinalrat Tr. Dietrich, rettete das soziale Gewissen seiner Standcsgcnosscn und bcsür- wartete den Antrag. Stadtv. Abraham erkannte ebenfalls die Notwendigkeil der zweiten Fürsorgcstelle an. ES fand sich für die Einrichtung derselben schließlich auch eine Mehrheit.— Für den Freiwilligen Erziehungsbcirat sind insgesamt 24 500 Ml. zur Ver- sügung gestellt. Stadtv. G r o g c r(Soz.) wünscht, daß aus den städtischen Körperschaften einige Mitglieder in die Verwaltung des Beirats zur Mitarbeit delegiert werden. Der Rechnung?- ausschuß hatte dasselbe gewünscht, nichtsdestowcmgcr polemisierte jetzt sein Referent, Stadtv. Abraham, sowie der Stadtv..Hennings und Bürgermeister Tr. Wcinrcich dagegen. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Das Kapitel Armen- und Waisen pflege erfordert einen Zuschuß von 800 500 Mk. und wurde mit 825 500 Mk. in Abschluß gestellt. In der Krankenpflege beträgt die Einnahme 327 700 Mark, die Ausgabe 1 017 000 Mk. Ter Zuschuß beziffert sich also aus 389 300 Mk. Beim Etat der Oeffentlichen Straßen, Plätze usw. entspann sich eine lebhaste Debatte, in der eine Reihe von Wünschen über Ausgestaltung von Straßen und Plätzen in verschiedenen Stadtteilen zum Vortrag kamen. Die Einnahme wurde mit 179 100 Mk. und die Ausgabe mit 1 113 900 Mk.(Zuschuß demnach 934 800 Mk.) festgestellt. Das Kapitel Kapital- und Schulden Verwaltung bedarf eines Zuschusses von 1705 700 Mk. und schließt in- der Ein- nähme mit 2 737 100 Mk., in der Ausgabe mit 4 472 800 Mk. ab. Bei den G e m c i u d e st c u e r u wurde der im Rechnung?- ausschuß bereits aus sozialdemokratischen Antrag hin beschlossenen Streichung der Einkommensteuer der Zensitcn unter 900 Mk. zu- gestimmt. Es kommen dafür 32 000 Mk. in Wegfall, so daß die Einkommensteuer mit 2 153 000 Mk. abschließt. Ferner sind ein- gestellt für Grundsteuer 2 470 000 Mk., Gewerbesteuer 480 000 Mk., Betriebsstcuer 23 000 Mb, Warenbaussteuer 40 000 Mk., Lustbar- kcitssteuer 70 000 Mk.. Umsatzsteuer 500 000 Mk., Wertzuwachs- steuer 150 000 Mk., Biersteuer 170 000 M., Schankerlaubnissteuer 50 000 M., Huubesteuer 105 000 M. Stadtv. Hoppe(Soz.) verwies auf die füngst stattgehabte Protestvcrsammlung der Gastwirte und ersuchte den Magistrat dringend, im nächstjährigen Etat die Schank- konzessionS- und Luslbarkeilssteuer nicht mehr einzustellen. Nach zwei Dauersitzungen, deren letzte sich bis gegen Mitter- nacht hinzog, konnte schließlich Stadtv.-Vorstehcr Sander die Fertigstellung des Etats für 1913/14 konstatieren. Schöneberg. Die längere Zeit vorbereitete WohnungSpflcgc und Wohuungs- aufsicht in Schvneberg tritt am 1. April in Kraft. Das Bureau befindet sich Belziger Str. 46. ES ist hervorzuheben, daß die Organe der Wohnungspflege angehalten sind, bei Betreten einer Wohnung auch unaufgefordert sich zu legitimieren. Wilhelmshagen. Um unseren Lesern den„Vorwärts" frühzeitiger übermitteln zu können, ist vom l. April ab für unseren Ort eine Vorwärts- fpedition eingerichtet worden. Wir ersuchen deshalb die Vorwärts- leser, ihre Abonnement? bei der Post und Privatspeditionen nicht mehr zu erneuern, sondern ihre Adresse umgehend unserem Spediteur Diederitz, Moltkestraße 32, mitzuteilen, damit die Bestellung ohne Verzögerung vom 1. April ab durch unsere Spedition erfolgen kann. Dahlwitz(Kreis Teltow). Die Gemeindewahl endete mit einem Siege der Sozialdemokratie. Gewählt wurde der Schriftsetzer Genosse Paul Hoffmann mit 13 Stimmen. Auf den Gegenkandidatelt entfielen nur 8 Stimmen- Die Kolonisten enthielten sich der Abstimmung. Heinersdorf. AuS Furcht vor einer Operation hat sich vorgestern nachmittag der Bauarbeiter M. aus Pankow in den Schafwaschpfuhl gestürzt und ertränkt. Einige Perionen, welche den Vorgang bemerkten, konnten M. nur noch als Leiche herausholen. Nowawes. Die Gemrindevcrtretcrwahlen in der zweiten Abteilung endeten. wie vorauszusehen war, mit dem mühelosen Siege der bürgerlichen Kandidaten. Es wurden abgegeben: im 1. Wahlbezirk mit 405 ein- getragenen Wählern für den bisherigen Gemeindevertreter Schneider 131, für den Genossen Singer 22 Stimmen; im 2. Wahlbezirk mit 347 eingetragenen Wählern für den Rentier Böhme 131 und für den Genossen Gomoll 5 Stimmen. Die Gesamtzahl der sür unsere Kandidaten abgegebenen Stimmen beträgt also 27 oder 12 weniger als bei den Wahlen im Jahre 1911, wo die Sozialdemokratie mit den Demokraten zusammenging. Die Nichlbetciligung an den Wahlen der 3. Abteilung scheint den bürgerlichen Parteien nachträglich leid geworden zu sein. In einer Kritik über den Wahlausfall im hiesigen Ortsblättchen weisen sie besonders darauf hin, daß sie den 3. Bezirk, in dem von 983 Wählern nur 182 zur Wahl erschienen seien, von denen 130 ihre Stimme unserem Kandidaten gaben, hätten leicht erobern können. Markgrafpieske. Zum Steuerheder deS Orte? wählte die letzte Gemeinde- Vertretersitzung einstimmig den Gemeindevorsteher Lewin: als Entschädigung für die Mühewaltung erhält derselbe jährlich 150 M. Ter Standesbeamte soll die bisher aus Gemeindemitteln gezahlte Entschädigung von 100 M. jährlich ab 1. April nicht mehr erhalten. tveil die Gemeindevertretung der Meinung ist, daß dieser Posten vom Staate zu dotieren ist. Beide Aemter befanden sich bisher in den Händen des früheren Gemeindevorstehers Gallasch, der nicht mebr zum Ortsoberhaupt gewählt wurde. Als nach zweimaliger Wahl eines neuen Gemeindevorstehers die Bestätigung versagt wurde, wurde Herr Gallasch als kommissarischer Gemeindcvertreter eingesetzt. Nunmehr stellte Herr Gallatch an den Kreisausschnß den Antrag aus Erhöhung seiner Entschädigung, was ihm gewährt wurde. Dieser Fall zeigt so recht, daß umer dem berühmten SelbstveAvaltungsrecht der Gc- meinde» die Regierung einfach über die Köpfe der Gemeindevertretcr mit den kommunalen Steuermitteln wirtschaftet. Pankow. Der Gemeiudeetet für 1913 stand am Dienstag zur Beratung. Derselbe balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 9 137 105 M., gegen 7 522 360 SU. im Vorjahre. Davon entfallen auf die Haupt- Verwaltung 4 407 250 M.(Ordinarium 3 650 050 M.. Extraordinarium 848 290 2H.), das Realgymnasium 200 400 SR., die Oberrealschule 210 100 M.. daS Lyzeum und Oberlyzemn 224 400 M.. die Ge- meindeschulen 791 950 M.. die Fortbildungsschule 20 456 SDl, die .�rankenhausverwaltung 257 200 M.. die Snnenverwaltung 174400 M.. die Bürgerparkverwaltung 21 500 M.(gegen 25 100 M. im Vorjahre). die Tiefbauverwaltung 428 000 M.. die KanolisationSverwaltung 302 000 M. iuur Ocdinariuin), daS Extra ordinarium, das im Vor- jähre 370 700 M. aufwies, fällt diesmal fort), das Rittergut Mühlen- beck 220 800 M., das Gut Schunwalde 100 500 M. lgegen 128 200 M. im Vorjahre,', das Wasserwerk 400 200 M. lOrdinariu», 839 000 9H., Extraordinarium 127 200 M.j. das Elektrizitätswerk 70 750 Rt. und den GrunderwerbssondS 1 109 000 M. lOrdinarium 48 000 M., Extraordinarium 1 121 000 Rt.) Bürgermeister Kühr leitete die Be- ratung mit der Bemerkung ein, daß der neugebildete kollegialischc Gemeindevorstand sein Wirken mit der Vorlegung dieses Etats beginne. Ein unerfreuliches Moment sei die Erhöhung deS Einkommensteuerzuschlages von 110 auf 120 Proz. sowie der Ausbau der Lustbarkeitssteuer. Dafür aber sei der Etat auf solider Basis aufgebaut. Reben den erheblich gestiegenen Ausorderungeu habe mit Mindereinnahme» gerechnet werden müssen. So stehen für die erheblichen Unterhaltungskosten des Bürgcrparks aus dem Bürgerpark. fondS 57 000 M. weniger zur Verfügung, weiter habe die Umsatzsteuer mit 40 000 M. weniger eingestellt werden müssen, und in der Kana- lisationsverwaltung sei infolge Erlöschens des Rieselvertrages mit der Gemeinde Reinickendorf zum 1. Januar 1914 mit einem Einnahme- auSfall von 14 000 M. zu rechnen. Die Deckung der erhöhten Anforderungen und Miiidcreinimhmen werde durch ein Mehrauf- kommen von etwa 100 000 M. direkter und 29 000 M. indirekter Steuern vorgesehen. Wenn in Grundbefitzerkreisen über allzuhohe kommunale Belastung geklagt werde, so sei dies nur teilweise be- gründet. Die Hausbesitzer leiden unter dem übrigens in Abnahme begriffenen Wohnungsüberfluß und namentlich unter der unverhällnis- mäßig großen Bevölkerungsfluktuation Pankows weit mehr als unter der kommunalen Belastung, die im«ergleich zu de» meisten anderen Vororten eine erbehlich geringere sei. Der Bürgermeister besprach dann die Schulverhällnisse. Er gab eine Reihe von Zahlen und hob. dabei namentlich hervor, daß da» Verhältnis der Kosten des einzelnen Schülers der höheren Schulen zu denen eines solchen der Gemeindeschulen in Pankow für letztere günstiger sei als in den meisten anderen Vorortgcmcinden. Aus der Generaldebatte ist erwähnenswert, daß der bürgerliche Vertreter Herr H o l tk ö t t e r die schlechte Finanzlage und die herrschende Geldmisere auf den übertriebenen Luxus de» deutschen Volkes in Reich, Staat und Gemeinde zurückführt. Auch in Pan- kow werde in den Gemeindeschulen ein kolossaler Luxus getrieben. Ebenso bemängelte er die luxuriöse Ausführung öffentlicher Bauten und die splendide Anlage des Krankenhauses. Teilweise in das- selbe Horn stieß auch Herr Kauf m a n n, nur wollte er Herrn Holtköttcrs Ansicht bezüglich der Schulen nicht teile». Der Bürger- mcister vertrat den Herren gegenüber den Standpunkt, daß man heute mit den Verhältnissen von Anno dazumal nicht mehr rechnen könne und es nur zu begrüßen sei, daß namentlich die Schulder- Hältnisse sich gegen früher so erfreulich gebessert haben. Tie Pan- kower Schulen seien anerkannt gute und erfordern dementsprechende Mittel, aber im Pcrgleich mit anderen Gemeinden wären die ge- machten Aufwendungen im Verhältnis zum Geschaffenen mäßig zu nennen. In der Epezialdcbatrc erhob beim Voranschlag für die Ties- üauverwaltung Genosse A u b i g die Forderung auf V e r t ü r- zung der Arbeitszeit von jetzt 10 auf 9, zum mindesten auf 9>4 Stunden für die Gemcindeardciter. Es handele sich hierbei um Einlösung eines schon bei einer früheren Gelegenheit gemachten Versprechens. Der Bürgermeister erlannte an, daß sich die Ge- mcinde den berechtigten Wünschen der Arbeiter nicht werde vcr- schließen können. Es sei aber bei der gegenwärtigen Lage wenig Aussicht, daß schon in dieseni Jahre der Sache nähergetreten werden könne. Immerhin versprach er, die Angelegenheit im Gemeinde- vorstand zur Erörterung zu bringen.— Auf eine Anfrage des Herrn R i e»? a n n wegen der Regulierung der Berliner Srraße gav Beigeordneter St aw i tz bekannt, daß ihm gelegentlich Person- lichcr Vorstellung bei der Regierung der Bescheid gegeben sei, mii den Anlieger» wegen Abtretung der Vorgärten in Verhandlung zu treten auf der Grundlage, daß die Straße zur Geschäftsstraße erklärt und den Anliegern dann dies abgetretene Vorgartenland als bcbauungsfähige Fläckze für ihre Grundstücke angerechnet werden würde. Es sei zwar eine Aenderung der fraglichen Polizeiverord- nnng in Erwägung, diese werde aber gegen den bisherigen Zustand keine Verschlcchtcrnng bringen. Beim Etat des Bürgerparks regte Herr Urban die Instandsetzung der durch die Trockenheit im Jahre 1911 zuni Teil zerstörten Rasenflächen an, toaS etwa 8000 M. Kosten verursachen würde. Nach längerer und erregter Debatte, in welcher von vor» ichiedenen und auch von unserer Seite die sofortige Inangriffnahme dieser durchaus notwendigen Maßnahme gefordert wurde, gelangte ein Antrag aus Vertagung der Angelegenheit bis zum Herbst zur Annahme. Einen für seine Verhältniffe entsprechend schweren Verlust hat ein Wächter und Kassierer der Wirtschastsgcnossenschaft zu ver- zeichnen. Derselbe kassierte in der Zeit vom 2.— 10. März d. I. bei Hausbesitzern oder deren Verwaltern Geld für die Wirtschasts« genossenschaft ein. Anscheinend beim Wechseln ist dem Angestellten ein Hundertmarkschein abhanden gekommen. Da der Verlierer daS Geld ersetzen muß, wird der Hauswirt oder Verwalter, bei dem die Summe zurückgeblieben ist, gebeten, dieselbe an die Wirtschasts- gcnoisenschast oder an Johann Andersch, KöSlincr Straße 6, abzugeben._ eingegangene Druchfcbnfwn. Von der»Reuen Zeit» ist soeben da» 25. Hest des 31. Jahrgang« erschienen. Aus dem Inhalt des Helte« heben wir hervor: Der Sieg der Reallion in Ungarn. Bon Eugen Varga(Budapest).— Die Rechen- sehler tu der Witwen- u»d Waisenversicherung. Bo» Hermann Molken- buhr.— Rochmals die innere Kolonisation. Bon Karl Märchionini.— Der Rheinschiisbaii irnd die Lebenshaltung der deutschen und holländischen Werslarbcitcr. Bon Albert Wilhelm.— Literarische Rundichau: Zusammenstellung der Ents chädigungssätze. welche das ReichSversichcrungtamt bei dauernden Unsallichäden gewährt hat. Von Gustav Hoch.— Zeitschristm» schau. Bon G. B.•. fl c u i ll e t o n der Neuen Zeit Nr. öl: Friedrich Hebbel. Von Fr. Mehring. Geheimniisc des Kleinsten. Von Adols Reih.— Bücherschau: I. I. Rousscaus Bekeunlnissc. Liebliiccht» Fremdwörterbuch.— Lose Blätler: Ein Bries TreitschkeS. Aus Hebbel» Tagebüchern. Die.Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalleu und Kolporteure zun, Preise von 3,25 M pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Da« einzelne Heft tostet 25 Pf. Vom» Wahren Jacob- ist soeben die 7. Nummer des 30. Jahrgang« tS Seiten stark erschienen. Der Prci« der Nummer ist 10 Ps. Probcnununem jind jederzeit durch den Verlag von I. H. W. Dieh Rachf. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von alleil Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Wetterprognose für Freitag, de« tili. Marz ISlg. 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