K-.SS. Ubonnements-Bcdingunsen: «BonrcmentS•$rei4 Störannetmibo; vierteljährl. ZL0 MI, momul. 1.10 MI., wöchmllich 2S Pfg. frei WS Hau?. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonnragS- Nummer mit illufirierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- WbonnemenU 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post-Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da? übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnemeniz nehmen an: Belgien. Dinemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. , Schweden und die Schweiz, 30. Jahrg. Vltlietat»glich suBtr montags. Verlinev Volktsblstk. Die TnfcrtionS'GcbQIfr beträgt für die sechSgespaltenc Kalonel- »eil« oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschafiliche Vereins- und Bcrsauimlungs-Aiizeigcn üv P-a. „kleine Mnzeigrn", da? settgcdruckic Wort 20 Pfg.(zulässig Lfettgedruikte Worte), jedes weitere Wort t0 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Linli- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpediüon «hgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm, Adresse: uSozialdemolirat BcrliB", s Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion t SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 1983. Sonntag, den Ä3. März 1913. Expedition: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Ztr. 1984. IParteiaenoffen!' 0as voturo der setZliWen. In wenigen Tagen wird die Regierung die neuen Heeres» und Steuervorlagen veröffentlichen, in den ersten Äprilwochen schon wird der Reichstag an die Beratungen der neuen Forderungen Molochs herantreten. Mit prächtigem Elan und bewundernswerter Energie haben sich unsere französischen Brüder dem Ansturm des Chauvinismus und Militarismus entgegengeworfen. Wir, Parteigenossen, dürfen hinter dem glänzenden Beispiel, das unsere französischen Genossen uns gegeben, nicht zurückstehen! Immer gefährlicher, aber auch immer sinnloser wird das Wettrüsten, wird der Militarismus. Immer wichtiger wird unser 5lampf um die Beseitigung der heutigen Militärorgani- satiou, die die hohen Militärs zu den Herren der Nation macht, die durch ihre Tendenz zur schrankenlosen Ausdehnuilg die Völker zu verelenden droht, die ihre Steuerkraft verwüstet, den Frieden ständig mehr gefährdet! Für Freiheit und Frieden kämpfen wir, wenn wir gegen den Militarismus kämpfen, wenn wir die Miliz fordern. Und mit dem Kampfe gegen den Militarismus wird sich ein neuer Steuerkampf verbinden. Noch kennt man die Steuervorlagen der Regierung nicht, abtzr schon ist gewiß, daß zu den neuen persönlichen Lasten, zu der Kasernierung eines neuen Hunderttausend, auch ueue fiuanzielle Lasten den arbeitende» Massen auferlegt werden sollen. Denn enge Grenzen hat die Opferbereitschaft der Besitzenden und weit überschreiten die Riesenforderungen der Militärs diese Schranken. Trotz aller feierlichen Ver- sprechungen der Regierung und der Parteien werden auch diesmal die Ameu, denen erst die letzte Finanzrefornl die ungeheure Steuerlast der halben Milliarde auserlegt hat, wieder bluten müssen. Und zu diesen wichtigen Entscheidungen im Reich kommt der Wahlkampf und Wahlrechtskampf in Preutzen. Er bildet eine wichtige Etappe in unserem Ringen um die Demokratisierung Deutschlands, dieser Lebensfrage aller künftigen politischen Entwickelung. Auch hier steht die Arbeiterklasse allein. Feig und lau bleibt den trutzigen Junkern gegenüber die Haltung der bürgerlichen Opposition. Wie im Widerstand gegen den Militarismus, so beruht auch im Angriff gegen die Reaktion alle Hoffnung auf der Macht- entfaltung der arbeitenden Massen. Da gilt es, alle Kräfte anzuspornen, den Kampf in möglichst weite Volkskreise hin» auszutragen, die Indifferenten aufzurütteln, die Lauen und Zögernden anzufeuern und sie einzureihen in das organisierte Heer unserer Kämpfer. Die schärfste ZÄaffe aber, Parteigenossen, in diesem Kampfe ist Eure Presse! Im Kampfe gegen den Militarismus scheiden sich die Lager. Längst hat das deutsche Bürgertum jede Widerstands- kraft gegen den Militarismus eingebüßt. Und mag sich sonst die bürgerliche Presse noch so radikal gebärden, in diesem Kampf vergißt sie ihren geschäftigen und geschäftlichen Radi- kalismus. Nur die Arbeiterpresse ist es, die auch hier das Interesse der Arbeiterklasse rücksichtslos vertritt. De shalb i st die Agitation für unsere Presse ein wesentlicher Bestandteil unserer politi- scheu Agitation überhaupt, der Kampf gegen die bürgerliche und für die Arbeiterpresse eine Vorbedingung all unserer anderen Kampfe! Diese Eure wichtigste Waffe stets schärfer und wuchtiger zu machen, muß das Bestreben Eurer Vertrauensmänner in der Leitung Eurer Presse sein. Deshalb haben sich die der- antwortlichen Instanzen entschlossen. Euer Blatt, Partei. genossen Sroß-Berlins, weiter auszugestalten. Schon lange ist die Pause zwischen der Sonntag, und der Dienstagausgabe als zu groß empfunden worden. Vom April ab wird der„Vorwärts" auch Montag früh erscheinen. Die Schlagfertigkeit und Aktualität des„Vorwärts" er- fährt so eine neue Vermehrung. Die Arbeiter Berlins werden damit ohne jede Erhöhung des Abonnementspreises ein Blatt erhalten, das neben der raschen und übersichtlichen politischen Iniormotion auch durch einen reichhaltigen populär- wissenschaftlich«! und künstlerischen Teil der Aufklärung und Unterhaltung der Leser dienen wird. Nun ist es an Euch. Parteigenossen, die wirksamere Waffe anzuwenden. Tut in den nächsten Tagen Eure Pflicht! Ei« jeder Leser werde zum Agitator! Werbt dem„Vorwärts" neue Abonnenten! Macht aus Gleichgültigeu Streiter für unsere Sache! Vorwärts lautet dir Parole! Brüffel, 20. März.(Eig. Ber.) Zweimal in einem Zeitraum von wenigen Wochen hat das aus den Vertrauensmännern des belgischen Proletariats zusammengesetzte Generalstreikkomitee den Generalstreik de- schlössen. Jede der beiden Abstimmungen ist eine Antwort der Arbeiterpartei auf die Haltung und die Erklärungen der Regierung in der Wahlrechtsfrage. Aber aus einer wie ganz anderen Konstellation der Dinge ist dieses selbe Losungswort zum zweitenmal gesprochen worden! Rekapitulieren wir kurz: Die Regierung hatte die Revision abgelehnt mit dem besonderen Hinweis auf die„Drohung" des Generalstreiks. Die Rechte lehnte dann auch den liberalen, von einem ihrer Parteimitglieder selbst befürworteten Ver- mittlungsvorschlag auf Ernennung einer Studienkommission ab. Das Generalstreitkomitee trat zusammen und in Ausführung des Parteitagsbeschlusses vom 80. Juni— zum Generalstreik zu greifen, wenn alle anderen Kampfesmittel erschöpft sind— erfolgte die erste Generalstreik- proklamarion. In der Tat: alle Mittel schienen erschöpft. Hatte Vander- Velde sich nicht ausdrücklich mit dem Hymansschen Ver- mittelungsvorschlage einverstanden erklärt? Hatte Vandervelde nicht erklärt, die Arbeiterpartei würde, sofern die Revisions- frage nur zur Beratung käme, wegen des Termins oder irgend- einer der Wahlrechtsmodalitäten— der Altersgrenze und einer eventuellen zweiten Stimme für die Familienväter— nicht in den Streik treten? Da kam die Vermittelungsaktion der Bürgermeister. Man kennt den Verlauf. Die Regierung läßt die Arbeiterpartei wissen, daß sie einer„Geste des Entgegenkommens" nicht ab- geneigt sei, wenn der Generalstreik zurückgenommen wird. Der Brüsseler Bürgermeister unterdrückt ausdrücklich in seinen Ver- Handlungen mit dem Kabinettschef, daß sich die Vertrauens- männer der Partei mit einer Geste, die etwa auf eine Reform des Gemeinde- und ProvinzialwahlrechtS hinausliefe, nicht zu- frieden geben würden. Der seither veröffentlichte Brief des Bürgermeisters an Herrn v. Broqueville hat diese Dinge auch für die breite Oeffentlichkeit bestätigt. Der Generalstreik wird also— nachdem sich so noch ein Ausweg präsentiert hatte, der möglicherweife das äußerste Kampfmittel überflüssig machen tonnte— zurückgezogen. Lautete doch der Partei- beschluß: erst tvenn alle Mittel erschöpft sind, hat der General- streik in Wirksamkeit zu treten. Was geschieht nun? Nach einer Verbeugung vor der klugen, vernünftigen Politik und der Gewissenhaftigkeit der Führer läßt der Chef der Regierung wissen, daß er in ruhigeren Tagen über eine Reform des— Gemeinde- und Provinzialwahlrechts zu„plaudern", wie jetzt hier der land- läufige parlamentarische Ausdruck lautet, bereit sei. Die gemäßigtesten Liberalen, allen voran das Brüsseler Organ des gemäßigten Liberalismus haben, diese Handlungs- weise der Regierung als eine Politik der Provokation gekennzeichnet. Keiner, der die Wechselfälle des belgischen Wahlrechtskampfes kennt, wird sich wundern, daß die Ver- trauensmänner des Proletariats diese Politik der Provokation, die zugleich eine des Truges und des Verrats— des Verrats an der von den Bürgernleistern verbürgten„berechtigten Hoffnung"— ist, mit der zweiten Streikdeklaration beant- wertet haben. Die ministerielle Presse hat nun die Kühnheit, der Arbeiterpartei Unaufrichtigkeit oder sogar Wortbruch vor- zuhalten und fragt mit einer Naivität, die aber schon Frech- heit ist, wie man denn habe sagen dürfen, daß die General- streik„drohung" nicht mehr existiert habe, als die Bürgermeister zur Unterhandlung mit der Regierung schritten! Also stellen sich die Herren vor, weil die Vertrauensmänner der Regierung Vertrauen geschenkt, dem „Eindruck" der Bürgermeister auf eine friedliche Lösung vertraut hatten, hätten sie gleichzeitg die Verpflichtung überkommen, sich düpieren zu lassen und unter allen, auch den perfidesten Umständen, aus den Generalstreik zu verzichten! Aber wir wetten, daß so naiv die Regierung nicht einmal selber ist und über die zweite Generalstreikproklamation noch weniger erstaunt ist, als sie über die erste gewesen sein mag. Schreibt doch sogar der„Sott", dem wirklich keine heftigeren polittschen und anttministeriellen Regungen anhaften, daß man nach den Etappen der revisionisttschen und Streikbewegung über den Beschluß des Komitees nicht erstaunt sein könne. Aber in alledem muß noch auf eine Erscheinung mit Nachdruck verwiesen werden— der Stteikbeschluß des„Wahl- rechts- und Streikkomitees"»vird diesen Sonntag dem Kongreß der Arbeiterpartei vorgelegt werden.� Das Resultat ist kaum zweifelhast.— Man kennt die Sttmmung und mehr als das: die Beschlüsse der Föderationen und Organisationen. Gent hat seinen Dele- gierten den Auftrag gegeben— noch ehe das Komitee seinen Beschluß gefaßt hatte— auf dem Kongreß für den Generalstreik zu stimmen. Und Anseele selbst wird der Sprecher deS Streikkomiteebeschluffes fein.— In La Lau- viere bei den Bergarbeitern ist Vanderveldes Mahnung zur Ruhe und Ueberlegung mit dem Kampsspruch:„Vivo 1» Grrsvo— Es lebe der Streik!" aufgenommen wurden. Und! eine Nachricht um die andere kommt, wonach die Delegierten j am Sonntag für den Generalstteik zu stimmen verpflichtet 1 werden. Was vom ersten Streikausbruch an, nach den; Wahlen, sichtbar war, ist nun bei den letzten Er- eignisseil in die klarste Erscheinung getreten: daß die Massen den Generalstreik wollen. Sic wollen ihn am Tage nach dem letzten Resultat des Schwindel- Wahlrechts. Sie wollten ihn, auf die erste Ant- wort der Regierung, keine Revision zu machen. Und sie wollen ihn endlich heute, als Getäuschte, die sich sagen, dieser Regie- rung, diesen Klerikalen ttauen wir keinen ehrlichen Schritt mehr zu zur Lösung der Wahlrechtsfrage. In der Kammer hat der liberale Führer Hymans bei allen Angriffen auf die Regierung doch darauf hingewiesen, daß die von der Regie- rung akzeptierte Idee einer Kommission für die Reform des Gemeinde- und Provinzialwahlrechts unfehlbar zu einer Erweiterung ihrer ursprünglichen Kom- p e t e n z— kurz, zu einer Prüfung des gesamten Wahlrechts- Problems führen müßte. Man konnte zudem hören, von wem man wollte, daß auch die Erklärung Herrn von Broquevilles diesen Ausweg nicht verrammelt habe. Ein Teil der klerikalen Presse machte Andeutungen, die liberale, z. B. besonders die Brüsseler de- mokrattsche„Gazette", stimmte in diese Version ein. In der von Camille Huhsmans herausgegebenen Revue„La Sernaini Politique" wurde der Gedanke, daß diese Kommission sich quasi logisch zu einer Kommission für die Revisitznsprüfung erweitern müsse, ohne Umschweife vertteten. Und es gibt noch andere„Imponderabilien", die einen solchen Weg an- deuten. Aber diese Meinung findet keinen Stützpunkt bei den Massen, bei der Masse der Vertrauensmänner. Nein, dieser Regierung traut kein belgischer Proletarier mehr über den Weg. Die Beratungen, der Beschluß des Streik- komitees haben es gezeigt. Es ist wahr und wahrhaftig der Massen-, der Volkswille, der den der„Führer", der„Politiker" zu sich zwingt.„Bis zur Preisgebung ihrer Popularität", schrieb der„Sott",„haben die„Polittker" der Partei die erregten Geister, die erbitterten Gemüter des Volkes zu einer ruhigen Ausfassung der Dinge zu beeinflussen versucht." Die Regierung mußte sich zn diesem Komplinieiit bequemen, ür der liberalen Presse und von ihren Führein hört man nur diese eine Stimme der Anerkennung. Der letzte Trumpf der Regierung jedoch im Verein mit den wochenlangen Provokationen der klerikalen Presse. die über den Generalstreik als„Bluff" spottete, läßt der Psychologie der Masse nur die eine Pforte als Aus- gang aus der Politik der Provokationen, der Enttäuschungen, des Truges und des Verrates, nur den einen Weg zur end- lichen Erkämpfung ihres Rechtes: den G e n er a I st r e i k. Das kainpfgewohnte belgische Proletariat wird Sonntag in seinen Verttauensmännern aufs neue das lang zurück- gehattene Losungswort zum Kamps ertönen lassen. Und alles läßt erwarten, daß es auf die Vorstellungen zu eventuellen anderen Wegen und Mitteln, wie Euphorion auf Faust's und der Helena Mahnungen antworten wird: „Träumt Ihr den Friedsnstag? Träume, wer träumen mag. Krieg ist das Losungswort. Sieg und so klingt es fort." Und„Sieg dem belgischen Proletariat"— so wird es von überall her klingen, wo kämpfende und wollende Prolc- tarier leben. ** « Zum Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Man meldet uns aus Brüssel unterm 21. März: In den letzten Tagen haben eine Reihe von großen Gewerkschafts- und politischen Organisattonen ihren Delegierten den formellen Auftrag gegeben, auf dem Kongreß der Arbeiter- Partei für den General st reik mit dem Datum des 14. April einzutreten. So eine Reihe von Brüsseler Wahl- vereinen(die Lororte Schaerbeek, St. Gilles, Anderlccht und der Brüsseler Wahlverein), ferner die Metallarbeiterorgani- sationen von Seraing(Sitz der«Cockerill-Werke), die Lütticher Bergarbeiter usw. Die Genter Partei hat sich gleichfalls sür Unterstützung des Beschlusses des Generalstreiks des Wahl- rechts- und Streikkomitees ausgesprochen und einen Arbeits- plan für die nächste Zeit entworfen. Alle Parteiorganisationen Belgiens befassen sich in diesen Tagen mit dem Beschluß des Streikkomitees, um ihren Delegierten die entsprechende Weisung für den Kongreß zu geben. Einem Parteibeschluß zufolge bleibt vom ersten Ver- Handlungstag, wo die politische Situation zur Bc- ratuug steht, die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Am ziveitcn Kongreßtage stehen die Partciberichte zur Diskussion, ferner die Militärfrage. Der dritte Tag gilt der Beratung der Sozialversicherung. Die ßalhanMe. Montenegro hat auf Oesterreichs diplomatische Vorstellungen eine ausweichende Antwort gegeben. Tie Schwarzgelben sind natürlich„unbefriedigt" und wiederholen das für sie so unrühmliche Spiel, das sie schon bei der Prochaska-Affäre gespielt haben. Ein Teil der dem Ballplatz zur Verfügung stehenden Preßmeute muß noch lauter kläffen und mit noch energischeren Maßnahmen drohen. Ein anderer �iX muß sanftere Töne anschlagen, um der hin und her schwankenden schwarzgelben Pvlitik eine RückzugKlinie zu sichern, wenn es mit der Säbelrasselei schief geht. Selbst- verständlich spielt König Nikita auch kein ehrliches Spiel und hofft auf eine Rückenstärkung durch Rußland. Die Montene- griner wollen offenbar eine äußerste Kraftanstrengung machen, um Skutari in ihre Gewalt zu bekommen und dadurch die FricdenSbedingmlgcn zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Oesterreich wird dringender! Aus Dien wird uns telegraphiert: Auf dem Ballplatz ist man furchtbar energisch geworden tmd kein Tag geht vorüber ohne eine' diplomatische„Aktion". Da Herr Rikita auf die erste Demarche eine hochmütig ablehnende Antwort gegeben hat, sind neue„Schritte" unter iwmmen worden, das heißt, eS ist den Montenegrinern zur zustimmenden Antwort eine F r i st gesetzt worden. Natur lich sind die Beschwerden, die Oesterreich erhebt, nur ein V o r w a n d, der Zweck ist, sich in die Kämpfe um Skutari einzumischen. Denn rein völkerrechtlich betrachtet, hat Oester reich zu einer Intervention gar kein Recht. Oesterreich be gehrt, daß zu der Untersuchung wegen der Ermordung dss Franziskanerpaters ein österreichischer Beamter beigezogen wcrdc.� Aber es wird gar nicht behauptet, daß der Pater ein österreichischer Staatsbürger getvesen wäre. Daß Oesterreich zu der Forderung, daß die Zivilbevölkerung aus Skutari freien Abzug erhalte, nicht besonders berechtigt ist, liegt au der Hand; diesen Wunsch könnte jode Macht aussprechen, aber so eine gebieterische Fordernis zu erheben, bat Oesterreich kein Spezialrecht. Bleibt also die Lappalie mit dem ungari- scken Dampfer; aber da man das Schiff schließlich zu nichts anderem gezwungen hatte, als zur Rettung schiffbrüchiger Soldaten, ist diese Völkerrechtsverlctzung wirklich auszuhalten Das Humanitätsgeschrei, das man in Wien jetzt anhebt. wird doch niemanden bluffen: Es ist nur ein Mittel zum Zweck und dieser Zweck ist kein anderer, als den Montene- grinern zum Bewußtsein zu bringen, daß alle ihre Anstren gungen. Skutari zu erobern, fruchtlos bleiben müssen. So lange sich die Wiener Erregung in diplomatischen Noten ent lädt, ist die Geschichte noch zu ertragen. Aber schlimm könnte es werdeil. wenn Oesterreich, wozu es gute Lust zeigt, in Skutari selbst einmarschieren wollte und die Stadt den Monte- negrinern auch militärisch entwinden würde. Das könnte dann natürlich zu bösen Verwickelungen mit Rußland ffchren. In Berlin scheint man von dem wahren Veitstanz der österreichischen Kriegspartei wenig entzückt zu sein. ES wäre aber richtig, wenn Deutschland seinem Verbündeten ganz deutlich erklären wollte, daß es um der Frage willen, ob dieses oder jenes Balkannest den Albauesen zufallen soll, keinen Finger rühren wird. Eine gründliche Abkühlung töte den erhitzten Wiener Herren schon recht gut. Die österreichische Flottendemonstrotion. Paris, 21. März. Die Agence HavaS veröffentlicht folgende Note: Der österreichisch-mrgarische Boffchafter bat dem Minister des Aeußeren Jonnart mitgeteilt, daß die Hol tung Montenegros und die Lage der katholischen Gemeinden in Skutari Oesterreich-Ungarn bestimmt hätten, im Interesse der Menschlichkeit in Cetinjc Protest einzulegen und eine Kreilzerdivision zu entsenden. Tic Antwort Montenegros. Wien, 21. März. Wie die„Neue Freie Presse" von maß- gebender Seite erfährt, hat die montenegrinische Regierung aus die Demarche O-esterreich-Ungarns, betreffend die Unter- suchung im Falle Paliffch, ferner betreffend die Beschießung der Stadt Skutari und die Bestrafung der Schuldigen in der Angelegenheit des Dampfers„Skodra" eine ablehnende Ant- wort gegeben. Der Schritt in Cetinje wurde von Oesterreich- Ungarn allein unternommen, doch steht die Monarchie mit Italien in ununterbrochenem Gedankenaustausch. Wien, 22. März. Wie das„Fremdenblatt" meldet, er- klärte König Nikolaus in der Antwort auf die Vorstellungen Oesterreich-UngarnS wegen deS Bombardements von Skutari, er bedauere, daß die Beschießung in der Stadt so viel schaden anrichtete; er werde dafür sorgen, daß daS Bombardement in Zukunft sich nicht mehr in solchem Maße gegen« die Stadt selbst, sondern gegen die Befestigungen richte. — Das Verlangen, daß es der Zivilbevölkerung ermöglicht werde, die Stadt zu verlassen, ist von dem Könige mit der Motivierung abgelehnt worden, es sei auS militärischen Gründen nicht möglich, diesem Wunsche zu entsprechen. Tie Entrüstung der Schwarz-Gelben. Wien, 22. Marz. Die Blätter bezeichnen die in der chaupt» fache ablehnende Antwort des Königs Nikolaus auf die Vorstellungen Oesterreich-UngarnS als eine schwere Herausforderung der Mon- archie und sind besonders darüber entrüstet, daß auf die Forderung einer strengen Bestrafung der Schuldigen wegen de? Bruches des Völkerrechts in San Giovanni di Mcdua eine Antwort noch gar Nicht erfolgt ist. Uebereinstimmend fordert die Presse, daß die Schritte Oesterreich-UngarnS in diesen Streitfragen aus daS nach. drücklichste und rascheste erfolgen, um eins in jeder Hinsicht ausreichende Genugtuung ficherzustellen, und begrüßt das bisherige Vorgehen der Regierung in dieser Angelegenheit. Die Blätter vermuten, daß die trotzige Haltung in Cetinje sich auf die Annahme stütze. Montenegro werde schließlich doch die Unterstützung Rußlands, besonders auch in der Frage SkutariS, finden, wenn dieses erst gefallen sei. Sie sprechen die Hoffnung auS, daß sich diese Erwartungen der Montenegriner recht bald als Illusion erweisen werden und daß der gerade bezüglich der Zugebörigkeit SkutariS mehrfach kundgegebene Wille Europas sich trotz der augenblicklichen Schwierigkeiten durchsetzen werde. Neue diplomatische Schritte Oesterreichs. Wie», 22. März. Heber den augenblicklichen Stand der zwischen Oesterreich-Ungarn und Montenegro schwebenden Streitigkeiten wird von zuständiger Seite erklärt: Wegen der Untersuchung der Vorgänge bei der Ermordung des PaterS P a I i c ist in Cetinje bereits ein zweiter ein- dringlicher Schritt des österreichisch-ungarischen Ge- schäststrägers Weinzetl erfolgt. Zu den Vorstellungen Oester- reichs betreffend das Bombardement Skutaris und den Abzug der Zivilbevölkerung aus der Stadt ergehen an die österreichisch-ungarische Gesandtschast Aufträge zu einem weiteren schritt. In der Angelegenheit des Dampfers „S'k o d r a" hat die. montenegrinische Regierung�bisher noch kerne Antwort erteilt. Von einem befristeten schritt oder von einem Ultimatum ist noch nicht die Rede.— Der Gesandte Freiherr von Giesl hatte vor seiner Rückkehr nach Cetinje mehrere Besprechungen mit dem Grafen Berchtold» Montenegro zeigt sich nachgiebiger. Wie«, 2Z. März. Wie vou informierter amtlicher Stelle mit- geteilt wird, ist die Antwort der montenegrinischen Regierung be- züglich deS Falles der Skodra jetzt eingelaufen. Po» Cetinjc ist telegraphifch Befehl nach Sa« Giovanni di Medua gegeben worden, daß dort eine llnterfuchung der Borgänge betr. die Skodra eingeleitet werde. Gleichzeitig hat die mootenegrinische Regierung erklärt, alles tun zu wollen, um Oesterreich-Uugaru die Schiffahrr zu erleichtern. Oesterreich-Ungarn besteht auf strenger Bestrafung der an der Vergewaltigung der Skodra schuldige» Personen. Bezüglich der Stadt Skutari verlangt Oesterreich-Ungarn in dem bereits gemeldete« Schritt die Gewährung des Abzugs der Zivilbevölkerung und im Zusammenhang damit die Einstellung der Beschießung von Skutari. In Trieft wird von Oesterreich-Ungarn ein Schiff mit Lebensmitteln, BckleiduugSgegenständen, Decken, Zelte« und allem anderen zum Leben Notwendigen bereit gehalten, um der ausziehenden Bevölkerung von Skutari im gegebenen Mo- wcnt sogleich.Hilfe zu bringen. Mit Bezug auf die Ermordung des Paters Palitsch und der gewaltsame« Konvertierungen wurde Moutenegr« mitge- teilt, daß der österreichisch-ungarische Vizekonsul in Prizreud in Begleitung des ErzbischofS von Uesküb demnächst in Tjakow ein- treffen werde, um an Ort und Stelle die Untersuchung zu führen. Ferner verlangt Oesterreich-Ungarn von Montenegro die Wiederher- stellung deS religiösen StatuSguo in den in Frage kommenden Gc- bieten. Die Haltung Italiens. Rom, 22. März. Die Agenzia Stefani erklärt die Mel- dung einiger Blätter über die Entsendung eines ErpeditionS- korps von zwanzigtausend Mann von Italien nach Albanien als vollkommen aus der Luft gegriffen. Der„Generalsturm" auf Skutari. Wie«, 32. März. Zu dem bevorstehenden Generalsturm auf Skutari erfährt die„Südslavische Korrespondenz" au» dem monte- negrinischen Hauptquartier: Der König führt den Oberbefehl der Belagerungsarmee, die insgesamt 22 000 Mann beträgt: die Prinzen Danilo, Mirko und Peter haben UnterkommändoS. General Bojo- vitsch befehligt die serbischen Truppen, Oberst Pavlovitsch die ser- bische Artillerie. Die fremden MilitärattacheeS und der russische Militärbevollmächtigte General Popatow befinden sich im Haupt- qartier. Alles erwartet in gespannter Erregung daS Ende deS Kampfes um die Stadt. Eiu optimistisches Urteil. London, 22. März.(P r i V a t t e l e g r a m m deS ..V o r w ä r t s".) Der Korrespondent Dr. T i l l o n, dessen Informationen gewöhnlich sehr verläßlich sind, schickt dem Daily Telegraph" auS Wien ein langes Telegramm, in dem er positiv versichert, daß die Gefahr deS Zusammenstoßes zwischen Oesterreich und Rußland endgültig überwunden sei. Die Regierungen beider Länder würden Europa als wert- volles Ostergeschenk die offizielle Nachricht über ein Abkommen in betreff des einen schwierigen Streitpunktes, der sie trennte, bescheren. Die Frage, wem Dschakowa gehören solle, sei gelöst Es sei schwer, die Bedeutung deS Ereignisses in bezug auf seine wohltätigen Wirkungen auf den Handel, die Industrie und Kultur Europas und der ganzen jiLelt zu überschätzen. In den österreichisch-montenegrinischen Streit werde Rußland nicht eingreifen. Wenn Oesterreich einen Zwang auf Monte- ncgro ausüben müßte, werde es zu einer Flottendemonstration oder höchstens zu einer Blockade der Küste kommen, die ge- nügen werde. Europa werde in kurzer Zeit den Befehl zum Abbruch der Feindseligkeiten geben. Auch die Beilegung des rumänisch-bulgarischenStreitfalles mache er- reuliche Fortschritte. Die Ausführungen deS Korrespondenten Dillon sind um so bemerkenswerter, als er gewöhnlich nicht zu den Optimisten zählt. Tie FriedeuSvermittelung der Mächte. Belgrad, 22. März.(Meldung des Wiener k. k. telegr. Korr.-BureauS.) Heute erschienen die Vertreter der roßmächte bei dem Ministerpräsidenten und Minister des Aeußern Paschüsch, welchem der Doyen des diplomatischen Korps, der französische Gesandte Coullard-Descos, eine?!ote überreichte, in welcher als Grundlage der Friedens- Verhandlungen mit der Türkei folgende Bedingungen aufgestellt werden: Die Grenzlinie zwischen der Türkei und Bulgarien führt von Midia nach EnoS, die ronzcn Albaniens werden von den Groß- mächten festgesetzt, Griechenland erhält die Insel Kreta: über die übrigen ägäischen Inseln werden die Großmächte entscheiden. Den Verbündeten Staaten wird keine Kriegsentschädigung zu erkannt; dagegen werden ihre Delegierten an den Verhand lungen über die Regelung der türkischen Staatsschuld teil nehmen. Ministerpräsident Paschitsch erklärte den Vertretern der Großmächte, daß sich die serbische Regierung über diese Verhandlungsbasis mit den verbündeten Regierungen ins Einvernehmen setzen und hierauf die Antwort erteilen werde. Eine neue Botschasterkonferenz. London, 22. März. Wie bekannt gegeben wird, hat die Entwickelung der Lage auf dem Balkan gegen alle Erwartung weitere Verhandlungen der Botschaftervereinigung noch vor Ostern wünschenswert gemacht. Die Boffchafter hatten heute nachmittag 3 Uhr eine Zusammenkunft mit dem �-taatssekre- tär des Auswärtigen Grey; es fehlte nur der an Influenza er- krankte russische Boffchafter, der durch den Botschaftsrat der- treten wurde. Tie Lage um und in Adrianopel. London, 22. März. Wie das Reutersche Bureau heute aus Wdrianopel erfährt, machen die Bulgaren dort keine Fort- chrftte. Die Forts sind unversehrt, die Serben verhalten sich untätig, es soll Zwietracht zwischen den Verbündeten herrschen. Die Stadt leistet heldemnüffgen Widerstand, die Ordnung ist vollkommen, die Behörden verteilen Lebensmittel an die Be- völkerung. Serbischer Dementiereifer. Belgred, 21. März. Tie auswärts verbreitete Meldung über angebliche Verhandlunge» zwischen Serbien und Griechenland zum Zwecke de» Abschlusses eines Bündnisses gegen Bulgarien und über die Wsendung eines Kuriers nach Athen mit einem Dpezial- chreiben des serbischen Ministerpräsidenten Pasitsch an den Ministerpräsidenten BenizeloS in dieser Angelegenheit ist, wie das serbische Preßbureau meldet, vollständig erfunden. Die Absendung eines außerordentlichen Kurier» steht mit diesen Dingen in keinem Zu- 'ammenhang. Em deutsches Schiff von den Griechen beschlagnahmt. Bremen, 22. März. Der der Deuffcheit Seeverkehrs- Miengesellschaft Midgard in Bremen gehörige Dampfer Jrmingard wurde auf der Fahrt don Venedig nach Ton- stanza von den Griechen bei der Insel Lemnos angehalten und darauf in den Hafen gebracht. Näheres liegt bei der Gesellschaft noch nicht vor. Sie Krlie äer Aahlreform. Paris, 20. März.(Eig. Ber.) Die„große Krise", die„Krise des Regimes", die di« un» ausblcibliche Folge der Trutzabsrimmung des Senats zu sein schien, wird allen Anzeichen nach diesmal nicht ausbrechen. Das neue Ministerium wird leichter und rascher zustande- kommen, als man geglaubt hat, es wird weder die Deputierten- kammer auflösen, noch den Senat unter den Willen des allge- meinen Stimmrechts beugen, und der große Sturm gegen das Oberhaus wird sich verziehen. So wollen es. von ein paar Proporzdoktrinären abgesehen, im Grunde alle bürgerlichen Abgeordneten. Die konstitutionellen Bedenken, um derentwillen heute die Deputiertenkammer den Fausffchlag des Senats ergebenst quitffert hat, decken poliffschc Berechnungen. Die Krise hat in den Radikalen— den Majoritären wie den Proporzlern— noch einmal die Hoffnung erweckt, das in den letzten Monaten verlorene Terrain zurückzugewinnen, durch einen gefestigten parlamentarischen Zusammenschluß die real- tionäre Strömung einzudämmen und die landläufige dem» kratische LinkSpolftik von neuem zur Herrschast zu bringen. Aber auch die Gemäßigten denken nicht im Ernst daran, für die problemaffsche Taube des Proporzes den sehr fetten Spatzen der Rüstungsprofite herzugeben. Als die Minister der natio- nalen Verteidigung im neuen Kabinett werden heute die Herren E t i e n n e und Thomson angekündigt. Etienne und Thomson— das ist ein ganzes Programm, das ist der ganz inS Profitliche gewendete GambettiSmus, der zins- tragende Patriotismus. Kein Wunder, daß der„Temps" die Wahlreform bei aller Betonung dauernder Ergebenheit auf bessere Zeiten vertröstet. Auch der Senat soll augenblicklich Ruhe haben und nicht bedroht werden. Gemäßigte und Radi- kale vereinigen sich in der Selbstbelügung. daß das neu« Ministerimn eine vermittelnde Formel für die Wahlreform finden werde. Das heißt ungefähr, eine Vermittelung zwischen Ja und Nein, zwischen Lüge und Wahrheit suchen. Die SenatsmÄhr- Veit und in klassischer Form Clemenceau haben es aus- gesprochen: für sie gibt es keine andere Minoritätenvertretung, als die sich aus dem Zufall und der Wabffcheinlichkeit ergibt, daß im weiten Bereich des Landes auch die schwächeren Par- teien irgendwo die Mehrheit haben. Die ganze Argumen- tation der Masoritäre gegen die Minoritätenvertretung lief im Grunde auf die tiefe Erkenntnis hinaus, daß die Mino- rität nicht die Majorität ist. und daß es zu den geheiligten Prinzipien der Revolution gehöre, daß niemand als gewählt erklärt werden könne, der nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erholten habe. Darum ist ein wirklicher Ausgleich zwischen dem absoluten Mehrheitsrecht und dem Prinzip der verhältnismäßigen Ver- tretung. sei dieie noch so abgeschwächt, ausgeschlossen. Weiter gehen als der Antrag M a u j a u. dem die Senatoren durch ihre brutale Formel das Lebenslicht ausgeblasen haben, kann auch hie größte Nachgiebigkeit der Resyrmanhänger nicht. Alsts ist die Wahlreform nur durch den Kampf gegen den Senat zu erreichen, den aber die jetzige Gefetzgebungsperiode kaum mehr sehen wird,..Die nächste:: Wahlen werden 'allS noch unter dem jetzt geltenden Wahlsystem vor sich gehen. ** * Das neue Ministerium. Pari», 21. März. Tos Ministerium ist endgültig folgender, motzen zusammengefetzt: Präsidium und Unterricht: Barthov, Justiz: Rotier, Zleuhere«: Pichou, Krieg: Etie u« e, Mariue: Band in, Inneres: Klotz, Finanzministerium: Dum out, Oeffenlliche Arbeiten: T h i e r r y, Handel: Masse, Ackerbau: Elemente l, Arbeit und soziale Fürsorge: C heran, Kolonien: Jean Morel. Das neue Ministerium hat«ach der Partei- stellung seiner Mitglieder eine« überwiegend radikale« Charakter. Tie gemäßigtere Richtung wird von Barthou, Etieune und Thierry vertreten. UnterstaatSsekrctäre sind: Für Innere»: Paul Morel» für Fiuanz: Bourelh. für schön« Küuste: Leo« Berard, für Mariue: de M o o z i e. Do» UnterstaatSsekretariat der Post wurde aufgehoben. ** * Tie Beratung der Militärrefor«. Paris, 21. März. Tis HeercSkommisston der Deputierten- kammer hat einen sozialistischen Gegenantrag, ein« nationale Miliz zu bilden, mit 17 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Ein Gegenantrag M e s s i m y auf Einführung einer Dienstzeit von 27 Monaten wurde ebenfalls ab- gelehnt und beschlossen, in die Prüfung der Regierungsvorlage einzutreten._ politifcbc Qcbcrrkbt. Berlin, den 20. März 1913. Freisinnige Steuerpolitik. In den Parlamenten schwärmt der Freisinu gelegeistlich— fc. sonders wenn e» zu den Wahlen geht— von der Befreiung der untersten Steuerstufen von der Einkommensteuer. Seine Vertreter haben wiederholt versichert, daß eigentlich die Einkommen bis ILlX) M. steuerftei sein sollten. Obwohl nun das preußische Kommunalabgabengesetz die Frei- lasiung der Einlommen bis 900 2». durch die Gemeindeverwaltungen zuläßt, denken die meisten Gemeinden, die vom Freisinn beherrscht werden, nicht daran, die untersten Stufen fteizulassen. In einer großen Reihe Städte werden selbst die Einkommen von 420 Mark an zur Steuer herangezogen, und nur wenige Städte haben die Steuerfreiheit bis 900 2». Einkommen durchgeführt. In Königsberg Pr. kämpft die Sozialdemokratie seit Jahren gegen die Besteuerung der Einkonunen unter 900 2»., und in diesem Jahre war e» ihr auch gelungen, im Stadrparlament einen Erfolg zu erzielen. Diese» hatte gegen den Protest de» Magistrat» zweimal den Antrag angenommen, die Gteuerftufe von 060 bis 900 M- von der Einkommensteuer zu befreien. Der Magistrat weigerte sich jedoch, dem Beschlüsse beizutreten, und der Oberbürgermeister Körte erklärte kürzlich, der Magistrat würde gegen die Stadtverordnetenversammlung beim Bezirksausschuß klagen, falls in den Etat der Vermerk komme, daß die Steuerstufe von 660 bis 900 2». von der Einkommensteuer zu befreie» sei. In der letzten Sitzung kam die Angelegenheit zur Sprache: der Magistrat braucht nicht die Klage zu erheben, die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung entschied»ach heftigem Ringen im Sinne des Magistrats! Der Bertreter der bürgerlichen Minorität sagte der Mehrheit ins Gesicht, daß derjenige lein soziales Empfinden hätte, der gegen die Steuer- befreiung stimmte. Die Mehhreit der Leute mit einem Ein- kommen von 660—900 M. hätte kaum die Mittel, um den not- wendigsten Unterhalt zu bestreiten. Deshalb hätte man die soziale Pflicht, diese Steuerswfe freizulassen. Vertreter der Mehrheit erklärten, daß ein großer Teil aus dieser Steuer- stuf« nicht zu den Notleidenden gehöre. Das soziale Tmp finden könne man ganz anders beweisen, als dadurch, daß man den Leuten die lumpige Summe von 9 M. jährlich schenke. Gerade wenn man gerecht und sozial denke, dürfe man diese Stufe nicht freilassen!! Man könne nicht einsehen, daß hier eine soziale Frage vorliege. Mit solchen Argumenten wurde von.liberalen' Herren die Steuerbefreiung bekämpft. Und die Mehrheit ließ sich auch bei der Abstimmung von diesen sozialen Erwägungen leiten. Der An- trag des Ausschusses, die Einkommen von 660—900 M- von der Steuer zu befreien, wurde mit 42 gegen 3ö Stimmen abgelehnt. Die Hungernden werden also von der.freisinnigen' Stadt- verWallung weiter zur Steuer herangezogen. Die Brutalität und Hartherzigkeit haben den Sieg davon getragen. In den Parla- menten und Versammlungen aber wird der Freisinn weiter sein »warmes Herz für die Notleidenden und Darbenden" beteuern! Tic Opfer der Strastburger Aschermittwochs- Mobilisierung. Die Mobilisierurtg der Straßburger Garnison durch den ehemaligen Zahlmeisteraspiranten Wolter ist, wie voraus- zusehen war, für die Straßburger Generalität nicht ohne Folgen geblieben. Ter Gouverneur von Straßburg, General von E g l o f f st e i n. hat den„nachgesuchten" Abschied er- halten. Sein Nachfolger wird der General von Eber- Hardt, bis jetzt Divisionskommandeur in Hannover. Der Kommandeur des 15. Armeekorps in Straßburg. General von Fabeck, verläßt diesen Posten, um das Kommando des 11(württenrbergischen) Armeekorps zu übernehmen. An fein« Stelle tritt in Straßburg Generalleutnant v o n D e i m- I i n g, der bekannte Hererovernichter und Säbelrasfeler, der bisher Diprsionskommandeur in Freiburg i. B. war. Die Leidtragenden hierbei sind natürlich die deutschen Steuerzahler, die die sehr erheblichen Pensionen, Umzugskosten usw. tragen müssen._ Kinderarbeit in der Landwirtschaft. DaS Kiuderschutzgesetz hat der gewerblichen Ausnutzung der Kinder einige Schranken gesetzt, und wenn eS da auch noch manches zu verbessern gibt, so ist doch ein Anfang gemacht und bei energischer Anwendung der vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen läßt sich manches Unheil verhüten. Die Agrarier haben es leider verstanden. die Ausdehnung dieses Kinderschutzes auf landwirtschaftliche Betriebe zu verhindern. Immer mehr zeigt sich aber, wie gerade in der Landwirtschast die Ausbeutung der Kinderarbeit einen Grad erreicht hat. der eine wirklich sozial gesinnte Regierung zu schleunigen Taten drängen würde. Bezeichnende Beispiele von dem, waS auf den GutShöfen möglich ist, bietet der Bericht deS Schul- arztes im Fürstentum Lippe über seine Erfahrungen in den sogenannten HirtenschUIen. Diese spezielle Schuleinrichtung besteht hier und da noch und hat den Zweck, den Landwirten eine Ausnutzung der Kinder in der Viehwirtschaft zu ermöglichen. Da heißt es u. a.: .In einer Schule wurden folgende Angaben gemacht: Ein zehnjähriger Junge hat dieses Frühjahr drei Näckite hinter- «inander im Schweinestalle wachen müssen und nur eine Stunde Scklaf gehabt. In derselben Schule hat ein anderer Knabe voriges Jahr und dieses Jahr zeimal mehrere Wochen lang eine um die andere Nacht im Schweinestalle auspassen müssen. Beide Knaben haben dann mit Erlaubnis de« Lehrers in der Schule geschlafen. Von einer anderen Schule heißt eS: Viele Kinder sind bei den Bauern untergebracht und dort übermäßigen Anstrengungen ausgesetzt, sie haben keine Zeit zu Schularbeiten, müssen früh heraus und spät zu Bett und sind daher schläfrig. Einem anderen Knaben hat ein Lehrer Geld zu Seife gegeben, da er sich ständig hat im Teiche waschen müsien. Ein anderer Lehrer derselben Schule erklärte, er habe stets für derlei Kinder Seife bereitliegen. In einer anderen Schule wurde infolge der landwirtschaftlichen Arbeiten geradezu über Ab- nähme der Intelligenz bei den älteren Knaben gellagt. Die Kinder müssen, sobald sie au« dem Nachmittagsunterricht heraus sind, tagtäglich mit der Hacke auf den benachbarten Gütern bis zum Sonnenuntergänge arbeite n." Bei einer derartigen intensiven Ausnutzung der kindlichen Arbeits- kraft ist allerdings die Abnahme der Intelligenz kein Wunder, aber was kümmert das die Agrarier I Intelligente Arbeiter sind ihnen im Grunde verhaßt— der dümmste Arbeiter ist ihnen der liebste. Sozialdemokratische Bildungsarbeit. Die.Kölnische Volkszeitung', da« bekannte ZentrumSorgan. läßt sich in der Polemik mit der OpperSdorff-Gruppe ein wertvolles Ge- stäudnis entschlüpfen. Eines der Blätter sden Namen nennt die .Kölnische Bollszeitung' nicht) jener Gruppe hatte bemängelt, daß die Kölner katholischen Arbeitervereine gemeinsam mit den.inter- konfessionellen' Gewerkschaften AolkSbildungSabende veranstalteten. Darauf schreibt die.Kölnische LollSzeitung' in ihrer Nummer 242 vom 20. März: »Der Schreiber dieser Sätze hat gar keine Ahnung davon, daß es sich hier um eine Veranstaltung handelt, den B e- strebungen der Sozialdemolratie, die ihrer- seits die allgemeine Bildung derArbeiter eifrig fördert, ein Gegengewicht zu bieten und für die katholischen und die in den christlichen Gewerkschaften organisierten Arbeiter auf diesem Gebiete eiwaS ähnliches zu leisten... Hier haben wir zunächst eine für die sozialdemokratischen Bildungsbestrebungen rühmliche Anerkennung aus gegnerischer Feder, zugleich aber das unverblümte Eingeständnis, daß die Klerikalen nicht deshalb in Volksbildung(sie ist allerdings danach I) machen, weil sie diese fördern wollen, sondern daß unsere Bildungsarbeit sie dazu gezwungen hat._ Fortschrittlich-nationalliberale Einigung in Westfalen. Die Vorstände der Forrschrittlichen VollSpartei und der National- liberalen Partei einigten sich über ein taktisches Zusammengehen aller Liberalen bei den bevorstehenden LandtagSwahlen in den Kreisen Hagen- Schwelm, Hamm-Soest, Dortmund- Stadt und-Land. Hörde. Bochum-Herne, Gelsenkirchen-Sladt und-Land und Witten- Hattingen._ Tie„Bolts-Zeitung" am Schleifstein. Die..Berliner VoltSzeitung' verfolgt seit einiger Zeit in ihrem lokalen Teile die Methode, die organisierte Arbeiterschaft in einer Weise anzuschwärzen, daß der in Frage kommende Redakteur sich des heißesten Danleo der..Äreuzzeitung", per„Post" und der .Arbeilgeber-Zeiluna" sicher sein kann. Von Zeit zu Zeit tauchen da.TerroriSmus"-Geschichten aus. die von moralischer Verwüstung i« der freien Gewerksäiastsbewegung zeugen sollen; in Wirklichkeit »ber den geistigen Tiefstand und das mangelnde Verantwortlich- keitSgefühl ihrer Erfinder und Verbreiter dokumentieren. Fast allen diesen Geschichten ist gemeinsam, daß man den Dingen nicht aus den Grund zu gehen und sie richtigzustellen vermag, weil Zeit und Ort der angeblichen Handlung und die Namen der Beteiligten sorgfältig verschwiegen werden. Die letzte derartige Karfrcitags- leistung der„Vollszeitung'-Lokalredaktion trägt die Ueberschrift: .WcrkstättenterroriSmuS" und sieht so auS: .Einer unserer Leser aus Arbeiterkrcisen schreibt uns: Sehr geehrte Redaktion! Als langjähriger Leser Ihres geschätzten BlaiteS bin ich von Ihrer Gerechtigkeitsliebe überzeugt. Infolgedessen»veiß ich, daß dieser Notschrei eines bis auf. Blut schikanierten Menschen nicht ungehört verhallen wird. Vor Monaten habe ich schon zum TerroriSmuS meiner Organisationskollegen einen Beitrag geliefert. Dieser Tage erlebte ich eine frische Auflage. Ich habe den Mut gehabt, einem der größten Hetzer die Wahrheit zu sagen; dem folgte eine Einladung zu einer Werkstattsitzung. Um nicht als Feigling zu gelten, habe ich ihr Folg« geleistet. In dieser Werkstattsrtzung wurde natürlich der Teufel von seiner Großmutter in ausgiebigsten Schutz genommen, ich hingegen dem Femgericht ausgeliefert. Einer von den Herren der Kommission hat die Direktive erteilt: der Kollege(nämlich meine Wenigkeit) müßte schon längst aus der Bude rausgegrault sein! Er(das Kommissions» Mitglied) würde mit mir überhaupt nicht in einer Bude arbeiten usw. Hierauf folgte das Charakteristische: Meine anwesenden Kollegen, etwa zekm Mann an der Zahl, wurden vom Vorsitzen- den aufgefordert, ihre eventuellen Beschwerden über mich betreffs Kollegialität usw. vorzutragen. Eine lange, peinliche Pause trat cien. Niemand wollte so gemein sein, sich über mich grundlos zu beschweren. Aber die Herren von der Kommission stehen nicht umsonst auf ihren Stellen.. Als Praktiker wissen sie auch Rat in fataler Situation. Ich wurde aufgefordert, das Zimmer auf kurze Zeit zu verlassen, damit über mich beratschlagt werde. Es verging eine volle Stunde. Tie Sitzung wurde geschlossen. Mich gründlich schneidend, defilieren meine Kollegen an mir vorbei. Also verfemt, in Acht und Bann gesetzt— und alles im Geheimen! Ich zog die Konsequenz: Ich ging am anderen Morgen einer Arbeitsanzeige nach. Leider war die Stelle schon besetzt. Als ich dann um 8 Uhr morgens an meiner alten Arbeitsstelle antreten wollte, wurde ich entlassen(der Chef war unterdessen schon mürbe gemacht worden). Also für die Festtage brotlos gemacht, als Ernährer von vier kleinen Kindeirn im Alter von neun Rio- naten bis zu zehn Jahren! Ein Familienvater, der schon wegen seiner Schiverhörigkeit einen harten Kampf ums Dasein führen muß. wird auf Initiative der Arbeiterbewegung in Verruf erklärt, mit seiner Familie verfolgt, vielleicht aus Verzweif- lung in den Tod getrieben— weil er der Oganisation keinen Geschmack abgewinnen konnte!" Dieser Musterarbeiter, der entlassen wird, nachdem er unent- schuldigt eine Stunde nach Arbeitsbeginn zur Arbeitsstelle kommt. geniert sich also nicht, ohne irgendwelche Beweise dafür in der Hand zu haben, seinen Arbeitgeber dieser Entlassung wegen als Werk- zeug organisierter.Hetzer" hinzustellen. Eine Schlußfolgerung, von der er selbst stkcht einmal wissen kann, wieweit sie der Wahrheit nahekommt oder da» Gegenteil von ihr ist, gibt er als Tatsache an. Man kann daraus ersehen, wie weit oder wie wenig man auch seinen übrigen Angaben trauen darf. Sache einer Redaktion, die vorgibt, der Arbeiterbewegung sympathisch gegenüberzustehen, wäre es aber, sich vor Veröffentlichung derartiger Movdgeschichten auch bei der Gegenseite zu erkundigen..Eines ManneS Rede ist keine Rede, man soll sie hören alle Heede". Das wäre wohl daS allermindeste, was man verlangen kann, wenn sich die Redaktion der„VolkSzeitung" nicht zu dem Grundsatz der anständigen Presse aufschwingen kann. Mitteilungen von aus der Arbeit Entlassenen. die auch beim besten Willen gar zu leicht subjektiv gefärbt sein können, überhaupt nicht zum Gegenstand von Publikationen zu machen._ Die beleidigte MajestSt. Zur Rede Wilhelms II. im LandwirtschastSrat, in der er von seinen Erfolgen in der Landwirtschaft durch Einführung von Pett- luser Roggen u. a. gesprochen hat, machte die.Frankfurter Volks- stimme' ein paar harmlose Bemerkungen. Ihr Inhalt ging un- gefähr dahin, daß Wilhelm II. ein tüchtiger Landwirt sei. Dies« Anerkennung erregte den Zorn der Patrioten. Aus der Bündler» Parade im ZirluS Busch wurde sie der heiligen Entrüstung der Monarchisten preisgegeben, die mit dem gesitteten.Pfui' und dem diesen Kreisen sehr vertrauten.Schweinehunde' darüber quittierten. Die.Post' verlangte ganz energisch das Eingreifen der Gerichte. Sollten sie in diesem Falle versagen, so müsse die Volksvertretung dafür sorgen, daß diese.Pretzbanditen' der gerechten Bestrafung überliefert werden, kommandierte da« Scharfmacherorgan. Wirklich bat jetzt der Staatsanwalt seine Arbeit begonnen. Dem Genossen W il irisch, dem Verantwortlichen der.Volksstimme', ist dieser Tage die Anklageschrift zugestellt worden. ES gibt also noch Staats- anwälte in Preußen: die Reaktionär« können beruhigt sein. Ob allerdings auch das Gericht in der harmlosen Notiz eine Beleidigung deS Kaiser» entdecken wird, möchten wir bezweifeln. Der Verzweiflungsspmmg eines mWandelte« Rekruten. AuS Saarbrücken wird eine überaus grausame Soldaten. Mißhandlung gemeldet, auf die-näher eingegangen werden mutz, um derartige Scheußlichkeiten für die Zukunft zu verhindern. Der Relrut Alt, der beim 70. Infanterieregiment in Saarbrücken diente, hatte seinen Vater besucht und den Urlaub um eine Stunde überschritten. Als Alt in der nächsten Nacht beim Auskleiden war, kam der Sergeant, machte dem Rekruten über fein Zuspätkommen Vorhaltungen und bemerkte, daß hoffentlich„die Artillerie heute nacht noch auffehren werde". Um 3 Uhr nachts ist Alt dann von den älteren Leuten mit Klopfpeitschen mißhandelt worden. Der sogenannte„Heilige Geist' ist leider unerkannt ent- kommen. Aber damit nicht genug, fühlte sich der Musketier Furre: bemüßigt, den Rekruten auch noch zu mißhandeln. In seiner Verzweiflung ist der Mißhandelte dann aus dem Fenster deS zweiten Stockwerks auf den Kasernenhof gesprungen und dort schwerverletzt liegen geblieben. Er hatte ein Bein und beide Arme gebrochen. D«r Musketier Furrer wurde wegen U n- gehorsams, da Rekrutenstuben von alten Leuten nicht betreten werden dürfen, zu der höchstzulässigen Strafe von— sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Wegen der Mißhand- l u n g e n ist der rohe Mensch also straffrei ausgegangen. Daß der Sergeant auch nur einen Verweis wegen seiner erwähnten Beutzerung erhalten hätte, ist dem Bericht aus Saarbrücken nicht zu entnehmen. Das ist die„Kameradschaft", die vielfach im Heere herrscht. und eS ist traurig, daß sogar die Musketiere sich an ihren jüngeren Kameraden in so gemeiner Weise vergreifen. Tie Offiziere wissen. daß solche Mißhandlungen leider an der Tagesordnung sind, soll doch Wilhelm I. selbst einmal gelegentlich einer Diskussion über militärische Ausbildung geäußert haben:.Zwei Jahre lang würde der Mann durch Dressur und Instruktion vollständig übermannt. erst im dritten Jahr lerne er sich fühlen, bekäme er Sinn für die Würde deS Rocks, für den Ernst des Berufs und zöge der Standes- geist bei ihm ein, ohne welchen eine Armee nicht existieren könne." Die Mißhandlung des Rekruten Alt war so ein Dressurjtück, und es wäre besser, wenn die Mustetiere den„Standesgeist" aufgeben würden, um die Rekruten kameradschaftlicher zu behandeln. Alle Unteroffiziere und Musketiere sind ja nun nicht von der oben geschilderten Art, doch müßten die Militärbehörde und die Offiziere mehr dafür Sorge tragen, daß solche Zustände endlich radikal auS- gerottet werden. Für die Musketiere kommt als strafmildernd in Betracht, daß es ihnen selbst im ersten Jahre beim ÄommiS nicht besser ergangen ist, waS auch die ausgedienten Mannschaften stets zu ihrer Entschuldigung anführen. In erster Linie ist an einer Wiederholung der Soldatenmißhandlungen der Umstand schuld, daß, wenn ein untüchtiger Soldat in einer Korporalschaft sich be- findet, und er bei militärischen Hebungen Fehler macht, zum Bei- spiel beim Kompagniecxcrzieren schlecht exerziert, die ganze Kor- poralschaft dafür nachexerzieren muß. AuS Rache wird dann so ein bedauernswerter Mann mißhandelt, öfter heißt eS sogar noch, der Mann ist obstinat, obwohl er beim besten Willen nicht? bessere» leisten kann. Da sollte man solche Leute, die'nicht mitkommen können, rechtzeitig entlassen, was auch dazu beitragen würde, daß so grausame Mißhandlungen aufhören. Am verwerflichsten ist es. wenn Vorgesetzte den Anlaß zu einer Mißhandlung geben, und sicher wäre eS an der Zeit, wenn in den Äapitulantenunterricht einige Stunden über anständige BeHand- lung Untergebener aufgenommen würden. In einer VolkSmiliz mit einjähriger Dienstzeit, in der wirklich kameradschaftlicher Geist herrscht, könnten so beklagenswerte Vorfälle, wie die Mißhandlung deS Rekruten Alt in Saarbrücken, nicht vorkommen.' China. Ein Politisches Attentat. Schanghai, 22. März. Ter frühere Minister Sung- schiaojen, aus den vorgestern auf dem Bahnhof ein Atten- tat verübt wurde, ist heute früh gestorben. Vor seinem Tode empftng er einen Brief, der mit.Der eiserne Plann" unterzeichnet war und in welchem der Täter erklärt, ihn für den General Huanghsing gehalten zu haben und seinen Irrtum bedauert. Der Tod Dungschiaojens, von dem man sich noch viel versprach, wird allgemein beklagt, WriKa. Eine französische Niederlage in Mauretanien. Poris, 22. März. Die vor einiger Zeit amtlich veröffentlichte Depesche, wonach in dem Kampf im Adrar-Gebiet in Mauretanien ein Leutnant und vier Soldaten getötet worden seien, wird durch eine soeben eingetroffene briefliche Mitteilung dahin berichtigt, daß in diesem Gefecht außer dem Offizier, drei Unteroffizieren und einem europäischen Soldaten noch 40 Senegalschützen und 15 ara- bische Reiter den Tod gefunden haben, und 30 Senegalschützen von den Maureta'niern gefangen genommen wurden. Sosiales. Wie die Behörden die Wohnungsnot„lindern". In Königsberg besteht seit einigen Jahren eine derart große Wohnungsnot, daß an den letzten Umzugsterminen regelmäßig eine Anzahl Familien obdachlos waren und in Notstandsquartieren untergebracht werden mußten. Auch am 1. April d. I. werden wiederum eine Reihe Familien keine Wohnung haben. DaS ist dem Magistrat bekannt, da zu ihm bereits die Familien, die ob- dachlos werden, gekommen sind und ihn um ein Obdach ersucht haben. Trotzdem hat er— was ganz unglaublich erscheint— gerade jetzt zur BerschSrsung der Wohnungsnot beigetragen. Er hat den Bewohnern der Obdachlosenquartiere geschrieben: „Die Ihnen überwiesenen Wohnräume in der Baracke Plantage können Ihnen über den 1. April 1913 hinaus nicht mehr zur Ver- fügung gestellt werden und müssen spätestens bis dahin von Ihnen geräumt sein, andernfalls das Polizeipräsidium Ihre zwangsweise Entfernung veranlassen wird." Und der Polizeipräsident hat den Bewohnern der Baracken fol- gendes mitgeteilt: „Nachdem Ihnen der Magistrat eröffnet hat, daß Sie die Ihnen bisber zur Verfügung gestellten Unterkunftsräume zum 1. April 1913 räumen müssen, fordere ich Sie unter Hinweis auf 8 361 Ziffer 8 des Strafgesetzbuches auf, bis zu diesem Tage für sich und Ihre Familie ein anderweitiges Unterkommen zu beschaffen." Also zuerst werden die Obdachlosen au« ihren Quartieren ver- wiesen und dann wird ihnen Haftstrafe angedroht, falls sie sich keine Wohnungen beschaffen. Dabei gibt es keine Wohnungen zu ange- messcnen Preisen, die zu beziehen sind. Die Wohnungsnot ist eine überaus große. Der Magistrat weist die Obdachlosen wohl darauf hin, daß die Wohnungsbaugenossenschaften eine Anzahl Klein- Wohnungen zum 1. April fertigstellen würden, doch die können von vielen Prolctarierfamilicn nicht bezogen werden, weil sie viel zu teuer sind. Der Arbeiter mit einem Einkommen von 900 bis 1000 M. kann unmöglich eine Wohnung beziehen, die bis 400 M. pro Jahr kostet. Und die Genossenschaften haben Kleinwohnungen errichtet, die bis 500 M. Miete einbringen sollen. (Siehe auch 2. Beilage.) Hetzte Pfochrfcbten, Die Friedensvermittelung der Mächte. Sofia, 22. März.(W.T.B.) Wie die Bulgarische Tele. graphenogentur meldet, haben die Bertreter der Großmächte heute nachmittag einzeln dem Ministerpräsidenten Geschow die gleiche« Mitteilungen wie der sorbischen Regierung überreicht. Die Groß- mächte erklären gleichzeitig, daß von Annahme dieser Grundlagen an dir Feindseligkeiten aufhöre» müssen. Ministerpräsident Geschow sprach den Vertretern der Großmächte seinen Tank aus und erklärte» er werde, bevor er Ant- wort erteile, sich mit den Berbündete« in» Einvernehmen setze», Blutige Zusammenstöße zwischen Serben und Bulgaren. Wie«. 22. März.(P. C.) Hier» erhalten sich beharrlich die Ge- rücht«. daß in UeZküb, wo sich eine serbische Besatzung, aber bul. garische Behörden befinden, zwischen Bulgaren und Serben' blutige Unruhen ausgebrochen sind, bei denen General Neokow getötet worden sein soll. In Küprülü sollen am 20. März gleichfalls Kämpfe zwischen Bulgaren und Serben statt- gefunden haben, bei denen zahlreiche Soldaten auf beiden Seite» getötet und verwundet worden sind. Droheuder Streik im Pariser Baugewerbe. Paris, 22. März.(P. C.) Nach einem Telegramm au» St. Etienne haben die dortigen Maurer de» Generalstreik prokla- miert. Es verlautet, daß noch verschiedene andere Arbefterverbände der um Paris liegenden Ortschaften sich dem Vorgehen der Maurer anschließen werden. Falls eine gütliche Einigung zwischen Arbeit» gebern und Arbeitnehmern nicht zu erzielen ist. ist es nicht auSge. schlössen, daß auch Pari» von einer Krise im Baugewerbe bedroht wird. Die Sturmkatastrophe in Nordamerika. New Dork, 22. März.(58. T. 58.) Nach weiteren Meldungen über die Wirlungen des Orkans im Süden und mittleren Westen dürfte die Zahl der Toten 200 erreichen. In Alabama allein sind, wie gemeldet wird, 100 Personen umgekommen. Eine Meldung aus Chicago gibt die Zahl der Verletzten im mittleren Westen aus 600 an. Die Verkehrsverdindungen sind noch vielfach unterbrochen. Ueberall ist großer Sachschaden entstanden. GcwerkfcbaftUcbea. Gewerhfcbaften überflüffig. Die Gewerkschaften sind überflüssig— weil sie— Arbeitslosenunterstützung zahlen! Auf diese grandiose Idee kommt ein Dr. Kurt R o e n i s ch in der Wochenschrift„Der Arbeit- geber". Die Theorie ist so eigenartig reizend, daß wir die Leser damit bekannt machen müssen. Schon darum, weil sie auch— endlich gründlich— mit der Marxschen Theorie aus- räumt. Daß die gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung einmal Karl Marx entthronen würde, daran hat noch kein Laie gedacht. Am ineisten allerdings werden die zünftigen Wissenschaftler, die den Marx schon xmale tiefgründig wider- legt haben, erstaunt sein, daß sie ganz ztoecklos zu den tiefften Quellen der Erkenntnis hinabstiegen, wenn die Sache doch so einfach und so handgreiflich klar ist, wie Kurt R o e ni s ch in ein paar Lapidarsätzen unwiderleglich beweist. Doch hören wir ihn höchstselbst. Er schreibt: .Das Problem der Arbeitslosigkeit ist von den sozialistischen Theoretikern bis auf den heutigen Tag überwiegend unter dem Ztamen der.Theorie der industriellen Reserve- a r m e e" bearbeitet worden, die seiner Zeit Karl Marx als Er- klärung für die kapitalistische Arbeitslosigkeit entwickelte. Marx' Lehr- besagte bekanntlich in nuce, daß die technische EntWickelung der gefährlichste Feind des Arbeiters sei. Sicher ist, daß. wenn diese graue Theorie nur einigermaßen mit der Wirklichkeit über. einstimmt, jeder Versuch, der Arbeitslosigkeit innerhalb des Kapitalismus Herr zu werden, vergeblich sein muß. Das genaue Gegenteil aber ist der Fall. In wachsendem Matze und init wachsendem Erfolge gehen die Arbeiter daran, durch S e I b st- Hilfe die Folgen der Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Was der Sache nun einen pikanten Beigeschmack verleiht, ist der Umstand, daß gerade die freien Gewerkschaften am eifrigsten an der Arbeit find, das Beweismaterial gegen ihre schöne Theorie zu liefern. Nicht weniger als 6 075 522 M. haben sie allein im Jahre 1910 ihren Mitgliedern an Arbeitslosenunterstützung aus- gezahlt; und mau kann fast sagen, daß täglich die Zahl der Ge- werkschasten wächst, die die Arbeitslosenunterstützung einführen. Meist geht das nicht ohne harte innere Kämpfe ab. Konsequente Köpfe unter den Mitgliedern merken eben, daß diese Art der ge- werkschaftlichen Betätigung sich zu dem sozialistischen Programm der Verelendung in erheblichen Widerspruch setzt. Gegen die Arbeitslosigkeit der Diarx und Genossen ist im Kapitalismus schlechterdings kein Kraut gewachsen. Die tatsächlichen Erfolge der gewerkschaftlichen Arbeitslosenversicherung beweisen also, daß diese Theorie ein Irrtum ist. Ist sie das aber, gibt es keine indu- strielle Reservearmee, die dem Unternehmer hedingungsloS zur Verfügung steht, dann gibt es auch keine Ausbeutung deS Arbeiters durch den Unternehmer, und der Hauptzweck der Ge- werkschaften, den Unternehmer und in ihm die kapitalistische Wirt- schaftsweise zu bekämpsen, ist überflüssig geworden." Daß mit der Einführung von Arbeitslosenunterstützung die ArbÄtslosigkeit um keinen Schiinmer eingeschränkt wird, ihre Ursachen unvermindert wirksam bleiben, das ist dem genialen Oekonoinen des„Arbeitgebers" ein undurchdring- liches Geheimnis, ein unlösbares Rätsel. Für ihn ist die Arbeitslosmunterstützung ein„Kraut gegen die Arbeitslosig- keit". Von solch verblüffender Logik hat man sich noch nicht erholt, dann überrascht der GeisteAblitz, die Gewerkschaften seien überflüssig, weil sie durch die Zahlung von Arbeitslosen- Unterstützung die Vortrefflichkcit der bestehenden Gesellschafts- ordnung bewiesen. Es gibt einfach keine Ausbeutung des Arbeiters durch das Kapital! Das verrät Kurt der staunen- den Mit- und Nachwelt, schade, daß diese Zierde der Wissen- schaft nicht früher aufgestanden ist. Er hätte die Schädlichkeit der ganzen Sozialpolitik nachweisen und ihre Inangriffnahme verhindern können. Das industrielle Menschenvernichten, die greuliche Kinderausbeutung, das Morden in 18stündigen Arbeitszeiten, in giftigen Dämpfen, bestand ja nur in der Phantasie, das waren Labsale, Jungbrunnen für die Arbeiter. Und eine dumme, blöde Regierung half den Humanitäts- duselern, den Arbeitern die paradisischen Herrlichkeiten mit dem Schnickschnack eines sogenannten Arbeiterschutzes zu per- kümmern. Kurt muß unbedingt Ehrenmitglied der Scharf- macherzunst werden._ Berlin und dmgegmd. Achtung, Zimmeret! Hiedurch machen wir bekannt, daß die Baufirma Georg Schröder, Berlin, Stettiner Straße 20, gegenwärtig in Leipzig auf der DaufachauSstellung Zimmerarbeiten aus- führt. Am 20. März d. I. ist es zwischen der Firma und den dort beschäftigten Zimmerern wegen Verweigerung des Höhen- zuschlages zu Differenzen gekommen. Ueber die Anfstellungs- bauten der Firma Schröder haben unsere Leipziger Kameraden deshalb die Sperre verhängt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Verbandslcitung. Die Forderungen der Putzerträger. Die Putzerträger stehen in einem EntlohnungSshstem, daS höchst unleidlich und längst nicht mehr zeitgemäß ist. Sie sind nämlich bei ihren eigenen Berufsgenossen, den Putzern, beschäftigt und werden von diesen entlohnt. Bor Jahren war diese Ent- lohnungsweise schon einmal beseitigt, in den Zeiten des baugewerb- lichen Niedergangs hatten die Unternehmer es jedoch verstanden, die Bezahlung der Putzerträger von sich abzuwälzen. Die Träger fordern nun, aus diesem Verhältnis wieder herauszukommen, und zwar so, daß sie in ein direktes Arbeitsverhältnis zum Unter- nehmer treten und von diesem auch entlohnt werden. Ihr Bestreben richtet sich deS weiteren auf einen geregelten Tarifvertrag, da ein solcher bisher weder für die Putzer noch für die Putzerträger besteht. Am Freitag fand eine Versammlung der Putzerträger statt, in der die geschilderten Zustände zur Sprache kamen. Da augenblicklich im Baugewerbe Verhandlungen zwischen den Unter- nehmern und dem Deutschen Bauarbeider-Verband gepflogen werden, so glauben die Putzerträger, daß die Gelegenheit gegeben sei, nunmehr auch mit ihren nur allzu berechtigten Forderungen hervorzutreten. In einer Obmännersitzung der Putzerträger sind demgemäß schon Beratungen gepflegt und daS Resultat in folgen- den Sätzen formuliert worden: Lohn vom Unternehmer. 9 Mark Tagelohn bei neunstündiger Arbeitszeit. Sonnabend eine Stunde früher Feierabend. Lohn- zahlung auf der Baustelle. R o f e r, von der Sektion der Bauhilfsarbeiter, griff auch in die Diskussion ein und wies darauf hin, daß auch unter den Putzern der lebhafte Wunsch besteht, einen Tarif zu schaffen. Er- reichen könnten jedoch die Träger nur dann etwas, wenn sie mit den Putzern zusammengehen. Nur wenn diese beiden Gruppen gemeinsam ihre Forderungen vertreten und einreichen, kann ein ersprießliches Resultat erzielt werden. Dies wird um so eher möglich sein, als auch die Putzer genau so unter dem heute üblichen Arbeitsverhältnis leiden wie die Träger. ES soll in nächster Zeit eine Obmännersitzung von beiden Gruppen stattfinden, wo die Fragen gemeinsam besprochen werden sollen.'_ Tie Tarifbeweguug der Sternsetzer, Pflasterer und Bervfsgeuoffen. In einer Versammlung aller im Tarifgebiet gelegenen Filialen erstattete der Vorsitzende der Schlichtungskommission, Schenke. Bericht über die Tarifverhandlungen. Die letzte Sitzung mit den Unternehmern war paritätischer und offizieller Natur, nachdem verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw, vorher Besprechungen unverbindlicher Art stattgefunden hatten. Von den Unternehmern wurde der Antrag gestellt, daß der Lohn vom Sonnabend aus betriebstechnischen Gründen einbehalten wer- den könne, ohne daß dem Modus von einzelnen Arbeitern Wider- stand entgegengesetzt wird. In der kurzen Debatte stimmten alle Redner dem Antrage zu. Jedoch waren sich alle Redner einig, daß, sobald ein Arbeiter den Betrieb verlasse, er auch seinen vollen Verdienst ausgezahlt erhalten müsse. Bezüglich der Ausbildung der Lehrlinge herrscht unter den Unternehmern im Tarifgebiete keine Einigung. Verlangt wurde, daß in der Schlich- tungskommiffion auf die Innung ein Druck ausgeübt werde dahin, daß die Beschäftigung der Lehrlinge auch im Winter erfolgt. Tie Steglitzer Innung hat sich bereit erklärt, ihre Lehrlinge nach Berlin in die Fachschule zu schicken. Zu eigentlichen Tarifverhand- langen ist eS bei den Sitzungen noch nicht gekommen. Der Streik in der Herreukonfektion. In einer Versammlung, die am Mittwoch im Gewerkschafts- hause unter sehr zahlreicher Beteiligung stattfand, wurde den Streikenden von Krienke mitgeteilt, daß die Arbeitgeber neuer- dings beschlossen hätten, eine Aussperrungaufder ganzen Linie vorzunehmen, wenn die Konfektionsschneider nicht alsbald die Arbeit aufnehmen. Ebenso haben sie vor einigen Tagen, wie in dieser Versammlung mitgeteilt wurde, bestritten, daß Herr Magistratsrat von Schulz den Parteien seine Vermittelung an- geboten habe. Demgegenüber stellte der Referent fest, daß Herr Magistratsrat von Schulz seine Vermittelung zweimal an- geboten hat und einen Brief in Händen hat, in welchem die Arbeit- geber verlangen, daß er zunächst in dem Sinne auf die Arbeiter einwirken solle, daß sie das von den Arbeitgebern gestellte Ultima. tum annehmen. DaS ist von dem Vertreter des«schneiderverbandes abgelehnt worden, jedoch hat derselbe ausdrücklich erklärt, daß seine Organi- sation zu Verhandlungen bereit sei, die sich auf der Basis der ge- stellten Forderungen zu bewegen hätten. Die Erklärung der Unternehmer, daß sie demnächst sämtliche Arbeiter in ganz Deutschland aussperren würden, löste in der Ber- sammlung große Heiterkeit aus. Die Persammelten gaben der Ansicht AuSdrui� daß, wenn die Unternehmer verhandeln wollen, sie dies auf andere Weise er- reichen könnten, als wenn sie fortgesetzt drohen und abstreiten, daß ihnen jemand seine Vermittelung angeboten hat. Der Schneider. verband hat, wie der Referent ausführte, keine Ursache, den Ar- beitgebern wegen etwaigen Verhandlungen nachzulaufen, wenn er auch nicht die Wsicht hat, den Streik länger als nötig zu führen. Die Arbeiter find entschlossen, wie aus der ganzen Stimmung der Versammlung hervorgeht, ihre Interessen energisch zu wahren. Deutsches BetcK. Zur Aussperrung im Malergewerbe. Schon kriselt es bedenklich in den Reihen der Unternehmer. Nach der Aufhebung der Aussperrung in Hannover ist es schon in verschiedenen Städten zu Tarifabschlüssen gekommen, so in Bochum, Jena, Plauen i. V. Man muß daher Verständnis haben für den Stoßseufzer der Macher im Unternehmerverbande, die schwere Be- klemmungen haben, daß ihr Plan so gar nicht geglückt ist. Sie be- klagen es. daß sich die Gehilfen durch die unsinnige Aussperrung nicht zu einem Angriff durch Niederlegung der ArbeA in den nicht- aussperrenden Betrieben provozieren lassen. Denn dadurch könnten die Unternehmer versuchen, den gründlich verfahrenen Karren noch einmal flott zu machen. Gegen den Terror der Scharfmacher werden jetzt Stimmen aus den eigenen Reihen der Unternehmer laut. Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet haben sich manche Meister durch den Beschlutz der Innungen, wonach nichtauSsperrende Mitglieder mit 20 M. Geldstrafe pro Gehilfe und Tag bestraft werden sollen, einschüchtern lassen. Da ist es denn interessant, daß in dem Zentrumsorgan von Rccklioghausen mehrere Meister ein „Eingesandt" veröffentlichen, in welchem sie ihre Kollegen auf die Ungesetzlichkeit einer solchen Strafe aufmerksam machen. Mit Recht wird in dem Eingesandt auf§ 152 der Gewerbeordnung verwiesen, der jedem Teilnehmer den Rücktritt von solchen Ver- einbarungen freistellt. Weiter wird auf K 88 der Ge- wcrbeordnung aufmerksam gemacht, der besagt, daß den Jnnungs- Mitgliedern eine Verpflichtung zu Handlungen oder Unterlassungen, die mit den Aufgaben der Innung in keiner Verbindung stehen, nicht auferlegt werden darf. Das Eingesandt macht weiter darauf aufmerksam, daß alle etwa von den Mitgliedern des Unternehmerverbandes hinterlegten Wechsel oder sonst eingegangene Verpflichtungen in dieser Ange- legenheit gesetzwidrig seien und daß deshalb kein Kollege sich einschüchtern lassen solle. Gegen den Jnnungsvorstand in Reck- linghausen sei wegen des in Rede stehenden Beschlusses bereits Klage erhoben._ Eine polizeiliche Haussuchung sollte am DonnerSlagvormittag im Bureau des Metallarbeiter- Verbandes in Breslau erfolgen. 12 Beamte hatten sich ein- gefunden, um noch Material zu einem Strafverfahren wegen»Be- günsligung" zu suchen. Sie soll erfolgt sein durch Bezahlung einer auf Grund des§ 153 der Gewerbeordnung erkannten Geldstrafe. Es kam nicht zu der Haussuchung. Die Verwaltung legte vielmehr sofort den Beschluß vor. wonach die Strafe bezahlt worden ist. Was wird aus der großen Staatsaktion werden? Eine allgemeiue Lohnbewegung im oberschlesischeu Bergbau. In der oberschlesischen Bergarbeiterbewegung ist durch daS Ein- greifen des Bergarbeiterverhaudes die Situation wesentlich ver- ändert. Die polnische Bergarbeitervereinigung hatte bekanntlich schon im vergangenen Herbst eine Lohnbewegung eingeleitet, ohne sich aber mit den anderen Bergarbeiterorganisationen zu verstän- digen. Die damals gestellten Forderungen fanden bei den Unter- nehmern kein Gehör. Und eine Petition wurde vom preußischen Landtag, nachdem sie auch vom Fürsten Henckel von Donnersmarck, der sein Landtogsmandat den Polen zu verdanken hat, scharf be- kämpft war, abschlägig bcschieden. Dann beschloß eine Konferenz der Vertrauensleute der polnischen Berufsvereinigung, nochmals die Unternehmer zu fragen, wie sie sich zu den Bergarbeitevwünfchen stellten. Auch dieser nochmalige Versuch zeitigte keinen Erfolg. Am 10. März fand dann eine weitere Konferenz der polnischen Ver- trauensleute in Königshütte statt, die den Beschluß faßt«, unter Einhaltung der Kündigungsfrist den Streik vorzubereiten. Bis zum 21. März sollten die Unterschriften zur Kündigung gesammelt und nach dem Zentralbureau der polnischen Berufsvereinigung gesandt werden. Von all diesem Tun waren die übrigen Bergarbeiterorgani- sationen nicht unterrichtet. Am 18. März wurde auch schon ein Flugblatt unter dem Titel:„Proklamierung des Generalstreiks in Obcrschlesien" verbreitet. Ter Bcrgarbeitervcrband konnte diesem Treiben nicht untätig zusehen, das für die Arbeiter schon von vorn- herein sehr nach einem Fiasko aussah. Er sandte zwei Vertreter, Löfffler und Ritzmann, zu der Leitung der polnischen BerufSver- einigung und fragte diese, was sie eigentlich vorhabe. Zu einem Streit sei die Einigkeit aller Bergarbeiter notwendig. Den Versuch zu unternehmen, diese herzustellen, habe die polnische Berufs- Vereinigung bisher unterlassen. Auch sei der in Königshütte gefaßte Beschluß nur von Mitgliedern der polnischen Berufsvereinigung gefaßt und darum auch nur für diese matzgebend. Der Berg- arbeiterverband ließe sich keine Beschlüsse von einer andern Organi- sation aufzwingen, er würde die Bewegung mitmachen, erst müsse aber der Versuch gemacht werden, ob auch die anderen Verbände > dazu bereit seien. Darum sei eine Konferenz sämtlicher Organi- : Uh.Gl«cke. Berlin. Druckst. verlaa:LorwartSBuchdr.tx LerlagScmstaU sationSdertreter notwendig. Die Leitung der polnischen Beruf»- Vereinigung sah nun, daß sie einen taktischen Fehler begangen habe und lenkte ein. ES fand darum am Karfreitag eine Sitzung statt. die das Ergebnis ihrer Beratung in folgendem Aufruf niederlegte: „An die Bergarbeiter Oberschlesiens! Am 21. März d. I. waren im Bureau der polnischen Berufs- Vereinigung die Vertreter folgender Organisationen versammelt: l. Polnische Berufsvereinigung, 2. Verband der Bergarbeiter Deutschlands, 3. Gewerkverein christlicher Bergarbeiter. Sie nahmen Stellung zu der Lage, die durch daS Ablehne« der berechtigten Arbeiterforderungen und durch den Streikbeschluß der polnischen Berufsvereinigung geschaffen ist Einmütig wird ausgesprochen, daß die Unternehmer deS oberschlesischen Bergreviers sehr wohl in der Lage sind, den For- derungen der Arbeiter entgegenzukommen. Da aber die Unter- nehmer bis jetzt jedes Entgegenkommen abgelehnt haben, sehe» sich die Organisationsvertreter veranlaßt, den Arbeitern de« Streik zu empfehlen. Der Streik soll aber unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist beginnen. Die Vertreter der drei Verbände fordern oarum alle Bergarbeiter auf, die zirkulierenden Kündigungslisten und Zettel zu unterschreiben. Diese müsse« bis Freitag, den 28. März, in den Bureaus der einzelnen Per- bände einlaufen. Die weiter zu ergreifenden Maßnahme« werden sodann von den Organisationsleitungen beschlossen. Di: Bergarbeiter werden dringend ermahnt, Disziplin zu halten. Vor allen Dingen mutz verhütet werden, daß wilde unüberlegte Einzelstreiks ausbrechen. Dadurch kann die gerechte Sache der Bergarbeiter geschädigt werden. Der Gewerkverein der Bergarbeiter H. D. war nicht in der .Konferenz vertreten, aber es ist anzunehmen, daß auch dieser sich der Bewegung anschließt. Hoch die Solidarität und Einigkeit der Bergarbeiter Ober«. schliesienS! Mit Glückauf! Für die polnische Berufsvereinigung: Alb. Sosinski. Für den Verband der Bergarbeiter Deutschlands: Heinr. Löffler. Für den Gewerkverein christlicher Bergarbeiter: Ant. Kowalczyk." Die katholischen Fachabteiler waren ebenfalls zu der Konferenz geladen, aber nicht erschienen. Der Zentralvorstand dieser„Arbeiter- organisation" erklärte brieflich, daß er die Interessen der Arbeiter nach den Weifungen der päpstlichen Enzyklika.vertreten" werde. Danach werben sich die Fachabteiler, wenn eS in Oberschlesien zum Streik kommt, mit den Unternehmern in �wechselnder Liebe be- tätigen". Durch das Eingreifen des Bergarbeiterverbandes ist wenigstens etwas Einheitlichkeit in die Bewegun�gebracht. sie ist darum erfolg- versprechender für die Bergarbeiter gestaltet. Beendete Aussperrung der christlichen Metallarbeiter in Menden i. W. Am Donnerstag wurden durch folgende Verein- barung zwischen der Firma Schmöle u. Co. und den Arbeitern. vertreten durch eine fünfgliedrig« Kommission, die Differenzen bei dieser Firma beigelegt: 1. Die Sperre gegen die Firma Schmöle wird aufgehoben. 2. Die Aussperrung der Mendener Arbeiter wird aufgehoben. 3. Die Arbeiter werden wieder eingestellt. Maßregelupgen finden nicht statt. Die Zugehörigkeit oder der Beitritt zur Or- ganisation soll keinem Arbeiter verwehrt werden. 4. Nach Wiederaufnahme der Arbeit wird der ArbeiterauS- schuß auf die in den Satzungen vorgesehene Mitgliederzahl er- bäht(mindestens 2 Mann). Neuwahlen finden gemäß der Satzungen statt. 5. Ueberftunden werden nach Möglichkeit vermieden. Sind solche notwendig, werden sie mit den einzelnen Betriebsabteilung gen vereinbart. 6. Die Firma Schmöle u. Co. erklärt sich bereit, nach Wiederaufnahme der Arbeit die Löhne der großjährigen Ge- Hilfen, soweit solche unter 4,50 M. verdienen, wohlwollend zu prüfen. 7. Die sanitären Einrichtungen in den einzelnen Betrieben sollen für die Folge unter Rücksprache mit dem Arbeiterausschuß geregelt werden. 8. Die Firma Schmöle u. Co. erklärt sich bereit, auf eine allgemeine einheitliche Regelung des SamSta�-NachmittagS-Ar- beitS-Frühschlufles hinzuwirken. Die Arbeit vnrd nach Maßgabe der Betriebsverhältnisse am Dienstag, den 25. März, wieder auf- genommen. Dieses Ergebnis des Kampfes, der ein halbes Jahr gedauert hat, ist für die Arbeiter äußerst mager, da auch nicht in einem Punkte die ursprünglichen Forderungen der Arbeiter erfüllt worden sind. Bezeichnend ist eS, daß man die ebenfalls auSge- sperrten Mitglieder des deutschen Metallarbeiterverbandes, die der Berichterstattung über die Verhandlungen beiwohnen wollten, auS dem Versammlungslokal hinauswies. Die Former der Firma Rautenbach in Solingen stehen nach wie vor im Streik. Die Firma sucht durch den bekannten Streikbrecheragent Färber aus Barmen Vorarbeiter. Dieselben müssen sich in Barmen melden. Es sollen dann diese Borarbeiter für die Firma Rauten dach gewonnen werden.— Zuzug von Formern ist nach Solingen fernzuhalten. Alle Arbeitsannahme in Solingen geschieht am besten durch die Geschäftsleitung der dortigen Metallarbeiter-OrtSverwaltung. Hualand- Streik in der Turiner Automobiliudnstrie. Rom. den 19. März 1913.(Eig. Ber.). Nachdem der Verband der Automobilfabriken Turin» am 18. d. M. die in einem Memorandum niedergelegten Forderungen deS Personals zurückgewiesen hat, hat der Perband ver Metall- arbeiter am 19. d. M. den Ausstand proklamiert. Der Sttelk. dem eine seit Wochen dauernde Agitation voraufgegangen war, betrifft rund 6000 Arbeiter, die zum großen Teil hoch qualifiziert und ausnahmslos organisiert sind. Sieg der Londoner Taxameterkntscher. London, 20. März 1913.(Eig. Ber.) Nach einer Dauer von 11 Wochen ist der Streik der Londoner Taxameterkutscher nun mit dem Zusammenbruch der Arbeitgeber- organisation beendet worden. SSte erinnerlich sein wird, traten die Arbeiter am 1. Januar des JahreS in den Ausstand. Werl sie den Gesellschaften nicht den verlangten hohen Preis für Benzin bezahlen wollten und konnten. Die Gesellschaften haben sich letzt alle bereit erflärr, den Arbeitern den Brennstoff zu dem früheren Preise(8 Pence für die Gallone von 4% Liter) zu überlassen. Ter Friedensschluß wurde durch eine Erfindung möglich gemacht. ES gelang einer der größten Gesellschaften, ihre Wagen mit einer tnllr- geren Mischung zu treiben, deren Benützung allerdings eine geringe Veränderung am Motor nötig macht. Dadurch gelang eS dieser Gesellschaft, den Klauen der Monopolisten zu entgehen, deren Preis. treibereien den ganzen Kampf verursacht haben. Sie bot den übri- gen Gesellschaften ihr« Erfindung zum Selbstkostenpreis an. um so dem Kampfe ein Ende zu bereiten; aber diese schlugen das Anerbieten ab. Darauf trat sie auS dem Verbände der Automobil- droschicnbesitzer aus und einigte sich mit ihren Arbeitern. Die« war da» Signal zum Zusammenbruch der Arbeitgederorganisafton. In einigen Tagen werden alle Taxameterführer wieder an der Arbeit sein. ES heißt, daß die Arbeitgeber in diesem Kampfe gegen 500 000 Pfund Sterling(10 Millionen Mark) verloren haben. Paul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. it. 69. so. t Seilllge des„Umillts" Kerlimr NlildsblM. m m. Gin]VIa� und)VIorftz- Streich. Ach, was muß man doch von bösen Buben hören oder lesen, So zum Beispiel auch von diesen, Die Tirpitz und Kering hießen. Lebte da ein Bauer Michel, Der mit Spaten, Äack' und Sichel Seinen Garten pflegt voll Fleiß !k»d ihn düngt mit seinem Schweiß. And des MichelS emsig Schanzen Bringt Gedeihen allen Pflanzen; Aepfel, groß und gar nicht sauer, Trägt der Baum ihm an der Mauer Michel denkt, ob all der Mühen Soll mir auch der Lohn jetzt blühen. Aber Tirpitz und Äering Drehte» ihm ei» schlimmes Ding. Schwups, fliegt Tirpitz in die Aeste And er klaut und grabscht das Beste, Er greift zu als war er toll Aild stopft sich die Taschen voll. Jetzt tut Kering auswärts flitzen And nach Äerzenslust stiebitzen. Tirpitz unten Aepfel schmaust, Bis er wieder aufwärts saust. So geht's immer rauf und runter And sie stehlen frech und munter, Bis der Michel sie erwischt And nach Noten sie verdrischt! kleines feuUlcton,* Konfirmation. Zitb den fch warzen Rletdrodt an, firmer Junge, guter Junge; Hm Hltar der Gottes mann LSft zum Gide dir die Zunge. Hrmer Junge, gutes Kind, piun bettätige frei enttchlotTen, CQas als Cäufling taub und blind Unfrcitnillig du genotTen., Tierzehn jährig l Tor Gericht freilieh noch nicht mündig bift du; Doch die Kirche wartet nicht, Und du fchwsrtt dich Jesu Christ zu. Schwörst, an Tater, Sohn und Geist Stets zu glauben, und des Zweifels Künftigen Kampf erklärst du dreist Reut als Anfechtung des Ceufels. Gh'verfpreehen, Grbkontrakt, Dazu bift du nicht Kapabel; Doch den großen Geisterpakt Schwör drauf los mit gelbem Schnabel. __ SU t u r g 1 1 9 c r. AuferstcHungsmeuschcn. Unser alter Lehrer sagte einmal in der Prima: Der Frühling hat sür den alternden Menschen etwas Wehmütiges. Wißt ihr auch, warum? Wir wußten es nicht. Da sagte er: Weil man fühlt, daß man wicht mit neu und jung wird. ES ist eigentümlich, wie zuweilen unbedeutende Gespräche im Gedächtnis haften bleiben. Ich habe oft an den alten Mann denken müssen nnd ihm jedesmal unrecht gegeben.?>ber heute sehe ich, daß er doch eine gewisse Wahrheit ausgesprochen hat. Es gibt wirk- sich Menschen, und leider viele, die deutlich empfinden, daß das junge Jahr sie nicht verjüngt. Dagegen gibt es andere, und das find die Glücklicheren, das sind Hoffnungsmenschen, deren Gutes nach vorwärts liegt, die nach Großem ausschauen. Diese empfinden den Frühling als Auferstehen der Natur, nicht als Wehmut, son- der« als Bestätigung ihres Hoffens. Denen bringt jedes Neu- werden draußen eine Lebenswekle, und sie gehen freudig vorwärts von Sieg zu Sieg. In alter Zeit waren solche die Menschen, die man Bibel- menschen nennen kann. Darin liegt der Reiz der alten Geschichte». Es ist die Geschichte von Menschen, die fest in der Gegenwart wur- zelten, aber immer etwas zu hoffen batten; deren eigentlich Gutes allewege vorwärts lag. In den Reihen dieser wurde der große Auferstehungsglaube geboren, und man mag dazu stehen wie man will, ein belebender Glaube ist es jedenfalls. Tie einen Menschen - find mit der Vergangenheit belastet. Da heißt es wie im Märchen: Es war einmal. Diese haben es schwer und sie versinken oft genug in Verdüsterung; die anderen sind Menschen des großen Vorwärts. Von ihnen hat einmal ein alter Sänger gesagt: Sie verjüngen sich wie die Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie wandeln und werden nicht matt. Es gibt Menschen, die jedes Jahr um die Osterzeit den Augen- blick für gegeben erachten, sich über die Idee und die Wirklichkeit der Auferstehung zu streiten. Merke: Das sind ganz gewiß keine Ans- erstehungsmenschen. Laß alle streiten. Aber wenn draußen die Natur neu wird und das Leben sich entfaltet nach dem winterlichen Tode, dann laß durch deine Seele die still« Frage gehen: Wo liegt «ein.Gutes?. Liegt es bloß in der Vergangenheit, dann bift du Iübel dran. Dann laß dir von den Knospen und Blüten zurufen: Vorwärts, lerne leben, lerne hoffen. Dieses Aufraffen wird dir �helfen, dich mit zu verjüngen. Du wirst den Aufgaben der Gegen ' wart gerecht werden und dein Gutes wird dir begegnen. Liegt dein Gutes nur in der Vergangenheit, so kann es dir ja nie mehr entgegentommen. Und eins noch. Nimm dir an den alten Btbelmenschen das Beispiel, daß du voll im Heute lebst. Man kann auch in eine Zukunft träumen und darüber das Heut« verpaffen. Aber das Heute ist das Wichtigste. Aus dem Heute wird das Morgen ge boren. Wer kein Heute hat, dem tann kein Morgen geboren werden. Wir brauchen eigentlich Auferstehungsmenschen, kein Auf- erstehungsgerede. Das sind solche, die mit aller Kraft ihr Heute ausnutzen und ihm gerecht werden. Ihr Gutes wird allewege im Vorwärts liegen und ihnen einmal voll begegnen. Denen ist der Frühling keine verfliegende Wehmut, sondern ein Zeuge ihres Neuwerdens. Sie haben weder Zeit noch Lust, sich über Auf- erstehungsfragen zu streiten, aber sie find selbst Auferstehungs- menschen.* H. L. Schnüffelei und Sittlichkeit. Es gibt eine Sorte von Men- schen, die den normalen Bewohnern Deutschlands in der Pein lichsten Weise auf die Nerve» fällt. Im Namen der Sittlichkeit schnüffeln sie mit einer gewissen Dumnrdreistigkeit in öffentlichen und privaten Angelegenheiten herum. Hat in irgend einem Torf ein kleiner Bub mit den Mädchen zusaminen ein Bad genommen, flugs hat ihn ein Sittlichkeits- schnüffler beim Ohr nnd bringt ihn mit Gewalt auf Gedanken, auf die der Kleine von selber gar nicht gekonnnen wäre. Hat ein Künstler eine nachte Brunnenfigur geschaffen, kriegen die Schnüffler sofort moralische Zuckungen und schreien nach einem Lendenschurz. Wenn Goethes frohe Heiterkeit und Rubens derbe Frauen- zimmer nicht durch die Autorität der Kunstgeschichte geschützt wären, die Sittlichkeitsschnüffler hätten sie längst dem moralischen Schutz- mann ausgeliefert. Wenn hinter ihnen nichts stände als ihre eigene Narrheit, könnte man sich mit einem frohen Lachen begnügen. Die Dinge liegen aber leider so, daß sie in u l t r a in o n t a n e n Kreisen sehr einflußreiche heimliche oder offene Verbündete haben. Wir brauchen ja nur an die Lex Heinz« oder an die Umsturz- vorsage zu denken, um zu wissen, daß diese häßliche verkniffene Prüderie unter Umständen zn einem gesetzgeberischen Anschlag auf die geistige Freiheit des ganzen Volkes führen kann. Wenn das aber der Fall ist, muß man die Herrschaften schon im Auge behalten.— Ihre neueste Tat ist eine Aktion gegen postlagernd« Sendungen ohne volle Adresse. Die.Männervereine zur Be- kämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit", die im heiligenKöln tagen, haben sich an die Petitionstommission des Reichstages mit der Bitte gewandt, daß postlagernde Sendungen stets die volle Adresse des Empfängers tragen und nur gegen Postausweiskarte aus- geliefert werden möchten. Die Kommission aber hat das Schrift- stück ldem Reichskanzler„zur Kenntnisnahme" überwiesen, mit welchem Resultat der glorreiche Feldzug hoffentlich erledigt ist.— Warum sollen postlagernde Sendungen die volle Adresse des Einpfängers tragen? Die Antwort lautet natürlich:„Weil Liebesleute häufig Postlagernd unter einer Chiffre korrespondieren." Wir fragen zunächst:„Und warum sollen denn bei dieser Gelegenheit die vielen postlagernden Sendungen anderer Art gleich mit totgeschlagen werden?" Ein Mann muß beispielsweise aus wirtschaftlichen Gründen einen Erwerb suchen, der seiner gesellschaftlichen Stellung nicht recht entspricht. Er wünscht also die Sache unter der Hand zu erledigen nnd läßt sich die Angebote postlagernd kommen. Das praktische Leben schafft derartige Fälle zu Hunderten. Und nun soll es plötzlich heißen:.Zum Teufel mit dem Zartgefühl des Mannes und heraus mit der Ausweis- karte?" Das wäre! Vor allem aber: Seit wann ist ein Liebesbrief unsittlich? Die Sittlichkeitsschnüffler sind schließlich ja auch nicht durch den Schornstein gefallen. Wenn ihre Eltern keine Liebesbriefe miteinander gewechselt, bättpn wir sie nicht unter uns. Wie oft hat ein junges respektables Liebespaar nicht mit dem Wider- stand der Familie zu kämpfen I Warum in Kuckucks Namen soll dann die Grete ihrem Hans nicht postlagernd unter Chiffre treu bleiben dürfen? Und die weniger harmlosen Liebesbriefe, die a u ch postlagernd gewechselt werden? Ja, weiß man denn nicht, daß Amor ein erfinderischer Gott ist? Er läßt sich seine Wege so leicht nicht versperren! Am allerwenigsten aber auf diese Weise. Eine derartige Probe bureaukratischer Bevormundung würde lediglich das Publikum schikanieren; der geflügelte Gott aber würde nach tvie vor seine treffsicheren Pfeile versenden. Die Nasenspitze im Munde. Prof. Klopp, der bekannte Berliner Chirurg, konnte in der letzten Sitzung der Berliner Chirurgischen Gesellschaft eine amüsante Demonstration abhalten. Es handelte sich um einen Studenten, dem in einer Schlägermensur die Nasen- spitze abgeschlagen worden war. Getreu der studentischen Tradition hob der Bruder Studio, wahrscheinlich mit einer mehr oder weniger heroischen Geste, deil wertvollen Körperteil auf und verwahrte ihn bis auf weiteres in seiner Mundhöhle, um ihn frisch und lebendig z» erhalten. Er setzte also das in Praxis um, ivas Prof. Carrel theoretisch ergründet hat und was ihm den Nobelpreis eintrug: Körpergewebe dadurch lebendig zu erhalten, daß er es bei Körperwärme in einer Körperflüssigkeit konservierte. Der Student benutzte seine Mundhöhle als Thermostaten und seinen Speichel als Nährflüssigkeit dreiviertel Stunden lang. Dann wurde die Nasenspitze noch einmal in warmer physiologischer Kochsalzlösung ansgewasche», um darauf niit feinen Nähten am Nasenstumpf wieder befestigt zu werden. Die Wundheilung verlief glatt, und das Resultat war� wie die Zuschauer sich überzeugen konnten, ein vorzügliches. Mufil» Berliner Vvlkschor: Die Seligpreisungen von Cösar F r a n ck. Ob Herr von I a g o w musikalisch ist, weiß nie- mand. Aber als preußischer Junker und Polizeipräside will er dem Volke die Religion erhalten. Deshalb untersagte er Franz Liszts„Heilige Elisabeth" und Edgar Tinels„Heiligen Franziskus" als Karfreitagsaufführungen. Beide Oratorien waren ihm nicht fromm genug. Hingegen fanden Casar FranckS„Seligpreifungen" Gnade vor seinen Augen. Ilnd so bekamen wir das Francksche Oratorium zum allerersten Male in Deutschland zu hören. Da sei dem Präsidenten verraten, daß mit der Aufführung dieses Musik- Werks eine künstlerische Kulturtat vollbracht wurde! Vau A r b e i t e r s ä n g e r n für die Arbeiterklasse vollbracht! Eines schlagenderen Beweises ihrer Toleranz gegen eine Rünstschöpfniig von so ausgesprochen kirchlicher Färbung— wenigstens hinsichtlich der biblischen Textunterlage— wie Francks„Seligpreifungen" be- darf es wohl nicht. Intolerant sind doch nur die„Staatserhaltenden", weil sie von polizeiwidriger Blindheit und Borniertheit geschlagen werden! Cösar Franck, für dessen Gesänge. Orgel- und Kammer- stücke das Kestenberg-Trio sich schon mehrfach mit Erfolg ein- setzte, hat laut emem von Leo Kestenberg am der- gangenen Sonntag gehaltenen Vortrage zehn Jahre an diesem seinem einzigen Oratorium gearbeitet. Mit der christ- katholischen Verfrommungstendenz des Textes, die der Oberpolizei- behörde offenbar sehr gefallen hat, können sich aufgeklärte Arbeiter nun allerdings schwer abfinden. Aber FranckS Musik:— das ist Erhebung, nicht für Büttelohren, jedoch für feine Sinne, empfängliche Gemüter. Man staunt, daß sie eigentlich gar so wenig fran- zösischen Charakter an sich hat, eher zu sagen deutsch klingt. Es erscheint mir nicht unwichtig, darauf hinzuweisen, daß Habeneck k Aus dem flrbelterparadiefe. London, 20. März.(Eig. Ber.) Eine beachtenswerte Entwick- knng ist noch einem Berichte der..Timeö" aus Wellingjon in der neuseeländischen Arbeiterbewegung im Gange. Wie bekannt sein dürfte, bestehen zwischen der Arbeiterpartei des Lan- des, die bei den letzten Wahlen(1912) 4 Vertreter ins Parlament schickte, und den Sozialisten, die auf gewerkschaftlichem Gebiet« der Föderation der Arbeit angehören, Meinungsdisferenzen nicht allein theoretischer, sondern auch praktischer Art. Namentlich unterscheidet sich die Föderation der Arbeit von der Arbeiterpartei dadurch, daß sie ein entschiedener Feind des SchiedsgerichtZgesetzeS ist, nach dem ein wirtschaftlicher Konflikt, falls er auf dem Wege der Einigung nicht beigelegt wird, dem permanenten Schiedsgerichtshof unter- breitet werden muß, dessen Schiedsspruch absolut bindend ist, und burch Strafen erzwungen wird. Im vorigen Jahre fand nun der Streik der Goldbergarbeiter zu Waihi statt, der folgenden Ursprung hatte: Die Bergarbeiter waren mit einem Schiedsspruch des Schiedsgerichts unzufrieden und machten ihre Registrierung unter dem Schiedsgerichtsgesetz rückgängig. Dies führte zur Lostrennung der Maschinisten von dem Verband« der Bergarbeiter. Die Maschi- nisten gründeten eine eigene Organisation und ließen sich regi- strieren. Darauf traten die Bergarbeiter in den Streik, um die Auflösung dieser neuen Organisation durchzusetzen. Der Kampf dauerte vom Mai bis zum Oktober und ging verloren. Die an diese Vorgänge anknüpfende Agitation scheint die treibende Kraft einer Bewegung gewesen zu sein, die zur Bildung einer neuen Zentralorganisation mit bestimmt sozialistischen Grund- sätzcn geführt hat. Im Januar diese? Jahres berief die Föderation der Arbeit eine Konferenz ein, zu der Vertreter der Arbeiterpartei, der Sozialistischen Partei und der Gewerkschaften erschienen, lieber 80 GeWerk(«haften, darunter auch viele, �ie der FSderation nicht an- geschlossen find, waren vertreten. Diese Konferenz beschloß die Gründung einer nmwn Zentralorganisation, die für gewerkschaft- liche Zwecke den Namen United Federation of Labour(eine Der- binldung von United Labour Party und Federation of Labour) und für politische Zwecke den Namen Sozialdemokratische Partei(Social Temocratic Party) tragen soll. Im Vorwort zu-m gewerkschaft» liehen Teil des entworfenen Programms heißt es:„Die Arbeiter- k lasse und die Arbeitgeberklasse haben nichts gemein. Zwischen diesen beiden Klassen- mutz der Kampf fortfahren, bis sich die Ar- beiter der Welt als eine Klasse organisieren, Besitz von der Erde und den Produktionsmitteln nehmen und das Lohnsystem abschaffen. Anstatt des konservativen Wahlspruchs: Ein anständiger Tagelohn für ein« anständige TageSarbeit! ist unser Wahlspruch: Abschaffung dcS Lohnshstems." Das politische Ziel der Partei wird sein:„Die Vcrgesellschaftlichung der kollektiv verwendeten Produktionsmittel." In der heiklen Frage der Schiedsgerichte kcnn der Kongreß zu fol- gendem Kompromiß:„Die United Federation of Labour überläßt es gänzlich einer jeden Gewerkschaft, ob sie sich für die Zwecke des Einigungs. und Schiedsgerichtsgesetze» registrieren lassen will oder nicht;«rber in jedem Falle wird sie die Registrierung einer neuen Gewerkschaft bekämpfen, die den Platz einer Gewerkschaft, die ihre Negistration annulliert hat, einnehmen sollte, und sie wird eine Ge- setzgebung in diesem Sinn« anstreben." Bemerkenswert waren die Ausführungen deS früheren Arbeitsministers Tregear, der die Re- solution mit warmen Worten unterstützte und bemerkt«, daß er seit 20 Jahren Anhänger der Schiedsgerichte sei, jedoch nicht Anhänger eines Systems, das von den Arbeitgebern benutzt worden sei, um die größeren Gewerkschaften zu zerschmettern. Ein« weitere Reso- lution, die angenommen wurde, verlangt für den Fall, daß eine rgistrierte Gewerkschaft um Annullierung ihrer Registration ersucht hat, daß keine neue Gewerkschaft in demselben Berufe registriert werde, es sei denn, daß eine Mehrheit der ursprünglichen Gewerk- Direktor des Pariser Musikkonservatoriums war, als Franck dort seine Studien machte. Sohin hat er Wohl viel Werke deutscher Klassiker in musterhafter, selbst Wagners Entzücken erregender Wiedergabe kennen gelernt und sich tief in sie versenkt. Im Orchesterpart begegnet man zuweilen, was nicht wundernehmen wird, inancherlei Klangforben neudeutscher Meister, zumal Wagners. Franck mischt sie aber auf seine ureigene Weise. Bei ihm ist alles zuckender Nerv. Er gebietet über einen unerschöpflichen Reichtum an wundersüßen, aber auch kraftvollen Melodien, die mit seltener genialer Kunst geformt und kontrapunktlich wie harmonisierend ineinander verwoben sind. Nicht immer freilich hat er sich«ines zarten Hauches jenes katholischen Weihrauchs, der in Gounods Faustoper und LisztS„Heiliger Elisabeth" manchmal stark hervortritt, entschlagen. Im großen ganzen aber gibt er eine von jeglicher Konvention losgelöste Musik. Der Text verleitete zu ge» wissen Einförmigkeiten, die allerdings durch Wechseln der Tonart, RhythmnS und Zeitmaße fast ganz aufgehoben er« scheinen. Rein musikalisch genommen, steht wohl d«, dritte, dramatisch jedenfalls der siebente Teil am höch- sten. Die Aufführung bedurfte eines gewaltigen Apparate«; »eben dem kompletten Blüthner-Orchester sieben Äokalsolisten: Meto Zlotnicka, Julia FabriciuS, Elisabeth Christian, Paul Bauer, Karl Weiß, Anton SistcrmanS und Werner Engel; dazu den Volkschor, dessen Leistungen bezüglich des Stimmklanges, Vortrages und der Präzision gleich hoch zu bewerten sind. Man darf da gelassen von einer vollendeten Darbietung reden. Der Volkschor und sein meisterlicher Dirigent Dr. E. Zander haben iich zu altem Ruhin einen neuen vollen Kranz gewunden; und die Berliner Arbeiterschaft darf sich mit Recht dieses Unternehmens als eines aus seiner Mitte erwachsenen berühmen. v. k. Notizen. — Als Präsident der Bühnengenossenschaft wurde auf der Delegiertenversammlung Nissen mit großer Majorität wiedergewählt. Zuvor war beschlossen worden, daß der Präsident besoldet wird und seine Tätigkeit ausschließlich der Genossenschaft zu widmen hat.—- Bon sonstigen Beschlüssen ist die Gründung einer EngagementSvermit.tlungS stelle wichtig, die unent- geltlich arbeiten und den ausbeutenden Agenten allmählich der- drängen soll. — K u n st a b e n d. Im Choralionsaal findet am 29. März ein Rezitationsabend„Hebbel als Lyriker" statt. Eduard von Winterstein, Edith Thorndike und Hermann SinSheimer wirken mit. — Das Theater Grotz-Berlin wird mit Ablauf der Saison sein junges Leben als Operettentheater beschließen. Es soll Varietee werden. Auf der russischen Bücherousstellung, die vor einigen Tagen in Petersburg eröffnet wurde, können alle im Jahre 1912 im Lande erschienenen Druckschrifren besichtigt werden, und zwar sind eS 84 630 Einzelausgaben mit einer Gesamtauflage von 133 561886 Exemplaren. Der Kaufbetraa derselben beläufl sich auf 87,3 Millionen Mark. 1912 sind 2269 Bücher mehr erschienen als 1911. Die illegalen Ausgaben sind natürlich nicht mit eingerechnet, die Zahl derselben ist aber in den letzten Jahren sehr gering. Ruß« lands geistige Kost erscheint in 30—40 Sprachen. Ten ersten Rang nimmt die russische Sprache ein, alsdann folgen die polnische, lettische, deutsche, hebräische, jüdische Umgangssprache u. a. — Ej�n Prozeß, der 109 Jahre gedauert hat. Die ru'sische Stadt Wjatka hat vor einigen Tagen einen Prozeß end- güllig gewonnen, der nicht weniger als 109 Jahre gedauert hat. Es handelt sich um ein Landgut in der Nähe der Stadt und um einen zu ihm gehörigen Wall, dessen Besitz der Gemeinde Wjatka von der« schiedenen Seiten bestritten wurde. Der Rechtsstreit setzte im Jahre i 1801 ein«nd wurde erst jetzt durch ein Nrtxil des Senats beendet. fchaft in geheimer Abstimmung ihren Wunsch, sich zu registrieren. kund tut. Aus einem Bericht über den Streik der Schlächter, der im Februar ausbrach, geht hervor, daß die Arbeiter ein Mittel zur Um- gehung des Schiedsgerichtsgesetzes gefunden haben. Die Schlächter wie gewisse andere Berufe müssen in Neuseeland 14 Tage kündi- gen, che sie in den Streik treten können. Sie gaben die vorschrifts- mäßige Kündigung und bald darauf unternahmen sie die nötigen Schritte, um ihre Registrierung als Gewerkschaft, die den Bestem- mungen des Schiedsgerichtsgesetzes untersteht, zu annullieren. Das geschah natürlich, ehe die Kündigung abgelaufen-war. So konnten sie ohne sich der Strafe anzusetzen, in den Streik treten. Nach kurzer Zeit ließen sie sich wieder registrieren, um die Registrierung irgendeiner anderen von den Arbeitgebern begünstigten Organisa- tion zu verhindern. Den Arbeitgebern stand es nun allerdings frei, den permanenten Schiedsgerichtshof wieder anzurufen; aber da unter den neuen Verhältnissen der Schiedsspruch erst in 3 Monaten gefällt werden konnte, nützte ihnen das nicht viel und sie mußten sich mit den Schlächtern direkt verständigen. Aus dem Obigen geht hervor, daß in dem„Arbeiterparadies" Neuseeland das Kapital immer noch die Oberhand hat. Auch dort haben sich die Arbeiter nun gezwungen gesehen, sich zu einer klaffen- bewußten Sozialdemokratie zusammenzuschließen. Die auf der Jannarkonferenz gefaßten Beschlüsse sind allerdings noch nicht bin- dend, aber ihre Bestätigung durch die Gewerkschaftsmitglieder ist nach den Ausführungen des„TimeS"-Aorrespondenten ziemlich sicher. Beide Flügel der neuseeländischen Arbeiterbewegung, der gemäßigte wie der radikale, scheinen befriedigt zu sein.'Die radi- kal« Richtuyg betrachtet die Konferenz als einen Triumph für den Sozialismus und die United Labour Party ist froh, weil sie die teilweise Anerkennung des Prinzips der Schiedsgerichte durchgesetzt hat. Ein« im Juki stattfinidende Konferenz soll endgültige Be- Müsse fassen. Bm der Partei. Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Hollaad. Amsterdam, 20. März.(Eig. Ber.) Der 19. Parteitag der S. D. A. P. findet am 23.. 24. und 25. März zu Utrecht statt Dem Jahresbericht des Parteisekretärs entnehmen wir, daß die S. D. A. P. im Jahre 1912 um 31 Abteilungen zunahm. Ende 1912 zählt sie deren 284. Reu errichtet wurden 41 Abteilungen mit 1058 Mitgliedern, aufgehoben wurden wieder 18 mit 202 Mitgliedern, sodaß die da« ganze Jahr hindurch bestehenden Abteilungen um 2017 Mitglieder stiegen. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt 16 667 gegen 12 592 im Jahre 1911. Die Abonnentenzahl von.Het Volk", de? einzigen Partei« tageblattes, stieg im Jahre 1912 um 9 117 Leser. Wochenblätter zählte die Partei 1912 21 gegen 19 im Jahre 1911. Weibliche Mitglieder hatte die Partei 2047 im Jahre 1912 gegen 1500 im Jahre 191O An Mitgliederbeiträgen wurden 7086,09V, Gib. im Jahre 1912 eingenommen gegen 5400,63 Gib. im Jahre 1911. Der Broschürenhandel gab 767 050 Broschüren und Flugschriften heraus und hatte einen Umsatz von 11790,35 Gld. Die Jugendorganisation liegt noch im argen. ES gibt deren erst 10 mit nur wenig Mitglieder. Zusammen 22 sozialdemokratische Abgeordnete fitzen in den Provinzialstaaten von 4 Provinzen; in 75 Gemeinderäten haben 185 Sozialdemokraten als Gemeinderaksmitglieder einen Sitz inne. Genosse Karl Liebknecht in Belgien. Brüssel, 20. März.(Eig. Ber.) Gestern sprach hier Genosse Dr. Karl Liebknecht in einer vom Deutschen Arbeiterverein in Brüssel veranstalteten Versammlung über.Die politischen Zustände in Deutschland". Der Vortragsraum— der weiße Saal im.Maison du Peuple"— war von einem internatio« nalen Publik»»!, zu dem die deutschen Arbeiter das größte Kontin« gent gestellt hatten, dicht gefüllt. De» Tag darauf sprach Liebknecht in einer Versammlung deS Deutschen Arbeitervereins in Antwerpen über „Sozialismus und Arbeiterklasse". Auch in der dortigen Ver- saminlung, die etwa von 1200 Personen besucht war. fand der Vor» tragende für seine belehrenden, die Arbeiterilasse zu Mut und Selbst- bewnßtsein anfeuernden Worte Beifall und Anerkennung. Bei dieser Gelegenheit möchten wir die deutschen Arbeiter auf die deutschen sozialistischen Organisationen in Belgien aufmerksam macheu. Der Brüsseler, der Genter, der Antwerpen er Deutsche Arbeiter- verein bieten den ankommenden deutschen Genossen nicht nur praktische Borteile aller Art, sondern geben ihnen auch die Möglichkeit, sich im Auslände weiter zu bilde» und für den Sozialismus zu wirken. � Wir verweisen da insbesondere auf die vorlcessiiche Einrichtung des Lesezimmers im Brüsseler V o l k s h a u s, das von Genossen der belgischen Partei und des Deutschen Arbeitervereins verwaltet wird. In dem schönen, freund« lichen Saal, der in den Abendstunden geöffnet ist, liegen die hauptsächlich st en Blätter der deutschen und ö st e r r ei ch i s ch e n Partei, die sozialistischen wissenschaftlichen und Bildungsorgane und etliche deutsche Kunstzeitschrrsten auf. Die Bibliothek des Brüsseler Deutschen Arbeitervereins wird immer aufs neue mit den beste» Erscheinungen auf sozia« listischem und belletristischem Gebiet aus« gestattet. Auch die anderen erwähnten deutschen sozialistischen Organisationen bieten durch ihre Borträge und Bibliotheken den deutschen Genossen mannigfache Anregung und Belehrung. Kein nach Belgien auswandernder Sozialdemokrat verabsäume eS, fich sofort in die betreffenden Organisationen einschreiben zu lassen, um jo auch weiter dem internationalen Verband der Sozialdemokratie anzugehören._ Liste deutscher Sozialdemokratischer Bereiue im Auslande. Aufgestellt von der SuSlnnftSstelle der im Auslände lebenden Sozial« demokraten deutscher Zunge. Sekretär: Josef Schleyer in ISn�bivn-Dss-Baiue 3. et 0.) bei Paris, 14 Boulevard d'Engbien. ß a r i S; Deutscher Sozialdemokratischer Leseklub, 49 Eue de Bretagne. Nancy(Frankreich): Elsaß-Loihr.Arbeiterverein, 5 Eue du Euisseau. Belsorl(Frankreich): Deulscher Sozialdemolrotischer Lese« und Unterhaltungsverein,(Zake Spony, Eue Voltaire. London: Kommunist. ArbeiterbiloungSverein, 107 Charlotte Street, Fitzroy Square. 2 r i ch: Sozialdemokratische Landesorganisation der Internationalen Arbeitervereine in der Schweiz, Reumarlt 5. Zweig vereine in allen bedeutenderen Orten der Schweiz. Brüssel: Deutscher Arbeiterverein, Maison du Peuple, Eue Joseph Stevens. Liege: Deutscher Arbeiterverein, 36 Eue de l'enkloe. Antwerpen: Deutscher Arbeiterverein, St. Pieters Vliet 8. Turin: Internationaler Leseklub, Camera del Lavoro, Corso Siccardi 12. Mailand: Deutscher LrbeiterbildungSverein. Camera del Lavoro, Via Manfred, Fanti 19. Kopenhagen: Deutscher Sozialdemokratischer Berein.Borwärt»", 3 Xnabrostaede. Chr istiania: Deutscher Sozialdemokratischer Klub„BorwärtS", 1 Crundsen. Stockholm: Deutscher Sozialdemokratischer Verein.Vorwärts", Folkets Hus. Amsterdam: Deutscher ArbeiterbildungSverein, Hotel Deutscher Hof, 66 Warmoestr, New Dort(Vereinigte Staaten von Nordamerika): Deutsche» Staats- Agitationskomitee, 243—247, 34 th Street. Zweig» vereine in allen bedeutenderen Orten der Vereinigten Staaten. — Arbeiter- Kranken- und Sterbekasse für die Bereinigten Staaten, 243 Zweigvereine in 24 Staaten des Landes verteilt. Haupt« bureau 1. 3 th Avenue. Newark(New-Jersey, Ver. St.): Branch I(deutsch) der Social. Partei, 449, 9th Street. Chicago(Illinois. Ver. St.): Deutsches Zentralkomitee, 418, E. Clark Street. Stauton(Illinois, Ver. St): Macoupin County, Deutsche Sozia« liftische Branch, Staunton Box 618. L i v i n g st o n(Illinois, Ver. St): Madison County. Deutscher Verein, Box 67, Frank Cerne's Halle. New Bedford(Mass., Ver. St.): Deutscher Arbetterverein, 249 Finkham Avenue. Springfield(Mass., Ber. St.): Deutscher Sozialisttscher Klub „Sooialist Party", 6 Warren Avenue. Toluca(Mexiko): Gruppe deutscher Sozialdemokraten, 78 Avenue Hidalgo. Buenos Aires(Argenttnien): Asoeiaeion„Vorwarte", 1141 Eincon. Melbourne(Australien): Deutscher Arbeiterverein, ExhiKitkrn Hotel, Exhibitjon Street. polizeiliches,©ericbtliches ufw, Redakt eurfreudtu. Das Schöffengericht in Bremen verurteilte den derantwort- lichen Redakteur der.Bremer Bürger-Zeitung". Ge- noffen Schwarz, wegen Beleidigung des Redakteurs Kunath von den.Bremer Nachrichten" zu drei Wochen Gefängnis. Der Staatsanwalt der die Anklage erst auf Anordnung der Oberstaats- anwaltschaft erhob, hatte 100 M. Geldstrafe beantragt Die Be« leidigung wurde in einigen kräftigen Ausdrücken erblickt, mit denen unser Parteiblatt den Kläger bedacht hatte. Seit 1907 hat zum erstenmal wieder ein Bremer Gericht in einem Prehprozeß auf Ge« fängnisstrafe erkannt_________ Hus der frauenbewegung. Ostertag. Ostern I Auferstehungstag 1 Im Schöße der Erde keimt es und treibt, junges Leben drangt wagemutig zum Lichte. Die dunkle Pforte wird gesprengt und der Erlöser Frühling tritt in die Welt, mit vollen Händen Freude und frisch» leuchtende Pracht über die kahlen Fluren streuend. TS ist keines Mcnscben Seele so trübe und dumpf, kein Herz so verbittert und zerriffen, daß sie nicht— sei'S noch so leicht nur— im Lenz von lichter Hoffnung bewegt würden. Und wo Millionen zage, zitternde Flämmchen zusammenschlagen, da gibt es helle lodernde Flammen, leuchtenden Opferbrand auf dem Altar deS wiedererwachenden Lebens. Erwachendes Leben, das bedeutet frische Kraft, neuen Mut zu neuem Kampfe. WaS in Wintersnacht erstarrt für tot gegolten, waS in dunkle Träume gebettet lag, da« ist jetzt da, es lebt, es drängt zur Tat mit kühnem Umgestüm. ES springt im Liebe über trotzige Lippen, es bläst toten Lettern glühenden Odem ein, es pocht in den Adern und strafft die MuSleln, es macht gebeugte Gestalten sich recken und hebt gesenkte Stirnen zum Lichte. Wem stünde eS wohl besser an das Fest des Frühlings und der Hoffnung freudig zu begehen, als den F r a u e n. aus derem Schöße die Mensckiheitsyoffnung immer neu geboren wird? Sollten sie nicht festlich geschmückt und jubelnd zum Tempel ziehen, die gleich der ewigjungen Mutier Erde immer neuen Lenz, neue Kraft und immer neue Schönheit hervorbringen? Sie wandeln aber nicht jauchzend zum Tempel, um Feste zu feiern. Sie ziehen in endlosem düsteren Zuge der Schädelstätle zu, auf der täglich die Frucht ihres Leibes ans Kreuz geschlagen wirdun!» 1000 Schwerter gehen durch ihre Seelen. Das ist der Fluch: Noch jeder Osterzauber freundlich und licht ward den Völkern mit dem finsteren Mummenschanz frommer Mär- lein verkleidet, daß sie seine rechte Deutung nicht finden sollten. Noch jede Frühlingshoffnung der Armen ward verraten verkauft und von feilen Schergen erdrosselt und in die Grube geworfen. Und das ist der Segen! So stark war noch keine Gewalt der Herrschenden, daß sie es hindern tonnten, daß die Gruir fich öffnete, wenn die Zeit erfüllet war. So wirksam noch lein Pfaffentrug, daß er die Sehnsucht nach Auferstehung aus aller Not und aller Oual in den Herzen der Enterbten hätte mit dem letzten Keim ver- nichten können. Immer kräftiger blühte sie empor, von Groll und Bitterkeit genährt, von stummen Tränen befeuchtet und mit ihr wuchs der Wille ouS eigener Kraft dem Karfreitagsweh ein Ende zu bereiten, daß ein lichter Ostermorgen kommen möge. Der Kapitalismus war es— nicht ein gottgesandter MessiaS— der das Schicksal der unterdrückten Millionen gewendet hat. Er warf sie aus dem allen Gleise, in dem sie jahrhundertelang fürbaß getrabt— Männer, Weiber und Kinder. Er zerstörte mit roher Hand was ihrem Leben einst Inhalt und Form gab. Das Elend, der Jammer, das Leid, die je an den Einzelnen heran- getreten, sie wurden in tausendfältiger Gestalt über die Massen ausgeschüttet. Kains Brudermord, der Mord der un« schuldigen Kindlein' sie sind im Kapitalismus zur gesetzmäßigen Ein- richtung geworden. Tausend eiserne Arme streckt er aus und zer« malmt fühllos, die sich in ihnen sangen. Giftigen Atem speit er der Menschheit ins Angesicht und verwüstet die Blüten an ihrem Baume. So bringt er die Kurzsichtigsten zum Sehen, die Stumpf« sinnigsten zum Denken, die Faulsten zum Handeln. So hat er in den Menschenmüttern den Mut wieder erweckt, den das Tier im Walde nie verlor: alle Waffen zu gebrauchen, um die hilflose Brut vor Leid zu bewahren. Sich selbst zu befreien, um in segensvollem Wirken der Zukunft ein starkes, glückliches Geschlecht heranbilden zu können. Geburtenrückgang. Angesichts der lebhasten Diskussion über die Ursachen des Geburtenrückgangs, zu dessen Behebung so überaus verschieden« Mittel vorgeschlagen werden, hat der Bund für Mutter- schütz, Ortsgruppe Berlin, eine Petitton an den Staatssekretär des Innern gerichtet, die bisherige deutsche Geburten st atiftil nach dem Muster der französischen so zu erweitern, daß die Verleitung der Kinderzahl auf die Ehen, nach dem Lebensalter des Vaters, der Mniter, der Dauer der Ehe, die Fehlgeburten, der etwaigen schweren Ertrankungen deS Mannes und der Frau, die Verteilung der Zahl der Geburten, auf die Zahl der Ehefrauen und der lebenden weib- lichen Personen im gebarfähigen Alter überhaupt, die verschiedenen BevöllerungSgruppen nach den Provinzen. Stadt und Land, Stand und Beruf der Eltern. Nattonalltät der Eltern. Einkommenstufe der Familie usw. erkannt werden können.— Erst auf Gruud einer der« artig vervollkommneten Statistik wird e« möglich sein, die hier zu« gründe liegenden Tatsachen, Ursachen des Geburtenrückgangs wirklich zu erkennen._ Leseabende. Brih-Luckiw. Mittwoch. 26. März.>/,g Uhr. bei Becker, Chausseestr. 97.' Genossin M. Böhm über: Unsere BolkSsSule. Köpenick. Mittwoch, den 26., 8>/, Uhr. bei Lehmann, Bahnhofstr. 44. Bortrag der Genossin Emma Reschke. Eingegangene Druckschriften. Geschlecht und Sitte im Lebe« der Böller, von A. Seidel. Mit Jllustralioiien. H Bermühler Verlag, Berlin. 19 SR. «riftoteles Politik. Von Dr. E. RolscS. 4,40 SR., geb. 6 SR. F. Aieiner. Leipzig. Arno Holz und seine künstlerische, weltknlturellc Bedeutung. Bon R. Reg. 233 S.(£. Reißner, Dresden. DaS Eise« im Feuer. Roman von C. Viebig. S. Fleischt«. SS.» Berlin V. S. 5. M. Garbai für Qualiiaisraucher Verlobte! Komplette 130 Teile... Mk. 85.- 200..... 75.- 300....„ 150.— Aufstellung a. 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Man verlange i. eigenen Interesse aufklärende. 48Seiteu starke Broschüre mttBcschreibung der betr.Krankheite«. ihrer Folgen u.d.versch. Heilmethoden gratis u. frauko im verfchlofl.«uvert. Okem.-mlkreskop. kadoeetorliim fflr Harn, und Blutunttrauohungea. Ehr lich-Hata-Kuren°Nh?«NchV; nach neneatem erprobtem Verfahren. Der nächste Herrenforlrag abends l/,10 Uhr. in den Armtuhalleu. Kommandanten. strafte 58/59, über: Harnleiden, wirksame und lurpsuscher. haste vebandluna»« Phplieh lleko o.U Demonstrat. an nawr. Methoden, serner über tUI IILU'UAIA getreuen Wachsmodellen. StF" Eintritt frei.— Fragebeantwortung.-Mstl Ztrsbßsnclorff* Handelsakademie Z Szöhtee und vornehmstes Institut Berline. Oege. tSZO. denth- W> stroK 10 and lt. nahe Sptttelmarkt, l., II., III. Stage. Am 3. April bceiunsu Halbjahre», nud Iahrestaese, vesbundeu mit»ealtilcheM g— übungltonlot|ur CuStithuag all tiuchhaltertu, KeschöftlKeua, WW grapdiu, eurealiteamtln, starresvandlutln, Sasfietetlu. Wächeutllch mm 30 StunheR. Monatlhvnorar M. 20,—, elnschllehlich ftremvsprachen WW M. 25,—. velanbete Kurse sür Dameu, die«lue höhere Töchter- mn schule besucht haben, ine Suiblldung all chelchistlfteaairaddia und rn Karrespandenti» sür fremde Sprache». Wöcheutllch 30 Stund«». W> Monatlhonarar elnschllehlich ssremdsprache».«agllfchee and franzisl- scher Stenographl« nnd Maschinenschreibe» sTasisdße») M. 25,—. WW Aonbelelnes« ff« Herren. Biertel,, Halbiahrel,»nd Iahe.«Urse. Höher« Halbjahrellurse sür Herren, dl« Im Lefihe del EinjZhriien- DD leuzniffel sind. Ausführlich« LehrplSne mit Anaabe der Unterrichtohonorore. Dauer und Tehrfächrr der DD verschiedenen Kurse kostenlos. rae5ie 0amentue!ik..dw.r.odt und kordlg... dleier»ON �»o KostUmstoffeÄss; neuesten vessln». Mir. ton» an Blaue Kammgarne«M Prima-Qualität, Meter von v an BlaueKammg.-CheUVn 2« Futter- Seide Satln-Futter und Besatzartikel etc. Sämtliche Stoffe sind nadelfertig und 180 cm breit KÜi' Pal6t0tS tob oobwan. 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KeilM des„Dsmarts" Kerlim Aldsbllltl* 23» l�itcrarifchc Rundfchau. Riftonfdje Literatur. 1. Fr u- kunft cntgcgenfübrt. Unter ihm fochten Helden für die Sache der Menschheit, deren Emanzipa- tion nicht in einem Jahr nach tausendjähriger Entwürdigung erkämpft werden konnte, die vielleicht erst beginnen würde, nachdem der Feldherr vom Schauplatz abgetreten... Darum haben deutsche Truppen nicht als blinde Werkzeuge in leidendem Gehorsam unter Napoleon gefochten. Sie dienten dem Geist des Jahrhunderts... Fragt nicht bei den Schul- Meistern, die immer nur das Vergangene in ängstliche Ueber- legung nehmen, und der Zeit, die vorwärts schreitet, den Rücken kehren. Fragt nicht bei den alten Neichsrittcrn, die, um ihre Fallehne besorgt, die große Idee des(gecinigten) Vaterlandes für revolutionären Umtricb halten. Fragt die Männer, die in zwanzig Schlachten den Flügel des Genius rauschen gehört, welcher die Wiedergeburt der Völker verbürgt. Diese werden euch antworten, ob sie die Siege für schmachvoll balten, dit sie � als Soldaten des Rheinbundes erfochten haben. Noch heute feiern sie die Tage des Ruhmes, der sie über die Finsternis der Fcudalzeitcn in das Morgenroth eines neuen Lebens erhob." Und Heinrich von Kleist, der diesseits der Jahre 1813, 1814, 1815 stand, meinte 1809 angesichts der österreichischen Erhebung von 1809, die den Geist von 1313 vorbereitete: „Was gilt es in diesem Kriege? Gilt es, was eS gegolten hat sonst in Kriegen, die geführt lsordcn sind aus dem Gebiet der unermeßlichen Welt? Gilt eS den Ruhm eines jungen und unternehmenden Fürsten, der in dem Duft einer lieblichen Sommernacht von Lorbccrn geträumt bat? Oder die Genug- tuung für die Empfindlichkeit einer Favoritc, deren Reize, vom Beherrscher des Reiches anerkannt, an fremden Höfen i» Zweifel gezogen worden sind?... Gilt es ins Feld zu rücken van beiden Seiten, locnn der Lenz kommt, sich zu treffen mit flatler»- den Fahnen, und zu schlagen und entweder zu siegen oder wieder in die Winterquartiere einzurücken? Gilt es eine Provinz ab- zutreten, einen Anspruch auszufechten, oder eine Schuldsordc- rung geltend zu machen, oder gilt es sonst irgend etwas, das nach dem Wert des Geldes auszumessen ist...? Eine Ge- meinschaft giltes, deren Wurzeln tausendästig, einer Eiche gleich, in den Boden der Zeit eingreifen...; eine Gemein- schaft, die unbekannt mit dem Geist der Herrsch- sucht und der Eroberung, dos Daseins und der Duldung so würdig ist, wie irgendeine; die ihrenRuh m nichtein mal denke ntaun.siemüßtc denn den Ruhm zugleich und das Heil aller übrigen denken, die den Erdkreis bewohnen; deren ausgelassen st er und ungeheuerster Ge- danke noch, von Dichtern und Weisen auf den Flügeln der Einbildung erschwungen, II» i c r- werfuug unter einer Wcltrcgicrung ist. die in freier Wahl von der Gesamtheit aller Brüder- Nationen gesetzt wäre...." Auch das sind Dokumente der deutschen Erhebung. Wilhelm Havsenst« i n. Der Zentralverbaod«leuticher Ronfum vereine Im Zahre 1912. Die Zahlen der BerbandZstatistik liegen nunmehr vollständig bor und gestatten ein Urteil über die Erfolge der deutschen Konsumenten organisationen im Jahre 1912. Es darf kurz in den Satz zusammen� gcfastt werden, dast auch die kühnsten Erwartungen übertroffen wurden. Die im Zentralverbande deutscher Konsumvereine zusammen- geschlossenen Konsumvereine, Arbeits- und ähnlichen Genossenschaften, GrosteinkaufSgesellschaft deutscher Konsumvereine und Verlagsgesell- schaft deutscher Konsumvereine erzielten an Umsatz ISt l 1912 im eigeuen Geschäft..... 475 789 250 M. 571 214 179 M. im Lieferantengeschäst..... 30 322 037, 31 764 920, demnach Gesamtsumme des Bnillo- Umsatzes........ 506 011287, 602 979 099, Es betrug 1911 1912 der Bruttoertrag....... 72172 415 M. 84 045 409 M. die Geschäftslasten....... 48 744 412, 58 170 132„ die Erübrigung....... 23 430 746, 25 883 579. Einen ganz wesentlichen Anteil an der ungewöhnlich starken Umsatzsteigerung hatte die Eigenproduktion. Es betrug der Erlös der in ihr hergestellten Waren: 1911 1912 Eigenproduktion....... 80 990 422 M. 103 956 053 M. Auch die Schar der in den GenosseuschastSbetrieben des Zentralverbandes beschäftigten Personen vermehrte sich. Ihre Zahl betrug: 191 1 1912 in der Warenverteilimg...... 16 882 20 119 in der Warenherstellung...... 5 057 6 282 Summa. 21939 26 401 Gleichen Schritt hielt natürlich die innere und äußere Kräftigung der Vereine, wie sie sich aus der Bilanz ergibt; sie schloß ab in 1911 1912 Aktiven und Passiven...... 206 885 932 M. 256 231 976 M. Von den einzelnen Posten der Bilanz seien hervorgehoben: 1911 1912 Kassenbestand........ 5 573 166 M. 6 050 969 M. Bankbestand......... 49 965 273. 56 863 291„ Zinsbar angelegte Kapitalien, Wert- Papiere usw......... 47 961 131„ 66 537 460, Geschäftsinveirtar....... 13 543 640„ 15 242 348, Grundbesitz......... 74 069 646„ 88 440 893. Geschäftsguthaben der Mitglieder. 27 835 764„ 30 923 671, Ne'ervefonds......... 10 740 181, 12 540 416, Sonstige Fonds........ 9 944 989„ 12 571 774, Anlehen und Spareinlagen.... 60 794 510„ 85 308 086, Hhpothekcnschulden....... 36 778 775„ 41 979 697„ HauSantcile der Mitglieder.... 5 486 228„ 5 760 674, Den Mitgliedern flössen zu: 1911 1912 Kapiialdividende....... 582 814 M. 704 290 M. Rückvergütung........ 18 529 589, 20 036 931„ Fester Rabatt........ 9 064149, 12 446 078. Lieferantenrabatt....... 1 196 700, l 396 782. Auch die kommenden Aufgaben wurden nicht vergessen. Es wurden überwiesen: 1911 1912 Dem Reservefonds 1 466 387 M. 1 759 206 M. Bau-, Produktions- u. sonst. Fonds 1 753 395, 2 179 395, Auf neue Rechnung...... 289 025, 356 091, Endlich wurden ausgeschüttet: 1911 1912 Zu gemeinnützigen Zwecken usw.. 810046 M. 853 342 M. Bei den Konsumvereinen betrug 1911 1912 die Zahl der angeschl. Vereine.. 1 141 1 155 die Zahl der berichtenden Vereine. 1 134 1>28 die Mitgliederzahl....... 1 313 422 1483 811 der Umsatz im eigenen Geschäft.. 355 503 975 M. 423 145 111 M. der Umsatz im Lieferantengeschäft. 29 898 138, 31 321 421„ die Eigenproduktion...... 62 891 990, 83 871 263„ Die Konsumgenossenschaftliche Rundschau bemerkt dazu: Reichlich 170 000 Mitglieder und fast 70 Millionen Mark Um- katz inehr, dazu ein Zuwachs in der Eigenproduktion von 21 Millionen Mark— daS ist ein Ergebnis, das jeden Genossenschafter mit Freude erfüllen muß! Interessant ist die Statistik über die Berufsverhältnisse der Mitglieder. In allen Gruppen ist eine Steigerung zu verzeichnen. Das ist ein Beweis dafür, daß das Bedürfnis nicht nur in allen Volksschichten, sondern auch das Verständnis für die Genossenschafts- bewegung vorhanden und trotz aller feindseligen Machenschaften im Wachsen begriffen ist. Wenn zum Beispiel die Zahl der selbstän- digcn Gewerbetreibenden ungeachtet der mit Hochdruck betriebenen MittelstandShctzc noch um 5 Proz., die der selbständigen Landwirte gar um 24 Proz. st'eg, so zeugt aas nicht eben von der sieghaften Kraft der Argumente jener Leute, die im Konsumvcrcinswesen den Todfeind des selbständigen Mittelstandes bekämpfen. Im Gegenteil — angesichts solcher Ergebnisse kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß nicht trotz, sondern im Gegenteil wegen der jrnehr intensiven als klugen Angriffe der Mittelstandsretter auf die Konsnmvereinc letztere über so staunencrregende Erfolge quittieren dürfen. Jedenfalls entfalten die Feinde der Konsumgenossenschafts- bewegung für diese unfreiwillig eine äußerst wirksame Propaganda. Hus Induftm und Handel. Ludwig Loewr. Neber den Einfluß des B a l k a n k r i e g e s auf die allgemeine Geschäftslage berichtet das Unternehmen:.Trotz der politischen Beunruhigung und der Anspannung des Geldmarktes in der zweiten Hälfte des vergangenen JahreS haben wir einen ungünstigen Einfluß auf unser Arbeitsgebiet nicht feststellen können. Wir haben im Gegenteil eine wesentliche Steigerimg unseres Umsatzes und des Einganges der Aufträge im Vergleiche zum Jahre 1911 zu ver- zeichnen. Dabei ist nur ein verhällniSmäßig geringer Teil der Ver- mehrung unseres Absatzes in Werkzeugmoschtnen auf die lebhaftere Beichäftigung aus der Kriegsmaterialiudustrie zurückzuführen, denn unser« Lieferungen für staatliche und private Waffensabriken über- schritten nur wenig den Umfang früherer Jahre. Dcr Abschluß de« Unternehmens für 1912 zeigt gegenüber den beiden Vorjahren folgendes Bild: 1912 1911 1910 Mark Mark Mark Gewinn auS Fabrikation und Beteiligung.... 3 676 664 3 290 920 3 037 826 Miete«........ 181 512 138 728 104 780 Zinsen....... 146 441—— 4 004 617 3 429 648 3 142 606 Unkosten....... 576 040 Zinsen........ 528 425 Abschreibungen..... 1 355 232 Ueberschuß....... 1 544 919 Reingewinn.... 1616386 Dividende..... 1 350 000 Prozent........ 18 Die Einnahmen sind gegenüber 1911 um 600 000 M. gestiegen. Die GeschäftSunlosten ersithren dagegen einen Rückgang von 40 000 M. Obgleich die Abschreibungen um 383 000 M. erhöht wurden, erfuhr der Ueberschuß der Gewinn- und Verluftrcchnung und der Reingewinn noch Erhöhungen. An Dividende werden wie im Vorjahre IS Proz. d. h. 1,35 Millionen Marl ausgeschüttet werden. 617 477 648 514 330 200 322 623 972 787 858 230 1 539 184 1 313 239 1 601 332 1 376 992 1 350 000 1 200 000 18 16 Zum Rückgang des FebruarabsatzeS macht das R h e i n i f ch- W e st f ä l i f ch e K o h l e n f y n d i k a t folgende Mitteilungen: Der Verlauf der Abfatzverhältnisie des Berichtsmonats kann, wenngleich der Absatz in Kohlen und Briketts gegen das vormonatige Ergebnis eine Abschwächung erfahren hat, im allgemeinen als befriedigend bezeichnet werden. Der ein- getretene Rückgang in Kohlen und Briketts ist zum Teil auf den geringeren Bedarf.für Hausbrandzwecke, zum Teil darauf zurück- zuführen, daß im Vonnonate größere Menge» zur Auffüllung dcr infolge des WagenmangelS im letzten Viertel des Vorjahres in den Vorräten der Verbraucher entstandenen Lücken bezogen wurden, während sich der Abruf im BerichtSmonate im wesentliche» auf die Deckung des laufenden Bedarfs beschränkte. Im Gegensatz zum Kohlen- und Brikettabsatz hat sich der Koks- absatz in steigender Richtung bewegt und das bisherige arbeitstägliche Hvchstergebnis des Vormonats ist noch überschritten worden.— Im Elsenbahnversande niachte sich vorübergehend Wagen- m a n g e i bemerkbar. Auch der Versand über die Rheinhäfen wurde zeitweise durch Ueberfüllung der Hafenbahnhöfe und durch Erschwerung dcr Ueberladung infolge von Frostwetter gestört. Jminerhin hat sich die Schiffsabfuhr von den Häfen auf der vor- monattgen Höhe gehalten. In der Zechenbesitzerversammlung des Syndikats wurden die Beteiligungsanteile für Koks mit Rücksicht auf die am 1. April wachsende Beteiligung auf 85 Proz.(bisher 90 Proz.), und für Briketts auf 90 Proz.(bisher 85 Proz. festgesetzt. Für die Be- teiliguug in Kohlen tritt eine Aenderung gegen den bisherigen Zu- stand nicht ein, da der Vorstand die Schätzung dcS Gesamtabsatzes auf 105 Proz. auch für April aufrecht erhält. Zur Finanzierung der Kaffcevalorisation hatte der Staat Sao Paulo mit Hilfe der europäischen Hochsinanz größere Anleihen auf- genommen, um die Kaffeebestände aufkaufen zu können. Ein nicht geringer Teil der Kaffeevorräte befindet sich noch in Besitz des Staaies. Die damals aufgenommenen Kapitalien können infolge- dessen noch nicht entbehrt werden. Da am 1. Juli d. I. ungefähr 4>/, Millionen Pfund Sterling 1908 er Anleihe und 3 Millionen Pfund Swrling Schatzwechsel fällig werden, muß der Staat von neuem Kapitalien in der genannten Höbe aufnehinen. Er wird im April 7>/z Millionen Pfund Sterling aus 10 Jahre zu 5 Proz. etwas unrer vari ausgeben. Davon sollen 4 Millionen in London, 2>/z Millionen in Paris und 1 Million in Deutschland aufgelegt werden. Soziales. Eine neue preußische Hinterlift gegen die'LwbnnngSrefsrm. Bei den Debatte« über die Wohnungsreform vor einigen Wachen im Reichstag spielte, wie erinnerlich, der Gegensatz zwischen Preußen und dem Reich die entscheidende Rolle. Es wurde»n- widersprochen festgestellt, daß die vom Reich geplante Schaffung eines RcichSwohnungsaufsichtsgefetzeS durch den Einspruch Preußens vereitelt worden ist. Preußen selbst beeilte sich, einen Entwurf eines eigenen WohnungSaufsichtSgesetzes zu veröffentlichen. Ein Blick in diesen Entwurf erklärte sofort auch den Grund, der Preußen zu diesem Einschreiten gegen das Reich veroulaßte: Preußen glaubte auch in diesem Falle seine Agrarier, Land- wie Hausagraricr, schützen zu sollen, die natürlich durch ein Reichsgesetz etwas fester gepackt worden wären, als das in Preußen gefcheben kann, wo sie allmächtig find. Die Wirkung dieses ganzen preußischen Eingriffs war nun, daß der Staatssekretär des Innern, Dr. Delbrück, unter dem Drängen namentlich der sozialdemokratischen Abgeordneten, erklärte, daß das Reich nunmehr die WohnungSreform an einem auderen Zipfel, als denjenigen des RcichSmifsichtSgei'etzes, anpacken »erde, lind zwar werde die Arbeit am besten auf dem Gebiet der Regelung des Htzpothekenkreditwesen» einzusetzen haben. Da daS Gebiet aber ziemlich verwickelt und verzwickt fei, so würde die Arbeit einzuleiten sein durch die Einberufung einer Kommission, bestehend auS Sachverständigen, Parlamentariern und Regicrungs- Vertretern, die die Materie zunächst einmal vorzubcratcn haben würde. Die Kommission solle über den Sommer tagen, so daß das Gesctzesmaterial schon zu Beginn der Hcrbstkampagne dem Reichs- tag einigermaßen gesichtet vorgelegt werden könne. Nunmehr aber wird eine sehr eigentümliche Nachricht bekannt. Im preußischen Abgeordnetenhaus gibt es unter anderem eine ständige„Gemeinde- kommisston". Diese hielt vor einigen Tagen eine Sitzung ab, in der sie über eine Petition dcr Haus- und Grundbcfitzervercine be- treffs Hebung des Realkredits und Errichtung von Hausbesitzer- kommern, sowie über eine Petition der Gemeinde Fricdcnau-Berlin um Errichtung städtischer Pfandbriefanstalten auf öffentlicher Grundlage beriet. In dcr dabei gepflogenen Debatte erklärte nun — und das cb-ln ist das Eigentümliche und lleberraschende— der Vertreter der preußischen Staatsregicrung, daß demnächst eine Kommission von Sachverständigen zur Besprechung dieser Angelegen- heit einberufen werde. Daraufhin wurde Uebcrweisung als Diaterial beschlossen. WaS bedeutet nun die Erklärung des Regicrungs- Vertreters? Nicht mehr und nicht weniger, als daß sich hier das- selbe Spiel zwischen Prenßen und dem Reich, oder, um es in Per- sönlichkeiten zu formulieren, zwischen Dallwitz und Delbrück, zu wiederholen beginnt, wie bei der Frage der Schaffung eines Woh- nungsaufsichtsgesetzes. Nachdem Preußen die Schaffung eines solchen durch das Reich unmöglich gemacht hat, will es offenbar auch eine reichsgesetzliche Regelung des HypothrkenkreditS verhindern. Es glaubt das Ziel dadurch zu erreichen, daß es eine preußische Konkurrenzkoulmiffio« schleunigst einzuberufen beschließt. Das ist Obstruktionspolitik schlimmster Art. Preußen hat offenbar ge- merkt, daß die WohnungSreform unaufhaltsam auf dem Marsche ist. Nun es sie nicht mehr ersticken kann, will es sie wenigstens im Interesse seiner Agrarier beiderlei Farbe möglichst verkrüppeln, indem es das Reich an jeglichem Eingreifen verhindert. Es dürfte erwünscht sein, auf diese neue preußische Hinterlist bei der dritten Lesung des Etats des Reichsamts des Innern ausführlich zurück- zukommen. Armer Bernhard! In seiner Schrift..Unerwünschte Folgen dcr deutschen Sozial- Politik" zeichnet Professor Bernhard ein recht düsteres Bild körper- licher, moralischer und seelischer Verkommenheit als Folge der deut- scheu Arbeitervcrsicherung. Besonders die Unfallversicherung soll geradezu moralisch verwüstend wirken und dadurch auch zu einer körperlichen Degeneration fübren. Um eine Rente zu ergattern, würden von Unfallverletzten Nachwehcn der erlittenen Verletzungen simuliert. Eine wahre Rentenseuche mache sich breit. Und aus der Rentcnsucht erwachse dann die Renteuhtzsterie. Die Gier nach einer unberechtigten Rente wirke suggesttv, ftibre zu einer Erkrankung des Seelenlebens, woraus weiter auch körperliche Nachteile er- wüchsen. Die Rentenhysterie, als Folge dcr weitverbreiteten Rcntcnsuchi, degeneriere moralisch, seelisch und körperlich. Und vor allem: sie macht die Bcrufsgenosseuschaften zu Objekten der Plündersucht der Unfallverletzten! Zwar kann Herr Professor Bern- hard den Beweis für seine Behauptungen nicht erbringen, aber er will doch nicht erlauben, anzunehmen, sein soziales Gemälde sei das Erzeugnis einer blühenden Scharftnacherphantafic. O nein, die Aerzte, die das statsitifchc Material darüber verarbeiteten, waren nicht gewissenhaft genug. Der ehemals mit einem Tropfen sozialen Ocls gesalbte Universitätsprosessor muß den Berufenen erst das GÄvissen schärfen; vielleicht gelrnnut man dann für seine Theorie günstigere Resultote. Seit Bernhard seine von den Scharf- machern als wissenschaftliche Heldentat belobigte Schrift hat er« icheinen lassen, und der Lei fasser die hohe Ehre genoh, ju emgr Scharfmachertaaung als Referent gegen Sozialpolitik berufen ztt werden, sind Monate ins Land gegangen. In den beteiligten � Kreisen befaßte man sich mit dcr Angelegenheit, und nun hat ein Kreis von Personen, denen selbst Herr Bernhard Sachkenntnis nicht absprechen wird, amtlich zu dcr Angelegenheit Stellung genommen. Am Dienstag— den 18. März— nahm dcr Präsident des Reichs- vcrsicherungsaintcs in Dortmund an einer Besprechung der Westfälischen Bereinigung berufsgcnossensckaftlicher Verwaltungen teil. Tie bekannte, sehr stark von scharfmacherischem Geiste beseelte ..Rh.-Westf. Ztg." berichtet darüber:„Den hauptsächlichsten Punkt dcr Tagesordnung bildete eine Aussprache über Ursachen. Umfang uns Bekämpfung ver Rentcnsucht und Rentenhpsterie, Fragen, die gerade in der letzten Zeit die Oeffentlichleit beschäftigen und auch den Reichstag zur Annahme einer Entschließung veranlaßtc, den Reichskanzler um baldige Vorlage einer Denkschrift über die Wir- kung der deutschen Arbeiterschutz- und Arbeitersicherheitsgesetz« gebung zu Ersuchen. An dcr Aussprache beteiligte» sich außer den berussgeuossenschastlichcn Vertretern auch eine Anzahl Aerzte, dar- unter Gchcimrat Dr. Riedcr-Bonn, Dr. Becker-Münster, Dr. Peters, Dr. Weber und Kreisarzt Dr. Wollenivebcr-Dortmund. Allgemein wurden Fälle trankhafter Rentensucht(Rentenhysterie) als ver- hältnismäßig selten bezeichnet, dagegen wurde allerdings zugegeben, daß eine Reihe vor außerhalb der Gesetzgebung liegenden Zu- ständen, wie Verhetzung, schlechte Ratgeber, Gewinnsucht zusammen- wirken, um eine auf Verkennung der Absicht des Gesetzes beruhende Begcbrlichkcit zu steigern." Bernhards weitverbreitete Seuche schrumpft nach dem Urteil von Männern, denen kein Bernhard Gewissenlosigkeit zugunsten See Verletzten vorzuwerfen> vagen darf, aus„verhältnismäßig seltene Fälle" zusammen. Dcr Vorwurf der Verhetzung durch schlechte Rat- geber richtet sich augenscheinlich gegen Winkelkonsulenten, die die Notlage der Unfallverletzten ausnutzen, sie zu unnützen Eingaben verleiten, nur um ihnen Honorar abnehmen zu können. Daß man dafür weder die Sozialpolitik noch die Arbeiterbewepiing verant- wortlich mochen kann, liegt auf der Hand. Und Herr Bernhard ist der gründlich Blamierte. Bon, Arbeiterschub in der Landwirtschast. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jetzt wird bereits in den Junkerblättern darüber Klage geführt, daß der Arbeiterschub in der Landwirtschaft mangelhaft ist. Im Hauptorgan per ostpreußi- scheu Junker, dcr„Ostpreußischen Zeitung", wird geschrieben, daß in den letzten sieben Monaten in Ost- und Westpreußen und Posen 31 Menschen durch die schlecht geschützten Roßwerkwellen ums Leben gekommen bezw. schwer verletzt seien. Diese Unglücksfälle wieder- holen sich in jedem Jahre. Sollte es wirklich nicht an dcr Zeit sein, daß die nächsten Behörden hier eingreifen und die säumigen Land- Wirte zur Befolgung dcr erlassenen Unsallvorschriften zwingen? Durch Anstellung eines befähigten Praktikers aus der landwirt- schaftlichen Maschincnbranche als Kontrolleur, der dcr Landwirt- schaftskammcr oder der Berussgcnossenschaft unterstellt wäre, dessen Aufgabe eS wäre, die Befolgung der Unfallvcrhütungsvorschriftcn in den landwirtschaftlichen Betrieben zu überwachen uns zugleich die Besitzer in der Anbringung billiger sachgemäßer Schutzvorrich- tiingen zu überweisen, würde mit einem Schlage dieser U ebelstand. dcr den Genossenschaften jährlich viele tausende Mark an Renten kostet und der Landwirtschaft so manchen braven Arbeiter entzieht, aus der Welt geschafft. Es muß wirklich schlimm aussehen mit der Beachtung der Un« fallvorschristen, wenn schon derartige Klagen in Junkerblättern erscheinen. SericKts- Leitung. Ein vrtcil nach llwöcheutlichcr Berhandlung. Der seit 11 Wochen vor der 10. Strafkammer dcS Landgerichts unter Vorsitz des Landgerichtsdirckwrs Dr. Günther verhandelte Prozeß Sattler und Genossen ist gestern, am 40. Verhandlungs- tage, zu Ende gegangen. Der Vorsitzende verkündete das Urteil dahin: Bei einer so ungewöhnlich umfangreichen Sache haben die Plaidoyers sich nicht auf alle Einzelheiten erstrecken können. Auch das Urteil soll nur in großen Zügen die Gedanken wiedergeben, die den Gerichtshof bei der Urteilsfindung geleitet haben. Das Gericht hat folgendes für festgestellt erachtet: Sattler hat seinen Kunden vorgespiegelt, daß er die Geschäfte mit ihnen als ordent- licher Bankier abwickele, daß er die für sie etwa herausschauenden Differenzen auszahlen und ihnen die Stücke liefern werde, wäh- rend er die Geschäfte nicht börsenmäßig ausführen wollte, sondern die Geschäfte in sich machte und die Kunden durch schematischc Pro- longationsanimierungen so lange loeitcr zu treiben wußte, bis sie ins Verlieren kamen. Kleinere Gewinne hat er den Kunden hier und da ausgezahlt, größeren hat er sich zu entziehen gewußt, evcn- tuell durch Erhebung des Difsercnzeinwandes. Es handelt sich um die Ausftihrung eines vorher gefaßten Entschlusses und eine Ver- mögenSschädigung der Kunden liegt vor. Alle Tatbestandsmerk- male de« Betruges nach 8 263 St.-G.-B. liegen vor, und zwar teils des vollendeten, teils des versuchten Betruges. Auch der Tat- bestand des Vergehens gegen 8 94 des Börsengesetzcs ist erfüllt, denn Sattler hat einen großen Teil unerfahrener Leute zum Börsen- spiel verleitet und sie in gewinnsüchtiger Absicht ausgebeutet. Er ist also zu bestrafen wegen Betruges in fortgesetzter Handlung und in Jdealkonkurrcnz mit 8 94 des Börsengesetzcs. Der 8 95 des Börsengcsetzes ist nicht erfüllt, weil er bei den Prämiengcschäften eine Kommissionstätigkeit nicht entwickelt hat.— Was die Erpressung betrifft, so liegt eine solche vor, soweit er börscnterminS- unfähigen Personen mit Klagen gedroht hat. Solchen Personen gegenüber hatte er kein Klagcrechi. Auch bei den Erpressungen liegt fortgesetzte Handlung vor. Sattler ist Wetter wegen Konkurs- vergebens angeklagt. Da ist zweifellos erwiesen, daß es sich nicht bloß um eine vorübergehende Zahlungsstockung, sondern um Zah- lungseinstellung gehandelt hat. Im übrigen hat er in ganz grober Weise Auswand getrieben. Tie unordentliche Führung der Bücher ist nicht erwiesen. Auch eine Urkundenfälschung ist weder in recht- licher noch in tatsächlicher Beziehung erwiesen. Was das Stempel. vergehen betrifft, so sind im ganzen 45 Fälle erwiesen und daftir auf eine Strafe von 79 629 M. erkannt. Hundert weitere Fälle sind verjährt und deshalb auszuscheiden. Eine dritte Gruppe von Fällen ist unaufgeklärt geblieben. Nach alledem wird Sattler ver- urteilt: Unter Einbeziehung der vom Schwurgericht gegen ihn er- kannten dreijährigen Gefängnisstrafe zu einer Gesamtstrafe von 5 Jahren Gefängnis und 3999?N. Geldstrafe event. noch 299 Tage Gefängnis und zu einer Stempelstrafe von 79 629 M. Bon der Gesamtstrafe gelten 8 Monate als verbüßt. Der im Schwurgerichts- urteil ausgesprochene Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bleibt bestehen. Bei der Abmessung der Strafe hat der Gerichtshof das gesamte Vorleben Sattlers, die große Gemerngefährlichkeit der buclcet �Kopü und die brutale Rücksichtslosigkeit seines Vorgehens berücksichtigt. Der Angeklagte Bruchborst wird wegen Stempelvergehenz zu 515 M. Geldstrafe verurteilt und im übrigen freigesprochen. Angeklagter Tonn ist des Betruges für schuldig befunden und zu 4 Monaten Gefängnis und 900 M. Geldstrafe event. noch 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Angeklagter Heinicke wird wegen Beihilfe zum Betrüge zu 3 Wochen, Angeklagter Hirsch wegen desselben Vergehe»*; zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die vier Mitangeklagten Reisenden Sattlers werden wegen nicht ausreichenden Beweises freigesprochen. Diese vier Ange- klagten gehen aber doch nicht mit einer weißen Weste auS dem Ge- richtSsaal bcraus, denn ihr Verhalten den Kunden gegenüber war unanständig, ausdringlich und Ividerwärtig. Auf Befragen erklärt Sattler, daß er jedenfalls Revision ein- legen werde. Staatsanwaltschaftsrat Schwickcrath beantragt, de« zu vier Monaten verurteilte« Tonn in UnterfuHunMaft zu nehme», Jia er plötzlich am 18. März seine Depots bei der Deutschen Bank und der Kommerz. und Diskontobank abgehoben und auch sonst einige Mahregeln getroffen habe, die den Fluchtverdacht nahelegen. Der Gerichtshof ordnete die Nntcrsuchungshaft an; der An- geklagte soll aber von dieser gegen Stellung einer Kaution von 22 IM M. verschont bleiben. Ein brutaler Rohcitsakt gegen die eigene Frau führte gestern den Bauarbeiter Konstantin Siewek vor den Strafrichter. Unter der Anklage der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und einer das Leben gc- fährdenden Behandlung hatte sich Siewek vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten. Der Angeklagte, welcher mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern in Charlottenburg wohnhaft ist, war von dem dortigen Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten verurteilt worden und hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Ebenso hatte aber auch die Staatsanwaltschaft Berufung einge- legt, um eine höhere Bestrafung des Angeklagten herbeizuführen. Wie die erneute Beweisaufnahme ergab, hatte der Angeklagte schon mehrfach seine Frau in schwerster Weise mißhandelt, trotzdem diese sich in hochschwangerem Zustande befand. Eines Tages wurden wieder einmal die.Hausbewohner durch laute Hilferufe alarmiert. Ter in demselben Hause wohnhafte Arbeiter Bock fand die Frau wie geistesabwesend in der Küche sitzend vor, während der Ange- klagte selbst verschwunden war. Da die Frau sich vor Schmerzen wand, sorgte B. für die sofortige Ueberführung in das Charlotten- burger Krankenhaus, wo die Bedauernswerte kurz nach ihrer Ein- licferung einem Kinde das Leben gab. Wie der als Sachver- ständiger vernommene Assistenzarzt Dr. Drrws bekundete, wies die Frau am ganzen Körper von Stockschlägcn herrührende Schläge auf. Als der Staatsanwalt mit Rücksicht auf die Brutalität des Angeklagten 4 Monate Gefängnis beantragte, trat die Ehefrau vor und bat das Gericht unter Tränen, ihren Mann, der doch immerhin der Ernährer ihrer Kinder sei, nicht so hart zu be- strafen.— Das Gericht beließ es aus diesem Grunde bei dem schöffengerichtlichcn Urteil von 2 Monaten Gefängnis. Strcikfachcn— besondere Eilsachen? Eine recht interessante Mitteilung machte gelegentlich eines Bortrages in einer Bcrsammlung Herr Rechtsanwalt Rothe in Chemnitz. Danach soll— wie seinerzeit in Preußen während deS Ruhrbergarbcitcrstreiks— jetzt allgemein für ganz Sachse« ein Ministerialerlasi ergangen sein, daß alle Streitsachen als besondere Eilsachen zu behandeln seien. Redner machte darauf aufmerffam, daß dadurch ganz bcsonocrs l>ci Haftsachcn eine vollständige Per- kümmerung der Vcrteioignng herbeigeführt werde und fügte hinzu, daß sich das Gerechtigkeitsgefühl gegen derartige Maßnahmen auf- bäume. Trifft diese Mitteilung zu, und an ihre Wahrheit' ist schließlich nicht zu zweifeln, so handelt es sich dabei um ein Aus- nahmegesetz gegen die organisierte Llrbeitcrschaft, das auf dem Per- waltupgswege erlassen worden ist. „Berunreinigt" nicht! Es ist alles schon dagewesen, meint Ben Akiba. Und er scheint recht behalten zu sollen. Neulich berichteten wir über eine Ge- richtsverhandlung, in der darüber gestritten wurde, ob das Fort- werfen eines Straßenbahnoilletts eine„Verunreinigung" der Straße im Sinne der Straßenpolizcivcrordnung wäre. Das Kammergericht ließ diese Frage'„dahingestellt" und hob die Ver- urteilung des Sünders lvcgcn formeller Ungültigkeit der Tilsiter Verordnung auf. Uns teilt ein Leser mit, daß er wegen eines ähnlichen Ver°. brcchcns hier in Berlin schon bestraft ist. An der Kesselstratze drückte ihm ein Reklainczettelvcrieiler einen Zettel in die Hand. ' Er warf'ihn weg. Darauf. forderte der Polizeileutnant Maurer aus dem Revier in der Wöhlcrtstratzc ihn auf, den auf den Straßen- dämm hingeioorfenen Zettel aufzuheben, da er die Straße„ver- unreinigc". Ter?lrbeitcr lehnte das unter Hinweis darauf ab, daß die Straßen fegerkolonuc in nächster Nähe sei und den Zettel bald fassen werde. Half nichts. Name und Wohnung wurden notiert. Ter Arbeiter erhielt ein Strafmandat über 4 M.' Der Vorsitzende des Schöffengerichts meinte, er habe auch schon solche Verbrechen begangen, aber sei noch immer glücklich ohne Straftnandat davon- gekommen. Ten?lngctlagten mußte er aber verurteilen, weil der Buchstabe des Gesetzes erfüllet sei. Die Strafe blieb bestehen. Um sich weitere Scherereien zu sparen, nahm der Arbeiter von Berufung Abstand. Schade! Man hätte dann erfahren, ob auch das Kammer- gericht den Begriff der„Verunreinigung" so wie das Schöffmgericht auslege und vielleicht auch, weshalb Pferde- und Hundebesitzcr noch nicht in die Klemme des Verunreinigungsparagraphen gebracht sind, wiewohl die Vierbeiner tagtäglich gegen den Paragraphen schamlos sündigen und von ihren Besitzern mit dem Bewußtsein auf die Straße gclasicn werden, es könne solch' Sündcnfall eintreten. jiiis aller Melt. Kapitalistischer Wahnwitz. Es gehört zum Wesen des kapitalistischen Klasseustaates, daß die Früchte der Arbeit von den Besitzenden in unglaub- licher Weise verschwendet werden. Mancher Sportfex gibt für ein Reitpferd oder einen Hund mehr aus, als ein Arbeiter durch saure Arbeit im Jahre verdienen kann. Was für luxuriöse Einrichtungen da bestehen, davon legte die letzte eng- lische Hundeausstellung in London Zeugnis ab. Da gab es Hundereisekästen aus teurem, geschnitztem Holz und kunstvollen Metallbeschlägen; Hundekasten aus feuchtem Leder, die mit Laden versehene Fenster aufwiesen; gepolsterte Glaskasten für Hunde; mit Seide gepolsterte Hundeställc; Daunenkissen in seidener Hülle; Hundeställe mit Schlafstuben; kleine Hundebettstellen mit vollständigem Bettzubehör; mit Seiden- oder Atlasbändern befestigte Spitzengardinen; mit orientalischen Mustern verzierte Vorhänge; mit dem Namen des Hundes bestickte Vorhänge; kleine Bettvorleger aus Fell; große Schleifen von Atlas oder Seide für den Hals des Hundes; silberne, goldene und mit Edelsteinen verzierte Hunde- kragen mit dem Miniaffirporträt des Hundes oder mit einem silbernen, den Namen des Hundes aufweisenden Medaillon; Parfümzerstäuber; Toilettengeräte; Frühstückskörbe; unifor- mierte Hundewärterinnen: aufwartende Porträtmaler. Ein aristokratischer Hund kann nämlich ohne Aufwärtcrin und Porträtmaler nicht leben. Augenblicklich stehen bei den Londoner Damen die Pe- kinger in hohem Ansehen. Das sind kleine drollige Köter mit großen, runden Augen, die Lieblinge der chinesischen Kaiserin- Mutter, die mit ausgesuchten Leckerbissen gefüttert wurden. Die Londoner Damen machen bereits diese Laune nach, aber die chinesischen Delikatessen sind schwer zu bekommen, deswegen bekommen die Hunde Fleischexrakt mit weißem, saftigem Hühnerfleisch und Stückchen vom zartesten Rindfleisch. Welche Gefühlsroheit und welcher Wahnsinn verbirgt sich hier! Hunde füttert man mit ausgesuchten Leckerbissen und Tausende von Schulkindern haben nichts zu essen und vegetieren in den schrecklichsten Wohnungsverhältnissen ihrem frühen Tode entgegen. Und diese reichen Leute sind es, die es den Ge- meinderäten verwehren, bedürftigen Schulkindern in den Ferien Nahrung zu verabreichen, indessen sie Hunde auf seidenen Betten wie Götzen behandeln. Kapitalistischer Wahnwitz! Sturmkatastrophe in Amerika. Aus New Jork wird gemeldet; Ein furchtbarer Sturm wütet im ganzen Westen der Vereinigten Staaten. Besonders schwer ist das Tal des Mississippi in Mitleidenschaft gezogen. Die Stadt Loder- Peachtree im Staate Alabama ist vollkommen zerstört worden, wobei. 14 Personen den Tod fanden. Im Tale des Laurent- s lu s s es sollen sich di� To ten und Schwerverletzte» auf Hundert« belaufen. Die Verbindung zwischen Chicago und New Jork war stundenlang unterbrochen. Der Schaden ist gaN� außer- gewöhnlich groß, besonders im Süden. In den Staaten Obio und Louisiana wird der Schaden allein auf über 10 Millionen Dollars geschätzt. * New Jork, 22. März.(H. T. B.) Die Temperatur ist eine milde, abends berrschle aber so starker Ztebel, daß der Schiffsverkehr un- möglich war. Dagegen wird von der kanadischen Grenze berichtet, daß dort eine Kälteivelle vorwärtsschreite, die Temperatur ist auf 17 Grad Celsius unter Null gesunken. Aus dem Süden werden gleichfalls schwere Sturmverheerungen gemeldet. Verschiedentlich sind Häuser eingestürzt und Personen ums Leben gekommen. Aus Ohio unb Kentucky kommen Meldungen über schwere Schneestürme, in Covington wurde das Gefängnis vom Blitzstrahl getroffen. Schwer hat auch der Staat Indiana gelitten, die Hauptstadt Indianapolis hat ein Aussehen wie nach einem Erdbeben. Die Wind- stärke betrug in Memphis 72 Meilen die Stunde. In Boxio im Staate Arkansas wurden infolge der Verheerungen des Sturmes vier Personen getötet und 20 verwundet. Die Stadt ist völlig zerstört. * Nach und nach treffet! aus dem Westen Einzelheiten über die furchtbare Sturmkatastrophe ein, die im Mississippital gewütet hat. Besonders schwer sind die Verwüstungen in den Staaten Alabama, Indiana und Michigan, die völlig verwüstet sind. Ueber 100 Personen sind getötet, mehrere Hundert schwer verletzt. Die Telegraphenleitungen nach dem Westen sind völlig niedergebrochen und nur auf großen Umwegen ist die Per- ständigung mit dem Osten möglich. Ter gröstte Bahnhof der Welt wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar in New Dork dem Verkehr übergeben. Es ist dies der Bahnhof der New Dork-Zentral- bahn, auf dem täglich 900 Züge verkehren werden. Die Ausstattung der Wartesäle und anderen Räume ist von größter Eleganz: alSBe- weis dafür wird erwähnt, daß allein die Einrichtung der Barbier- salons 100 000 Dollar verschlungen hat. Der Bahnhof bedeckt eine Fläche von 700 acres(1 acre— 0,4 ha.) und es wurden bei seinem Vau 118600 Tonnen Stahl und 200000 Tonnen Zement verbraucht. Nicht viel kleiner ist der Bahnhof der Pennsylvania-Bahn in New Dork. so daß die glücklichen New Zorker sich rühmen dürfen, die beiden größten Bahnhöfe der Welt zu besitzen. Kleine Notizen. Familientragödie. In Bern tötete am Donnerstagnachmittag die Frau des deutschen Staatsangehörigen Johann Hahn nach einem Wortwechsel mit ihrem Ehemann, der die Familie vernachlässigt haben soll, sich selbst und ihre drei Kinder im Alter von fünf, drei und zwei Jahren, indem sie in der Küche die Gashähne öffnete, wo sie vorher ihr Lager bereitet hatte. Ein wertvoller Fund oder ein— Scherz? Aus Paris wird gemeldet: Am Montag kurz vor der Ankunfr des NordexpreßzugeS fand ein Wagenbeamter eine Handtasche und übergab diese dem Fundbureau als der zuständigen Bahnpolizei. Die Tasche enthielt einen von der Deutschen Botschaft in Rom ausgestellten Pas; auf den Namen Rossi, sowie einen Scheck über 13 Millionen Mark von der Handels- und Jndustriebank in Berlin ausgestellt und zahlbar bei der italienischen Bank in Rom. Bis jetzt wurde die Tasche noch von keiner Seite reklamiert. Die Polizei nimmt an, daß eS sich um einen schlechten Scherz handelt. Todrssturz beim Turnen. In der Ghmnasialturnhalle in Oppeln glitt ein Schüler, der beste Turner der Abteilung,- beim Turnen an einem«chaukelriemen aus und stürzte zu Boden. Er war sofort tot. DaS schwere Unglück aus dem Eisenwerk„Dortmunder Union", das sich am Donnerstagvormittag an einem Hochofen ereignete, hat bereits zwei Opfer gefordert. Der Arbeiter Hoffmann verschied bc- reits am DonnerStagvormittag, während der Hochofenarbeiter Rabiot in der Nacht zum Freitag seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Bei den übrigen Verletzten besteht nur noch bei dem Hochofenarbeiter Kujatva direkte Lebensgefahr. Den übrigen geht es Verhältnis- mäßig gut. Aufhebung eines Spielkluts. Beamte der Brüsseler Kriminal- Polizei drangen in der vergangenen Nacht in die Räume der Spiel- tlubs„Rheingold" und„ Kasino g'e s e lls ch a st". In dem letzten wurden 30 Spieler festgenommen und Roulette und Gelder.be- schlagnahmt. Schweres Grubenunglück. In der Kohlengrube von Mau- rage in Belgien riß bei der Einfahrt dag Seil eines Förderlorbes. Der mit zwölf Mann besetzte Korb sauste in die Tiefe und durch den furchtbaren Anprall wurden zwei Bergleute sofort getötet, die übrigen schwer verletzt. Zwei Personen von einev�Zug überfahre«. An einem Bahn- Übergang in- der Nähe der Stadt Hersseld wollte der Gastwirt Landsidel mit seinem Einspänner, auf dem außer ihm noch ein Arbeiter saß, den herankommenden Zug dorübeAassen.. Beim Herannahen des Zuges wurde jedoch das Pferd scheu und raste in die Lokomotive hinein. Das Gefährt wurde völlig zertrümmert, Pferd und Insassen von der Lokomotive zermalmt. Kosttim atu modtm. 7........ K | Kostüm Ä4Öj au* guiem Fcnlaät-Sioß, 1 Im«nglbch. Geschmack, I Pocken gam. Auf Seid« i... Kostüm OU 1 aui r>lnwolI EnaU t Mafiarb. Jadc«an(n.S50 mlf faltigem Bulgaren-Einsals........ M. Ä»« Wolimiisselin-Bluse moderne Dessins, fesches Fasson.... Fl. Foulekrdlxie�Bltise �90 Im'Wiener Genre.................. M. 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Zur de» Lnseratenteil verantw.: TH. Blicke, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts vuchdruckerei u. BerlagSanstalt Kaul Singer u-To, Berlin SM, Ar. 69. 30. Iahrgiwß. 3. WM Ks Jurmfirts" Derlim WlksdlM Sonntag, 23. Mar; 1913, Cdocbct»-Spielplan der Berliner Cbeater. Köuigl. Opernhaus. Sonntag: Mtgnon. Montag nachmittag � Uhr: Haniel und Bretel. Die Puppeine«. Abends: Der Rosen- raoaiier. Dienstag: Tannhäuser. Mittwoch: Boheme. Donnerstag: Oa- vallena rrasticana. Bajazzi. Freitag: Sinsonietonzert. Sonnabend: ,xt»aros H ochzeit. Sonntag: Lohengrin.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Joseph M Äegyptcn.(Ansang 7',, Uhr.) � Konigl. Schauspielhaus. Sonntag: Ariadne auf Naros. Montag: ?«2. Dienstag: Ariadne aus Naxos. Mttwoch: Wilhelm Tell. Donners- tag: Ariadne aus Naxos. Freitag: Götz von Berlichingen.(Ans. 7 Uhr.) Sonnabend: Der große König. Sonntag: Ariadne auf Naxos. Montag: Don Carlos(Ans. 7 Uhr.) Ansang 7»/, Uhr. Neue» Opern-Theater(Kroll).' Sonntag nachmittags 2'/, Uhr: srrund srltz. Montagnachmittag 3 Uhr: Am Tage des Gerichts. Deutsches Opernhaus. Sonntagnachniittag 3 Uhr: Fidclw. Abends: Der Freischütz. Montag nachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann, Aoends: D« lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Der Freischütz. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Der Frei- 'chü»._;yvtitag: Mädchen ans dem goldenen Westen. Sonnabend: Der iFreqchuch. Sonntag: Mädchen aus dem goldenen Westen. Montag: Uu- bestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Der lebende Leichnam. fAnfaiig 7 llht.) Dienstag: König Heinrich IV. t. Teil. Mittwoch und 2-onnerstag: Der lebende Leichnam. Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend und Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: König Hein- nch IV. 2. Teil.(Ansang 7-,, Uhr.) � Kammerspiele. Sonntag: Bürger Schippet. Montag: Schöne srauen. DtenStag: Bürger Schippel. Mittwoch: Schöne Frauen. Donners- tag: Bürger Schippel. Freitag: Mein Freund Teddy. Sonnabend: Schöne rrmucit,«onntag: Bürger Schippel. Montag: Mein Freund Teddy. tÄniung 8 Uhr.) Lessing-Theater. Sonntag: Rose Bernd. Montagnachmittag 3 Uhr: .Rosenmonlag, Abends: Abends: Die Erziehung zur Ehe. Tod und �eben. Dienstag: Die Erziehung zur Ehe. Tod und Leben. Mittwoch: Einsame Menschen. Donnerstag: Der Biberpelz. Freitag: Tantris, der Nmw. Sonnabend und Sonntag: Die Erziehung zur Ehe. Tod und -oben. Monmg: Die versunkene«locke.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Abends: Filmzauber. Montagnachmittag: Große Rosinen. Abends und QN den übrigen Tagen: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der KöniggräUer Strasse. Sonntag: Macbeth.(An- 'sang i V-j Uhr.) Montag: Brand.(Anfang 71/s Uhr.) Dienstag: Die süns Frankfurter. Mittwoch: Macbeth.(Anfang 7-/, Uhr.) Donnerstag: Die suns Frankfurter. Freitag: Das Buch einer Frau.(Ansang 7>/, Uhr.) Sonnabend: Brand.(Anfang 7»/, Uhr.) Sonntag: Das Buch einer Frau. Montag: Macbeth.(Ansang 7-,, Uhr.) Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Sonntag- und Montagnachmiltag 3 Uhr: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Allabendlich: Prosefsor Lernhardi.(An- !' s'Diontis Operetten-Thratrr. Sonntag- und Montagnachmittag 3 llhr: Der fidele Bauer. Allabendlich: Der Zigeunerprimas.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Soimtag: Egmont. Montag: Der «ite Ruß Dienstag und Mittwoch: DaS gelobte Land. Donnerstag: Egmont. Freitag: DaS gelobte Land. Sonnabend und Sonntag: Egmont. Montag: Das gelobte Land.(Ansang 8 Uhr.) Lustspieldaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: So'n Windhund. Abends: Majolika. Montagnachmittag 3 Uhr: Mein alrcr Herr. Abends und von Dienstag bis Freitag: Rlafoltta. Sonnabend: 2 mal 2— 5. Sonnraq "|: Majolika.(Ansang 81/, Uhr.) und Montag ZCHtUCX w...>_.......„Ulli... L. 1. Abends: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Schiller, Tdearer O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. , m ar>-.».ms»" Montagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. Abends: Ghges und sein Ring. Dienstag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Mittwoch: Gyges und sein Ring. Donnerstag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Freitag: Die Geschwister. Elga. Sonnabend: Die Reise durch Berlin in 80 stunden. Sonntag: Im weißen Rößl. Montag: Ghges und sein Ring.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlotrenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends: Die Lokalbahn. Die Medaille. Montagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends: Der Andere. Dienstagnachmtttag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Don Carlos. Mittwoch: Der Andere. Dunners- Gyges und sein Ring. Frettag: Der Andere. Sonnabend und Sonntag: Chrono von Bergerac. Montag: Der Andere.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagen- kontrolleur. Abends: Die Frau Präsidentin. Montagnachmittag 3 Uhr: Die Dame von Maxim. Abends und von Dienstag bis Freitag: Die Frau Präfidenlin. Sonnabend: Der Hüttenbefitzer. Sonntag und Aiontag: Die Frau Präsidentin. Anfang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Sonntag bis Freitag: Puppchen. Sonnabend: Onkel Bräsig. Sonntag uvd Montag: Puppcken.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhclmstiidt. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: Pariser Lust.(Ans. 8 Uhr.) Monlagnach- mittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: Pariser Luft.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag bis Freitag: Pariser Luft. Sonnabend und Sonntag: Grigri, (Ans. 8 Uhr.) Moniag: Grigri.(Anfang 8'/, llhr.) Neues Bolks-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und Abends: Ernst sein. Montagnachmittag 3 Uhr: Helden. Abends und Dienstag: Ernst sein. Mittwoch: Die Hexe. Donnerstag: Ernst sein. Freitag: Die Wildente. Sonnabend und Sonntag: Die Hexe.(Ansang 8'/, Uhr.) Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ter selige Toupincl. Abends: Wenn Frauen reisen. Montagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Abends und Dienstag bis Freitag: Wenn Frauen reisen. Sonnabend: Das Ende der Liebe. Sonntag und Montag: Wenn Frauen reisen.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Rollendorfplah. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die schöne Helena. Mends: Extiazug nach Nizza. Montagnachmittag 3'/» Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Abends und Dienstag bis Freitag: Extrazug nach Nizza. Sonnabend: Jugend. Sonntag und Montag: Extrazug nach Nizza.(Ansang 8 Uhr.) Rosc-Tdeatcr. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Dienstagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Allabendlich; Verlassene Frauen.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Thcatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Und bätte der Liebe nicht... Abends: Vor 100 Jahren. Montagnachmittag 3 Uhr: Berlin- Haiirburg-New Aork. AbendS: Vor l00 Jahren. Dienstagnachmittag 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht... Abends und Mittwoch: Vor 100 Jahren. Donnerstag bis Sonnabend: Im wunderschönen Monat Mai. Sonntag und Montag: Vor hundert Jahren.(Ansang 8 Uhr.) Casiiw-Theater. Sonntag- und Montagnachmtttag 4 Uhr: Die Hochstaplerin. Allabendlich: Arturs Flitterwochen. Sonnabend: Ein Weib aus dem Volke.(Anfang 8 Uhr.) Hcrrnfeld- Theater. Allabendlich: Die Schonzeit-Jäger. Liebesprobe. Sonnabend: Hausierer Jockcle. Die lebte Ehre.(Ansang 8 Uhr.) Mctropol-Tdraler. Sonntag- und Montagnachmiltag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Die Kino-Königin. Sonnabend: Schuldig.(Ansang 8 Ubr.) Theater Grost-Berli». Sonntag- und Moutagnachmtttag 3'/. Uhr: Das Fürstenkind. Allabendlich: Das Farmermädchcn.(Ansang 8 Uhr.) Ilrania-Theatcr. Allabendlich:„Hohenzollcrn"-Fahrten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallcn-Thcater. Allabendlich: Soldatenherze».(Ans. 8 Uhr. Sonntags 7ß'2 Uhr.) Folies Gavrice. Allabendlich: Des Löwen Erwachen. Flohs Seiten- sprünge. Soiniabeiid: Der Dorsmusikant.(Ansang 8'/, Uhr.) Köuigstadf-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Paiiagc-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr und all- abendlich 8 Udr: Spezialitäten. Avollo-Tlieater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr und all- abendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Uriel Aeofta. Allabendlich: Parole Walhalla. Sonnabend: Häseniönns Töchter.(Ansang 8-,. Uhr.) Ztdmiralspalast. Eisballelt: Flirt in St. Moritz.(Ansang g Uhr.) Berliner Eispalast. Lebende Eisskulpturen.(Ansang 3 Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag- mid Montagnachmittag 3'/, und allädend» lich 71), Utw: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntag- und Montagnachmittag 3 /, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. ßnefkaften der Redaktion. Die wrtfttiche epKtfiftunse(ittbtt Ltudenftr-ß- 69, so'- vier Treppe« — F a h r st u y l—, woqent-gltch vo» tVz bis 7� Uhr ahrnds, Eonmrhrnps- Mtt iVj bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieftastra bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als ipierkzetche» dctzufügen. Briefliche Antwort wirb nicht erieflt. Anfragen, denen tetnr Abonnementsquitning beigefügt ist« Verden nicht beantwortet. EUigr Fragen trage man in der Sprechstunde».V- 98.. I. F. Nein. Sie können sich aber inzwischen noch freiwillig melde.— Kinnle-GanderSheim. 1. Ja. 2. Richten Sie ein Gesuch um Ausstellung von Duplikaten an die in Frage kommende Vcrsicherungs- anitalt. Sie müssen aber, am besten durch Besweinigungen der Arbeitgeber, dartun, wieviel Marken entwertet sind.— Reichsdeutscher i» Wien.. 1 bis 4. Zur Ausübung des Berufs ist weder Konzession noch Prüfung: erforderlich. Die Ausbildung von Lehrlingen unterliegt jedoch der Be- schränkung. daß die Meisterprüfung abgelegt worden ist.— H. N. 5(4, 1. Nein. 2. Sosern der Schüler infolge Krankheit die Lernstunde nichtt innehalten kann, bat der Vater keine Zahlungspflicht. Für die eine Stunde, zu der eine Benachrichtigung nicht erfolgt war. würde jedoch Anspruch au? Bezahlung bestehen. Es empfiehlt sich zunächst ein Zahlungsbefehl. Dee Antrag ist bei dem Amtsgericht, in dem der Vater des Schülers wohnt, anhängig zu machen.— W.<33. Die Steuerbehörde kann Sie zum Offenbarungseid laden. Das Wahlrecht könneil Sie ausüben, sosern Sie im der Wählerliste eingetragen sind. Einspruch für den Fall, daß die Eintragung nicht ersolgt ist, ist nicht mehr zulässig.— G. E. H. 109. 1 Die Frau. 2. Ja. - E. G. II«. Nack Ihrer Darstellung war Ihre Frau dazu nicht be. rechtigt. Falls Sie Ihre Behauptung beweisen können, hätte eine Klage Aussicht aus Erfolg.— F. 188». 1. Nein. 2. Ja. 3. Die Ausschlagungs- sriit ist offenbar verstrichen. Dieselbe beträgt ö Wochen nach Kenntnis des Testamentsinhalts. Sie können daher auch nicht mehr den Pflichtteils- anspruch geltend machen und sind auf die Nacherbenfolge angewiesen. Die Mutter wäre aber infolge der ihr obliegenden Unterhaltungspflicht zur.Hergabe der Kurkosten verpflichtet. Das Armenattest muß beim Armenvor- steher- Ihres Bezirkes beantragt werden. Nach Erhalt desselben ist bei dem Amtsgericht bezw. Landgericht, in dessen Bezirk die Mutter wohnt, Klage zu erheben, falls diese den Betrag nicht gutwillig leistet.— Trübke, Wil- helm-Stolze-Straste. Ja.— W. 308. Sie sind nichts verpflichtet,� an einem anderen Ort und bei einem anderen Arbeitgeber während der Per- tragsdauer zu arbeiten. Ihre vertraglichen Ansprüche bleiben bestehen, auch für den Fall, daß die Firma Sie nicht beschäftigt.—(£. W. 11. isetzcn Sie dem Vermieter, am besten durch eingeschriebenen Brief, eine an- gemessene Frist und drohen ihm an, daß Sie nach Ablauf der Frist räumen. werden. Falls Sie Ihre Behauptung beweisen �können, so halten wir Sie alsdann zur Räumung bercchligt, auch befugt, Schadenersatz zu verlangen. — Job. Fink. Jnmet-Brutotte. Die zweijährige Dienslzett besteht seit 1893 für Jnfanlerie und Artillerie, ausgenommen Kavallerie und reitende Wi-ltTTovif» Fipftanh fftv hie fipthett Ipkfptt Ti:ilbl5CntßiIß biß bißrTQÖnflß, Quartal in Betracht. Diese Kündigungsfrist kann durch Vereinbarung auf einen Monat gekürzt werden. 2. Das Gewerbegericht, sosern das Jahres-- einkommen 2000 Mark übersteigt, andernfalls das ordentliche Gericht.— 31. M 11. 1. ES genügt, wenn die Beireffende innerhalb des letzten JahreS mindestens 6 Monate Mitglied einer oder mehrerer Krankenkassen gewesen ist. Die Zugehörigkeit zu derselben Kasse während der ganzen Zeitdauer ist auch nicht Bedingung. 2. Nein.— W. H. 1883. Ja, so» scrn der Vermieter nicht von anderer Seite Miete erhallen hat.— Fr. St. 1. Nur dann, wenn im Mietsvcrtrag vorgesehen. 2. Der Licserant muß beweisen, daß die Quittung irrtümlicherweise ausgehändigt ist._ P. 1789. 1. und 2.. Rein. 3 Deutscher sozialdemokratischer Lese- liub, 49 Rue de Bretagne, Maison-Commune.— T. E. 11. 1. Be- fragen Sie emen Fischhändler. 2. Geldstrafe bis zu 600 Marl oder Hast» strasc bis zu 6 Wochen.— B. K. 150. Richten Sie unter Darstellung des Sachoerhalls eine Beschwerde an den Gemeindevorstand in Steglitz. Emil Unsere Kleiderwerke die mte Mnetcreiaricbtuagen dieser Art roo Behörden� Korporstionen und Vereinen besieh tlft and empfohlen worden sind. stehen in sanitärer und sozialer Besiehung an der Spitze ähnlicher mustergültiger Betriebe. 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Lessing- Theater. 8ztravorfteIIm»e Di« Weber. Rontag. den 24. RSr«. r.achm. 3 Uhr: Deutsches Schauspielhaus, g. Abt. (Gruppe 38— 10): Der Kamp ums Rosenrote. Thalia, Theater. 7./8. Abteilung (Gruppe 31—35): Kultur p alast. Herrnseld• Theater. 6. Abteilung (Gruppe 21—27): Sine glück Ii ch e Ehe. Freitag: den 28. Rir,: abends 8 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. Abend abtetluug 14(I): Das gelobt Land. Montag, den 31. Mir», Deutsches Schauipielhaus. Abend ableilung 15(II): Das ge lobte Land. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 23. März. und Rontag. den 24. März nachm. 2>/, Uhr: Deutschet Theater: Hamlet. Kammerspielhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neues Boll». Theater: 23.: Ernst sein. 24.: Helden. Theater des Westens: Der Frauen- sresser. Schiller-Theater O.: Da» Konzert. Schiller-Theater Charl.: König Lear. Theater in der Königgrötzec Straße: Hundstage. Metropol-Theaier: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Neue» Theater: Der fidele Bauer. Kleine» Theater: llnd das Licht scheint in der Finsternis. Trianon-Theater: Der selige Toupinel. Deutschet Opernhaus. 23.: Fidelio. Abend» 8 Uhr: Neges Bollt-Theater: Ernst sein. Abend» 8'/, Uhr: Neue« voll«. Theater: DievStag und Donnerstag: Ernst sein. Mittwoch und Sonnabend: Die Hexe. Aci tag: Di« Wildente. Wisseaschaftliches Thsater. XaubenotruBc 48/49. Sonntag, Montag, Dienstag, 8 ühr: „llohcnxollern"» Fahrten. Montag 4 Uhr: Paris und die Könlg/s- schlttsser vonTcrsallles. Dienstag 4 Uhr: Aufs Slattcrhorn! Sebiiler-ThealerO.S«: Sonntag, nachmittag» 8 Uhr: Das Konzert. Sonntag, abend» 8 Uhr: Ol» Reise durch Berlin in 60 Stunden. Montag, nachmittag» 3 Uhr: Das Konzert. Montag, abend» 8 Uhr: Clygrez nad zeln Ring. Dienstag, abend» 8 Uhr: DI» Reise durch Berlin In 80 Stunden. Sclüller�heaier cTurr: Sonntag, nachmittag» 3 Uhr KOnlg Lear. Sonntag, abends 8 Uhr 01» Loktlbahn.— Oie Medaille. Rontag, nachmittag» 3 Uhr: KUnlc Lear. Rontag, abend» 8 Uhr: Der Andere. DienStag. nachmittag» 3 Uhr: Wilhelm Teil. Dienttag. abend» 8 Uhr: Don Carloz._ Berliner Theater. 1. und 2. Feiertag, abend» 8 Uhr: Filmzauber. 1. Feiertag 71/j Uhr: Macbeth. 2, Feiertag 7>/, Uhr: Rrand. DentzcbesSchansnlellman Ostersoontag 8 Uhr: Sgmont. Ostermontag 8 Uhr: Der gute Ruf. Theater lle8 Westens. 8 Uhr: Die beiden Husaren. Sonntag, und Roittagnachmittag 3'/« Uhr: Der Franenfreflcr. Mis Operetten-Theater (fr. Neue» Theater). Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der Zigeunerprimas. Sonntag und Montag, nachm. 3 Uhr: Der fidele Bauer. Theater amKfcltorjpIate Heute 3'/, Uhr: Die efhOne Helena. Abends 8 Uhr: Extrazug nach Nizza. Rorg. 3l/j Uhr; Orphaual«.Unterwelt. Abend» 8 Uhr: Extrazug naoh Nizza. Residenz-Theater. Ostersonntag« und Montagnachmittag 3 Uhr: Ter Schlafwagenkontrolleur. Abends 8 Uhr: Die Trau Msidentin. (Madame la Presidonte). Schwankt. 3 8ttt b. Hennequin a. Beber. Boigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstraste 58. Sonntag, bat 33. März(1. 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Abends 8 Uhr: Der heilig» Rat 0SE=THEATE 1 Greste Frantturt» Str. 132. Nachmittag» 3 Uhr: Therlod Holmes. Abend» 8 Uhr: Berlafiene Frauen. Montag 3 Uhr: Gherlock Holmes. Abend» 8 Uhr: verlassene Fronen Dienstag 3 Uhr: Wilhelm Dell. Abends 8 Uhr: verlassene Frauen. Luisen- Theater Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: .Und hätte der Liebe nicht.« Sonntag, abend» 8 Uhr: vor 100 Jahren Sieg ui od«: Napoleons Montag, iiachmlttag« 3 Uhr: Berlin— Hamburg— S !onta nnd Fall. Z Uhr: New Hort ober: Nonlaz, abends 8 Uhr: vor IVO Jahren Napoleons Steg und Fall. U Eis-Arena. 1 An den drei Festtagen | nachmittags n. abends: Flirt da" sroB® rill l erfolgreiche I Iq Eisballett| St. Moritz 1. Akt: Wintersport in St. Moritz 1 2. Akt: Solrbe i. Luxushotel. | 3. Akt: japanische* | Nschmitt. tlSlbB Anfang nachm. 4'/. abends 8 Uhr. | Einlaß z. Abendvorstellg. T'/3 Uhr. F»tt. Preise. Uhr, Für SchlittschuhlSufer 1 geöffnet von 10 Uhr vorm., 1 1 nach IO*/, U. halbe Preise. - ch- Fest»Diner von 1— 4 Uhr. 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Osterfeiertag), im Schweizergarten(am Königstor): :::: Großes Konzert:::: des Berliner Tonkönstier-Orchester(Dirigent: Kapellmeister Fritz Blume) und Theatervorstellung.- Zur Auffährung gelangt; Knfpr I nmnp Komödie in 4 Akten von Emil Res«Mw. ■''"- � I�aler Lampe.(Verfasser von„DI» Im«chatten leben"). Sozialdemokratischer Mahlverein fHi* den VI. Verliner R.eichstagsv?ahlkreis t! Sonntag, den 23. März 1913(1. Osterfeiertag): Unterhaltungs-Abend in BallsckBieden Kastanlenwildcbeo(Inh. Walter), Badstraße 16. Mitwirkende: Taleek» Berkker, Opern- und Konrertskc gerin.— Betty Lang-Leopold, Chansons. Herr Bagen-Berkker, Rezitator.— Berliner Ulk-Trio. Kaeh der yonsisllxing; T anz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen SO PI. nach. Anfang 7 Uhr.— BUlettpreis 40 Pfennig. Sonntag, den 23. März 1913(1. Osterfeiertag): Osterfeier L ] J in den Fbartusaien, Müllerstraße 142(großer Saal). Mitwirkende: Berliner Konzert-Orchester, Dirigent P. KTeHk«.— Iheater-Ges eil» ehalt Strzelcwlcz. 228/11* Nach der Torstellung: Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen S0 Pf. nach. Die Komitees. Anfang 7 llbr. Garderobe 10 Pf. Eintrittskarte SO Pf. 3 Jfiännerchor Neukölln. M. d. D. A S. B. Chomeister: Jan. F. van den Driee. Sonntag, den 23. März(I. Osterfeiertag) im neuen Konzertsaale der„Messen Welt", Hasenheide 108/14: Großes Tolks-Konzwt. Mitwirkende: Berliner Konzerthaus-Orehester unter persönlicher Leitung des Herrn Franz v. Glon. Herr Eduard Meier, Konzertsänsrer. Eintritt 6« PI Saaleröflnung 51/, Uhr _-------. Kinder unt«r 10 Jahren haben keinen Zutritt. 15b* Anfing pünktlich 7 Uhr.> PMVMMMMMMW Gewerkschaftshaus — Berlin SO,«sgelufer 15.— Großer Mittagstisch* Kuvert m 0.90 1. Feiertesg: Ochsenschwanzsuppe. Lach» mit Hummers auce. Leipzig« Allerlei mit Kotelett«. Lammbraten. Schinken w Burgund«. Aprikosen. Prüoellen. X. Feiertag: Krebssuppe. Zand« mit Ehampigno Usance. Blumenkohl mit Schmken. Hamburger KalbSleuI«. Roulade. VsiÄich«. Gemischte» Kompott. LSF' Di« verehrl. DereinSoorstände bitte ich recht sehr, schon jetzt die Saalbeftellnngen zur nächsten Bwiersaison zu machen. AG- Mir die bisherige Unterstützung meinen besten Dank sagend. wünsche all allen Freunde« Genossen ei» frohes Fest! Bene/, U: Im wilden Westen. Sensation»!, in 4 Akt. o. Rodle u. Lutz. Stysium Lnnd.dorgor Alles 40-41. Montag. 24. März. 1. Feiertag Großer Ball. Ansang 4 Uhr. Enttee frei. Achtung Veraina! Sonnabende»orn 19 April dla September Saal und Garten mit Spaxialitlten gratis zu vergeben. Tel Königstadt 2617. L Mai früh Saal noch srei.> Whatnhra. Wallner.Theater-Ztrafte 15- %£ Großer Ball. Gtofce» Orchest«. Anfang Sonntag» Uhr. A. Zum cl tax. Cafe Meyer w Oiwsdener Str. IM/12» Kaffee 1 0 u. 1 5, Gier, hell. u. dunl. 1 0Ps. ca. 50 Zeltungen; Billard Std.«0 P» Zadlstalla der Freien Volksbühne. 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Auch die Frauen der Kollegen find zu diese« Bortrag willkommen. Zur Deckung der Unfosten werden 1« Vf. Eintrittsgeld erHoden. Arbeitslose Kollegen Hoden gegen Vorzeigung der Kontrollkarte freien Eintritt. IIS/Z Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. •»•WMVMMMVMMVMVMMMMVMMil |; Gewerkschaftshaus| «. Oatertelertag, abend» tob S Uhr: ii Künstlerische Vorträge i ▼oo Margarete Walkotte. Arn Fluge!: Prot, llndemann. Anschließend: Famlllenhränechen. Entree SO Pf. 384/2* Abendkasse 60 Pf. Torverkanf bei Herrn Hertoh, Bngeluler 1». eeMMevMeeeeeeeeMMWMMvswM— e< Jk JSlon" >■ �» UsiiaretrsRa 71 :: Berliner Konzerthaus MauarttraBa 82.— Zimmaratrate 90,91. An allen S Feiertagen:" Oroßes Trlple- Konzert» Gastspiel des Fbüharmoniselien Blasorehesters aas Malland. Dirigent: Maestro Loreto Xeaone. Musikc. Kai»er-Frans-Hegtment», Dirig.: Oberm. Becker. Musikc. des 1. Corde-Dragon.-Begt»., Dirig. Oberm. Baarz. Anfang 4 Uhr. fang 4 Uhr- Nur kurze Zeit! 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Lipps) Konzert Zur Aulführung gelangt unter anderem PJnrral Oratorium für Männerchor, Soli tu Orchester nu�ai, iD g Teilen, komp. von Arnold Krag. Op. 43 Mitwirkende: Frau Betty Schot(Sopran), Herr Gustav Franz(Bariton) und das Berliner Sinfonle-Orehetter(Maximilian Flsohor) Anfand des Konzerts 7 Uhr— Eintrittskarten 1 Mark Noch dem Konzert: FfCi-TanZ PintFtttcIrepfan«lod in folgenden Verkaufsstellen zu DlUiniMOllBU haben: Norden: Bother, Triftstr. 67. Otto, Graunstr. 4. Gottscbalk, Driesener Str. 20 und Zionskirchstr. 18. Kietz, Tabak-Arb.-Genossenschaft, Kopenhagener Str. 2. Sievert, Voltastr. 41. Sedlaczeck, Behmstr. 10. Jamitzld, Neue Hochstr. 16. PetüPutbuser Str. 42. Gesche, Dunckerstr. 1. Bartsch, Neue Höchst. 31. Juhl, Badstr. 17. Bache, Stettiner Str. 28. Adam, Wolliner Str. 20. Thomas, Gartenstr. 74. Drichel, Brunnen- straße 173. Beier, Veteranenstr. 11. Bordasch, Choriner Straße 53. Ehrenpreis, Neue Hochstr. 24. 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Verantwortlicher Redakteur: Wrq�Wielepp� Neukölln. Für den Jnseratentell verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Lerlag: Äarwärts löüchvruckerei u. LerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SMl» 69 30 i Keilage des„Amörts" Serlilter UöldsltlM. � �.-..z Leber Sie Jugendpflege" in den IMIchttortbilSungzfchuIeii Berlins. hat die Fortbildungsschuldeputation einen Bericht aus dem Jahre 1S12 erstattet. Er zählt in breiter Ausführlichleit die mannig- faltigen Veranstaltungen auf, die der.Jugendflege" dienen sollen- Welcher Geist aber diese Arbeit erfüllt, darüber sagt der Bericht nichts. 23 III Mark wurden von der Stadt aus Etats« und Stiftungs- Mitteln für die.Jugendpflege' der 10 Pflichtfortbildungsschulen hergegeben. Dazu kamen noch Einnahmen aus Beiträgen der Schüler und aus dem Ertrage von Unterhaltungsabenden usw., doch teilt der Bericht hier keine Zahlen mit. Da die Pflichtfortbildungsschulen von rund ZoOOb Schülern besucht werden, so beliefen sich in l9l2 » die Aufwendungen aus Etats- und Stistungsmitteln auf noch nicht 70 Pf. pro Schüler. Der Bericht nennt die.Jugendpflege' eine .gute Sache', aber— das ist das Amüsante dabei � kosten darf auch sie nicht viel. Die Darbietungen waren die üblichen. Um die Körper« entwickelung zu fördern, wurde geturnt und gespielt, Sport getrieben, Wanderungen unternommen, auch Reisen gemacht, natürlich auf Kosten der Schüler. Der Belehrung und Unterhaltung wollten dienen die Schulbüchereien, die bei allen Pflichtfortbildungs- schulen eingerichtet sind, eine Zeitschrift.Feierabend", die man den Schülern zum Abonnement empfiehlt, ferner Lichtbildervorträge in den Schulen, Besichtigungen von Museen, Ausstellungen, Fabriken, gemeinsame Besuche von Konzerten und Theatern, auch Ber- anstaltung von Konzerten und Theatervorstellungen der Schüler selber. Man sieht, wie reichlich der Köder ausgeworfen wurde, durch den man die Söhne der Arbeiterklasse an sich zu ziehen suchte. Der.Jugendpflege'-Betrieb war nicht in allen Schulen derselbe. Verschiedenheiten ergaben sich schon daraus, datz in ihnen das »Schülermaterial' verschieden ist. Auf Unterschiede sozialer Art weist der Bericht hin im Anschluß an eine Bemerkung über die Un« gleichheit des Bedarfs an Mitteln, der in der.Jugendpflege' bei den eiozelnen Pflichtfortbildungsschulen nötig sei. Wir lesen da: .Die von vorwiegend besser gestellten kaufmännischen Schülern be- suchte 4. Schule in der Georgenstraße kann den gestellten An' forderungen mit geringeren Mitteln genügen, als die durch Familie und Beruf ärmlicher ausgestatteten Jugendlichen der 6. Schule im • Osten und der 10. im nordwesttichen Jndustriebezirk.' Ueber den Klassengegensatz schon die Jugendlichen aufzuklären, gilt als ein .Verbrechen an der Jugend". Nein, man braucht sie wirklich kaum noch darüber zu belehren! Den Klassengegensatz sieht der Nach- wuchs der Arbeiterklasse täglich vor Augen, selbst in der Fort« bildungSschule. Keine.Jugendpflege' kann darüber hinweg« täuschen— und keine.Jugendpflege' wird Arbeiter« söhne und Arbeitertöchter von der Erkenntnis ihrer Klassenlage ablenken können. Ueber die Zahl der FortbildungSschüler, die sich zu Objekten der .Jugendpflege" hergeben, bringt der Bericht sehr unvollständige An- gaben. Im ganzen gewinnt man aus ihnen den Eindruck, daß noch die große Mehrzahl der Schüler sich dieser . Jug endp fleg e'- V e rsuche zu erwehren versucht hat. Es kann niemand gezwungen werden, an Veranstaltungen teilzunehmen, die aus dem Rahmen des Schulbetriebes heraus- fallen, freilich hilft sich da die Schule mitunter in eigenartiger Weise. Kürzlich meldeten wir, daß in einer PflichtfortbildungSschule Berlins während der vorgeschriebenen Unterrichtszeit ein Offizier den Schülern einen Vortrag über die Herero hielt, dem er eine Empfehlung zum Eintritt in den Pfadfinderbund anhängte. Während der vorgeschriebenen Unterrichtszeit fehlt den Schülern die Möglichkeit, sich dieser Veranstaltung zu entziehen. An solchen und ähnlichen Blüten der.Jugendpflege' sieht man, welches Geistes Kind sie ist. Aber davon steht allerdings nichts in dem uns vorliegenden Bericht, und wahrscheinlich wird auch in den künstigen Berichten nichts davon stehen. Worauf die ganze .Jugendpflege' abzielt, wird mit Stillschweigen übergangen. Der Bericht nennt sie.eine ausschließlich aus Förderung und Veredelung der Persönlichkeit gerichtete Einrichtung'. Er behauptet, daß das Verttauen zu ihr»in der Bevölkerung, vor allem bei Eltern, Meistern und Arbeitgebern, im Wachsen begriffen" sei. In ausgeklärten Arbeiterfamilien weiß man, was von der nach Wunsch der Regierung betriebenen.Jugendpflege" zu halten ist. Partei- �tagelegetikeiten. Lokalliste. In C a b l o w bei Zernsdorf steht uns kein Saattolal zur Verfügung, sondern nur daS Restaurant Kaebe; in Zernsdorf nur das Lokal Krüpelsee-ParadieS. Inhaber: Julius Knorr. In Neukölln hat das Lokal.Feldschlößchen', Elscnstr. 75, den Besitzer gewechselt. Der neue Inhaber, Herr H. Weiland, stellt dasselbe gleichfalls zur Verfügung. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Die zweite Kinder-Kinovorstellung findet nicht an diesem Mittwoch(den 26. März) statt. sondern erst am Mittwoch, den 16. April. Der Bildungs-Ausschuß. Vierter Wahlkreis. Heute, 1. Osterfeiertag, findet im Lokal Kellers Festsäle, Koppen« straße 29, ein Kunst abend unter Mitwirkung hervorragender Künstler sowie des Gesangvereins.Männerchor' unter Leitung des Herrn Thilo statt. Nach der Aufführung Tanz. Billett 60 Pf. Saalöffnung 5 Uhr, Anfang 6 Uhr. Billetts sind noch zu haben bei P. Hoffmann, Königsberger Stt. 28, und bei Plöger, Koppen- straße 34._ Schineberg. Die Wohlvereinsversammlung fällt am 25. März aus, dafür findet am 4. April eine Flugblatt- Verbreitung und am 6. A p r i l eine Volksversammlung statt.— Der zweite Kursusabend über die Technik der Land- t a g s w a h l findet am 26. März, abends 8'/. Uhr, im Tunnel, Die iuinger Str. 8, statt. Neukölln. Die Bibliothek des Wahlvereins bleibt bis inklusive 25: März geschlossen. Die Bibliothekkommission. Lichterfeldr. Dienstag, den 25. März, abends 8'/z Uhr. im Lokal von Fr. Wahrendorf, Bä'kestr. 7: Generalversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: Bericht der Funttionäre. Neuwahl des VorskdndeS. Die Landtagswahl. Gemeindeangelegenheiten. Lankwitz. Mittwoch, den 26. März, bei Schulz, Mühlcnsttaße 21: außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins. Schmargendorf. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet nicht am Dienstag, den 25. März, sondern besonderer Um- stände halber am Mittwoch, den 26. März, abends L Uhr. im Nestau« rant.Waldkater', Warnemünder Stt. 14/15, statt. Wichtige Tages- »rduung. Ferner sei auf die Veranstaltung des hiesigen Arbeiter-Theater- Vereins„Vollsbühne" am 1. Osterfeiertag im oben genannten Lokal hingewiesen. Cablow. Da die Wirtschaften und Säle in Cablow gesperrt sind, halten die Wahlvereine Bezirk Cablow und Zernsdorf ihr Vergnügen am zweiten Osterfeiertag in Zernsdorf, Lokal Knorr, ab. Anfang nachm. 5 Uhr. Eintritt fter. Rrinickendorf-West. Mittwochabend 7 Uhr: Flugblattverbreitung von den Zahlabendlokalen aus. Nieder- Schönhausen- Nordend. Am Mittwoch, den 26. März, abends 8'/z Uhr, im Lokal von Mahnke, Beuthstraße, Ecke Charlotten- straße, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirks- leitung, des Kassierers und sämtlicher Kommissionen. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Bezirksleitung. 4. Verschiedenes. Wer länger als drei Monate mit seinen Beiträgen restiert, hat keinen Zutritt. Bei- träge können noch vorher beim Kassierer entrichtet werden. LerUner I�acbncbteii. Von der Modeausstcllung. In den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten ist dieser Tage die zweite Berliner Modeausstellung mit dem bei solchen Gelegenheiten üblichen offiziellen Klimbim eröffnet worden, über die uns aus fachmännischen Kreisen geschrieben wird: Wenn man die äußere Aufmachung und die von den betriebsamen Arrangeuren gemachte Reklame in Betracht zieht und man vergleicht damit das magere Ergebnis und die auffallend mangelhafte Beschickung der Ausstellung durch unsere großen Berliner Modellhäuser und Couturiers, so kann nur von einem vollendeten Mißerfolg der Ausstellung ge- sprechen werden. Ucbcrhaupt waltete von vornherein über derselben ein trübes Mißgeschick. Bereits im vorigen Jahre, als von den Veranstaltern der Ausstellung— es sind das in der Hauptsache Berliner Meister und Zwischcnmcister der Damen- konfektion— ein Aufruf um Beschickung der Ausstellung er- ging, forderten die Grossisten der Damenkonfektion, in Gemein- schaft mit den ersten Firmen der Damenmaßbranche, zum Boykott der Ausstellung auf, mit dem Erfolge, daß abgesehen von einigen Ivenigen Modellfirmcn die Jnnungsmeistcr fast allein die Kosten der Beschickung der Ausstellung bestreiten mußten. Offen erklärten die Großfirmen, daß sie es ablehnen müßten, sich gemeinsam mit Leuten an der Beschickung der Ausstellung zu beteiligen, die zum Teil als Zwischenmeister für sie arbeiteten, ivobei die Gefahr bestünde, daß koupierte Modells, ja sogar die Schmuhstoffe— das sind die übrig- gebliebenen Reststücke— auf der Ausstellung als Eigenprodukte der Meister eine fröhliche Auferstehung feierten. Unter solch zerfahrenen Verhältnissen konnte es nicht aus- bleiben, daß bei der Eröffnung die ganze Ausstellung nur unvollkommenes Stückwerk bot. Daran änderten auch nichts die zahlreich vertretenen Verkaufsständc der kosmetischen Branche, die durch Zerstäuben wohlriechender Ingredienzien die Ausstellung unter allen Umständen in einen.guten Geruch' bringen wollten. Die unverhältnismäßig schwach vertretenen wirklichen Modehäuser wurden noch durch einen Wust von Verkaufsständcn mannigfachster Art, wie der Möbel- industrie, der Industrie fitt Bade- und Kücheneinrichtungen, welche Gegenstände doch nur in einem lockeren Zusammenhang mit dem eigentlichen Begriff„Mode" stehen, in ihrer Wirkung stark beeinträchtigt. Die Gerechtigkeit gebietet es jedoch auszusprechen, daß verschiedene Modehäuser, die' dem Verbot des Fabrikanten- Verbandes zum Trotz, sich dennoch an der Ausstellung beteiligt hatten, recht gediegene Einzelleistungen herausbrachten. So führte das Damen modehaus Ch. Drccoll aufge- schmackvoll ausgestatteter Drehbühne, bei Scheinwerferbeleuch- tung, ihre Schöpfungen durch Mannequins vor, trat das „Wiener Modellhaus",„Madelainc' und die Firma Gradnauer mit effektvoll garnierten Gesellschafts- kleidern auf den Plan, ebenso war die Hutbranche, bei der namentlich Pariser Häuser durch besonders charakteristische Formen hervorttaten, angemessen vertteten. Die Ausstellungsgegenstände der Berliner Jnnungsmeistcr konnten jedoch bei den Fachleuten keinerlei Begeisterung erwecken. Was wir da zu sehen bekamen, waren Durchschnitts- Teistungen. Nichts mehr und nichts weniger. Dutzendware, die aber nicht auf eine Ausstellung gehört. Geschweige denn auf eine Berliner Modeausstellung, die durch besondere eigene Leistungen einmal beweisen sollte, daß die Berliner Mode- branche sehr wohl in der Lage ist, sich von der schmachvollen Bevormundung der Pariser Hauis couture, der Bischof, David, Paquin, Worth, zu emanzipieren; jenem Modekonzern, der vor einigen Wochen durch die berühmt gewordene„Modell- sperre' der internattonalen Abnehmerschaft seine Bedingungen aufzwang. Die Ausstellung für Lehrlingsarbeitcn würden wir lieber mit dem Mantel des Schweigens bedecken und das im Interesse der beteiligten Lehrmeister selbst. Unser fachmännisches Gewissen und das Interesse an den armen Lehrlingen gebietet aber, hier rückhaltlos auszusprechen, daß durch dcrarttge Leistungen, die tief unter dem fachtechnischcn Durchschnitt stehen, der„Befähigungsnachweis" der Jpnungs- mcistcr selbst in eine recht eigentümliche Beleuchtung gerückt wird. Hier präsentiert sich wirklich die innungsmeisterliche „Fachbildung" in ihrer vollendetsten Reinkultur dem unbefangenen Beschauer. Der Rest ist Schweigen. Alles in allem ist die Modeausstellung als ein Fehlschlag zu bezeichnen. Nicht allein, daß sie dem konkurrierenden Auslande die Zerfahrenheit und Uneinigkeit der beteiligten Jndustriekreise eindringlich vordemonstricrt hat, sie hat ferner auch ein total falsches Bild von der wirklich hervor- ragenden Leistungsfähigkeit der Berliner Industrie und ihrer durchaus guten qualifizierten Arbeits- kräfte geliefert. Und das ist das Bedenklichste an diesem verfehlten Mach- werk innungsmeisterlicher Wichtigtuerei. Die Sterblichkeit i« Berlin war im Winter 1912/13' sehr viel geringer als im Winter 1911/12. Stcrbcfälle(ohne Totgeburten) wurden ge- meldet in 1911/12 für die Monate Dezember, Januar, Februar 2827, 2868, 2999, zusammen 8694, dagegen in 1912/13 für dieselben drei Monate � 2369, 2561, 2305, zusammen 7235.(Für Februar 1913 kann die Zahl sich durch Nachmeldungen noch um einige Fälle erhöhen.) Der Winter 1912/13 hat um 1459 Sterbefälle weniger als der Winter 1911/12 gebracht, das bedeutet einen Rückgang um ein volles Sechstel. Hieran sind alle Atters- klaffen beteiligt. In den beiden Wintern war die Zahl der Sterbefällc bei den Säuglingen: 1537 und 1403, bei den 1— 5jährigen Kindern: 607 und 401, bei den 5—10 jährigen: 226 und 156, bei den 10—15 jährigen: 104 und 91, weiter in den Altersklassen 15—20 Jahre: 1 88 und 146. 20-30 Jahre: 613 und 473, 30-40 Jähre: 726 und 604, 40-60 Jahre: 840 und 725, 50—60 Jahre: 1091 und 888, 60-70 Jahre: 1223 und 1038, 70-80 Jahre: 1057 und 323, iiber 80 Jahre: 482 und 387. Ter Unterschied zwischen 1911/12 und 1912/13 ist ganz besonders stark in den Altersklassen 1— 5 Jahre und■ 5—10 Jahre. Die Zahl der Sterbefälle ermäßigte sich bei den 1— 5jährigcn Kindern von 607 um 206 auf 401, d. h. um reichlich ein Drittel, ähnlich bei den 5— 10 jährigen Kindern von 226 um 70 auf 156, um nahezu ein Drittel. Der Rückgang der Sterblichkeit erklärt sich daraus, daß diesmal der Winter ungewöhnlich milde war. Sehr beträchtlich hat sich die Zahl der Diphtherie-Sterbefällc ermäßigt, die im vorhergehenden Winter besonders groß ge- Wesen war. Diphtherie fordert ihre Opfer hauptsächlich unter den Kindern der Altersklassen 1—5 Jahre und 5—10 Jahre. Auch Lungenentzündung hat diesmal beträchtlich weniger Sterbefällc verursacht als im vorhergehenden Winter. Das hat bei den Kindern der ersten Lebensjahre und andererseits bei den Personen der mittleren und höheren Altersklassen einen merklich mindernden Einfluß auf die Sterblichkeit ausgeübt. Den höheren Altersklassen ist auch zugute gekommen, daß diesmal die Influenza sehr viel harmloser auftrat. Freisinns Hoffnungen. Die Freisinnigen tragen sich mit der Hoffnung, bei der dies- maligcn Landtagswahl den 6. Landtagswahltreis, der zurzeit vom Genossen Adolf Hofsmann vertreten wird, wieder zurück zu erobern. Di«„Freisinnige Zeitung" läßt sich aus dem 6. Llreis folgendes schreiben: „In einer sehr zahlreich besuchten Komitcesitzung, in der alle in Betracht kommenden Vereine des Wahlkreises vertreten waren, wurde einstimmig beschlossen, für die bevorstehende Land- tagswahl im sechsten Berliner Landtagswahlkreis den Wahl- männern Prof. Dr. Friedrich Caucr vorzuschlagen. Die bis- herigen gut besuchten Versammlungen, die Arbeitsfrizudigkeit der zahlreichen Vertrauensmänner und die Hilfe, die von den Weib- lichen Mitgliedern der Parteiorganisation geleistet werden wird, berechtigen zu der Hoffnung, daß dieser Wahlkreis den Sozial- dcmokraten entrissen werden kann, um so mehr, als öle Majorität bei der letzten Wahl nur eine geringe war." Unsere Genossen iverdcn alles daran setzen, um die Hoffnungen des Freisinns zuschanden zu machen. Im zehnten Landtagswahlkreis, den zurzeit der freisinnige Stadtverordnete Rosenow vertritt, sind die Freisinnigen ihres Be- sitzes nicht mehr ganz sicher, da bei der letzten Landtagswahl 495 freisinnige Wahlmänner gegen 432 sozialdemokratische Wahlmänner standen. Frühlingsanfang führte sich am Karfreitag in glänzendem Gewände ein. Das prophe- zeite Aprilwetter blieb aus. Es war über Nacht warm geworden wie im schönen Monat Mai, wenn alle Knospen springen, und zu Zehniausenden strömten die.Großstadtmenschen auk> den der- räucherten Winterwohnungen ins Freie. Auf den©traßen war es lebendig wie im Sommer. Es fehlte so ganz und gar die Kar- freitagssttmmuug, und aus dem Glockengeläut, das«ur wenige anzog, wurde echtes, warmes Frühlingsgefühl. Auf den Balkons wurde von Vorwitzigen schon Kaffee getrunken und Skat gedroschen. Als man merkte, daß Petrus bei guter Lauitc blieb, bekamen die Verkehrsinstitute reichlich zu tun. Selbst auf den Wassern tummelte sich viel sportlustiges Volk in verjüngter Kraft. Die Sommer- lokale in der näheren Umgegend machten ein unerwartetes Bombengeschäft. So war es nicht ein stiller Freitag nach dem Sinne des kirchlichen Muckertums; nein... ein Feiertag der Natur, ein Volkshymnus auf die erste köstliche Frühlingsgabc. Prachtvoll ging ain glühenden Horizent die Sonne unter. Wird sie halten, was sie für die Osterfeievtage verspricht?. Ei» Polizeikostenstreit der Stadt Berlin beschäftigte dieser Tage das Oberverwalturigsgericht. Es bandelte sich um die Heranziehung für das Jahr 1909. Berlin hatte im Klagewoge einige Ermäßigungen des der Stadt aus- erlegten Polizeikostenbeitrags beantragt. Streitig, war die Frage, ob Bertin mit dem gesetzlich vorgesehenen Tei�e voll zu den Kosten beizutragen habe, die durch eine Anzahl Maßnahmen entstehen, welche nicht nur im Interesse von Berlin getroffen sind, sondern zwar in seinem Interesse, aber auch zugleich im Interesse des ganzen Staates. ES kommen hier in Betracht die Ueberwachung der Anarchisten, die Be- kämpfnng des Mädchenhandels, der sicherheitspolizeiliche Meßdienst(Verbrechermeßdienst), die Zentralstelle für Theaterzensur und anderes. Die Stadt verlangte, daß e i n Teil dieser Kosten ausscheiden müsse bei der Berechnung des ans die Stadt gesetzmäßig entsallenden Polizcikostenbeitvags. Ferner ioollte Bertin noch einen Dtil von den Kosten abgesetzt haben, die entstehen im ortspolizeilichen Interesse nicht nur von Berlin, sondern a u ch der Vorortsgemeinden..(Aerzt-. liche Untersuchung der Prostituierten, Fundbureau und der- gleichem) Das Oberverwaltungsgericht behielt sich die nähere Fest- stellung des Urteils für das schriftliche Erkenntnis vor, da im einzelnen die Berechnungen noch nicht festständen. Es teilte aber mit, daß die Stadt Bertin den Prozeß in derHaupt- fache grundsätzlich verloren habe. Alles andere wurde dem schriftlichen Urteil vorbehalten. Der Zweckvcrband Groß-Bcrlin tritt am 7. April wickdrr zusammen, um zunächst den Haushaltungsplan für 1913/14 festzusetzen. Außer der Vornahme von Wahlen handelt es sich u. a. um die Bcschlußfassuug über die Spandauer Wald- angelegenheit, über die nicht einmal ein schriftlicher Bericht vorliegt._ Die Jahrhundertfeiern nehmen noch immer kein Ende. Besonders sogenannte liberale Kreise sind wie von der pattiotischen Tarantel gestochen, seitdem Herr Cassel seine berühmte Rathansrede geschwungen hat. Alle möglichen liberalen Vereine und Vereinchen laden zum FefikUmbim ein und greifen in die dtznaftteve rhi mmel nden Harsenjaiten. Seihst trt« frSSHfdfjie Irrenanstalt rn Bu4— 16 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3—0 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 617 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Auf Anfragen teilen wir mit, daß zur Benutzung der Bibliothek jede Person berechtigt ist, die das 14. Lebensjahr überschritten und ihren Wohnsitz oder ihre Beschäftigung in Groß-Berlin hat. Wer sich über Wohnung und Beruf durch Vorzeigung des Verbands- bucbes, WahlvereinsbucheS, KrankenkastenbucheS, Mielsvertrages oder ähnliche Papiere ausweisen kann, erhält eine Lesekarte unentgeltlich ausgestellt. Diese Lesekarte gilt zunächst für ein Jahr; fie wird nach Abiaus nach Kontrolle etwaigen Wohnungswechsels ohne weittreS von Jahr zu Jahr verlängert. Der Männerchor»Fichte-Georginia 1879" lM. d. A�S�B.), Chormeister: Th. Gervais, gibt morgen, am 2. Feiertag, ein Kon- zert in der Brauerei FriedrichShain. Mitwirkende sind: Frau Erna Denera, Kgl. Hofopernsängerin; Herr Arnim Liebermann lCello) und Herr Artur Spengler, Orgel und Flügel. Kassen- eröffnung 6� Uhr, Anfang präzise 7 Uhr. Kartenpreis 76 Pf. Textbuch und Programm am Saaleingang gratis. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Oster-Sondttzüge verkehren heute und morgen(23. und 24.) auf der Strecke StrauSberg-Stadtbahn-Spandan West wie folgt: zwischen Strausberg und Schles. Bhf. Abf. 0,66 11,68 Vorm., zwischen Strausberg und Schles. Bbf. Abf. 6,66, 11,83 vorm, nachm zwischen Charlottenburg und Spandml-West Abf. 7,64, 8,26, 9,16, 9,26 vorm., 1,34, 2,14, 4,18, 7,63 und 7,29 nachm. In umgekehrter Richtung verkehren folgende Sonderzüge: zwischen Schles. Bhf. und Strausberg Abf. 7,19 vorm., 1,22, 2,26, 6,61 und 6,22 nachm., zwischen Spandau-West und Chrlottenburg Abf. 8,26, 8,62, 9,48, 9,66 vorm., 2,63, 2.54. 4,51, 7,56 und 8,13 nachm., zwischen Charlottenburg und Strausberg Abf. 3,33 abends. End- lich werden am OsterdienStag zwischen Chcrrlottenburg und Span- dan folgende Sonderzüge verkehren: ab Charlottenbnrg 9,16 vorm., 2,14 und 4,18 nachm., ab Spandan-West 9,43 vorm., 2,64 und 4,61 Nachm._ Vorort- JNachncbtem Charlottenburg. „Ein Jubiläumsjahr ein Kampsesjahr", lautete das Thema, daS Genosse Z i« t s ch am letzten Dienstag in einer öffentlichen Versammlung referierte. Der Redner ging aus von den Vorkomm- nissen in der Berliner Stadtverovdnetenversammlung, wo die Herren Cassel, Mommsen usw. infolge der ruhigen, sachlichen Erklärung unserer Vertretung in patriotische Verzückung gerieten. Wieder einmal waren es die bösen Sozis, die alle Festesfreude störten. Haben wir denn Grund Feste der Befreiung zu feiern? O, gewiß nicht. ES soll nicht bestritten werden, die Erhebung von 1813 war eine echte Volkserhebung. Aber es ist eine Geschichtsverdrehung, zu behaupten, die Ereignisse hätten sich vollzogen nach dem Worte: „Der König rief und all«, alle kamen. Gerade umgekehrt gingen die Ereignisse vor sich. Damals wurden dem Volke Reformen ver- heißen, Freiheiten in Aussicht gestellt; da erhob sich das Volk, und das..Volksheer" siegt« über die disziplinierte Armee Napoleons. Die Freiheiten, die das Volk damals ersehnte, find nicht gekommen. Die Karlsbader Beschlüsse versperrten jede Aussicht auf„freiheit- liche" Entwicklung; der VölkerbesreiungSkriea war zu einem Fürstenbefreiungskriea geworden. Wir haben daher keine Ursache, uns in einen FesteStaumel zu stürzen. Die Festsanfaren ertönen, um die neue Militärvorlage populär zu machen. Alle waren sie anfangs begeistert, als es aber ans Zahlen ging, wollte wsder Junker noch Börsenjobber etwas davon wissen. So verfliegt der Patriotismus, sobald das Portemonnaie augegriffen wird. Der„Ausruf an mein Volk" wurde am 17. März 1813 prokla- miert; man feierte aber schon am 16. März, weil der 17. März zu unangenehme Erinnerungen weckt an den 13. März. Am 18. März 1848 versuchte das Volk mit seinem Blute die Freiheiten zu er- kämpfen, die ihm vorenthalten waren. Es gelang nicht. Das libc- rale Bürgertum gab sich nur allzubald zufrieden. Es verriet die Arbeiterklasse, als eS gesätttgt war. ES zeigte sich reaktionärer als di« schlimmste Reaktion. Sache der Arbeiterschaft ist es, sich die Freiheit selbst zu erkämpfen. Eine Etappe in diesem Befreiung?- kämpfe bilden die diesjährigen Landtagswahlen. Es muß gelingen, die Festung der Reaktion zu erschüttern. Und so feiern wir kein Jubiläumsjahr, wir haben ein schweres KampfeSjahr vor nnS. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nach einem begeisternden Schlußwort des Vorsitzenden Gen. Bade wurde die Versammlung geschlossen. Zur Wahl des Erste» Bürgermeisters. Der von der Charlotten' burger Stadtverordnetenversammlung eingesetzte Ausschuß zur Wahl des Ersten Bürgermeisters trat unmittelbar nach der Plenarsitzung am 19. März unter dem Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers zu seiner ersten Sitzung zusammen. Nach einer allgemeinen Aus- spräche einigte sich der Ausschuß dahin, von einer Ausschreibung vorerst abzusehen. In seiner nächsten Sitzung will der Ausschuß hören, welche Persönlichkeiten aus städtischen oder staatlichen sonstigen Verwaltungskreisen seine Mitglieder für geeignet erachten. Neukölln. Seine erste Schulentlassungsfeicr hatte der Jugendaus- sch u ß am Karfreitag, vormittags 16 Uhr. in seinem Jugendheim in der Jdeal-Passage veranstaltet. Durch ein musikalisches Vorspiel ldaS Largo von Händel) und gemeinsamen Gesang wurde sie stim- mungsvoll eingeleitet. Dann hielt Genossin Klara Bohm-Schuch die Festrede. In herzlichen Worten mahnte sie die jungen Leute, nicht zu glauben, daß sie mit dem Austritt ans der Schule mit dem Lernen fertig seien; sondern jetzt beginne erst das eigentliche Lernen. Menschenwille und Geist seien das Höchste in der Natur; den Willen zu stärken und den Geist zu bilden an den Werken der Großen dieser Erde sollen sie fortan als ihre Aufgabe betrachten. In der Natur sollen sie den Sinn des Lebens suchen und sich selbst als Teil des großen Ganzen fühlen. Mit den Worten des Alt- meisterS Goethe:„Immer strebe zum Ganzen!" klang die Rede aus. Der Krönungsmarsch aus MeherbeerS„Prophet" schloß die weihe- volle Feier, an die sowohl die beteiligten Eltern, als auch ihre schul- entlassenen Söhne und Töchter gern zurückdenken werden. Ueber 666 jugendliche Arbetter und Arbeiterinnen waren am Karfreitag, mittags 2 Uhr, in den„Bürgersälen" versammelt, um ein Referat von Max PeterS über„ftriegsspiel oder Wanderungen" zu hören. Dem beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine inter- essante Diskussion, an welcher die Gegner trotz Einladung und Auf- fooderung nicht teilnahmen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die Versammelten sehen in den Kriegssvielen, die gezeigt haben, daß sie naturverwüstend, gesundheitsschädlich, unsittlich und arbeiterfeindlich sind, lediglich ein Mittel zur Unterstützung des frivolen Treibens der Kriegshetzer, die ihren Unternehmerprofit über daS Gesamtwohl deS Volkes stellen. Als ein Mittel zur har- manischen körperlichen Ausbildung der jungen Arbeiterschaft• kommen in erster Linie Jngendwanderungen und frei« BewegungS- spiele, wie sie von der freien Jugendbewegung betrieben werden, in Betracht. Die Versammelten geloben, ihre Alterskamevaden über oie jugendbildenden Zwecke der Jugendwanderungen aufzuklären." Friedenau. Der erste Bericht des Gewerbegerichts ist dieser Tage er- schienen. Diejenigen, die sich bis zuletzt mit allen Mitteln gegen die Errichtung des Gewerbegerichts sträubten, weil nach ihrer An- ficht die Anzahl der in Friedenau anhängig gemachten Klagen zu gering sein würde, werden jetzt ihre Ansicht einer Revision unter- ziehen müssen. Es ist eingetroffen, waS von den Vertretern der Arbeiterschaft schon vor Jahren behauptet wurde. Die Zahl der anhängig gemachten Klagen betrug im Berichtsjahr 194. Hierzu kommen noch 15 aus dem Vorjahre übernommene Klagen.(DaS Gewerbegericht besteht seit dem 24. November 1911.) Hiervon wurden vor Abhaltung deS ersten Termins zurückgenommen 26.' während des Termins 16, durch Vergleich erledigt wurden 64, durch s Verzicht—, durch rechtskräftiges VersäumniSurtal a) gegen Kläger 11, b) gegen Beklagte 34, verurteilt nach dem Klageantrag 7, teilweise verurteilt nach dem Klageantrag 1, Abweisung der Klage 26, durch Ruhenlassen 21. Auf daS neue Berichtsjahr mußten 11 Sachen, die noch nicht erledigt waren, übernommen werden. Sämtliche Klagen sind von Arbettnehmern gegen Unter- nehmer angestrengt worden. Am stärksten ist das Baugewerbe ver- treten. Mit den Klagen wurden Ansprüche geltend gemacht ans: rückständigen Lohn in 118 Fällen, aus Schadenersatz wegen Ein- beHaltung der Papiere in 61, Herausgabe von Arbeitspapieren und Kleidungsstücken in 3 Fällen. Der Wert des Streitgegenstandes belies sich in 66 Fällen bis einschl. 26 M. In 48 Fällen von 26 bis 56 M. In 44 Fällen von 66— 166 M. In 29 Fällen mehr als 166 M. Die Höchstklagesumme belief sich auf 478,50 M., die geringste auf 1,50 M. Vor dem Vorsitzenden wurde in 196 Ter- minen verhandelt, Sprnchsitzungen fanden 87 statt. ES sind«ledigt worden in der Zeit von weniger als 1 Woche 81 Klagen, von 1 bis 2 Wochen 63 Klagen, von 2 Wochen bis 1 Monat 65 Klagen, von 1—3 Monaten 41 Klagen, von über 3 Monaten 3 Klagen. Tchöneberg. Ein Konzert- und Liederabend ist für heute, den 1. Osterfeier- tag, Beginn abends 6 Uhr, in der Schloßbrauetei, Hauptstraße, vom Bildungsausschutz arrangiert. Das Konzert wird vom Neuen Ton- künstler-Orchester, Lieder �ur Laute von Fr. Käthi Hyan zu Gehör gebracht. Billetts sind ber den Bezirksführern ustd den Vertrauens- leuten zu haben. Eintritt 66 Pf. Kinder unter zehn Jahren sollen im Interesse der Erwachsenen, die wirklich einen Kunstgenuß haben woflen, von der Aufführung ferngehalten werden. Eichwalde. Die Gcmeindewahlen finden am Mittwoch, den 26. März, statt und zwar für die dritte Klasse nachmittags von 4 bis Ö'/j Uhr, für die zweite von 6V, bis 7>/, Uhr und für die erste Klasse von T'/.j bis 8 Uhr. Kandidaten sind für Hl. Klasse Genosse Alfred Wen dt, für die II. und l. Klasse Buchdruckereibefitz« Konst. JaniSzewSli. Die Parteigenossen werden ersucht, rege ihre Pflicht zu tun. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß am Dienstag von 7 Uhr ab eine Flngblattverbreitung stattfindet, an der teilzunehmen Pflicht jedes Genossen ist.« Köpenick. Auch der hiesige Arbeiterturnverein„Eiche" ist von der Polizei- behörde aus den wiederholt veröffentlichten Gründen für politisch erklärt worden. Der Polizeipräsioent von Cöpenick sagte in seinem Schreiben vom 21. August 1912:„Der Arbeiterturnverein„Eiche" gehört dem Arbeiterturnerbunde Deutschlands an, der als politisch bekannt ist. Nach Urteil deS OberverwaltungSgerichtS vom 7. März 1911 seien auch diejenigen Vereine, welche diesem Bunde ange- bören, als politische zu betrachten." Und der Landrat deS Kreises Teltow behauptete am 24. September 1912, daß sich.d« Verein bei politischen Feiern, insbesondere der Maifeier, korporativ be- teiligt hat, und daß auf diese Beteiligung in den für diese Feste ausgegebenen Programmen besonders hingewiesen worden war".— Das Öberverwaltungsaericht als letzte Instanz hatte eS leichter— es sagte, daß„die präklusivische Frist" nicht eingehalten worden sei, da der Herr Polizeiinspektor von Cöpenick volle 6 Wochen brauchte, um die Klageschrift durchzusehen und an die obere Behörde weiter- zugeben. Ob dies mit Absicht geschehen ist, um den Verein wegen Fristversäumnis desto leichter politisch zu erklären, soll hier nicht untersucht werden. Jedenfalls steht nun die Tatsache fest, daß der Turnverein„Eiche" politisch ist; die Polizei hat also erreicht, was sie erreichen wollte. Unsere Jugendturner(unter 18 Jahren) müssen daher aus der Mitgliederliste gestrichen werden. Ter Ver- ein wendet sich nunmehr an alle über 18 Jahre alten Genossen mit b'cm Ersuchen, chn in diesem aufgezwungenen Kampfe zu unterstützen. Die nationale Jugendpflege treibt gerade in Topenick die tollsten Auswüchse. Erst am Freitag, den 14. d. M., sind in der Sitzung der Stadtverordneten dem Bürgermeister PriimerS, all obersten Leiter der nationalen Jugendpflege SM M. aus Stadt- initteln bewilligt worden. Die Arbeitercltern sollten eifersüchtig darüber wachen, daß ihre Kinder nicht in den nationalen Rummel gezogen werden. Der Turnverein wird bemüht sein, die Arbeiter- fugend auch fernerhin für vernünftigen Sport und Leibesübungen zu interessieren.°m»ein hält seine Turnstunden in der Turn- Halle Müggelheimer Strafe ab, und zwar für alte Herren Montag? von 8— 10 Uhr abends, Männer Dienstags und Freitag? von 8 bis 10 Uhr abends, Damen Donnerstags von 8—10 Uhr abends. Friedrichshagen. Mit der Etatberatung beschäftigte sich die letzte Gemeindever- tretersitzung. Vorher wurde ein Antrag des GememdevorstandeS in ! Regierungs- Debatte wurde ..... amt beschäftigten Regierungsbaumeister Neumann auf ein weiteres Jahr gegen eine Entschädigung von 36M M. provisorisch anzustellen. Vom Gemeindevorstand waren 4000 M. Gehalt und 3M M. Wohnungsgeldzuschutz vorgeschlagen.— Bei der nun folgenden Etatberatung, deren Einzelheiten wir bereits veröffentlicht haben, regte Genosse Tornow beim Titel Gasanstalt an. dafejich die Gaswerksdeputation mit den Gasmessermieten be» fassen möge. Da kein Einheitspreis besteht, so belastet die Gas- messermiete den kleinen Abnehmer ganz bedeutend. Er schlage des- halb vor, dah für den zweiten Gasmesser keine Miete bezahlt werden soll. Bürgermeister Dr. Stiller teilte hierzu mit, daß in dieser Angelegenheit bereits mehrere Eingaben vorliegen, die Deputation werde sich in nächster Zeit mit dieser Frage beschäftigen müssen. Genosse Miele brachte den Antrag der Gaswerksarbeiter nochmals in Erinnerung. Da die Deputation seinerzeit die Teuerungszulagen abgelehnt hat, so beantrage er, daß sich die Kommission mrt den Anträgen erneut beschäftigen möge, um zu der Lohnfrage der GaSarbeiter Stellung zu nehmen. Schöffe Moldenhauer erklärte hierzu, daß die letzte Sitzung nicht beschluh« fähig war. In der nächsten Sitzung werde aber die Angelegenheit nochmals auf die Tagesordnung kommen. Beim Titel Real- gymnafium brachte Vertreter Geselbrecht die starke Besetzung einiger Klassen zur Sprache. Ihm wurde vom Bürgermeister erwidert, daß durch die Einrichtung lateinloser Nebenklassen diesem Uebelstand ab- geholfen wird. Genosse Tornow brachte einen Fall zur Kenntnis, wonach in den Klassen des Gymnafiums Flugblätter de? Wehr- Vereins verteilt würden. Da aber der Wehrverein ein politischer Verein sei und man ja jetzt darauf bedacht sei, die Arbeiterjugend von der Politik fernzuhalten, müsse man dasselbe auch hier verlangen. Der Bürgermeister erklärte, daß dieser Fall untersucht sei und in Zukunft derartige Vorkommnisse vermieden werden. Genosse Barth beantragte, die Entschädigung von 200 M. für den katholischen Geistlichen für den Unterricht am Realgymnasium zu streichen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten abgelehnt. Beim Titel Fähr« teilte der Bürgermeister mit, daß der alte Pachtvertrag auf ein Jahr verlängert werden soll, da die beantragten Neuerungen sich für diese» Jahr nicht mehr durch- führen lassen. Es wurde demgemäß beschlossen. Bei der Polizei- Verwaltung trug Genosse Micke Klagen über schlechte Behandlung auf der Polizeiwache vor. AuS einem Briefe, welchen er Verlan,- gehe hervor, daß sich der Polizeiwachtmeister bei der Vernehmung eines Bürgers ohne jede Ursache ganz vorschriftswidrig benommen habe. Bei Sistierungen lasse es die Polizei an dem nötigen Takt- gefühl fehlen. DaS schlimmste aber sei, daß auf der Polizeiwache immer noch geschlagen werde. Vertreter Lehmann brachte ebenfalls einen Fall zur Kenntnis, wonach ein der Polizei bekannter Sohn eines Bürgers wegen eines kleinen Vergehens arretiert und geschlagen worden sei. Bürgermeister Dr. Stiller erklärte hier- zu, daß er der Polizeiverwaltung besondere.Aufmerksamkeit zuwende. Während seiner dreijährigen Tätigkeit am Ort seien schon einige Beamte entlassen worden, die sich dem Publikum gegenüber Uebergriffe zu schulden kommen ließen. Auch sei der Polizrst, bei dem es sich um den Fall Lehmann handelt, ebenfalls entlassen. Vertreter Hoppe beantragte, das Marktstandgeld von 10 auf 20 Pf. pro Quadrat- meter zu erhöhen. Nachdem Genosse Barth gegen diesen Antrag gesprochen, wurde derselbe gegen unsere Ssimmen angenommen. Von der Finanzkommission war beantragt worden, die direkten Steuern von ISS Proz. auf 130 Proz. ju ermäßigen. Da die Balancierung de? Etats eventuell auf Schwierigkeiten stoßen werde, wurde von mehreren Vertretern der Antrag gestellt, die Steuern wie bisher zu erheben. Genosse Barth sprach ebenfall» für 13V Proz.; es wurde demgemäß beschlossen. Die Grundwertsteuer wird auf 3�/, pro Mille für bebaute und 7 pro Mille für-unbebaute Grundstücke festgesetzt. Der Turnverein„vorwärts" veranstaltet am 2. Osterfeiertag ein Fußballpropagandawettspiel. Als Gegner hat�sich der Berein die .Freie Turnerschaft Bremen"' mittags 4 spiele statt. Uhr auf dem eingeladen. Das Spiel Platze des Vereins für findet nach- Bewegung?- Reinickendorf« West. „Preußen 1813— 1S13" lautete das Thema, über welches Genosse Däumig am Dienstag in einer gut besuchten öffentlichen Ver- sammlung referierte. In feinem fesselnden, mit lehhaftem Beifall aufgenommenen Vorttag gab der Redner ein klares Bild der Ge- schichte Preußens. Die Arbeiterschaft habe recht getan, wenn sie sich von dem Rummel anläßlich der 100jährigen Wiederkehr der Befreiungs- kriege fern hielt. Als Redner auf daS dem Volke aufoktroyierte und heute noch bestehende Dreiilassenwahlrecht zu sprechen kam. ging eine lebhafte Bewegung durch die Versammlung, welche bewies, wie sehr diese Dreiklassenschmach daS Rechtsempfinden des Volkes verletzt. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Gen. Kiesel ersucht«, mit aller Energie in den Wahlkampf einzutreten, damit auf die Sozialdemokratie sich eine wuchtige Slimmenzahl vereinige und alsdann der Wahlrechtskampf mit erneuter Stoßkraft fortgesetzt werden könne. Als Resultat der Versammlung konnte eine Anzahl Aufnahmen in den Wahlverein gebucht werden. Nieder« Sch önhausen. Aeber:„Die Taten des Dreiklassenparlaments und die be- vorstehenden LandtagSwahlen" referierte in einer gutbesuchten öffentlichen Versammlung Genosse Julian Borchardt. In seinem Vortrag schilderte der Referent unter anderem, in welcher Weise sich die Vertreter der gesamten bürgerlichen Parteien iiber die bestehenden ReichSgefetz« hinwegsetzen. Da gegen die Sozialdemo- kratie dauernd der Vorwurf erhoben werde, daß sie keine positive Arbeit leiste, sollte das Dreiklassenparlament, in dem nur k> So- zialdemokraten sitzen, doch zeigen, wie groß die von ihm geleistete Arbeit sei. ES sei aber nichts davon zu merken. Genosse Buchweitz forderte die Anwesenden auf, in jeder Beziehung ihre Pflicht als LandtagSwähler zu erfüllen und die Einsichtnahme in die Wähler liste nicht zu versäumen. Mariendorf. Maricndorf. Am DienStag, den 18. März, fand in Herolds Festsälen eine öffentliche Volksversammlung statt mit der Tages- ordnung: Das Mariendorfer Gemeindeparlament und der Tätig- keitSbericht der sozialdemokratischen Fraktion. Die bürgerlichen Gemeindevertreter waren zu dieser Versammlung ausdrücklich ein- geladen, hatten es aber vorgezogen, nicht zu erscheinen. Genosse R e i ch a r d t führte aus, daß der vor IV« Jahren gewählte Gemeindevorsteher, der etwa» Verständnis für soziale Probleme hat, dadurch in den Verdacht gekommen sei, mit der Sozialdemokratie zu paktieren. Wir haben eS in ihm aber trotzdem mit einem scharfen Gegner der Sozialdemokratie zu tun. Ein schärferer Kampf müsse jetzr auch mit den bürgerlichen Verttetern geführt werden, welche gegen wichtige einschneidende Anträge der Nichtbesitzenden gestimmt haben. Der Tätigkeitsbericht unserer Gemeindevertreter Genossen R e i ch a r d t und Weber deckt sich mit den im.Vorwärts' gebrachten Berichten der Gemeindevertretersitzungen. Ganz besonders wurde von den Rednern noch auf die Einstellung des Verkaufs von russischem Fleisch und die Verstümmelung deS geplanten Volkspariprojekts hingewiesen. Folgende Resolutton wurde emstimmig angenommen: .Die am 18. März bei Herold tagende Volksversammlung spricht ihren lebhaften Unwillen über den Beschluß der Gemeinde- Vertretung aus, den Fleischverkauf einzustellen. Sie erklärt die Behauptung der Gemeindevertretung, es sei nicht da? nöttge Be- dürfnis vorhanden, für unrichtig und sieht die Ursache der un- genügenden Nachfrage in den Mängeln des Verkaufs. Die Versammlung erwartet, daß der Fleischverkauf der Konsumgenossen- schast überwiesen wird, zum mindesten aber nach Ablauf der warmen Jahreszeit unverzüglich fortgesetzt wird.' Bernau. Ueber das Thema:„Was bringt der preußische Landtag den Landbewohnern?' sprach im.Parkschloß' zu Lanke in einer Volk»« Versammlung Genosse Stadthagen. Redner gab einen geschicht- lichen Ueberblick über die Entstehung des geltenden Landtagswahl- rechts, geißelte die volksfeindliche Politik im Abgeordnetenhause und forderte mit feurigen Worten die Versammlung auf, ihre Stimme für die Sozialdemokratie abzugeben. Stürmischer Beifall folgte den begeisternden Worten des Referenten. In der Diskussion führte Ge ege.... nasse Neumann den mäßigen Besuch der Versammlung auf den Druck, der von der Gutsverwaltung gegen die Landarbeiter ausgeübt wird, zurück. Genosse Krüger forderte die Anwesenden auf, trotz aller Nadel- stichpolitik der OrtSgewaltigen geschlossen für die sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten. Zum Schluß ermahnte der Borsitzende die Versammelten, sich der polnischen und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen. Mir einem begeisterten Hoch auf die sozialdemokrattsche Partei wurde die Versammlung geschlossen. Spandau. Eine überfüllte, vo» 2500 Personen besuchte Versammlung, fand am Donnerstag abend im„Neuen Stadttheater" statt. Landtags- abgeordneter Genosse Adolf H o f f m a n n hielt ein mit stürmischem Beifall aufgenommenes Referat über da» Thema:„Kirche und Volk". Am Schlüsse seines Vortrages forderte er alle diejenigen, die schon lange mit der Kirche gebrochen haben, zum Austritt aus derselben auf. Wenn auch, wie Genosse Hoffmann noch ausführte, die überfüllten Versammlungen der Spandauer Arbeiterschaft eine gute Zensur ausstellen, so mutz doch die Parole lauten: Hinein mit dem Arbeiterblatt ins Arbeittrheim, hinein in die gewerkschaftliche Organisatton, hinein in den Wahlverein.— In der anschließenden Pause erklärten SO Personen ihren Austritt aus der Landeskirche. Nachdem Genosse Harndt-Berlin dann noch für die Freireligiöse Gemeinde Propaganda gemacht hatte, richtete Genosse Hoffmann in seinem Schlußwort einen wudjttgen Appell an die Versamm- lungsteilnehmer, die ganze Kraft für die Jugend einzusetzen. Wenn die Jugend in der Liebe zur Freiheit, zur Menschlichkeit und Brüderlichkeit erzogen werde, dann könne es heißen: Unser die Welt trotz alledem. Mit der Freigabe der Jubiläumsturnhalle an die„Freie Turnerschaft" wird sich die Stadtberordnetensitzung auf An- trag unserer Stadiverodneten abermals zu beschäftigen haben, nachdem bekanntlich der Magistrat seine Zustimmung zu der von den Stadtverordneten beschlossenen Freigabe verweigert. Nicht genug damit, daß der Magistrat die Turnhalle, entgegen ihrem eigentlichen Zweck, den Kriegervereinen und anderen Patri- oten zur Abhaltung von Gedenkfeiern anläßlich des Jahrhundert- rummels ohne weiteres zur Verfügung stellte, überließ der Magistrat die Turnhalle zu diesem Zweck auch den Militärbehörden. Die „Freien Turner" als Steuerzahler schließt der Magistrat von der Benutzung der aus allgemeinen Mitteln erbauten Turn- Halle aber au? Stadtverordneten nun zu zeigen haben, ob sie soviel Rückgrat besitzt, daß dieser un- haltbare und ungerechte Zustand endlich aufgehoben wird. Dir Frei« Turnerschaft Spandaus veranstaltet am ersten Oster« feiertage, abends 7 Uhr, einen Familienabend bei Borchardt, See- burger Stt. 26. Freunde und Gönner des Vereins werden hiermit freundlichst eingeladen. S. Die„Liberale Fraktion", die mit unseren r die Mehrheit im Stadtparlament besitzt, wird Titzungstage von Stadt- utd Gemeindevertretungen. Rosenthal. Donnerstag, den 27., sowie Freitag, den 28. März abend» 6 Uhr, Sitzung der Eemeindrvertteter in der Aula der Gemeinde, schule, Schlllerftraße. TageSordnug ank beiden Tagen: Gemeinde-HauS- Haltsetat.. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder GemeindeangehSrige ist be- rechttgt, ihnen al« Zuhörer beizuwohnen. Jugendvcranstaltnnge«. Dempelhof- Martendorf. Der Sonnabend, den� � r t l 1918, veranstaltet am W tmGraßlschenGc- «llschaftShäu», JnS. R. Laar, in Martendorf, T Haussee- ratze 805, eine Iugendseier unter Mitwirkung der.Freien Sängerschast Tempeihos" und de«.Arbeitergesangverein» Mariendors'(M. d. D.A.-S.-B.). (LS kommen aicherdem Rezitationen des Herrn Schwarz und Lieder zur Laute von Herrn Wirsching zum Borttag. Eine Festrede sowie der Zither. klub.Waldrose' werden das Programm vervollständigen. Der Eintritt ist für Jugendliche bis zu 18 Jahren frei: für Erwachsene beträgt der Eintritt 10 Pf. Billett» sind bei sämtliche» Bezirksführer» betder Orte zu haben. Die Einwohnerschast wird erfucht, ihre schulentlassene» Söhne und Töchter aus diese Veranstaltung ganz besonders Hinzuwessen und durch Kau) von Billetts für einen guten Besuch mit Sorge zu tragen. BHefftatten der Redafctfon. 1. U. E. zweimal. 2. New. Der Anspruch ver» ''ahiet 1914. Zunächst ist«w» Be- >em Polizeipräsidium zweckmän'.g.— - A.«. 125 jährt erst mit Ende de? schwcrde bezw. Sttasantrag bei dem Poltzeiprasidtum zweckm R. H. i. Ja. Der Baumeister kam» dafür besonders liquidieren. eingegangene Drndtrcbriftctt. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, 28. Jahrgangs zugegangen. Au» dem Inhalt Voltsrecht, Frauenrecht.— Ein neuer von der„Gleichheit«,. ist un» soeben Rr. 18 de« 28. dieser Nummer heben wir hervor: Ausbruch de» RüstungSwahnsinnS. Von J. K.— Ein Parteijubiläum. Von Franz Mehring.— Luise Otto-PeterS. Von Mathllde Wurm.(Fortsetzung.)— Vom Ursprung der Arbeit. Von Edgar Hahnewald.(Dchlutz.) — Das grauenwahlrecht in den Verewigten Staaten. Von May Wood- Simons. Die.Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der»tummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspret» viertAtihrltch ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M. Technik deS Kriegswesens.(Teil 4 Bd. 12. Die Kultur der Gegen- wart.) Unter Redaktion von M. Schwarte. 24 N„ geb. 26 M. v.(8. Teubner, Leipzig. Vreutzens«rhebnu» und be»»efretnngSkampf 1813. Bon H. Henntngsen. 80 Ps. H. F. Schassstew, Köm. Der Weg zum Reichtum von H. vlumenthal. 8 M„ geb. 4 M. F. Lehmann, Berlin Vf. 85. La Conqufite de l'Annde.(Die Eroberung der Armee.) Po» Gustav« Hervä. Verlag der.Buerre Sociale', Patt», Rne Sawt Joseph 8. Prei» 2,35 Fr. WaS ist bie einmalig« Vermögenssteuer t von Bürgermeister Weitzenborn. 80 Ps. Verlagsanstalt Poluii, Bettw SV. 48. Der lebende Leichnam. Von Leo Tolstoi. 1,50 M. F. Lehmann, Berlin Vf. 36. Geschichte deS europäischen. StaatenfystemS i« Zettalt« de« französischen Revolution und«« der Freiheitskrieg« 1789—1815. Von A. Wahl. 9 M.. geb. 10,50 M. R. Oldenbourg, verlin. Der Mensch und die Erde. Die Dewstinung und Verwertung der Schätze der Erde. Lieferung 163—178. Herausgegeben von H. Kraemer. Lieferung 60 Ps. Bong u. Co., Berlin Vf. 67. Marktpreise von Berlin am SO. März 1918, nach Ermittelungen deS tinigl. Polizeipräsidium». 100 Kilogran m Welzen, gute Eotte 19,68 bt« 19,30, mittel 19,44— 19,56, geringe 19,20—19,82. Roggen, gute Sorte 16,18-16,20, mittel 16,14-16,16, geringe 16,10-16,12(ab Bahn). Futter. gerste, gnte Sorte 16,20— 16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. Haser, gute Sorte 17,40—19,70, mittel 16,10—17,30(frei Wagen und ab Bahn). Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelb«, zum Kochen 30.00-50.00. Speisebohnen, weiße 85,00-60,00. Linsen 86,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6,00—10,00. 1 Kilogramm Rwdfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—8,00. 60 Stück Eier 3,60—5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,60— 8,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,20-2,40. Schleie 1,60-3,20, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00—24,00. WitterungSüberficht vom SS. März 1913. Stationen Swinemdc. 758 i Hamburg!757i ! erlin 7601 ■anlf. a.M 761 i !ünchl Wien en 763!- 763! Stationen aparanda eterSburg Scilly Aberdeen Pari» Ii isl 752 SR 752 749 745 756 II 8? W ® SSW SO Vetter est er öchnee L bedeckt Äwolkenl «deckt 11 Ii vil, -20 0 8 8 5 Wetterprognose für Sonntag. Vielfach heiter, am Tage sehr mild Gewitter»Ichl ausgeschlossen, sonst ttocken. Berliner Wetteriureau. de» 23. Mär» 1913. bei mäßigen südlichen Wwbe» WasserstandS-Rachrichten der LmidcSanstalt für Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea« Wasserstand Memel, Tilstt P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor . Krassen , Franksutt Warthe, Echttmm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmetttz , Dresden , Barbh . Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Die Geburt eine« munteren Töch< terleins zeigen hocherfreut an b7b liuilolt Baukus und Frau. Von der Keiae anrüok Dr. med. A. Moritz, Schönhauser Allee 118. Dr.Simmel Spezlal-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄiTu 10—2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 4 J. Baer Badstr.2!prÄi., Herren- und Knaben- I Moden, Berufskleidung. .Bieg. Paletots. Einseg- fnungs- Anzüge. Brodas Stofflager zur Anfarti- |MB noch Mal. Allarbiliigate streng lest» Prelee. 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Da die Beteiligung an unserem Preisausschreiben nach wie vor eine außerordentlich lebhafte ist und besonders aus der Provinz von vielen Seiten um eine Verlängerung der Einsendungsfrist gebeten wurde, haben wir uns entschlossen, den Endtermin nochmals hinauszuschieben. Die Entscheidung des Preisrichterlcollegiums wird nunmehr und zwar unter allen Umständen am Pffingstsonntag, dem 11. Mai verkündet werden. Die Liste der eingesandten Lösungen wird am Donnerstag, dem 1. Mai(Himmelfahrtstag) geschlossen. Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht verfehlen, die Bedingungen ffir die Beteiligung an dem Preisausschreiben nochmals bekannt zu geben, da uns eine große Anzahl von Vorschlägen zugegangen ist, die wegen Nichtbefolgung der Vorschriften unbeachtet bleiben mußten. Wir suchen für unser bisher unter dem Namen„Fcrmaltan*1 eingeführtes Eisen-Malzbier einen neuen Namen, welcher in einem Worte die heilsame Wirkung des Getränkes treffend hervorhebt Bei der Preisverteilung werden nur Teilnehmer berücksichtigt, welche mit jeder Lösung gleichzeitig 5 Flassbenliler-Etikeltio nll den Aufdruck„Ellen-Malzbier Femmllnn« und S Flucbenbler-Etiketten alt dem Anfdruck„LOven-Gold" oder i Flucbanbler-Etlketlea mit dem Aufdruck„Elsen-Malzbier Fermaltan" und S Flasobenbler-Etlketteo mit dem Aufdruck„Lduin- Vers and" in einem Kuvert mit der Aufschrift „Eisen- Malzbier" an ims dnsenden. Löwen-Brauerei»»..6°-. Berlin N, Flaschenbier-Abteilung Fernsprecher: Amt Norden 10370, 10371, 10372. Möbel-Thiele i. F. Berliner SIObel-Halle Korden. Invalidenstr. 128, Stettiner Bahnhof Ackerst!*. 120, am Gartenplatz Speziaiitäi; Bürgerliche WohnungseiDriebtongen. 1 Zimmer u. Küche, bestehend aus einem n�U- 700 bäum lackierten Wohnzimmer'....... 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Steglitz. d �iatsbcratung ging in diesem Jahre schnell und glatt von stattem �-er Umstand, daß Steglitz schon im vorigen Jahre genötigt � Groß-Berlin geheiligten IVO Prozent um 10 Prozent zu uberlchreiten und das begreifliche Bestreben, wenigstens noch 1 Jahr mit meiern Satz auszukommen, ließ es den Rednern aller Parteien geraten ericheinen, Wünsche, die nur mit größeren Mitteln realisiert werden tonnen, im Busen zu bewahren. Auch die wohl allgemein geteute, wenn auch nicht offen ausgesprochene Ueberzeugung. daß oer Etat so„iparsam* aufgestellt sei, daß es ohne bedeutende Nach- bewilligungen im Laufe des Jahres nicht abgehen werde, mag ein triftiger Grund zut Abstinenz gewesen sein. Schöffe Jochem be- gann die Etatsrede mit den Worten, daß er in diesem Jahre leichteren Herzens vor die Gemeindevertretung treten könne, als im «■Sr£e' töe'' das voraussichtliche Ergebnis des Rechnungs- obschluffeZ für 1912 um zirka 90 000 Mark besser sein w u r d e als wie im Jahre 1911, das mit einem Defizit von 200 000 M. schloß. Redner hob hervor, daß die bisherigen Sleuerlatze keine Erhöhungen erfahren haben mit Ausnahme der Hundesteuer, die von 20 auf 30 M. heraufgesetzt werden soll. Neu sei die vorgeschlagene Gemeindegewerbesteuer, die tatsächlich eme F i I i a l st e u e r sei; er hege die Hoffnung, daß die Berechti- gimg und Gerechtigkeit dieser neuen Steuer allseitig anerkannt werde. Die Ertragnisse der Filialsteuer und der Erhöhung der Hundesteuer sind mit 60 000 M. veranschlagt, um welche Summe sich der Zuschuß ?us dem Ausgleichsfonds verringern soll. Jochem hob die Vorteile tlr �anopol-Regiebetriebe für die Gemeindefinanzen hervor und schloß mit der Versicherung, daß auch die sozialpolitischen Aufgaben nicht vernachlässigt seien. Damit sei aber nicht gesagt:»Nun ist't genug sondern wir müßten uns auch hier nach der Decke strecken Im Ausgleichsfonds seien zwar noch dreiviertel Millionen Reserven, aber wir müssen auch für die Zukunft gerüstet sein. Gemeinde« verordneter W i n k l e r(Kommunalverein) wünschte eine Reorganisation der Verwaltung, die heute noch arbeite wie in der guten alten Zeit. Hlerjönnten wesentliche Ersparnisse erzielt werden. Weiter regte er dre-stadlwerdungsfrage an und forderte den Gemeindevorstand auf, mehr Feuer hinter diese Sache zu machen. Barfekow(Grund oesttzervercinj wandte sich gegen weitere wirtschaftliche Unter nehmungen und verlangte Einschränkung der außerordentlichen Aus gaben: selbst Schulbauten könnten zurückgestellt werden. Wenn ge sagt werde, daß wir Schulen ses handelt sich um eine Gemeinde- schule. D. B.) bauen müßten, so sage er, das müffen wir durchaus nicht, wenn wir keine Mittel haben: da müsse eben die Regierung eingreifen und uns Geld geben. Ferner wandte er sich gegen das Bestreben, aus dem Kreise auszuscheiden, weil dadurch unserer Gemeinde ungeheure Lasten auferlegt würden. Die Stadt- werdung wünsche auch er,»damit endlich das Geschrei der Linien aufhöre". Sein Fraktionsgenosse V.Hagen verlangte für die Haus« und Grundbesitzer besonderen Schutz, weil sie zwei Drittel aller Steuern aufbringen müßten. Jürgens, ebenfalls von der Grundbesitzerpartei, glaubte, daß wir zu viel Sozialpolitik treiben und bemängelte den Kartoffel- und Fleischverkauf durch die Gemeinde. Genosse Aß mann wandte sich gegen die Filialsteuer, die einen Teil der Gewerbetreibenden besonders belaste und deshalb ungerecht sei. Die soziale Fürsorge der Gemeinde lasse noch viel zu wünfchen übrig. Im Etat seien wohl für die sogenannte Jugendpflege und den �ungdeutschland-Bund erhöhte Summen vorgesehen, aber an eine Arbeitslosenfürsorge, die er schon im vergangenen Jahre gefordert habe, werde nicht gedacht. Er wiederholte die Forderung, Eiw kommen von 600—900 M. steuerfrei zu laffen und erinnerte an einen früheren Antrag, eine Gemeindeturnhalle zu bauen, die a l len Turnvereinen zur Verfügung gestellt wird. Auch die freie Lieferung von Lernmitteln für sämtliche Volksschüler müsse immer wieder gefordert werden.— In der Spezialberatung wurden von ten Sozialdemokraten entsprechende Anträge gestellt, jedoch— wie gewöhnlich— abgelehnt. Das gleiche Schickfal traf ecnen Antrag, dem Frauenkomitee, das im vorigen Sommer während der Schulferien Arbeiterkinder zum Spiel in den Wald begleitet hatte, 100 M. zur teilweisen Deckung der llnkosten zu bewilligen, um auch in diesem Sommer den ärmeren Kindern diese Wohltat zu erweisen. Gegen diesen An- trag erhob Bürgermeister Buhrow Einspruch,»weil er von einer bestimmten politischen Partei gestellt sei". Auf die Ent gegnung, daß der Antrag nicht von einer Partei, sondern von einem Gemeindeverlreter im Auftrage des Frauenkomitees gestellt sei, erwiderte Buhrow, daß einige dieser Frauen zur Sozial- demokratie gehörten und deshalb der Antrag unzulässig sei, weil er der Förderung sozialdemokratischer Bestrebungen diene.— Erwähnt fei noch, daß die Hundesteuer von 20 auf 24 M. erhöht und die Filialsteuer angenommen wurde. TrevtoUi-Baumschulenwcg. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurden die Geschäfte der Wegekommission an Bauamt und Baukournnssion überwiesen und damit jene erstere Kommission ganz aufgehoben. Die Vorlage des Gemeindevorstandes auf Erlaß von OrtSswtut und Polizei- Verordnung über die Reinigung der Fußwege seitens der Haus- besitzer wurde zurückgezogen und diesen nur die Verpflichtung zur Beseitigung von Schnee und Eis auferlegt. Eine an sich urtbe- deutende Gebührenordnung für Hausanschlußleitungen führte zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Tarifver- tragsklausel in den Submissionsbedingungen. Ein Antrag Krübel wurde von der Hausbcsitzcrmehrheit niedergestimmt, nach- dem deren Vertreter sowie einer der Großindustriellen sich gegen jede Einmischung der Gemeinde in die privaten Arbeitsbedingungen ver- wahrt hatten. Daß diese Sicherung der tariflichen Avbeitsbedingun- gen bei öffentlichen Arbeiten bereits von vielen Staats- und Kom- munalbehörden durchgeführt ist, schien den Herren fremd zu sein. Bei der E t a t b e r a t u n g mußten unsere Genossen und der Ver- tretcr der Demokraten die Kosten der Diskussion fast allein bestreiten. Die bürgerlichen Herren griffen meist nur ein, wenn es galt, den Gemeindevorsteher in der Ablehnung neuer Anträge zu unterstützen oder um das alte Lied von der hohen Belastung der Hausbesitzer in neuer Aufmachung zu singen. Der Widerstreit der Jntereffen trat gleich zum Anfang zutage als unsere Vertreter unter Hinweis auf die hohe Verantwortung der Gemerndeverordneten auf eine ordnungsgemäße Durchbcratung der Vorlage drangen und zu diesem Zfveck forderten, daß nach der Vornähme einer ersten Lesung die endgültige Beschlußfassung über den Voranschlag erst in einer weiteren Sitzung stattfinden solle. Die Vorlage, die 175 Seiten Folio umfaßt, war den Gemeindeverordneten erst am Abend des 13. März zugegangen, während der 14. März durch ein« lange Kom. missionssitzung verloren ging. Zum Studium blieben somit nur noch die freien stunden von drei Tagen. Dazu trat, daß der Ver- sammlung erst bei Beginn der Verhandlungen ganz neue Vorschläge für Steuererhöhungen unterbreitet wurden. Trotzdem die Berechti- gung dieser Beschwerden von zwei maßgebenden bürgerlichen Herren anerkannt werden mußte, stimmte die Mehrheit die Anträge der Linken nieder. Und diese Abstimmungsguillotine kam dem Ge- meindevorstand stets zur Hilfe, wenn es galt, den Etat in sozialer Hinsicht zu verbessern. Unsere Genossen hatten u. a. für die Gemeindearbeiter beantragt, einen Arbeiterausschutz einzurichten, die Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden herabzusetzen unter gleichzeitiger Einführung Wochcnlöhnen, Entsprechend den bisherigen Stundenlöhnen Alarmierungen vergütet werden. Herr Kröbel forderte für die Lehrer die diesen schon lang« in Aussicht gestellte Regulierung der Alterszulagen, sowie eine Erhöhung des WohnungsgeldeS der Ledigen. Derselbe Gemeindevorstand, der soeben vor dem Widerspruch der Hausbesitzer seine Wegereinigungsvorlage schleunigst zurück- gezogen hatte, zeigte sich auf einmal mit Unzugänglichkeit gewappnet, als es galt, diese ihm feit Wochen bekannten Wünsch« der Arbeiter und Lehrer ernstlich zu beraten und zur Entscheidung zu bringen. Und die Mehrheit der Vertretung wand sich so lange sie konnte, um eine offene Stellungnahme herum. Aber das kleine Häuflein der Linken ließ nicht locker und so mußte man denn schließlich einge- stehen: Wir wollen ja gar nichts bewilligen, oder wie einzelne vor- schützten: Nur heute nicht, später einmal. Man konnte sich selbst auf der nicht gerade ideal angelegten Tribüne des Sitzungssaales des Eindrucks nicht erwehren, daß es den Herren Hausbesitzern sehr peinlich war, Farbe bekennen zu müssen. Um fchlietzlich die Erledi- gung noch mehr zu erschweren, brachten die Herren vom Gemeinide. vorstand schleunigst einen Antrag ein, wonach die angeschnittenen Fragen nur in Verbindung mit einer Neuregelung der Beamten- gehälter erledigt werden sollten. Di« Arbeiter dürfen also mit ihrem 1200— 1400 M. Jahreseinkommen weiter darben, bis eS den Herren gefällt, die noch gar nicht bekannten Wünsche der Beamten zu prüfen, die doch durchgängig weit höher« und sichere Einkünfte haben. Nachdem dann einmal die Guillotine mit Schlußanträgen ein- fetzte, ließ man kaum Zeit zur Begründung der Anträge der Linken, die denn auch einer nach dem anderen fielen. Als Pflaster auf die Wund« wurden dann schließlich alle Anträge dem Gemeindevorstand überwiesen, wobei dann unsere Vertreter wenigstens die»Berück- sichtigung" gegenüber der..Erwägung" retteten. Damit ist ober noch nicht gesagt, daß nun da» spätere Auferstehen dieser Fragen auch ihre Erfüllung bedeutet. Der Gesamtetat, der nach der neuen Aenderung mit 110 Proz. Einkommensteuer rechnet und mit 2 700 260 M. balanziert, wurde schließlich gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen, da diese für die Fassung und das Durchpeitschen die Verantwortung nicht übernehmen konnten. Rowawet. Gemeindevertretersitzuug. Gegen den Abschluß eines Vertrages mit der Potsdamer Firma Wiehe u. Weber wegen Aufstellung von acht Trinkhallen find Proteste eingegangen vom HauS. und Grund- besitzerverein Neuendorf, vom Verein der Restaurateure, vom Verein für Handel und Gewerbe und vom Verein der Zigarrenladen- inhaber. Letzteren Einspruch erklärte der Bürgermeister als gegen- standSloS, weil in dem VertragSenlwurf der Verkauf von Zigarren gar nicht vorgesehen sei. Außerdem lag ein Angebot des am Orte wohnenden Mineralwasserfabritanten Schneiderchen vor auf Er- richtung von Trinkhallen. Auf Antrag des Bürgermeisters wurde daher dieser Punkt von der Tagesordnung abgesetzt.— Die Be- ratung des neu zu erlassenden Ortsstatuts bezüglich Ausdehnung des FortbilldungSfchulzwangS auf jugendlich« gewerbliche Arbeiter wurde auf Antrag des Gemeindeverordn. Reiff gleichfalls auf eine spätere Sitzung verschoben, um näher nachprüfen zu können, od diese Neuerung finanziell möglich ist. Den letzten und wichtigsten Punkt bildete die Etatsberatung. Bürgermeister Winkelmann Verla? zu- nächst eine Zusammenstellung der seit der Vereinigung der beiden Gemeinden NowaweS und Neuendorf veranschlagten und tatsächlich eingekommenen Einkommen-, Grundwert-, Umsatz». Gewerbe-, Hunde-, Bier, und LusibcnckeitSfteuern. Di« Einnahmen aus den vorgenannten Steuern überschritt das veranschlagte Gesamtsoll im Jahre 1907 um 30 000, 1908 um 11882 und 1910 um 10 592 M., Mindereinnahmen waren dagegen zu verzeichnen: 1909 14 426 und 1911 37 167 M. Die große Mindereinnahme des Jahres 1911 er- klärt sich nach Anficht des Bürgermeisters dadurch, daß die Ein- kommensteuer 11000, die Grundwertsteuer 4900, die Umsatzsteuer 14 000 und die Wertzuwachssteuer 12 389 M. weniger brachten als veranschlagt war. Da auch im Jahre 1912 die Einnahmen das Ge« samt-soll nicht erreichten, andererseits die Gemeinde gezwungen war, zu Pflasterungen und Bauten die erforderlichen Mittel aus Anleihen zu decken, so stellt sich die finanziell« Lage der Gemeinde recht trostlos dar. Um aus diesen ungesunden Verhältnissen herauSzu« kommen, wird sich eine Erhöhung der Steuerzuschläge wohl kaum umgehen lassen. Besser wäre e? allerdings gewesen, die Erhöhung bereits im Vorjahr vorzunehmen. Gemeindevertreter Reiff sprach sich gleichfalls für eine Erhöhung sämtlicher Steuern auS. Mit der bisher üblichen Aufstellung des jährlichen Etats müsse gebrochen werden; wolle man aus der gegenwärtigen Finanzmisere heraus- kommen, dann sei eS notwendig, nicht nur in dem neuen Etat, son- dern auch in Zukunft die Einnahmen recht niedrig zu veranschlagen und die Ausgaben danach zu bemessen. Da der Boranschlag den Gemeindevertretern erst wenige Tage vor der angesetzten Beratung zugegangen sei und deshalb wohl keiner von ihnen sich mit dem In- halt richtig vertraut machen konnte, beantrage er, die Finanzkom- Mission zu verstärken und sie mit einer nochmaligen eingehenden Durchberatung des Etats zu beauftragen, die in 3— 10 Tagen er. ledigt werden könnte; vielleicht stelle sich dabei die Möglichkeit heraus, einzelne Ausgaben zu streichen. Genosse Neumann be- fürwortete den Antrag des Borredners. Er hatte gewünscht, daß der Vertretung eine Uebersicht über die Finanzgebarung seit dem Zusammenschluß der beiden Orte im Jahre 1906 vorgelegt worden wäre, um daraus Schlüsse auf die wirklichen Ursachen der feit dem Jahre 1911 zunehmenden Verschlechterung der finanzielle« Lage ziehen zu könne». Der günstige Abschluß der ersten Steuerjahre nach dem Zusammenschluß habe dazu verleitet, die Steuerzuschläge in einem Jahre von 179 auf 150, also um 20 Proz. herabzusetzen; das sei ein großer Fehler gewesen, denn man hätte doch daran denken sollen, daß die ehemalige Gemeinde Neuendorf hinsichtlich der Steucrkraft auch einmal die Grenze der LeiswngSfähigkeit er- reichen werde. Dies sei jetzt tatsächlich der Fall. Ein weiterer Fehler sei es gewesen, das Gymnasium zu früh zur Vollanstalt auszubauen; die Gemeinde habe sich damit eine Last aufgebürdet, die über ihre Kräfte hinausging. Ein höchst bedauerlicher Zustand, der an der mißlichen Lage mit schuld trage, sei eS auch, daß die Gemeinde keine eigenen Anlagen besitze, die an anderen Orten ährlich größere Uebcrschüsse bringen; olles müsse daher aus Steuer. Mitteln bestritten werden, die. wie der neue Voranschlag zeige, oft recht schwankender Natur seien. Die Wertzuwachsfteuer z. B. habe im letzten Jahre so wenig eingebracht, daß man zweifeln müsse, ob die Einnahmen überhaupt die Ausgaben decken. Wolle man die gegenwärtigen trostlosen Verhältnisse beseitigen, dann gebe es nur einen Ausweg: Erhöhung der Steuerzuschläge, Streichung jeden Pfennigs, der nicht undeldingt notwendig ist, und in den nächsten 3—4 Jahren stritte Vermeidung von Anleihen. Gemeindevertreter Ruß trat gleichfalls für größere Sparsamkeit und Vermeidung von Anleihen ein. An Hand einer Zusammenstellung bewies er, daß die Beamtengehälter, die Fortbildungsschule, die Gemeinde- und höheren Schulen, die Armen- und Schuldenverwaltung, den Etat am chwersten belasten, doch sei nicht daran zu denken, an diesen Kapiteln irgendwelche Abstriche zu machen. Die Schuldentilgung z. B. er. fordere jetzt 202 000 gegen 159 000 M. im Jahre 1909. was ungefähr 20 Proz. der Kommunalsteuer entspreche. Nachdem sich der Bürger. meister gleichfalls für den Antrag des Gemeindevertreters Reiff ausgesprochen, wurde die Einzelberatung des Etats auf den 31. März estgesetzt. Bis dahin soll die durch die Gemeindevertreter Lewh, Reiff und Fesser resp. deren Stellvertreter Kliuder und Philipp verstärkte Finanzkommiisston den Etat nochmals eingehend durch- beraicn. vorberatene Borlage berichtet« Stadtv. Dr. Schulze. Danach sollen zahlen die Sparkasse, das Kanalisations- und Wasserwerk je 1500 Mark, GaS- und Elektrizitätswerk und Straßenbahn je 750 M, jährlich. Nach unwesentlicher Debatte wurde die Vorlage an- genommen. Sodann kam die auch in einer Kommission vorberatenc Vorlage betreffend die Neuregelung der Besoldung?- und Arbeits-- Verhältnisse der städtischen Arbeiter und der Angestellten der Straßenbahn zur Verhandlung. Nach der Vorlage sollen ab I.April 1913 erhalten: A.) 1. die Lagerplatzverwaltcr und Aufseher einen An- fangSlohn von 30 M. wöchentlich, steigend pro Jahr und Woche um 90 Pf. bis 87,20 M. bei 54stündiger Arbeitszeit. 2. a) Erster Re- tortenarbeiter, Maschinenwärter, Heizer, E-chaltisten des Elektrizitätswerks und Kohlenmüller Anfangslohn 28,80 M., steigend jährlich um 60 Pf. bis 34,20 M. bei 48stündiger Arbeitszeit. b) Kanal rohrleger und Schaltbrettwärter der Straßeitbahn Lohn wie 2 a bei 54stündiger Arbeitszeit. 3. a) Rctortenarbeiter, Kohlen» karrer 26,60 M., steigend jährlich um 60 Pf. bis 32,00 M. bei 48stündiger Arbeitszeit, d) Wassermesserprüfer, MaschinenhilfS- arbeiter beim Wassevlverk, Vorarbeiter und Beleuchter Lohn wie 3 a bei 54stündiger Arbeitszeit. 4. Streckenwärter, Straßenreiniger und Arbeiter 23 M., steigend jährlich um 60 Pf. bis 27,80 M. bei 54stündiger Arbeitszeit. Li Stundenlohn bei ststündiger Arbeits- zeit: Maurer 60 Pf., steigend jährlich um 1 Pf. bis 68 Pf., Schlosser, Schmiede, Schneider, Lackierer und Zimmerer 57 Pf., steigend jährlich um 1 Pf. bis 65 Pf. Pumpstationsarbeiter 48 Pf., steigend um 1 Pf. bis 56 Pf. Ablese r beim Gas- und Elektrizitäts- werk, Werkstätten-, Kanalisations-, Wasserwerks-, Mühlen-, Garten- arbeiter und Schlammkarrer 45 Pf., steigend jährlich um 1 Pf. bis 53 Pf. Q Stundenlohn bei lOstündiger Arbeitszeit: Monteure, Kesselwärter 50 Pf., steigend jährlich um 1 Pf. bis 58 Pf» HilfS- mouteure 45 Pf., steigend jährlich um 1 Pf. bis 53 Pf. O) Fahr» personal der Straßenbahn: Schaffner Anfangsgehalt 1140 M... steigend jährlich um 30 M. bis 1470 M, Fahrer Anfangsgehalt 1380 M., steigend jährlich um 30 M. bis 1710 M., Fahrdienst- anwärter 42 Pf. Stundenlohn bei lOstündiger Arbeitszeit. Urlaub für die städtischen Arbeiter unter Fortzahlung deS Lohnes: Nach Sjahriger Dienstzeit 3 Tage, nach 4jähriaer 5 Tage, nach 5jähriger 6 Tage, nach 7jahriger 7 Tage, nach Ojähriger 8 Tage, nach 12j ähriger 9 Tage, nach Ibjähriger 10 Tage. Zahlung von Krankengeld. Die ständigen Arbeiter, welche mindestens ein Jähr im Dienste der Stadtgemeinde stehen, erhalten zum Krankengeld, sobald die Dauer der Krankheit acht Tage beträgt, für die Tauer bis zum Ablauf der achten.Krankheitswoche die Differenz ausgezahlt, die zwischen dem erhaltenen Krankenkassengeld und der Summe von 3 M. besteht, und zwar vom Tage nach der Krankmeldung ab. Für Ueberstunden und SonntvgZarbeit(außer Schichtarbeit) werden 25 Proz. Zu- schlag gezahlt, desgleichen wenn ein Angestellter an seinem dienst- freien Tage zum Dienst geholt wird. Der Referent der Kommission. Stadtb. Dr. Schulze, empfahl die Annahme der Vorlage. Da eS nach der Stellungnahme'bet bürgerlichen Kommissionsmitglieder aussichtslos erschien, daß von den in der Kommission abgelehnten Verbesserungsanträgen dieser oder jener im Plenum noch Aussicht auf Annahme hätte, so stellten unsere Genossen nur noch folgende Anträge: Der Höchsturlaub von 10 Tagen soll nicht erst nach 15, sondern schon nach 10 Dienstjahren erreicht werden, auch ist für die Schichtarbeiter der Sonntag mit 25 Proz. Aufschlag zu bezahlen. In der Debatte fragte der Vorsitzende der bürgerlichen Fraktion. Stadtv. Rohrbek, um seine Arbeiterfreundlichkeit zu beweisen, ob es wahr sei, daß bei der Straßenbahn noch eine Arbeitszeit von 11 Stunden und 40 Minuten bestehe. Im übrigen wünschte Redner, daß den Straßenbahnern auch der 7. Tag freigegeben werden möge. Sofort stellten unsere Genossen nunmehr den Antrag, den Straßen- bahnangestellten den siebenten statt bisher den achten Tag als freien Tag zu gewähren. Wie vorauszusehen, stimmten die Bürgerlichen geschlossen, mit Ausnahme ihres Vorsitzenden, gegen den Antrag. Dies Resultat wußte Herr Rohrbek schon im voraus, und aus diesem Grunde konnte er eS sich auch leisten, für den Antrag unserer Genossen zu stimmen. Ohne(»eitere Debatte wurden die anderen Anträge unserer Genossen abgelehnt und die Gesamtvorlage nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Weiter gelangte ein Antrag zur Annahme, wonach auch diejenigen Kinder, welche Freistellen an den hiesigen höheren Schulen haben« berechtigt sind, die Zahnklinik in Anspruch zu nehmen. In geheimer Sitzung wurde dann noch nach eineinhalbstündiger Debatte be« schlössen, dem Metten Bürgermeister Prümers eine DiensiauftvandS- entschädigung von 500 M. jährlich zu bawilligen. Während bei der Beratung über die Arbeiterforderungen die bürgerlichen Vertreter den Antrag unserer Genossen, den Ardeitern den Höchsturlaub von 10 Tagen statt nach 15 schon nach 10 Dienstjahren zu gewähren, wegen der entstehenden Mehrkosten(für die gesamten städtischen Arbeiter jährl'ch etwa 600 M.) ablehnten, wird also auf der anderen Seite einem Angestellten ein jährliche? Taschengeld von 500 M. bewilligt. Die städtischen Arbeiter werden das im Gedächtnis behalten. von Womencvnnen. auuipreweno ocn msoerigen sollten diese betragen: für die Kanalisationsarbcitcr 28,50 M., Kvpeiuct. steigend nach zweijähriger Beschäftigung auf 30 M. und nach fünf- In der letzten Stadtverordnctensitzung wurde zunächst über den jähriger auf 31 M., für die übrige» Arbeiter 27, 28,50 bezw. 30 M.! Magistratsantrag betreffend Abführung eines Verwaltungskosten- Außerdem sollte der Monatslohn der Heizer um 10 M. erk-öht 1 zuschusses der einzelnen Betriebsverwaltungen an die Allgemeine werden. Den Feuerwehrmännern sollte■ die Zeit bei nächtlichen 1 Verwaltung verhandelt. Ueber die im erweiterten EtatSauSschuß Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. Der vom Landrat endlich be- stätigte Schöffe Landwirt Tasche wurde vom Gemeindevorsteher mit einer kurzen Ansprache in sein neues Amt eingeführt; w o. bezeichnete er die Bauern als die von jeher besten Stützen des Staates. Durch die Niederlegung seines Mandats als Gemeinde- Vertreter wurde auch der vom Genossen Hascheck bekleidete Posten als Armenkommissar vakant. Da der Posten nicht von einem Ge- meindevertreter besetzt zu werden braucht, wurde Genosse Hascheck wiedergewählt. Der Gemeindevorsteher enthielt sich der Stimme mit der Bemerkung, keinem aus der Vertretung Gelegenheit zu geben, ihn nochmals zu denunzieren, weil er einem So- zialdemokraten seine Stimme gegeben habe.— Von der Regierung st der Gemeinde größte Sparsamkeit bei Schulforderungen an- empfohlen. Dies veranlaßte den Gemeindevorsteher, gegen die Besetzung der neuen Lehrerstelle in diesem Sinne Ausführungen zu machen. Er wies darauf hin, daß im letzten Jahre 10 000 M. mehr für Schulzwecke verausgabt worden seien als im Vorjahre. Wenn so fortgefahren würde, sei eine Erhöhung des Steuerzu- schlageS nicht zu umgehen. Genosse M i l b r o d t wandte sich ganz energisch dagegen, daß bei Schulzivecken gespart werbe, er forderte die unbedingte Beibehaltung des 7klafsigen Systems. Auch könnten die 3500 M. für eine neue Lehrerstelle nicht als Grund für eine eventuelle Steuererhöhung angegeben werden. Die Stelle wurde denn auch einstimmig bewilligt.— Zwecks Gründung einer Volks- bibliothek hatten die meiste« bürgerlichen Vereine eine Eingabe an die Gemeindevertretung gerichtet und dieselbe ersucht, zu diesem Zwecke 500 M. zu bewilligen, die Bibliothek in einem Lehrerzimmer unterzubringen und für den Bibliothekar 300 M. im Nebenamt auszugeben. Unsere Genossen konnten dieser Regelung nicht zu- stimmen. Genosse Milbrodt ironisierte das Interesse, welches der Kreis für diesen Zweck übrig hat. indem er nur ganze 50 M. zu- steuert. Unser Wahlverein, der nicht zu den antragstellenden Ver- einen gehört, habe in seiner letzten Generalversammlung 50 M. für Neuanschaffung bewilligt und beweise wohl dadurch, daß er mehr Interesse für die Volksbildung übrig habe als der Kreis. Mit den Vereinen soll in Unterhandlungen eingetreten werden. Bei Bau des Feuerwehrturms hat der Bauunternehmer teil- weise nur halbe Steine verwandt; es wurden ihm 300 M. in Ab- zug gebracht. Alsdann wurde erneut ein Beschluß gefaßt, wonach der Arbeitersamariterkolonne die vorenthaltenen 100 M. sofort auszuzahlen sind.— Nachdem geheime Sitzung. Gcmeindcvcrtreterwahl. Da der Genosse Haschcck sein Mandat als Gemeindevertreter niedergelegt hat, ist für Sonntag, de« 30. März, eine Neuwahl anberaumt. Die Genossen werden er- sucht, die Parteinachrichten im.Vorwärts" aufmerksam zu ver- folgen, da im Laufe der Woche Flugblattvcrbreitung und Per». sammlungeu stattfinde« werden, Todes-Anzeigen SozlaldemokratiseberWalilverein LüBerLRefclisiags-tfahlkFeis 295. Bezirk. Bm 21. d. M., nachmittags 3'L Uhr, starb unser Kollege Tischler AlkroÄ Kupke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 25. MSrz, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in FriedrichSsclde aus Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. Deotsclier Holzariieiterrerband. 1 Filiale Berlin. Am 21. d. M., nachmittags 3'/, Uhr, starb unser Kollege, Tischler Kupke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 25. März, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Zentral-Fried- hofeS tn FriedrichSsclde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Ter Borstand. Deutseber Transportarbeiter-Verbanii. Bezirksverwaltung Gro8-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Hausdiener Ott« Karg am 20. d. MtS. im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Elisabeth- Kirchhofes aus statt.__ Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin Emilie Kausche am 20. d. Mts. im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. d. Mts., nach- mittags 4>/z Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoses m Friedrichsselde aus. statt. Um rege Beteiligung ersucht 63/7 Die Bezirksverwaltung. SozialdemokratiscberWablvereiD !.d. ifierl. Reicbstagswablkreis. Landsberger Viertel. Bez. 402 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau IBnnHe Kausche Ebertystr. 46, gestorben ist. Ehre ihrem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht d 212/8 Der«oritand. S SoziaidemokratiscberWablvereiD Llißerl. Reicbstagswahikreis. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter I*aiiK Jahre Zellestraße 5, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am 22. März in Beelitz statt. 212/7_ Der Borstand. SoziaidemokratiscberWablvereiD LdlBerLReicbstags-Wablkreis. Nachruf. Am 19. März verstarb unser Genosse, der Tischler Karl Trogisch Stralsunder Str. 8, Bezirk 587. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sand bereits gestern Sonnabend auf dem Freireligiösen Friedhof in der Pappelallee statt. 226/13 Der Borstand. BeDtseberRletailarbeiter-VeriiaHl Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Franz Kllx Pankow, Wollankstraße 69, am 18. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 115/4 Ole Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahivereio I. d. 6. Berl. Reicbstagswahikreis Am 18. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Kohlenhändler kriedrich Salomen Kiautschoustr. 19. Ehre seinem Andenken! Di- Beerdigung findet am Dienstag. 25. März, nachm.3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Städti- scheu Fricdhoss, Müllerstraße, Ecke Seestraßc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/12 Ver Vorston«!. Verband der Lithograpben, Steindruckern-verwandtenBeruIe sDeutscher Senefcldcr-Buni») Am 21. März verstarb_unser Kollege und Mitglied, der Stein- drucker 109/7 dulius Kandelhardt im 64. Lebensjahre als Invalide an Herzschwäche. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. März, nach mittags 2'/, Uhr, von der Halle des ThomaS-Kirchhoses, Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Ole Verwaltung der Filiale I. Am 21. b. Mts. verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guterVater und Schwiegervater, der Steindrucker dulius Kandelhardt im 64. Lebensjahre. Dies zeigen, um stille Teilnahme bittend, tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen Ww. Luise Kandelbardt nebst Kindern, Margarete Kandelhardt, geb. Wolf. Die Beerdigung jindet am Montag, 24. März(2. Feiertag), nachm. 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des atten Thomas-Kirchhoss inNcukölln.Hermannstr., aus statt. Beotscber Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Vergolder Adolf Riedel Gleimstraße 66, im Alter von 35 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 24. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Friedens-Kirchhofes in Nieder- schönhauscn-Nordend auS statt. 81/1 Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider n. Schneiderinnen. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Xnton Schmidt am 20. d. Mts. im Alter von 31 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 24. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des St. Hedwig-Kirchhofes, Reinickcn- darf, aus statt. 163/9 Die Ortsverwaltung. Am 22. d. Mts. verstarb nach kurzem Krankenlager mein lieber, guter Mann, der Schlosser Karl Steinmet? im Atter von 62 Jahren. Um stille Teilnahme bittet ties- betrübt die trauernde Gattin Uenriette Steinmetz geb. BroBowski. Die Beerdigung findet Dienstag, den 25. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des katho- tischen Friedhofs in Reinickendorf, Berliner Straße, aus statt. 67b Am 21. März, abends l/28 Uhr, verschied nach schwerem Leiden im 35. Lebensjahre meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter und Schwester Frau 54/14 Msris Buckow Dies zeigen ttesbetrübt an Ole trauernden Hinterbliebenen. Oramenstraße 171. .Die Beerdigung fiiUwt am Dienstag, den 25. März, nach- mittags l'/j Uhr, von der Halle dcS alten Thomas-Kirch- hoses, Hermannstraße, aus statt. Verband der Fabrikarbeiter Deiitsehiands. Zahlstelle GroB-Berlln, Nachruf. Am Mittwoch, den 19. März, verstarb unser Mitglied Richard Wolff, Ehre seinem Andenken! 56/12 Ole Ortsverwaltung. Verband lüemeinde-iL Staatsarb. Filiale Groß Berlin. Durch den Tod ist unS eines unserer Mitglieder, der Kollege Wilhelm Birkholz, welcher im Betriebe der 1. Revier- mspektion der Gaswerke beschäftigt war, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahre». Die Bestattung findet am 24. März(2. Osterseiertag) nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Kirchhofes der St. Simeons- und LukaSgcmeinde in Britz, Tempelhoser Weg, auS statt. 33/11 Ole Ortsverwaltung. Am 22. März starb nach kurzem Leiden mein lieber Vater, der Maurerpolier Karl hauterhach im 74. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke«! Im Namen der Hinterbliebenen Karl Laaterbach. Die Beerdigung findet am 25. März, nachmitiags 4 Uhr, von der Halle deS Parochial- KirchhoseS, Boxhagener Straße, aus statt. 86A I'ertte sm I-sxer! Mlk-jiiizögl!5°-«:ZS�| UinHnzöge�OM j ffatk-finzöge"'.tUO* Beinkleider il-lo5; 8». | Fortige schwarze Kleidung ! für Knaben und Jünglinge 1:: in größter Auswahl:: Feine Maß- Anfertigung :: in ca. 10 Stunden:: Baer Sohn! 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Siebente Abänderung zu dem Statut der Ort-i-Krankenkasse des Maurer« gewerbes zu Berlin vom 24. November 1903. Artikel I. Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 28. Januar 1913. Der II. Absatz des h 26 wird dahin abgeändert, daß der sünsunddreitzig- fache Betrag des durchschnittlichen Tagelohncs als Sterbegeld gezahtt wird. Ferner ist der K 20 dahin ergänzt, daß den Mitgliedern nach 26 wöchentlicher Beitragszahlung beim Ableben der Ehefrau, falls diese nicht selbst in einem gesetzlichen Vcrsicherungsverhältnisse gestanden hat, die Hälfte deS maßgebenden Mttgliedersterbegeldcs als Beihilfe gewährt wird. Artikel II. Die vorstehende Abänderung tritt nach erfolgter Genehmigung mit dem Montage nach erfolgter Bekanntmachung in 5kraft. Berlin, den 28. Januar 1913. Der Vorstand der Orts-Krankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. G. Lehmpsuhl, Schristsührcr. A. D a e h n e, Vorsitzender. Genehmigt durch Beschluß vom 4. März 1913. Der Bezirksausschust zu Berlin. Abteilung II. II C. 12. 13(L. S.) gez. Wagner. 1 Gedruckte Exemplare der 7. Statutenabänderung mit genauem Wort- laut sind im Kassenlokal in Empsang zu nehmen. 24b Der Borftand. Hkhanntmacbunq. Es wird empfohlen zu kochen: filontaz DCenstag ftlittwocb Donnerstag freit a.g Sonnabend Sonntag Knorr- pUzfuppe „ Comaten Puppe Knorr- LtnPen Puppe » franhfurterPuppe Knorr- MeibertreuPuppe „ 7 Schwaben Puppe (Eierfiguren) Knorr- Spargelhippe Jeden Tag für 10 Pfennig 8 Teller feine Suppe. Nach dem Urteil der Kenner sind Knorr»Suppen-»!° Sie kaufen vorteilhaft MÖBEL auch auf KREDIT Im SpezialsGeschäft von WILHELM MISCH Große Frankfurter Straße 45-46 gegenüber Markusstraße. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW., Lilndenstr. 69(Laden). Wir empfehlen: Sonntage eines großstädtischen ü ü Arbeiters in der Natur n;i Von Curt Grottewitz. Vorwort von Wilholm Bölsche. Mit Buehschmuc.'k und dem Porträt des Verfassers. Broschiert 60 Pf.— Gebunden 1 M, 247/20 \ Filiale Berlin. Mittwoch, de» 26. März 1913, abends 8'/, Uhr i Mitglied er- Versammlung i» den„Arminhalle««, Rommandantenstrasie S8,S9. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom vierten Quartal 1312. 2. Vortrag deS Kollegen Ä. Ritter über: Das llllfallvkrfilhtrungsgkseh nach dkl lltllkN 3. Diskussion. 4. Kassenangelcgenheiten. lim zahlreichen Besuch, insbesondere der Werkstättenarbeiter, ersucht �63/10\ Die Ortsverwaltnng. Einladung zu der am Montag, de« 7. April, abends 8 Uhr. in den Pafloge-Festsälen, Neukölln» Bergstraße 131/132 stattfindenden GrilMilhkll GtNtklil-Ncrsmmilliig. Tagesordnung: 1. Verwaltungsbericht. L. Bericht deS Ausschusses zur Dorprüsung der Jahresrechnung sür 1912. 3. KemitniSnahme von der Entscheidung des Königl. OberversicherungS- amteS Groß.Berlw betr. die Ausgestaltung der Kasse nach den Vorschristen der ReichsversicherungSordnung. i. Wahl eines Ausschusses von süns Delegierten zur Vorberatung der neuen Kassensatzung. b. Antrag des Vorstandes aus Gehaltserhöhung für den Geschäftsführer. 6. Verschiedenes. Neukölln den IS. März 1913. Der Kassenvorstand. Fiedler, Vorsitzender, Zalewski, Schriftführer. Zur Beachtung! Die den Delegierten zugesandte Einladung gilt als Legiliination und ist beim Eintritt in die Versammlung zur Eintragung in die Präsenzliste vorzuzeigen. Wobnungsveränderungen sind der Kasse so- sort mitzuteilen. Delegierte, welche die Wählbarkeit verloren haben, sind aus der Generalversammlung ausgeschieden. 267/8 ES wird ersucht, Anträge oder Beschwerden, bei denen die Einsicht. nabme der Kassenakten erforderlich ist, spätestens eine Woche vor der Generalversammlung mitzuteilen. Verband der Schneider. Filiale Kerlin I. Sebastianstrasie 37/38. Hos rechts II. Telephon: Amt Moritzplatz Nr. 9737. a°üüu! Kerrenkonfektton. Müüi] Dienstag, den 25. März, nachm. l'/s Uhr: OeHtt KgnitaUf-Tni im„Prater", Kastanienallee 7,S und im„Elysium", Landsberger Allee 40. Tagesordnung: „per Kampf in der Kerliner Kerrenkonfektian und melche lehren haben unsere Kollegen daraus zu ziehe« Referenten: Kollegen Kunze und Krienke _ Zu diesen Bersammlungen find auch besonders die Kollegsnue« und Kollegen per 163/11 Hosen- und Westenbranche eingeladen. Bollzähliges und pünktliches Erscheinen wird bestimmt erwartet. Dlv K onimisslon. temnng! AMStSIlre. tclstnng! Montag, den 7. April 1013, abends 8 Uhr: Versammlung bei Frltx WUke, Sebastianftr. 39(nicht im GewcrkschastShauS). Tagesordnung: 1. Tic Borschläge der Zehnerkommission zur besseren Durch- führuiig des obligatorischen Arbeitsnachweises. 2. Der Akkord- Vertragsentwurs der Gipsbaubranche. 3. Verschiedenes. 141/11' Rege Beteiligung erwartet Dl« 8«Ittlon«Ieltaiiir. Heideschloß Hohenbinde. Station Erkner.„Zam Gutenberg", Fernruf Erkner 293. Romantisch an Wald und Spree. Bereinen, Gesellschaften sehr zu empfehlen. Gr. Saal und GlaShalle. 2 Kegelbahnen. Möbl. Zimmer. Gute Küche u. Keller. Gig. 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